3**199« � Jahrg. HbonnementS'Bedlngnngen: H\A vjg DI« Inlfrflons-GefiObf «bonnementS. Preis pränumerando t KS MB �KF��rs�B f IHI BW f HW» lEsT� X�SNBH��WSö». � Oekäzt für die lechsgespallene Kolonel- »icrtcljährl. S,zo Mr., monatl. 1,l0 Mk, WW WW �Wi»» M> f/ WU VW WW MW UMi M» I M»eile oder deren Raum Kv Pfg.. für wöchentlich SS Pfg. frei ins Hau». WW, �UW» WW W> �W?< VW WW WW MZU MI W» F/ WV"* polittlche und gewerlschaflliche Vereins- Einzelne Nummer 5 Pfg. ZonnlagS. dlfWMf flSB B9 W> V) HB WW BM WW EM MD f/ oeW r-—-A/ und Berfammlungs-Anz eigen 30 Pfg. »ummer mir illustrierter Sonntag»« maSSBi r�SO WW HB WW WH WW BW« WW VW» WW g ßW WW //„kleine Anreisen", das settgedruiZte Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Polt. WW VH WW WW WW HD Hg WW WW Ba|____< WW BW /<_ Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte klbonncment: 1,10 Mark pro Monat. VIMfl �H IM BS WW �W MW WW HD WW BW WW Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Eingetragen in die Post. Zeitung»« HB MD WM WRV MbSL.\ MBX WBi IHI WD> WW WV'WKd�MA Stellengesuche und Schlafstellenan- Preisliste. Unter Kreuzband für WW WW VW l BHi BKft\ Wz»eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes Deutschland und Oesterreich, Ungarn MZ CSS �BBStTS �eary�SllTy�iaeSAS // MI weitere Wort ö Pfg. Worte öder lö Buch- 2 Marl, für das übrige Ausland WW WHX �w/ Zj~S // WW{laben zählen für zwei Worte. Inserate 3 Marl pro Monat. Postabonnement» // für die nächste Nummer müssen bis nehmen an: Belgien. Tänemarl,•' o 1 5 Uhr nachmittags in der Ervedition Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, C�A( S~\ �----->s V abgegeben werden. Die Expedition iit Rumänien, Schweden und die Schweiz, bis 7 Uhr abends gevlsneü � Nevlinev Volksblnkk. Zcntralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands« Redaktion: SAl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Hunger und Kriegshetze. Das Schreckgespenst des Hungers nimmt immer greif- barere Gestalten an. Alle Lebensmittel steigen horrend im Preise. Zu den enorm hohen Fleischpreisen ist auch jetzt die Verteuerung des Brotes, der Kartoffeln, des Gemüses, des Obstes, des Zuckers, der Milch und Butter, der Jütier usw. getreten. Dabei stehen wir erst im Anbeginn der Teuerung. Was die Zollpolitik der herrschenden Klaffen, was die Grenz- sperre und Fleischzölle begonnen haben, vollendet jetzt die all- gemeine Dürre. Seit vielen-, vielen Wochen ist in großen Teilen des ganzen Landes so gut wie kein Regen niederge- gangen. Und noch immer sind die Aussichten aus ergiebigen Regen äußerst schlecht. Aber selbst wenn jetzt ein allgemeiner Landregen einsetzen wollte, würde er doch nicht mehr gut machen können, was die Zeit der Dürre verschuldet hat. Die Landwirtschaft leidet unter einer schweren Mißernte an Futtermitteln, und auck die Kartoffelernte verspricht eine sehr schlechte zu werden-. Die Regierungen sind denn auch bereits in Erwägungen darüber eingetreten, wie der Landwirtschaft zu helfen sei. Man hat davor gewarnt, das Vieh voreilig zu verkaufen, und allerhand Ratschläge gegeben, wie durch reichere st�trohversütterung in Gestalt von Häcksel und einein ent- sprechendem Zusatz von Kraftfutter das Vieh durch die Zeit der Not gebracht werden könne. Man will auch eine Ver- billigung der Frachten für Futtermittel eintreten lassen— kurz, so unzulänglich auch die vorgeschlagenen Maßnahmen sein mögen, man denkt doch wenigstens an die Not der Landwirte. An die Not der arbeitenden Be° v ö l k e r u ng scheint man dagegen noch nicht gedacht zu haben. Und doch bildet das Proletariat die M e h r h e i t der Gcsamtbevölkerung, doch sind die Löhne der übergroßen Mehr- heit des Proletariats so erbärmliche, daß bei den herrschenden Notstandspreisen von einer auch nur einiger- maßen den hygienischem Anforderungen entsprechenden Ernährung der proletarischen Volksmasse gar keine Rede mehr sein kann. Eine Arbeiterfamilie, die von 1000, 1200 oder 1500 M. Einkommen ihr Leben fristen soll, steht der nacktesten Not, dein brutalen Hunger gegenüber. Denn wenn sich früher der Arbeiter, dem das Fleisch und das Brot zu teuer waren, noch durch um so stärkeren Gebrauch von Gemüse und Kar- toffeln vor dem ärgsten Hunger zu schützen vermochte, sei es auch auf Kosten seiner Arbeitskraft und seiner Gesundheit, so sind doch jetzt die Preise für Gemüse und Kartoffeln derartig in die Höhe gegangen, daß sich das Proletariat nickt ein- mal mehr niit diesen unzulänglichen Surrogaten behclfen kann. Die Not ist riesengroß, der Hunger klopft vernehmlich an die Türe des deutschen Proletariers— aber von irgend tvelchen Mitteln, diese Not des Proletariats zu lindern, ist bisher leider weder in den Kreisen der Regierungen noch innerhalb der bürgerlichen Parteien die Rede gewesen! Statt sich mit dem furchtbaren Problem der allgemeinen Volksnot zu beschästigen, betreibt man umso ungenierter die f r i v ol st e Kriegshetze. Nicht eine einzige bürgerliche Partei hat den Mut gefunden, die Infamie der Marokkohetze mit der gebührenden Schärfe zu brandmarken. Sogar ein Teil der freisinnigen Presse fördert indirekt durch ihre zaghafte Zurückhaltung das verbrecherische Spiel unserer Panzerplatten- und Kanonenpatrioten, indem sie statt gegen die Kriegshetzer gegen die angeblich allzu derbe Tonart sozial- demokratischer Proteste Bedenken erhebt. Daß die Ko n s e r- v a t i v e n den Marokkorummel mitmachen, daß sie selbst vor dem Ausbruch eines Krieges nicht zurückschrecken würden, ist ja begreiflich. Diese politischen Desperados befinden sich an- gesichts der bevorstehenden Wahlen in einer so verzweifelten Lage, daß sie j e d e s Mittel segnen würden, daß das drohende Wetter von ihrem Haupte abziehen könnte. Und die Ver- kündeten der Junker, die U l t r a m 0 n t a n en, die anfangs wenigstens eine gewisse Passivität bewahrten, haben sich gleichfalls mehr und mehr zu großmäuligen Chauvinisten und emsigen.Hetzern entwickelt. Auch sie fürchten ja das bevor- stehende Volksgericht, die Abrechnung wegen ihrer zahllosen Missetaten im Reichstag und im Landtag. Daß Frei- konservative und N a t i 0 u a l l i b e r a l e endlich die lautesten Rufer im Streite sind, daß sie täglich in der heftig- sten und hämischsten Weise den Konflikt schüren, daß sie den maßgebenden Kreisen die Wahnidee zu suggerieren suchen, die „deutsche Ehre" sei bei deni Marokkorummel interessiert und das„Volk" stehe ihnter den Kriegshetzern, kann den nicht mehr in Erstaunen setzen, der da weiß, wie stark gerade in diesen Parteien das Panzerplatten- und K a n 0 n e n k a p i- t a l und die K r i e g s l i e f e r u n g s s P e k u l a n t e n aller Art vertreten sind. Nichts könnte ja unseren Panzer- plattenfabrikanten und Kanonenkapitalisten willkommener sein, als wenn womöglich die ganze deutsche Flotte bei einem Kriege vernichtet würde. Das gäbe dann neue Bestellungen, bei denen sich die Aktionäre entzückt die Hände reiben würden! Diese Sorte von Prozentpatrioten riskierte ja bei einem Kriege nicht-s, vielmehr würde sie schwindelnde Profite ein» heimsen, während alle werktätigen Schichten des Volkes die ungeheuerlichsten Opfer an Gut und Blut zu bringen und unter der durch den Krieg herausbeschworenen beispiellosen klrise in der entsetzlichsten Weise zu leiden haben würden. Welchen Grad von Frivolität die Kriegshetze auch bei den Sonnabend, den 26. August 1911. Nationalliberalen, nicht nur bei der von dem Panzerplattenkapital ausgehaltenen Presse vom Schlage der „Post" erreicht hat, beweist folgender Erguß des„H a n- n o v e r s ch e n Kuriers": „So wie die Dinge jetzt geworden sind, oder wenigstens wie sie geworden zu sein scheinen, mutz man doch zu der Ueberzeu- gung gelangen, datz es jetzt nicht auf eine mehr oder weniger dicke Epidermis ankommt, sondern darauf, daß man in Frank- reich ganz unzweideutig darüber orientiert ist, daß wir die Hand am«äbclgriff haben und nicht umsonst jährlich ungezählte Millionen dafür opfern, ein Heer zu unterhalten, das allen Eventualitäten gewachsen ist. Es ist ein schlechtes Geschäft, solche Riesensummen in ein Unternehmen zu stecken, wenn man nicht bei Gelegenheit sie zu eskomptieren gewillt ist. Wenn wir nun, wie es den Anschein hat, unter allen unseren diplomati- schon Vertretern nicht einen haben, der dem Trio Paul und Jules Cambon und Barröre gewachsen ist, so werden wir diese mangelnden Fähigkeiten unserer Botschafter in Paris, London und anderswo durch die Tatsache ersetzen müssen, daß wir ein Heer haben und jetzt ja auch eine Flotte, die dieses Manko auszugleichen in der Lage sind. Man tut dem Frieden einen schlechten Dienst, wenn man mit einem Heer und einer Marine wie der deutschen hinter sich immer nur vom Frieden redet." Aber nicht nur die verbrecherische Skrupcllosigkeit unserer Kriegshetzer verrät dieser Scharfmacherartikel des hannoverschen nationalliberalcn Blattes, sondern er zerstört zugleich in höchst dankenswerter Weise die verlogenen Be- hauptungen, die bisher immer von unseren Rüstungs- fanatikcrn verbreitet worden sind. Stets ist ja, wenn neue Heeres- oder Flottenvorlagen bei den Wahlen zur Debatte standen, in„staatserhaltenden" Flugschriften und Reden behauptet worden, daß ein starkes Heer und eine starke Flotte nicht etwa eine Kriegsgefahr, sondern gerade die stärkste Garantie für dauern- den Frieden bedeuteten. Denn Deutschland werde sich natürlich niemals seiner Machtmittel bedienen, um leichtfertig ein Kricgsabenteucr herauf zu beschwören, vielmehr werde die starke Mstung nur das wirksamste Mittel zur Erhaltung dcL Weltfriedens sein. Heute läßt inan, wie das Zitat aus dem„Hannoverschen Kurier" beweist, die Maske fallen. Heute erklärt man mit zynischer Offenheit, daß man doch nicht ungezählte Millionen für ein Heer ausgäbe, daß man doch nicht deshalb eine starke Flotte gebaut habe, um— den Frieden zu erhalten! Heer und Flotte machten es Deutschland vielmehr zur Pflicht, mit der gepanzerten taust aufzutrumpfen und eventuell durch einen r i e g das durchzusetzen, was auf diplomatischem Wege nicht zu erreichen sei l Die Sozialdemokratie behält also recht, wenn sie das stets vorausgesagt hat, wenn sie stets mit dem äußersten Nachdruck die Meinung vertteten hat, daß dieLust zu Welt Händeln genau in dem Maße unserer Rüstungen wachsen werde! Nur freilich hätten wir kaum geglaubt, daß sich selbst, unsere tollsten Alldeutschen um eines so lächerlichen Objektes wie Marokko willen in eine geradezu aberwitzige Knegshetze stürzen würden. Daß sich jetzt aber alldeutsche Narren und die ganze nationalliberale Partei in hetzerischen Frivolitäten förmlich zu übertrumpfen suchen, beweist, daß unseren herrschendenHllassen gar nicht genug polittsche Perfidie und Skrupellosigkeit zugetraut werden kann l In zahlreichen machtvollen Kundgebungen hat Deutsch- lands Proletariat bereits gegen die niederträchtige Kriegs- Hetzerei Einspruch erhoben. Die Unverfrorenheit, mit der unsere Prozentpatrioten die Hetze gleichwohl fortsetzen, legt der deutschen Arbeiterklasse jedoch die Verpflichtung auf, noch lauter und wuchtiger als bisher ihren Willen kund- zugeben! In die breitesten Schichten der Nation hinein gilt es Aufklärung zu tragen über die nanionlose Volksverhöhnung, die unsere Kriegshetzer dem hungernden Volke zu bieten wagen! iiommunslei' kämpf gegen öle Sozialdemokratie. AuS Kiel wird uns geschrieben: Als das Bestreben deS Kieler Magistrats, in Kiel das Dreiklassenwahlrecht einzuführen, infolge der Wachsamkeit der Sozialdemokratie mißglückt war, fügte der Magistrat sich der bürgerlichen Mehrheit und führte mit ihr gemeinsam für Kiel das Bezirks wählst) st em durch. Die Herren hatten nämlich ge- fundcn, datz die Vornahme der Stadtvcrordnetenwahlen in Wahl- bezirken— früher wurden die Stadtverordneten durch die ganze Stadt gewählt— sie noch eine geraume Zeit vor der roten Flut beschützen könne. ES wurden fünf Wahlbezirke geschaffen, und zwar so, daß der Stadtteil Gaarden einen Wahlbezirk für sich bildet. In diesem Wahlbezirk wohnen aber die Arbeiter— besonders die Werftarbeiter— so dicht, datz sie eine erdrückende Mehrheit bilden, ein so großes Uebergewicht der Stimmen, datz ihnen in den anderen Bezirken, trotzdem sie die Mehrheit der insgesamt abgegebenen Stimmen aufbrachten, die Niederlage sicher war. Diese Bezirks- einteilung war für die Bürgerlichen nicht übel: Für die Sozial- demokratte e i n Bezirk, für die Bürgerlichen vier Bezirke. Da kam am 1. April l91v die Einge>neindnng der Vororte Fürstlich-Gaarden, Winteebek-Hassee, Ellerbek und Wellingdorf. Neue Arbeitermassen wurden Kieler Bürger. Die Zahl der stimm- berechtigten Bürger stieg von 23 442 im Jahre 1309 auf 23 378 im Jahre 1919. Die Mehrheit dos Zuwachses bildeten die Arbeiter. Expedition: 8M. 68, Lindenstrassc 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Jetzt erhob sich die Frage, wie diese neuen Bürger auf die be- stehenden Wahlbezirke verteilt werden sollten. Der Magistrat, dem die Einteilung der Bezirke nach der Städteordnung zusteht, schlug einfach die neuen Stadtteile rein mechanisch zu zwei Wahlbezirken, dem ersten und den« fünften, den beiden Wahlbezirken, die schon die meisten Arbeiterwähler hatten. Das gab nun im Jahre 1919 folgendes Bild: Bezirk I 70lS Wähler, Bezirk II 4799 Wähler. Bezirk m 4794 Wähler. Bezirk IV b23ö Wähler, Bezirk V 753 l Wähler. Der Bezirk I hatte also 222S. der Bezirk V sogar 2737 Wähler mehr als der Bezirk mit der niedrigsten Wähler- zahl. Unter dieser geradezu krassen Ungerechtigkeit fanden die Wahlen im Jahre 1919 statt. Die Folge war, daß die Sozial- demokratie, trotzdem sie insgesamt 19 496 Stimmen aufbrachte gegen 8638 bürgerliche Stimmen, ihre Kandidaten nurin zwei Bezirken, dem ersten und fünften, durchbrachten, während die Bürgerlichen drei Bezirke behaupteten. Die Ungerechtigkeit der jetzigen BezirkSeinteilung springt aber so in die Augen, datz man an der Frage einer Revision bezw. Neu- einteilung nicht vorbei konnte. Der Magistrat hatte bei seiner Mit- teilung an die Stadtkollegien, datz er die neueingemeindeten Vor- orte zu zwei Wahlbezirken geschlagen habe, gesagt, datz das nur ein Provisorium sei. Später hat der Oberbürgermeister auch gelegentlich einer auf die Wahlen bezüglichen Mitteilung Andeutungen gemacht, die hoffen ließen, daß zu den diesjährigen Wahlen eine Revision der Bezirkseinteilung vorgenommen werden würde. Bald nach den vorjährigen Wahlen sind denn auch für das statistische Amt der Stadt Kiel tausende kleiner Zettel gedruckt worden, aus deren Vordruck hervorgeht, daß Erhebungen und Berechnungen angestellt worden sind, wie sich nach der Abstimmung der einzelnen Wähler bei der letzten Wahl das Wahlresultat bei einer neuen Bezirks« einteilung gestalten werde. Da ist man denn wohl zu dem hoffnungS- losen Ergebnis gekommen, daß bei einer nur einigermaßen gleichen Zuteilung der Wähler auf die einzelnen Bezirke die Stadt unweigerlich der sozialdemokratischen Mehrheit ausgeliefert würde. Man ließ deshalb die Finger von einer Revision der Bezirkseinteilung. Jetzt hat die neue Bürgerrolle auSgelegen. Die Zahl der stimmberechtigten Bürger ist gegen das Vorjahr um 8219 auf 32 696 gestiegen. Von der Zunahme entfallen 1632, also über die Hälfte, allein auf den ersten und fünften Bezirk. Die Ungerechtigkeit und Parteilichkeit der Bezirks- einteilung hat sich also noch bedeutend verschärft. TaS gab der sozialdemokratischen Fraktion Anlaß, in der Stadtverordnetenversammlung, in der die Prüfung der gegen die Richtigkeit der Bürgerrolle erhobenen Einsprüche crfolgtz!, den dring- lichen Antrag zu stellen, die Stadtverordnetenversamm- lung möge den Magistrat ersuchen, noch vor den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen eine Revision der Bezirkseinteilung vorzunehmen. die eine gerechte Verteilung der Wähler auf die einzelnen Wahlbezirke zum Ziele hat. Mit der an den Haaren herbeigezogenen Ausrede, der Antrag sei zu spät eingebracht worden, lehnten die bürgerlichen Stadt« verordneten geschlossen die Dringlichkeit des sozialdemo- kralischen Antrages abl Jetzt beantragten unsere Genossen die Einberufung einer besonderen Sitzung des Stadtverordneten« kollegiumS zur Beratung ihres Antrages. Die Sitzung hat inzwischen stattgefunden. Von bürgerlicher Seite war ein Antrag ein- gebracht worden, den Magistrat zu ersuchen, daß er eine Vorlage auf Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten und der Wahl- bezirke einbringen möge. Nach dem Eingemeindungsgesetz kann nämlich die Zahl der Stadtverordneten, die jetzt 36 beträgt, auf 43 erhöht werden. Dieser Antrag hatte offensichtlich die Tendenz, die Herbeiführung einer gerechten BezirkSeinteilung zu verschleppen. Unsere Genossen aber parierten den Schachzug. Sie beantragten daS Amendement, daß die Vermehrung der Zahl der Stadtverordneteil und der Wahlbezirke noch vor den diesjährigen Wahlen stattzusindcn habe und den Eventualantrag, daß bei Ablehnung der Vermehrung der Stadtverordnetenzahl und der Wahlbezirke zum mindesten eine Revision der Wahlbezirke vor den bevorstehenden Wahlen stattzufinden habe, die eine gerechte Verteilung der Wähler auf die einzelnen Bezirke zum Ziele hat. Bezeichnend war das Verbalten des freisinnigen Landtags- abgeordneten und Stadtverordneten Hoff. Er sagte, wenn eS heiße» würde: eventuell vor den bevorstehenden Wahlen, dann würde das eventuell die Sache so abschwächen, daß er dafür sein könne. Dieser Herr, der in der Presse und den Lersammlungen in den stärksten Tönen über die ungerechte Reichs- tags- und LandtagSwalilkreiScinteilung herfällt, meinte ferner, daß die jetzige BczirkSciitteilung nur bis zu einem gewissen Grade ungerecht sei und daß eS auch wirklich kein Unglück fei, wenn noch einnial nach ihr gewählt werde. Unsere Genossen Adler und B r e c 0 u r deckten diesen liberalen Muster- kiiabcii gehörig zu. DaS sozialdemokratische Am ende- m e n t und der sozialdemokratische Antrag wurden abgelehnt, der bürgerliche Antrag dagegen, der keinerlei Zeit- bestimmung über die Durchführung der geforderten Reformen enthält, angenommen. DaS Bürgertum will in diesem November noch unter dem alten ungerechten System wählen. Damit will es Zeit gewinnen, um über neue Ab wehr mittel gegen das Anschwellen der roten Flut nachzusinnen. Im BürgervercinSauSschuß, der Spitze der Kommunalvereine der Kieler Pfahlbürger, ist schon sehr verdächtig mit der Erhöhung deS WahlzeusiiS auf die gesetzlich höchst zulässige Stufe von 1599 M. angespielt worden. Sie mögen nur komme»! Die Kieler Sozialdemokratie wird sie festen Auges und kalten Blutes erwarten. Sie stehen in der Verteidigung, wir aber im Angriff. Die fflaroiilioaffäre. Offiziös wird aus Paris cienieldet, daß der Minister des Aeußern de S e l v e s im Ministerrat den Stand der Be- sprechungen zwischen Frankreich und Deutschland dargelegt und sich der Zustinimung des Kabinetts zu den allgemeinen Grundlagen ocr Verhandlungen, welche fortdauern,. versichert hat. Einige Beachtung verdient auch die Mitteilung des Kriegsministers, daß infolge der Ausdehnung der Maul- und Klauenseuche die großen Armee manöver, die in dem Gebiet des Nord- und des Aisncdepartenicnts für das 1. und 6. Korps geplant sind, in ein anderes Gebiet Verlegt werden. Da man die Nichtabhaltung der Manöver als ein Zeichen für die gespannte Lage gedeutet hatte, so bc- weist diese Meldung immerhin, daß nmn in französischen Negierungskreiscn an keine unmittelbare Gefahr denkt. Ferner wird noch gemeldet, daß Botschafter E a m b o n zwar leicht erkrankt, diese Erkrankung aber den Wiederbeginn der Verhandlungen nicht hinausschieben werde. Cambon werde den Vorschlag machen, das Ergebnis der Unterredungen von jetzt an s ch r i f t l i ch festzuhalten, um so den Abschluß zu beschleunigen. Die Pariser Presse ist jetzt etwas zuversichtlicher. Nach dem„Echo de Paris" verlange Deutschland die genaueste Garantie seiner wirtschaftlichen Interessen in Marokko; es sei dann bereit, gegen anderlveitige Kompensationen vornehnilich im Französchen Kongo seine politische Nichteinmischung in Marokko für die Zukunft zuzugestehen. Unterdessen setzen die M a r o k k o i n t e r e s s e n t e n ihr Treiben fort, und die Regierung findet nicht den Mut. den alldeutschen Narren und den verbrecherischen Geschäfts- Politikern in die Parade zil fahren. Die dafür bezahlte „Post" veröffentlicht einen Artikel„In letzter Stunde", worin fie unter anderem folgende Niederträchtigkeit verübt: „In weiten Krcison herrscht die Ueberzeugung, daß ein Krieg für imS nur vorteilhaft sein kann, indem er unsere ä u tz e r st prekäre politische Lage sichern und die Gesundung vieler politischer und sozialer Zustände herbeiführen würde. Auch zu den Opfern, die ein Krieg fordert, ist jeder- mann bereit, wenn eS sich wie jetzt um die Ehre und die ganze Zukunft Deutschlands handelt. Das Volk im ganzen täuscht sich nicht über die Tragweite der jetzigen Verhandlungen und läßt sich darüber auch nicht täuschen." Aber das bezahlte Prcßgesindcl gibt sich mit solchen Stilübungcu allein nicht zufrieden. Die Alldeutschen haben sich eine Lüge auSgesonnen, von der sie sich offenbar riesig viel versprechen: anders wäre der Eifer, mit dcni sie das Märchen von der„schwarzen Gefahr" verbreite», nicht zu erklären. Danach müßte Deutschland Marokko erobern, damit die Franzosen nicht aus den Marokkanern eine schwarze Armee bildeten, die sie dann an den Rhein schickten, um Deutschland niederzuschlagen. Als Beweis sollen die Spahis und Turkos von Anno 70 dienen. Natürlich unterschlagen die verlogenen Hetzer die Tatsache, daß es sich da um N o r d a f r i k a n e r gehandelt hat, die in cinenl heißen Sommer verwendet wurden. Aber die Neger aus dem äquatorialen Afrika, um die es sich jetzt bei dein schwarzen Armeekorps handelt, sind sowohl wegen des europäischen Klinias als auch wegen der europäischen Militärtechnik in einem euro- päischen Kriege gar nicht zu verwenden. Die schwarze Armee haben wir also sicherlich nicht zu fürchten, ganz ab- ... gesehen davon, daß die unabhängigen und freiheitsliebenden Stämme Marokkos wohl zu allem anderen aufgelegt sind, als sich von den Franzosen pressen zu lassen. In Wahr- heit steht die Sache so— und deshalb hat gerade Bis- m a r ck die französischen Kolonialabcnteuer gefürchtet — daß die Franzosen ständig— und bei einem europäischen Kriege erst recht— in Afrika eine starke weiße Militär- macht werden unterhalten müssen, um sich gegen die fort- während drohenden Ausstände zu schützen. Fast scheint es auch, als ob der halbwegs anständigere Teil der national- liberalen Presse sich dieser aufreizenden Lügen schämte. So veröffentlichen die„Münch. Neuest. Nachr." einen Artikel, in dem— zaghaft genug— wenigstens gesagt wird, daß es noch gar nicht sicher sei. ob sich jene preußischen Zukunftsträume, gegen die Deutschland, tvenn es noch den Alldeutschen geht, einen frivolen Präventivkrieg führen soll, jenials verwirklichen lassen würden. Das Blatt schrsibt: „In dieser Hinsicht lehrreich ist eine Statistik über die St erb- lichkeit in der schwarzen Koloinalarmee Frankreichs. Nach amt« l i ch e n Berichten hat sie in erschreckender Weise zu- genommen. Während vor lgOö auf 1000 Soldaten 12,59 jährliche Todesfälle entfielen— das ist das Fünf- bis Sechsfache der Sterblichkeit in der französischen Arinee—, stieg die Sterblichkeit von 1905—1907 auf 14,59, im Jahre 1908 auf 15,91 und hat im Jahre 1909 21,87 pro Tausend betragen. Besonders in der Kolonie Gabun muß das Klima geradezu?n ö r d e r i s ch sein — nach amtlichen Berichte» ist der Menschenv-«brauch dort so groß, daß in manchen Jahren ein viernra liger Ersatz notwendig war, nm die entstandenen Lücken des Sollbestandes iviedcr zu ersetzen I Von ftanzösischer Seite wird die Schuld nicht etwa auf die natürliche Veraulaguvs� des senegalesischen Soldaten geschoben, sondern darauf, daß infolge der verstärkten Aushebung der letzten Jahre zu viele Rekruten unmittelbar nach der Aus- Hebung nach entfernten Standorten versandt werden mußten. ES wird behauptet, daß der älter« senegalesische Soldat weniger durch Krankheiten gefährdet sei, als die Rekruten.� Als Beweis dieser Behauptung wird auf das nach Algier entsandte Senegaleienbataillon verwiesen, da?, in zwei DetachementS von gleicher Stärke geteilt, zur Hälfte Beni-Nnif, zur Hälfte Coloinh- Bochar als Garnison erhielt. Bei dem erste» Dctachement betrug die Sterblichkeit nur 15 pro Mille— bei dem zweiten dagegen erreichte sie die furchtbare Ziffer von 42,5 pro Tausend! AuS diesen Zahlen wird nicht etwa auf eine mangelnde Eignung der Senegalesen für ihre Verwendung in Nordafrika geschloffen, sondern lediglich der Vorschlag gemacht, die Sicherheit des Ersatzes dadurch zu garantieren, daß für jeden Truppenteil in Dakar eine entsprechende Reserve bereit gehalten werde. Gegenwärtig haben die Reserveformationen in Dakar nur eine Stärke von 22 000 Mann. ES wird vorgeschlagen, die Reserve auf 11 200 Mann zu bringen, wozu so schnell als möglich 7700 Mann neu ausgehoben werden müßten. Man darf danach wohl die Frage aufwcrfen: � Iva? würde der „Ikorco noire" für ein Schicksal beschieden sein, wenn sie u n- vermittelt nach Westeuropa verpflanzt würde?" Die„schwere Gefahr" existiert also in Wirklichkeit nur in der Lügenphantasie der Kriegshetzer und ist ein nichts- nutziger Versuch skrupelloser Stimmungs- M a'ch e. Ueber die Frage, wer eigentlich die Geldgeber sind, die die Hetzkanipagnc bezahlen, macht übrigens die„Morgen- Post" folgende Angaben: „Wer läßt die„Post" mm ihr Unwesen treiben? ES ist be- hauptct worden, daß eS eine Gnippe rheinffch-westfälischer Schwer- industrieller fei, Aber der Kreis der rheinifch-ivestfälifchen Eisen- industriellen, die die alldeutsche Politik der„Post" und die scharfen Angriffe geg-en den Kaiser billigen, ist ein ganz kleiner, und er umfaßt nicht die offiziellen Vertretungen dieses Industriezweiges. Es sind nur zwei oder drei hervor- ragende Großindustrielle, die in dieser Berbindnng ge- nannt werden können, unter ihnen allerdings Herr Emil Kirdorf, der sich persönlich schon seit Jahren in eine besondere Verbissenheit gegen die Regierung und besonders gegen das Auswärtige Amt hineingearbeitet hat, daß ihm die schärfsten Ausfälle der „Post" kaum weit genug gehen. Die Wut gegen die Re- gicrung und ihre Spitzen ist bei diesem hervorragenden Manne zur Idiosynkrasie geworden. Wenn ans industriellen Kreisen Rheinlands und Westfalens Geld für das neue Konsortium der„Post" geflossen ist, so kann es nur von dieser Seite gekommen sein. Das Gros der Industriellen ist mit Herrn Kirdorf und seiner maßlosen Verbissenheil keineswegs einverstanden." Man erkennt da die M a ch t d e s G e l d c s. Sie ist groß genug, um Nationen in den Krieg zu hetzen und sie macht i ni m u n sogar in Preußen-Dcutschland gegen den geheiligten MajestätSbeleidigungsparagraphen. Man muß schon sagen, es ist schwer zu entscheiden, ob diese Marokko- affäre gefährlicher oder schmutziger ist. Die proteTtbewcgung. Auch in den letzten Tagen wieder haben die Arbeiter mehrerer Judustriebezirke in großen Demonstrationsversammlungen prote- stiert gegen die verbrecherischen Versuche. Deutschland wegen der Marokkoaffäre in einen Krieg zu hetzen. Vor den Proletariern des W u p p e r t a l e s sprach Genosse Heinrich Ströbel am Dienstag und Mittwoch in Elberfeld und Barmen vor überfüllten Versammlungen. Der reiche Beifall, den die An- wcsenden den scharf pointierten Ausführungen des Referenten zollten, bewies, daß Genosse Ströbel mit seiner Kennzeichnung des scharfmacherischen Treibens der Kriegshetzer den Versammelten aus dem Herzen gesprochen hatte. Eine Resolution, die in der schärfsten Weise sich gegen den Versuch der kapitalistischen Cliquen, Deutsch- land in einen Krieg zu treiben, protestiert und die sofortige Ein- berufung des Reichstages verlangt, fand jubelnde Zu st im- m u n g und einstimmige Annahme. In Jena fand eine Protestversammlung gegen die Kriegs- Hetzer am Mittwoch im Volkshause statt. Lange vor Beginn der Versammlung war der große Saal nebst Galerien überfüllt. Weit über 2000 Personen— darunter auch ein Teil Gegner, die aber nicht den Mut fanden, das Wort zu ergreifen— hatten sich eingefunden. Trotzdem die beiden bürgerlichen Blätter, das ehemalige Abbe-Blatt und die„Jenaische Zeitung", Tag für Tag gegen die Sozialdemokratie Hetzen, diesen Riesenbesuch. Noch am Tage vor der Versammlung hat die„Jenaische Zeitung" in einem Leitartikel die Arbeiter aufgepeitscht, sie sollten der Versammlung e r n b l e ibe w. Das Referat, das stürmischen Beifall auslöste, hatte der Genosse S t ü ck l e n- Berlin übernommen, während Genosse Leber- Jena unter lebhaftem Beifall"die bürgerlichen Zeitungen unter die Lupe nahm. Eine Resolution, die sich scharf gegen die Kriegstreiber wendet und den Diplomatenschacher verurteilt, wurde e i n st i m m i g angenommen. Die anwesenden Gegner, die mit so großen Hoff- nungen in die Versammlung eingezogen waren, hatten auch hier nichs den Mut, gegen die Resolution zu stimmen. Die Arbeiterschaft von Halle demonstrierte am Donnerstag in drei von etwa OOOO Personen besuchten Versammlungen gegen die Kriegshetzerei um Marokko. Die Genossen Dr. L e n s ch- Leipzig. Hennig und Rühle-Halle hielten die Referate. Sie gingen scharf mit den Beutepolitikern ins Gericht und stürmischer Beifall wurde ihnen gezollt, als sie auseinandersetzten, wie der anwachsende Kapitalismus, der die Kriegshetze mit sich bringt, allüberall auch das Proletariat erstarken läßt, das mit seinen mächtigen Organi- sationen der einzige Faktor sei, der den Völkermord verhindern kann. Die Berliner Protestresolution üher die Mqrokkohetze fand e i n st j gl M j g e.Annahme._ politische Gcberficbt. Beilin. den 25. August 1911, Der sogenannte Kapitalismus der Sozialdemokratie. Der Bericht unseres ParteivorstandcS an den Parteitag in Jena hat durch seine Zahlen über die Partei-Einnahmen und-Aus- gaben die reaktionäre Presse sehr verschnupft. Obgleich die Na- tionallibcralen und Konservativen unter ihren Anhängern die kapitalkräftigsten Leute zählen, ist eS doch mit ihren Parteifinanzen zum Teil recht traurig bestellt, da diese Anhänger trotz ihres viel- gerühmten„nationalen Jd e a l i S m u S" und ihrer patrio- tischen Begeisterung es mit Aus, rahme recht kleiner Kreise nur sehr schwer über ihr„vaterländisches" Herz bringen, auch nur einen gc- ringen Teil des Milliardensegens, den ihnen die heutige Zoll- und Wirtschaftspolitik alljährlich einbringt, für parteipolitische Zwecke zu opfern. Ihre„antimaterialistischc Gesinnung" hält eS für weit vorteilhafter, die leicht erworbenen schönen Revenüen in Pferden, Maitressen, Weinen usw. anzulegen, als aus ihrem Ueberfluß regel- mäßige Beiträgt an die Kassen ihrer Parte abzuführen. So ist es denn höchst charakteristisch, daß gerade die Parteien, die sich am meisten ihres nationalen Idealismus rühmen, finanziell am ungünstigsten gestellt sind. Anstatt aber ihrem reichen Anhang inS Gewissen zu reden und deren sonderbaren AntimaterialismuS einer rücksichtslosen Kritik zu unterziehen, schimpfen die konser- vativen und nationalliberalcn Blätter über den«Kapitalismus der Sozialdemokratie", über die stetigen Lohnsteigerungen, die der Arbeiterschaft gestatten,„ohne Beschwerden" Millionen aufzu- bringen, über die„Ausbeutung" und„Mehrwertscrpressung" in den Parteibetricben usw. Zugleich wird nicht selten angedeutet, daß sich unter den Einnahmeposten der sozialdemokratischen Parteikasse Eingänge recht zweifelhafter Herkunft befänden, und daß die im Bericht erwähnten Tarlehen— die. wie jeder mit den sozialdemo- kratischcn Parteivcrhältnissen Vertraute weiß, fast ausschließlich den Partcigenosscnschaftcn einzelner Orte als Beihilfe zur Er- richtung und Vergrößerung ihrer Parteidruckereien, zur Errichtung von Volkshäusern oder sonstigen ähnlichen Zwecken gewährt worden sind— in die Taschen der sogenannten Parteiführer fließen. Zu den Blättern, die in dieser Art den sozialdemokratischen Parteivorstandsbericht ausschlachten, gehört natürlich auch da? Blatt der Hammcrstcinlinge, die ehrsame..Kreuzzeitung". Besonders ent- rüstet sich dies Blatt über den„Mehrwert" von 165 000 Mark(daß die Bezeichnung„Mehrwert" nach Marx in diesem Fall ganz falsch ist und dafür„Unternchmerprofit" stehen müßte, versteht natürlich die Redaktion der„Kreuzzeitung" nicht), den im letzten Berichts- jähr der„Vorwärts" der Partcikasse eingebracht hat. Ganz be- greiflich bei einem Blatt, wie die.Kreuzzeitung", die trotz ihres hohen Abonnementspreises von 8 M. 75 Pf. bezw. 9 M. pro Viertel- jähr und ihres begüterten Abonnentenstandcs fast alljährlich bc- deutender Zuschüsse aus den Taschen ihrer Besitzer und Gönner bedarf, wie denn auch, soviel wir wissen, die GeschästSabrechnungen der.Kreuzzeitung" in den letzten Jahren gar nicht mehr in der eigenen Offizin gedruckt worden sind, sondern anderswo, damit das eigene Personal nicht erfährt� wie eS um die Finanzwirtschast der „Krcuzzcitung" bestellt ist. ~ Wörtlich schreibt die„Kreuzzeiwng" in einem„Der K a p i- talismus der Sozialdemokratie" betitelten Artikel ihrer heutigen Morgennummer: Von besonderem Interesse ist vor allem die„kapitalistische Wirtschaft" des„Vorwärts". An Abonnementsgeldern hat der „Vorwärts" über 1 264 000 M. eingenommen, an Abonnements- gcldern durch die Post über 65 000 M. Die Jnscrateneinnahme betrug sogar über 693 000 M. Derselbe„Vorwärts", der in dem redaktionellen Teil nicht genug schimpfen kann über die„kapitäli- stischen Ausbeuter" scheut sich also nicht, von diesen beschimpften und verhöhnten bürgerlichen Betrieben Jnseratengeldcr anzu- nehmen. Besser kann wahrlich nicht bewiesen werden, daß die Sozialdemokratie eine Doppelmoral vertritt, die bezeichnend ist für das„ethische Prinzip", das die Sozialdemokratie immer so nachdrücklich hervorhebt. Interessant sind auch besonders vcr- schieden? Ausgabeposten. Für Redakteure bezahlte der„Vor- wärts" über 70 000 M., für Mitarbeiter in Politik über 37 000 Mark, für gewerkschaftliche Beiträge dagegen nur 9795 M. Im ganzen hat der„Vorwärts" einen Gesamtüberschuß von 165 558 Mark hcrausgewirtschaftct, ein Betrag, um den mancher bürger- liche Betrieb den„Vorwärts" beneiden könnte. Nach den Lehren von Karl Marx, dem geistigen Vater der Sozialdemokratie, nennt man diesen Ueberschuß„Mehrwert", der aus der Arbeitskraft der Arbeiterschaft„herausgeschunden" sein soll. Daß die im Betrieb des„Vorwärts" beschäftigte Arbeiterschaft nicht aus Rosen ge- bettet ist und nicht die besten Verhältnisse hat, das hat der „Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker", das offizielle Organ der sozialdemokratischen Buchdruckergcwerkschaft, dem „Vorwärts" wiederholt ins Stammbuch geschrieben. Daran anknüpfend zählt dann das Blatt der Hammerstein- Epigonen allerlei Klagen des„Korespondent für Deutschlands Buch- drucker" über die Arbeiterverhältnisse in den Druckereien des„Vor- wärts" und der„Leipziger Volkszeitung" auf. Daß solche Klagen im„Korrespondent" gestanden haben, mag richtig sein. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß sie berechtigt sind. Tatsache ist jedenfalls, daß die Arbeiter des„Vorwärts"» Betriebes sich verhältnismäßig günstiger stehen, als in irgend einer anderen der großen Berliner ZeitungSdruckereien. Dagegen sind die Gehälter der Redakteure weit niedriger. Wenn Herr Ministerial- dirktor a. D. Dr. I. Hermes dieselbe redaktionelle Abeit für das- selbe Gehalt bei der„Kreuzzeitung" leisten sollte, würde sein vaterländischer Idealismus recht schnell verfliegen, denn selbst die bestbezaksltcn Redakteure des„Vorwärts" erhalten nur ungefähr ein Sechstel seines Gehalts. Zudem aber ist insofern zwischen dem sogen.„Mehrwert" des „Vorwärts" und jenen bürgerlicher Blätter ein Unterschied, als der Mehrwert der letzteren in die Tasche irgend eines Unternehmers zu dessen persönlichem Wohlbehagen fließt, der„Mehrwert" des „Vorwärts" dagegen in die sozialdemokratische Parteikasse. Er gc- hört der ganzen Partei. Wenn also das Gcsamtpersonal des „Vorwärts" im Sinne der Marxschen Lehre«unbezahlte Arbeit" leiste� so leistet es diese für seine eigene Partei, zu deren Nutzen. Zur Strecke gebracht. Der Gouverneur von Ostafrika, Freiherr v. Rechen» b c r g, wird nn kommenden Winter von seinem Posten zurück- treten und durch den Geh. Oberregienuigsrat Dr. Schnee ersetzt werden. Die Arendt und Liebcrt werden sich freuen; denn der Rücktritt des Freiherrn v. Rcchenberg kann von ihnen als ein Erfolg gebucht werden. Die Arendt-Clique hat seit Jahr und Tag gegen v. Rechenbcrg gehetzt unh intrigiert, weil er die Eingeborenen angeblich zu mild behandelt hat. Noch im Frühjahr ist Freiherr v. Rechonberg im Reichstag durch den Staatssekretär gedeckt worden. Wenn er jetzt aus dem Amte scheidet, so hat er es esitiveder durch die fortgesetzten Angriffe satt bekommen, oder die Arendt und Konsorten haben sich mit Erfolg auf den Hintertreppen des Kolonialamts herum- getrieben._ Ein Stcuerdcfraudant erster Güte. Wir haben bereits vorgestern mitgeteilt, daß nach amtlicher Be- rechnung der verstorbene ReicbSrat der Krone Bayerns, Ritter Dr. Aug» st von Clemm allein die Stadt Ludwigs- bafen um nicht weniger als 167 000 Mark betrogen haben soll. Unser LudwrgShafener Parteiorgan, die»Pfalz. Post", macht darüber folgende näheren Mitteilungen: Wie wir au« zuverlässiger Quelle erfahren, sind jetzt vom Rent- amt allein für die Stadt Ludwigshafen folgende Steuerhinterziehungen des hochwohlgeborenen Herrn festgestellt: An Einkommensteuer von 1891—1393., 8 423.11 M. m Kapitalrcntensteuer 1891—1898.. 92 977.00„ In Summa 96 401.41 M. Diese horrende Summe an hinterzogenen StaatSsteuern ergibt für Ludwigs Hafen: An GlcichstellnngS- und DistriktSnmlagen. 215 956.39 M. » protestantischen Kultusumlagrn... 18 796.63. Demnach fließt in den LudwigShafener Stadtsäckel als Netto- betrag das ansehnliche Sümmchen von 167 000 Mark. Wohlverstanden, das sind nur die für Ludwigshafen Nachweis- baren Summen, um die der ReichSrat und ehemalige Präsident der bayerischen Abgeordnetenkammer. Herr Dr. August von. Clemm, Inhaber verschiedener hoher Orden und Ehrenzeichen, diese Gc- meinde betrogen hat. Für die Gemeinde Haardl, wo der»hohe" Steuerdefraudant die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, wird sicherlich eine ebenso hohe, wenn nicht noch höhere Summe in Betracht kommen. Herr Dr. August v. Clemm war als strammer rechtsliberaler Parteigänger natürlich ein großer Patriot und als solcher auch einer der verbistenstcn Gegner der„vaterlandslosen" Sozialdemokratie. Wie oft wurde im Kreise dieses Musterpatrioten über die Vaterlands- losen, so gar nicht von Patriotismus befangenen roten Sozis los- gedonnert. Run ist der für seinen„Patriotismus" mit den höchsten Ehrenämtern Betraute als ein ganz gefährlicher Steuerdefraudant enllarvt worden, der, wäre er noch am Leben, unter Umständen hinter schwedischen Gardinen über seine Vergeßlichkeit in punklo Steuerzohlen hätte nachdenken dürfen. Man sieht auch hier wieder die Erfahrung bestätigt, daß der Patriotismus hoher und höchster Herren, selbst wenn sie der hohen Kammer der geborenen Gesetzes- macher angehören, beim Geldbeutel aufhört. Ultramontaner WahlkatechiSmnS. Der verband der W i nd th or st bu nd e Deutschlands hat einen..polirischen Kalender für das Jahr 1912" herausgegeben, betitelt:„Der Zentrumswähler". Tarin findet sich als besonderes Kapitel ein Wahlkatechismus, dessen zweites Kapitel über die für den Wähler in Betracht kom- mcnden Parteien handelt. Da wird uns in der Form eines Frage- und Antwortspiels klargemacht, daß wir„gut wählen", das heißt: unsere Stimme der„rechten Partei" geben müssen. Eine solche„rechte Partei" erkennen wir daran, daß sie einig, christlich, verfassungstreu und allgemein ist. Einig muß eine Partei fem, weil eine uneinige Partei keinen dauernden Bestand hat und sich früher oder später(!) auflöst, christlich, weil bei der Gestaltung der Gesetze die christliche Gerechtigkeit maß- gebend fein muß; verfassungstreu, weil eine Acndcrung der Verhältnisse nur auf dem Boden der Verfassung möglich ist, und allgemein, weil alle Stände existenzberechtigt sind und Anspruch auf Schutz ihrer Interessen haben. Natürlich ist eS einzig die Zentrumspartei, hie diese Forderungen erfüllt! Von den anderen Parteien kommen die treuen Vlockbrüder des Zentrums, die Konservativen, dem Parteiideal am n ä ch st e n insofern, als sie drei der geforderten Bedingungen er- füllen. Zur„Allgemeinheit" langt es nicht, da man der konser- vativen Partei nachsagt,„daß sie in Preußen oft zu einseitig die Interessen des Großgrundbesitzes vertrete". Die Sozialdemo- I r a t i e ist natürlich viel schlechter daran. Ter windthorst- bündlerische Katechet ist so gnädig, ihr die Eigenschaft der Einigkeit zuzubilligen, an allem übrigen aber läßt sie es fehlen: sie ist un- christlich, revolutionär und einseitig. Am übelsten kommen die Liberalen weg. Man höre: die liberale Partei ist nicht einig, was man daraus ersieht, daß der eine Teil den Kulturiampf will, der andere nicht, daß ein Teil für ein Bündnis mit den Konservativen ist, der andere Anschluß bei den Sozialdemokraten sucht. Die liberale Partei ist nicht ch r i st- l i ch, weil ihre religiösen Grundsätze zum Unglauben, zum Atheis- mus führen und somit unchristlich sind. Die liberale Partei ist nicht verfassungstreu, weil sie mit der Revision ihrer monarchischen Gesinnung droht, wenn der Fürst nicht nach ihrem Willen regiert. Die liberale Partei ist nicht allgemein, weil sie in erster Linie die Interessen der Großindustriellen, der Groß- Händler, der Großkapitalisten vertritt— woraus sich ergibt, daß ein christlich gesinnter Mann aus dem Volke nicht liberal wählen kann, ohne seine eigenen Interessen zu schädigen. Wenn es dennoch gläubige Katholiken gibt, die liberal wählen, so liegt das daran, daß sie liberale Blätter lesen, und:„Wer jahrelang nur liberale Blätter liest, die bei jeder Gelegenheit den Glauben verdächtigen und verächtlich machen, der bekommt ein Zerrbild von seinem Glauben, verliert das Interesse für ihn und wird ungläubig." Auch sonst kommt der Liberalismus in dem„politischen Ka- lcnder" des Windthorstbundes schlecht weg und mit ihm natürlich auch der H a n sa b u n d. Es heißt da: Speziell die Geschichte der Nationalliberalen weist die häßlich st en Erscheinungen und Schal- tcn feiten des Liberalismus auf: wie Terroris- mus, Machtgelüste, Unrecht aller Art, Freiheit nur für sich. Vor lauter Besorgnis um die Erweiterung der Macht vergaßen sie für das Volk zu sorgen. Mittelstand, Hand- werk und Landwirtschaft hatten noch nie Vertrauen zur liberalen Politik, richtete diese sich doch vielfach gegen deren Interessen. Sozialpolitik und Arbeiterintcressen kennt sie auch heute nur dann, wenn sie muß, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Das ist eine auffällig scharfe Kritik angesichts des Umstandes, baß das Zentrum im Westen für die nächsten Wahlen Anschluß bei den Liberalen sucht, um seine städtischen Mandate vor der Sozialdemokratie zu retten, angesichts des weite- ren Umstandes, daß die Ultramontanen in Düsseldorf ein Mit- glied des Hansabundes, der von dem Windthorstkalcnder mit dem Liberalismus in dieselbe Wolfsschlucht geworfen wird, auf- gestellt haben. Die„Kölnische Volkszeitung" versucht denn auch, den„Zentrumswähler" sanft, aber deutlich von den Rockschößen des Zentrums abzuschütteln. Das wird ihr wenig helfen. Ter W i n d t- h o r st b u n d, in dessen Verbandsverlag in Köln das Buch erschie- neu ist, ist eine anerkannte Zentrumsorganisation, die zur Sammlung, Erziehung und Betätigung der ultramontanen Intelligenz bestimmt ist. Wenn demnächst bei den Wahlen die klerikal-liberale Verbrüderung eintritt, werden wir nicht verfehlen, das Zentrum an die Kritik zu erinnern, die der Windthor st bundskalender den Liberalen zuteil werden läßt!_ Tie Komödie der Marokkovolksversammlung. Die geplante Berliner„Marokkoknndgebung' wird immer komischer. Nach den Herren Erzberger und Heckscher hat jetzt auch der nationalliberale Dr. A r n i n g erklärt, an der Versammlung nicht teiluehnien zu wollen. Da das Ausbleiben des Volkes sicher ist und die Redner absagen, wird die„Volksversammlung" s wahrscheinlich nur all? dem.Präsidenten' des geheimnisvollen Komitees bestehen._ Ausnahmegesetze gegen Staatsarbeiter. Die„Berliner Neuesten Nachrichten' machen wieder einmal Stimmung für Ausnahmegesetze. Diesmal handelt es sich um ein Ausnahmegesetz für alle diejenigen Arbeiter, die mit der Herstellung von Kriegsbedarf beschäftigt werden. Den Anlaß zu dem neuen Vorstoß hat den„Berliner Reuesten Nachrichten" der beendigte Streik aus der Schichauwerft in Danzig gegeben. Anknüpfend an die Mit- tcilung von dein Ende des Streiks schreibt das Scharfmacherblatt: „Der Streik war zwecklos, aber geschädigt hat er nicht nur die Arbeiter selbst und die von ihnen abhängigen Geschäftskreise, sondern vor allein auch die Wehrkraft des Reiches. Bei Schichau sind zwei Linienschiffe—„Oldenburg" und Ersatz „Aeair"— im Vau, deren Fertigstellung durch den mehrmonatlichcn Ausstand selbstverständlich eine entsprechende Verzögerung erfährt. WaS das unter Umständen auf sich haben kann, zeigt uns die augenblickliche Lage klar genug. Ein Dreadnought mehr oder weniger bedeutet einen so wcicntlichen Unterschied in unseren Gefechtskräften zur See, daß davon je nachdem die Er- Haltung des Friedens oder der Erfolg im Kampfe abhängen kann. Das aber sind Dinge, die unmöglich in die Laune der Arbeiterschaft einer Werft gestellt bleiben dürfen. Wir erneuern deshalb die schon vor Jahresfrist von unS erhobene Forderung, daß Arbeitern, die mit der Herstellung von Kriegs- bedarf beschäftigt werden, das Streikrecht grundsätzlich nicht zuerkannt werde. Es handelt sich ja nicht bloß um die Werften, sondern vor allem auch um die Militärwerkstätten, Gewehrfabrikcn usw. Gerade zu einer Zeit, in der die Sozialdemolralie die Losung ausgibt, durch alle Mittel, beispielsweise auch durch den Generalstreik einen Krieg zu ver- hindern, haben wir besonderen Anlaß, derartige Gefahren ins Auge zu fassen und ihnen mit entschlossener Tat zu begegnen. Etwas Neues wäre die Versagung des Streikrechts bei be» stimmten Arbeitcrgruppcn keineswegs. Unsere Landarbeiter be- sitzen eS bekanntermaßen nicht und haben es nie besessen. Der Gesetzgeber hasi sich eben gesagt, daß die Werte, die durch einen Landarbcitcrstreik gefährdet werden, nicht auss Spiel gesetzt werden dürfen, weil an ihnen höhere Interessen des Gemein- wohlS hängen. Als man dann vor fast einem halben Jahr- hundert den gewerblichen Arbeitern das schrankenlose Streikrccht zubilligte, geschah es wohl in Verkennung der Möglichkeiten der kommende» Entwickclung. Man übersah noch nicht, daß solche höheren Interessen auch durch ihr Streikrecht gefährdet werden könnten. Inzwischen haben wir Erfahrungen gesammelt, die es dringlich erscheinen lassen, den Fehler der damaligen Gesetz- gebung wieder gutzumachen. Wir denken dabei nicht bloß an den � Schutz unserer militärischen Interessen, sondern auch an die Abwendung von Gefahren, wie sie bei dem Streik der franzö- fischen Eisenbahner und bei der letzten englischen Ausstand?- bcwcgung zutage getreten find. Als Mindestmaß dessen, WaS zu fordern ist, erscheint es uns, daß jedenfalls dasLebenund die Gesundheit unbeteiligter Dritter nicht durch die Alis schreitungen des Klassenegois- ' m u s l e i d e n d ü r f e n. Es ist— dünkt uns— schon unbillig gcnug. daß solche Unbeteiligten in zahlreichen Fällen auf diese Meise schweren wirtschaftlichen Schädigungen ausgesetzt sind." Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sehen ein, daß die Sozial- Demokratie gegen dieses Attentat auf die Koalitionsfreiheit der Arbeiter Front machen werde. Das Blatt sagt selbst, die Sozial- demokratie werde selbstverständlich ein.Wutgeschrei' gegen diese Forderungen erheben. Bis zur Wut wird sich freilich d,e Sozialdemokratie gegen die scharfmacherischen Ausfälle nicht erregen; aber eö ist selbstverständlich, daß sie sich mit allen Mittest, gegen jede Knebelung der Arbeiterschaft wehrt, und eine Knebelung bleibt da? Streikverbot trotz aller.Phrasen vom«llgeineinwahl. Mit solchen schönen Redensarten kann man die Arbeiter nicht um ihre Rechte betrügen. Der Streik ist ein N o t w e h r m i t t e l und ent- springt keineswegs aus bloßen Launen der Arbeiterschaft. Auf den Streik, d. h. auf die freie Verfügung über ihre Arbeitskraft, werden die Arbeiter nie verzichten, auch dann nicht, wenn es wirklich den Scharfmachern gelingen sollte, irgend welche Antistreikgesetze zustande zu bringen. Portugal. Tie Präsidentenwahl. Lissabon, 24. August. An der Wahl des Präsidenten der Republik nahmen 217 Deputierte teil. Um 3 Uhr 45 Minuten ver- kündete der Präsident Vraamcainp, daß auf A r r i a g a 121 und auf Bernardino Machado 36 Stimmen gefallen waren, und gleich darauf erklärte er unter stürmischem Beifall der Kammer und der Zuschauer Arriaga als zum Präsidenten der Republik gewählt. Dann forderte Braamcamp Arriaga auf, sich auf die Verfassung zu verpflichten, was Arriaga mit der Erklärung tat: Ich versichere feierlich auf meine Ehre, die Verfassung der Republik mit Auf- richtigkeit und Treue zu wahren und zu beobachten, die Gesetze zu erfüllen, t>aS allgemeine Wohlergehen der Nation zu fördern, die Integrität und Unabhängigkeit des portugiesischen Vaterlandes zu sichern und zu verteidigen.— Salven der Artillerie zu Wasser und zu Lande kündigten die Beendigung der Wahl yn, während die Truppen vor dem Parlament salutierten. Nach dem Eid auf die Verfassung hielt Präsident Arriaga eine kurze Ansprache, in der er riet, die Irrungen der Vorfahren zu vergessen, und in der er die republikanische Partei aufforderte, einig zu sein zum Wohle des Vaterlandes und zur Aufrecht- erhaltung des neuen Regimes. Dann zeigte sich Arriaga auf dem Balkon des Parlamentsgebäudes der Menge, die ihn mit lang- andauerndem Beifall begrüßte. Später fuhr Präsident Arriaga nach dem Belem-Palast, wo er die Glückwünsche der Deputierten und Minister entgegen- nahm. Darauf kehrte er nach seiner Wohnung zurück. Hier hielt Ministerpräsident Braga eine Glückwunschrede und bot die Demission des Kabinetts an. Arriaga pries in seiner Antwort die großen Verdienste, die das erste Ministerium der Republik geleistet habe, und bat dieses, die Geschäfte weiter zu führen bis zur Bildung des neuen Kabinetts, die in einigen Tagen stattfinden wird._ Die Anerkennung durch Frankreich. Paris, 25. August. Präsident Fallieres hat dem Präsi. deuten Arriaga von Portugal in einem Telegramm seine herz- lichen Glückwünsche ausgedrückt. Die französische Regierung xr- kennt so die Republik Portugal durch einen Akt der Courtoisie an. Ter französische Geschäftsträger in Lissabon hat den Auftrag erhalten, diesen Entschluß der portugiesischen Re- gicrung mitzuteilen. Nachdem die Schweiz, die Vereinigten Staaten und jetzt Frank- reich die portugiesische Republik anerkannt haben, werden auch die monarchischen Staaten mit der Anerkennung nicht länger zögern können. �sapan. Ministcrkrise. Tokio, 25. August. Premierminister Katsura ist zurückgetreten. Er empfahl, den Marquis K a i o n j i zu seinem Nachfolger zu ernennen. Hus der Partei. Ter badische Parteitag tritt heute, Sonnabend, in Offenbach zusammen. Aus dem Be- richt des Landesvorstandes ist u. a. zu erwähnen, daß im Geschäfts- jähre 19053/10 in 106 Mitgliedschaften 14 188 männliche und 455 weibliche Mitglieder vorhanden waren; diese Zahl stieg im abge- laufenen Jahr 1910/11 auf 208 Mitgliedschaften mit 17 245 mann- lichen und 1437 weiblichen Mitgliedern, mithin Zunahme: 3069 männliche und 1437 weibliche Mitglieder. Versammlungen wurden rund 1000 abgehalten; der Äassenbcstand der Landeskasse beträgt 39 554 M.— Die eingelaufenen Anträge fordern in der Hauptsache den 10 Pfennig-Wochenbeitrag. die Verlegung des in Frei bürg befindlichen Parteisekretariats nach Lahr oder Lörrach und die Durchführung der v o l l e n A r b e i t s- ruhe für den 1. Mai. Ein Antrag verlangt auch, daß die Parteisekretäre, welche zum Reichstag kandidieren, von ihrem Posten zurücktreten, falls sie gewählt werden. Borbereitungen zum Parteitag. Der Wahlkreis Elberfeld entsendet zum Jenaer Parteitage drei Delegierte. Durch Urtvahl wurden die Genossen Oskar Hoffmann. Karl Krüger und Frau Steuber mit den Maudaten betraut._ BnS den Organisationen. Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Mül- heim-W ipperfürth-GummerSbach tagte am Sonntag. den 20. August, in Mülheim a. Rh. Es waren 21 Orte durch insgesamt 56 Genossen vertreten.� Aus dem vom Parteisekretär Genossen Miß erstatteten Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr entnehmen wir folgendes: Der Verein hatte eine Einnahme von 14 287,67 M. einschließlich eines KassenbestandcS von 2032,03 M. am 1. Juli 1910. Die Gesamtausgaben betrugen 12 938,77 M. ES war mithin am 1. Juli 1911 ein Kassenbestand von 1348,90 M. zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl stieg von 2139 auf 2639, also um rund 500. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg von 175 auf 215. Abonnenten der„Arbeiterjugend' waren am Jahresschluß 461 vorhanden, darunter 48 weibliche. Ter Verein hat 165 Mitglieder- und 59 öffentliche Versammlungen im Kreise veranstaltet. ES wurden 150 000 Flugblätter uyd 30100 Agltationsbroschüren im Wahlkreise verbreitet, davon 70 000 Flug- blätter bei der Stadtverordnctcnwahl in Mülheim. Die Partei er- obcrte in Mülheim 6 Stadtverordnetenmandate, von denen jedoch 2 für ungültig erklärt wurden, weil die Gewählten angeblich nicht Hausbesitzer im Sinne der rheinischen Städtcordnung seien. In einer Gemeinde des Kreises sind wir durch einen Genossen im Gcmeinderat vertreten. Zur Beschaffung eines Wahlfonds wurde die Einführung einer vierteljährlich zu klebenden Wahlfondsmarke im Werte von 10 Ps. beschlossen. Es wurde beschlossen, zum deutschen Parteitag nur einen Delegierten zu entsenden. Als Delegierter wurde Gc- nosse M i ß gewählt._ Jugendbewegung. „Arbcittr-Jugend". Aus der soeben erschienenen NuRRer 17 heben wir hervor: Die Lage der Jugendlichen im Handel.— Fortschritte in der Jugendbewegung.— Auf Gummisohlen.— Die Wirkung der Frauenarbeit auf die Löhne. Von Therese Schlesinger.— Aus alten Grüften(Mit Illustrationen). Von Adolf Geck.— Fabriksorübildungsschulen. Von Wl Häusgen.— Hannah Lewin- Dorsch s.— Arbeiterbewegung.— Vom Kriegsschauplatz.— Jugendbewegung.— Von den Gegnern. Beilage: Der König der Vagabunden. Erzählung bon E. Rosen.— In der Heide. Gedicht von K. Petcrsson.— Ferdinand Lassalle; Schluß).— Im wilden Böhmerwald(Mit Jllustra- tionen). Von G. E. Graf.— Wie macht man Statistik? Von F. Linke.— Bücher für die Jugend.=- Das Sterhequartaj, Skizze von E, Erik. 8o2La!es. „Wem'S Freude macht." Am 30. Juli hängten wir das Elaborat der„Konsumgenossen- schaftlichen Rundschau" vom 29. Juli niedriger, das unter der Ueberschrift„Vier Zitate" Kritiken des„Vorwärts", des„Berichts der Großeinkaufsgesellschaft österreichischer Konsumvereine", der „Neuen Zeit" und des„Kampf" anführte und anmaßend glossierte, welche Drohungen und Anpöbclungen des Herrn Kaufmann gegen die sozialdemokratische Partei zurückwiesen. Auch andere Partei- zeitungen hatten in ähnlicher Weise die Stilblüte der„Konsum- genossenschaftlichen Rundschau" verurteilt. Die vom 26. August datierende„Konsumgcnossenschaftliche Rundschau" behauptet nun unter der Spitzmarke:„Wcm's Freude macht", jene Zitatenzusam- mcnstcllung sei erfolgt, um an ihr„die persönliche Hetze zu illu- frieren, die seitens einiger unverantwortlicher sozialdemokratischer Schriftsteller gegen die Leitung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine betrieben wird, weil diese die Beschlüsse der Ge- nossenschaftstage befolgt". Die Zusammenstellung habe„wieder einige Liebenswürdigkeiten aus dem gleichen Lager zur Folge ge- habt, auf die es sich nicht lohnt, näher einzugehen". Das Genossen- schaftsorgan behauptet dann unter persönlichen Verdächtigungen allgemeiner Art, ohne auf den Inhalt der Abwehrartikel gegen seine Zusammenstellung einzugehen, die„sozialdemokratischen Ungereimt- heiten über die Kosumvereine" seien von Dr. Crüger mit Jubel begrüßt Die„Konsumgenossenschaftliche Rundschau" setzt also die von dem Generalsekretär Kaufmann begonnenen Versuche fort, Partei und Konsumgenossenschaftsbewegung zu entzweien und gegen die von den sozialdemokratischen Parteitagen in Kopenhagen und Magdeburg gefaßten Beschlüsse zu frondieren. Und das in der widerlich niedrigen Art persönlicher Verdächtigung einiger um die Entwickelung des Genossenschaftswesens in Deutschland hochver- dienter Genossen. Die.Konsumgenossenschaftliche Rundschau" mutz wissen, daß die ihr so unangenehme Kritik weder aus„persönlicher Hetze", noch erfolgt ist,„weil die Leitung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine die Beschlüsse der Genossenschaftstage be- folgt". Die durchaus sachliche Kritik ist erfolgt, weil©ozialdemo- kraten sich nicht gefallen lassen können, daß Leiter des Zentralvcr- bandeS die Partei anrempeln und Unfrieden in dem konsum- genossenschaftlichen Verband zu säen suchen, deren überwiegende Mitgliederzahl Sozialdemokraten sind. Die Spaltung in Kreuznach ist doch nicht erfolgt, um an Stelle eines Nur-Konsumvcreins- mannes andere Männer derselben Richtung als Leiter zu setzen, sondern, um die Konsumvcreinsbewegung mit sozialistischem Geist zu erfüllen. Schätzt die.Konsumgenossenschaftliche Rundschau" den Beweggrund jener Trennung anders ein, so sind ihr doch die Parteitagsbeschlüsse nicht entgangen, die den Weg klar erkennen lassen, den die Mitglieder des Zentralverbandes gehen wollen. Sie weiß es, stellt sich aber so, als ob sie angegriffen werde, weil die Beschlüsse der Gcnossenschaftstage befolgt werden. Ebenso unauf- richtig sucht sie ihren Lesern einzureden, ihr Verhalten werde nur von einzelnen„Möchtegern-Politikern und Literaten ohne Bedcu- tung" nicht gebilligt. Wir erinnern an die Resolution, die auf der Generalversammlung des Verbandes sozialdemokratischer Wahl- vereine Groß-Berlins am 20. d. M. angenommen wurde. Die Verfassung der Konsumvereine ist eine demokratische. Die Mitglieder haben das Recht, in den Vereinen und im Verband ihren Willen durchzusetzen. Freilich ist erforderlich, daß sie ihr Recht auch ausüben. Das zu tun und die Leitung nicht freundnachbar- lichen Beziehungen zwischen Partei und Genossenschaft entgegen- wirkenden Leuten zu überlassen, ist auch ihre Pflicht. So geeignet das Verhalten des Organs des Zentralverbandes ist, sozialdcmo- kratische Genossen in den Konsumvereinen zu verärgern, so verkehrt wäre es, deshalb etwa der Konsulnvereinsbewegung den Rücken zu kehren. Will man Mißstände bekämpfen, so läßt sich das nicht durch Abseitsstehen erreichen. Im Gegenteil: lebendige Teilnahme in den Konsumvereinen und weitere Werbung für die Konsum. bereinssache ist erforderlich, damit die Konsumvercinsbewegun� mit sozialistischem Geiste erfüllt, ein immer wichtigeres Kampf- mittel der Arbeiterklasse in ihrem Kampfe gegen wirtschaftliche Knechtung werde. Tins Industrie und ftandel Kommunale Milchversorgnng. Interessante Verhandlungen über diese Frage gab eS in den städtischen Kollegien Nürnbergs. Schon vor zwei Jahren drohte eine erhebliche Milchverteuerung, die noch einmal verhindert wurde, als die in der städtischen Vertretung sitzenden Sozialdemo- kraten energisch dahin drängten, Maßregeln zu ergreifen, um den Verteuercrn das Handwerk zu legen. Die freistnnig-liberale Mehr- heit konnte sich aber nach langen Beratungen zu nichts anderem entschließen, als einen Milchversorgungsausschuß einzusetzen, der die Frage weiter zu beobachten habe, und eine sogenannte Milch- erhebung zu veranstalten, die ergab, daß Nürnberg auf dem Gc. biete der Milchversorgung noch weit hinter einer Reihe anderer Städte zurückstand. Diese schlappe Haltung der bürgerlichen Mehrheit gab den Milchhandlern den Mut, die heurige schlechte Futterernte als Vorwand zu nehmen, die Konsumenten plötzlich mit einer Milchvcrteuerung von 20 auf 22 Pf. zu überraschen. Der Milchversorgungsausschuß, der hier� sofort einzugreifen gehabt hatte, sah diesem Beginnen ruhig zu und trat erst in Aktion, als im Magistrat durch eine sozialdemokratische Interpellation gecig- ncte Maßregeln zum Schutze der Konsumenten gegen solche Preis- treibereien verlangt wurden. Ausschuß und Magistrat begnügten sieh aber mit der Erklärung, daß sie für den Augenblick keine Möglichkeit sähen von Stadtwegen etwas zu tun. doch wolle man die Sache im Auge behalten und bei geeigneter Zeit Vorschläge machen. Damit waren die Sozialdemokraten im Gemeinde- kollegium nicht zufrieden, um so mehr, als sich inzwischen heraus- gestellt hatte, daß die Milchhändlcr auf eigene Faust vorgegangen waren und die Milchproduzenten an der Preiserhöhung noch gar nicht teilnehmen; da sie aber ebenfalls ihren Rebbach haben wollen droht eine neue Preistreiberei. Die Sozialdemokraten verlangten nun, daß die Stadt in den Produktionsgebieten Milchsammelstellen errichte, von wo aus die Milch in eigenen Sammelwagen nach Nürnberg gebracht werde, weiter verlangten sie die Errichtung eines städtischen Milchamtes, das den städtischen Kollegien in möglichst kurzer Zeit Grundlagen für die Uebernahme der Milchversorgung durch die Stadt, in erster Linie für die Säuglingsmilchversorgung. ausarbeiten, Erhebungen pflegen, Gutachten einholen und zederzeit selbständig eingreifen solle. Dieses Verlangen rief bei den Frei« sinnigen lebhaften Widerspruch hervor, es erschien ihnen als der erste Schritt in den ZukunftSstaat, weil das Endziel des Antrags die Monopolisierung des Milchhandels und eine Vernichtung der vielen� kleinen Milchhändler sei. in deren Händen in Nürnberg hauptsächlich noch die Milchversorgung liegt. Dem Freisinn ist überhaupt jedes Eingreifen der Stadt ein Greuel; diese Aufgabe will er, wie bei allen sozialen Dingen— Arbeitslosenversicherung usw.— dem Staate zuschieben, ein sehr bequemes Mittel, sich um soziale Verpflichtungen herumzudrücken. So kam es denn auch hier schließlich dazu, daß der sozialdemokratische Antrag glatt ab- gelehnt und dafür ein freisinniger Antrag angenommen wurde. worin der Magistrat aufgefordert wird, bei der StaatSregierunz vorstellig zu werden, damit sie die Milchfrachten herabsetzt, event. einen Notstandstarif einführt, neue Kleinbahnen schafft und für die Aufhebung der Zölle auf Futtermittel eintritt. Das ist alles. was der Freisinn für diese Sache übrig hat. Inzwischen haben die Milchverteuerer freie Lqnd. daS Publikuig nach Belieben zn schröpfen. GewerkfdttftUcbea. Die jVIctbode dc9 Rerm v. Zirpitz, Wie der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie auszieht, um diese zu vernichten, so sinnt auch das Reichsmarineamt fortgesetzt auf neue Mittel, um die Sozialdemokratie und die freien Gewerk schaften aus den fiskalischen Werflbetrieben fernzuhalten. Als Hilfa mittel hierzu sind die technischen Aufsichtsbeamten auSersehen und erachtet es das Reichsmarineamt für notwendig, diese Beamten in den Werkstätten der kaiserl. Wersten für die Aufgaben und Pflichten die ihnen in ihrer Eigenschaft als„NeichSbeamte" zufallen, plan- mäfiig heranzubilden. Es sollen für die Auswahl und.Erziehung" der als Anwärter für diese Beamtenstellen als Werkführer, Werk meister usw. in Frage kommende» Arbeiter bestimmte Grundsätze aufgestellt werden. Bisher gingen die technischen Aufsichtsbeamten aus der Reihe der Gesamtarbciterschaft hervor und zwar analog dem militärischen Avancement. Zunächst wurde der Anwärter Vorarbeiter. Aus der Reihe der Vorarbeiter ging wieder ein bestimmter Prozentsatz als HilfSwerkführer hervor. Diese wurden dann später fast durchweg Werkführer. Der größere Teil davon wurde nach einigen Jahren zur Werkmeisterschule nach Kiel entsandt, um auf Staatskosten in einem sechsmonatlichen Kursus zum Werkmeister herangebildet zu werden. Dieser Entsendung ging jedoch eine theoretische Prüfung voraus. Wer diese nicht bestand oder eS ablehnte, sich einer solchen zu unterziehen, blieb dauernd Werkführer bezw. HilfSwerkführer. Wer das Examen bestand, wurde nach der Anciennität bei Vakanzen zum Werkmeister befördert. Den Abschluß dieser Karriere bildete die Beförderung zum Obermeister. Diese Gruppe der technischen Aufsichtsbeamten ist jedoch die am wenigsten zahl- reichste. DaS hervorstechendste Merkmal bei dieser Methode war, daß die Beförderung zum Vorarbeiter immerhin ein Maß von Intelligenz. praktischen Kenntnissen und Fähigkeiten voraussetzte. Nur in Aus nahmefällen brachte es der weniger mit Fertigkeiten Ausgestattete zum Vorarbeiter. Da in den Reihen der organisierten Arbeiterschaft fast stets die intelligenteren Arbeiter stehen, brachte eS auch von diesen xine Anzahl zum Vorarbeiter. ES kam sogar vor. daß ein einzelner die Stufenleiter noch etwas höher erklomm. Hierin erblickt nun das Reichsmarineamt eine furchtbare Gefahr. In Konferenzen mit de» Oüerwerftdirektoren hat das R.-M.-A. über die Frage der Zugehörigkeit der Werftarbeiter zu den freigewerk fchastlicheu und politischen Organisationen lange und eingehende Erörterungen gepflogen. Gar zu gerire hätte der Herr Staats� sckretär der Marine die Bewegungsfreiheit der Werftarbeiter auf den Staatswerften gänzlich unterbunden. Aber man mußte sich überzeugen, daß der Versuch zu schweren Komplikationen führen könnte, weil die Werftarbeiter sich nicht widerstandslos ihre gesetz- lichen und Menschenrechte nehmen lassen würden. Insbesondere aber kommt auch beim Kriegsschiffbau eine hochintelligente Arbeiter- fchaft in Frage, welche nicht so leicht ersetzt werden kann. Mau verlegte sich deshalb auf andere Mittel, wie die Gründung von nationalen und gelben Arbeitervereinen, Protegierung und Be- günstigung von Werftgesang- und Vorarbeitervereincn. ausschließ- liche Benutzung von gelben Arbeitsnachweisen usw. Hauptsächlich aber lenkte man sein Augenmerk auf die Lehrlinge. Für diese hat man Turn- und Sportvereine ins Lebe» gerufen, denen an- zugehören ihnen zur Pflicht gemacht wird. Bei Eingehung des LehrvcrhältnisseS und in ständigen Wiederholungen wird ihnen weiter unter Androhung der Aufhebung des Lehrvertrages zur Pflicht gemacht, keinem anderen Vereine beizutreten. Der Erfolg scheint jedoch wenig befriedigt zu haben, denn man hat ein weiteres Mittel trsonnen, um gefügige und willfährige Elemente zu züchten. Für die Zukunft soll nach folgenden Grundsätzen verfahren werden: „DaS Aufsichtspersonal ist hauptsächlich auS den auf der Werft ausgebildeten Lehrlingen zu entnehmen. Ausnahmen find zulässig a) soweit für einzelne Berufe auf der Werft keine Lehrlinge aus ?ebildet werden: ür besonders tüchtige(lies nationale) nicht auf der Werft ausgebildete Arbeiter; o) für'Fachunteroffiziere der Marine." Es wird hierzu dann weiter bemerkt, daß, um unter den Lehr lingen eine planmäßige Ausbildung treffen zu können, sollen sie während der ganzen Lehrzeit durch geeignete höhere Beamte nicht nur in bezug auf ihre technische Ausbildung, sondern auch in bezug auf ihre Er z i e h u n g und ihr außerdienstliches Verhalten dauernd sorgfältig überwacht werden. Nur solche Lehrlinge, die sich während ihrer Lehrzeit dauernd in Führung und Leistung über den Durchschnitt erheben, sollen als Anwärter für den AufsichlS- dienst in Frage kommen. Soweit angängig, sollen die auS den Lehrlingen ausgesuchten Anwärter möglichst im Anschluß an ihre Lehrzeit zur Erweiterung ihrer Kenntnisse und ihres Gesichtskreises einige Zeit in geeigneten Betrieben der Privatindustrie tätig sein. Hier sollen sie ungefähr zwei Jahre in Beschäftigung bleiben und dann in den Werftdienst zurückkehren. Nach etwa fünfjähriger Beschäftigung auf der kaiserlichen Werft sollen die Anwärter allmählich in die erste Lohnklasse aufrücken, zum Vorarbeiter ernannt und in dieser Eigenschaft hauptsächlich als Kolonnenfuhrcr beschäftigt werden. Nach etwa zwei Jahren werden sie dann zum Werkführeranwärter ernannt. Ueber jeden einzelnen wird ein Personalbogen geführt, in den bei allen BeschästigungSstellen Bemerkungen über Führung und be- sondere Eigenschaften sowie etwaige Strafen eingetragen werden. ES soll ihnen wiederholt und eindringlich ein« geschärst werden, daß jede Beziehung zur sozial- demokratischen Partei oder zu einer freien Ge- werkschaft die Aussicht, Beamter zu werden, end- gültig ausschließt. Tie Personalbogen sind dem Oberwerftdirektor alljährlich ein- mal vorzulegen. Die Ernennung zum Werkfübrer soll nach Bestehen einer Prüfung in Werft-, Marine-, Bürger- und GcsetzeSkunde in der Regel bis zum 30. Lebensjahre, die Kommandierung zur Werkmeister- schule bis zum 32. Lebensjahre erfolgt sein. Auch wird eS als zweckmäßig erklärt, mit bestimmten Privat- werken Abkommen zu treffen, damit die Abkommandierten dort nicht in verlehrte Finger geraten und die Werke über ihre Führung usw. berichten. Durch diese Beamtenfabrik soll eine Prätorianergarde gegen die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiter in den Staatswerften gezüchtet werden. Es kann jedoch auch die aus- gcfeimteste Art der Bekämpfung eine Ausrottung oder auch nur eine Schwächung der Organisationen der Arbeiter nicht mehr herbei- führen. Dazu sind diese viel zu gut in sich gefestigt und von einem so gesunden Geist durchdrungen, daß sie sich von keiner Macht der Erde ihre Existenz nehmen laffen werden. Verlin uncl Qmgegcnck. Achtung, Stellmacher! Ein sehr„humaner" Arbeitgeber ist der Hofwagenfabrikaut Max L e u s ch n e r, Eharlottenburg. Salz- ufer 4. Dieser Herr will keine organisierten Arbeiter in seinein Betrieb dulden. Seiner Meinung nach haben es die Arbeiter nicht nötig, sich zu organisieren, denn er sorgt dafür, daß„seinen" Ar- beiiern die Kompottschüssel gefüllt bleibt bis ins hohe Alter. Wie I eS aber mit der„Fürsorge" aussieht, haben Rur erst kürzlich wieder an einigen Beispielen gesehen. Ein Stellmacher war bei der Arbeit verunglückt, und als er nach 14tägiger Krankheit wieder arbeiten wollte, wurde ihm erklärt, er könne gehen, der Chef habe erfahren ' daß er Vertrauensmann sei und solche Leute dulde er nicht in seinem Betriebe. Ein anderer Stellmacher wurde zu einer Ittägigen militärischen Uebung einberufen. Vor Antritt derselben fragte er, ob er nach beendigter Uebung wieder anfangen könne. Dies wurde ihm als selbstverständlich zugesichert. Als der Kollege aber von der Uebung zurückkam, erhielt er seine Papiere in die Hand gedrückt mit der lakonischen Erklärung, er sei entlassen. So füllt Herr Leuschner die Kompottschüssel„seiner" Arbeiter. Die betreffenden Kollegen waren schon längere Zeit in dem Betrieb beschäftigt und hatten die ihnen übertragenen Arbeiten stets zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Es ist doch sehr„human", wenn man solche Leute aufs Pflaster wirft, die den Wert der Organi- sation erkannt haben und danach handeln. Es bestehen auch sonst Mißstände in dem Betrieb; wenn aber einmal eine Kommission der Arbeiter vorstellig wird, um die Wünsche der Arbeiter zu ver- treten, wird derselben mit sofortiger Entlassung gedroht. Bei Fest- setzung der Stundenlöhne und der Akkordpreise wird mit der größten Selbständigkeit von feiten des Obermeisters Brömel vor- gegangen. Ein fortwährendes Reduzieren der Wordpreise ist an- scheinend die Hauptaufgabe dieses Herrn. Seine„Humanität" will Herr Leuschner dadurch in ein ganz besonderes Licht rücken, daß er eine Betriebskrankenkasse gründen will. Arbeiter! Kollegen! Ihr kennt die Herrcnnatur dieses Schutz- verbändlers und wißt auch ganz genau, daß dieser Herr durch dieses neue Produkt seiner Arbeitcr„fürsorge" eine Waffe mehr gegen Euch haben will. Wehrt Elch gegen diese Beschneidung Eurer Rechte und werbt neue Mitglieder für die freien Gcwerk- schaften, die allein dazu berufen sind, die Interessen der Arbeiter im wirtschaftlichen Kampf zu vertreten. Die Ortsverwaltung. Deutkches Reick). Die städtischen Arbeiter in Köln stehen in einer Lohn- bewegung. Sie fordern, je nach der Arbeiterkategorie, Löhne von wöchentlich 26 bis 42 M., letztere als Höcbstlohn für die be« sonders qualifizierten Handwerker, Es sollen fünf Lohnklassen be- stehen, der Höchstlohn jeder Klasse soll in sechs statt bisher in zehn Jahren erreicht werden. Die Arbeitszeit soll von 9'/, auf 9 Stunden, bei Betrieben nüt Tag- und Nachtschicht auf 8«stunden herabgesetzt werden. Für die neunstündige Arbeitszeit wird auf das Beispiel der Staatsbetriebe und auf die Städte Leipzig, München und Straßburg hingewiesen. Die � Anträge auf Lohnerhöhung werden mit der enorm verteuert e'n Lebenshaltung be- gründet. In der Begründung der Forderungen nimmt der Ge- meindearbeitervcrband den Einwand der finanziellen Belastung der Stadl damit vorweg, daß er sagt: Die Arbeiter find nicht dafür verantwortlich zu machen, daß die gesetzgeberischen Maß- nahmen, wie Entziehung des EtaiSziischusses zu den Volksschulen, die Zinsbogen- und die Glühlichtsteuern, die Steigerung der Polizeilasten usw. daS AuSgabebudget der Städte so außerordentlich gesteigert haben. Tie städttsche Verwaltung hat die Forderungen und ihre Be- gründlmg— nachträglich hat auch der„christliche" Verband Forde« rungen eingereicht— mit einer umfangreickien Denkschrift beant- wortet. Sie soll den Stadtverordneten die Unterlage bei der Be- ratung der Forderungen bieten, deren Erfüllung nach einer Be- rechnung der Denkschrift die Stadt jährlich um angeblich 1290 000 Mark belasten soll. Von welchem„Geist" die Denkschrift getragen st, daS mag man daran erkennen, daß sie über die„hohen" Au- spräche der Arbeiter an die Lebenshaltung und über die haushälte- rische Unfähigkeit der Frauen herzieht. ES heißt da: Gemäß den AuSlünflen«iner Reihe Schlächtermeister veriangten die Arbeiter „die besten Stücke", wodurch der Preis des QualnärsfleischeS in die. Höhe gegangen sei. Dagegen seien auch in Köln„recht billige Nahrungsmittel erbältlich: durchwachsene Siippenstücke, Hämmchcn (Eisbein) und sonstige Fleischspezialiräten." Ein reelles, nahrhafies Stück Fleisch sollen also die Arbeiter, die doch am allcrehesteu eine gute Ernährung beanspruchen können, nicht haben; man verweist sie auf gewisse„Fleischspezialiräten" und auf das für die Ernährung ebenfalls ziemlich wertlose Eisbein I Ja, noch mehr: die Denkschrift„erinnert in diesem Zusammenhange auch an einige billige ortsübliche Nahrungsmittel, wie Roggenbrot, See' muscheln(!), Kraut t f t � OD k vi vfl 1 1" im" i 8t» Lohnbewegtmg ht 6« eeleuchtuttzSbnmch» w®« Streik bei der Firma Schüz u. Beringer dauert unverändert fort. Die Fabrikanten der Branche zeigen sich äußerst zugeknöpft. Ein Zugeständnis von 1 Pf. vro Stunde nebst einem sogenannten AuS- gleich an besonders tiefstehenden Löhnen, wo auf Grund der Ouali« fikation des Arbeiters, nach Ermeffen des Arbeitgeber?, eine be- sondere Zulage am Platze sei, wurde von einer Arbeiterversammlung als ungenügend bezeichnet. Es haben daraufhin noch weitere Ver- bandlungen stattgefunden. Ob mit dem gegebenen Resultat eine Einigung erzielt wird, läßt sich bestimmt nicht sagen. Im Fabrikanten- zirkel bewegt sich in deutlichen Umrissen das Gespenst der Aussperrung. Zuzug von Gürtlern ist streng fernzuhalten. TZuslanck. Internationale Friseurgehilfen-Konferenz. Zum Thema, Lohnsrage" wurde eine ResolutiSn angenommen, die sich gegen daS Trinkgeld-, das Prozent- und Prämienwesen richtet, und eine tarifliche Regelung der Löhne in der Weise, daß wöchentliche Lohnzahlung, Beseitigung des Kost- und Logiszwanges erfolgt, und Miudestlöhue für die einzelnen Fächer deS Gewerbes eingeführt werden, ohne Rücksicht auf Trinkgeld, Prozente unt Prämien. Weiter befaßte sich die Konferenz— auf spezie�en Wunsch deS französischen Verbandes— mit dem Thema„Anti- Militarismus und Generalstreik", ferner mit der „Förderung und der Organisationstätigkeit durch die Gesamtheit der organisierten Arbeiterschaft" und mit der einheitlichen Unter-» stützung der im Auslande reisenden Verbandsmitglieder. AlS inter- nationaler Sekretär wurde Etzkorn-Berlin wiedergewählt. Die nächste Konferenz soll 1914 in Paris stattfinden. Versammlungen. on seiner Familie, seinen Milarbeitern und Mitarbeiterinnen. Dieser Satz, der schon in Tausenden von Gewerkschafisflug- blättern zu lesen war, soll ein Vergehen im Sinne deS§ 153 der Gewerbeordnung sein, indem dadurch die Nichtorganisierten Arbeiter in ihrer Ehre verletzt und zu bestunmen versucht wurden, der Organisation beizutreten. Solcher Schutz macht auS den hiesigen Nichtorganisierten natür- lich keine Helden und die Arbeiter im allgemeinen regt er zu Be- lrachtungen on über da« Thema: Klassenstaar und Klassenjustiz I Der Buchbinderverband(Zahlstella Berlin) hielt am Donners- tag feine vierteljährliche Generalversammlung ab. Der gedruckt vorgelegte Geschäftsbericht für das 2. Quartal zeugt von den Er- folgen der Organisation. Die Organisation hat gegenüber dem vorigen Quartal eine Zunahme von 453 Mitgliedern zu verzeich- nen. Die Zahlstelle mustert jetzt 7317 Mitglieder, davon 4023 weibliche. Der Kassenbericht weist nach, daß die Lokalkasse eine Einnahme von 15 876,69 M. hatte, davon aus Lokalbeiträgen allein 10 905,80 M. Der Einnahme steht eine Ausgabe von 8854,28 M. gegenüber. Der Bestand am 1. Juli beträgt 74 349,39 M. Tie Zeutralkasse bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 46 427,67 Mark. Nach dem Bericht vom paritätischen FacharbeitSnachwcis haben sich 650 männliche und 901 weibliche Arbeitsuchende ein- schreiben lassen. Verlangt wurden 1339 männliche und 1862 weibliche Arbeitskräfte. Mehr als die Hälfte der Stellen, und zwar 877 für männliche und 864 für weibliche waren nur als Aushilfe bis zu drei Tagen gemeldet. Bei Aushilfen von so kurzer Dauer ist eine jedesmalige Neueinfchreibung der gemeldeten Arbeitslosen nicht erforderlich. Besetzt wurden 1256 Stellen für männliche und 1469 für weibliche Arbeitskräfte. Die Benutzung der Bibliothek durch die Mitglieder könnte eine regere sein.— In der Diskusston wurde hauptsächlich über den ,.Vorwärts"betricb Beschwerde geführt, weil dort den persönlichen Bitten Arbeitsloser um Beschäftigung von feiten der betriebsleitenden Persönlichkeiten nur allzu willig ein offenes Ohr geschenkt werde, wodurch die übrigen Arbeitslosen, die zum Teil infolge ihrer längeren Arbeits- losigkeit bedürftiger seien, geschädigt würden. Die Organisations- leitung soll ferner bei der Betriebsleitung dahin wirken, daß sie Arbeiten mehr als bisher im eigenen Hause ausfiihren lasse, au, statt Aufträge an andere Großbuchbindereicn zu vergeben. Be- schloffen wurde schließlich noch, das Bureau auch am Sonnabend schon um 7 Ilbr zu schließen. Ter Bibliothekskommission bewilligte man eine Erhöhung der Entschädigung. Zu Revisoren wurden Bergmann und Jahn wiedergewählt. foetzU ffocbrkbtcn. Tie Einigungsverhaudlungen in der Leipziger Metallindustrie. Leipzig. 25. August.(W. T. B.) Die heute mittag begönne- nen EinigungZverhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Ar- beitern der Metallindustrie wurden in verhältnismäßig kurzer Zeit abgebrochen. Die?lrbeitgeber hatten bindende Beschlüsse von der Siebcnerkommission verlangt, dagegen erklärten die Arbeiter, daß sie nur vorbehaltlich der Zustimniung ihrer Ar- beitSkollegen verhandeln dürften. Es besteht jedoch die Aus, ficht, daß in den nächsten Tagen die Verhandlungen wieder auf» genommen werden._ Ter„Temps" über die Kompensationen. Pari?, 25. August. Ueber den heutigen französischen Minister- rat bringt der„TempS" folgende Meldung: Die neuen Jnstruk- tionen des Berliner Botschafters haben zum Zweck, den französischen Standpunkt zu präzisieren und Deutschland zur Kenntnis zu geben, was Frankreich ihm im Austausche gegen eine volle und ganze Aktionsfrciheit in Marokko geben könne. ES scheint jetzt, daß Deutschland geneigt ist, sein vollständiges politisches TeSiutcrcsscmcnt in Marokko zu bestätigen und sogar bis zur Anerkennung eines Protektorates zu gehen. Diese Zugeständnisse sind jedoch einge- schränkt durch das Verlangen nach wirtschaftlichen Garantien und Ansprüchen auf ansehnliche Gebiete im Kongo. Es ist un- möglich, vor der Rückkehr deS Herrn Eambon nach Berlin und der Wiederaufnahme der Verhandlungen gegen den 1. Sep, tcmber vorauszusehen, auf welcher Grenze die zwei Standpunkte miteinander ausgeglichen werden können. Die Abreise des Herrn Cambon, dessen Unwohlsein auf Uebcrarbcituug zurückzuführen ist, ist auf Montag oder Dienstag festgesetzt. Paris, 25. August. Wie verlautet, wurden heute offiziös dem Syndikus der Agence d'Echange beruhigende Mitteilungen über die politische Lage gemacht. Schwere Eisenbithnkatastrophe. Rochestcr, 25. August.(W. T. B.) Auf der L eh i gh Valley Bahn ist bei M a n ch e st e r ein Zug von einer Brücke� herabarstürzt. Es sollen 25 Personen getötet und gegen 50 verletzt worden sein. Einem Telegramm der„Prcß-Eentrale" entnehmen wir über das furchtbare Eisenbahnunglück noch folgendes: Im Lehigh-Tale, in den Blue-MountainS, entgleiste ein Zug» der KrirgSvctcranen, die in Nochester an einer Krieger- vereiuSverfammlung teilgenommen hatten, nach New York b e- förderte. Vier Wagen stikzten von der steilen Böschung hinab und blieben völlig zectrüinnirtt liegen. Die spärlich einlaufenden Meldungen lassen drkemien. daß die Zahl der bei der Katastrophe ums Leben gekommenen Reisenden eine recht beträchtliche sein muß. Einer Drahtnachricht aus S c r a n t o n zufolge, konnten bis- her 30 Leichen unter den Trümmern hervorgezogen werden. Die Zahl der Verletzten soll noch erheblich größer sein. Wenige Minuten nach Eintreffen der ersten Meldung in New Dork gingen zwei RettungSzüge nach der Unfallstelle ab, in denen sich viele Acrzta und alle notwendigen Verbandmittcl befanden. ftfrrgnttn. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: VorwärtSBuchdr.n VerlagSanslalt Rochester(New Dorf). 23. August. W. T. B.) Ter Zug eutglclste bei einer Brücke, die über einen 18 Fuß tiefen trockenen Graben führte. Tabei stürzten vier Waggons in den Graben. Bisher sind 23 Leichen geborgen und 20 schwcrverwundrte, meist weiblichePaisagiere. festgestellt worden._ Paul Singer>1 Co., Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen».UnterhaltungSblT 9t. 199. 28. IchMg. t KtilM Ks Jutniätb" Zoavabtnd, 26. Angust 1911. 12. Verbandstag der Köttchcr. Dresden, 24. August. Vierter Berhandlungstag. * Zur Staiutenberatung hält Verbandsvorsitzendcr Winkelmann- Bremen das einleitende Referat. Es liegen zu diesem Punkt 110 Anträge vor. Eine Reihe der Anträge verlangt Erhöhung der Unterstützungssätze, die zweite Gruppe will Erlassung der Beiträge bei Invalidität und Erwerbslosigkeit, die dritte Ge- Währung von Krankenunterstützung an Invaliden, ein vierter Teil wünscht die Bezahlung von Sterbegeld auch an Ledige, eine fünfte Gruppe verlangt den Erlah des Beitrages für Ausgesteuerte und nicht mehr Unterstützungsberechtigte, und eine weitere Gruppe . wünscht die Einführung von Staffelbeiträgen. Redner untersucht, ob die Durchführung all dieser Wünsche möglich ist und kommt zu dem Schlüsse, daß alle Anträge, die eine Belastung der Kasse zur Folge hätten, abzulehnen sind. Die Kasse dürfte unter keinen Umständen geschwächt werden. Eine Erhöhung der Unterstützungs- sätze sei nur bei einer Beitragserhöhung möglich, die der Vorstand aber zurzeit nicht empfehlen könne. Die Einführung von Staffel- beitrügen würde auherordentliche Schwierigkeiten bringen. Ohne Gcneraldiskussion wurden dann sämtliche Anträge einer Kommission überwiesen. Ueber Agitation und Organisation sprach Z ö r- g i e b e l- Koblenz. Er verwies auf die schwierigen Verhältnisse im Berufe und gab Winke für die Agitation. Auf die Klein- arbeit sei bei der Agitation das größte Gewicht zu legen, dann würden die Erfolge sicher nicht ausbleiben. Bei der Beratung der besonderen Anträge wurde be- schlössen, daß von Zeit- zu Zeit den Ortsverwaltungen eine Liste vom Vorstand gesandt wird, in der alle die Namen aufgeführt sind von Personen, die ausgeschlossen wurden. Bei Gewerkschafts- und internationalen Kongressen soll der Verband, soweit die Berechti- gung dazu vorliegt, durch 2 Delegierte vertreten sein. Einen stellt der Ausschuß, den anderen der Vorstand.- Da die Statutenberatungskommission ihre Arbeiten noch nicht erledigt hat, wurden die Wahlen vorgenommen. Die bisherigen Verbandsangestellten wurden einstimmig wiedergewählt. Der Sitz des Verbandes bleibt in Bremen, der des Ausschusses in Hannover. Als Tagungsort des nächsten VerbandstAges wurde Frank- f u r t a. M. bestimmt. Die Verhandlungen wurden dann auf Freitag vertagt. Hua der frauenbewegung. Zionistische Frauengruppen. Die Zionisten betrachten sich gern als Hechte im Karpfenteich de? Judentums. Nicht mit Unrecht. Sie haben»Leben in die Bude" des sich zurzeit immer stärker assimilierenden Judentums gebracht, ja. zeitweise einen wahren Sturm im Judentum hervorgerufen. Auf ihrer letzten Tagung, dem 10. Zionistenkongreß in Basel, haben sie, die den Frauen von Anfang an volle Gleichberechtigung zuerkannten, die Gründung zionistlscher Frauenvereine dadurch offiziell gebilligt, daß sie in einer Resolution zur Zentralisierung dieser zionistischen Frauen- bestrebungen aufgefordert haben. ES existiert bereits ein»Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", der auf dem Haager Kongreß begründet worden, und dessen Leitung in zionistischen Frauenhänden ruht. Dieser Verband hat sich in Palästina in der Hauptsache bisher auf drei Gebieten betätigt. Erstens hat er in Jaffa junge Mädchen und Frauen zur Her- stellung arabischer Spitzen angeleitet, junge Mädchen, die sonst ihre Tage mit Nichtstun verbrachten. Der Anfang war für die Begründerinnen dieses Ateliers nicht leicht, da die Spitzen- arbeiten den Arbeiterinnen nicht mit in ihre schmutzigen Wohnungen gegeben werden konnten, sondern sofort ein Raun, dafür zur Ver- fügung gestellt werden mußte. Doch war'S ein guter Griff. Bald mußten in Jerusalem und Ekron ebenfalls solche Ateliers angelegt werden. Diese drei Atelier? beschäftigen heule schon zirka 1S0 Arbeiterinnen. Außer dem Unterricht in der Spitzen- fabrikation erhalten die Beschäftigten Unterricht in Turnen und in hebräischer Sprache. Die Spitzenerzeugnisse werden»ach Europa gesandt und in Ausstellungen und privatim verkauft. Seit den drei Jahren der Gründung sind für 5500 M. Spitzen verkauft worden. Die Arbeiterinnen erhielten bei sechsstündiger Arbeitszeit zirka sechs Mark wöchentlich. Es ist anzunehmen, daß wenn der Verkauf dieser wundervollen Handarbeiten in bessere Wege geleitet würde, sich zweifellos ein höherer Gewinn für die armen palästinensischen Arbeiterinnen erzielen lassen würde. Zweitens be- schäftigte sich der Verband mit K r a n k e n p f l e g e. Er stellte dem Krankenhause in Jaffa eine in Europa ausgebildete Schwester zur Versügung. eine zweite Schwester dem Krankenhause in Jenisalem. Moskauer Frauen ermöglichten es, daß dem Jaffaer Zirankenhause eine Wöchnerinnenstube angegliedert wurde. Für ein in Haifa ge- plantes Krankenhaus stellte der Verband 0000 Fr. für die Innen- einrichtung und eine JahreSsubvcntion von 1000 Fr. Dieses Krankenhaus wurde jetzt eröffnet. Die drilte Hauptaufgabe sieht der Verband darin, Frauen zu landwirtschaftlichen Zwecken heranzubilden, doch fehlen ihm dafür größere Mittel. Auf der Farm Gineret arbeiten seit einigen Monaten sechs junge Mädchen unter Leitung einer europäischen Lehrerin. Die Weib- liche Bevölkerung Palästinas interessiert sich gerade für dieses Ge- biet sehr. Soweit über diesen Verband jüdischer Frauenvereine. Das Streben der zionistischen Frauen nun geht dahin, daß die Leitung in diesem jüdischen Verbände' dauernd in zionistischen Händen bleibt, zu welchem Zwecke sie möglichst viel zionistische Frauen zum Eintritt in die jüdischen Frauenvcreine veranlassen. Ferner aber erstreben die Zionistinnen allerorten, wo Zionistengruppen existieren, eine gesonderte zionistische Frauengruppe heranzubilden und diese gesamten zionistischen Frau-ngruppen, wie die Baseler Resolution besogt, unter eine Zentrale zu bringen. Diese zionistischen Frauengruppen sollen sich in der Hauptsache mit der Erziehung der Mütter, resp. Frauen, resp. Kinder, in jüdischem Sinne und mit der Pflege der hebräischen Sprache befassen. Wir haben es also auch hier wieder, genau wie bei dem Bund evangeli- scher Frauenvereine, wie bei den, Bund katholischer Frauenvereine, mit einem politisch-konsessionellen Frauenbunde zu tun, und sehen, wie die Spezialisierung und Differenzierung in der bürgerlichen Frauenbewegung immer weitere Kreise zieht. In einer öffentlichen Versammlung im Tiergartenhof am 22. August wurde zu diesen Fragen des Zionismus Stellung ge- nommen, wobei es bemerkenswert war, daß ein Diskussionsredner bekundete, daß die deutschen jüdischen Frauen fast gar kein Interesse für Säuglingsheime, Fürforgeanstalten, Kinderhorte besäßen. Es gäbe beispielsweise in Deutschland, im Gegensatz zu den vielen charitativen Einrichtungen der evangelischen und katholischen Schichten, nur vier jüdische Kinderhorte. Die jüdischen Bürgerinnen hätten für gesondert-jüdische Bestrebungen dieser Art herzlich wenig übrig. Eifriger zeigten sie sich,(was ihnen nicht verübelt werden könnte), auf dem Gebiete des Frauenslimmrechts, wo manchmal auf zwanzig Mitglieder neun jüdische Frauen oder Mädchen kämen, und da, wo die Ehrsucht Triumphe feiere. Die Ehrsucht der reichen Juden bilde geradezu den Krebsschaden des ganzen Judentums. Der Winter wird uns also voraussichtlich eine größere weiblich zionistische Bewegung bescheren. Man mutz es jedenfalls anerkennen, daß diese neuen Kämpferinnen sich ihrer politischen Betätigung bewußt sind und kein Hehl daraus machen, wie das bei anderen dunklen Elementen heute noch gang und gäbe ist. Der sogenannte Internationalismus der Zionistinnen resp. Nationalismus findet also in der Rassenfrage seine engste Begrenzung, wodurch er sich für uns Von selbst erledigt._ Leseabende. Zossen. Dienstag, den 29. August, abends v Uhr. bei Kurzner, Vortrag: Schutz den Kindern I Es wird ersucht, für regen Be- such Sorge zu tragen.. t. Kreis. Montag, den 23. August, bei Weihnacht. Grünstr. 21. Referentin: Genossin Dalhaim. Hansaviertel, bei Rothe, Flensburger Str. 24. Referenttn: Genossin Kaschewskh. Versammlungen— Veranstaltungen. Britz-Buckow. Montag, den 23. August, Bersammlung beim Genossen Böhm, Chausseestraße, Ecke Werder Straße. Vortrag der Genossin Frau Martha Zeetze und Stellungnahme zur Frauenlonserenz in Jena. kleines feuiUeton. Da?„inoffizielle" Italien. Unter wunderbaren Festlichkeiten und leckeren Tafeleien ist jüngst das halbhundertjährige Bestehen der italienischen Einheit begangen worden. In blumenreichen Reden habe» die Staatsmänner und Politiker Italiens den Fortschritt und das Gedeihen des Königreichs gepriesen. Allein, eS.war doch nur eine Seite der Medaille, die gezeigt wurde. Das wird man am bündigsten aus einem Werke erkennen, das soeben vom königlichen statistischen Bureau in Rom veröffentlicht worden ist und in welchem ziffernmäßig über die geradezu entsetzlichen Zustände italienischer Gemeinden und deren Einwohner Bericht gegeben wird. AuS den mancherlei interessanten Angaben wollen wir einiges herausheben, daS auf das Antlitz der Herrschenden von ganz Europa düstere Schatten wirft. Hören wir denn l In Italien, wo höchste Natur- schönheit mit herrlichen Kunstgebilden sich paaren, gibt es 1354 Ge- meinden, die entweder noch sehr schlechtes oder überhaupt kein trink- bareS Wasser haben. 4877 Orte besitzen keinerlei Kanalisation, so daß alle menschlichen Exkremente einfach auf die Straße ge- warfen werden. In 1700 Gemeinden ißt man Brot nur in Krank- heitSsällen oder an Feiertagen— sonst nicht. In fast dreimal so viel Gemeinden, nämlich 4955, ist Fleisch total unbekannt! «00 Gemeinden haben keinen Armenarzt; 360 keinen Friedhof. In L7 303 Orten sind zusammen 200 000 Menschen gezwungen, in Erd höhlen und Kellernlöchern zu Hausen. Sechs Millionen Ein wobner. die sich auf«in«real von 90 000 Quadratkilometer mit 154 Bezirken verteilen, find von der Malaria angegriffen; und 100 000 Menschen leiden an der Pellagra. Sie wären leicht zu heilen wenn sie nur hinreichend Nahrungsmittel besäßen... DaS sind ein paar grellfarbene Pinselstriche zu dem AlfreSco Gemälde: Italien, wie eS in Wahrheit ist. Jüngst, die jubilierende Savoie-Monarchie sah verlockender aus. Da war alles eitel Lust und Wonne bei Hofe. Ilnd doch hätte da» statistische Amt die Sotemkinschen Dörfer durch rechtzeitige Veröffentlichung dieser lendstabellen wegwischen können— wenn eS gedurft hätte. Ter Komet Brook? ist jetzt bereits in kleineren Fernrohren gut sichtbar, also in Rohren, die wenigsten» eine Objektivöffnung von S Zoll besitzen. In Berlin kann man ihn auf der U r a n i a- Sternwarte m dem sechSzölligen Fernrohr beobachten. Da der Komet sehr hoch im Zenith steht— dicht link« neben dem großen Stern Deneb im Sternbilde des Schwanes, de» leuchtenden Kreuzes, da« hoch über unseren Häupten sich befindet—, kostet es einige Hals- Verrenkungen, um seiner anfichtig zu werden. Der Komet zeigt einen Sericbts- Deining. Ist Milchverkauf in der Labenschlußzeit zulässig? Der Molkereibesitzer Huth in Berlin, der 17 Milchkühe hält, verkaufte auch des Sonntagsnachmittag nach 5 Uhr von einer be- stimmten Stelle seines Betriebes aus frisch gemolkene Milch. Er wurde darauf angeklagt, weil er zu verbotener Zeit in offener Verkaufsstelle Handel betrieben habe. Das Landgericht Berlin I verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und führte aus: Es könne hier uicht von einem Betriebe landwirtschaftlichen Charakters die Rede sein. Der Milchverkauf, soweit Angeklagter ihn gewerbsmäßig be- treibe, sei ein Handelsgcwerbe. Es unterliege auch keinem Zweifel, daß der Stand im Kuhstall, von welchem cruS der Verkauf geschah, als feste, jedermann zugängliche Verkaufsstelle und daher als offene Verkaufsstelle gelten muffe. Somit unterfalle dieser Milchhandel den Bestimmungen der Gewerbeordnung. Sei das der Fall, dann wäre noch zu prüfen, ob es sich nicht lediglich um die Lieferung selbstgewonnener Milch auf Bestellung handele. Das sei zu ver- neinen, da die Milch nicht bestellt worden sei. Allerdings hatte es sich bei den Abnehmerinnen um immer wiederkehrende Kundinnen gehandelt. Diese seien aber keinerlei Verpflichtung dem Ange- klagten gegenüber eingegangen. Sie hätten jeden Tag wegbleiben können. Selbst eine Bestellung von Tag zu Tag habe nicht vor- gelegen. Es habe sich in jedem Einzelfalle um ein neues Kauf- geschäft gehandelt. Angeklagter war deshalb zu verurteilen. Das Kammcrgcricht verwarf dieser Tage die vom Angeklagten gegen das Urteil eingelegte Revision. Wegen der umfangreichen Pelzdiebstähle, die bor einigen Monaten bei einem Mrschnermeister in der Char- lottcnstraße ausgeführt worden sind, standen gestern 20 Personen unter der Anklage des Bandendiebstahls, der Hehlerei und einiger anderer Delikte vor der 1. Fcrienstraskammer des Landgerichts I- Der Hausdiener Paul Quiram war seit längere Zeit bei dem Kürschnermeister angestellt und hatte sich dessen volles Vertrauen erworben. Kurz vor Weihnachten lernte er in einem Vergnügungs- lokal den Reisenden Willy Levit kennen und ließ sich von diesem bereden, aus dem Geschäft seines Dienstherrn möglichst viel Pelz- waren zu entwenden. Als Dritter im Bunde wurde noch der Kauf- mann Karl Mostctzky hinzugezogen, und alle drei berieten nun einen Plan, das Pelzwarcnlager auszurauben. Es war auf die Pelz- waren abgesehen, die dem Geschäft zur Konservierung übergeben worden waren. Um die Mittagszeit, wenn der Chef abwesend war, gab Quiram seinen unten wartenden Komplicen ein Zeichen; dann begab sich einer von ihnen in das Geschäft, während der andere vor der Haustür wartete. Ouiram suchte dann persönlich die Sachen heraus, die verschwinden sollten, die beiden anderen trugen sie un- auffällig aus dem Haus heraus. Als vierter gesellte sich den dreien dann bald der Hausdiener Paul Dankulade hinzu. Dieser war der Vorgänger Ouirams im Dienste des Kürschnermeistcrs ge- Wesen. Der Angeklagte Lebit sorgte im weitesten Umfange für die Verwertung der gestohlenen Gegenstände: er verkaufte oder ver- setzte sie teils selbst, teils zog er immer neue Personen zu diesem Zwecke heran. Der Wert der aus dem Pelzkonservierungslager gestohlenen Sachen wurde auf etwa 50 000 M. geschätzt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Quiram zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis, Levit zu 4 Jahren, Mostetzty zu 2 Jahren, Dankulade zu einem Jahre, Hilsbeck zu 0 Monaten, Fellert zu einem Jahr Ge- fängnis. Die übrigen Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen, die von 9 Monaten bis zu einem Monat Gefängnis herabgingcn. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Jagdleidenschaft. Da» Abenteuer, welches der Oberjäger Kühne vom Garde- Schützenbataillon am 16. Juli mit einem leidenschaftlichen Wilderer gehabt hat, beschäftigte gestern die Ferien-Strafkammer des Land- gerichts II. Der wegen Jagdvergehens angeklagte Hausdiener Josef Bumblat aus Berlin hatte vor einigen Jahren eine böse Be- gegnung mit dem Förster Strempel in Blumberg bei Eiche gehabt und diesen in einem Ringkampfe erschossen. Er ist wegen dieser, nach seiner Behauptung unbeabsichtigten Tötung des Försters seinerzeit zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Seitdem er sich wieder auf freiem Fuße befindet, hat ihn abermals die Jagd- leidenschaft gepackt. Der Oberjäger Kühne befand sich Mitte Juli in der Nähe von Eiche auf Urlaub und hatte von dem dortigen Gärtnereibesitzer Monhau die Erlaubnis zum Jagen erhalten. Als er am 16. Juli mit geladenem Gewehr die Feldmark entlang ging, sah er auf der Chaussee zwei Fahrräder stehen. Als er näher herzukam, be- merkte er zwei Frauen, die von einem Baume Kirschen pflückten. Gleichzeitig hörte er zwei Schüsse fallen, die zweifellos von einem in einiger Entfernung im Gebüsch stehenden Manne auf Fasanen abgegeben waren. Als die Frauen des OberjägerS ansichtig wurden, gaben sie dem von einem Hund begleiteten Mann im Gebüsch ein Warnungszeichen. Dieser machte es so wie sie: er schwang sich auf sein Rad und fuhr davon. Er stieg aber bald wieder ab und schien. gedeckt durch eine Bodenwelle, eine etwaige Begegnung mit dem Oberjäger abwarten zu wollen. Letzterer hielt es aber nicht für ratsam, sich mit dem Wilderer in einen Ringkampf einzulassen, deffen Ausgang nicht vorherzusehen war: er sorgte auf andere Weise für die Möglichkeit einer Ergreifung deS Wilddiebes. Er brachte dessen Hund zur Strecke, als dieser etwas abseits von seinem Herrn auf Schußweite sich genähert hatte und schnitt ihm das Halsband mit der Steuermarke ab. Mit Hilfe der letzteren konnte schon am nächsten Tage der jetzige Angeklagte als der Besitzer deS Hundes ermittelt werden. Er leugnete gar nicht, seiner alten Leiden- schaft obgelegen zu haben. DaS Gericht verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis._ WaS die Berliner Stadtmission alle» verlangt. Der..Verein für Berliner Stadtmission" sendet uns auf den Gerichtsbericht im„Vorwärts" vom 16. d. M. mit der Ueberschrift: „Was die Berliner Stadtmission alles verlangt" eise„Berichts, gung" dahingehend: Kern und eme nebelige Hülle, die jetzt schon so schön ist, wie der Halleysche Komet sie zeigte, als er zur günstigsten Zeit bei uns hier zu sehen war. ES ist nicht ausgeschlossen, daß sich der Komet zu einer glänzenderen Erscheinung entwickelt, denn sein Ort ist dafür sehr günstig am Nachthimmel. Genaueres darüber läßt sich vorher nie sagen, um so weniger, als wir annehmen müssen, daß der Komet wirklich neu ist. Eigentlich dürfte» wir nach der langen Pause seit dem letzten großen Kometen hoffen, mal wieder ein glänzenderes Kometenschauspiel zu erleben. DaS wäre um so erwünschter, als sich daran die neuen Theorien der Schweifbildung besser studieren und prüfen lassen, als an den kleinen teleilopifchen Schweifsternen, die nur im Fernrohr und auf der Photographischen Platte sichtbar werden. Der Komet bewegt sich vom Sterne Deneb nach einer Stelle am Himmel, die etwa? über der Wega im Sternbilde der Leier liegt. Anfang September wird er ein Stück über diesem letzt- genannten Sterne stehen. Leider kann das große Fernrohr der Urania nicht zur Verfügung gestellt werden-, weil die Drehkuppel schadhaft ist. Dieser Zustand besteht bereits seit Januar dieses JahreS, und das Institut läßt die an sich schon recht verwahrloste Sternwarte nun auch in seinem letzten und besten Teile unbrauchbar werden. Die Kraft der MecreSwcllen. Ueber die Höhe der eigentlichen Meereswellen macht man sich gemeinhin recht übertriebene Vor- stellungen. Wird doch auf hoher See die Höhe von 15 Meter kaum überschritten. Und in diesem Falle handelt eS sich um Wellen, die in der Länge 390— 400 Meter messen. Man kann demnach schwerlich von.Wellenbergen' sprechen. Und im Atlantischen Ozean wird man die Wellenerhebungcn im Durchschnitt ans nicht mehr als 8 Meter Höhe schätzen dürfen. Ganz anders präsentieren sich indessen die Wellen an der Küste. Hier, wo sie sich an den Klippen brechen, wird ihre Gewalt durch den Rückprall außerordentlich verstärkt. Sie stellen so eine Macht dar. der nichts zu widerstehen vermag. Mit dieser Kraft der Wellen in der Brandung beschäftigt sich eine eben erschienene Abhandlung über die ozeanographische Dynamik, in der ihr Verfasier. Professor Thoulet, die aufgewandte Wellenkraft in der Brandung festzustellen und ziffernmäßig zu berechnen versucht. Er weist dabei unter anderem auf das interessante Experiment von Thomas Stevenson, der zur Zeit der Ebbe eine Art Dynamometer fest in den Klippen verankert hatte und gegen das die Wellen in der Flut anprallten, hin. Der Dynamometer registrierte dabei je nach der Ebbenzeit und Windstärke einen Druck von 15 000 bis 3t 000 Kilogramm pro Quadratmeter. Das Resultat kann im übrigen durchaus nicht weiter überraschen, wenn man sich gegenwärtig hält, daß eine Waffermaffe in Betracht kommt, die in Höhe und Breite einen veritablen Hügel darstellt, und die sich mit der Schnelligkeit von 50 Kilometern in der Stunde bewegt. Wie Franyois Poncetton dazu im.Figaro" mitteilt kann man die Arbeitsleistung eines der normalen Windstöße, wie sie die Westküste Frankreichs treffen, mit einer andauernden Kraftäußerung von 100 Millionen Pferdestärken in Rechnung stellen. Man braucht sich daher gar nicht zu wundern, daß die französischen Küsten unter der enormen Druckkraft der anprallenden Brandung stetig abbröckeln, und daß England jedes Jahr dem Ozean seinen Tribut an Land zahlen muß. Welch erstaunlicher Kraftleistung das Meer fähig ist, geht unter anderem daraus her- vor, daß nach den Ausführungen ThouletS ein Gneisfelsen von 7500 Kilo Gewicht 22 Meter weit weggeschwemmt wurde. Und auf der Nordseeinsel Wyk wurde ein 1350 Kilo schwerer Steinblock von einer Klippe auf 10 Meter Entfernung fortgeschleudert. Die Höhe der Wellen, die solche gewaltige Verwüstungen anzurichten fähig sind, dürfte auf über 50 Meter zu berechnen sein. In Schottland wird beispielsweise der in 34 Meter Höhe errichtete Leuchtturm von Bell-Rock häufig von Wellen weggefegt, deren Volumen angesichts der geleisteten Arbeit 3000 Kubikmeter übersteigen mag. Notizen. gm Leffingmufeum(Brüderstr. 18) wird morgen, an Goethes Geburtstag, mittags 12 Uhr Bruno Wille über»Faust, das Hohelied vom Sinn des Lebens' sprechen. Konzert- sänger S. N. Harzen-Müller bringt Gesänge aus Faust n. Teil von Schumann und Lortzing zu Gehör. Der Eintritt ist frei. — Eine Lebensbeschreibung Theodor StormS. des bedeutenden Novellisten, wird von seiner Tochter Gertrud Storm demnächst herausgegeben werden. Zunächst soll der des Dichters Jugend behandelnde Teil erscheinen. — Vor dem S e g a nti n i- Museum zu St. Moritz auf dem Schafberge hat jetzt das von dem italienischen Bildhauer Bistolfi zu Ehren deS großen Maler» geschaffene Denkmal Auf- stellung erhalten. Dem Museum ist nun aber auch das berühmte Tryptichon SegantiniS:»DaS Leben, die Natur und der Tod', das zu den kostbarsten Schätzen zählt, von feiten der schweizerischen Regierung überwiesen worden. — Dr. Cook, der den Nordpol entdeckt haben wollte, aber rasch entlarvt wurde, soll nun doch noch auf die Bühne kommen. Zwei norwegische Librettisten haben ihn zum„Helden" einer Operette gemacht, ein schwedischer Komponist hat»hn»vertont'. Wenn er so- viel Talent zum Singen und Tanze« wie zum Schwindeln hat, kann'S nett werden. f. Es ist unrichtig, dnß nichts gegen den der Unterschlagung schuldigen Beamten der Stadtmission unternommen worden ist. Die Unterschlagung ist sowohl der vorgesetzten Aufsichtsbehörde der Siadtmission gemeldet, als auch den Mitgliedern des Vereins bekanntgemacht worden. Gegen den Beamten ist ein Strafverfahren von der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. 2. Es ist unrichtig, daß die Stadtmission durch den Verkauf ihres Grundstücks am Johannistisch so gestellt werden würde, daß sie auf milde Gaben nicht mehr angewiesen wäre. Durch den Vcr- kauf dieses Grundstückes würde höchstens so viel erzielt werden, um die als Ersatz für die mit dem Grundstück verkauften, an anderer Stelle neu zu errichtenden notwendigen Baulichkeiten aufzuführen. Diese„Berichtigung" berichtigt keine unserer Darlegungen. Sie wendet sich gegen die von dem Fabrikbesitziw D. aufgestellten, von uns lediglich referierten Behauptungen. Diese Behauptungen sind in dem vom Kammergericht zuungunsten der Stadtmission cnt- schiedenen Prozeß aufgestcllk. Die Wweisung der Siabtmissrorl entspricht, wie auch die Zuschrift nicht bestreitet, der Wahrheit. Wann die unter Ziffer 1 behauptete Verfolgung eingetreten ist, gibt die Zuschrift nicht an. Ihre Ansicht über den eventuellen Er- lös aus dem Grundstück am Johannistisch ist ein Urteil, das da- durch, daß die Stadtmission von seiner Richtigkeit überzeugt ist, noch nicht zutreffend wird._ Det- VerKauf von ca. 40,000 Dauer vom a6. August bis 3 Sept. ;ots, Pelerinen u. Gummi-Mäntel lervorragende Neuheiten der Saison 1911-12 LodenPelerinen für Herren und Damen Echt Bayerischer Strichloden„Imprägniert" grau_ u. grünlich in den Längen/ Cn 120-130 cm. Einheitspreis M'*J\J Prima Strich-Loden „lmprägniert"grau, braun oliv,„Spezial- Marke"._ in den Längen 120 bis 1-4 OK 130cm. Einheitspreis M. J Prima Kamelhaar- Loden in grau, oliv und braun,._ ■weich u. angenehm, i.Lg.| Vc 120-130 cm Einheitspreis Av/. Ulster und Paletots 1 Marengo- Cheviot, püchgrat-"1 Q LilSier Muster............ M. 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Todes-Anzeigen SozifddemokrattsctisrWaWverElDl des g. Ber). Belebstags-Waiilkreises. Todes- Anzeigen. Slm Dienstag, den 22. August, ! oerstarb unsere Genossin > sraii Julia Liebknecht Alt-Moabit 109. Vhre ihrem STit&cnfen! Die Beerdigung findet heute j Jonnabend, den 26. August, nach« > mittags 4 Uhr, von der Lelchen- j halle des städtischen Zentral- Friedhoses in Fnedrichsselte aus j statt. 230/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. « iinMiiwiiin iorsi Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlsteve Berlin. '(Bezirk AdlerShos-Alt-GIienIcke.) Am Donnerstag, den 2t August, ist unser Muglied Albert Bszw in der Spree tot ausgesunden worden. Ehre seinem Nndenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. August, nach. mittags 4'/.. Uhr, von der Halle des Alt- Glieuicker Gemeinde« Friedhoses au-s statt. Rege Beleiligung erwartet lZie Ortsvernalwng. ImIi'i.Lli-vüwliidgnMe d.MImwii.MWbe!!. Die Beerdigung unseres lang« jährigen Mitgliedes, deS srüheren zsassenboten Paul Schlitz [ findet statt am Jonnabend, den 26. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen PaulS-KirchhoseS, Piögensee, aus. 234/11 Das Komitee. Am Donnerstag, den 24. August. I oerschied nach langem, schwerem! Leiden unser lieber Kollege, der! Tischler vtts Sucher im 32. Lebensjahre. S327L I Wir verlieren in ihm einen! anfopsernden, treuen Kollegen. Ehre seinem Nndenken k vis Kollagan der Firma Schxell u. Co. wiSchentiiohe TeiljtMhlung elegant« gra-iii fertig and naeh Mass. foinsta Verarbcitun*. Hsrisn-Sthnaldsfri nur rfflUJetfU Eingang TiUlter Str. Her Met» SlrbeitSnachweiS: Berwaltungsstelle Berlin« Hauptdiireau- H vi I. Amt z, 1239._ CharitästraSe 3._ III. Amt 3, 1987 Montag, den 38. Angnst KeÄrks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Korden l Pharaaaaie, Müllerstr. 142, abends s-/, Uhr. Norden' reslsäle, Schwedter Strahe 83, abends Norden Franke« Festsäle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Tegel I Tfopp» Festsflle, Bahnhofstr. 1, abends 6 Uhr. EdOäilit* Pr&clltsftl0 �OI,d*�'est' Wielefftraste S4, abends Veslei! M ZedSiieliefg: QStCni liltlln« FcztsSle,»lentele* Strafte 07, abends 8>/,Uhr. Liclilenlierg: SÄ"".'■ ErM''"• Stralau und Rnuimelsburg: SÄÄÄÄ Wahl eines Beztrkskassierers. 80denbeiirllö: Ä<,"6af«®amw76' Weißensee! Prätaten,«eSbcm. IS», abends s-/, Uhr. KlkdOrl! Hoppes Festaäle, Hermanustr. 49, abends 8'/, Uhr. cliarlotlenbvrg: Volkslinn», Rosinenstr. 3, abends 8-/, Uhr. Ctonlit?' Sehellhanc« Fest-Säle, Steglift, Ahornstr. 15, Olcyill*. abends S'/j Uhr. Vortrag und Stellungnahme zur<«e- werbegerichtswahl für Friedenau. 122/2 ISpeBleli u. FrledPitlisliageB: fÄS. wS"": abends S'/j Uhr. Ober-Schöneweide: Spandau: Hestanrant Döhle, Havelstr. 89, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in alle» Bersammlungen: Bericht von der Generalversammlung. == Mitgliedsbuch legitimiert!= Die Bersammlungen werden pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltimg. Die Jubiläumsnummer„fJOOOOO" in Dreifarbendruck ist erschienen und zum Preise von 30 Pf. im Bureau zu haben. f Zahlstelle Berlin. Sranche der lusikinslrutnenten-JIrSieiter. Montag, de» 88. August. avendS 8 Uhr, im GewerkschaftShause, Engelufer 15(großer Saal)- TageS-Ordnung: 87/14 1. Die gegenwärtigen Zustände in der Berliner Mustkinstrumenlen- Industrie und wie ist eine Beiserung derselben herbeizuführen. 2. DiSkusston. 3. Bericht von der Genelalversammlung. 4. Branchenaiigelegenheiten. Bisten- u. Kosfermaeher. Sonntag» den S7. d. Mts.» vormittags 11'/, Uhr, Andreaöstr. Ä1: - Versammlung» TageS. Ordnung: 1. Bericht der«ommtssion»der die Berhaudlnng mit den Kabrikanten. 2. DiSkulston. Zeiilriillierblilid dn Wlischimstcil and Heher sowit Kcrufsgtilossell Itiilschlliiids Verwnltnnx»»tello IZerlln._ Sonnabend, den 26. August, abends 8'/, Uhr» in den Arminhalleu, Kommandantenstraste 38: Lsnsrsl-Versammlung. Tagesordnung: Geschäftsbericht. Kassenbericht. Bericht der Revisoren. Bericht der Delegierten der GewerkschastSkommission. BBT" Mitgliedsbuch legitimiert!"VA Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. DIo Verwaltung. Restaurant„Waldschlößchen",<«»?.- Mohrstedt) Kolonie.Falkenhorst' bei Grünau, Schulzendorser Straße, hinter Arbeiter- Baugenossenschaft.ParadieS". Sonntag, de» 37. Angnst: HloßtS InßrvMkttilll-Kllllierl. AuSges. vom Mnsikverein.Kleiner Kobn'', Bohnsdorf(Dir. Adaldort Ilödor). Abends feenhafte Beleuchtung k la Benedia. 225B Kaffeeküche.— Billard-Salon.— Ausspannung.— vorzügliche Küche. Ansang deS Konzerts 4 Uhr. Entree frei. •sHIa. Teupilz'Y/yHT'1 Reederei Kahnl& Herlzer. T�| Billige Idarapfer-Extrafahrtcn. I. an WaisenbrQcke. "Äi ÄS;" kW Soinlag: o.«. Absahrt 71/, Uhr vormittags. Hin und zurilck 2 M. Außerdem 1 Ifromnonkurn(Berliner Absahrt g>/, und 2 Uhr. Nach: blalffpoiivl-Iff glpon.) Hin und zurück 80 Ps. vom 28. Zlugust bis einschließlich 2. Sevtember: Neu! Täglich, außer Sonntag: Vaisncdark über Neue Muhle mit Rundfahrt bi» zum nach AiCl llidUUl 1 Utieisee aus der idyllisch schönen Lanke. Abs. 9'/, Uhr vorm. hin und zurück 80 Ps. Reue Mühle SV Ps. Aufterdem l Täglich(außer Upiia Ulikla l-b-r A reib ad Sonnabend u. Sonnlag) nach BCUC Grünau» K r a m p e n b u r g. Absahrt 2 Uhr. Preis 20 Ps. Jeden Mittwoch 7'/, Uhr nach TenpU»."WB Hin«. zurück 2 M. (Die Fahrten nach WotterSdorser Schleuse sind eingestellt.) U. sb UVeidendammer Brücke MObe ani Teilzahlung Splegelschränke Anz. 5 Hi. an Betlsiellen„ A„„ ! KleidersclirMe„ 5„„ Verios 8„„ I Siiclsnscliränke„ 5 n„ etc. etc. Alizalilnng 1 Hafk Zinuner-Einficlitung AnzäUiing 10 HIr. an ¥itiho|ip RosenllialeFSIr.SB1- vis-a-vis Neue Schänhauser Str. 1 Hark (gegenüber der Priiiz-LoniS-Ferdinaiid-Straße): den 2V., Mittwoch, d. 30., Donners« tag, den 3L August nach PböbeO Absahrt Sft, Uhr vormittags. Ren! Am Dienstag, durch die herrlichen K» Haveiseen. Prei» 1 M. Gänfe! Gänse! sjmtn«. Gänse-Artikel 115/10 BIUigHte T»se«prel«c Z Primn Schlack- und Salumitvnrst a Psd. 1,20. Lermsllv l-eiUller, iiozierzlr.». PlekA»n?« IinI«er-tVIII»olm-,tr. Fl. Zentral-Marklhalle Stand 28. wöclientlicfia Teilzahlungen lefereclegaot. fertige rsatc tfir Mass Anfertig, n. Mass TadelloSoAustbhr Julius Fabian Schneidermeisler Gr. Frankfurter Strasse 37, 1! eirgiag Straui- berger Platt II. GesebStt: Turmstr. 18 rmr erste Etage. kein Laden. CröffRuno der Herbst-Saison bei WESTHANN nohrenatrass« 37 a(sähe Jemsalomar Str.) 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ZrW(91L Partei- Hngetegcnbeiten* Zweiter Wahlkreis. Fünfte Mteilung. Sonntag, den 27. August. Familienausflug. Abfahrt früh v Uhr Grobgörfchenstrahe nach Zohlendorf-Behrenstratze. Für Nachzügler Treffpunkt Restaurant zur Wolfsschlucht. Tempclhof. Die Parteigenosien sümtlicher Bezirke treffen fich morgen sScmntag), vornnttagS 8 Uhr, bei Thiel, Berliner Stt. 41/42, zur Flugblattverbreitung. Johannisthal. Am Sonntag, den 27. August, veranstaltet der Arbeiter-BildungSauSschiih von AdlerShof eine Jahnfeier. Die« jenigen, die daran teilnehmen wollen, versammeln sich um 12'/, Uhr beim Genossen Senftleben, Friedrichstrabe 48. Abmarsch Punkt 1 Uhr. Grünau. Die Eintrittskarten zu der am Sonntag, den 27. August, in AdlerShof auf dem Grundstück Schneckenburger- und Moltkestrahen- Ecke stattfindenden Jahnfeier find beim Genossen Franz, Köpenicker Straße 88. in Empfang zu nehinen. Scheulendorf. Am Sonntag, den 27. August, feiert der hiefige Wahlverein sein Sommers« st. Der AuSmarsch beginnt um S Uhr. Das Komitee ersucht die Genossen und Genossinnen mit ihren Kindern recht pünktlich zu erscheinen. Wcißensce. Am DienStag, den 29. d. Dt., Vei EnderS: Ber« sammlimg. Genosse Ki> sn e r» B e r lin referiert über:.Die Einführung der Feuerbestattung in Preußen'. Da der Frauenleseabend im Interesse dieser Versammlung auSfällt, bitten wir auch die Frauen, recht zahlreich zur Stell« zu sein. Die Bezirksleitung. Mühlcnbrck(Bezirk Nieder» Schönhansen). Sonntag, den 27. August, nachmittag« 4 Uhr: Wahlvereinsversammlung im Lokal Gasthof zur Sonne(Inhaber A. Barsch). Tagesordnung: Bericht aus der Gemeindevertretung. Bereinsangelegenheiten und Ber» schiedeneS. Die Bezirksleitung. Bernau. Sonnabend, den 28. d. M., 8'/, Uhr abend«, im Lokal de? Gen. Salzmann: Mitgliederversammlung de» Wahlverein«. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von der Kreis- und Verbands- generalversammlnng.'S. Vereinsangelegenheiten.— Wir machen auf die am Sonntag, den 27. d. M., nachmittags 3 Uhr. in Ruhlsdorf unter freiem Himmel stattfindende Volksversammlung aufmerksam und ersuchen um rege Beteiligung an derselben. Die Bezirksleitung. Falkenhagen-Seegefeld. Mittwoch, 38. August, abend« 8 Uhr, Mitgliederversammlung mit sehr wichtiger Tagesordnung, die das Erscheinen aller Mitglieder erfordert. Der Vorstand. ßerlimr JVacbncbten. Zur Ersahwahl im 5. Berliner LandtagSwahlbezirk. Die Abgeordnetenersaßwohl für den verstorbenen Ge> Nossen Borgmann ist auf DienStag, den 21. November, fesk gesetzt. Es machen sich aber Wahlmänncr-Ersatzwahlen notwendig für die Wahlmänner, �ie"seit den Wahlmänner Wahlen im Oktober 1909 durch Tod, Wegzug aus dem Ur Wahlbezirke oder auf sonstige Weise als Wahlmänner ausge schieden sind. Für diese Wahlmänner müssen neue gewählt werden. Diese Wahlmänner-Ersatzwahlen finden am Diens tag. den 17. Oktober, statt. Gemäß 8 21 des Wahlreglements werden zu diesem Zwecke neue Urwähler und Abteilungslisten ausgestellt, deren Auslcgungstermine noch bekanntgegeben werden sollen._ Au» Alt-verlin. Da» Neue Tor, eine Erinnerung an die alte Stadtmauer Berlins, von dem sich allerdings nur die Seiten- gebäud« erhalten haben, wird jetzt 7d Jahre alt. E» ist 1838 an- gelegt worden, wenige Jahre nachdem die Luisenstraße entstanden war. und mit der Anlage vollzog sich eine Veränderung der ganzen Gegend. Im 18. Jahrhundert umzog Berlin zwischen dem Unter- bäum und dem Oranienburger Tor eine Palisadenreihe. Vom Unterbaum gelangte man dicht an den Palisaden durch die Charit6straße zur Charit�, während recht? von der TharitS ein schmaler Steig zwischen den Palisaden und Gärten nach dem Oranienburger Tor führte. Vor dieser Palisadenreihe sah eS ziemlich wüst au». ES lag dort lediglich bei der sogenannten»Arche beim Werder in der Panle" ein« 1702 erbaute Schleif- und Polier. mühle, die später zu einer TabakSmühle und einem Streckwerk für Tobaksblei umgestaltet wurde. In der Anlage befand sich auch ein Wirtshaus.»Alle« liegt dieSseit» dem Jnvalidenhanse* heißt et in einer Beschreibung von Berlin 1779,..an der Pauke, worüber «ine kleine Brücke geht und welche hinter diesem Hause eine kleine angenehme Insel bildet.' Au» der TabakSmühle machte der Mi- nister Graf v. Redern 1304 die Königl. Eisengießerei, die für da- malige Verhältnisse bedeutendes leistete und jährlich an 10Y Zentner Gußwaren produzierte. Ferner lag vor den Palisaden da» Jnvalidenhau«, link« jenseits der Panke, da» 1745/48 errichtet ist. DaS übrige Terrain, das von der Panke und dem Schönhauser Graben eingeschlossen war und von der Invalidenstraße und der Kirsch-Allee(jetzt Scharnhorststraße) durchschnitten wurde, war ur« sprünglich eine wüste Sandscholle, mit deren Urbarmachung 1733 der Eharite-Oberinspektor Habcrmaß begonnen hatte, indem er hier Maulbeerplantogen und Gärten anlegte, was nicht geringe Rühe kostete. Nachdem im Jahre 1886 daS Neue Tor und der Platz davor ang-legt worden waren, erhielt die Charitestrahe den Namen.Communiation am Neuen Tore', woran« vor wenigen Jahren Hannoversche Straße geworden ist. Die Richtung dieser Straße verfolgt ziemlich genau die der alten Mauer. Am Tore wurde 1337 der Luisenplatz angelegt und in den folgenden Jahren setzte hier eine stärkere Bewegung ein, so daß die ganze Gegend ein bessere? Aussehen erhielt. Vor dem Neuen Tore hat sich Berlin allerding» erst vor etwa 50 Jahren entwickelt. Abschluß der Stadthnuptkasse. Nach den Mitteilungen des StadtkämmererS in der gestrigen Magistratssitzung stellt sich der endgültige Abschluß der Berliner stadthauptkasse für das Rechnungsjahr 1910 um rund 6 Millionen(gegen das Vorjahr% Millionen) Mark günstiger, als nach dem Etat anzunehmen war. Bei Kapitel 1 des Etats, der von Grundeigentum und Berechtigungen handelt, macht die Verbesserung insgesamt 593 000 M. auS. woran die erste Abteilung, betreffend die Grundstücke in der Stadt, mit rund 124 000 M.. die zweite� betreffend die Grundstücke außerhalb der Stadt und den Kalb steinbruch Rüdersdorf, mit 13 000 M. und die dritte, betreffend Dotationen usw., mit 450000 M. beteiligt sind. insbesondere haben die Abgaben der Berliner ßlektrizitäts Werke ein Mehr von 363 700 M. ergeben. Tie städtischen Werk«, von denen der Etat in Kapitel Ii bandelt, schließen zum Teil erheblich ssünstiger ab. als der Etat annahm So die Gaswerke um 1 300 000 M.. die Wasser- werke um 819 000 M.. der Viehmarkt mit 165 000 M. und die Markthalle mit 305 000 M. Ter hohe Betrag bei den Gaswerken ist nicht auf Mehreinnahmen zurückzuführen: hier find vielmehr erhebliche Ausfälle gegen den Etat zu verzeich» nen, sondern auf Minderausgaben, insbesondere für Kohlen. Verzinsung und Abschreibungen. Der erhebliche Mchrüber- chuß der städtischen Straßenbahnen ist wieder zur anteiligen Deckung der für sie aufgenommenen Bautenvorschüsse der- wendet worden. Bei Kapitel III, die Steuervertvaltung betreffend, ist ins- gesamt ein Minus von 410 986 M. zu verzeichnen. Es er- weist sich, daß die Einkommensteuer im Etat um 2 364 865 M. zu hoch veranschlagt worden ist: die Gewerbesteuer um 440 000 Mark und die Umsatzsteuer um 728 000 M. Diese Ausfälle konnten selbst durch die erheblichen Mehreinnahmen nicht völlig wettgemacht werden, welche aus der Grundsteuer, dem Braumalzsteuerzuschlag und der Wertzuwachssteuer mit 2 388 000 M., 97 000 M. und 635 000 M. aufgekommen sind. Das gesamte SIchulkapitel IV schließt um eine Viertel- Million Mark günstiger ab. Das Kapitel Armenwesen um 244 000 M. schlechter. Die eigentliche Armenverwaltnng stellt sich um 439 000 M. ungünstiger. die Waisenpflege und Fürsorgeerziehung um 36 000 M., während die Hospitäler um 280 000 M. günstiger abschließen. Das von der Kranken- und Gesundheitspflege handelnde Kapitel VI stellt sich um 556 000 M. besser. Während die eigentlichen Krankenhäuser um 8000 M. rund ungünstiger abschneiden, ist der Abschluß der Irrenanstalten um 300 000 Mark, der der Badeanstalten um 194 000 M. günstiger. Polizei und Feuerlöschwesen(Kapitel VII des Etats) 'testen sich um rund 200 000 M. günstiger. Kapitel VIII, betreffend Beleuchtung. Straßenreinigung, Park- und Friedhofsverwaltung, schließt mit 369 000 M. besser ab, woran die öffentliche Beleuchtung und Straßen- reinigung mit 87 000 und 289 000 M. beteiligt sind. Der Abschluß des Bauwesens, Kapitel IX, ist in beiden Abteilungen beim Hochbau mit 373 000 M., beim Tiefbau mit 442 000 M., insgesamt mit 816000 M. günstiger als der Ztat vorsah. Bei den Verwaltungskosten steht einer Ersparnis von 404 000 M. im Personalbesoldungsetat unter anderem eine Mehrausgabe von 150 000 M. bei den Ruhegehältern gegen- über. Die Kapital- und Schuldenverwaltung zeigt eine Ver- iesserung um rund 900 000 M. Dieser Abschluß zeigt, daß der Etat auf daS allerknappste Gemessen worden ist und daß insbesondere die Anschläge der Stadtverordneten über die Einkommensteuern viel zu hoch be messen worden find. Dabei muß man berücksichtigen., daß im Etat vieles gar nicht vorgesehen ist. was unbedingt nötig gewesen wäre. Die Finanzgebarung der Stadt Berlin bleibt nach wie vor eine höchst ungünstige. Der neue Etat beweist daS._ Um in Sensation zu machen, ist der bürgerlichen Presse oft da, Schlechteste gut genug. Die Wahrheit diese« Satze» zu bekräsligen gibt sich jetzt die. Berliner Morgenpost' redliche Mühe. Bor einigen Tagen veröffentlichte fie einen Brief des bekannten .Graf de Passy", der fie zu feinem Leibblatt gewürdigt hat. Freude- strahlend teilte da» Ullsteinblatt seinen Lesern diese seltene Auszeichnung mit, wobei es dem Briefe den Wunsch anhängte, ihm auch etwaS über seine Flucht zu berichten. Ll» der Gentleman diesen Wunsch gelesen, setzte er sich sofort hin und schickte seinem Leibblatt. von dem er offenbar genau weiß, daß sein» Leser für solchen Humbug schwärmen, einen zweiten Brief, in dem er ollerding» nicht« über seine Flucht(er war eben schlauer al« die Redaktion der.Morgenpost'), aber sonst aller- Hand schöne Sachen schrieb, vom Münchener Zoo. von den Damen, vom Essen und manch' anderen Dingen schwatzte er. Die.Morgen- post', beehrt durch die wiederholten Zusendungen des Gauner«, brachte nun auch da« Bild des Schiemang. um so ihren Abnehmern die Sache noch schmackhafter zu machen. Der Kult, den da« Blatt da mit den Einsendungen des Schwindlers treibt, bildet eine Illustration dazu, au» welch' schlüpfrigen Gasten manche» biedere Blatt schöpft._ Wen trifft die Schuld? Durch Uebertragung ein)er JnfektionSkrank- heit ist schweres Unglück über eine ganze Familie gebracht worden. Der Arbeiter L a d e w i g. der im Hause Freienwalder Straße 31/32 wohnt, hatte sieben Kinder im Alter von 14 bis zu 2,/a Jahren. Ein im 12. Jahre stehender Sohn Paul, der schwächlich ist. war für die Sommerferien mit einer Ferien- kolonie nach Uebigau(bei Torgau) geschickt worden. Als Paul am 7. August abends zurückkehrte, fiel er den Eltern da- durch auf. daß er krank aussah. Auf Befragen gab er an. er habe eine Mandelentzündung mit hohem Fieber gehabt und etwa ein- Woche hindurch krank gelegen. Der Leiter der Kolonie habe nicht zugelassen, daß die Eltern hiervon Kenntnis erhielten. Frau L. meinte, daß nach dieser Krankheit keine Ansteckungsgefahr für ihre übrigen Kinder bestehe, zumal, da ihr von der Leitung der Ferienkolonie keine Warnung zugegangen war. Plötzlich erkrankte in der Familie am 10. August nachmittags der im fünften Lebensjahre stehende Sohn Karl unter Erbrechen und Halsschmerzen, doch hielten die Eltern daö zunächst noch für ein geringfügiges Unwohlsein. Als in der Nacht vom 11. zum 12. August auch ein sechsjähriger Knabe Hermann und am Morgen des 12. August ein im achten Jahre stehendes Mädchen Marie unter denselben Erscheinungen erkrankten, wurde der sechsjährige Knabe einem Arzt zugeführt. Dieser nahm Schar- lachvcrdacht an. und da ihm gesagt wurde, daß zu Hause noch zwei andere Kinder krank lagen, so kam er nach der Wohnung. Als er hier eintraf, war inzwischen auch ein im neunten Jahre stehen- der Knabe Gustav erkrankt. Ter Arzt erklärte alle vier Kinder für scharlachkrank und empfahl schleunigste Uebcrweisung in ein Krankenhaus. Die Mutter zögerte, die Kinder wegzugeben. Sie entschloß sich dazu erst, als die Krankheitserscheinungen schlimmer wurden. Am 12. August abend» brachte sie Hermann nach dem Kinderkrankenhause in der Reinickendorfer Straße, am 18. August morgen» mußten auch Marie und Karl dort aufgenommen werden, und am 14. August morgen» folgte ihnen Gustav. Im Krankenhaus gab man die Auskunft, daß alle vier Kinder fcharlachirank feien. Den bestürzten Eltern wurde am 15. August au» dem Krankenhause die Trauerkunde gebracht, daß am Morgen diese» Tage» ibr Sohn Karl gestorben war. Am 18. August mußten st- auch ihre 14jährige Tochter Frida in ein Kranken hauS bringen, diese in da« virchowkrankenhau». und auch sie wurde für scharlachkrank erklärt. AuS dem Kinderkrankenhaus kam dann am 17. August ein« neue Schreckensbotschaft: auch Marie war den Eltern durch den Tod entrissen worden. Am 13. August mußte schließlich auch da» jüngste Kind, ein 2V, jährige» Mädchen Anna, dem Krankenhaus überwiesen werden. Sie erschien gleich- falls scharlachverdächtig, im Krankenhaus wurde aber DiphtheritiS angenommen. Bei den Eltern war jetzt nur ein einziges von ihren stebett Kindern, ihr Sohn Paul, der in der Ferienkolonie einö Mandelentzündung überstanden haben sollte. Da auch ce durch ungünstiges Befinden die Besorgnis der Eltern weckte, so wurde am 19. August nochmals der Arzt geholt. Dieser erklärte jetzt, Paul habe Scharlach gehabt und leide unter den Nach- Wirkungen auf die Nieren. Der Vater ließ am 20. August den Jungen auch durch einen anderen Arzt untersuchen, und auch der gab den Bescheid, Paul habe Scharlach gehabt und daS könne schon! drei Wochen her sein. Bange Sorge um daS Schicksal der noch im KranIenhanS liegenden übrigen Kinder erfüllte die Eltern, denen in acht Tagen sechs Kinder erkrankt und zwei davon durch den Tod entrissen worden sind. Wen trissk die Schuld an dem schweren Herzeleid, daS über die Familie ge- kommen ist? Ist die Annahme richtig, daß Paul bereit» vor Wochen gleich- falls Scharlach gehabt hat, so liegt die Vermutung nahe, daß durch ihn die Krankheit aus der Ferienkolonie in die Familie eingeschleppt worden ist. Als wir festzustellen suchten, ob noch andere Ansteckungsquellen in Frage kommen, gaben die Eltern an, Frida sei am 18. August aus der Heimstätte Blankenburg zurückgekehrt, wo Scharlach geherrscht habe. Sie versicherten uns aber, ein Besuch in der Heimstätte sei von einem der Geschwister zum letzten Male am 23. Juli, von den übrigen zum letzten Male schon am 16. Juli gemacht worden. Wenn daS richtig ist, so kann nicht als wahrscheinlich gelten, daß auS der Heimstätte die Krankheit eingeschleppt worden sei. Frau L. hat jetzt den Leiter der Ferienkolonie Uebigau, einen Berliner Gemeindcschullehrer Schmackpfeffer, davon in KennniS gesetzt, welches Unglück nach Pauls Rückkehr auS der Ferienkolonie die Familie betroffen hat. Herr Schm., der selber in Uebigau den Jungen in seiner Krankheit, wie dieser erzählt, sorgsam gc- pflegt hatte, wurde erschüttert durch dr« Entsetzliche, daS er jetzt von der Mutter erfuhr. Er versichert?, in der Ferienkolonie habe der Arzt die Krankheit Pauls auf wiederholtes Befrage» immer wieder als Mandelentzündung bezeichnet. Auch bei einigen anderen Kindern, die in der Ferienkolonie erkrankt waren, sei nur Mandelentzündung angenommen worden. Schar- lach habe in einem Nachbarort geherrscht, der etwa eine halbe Stunde entfernt war. Wäre Pauls Kran/khcit gleichfalls als Scharlach angesehen worden, so hätte er, der Leiter der Kolonie, selbstverständlich die Eltern benachrichtigt. Nach diesen Mitteilungen sind wir der Ansicht, daß die ganze Angelegenheit noch sehr der Ausklärung bedarf. Un- sere Leser bitten wir dringend, uns die ihnen etwa bekannt werdenden Adressen anderer Kinder zu melden, die in der Zeil zwischen 11. Juli und 7. August in der Ferienkolonie Uebigau untergebracht waren. Wir wollen feststellen, ob sonst noch in einer der beteiligten Familien nach der Rückkehr der Ferien- kolonisten Erkrankungen an Scharlach aufgetreten sind, die etwa von dort eingeschleppt sein könnten. Auch Angaben über Scharlach- erkrankungen, die etwa in der Heimstätte Blankenburg im JuE Und Ansang August vorgekommen sind, wären uns erwünscht. Eine längere vctriebSstöning im StraßenSahnverkehr trat am gestrigen Frcitagmittag von 12.10 bis 12.50 Uhr in Charlotten- bürg ein. An der Kaiser- Wilhelm- GedächtniSlirche waren von Arbeitern der Untergrundbahn bei Reparalurarbeiten die Speisekabel durchschlagen worden, so daß die Speisepunkte 51 und 55 des Char- lottenburger Elektrizitätswerkes stromlos wurden und dte Wagen auf der Kleist«, Tauentzieir-, Nürnberger, Kurfürsten- und AugS- burger Straße sowie von der Nettelbeck- bis zur Kursllrstenstraße auf der Strecke liegen blieben. Durch Hinzuschnlten benachbarter Speisepuukle konnte der Bclrieb nach 40 Minuten dauernder Störung wieder aufgenommen werden. von einem Möbelwagen überfahren und schwer verletzt wurde am DonnerStognachmittag gegen 5 Uhr die fünfjährige Grete Hartmann, Pettcnkoferstr. 4 wohnhaft. DaS Mädchen war in den unter dem Möbelwagen hängenden, für Spiegel und GlaSsachcn bestimmten Kasten hineingekrochen, um sich dort zu verstecken. Als der Wagen dann anfuhr, wollte die Kleine den Kasten verlassen, kam jedoch so unglücklich zu Fall, daß ihr das linke Hinterrad dcS WagenS über beide Hände hinwegging. Das vor Schmerz bewußt- lose Kind wurde nach der Unfallstation in der Warschauer Straße geschafft, wo an jeder Hand drei Finger amputiert werden mußten. Das bedauernswerte Mädchen wurde dann nach dem Kranken» hause am Friedrichshain gebracht. Ein gefährlicher Kindcrfreund ist gestern in der Reichenbergkr Straße aufgetreten. Geg:n 8 Uhr morgen? schickte die Gürtler- frau D. ihr ungefähr 5 Jahre altes Tochterchen Berta aus der Wohnung im vierten Stock des Hause» Nr. 95 zum Spielen nach der Straße. Als die Kleine vor der Tür stand, kam ein Mann mit einem Hund heran, ging nach dem Hausflur und sagte ihr, fie möge einmal mitkommen. Ahnungslos ging das Kind über den Flur und eine halbe Treppe hinauf. Hier verging sich der Unhold an ihm. Als cS Schmerzen empfand, schrie eS und lief zu der Mutter hinauf. Diese nahm sofort die Verfolgung de» UebeltäterS auf. Er war aber unterdessen unbehindert entkommen und ver- tchwundcn. Nach der Beschreibung muß er ein Mann von etwa 40— 45 Jahren und etwas beleibt sein. Er trug einen grauen Anzug und eine blaue Dcckelmütze mit Schirm. Der Hund, den er bei sich hatte, scheint ein weißer Terrier zu sein. Ein„Bankdircktor" verhaftet. Ein Schwindelbankier, der aml 17. September 1875 zu Thun geborene Kaufmann Max Dost, der in Treptow in der Lohmühlenstr. 80/81 wohnte, betrieb früher eine Kneipe mit Mädchcnbedienung. Dann wurde er Darlehnvcrmittler, ohne in Wirklichkeit viel zu vermitteln. All dieser Kleinkram aber schien ihn nicht zu befriedigen. Deshalb machte er am 1. Ok- tober v. I. in der Neuen Roßstr. 5 ein Bankgeschäft auf und er- nannte sich selbst zu dessen Direktor. Er verkündete pomphaft, daß sein Unternehmen mit 14 Millionen Grundkapital arbeite und englische Großbanken vertrete. Dementsprechend nannte er sein Geschäft auch: The Anglo Continental, Bank Office London, Berlin. Paris. Direktor Dost mietete für einen erheblichen Preis drei Räume und stattete sie sehr elegant auS. Ein Laden diente als Kassenraum, in dem einen der beiden Zimmer, die sich daran an- schließen, arbeiteten vier Maschinenschreiberinnen, daS andere war das Privatkontor des Herrn Direktors, der als ein sehr ner» vöser Mann möglichst wenig gestört sein wollte. Diesen Privat» räum hatte Dost noch ganz besonder» ausgeschmückt. Hier hingen Abzeichen eines Freimaurerordens, dem anzugehören der Herr Direktor jedermann erzählte, um sich den Schein eines anständtgen und redlichen Menschen zu geben. Hier hing auch der Wahrsprnch, den Dost von dem Bankier Siegmnnd Frtedberg aus der Neu- städtischen Kirchstratze übernommen hatte: Wer morgen? nur eine einzige Stunde zur Arbeit früher sich erhebt, der Hot an einer Jahreswende schon 90 Tage mehr gelebt. In schönster Brand, Malerei hatte sich Dost diesen Spruch herstellen lassen. In Wirk» lichkeit ist der Verhaftete nur eine Kreatur des berüchtigten Hugo Lowy. der vor Jahren mit einer großen Schuldenlast nach London entfloh und von dort aus immer noch mit mehr oder weniger Er- folg deutsche Gimpel einfängt, obwohl fortgesetzt vor seinen Unter- nchmungen gewarnt wird. Mit Lysol vergiftet hat sich am Donnerstagmittag gegen Ü2 Uhr die 25 jährige Frau Anna Aßmus in ihrer Wohnung, Schreinerstr. 52� Die Ursache ist in ehelichen Zerwürfnissen zu suchen. Frau A. wurde nach der Unfallstation und von da in be- dcnklichem Zustande nach dem Krankenhause am Friedrichshain ge- bracht. Eine eigenartige Kindesaussetzung beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf dem Grundstück Ruppiner Stratze 35 fand am Donnerstagabend die Verwalterfrau Köuigsfeld, die durch ein jämmerliches Weinen aufmerksam gemacht worden war, auf dem Hofe in einem Licht- schacht eines Kellerfeiisters einen neugeborenen Knaben. Sie be- nachrichtigte die Polizei und brachte das Kind nach der Charitä, die es in Pflege nahm. Die Nachforschungen nach der Mutter führten bis jetzt noch nicht zum Ziel. Es wurde nur festgestellt, daß eine Frauensperson von etwa 25—26 Jahren gleich nach 9 Uhr abends nach dem Hof gekommen ist, das Kind in den Lichtschacht gelegt und sich dann wieder entfernt hat. Unmittelbar darauf hörte man den Kleinen schreien und befreite ihn. Zu dem Turnunfall, über den wir kürzlich berichteten, schreibt uns der Turnwart der 17. Männerabteilung des Turnvereins „Fichte":„Der Turner ist nicht beim Reckturnen zu Fall gekommen. sondern beim Spielen mit einem anderen zusammengeraten und hierbei unglücklicherweise zu Fall gekommen. Der eine von beiden wurde in besinnungslosem Zustande nach der Unfallstation befördert, während der andere ohne Schaden geblieben ist. Der Arzt der Unfallstation stellte, nachdem der Betreffende feine Besinnung wieder erlangt hatte, eine leichte Gehirnerschütterung fest und befürwortete zur weiteren Beobachtung die Ueberführung in ein.Krankenhaus. Der Znstand des Verunglückten ist so, daß er das Krankenhans schon wieder verlassen kann. Schwere innere Verletzungen, welche der Bericht vermerkte, liegen nicht vor." Wegen Hehlerei ist gestern ein lange gesuchter Kaufmann Leopold Raphael festgenoinmen worden. Ein gefährlicher Kcllcrbrand beschäftigte gestern früh die Ber- liner Feuerwehr in der Kommandantenstraße 54 am Dönhoffsplatz. Dort war aus unbekannter Ursache in einem Lagerraum der Firma Knopffabrik von G. Buhlmann, G. m. b. H., Feuer ausge- kommen, das besonders an noch nicht übersponnenen Holzknöpfen reiche Nahrung fand. Als um 7% Uhr der erste Löschzug erschien, stand schon der Keller im Ouergebäude in Flammen. Die Hitze und der Qualm waren so enorm, daß nur mit Rauchschutzapparaten ausgerüstete Sappeure bis zum Brandherd, der schwer zugänglich war, vordringen konnten. Von zwei Seiten wurde dann das Feuer unter Wasser genommen. Bei der Löschung wurde ein Feuerwehr- mann ohnmächtig und ein Kamerad erlitt in dem dunklen Keller eine Verletzung am Kopf durch die Axt eines anderen. Schließlich gelang es aber trotz der vielen örtlichen Schwierigkeiten, den Brand auf den Keller und die angrenzenden Räume zu beschränken. Bemerkenswert war, daß ein Starkstromkabel mit einer Holzbe- klcidung„geschützt" war, die natürlich mitverbrannte, während das Kabel intakt blieb. Das Konzertctablissement„Clou" eröffnei am heutigen Abend ln der Mauerstraße wieder seine Pforten. Vorort- JVachricbtcm Wilmersdorf. Zu dem Bauunfall, der sich DonnerStagmittag im Bismarck- ghmnasium ereignete und wobei drei Arbeiter verletzt wurden, wird uns von beteiligter Seite noch mitgeteilt: Die eingestürzte Decke war 26 Meter lang und 13 Meter tief; die Unterzeuge 13 Meter lang, 39x41 Zentimeter hoch und 4,40 Meter auseinanderstehend. Die Decke selbst war 11 Zentimeter stark und hatte nur sich selbst zu tragen. Die Schuld an dem bedauerlichen Unfall dürfte demnach dem bekannten Patentsystem der Firma Westphal zuzuschreiben sein. Wie man uns weiter mitteilt, waren die verunglückten Ar- beiter von ihren Kollegen bereits unter dem Trümmerhausen her- vorgeholt, ehe die Feuerwehr erschien. Auch soll es sehr unangenehm empfunden worden sein, daß nicht sofort ein Arzt an der Unfall- stelle erschien. Ein neuer Tachstuhlbrand kam Freitagabend in der siebenten Stunde in der. K a t h a r i n e n st r. 3 nahe dem Kurfürstendamm zum Ausbruch. Die hiesige Feuerwehr eilte mit beiden Zügen zu Hilfe und griff sofort mit mehreren Schlauchleitungen ein. Es brannte der Tachstuhl des Hintergebäudes in ganzer Ausdehnung. Durch unausgesetztes Wassergeben gelang es, das Feuer auf den einen Tachstuhl zu beschränken, der allerdings fast vollständig niederbrannte. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Der Schaden ist bedeutend, da auch einzelne Wohnungen im vierten Stock stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Ober-Schöneweide. Wenig erfreulich wird für die Anwohner des Terrain? bei Nobclshof die jetzi erfolgte Eingemeindung nach Ober-Schöneweide sein; bislang gehörte das Terrain zu dein Gutsbezirk Köpenick-Forst, welcher als solcher keine Zuschläge zur Stäatseinkonuneusteuer erhob. Allerdings ist für die Jnlercsscn der Anwohner auch wenig oder gar nichts geleistet worden, wie ja auch die Schulkinder den hiesigen Schulen zugeteilt sind und die Erslatinngskosten(pro Kind 29 M. im Jahr) meist von den dort domiziliereudeu Unlerliehniungen ge- tragen wurden. Wenn nun in Betracht gezogen wird, daß Ober-Schöneweide einen Steuerzuschlag von 135 Proz. erhebt, dürfte eine solche Veränderung den Beteiligten nicht sehr gelegen kommen.. Der Ort selbst wird durch die dort vorhandene Industrie nach vorläufiger Schätzung ca. 45 999 M. Stencrertrag haben, dem steht allerdings enlgcgen, daß nun auch die Ansprüche der Anwohner in bezug auf Verkehrs- und Enlwässernngsvcrbesscrung geltend gemacht werden, was für die Gemeinde ivesentlicke Aufwendungen bedeutet. Die Gemeinde selbst bcsitzi dort eigenes Terrain, welches vor einigen Jahren aus privatem Besitz für 699 999 M. erworben wurde. Sldlershof. „Die bürgcrlcche Presse im Dienste der Unterdrückung des Volkes" war das Thema, über das Genosse Horlitz in einer am Dienstag, den 23. d. M., in AdlerShos stattgefundeuen öffentlichen Versammlung referierte. Der Reserent zeigte die Entwickelung und Bedeutung der Presse im allgemeinen und legte dann die Ab- hängiglcil vieler bürgerlicher Orgaue von den einzelnen ivirtschaft- lichen und politischen Interessengruppen klar. Der Inhalt eurer ganzen Reihe von Nummern der liberalen„Adlershofer Zeitung" wurde auszugsweise verlesen und daraus nachgewiesen, wie wertlos diese Zeitung für die Arbeiter, ist. Dieses- Blatt suche die Arbeiter für den Marokkokrieg zu begeistern. Der Krieg von 1870/71 habe den Arbeitern kolossalen Wohlstand � gebracht, von einem erneuten Krieg um Marokkos Willen sei dasselbe zu erwarten. Ob dieses Blatt die Metallarbeitcraussperrung in Deutschland oder die Vorgänge in England bespräche, immer sei die Stellungnahme vor» schwömmen und unklar und schief. Vom verdummenden Leitartikel bis hinab zur Streilbrecherannonce trage das Blatt alle Merkmale einer gewissen bürgerlichen Presse. Deshalb hinaus damit aus den Arbeiterfamilien. Der Arbeiter brauche Wahrheit und Wissen, die aber sprudeln ans dem Born der sozialistischen Presse. Wenn in dieser Woche die Werber in die Arbeiterfamilien kämen, um Llbonnenten auf delt„Vorwärts" zu erlangen, so sei eS jeden Arbeiters Pflicht, sie mit offenen Armen zu empfangen, denn die sozialistische Presse sei die schärfste, üiicitlbchrlichste Waffe im Emanzipationskanipf der Arbeiter._■ Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Für die-Orte Adkershof, Alt-Glienicke, Bohnsdorf, Grünau, Johannisthal, Köpenick und Nicdcr-Schönewcide findet am Sonntag, den 27. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, auf dem Grundstück des Herrn Lonis Treitel in Adlershof, Ecke der Moltke- und Schneckenburger- straße, eine gemeinsame Jahnfeier statt. F e st r e d e:.Jahn und die Arbeiterturnvereine". Freiübungen des Arbeiterturnvereins Adlershof. Daran anschließend großer Umzug mit Musik nach Wöllsteins Lustgarten. Daselbst Konzert. Gesang und turnerische Aufführungen. Tanz. Eintritt 19 Pf. Um massenhafte Beteiligung ersucht Der Arbeiter-Bildungsausschuß Adlershof. Mariendorf» AuS der Gemeindevertretung. Eine umfangreiche Tagesordnung beschäfligte die erste Vertretersttzung nach den Ferien. Zunächst gab der Professor Sugengut, deffen Firma den Bau des Gymnasiums ausführte, eine genaue Abrechnung. Von den zum Bau zur Ver- fügung gestellten 575 599 M. wurden an Baukosten nur 438 459 M. gebraucht, so daß beim Bau selbst rund 37 999 M. gespart wurden. An den allgemeinen Ausgaben wurden ebenfalls 26 999 M. gespart, desgleichen bei den inneren Einrichtungen. Nach Abzug aller sonst noch vorhandenen Kosten ist eine Gesamtersparnis von 36 1l9 M. geniacht worden, die von der Gemeindevertretung in dankenswerter Weise anerkannt wurde. Hierauf wurde das Projekt für den Bau der höheren Mädchenschule in. der Ringstraße vom Professor «üßengut mit den von der Regierung geforderten kleinen Ab- änderungen vorgelegt. Zu dem Kostenanschlag von 595 999 M. wurde eine Nachforderung von 25 999 M. verlangt, die damit begründet wurde, daß ursprünglich eine Wannwasser- Heizung nicht im Voranschlag vorhanden war; nachdem eine solche noch verlangt wurde, seien die Kosten um so viel höher. Es wurde dabei betont, daß die Mehrausgabe beim Betrieb wieder erspart werde. Die Gemeindevertretung bewilligte die Nachforderung mit dem Wunsche, daß es der Firma Reinhardt u. Süßengnt gelingen möge, auch bei diesem Bau Ersparnisse zu erlangen. Der Bau selbst soll in diesem Jahre noch unter Dach sein. In einer hieran schließenden GeschäflsordnungSdebatte ver- langten die Genossen Günther und Weber die Absetzung verschiedener Punkte von der Tagesordnung mit der Begründung, daß diese An- gelegenheiten erst in der Kommission verhandelt werden sollen, allerdings mit negativem Erfolge. Verschiedene bürgerliche Herren, die sonst immer schon bei einer langen Tagesordnung vor Schluß der Sitzung nach Hause gingen, ichieuen einen großen Arbeitseifer zu haben.—. Der Eisenbabndireklion Berlin wird während des Umbaues des Bahnhofes Mariendorf— der endlich in Angriff genommen werden soll— eine Landfläche zur Verfügung gestellt werden mit der Motivierung, daß diese Fläche mit einem Bauzaun zu umgeben ist. Um welche nebensächliche Tinge sich die Polizei kümmert, be- wies ein schriftlicher Antrag des Amtsvorstehers, der darin verlangt, daß das PunipstationSgrundslück, das bisher mit einem Drahtzaun umgeben ist, von nun an binnen vier Wochen mit einer Sockelmauer umgeben werden soll. Dies Verlangen lehnte die Gesamtvertretung rundweg ab. Unier Feuerwehr- angelegcnheilen wurde bekannt gegeben, daß die Sirene im Orts- teil Südende jetzt fertiggestellt ist und dem Betrieb übergeben iverden kann. Hierbei brachten Südender Vertreter Beschwerden der dortigen Anwohner vor, die durch den ohrenbetäubenden Lärm der Sirene sich in ihrer Ruhe gestört fühlen eine Amtsrätin habe sogar schon Herzkrämpfe dadurch bekommen. Erst wollten die Südender ein Fenerwehrsignal. jetzt nachdem sie es haben, wollen sie flucht- artig den Ort verlassen. Auf Anfrage des KreiSanSschiisses über die Veranlagung zur Reichszuwachssteuer soll diesem mitgeteilt werden, daß die Gemeinde als solche mit einer Einwohnerzahl über 5999 von ihrem daraus entstandenen Recht, die Veranlagung selbst vor- zunehmen, Gebrauch macht. Ein Beamter hierfür ist bereits mehr eingestellt. Es erwächst daraus der Gemeinde eine Mehreinnahme von 5 Proz. des Gcsainterrrages auS dieser Steuer. Von unserem Genossen Weber wurde Beschwerde geführt über die mangelhafte Besprengung von Nebenstraßen, oder solchen, die noch nicht viel be- baut sind. Nach vielem hin und her wurde die öftere Besprengung der in Frage kommenden Straßen vom Gemeindvorsteher zugesichert. Die Aufstellung von«straßenbrnnnen an verschiedenen Straßen, die eine unbedingte Notwendigleit für den Fubriverksverkehr find, wurde im Prinzip auf Antrag des Genossen Reichardt beschlossen, jedoch soll von Fall zu Fall die Baukominission darüber befinden. Weistensee. Wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet wurde vorgestern der 27 jährige Straßeiibahnschaffuer Scholz auS der Wörthstraße 2. Sch. verkehrte viel in der Familie eines älteren Kollegen und war dort sehr gern gesehen. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen hat der junge Mann aber in schnödester Weise mißbraucht. Er verstand es, sich der zehnjährigen Tochter seines Kollegen zu nähenr, lockre das Mädchen in den Keller des Hauses und verging sich an ihm. Wahrscheinlich hat der Wüstling sein verbrecherisches Treiben längere Zeit hindurch fortgesetzt, doch kam es erst zur Kenntnis der Eltern, als das Mädchen vor einigen Tagen erlrankte. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß das Kind mißbraucht worden war. Ans dringende Vorstellungen der Eltern gestand die Kleine das an ihr begangene Verbrechen. Scholz leugnete zunächst hartnäckig die Tat. legte aber, als ihm das ärztliche Attest vorgezeigt wurde, ein Ge- ständnis ab und �entfernte sich aus der WoHfuing der Eltern des Mädcbens mit dem Bemerken, daß er sich das Leben nehmen werde. Dies tat er jedoch nicht, sondern erschien am nächsten Morgen wieder zum Dienst! hier wurde er aber sofort verhaftet. Zossen. Die letzte WahlvereinSversammlung nahm die Berichte von der Kreis- sowie der Verbandsgeneralversammlung entgegen. Ans- genommen wurden sechs neue Mitglieder. Gegen das Marokko- absnlcuer wurde eine entsprechende Resolution angenommen. Dienstag, den 29. August, findet bei Kurzner ein Frauenabend statt, an welchem ein Vortrag über„Schutz den Kindern" gehalten werden soll. Die Nadclstichpolitik der Behörden setzt nun auch gegen den hiesigen Arbciterliirnvcrein ein. In einem Schreiben verbietet die Poliieiverwaltung dem Vorstand deS Vereins an Jugendliche unter 18 Jahren Turnunterricht zu erteilen, sowie dieselben in Bereins- versaminlniigen zu dulden. Der Kampf gegen Windmühlcnflügel. Spandau. Nach der bisherigen Einfichtnnhilie in die Stadtverordneten- Wählerliste ist festgestellt worden, daß ein Teil der Wähler, sogar ganze Hänser in den Listen fehlen oder nicht richtig eingetragen sind. Wir fordern daher die Wähler auf, sich sofort zu überzeugen, ob sie in die Liste- eingetragen sind. Die Liste liegt nur noch bis zun, 39. August im Sladlsekretariat. Zimmer 13— 14 deS Rathauses, sowie im Stadtteil Noimendamm. Hesnersteig 2, parterre linls, während der Dienslstimden von 8—1 Uhr vormittags und 3—6 Uhr nach- mittags öffentlich aus. Wer nicht in der Liste steht oder nicht richtig eingetragen ist und die nachträgliche Aufnahme oder Richtigstellung bis 39. August nicht beantragt hat. darf nicht wählen. Für diejenigen Wähler, welche keine Zeit haben, selbst in die Liste Einsicht zu nehmen, haben sich folgende Genossen bereit erklärt, die Liste einzusehen und wolle sich daher ein jeder mit dem Steuer- zcttel an die Genossen wenden: F. Böhle, Havelstr. 29. Mette. Bismarckstr. 5. Heilig, Frobcnstr. 12. Becker, Jüdenstr. 11. Katz- mirzack, Neumeisterstr. 7. Schubert, Kurstr. 21. Götze. Seeburger Straße 88. PieziliS, Pichelsdorfer Str. 5. Kocpnick, Pichelsdorfer Straße 39. Pieper. Metzex Str. 12.. Hornig. Konsum. Miltelstr. 13. Richter, Metallarbeiterverband, Würther Platz 2. Ristow, Seegefelder Straße 65. Koppen, Breitcstr. 64. Für den Nonnendamm und Hasel- Horst: Dreier, Rest., Märkischer Steig 6.___ Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Hus aller Gleit. Drei BerUner in der Oftfee ertrunken. Eine entsetzliche Katastrophe hat sich am gestrigen Freitag« vornrittag in dem kleinen, nahe bei Kolberg gelegenen Ostseebad Deep zugetragen. Dort ertranken die in Berlin-Friedenau, Cramerstr. 17, wohnende Witwe des OberpfarrcrS Herold, ihre älteste Tochter und ihr ältester Sohn. Frau Herold hatte sich mit zwei deS Schwimmen? unkundigen Töchtern zu weit in die See hinausgewagt, während ihr ältester Sohn, ein 23 jähriger Mann. Student der Theologie, im Herrenbade weilte, und ihre älteste Tochter am Strande promenierte. Auf die Hilferufe der Familienmitglieder eilte der junge Mann, ein vorzüglicher Schwimmer, herbei und brachte zunächst die beiden bereits ohnmächtigen Schwestern auf eine Sandbank. Inzwischen trieb die auch bewußtlos gewordene Mutter auf die See hinaus. Der bereits ermattete Sohn erreichte noch seine Mutter und schwamm mit ihr nach dem Nfer zu. Unterwegs v e c- sank er jedoch mit seiner Bürde. Die älteste Tochter, ebenfalls eine gute Schwimmerin, sprang beim Anblick der mit den Wellen Kämpfenden in voller Kleidung ins Meer. Bei einem Tauchversnch nach den Untergegangenen verwickelte sie sich in ihrer Kleidung und ertrank gleichfalls. Die Leichen der drei Verunglückten wurden nach einiger Zeit geborgen. Der Diebstahl der Mona Lisa. Trotz der eifrigsten Nachforschungen nach dem Verbleib de? au? dem Louvre in Paris gestohlenen Gemäldes Leonardo da Vincis konnte bisher keine Spur entdeckt werden. Auch der Versuch eines Pariser Blattes, durch Aussetzung einer Belohnung von 59 999 Frank für Herbeischassung des Gemäldes die Nach- forschungen der Behörden zu fördern, hatte keinerlei Erfolg. Einen nicht gewollten Erfolg können jedoch die Spitzbuben auf ihr Konto schreiben: Endlich sieht sich die Regierung veranlaßt, gegen die Schlamperei in der Aufsicht einzuschreiten. Ein Resultat, das freilich mit dem Verlust des berühmten Kunstwerkes recht teuer erlauft wurde._ SchissSkatastropheu. Am Donnerstagabend hat das Linienschiff„Hessen" im Verlaufe einer Zkachlübung mit der dritten Torpedobootsflottille den kleinen schwedischen Dampfer„Askersnnd" gerammt. Die Besatzung wurde gerettet. Auf beiden Schiffen ist niemand verletzt.„Askeriund" aus Göteborg war ohne Ladung unterwegs nach Malmö. Das Schiff ist drei Seemeilen östlich von Bülk auf 18 Meter Waffertiese gesunken. Die Mastspitzen ragen über Wasser. Ein Torr'edobool ist auf der Unfallstelle zurückgeblieben, die durch eine Boje bezeichnet wurde. DaS Linienschiff hat keinerlei Be- schädigimgcn erlitten. Das der Standard Oil Company gehörige Frachtschiff„Lynd- hurst", das Raphta an Bord führte, fing am Mittwochvormittag auf der Höhe von Fiibpoint Feuer. Durch eine Explosion wurde das ganze Schiff in Flammen eingehüllt. Die Mannschaft rettete sich auf den Rettungsbooten und wurde von dem Dampfer, Elanmaclaren", der den Feuerschein auf eine Eulfecnung von 36 Meilen bemerkt hatte, aufgenommen. Patriotische Begeisterung. Unser Kasseler Bruderblatt berichtet: Der Oberbürger- meister Herr Müller hat vor wenigen Tagen in der Presse be- könnt gegeben, daß das Kaiserpaar am Sonnlag das Theater be- suchen werde. Er hat sehr eindringlich ersucht, die Häuser ans dem vom Kaiser zu passierenden Wege mit Fahnen zu schmücken. Den Erfolg dieser Ausforderung haben ivir am Somitagmorgen gewissenhaft festzustellen versucht. Als Hauptwege kamen natürlich in Betracht die Königsstraße und der FnedrichSplay. Hier hatte denn auch die Stadtnerwaltung ihre Masten aufpflanzen und mit Fahnen reichlich schmucke» lassen. Aber die Puvaten, an die sich doch die Ausfordernng des OberbürgmiieisterS gerichtet hatte? H�er das Resultat unserer Forschung: am Friedrichsplatz haben 3(drei!) Private Fahnen herausgehängt; in der König?- straße 7(siebenl) Dabei haben wir, nobel, wie wir nun einmal sind, noch zwei ausgehängte Kinderfähnchen mitgerechnet._ Kleine Notizen. Raubmord. In der vergangenen Nacht ist in Godesberg die Besitzerin des„Kölner Hofes", die 59 Jahre alte Witwe Sauer im Bett erdrosselt aufgefunden worden. Es liegt Raubmord vor. Der Täler wurde als der in Görkcndorf (Kreis Rössel) geborene Schlosser B i c r ni a n n gegen Morgen auf der Landstraße zimickeu Rolandseck und Godesberg verhaftet. Tödliches Automobilunglück. Auf der Fahrt von Wien nach Herzogenburg sauste das Automobil deS Pferdehändlers H ä m m i n g e r gegen einen Kilometerstein. Das Auto wurde vollständig zertrümmert, der Chauffeur getötet, während der Besitzer schwer verletzt wurde. Lebendig vrrbraimt. Die Bevölkening von Purrell im Staate Oklahama holte einen Neger, der wegen eines Verbrechens im Gerichtsgefängnis iah, aus seiner Zelle, band ihn an einen Pfahl i u mitten der Stadt und verbrannte ihn bei lebendigem Leibe._ Slllgrmcine Familienstcrbekasse. Sonntag von S— S Übt Acker- ftraßc 123 bei Wcrnicke und Mariauncnstraße 49 im Restaurant: Aus« nähme und Zahlung. Freirrngioic Gemeinde. Sonntag, den 27. August, vormittags 9 Uhr, Pappelallee lS/l7 und Rirdoif,„Jdeawafsag": Freirellgtöte Vorlesung. Vormittags ll Uhr, Kleine Franksiirter Str. S: Vortrag von Irl I. Allmann:.Der neue Mciijch und die Silckichkeil". Damen und Herren als Gäste sehr willtomnicii. erri»trrrinq<>ü''erii|«;rip ftr(Dto, Siiiicii, Mi. 26. Altgn? 1911. Bnefkartcn der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Ltndenstraße KS, turnt Wer Treppen —- Fahrstuhl—, wochrntiiiilich tion 4>4 bis 7� Nhr abrndS, Sonnabends, von i'A bis 6 Uhr abends statt. Zeder siir den Srirstasten bestimmten Anfrage ist ein Suchslabe und eine Zahl als Meelzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertellt. Anfragen, denen keine Abouuementsquittung beigefügt ist, Werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. O. A. 70S. Nein.— M. R. IH. In der Regel nicht. Immerhin kann der Versuch gemacht werden. Der Bericht deS Rrmenvorstehers ist rnaßgebeiid.— H. W. 25. Der Rest steht Ihnen zu.— W. E. 4. 3. Ja. 2. Gewerbedeputation des Magistrats.— R. O. 125. New.— Ä. 25. 1. Erzwingen lägt sich das Heilversahren nicht. 2. Nein. Nur bei �anzinvalidität. 3. Ja. Die Anrechte leben aber aus, wenn wieder mindestens 200 Bcitragswochen geleistet, davon mindestens 100 aus Grund der Versichcrungspflicht, oder 500 als Selbstverficherer. 4.— 5. Unverständlich.— H. B. 50. 1. und 2. Nein. 3. Die Klage ist beim Landgericht durch einen Rechtsanwalt anhängig zu machen. 4. Sprechen Sie mit dem Armenvorsteher.— F. 75. Sie können Strasanzeige bei der Staats- anwaltschast erstatten.— M. F. 1507. 1. und 2. Ja. 3. Nein. H. 5i. 50. Sie find nach der Mutter in gleichem Umsang erbberechtigt als die ehelichen Kinder.— H. W. 100. 1. Fortgelegte Mis, Handlung und Vcrsagung des Unterhalts sind ScheidungSgründe. Die Behauptungen find aber zu beweisen. 2. Ja.— M. K. Nein.— O. 21. Sie wären olimenlationspflichtig.— H. 2. in C. 1. Dasiir sind die statutarischen Bestimmungen maggebend. Eine gesetzliche Verpflichtung besteht nicht. 2. Das müssen Sie mit Jbrer Gewcrkschast ausmachen.— St. t. 28. Es vergehen etwa 8 bis 8 Wochen. Beschwerde an das Reichsversicherungsamt. — H. M. 27. Sie sind hastbar. Das Gehalt könnte beschlagnahmt werden, soweit es 125 M. monatlich übersteigt.— H. St. 46. Ihre Frau kann beim Amtsgericht einen Zahlungsbesehl beantragen oder Klage erheben. — Ali 4/5. 1. Ja. 2. Einem unverheirateten Mann werden etwa 16 M., einem verheirateten etwa 25 M. wöchentlich belasten. 3. Klage ist sür einen soliden Fall nicht ersordcrlich. Verjährung tritt sür die länger als 4 Jahre zurückliegenden Ansprüche ein.— A. F. 19. 1. Ja. 2. Antrag an daS Vormundschastsgericht.— R. W. Nein.— A. M. 99. Der Schuldner ist zahlungspflichtig. ES kann Klage erhoben werden.— I. H. 47. 1. Nein. Für die Frau ist die Hälfte zu zahlen. 2. Einspruch innerhalb eines Monats nach Zustellung der Veranlagung.— H. P. 945. Nein. — K. B 25. Das sogenannte.EhebesähigungSzeugniS' mug beschafft werden; dagegen ist die Erlaubniscrteilung nicht erforderlich, also auch nicht die Ucbersendimg des ScheidungSurteilS Ihres Bräutigams und die?ln- gäbe, daß Sie einen geschiedenen, konsessionslosen Mann zu heiraten beab- sichtigen.— W. B. 100. 1. Ja. Vielleicht nützt Rekiamation. 2. Bleibt bestehen. 3. Innerhalb 4 Jahren muß Zwangsvollstreckung veranlaßt werden. 4. Ja, sosern nicht Verjährung vorliegt.— H. Röscner. Zwei« uial m der Woche einige Stunden.— 15. 1.. 5. u. 6. Ja. 2. New. Der Ehemann ist aber vorschußlcistungSpflichtig. 3. 50 bis 70 M. 4. Ein Termin muß stattfinden.— St. 29. 1. u. 2. Ja.— St. 182. 1. Nein. 2. u. 4. Ja. 3. Eine beliebige Frist.— P. 8., Schreinerftrafte. 1. Ja. 2. Mindestens 200 Bcitragswochen.— St. 25. AerztlicheS Gutachten ist dafür maßgebend.— R. S. St. i. Infolge de» Versprechens ist der Vater des Kindes zahlungspflichtig. Sie können sich auch an den Vermieter halten, wenn nicht etwa— wie es die Regel ist— Bestimmungen des Miets- Vertrages dem entgegenstehen. 2. Unseres ErachtenS sind Sie dasür nicht hastbar _<5. M. O. 54. 1. Mindestsatz sür Berlin 25 M. monatlich. 2. Die Klage ist alsdann unbegründet. Sie find in einem solchen Fall zur Zahlung der Kosten nicht verpflichtet.— R. 75. 1. Antrag an das Vormund- lchastsgericht auf Volljährigkeitserklärung. 2. Sosern daS Mädchen älter ist als 18 Jahre: nein.— A. M. 76. Sie sind bis zum Ablauf deS Ver- träges zur Zahlung der Miete verpflichtet. Die zur Wirtschaftssührung nicht unbedingt nötigen Sachen kann der Vermieter enibebalten.— H. S. 88. »ordern Sie— am zweckmäßigsten mittel» eingeschriebenen Briefes, von dem Sie Abschrist zurückbehalten— vom Vermieter Beseitigung der Mängel unter Setzung ewer Frist von etwa 14 Tagen. Drohen Ste gleichzeitig an, baß Sie nach fruchtlosem Zlblauf der Frist räumen und Schadensersatz ver- langen werden. Können Sie Ihre Behauptungen beweisen, so können Sie nach erfolgtem Fristablaus räumen.— O. Westfal 62. 1. und 2. Rekla- mieren Sie bei der Gerichtskasse. 3. Klage beim Amtsgericht, salls das Objekt bis 600 M. beträgt.—(?. B. 12. Schöucweide. Nach Ablauf von 10 Monaten, von der Rechtskrast des Urteils an gerechnet.— eingegangene Drncklickrifren. DaS Ocsterreichische Abgeordnetenhaus 1911—1917. Von F. Freund. 637 Seiten. Mit Bildnissen der Wgeordneten. Verlag Dr. R. Ludwig, Wien. Jnterestante Kriminalprozeste. Bd. IV. Von H. Fricdländer. 3 M.. gcb. 4 M. H. Barsdors, Berlin W. 30. Tie marokkanische Gefahr. Von Em-Be. Bruno Volger, Verlags- buchhandlung, Leipzig-Gohlis. 80 Ps. Marktpreise von Berlin am 24. August 1911, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel.) Zur Einsegnung Konfirmations- und Piiifungskleider Cheviot, Satintuch, Toule und Voile schwarz, weiß und moderne Farben, gediegene Stoffe, beste Verarbeitung, prima Zutaten, gutsitzende kleidsame Fassons Jgso Jgso 22so 2700 33°° öl. Sachfisch-faletots aus englischen Stoffen goo joo goo J2U0 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Speisebobnen, weiße, 30.00-50,00. Linsen 20,00-60.00. Kartoffeln 9,00-14,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1.80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1.50— 2,30. Butter 2,40— 3,20. CO Stück Eier 3,20— 6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1.60-3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40-3,50. 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