Nr. 203. Abonnements- Bedingungen: = bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz $ Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 28. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Pig. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Big.( zulässig 2 fettgedructe 28orte), jedes meitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big, jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 31. August 1911. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Arbeitendes Volk von Berlin! Rüste Dich zur großen Friedensdemonstration! Krieg dem Kriege! Die fächsische Fabrikinipektion. induftrie, allgemein ein starter Geschäftsgang zu verzeichnen Wie seit einer Reihe von Jahren, so ist auch heute wieder bon den bedeutenderen Fabrikinspektionsberichten der sächsische wohl als der erste der Deffentlichkeit übergeben worden. So erfreulich diese Promptheit ist, so bedauerlich ist es, daß die Fabrikinspektionsberichte noch schematischer als seither abgefaßt sind, und zwar auf direkte Anordnung des Reichsfanzlers hin. In der Einleitung zu dem sächsischen Bericht heißt es nämlich: Wenn auch, mit Ausnahme einiger Zweige der Textilwar und wenn es auch außerdem gelungen ist, bescheidene Rohnerhöhungen zu erzielen, so müssen die Aufsichtsbeamten doch konstatieren, daß die Lebenshaltung der Arbeiter eine Besserung nicht erfahren hat. So sagt der Beamte für den Bezirk Chemnit: " Das Einkommen der Arbeiter dürfte sich gegen das Vorjahr nur in einigen Industrien gebessert, in anderen dagegen infolge ungenügender Arbeitsgelegenheit verschlechtert haben, so daß die wirtschaftliche Lage der Arbeiterbevölkerung, namentlich auch wegen der noch immer hohen Lebensmittelpreise im allgemeinen als eine günstigere nicht bezeichnet werden kann." Zweifel auch von der Regierung in Madrid rekla. mieren wird. Herr v. Kiderlen wird also, wie man sagt, ein gutes Geschäft machen, sogar ein sehr gutes Geschäft. Frankreich will zahlen, um mit der Erregung ein Ende zu machen, die es während der lezten sechs Jahre zu überstehen hatte, und um in Marokko endlich die Aktionsfreiheit zu erhalten, die es schon im Februar 1909 erworben zu haben glaubte. Die Regierung hat dem allgemeinen Empfinden Rechnung getragen und im letzten Ministerrat die äußerste Grenze der französischen Gebietsabtretungen festgestellt. Wenn Herr v. Kiderlen noch mehr vers langte, müßte unsere Regierung unbedingt der öffentlichen Meinung Frankreichs nachgeben, die keinen exorbitanten Breis zahlen will. Die große Mehrheit des Volkes in Deutschland und in Frankreich wünscht eine glüdliche und schnelle Lösung der schwebenden Differenz. Wir wollen nicht glauben, daß die dentsche Regierung das Rififo auf sich nimmt, die Lösung durch Ansprüche unmöglich zu machen, die keine Regierung Frankreichs akzeptieren kann, der die Interessen und die Würde des Landes am Herzen liegen." Die deutschen Arbeiter haben an diesem Schachergeschäft " Die Einzelberichte sind nach der im Berichtsjahr vom Herrn Reichskanzler erlaffenen neuen Anleitung erstattet worden. Die Berichterstatter waren besonders darauf aufDie Gewerbeinspektion Döbeln teilt mit, daß das Einmerksam zu machen, daß die Berichte sich ihrer geseh- tommen der Arbeiter in der für den Bezirk besonders lichen Bestimmung gemäß auf die Mitteilung von Tat= sachen und wahrnehmungen zu beschränken wichtigen Zigarrenindustrie weiter zurüdgegangen haben, daß theoretische Grörterungen, insbesondere Ab- sei, da weniger Gelegenheit geboten war, bessere und teuere schweifungen auf das Gebiet der Ausgestaltung und Abänderung Arten anzufertigen.. Leider haben die Lebens. bestehender Gesetze, Verordnungen usw. nicht in die Berichte ge- mittelpreise ihre steigende Richtung beibehalten, ebensowenig Interesse wie die arbeitenden Massen Frankreichs. hören, und daß nur solche Tatsachen mitzuteilen find, die auf so daß die Lebenshaltung der Arbeiter trot vermehrter unerträglich ist nur die Fortdauer der Kriegszuverlässigen Ermittelungen beruhen." Es wäre höchste Zeit, daß die Verhandlungen Arbeitsgelegenheit sich nur wenig gehoben haben wird. gefahr. 9 Italien meldet sich. Die Berichte der Fabrifinspektoren müßten eine Fund- Eine Ausnahme macht eigentlich nur der Berichterstatter möglichst bald diesem qualvollen Zustand ein Ende machen grube der Sozialpolitik sein, statt deffen sind sie eine rein für den Bezirk Dresden. Er führt in seinem Bericht und die Regierungen beider Länder die Massen darüber beschematische Aneinanderreihung von Zahlen, jedes eigene einen Strohhutpresser vor, der mit feiner Frau einen ruhigen, daß sie unter allen Umständen Frieden halten Urteil, felbst der leiseste Schein von Kritik fehlt, und dem och en Iohn von 90 m. verdient; in einem Be- wollen. Reichskanzler gebührt das Verdienst, daß die Berichte jest triebe der Musikinstrumentenbranche hat er sogar festgestellt, noch farbloser ausgefallen find. daß dort die Arbeiter 60 bis 100 m. pro Woche verdienen. Mailand, 30. August. Die dem Ministerpräsidenten Giolittt In 28 929 Betrieben waren im Berichtsjahre 1910 Die näheren Umstände gibt er nicht an, so insbesondere nicht, naheftehende Turiner Stampa" bringt zur Marokkofrage die Nach735 925 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Seit 1900 daß es sich in den Strohhutfabriken nur um eine kurz bericht, Italien habe in Berlin, London und Petersburg feine Anstieg die Zahl der Betriebe von 19 622 auf 28 929, die Zahl messene Saisonarbeit handelt. Wollte er ein ge- fprüche geltend gemacht, für den Fall, daß Veränderungen der Arbeitskräfte stieg im gleichen Zeitraum von 548 353 auf treues Bild der Einkommensverhältnisse in seinem Bezirk im Mittelmeer eintreten. Kein anderer Staat, sagt die Stampa", 735 925. Davon waren Arbeiter über 16 Jahre 443 956 geben, dann mußte er unbedingt Jahresdurch ist so sehr Mittelmeermacht, wie Jtalien. Wegen seiner Mittelmeer ( 1900 346 618), Arbeiterinnen über 16 Jahre 230 353( 1900 chnittslöhne angeben, ganz besonders durfte er aber intereffen ist es in den Dreibund eingetreten und hat das unglück157 060), Jugendliche von 14 bis 16 Jahre 59 150( 1900 dann nicht unterlassen, auch die Löhne mit zu verzeichnen, liche Abkommen mit Frankreich und England getroffen. 42 837), Kinder unter 14 Jahren 2466( 1900 1838). Be- die beispielsweise in der Blumenindustrie bezahlt Nach der„ Stampa" ist dieser Schritt Italiens auf direkte merkenswert ist die enorme Steigerung der Zahl der Ar werden. Selbst dieser amtliche Schönfärber mußte aber Veranlassung Giolittis erfolgt, der in legter Zeit wiederbeiterinnen um rund 30 Proz., während die Zahl der fonstatieren:„ Dagegen wirkten die hohen Nahrungs- holt direkt in die auswärtige Politik eingegriffen hat. erwachsenen Arbeiter sich zwar auch start vermehrte, aber mittelpreise, insbesondere des Fleisches, und die doch nur um etwa 22 Proz. Der Prozentfak der einzelnen Steigerung der Wohnungsmieten drückend auf die wirtKriegsrüstungen in Belgien? Gruppen zur Gesamtarbeiterschaft betrug: Arbeiter 60,3 fchaftliche Lage der Arbeiterbevölkerung." Ja, er geht noch Nichtoffizielle Meldungen aus Belgien berichten über Verstärkung ( 1900 63,3), Arbeiterinnen 31,3( 1900 28,6), Jugendliche weiter, er stellt nämlich fest, daß das Angebot der weiblichen der Garnisonen in den Festungen, namentlich in Namur und Lüttich. 8,1( 1900 7,8). Am gewaltigsten ist diese Verschiebung Arbeitsfräfte steigt, weil infolge der Berteuerung Die geplanten Manöner find abgefagt worden. Die Meldungen naturgemäß in der Textilindustrie; während hier die Zahl der allgemeinen Lebenshaltung viele Fa- haben eine gewisse Aufregung hervorgerufen. der Arbeiter in diesem Dezennium von 75 832 auf 99 319 milien des Mittelstandes gar nicht mehr in Spanische Kulturarbeit. stieg, vermehrte sich die Zahl der Arbeiterinnen von 91 485 der Lage sind, sich Dienst boten zu halten. Madrid, 30, August. Die spanische Strafegpedition zerstörte auf 123 142. 50,3 Proj. Arbeiterinnen stehen in der sächsischen Der fächsische Bericht darf als typisch angesprochen werin der Nähe von Tauriart mehrere Dörfer. Unter den Tertilindustrie nur noch 40,6 Proz. Arbeiter gegenüber; der den für die Lage der industriellen Arbeiterschaft im Reich. Stabylen des Kertgebietes herricht nach Meldungen aus Melilla teilRest sind Jugendliche und Kinder. Aber auch in der Metall- Was on Rohnerhöhungen erkämpft worden ist, das wurde weise Stimmung für eine Aktion gegen Spanien. Die Lage industrie findet die Frauenarbeit steigende Verwendung, so wieder mehr als aufgewogen durch die Verteuerung der gilt trotz der offiziellen Ablengnungen als schwierig. stieg die Zahl der Arbeiterinnen in der Gruppe Industrie der Lebensmittel in der Hauptsache eine Folge der deutschen Ein Dementi. Maschinen, Instrumente und Apparate von 3128 auf 5025, 23 ucherzo II politif. Diese amtlichen Auslassungen in der Gruppe Metallverarbeitung von 5150 auf 9483. Der halte man denen entgegen, die aus Heuchelei oder Unprozentuale Anteil der Frauen stieg in der erstgenannten be r it and die Hochschutzzollpolitik damit verteidigen wollen, Gruppe von 3,6 auf 4,4, in lettgenannter von 13,8 auf 16,6. daß sie auf die gestiegenen Löhne der Arbeiter verweisen. Die Verkürzung der Arbeitszeit macht allenthalben erfreuliche Fortschritte, namentlich hat die Herab. fegung der Arbeitszeit für Frauen auf acht Stunden an den Borabenden der Sonn- und Festtage dazu geführt, daß auch die Arbeiter der gemischten Betriebe die Verkürzung der Arbeitszeit erlangt haben. Manche Unternehmer schließen Tag neue unfontrollierbare Stombinationen. Doch läßt sich Eine so gewaltige Protestversammlung, wie sie am Dienstags unter Beschränkung der Mittagspause bereits in den frühen nicht verkennen, daß gerade der gut unterrichtete und bis abend im Garten des Volkshauses zu Gotha tagte, hatte unsere Nachmittagsstunden, vereinzelt wird auch bereits der Sonngestern ziemlich zuversichtliche Teil der Pariser Preise die Stadt noch nicht erlebt. Schon die Massen allein, die dem riesigen abendnachmittag völlig freigegeben, die ersten Anfäße zur Situation ernster beurteilt. Die sich ergebenden Schwierig- Garten zuströmten, wirkten nach außen hin demonstrativ. Lange Freigabe des Nachmittags vor Sonn- und Festtagen über- Situation feiten sollen daher rühren, daß die Gebiets- ehe die Versammlung eröffnet wurde, bot der geräumige Garten haupt. Bei den Arbeitgebern hat die Einschränkung der Be- abtretungen, die Frankreich zugestehen will, abtretungen, die Frankreich zugestehen will, den den Hunderten von neuen Ankömmlingen nur noch Stehplätze. Kopf schäftigungszeit der Arbeiterinnen natürlich wenig Freude deutschen Wünschen angeblich nicht genügen. In an Kopf gedrängt standen die Massen und lauschten der anderthalbausgelöst, um so mehr aber empfinden die Proletariermassen den Segen der verfürzten Arbeitszeit. Nun im sächsischen diesem Sinne schreibt der Matin": Vogtland, wo das rüdständigste und brutalite Unternehmertum haust, ist in den gemischten Betrieben für die Arbeiter die längere Arbeitszeit beibehalten worden. Interessant ist eine Beobachtung, die der Gewerbeinspektor für den Beairt 3wida u hinsichtlich der Nachtarbeit gemacht hat. In den Gardinenfabriken besteht vielfach die Tag- und Nachtschicht. In neuerer Zeit zeigt sich nun das Bestreben, die beiden Zwölfftundenschichten durch zwei Achtstundenschichten zu ersetzen, so daß die Betriebe von nachts 11 Uhr bis früh 6 Uhr ruhen. Ueber die Erfahrungen, die mit dieser neuen Einteilung gemacht worden sind, urteilt der Bericht ( Seite 168): Der hierdurch entstehende Ausfall an Warenerzeugung ist awar bedeutend, er wird aber durch fehlerfreie are wieder ausgeglichen. Ist es doch früher nicht felten vorgekommen, daß Weber während der Nachtarbeit ein. geschlafen find und die inzwischen ohne Aufsicht arbeitende Maschine völlig unbrauchbare are hergestellt hat." I Die Marokkoaffäre. Das Dunkel des diplomatischen Geheimniffes zeitigt jeden " London, 30. August. Auf eine Anfrage bezüglich der Ver mutungen, die in der Presse des Kontinents wiederholt an den jüngst in der Neuen Freien Breise" erschienenen Artikel geknüpft wurden, hat das Reutersche Bureau im Auswärtigen Amt die Antwort erhalten, daß kein britischer Diplomat für das betreffende Interview verantwortlich sei. Die Proteftbewegung. stündigen inhaltreichen Rede, die der Kandidat des Kreises, Genosse Die Landentichädigungen, die Frankreich geneigt ist, Wilhelm Bod über die Marokkoaffäre hielt. Eine Resolution, Deutschland abzutreten, um Afiionsfreiheit in Marollo zu erlangen, die aufs schärfste die deutsche Marokko- und Kolonialpolitik, wie die fcheinen Deutschland nicht zufrieden zu stellen. Das Weltpolitik des Kapitalismus überhaupt, verurteilt und sich für eine wäre für Deutschland ebenso bedauerlich wie für uns. Wir hoffen, energische Friedenspolitik aussprach und den Arbeitsbrüdern der dag bei der nächsten Zufammenfunft der Herren Cambon und intereffierten tapitalistischen Staaten ihre volle Solidarität aussprach, Kiderlert- Waechter der deutsche Widerstand einer loyalen fand einstimmige Annahme. Anerkennung der Weitherzigkeit weichen wird, die unsere Regierung zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die Kriegshetze gezu kommen. Wenn Herr Cambon selbst dem deutschen Staats- staltete sich eine von der sozialdemokratischen Partei in Augsburg sekretär flar und deutlich fagt, was Frankreich mit Bezug auf am Montag abgehaltene Protest versammlung, in der der unfere fünftige Attion in Marotto begehrt und zugleich Reichstagsabgeordnete Genoffe Adolf Ged Offenburg über Die im Namen Frankreichs ein großes Stüd unserer Songofapitalistischen Kriegsheyzer und der Wille des Volkes sprach. Der folonie anbietet, wird Herr v. Kiderlen auch nicht einen Augen- größte Saal der Stadt war vollständig überfüllt, viele Hunderte blid bestreiten fönnen, daß dieser Vorschlag der öffentlichen Bersonen fanden feinen Einlaß mehr und mußten wieder umfehren. Meinung feines Landes vollauf Genüge gibt. die Die Zahl der Versammlungsbesucher betrug mehr als 4500 fogar nicht bestreiten fönnen, daß die Borteile, erhält die deutschen Hoffnungen übertreffen. Zu dem fran Berfonen. Die Ausführungen des Referenten fanden stürmische zöfifchen Gebiet, das Herr v. Kiderlen von uns erhält, wird er in Bustimmung, eine entsprechende Resolution wurde einstimmig an furzer Zeit ein spanisches Territorium hinzufügen genommen. Die Versammlung war die größte, die jemals in fönnen, das er nur zu reklamieren braucht, und das er ohne Augsburg stattgefunden hat. Er wird er " Politifcbe deberRcbt Berlin, den 80. August 1911. Neue Zentrumsniedertracht. DaS Zentrum entwickelt sich immer mehr zur Scharf- Macherpartei schlechthin. Die Freikonservativen find nachgerade die reinen Waisenknaben in der Scharfmacherei gegen- über der Partei für„Wahrheit und Recht". Die„Reichsfeinde" von ehedem, die ehemaligen Oppositionellen, sind nicht nur die Ver- b ü n d e t e n der schwärzesten Reaktion geworden, sondern geradezu die Träger und Vorkämpfer aller reaktionären Anschläge. Während die konservative, agrarische und selbst die freikonservative Presse vom Schlage der„Post" die zum Sonntag angekündigte Friedensdemonstration des Berliner Proletariates als selbstver- ständliche Gegenaktion gegen die infame Kriegshetze mit. grösserer oder geringerer Fassung hinnimmt, fallen die beiden Berliner Zen- trumsblätter„Germania" und„M ä r k i sch e Volkszeitung" mit einem wahren Wutgeheul und giftigstem Denun- ziantcntum über die geplante Veranstaltung her. Die„Germania" besitzt die Frechheit, voy der Sozialdenwkratie als der Partei der Vaterlandsverräter zu sprechen. Die Sozialdemokratie beweise nur durch ihre Kundgebung, bah sie für nationale Ehre und Würde kein Verständnis habe. Da seien die französischen So- zialdemokraten anders gesinnt. Als ob es nicht gerade fr an- z ö s i s ch e Arbeitervertrcter gewesen wären, die- erst kürzlich in Berlin und Paris in der rücksichtslosesten Weise gegen deutsche und französische Kriegshetzereien Protest erhoben hätten! Aber was kommt es der„Germania" auf einen Schwindel mehr an! Toller noch treibt es die„Märkische Volkszeitung", das widerliche Ausscheidungsprodukt der„Germania". Sie be- hauptet, daß in„schwieriger Stunde" die deutsche Sozialdemokratie „der deutschen Regierung Knüppel zwischen die Beine werfe". Ein solches Verhalten der deutschen Sozialdemokratie sei„sch mach- voll", ein„dem ganzen deutschen Volke zugefügter Schimpf". Dann heißt es wörtlich: „Von einer Kriegshetze haben wir noch nichts bemerkt, es sei denn, daß man die hie und da etwas erregte Sprache unserer alldeutschen Presse als eine solche ansehen will; aber nicht diese ist maßgebend, sondern allein die Regierung: Und das Verhalten der deutschen Regierung läßt doch mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit erkennen, daß sie einen Krieg nicht will. Es find nicht nur alldeutsche Blätter, die von der bangen Sorge nicht ganz frei sind, ob die deutsche Regierung sich nicht zu nachgiebig zeigen und deutsche Interessen preisgeben wird." Das Zentrumsblatt macht also förmlich Brüderschaft Mit den alldeutschen Kriegshetzern, deren Sorge auch die seine ist! Von einer Kriegshetze hat es noch nichts bemerkt! Selbst der„Arbeiter", das Organ des Verbandes der katholischen Arbeitervereine, schreibt in seiner letzten Nummer von den„maß- losen Uebertreibungen alldeutscher Kriegs- Hetzer"—> die„Märk. Volksztg." dagegen identifiziert sich mit dieser Kumpanei! Die unbeschreibliche Jämerlichkeit und Perfidie der Zen- krumSpresse erklärt sich nicht allein aus dem heißen Bemühen des Zentrums, sich nur ja bei der Reaktion und der Regierung einzu- schmeicheln, sondern auch aus dem bösen Gewissen und peinlichen Erinnerungen. Nicht immer ist ja das Zentrum so sehr vom Kolonialkoller befallen gewesen! In seine heurige„Schützenfest- stimmung". um das prophetische Wort des Abgeordneten Bam- berger zu gebrauchen, hat sich das Zentrum ja erst künstlich hinein« deliriert. Noch im Jahre ISVS wetterte ja bekanntlich Herr Erz- b e r g e r gegen die Weltpolitik, weil sie die internationalen Rei- bungsflächen vermehre und Kriegsgefahren enthalte. Im Jahre lövö drohte ja auch Herr R o e r e n der Regierung mit einer Zen- trumsopposition in kolonialen Dingen! Nach der aktenmäßigen Darstellung des Kolonialsekretärs Dcrnburg er- klärte er bei Verhandlungen mit Regierungsvertretern, wenn man nicht das Verfahren gegen den katholischen Beamten Wistuba ein- stelle, so könnte„die ganze katholische Bevölkerung und namentlich die Zentrumsfraktion dadurch gegen die Kolonien sehr ungünstig gestimmt werden". Ja, Herr Rocren drohte nach Herrn Ternburg direkt damit:„Wenn die Wistubasche An- gelegenheit nicht in der von uns(dem Zentrum) erwarteten Weise erledigt werde, so werden wir uns genötigt sehen, für die Ko- lonien überhaupt nichts mehr zu bewilligen". Von so großen„patriotischen" Gesichtspunkten aus beurteilte das Zentrum Anno 1906 unsere Weltpolitik! Und jetzt besitzen diese Leutchen die Dreistigkeit, der Sozialdemokratie Vaterlandsscindlichkeit oder gar Hochverrat vorzuwerfen, weil sie aus Gründen der nationalen Wohlfahrt, der Vernunft, der Mensch- lichkeit und— des Christentums gegen die aberwitzige Kriegshetze Front macht, die tagtäglich von unseren Prozentpatrioten betrieben wird!_ Mr erneutes Wettrüsten spricht sich begeistert Richard Nordhausen sin.Tag' aus. Er schreibt: „In Hamburg ist jetzt die Antwort gegeben worden. Die einzig richtige. Dieser Antwort braucht kein Wort hinzugefügt zu werden, wie ihr keine- genommen werden darf..Jungens, wir müssen Kähne bau'n.' Deutschland versteht die Antwort und läßt sie weiterklingen.' Der wildkonservative Schriftsteller ist wenigstens ehrlich genug, den armseligen Schwindel der Ultramontanen und Liberalen nicht mitzumachen, sondern zuzugestehen, daß der Sinn der kaiserlichen Rede gar nicht mißverstanden werden kann! Diesen Sinn ver- dolmetscht er daher hübsch mit den Worten:.JungenS. wir müssen Kähne b a u' n l" Aber auch die„Konserv, Korrespondenz' schließt sich dieser Losung zieinlich unverblümt an. Sie erklärt: „Immerhin wird nicht zu übersehen sein, daß die inter- nationalen Spannungen der letzten Zeit dazu angetan sind, daS Gewissen der Reichsleitung bezüglich der Stärke unserer militärischen und maritimen Abtvehrmittel zu s ch ä r f e n. ES wäre übereilt, in solcher Angelegenheit von uner meßbarer nationaler Tragweite im voraus ein Urteil abzugeben, ehe nicht die Reichsregierung ihre Pläne nebst zugehöriger' überzeugender Begründung kundgetan hat. Man wird vielmehr vorerst nur zn folgenden zwei Le»tsätzen sich bekennen dürfen: der im F l o t t e n g e s« tz festgelegte Rahmen für die Stärke unserer Marine kann niemals als unab» ä n d e r l i ch gelten, sondern muß den veränderten Verhältnissen angepaßt werden. Und zweitens,� jeder neuen Entschließung in dieser Richtung muß eine sorgfältige Abwägung der für eine Neuordnung maßgebenden Faktoren vorangehen.' Wenn der Marokkorummel und die Kriegshetze also auch sonst ohne schwere Folgen blähen sollten— ein verhängnisvolles Ergebnis würden sie doch haben: die abermalige Verstärkung unserer Kriegsflotte! Und als unausbleibliche Folge würde sich dann ferner ergeben die Zuspitzung des deutsch-englisch-französischen Konfliktes, in besten Hintergrund der blutige Weltkrieg lauert I Doppelt geboten ist da die energische Willenskundgebung de» friedliebenden deutschen Volke»! Sus?- Stust! Als rn der d'euischnationalen Marokkoversammlung, die MUi- tooch abend die„Neue Philharmonie" füllte, der erste Referent, geziemenderweise ein konservativer Dreiklassenmann, als voll- wertige Kompensation für Marokko einen guten Handelsvertrag mit Frankreich forderte, riefen ein paar jugendliche Leser chauvi- nistischer Blättchen empört dazwischen:„Susi" Sus wollten sie haben, gestern abend in der Köpenicker Straße, Sus, den sagen- haften Landstrich, wo Milch und Honig fließet und Berberhiebe hageln knüppeldick, fast so gut, wie auf einem schwarzweißroten Kasernenhof. Vorn aber, an der Bank der Spötter von der Presse, verstand einer die noch nicht mutierte Stimme Berlins schlecht. „Stuß?" fragte einer der Journalisten. Er hatte daS erlösende Wort gefunden. Was da gesprochen wurde, wußte jedermann reichlich lange vorher, als ein anonymes Komitee Redner an- kündigte, die alsdann ihren Sommerschlaf durch ein schleuniges Dementi stören mußten. So blieben nur noch zwei Parlamcn- tarier übrig für daS„Berliner Bürgertum": der Herr Rittmeister a. D. von Böhlendorff-Kölpin, von Junkergeld- sacks Gnaden königlich preußischer.Volksvertreter erster Klasse, der übrigens recht harmlos als marokkanischer Tourist auf langweiligen Gefilden umherwandelte. Nett war es übrigens von diesem Drei- llastenmann und Kröcherkollcgen, daß er erklärte, man lerne es im Parlament, wie es die Parteien enger aneinander bringe, und wenn sie scharf miteinander zu tun haben und daß sie da sich besser verstehen lernen und gemeinsam arbeiten. Die Behandlung der fünf Volksvertreter im Dreiklassenhaus— so marokkanisch sie ist— gibt einen klassischen Beweis.... Dann kam aber ein Scharfer, der Herr Amtsgerichtsrat Lattmann, zurzeit noch Mitglied des Reichstags. Man kennt ja den Herrn Abgeordneten von Cassel und seine dichterische Kraft. Sie sei ihm geschenkt. Und wir schenken ihm auch, daß er die Volksredner, die gegen einen Weltkrieg um Maroklo protestierten, des Landesverrats bezichtigte und daß er aus der Würdi- gung der Bedeutung von Maroko für den deutschen Handel durch den„Vorwärts" die feine Schlußfolgerung zieht:„Deutscher Ar- beiter, stehe zu deinem Volke, laß dich nicht zugunsten des Auslandes mißbrauchen!" Landesverrat! Roter Landesverrat! D i e Wahlparole würde den Volksentrechtern, Agrarierknechten und Steuerbrandschatzern so passen! Und noch besser natürlich ein Krieg. Dann lösen sich die roten Kompagnien auf, so verkündete der Münchener Professor und Graf dazu, Dumoulin, und im Lauf- schritt eilen die kricgsbegcisterten deutschen Arbeiter unter die heilige Trikolore des prcutzisch-deutschen Reiches. Aber so blutig ernst ist der Münchener Graf gab nicht. Er will nicht zum Kriege hetzen, er will nur, wie er kündete, daß der Deutsche auch im Aus- land sein Deutschtum nicht vergesse, baß er auch da deutsch spreche und deutsche Treue übe-- und das ist nurinMarokko möglich.(Stürmischer Beifall.) Warum strömten letzthin im Frankenland zu einem Kriegervereinsfest alle Kriegcrvereine der ganzen Gegend zusammen? Nicht etwa, weil es da ein gutes Bier gab, sondern, so erklärte ein Legationssekretär a. D. v. Schwerin«aus Bayern"(wie ihn der Präside vorstellte), weil wir unS nicht unterdrücken lassen wollen. Immer wieder kehrte die Behauptung. Frankreich würde durch die Besetzung Marokkos militärisch ganz enorm gestärkt, um zwei bis drei Armeekorps. Und Frankreich würde doch gerade durch die Okkupation Marokkos einen gewaltigen Teil seiner Armee lahm- legen. Uebrigens, gesetzt jene Behauptung wäre wahr, dann würde Deutschland prompt sein Heer entsprechend verstärken. Und das sollte den Prozentpatrioten unangenehm sein?! So ging es den ganzen langen heißen Abend. Und diese Ver- sammlung soll nun beweisen, daß das deutsche Volk einen Krieg wünscht. Ein Freiherr von Rcibnitz begründete dann die Resolution des versammelten Alldeutschlands— ein Stück Marokko wenig- sienS!— und da die Leute die Lobpreisung Wilhelms II. eisig kalt anhörten, schloß er unvermittelt mit dem längst fälligen Hoch auf den Kaiser. Darauf ist der kurar teutonicuz immer eingestellt und es erklang prompt die„Wacht am Rhein". Das war der Schluß. Diskussion gab eS natürlich nicht. Aber dafür ein Marokkolied — gratis als Zugabe zum ängstlich kontrollierten Eintrittsgeld und dem entnehmen wir folgende schöne Verse: Wir warten auf ein Kaiserwort! ... Wir warten wie der Adler wacht, Der hoch vom Horste schaut. Wenn nach der langen müden Nacht Der junge Morgen graut. :.: Heia, ivenn er die Schwingen bläht, Dann weh' dir welscher Hahn, Du hast zu lange schon gekräht, Der Adler packt dich an! ... Wir führen noch daS alte Schwert. E» glüht im Morgcnlicht l Heia, weim's aus der Scheide blitzt, ES geht nickt wieder rein. Wenn du auch Blut und Wasser schwitzt, ES haut in'S Mark hinein!—:,: Wir warten auf ein Kaiserwort Von altem Stolz und Stahl; Sie nennen Dich den.FnedenShort', Du hütetest den.Gral".— Zu En degehl nundieGeduld, Die Ehre i sl im Spiel! Nicht Dein, o Kaiser, wär' die Schuld, Wenn jetzt der Würfel fiel! Vieheinfuhrverbot und Fleischpreise. Welchen Einfluß die Einfuhr ausländischen Viehes auf die heimische Fleisch Versorgung hat, darüber gibt eine Eingabe deS Bayerischen S t ä d t e t a g'e S an die bayerische StaatSregiernng lehrreiche Aufschlüsse. ES heißt in der Eingabe: Die Möglichkeit. auS FrankreichBieh einzuführen, hatte immerhin Kn weiteres Treigen der Preise im allgemeinen hintangchalten. Seitdem die EiiifuhierlaubmS zurückgezogen worden ist, haben die Fleischpreise sofort wieder angezogen. Daß daS Aufhören der französischen E i n s u h r einen schweren Schlag für die Versorgung mit Vieh bedeutete. mag folgenden Ziffern entnommen werden: In den Münchener Schlachthof wurden zugetrieben insgesamt auS Frankreich im Januar..... 2553 1699 Ochsen im Februar..... 2355 1354. und auch in den anderen Städten bildete das Vieh aus Frank- reich einen bedeutenden Prozentsatz deS GesamtausiriebcS. Das war der Fall, obwohl das französtiche Vieb zum Teil im Ver- Hältiiis zum einheimischen in sehr hohem Preise stand. Der Grund hierfür ist aber darin zu suchen, daß die ein- heimische Landwirtschaft zurzeit nicht in der Lager st. den Bedarf zu decken. Die letztere Behauptung wird in der Eingabe mit amtlichen Ziffern belegt. Bayern ist demnach offenbar auf auswärtiges Vieh angewiesen. Da» beweisen auch die Ergebnisse der letzten Bolls- zählung mit erschreckender Deutlichkeit. In der Eingabe wird daher gefordert, daß wenigstens die Einfuhr von Fleisch, und zwar in gefrorenem Zustande, erleichtert werde. Durch Entsendung von deutschen beamteten Tierärzten ins Ausland könne dafür gesorgt werden, daß nur einwandsfreieS Fleisch nach Deutschland eingeführt werde. Futtermangel und Fleischteuerung. Die Korrespondenz derLandwirtschastSkammer für die Rheinprobinz wendet sich gegen das Bestreben einiger bürgerlicher Blätter, den Einfluß der Dürre auf die Viehhaltung zu übertreiben und den Lesern allerlei schauerliche Märchen über Massenschlachtungen junger Rinder und Schweine infolge Futtermangels aufzutischen. So hatte jüngst der„Berliner Lokalanzeiger" gemeldet: „Kompetente rheinische Landwirtschaftskreise versichern, innerhalb weniger Monate würden die Flcischpreise eine Höhe erreichen, wie nie zuvor. In großen Distrikten werden die Landwirte gezwungen, wegen völligen Futtermangels ihren Viehstand gänzlich auf- zugeben. Gegenwärtig werde viel Jungvieh abgeschlachtet... Hierzu bemerkt die genannte Korrespondenz: „Zweifellos habe die anhaltende Trockenbeit auch für die rheinischen Landwirte, namentlich im nördlichen Teile der Provinz, die Ernährung ihrer Viehbestände in: kommenden Herbst und Winter sehr schwierig gestaltet. Aber es kann bestimmt erwartet werden, daß die Zahl der- jenigen Landwirte, welche infolgedesien zu einer wesentlichen Verringerung ihrer Viehbestände gezwungen sind, nur eine geringe sein wird. Die fast überall reichliche und gute Heuernte in Verbindung mit der teilweise recht günstigen Ernte an Körnerfrucht wird die meisten Landwirte instand setzen, unter Zuhilfenahme von Kraft- futtermitteln ihr Vieh durchzubringen, namentlich wenn ein bald einsetzender ausgiebiger Regen das Einbringen von Herbstfutteriaaten ermöglicht. Die Laiidwirtschnftskammer hat bereits durch wiederholte Veröffentlichungen Ratschläge dazu erteilt. Die Behauptung, daß gegenwärtig viel Jungvieh abgeschlachtet werde, steht im Widerspruche zu der Tatsache, daß die letzten Hauptschlachlviehmärkte der Rhein- Provinz nicht eine vermehrte, sondern eine abnehmende Bc- schickung mit Kälbern aufweisen. Ebenso wenig ist die Zufuhr von Großvieh zu unseren Schlachtviehmürkten in letzter Zeit ge- stiegen, woraus geschlossen werden kann, daß eine erhebliche Ab- stoßung von Vieh wegen Futtermangels zurzeit nicht stattfindet.' Die kleine Garniso»» als Lockmittel. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" druckt folgende Meldung einer Korrespondenz ab: „Gelegentlich der Etatsberatung im Reichstage ist wiederholt die Errichtung neuer Garnisonen in kleineren Städten angeregt worden und eine erhebliche Zahl von Städten hat sich in Eingaben an die preußische Heeresverwaltung um Garnisonen beworben. Das erfreuliche Interesse für die Armee, das in diesen Wünschen zum Ausdruck kommt, wird von der Heeres- Verwaltung voll gewürdigt und soweit eS die militärischen Rücksichten ermöglichten, ist in den letzten Jahren eine ganze An- zahl kleinerer Städte teils mit Truppenteilen, teils mit militari- schen Instituten belegt worden. In weiterem Umfange könnten Anträge auf Errichtung neuer Garnisonen nur im Falle einer Heercsvermehriing Berücksichtigung finden. Da diese zurzeit nicht in Aussicht steht, muß sich das preußische Kriegöministerium darauf beschränken, in einem Verzeichnis diejenigen Städte festzustellen. die für den Fall einer Verlegung von Truppen in erster Linie zu berücksichtigen sein würden." Das ist wieder rein erfunden; denn in der Budgetkommission de? Reichstages haben die Vertreter des KriegimmisterS ausdrücklich erklärt, daß die kleinen Garnisonen ohne zwingenden Grund nicht aufrecht erhalten werden, weil die Ausbildung der Truppeneinheit darunter leidet, wenn sie auf mehrere Garnisonen verstreut ist. Allem Anscheine nach will man dadurch auf die Wahlen einwirken, daß man— ohne jede Verbindlichkeit natürlich— in einer Menge Klein st ädte da» Ver« langen nach einerGarnisonweckt. Ein tveister Rabe. Das Christentum ist ja bekanntlich die Religion ker! Nächstenliebe. Unsere christliche Kirche ist die Repräsentantin unserer Religion der Nächstenliebe. Und doch hat sich n i ch k ein einziger Geistlicher gefunden, den sein christliches Gewissen zu einem Einspruch gegen die verbrecherische Kriegshetze getrieben hätte. Daß ein solcljes Christentum bei den denkenden Volksmassen jeden Kredit verlieren mutz, ist wahrhaftig kein Wunder. Nun hat sich aber wenigstens ein Pfarrer gefunden, der im Organ der deutschen Fricdensgesellschaft einige Worte der Kritik gegen das Allerheiligste in Preußen- Deutschland zu sagen gewagt hat, nämlich über unsere Armee. Der weiße Rabe ist der Pastor Franke von der Heilig-Kreuzkirche in Berlin. Er hat u. a. folgendes aus- geführt: „Standesdünkel und Standesunterschiede. daS sind gerade Dinge, die um des recht verstandenen Christentums willen, das doch in den Kirchen gepredigt wird, draußen bleiben sollten. Und gerade der Militärstand ist seiner ganzen Herkunft und Be- deutung nach wahrhaftig doch am wenigsten berechtigt, an den Stätten, wo wir vor Gottes Auge stehen, besonders zu paradieren. Er ist derjenige Stand, bei dem Wcltsinn und Welteitelkeit sich am breitesten machen dürfen, und es ist der Stand, dessen letzte Ziele am weitesten abliegen von den hehren Reich-GotteS- Zielen, die doch die Kirche zu vertreten hat." Es versteht sich von selbst, daß der ganze Ordnungs- klüngel vor Empörung über diese Acußerungen des Pastors. dessen Mund unvorsichtigerweisc von dem überging, wessen sein Herz voll war, Kopf steht. Wenn nicht alles trügt, wird es dem Aermsten mindestens ebenso gehen, wie dem Pastor Kraatz, wenn man ihn nicht gar. wie den Pfarrer Jlatho. wegen Lästerung des Allerheiliasten seines Amtes enthebt. Köstlich aber ist, baß in der„Kreuz- Ztg." ein andererPastordcn Vorschlaa macht, eine besondere Militärseelsorge zn scksaffen und die Pflege„des in der Armee zu pflanzenden christlich-pattiotischen Geistes" fürderhin ausschließlich durch Militärgeist. l i ch e vornehmen zu' lassen. Wozu braucht man denn eigent- lich überhaupt noch Geiflliche. Ein ausgedienter Unteroffizier versteht sich doch am besten auf den Patriotismus, und das bißchen„Christentum", das den Mannschaften einzupflanzen ist, kann dem Mann« doch auch ohne Schwierigkeiten von seinen Vorgesetzten beigebracht werden. Der Fall Jatho rief wenigstens die liberale Geistlichkeit auf den Plan. Damals handelte es sich nur um die Ge» Wissensfreiheit in Sachen des formalen Bekennt- n i s v e s._ Der Fall des Pastors Franke ist ungeheuer viel wichtiger. Hier handelt es sich darum, ob der Geistliche auf Mordpatriotismus und Milita» r i s in u s cingeschworen sein muß. Wir erwarten also in aller Bälde große 5fundgcbungen aus den Kreisen der Geist- lichkeit. Wir sind freilich von vornherein sicher, daß wir vergeblich warten werden! Das ist ein Geschäft! an, durch das Dreiklassenwahlunrecht wurde er hinausgewählt. I teine entehrende Tätigkeit, die das Recht zur sofortigen AufAnallrote Blafate an den Litfaßsäulen Berlins ver- Dafür schickte ihn der 6. Reichstagswahlkreis 1896 zum ersten lösung des Lehrverhältnisses gebe. Es ist sogar als Beweis Fünden die große Marokkoversammlung des Berliner Bürger- Male in den Reichstag. Alles in allem war er feit mehr als eines gewiffen Bertrauens anzusehen, denn sonst würde die Frau tums, eines Unternehmens des Leutnants a. D. Kuhn, der einem Menschenalter ein tapferer Streiter des Proletariats. des Beklagten ihr fleines Kind dem Lehrmädchen nicht so ohne dabei vielleicht ein ganz annehmbares Geschäft macht, da für Mögen dem förperlich und geistig noch völlig Rüstigen noch viele weiteres anvertraut haben. Vor allem aber muß, wenn die Eltern den Eintritt pro Person 20 Bf., für reservierte Plätze 1 M. Jahre in Gesundheit beschieden sein. des Lehrlings Grund zu haben glauben, die Beschäftigung ihres Pflegebefohlenen rügen zu müssen, beim Lehrchef dieserhalb moniert werden. Das ist aber in diesem Falle nicht geschehen. Falsche Gerüchte. zu zahlen sind. In auffallendem Druck steht auf den Blataten:" Sozialdemokratischer Besuch ber beten!" Die paar Geschäftsleute, die hinter dieser Ver- Mittwoch nachmittag war in verschiedenen deutschen Städten Die Entscheidung des Kaufmannsgerichts widerspricht dem Gesetz. anstaltung tecken, scheinen die Berliner Sozialdemokraten das Gerücht verbreitet, Genosse Bebel sei lebensgefährlich erkrankt Es hätte Beweis über die Klägerischen Behauptungen erheben und, falls recht gering einzuschäzen, wenn sie die Befürchtung hegten, oder gar schon tot. Unsere Redaktion wurde daher bon allen diese sich bewahrheiteten, der Klage stattgeben sollen. Nicht darauf unsere Genossen würden diese radauantisemitische Veranstal- Seiten befragt, ob die Meldung auf Wahrheit beruhe. Auf tele- tommt es an, wie das Kaufmannsgericht anzunehmen scheint, ob tung besuchen und damit den Veranstaltern auch noch Geld graphische Anfrage erhielten wir aus Zürich von unserem Genossen Kinderwarten eine„ entehrende Tätigkeit", sondern ob die Bes zuwenden. folgende Antwort:„ Gerücht Schwindel, bin sehr vergnügt. Bebel." schäftigung des Lehrmädchens als Kindermädchen gegen die Lehrwir nach diesem Telegramm auch. pflicht und den Lehrvertrag verstößt. Diese Frage ist unbedingt zu bejahen. Im Handelsgesetzbuch ist allerdings eine den§ 127 und Der finnische Barteitag § 148 Gewerbeordnung, die die Heranziehung von Lehrlingen zu wird vom 4. bis 9. September in Helsingfors abgehalten häuslichen Dienstleistungen mit Strafe bedrohen, gleiche Vorschrift werden. Der lebte Barteitag wurde 1909 in Rotta abgehalten. nicht enthalten. Man hielt sie für entbehrlich, weil sie selbstverständ Vor dem Parteitage versammeln sich die sozialdemokratischen lich sei und eine solche Beschäftigung einen wichtigen Grund zur Redakteure ebenfalls in Helsingfors. fofortigen Aufhebung des Vertrages darstellt. Es ist vom Stand punkt der Bekämpfung diefer Lehrlingsausbeutung bedauerlich, daß das Kaufmannsgericht diesen Gesichtspunkt außer acht gelaffen hat. Was will eine Versammlung von ein paar Hundert Leuten, die niemand ernst nimmt, besagen, gegenüber der Friedenskundgebung des Berliner Proletariats. Keine Staatsaktion. PP Gegenüber der, militärisch- politischen Korresp.", die neue Ausnahmegefeze angekündigt hat, teilt die Information" mit, an zu ständiger Stelle sei nichts davon bekannt, daß Erwägungen darüber stattfinden, ob der Schutz der bestehenden Geseze bei Aufforderungen zum Landesverrat ausreiche. Standes." Lehrer und Geistlichkeit. " Hus Induſtrie und Bandel. Gewinne in der Tabak-, Zigarren- und Zigarettenindustrie. Gerade jetzt, wo die schauderhaft entlohnten Zigarrenaus. Daß solche Gewinne auf Kosten der Arbeitslöhne er preßt werden, ist ein Skandal. Man darf daher wohl auch mit Bestimmtheit erwarten, daß die Konsumenten bei einem eventuell notwendig werdenden Kampfe sich rückhaltlos auf die Seite der Arbeiter stellen. Gerichts- Zeitung. Zum Jrrenrecht. Das Verhältnis, in dem im Reich der Gottesfurcht und frommen arbeiter eine Lohnbewegung eingeleitet haben, dürfte es von Sitte die Lehrerschaft zur Geistlichkeit steht, erfährt eine treffliche Interesse sein, auf die Rentabilität der in dieser Industrie- Beitrag zur Reformbedürftigkeit des Jrrenrechts bietet: Seit Wieder eine lehrreiche Irrenhaus- Geschichte, die einen weiteren Beleuchtung durch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in gruppe tätigen Aktiengesellschaften hinzuweisen. Vielfach ist Jahren tämpft die Familie Albrecht in Marburg, Mutter und Leipzig gegen die Leipziger Lehrerzeitung". In die Ansicht vorhanden, die Zigarren- und Zigarettenindustrie Schwester, um die Entlassung ihres nach ihrer Ansicht widerrechtfeiner Nummer vom 17. Mai brachte dieses Blatt einen Artikel: sei zu den von ihr gezahlten niedrigen Löhne gezwungen, lich in der Jrrenanstalt festgehaltenen Sohnes und Bruders. Statt Eine Anklage gegen die Geistlichen! Darin war nichts weiter ge- weil sich das in ihr angelegte Sapital schlecht verzinse. Das die ersehnte Befreiung zu erreichen, wurden jedoch beide, Mutter fagt, als: Sie( die Geistlichen) baben nichts getan, unseren Kirche der obersten Sprosse der Dividendenleiter. Nach der amtlichen der Merrhausener Jrrenanstalt überwiesen. Die Mutter und der ist jedoch nicht der Fall. Gerade diese Industrie steht mit auf und Tochter, am 21. Dezember 1909 der Marburger und alsdann nehmen und sind daher mitschuldig an der Niederhaltung unseres Statistit ergibt sich für sämtliche Aktiengesellschaften Deutsch- Sohn befinden sich noch heute in der Anstalt, während die Tochter lands nach den Abschlüssen des letzten Geschäftsjahres eine ihre Befreiung der Tatsache verdankt, daß der Direktor der JrrenAuf diesen Grundton war der ganze Artikel gestimmt, es war Durchschnittsdividende von 7,76 Prozent. Nun haben wir anstalt in Merghausen sie für unheilbar geisteskrank erklärte und kein Wort gefagt über die geistliche Schulaufsicht, die Stellung der acht Tabat, Zigarren- und Zigaretten- Attiengesellschaften mit beim Marburger Gericht die Bestellung eines Pflegers beantragte. Lehrer zum Religionsunterricht oder dergleichen. Jetzt hat nun die 12 810 000 Mart eingezahltem Aktienkapital. Diese Gesell- Das Marburger Gericht stellte daraufhin dem Fräulein Albrecht Leipziger Staatsanwaltschaft auf Veranlassung des Konsistoriums schaften erzielten im letzten Jahre 4066 000 Mark Rein- folgendes Schreiben zu:„ Sie werden davon in Kenntnis gefeßt, bei dem verantwortlichen Redakteur der Leipziger Lehrerzeitung" gewinn, gleich 31,7 Prozent. Von dem Reingewinn wurden baß der Direktor des dortigen Landeshospitals den Antrag gestellt und auf Grund des§ 185 des Str.-G.-B. eine Haussuchung allerdings nur 1989 000 Mark als Dividende verteilt, aber hat, Ihnen einen Pfleger zu bestellen, welcher Ihre lebenslängliche vornehmen lassen. Fast zwei Stunden lang wurde alles durchsucht, auch das macht immer noch eine Verzinsung von 15,53 Prozent Aufnahme in die zweite Klasse des dortigen Landeshospitals und felbft Privatbriefe wurden durchstöbert. Etwas milder verfuhr man die Erteilung der Anwartschaft auf eine Freistelle beantragen und beim Verleger. In der Druckerei und bei einem Mitgliede des Sie für den Fall, daß Ihnen fünftig Vermögen zufallen sollte, zur Leipziger Lehrervereins haben außerdem noch Befragungen stattNachzahlung der Verpflegungskosten verpflichten soll, da Sie infolge gefunden. Die Recherchen nach dem Manuskript und nach dem unheilbarer Geisteskrankheit nicht befähigt seien, diese Erklärung Namen des Verfassers des fraglichen Artikels waren selbstverständlich abzugeben und Ihre Angelegenheiten zu besorgen. Sie werden verergebnislos. anlaßt, umgehend eine eigenhändige briefliche Nachricht hierher zu Die Leipziger Lehrerzeitung" bemerkt dazu bitter: Das fenden, ob Sie mit der Bestellung eines solchen Pflegers einverDie Notierungen der Kartoffelpreise in den Brobiantamtsstanden sind, auch ob Sie sich freiwillig in der dortigen Anstalt befind die geistigen Waffen, mit denen man uns be kämpft! Das sind die Mittel, bie die Diener der orten ergeben gegenüber August 1910 schon eine ganz beträchtliche finden oder gegen Ihren Willen in derselben festgehalten werden." Religion der Liebe anwenden, um ihren Stand- Verteuerung. In den Orten Ostpreußens zahlte man für 100 Stilo Fräulein Albrecht übersandte hierauf dem Gericht folgende Antpunkt zu rechtfertigen und uns von der gramm im August 1910 4 bis höchstens 6 Mart, im Mai dieses wort: Ich bin mit der Lestellung eines Pflegers keineswegs einmoralischen wie rechtlichen Beweistraft ihrer An- Jahres 4 bis 7 und im August 5 bis 8 Mark. Diese Steigerung verstanden und muß dringend ersuchen, den Antrag des Herrn Dischauunger zu überzeugen." ist schon scharf, aber die westpreußischen Orte zeigen schon eine rettors abzulehnen. Ich fordere umgehend meine Freilassung aus größere Steigerung: im August vorigen Jahres notierte man 2,8 bis dieser nun schon 13 Monate dauernden Gefangenschaft. Ich fühle Die feindlichen Brüder. 5,5 Mart, im Mai 1911 3,0 bis 5,6 und im Auguft 6,8 bis 10,0 mich körperlich und geistig vollkommen gesund, und einzig und Der konservativ mittelständlerisch antisemitisch angestrichene Wie sich in den verschiedenen Landesteilen die allein diese Freiheitsberaubung ist die Veranlassung zu meiner nationale" Mischmasch in Leipzig hat nun seine Ankündigung, Rotierungen für 100 Kilogramm in Mark im August 1910, im Mai gelegentlich auftretenden Verzweiflung. Ich lasse mir die Befähidem famosen Dr. J und einen wirklich nationalen Kandidaten" für 1911 und im August 1911 bewegten, das ergibt nachstehende Zu- gung zur Besorgung meiner Angelegenheiten von niemandem ab die kommende Reichstagswahl entgegenzustellen, doch durchgeführt. sammenstellung: Am Dienstagabend hat eine Versammlung„ nationaler Wähler" den Marinepfarrer a. D. Bangemann als Kandidaten für den 12. fächsischen Reichstagswahlkreis( Leipzig- Stadt) ( Leipzig- Stadt) nominiert. Wangemann erklärte, daß er sich im Fall seiner Wahl der Wirt schaftlichen Vereinigung anschließen werde. Wenn am Wahltage die rote Flut steigt und beibe nationalen Männer" in Gefahr tommen au ertrinken, find natürlich alle trennenden Momente" bergessen. England. Eine Rede Lloyd Georges. " Die englischen Radikalen scheinen die durch die Verwendung des Militärs bei den letzten Streifs hervorgerufene Erbitterung der Arbeiter durch scharfe Worte gegen die Besitzenden bannen zu wollen. In einer Rede, die Lloyd George in Wales bei der Einweihung einer Kapelle hielt, führte der Minister aus: Mart. Hohe Kartoffelpreise. Ostpreußen Westpreußen Bosen Schleften • August 1910 Mai 1911 August 1911 4,0-6,0 2,8-5,5 4,0-7,0 5,0-8,0 8,0-5,6 6,8-10,0 • • 4,0-6,0 4,0 3,4-5,6 3,0-5,6 7,0-11,0 Bommern. 2,5-5,0 3,7-5,0 Brandenburg. 2,4-5,5 3,8-5,5 Sachsen 3,5-8,0 4,1-10,0 Schleswig- Holstein. 5,2-8,0 Hannover. 3,0-5,0 5,8-8,0 6,0-10,0 5,5-12,0 6,0-9,0 6,5-10,0 5,6-11,0 6,0-10,0 Westfalen. Heisen- Nassau. Baden. • • 6,0-9,0 7,0-10,0 7,5-10,0 . 5,5-8,0 6,0-10,0 8,5-12,0 • . 6,0-9,0 8,0-11,0 10,0-14,0 sprechen und ziehe den Tod einem weiteren Leben im Tollhause bor. Eine weitere Freiheitsberaubung zieht auch gesundheitliche Schäden für mich nach sich."- Sechs Wochen nach Absendung dieses Briefes wurde Fräulein Albrecht nach 14% monatlicher Inters nierung aus der Irrenanstalt entlassen. Die Staatsanwaltschaft in Marburg stellte nunmehr gegen sie den Antrag auf Entmündigung, dieser Antrag ist jedoch durch Beschluß des Amtsgerichts zu Marburg vom 15. August 1911 auf Kosten der Staatskaffe abgelehnt worden. Das Gutachten des als Sachverständiger bernommenen Direktors der Landesirrenanstalt in Merghausen, wonach Fräulein A. an degenerativem Jrrsinn leide, ist vom Gericht mit folgenden Gründen verworfen worden: Es ist bei dieser Bewegung zu erwägen, daß die Preise des Nach den in dem Gutachten angeführten Gründen hält das Gericht Monats Mai in diesem Jahre schon ziemlich hoch standen und daß eine Geisteskrankheit des Fräulein Albrecht nicht für nachgewiesen. mit dem Herannahen der neuen Ernte in der Regel eine Senfung Das Gericht ist vielmehr, insbesondere nach der nochmaligen einder Preise zu erwarten ist. Wenn nun schon im Großhandel der gehenden Vernehmung der Albrecht, in Uebereinstimmung mit dem „ Es gibt Massen von Menschen in diesem Lande, bie tro Preis für ein Kilogramm Kartoffel bis auf 14 Pf. hinaufgeht, dann. Richter, der ihre Vernehmung gemäß§ 654 Zivilprozeßordnung der härtesten Arbeit nicht imftande, genug zu verdienen, fann man sich lebhaft vorstellen, daß im Detailhandel der bewirkt hat, zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie nicht geistesum Leib und Seele zusammenzuhalten, und wieder gibt es Kartoffelpreis eine Höhe erreichen muß, die den Haushalt der ar gestört ist. Es ist durchaus erklärlich und offenbar, daß, die A. bei andere, die nicht arbeiten, nicht fäen und nicht spinnen und beitenden Bevölkerung ganz empfindlich berührt. Gab es doch im den fortgesetten Entbehrungen und Aufregungen in ihrer Familie dennoch die guten Dinge dieser Welt in Menge haben. Solange Juli schon Plätze, an denen der Preis für Kartoffeln ebenso hoch schon zu Lebzeiten ihres dem Trunte ergeben gewesenen Baters solche Zustände existieren, wird es Aufruhr geben. Man könnte stand wie der Preis für ein Kilogramm Brot! In Spandau z. B. und im Zusammenleben mit ihrer geisteskranken und entmündigten fagen, ich wünsche Klasse gegen Klasse zu verheßen, das aber ist foftete ein Kilogramm Kartoffel im Juni noch 8, im Juli aber Mutter, sowie durch die 14% monatliche, gegen ihren Willen erfolgte nichts als eine alte abgebrauchte Phrase. Wenn es ein Ver- 20 Pf. Selbst wenn es sich um neue Kartoffel handeln sollte, so und vom 21. Dezember 1909 bis 7. März 1911 fortgesette rechtsbrechen gegen die Gesellschaft wäre, die öffentliche Meinung auf ist der Preis, da alte Kartoffel nicht mehr zu haben sind, ungewöhn- widrige Freiheitsberaubung durch Internierung in der Jrrens die Ungleichheit, die heutzutage im Leben herrscht, zu lich hoch. Bromberg notierte im Juli gar 25 Pf.! In Halle a. S. anstalt an ihren von Natur ohnedies, nicht starten Nerven erheblich Ienten, dann kann ich nur sagen, daß die Gesellschaft aahlte man im Detailverkehr 22 Pf., in Amberg 24, in Bayreuth 20, gelitten hat. Gin geistiger Defekt und insbesondere eine geistige schleuniger Reform bedarf. Die Neichen sollten in Regensburg und Pforzheim ebenfalls 20, in Jena 24, in Störung, die sie zur Besorgung ihrer Angelegenheiten unfähig nur einmal versuchen, sechs Monate bon dem Ber- Weimar 20, in Straßburg und Sigmaringen gleichfalls 20 f. für macht, ist aber bei ihr nicht festzustellen. Von irgendwelchem dienste zu leben, mit dem sich die Millionen ihrer Mit- das Kilogramm. Das sind allerdings Plätze mit den höchsten No- Mangel auf intellektuellem Gebiete war bei einer über drei Vorbürger begnügen müssen, das würde sie schon kurieren. Das tierungen. Familien mit einem Wochenverbrauch von 20-30 Bfund mittage und jedesmal über eine 4½stündige Dauer sich erstreckenden Land habe eben eine Katastrophe überstanden, die leicht Kartoffeln fann man faft als Regel annehmen. Ob das Kilogramm eingehenden Bernehmung nicht das Geringste wahrzunehmen. Ihre verhängnisvoll für die Nation hätte werden können. Wenn nun 10 oder 20 Bf. foftet, fällt bei den Haushaltstoften gang mert Ausdrudsweise war stets klar und deutlich, ihre Erzählungen man jekt nicht bereit sei, den Gründen ehrlich auf die lich ins Gewicht und nötigt meist zur Einschränkung der Ausgaben fließend und der Gedankengang durchaus logisch und verständig, ihr Erinnerungsvermögen geradezu staunenerregend. Den im Gute Wurzeln zu gehen, so würde die nächste Arbeiterrebolte für Fleisch. achten als krankhaft bezeichneten häufigen unmotivierten" Stima unendlich schlimmer werden. Die gegenwärtigen Zustände feien nicht mehr zu ertragen, deshalb sollten die mungswechsel sowie die ihr vorgehaltenen Affektausbrüche hat sie bei ihrer Vernehmung eingehend gerechtfertigt. Ihr ganzes VerKirchen für das Bolt eintreten, ehe es zu spät sein werde." Die Kritik ist schon richtig. Aber die Abhilfe kann mur halten sowohl in der Landesheilanstalt in Marburg als auch im das Werk der Arbeiterklasse felbst sein, die sich von Ein eigenartiges Urteil fällte in seiner letzten Sigung die fünfte Landeshospital in Merghausen erklärt sich überzeugend auf die der Vormundschaft der falschen Freunde losgemacht hat. Kammer des hiesigen Kaufmannsgerichts. Dort flagte Frau Martha von ihr angegebene Weise aus der Verzweiflung und Empörung F. für ihre Tochter, die noch nicht fünfzehnjährige Frida F., gegen über die Macht- und Hilflosigkeit gegenüber dem an ihr begangenen den Manufakturwarenhändler 8. auf Bahlung von 75 M. Restgehalt. Verbrechen der Freiheitsberaubung. Daß dieses Verbrechen in der Das junge Mädchen hat u. a. auch deswegen die Lehrstelle frei- Tat vorliegt, hat der Unterzeichnete( Geh. Justizrat v. Bor. willig verlassen, weil sie nach seiner Behauptung das zehn berger in Marburg) in seinen Abhandlungen im Zentralblatt Monate alte Kind der Chefin wochenlang am Nachfür die freiwillige Gerichtsbarkeit sowie speziell für den vorliegen. Genoffe Georg Horn, der Abgeordnete für den 6. sächsischen mittag hatte spazieren fahren müssen. Die Mutter den Fall in den hiesigen Aften betreffend die Pflegschaft über Reichstagmahlkreis, begina gestern, Mittwoch, seinen 70. Geführte in der Verhandlung aus, es könne ihrer Tochter nicht zugemutet Helene Albrecht nachgewiefen. Die Erregung der letteren gestattet burtstag. In Fabrikschleich a ch in Unterfranken geboren, werden, im Betriebe der Beklagten länger zu arbeiten, da die daher nicht den Schluß auf geistige Erkrankung, sondern war um mußte Horn schon frühzeitig in der Glashütte sein Brot ver- Tochter, statt sie im Geschäft auszubilden, als gefehrt ein Beweis ihrer geistigen Gefundheit, weil sie durchaus dienen. 18 Jahre alt wanderte er in die Schweiz aus, wo er Kindermädchen ausgenugt worden fei. Die Frau des natürlich und berechtigt war, Jeder andere geistig gesunde Mensch als Glasmacher arbeitete und die ersten freiheitlichen Ideen Prinzipals dagegen bestritt, daß Frida dazu gezwungen würde ebenso gehandelt und nur stumpfsinnige Geisteskranke würeinfog. Später bereiste er Oesterreich und tam 1869 nach Dresden, worden sei. das kleine Kind zu verivarten, fie habe sich im Gegenteil den sich ruhig in ihr Schicksal ergeben haben. Auch ihre leichte Reizwo er sich seitdem dauernd aufhielt und in der politischen und direkt danach gerissen, mit dem Kind spazieren zu fahren, und einmal barkeit und ihr Mißtrauen gegen fremde Personen, die ihr im gewerkschaftlichen Bewegung hervorragend tätig gewesen ist. 1884 habe sie es fogar auf ihr Bitten mit nach Hause nehmen dürfen. Leben schon feindlich gegenübergetreten sind, findet in der Ver= wurde er zum ersten Male im 6. Wahlkreise aufgestellt. 1885 Das Mädchen sei auch höchstens dreimal mit dem Kinderwagen zweiflung über ihr bisheriges unglückliches Geschickt seine Gutschulgründete er die Glasarbeiterzeitung, den Fachgenossen", der heute ausgefahren. digung." Aus der Partei. Ein Jubilar. Soziales. Das Lehrmädchen als Kinderwärterin. Fachorgan des Berbandes der Glasarbeiter ist. Für seine Ueber- Das Kaufmannsgericht wies bie lage auf So weit der bom Geh. Justiarat b. Borberger berfaßte ber zeugung hat Genoffe Horn in den Jahren 1894 bis 1896 mit furzer 8ahlung von Gehalt über den Tag ber Tätigkeit ständige Beschluß. Im Auftrage des Fräuleins Albrecht wird nun Unterbrechung 18 Monate im Gefängnis aubringen hinaus ab. Wenn das jugendliche Lehrmädchen wirklich mal das mehr Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried Schadensersatzansprüche für müssen. Von 1890 bis 1896 gehörte er dem sächsischen Landtageil eine Kind der Chefin spazieren gefahren habe, so sei das noch dieselbe geltend machen. Gewerkschaftliches. zu führen hatten, wird verstehen, was man fest in Charlottenburg 15 Jahren gezahlt wurden, und Einwanderer find in Brafilien beabsichtigt. häufig darauf angewiesen, sich als Arbeiter für den Kaffeebau ans Die Arbeiterfreundlichkeit" der Unternehmer, beitet, it wahlberechtigt. Man verlange unter allen Umständen vom sondern man betrügt sie auch mit falschen Maßen; statt 50 Liter Jeder Gefelle, der 21 Jahre alt ist und in Charlottenburg ar- werben zu laffen. Man bezahlt sie aber nicht nur sehr schlecht, die sich oft vor Lohnbewegungen bemerkbar macht, erhellt wieder Meister die Wahlkarte, und wenn diese nicht zu erlangen ist, lasse müssen sie oft 70 Liter pflücken. Die Behörden stellten sich dem einmal in charakteristischer Weise aus einem„ Geheimzirkular", das man sich eine Bescheinigung geben, daß man bei ihm in Arbeit fteht. Streit fofort feindlich gegenüber, und die Leiter des Streiks wurden eine Unternehmerorganisation der Holzindustrie in Nürn. Die Wahl findet heute, Donnerstag, den 31. August, nachmittags sofort verhaftet. berg an ihre Mitglieder versandt hat. Es soll die Unternehmer 3 Uhr, in Charlottenburg, Berliner Str. 88( Staiser- Friedrich- Zelt), Weiter sind unter den Bauarbeitern Streits ausgebrochen, vor einer angeblichen Lohnbewegung der Arbeiter graulich machen. statt. Um 2 Uhr nachmittags treffen sich die Verbandsmitglieder da gegenwärtig überall viel gebaut wird. Bor Jahren schon haben Interessant ist nun, daß auf der Arbeiterfeite( es handelt sich um die bei Porschel, Kaiser- Friedrich- Straße 82, um die Kandidatenliste auf die Maurer die achtstündige Arbeitszeit durchgefeßt. Jetzt verlangen Unter den Tegtilarbeitern ist in einer Schreiner) von einer Lohnbewegung noch feine Rede ist. Aber das zustellen und das weitere zu besprechen. Reihe von Orten ebenfalls eine große Lohnbewegung im Gange, böse Gewissen, schlechte Löhne zu zahlen, läßt den Unternehmern die schon zu Straßenfämpfen mit der Polizei geführt hat. Man teine Ruhe und treibt ihnen phantastische Gedanken in das angst fieht, die kapitalistische Entwickelung macht Fortschritte in Brasilien. erfüllte Gehirn. „ Hört und seht, wie die Gehilfen jetzt schön den Boden bereiten, auf dem ihnen hernach ein fetter Tarifvertrag erwachsen kann. Geräuschlos, stille bohrend, keine große Attion daraus machend, find die Gehilfen gegenwärtig geschäftig am Wert, sich Lohnaufbesserungen zu verschaffen. Bittend, ihre eigenen Vorzüge ans Licht kehrend, ihre Beschäftigungsdauer vorschützend, treten fie an den Unternehmer heran, um sich ein oder zwei Pfennige Lohnzulage zu verschaffen". So ruft im Kassandraton das Zirkular aus. Und in böser Borahnung, daß noch schlimmeres für die Unternehmer tommen fönnte, jammert die Epistel weiter: Kollegen! Glaubt Jhr wohl, daß beim Abschluß des nächsten Tarifes diese Aufgebesserten sich entsprechende Abzüge an den ausbedungenen Zulagen gefallen lassen werden? Wir ahnen, was dahinter steckt. Ein Durchschnittslohn soll das nächste Mal konstruiert werden und je höher dieser Durchschnittslohn für den Durchschnittsarbeiter"( nette Begriffe, nicht wahr Kollegen), der dann doch obendrein die Zulagen einheimst." Jedes in Charlottenburg arbeitende Verbandsmitglied muß seine volle Schuldigkeit tun. Wer seine Pflicht versäumt, schädigt den Verband und die gesamte Bewegung. Die Agitationskommission der Bäder. Deutfches Reich. sie bessere Löhne. Der Streit im Schnelldampferbetriebe in Rotterdam ist auf gehoben worden, nachdem die Arbeitgeber erklärt haben, daß sie be Verhandlungen der Metallindustriellen. reit seien, erhebliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen noch vor dem 1. Januar eintreten zu lassen. Vor dem Streif verhielten sich Unter dem Vorsitz des Kommerzienrates Borsig und die Arbeitgeber den Forderungen der Schiffsmannschaften gegenüber unter zahlreicher Beteiligung von Metallindustriellen aus wie hilflose Menschen, die nicht sehen, hören und reden können, denn allen Gegenden Deutschlands, verhandelten die Unternehmer erst der Streit öffnete ihnen die Augen; sie fanden auf einmal die in Berlin über die durch die Streits und die teilweisen Aus- Sprache wieder und verhandelten mit ihren Arbeitern. sperrungen geschaffene Situation. Die Verhandlungen werden Der Streik der Seeleute in Rotterdam hat keine Spuren mehr streng vertraulich geführt. Wie verlautet, findet der von den hinterlassen. Fast alle Streifenden sind wieder auf See und nur Thüringer Unternehmern gestellte Antrag, eine Gesamt etwa 40 Seeleute warten noch auf eine Chance. aussperrung in der deutschen Metallindustrie vorzunehmen, feine allgemeine Gegenliebe, insbesondere die großen Berliner Firmen wenden sich gegen eine Generalaussperrung. Die Verhandlungen in Leipzig führten noch zu keinem Ergebnis, sie wurden wieder vertagt. gebnislos verlaufen. Daher werden am 1. September airfa 600 Jn Budapest find Tarifverhandlungen der Tapezierer er Tapezierer die Arbeit einstellen. Wie aus Budapest gemeldet wird, find ichon Agenten unterwegs, um Streitbrecher zu werben. Es wird deshalb um weiteste Bekanntmachung ersucht, daß Budapest für Tapes zierer gesperrt ist. Alle Meldungen der bürgerlichen Presse, daß die Situation ernst ist", daß bei den Unternehmern die Beugen schon diefe, Ausführungen, die auf eine Niederhaltung Stimmung für eine Generalaussperrung vorherrschend ist" usw., der Löhne hinauslaufen, von der besonderen Arbeiterfreundlichkeit sind nichtssagend oder blanke Kombinationen. Auch die AnVerbandstag der Porzellanarbeiter. der Unternehmer, so geben die weiteren Worte des Zirkulars erst der Unternehmer, so geben die weiteren Worte des Zirkulars erst gabe der Mitgliederzahl des Metallarbeiterverbandes im Ver- Die gestrige Sigung begann mit dem Schlußwort WoII. den rechten Begriff von der Einschätzung der Arbeiter durch die hältnis zu den Kassenbeständen ist für den Ernstfall nichts- antwortete auf die verschiedenen Bedenken, die in der Diskussion manns zur Verschmelzungs- und Unterstügungsfrage. Der Redner Arbeitgeber". Den Unternehmerfollegen wird geraten: " Hütet Euch vor solchem Gimpelfang! Weist jeden Gehilfen „ Hütet Euch vor solchem Gimpelfang! Weist jeden Gehilfen fagend. Bestimmtes darüber, ob eine Generalaussperrung in gegen die vom Vorstand vorgeschlagenen Herabſegungen der Unter ab, der sich Euch einer Ausbesserung wegen naht, und sei es auch den nächsten Tagen durch die Unternehmer vorgenommen fügungen ausgesprochen wurden und faßte nochmals die Gründe der älteste und tüchtigste Eures Betriebes; weist ihn auf den werden wird, ist heute noch nicht zu sagen. Die Metall- zusammen, die für diesen Schritt sprechen, der notwendig ist, um Tarifvertrag, der allein das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und arbeiter- Zeitung" fagt in ihrer neuesten Nummer mit Datum die Organisation wirklich tüchtig zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitnehmer schafft." vom 2. September: Arbeitsverhältnisse zu machen und darum auch die unumgängliche „ Nach menschlichem Ermessen haben die Unternehmer jegt Borauslegung der Verschmelzung mit dem Glasarbeiter und dem Töpferverband ist. weniger Berechtigung, mit einer allgemeinen Aussperrung zu lichte Resolution zur Abstimmung gebracht und mit 42 von 50 Sodann wurde die gestern von uns veröffent drohen als 1906 und 1910. Sie werden es sich auch noch über- Stimmen angenommen. Ehe endgültige Beschlüsse über die Unterlegen, ob sie zu einer solchen Gewaltmaßregel schreiten werden." ftüßungs- und Beitragsfrage gefaßt werden, wird nun die bereits am Montag gewählte Kommission darüber beraten. Hier haben wir den kapitalistischen Unternehmer, wie er Teibt und lebt. Er macht feinen Unterschied zwischen Arbeitern. Die öde Gleichmacherei, die man so oft unberechtigterweise der modernen Arbeiterbewegung vorwirft, treibt im Unternehmertum ihr Unwesen. Wo steht in einem Tarifvertrag, daß nicht über die tariflich festgesetzten Löhne bezahlt werden kann, wenn Arbeiter infolge besonderer Tüchtigkeit und längerer Arbeitsdauer im Betrieb höhere Löhne verdienen. Die Tariflöhne find die mindest löhne, unter denen nicht bezahlt werden darf. Die Unter nehmer aber betrachten die Tariflöhne meist als Magimal löhne, über die hinaus sie nicht bezahlen wollen. So denken sie sich das tarifliche Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern. Und deshalb ist es denn auch nichts weiter als Seuchelei, wenn das Zirkular weiter versichert: werden." Wie gerne(!!!) würden wir den Gehilfen entgegenkommen und ihnen Wohltun(!!!) erzeigen, wenn dieses nicht zu anderer Beit feitens der Gehilfenorganisation mit Füßen würde getreten Die armen, bedauernswerten Unternehmer. Sie wollen den Arbeitern„ wie gerne" Gutes tun, nur die böse Gehilfenorganisation Und nach allem bringen es die Unternehmer in ihrem Zirkular noch fertig, der Organisation der Arbeiter die Schuld beizumeffen, daß sich die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern immer mehr zufpigen. Die Weigerung der Unternehmer aber, selbst den ältesten und tüchtigsten Arbeitern die Löhne aufzubessern, ist hindert sie daran. Es ist zum Schreien. wohl geeignet, ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern herbeizuführen. Unternehmerlogit! Zur Bewertung der Arbeiterfreundlichkeit der Unternehmer sind die angeführten Säge aus dem Birkular jedenfalls recht charakteristisch. Berlin und Umgegend. " Es folgte die Beratung verschiedener Anträge auf Abänderung des Verbandsstatuts. Angenommen wurde ein Antrag, wonach das Eintrittsgeld auch für nichtgelernte Arbeiter unter 18 Jahren 50 Pf. nur 25 Pf. zu zahlen hatten. Im übrigen hatten die Anträge, fo beträgt, wogegen fie bisher, wie die Arbeiterinnen und Lehrlinge, weit sie bis jegt zur Erledigung tamen, teine weiteren Verände rungen des Statuts zur Folge. Aus der Frauenbewegung. Nach einer Meldung des W. Z. B." hat der Ausschuß fol genden Beschluß gefaßt: Nach Kenntnisnahme des eingehenden Berichts über den Stand der Differenzen im Verbande der Metallindustriellen im Bezirk Leipzig und über die am 26. August dieses Jahres zur Unterstügung des Leipziger Bezirksverbandes vorgenommenen Sympathieausspertungen durch das Kartell der fächsischen Bezirksverbände des Gesamtverbandes deutscher Metall- Die Verhandlungen wurden gestern nachmittag vertagt, da für industrieller beschließt der Ausschuß des Gesamtverbandes, zunächst den Nachmittag ein Ausflug geplant ist. den Verlauf der zurzeit noch schwebenden Verhandlungen abzuwarten und nach deren Abschluß Stellung zu den einzelnen Forderungen zu nehmen. Er erklärt jedoch, daß vor allem der Abschluß von Tarifverträgen und die Einführung von Mindestlöhnen unter feinen Umständen zu gestanden werden dürfen. Sollten die Arbeitnehmer an diesen oder Die Frequenz der Entbindungsanstalten im Deutschen Reiche anderen, die Leistungsfähigkeit der Metallindustrie untergrabenden ist, wie ein Blick in das Statistische Jahrbuch für 1911 zeigt, feit Forderungen festhalten, so würde der Gesamtverband geschlossen 30 Jahren in ständigem Steigen begriffen. Von 35 344 Enthinter den betroffenen Bezirksverbänden stehen. Ebenso beschließt bindungen in den Jahren 1877/79 ist fie auf 126 784 in den Dagegen ist die Zahl der Grder Ausschuß des Gesamtverbandes, dem Thüringer Bezirksverband Jahren 1905/07 angewachsen. eine volle Unterſtügung gegen unberechtigte Forderungen der Arbeit frankungen an Sindbettfieber in den Anstalten erfreulicherweise gefunden. Bom Hundert der Entbundenen erkrankten 1880/82 nehmer zuteil werden zu lassen. noch nahezu 4 an dieser lebensgefährlichen Infektionskrankheit. 1905/07 waren es nur noch 0,83 Proz. Dafür ist die Zahl der mittels geburtshilflicher Operation Entbundenen in den Anstalten erheblich gewachsen. Sie stieg in den dreißig Jahren von 1877 bis 1907 bon 2868 auf 16 968 oder von 8,11 Broz. auf 13,38 Proz. Wenn der Ausschuß wirklich einen solchen Beschluß gefaßt hätte, dann wäre das sehr töricht, denn es find von seinen Mitgliedern bereits zahlreiche Tarife abgeschloffen worden und sicher werden die meisten von diesen auf den Vorteil solcher Abmachungen nicht verzichten wollen. Anerkennung gewerkschaftlicher Arbeiterschutzs bestrebungen.. Der Verband der Steinfeger hatte auf der vorigen Weltausstellung in Brüssel eine Musterbaubude für Straßenbauarbeiter ausgestellt. Dem Verband ist dafür das Diplom zur goldenen Medaille von der Ausstellungsjury zuerkannt worden. Bedenkt man, daß die Gesamtzahl der öffentlichen Entbindungsanstalten im Reiche 127 mit 2837 Betten, die Zahl der privaten Anstalten 78 mit 127 Betten beträgt und daß im Jahre 1909 nicht weniger als 2038 357 Kinder geboren wurden, so ist flar, welche Zu dem Streit der Elektromonteure und Hilfsmonteure ist zu große Aufgabe der öffentlichen Gesundheitspflege noch harrt. Wir berichten, daß die bestreikten Firmen durch ihre Geschäftsstelle unter brauchen sehr viel mehr Entbindungsanstalten, vor allem in den Dr. Fellinger eine Liste mit den Namen und genauen Bandesteilen, wo infolge des Hebammenmangels das Kindbett Personalangaben der Streitenden an die Firmen fieber unter den Wöchnerinnen noch immer reiche Ernte hält. in der Elettrotechnik berfandt haben. Die Liste mit Für den genannten Verband waren bei der Ausstellung natür. Unter der armen Bevölkerung in Stadt und Land gibt es un einem Begleitschreiben ist auch in die Hände der Streifleitung ge- lich nicht die üblichen Wettbewerbrücksichten maßgebend. Der zweite endlich biele, deren Wohnungen nicht so beschaffen sind, daß die internationale Straßenkongreß, der zur Zeit der Ausstellung in Gebärende ohne ernste Lebensgefährdung darin Entbindung und langt. Man will den Streifenden mit solchen Mitteln jede Arbeits- Brüffel tagte, hatte jedoch eine Sonderausstellung im Rahmen der Wochenbett abhalten kann, weil alle Borbedingungen für die gelegenheit abschneiden. Dieses Vorgehen wurde gebührend ge- allgemeinen Ausstellung veranstaltet. Diese Gelegenheit benutzte Durchführung der strengen Asepsis, des Wundschutes durch peinwürdigt in einer Versammlung der Streifenden, die am Mittwoch der Verband der Steinsetzer, um einmal den Straßenbau- Technifern lichste Sauberkeit, fehlen. Also mehr Entbindungs. morgen im„ Englischen Garten" stattfand. Troz großer Anstrengungen aller Stulturländer zu zeigen, zu zeigen, welche bescheidenen Ansprüche anstalten und Organisation einer umfassenden ist es den Unternehmern nicht gelungen, Ersatz für die Streifen die Arbeiter des Straßenbaues an den gewerblichen Arbeiterschutz unentgeltlichen Hauspflege, wie die sozialdemokratische den herbeizuschaffen. Die Zahl der Arbeitswilligen ist sehr stellen und wie wenig bis jetzt davon erfüllt ist. Diesen Zwed hat Reichstagsfraktion sie als Pflichtleistung der Krankenkassen- bisgering. In der Versammlung wurde erzählt, daß die Polizei einer die Ausstellung der Baubude tatsächlich erfüllt. Sie ist Gegenstand her leider vergeblich forderte, das müssen die allernächsten und bestreiften Firma angeboten hatte, die ausgestellten Streitposten zu eingehender Betrachtung gewesen und hat in mehreren Fachblättern bringendsten Leistungen der öffentlichen Gesundheitspflege im berjagen. Die Firma hatte aber dankend abgelehnt, denn die des In- und Auslandes eine ausführliche Besprechung erfahren. Interesse der Proletarierinnen sein. Schuhmannsposten am Eingang zu ihrem Betriebe behagten ihr noch anstaltung internationaler Straßenfongreffe, die ihren Siz in Paris Der Verband ist Mitglied der ständigen Vereinigung zur Vers weniger. Der Streilleiter bemerkte dazu, daß man sich unter Um hat und der neben den meisten straßenbau- technischen Körperschaften ständen die Streifposten sparen könnte, denn die ausgestellten auch die meisten Regierungen angehören. Der Kongreß und die mit Schußmannsposten bedeuten schließlich dasselbe Warnungssignal. ihm verbundene Ausstellung bot den Arbeitern des Straßenhaues Joseph, der Vertreter der Hirsch- Dunckerschen, erklärte, daß die mithin die denkbar beste Gelegenheit, ihre Ansichten über den not Mitglieder vom Gewerkverein allen Beschlüssen der Streifverfamm- wendigen Arbeiterschutz zum Ausdrud zu bringen. Lungen Folge leisten werden und sich an der Bewegung nach wie vor beteiligen. Otto Sandte erstattete Bericht über einen Tarif abschluß und machte bekannt, daß Verhandlungen mit verschiedenen Firmen im Gange seien. Da auch der deutsche Reichskommissar für die Weltausstellung den prämiierten Verband zu der empfangenen Auszeichnung beglüdwünschte, so darf man hoffen, daß nunmehr das Tempo des Straßen. bauarbeiterschutzes ein etwas lebhafteres werden wird? Versammlungen Beranstaltungen. Sechster Wahlkreis. Erste und zweite Abteilung, Donnerstag, den 31. August, nachmittags 3 Uhr, bei Obiglo, Schwedter ftraße 23, allgemeines Kaffeekochen. Schöneberg. Donnerstag, den 31. August: Besichtigung der Wohnungs, ausstellung am Zoologischen Garten. Treffpunkt: Nachmittags 4 Uhr am Winterfeldtplaz, Ecke Winterfeldtstraße. Eintritt frei. Letzte Nachrichten. Im Kampf gegen die Teuerung. Paris, 30. August.( W. T. B.) Die nächsten Aussperrungen im Steinsehergewerbe Sehnsucht nach einem gelben Gesellenausschuß hat ein etwas vorlauter Scharfmacher in Halle bereits angekündigt. scheint der Obermeister der Charlottenburger Bäckerinnung zu haben. Er meinte, ihm wäre es am liebsten gewesen, wenn die Aus. In St. Quentin Bereits am 17. Juli fanden dort Neuwahlen zum Gesellenausschuß sperrung im Regierungsbezirk Merseburg sich bis zum Winter stürmten heute vormittag 1500 Webergehilfen die Verkaufs. statt, an welcher sich alle, in der Großbäckerei von Ulbrich be- hingezogen hätte; dann wären Leipzig( Stadt und Land), stände der Butter- und Eierhändler und vernichteten einen großen fchäftigten Verbandsmitglieder beteiligen wollten. Sie allein stellen stoti bus( mit Niederlaufib) und Schlesien hinzugekommen und Teil der Waren, weil die Händler zu hohe Breise verlangten. Die eine gewaltige Majorität für die vom Verband aufgestellten Stan- dann wäre der Verband der Steinfeger ja unbedingt bankrott Bolizei war außerstande, die Händler zu schüßen. In mehreren didaten bar. Damals hielt der Obermeister diese Gesellen von der gewesen, der nach seiner Meinung schon jetzt infolge der bisherigen Orten bei Douai und Nantes veranstalteten Arbeiterfrauen Wahl fern, indem er behauptete, die Bäckerei sei in andere Hände Aussperungen nahe vor dem Banfrott stehen müsse. Also: Ausübergegangen. Die fofort eingelegte Beschwerde scheint nun Erfolg sperren um jeden Preis!- Die Arbeiter haben in diesen Bezirken heute vormittag eine Straßenkundgebung gegen die teuren Lebensgehabt zu haben, denn zum 31. Auguſt hat die Charlotten noch gar nicht einmal daran gedacht, irgendwelche Forderungen auf mittelpreise und zwangen einen Teil der Händler, die Preise zu er burger Innung wiederum die Wahlen ausgeschrieben. Da man zustellen, und wenn es noch geschehen sollte, so müßte nach mäßigen. nun nicht gut wieder die Gesellen des Großbetriebes ausschalten normalen Begriffen doch wohl erst die fachliche Berechtigung der tann, ist man auf ein neues Mittel verfallen. Man gibt zu dieser Forderungen geprüft werden. Man fann diesem Scharfmacher Wahl Legitimationsfarten" aus. Charlottenburg ist gwangs- allerdings zugute halten, daß er und seinesgleichen durch die Saloniki, 30. August.( W. T. V.) Ingenieur Richter ist innung und ist demnach jeder Charlottenburger Bäckermeister zwangs- Dienste, die ihnen die behördlichen Organe fajt ohne jede Aus- heute abend 8 Uhr gesund hier eingetroffen. weise Mitglied der Innung, und ohne weiteres auch jeder in Charnahme geleistet haben, zu der Annahme gelangt sein müssen, daß lottenburg arbeitende Gefelle wahlberechtigt. Bozu also noch die Behörden nur allein dazu da sind, die Interessen der UnterLegitimationstarten, da doch Nichtinnungsmitglieder oder Angehörige nehmer und ihrer Organisation zu fördern. Ohne diese behörd einer anderen Jnnung gar nicht in Frage kommen? Zu allem liche Förderung geht es nämlich mit den Aussperrungen im SteinUeberfluß find die Karten noch numeriert. Der Zwed, der erreicht werden soll, ist völlig far! Ueber die eergewerbe nur sehr schlecht. Solche Drohungen aber verfehlen Ausgabe der Karten fehlt den Gefellen jede Stontrolle; die Innungs- auf diejenigen, für die sie berechnet sind, jede Wirkung. leitung fann dieselben ausgeben, an wen und in welcher Anzahl es ihr beliebt. Zweifellos hofft man, so viel zuverlässige Gesellen" mit den Legitimationstarten ausrüsten zu können, um die Verbandslifte zu überstimmen. Husland. Lohnbewegungen in Brasilien. Nachrichten aus San Paulo in Brasilien melden von ausIngenieur Richter in Saloniki. Weiterverbreitung der Cholera. Saloniti, 30. August.( W. T. B.) In Monastir sind gestern 36 Cholerafälle vorgekommen, von denen 26 tödlich verliefen. Gegen tausend Familien verließen die Stadt. Außerdem famen unter den Soldaten 13 Todesfälle vor. Aus Ochrida wurden 7 Cholerafälle und aus Valona 17 Todesfälle gemeldet. In Novibazar wurde der Sanitätsfordon durchbrochen und dadurch die Seuche ver fchleppt. Die Folge waren 47 Todesfälle in den letzten 24 Stunden. Wer sich erinnern fann, welchen Kampf die Verbandsmitglieder gebrochenen Streits der Arbeiter im Kaffeebau. Diese In Saloniti wurde die Quarantäne gegen Monastir auf 48 In Berlin bisher mit beiden Innungen um diese Legitimationsfarten Arbeiter müssen sich noch mit Löhnen begnügen, wie sie vor Stunden erhöht. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 203. 28. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dounerstag, 31. Auguß 1911. Zur Abgeordnetenerfatzwahl 17. Oftober statt. berlegt. Kleine Notizen. das gesetzbuches schuldig gemacht zu haben, der mit Gefängnis bis zu halten sollte. Dr. Radoikowitsch wollte sich eben auf den Weiterweg einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 1000 M. den bedroht, machen, als das Automobil anlangte. Ohne daß der Gutsbesitzer der unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen feilhält, an den Fremden auch nur ein Wort gerichtet hätte, leyten die vier im Landtagswahlkreis Berlin V. verkauft, vertreibt oder sie an Orten, welche dem Publikum zu- Betrunkenen auf die beiden Hunde des Weltreifenden, zwei große Im Landtagswahlkreis Berlin V findet, wie wir bereits der Angeklagten und des„ Wahren Jakob" sollten durch zwei Bilder Tiere tot zu Boden. Als R. eine Erklärung verlangen wollte, gänglich sind, ausstellt, anschlägt oder sonst verbreitet. Die Sünden Doggen, an und im nächsten Augenblick stürzten die beiden meldeten, am 21. November die Abgeordnetenersakwahl statt. aus einem katholischen Kinematographen" erfüllt sein. In dem legten die vier Helden" abermals an und im nächsten Augen Sie ist nötig geworden durch den Tod unseres Genossen einen wird der Moralunterricht an die Jugend durch Pfarrer blid trachte eine Salbe, die den Serben bewußtlos Borgmann, der bisher im Landtag diesen Wahlkreis als Ab- Bauer in Schramberg, in dem andern das Verhalten des Pfarrers zu Boden streďte. Dann bestiegen die geordneter vertreten hatte. Der Landtagswahlkreis Berlin V Scheuer zu Kolbermoor gloffiert. Nohlinge, Der Staatsanwalt meinte, ohne sich 1112 das blutende Opfer zu fümmern, enthält Teile der Reichstagswahlkreise Berlin IV die Bilder seien geeignet, das Schamgefühl moralischer Personen Automobil und fuhren nach Wusterhausen a. D. weiter. und Berlin III und umfaßt die zur äußeren Luisenstadt zu verlegen, eine Gefängnisstrafe sei am Plazze. Der Verteidiger, Dort feuerten die vier Herren, um die Polizei zu alarmieren. gehörenden Stadtbezirke 79-81, 86-96, 102-113 B. Rechtsanwalt Dr. Marum, legie dar, daß zum Begriff der un- auf dem Marktplak mehrere Salben ab und begaben Bevor zur Abgeordnetenersatzwahl geschritten werden kann, züchtigen Schrift erforderlich sei, das Schamgefühl und Sittlich sich endlich, als ein Gendarm erschien, nach der Stelle zurück, wo find noch eine Anzahl Wah I männerersagwahlen zu feitsgefühl in geschlechtlicher Beziehung gröblich zu verleßen. Die sie den Serben verlassen hatten. Dieser hatte inzwischen versucht, vollziehen. Seit der letzten Wahl, die wir in Berlin V im Bilder sollen abschreckende Beispiele darstellen und die Partei ver- sich nach Wusterhausen zurückzuschleppen, war jedoch schon nach Dftober 1909 hatten, sind hier durch Wegzug oder Tod viele spotten, deren Angehörige sich grobe Moralverstöße zu schulden wenigen hundert Metern wieder zusammengebrochen. Auf die AnWahlmänner ausgeschieden. Auch war damals für einige fommen lassen, während sie selbst das Moralpredigen gegen andere ordnung des Gendarmen wurde der Unglückliche, der elegant ge Bezirke in der ersten Abteilung keine Wahl zustande ge- für sich in Anspruch nimmt. Die Nummer sei, wie die Ueber- fleidet war und einem Wegelagerer auch nicht von fern ähnlich sah, kommen, weil in ihnen von den wenigen Wählern erster schrift besage, den Schwarzen gewidmet". Es sei eine satirisch- in das Krankenhaus gebracht, wo der Arzt bei R. drei Schrots Abteilung kein einziger erschienen war. Unter den 101 Ur- humoristische Schrift, weder Zeichner noch Redakteur haben einen schüsse im Gesicht und in der Brust sowie einen am wahlbezirken des ganzen Wahlkreises find 76, in denen geschlechtlichen Reiz auf andere ausüben wollen. Er beantrage Unterleib feststellte. Das Befinden des Serben gibt zu schweren jetzt einzelne Wahlmänner fehlen und Ersatzwahlen bor Freisprechung. Das Gericht sprach zwei Wirte, die bestritten Bedenken Anlaß. genommen werden müssen. In diesen 76 Bezirken hatten, von dem Inhalt des" Wahren Jakob" Kenntnis genommen müssen 126 Wahlmänner als Ersatz gewählt zu haben, frei und verurteilte die übrigen fünf Angeklagten zu werden, davon 51 für die dritte Abteilung, 35 für je zehn Mark. In den Gründen wurde erklärt, die Abbildungen Folgenschwerer Brückeneinsturz. die zweite, 40 für die erste. Diese Ersatzwahlen finden am werden vom Gericht als objektiv unzüchtig erachtet und es wird St. Moritz nach Schuls im Engadin ist bei Brail, zehn Stilo Beim Bau der neuen Linie der rhätischen Bahn von auch angenommen, daß die Angeklagten den unfittlichen Charakter Für die Wahlmännerersakwahlen werden in den be- erkennen fonnten. Die Absicht, geschlechtlich zu erregen, sei nicht meter unterhalb St. Morig, eine im Bau befindliche Brücke treffenden Urwahlbezirken neue Wählerlisten aufgestellt unbedingt erforderlich und komme bei den Bildern nicht in Beingestürzt. Fünfzehn Arbeiter, darunter eingestürzt. Fünfzehn Arbeiter, darunter und auch die Abteilungen neu abgegrenzt. Bei der Aufstellung tracht. Die Nummer ist eine politische Kampfesnummer, die auch viele Italiener, sind tot, fünfzehn schwer der Wählerlisten wird diesmal der Wohnungsstand von nicht etwa als ganzes als unfittlich erklärt werden solle. Mitte August zugrunde gelegt, so daß alle später, beDas Urteil ist nach der Reichsgerichtspraxis unhaltbar. Nach sonders zum 1. Oftober, umziehenden Wähler am dieser sind unzüchtige Schriften im Sinne des§ 184 nur solche, 17. Oftober noch in denjenigen Wahlbezirken mitwählen, die geeignet sind, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl in geschlechtAttentat auf einen Polizisten. In Weißwaffer( Oberlausit) als deren Wähler sie in die Listen eingezeichnet worden licher Hinsicht gröblich zu verleben. verübte am Dienstag abend in der Trunkenheit ein Reisender find. Der Termin für die öffentliche Auslegung der Jücke ein tödliches Attentat auf den Polizeisergeanten obe. Der Urwählerlisten und der Abteilungslisten wird der Magistrat Reisende war aus einer Wirtschaft gewiesen worden und hatte dabei noch bekanntgeben, und es wird dann Pflicht unserer Genossen auf einen Fleischer einen Revolverschuß abgegeben, sein, für gewissenhafte Prüfung der Listen zu sorgen. Jeder der aber fehl ging, Als der herbeigerufene Polizist den Reisenden verhaften wollte, gab dieser auch auf Fobe einen Schuß ab, der den Wahlberechtigte muß sich vergewissern, ob er in der Urwählerliste steht, und muß nötigenfalls seine nachträgliche Ein geradezu unglaublicher Vorfall, der ein ernstes Nachspiel iofortigen Tod des Polizeisergeanten herbeiführte. Teuerungsunruhen in Frankreich. Am Dienstag abend fand in Aufnahme beantragen. Ueber das Wahlrecht bestimmt für einen Gutsbesitzer aus Wusterhausen a. d. Dofie Billy Montigny eine Kundgebung gegen die Teuerung das Gesetz:„ Jeder selbständige Preuße, welcher das haben dürfte, hat sich am gestrigen Dienstagnachmittag in der Nähe der Lebensmittel statt, wobei ein Bäder von der Menge tät 24. Lebensjahr vollendet hat und nicht den Vollbesitz der dieses märkischen Städtchens abgespielt. Dort wurde der serbische lich angegriffen wurde. Als dieser darauf Revolverschüsse bürgerlichen Ehrenrechte infolge rechtskräftigen richterlichen Er- Weltreisende Dr. Milow Radoikowitsch aus Belgrad von einem abgab, wobei einer der Angreifer schwer verwundet wurde, tenntnisses verloren hat, ist in der Gemeinde, worin er seit Gutsbesitzer, dessen Inspektor, einem jungen Studenten und einem plünderte die Menge den Laden und die Wohnung des Bäckers und fechs Monaten seinen Wohnsiz hat, stimmberechtigter Ur- Raufmann, die sämtlich betrunten waren, anwürde ihn gelyncht haben, wenn nicht Gendarmerie eingeschritten wähler, sofern er nicht aus öffentlichen Mitteln Armen- geschossen und so schwer verwundet, daß an wäre. Hierbei wurden zwei Gendarmen durch Steinwürfe verlegt. unterstügung erhält". Auch wer zu feiner Staatssteuer ber- feinem Auftommen gezweifelt wird. anlagt ist, hat das Landtagswahlrecht. Unter Felstrümmern begraben. In dem Badeort BernevalDr. Radoikowitsch macht im Auftrag eines großen serbischen te- Grand bei Dieppe waren mehrere Arbeiter damit beschäftigt, Üleber die Frage, ob bei der Abgeordnetenwahl auch die Blattes seit drei Jahren eine Weltreise, bei welcher er ohne in eine Felsenklippe einen fleinen Tunnel einzubauen, um eine jenigen Wahlmänner mitwählen dürfen, die zwischen der Auf- einen Pfennig Geld, nur von seiner Hände Arbeit lebend, die fünf fürzere Verbindung mit dem Strande herzustellen, als große Stein stellung der Urwählerliste und dem Vollzug der Abgeordneten- Weltteile zu Fuß durchqueren muß. Als Entschädigung für seine maffen sich ablösten. Ein Arbeiter wurde getötet, wahl noch aus ihrem Bezirk verzogen sind, äußert sich das Bemühungen waren ihm 150 000 Stronen versprochen worden. fünf schwer verlett. Gesetz nicht in bestimmter Form. Im Landtag ist aber Gestern nachmittag kam der Serbe nach Wusterhausen und wollte Schwere Dampferkatastrophe in der Nordsee. Der englische dort dem nach bei Wahlprüfungen immer der Grundsatz befolgt worden bon Gute Heinrichsfelde wandern, to Fischereidampfer Gleaner" aus Grimsby ist nach einem Zu zur Nacht Unterkunft und allmählich zu einem festen Brauch geworden, daß zu erhalten hoffte. sammenstoß mit dem Fischerdampfer Cardiff" in der Nordsee ge Unterwegs funten. Von der aus neun Mann bestehenden Besatzung sind auch für die Wahlmännermandate der Zeitpunkt machte er mit feinen beiden Hunden, die ihn bisher überall fünf ertrunken. Urwählerlistenaufstellung maßgebend sein hin begleitet haben, Raft und legte sich unter dem Schutz eines Den Henkern entflohen. Aus dem Tifliser Gefängnisfoll. Wahlmänner des Landtagswahlkreises Berlin V, die Sommenschirms in den Chauffeegraben nieder. Gegen 4 Uhr hatte frankenhause ist der russische Sozialrevolutionärer petrosianz jetzt vor der Abgeordnetenersagwahl bis zu dem Zeitpunkt der Stu.scher des Gutes Heinrichsfelde, dessen Eigentümer der Land- mit Hilfe zweier Krantenwärter entflohen. Der Entflohene war der Aufstellung neuer Urwählerlisten noch in ihrem Bezirk wirt Schulte ist, den Gutsinspektor Seuster von dem Bahnhof in im Jahre 1907 unter dem Namen Mirsti in Berlin, verhaftet wohnten und in die Liste dieses Bezirkes aufgenommen wurden, Wusterhausen abzuholen. Der Kutscher, der, wie die polizeilichen worden. Bei ihm hatte man in einem Koffer mit doppeltem Boden behalten ihr Mandat und nehmen an der Abgeordnetenersatz- Recherchen ergeben haben, vollkommen betrunken war, teilte dem Sprengstoffe gefunden. Nach Rußland ausgeliefert, wurde er dort wahl teil, auch wenn sie inzwischen aus ihrem Bezirk ver- Inspektor mit, daß er unterwegs von einem im Graben liegenden der Beteiligung an einem Ueberfall einer staatlichen Stasie angeklagt, ziehen. Strolch überfallen und mit einem Revolver bedroht worden sei. Der aber zur Untersuchung seines Geisteszustandes ins Krankenhaus gebracht. Juspektor, der von Natur auch nicht zu den Mutigsten zu gehören scheint, ließ den Kutscher auf einem weiten Umwege nach dem Gute fahren, wo er dem Besitzer, der zwei Gäste, den Kaufmann Wildente aus Kyritz und einen Studenten Schmidt aus Magdeburg bei sich hatte, wahre Schauergeschichten über den angeblichen Räuber im Chauffeegraben Vor der Offenburger Straffammer hatten sich am Dienstag erzählte. Schulte und seine beiden Gäste, die bei einer Kneiperei Srei Kolporteure und vier Gastwirte unter der Anklage zu verant- des Guten zu viel getan hatten, bewaffneten sich, ebenso wie der worten, durch Verbreitung der dem Zentrum gewidmeten Nummer Inspektor, mit Gewehren und Revolvern und fuhren im des„ Wahren Jakob" sich des Vergehens gegen§ 184 des Straf- Automobil die Chauffee entlang, wo sich der angebliche Räuber aufder Gerichts- Zeitung. Der unzüchtige Wahre Jakob". " Kleines feuilleton. er Aus aller Welt. Agrarifche Delden. " " Marktpreise von Berlin am 29. August 1911, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.( Seleinha: idel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Stochen 34,00-50,00. Speifcbohnen, weiße, 35,00-50,00. Linfen 20,00-60,00. Startoffeln 9,00-14,00. 1 Stilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Echweinefleisch 1,30-1,80. Stalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,30-2,20. Butter 2,40-3,20. 60 Stud Eier 3,206,00. 1 Stilogramm Starpfen 1,40-2,40. Male 1,60-2,80. Zander 1.40-3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barfche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stud Streble 2,50-36,00. wanderten in eine benachbarte Biertneipe aus, andere blieben von lichen Exemplaren in gleicher Weise. Es ist daher sehr wahrschein da an fast ganz zu Hause. Einzig Albalat, der Verfasser der lich, daß er einen Selbstschutz bedeutet und zwar einen Schutz gegen Kunst zu schreiben", hält noch bis zum Ende aus, aber er betrachtet die Gefräßigkeit der Vögel, die er abschrecken soll. Andererseits gibt Café Bachette in Paris. Nun hat auch für dieses altberühmte melancholischen Auges die Aushilfstellner, welche die alte treue Be- es, wie beim Stohlweißling, aber auch angenehme Gerüche", die Café( Ecke„ Boul- Mich" und Rue de Ecoles), das den deutschen Bedienung in der letzten Zeit abgelöst haben. Es ist wirklich zu Männchen und Weibchen einander zuführen. fuchern von Paris und speziell den Künstlern nicht unbekannt ist, Ende", meinte er fürzlich zu seinen Freunden, aber Ihr jungen das letzte Stündlein geschlagen. Wo cinstmals Baul Verlaine Dächse tönnt nicht nachfühlen, was es heißt, mit fünfzig Jahren und sein Intimus, der köstliche Vagabund Bibi- la- Purée, sein durch Jahrzehnte hindurch liebgewonnenes Café verlassen zu trunkene Verse deklamierten, wo noch im vorigen Jahre der geist- müssen." sprühende Grieche Moré as seine beißenden Epigramme und Para" Humor und Satire. Der modernisierte Goethe. Ueber allen Broßzen Herrscht Nuh, Verwundert glogen Sie dazu, Sprichst du von Not. Sie wünschen dir, Volt, viel Vergnügen, Magst du erliegen Dem Hungertob! Notizen. A. Dtonsky. doren den jungen" Arrivants" als bunte Bälle suwarf, wo, bon dem gegenwärtig in Berlin tagenden Laryngo- RhinoUeber ,, Atembewegungen und Atemholen beim Singen" hielt auf Boylesve und Bordeaux angefangen, bis zu Ernest Gaubert is logen Kongres" der Münchener Radoleczny einen interund Laune und Begeisterung herrschten, dort werden in wenigen effanten Vortrag. Der Vortragende führte aus, daß er sich namentWochen steinkalte Louisdors und fühltnisternde Banknoten ein neues Regiment beginnen das ist das( ein wenig melancholische) lich mit Bersuchen an Sängern beschäftigt habe. Maßgebend für das ist das( ein wenig melancholische die Erscheinungen in den Stimmapparaten der Sänger ist die Ende. Die Société générale" richtet in den jetzt schon historisch hierbei aufgenommene Volumkurve, über die der Vortragende vergewordenen Räumen demnächst eine Banffiliale ein. Im Charakter stand Vachette in der Mitte zwischen der Closerie schiedene Lichtbilderaufnahmen vorführt. Diese Forschungen wurden des Lilas, dem typischen Bohème- Café, und den modernen, sich auf- fowohl bei geschulten und ungeschulten als auch bei gesunden Es stellt sich heraus, daß der dringlich und dekadent gebenden literarischen Boulevard- Cafés. Bis und franken Sängern vorgenommen. -Für die Auffindung der Mona Lisa, des jüngst zu den vorletzten Zeiten hatte es seine Physiognomie treu bewahrt. beim Singen mit der Falsetstimme. Die Kopfstimme ist deutlich von Breise gesetzt worden. Nun hat auch der" Matin", um die Situation Luftverbrauch beim Singen mit der Bruſtſtimme geringer ist, als gestohlenen Bildes von Lionardo da Vinci sind schon verschiedene Die größte Familiarität herrschte unter den Stammgästen, dem Befizer, den dienenden Geistern. Der„ Patron" war nicht wenig stolz auf der Falsetstimme zu unterscheiden. Es ergab sich, daß die Atemfeine berühmte Slientel und um sie festzuhalten, schreckte er bor bewegungsfurbe bei den Falsetsängern flacher verlaufen. Durch die für sich auszuschlachten, 5000 Frant für die Somnambule oder den Spiritisten ausgeworfen, dem es gelänge, den Versteck Opfern nicht zurück, als da find: unbegrenzter Stredit und Ge- Beobachtung der Kurben ist es möglich, auch den Koloraturgefang der Mona Lisa und das Signalement des oder ver Spigbuben währung fleiner Darlehen, diefe. natürlich oft auf Nimmer- ganz genau zu ſtudieren. Es finden sich hierbei typische Tonauf übernatürlichem Wege anzugeben. folgen und typische Kurben wieder. Je schlechter der Sänger gewiedersehen. Die Untersuchungen - Gegen das Hutberbot des Polizeipräsidenten Aber es fam schon einmal vor längeren Jahren eine Krisis. Schult ist, desto steiler wird die Kurve. Die„ Arribas" wanderten aus und erkoren sich, mitten im Gewühl von Sängern bei Stimmstörungen haben einen großen Wert; aber. Jagow beabsichtigt der Verband der Theaterdirektoren Sturm zu des Zentrums, das Café Napolitain auf dem Boulevard des man darf nicht die Sänger selbst zur Selbstbeobachtung anhalten laufen. Die Berechtigung hierzu steht auf schwachen Füßen. Ein Theaterraum ist kein Modebazar. Denn die Italiens. Nur Moréas und die Seinigen blieben treu. Jeden oder sie auf diese Erscheinungen aufmerksam machen. Abend gegen 29 Uhr stellte er sich pünktlich ein. Die Scherbe dadurch hervorgerufene Beeinflussung der Nerven würde den Sänger vors schwarze Auge geklemmt, den Schnurrbart à la Alephte" zu tünstlichen Bewegungen beim Singen verleiten, wodurch wirklich gezwirbelt, ein verachtungsvolles Lächeln in den Mundwinkeln, schwere Stimmstörungen eintreten fönnten. Es liegt also im höchsten nahm er den gewohnten Platz ein, ohne sich um die Schar der Interesse des Sängers selbst, daß er vom Arzte auf diese ErSchüler und Bewunderer im geringsten zu fümmern. Die wußten scheinungen nicht aufmerksam gemacht wird. Mit dem erklecklichen -May Reinhardts Klassiterborstellungen im Birkus Schumann werden in der nächsten Spielzeit ihren frischen und vermehrten Fortgang nehmen. Gewinn hieraus läßt sich das gähnende Defizit des Deutschen Theaters ausgleichen und die Ungeduld der Geldgeber, die doch Profit exwarten, am leichtesten besänftigen. -VO Peter Friedrich Siebold, der früheste Uebersetzer bienfcher Dramen und überhaupt der ersten einer, der in Deutschland auf des Dichters hohe Bedeutung schon Mitte der sechziger Jahre hingewiesen hat, ist in Berlin am 26. August geübrigens Bescheid. Nachdem der Athener" eine Zeitlang vor sich Duftende Schmetterlinge. An die wenig beachtete Tatsache, daß hin gemurrt, die Beleuchtung miserabel und die ihm präsentierten zahlreichen Schmetterlingen ein ganz ausgesprochener Geruch eigen Getränke für eine Infamie erklärt hatte, verlangte er eine gute ist, erinnert eine italienische naturwissenschaftliche Zeitschrift. In Flasche fünf Minuten darauf war er der liebenswürdigste Mensch Europa find es vor allem drei Arten des bekannten Kohlweißlings, und jovialste Gesellschafter, den man sich träumen konnte. Nur durfte an denen diese Eigenschaft leicht konstatiert werden kann. Ihr storben. man ihn seine Berühmtheit und Autorität nicht merken lassen; dann Geruch erinnert an den des Jasmins oder des Geißblatts. Ge-- Das Wilhelm Raabe Museum in Brauit pflegte er einzuschnappen" und sich vor den ihn umdrängenden Be- radezu unerträgliche Gerüche dagegen sondern viele außer ich weig wird nun ficher austande kommen. Gewähr leistet die wunderern durch beißende Parodoren zu retten. Der Tod des fein- europäische Schmetterlinge ab, und zwar sind es gerade die größten und Gesellschaft der Freunde des verstorbenen Humoristen, die bereits auf finnigen Griechen, der nach seinem eigenen Ausspruch in Paris das echte farbenprächtigsten Arten, die in dieser Beziehung am meisten auf- 500 Mitglieder gestiegen ist. August Strindbergs, Bater" Tragödie wurde Athen wiedergefunden hatte und sich als moderner französischer Künstler fallen. Ein derartiger übler Geruch hat mit dem Geschlecht offenbar fühlte, war für Vachette ein schwerer Verlust. Ein Teil der Habitués I nichts zu tun, denn er findet sich bei den männlichen wie den weib von der Londoner Theaterzenjur verboten. Theater. Donnerstag, 31. Auguft. Anfang 7, Uhr. R. Obernhaus. Fidelio. R. Schauspielhaus. nalisten. Die Jour Berliner Prater. Die junge Garde. Anfang 8 Uhr. Deutiches. Der Arzt am Scheidetoege. Lessing. Glaube und Heimat. Berliner. Bummelstudenten. Der Reibgardist Kleines Neues Sauspielhaus. Die feufche Susanne Komische Oper. Der verbotene Ruß. Residenz. Die Dame von Magim. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller. O. Der Bund der Jugend. Schille Charlottenburg. lutionshochzeit. ,, Männerchor Fichte- Georginia 1879" ( M. d. A.-S.-B.) Chormeister: P. A. Joseph. Sonntag, den 3. September 1911: Sommer- Fest in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain. Konzert: Berliner Sinfonie- Orchester. Leitung: Hr. Joseph. Männerchor :: Gesang:„ Fichte Georginia 1879". Vorträge::: Berliner Ulk- Trio. Kinematograph. Kasperle- Theater. Kinderbelustigungen. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Uhr an Tanz, Herren, welche daran teilim Saale: Von Revo Metropol. Hoheit amüsiert sich! Boigt. Preciosa. Herrnfeld. Das Kind der Firma. Schmerzlose Behandlung. Rafino. Der felige Huldschinsky. Apollo. Spezialitäten. Wasage. Spezialitäten. Weichsballen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Rönigstadt- Kafino. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. Die goldene Schüffel. Noie. Staatsanwalt Alerander. Folies Caprice. Drei Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme. Anfang 8%, Uhr. Kammerspiele. Frühlings Erwachen. Neues Operetten. Eine Million. Trianon. Das Prinzchen. Intimes. Pariser Ehen. Urania. Taubeustraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder bon nah und fern. 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Belle- Alliance- Theater ( fr. Volksoper) Belle- Alliancestr. 7/8. Novität! Premiere. Novität! Des Lebens Possenspiel. Schauspiel in 4 Aufz. v. Sturt Küchter. Freitag, 1. September ab 8 Uhr. Luisen- Theater. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Premiere Das Wintermärchen. DOSE THEATED Große Frankfurter Str. 132. Staatsanwalt Alexander.. Anfang 8% Uhr. Sonntag nachm. 3 116r: Kasernenluft. Auf der Gartenbühne: Es gibt nur ein Berlin. Große Revue. Metropol- Theater. Bum 125. Male: Hoheit amüsiert sich! Operette in 3 Atten von J. Freund. Mufit von Rudolf Nelson. Szene gefegt von Dir. N. Schulz. Anfang 8 übr Rauchen geftattet. Folies Caprice. Täglich 8, Uhr: 3 Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme. Das Strumpfband. Pampoulette. Freitag, den 1. September 1911: Premiere. Folies Caprice- Ensemble, Kassenöffnung 1 Uhr. nehmen zahlen 50 Pf. nach. Anf. des Konzerts 4 Uhr. Entree 25 Pj. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. 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Im ChaliaCheater: Samson und Delila.- Im Herrnfeld- Cheater: Morbus Tellermann. Die neuen Karten der Mitglieder müssen aus den Zahlstellen Der Vorstand. I. V.: G. Winkler. abgeholt werden. errnfeld Theater Jubiläums- Saison 20 jährig. Direktion Anton und Donat Herrnfelds. Seit 20 Jahren der größte Erfolg die Novitäten Das Kind der Firma Berwandlungsfomöd. in 2 Aften mit den Autoren A. Herrnfeld a. Tobias Tschepperneck. Donat Herrnfeld als Philipp Katzenfell. Schmerzlose Behandlung Anfang 8 Uhr. Borbert. 11-2 Uhr( Theaterkaffe). Prachtvoller Sommergarten. Luftige Pergola. هه Anfang September AUSSTELLUNG NORDLAND auf dem entsprechend hergerichteten Platze Kurfürstendamm 151( frühere Rollschuhbahn) 125 Polarbewohner bei Arbeit, Sport und Spiel POLLO bei Arbeit, Sport und Spiel Theater 8 Uhr: Letztes Auftreten Harry Walden. Morgen, Freitag, den 1. September: Premiere des vollständig nenen Programmis. 10 große Attraktionen, Novitäten. Hochinteressante Darstellungen aus d. 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Berliner Prater- Theater Staftanien- Allee 7/9. Täglich: Die junge Garde. Ausstattungsposse von Jacobson und Ely. Spezialitäten X Konzert. Anfang 42 Uhr. Eintritt 30 Pf. Voigt- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute sowie täglich: Preziosa. Gänzl. neue erstklass. Spezialitäten. Kaffeneröffming 2, Anfang 4%, Uhr. Sonnabend, 2. September: Benefiz d. f. 6. Schauspielpersonal: In Freud und Leid. Reichshallen- Theater. Heute: Fest- Soiree und Left- Kommers zur Feier des 25 jähr. Stiftungs festes des Berliner Radfahrerklubs Borussia 1886 Anfang 8 Uhr Gesellschaftstoilette reip. Klubanzug. Ueber die Billetts ist bereits verfügt. Emanuel Steiner Niẞles Fest- Säle Rechenphänomen und das große VarietéEröffnungsprogramm Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag: Tanzkränzchen bel freiem Entree, C. Niẞle. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Petersburger Viertel. Bezirk 373 V. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Gastwirt Robert Weidhaase gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 1. September, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/15 Der Vorstand. Deutscher Am Montag, den 28. d. Mts. verschied nach langem Krantenlager unfer guter Bater, Großbater, Onkel, Bruder und Schwager, der Böttcher Karl Hofmeister im 65. Lebensjahre. am Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Hermann Hofmeister u.Geschwister Die Beerdigung findet Freitag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhojes in Weißenfee, Fallenberger Straße, aus statt. 53752 Für die anläßlich des Hinscheidens meiner leider zu früh verstorbenen lieben Frau bewiesene herzliche Teil nahme, sage ich auf diesem Wege allen meinen herzlichsten Dant. 3095 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter Anna Weidigt geb. Gauskow fagen wir allen Freunden, Bekannten und Verwandten, besonders dem 587. Bezirk des Sozialdemokratischen Bahlvereins des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises, den Freien Gaftund Schankwirten, Bezirk II Berlin, den Arbeitern der Firma H. Exner, " Brüderschaft", teppdecken|| Deutscher Buchbinder- Verband. Step Spezialhaus Emil Lefèvre Stammgäften ſowie den Mitbewohnern Berlin, Oranienstr. 158 Hochste Leistungsfähigkeit des Hauses Hussitenstr. 43 unseren herzlichen Dant. Kurt Weidigt nebst Sohn. Otto Simon Schweizer- Garten nebst Kindern. Für die vielen Gratulationen zu Funſerer 28. gefundenen filbernen Hochzeit, fagen wir allen Freunden und ParteiMetallarbeiter- Verband genoffen auf diesem Wege unien Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Stollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Artur Munsky am 24. August infolge Unfalls geftorben ist. Ferner den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Albert Hönicke am 28. Auguft an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nach mittags 5%, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus ſtatt. Ferner starb unser Mitglied, der Gürtler Hermann Schmidt am 29. Auguft. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Rigdorfer Gemeinde Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet 122/9 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verein der Bildhauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Am Dienstag, den 29. Auguft, verstarb nach langem Kranten lager unser Mitglied, der Modelleur Fritz Below im 20. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nach mittags 4/2 11hr, Don der Leichenhalle des alten GemeindeFriedbojes in Nigdorf, Nudower Straße, aus statt. Um rege Beteiligung erlucht 20/16 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Bahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Josef Humburski Beuffelftr. 3, Begir! 1 berftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 31. August, nach mittags 51, Uhr, von der Leichen halle des Sebaftian- Kirchhofes in Reinickendorf- Weft aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/18 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Adolf Warner ( Bezirk Nordoft) am 28. Auguft verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 31. Auguft, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenballe des Gethsemane Stirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. 129/20 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz licher Zeilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und herzens guten Waters fage ich hiermit allen Berwandten, Freunden und Be tannten, insbesondere der Firma Schnell u. Co. fowie feinen Kollegen und dem Wahlverein von Adlershof meinen herzlichsten Dant. Die trauernde Witwe Hedwig Sucher nebst Stinbern. 8185 tomaten Darelem aufrichtigsten Dant. 53762 Otto Witte und Frau Arndtstr. 16. Am Königstor. Am Friedrichshain. Jeden Abend 4,10 Uhr: Wie man Weiber fesselt. Bosse mit Gesang in 2 Aften. Spezialitäten, Kinematograph. Kinderfest. Jeden Mittwoch: Anf. wochentags 5, Sonnt. 4 Uhr. durch Selbstfabrikation aller besseren Oualitäten. Steppd. à 2.50, 4, 6, bis 250 M. Schlafdecken à 3, 4, 10 bis 50 Echt. Kameelhaar à 10 bis 36 27 Spezialkatalog mit ca. 650 Abbildung. gratis u. franko. Klavierlehrerin, Forsterstraße 41. Individuellen Einzelunterricht. 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Die Flugblattverbreitung morgen, am Freitag, 1. September, 7 Uhr abends beginnend, findet ſtatt: in allen Bezirken der sechs Berliner Kreise, für Teltow- Beeskow in den Orten Niemand fehle. tönnen nur Wagen, die Tribünenbesucher bringen, zugelassen werden. Sodel inzwischen geflüchtet war, und jagte ihm eine Kugel hinterDie Bellealliance- und Kazbachstraße dürfen von Lastwagen während her. Das Geschoß traf den Händler in den Kopf und führte den der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach dem Einmarsch in sofortigen Tod herbei. Der Täter wurde von den Gästen des Lokals, die Stadt nicht befahren werden. Mit dem Beginn des Ausmarsches die sich erst nach der Tat von ihrem Schreden erholten, festgehalten, der Truppen( ungefähr 6 Uhr früh) bis zur Aufhebung der Ab- bis ein Schußmonn erschien, der ihn nach dem 16. Polizeirevier in sperrung wird der Betrieb der Straßenbahnen auf der Tempelhofer den Chaussee und den aus Berlin dorthin führenden Straßen abgelenkt der Prenzlauer Straße brachte. Das Mädchen ist durch zwei Schüsse oder eingeschränkt. Ebenso erleidet mit Beginn des Einmarsches in die Brust und in den Hals schwer verletzt. Es mußte nach dem der Truppen( etwa von 91%, Uhr vormittags ab) der Omnibusverkehr Krankenhaus übergeführt werden. Die Leiche des Getöteten blieb in diesen Straßenzügen gewisse Beschränkungen. Auf das Parade- bis zur Feststellung des Tatbestandes auf dem Hof liegen. feld östlich der Tempelhofer Chaussee werden nur solche Equipagen Adlershof, Alt- Glienicke, Baumschulenweg, Bohnsdorf, Brik, Charlottenburg, Eichwalde, Friedenau, Grünau, Johannisthal, Köpenick, Lankwitz, Groß- Lichterfelde( Oft und West), Mariendorf, Nieder- Schöneweide, Rigdorf, Schmargendorf, Schöne berg, Steglitz, Tempelhof, Treptow, Wilmersdorf, für Niederbarnim in Borsigwalde, Franz.- Buchholz, Friedrichsfelde, Friedrichshagen, Hohen- Schönhausen, Karlshorst, Lichtenberg, Nieder- Schönhausen, Ober- Schöneweide, Bankow, Reinickendorf( Oft u. West), Rummelsburg, Stralan, Tegel, Waidmannsluft, Weißensee, Wilhelmsruh. Das Verbandsbureau. Stralau. Die Bibliothetsbücher werden vom Sonnabend, den 2. September, abends von 7-9 Uhr wieder in der üblichen Weise ausgegeben. Da die Bibliothet eine wesentliche Erneuerung erfahren hat, werden die Genossen ersucht, regen Gebrauch von der selben zu machen. Die Bibliothekskommission. Berliner Nachrichten. Protest gegen den Jagowschen Schießerlaß. Die fozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hat beim Bureau folgenden Antrag zur Beschlußfassung eingereicht: „ Die Stadtverordnetenversammlung protestiert im Namen der Bürgerschaft gegen die Verfügung des Polizeipräsidenten, nach welcher jeder Schuhmann bestraft werden soll, der zu spät von der Schußwaffe Gebrauch macht, weil diese Verfügung ungefeßlich ist und eine schwere Gefahr für die Bevölkerung bedeutet. Sie erfucht den Magistrat, durch geeignete Maßnahmen darauf hinzuwirken, daß die Verfügung schleunigst aufgehoben wird." Blumentage mit Gesang. Der Blumentagsrummel sputt immer noch in gewissen Köpfen nach. Jetzt wird gar ein Aufruf erlassen zur Bildung eines Gesangchors, der bei ähnlichen Veranstaltungen in Zukunft mit Gefangsvorträgen zur Verfügung stehen und auch felbständig zu Blumentagszwecken aufführungen veranstalten soll. Hierzu werden alle Damen und Herren, welche an den Blumentagen Hierzu werden alle Damen und Herren, welche an den Blumentagen als Helfer mitgewirkt haben, eingeladen. Das hat auch gerade noch gefehlt. Praktischer wäre es doch, daß jede Blumentagsjungfrau vor sich auf der Straße einen Musikautomaten aufstellt und patriotische Lieder herunterleiern läßt. So etwas kommt dann auf die Reklamebettelei der Heilsarmee hinaus. Hoffentlich bereitet das nachgerade genug gefchröpfte Publikum, wenigstens in Groß- Berlin, allen diesen schönen Plänen ein gründliches Fiasto mit zugeknöpften Taschen. zugelassen, deren Inhaber mit polizeilichen Paſſierscheinen versehen gedruckten besonderen Bestimmungen. find. Für die Tribünenbesucher gelten die auf den Starten auf = nachmittag um 4 Uhr die 4. und 6. Kompagnie nach dem GeſundWegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde am Mittwochwerden. brunnen alarmiert. Als die Löschzüge anrückten, bot sich ein Sollte sich die Zeit des Beginnes der Parade ändern, so finden Stoloniestr. 5 stand fast vollständig in Flammen. Dichte Rauchprächtiges Schauspiel dar. Der ausgedehnte Dachstuhl des Hauses die vorstehend erwähnten Zeitangaben sinnentsprechende Aenderung schwaden wälzten sich bis zur Ererzierstraße und die Banke entlang Eine fernere Absperrung erfolgt abends aus Anlaß des am 1. September d. J., abends 81 Uhr, vor der Schloßterrasse im on allen Seiten strömten Menschen herbei. Die Feuerwehr griff von 61, Uhr abends ab gesperrt: 1. Für jeglichen Verkehr und mehrere mechanische Leitern an und es gelang schließlich, die Luftgarten stattfindenden großen Zapfenstreichs. Es werden etwa sofort mit mehreren Schlauchleitungen über die verqualmten Treppen Die Kaiser- Wilhelm- Brüde, der Lustgarten, die Schloßbrüde, Flammen auf den Dachstuhl des Vorderhauses zu beschränken. Der die Friedrichsbrüde, die Museumsstraße, die Fahrdämme der Schaden ist ganz erheblich, auch die oberen Stockwerke haben durch Schloßfreiheit, des Plates am Zeughause und des Kaiser- Wasser gelitten. Ueber die Entstehung fonnte nichts ermittelt Franz Josef Plazes. 2. nach Bedarf: Die Straße Unter den Studen östlich der Charlottenstraße, der Schinkelplay, die Straße am Bei der Arbeit verunglückt ist gestern nachmittag der in dem Zeughause und die einerseits von der Behrenstraße, Französischen Betrieb des Berliner Lokalanzeigers" beschäftigte Arbeiter Otto Straße, dem Werderschen Markt, andererseits von der Dorotheenstraße Hennig. H. war im Begriff, auf einem in dem Hofe bereit stehenden her nach den gesperrten Straßen und Plägen führenden Zugänge. Starren eine Papierrolle zu befördern. Hierbei kam derselbe einem Die Aufhebung der Berkehrsbeschränkungen erfolgt nach Beendigung Kellerfahrstuhl zu nahe. In diesem Augenblick öffnete fich derselbe des Zapfenstreichs. und H. wurde von der Schußstange des Fahrstuhls so schiver ge= troffen, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Kollegen brachten den Verlegten sofort nach der nahe gelegenen Unfallstation, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Die Ursache des Unglücks wird von Arbeitern darin erblickt, daß sich der Fahrstuhl ohne Warnungsfignal öffnet. Nächtliche Feuerwache im Schloß. Das königliche Schloß in Berlin hat jetzt eine ständige Feuerwache erhalten, der es obliegt, nachts im Schloß zu patronllieren. Bei den Rundgängen müssen die Feuerwehrmänner auch die nächste Umgebung, den Marstall, Dom, das Museum, die Ruhmeshalle uſtv. observieren. Vom Dache des Schlosses bietet sich dazu eine ausgezeichnete Gelegenheit. militärisch bewacht. Soweit uns bekannt, ist das Schloß außerdem auch ständig 1000 M. Belohnung sind für die Ermittelung der Brandstifter ausgesetzt, die seit einiger Zeit wieder die Böden und Dachstühle borfäßlich anzünden. Einquartierung erhalten Berlin und die südlichen Vororte zur großen Herbstparade. In der alten Kaserne der Garde- Kürassiere, in der Linden- und Feilner- Straße, liegen vom Donnerstag vormittag bis Sonnabend früh die Leibgendarmerie des Kaisers und die Leibgarde der Kaiserin. Die Leibfchwadron des Regiments Garde du Corps wird in Tempelhof untergebracht. Die anderen Potsdamer berittenen Truppen beziehen andere Vororte. Wieder ein Hikschlag. Bei einem Glase Bier vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag der 59 Jahre alte Zigarrenarbeiter Otto Schmidt aus Brandenburg an der Havel in einer Schankwirt schaft in der Greifswalder Straße. Vom Hißschlag getroffen, fant er plöblich vom Stuhl und verschied auf der Stelle. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. " Zu dem Roheitsakt auf dem Tempelhofer Felde schreibt uns unser Gewährsmann, daß sich an der Mißhandlung des Mörtelfutschers die Insassen des genannten Autos und der Droschke beteiligt hätten. Daß Herr Schäfer dabei persönlich in Frage komme, ist nicht behauptet worden. Unsere Zengen haben nur festgestellt, daß an der Droschte der Name des Herrn Schäfer als Besiger stand und das zu dem Zweck, dadurch eventuell die Insassen der Droschte leichter ermitteln zu können. Paukow. Vorort- Nachrichten. und beraubt wurde, ist von der hiesigen Kriminalpolizei auf seiner verwies auf die vielen Vorteile, die Pankow durch Kommission zu ihrer Zustimmung beranlaßt hatten. Er feine Mit der Verschmelzungsfrage Pankows mit Nieder- Schönhausen be schäftigte sich eingehend die Gemeindevertretersizung am Dienstag. Die im April d. J. in dieser Angelegenheit eingesetzte Kommission erstattete den Bericht über ihre Tätigkeit. Als Vorfizender derselben führte Bürgermeister Kuhr hierzu aus, daß die Angelegenheit in zwei Sigungen, und zwar anfangs Mai und zuletzt am 28. d. M., bes Ein Mörder verhaftet. Einer der beiden Mörder des Agenten raten wurde. In der ersten Sizung wurde der Verschmelzung mit 7 Wilhelm Riemer, der in der Nacht zum 8. Dezember v. J. in der gegen 2 Stimmen grundsätzlich zugestimmt. Herr Kuhr entwickelte nochmals alle die Gründe, welche die Nähe des Griesheimer Exerzierplages bei Frankfurt a. M. erschlagen Arbeitsstelle verhaftet worden. Es ist ein am 10. Mai 1892 geborener Stallschweizer Mag Löffler. Der Verdacht der Täterschaft fiel bald nach Gemeindeeinrichtungen bei der Verschmelzung mit Nieders Schen vor dem Lichte der Deffentlichkeit. Verübung des Verbrechens auf einen Arbeiter Johann Bellmann und Schönhausen lezterem zu bieten habe. Aber nicht nur NiederIn der Möbelausstellung am Zoologischen Garten war bis vor Löffler. Diese beiden hatten sich nach Ausweis der Herbergsbücher Schönhausen würde große Vorteile haben, sondern durch die das wenigen Tagen neben den ausgestellten Zimmereinrichtungen ein am Tage vor der Tat in einer Frankfurter Herberge aufgehalten. durch gegebene Möglichkeit rationellerer Ansnugung seiner komSortiment von Möbeln zu sehen, welches die Veranstalter der Aus- Der Kriminalpolizei zu Frankfurt a. M. gelang es, Bellmann zu munalen Inſtitutionen würde auch Pankow erheblich gewinnen. stellung in einem bekannten Abzahlungsgeschäft erſtanden hatten, ermitteln und festzunehmen. Er legte jedoch kein Geständnis ab, Dasselbe treffe für die Verwaltung zu. Auch würde der unschöne um dem Publikum den Unterschied zwischen der Abzahlungsware bestritt vielmehr fortgefeßt, an der Tat irgendwie beteiligt zu sein. Buſtand beseitigt werden, daß die beiden in vieler Hinsicht und den ausgestellten Erzeugnissen der Tischlermeister durch Augen- Löffler dagegen ist geständig und durch seine Bekundungen ist auch auf einander angewiesenen Gemeinden nicht besonders friedVon ganz wesentlicher BeGemeinhin pflegt kein Geschäftsmann ungehalten zu sein, Bellmann überführt. Die beiden lernten sich auf der Walze kennen. Ganz fertig neben einander existieren. wenn die Ware, welche er zum Kauf anbietet, dem Publikum ge- ohne Mittel, beschlossen sie, sich irgendwie Geld zu verschaffen, und deutung sei die gemeinsame Lösung der Schnellbahnfrage, die seit zeigt wird. Wenn die Möbel des hier in Rede stehenden Abzahlungs- tamen überein, sich an der einsamen Landstraße in einen Hinterhalt einigen Monaten Gegenstand intensiver Verhandlungen sei. Käme geschäfts so gut und preiswert wären, wie es der Inhaber desselben zu legen und den ersten besten Mann, der Geld haben könnte, tot es nicht zur Verschmelzung, würde Pankow die Schnellbahn an der in der Broschüre darstellt, die er anläßlich der Möbelausstellung zuschlagen und auszurauben. Als Mordwerkzeug fauften sie sich zu Stettiner Bahn enden lassen, was Nieder- Schönhausen keinesfalls im Gewerkschaftshause verteilen ließ, dann hätte er doch den diesem Zweck einen Hammer. In der Nacht zum 8. Dezember lagen wünschen fönne. Ebenso wesentlich sei die durch die eventuelle VerTischlermeistern für die kostenlose Reklame, die sie durch Ausstellung fie in ihrem Versted, als der Agent Wilhelm Niemer ahnungslos schmelzung näher gerüdte Frage der Stadtwerdung. Je eher es feiner Ware für ihn trieben, dankbar sein müssen. Doch weit ge- die Landstraße daherkam. Weil sie bei ihm Geld vermuteten, so dann damit möglich sei, aus dem Kreis auszuscheiden, um so gefehlt. Der Inhaber des Abzahlungsgeschäfts muß wohl selbst davon überzeugt sein, daß sich seine Ware neben wirklich guter, solider sprangen sie auf ihn zu. Bellmann streckte ihn mit zwei Hammer- ringer würde die an denselben zu zahlende Abfindungssumme Schließlich komme auch noch in Betracht, daß die Beund preiswerter Tischlerarbeit nicht sehen lassen kann, und daß schlägen auf den Kopf nieder, Beide schleppten dann ihr sein. schein zu demonstrieren. 1 es besser ist, wenn sie dem Lichte der Oeffentlichkeit entrüdt wird. Opfer gemeinsam abseits von der Landstraße auf das völkerungszusammensetzung beider Gemeinden eine fast gleiche Eine andere Erklärung finden wir wenigstens nicht dafür, daß die Feld. Weil Riemer noch Lebenszeichen von sich gab, so ſei, was sich aus deren Steuerkraft ergebe, die in Abzahlungsfirma eine gerichtliche Verfügung erwirkte, welche es schlugen sie hier noch weiter auf ihn ein, bis er fich Pankow 10,80 Mart, in Nieder- Schönhausen 10,78 M. auf den der Tischlerinnung untersagt, die Abzahlungsmöbel fernerhin aus- nicht mehr rührte. Den Toten raubten sie dann aus, erbeuteten Stopf betrage. Herr Kuhr gab sodann die Antwort des Regierungsaustellen. aber nur acht Mark. Diese geringe Beute, die sie sich teilten, präsidenten auf seinen an denselben in der Sache eingereichten BeSeit einigen Tagen ist nun das wirklich abschreckende Beispiel brachten die Raubmörder bald durch. Nach der Verhaftung Pell- richt bekannt. Aus demselben geht hervor, daß eine Zusammeneiner Zimmereinrichtung des Abzahlungsgeschäfts aus der AusStellungshalle verschwunden. In einem dunklen Winkel sieht es manns machte die Frankfurter die hiesige Kriminalpolizei auf seinen legung von Landgemeinden zurzeit prinzipiell abgelehnt und im bes seinem Berfall entgegen, der jedenfalls nicht lange auf sich warten Herbergsgenossen aufmerksam. Dieser war wieder auf die Walze sonderen einer Vereinigung von Pankow und Nieder- Schönhausen in laffen wird. gegangen, zunächst nach Würzburg. Seit einigen Wochen hielt er den nächsten Jahren die Zustimmung bersagt werden müsse. Erst Noch eine interessante Seite hat diese Angelegenheit. Die fich unangemeldet in Berlin auf und arbeitete in der Marienstraße. unter den Wirkungen des Zwangsverbandsgesetzes könne entschieden Tischlermeister wollen die Schundware, die dem Publikum zu Dort wurde er gestern von der Kriminalpolizei ermittelt und fest- werden, ob Bereinigungen von Landgemeinden unter diesem Geſetz teueren Preisen aufgehängt wird, vom Markte verdrängen, indem genommen. Beim Verhör legte er ein umfassendes Geständnis ab. überhaupt notwendig und wünschenswert seien. Trotz dieſes abfie für annähernd den gleichen Preis gute und tadellose Produkte Löffler ist nur unerheblich vorbestraft und behauptet, daß Bellmann Ichnenden Verhaltens der Regierung habe sich die Kommission in Liefern. Ein Bestreben, welches auch vom Standpunkt des kaufen- ihn verführt habe. Zur weiteren Aufklärung des Verbrechens ist der ihrer letzten Sitzung auf den Standpunkt gestellt, die Angelegenheit den Publikums mit Freuden begrüßt werden kann. Dieser berechtigte Stampf gegen Produkte, die selbst der Nichtfachmann auf Frankfurter Kriminalkommissar, der die Angelegenheit dort be- nicht fallen zu lassen, wie es seitens Nieder- Schönhausens geschehen sei. Es sei zu hoffen, daß auch die Gemeindevertretung von Niederden ersten Blick als miserablen Schund erkennt, kann nach Lage arbeitet, gestern morgen hier eingetroffen. Schönhausen die Sache erneut in Angriff nehmen werde, wenn unferer Geseze durch Gerichtsurteil wie der vorliegende Fall zeigt erschwert werden. Echützt man so das reelle Handwerk? 2 Uhr in dem Hause Grenadierstr. 11 im Zentrum Berlins ab- Ebenso sei zu erwarten, daß auch die Regierung angesichts des festen Ein blutiges Eifersucht Sdrama hat sich gestern mittag gegen Bankow nunmehr in ernste Verhandlungen einzutreten bereit sei. Das Garde Schüßenbataillon wurde am Dienstagnachmittag gespielt. In der Gastwirtschaft von May, die viel von ausländischen Willens beider Gemeinden zu gemeinsamem Streben in dieser alarmiert, das Feuerpitetet mußte nach Dahlem ausrüden, wo in Kleiderhändlern besucht wird, erschoß ein russischer Tapezierergeselle Richtung ihren derzeitigen Standpunkt ändern werde. Die Kommission der Nähe des Botanischen Gartens auf den dortigen unbebauten nach einem heftigen Streit den 22 Jahre alten galizischen Handels habe deshalb gegen eine Stimme beschlossen, der Gemeindevertretung zu Flächen trockenes Gras, Heu usw. in solcher Ausdehnung brannte, mann Adolf Sockel, nachdem er dessen Braut, die 18 Jahre alte empfehlen, die Angelegenheit durch Anbahnung von Verhandlungen mit daß die anliegenden Villen und Gärten in Gefahr schwebten. Die Händlerin Waldberg aus der Zehdenicker Flammen schlugen bis zu einem Meter hoch empor und verbreiteten zwei Schüsse schwer verlegt hatte. Der Täter wurde verhaftet. Bericht Inüpfenden lebhaften Debatte wurde mit einer einzigen Straße, durch Nieder- Schönhausen weiter zu betreiben. In der sich an den eine solche Hike, daß Kinder und selbst erwachsene Personen in Gefahr schwebten. Der Feuerwehr und dem Militär gelang es denn leber die Vorgeschichte des Vorfalles wird folgendes mitgeteilt: Ausnahme allseitig der Vorschlag der Kommission gebilligt. Es schließlich, die Flammen auf die unbebauten Flächen zu beschränken. Der Mörder war vor einiger Zeit der Bräutigam der Händlerin wurde namentlich darauf hingewiesen, daß auch die Einwohnerschaft Waldberg. Aus den Beziehungen war ein Kind hervorgegangen. Nieder- Schönhausens in ihrer übergroßen Mehrheit für die VerParadeabsperrung. Gegen den Willen ihrer Eltern brach das Mädchen aber die Beziehungen schmelzung sich ausgesprochen und im Falle ernsthafter VerhandlungsDer Bolizeipräsident gibt bekannt: Aus Anlaß der am 1. Sep- zu dem Tapezierergesellen ab und wurde die Geliebte Adolf Sodels. anbahnung Bankows den Widerstand einzelner Personen beiseite au tember dieses Jahres vormittags 8 Uhr auf dem Tempelhofer Dadurch wurde die Eifersucht des früheren Liebhabers wachgerüfen schieben und die Gemeindevertretung zu bestimmen wissen werde, zu Felde stattfindenden Parade wird die Tempelhofer Chaussee von und er beschloß, seinen Konkurrenten und seine frühere Braut zu er der Frage erneut Stellung zu nehmen. Die Abstimmung über den etwa 7 1hr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Werlehr schießen. Er begab sich gestern vormittag in das Lofal von May, in Sommissionsvorschlag ergab dessen Annahme gegen drei Stimmen gesperrt. Nur den mit Bassierscheinen versehenen Wagen ist das dem sich um diese Zeit Sodel mit seiner Geliebten aufzuhalten bei einer Stimmenthaltung. Befahren der Bellealliancestraße bis zum Steuerhause gestattet. Wagen mit Tribünenbefuchern biegen in die Kreuzbergstraße ein pflegten. Dort begann er mit seinem Gegner einen Streit, in dessen an erreichen die Dreibundstraße durch die Kazbachstraße oder Berlauf er plöglich einen Revolver zog und einen Schuß auf das oder über die kolonnenbrücke. Mädchen, das in unmittelbarer Nähe stand, abgab. Kurz darauf Die Lichterfelder Straße wird für jegliche Anfahrt nach dem gab er einen zweiten Schuß auf seine frühere Geliebte ab, die sofort durch die Eylauer Straße oder Felde gesperrt. Auf dem Feldteil westlich der Tempelhofer Chaussee| blutüberströmt zusammenbrach. Dann stürzte er in den Hof, in den denselben für die Gemeinde Pankow im 3 wedverband für Die Wahl des Verbandsvertreters sowie des Ersaßmannes für Groß- Berlin, welche am Dienstag durch die Gemeindevertretung vollzogen wurde, fiel auf Bürgermeister Stuhr zum Vertreter und Fabrikbefizer Heyn zum Erjazmann. Ober-Schöneweide. Das Kuratorim für das Realgymnasium hat sich mit der Er« öffnungsfeier des neuen Schulgebäudes beschäftigt. Unter Ablehnung eines Antrages, der 1000 M. für die Eröffnungsfeier forderte, wurden 750 M. bewilligt, welche für Dekoration, Drucksachen und Erfrischung der Gäste bestimmt sind. Die Auswahl der zu ladenden Gäste ist einem Komitee übertragen, damit nur ja kein Unberufener diese Kreise stört. Ob man jemals bei Eröffnung einer Volksschule solchen Aufwand treibt? Vielleicht überlegen sich die matzgebenden Instanzen einmal, ob es nicht ratsamer wäre, daS Geld bitterarmen Leuten, die es ja im One übergenug gibt, zur Bestreitung der not- wendigsten Lebensbedürfnisse zu übermitteln. Datz die Gelegenheit dazu benutzt werden wird, an der Förderung des BaueS gänzlich unbeteiligte Personen anzuhochen, versteht sich am Rande; aber so etwas fordert die Karriere und füllt die gähnende Leere deS Knopf- loches. Der Bau der Anstalt hat mit der inneren Einrichtung einen Kostenaufwand von 520 000 Mark verursacht. Die noch nicht abgeholten Gewinne auS der beim Volksfest stattgefundenen Verlosung sind beim Genossen Biedermann, Konsum» geschäft, Luisenstr. 12, zu haben. Lichtenberg. In einem Anfall von Verfolgungswahn hat in der gestrigen Nacht die öZjährige Ehefrau des in der Friedrichstr. 70 wohnenden Metall- schleifers Gorr auf entsetzliche Weise ihrem Leben ein Ende gemacht. Frau G,, die seit längerer Zeet schwer nervenleidend war, wurde in der Nacht gegen Uhr, als sie allein zu Hause war, von einem besonders heftigen Anfall ihres Leidens heimgesucht. Sie sprang aus dem Bett, eilte zum Fenster und rief, da sie sich verfolgt wähnte, gellend um Hilfe. Ehe jedoch die erschreckten Hausbewohner hinzu- kamen, stürzte sich Frau G. plötzlich vom Balkon ihrer in der dritten Etage belegenen Wohnung auf die Stratze hinab, wo sie blutüber- strömt und besinnungslos liegen blieb. Auf Anordnung eine? hin- zugerufenen ArzteS, der die erste Hilfe leistete, wurde die Bedauerns- werte nach dem Krankenhause Bethanien übergeführt, wo sie unmittel« bar nach ihrer Einlieferung an den Folgen der erlittenen schweren äutzcren und inneren Verletzungen verstarb. Neuenhage«(Ostbahn). AuS der Gemeindevertretung. Zum Schöffen wurde der Land- Wirt Herr Karl Schmidt mit 12 Stimmen wiedergewählt. Auf Grund des mit dem Kreise Niedcr-Barnim abgeschlossenen Vertrages erfolgte in der letzten Gemeindevertretersitzung die Uebernahme der Kreischaussee von der Kleinbahn bis Bahnhof Neuenhagen. Zu den 10 000 M. betragenden Grunderwerbskosten des neuen Schulgrund- stücks am Niederheiden-Weg sind am 1. Januar 7000 M. zu zahlen. Diese Summe soll dem Ansiedlungsgebührenfonds entnommen werden. Da nun der Gutsbczirk Neuenhagen zu diesem Fonds noch keinen Pfennig beigesteuert hat, die zu bauende Schule aber eben- falls eine Sozietätsschule sein soll, verlangte Genosse Köseling pro- zentuale Belastung des Gutsbezirks, in diesem Falle also einen Beitrag zu den GrunderwerbLkosten. Im Weigerungsfalle müsse die Eingemeindung des Gutsbezirks beim KreisauSschutz beantragt werden. Es wurde Vertagung beschlossen. Genosse Göllcr regte an, mit dem Bau der neuen Schule am Niederheidenweg möglichst bald zu beginnen, denn die Ueberfüllung der Schulklassen, 7 6 Kinder in einer Klasse, erheische Abhilfe. Vorläufig soll zum 1. Ok- tober eine Hilfsklasse eingerichtet und ein Lehrer angestellt werden. Der Gemeindevorsteher versprach Beschleunigung des Neubaues. Beim Punkt Aufstellung eines Projektes für Kanalisation und Wasserleitung entspann sich eine lebhafte Debatte. Die Gegner gaben vor, über Verbleib der Abwässer noch nicht genügend auf- geklärt zu sein und hielten die Aufstellung des Projekts fü� ver- früht; nachdem der Gemeindevorsteher die Versicherung abgegeben hatte, daß daS Projekt der Kanalisation in doppelter Weise gedacht ist. und zwar mit Kläranlage und mit Berieselung, wurde mit 8 gegen 1 Stimme beschlossen, das Projekt durch Herrn Dr. Heyd, Darmstadt, aufstellen zu lassen; die Kosten von 3500 M. wurden bewilligt. 6 Herren, darunter Herr Dr. Lemkowski, hatten sich der Stimme enthalten. Selbstverständlich wird an die Ausführung des Projekts nur gedacht, wenn die Finanzierung eine nicht zu hohe Belastung der Einwohner ergibt. Immerhin wird dieser Beschlutz unser« aufstrebenden Ort erheblich vorwärts bringen. Der Antrag unserer Genossen, die regelmäßigen Ergänzungswahlen zur Ge meindevertretung an Sonntagen abzuhalten, wurde mit 5 gegen 5 Stimmen bei 5 Stimmcnenthaltungen abgelehnt. Nach der hefti- gen Redeschlacht beim vorigen Punkt verspürte man offenbar nicht mal Lust, die Ausführungen unserer Vertreter zu widerlegen. Für den Antrag stimmten außer unseren Genossen noch folgende Herren: Bürger Rechlin und Amman. Wenn nun die Ausübung des Wahl- rechts nach wie vor auch mit einem erheblichen Lohnausfall ver- bunden ist, so werden die Parteigenossen doch alles daransetzen und versuchen, bei der im Frühjahr kommenden Wahl zwei angesessenen Parteigenossen zum Siege zu verhelfen. Den Schluß bildete eine geheime Sitzung. Trebbin(Kreis Teltow). Die Volksversammlung, welche am letzten Sonntag in K l i e- st o w stattfand, war trotz der tropischen Hitze noch zahlreich besucht. Aus den verschiedenen ländlichen Ortschaften waren Landarbeiter und Kleinbauern herbeigeeilt, um den Vortrag des Genossen K l ü tz über die Zoll- und Steuerpolitik zu hören. Unter gespann- tester Aufmerksamkeit der Teilnehmer, worunter eine Anzahl Trebbiner Genossen und Genossinnen, kennzeichnete der Referent den Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes und wies überzeugend nach, datz die ländlichen Arbeiter und Kleinbauern von der Zoll- und Steuergesetzgebung ebenfalls erheblichen Nachteil hätten. Lebhafter Beifall folgte den Worten des Redners. Genosse Richter ermahnte die Teilnehmer, das Gehörte auch in die Kreife zu tragen, welche nicht anwesend seien, und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, worin auch die Land- leute begeistert einstimmten. Dies war die erste Versammlung, welche in dieser ländlichen Gegend abgehalten wurde« Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Eine sehr stark besuchte öffentliche Versammlung im Gasthof .Zum goldenen Anker" beschäftigte sich mit einer in den Kreisen der hiesigen Bevölkerung Aergcrnis erregenden Schulangelegenheit. Wie in der Versammlung mitgeteilt wurde, befindet sich der Lehrer Lütgert in einer Heilanstalt. Dem L. wird nachgesagt, daß er vorher bereits dem Trünke ergeben war und daß er einmal Schul- kinder ersucht hatte, Geld für die Beschaffung eines Fußballes mit nach der Schule zu bringen. Die Kinder hätten wohl das geforderte Geld mitgebracht, ein Fußball sei indessen nicht angeschafft worden. Plötzlich sei dann der Lehrer L. verschwunden. Später wurde er« mittelt, daß sich L. in einer Nervenheilanstalt befinde und daß ihm ein hierzu eingefordertes Urlaubsgesuch vom Ortsschulinspektor Pastor Asniß genehmigt worden sei. Für den fehlenden L. sollten die noch anwesenden zwei Lehrer AuShilsestunden geben. Der Schul- vorstand und die Gemeindevertretung monierten jedoch die zu zahlende Entschädigung, weil ihnen dieselbe als zu hoch erschien. Die Absicht, die Stelle des L. neu zu besetzen, scheiterte an dem Widerstande des SchulinspekrorS, der von den dem L. zur Last gelegten Verfehlungen nichts wissen wollte. Mit diesem Vorkommnisse beschäftigt sich nun die Oeffentlichkeit. Herr Gruschke rechnete der Versammlung vor, auf wie hoch sich die Ausgaben für die Verpflegung des in der Heilanstalt befindlichen L. belaufen, der übrigens sein Gehalt weiterbeziehe. Genosse Fiedler beleuchtete daS Gebaren des LehrerS L. und legte der Versammlung eine Resolutton bor, in welcher der Schul- vorstand ersucht wird, weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu untenrehmen. Die Genossen Wiczorek, Schulz, Petter und Kubse beteiligten sich gleichfalls an der Diskussion. Schulz empfahl den Versainmelten, aus der Landeskirche auszutteten, um so einen Druck auf den Schulinspektor, den Vastor Asniß auszuüben. Die Reso- lution wurde hierauf von den Versammellen angenommen. Spanvau. Den nach Berlin auf Arbeiterwochenkarten fahrenden Arbeitern, die sich am Montag eine neue Wochenkarte lösen wollten, fiel filötz- lich eine Bekanntmachung der Eisenbabndirektion in die Augen, auf welcher vermerkt war, daß diejenigen Personen, welche beim Lösen einer Wochenkarte nicht äußerlich als Arbeiter oder Arbeiterin kennt- lich sind, sich auf Erfordern als Arbeiter oder Arbeiterin legitimieren müssen. Personen, die schon längere Zeit auf Wochenkarten fahren, wurde die Legitimation abverlangt, welche aus einer Bescheinigung des Arbeitgebers bestehen sollte. Natürlich hatte kein Mensch eine solche Legitimation bei sich, weil ja niemand wußte, daß sie verlangt wurde. Der Anschlag wurde ja eben erst gesehen. Tatsächlich wurde denn auch verschiedenen Personen keine Wochenkarte verabfolgt. Wenn die Eisenbahndirektion irgendwelche Legitimation verlangt, so muß sie das Publikum zum mindesten genügende Zeit vorher und in ausgiebigster Weise davon in Kenntnis setzen und nicht bloß durch einen einfachen Anschlag am Schalter kurz vorher. Arbeiter-Wandcrbund„Die Naturfreunde-. Der Demonstration wegen fallen am Sonntag die Wanderfahrten aus. Treffpunkt nach der Demonstration: Sternwarte Treptow. TSitternnqsüderiichl vom 30. August 1911. L S If Ü II S? Setter »K ei i! CUMmen L g II c 5 Bf Setter B-« t: *s Havaranda 751 ND Petersburg 752 WSW Sctllv ,767 WNW Äerdeen 765 W Barrz— j— 2 halb bd. 3roolhg 2 halb bd. 2wolleill 10 17 14 10 Swareinde 1763 WSW 3 heiter 18 Hamburg i 764 WSW 4 bedeckt 15 Strftr 764 NW 2baldbd.! 18 Frautf.a M.i 766 Still z Dunst! 18 München ,765 SSW Ihawbd.! 19 Wien 1764 NW 2heiter I 12 Wettervrognoie für Donnerstag, den 31. August 1911. RachtS ziemlich frisch, am Tage wieder etwas wärmer, vielfach heiter, bei mätzigen füdwesUichen Winden; leine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Welterbureau. il WasterstandS-NaNivtcdtru der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau 1 4- bedeutet Wuchs,— stall.—•) llmerveaet. Grosser Saison-Ausverkauf Der Verkauf findet nur in folgenden Geschäften statt Zur Vermeidung von Verwechselungen achte man genau auf Strassennamen und Hausnummern der alten Stiller-Firma Haupt-Geschäft: Jerusalemer Strasse 38 39, am Dönhoffplatz Potsdamer Strasse 2 I Königstrasse 25-26 I Rixdori, Bergstr. 25-26 Tauentzienstrasse 19a 1 Schöneberg, Hanptstr. im i Rosenthakr Strasse 5 Charlottenborg: Wilmersdorler Str. 45 Wegen der grossen Vielseitigkeit unserer Artikel- Auswahl ist es nicht möglich, alle Arten der Restbestände einzeln mit Preisen anzuführen Teilweise Ermässigungen Die früheren Verkaufs-Preise bis zu Proz. sind auf jedem Paar noch deutlich vermerkt, wodurch sich jeder von den enormen Preis- vorteilenselbstüberzeugenkann Kein Kaufzwang! Keine Auswahlsendungen! Kein Versand nach auswärts I Kein Umtausch! Lerantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Vertag: Vorwärt» Suck-?.,.. Vci lagSanstalt Paul Singer n. 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