Kr. 300. flbonncmentS'Bcdingungcn: ICBonnementä- Preis pränumerando! Liertcljährl. ZPll Ml., nionall, 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Pos!» Abonnement: l.lll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonneuientS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Ruuiänicn, Schweden und die Schweiz, 38. Jalftg. Die TnfertionS'GeMfyr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raun, 60 Psg.. für politische und acwerlschastliche Vereins- und Versaninilungs-Slnzeigen 3t) P>g. „Kleine Zlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzuläffig 2 fettgedruckte WorteZ, jedes weitere Wort lt> Pfg. Stellengesuche und Schlafftcllcnan- zeigen das erste Wort lo Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Jnscrnre für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition ttdaegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, CrMelnt täglich außer niontagj. Vevlinev Volksblatk. Zentralorgan der fozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. »elegramm> Adresse! „Soziaiileiiiolirat BcrUa". Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S83. Sonntag, den 37. August 1011. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasec 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Grenzen auf! „Wenn du mich siehst— weine" ist auf einem der Hungersteine der Elbe eingemeißelt. Der Volksglaube sagt, wenn diese Steine sichtbar lverden, gibt es ein Hungerjahr und er irrt nicht, denn nur in Jahren großer Dürre sinkt der Wasserspiegel so tief, Dürre bedeutet aber in unserem Klima Mißwachs. Heuer sind sie zutage getreten die Hungersteine. Indessen ist die Lage keineswegs verzweifelt. Erstens kam die Periode der Dürre zu einer Zeit, da sie der Brot- frucht keinen großen Schaden mehr zufügen konnte. Die Wintersaaten standen im Frühjahr vorzüglich, bei der Aussaat des Sommergetreides war die Witterung günstig. Auch im Mai und Juni war Sonnenschein und Regen so verteilt, daß das Getreide gut gedeihen konnte, unter günstigen Verhältnissen zur Blüte kam. Die Hitzlvelle. die im Juli einsetzte, hat daher hier nicht viel verdorben, - Weizen und. Roggen ergaben eine günstige Ernte. Zweitens aber hat in der Zeit des entwickelten Verkehrs der Mißwachs auf einem beschränkten Gebiete an Schrecken verloren. Wir haben die Möglichkeit uns heute zu verproviantieren, indem wir Nahrungsmittel für Mensch und Vieh aus entlegensten Gegenden herbeiziehen. Die Dürre hat indessen heuer�nur einen Teil Mitteleuropas getroffen, die Welternte ist reichlich. Nußland, Ungarn, die Balkanländer. die Vereinigten Staaten und Kanada haben im Ueberfluß Getreide und Futterstoffe abzugeben. Deshalb liegt es an den Menschen, die Mittel zu ergreifenIum.dem Notstand vor zubeugen. Für Deutschland handelt es sich«m einen Mangel an Futterstoffen für das Vieh und ferner um einen Mangel an Gartengewächsen. Vor allem wird die Heuernte ungenügend sein. Ter erste Heuschlag fiel gering aus. der zweite dürfte in vielen Gegenden verloren sein, selbst dann, wenn noch Regen eintritt, denn das Gras ist verdorrt, abgestorben, die Wiesen erholen sich nicht mehr. Das gleiche gitt von Klee, Luzerne, Wicken und anderen Arten des„Rauhfutters Das ist zweifellos ein harter Schlag für jene Landwirte, die auf dieses Futter ihre Viehhaltung basieren. Doch darf nicht vergessen werden, daß, abgesehen von den Gebirgs gcgcndcn und den Marschen. Heu bei der Fütterung der Rinder nicht entfernt mehr die Rolle spielt, wie früher. I allgemeinen ist heute der Ausfall der Ernte von Hackfrüchten — Kartoffeln und Futterrüben— ein wichtigerer Faktor für die Viehhaltung in Deutschland, als der Ausfall der Heu- und Klecernte. Hier aber ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Kein Zweifel, daß die Hackfrüchte während der Zeit der Dürre im Wachstum zurückgeblieben sind, �oer wo in der zweiten Hälfte des August cinigcrniaßen ergiebige Regcnfälle eintraten, da haben sich die Kartoffel- und Rübenfelder wieder erholt, und das war in den nieisten Gebieten Deutschlands der Fall. Allerdings— eine reiche Ernte ist wohl nirgends mehr zu erhoffen, aber bei günstiger Witterung im September und Oktober kann sich immer noch eine leidliche Kartoffel- und Rübenernte ergeben. Trotzdem ist aber bereits jetzt mit einer Futternot zu rechnen, denn bei dem Versagen der Weiden und Wiesen haben die Landwirte bereits im Sommer zur„Trocken- fütterung" greifen müssen, während in normalen Jahren in dieser."it das Grünfutter vorherrscht und die'Vorräte an anderen- Butter für die Wintermonate aufgespeichert werden. Selbst im günstigsten Falle also, wenn die Hackfrüchte noch einen halbwegs befriedigenden Ertrag liefern, werden die Vorräte nicht ausreichen, zumal jene Gegenden, die in der Regel beträchtlich Heu verfüttern, ebenfalls versorgt werden müssen. Um nun dieser Futternot zu steuern, gilt es Ersatz für die fehlenden Futterstoffe herbeizuschaffen. Die landivirtschaft- liche Technik hat in dieser Hinsicht beträchtliches geleistet. In- dem man in weit höherem Maße zu dem sogenannten Kraft- futter greift, kann man die Futterstoffe normaler Jahre er- setzen. Die Hauptprodukte, die hier in Frage kommen, sind: Getreide, namentlich Roggenschrot, Hafer und Gerste, ferner Kleie, Mais, Oelkuchen, Futterbohnen, in neuester Zeit eine aus Ostasien kommende Hirsenart, Goalian genannt, Palm- kernkuchcii, Koprarückstände. Außer dem Futtermangel, der die Viehbestände gefährdet und damit auch die Versorgung der Bevölkerung niit Milch erschweren muß, macht sich ein Mangel an Kartoffeln, an Produkten des Gartenbaus,>vie Kohl, Gurken, Rüben, Bohnen, Linsen usiv. geltend. Diese Produkte sind bereits in unerhörter Weise teuer geworden, ivas die Be- völkerilng schwer empfindet. Darüber hinaus droht indessen auch die F l e i s ch n 0 t, die schon in den letzten Jahren sich fühlbar machte, weiterhin zu steigen. Aus den ersten Blick � mag das letztere nicht zutreffend erscheinen, denn wenn die ' Landwirte gezwungen werden, Vieh, das sie nicht durchfüttern können, zu verkaufen, so sollte man meinen, daß das Angebot besonders starkwerdcn, der Preis also sinken muß und dcrMangel erst später sich fühlbar machen kann. Diesen Schluß zieht z. B. auch wirklich Herr Eflswer, der für die nächste Zeit billige Fleischpreise prophezei?. Indessen ist der Schluß durchaus verkehrt. Die Landwirte schränken nämlich die Aufzucht junger Tiere sofort ein. Ganz besonders bei der Schweinehaltung tritt das zutage. Ferner wird die Mast ausgegeben. Die� Kräften auszunützen die angesichts dieser Landwirten zu Folge des Futtermangels äußert sich also nicht darin, daß sofort die Bestände an Milchkühen und Ochsen vermindert werden(die sucht der vernünftige Landwirt so lange als möglich durchzuhalten), sondern darin, daß keine Ferkel aufgezogen werden, daß die Kälber so rasch als möglich verkauft werden, lange bevor sie schlachtreif sind, daß kein Mastvieh produziert wird. Es dürfte daher der Auftrieb am Viehinarkt schon in Bälde zu wünschen übrig lassen und die Fleischer werden jedenfalls ihrerseits diese Lage nach suchen. Die volkswirtschaftlichen Aufgaben, Lage erstehen, sind klar: es gilt, den Hilfe zu kommen, damit sie nicht, durch den Futteo mangel gezwungen, die Viehstapel übermäßig reduzieren, was einen Schaden für die gesamte Volkswirtschaft bedeutet; es gilt ferner, unverzüglich dafür zu sorgen, daß die Bevölke- rung in ausreichendem Maße mit Lebens- mittel» versorgt wird. Die Erfüllung dieser Aufgaben wird aber erschwert, ja unmöglich gemacht durch die bestehenden Zölle. Allerdings ist ein Teil der Futtermittel zollfrei, z. B. Heu und anderes„Rauhfutter", Kleie, Rüben. Indessen ist gerade der Bezug dieser Futterstoffe— ausgenommen die Kleie— nicht leicht, denn sie sind nur in geringem Maße Artikel des Welthandels, dabei werden sie durch den Transport übermäßig verteuert und kommen daher nur für die Grenz- gebiete in Betracht. Dagegen lastet auf Futtergerste ein Zoll von 13 M., auf Hafer 50, auf Mais 30, auf Futterbohnen, Lupinen, Wicke 15 M. pro Tonne. Es sind das Zölle, die bis zu einem Drittel des Wertes ausmachen(die Tonne Hafer kostet im Durchschnitt annähernd 150 M.) Bei Kartoffeln haben wir die schlaue Einrichtung, daß sie nur in der Zeit vom 1. August bis 14. Februar frei eingeführt werden dürfen, also in der Zeit, wo gewöhnlich die einhcimi- scheu Vorräte den Bedarf decken, dagegen ist in der übrigen Zeit ein Zoll von 10 M. pro Tonne zu entrichten, während der Preis sich auf 25 bis 40 M. stellt. In Bezug auf die Kleieeinfuhr hat man in letzter Zeit begonnen, den Handel zu schikanieren, indem man Kleie, die reich an Mehl ist, ver- zollt und den Importeur zwingt, sie durch Beimischung von Kohlenstaub zu denaturieren(angeblich geschieht es um vorzubeugen, daß durch abermaliges Vermählen Mehl aus der Kleie gewonnen wird, da aber ein solches Verfahren weil zu kostspielig niemals stattfindet, ist es eine bloße Schikane.) Die Forderung muß daher unter allen Umständen lauten: Aufhebung der Zölle auf alle und jede Futtermittel im Interesse der Viehhalter. Gleichzeitig Ermäßigung der Frachten beim Transport dieser Ware auf ein Minimum. Zu beachten ist, daß im Falle die Futtermittel teuer bleiben, auch eine Rückwirkung auf die Gctreideprcise eintreten kann. Die Erfahrung lehrt nämlich, daß in Jahren des Futtermangels vielfach große Mengen Roggen an das Vieh verfüttert werden, die dann für die Versorgung der Mühlen fehlen. Selbstverständlich muß auch die Prämienzahlung bei Aus fuhr von Getreide fallen, es müssen die„ E i n f u h r' scheine" abgeschafft werden, die einen Anreiz zur Ausfuhr von Getreide, namentlich von Roggen und Hafer, bilden. Es geht nicht an, daß das Reich an die Exportcure Prämien zahlt dafistf, daß sie Getreide ausführen, um den Preis künstlich in die Höhe zu treiben, während im Jnlandc ein Notstand herrscht. Schließlich aber ist ein unbedingtes Erfordernis die Aufhebung des Fleisch; olles, die Zulassung der Einfuhr von überseeischem Fleisch. Wie gesagt, besteht schon jetzt die Tendenz zur Verminde- rung der Aufzucht von jungen Tieren, was zu einer Ver- Minderung der Fldschversorgiing führt. Der Preis würde erst fallen, wenn eine starke Reduktion auch der Bestände an Milch- und Arbeitsvieh erfolgen würde. Das kann leicht geschehen, selbst wenn es gelingt, die Preise der Futtermittel auf angemessenem Niveau zu halten. Es halten nämlich die Kleinbauern, die als Vichhälter keine geringe Nolle spielen, noch in erheblichem Maße an den Grundsätzen der Naturalivirtschaft fest: sie scheuen bare Aus- gaben. In der gegenwärtigen Situation werden daher viele von ihnen ihren Viehbestand reduzieren, nur deshalb iveil das auf dem eigenen Lande produzierte Futter nicht reicht. Je höher die Vichprcise, um so größer der Anreiz hierzu. Eine starke Reduktion des Viehbestandes ist aber das schlimmste, ivas der Landivirtschaft widerfahren kann. Die Aufhebung des Zolles auf Schlachtvieh und Fleisch, die Zulassung der Einsuhr überseeischen Fleisches ist also nicht nur im Interesse der arbeitenden Massen unbedingt notwendig, es ist auch ein Schutzmittel der Landivirtschaft selbst gegen die Ver- schleuderung des unbedingt notwendigen Viehbestandes. So ist es ein wahrhaftes Allgemeininteresse des ganzen deutscheu Volkes, das fordert: Die Grenzen auf! ßansivurft und Schelm. Die heitere Person des Zentrums, Herr Matthias Erzbcrger, hat wieder einmal das Bedürfnis gefühlt, von sich reden zu machen. In Plauen hat er in einer Volksversammlung in einer Tonart Über die MuroHofrage gesprochen, die sich nur wenig von der unje- rer Kriegslieferungsspekulanten unterschied. Na- mentlich gegen England zückte der geschwätzigste der Zcntrumsdcma- goge seine Pritsche. Deutschland müsse es sich ernstlich verbitten, daß sich England zum Vormund Frankreichs auswerfe. Das dürfe sich Deutschland nicht gefallen lassen, selb st auf die Gefahr hin, daß ihm das Schwert in die Hand gedrückt werde! Deutschland wolle zwar keinen Krieg um Marokko führen— aber auch ein eventueller Krieg mit all seinem Elend und Schrecken, seinen Opfern an Geld und Menschen dürfe nicht gescheut werden, wenn es nicht anders gehe. Ehre, Würde und Ansehen Deutschlands als Groß- und Weltmacht ständen auf dem Spiele. Marokko biete unserer Außenpolitik„die große Chance durch die Drohung, daß wir gerüstet. sind, die Unabhängigkeit der deutschen Weltmacht zu proklamieren." So legte der nämliche Herr Erzberger sich für eine Weltmacht- Politik, die selbst vor einem Kriege nicht zurückzuschrecken brauche, ins Zeug, der in seiner bekannten Wahlbroschüre im Jahre IVOtl ebenso fulminant gegen die weltpolitischen Pläne der Regie- rung gewettert hatte! Weil damals die Regierung in einer Denkschrift über die finanzielle EntWickelung der deutschen Schutz- gebiete auch auf die französische Politik in Algerien hinge- wiesen hatte, rief Herr Erzbcrger entsetzt aus:„Man sieht also, wohin die Fsahrt gehen soll." Algerien habe Frankreich einen Zuschuß von 6761 Millionen gekostet.„Soll darin das Vorbild für Deutschland liegen?" Und unter Berufung auf eine Rede des Fürsten B ü l 0 w, der darauf hingewiesen hatte, daß Deutschland auf dem Kontinent nichts zu fürchten habe, daß aber durch Deutschlands Kolonialpolitik Reibungen mit England schwer zu vermeiden seien, verwarf Herr Erzberger die weltpolitischen Aspirationen der Regierung. Wörtlich schrieb er damals: „Frankreich gewinnt durch Algier an seiner Verteidigung?- kraft; die deutschen Kolonien schwächen unfere Wehrkraft und verursachen neue Reibungen." Was damals Herr Erzbcrger also für die schwerste Gefahr für das deutsche Volk hielt, die Schaffung neuer Reibungen, das sucht er jetzt selbst durch seine läppischen Hetzreden heraufzu- beschwören! Und während damals Herrn Erzberger schon die fran- zösischen Ausgaben für Algier vor einer Weltpolitik größeren Stils zurückschreckten, ist heute seinem kolonialpolitischcn Appetit kein Bissen groß genug!.Selbst ein wahnsinniges Kriegsabenteuer hat für ihn keine Schrecken mehr. Sind noch tollere HanSwurstiaden denkbar? Aber der Ruhm des politischen Harlekins genügt dem perversen Ehrgeiz eines Erzberger nicht. Er, der damalige Warner vor kolonialpolitischer Geldverschleuderung und weltpolitischen Konflikten, sucht die freikonservativen Beutepolitiker nicht nur an kriegshetzerischen Tollheiten zu übertrumpfen, son. dorn auch an innerpolitischen Scharf machergelü st en. Es war schon bezeichnend, daß mehrere Zcntrumsblätter, wie die „Germania" und die„Märkische Volksztg.", die ungenaue Wieder- gäbe einer Rede unseres Redaktionskollegen Däumig zu den ekel- haftesten Denunziationen an eine wohllöbliche Staatsanwaltschaft benutzten, während selbst die junkerliche und freikonservative Scharf- macherpresse eine gewisse Zurückhaltung zu üben für geboten hielt. Das ehrenwerte Handwerk des Denunzianten wird nun auch von Herrn Erzberger munter fortgesetzt! Nach einer Dar- stellung der„Märkischen VolkSztg." sprach Herr Erzberger in Plauen von dem„gefährlichen Treiben der Sozial- demokratie, im Ernstfalle hochverräterische Maß- nahmen treffen zu wollen", während er nach einer ande- ren Meldung den Reichstag zu einer Untersuchung animierte,„ob die Gesetze ausreichen, damit die an Hochverrat grenzende Haltung der Sozialdemokratie ge» hörig bestraft werden könn e." Solche Denunziationen und Aufputschungen zu neuen Knebel- gesehen brauchten ja bei einer so heiteren Person, wie Herr Erz- bergcr, am Ende nicht tragisch genommen zu werden; aber die Haltung der ZentrumSprcsse bereits bor dieser Rede und die zustimmende Wiedergabe seiner Ausführungen beweisen doch, daß wir das Zentrum schlechthin als die Partei des schäbigsten Denunziantentums und der reak- tionärsten Scharfmacherei zu betrachten haben. Wenn freilich Herr Erzbcrger glaubt, die Sozialdemokratie teile den heillosen Respekt vor der Staatsanwaltschaft, den Herr Erz- berger seinerzeit selbst bewiesen, so täuscht er sich. Man weiß ja, daß Herr Erzberger im Jahre 1306 durch das schneidige Auf- treten einer Gerichtsperson derartig eingeschüchtert wurde, daß er ihm sogar seinen ReichstagSschreibpult aufschloß und dessen Inhalt— Schriften, die ihm im Vertrauen auf seine parlamentarische Schweigepflicht übergeben worden waren— zähneklappernd auslieferte. Daß dieser traurige Held. der die Abgcordnetenimmunität damals so angstschlotternd preisgab, jetzt unter die Kricgsschreier gegangen, nimmt sich besonders köstlid) ausj_ Die Iflarokkoaffäre, Jede Aufklärung der Oeffentlichkeit durch die Regierungen fehlt nach wie vor. Daher haben die verschiedenen Meldungen der Pariser Blätter auch nur beschränkten Wert. Sicher scheint nur zu sein, daß die französische Regierung von der deutschen den Verzicht auf jedes politische Eingreifen in Marokko verlangt und dafür die Handelsfreiheit in Marokko und Landesabtretungen im Kongo zugestehen will. Der Standpunkt der deutschen Regierung bleibt aber wenigstens für die deutsche Oeffentlichkeit im Dunkeln. Ueber die Auffassung in England und die Treibereien der dortigen Imperialisten berichten folgende Ausführungen unseres Londoner Korrespondenten: London, SS. August.(Eig. Ber) Nachdem sich die herrschenden Klassen Großbritanniens etwas Ibon dem Schreck erholt haben, den ihnen der Eisenbahnerstreik ein flößte, wendet sich ihre Presse wieder der Marokkofrage zu. Schon früher haben bekannte Parlamentarier und Publizisten hierzulande darauf hingewiesen, daß die eigentlichen Beweggründe der deutschen Regierung zu ihrer sensationellen Marokkopolitik in den inner politlschen Zuständen Deutschlands zu suchen seien, daß die Regierung eine Wahlparole suche, um die indifferenten Kreise der Wählerschaft aufzurütteln, und daß es unter diesen Umständen im Interesse Englands liege, alles zu vermeiden, was die Pläne der deutschen Regierung fördern könnte. Damals wurde dieser so klar zutage tretenden Seite des marokkanischen Abcn- teuer» wenig Beachtung geschenkt. Jetzt scheint diese Auffassuug mehr in den Vordergrund zu treten. So heißt es in einem Berliner Bericht des„Daily Telegraph", die politische Lage in Deutsch- land sei kaum geeignet, die deutsche Regierung in den deutsch-fran- zösischen Verhandlungen zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Schon vor einigen Monaten sei es klar gewesen, daß die einzige Chance der Regierung bei den kommenden NeichStagSwahlen entweder von einer auswärtige» Gefahr oder einem Erfolge in der auswärtigen Politik abhänge. Es sei auch nicht schwierig gewesen, zu erraten, in wel- chcm Weltteile es für die deutsche Regierung am leichtesten war, ein Feuer anzuzünden, dessen Rauch die innerpolitischen Fragen in dem kommenden parlamentarischen Konflikte verdunkeln sollte. Die chauvinistischen Heißsporne hätten es damals schon ausgeplappert, daß sie das Risiko eines Krieges dem Triumphe der Sozialdemo- kratie vorzögen. Aber die Gefahr für die deutsche Regierung bc- stehe nicht in einem endgültigen Siege der Sozialdemokratie, son- dern in der Liberalisierung Deutschlands, in der Einführung der Verantwortlichkeit der Minister dem Volke gegenüber. Und diese Umwälzung würde eine Erschütterung hervorrufen, gcgonüber der die Kämpfe um die Vetobill geringfügig seien. Natürlich versuche die Negierung diese Erschütterung möglichst weit hinauszuschieben, indem sie an die patriotischen Gefühle deS Volkes appelliere. Aber die oppositionellen Kräfte hätten sich in der letzten Zeit gewaltig vermehrt! darüber zeuge in beredten Worten der soeben veröffent» lichte Bericht der Sozialdemokratie. Ein anderer Faktor, der zu berücksichtigen sei, sei die infolge der großen Trocken» heit eintretende ungewöhnliche Teuerung, die die Reihen der Unzufriedenen vermehre. Die Entsendung des„Panther" nach Agadir habe die imperialistischen und chauvinistischen Kreise des deutschen Volkes begeistert und die Chancen der Regierung für die ReichStagSwahlen gebessert. Seitdem sich jedoch die Regierung be> reit erklärt habe, gegen Kompensationen ihre politischen Interessen in Marokko fahren zu lassen, werde ihr beständig von den Chauvinisten, Alldeutschen und Panzcrplattenfabrikanten gedroht Die Wahlchancen der Regierung hätten sich verringert, als man gewahr geworden fei, daß sich die Regierung auf dem Rückzüge be findet. Die deutsche Regierung, die sich sonst einen Pfifferling'um die öffentliche Meinung schere, müsse aus Gründen der Selbsterhab tung jetzt der öffentlichen Meinung Rechnung tragen. Die öffent. liche Meinung aber, von der die Regierung abhänge, sei die Men nung der Chauvinisten und Imperialisten. Von dep Sozialdemw traten könne die Regierung unter keinen Umständen Unterstützung ./-erwarten. Sie schenke d»her-auch den g-roß-en Volksver« s a m m l u n g e n. die sich augenblicklich gegen die Marokkopolitik der Regierung erklärten, keine Beachtung. Ueber diese Versamm» »e.tungen werde nur in den-81 TageSblätter« der Sozialdemokratie berichtet. Und all diese Protestversammlungcn erregten weniger Aufmerksamkeit als ein Bericht über eine lärmende alldeutsche Demonstration in einem Blatte, da» seine ganze Existenz den Kanonen» und Panzerplattenfabrikanten verdanke. Diese Ausführungen, in denen Richtiges und Falsche» gemengt sind, seien nur wiedergegeben, um anzudeuten, daß man in Eng- lcmd den faulen Zauber der deutschen Marokkopolitik wohl versteht — Augenblicklich ist die imperialistische Presse Englands der Ansicht, daß eine neue M ä ch t e k» n f e r e n z. auf der England seinem französischen Nachbar tatkräftig beistehen würde, notwendig wird, sollten sich Deutschland und Frankreich über die Kompensation nicht einigen können. Wie die deutsche Regierung, so wird auch di« englische Regierung— allerdings unter anderen Umständen— von den Imperialisten in der auswärtigen Politik vorwärts getrieben� Man muß sich deshalb darauf gefaßt machen, daß unter Umständen die englische Regierung mit dem in der Asquithschen Erklärung schon angedeuteten Vorschlag einer neuen Mächtekonferenz hervortreten wird. Jedenf«lls wäre eine möglichst rasche Verständi. gung mit Frankreich selbst vom Standpunkt der herrschenden Klassen Deutschlands das weitaus Vernünftigste. p-"-»(fint sozialdemokratische Marokkointerpellation. '' Wie unser Nürnberger Parteiorgan ankündigt, beabsichtigt die sozialdemokratische Fraktion im bayerischen Landtag sofort nach dessen Zusammentritt an die Regierung eine Int er- pellation über da» Marokkoabenteuer zu richten. Da Bayern den Vorsitz für den famosen BundeSratSauSschuß für auswärtige Angelegenheiten innshat. darf man auf die Antwort der Regierung illlmerhiv neugierig fein. Soziale Gliederung in der Cand- wirtichaft. Im Leitartikel vom Freitag ist bei der Aufstellimg der Tabelle, die die Größe der landwirtschaftlich benutzten Fläche nach den Zählungen von 1382, 1895 und 1907 darstellt, ein Versehen enthalten. ES sind für die beiden ersten Zählungen richtig die Zahlen für die rein landwirtschaftlich benutzte Fläche, für 1907 aber die Zahlen angegeben, wie sie Teil I des Bandes 212 der Statistik des Deutschen Reiches alö land- wirtschaftlich benutzte Flüche bezeichnet. Die hier angegebene landwirtschaftlich benutzte Fläche ist aber größer als die rein landwirtschaftlich benutzte Fläche. Sie rechnet auch die forst- wirtschaftlich benutzte Fläche, das Oed- und Unland, geringere Weide, Hutung, Ziergarten, Wege. Gewässer. Haus- und Hof- räum mit. Diese Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Bc- triebe ergibt für 1907 allerdings ein Areal von 43 106 436 Hektar, der im Jahre 1895 ein solches von 43284 742 und im Jahre 1882 40 178681 Hektar gegen- übersteht(der große Unterschied zwischen den Ergebnissen der Zählung von 1882 und 1895 beruht auf der Verschieden- artigkcit der Zählmethode). Nicht diese g e s a m t landwirt- schaftlich benutzte Fläche, sondern die auL dem zweiten Teil deK Bandes 212 zu cntnehznende rein landwirtschaftlich benutzte Fläche, die im Handbuch kurzweg als landwirt land(ohne Ziergarten), Wiesen, reiche Weide, Weingatken oder Weinberg benutzt sind, zählt also die Flächen der land- wirtschaftlichen Betriebe, die forstwirtschaftlich benutzt sind so- wie die geringere Weide. Hutung, Oede, Unland(Heideland, Düne), Ziergärten, Haus- und Hofraum, Wege und Gewässer nicht mit. Richtiggestellt sieht die Tabelle, welche die rein landwirtschaftlich benutzte Fläche veranschaulicht, so aus: Die rein landwirtschaftlich benutzte Fläche betrug, auf fünf Größenklassen zusammengezogen: Größenklasse unter 2 Hektar... 2— 5 Hektar... S— 20„... 20-100„... 100 Hektar und darüber 1016 313 908 804 281 767 30 081 1 006 277 1 005 539 262 191 23 666 schaftlich benutzte Fläche bezeichnet wird, war zu berück- sichtigen. Sie umfaßt alle Flächen, die als Ackerland. Garten- noch der Zählung vom 6. 6. 1883 14. 6. 1805 12. 6. 1907 1825 938 1 808 444 1 731 311 3 190 203 3 285 984 3 304 878 9 158 398 9 721 875 10 431 664 9 908 170 9 869 837 9 822 103 7 786 263 7 831 801 7 055 018 31868 972 32 517 941 31 834 874 Als Zahl der Betriebe weist auf die BcrufLzählung noch der Zählung von, Groyenllasie 5 6 1882 u 6 1S95 12 0 1907 unter 2 Hektar.... 8 061 831 3 237 030 8 378 509 2—5 Hektar..... 981407 6-20...... 926 605 20-100...... 281 510 100 Hektar und darüber. 24 991 Dementsprechend sind die im Leitartikel gemachten Angaben über Ab- oder Zunahme der Fläche zu ändern. Es hat die die gesamte rein landwirtschaftlich benutzte Fläche gegen 1893 um 683 667 Hektar abgenommen. Der Großgrundbesitz, d. h. die Betriebe nüt 166 Hektar und darüber, war an dieser Abnahme mit 547 734 Hektar beteiligt; er weist noch nahezu ein Viertel(genau 23,7 Proz. gegen 24 Proz. im Jahre 1893) der Fläche der gesamten Betriebe auf. Auch die Zahl der Betriebe mit 26 bis 166 Hektar hat abgenommen, auch der �u dieser Gruppe gehörige Flächeninhalt ist um 547<34 Hektar kleiner geworden. Die Zahl der Betriebe von 2—5 Hektar hat um 16 641 abgenommen, der Flächeninhalt hingegen ist um 18 894 Hektar gestiegen. Hingegen hat die zahlreiche Gruppe, die weniger als 2 Hektar besitzt, zwar um 41 479 Betriebe zugenommen, der Flächeninhalt hat aber ganz erheblich, nämlich um 77 133 Hektar, abgenommen. Es ist mithin die Folgerung, die der Leitartikel aus der Berufs- statistik auf die wachsende Prolctarisierung der Land- a r b e i t e r zog, nach diesen Zahlen auch auf die selb- ständigen Kleinbauern auszudehnen. politische deberlicbt. Berlin, den 26. August 1911. Die„Post" rnib ihre Gönner. Die„Post" hat vir einiger Zeit ihre Besitzer gewechselt. Sic ist in die Hände eines großindustriellen Konsortiums übergegangen, das. um die Verfechtung seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen besser bxtreiben zu Jöyne», das Blatt zu erweitern ge- denkt. Vorerst sucht man durch allerlei Mittel die Abonnentenzahl der»Post", die zurzeit eine Auflage von ungefähr 12 000 Exem- plaren hat, zu vergrößern. Diesem Zweck dient auch das nach- folgende Anschreiben, das insofern ein besonderes Juteresse be- ansprucht, als der Verlag der„Post"— der nominelle Verleger. Herr Dr. Heinrich Pohl, ist zugleich Chefredakteur— selbst als die Aufgabe deS Blattes die„unerschrockene und sachverständige" Wahrnehmung der„Interessen der Arbeitgeber" bc- zeichnet. So heißt es in diesem Schreiben: „Die„Post" ist die einzige große Berliner Zeitung, die un- erschrocken und sachverständig die Interessen der Arbeit» g e b e r wahrnimmt. Sie ist hierzu auch besonders geeignet, weil sie als Organ der freikonservativen Parte, einen nicht un» bedeutenden Einfluß ausübt und an sämtlichen amtlichen Stellen in Berlin gelesen und beachtet wird. Gerade im letzten Winter hat die„Post" sehr oft zu den wichtigsten sozialpolitnchen Fragen rechtzeitig und entschieden Stellung genommen. Für diese Tätigkeit ist ihr von olle« industriellen und wirtschaftlichen Ber- bänden Anerkennung und Dank ausgesprochen worden, zum Bei- spiel vom Zentralverband Deutscher Jnoustri- e l l e r. vom bergbaulichen Berein in Essen, Oberschlesischen Berg- ,�, d Hüttenmännischen Verein zu Kattowitz, vom Verein der Jndustri» ellen des Regierungsbezirks Köln, vom Verein der Saarindustriellen, von den, Verband der bayerischen Metallindustriellen usw. usw. Jeder Arbeitgeber, mag sein Betrieb groß oder klein sein, hat aus dieser Tätigkeit der„Post" bereits Vorteile gezogen, denn manche unternehmerfeindklck?e Gesetzesbestimmung ist durch die rechtzeitigen Artikel der„Post" noch ge- ändert oder ganz verhindert worden. Wir dürfen es deshalb als eine Ehrenpflicht der Arbeitgeber bezeichnen, dieses ihr Organ durch Anzeigen und Bestellung zu unterstützen� Wenn jeder Arbeitgeber in dieser Weise seine Pflicht ebenso tut. wie der Llrbeiter oder der Landwirt, dann wird die„Post" bald in der Lage sein, auf die Sozialpolitik und Wirt. schaftSpolitik ebenso großen Einfluß für die Industrie geltend zu machen, als dies sie„Tageszeitung" für die Landwirtschaft, der.,Vo»wärtS" für die Sozialdemokratie tut. Diese Ehrenpflicht wird durch die ganze Umgestaltung der„Post", wie sie der neue Verlag vorgenommen hat. dem Arbeitgeber außerordentlich erleichtert. Die„Post" erscheint heute täglich Lmal n, einem Umfange von mindestens 24 Seiten. Si« hat einen vorzüglich eingerichteten Nachrichtendienst, einen vielseitige» Untcrhaltungsteil und ein fein- sinniges Feuilleton. Einen ganz besonderen Wert hat der neue Verlag aus die Ausgestaltung des Handelsteiles gelegt. Er ist bestrebt, in dieser Beziehung dem Arbeitgeber dasselbe zu bieten. waS ältere Handelsblätter, die aber politisch »nternehmerfeindlich sind, bisher geboten haben. Heute ist der Handelsteil der„Post" so ausgestaltet, daß kein Kaufmann odek Industrieller daneben noch eine andere Zeitung nur wegen ihre« HandelSteilS zu halten braucht. Die„Post" hat vorzügliche Per» bindungcn in den wichtigsten Jndustriemittelpunkten des Reiches, besonder« in Rheinland-Westfalen und Oberschlesien.....* Also der Zentralverband Deutscher Industrieller, der Berg» bauliche Verein in Essen, der Verein der Saarindustriellen und andere gleichartige Verbände sind es. di« die Tätigkeit der„Post" ür höchst ersprießlich halten und dies Blatt begönnern. Daraus erklärt sich zur Genüge die von der„Post" betriebene Kriegshetze und ihre patriotisch- hysterischen Anfälle. Sie handelt lediglich im Interesse unp Austrag ihrer zahlungsfähigen Geldgeber. Daher auch die schneidige Wuchtigkeit ihrer nationalen Begeisterung. Tie Kriegshetzer wünschen neue Llusnahmegesehe. Die„Militärisch-Politische Korrcsp." erfindet folgendes: Die zur passiven Resistenz der Wehrleute im Mobilmachung«- falle aufreizenden Loltsvcrsaininlungsreden der Sozialdemokraten D ä u m i g und Dr. Liebknecht und ein ähnlicher Artikel der »Leipziger VotkSzeitung" haben unsere amtlichen maßgebenden Stellen in Erwägungen darüber eintreten lassen, ob der S ch u tz de'r bestehenden Gesetze bei derartig unverblümten Auf- forderungen zum Landesverrat wohl ausreicht. Die Prüfung dieser Frage scheint ergeben zu sollen, daß neue legislatorische VorbeugungSmaßregel i, den, Reichstage bald zur Beschlußfassung vorgelegt werden dürften. Eine derartige Gesetzes- Novelle wird bestimmt hohe Freiheitsstrafen gegen Agitatoren vom Däumigschei, und Liebknechtschen Schlage vor- sehen müssen, ohne deshalb jedoch in irgend einer Weise den Charajter eines Ausnahmegesetzes zu erhalten. Die Strafandrohungen werden selbstverständlich allein auf die EtiedenSzeit beschränkt bleiben. Nach Ausbruch eines riegeS würden die militärischen Befehlshaber standrechtlich mit Verführern wie Verführten allerkürze st en Prozeß machen. Sonst haben die Prozentpatrioten keine Schmerzen? Für Streikende das Bajonett und die scharfe Patrone! Die„Deutsche TageSztg." jammert in einem Leitartikel über den Sieg, den die englischen Arbeiter im allgemeinen und die Eisenbahner im besonderen errungen haben. Namcnt- lich die Regierung wird angeklagt, das Militär nicht energisch genug verwendet zu haben. Dann fährt das Blatt fort: „Bisher hatte man eS immer nur mit Fällen zu tun, wo eine bestimmte Gewerlschaft oder auch nur ein Zweig einer solchen den Streikbefehl gab und dann die Leute mit dem ihr zur Vcr- fügung stehenden Gelde unterstützte. Die dazu vorhandenen Summen spielten dabei die Hauptrolle und Mangel an Geld führte am Ende gewöhnlich zum Znsammenbruch der Bewegung. Aber jetzt sehen wir uns einer neuen Art von Aus st and gegenüber. der hauptsächlich auf einer plötzlichen und überraschenden Bewegung beruht, die die Arbeitgeber zwingen mnß, sofort nachzugeben, wenn nicht die Regierung ihnen zu Hilfe kommt. Dazu hat diese Art des Streiks für die Arbeiter den großen Vorteil, daß sie verhältnismäßig wenig Geld kostet, weil sie eben sofort zur Entscheidung führen muß. Gegen einen solchen Ausstand gibt es mir eine Hilfe, und daS ist da« Bajonett und die scharfe Patrone. Ist eine Regirrung in der Lage, davon prompt Gebrauch zu machen, dann hat sie gewonnenes Spiel." Dieser Herzenswunsch des Brotwuchcrorgans verdient weiteste Verbreitung. Er verrät die wahre Auffassung der Agrarier vom Zweck und Nutzen deS Militärs; Den Streikenden das Bajonett und die scharfe Patrone! Die Lebensmittelstatistik in Preusten erfährt eine scharfe Kritik durch die städtische Verwaltung in Köln, und zwar in einer Denkschrift über die Forderungen der städtischen Arbeiter. Die gegenwärtige Einrichtung der preußischen Lebens« mittelstatistik beruht auf einer ministeriellen Anweisung vom 30. No» vember 1903. Die Prciöcrmitteliing erstreckt sich auf eine beschränkte Anzahl von Lebensmitteln und Naturalien, insbesondere Körner- und Hüffenfrüchte, Mehl, Kartoffeln, Butter, Eier, Milch, Brot, GrieS, Graupen. Grütze, Hirse, Reis. Backobst, Kaffee, Zucker, Salz, Schweineschmalz und Fleisch. Die Denkschrift bezeichnet die Zahl der in die Statistik einbezöge n,e>, Lebensmittel als zu gering, um Schlüsse auf die ErnährnngSkostcn einer Haushaltung zu gestatten. Bor allem aber fehle eine gc- nügende Sorten- und Qual itätS Unterscheidung. Bes der Ermittelung der Fleischpreise vermisse man z. B. die unbedingt notwendige Unterscheidung zwischen Ochsen- und Kuhfleisch, und bei den B r o t p r e i s e n fehle jeder Hinweis auf die Art der Herstellung des Gebäcks, ob eS mit Milch oder Wasser bereitet, ob der Preis sich auf den Verkauf in ganzen Stücken oder im AuS» schnitt beziehe. Wenn schon diese Mängel die Vergleichbarkeit der in den einzelnen Städten ermittelten Preise schwer beeinträchtigt, so komme noch hinzu, daß die Durchführung der Erhebimg d c r Einheitlichkeit ganz entbehrt. Nach der ministeriellen Anweisung sei jede»geeignete" mündliche oder schrift- liche Erkundigung sowohl durch Beamte wie durch Privatpersonen zulässig. Ueber die Zahl der Verkaufs- stellen, die zu befragen sind, bestimmen die Vorschriften aber nichts. Die Nachfrage, können erfolgen auf Märkten, in Läden oder sonstigen Vcrkaussstättcn. bei Getreidebörsen, Mallen, oder HanShaltniigsvorständen. Tatsächlich gelangen, wie sich aus einer Rundfrage des Verbandes deutscher Städtestatistiker ergibt. fast alle Arten der Erhebung in den verschiedenen Städten zur Anwendung. Ferner sollen nach der ministeriellen Airweisung nur solche Vcrlaufsslcllen in Betracht ge- zogen werden, bei denen vorzugsweise bürgerliche Haus- Haltungen gewöhnlich ihren Bedarf decke» und auch nur solche Sorten berücksichtigt werden, die vorzugsweise für bürgerliche HauS- Haltungen gelaust zu werden pflegen. Es ist aber, so sagt die Kölner Vcrlvaltung, kaum anzunehmen, daß die Auffassung über daS, was als»bürgerliche Haushaltung" anzusehen ist überall übereinstimmen, ganz abgesehen davon, daß die An'.uche der bürgerlichen" Haushaltungen in den einzelnen Stüd:.» nicht die gleichen sind. Man kann nach diesen Darlegungen dem Urteil ber Kölner Verwaltung nur zustimmen, wenn sie sagt, daß die gemäß der Vorschriften der ministeriellen Anweisung vom 30. November 1903 ermittelten Zahlen»nicht der Wirklichkeit entsprechen und vor allem auch nicht untereinander vergleichbar sein cköimen". Auch ein Humanist. Herr Dr. Georg Ocrtel. der Chefredakteur der.Deutschen. TageSztg.", ist als ehemaliger sächsischer Gymnasiallehrer ein großer Verehrer der sogen, humanistischen Gymnasialbildung. Doch einen Fehler hat diese Bildung. Sie ist zu wenig.völkisch". So gibt es z. B- Philologen, die eS unterlassen, ihre Schüler beim Lesen deS Cäsar und Tacitu» auf die Heldengestalten der Hohen- zollern hinzuweisen und in den junge-, Gemütern den Sinn für die großen völkischen Ideale de« Preuhentum» zu wecken. Deshalb muß die Gymnasialbildung mehr deutsch, mehr nation«l, das heißt mehr preußisch werden. Vor allem jmuß der Herocukultus mehr gepflegt werden. Auch eine gute Portion Vis- marck-Jdolation kann nur nützlich sein: »Wenn die deutsche Sprache mit den verknöcherten Fingern de» blosien Philologeutuma angefaßt wird, wenn nian die deutsche Geschichte des Pcriviilichrn entkleidet, wenn man sie etwa im Geista des Genossen Maurenbrecher behandelt: dann ist ein derartiger Unterricht nicht im mindesten geeignet, da« völkische Btl- dungsideal zu fördern. Man will jetzt mit aller Gewalt die Kulturgeschichte, ja die Wirtschaftsgeschichte in de» Vorder- grund rücken. DaS ist für die Jugend bedenklich. Die Jugend will Persönlichkeiten! sie>oill?von Heldenlaten hören nnd nicht von dem gestaltlosen und seelenlosen Fatum der Eutwickelung. Wer junge Deutsche erziehen will, der muß die Heldengeschichte der Führer des deutschen Bollstums in den Vordergrund rücken._ Und wem es wirklich dämm zu tun ist, die edle, bodenständige deutsch-völkische Bildung zu fördern, der muh dafür sorgen, daß unsere werdenden Jünglinge nicht nur eingeführt werden in die hohen, köstlichen Tempel deutscher Dichtung und deutschen Schrifttums, sondern daß sie auch das vernehmen, begreifen und beherzigen, was die großen Seher, Propheten und Helden des deulfchen Volkstums gesagt und verkündet haben. Wir lesen in den deutschen Gyuniasien und in den anderen Mittelschulen viele Tichterwcrke, die nicht immer deutschen Geistes voll sind, ja mitunter sogar solchen Geistes kaum einen Hauch verspürt haben. Warum bieten wir den Jünglingen nicht die Schriften Ernst Moritz Arndts, nicht die Hauptaufsätze T r e i t s ch k e s, nicht vor allen Dingen«inen tüchtigen Auszug aus Bis» marcks.Gedanken und Erinnerungen'? Wir können es nicht verstehen, daß diese Erinnerungen eines ManneS, der in sich das Ideal völkischer Erziehung darstellt, nicht schon längst in allen höheren Schulen im deutschen und im ge- schichtlicheu Unterricht als Lese- und Lcrnbuch eingeführt worden sind. In der Hand eines richtigen, tüchtigen Lehrers würden die Bismarckschcn Gedanken und Erinnerungen das beste völkische Bildungsmittel sein.' Äulb das Auswendiglernen der»bodenständischen' und .völligen' Gedichte des großen Dichter» Georg Oertel würde sicherlich zur Erreichung dieses hohen Bildungszieles höchst nütz- lich sein._• UnternehmerterrorisuttlS. Verschiedene Unternehmerverbände sammeln bekanntlich seit langem alle ihnen mitgeteilten Fälle, in denen sich organisierte oder unorganisierte Arbeiter durch die Anwendung des sogenannten Terrors bessere Lohn» oder Srtv'.isbcdingungen zu verschaffen suchen, um der Regierung dieses Material zur Begründung der von den Scharfmachern geforderten neuen Zuchthausvorlage zur Verfügung zu stellen. Natürlich werden alle jene Fälle, in denen Unternehmer ihre Arbeiter zu terrorisieren suchen, sorgfältig ausgeschieden, obgleich sie unzweifelhaft un- gleich häufiger sind, als die TerroriSmuSsälle der erst- genannten Art. Dafür ein neues drastisches Beispiel: In der Pfeifenfabrik von Tscheile in Tabarz(Thür.) kündigten einige Arbeiter ihr Arbeitsverhältnis ordnungsgemäß, weil man ihnen größere Lohnabzüge gemacht hatte. ES handelte sich bei diesem Vorgang absolut nicht etwa um eine Lohnbewegung oder die Absicht, wegen der Lohnreduktion in einen Streik einzutreten. Die Arbeiter wechselten einfach ihre Stelle, weil ihnen der Lohn zu niedrig schien. Trotzdem verhing der Verband der Thüringer I i» du st riellen über diese Arbeiter die Sperre. Die Arbeiter erhielten auch tatsächlich bei keinem Mit- glied des JudustriellenverbandeS wieder Arbeit. Bereits Ein. gestellte wurden wieder entlassen. Erst nachdem der Bezirksleiter des Deutschen Holzarbciter- verbandeS eingriff, die Sache ausklärte und der Firma mit Gegen- maßregeln drohte, wurde die Sperre wieder aufgehoben. Es wäre den Gewerkschaftsleitungen zu empfehlen, mit gleichem Eifer wie die Unternchincrorganisationen alle terroristischen Ueber- griffe der Herren.Arbeitgeber' zu sammeln. Das würde ein Material ergeben, das jenes der Scharfmacher entschieden an Um- sang und.Schönheit' übertreffen würde. Militärische Kundgebung gegen die Alldeutschen. Zum Protest gegen die Marokkopelitik des Staatssekretärs v. stiderleu-Waechter hatten di� Alldeutschen in Worms eine Versammlung veranstaltet, zu der die Offiziere der Garnison eingeladen waren und auch vollzählig erschienen. Der Vorsitzende Dr. Goebel erklärte, wie der.Vossischcn Zeitung' telegraphiert wird, Deutschland habe 18(3S eine starke Regierung, aber ein schwaches Volk gehabt. Jetzt sei es umgekehrt. Wir hätten«in starkes Volk, aber eine schwache Regierung. Bei diesen Morien erhoben sich sämtliche anwesenden Offiziere, der Oberst des Regiments an der Spitze, und verließen demonstrativ den Saal. Was die Oifiziere in einer Vcrsamnikung der Alldeutschen zu suchen halten, ist un» unverständlich, Militärpersonen— und dazu gehören auch die Offiziere— dürfen an politischen Versammlungen nicht teilnehmen, und wenn die alldeutschen Redner auch meist nur alberne Phantastereien vortragen, so sind ihre Vcrsanmtlunacn eben doch politischer Art._ Oeftcmlcb. Tie neue klerikale Organisation. Nach der schweren Niederlage der klerikalen Parteien bei den Reichsratswahlen ist mit großem Eiser eine neue Parteiorganisation geschaffen worden, die sich auf alle Nationen erstreckt. Schwere Arbeit war es sicher nicht, da die neue Partei nichts anderes als eine Ausgestaltung der kirchlichen Organisation ist, der in reicher Zahl die vom Staate bezahlten Kräfte zur Verfügung stehen. Speziell für Wien wird berichtet, daß die neue„Katholische Union' vom Fürstbischof Nagl angeordnet ist und sich eng an die Pfarr- sprenge! anschließt. Auf jeden Sprengel kommen je nach der Größe ein oder mehrere Vertrauensmänner und Stellvertreter, die wieder für die einzelnen Gcmeindebczirke Delegierte wählen. Diese stehen in enger Fühlung mit den Pfarrern des Bezirks und werden voni Diözcsankomitee zu Generalversammlungen, zur Vor- bcreitung von Katholikentagen und sonstigen wichtigen Dingen zusammenberufen. Die Vertrauensmänner sammeln freiwillige Beiträge, die an das fürstbischösliche Amt abgeliefert werden. Feste Beiträge sind nicht vorgesehen, auch nicht notwendig, da der Kirche aus ihren Besitzungen und den Staatskassen ungezählte Millionen zur Verfügung stehen. Mit um so größeren Mitgliederzahlen wird man dann aufwarten können.— Für das Land gilt eine gleich- artige Organisation. An die Stelle der Bezirke treten die kirchlichen Dekanate. Für dag Reich, besteht ejne Zentralstell« der Katholischen Union, in der Bischof Gras Huyn den Episkopat vertritt. So haben Ungläubige und Umstürzler wenigstens den Trost. mit ihren Steuern zum Triumph de« rechten Glaubens beitragen zu dürfen. Hoffentlich wird auch das ihrem Seelenheil, das sonst stark gefährdet ist, wenigsten» in etwas zugute kommen, Japan. Die Justizbarbarei. Wie die.Korresp. des äußersten Ostens' mitteilt, ist der Prozeß gegen die angeblichen koreanischen Verschwörer jetzt zu Ende geführt worden. Man hatte die Angeklagten in zwei Gruppen eingeteilt, gegen die getrennt verhandelt wurde. Die eine Gruppe bestand aus An-Min»Ken, dem Bruder d«S Mörders de» Fürsten Jto, mit Namen An-Jon-Ken und siebzehn Mit- angeklagte. Die andere Gruppe war aus dem Journalisten Liang-Chi-Tse und vierzehn seiner Freunde zusammengesetzt. An-Min-Ken und seine Schicksalsgenossen konnten nicht, zu dem Geständnis gebracht werden, die Ermordung des Generals Terauchi. des VizekönigS von Korea, beabsichtigt zu haben, aber man hatte festgestellt, daß sie von reichen Koreanern Geld verlangt hätten, um damit eine Erhebung gegen die japanische Herrschaft zu ermög- lichen. Hie hatten aber nur bei ihrer Verhaftung einige tausend Den zusammengebracht. Die Beweisaufnahme führte'zu der Ver- urteilung des Angeklagten An-Min-Ken zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. Seine Mitschuldigen erhielten Strafen in der Höhe von sieben bis fünfzehn Jahren Zwangs- arbeit. Was Liang-Chi-Tse betrifft, so gab er zu, reiche Korea- ner zur Auswanderung nach Chien-Tao, einem chinesischen Terri- torium, angeregt zu haben. Dort sind bereits viele Ltoreaner an- sirssig. Die Niederlassung in diesem chinesischen Landstriche sollte dazu dienen, das koreanische Volk wieder zu sammeln und zum Widerstand gegen fremde Einflüsse zu stärken. Man hatte die Absicht, dort Schulen zu errichten, Zeitungen zu grün- den usw. Man wollte auch ein Heer aufstellen, um das Vaterland zurückzuerobern. Liang-Chi-Tse und vier seiner Freunde wurden zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, zehn andere zu Frei- heitsstrafen von IVs Jahren bis zu sechs Monaten. In einem Tokioer Blatt veröffentlicht das Parlamentsmitglied Hanai, der zu den Verteidigern von Kotoku gehörte, in diesem Blatte eine recht interessante Statistik. Nach den Ausführungen des Verfassers kann Japan Anspruch auf den Ruhm erheben, das Land zu sein, in welchem die meisten Gerichtsurteile gefällt werden. Durchschnittlich sind in den japanischen Gefängnissen jeden Tag 60 073 Häftlinge eingesperrt. Diese Zahl ist die höchste, die in irgendeinem Lande erreicht worden ist. Die jährlichen Ausgaben der Japaner für die Insassen ihrer Gefängnisse setzen sich wie folgt zusammen: 1. die Ausgaben für die Gefängnisgebäude 0 280138 Den; 2. die Kosten für die Gerichte 4 051 73L Yen. Wenn man nun noch eine Summe von 3 153 882 Den. die für die Polizei, den Feuer- Wehrdienst, öffentliche Gesundheitspflege usw. erfordert werden, hinzurechnet, so gelangt man zu einer Gesamiäusgabe von 13 475 751 Den(mehr als 28 Millionen Mark), die für die Ge- fangenen in Japan erforderlich ist. Das ist sicher eine ganz un- gewöhnlich hohe Summe. Japan ist also, so schließt der Verfasser Hanai, anscheined auf dem Gebiete der Kriminalistik das erste Land. Das spricht sehr für die Strenge seiner Gesetze und seiner Ver- waltung. Soziales. Eudgiiltigeö Ergebu is der VolfSznhlung vom 1. Dezember 1910. Das endgültige Ergebnis der Nolkszählung vom 1. De- zember 1910 für den preußischen Staat ist gestern in einer Sondernummer der„Statistischen Korrespondenz' veröffentlicht. Ihre Ergebnisse weichen nicht wesentlich von den vorläufigen, am 8. Februar veröffentlichten, bereits in den Statistischen Jahrbüchern für 1911 enthaltenen Zahlen ab. Als Gesamt- zahl der preußischen Bevölkerung ivies daS vorläufige Er- gcbms 40 163 333 Personen auf, das endgültige Ergebnis zählt 40165 219 Personen als am 1. Dezember 1910 in Preußen ortsanivesende Bevölkerung. Bon dieser waren 19 847 725 männlich, 20 317 494 iveiblich. Berlin wies 2 071 257 Einwohner(994 206 männliche und 1077 051 Weib- liche), die Provinz Brandenburg 4 092 616 Einwohner (1 992 016 männliche, 2 100 600 weibliche) auf. Das Wachstum der preußischen Bevölkerung seit 1875 zeigen folgende Zahlen: Die ortsanwescnde Bevölkerung betrug am: Preußische Schulhygiene. In einem umfangreichen Band stellt die Medizinalabteilung des preußischen Ministeriums des Innern alljährlich die sich auf alle möglichen Gebiete erstreckenden Berichte der beamteten Aerzte zusammen. Was den Wert der Berichte beeinträchtigt, das ist der Umstand, daß sie nur Tatsachen feststellen, ohne auch die Ursachen zu erforschen und klarzustellen; höchstens werden die Ursachen ge» lcgentlich und dann auch nur sehr oberflächlich mit gestreift. Wenn der Bericht versichert, daß sich die schulhygienischen Verhält- nisse in einer erfreulichen Aufwärtsbewegung befinden und wenn man dem nur einen Teil der noch so zahlreich konstatierten Miß- sstönde entgegenhält, dann kann man vielleicht eine Ahnung davon bekommen, wie eS früher mit der Hygiene im preußischen Schul. wesen bestellt war. Was soll man dazu sagen, wenn aus einem Orte des RegierungSbezirlS Stettin mitgeteilt wird, daß infolge räumlicher Beschränkung der Lehrcrwohnung das Schulzimmer auch als Schlafzimmer benutzt wurdet In vielen Bezirken ist die schlechte Ernährung der Kinder direkt aufgefallen und zwar handelte es sich dabei nicht etwa bloß um industrielle Gebiete. So wird aus dem Bezirk Allenstein kon« statiert, daß die Ernährung der Kinder in ärmeren Gemeinden nicht ausreiche; im Kreise Ostpricgnitz wurden von 1083 Kindern 302 krank befunden. Im Kreise Witzenhausen fiel die Unter« ernährung der Schulkinder auf; besonders schlecht waren die Ge- sundheitsverhältnijse der Schulkinder auf der Blomlage, einer von der ärmsten Bevölkerung bewohnten Vorstadt von Celle; als eine der Ursachen für den dürftigen Ernährungszustand dieser Kinde: wird angegeben, daß viele ohne warmeS Frühstück zur Schule gehen, weil die Eltern schon frühmorgens zur Arbeit gehen müssen. In Beringenstadt(Sigmaringen) ist die Krätze unter der Schuljugend weit verbreitet, nach Meinung des Berichterstatters bedingt durch eine unglaubliche Unjauberkeit. Der Zustand der Schulgebäude bildet ein Kapitel für sich. Wenn auch viele Gemeinden»n strebt waren, durch Um- oder Neu- bauten bessere Verhältnisse zu schaffen, so bleibt doch noch unendlich viel zu tun übrig. In fast allen Berichten wiederholt sich die Klage, daß die Rcinlichreit in den Schulklaffen, besonders auf dem Lande, oft zu wünschen übrig lasse. Die Forderung der Kreisärzte, daß die Reinigung nicht durch Schullinder erfolgen dürfe, stößt immer noch auf Widerstand bei den Schulvorständen. Zahlreich sind die Klagen über die Mängel der Wasserversorgung in den Schulen. Vielfach fand man höchst primitive Brunnen mit schlechtein Wasser. Im Regierungsbezirk Brombcrg war das eisen- haltige Wasser oft zum Genuß wenig einladend. In den Schulen zu Güntcrgost-Torf und»Kolonie(Bromberg) sind die Brunnen noch offene Ziehbrunnen, an denen die Kindcy sorglos spielen. In d>.m Bericht wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß Wand- iung erst geschaffen wird, wenn ein Kind ertrunken ist. Auf dem Lande sind in den Schulen die Aborte teils noch sehr mangelhaft, teils fehlen sie vollständig. Im Kreise Goldap z. B. ivaren bei sechs Schulen keine Aborte vorhanden. Im Kreise Brombcrg waren die Aborte häufig nicht voneinander getrennt, so daß drei bis vier Sitze in einem Abteil nebeneinander lagen. Der Kreisarzt von Witkowo berichtet, daß in Schwarzenau der Abort der katholischen Knabenschule nur mit Lebensgefahr zu besuchen war, weil die im Abortraum vorhandene Grube keinen Verschluß Me. In WeddxrSlebW(OjiidliMrfl) mm W einem gebäude die Worigruben nur mit einem Gitter bedeckt und ber» breiteten infolgedessen üblen Geruch. In vielen Orten bestehen Einrichtungen, die eS ermöglichen, daß armen Schulkindern gutes Essen verabreicht wird, daß sie zum Frühstück mit Milch und Brot versehen werden. So anzuerkennen das auch schließlich ist, so mutz doch betont werden, daß es einfachste Pflicht des Staates wäre, durchgreifend zu helfen. Die private Hilfe wird immer nur einer kleinen Minderheit zugute kommen, sie will und kann das Elend nicht an der Wurzel fassen und Inas sie bietet, hat meist den Beigeschmack des Almosens. Jedenfalls zeigen die hier besprochenen amtlichen Angaben, die ganz gewiß nicht etwa auf Schwarzseherei oder auf Uebertreibung gestimmt sind, wie wenig der preußische Staat noch seiner Pflicht auf dem Gebiete der Schulhygiene genügt. Zehn Jahre Genossenschaftsarbelt. Die Konsumgenossenschaft Hoffnung in Köln feiert dieser Tage ihr zehnjähriges Bestehen. Die Genossenschaft, deren Wir- kungskreis das Gebiet von Köln und Mülheim a. Rhein umfaßt. zählt 23 739 Mitglieder. Ihr letzter Jahresumsatz beträgt 8 440 000 M., davon 5 664 400 M. im eigenen Geschäft. Sie hat 321 Arbeitskräfte bei 50 Verkaufsstellen. Die eigene Bäckerei hatte im letzten Jahre einen Umsatz von 1287 000 M. In der Kaffee- rösterei wurden 328 000 Pfund Kaffee verarbeitet. Es waren 98 490 M. Kaffeezoll zu entrichten. Der Vermögensbestand be- trägt 2 039 733 M. Die Einlagen der Mitglieder in der eigenen Sparkasse belaufen sich auf 749 000 M.— In den zehn Jahren ihres Bestehens hatte die Genossenschaft einen Gesamtumsatz von 30 980 213 M. Zu der eigenen Bäckerei, die bei 24 Herden wöchent- lich für 80 000 M. Backwaren zu produzieren vermag, kommt in nächster Zeit eine eigene Wursifabrik. Diese Daten geben � ein charakteristisches Bild von der gewaltigen Bedeutung der genossen- schaftlichen Kraft der konsumierenden Masse. Denn alles dies ist von völlig besitzlosen Arbeitern ans sich heraus geschaffen worden. Der Kampf gegen bie Kranken- und Unfallversicherung in der Schweiz. Die arbeiterfeindlichsten Kapitalisten und Scharfmacher, Leute, die durchweg Gesinnungsgenossen jener Arbeiterfcinde und Scharf- macher in Deutschland sind, welche sich im Zentralverband deutscher Industrieller zusammengefunden haben, führen nun auf der ganzen Linie den Kampf gegen die Kranken- und Unfallversicherung. Geg- ner jeder sozialen Gesetzgebung, jeder sozialen Erleichterung der Arbeiter, jsber Förderung der Volkswohlfahrt, zugleich auch Gegner jeder Arbeiterorganisation, die sie durch den Raub des KoalitionS- rechts der Arbeiter, durch Maßregelungen und Verfolgungen ver- hindern, erscheinen sie auch als die geborenen Gegner der Kranken- und Unfallversicherung. An der Spitze dieses Kapitalistenklüngels steht der Schweizerische Handels- und Jndnstrieverein, dessen Prä- sident der Schlotjunker Wunderli v. Muralt in Zürich, der /Besitzer einer Spinnerei und einer Gerberei ist. in denen er bei gewalt- tätiger Verhinderung jeder gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter die rückständigsten Arbeits- und Lohnverhältnisse aufrechterhalten kann. Zum Handels» und Jndustrieverein gesellen sich die sieben Handelskammern in Basel, Zürich, GlaruS, Genf, Freiburg, Lausanne und Solothurn, ferner die verschiedenen Branchenver- bände der Tcxtilindustriellen, sodann vier Unternehmerverbände der chemischen Industrie, der Herren, und Knabenkonscktion, der Müller und Mctallwarenfabrikanten, weiter die Apotheker und Drogisten, endlich der Verband der konzessionierten Versicherungs- gcsellschaften und der Schweizerische Kreditorenverband. Die organisierten Aerzte haben eine neutrale Haltung beschlossen. Es sind insgesamt 22 Untcrnehmerverbände, die als solche wie auch ihre Mitglieder doppelt und mehrfach vertreten sind— die Handelskammern sind.Sektionen des Schweizerischen Handels- und JndustrievereinS, die Unternehmcrvci bände sind Sektionen der HandcUSkammern. die Unternehmer sind Aktionäre in den var- schtedensten Industrien, Vcrsickierunnsgcsellschaftcn und Mitglieder der bezüglichen Verbände—, so daß die effektive Zahl der inter- essiertcn Gegner dcS Versicherungsgesetzes, die den Kampf eröffnet haben, ein recht kleines Häuflein ausmachen dürfte. Sic haben ein „Referendumskomitec" bestellt, das nun mit allen Mitteln, wobei die Kosten keine Rolle spielen, arbeitet, um bis zum 12. September wenigstens 30 000 Unterschriften zusammenzubringen. Eine äußerst liederlich geschriebene und nur auf die politische Unreife berechnete Broschüre wird massenhaft unentgeltlich verteilt, des- gleichen gleichwertige Flugblätter, zu deren Verteilung in der Presse Leute gegen guten Lohn gesucht werden; Agenten ziehen im Lande herum zur Sammlung von Unterschriften, deren jede mit 25 EtS.(20 Pf.) bezahlt wird. Daneben wird von derselben Klique mit der verwegenste» Demagogie in der bürgerlichen Presse die öffentliche Meinung bearbeitet, um ihren großen Volksbetrug ausführen zu können. Für das Gesetz stehen sämtliche Krankenkassen, gcwerkschast- liche und politische Arbeiterorganisationen einschließlich der Eisen- bayner und der Postler, der Schweizerische Gcwerbcverein und der Schweizerische Bauernbund sowie die politischen Parteien ein, von denen aber die Bürgerlichen die kapitalistischen Gegner des Gesetzes zu ihren Mitgliedern zählen, die Zustimmung zum Versick�erungs- gesetz also nicht zur Parteisache machen. Die sozialdemokratische Partei steht einheitlich, ohne jede Ausnahme, für das Gesetz ein und unsere Parteipresse führt mit Energie die Verteidigung des Gesetzes gegen den Feind der Arbeiterklasse. Versammlungen. Die Kupferschmiede der Filiale Berlin des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands hielten am 23. August im GeWerk» schaslshauS eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Ter Vorstand berichtete, daß der Kupserschmiedeinnung und dem Vor» stand des Vereins der Kupfcrschmiedereien, Bezirksverein Branden- bürg, der Tarifentwurf zugesandt worden sei. Beide Körper- schaften haben geanttvortet und ersucht, auf eine bindende Antwort noch eine kurze Zeit zu wartev, da einige Herren zurzeit verreist seien. Nach dem Tarif soll die wöchentliche Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden herabgesetzt werden, der Minimallohn 75 Pf. pro Stunde betragen, für Ausgelernte bis zu 1 Jahr nach der Lehrzeit 00 Pf., bis zu 2 Jahren 05 Pf. Ucberstundcn, die möglichst zu vermeiden sind, sollen bis 8 Uhr abends mit 25 Proz. vergütet werden, für Nachtarbeit werden 100 Proz., für SonntagSarbcit 7b Proz. und für Feiertagöarbeit 100 Proz. Zuschlag verlangt. Bei Stadtmontagen wird S Pf. Zuschlag pro Stunde sowie Ersatz des Fahrgeldes und der Laufzeit bezahlt; Montagen nach außerhalb sollen mit 4 M. Zuschlag pro Tag zum Werkstattlohn be» rechnet werden. Außerdem enthält der Tarif noch Bestimmungen über die Regelung der Akkordarbeit, Beschaffung des Werkzeuges, sanitäre Einrichtungen usw. Der Vorsitzende gab ferner noch be- kannt, daß bei der Tariffrage 38 Firmen mit 127 Mitgliedern de? Kupferschmiedcverbandes, 2 Mitglieder des Metallarbeiterver- bandeS und leider auch noch 7 Unorganisierte beteiligt sind. Arbeitslose sind zurzeit nicht vorhanden, nach außerhalb wird noch vergeblich eine ganze Anzahl Kupferschmiede verlangt. Die Be- wegung bei der Firma Schering, chemische Fabrik, hat einen gün» stigen Verlauf genommen; die neunstündige Arbeitszeit wird dort vom 1. September 1911 ab eingeführt, 12 Vcrbandsmitglicder er- halten 74zh Pf. und 2 jüngere Mitglieder 72� Pf. pro Stunde. Ferner wurde berichtet, daß bei der Firma Lautenschlägcr u. Aschinger dem Tarif entsprechende� Forderungen eingereicht Werden. Bei'der Firma. Seiffert, Köpenicker Straße, werden 10 Kupferschmiede und mehrere Rohrleger, die Hochdruckrohr- lcitungen montieren, beschäftigt. Hier weigert sich die Firma, den im Rohrlegcrbcruf gültigen Tarif anzuerkennen. Der Vorstand wurde beauftragt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Aus An- laß des 2öjährigen Bestehens des Verbandes wird dessen Geschichte im Bureau an die Mitglieder verabfolgt. Gewcrkfcbaftlicbee. Lohnbewegung der Straßenbahner. In einer Konferenz, die zwischen der Direktion der Lerliner Straßenbahngesellschaft und einer Kommission der Angestellten stattfand, wurden seitens der ersteren folgende Zugeständnisse gemacht: auf Anstellung nach zwei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt worden. Das bisherige Höchstgehalt von monatlich 135 M.(jähr- lich 1620 M.) wurde bisher nach 20 Jahren erreicht, in Zu- kunft schon nach 15 Jahren. Nach 18 Jahren werden 140 M. (jährlich 1680 M.) gezahlt. Die Fahrerznlage wird von 0,50 auf 0,60 M. täglich erhöht. Den im Betriebe beschäf» tigten Handwerkern und Arbeitern werden ebenfalls ange- messene Lohnerhöhungen zuteil. Ferner übernimmt die Ver- waltung die Einlage in die Ruhegehaltskasse, die drei Viertel des erstmaligen Monatsbetrages der Erhöhung ausmacht und die die Angestellten nach den Satzungen sonst selbst leisten müssen. Die übrigen Zuwendungen, wie freie Fahrt auf der Straßenbahn, freie Dienstkleidung, Zuschuß zum Krankengeld und Weihnachtsgratifikation, bleiben selbstverständlich bestehen. »» » In einer Niesenversammlung nahmen die Straßenbahner Stellung zu dem Ergebnis der Konferenz. Schon vor 9 Uhr war der weite Saal in der Brauerei„Königsstadt", Schönhauser Allee, mit seinen Nebenräumen beängstigend angefüllt. Nichtsdesto- weniger mußte alsdann Werner zum Entfernen der Tische auf- fordern, dem auch unter froher Zustimmung entsprochen wurde. Aber immer mehr Angestellte drängten nach. In der Schönhauser Allee wimmelte es von Straßenbahnern. Allzubiele fanden trotz engsten Zusammenrückens keinen Einlaß mehr. Ein Teil hatte die Tribüne besetzt, manche ließen sich einfach auf den Fußboden nieder. Nach einer kurzen Einleitung, in der Werner auf die Entwicke- lung der Organisationsbestrebungen unter den Straßenbahnern hinwies, ging er besonders auf die neuesten Kämpfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen mit der Direktion ein. Selbst die bürgerliche Presse habe zugeben müssen, daß die Erregung der Straßenbahner im Hinblick auf ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen und der ablehnenden Stellung der Direktion nicht unbe- rechtigt sei. Wenn nun auch unter den Angestellten manche einen falschen Weg eingeschlagen hätten, so sei die Stunde doch zu ernst, um sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Wir seien alle Men- schen und können Fehler machen, aber nötig sei es, daß man be- gangene Fehler einsehe und sie in Zukunft vermeide. Mit dem Appell an die Anwesenden, mit demselben Interesse wie jetzt, auch künftig sich um die Fahne der Organisation zu scharen, schloß der Redner unter donnerndem Beifall, worauf Orthmann das Wort nahm und eine ausführliche Schilderung von den Verhand- lungen in der Konferenz gab. Redner führte im einzelnen die Er- rungenschaften auf und erklärte, wenn auch nicht alle Wünsche er- füllt worden seien, so dürfe man doch nicht unterschätzen, daß diese errungenen Sätze einen Erfolg darstellten und auf einen Hieb kein Baum falle. Wenn die Straßenbahner nur wollen, dann kann bei der nächsten Konferenz wieder soviel herausgeholt, werben und so könne man allmählich zu gesunden Verhältnissen kommen und solche Verhältnisse schaffen, wie sie in anderen Städten schon bestehen. Vor allem sei eines erreicht: Die Anerkennung der Organisation durch die Straßenbahngesellschaft 119 M. habe die Direktion im Durchschnitt für jeden Mann im Jahre herausgerechnet, soviel be- trage die Zulage.(Großer Beifall.) Der erste Diskussionsredner löste stürmische Zustimmung aus, als er die Errungenschaften als ungenügend bezeichnete. Doch er- mahnte er dringend, der Organisation treuzubleiben. Wahrschein- lich werde ja die Direktion die Zulage durch Dienstvermehrung wert- los zu machen versuchen. Auch würden wohl, wenn erst wieder Ruhe eingetreten sei, Maßregelungen eintreten. Nach einer weiteren sehr lebhaften Diskussion, die sich bis nach Mitternacht hinzog, wurden die Zugeständnisse der Direktion mit großer Mehrheit angenommen. Berlin und Umgegend* Der Streik der Elektromonteure. Die Verhandlungen mit einer Reihe von Firmen, die zum Frieden geneigt waren, haben manche Erfolge gebracht. Verschiedene Firmen anerkannten den Tarifvertrag durch ihre Unterschrift, darunter auch eine Firma, die bisher bestreikt wurde. Bei dieser Finna ist die Arbeit sofort wieder aufgenommen worden. Viele Unternehmer — und nicht selten gerade die kleinsten— verhalten sich sehr hart- näckig gegenüber dem Ansinnen, mit dem Deutschen Metallarbeiter- verbände zu verhandeln. Demgegenüber betont die Streikleitung, daß der Verband mit vielen sehr großen Firmen und Vereinigungen von Unternehmern erfolgreiche Verhandlungen geführt und Tarif- Verträge abgeschlossen hat, die eine anerkannt gute Wirkung auf die Verhältnisse des betreffenden Berufs ausübten. Am Freitag hatten die Unternehmer eine Versammlung abgehalten und Gerüchte von einer bevorstehenden Aussperrung wurden laut. Bezugnehmend auf diese Gerüchte erklärte Handle in einer Versammlung der Streikenden, die am Sonnabendvor« mittag stattfand, daß der Verband keinerlei Maßnahmen der Unter- nehmer fürchte und stets zur rechten Zeit tun werde, was im Interesse der Streikenden notwendig fei. Die Unternehmer wollen anscheinend den Weg der Verhandlungen nicht beschreiten und hoffen auf einen baldigen Umfall der Streikenden. Darin dürften sie sich aber getäuscht sehen, denn die Streikenden sind zum Ausharren fest entschlossen._ Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.I' Der Zuzug von Elekkromonteuren und HllfSmonteurev nach Berlin ist fernzuhalten._ Achtung, Bauarbeiter! Die im Verband der Sattler und Porte- feuiller organisierten Linoleumleger und Teppichnäher besitzen als Ausweis ihrer Organisationszugehörigkeit eine graue Kontrollkarte. Diese Kontrollkarte ist nur gültig, wenn sie jeden Monat laufend abgestempelt ist. Wir richten das Ersuchen an die organisierten Bauarbeiter, die auf den Bauten tätigen Linoleumleger nach ihrer Kontrollkarte zu befragen. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Friseurgchilfe»! Beigelegt sind die Differenzen bei Hoppmann, Liebigstr. 17. Die Sperre ist damit aufgehoben. Verband der Friseurgehilfen. Im Glaserzewcrbe Groß-Berlins hat in aller Stille eine für die Gehilfen erfolgreiche Lohnbewegung stattgefunden. Am Freitag ist es zum Abschluß eines Tarifvertrages gekommen, nachdem die Unternehnrer annehmbare Zugeständnisse gemacht haben. Die Glaser waren die einzigen Bauhaudwerker, bei denen seit 1998 kein Tarif- vertrag bestand. Die wesentlichsten Positionen des Vertrages sind folgende: Der Lohn beträgt im ersten Jahre der Vertrogsdauer pro Stunde 71 Pf., im zweiten 73 Pf., dann 73 Pf. Bestehende höhere Löhne dürfen nicht verschlechtert werde». Bisher wurden 79 Pf. gezahlt. Die Löhne gelten auch für Bleiglaser und Glasmaler. Dort wo Tarifumgehungen ermittelt werden, verpflichten sich die Unternehmer, gemeinsam mit der Gesellenorganiiation gegen solche Betriebe vorzugehen. Beginnt die Arbeit des Morgens auf dem Bau. statt in der Werkstatt, dann ist dem Gehilfen das über 19 Pf. pro Tag betragende Fahrgeld zu ersetzen. Ein volles Kontroll- recht über den Jnuungsarbeirsnachweis wird der Organisation ein- geräumt. Bei Arbeitsausführungen in Akkordlohn tvird pro Quadratmeter für Holzfenster 38 Pfennig plus 1 Pfennig pro eingesetzte Scheibe und für eiserne Fenster 39 Pf. plus 1 Pf. pro eingesetzte Scheibe gezahlt. Bei Akkordarbeit findet in jedem Fall die schriftliche Unterzeichnung des von der Tarifkommission aus- gearbeiteten Musterformulars durch die Kontrahenten statt. Der genaue Wortlaut de» Tarifs und des Arbeitsnachweis- regulativs wird nebst einem auftlärenden Zirkular im Laufe der Woche jedem Verbaudsinitgliede zugestellt werden. Ocuvlebes Rc\ Friedenau. Montag, ken 28. August: Vorkrag?„Mukkerschuß fl'nS Säuglingsfürsorge". Stellungnahme zu den Resolutionen der Frauenkonfcrenz. Friedrichshagen. Montag, den 28. August, abends 8�4 Uhr, iirt Jugendheim, Wilhelmstr. 74, Hof part. rechts. Bortrag des Genossen Richard Mitten zwei über:„Die Ursachen der Lebensmittelteuerung". Pankow. Montag, den 28. August, abends 8� Uhr. bei Großkurt Nachfolger, Berliner Str. 27: Vortrag. Genosse Emil llnger, Halcnsee b. Berlin. Köpenick. In diesem Monat fällt der Frauenlesegbend aus. <3encbt9- Zeitung. Die verletzte Sittlichkeit. Wegen Vergehens gegen 8 184 Str.-G.-B. hatte sich gestern der Redakteur der Berliner Wochenzeitung„Die Tribüne". Dr. Rudolf Lautenbach, bor der 4. Strafkammer des Land- gerichts I zu verantworten. In der Nummer vom 22. März d. I. brachte die„Tribüne" einen Artikel, in dem sie den Brief einer „höheren Tochter" an einen Gymnasiasten glossierte. Der Brief war in unserem Düsseldorfer Parteiblatt veröffentlicht worden und gab Anlaß zu manchen bissigen Bemerkungen über die so ängstlich be- hütete Moral der höheren Töchter. In dem Artikel der„Tribüne" wurde die höhere Tochter ironisch in Schutz genommen und aus ein Gerichtsurteil hingewiesen, das über einen Arbeiter 9 Monate Gefängnis verhängte, weil er der Tochter eines Staatsanwalts in Halberstadt zu nahe getreten war. Die Höhe der Strafe war im Gerichtsurteil damit begründet, daß die höhere Tochter ein feiner entwickeltes Empfinden habe als die Tochter aus dem Volke. Der Angeklagte Dr. Lautenbach bestritt, daß durch die Ver- öffentlichung des Briefes das allgemeine Schamgefühl hätte verletzt werden können, und daß gar seine Absicht dahin gegangen sei.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten dem Antrage des Staats- anwalt» gemäß zu 160 M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängnis. In der Begründung wurde angeführt, daß der veröffentlichte Inhalt des Briefes, wie auch die daran geknüpften Bemerkungen als objektiv unsittlich zu betrachten seien.— Von der unter Anklage stehenden Nummer der-Tribüne" waren 2000 Exemplare beschlagnahmt worden. Ein sächsischer Richter gegen daS Kinderschutzgcsetz. Vor dem Chemnitzer Schöffengericht hatten sich drei Bäcker- meister wegen Vergehens gegen das Kinderschutzgesetz zu verant- Worten. Den Vorsitz hatte Amtsgerichtsrat Grützner, der durch seine harten Urteile gegen die Arbeiter, besonders bei Streikvergehen, bekannt geworden ist. Daß dieser Richter auch milde Saiten an- zuschlagen versteht, zeigte sich in dieser Verhandlung. Die Be- schuldigten hatten längere Zeit Kinder gesetzwidrig beschäftigt; früh vor Beginn des Schulunterrichts und Sonntags früh bor 8 Uhr mußten die Kinder Backware der Kundschaft in die Wohnungen tragen. Natürlich hatten die Bäckermeister diese gesetzwidrige Be- schäftigung nicht angezeigt. Gegen die 8s 6, 8, 9, 10 und 11 des Kinderschutzgesetzs hatten die Beschuldigten verstoßen. Das Gesetz, sieht für solche Vergehen Geldstrafe bis zu 600 2>i. vor. Ganz anders, als wenn er Arbeiter vor sich hat, die am Stacheldraht der Koalitionsparagraphen hängen geblieben sind, klangen die Wvrte des Borsitzenden in diesem Falle. Wie zur Entschuldigung der Vergehen, sagte er u. a.: Ja. eS steht schlimm mit dem Frühstück- austragen; jetzt will die Kundschaft alles ins Haus haben. Früher kam sie und holte ihre Waren selbst. Es ist eine Sorge für den Geschäftsmann, der seine Kundschaft behalten will. Aber das Kinderschutzgesetz besteht mm einmal und dagegen ist nichts zu machen. Es hat aber noch niemand durch solche Arbeit Schaden erlitten, wenn sie nicht zur Ausbeutung ausartete. Zu den Be- schuldigten gewendet, sagte er: Machen Sie es nicht wieder. Die Bäckermeister muhten den Inhalt der Anklage zugeben; sie ent- schuldigten sich mit Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen(die seit dem 30. März 1903 zu recht bestehen!). Auch der Anklage- Vertreter zeigte eine sonst nicht beobachtete Milde. Er bat, keine übermäßig hohe Strafe auszusprechen. Dem kam das Gericht nach, das jeden Beschuldigten mit 7 M. Geldstrafe belegte. So geringe Strafen können geradezu als Prämien auf Ver- stoß gegen das Gesetz wirken. Die von sozialer Kenntnis und Empfindung freien Ausführungen des Gerichtsvorsitzenden sind auch nicht gerade geeignet, dem zum Schutz von Kindern erlassenen Gesetz Achtung zu verschaffen�_ Ein Erpresser wurde gestern von der 6. Fericnstrafkammer auf längere Zeit un- schädlich gemacht. Aus der Untersuchungshaft wurde der Diener Ernst Nentwich dorgeführt, um sich wegen versuchter Erpressung in vier Fällen zu verantworten. Der Angeklagte, der in einem Berliner Regiment gedient hatte, richtete Mitte Juli d. I. an seinen früheren Vorgesetzten, den Hauptmann S. einen Brief, in welchem er die Hergabe von 160 M. forderte. Er schrieb unter anderem dem Hauptmann, daß dieser wohl noch wissen werde, welcher Bergehen er sich an ihm schuldig gemacht habe. Sollte ihm der Betrag nicht gesandt werden, so werde er sofort bei der Staatsanwaltschaft und bei der Militär- behörde Anzeige erstatten. Briefe ganz ähnlichen erpresserischen Inhalts richtete der Angeklagte auch an den Oberleutnant B., den Leutnant K. und den Musikineistcr B.— Diese Erpresserbriefe wurden sofort der Kriminalpolizei übergeben, die den Angeklagten. als er sich das Geld von der Post abholen wollte, verhaftete. Das Urteil des Gerichts lautete auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis und mit Rücksicht auf die ehrlose Gesinnung des Angeklagten auch noch auf Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 6 Jahren. Ein betrügerischer ZeitungSbcrichterstatter, der mehrere Berliner Redaktionen bürgerlicher Zeitungen mit fin- gierten Nachrichten hineingelegt hatte, muhte sich gestern vor der 2. Fcricnstrafkammcr des Landgerichts I verantworten. Unter der Anklage der Urkundenfälschung in 18 Fällen und des Diebstahls hatte sich der„Berichterstatter" Johannes EzechowSky zu veranr- Worten. Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte verschaffte sich bor einiger Zeit dadurch einen kleinen Verdienst, daß er niedrige Rc- porterdicnste für mehrere hiesige Zeitungen leistete. Als er hier- mit nicht genug verdiente, schickte er von ihm erfundene Nachrich- ten an die Zeitungen. Dieser Schwindel kam jedoch bald heraus und hatte zur Folge, daß weitere Nachrichten von ihm abgelehnt wurden. Der Angeklagte zeigte sich nun als wirklich erfinderischer Reporter. Er meldete sich unter dem Namen Max Koch von neuem und versandte wiederum fingierte Nachrichten. Da er an den Kassen selbst bekannt war, konnte er das Honorar nicht selbst ab- holen. Er schickte deshalb junge Burschen, die er auf der Straße ansprach, mit Quittungen, die mit dem Namen„Max Koch" unter- zeichnet waren, an die einzelnen Kassen und gelangt- auf diese Weise in den Besitz des Geldes. In einem Falle, der schon weiter zurücklag, eignete sich der Angeklagte in der Hauptexpedition eines hiesigen Berlages einen Stock mit silberner Krücke an, den der Be- sitzcr, ein Kaufmann Hcpner, einen Augenblick aus der Hand ge- stellt hotte. Das Gericht erkannte wegen Urkundenfälschung in 18 Fällen und Diebstahls aus 2 Monate GcsSnxnis� Zum AuSnahmegcstd gegen ländliche Arbeiter.>>" ..tzarinäckiger Ungehorsam" wurde dem Maschinisten Becker vorgeworfen, der auf einem Nitiergute in der Nähe von Brauns- berg als Führer des Tampfpslugcs engagiert war. Er war näm- lich einer mehrmaligen Aufforderung des Oberinspektors, zu ihm zu kommen und mit ihm etwas zu besprechen, nicht gefolgt. Der Oberinspcitor stellte deshalb Strafantrag auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1S54, betreffend die Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter, Nach§ 2c findet dieses Gesetz auch Anwendung auf das Verhältnis zwischen dem Besitzer eines Landgutes oder einer anderen Acker- oder Forstwirtschaft be- ziehungsweise ihren Vertretern und solchen Dicnstleutcn, welche gegen Gewährung einer Wohnung in den ihm gehörigen oder auf dem Gute befindlichen Gebäuden und gegen einen im voraus be- stimmten Lohn behufs der Bewirtschaftung angenommen sind. Als ein solcher Arbeiter wurde Becker nach den vereinbarten Bedingun- gen angesehen und von der Strafkammer in Braunsbcrg als Be- rufungsinstanz auf Grund dieses Gesetzes wegen hartnäckigen Un- gehorsams zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht, das dieser Tage über die vom Angeklagten eingelegte Revision entschied, erachtete ihn, der freie Wohnung, Lohn und Deputat erhielt, ebenfalls für einen solchen Arbeiter und hielt des- halb an sich die Anwendung des Gesetzes für nicht verfehlt. Es hob jedoch das Urteil aus einem anderen Grunde auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Dazu wurde ausgeführt: An sich werde der Herrschaft das Recht. Strafantrag zu stellen, durch das Gesetz verliehen. Wenn der Oberinspektor Generalbevoll- mächtigter der Herrschaft wäre, würde das Recht allerdings ohne weiteres auf ihn übergehen. Auch könnte der Vertreter Strafantrag stellen, wenn ihm die Herrschaft die Befugnis dazu speziell über- tragen hätte. Kcins von beiden stehe bisher fest. Deshalb müsse das Urteil aufgehoben und die Sache an die Strafkammer zurück- verwiesen werden._ Sozialdemokratischer Zentralivahlverein für de« Reichstags- Wahlkreis Arnswalde- Friedeberg. Ortsverein Berlin. Heute isomitag. nachmittags 3 Uhr: Mttgltedevversammlung bei Thimm, Tilfitcr Straße 7g. chäste willtommen. Sozialdemokratischer Wahlvereiu Landsberg-Toldin.(Ort?- gruppe Berlin,) Montag, den 23, August, abends 8>/, Uhr: General- verjammtug bei Strchloiv, Schrciucrstr, 9. Gäste willkommen. Tlocken-Spielplan der Berliner Cheater. Köiiigl. Opernhaus. Sonntag: Die Zaubcrllöte. Montag: Carmen, Dienstag: Lohen grin. �l»s, 7 Uhr.) Mittwoch: La Traviata. Donnerstag: Fidelio, Freitag: Der Eoangelimann.«onnabend: Königskinder. Sonntag: Ronico uns Julia, Montag: Tie Fauberjtäte,(Ans 7s/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus,«ooniiiag: Goldjische, Montag: Götz von Bcrlichingcn,(Ansang 7 Uhr.) Dienslag: Der Kaufmann von Venedig, Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnerstag: Die Journalisten, Freitag: Die Stützen der Gcjcllichast. Sonnabend: Die Ouitzows. Sonn» tag: Der Schlagbaum, Montag: Hamlet.(Ans. 7>/, Uhr.) ötenes köiiigticheS Opcrnthentcr. Sonntag: Sappho.(Ansang VI, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der sctte Cäsar. Montag: Judith. Dienstag: Der scttc Cäsar. Mittwoch: Faust, 1. Teil. Donnerstags Der fette Cäsar. Freitag: Ein SommcriiachtStraum.(Ans. 7'/, Uhr.) Sonn- abend: Der selte Cäsar. Sonntag: Die lltäuber. Montag: Das Winter- Märchen, filnsang L Uhr.) Kanimerspiele. Sonntag: Frühlings Erwachen, Montag: Gawün. Dienstag: Ter vcrlvuudcte Bogel. Mittwoch: EtzgeS und sein Ring. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag: Gawän.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Der ucrwniideie Vogels Sonntag: Frühling» Erwache». Montag: Der Gras von Gleichen.(Ansang S'/j Uhr.) Lesfing> Theater. Sonntag bis Donnerstag: Glaube und Heimat. Freitag: Hcdda Gabler. Sonnabend bis Montag: Glaube ulid Heimat. (Ansang 8 Uhr.) Rcfldeiiz-Tkeatcr. Täglich: Die Dame von Maxim.(?lnf, 8 Uhr.) Zkouiiiche Lpcr. Sonntag bis Toimcrstag: Der verbotene Kuß. Freitag bis Montag: Die kculche Susanne.(Nnsang 8 Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich; Der Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: Erster Klasse. Angele. Berliner Theater. Allabendlich: Biimmekstudenre».(Anfang 8 Uhr.) Nächsten Svnntag, nachm. 3 Uhr: Einer von unsere Lcut'. Rcueö Schansplelhans. Sonntag bis Toniicrstag: Die keusche Susanne. Freitag bis Montag: Eine Million.(Ansang 8 Uhr.) ReurS Theater. Bis einschl. Donnerstag geschlossen. Ab Freitag täglich: Di« Frau Grell. Schiller< Theater V. Sountog: Der dunkle Punkk. Montag: Egmont. Dienstag und Mittwoch: Der tunkic Punkt. Donnerstag: Der Bund der Jugend. Freitag: Nathan der Weise. Sonnabend: Der Bund der Jugend. Sonutagnachmiltag 3 Uhr: Der Bund der Jugend. Abends: Der dunkle Punkt. Montag: Nathan der Weise.(Ans. 8 Uhr.) Schiller« Theater(kbarlottruburg. Sountagnnchmittag 3 Uhr: Wilhelm Tcll. Abends bis Mittwoch: Panne. Donnerstag: Nevolutions. Hochzeit. Freitag: Der Probrkandidat. Soiinabeild: Reoolutionshochzeit. Sonntngllachmiliag 3 Uhr; Das Urbild des Tartüss. Abends: Der Probe kandidat. Montag: Nevoliitionshochzett.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-BUlbclllislädttsckies Zchniispielllaiis. Geschlossen. Theater deS BSestcuS. Täglich: Die geschiedene Fran.(Ansang S Uhr.) Luiscu-Thcatcr. Soniitagiinchmittag 3 Uhr: Lorbeerbaum und Bettelstab. Abends und Montag: Ter Glöckner von Notre-Dame. Dien»« tag bis Donnerstag geschlossen. Freitag bis Montag: Das Winter Märchen.(Ansang 8'/« Ubr.) � Reue» Operetten-Theater. Sonntag bis Donnerstag: Eme Million. Freitag bis Montag und Soiiiitagnachmiltag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg.(Ansang 8'/, Uhr.) � m~, Trinnon-Theater. Sonntag bis Donnerstag: Das Prinzchen. Freitag und Sonnabend: Ihr Alibi. Soniitagiinchinittag 3 Uhr: Francillon. Abends nnd Montag: Ihr Alibi.(Ansang 8'L Uhr.) Thatia-Tticalcr. Soulitagnachilllttag 2 Uhr: Mein Leopold. Täglich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Täglich: Di- goldene Schüssel.(Anfang 3 Uhr X> Min.) Nächsten Sonnlaguachuiittag 3 Uhr: Di« dritte Eskadron. Rose-Tbcalcr. Täglich: Slaatsanwatl Alexander.(Nnsang 8'/, Uhr.) Mctropvl. Theairr. Täglich: Hoheit amüsiert sich.(Ansang 8 Uhr.) Folie?(saprice. Täglich: Drei Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme. (Ansang 81/, Uhr.) Herrrnfeld> Theater. Täglich: Das Kind der Firma, schmerz lose Bchaiidlung.(Ansang 3 Uhr.)_ lich Täg- Berliner Prater-Xheater. Täglich: Die junge Garde.(Anfang VI, Uhr.) Boigt-Theater. Täglich: Preciosa. lllpollo-Tbcater. Täglich: Spezialitäten.(Nnsang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Spezialitälen.(Ansang 8 Uhr.) Cart-Havcrland-Thcater. Täglich: Ein krästlger Junge.(Ansang VI, Uhr.) BSintergarten. Täglich: Spezialitäkeii.(Ansang 8 Uhr.) Rcichshnllc»-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Pnhlmanns Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Noacks Thcaier. Täglich: Multerscgcn.(Ansang 8 Uhr.) Kölligstadl-Kasino. Taglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Eafino-Theater. Täglich: Der selige Huldschinsky.(Ansang 8 Uhr.) JntinicS Theater. Täglich: Pariser Ehen.(Anfang 8'/z Uhr.) Raiser-Panorama. 8. Wanderung in die sächsische Schweiz. Ober- ilalienische Seen: Logo Maggiore usiv. Urania- Theater, Taubenslr 48/43. Sonntag: Lebende Ticrbilder von nah und sern. Montag: Die Insel Nügen. Dienstag: Lebende Tier- bilder von nah und sern. Mittwoch und Freitag: Helgoland im Wechsel der Zeit. DonnerStaa, Sonnabendiiachniittag(4 Uhr), Abends und Sonn- tag: Lebende Tierbilder von nah und sern. iMontag: Unbestimmt, (Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—82. Huö aller Mlelt. fünffacher JMord und Selbstmord. Ein entsetzliches Familiendrama hat sich am Sonnabend- morgen in dem hessischen Dorfe Rendel abgespielt. Vor etwa einem Jahre war von dort der Landwirt Wilhelm Gunderloch nach London geflüchtet, nachdem er sein Ver- mögen verjubelt und sein Bauerngut verschleudert hatte. In der Nacht zum Sonnabend kehrte er plötzlich in sein Heimats- dorf zurück. Er verbarg sich in der Nähe des" Hauses seines Schwiegervaters und gab auf ihn, als er das Haus verliest, einen Gewehrschust ab, durch den der Schwiegervater sofort getötet wurde. Dann drang der Mörder in das Haus ein und erschost seine Schwiegermutter, seine Frau, seinen Schwager und seine Schwägerin. Nach der furchtbaren Tat flüchtete der Massenmörder und entkam, da er die inzwischen herbeigeeilten Nachbarn mit dem Gewehr in Schach hielt. Von zwei Polizeihunden wurde später die Spur des Entflohenen aufgenommen. Man fand ihn in der Nähe des Dorfes in einem Kartoffelacker tot auf. Gunder- loch hatte sich eine Kugel in den Kopf gejagt. * Der Schauplatz einer zweiten blutigen Ehetragödie war in derselben Nacht die Wohnung eines Zimmermanns Hager in Plauen i. Voigtl. Nach einem voraufgegangenen Streite überfiel Hager seine im Bett liegende Ehefrau und brachte ihr mit einem Rasiermesser eine lange tiefe Rückenwunde bei. Er zertrümmerte sodann der neu n jährigen Tochter den Schädel. Frau und Tochter wurden schwerverletzt in das Krankenhaus gebracht. tager floh und durchschnitt sich auf einem nahen ute die Kehle._ Eine Köpenickiade. Daß auch nach dem von der ganzen Welt belachten Genie- streich deS Hauptmanns von Köpenick eS gerissenen Gaunern gelingt, Behörden zu düpieren, lehrt ein Borfall, der sich am Freitag in Monsheim bei Worms zugetragen hat. Bei dein Gemeinde- einnehmer Hees erschien ein Unbekannter unter dem vorgeben, be auftragt zu sein, die Kasse zu revidieren. AlS Legitimation legte der Mann ein Schriftstück mit gefälschter Unterschrift vor, die der Beamte für echt hielt. Nach der Revision verschwand der Unbekannte mit 2080 Mark. Zur Eisenbahnkatastrophe bei Manchester. Uever das in unserer gestrigen Nummer gemeldete schwere Eisen bahnunglllck in der Nähe der amerikanischen Ortschaft Manchester werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Bis jetzt wurden ZI Tote aus den Trümmern hervorgezogen. Als da? Unglück sich ereignete, waren bereits fünf Wage» mit der Lokomotive über die Brücke gefahren. Der sechste Wagen sprang plötzlich aus den Schienen, fiel ins Wasser und riß deir siebenten und achten Wagen mit sich, während die übrigen sechs Wagen auf dem Gleise stehen blieben. Die Rettungsarbeiten wurden dadurch erschwert, daß ein Teil der Brücke einstürzte. Die Insassen der ins Wasser ge- fallenen Wogen sind zumeist sofort ertrunken. Nur ein kleiner Teil konnte durch eiligst herangezogene Boote, die auS der nur 150 Meter entfernten Stadt Manchester herbeigebracht wurden. gerettet werden. Einige zwanzig Personen, darunter meist Frauen und Kinder, sind schwer verletzt woiden. Eine andere Meldung besagt, daß daZ Unglück dadurch herbeigeführt worden ist, daß die Gleise sich infolge der außerordentlichen Hitze zu weit gedehnt hatten._ Ein edler Ritter. In der Abendausgabe des„Berliner Tageblatts' vom Freitag wird über einen Vorfall berichtet, der wieder einmal ein grelles Schlaglicht auf Bedicntenhaftigkeit weiter Kreise des Bürgertums wirft. In Ischl suchten infolge eines plötzlich hereinbrechenden Un- Wetters zwei Dameu in der Villa eines bekannten Berliner Schriftstellers Schutz. Sie wurden jedoch, wie die Korrespondenz mitteilt, so wenig freundlich aufgenommen, daß sie es vorzogen, das ungastliche Haus wieder zu verlassen. Bald darauf kam auch H a n s i Niese in die betreffende Villa und der Ritter von der traurigen Gestalt erzählte ihr auch noch den Vorfall. Die Niese merkte'nun aus der Erzählung, daß es sich bei den abgewiesenen Damen um die Prinzessin " isela von Bayern und ihre Hofdame handelte. Als der Schriftsteller, der, wie cS heißt, sonst ein g a l a n t er und sehr g a st l i ch e r Herr ist(der Vorfall hat cS bewiesen), das vernahm, fiel ihm auch prompt das Herz in die Hosen. Schleunigst stürzte er den Damen nach, bat sie um Entschuldigung und lud sie ein, in die Villa einzutreten, und er hatte auch den Erfolg, daß die Damen die Einladung trotz allem annahmen. Schade, daß der Berichterstatter so schämig den Namen dieses bekannten und sonst so galanten und gastlichen Berliner Schrift- stcllcrs, der zwei Damen bei Sturm und Wetter den erbetenen Sckutz brüsk versagt und die elementarsten Formen des Anstände» und der Menschlichkeit verletzt, sich aber sofort platt auf den Bauch wirft, wenn er erfährt, daß es sich um eine leibhaftige Prinzessin handelt._ Kleine Notizen. Automoliilunglück eines Berliners. Auf der Kieler Chauffee nahe N e u m ü n st e r überschlug sich das Automobil des Kauf- MannS Körner aus Berlin infolge Versageus der Steuerung und stürzte in den Chausseegraben. Von den Insassen wurden Körner und seine Frau erheblich, der Chauffeur leicht verletzt. Ein Gcnernlschwindel. In Brüssel sind ein Börsen« a g e n t und ein Lithograph verhaftet worden, die gemein« schaftlich 2000 Obligationen zu 500 Fr. des Lothringer Hüttenvereins Aumetz-Friede haben drucken und in den Handel bringen lassen. Wie der Untersuchungsrichter festgestellt hat, sind 1500 Obligationen bereits verkauft. Explosion in einem Militärmagazin. Nach einem Telegramm aus New Aork sind bei der Explosion eines Garnisonmagazins zu San I o s s(Costarica) füll fS oldaten und zehn Zivilperson e n getötet worden. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Zum Diebstahl der Mona Lisa. Bei M o n t l i e u(Dep. Charcnte-Jnsürieure) sind im Auftrage der Pariser Sicherheitsbehörde zwei junge Deutsche, der 27jährige angebliche Student Elrich, und der Schneider K o st e r unter dem Verdacht verhaftet worden, die G i o c o n d a g e st o h l e n zu haben. Wahrscheinlich hat mau aber die wirllichc» Täter nicht erwischt, denn ein späteres Telegramm meldet, daß die SickierhcitSbehörde der Anficht ist, die Verhafteten ständen mit dem Diebstahl in keiner Verbindung. Sincjegancjene Druchrchnften. Jahrbuch für die soziale Bewegung der Jndnstriebeamtcn. 2. Hesl. Herausgegeben vom Vorstand des Bundes der Technisch Industriellen Beamien. Jährt, 4 Helle 6 M. Selbstverlag Berlin NW. 52. Tie Schnmadrosfel. Nebst'Anhang: Di? naturgemäße Fütterüng unserer WcichsiiUerfresier. Von Dr, med. W. Otto. 1,50 M,, geb. 2 M,— Der Grnupapagei(Jako). Geschildert von Dr, med. W, Otto. L M., geb. 2,75 ilst. H. Barsdors, Berlin W. 30. Briefharten der Redahtion. Tic juristische Sprechstunde findet Lindenstraste es, vor» vier Treppe» — F- st r st u d l—, wochrniäglich von 4>,-, bis 7Mi Uhr abend», Sonnabends, von 4M, bis ö Uli r abends(tau. Jeder für den Brirstastcn bestimmte» Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bciznsugcn. Briefliche Antwort, wird nicht crtrilt. Anfrage», denen leine Abonnemcntsiiuittuiig beigefügt ist, werden»ich» bcantwortct. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde vor. 'A. S. O. 100. 1. und 2. Unseres Erachten? nicht, 2. Beschwerde bei dem Regierungspräsidenten, für den Fall der Ersolglosigkeit Klage beim Amtsgericht.— Pustfach. Wenn es sich um einen Betrieb handelt, in dem in der Regel mindesiens 10 Arbeiter beschästigt werden. MaximalarbeitSzeit 10 Stunden täglich, in der Zeit zwischen ü Uhr morgens und 8 Uhr abends, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage 8 Stunden täglich, nicht nach 5 Uhr nachmittags. An sechs— bei Herstellung von Strohhüten an vier— it-omitagen im Jahre bis 12 Uhr mittags kann ebenfalls BeschSstigum, er- folgen,— Klosterfeldc Fell. 1. Ja, aus Grund vorheriger Beraniagung. 2. Ja. 3, Für das Kalenderjahr, in dem der Austritt ersolgt und für das darausfolgende ja, für später nicht. 4. Sie können auch ohne Vorladung nach Abiaus von 4 Wochen nach Anmeldung des Austritts, jedoch spätestens vor Ablauf von« Wochen den Austritt zu gerichtlichem Protokoll persönlich erklären,— H. 05. 1. und 2. Zwei Jahre,— G. H..47. 1. Antrag beim Polizeipräsidium, Zeugnis der HcimatSbehörde über Ihre Staats. zugehörigkcit, Rachiorschmigen finden in manchen Fälle» statt, Dauer: einige Monate. 2, Vorderige Nachfrage beim StandeSbcamien zweckmäßig, Bescheinigung der Hcimatsbehörde, daß Ehehindernisse nicht bestehen. kium verlangt werden. Außerdem GeburtSurkuiideu beider. Dauer: ebenfalls einiqe Monate, 3, Ja,— W. W. 1. und 2. Nein. —«P'J3, I50, Oficnbachcr Franenkaste. Hinze, Prinzenstraße SS. — M. K. LSS. t, Berlin, Ehausseeftr, 121. 2, Ja. 3, und 4, Beim Antiguar. — Gär! ist 66. Unter Brnemiung des Artikels erhalten Sie aus Ansrage vom Paientamt AuSkunst,—®.«. 31. Ein modernes Artillerie- geschoß fliegt 600 Meter in der Sekunde: die Eide aus ihrer Bahn uni die Sonne 30 700 Meter in der Sekunde. Wollen Sie sich nun die Rochnung ausmachen— F. K.. giixdorf. 1,-3. Die Adressen der Zeitungen und Vereine sinden Sie im Adreßbuch, Teil II. 4, Wir würden nicht Mitglied werden. 5, Bis aus weiteres alö Zuschußkasten, Ein besondere» Gesetz steht in Aussicht,— K. S. 47. Vielleicht kann Ihnen ein Fachmann oder Züchter raten. Die Adressen der Züchter bezw. Bereine finden Sie im Adreßbuch, II. Teil,.Diverse Vereine",— K. D. 100. Die Adressen finden Sie im Berliner Adreßbuch, Teil II.— Kunulo IKO«. Verlag L- Markiis, Berlin, Tempclhofer Ufer 7. Die Schriften dieses Verlages können auch durch die Bnchhaiidlung Vorwärts, Berlin, Lindenstr. Kg bezogen werden,— r N. M. 99. 1. Berlin N., Chausscestr, 121. 2 u 3' Ja. —(S, C. 55. ltDic Ziehungen sind össenilich. Wer sein Geld behält ge» winnl dieses.-8- F. H. 47. 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Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Berlin 5t. 200. 28. Mtgavg. 2. ßfilnjt in Jotnöttf ßtriintt lolMlotl Sonutag. 27. August 19U. Versammlungen. Deutscher Mctallarbeitcrverband. Die vor einer Woche ver- iagte Generalversammlung der Ortsverwaltung Berlin wurde am Donnerstag fortgesetzt. Nach kurzer Debatte stimmte die Ver- sammlung mit grotzer Mehrheit einem Antrage der Ortsverwaltung zu, wonach im Bureau 6 Kollegen neu angestellt werden sollen. Eine Kommission wurde gewählt, welche die eingehenden Bewer- bungen zu prüfen hat.— Die Ortsverwaltung erhielt auf ihren Antrag die Ermächtigung, eine vertrauenswürdige Person für Stenographie und Schreibmaschine anzustellen.— Weiter beantragte die Ortsverwaltung, daß die beiden untersten Stufen der vor neun Jahren festgesetzten Gehaltsskala der Angestellten gestrichen, das heißt die Anfangsgehälter ein wenig erhöht werden, während die oberen Gehaltsgrenzen bestehen bleiben. Nach längerer De- hatte wurde der Antrag angenommen und ein Antrag aus der Versammlung, die Angelegenheit durch Urabstimmung zu ent» l scheiden, abgelehnt._ SSttterunqoflberftdjt vom 26. August 1911. ? g S n «2 »=4 Snjmtmbe. Öambura Serlir. jjronfl.o SR. München Wien iz i? 780 SW 761 SSW 761 W 764 SW 765 SW 762 Still Vetter 3 wollig 3 bedeckt 4 wolkig 2 halb bd. 4 bedeckt wölken! c» 1» M* Ctstwnn c= iz ef Havaranda 760 SS Petersburg 767 Still Sctllh Werdee» Paris 763 WSW 756 SSW 766 S>sW Vetter s» üä 4 Regen Nebel 2 wolkig 1 heiter 2 halb bd. 15 tDetterproguose kür Sonntag, den 27. August 1911. Ein wenig kühler und vielsach heiter, aber veränderlich bei mäßigen nordwestlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. WnsterftandS-Naairtchteu Wasserstand Memel, TUM V r e g e l, Jnsterbnrg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krassen , Frankmrt Warthe, Schrinm» , Landsberg Netze, Lordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg 4- bedeutet Wuchs,— stall.—') Untervegel. (Grosser Raison-�usverlcauk Der Verlcau� fotdet nur in folgenden Geschäften statt. Zur Vermeidung von Verwechselungen achte man genau auf Strassennamen und Hausnummern der alten Stiller-Firma Haupt-Geschäft: Jerusalemer Strasse 38-39, am Dönhofiplatz Potsdamer Strasse 2 1 Königstrasse 25'26 1 Rixdorl, Bergstr. 25-26 I Charlottenburg: Tauentzienstrasse 19 a I Schöneberg, Haoptstr i« 1 Rosenthaler Strasse 5 I Wilmersdorier Str. 45 Schluss-Woche! Nur Jerusalemer Str. Ein gjosser Posten Damen- Leinen-Stiefel und Schuhe in eleganten Formen, in weiss, grau, beige und braun, durchweg 275 375 Wert bis zu M. 6.50 u. 8.00 Grosse Posten mod. Herren- u. Damenstiefel Erstklassige Fabrikate I hauptsächlich braun Vorzügliche Qualitäten! Serie I Serie II Serie III Serie IV 875 lO75 1275 14 früh. 10.50"'" 75 früher 12.50 75 früher 15.50 75 früher 18.00 Nur Jerusalemer Str. Grosse Restbestände von Damen» u. 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Anfang 4 Uhr. Programm an der Kaese gratis. 211/8* Der Vosstand. 1 I II LOGISCHER GARTEN Heule Sonntag Eft Df ■ Antritt... 3Ü Fl. Kinder unter 10 Jahren die Häiste. Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Konzert. Morgen sowie täglich: MillUlr-Doppcl-KonECjrt. Arbeiter-Turner-Bund I. Kreis v.« »« ■ B BB Heute Sonntag, I. Bezirk den 27. August Gr. Schau-T urnen der Altersriegon auf dem Sommerturnplatz des Turnvereins„Fichte" KUpcnlcke» Landstraße. Ecke Elchbnsch-Allce Frei-Uebungen, Riegen-Turnen, Sonder-Vorlührungen, Spiele usw. BConzert, ausgeführt vom Musikcorps der Freien Turnerschab Rixdorf- Britz. 294/12 Wir machen die Berliner Arbeiterschaft auf diese Veranstaltung ganz besonders aufmerksam und laden sur Teilnahme froundl. ein. Der Tutn-AusschuB. Beginn des Tarnens 8 Uhr naehmlttags. PASSAGE:: ANOPTIKUM Das größte Schauetablissement des Kontinents. yS& Bebend' W der Mann mit der eisernen Zunge. Ein Fakir ohne Verven. AGA die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passaoe-Theater. 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U. Garton-Konnert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Soireen der Mmauns Sänger AI Hamb ra Vallner-Theaterslraße 15. Großer Ball »roßt« Orchester..Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zaincitat. Jeden Sonntag: itzut de» Inhalt der Juieteure hdcruimmt die Nedaktion dem vubitkum gegenüber NtNrrtet verantwonnng. Schloß Weißensee früher Stern eck er. Sollntag, den 27. Augnst! SBF" Großes Erntefest"WZ nach ländlicher Titte und Brauch. �Ulitäf-KonTert. Anfang 4 Uhr. Groher Erntcfestzng aus scstlich ncschmückten Erntewagen, unter Leitung dcS Amtmanns Krummbein durch SSciftcnsee mit Bauernkapclle, Kronen jungler, Grotzknecht,«Arotzmagd, Bauern, Bäuerinnen, Schnitter, Schnitterinnen in ländlichen Kostümen, Schulmeister Tutschi-Futlchi und der Kinderschar. Belustigungen aller Art wie Wettlaufen. Tackhiipfen. Taps. schlagen, Eiertragen, Tauziehen. Kindertanz. Bonbouregen, Kasperle-Theater usw, Bei eintretender Dunkelheit feenhafte Beleuchtung des ganzen Gartens sowie grohe Fackelpolonäse. Eintritt 20 Pf.» Kinder 10 Ps.» wofür ein Geschenk verabfolgt wird. gM- Damen, Herren und Kinder, welche im Bauernkostüm erscheinen und am Umzüge teilnehmen, erhalten im Kontor Freibilletts, spoi�r-iM�s'r ===== Potsdamer Str. 7S= Eröffnung der Saison 1911/12 - 1. September-■■= Blockhcfte, 30 Eintrittskarten 20 Mk, Saisonkarten 40 Mk. Monatskarten für Erwachsene 8 Mk., für Schüler und Kinder 4 Mk. sind ab heute im Sport-Palast zu haben. Größter Eispalast der Welt H Ernst Höflichs Krug zum grünen Kranze (ülittclpankt der Erde) OberaSchöneweidc, Waldstr. 74. Stationen Sadowa und ilticdcr-Schöneweide. Straßenbahn Schlesischcr Bahnhos— Köpenick. Jeden Tonntag: Großer liall unter Leitung zweier Tanzmaltre. BM"" Anerkannt gute Küche und Keller. MU vereinen und Gesellschaften bei Ausslügen bestens cmpsoblen. zi.»«aleii. Visu eröffnet I Fi Koppenstraste'40. vollständig neu renoviert und motern ausgestattet. Empschie zu Festlich. keilen jeder Art. 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Bezirksverwaltung Grofi-Berlin. Tel.: IV, 2382, 4747. Mittwoch, den 30. August 1911, abends 8� Uhr: Ordentliche Oeneraiversammlung im Lokal„Deutscher Hof", Luckauer Straße 15. Tagesordnung: t. Mitteilungen und Erledigung diverser Ausschlußanträge. 2. Bericht der Kommission in Rachel, Schiffller. 3. Geschäftsbericht Pro 2. Quartal: a) des Vorsitzenden, b) des Kassierers, c) des Arbcitsvermittlers. 4. Ergänzungswahl einos Mitgliedes zur Beztrksverivaltulig. 5. Anträge und Geschäftliches. Die gewählten Delegierten sind hierzu freundlichst eingeladen. Legitimationskarte sowie Mitgliedsbuch sind mitzubringen und zwecks Kontrolle am Eingalig zur Versammlung vorzuzeigen. 70/ s Ohne Karte und Buch kein Zutritt! Wer über acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. Tie Bezirksverwaltuttg. I. A.: A. Werner. «W Fest-Säle Dcnnewitzstraße 13. Schöner Natnrgarten. .Jeden Sonntag: tanzkränzclKD. 2785B C. NiBIe. SciiöMeherg. Sozialdemokratischer WahiTerein Tienstag, den iiv. Nugust abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung w den Neue» RathauSsälen, Meininger Straße 8. Tagesordnung: 15/15 Vortrag des Landtagsabgeordneten Olen. SlrSbel über: lllnrokko. Diskussion. Vereinsangclcgcnheiteil. Velschiedenes. Der Vorstand. ttr«» SlrpeitS»ad»veiS: Berwaltungöstellc Berlin. Hniiptburean: Hos f. Aml 3, I23S. CharitSstraßel_ III. Amt 3. 1987 Montag, den 28. August 1911: Bezirks- Versammlungen für die gelamte Verwaltungsstelle Berlin in solgenben Lokalen: 112/3 NOrdCD* PhamssHIc, Müll erste. 142, abends 8'/, Uhr. N0rd6D'<>h,|r,os snovcbter Strasse 23. abends Norden Franko« Feststtle, Badstr. 19, abends 8'/, vhr. Tegel: Trapp« i'e8t«kle, Bahilhofstr. 1, abends 6 Uhr. MOSlbit* 1>rnohtBiile Xord'West' Wiclefstraße 24, abends «esleii ii!d Sedleederi: Osten: Llttlns FcstslWe, Menieler Strasse 07, abends 3»/, Uhr. Liclileniierg: Ä'Ä Er""'"• Stralau und BumiaelsburB: Wahl etnrs BezirkSkaisierers. Südenbezirke: Sr**Xten*alc'«-"buf-r 7«. Weißensee: Prttlatcn, Lchderstr. 122, adend» 8',. Uhr. Nixdorl: nappe« Fe«t»lllv, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. Clläliotteuburg: VolkBhan«, Rostnenstr. 3, abend» 8'/, Uhr. eianlii'»' Schcllha«tc» Fcst-Sülo, Skeallh, Ahorustr. 15, 0lcyiil4. abends 8'/, Uhr. Bortra« und Stetlunguahme zur Ve- werbegerichtswahl für Friedenau. npenitl! n. FrledrlchsUaaen: KSS.»"Äffe: abend» 8'/, Uhr. Ober-Scliöneweide; Spandau: Döhle, Havelstr. 20, abends 8',. Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Wtxliedsbncb legitimiert! Tie Bersammlungen werden pünktlich eröffne«. Zahlreichen Besuch erwartet Tie Ortsverwaltnug. Tie �ubiläumönummer„SON VOO" j,, Treifarbendruck ist crlchietten und zum Preise von SV Pf. im Bureau zu habe». Steinarbeiter. TouncrStag. de» 31. Angust. abends 8'/, Uhr. im grasten Seal der Armtnhaven, Rommaudantenftr. 58—59: �ornhillierle Versammillug. TagcS-Ordnung: 1. Vortrag des ArbeilersekrelärS Genossen A. KUnaten über: Tie Bedeutung de» paritätfsche» Arbeitsnachweise«. 2. Diskussion. Die Wichligteil der Tagesordnung erfordert das Erscheinen der Kollegen aller Branche».— Da»och»crcinzclt Siatistiken ciniausen, wird der End. ttnnin zur Abgab« bis zum 31. August seslgesetzt. Dt» zu diesem Tage müssen auch die Maimarken(2 M.) gellebi sein. Die Adressen sür den .Stelnardeiler' stnd bl» spätestens 10. September anzugeben. 172/5 Tie Lrisverwaltnug. ZahlstelZe Lvrlin. VliWeüer-%satnmlnnp: Kisten- unel Kefiffersraacßen Sonntag, de» 27. August, vorniittags 11'/» Uhr, Andreasstr. 21. TageS-Ordnnng: 1. Bericht der Kommission über die Berhandlnng mit den Fabrikanten. 2. Diskussion. Klusßunsfniamvnfsn-ßndsifs� Montag, den 28. August, abend« 8 Uhr, im GewerfschastShansc, Engeluser 15(großer Saal). Tage». Ordnung: 87/14 1. Die gegenwärtigen Zustände in der Berliner Musiklnftrumenten. Industrie und wie ist eine Bcsserukig derselben herbeizusühren. 2. Diskusston. 8. Bericht von der Generalversainniluiig. 4. Branchenangelegenheiten. BßßvwsbsnSnmadhts?' Montag, den 28. Slugnst, abend» 0 Uhr, im GewcrkschafiShanse, Engeluser 15(Saal 5). EtaßSnZsZon Montag, de» 28, Angust, abend» 6 Uhr. im GcwerkschaftShause, Engeluser 15(Saal 1). .JaloilTKSSS'ZSKBfSI' Mittwoch, den 30, Anglist, abend» 8'/, Uhr, bei Walter, Aduibertstraste 02. WM» Sämtliche Vertrauensleute müssen anwesend sein."TEBQ Schirmmachep Mittwoch, den 30. August, abend» C'/, Uhr. bei Lebmaiui, An der Stralaoer Brücke 3. Perlmutter-, Korn-, 8le!imuß-Kuoprnrbe!ler uud Krbeüerlnnen Mittwoch, den 39. Angnst, abend» 0 Uhr. in, GewerkschafiShanse, Engelufer 15(Saal 5). Kvi'dznav�sn Mittwoch, den 30. Angust. abend« 8'/.«Hr. im GewerkschaftShanse, Engeluser 14(Arb-ilslosen.Iaal). TageS-Ordllllng: 1. Da» Ergebnis unserer Statistik und welche Lehren ziehen wir daraus. L. Branchenangelegenheiten. Sfvßmavlhvn TonnerStag, den 81. Angnst. abend» 8'/,«Hr. km„Nosenthaler Hof», Ltosentlialersir. 11—12. Tag«S.Ordnung: i.»Antike» und niodcrues Sklabentum-, Referent: Kollege lZikllliar, S. Unsere Zetcheuschule. S. Branchenangelegenheiten. ireitag, den!. September, abends 8 Uhr: Leneral- Versammlung im Gcwerkschgftöhause, Saal IV. Fortsetzuug der Tagesordnung vom 13. August. Sonnabend, den 10. Teptember 1011: AI StiftungsaFest W in der„Neuen Welt". Billett» find w den Zahlstelle», sowie bei den Kollegen Sotwemks, Schönleinstr. 24, und Zirkel, Jdcalpajsage in Siirbors, zu haben. 87/15_ Pte Ortsverivaltnntr. I t Mittwoch, de.« 30. Angust, abondS 8'/, Uhr, Fortsetzung der General-Vers ammlnng vom 10. Juli. Tage«.Ordnung:. igg/ 1. DISkulfion über den Bericht vom Dresdener Eewerkichaftskonarl 2. Antrag aus Ausschluß der am 1. Mai trotz velchlu« der Fabrikkonscrc! arbeitenden Sollegen. 3. BerschiedencS.— Miigiiedsbuch iegilimiert. vollzähligen Besuch erwartet__ Die Qrtsverwaltung. ?r. Siegeis feMsle uns Sarten Theaterbiihne. Gl. Lrailbslilttr Sit. 31).» Kegelbahnen. Empfehle Säle. 80, 50, 80, 200, 300 Personen safiend, zu Sitzungen sowie gesllichfeilt» aller Art zu den luianlesten Bedingungen. 3 bis 5 Pfennig- Mit Gold- Mundstück— Ohne Mtmdstflek— Mit WnndftftrV Man verlange deshalb überall die Marke„Haloppi" Bettfedem| Fabr.ik sNr Gustav MllSfili Grösstes Spezialgeschäft Deutschlands Bettfedern Daunen IU 0,55, 1,00, 1.25, 1.50. 1.80, 2.00, 2.60, iu 2 85, S.50, 8.00, 6.60 3.00, 8.60 dl» 6.00 Uark per Pfund dl» 9.00 U»rk per Pfund Fertige grosse Betten bestehend»□» Oberbett, Unterbett, 2 Kissen ■n 12, 15, 20, 24, 28, 31 50, 38, 45. 54, 61, 75, 90 dl» 120 Uark Grösstes Lager In Bettinletten, Metall- Bettstellen u allen anderen Bettartikeln Beste Bettcnfüllungi(gcsetiiioh a aib 3-4 Pfund Nonopsl- Daunen g"tT Z.6 J o*™,. „Hoffnung" f Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rosenthaler DwiMMOMeti» tOK Zwischen Rosenthaler Tor u. invalidenstr. ölUllnBUSir. 100 Tor u. Invalidenstr. Qegr.i.Eebruar 1906 v. organisiert. 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Berichte von der Kreis- und Generalversammlung von Grofz-Berlin. 3. Ge- schäftliches. Der Vorstand. Steglitz. Am Dienstag, den 29. August, abends 8sa Uhr: Mitgliederversammlung bei Schellhaie, Ahornftr. 15a. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen W. Düwell über:„Tie kriegerischen Tendenzen des Lwpitalismus". 2. Bericht von der Kreis- und Verbands-Gencralversammlung. 3. Bericht über den Lokalkampf. 4. Geschäftliches. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Dienstag, den 29. d. M., abends Uhr, bei Erpel, Berliner Str. 129: Mitgliederversammlung: Vortrag des Stadtverordneten Genossen M. Groger über:„Das Pro- gramm der konservativen Partei". Bericht von der Kreis-General- Versammlung und der Generalversammlung von Grojj-Berlin. Bereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 39. August, abends 8� Uhr: Mit- fllicderversammlung des Wahlvereins bei Ebel, Mühlenstratze. Tagesordnung: Die neue Reichsversicherungsordnung. Bericht von der Generalversammlung. Wahl von Funktionären. Vereins- angelegcnhciten. Der Vorstand. Zehlcndorf(Wannseebahn). Dienstag, den 29. d. M.: Vereins- Versammlung bei Benno Mickleh, Potsdamer Straße 25. 1. Vor- trag des Genossen Unger(Halensee):„Religion und Proletariat". L. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und Generalversamm- lung von Groß-Berlin. 3. Vereinsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag. 29. August, abends 8)4 Uhr, im .Wirtshaus Schmargendorf": Mitgliederversammlung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Berichte von der KreiS-Generalvcrsammlung und von der Generalversammlung Groß-Berlins. 3. Diskussion. 4. Stiftungsfest. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. Johannisthal. Am Dienstag, den 29. d. M., abends 8)4 Uhr, bei Bautz, Friedrichstr. 81: Mitgliederversammlung des Wahl- verein». Karlöhorst. Dienstag, den 29. d. M.. abends 8)4 Uhr: Mit- gliederversammluna im Restaurant„Fürstcnbad": 1. Vortrag des Genossen P i n s e l e r» Friedrichsfelde über Gemeindcangclcgcn- heilen. 2. Bericht von Groß-Berlin. Die Bezirksleitung. Nicder-Schönhausen-Nordend. Am Dienstag, den 29. August, abends 8)4 Uhr im..Lindengarten", Lindenstraße 43: Mitglieder. Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1.„Jugend- erziehung und Kinderschuh", Refcrcntin: Genossin Frau Mathilde Wurm. 2. Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin. 3. Vereinsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Dienstag, den 29. August, abends 8)4 Uhr, im Lokal von F. Böhl«, Havelstr. 29: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht von der KrciS-General- Versammlung in Seegefeld. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ter Vorstand. Verlmer �adrncbten. Portierwohn, ingen. >,Man kann einen Menschen mit einer Wohnung ebenso- gut töten, wie mit einer A;t." Diesen Ausspruch, dessen Nichtigkeit kein sozial empfindender Mensch anzweifeln wird, hat Genosse S ü d e k u m seinem vor Jahren erschienenen Buch:„Großstädtisches W o h n u n g s c l e n d" als Motto vorangeseht. Aber in maßgebenden Kreisen wird dieses inhaltsschwere Wort bis in die jüngste Zeit hinein noch nicht im entferntesten beachtet, das beweisen die Tat- fachen augenfällig. Nicht die grausigen Bilder des allgemeinen Wohnungselends der Armen sollen hier ausgerollt werden, sondern die Verfassung der Berliner Portierwohnungen. Diese sind ein Kapitel für sich, mit dem die..zu spät schießende" Polizei sich wohl etwas eingehender beschäftigen könwte. Tie Notwendigkeit erheischt es. daß einmal ein Blick in die Praktiken der Grundbesitzer und Architekten geworfen wird, wobei es sich wiederum zeigt, wie die Eigentümer auS allen Blüten Honig zu saugen verstehen. Denn um nichts anderes handelt es sich dabei, als daß selbst von den Portiers und Hnusreinigern noch ein verhältnismäßiger Gewinn in die Taschen der Besitzer geleitet wird. Wollte man selbst in den älteren Häusern ein Auge zu- drücken und die durchaus nicht haltbare Behauptung der Eigentümer,„daß sich da nichts mehr ändern lasse", gelten lassen, so gibt es aber nie und nimmer eine Entschuldigung sür die neuen Bauten, wo die Portierwohnungen sehr, sehr oft allen Geboten der Hygiene Hohn sprechen. Was sich die Erbauer bei dem Entwurf des Hauses eigentlich denken, wenn sie Lage, Raum- und Lichtverhältnisse der Portierwohnung überst hen, läßt sich unschwer erraten: der Profithunger treibt sie dazu, jedes Eckcheu auf die raffinierteste Art auszunutzen und dabei kommt naturgemäß die Porticrbchausung am schlechtesten weg. Pah, die„Portiersche", vielleicht hat man gar noch auf solche Leute Rücksicht zu nehmen! So wird denn darauflos gemessen, und was übrig bleibt, bekommt der dienst- bare Geist des Hauses. Mag die Wohnung noch so klein und winkelig ausfallen, mag sie den einfachsten Forderungen der Hygiene ins Gesicht schlagen, was schadet's, es ist ja nur für den Portier, und für den ist es noch lange gut. Es melden sich ja doch noch überreichlich zu solchen Stellen: die Not in der Arbeiterschaft ist groß, und so betrachten es viele noch als ein Glück, de? Sorge um die Wohnungsmiete enthoben zu sein. Daß sie unter den ungesundesten Bedingungen hausen müssen, daß sie vom Hauswirt ganz schauderhaft„ge- neppt" werden, darüber sehen sie in ihrem Glücksgefühl meist hinweg. Jawohl, geneppt! Denn die Wohnungen des Portiers werden in der Regel vom Eigentümer um 10 bis 15 M. monatlich höher angerechnet als sie in Wirklichkeit wert sind. Je höher die Wohnung angerechnet wird, um so weniger braucht man den Portierleuten in bar zu geben, sehr oft er- halten sie überhaupt keine weitere Entschädigung und es kommt sogar vor, daß der Portier noch herauszahlen muß. Draußen in Wilmersdorf wird in einein Falle einer älteren Witwe, die sich durch die Portierstelle und durch Reinemachen ernährt, eine Wohnung mit 42 M. berechnet, titr die kein Mensch niehr geben würde als höchstens 30 M. : frauen-Leseabenä Dieselbe Witwe mußte ihre vorhergehende Portierstelle auf- geben, weil in der ihr zur Verfügung gestellten Wohnung ihre vier Kinder lungenkrank wurden, so miserabel und feucht war das Loch. Und dabei war das Haus erst wenige Jahre alt: für die herrschaftlichen Wohnungen hatte der Erbauer Raum genug gehabt, zur Portierwohnung reichte es nicht weiter. Derartige Fälle könnten hundertfach angeführt werden. Es gibt in den westlichen Vororten Villen mit 10, 20 und noch mehr Zimmern— der Portier steckt tief unten im engen, dumpfen Kellerloch, dem obendrein noch Licht und Luft durch Efeu, Wein oder Sträucher versperrt wird. Wie erwähnt, werden solche Portierstellen trotz allem sehr gesucht, besonders wenn es zum Winter geht, so daß die Eigentümer nicht in Verlegenheit kommen und selbst ihre un- gesündesten Kabusen noch unter ganz vorteilhaften Be- dingungen an den Mann bringen. Die behördlichen Aufsichts- organe aber scheinen für die geschilderten Verhältnisse wenig Aufmerksamkeit übrig zu haben. In der letzten Zeit führen sie einen hartnäckigen Kampf mit den Mansardenbewohnern: in einigen Vororten werden selbst sehr helle, gesunde und wohnliche Mansardmbehausungen in neuen Häusern zwangs- weise geräumt. Es wäre zu wünschen, daß die Baupolizei sich mit derselben Energie auch mal um die Wohnungen der Portiers kümmerte, denen gegenüber die erwähnten Man- sardenräume oft genug geradezu Prachtwohnungen sind. Kirchenbettrl. Obwohl tvir in Berlin reichlich mit Kirchen gesegnet sind, werden fortgesetzt neue gebaut. Die evangelische Kirche wetteifert darin mit der katholischen. Ist daS nötige Kleingeld zum Bauen von Kirchen nicht vorhanden, so werden die Gläubigen angeschnorrt. Wer Geld hergibt, dem wird ein Gotteslohn versprochen. Einen neuen Beweis hierfür liefert wieder ein Bcttelschreiben einer hiesigen katholischen Kirche, das folgenden Wortlaut hat: Zum zweiten Male geht der Sakramentskalender in die Welt hinaus und wird hoffentlich wie im vorigen Jahre überall freudige, begeisterte Aufnahme finden. Möge er durch seinen Inhalt seinem Zweck, zur größeren Verehrung des Hei- landcs im heiligsten Sakrament beizutragen, gerecht werden und alle Verehrer des hochhl. Sakramentes bewegen, mir wiederum für die Sakramentskirche in Berlin ein kleines Scherflein, wenigstens 59 Pfennige oder 1 Mark zuzusenden, damit diese Kirche, deren Not ja längst bekannt ist, endlich fertig gebaut werden kann. Liebe Freunde und Wohltäter! ES gilt ein großes Werk! Wenn irgend möglich, soll im Jahre 1912 die Corpus. Christi. Kirche fertig gebaut werden. Trotz aller Schulden darf nicht länger gezögert werden! Helfen Sie mir darum, ich bitte Sie um Gottes Willen, durch Sendung eines Almosens und Verbreitung des Kalenders Bausteine zusammen tragen. Gott lvird alles reichlichst lohnen! In fester Hoffnung auf Ihre Mithülfe und in dankbarer Liebe grüßt Sie herzlichst Carl Hoheisel, CuratuS von Es. Corpus Christi. Berlin NO.. Thornecstr. 64. Vorstehende Bitte wird warm empfohlen. Berlin, d. 22. Juni 1911. C. Kleineidam, Fürstb. Delegat. Herr CuratuS Hoheisel von Corpus Christi hat schon früher solche Schreiben verschickt. Es scheint aber nicht gezogen zu haben, deshalb muß:in neuer Bettelbrief versandt werden. Der Sakramentskalender soll diesmal helfen. Bei der großen Kon» kurrenz, die die katholischen Gemeinden sich auf dem Gebiete des Kirchenbettels machen— selbst schweizerische katholische Gemeinden schicken nach Kerlin und nach anderen deutschen Orten solche Schreiben—, ist es nicht zu verwundern, daß die Hilfeschreie katholischer Geistlichen immer beängstigender werden und den Spendern immer größerer Gotteslohn versprochen wird. Wie uns berichtet wird, werden auch Evangelische und Dissidenten ange- schnorrt. Wenn ein armer Teufel, um seinen Hunger zu stillen, an einer Tür anklopft und ein Stück Brot erbittet, wird er eingesperrt falls ihn ein Schutzmann erwischt; aber der von der Kirche im großen betriebene Bettel hat den obrigkeitlichen Segen. Der Berliner Lehremrein hörte am letzten Freitag einen Vor- trag des Herrn Lehrers Born über„Rektorat und OrtS- s ch u l a u f s i ch t". Dem Vortrage lagen folgende Gedanken zu- gründe: Eine wichtige Standesfrage für die Lehrerschaft ist die Frage der L o k a l s ch u l a u f s i ch t. Bei der Fülle der Aufsichtsbeamtcn, die der Volksschule bereits gestellt sind, ist cS nicht gleichgültig, ob die Lehrer jeder einzelnen Schule im Schulleiter noch einen be- sonderei. staatlichen Aufsichtsbeamten erhalten. Der Preußische Rektorenverein drängt die Regierung, das staatliche Auf- sichtssystem nach unten weiter auszubauen und die Aufsichtkgrenzen enger zu ziehen und verlangt für die Rektoren die Stellung eines staatlichen AuftichtSbcamten. Die gesamte organisierte Lehrerschaft sieht in solcher Entwickelung schwere Gefahren für eine gedeihliche Schularbeit und hat deshalb auf der letzten Deutschen Lchrerver- sammlung in Etraßburg von neuem betont, daß die Kreisschul- inspektion die erste staatliche AussichtSinstanz bilden soll. Um der drohenden fortschreitenden Bureaukratisierung der Schularbeit nach Möglichkeit zu begegnen, soll— so wünscht der Berliner Lehrer- verein— der Preußische Lehrerverein eine allgemeine Kundgebung der gesamten preußischen Lehrerschaft in die Wege leiten. Herr Lehrer Menzel unterzog dann die Schulpolitik der Stadt Berlin einer vermchtenden Kritik. Die zwiespältige Haltung de? Freisinns erfuhr� dabei die gebührende Würdigung. Die inneren und äußeren Verhältnisse der Berliner Volksschule, die Stellung der Lehrerschaft in der Verwaltung, ihre Besoldung und die Wohnungsfrage— alles Angelegenheiten, die im einzelnen wiederholt behandelt worden sind— wurden von Herrn Lehrer Menzel noch einmal in ihrem Zusammenhange zur Darstellung gebracht, und eS wurde der Beschluß gefaßt, die gesammelten Mate- rialien als Broschüre der breiteren Ocffentlichkeit demnächst zu- gänglich zu machen. Bezüglich der noch unerledigten, seit Jahres- frist in der Schwebe sich befindenden endgültigen Regelung des Wohnungsgeldcs bezw. der Ortszulage für die Berliner Lehrer wurde der dringende Wunsch ausgesprochen, die Besoldungsverhält- nisse der Berliner Magistratssekretäre und de? Lehrer der West- lichen Vororte zum Maßstab zu nehmen. Ter Abgeordnete. Herr Rektor Kopsch,„der vielgenannte glänzende Redner", Sachwalter der Voltsschulinteressen und Vor- sitzende der freisinnigen Organisation für Groß-Berlin, soll von vielen Lehrern gelegentlich der Versammlung stark vermißt worden sein; er weilte fern vom Schuß. ES darf tzarnm nicht wunde» In den tlezlita Berlins* nehmen, trenn genannter Herr sich in der nächsten Wahlkampagne über die Leistungen des Freisinns auf dem Gebiet« der Schule wenig orientiert zeigt. Ihm sei die vom Berliner Lehrerverein in Aussicht genommene Broschüre schon im voraus zur Lektüre wärm- stens empfohlen._ Beerdigungen an Sonntagen* sind den Kirchengemeinden unerwünscht. Seit längerer Fest lvird gegen Sonntagsbeerdigungen eine Agitation betrieben, die auch schon Erfolg gehabt hat. Sie ging aus von Friedhofsarbeitern, die zur Kirche halten, und wurde unterstützt von Pastoren. In der Arbeiterbevölkerung besteht aber begreiflicherweise ein lebhaftes Bedürfnis, Beerdigungen möglichst auf einen Sonntag zu legen- Arbeitern ist'es ja nur am Sonntag möglich, an derBe- erdigung eines Kollegen teilzunehmen, ohne einen Lohnausfall zu erleiden. In Charlottenburg hat eine Arbeiterfrau, die für die Beerdigung ihres verstorbenen Mannes, eines Rohrlegers S., den Sonntag zu nehmen wünschte, im Küstereibureau der L u i s e n- gemeinde ein sonderbares Erlebnis gehabt. Als sie dort am Sonnabend voriger Woche den am Morgen des Freitag erfolgten Tod des Mannes meldete und die Msicht äußerte, ihn schon am Sonntag zu beerdigen, machte zunächst ein die Meldung entgegen- nehmender Bureauangcstellter keine Einwendungen. Er veranlahte Frau S., schleunigst einige fehlende Papiere herbeizuholen, damit noch vor Bureauschluß die Angelegenheit erledigt werden könne. Frau S. kam noch vor 3 Uhr wieder, legte die gewünschten Papiere vor und verhandelte weiter mit dem Angestellten in der festen Meinung, daß gegen eine Sonntags beerdigung nichts eingewendet werden solle. Als er davon sprach, daß 6 Träger nötig sein würden, antwortete sie ihm, Träger brauche sie nicht. sie wolle den Verstorbenen von seinen Freunden, Mitgliedern des Wahlvereins und eines Fußballklubs, zu Grabe tragen lassen. Darauf legte der Angestellte die Feder weg und ersuchte Frau S., sich in das Nebenzimmer zu bemühen, das sie vom Flur aus erreichen werde. Sie fand im Nebenzimmer einen anderen Herrn vor, den sie für den Küster hielt, außerdem aber auch den er- wähnten Bureauangcstellten, der vor ihr durch eine die beiden Zimmer verbindende Tür hineingelangt war. Frau S. verhandelte nun mit dem Küster— wir wollen ihn so nennen, ohne eine Ge- währ dafür zu übernehmen, daß wirklich er selber es war— und sagte auch ihm, daß sie den Verstorbenen schon am Sonntag be- erdigen lassen möchte. Zu ihrer großen Ueberraschung erhielt sie jetzt den Bescheid:„Am Sonntag wird nicht beerdigt!" und als sie hierüber ihr Erstaunen äußerte, antwortete ihr der Küster:„Das sind Ihres Mannes Genossen, die die Gesetze machen." Der Herr gestattete sich dmm noch eine Bemerkung, die etwa lautete, Arbeiter könnten wohl auch in der Woche an Beerdigungen teilnehmen, da sie ja in der Woche auch Zeit hätten, Landpartien zu machen und in Kremsern unter Pauken- und Trompetenschall mit Bierfässern davonzufahren. Weiteren Er- örterungen, die sich hieran knüpften, machte er ein Ende mit dem Hinweis, daß es soeben 3 Uhr geworden und die Bureauzeit vor- über sei. Frau S. sah darin eine Aufforderuing, sich zu cnt- fernen, und sie tat das, ohne auch nur den„Hallenscheiw", die Erlaubnis zur Einstellung der Leiche in die Leichenhalle, bekommen zu haben. Ueber den Zeitpunkt der Beerdigung war noch gar nichts verabredet worden. Da das Bureau am Sonntag geschlossen blieb» so konnten erst am Montag die Verhandlungen fortgesetzt werden. und die Beerdigung fand dann erst am Dienstag statt, v o ll e vier Tage nach Eintritt des Todes. Unter dem Ein» fluß der sommerlichen Wsirme war bei der Leiche bereits am Sonntag der Verwesuugsprozeß so weit vorgeschritten, daß Frau S. den Toten nicht länger in der Wohnung behalten konnte. Noch am Sonnabend war sie zur Polizei gegangen, um diese zum Einschreiten zu veranlassen, doch hatte sie sich hier sagen lassen müssen, daß die Polizei nicht in die Angelegenheiten der Kirche sich einmischen dürfe. Am Sonn- tag ließ Frau S. durch einen Arzt bescheinigen, daß die Ueber« führung des Toten in eine Leichenhalle notwendig sei. Als aber noch am Sonntag die Leiche nach dem Friedhof hinausgebracht und daS Attest des Arztes vorgewiesen wurde, machte der Friedhofs- iirspektor Schwierigkeiten, weil dieses Attest nicht genügte, zumal da weder Wohnung noch Konfession angegeben war. Während nach den erforderlichen Ausweispapieren geschickt wurde, blieb der bereits abgeladene Sarg vor dem Friedhofstor auf dem Trottoir stehen, Dem Inspektor schien das schließlich doch peinlich zu weichen, und so ließ er nachträglich zu, daß der Sarg einstweilen hincingeschafft wurde. Die Beerdigung erfolgte, wie schon gesagt, erst am Diens- tag— selbstverständlich ohne Mitwirkung eines Pastors. Das Erlebnis, das Frau S. auf dem Küstereibureau hatte, gibt zu denken. Die Aeußerung über die Landpartien von Ar- heitern war durchaus ungehörig, besonders in der gegebenen Situation, im Anschluß an die mit der Witwe geführten Per- Handlungen über den Zeitpunkt der Beerdigung ihres verstorbenen Mannes. Wir werden es nicht erfahren, ob jenem Herrn der Kirchenrat seiner Gemeinde eine Zurechtweisung erteilen wird. Vielleicht werden es ihm die frommen Friedhofsarbeiter übelnehmen, daß er durch seinen Hinweis auf die„Genossen" die Frau S. in den Glauben versetzt hat, die Agitatton gegen die Sonntags- becrdigungen sei ein Wdrk der Sozialdemokratie. Warum mag übrigens dem Herren»Küster sogleich der Gedanke gekommen sein, daß der Verstorbene, für dessen Begräbnis durch die Ver» legung auf den Sonntag eine größere Beteili» aung ermöglicht werden sollte, ein Sozialdemokrat sein könnte?,_ Beim Fensterputzeo tödlich verunglückt ist gestern nachmittag mn 3 Uhr der 28 Jahre alte Fensterputzer K. Mecklenburg, der bei der Firma Staehr u. Co. in der Petristraße beschäftigt war. Mccklen» bürg, der gestern nachmittag in der New Forler Lebensversicherung in der Leipziger Straße 124 die Reinigung zu besorgen hatte, stürzte auS der dritten Etage durch eine im zweiten Stockwerk befindliche Blendscheibe auf den Hof hinab. Er erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause ge« bracht. Eine unangenehme Ueberraschung wurste einem PortrStmaled Unter den Linden 65 durch Einbrecher bereitet. In einem Schau- kästen, der vorn am Haus angebracht ist. waren eine Reihe wert- voller Miniaturporträts verschiedener Fürstlichkeiten zur Schau gestellt. Auf diese Kunstwerke hatten«S Einbrecher abgesehen. In der Nacht erbrachen sie gewaltsam den Schaukasten unb raubten ihn fast vollständig aus. Trotz des noch recht regen Verkehrs, der nachts an jener Stelle herrscht, gelang es den dreisten Dieben, acht Porträts sich anzueigen und völlig unbemerkt zu entkommen. Die gestohlenen Kunstwerke haben«inen Wert von tausend Mark. Auch ein Bildnis des Kaisers befindet sich darunter. j Vom Borderperron eines Anhängewagens der Große» Berliner Straßenbahn(Linie 47) stürzte am Freitagabend i/z9 Uhr ein junger Mann in der Gertraudtenstraße. Um dem Schaffner sein Fahrgeld übergeben zu lönnen, trat der Verunglückte einen Schritt vor. Der Wagen, der in diesem Augenblick durch eine Kurve fuhr, schleuderte dabei so, daß der jung« Mann den Halt verlor und rücklings vom Wagen stürzte. Ob er sich schweren Schaden getan hat, muß dir arztliche Untersuchung ergeben. Vom Hitzschlag gefroffe« wurde Schmied bei der Firma Wedeler in reiiag nachmittag eln einickendorf, Pankower «K4 Allee 126. Nach Hinzuziehung eines Arztes erholte sich der Mann soweit, daß er mit dem Krankenwagen nach seiner Wohnung ge- schafft werden konnte. In der jetzigen Hitzeperiode haben die am Feuer beschäftigten Arbeiter besonders schwer zu leiden, �umal der Lohn auch nicht ein solcher ist, der den Arbeitern eine kräftige Er- nährung gestattet. Bcnzincxplosion in einer galvanischen Anstalt. Gestern nachmittag blrz nach bllhr erfolgte in der Gitschi ner Str. 64 eine heftige Benzinexploston. Der ExplosionSherd lag im dritten Stock des OuergcbäudcS in der galvanischen Anstalt und Metallscbleifcrei von Karl Winter u. Co. Durch den gewalligen Luftdruck wurden sämtliche Fensterscheiben des großen FabriksaaleS ein gedrückt und auf den ersten und zweiten Hos hinabgeschleudert. Gleichzeitig schössen lange Stichflammen nuS den Fenstern hervor. In dem Fabrikraum der Anstalt hielt sich während der Explosion nie- mand auf, da kurz vorher Arbeitsschluß erfolgt war. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die in den anderen Eiagen des OuergcbäudeS noch beschäftigt waren, gerieten durch die gewaltige Detonation in große Aufregung, konnten sich aber alle noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Inzwischen war die Feuerwehr alarmiert worden, die mit vier Zügen anrückte. Die Ablöschung des Brandes erfolgte mit einer Schlauchleitung. Der Fabriksaal ist teilweise ausgebrannt, und da auch die in dem Raum aufgestellten galvanischen Bäder zum Teil unbrauchba, geworden find, so ist der Schaden ganz beträchtlich. Die Ursache der Explosion ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. doch wird vermutet, daß sie durch einen Motor herbeigeführt worden ist. Wegen eines gefährlichen KcllerbrandeS wurde am Sonnabend die Berliner Feuerwehr nach der Kopischstraße S alarmiert. Lumpen. Stroh und alter Hausrat brannten dort unter solcher Oualm entwickelung in einem Keller, daß die Sappcure nur mit Rauchschutz apparalen vordringen konnten. Es gelang, den Brand auf den Keller zu beschränken. Fast gleichzeitig mußte ein Kellerbrand in der Zimmerstraße 76 gelöscht werden. Dort brannten Holzleisten usw. und Kommandantenstraße 67 im zweiten Stock deS linken Seiten flügels eine Kücheneinrichtung. Außerdem mußten wieder eine Menge Preßkohlenbrände gelöscht werden, die auf Selbstentzündung zurückzuführen find. Bei den RenovationSarbeiten an dem Hause ProSkauer Str. 33 haben Mieter unter den Staub- und Schmutzmassen schwer zu leiden. An dem genannten Hause wird die Hinterfront neu herge stellt. Die„Malerrüstung" ist in einem polizeiwidrigen Zustande; «in Schutzdach fehlt. Die Schuttmassen fallen aus der dritten Etage herab, faustgroße Mörtelstücke und Mauersteine fallen auf das Nachbargrundstück und zerschlagen Fensterscheiben. Infolge des Staubes können Fenster nicht geöffnet werden. Beschweren sich Mieter, müssen sie noch grobe Redensarten einstecken. Der Unternehmer sollte angehalten werden, die Polizeivorschriften zu beachten. AuS Bcrzweiftung in den Tod. Infolge einer unheilbaren Krankheit ist Freitag nachmittag gegen 6 Uhr der bijährige Schlächtergeselle Richard Mcinhardt, Liebigstr. 27 wohnhaft, in den Tod gegangen. M. litt seit Jahren an einem Lungenleiden und war schon mehrmals in Heilstätten untergebracht worden. In letzter Zeit hatte das Uebel so reißende Fortschritte gemacht, daß M., um einem langen Siechtum vorzubeugen, in den Tod zu gehen beschloß. Er verschaffte sich Lysol und trank in seinem Zimmer etwa einen viertel Liter der ätzenden Flüssigkeit. Als seine Wirtin am Nachmittag in das Schlafzimmer kam, war M. bereits tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Großes Aufsehen erregte am gestrigen Nachmittage die Aufi findung der Leiche eines neugeborenen Kindes im Landwehrkanal zwischen der Admiral« und Koitbuser Brücke. Die Leiche wurde herausgefischt und der Polizei übergeben. Der Zigarrenhändler Max Dost, Prinzen-Allee 106, ersucht uns mitzuteilen, daß er mit dem verhasteten.Bankdirektor" Max *■ Dvst nicht identisch ist. Oesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unengeltlicher Bc- Nutzung für jedermann. LO., Adalbert Straße 41. Geöffnet werktäglich von bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von V bis 1 und von 3 bis 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 642 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung auS. Der„Krüppel-Heil- und Fürsorge-Berein für Berlin-Branden- bürg E. V." hat, um auch die große Zahl der nicht heimbedürftigen Krüppel zu versorgen, in Berlin. Skalitzer Straße 9 l, dicht am Kottbufer Tore, eine„Krüppel-Fürsorge. und Beratungsstelle", unter Leitung des Direktors der Berliner Krüppel-Heil- und Er- ziehungsanstalt, Herrn Dr. Biesalski, errichtet, in der Eltern, Vor- mündern, Gemeinden, Vereinen betreffs Behandlung oder Unter- bringung krüppelhafter Kinder, in der Auswahl eines geeigneten Berufes Rat erteilt und die für ambulante Behandlung geeigneten orthopädischen Krankheiten und Krüppclgebrcchen untersucht und behandelt werden, wozu Röntgenzimmer, Operationssaal, Mediko- mcchanic und eine orthopädische Werkstatt zur Verfügung stehen. Die Behandlung und Raterteilung ist unentgeltlich, nur werden etwaige Barauslagen berechnet. Die Sprechzeit ist wochenrags nachmittags in der Zeit von 4 bis 6 Uhr. Gestohlen wurde das Mitgliedsbuch Nr. 463 des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands, ausgestellt auf den Namen Otto Zimmermann. Vor Mißbrauch wird gewarnt. Gegebenen Falles ist das Buch zu beschlagnahmen und an das Bureau, Engel- ufer 15 I, abzuliefern._ Vorort- Nacbricbtcm Marienfelde. Mit der Aufstellinig der Kandidaten zur bevorstehenden Gemeinde- Wahl beschäftigte sich die letzte Mitgliederversammlung des Wahl- vereinS. Genosse Greulich schilderte den AuSgang der Klage beim Kreis- und Bezirksausschuß und berichtete über die letzte Gemeinde- Vertretersitzung. Die Mißstände, die beim Bau deS FeuerwehrdcpotS zutage getreten wären, seien hauptsächlich durch die Schuld deS hiesigen Bürgervereins entstanden. Der frühere Parteigenosse, jetzige Bürger- vereinler Feuerstack habe sich bei der vorigen Wahl gar nicht mäßigen können in der Bekämpfung der sozialdemokratischen Kandidaten. dafür habe derselbe anscheinend auch den Bau des Feuerwehrdepots bekommen. Jetzt sehe man. was durch deranige Protektionen ent- stehe. Nach den Berichten im.Telt. Kreisblntt' scheine der Verfasser des Projekts alle Schuld von sich zu weisen. ES werde schließlich so kommen, daß keinem die Schuld nachgewiesen werden könne, so daß die Gemeinde die Kosten zu tragen habe. Als Kandidaten wurden hieraus die beiden Genossen Rich. Kreutzberg und Fritz Greulich einstimmig aufgestellt. Eharlottenburg. Eine Beschädigung elektrischer LeitnngSkabel bei den Ramm- arbeiten für die Untergrundbahn an der Gedächtniskirche verursachte Freitagniittag eine etwa halbstündige Störung des Straßenbahn- betriebes in der Gegend Wittenbergplatz— Angsburger Straße. Am Abend konnte als weitere Folge dieser Kabelbeschädigung die elek- irische Siraßenbelenchtung für den Kurfürstendamm zwischen Ge- dächtnisftrche und Knrsürslenstcoße nicht eingeschaltet werden. Zur Notbeleuchtung brachte die Charlottenburger Feuerwehr zwischen den Baumreihcn Fackeln an. Auch blieben die Beleuchtungskörper der Geschäftslokal-' auf Veranlassung des Magistrats so lange in Tätig- keit, bis>/s2 Uhr nachts die Leitung wieder hergestellt war. Kchöneberg. Dir Wählerliste zu den im November stattfindenden Wahlen liegt nur noch heute. Sonntag, von 11 Uhr vormittag» bis 1 Uhr nachmittags und Montag, Dienstag und Mittwoch von S Uhr vor- mittags bis 2 Uhr nachmittag» im Bureau dl. Feurigstr. 63. Vorder Haus 1 Treppe links, Zimmer Nr. 6, zur öffentlichen Einsicht aus ES darf niemand versäumen in die Wählerliste einzusehen, um nicht seines Wahlrechtes verlustig zu gehen. Wer selbst nicht einsehen kann, beauflrage einen bekannten Genossen hiermit. Wer in die Liste nicht eingetragen ist, darf nicht wählen. Bon seinem eigenen Wagen überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern der öbjährige Kutscher Friedrich Pabst, der mit einem Lastwagen der Firma Schuhmacher aus Britz von Tempclhof nach Sehönebcrg fuhr. Beim Passieren des Sachsen dammcs entfielen dem Kutscher die Zügel und als er sich vorn über beugte, um nach der Leine zu greifen, stürzte er kopfüber von seinem Sitz herab. Pabst geriet unter den schweren Wagen, dessen Vorderräder über ihn hinweggingen. Der Verunglückte erlitt einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen und mußte in hoff- nungslosem Zustande nach dem Schöneberger Krankenhause über- geführt werden. Ein öffentliche? Turnen seiner sämtlichen Abteilungen vcr- anstaltet der Arbeiter-Turnverein heute nachmittag 4 Uhr auf dem Spielplatz an der Rubcnsftrnße(Kolonie Damuka). Eintritt frei Alle Freunde von Leibesübungen find eingeladen.— Vom 1. September ab finden die Turnübungen des Vereins jeden Montag. Mittwoch und Freitag in Oeffs Festsälrn, Hauplstr. 6, statt. Gäste willkommen. Wilmersdorf. Dachstuhlbrände und kein Ende. Kaum war vorgestern der große Dachstuhlbrand in der Katharinenstr. 3/4 rn Halensce von der Wilmersdorfer und Charlottenburger Feuerwehr gelöscht, als abends um 9 Uhr schon wieder ein großer Brand aus der Pauls borner Straße 1/2 gemeldet wurde, der erst kurz vorher an mehre ren Stellen im Dachgeschoß des mächtigen Gebäudes angelegt sein konnte. Als die Wehren an der Brandstelle ankamen, schlugen die Flammen schon hell aus den Dachluken und Oeffnungen empor. Weithin waren die Flammen zu sehen und bald war eine große Menschenmenge versammelt, die den Löscharbeiten der beiden Wehren zuschaute. Mit 6 Schlauchleitungen von mehreren Dampf- spritzen ließ Brandinspektor Dannehl, kräftig unterstützt von der Charlottenburger Südwache in der Suarezstraße, Wasser geben, wodurch es dann gelang, des großen Brandes Herr zu werden. Bon den Tätern fehlt jede Spur. Bon nächtlichen Einbrechern sehr stark heimgesucht wird in letzter Zeit die teils auf WtlmerSdorser, teils au! Sebmargendorfer Gelänge gelegene Friedrichsruher Straße. Hintereinander wurden in den dort anliegenden Grundstücken eingebrochen und zwar hatten es die Spitzbuben stets auf die Kellerräume abgesehen, tlebrigens müssen die Täler ausgepichte Leckermäuler fein, da sie außer Wein und Speisevorrären auch.Eingemachtes" mitnahmen» sofern ihnen solches in die Hände fiel. Lankwitz. Der hiesige BildungSauSschuh veranstaltet einen Vortrags- Zyklus mit Lichtbildern des Genossen Graf über die Geschichte unserer Erde. Di« Vorträge finden statt an Wochentagen, und zwar den 18. und 25 September und 2. und 9. Oktober, abends 8H Uhr, drei davon bei Prochazka und einer bei Schulz, Mühlenstr. Der Gesamtpreis für alle vier Abende beträgt 60 Pf.; Karten sind bei den Bezirksführern und bei den Mitgliedern des Bildungsaus- schusseS zu haben. Personen unter 13 Jahren haben freien Eintritt. Tempelhof-Mariendorf. Die Uedungsstunde der Arbeiter-Samariterkolonne findet am Montagabend 6'/, Uhr bei Thiel, Berliner Straße 41/42, statt. Bortrag über Vergiftungen und andere gefahrdrohende KranlheilS- zustände. Anschließend praktische Uebungcn. Neue Mitglieder können noch eintreten. Gäste willkommen. Pankow. Das Pankower Rieselgut Mühlenbeck wird, wie da» Gut?- kuratorium in seinem soeben herausgegebenen Wirtschaftsbericht für das Jahr 1910 hervorhebt, vornehmlich nach zwei Grundsätzen vcr- waltet; einmal wird möglichste Schonung des zur Unterbringung der Abwässer vorhandenen Aufnahmegebietes und der Wirlscbaftsein- richiungen beobawtet, dann aber auch die ökonomische Ausnutzung des Gutes zur Vermeidung der Kaiialiiationskosten betrieben. Von der Gesamtfläche des Gutes von 1409 Morgen(einschließlich 20 Morgen Pachtland) entfielen im Berichtsjahre auf den Gutshof 12, den Garten 6, Naturland 478, Rieselland 702. Naturwiesen 101 und auf Teiche 20 Morgen. Nach Ab mg von 437 Morgen für Hof, Garten, Wirtichaftswege, Gräben, Dämme, Unland, Verpachtungen und im Bau begriffenem Naturland und Naturwiesen verbleiben von den 1409 Morgen 972 zur Bewirtschaftung. Im Kanalisationsbetrieb betrug die Förderung der Ab- Wässer in der Zeit vom April 1910 bis März 1911 au« Pankow 1 390 304 Kubikmeter, auS Reinickendorf(das vertragsmäßig einen Teil seiner Abwässer ebenfalls nach Mühlenbeck leitet) 844 034 Kubik- meter, insgesamt 2 234 338 Kubikmeter, was einer durchschnittlichen Tagesbeförderung von 6122 Kubikmetern entspricht. Den eigentlichen landwirtschafiliche» GutSbetrieb gliedert der vorliegende WirtschaftSbericht in drei Hauptabteiluiigen. und zwar in Feldwirtschaft, Viehwirtschaft und Brennereibetrieb. In der Feldwirtschaft wurden von den zur Bewirt- chastung verfügbaren 972 Morgen 946 mit Weizen, Roggen. Gerste. Hafer, Kartoffeln, Mohrrüben, Rüben, Ricielgras und Wieienheu angebaut. Vier Morgen wurden als so- lenannieS Leuteland abgegeben. Obwohl die Monate Mai und Juni 5910 durch ihre große Trockenheit die Entwickelung der Feldfrüchte stark beeinträchtigt hatten, führte die später einsetzende Rcgenperiode doch noch für die meisten derselben eine Erholung und damit eine gute Mittelernte herbei. Einen wesentlichen EinnahmeauSfall<6000 Mark) erlitt nur der Verkauf von RieielgraS. Die Baumschule(zwei Morgen) hatte eine gute Entwickelung aufzuweisen. Ebenso die Karpteiizncht. die in Teichen von 20 Morgen Fläche betriebe» wird. Die Feldwirtschaft brachte eine Einnahme von 136 454.67 M., der eine Ausgabe von 98 632,26 M. gegenübersteht, so daß sich ein Ee- winn von 37 772,32 M. ergibt. Bei der V i e h w i r t s ch a f t ergab sich im Berichtsjahre eine Bcfferung deS Milchertrages. Der Ertrag betrug pro Kuh und Tag 12.8 Liter gegen 10,9 Liter im Vorjahre. Insgesamt wurden 211313 Liter Milch erzielt. Die Einnahme aus der Viebwirtkchaft ergab 49 186.36 M., die Ausgabe betrug 43 422,16 M., mithin blieb ein Gewin» von 764,19 M. Der B r e n n e r e i b e t r i e b. der infolge deS reichlichen Kar- loffelanbaueS auf Müblenbeck(im Berichlsjabre 161 Morgen mit einem Ernteertrag von 16 673 Zentner) wirtschaftlich geboten ist, er- gab eine Einnahme von 32 682,82 M. und erforderte eine Ausgabe von 26 787.90 M., so daß auch hier ein Gewinn von 6 894,92 M. erzielt wurde. Der landwirtschaftliche Gutsbetrieb auf Mühlenbeck brachte so- mit im Wirtschaftsjahr 1910 in Feldwirtschaft, Biehwirtschoft und Vrennereibetrieb einen Gesamtgewinn von 44 431,43 M. DaS ist eine Summe, welche den für Verzinsung und Tilgung des Anlage- kapital» aufgewendeten Betrog von 43 774,70 M. noch um 666.73 M. übersteigt. Hieraus ergibt sich, daß die ökonomische Ausnutzung des RieselguteS Mühlenbeck ganz weiernl-ch zur Verminderung der Kosten für den Kanalisationsbetrieo der Gemeinde Pankow beiträgt. Hcrmsdorf i. M. Ein zu scharfes und kränkendes Borgehen gegenüber einem Post- beamten wird dem hiesigen Postvorsteher zur Last gelegt. Wie die .Hernisdorfer Zeitung" mitteilt, unleriiahmen ain Freitag früh die Feuerwehr und SanitätSkolonne eine Suche nach einem Kranken, dem Postboten Graffunder ans der Neptunstraße. G. hatte sich von seiner Wohnung am Donnerstag nach dem Kurhaus Glienicke be- geben, um dort ein Bad zu nehmen. Gegen 6 Uhr verließ er die Badeanstalt, kehrte jedoch nicht nach Hause zuttick. Einige Kollegen unternahmen bereits am Donnerstagabend eine Streife durch Me Umgegend, sie konnten G. aber nicht auffinden, weshalb Feuerwehr und Sanitätskolonne zu Hilfe gerufen wurden. Inzwischen wurde auch vom hiesigen Polizciamt aus nach dem Verschwundenen recherchiert. Im Laufe des Vormittags traf dann hier die telephonische Meldung ein, daß G. in Oranienburg aufgefunden worden sei und in Schutzhaft genommen wurde, da die dortige Behörde den planlos uniher- irrenden Mann für geistesschwach hielt.— Die Vorgeschichte der Krankheit des G. liegt einige Zeit zurück. Nach einem Verweise des hiesigen Postvorslehers ist G. von einem Nervenchok bewllen worden, von dem er bisher nicht geheilt werden konnte. Diese Krankheit hat nun dazu geführt, daß G. zeitweise willenlos war und in einein solchen Zustande ist er nach Oranienburg gelaufen. Ueber den Fall selbst, bei dem die Frau des Postboten dem Vorsteher ein zu scharfes und kränkendes Borgehen gexen ihren Mann vorwirft, sind bereits Erhebungen angestellt worden, die aber zu einem Resultat noch nicht geführt haben. Von der Reise zurück Di*. Morifz, Tchönlinnser Allee 113. Ächtung! Cesangvereio Jea Erwacfif tagt jetzt jeden Freitag 9 Uhr ln Hensels Harmonie, Invaliden- straße 1». M SoiiMl Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 27. Augnst. 1. bi§ 5. Abt.: 5 Uhr: Tcupitz. 12'), Uhr: Ncu-Tabcndorl(Haker). 6. bis lt. Abt.: l Uhr: Wannjee (Fürstenhof). 7 Uhr früh: RuHlsdovf bei Bernau. Siehe unter Partcinachrichtcn vom 23. im„Vorwärts". Start an den bekannten Stellen. Sammcljtart im„Waldkaicr". Krauliclikaffe der gilt' Mllchergtstlltn;n Krrlia. Mittwoch, den 30. Augnst, abends 8'/, Uhr, Große Hamburger Str. 18)19: Anßerordent liehe General-Versammiung Tagesordnung: 1. Statnlenberalung. 2. Verschiedenes. Ilm zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Mitglieder ersucht Der Borstand. L.(vcorgclowttz Gr!8'Rraiilm!lla58S der Handsctiuiimacher — n. vcnonudtcr Gewerbe.— Den Milglicdcru zur Kenntnis, daß daS Kaiscnlokal vom 1« Srp- tri» der ab sich (flifflflftijßr. 8 9, vorn II befindet. Die.Bnreaustunden finden von 8--10 vormittags statt. AIS Rendant jungierl Herr Bern- hard Egelscer, Gustav Schmidt. Vorsitzender, fflajjmannftr, 32 II. GarvinrnyanS€& Bernhard Schwnrtz A Sardinen» u.Portieren» I 1 fiabtit' > Eirt« Belügt» Quelle Wallstr.>3(dreizehn» Srheblict,« Vorteile 0 dein» Einiaus! 0 0«OOG«GOG Bau- und Möbel-Tischlerei mit gutem Möbellagergsschöft, guten Gebäuden, großem Garten, in >er Provinz Hannover, preiswert zu verkaufen. Anzahlung zirka 0000 M. 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August, nach. millaas 4 Uhr, von der Leichen- halle des Himmcilahrts-KirchboseS in Nieder-schönhausen- Nordend aus statt. 230/11 Um rege Beteiligung ersucht ven H'neietand Am Donnerstag, den 24. d. M., j verschied nach kurzem schweren j Leiden meine liebe s�rau Martha Simon j geb. Reichert im 83. Lebensjahre 260b Um stille Teilnahme bitten Dio trauernden Hinteibllebenen Otto Slfflon nebt Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS Philippus-Apostel- kirchhoseS, Müllcrjtr. 44/4S, aus statt. �zialdeinokfatlsetier Merein '.■.•er ck- Oo., Spcztal-Lnborat., Frtedrichftr. 189, zw. Kronen- und Gr. Homejser& Co., Spezial-Lndorat., Frtedrichstr. 189, zw. Kronen» und Mohrensttabe». I. 8724. Pers. Rücksp'), diskr. u. tostenl. Geöffnet von 8-8 Sonntag» von 12— 1. nöbeMeehner Fabrik von Polsterwaren Brunnenstraße 7, am Rosenthaler Tor. ip MM Riesen• Answahl* Stube und Küche, Anzahlung von 15 Mark an. Einzelne Möbelstficke von S Mark Anzahlung an. 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Ferner schlägt die Kommission Zur Ablehnung vor Anträge, die die Einführung von Staffelbeiträgen, die Bei- tragsbefreiung bei Erwerbslosigkeit und für Invalide, und solche Anträge, die eine Aenderung der Unterstützungseinnchtungen wollen. Der Verbandstag stimmte in prinzipiellen Abstimmungen diesen Vorschlägen nach längeren Erörterungen zu. Damit waren zahlreiche Anträge ohne weiteres gefallen. Von den übrigen Be- schlüssen heben wir hervor: Bei der Erwerbslosenuntcrstützung wurde bestimmt, daß bei Arbeitsaussetzung wegen Arbcitsmangel die Erwerbslosenunterstützung gewährt wird. Unterstützung bei Eterbefällen erhalten künftig auch die Hinterbliebenen lediger Mit- glicder, wenn die Bedürftigkeit nachgewiesen ist. Beim Streikreglement wurde eine Reihe Aenderungen vorgenommen. Arbeitseinstellung kann nur mit zwei Drittel Majorität— in geheimer Abstimmung— beschlossen werden. Die gleiche Mehrheit ist auch bei späteren Abstimmungen über die Fort» Setzung des Kampfes erforderlich. Die Streikunterstützung bleibt �fcie gleiche wie bisher. Doch wird die Unterstützung für die Kinder der Streikenden von Sl) Pf. auf 1 M. pro Woche erhöht. Die Ge- samtunterstützungssummz für verheiratete Mitglieder darf aber 21 M.(bisher 18 M.) pro Woche nicht übersteigen. Mitglieder, die wegen Wahrnehmung von Verbandsinteresien gemaßregelt werden, erhalten die Streikunterstützung bis zu S Wochen, dann tritt die Erwerbslosenunterstützung ein. Bei den Ausschlußbestimmungen wurde neu fest- gesetzt, daß Ausgeschlosiene nur mit Zustimmung des Verbands- Vorstandes wieder aufgenommen werden dürfen. Hat ein Aus- geschlosiener ohne Zustimmung des Verbandsvorstandes seine Wiederaufnahme erwirkt, steht ihm keinerlei Recht oder Anspruch an den Verband zu. Die Bestimmungen über den Verbandstag werden durch einen Antrag Hamburg ergänzt, nach dem Vertreter des Verbandsvor- standeS, des Ausschusses, der Prcßkommilsion, sowie die Gauvor- steher auf dem VerbandStag kein Stimmrecht haben, sofern sie nicht als Delegierte gewählt sind. Abgelehnt wurde ein Antrag Hamburg, den Verbandstag alle zwei(bisher drei) Jahre stattfinden zu lasicn. Damit war die Statutenberatung erledigt. Die Statutenberatungskommission machte nun noch Vorschläge über die Regulierung der Gehälter der Angestellten. Sie beantragte, das AnfangSgehalt für die Vorstandsmitglieder und Gauleiter auf 2400 M.(bisher 2100 M.), das Endgehalt auf 2700 M.(bisher 2300 M.) festzusetzen, bei einer jährlichen Steigerung von 100 M. (bisher 50 M.). Gegen diese Vorschläge wurde Sturm gelaufen; den Opponenten sind diese Sätze„viel zu hoch", trotzdem der Ver« treter der Generalkommission, Genosie Silberschmidt, nach- wies, daß die Angestellten der Böttcher zu den schlechtest bezahlten Beamten in der Gewerkschaftsbewegung gehören. Der Vorschlag der Kommission, die Ferien von 7 auf 14 Tage zu verlängern, wurde sympathischer aufgenommen. Bei der Abstimmung wurde die Verlängerung der Ferien einstimmig akzeptiert. Die Erhöhung der Gehälter nach dem Kommissionsvorschlag wurde mit 23 gegen 19 Stimmen beschlossen. Die Zahlstellen sollen moralisch ver- pflichtet sein, die Gehälter der Lokalbeamten in der gleichen Weise zu erhöhen. Damit waren die Arbeiten deZ Verbandstages beendet. Mit einem kräftigen Schlußwort Winkelmanns und einem Hoch auf die Organisation wurde er geschlosien. Der nächste Berbandstag findet 1914 in Frankfurt a. VI. statt. Marktpreise von Berlin am 33. August 1911, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. 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Vorder- ztmmer, Rixdors, Aeichjelstraße 57, vorn IV geradezu.+73 Möblierte Schlaistelle Christinen- straße 12, III links(Schönhauser Tor). Sanbere Schlasstelle, Herrn, Lte- bigstraße 33, vorn, Frau Kirsch.+84 Tchiafftclle. 10.—. vermietet Frau Oberländer, Adalbertstraße 29 III. Schlafstell« für Herrn, bei Lecher. Reichenbergerfttoße 163 vorn II.+12 Schlafstelle vermietet grau Storch. Wrangelslroße 29._+12 Sauder möblierte Schlasstelle Lausitzerstratze 31 vorn III links, großer Ausgang.+12 MTbitcrte Schlasstelle vermietet Voigt. Oranienstraße 80 IV.+12 Möblierte Schlasstelle für Herrn, Mariannenstraße 24 vorn III, Frau Werner. Stlleinige Schlafstelle, Herrn, Dal- demarstraße 10 III, Schneider.+12 Freundliche Schlasstelle, 2 Herrn, vermieten, Lausitzerstratze 2l os III. +12 ftlietsgesuche. Weiterer Mann sucht möbNertes Zimmer bei airständigctr Leuten, Nähe Kottbuierdamm. eigene» Bett vor. handen. Offerten Preisangabe l). 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Slchtuni,: Bnilibinder und Bnchbinderciarbeitcrinneil' Die Firmen„«teil-» Verla«". Alte Jakobslrafte 11/12, Baumaiin n. Bnsetloir in Ober« Schöne- weide find wegen Nichtanerkennung de« TarijS gesperrt. 24/20» lii« Ortarerwaltuntz. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streit oder Lohn, disserenzen stnd gesperrt: Parkettbodcngcschäft Kampf- mcycp. Chr. Becker SttUne. Klritcin., Berliner Parketlf. Bad- meyer, Juh. Knsvack. Elbinacr. Kosenfeld. Dnmku i. Fa. Schlcalnecr. Bnttcrwclch. Piek. W«r.«all, Bibrich.«ertrcicr: Beliehen. IVoyck. Heine, Berlin. Bernfitrcrcln der Berliner Parkcttjreschtüto, Tho- masinsstr. 18. Goldleistenkabrit Tachlcrlcy in»iirdorf. Tischfabrtk Hnehe, Stralsnudcr Straffe 5v..._ Wagensabrit Hcllmnth, Lira» lauer Straffe. Wagensavrtt V»ll äff Bnhr. heek. Kaiserin-Augnsta-Allee, Ehartottenburg. Kauimfadrit Blneh, Warschauer Straffe 41 /4S uud Slcvaler Straffe 1. � Bautifchlcrei Fanl, SWoitn- uiriilcnstraffe 21 und Hagel» bcrgcr Straffe 4. Ialouiiefabrik Heinr.»pccnc, Berlin-Niederfchönbaulcu. Sarg'abrtken llosinabi. Sich. tenderg und Nummelsburg. «ürntllehe Betriehe»» Ham- barg. Lirgnit», frorst. Da» Berliner Arbeitswilligen» verniittrlungSbnreau d. gelben .Haiidwerkrrichiitfverbandes«. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- tauten. Katser-Frauz-GrenaSter- Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. vis 0rt»verv»ttooz Berlin tScs Deutschen HoUarbeiierverbamleg. Verantwortlicher Nedalteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th.üIIoite, Berlin. Druck u.Berlag: vorwärt» Luchdruckerei u. v» rlagtzanstalt Paul Singer u Co., Berlin 8�V,