Ur. 202. IlbonnementS'Bedingunyen: «BonnemcntS. Preis pränumeranda i Vieri eljährl. 3�0 Mi., monari. 1,10 Ml.. wöchcnllich 23 Pfg. srci ws Haus. Einzelne Nunnner 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illusirierler Tonntoos- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofi- tlbonncment: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Paft-Zeimnas- Prelsliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonncmenls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, «umänicn, Schweden und die Schweiz. 28. Iahrg» VIe TntertlonS'GebOtir vetriigt für die fechSgefpaltenc Rolonet« jeilc oder deren Rauni 60 Pfg,, für politische und gewcrlschaftlichc Vereins» und Veriainmlnngs-Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnieigen", da« fettgedruckte Wort 20 Pfg, lzuläsflg 2 fettgedruckt« Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftcllcnan- zeigen da? erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über ISBuch- ftaben zählen für zwei Worte, Jnferate für die nächste Numnicr Utüiien bis ti i m'..... _ Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crichtlnt»glich außer montags. Berliner BolKsblcrtt. Zcntralorgan der fozialdcmohrattfchcn partd Dcutfchlands. »elegramm-Adreffe: „toilaliitinokrat Rcrlli", Rcdahtion: SM. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 30. August I91I. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Gegen den Krieg! Knr den Uölkerfrieden! Parteigenoffen! Seit Wochen wird von bezahlten Hetzern eine an verbrecherischen Wahnsinn grenzende Kriegshetze getrieben— in einer Zeit, in der dem deutschen Volle das Schreckgespenst einer allgemeinen Hungersnot droht. Von den regierenden Kreisen wird nichts getan, um hier irgendwie Abhilfe zu schaffen. Schwer muß das deutsche Voll dafür büßen, daß es sich bei der Reichstagswahl 1907 durch den„nationalen" Schwindel hat narren lassen und den Zoll- und Brotwucherern das Heft der Gesetzgebung anvertraute. Jetzt klopft die Not bereits an die Türen des Proletariats und des kleinen Mannes, und doch stehen wir erst am Anfang der Teuerung. Da bangt selbst den Volksbedrückern vor der Stunde der Abrechnung, sie haben Angst vor dem nur allzu berechtigte» Volkszorn und schlauerweise suchen sie ihn abzulenken auf andere. Statt auf Mittel zu sinnen, der Not Einhalt zu tun, versucht man es aufs neue, dem deutschen Volke Sand in die Augen zu streuen, seine nationale Empfindlichkeit auf- zustacheln, damit es den eigentlichen Feind des Volkes, der im Innern ungeschoren seine Beute holt, nicht sieht. In frivoler Weise wird eine infame Kriegshetze getrieben, die durch bezahlte Agenten des Panzerplatten- und Kanonenkapitals aufS äußerste gefördert wird. Diesem verbrecherische« Treiben mit dem Wohl und Wehe wenigstens zweier Kultur- nattonen gilt es entgegenzutteten. Denn Proletarierknochen sind es, die einer Handvoll Kapitalisten geopfert werden sollen. Proletarierblut ist es, mit dem das Geschäftsfeld einiger beutegieriger Kapitalisten gedüngt werden soll, auS dem sie später Berge von Gold zu erraffen hoffen. Dagegen muß sich das Proletariat wehren mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, es muß den Frieden zn sichern suchen, denn nur im Frieden können die Völker gedeihen. Die deutsche Arbeiterschaft muß aber auch den Wahn zerstören, den eine kleine gewissenlose Clique den regierenden Kreisen gern suggerieren möchte, daß das deutsche Volk in seiner Allgemeinheit hinter jener der» brecherischen Kriegshetze stehe. Längst.hätte die Regierung die Pflicht gehabt, den Reichstag einzuberufen, um wenigstens die Vertreter des deutschen Volkes in dieser so ernsten, wichtigen Frage mit- sprechen zu lassen. Aber man will das Volk ja ausscheiden, will es rechtlos lassen. In einem eventuellen Kriege die Opfer zu bringen, dazu ist das deutsche Volk noch gut genug, seine Geschicke aber werden von wenigen Personen geleitet. Darum auf zur Demonstration am Sonntag I Kein Genosse, keine Genossin fehle! Ihr habt vor aller Welt zu dokumentieren, daß Ihr nicht einverstanden seid mit den feilen Kriegs- Hetzern, mit den wahnwitzigen Narren, die in gewissenloser Weise leichtfertig den Weltbrand entfesseln würden. Ihr habt aber auch zu zeigen, wie tief und leidenschaftlich heiß die Empörung gegen die volksfeindliche, volksausbeutensche Politik der letzten Jahre in Euch sitzt. Kampf gegen die Kriegshetzer, Kampf gegen alle, die das deutsche Volk bütteln und knechten'. W Die Demonstratton findet wieder im Treptower Park statt. Um einen geordneten Auf- und Abmarsch zu ermöglichen, sind folgende Bestimmungen getroffen: Tribüne l: Nieder-Barnim. „ II: 4. Kreis(Ost). „ III: 4.„(Südost). „ IV: 6.„(Schönhauser, Rosenthaler Vorstadt u. Gesundbrunnen). V: 6.„(Wedding, Oranienburger Vorstadt und Moabit). „ VI: 1. und 5. Kreis. „ VIl: 2. Kreis. „ VIII: 3.„ „ IX: Teltow-Beeskow. ..X: Diese 3 Kreise schwenken von der Treptower Chaussee aus nach ihrem Standort ein. Diese 5 Kreise schwenken von der Köpenicker Landstraße aus nach ihrem Standort ein. Auskunft wird bei Tribüne IV erteilt. Dort befindet sich die Zentralstelle. Alle Züge benutzen so weit wie möglich die Chausseen, damit auf dem VersammlungS- platz das Durcheinander vermieden wird. Jeder Bezirk versammelt sich in dem vom Bezirksführer angegebenen Lokal und marschiert unter dessen Führung so frühzeitig von dort weg, daß er spätestens'/«l Uhr an scineni Versammlungsplatz eintrifft. Die Redner beginnen pünktlich 1 Uhr. Punkt 2 Uhr wird von allen Tribünen über die Resolutton abgestimmt. Dann beginnt der Rückmarsch in derselben Weise wie der Hinmarsch. Die Ordner, an einer roten Armbinde kenntlich, haben die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung während der ganzen Veranstaltung. Wir bitten unsere Genossen, die Sttäucher und Pflanzen auf dem Platze sorgfältig zu schonen. Weiter bitten wir dringend, nach Schlufi der Demonstration von jeder weiteren Aktion Abstand zu nehmen und ruhig nach Hause zu gehen. Es liegt im Parteiinteresse. daß wir wieder Zeugnis ablegen für unsere politische Reife, für unsere so oft schon gerühmte Disziplin. Jedes nachherige Herumziehen kleinerer Trupps durch die Straßen Berlins hat unbedingt zu unterbleiben, jede dahingehende Aufforderung ftst als unlautere Provokation zu betrachten. Parteigenossen und Genossinnen! Männer und Frauendes arbeitenden Volkes! Keiner fehle bei der Demonstration am Sonntag! Erhebt flammenden Protest gegen die ruchlose Kriegsheherei, gegen die Beute- und Knebelungspolitik der herrschenden Klassen! Der verbanck soÄalckemokratischer KlaHIvereine Groß-ßerlin$. J. A.: Eugen Ernst. Die IIIaroMioaffäre. Neue beachtenswerte Meldungen liegen nicht vor. Selbst der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Besprechungen steht noch nicht fest. In der Pariser Presse hält die mehr opti mistische Beurteilung der Situation an, nur über den neuen Vorstoß Spaniens zeigt man sich etwas beunruhigt. Die deutsche bürgerliche Presse vertreibt sich die Wartezei mit einer überlauten Hetze gegen England. Den Vor wand lieferte eine Veröffentlichung der Wiener„Neuen Freien Presse", in der die deutsche Marokkopolitik in schärfster Weise kritisiert, die deutsche Regierung als eine Art internationaler Störenfried bezeichnet und erklärt wird, daß hinter der Re gierung nur eine kleine Oligarchie, nicht aber das deutsche Volk stehe. Der Artikel wurde dem englischen Bot s ch a f t e r in Wien zugeschrieben. Die bürgerliche Presse, von der nationalliberalen„Köln. Zeitung" bis zur klerikalen„Germania", die überhaupt in neuerer Zeit sich plötzlich riesig„national" gebärdet, tat nun sehr aufgeregt und verlangte unter allen möglichen Be schimpfungen des Botschafters Genugtuung. Nun haben die englischen Imperialisten sicher alle Ursache, vor der eigenen Tür zu kehren und die englische auswärtige Politik stand ebenso stets im Dienste einer kleinen kapitalistischen Clique wie die aller anderen kapitalistischen Staaten. Der Botschafter hat aber erklärt, daß er keine Verant- Wartung für den Artikel übernehme, und damit, sollte man meinen, daß der Sensationsartikel des Wiener übel beleumundeten Blattes erledigt sei. Denn es widerspricht den wirklichen Interessen des deutschen Volkes auf das schärfste, wenn das ohnehin gespannte Verhältnis zu den Westmächten durch solche Preßfeldzüge noch weiter der giftet wird. Die ganze Kampagne ist um so l ä ch e r l i ch e r, als nach dem Dementi des Botschafters der Beweis gar nicht erbracht werden kann, daß der Artikel von ihm her- rührt. Saure Trauben. Unter der Ueberschrift:„Das Volk muß sprechen", der- öffentlicht das konservative„Posener Tageblatt" einen Aufruf. in allen deutschen Gauen resp. Provinzen große Versamm- lungen abzuhalten als machtvolle Kundgebungen gegen jede lveeinträchtigung der nationalen Ehre. Daß der Aufruf gerade in einem konservativen Blatte erscheint, ist nicht uninteressant. Sind doch die Konservativen gerade diejenigen, die das Volk von jeder selbständigen politischen Betätigung ausschließen wollen, ihm das gleiche Wahlrecht in Preußen versagen und eS ihm im Reiche rauben wollen. Und jetzt wird das Volk von den Konservativen eingeladen, seine Stimme in schwierigen internationalen Fragen abzugeben I Der „D. TageSztg." ist eS auch bei der Geschichte nicht ganz wohl. Ein bißchen Demagogie wäre ja schon recht, aber wo bleibt die Autorität der Regierung, die doch auch ohne die Mithilfe der Massen schon alles machen wird? In Wirklichkeit graut aber den schlaueren Bündlern in der Hauptstadt vor nichts mehr als vor der Kundgebung des wirklichen VolkSwillenS. Rur der un« erfahrene agrarische Provinzonkel in Posen konnte mit solch unvor- fichtigem Plan herausrücken. Eine Rede des französische» Kolonialministers. Nancy, 28. August. In einer Sitzung des Generalrats hielt Kolonialminister Lebrun eine Rede, in der er die Marokko- angelegenheit berührte und bemerkte, Frankreich warte i n aller Ruhe den Verlauf der in Gang befindlichen Unterhand> lungen ab. ES hieße an der Menschlichkeit, an dem Glänze des Jahrhunderts, an der Zivilisation, am Fortschritt verzweifeln, wenn zwei große Nationen, die auf gleichem Fuße, in der gleichen Sorge um den Weltfrieden und ihre Würde verhandeln, nicht zu einer billigen Verständigung gelangten, in der beide gleiche Sicherung finden würden. Die Protestbewegung. Die Altion der deutschen Arbeiterschaft gegen die von den all- deutschen Prozentpatrioten geschürte Kriegshetze und das Marokko- abentener hält in ungeschwächter Stärke an. In G e r a kenn- zeichnete Genosse Dr. L e n s ch- Leipzig in einer von etwa 3000 Per- sonen besuchten Demonstrationsversammlung unter stürmischem Beifall unser neuestes Kolonialabenteuer. Die Versammelten nahmen einstimmig eine Resolution an, in der eS nach den Verurteilung des Versuches, Deutschland in einen Krieg mit Frankreich zu Hetzen, heißt: So sehr jedoch das arbeitende deutsche Volk den Weltkrieg verabscheut und ihn mit allen Mitteln zu verhindern gelobt, so erklären die Versammelten doch, daß die herrschenden Klassen einen Weltkrieg mehr zu fürchten haben als die unter- drückten Massen. Ein Weltkrieg würde eine lange Periode von Revolutionen und Völkerkämpfen einleiten, die nur enden könnte mit dem Sturze des Kapitalismus und dem Uebergange zum Sozialismus. Die Furcht vor dieser sozialen Revolution war bisher das sicherste Mittel, de» Weltkrieg zu verhindern. Die Verfanimelten geloben, dafür sorgen zu wollen, daß diese Furcht der herrschenden Klassen vor den sozialen Konsequenzen eines Weltkrieges auch in Zukunft lebendig bleibe. Das beste Mittel dazu erblicken sie in rastloser politischer Auf- k l ä r u n g und in dem weiteren kraftvollen Ausbau der Arbeiterorganisationen. Eine imposante Friedenskundgebung war die Maffenversamm- lung, die auf Einladung unserer Parteileitung im größten Saale von Görlitz tagte. Rund 2000 Personen hatten dem Rufe Folge geleistet und zollten den Ausführungen des Reichstagsabgeordneten S ch ö p f l i n über„Marokkorummel und Kriegshetze" stürmischen Beifall. Eine Resolution, in der die Versammelten versprachen. alles zur Aufrechterhaltung des Friedens zu tun und in der sie die sofortige Einberufung des Reichstages forderten, fand einstimmige Annahme._ iiachßlsnge des eisenbahneritteißs. London, 26. August.(Eig. Ber.) Die Folgen des überstandenen Schreckens äußern sich bei der englischen Bourgeoisie in verschiedenen Formen. Die einen, die den„braven Streikbrechern", der Polizei und der Soldateska um den Hals fallen möchten, sammeln Gelder, um die Retter der kapitalistischen Gesellschaft zu belohnen. Der weniger sentimental veranlagte Teil der herrschenden Klassen versucht die schwierige Aufgabe zu lösen, auf welche Weise diese„gottlosen" und„verbrecherischen" Auflehnungen des Proletariats zu verhindern oder zu unterdrücken sind. Den interessantesten Teil der englischen Presse bilden äugen- blicklich die Briefe aus dem Publikum. Die meisten ver- raten allerdings den perplexen Geisteszustand von Leuten, die nach einem beschaulichen und zufriedenen Leben auf ein- mal gewahr geworden sind, daß sie auf einem Vulkan leben. und die nun in der Angst nach einer Medizin schreien, um das Erdbeben zu kurieren. Aber man trifft auch vernünftige Vorschläge an. So schreiben verschiedene Eisenbahnaktien- Besitzer, daß sich£« GseMhsaÜieichesitzer zusammentun solltest, utst die Direktoren zu zivingStt, die Eisenbahner bessek zu behandeln. Ob dieser Wunsch dem menschlichen Mitgefühl entspringt oder der Furcht, daß der letzte Streik die Be- wegung zur Verstaatlichung der Eisenbahnen gewaltig stärken muß, ist leider aus den Schreiben nicht zu ersehen. Ein anderer gibt der Meinung Ausdruck, die Arbeiter seien so unzufrieden, weil sie keine Ferien bekämen: kluge Arbeit- geber, die sich einen zufriedenen Arbeiterstamm heranziehen wollen, sollten ihren Arbeitern jährlich drei Wochen Ferien bei Bezahlung des vollen Lohnes gewähren. Ein höchst prak tischer Vorschlag, der unter anderen Vorzügen auch den besitzt, daß das Proletariat, auf kurze Zeit des ewigen Schuf tens enthoben, Zeit gewinnen würde, den kapitalistischen Klassenstaat einmal in Ruhe zu studieren. Nach vielem Hin- und Herdenken hat endlich jemand ein Allheilmittel gegen Massenstreiks gefunden.„Ein einfacher Bürger" hat das Rezept gratis an alle Zeitungen geschickt Die„Times" widmet dem Briefe heute einen langen sym pathischen Leitartikel. Es handelt sich um nichts weniger als die Organisation des Bürgertums in Streikbrecher kolonnen, die in Aktion treten, sobald die Arbeiter in einem für die Oeffentlichkeit wichtigen Betrieb streiken. Weshalb auch nicht? Erzählt man sich doch die Geschichte von dem Rechtsanwalt, der vorige Woche in Newcastle einen streiken den Gepäckträger ersetzte und von einem reisenden Richter ein Trinkgeld von 2 Pence anstatt der üblichen Anwaltgebühr in der Höhe von 6 Schilling und 8 Pence bekam. Praktische Schwierigkeiten, so predigt das englische Orakel, seien nicht vorhanden.„Die körperliche Arbeit ist auch nicht annähernd so schwer und unangenehm als es von den Arbeiterführern hingestellt wird und als viele Leute glauben. Ihr Mangel an Reiz ist mehr der Eintönigkeit und der fehlenden Abwechse lung zuzuschreiben als der eigentlichen Abspannung und Widrigkeit. Menschen von mäßiger athletischer Entwickelung würden sie leicht genug und auf kurze Zeit nicht unangenehm finden. Auch würde ein gebildeter und ziemlich intelligenter Mann nicht lange brauchen, um selbst die Arbeit im Bahn Wärterhäuschen und auf der Lokomotive zu lernen."— Und das arme reisende Publikum? Der Gedanke läßt sich leicht weiter spinnen. Man müßte die zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Talente berücksichtigen. Die Redaktionen der Rinnsteinpresse könnten zum Beispiel zur Kloakenreini gung abkommandiert werden, wobei sie wertvolles Material iir ihre unflätige Beschimpfung streikender Arbeiter sammeln könnten. Die„Times" finden die einzige Schwierigkeit darin, daß es zum Gelingen des Planes notwendig ist, daß die Behörden diese bürgerliche Streikbrechergarde organi leren. Durchführbar sei der Vorschlag, das habe die Hand lungsweise der schwedischen Bourgeoisie zur Zeit des schwe- bischen Generalstreiks bewiesen. Die„Westminster Gazette", las Regierungsorgan, kann sich mit dem Gedanken nicht be reunden. Sie schreibt in einem Leitartikel:„Die Behörden haben schon jetzt Schwierigkeiten genug, um dep Beschul- bigung aus dem Wege zu gehen, daß sie in ungerechter Weise eingreifen, wenn sie nur ihre notwendige Pflicht tun, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und wenn wir sie geachtet wissen wollen, so müssen wir uns die größte Mühe geben, den Glauben zu stärken, daß sie streng unparteiisch sind." Der Arbeiterschaft kann es nur nützlich sein, wenn sie diese vor der Oeffentlichkeit geführte Diskussion der beiden Teilhaber im kapitalistischen Ausbeutungsgeschäft aufmerksam tzxrfolgt. In W a l e s soll die Streikbewegung zu einer Juden hetze Anlaß gegeben haben. Eine Reihe Läden sind von der Menge geplündert worden, die über die schamlose Preis- erhöhung, zu der die Händler die Streikbewegung mißbraucht haben, empört war. Den Eigentümern der Läden ist nichts geschehen. Nun befinden sich unter den Geplünderten eine beträchtliche Anzahl Juden, denen es als Ausländern natür- lich am schlimmsten erging und die nun in dem Glauben, daß ein Pogrom veranstaltet worden sei, nach Cardiff und anderen Großstädten flüchteten. Die Sache wird von Blättern, die orthodoxen Juden gehären, gewaltig aufge bauscht. Seit Jahren jammern die orthodoxen Juden darüber, daß ihre Religionsgenossen— selbst die russischen— in Großbritannien, wo unter dem Volke nicht der geringste Hast gegen die Juden fals Juden, nicht als Ausländer) zu spüren ist, in kurzer Zeit von der englischen Bevölkerung spurlos assimiliert werden. Die Unruhen in Wales kommen daher den Elementen, die an der Erhaltung des„Juden- schmerzes" ein reales Interesse haben, sehr gelegen, um die Juden in Grostbritannien an ihre religiösen Pflichten zu er- mahnen. Deshalb wird aus den Unruhen, unter der christ- liche wie jüdische Geschäftsinhaber zu leiden hatten, eine Art Pogrom konstruiert. Eine imposante Versammlung fand heute Nachmittag auf dem Trafalgar Square statt. Es war eine Proteswer- sammlung gegen die Verwendung von Truppen bei Streiks, die von der S. D. P. einberufen worden war. Es sprachen unter anderem die Genossen Lansbury, Green. Ouelch, Ben Tillet und Jones. Keir Hardie, Hyndman und auch einige angesehene bürgerliche Politiker, die mit dem Zweck der Ver- sammlung sympathisierten, hatten Schreiben und Tele- gramme geschickt. Die von der vieltausendköpfigen Menge begeistert angenommene Resolution lautete: ..Diese Versammlung Londoner Bürger verurteilt nachdrück- lich die unverantwortliche und ungesetzliche Verwendung der mili- t-ärischen Streitkräfte der Nation seitens der Regierung im Jnter- esse der Eisenbahnmonopolisten zur Riederknüppelung der streikenden Eisenbahner, die gezwungen werden sollten, sich Be- dingungen zu unterwerfen, gegen die sie revoltieren müssen. Diese Versammlung verurteilt ferner in schärfster Weise den ver- fassungswidrigen Grundsatz, der von dem Minister des Innern mit der Zustimmung seiner Kollegen aufgestellt und erzwungen worden ist. nach dem den Befehlshabern der verschiedenen mili- tärischen Distrikte bei der Verteilung und Verwendung der unter ihrem Kommando stehenden Truppen, unabhängig von den Zivil- behörden und im Gegensatz zu diesen Behörden, freie Hand ge- lassen wurde. In den Augen dieser Versammlung ist diese Handlungsweise der Regierung ein Verbrechen gegen die ösfent- liche Freiheit, die hochverräterische Unterdrückung der Zivil- behörden und die Einführung des �sriegsrechts in diesem Lande' ein Verbrechen, das die Anklage wegen Hochverrats gegen die Minister erfordert, die für einen solch schweren Verfassungsbruch verantwortlich sind." Die Versammlung auf dem Trafalgar Square bildet den Anfang einer Protestbewegung, von der bas ganze Land bald widerhallen wird._ poUtifchc dcberficbts Berlin, den 29. August 1911. Das neue Flottenprogramm. Wie vorauszusehen war. suchen die Flotteninteressenten bürgerlichen Parteien die Bedeutung der Flottenrede und„.... M Wilhelms IL abzuschwächen. Es patzt ihnen njcht, datz die l mßn F!otkenford'eMstg?st 6 o f F e t Wahl örorler? iffSk- den. So hat sich der Präsident des Deutschen Flottenvereins, Grostadmiral von K ö st er, auf eine Anfrage des Berliner Vertreters der„Daily Mail" in folgender Weise geäußert: ..Die Hamburger Kaiserrede läßt meines Erachtens zunächst die Absicht der Einbringung einer über den Stand des Flottengesetzes hinausgehenden Flottenvor- läge nicht zu. Dem Wunsche nationalgesinnter deutscher Männer dürfte es aber entsprechen, daß unsere Flotte zur Durch- führung der ihr vom Kaiser gestellten Aufgaben genügend stark sei." Die Bemerkung von Kösters, daß der Kaiser wohl nicht von einer über den Stand des Flottengesetzes hinausgehenden Flottenvorlage gesprochen habe, verliert schon dadurch jede Bedeutung, daß Herr von Köster ja auch die B e- schleunigung der Flottenbauten entgegen dem Plane des bisherigen Flottengesetzes für durchaus vereinbar mit dem Flottengesetz erklärt hat! Der Rahmen des Flotten- gesetzes ist nach der Auffassung des Präsidenten des Deutschen Flottenvereins eben ein außerordentlich dehn, barer! Auch die„Germania" gehört natürlich zu den Ver» schleierungspolitikern. Sie erklärt, daß Wilhelm II.„selbst» verständlich" nur von solchen Flottenverstärkungen gesprochen habe, die sich im Rahmen des Flottengesetzes bewegen. Das ist natürlich dummes Zeug. Denn wenn Wilhelm II. die im Flottengesetz festgelegte Verstärkung der Flotte ge- meint hätte, so hätte er ja nicht von der Annahme des Bürgermeisters Predöhl sprechen können, wonach die Flotte auch fürderhin zu verstärken sei. Die Ausfuhrung des F l o t t e n g e s e tz e s ist ja ganz s e l b st- verständlich! Aber die brave„Germania" schreckt bei der Beschwindelung der Massen vor nichts zurück. Nicht ein- mal davor, Wilhelm II. eine offenbare Unsinnigkeit zu impa« tieren._ Nach dem Heiligen der Ritterl Der Zentrumsabgeordnete Erzberger hat sich mit seinem Verlangen nach scharfen gesetzgeberischen Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie den Beifall seines Benders im Schnapsblock, der. Deutschen Tageszeitung' verdient. Sie Schreibt: „Der Abg. Erzberger hat durchaus recht. Wir sind nach den Erfahrungen der letzten Zeit zu der Ueberzeugung gekommen, daß die bestehenden Gesetze tatsächlich nicht mehr aus» reichen. Sie müssen ergänzt und verschärft werden. Derartige Verschärfungen und Ergänzungen können aber nicht von den Parteien in irgend welcher Weise beantragt oder angeregt werden; es ist vielmehr Sache, Aufgabe und Pflicht der verbündeten Regierungen, Vorschläge zu machen. „wie solche RevolutionSgelüste rücksichtslos niedergeworfen werden" können. Gegenüber derartigen Gelüsten kann eS keine Schonung teben, sondern nur die schärfste Rücksichtslosigkeit. sie Regierung darf den geeigneten Zeitpunkt nicht ver- säumen, sondern würde pflichtwidrig handeln, wenn sie dulden wollte, daß die drohende Gefahr uns über den Kopf wachse. Früher hat die Zentrumspartei des Reichstages mitunter versagt, als die Regierung Borschläge machte, in der Richtung vorzugehen, die jetzt vom Abgeordneten Erzberger an» gedeutet wird. Nach den Ausführungen des genannten Ab« geordneten darf wohl gehofft werden, daß das Zentrum künftighin seine Mitwirkung bei einer Verschärfung der bestehenden Gesetze nicht versagen wird." Viel tiefer kann da» Zentrum nicht sinken, als es damit gesunken ist, daß eS gegen den Schrei des Erzberger nach Ausnahmegesetzen keinen Widerspruch erhebt, also das Treiben dieses widerwärtigen Wichtigtuers billigt. Dabei stand das Zentrum zur Zeit des Kultur« kampfeS selbst unter einem Ausnahmegesetz, wie heute noch ein Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten besteht. Daß man von der Re- gierung gesetzgeberische Vorschläge verlangt, läßt darauf schließen, daß sich die Schnapsblockparteien nicht mit eigenen Vorschlägen etwa die Finger verbrennen wollen. Zur Niedertracht gesellt sich noch die Feigheit!—_ Ohne Kanitz keine neuen Kähne. Die-„Deutsche Tageszeitung" hat zwar gegen die An- Andigung einer weiteren Verstärkung ber Flotte durch die letzte Kaiserrede nichts einzuwenden, aber es ist ihr unan- genehm, daß Wilhelm II. diesmal nur von Handel und In- dustrie gesprochen hat. Das Agrarierorgan läßt daher den Kaiser folgende Belehrung zuteil werden: „Eines darf auch hier nicht vergessen werden. Wir werden diesen Anspruch sauf den Platz an der Sonne) nur dann mit der Aussicht auf dauernden Erfolg geltend machen können; wir wer- den unseren, den uns von Rechts wegen zustehenden Platz an der Sonne nur behaupten, sichern und erweitern, wenn- wir niemals vergessen, wo die eigentlichen Quellen unserer Kraft entspringen — nämlich auf dem Acker. Hier ist der Wurzelboden unserer Stärke, hier ist der Ankergrund unserer Wpltstellung, hier ist und bleibt das Fundament unserer Zukunft." Die Triarier seiner Majestät geben damit zu verstehen. daß sie zwar für neue Kähne zu haben sein würben, aber nur unter der Bedingung, daß ihnen als Kompensations- objekte neue Liebesgaben und Wucherzölle zuteil werden!_ Weltanschauungs- oder Magenfrage». Auf dem Katholikentag in Mainz lag dem Aus- chuß für soziale Fragen ein Antrag vor, worin erklärt wurde, daß es„zur Erhaltung und Er- breiterung des für Kirche und Gesellschaft wohltätig wirkenden selbständigen Mittel- sian des unbedingt notwendig ist, daß derselbe stets hinreichend Arbeit und Absatz habe"; deshalb forderte der Antrag„unter Hin- weis auf das Gebot der Nächstenliebe alle Katholiken auf, bei Vergebung von Arbeiten und bei Ein- käufen nach Möglichkeit die Handwerker und Kleingewerbetreibenden zu unter st ützen". lieber die Behandlung, die der Antrag im Ausschuß erfahren hat, ist nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen, da diese bei den Ausschutzsitzungen nicht zugelassen wird. Jedenfalls ist. wenn man aus der Stimmung schließen darf, die bei der Verhandlung in der geschlossenen Versammlung herrschte, die Aussprache im Ausschuß sehr erregt gewesen. Es platzten bei dieser Gelegenheit die Vertreter des Mittelstandes und der Arbeiter recht heftig auf- einander. ES handelte sich, wenn es auch nicht zugegeben wurde, um einen Vorstoß der Mittelständler gegen die Ge- nossenschaftsbestrebungen der Arbeiter. Sind die Katholiken verpflichtet, Handwerker und Kleingewerbetreibende bei Vergebung von Arbeiten und bei Einkäufen zu unterstützen, dann ist damit den Genossenschaften, die auch in den Kreisen der katho- lischen Arbeiter zahlreichen Anhang haben, das Urteil gesprochen. Und man kann es begreifen, daß die katholischen Arbeiter sich gegen eine derartige Mittelstandsretterei, die ihnen selbst an den Kittel geht, auflehnen, sintemalen ja nicht nur die Genossenschaften, son- dern auch die gewerkschaftlichen Organisationen den Mittelständlern ein Dorn im Auge sind. Wie weit die Ekgcojä�e guj iwiem ffieMeie gedichen sind. zeigi Set Umstand, dast In Stolberg bei Aachen die kaHolischekt Arbeiter, die dort einen Konsumverein unterhalten, eine K o n s u- menten-Abwehrkommission gebildet haben, deren Zweck es sein soll, daß in Rheinland und Westfalen sämtliche Reichstags- und L a n d t a g s k a n d i d a t e n vor der Wahl befragt werden sollen wegen ihrer Stellungnahme zur K o ns u m g en o s s ens ch a f t s- bewegung; die Antworten sollen veröffentlicht und den Wählern zur Beachtung empfohlen werden. Umgekehrt haben Vertreter des Mittelstandes in rheinischen Wahlkreisen ausgesprochen: Wenn der Abgeordnete unsere Wünsche Hinsicht- lich der Konsumver einsfrage nicht erfüllt, dann können wir ihn nicht mehr wählen. Die„Kölnische Volkszeitung" sNr. 732 vom 27. August) ist entsetzt über soviel unchristlichcn Materialismus und politische Engherzigkeit. Wenn man dem Abgeordneten, der die Wünsche von einzelnen bezüglich der Konsumvereinsfrage nicht glaube erfüllen zu können, die Stimme versage, so sei das ein �.äußerst gefährliches Beginnen": Es wird der alte Fehler gemacht, dah man nur Wirtschaft- liche Fragen für das bei der Wahl abzulegende politische Glaubensbekenntnis maßgebend sein läßt. Hier soll sogar eine einzige wirtschaftliche Frage ausschlaggebend sein. Als wenn für die Bewertung eines Kandidaten einzig und allein die Kon- sumvereinsfrage in Betracht käme, Fragen der Welt- anschauung aber, wie die Stellung zur Schulfrage, und staatsbürgerliche Fragen vollständig belanglos wären. Wo- hin soll es dann führen, wenn ein so einseitig ausgebildeter Klasscnegoismus in unser Parteilebcn einreißt. An einen Wirt- schaftlichcn Interessenausgleich ist dann nicht mehr zu denken, dann gibt es einen Kampf aller gegen alle.... Den Vorteil hätte schließlich nur die Sozialdemokratie, und das würde weder der Arbeiter, noch der Mittelstandsangehörige als eine Wahr- nehmung seiner Interessen ansehen können. Man verkennt die Gründe, weshalb das Zentrum so gern die ..Weltanschauungsfragen": Christentum, Kirche, konfessionelle Schule usw. in den Vordergrund rückt. Die Wähler sollen von der Verfolgung ihrer wirtschaftlichen Interessen abgelenkt und die mancherlei Gegensätze innerhalb der Partei verdeckt werden. Den Arbeitern soll die Ueberzeugung beigebracht werden, daß die Frage, ob ihre Kinder in der Schule neben katholischen oder evangelischen Mitschülern sitzen, viel wichtiger ist, als die Frage, ob zu Hause für eine genügende Ernährung gesorgt ist. Die ganze Politik des Zentrums geht darauf aus, die Wähler um ihr irdisches Wohl durch eine im Jenseits wurzelnde„Weltanschauung" zu betrügen. Man darf es begrüßen, wenn im klerikalen Gefolge die Einsicht von der Verkehrtheit einer derartigen Politik �u dämmern bc- ginnt. Tie Präpariernng der Volksseele. Das konservative„Poscner Tageblatt" veröffentlicht einen Auf- ruf. der in der Anregung gipfelt, in allen deutschen Gauen mög- lickist an ein und demselben Tage machtvolle Kundgebungen zu der- anstaltcn gegen„jede Beeinträchtigung unserer nationalen Ehre und unseres Ansehens in der Welt". Viel Kelsen wird dieser Aufruf nicht. Das gibt selbst die „Deutsche Tageszeitung" zu, die in ihm nur ein„Stimmungs- zeichen" erblickt. Zu solchen Kundgebungen fehlen den Gegnern die Massen. Hat cZ doch selbst in Berlin enorme Muhe gekostet, eine solche Versammlung vorzubereiten. Ihre Teilnahme zugesagt baben nur die alldeutschen Hitzköpfe, die antisemitischen Handels- jünglinge und die reichsverdändlerischen Gelben. Kein vernünftiger Mensch ivird einer solchen Kundgebung auch nur den geringsten Werl beimessen. Vom Kesseltreiben gegen die Zlrbeiter-Tnrnvereine. In Greppin, Kreis Bittcrfcld, hat kürzlich ein Turnverein beschlossen, ans der Deutschen Turnerschaft auszutreten und sich „eventuell" dem Arbeitcr-Turnerbunde anzuschließen. Kaum war der Austritt aus der Deutschen Turnerschast vollzogen, so wurde der Verein, der 34 Jahre ungestört existiert hatte. am 7. August vom Anitsvorsteher aus Wolfen aufgefordert, seine Satzungen und ein Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes einzureichen, weil der Verein sich einer politischen Bewegung an- geschlossen habe. Der Arbeiter-Tumerbund sei laut Oberverivaltungs- gcrichtSentscheidung eine politische Organisation. Der Vorsitzende ivies die Aufforderung zurück mit dem Bemerken, der Verein gehöre nicht dem Arbeiter-Turnerbunde an; er, der Vorsitzende, sei weder geiverlschaftlich noch politisch organisiert. Der Amtsvorsteher aber bestand unter Strafandrohung aus seinein Verlangen. Als dann am 19. August der Vorsitzende den Antrag ans Genehmigung eines Umzuges einreichte, ivurde ihm noch an demselben Tage der Bescheid ausgefertigt, der Umzug werde verboten, weil er Anlaß zu Reibereien mit den aus dem Verein Ausgetretenen geben könne.— Einem gutgc-sinnten Turnverein des OrleS aber wurde für Sonntag, den 27. August ein Umzug gestattet. KuNIfcb-japamfcKe Entente. Zwischen Rußland und Japan sind die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen nunmehr beendet worden. Sie haben zu einem endgültigen Einvernehmen geführt. Dies Ivird der Oesfentlichkeit durch Telegramme be- kannt gegeben, die die beiden Kaiser mit einander ausgetauscht haben. Der Mikado spricht dabei von dem„endgültigen Einvernehmen, das zwischen unseren Regierungen hergestellt wurde im aufrichtigen Geiste der Verständigung über einige Fragen, die bisher ohne Lösung geblieben waren". Er sei gewiß,„daß die endgültige Regelung aller strittigen Fragen dazu beitragen wird, die guten Be- ziehungen. die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, noch mehr zu f e st i g e n." In der Antwort des Zaren heißt es:„Ich danke Ew. Majestät von ganzem Herzen für die Gefühle, denen Sie Ausdruck verliehen haben, gelegentlich der auf der Grund- läge von gegenseitigen Zugeständnissen über einige Fragen, die bisher zwischen unseren Regierungen un- gelöst geblieben waren, so glücklich zustande gebrachten E n t e n t e." Zugleich gibt Japan als„Freundschaftszeichen" das den Russen im letzten Kriege abgenommene Hospitalschiff zurück. Das Einverständnis zwischen den beiden großen Raub- staaten wird vor allem China zu spüren haben und man mutz erwarten, bald von neuen Vorstößen Rußlands in der Mandschurei zu hören. Auch dieses Abkommen wird wie die über Persien mit England und Deutschland jene Richtung der russischen Politik stärken, die ihr Betätigungsfeld im äußer st en Osten sucht und sich auf dem Balkan mehr abwartend verhalten will. Damit verringert sich zugleich der Gegensatz zwischen Rußland nach der einen und der Türkei und ihrem Beschützer Deutschland auf der anderen Seite. Bei der großen inneren Schwäche Rußlands, das eine aktive Rolle ja nur infolge des Gegensatzes zwischen Deutschland und den Westmächtcn spielen kann, ist allerdings eine Stetig- keit der russischen auswärtigen Politik niemals gewährleistet. Denn Rußland ist nicht selbständiger Herr seiner Entschlüsse. sondern von der Politik der anderen Großmächte u»d ihrer gegenseitigen Stellung abhängig. fmikrelch. Gegen de» Antimilitarismus. Pari?. 29. August. Siebzehn Mitglieder des Arbeiter» s ch i e d s g e r i ch t S für das Baugewerbe, die sich öffentlich und schriftlich mit den in Angelegenheit deS„Sou du soldat" verfolgten Sekretären deS Bauarbeitersyndikats solidarisch erklärt haben, sind vom Staatsanwalt aufgefordert worden, über ihr Ver- halten Aufklärung zu geben. Hierauf haben 63 andere Mit- glieder des Arbeiterschiedsgerichts beschlossen, sich gleichfalls mit den verfolgten Sekretären solidarisch zu erklären. Toulouse. 29. August. DaS Militärgericht bestrafte den Sergeanten Bonafous, der unverhohlen eingestanden hatte, anarchistische Reden gehalten und anarchistische Artikel verfaßt zu haben, mit Verlust der Unteroffiziercharge. Norwegen. Demonstration gegen ein militärisches Urteil. Kristiania, 29. August. Vorgestern nachmittag kam cS auf dem Exerzierplatze Stenkjaersande zu Unruhen unter den Sol- baten. Ein jungsozialdenr akratischer Soldat hatte sich trotz wiederholter Befehle geweigert, seine Rescrvessiefel mitzu- nehmen und deswegen zwei Tage Arrest erhalten. Mehrere Käme- raden, darunter einige Jungsozialdemokraten, hielten die Strafe für viel zu scharf und stellten eine Fahne her mit einer Inschrift, in der sie die Freigabe des gefangenen Soldaten forderten. Einige hundert Soldaten sammelten sich vor dem Wachzimmer um diese Fahne, erbrachen die Tür des Arrestlokals und befreiten irr- tümlich einen anderen Gefangenen. Die Wache verhinderte mit dem Bajonett die Befreiung noch weiterer Gefangener. Die Personalien der Rädelsführer wurden festgestellt. Das Verhör in der Angelegen- heit hat heute begonnen. Cilrfcd. Scheitern der englische» Bagdadbahn-Berhandlungen? Konstantinopcl. 29. August. Wie in unterrichteten türkischen Kreisen verlautet, erscheinen die englisch- türkischen Verhandlungen bezüglich der letzten Strecke der Bagdadbahn und der übrigen damit zusammenhängenden Fragen aussichtslos. Der Abbruch der Ver- Handlungen Wird befürchtet. Hus der Partei» Dcr Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich ist auf den 29. Oktober für eine voraussichtliche Dauer von fünf Tagen nach Innsbruck einberufen worden. Neben den geschäst- lichen Angelegenheiten stehen Lebens mittelteuerung und WohnungSuot, die Wehrreform und als dringendster Punkt daS Verhältnis zu den Bruderparteien der übrigen österreichischen Nationen zur Verhandlung. DaS Vorgehen dcr tschechischen.Bruderpartei' hat diesen Punkt zu einem besonders dringlichen gemacht. Es wird sich dabei namentlich darum handeln, ob das bisher von der Leitung der deutschen Partei bekundete Unmaß von Duldsamkeit gegenüber den Machenschaften der tschechischen Nationalisten auch jetzt, wo diese in Mähren schon den offenen Zusammenschluß mit den bürgerlichen N a t i o n a l i st e n proklamiert haben und auf der anderen Seite sich anschicken, ihre Zersplitterungsarbeit auch in die Wiener Gewerkschaften zu tragen, weiter ausrecht erhalten werden soll. Die Stimmung unter den deutschen Genoffen, insbesondere den verantwortlichen Leitern der Gewerkschaftsbewegung, scheint der bisherigen Taktik, wonach„der Klügere nachgibt", nicht mehr günstig zu sein.—_ Zum Parteitage. Zu Delegierten für den 8. und 19. schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreis fAltona-Stormarn und Herzogtum Lauenbnrg) sind die Genossen B i s ch o f f- Altona, v. E l m- Bramfeld, Wagner- Mölln und die Genossinnen Frau Baumann- Altona und Frau Schroeder- Wandsbek gewählt worden. Aus den Organisationen. Ter Parteitag des Bezirks Nordwest tagte am Sonntag im Bremer Gewerkschaftshause. Anwesend waren 48 Delegierte, dcr gesamte Bezirksvorstand, die Reichstags- kandidaten dcr beteiligten fünf Wahlkreise, die Genossin Zietz als Vertreterin des ParteivorftandeS und drei Vertreter der Partei- presse. Der Bericht des Bezirksvorstandes für die letzten beiden Geschäftsjahre konstatiert eine Zunahme des Mitgliederbestandes von 17 964 im Jahre 1999 auf 26 971 im Jahre 1911. Von den 26 971 Mitgliedern sind 3677 weibliche. Nach einem Referat der Genossin Bosse- Bremen über die Zentralisation der Jugend- bewegung wurde Bremen als Vorort sämtlicher Jugendausschüsse des Bezirks gewählt. Die Genossin- Zietz- Berlin gab dem Bezirks- Parteitag in einem Vortrage über die Frauenbewegung wertvolle Winke und Ratschläge zur Bekämpfung des JndifserentismuS unter den Frauen. Ein Antrag, dcr dem Parteivorstande die A n st e l- lung eines Bezirkssekretärs empfiehlt, wurde mit 39 gegen 22 Stimmen angenommen. Als Vorort des Bezirks wurde Bremen wiedergewählt. Die Mahl des Bezirksvorsitzenden fiel auf den Genossen Rhein- Bremen, die des Bezirkskassierers auf den Genossen N ö x e n- Bremen. Der nächste Bezirkstag findet wieder in, Bremen statt. Die Landeskonferenz für das Herzogtum Braunschweig fand am 27. August in Langelsheim a. H. statt. Dem Jahres- bericht ist zu entnehmen, daß die Organisationen gute Fortschritte machen. Am Schlüsse des Geschäftsjahres hatten die drei Kreis- organisationen des Herzogtums einen Mitgliederbestand von 19 144, darunter 1796 Frauen. Im ganzen war eine Zunahme von 1823 Mitgliedern zu verzeichnen. Nach den Kreisberichten haben im ganzen Herzogtum Versammlungen und Besprechungen statt- gefunden. Zur schriftlichen Agitation auf dem Lande dient das monatlich erscheinende Blatt„Empor", das sich auch im Berichts- jähre gut bewährt hat. Trotz der großen Hindernisse konnte daS Blatt in einer monatlichen Auflage von 4599 Exemplaren verbreitet werden. Außerdem wurden 156 999 Flugblätter und dcr alljährliche„Volksfrenndkalender" in einer Auflage von 36999 Exemplaren verbreitet. Die Gemeinderatswahlen brachten im Berichtsjahre einen bedeutenden Zuwachs an Mandaten. Die Partei hat in sechs Städten 28 Abgeordnete und in 47 Landgemein- den 88 Gemeinderatsmitglieder. Die Abonnentenzahl des„Volks- freundes" stieg von 19 669 auf 13 639. Der Bezirkssekretär Genosse Antrick hielt ein instruktives Referat über:„Organisation und Agitation, mit besonderer Berücksichtigung der Reichstagswahlen". Genosse Dr. Jasper sprach über die bevorstehenden Landtags- Wahlen, die im Spätherbst noch einmal nach dem alten Gesetz statt- finden. Diesem Landtage wird ein neuer Wahlgesetzentwurf vor- gelegt werden, dcr zwar an den Privilegien und an dcr Drei- klassenwahl nicht rüttelt, aber die direkte Wahl bringt. Darauf wird der Landtag auseinandergehen. In den nächsten Landtag werden dann die ersten Sozialdemokraten einziehen. Zum Vor- sitzenden der Landesorganisation wurde wieder Genosse Heinrich R i e k e- Braunschweig gewählt. « 2)et" Zentrajltvahlverein ji" Brandenburg. West Havelland verzeichnete nach stsnem jetzt heraus- 3(2&ma, LshreSdkMt; IM 4M- Mgljedkr. dakübler 716 weibliche. � Gegenüber dein Vorjahre Ist em« Zunahme von 493 Mitgliedern zu verzeichnen. Während vordem nur in den beiden Städten Brandenburg und Rathe- now selbständige Partcivcrciiw vorhanden waren, gelang es im Berichtsjahr solche auch in 3 ländlichen Orten ins Leben zu rufen. Die Agitation wurde lebhaft betrieben. Es gelangten 198 299 Flugblätter und 8499 Kalender im Kreise zur Verbreitung. Neben 33 Mitgliederversammlungen fanden 36 öffentliche Versammlungen statt. Die Einnahmen des Zentralwahlvereins bcliefen sich auf 17 195,69 M., darunter an statutarischen Beiträgen der Ortsver- eine 19 834,97 M. Abzüglich der Ausgaben verblieb ein Kriegs- fonds von 9729,98 M. Außerdem ist noch ein Wahlfonds in Höhe von 1349,74 M. vorhanden. Die Gewerkschaften zählen im Kreise insgesamt 19 599 Mitglieder. Das Parteiorgan, die„Brandeir- burgcr Zeitung", erreichte im Berichtsjahr eine Tagesauflage von 15 999. Die in Rathenow abgehaltene Generalversammlung bc- schloß zur Stärkung des Wahlfonds die Erhebung eines Extra- beitrages von 59 Pf. Ferner wurde durch Annahme eines Antrages die Erwartung ausgesprochen, daß der Parteitag den Anträgen, welche eine erneute Verhandlung dcr Maifeier- frage ans dem nächsten internationalen Kongreß bezwecken, Folge gibt. Zu Parteitagsdclcgierten wurden die Genossen Pens- Dessau, S Y d o w- Brandenburg und die Genossin S i- mon- Brandenburg gewählt. Letzterer wurde auch die Vertretung auf der sozialdemokratischen Frauenkonferenz übertragen, Hue Industrie und Kandel. 1 504 788 OVO Mark Reingewinn. Bei den Angaben über die Höhe des Aktienkapitals in dcr gestrigen Notiz an dieser Stelle ist ein Komma fort- geblieben, und bei der Angabe dcr Summe des Reingewinnes und der Dividenden muß es heißen„in 1000 M".; die Ueberschrift sollte nicht 1504 788 M.. sondern 1 504 788000 M. anzeigen. Richtig zeigt die Tabelle dieses Bild: 1997/98 1908/99 1909/19 Zahl der Gesellschaften.. 4 578 4 579 4 697 Eingezahltes Aktienkapital in Millionen Mark.. 12 738,857 13 299,567 13 721,936 Reingewinn in 1999 M.. 1 472 019 1 377 254 1 504 788 Dividenden- Summe in 1900 M...... 1022 596 959 704 1013 900 Dividende in Prozent.._ 8,07 7,38 7,76 Herstellung und Besteuerung von Leuchtmittelu und Zündwarcn. Im HI. VierteljahrShefle zur„Statistik des Deutschen Reichs", Jahrgang 1911, ist eine Statistik dcr Herstellung und Besteuerung von Lenchtmüteln im deutschen Zollgebiete für die Zeit vom 1. April 1919 bis 31. März 1911 veröffentlicht. Während dieser Zeitraum ein volles Jahr umfaßt, beziehen sich die Vergleichs- zahlen, welche nachstehend in Klammern beigefügt sind, nur auf ein halbes Jahr, nämlich auf die Zeit vom 1. Oktober 1909 bis 31. März 1910. Es waren 169(175) Betriebe vorhanden, in denen 25 871265 (13 994 323) Kohlenfadcngliihlampen, 41 851 283(17 828 730) Metall- fadenglühlampen. 248 754(253 456) Nernftbrenner. 8299(4541) Brenner zu Ouecksilberdampflampen, 115 392 492(61 389 183) Stück Glühkörper für Gaslampen sowie 7 794 661(4 369 915) Kilogramm Brennstifte zu Bogenlampen anS Rcinlohle und 2 205 475(1032 972) Kilogramm Brennstifte zu Bogen- lampen mit Leuchtzusätzen hergestellt wurden. Vom Auslände wurden eingeführt 1 145 033(566 115) Kohlenfaden- und 571 483 <141 497) Melallsadcnglühlampen, 316(418) Nernstbrenncr, 44(79) Brenner zu Ouecksilberdampflampen, 64 896(29 784) Stück Glüh- körper für Gaslampen, 29 739(11751) Kilogramm Brennstiste für Bogenlampen ans Reinkohle und 29 227(6936) Kilogramm mit Leuchtznsätzen. Die Einnahmen anS der Lenchtmittelstener betrugen für das Rechnungsjahr 1919 für Kohlenfadenglühlampen 2 961 345 (945 029), für Metallfadenglühlampcn, Nesnstbrenner usw. 4109 434 (1 571 239), für Brenner zu Ouecksilberdampslampen usw. 21783 (11141), für Glühkörper zu GaSlampen 3 999 583(1 526 952), für Brennstiste zu Bogenlampen ans Reinkohle 1 783 999(728143) und solche init Lcuchtzusätzen 1 015 203(411 835), insgesamt 12 967 557 (5 194 339) Mark. Die Statistik über die Herstellung und die Besteuerung von Zündwaren liefert die folgenden Resultate: Es waren 74(vorher 74) Betriebe vorhanden, welche zusammen durchschniltlich 1746(vorher 2188) männliche und 2180(vorher 2660) weibliche Arbeiter beschäftigten. An Zündhölzern wurden 73 757 Millionen Stück, an Zündspänchen 908 Millionen Stück hergestellt; im vorhergehenden Halbjahr waren es 47 941 bezw. 295 Millionen Stück. Vom Auslände wurden 415 Millionen Stück Zündhölzer und 4 Millionen Stück Zündlerzchen gegenüber 199 und 3 Millionen Stück im Halbjahre vorher eingeführt. Dcr Ertrag an Zündwaren- steuer ergab für Zündhölzer 17 677 404 M., für Zündlerzchen 27 142 M., zusammen 17 794 546 M. für das Rechnungsjahr 1919, während in den vorhergehenden 6 Monaten 7 968 771 M. für Zünd- Hölzer, 19 237 M. für Zündkerzchen, zusammen 7 079 008 M. vereinnahmt worden waren._ Der Fisch als Nahrungsmittel. Die Fleischpreise werden immer unerschwinglicher. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß die Verwendung der Fische als Nahrungsmittel immer größeren Umfang annimmt. Unsere NahrungSmiltelchemiker belehren uns ja auch darüber, daß der Nähr- wert der Fische teilweise derselbe ist als der des Fleisches. Was zunächst die Seefische anbetrifft, so vermehrte sich im Deutschen Reiche von 1908 auf 1910 ihr Verbrauch überhaupt von ca. 31 auf 59 Mill. Mark oder der Menge nach von ca. 165 auf 199 Mill. Kilogramm. Man sieht, daß der Wert mehr gestiegen ist als die Menge, woran» hervorgeht, daß auch die Fische teurer geworden sind. Von den einzelnen Gebieten lieferte im Jahre 1919 die Nord- und Ostsee 170 Mill. Kilogramm im Werte von 85,6 Mill. Mark, das Stettiner Haff 3.9 Mill. Kilogramm im Werte von 1,6 Mill. Mark, das Frische Haff 1.3 Mill. Kilogramm im Werte von 1,9 Mill. Mark, daS Kurische Haff 12,4 Mill. Kilogramm im Werte von 1.5 Mill. Mark, der Bodensee deutscherseits 292 177 Kilogramm im Werte von 364 916 M. Was die einzelnen Fischarten anbetrifft, so steht der H e r i n a— eines der hauptsächlichsten Volksnahrungsmittel— obenan. Er wurde im Jahre 1919 dem Gewichte nach zu 63 Mill. Kilogramm im Werte von 11 Mill. Mark verkauft. Von dem fast nur aus dcr Nordsee kommenden Schellfisch wurden ca. 25 Mill. Kilo- gramm im Werte von ca. 6 Mill. Mark auf den Markt ge- bracht. Der Aal wurde in einer Menge von zirka 1,7 Millionen Kilogramm im Werte von zirka 3,9 Millionen Mark umgesetzt. Fast die Hälfte kam aus der Ostsee. Sehr zugenommen hat der Ver- brauch von K a b l i a u. Von 1998 auf 1919 stieg seine Verwendung der Menge nach von 17,9 auf 22,9 Millionen Kilogramm und dem Werte nach von 2,6 auf 4.9 Millionen Mark. Er kommt fast nur aus der Nordsee. EtwaS abgenommen hat der Fang der A u st e r n. Immerhin wurden im Jahre 1919 noch 1 929 984 Stück im Betrage von 79 599 M. verkauft. Sehr gewachsen ist auch der Verbrauch deS Stint, im Jahre 1919 wurden von ihm zirka 2 Millionen Kilogramm im Werte von über 1 Million Mark verbraucht. Man sieht daraus, daß die See ganz ungeheure Massen von Lebens- Mitteln den Menschen liefert und ebenso fruchtbar ist wie das Land Uebcr die F l u ß f i s ch e r e i wird eine Statistik nicht geführt. Sie ,st aber ebenfalls von ziemlicher Bedeutung. Leider hat hier der Ertrag in den letzten Jahren etwas abgenommen. Es ist dies darauf zurückzuführen, daß die Binnengewässer immer unreiner werden. Viele Fabrikunternehmungen, namentlich der chemischen Industrie, führen den Flüssen Stoffe zu. welche den Fischen un- zuträglich sind. Man kann das zuweilen schon äußerlich daran erkennen, daß in manchen Flüssen(z. B. dcr Saale) groß« Mkligen Kische tot an der Oberfläche des Wassers schwimmen. 6ewevhrchaftUcbe9. pfui, 8tre»hbrccbcr! Vor einiger Zeit hatte sich ein Schöffengericht in einem badischen Städtchen mit der Klage eines Arbeitswilligen gegen einen Streiker zu beschäftigen. DaS Gericht kam aber zu dem Urteil, daß zwar der Streiker in seinen Angriffen etwas weit gegangen sei, er aber doch berechtigte Interessen vertreten habe, und das Verhalten des Arbeitswilligen wollte man nicht belohnen. Das Urteil erging dahin: Der Beklagte habe mit seiner Auslassung seine Mißachtung gegen den Kläger kundgeben wollen, und zwar im Bewußtsein des beleidigenden Charakters seiner Handlungsweise. Er habe aber in Wahrung seiner Ehre gehandelt. Er sei hierbei nicht zu weit gegangen.'Mit der Bewerbung um die Stelle sei der Kläger dem Beklagten tatsächlich in den Rücken gefallen. Wenn der Kläger auch nicht Mitglied des Leipziger Verbandes sei, mußte doch be- rücksichtigt werden, daß der Beklagte zu diesem Verein gehöre. Es könne gleichgültig sein, ob die Sperrung der Stelle in S. be- rechtigt war oder nicht. Aus der Zeugenvernehmung verdient hierbei noch hervorgehoben zu werden, daß ein früherer Mitarbeiter des Arbeitswilligen dessen Verhalten als ehrlos und nichtswürdig bezeichnete. Der angebliche Beleidiger hat in einem Briefe erklärt, er könne den Arbeitswilligen nicht als Kollegen betrachten, denn mit diesem Begriff verbinde man eine Wertschätzung, die er jenem nicht zu teil werden lassen könne. Das Urteil zeigt, daß eS noch Richter gibt l Allerdings, der Arbeitswillige wollte sich mit dem Urteil nicht begnügen, er erhob dagegen Widerspruch. Daraufhin hat das Berufungsgericht daS freisprechende Urteil bestätigt. Damit ist also der Streikbruch ganz ausdrücklich als eine verabschcuenSwürdigr, ehrlose Handlung charakterisiert. Aber l Ja, es ist ein Aber dabei. Der Beleidiger war ein Arzt und der Arbeitswillige ebenfalls. Eine bescheidene Frage: Glaubt jemand, daß ein solches Urteil möglich sei, wenn ein gelber oder christlicher Streikbrecher einen ehrlichen Arbeiter wegen Be- leidigung verklagt? Bei Beantwortung dieser Frage berücksichtige man folgendes: Bor dem Gesetz sind alle gleich, und Klassenjustiz gibt es nicht! Berlin unck Umgegend« Die Feme. In einer Versammlung der Bodenleger, die am Montagabend im Gewerkschaftshause stattfand, berichtete der Obmann Kley über den Stand der Lohnbewegung, die jetzt bereits 12 Wochen währt. Innerhalb der letzten zwei Wochen haben drei größere Firmen die Forderungen der Arbeiter anerkannt, so daß gegenwärtig nur noch 40 Mann im Streik stehen. 9 Mann sind nach Leipzig abgereist, wo Bodenleger verlangt wurden. Der allgemeine Mangel an Material, verursacht durch die über die tariftreuen Unternehmer der- hängte Materialsperre, ist für alle Unternehmer jetzt zu einem großen Schaden geworden, indem die Preise um etwa eine Mark pro Quadratmeter erhöht worden sind. Dadurch wird aber auch die Einstellung von Arbeitern vielfach verzögert.— Mit welcher Schärfe und Rücksichtslosigkeit die Unternehmer vorzugehen bereit sind, zeigt ein Rundschreiben, das der Verbandsleitung in die Hände gefallen ist. Das Schreiben lautet: .Berlin, den 2. August 1911. Sehr geehrter Herr Kollegel Seit neun Wochen streiken in Berlin die Parkettfußbodenleger. Unseren überaus großen Bemühungen ist es gelungen, diesem Streik insofern zu begegnen, heute die dringendsten hiesigen Bauten mit Nichtorganisierten arbeitswilligen Bodenlegern, welche wir zum Teil selbst ausgebildet haben, zu besetzen. Wir können also schon heute von einem Erfolge sprechen; um jedoch einen vollkommenen Sieg zu erringen und die unverschämten Forderungen der organisierten Bodenleger, welche die Parkettindustrie von ganz Deutschland bedrohen, definitiv abzuweisen, ist ein ein- mutiges Verhalten und Vorgehen aller Par- kettbetriebe Deutschlands unabweisbare Be- di n g u n g! Wir bitten Sie demzufolge, sehr geehrter Herr Kollege, unter keinen Umständen Berliner Bodenlcger einzustellen, und sollten Sie solche bereits in Ihrem Betriebe beschästigen, auch wenn dieselben bescheiden und brauchbar sind, im Interesse unserer guten Sache, dieselben sofort zu ent- lassen. ES ist unbedingt notwendig, daß alle Quellen, auS denen der Streik gespeist wird, sofort abgegraben werden, damit der Deutsche Holzarbeiterverband einsieht, daß sein terroristisches Treiben in unserer einmütigen Kollegialität einen festen Wall gesunden hat. Sie betreiben Ihre eigene Sache, wenn Sie unseren ernstlichen Vorstellungen Gehör schenken, denn sollten die Fußbodenleger hier in Berlin mit ihren Forderungen durchdringen, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß d i e s e lb en a uch ü b e r a l l d ur ch- dringen. Wir hoffen, daß es nur dieser Anregung bedarf, Sie von der Berechtigung unserer Bitte zu überzeugen. Da uns natürlicherweise die Adressen von sämtlichen Parkett- geschäften nicht zur Verfügung stehen, erlauben wir unS, Ihnen mehrere Exemplare dieses Schreibens einzusenden mit der ergebenen Bitte, diese an Ihre Abnehmer oder sonsttge Ihnen bekannte Parkettgeschäste zu verteilen. Wir zeichnen mit kollegialer Hochachtung Berussverein der Berliner Parkettgeschäste, E. V. Der Vorstand."' Mit Entrüstung nahm die Versammlung von diesem Schreiben Kenntnis. Die Unternehmer haben sich nach dem Auslände ge- wandt, um Arbeitswillige heranzuziehe», aber der Verband verfolgt mit Aufmerksamkeit diese Anstrengungen und ttifft seine Gegen- maßnahmen. So wurde bekannt, daß Paul Becker aus Berlin sich in München aufhält und dort 2S Italiener in Empfang ge- ncmimen hat, die als Bodenleger nach Berlin gebracht werden sollen. Man traf sofort Anstalten, diese Arbeitswilligen über den Streik in Berlin aufzuklären und ihre Weiterreise zu verhindern. Ebenso wurde rasch gehandelt auf einen Bericht aus Budapest, daß dort Bodenleger usw. für Berlin gesucht werden. AuS Wien sind schon mehrere Arbeitswillige gekommen, aber sofort wieder abgeschoben worden. Für zwei organisiert« Bodenleger auS Wien mußte der Unternehmer sogar die Rückreise bezahlen, wie er e» schriftlich ver- fprochen hatte, freilich in dem Glauben, daß die Wiener vorläufig bei ihm bleiben würden. Bei der Firma Becker sind immer noch 10 Italiener beschäftigt. Etwa 2000 M. haben die Unternehmer schon für die Heranziehung von Ausländern ausgegeben. Die Versammelten beschlossen, den Streik energisch fortzusetzen und sprachen in einer Resolution ihren auswärtigen Kollegen, be- sonders den Münchenern, ihren Dank für die tatkräftige Unterstützung in diesem Streik aus._ Achtung, Metallarbeiter k Bei der Firma Willoeq Botttn in Brüssel find Dreher, Klempner. Polierer und andere Branchen in den Stteik getreten infolge der Unmöglichkeit, sich mit der Direktion verständigen zu können. Die Firma hofft, Streikbrecher aus Deutsch- land, bej anders aus Berlin, beziehen zu können. An glänzenden Versprechungen wird sie es ohne Zweifel nicht fehlen laffen. Zuzug ist fernzuhalten. Kein deutscher Metallarbeiter werde zum Verräter "Lerantw. Rcdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw� »an seinen belgischen Kollegen! Die Arbeiterpresse wird um Nach- druck gebeten. Steinholzleger, Bauarbeiter und-Handwerker! Die Firma Steinholzfabrik„Fama", Zweiggeschäft Berlin, Bureau Charlotten- bürg, Kantstr. 132, Jnh. Konstanz Vetter, ist auch dieses Mal beim Abschluß eines neuen Tarifvertrages für das Steinholzge- werbe in Groß-Berlin ihrem alten Grundsatz treu geblieben, in- dem sie es ablehnt, mit den organisierten Arbeitern zu verhandeln und deren Forderungen anzuerkennen. Die Firma ist dem in diesem Jahre neu gegründeten Verein der Steinholzfabrikanten für Berlin und Vororte als Mitglied beigetreten. Mit dieser Organisation und dem Deutschen Bauarbeitervcrband, Sektion der Steinholzleger, sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen am 16. August für längere Zeit geregelt und vertraglich festgelegt worden. Die Arbeiter glaubten daher, daß die Abmachungen nun- mehr auch von Herrn Vetter respektiert werden würden, zumal er vor und während des Streiks allen gefaßten Beschlüssen der Unternehmer zustimmte, was wir aus den Schriftstücken feststellen konnten. Trotz alledem hat die Firma die mit der Unternehmer- organisation festgelegten Bedingungen nicht anerkannt. Sie ver- sucht Leute aus allen Gauen Deutschlands nach Berlin zu locken, denen sie Löhne zählt, die weit niedriger sind als die, welche vor Abschluß de? jetzigen Lohntarifes von den Berliner Firmen bereits jahrelang gezahlt wurden. Die Anwerbung und Einstellung der Leute, die von der Firma hier als Lohndrücker benutzt werden, erfolgt durch das Geschäft in Hannover, wodurch die Arbeiter irregeführt werden. Wir ersuchen die Bauarbeiter, Steinholzlegern und Helfern, die Arbeiten für die Hannoversche Steinholzfabrik„Fama" aus- führen, auf die Vcrrhältnisse aufmerksam zu machen. Diesen Arbeitern wird im Bureau des Deutschen Bauarbeiterverbandes, Berlin SO., Engelufer 15, 3 Treppen, Zimmer 51, durch den Arbeitsnachweis der.Steinholzleger jetzt täglich Arbeit zu tarif- lichen Bedingungen nachgewiesen. Außer Konstanz Vetter sind es die Inhaber der Firma Brandenburgische Kunststeinwerke, Schöneberg, Geneststr. 7, die den neuen Lohntarif noch nicht anerkannt haben. Beide Firmen sind nach wie vor für Steinholzleger und Helfer gesperrt, Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes, Zweigverein Berlin- Dentfches Reich. Keine Kapitulation. Die ausgesperrten Metallarbeiter Gera fR e u ß) und den Vor- orten hielten am Montag, den 28. d. M., eine überfüllte Ver- sammlung ab, um zu der Forderung der Industriellen, b e- d i n g u n g s l o S an die Arbeit zurückzukehren, Stellung zu nehmen. Die Arbeiterschaft von Gera und Umgegend hat den Unternehmern folgende Forderungen gestellt: Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf., Verkürzung der Arbeitszeit um 4 Stunden wöchentlich. Die Versammlung erklärte die Forderung der Untemehmcr für eine Ver- höhnung und beschloß einstimmig, an den gestellten Forde- rungen fe st zuhalten und nicht eher ein Arbeitsangebot an- zunehmen, bis die genannten Forderungen voll und ganz bewilligt worden sind._ Der Kampf gegen den Unternehmer-Nrbeitsnachweis in Nordenham ist unter dem zurzeit geltenden Tarifvertrag im Baugewerbe sehr kompliziert, denn eS darf gegen die Unternehmer weder mit Streiks noch Sperren vorgegangen werden. Die Unternehmer glaubten� daß durch verschiedene von den Zweigveremsvorständen des Bau- arbeiterverbandeS unterzeichnete Aufforderungen in den Partei- blättern, in denen vor Zuzug nach Nordenham gewarnt wurde, der Arbeitsnachweis gesperrt worden sei. Sie hatten wiederholt dem Bezirksschiedsgericht in Bremen, zuletzt am 24. d. Mts.. diese Frage zur Entscheidung unterbreitet, in dem Erwarten, daß durch das Urteil desselben dem Kampf dort ein für sie günstiges Ende be- reitet würde. Das ist jedoch nicht erreicht worden, denn der Spruch geht dahin, daß der ArbeiSnachweiS in jeder Weife bekämpft werden kann, nur darf der Zuzug nach dem Ort selbst nicht ferngehalten werden, wohl aber nach dem Arbeits- nachweise am Orte. Verboten ist ferner nach dem Vertrage und der Entscheidung folgender Wortlaut:.Zuzug nach Nordenham ist fern- zuhalten, weil dort der Arbeitsnachweis gesperrt ist I" Erlaubt ist dagegen die folgende Fassung:.Der Zuzug nach dem gesperrten Arbeitsnachweis in Nordenham ist fernzuhalten; angestellt wird in Nordenham nur durch den Arbeitsnachweis 1" Vor den Anwerbungen durch Agenten, die in Berlin, Hannover und anderen Städten für die Nordenhamer Unternehmer tätig sind, wird ebenfalls gewarnt; sie werben nämlich für de» gesperrten Arbeitsnachweis in Nordenham. Niemand lasse sich durch diese Agenten für Nordenham anwerben, denn die Anzuwerbenden sollen die Plätze der Maurer und Bauarbeiter, die in Nordenham arbeitS- loS sind, weil sie den Arbeitsnachweis nicht benutzen wollen, besetzen. Sie sollen also als Streikbrecher in Nordenham dienen. Aus der frauenbevegung. Sie richten sich selbst.... Die krassen Gegensätze von Ausbeuter und Ausgebeuteten treten allüberall iy die Erscheinung. Ein Spaziergang durch die Stadt von Osten nach Westen mackst uns schon allein die gewaltigen Unterschiede der Lebensbedürfnisbefrie'digung der Besitzenden und Nichtbesitzendcn der gleichen Kulturepoche gewaltig fühlbar. Auf der einen Seite der AuÄiruck satten ÄesitzeS, auf der anderen Seite der Ausdruck der Niederdrückung ausgebeuteter Arbeitskraft und der tägliche Kampf zur Befriedigung des notwendigen Lebensunter- halteS. Meisten? mit dem Minderwertigen aller Erzeugnisse auf allen Gebieten muß der Besitzlose sich zufrieden geben. Aller Kom- fort, alle Beguemlichkeiten, Erholungsreisen und dergleichen mehr sind für den Bcsitzlvsen unerreicktöar. Während er nicht einmal die notwendigsten hvgienischen Bedürfnisse befriedigen kann(man denke nur an die schrecklichen Wohnungsverhältnisse), mißbraucht der Zuvielbefitzende alle für ihn erreichbaren, weil käuflichen, Be- quemlichkeitcn und Freuden des Lebens. Die Söhne und Töchter der Kapitalistenklasse lernen das Leben nur als Selbstzweck kennen. WaS tausende Menschen in schwerer Arbeit an Kulturgütern auf allen Gebieten hervorbrachten, wird von ihnen als die selbstverständlichen mühelosen Genießer hin- genommen. Die Bequemlichkeit wird zur Denkfaulheit, der Sport artet in Sportfexerei auS, die Ernährung wird auf Leckerbissen kapriziert, in Geselligkeit und Festlichkeit sucht man sich gegenseitig mit extravagantem Blödsinn zu übertrumpfen, die Genußsucht artet in Zügellosigkeit aus. Demgegenüber stehen die taufende junger Proletarier, die durch ihrer Hände Arbeit von frühester Jugend an einen kleinen Anteil an den Knlturgütern, die den Reichen mühelos in den Schoß fallen, sich zu erkämpfen suchen. Dieser Lebenskampf um jeden Schritt vorwärts auf diesem Wege lehrt sie denken und die Zusammenhänge verstehen, während die selbstverständliche Hinnahme aller Lebens- güter zur Oberflächlichkeit führt. Aus den Schichten der besitzenden Gesellschaft haben sich einige Frauen zusammengetan, um als Warnerinnen den zügellos Genuß- süchtigen in ihren Kreisen die schädigenden Wirlungen für die kommenden Generationen klarzumachen. In einem von ihnen versandten Aufruf heißt eS:_ Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt „In allM Zeftett waren Genußsuch? im? Ve'rschweMing Zeichen des sittlichen, rassengesundheitlichen Verfalles.— Auch in unseren Tagen treten bei allen Kulturvölkern bedrohliche Symp- tome hiervon auf. Der Materialismus frißt am Mark der Völker.— Es muß ihm Einhalt geboten werden! In allen Kreisen und auf allen Gebieten(Lebensführung. Speise und Trank. Wohnung, Mode, Geselligkeit. Festlichkeiten. Geschenke. Erziehungswesen, Sport sworaus sich vielfach Verrohung der Jugend und Abenteuerlust entwickeltj) nimmt Genuß- und Selbstsucht derart überhand, daß es höchste Zeit ist, diesem Ab. wärtstreiben nach Kräften entgegenzuwirken unä> einen womtig- tich internationalen Verband zur Bekämpfung dieses Uebels nach dem Muster der Antialkoholbewegung ins Leben zu rufen. Es ist notwendig, im öffentlichen Betmißtscin die Heber- zeugung geltend zu machen, daß Einfachheit, Mäßigkeit, Selbst- zucht, Natur- und Geistespflege statt Sinnenkultus die Merkmals wahrer Bildung und echter Kultur sind, daß dagegen Zügellosig- keit, Genußsucht, Prunk und Verschwendung barbarisch find." l Die Symptome sind schon richtig gezeichnet, aber die Nutz- anwendungen treffen daneben. Mit moralischen Sentiments wird die Entartung nicht aufgehalten. Das ausschweifende, degen«ie- rende Genußlcben wurzelt in der kapitalistischen Gesellschaftsovd- nung, in der Ausbeutung des Menschen durch den Manschen.� Wier dem Verfall entgegenwirken will, muß die Ausbeutung aufheben helfen. Die Damen kommen natürlich über sentimentale Moral- Predigten nicht hinaus; Sache des Proleiariats ist es, die verlumpte Gesellschaft zusammenzuschlagen, und dabei sollen die Proletaric- rinnen in erster Linie als Mütter einer berLÜgftigell LÄLMS der Dinge an erster Stelle stehen. Versammlungen— Veranstalinnge». Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Monkag, den 4. September, abends 8 Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie". Köpenicker Str. 96/97, Vortrag:„Die religiöse�.Strömungen der Gegenwart". Referent: Paul Göhre.. Versammlungen. Lohnbewegung der Kisten- und Koffermacher. Der Obmam» berichtete in der Versammlung am Sonntag über die Verhandlungen mit den Fabrikanten. Drei Sitzungen wurden ohne Resultat ab- gehalten. Die Unternehmer verharren auf ihrer Forderung, die Verhandlungen nicht vor dem 15. Oktober d. I. zu beenden. Der Obmann hatte den Herren den Vorschlag gemacht, einen dreijährigen Tarif mit folgenden Bedingungen abzuschließen: die Fabrikanten mögen in diesem Jahre die 10 Prozent auf Massenware fallen laffen, ferner im nächsten Jahre V* Pfennig auf die Holzstärke von 13 bis 17 Millimeter und im dritten Jahr Ä Pfennig auf 17 bis 24 Milli- meter zuzulegen. Das wollen die Unternehmer jedoch nicht, sondern verlangen, der bisherige Tarif solle bis zum 15. Februar 1913 weitergeltcn. Allem Anscheine nach wünschen die Fabrikanten eine Machtprobe. Gleichlautend mit seiner oben wiedergegcbenen Vorschlägen unter- breitete der Obmann eine Resolution mit dem Nachsatze, daß die Organisation sich vorbehalte, wenn der Vertrag durchbrochen werde von Unternehmcrseite, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen. Diese Resolution wurde von der Versammlung mit großer Majorität abgelehnt. Die ursprünglichen Forderungen sollen aufrechterhalten bleiben. Der Obmann verlas hierauf noch eine Notiz aus dem„Rix- dorfer Tageblatt", worin unter anderem gesagt wird: die Kisten- brauche marschiert in der Sozialpolitik an der Spitze, wer arbeiten wolle, findet Arbeit und verdiene auch schönes Geld. Der Durch- schniltsverdicnst betrage in der Kistenbranche 73 Pf. die Stunde. Die Versammlung wies diese Behauptung natürlich zurück, et sei lächerlich, den Durchschnittsverdienst mit 73 Pf. zu berechnen, die Tatsachen reden andere Zahlen. Auch ist die Arbeit nur Saisonarbeit in der Arbeiter nur bis zum 36. bis 40. Lebensjahre im Vollbesitze ihrer Leistungsfähigkeit, da die Ausnützung in diesem Berufe bei seinen Akkordsätzen eine ganz außerordentliche ist. In dem Artikel wird auch angeregt, Frauenarbeit einzuführen. Ein Antrag, keine Sondervcrträge in den einzelnen Betrieben abzuschließen, wurde einstimmig angenommen. Eine Lohnbewegung der Klavierarbeitcr wird für den kommenden Herbst vorbereitet. Eine am Montag abgehaltene, stark besuchte Ver- sammlung der im Holzarbeiterverbande organisierten Musik- instrumentenarbeiter beschäftigie sich mit dieser Ängelegenheit. Wie der Referent Leopold ausführte, hat die vorjährige Lohnbewegung der Klavierarbeiter keine durckigreifende Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gebracht. Nur«in Bruchteil der Arbeiter erlangte geringfügige Verbesserungen. Inzwischen find in verschiedenen Be- trieben sogar Verschlechterungen eingetreten durch weitere Speziali- sierung der Teilarbeiten und Einführung technischer Neuerungen, die dem Unternehmer Anlaß zur Herabsetzung der Akkordlöhne gaben. Den Arbeitern war eS leider nicht möglich, diese Verschlechterungen abzuwehren. Da gegenwärtig eine gute Konjunktur in der Klavier- brauche herrscht, so bietet eine partielle Lohnbewegung im Herbst AuS« ficht auf Erfolg. Die Versammlung gab durch Annahme einer Resolutton der Er- Wartung Ausdruck, daß alles daran gesetzt werde, um eine Aufbesse- rung der Löhne und eine einheitliche Arbeitszeit durchzuführen. Die Braiichenkommisston wurde beauslragt. in Werlstattbesprechuiigen mit den Kollegen daS nötige vorzubereiten. lUfzte Nachrichten. Die Cholera. Wien, 29. August. Die„N.'Fr. Pr." meldet: In Budapest und N e u p e st sind bisher insgesamt vier Chvlerafälle vorgekommen. von denen drei einen tödlichen?lusgang nahmen. Alle Cholera- fälle wurden bei Arbeitern einer Leim sab rik fest- gestellt. Ein Arbeiter befindet sich noch in ärztlicher Behandlung. Konstantinopel, 29. August.(W. T. B.) Heute sind hier dreißig Erkrankungen und zweiundzwanzig Todesfälle an Chol rz vorgekommen. Opfer der Berge. Innsbruck, 29. August.(W. T. B.) Der VahnbcamtS Karl Spinner aus Göppingen, der mit einem Reifegefährten eine Befteigunzr der Parfeieoipitze im Oberinntal unternommen hatte, ist beim Aufstieg abgestürzt. Er wurde von der ausgcsandten BergungSexpcdition tot aufgefunden. Keine Spur der„Mona Lisa".' Brüssel, 29. August.(B. H.) Gestern ging in Paris das Ge- rücht um, daß die Justizbehörden in Brüssel wichtige Entdeckungen in der Angelegenheit des Gemäldediebstahl« der„Mona Lisa" ge- macht haben. An hiesiger zuständiger Stelle wird dieses Gerücht jedoch als vollständig grundlos erklärt, Vrandkatastrophcn. Konstantinopcl, 29. August.(W. T. B.) In der Stadt U b u b o r l u in Anatolien sind zahlreiche Gebäude, darunter das Gebäude der Agrarbank, durch eine Feuersbruust zerstört worden. Nach amtlichen Meldungen sind bei dem Brande in A id i n 457 Gebäude zerstört worden. Steiuamanger(Komitat Eisenburg), 29. August. (W. T. B.) Die Ortschaft Nadasd steht seit heute mittag in Flammen. Man befürchtet, daß das ganze Torf dem Brande zum Opfer fallen wird.___ Paul Singer � Co., Berlin L�V. Hierzu Z Beilage» n.llnterhaltnngSbl. Nr. 202. 28. Ichgang. tilW ks.Amiick" letlinn folMliitt. mifft»««, so. imm Zur Erwiderung. Stuf den scharfen persönlichen Angriff des Genoffen Kantsky im gestrigen„Vorwärts" habe ich nur folgendes zu konstatieren: Ich habe, als ich meine Kritik des Flugblattes in der Marokko- fache schrieb, und bis zum Moment, als ich heute früh den „Vorwärts" in die Hand nahm, nicht die leiseste Ahnung, nicht den b I a s s e st e n Schimmer der Vorstellring gehabt, dast Genosse KautSky oder wer überhaupt der Verfasser des Flug- blatts ist. Ich konstatiere ferner, das; ich dies auch unmöglich auch nur entfernt ahnen konnte, da ich erstens noch nie gehört habe, dah Genosse KautSky je ein Flugblatt verfastt hätte, da ich zweitens genau wußte, daß Genosse KautSky zu der Zeit, als das Flugblatt erschien, in den Ferien auf dem Laude, fern v«r Deutschland war, da drittens Genosse Kautsky in die Marokkodebatte nicht eingegriffen hatte, somit auch gar kein Anlaß vorhanden war anzunehmen, daß Genosse KautSky in den Ferien gleichwohl eine so aktuelle Arbeit übernommen hat, oder überhaupt auf die Jdeenverbindung des Flugblattes mit dem Genoffen Kautsky zu verfallen. Und viertens: am allerletzten in der Welt wäre ich auf die Autorschaft dcS Gcuoffcn Kautsky verfallen— aus Grund des Flugblattes selbst, denn Genosse Kautsky unterschätzt sich stark, wenn er meint, an dein Flugblatt sei unverkennbar seine Autorschaft zu merken. Im Gegenteil, weder Stil noch Inhalt ließen den Genoffen Kautsky vermuten und ich wette Neun gegen Eins, daß kein Mensch in der Partei von selbst beim Lesen des Flugblattes auf diese Idee Verfallen wäre. Deshalb ist die Behauptung des Genoffen KautSky, ich hätte wohl um seine Autorschaft gewußt, eine Behauptung, die er einfach aus der Luft greift, für die er nicht den ge- ringften Anhaltspunkt hat, eine wirklich unschöne persön- liche Verdächtigung. Diese grundlose Beschuldigung braucht Genosse KautSky, um meine ganze Kritik an dem Flugblatt nicht auS sachlichem Interesse an einer Parteiaktion zu erklären, sondern als hämischen, hinterhältigen Angriff auf seine Person. Nun, zu einer solchen Verdächtigung hat Genosse Kautsky wahrhaftig keinen Grund. Mag er mir nachsagen, was er will: den Mut, um jemand nicht offen Auge in Auge zu kritisieren oder zu be- kämpfen, wird mir Genosse KautSky schwerlich bestreiten. Ich habe noch nie einen Menschen aus dem Hinterhalt angegriffen und weise die Vermutung des Genoffen KautSky, als hätte ich um ihn als den Verfasser gewußt und ihn, ohne ihn zu nennen, treffen wollen, mit den gebührenden Gefühlen zurück. Gerade umgekehrt liegt der Fall. Hätte ich entfernt ahnen können, daß Genosse KautSky der Verfasser ist, so hätte ich mir wohl die ganze Kritik geschenkt. Ich kann mir nicht helfen, ich halte das Flugblatt nach wie vor für sehr schlecht. Aber ich hätte mich wohl gehütet, ohne dringende Not mich in eine Polemik mit einem Ge- nosscn zu stürzen, der mit dieser Reizbarkeit, mit dieser Flut per» sönlicher Heftigkeiten, Bitterkeiten und Verdächtigungen auf eine streng sachliche, wenn noch so scharfe Kritik antwortet, der hinter jedem Wort eine persönliche gehässige Absicht wittert. _ Rosa Luxemburg. . tteorganifation der Parteileitung. Bei d-r Stellungnahme zum diesjährigen Parteitag ist in den Wahlkreisor�inisatiouen der Partei vielfach eine Verstärkung des Partcivorstandcs um zwei oder drei Sekretäre ge fordert und allgemein damit begründet worden, dah die E n t f a l tung größerer Initiative und Aktivität auf allen Gebieten der Parteibctätigung durch die Leitung der Partei er» möglicht werden müsse. Entsprechende Anträge sind aus Nord und Süd und Ost und West an den Parteitag gestellt worden, sodatz die Frage der Erweiterung des Parteivorslandes jedenfalls den Parteitag ernstlich beschäftigen wird. Da dürfte es angebracht sein. einmal zu untersuchen, ob die Parteileitung in ihrer heutigen Form überhaupt noch dem von der Gcsamtpartei erklommenen Entwicklungsstadium entspricht, ob das riesige Wachs- tum der Partei und die Vermehrung und Differenzierung ihrer Aufgaben— die im Laufe des letzten Jahrfünfts die Gliederung und die innere Struktur ihres Gesamtkörpers so wesentlich ver- ändert haben— denn auch in einer entsprechenden U m g e st a l- tung der Parteizentrale ihren notwendigen Ausdruck ge- funden haben. Im ersten Jahrzehnt nach dem Fall des Sozialistengesetzes, also' unter der ausschließlichen Geltung der losen Organi- s a t i o n s f o r m, ist unsere Parteileitung in ihrer inneren Zu- sammensetzung völlig unverändert geblieben. Sie bestand aus 12 Personen, und zwar aus 2 ehrenamtlichen Vorsitzenden, 2 besoldeten Schriftführern, 1 besoldeten Kassierer und 7 ehrenamt- lichen Kontrolleuren. Als 190l> mit dem Fall des Verbindungs- Verbots für politische Vereine die Uebergangsperiode von der losen Organisationsform zur Form der geschlossenen Vereins- organisation für die Partei eingeleitet wurde, da trennte man die bis dahin aus gesetzlichen Rücksichten unter der Bezeichnung „Parteileitung" formell vereinigt gewesenen Körperschaften Partei- vorstand und Kontrollkommission voneinander, ergänzte den bisher fünsköpfigen Vorstand durch 2 von der Kontrollkommission zu wählende ehrenamtliche Beisitzer und v e r st ä r k t e die Kon- trollkommission von 7 auf L Mitglieder, also ebenfalls um 2 Köpfe. In den nächsten S Jahren hatte das Vereinsprinzip sich in der Parteiorganisation vollständig durchgesetzt und 190S wurde die Zentralisation offiziell anerkannt. Parteivorstand und Kontrollkommission blieben von dieser wichtigen Umgestaltung ihrer Struktur nach unberührt. Es wurde lediglich ein be- soldeter Sekretär mehr in den Partcivorstand gewählt und 1306 ein zweiter. Seitdem ist sowohl die Zahl der Vorstandsmitglieder und der Kontrolleure wie auch die Struktur und Kompetenz der' beiden obersten Parteikörperschaften völlig unverändert geblieben, wenn man von der 1938 erfolgten Hinzuwahl einer Beisitzerin zum Parteiborstandc absieht. Aber gerade seit 1396 datiert für die Partei in ihrer Gesamt heit eine neue Epoche ihrer Entwicklung. Eine Fülle neuer Aufgaben sind ihr seitdem erwachsen durch die systc- matische Inangriffnahme des Bildungswesens und der Jugend bewegung, durch die größere Bewegungsfreiheit für die Frauen, durch die gemeinsamen Aktionen von Partei und Gewerkschaften, durch die Förderung der Genoffenschaftsbcwegung, durch das Ein dringen in das preußische Junkerparlament, durch das Aufkommen politischer Maffenaktioncn von früher unbekanntem Umfang und Charakter usw. Unsere Mitglieder- und Abonncntenziffern, die Zahlen unserer Gemeindcvertrcter und Abgeordneten in den Einzel landtagen sind ununterbrochen rapid gestiegen, der beste Beweis, daß die Partei über ihren neuen Aufgaben ihre alten nicht vernach lässigt hat. Zur Bewältigung all dieser Arbeiten ist die Partei im letzten Jahrsiinft nach und nach zur Anstellung eines Stabes von Bezirks- und Wahlkreissekretären genötigt gewesen und zur Errichtung einer Anzahl zentraler Jnstitutio- neu, die zum Teil gemeinsam mit den Gewerkschaften ins Leben gerufen worden sind. Es sei nur erinnert an den Bildungsaus- schuß, die Parteischule, die Jugendzentralc, die Parteikorrespondenz, das Berliner Presseburcau, das Düsseldorfer Presscburcau, das literarische Bureau usw. Vergegenwärtigt man sich angesichts alles dessen, daß die Par teileitung während all dieser gewaltigen Veränderungen keiner lei nennenswerte Erweiterung erfahren hat, so dürfte ohne weiteres klar sein, daß hier ein arges Mißverhältnis vorliegt. Wenn auch die unendliche Masse der 57leinarbeit, die im komplizierten Getriebe unserer Parteibetätigung zu leisten ist, von einem Heer von Funktionären verrichtet wird, und wenn auch in den Wahlkreisen und Agitationsbezirken vielfach Parteiangestellte vorhanden sind, um die ganze Maschinerie in Bewegung zu halten, so wäre eS doch grundfalsch, anzunehmen, die Zentrale der Partei brauche von alledem keine Mehrarbeit zu bekommen. Wer aller dings dem Grundsatz huldigt,„was mich nicht brennt, das blas' ich nicht", der wird vielleicht sogar meinem der Parteivorstand werde durch die'Ttzkrekäbe' in den Wahlkreisen' und Provinzen und durch die ncuerrichteten Parteiinstitute sortlaufend immer mehr ent lastet, sodatz er eher verringert als verstärkt werden könnte. Aber eine solche Auffassung übersieht vollständig, daß durch das Wachs tum unserer Bewegung und die Vermehrung und Differenzierung der Pacteiaufgaben fortgesetzt neue Probleme erwachsen, die eine L.ösung heischen, und daß die Arbeit der Zentrale sich in immer stärkerem Grade in Dispositions- und Qualitäts- arbeit verwandeln muh, die nur bei dem genauesten Vertraut sein einerseits mit den minutiösesten Details der Dinge und an dererseits wieder mit ihren allgemeinsten und verwickeltsten Zu sammenhängen geleistet werden kann. Der Ueberblick über alle Gebiete der Parteibetätigung und das tief er e Eindringen in sie wird auch in der Zentrale für den einzelnen immer mehr unmöglich. Wie in der Gesamtpartei, muß sich auch in der Zentrale die Arbeitsteilung nach den einzelnen Betätigungsgebieten der Partei nach und nach durchsetzen, es mutz dort zu einer r e g e l. rechten Nessortbildung kommen. Diese Frage ist längst hinausgewachsen über eine lediglich im engen Kreise der Partei leitung interessierende innere Verwaltungsmatznahme, sie ist mehr und mehr zu einer Frage von großer organisatorischer Bedeutung für die Gcsamtpartei geworden, und ihre Lösung bedeutet zugleich eine völlige Reorganisation der Parteileitung, so� wohl im Sinne einer beträchtlichen Vermehrung der besoldeten Kräfte im Parteivorstand wie im Sinne einer offiziell durchge kleines feuilleton. Tendenziöse Kunst. Ueber Wert und Unwert der Tendenz in der Kunst finden wir beachtenswerte Ausführungen in einer Be- sprcchung von allerlei Frauenschriftcn, die Marie Diers im soeben erschienenen Septemberheft deS„Türmers" veröffentlicht. Die Tendenz, die ein Buch umwittert, ist eine Gefahr— nicht aber ein absoluter Sturz für seinen Wert. Sowie sie sich vordrängt, wird eS natürlich ledern und schulmeisterlich, wenn sie aber, den Lesern kaum bewußt, als verborgenes Feuer glüht, kann sie oft der Puls im Körper, der lebendige Blick in der loten Form des AugeS sein. Faust ist von Tendenzen gelragen, Iphigenie, Tasso, alle Schillerscken Dramen ebenso. Auch deS größesten und tendenz- sreiesten Meisters und Schöpfers oller Zeiten: Shakespeares Hamlet ist von einer geistigen Tendenz durchzitierl. Die Unkunst kann sowohl auf dem Gebiet der Tendenzlosigkeit als der Tendenz ihr Wesen treiben. Tendenziös kann die schlechteste UntcrhaltungSleklüre, die morallose, ethiklose Posse sein. Und wie eS eine Tendenz der�lnmoral gibt, die. auS Gegensätzlichkeit ent- standen, ebenso lcdern und unliinstlerisch ist, wie die Tendenz der Moral, so hat die Tendenzlosigkeit genau dieselben Möglichkeiten, nach rechts oder nach links der Kunst säuberlich auS dem Wege zu gehen. Aber die Tendenz als Gefahr für den künstlerischen Geschmack bleibt bestehen. Da haben uns herzensgute Menschen dringend einen Notstand in sittlicher oder gesellschaftlicher Beziehung vorzutragen, einen edlen Zweck uns anS Herz zu legen, irnd sie glauben dies am besten und wirksamsten tun zu können, indem sie eS in das Gewand eines Romans kleiden. Am wirksamsten ist es auch! Man denke »nr au Gabriele RcuterS:„AuS guter Familie", an Luise Algen- städts:„Frei zum Dienst", an„Zapfenstreich".„Rosenmontag" usw. Wenn alle diese Fragen in Anssatzforin vorgeführt wären, hätte kein Hahn danach gekräht, während sie jetzt die weitesten Kreise stürmisch bewegt haben. Tic Kunst hat hier also dienen müssen, ist eingespannt worden zu einem Zweck, der außerhalb ihrer Grenzen lag. DieS ist gewiß nicht ihre eigentliche Vcstunmnng, aber wenn ei» starker Künstler dabintcr sieht, geht daS Ganze auch ohne Schaden für den guten Geschmack ab. Da» Schlimme ist nur die Versuchung für minder starke Künstler, es nachzumachen. DaS höchste Gebäude der Erde, da? jetzt in New Aork auf« gelührt wird, erfordert wegen seiner riesenhaften Dimensionen na------—,----........—...---------- türlich auch besondere Vorkehrungen für die Bauausführung. ES! Mißstände, die im Theaterbetrieb bezüglich der wirtschaftlichen und wird bö Geschosse enthalte», eine Stratzeiilänge von über 47 Meter rechtlichen Lage der Angestellten herrschen, beschäftigen immer mehr und eine Breite von 61 Meter baben. Von der Straßenoberfläche bis zur Turmspitze wird es rund 238 Meter hoch sein und damit die höchsten Wolkenkratzer weit überragen. Nur der Eiffelturm ist noch höher. Erst seit November vorigen Jahres ist man beim Bau, und doch ist er bereits bis zu halber Höhe gediehen. In Wirklich- keit ist ja das Gebäude noch ein großes Stück höher, denn man muß die Gründungen dazu rechnen. Der Standort besteht aber anS Triebsand, und bevor man den gewachsenen Felsen erreicht, der allein den Baugrund für die gewaltigen Gewichte abgeben kann, muß man 33.ö Meter in die. Tiefe gehen. Im ganzen hat also da« Bauwerk eine Höbe von 27AMeter.� Die Gründungspfeiler werden in Beton zu 15 Meter Hohe,� die übrigen 255 Meier in Eisenfachwerk ausgeführt, daS ein Gesamtgewicht von rund 29 329 Tonnen besitzen wird. Bis zum vierten Geschoß bedeckt der Bau die ganze Grundfläche. Von da ab teilt ein Hof das Gebäude in ein Vordergebäude und zwei Seitenflügel, während sich vom 31. Geschoß ab der Turm als mächtiger Ausbau erhebt. Vom 31. bis zum 59. Geschoß ist er 88>/z Meter hoch. Daraus steht eine 34'/, Meter hohe vierkantige Pyramide von 17 Meter Grnndflächenseite. Diese trägt die fünf obersten Geschosse und in 213 Meter Höhe über der Straße noch einen Rundgang. Da der Winddruck zu 147 Kilogramm auf jeden Quadratmeter angenommen wird, ergeben sich durch ihn für den ganzen Bau ganz ungeheuere Beanspruchungen. Diese machen besondere Windverbände und Windversteifnngen, namentlich in den oberen Stockwerken, er- forderlich. 63 Eisenbetonpfeiler gründen den Bau. Die größte Belastung eines Pfeilers beträgt 4399 Tonnen, die aus dem unmittelbaren Winddnick hervorgehende Belastung 1139 Tonnen. Alle Träger und Pfeiler sind bis zur Kellersohle in Beton eingehüllt, zum Schutz gegen Rost. Bis zum fünften Geschoß werden die Außenmauern ans Granit, darüber aus Terrakotta aufgebaut, die 29 Zentimeter dicken Quer- wände sollen anS Hohlziegeln bestehen. Den vertikale» Verkehr be- sorgen 26 Aufzüge, deren Schächte feuersicher angelegt sind. Außer- dem sind vier breite weit auseinanderliegende Nottrcppen in feuer- sichern Treppenhäusern vorhanden. Jede Verwendung von Holz und brennbaren Stoffen� zum Bau wird vermieden, selbst die Tür- und Fensterrahinen sowie die Verzierungen sollen aus gepreßtem Stahl, der Fußbodenbelag anS Mosaik hergestellt werden. Alle Fenster der unteren Geschosse erhalten Drahrglasscheiben: der Turm- Helm wird mit Ziegeln verschalt und mit Kupfer abgedeckt. Die wirtschaftliche Lage der Theater-Chorsänger. Die schreienden führten inneren Gliederung in seinem Schöße. Man frage einmal an bei unseren Genossen, die auf den einzelnen Spezialgebieten im Vordcrtreffen stehen, was alles solche hon der Parteizentrale aus- gehende, organisch in sie eingegliederte Förderungs- und Pflege st eilen zu tun bekommen könnten, und man wird gewiß das Bedürfnis und die Notwendigkeit dafür nicht mehr in Zweifel! ziehen, wenn man sich vorher darüber nicht klar gewesen sein sollte. Es herrscht seit Jahren in der Partei ohne Unterschied der Richtungen ganz allgemein die Ueberzeugung, daß es auf allen Gebieten des Parteilebens an der notwendigen Initiative der Parteileitung und an ihrem innigen Konnex mit den Gliedern der Partei fehle. Besonders bei den inneren Differenzen in der Partei ist das von beiden Seiten wiederholt betont worden. Ebenso einhellig hat man von beiden Seiten des öfteren schon— wenn auch meist nur beiläufig— zur Abhilfe auf ähnliche Maßnahmen hingewiesen, wie sie hier im Zusammenhange erörtert werden. Um konkret zu zeigen, wie etwa bei dem heutigen Stande der Parteientwicklung eine Ressortbildung im Parteivorstande be- schassen sein könnte, sei bemerkt, daß vielleicht 19— 12 Spezialgebiete mit j e einem besoldeten Sekretär in Kraye kommen könnten und daß je zwei verwandte Spezialgebiete zu einem Ressort zu vereinigen wären, in dem sich die beiden betreffenden Sekretäre gegenseitig zu vertreten haben würden. Es sei beispielsweise folgende. Einteilung angeführt, um das.Ge- sagte noch mehr zu veranschaulichen: l. Ressort? 1. Allgemeines und Rcichspolitik.« 2. Ausland und inier« nationale Beziehungen. » II. R e s s o r t: 1. Sozialpolitik. 2. Gewerkschaftswcsen« III. Ressort: 1. Landespolitik.-»» 2. Kommunalpolitik. IV. Ressort: 1. Presse und Literatur.— 2. Bildungswesen. V.Ressort: 1. Frauenbewegung.— 2. Jugendbewegung, VI. Ressort! 1. Organisation.— 2. Finanzwesen. Bei einer derartigen oder ähnlichen Ressortbildung in dev � Parteizentrale wäre die Möglichkeit gegeben, daß die allseitig ge- wünschte wirksame Förderung auf allen Gebieten des Parteilcbens tatsächlich erfolgen könnte, wenn überall der rechte Mann an den rechten Platz gestellt würde. Durch die vor- geschlagene wechselseitige Vertretung je zweier Ressortsekretäre— für die räumliches Zusammenarbeiten Wohl unerläßliche Vorbcdin- gung sein müßte— wäre zugleich die weitere Möglichkeit geschaffen. daß notwendig werdende Reisen nach irgendwelchen Orten, zu wich- tigen Parteizusammenkünften usw., weder aufgeschoben noch gänz- lich unterlassen zu werden brauchten, und trotzdem die Erledigung wichtiger Arbeiten des Ressorts in der Zentrale nicht darunter zu leiden brauchte. Außerdem wäre auch die Zahl der ständig in der Zentrale anwesenden Vorstandsmitglieder eine so große, daß jeder- zeit wichtige Beschlußfassungen des V orsta nd es.als Körperschaft erfolgen könnten, was heute naturgemäß manchmal seine Schwierigkeiten haben muß. Es dürfte überflüssig sein. besonders' zu betonen/' daß ohnehin ettva wöchentlich zweimal regelmäßige Ge.samtvorstandssitzungen stattfindete müßten, in denen ähnlich wie in den Dteidtmägistraten und in der» Ministerien dte Ressortsekretäre die wichtigeren Anliegenheiten ihres Ressorts zum Vortrag zu. bringen und der Beschlußfassung des Gesamtvorstandes zu unterbreiten hätten. In einem solchermaßen zusammengesetzten Vorstande würdö naturgemäß das b u r c a u k r a t i s'ch e.E l e m c n t— 19 bis 12 Sc- soldete Sekretäre gegenüber 2 unbesoldeten Vorsitzenden und 2 oder 3 gleichfalls unbesoldeten Beisitzern— ein starkes Uebergcwicht besitzen, das paralysiert werden müßte. Diese Paralysicrung wäre möglich durch die auch aus anderen Gründen erforderliche Aus- gestaltung der Kontrollkommission z u einem er- w eiterten Parteiausschuß. Auch dieser Gedanke ist durch» aus nicht neu; er liegt vielmehr seit Jahren sozusagen in der Lufp und ist auch wiederholt bereits— wiederum von Genossen beider Richtungen— ausgesprochen worden. Die Pielgestaltigkeit deS ParteilebenS und die Notwendigkeit guter und fortlaufender Ver- trauthcit der Parteileitung mit der Stimmung der Parteimasse im ganzen gleich lassen es bei den Entscheidungen über wichtige politische Aktionen ratsam erscheinen, daß der Partei vor- stand erweitert wird um eine Vertretung der Par t e ig e no s sen d e r.e in zeln e n L a n d e s t e i l c. Dieser erweiterte Parteiausschuß müßte dieselbe Stärke besitzen als der die Oeffcntlichkeit und die Gesetzgebung. Eine bisher gesetzlich un« beschränkte Ausbeutung durch das Unternehmertum,, gänzlicher Mangel sozialer Fürsorge und staatlichen Schutzes sind die Ursache dieser Zustände. Die Organisationen der Bühnenmitglieder. Bühnen- genosscnschaft und Chorsängerverband erstreben eine Besserung der Verhältnisse. Ihre Bemühungen sind jedoch unterbunden, durch die Thealeruickernehmcr und Bühnenleiter. Von den ungefähr 129 Bühnen, an denen die Derufs-Ehorsänger und Chorsängerinnen überhaupt Stellung finden können, bezahlen nur 28 ihr Personal daS ganze Jahr hindurch, die 32 anderen Theater haben nur eine Winterspielzeit von 6 Monaten: einige wenige spielen 7. 7'/z und 8 Monate. Es sind also, wie statistisch nachweisbar, von den zirka 3999 BerufS-Chorsängern und Chor« sängerinnen, die überhaupt vorhanden sind, ungefähr 1799 im Sonnner 4, 5 Monate, die»leisten 6 Monate ohne Verdienst. Gemildert wird die Notlage etwas dadurch, daß infolge der Bemühungen des Chorsänger- Verbandes bis jetzt 15 Bühnen ihren Chormitgliedern Sommergagen in der spielfreien Zeit von 59—80 M. monatlich zahlen. Dadurch ist 3—499 von den 1799 Arbeitslosen wenigstens etwas geholfen. Durch die Chorschnlen und Extrachöre wird die Notlage der Berufs- Chorsänger und Chorsängerinnen wesentlich verschlimmert, weil ihnen durch diese Schulen auch im Winter das Brot genommen wird. Ei» uiltrrirdischer See. In der Gegend von Hake und Lubbock in Texas ist amerikanischen Geologen jetzt ein außerordentlich inter- essanter Finid geglückt, der die alte Annahme bestätigt, wonach von den Rocky Mountains große unterirdische Wasserabläufe nach Reu- mexiko und dem südwestlichen Texas vorhanden sein sollen. Man hat jetzt einen großen unterirdischen See entdeckt, der durch eine Reihe unterirdischer Quellen gespeist ivied und den Ausgangspunkt eines ganzen Systems unterirdischer Ströme und Flüsse bildet, die wiederum in Form von Quellen später an die Oberfläche treten un'» neue oberirdische Flüsse bilden. Man nimmt auch an. daß z. B. die Quellen des Gnadelupcflnsses bei Neubraunfel« in Texas von diesen unterirdischen Strömen genährt werden, ebenso wie die berühmten San Pedro-Ouellen von San Antonio, die Carrizoguellen in Dimmit, eine gan�e Reihe Quellen, die den NueccSflnß bilden, und die Wasser, dte in den Rio FccoS und in den Devil River fließen. Notizen. ,— Die Neue freie Volksbühne wird da? Drama: ..Wie die Sünde in die Welt kam" von Adolf Paul erst später zur Aufführung bringen. — Eine dichtende Familie. Außer Edmund R o st a n d, dem bekannten franzosiichen Dramatiker, werden nun anch seine Frau und sei» Söhn als Bühnendichter UM die Palme des Erfolges streiten. Parteivorstand, nach dem oben aftgefichrten Beispiel also auS 14 biZ 17 Personen. Er könnte wie schon angedeutet, durch eine— 5 bis 7 Personen betragende— Verstärkung der Kontroll- k o in m i s s i o ii und eine Erweiterung ihrer Befug- nisse gebildet werden. Heute ist die 5toiitrollkoiiNnission eigentlich nur. zur Revision der Kassen- und Geschäftsführung und zur Entscheidung über Beschwerden gegen den Partcivorstand befugt, bei aller Wichtigkeit und Notwendigkeit immerhin doch nur eine recht untergeordnete und cinflusslose Tätigkeit. Soweit rein rech- nungs mäßige Nachprüfungen in Frage kommen, bei denen kein besonderes Parteiinteresse es unerwünscht erscheinen lassen könnte, dürften die Revisionen ebensogut von beeideten Bücherrevisoren vorgenommen werden können, so daß die ftoiitroll- kam Mission sich nur mit den Resultaten solcher Revisionen zu beschäftigen brauchte. Mindestens aber würden sich bei einer v e r- größerten Kontrollkommission die Revisionen. durch Sub- ko m Missionen ausführen lassen, die die Kontrollkommission aus ihrer Mitte nach regionalen Gesichtspunkten— vielleicht je eine für Stuttgart, Berlin und Hamburg— einsetzte, so daß in den eigentlichen Zusammenkünften der Kontrollkommission als G e- samtkörperschaft nur. die Berichte über die Revisionen und die Beschwerden über den Parteivorstand zur Behandlung zu kommen brauchten. Außerdem aber hätte die Kontrollkommission die Funktionen eines erweiterten Parteiaus- schuf ses in politischer Hinsicht zu erfüllen und— vielleicht allmonatlich— gemeinsam mit dem Parteivorstand über die Aktionen für die nächste Zeit zu beschließen. Eine solche Erweite- rung der Kompetenz der Kontrollkommission nach der politischen Seite würde ihren Charakter als Kvntrollinstanz über die Berwal- tung und Geschäftsführung des Partcivorstandes nicht weiter be- rühren, andererseits kann eine intimere Kenntnis dieser Dinge für den erweiterten Parteiausschuß nur nützlich sein. Die Wahl der Kontrollkommission müßte im wesentlichen erfolgen wie heut«, nur daß auf möglichst gleichmäßige Berücksichtigung der einzelnen Landesteilc etwas mehr Gewicht zu legen wäre. Heute ist z. B. das ganze..Wrstclbien", alles was westlich liegt von d?r Linie Ham- bürg— Berlin— Gotha— Frankfurt a. M. völlig unvertreten in der Kontrollkommission. Offiziell die Landes- oder Bezirksorganisa- tionen bestimmte Kandidaten für die Kontrollkommission prüfen- ticren zu lassen, wird nicht angängig sein, weil die Zahl zu groß würde und weil es zu einer Zwitterstellung des Partei- Vorstandes führen müßte, wenn ihm derselbe Personenkreis, der ihm im Organisationsaufbau untergeordnet ist. jetzt teils neben- und teils— bei der Kontrolle und den Beschwerden— übergeordnet werden sollte, abgesehen davon, t>aß ja ohnehin alljährlich eine Sitzung der Bezirks- und Landesvorstände stattfindet. Die Aus- Wahl der Personen für die Kontrollkommission wird also wohl am besten nach wie vor dem Parteitage überlassen bleiben müssen, der dabei ja auf allgemein als berechtigt anerkannte Wünsche wie bis- her schon Rücksicht nehmen kann. Wer sich bisher weniger mit den inneren'Ängelegenhciten der Partei befaßt hat und sich mit der Erkenntnis bescheidet, daß wir doch bei der bisherigen Beschaffenheit der Parteileitung so herrlich vorwärts gekommen seien, der mag keine Notwendigkeit für eine so durchgreifende Reorganisation der Parteileitung sehen können, wer aber das innere Parteigetriebe seit Jahren genauer kennt, wird jedenfalls im wesentlichen zu ähnlichen Reorganisationsvorschlägen kommen müssen, wie sie hier entwickelt werden, für deren Verwirk- lichung übrigens heute bereits überall Ansätze vorhanden sind. Es wird allerdings nicht gut möglich sein, auf dem diesjährigen Partei- tag in Jena bereits eine derartige Umgestaltung vorzunehmen. Dort wird man sich wohl mit der eingangs erwähnten, von allen Seiten vorgeschlagenen Verstärkung des Parteivorstandes um zwei oder drei Sekretäre zunächst begnügen müssen. Damit würde den gegenwärtig dringendsten Bedürfnissen genügt und einer Entwicke- .«lung im erörterten Sinne so weit'borgearbeitet sein, daß vielleicht nach Jahr und Tag ganze Arbeit gemacht werden kann. Aber es schien mir nützlich und notwendig, schon jetzt einmal im x Zusammenhange auf die Konsequenzen aufmerksam zu machen, die sich meines ErachtenS aus der EntWickelung der Gesamtpartei für die Gestaltung ihrer Leitung immer mehr aufdrängen. Wilhelm Dittmann. Mutidstag der Porzellauarbeiter. Am Dienstag beschäftigte man sich lediglich mit den Anträgen zum Unterstützungswesen im Zusammenhang mit der Ver- schmelzungssrage. TaS, was der Porzcllanarbeiterverband im Verhältnis zu den Mitgliedsbeiträgen gegenwärtig leistet, ist außerordentlich viel, so daß kaum genügend Mittel für den eigent- lichen Zweck einer Gewerkschaftsorganisation, die Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen übrig bleihen können. Wie der Kassierer Herden ausführte, bat ein Mitglied im Laufe eines Jahres volle 4V7 M. an Arbeitslosen- und Krankenunterstützung bezogen. Was den Mitgliedern in dem Zuwachs an gcwerkschaft- licher Macht ihrer Organisation geboten werde, sei weit mehr wert als das. was ihnen an Unterstützung genommen werde.— Die Unterstützungen würden übrigens auch nach den Verringerungen, die der Verbandsvorstand in seinen Anträgen vorschlägt, immer noch höher sein als in den beiden anderen Verbänden. Bei den Porzellanarbeitern betragen die Beiträge 25 Pf. bis 1 M. wöchentlich, bei den Töpfern 50 Pf. bis 1 M., bei den Glasarbeitern 40 bis 60 Pf. Für diese Beiträge können die Mitglieder im Höchst- falle— die Streik-, Maßregelungs- und die Wöchnerinnenunter- ftützung nicht mitgerechnet— an den verschiedenen Unterstützungen beziehen: ini Porzellanarbeiterverband 450 M., im Töpferverband L06 M., im Glasarbeiterverband 284 M. Der Verbandsvorsitzende W o l l m a n n betont, daß man durch die Vorstandsvorschläge eine Grundlage für die Verschmelzung zu finden hofft.— Die Debatte ist außerordentlich rege. Im allgemeinen ist man wohl gewillt, Opfer an den laufenden Unterstützungen— die Höhe der Streik- Unterstützung konimt dabei auch nach den Vorstandsanträgen nicht in Frage— zu bringen. Im Laufe der Debatte nehmen auch der Verbandsvorsitzende der Glasarbeiter sowie der der Töpfer daS Wort� um darzulegen, welche Stellung ihre Organisationen zu der Frage einnehmen. G i r b i g führt an, wie in einer großen Glasfabrik die Direktion lange eingesehen hat, daß sie mit dem Vertreter der Arbeiterorganisation verhandeln muß, aber in der daneben liegenden, demselben Unternehmer angehörenden Porzellanwarenfabrik, wo die Organisation noch daniederliegt, auch der OrganisationSvcrtreter nicht respektiert wird.— D r u n s e l zeigt auf Grund statistischen Materials, wieviel leb- hafter die Lohnbewegungen und Lohnkämpfe in den verschiedenen Branchen des Töpferberufes sind als bei den Porzellanarbeitern. Palme, der Vertreter der österreichischen Porzellanarbeiter, empfiehlt den Delegierten ebenfalls die Verschmelzung. Der Ver- treter der Generalkommission, Gustav Bauer, legt den Delegierten in längeren Ausführungen nahe, durch die Ein- schränkung des Unterstützungswesens ihre Organisation schlag- fertiger zu gestalten und die Verschmelzung herbeizuführen, die sich als eine wirtschaftliche Notwendigkeit ergebe. Niemals dürften die Unterstützungen solchen Umfang annehmen, daß die Kampffähig- kcit der Organisation darunter leide. Dies sei aber gewisser- maßen noch im Porzellanarbeiterverband der Fall, und darum müsse dafür gesorgt werden, daß man mehr als bisher den Auf- gaben einer modernen Gewerkschaft gerecht werde.— Die Debatte erreicht erst gegen 6 Uhr ihr Ende.— Zu der Angelegenheit liegt poch folgende von Wollmann eingebrachte Resolution vor: „Die Generalversammlung erkennt an, daß eine Macht- steigerung unserer Organisation eine unbedingte Not- wendigkeit ist, und daß sie erreicht wird durch eine Ver- schmclzung mit den Verbänden der Glasarbeiter und der Töpfer zu einer entsprechend größeren Organisation. Sie ist auch der Meinung, daß die Untcrstützungshöhen in unserem Verbände der Erstrebung dieser größeren Zentralisation nicht länger im Wege stehen dürfen, und wählt deshalb eine Kommission, die die N�ifrags- Wd Untcrstützuüg�qnträge vor- beraket und sich bemüht, eine Vorlage für das Plenum zu schaffen, die dieser Erkenntnis entspricht." Soziales* Rückerstattung von Beitragsmarken. Vor acht Tagen legten wir dar, wie es mit der Rückerstattung von Beiträgen fortan stehe, daß insbesondere auch, wer nach dem 31. Juli geheiratet hat, einen Anspruch auf Rückerstattung nicht hat. Mehrere Versicherungsanstalten, so die für Berlin und die für die Provinz Sachsen und Anhalt, sind der Ansicht, daß zwar einer Ehe« frau, die vor dem 1. August die Ehe geschlossen hat, der Anspruch auf Rückerstattung nicht zusteht, wohl aber der Ehefrau, die nach dem 31. Juli geheiratet hat. Jedenfalls wollen diese Anstalten so lange in der Praxis so verfahren, bis das Reichsversicherungsamt die Streit- frage definitiv entschieden hat. Wenn Versicherungsanstalten so vorgehen wollen, so ist natürlich gegen solchen Versuch nichts einzuwenden, von dem durch das Einführungsgesetz zur Reichsversicherungs- ordnung vollzogenen Raub wohlerworbener Rechte einige Fälle aus- zuscheiden. Erfolg dürfte die Praxis schwerlich haben. Artikel 76 des Einführungsgcsetzes zur R.-V.-O. erklärt ohne Unterscheidung der Heiraten vor oder nach der Verkündung der R.-B.-O. sl. August 1011):„Beiträge werden gemäß§ 42 des Jnvalidenversicherungs- gesetzes nach dem 1. Januar 1912 nur dann erstattet, wenn der Antrag vor der Berkündung der Reichsversiche- rungSordnung gestellt worden ist." Die Motive be- gründeten diese Entziehung wohlerworbener Rechte mit wohlwollender Fürsorge für die Ehefrauen also: „Aus der Beitragsleistung der weiblichen Personen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Versicherung eine Ehe geschlossen hatten, könnten Ansprüche für ihre Hinterbliebenen erwachsen. Den Beteiligten selbst darf es nicht überlassen werden, die bei Durchführung des erworbenen Erstattungsanspruchs entstehenden Nachteile durch Verzicht auf den Anspruch aus der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung von sich abzuwenden. Sie find viel« mehr durch eine besondere gesetzliche Vorschrift vor dem Verluste der Ansprüche aus der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zu bewahren, der ihnen droht, wenn sie den Erstattungsanspruch geltend machen. Für die amTage der Verkündung der Reichsversicherungsordnung und später ge- stellten Anträge auf Erstattung von Beiträgen nach ß 42 des Jnvalidenversicherungsgesetzes ist deshalb die Erstattung auszuschließen." Der hiernach erstrebte Zweck trifft offenbar nicht minder die nach dem 31. Juli Heiratenden wie die früher Verehelichten. Die Versicherungsanstalten glauben, der Möglichkeit einer anderen Auf- fassung sei dadurch Raum gegeben, daß der erste Satz der Motive nur von den Ehefrauen spricht, die„vor dem Inkrafttreten der neuen Versicherung eine Ehe geschlossen hatten". Ob diese Auf- fassung Erfolg haben wird, darf billig bezweifelt werden. Im übrigen können wir, wie wir bereits früher oft dargelegt haben, nur wiederholen: von ganz besonderen Aus- nahmefällen abgesehen ist es weit ratsamer, weiter zu kleben, als sich die Beiträge bei der Heirat rücker st atten zu lassen. Denn durch die Rück- erstattung gehen alle etwaigen Ansprüche auf Rente oder Aufnahme in Heilanstalten verloren._ Gerichts-Zeitung. i' Bom Jagendgericht. Eine eigenartige Begründung zu der Erstattung einer Straf- anzeige gab. gestern ein Polizeileutnant vor dem Jugendgericht, welches eine Anklage wegen qualifizierter Sachbeschädigung gegen den 13jährigen Schüler R. zu verhandeln hatte.— Der Angeklagte hatte sich eines Tages in jugendlichem Unverstand den Scherz ge- macht, aus einer vor dem Hause feines Vaters am Kottbuser Damm stehenden Litfaßsäule den Kops eines Reklamebildes heraus- zuschneiden und an einer anderen Stelle der Säule wieder an- zukleben. Dieser Dummejungcnstreich war von dem zufällig des Weges kommenden Polizeileutnant des zuständigen Reviers be- obachtet worden. Er stellte den Jungen zur Rede, der sich kleinlaut entschuldigte und erklärte, er habe sich nichts welter dabei gedacht. Dieser Vorgang war von dem Vater dcL R., der Prokurist bei einer bekannten hiesigen Firma ist, vom Balkon aus beobachtet worden. Er ließ sich zu der Aeußerung verleiten:„Davon wird Berlin auch nicht zugrunde gehen!" Diese scherzhaft gemeinte Aeußerung sollte sehr üble Folgen für seinen Sohn haben. In seiner Vernehmung vor dem Jugendgericht erklärte der als Zeuge vernommene Polizcileutaant wörtlich, er habe die Tat des An- geklagten allerdings auch erst als einen Dummenjungenstreich an- gesehen, nach dem Renkonter mit dem Vater sei er aber gezwungen gewesen. Anzeige zu erstatten. Gegen R. wurde daraufhin Anklage wegen Vergehens gegen den Z 304 des Strafgesetzbuches erhoben, der Gefängnisstrafe bis zu 3 Jahren, Geldstrafe bis zu 1500 M. und Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte androht.— Das Gericht nahm an, daß die erste Ansicht des Polizeileutnants, daß es sich um einen Dummenjungen. streich handele, die richtige gewesen sei, und erkannte aus Frei- sprechung des Angeklagten, da dieser offenbar nicht die zur Er- kenntnis der Strafbarkeit seiner Handlungsweise erforderliche Einsicht besessen habe. Der merkwürdige Fall, daß gegen einen rechtskräftig zum Tode Verurteilten noch eine Anklage wegen Diebstahls erhoben wird, hat sich bei dem Land- gericht III zugetragen. Im SomiDkr v. I. wurden in den am Döberitzer Truppenübungsplatz gAegenen Ortschaften Ferbitz, Buckow-Carpzow u. a. eine Reihe von nächtlichen Einbrüchen ver- übt, bei denen ausschließlich nur lebendes Vieh gestohlen wurde. Außerdem ergab es sich, daß größere Posten gewtldcrten Rehwildes und Hasen nicht nur in der dortigen Gegend verkauft, sondern auch nach Berlin transportiert wurden. Die Beobachtungen der dort stationierten Gendarmeriewachtmeister führten zu der Fest- stellung, daß als Täter der Schlächtergeselle Karl Ambecl, der Schlächtermeister Fritz Lindemann, der Sckilächtermeister Karl Wahl, der Landwirt Arnold Bogel und der vielfach wegen Wilderns und Einbruchsdiebstahls mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiter Wilhelm Bunde in Frage kamen. Bunde ist inzwischen am 12. Mai d. I. von dem Schwurgericht wegen des Mordes au einem Gefreiten, der ihn beim Wildern erwischt hatte, zum Tode ver- urteilt worden. Die gegen das Todesurteil eingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden, so daß vas Urteil rechts- kräftig ist. Nunmehr bat die Staatsanwaltschaft III noch eine Anklage wegen Diebstahls im Rückfall gegen Bunde erhoben. Zu dem Ende September stattfindenden Termin wird also ein dem Scharfrichtcrbeil längst verfallener Mann der Strafkammer vor- geführt werden. Dienstbotcnmißhanblung. Ein Prozeß vor dem Landgericht Bautzen entrollte die Leiden eines schwachsinnigen Dienstmädchens. Angeklagt waren der Förster a. D. Uhle und dessen Ehefrau wegen sortgesetzter Miß- Handlung ihre? Dienstmädchens Rosalie Schäfer. Das Mädchen befand sich schon einige Zeit bei den Angeklagten im Dienst, als es anfing, den Nachbarn zu klagen, es erhalte nicht genügend Essen und werde auch geschlagen. Taraufhin begab sich der Gemeinde- Vorsteher in die Kammer des Mädchens und fand diese in einem unglaublichen Zustande. Ein herbeigezogener Arzt untersuchte die Schäfer und stellte fest, daß sie total heruntergekommen war. Ihre Kleidung war offenbar lange Zeit nicht gewechselt worden. TaS Mädchen vtirde ig eine Heilanstalt gebxacht und fiel hier Sit Heißhunger über die ihm borgesetzte Nahrung her. ES wurde daraus Anklage gegen das Uhlesche Ehepaar erhoben. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht gab die Schäfer als Zeugin an, daß sie oft als Nahrung nur Brot und Kartoffeln erhalten habe. Von den beiden Eheleuten sei sie mit einer Hundepeitsche gezüchtigt worden. Die Frau habe einmal mit einem Regenschirm so stark auf sie eingeschlagen, daß dieser zerbrach. Dem Mädchen wurde von seiner jetzigen Herrschaft ein gutes Leumundszeugnis ausgestellt. Das Schöffengericht hatte Uhle zu 100 M. Geldstrafe und seine Frau als die Hauptschuldige zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Auf die eingelegte Berufung hin kam die Sache noch einmal vor dem Landgericht Bautzen zur Verhandlung. Dieses beließ es bei der niedrigen Strafe gegen Uhle von 100 M. und ermäßigte die Strafe gegen Frau Uhle gar aus 300 M. Geldstrase. Hus aller Melt. JSbeb einmal der edle Ritter. Jrt unserer Sonntagrmmmer nahmen wir Notiz bon bei« kavaliermäßigen Benehmen eines Berliner Schriftstellers, der zwei fremde Damen, die in seiner Villa in Ischl Schutz vor einem schweren Unwetter suchten� brüsk aus dem Hause wies, aber sofort den Damen nacheilte und sie devot zurückholte, als er von dritter Seite erfuhr, daß es sich um eine leibhaf- tige Prinzessin und ihre Gesellschafterin handele. Der Held dieses charakteristischen Vorganges soll Herr Dr. Oskar Blumenthal sein, weiland Direktor des Lessingtheaters, der sich mit der Aufführung von Sudermanns„Ehre" einen erheb- lichen Teil seines Vermögens machte. Ein alter Journalist erinnert in der„Zeit am Montag" an ein Vorkommnis, bei dem der gegen Prinzessinnen so galante Herr Doktor eine ebenso vornehme Rolle spielte. Die während der jetzigen Kriegshetze sehr zeitgemäßen Erinnerungen mögen auch hier ein Plätzchen finden: Es sind fast 40 Jahre her— im Mörz 1872 war es—, da fand! vor dem Schwurgericht des„Leipziger Bezirksgerichts", wie eS da« mals hieß, ein volle drei Wochen währender Prozeß statt, der in der ganzen Kulturwelt das größte Aufsehen erregte. Zur damaligen Zeit war die sozialdemokratische Partei noch in zwei feindliche Lager gespalten. Während die sozialdemokratischen Abgeordneten unter Führung beS Dr. v. Schweitzer im Juli 1870, kurz vor Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, für die Kriegsanleihe stimmten, erklärte der Abgeordnete Bebel im Reichstage, er und Lieb- k n e ch t würden sich der Abstimmung über die Bewilligung der Kriegsanleihe enthalten, da sie den deutsch-französischen Krieg für eine Folge der Bismarckschen Politik hielten. Sie wollten aber auch nicht gegen die Anleihe stimmen, da daraus eine Zustimmung zu der verbrecherischen Politik Napoleons III. gefolgert werden könnte. Dieses Verhalten entfesselte einen unbeschreiblichen Sturm der Entrüstung gegen Bebel und Liebknecht und die ganze sozial« demokratische Partei der Eisenacher Richtung. Die Entrüstung wuchs, als die Sozialdemokraten, mit ihnen aber auch eine sehr große Anzahl bürgerlicher Demokraten, nach der Schlacht bon Sedan einen billigen Frieden mit der französischen Republik forderten und sich gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen erklärten. An der Spitze dieser Friedensbewegung der bürgerlichen Demokraten stand damals der Königsberger Arzt Dr. Johann Jacob y. Er wurde, gleich dem Ausschuß der sozialdemokratischen Partei Eise- wacher Richtung, in Braunschweig-Wolfenbüttel auf Grund deS damals über die meisten deutschen Landesteile verhängten Belage- rungSzustandes, in Ketten geschlossen nach der Festung Lätzen abgeführt. Als Anfang Dezember 1870 Bebel und Liebknecht auS dem zu Ende gegangenen Reichstag nach ihrem damaligen Wohn« ort Leipzig zurückgekehrt waren, wurden sie sogleich, nebst dem der- antwortlichcn Redakteur deS. Volksstaat"(Zcntralorgan der sozial- demokratischen Partei, Eisenacher Richtung) Adolf Hepner ver- haftet. Nach etwa drei Monaten wurden alle drei entlassen, nach« dem sie sich auf Handschlag verpflichtet hatten, bis nach Erledigung des Verfahrens sich jeder Agitation zu enthalten. Am 11. März 1872 begann endlich der Prozeß gegen Bebel, Liebknecht und Hepner vor dem Leipziger BezirkS-Schwurgericht„wegen vorbereitender Handlungen zum Hochverrat". Der Prozeß endete mit der Frei- 'prechung Hepners und der Verurteilung von Bebel und Lieb- knecht zu je zwei Jahren Festung. Als am Abend des Tages Bebel und Liebknecht als von bürgerlichen Geschworenen Verurteilte die Anklagebank verliehen, da sagte der auf der Journa- listentribüne anwesende Student der Leipziger Universität OSkar Blumenthal:„Gott sei Dank, daß die Hochverräter endlich verurteilt sind, wir werden jetzt wenig» siens ruhig schlafen können!" 5wrze Zeit darauf Promo- vierte Oskar Blumenthal zum„Dr. Phil." und ging wach Berlin als Mitarbeiter des«Berliner Tageblatts". Warum ein König Monarchist ist. „Daily Mail" meldet aus Bilbao, daß König Alfonso an Bord seiner Dacht„Giralda" den als scharfen Republikaner be- kannten Präsidenten der Schützengilde von Bilbao. Herrn Lind R u a, empfing. Als die Umgebung des Königs ihn auf dessen republikanische Gesinnung aufmerksam machte, meinte König Alfons:„TaS geht mich gar nichts an, jeder Maww möge denken, w a s e r will." Als Rua an Bord der Dacht, stieg. wurde er von König Alfons herzlich begrüßt. Alfons drückte ihm herzlich die Hand und sagte:„Ich freue mich außerordentlich, Sie hier zu sehen. Ihre politische Meinung kann kein Hindernis sein, daß ich Sie nicht wie jeden anderen, ja noch mit größerer Freudig- kcit empfange. Ich selb st biw Monarchist, weil ich eben als König geboren. Wer weiß, welche Meinung ich hätte. wenn es anders wäre; wer weiß dcww überhaupt, ob wir nicht bald alle Republikaner sein müssen?" Diese Begründung des Monarchismus scheint zu logisch, als daß sie der spanische König geäußert haben sollte, Kleine Notizen. Feuer in einem Bergwerk. Bei einem Brande auf dem Berg» werk„Stadt Görlitz" bei Görlitz sind eist Obersteiger und ein Häuer schwer verletzt worden. Ein anderer Bergmann erlitt eine schwere Rauchvergiftung. Strimdung eines deutschen Seglers. Auf der Fahrt von Cardiff nach Valparaiso ist in der Le Mairc-Straße bei Feuerland der Hamburger Bier ma st er„Thetala" gestrandet. N e u n Mann der Besatzung wurden von einem anderen deutschen Schiff gerettet und in Antofagasta gelandet, lieber den Verbleib deS übrigen Teiles der Besatzung ist nichts bekannt. Cholera in einem russischen'Militärlager. Wie ein Telegramm auS Petersburg meldet, find im Militärlager von NoworofsiSk siebzehn Soldaten an Cholera erkrankt. Fünf da« von sind gestorben. Tödlicher Flicgcrabsturz. In Petersburg stürzte am Montag- abend der Bleriotflicger Leutnant Zolotuchin bei einem Fluge so unglücklich, daß er nachts verstarb. Marktpreise von Berlin am 28. August 1011. nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. M a r l t b a l l e n p r e i s e.(Kleinbandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum.Kochen 34.00—50.00. Spcijcbobnen. weihe. 35,00—50.00. Linsen 20,00—60,00. Kartoffeln 9.00—14.00. 1 Kilo. graiiim Niiidsleisch, von der Keule 1,60—2.40. Niiidflcisch. Baiichjleilck 1.20 bis 1,70. Schwciiicslcisch 1,30—1.80..Knlbflcisch 1.40-2.40. Haininelsicilch 1.30-2,20. Autter 2.40-3.20. 60 Stück Eier 3.20—6.00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40 bi» 2,80. Barsche 1,00-2,00, Schleie 1,10-3,20. Bleie 0,60-l�A« Stück Krebse 2,50-30,00. Theater. Mittwoch, 30. August. Anfang 7'/- Uhr. K. Opernhaus. La Tavlata. Zt. Schauspielhans. Der Schwur der Treue. Berliner Prater. Die junge Garde. Anfang 8 Ubr. Deutsches. Faust. 1. Teil. Lessing. Glaube und Heimat. Berliner. Buinmclstudenten. Kleines. Der Leibgardist. Neues Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Komiichr Over. Der verbotene Kuh. Residenz. Die Dame von Maxim. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller. O. Der dunkle Punkt. Schillei-Charlottrudurq. Panne. Metrovoi. Hoheit amüsiert sich! ?!oigt. Prcciosa. Noack. Geschlossen. Herrufrld. Das Kind der Firma. Schmerzlose Behandlung. Kasino. Der selige HuldschinZky. Apollo. Svezialitätcn. ivaöage. Spezialitäten. ReichSballen. Stcttiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. " Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Anfang S>/. Uhr. . Lultlpielbaus. Die goldene Schüssel. Luisen. Geschlossen. I«oie. Staatsanwalt Alexander. FolirS(saprice. Drei Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme. Ansang 8'/, Ubr. Kammeripicle. Gyges und sein Ring. Neues Operetten. Eine Million. Trianon. Das Prinzchen. Intimes. Parlier Ehen. Urania. Daubcnstraste t8/4S. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Strentvarte. Jnvalideustr. 57— 82. Kaiser-Panorama. Neu:. Besuch von Konstantinopel. Ricsenbrand in Slambul. Letzte Woche: Sächsische Schweiz. 8e!ii!Iel'-I!ie»ler0.Th-mer Mittwoch, abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Ende 10 Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ver Hiind der Jugend. Freitag, abends 8 Uhr Xuthnn der Welse. Schiller-Theater Chbu?r Mittwoch, abends 8 Uhr: Panne. Ende 10-/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: RevoIutlousIleeNnelt. Freitag, abends 8 Uhr Der Probekandidat. .Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bummelstudenten. Täglich: Bumineljiudcnten. encs Theater. Ab Freitag, 1. Sept. Gastsp. Han»i Miese Die Frau Greil. "Wdenz-Theater. Direktion Richard Alexander. ___ Slbends. 8 Ubr: Sommerpreise.-MkZ Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von Georges Fcvdeau. Deutsch v. Benno Jacobson. KelchZhallen-Theater. Anfang Wochentag! 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Idealer des bestens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Prau. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus, Sonnabend, 2. Sept., abends 7-/, Uhr: ErtilTniingsvorstellnng. Sigfrled,der Cherusker. Dramatische Dichtung von Wilbrandt. Sonnt. 8 Uhr: Sigtrieit, äer Okevustler. Montag 8 Uhr: luititb. Z!U«Ue-�.U!k»tev-'riivat«r /,10 Uhr: M msg VM segelt. Posse mit Gesang in 2 Alten. Mmwoch: Kiuderfest. tzlnf. wochentags 5, Sonnt. 4 Ubr. Settern ummelsburg am See. Inh.: d. Tempel. Jeden Sonntag: SpezialitHten-IforsteH. u. Garten-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Loiresn üsr Ssnser Königstadt-Kasino. nmarktstr. 72, Ecke Zl! exanderftr. Wh.: Max Sohlndelbauer. Bon,!«.-!. Bon, 1«.— 1. Nene Spezialitäten. Nene Nttrattionc». Elternlos. Lebensbild mit Gesang in 2 Allen. H*»t m, Berliner HB 9598 nmor-ftnartetl Gg. Treuer U KattuienailctiO Inhalt Sc.r Jnierare zWornimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei BeranNvvrtnng. Fitr Todes-Anzeigen| Sozialdenioki'atiscIierWaiilyereia des 6. Herl. Reichstags-Watilkpeises. Todes- Anzeige. Alll Montag, den 28. August. verstarb unser Genosse, der Gast- Wirt �osek ttumburski Beusselstr. 3. Ehre seine»» Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. d. M., nach- mitlaaZ 5'/, Nhr, von der Leichen- balle des Scbastian-KirchhoseS in Rcinickcndors-Wcst aus statt. Um rege Bctciiigu»� ersucht 230/1 Ter Äorstand. lisclilks-Veskin zu ögslin. k E. H. lifo. 80. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Lollsriell Herrmaim Forsterstraste 56 wohnhaft, am 27. August im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 30. August, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des Zcntral-Fricdhofes in Fricdrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 199/1 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Ten Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Tischler Gottfried Herrmaim am 27. August gestorben ist. Ehre seinen» Nndenken! Die Beerdigung findet heute, Mitwoch, den 30. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral- FriedhoseS in FriedrichSsclde aus statt. 87/18 Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Schirm- macher Hermann Schulz am 27. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am Witttlwch, den 30. Augui». noch- mittags 1 Uhr, von der Leichen- 'alle de? neuen Jakobi-Kw' .ofes, Nixdors, Herniamislr. 1 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortovcrwaltung. DeiitsGher Transportarbeifer-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Ten Mitaliedern zur Nachricht. dast unser Kollege, der Droschlen- stihrer August Kosanke am 24. M. verstorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. August, vor- mittags 10 Uhr, von der Leichen- Halle des Krankenhauses am Friedrichshain nach dem Aus- eifichnngS-Kirchhos in Wcistensec, Lichtenberger Weg, statt. Um rege Beteiligung wird er- sucht_ Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Geschästs- kutsch er Hermann Handies am 27. d. MtS. in» All« von 37 Jahren verstorben ist. Ebre seinein Andenken! Die Beerdigting findet an> Mittwoch, den 30. August, nach- mittags 2'/, Uhr. von der Leichen- halle des Sophien- Kirchhofes, Freienwalder Straste, aus statt. Um rege Beteiligung wird er- sucht._ Den Mitgliedern zur Nachricht, dast nuser Kollege, der Droschken- sührcr Karl Aiperstädt am 27. b. MtS. im Lllter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre seinein Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- lle des DankeS-KirchhoseS aus statt. 70/10 Ute Bezirksverwaltung. K Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Beteiligten sowie den Kollegen und Kolleginnen der Firma MIcher u. Ko., Rixdors, mginen herz- sten Dank. S370L Tie trauernde Witwe Martha Schmidt nebst Kindern. Iii Sozialileiiiokratiseb.Wablverein Kreis Nieder-fiarDim. Bezirk Rnninielsburg. Am 28. August verstarb unser Mitglied, der Schleifer Georg£tnck Sonntagstr. 27(14. Bezirk) im 28. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain Donnerstag, den 31. August, na- miltags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Rummelsburger Ge- mcindesricdhoscs, Lückstrastc, aus statt.— Rege Beteiligung erwartet 8/9 Tie Bezirksleitung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Bertvaltn»gSstelle Berlin. Todes-Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser'Mitglied, der Schleifer Georg Luck am 28. August gestorben ist, Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31, August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemelnde-Wrchhoscs in Rummelsbgrg, Lückstrastc, aus statt, Ferner den Kollegen zur Nach- ll richt, dast unser Mtglied, der Fraiscr Emil Haß am 27. d. M. an Darmleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet �am Mittwoch, den 30. August, nach- mittags 4'/z Uhr, von der Leichen- balle des Gemeinde-Friedhofes in Ober-Schöncwcide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 222/7 Die OrtSvcrwaltung. Mand der LilograDbeii, Steindineker d. verw. Berufe. (Deutscher Senofelder-Bund.) Am 27. August verstarb unser Kollege und Mitglied, der Licht- druck-Praparatcur Georx Matthes im Alter von. 38 Jahren nach langer schltscrrr Krankheit infolge eines Lungenleidcns.£94/14 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedrichshagener Fried« hoses aus statt. Die Verwaltung der Rliale IV. Au» 28. d. M. verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, Bruder. Schwager und Onlcl, der Schristjetzer Wilhelm Jäger im 48. Lebensjahre. 300B Dies zeigen tiesbetrübt an krau E. Jäger nebst Tochter. Paul Jäger nebst Frau. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorfer Gemeinde- FriedhoseS Mariendorscr Weg, aus statt, Allen lieben Freunden. Be- H kannten und Kollegen hiermit die traurige Nachricht, dast am Sonn- abend, den 26, August, meine liebe Frau, unsere Mutler, Schwieger- mutler, Schwester und Tante Luise Aurin geb. Eisormann nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen 120/18 O. II. Anrln. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, de» 30. August, nach- mittags 3Ubr, vom Trauerhause Malplaquetstr,38nach dem Markus- Kirchhos in WiihelmSberg statt, Lkarlottendurs. Vereinigte Maurergesellen- Kranken- und Sterbe-Kasse zu Charloltcnburg(E. H. 89). Mittwoch, bei, S.Zcptcmber 1911, abends 8'/, Uhr. im«nfienlokal, Sprccstraste 17: AnBerordcntlicho General-Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Kassierers, 2. Die Gestaltung unserer Kasse zur Rcichsvcrsicherungsordnung, 3. Kassensachcn. I4g/l2 Da in dieser Versammlung sehr wlchiige Beschlüfl« geiaht werden, ist daS Erscheinen aller Mitglieder not- wendig. vor Vorstisud. Von der Heise zurück[166/16 Dfo Sommerfeld, SchBwebcrg, Hauptstr. 20. Arbeitsnachweis; Verwaltniiqsstelle Berlin Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239., Charitestr. 3. Hof III. Amt 3, 1987. Achtung! Achtung! Eleklromonteure und Helfer! Donnerstag, den 31 August 1911, abends 8 Uhr: Allgemeine Uerjammlimg der Elektromouteure«. Helser Berlins und Umgegend im großen Saal der Brauerei Friedrichshain(fr. Lipps), Am Friedrichshain 16—23. Tages- Ordnung: 1. Der gegenwärtige Stand unserer Lohnbewegung und weitere Stellungnahme. 2. Disknssion. Kollegen! Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung, damit aber auch jeder von Ihnen über unsere iveitere Stellung unter- richtet ist, muß für zahlreichen und guten Bestich gesorgt werden. Niemand darf fehlen I Mdeelter Vcrwaltnngsstelle Berlin. Donnerstag, den 31. August, abends 8 Uhr» im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 5: OviTSMitlioko Versammlung der Dachdecker-Hilfsarbeiter. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Her«. Höppner über:»Wie ist es«reg« lich, unsere wirtschaftliche Lage zu verbeffern 2. Verschiedenes, 54/13 Die Dachdecker haben die Pflicht, ihre Hilfsarbeiter zum Besuch dieser Versammlung anzuhalten,_ Der Vorstand. Donnerstag, den 31. August, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versanimlung der Gold-». Silherarbetf er und verwandten Serufsgenossen im„Dres d en er Garte n", Dresdener Strafte 45. TageS-Ordnun 1. Vortrag dcS Genossen Sitiirnior über:»Bater Staat und seine Kinder." 2. Vecbandsangclcgenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 122/8 s Die Ortsverwalinng. Zahlstelle Berlin. Kisten- und Koffermacher Donnerstag, den 31. August, abends 8'/, Uhr, Andreaöstr. 81. den 31. August, abends 8'/, Uhr, TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kominiftlon«der die Berhandlnng Fabrikanten. 2, Diskussion, »nit den 87/17 lMmaiiiizfiMi'iiiagazig Ext»•«- Abteiin n-j 1 1. Gesch.: BeriinW., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haus von der! Jerusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO., Große! Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus j von der Andreasstraße). I |j3elirgr.Aus-.v. fert. Kleider, I J Hüte,"Handschuhe, Schleierl letc, v. einfachsten bis zum| ] hochelegant. Genre z. äußerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilnng: BaUanfcrtigung in 10 bis 12 Stunden. Achtung! Achtung! Kkmllizte Wcrei. 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Ueberschust d. Kranzspende für Paul Singer, gesammelt o. d. Arbeitern und Arbeitcrttmen der A. E. G. Brunnenstr. 500 M. Ueberschust der Kranzspende für Paul Singer, ge- sammelt v. d. Arbeitern und Ar» beiicrlnnen der A. E. G. Ackerstr. Frau Rosalie Liepmann. 300 M. Franz Jaques z. Andenken an Ferd. Jaques. 200 M. Dr. Ephraim(Stis» lung der jüd. Gemeinde). 100 M, Prof. Dr. A. Ezcmpin, Koppel u. Co. durch Th. Pinkus. Thöld- Buch durch Waldek-Mauasse. 83.98 M, Sammel« büchse des Männer-Asyls, 50 M. Ar« bciicr und Arbeiterinnen d, Bergmaim E, W. Werk Rosenlhal, Ueberschust o. d. Kranzspende für Borgmann, Frau Fr, Guttmaim z, Gedächtnis d. 6. Juli an Gustav Guttmann. Gemeinde Tegel, 44,60 M, Max Wiener. 40 M. Frau Ida Ciavier." 30 M, Stadio. Rich. Dyheusurth, 20,65 M, 11, Frauen« Abt. d. 6. Wahlkreises. 20 M. auS einer Streitsache PH. Kosak, W. Barsch durch F. Liebermann. Kommerzienrat Arlur Schmidt durch Seeseld, Bankier Mar Pik. 14.80 M. 12. Frauen-Abt. d. s'WahIkreiscs. 11,60 M. gesammelt von Kollegen b. A. E G. durch See« seid. 11,05 M. Arbeiter d, A. E, Ä. 10 M, Arbeiter d, Firma Bergmann. Frauen- u, Mädchenschule für innere Mission, Gemeinde Pankow, Frau Ida Jalowicz zum 25. Juli. Baurat R, Wolstenstem. 9,20 M. 13. Frauen« Abt. d. 6. Wahlkreises. 8 M. 10. Frauen- Abi. b. S.WaUlrciseZ. 5W.& Äomlt i.X5cbächlniä*b. Todestage« G.THölK M Wurzel durch Otto.idertel. 4 St. Wahlbezirk 743. 3 M Ed. C. Spar« verein Weihnachtssreude. 2,50 M Dr. Escheibrügge. Wir sagen den geehrten Spendern herzlichsten Dank und bitten, weitere Beiträge und Zeichnungen an unseren Schatzmeister Herrn A. Hirschscid, W. Fasanenslr. 33, Postscheckkonto 2969, oder an besten Stellvertreter Herrn Kommerzienrat Dr. AronS, Maner- straste 34, Postscheckkonto 1153 dcS Bankhauses Gebr. Aron«, einzusenden. Getragene Kleidungsstücke lasten wir durch unsere Boten oder durch die Paletiahrt gern abholen. Berlin, den l. September 1911. 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Für den Inseratenteil verantw.: Td. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. So, Berlin SW, Soeben erschienen 12000 Km im Parseval Oberleutnant STELLING. Soeben erschienen 12000 Km im Parseval Oberleutnant STELLING. Wir beehren uns mitzuteilen, daß unser Luftsohifl • nach einer Reihe erfolgreichster Fahrten in Mamburg; und im Rheinland jetzt wieder- ab unserer Baiionhaiie Johannisthal- Äie üblichen Passagier« UNÄ Reklamefahrten über: Berlin und Umgegend begonnen hat. In Anbetracht der überaus zablrclchcn Beteiligung des Berliner Pnbllkams ist es uns ermöglicht worden, den Preis von Mark 200,— auf Mark 100 pro Person und Fahrt zu ermäßigen. Mitglieder des K. A. O., K. Ao. O. und„Berliner Verein für LuftschiSahrt" erhalten 25 Vergünstigung. Gleichzeitig bemerken wir, daß wir einen regelmttQlscn, kostenlosen Verkehr mit unseren eigenen Automobilen f UtT die Passagierfahrten nach dem Ballonhallenplatz Johannisthal unterhalten, und erfolgt die Abfahrt von unserem Bureau stets eine Stunde vor dem Aulstieg des Luftsohiües. Von Zeit zu Zeit werden wir Fernfahrten unternehmen und diese rechtzeitig bekanntgeben. Führerausbildung Der zweite Knrsna für FUhreransbildnng für lenkbare IjaftachlfTo anter liCitnng des Herrn Oberleutnant Stelling beginnt am 20. September dt. lt. Honorar Mk. 5000.—, voraus zahlbar. ReklamesAbteilung Allabendlich finden Passagier- und Projektions- ::: Beklamefahrten über«roll Berlin statt.::» Anmeldungen, Prospekte über Projektions-Rcklame, Lieferung von Fingzeugen— Ein- und Doppeldeckern— Pilotensctmle, Führerausblldung. Luft sVerkehrss Oesellschaft m. b. h. Berlin W. 8, Unter den Linden 5— 6a(Hotel Bristol). Tel. Amt i uns/?». 'M-'■ t ,'k.y MMbWWWMWWMM' Bewilligte Bäckerei. Achtung! Meiner werfen Stunbfdjolt und Nachbaischaft zur Kenntnis, daß die Differenzen zwischen dem Verband der Bäcker und Kenditoren und dem Bückermeister Wals, Rixdors, Weisestraße 5«, beigelegt find. Hochachtungsvoll Bäckermeister Weisestraße 56. Der Verband der Bäcker und Konditoren.' Achtung! Bewilligte Bäckerei. Achtung! Teile dem verehrten Publikum mit. daß die Differenzen, die ich mit dem Vertrauensmann de» Bäcker, und Konditoren-Vet'bandcS gehabt habe, beigelegt find und alles wieder geregelt ist. ES wird mein Bestreben sein, dem Publikum gute und schmackhafte Ware zu lieseru und den Taris einzubauen. S0üb Achtungsvoll Nüst, Bäckermeister, Berlichingenstr. 12. Der Vertrauensmann deS Bäcker, und Konditoreu-VerdaudeS. Mieter. Wer gesun», modern und billig wohnen will, besichtige die Woduungen an der Schloü-Allee, am kgl. Schloßpark Pankow-Nieder-Schönhausen. 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Das Char- lottenburger Amtsgericht hatte, wie unseren Lesern erinnerlich, dar kurzem auf Antrag des Prozeßbevollmächtigten des H., Rechts- anwalt Dr. Ehrenfried, eine einstweilige Verfügung erlassen, wo- nach Dr. Weiler bei Vermeidung einer fiskalischen Strafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung die Besuche des Prozeßbevollmächtigten zu dulden und dessen Briefe an den Klienten auszuhändigen habe. Trotz dieser Verfügung bedurfte eS erst der Beitreibung einer fiskalischen Strafe von 900 M. und der Hilfe eines Schutzmannes und Gerichtsvollziehers, um dem Rechtsanwalt Dr. E. Zutritt zu seinem Klienten zu verschaffen. Infolge dieser Zwangsmatzregel war eine Zeitlang eine schriftliche und persönliche Verständigung zwischen Anwalt und Klient un- möglich. Der Vertreter des Dr. Weiler, Rechtsanwalt Dr. Wert- Hauer, vertrat folgende krasse Rechtsanficht: Die einstweilige Ver- fügnng sei ungültig. Für das ganze Jnternicrungswcsen sei der Rechtsweg ausgeschlossen, das Jnternierungswesen gehöre dem öffentlichen Recht an, es sei ein Staatshoheitsrecht, mit dem der Zivilrichter nichts zu tun habe, dessen Handhabung ausschließlich in den Händen der Personen liege, deren Verhalten durch Mi- nisterialerlasse geregelt fei. Deshalb brauche Dr. Weiler trotz der erlassenen einstweiligen Verfügung in Zukunft keinerlei Be- suche des Rechtsanwalts Dr. Ehrenfried bei seinem Klienten zu dulden und die eingeschriebenen Briefe des Dr. E. an seinen Klienten letzterem nicht auszuhändigen. Sanitätsrat Dr. Weiler handelte dann auch hiernach und es wurden infolge neunmaliger Zuwiderhandlung 2700 M. Strafe für den Fiskus fällig. Rechts- anwalt Dr. Ehrenfried trat diesen Ausführungen entgegen und betonte: Ein Staat, in dem die Gerichte nicht mehr über das höchste menschliche Gut, die persönliche menschliche Freiheit, ent- scheiden dürfen, sei ein Macht- aber kein Rechtsstaat. Das Gesetz vom 6. April 1804 bestimme:„Die gesetzliche Sicherheit und Frei- heit der Person erfordert, daß gleich nach der Aufnahme dem kompetenten Gerichte davon Anzeige geschehe, damit dasselbe nach Vorschrift des Gesetzes die sorgfältige Untersuchung verfügen und darüber erkennen könne, weil unter keinem Vorwande irgend ein Gemütskranker, der nicht durch gerichtliches Erkenntnis dafür erklärt ist, in den zu deren Aufnahme bestimmten Anstalten be- halten werde." Diese Kompetenz der Gerichte sei dadurch nicht beseitigt worden, daß die Meldung an die Gerichte auf Grund späterer Ministerialerlasse durch die Meldung an die Staatsanwalt- schaft ersetzt worden sei. Die Rechtsverbindlichkeit dieser Erlasse wurde vom Prozeßbevollmächtigten des H. in längeren juristischen Ausführungen bestritten. Das Gericht verkündete im wesentlichen folgendes Urteil: Die einstweilige Verfügung wird mit der Mafigabe bestätigt, daß der Beklagte bei Verwendung einer fiskalischen Strafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung den Besuch deS Rechtsanwalts Dr. Ehrcnfried bei seinem Klienten zweimal wöchentlich nach bor- heriger Ankündigung zu dulden hat. Die Kosten des Rechtsstreits wurden bis auf einen Beitrag von 10 M., den der Kläger zu tragen hat, dem Beklagten auferlegt.— Mit Rücksicht auf dieses Urteil werden nunmehr die verwirkten fiskalischen Strafen von dem Leiter der Anstalt eingetrieben werden. Eingegangene Oruckrchriften. Vom»Wahren Jacob" ist soeben die 18. Nummer deS 23. Jahr» gangS IS Seiten stark erschienen. Der Preis der IS Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Sich Nachf. G. m. b. H. in Stutt- gart sowie von allen Buchhniivlung'cn und Kolporteuren zu beziehen. Witternngsüverüdit vom SS. Slngust 1911. 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Auch der Gerichtsarzt, der um 11 Uhr abends an Ort und Stelle eintraf, stellte fest, daß der Tod der Frau bor höchstens 1 bis 1� Stunden eingetreten sein könnte. DaS Ergebnis der Obduktion läßt einige Schlüsse auf die Vorgänge während des Mordes zu. Die Kugel ist unterhalb des Herzens eingedrungen und hat sich im Rückgrat fesigebohrt. Da das Geschoß aus einem 9 Millimeter-Nevolver abgefeuert wurde, mutz der Schutz also aus unmittelbarer Nähe, höchstens 1 bis l'/z Meter von der Frau entfernt, abgegeben worden sein. Da irgendwelche Spuren eines Kampfes zwischen dem Mörder und seinem Opfer nicht zu finden sind, mutz man annehmen, datz der Täter sich im Schutze der Dunkelheit an Frau W. angeschlichen oder daß er mitten im Gespräch mit der Frau plötzlich den Schutz abgefeuert hat. Datz es sich hier um einen Raubmord handelt, ist nicht sehr wahrscheinlich, da man bei der Frau im linken Strümps drei einzelne Marlstücke fand. Die Behörde neigt nicht der Ansicht zu, daß der Täter mit dem Manne identisck ist, der vor einiger Zeit die Arbeiterfrau Gcbicke durch einen Schutz in das Becken schwer verwundete, da in diesem Falle die Kugel von einem Tesching stammte, während man es hier mit einem großkalibrigen Revolvcrgeschotz zu tun hat. Eine Familientragödie. Bor den Augen von Frau und Kindern hat sich in der Nacht zum Dienstag der 33 Jahre alte Schlosser Her- mann Grosse in der Grotzbeerenstr. 71 erschossen. Grosie wohnte in dem Hause fünf Jahre lang mit seiner Frau und zwei Kindern, die jetzt zehn und acht Jahre alt sind. Als die Frau vor einigen Monaten erfuhr, daß er sie hinterging, setzte sie ihn vor die Tür. Seitdem wohnte er in der EberSstratze zu Schöneberg in Schlaf- stelle. Montag vormittag kam er zu seiner Frau und bat sie, ihn wieder bei sich aufzunehmen. Die Frau fürchtete aber, datz er sein altes Leben wieder aufnehmen werde und wies ihn ab. Nach mehr- stündigem Verweilen enifcrnte sich Grosse mit dem Bemerken, datz er sich erschießen werde. Die Frau nahm dies auch dann noch nicht ernst, als er abends um ll'/z Uhr noch einmal kam, ihr einen Re- volver zeigte und erklärte," datz er erst noch nach einer Wirtschaft gehen wolle, um sich Mut anzutrinlen. NachtS um 2'/, Uhr kam er zum drittenmal. Als die Frau seine Frage, ob sie sich wieder der« söhnen wolle, auch jetzt wieder verneinte, schoß er sich eine Kugel in die rechte Schläfe und brach auf der Stelle tot zusammen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein alter Gcnosie, der Tischler Gottfried Hermann, ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Unter dem BiSmarckschen Schandgesetz war er schon unermüdlich für die Partei im dienen Wahlkreise in den 80er Jahren tätig. In aller Ruhe wirkte er für die Partei, bis vor kurzem übte er noch das Amt eines Bezirks» fiihrers im vierten Wahllreise auS. Heute nachmittag b Uhr findet die Beerdigung auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde stath Alle, die ihn kannten, werden ihm ein dauerndes Andenken be» wahren.-- Wegen Adoptionsschwindcls ist ein 26 Fahre alter Kaufmann Max Selig aus dcr Auguststr. 38 verhaftet worden- Selig betrieb mit einem gewisse» Marowski, einem jungen Manne von 23 Jahren, t zusammen bis vor einem Vierteljahr ein Adoptionsburcau in dcr Ackerstr. 7. Nutzer einem Adressenschreilier mar in dem Bureau auch Frau Selig tätig. Marowski hauste zusammen mit einen» jungen Madckcn, das noch nicht viel über 13 Jahre war. Vor einem Vierteljahr kam es des löjährigen Mädchens wegen zum „Krach'. Das Ehepaar Selig raffte den ganz-n Hausrat zu- sammcn, schaffte ihn nach einer Kellerwohnung in dcr Auguststr. 33 und machte hier auf eigene Rechnung ein Neues„Bureau" auf. Gegen Selig liefen in der letzten Zeit gegen 40 Anzeigen von Leuten ein, die sich betrogen fühlten. Wie es diese Vermittler zu tun pflegen, so beschränkte auch er sich darauf, Anzeigen zu er- lassen, datz er Kinder mit einem bohen Erziehnngöbeitrage zu vcr- geben habe. Den Bewerbern schrieb er dann wohl noch, datz gerade sie von dem Vater des Kindes, um das sie sich bemühten, bevorzugt würden. Notwendig seien nur noch nähere Erkundigungen über den Leumund, und zu diesem Zwecke mutzten 7,50 M. als Auskunfts« gebühr eingesandt werden. Selig war so vorsichtig, den Schrift- Wechsel, besonders Bcschwerdebricfe. sofort zu verbrennen, nicht minder die Abschnitte dcr Postanweisungen. Durch Beobachtungen aber stellte die Kriminalpolizei fest, datz an einem Tage mit einer einzigen Postbcstcllung 125 M. bei ihm eingingen. Sie fand außer- dem in der Behausung noch Reste von Briefen und einen vollständi- gen Brief eines Hamburger Fabrikanten, dcr auch schon wiederholt vergeblich Antwort verlangt hatte. Die Ermittelungen förderten soviel Belastungsmaterial zutage, daß Selig verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Auch gegen Marowski wurde ein Verfahren eingeleitet. Taschendiebe treiben an den Hauptvcrkehrspunktcn noch immer ihr Unwesen. Eines ihrer besten Arbeitsfelder ist nach wie vor die Straßenbahnhaltestelle am Spreetunnel in Treptow. Dort wuhjwn jüngst wieder zwei Herren um ihre goldenen Uhren be- stöhlen. Tie eine ist eine Remontoirsavonnetuhr mit der Nummer 26 770. Sie befand sich an einer goldenen Panzcrkette, die außer« dein ein Medaillon trug. Tie zlveite ist eine I8karätige schwere goldene Herrenuhr mit drei Teckeln. Folgenschwerer Znsainmcustoß zwischen einem Lnstautomobil nnd einen, Strahciibahiiwngen. An jener Stelle dcr Neuen Krugallee in Treptow, an der sich im Frühjahr die schwere Automobilkaiastrophe ereignete, hat sich gestern nachmittag wieder ein folgenschwerer Zusammenstotz zugetragen. Ein Lastcnantoniobil, das auf der Fahrt nach Johannisthal begriffen war, stieß mit solcher Gewalt gegen einen Stratzenbahnwagcn der Linie Bchrcnstratze— Treptow, datz das schwere Gefährt vollständig»mgeworfen wurde. Viele Zentner schwere Kisten, mit denen das Auto beladen war. flogen ineterweit fort. Der Chauffeur�und dcr Mitfahrer Knopf anS Schöneberg wurden auf den Stratzend'amm geschleudert und verletzt. K. war derart zugerichtet, datz er durch Mitglieder der freiwilligen SanitätSkoloime nach dem Krankenhaus Vethanic» gebracht werden mutzte. Der schwere Kraftwagen konnte erst am Abend von dcr Chaussee fortgeschafft werden. Er war vollständig zertrümmert. Von den Insassen des Straßenbahnwagens wurde glücklicherweise niemand verletzt.. Zn dem NoheitSakt aus dem Tcmpclhofer Felde, über den wir am 21. August berikbteten und bei ivelckicm dcr Führer eines AutoS und der einer Droschke ans einen Mörtelkutscher in der unbarm» herzigsten Weise einschlugen, schreibt uns Herr Schäfer, Drontheimer Straße 16, dcr in der Notiz als Besitzer der Droschke genannt war, datz er mit der Angelegenheit weder direkt noch indirclt in Ver- bindung stehe. Hoffentlich äiitzcrt sich der Einsender der Notiz zu dieser Erklärung noch. Großfcncr im Sprccpalast. Ein gewaltiger Brand in dem In- dnstriegcbäude.Sprccpalast' in der Rungestr. 22—24 beschäftigte die Berliner Feuerwehr die ganze Nacht hindurch. DaS Feuer vcr- nichtcte.die im vierieit Stock und im Dachgeschoß des Vorderhauses liegenden Fabrikations- und Lagerräume der mechanischen Schuh- fabrik von E m i l P i n n e r Nachfolger vollständig nnd da? Lager im vierten Stock de» SeitenflitgelS mit dem Dachstuhl teilweise. Der Schaden beläuft sich auf nahezu l'/a Millionen Mark. Während der Löscharbeitcn hatten die Mannschaften unter Hitze und Rauch schwer zu leiden, so dav fortqese�t Ablösungen erfolgen mutzten. Die beiden Feuerwehrleute M i t s ch k e und W i g u r a erkrankten auf der Brandl stelle derart unter der Einwirkung der Raucheinalmung, datz sie so. fort ins Krankenhaus befördert werden mutzten. Mitschke, der der fünften Kompagnie angehört, kam nach dem Krankenhaus am Friedrichshain und Wigura szweite Kompagnie) fand im Krankenhaus am Urban Aufnahme. Später erkrankte auch noch der Feuerwehr mann Urbauke von der zweiten Kompagnie, so datz er gleichfalls dienstunfähig wurde. Es dürften noch weitere Krankmeldungen er- folgen. Während des Brandes war übrigens die im Neben hause Nungestratze 21 liegende Färberei und chemische Wasch anstalt von D. C o u n d S durch Funkenflug stark ge fährdet. Durch die Umsicht der Feuerwehrleitung konnte diese Gefahr aber bald beseitigt werden. Im ganzen waren bei der Löschaktion 14 Schlauchleitungen und 4 mechanische Leitern in Tätigkeit, lieber die Ursache des Feuers ist noch nichts Bestinnntes ernnttelt worden. Fest steht nur, datz das Feuer im vierten Stock des Vorderhauses ausgekommen ist. Gestern früh 7Vj, Uhr rückten die Löschzüge 3, 8 und 23 zur Ablöschung auf den Brandplatz an, um die Aufräumungsarbeiten in Angriff zu nehmen. — Gestern früh 2 Uhr brach in der R i t t e r st r a ß e 114 noch ein grötzerer Dachstuhlbrand aus, der aber in kurzer Zeit unterdrückt werden konnte. Wegen einer Explosion wurde am Dienstag die 4. Kompagnie nach dem Gesundbrunnen alarmiert. Dort war auf dem Grund stücke Grüntbaler Str. 62 in einem grötzeren Betrieb ein Kessel durch Ueberspannung von Heizgasen explodiert. Der Heizer Erich Strich, Vinetaplatz 1, erlitt dabei Brandwunden an beiden Händen und Beinen durch Verbrühung. Er wurde von der Feuerwehr nach dem Lazaruskrankenbaus in der Bernauer Stratze gebracht und dort verbunden. Der Feuerwehr gelang es, durch Abstellen der Dampf- Maschine weitere Gefahren zu verhüten. Beim Sommerfest des Sängerchors„Wedding" im Jnselrestau- rant Plötzensce am Sonntag, den 20. August, ist ein Damenjackett und eine Kette mit Schlüsseln gefunden worden; abzuholen bei M. Martens, Utrechter Str. 22. Zcugengcsuch. Personen, die am Sonnabend, den 26. August, abends, Zeuge waren, wie ein Mann von der Petersburger Stratze durch einen Schutzmann nach der Elbinger Stratze zur Wache ge- bracht wurde, werden um Abgabe ihrer Adresse an Wellnitz, Heiden- feldstratze 2, Seitenflügel IV gebeten. Vorort- acl) nebten. Adlershof. Eine imposante Kundgebung fand am Sonntag in Sdlershof statt. Der Arbeiter-BildungSausschutz des OrteS hatte eine»Jahn- seier" unter freiem Himmel veranstaltet, die von mindestens 1200 Personen besucht war. Der Referent Genoffe Max Schütte würdigte in eingehender Weise die Bedeutung Friedrich Ludwig Jahns und hob besonder? die Tatsache hervor, datz der heute von der Reaktion gefeierte Turnvater und Freiheitskämpfer von den Vorfahren dieser selben Reaktionäre verfolgt, drangsaliert, mit lang- jähriger Kerkerhaft und Polizeiaufsicht bestraft wurde. Die behörd- lichen Verfolgungen und polizeilichen Schikanen gegen die Arbeiter- Turnvereine und die in diesen sich befindende Arbeiterjugend sei geradezu eine Schmach für Deutschland. Brausender Jubel erscholl über den weiten sonnigen Platz, als der Referent zum Schlutz die Anwesenden aufforderte, bei der bevorstehenden Reichstags- wähl, neben all den vielen Ungerechtigkeiten und Sünden der heutigen Regierung, für die der freien Arbeiterturnerei zugefügte Schmach und Unterdrückung ebenfalls Rechenschast zu fordern. Ge- nosse Herlitz machte dann noch bekannt, datz auch der vaterländische Turnverein an diesem Tage seine Jahnfeier begehe. Diesem sei in entgegenkommendster Weise Turnhalle und Schulhof zur Verfügung gestellt worden, uns aber bekämpfe man mit alten staubigen Ver- ordnungen aus dem Jahre 1834. Nachdem eine Abteilung von Turnern und Turnerinnen des Arbeiter-Turnvereins Adlershof einige Freiübungen ausgeführt hatte, setzten sich die Teilnehmer zu einem Umzug durch die Stratzen in Bewegung. Voran die Musik. Unter den Klängen der Marseillaise bewegte sich der Zug am Hofe der Gemeindcschule vorüber, wo gerade die.Deutschen Turner" um ihre Fahne versammelt waren. Im allgemeinen verlief das Fest in schönster Harmonie. In dem Bericht über die öffentliche Versammlung vom 26. August mutz es, wie uns nachträglich mitgeteilt wird, statt»AdlerZhofer Zeitung"„Adlershofer Tageblatt' heißen. Nixdorf. Einen schaurigen Fund machte vorgestern ein Arbeiter am Tempel- hofer Weg in der Nähe des Königsweges. Dort lag ein Paket ans einem scbwarz-weitzen Unterrock, einer Barchendbuise und einer weitzen Unterlage. Es enthielt die Leiche eines neugeborenen Knaben, an der Spuren äußerer Gewalt bei oberflächiger Besichti- gung nicht zu finden waren. Zur Vorsicht bei Verletzungen, auch den allerkleinsten, mahnt da? traurige Geschick eines sechs Jahre alten Knaben Bruno NüSke aus aus der Knesebeckstratze 81. Der Kleine erhielt am Montag vor acht Tagen von einem 12jährigen Hausgenossen Erich Steckert einen leichten Schlag mit einem Stück Holz gegen das linke Bein. Ein rostiger Nagel, den da? Holz enthielt, traf die Knöchelgegend und rief eine blutige, aber an sich unbedeutende Wunde, hervor. Die Ellern hielten denn auch die Verletzung nicht für gefährlich, uu�gen keinen Arzt zu Rate. Erst am vergangenen Sonnabend, ara der Knabe schon stark fieberte, erkannten sie die Gefahr und ließen ihn nach dem Paul Gerhardt-Stift in der Müllerstratze bringen. Jetzt war es schon zu spät. Der Kleine starb in der der nächsten Nacht an Blutvergiftung. Köpenilf. Einen recht»naiigebrachten Scherz hat sich hier ein Angestellter der Wach- und Schlietzgesellschaft und ein ihm befreundeter Arbeiter geleistet. Auf der Polizeiwache erschien gegen 11 Uhr abends alem- los ein Mann, der erzählte, datz ein Beamter der Wach- und Schlietz- aesellschaft auf dem Patrouillengange überfallen und durch Messer- sliche lebensgefährlich verletzt worden sei. Der Wächter liege jetzt in einem Restaurant im Sterben. Sofort begaben sich zwei Beamte nach dem bezeichneten Lokal,.während von der Wache aus telephonisch ein Arzt und ein Krankelnvagen requiriert wurden. Als die Schutz- leute in der Gastwirtschaft erschienen, fanden sie dort auf dem Fuß- boden einen Angestellten der Schlietzgesellschaft liegen, der über und über mit Blut besudelt war. Trotz eingehender Untersuchung vermochte jedoch der Arzt irgendwelche Verletzungen an dem Manne nicht festzustellen. Schließlich entdeckt- man an der Uniform des Wächters die Reste einer künstlichen Wurst, deren Inhalt, Blut, die Uniform des Beamten vollständig besudelt hatte und die große Lache bildete, in der der Mann aufgefunden wurde. Nur» war es klar, datz der Wächter sich eine» allerdings ziemlich groben Ulk erlaubt hatte. Die Schutzleute wollten, nachdem sie sich von ihrer Verblüffung endlich erholt hatten, den Unfugstifter festnehmen. Ehe sie aber dazu kamen, machte ihnen der angeblich Ueberfallene eine elegante Verbeugung und verschwand schleunigst mit einem höflichen.Nichts für ungut, meine Herren, ich habe die Ehre". Beamte, Arzt und Kranken- wagen mutzten sich dann wohl oder übel unverricheter Sache nach Hause begeben. Die Namen der beiden Spaßvögel sind jedoch be- reits ermittelt worden. Lkkahlsdorf an der Ostbahn. Am DonuerStag. den 31. d. MtS., finden hier Ergänzungs- Wahlen in der zweiten Wählerabteilung für die Gemeindevertretuna " Perantworllicher Redakteur: Richard Barth, Berlin, Für den statt. Da eS sich um Wahlen für zwei verschiedene Amtsperioden handelt, so wird in zwei verschiedenen Mahlgängen gewählt. Für de» ersten Mahlgang(3—5 U b r nachmittags) kandidiert Genosse Wi c d emaiin, Tischler; für den zweiten Wahlgang(6—3 U h r nachmittags) kandidiert Genosse Friedrich Ludwig, Buch- drucker, in MahlSdorf-Süd. Wir ersuchen die Parteigenossen und Wähler, für eine recht rege Wahlbeteiligung zu agitieren und vor allen Dingen genau auf die beiden verschiedenen Wahltermine zu achten. Gebe jeder Wähler des ersten Wahlganges seine Stimme nur für den Genossen W i e d e m a n n und jeder Wähler des zweiten Mahlganges nur für den Genossen Ludwig ab. Durch eine Verwechselung der Namen wird unsere Stimmenzahl nur geschwächt., Die Bezirlsleitung. Hohen- Schönhausen. Zu der Bluttat, bei der wie berichtet, der Barbier Pfentzig von dem Schuhmacher Kliem erstochen wurde, wird jetzt mitgeteilt, daß durch die glaubwürdige Aussage der einzigen Augenzeugin der Tat, des Dienstmädchens Krause, festgestellt worden ist, datz Kliem in der Notwehr gehandelt hat. Da auch die weiteren polizeilichen Er- Mittelungen nichts Belastendes für Kliem zu Tage gefördert haben, ist der Schuhmacher nunmehr aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Bernau. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Tie MagistratSvor- läge betreffend die Einrichtung einer Wohnung im alten Kranken- hause für den Maschinenmeister des Wasserwerkes wurde gegen eine Stimme abgelehnt. Genosse Werner fragte bei dieser Gelegen- heit wiederum den Magistrat, ob das Krankenhaus nicht für arme alte Leute gegen eine mäßige Miete als Wvhnhaus hergegeben werden könnte. Es wäre nur zu wünschen, datz die Leute aus ihren schlechten Höhlen, die sie jetzt leider zu bewohnen genötigt sind, herauskommen. Der Bürgermeister entgegnete namens des Magi- strats, datz sich unser Genosse Werner nicht als Beschützer der armen alten Leute aufspielen sollte, denn noch sei die Angelegenheit beim Magistrat in der Schwebe. Genosse Werner antwortete ihm in ge- bührender Weise. Mit elf gegen die sechs Stimmen unserer Ge- nassen wurde hierauf die Magistratsvorlage angenommen, wonach die Turnhalle des Turnklubs auf ein weiteres Jahr zum Preise von 760 M. für Turnzwecke der städtischen Gemeindefchüler sowie der höheren Knabenschüler gemietet werden soll. Genosse Krüger wies auch diesmal wieder darauf hin, datz es ungerecht sei, einem Privatverein die Turnhalle abzumieten; es sei vielmehr Pflicht der Stadt, eine eigene Halle zu erbauen und somit den Vereinen Ge- legenheit zu geben, in der städtischen Halle zu turnen, nicht datz es umgekehrt gemacht werde. In nichtöffentlicher Sitzung wurden gegen die Stimmen unserer Genossen 2000 M. Entschädigung für die Uebernahme der höheren Mädchenschule bewilligt. Des weiteren genehmigte die Versammlung den Vertrag mit dem Dr. phil. Oskar Kutscher« als Leiter der städtischen höheren Knabenschule mit einem Gehalt von 3500 M. Nuhlsdorf. Eine von über 400 Personen besuchte öffentliche Versammlung unter freiem Himmel hörte am Sonntag hier ein vorzügliches Referat des Genossen Piek über die bevoistehenden Reichstags wählen. Es war das erste Mal, datz am Ort eine öffentliche Ver ammlung abgehalten wurde. Der grotze Beifall, den die Ver ammelten, unter denen sich eine grotze Anzahl Landleute befanden, dem Referenten zollten, bewies, datz die Bevölkerung den Ernst der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Situation erfatzt hat. Um die einheimischen Kanolarbeiter vom Besuch der Ver ämmlung abzuhalten, hatte man dieselben den ganzen Sonntag arbeiten lassen. Dagegen dursten die der deutschen Sprache nicht mächtigen ausländischen Arbeiter ungestört ihren Sonntag feiern. Am Schlüsse der Versammlung ließ sich eine Anzahl Besucher in den Wahlverein aufnehmen. Wittenau-Borfigwalde. . Die erste Gcmeindevertretcrsitzung nach den Ferien findet am Donnerstag statt. Die Zeit ist diesmal auf 5 Uhr nachmittags fest- gefetzt; feil fast zehn Jahren fanden die Sitzungen nachmittags um 4 Uhr statt. Ehe die sozialdemokratischen Gemeindeverireter ins Dorfparlament ihren Einzug hielten, wurden die Sitzungen um 7 Uhr abends abgehalten. Auf welche Veranlassung der Beginn der Sitzung eine Stunde später erfolgt, ist auf der Einladung nicht zu ersehen. Möglich ist, datz der Wunsch eines bürgerlichen Vertreters mehr Berücksichtigung gefunden hat wie die jahrelange Forderung der Arbeilervertreter, die Sitzungen auf nachmittags 6 Uhr zu ver- legen. Der arbeitenden Bevölkerung würde dadurch G elegenheit ge- geben�den Sitzungen beizuwohnen. Nowawes. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich am Freitag in einer autzerordenilichen Sitzung nochmals mit der vom EifenbabnfiskuS geplanten Verlegung der Bergstratze und der Kassierung der Bismarck- stratze. Es handelte sich diesmal um die Verlegung der vom Genieindebaumeister Kuhnert ausgearbeiteten ausführlicheren Begrüildting zu dem inzwischen eingelegten Protest gegen den Plan des Eisenbahufiskus. Zunächst gab der die Sitzung leitende Herr Schöffe Obst bekannt, datz von der in der Schung vom 21. Astgust beschlossenen Jnanspruch- nähme eines Rechlsbeistandes vorläufig noch Abstand genommen worden sei. Sollte es zu einem VerwaliungSstreilversahren kommen, so werde die Gemeinde selbstverständlich einen solchen mit der Wahr- nehniung ihrer Rechte betrauen. In der Diskussion gab Gemeinde- Vertreter Nathan der Befürchtung Ausdruck, der Einspruch werde der Gemeinde nicht viel nützen; durch die sich dadurch not- wendig machenden Verhandlungen werden die HöherlegungS- arbeiten aufgehalten und die Fertigstellung mindestens um ein halbes Jahr verzögert. Gemeindeverireter Quappe sprach den Wunsch aus, die Gemeinde möge bei den zu er- wartenden Verhandlungen mit dem Fiskus als Kompensation für die geplanten Verkehrsverschlcchterungen die� Schaffung eines FutzgängeriunnelS zwischen der Bismarck- und Kaiier-Wilbelm- Stratze fordern, und zwar an der Stelle, wo sich vor Anlegung des 3. und 4. Gleises eine Ueberfübning in Schienhöhe befunden babe. Durch die Beseitigung dieser Ucberführung habe damals der westliche Teil des Ortes nicht nur eine fühlbare Verkehrsverschlechterung erlitten, sondern auch viele Anivohner der Bismarck- und Kaiscr-Wilhelm-Stratze seien materiell schwer geschädigt worden. Jetzr biete sich nun der Gemeinde die Gelegenheil, das damals initverichuldcte Unrecht wieder gut zu niachen. Die Forderung eines Fubgängerlunnels sei um so mehr berechtigt, als durch die geplante Verlegung der Berg- stratze, die den Verkehr im westlichen Orlsteil zwischen Süden und Norden ermöglicht, einem grotzen Teil der Bewohner ein weiterer Umweg aufgegeben würde. Schon jetzt mußten, wie die vorliegende Protestdegründung besage, sämlliche Bewohner der Wilhelmstraße nnd der anstotzenden Sitaßeir, um nach dem südlichen Ortsteil zu gelangen, grotze Umwege machen, da die Bergstraße für diese eine bequeme Verbindung nicht darstelle und die vor- handene Fntzgängerdrücke im Zuge der Wilhelmstrotze ihrer grotzen Höhe wegen für ältere und schwächere Leute nicht zu passieren sei. Herr Schöffe Obst versprach, diese Forderung bei etivaigen Ver- Handlungen zu berücksichtigen. Die Vertretung trat sodann in eine geheime Sitzung ein, um über Komvensationen zu beraten, unter denen die Gemeinde bielleicht ihren Einspruch zurückziehen könnte. Spandliu. Auf dem Wege zur Arbeit vom Tode ereilt wurde gestern morgen der Arbeiter Gustav Bläschke, Falkenhagener Str. 40 wohn- Haft; er brach um 6 Uhr in der Wilhelmstratze, als er sich aus dem Inseratenteil verantw.i TH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdrucker«! u. Ve clagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin I Wege zm Arbeit befand, leblos zusammen. Seine Leiche wurde un- weit der Wache des 4. Polizeireviers gefunden. Ein Arzt stellte fest, datz der Tod durch Herzschlag eingetreten war. Der Amtsvorsteher für Spandau-Land, Herr Oberstleutnant a. D. v. Rohr, legt am 31. August sein Amt als Amtsvorsteher für den Amtsbezirk Spandau-Land nieder und wird demnächst Spandau ver- lassen. Am Donnerstagvormittag erfolgt die Uebergabe der Amts- geschäfte durch den Herrn Regierungsassessor Graf Hue de Grais an den Genieindevorsteher Herrn Raue aus Staaken, der bis zur end- gültigen Neubesetzung des Amtsvorsteherpostens den Amtsbezirk ver- waltet._ Arbeiter-Amateur-Pbotographenvereiu.Iris'. Sitzung jede« Donnerstag 9 Uhr im Verbandshaus der Gastwirtsgehilsen, Grotze Ham« burgerstr. 18/19. Gäste sind willkommen. Kmfkaften der Redahtfon. DI« luristischc Sprechstunde findet Linden ftraße ö?, vor« vier Dreppen — Fahrstuhl—, wochcntöglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonn abends, von iVj bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmcntstinittnng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. W. Caputh. 1. Erst dann, wenn noch em Uebcrweisungsbeschlutz zugestellt. Das adschristlich mitgeteilte Schnjtstück enthält einen solchen nicht Prüfen Sie das Original nochmals genau. An den Vermieter dürfen Sit, njcht zahlen. 2. Ja. Sie können zur Doppelzahlung genötigt werden.— H. St. 23. Sie haben keinen Rückzahlungsanspruch.— H. S. 163. 1. Ja. 2. In der Regel für die Dauer der Kündigungssrist.— Kallas- Beuffelstratze. Nach Ihrer Darstellung ist Ihr Schwager im Recht.— 21. Heydck. Zu einer Mitteilung an Sie war die Pflegerin nicht ver- pflichtet.— O. L. Gr. L. Sie haben Anspruch aus Entschädigung für einen Monat.— Luxemburg I. Sie müssen gegen den Veräutzcrer Klage erheben.— D. 166. Verjährung liegt nicht vor. Für die behauptete Zahlung sind Sie beweispflichtig. Es wird sich wahrscheinlich nicht um cinelt Wechsel, sondern um eine sogenannte Tratte bandeln.— H. Sch. 160. Nach Ihrer Darstellimg ist der Eigentümer im Unrecht.— R. K. 65. Die Eltern hasten nicht.— F. M. 26. t. Für August kann Besreiung von der Staalseinkommensteuer verlangt werden. 2. Die Mahngebühr ist begründet. — K. Z. 166. 1. bis 3, Nein.— L. N. 7. Am zweckmätzigstcn ist ein schriftlicher Vertrag, der zu notariellem Protokoll erklärt wird.— 2t. B. II. 1. Zentralverband der HandlungSgchilsen, Neue Königstr. 36. 2. Ja, soweit seine Einkommens- und Bcrmögcnsverhältnisse eS gestatten. — L. 1887. Falls der Antrag bisher noch nicht gestellt ist: nein. Wir raten zur Wciterversicherung.— R. M. 666. Beim Fortzuge sind die Schlüssel auszuhändigen.— Tch. 166. Allgemeine Schwächlichkeit oder Entki ästung des Körpers oder einzelner Körperteile nach überstandenen Krankheiten.— E. P. 333. Verteilungsstelle für Gerichtsvollzieher« gcschäste beim Amtsgericht Charlottenburg.— X. U Z. Uebereignungs- vcrtrag, der am zwcckmätzigstcn zu notariellem Protokoll erklärt wird.— M. K. 11. Aus Befragen müssen Sie die Strafe angeben.— O. H. 12. S. 3. 1. Nein. 2. Antrag an die Kirchenbehörde.— Sternfcld 16. Die Markenzahl mutz ebenfalls angegeben werden.— O. H. 7664. Unseres Erachtcns sind Sie nicht zaliliingspflichtiq.— C. W., Förster Str. 36. 1. Wenn Sie Beweise haben, reichen Sfe die Klage vor Abtauf der dreimonatlichen Verjährungssrist ew. 2. Ja, Schöffengericht, Berlin- Mitte, Moabit. 3. In nächst.u Zeit! Ablehnung ist möglich. Richten Sie eine Ansrage an die Staatsanmaltschast. 4. Als Grund zur Vertrags- lösung anscheinend nicht ausreichend.— W. S. 391. 1. Nein. 2. Ja. — Flora 166. Nichts, wenn nicht auch die Frau noch erwerbstätig ist.— Hennig, Elde»aerstras?e. ES liegt Verjährung vor.— Steuer 9. Neil». WasferftaiidS-Stachrtchten der LandeSansialt für GewSsscrtimde. mitgeteilt vom Berlwer Vetterbureau st 4- bedeutet Luchs,— stall.— st Unierveget. Zeitmigs Ansgalieftelle« und Inseraten-Aunaljme. Sentram; Albert H a b n i l ch. Auguststr. 50. Eingang Joachimitratze. 2. Walilkrcla, W.: Gnsl. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. L. und LlV.r Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. S. WakIIrrvl«: St. Fritz, Prinzenftr. 31, Hos rechts vart. 4. HVaMIeroI«; Oll e«: Roberl W e n g c l S. Gr. Fraiitjurtcrstr. 120. — Richard tz a ck e I b u s ch, PelerSburgervlatz 4(Laden). 4. WalilUrcIa, Südosten: Paul B ö b m. Lausivervlatz 14/15, 5. HVatilstrot««: Leo Zucht, Juunaiiuelkirchflr. 12(Hos). V. HVatilltrel«(Jloubit): Karl Ander», Salzwedelerstr. 8. Lb'e«>«Iinjx: I. H ö n i' ch. Nazarclbkirchstratze 49. KoacntUalcr nnd Oranicnburjrcr Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Bernaucrslr. 9, vorn van. GeHnntlbrnnnen: F. Trapp. Steltinerstr. lO. 8riiön hauscr Vorstadt: Karl M a r S, Lychenerftr. 123. A(llershof: Karl Schwarzlose. Hoffmannstr. 9. Vlt-GIlcnirlt«;: Wilbeim Dürr e, Köpenickeritr. 6. Ikaiinist'bulean ex: H. Hornig, Marienlbalerslr. 13, I. Uci-nuu, Köntgcntal, Zepernick, Schünow imb Schön- brück: Heinrich Brost, Hohesteinstr. 74, pari. RoIinNdork und l-'alkcnbcrs: Alois Laus, Bohnsdorf, noffenschaftShauS.Paradies'. Cbnrlottcnbnrg: Gustav Scharnberg. Scienheimerstratze 1 f.Ich« aide: Oskar Mahle, Stubeiirauchfir. 99. V.rkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. b'redei'sdort-Petei'-ibaKen: E. Höselbarlh, PeterShaqe». rriedenat>»Stexlit:£-8t>dende-<üri.JJ-I.,IcIiterfeIde-4.anll- wltz: H. Berns ee, Alsenstr. 5 in Sieglitz. Friedricbttbaxen; Ernst Wertmann, Köpenicker Stratze 18. «.'rünan: Franz Klein. Friedrichitr. lO. Johannisthal: P i e l i ck e, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. liarlshurfct: Richard K Ü t e r. Rödels».. 9, U. KünigfH-W UNterliniiMcn: Friedrich B a u m a n n, Bahnhofstr. 13. I»ünenick: Emil W i tz l e r. Kietzeritr. 6, Laden. I.Icbtenberx, Fried ricliKfcldc, llubcnschönhansen: Cito heikel, Kronvrinzen stratze 4, I. nahlsdorf, Kaulsdorf: P. H c tz b e r g. KanISdorf, Ferdinand- stratze 17. Jluriendorf: August Leip, Cbaukseestr. 296. Hof. Marlcnfclde: Emil Weinert, Dorsstr. 14. V eucnbagcn: Johann Hübscher. Wolterstratze. *]eder-8cliünetveide:(Zehrt, Britzerftr. 6. Xo« a« ew: Wilhelm Jappe. Friedrichitr. 7. Obcr ScIiöncweidc: Alfred Bader. Wilst-kminenhosstr. 17 II. I ankow> icderwcliönlianwcn: R i tz m ä n u, Müblenstr. 30. Ilclniekcndorf- 0«t, Wilhclniaruh und ScbönhoU: P Gur, ch. Provinzstr. 56. Laden. Kixdorf; M. Heinrich Neckars». 2, im Laden; Rohr, Siegsriedswage 28/29. Riiiitntelsbiirg, floxhagen: A. N o s e n k r a n z, M-Boxhagen 56. Schbiiebcrg:»ilfjclm Säumt er, Martin Lulhcrstr. 69. im Laden. �paiiuau, �Voiiucndnintii, Staaken. Seegefeld und I* ulkenhagcj): Koppen, Dreitcstr. 61. Tegel, Uo,-.ix,, aide, Wittenan, Waldmannslnst, Hcrmwdorf und Iteinickendorf- West: Paul Kienast. Lorngwalde. Räujchstratze 10 Teltow: Wilhelm Bonvw. Teltow. Berliner Str. 16. Tcnipclhof: Frantz. Berliner Stratze 76. Laden. Treptow: Rod. Gramenz, Kiejhoizstratze 412. Laden. M eiüensee: K. Fuhrmann, isedaustr. 105, parterre. HV nn»er»uoi'f-HuIen»ce>Seh»ittU'genrt: Paul Schubert, WihelmSaue 26. Zeatben, Slicrsdorf: Ernst Hüttig. Zeuthen, Dorfstr. 15. sämlliche Partcllitcralur sowie alle ivissenschasllichen Werke werden geliefert.