Ur. S04. Hbonncmcnts-Bcdingungens Abonnements- Preis pränumerando j Liertcljährl. SLU Mt, oionatl. 1.10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- sibonncmeiU! 1.10 Marl pro Monat. Emactragen in die Post-Zeitungs- Prcisllfic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Mona». VostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, tiiumänien, Schweden und die Schweiz. L8. Jahrg. VI« snlertlonz-Lebllh? telrägt für die sechsgespaltene Kolons!» Zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigcn M Pfg. ..Kleine Kn-elgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlasstcllcnan- ieiacn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buch- ftabc» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächfie Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffitel. vlchclvt täglich außer montags. Berliner Volksblnik. Zcntralorgan der rozialdemokratifcbcn partci Deutfcblands. Dclegramm-ildrcffe: „Sozialdtmokrai lliMs" Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstraoec 69. Fernsprecheri Amt IV, Nr. 1983. Freitag» den 1. September 1911. Expedition: 8 Cd. 68, binden Strasse 69* Fernsprecher: Stuit IV, Nr. 1084. Volk von Berlin! Gestalte die Demonstration am Sonntag znr machtvollsten Kundgebung Deines unerschütterlichen Friedenswillens! Marokko ist nicht die Knochen eines einzigen deutschen Ar- beiters wert! Nieder mit den Kriegshetzern! Hoch die Solidarität mit unseren englischen und französischen Brüdern! futternot. Kegierulig und Agrarier. Die Lage, die durch die ungenügende Futterernte hervor- gerufen ist, ist so ernst, daß die Regierung nicht untätig bleiben kann. Freiherr v. Schorlemer, der preußische Land- Ivirtschaftsminister, begann danüt, daß er ein sehr wortreiches Rundschreiben an die Landwirtschaftskanimern ergehen ließ. Dieser Erguß ministerieller Weisheit ist stellenweise überaus erheiternd. So wenn der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die Ermahnungen der Landtvirtschaftskammern die Schweinehalter bewegen werden, die Zucht nicht aufzugeben, Dieser Glaube an den Einfluß eines Aktenstückes ist so be- zeichnend für die Bureaukratenwirtschaft, daß sicher der zu- künftige Historiker, der zufällig auf diesen Wisch stoßen sollte, ihn als ein Kuriosum des papiernen Zeitalters vermerken wird. An greifbaren Dingen enthält das Schriftstück nur das Versprechen der Herabsetzung der Eisenbahntarife für Futter und Strelimittel: ein Versprechen, das inzwischen auch realisiert ist. Ferner ist die Rede von Verabfolgung des Waldstteus aus den staatlichen Forsten, was in waldreichen Gegenden eine kleine Ersparnis an Stroh bedeuten würde. Diese Maß- regeln erinnern an das Sprüchlein von der Mücke:„Jedes Vißchcn hilft," sagte sie, und spuckte in den Rhein, um den Wasserstand zu heben. Die Ermäßigung der Frachten ist schon insofern eine ab- solute Notwendigkeit, als zurzeit die Flußschiffahrt infolge des niedrigen Wasserstandes ungemein erschivert ist. In normalen Zeiten werden Getreide, Heu und ähnliche Massengüter meist auf dem Wasserwege befördert, der ungleich billiger ist. Wenn jetzt Futtermittel zu ermäßigten Frachtsätzen, die sich auf die Hälfte der normalen stellen, befördert werden, so stellt sich dieser Eisenbahntransport immer noch teurer als der Trans- Port zu Wasser. Um so mehr muß man staunen, daß die Regierung hier auf halbem Wege stehen bleibt. Es gilt nämlich die Frachterinäßigung für Rauhfutter(Heu, Klee u. dergl.) und für einige Sorten Kraftfütter(Oelkuchen, Kleie), dagegen nicht für Getreide zu Futterzwecken. Für Mais. Gerste, Hafer muß die volle Fracht bezahlt werden. Da. wie gesagt, der Wassertransport für manche Gegenden fast voll- ständig ausgeschlossen ist. die Zufuhr per Bahn aber horrend teuer ist, so sind die Landwirte jener Gegenden nicht in der Lage zurzeit die Futtemmtel zu beschaffen, sondern müssen warten, bis die Flüsse wieder schiffbar werden. Dabei wäre gerade jetzt der Bezug dieses Futtcrgetreidcs von entscheidender Bedeutung, denn es kommt darauf an das Vieh durchzuhalten. bis die Kartoffeln und Futterrüben eingebracht sind. Die Herabsetzung der Fracht für Rauhfutter ist kein Ersatz, denn Heu und Klee sind nur schwer aufzutreiben. Die schönen Redensarten von der Notwendigkeit der Erhaltung des Vieh- bestandes klingen daher wie Hohn, denn die Landwirte. denen die Futterstoffe fehlen, werden schließlich gezwungen, schon jetzt Vieh zu verkaufen. lieber dieHauptsache, dieSu spendierung der Zölle, schweigt sich der Herr Minister hartnäckig aus. Dieser so eigentüniliche Standpunkt der Regierung, daß eine Erleichterung des Bezuges von Futtergetreide nicht not- wendig sei, weder durch Aufhebung der Zölle, noch selbst durch Herabsetzung der Eisenbahnfracht, deckt sich— wie nicht anders" zu erwarten war— mit dem Standpunkt der Agrarier 4 Die„Deutsche Tageszeitung" speit Feuer und i Flamme gegen die, welche die Aushebung der Zölle fordern. fJhre Argumentation ist so erheiternd, daß wir sie in dieser s ernsten Zeit den Lesern nicht vorenthalten wollen: Im voraus ist hierbei zu bemerken, daß es nicht richtig ist, überhaupt von Futtermittelzöllen zu sprechen, selbst nicht bei Hafer, Gerste und MaiS. Nicht das Futterniittel als solches ist'mit Zoll' belegt, sondern der Zoll liegt auf dem Ge- treibe zum Schutze des betreffenden heimischen Getreide» baueS. Der Hafer ist mit einem Zolle belegt zum Schutze des Hafcrbaue», die Gerste zum Schutze des Gersten- baueS, der Mais zum Schutze von Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Kartoffeln. Jede Vermiitdertiug des ZollschutzcS auch nur auf Zeit trifft den heimischen Getreidebau und die heimische Getreideernte. Auch an den sogenannten Futtermittelzöllen hat die ge- samte Landwirtschaft ein starkes und allgemeines Interesse. Die Interessen der deutschen Gelreidebauer und der deutschen Vieh- züchter greifen so ineinander über, daß. wenn man irgendwo eine Lücke läßt oder auflut, sofort die Wirkung deS ganzen Schutzzollsystems beeinträchtigt oder gefährdet wird. Wollte man den Zoll aus Hafer und Gerste zeitweise aufheben, so würden die deutschen Bauern, die Hafer und Gerste geerntet haben, empfindlich geschädigt, vorausgesetzt, daß die Aufhebung des Zolles im Preise zum Ausdruck käme. Man würde also durch eine solche Maßregel ihre Not nicht lindern, sondern vermehren. Vom MaiS gilt das gleiche. Die Aufhebung des MaiSzolleS würde, wiederum vorausgesetzt, daß sie im Preise zum Ausdruck käme, nicht nur die Getreide-, sondern auch die Kartoffelbauern schädigen und den Notstand vermehren. Also: die Futtermittel sind nicht mit Zoll belegt, sondern nur der Hafer, der Mais, die Gerste. Dem Rindvieh und den Borstentieren muß man demnach plausibel machen, daß sie deshalb Mais nicht bekommen, weil es ein zu teuer ge- wordenes Futtermittel ist, sondern weil es halt Mais ist. Weder den Viersüßlern, noch dem Landwirte, der sie hungern lassen muß, wird— fürchten wir— damit geholfen sein. Ferner wird Tausenden und Abertausenden von Bauern nicht einleuchten, daß ihr Vieh zugrunde gehen muß, weil die Zölle...„die einheimische Landwirtschaft schützen." Auf ivclche Weise die Bauern„geschützt" werden sollen, durch künstliche Verteuerung des Getreides und der Kartoffeln, dürfte ein Geheimnis des Agrarierblattes bleiben. Da uäiulich diese Bauern nicht in der Lage sind, unter den ob- waltenden Verhältnissen auch nur die geringsten Mengen des geerntcten Produktes zu verkaufen, so ist ihnen mit hohen Preisen nicht gedient: sie müssen Futter st offe zu kaufen und d a h e r wi r d i h n e n d e r h 0 h e P r e i s zum Verderben. Freilich: der Staudpunkt der Agrarier wird sofort ver- ständlich, wenn man sich erinnert, daß in Deutschland die Großgrundbesitzer und Großbauern vielfach Verkäufer von Getreide und Futtermitteln sind, die Kleinbauern hingegen Käufer. Diese Tatsache wird klar und deutlich durch folgende Zahlen erläutert. Teilt man die landwirtschaftlichen Betriebe in zwei Größenklassen, solche mit einer landwirtschaftlich be- nutzten Fläche bis zu 20 Hektar und über 20 Hektar, so er- gibt sich folgendes: die Betriebe unter 20 Hektar haben ins- gesamt eine Fläche von rund 15458000 Hektar zur Ver- füguug, die Betriebe über 20 Hektar eine Fläche von 16 377 000 Hektar. Die Kleinbetriebe hatten nach der Zählung von 1907 einen Viehbestand von 12 344 000 Stück Rindvieh, 13 824 000 Stück Schweinen. Dagegen die Großbetriebe: 7 733 000 Stück Rindvieh. 5 041 000 Stück Schlveine. Es ist also klar, daß von dem Erttage eines Hektars ungleich mehr Tiere üu Klein- als im Großbetriebe ernährt werden müssen. Deshalb ist der Kleinbauer darauf angewiesen, die gcernteten Futterstoffe zu verbrauchen; der Großgrundbesitzer aber hat Ucberschuß. Es kommt hinzu, daß die Großbetriebe überdies aus ihren Brennereien, Zuckersiedercien, Bierbrauereien wert- volle Futterstoffe als Abfallprodukte beziehen(Rübenschnitzcl, Treber, Plempe). Es sind also die Großgrundbesitzer und Großbauern in der Tat an dem„lückenlosen Schutzzollsystem" interessiert und bei dem jetzigen Notstande mehr als je. Die kleine Bauern- schaft wird gezwungen, ihnen horrende Preise für Hafer, Gerste und Roggen zu bezahlen, wenn sie ihr Vieh durch- halten will. Für die nächste Zukunft aber ist mit einer starken Steigerung der Viehpreisc zu rechnen und dann, wenn die Viehbestände der Bauern stark gelichtet sind, iv i n k t den Großgrundbesitzern von neuem ein Extra- Profit. Dazu kommt, daß heilte die Dinge in der Land- Wirtschaft bereits wieder sich so gestalten, daß das Bauern- legen ein profitables Geschäft tvird. Werden also die bäuer- lichen Besitzer, von denen viele das Schwergewicht ihrer Wirt- schaft auf die Viehhaltung gelegt haben, durch das Notjahr ruiniert, so können die Junker billig Bauernhöfe erstehen. Wenn die Dürre eine Fügung Gottes ist, wie Wilhelm II. verkündet, so scheint dieser Gott ein besonderer Freund der Junker zu sein, und die gottesfürchtige Regierung Deutschlands tut was sie kann, um ja nicht durch Aenderung ihrer wählt» sinnigen Wirtschaftspolitik die Folgen dieser Fügung für die Kleinbauern zu mildern. Neben dem Bauern ist es natürlich auf den städtischen Konsumenten abgesehen. Der„lückenlose" Zolltarif hat die schöne Eigenschaft, daß er die Preise für die Nährstoffe von Vieh und Mensch gleichmäßig, in die Höhe treibt, und ganz besonders gilt daS vom Getreide. Werden Hafer und Gerste teurer, so wird auch Roggen teurer. Zurzeit beobachten tvir am Markte das anormale Verhältnis, daß Hafer und Futter- gerste, die für gewöhnlich tiefer im Preise stehen, als Roggen. bereits teurer sind. So wurden am letzten Sonnabend an der Berliner Börse folgende Preise verzeichnet: für sofort liefer- bare inländische Ware proTonne: Roggen 170— 175,50M., Hafer neuer Ernte 176— 190 M-, gute Futtergerste 176— 186 M. ES ist klar, daß bei dieser Marktlage die Landwirte, die über Roggen verfügen, nicht daran denken, diesen zu verkaufen und Hafer oder Gerste als Viehfutter zu kaufen, sondern sie füttern einfach mit Roggenschrot. Dies und der Umstand, daß bei dem„erprobten System" der Eiufuhrscheine Getreide aus- geführt wird, um die Ausfuhrprämie einzusacken, muß natür- lich dazu führen, daß alsbald die Getreidevorräte sich ver- ringcrn, die Roggcnpreise in die Höhe getrieben werden, zu- mal wenn die Spekulanten ihre Künste nach dieser Richtung spielen lassen, was nicht ausbleiben lvird. So führt de» „lückenlose" Zolltarif dazu, daß auch eine Verteuerung des Brotgetreides eintreten muß, trotzdem Deutschland eine relativ günstige Getreideernte hat. Daß die Regierung in ihrer„gottgewollten Abhängigkeit" von den Agrariern sich dem Willen dieser Machthaber fügen wird, war vorauszusehen. Jedenfalls wird ihr Gelegenheit gegeben werden, vor dem Reichstage aufs neue ihre Volks- feindlichen Tendenzen klarzulegen. Die Entscheidung' aberliegt beim Volke, das zu zeigen hat. ob es für der sich vor einer Clique schamloser Brotwucherer beugen will, oder ob es ge- sonnen ist. die Entscheidung in die eigene Hand zu nehmen. *•# TeuerungSdemonstrationrn in Frankreich. Die Folgen der steigenden Lebensmittelpreise haben in Frank- reich in verschiedenen Orten zu Demonstrationen geführt, die stellenweise einen fumulfuBfen Verlauf nahmen. DaS offiziöse Telegraphenbureau verbreitet darüber folgenden Bericht, der sich anscheinend von tendenziöser Uebertreibung nicht frei hält: Die infolge der teuren Lebensmittelpreise in verschiedenen Städten NordfranlreichS vorgekommenen Ruhestörungen nehmen einen immer gewalttätigeren Charakter an. In Douai trafen gestern abend mehrere hundert Frauen und Männer auS dem benachbarten DorignieS ein und zogen unter dem Gesänge der„Internationale" und anderer revolutionärer Lieder vor das Stadthaus, wo sie vom Gemeinderat wirksame Massnahmen gegen die Preissteigerung der Lebensmittel verlangten. Der Gemeinde- rat nahm infolgedessen einen Beschlusiantrag auf Abschaffung der Zölle auf Fleisch und Nahrungsmittel an. Die Menge gab sich jedoch nicht zufrieden und marschierte unter dem Stufe:„Es lebe die Sabotage!" durch die Stadt. DaS Zuchtpolizeigericht von A v e s n e s bestrafte mehrere Frauen, die vorgestern auf dem Markt in Hautmont Ruhestörungen verursacht hatten, mit Gefängnis von zwei bis vier Mo- n a t e n. DaS Urteil rief unter den Bergleuten deS Beckens von Maubeuge außerordentliche Aufregung hervor. Der Allgemeine Arbeiterverband forderte die Arbeiter in einem maßlos heftigen Aufruf auf, zum Zeichen des Protestes heute vormittag zu streiken. Im Bezirk von ValeneienneS wurden viele Kaufleute von den Arbeitern zu der schriftlichen Erklärung gezwungen, nur zu Preisen, die von den Arbeitern festgesetzt seien, zu verkaufen. Tie Geschäftsleute, die unter diesen Umständen nur mit Schaden arbeiten, schlössen die Läden. Die Metzger beschlossen, wegen der hohen Viehpreise bis auf weiteres nicht mehr zu schlachten. Die Fleischhauer von Valenciennes. die einer Versammlung im Stadthause beigewohnt hatten, wurden von der Menge beschimpft und mußten in ein Cafe flüchten. Zur Wiederherstellung der Ruhe ist eine Schwadron Reiter nach Valenciennes entsandt worden. In FreSnes drangen Ruhestörer in Geschäfte ein. deren Besitzer sich geweigert hatten, Eier zu billigeren Preisen zu ver- kaufen, vernichteten die Einrichtung und plünderten die Vorräte. Ein Pächter wurde infolge der Aufregung vom Schlage getroffen und war sofort tot. In St. Quentin kam es gestern abend zu neuen Ruhe- störungen, wobei ein Loden vollständig ausgeplündert wurde. Der Unterpräfekt und zwei Polizisten, welche einschreiten wollien, wurden von der wütenden Menge verwundet. Natürlich hat die französische Sazialdemokratie mit diesen spontanen Ausbrüchen nichts zu tun. Soweit wirklich Gewalttaten vorgekommen sind, handelt es sich um bedauerliche V erzweif- lungSausbrücheunorganisierter Ma s s e n. Das hindert die„D. T a g e s z t g." nicht, ihren geistig schwerfälligen Lesern die freche Lüge aufzutischen, die Sozialdemo- kraten hätten„förmliche Räuberbanden gebildet, welche über die Bauern herfallen, sie mißhandeln, aus- rauben und ihre Gehöfte ausplündern." Ter Zweck dieser niederträchtigen Hetze ist allerdings durchsichtig. Es soll den Bauern, die mit der Zeit doch an dem Nutzen ihres Bundes mit den Junkern zu zweifeln anfangen, Angst vor den Sozialdemokratie gemacht werden, um die' Geängstigten wieder an ihre selbstsüchtigen Feinde zu ketten, Vit IfiaroMtoaffäre. Botschafter Cambon ist in Berlin eingetroffen und es ist möglich, daß die neuen Besprechungen heute beginnen. Die Verhandlungen sollen angeblich in der Weise vor sich gehen, daß zunächst über die Sicherung der französischen politischen Handlungsfteiheit und der wirtschaftlichen Ansprüche Deutschlands in Marokko gesprochen wird; würde Frankreich die Handlungsfreiheit zugestanden, so kämen dann die Kom- pensationen an die Reihe, die angeblich bedeutend seien, aber von Frankreich nicht ckehr vergrößert werden würden. DaS Märchen von der„schwarzen Armee". Zu der alldeutschen Erfindung von der Gefahr, die Deutschland von einer französischenNegerarmee erwachsen könne, sagt die„Aurore": Wenn Deutschland in einem Abkommen sich die Richtverwendung schwarzer Soldaten in Europa ausbedingen wolle, würden sie rasch einig werden. Denn man kommt in Frankreich bereits von dieser unüberlegten Ver- blen dring zurück. DaS leugnen zwar die Urbcber dieser Idee, aber die Tatsache ist unleugbar. Schon in seinem Bericht über das Kriegsbudget mußte Herr Clö- mentel Vorbehalte machen und auf jeden Fall ausdrücklich die Verwendung von Truppen in dem Mutter- st a a t v e r w e r f e n. Die schwarzen Truppen nur für die Kolonien, daS ist die wirkliche und einzige Lösung und schon das ist eine überschwengliche Hoffnung. Unser Selbstgefühl hat mit dieser Frage nicht da? geringste zu schaffen. Wenn Deutschland bei seiner Befürchtung bleibt und von uns eine Verpflichtung verlangt, übernehmen wir sie ohne zögern!... Die Republik hat es nicht nötig, von anderen Soldaten als ihren eigenen Bürgern verteidigt zu werden... Man sieht also, dieallbeutschenLügenhaben kurze Beine. Das Borgehen der Spaniex. Madrid. 81. August. Der Mini st errat beschäftigte sich heut« mit den Verhandlungen über Marokko. Ministerpräsident CanalejaS drückte die Hoffnung aus, daß die Rechte Spaniens durch die an den marokkanischen Angelegenheiten interessierten Nationen werden beachtet werden, und seine Hoffnung auf eine baldige befriedigende Beendigung der gegenwärtig schwebenden Ver- Handlungen über Santa Cruz de Mar Pequena; er betonte mit Nachdruck die Notwendigkeit, diesen Teil der marokkanischen Küste vor Ende September zu besetzen. Vis Protestbewegung. Die Straßburger Arbeiterschaft demonstrierte am Mittwoch- abend in einer Massenversammlung gegen die Bedrohung des Welt- friedens durch daS marokkanische Abenteuer. In einem der größten Säle StrahburgS hätten 1200 Personen dichtgedrängt Platz gefunden. während eine mindestens ebenso große Anzahl vergebens Einlaß in den abgesperrten Saal begehrte. Der Referent, Genosse Dr. W e i l l, sprach unter der stürmischen Zustimmung der �Massen gegen die Kriegshetzer und erklärte es für die selbstverständliche Pflicht deS Proletariats, die Verwirklichung der kriegerischm Versuche mit allen Mitteln zu hindern. Eine Resolution, die im Sinne des Referats gehalten war, fand einstimmige Annahme. Die Schweriner Arbeiterschaft nahm in einer von etwa 1000 Personen besuchten Protestversammlung Stellung zu den Volks- verräterischen Umtrieben der Kriegshetzer. Genosse Nespital- Rostock führte in seinem Referat unter begeisterter Zustimmung den versammelten vor Augen, wo die treibenden Kräfte in dem Intrigenspiel um Maroklo sitzen. Jubelnden Beifall fand der Redner, als er zum Schluß seiner Ausführungen hervorhob, bei der nächsten Reichstagswahl den Kriegshetzern und ihren Hinter- männcrn die Antwort durch Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel zu erteilen._ Heue€nglandl)ctze. Genosse Eduard Bernstein sendet uns folgende Ausführungen: Wie im„Vorwärts" schon erwähnt worden ist, hat das Pieudo- Interview des englischen Botschafters in Wien einem Teil der bürgerlichen Presse erwünschten Anlaß gegeben, von neuem das Publikum gegen England wild zu machen. Ich will auf daS Interview und seine eigentümliche Bekanntgabe nicht näher eingehen- Die Sacke ist vorläufig noch ziemlich mysteriös und sieht fast so aus, als sei Sir Fairfax Laigston Cartivright in eine ihm gestellte Falle gelaufen. Jedenfalls aber ist der Herr für die Sozialdemokratie eine gleichgültige Persönlichkeit. Nicht gleichgültig ist dagegen, öaß systematisch daran gearbeitet wird, das deutsche Volk mit Ge- walt in einen blinden Englandhaß heineinzutreiben. Dieser Agitation kann nicht energisch genug entgegengetreten werden. Eine ihrer unvermeidlichen Wirkungen hat sich ja auch deutlich genug gezeigt. Es mag ein Zufall sein, daß der Ausbruch der neuen Hetze im Datum auch mit jener Rede Wilhelms II. zu- fammenlraf, die auf eine kommende Erweiterung des deutschen Flottenprogramms folgern läßt. Aber der Sache nach gehörten Englandhetze und endloses Rüsten selbstverständlich zusammen. Das eine arbeitet da für das andere. Schreien heute schon alldeutsche Phantasten:»wozu haben wir denn die teuren Schiffe, wenn wir sie nicht gegen England loslassen", so erhöht jede Steigerung der Flottenlasten die Gefahr, daß der große Haufe der Stimmungs- Politiker sich in ähnliche Gedanken hineinlebt. Haben doch die wenigsten einen klaren Begriff davon, was ein feindseliger Zu- sammeustoß zwischen Deutschland und England bedeuten würde. Es ist unglaublich, wie leicht selbst Leute, bei denen man Kenntnis der weltpolitischen Kräfte und Zusammenhänge voraussetzen kann, die Idee eineS solchen Zusammenstoßes nehmen. Um zunächst mit dem Wirtschaftlichen zu beginnen, so muten diejenigen, welche dem deutschen Volk jetzt Stücke tropischen oder subtropischen Landes alS paradiesische Schätze vor Augen halten, um deremwillen eS bereit sein müsse, England in die Waden zu fahre», ihm die Rolle des HundeS in der Fabel zu, det das Stück Fleisch, das er im Munde hielt, losließ und nach dessen ihm größer erscheinendem Widerspiel im Wasser schnappte. Keine etwa zu erwerbende Kolonie kann für Deutschlands gewerbetreibende Klassen den Wert unseres friedlichen Austausches mit Großbritannien und seinen Kolonien aufwiegen. Was speziell Südmarokko anbetrifft, um dessentwillen jetzt so viel Lärm geschlagen wird, so muß selbst derjenige, der dem Erwerb der Kolonien für Deutschland nicht schlechthin ab- weisend gegenübersteht, sich sagen, daß dies Gebiet sogar geschenkt dem deutschen Volk leicht zu teuer komnicn würde. Man preist cS als ein gewaltige» SiedelungSgebiet mit großartigen Möglichkeiten für Baumwollkulturen an. Als ob nicht da die eine Eigenschaft der anderen ins Gesicht schlüge. Die Baumwolle er- 'ordert ein Klima, daS Mittelenropäer als Siedler erfahrungsgemäß nicht vertragen. Man kann geradezu sagen: wo Baumwolle gedeiht. gedeiht kein mitteleuropäischer Siedler, und wo mitteleuropäische Siedler gedeihen, gedeiht keine Baumwolle. Die Arbeiter aus den Baumwollpflanzungen Süd-MarokkoS würden Nicht-Enropäer sein müssen. Woher aber die nehmen? Erwa auS den Stämmen, die Süd-Marokko heute bewohnen und mit denen noch keine Regierer fertig geworden sind? Auf unabsehbare Zeit hinaus würde Süd-Marokko dein deutschen Volke nur kosten, und zwar würde es nicht nur sehr viel Geld, sondern auch Blut, sehr viel Blut erfordern. Die Erfahrungen mit den HcreroS in Südwestafrika find Kinderspiel dagegen. Welcher Wahnsinn da- her— ja, man kann mit Fug sagen, welcher verbrecherische Wahnsinn, um einer Sache willen, bei der schon da? ureigene In- teresse des deutschen Volkes die nnchlernste, reifliche Ucbcrlegung verlangt, dieses Volk in eine steigende Hetze gegen ein Land hinein- zutreiben, mit dem eS jetzt in friedlichem Verkehr jahraus jahrein vetriebsprodukte von zusammen Milliarden im Wert austauscht. besten Markt von allen großen Märkten der einzige ist. wo Erzeug- nisse der deutschen Industrie ohne Zoll Aufnahme finden. ES ist aber nicht nur der Handel mit England, der bei der Frage unserer Beziehungen zu diesem Staate in Betracht kommt. Selbst unser: verbohrtesten Alldeutschen können sich darüber keinen Täuschungen hingeben, daß Deutschland als politische Macht in der Welt der Kulturvölker außerordentlich wenige wirkliche Freunde hat. Zum Ueberfluß sorgen sie ja noch selbst dafür, daß Deutschland Gegner bekommt, wo eS keine zu haben brauchte. So sind z. B. die Polen Oesterreichs lange ein deutschfreundliches Element gewesen, und noch heute besteht in Galizien weit über die Kreise des SchlackzizentumS hinaus bei den Polen der Wunsch, mit den Deutschen sich gut zu stellen. Aber mit der Ostmarkenpolitik. wie unsere Alldeutschen sie predigen, ist das natürlich auf die Dauer nicht möglich. Auf ähnliche Weise müht man sich von dieser Seite immer wieder ab. durch eine schneidige„Nordmarkenpolitik" uns die Sympathie der skandinavischen Böller zu verscherzen.. Im Gegensatz dazu hat England durch eine umgekehrte Politik neuerdings feine Stellung in der Wekt ganz erheblich Verbeffert. Es handelt sich da nickt um die Eiulreiningspolitil Eduards VII., auf deren Recknung höchstens die Verständigung Englands mit Frank- reich zu setzen ist. Nein, was hier in Betracht kommt, ist die von Campbell Vannerman eingeleitete und bisher von seinem Nachfolger Asquith fortgesetzte Politik des demokratischen Ausbaues des britischen Weltreichs. ES ist die Politik, die durch Gewährung von Selbst- regicrung an den Bund der südafrikanischen Kolonien die Buren und das boftändische Element mit England versöhnt hat, die die abenteuerlichen ReichSzollverbondSpläne aufgegeben und statt die selbstregiereuden Kolonien künsstich an die Handelspolitik des Mutterlandes zu ketten, sie als frei« BmideSglieder zur Mitberatung der Angelegenheiten deS Weltreiches herangezogen hat. Die be- deutende innere Festigung deS Reiches, die diese Politik schon zur Folge gehabt hat, wlrd noch eine beträchtliche Steigerung erfahren. wenn das Mimsterium Asquith die von ihm als seine nächste große parlamentarische Maßregel angekündigte Verwirklichung von Homerule für England zur Durchführung bringt. Es wird das ein Ereignis von weltpolitischer Tragweite sein. Homerule für Irland wird unter anderem das Verhältnis zwischen England und den Ver- einigten Staate» so günsttg gestalten, wie daS in der modernen Konkurrenzgesellschaft überhaupt möglich ist. Bis in die neueste Zeit hinein waren in den Vereinigten Staaten bei Streitigkeiten mit England die Iren ein England feindliches Element.»Englands Verlegenheit ist Irlands Gelegenheit" war ihr politisches Dogma. Das hört alsdann auf. Der Zusammenhalt der rnglischsprechenden Welt wird von einem störende» Faktor befreit. In einem Kampf. der darauf abzielt, England an seinem Lebensnerv zu treffen— und ein anderer hätte unter dem Gesichtspunkt der deutschen Hetz- Patrioten keinen Sinn— würde sich daS GemeinsamkeitSgesühl vor« auSsichtlich sehr energisch geltend machen. Diese erstaunlichen Politiker, welche die Welt nach Verbündeten gegen England ab« suchen, könnten da eigentümliche Dinge erleben. Sie glauben jetzt solche Verbündeten in den Jndiem und Aegyptern zu haben. Hinsichtlich Indiens würden sie sich voraus- sichtlich schwer verrechnen. Die Partei in Indien, die eine völlige Losreißung von England will, ist außerordentlich schwach. Die übergroße Mehrheit der indischen Nationalpartei will eine Art Homerule unter euglischer Oberhoheit. Elwas anders siebt es in Aegypten. Aber, wie eS schon im Flugblatt deS Parteivorstandes rickiig heißt, da§ äußerste, waS ein Krieg Deutschlands mit England mit Bezug auf die genannten Länder erwirken könnte, wäre, Englands HerrschastSstellung dort ein Ende zu machen, keineswegs aber die Ersetzung von England durch Deutschland. Unter dem GesichtSpnnkl der Kolonialpolitik wäre also für Deutschland gar nichts geioonnen. ES ist vielmehr durchaus nicht ausgeschlossen, daß Deutschland dabei noch verlieren würde. Man muß sich nur die Frage nach den möglichen Erben Englands vorlegen, um die Antwort auf die Frage zu finden. England hat Regierungen und auswärtige Minister aller Art gehabt und Deutschland gegenüber oft schofel gehandelt. Aber andere Staaten haben eS auch getan, und wenn England Deutsch- land gegenüber ein Schuldkonto hat, so hat es ihm gegenüber auch ein Kreditkonto. Schließlich ist eS den Deutschen in keinem Lande der Welt besser gegangen als in England und seinen Kolonien. DaS hat in den letzten Tagen erst wieder ein Mitarbeiter in den»Hamburger Nachrichten" in einer Artikelreihe dargelegt, und unzählige Beispiele ließen sich dafür anführen. Das kann natürlich kein Grund sein. daß Deutschland sich sozusagen überall stillichweigend von England beiseite schieben läßr. Aber welcher vernünftige Mensch verlangt das letztere? ES wird dem deutschen Volle geradezu vorenthalten, wie viele angesehene Politiker und große Zeitungen Englands einem Entgegenkommen Deutschlands Wünschen gegenüber daS Wort reden, — von der unablässigen Bekämpfung des Jingoismus durch die englischen Sozialisten gar nicht zu reden. ES kann gar nicht oft genug betont werden: die Englandhetze und Englandfurcht bei uns fußt zu neunundneunzig Hundertsteln auf gänzlich zeitwidrigen politischen und handelspolitischen An- schauungen. So kann man bis weit in die Linke hinein von Deutschen hören, der Zusammenstoß zwischen England und Deutsch- land sei schon deshalb unvermeidlich, weil die deutsche Konkurrenz England immer unbequemer werde. Als ob ein Krieg irgendetwas von Belang an Winsckaststatsachen ändern kann, die in den Wirtschaftskräften der Völker wurzeln und in den moorrncn VerkehrSverhälmisien ihre Nahrung finden. Während aber die Eniwickelung deS Weltverkehrs daS Abdrängen vom Weltmarkt immer schwerer macht, macht eS das gewaltsame Erobern immer im- rentabler, daS Niederhalten von Böllern immer aussichtsloser. Schon auS reinen VerstandeSerwägungen muß mit den politischen Ideen ge- brechen werden, die auS Zeitaltern der Eroberungen sich in unsere Zeit hineinvererbt haben. Wer sich von ihnen nicht befreien kann, der mag sich sonst für noch so vorgeschritten halten, er wird im entscheidenden Moment doch den Reaklionsmächten zum Opfer fallen, ihr Werk verrichten. Das möchten wir namentlich auch einigen linlsliberalen Blättern zurufen, die da«nner wieder glauben, jenen Anschauungen irgendwie Rechnung tragen zu müssen. Gerade in den Fragen der internationalen Politik ist Halb« heit oft besonders verhängnisvoll. Und warum sich nicht rückhaltlos vom Geist und den Anforderungen der neuen Zeit leiten lasten? Woran Deutschlands Entwickelung auch in der Weltpolitik krankt, daS sind Erbtllmcr aus der Zeit der Eroberungen, die es noch»nt sich herumschleppt. WaS ihn, dagegen heute seinen geachteten Namen in der Welt gibt, sind Leistungen auf den Gebieten von Wiffciischaft und Technik, von Literatur und Kunst, von Organisation und Ver- Wallung. Da liegen seine Reiche und bei ihnen ist die Zukunft. kevorileheiKler Kampf im bMcheu Bergbau. London, 29. August.(Cig. Vcr.) Nach der Beendigung des Eiscnbahncrstreiks atmete das englische Bürgertum erleichtert auf. Aber schon ballen sich die Wolken zu einem neuen Gewitter zusammen und eine beklemmende Angst hat sich der herrschenden Klassen be- mächtigt. Ein Ricsenkampf zwischen den Bergarbeitern und den Bcrgwerksbesitzern steht bevor. Ter bekannte Bergarbeiterfiihrer Hartshorn hielt letzten Sonntag eine Rede, in der er prophezeite, daß innerhalb ziveier Monate ein allgemeiner Bergarbeiterstreik ausbrechen werde. Erschrocken fragte man bei anderen Bergarbeiter- führern an und fand, daß selbst die bedächtigsten unter ihnen nicht geneigt waren, die Möglichkeit eines Generalstreiks der Bergarbeiter zu leugnen. Inzwischen sind Ereignisse ein- getreten, die deutlich auf den kommenden Kampf hinweisen. Die Bergarbeiter des unteren Rhonddatalcs(nicht die Ar- beiter des„Cambrian Combine", die jetzt nach langem heroischem Kampfe die Arbeit wieder abnehmen) haben ein Manifest veröffentlicht, in dem sie fordern, daß in Wales der Generalstreik proklamiert werden soll, um den Minimallohn für alle Bergarbeiter zu erringen. An einem bestimmten. von einer allgemeinen Konferenz festzusetzenden Tage sollen alle Bergarbeiter in Südwalcs und Monmouthshire die Arbeit einstellen und dann an die englischen und schottischen Kameraden den Appell richten, sich ihnen anzuschließen. Eine nicht offizielle Konferenz der Vertreter der verschiedenen Tistriktsorganisationen ,st auf nächsten Sonnabend nach Cardiff einberufen worden. Von noch größerer Bedeutung als diese Aktion der Waliser ist das Vorgehen der Bergarbeiter der Grafsckraften Lancashire und Cheshire. Tics sind die Kerntruppcn der britischen Bergarbeiterarmce. die Gründer der..Miners' Federation of Great Britain" und als außerordentlich zähe Kämpfer bekannt. Sie haben für die Tagesordnung der Generalversammlung der britischen Bergarbeiterföderation. die in der ersten Woche des Monats Oktober in Sou-thport stattfinden wird, eme Resolution eingeschickt, in der für das ganze Bereinigte Königreich ein Minimallohn von 7 Schilling (7 M.) gefordert wird. Die Forderung soll sofort in den bestehenden Einkgungsämtern zur Sprache gebracht werden und sollten sie die Werksbesitzer nicht bewilligen, so soll ein allgemeiner Bergorbeiterstreik erklärt werden. Die San- cashiremänner sind kaum die Leute, die eine Resolution stellen, nur um eine akademische Diskussion darüber herbei- zuführen. Die Forderung ist ihnen bitterer Ernst, und sie hoffen bestimmt auf die iliiterstütznng der Bergarbeiter von Südwales, Schottland, Turham und Northumberland, die mit ihnen zusammen etwa zwei Drittel der organisierten Bergarbeiterschaft Großbritanniens ausmachen. Schon vor zwei Jahren nahm die Generalversammlung der Berg- orbeiterföderation eine Resolution an. in der für das ganze Land ein Mimmallohn von 8 Schilling den Tag gefordert wurde. Die Frage war damals noch nicht reif zur Lösung. Die Inzwischen haben sich die Dinge schnell entömcfelt. Was 5a- mals noch ein frommer Wunsch war, ist heute eine brennende Tagesfrage. Die in der britischen Bergwerksinduftrie bestehenden Einigungsämter haben sich noch nie mit ctiner Frage von solcher Wichtigkeit befaßt. Man ist daher gespannt, zu sehen, ob sich die Werksbesitzer beguemen werden, einem gütlichen Austrag der Minimallohnstreitigkeiten zuzustimmen. Ihre Wortführer erklären, daß die Forderung unmöglich bewilligt werden kann. Die Betriebskosten seien in den letzten Jahren gewaltig gestiegen: hautpsächlich seien dafür das Achtstunden- gesetz und die schärfere Kontrolle der Gruben verantwortlich. Dazu werde die neu'e Versicherungsgesetzgebung den Unter- nehmern neue Lasten aufbürden. Die Kampfstimmung, die unter den Bergvrbeitern des Landes herrscht, kommt mit jedem Tage deutlicher zum Aus- druck. In den mittelenglischen Bezirken ist es die Frage der Beschäftigung unorganisierter Arbeiter, in Nanthumberland das Dreischichtensystem, in den meisten Landesteilen aber die Frage des Minimallohnes, die den Hauptanlaß zu der Be- wegung gibt. Unter diesen Umständen ist es mchr als wahr- schcinlich, daß sich die Prophezeiung des Genossen Hartshorn bewahrheiten wird. Cloyd George filier die flrbeiterrevolte. Zur telegraphisch bereits kurz skizzierten Rede dcS englischen Finanzministers wird unS aus London noch geschrieben: Die Grundsteinlegung zu einer Baplistenkirche hat dem englischen Schatzkauzler die Gelegenheit gegeben, sich über die Ursachen der unter den Arbeitern herrschenden Unzufriedenheit zu äußern. Nach einer Verteidigung de? walisischen Volkes gegen die in der kanservativen Presse, erschienenen Angriffe führte er auS, daß sich eine große Unzufriedenheit mit den herrschenden Wirtschaft- lichen Verhältnissen des Volles bemächtigt habe und daß sich die Kirchen sofort an die Arbeit machen mühten, um die Wirt» schaftlich» Lage des Volkes zu heben. Dan» fuhr er fort:»Ich bin nicht sicher, ob sich die Kirchen der Vewntworl- lichkeit in bezug auf die Bekämpsting und Heilung j!) dieser Symptome, die auf ihnen lastet, bewußt sind. Die erste ff�abe einer Kirche ist eine geistige; aber sie hat auch eine untere Pflicht, die das materielle Wohlergeben ihrer MitglieiTer betrifft. Die Menge mag nicht an das Versprechen des Un- gesehenen glauben, bis sie eine bessere Verwirklichung drS Ver- sprechen« siebt. Eine der Aufgaben, die die christliche Kirche nach ihrer Gründung auf sich nahm, war die Verbesserung der materiellen Lage ihrer Milglieder und zu diesem Zwecke ernannte sie Beamte. Es gibt heute gewisse Leute, die von AnaniaS reden. AnaniaS war ein Mann, der eine falsche Angabe über sein ver- kaufteS Eigentum machte, um seinen Beitrag zu der Gemeinde, der er angehörte, zu verringern. Es gibt auch heute Leute von diesem Schlage. Die erste Pflicht der christlichen Kirchen dieses Landes ist die, das Unrecht gut zu machen, unter dem die Massen des Landes leiden. ES gibt heute Scharen von Leuten in diesem Lande, die trotz quälender Arbeit nicht genug verdienen, um Körper und Seele zusammenzuhalten. Andererseits gibt es solche, die weder arbeiten noch spinnen, und dennoch alleS im Ueberfluß haben. So lange diese Verhältnisse bestehen, wird eS diese Ausbrüche geben. ES wird gesagt werden, daß ich die eine Klasse gegen die andere aufhetze. Das ist der Papageienschrei jedoS unfruchtbaren Federfuchsers und Schwätzers, der nicht einmal genug EinbildnngSkrast besitzt, eine neue Aet Schmähung zu erfinden. Wenn eS ein Verbrechen gegen die Gesellschaft ist, auf die heute und alltäglich vor- kommende Ungleichheit aufmerksam zu machen, dann habe ich nur zu sagen, daß die sozialen Verhältnisse und die soziale Organisation eine sofortige Neuordnung erheischen. Wir haben Mitglieder der christlichen Kirchen. Leute. denen eS gut geht, die sich nie einen Leckerbissen versagten, und die dennoch böse werden, wenn eine Klasse der Bevölkerung den Versuch, macht, ihre Lage zu verbessern. Ich sage diesen, sie mögen die Ver- hältnisse, unter denen Tauscnde, ja Millionen Menschen für sich, ihre Fraue und Kinder ihr Leben zu verdienen suchen, prüstu und wenn sie dann noch glauben, daß diese Verhältnisse zufriedenstellend swd.üb'aten Msttelstandlern vlelerorts den Vre, vetderben. dann möchte ich ihnen raten, sechs Wochen wie die Katholiken Buße zu tun und von den Löhnen des Volkes dieses Landes zu leben und zu versuchen, ihre Familien von dem Hungerlohn zu ernähren, von den, Millionen unserer Arbeiter leben müssen. DaS würde sie von einer der schlimmsten Sünde, der Sünde der Unbarmherzigkeit, kurieren.� Dann ennahnte der Schatzkanzler seine Zuhörer. baS Schiinpfen einzustellen und ihre Aufmerksamkeit den BerhälMissen zuzuwenden. unter denen das Volk lebe. Sie hätten eben ein Ereignis über» standen. daS leicht zu einer verhängnisvollen Katastrophe hätte werden können, und jetzt hätten sie Zeit zur Ueberlegung. Sie möchten ehrlich versuchen, die Ursache zu ergründen, und mit den Beschuldigungen aufhören. Täten sie da« nicht, so werde der nächste Kamps unendlich schlimmer ausfallen. Das Volk werde intelligenter und sie könnten ihre LandSlente nicht prellen. Wenn die christlichen Kirchen nicht hülfen, die Lage deS VylkeS zu ver« bessern, so würden sie zurückbleiben. Er richte den Appell an sie, sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt zu werden und daS Volk zu einer höheren LebenSstufe emporzuheben. So sprach der englische Schatzkanzlcr, und seine Rede bildet eine glänzende Rechtfertigung der sozialdemokratischen Agitation, die sich jeder unserer Versammlungsredner zum gelegentlichen Gebrauch ins Notizbuch schreiben sollte. So hat er schon deS öfteren geredet, weshalb diese letzte seiner Reden auch wenig Aufsehen erregt hat. Handeln tut er indessen anders. AlS die Eisenbahner den Versuch machten,»ihre Lage zu ver- bessern", da war dieser christliche Mann mit dem weichen Herzen einer von denen, die da glaubten. daS»Symptom" mit Waffen» gewalt kurieren zu können. Aber gedulden wir uns. die Ursachen der Arbeitcrrevolle werden jetzt studiert werden. Die erste Frucht dieses Studiums ist die beträchtliche GehaltSaufbesse- r u n g. die die Regierung vor einigen Tagen der— Londoner Polizei, die man in den letzten Monaten zu eiaer Unter- nehmerschutztruppe herangebildet hat, gewährte. Niemand wird den Polizisten das Recht auf einen höheren Lohn absprechen, aber diese Gehaltsaufbesserung sieht doch einer Belohnung für die zer- fchlagenen Arbeitcrfchädel verteufelt ähnlich. Ein neuer Eifenbahnerstreik? London, 31. August. In Arbeitcrkreisen ist man der Ansicht, daß demnächst eine neue Streikbewegung ausbrechen wird. Gestern abend erklärte der Arbeiterführer Tom Mann. daß die Schwierigkeiten mit der G r e a t E a st e r n- E i s e n. bahngesellschaft derart seien, daß eine Arbeitseinstellung unvermeidlich erscheine. Um diese zu verhindern, habe er vor dem Untersuchungsausschuß gewisse Mitteilungen gemacht. Die Gewerkschaftsverbände tun alle», was in ihren Kräften steht, um eine neue Streikbewegung zu hintertreiben politifcbe deberlicdt. Berlin, den 31. August 1911. Unsere Demonstration in Treptow. angekündigte Friedenskundgebung der arbeitenden Massen Groß-Bcrlins hat die nationalistische Presse in große Wut versetzt. Ein Teil fordert von der Regierung in auf- geregten Tönen das Verbot unserer Massen- Versammlung, also die offenkundige Verletzung des Versammlungsgesetzes. Nachdem die Herren für sich selbst aus eigener Machtvollkommenheit den Majestäts- beleidigungsparagraphen außer Kraft gesetzt, also die politische Freiheit immerhin etwas erweitert haben, möchten sie jetzt, daß für die Arbeiter das politische Recht noch ver- kürzt werde! Der andere klügere Teil sieht ein, daß da nichts zu machen sei, schreit über die ,, antinationale Haltung" der Sozialdemo- kratie— das Eintreten für den Frieden ist den bezahlten Kriegshetzern natürlich antinational l— und benutzt die Gelegenheit, um über das Versammlungsgesetz zu klagen, das zu einem Verbot keine Handhabe biete. Am liebsten möchten sie ein neues Gesetz gegen soziaidemokratische Versammlungen. Die Herren werden sich aber schon mit der großen De- monstration, die den wahren Willen des Volkes von Groß- Berlin zum imposanten Ausdruck bringen wird, wohl oder übel abfinden müssen. Die Behörden konnten der Kund- gebung nichts in den Weg legen. Sie wird unter den gleichen äußeren Bedingungen wie im Vorjahr stattfinden und den- selben musterhaften und ungestörten Verlauf nehmen wie die große Wahlrechtskundgebuug vom 10. April. Zentrum und Konsumgenoffenschafte». Im Westen Deutschlands wird der Streit zwischen den Mittelständlern und den Konsumcntenorganisationen zu einem erheblichen Teil auf dem Rücken des Zentrums aus- getragen. Diese Partei des„juLts milieu", die es angeblich allen Erwerbsständen recht inachen will, hat seinerzeit einer ganzen Reihe von proletarischen Wortführern, die gegen die Auslieferung der Volksernährung an das Agrariertum Front machten, den Mund durch parlamentarische Mandate, Stadtverordnetensitze und Aemtchen gestopft. Das schaffte eine Zeitlang Ruhe. Dann aber kam die Konsum- genossens chaftsfrage. Aus den Kreisen der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie heraus wurde be- sonders in Rheinland und Westfalen der damals dort noch wenig gepflegten Konsumentenorganisation erhöhte Aufmerk- samkeit geschenkt und allenthalben entstanden Konsum- genossenschaften. Aehnlich wie in der Gewerkschaftsorgani- sation äfften die Zentrumsparteiler auch hier das Vorbild ihrer Gegner nach, und bald konnte der klerikale Anhang allerorten unverfälscht„katholisch e" Heringe verzehren und sich mit„rein christliche r" Seife waschen. Tie„christliche n" Konsumgenossenschaften sind an manchen Jndustrieorten recht schön herangewachsen, besonders gerade dort, wo das Zentrum am stärksten vertreten ist. Dem kleinbürgerlichen Anhang des Zentrums wurde diese Kon- kurrenz der Genossenschaften sehr unbeauem. Es begann eine energische Abwehrbeweguug. Heiße Känipfe hat es inner- halb der Zentrumsorganisation hinter verschlossenen Türen abgesetzt, und vergebens haben die führenden Leute des Zen- trums sich bemüht, Frieden zu stiften: Die Mittelständler, Tetaillistenvercinler und Zünstker forderten unerbittlich die Auflösung der Genossenschaften. Sie verlangten von der Parteileitung die Herbeiführung von gesetzgeberischen Maß- nahmen gegen die Beamten- und Arbeiterkonsumvcreine. Den Gemeindeverwaltungen mutete man zu, den städtischen Beamten und Angestellten die Mitgliedschaft in Konsum- vereinen zu verbieten. In diesem Stadium be- findet sich der Konflikt heute noch. Nun nahen die Reichstagswahlen, und das Zentrum sieht mit der größten Besorgnis, daß ihm die Kämpfe zwischen den Arbeitergenossenschaften und den ra- Mülheim am Rhein und in Essen drohen die Mittel- ständler, dem Zentrumskandidaien nicht die Stimme zu sieben, wenn er ihre Wünsche in der Genossenschastsfrage nicht erfüllt. In S t o l b e r g bei Aachen hat eine Versamm- litng christlicher Konsumvereinler beschlossen, eine„Konsumenten-Abwehrkommission" zu bilden, die vor d-en Wahlen sämtliche Reichstags-oderLand» t»igskandidaten Rheinlands und Westfalens über ihre Stellung zu den Genossenschaften befragen soll. Die Antworten sollen veröffentlicht werden. Die Zentrums- presse jammert, daß es einen Hund erbarmen könnte: sie sieht bereits eine Anzahl Reichstagsmandate infolge des Streits unb der„Ausschaltung der Wcltanschaungsfragen durch den Klassenegoismus" hinwegtreiben. Die„Essener Volkszeitung" ruft den klerikalen Mittel- ställdlern zu, sie möchten bedenken, daß„der sozialdemo- kratih'che Gegner grundsätzlich ein viel konsequenterer Ver- trete c des Konsumvereinsgedankens" sei. Sie ruft beiden streitenden Parteien zu:„Die Waffen nieder!" und schließt:„Geschieht das setzt, wo die Köpfe noch nicht so furchsHar erhitzt sind, so ist das leichter, als unmittelbar vor der Wahl, nachdem noch hüben und drüben harte Worte gefallt!» sind." Ton einem Verwrechen, daß sich das Zentrum künftig nicht mehr an mittelständlerisch-reaktionären Anschlägen auf die KtSisumgenossenschaften beteiligen will, ist da nichts zu lesen. Wenn der von den Klerikalen so heiß gewünschte Frieden wirklich zustande käme, so könnte das nur auf Kosten der Arbeiter geschehen. Rpichstagsersatzwahl in Konstanz-Ueberlinge«. Die MeichStagSericitzwahl im 1. bodischen ReichstagSwabllreiS Konstanz-Ueberlingen findet, wie gemeldet wird, am IS. Oktober statt. Der Kreis war bis 1800 in den Händen der Nationalliberalen. dann eroberte ihn daS Zentrum, Bei der diesmaligen Wayl gehen Rationalliiüerale und Fortschrittliche BolkSpartei zusammen. Wahlrecht und Slrmenunterstützung. Tie bfirgerliche Blätter melden, wird gegenwärtig bei den zu- ständigen pmißischen ResiortS an einem Geletzentwurs gearbeitet. der feststelle»» soll, inwieweit und in welchen Fällen der Empfang von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte einwirkt. Die Vorlage wird voraussichtlich den Landtag in seiner nächsten Tagung beschäftigen. Sowohl der Reichstag als auch das Abgeordnetenhaus haben Eni- ichließunge» gefaßt, die eine Ucbertragung der reichsgesetzlichen Grundsätze für diese Materie auf die Landesgesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten für wünschenswert halten. De» Bundesregierungen ist darauf du�h die ReichSregienmg zur Erwägung anheimgestellt, inwieweit diese Grundsätze be» entsprechenden ReichSgesetzeS vom März 1909 in die Landesgesetzgebung eingeführt werden können. Dabei handelt eS sich darum, den Begriff der Armenunterstützung, deren Bezug von der Teilnahme am Wahlrecht ausschließt, für die Wahlen auf Grund von Landesgesetzen ebenso festzulegen, wie für die Wahlen nach ReichSgesetzen._ Eine klerikal-polnische Lüge. Der in Benthe»(Oberfchlesien) erscheinende„Katolik" bringt eine Schauermär über sozialdemokratische Kirchenfeindschaft, die von allen klerikal-polniscken Blättern begierig nachgedruckt wird. Danach soll die„Wiener Arbeiterzeitung" unter der Ueberschrist»Ver« nichtet die Kirchen!" geschrieben haben: „Vernichtet die stolzen Türme! Zerschlaget in Staub den kalten Marmor! Reißt in Stücke die zierenden Seiden I Vorwärts also, und wenn es das Leben von Tausenden kosten sollte.� Durch die Asche der Kirchen wird die Welt neu geboren werden. Auf ihr wird eine neue Welt erstehen, eine herrliche, siegreiche, wirkliche Welt! Vorwärts also gegen die Kirchen!" Und weiter, bemerkte das Blatt„Katolik", hat dieselbe„Arbeiter- zeitung' eine Beschreibung des Schutthaufens in solchen Worten gebracht: „Die eiserne Pforte knirscht, die Ziegel brausen herunter, die Hacke schlägt alles klein, der Turm fällt, die Mauern fallen um. Die zerschlagenen Glocken jammern, das ausgeschüttete Geld rollt klingend herum, der wehende Wind reißt das zerrissene Kleid der Jungfrau Maria auseinander. Die mit Sternen geschmückten Kronen fallen in den Kot, die Kanzel steht in Flammen. Der Altar raucht, der stegreiche Zorn heult lustig wilde Psalmen." Wir erhalten zu der Behauptung des„Katolik" die folgende Erklärung: „In unserem Blatte ist niemals eine Notiz mit dem Titel: „Vernichtet die Kirchen" erschienen. Niemols hat die Redaktion die Aufforderung erlassen, die in den klerikal-polnischen Blättern angegeben ist. Es ist alles, waS die Blätter in bezug auf den Artikel„Vernichtet die Kirchen" erzählen, gemeine Lüge. Redaktion der„Arbeiterzeitung", Wim V/I, _ Wienstr. 89 a." Militärische Jugendorganisationen. Der Generalleutnant e. Deimling, der schon mehrmals durch seine politischen Reden unliebsames Aufsehen erregt hat, hat sich neuerdings ein weiteres Feld seiner Betätigung erkoren. Er hat nämlich eine Jugendwehr gegründet, um durch diese Organisation der Jugend rechtzeitig den militärischen Schliff beizubringen. Man scheint diesen Organisationen maßgebenden Orls besonderes Gewicht beizulegen, denn unter der Leitung aktiver Offiziere sind auch in anderen Städten Deutschlands solche Jugendwehren gegründet worden. Allerdings rekrutieren sich die Mitglieder dieser militäü- schen Jugendorganisationen fast durchweg aus den Söhnen der be- sitzenden Klasse, für die die„Gefahr" der„sozialistischen Verhetzung" aus naheliegenden Gründen überhaupt nicht besteht. ES scheint so. als ob das ganze Reich mit einem Netz dieser militärischen Gründung überzogen werden soll. Agrarische Ausbeutung unter behördlichem Schutz. DaS Gesetz vom 24. April 13S4 betreffend die Bestrafung der Dienstvergehen gewährt den Agrariern in Preußen viele Möglich- leiten, ihre Arbeiter in sklavischen Fesseln zu halten. Im gewerb- lichen Arbeitsverhältnis gilt eö längst als unmoralisch und ungesetz» lich, einen Arbeiter durch Strafe zur Leistung einer Arbeit zu zwingen, die nicht bezahlt wird. Unsere Agrarier benützen unbedenklich Behörden und Gerichte, um ihre Arbeiter zu jeder Arbeit gefügig zu machen. Auf dem Rittergut des Herrn B i r ck e n st a.e d t in Demnitz, KreiS Anklam, erhalten die Arbeiter als Lohn alle 14 Tage einen Scheffel Roggen und 7 M. bar; am Ende des JahreS nach weitere 12 Scheffel Gerste. Dazu eine Wohnung und das übliäw Deputat, bestehend in einem Gemüsegarten, Kartoffelland sowie Feuerung und L Liter Milch täglich. Für verkauftes Vieh gibt es ein Trinkgeld. Jede Frau ist verpflichtet, täglich zweimal 12—13 Kühe zu melke», wofür sie 80 Pf, Lohn erhält. Der Ritter- gutsbefitzer vergrößerte seine Viehwirlichaft und verlangte nun von den Frauen, eS müsse jede vier Liühe pro Tag mehr bedienen. Lohnzulage sollte eS allerdings nicht geben. Den Frauen war dieses Verlangen doch etwas zu ostelbisch, weshalb sie sich weigerten, die Mehrarbeit ohne Bezahlung zu leisten. Doch unser Herr Ritter- gutsbefitzer und Gutsvorsteher wußte sich Rat. Er erstattete„amt- liche Anzeige" und der Amtsvorsteher, ein Herr v. Borke, waltete seines Amtes. Er übersandte den Ehemännern der be- treffenden Frauen Strafbefehle, weil die Frauen sich trotz wiederholter Aufforderung geweigert hätten, nach der von Herrn Birckenstaedt neu eingeführten Milch ordnung zu melken. Die Strafbcfchle wurden den Arbeitern nicht direkt zugestellt, sondern, wie dies in Ostclbien so üblich ist, vom Arbeitgeber dem einzelnen ausgehändigt. Damit wird erfahrungsgemäß die Wirkung auf den Arbeiter noch verschärft. Und läßt es sich ein Arbeiter bei- komme», gegen eine» derartigen Strafbefehl Antrag auf gerichtliche Entscheidung zu stellen, dann bestätigen die Gerichte fast regelmäßig die Maßnahmen der Amlsvorsteher. Oeltcmicb-Clngani. DaS gleiche Wahlrecht i» Ungarn. Budapest, 81. August. Die parlamentarische Situation dürfte in den nächsten Tagen eine Veränderung erfahren. Die Justhpartci will gegen Zusicherung des allgemeinen, gleichen und gsheimen Wahlrechts den Kampf gegen die Wehrv orlage einstellen. Das Gros der Kossuthpartci ist entschieden gegen die Wahlvorlage und fordert die Suprematie des. Magyarcntnms. Die Kosstlthpartci ist morgen zu einer Sitzung einberufen. Portugal. Die Kabiuettobildung. Lissabon, 31. Anglist. Da Duarte Leite die Bildung des neuen Kabinetts abgelehnt hat, ist Bristo C a v a ch o damit beauftragt worden. flnnlancl. Der MeineidSzar. Der Zar hat die von der russischen Regierung beschlossene Angliederung eines Teiles des an Rußland angrenzenden südfinnischen Gouvernements W y b o r g an Rußland ge- nehmigt. ES handelt sich um die Bezirke Mykyrka und Kiwinebb mit zusammen 1533 Quadratkilometer und 81t.(X) Einwohnern. Es befinden sich dort mehrere Orte, die von Petersburgern als Sommcraufenthalt aufgesucht werden. Der Landraub, der mit„Rücksichten auf die Sicherheit des Reiches" beschönigt wird, erregt in ganz Finnland die schärfste Ver- urteiluug und wird von den Zeitungen aller Parteien stark angegriffen. Das stört natürlich die Raubmörderbande des Zarismus ebenso wenig wie die zum Zwecke der Annexion notwendige Verletzung aller mit den finnischen Ständen ge- schlossenen Verträge und feierlichen kaiserlichen Versprechungen. Ebensowenig stört es die europäischen Mächte, die ja im Punkte Ordnungsschutz und Christentum mit den zaristischen Henkern eng zusammenstehen. GcwerkfcbaftUcbea, Dfe„Gelben" im rhemircb-wertfäUfcben Xndurtrkbczirh. Am letzten Sonntag traten die gelben Werkvereine, wie die kapitalistische Presse mit Stolz berichtet, zum ersten Male an die Oeffentlichkeit. Bezeichnenderweise erfolgte dieses„wichtige" Er- eignis gelegentlich des 3. Stiftungsfestes des Kruppschen Werk- Vereins durch einen Festzug durch die Straßen Essens und eine hurrapatriotische Ansprache des„Sozialsekretärs" des Kruppschen Werkvereins am Bismarckdcnkmal. An sich verdient dieser Vorgang keine besondere Beachtung, er ist höchstens geeignet, den Charakter der gelben Werkvereine zu illustrieren. Eine kurze Betrachtung dagegen verdienen wohl die im Anschluß an den Festzug beliebten Ausführungen der scharfmacherischen Presse, die„von einem sieg- reichen Vormarsch der nationalen Arbeiterbewegung im Ruhrrevier" träumt. Der Artikel in den kapitalistischen Blättern ist eine Zu- schrift, als deren Verfasser man wohl den„Sozialsekretär" des Kruppschen Werkvereins vermuten darf. Dieser Herr(oder sein Helfershelfer) hat' naturgemäß ein sehr lebhaftes Interesse daran, das gänzliche Fiasko der Werkvcreinsbcwcgung im rheinisch-west- fälischen Jndustriebczirk durch Schönfärberei zu verdecken. Besieht man die Sache bei Licht, so ergibt sich, daß die Bewegung der Gelben im rheinisch-westfälischen Jlrdustricbezirk einfach kläglich dasteht. Der nationale Arbeiterverein der Kruppschen Werke soll eine Mit- gliedcrzahl von 5500 aufweisen. Die Nichtigkeit dieser Angabe kann nicht nachgeprüft werden, aber selbst wenn die Zahl richtig sein sollte, so will auch das bei dem ungeheueren Druck, der im Jnter- esse des„nationalen" Arbeitervereins auf den Kruppschen Werken ausgeübt wurde, nicht viel bedeuten. Im Verhältnis zu der Gc- samtzahl der Kruppschen Arbeiter ist die Zahl absolut nicht be- deutend. Ueber die Mißerfolge ihrer sonstigen Agitation versuchen die Macher der„Gelben"-Vewegung, sich durch die Feststellung hin- wegzusetzen, daß der Kruppsche Verein mit' seiner Mitgliederzahl an. der Spitze aller deutschen Werkvereinc steht. Was im übrigen aber noch über die gelbe Arbeiterbewegung berichtet wird, bestätigt 'die Richtigkeit des oben schon angedeuteten Fiaskos der Gelben. Außer dem Kruppschen Werkverein bestehen im Jndustricrevier noch 23 Vereine mit rund LSOO Mitgliedern. Diese Zahl ist gerade- zu kläglich, insbesondere wenn man berücksichtigt, daß in dem in Frage kommenden Bezirk hunderttausende Arbeiter allein in den Bergwerken und den großen Eisenwerken beschäftigt sind, ganz ab- gesehen von den taufenden und abertausenden Arbeitern in den anderen Betrieben. Selbst wenn auch das Organ der„Gelben" Vk)« S b u r g zu veraiilwortcn. Die An» klage warf ihm vor, eine Kaution des BezirkölassiererS Klein in Westerland auf Sylt von 400 M., eine K a u l i o n des Bc.tzi<.kS- kassiercrS OuedenS auf Smrum von 300 M. und eine Kaution deS Rendanien Rathje von 1000 M. unterschlagen und i« der Zeit von 1002 bis 1908 fortgesetzt Quittungen gefö lischt und die unterschlagenen Deträge für sich per- braucht zu haben. Die veruntreute Summe ist auf inSgetamt 25 000 M. fe st g e se tz r worden. Die Kautionen sind über« Haupt nickt durch die Bücher gegangen. Tie neue Verwalluug hat erst dann elwaS von ihnen erfahren, als ihr die Ouitluu�.'n sür die gezahlten Kautionen vorgelegt wurden. Der jetzige Vorsitzende Franzen auS Niebüll erklärte als Zeuge, daß die KaulionSgclder nicht gefunden worden shud und daß der Hypothckenbtief, den der Rendaiil Ratbjen an Stelle seiner Kantiou gegeben halte, auch nicht gefunden wurde. Die U stunden- sälschuiig hol Marlciffcn in folgender rasfinicrlen Weise begangen. Tie drei Kassenärzte in Westerland auf Sylt bezogen gleichmäßig einen Teil der Reineinnahme ihres Kasieubezirks als Honorar. Bis zur endgültigen Abrechnung mit den Aerzteu, zu der Martensen stets persönlich nach Sylt hinüberfuhr, erhicllcn die Aerztc Abichlagszahluugeil. Bei einer Qmltiing über 1(0 Mark schrieb Marteuscn nun die 1 immer, nur mit einem Strich und in Worten stall einhundert immer nur hundert. Später zog er dann durch die 1 einen Haken, so daß eine 4 daraus lvurde, und vor hundert setzte er vier. Damit waren auS 100 M. 400 M. geiuqcdcn. Es ist vorgekoinmen. daß Martensen an einem Tage b«i jedem der drei Aerzte auf diese Weise 300 Mark„ver- dient' hat. MS im Frühjahr 1008 die Veruntreuungen entdeckt wurden, machte Martensen einen S e lb st m o r d v e rs u ch. Am 23. April 1908 wurde er in die I r r e n a n st a l t w SchlcSlvig aufgenommen, nach sechs Monaten lvicder entlass-:« und lebt jetzt von seiner Pension als KreiSauSschußsekretär in Hnniburg. ES waren nicht weniger als fünf ärztliche Gutachter aufgeboten, die vor Gericht über den'Geisteszustand des Angeklagten Zh. Glocke. Berlin. Druck».Verlag• PorwärlZ Buchdr. u ffcrlagsanstnst' aussagen sollten. Alle bekundeten, daß der Angeklagte seit de» Jahre 1903 an cdcer melancholischen Depression leide, daß er aber in den Jahren, wo er die Straftaten be- gangen habe, voll st än big zurechnungsfähig ge- Wesen sei. In der Verhandlung kam zum Ausdruck, daß die Buchführung überaus nachlässig gewesen sei. Die Revisionen seien der reine Hohn gewesen. Es habe keiner der Revisoren gemerkt, daß eine Reihe von doppelten Buchungen gemacht worden seien. ES sei die reine Lotterwirtschaft gewesen. Der Staats- a n w a l t beantragte gegen den Angeklagten ein Jahr und drei Monabe Gefängnis und sofortige Ver- hastung. DzS Gericht erkannte auf nenn Monate Ge« f ä n g n i S und lehnte die sofortige Verhaftung ab. Von der An- klage der Untei.Mlagung wurde der Angeklagte freigesprocken, weil nicht nachgewiesen worden sei, daß er das Geld für sich ver« braucht habe. Die Strafe erhielt der Angeklagte wegen der Fälschungen. So hat«4i Mann, der direkt unter den Augen deS schneidigsten preußischen Boomten, des LandratS, arbeitet, jahrelang die schlimmsten Verfehlungen begehen können. Allerdings der Landrat deS KreiscZ Tondern ist wie seine Kollegen in den Kreisen HaderSleben und Apenrade staik beschäftigt, stärker als andere preußische Landräte, Er hat nicht nur ängstlich auf alle Regungen der im Kreise aller» dingS noch schwach vertretenen Sozialdcmolratie zu achte«, mehr noch macht ihm daS Dänentum Sorge. Versammlungen. Die städtischen Arbeiter von Charlottenburg versammelien sich außerordentlich zahlreich am Mittwochabend im „Volkshauje", Rosinenstraße. In der letzten Zeit mehrten sich wieder d« Klagen dieser Arbeiter über mancherlei Mißstände in den städtischen Betrieben; anstatt der erhofften Verbesserungen bot man den Arbeitern sogar allerlei Verschlechterungen der bis- herigen Lage an.— Neben den sozialdemokratischen Vertretern im Charlottenburger Stadtparlament waren auch einige bürger- liche Vertreter und der Vorsteher der Stadtverordnetenversamm- lung, Hgrr Kaufmann, zu der Versammlung erschienen. Ter erste Rebner, Paul H i r i ch, besprach die Aufgaben der Gemeinden als Arbeitgeber, wobei er besonders die Ver�..0iiisse in Charlottenburg beleuchtete und behauptete, daß es hier sogar an dem guten Willen fehle, den Arbeitern zu Helsen. Diese Behauptung brachte Herrn Kaufmann in Harnisch und er legte dagegen Verwahrung ein. Man könne immer nur schritt. weise vorgehen, meinte er. Genosse Hirsch hielt seine Be- hauptung aufrecht und führte manches Beispiel an, um zu zeigen, daß sür alle möglichen Zwecke Geld vorhanden sei und leicht be- willigt werde; wenn aber die Arbeiter etwas fordern, habe man sofort die größten Bedenken. Er sei schon zufrieden, wenn schritt« weise vorwärts gegangen werde, leider gehe man oft rück, wär/ts. Ueber den Rückschritt in der Charlotten» buvger Arbeiterpolitik hielt Karl PolenSke einen Vortrag und empfahl zum Schluß die Annahme der folgenden ResÄution, die bereits die Zustimmung der Vertrauensmänner gefunden hatte. Die einstimmig angenommene Resolution lautet: „Die am 30. August 1911 im großen Saale des„VollShauseS" versammelten Arbeiter und Handwerker aller städtischen Be- triebe bedauern sehr, daß bei Einführung der neuen Arbeits- ardnung ihre Wünsche in fast allen Punkten unberücksichtigt ge- lblieben sind. Die neue Arbeitsordnung entspricht in keiner Hinsicht den Mindestforderungen, die die Arbeiterschaft an eine generelle Regelung des Arbeitsverhältnisses stellen muß. Ganz entschieden protestieren die Versammelten gegen die Entziehung und teilweise Verkürzung des Sommerurlaubes in einem großen Teile der städtischen Betriebe. Die Versammelten erklären diese Maßnahme für eine Ungerechtigkeit und eine ganz erhebliche Verschlechterung der bisherigen Arbeits- bedingungen. In der Erwägung, daß diese Verschlechterungen ein Ausfluß des in Charlottenburg bestehenden StändigkeitssystemS sind, er- klären sich die Versammelten ganz entschieden gegen dieses System, da es einen erheblichen Teil der städtischen Arbeiter zu Arbeitern zweiter Klasse macht. Weiterhin sprechen die Versammelten ihr Bedauern darüber aus, daß in einer Anzahl städtischer Betriebe noch völlig un- zulängliche Löhne gezahlt werden. TagcSlöhne von 3,60 M. für Vollarbeitcr müssen bei den jetzigen teuren Zeiten als völlig ungenügend bezeichnet werden. Die Versammlung beauftragt die ArbeiterauSschüsse und Vertrauensleute der städtischen Betriebe, in gemeinsamer Aktion diese Dinge zu beraten und entsprechende Anträge an die städtische Verwaltung zu stellen. In der Erkenntnis aber, daß eine Verbesserung der Arbeits- bedingungen sowie eine Abwehr von Verschlechterungen nur möglich ist, wenn die Arbeiterschaft geschlossen gewerkschaftlich organisiert ist, verpflichten sich die Versammelten, mit aller Energie sür Ausbau und Stärkung der gewerkschaftlichen Organisation einzutreten. Weiter verpflichten sich die Versammelten, bei den bevor- fiehcaden Stadtverordnetcnwahlen für die Wahl von sozial- demokratischen Kandidaten einzutreten." Letzte ftachrichtem Tnrch elektrischen Strom getötet. Donnerstag nachmittag gegen 6 Uhr erfaßte der etwa 23 Jahre alte ledige Arbeiter Willy Kleist aus EbcrSwalde beim Teere« der Urberdlichung des Bahnsteiges v auf Bahnhof Charlotten. bürg mit den Händen die elektrische Lichtleitung und wurde so- fort getötet. Kundgebungen gegen die Teuerung in Belgien. Brüssel, 31. August.(B. H.) AuS verschiedenen Provinz- städten laufen fortgesetzt Meldungen über ernste Kundgebungen gegen die LebenSmittelteuerung ein. Besonders in den wallo. nischen Provinzen waren diese Zwischenfälle überaus ernst. JnEquossinneS und E n g h i e n zerstörten die Kund- geber die Waren der Landwirte, die in den Läden aufgestapelt waren. Ernste Zwischenfälle haben sich auch in der Mehrzahl der Ortschaften längs der französischen Grenze zugetragen. In Haut- m o n t veranstalteten 3090 Personen eine Kundgebung, an der sich die Einwohner verschiedener Ortschaften beteiligten. Die Moni- fcstanten drangen in mehrere Läden ein und zerstörten die dort aufgestapelten Vorräte an Butter und Eiern. Die Polizei ver- haftete zwei Frauen und führte sie ins Gefängnis ab. Die Moni- festanten beorderten eine Llbordnung nach dem Gerichtsgebäude, um die Behörden zu ersuchen, die Verhafteten wieder in Freiheit zu setzen. Eine vom Bürgermeister einberufene GcmeinderatSvcrsammlung wird zu den letzten Krawallen Stellung nehmen. Die Cholera. Konstantinopel, 31. August.(W. T. B.) Heute sind 52 neue Erkrankungen und 26 Todesfälle an Cholera gemeldet worden. Die Seuche breitet sich am Bosporus in der Borstadt Bujuk» dcre aus._ Paul Singer Co., Berlin L�V. Hierzu Z Beilagen u.NntrrhaltungSbl» Nr. 204. 28. Jahrgang. t Keilage drs JotWs" Kerliill NcksdlM. Mos,>4 Zeptmdn lAi. v!e prsletskiiche Zugenäbewegiing. Allen brutalen UnterdrückungSversuchen zum Trotz marschiert die proletarische Jugendbewegung auf der ganzen Linie rüstig vorwärts. Eben ist der Bericht der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands(für die Zeit vom 1. Juli ISIS bis zum 30. Juni 1911) erschienen, der schon durch sein äußeres Gepräge verrät, daß die Jugendbewegung des Proletariats eine ziemliche Bedeutung erlangt hat. Der 3t Seiten umfassende Bericht gibt ein anschauliches Bild emsiger Arbeit» die auf diesem neuen Gebiete der modernen Arbeiter« Bewegung im letzten Jahre geleistet worden ist. Dank dem eifrigen und opferfreudigen Wirken hat die freie Jugendbewegung wiederum sowohl an numerischer Stärke als auch an innerem Gehalte ge« waltig gewonnen. Der zuverlässigste Gradmesser unserer Jugendbewegung ist der Abonnentenstand der.Arbeiter-Jugend'. Während die .Arbeiter-Jugend' am Schlüsse des ersten JahreS ihres Bestehens 28 1l>0 Abonnenten aufwies und am Ende des zweiten JahreS ihres WirkenS 4o000 Abonnenten zählte, kann sie gegenwärtig— also im dritten Jahre ihrer Tätigkeit— 65612 Abonnenten mustern, die sich auf 425 Orte verteilen. Von diesen marschiert Berlin an erster Stelle, das 9179 Abonnenten besitzt, mit seinen Vororten 12 236. Ihm folgt Hamburg mit 3765, Leipzig mit 2356, Hannover mit 2253, Dresden mit 2900, Magdeburg mit 1975, Köln mit 1167 und München mit 1166 Abonnenten. Die übrigen Orte weisen weniger als 1666 Abonnenten auf. Die zum Zwecke der Erziehung unserer Jugend geleistete Arbeit veranschaulichen am besten die Berichte der örtlichen JugendauS- schüsse. Die Zahl der Ausschüsse ist von 366 auf 454 gestiegen� Von diesen haben 213 Ausschüsse der Zentralstelle über ihre Tätig- keit berichtet. Besonders eifrig wird die Errichtung von Jugendheimen betrieben. Bereits in 147 Orten bestehen Jugendheime, die im allgemeinen nur erst bescheidene Einrichtungen darstellen� 116 Heime bestehen aus einem Raum, 24 Heime verfügen über 2. 8 über 3, 2 über 4 und 3 über 5 Räume. Eigene B i b l i o t h e k e n besitzen 72 Jugendheime. An einigen Orten sind die Jugendheime mit den Zentralbibliotheken der Arbeiter schaft räumlich verbunden. In allen Heimen liegen Zeitungen und Zeitschriften belehrenden und unterhaltenden Inhalts sowie eine Reihe von anregenden Gesellschaftsspielen, vornehmlich Schach, Halma, Dame, Mühle zur Benutzung aus. Der durch schnittliche Tagesbesuch bettug in 43 Heimen bis 36 Personen, in 44 Heimen bis 56 Personen, in 15 Heimen bis 166 Personen und in zwei Heimen von 166 bis 266 Personen. Die weibliche Jugend ist überall an der Frequenz beteiligt. In 23 Orten stellt sie ein Viertel, in 15 Orten sogar ein Drittel der Heimbesucher. DaS Rauchen und der Genuß alkoholischer Getränke ist in allen Jugendheimen verboten. Die Verwaltung der Heime und die Aufrechterhaltung der Ordnung in ihnen geschieht hauptsächlich durch die Jugendlichen selbst. Die ge- samten Ausgaben für die Jugendheime bettagen in den 147 Orten 46 231,79 M. � Selbst das löbliche Bestreben, durch Schaffung von Jugendheimen die schulentlassene Jugend den schädigenden Einflüssen der qualm- und alkoholgeschwängerten Kneipe zu entziehen, hat in einigen Orten Preußens mit dem Widerstande der behördlichen Ordnungsorgane zu kämpfen. In Berlin wird gegenwärtig versucht, den Lrbeiterjugendheimverein, der die Mittel für die Erhaltung der Heime aufzubringen hat. zu einem politischen Verein zu stempeln, um seine segensreiche Tätigkeit mtt dem berüchtigten Jugendparagraphen des famosen Reichs- Vereinsgesetzes unmöglich machen zu können. Die endgültige Eni- scheidung ist noch nicht gefällt. Wenn auch der behördliche Kampf gegen die fteie Jugendbewegung schon manche liebliche Blüte ge- zeigt hat. so wäre die polizeiliche Schließung der Jugendheime in der Zeit der sogenannten Jugendfürsorge ohne Ende denn doch gar zu köstlich I! Wie eifrig die Arbeiterschaft überall bertüht ist, ihrer so schwer zu ersüllendcn Erziehungspflicht gegenüber ihrer Jugend gerecht zu werden, das demonstriert die folgende Aufftellung der von den Jugendausschüssen getroffenen Bildungöver- staltungen: kleines femttetoir Auf in den Kampf, Torero! Von den Greueln eines spanischen Stierkampfes entwirft der kürzlich von einer Fahrt durch Spanien heimgekehrte französische Reisende Robert Launay eine Schilderung. die erkennen läßt, wie sehr dieses spanische Nationalschauspiel die grausamen Instinkte der Masse weckt und die Entartung des Volks- cmpfindens fördert..Als Espadas debütierten junge Zöglinge dieser Kunst, die neben den in Spanien so berühmten Meistern des Degens vielleicht dasselbe sind, was der Heldentenor einer kleinen Wanderschmiere neben einem berühmten Sänger bedeutet. Sie entledigten sich mit trauriger Unfähigkeit ihrer Rollen. Man ver- zeiht diesen Henkern vielleicht eine rasche und sichere Tat, die die Leiden des Opfers abkürzt. Aber hier mußten unsere Nerven wahre Höllenqualen erdulden, während die niedrigsten Grausamkeiten dem Pöbel immer neue Begeisterungsstürme entlockten. Zwei Stiere wurden hingemordet, junge, kaum ausgewachsene Tiere. Der erste fiel erst nach dem vierten oder fünften Stoße. Der Tod des zweiten aber wurde eine Ausgeburt der niedersten Roheit. Die Beschimpfun- gen und die zahllosen Verwundungen, die die Gegner des unglück- lichen Tieres ihrem Opfer zufügten, erschöpften das Tier, seine Kräfte schwanden, und keuchend, von Blut besudelt, blieb es, wie atemsuchend, müde stehen. Nun trat der Espada heran, und mit jener Unsicherheit, die durch Angst und Feigheit ersteht, traf er mit dem Degen den Stier; nicht ober am Nacken, sondern nur an der Schulter. Dann brachte sich der Held des Degens voll Eleganz ischleunigst in Sicherheit. Da er aber schließlich das blutige Werk einmal doch vollenden mußte, unternahm er nach einer Weile einen «weiten Versuch, bei dem er mit dem Degen nicht einmal den Stier erreichte. Und nun folgte Versuch auf Versuch: der Degen zerfetzt dem Tiere das Maul, dann die Backen, die Seiten, dreimal sticht der Espada aufs Geratewohl los. Das Hohngelächter und der Spott iteiaern die Ohnmacht des Henkers, er büßt noch den letzten Rest .feiger Fähigkeiten ein. Und dann sahen wir das Erbärmlichste, laben wie das unglückselige Tier, von dem Blute, das in regel- mäßigen Stößen aus all den Wunden hervorströmte, über und über besudelt zu taumeln begann, es kroch in eine Ecke, um zu sterben. und lehnte den müden Körper an die Palisaden. Da eilte die iletmeüse doree, die eleganten jungen Herren, die sich»m Pro- menoir aufhielten, herbei, und. durch die Palisaden vor dem ster- benden Tiere sseschützt. verschlimmerten sie seinen Todeskampf. rissen mit Gewalt die Widerhaken der Banderillas aus dem Fleische und schlugen mit ihren Spazierstöckcn auf den Stier ein. Völlig erschöpft, mit gesenktem Kopfe und aus Dutzenden von Wunden blutend ließ er alles über sich ergehen und versuchte vergeblich, mit der �unge dem Ausströmen des Blutes Einhalt zu gebieten. Sein LüV/r wankte, zitterte, rioK einmal schien sich der Stier zusammen- Art der Zahl der Teilnehmer Zu- Veranstaltung Veranstaltungen Jugendliche Erwachsene sammelt Einzelvorträge.. 1864 61 892 7 726 69 612 Vortragsreihen.. 82 6 473 1 781 8 254 Unterrichtskurse.. 69 1161 145 1246 Künstlerische Dar- bietungen... 326 25699 14856 39949 Besuche v. Museen, Ausstellungen je. 282 5 711 718 6 429 Nicht einbegriffen in diese Zusammenstellung ist Dresden. Hier wurden allein 1676 derartige Veranstaltungen arrangiert. Die Vortragsthemata behandelten die verschiedensten Wissens- gebiete. Am meisten berücksichtigt wurden: Literatur, Jugend- bewegung, Geschichte, Naturwissenschaft, Volkswirtschaft und Arbeiter- bewegung. Außerdem wird aus 151 Orten über 696 Festlich- leiten berichtet. In mehreren Städten bildeten Lese-, Dis- kussionS« und literarische UnterhaltungSabende ständige Einrichtungen. Wanderungen wurden 2439 veranstaltet. Der Alkoholgenuß und daS Tabakrauchen auf den Ausflügen ist fast überall untersagt. Bei der Organisation der Wanderungen bricht sich immer mehr die Tendenz Bahn, sich von dem leidigen Wirtshaus zu emanzipieren. DaS Einkehren in Wirtschaften wird vielfach grundsätzlich vermieden. Die Jugendlichen werden mit genügendem Proviant und mit Kochapparaten versehen, um im Freien sich ein Mittagsmahl bereiten zu können. Neben den Wanderungen werden vielfach an den Wochentagabenden Spiele im Freien gepflegt. Die Gesamteinnahmen der Jugendausschüsse betrugen 99 833,87 Mark, die Gesamtausgaben 89 416,85 M.* Zur Unterstützung der örtlichen JugendanSschüsse und zur Förde rung der einheitlichen Bestrebungen ist die Bildung von B e- zirksleitungen vorgenommen worden, allerdings sind diese noch nicht überall durchgeführt. Indessen ist die weitere Errichtung von Bezirksleitungen bald zu erwarten. Die Tätigkeit der Zentral ft eile für die arbeitende Jugend Deutschlands, die zu gleichen Teilen auS Ver- tretern des Parteivorstandes, der Generalkommission und der Jugend lichen, die das 18. Lebensjahr überschritten haben, besteht, erstreckte sich darauf, die Jugendausschüsse mit Auskünsten, Ratschlägen, An> leitungen und Agitationsmaterial in ihrer schweren Arbeit zu unter stützen. Sie unterhielt einen sehr regen schriftlichen Verkehr mit den Jugendausschüssen. 2156 PostauSzüge hatte sie zu verzeichnen. Zur Unterstützung der Agitation versandte die Zenttalstelle, teils unent geltlich, 1 847 666 Flugblätter. Die in einer Auflage von 5666Exempl. erschienene Schrift:»Die bürgerliche Jugendbewegung" erwies sich als ein zuverlässiger Führer unserer Agitatoren. Die Broschüre»Der gesetzliche Arbeiterschutz für Jugendliche' erschien in 8666 Exemplaren und leistete den Jugendausschüssen bei der Pflege des Jugendschutzes gute Dienste. Das Jugendliederbuch, von dem bereits 56 666 Exemplare abgesetzt sind, ist, umgearbeitet und erweitert, in einer neuen Auflage herausgegeben worden. Die im Druck erschienenen»Anleitungen für Veranstaltungen zur körperlichen Ausbildung der arbeitenden Jugend' haben eine gute Aufnahme gefunden. Unter dem Titel:»Gehörst Du zu uns?' ist eine kleinere Agitattonsbroschüre in Satz gegeben, die also in Bälde»scheinen wird. Die Nettoausgaben der Zenttalstelle betrugen 14 567,28 M, wovon 9 988,57 M. auf die.Arbeiter-Jugend' entfallen. Die bedeutenden Erfolge der proletarischen Jugendbewegung be- stätigen aufs neue, daß sie auf richtigem Wege marschier� auf dem sich nun auch mittlerweile die Jungen und die Alten zu gemein- samer Arbeit vereinigt haben. Dieser gemeinsamen Arbeit von jung und alt dürften die E»folge des letzten JahreS w der Hauptsache zu- zuschreiben sein. So erfreulich die Entwickelung, die die proletarische Jugend- bewegung genommen hat, auch sein mag, so gilt doch zu bedenken, daß die gegenwärtig verstärkten, vom Staate geleiteten und sub- vcntionierten Anstrengungen unserer Gegner alle daS gemeinsame Ziel verfolgen: die Jugend deS Proletariats der modernen Arbeiter- bewegung zu entfremden und für die arbeiterfeindlichen Zwecke der bürgerlichen Parteien einzufangen.— Dies reaktionäre Unterfangen, dieser Anschlag auf ihre eigenen Kinder, muß für die Arbeiter allerorts nur ein Ansporn mehr sein, die Erziehung des heranwachsenden Proletariats nach Kräften zu fördern. Hier giltS, auf einen Schelmen anderthalbe zu setzen._ Derblllldstllg der Norzellllvarbettek. Die Beratung der vorliegenden Anträge, soweit sie nicht die Unterstützungs- und Beitragsfrage betreffen, wurde in der gestri- zen Vormittagssitzung fortgesetzt. Angenommen wurde ein Antrag, !zer den Vorstand verpflichtet, seine Anträge zur Generalversamm- lung des Verbandes in Zukunft drei Wochen früher als die der Mitglieder zu veröffentlichen. Ferner wurde beschlossen, die nächste Generalversammlung außerhalb Berlins abzuhalten. Eine längere Debatte rief ein Antrag hervor, wonach die Delegierten zum Gewerkschaftskonoreß durch Mitgliederabstimmung gewählt werden sollten, wenigstens mit Ausnahme des Verbandsvorsitzem den und des Redakteurs. Beschlossen wurde, die Delegierten wie bisher durch die Generalversammlung des Verbandes zu Wählew. Die Mitglieder sind verpflichtet, sich vor Arbeitsannahme nach außerhalb bei der betreffenden Zahlstelle nach den Lohn- und Ai�. beitsverhältnissen sich zu erkundigen. Von mehreren Zahlstelle» wurde die Wiedereinführung regelmäßiger Lohnstatistike« verlangt, und außerdem lag ein Antrag vor, der statistische Auf- nahmen über die Ausgaben der Mitglieder im Haushalt zum Ziele hatte. Wie Wollmann nachwies, ist es dem Verbandsvorstand jedoch nicht möglich, fortlaufend das statistische Material zu be- arbeiten, da dies allzu viel Zeit erfordern würde. ES wird des- halb den Zahlstellen empfohlen, selbst in ihrem Gebiete so viel wie nur irgend möglich für die Statistik zu sorgen. Ein Antrag, den Vorstand zu beauftragen, die Geschichte des Porzellanarbeiterver- bandes herauszugeben, wurde dem Vorstand zur Würdigung über- wiesen. Die Beratung der Anträge füllte auch die Nachmitkagssitzung aus. Einige Zahlstellen beantragten, daß den Zahlstellen für die Lokalfonds statt bisher 12, nur 16 Prozent von den Beiträgen über» lassen bleiben sollten; das wurde jedoch nach längerer Diskussion abgelehnt. Die Zahlstellen sind verpflichtet, der Hauptkasse viertel- jährlich Bericht über die Verwendung der Gelder zu erstatten; bis- her hieß es„jährlich", jedoch wird mit dem Beschluß nur eine früher schon vorhanden gewesene Bestimmung wiederhergestellt. Von der Zahlstelle Arzberg wurde verlangt, daß ein weiblicher Beamter zur Agitation unter den Arbeiterinnen angestellt werde; der An- trag fand jedoch keine Annahme, weil der Verbandsvorstand bereits von früheren Generalversammlungen das Recht hat, eine Beamtin anzustellen und, wie Wollmann betonte, auch von diesem Rechte Gebrauch machen wird, sobald es möglich erscheint. Sodann be- schäftigte man sich mit einer Reihe von Anträgen auf Anstellung weiterer Gauleiter. Die Delegierten aus denjenigen Gebieten der Porzellanindustrie, wo es bisher an einer vom Unternehmertum unabhängigen Person zur Leitung der Agitation und zur Ver- tretung der Mitglieder fehlt, erklären die Anstellung für dringend notwendig, und von den Thüringern wird ebenso dringend ver- langt, daß ihrem Gauleiter, der unter anderem auch durch die Lichtbildervorträge über die Tuberkulose in Anspruch genommen wird, eine Hilfskraft zur Seite gestellt werde. Die weitere Be- ratuvg über diese Anträge wirst auf die folgende Sitzung vertagt, raffen zu wollen, dann brach er hilflos und matt zusammen. Aber die eleganten, anmutigen spanischen Jünglinge ließen sich dadurch nicht hindern, Proben ihres Mannesmutes abzulegen, indem sie, immer natürlich durch das Gitter, mit ihren Stöcken auf das Tier einHieben. Bis endlich der Matador mit einem Sprunge die Pali- fade erklomm und von hier aus, vor jeder Gegenwehr sicher, den Stahl in den Nacken trieb."».. Erdbeben auf der Bühne. DaS erste große Ereignis ver nun einsetzenden Londoner Theatcrsaison wird allen Anzeichen nach das Drury Lane-Theater bringen: die Aufführung eines „Dramas", das den Titel führt:»Die Hoffnung", und dessen große Szene im dritten Akt mit weiser Berechnung auf die künstlerischen Bedürfnisse des englischen ThcakerpublikumS eine große Erdbebenkatastrophe auf die Bühne bringt. Ingenieure, Theatermeister und Kulissenfabrikanten sind bereits fieberhaft am Werk, um alle Vorbereitungen zu diesem.Clou" britischer Theaterkunst zu treffen. Die Handlung spielt in einer Stadt Siziliens, und die Zerstörung durch das Erdbeben soll mit dem größten Realismus wiedergegeben werden. Die Naturkatafttophe verteilt sich auf zwei große Szenen, von denen die erste in der von dem Autor zum Untergang verurteilten Stadt in einem Hotel- zimmer spielt. Man erlebt die ersten drohenden Anzeichen der kommenden Katastrophe und verspricht sich von dieser Spannung außerordentliche Wirkung auf die Zuschauer. Dann beginnt die Erde zu beben, die Wände des Zimmers verschieben sich, die Mauern beginnen zu bröckeln, die Tür spaltet sich, und im letzten Augenblick gelingt es noch, die entsetzten Insassen des Gemaches zu retten. In der folgenden Szene sind die Flüchtlinge im Hofe versammelt, während der Zuschauer mit Augen und Ohren den Einsturz des Hauses noch miterleben darf. Im Hintergründe des Bühnenbildes sieht man das Meer, und das schaurige Bild wird gekrönt von den mächtigen Umrissen des Aetna, dessen feurigem Schlünde weithin leuchtende Flammen entströmen. „Was ich hiermit versuche," verheißt der Direktor des Theaters den Londoner Kunstfreunden,„soll die größte Leistung des Bühnen- realiSmus werden. Und damit verbinde ich eine szenische Wieder- gäbe des Derby-Rennens, das Publikum wird die Pferde an der berühmten Tattenham-Ecke vorüberschießen sehen." Herrn Reinhardt zum Nacheifer empfohlen! Drahtlose Telegraphie beim Walfang. Eine ähnliche Einrichtung, wie sie jetzt für die deutsche Hochseefischerei eingeführt werden soll, um die mit diesem Gewerbe verbundenen Gefahren zu vermindern, ist aus weniger idealen Gründen in Amerika bereits verwirklicht worden. Bei uns soll die drahtlose Telegraphie, um deren Be- nutzung eS sich handelt, dazu dienen, die Fischereiflotte durch Signale vom Lande her zeitig vor dem Eintreffen eines Unwetters zu warnen. In Amerika verfolgt sie den Zweck, den Walfang vor Verlusten zu bewahren. Es ist nämlich an der nordamerikanischen Westküste, wo der Walfang noch Hviö der Partei* Ei« neuer Vorkämpfer. Die»Schkesische Bergwacht' ist unser jüngstes Partei« blatt benannt, das heute in Waldenburg in Schlesien erscheinen wird. Die Genossen des niederschlesischcn JiidustrierevierS, des einzigen schlesischen ReichstagwahlkreiseS, in dem ein Sozialdemokrat(Sachse) gewählt worden ist, hatten zunächst die Absicht, die neue Zeitung erst im Jahre 1912 berauszubringen. Unsere Gegner, die Reichstreuen und die Grubenmagnaten kommen aber Mtte September dieses JahreS ebenfalls mit einer Tageszeitung heraus. die ihnen eine wirksame Waffe beim Kampf um den Reichstags- Wahlkreis fein soll. Dieses Blatt wird in freikonservativ-reichSver- bändlerifchem Stil redigiert werden und ist vom Fürsten P I e ß und den anderen Grubenbesitzern des Kreises finanziert. Dieser Umstand zwang die Waldenburger Genossen, dem Feinde zuvorzukommen. Die redaktionelle Leitung des Blattes ist dem Genossen Richard Schiller, früher an der Breslauer„Volkswacht", übertragen worden. Bis zur Errichtung der Druckerei wird unser neues Bruder- blatt in Breslau gedruckt. Die Etablierung der eigenen Druckerei wird spätestens im Februar 1912 erfolgen. recht eifrig und mit nennenslvertem Erfolge betrieben wird, nicht selten vorgekommen, daß Wale, die bereits harpuniert waren, von den Eingeborenen der benachbarten Gestade gestohlen wurden. Die Walfänger, die nicht immer imstande sind, ihre Beute sofort in Sicherheit zu bringen, beobachten ein höchst eigenartiges Verfahren, um die Riesenleichen bis zur Abholung aufzuheben. Man pumpt nämlich in den Körper des Wales so viel Lust hinein, daß er nicht untergeht, sondern mit der nötigen Ver- ankerung an einer Stelle in der Nähe der Küste schwimmen bleibt. Die Leute, die einen solchen Vorgang vom Lande aus be- obachtet haben, machen sich dann zuweilen das Vergnügen und den damit verbundenen Vorteil, das willkommene Beutestück auf die Seite zu bringen. Künftighin soll jedoch das Zaubermittel der drahtlosen Telegraphie dazu dienen, solche ärgerlichen Diebstähle zu verhindern. Bis jetzt sind füuf Walfangsschiffe mit diesen Apparaten ausgestattet worden, damit sie sofort die Erlegung eine? Wales und den Ort seiner Aufbewahrung nach der nächsten Station melden können. Katapulte beim Bau deS PanamakanalS. Wie aus Washington berichtet wird, hat man bei den DossierungSarbeiten des Panama- kanalS große Geschütze konstruiert, die den Zement an die Felsen- wände schleudern. Diese müssen nämlich, um der Zerstörung durch die Wassermassen zu entgehen, teilweise mit einer Zementschicht be- kleidet iverden. Da man nicht gut herangelangen konnte, versuchten es die Ingenieure mit Wurfmaschinen, die die Masse an die als nicht widerstandsfähig genug erscheinenden Wände schleudert. Diese Geschütze, die wohl an die Wurfmaschinen des Altertums und deS Mittelalters erinnern, werden durch Luftdruck gettiebcn und sollen täglich 266 Quadratmeter Felsenwand mit einer ein- zölligen Zementschicht bewerfen. Zur Bedienung einer solchen Maschine werden fünf Leute benötigt. Damit wäre daS Baugewerbe um eine— wenn auch etwas phantastische— Maschine reicher. So ganz neu ist das System mcht; denn wir besitzen bei uns zu Lande auch bereits eine Putz- Maschine zum Bewurf der Wände, die jedoch so unrentabel ist, daß sie nirgends angewendet wird. Die Zement schießenden Panama- maurer haben eben nur, wie in allem dort zu Lande, etwas größers Dimensionen gewählt. Notize». — LudwigBarnah. der zuletzt als Direktor des höfischen KunsttempelS zu Hannover eine ziemlich belanglose Tätigkeit ent- wickelte, scheidet nun endgültig vom Theater, dem er über ein halbes Jahrhundert seine Kräfte wie seinen Ehrgeiz geopfert hat. — Eine Ausstellung von Glasmalereien und Mosaiken kirchlicher wie profaner Art wird bei Kell» u. Nein» heute eröffnet. Die Stuttgarter PartcitagSdelegatio«. Die Genossen des 1. württembergischen ReichStagslvahlkreises haben durch Urabstimmung die Genossen Hildenbrand. Rapp. We st meyer und Genossin D u n et e r mit ParteitagSmandaten betraut. Hildenbrand erhielt von insgesamt 2839 abstimmenden Genossen 1429. Rapp 1439. Frau Duncker 1230 und Westmeher 1177 Stimmen._ Der Bericht deS Lanbesvorstanbes der S-zialdemokrate» Württembergs liegt im Druck vor. Das verflossene Geschäftsjahr, 1. Juli 1919 bis 39. Juni lgtl, hat der Landesorganisation erfreuliche Erfolge gebracht. Die Mitgliederzahl stieg von 22 699 auf 28 622, das ist tun 2962. Besonders erfreulich ist die Zunahme der weiblichen Mitglieder von 808 auf 1742. Sie hat sich also mehr als ver- doppelt. Die Zahl der Ortsvereine ist um 32, auf 392. gestiegen 499 Ortsvereine verfügen über eigene Bibliotheken. Ter neu- gegründete Verband der Land- und Waldarbeiter hat in Württem- berg in 66 Ortsgruppen 1492 Mitglieder. Der Stand der Landes- lasse ist außerordentlich günstig. Trotz zweier Landtagswahlen konnte die Kasse ihr Vermögen auf 26 411 M. steigern. Das gute finanzielle Resultat ist wohl in der Hauptsache der Umwandlung der Monatsbeiträge von 22 bis 39 Pf. in den 19-Pfennig» Wochenbeitrag zu danken. Ueber die Hälfte der Mitglieder haben bereits den 19-Pfennig-Beitrag eingeführt; die Erfahrungen find überall die besten. Mitgliederverluste hat die Ein -führung des Wochenbeitrags nirgends zur Folge gehabt; im Gegen keil können die betreffenden Ortsvereine von wesentlichen Erfolgen berichten. Der Einfluß unserer Partei innerhalb der Kollegien der württembergischen Gemeinden hat wiederum eine wesentliche Stärkung erfahren. Während man im Vorjahre im ganzen Lande L64 sozialdemokratische Gemeinderäte und 318 sozialdemokratische Würgerausschutzmitgliedcr, zusammen also 222 Rathausvertreter unserer Partei zählte, ergaben die diesjährigen Fest- stcllungen noch ein wesentlich günstigeres Bild. Bei den Gemeinde� raten hat der Tod die Gesamtzahl der eingeschriebenen Parten Mitglieder auf den Rathäusern um 2 auf 262 herabgesetzt, die Bürgerausschußmitglicder aber haben sich um 124 auf 472 vermehrt, fo daß die Gesamtzahl unserer Rathausvertreter auf 734 stieg. Die Jugendbewegung schreitet langsam, aber stetig vor tvärts. Die Mitgliederzahl stieg von 1289 am 1. Oktober 1919 au 1879 am 1. Juli 1911; die Zahl der Ortsvereine ist von 17 auf 2< gestiegen. Die Parteipresse hat gleichfalls Fortschritte zu berzeich nen. Zu den beiden bestehenden Parteiorganen(Schwöb. Tagwacht Stuttgart, Neckarccho-Heilbronns kam die Freie Volkszcitung-Göp� Pingen und die Eßlinger Volkszeitung. Letztere beiden Blätter werden in der Tagwacht-Druckerei hergestellt, die Göppinger Freie Volkszeitung wird jedoch im kommenden Monat ein eigenes Heim beziehen. Zwei andere Parteiblätter für Ulm und Reutlingen sind in der Gründung begriffen. Die Tagwacht zählt 22 799 Leser, das Heilbronncr Parteiorgan 7699, das Göppinger Blatt 4438, das Eßlinger Organ 4492. Bei den Wahlen 1997 zählte die Parteipresse erst 21 962 Abonnenten. Die bei de n Landtagsnachwahlen in Heil- b r o n n- Amt und in Leonberg brachten der Partei einen wesentlichen Stimmenzuwachs. Heilbronn-Amt, das im Jthre 1996 unser verstorbener Genosse Schäffler in der Stich- wähl holte, behaupteten wir diesmal gleich im ersten Wahlgang mit einem Stimmenzuwachs von 636 auf 3919 Stimmen. In Leonberg siegte zwar diesmal noch der Bauern- bündler dank der Unzuverlässigkeit oer„Freisinnigen Volkspartei", jedoch steigerten wir unsere Stimmenzahl von 1284 im Jahre 1909 auf 2196 im Mai dieses Jahres. AuS den Organisationen. Der Zentralverein für den 6. schleSwig- holsteinischen ReichStagSwahlkreis(Ottensen-Pinne- berg) hielt am Sonntag in Wedel die zahlreich beschickte Generalversammlung ab, in> der der Geschäftsführer, Ge- nosse Eilken- Ottensen, ein erfreuliches Wachstum des Vereins zu konstatieren vermochte. Die Zahl der männlichen Mitglieder stieg von 8147 auf 8982, die der weiblichen von 1426 auf 1289. Der Verein zählt gegenwärtig 19 262 Mitglieder. Da 1997 im Kreise 19 617 soziakdeniokratische Stimmen abgegeben wurden, wären also 42,78 Proz. dieser Wähler organisiert, wobei in Be- kracht zu ziehen ist, daß dieser ausgedehnte Kreis überwiegend aus kleinen, zum Teil noch einen rein agrarischen Charakter tragenden Orten besteht. Es ist mithin ein tüchtiges Stück AgitationS- und Organisationsarbeit geleistet worden. Das„ Ha m b u r g e r Echo" wird in 2947, die„Schleswig-Hol steinische Volks- z e i t u n g" in 2976, die„Gleichheit" in 677 Exemplaren ge- lesen. An Flugblättern und Broschüren wurden 279 999 und da- neben 79 999 Exemplare der„L a n d p o st" verbreitet. Die Betcili- gung an der Maifeiet war stärker als früher; aus- gesperrt auf 19 Tage wurden 629 Metallarbeiter. In den Städten sind— infolge des hohen Wahlzensus— nur 9 sozialdemokratische Stadtverordnete tätig, während in den Landgemeinden 47 Genossen als Vertreter fungieren. Als es unseren Genossen gelungen war, in den Städten Pinneberg, Glückstadt und Uetersen die WahlzensuS- schränke zu durchbrechen, wurde flugs der ZensuS von 1299 auf 1299 M. bezw. 999 auf 1299 M. und auf 1299 M.(Höchstgrenze) erhöht. Diese Wahlrechtsräubereien wurden gebührend an den Pranger gestellt. In den größeren Orten bestehen Jugend- organisationen mit zusammen 420 Mitgliedern. Trotz aller Schikane seitens der patentierten Jugendwächter marschiert die Jugendbewegung. Auch die Bildungsbestrebungen finden einen guten Resonanzboden. Neben dem idealen war auch das finanzielle Ergebnis ein gutes. Die Einnahmen und Ausgaben der Ortsvereine balanzieren mit 27 719,23 M. Die Zentral- ver yeiT Ccljrer. Als ich fioch in die Schule ging, hatte ich einen sonderbaren Kauz zum Lehrer. Daß er unfehlbar war. versteht sich von selbst. Das bringt das Amt mit sich. Und natürlich wußte und verstand er auch alles besser als seine Schüler. Eigentümlich aber war an Herrn Ruprecht Lederstroh, daß er schon aufgebracht wurde, wenn überhaupt jemand außer ihm etwas wußte, und geradezu wütend konnte er werden, wenn zemand etwas besser wußte als er. Natür- lich dauerte es nicht lange, so hatten wir Jungen diese kleinen Schwächen unseres Herrn Lehrers heraus und wußten sie sehr gut auszunutzen. Nie sagte einer von uns eine Aufgabe ganz richtig her, selbst wenn er es gekonnt hätte; denn wenn Herr Lederstroh nichts zu tadeln fand, dann wurde er ganz wütend, und dann endete die Sache immer damit, daß der arm.. Schüler ein paar Kopfnüsse bekam. Hingegen hatte man schon gewonnenes Spiel, wenn man ihm irgendeinen Happen hinwarf. So ent- schuldigte ich mich einmal, als ich ganz unvorbereitet in die Schule kam, damit, ich sei am Tage vorher durch ein vorbeifahrendes Auto so erschreckt worden, daß ich nickts lernen konnte.„Was sagst Du da?", unterbrach mich Herr Lederstroh, ohne die Unsinnigkeit meiner Ausrede irgend zu beachten.„Was ist das, ein„Auto"? Auto kommt von dem griechischen Wort Autos, das heißt Selbst. Was heißt es also, Tu seiest von einem„Selbst" erschreckt worden? Du meinst wahrscheinlich ein sogenanntes Automobil. Das ist aber ein schreckliches Wort, denn die Hälfte ist griechisch, die Hälfte lateinisch." Dabei war Herr Lederstroh von seiner eigenen Weis- heit so entzückt, daß er ganz vergaß, mich zu prüfen. Ich hatte diesen alten Schulfuchs schon ganz vergessen. Aber «S scheint, daß er nun. was ich ihm nie zugetraut hätte, ein ganz radikaler Sozialdemokrat geworden ist. Wenigstens kann ich kaum denken, daß die mit R. L. gezeichneten Leitartikel der„Leipziger Tolkszejtung" von jemand anderem herrühren könnten» als von kasse vereinnahmte 48 232,57 M. Davon wurden 8551,86 M. au den Parteivorstand in Berlin und 4166 M. an die Provinz- kasse abgeführt. Gegen das Vorjahr beträgt die Mehreinnahme 9727,26 M. Am Ende des Geschäftsjahres betrug der Kassen- bestand 9919,32 M. An freiwilligen Beiträgen a 19 Pf. gingen 2282,39 M. ein. Ein Antrag, den Monatsbeitrag von 49 auf 59 Pf. zu er- höhen, wurde abgelehnt. Das System der freiwilligen Extrabeiträge soll beibehalten werden. Ueber die bevorstehenden Reichstagswahlen refe- rierte an Stelle des leider schwer erkrankten Kandidaten v. E l m Genosse H a ck e lbe r g- Ottensen, der am Schluß seines scharf- umrissenen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages die Ge- nassen aufforderte, alle Kräfte einzusetzen, damit wieder die rote Fahne über diesem Wahlkreis wehe. Wenn bei den Hottentotten- Wahlen Landrat Dr. Schüff an den Reichskanzler telegraphierte: „Wahlkreis von den bürgerlichen Parteien glänzend zurückerobert," mutz das nächste Telegramm heißen:„Wahlkreis gehört dauernd der Sozialdemokratie!" Beschlossen wird, zum Parteitage vier Delegierte zu ent- senden. Die Wahl wird in den einzelnen Ortsvereinen vollzogen. Sollte sich unter den Gewählten keine Genossin befinden, dann erhält derjenige, der die meisten Stimmen erhalten hat, auch das Mandat zur Frauenkonferenz. Vorort des Kreises bleibt Ottensen. Zum Geschäftsführer wird E i l k e n wiedergewählt, die Kassengeschafte bleiben in den Händen des Genossen D u r s ch- Ottensen. Der Wahlkreis Hanau- Bockenheim» Geln- haufen-Orb verzeichnete auch im letzten Geschäftsjahr erfreuliche Forischritte. Die Zahl der Parteimitglieder stieg um 009 und be trug am 1. Juli d. I. 8411(darunter 1426 Frauen), welche sich auf 74 Orte deS zumeist ländlichen Wahlkreises verteilen. Gegenüber den sozialdemokratischen Stiminen 1907 beträgt die Zahl der Parteil Mitglieder 46,93 Prozent reip. bei emem Vergleich der mann- lichen Mitglieder allein 38,89 Prozent. Im Berichts jähr fanden 164 öffentliche und 693 Mitglieder-Versamm l u n g e n statt, darunter 38 öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel, dieweil die Lokalabtreiberei im Kreise noch in hoher Blüte steht. 139 909 Flugblätter und 4999 Broschüren gelangten zur Verbreitung. Die Zahl der sozialdemo- kratiichen Stadtverordneten im Kreise beträgt 12. dazu kommen 82 Gemeindevertreter(in 29 Gemeinde») und 2 Gemeindevorstands- Mitglieder(Schöffen). Die Kreiskaffe hatte 27 761,18 M. als Ein« nahmen, denen 26 131,98 M. Ausgaben gegenüberstehen. Die Bildungsbestrebungen erfuhren eine eifrige Förderung. 96 Veranstaltungen fanden in 22 Orten statt, dazu 2 Vortragskurse der Genossen Dr. Dunker und O. Rühle. 22 Orte besitzen Bibliotheken, zum Teil allerdings erst in ihren Anfängen. Die Jugendbewegung bekundet ebenfall»«ine erfreuliche Ent- Wickelung. In 16 Orten sind 1921 Abonnenten der„Srbeiter-Jugend" vorhanden, trotz gegnerischer Bekämpfung, die im besonderen aus Hanau-Stadt gemeldet wird. Die KreiSgeneralveriaminIung wählte als Delegierte zum Jenaer Parteitage die Genossen D i ß m a n n und M a ck- Hanau, Bender- Preungesheim und die Genossin O t t- Bockenheim. Letztere wurde auch als Delegierte zur Fraucnkonfcrcttz bestimmt. poUzeUiches, Omchtllches uftv* KaplanSbclcidigung. Wegen öffentlicher Beleidigung von 24 Kaplänen und Vikare» deS schwarzen KreiscS Lüdinghausen wurde der Genosse Expedient Stühmeyer von der Dortmunder Strastammer zu 120 Mark Geldstrafe verurteilt. Als in einer Zentrums- Versammlung in Schüren der Landtagsabgeordnete Gronowsky in bekannter Weise über die Sozialdemokratie herzog, veranstalteten unsere Genossen bald nachher eine Abwehrveriammlung. in der Slühmeyer referierte. In der Diskussion sprachen auch Zentrums- auhäiiger. Im Schlußwort ging Stühmeyer das in der Dis- kussion Gesagte durch, wobei er auch das Verhalten eines Geistlichen deS Kreises Lüdinghausen erwähnte. In der Verhandlung vor der Strafkammer bekundeten eine Anzahl christ- licher Zeugen, daß Stühmeyer erwähnt habe, die Frauen hätten nach der Anweisung des Pfarrer« den Männern den Beischlaf verweigern sollen, wenn sich die Männer nicht christlich organisierten. Vier Gegenzeugen haben von solcher Redensart Stühmeyers nichts gehört, sie haben nur gehört, daß unser Äenosie erklärte, eS sei nicht neu, daß Geistliche gegen den alten Bergarbeiterverband und egen die Sozialdemokratie agitierten. Ein Geistlicher des Kreises Düdinghausen habe bei der KnappschaftSwahl auch gegen den alten Verband gearbeitet. Das Gericht hielt erwiesen, daß die Aeußerung gefallen fei, wie sie die Zentrumszeugen bekundet hatten. kratischen Agitatoren*, die angeblich in fetten Pfründen die Orts- krankenkaffen bevölkern, wieder abgegrast wird, ist nicht verwunder- lich. Es erscheint angebracht, die Versicherten auf die kostspieligen Anstrengungen der Scharfmacher zur Errichtung von Betriebslranken- kasse» immer wieder aufmerksam zu machen. Soziales. Die fortgesetzte Hetze gegen die OrtSkrankenkassen wird jetzt nach einem neuen System betrieben. Dem Bestreben der Sckiarfmacher. vor dem Jiikrafitreten der neuen RcichSversicherungS- ordnung möglichst viele BetriebSkrankenkassen zu gründen, soll eine Korrespondenz dienen, die die weitere Oeffentlichkett von den„Bor- teilen" der Betriebskrankenkassen gegenüber den Ortskrankenkassen unterrichten und Stinimung machen will. Diese Korrespondenz, die kostenlos an die bürgerliche Presse versandt wird, erscheint unter dem Titel:.BetriebSkrankenkassen- Korrespondenz*. Sie wird herausgegeben vom„Verband zur Wahrung der Jnteresten der deutschen BetriebSkrankenkassen", Esscn-Ruhr, unter der Schrift- leitung eines Dr. Holbach. Die neueste Nummer vom 26. August bringt gleich sechs Artikel und zwar, um die Aufnahme in bnrger- lichen Blättern auch in Zweifeisfällen zu fichen», in einer Form, die den Auschein einer objeliiven Beurteilung erwecken soll. Daß bei der Tendenz der Korrespondenz das Thema von den.sozialdemo- meinem lieben alten Ruprecht Lederstroh. Sie tragen alle seine reundlichen Gewohnheiten und Eigenschaften allzu deutlich an der Stirn. Der Verfasser unseres Marokko-FlugblatteS scheint den alten Lederstroh nicht so gut zu kennen wie ich; sonst hätte er eS so gemacht wie Genossin Rosa Luxemburg, die unlängst einen Artikel über die Marokkofrage in der.Gleichheit" veröffentlichte, vor» ichtigerweise aber auch einigen Unsinn hineinschrieb und auf diese raffinierte Weise dem strengen Kritiker entging, der sich nun am Marokko-Flugblatt allein schadlos halten mußte. Der Hauptein- wand, den R. L. gegen das Flugblatt erhebt, ist der, daß es be- Haupte, die deutsche Kolonialpolitit vertrete nicht die Interessen des ganzen Bürgertums, sondern nur die einer dünnen, aber mächtigen Schicht von Großkapitalisten. Militärs und Bureau. kraten. In ihrem Artikel in Nr. 23 der„Gleichheit" hat Genossin Luxemburg dasselbe behauptet. Sie sagt dort, die Diplomaten öien Hampelmänner, die von den Händen„einiger großkapitalisti- che» Cliquen" gelenkt werden, von„einem Dutzend raffgieriger Jndustrieritter". Aber offenbar hat da die Genossin Luxemburg ich plötzlich des gestrengen Richters in der Lcipzigerin erinnert. der sich jetzt als der große Parteiscknilmeister aufgetan hat, und um ihn zu versöhnen, schreibt sie:„Das Instrument des Himmels piclt in seiner eigenen Selbstherrlichkeit oder wird vielmehr hinter dem Rücken des Volkes von ein paar beutehungrigen apitalistischen Cliquen gespielt. Der Monarchismus und seine Hauptstütze, das lriegshctzende konservative Junkertum, 'ind vornehmste Schuldige bei dem Mrokkoabcnteuer." Als Genossin Luxemburg das schrieb, mutz sie wohl schlau gelächelt haben.„Entweder, dachte sie, verbeißt sich jetzt der alte R. L. schon an dem falschen Bild, daß ein Instrument selbst spielt iwaS?), oder wenn er selbst daran vorüberkommt, dann bleibt r bei der Frage stecken, wieso die konservativen Junker identisch ind mit den beutehungrigen kapitalistischen Cliquen." Diese Spekulation war offenbar richtig. R. L. war vollauf befriedigt. Sericbts- Leitung. Gegen den Jugendausschuß. In ihrem Kampf gegen die Bewegung der proletarischen Ju- Send ist die Polizei bekanntlich auf das Mittel verfallen, den iugendausschuß für Grotz-Berlin als einen politischen Verein zu betrachten und vom Obmann des Ausschusses, dem Genossen Dr. Kurt Rosenfeld, zu verlangen, daß er der Polizei die Statuten des„Vereins Jugendausschutz" und die Namen der Vorstandsmit- glieder desselben mitteile. Genosse Rosenseld tat das nicht, weil das Verlangen der Polizei durchaus unberechtigt ist, da der Jugend- ausschuß kein Verein ist und sich auch von jeder PoUtik streng fern- hält. Das Schössengericht hat bekanntlich der Polizei recht gegeben, den Jugendausschuß als einen politischen Verein erklärt und den Genossen Roscnfcld mit einer Geldstrafe belegt, weil er dem Ber- langen der Polizei nicht nachgekommen ist. Infolge der vom Genossen Rosenfeld eingelegten Berufung be- schäftigte sich gestern die S. Fcrien-Strafkammer des Landgerichts I mit der Angelegenheit.— Als Beweismittel für die haltlose Be- hauptung der Staatsanwaltschaft, daß der Jugcndausschuß ein politischer Verein sei, wurde aus dem Protokoll des Nürnberger Parteitages die auf die Jugendbewegung bezügliche Resolution sowie der Kommissionsbericht des Genossen Haase-Königsberg verlesen. Ferner wurden verlesen ein an die schulentlassene Jugend gerich- tetes Flugblatt der Zentralstelle für die arbeitende Jugend, das Arbeitsprogramm für 1999 deS Jugendausschusses für Groß-Berlin und das Programm einer von ihm veranstalteten Schillerfeier. Schließlich wurde auch noch auf Antrag des Staatsanwalts gegen den Widerspruch des Genossen Rosenfeld, ein nicht vom Jugend- ausschuß ausgegangenes Schriftstück, nämlich ein von der Zentral- stelle an die Bezirksleitungen der Jugendausschüsse versandtes Regulativ verlesen. Zur Begründung der Berufung sagte Genosse Rosenseld u. Der JugendauSschutz ist kein Verein. Er kann seiner Zusammen- setzung und seinem ganzen Wiesen nach nur als ein Komitee an- gesehen werden. Wollte man ihn als einen Verein betrachten, dann müßte auch ein Komitee, beispielsweise aus Vertretern von sechs konservativen Wahlvereinen, welches sich zur Betreibung der Agitation in Berlin gebildet hätte, als Verein angesehen werden. Auch das Komitee, welches gestern die Marokkoversammlung ver- anstaltete, müßte dann als Verein, betrachtet werden. ES ist aber noch keinem Menschen eingefallen, derartige Körperschaften� als Vereine zu behandeln.— Für die Behauptung, der Jugendausschuß bezwecke, auf politische Angelegenheiten einzuwirken, hat die Be- Weisaufnahme nichts ergeben. Der Vorderrichter folgerte den poli- tischen Charakter deS Jugendausschusses daraus, daß er sagte, der Ausschuß stehe in innigem Zusammenhange mit der sozialdemokra- tischen Partei. Selbst wenn ein solcher Zusammenhang vorhanden wäre, was ich bestreite, so beweist das nichts für die Zwecke, welche der Ausschuß verfolgte. Der Bund der Landwirte, zweifellos ein politischer Verein� läßt durch eine Kommission Kali verkaufen. Diese Kommission steht ohne Zweifel in innigstem Zusammenhange mit dem Bunde der Landwirte. Es ist aber noch niemandem ein- gefallen, die Tätigkeit der Kulikommissiou als eine politische zu bezeichnen.— Es kann nur darauf ankommen: WaS hat der Ausschuß getan und WaS bezweckt er? Die Staatsanwaltschaft verweist auf den Nürnberger Parteitag und die Zentralstelle. Was diese Körperschaften tum kann nicht gegen uns ins Feld geführt werden. denn wir haben nach eigenem Ermessen gehandelt. Uebrigens ist das angeführte Flugblatt der Zentralstelle gar nicht politisch. Der Jugendausschutz für Berlin hat sich sorgfältig von jeder politischen Tätigkeit ferngehalten. Seit drei Jahren besteht der Ausschuß.' Die Polizei hat die von ihm veranstalteten Bersammlungen über- wacht, hat aber an keiner einzigen Versammlung Anstoß genommen. Die Polizei hat sich eingehend um alles gekümmert, was mit dem Jugendausschuß irgend wie in Verbindung zu bringen war. Sie hat sich sogar das hier verlesene Regulativ der Zentralstelle zu verschaffen gewußt, welches nur an die Mitglieder der Bezirks- leitungen versandt worden ist. Aber trotz deö großen Interesse», welches die Polizei an uns nimmt, hat sie uns keine politische Tätigkeit nachweisen können.— Es kommt darauf an, was wir positiv tun. Wir veranstalten für die Jugend Borträge aus den verschiedensten Gebieten des Wissens und der Kunst, pflegen die Geselligkeit, bekämpfen die Schundliteratur und halten die Jugend von den Gefahre» der Straße fern. Auch den Jugendfchutz lassen wir uns angelegen sein. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß wir die Jugendbildung hinreichend fördern köimen auch ohne politische Tätigkeit. Wir tun also nichts anderes, als was Leute aus allen Parteien, welche Jugendpflege betreiben, auch tun. ohne daß man je gehört hat, daß nationalliberale, konservative und katholische Jugendkommissionen als politische Vereine angesehen werden. Wenn man mit gleichem Maß messen und nicht an unsere Tätigkeit einen besonderen Maßstab anlegen will, dann muß ich freigesprochen werden. Der Vertreter ber Staatsanwaltschaft, Assessor Eckert, stellte sich aus den Standpunkt: Wenn der Jugendausschuß auch keine Statuten habe, es sei doch eine Leitung vorhanden, denn Rechts- anwalt Rosenseld sei ja der Obmann. Der Ausschuß sei ein Verein, der die Jugend mittelbar politisch zu beeinflussen suche. ES möge sein, daß äußerlich nur Ausflüge, Spiele und ähnliche Veranstaltungen betrieben werden, der Zweck aber sei, die Jugend im Sinne der Sozialdemokratie zu erziehen. So sei eS ja auch in Nürnberg beschlossen worden. Dafür spreche ja auch das Schiller» feicrprogramm, welches das Schillersche Zitat enthalte, welches zum Kamps gegen Tyrannenmacht ausfordert. Genosse Rosenfeld trat den Ausführungen deS Staatsanwalts daß er die Sache doch besser versteht als Genossin Luxemburg, und so bemängelte er nicht einmal, daß nach dem zitierten Artikel in den Revolutionen in der Türkei, in Persien, in Mexiko. Haiti, in Portugal, in Spanien und in(zuletzt) Rußland„überau die Lebensinteressen der Völker, die Mächte des Fortschritts(II die türkischen und portugiesischen Offiziere, Herr Madero in Mexiko, der sofort die Sozialisten hinter Schloß und Riegel bringen läßt) und der EntWickelung gegen das loddrigc Pfuschwerk der kapitalisti- schen Ordnung rebellieren." Das ließ R.L� ruhig passieren, der doch sonst so streng darüber wacht, daß in der gesamten Parteipresse jeder Fall dick rot angestrichen wird, in dem von einer Aktion de» Bürgertums als von einem„Fortschritt" gesprochen wird. Da war der arme Verfasser unseres Flugblatts unvorsichtiger. Er begnügte sich nicht mit dem Hinweis darauf, daß die Kolonial- Politik heute in Deutschland von allen bürgerlichen Parteien ge- fördert und nur von der Sozialdemokratie konsequent bekämpft wird. Er zeigte nicht nur, wieso alle bürgerlichen Klassen das leb- hafteste Interesse an der Aufrcchterhaltung der kolonialpolitischen Illusionen haben, er geht auch auf ihre Argumentation ftn und zerstört sie; er zeigt die Hohlheit ihrer Phrasen, die Lbgeschmackl- heit ihrer Behauptungen und Vorspiegelungen; er widerlegt„Be- weiSsührungcn", die leider bis in unsere Reihen hinein bereits, wenn auch nur sehr vereinzelt. Anklang gefunden haben.(Vgl. Hildcbrand.) Das kann der Herr Schullehrer natürlich nicht zu- geben. Das hat er noch nich: vorgetragen, daher hat es niemand zu wissen. Weiß es aber doch jemand, dann— um so schlimmer für ihn. Aber besonders an einem habe ich meinen alten Freund Leder- stroh mit Bestimmtheit wiedererkannt: in dem feinen Takt, mit dem er gerade den richtigen Augenblick, wo dies Flugblatt seine Verbreitung in den Massen finden und seine Wirkung gegen Kriegshetzer und jiolonialfatzkeS tun soll, ersehen hat, um die rote Tinte seiner Anmaßlichkeit über unsere Aktion zu gießen. Ä-Eckstein. entgegen üh5 bot, um Lessen Behauptungen als irrig darzutuir, Beweis dafür an, daß sich der Ausschuß niemals politisch betätigt bat, wenn auch der Staatsanwaltschaft die Beweislast zufalle. Wenn sich der Staatsanwalt schon auf ein Zitat aus Schiller berufe, der zu einer Zeit lebte, wo es noch keine Sozialdemokraten gab. und wenn der Staatsanwalt damit die sozialdemokratische Tätigkeit des Ausschusses beweisen wolle, dann müsse er wohl am Ende seiner Beweisführung sein. Das Gericht verwarf die Berufung. Es nimmt— wie der Vorsitzende. Landgerichtsdirektor Schmitz ausführte— an, datz der Jugendausschuß ein Verein ist, denn in ihm habe sich eine Anzahl von Personen nicht nur vorübergehend, fondern für längere Zeit zu einem bestimmten Zweck verbunden. Die Frage, ob der Verein politische Angelegenheiten betreibe, habe das Gericht gleichfalls bejaht. Nach der auf dem Parteitage ge- gobenen Begründung könne es keinem Zweifel unterliegen, daß die Jugendausschüssc gedacht seien als eine Einrichtung, um die Jugend in der proletarischen und sozialdemokratischen Welt- anschauung heranzubilden.— Das habe ja der Abgeordnete Singer auf dem Parteitage ausgesprochen. Es möge sein, daß der Aus- schuh unabhängig von der Zentralstelle arbeite, aber er sei doch von demselben Geist, wie diese, erfüllt. Der Angeklagte Rosenfeld habe ja auch im„Vorwärts" vom 2g. Januar 191)9 die Bildung des Jugendausschusses angezeigt und hinzugefügt, der Ausschuß werde die Bildung und Erziehung der Jugend im Sinne der proletarischen Weltanschauung fördern. Von diesem Gesichtspunkt seien auch die Vorträge und Programme des Ausschusses gebildet. Die Veranstal- tungen des Ausscfmsses würden im„Vorwärts" publiziert. Es bestehe eine enge Verbmdung des Ausschusses mit der Partei.— Es sei nicht nötig daß die zur Kennzeichnung des politischen Cha- rakters eines Vereins erforderliche unmittelbare Einwirkung auf den Staat, seine Gesetzgebung und Verwaltung gegenwärtig statt- finde. Es genüge, wenn die Einwirkung eine künftige sei. Das sei hier der Fall. Nach dem Tatze:„Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft' solle die Jugend zur Sozialdemokratie herangezogen werden, um die Ziele der Partei zu erreichen. Dadurch sei die Einwirkung auf politische Angelegenheiten festgestellt. Ob der Vor- srand aus einer oder mehreren Personen beüehe, sei gleichgültig. Hier sei der Obmann der Vorstand. Er müsse die Satzungen ein- reichen und wenn keine beständen, dann müßten welche geschaffen werden. Ist das Urteil so richtig wie es logisch verfehlt ist, dann wirft sich die Frage auf: weshalb sind die Jugendvcrcine nicht angeklagt, die aus der Jugend künftige„Patrioten" und Gegner der Sozial- dcmokratie machen wollen?_ Der polnische Adler. In der Lcbuser Straße, in der Nähe einer katholischen Kirche, die viel von polnisch sprechenden Katholiken besucht wird, betreibt der Kaufmann Ossenberg ein kleines Geschäft, wo er unter anderem auch Artikel feil hält, die auf die Bedürfnisse der polnischen Be- völkerung Rücksicht nehmen, namentlich Postkarten mit polnischem Text und dergleichen. Die polnisckxn Postkarten zogen die preußische Polizei mächtig an. Ossenberg erhielt oft Besuch von Polizei- beamten, die seinen Laden revidierten. Bei einer solchen Durch- suchung de? Ladens fanden die Beamten in einem Behältnis vier Ringe und Nadeln. Jeder dieser Gegenstände trug— Borussia, verhülle dein Haupt!— das Bild eines polnischen AdlcrS. Obgleich die fürchterlichen Gegenstände im Laden wohl verwahrt und nach außen hin gar nicht sichtbar waren, wurde Ossenberg wegen— groben UnfugS angezeigt und auch vom Schöffengericht verurteilt, weil das Feilhalten der mit polnischen Emblemen geschmückten Sachen die öffentliche Sicherheit gefährde. Die Berufung des An- geklagten gegen dies sonderbare Urteil wurde gestern von der 8. Strafkammer deS Landgerichts I verworfen. Auch die Straf. kammer ist der Ansicht, daß das Feilhalten polnischer Embleme ein Gefühl der Unsicherheit hervorrufe und dadurch die öffentliche Ordnung gefährde. Dies unhaltbare Urteil muß in der NevisionSinstanz natürlich Äufgehoben werden. ES wirkt nicht immer. Bor dem hiesigen Schöffengericht stand der Arbeiter Mussileck unter der Anklage der Körperverletzung mit gefährlichem Werk- zeug. Nach der Anklage und den Aussagen von Zeugen schlug der Angeklagte in einem Lokal den Arbeiter W. mehrere Male mit einem Bierseidel auf den Kopf, nach der Beweisaufnahme lediglich deshalb, weil sich W. die Belästigung verbat. Eni- schuldigen wollte der Angeklagte die Tat mit der Angabe, daß:r gereizt worden wäre, indem man ihm Streikbrecher, Polizei- fchmuser und ähnliche Redensarten zugerufen habe. Gefallen sind solche Redensarten aber nach den eidlichen Zeugenaussage» nicht. Zweifelsohne wollte der Angeklagte vor den Richtern al» Märtyrer erscheinen und als solcher die Roheit in ein anderes Licht gestellt haben. Gewirkt hat dies Hintzegarde-Arguinent aber nicht. Das Urteil lautete auf K Woche» Gefängnis. vom Arbeiterinnrnschutz. Wegen Uebertretung der Arbeiterschutzvorschriftcn der Ge- werbeoronung war der Inhaber einer Zigarettenfabrik, Singer, vom Berliner Landgericht zu einer Geldstrafe von 198 M. vcr- urteilt worden, weil zu der Zeit, wo die Zigarettensteucr in Kraft treten sollte, die Arbeiterinnen in dem Betriebe«nzulässsge Uebrr- stunden, einmal auch Nachtarbeit hätten machen müssen und die Ruhepausen nicht innegehalten ivorden seien.(ES wurde damals mit Hochdruck gearbeitet.) Das Gericht ließ den Einwand, daß S. in der Perion eines Herrn Meyer wegen eigener Kränklich- keit einen Stellvertreter bestellt gehabt hätte, nicht als straf- ausschließend gelten. Diese Bestellung M.S als Betriebsleiter lväre schon deshalb nicht genügend gcivescn. weil M. in jener Zeit zwischendurch immer mehrere Tage auf Reisen gewesen sei. Im übrigen habe auch Angeklagter in der Nähe gewohnt und sei öfter auf kurze Zeit in der Fabrik erschienen. So sei die Möglichkeit einer eigenen Beaufsichtigung des Betriebes nicht ganz aus- geschlossen gewesen. Wenn er sich nur etwas darum bekümmerte, so hätte er die Gesetzwidrigkeit erkennen müssen, und es wäre feine Pflicht gewesen, einzugreifen. Zum mindesten hafte er aus § 151 der Gewerbeordnung, der auch bei Bestellung von Ver- tretern die Haftbarkeit des Ehefs unter gewissen Voraussetzungen, die hier in der Möglichkeit einer eigenen Beaufsichtigung bis zu einem gewissen Grade bestanden, zulasse. Ter Frricnstrafsenat des Kammergerichts verwarf dieser Tage die hiergegen vom Angeklagten eingelegte Revision als un- begründet. Versammlungen. Mißstände in der Gasmesserfabrik von Elster wurden vor etwa vier Wochen in einer Versammlung von Arbeitern und Arbeiterinnen dieses Betriebes besprochen. Da es im Be- triebe immer noch nicht besser geworden ist, so sahen sich die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Elster am Dienstag aufs neue veranlaßt, ihre Beschwerden in einer Versammlung vorzu- tragen, die von der überwiegenden Mehrheit der Beschäftigten besucht war.— Der Referent KaSziski führte aus: Der Meister Scharf, über den sich die Arbeiter am schwersten zu beklagen hatten, habe nach der vorigen Versammlung gesagt, wenn sein Name nochmals im„Vorwärts" genannt werde, dann werde er Maß- nahmen treffen, die eher eine Verschärfung als eine Milderung der Verhältnisse bedeuten würden. Eine Kommission, die Lerhand- lunge» einzuleiten versucht habe, konnte nichts erreichen. Meister Scharf habe in unverfälschtem Herrendünkel erklärt, die Kom- Mission könne über alles mit ihm reden, nur nicht über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. So sei denn alles beim alten geblieben, ja in mancher Hinsicht noch schlechter geworden, so daß den Arbeitern nichts übrig bleibe, als ihre Beschwerden öffentlich vorzutragen. Das einzige, womit die Firma auf die vorige Versammlung reagiert habe, sei die Entlassung eines Werkzeugmachers und einer Arbeiterin, die in der Versammlung Klagen über geringe Eni- lohnung vorgebracht hatten. Doch durch solche Gewaltmaßregeln werden sich die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht abschrecken lassen, ihre Beschwerden immer wieder aufs neue vorzutragen, bis sie gehört und berücksichtigt werden. Ursache zu Klagen sei reichlich vorhanden. Akkordpreise würden willkürlich und oft in unzureichender Weise festgesetzt. Auch über die Behandlung durch die Angestellten der Firma werde immer noch geklagt. Von einer Abteilung des Betriebes werde behauptet, daß die dort beschäftigten Arbeiterinnen von Arbeitern, die als„Schieber" fungieren, durch Zoten und handgreifliche Zudringlichkeiten belästigt würden und daß eine Arbeiterin, die sich deshalb beim Meister beklagte, nichts anderes erreichte, als daß sie von denen, gegen die sie sich be- schwerte, als unbrauchbare Arbeiterin hingestellt wurde und schließ- lich ihre Entlassung erfolgte. Vorher hatte es einer der Beschuldigten verstanden, die Arbeiterinnen der Abteilung zu bcein- flusscn, daß sie die Entlassung der Beschwerdeführerin verlangten. Weiter hob der Referent hervor, daß die Firma versuche, emen Selben Betricbsverein zu bilden, zu dem der Beitritt jedes Be« häftigten verlangt werde, was als eine arge Bedrückung empfunden werde. Die Einzelheiten, die der Referent von Mißständen angeführt hatte, wurden in der Diskussion bestätigt und ergänzt.— Die Persammlung nahm einstimmig eine Resolution an, worin die An- wescnden protestieren gegen den Versuch der Firma, die gelbe Seuche auf ihren Betrieb zu übertragen und sich verflichtcn, die Beschäftigten bis auf den letzten Mann dem Deutschen Metall- arbeitervcrbande zuzuführen._ Deutscher TranSportarbeiterverband. Die am Mittwoch ab- gehaltene Generalversammlung war die erste, die gemäß den früheren Beschlüssen aus Delegierten zusammengesetzt war. Die Zahl der Teilnehmer beträgt 90S. Wie der Vorsitzende Werner bemerkte, war der Besuch früher, wo jedem Mitgliede der Zutritt zustand, oft erheblich schwäcker.— Nachdem die Versammlung eine Reihe von Ausschlußanträgen erledigt hatte, erstattete Werner den Bericht des Vorstandes für das zweite Ouartal. Die Konjunktur war besser wie im ersten Quartal, deshalb konnten für eine Anzahl von Kollegen Verbesserungen der ArbeitSverhält- nisse erreicht werden. Es fanden Lohnbewegungen statt in 382 Be- trieben mit 1812 Beteiligten. Abwchrbewcgun�en in 5 Betrieben mit 197 Beteiligten hatten Erfolg. Angriffsbewegungen in 178 Betrieben mit 1697 Beteiligten brachten Lohnerhöhungen von 1 bis 4,99 Mk. pro Mann und Woche. In 3 Betrieben mit 41 Be- tciligten hatten die Angriffsbewegungen keinen Erfolg. DaS VersammlungSlebeü war sehr rege; es wurden im ganzen 1378 Verfammluugen, Sitzungen usw. abgehalten. Die vom Kassierer S t c i n i ck e vorgelegte Abrechnung zeigt eine Einnahme von 311344,99 M., eine Ausgabe von 235 341,69 M. und einen Bestand von 76 992,49 M. Für Unterstützungszwecke wurden 186 874 M. ausgegeben. Das sind74 651 M. mehr wie im ersten Ouartal.— Die Zahl der Mitglieder hat Pch um 3616 vermehrt. sie beträgt 41 643 männliche, 1776 jugendliche. 1785 lveib- liche, zusammen 45 299. Ter Bericht über die Frequenz des Arbeitsnachweises ergibt, daß bei Beginn des Quartals 5198 Arbeitslose eingeschrieben waren. Gemeldet wurden 2912 feste und 4949 Aushilfsstellen. Besetzt wurden 2918 feste und 3895 Aushilfsstellen. An Stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes der Bezirks- leitung wurde S ch e u r e l gewählt.— Ein Antrag wurde an- genommen, welcher besagt, daß Mitglieder, welche dem Verbände noch nicht 6 Wochen angehören oder noch nicht 6 Wochen Beiträge bezahlt haben, die Räume des Arbeitsnachweises nicht dauernd benutzen, sondern nur täglich um Arbeit nachfragen dürfen. IZns aller Gleit. Der Choleraauf Itand in Verbicaro, Rom, 28. August 1911.(Eig. Ber.) In Verbicaro in Calabrien hat die Cholerafurcht wüste und cutsetzliche Szenen-gezeitigt. In dem 6999 Einwohner zählenden Ort war durch Infektion deS Trinkwassers eine ganz plötzliche und heftige Choleraepidemie ausgebrochen: in wenigen Tagen hatte man 82 Erkrankungen und 48 Todesfälle zu verzeichnen. In dieser traurigen Lage versagte der Bürgermeister, dem sein Amt doch wohl Pflichtgesiihl und Mut hätte verleihen sollen, vollständig: er verschloß sich mit seiner Familie in seinem Hause. Die anderen munizipalen Behörden folgten dem verächtlichen Beispiel, so daß alle öffentlichen Dienste aufhörten und die Leichen der Cholerakranken, wie die„Tribuna" be- richtet, in den Häusern der Verwesung überlassen wurden. Ein Bürger des Ortes telegraphierte an die zuständige Präfektur von Cosenza, die sofort Aerzte und Krankenpfleger vom Roten Kreuz sandte. Das genügte jedoch nicht, um die Erbitterung der Bevölkerung zu mildern. Am 27. d. Mts. rotteten sich die Leute unter dem Rufe:„Tod dem Bürgermeister, wir wollen das Rathaus verbrennen", zusammen. BiS zu diesem Zeitpunkt lagen der Präfektur von Consenza Nachrichten vor, dann verstummte der Telegraph. Um 19 Uhr abends lief ein ungezeichnetes Telegramm ein mit folgendem Wort- laut:„Ich sterbe als Opfer meiner Pfficht. Empfehle meine Frau und meine Kinder". In der Folge hat man erfahren, daß das Telegramm von dem Tclegraphenbeamten herrührte, der von der Menge getötet worden ist. Dann hat diese das Rathaus angesteckt, den Stadtrichter getötet und auch das Telegraphenamt verbrannt. Ueber das Ende des Bürgermeisters ist zur Stunde nichts bekannt. Die einen sagen, er sei entflohen, die anderen, er hätte mit seiner Familie unter de» Händen der verzweifelten Menge den Tod gefunden. Nach dem Vorliegen eingehender Nachrichten wird Gelegenheit sein, auf diese furchtbare Episode zurückzukommen, aber schon heute darf man«S nicht verschweigen, daß sich aus dem Wust der Unwiffenheit und Gewalttat furchtbar und warnend das Bild der Nemesis erhebt. Wer ist es denn, der die Bevölkerung von Calabrien in dieser furchtbaren Unwissenheit erhält? Sind eS nicht die Besitzenden, die„omli", die gleichzeitig den Erdboden und Kultur und Bildung als ihr Klassenmonopol mit Beschlag belegt haben und die Armen tierischer Unwissenheit überließen! Und die- selbe herrschende Klasse, für die, wie in den meisten Orten SüditalienS, die Kommunalverwaltung nur ein Mittel war, um die Bevölkerung zu knechten und auszubeuten. hat in der Stunde, wo das Amt anfing gefährlich zu werden, feig und erbärmlich sich zurückgezogen, hat die Hilfe verweigert, hat die Cholera umgehen lassen, nachdem Elend und Unwissenheit ihr den Weg gebahnt und Triumphpfortcn errichtet hatten. In den Dingen liegt eine furchtbare Logik: eine Bevölkerung, die lesen kann, wird nie mit der Brandfackel den Kampf gegen die Cholera kämpfen, eine Bevölkerung, deren Interessen recht- schaffen und uneigennützig verwaltet werden, wird nie in dem Bürgermeister den Verbreiter einer Seuche sehen, wer das Stimm» recht hat, der braucht nicht der Fackel und der Sense, um sich Gehör zu verschaffen._ Die Tragödie des Witwers. In einem Anfalle von Verzweiflung, verursacht durch den Tod seiner Frau, ermordete in New Dork ein Mr. Edward Venn et, ein Engländer und früherer Student der Oxford« Universität seine drei Kinder, einen Knaben im Alter von sechs Jahren und zwei Mädchen im Alter von vier und zwei Jahren und beging dann Selbstmord. Bennet hinterließ einen rührenden Brief an einen Pfarrer des Orte?, worin er ausführlich den Tod der Kinder schildert:.Nancy und Eddy starben an Chloroformvergiftung. Nancy hatte gar keine Schmerzen, und ich hoffe, Eddy hatte eben» fall» keine Schmerzen. Ich hatte Barbara Zyankali gegeben, ich be« fürchte, daß das Kind schwer gelitten, doch habe ich die Hoffnung, daß die Leiden und Schmerzen nur von kurzer Dauer waren. Auch ihr gab ich Chloroform, was. wie ich hoffe, ihre Leiden milderte. Bennet selbst nahn, dann ebenfalls Zyankali und sprang in einen in der Nähe befindlichen See._ Kleine Notizen. Schwerer Gnibenuiifall. Auf der Zeche„ZollernII" bei Dort' m u» d ereignete sich heute vormittag eine D y n a m i t e x p l o s i o n. wobei zlvci Bergleute lebensgefährlich verletzt werden. Dem Schieß- ineister Scheuennann krepierten zwei Dynamitpatronen, die er in der Hand trug. Der linke Arm wurde ihm abgerissen und das linke Bein so schwer verletzt, daß eö amputiert werden mußte. Ferner erlitt ein Häuer schwere Brandwunden am Kopf u n d A r m, so daß man an seinem Auskommen zweifelt. Fahnenflucht ciues Leutnants. Desertiert ist von dem in Landau(Pfalz) garnisonierenden Feldartillerie-Regiinent der Leutnant Oskar Geier. Er hinterläßt zahlreiche Gläubiger. Tu sollst nicht töten. DomierStagmorgen wurde in I n st e r- bürg der Lehrer Otto C z w a l i n a aus Enzuhnen, Kreis Stallupönen, der am 23. September 1919 seine Geliebte, ein Dienst- mädcheu, erschossen hat, durch den Scharsrichtcr Schlvictz hin- gerichtet. »ei DninkoH, Santa Lucia Kraft-Rotwein n. 1.50». 2.00 Nachahmungen bitte zurückzuweisen Käuilich in Apotheken, Drogerien :: und Delikatessen-üeschätten;: Um»Ick vor Infekllrntkunlthefttn in»chBttm, trinken die V5!ker dei Süden» Wuter nicht ohne Zustti ron Wein. Diis du VolkibewmUeln richtig 1,1, haben unsere Oä'ehrten durch umtanzrelche Untersuchnn»eti bestätigt eefunden. Durd» Vermischen gleicher Teile gewöhnlichen Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl der Infektlonikel ne au veinlcfatet, nach kurzer Zeit so�ar vollständig, so dus nach dem Uericbt des Dr, Mfg Wasser durch Weinzusatz absolut keimfrei wurde. 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Pfund 85 pi Fetter Speck � staeke0 von ca- 4PP� 60 Pt Magerer Speck inp!£ek."™PfS: 70 pt. Kasseler Rippespeer 7 0 bis 8 5?k. p i.jj Keule Rücken Blatt nenwild 4.00-6.00 6.00-9.00 1.50-2.50 Keule Rücken Blatt Ragout Rotwild go 75 60 20 p,. Graubirnen............ Pfund 9pc Malvasier-Birnen..... Pfund IOpi. Napoleonsbirnen...... Pfund 10 pf. Tomaten Pfd. 10, Pflaumen Pfd. 10 Pt Grosse Kochäpfel.... Pfund IOpc. Tiroler Tafeläpfel.... Pfund 18 Pt Italienische Melonen.. Pfund 7 pc. Mohrrüben Pfd. 6pi; Weiss-, Wirsing- und Rotkohl.... Kopf 7 pc Kartoffeln.......... io Pfund 38 pt Geflügel Brathühner..... 75 pr. 1.00, 1.50 Suppenhühner..... 1.35 di, 2.25 Junge Gänse... Pfund 48, 55, 70 pc Junge Enten stuck 1.25, 1.50, 1.75 Koch< und Backbutter Pfund 1.20 Tischbutter.. Pfund 1.30, fein« 1.40 Bratenschmalz........ Pfund 58 pc Schweizerkäse........ Pfund 88 pc Tilsiter Käse......... Pfund 58 pc Limburger Käse...... Pfund 60 pc Romatour............ stüek 30 pc Faust- und Spitzkäse. s stock 25 pc Räucherwaren Geräuch. Aale Pfund 90 pc Bund 35 pc Bücklinge z Stack 10 Pf. klein« Kiste 30 Pf. Ahlbeck. Flundern 2 sc 10, crom 40pf. Kieler Flundern...... Pfund 50 pc Geräucherte Dorsche.. s stock 25 pt. Nur Leipziger und Rosentheler Strassei Schellfische.. Pfund 8, 13 PC* Lachs in ganzen Fischen Pfd. 38 PI. Kabeljau inhn|To'pfFÄ 12 pc XiACll� Lebende Hechte piund 1.10 Seelachs LUTopf Äd 6pc Aale und Schleie"pS" frkdmfimch jetzt auch Oranienstr. Schmorfleisch Pfd. 90 PC Knochen 1.00 Roastbeef..Pfund 1.10, Knochen 1.40 Rinderfilet 1.10, Schält 140 hi« 1.60 Rinderkamm u. Gehacktes?fd.60 pc Rinderbrust und Gulasch Pfd. 70 pc Schweinekamm q. Schaft 70, trt*j, 75 pc Schweineschulter 4P/0'0*000'0'n,D'DOCH>0'0 II§1 Prawdzlwa tabaka do|9 " zaiywania.KownoerT| � ----- �•CKMM'U'ä r-a-a-oa�j-a-D-a-CKJ st wöchentliche Teilzahlung fertig und nach Mass Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung. J. 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Verschiedene Momente wirkten zu- sammen. Händler, Müller und ausländische Konsumenten traten mit Kaufaufträgen heraus. Die Steigerung der Preise für Futterartikel, die trockene Witterung und die Festigkeit Rußlands gaben mit eine Anregung für die Bewegung. Roggenprcise schnellten zeitweise um 5 M. pro Tonne empor. Der Bekehr war recht lebhaft, die Nachfrage konnte indes nicht ganz befriedigt werden. Die Kauflust hat stark zugenommen und die Notierungen für Lokoware und für Lieferungshafer erfuhren Steigerungen um L'/z bis 3 M. Für Gerste und Mais war die Haltung sehr fest. Auch die Stimmung am Mchlmarkte erfuhr durch die Steigerung der Getreidepreise eine Anregung. Noggenmehl war im Preise um zirka 50 Pf. gesteigert. An der Mittagbörse notierte Oktober-Weizen 2098/«— 210'/«. Oktober-Roggen 184—186'/«, Hafer 1821/a— 183, Weizenmehl 00 20— 29, Roggcnmchl 0 und I 22,60—24,60. Wenn das so weiter geht, steuern wir tatsächlich aus- gewachsenen Notzuständen entgegen. Gute Konjunktur. Der StahlwerkSbcrband macht über die Geschäftslage folgende Mitteilung: Iii Halbzeug verlief das Jnlandsgeschäft weiterhin zufrieden- stellend und der Abruf hält sich iiifolge guter Beschäftigung der Bcrbrauchcr in dem seitherigen Umfange. Der Verkauf für das Uchte Viertel dcS JahreS wurde heute zu den bis- herigen Preisen und Bedingungen freigegeben. Die neulich gemeldete festere Lage des Auslandsmarktes hat sich aufrecht erhalten bei steigenden Preisen. Der Absatz war gut trotz der Veeinträchti- gung, die er durch die Ausstände der Seeleute, Hafenarbeiter und Eii'enbahnangestellien in Großbritannien erfahren mußte. In schwerem Oberbaubedarf haben nun auch die württem- bergischen Staatsbahnen ihren Jahresbedarf aufgegeben, der den vorjährigen wieder etwas übertrifft. DaS Auslandsgeschäft in schweren Schienen lag nach wie vor gut und brachte eine weitere Anzahl größerer Abschlüsse herein. In Rillen- und Grubeiischieuen war der Abruf befriedigend, der Eingang von neuen Aufträgen vcr- läuft etwas ruhiger. In Formeisen sJnland) ist der Austragseingang und besonders der Abruf rege geblieben I»nd stärker als in der gleichen Vorjahreszeit. Die Freigabe des Verkaufs für das letzte Vierteljahr zu den seitherigen Preisen und Bedingungen wurde heute beschlossen. Das Auslandsgeschäft verüef in den meisten Ländern befriedigend, und der Eingang von Spezifikationen !sar recht retje. In Großbritannien blieb allerdings während der dortigen Strerkunruheu der Abruf fast ganz aus, jedoch besteht die Hoffnung auf ein günstiges Herbstgeschäft. Die Metalliudustriellen sind nun aber auf dem besten Wege, das Geschäft zu stören. Durch fortgesetzte Provokalionen treiben sie die Ärbeirer erst in Streiks hinein und dann verspüren die Herren Aus- sperrnngsgelüste. Wenn eS infolgedessen zu einer größeren Störung kommt, dann kann man sich dafür bei den Scharfmachern bedanken. Starkes Steigen der Fleischpreise. Wie eS mit der Behauptung aussieht,.zurzeit' seien die Fleisch- preise wegen des infolge Futtermangels stärkeren Viehauflriebs ge- funken, das ersieht man aus der neuesten Flciichpreiiestatistik, die soeben in der.Statistischen Korrespondenz" für Preußen aufgemacht wird. Sie betrifft 51 Städte U»d erstreckt sich auf alle Provinzen des Staates. Es handelt sich um Durchschnittspreise für ein Kilo im Kleinhandel. Nach den amtlichen Ermittelungen stellten sich die Preise in Pfennigen wie folgt für August 1911 I. Hälfte Rindfleisch. Kalbfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch Roßfleisch 109.6 185,3 183,5 148.5 77.8 Uli 1911 Hälfte 168.8 186,2 183,4 145,9 77,8 August 1999 I. Hälfte 155,9 173,8 189.8 162,1 74,3 Abgesehen von Schweinefleisch ist also selbst in 1911 noch ein weiteres Steigen der Flcischpreise eingetreten, sogar noch im August, nackidem augeblich. viele Landwirte ihr Vieh dem Schlächter über- liefert haben, um es vor Verhungern zu schützen. Für Schweine Ivird aber für den Herbst und Winter eine starke Verteuerung in Aussicht gestellt. Der beste BelveiS für die Notlage breiter Volks- schichten ist daS fast stmtdige Anziehen der Pferdefleifch- preiset Pferdefleisch ist jetzt schon in so hohem Maße die übliche Fleischkost großer Bevölkerungsschichten, daß unlängst die Elberfelder Etsenbahndrrektion von der westdeutschen Handelskammer ersucht worden ist, für die Hcrbeischaffung„schlachtreifer" Pferde auS Ost- elbten günstigere Frachtbedittgtmgen zu bewilligen. Der„riesig ge- stiegene Nationalwohlstand" doluinentiert sich in dem rasch steigenden Verzehr„schlachtreifer" Schindmähren. Musikinstrumenteniiidustrie. Nach dem Jahresbericht der Plauener Handelskammer war die Fabrikation von Schlag-, Akkord-, Mandokinen-, Gitar- und Pedalzitbern eine sehr flotte im letzten Berichtsjahr. Billigere Qualitäten wurden bevor- zttgt. Als Absatzgebiet kam außer Deutschland Rußland stark in Frage. An Arbeitern herrichte Mangel. Die Baß- und Cellofabrikation von Arunndöbra. die an Musiker und Händler in Deutschland liefert, und für Exportzwecke an Mark- neukirchner und Graslitzer Exporteure, war gut beschäftigt. Die Geigenfabrikation war im großen und ganzen zufrieden- stellend. Wieder gedrückter Preise wegen geringes Gewinnergebnis. Auch die nordischen Länder und das Inland bestellten gut. Eine seit 1983 in Markneukirchen bestehende Aktiengesellschaft für Halb- sabrikate ging zur Fertigfabrikation von Geigen über. Diese geschieht hauptsachlich auf maschinellem Wege. So- genannte Kun st geigen gingen auch ziemlich gut. nach Deutschland und Nordamerika, auch Südamerika beginnt zu kaufen. Bogen- fabrikation war ebenfalls zufriedenstellend. Hohe Zölle nach dem Ausland erschweren das Geschäft, nach Oesterreich wird es bald ganz unterbutiden werden, weil dort eigene Bogenfabrikation nn Entstehen. Die Klingenthaler Orchestrionfabrikation erfuhr im Umsatz eine Erhöhung von 28 Proz. Durch Oesterreichs neuen Zolltarif ist der Verkehr nach Oesterreich sehr geschädigt, die Preise im Inland sind durch österreichische Konkurrenz gedrückt worden. Hus der frauenbewe�un� Zur Fraucukonferenz. Wie die vorhergegangenen Tagungen der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands wird auch die nächste Frauenkonferenz eine Reihe wichtiger und fruchtbarer Arbeiten zu erledigen haben. Die Resoluiionen, die den Delegierten verschiedener Kreise übertragen wurden, berührt eine Reihe sehr ernster Fragen, die noch der Lösung harren. Allein zur Mutter- und Säugliitgsfürsorge sind Forderungen von unschätzbar kulturellem Wert � formuliert. DaS gleiche gilt in bezug auf den Kinderschutz und die Fortbildungsschule. Ferner wird den Genossinnen dringend zur Pflicht gemacht, den Vertreterwahlen der Krankenkassen die größte Ausmerksamkeit zu widmen und sich überhaupt in jeder Weise eingehend um die Aitgelegenheiten auf dem Gebiete deS Kassen« Wesens zu kümmert. Auch der Vorentwurf zum Straf« gesetzbuch ist geeignet, da?„liebevollste" Interesse der sozial- demokratischen Frauen hervorzurufen, enthält er doch eine Reihe von Bestimmüngen, die, sollten sie Gesetzeskraft erlangen, mit voller Wucht sich vornehmlich gegen die Proletarierinnen richten würden. Wir hoffen, daß die Frauenkoitferenz wie bisher auch diesmal bei der Erörterung all dieser Fragen unseren prinzipiellen Standpunkt scharf und klar herausarbeiten und somit dazu beitragen wird, unsere Rüstkammer mit neuen Waffen auszustatten und den tätigen Ge- nossinnen ein treffliches Agilationsmaterial zu schaffen. Stellt doch gerade die nächste Reichstagswahl besonders erhöhte Anforderutigen an die Werbearbeit der Partei. Die Konferenz wird hierfür eine Fundgrube bilden und auS der Lektüre der Debatten werden Ge- nossinnen und auch Genoffen unschätzbareZ Aufklärungsmaterial ziehen können. � Todes-Anzeigen| I SozialtakratisetierWaiilverein 9 Itixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Tijchler Ott« Koch Jansaftr. 14 verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Nixdorfer (Semenide- FriedbofcS, Marien- dorfer Weg, aus statt. Ter Borstand. völltzeksk I�elZllZsdöites-Vgldgnl!! V«tt»a>tuiig»»IslI« Berlin. Nachruf! Den Kollegen zur Nachricht, daß| unser Mitglied, der Schlosser Otto ttokds gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Ortsvorwaltung Deutscher I Bauarbeiter-Verbandl Zweigveroin Berlin. Am 26. August verstarb unser I Mitglied Eb*kis£ Kicofai (Bczirl Norden I). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ar. I Freitag, den t ecptcmbcr, voi- j mfilogs Ufn, ron der Leichen. IlwUc des städtischen FriedhofiZ I in Friedrichsfelde aus ilatt. Um rege Beteiligung ersucht 1 138.18 Voi'Htantl. Allen Kollegen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht. dag am Dienstag, den 2g. August. mein lieber Mann, unser guter Bat«, der Porteseulller Hermann Teut im Atter von 38 Jahren nach langem schweren Krankenlager saust entschlasen ist: Diez zeigen ttcsbetrübt an krau CharlotteTeui nebst Tochter. Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Zenttal, in FriedrichSselde auS Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- speitden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Be- leiliglen, insbesondere dem Sozial» demokratischen Wablvercin des vierten Kreises, dem Bezirk 228 II, dem Holzatbciter-Verbaiid, dem Persont! der Finna Neumann u. Bunar, iowi« den Herren Friedrich und Matthigka meinen herzlichsten Dank. 3276 Witwe B Ii crrmann _ nebst Kindern._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- jvenden bei der Beerdigung meines heben Mannes Otto Rohdu sage allen Freunden und Bekannten, der Firma N. A. G. und den Kollegen der Montage und Konttolle meinen herzlichsten Dank. 32Sb A.nm» Rohde. Auultn- nild krinttlmidtm von Boberl Mexer.' nur Marianntn-Slrnße 3. fErW ßer Tapezierer. Filiale Berlin. Am Sonntag, den 27. Aitqnst. verstarb Insolge UnsallS unser Mit. glied, der Tapezier« l&ax Fischer. Ehre seinem Andciikeu! Die Beerdigung stndcl Freitag- nachmittag 5'/. Uhr aus dem neuen Kreuz-Kttchhos in Martendorf statt Um rege Beleiligung ersucht 157/16 Die Ortsverwaltung Gartenstadt IFaiKsnitasen-Wrafi d'rekt»-n Oahnhot Seeßetno ab Lehrter Haupthahiv hol 30 �in.. ah Chat loticnhur:- -tahnhot Jurgfernhcida.?0 Min. 'beizende landachaJÜichfLaRt» T.eileinveite Laub- u. Kadel �aldungon. Idealste Wehn 'tÄlte für jedermann. Leloh te-tcr Erwerb einet Cisenhelmi Herrliche Hochwald-, Villen- u �amf�rundftücke. R 15 Mark an! Kieintlt Anza*(Wg lOjllhr Amorficaiionthynotneh•— 8om- mer-Ferenhauicr 800 M. Eigen- häuter 6C00 M an Voakanft u. 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A.: Eugen Ernst, Uesenstr. 16. Allgemeiner Deutscher Uetallarbelter-Verband Burkau: Linienstr. 6«. I. Dtflll! UNtl ÜtNgtgtDll.«ureau: Linienstr. SS. I. Die Generalversammlung findet wegen der Demonstration für den Völterfrteden nicht am Sonntag, den 3. September, sondern erst am Montag, den 4. September 1911, mt) abends 8 Uhr, in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17—18, statt. Es ist Ehrenpflicht jedes Verbandskollegen, teilzunehmen an der von der sozialdemokratischen Partei am Sonntag, den 3. September, mittags 1 Uhr im Treptower Park veranstalteten Denionstationsversammlungen. Unsere Mitglieder mit ihren Familienangehörigen versammeln sich rechtzeitig in unseren Verbandszahlstellen und marschieren unter Leitung der Vertrauensleute und sonstigen Verbandsfunktionäre so rechtzeitig nach Treptow, daß sie dort spätestens um 12'/, Uhr eintreffen. In Treptow schließt sich jeder seinem zuständigen Wahlkreis an und hat sich dort den von der Partei gestellten Ordnern zu fügen. Da es gilt, der herrschenden Klasse zu zeigen, daß die Arbeiterschaft einmütig jeden Krieg verurteilt, so darf kein Mitglied unseres Verbandes am Sonntag in Treptow fehlen. Kollagen und Kolleginnen I Zeigt am Sonntag durch eiseme Disziplin und vollzähliges Erscheinen, daß die gesamte Arbeiterschaft die gewtffenlose Kriegshetze einer kleinen aber bis jetzt noch einflußreichen Kapitalistengruppe auf das entschiedenste verurteilt. Erhebt flammenden Protest gegen die geplante Massenabschlachtung des deutschen Volkes, welche nur zu dem Zweck inszeniert wird, um die Taschen einiger Kanonen- und Panzerplattenfabrikanten zu bereichern. Auf nach Tregtow I Keiner darf fehlen 1 �___ Der Verelnworstand, TÄlläto" Bund Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Sämtliche Touren zum Sonntag, den 3. September fallen anS. «ach der Berlammlung Treffpunkt bei HV»ke. SebasNanstr, 89. Lichtenberg«. Umgegend. Die Touren fallen aus. 2. Bezirk. Sämtliche Bcrewe Start vor- mittags 11 Uhr in Treptow,.Park- Restaurant" S. Ludwig, Am Treptower Part 25/26.— Nachmittags 21/, Uhr»um Bezirksfest in König». Wusterhausen, Start wie oben. >Ites Schützenhaus. Die UnterbeztrtStour im 3. Unter Dejirf- Senzig— Zernsdorf findet «tcht bezirk- Senzig— Zernsdorf statt. Die Bezirksleitung. Gemelnsanie Ortskrankenkasse für Zu einer iiiüerordi. Geseralversaiiiiiiluoi am Freitag, den 8. September er., abends 7 Uhr, im Reetaurant Eschner Naehfl. zu Adlershot am Bahnhof, laden wir hiermit die Vertreter der Arbeitnehmer u. der Arbeitgeber ein. Taaes-Ordnung: Beschliihfassung über die vom BezirkSauSschub zu Potsdam bean- standeten Punkte des eingereichten 10. SlatutennachtrageS, dem It. Be> fchlutz vom 2. August 1911 die Ge. nehmigung versagt ist. L78/ff AdlerShos, den 30. August 1911. Der Borstanv. Max Knappe, Vorsitzender. Reste MusterkuponS,.Herbit. Neuheiten- für Anzüge, Kostüme, Meter 3, 4 Mark. Duchlager- Gesellschaft m. b. H. l-ertrallliwtr.Zii'!U.�;e Von der Reis« zurück kraoenarrt Dl*. 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IW Die KaffeekDohe Ist von 2—6 Uhr geöftnet"Mg Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Orchester.(Kapellmeister Maximilian Fischer).— Gesangverein Kreuzberger Harmonie, Mitgl. d. D. A.-S.-B.(Chormeister Bolno Frank) u. Mitglieder d. Arbeiter-Turnerbundes. Billett» Im Vorverkauf 20 Pf., an dar Kusa 80 Pf. Billetts sind In den mit Plakaten belegten Handlangen und bei den Abtoilungs- nnd Bezirksfuhrem zu baden. Anfang 4 Uhr. Programm an der Kasse gratis. 211/8* Der Vosataud. und verwandter Berufsgenossen Zahlstollo Berlin. GeschSstSstrlle: C. 54, Muiackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt 8, 4518 Sonntag, den 3. September, vormittags 10 Uhr: Versammlung � Wenarbeiter im Gcwerkschaftshaus. Engelnfer IS. Saal i. Sage«. Ordnung: Die Auwort drs Arbtiigrlier-Vtrbaudes der Muhleil' iudustrie auf uuserru tiugrrtichttll Tarifvertrag. Beschlustfassung. Kollegen! Es ist die dringendste Pflicht aller Mühlen» arbeiter, in dieser Versammlung zu erscheinen, da in dieser Versammlung Beschlüsse gefaßt werden sollen, die entscheidend für die ganze Lohnbewegung sind. Kollegen! Bringt die Unorganisierten mit.— Die Besuchszahl jedes einzelnen Betriebes wird festgestellt.«/? (die OrtSverwaltnng. NB. Um den Kollegen den pünktliche» Besuch der De» monstrationS-Vcrsammluugen zu ermöglichen, wird die Ber- sammluug präzise eröffnet und rechtzeittg geschlossen. D. O. □□□ □DD □□□ Theater und Vergnügungen Frettog. 1. September. slnslinq 7'/, Uhr. K. Opernhaus. Der Svangell. mann. St. Schauspielhaus. Die Stützen der Weselljchasl. Deutsches. Ein Sommernacht»» träum. vrrliuer Pratcr. Die junge Garde. Anlang 8 Ubr. Lesfing. Hedda Gabler. Berliner. Bummdstudenlen. tilciucs. Der Leibgardiit. Sien es Schau, pielpauS. Sine Million. K-"»>>che Over. Die keuscheSulanne. Residenz. Die Dame von Maxim. Westen. Die geschiedene Frau. Reue«. Die Frau Greil. Ddalia. 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Sominbciid, abend» 8 Uhr: Der Bund der«Ingend. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Bund der JugcniL Sonntag, abend» 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Seblller-Tliealer"S;"- Freitag, abend» 8 Uhr Der Probekandidat. Sonnabend, abend» 8 Uhr: RcToIutlonnhochzcit. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des Tartüff. Sonntag, abend» 8 Ubr: Der Probckandldat. Neues Theater. 8 Uhr Gastspiel Hanii Niete: Die Frau Greil. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bnmmelstudenten. Täglich; Bnmmrlstndente«. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Friedrich-WilhelinsMisctiBS Scliauspielhaus. Sonnabend, L Sept., abend» 7'/, Uhr: UrUiftiungsvorateiiung. Sigfried, der Cherusker. Dramatische Dichtung von Wilbrandt. Sonnt. 8 Uhr: Ssglrieil, iler Lberutitor. Montag 8 Uhr: iuititb. RllillSlK-'Us. Direltivn Richard Alexander. _ Abend» 8 Ubr: yig' Sommerpreise Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von George» Fcydeau. Deutsch o. Benno Jacobson. BOlIv-.A.lUaneo-Theater (sc. Vollsoper) Bclle-Allianceslr. 7/8. Kovitüt! Prernier«. Novität! De» Ueben» Po»»en»piei. Schauspiel in 4 Ausz. v. Kurt Küchker. Freitag, 1. September ab 8'lt Uhr. Luisen-Theater. Heute: Eröffnung der Wintersaison. Das Wintermärchen. Sonnabend: Oat Wlntermürohan. OSE-THEATE I Grotze Fraiitsurlei Bn 132. StaatsaDwall Aleiaoilep.. Ansang 8'it Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: llaaaenanlult. Aus der Wareenbühiie: Eb gibt nur ein Berlin. _ Grotze Revue. Metropol-Ttoter. Zum 126. Male: Kchtit miifitrt sich! Operette in 3 Akten von I. Freund. Muffk von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gesiallel, 8 Uhr: Vollständig neues Programm. 10 Novitäten und Attraktionen Die G'schamige. Ein Dialog nach dem bckannlen Bild von F. v. Rcziiicel, versaßt von A. Ncidhardt. Moabiter Wintergarten ArtuS'Hof Perleberger Str. 26, Slendalar Str. 18 Direktion: Karl Pirnau. 6 Radrennen aus der Bühne. Clown Jansly mit seiner Ticrsamilte. Rl. Wlegmanns beste Seillünsller der Welt. »heater— Spezialitäten. 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Schillerstraße�Sl._+04* Schlosierlehrling verlangt Aue. Görlitzeruscr 23.+lll* Kunstschmiede. Kunstschlosser, dauernd, sucht Paul Marlu», Schöne- berg, Mommlenlensttaße 35. 121/11* Schlosser al» Heiser verlangt Kühne, Sieglitz, Ahorn straße 6. Selbslöndige Nachtigall, Lindenstraxe 78. verlangt 321b Gcldschrankschloffer verlangt BrandcS, Alcxandrinenstraße 118, Lehrling aus guter Familie per sofort oder per 1. Ollobcr gefuchst Brüder Popper, Spichcrnnraße 4. Stoff.'nopf-Arbeileiin bei hohem Lohn oerlangt Markgrasenstr. 43/44. Im Arveitsmarkt dura, besonderen Truck hervorgehobene Zlnzeigen kosten k»0 Pf. die Zeile» Serielilerslsller. Parteigenosse sucht Stellung als solcher oder ähnliche, wo tbm Ge- legeiibcil gegeben ist, sich weiter ans» zubilden. Alter 35 Jahr. Derselbe ist journalisüsch und rednerisch befähigst Ges. Offerten bitte an die Expedition dieser Zeitung unter B. 8 nieder- zulegen. Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku-Berlag: Vorwärt» � Buchdruckeret u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. m- W- 3. Seilte des Lllmarts" Derlilltt Nsldsdlllü.»>■ l- s-�w � fSÄelVÄ; FWMatwerbreitnng. Sonntag: Massenkundgebung. Niemand fehle. Partei-)Zngelegenkeiten. Treffpunkte der Lororte zur FriedeuSdemoustratio». Zu der am Sonntag im Treptower Park stattfindenden Demonstration treffen sich die Genossen der nachstehenden Orte wie folgt: Sieglitz. Sammelpuntt auf dem Hinteren Teil de? Bahnhof- Perrons der Wannseebahn. Abfahrt 11,10 Uhr. Umsteigen in Schöne- berg nach Treptow. Ober-Schöneweide. 11'/« Uhr im Garten deS Wilhelminenhof. Von da II8/« Uhr gemeinsamer Abmarsch. Groß-Lichterfelde. Für den Osten um g Uhr in Kaiserhof: für den Westen zur selben Zeit bei Wahrendorf, Bälestr. 22. Alt-Glinickr. 11'/, Uhr im Terrassen-Restaurant. Abfahrt 12,04 von Adlershof nach Baumschulenweg. Boxhagen-Ru««elsburg. 11 Uhr in den Zahlstellen. Die für Dienstag festgesetzte Versammlung fällt umständehalber aus. Wcißcnsee. 10 Uhr in den Zahlabendlokalen. Der Zug setzt sich Punkt 11 Uhr in der Streustrabe am Peukertschen Lokal in Be- wegung. Zehlendorf sWannseebahn).'/,11 Uhr bei Schulz, Teltower Straße. Abfahrt 11 Uhr vom Hauptbahnhof. Charlottenburg. Die Parteigenoffen werden ersucht, sich pünktlich um 7 Uhr zur Flugblattverbreitung ein- zusinden. Um 9 Uhr findet in sämtlichen Bezirken ein Extra- zahlabend statt. Die Flugblattverbreiter werden ersucht, hierzu gleichzeittg einzuladen. Der Vorstand. Tempclhof. Infolge der heute abend stattfindenden Flugblatt- Verbreitung fällt die für Sonntag vorgesehene aus. Nieder-Schüneweide. Die Bibliothek des WahlvereinS befindet sich im Lokal de» Genoffen Johr, Haffelwerder-, Ecke Fennstraße. Hier tagt jetzt auch der 2. Bezirk. Waidmannslust und Umgegend. Zur Demonsttation am Sonntag ersuchen wir ausnahmslos den früh 1088 ab Birkenwerder, II01 ab Hohen- Neuendorf, 11°° ab Stolpe. II88 ab Frohnau, II'8 ab Hermsdorf, 11" ab Waidmannslust fahrenden Zug zu benutzen. Die Rückfahrt erfolgt mit dem Zuge nachmittags 259 ab Gesundbrunnen bl» H o h e n- N e u e n d o r f. Von hier Abmarsch nach B e r g s e l d e zur Teilnahme an der am gleichen Tage dort statt- findenden Versammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Genofien PawwwSki, Straße 16, Parzelle 684 (hinter dem Dorfes. Tagesordnung: Borttag des Genossen Emil U n g e r über:.Weltpolitik und Kriegsgefahr'. 2. Freie Sussprache. Die Bezirksleitung. Reinickendorf- Ost. Die Flugblattverbreitung findet von den Zahlabendlokalen auS statt, die des neugebildeten Sa Bezirks von Franz Graßmann. Markstr. 14. berliner JVaebnebten. Im Treptower Park. Als der im Jahre 1877 zu früh verschiedene Garten- direktor Gustav Meyer sein Lebenswerk mit der Schaffung des Treptower Parks krönen sollte, sah er sich vor einer dank- baren Aufgabe. Die günstigste Vorbedingung, reichlich Land und Wasser in schönster Vereinigung, war erfüllt. Die Natur selbst hatte vorgebaut und bot der Gestaltungskraft des genialen Gartenkünstlers warm die Hand. So konnte Gustav Weyer mit großzügigen Entwürfen hervortreten, die ein Gegenstück eigentlich nur im Berliner Tiergarten fanden und seitdem wohl kaum übertroffen worden sind. Auch der Friedrichshain, der Humboldthain, der Viktoriapark und der werdende Schillerpark, mögen diese Anlagen in ihrer Eigen» art noch so hervorragend sein, reichen an die Geschlossenheit und den machtvollen Zauber des Treptower Parks nicht her- an. Was ihm ein so gediegenes Relief verleiht, ist vor allem die überaus glückliche Verbindung des Waldcharakters mit dem Parkbcgriff. Man sieht das auf den ersten Blick schon an der großen Spielwiese zwischen Treptower Chaussee und Köpenicker Landstraße. Wie von einer Laune der Natur ge- formt, scheinen zahlreiche große Baumgruppen scharf in den smaragdenen Teppich hi�einzuschneiden, und doch hat hier der Zirkel des Künstlers in gewollter Berechnung seine Kreise und Winkel gezogen. Dieses Prinzip. Kunst und Gekünsteltes streng auseinanderzuhalten, nur auf dem Papier und nicht auch im Bilde abzuzirkeln, tritt noch an vielen anderen Part- stellen ganz augenfällig in Erscheinung. Man merkt sofort den großen Unterschied an dem ovalen Rondell gleich hinter der großen Spielwiese. Hier ist alles fein pointierte Garten- baukunst. symmetrisch abgemessen. Und doch wirkt die mit Maß verteilte Symmetrie nicht im mindesten pedantisch, weil die breiten Wege rings um die Rasenellipse, die an- schließenden, mit kugeligen Buchsbäumen besetzten hohen Böschungen und auf der Höhe ein zweiter breiter Ring mit Hunderten von Platanen ein in sich geschlossenes wunder- volles Ganzes bilden. Sicher nicht ohne Absicht hat der Künstler beide so grundverschiedene Systeme dicht aneinander- gereiht. Das eine wird durch das andere in glücklichster Form ergänzt, und die leichte Einschnürung zwischen den beiden großen Rasenflächen vermittelt mit genialem Geschick den Uebergang und den Blick in die Ferne, aus der in scharfen Silhouetten die schlanken Türme Berlins empor- ragen. Ein besserer Platz für das„von Freunden und Ver- ehrern" dem Heimgegangenen Gartenkünstler hier beim Oval gewidmete Denkmal in Gestalt seiner Marmorbüste auf hohem Granitsockel konnte gewiß nicht gewählt werden. Dicht dahinter feiert die weitschauende Kunst Gustav Meyers noch einmal ihren Triumph in dem berühmten Treptower Karpfenteich. Nichts Besseres findet man im Tiergarten. Abermals zeigt sich das Genie im vollen Glänze seiner Sve- -ialität das Auge mit dem Zirkel zu täuschen. Was die Kunst schuf, ist der Natur abgelauscht. In kühnem Zickzack. mit scharfen Einrissen und versteckten Buchten, scheint das nasse Element selbst seine Grenzlinien gezogen zu haben. �Tief hängen Erlen und Weiden über das Wasser herab, .tauchen ihre grünen Spitzen durstig in die Flut. Und die j weißen Riesenvögel, so zahm, daß sie aus der Hand allerlei verbotene Leckerbissen nehmen, wecken fast den Wunsch, daß der Teich der Karpfen, die man niemals sieht, den roman- tischen Namen Schwanensee führte. Vier, fünf Bruthäuschen mitten im Teich vervollständigen das Idyll. Leider lassen verwilderte Hunde, die hier die Nacht umherstreifen, selten oder nie das Brutgeschäst reifen. Seit drei Jahren birgt das Wasser dicht am Ufer eine etwas empfindsame Sand- steingruppe, den Nix, der sich schilfumwoben und Wasser- triefend neugierig über die nackte Gestalt einer Ertrunkenen beugt. Gegenüber winkt als letztes Andenken der ehemaligen Berliner GeWerbeausstellung auf dem Parkgelände ein in den Formen prachtvoller Blumenpavillon aus Zinkblech, an dem unnütze Hände fortgesetzt ihr rücksichtsloses Zerstörungs- werk üben. Ein glücklicher Gedanke war es, dem Karpfen- teich einen architektonischen Hintergrund zu geben durch den Bau der verpachteten städtischen Erfrischungshalle, die vom 1. Mai bis 15. September geöffnet ist und sich stolz auch Brunnenkuranstalt für sämtliche natürliche Mineralbrunnen nennt. Hier sitzt es sich ohne den Pomp des vornehmen Tier- gartenrestaurants ebenso gemütlich in der täglichen Trinkzeit von 6 bis 1l) Uhr früh wie des Abends bei Mondenschein, Laternenschimmer und Froschmusik. Bis am Mittelfeld des gefälligen Baues die Uhr, die nirgends sonst in unseren Parkanlagen zu finden ist, sanft mahnt, dem Parkidyll gute Nacht zu sagen. Ideal geradezu sind allbekanntlich die Spiel- gelegenheiten im Treptower Park. Nicht weniger als sieben große und kleine Spielplätze, die zur Schonung des grünen Rasens nur abwechselnd benutzt werden dürfen, werden auch höchsten Ansprüchen gerecht. Im Fluge eilen wir beim Aus- tritt aus der östlichen Parkhälfte vorüber an dem Prachtbau des Treptower Rathauses, das mit seinem reizenden Garten fast dem Prunksitz eines Geldprotzen gleicht, vorüber auch an den Ausläufern des Plänterwaldes, an den sich modern aufputzenden altberllhmten Treptower Lokalen und der Sternwarte nach der Wasserseite, wo des Gartenkünstlers Meisterhand einen Stützpunkt fand am Walten der Natur. Mit richtigem Empfinden hat hier Gustav Meyer sich in kleinsten Effektmitteln groß gezeigt, um die durch sich selbst und ihr ewig quirlendes Leben wirkende Spreeszenerie mit dem Stralauer Panorama nicht zu beeinträchtigen. Am Sonntag hat der Treptower Park wieder mal seinen großen Tag. Die Arbeiterschaft, gewöhnt an Disziplin. wird von neuem beweisen, daß sie im Kampf um Menschen- rechte auch unter Hunderttausenden dröhnender Tritte die Liebe zur Natur und die Sorge für den Schutz dessen, was die Natur ihr bietet, nicht vergißt. Die Schuldeputation genehmigte in ihrer letzten Sitzung u. a. die Vorentwürfe für die Gemeindedoppelschulen in der Finnländischen-, Malplaquet- und Schönfließer Straße, für die einfache Schule in der Gothenburger Straße, und ferner die speziellen Entwürfe für die Doppelschulen in der Ofener-, Lütticher und Dunckerstraße. Bei den Doppelschulen in der Finnländischen-, Ofener« und Lütticher Straße sollen Schulküchen eingerichtet werden, in denen Schülerinnen der ersten Klasse hauswirtschaftliche Unterweisung erhalten. Die öffentlich aufgelegte Gemeindewählerliste in Berlin haben 77 785 Personen eingesehen. Diese Zahl ist noch nicht übertroffen worden. 1905 waren es rund 21 000 Personen, 1907 56000 und 1909 72000 Personen. Die Steigerung ist also ganz erheblich. Einsprüche gegen die Richtigkeit erhoben wurden von 3670 Personen, und zwar von 3201 auf Nach- tragung, von 94 auf Umtragung und von 376 auf Acnderung. Diesen letzteren Anträgen, bei denen es sich um Aenderung einzelner Eintragungen, wie des Standes, Vor- und Zu- namens und dergleichen handelt, ist gleich entsprochen worden, ebenso den Anträgen auf Umtragung. Die übrigen Einsprüche müssen nun von der Stadtverordnetenversammlung geprüft werden. Die Prüfung dieser 3000 Einsprüche wird keine ge- ringe Arbest verursachen. Fast 900 Feueralarme haben die Wachen von Eroß-Berlin in diesem Monat zu verzeichnen gehabt. Die Berliner Wehr mußte BOOrnol ausrücken um Brände zu löschen, die viel Arbeit verur- sachten, besonders zahlreich waren die Preßkohlen- und Dachstuhl- brände. Leider erkrankten auch mehrere Feuermänner, darunter einige recht bedenklich. Die Charlottenburger Wehr wurde lOOmal alarmiert, die Rixdorfer 40mal usw. Ganz ungewöhnlich groß war die Zahl der Dachstuhlbrände in Berlin und den westlichen Vor- orten, Rixdorf und Pankow. Werte von vielen Millionen Mark sind ein Raub der Flammen geworden, und auch Kunstwerke sind in Verlust geraten, die nicht ersetzt werden können. Die Aufnahme schulpflichtiger taubstummer Kinder in die städtische Taubstummenschule, Markusstr. 49. findet wieder anfangs Oktober dieses Jahres statt. Die Eltern und Vormünder solcher Kinder werden darauf aufmerksam gemacht, daß Anmeldungen für das kommende Wintersemester bis spätestens I.Oktober bei dem Direktor Schorsch, Markusstr. 49, anzubringen sind. Die Eltern ertaubter oder stark schwerhöriger Kinder im vorschulpflichtigen Alter seien darauf hingewiesen, daß die Kinder, die in den ersten Lebensjahren das Gehör völlig oder in hohem Grade einbüßen, in verhältnismäßig kurzer Zeit anch die Sprache verlieren. Ihre Sprechweise wird stammelnd, einzelne Laute fallen auS; die Kleinen werden immer stiller und verstummen schließlich ganz. Die Erinnerung an die früher besessene Sprache geht verloren, so daß sie in wenigen Monaten den Taubgeborenen gleichen. Es ist nun in vielen Fällen möglich, diesen Kindern, auch wenn sie sich noch im vorschulpflichtigen Alter befinden, den natürlichen Stimmton und den vor Erkrankung fcc8_ Hörorgans erworbenen Sprachschatz zu er« halten, was sowohl für die geistige Weiterentwickelung als auch für den späteren Unterricht von �Bedeutung ist. Notwendig ist hierfür eine zweckentsprechende pädagogische Einwirkung. Der Direktor der stadtischen Taubstummenschule. Schorsch, ist bereit, den Eltern oder anderen Angehörigen von Kindern, die in Gefahr stehen, die Sprache zu verlieren, die notwendige Anleitung zu geben. Er wird zu diesem Zwecke an jedem Montag(mit Ausnahme der Schul- ferienj von 11 Uhr ab in seinem Amtszimmer, MarkuSstraße 49, eine pädagogische Sprechstunde halte». Eine Berliner Sterbckasse vor 1� Jahrhunderten. Eozials Einrichtungen ähnlich den heutigen Sterbekassen hat es in Berlin« schon im 17. Jahrhundert bei einzelnen Gewerkschaften gegeben. Vom Jahre 1754 ist aber ein Statut einer„Cöllner Totenopferkasse� erhalten, das vieles, für die Geschichte der Sterbekassen Intel- essantes bietet. Diese Kasse, die für jedermann errichtet war, unterstand dem Aeltesten Johann Friedrich Hanisch zu Cölln an der Spree und zwei Beisitzern; außerdem waren dem Vorstande zur„Erhaltung guter Ordnung" zwei Schreiber, vier Kollektanten und zwölf Kassenmitglieder beigegeben. Nach der gemütlichen Sitte jener Zeit beginnt das Statut mit einer längeren Betrachtung über den Tod und die Notwendigkeit, einer Sterbekasse beizutreten, weil„der Mensch, solange er in der Welt lebet, vielen Gefährlich- keilen und Unglücksfällen unterworffen ist, daß derjenige, welcher heute in gutem Wohlstande lebet, in kurtzer Zeit in so»cke Armuth gevathen kann, daß er sich kaum kümmerlich zu erhalten vermag und nach seinem Tode nicht soviel hinterlässet, daß er mit Ehren unter die Erde gebracht werden möge." Die Kasse hatte wenige Jahre nach der Errichtung schon 600 Mitglieder. Neueintretende zahlten 6 Groschen„Ginkaufsgeld", außerdem wurden monatliche Beiträge nicht erhoben, sondern nur 2 Groschen Totenopfer bei jedem Todesfall von jedem Mitglied eingezogen. Zur Beerdigung wurden 40 Taler gewährt; besaß die Kasse einen Bestand von 47 Talern, so wurde die nächste Leiche ohne Sammlung des Totenopfers ausgezahlt. Geriet ein Mtglied in langwierige Krankheit oder Armut, so daß er das Opfer nicht leisten konnte, so wurde es ihm gestundet und er blieb Mitglied, solange er lebte. Dagegen wurde bei seinem Tode das rückständige Opfergeld von den 40 Talern abgezogen. Wer 40 Taler einzahlte, blieb von weiteren Opfergroschen befreit. Außer den 40 Talern Sterbegeld zahlte die Kasse bei jedem Sterbefall an den Vorsteher 14 Groschen, die beiden Beisitzer je 10, den Schreiber 12, die Kollektanten je 23 Groschen und an die 12 Deputierten zusammen I Taler, ferner den Armen 6 Groschen(l). Von den genannten Vorstandsmitgliedern wurden Opferbeiträge nicht erhoben; sie waren freie Mitglieder der Kasse. Bezeichnenderweise enthielt das Statut auch einen„Artikul", wonach Mitglieder, die sich selbst er- mordeten oder„wegen großer Uebelthat in Obrigkeitliche Hände" verfielen, weshalb sie am Leibe oder Leben gestraft würden, auS der Kasse ausgeschlossen wurden. Für 20 000 Mark Aktien unterschlagen. Ein Angestellter der Dresdner Bank ist nach Unterschlagung von 20 000 M. Kanada- Aktien auS Berlin geflohen, nachdem er einen Teil der Wertpapiere zu Gelde gemacht hatte. Er hat sich wahrscheinlich nach Südamerika begeben.— Ueber den Aufsehen erregenden Vorfall gehen uns folgende Mitteilungen zu: Der ungetreue Bankbeamte ist der 24 jährige Fritz Taubert, der auf großem Fuße lebte. In seinem möblierten Zimmer am Planufer 4 sah er häufig Freunde und noch mehr Freundinnen zu kostspieligen Zechgelagen. In ihrer Begleitung pflegte er auch Automobilfahrten und größere Reisen zu machen. Am Freitag voriger Woche kam er nachmittags in Begleitung eineS Mädchens mit einem Automobil vor seiner Wohnung vor» gefahren, holte seinen Koffer heraus und fuhr wieder ab. Nur minderwertige Sachen ließ er zurück. Bei der Bank fiel es auf, daß Taubert, dessen Urlaub gerade zu Ende gegangen war, sich krank meldete. Die Bank pflegt zu Anfang emeS zeden Monats alle Depositen zu kontrollieren. Alle Papiere werden hierbei durch- gezählt. Eine Nachprüfung ergab jetzt, daß Taubert eS bei der letzten Kontrolle verstanden hat, für 20 000 M. Kanada-Aktien ver» schwinden zu lassen. Die Ermittelungen ergaben, daß er einen Teil davon schon verkaust hat. Ein Konto, das er bei einer Bank angelegt hatte, hat er abgehoben. Nachdem er für 10 000 M. Aktien verkaust hatte, kleidete sich Taubert neu ein. Taubert hat ohne Zweifel gewußt, was kommen mußte, und deshalb mit seiner Begleiterin gleich das Weite gesucht. Ein schweres Brandungluck ereignete sich gestern auf einem Dampfer, der bei Spandau auf dem Spandauer Schiffahrtskanal vor Anker liegt. Der Heizer Brase des Schleppdampfers„Anna" goß, um ein beffereS Feuer zu erhalten, ein großes Quantum Petroleum in die Kesielfeuerung. In demselben Augenblick schlugen riesige Stichflammen aus dem Feuerloch hervor und setzten die Kleidung des Heizers in Brand, der im Nu einer lebenden Feuer- säule glich. Hilferufend eilte V. nach dem Deck des Fahrzeuges, wo sich die Bemannung des Dampfers zunächst vergeblich bemühte, die Flammen zu ersticken. Schließlich ergriffen zwei beherzte Männer den Unglücklichen und warfen ihn kurz entschlossen über Bord in das Wasser, wodurch die Flammen sofort gelöscht wurden. Wenige Augenblicke später war der Heizer bereits wieder geborgen. Der Verunglückte hatte schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten und mußte in sehr bedenklichem Zustande in das Spandauer Krankenhaus eingeliefert werden. Erschossen hat sich der Inhaber des Bank- und EechselgeschäftS Otto Randohr u. Co., Neue Promenade 8, Wichar in der ver- Rangenen Nacht. In Börsenkreisen glaubt man, daß Depotunter- hlagungen vorliegen. Das Bankgeschäft besteht seit 137S; es hatte bisher einen guten Namen. W. wurde schon seit einigen Tage» vermißt. AuS der Host entlasse» worden ist der Bureauvorsteher Jullu» Rietz, dessen Verhaftung im Zusammenhange mit der Meldung über den verhafteten Rechtskonsulenten v. Häusler in der Veteranensachs mitgeteilt wurde. Rietz erklärt, mit Häusler nichts zu tun zu haben, er habe nur beabsichtigt, dessen Bureau zu übernehmen, wozu ei aber nicht gekommen sei. In der Spree als Leiche wiedergefunden wurde der 33 Jahre alte Bäckermeister Karl Seidel, der seit Freitag voriger Woche ver- schwanden waw Seidel betrieb in der Kastanienallee Nr. 13-14 ein Zweiggeschäft einer hiesigen Großbäckerei. Nachdem er am Freitag mit seinem Militärpaß und einem Revolver seine Wohnung ver- lassen hatte, ließ er nichts mehr von sich hören. Gestern landete man an der Kronprinzenbrücke seine Leiche aus der Spree. Eine Familientragödie. Der 45 Jahre alte Arbeiter Richard Koschnick aus der Lausitzer Straße Nr. 52 war ein sehr ordentlicher Mann, bis er vor einem halben Jahre durch den Tod seine Frau verlor. Seitdem trank er. Der Mann äußerte wiederholt, daß er sich das Leben nehmen und seine beiden Kinder, einen Sohn von 21 und eine Tochter von 11 Jahren, in den Tod mitnehmen werde. Gestern nachmittag um 1 Uhr, während das Mädchen auf der Straße spielte, erklärte Koschnick, der wieder betrunken war, in der Küche der Kellerwohnung seinem Sohne mit erhobenem Re- volver, daß er jetzt mit müsse. Der junge Mann rettete sich durch das Fenster nach dem Hofe. Gleich � darauf krachte ein Schuß. Koschnick hatte sich eine Kugel in das Herz geschossen und war so. fort tot. Eine unbekannte männliche Leiche wurde am 29. August, gegen 9 Uhr abends, in FnednchSfelde in dem nahe der Biesdorfer Grenz, Belcflenen Walde erhängt aufgefunden. Von der Leiche kann, da sie 2—3 Woche» an der Fundstelle gehangen haben mag, mit Niicksicht auf die bereits stark vorgeschrittene Verwesung eine genaue Be� schreibung nicht abgegeben werden. ES handelt sich um einen etwa 40 Jahre alten. 1,70 Meter groben Mann mit dunkelblondem Haar und blondem Schnurrbart.'Bekleidet war er mit braungcstreiftem Jackett, schwarzer Hose und ebensolcher Weste, grauen Strümpfen, schwarzen Zugstieseln und grau- schwarz gestreifter Ballon- mutze. lieber die Beschaffenheit der Leibwäsche lieben sich Feststellungen nicht mehr machen. In den Kleidern deS Toten, der nach dem Befund Selbstmord verübt hat, wurden folgende Gegenstände vorgefunden: ein braunes Lederportemonnaie ohne Inhalt; ein Taschenmesser mit schwarzer Hornschale, zwei Klingen und Korkenzieher; eine silberne Taschenuhr sNr. 201604) mit Doublökette; ein neues leeres Notizbuch; ein iveibeS E. D. gezeichnetes Taschentuch und ein Wettzettel auf das Pferd Lulu, 1 M. Sieg, 1 M. Platz sNennen in Rnhleben am 16./6. 11). Sachdienliche Nachrichten über die Person des Toten wolle man ungesäumt der Kriminalpolizei Berlin oder dem Amts- Vorsteher in FriedrichSfclde mündlich oder schriftlich mitteilen. Feuer in einer Druckerei. Am Donnerstag wurde die Berliner Feuerwehr nach der Jerusalemer Straße 66 alarmiert, wo in der Druckerei von 81. S ch a e f e r neben dem.BorwärtS''-Gebäude Feuer ausgekommen war. Als die Feuerwehr erschien, brannten Papier und EinrichlungSgegenstände. der Futzboden und Maschinen- teile. Es gelang, den Brand auf die Steindruckerei zu beschränken. Im Lulscn-Thcatcr wird am 1. September mit Shakespeares .Wintermärchcn" die Saison eröffnet. Zeugcngcsnch. Personen, welche gesehen haben, wie am 14. Fe- bruar ISll abends zwischen 6 und 7 Uhr in der Sommerstrabe zwischen Brandenburger Tor und Dorotheenstrabe auf dem Slrahen- dämm eine Dame hin- und hcrrannte und sich vor ein rotes elek- Irisches Auto hinlegte, werden gebeten, ihre Adresse bei Kqcl Lucas, Crcmnieiicr Straße IS, abzugeben. Vorort-JVacbricbteir* SchSneverg. Gegen Kolonialabentcucr und Kriegshetze protestierte die letzte WahlvercinSversammlung. Landtagsabgeordneter Genosse Ströbel behandelte die im Bordergrund de« öffentlichen Interesse» stehende Marokkoaffäre: Wenn auch augenblicklich die Verhandlungen zwischen den beteiligten Mächten stocken, so können doch durch irgend einen törichten Zug der Diplomaten die Kriegsgefahr erneut herauf- beschworen werden. Die Kriegshetzer seien aber heutigen TageS ge- zwungen, mit den machtvollen Organisationen der Arbeiterschaft zu rechnen. Die Sozialdemokratie vertrete im internationalen Handels verkehr da» Prinzip der»offenen Tür'. Würde dieses überall Gcliung be kommen, dann hätte kein Staat Interesse an Kolonien überhaupt; denn unter Umständen würde der glückliche Besitzer für andere die Kai'mien aus dem Feuer holen.— UebrigenS seien Kolonien durch ua* keine Hauptabsatzgebiete, wie Redner an ziffernmäßigen Bei spielen zeigte. Um so weniger hätten wir Ursache, die Geschäftspatrioten zu unterstützen, und den Marokkorummel zur Verhetzung der Rationen zu benutzen. Diese Krieg« treibereie» bringen aber auch erwünschte Gelegenheit, die Ar beiterschast von den sozialen Borkommnissen im eigenen Lande ab zulenken.— Der Redner ging dann auf die materiellen Aus Wendungen ein, welche die verschiedenen, Staaten für ihre Kolonien machten. Er bewies an der Hand der Statistik, daß Handel und Industrie ohne die nennenswerte Ausfuhr nach den Kolonie» floriere, ja. daß z. B. Spanien, nachdem es feine Kolonien im Krieg« mit de» Vereinigten Staaten eingebüßt, nicht nur«inen be» merkenswerten Aufschwung verzeichnen, sondern auch an die Tilgung seiner Schuldenlast gehen könne. Auch die von Kolontalfreunden vcrfochtene Anschauung, daß wir Kolonien zur Erzeugung von Roh stoffcn, beispielsweise Baumwolle, brauchen, um den Preis treibereien der Trusts begegnen zu können, wurde vom Referenten auf ihren wahren Wert zurückgeführt; denn erstens werden unsere Kolonien niemals das in Deutschland benötigte Quantum herbeischaffen, und zweitens wäre nicht ausgeschlossen. daß deutsche Baumwoll-Produzenten sich ebenfalls den inter nationalen Trusts anschließen würden. Andere Kolonialprodukte. Kaffee. Kakao usw., würden am ehesten verbilligt werden durch Weg fall der Zollschranken.— Die moralische Seite der kapitalistischen Kolouialpolitik zeige ein noch häßlicheres Bild: sklavische Ausbeutung und bestialische Unterdrückung der Eingeborenen seien nur zu oft die Folge.— Der ewige Konfliktsstoff in den Kolonien werde zum Anlaß fortgesetzter Rüstungen der Großmächte und diese rufen wieder ein endloses Anziehen der Steuerschraube hervor. Die arbeitende Bevölkerung protestiert daher gegen diese Abenteurer Politik und Kriegshetze. Sie fordert Aufhebung aller Zollschranke» und friedlichen Güteraustausch auf dem Weltmarkt. Entscheidung über Krieg und Frieden durch das Boll, Einschränkung deS un sinnigen Wettrüstens l In der Diskussion bekannte sich Genosse Ed. Bernstein nicht al» grundsätzlicher Gegner einer Kolonialpolitik. Unter dem heutigen Wirtichaftssystem sei freilich eine in unserem Sinne geleitete Kolonialpolitik kaum durchführbar. Befremdlich erscheinen ihm die Stimmungsmache gegen England und Frankreich durch sonst nicht chauvinistische Blätter.»» Diese neue Hetze werde noch besonders charakteristisch durch die Kaiserrede und die unverhüllten Forderungen nach weiteren Rüstungen. An Marokko hätten sich schon viele die Zähne auSgebiffen, dieses Land sei schwer zu kolonisieren; übrigens fei unsere Aussuhr nach Marokko gering.— Die Regierung scheine diesen. Konflikt zu einer Wahlparole machen zu wollen. Im Schlußwort betonte noch Genosse Ströbel, daß ei über flüssig sei, über eine Kolonialpolitik zu diskutieren, wie sie nach foziali st iischen Grundsätzen einmal sein könne. Auf absehe bare Zeit komme eben die k a p i t a l i st i s ch e Kolonialpolitik in Frage, die mit aller prinzipielle» Schärfe zu verwerfen sei.— Bon einer Resolution wurde Abstand genommen und dann noch auf die am Sonntag in Treptow stattfindende Protestkundgebung aufmerksam gemacht. Bei der Berichterstattung über die Kreisgeneralversammlung wurde die zeitigere Bekanntgabe der Tagesordnung und der Anträge für notwendig gehalten. Nixdorf. Das Spielen mit einer Gewehrpatrone hat vorgestern nachmittag hier scbwereS Unheil angerichtet. Zwei unbekannte Knaben fanden in der Kaiser-Friedrich-Straße eine scharfe Palrone und machten sich damit in der Nähe der Roieggerstraße so lange zu schaffen, bis sie platzte. Zwei Knaben, die zuschauten, der 9 Jahre alte Sohn Hermann deS Agenten Neuendorf auS der Kaiser-Friedrich-Straße Nr. 176 und der 9 Jahre alte Sohn Willi des Kanzleibeamten Teede, erhielten die volle Schrotladung in« Gesicht. DaS Fleisch wurde ihnen förmlich zerrissen, die Augen schwer beschädigt. WilmerSdorf-Halensee. ErgäiizngSwahlen zur Stadwrrordnrtcnversammlung. Im Oktober dieses Jahres finden im 9. und 10. Wahlbezirk Ergänzungs- wählen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Unseren Genossen rwächst hierbei die Pflicht, weitere Erfolge zu erringen, um zu den * Kerantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den zwei Arbciterberireter» in dem rückständigsten Stadiparlament von Groß-Berlin weitere Vertreter hinzuzuwählen. An die Wähler der dritten Abteilung ergeht daher dringend der Mahnruf, die Wählerlisten einzusehen, damit niemand feines Wahlrechtes verlustig gehe. Wahlberechtigt sind alle männlichen Einwohner von Wilmersdorf einschließlich der Chambre- garnisten, soweit sie das 24. Lebensjahr vollendet, im letzten Jahre keine öffentliche Armenunterstützung bezogen haben und ein Ein« kommen von mehr als 660 M. versteuern. Die Wählerliste liegt in der Zeit vom 1. bis 16. September, wochentags von 8—2 Uhr und an den Sonntagen von vormittags 9—12 Uhr in der Meldeabtcilung, Gasteiner Straße 11, 2 Treppen, auS. Für diejenigen, die die Liste selbst nicht einsehen können übernehmen folgende Gcnoffen die Einsichtnahme: R. GoddänS. Augustastraße 23; Pieper, Berliner Straße 46; O.Riedel, Berliner Straße 39; A. Riedel, Kaiscrallee 172; Schubert Wilhelmsaue 26; Otto H a u b o l b, W. 16, Pariser Straße 60. Chnrlottenburg. Schilhiiiachcrzwangöinnung für Charlottenburg. Der Magistrat macht bekannt: Die Aeußernngen für oder gegen die Errichtung einer Zwangsinnung für das Schuhmacherhandwerk in Charlotten- bürg find bis zum 16. September d. F. schriftlich oder mündlich dem Oberbürgermeister einzureichen. Die Abgabe der mündlichen Aeußcrung kann vom 1. bis 16. September, werktäglich von 9 bis 2 Uhr im Rathause sBerliner Straße 72) I. Obergeschoß, Zimmer 136, erfolgen. Die Aenßernnyen mllffen die klare Angabe enthalten, ob der Erklärende der Errichtung einer ZwangSmnung zustimmt oder nicht. JnnungSmitglieder und die Antragsteller der Errichtung der ZwangSinming können ebenfalls an der Abstimmung teilnehmen. Weifjensee. Eine von über 356 Personen besuchte Volksversammlung hörte einen Bortrag deS Genossen Kißner-Baumschulenweg über„Die Einführung der Feuerbestattung in Preußen". Der Referent hob auö eigener Anschauung die Vorzüge der Feuerbestattung gegenüber Bcerdigungswesen hervor und fand für seine Aussühru»! rften Beifall. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Von i dem aus Plakaten' besonders eingeladenen Pfarrern war niemand er- schienen. Herzfelde. Erheblich teurer wie in den benachbarten Orten find in Herz- felde die gerade für die hiesige Jndustriearbeiterschast unentbehrlichen Lebensmittel. Auf dem letzten hier abgehaltenen Wochenmarkt wurden für den Zentner Kortoffeln 7—8 M. verlangt. Gleichfalls envrme Preise wurden für Obst gefordert. ES scheint, als ob hier die Händler auö der allgemeineil Notlage noch einen besonders hohen Profil herausschlagen wollen. Die Arveiterfraiien zeigten daher auf dem Markt keine Neigung, den Händlern ihre Ware abzukaufen. Aus diese Weise sahen sich die letzteren gezwungen, wollten sie ihre Pro- dukte nicht wieder mitnehmen, die Preise erheblich herabzusetzen. Nowalve?» Verschüttet wurde vorgestern bei einem Bau in Nikolassee der hier wolnihafle Arbeiter Hermann Jochem. I., der bei der Firma Holzmann beschäftigt war. erlitt eine Beinverletzung und wurde in das OberlinkrankenhauS eingeliefert. Tpanda«. In der ausserordentlichen Mitglieder-Versammlung des Wahl- Vereins erstattete Genosse Szior einen ausführlichen Bericht über die KrciSyencralversammlung. Er hob besonder» hervor, daß in Spandau zeht alles getan werden müsse, um die Mitglicderzahl zu vermehren. An den Bericht knüpfte sich eine kurze Diskussion. Ten Bericht über die Provinzialkonferenss gab in sehr ausführlicher Weise der Genosse DoliboiS-Marwitz. Es knüpfte sich auch an diesen Bericht namentlich über die Jugcudcrziehung eine anregende DiS. kussion. Bemängelt wurde, daß verschiedene freigewcrkschaftlich organisierte Genossen sich in bürgerlichen Sportvereinen vcrgnü- gen. Man will in dieser Beziehung eine Aendcrung anstreben. In den Bildungsausschuß wählte die Versammlung die Genossen T r o m p l e r und Willi I a h n k e. Die Gewerkschaften werden nun noch drei Mitglieder in den BildungSauSschuß zu wählen haben. Unter Verschiedenes teilte der Genosse Szior mit. daß die Arbeiter Samariterkolonne demnächst einen neuen Lehrkursus veranstaltet. Genosse Rührmund gab bekannt, daß die örtliche Zahlstelle des MetallarbeitcrvcrbandeS für den Wahlfonds 60 M. bewilligt habe und daß weitere Zuwendungen zu erwarten sind. Er ersuchte die anderen Gewerkschaften, auch derartige Zuwendungen zu machen. Nachdem Genosse Szior zu kräftiger Agitation für die kommende ReichSiagSwahl aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen, Eingegangene DruchfcbrifUii. Von der»Neuen Zeit« ist soeven da« 48. Heft de» 20. Jahrgang» erschlenen. Au« dem Inhalt de» Heste« beben wir hervor: Di« Arbeiter- revolte in Nioßbritaniiien. von I. Köttgen.— Da« ParlamenlSgesev. Von Th. Nothslcin.— Der Baumwollbau in den vereinigten Staaten und in den deutschen Kolonien. Von Albert Rudolf(Kansas).— Landflucht und Leutenot. Eine Untersuchung über Ursachen und Mittel zur Abhilse. Von Dr. Wilhelm Grumach.(Forteyung.) . Die»Neue Zell" erscheint wöchentlich einmal. DaS einzelne Hest kostet 25 Pf. Bericht über meine DStigkeit al« PolizeiaMftcntin in der Zeit von Januar INI« bis 1. April 1911. Von grau PolizeiaWenlin �chapiro. 83 S. Druckerei 8. M. Mauer. Mainz. Wie die Pflanzen lieben. Von Heinz Welten. 1 M., geb. 1.80 M.— Dir Pflanzen und der Mensch: Garten. Obstbau. Feldwiriichast. Wald. Verwertung der pflanzliche» Prodult«. Herausgegeben von Pros. H. Brügge- mann, S. Fercnczi, Prof. Dr. S. FrSakcl. Pros. Dr. C. Fruwirtd, Dr. Biet. Grase, Pros. Dr. H. Hausrath, Willy Lanae. H. Schulz. Heinz Welten. Llcser. 1. IM.— Handbuch für Naturfreunde. 1. Band. Eine An- lcllnng zur praktischen Natmbeobnchtung aus den Gebieten der Meteorologie. Geologie, Botanik und Biütenbiologie. Herausgegeben von K. Rothe und Dr. Chr. Schröder. 3,50 M., geb. 4,20 M. KoSuio», Gesellschast der Natur- freunde, Stuttgart. Arbeiter> Wandervereiu»Berlin«. Di- Milglleder nehmen an der Friedensdemonstration teil. Nach Schluß dcrscldcu- Tresspunkt bi» L'/, Uhr an der Sternwarte zu einer gemeinsamen Wanderfahrt. Deutscher Arbeiter. Abstinentendun». Ortsgruppe Berlin. rcitag, 1. September, abends 9 Uhr. im GtiverilchastshauS, Engeluser lS. aalS: OessentlicheVerfammlung. Tagesordnung: 1. vor- trag de» Genossen Schlegel über»Evsabrungen eine» Praktikers im BaugenossrnIchaslSwesen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Bnefhaften der RedaliHon. Die iurlftilche spreqstuiide fliibt»«tndeaftras«00. der»»lee reeypc» — F a y r ft u b l—, luedtcntdoliia»ob t'A tii 714 Uh» abendS, Sonnoyend«, hob«Vj»iö 6 Uhr abends statt. Jeder slir den vriefraften»efttBimtrn Anfrage ist dB Buchstate und eine Zahl al»«lerkzelchen deljutstgen.»rlefllihe Antwort wird ni«» ereettt.«nlrBgeB,«enen keiiie Ad-nBeincn«»a»t«N>na brlgefdg»»ft, werd-B nicht deantwarict. ettigr Fragen trage man in der«ivrechstiilidt dar. E. P. 1. Leider Ja. Es kann natürlich nur der wirkliche Wert gekürzt werden. 2. Die gesetzlicheii veftimmmiye» mit Anmc» klingen erhalten Sie in allen größere» Buchhandlungen.— A.®. II. 1. Nicht sreihändig. Sie müssen erst die Eiiilölung. unter Setzung einer Frist, fordern und dem- nächst einen Gerichtsvollzieher mit der Versteigerung beaustragen. 2. Nein. — H. L. 33. Ja.— W. S. i«o. ,. Wenn er im Sesitz« der Jagd- erlaub»!» ist: Ja. 2. Nein. 3. Da« halten wir für unzulässig. 4. Ja. l« bei dem Amttvorslcher oder der Staatsanwalljchast. Beschwerde . efängniSdireklion.— P. ft. Leider nicht«, wenn dt- Anstalt». leituiig nicht emgreist.— ft.«z. In beiden Fällen: Nein.— Familie. Etwa 27 M. sind zu belassen. DaS Einkommen der Frau rechnet hinzu. Ein Sachenverzeichnt« können wir nicht geben. Da» Notwendige muß belassen werden.— M. B. 120. 1. Etwa 4 Wochen. 2. In der Regel nicht. 3. DaS ist zulässig, aber nicht raisam, da wcilere Verzögerung ciniritt. Bcschwerdeilinanz ist das Landgericht.—(f. W.» Nixdorf. Solveit Sie mit den versprochenen'Raten im Rückstände waren, kann der Verkäufer 4 Proz. Verzugszinsen verlangen. Mahngebühren nicht, wohl aber daS verauslagte Porto.— H. F. 100. Nein.— X. Ja. — Berband. 1. Die Vorschriften deS Bürgerlichen Gesetzbuches finden An- Wendung. Die KündiauugSdauer richtet sich nach der Art der Stellung. 2. Ja, sosorn das Gehalt 2000 M.(nach der neuen RcichsversichcrungS- orduung 2500 M.) nicht Übersteigt. Die Frage der Foilzablung deS Ge- haltS in KrankheitSiällcn richtet sich nach§,616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und kann erst näher beantwortet werden, wenn der Einzclsall bekannt ist. 3. Die Anstellung erfolgt durch Venniltclung der Gcwcrkschaslen.— Schneider 81. 1. ES tfi innerhalb 14 Tagen nach Zustellung des Be- schrideS der Etaatsamvaltschast Beschwerde bei der Obcrstaatsanwaltlchast zulässig. Zu einer solchen ralen wir, falls die Frist noch nicht verstriche» sein sollte. 2. Turmstr. 4.— E. S. 87. Sie find noch zahlungspflichtig. — Cr. 35. Kostenlos. Erklärung beim Standesamt.— I. 31. G. 28. 1. Ja, am zweckmäßigsten durch eingeschriebenen Brief, unter Setzung einer Frist. 2. Das ist zulässig.— L. 13. L Venn die Geaensorderuna zu Recht besteht, ist die Ausrechnung zulässig. 2. ES kann BclcidigungSllage erhoben werden. Der Klage muß ein Sühneversahren vor dem Schieds- mann vorangehen, fall» beide Parteien in derselben polltischen Gemeinde wohnen. 3. Versuch. Verjährung liegt noch nicht vor.— E. B. 18. Ja. — H. 9)1. 12. Großjährig. Polizeiliche Erlaubnis erforderlich.— W. P. 5. Die Hcrrschnsb ist zahlungspflichtia.— P. B. 1911. Das Geld kann nicht verloren gehen.— E. B. 88. Wir raten, sich an das Arbeiteriekretariat, Engeluser 15, sofort zu wenden.— ffi. I. 25. Ja.— G. B. 39. 1. Der Beamte war gesetzesunkundig. 2.-5. Beschwerde aus- fichtSloS. Wir ralen zur Welterversicheruug.— A. O. 89. Wiederholen Sie Ihre Anfragen und geben Sie»och an, an lvelchem Datum Sie ge- kündigt haben.— Gnade. Mit Gnadengesuchen und deren Abfassung bcsassen wir UNS nicht.—@. B. 1000. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— G. M. 5. Die Gestaltung deS Aufenthalts ist nicht strafbar.— Nlcder-Schönewetde 100. Sie sie im Testament von der Erbfolge ausgeschlossen, so haben Sie keinerlei Ansprüche, vorausgesetzt, daß da« Teita- mcnt sorntgüllig ist. Zu den pstichtteilsberechligte» Erben gehören Sie nicht.— F. Z. 10». Möglich. Richten Sie ein Gesuch an den Magistrat. — H. W. 88—89. X. und 3. Ja, wenn der MietzwS nach Monaten bciiiesscn ist. Die Kündigung kann schon jetzt erfolgen, spätestens am 15. September muß der Vermieter im Besitze der Kündigung sein. 2. Rein. 4. An den Administrator.— X, Nein. — Reinickendorf 80. 1. 1 Mark. 2. Ja.— B G. 44. 1. Der rnüiV liche Vertrag ist gültig. 2. Ja, aber nicht wohnen.— A. H. 55. Ja.— Witt. 10. Für Dleuslinädchc» besteht bisher die Krankenversicherunpfä» vfitcht nicht. Die Herrschaft hastet aber au» eigenen Mitteln bi» zur Dau« von sechs Wochen, darüber hinaus, wenn die Krankheit durch den Dienst oder bei Gelegenheit desselben entstanden ist.— P. 1000. Anfragen, deren Beantwortung die Entziehung der Unterhaltspflicht bezwecken, beant- warten wir nicht.— Wedding 1873. Das ist abhängig von ärztlichem Gutachten.— B. Zeil. 18. 1 bis 3. Kommen Sie mit den AusrechnungS- btscheliilgungcn und der letzten Karte in die Sprechstunde. 2. Offcnbacher Fraucnlasse, Prinzensir. 66(Will). Hinz).— W. A. 12. 10 Monate, von der Rechtskraft des ScheidungSurteils an gerechnet.— ft. 9)1. 24. 1 und 2. Rein.— F. Z. 100 Stralau. 1. Ja. Aufrechnung gegen Miete ist aber in der Regel im MirtSvertlaa unterlagt. Ist daS auch bei Ihnen der Fall, so müßte wegen der Kosten gesondert geklagt werden. 2. Ebenfalls ja. Sie sind jedoch dafür, daß der Rock zurück- gelassen ist und den angegebenen Wert gehabt hat, bcwciSpfltchtig. — R. 14. 1. GcsäugniS bis zu diei Jahren oder Geldstrafe bis zu 1000 M. 2. Ja. Der Mann muß aber dem VormundichastSgericht vorher Anzeige machen und die eventuelle istuSeiiiaiidersctznng herbeiführen. 3. Es kann noch fetzt Zwangsvollstreckung veranlaßt werden. 4. ES ist Fürsorge- erziehung zu belürchten. Da« äußerste wäre, da» VonnunbschaflSgcricht anzugehen.— C. L. 8. Wegen voriätzlichcr lörperlicher Mißhandlung können Eltern dem Kinde den Pflichtteil«nlziehcn. Der Grund muß im Testament angegeben werden.—<£. I. 14. 1. Aus weiche Weise Fflch- Würmer vertrieben werden, ist uns nicht bekannt. 2. Ueber die Aussichten der Berufung können wir un« erst nach Einsscht in da» erstinstanzlich« Urteil äußer». Die Berusung ist von einem bei dem zuständigen Landgericht zu- gelassenen Rechtsanwalt einzulegen. 3. Dagegen läßt fich nicht» tun. 4. Die Klage erscheint nicht aussichtslos.— O.®. 68. 1. Nein. 2. Möglich. wenn auch uuwahcschciiilich. 3. 6—10 M.— A. ft. 103. 1. Stur dann, wenn Sie im Termin nicht anwesend waren, anderensall« nur aus Antrag. 2. Bei dein Schöffengericht. Waren Sie im Termin zugegen, so ist die BerulungSsrist bereit» verstrichen und da» Einlegen der Berusung nutzlos. 3. Nur durch Pfändung. Lohnpsändung, soweit mehr alS 125 M. mouatlich oder 28,35 M. wöchemlich verdient wird. - 501. F. F. 1. Nein. 2. In 10 Jahren.- O. W. 100. L Nicht der ganze Vertrag ist ungültig, wohl aber die Koulurrenzklaustl. 2.§ 74 letzter Absatz Handelsgesetzbuch,§ 133 k. Abs 2 Gewerbeordnung.— tt. 09. A. Der Anspruch unterliegt— wie da« Reichsgericht zutrcsscnd entschieden hat— der vierjährigen VcriährungSsrlst au»§ 107 Bürgert. GesetzbilchS. Sie sind demnach zur Erstattung nicht mehr verpflichtet.— M. 3. 350. 1. und 2. Nein.— ft. 3. 20. Ja. noch für das Kalenderjahr ISll.— Else lti. Nein.— 9)7.3.84. Fordern Sie. am zweckmäßigsten durch eingeschriebenen Brief, unter Bezeichnung der Mängel deren Beseitigiiiig innerhalb einer von Ihnen zu bestimmenden Frist. Teilen Sie gleichzeitig mit. daß Sie nach iruchtlolem Verlaus der Frist Rückuabme der Sachen und Rückzahlung deS KausPrciieS fordern werden. Dieses Recht steht Ihnen dann auch zu.— St, 32. 1. Nur dann, wenn Einlommeii Ihrer Frau mitoeranlagt ist. 2. Nein. — C. Westfat. 62. Ihre allgemein nchaitenen Angaben reichen nicht auS. Kommen Sic in die Tlnechiiunde.— Tausend. Ja. — B. ft. O. ES kann die Verfteiaerung durch einen GerichtSoollzicher erfolgen. Dieser muß aber eine Anssordevung zur Einlösung vorausgehen unter Setzling einer Frist und unter der Androhung der Versteigerung. Der VevfteigerungSIermin darf nicht f rüder als einen Monat nach Erhalt der Aussorderung stattfiudcn, Zeit und Ort der Vc-stetaeruna sind dem Schuldner mitzuteilen.— H.(9. 10. Nein(§ 129 Gewerbeordnung). — W. P. 12. 1. Nein. 2. Der Grad der ErweroSIähigkeit Ist maßgebend. nicht die Höhe de« ArbeilSverdiensteS.— H. M. 1890. 1. Antrag beim Vormuii dichastSgericht. 2. Der Vater wird in der Regel gehört. 3. Einig« Monate. Einem wichen Antrage wird aber nur ausnahmsweise siattgcgebe». 4. Nichten sich nach dem Objekt. 5. Ja, wenn der VormmldschastSrichter zustimmt. Marktpreise von Berlin am 30. August 1911, nach Ermittelimg de Königlichen PollzeiprSssdiulNS. Marliballenpreise.(Kleinhandel. 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50.00. Epeisebobnen weiße. 35.00- 50,00. Linien 20,00- 60,00. Kartosseln 9,00—14,00. 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule 1,60—2.40. Zlindsteisch. Bauchfleilch 1.20 bi» 1,70. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butler 2.40—3.20. 60 Stück Eier 3.20—6.00. 1 Kilogrmm» Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—2,80. Zander 1,50—8,80. Hechte 1,40 dl« 2,80. Barsche 1.00—2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebs« 2,50-36,00._ Wi««erunqi>üdrrN.1» vom 81. August 1911. Ii SwMrmde �amimg 1 706 W j 769 WSW I767N« «leitet Aranks.a vl 769NO München Wien |769 SW ! 765 NNW 4 wolkig 2 wolkig j 2 heiter 3 wölke»! ! 4 Regen 5 Regen »B 2% »ii h CMtontn tfi •i ii ti ti Haparcmda 754 N! 8 wölken! Petersburg 749 WSW»bedeckt Scilly 'Iberd«, Pari» 768 Still 762 S 770 NNO — wolkig 2 bedeckt 1 woikenl 9 13 15 12 12 Wetterprognose cur Freitag, de« 1. September 1911. Trocken und vorwiegend heiler, nach!« ziemlich kühl, am Tage wärmer, bei mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WaflerstanvS-Nacklrtcbte» der LandeSanstali für Gcwässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Vetterbureau. Wasserstand M e m e l. Ttlstt Brezel, Instrrbnrg S e i ch i e l. Tbor» Oder, Ratibor , Krassen , Fmisturt Warthe, Schrimm , LandSderg Netze, Vordamm Elbe. Leitmeritz , DreSde» ,«arby , Magdeburg »)-t- bedeutet«uch»,— Raa.—») Umerveael. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck». Perlag: Vorwärts Buchdruck«« u. �erlagsanstalt Paul Singer u-Co.. Berlin SWi.'