Nr. 205« Btonnfments-Btdlngtmstns «Bonncmentä- Preis prSnumer-mto i «ierteljShrl. ZL0 Mk, monatl� UO SKf., wöchenlkch 2b Pfg. frei ms HauZ. Einzelne Nummer S Pfg. Eonntagz- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" l0 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. Vit InlerflonS'GebQlir Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum SO Pfg,. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und LeriammlungS-Auzeigen 30 Pfg. „Kleine Tinzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulisstg 2 fettgedruckte Worte), iedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Luch- staden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsten bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition Tbgcgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Ofötlnt tZzlich aaScr montags. Nevlinev Volksblstk. Telegramm- Udresse: .Soxialtfcooknt liulla". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblandö. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 2. September 1911. Expedition: SM. 68, Llndcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 198t. Arbeitendes Volk von Berlin! Die Verhandlungen der deutschen und fran- zösischen Negierung treten in ihr letztes, ent- scheidendes Stadium! Einige Männer, auf deren Beschlüsse die Massen des deutschen Volkes ohne Einfluß sind, maßen sich an über die Lebensfrage der Nation, über Meg unü frieden selbstherrlich zu bestimmen. Der Reichstag ist nach Hause geschickt worden, bevor man an das koloniale Abenteuer herangegangen ist. Die Forderung des Volkes nach Einberufung seiner Vertretung wird mißachtet, und seine Absichten und Ziele hüllt der Absolutismus in das tiefste Geheimnis. Um Marokkos willen sind die deutschen und französischen Kolonialtreiber in Zank geraten. Einzelne mächtige Kapitalmagnaten hoffen die an- geblichen Erzschätze Marokkos als reiche Beute für sich zu gewinnen. Aber von den kapi- tnlistisd)etl Cliquen gönnt die eine der anderen keinen Teil an dem Raube. Deshalb treten die Regierungen in Aktion und deutsche und französische Arbeiter sollen sich bereit halten, einander hinzu- morden, um ihren Kapitalisten neue Rohstofflager, dem Kapitalismus ein neues 2lus- beutungSfeld zu erobern. Wir Arbeiter haben andere Sorgen! Immer drohender wird die Teuerung, die Lebensmittelpreise steigen, die Kaufkraft unseres Lohnes verringert sich von Tag zu Tag. Dieselben Kreise, die uns in Kriegsgefahr stürzen, verschllmmern die Not durch ihre Wucherzölle. Der Hunger der arbeitenden Massen wird nicht gehoben durch eine Kolmlialpolitik, die die Steuerlast ins un- erträgliche steigert. Die Not würde ins unermeß- liche gesteigert durch das wsbnLinnige Verbrechen eines Krieges, geführt zur Bereicherung der Allerreichsten. Und doch gibt es, wenn auch kleine, so doch einfluß- reiche Kreise, die das Entsetzliche noch zu fordern wagen, die das deutsche Volk in die furchtbaren Greuel eines Weltkrieges zu England und Frank- reich hineinjagen wollen. Da ist es hoch an der Zeit, daß die wahre Meimmg des arbeitenden Volkes zum gewaltigen, nicht zu übersehenden Ausdruck kommt. Noch ist's nicht zu spät, noch ist nichts Unwiderrufliches geschehen. Deshalb ist es die Pflicht jedes Arbeiters, die Pflicht eines jeden, der für die Erhaltung des Friedens einsteht, die Mssenknndgebung in Treptow am Sonntag zu einer überwältigenden Z&mif2stativn des Triedenswillens der arbeitenden Klaffen zu machen. Leshalb erseheint Aiie! Srhläd den Kriegshetzern den Krieg! Stern Verlangen der Kapitalmagna'en tisch neuen Raubzügen, den Kolonial- treib ern und Kriegshetzern stellt die Forderungen Surer Kot entgegen! Kicht der Krieg mit unseren Arbeits- brüdern jenseits der Grenzen, der Kampf gegen die Ausbeulung ist die Aufgabe unseres Lebens. Sedan. Es war vorauszusehen, daß unsere Kriegshetzer den Sedantag nicht vorübergehen lassen würden, ohne ihn zu chauvinistischen Ausfällen und„patriotischer" Ruhmredig- leiten zu mißbrauchen. Während der größere Teil des deutschen Volkes bereits seit Jahren der vernünftigen Auf- fassung zuneigte, daß es wirklich an der Zeit sei, alte Wunden verharschen zu lassen, und daß deshalb die Sedanfeier am besten völlig einschlafe, haben in diesem Jahre die Prozent- Patrioten und Kriegsliefcrungsspekulantcn dank dem un- seligen Marolkokonflikt Oberwasser erhalten. Die Erinne- rimg an den blutigen Schlachtcntag muß ihnen dazu her- halten, nicht nur anmaßliche Drohungen gegen Frankreich auszustoßen, sondern auch Großbritannien in der frivolsten Weise zu brüskieren. Kennzeichnend für die unglaublich skrupellose Art dieses jedes politischen Verantwortlichkeits- gefühls baren, nur auf die Entflammung der Völker- Zwietracht gcrichteteb Chauvinismus ist ein Artikel, der in dem offiziösen Scherlblatt veröffentlicht wird. Dieser Artikel macht für ein Kriegsabenteuer in der unverblümtesten Weise dadurch Stimmung, daß er die militärische Kraft Englands als eine geradezu unerhebliche darstellt, die vor einem ernst- haften Stoß rettungslos in sich zusammenbröckeln werde. Englands kriegerischer Ruhm, wird da ausgeführt, zehre ausschließlich von Waterloo und Trafalgar. Seitdem fei England niemals in die Lage gekommen, wirklich militärische Stärke zu beweisen. Nie habe es seine Söhne in den Kampf geschickt.„Für England kämpften und kämpfen Fremde oder Söldner. Darum muß heute ini Zeitalter der Volkskriege mehr noch als bisher der Nation die für große Kämpfe nötige Stoßkraft fehlen. Die Behauptung von der Stärke Englands ist ein Bluff, weil es noch nie und niemals im Ringen mit einem ernsthaften Gegner bewies, daß es zu fechten versteht. Seine Marine ist ebenso ohne Kriegs- erfahrung wie die unsere, denn Nelson befehligte Holzschiffe. Wo wir aber das englische Heer im Känipfen sahen, da bullerte und verstieß es gegen die Rudimente der Taktik."... Solch wegwerfendes Urteil ist ja freilich nicht neu. War es doch kein Geringerer als der damalige Oberst und jetzige Generalmajor Deimling, der sogar im Reichstag einmal vom Regierungstisch aus in törichtester Weise damit renommierte, daß die deutschen Truppen in Teutsch-Südwestafrika ganz anderes geleistet hätten als die Engländer den Buren gegen- über. Denn die Herero seien viel gefährlichere Gegner ge- Wesen als die Buren! Diese geradezu abenteuerliche Rc- nommisterei richtete sich von selbst, denn jeder Beobachter der beiden Kriege konnte über einen solchen Unsinn nur eine helle Lache aufschlagen. Wenn aber heute von einem kongenialen Strategen angesichts der gespannten Situation ähnliche Dummheiten verzapft werden, so kann das jenseits des Kanals nur als unverschämteste Provokation empfunden werden! Solch gewissenloser Kriegshetze, solch unsinniger Re- nommisterei gegenüber erhebt das arbeitende Volk am Sonntag um so mahnender seine Stimme. Es erklärt es für tollen Schwindel, daß das deutsche Volk kriegslustig sei. Das Volk ist ja jetzt, soweit es nicht in die zahlreichen Kundgebungen des sozialistischen Proletariats unzweideutig seinen Willen bekundet, noch gar nicht zu Wort gekommen. Tie Hetzereien in der Presse stammen von einigen Schock Journalisten und gewerbsmäßigen Demagogen, die sich in die zurzeit grassierende 5triegshetze künstlich Hineingestebert haben. Das deutsche Volk teilt auch keineswegs die grenzenlos leichtfertige Siegeszuversicht alldeutscher und sonstiger Maulhelden. Es weiß nur zu genau, daß ein Krieg gegen Frankreich und England ein ungeheuerliches Untcrnchmen sein würde. Es weiß, wie un- sinnig die Rcnommisterei ist, daß etwa die deutsche Flotte inst der französischen und englischen Flotte zugleich fertig iverdfu könne. Uebrigens wenn unsere deutschen Re- noministen wirklich so sehr von der Leistungsfähigkeit unserer Flotte überzeugt sind, woher nehmen sie denn den Mut, immer neue Flottenverstärkungen zu verlangen?! Auch einige geschichtliche Erinnerungen können unseren Kriegshetzern nicht schaden, und zwar Erinnerungen aus der deutschen Geschichte. Wenn der Schcrl-Stratege so nasc- rümvfend von den englischen„Söldnern" spricht, so sei ihm au Gemüte geführt, daß schon einmal, und zivar im Jahre 1806. die Ueberhebung preußischer Gamaschenknöpfe ähnliche Orgien feierte wie heute. Auch damals wurde in blödsinniger Verblendung eine fremde Armee, die f anzösische, kindisch be-* schimpft. Schon ehe ein Schuß gefallen war, forderten„Kriegslieder" auf, den Trinmphgesang des Sieges anzustimmen. In einem solch„patriotischen" Kriegsgedicht hieß es: ..Da wichen sie. die feilen M i e t l i n a s s ch a r e n. Und wie vor fünfzig Jahr Die Väter kühn der Feinde Sieger waren. Ward es der Engel Schar." Die Ossiziere rasselten heldenhaft mit dem Säbel, und die Königin Luise schrieb dem Zaren zwei Wochen vor IJeUa:„Es muß gut gehen. Tie Truppen sind von dem schönsten Eifer beseelt, sie brennen, sich zu schlagen und vor- Z Kointiit M gm Sonntag naol« Treptow! selbst denkt so."... Dieser Siegeszuversicht, diesem Protzen aus die siegreiche Armee Friedrichs des Großen folgte dann auf dem Fuße der über die Maßen klägliche Zusammenbruch bei Jena! Wenn der Horde der Kriegstreiber, die heute den deut- schen Blätterwald mit so tosendem Lärm erfüllt, derart jede Besinnung abhanden gekommen ist, ist es doppelte Pflicht des Volkes, die Stimme der Vernunft um so lauter zu erheben. Und das deutsche Volk läßt sich auch nicht abschrecken durch das ebenso läppische wie infame Geschrei der namentlich in der Zentrumspresse ihr sauberes Handwerk treibenden Scharf- macher, die die eindringlichen Friedensmahnungen und Ver- Warnungen des klassenbewußten Proletariats als H o ch v e r- rat ausschreien. Der giftige Chorus der Denunzianten schreckt es nicht. Auch dies jämmerliche Schauspiel ist schon einmal dagewesen. Als nach der Schlacht bei Sedan, nach der Gefangennahme Napoleons, die Herrlichkeit dieses ränkesüch- tigen Glücksritters auf deni Throne zusammengebrochen war und sich nunmehr für Deutschland die Möglichkeit eines ehren- vollen dauernden Friedens mit Frankreich bot, da erhob ja die junge Sozialdemokratie ihre Stimme für den Friedensschluß. Sie warnte damals eindringlichst vor der Annexion von Elsaß- Lothringen:„Die Militärkamarilla, Prosessorfchaft, Bürger- schaft und Wirtshauspolitik gibt vor, dies sei da� Mittel, Deutschland auf ewig vor Krieg mit Frankreich zu schützen. Es ist umgekehrt das probateste Mittel, diesen Krieg in eine europäische J'n stitution zu verwandeln. Es ist in der Tat das sicherste Mittel, den M i li t ä r d e s p o t i s mus in dem verjüngten Deutschland zu verewigen als eine Notwendigkeit zur Behauptung eines westlichen Polens— des Elsaß und Lothringen. Es ist das u n f e h l b a r st e Mittel, den kommenden Frieden in bloßen Waffenstillstand zu verwandeln, bis Frankreich so weit erholt ist, um das verlorene Terrain herauszuverlangen. Es ist das unfehlbarste Mittel, Deutschland und Frankreich durch wechselseitige Selb st zerfleischung zu rui- niere n." Ein neuer Krieg zwischen Deutschland einerseits und Frankreich und Rußland andererseits wurde als unver- ineidlich bezeichnet, falls nicht vorher eine Revolution in Rußland ausbreche. Dieser damals als unwahrscheinlich bezeichnete Fall des früheren Ausbruchs einer russischen Revo- lution ist tatsächlich eingetreten. Aber statt nun diese Gunst des Schicksals zum Ausgleich mit Frankreich zu benutzen, hat unsere geniale Diplomatie unter Billigung unserer herrschen- den Klassen durch ihre unsinnige Weltpolitik Frankreich einen neuen Verbündeten an Stelle des einstweilen ohn- mächtigen zugeführt: England. Die sozialistischen Warnungen verhallten damals un- gehört. Man entledigte sich der unbequemen Mahner in der denkbar einfachsten Weise. Man schickte, Vogel von Falcken- stein war damals das auserwählte Werkzeug, die Mitglieder des Parteiausschusses in Ketten nach einer Festung an der russischen Grenze. Bald darauf steckte man auch Bebel und Liebknecht in das Gefängnis, die man dann noch lange nach Friedensschluß wegen Hochverrats zu zwei Jahren Festung verurteilte. Was hat man damit erreicht? Der patriotische Taumel verrauschte nur zu rasch, und die Stimmenzahlen der Sozialdemokratie begannen bald rapid zu steigen. Wenn sich gar die frommen Zentrumsdemagogen nach einer Neuauflage solch historischer Bla- magen sehnen, so würde das Fiasko einer ähn- liche n Aktion diesmal noch ein viel schlimmeres sein. Die Sozialdemokratie ist heute eine Millioncnpartci. Selbst der tollste patriotische Rummel würde sich an den festen Wällen ihrer Organisation, ihrer Volksausklärung brechen. Und wenn man heute die Führer ins Gefängnis steckte, s o würde das die Tatkraft der Massen eher entfesseln als lähmenl Die gewaltigen Aktionen selbst des politisch weniger geschulten englischen Proletariats sollten den politischen Kannegießern, die noch beute die Volks- massen wie u n m ü n d i g e Kinder bebandeln zu können wähnen, zu ernstlichem Nachdenken veranlassen! Aber selbst wenn trotz der infamen Kriegshetze unserer Reaktionäre der Krieg vermieden wird, welche politischen Folgen muß der frivole Marokkorummel heraufbeschwören! Der Riß zwischen Deutschland einerseits und Frankreich andererseits muß unheilbar werden. Und hat sich denn nicht Wilhelm II. selbst, sogar mit den verzweifeltsten Mitteln, viele Jahre lang hindurch bemüht, Deutschland Englands Sympathien zu sichern? Hat er nicht England während des Burenkrieges einen vom deutschen Generalstab ausgearbeiteten Kricgsplan zu rascherer Niederwerfung der Buren zugeschickt? Und hat der Kaiser nicht ebenso heiß um die Freundschaft Frankreichs geworben? Hat er nicht im Jahre 1901 zwei hohe französische Offiziere zu einem mili- tärischen Festmahle herangezogen und auf das Wohl der fran- zösischen Armee und die deutsch-französische Wasfenbrüderschaft getrunken? Hat nicht der preußische Handelsminister Möller in dem gleichen Jahr die Solidarität der Interessen beider Völker verkündet? Damals war man wirklich auf dem Wege, freilich nicht durch solche Toaste, wohl aber durch das vorsichtige Vermeiden von Konflikten, dem französischen Chauvinismus endgültig den Boden abzugraben. Als im Juni 1902 in der französischen Deputiertenkammer unser � Genosse Jaurös erklärte, daß es endlich Zeit sei. den Revanchegedanken ä u vergessen, s? ch IN l t der Geschichte a b z u- finden und mit d e in Abwerfen der u n e r- träglichen Rnstungslast den Völkern Euro. pas mit diesen, Beispiel voranzugehen, da fand er die jubelnde Zustimmung der Mehrheit des fron- zösischen Parlamentes! Aber diese Politik des Freundschafts- Werbens und der vernünftigen politischen Zurückhaltung wurde dann bald wieder durch die unsinnige Int er- vcntions- und Abentenrcrpolitik D e u t s ch- l a n d s abgelöst. Dadurch verscherzte Deutschland nicht nur die mühsam gewonnenen Sympathien Frankreichs, sondern es trieb Frankreich gewaltsam dem gleichfalls beunruhigten England in die Arme. Der heurige Marokkorum- in c l, die alles bisherige übertreffenden Brüskierungen Frankreichs und Englands in einem großen Teil der deutschen Presse haben die Situation vollends verschlechtert. Was in diesen Wochen an chauvinistischer Ruhmredigkeit und gering- schätziger Kritik der beiden Nachbarnationen von deutschen Maulhelden geleistet worden ist, wird k a u m i n I a h r- zehnten wieder gut g e n, a ch t w e r d e n k ö n n e n! Und wenn man den französischen Chauvinisten allenfalls noch ihr romanisches Temperament zugute halten könnte, so sind die von unseren deutschen Mordpatrioten bei kaltem Blute ver- übten Rüpeleien gänzlich unentschuldbar! Aber das arbeitende Volk verwahrt sich mit äußerster Entschiedenheit dagegen, daß diese unter der Schwindelfirma Patriotismus gehenden Hetzereien die Stimme der Nation seien! Gerade der Scdangedcnk- lag mit den forcierten Exzessen unserer Prozentpatrioten zwingt es zu erneuter Bekundung seiner Friedensliebe. Die Prophezeiungen der Sozialdemokratie ans dem Jahre 1870 haben sich nur zu sehr bewahrheitet. Während die deutsche Regierung damals dem Reichstag vortäuschte, daß in wenigen Jahren an eine Verminderung der R ü st u n g e» gedacht werden könne, ist durch ihre Er- oberungspolitik Europa in ein.KriegSlagcr ver- wandelt worden. Die deutsche Weltpolitik, der selbst ein Bismarck nur mit wegwerfender Gebärde gedachte, hat die Situation von Jahr zu Jahr verschärft. Selbst wenn der Frieden gewahrt bleibt, die Nüstungskosteii sind ins Un- geheuerliche gewachsen! Sie haben dem Volke unerträg- i i ch e Steuerlasten aufgebürdet. In allen Ländern ist die Empfindung dieser Unerträglichkeit gleich groß, so daß allein die Notwendigkeit der Fortsetzung und unausbleiblichen Steigerung dieser Nüstungsailsgaben Europa mit der unausbleiblichen Gefahr einer K a t a st r o p h e bedroht! Da ist es endlich höchste Zeit zu dem Rufe: Nieder mit der Kriegs- Hetze, nieder mit dem v o l k s a u L s a n g e n d e n R ii st u n g S w a h n s i n n, freie Bahn für den friedlichen Wettbewerb der Nationen aus wirtschaftlichem Gebiete, freie Bahn für den wirklichen K u l t n r f o r t s ch r i t t I Hoch die internationale Völkersolidarität! Sie liiiii'olttzosttsre. Ter Zeitpunkt für den Wiederbeginn der Ver Hand- lange n steht noch imiuer nicht fest. Eningen der Meldung, daß die erste Z n sa in me n k n n f f zwischen dem französischen Bot- schafter Herrn C a m b o n und dem Staatssekretär des Auswar- tigen AmteS. Herrn v. Ktderlen-Waechter, heute, Sonnabend, erfolgen werde, wird von anderer Seite behauptet, Herr Cambon fei noch unpäßlich und die Verhandlungen werden erst in einigen Tagen aufgenommen werden. In Frankreich erregt das aggressive Vorgehen der S p a- n i e r, die immer neue Punkte besetzen, um bei kommenden Ver- handlangen auf möglichst viele Einflußsphären hinweisen zu kön- nen, neuerdings wieder stärkeren Unwillen. So schreibt, sichtlich inspiriert, der„Matin" über den nunmehr amtlich vom Madrider Kabinett angekündigten Plan der B e s e tz u n g von Santa Cruz südlich von Agadir: Tie spanische Regierung habe diesen Zeit- Punkt für die Besetzung offenbar in der Absicht gewählt, angesichts der bevorstehenden Verhandlungen mit Frankreich ihre Stellung zu stärken. Tie öffentliche Meinung Frankreichs beurteile das Vor- gehen Spaniens mit berechtigter Strenge. Die spanische Regierung dürfe sich nicht wundern, wenn die Vertreter Frankreichs bei den Verhandlungen daran erinnern würden, daß Spanien in dem Augenblick, in dem die Schwierigkeiten mit Teutschland Frank- rcichs Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, eine so wenig freundschaftliche Haltung beobachtet habe. Aus Belgien kommen fortgesetzt Meldungen über die Mo bilisierung der Truppen und Verstärkung der Festungen, um die Neutralität Belgiens im Kriegsfälle wahren zu können. llntei' fagows Regiment. Roch find die Taten der Sicherheitspolizei in Moabit in frischer Erinnerung, noch weiß alle Welt, in welch' brutaler und skandalöser Weise zahlreiche Moabiter Bürger von Schutzleuten grundlos niedcrgesäbelt worden sind, noch ist der Mörder des Ar- bester Herrmann nicht gefunden und schon kommen neue Mit- tciliiugen über schwere Verfehlungen von Polijeibcan'.ten, die im Resiort der Sittenpolizei tälig sind. Sechs Beamte der Berliner Sittenpolizei, so wird berichtet, wurden vom Polizeipräsidium der Staatsanwaltschaft des Land- gericht? I angezeigt, da sie in dem Verdacht stehen, im Dienst V e r j e h l u ii g e n mannigfacher Art begangen zu haben. Sie werden beschuldigt, sich in z u n a b e B e z i e h u n g e n in i t B> g i l a n t i n n e ii eingelassen und Geschenke angenommen zn haben, wofür sie über manches hinwegsahen. Auch für ihre Frauen sollen die Beamte Geschenke angenommen haben. Die sechs Veansten dürfen vorläufig keinen Dienst mehr tun. Auch die Marken wurden ihnen abgenommen. Die kriminelle und diszipli- «arische Untersuchnug ist im Gange.' Räch anderen eigenen Mitteilungen werden die Beamten beschuldigt, versucht zn haben, durch'höchst verwerfliche Tricks Mädchen unter sittenpolizeiliche Kontrolle zu bringen. Die llntersnchuiig wird ja dos weitere ergeben. So viel scheint aber schon jetzt festzustehen, baß es sich um recht unsaubere Praktiken der Beamten handelt, sonst würden die Leiste nicht vom Dienst suspendiert werden., Die Nachricht von Verfehlungen der Beamten wird in weiten Kreisen großes Aufsehen errege», ist aber für Personen, die mit der Materie einigermaßen vertraut sind, durchaus nicht über- rasch end. Schon vor Jahren wurde in einem Prozefle gegen ein hiesiges Montagsblatt das Verhalten von Beamten der Berliner Sittenpolizei in für die veansten recht wenig schmeichelhafter Weise gekennzeichnet. Es zeigte sich, daß Beamte, die über die Sitt- lichkeit wachen solltcn, diese Sittlichkeit stark bedrohten. Und jetzt scheint endlich der Zusainmenbriich kommen zu sollen. Handelte es sich nur um einen Beamten, so könnten die ver- mitworflichen Personen sich mit der AnSrcde entschuldigen, daß eS sich um einen Einzelfall handele, der bei einem großen Beamten- Heere immer vorkommen � könne. Aber gleich sechs Be- amte auf einmal, das läßt tief blicken I Das läßt auch einen Schluß zu auf das Treiben der Sittenpolizei im allgemeinen. W i r wundern uns über solche Vorkommnis nicht. Sie sind ja nur die uolwendige Folge des heustgcn PolizeiregimcutS. Fortgesetzt wird die Bevölkerung von den leitenden Personen der Berliner Polizei durch neue Verordnungen nialträtiert und schikaniert; es sei nur au die letzten beiden Erlasse über das Schießen der Schutzleute und die Bestrafung von Schutzleiitcii wegen Zuspätschießens hingewiesen. Muß da in den Köpfen der Beamten nicht der Gedanke genährt werden, als sei die Bevölkerung nur noch das Objekt, mit dem man schalten und waltcii kann, wie es dem Beamten beliebt? Muß angesichts eines solchen Polizeiregiments nicht jeder Beamte sich über die Bürger erhaben fühlen und muß er nicht geradezu zu Handlungen verleitet Iverden, die den Aufgaben der Beamten diametral entgegen laufen? Man frage nur alle die Leiste, die au Polizeiwachen zu tun hatten, über die ihnen zuteil gewordene Be- Handlung. Dieser Zustand wird noch gefördert durch Unterbindung der öffentlichen Kritik. Wie schnell folgt der Kritik von Polizeiverfehlungen der Straf- aistrag auf dem Fuße I Ist doch der.Vorwärts" selbst vor zwei Jahren wegen einer Notiz.Bedrohte Sittlichkeit" verurteilt worden, in der in objektiver, sachlicher Weise da» Benehmen eines Beamten des Polizeipräsidiums mitgeteilt wurde, ob- wohl vor Gericht eige glaubwürdige Zeugin unter Eid unsere Angaben bestätigte. Aber dem Eide der Zivilzeugin stand der Eid des beschuldigten Beamten gegenüber. Dem Manne wurde geglaubt und unser Kollege verurteilt. Gerade eine unumschränkte öffentliche Kritik konnte manche« bessern, mehr noch aber eine vollkommene Neugestaltung der heutigen bürgerfeindlichen Polizeiregieriing. Dazu fehlt cS Herrn v. Jagow freilich an der nötigen Eignung. Und so werden wohl einige unter- geordnete Organe wegen ihrer Verfehlungen verurteilt werden, aber das S h st e m bleibt dasselbe. poiitileke GcberRcbt. Berlin, den 1. September 1911. Das„nationale" Zentrum. Dem Zentrum liegt in letzter Zeit, wie eS scheint, recht viel daran, seinen„nationalen" Charakter zu betonen. Obgleich diese Partei, die früher auch von den Konservatipen als„römisch" und „ultramontan" bezeichnet wurde, heute mehr als jemals ihre Direktiven von der römischen Kurie empfängt, hat sie auS gewissen Gründen das Bedürfnis, sich zurzeit als lirdeutsch und national zu gcberden. So bietet sich das kuriose Schauspiel, daß nicht nur ein großer Teil der ZentrnmSpresie es an Kriegsbegeistcrnng und chauvinistischer Renommisterei mit den Blättern vom Schlage der „Post" und der„Rhein.-Westf. Ztg." aufnimmt und Ausnahme- gcsctze gegen das„landesverräterischc" Treiben der Sozialdemo- kratie verlangt, sondern auch die deutschen Zustände in den schön- stcn Farben malt. Besonders scheint Herr Dr. Jul. Bachem, der Eigentümer der„Köln. Volksztg.", wegen ihrer„nationalen" Be- gcisterung für den polnischen Klerus oftmals scherzweise„Gazeta Bachcmsky" genannt, es für nötig zu halten, daß die Zentrums- Partei ihre echt nationale Gesinnung eindringlicher bekundet. Er leistet sich im roten„Tag", dessen Spezial-Nitarbetter für katho- tische Weltanschauungsfragen er ist, einen schönen Artikel unter der Ueberschrift:„Mehr Freude am Vaterlandel", in dem er die preußisch-deutschen Zustände als die herrlichsten der Welt preist. So sagt er z. B.: „Auch die Anhänger der Zentrumspartei sollen, so viel ihnen auch zu wünschen übrig bleibt, des deutschen Vaterlandes sich freuen. Wer unbefangen insbesondere die kirchen politischen Verhältnisse im Deutschen Reich mit denen in anderen Staaten vergleicht, muh anerkennen, daß es bei uns besser ist, zum guten Teil bedeutend besser. Solange allerdings die Verbindung von Staat und Kirche in Deutschland besteht � und wer möchte die Verantwortung dafür übernehmen, sie zu lösen — müssen Staat und Kirche und Kirche und Staat aufeinander Rücksicht nehmen, muß auch der katholische Volksteil s i ch seiner Minoritätsstellung im Deutschen Reich stets bewußt sein. Aber ganz allgemein gesprochen: alles in allem Mnommen— und man soll immer alles in allem nehmen, die Verhältnisse wie die� Menschen— sind die Zustände im Deutschen Reich gesünder als in fast allen anderen großen Ländern. Man führ« nur ein- mal den Vergleich auf den verschiedenen Gebieten durch, man vergegenwärtige sich namentlich einmal, welche Fortschritte in den Jahrzehnten seit Gründung des Deutschen Reiches gemacht worden sind." Auf der kürzlich in Mainz abgehaltenen ZentrumSparads klang es anders. Besonders der Vorsitzende Graf Galen sang eine gar traurige Melodei über die kirclenpolitischen Zustände in Preußen. Doch bei den Zentrumspolitikern der Kölner wie der Berliner Richtung heiligt der Zweck die Mittel. Und die Zwecke des Grafen Galen und des Herrn JuliuS Bachem sind verschieden. In Mainz sollte den Gläubigen bewiesen werden, wie sehr die katholische Kirche in Teutschland angefeindet werde und wie nötig cö deshalb sei, Vertreter der katholischen Anschauungen, d. h. ZcntrumSlcute, in den Reichstag zu schicken; Herr Bachem aber will den„oberen maßgebenden Kreisen" zeigen, wie zuverlässig das Zentrum in nationalen Fragen ist. Gegen Herrn v. �rauendorfer und das Zentrum. Der bayerische sozialdemokratische LandeLvorstand rechnet in einer in der„Münchener Post" veröffentlichten Erklärung mit dem Erlaß dcS bayerischen Vcrkehrsininistcrs v. Frauen- dorfer gegen den Verband des Süddeutschen Eisenbahn- und Postpersonals und die seit Jahr und Tag betriebene Hetze des Zentrums gegen diesen Verband ab. Es heißt in dieser Erklärung: Dieser Erlaß ist ein würdiges Beispiel derj Taktik, die bei Beratung des Eisenbahnetats im Landtage schon wiederholt an- gewandt wurde: Er enthält eine Reihe von B c h a u p- tungen, ohne auch nur eine einzige Tatsache auszusühren. Dem VcrkehrSmiinster, wie seinem Einpeitscher, dem Rcfercistcn zum Verkehrsetats, LandtagSabgeordiictcn Dr. Pichler, ist in diesen Debatten wiederholt iiachgcwiescii worden, daß sie völlig unhaltbare, böswilligen und ver- Iciimderischen Zuträgereien entstaimneiide Bezichtigungen zur Grundlage ihrer Anklage gemacht hatten. Und so muß eS als eine Frivolität sondergleichen bezeichnet werden, daß ein Erlaß, der eine öffentliche politische Aktion der Gesamtregierung dar- stellt, Vehanptungen erhebt, ohne auch nur den Schatten eines Beweises dafür zu er- bringen. Wohl in der— bis jetzt allerdings getäuschten— Meinung, durch ihr Vorgehen an sich den Beifall der Mehrheitspartei und ihrer Organe in der SieichSratSlammer zu finden, gibt die Regierung selbst zu. daß der„hinreichende Beweis" für ein statutenwidriges Verhalten des Verbandes nicht erbracht sei, und fordert nun die Eisenbahn- Präsidenten auf,«das Verhalten de» Verbandes und seiner Ortsgruppen auch ferner sorgfältigst zu beobachten und über jeden Vorgang zu berichten." Hieraus erhellt, daß, ebenso wie bei den Bezirksämtern, nun auch bei den Eisenbahndireklionen ein politischer Ueberwachungs- dienst eingeführt und eine nur als Spitzelwesen zu bezeichnende politische Spürarbeit weiter ausgedehnt wird. So sind denn diese hohen Beamten, deren„Selbständigkeit" seinerzeit so nachdrücklich betont wurde, zu subalternen Polizei spionen im Dienste einer der ZentrumSpartei willenlos ergebenen Regierung gemacht. Dann wendet sich der Aufruf gegen die böswilligen Ver- lenrndungen des Süddeutschen Eisenbahnerverbandcs durch die Zentrumspreffe: Tie Hetze begann im Frühjahr 191l), als die Sünden deZ Zentrums bei der Finanzreform der sozialdemokratischen Agi- tatton in Bayern allenthalben, auch in ihr früher verschlossenen Gebieten die Tore öffnete. Die hinreichend bekannten Landtags- debatten über die sogenannte Streikresolution, die Erörterungen, die sich an das Wort des Bischofs Henle:„Knecht muß Knecht bleiben", knüpften, die Drohungen auf dem letzten Delegierten- tag der ZentrumSpartei in München geben genügenden Aufschluß über die inneren parteipolitischen Gründe der Zentrumsaktion. Ihre ökonomische Ursache ergibt der Umstand, daß hervorragende Mitglieder'der ZentrumSpartei heute auch in Bayern in erheb- lichcr Weise kapitalistisch interessiert sind, so daß eine scharf- machcrischc, kapitalistische Denkweise das Ergebnis dieser Wand- lung ist. Das Zentrum fühlt, wie durch daS Uebermaß seiner Sünden und Schandtaten sein Halt im Volke erschüttert ist und sucht deshalb seine Herrschaft durch jedeS Mittel der Gewalt fest- zuhalten. Wie dem aber auch sein mag: das werktätige Volk in Bayern hat es begriffen, daß die scharfmacherische Denunzianten- und Unterdrückungspolitik in ihren Versuchen, das VereinigungS- recht der Arbeiter zu vernichten, die gesamte Arbeiter- schaft ohne Ausnahme trifft. Und die ganz bedeutende Vermehrung der für unsere Partei abgegebenen Stimmziffern beweist, daß das bayerische Volk die richtige Antwort auf das umstürzlerische Treiben der Zentrumspartei zu geben weiß. Minister v. Breitenbach an die Eisenbahner. Auf seiner Dienstreise durch die Reichslande kam der preußische Eisenbahnniinister auch nach Montiguy, wo er nach einem Bericht des„Lorrain" an den Arbeitcrausschuß der dortigen Eisenbahnwerkstätten eine viertelstündige Rede hielt. In dieser Rede hat er ihnen ihre moralischen Verpflichtungen, die sie als Staatsarbeiter haben, vor Augen geführt, ihnen die Zusicherung seiner vollen Sympathie gegeben und ihnen ferner versichert, daß die Lohnerhöhungen in Kürze erfolgen werden. Ganz besonders, so berichtet daS genannte klerikale Blatt weiter, warnte sie der Minister vor der Sozialdemo- kratie, indem er erklärte, daß die Berwaltung kein Eindringen dieses auflösenden Elementes in die Körperschaft der Eisenbahnarbeiter Sulden würde. Tie letzten Streiks in verschiedenen Ländern hätten die Gefahr und Nutzlosigkeit derartiger Lehren erwiesen._ Herr Oertel schämt sich! Der Herausgeber der„D. Tagcsztg." schreibt unter der charakteristischen Kognakmarke: Freilich, wir können nicht verkennen, daß da? Antlitz unserer Zeit manche dunkle oder, wenn man so sagen will, b i p p o- lratische Züge aufweist.... Ist eS nicht beschämend und empörend zugleich, daß ein preußischer Laiidtagiabgeordueter vor wenigen Wochen in einer süddeutschen Hauptstadt sagen konnte, die Vertreter der Regtming seien Halniikcn, Preußen- Deutschland sei, abgesehen von Rußland, das miserabelste Land, jede Machterwcitcrung Deutschlands sei ein Unglück für die ganze Welt, die BerfasiimgSiirkuiide für das Deutsche Reich sei ein belang- loser Fetzen Papier usw.? Das haben die überwachenden Beamten, wie es scheint, ruhig mit angehört'! und erst nachträglich hat man sich veranlaßt gesehen, die nötigen Schritte zu tun. um zu untersuchen, ob hier strafbarer Landesverrat vorliege. lUnd die Nutermchimg hat ergeben, daß der Bericht Schwindel war. D. Red. d.„V.") Ja, wir sprechen eS offen auS: daß man der Partei der Revoliition gestatten konnte, am Tage nach dem Sedanfeste eine Massenlimdgebuiig zu veranstalten, die ge- wissermaßen den Zweck verfolgt, gegen die Wahrung de« Erbes von Sedan zu protestieren, hat in uns ein t i e f b e f ch ä in e n d e s Gefühl gclvccki. Wir müssen im« fragen, ob man noch allein- halben der schweren Veraiitwortmig bewußt sei, die mit dem großen Erbe des großen TogeS verbunden ist. ES ist nicht unsere Schuld, daß die ernsten Töne hineiiidringen in den Jubel des Festes. Wir dürfen uns aber auch in der Feststimmung die Augen nicht schließen und blenden lassen. Bisher hatten wir offen gestanden gemeint, daß die „Deutsche Tageszeitung" schamlos sei. Aber wenn sie sich bessern und sich zu schämen endlich anfangen will, wollen wir ihr versprechen, ihr möglichst oft Gelegenheit dazu zu gxbcu! Die gemastregeltcn Eisenbahner und das Zentrum: „Wählt rot!" Unter den in den letzten Wochen im Elsaß gemaßregelten Eisenbahmverkstätteliarbeitern befindet sich der Maler Marschang. der daS VerbandSorgan der Eiseubahiiarbeiter Elsaß-LothringenS und LuremburgS redigiert«: ein langjähriger Z e n t r u ni S m a n n und Vorsitzender des christlichen GewerlschaflSkartellS in Straßburg. Der Mann konnte sich mit der Tatsache, daß seine Partei in dieser Frage vollkommen versagt, ja daß ihre Presse die Maßregelungen, soweit sie sich gegen Sozialdemokraten richten, zu erklären und zu ent- 'chiildigen versucht, nicht abfinden und wandte sich an de» Reich-?- lagsabgeordneten für Straßburg-Land, den als„christlichen Sozial- Politiker" von der elsässischen Zentrumöpresse gefeierten Pfarrer Dr. Will. Wie jetzt bekannt wird, kam er da aber schön an:„Da läßt jetzt nichts mehr machen, ich kam, nichts für Sie tun, Sic hätten nach der Maßregelung Oertels Ihr Amt als Redakteur niederlegen sollen," erklärte der geistreiche Volksvertreter seinem verblüfften Parteigenossen. Die Art. wie er seinen Kollegen von dem Ergebnis seines Schrittes Kenntnis gab, läßt darauf schließen, daß dieser ge- maßregelte Zenirunisinann von seiner Zentriunsbegcisterung ür olle Zeiten geheilt ist. In S ch i l t i g h e i m bei Straßburg hielten 700 Eisenbahner eine— zur Fernhaltuiig der Spitzel der Eisenbahuverwaltiing nicht- sentliche— Protest versa in ml ung ab, in welcher der sozial- demokratische Land- und ReichStagSkandidat Fuchs dieses Gebaren unter dem Beifall der Eisenbahner geißelte. Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche die volle gesetzliche Koalitionsfreiheit fordert, an den Reichstag appel» l i e r t und„die Regierung sowie die bürgerlichen Parteien" für die Maßregelungen und deren Folgen verantwortlich niacht. Such in Mülhausen Huven die Maßregelungen dafür gesorgt, daß sich die Eisenbahner in der richtigen Wahlstimmung befinden. Ein charakteristisches Vorkommnis wird dort viel belacht. Der erst vor wenigen Monaten nach Mülhausen versetzte Regierungsbaumeister Bergmann in der dortigen Eisenbahnwerlstätte, dem die Arbeiter einen Teil der Schuld an den Maßregelungen zuschreiben, fand bei einem Rundgang durch diese staatliche Musteranstalt an einer Abort- türe, die aus den Angeln gehoben war. folgende Inschrift: Kotlegenl Im Herbst finden Land- und Reichstags Wahlen statt; wählt Männer an diese Posten, welche Euere Interessen zu vertreten wissen. Ihr wißt alle, wie Ihr behandelt werdet: Wählt rot! Eine preußisch-deutsche Verwaltung weiß, was sie bei der Eni- deckung eines solchen Verbrechens zu tun hat. In einem Privab betriebe hätte der nichtsozialdemokratische Unternehmer den Aufruf vielleicht einfach abwaschen lassen. Nicht so die Direktion der kaiser» lichen Eisenbahnbetriebswerkstätte in Mülhausen i. E. I Die Abort tür mit dieser ruchlosen Aufforderung wurde auf das Bureau jenes Beamten verbracht, der die Versammlungen der organisierten Bahn arbeiter zu überwachen hat, und dort wurden anscheinend Vergleiche mit Schriftproben angestellt, um den Uebeltätcr herauszubekommen� Bis jetzt umsonst._ Gegen d!e Lebensmitteltenerimg. Am Donnerstag haben die sozialdemokratischen Stadtverord- netcn in Offenbach einen Antrag eingebracht, Maßnahmen gegen die drohende Teuerung zu treffen. Ter Antrag will 1. die Bürger- meisrerci soll bei der hessischen Regierung vorstellig werden, daß der Vertreter Heßens im Bundesrat veranlaßt wird, die Sus- Pension der Lebensmittel- und Futterzölle, die Oeffnung der Grenzen zur Einführung von ausländischem Vieh und Fleisch und die Beseitigung der Getreideeinfuhrscheine zu beantragen; 2. soll die Bürgermeisterei beim deutsdhe» Städtctag beantragen, daß die Bekämpfung der Lebensmittelteuerung auf die Tagesordnung des demnächst in Posen tagenden deutschen Städtetages gesetzt werde. Ein Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung soll mit der Vcr- waltung zusammen weitere Schritte zur Bekämpfung der Teuerung beraten, insbesondere ob nicht durch Vcrmittelung der Stadt selbst ein billigerer Bezug von Lebensmitteln, vor allem von Kartoffeln, Brot und Fleisch für die ärmere Bevölkerung Offenbachs ermög- licht werden kgnn. Die Dringlichkeit dieses Antrages wurde von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig angenommen und darauf ebenso einstimmig der Antrag selbst. Soldatenschindereic» i» Masse. TaJ 16. Husaren-Rcgiment in Schleswig gehört, wie kriegs- gerichtsnotorisch, zu denjenigen Truppenteilen, wo die „Bimserei" des jüngeren Jahrganges durch die Vorgesetzten t Unteroffiziere und Gefreite) und die„alten Militärs" sältere Mannschaft) gewissermaßen sportsmäßig betrieben wird. In einigen Fällen sind„Stellvertreter", die immer aus„pädagogischen Gründen" gehandelt haben wollen, aus de� Strecke geblieben, während andere„Tjensteifriac" weiter, ihre erzieherische Tätigkeit ausüben dürfen. Ter inzwischen zur Reserve abgeschobene Ge- � freite Wühle, der UnteroffizierSdienste verrichtete, hat, wie nachträglich bekannt wurde, in Gemeinschaft mit einem anderen Gefreiten seines Beritts den Husaren Pries in arger Weise miß- handelt, indenn er ihn gegen das Spind drückte und ihn mit der Faust ins Ge ficht schlug. Das Kriegsgericht der 18. Division lAltona) ahndete diese Roheit mit ganzen sieben Tagen M i t t c l a r r c st. : Zu den ärgsten Soldatcnschindern dieses Regiments gehörte . der frühere Sergeant Füllgraf. Wie wir schon früher mit- . geteilt haben, ist er wegen Mißhandlung in 55 Fällen und bor- , schriftswidriger Behandlung Untergebener in zehn Fallen zu einem ' Jahre Gefängnis und kurz danach noch wegen anderer Mißhand- lungcn noch zu drei Monaten Gefängnis und Degradation vcr- urteilt worden. Bei der letzten Verhandlung kam zirr Sprache. ' daß er den einen Soldaten zum Meineid habe verleiten wollen. Tic gegen ihn eingeleitete Verhandlung endete mit seiner Vcr- ! urtcilung zu dreizehn Monaten Zuchthaus und Aus- ftoßung aus dem Heere, doch wurde diese Strafe auf dem Gnaden- wegc in Gefängnisstrafe umgewandelt. Sein Schuldkonto ist damit jedoch immer noch nicht abgcschlosten, denn nachträglich ist zutage . gekommen, daß er zwei Soldaten zu Mißhandlungen jüngerer . Leute angestiftet hat. Ter aus dem Gefängnis zu Hameln vor- geführte Angeklagte macht einen so apathischen Eindruck, daß das Kriegsgericht dem Antrage des Verteidigers, ein ärztliches Gut- � achten über die physische Verfassung seines Klienten einzuholen, Folge gibt. Eine weitere MißhandlungSsache bei dem 16. Husaren- Regiment, zu der 32. Zeugen geladen waren, wurde zwecks weiterer Beweiserhebung ausgesetzt. Dieses Regiment, in dem sich so furchtbare Zustände zu ent- Wickeln vermochten, gehört zu den sogenannten Elifetruppen! franhrneb. Die Tcueriiugsnurnhcn. Paris, 1. September. Die Ausschreitungen in St. Ll u c u t i n»vegen der hohen Lebensmittel- preise endigten erst in später Abendstunde, nachdem Reiterei und Fußtruppen die Straßen gesäubert hatten. In einem Stadtteil versuchten Webergehilfen, eine Kolonialwarcnhandlnng zu stürmen, wurden jedoch daran gehindert. In Douai schlössen die Fleischer und Kanflente die Laden aus Furcht vor Plünderungen und verkauften nur an bekannte Kunden. Aehnliche Vorkommnisse ivcrdcn auch aus anderen Städten gemeldet. In A n i ch e wurden die Fleischhauer beim Verlassen deS Schlachthofes von einer großen Menge aimegrisfen und be- schiinpft. Mehrere Ruhestörer hielten mit Petroleum gefüllte Spritzen bereit, um jedes Stück Fleisch, das fortgeschafft wurde, zu bespritzen und dadurch»»brauchbar zu machen. An verschiedenen Orten wurde von den Arbeitern die Drohung ausgestoßen, Fe würden die Revolution ins Werk setzen,»venu die Lebensmittel nicht billiger werden sollten. Auch an diesen Nachrichten ist die tendenziöse Ueber- trcibung unverkennbar._» Tie Behandlinig politischer Gefangener. Paris, 1. September. Mitglieder des revolutionären Verbandes veranstalteten gestern in den Straßen von Paris eine Kund- g e b u n g gegen die unwürdige Behandlung ihrer im Santögefängnis inhaftierten Genossen, die dort nicht wie politische, sondern wie gemeine Verbrecher gehalten werden. In Taxamcterdroschken führten sie Inschriften mit, wie: Die Republil ermordet ihre Gefangenen I Die politischen Gefangenen werden ge- foltert! usw. Die Kundgeber fuhren über die Place de la Eoncorde, die Boulevards und die Place de la NSpubligiie. Dann verstichten sie, tn daS Ministerium des Innern zu dringen, wurden jedoch von ~olizei daran gehindert, die nach einem nicht sehr bedeutenden '»stoße drei Verhaftungen vomahin. Hus der partei* Dem Gedächtnis Lassalles. alljährlich hat die B r e s l a u c r Arbeiterschaft am TodcS- kdinavd LgssasleS M. August) unjcrem auf dem Breslaucr Friedhofe ruhenden großen Vorkämpfer duftende Morgengrüße dargebracht. Am Grabe wurden Kränze niedergelegt vom Sozialdcmokrttifchen Verein Breslau-Oft und West, von der Parteiorganisation Breslau-Land und vom Brcs- lauer Gewerkfchaftskartell. Trotz der frühen Morgen- stunde waren etwa hundert Genossen und Genossinnen am Grabe des unvergeßlichen Vorkämpfers, um seiner großen Worte und Taten in Liebe und Verehrung zu gedenken. Daß'auch die Polizei nicht fehlte, ist selbstverständlich. So viel beschäftigt sie auch ist, die Sozialdemokratie läßt sie nie aus dem Auge. Die Genossen und Genossinnen verließen den Friedhof mit dem Gelöbnis, nie zu ruhen und zu rasten, bis das Ziel erreicht ist, für das auch Ferdi- nand Lassalle alle seine Kräfte einsetzte: die Befreiung des Pro- lctariats von aller Knechtschaft und Ausbeutung. Parteiliteratur. Im Verlage der.Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, ist neu erschienen eine Broschüre des Genossen I. Meer- feld, betitelt„Kaiser, Kanzler, Zentrum. Deutscher Verfassungs- jammer und klerikaler Bpzantinismus." Der Preis für die 36 Seiten starke Schrift ist 75 Pf., für die Vereinsausgabe 36 Pf. Die Broschüre wird unseren Genossen im bevorstehenden Reichstagswahlkampfe gegen das Zentrum gute Dienste leisten. Genosse Mcerfeld hat sich der Aufgabe unterzogen, die Widerspruchs- volle und schmähliche Haltung des Zentrums bei den Verfassungs- fragen zu schildern. Eine Fülle von Zitaten, deren Gegenüber- slcllung die Gesinnungslosigkeit des Zentrums recht anschaulich dar- stellt, macht die kleine Schrift zu einer guten Agitationswaffc. Hus Industrie und Handel Preishausse am Roggeumarkt. Am Freitag gingen die Roggenpreise erneut scharf i» die Höhe. Zeitweilig stieg der Preis bis ans 162 M. oder um zirka 8 M. Später hielt er sich zwischen 190 und lÖO8/« M. gegen 1838/4 am Tage vorher. Wiederum lagen große Kauforders aus der Provinz und für das Ausland vor._ Ein TochterkonzeriTder Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft. Tie verbindenden Fäden bei modernen Aktienunternehmungen sind oft so unscheinbar, daß sie nicht leicht erkennbar werden. Jetzt ist der Jahresbericht der Bank für elektrische Unter- nehmungen in Zürich herausgekommen, eine Tochtergesell- schaft der A. E. G. Sie liefert ein treffendes Beispiel für die Elektrovertrustung. Die freie Schweiz wird gern zum Domizil solcher Aktienuntcrnchmungen gemacht, denen die gesetzlichen An- sorderungen, die Deutschland in bezug auf Bilanzveröffentlichung usw. stellt,— überflüssig erscheinen. Im Prinzip ist die Bank für elektrische Unternehmungen das, was in Amerika die Holding- kompaiiicn sind, eine Bereinigung von Aktieninteressen auf der Grundlage einer Aktiengesellschaft. Dieses 66 Millionen Franken- Unternehmen bezweckt, durch finanzielle Transaktionen, zu denen die moderne Aktie das günstigste Mittel ist, Geld zu machen. Sehen wir einmal zu, wie weit die Macht dieses einen Institutes reicht, das doch wieder nur eine Tochtergesellschaft der A. E. G. ist. Tie Offizin e Elettriche Genevesie in Genua verteilte 1916 16 Proz. Dividende, die Elektrobank ist daran inter- cssiert. Die Geschäfte der Compania Sevilla na de Elcctricidad in Sevilla sind für sie ebenfalls rentabel gewesen. Dasselbe trifft für die folgenden Unternehmungen zu: Compania Barcelonesa de Elcctricidad in Barcelona, Kraft- Übertragungswerke Rhein fei den A.-G., Deutsch-U e b e r- seeische Elektrizitätsgesellschaft, Berlin, Märkisches Elek- trizitätswerk A.-G., Berlin, Gesellschaft für elektrische Be- leuchtung von ck886„. St. Peters.bnicg, Socreta Meridiouale de Elettrkiia, Neapel. Societa Eleitrica Apuana in C a r a r r a, Compagnie Centrale d'Energie clectrique, Paris, Elektro- chemische Werke G. m. b. H.,. B i t t e r f e l d, Brandenburgische Carbid- und Elektrizitätswerke A.-G., Berlin,„Nitrium", A.-G., in B o d i o(Tessin),„Dinamo", Soc. Jtaliana per Jmpres« Elettriche in Mailand. Die Elektrobank besitzt von den vorgenannten Gesellschaften, die oft wieder die Aktien von einer ganzen Reihe anderer Unter- nehmungen in ihrem Portefeuille haben, große Posten an Papieren. Selbstverständlich gehören noch mehr Unternehmungen zu dem Konzern. Die Bank für elektrische Unternehmungen übernahm vor gar nicht langer Zeit die Lahmeherinteressen, und zwar im Auftrage des A. E. G.-Konzerns. Ganz besonders interessant ist dabei, wie rasch die Verwaltung der Züricher Elektrobank bemüht gewesen ist, die eingegliederten Lahmeyerunternehmungen nach allen Regeln der Kunst der Risikoverteilung, in das Netz ihrer Akticntransaktionen zu ziehen. Die Verwaltung der Elektrolmnk hat die im Besitze der Lahmeyergcscllschaft befindlichen Aktien der Festen u. Lahmeher Karlswerk A.-G. übernommen, und dafür das gesamte Aktienkapital der Rheinischen Elektrizitätswerke aus- getauscht. Dazu hat sie noch einen Posten von Aktien der Deutsch- Uebersceischcn Elektrizitätsgesellschaft und der Kraftübertragungs- werke Rheinfeldeu abgegeben. Das Prinzip bei solchen Geschäften ist immer, das Risiko an jeder einzelnen Gesellschaft auf möglichst viele andere zu verteilen. Sollte dann eine Altiengesellschaft wirklich einmal bei all den Transaktionen und Kapitalsiiivestitiouen zusammenkrachen, so ist der Verlust leicht zu tragen. Ein Teil der Aktien genügt, um in dem Unternehmen zu herrschen, der andere Teil wird stets zu guten Börsenpreisen längst abgestoßen sein, wenn es wirklich einmal wackelt. ES ist klar, daß jedes Aktiengeschäft auch zugleich einen Zwischcngcwinn darstellt. Wie aus diese Art„der- dient" wird, läßt sich nicht feststellen. Auch das bleibt unbe- kannt, was allein solch Tochtcrinstitut der A. E. G. an stillen Re- sevven besitzt. Die meisten Aktiemvcrte, die im Portefeuille der Elektrobank' liegen, erscheinen nicht zum derzeitigen Kurswert, sondern fast immer zum Nennwert in der Bilanz. Da die Elektro- akticn fast ausnahmslos weit über pari stehen, verschleiert dieser Buchnngsvorgang Millionen, die jeden Tag dnrch einfachen Aus- tausch oder Verkauf der Aktien gehoben werden können. Es muß beachtet werden, daß dieses schweizerische Trustunter- nehmen der A. E. G. eben nichts weiter ist als eine ihrer vielen Tochtergesellschaften. Die Elektrovertrustung ist schon viel weiter fortgeschritten als gemeinhin angenommen wird. Die Znckcrsteucr. Der Zucker ist in der letzten Zeit im Preise sehr gestiegen, und die Trockenheit der letzten Wochen, welche eine Mißernte im Rüben- bau erwarten läßt, treibt seinen Preis jetzt schon noch erheblich weiter hinauf. Ter Verbrauch von Gcnußzuckcr stieg im Deutschen Reich von 1 612 637 Mogramm im Jahre 1966 auf 1 134 241 Kilogramm im Jahr? 1916 oder von 16,6 auf 17,5 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung� Auf dem Zucker liegt eine große Portion von Steuern. Zu- nächst ist für den Zucker, der von auswärts kommt, ein ziemlicher Eingangszoll zu zahlen. Der Ertrag dieses EingangSzolles betrug im Jahre 1916 zusammen 352 766 M. Diese Erträge sind in den letzten Jahren infolge der Verminderung der Einsuhr zurückge- gangen; sie betrugen z. B. im Jahre 1966 noch 535 466 M. Dagegen sind die Jnlandsstcucrn aus Zucker infolge des Gesetzes vom 6. Ja- nuar 1963 fortgesetzt gestiegen. Diese Steuern stiegen von 141 Millionen Mark im Jahre 1966 auf 158 Millionen Matk im Jahre 1916. Insgesamt brachte der Zucker im Jahre 1916 an Zöllen und Steuern den Betrag von 158 827 266 M. Daser- gibt auf den Kopf. der Bevölkerung den Betrag von 2,45 M. Besser kann der Widersinn und die Wirkung der indirekten Besteuerung bringender LchenSmittel nicht illnstiiert werben. DaS Fiasko der detitsche» Gerbmatenalienzölle. Bei der Beratung des neuen Zolltarifs von 1962 im Reichstage wurde auch um die Zölle auf Gerbmatcrialien gekämpft. Die Agrarier als Waldbesitzer wollten in ihrer Jagd nach einem lücken- losen Wuchertarif durch hohe Zölle die Preste der Eichenrinde empor- treibeu, um die Gcrbmaterialicu für die Lederfabrikation und damit auch das Leder, die Schuhe und alle anderen Lederwaren zu der- teuer». Genosse Wurm wandte sich mit sachkundigsten Argumenten gegen die Zölle, aber es war alles vergeblich. Die Zölle wurden nach den Wünschen der Agrarier beschlossen. Und die Folgen? Kürzlich machte der Zentralverein der deutschen Lederindustrie eine Eingabe, in der nachgewiesen wird, daß die Zölle vollständig ihren Zweck verfehlt haben. Die Einfuhr an Eichenrinde ist zwar bc- ständig zurückgegangen, aber die Preise für Eichenrinde sind doch nicht gestiegen, weil man sie einfach immer weniger in der Leder- fabrikation verwendet. Es heißt darüber in der Eingabe: „Seit Einführung der Gerbmatenalienzölle wurden in den ersten Halbjahren vom Auslände nach dein deutschen Zollgebiet an Eichenrinde eingeführt: 1967..... 335 718 Doppelzentner 1908..... 292 609 1909..... 277 174 1910..... 238 207 1011..... 170 707 Im ersten Halbjahre 191 1 ist demnach nur noch die Hälfte der auS- läudischen Eichenrinde des ersten Halbjahres 1967 zur Ernfuhr gelangt. Nun konnte angenommen werden, daß die deutsche Lederindustrie sich von der ausländischen Eichenrinde ab- und der heimischen Eichen- rinde zugewandt hätte. Das ist aber durchaus nicht der Fall; dann hätten die bisherigen Preise für Eichenrinde steigen müssen. Eine derartige Steigerung ist nicht eingetreten, vielmehr sind der- schiedentlich Eichenschälwaldbestände gar nicht geschlagen worden, weil die Rindenpreise nicht rentabel waren." Gestützt auf diese Tatsachen verlangen die Lederfabrikanten die Aushebung der Gerbmatenalienzölle, um die Verwendung der Eichenrinde zu ermöglichen, wobei die Agrarier wie die Leder- fabrikanten besser fahren würden. ES ist nur schade, daß die Konsumenten nicht in gleicher Weise auch alle anderen Wucherzölle unwirksam machen konnten. 8o2iale9. Nnfallursachen in der Holzindustrie. Jeder Industriezweig hat seine besonderen Gefahren, die ivohl dem heutigen Produktionsprozeß eigen sind, sich aber trotz der kapi- talistischen Methode auf ein beschränktes Minimum reduzieren lassen. In der chemischen Industrie sind es die Giftstoffe, in der Steinindustrie die feinen Staubteilchen, die die inneren Organe des Menschen langsam, aber sicher zermürben. Das Baugewerbe birgt die Gefahr der Abstürze und in der Holzindustrie sind es fast ausschließlich die Maschinen, die Leben und Gesundheit der Arbeiter schwer bedrohen. Gewiß, überall liehen sich diese unnatürlichen Feinde der Arbeiterschaft in die gebührenden Schranken weisen und der täglichen Arbeitszeit könnte das Signum einer gefahrlosen Lust aufgedrückt werden. Aber dann würde auch sicher der jähr- liche Gewinst, den der Privatunternehmer aus den Knochen „seiner" Arbeiter herauswirtschastet, etwas beeinträchtigt werden. Solange aber die Heiligkeit des Privatkapitals besteht, ist hierin nicht viel zu erhoffen. Lediglich die Kraft der gewerkschaftlichen Organisation vermag es, hier zum Wohle der Menschheit ein ernst- hafteS Wort mitzureden. Vor einigen Wochen haben wir auf die Unfallhäufigkeit in den Berliner Holzbetrieben hingewiesen. Heute wollen wir an der Hand einer im soeben erschienenen Jahrbuch des Deutschen Holz- arbeiterverbandcs publizierten Statistik für das Vorjahr einige Daten geben, die sich über gang Deutschland erstrecken bczw. die Ursachen des Uebels streifen. Nicht weniger als 231 251 Maschinen gouvden-bei-deiMetzten-BetriebszäHlimg in den in Betracht kam- inenden Gruppen der Holzindustrie gezählt, welche Tatsache allein schon auf eine starke Unfallgefahr schließen läßt. Nach den Berichten der fünf in Frage kommenden Berufsgenossenschastcn betrug die Zahl der gemeldeten Unfälle 1968 26 756, 1909 26 472. Da viele kleinere Unfälle gar nicht die Bcrufsgenossenschaft beschäftigen, ist es klar, daß ihre Zahl noch entschieden höher ist. Bei der vom Holzarbeiterverband vorgenommenen Aufnahme ist das Material nur dürftig eingelaufen, da das Verfahren vielen Mitgliederii noch neu war; fortan soll jedoch in jedem Jahre eine Unfallstatistik durchgeführt werden. Doch läßt sich selbst aus der verhältnismäßig kleinen! Zahl das Typische leicht herausfinden und zeigt, wo der Hebel zur Abhilfe einzusetzen hat. Von sechzehn Maschinenartcn sind es in erster Linie die Fräscmafchincn, die Abrichtmaschinen und die Kreissägen, an denen sich die meisten Unfälle ereigne»; nicht weniger als 86 Proz. entfallen auf sie. Von 1649 Unsällen entfallen auf die Fräse 288, die Kreissäge 274 und die Abrichtmaschine 238. Die Tätigkeit des Maschincnpcrsonals bringt es mit sich, daß die meisten Unfälle sich auf die Hand bezw. Finger der Verletzten verteilen. Bei 992 Maschinenunfällcn wurden nicht weniger als 1467 Finger vcrlcht, wovon 292 Finger gänzlich ver- loren wurden. Hauptsächlich wird hiervon die linke Hand betroffen, da sie zumeist den Gegenstand hält oder in die Maschine einführt� während die rechte mehr seiner Bearbeitung dient. Doch sind iq 9 Fällen auch beide Hände verletzt worden. Einmal wurden 9, ei„ anderesinal 7 Finger bei einem Unglücksfall gänzlich vernichtet. Die weitaus meisten Unfälle waren auch von längerer Dauer, nur in 91 von 1649 Fällen war der Betroffene gleich am nächste» Tage wieder arbeitsfähig. In über 96 Proz. also mußten die Arbeiter als traurige«chwurzeuNcn kapitalistischer Rücksichtslosigkeit den Arm in der Binde tragen, Wochen- und monatelang, zuweilen für ihr ferneres Leben überhaupt ein Krüppel bleibend. Veteranen, die keine äußere Denkmünze ziert, aber immer der Hunger quält. Bei 534 verheirateten Invaliden stimmen außerdem Ehefrauen, dazu noch 1244 Kilider unter vierzehn Jahren in dasselbe Leidenslicd ein. Auch ihr noch völlig unentwickelter Körper legt also bereits Zeugnis ab von deinj was am heutigen System verdammcnswert ist. Betrachten wir Nun ein wenig die Ursachen der Unfälle. In 361 Fällen arbeitete der Verletzte nur vorübergehend an der Ma- schine und stand dieser also mehr oder weniger fremd gegenüber. Infolge schlechter Beschaffenheit der Maschinen ereigneten sich 47 und iufolgc schlechter Beleuchtling 23 Unfälle. Ungenügender, z» enger ÄrbeitSplah verursachte 63 und beisplellose Antrciberci 27 Verletzungen. Durch schlechtes Material passierten 73 Fälle. Wir lassen die anderen belangloseren Ursachen fort und weisen nur noch darauf hin, daß infolge Fehlens der Schuhvorrichtung sich 121 Fälle ereigneten. Bei 89 Fällen war wohl die Schuhvorrichtu'ig vor- haiiden, aber unbrauchbar, und in 247 Fällen war sie unbcr?6>tlgter- weise außer Gebrauch genommen. Bekräftigt wird dies» strafbare Lässigkeit auch durch die Maßnahmen der gewerblichen Auffichts- beamten, wo bei 156 Beanstandungen sofort in 115 Fällen Abhilfe geschaffen wurde. Natürlich ist die Zahl der Beaustanduligen bei weitem größer, die genannte Ziffer hält sich aber im Nahmen unserer übrigen Zahlen. Der Unternehmer sucht sich eben um die Anschaffung der Sicherheitsvorcichtui�gen zu drücken, und die Bearbeiter der Statistik betonen mit Recht: Auf den Ausstellungen werden zwar vorzüglich konstruierte Vorrichtungen gezeigt, aber die weniger brauchbaren sind billiger.— In 126 Betrieben fehlte das Verbandsmaterial, in 78 Betrieben war es schlecht, in 507 Be- trieben fehlten die Staubfänger und 98 Unternehmer hielten die Schutzvorrichtungen an den Transmissionen als LuxnS. Ad absurdum wird die gewissenlose Behauptung lügnerischer Unternehmersöldlinge geführt, die, um den Arbeitern eins anzu- hängen, die Zahl der Unfälle sehr gerne auf den Montag als einen „Sauftag" verlegen. Selbstverständlich findet sich für solch frivole Behauptung auch nicht der geringste Anhaltspunkt. Die Ergebnisse dieser Statistik sind ein Beweis, wie wenig Ge- sundheit und Leben der Arbeiter geachtet werden. Seitens der Arbeiter gilt es, aus eigener Kraft Sicherung für ihre Gesundheit zu schaffen und die Unternehmer zu Schutzmaßregeln zu zwingen. deren Einhaltung ein mächtiger Beamtenstaat anscheinend nicht durchsetzen iaruk GcwerhrcbaftUchcö» Eine Hufhlärung über die Husfperrung in der rächfircben Metallindustrie. Dom Bezirksleiter deS Metallarbeiterverbandes, Genofien H a a ck in Leipzig, ist soeben eine kleine Broschüre heraus- gegeben, in der an der Hand von authentischen Belegen dargetan wird, mit welchen Mitteln mitunter Aussperrungen zustande ge- bracht werden. Haack erklärt einleitend, daß die angegriffenen Unternehmer den Klagcweg beschreiten können, wenn sie sich zu unrecht angegriffen fühlten, um dann an Gerichtsstelle die Wahr- hcit festzustellen. In den Betrieben der Metallindustriellen in Chemnitz und Dresden wurde durch Anschläge behauptet, daß sie 60 Prozent der Belegschaften aussperren mutzten, wenn die in Leipzig streikenden Metallarbeiter nicht von ihrem Standpunkt abgingen, daß nur mit den Organen des Metallarbeiterverbandcs verhandelt werden könne. Haack weist durch Abdruck eines an die Vertrauens- leute des Metallarbeiterverbandcs versandten Zirkulars nach, datz die Unternehmer falsch unterrichtet worden sind, denn nie hat der Verband ein solches Verlangen in der abstrakten Form gestellt. Unwahr ist auch die Behauptung der von den Unternehmern in- spiriertcn bürgerlichen Presse, datz es sich überhaupt nicht mehr um materielle Forderungen handele, sondern nur um Anerkennung der Organisation. Aus dem weiteren Inhalt der Broschüre geht dann hervor, datz die Unternehmer alles getan haben, um die Sache zu der- wirren und jede Verständigung zu erschweren, obwohl der Metall- arbeiterverband wie auch die Streikenden immer zur Verständigung bereit waren. Nach dem aufklärenden Zirkular der Bezirksleitung an die Vertrauensleute traten die Arbeiterausschüsse verschiedener Be- triebe den Behauptungen der falschinformierten Betriebsleitungen entgegen, was zur Folge hatte, daß Chefs und Direktoren auf die Arbeiter einwirkten, ihren Einfluß bei der Verbandsleitung geltend zu machen, damit in Leipzig Verhandlungen in die Wsge geleitet würden. In einigen Fällen wurden Arbeiterausschutz- Mitglieder teilweise unter Bezahlung von Zeitversäumnis und Reisekosten zum Bezirksleiter nach Leipzig gesandt, um ihm Vor- schlüge für die Verhandlungen zu machen. Der Direktor K o h l e r von der Firma Seidel u. Naumann in Dresden kon- ferierte mit Haack direkt wegen der Einleitung von Einigungs- Verhandlungen und schlug vor, datz von jeder Partei Kommissionen zu Verhandlungen gewählt werden sollten. Er erklärte es als ganz selbstverständlich, datz in dem Moment, in dem EinigungS- Verhandlungen eingeleitet sind, die Aussperrungen in Chemnitz und Dresden verschoben werden sollten. Sicher hat sich Di- rcktor Kohler mit den Dresdener und Chemnitzer Metallin- dustriellen ins Einvernehmen gesetzt. Als dann wenige Tage darauf am Donnerstag die Verhandlungen beginnen sollten, wurde den Arbeiterdelegierten erklärt, daß die Verhandlungen am Freitag beendet sein müßten, sonst würde am Sonnabend in Chemnitz und in Dresden ausgesperrt! Die Verhandlungen wurden aber schon sehr erschwert durch eine in der bürgerlichen Presse cnt- haltene— sicher von den Industriellen hineinlanzierte— Notiz, die die Wahrheit aus den Kopf stellte. Bei den Verhandlungen verlangten die Arbeitervertreter Aufklärung darüber, ob diese Notiz von dem Metallindustriellenvcrband herrühre. Das wurde verneint, sonderbarerweise aber abgelehnt, eine solche Erklärung zu Protokoll zu geben. Und als dann die Kommission der Arbeiter darauf verwies, datz doch vereinbart worden sei, bei Zustande- kommen der Verhandlungen die Aussperrung in Dresden und Chemnitz aufzuschieben, erwiderten die Unternehmer, daß das tvohl.private Abmachungen seien. Angesichts dieser Erklärung zogen' sich die Arbeitervertreter zurück; sie wollten sich erst mit der Verbandsleitung ins Einvernehmen setzen, zumal bei der Kompliziertheit der Sachlage es überhaupt unmöglich war. diese Verhandlungen in einem Tage zur Erledigung bringen zu können. Die Unternehmer bestanden aber auf Erledigung der Sache an einem Tage, andernfalls wollten sie den nächstfolgenden Tag aus- sperren. Die Verhandlungen wurden daraufhin unterbrochen, um zur Aufklärung der Sache erst noch einmal mit Direktor Kohler in Dresden Rücksprache zu nehmen. Direktor Kohler wich aber jetzt einer Besprechung aus und gab der Kommission den Rat, sie sollte ihre Bereitwilligkeit zum Verhandeln am Sonnabend zu erkennen geben. Dazu war die Kommission denn auch bereit und stellte sich zur Verhandlung am Sonnabend ein. Nach zweistündigem Warten wurde die Kommisston durch die Unternehmer zu 4 Uhr nachmittags bestellt. Und am gleichen Tage erklärte dann Direktor Kohler. es müsse nun doch ausgesperrt werden, denn den Unter- nehmern in Leipzig sei von der Kommission der Arbeiter auf das Ersuchen zu Verhandlungen die Antwort erteilt worden:„Wir haben jetzt keine Zeit, erst Nachmittag 4 Uhr wollen wir ver- handeln." Dieses Verhalten» sei eine Brüskierung der Unter- nehmer und deshalb müsse ausgesperrt werden. „So etwas von Rabulistik hat die Welt wohl noch nicht ge- sehen!" sagt die Broschüre recht treffend. Und bewiesen ist, datz mit einer seltenen Frivolität die Aussperrungen in Dresden, Chemnitz und Leipzig vollzogen worden sind. Berlin und Umgegend. Tie Lohnbewegung in der Kontobnelibranche deS Vuchbindergewerbes. Am Tonnerstag fand in den„Musikersälen" eine Branchcp- Versammlung der in den Geschäftsbuch-, Schreibheft-, Kassen-, 'Zeichen- und Kalenderblockfabriken sotoie Liniieranstaltcn be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in der Klar über den Stand der Tarifbewegung berichtete. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß die bereits vor drei Monaten ein- geleitete Bewegung noch zu keinerlei greifbarem Ergebnis geführt hat. Die Vereinigung der Berliner Gesckstiftsbuchfabrikantcn stellte bekanntlich an den Abschluß eines neuen Tarifvertrages die Bedingung, datz er vom 1. Januar 1942 bis zum 31. Dezember 1916 gelten sollte, der Ablauftermin also auf die geschäftsflauste Zeit des Jabres verlegt werden sollte. Als Begründung für dieses Verlangen führten sie an, datz in dieser Hinsicht eine Ueberein- stimmung mit dem Buchdruckertarif geschaffen werden müßte. Von der Arbeiterschaft der Branche wurde das und wird das entschieden abgelehnt. Inzwischen hatte der Vorsitzende der Fabrikanten den Branchcnvertretcr zu einer Besprechung eingeladen, die jedoch unterblieb, da die Branchenvertreter an dem betreffenden Tage nicht konnten, was auch der Untecnehmerorganijation mitgeteilt wurde. Für einen späteren Termin waren die Unternehmer- Vertreter nicht zu haben. Ihr Vorsitzender teilte schließlich mit, datz die Fabrikanten ihre Kommission beauftragt hätten, einen Tarifcntwurf auszuarbeiten, der der Branchenleitung demnächst zugestellt werden sollte. Bis jetzt ist dieser Gegcnentwurs der Fabrikanten nicht eingegangen. Die Fabrikanten suchen die ganze Angelegenheit offenbar immer länger hinauszuziehen. Der alte Tarifvertrag läuft am 86. September dieses Jahres ab. Ter Tarifentwurf der Arbeitnehmer liegt den Fabritanten bereits feit Monaten vor, so datz Zeit genug zur Verhandlung gewesen wäre. Die ganze Lage der Dinge läßt erkennen, daß es nur durch festes Zusammenhalten aller Arbeiter und Arbeiterinnen Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: ZhVGlocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdr.u Veriagsanstalt PaulSinger�Co..BerlinLVV. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhalt««! der Branche möglich sein wird, zu einem annehmbaren Tarif- vertrag zu kommen.— In der regen Diskussion zeigte es sich deutlich, daß sich in der Branche eine lebhafte Erregung über das Vechalten der Fabrikanten geltend macht und datz man fest ent- schlössen ist, alle Kraft einzusetzen, um die notwendige Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erreichen und, wenns sein mutz, zu erkämpfen. Folgende Resolution wurde einstimmig an» genommen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden und billigt die Taktik der Branchen» leitung. Sie nimmt Kenntnis von dem Verhalten der Fabri» kanten, die, obwohl der Tarifentwurf sich seit drei Monaten in ihrem Besitz befindet, die Verhandlungen zur Schaffung eines neuen Tarifvertrages bisher verzögert haben. Die An- wesenden erklären sich bereit, allen Matznahmen der Organi- sation Folge zu leisten und selbst vor den äußersten Konse- quenzen nicht zurückschrecken, um den Abschluß eines Tarifver- träges zu erzielen." Ter Streik der Elektromonteure und Hilfsmonteure in seinem bisherigen Verlauf wurde in einer Versammlung der Berufsgenossen, die am Donnerstag abend im großen Saale der Brauerei Friedrichshain stattfand, eingehend besprochen. Otto Handle referierte. In bezug auf die weitere Stellungnahme im Kampfe machte der Referent die Vorschläge der jüngsten Ver- trauensmännerkonferenz bekannt, die dahin gingen, datz mit jeder einzelnen Firma Vereinbarungen getroffen werden sollten, um die Forderungen des Tarifvertrages durchzusetzen. Um diese Ver- einbarungen zu erleichtern, sollen einige Aenderungen der Tarif- bestimmungcn vorgenommen werden. So will man für die jung- ausgelernten Monteure 69 Pf. im ersten Jahre, 63 Pf. im zweiten Jahre und 79 Pf. erst im dritten Jahre als Stundenlohn verlangen. In gleicher Weise sollen die jungausgelerntcn Hilfs- Monteure 43 Pf., 39 Pf. und 35 Pf. erhalten. Während dann im Tarifvertrage die Abschaffung der Akkordarbeit verlangt wird, soll es jetzt heißen, daß die Akkordarbeit nach Möglichkeit zu meiden ist; wo aber im Akkord gearbeitet wird, da mutz der Stundenlohn garantiert sein. Bei einer Reihe von Firmen können unter diesen Bedingungen Vereinbarungen getroffen werden. Jedenfalls beweisen die Streikenden alleM Unternehmern damit ein Entgegenkommen und zwar aus der Erwägung, datz sie bei den Unternehmern nur zu einem kleinen Teil mit einer Organi- sation zu tun haben, die einen Tarifvertrag mit dem Deutschen Metallarbeiterverbande abschließen könnte. Insgesamt kommen 339 Firmen in Betracht; davon gehören 49 einer Einkaufsgcnossen- schaft an und 39 bilden einen Bezirksverband der Berliner Elektro- industriellen. An den Versammlungen, die von der eingesetzten Geschäftsstelle unter Dr. Fellinger zur Besprechung der durch den Streik geschaffenen Lage einberufen wurden, haben sich nicht mehr als 199 Firmen beteiligt. Nach den Vorschlägen der Streik- leitung sollten die Elektromonteure und Helfer von sämtlichen Firmen sofort vorstellig werden und eine Verbesserung der Ar- beitsbedingungen nach den im Tarif festgelegten Sätzen verlangen, wenn auch mit den Aenderungen hinsichtlich der Jungausgelernten und der Akkordarbeit. Bis zum Sonnabend sollte dann der Be- scheid der einzelnen Firmen eingefordert werden. In der Diskussion dieser Vorschläge zeigte sich viel Unzu- friedenhcit unter den Versammelten. Man wollte von einer Nach- giebigkeit nichts hören und verlangte den offenen Kampf auf der ganzen Linie. Erst nach längerer Besprechung drang die Streik- leitung mit ihren Vorschlägen durch und fand die Zustimmung der großen Mehrheit der Versammlung. Gestreikt wird gegen- wärtig bei folgenden Firmen: Siemerrs u. Schuckert, Siemens u. HalSke(alle Betriebe), Gebauer u. May, Siemundt, Cronheim, Grünberg u. Kurde, Fleischhauer, Kaiser u. Schmidt, Mielentz u. Dalchow, Henning. Machol u. Marter, Kessner, Tenner, Selhof u. Harna- kowski, Döring, Schwabe u. Co., Schapiro. Achtung, Tapezierer! Wegen Differenzen ist die Werkstatt Gebr. Homann, Perlebergcrstr. 23. gesperrt. Die Schlichtungskommission. Achtung. Töpfer! Die Sperre über die Firma Bruno Berg hat sich erledigt, da die Firma wreder den Tarif anerkennt und nur noch modern Organisierte beschäftigt. Die Verbandsleitung. Die Stcinarbeiter beschäftigten sich am Donnerstag in einer den großen Saal der..Arminhallen" füllenden Versammlung mit dem von ihnen seit langem erstrebten paritätischen Ar- beitsnachweis. Nach einem beifällig aufgenommenen Vor- trage des Genossen K ö r st e n über die Bedeutung eines solchen. gelangte nach lebhafter Diskussion, in der auch mehre« Gegner des paritätischen Nachweises ihre Ansichten in aller Schärfe ent- wickelten, folgende Resolution mit großer Stimmenmehrheit zur Annahme: „Die Steinarbeiter von Grotz-Berlin verurteilen den gegen- wältigen Zustand der Arbeitsvermittelung auf das entschiedenste. Sie beauftragen ihre Vertreter(Bcrbandsleitung und Gesellen- ausschutz) auf Beschleunigung der Verhandlungen mit dem Ver- band der Steinmetzgcschäfte von Grotz-Berlin und der Berliner Steinmetzinnung zwecks Einführung eines paritätischen Arbeits- Nachweises zu dringen."_ Deutfche» Reich. Ein Hilferuf der Scharfuincher in der Metallindustrie. Den Drahtziehern im Lager der Leipziger Metallindustriellen scheint es etwas schwül zumute zu werden. Um ihrem Gewa'tstreich gegen die Metallarbeiter etwas mehr Nachdruck zu verleihen und die Aussperrung etwas zu verschärfen, erlassen sie an die nicht- organisierten Unternehmer folgendes Zirkular: Verband der Metallindustriellen im Bezirk Leipzig. Bekanntlich haben die in unserem Verbände vercrn�oen Firmen in einem Kampfe mit der organisierten Arbeiterschaft eine 69prozcntige Aussperrung ihrer Belegschaft durcbgeführt. Da zu erwarten steht, daß viele der ausgesperrten Leute in Betrieben, die unserem Verband nicht angehören, Unterkommen slichcn werden, bitten wir Sie, indem wir an das So idaritäts- gcfühl der Arbeitgeber appellieren, uns in dem uns aufgedrunge- nen(!!!) Kampfe freundlichst in der Weise unterstützen zu wollen, datz Sie von hier kommende Leute während der Dauer der Differenzen nicht einstellen. Zu Gegendiensten sind wir jederzeit gern�bereit. Hochachtungsvoll Verband der Metallindustriellen, Bezirk Leipzig. Die Herren haben also noch den Mut, von einem„auf- gedrungenen" Kampfe zu reden. Die Fassung des Zirkuläres läßt übrigens erkennen, datz es nicht nur für Leipzig bestimmt ist. Die Leipziger Scharfmacher begnügen sich also nicht damit, Arbeiter grundlos aufs Strahenpflaster zu werfen, sondern sie beabsichtige» nichts mehr und nichts weniger, als die brotlos Gemachten auch existenzlos durch ganz Teutschland zu Hetzen. Lohnbewegung im Steindrucfgewerbe. Leipzig ist die zweitgrößte Druckstadt in ganz Teutschland; von den runo 18 999 in Deutschland beschäftigten Lithographen und Steindruckcrn sind allein zirka 3999 in Leipzig, beschäftigt. Hier fand nun am. 39. August eine außerordentlich stark besuchte Versammlung statt, die von mindestens 2599 Lithographen und Steindruckern besucht war. Nach ftatt�efundenen Referaten und Diskussionen nahm die Versammlung einstimmig nachstehende Re- solution an: „Die am 39. August 1911 in Leipzig stattgefundene Ver- sammlung der Lithographen und Steindrucker stellt fest, datz: die Lohn- und Arbeitsbedingungen im Gewerbe fortdauernd ungünstiger geworden sind, datz die sich fortentwickelnde Technik immer grötzer« Ansprüche an den Arbeiter stellt, für die bisher eine Gegenleistung nicht zu erlangen war. Die Versammlung beschließt deshalb: eine anderweitige Regelung der Lohn- und ArbeitSbedin- gungen anzustreben, beauftragt die Verwaltung: den Unter- nehmcrn eine entsprechende Vorlage zuzustellen und zu deren Durchführung alle erforderlichen Schritte zu unternehmen. Die Versammlung erwartet, datz im Interesse eines gedeih- lichcn Weiterarbeitens die Unternehmer dem berechtigten Ver- langen der Arbeiter auf Besserung ihrer Lebenslage Verständnis entgegenbringen. Die Versammlung fordert die unorganisierten Kollegen auf, sich der Bewegung anzuschließen und verspricht, diese Kollegen zu unterstützen." Gefordert wird u. a. eine tägliche Arbeitszeit für Litho- graphen, Kartographen und Zeichner von 8 Stunden(diese besteht schon meist), für Steindrucker 8 Vi Stunden(bisher 9 Stunden), an Rotationsmaschinen 8 Stunden. Mindestlohn im ersten Ge- Hilfenjahre nicht unter 24, im zweiten Gehilfcnjahre nicht unter 27 M. Für Notationsmaschinenmeister im ersten Jahre der Be- schäftigung nicht unter 49, dann nicht unter 43 M.— Lehrlinge können ausgebildet werden: bis 5 Gehilfen 1 Lehrling, bei 6 bis 11 Gehilfen 2 Lehrlinge, bei 12 bis 17 3 und auf je weitere 8 Ge- Hilfen 1 Lehrling mehr. In keramischen Anstalten, für Autochrom- und Lichtdruckpostkarten, sowie für Rotationsmaschinen dürfen keine Lehrlinge ausgebildet werden.— Für U eberstunden sind in der Woche 23 und Sonntags 39 Proz. Zuschlag zu bezahlen; regel- mätzige Ueberstunden sind nicht zulässig, wöchentlich dürfen von einem Gehilfen nicht mehr als 3, jährlich nicht mehr wie 89 lieber- stunden gemacht werden.— Die gesetzlichen und vom Geschäft an- geordneten Feiertage sind zu bezahlen.— Allen Gehilfen soll ein Ferienurlaub von mindestens 3 Tagen unter Fortzahlung des Lohnes gewährt werden. Der Urlaub verlängert sich jedes Jahr um einen Tag bis zu zwei Wochen.— Akkord-, Heim- und Prä- mienarbeit ist unzulässig.— Allen mit Bronzedruck beschäftigten Druckern wird eine Extraentschädigung von I M. pro Tag gezahlt. — Der Arbeitsnachweis der Gehilfenorganisation wird in erster Linie in Anspruch genommen.— Jeder Gehilfe erhält eine den Teuerungsverhältnissen entsprechende Lohnzutage. Diese Forderungen sind am gleichen Abend noch nach Schluß der Riesenversammlung den Unternehmern einzeln per Post zu- gesandt worden. Diese sollen bis zum 6. September Nachricht geben; am Donnerstag, den 7. September, findet eine weitere Versammlung statt, wo Bericht über die Antworten der Arbeit- geber gegeben werden soll Bei denjenigen, wo bis Mittwoch eine befriedigende Anttvort nicht eingegangen ist, soll am Freitag, den 8. September, die Kündigung eingereicht weiften. HusUnd. Drohender Generalstreik in Madrid? Infolge der Aussperrung einiger Arbeiterkategorien beab- sichtigen, nach einer Meldung des Bureau Herold, die Arbeiter einen Generalstreik in die Wege zu leiten. Hetzt* Nachrlcbtcn. Schwere Sxplofion auf einem Dampfer. In der Stcpcnitzcr Bucht ist Freitag nachmittag 4 Uhr der Regierungsdampfer„Strcwe" insotge einer surcht baren Keffelexplosion in die Luft geflogen. Der auf dem Dampfer befindliche B a u r a t der Königlichen Wasserbauverwaltung, S l e s i n s k y, sowie der M a- schinenmeister 1. Klasse und Baggermeister S ch r ö- der, ferner Schisfskapitän Laads, Maschinist H e r tz k y und Heizer G n e w u ch sowie die Matrosen B e r n t s e n und noch zwei weitere wurden getötet, zwei andere tödlich verletzt. Ueber die Kesselexplosion meldet ein Telegramm von WolffS Telegraphenbureau: Stettin, 1. September. Gegen 2% Uhr fuhr der RegierungS- Kämpfer„Strcwe" mit dem Regierungsbaumeister Slesinski an Bord von Stettin nach der S t e p e n i tz e r Bucht. Gegen 4 Uhr legte der Dampfer in der Bucht bei den fiskalischen Dampf- baggerstellen an. Der Maschinenmeister 1. Klasse und Bagger- meister Schröder betrat das Schiff, um dem Baurat über die Baggerarbeiten Bericht zu erstatten bezw. um neue Aufträge in Empfang zu nehmen. In diesem Augen- blick erfolgte die Explosion des Kessels. Außer dem Baurat waren noch 8 Mann an Bord, der Schiffskapitän L a a b s, der Ma- schinenmeister Schröder, der Heizer Gnewuch, der Maschi- nist H e r z k y und der Matrose B e r n t s e n, ferner der Koch Groß, der Matrose L a st und die Steuerleute F e ch t n e r und S a n d a u. Während die vier letzteren schwer verletzt wurden, wurden alle übrigen an Bord befindlichen Personen durch die Ex- plosion sofort getötet. Der Baurat SIesinsky wurde mit furcht- barer Gewalt von dem Dampfer auf den gegenüber liegenden Dampfbagger geschleudert und war sofort tot. Er hatte an der rechten Kopfseite eine entsetzliche Wunde davongetragen. Der Maschinist Herzky und der Kapitän Laads wurden von dem Bagger in die Luft geschleudert und getötet. Ebenfalls durch die Explosion erlitten tödliche Wunden die übrigen drei Genannten, Die Ursache des Unglücks wird sich, da sowohl der Heizer wie der Maschinist tot sind, wohl kaum mit Sicherheit feststellen lassen. Stettin, 1. September. Wie amtlich bekanntgegeben wird, sind bei der Explosion auf dem Dampfer„Strewe" getötet worden: Baurat SIesinsky, Kapitän Laads, Maschinist Herzky, Heizer Gnewuch, Matrose B e r n t s e n. sämtlich von der „Strcwe"; ferner Maschinenmeister 1. Klasse Schroeder vom Dampfbagger 5. Steuermann S a n d a u, Matrose Groß und Arbeiter Last wurden zum Teil schwer, zum Teil leichter ver- letzt. Der Dampfer wurde nach einer seichten Stelle geschleppt und dort auf, Grund gesetzt. Tie belgischen Frnnen gegen die Teuerung. Brüssel, 1. September.(W. T. B.) Im In dustriezen. trum wächst sich die Erregung der Hausfrauen zu einem plan- mätzigen Boykott der Bauern aus, die Milch, Eier und Butter nicht zu den vorgeschriebenen Preisen abgeben wollen. Die Polizei verhinderte heute die Zufuhr zu den Märkten von La Louviere und Hondeng, um Zusammcnstötze mit den Hausfrauen zu vermeiden, die begeisternde Reden halten. Die Bewegung richtet sich auch gegen die Fleischer. Ausbreitung der Cholera. Paris, 1. September.(B. H.) Nachrichten von der st Grenze besagen, daß in Barcelona verschiedene Ei vorgekommen sein sollen, die die Bevölkerung in leb. rcgung versetzen. Auch in verschiedenen anderen Orten si sonen unter verdächtigen Symptomen erkrankt. Vie! soncn haben aus Furcht vor der Seuche Spanien verlassen nach Frankreich begeben. in 205. Z8.MM-. l. ötllM in Jormiutö" Jfrliiift PolbHött s«°°�s.'W. Der Aufmarsch in Creptow am Sonntag. \%\ \c s Um einen geordneten Auf- und Abmarsch zu ermöglichen, Diese 3 Kreise schwenken von der Treptower Chaussee aus nach ihrem Standort ein. Diese 5 Kreise schwenken von der Köpenicker Landstraße aus nach ihrem Standort ein. Die Demonstration findet im Treptower Park statt. sind folgende Bestimmungen getroffen: Tribüne>: Nieder-Barnim. II: 4. Kreis(Ost). „ III: 4...(Südost). „ IV: 6.„(Schönhauser, Rosenthaler Vorstadt u. Gesundbrunnen). „ V: 6.,(Wedding, Oranienburger Vorstadt und A!oabit). „ VI: 1. und 5. Kreis. „ VII: 2. Kreis. „ VIII: 3.„ „ IX: Teltow-Beeskow(RiLdorf). „ X:„„(der übrige Teil ohne Rixdorf) Auskunft wird bei Tribüne IV erteilt. Dort befindet sich die Zentralstelle. Alle Züge benutzen so weit wie möglich die Chausseen, damst auf dem Versammlungsplatz das Durcheinander der mieden wird. Jeder Bezirk versammelt sich in dem vom Bezirksführer angegebenen Lokal und marschiert unter dessen Führung so frühzeitig von dort weg, daß er spätestens"/«l Uhr an seinem Versammlungsplatz eintrifft. Die Redner beginnen pünktlich 1 Uhr. Punkt 2 Uhr wird von allen Tribünen über die Resolutton abgestimmt Der Beginn der Versammlungen sowie die Abstimmung über die Resolutton wird durch Trompetensignale bekannt gegeben. Der Rückmarsch erfolgt in derselben Weise wie der Hinmarsch. Die Ordner, an einer roten Armbinde kenntlich, haben die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung während der ganzen Veranstaltung. Wir rechnen darauf, daß unsere Ordner in der bekannten taktvollen und höflichen Art. die zum glatten Verlauf nötigen Weisungen erteilen. Wir bitten unsere Genoffen, die Sträucher und Pflanzen auf dem Platze sorgfälttg zu schonen. Weiter bitten wir dringend, nach Schlnst der Demonstration von jeder weiteren Aktion Abstand zu nehmen und ruhig nach Hause zu gehen. Es liegt im Parteiinteresse, daß wir wieder Zeugnis ablegen für unsere polittsche Reife, für unsere so oft schon gerühmte Disziplin. Jedes nachherige Herumziehen kleinerer Trupps durch die Straßen Berlins hat unbedingt zu unter bleiben, jede dahingehende Aufforderung ist als unlautere Provokation zu betrachten. Parteigenossen und Genossinnen! Männer und Frauendes arbeitenden Volkes! Keiner fehle bei der Demonstration am Sonntag! Erhebt flammenden Protest gegen die ruchlose Kriegshcherei, gegen die BenFe- und Knebelungspolitit der herrschenden Klassen! Der Oerband[ozialdeinohratiicber Klablvereine Groß-Berlins. I. 21.: Eugen Ernst. Jugendbewegung. Eine neue Methode polizeilicher Bevormundung. Die G ö r I i tz e r Polizei hat ein neues Mittel entdeckt, wie sie die ihr durch das neue Vereinsgesetz genommenen Handhaben zur Verkümmerung der Versammlungsfreiheit, das Recht Ver- sammlungen zu verbieten und aufzulösen, ersetzen kann. Sie stützt sich aus§ 132 des preußischen Gesetzes über die allgemeine Landes- Verwaltung und droht Strafe an für jeden Fall vermeintlicher Gesetzesübertretung; Gesetzesübertretungen aber sollen sein, wenn Jugendliche in Versammlungen gehen, die vom sogenannten Jugendausschuh veranstaltet sind— ganz gleichgültig, welcher Art die Veranstaltungen sind. Der polizeiliche Verstoß gegen die Jugendbewegung ist in die folgende Verfügung gekleidet, die dein Mitglied des Jugendausschusses. Genossen Fritz Eichhorn, zuging: »Auf Grund des RcichSvereinsgesetzeS vom 19. April 1908 —§ 17— werden alle vom Jugendausschuß getroffenen Ver- anstaltungen für die Arbeiterjugend, insbesondere die Zulassung und Duldung von Personen unter 18 Jahren zu Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen des Jugendausschuffes unter An- drohung einer Geldstrafe von 50 M. oder für den Fall des Un- Vermögens einer Haftstrafe von einer Woche für jeden Ucber- trelungsfall gemäß§ 132 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 untersagt.". In der Tat wurde dem Empfänger dieser Verfügung auch ein Strafmandat über 50 M. zugeschickt, weil er Sugendlichc in einer Versammlung geduldet haben soll, in der ein abrikant über seine Reisen im Lande der Mitter- vachts sonne gesprochen hatte. Sericbrs- Teitung. Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt Ihr ihn der Pein. Um den Hunger ihrer Kinder zu stillen, hat die Frau Hulda B l u m e n l h a l eine Straftat begangen, welche sie gestern vor die dritte Ferieiistrafkamnier des Landgerichts III führte. Die in Lichtenberg wohnhafte Frau ist schon viel von Schicksalsschlägen verfolgt worden. Trotzdem hat sie es bisher stets verstanden, sich und ihre drei unmündigen Kinder durch ihrer Hände Arbeit über Wasser zu' halten. 2lls dann aber noch Krankheit in die Familie einzog, versagte die Kraft der bedauernswerten Frau. Sie verlor ihre 2lrbeit und wußte schließlich nicht mehr, wo sie das zum Lebensunterhalt notweudugsle hernehmen sollte. ?lls eines Tages kein Stück Brot mehr im Hause war. raffte sie sich zu einem verzweifelten Entschluß auf. Sie fälschte einen Zettel mit dem Namen einer in dem Hause wohnhaften Frau Koch und bestellte darauf für dreißig Pfennig Semmeln. Mit diesem Zettel schickte sie ihre Tochter zu einem in der Nähe wohnhaften Bäckermeister, der dem Kinde auch die Backware aushändigte. Diese Tat kam schon einige Tage später zur Entdeckung, als der Bäckermeister die Bezahlung der Backware von der Frau Koch verlangte. Weder von dem Bäckermeister, noch von der Frau K. wurde Anzeige erstattet, nachdem sie Kenntnis von den traurigen Verhält- nissen erhalten hatten. Die Llnzeige rührt vielmehr von einer Nachbarin der 2lngeklagten her. Die Folge dieser Anzeige war die jetzige 2ln klage wegen schwerer Urkundenfälschung. Staatsanw.-2lssessor Gallenkamp beantragte die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von einer Woche Gefängnis, auf welche das Gericht auch erkannte. Dem Rechtsempfinden hätte eine volle Freisprechung mehr entsprochen. Eine solche Wäre wohl auf Grund des§ 54 Str.-G.-B. möglich gewesen, der erklärt: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn die Handlung außer dem Fall der Notwehr in einem unverschuldeten, auf andere Weife nicht zu beseitigenden Notstande zur Rettung aus einer gegen- wärtigen Gefahr für Leib oder Leben des Täters oder eines Angehörigen begangen worden ist. Zu je 14 Jahren Zuchthaus wurden gestern zwei gefährliche gewerbsmäßige Einbrecher verurteilt. Wegen schweren Diebstahls im wiederholten strafschärfenden Rückfalle hatte die zweite Ferienstrafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Laiidgerichlsdirektors Dr. F o r st m a n n gegen den aus der Untersuchungshaft vorgeführten, gelegentlich als Schmied beichästigten Friedrich G r ü n b e r g und den Gelegenheitsarbeiter Max Thon zu verhandeln. Beide Angeklagte sind vielfach vor- bestrafte gewerbsmäßige Einbrecher, Thau, der allein 22 Vorstrafen erlitten bat, ist zuletzt wegen eines Einbruchs, bei welchem er auf seine Verfolger g e s ch o sf en hatte, zu zehn Jahren Zucht- hauö verurteilt worden. In dem jetzt zur Slnklage stehenden Fall handelt es sich um eine ganz ähnliche Tat, bei welcher es nur als ein glücklicher Zufall zu bezeichnen ist. daß nicht Menschen getötet oder schwer verletzt worden sind. In der Nacht zum 18. Juli d. I. vernahm die Ehefrau deS in der Gleditschstr. 8 wohnhaften Milchpächters Graf in der eine Treppe höher liegenden Wohnung des Bankbeamten Güldenhaupt verdächtige Geräusche. Da dieser mit seiner Familie schon einige Tage vorhet verreist war, kam sie auf den Verdacht, daß Einbrecher in die Wohnung eingedrungen wären. Sie weckte ihren Mann und den im Hintergebäude schlafenden Kutscher Gurtz. Als die drei dann die Treppe hinaufgegangen waren, fanden sie die Korridortür der G.schcn Wohnung offenstehend. In demselben Augenblick stürzten zwei Männer mit den Worten:«Weg oder ich schiebe!" auf sie los. Zugleich krachte ein Schuß, den einer der Einbrecher auf den Ehemann Graf abgefeuert hatte. Nur dadi'rch, daß Graf die Geistesgegenwart hatte, sich schnell zu bücken, entging er der ihm zu- gedachten Kugel. Die beiden Einbrecher stürzten die Treppen hinunter und versuchten diz Straße zu erreichen. Als ihnen der Gurtz folgte, gab einer der Einbrecher noch einen zweiten Schuß ab, der glücklicherweise ebenfalls nicht traf. Aus der Straße wurden die beiden Täter, die beiden jetzigen Angeklagten, dann nach heftiger Gegenwehr entwaffnet und verhaftet. Das Gericht hielt es im Jnieresie der Sicherheit des Publikums für erforderlich, die ganze Strenge des Gesetzes anzuwenden. Das Urteil lautete deshalb auf je vierzehn Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Außerdem er- achtete das Gericht ein versuchte? Verbrechen gegen den ß 214 deS Strafgesetzbuchs fiir vorliegend, welcher Zuchthausstrafe dem androht, der bei einer strafbaren Handlung, um sich der Ergreifung zu ent- ziehen, einen Menschen tötet. Wegen dieses Verbrechens erklärte sich die Strafkammer für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht. Hus aller Melt. dabnlinnl Noch jubeln unsere Mordspatrioten, daß eS infolge der Erfindung von LenkballonS und Aeroplanen möglich fei, den organisierten Massenmord nicht nur zu Lande und Wasser, sondern auch in der Luft zu betreiben. Aber schon naht das Verhängnis! Wie bei allen Erfindungen der Mordtechnil wird die eine durch eine andere wirkungslos gemacht. Jetzt kommt aus New D o r k die Meldung, daß das amerikanische Kriegsdepartement ein neues Geschütz gegen Lustschiffe und Flugapparate angekauft hat. Es besitzt eine große Tragweite und kann unter jedem Winkel abgefeuert werden. Das Geschoß wiegt drei Kilogramm und explodiert in der Luft in einer vorher regulierten Höhe. Bei der Explosion werden kleine Geschosse nach allen Richtungen hin zerstreut. Natürlich ist es nun Ehrensache aller Kulturstaaten, möglichst bald in den Besitz ähnlicher, wenn möglich, noch wirksamerer Ge- schütze zu gelangen. Denn wozu sind denn schließlich die Steuer- groschen deS Volkes da?_ Sechs Menschen verbrannt. Eine schwere Brandkalastrophe wird aus dem bodischen Schwarzwaldstädtchen Gengenbach gemeldet. In einem maleri- schen Winkel dieser alten«freien Reichsstädte", dem Gansbühl, brach in der Donnerstag Nacht in einem der Wohnhäuser ein Brand aus. der in kurzer Zeit das ganze Fachwerkgebäude ergriff. Der Haus- eigentümer Börschig und seine Frau verbrannten in ihrer Wohnung. Sie wurden wahrscheinlich im Schlafe vom Feuer überrascht. Von der au« zehn Köpfen bestehenden Familie des Maurermeisters Tiefe rt konnten sich die Eltern und sechs Kinder in Sicherheit bringen. Die Eltern drangen noch einmal in die brennende Wohnung ein, um die zwei darin ver- bliebenen Kinder zu retten. Bei dem Versuche kamen sie mit den beidenKinder in den Flammen um. Bürgerliche Prehmoral. DaS Ausschnüffeln der intimsten Vorgänge des EhelebenS fürst- lichcr Personen ist eine der liebsten Aufgaben der bürgerlichen Presse. Hat jemand das Pech, fürstlicher Abstainniiing zu sei», so kann er sicher sein, jeden verlorenen Zahn in den Spalten der loyalen Piesse wiederzufinden. Noch schlimmer aber geht es den ge- fürsteten Damen. Mit schmatzendem Behagen nimmt die bürger- liche Piesse davon Notiz, wann evenlnell bei irgend einer Fürstin der Storch z» erwarten ist. Monatelang vorher werden die Leser aus das große Ereignis vorbereitet und dann dauernd über die Eutivickelung der Schwangerschaft auf dem Laufenden erhalten. Jetzt muß sich wieder einmal die Kronprinzessin diese Durch- ichiiüffelung ihres Ehelebens gesallen lassen. Wie die Zeitungen melden, sieht sie einem freudigen E-cignis entgegen. Da haben diverse Blätter Stoff, ihre Leier von de» Vorgängen aus der poli- tischen Bühne abzulenken und ihnen von den Sckivnhellen der Wiege, der Wäsche usw. des zu erwarieiiden Babys zu erzählen. Kleine Aotizen. Zwei Lehrer ertrunken. Am Donnerstag nachmittag unter- nahmen vier Lehrer des Greifswalder Gymnasiums eine Segelfahrt nach der Insel Rügen. Auf offener See kenterte das Boot, zwei Herren konnten sich relten, während Oberlehrer Dr. Jacobsen und Seminarkandidat Krüger er- t r a>i k e n. Folgenschwere Geschoßexplosionen. In der Nähe von Saar- l o u i s fanden elf Knaben beim Spiel eine Patrone, die sie ins Feuer warfen. Die Patrone explodierte und die Kinder wurden verletzt, drei von ihnen schwer.— I» Nembertow(Puff. Polen) sinh bei S ch i c s? ü b u n g e n de r Artillerie durch Explosion eines Geschosses zwei Personen getötet und vier Landlcute schwerverletzt worden. Familiendrama. In der französischen Stadt Grenoble stürzte sich eine Frau, die von ihrem Mann Verlanen worden war, mit ihren drei Kindern ins Wasser. Ein vierjähriger Knabe wurde durch die Wellen ans Ufer gespült und gerettet, d i e anderen ertranken. Schreckenstat chinesischer Soldaten. Zwölf Soldaten der chinesi- scheu Garnison W u t s ch e n g drangen in das HauS ihres Obersten ein, uin ihn wegen der N i ch t a u S z a h l u n g des Soldes und wegen grausamer Behandlung zu töten. Die Soldaten, welche dcu Oberst nicht antrafen, ermordeten feine Familie. Emgegangene Dmdrfdmften. »Der Kampf". Sozialdcmokratilchc MouatSschrist(Wien). Hest 12. Nu? dein Inhalt hebe» wir hervor: Biklor Adler: Tie separatistische Krise. Eine Antwort des.Präoo Lidu".— Therese Schlesinger: Frcnide Angelegenheiten.— Emmh Freundlich: Im Kamps um neue Formen.— Karl Lcrmak: Ter Weg zur Klärung.— Ltto Bauer: Gesamtvarteilag und GcwerkschaslSsragc.— Aiartin Ziapoldi-Jnnsbruck: Die Ehristlichsoziatri! als Warlreformer..— Richard Engländer: Die Kranken- und Invalidci!- verfichcrima in der cngliichen Arbcitcrvcrjichcrungövorlage.~ AltuariuS: Bo IlSvcrsichcruugcn.— Wilhelm Hauscuslrin: Zur Sozialpolitik der Kunjr. Die Zeitschrist. Hest 24. Herausgeber A. HelmS. SV Pscnnig. A. Janssen, Hamburg. »Ter Arbeitomarkt". Nr. 11. MonatSschrist de? BerbandeS Deuifchcr Arbeitsnachweise. Verlag von Georg Reimer, Berlin. Tor Kern dir Kantischen Philosophie und Ethik. Von A. v. Kurowski.(Abdruck.) Slkadcinischc Vcrlagsgescllschajt, Leipzig. Kraft- Rotwein n. 1.50«. 2.00 Nachahmungen bitte zurückzuweisen Käutlicli in Apotheken, Drogerien und Delikatessen•Geschäften s: Um stell vor Inrektionskraaklieiten zu schützen, trinken die Völker des Südens Wasser nicht ohne Zusatz ron Wein, Dass das Volksbewusstsein richtig ist, haben unsere Qilchrlen durch umlan!-r eiche Untersachunzen bestätigt gefunden. DurA Vermischen gleicher Teile gewülmliclicn Trinkwassers mil Wein wurde die Zahl der Inlektionskeime zu'I, vernichtet, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so dass nach dem Bericht des ür. Mfg Wasser durch Weinzusatz absofm keimfrei wurde. Bei IMtMl, Santa Lucia Todes-Anzeigen 1 Sozlaldeinokralisciier Waiiivereio für den 8. BerünBr Eeleösfags-Walilkreis. Den Milglicbeni hiermit zur Kenntnis, dag unser Genosse Paul Dsberjot? Admlralslrahe 3(Bezirk 109) gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet Sonntag.! den 3. September, nachmittags 3'l2 Uhr, von der Leichenhalle des| neuen Jakobi- FriedhoseS, Her- mannstratze, aus statt. Ter Vorstand. VeMderBnerei-ail nueiirtier Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, hast der Kollege, Brauer �uöolk kuscdsa (Pahcnhofer NO.) am 30. August er. gestorben ist. Ehre setnem Zindcnken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. September er., nachmittags l/,3 Uhr, vo.i der Leichenhalle des neuen Sankt- Johaniiis-ZkirchhoseS in Plötzensee aus statt. 44/5 Um zahlreiche Zcieiligung wird ersucht. llie orlsverwaltung. Nklbssssd der Slhiitidkr und Ichneidtrluutu. La»«1<» M- A uz? vi ß/r. Den Mitgliedern geben wir Hiermit befamtt, daß der Kollege Otto �iausolk am 39. August im Alter von 42 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ani Sonnabend, den 2. September, nachmittags 0 Uhr, von der Halle des Heiligkreuz- Friedhofes in Mariendorj aus statt. 163/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berivnltnngsstellr Berlin. Todcn-Ansselgc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Karl Kümmel am 31. v. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken!■ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. September, nach- mittags 4 Uhr, oon der Leichen. halle des alten Thomas- Ktrch- hoseS in Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/12 Tie Ortsverwaltnng. Die Beerdigung deS Porteseuiller| Hermann Teut findet heute, nachmittags! I Uhr, von der Leichenhalle! deS Zcntral-FnedhoseS in Fried- richSjeldc aus statt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Bcerdi- gung utticrcs lieben SohncS. Bruders und Schwagers tivoi-jf l.uck sagen wir hiermit allen Beteiligten sowie den Genossen vom Sozial- demokratischen Wablvcrein, Bezirk R>imiitclSdnrg(14.Bcz.), dcmDenlsidcn Mctallarbeiter-Vcrband und speziell den Genossen vom Gesangoercin unseren hcrzltchstci» Dank. 33A.B.KO€II<> � Kohlen- u. Briketts-Großliandlung � Ilauptkontor: fktkl'�lll'ge!' StP.1 Ä �""und 300«.�" Lagerplatz 1: O., Rüdersdorfer Str. 71 fam Kiistrincr Platz, alt.0stb.). Lagerplatz 2: O., FruchtstraBe 13(Ostbahn-Güterbahnhof) Lagerplatz 3: ST., Behmstr. 36(SchivelboinerStr.,EckoMalmöerStr.). Tel.: Amt 3, 7736. Preise kür la Marken ab meinen Lagerplätzen von 10 Zentnern an: pr_Ztr. Pf. pr. Ztr. USenftenkiarienpliick Salon 19 pf. la Senltenli. Goithold Salon. 82 pf- la Diamant Salon.... 95 pf. (Ges. gosch. p. Ztr. 1 15— 120 Stck.) Bei Frankolieferung je nach Quantum per Ztr. 10—18 Pf. mehr. Bruchbriketts. Steinkohlen bllltgtst. Koks zu Ansfaltsprclsen. 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Montag, abends 8 Uhr: Der Probekandidat. N eues Thea ter. 8 Uhr Kastspicl Ii aas! tiisss: Die Frau Greil. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: vumme!§lul!en!eii. Täglich: Bummrlstndentcn. Ihester des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Friedricli-Wilhelnistädtiscties Sciiauspislhaus. Soimabcnd, 2. Sept., abends 7'/, Uhr: Er>»nnnngs vorstell n»g. Ligsried, der cherusher. Tramalüchc Dichtung von Gitbiandt. Sonnt. 8 Ubr: Sigfriod, der Cherusker. Montag 8 Uhr:«udith. Triano,»Theater. Anfang 8 Uhr. Ihr Alibi. Reichshalien-Ihealer. Stettiner Sanier Meysel, Brillen, Seidel, Horst, Schröter.Schubert Grcning A. u. R. Schräder. Ansang l\A r1_ wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Ubr: Ußr- Sommcrpreise. Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von Georges Feydcau. Deutsch V.Benno Jacobson. BeII«i-A.H!aiice-Tkeater (fr. Volksopcr) Bcllc-Alliancestr. 7/8. Novität! Heute Novität I Des Bebens Possenspiel. Schauspiel in 4 Ausz. v. Kurt Küchtcr. 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Sie sei rechtsgültig im vollen Umfange. Zu den Gegenständen polizeilicher Vorschriften gehöre die öffentliche Ordnung mit Bezug auf die Wein-, Bier- und Kaffeewirtschaften und der Schutz von Leben und Gesundheit. Es sei nun davon auszugehen, daß Per- sonen im jugendlichen Alter ganz besonders den schädlichen Ein- Wirkungen des Alkohols ausgesetzt seien. Mit Bezug auf Kinder sei von einer nahe bevorstehenden Gefahr zu sprechen, wenn sie rn die Möglichkeit des Branntweingenusses gebracht würden. Des- halb könne es den Wirten nicht nur verboten werden, Kindern Branntwein zum Genuß auf der Stelle zu verabreichen, sondern Das könnte auf keinen es sei auch zulässig das weitergehende Verbot, Kindern Branntwein I zu verabfolgen oder zu verkaufen, auch wenn sie nur als Boten Erwachsener dienten. Leicht können sie dann heimlich zum Schnaps- gcnuß greifen, wenn es nicht verboten wäre, den nur als Boten dienenden Kindern Schnaps zu verabfolgen oder zu verkaufen. Mit Recht sei deshalb Angeklagter auf Grund der gültigen Ler- ordnung verurteilt worden. Marktpreise von Berlin am ZI. August 1311. nach Ermittelung bei Königlichen Polizeipräsidiums. M a r k t b a l I c„ p r e i s e.(Kleinhandel. 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,0(1. Speisebobncn weiße, 35,00-50,00. Linien 20,00-60,00. Kartoffeln 9,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleifch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,80— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20-6,00. 1 Kilogramm Karpjcn 1,40—2,40. Aale 1,60—2,80. Zander 1,50— 3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück St reble 2,50-36,00. ]• 1* Grosser Saison-Ausverkauf Der Verkauf findet nur in folgenden Geschäften statt. Zur Vermeidung von Verwechselungen achte man genau auf Strassennamen und Hausnummern der alten Stiller-Firma Haupt-Geschäft: Jerusalemer Strasse 38-39, am Döuhofiplatz PotsdamerStrasse 2 Tanentzienstrasse 19 a Königstrasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. i« Rixdorf, Bergstr. 25-26 Rosenthaler Strasse 5 Charlottenburg: Wilmersdorter Str. 45 Schluss Sonnfas Wegen der grossen Vielseitigkeit unserer Artikel- Auswahl ist es nicht möglich, alle Arten der Restbestände einzeln mit Preisen anzuführen Teilweise Emiässi�un�en Die früheren Verkaufs-Preise bis zu 5© Proz. sind auf jedem Paar noch deutlich vermerkt, wodurch sich jeder von den enormen Preis- vo rteil en selbst überzeugen kann Kein Kaufzwang I Keine Auswahlsendungen! Kein Versand nach auswärts I Kein Umtausch! Wer Arbeitsnachweis: Bcrwaltunqostelle Berlin Hauptbureau: Hof L Amt 3, 1239. Charitöftr. 3. Hos HL Amt 3, 1987. Heute. Sonnabend, den 2. 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Partei- und GewerkschaftSgenoffen I Beachtet den Bc- schluß des Wablvereins und deS Gewerkichaftskartells, den Slbrechtsbof in Steglitz so lange zu meiden, bis dieses Lokal der Ärbeiierichasl für Gertammlimgen zur Verfügung gestellt wird. Kein Arbeiter darf sich eines Boyloitbruches schuldig machen. DaS GeiverkichaflSkartell. Der Vorstand deS WahlveremS Steglitz. Maricndorf. Am Montag abend 7 Uhr von den bekannten Be> zirkslokalcn' aus Flugblattvcrbreitung zu der am Dienstag, den 5. September, bei Preuß. Kursürstenstraße, stallfindende» öffentlichen Versammlung mit dem Thema:.Was fordern wir von dem neuen Gemeindevorsteher?' Der Vorstand. Alt-Glienickc. Am Dienstag, den 5. September, abends 8Vz Uhr, im Lokal Tclrasieures.'aurant, Inhaber Genosse Peteimann, Fort- setzung des Vortrages der Genossin Lungwiy-Berlin über das Ersurter Programm. Die Bibliothek des Wahlvereins bleibt morgen Sonntag geschloffen. Rcinickendors-West. Die Handzettelverbreitung zu der am Dienstag, den 5. September, statifiiidenden öffentlichen Versammlung findet wegen der Proi stversammlung am Sonntag in Treptow, am Montagabend 7 Uhr von den Zahlabendlolalen aus statt. kleines fciullcton Textilarbeit und Bühne. In einer lesenswerten Broschüre von George Pieck.Teytiliechnische Möglichleiten'(Fiiy Hirschbcrg. Berlin) finden wir folgende Satze, die am Beginn der Tbeaiersaiion vielleicht nicht ohne Interesse sind: Ein alier wichtiger Bestandteil der Theater- kzeuerre enlstamml von jeher der Weberei, und zwar die Mallrine- wand, die uneiitbehrlich und unersetzlich für die Bübne geworden ist. Daß»eiierrsiiigs diese Biihnenmalleiuewand aus geipanucne» und verwebten Asbestfäden hergestellt wird, ist für die Feucrsicherheit unserer modern- n. Bühne» von großer Bedeutung./ Wenn wir NU» aber INI.Sommernachlstranin' bei Reinbardt im Deutsche» Theaier in Berlin diese alten knorrige» Stämme voll Entzücke» bewuiider». zwischen denen die Eyivldl als Puck ihr wildes rollrö Spiel trieb, so dürfen wir ansplandern, daß diese Bäume aus iuvrägnierlen Holzsi-ibgerippen bestehen, die in kunstvoller Forin durch ÄSbesllriiiewand Borte und Rinde erhalten. Die rauschende» Blätter und Kronen der Bälinie bestehen aus gestanzten, lackierten und geiärbte» Baiimwollstostcu, die kunstvoll an den oben be- schriebene» Stämm-» beseitigt sind. Im.Kätchen von Heilbronn' gingen Blüten mid Bläilei des Fliedeibiiiches, aus dem der Fiuk sein Liebchen lchineileii. zum größten Teil aus der Hand d>s Webers hervor: den» jedes Blari u>-p jeder Stil der Blüte ist aus B-mmwolle genauzi und daun griärbt. Da» au de» Bäumen wachsende»MooS ist aus Tepp-chslüdlen geivebt. Durch seine kurz- geichorei-e plü'chariige Auorduuug ähnelt es durchaus dem Natur- iiiooS. Ter Rasen, ans dem die b»site»deii Elsen ihre» Neigen und Tanz oolliübre». eutstarlimt glrichsfalls dem Webstuhl, genau so. wie das ichwellende Riedgras den Raienbant. auf der.Kätchen' ihren herrlichen Traum lräluiit. Dieie Rasen- und Schiltieppiche find aus Slühlen sür piüscharlige Sioffe gewebt, wobei als Poile Natiirschilf, das der Hallbarkeil wegen exira imprägniert ist, ver- wendet wird Das wogende Koinseld lii>„König Lear', das uns die Illusion der freien Rainrszene gibt, ist ebenfalls in rnlenariiger Form gewebt und zwar ist in dieiem Falle als P-iiichpoile, die die Aeltten bildet, ein Bastmaterial verwendet. Der weiche flaumige Schnee, der die Berge der St Moi iyizene im Berliner Melropol- xheater bedeckt, ist au« gebleichter Bauinwolle gewebt, während Düne und Secslrand aus Teppichsloff tu»alutfarblger Saiidluiiiation gemacht werden. Ein ncncs Material zur Herstelliing von Briketts. Daß da« Innere Afrikas, der Sudan, überdaupi die Gegend am oberen Nil heute noch zu den uncrsorschlestcn Gebieten gehören, liegt zum Teil Wilhelmsruh, Nieder- Schönhausen-West. Vormittag S'/z Uhr im Lokal von Karl Feind.Zur Wartburg'. LerUner s�ackrickten. Werft das Stnllrnpapier nicht weg! Am morgigen Sonntag findet im Treptower Park eine Kund- gebmig der Arbeiterschaft von Groß-Berlin gegen die Kriegshetzer statt. Um zur festgesetzten Zeit an Ort und Stelle zu sein, müssen die Parteigenossen frühzeitig ihre Wobnungen verlassen, um von ihrem Treffpunkt aus gemeinichastlich den Marsch nach Treptow an- zutreten. Viele Teilnehmer, zumal die von Treptow recht entfernt wohnen, werden daher nicht in der Lage sein, vor ihrem Fortgange ihr Mittagessen zu sich nehmen zu können; das werden sie bis nach Beendigung der Demonstration aufschieben müssen. Mancher wird sich deshalb mit einigen Stullen oder Brötchen ver- sehen, um für sein leibliches Bedürfnis zu sorge». Es er- geht an die Genossen die dringende Bitte, unter keinen Umständen auf dem Versammlungsplatze Stullenpapier fortzuwerfen und dadurch die Spielwiese zu verunzteren. Nach Beendigung der Kundgebung soll die Wiese anderen Personen, Erwachsenen und Kindern, zum Spielen dienen. Diesen Personen würde die Freude verleidet, wenn der Platz ein unappetitliches Aussehen erhält. Es bedarf wohl nur der Erinnerung daran, daß die Genoffen ihr Stullenpapier nickt fortwerfen, sondern in die Tasche stecken und mit nach Hause nehmen._ Arbeiter-Samariter-Kolonne Grost-Berlin. Anläßlich der am Sonntag in Treptow staltfindenden Versammlung werden sich die Samariter auf dem Hinmarsch ihren Bezirken anschließen. Treffpunkt in Treptow am großen Zelt (Tribüne 4). An die Genossen möchten wir die Mahnung richten, daß sie sich im Erkrankungsfalle an die an der weißen Armbinde kenntlichen Samariter wenden. Auf dem Ver- sammlungsplatz in Treptow sind vier Stationen errichtet, kenntlich am weißen Kreuz im roten Felde, woselbst Er- krankten sachgemäß Hilfe geleistet werden wird. Zentrale ist großes weißes Zelt an Tribüne 4. fernere Stationen an den Tribünen 1, 3, 7._ Adoptionsannoncen. Bereits am 22. Juli brachten wir Mittellungen über die Bc- strafung eines Anzeigenschwindlers, namens Golenow. der sich in schwindclhafter Weise durch sogenannte Adoptionsannoncen zu be- reichern getrachtet. Dieser junge Schwindler war ein Neuling auf seinem Gebiet. In demselben Artikel wiesen wir schon aus einen gewiffen I. Zwiencr, Berlin, Prenzlauer st r. 1. hin, der auf blaue» Privatbriefen angab, daß er Kinder zu ver- geben habe, und der auf eventuelle Anfragen ein Schreiben ein- sendet, worin er für Auskunftspesen 5 M. verfflngt. Dieser Tage waren wir in der Lage, diesem Zwiener eine eingehendere..Würdi- gung" zuteil werden zu lassen, wodurch das seltsame Vorkommnis bekannt geworden, daß der Zwiener das Polizeipräsidium a's Referenz aufgibt. Beruht diese Mitteilung auf einer bodenlosen Frechheit des Briefschreibers, oder existieren tatsächlich zwischen dem Polizeipräsidium und dem Zwiener engere Ver- buidungen? Das Publilum hat ein Recht, hierauf eine Antwort von dem Polizeipräsidium zu verlangen. Denn der Schwindel mit Adoptionsanironcen ist seit dem Vortrag der Schwester Hen» riette Arndt über den internationalen Kinderhandel derart offen- bar geworden, daß jeder fernere Zweifel an diesem Kinderhandel. der gerade auch in Deutschland wurzelt, ausgeschlossen ist. Ter .Zeitungsverlag', das Organ der deutschen bürgerlichen ZeitungS- Verleger, hat nicht versäumt, auf diese Schwindelannoncen hin- zuweisen, hat auch gerade diesen Zwiener mit in seinem Warnungsartikel erwähnt. Wie wir schon konstatierten, haben diese Schwindelannoncen seitdem in einem großen Teil der bürger- lichen Zeitungen etwas nachgelaffen, abgesehen von der„Berliner Morgenpost", die wohl mehr auf Füllung ihrer Kaffe Wert legt, als auf Verminderung derartigen Schwindels. Diese Kinder- handclrubrik der„Berliner Morgcnpost" scheint immer aus- dehnungsfähiger zu werden. Vielleicht stellt die„Berliner Morgen- post' auch bald noch einen Raum als„Kinderhandel-Börse' zur Verfügung, vielleicht verbunden mit„Krüppelfabriken', wie sie das Ausland aufzuweisen hat? Einträglich ist daS zweifellos und Geld stinkt bekanntlich nicht. Die Annoncen, die sich mit Adoptionen befassen, zerfallen in zwei große Rubriken. Solche, bei denen es sich nur um Er- schwindelung von größeren und kleineren Geldsummen handelt und solche, wodurch tatsächlich Kinder gehandelt an einer eigenlnmliiben Verlondungsericheinung der dortigen Flüsse, die jeglicbe Swiffahrl auf weile Strecken hin unterbindet. Der obere Nil besonders hat ein so schwaches Gefälle, daß sich bei Nicderwosser in den flache» Belle» ein fest zusammenbäiigendeS Gewebe vo» Papyrus- und anderen Sunipspflanzen festsetzt, das meilenweit den Fluß bedeckt. Es bar sich vorläufig trotz lost- spieliger Versuche nichl ermöglichen lasten, diese Pflanzenniaffen. den sog. Sudd, zu bcsciiigen u»d dauernd eine Fahrtrinne sür die Schiffe offen zu halte», al'o den, trägen Wasser einen schnelleren Abfluß zu schaffen. Gleichwohl wäre eine Flußiegulierung schon deshalb not- wendig, weil durch die Verwilderung des Stromes viel Wasser versiegt und verdiii'stct und so der Bewässerung in Aegypten cnlzoaen wird. Wenn auch in dieser Hinsicht vor- >ä>-fig an eine Abhilfe nicht zu denken ist, so hat sich jetzt, wie die „Koloniale Rundschau' mitteilt, wenigsten» eine technische Ver- wendbarkeit des SiiddS ergeben. Die E> findung ist deutschen Ingenieuren zu danken. denen es gelang, auS dem an sich werllosen Material BrilettS und damit einen Ersatz sür die in Afrika so leneren Kohlen herzustellen. DaS ist aber für die industrielle Erschließniig des Landes von höchster Bedeiitimg. Durch aiisgedeliiiic Versuche hat sich ergeben, daß zwei Tonnen Siidd BrikeilS in ihrem Heizwert cincr Touue Kohlen entsprechen. Kohlen tosten aber im inneren Siidan lOOM. die Tonne, die Sudd- B> teils dagegen»»r etwas über 20 M. Dabei ist das Herstellnngs- veiiahren sehr einlach. Dir etwa 3—5 Meter hohen PapyruSftanden »nd soiisiigen Gewächse weiden mit der Sichel abgeschnitien. zu Bündel» vereiiiigl und bei Hochwasser als Flöße den Nil hinab ver- stachlet Die in der Fabiil gelvoiinenen Briketts haben mir etwa ll Proz. Aschengebalt Anßerdem ichweben noch Versuche, die Sudd- pflanzen zur Papierfabtilation zu verwenden. Wcltcnstiede. Neuer Tag, mit dei>'en Strahlen Töie»nn die alte Nacht, Löst iiiid vo» ihre» dualen, Die so schwere Zeil durchwacht l R»de sti der Well bcschieden, Rllbe vo» des Kampfes Schmerz; Denn die Völler wollen F"eden,' Frieden stdeS Menichenherz. Länger nicht mit Blut und Eist» feste sich der Mciischheil Band. iebe soll unS Pfade weisen. Die wir wandeln Hand in Hand. Völkerhader sei gemiede«, werden. Beide Arten Annoncen werden vom In- und Auslande aus erledigt. Zweck dieser Zeilen ist, darauf hinzuweisen, daß in letzter Zeit, seit wir in der glücklichen Lage waren, feststellen zu können, daß in den großen bürgerlichen Blättern(mit Ausnahme der„Morgenpost") die Adoptionsannoncen zurückgegangen, daß seitdem die Annoncen in den kleineren Provinz- blättern, zu denen dieser Notschrei der Menschheit wohl etwas später den Weg findet, daß dort diese Art von Adoptionsannoncen zugenommen haben. Es scheint, als ob die Adoptions- annoncenschwindler sich ein anderes Gebiet suchen mußten. Aber wenn es möglich war, sie aus den Großstädten zu ver- drängen, resp. sie dort zu vermindern, dann muß das auch bei der Provinzpresse ermöglicht werden können. Das Uebel besteht momentan noch fort, es ist nur zurzeit, wie der Skatspieler sagt: »Auf die Dörfer gegangen!" Zur Entwickelung der städtischen Gaswerke. AuS dem Rathause wird uns geschrieben: Eine Berliner Tages- zeitung behauptet in einem Artilel. der die Finanzen der Stadt Berlin behandelt, daß die Gaswerke einen überaus schlechten Geschäftsgang hätten und vonJahr zu Jahr zurück- gingen. Diese Annahmen sind völlig irrig. Der Gasabsatz der letzten drei Geschäftsjahre 1908, 1909 und 1910 hat 267 990 000 Kubikmeter, 276 970 000 Kubikmeter, 295 252 000 Kubikmeter betragen «nd folgende Einnahmen ergeben: 29 561 277,93 M.. 30 785 844,96 M., 32 363 601.34 M., wobei das GaS für die öffentliche Beleuchtung und der Selbstverbrauch außer Berechnung geblieben ist. Der an die Kämmcrei abgelieferte bare Ueberschuß bat in diesen drei Jahren 6 314 818.85 M.. 7 408 473,83 M. und 8 247 906,45 M. betragen. Aus Nebenprodukten sind nicht, wie behauptet, 300 000 M. weniger, sondern 844 812,87 M. mehr als im Vorjahre erzielt worden. An Löhnen sind gegen das Vorjahr nicht weniger, sondern 252 830,27 Mark mehr bezahlt worden. Demnach kann nicht von einem empfindlichen Rückgange des Gaskonsums, sondern nur von seiner stetigen Zunahme gesprochen werden. Die Hauptstelle für Mutter-«nd Säuglingsfürsorge ersucht un? mitzuteilen, daß sie der Aufforderung zum Eintritt in den im Ent- stehen begriffenen Gcsangscdor der Blnmentagsbelstr gänzlich fern» steht. Die Gründung dieses EborS ist von der Hauptstelle weder veranlaßt, noch besteht die Absicht, ein zweckähnliches Unternehmen i»S Leben zu rufen. Auch das Hilfstagskomitee hat mit dem so- genannten Helferchor nicht« zu tun.— Diese Erklärung ändert nichts an der von uns mitgeteilten Tatsache. Ucber 157 Millionen Fahrkarten sind nach der soeben er» schienenen amtlichen Verkehrsstatistik im letzten Rechnungsjahre auf den Stationen des Eisenbahn-Direktionsbezirks Berlin ver- kauft worden; es sind dies über 2,2 Millionen mehr als im Vorjahre. Von der Gesamtsumme entfallen auf den Fern- verkehr mehr als 12 und auf den Berliner Lokalverkehr über 145 Millionen. Die größte Zahl der Fernkarten, nämlich 1 763 160, wurden auf dem S t e t t> n e r Bahnhof verkaust, dann folgten der A n h a l t-Dresdener Bahnhof mit 1 688 756, der Hamburg- Lehrter Bahnhof mit 988 445 und der Potsdamer Bahnhof, auf welchem(einschließlich amtliches Rcisebureau) 805 965 Fahrkarten zur Ausgabe gelangten. Fast überall war die Zunahme des Ver- kehrs eine beträchtliche, nur auf dem Hamburger Bahnhofe ist die Zahl der verlangten Fahrkarten sast konstant geblieben. Im Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr steht dies- mal wieder der Bahnhof„A l e x a n d e r p l a tz" an der Spitze, wenn hier auch die Zahl der Fahrkarten von 7 363 277 auf 6933 956 zurückgegangen ist. Ihm folgt die Stadtbahnstation „Friedrich st raß e", deren Verkehr ebenfalls etwas nachgelaffen zu haben scheint(von 6,7 auf 6,57 Millionen); dasselbe gilt vom S ch l e s i s ch e n Bahnhof(5.7), während auf der danach folgen- den Station Berlin-W a n n s e e bahnhof die Verkehrsziffern von 4,3 auf 4,5 Millionen gestiegen ist. Am Zoologischen Garten wurden 4,4 Millionen Fahrkarten verkauft, auf den Bahnhöfen Charlottenburg und„Börse" je 3,8, auf dem Pots. d a m e r Ringbahnhof 3,4, auf den Stationen„B e l l e v u e" und Warschauer Straße je 3.3, auf den Bahnhöfen„Gesund- brunnen" und Steglitz rund 3 Millionen Fahrkarten; auf über 2 Millionen brachten es dann noch Stralau-Rummelsburg (2.9), Spandau und Jannowitzbrücke(je 2.7), Wedding und Sa- vignyplatz(je 2,6). Niederschöneweide-Johannistal(2,5), Schön- hauser Allee und Lehrter Stadtbahnhof(je 2,3), Großgörschen- stratze(2,2). Wilmersdorf-Frriedenau und Hermannstraße, Rirdorf (je 2.1 Millionen). Eine interessante Uebersicht über die Dauerkarten ist in einem Anhange beigefügt. Daraus ergibt sich, daß für die Stadtbahn 670 027 Arbeiter Wochenkarten im abgelaufenen Rechnungsjahre ausgegeben worden sind, für die Ringbahn 2 886 838; für den Vorortverkehr betrug diese Zahl 889 442. Monatskarten wurden für den Stadt- und Ringbahnverkchr 902 094(davon 292 466 zweiter Klaffe) gelöst, im Vorortverkehr Rosten soll des KriegerS Erz, Denn die Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menscvenherz. Weltenstiede. Weltenstiede I Letzter Sieg, den wir erfleh'n l Kling', o kling', in unstrin Licde, Bis wir deine Schönheit seh'nl Bis uns deine Ruh bcschieden, Laßi uns singen sternenwärts: Alle Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menschenherz. Otto Erich Hartleben. Notizen. — Die Geschwister Marie und Bruno Borchardt werden Sannlagabend im ArchilektenhauS(Wilhelmstraße) lyrische Stücke und Szenen aus Dramen deutscher wie fremdländischer Dichter zum Vortrag bringen. — Karl Schönberr, der Dichter von„Glaube und Heimat', eröffnet seine bereits angekündigte Vortragsreise durch Deuischland m Berlin am 9. November mit einer Vorlesung eigener neuer Dichtungen. — Ein sozialistisches Theaterunternehmen. Der Zirkel für sozialistische Propaganda durch das Theater in den Pro- vinzen Heiinegau und Rainnr hat im Hinblick auf chie Wahlen des nächste» Frühjahrs beschlossen, leine Tärigkeit im kommenden Winter haupisächlich aus dem Lande zu entsalten. Er stellt eine Reihe von zebn Stücken, teils sozialen, teils antiklerikalen oder anti- militaristischen JnhaliS zur Wahl. Für die Pausen sind Vorträge und Gesänge vorgesehen. — Kyut Hamsun, dessen Drama„An deS Reiches Pforten" den Mitgliedern unserer„Freien Volksbühne" bekannt ist, hat kürz- sich auf der kleineu Insel Hammerö in den Lofoien. seinem GeblirtSeiland, einen Baneiiihos zum doiicriiden Aufenthalr er» worden, um beständig in der Nähe seiner 80 jährigen Muiier sein zu können. Das neue Dichlerh. im— so wird aus Kristiania ge- schrieben— liegt in einer Gegend von seltenster und wunderbarster Naturschönheil. Während auf der Vorderseite daS Meer sich dicht bis an die Tür erstreckt, erhebt sich hinten der Hammerö-Gletscher bis zu 2200 Meter steil in die Höhe. Wie ein zweiter Leo Tvlstoj wandert Hamsun auf seinem Hofe umher und nimmt selbst eifiig an jeder vorfallendeil Arbeit teil. Neben seiner dichterischen Tälig- beschäftigt er sich hcumtlächsich mit dem T i s ch l e r b a n'd w e r k. betrug ihre Zahl 88 056(davon 29 199 zweiter Klqsse). Außerdem sind 1 532 516 bczw. 35 289 Zeitkarten für Beamte und Schüler im Stadt- und Ring- bezw. Vorortverkehr ausgestellt worden._ Eine Berteuernng der Milch wird wieder beabsichtigt, diesmal von M i l ch p ä ch t e r n. Sie wollen den M i lch h ä n d le r n, die von ihnen ihre Milch bezieben, einen höheren Preis aufzwingen. Begründet wird das damit, daß die Milchpächter selber de» Mitchproduzenten ein immer höheres Pachtgeld zahlen müssen. Zur Abwehr gegen die beabsichtigte Per- teuerung haben Milchhändler von Berlin-Ost und angrenzenden Vororten sich zusammengeschlossen. Eine öffentliche Versamnilung von Milchhändlern, die vom»Verein der Milchhändler Boxhogen- RummelSbnrgS und Lichtenbergs" und von der„Freien Ber- einiaung der Milchhändler des Stralauer Viertels" nach dem Cass Bcllevue in RmnmelSburg einberufen war, hat gegen die Preis- treibereien Verwahrung eingelegt. Eine angenommene Resolution protestiert aufs schärfste gegen die Erhöhung der Milch- e i n k a u f s p r e i s e, die unbedingt zu einer Preissteigerung auch gegenüber den Konsumenten führen müsse.„Die Versannnlung ist," sagt die Resolution,„sich bewußt, daß das konsumierende Publikum nur durch frivole, künstliche Preis- treibereien verschiedener Pächter und Produzenten aus- geplündert werden soll mit der vorgeschobenen Begründung des Futtermangels". Die Milchhändler verlangen sofortige Oeffnung der Grenzen zur Einfuhr fremder Milch und Futtermittel, damit nicht abermals dem Volk ein wichtiges Nahrungsmittel verteuert werde, ferner sofortige Ein- stcllung von Nachtschnellziigen für Milchtransport mittels Kühlwagen. Sie fordern weiter eine strenge Kontrolle der Milch an den ProduktionSslättcn, rnif den AnkunftSbahnhöfen, an allen Verkaufs- stellen(auch in den Markthallen und an Milchwage») und strenge Bestrafung jeder Milchverfälschung. ExPlosionSkatastrophe in Berlin 80. In unmittelbarer Nähe dcS„SprcepalastcS", wo in der Nacht zum Dienstag daS Großfeuer wütete, brach gestern vormittag durch eine Explosion wieder ein gewaltiger Brand aus, bei dem ein Arbeiter seinen Tod fand und ein zweiter schwer verletzt wurde. Die Brandstelle befand sich diesmal auf dem„Golfs Hof" in der K ö p e n i ck e r Straße 71, an der Ohmstraße. Im ersten Fabrik- gebäude ist die Bnchdruckerei von Jhring u. Fahrenholtz G. in. b. H. untergebracht. Gestern vormittag erhielten die ArbeiterLeube und Schmidt von der Firma den Auftrag, in einem im vierten Stock belegenen Raum künstliches Terpentinöl abzufüllen. Durch irgend einen Umstand wurde der Oelbehälter in Brand gesetzt, so daß er unter heftiger Detonation zur Explosion kam. Im gleichen Augen- blick stand der ganze Raum in Flammen. Schmidt gelang es noch, über das Dach zu flüchten, während sein Kollege Leube elend vcr- brennen mußte, da er nicht mehr Kraft hatte, Schmidt zu folgen. Auch Schmidt hatte schwere Verbrennungen an beiden Unter- schcnkeln, an den Armen und im Gesicht davongetragen, so daß er zunächst nach der Unfallstation am Grünen Weg und von dort nach Anlegung von Notverbänden nach dem Kranken- Haus am Friedrichshain geschafft werden mußte. Er ist 24 Jahre alt und wohnt in der Tilsiler Straße. Tie Leiche Leubes wurde von der Feuerwehr, die inzwischen in größerer Stärke angerückt war, ins Freie gebracht und war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. DaS Feuer hatte sich mittlerweile noch auf ein Papierlager aus gedehnt und auch schon Teile der Dachkonstruktion ergriffen. Der Brandinspeltor ließ daher sofort mit vier Schlauchleitungen Wasser geben. Hierdurch gelang eS, die Flamme» innerhalb einer halben Stunde zu ersticken, sodatz der Dachst uhl nur in geringer Aus- dehnung zerstört wurde. Der vierte.Stock ist aber zu einem großen Teil ausgebrannt._ in der Markgrafcnstr. 23 HI wird Das Gewcrbc-Komniissariat im Laufe des Monats September, spätestens aber am 1. Oktober d. I. nach dem Schiffbauerdamm 39 III verlegt. Flieger über dem Tcmpclhofer Felde. Während der gestrigen . Parade erschienen über dem Tempelhofer Felde zwei Flugmaschinen. . Um 8l/3 Uhr kam Bollmöller mit seiner„Taube" vom Flugplatz . Joharniiöthal her, fuhr in eleganten Wendungen zweimal um die einsame Pappel herum und kehrte dann nach Johannisthal zurück. Während des Vorbeimarsches der Kavallerie kam ein zweiter Flieger .von Tempelhof her und segelte in einem größeren Bogen über das Feld nach Johannisthal zu. Ein mutmaßlicher Kindesmord beschäftigt die Kriminalbehörden. Auf der Straße von- Treptow nach Nixdorf fand gestern morgen kurz noch 5 Uhr ein Arbeiter etwa 399 Meier vom Bahnhof Treptow . entfernt ein Paket und nahm es mit nach seiner Arbeitsstelle, den, Nixdorfer Müllabladeplatz. Als er es hier öffnete, fand er darin die' Leiche eines neugeborenen> Knaben, die am Halse deutliche Würgemale zeigt. Die Leiche war eingewickelt in alte Kleidung«- . stücke, anscheinend Puppenkleider und scvmutzige Wäsche. Die Rix- dorfer Polizei ließ sie zur Obduktion nach Berlin in das Tchauhau-Z bringen. Eine gefährliche Gannerin, die monatelang im Süden und Süd- osten von Berlin und in Rirdorf kleinen Kindern nachstellte, um ihnen Geld oder Waren abzulocken, und nicht selten gerade die ärmsten Leute um die letzten Habseligkeiten brachte, ist endlich un- schädlich gemacht worden. Sie wurde hinter Schloß und Riegel gcbratiil und festgeslelll als eine 29 Jahre alte Fabrikarbeiterin Martha Weber, die sich unangemeldet in der Pncklecstraße aushielt. Bis jetzt ist sie in 17 Fällen überführt, sie hat aber ihren Schwindel ohne Zweifel noch viel öfter mit Erfolg verübt. Verhaftung eines RcstaurateurS wegen SittlichkeitSvergehen. Der Restnnraleur S. aus der Fidicinstraße wurde der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I zugeführt und in Hast genommen. Er wird be- schuldigt, sich an Mädchen von acht bis zwölf Jahren sittlich ver- gangen zu haben. Der Verhaftete legte ein volles Geständnis ab. Bo» einem Wage» überfahren und getötet wurde gestern abend gegen 7 Uhr vor dem Hauie Wrangelstraße,? das Kind der in dem ' Hause 6 der gleichen Straße wohnhaften Kütcrschen Eheleute. Der kleine Knabe kam beim Spiel unter einen Wagen des Fuhrunter- '-nehinerS Fetgenhaner, er wurde überfahren und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf verstarb. Der Männerchor„Fichte- Georzinia"(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet morgen Sonntognachmittag in der Brauerei Friedrichshain ein -großes Sommerfest. Da das Enlrce auf 23 Pf. festgesetzt ist, hofft der Verein aus recht regen Besuch seirenS der Arbeiterschaft. Quittung. Für den Verein Arbeitcr-JugendSeün gingen bei dem Untcrzeichiiclcn ei»: 4,«5 M. von den Kollegen der Firma Olto Nachtigall, • Hollmannftr. 32* 10,63 M. vom BilduvgSverew„Forlschritt": 15 M. von de» Arbeitern der Konsunigenosseu'chast;-1.35 M. Kranzüberschuß von den . Kollege» der Firma Borck u. Goldichinidt, köpcnickcr Llr. 115; 60 M. von: , Arbeiicr-Nadjahrerbund„Solidarität", Mitgliedschaft Berlin; 10.30 M. Ueberschuß vom Vergnügen der SS. Abteilung de! IV. Kreises; 158,19 M - von den Nrbriccrn der Firma Ludwig Löwe? 5>M. 53. Sch. für eine lÄrab- rede; 2,60 M. für vertausle Sonncöurgcr Spielwaren z 30 M. von der - 8. Ablciiuug de» VI. KroiseS von der Verlosung von Sonncburger Spiel« . waren beim Kasfcelo.bcri; 12 M. Kranzüberfchuß vom 53S. Bezirk des . VI. Kreises; 14,80 M. Kranzübcrschuß für Genossen Borgmann aus der Brauerei Engelkardt; 4.95 M. auö der Sechserkasse der Tischlerei von ' Schulz u. Hinsche, Franksurlcr Allee 117». K. Rosci'.scld, An der Spandauerbrücke 1». Vorort- Nacbricbten* Rixdorf. Gegen den Hitfsschnllehrer Helgenberger, der in der 2. Hilss schule(Bergstraße) die Klaffe Ii leitet, werden von einer zwölf jährigen Schülerin schwere Beschuldigungen erhoben. Die Mutter hat auf die Angaben des Kindes hin pflichtgemäß sofort-Anzeige gegen den Lehrer eingereicht, und es sind von der Polizei wie von der Schulbehörde bereit» Ermittelungen vorgenommen worden, bei- denen das Kind die Beschuldigungen aufrecht erhalten hat. Der Lehrer ist seitdem dreimal in der Wohnung der Eltern gewesen, um ihnen eine abweichende Darstellung des Sachverhalts vorzutragen. Er soll sich dabei bemüht haben, die Eltern zur Zurücknahme ber bei der Polizei gemachten Anzeige zu veranlassen. Nachdem die An gelcgenheit einmal zur Kenntnis der Bebörden gelangt ist, muß selbstverständlich die Untersuchung ihren Lauf nehmen. Ueber das Ergebnis werden wir, fall» es un» bekannt wird, berichten. Im Rirdorfcr Theater beginnt die diesjährige Spielzeit am 19. September. Nach Veranstaltung einiger Gastspiele findet ani 29. September die erste Neueinstudierung statt. Zur Aufführung gelangt„Der Geizige" von Moliöre und„Der zerbrochene Krug" von Kleist. Die Direktion liegt in den Händen von Julius Türk. Die Canncr Chaussee kann, wie der Vorsitzende der Deputation für das Feuerlöschwesen, Fuhrwesen usw. in der letzten Sitzung mit- teilte, wegen ihrer freien Lage mit der Wasscrbesprengung nicht staub- frei gehauen werden, infolgedessen hätten BcsprcngungSversuche mit Oelpräparatcn stattgefunden. Die Anwendung von Wcslrumit und Zoeberit habe sich hierbei nicht bewährt, hingegen wären mit Anti- Itaubit lCblormagnesium) sehr günstige Erfolge erzielt worden. Da» letztere Präparat habe den Staub eine Dauer von vier Wochen ab- gebunden.— Von der Straßenreinigungsaiistalt seien bis jetzl acht Grundstücke als Kinderspielplätze e i n g e r'i ch t e l worden.— Die Bollbedürfnisanstalt an der Hcrmann-Ecks Thomas- straße ist am 19. August in Betrieb genommen worden.— Gemäß den Beschlüssen der städtischen Körperschasten ist zur Ausbildung von Feuer- ivehrlcuten ein liebnngSautomobil beschafft worden, welches gleichzeitig zur Beförderung von Rettungsapparaten bei Unglücksfällen und Aerzten verwendet werden soll.— Zum Auspumpen von überschwemmten Kellern sind an Stelle der bisherigen Handdruck- spritzen zwei Saugpumgen beschafft worden, welche für die Haus- eigeittllmer in der Hauplfeuerwachc zur Verfügung gehalten werden. — Bevor über den Ankauf einer Eleklroautomobildrehleiter Beschluß gefaßt wird, soll die Besichtigung einer von der Firma Kicßlich in Paischkau gelieferten Leiter durch Deputationsmilgliedcr vorgenommen werden.— Die Lieferung eines neuen DesinfeklionstraiisportloagenS wird der Firma Luchterhand übertragen. Ein schwerer Betriebsunfall, der den Tod eines Arbeiters zur Folge hatte, ereignete sich Freitagabend gegen G/z Uhr in der Schneidemühle von Paul Koppe, Canner Chaussee. Der Arbeiter Johannes V e i d, der Handwerkszeug zu tragen hatte, wurde beim Vorbeigehen so unglücklich von dem Sägegatter erfaßt, daß er mit voller Wucht in die Säge fiel. Der Tod trat auf der Stelle ein. Wie die Arbeiter des Betriebes versichern, sollen die Schutzvor- richtungen sehr mangelhaft sein. Lichtenberg. Ei» schweres Brandunglück hat sich am Donnerstagabend in dem Hauie Wismarplatz 4 ereignet. Alö gegen 3 Uhr die elfjährige Tochter Erna de» dort wohnhaften Portiers Becker die GaSlampe im HauSflur anzünden wollle, fiel infolge unvorsichtigen Hantieren» mit dem Anzünder ein Funke auf Haar und Kleidung deS Mädchen», daS alsbald in hellen Flammen stand. Hilfeichrciend eilte das Kind auf die Straße, wo c» einigen beherzten Passanten durch Auswerfen von Kleidungsstücken gelang, das Feuer zu ersticken. Die Kleine hatte aber bereilS erhebliche Brandwunden am Kopf und an der Brnft erlitten mib wurde in bedenklichem Zustande nach dem RummelSburger Krankenhause übergeführt. Ober-Schönetveide. Am Dienstag, den S. September, abends 8'/z Uhr, beginnt der neue Kursus der Arbeiter-Samaritcrlolonne für' Ober-Schönewcide und Umgegend. Der Lehiplaa e urHütt Äarträge über. Liialomic und Physiologie, Verletzungen, Wundbehandlung VlntsttllnNg, Knochen- oruche, Verrenkungen, Verstauchungen, Infektion, Blutvergiftung, Verbrennung, Erfnening, Bewußtlosigkeit, Hitzschlag, Blitzschlag. Bc- schädigungen durch Elektrizität, Ertrinken und Ersticken, Vergiftungen, gefahrdrohende KrankheitZzustände, Transport Erkrankter und Ver- nnglückter, Anlegung von Verbänden usw. Anmeldungen werden im Samarilerheim„Hackepeter", SiemenSstr. 12, entgegen genommen. Ein eigenartiger schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern nachmittag auf einem Neubau in der Hclmholtzstraße. Dort warf ein Llrbeiler aus der Höhe de» zweiten Stockwerkes eine schwere Rolle Dachpappe hinab, die unglücklicherweise den in diesem Augen- blick an dem Neubau vorübergehenden 45jährigcn Arbeiter Baum so heftig iraf, daß er besinnungslos zu Boden stürzte. Der Verunglückte wurde in bedenklichem Zustande nach dem Königin-Elisabeth-Hoipilal übergeführt, wo festgeslelll wurde, daß B. eine erhebliche Vecletzung der Wirbelsäure. eine Gehirnerschütterimg und innere Verletzungen davongetragen hatte. Weiftensee. Aus der Gemeindevertrekung. Der zum Schöffen gewählte Ge- mcindevertrcter Mcweö wurde in der Sitzung vereidigt und in fein Amt eingeführt.— Gegen die Pfarrkirche wird Klage erhoben' auf Herausgabe einer Summe von 333,96 M., die die Ecmcinde als früherer Kirchenpatron zur Reparatur des Tiakonatshauscs aufwenden mußte. Im Jahre 1995 ist das Patron.it aufgehoben, weil die Kirchengcmeinden Hcinersdorf und Hohenschönhausen sich von Weißensee trennten, und da der Pfarrsond» Weihensee verblieb, so sollen der politischen Gemeinde die für die Kirchenkasse veraus- lagten Gelder zurückerstattet werden. Hiergegen sträubt sich aber die 51irchenkasse, da für sie nehmen seliger denn geben zu sein scheint.— Der Landrat verlangt für die Fleischschau die Anstellung eines Tierarztes für bakteriologische Untersuchungen, die bisher auf der Hochschule in Berlin vorgenommen wurden. Tie Gemeinde- Vertretung fordert nunmehr die Anstellung eines solchen Arztes für den ganzen Kreis und die teilweise Heranziehung der Gemeinden zu den Kosten. Einige Vertreter hatten noch allerlei Mißstände zu rügen u. a. den langsamen Fortgang der Kanalisationsarbeiten, was am GcmeindevorstandStisch init einigem Unbehagen aufge« nommen wurde. Ter Beigeordnete Dr. Klamroth beschwerte sich außerdem noch über die absichtlich falsche Berichterstattung des „Weitzensecr Tageblatts". Entweder sei der Berichterstatter un- fähig Berichte aufzunehmen, oder die Tendenz des Blattes lasse eine objektive Berichterstattnng nicht zu. Ebenso rügte er die Bc- richterstattungen aus den geheimen Sitzungen, die eine ganz ent- stellte Wiedergabe der Verhandlungen enthalte. Für diese Philip- pika brachte das„Weißcnseer Tageblatt" in seiner nächsten Nummer einen langen Leitartikel als Abwehr auf die Angriffe des Beigeordneten. Der ZirkuS Montier, der bereits in mehreren Vororten Berlins Vorstellungen gegeben, hat sein Zelt jetzt am Ort und zwar in der Streustraßc aufgeschlagen. Pankow. Die Gemeinbevertretersitzung am Dienstag hatte außer der von uns bereits gerichteten Verhandlung über die Vcrschmelzungsfragx mit Nicder-Schiknhauscn eine sehr reichhaltige Tagesordnung zu bewältigen. Unter anderem wurde zunächst ein Vertrag mit der Aktiengesellschaft für Asphalticrung und Dnchbedeckung vormals Jeserich u. Co. genehmigt, wonach dieser die Hälfte der Neupflaste- rungen und Reparaturen aus Pankower Asphaltstraßen übertragen wird. Ferner erteilte die Vertretung einem Vertrage mit dem Lan- desdirektor der Provinz Brandenburg über Verlegung eines Kabels fü das neue Wasserwerk in dir Chaussee Berlin— istrelitz ihre Zustimmung.— Um eine rationellere Ausnutzung der Maschine des Elektrizitätswerkes zu ermöglichen, wird die Beschaffung einer weiteren Akkumulatorenbatterie sowie eine Erweiterung des Kabel- nctzeS beabsichtigt. Nach längerer Debatte, in der Herr RechnungS- rat Balzer wiederum seine Sparsamkcitkbcdenkcn anbrachte, stimmte die Vertretung dieser abermaligen Bctricbscrwcitcrung zu und bewilligte die Kosten im Gesamtbeiragc von etwa 32 999 M., welche durch Anleihe gedeckt werden sollen.— In Mühlenbcck sollen auf Vorschlag des Gutskuratoriums Anlagen für elektrische Be- lruchtung und Anwendung elektrischer Kraft geschaffen werden. Ter Verwendung von 2999 M. für diesen Zweck wurde nach kurzer Be- ratung zugestimmt. Ferner wurden für die Brennerei auf Mühlen- deck 1799 M. für eine Ergänzung im technischen Betrieb bewilligt. — Ende Mai dieses Jahres hatte die Vertretung beschlossen, daß das alte Schulgebäude in der Breitcnstraße 37 mit dem 1. Januar 1912 abgerissen sein muß, wenn seine nochmalige provisorische Wiederbenutzung zum Oktober sich nicht mehr als nötig erweisen sollte. Diesen Beschluß ersuchte der Bürgermeister wieder rück- gängig zu machen. Da das Gebäude eine ganz geeignete Unter- kunft für die Insassen des durch Brandschaden unbenutzbar gelpor- denen jüdischen Waisenhauses in der Mühlenstraße bietet, hat der Leiter desselben um Uebcrlassung der Räumlichkeiten auf etwa anderthalb Jahre gegen einen jährlichen Mietzins von 3999 M. ersucht. Nach längerer Debatte wurde der frühere Beschlutz auf- gehoben und die Räume unter den angebotenen Bedingungen der jüdischen Walsenhausverwaltung überlassen. Ferner wurde bc- schloßen, daß- mit dem 1. April 1913 daS Gebäude endgültig beseitigt sein muß.— Für die Fortbildungsschule sind vom Kreis für das laufende Jahr-1913- M. als Beihilfe, überwiesen. Der Regie- rungspräsident hat aber darauf aufmerksam gemacht, daß Beihilfen nicht mehr geleistet werden könnten, solange in der Fortbildung»- schule nicht Schulgeld erhoben würde. Letzterem Verlangen hat die Finanzkommission sich nicht anschließen können und enipfahl des- halb für den Fall späteren Ausbleibens der Beihilfen die völlige Deckung der erforderlichen Kosten aus Geincindcmittcln. Auch die Vertretung stellte sich nach unwesentlicher Debatte auf diesen Stand- Punkt.— Für die' Förderung der„Jugendpflege", wie sie neuerdings' durch die preußische Zicgierung angestrebt wird, sollen auch für Pankow drei Lehrer in einem zu diesem Zweck zu veranstalten- den Kursus herangebildet werden, wozu die«umine von 159 M. bewilligt und der Finanzkömmission zu sachgemäßer Verwendung überwiesen wurde.— Hierauf geheime Sitzung. Mühlenbeck. In der letzten Gememdevertretersstzunz wurde zunächst der Vsr- schlag des Landrats: Anschaffung von kastasteranttlichen Meßgeräten abgelehnt, lveil solche Messungen in den letzten Jahren in nennens- iverter Weise nickil stattgefunden haben. Dem Gesuch des Grund- besitzcrvcrcinS Mönchsinühle. die Straßenpflasterung vorläufig ohne Bürgcrsteige vornehmen zu dürfen, wurde nicht emiprochen, dagegen wurde von dem seinerzeit vorgeichriebenen Mosaikpflaster für Bürger- steige Abstand genommen und da» billigere gestaltet. Derselbe Verein ersuchte ferner, die Straße von MönchSmühle zur Benutzung von WasserleittmgSröhccii freizugeben. Die Ver- tretung stellte sich ani den Standpunkt, daß, wenn die Gemeinde Pankow mit ihre» Röhren durch die Gemarkung Mühlenbecks will, dieselbe sich an die Vertretung selbst wenden soll. Auf die kürzlich an den Landrat gerichtete Beschwerde, wonach die Moiorfahrcr der clcktriichcu Fabrik von Bergemanil durch da» schnelle Fahren auf der Chaussee Menschen und Vieh gefährden, wurde nun der Bescheid, daß die Gendarmen angewiesen sind, jede llcbcrtrctung unnachsicht- lich zur Anzeige zu bringen. Orknienburg. AuS der Ctadtverordüeteuvel-samnilllilg. Zunächst wurde der Buchdruckereibcsitzer Möller in sein Amt als Stadtrat eingeführt und dcinielben das Dezernat für Handel und Gewerbe, für Fort- bildungSschule und JnnimgSwcscn übertragen. Hierauf nahm das Kollegium KeunNiiS von deni augenblicklichen Stande dei Verhandlungen über die Versorgung der Stadl mic Gas für Heiz- und Kochzwecke. DaS Gutachten, welches ver Magistrat wegen Ankaufs des Gas« Werkes in SachsevHausen eingeholt hat, soll ein günstiges sein. Die Firma Hengstenbcrg offerierte der Stadt da« Werk für 239 999 Mark, 19 999 Mark iviirde die Ausstellung eine? neuen Gasometer» und 199 999 Mark hie Lerlegung der Röhren in Cvrnr.ctrlxttg kosten, so daß- zum Ankauf dcö Werkes eine Gclainssnlnüie'von 36!) iM erforderlich iväre. Sodmin teilte Bürgermeister Beuthner noch mit. daß die Stadt Berlin bereit wäre, die Versorgung der Stadt mit Ga» zu übernehinen und zwar zu den für die Berliner Konsumenten geltenden Bedingungen. Be- schlüssc wurden hierüber nicht gefaßt. Behuf» llnterbriilguug der Landwirtschaftlichen und Gärtnerlchranstalt wünscht, die Regierung die vorherige Aufstellung eine» Bebauungsplanes der PilarikShcide. DcbatteloS wurde dem Magistrat hierzu die Eriiiächtimmg gegeben. Ebenso wurde der SUmtzenplcm der gewerblichen Fortbildungs- schnle für daS Winterhalbjahr<7— 11 vormittags, 11—1 mittags, 2—4, 2—6, 4— 8 und 3—8 nachmittags) genehmigt. Vpn dem Submissionsergebnis der KanalisationSarbettcn gab der Magistrat KeimcniS und beantragte, wegen zu hoher Forde- rung keiner der Firmen den Zuschlag zu erteilen. Von den 12 eingegangenen Offerten ist die höchste Forderung 263 999 M.. die niedrigste 289 999 M. Meiklvürdigerweise waren sich die 12 Firmen darin einig, daß sie durchweg mit ihren Forderungeil um 79999 M. über den Voranschlag hinausgingen. Der Magistratsantrag wurde angenommen. Ans den internen Mitteilungen in der geheimen Sitzung geht klipp und klar hervor, daß die Firmen sich zu dem- Zweck zusammengeschlossen haben, der Stadt 79 999 M. abzunehmen, um dieselben später zu ver- leiten. Nach längerer Debatte wurde die Anstellung eines TechnickerS, welcher die Hausanfchütt« bei der-Kanalisaüou zu überwachen und zu prüfen Hai. beschlossen. Tie Staatsbehörde» haben die Klärung der Abwässer nach Kremerschem System genehmigt, aber außer der mcchaniicheu, noch eine biologische Klärung angeordnet. Ddr Magistrat benuiragte für die Erbauung einer zweiten biologischen Kläranlage 53 999 M. nachznbewilligen. Auch dieser Antrag wurde angenommem NowawcS. Die provisorische Haltestelle zwischen der Kirch- und Plantagen- straße wird nach Bekanntmachung drS EiscnbabnbetriebSamts 7 am Millwoch, den 6. September, mit dem ersten Zuge früh in Betrieb genommen. Die Fahrpreise, auch für Wocheukarten. bleiben dieselben. Jugendveranstaltungen. Sichtend erg. Rninme lsburg. Für den am morgigen Sonntag fest- gesetzten Slusflug ist der Trcfwunkt nicht 1 Uhr nachmittags am Bahnhof lilummelsblirg. londcrn frü k, l*!, Uhr in den Jugendheimen für Sichten- berg-FriedrichSselde, Bürgerbeimilr. 91; für RummelSburg-Stralau. Att- Borh.igrn 30. Der Abmarsch erfolgt pünktlich L Uhr. Freireligiöse«emetude. Sonnlag, den 3. September, vormittags 9 Uhr, Pappe lallee 15,17 und Nirdorf,„Jdcalvassege": Freireligiöse B o rl c f u n g. LortlliUag» 11 Uhr. Kleine glankstirter Sir. 0: Vortrag von Herrn«. H. vaeg» L„Der Entwickelungögedanke und lelne philo- sopbiichc Bedeutung". Damen»nd Herren als Gäste sehr willkommen Tauristeiivercin„Tic Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Wegen der Demonstration findet morgen Tonntag, den 3. September, tctne Tour statt. Hi lfskasie der Graveure. Ziseleure und verwandter Berufsgenoffen in Berlin tagt jeden 1. Montag im Monat Restaurant Brarmert, Luücn- ufcr 1, abends 8—19 Uhr. BSitterii'lqeüdrrsictn vom 1. September mi. BIcttottCTi Sotnnr.de Öantpurg rtrlln Frrmtl.a Vt München Wien ;c Setter Ä 181 3 wolkig 1 bedeckt 2 wolkig 1 heiler 3 heiter wolkcnl «tattonen V g I® m ii e r« Setter r t? *3 Havaranda 753 RO Petersburg 703 KS72B Scrll? i7C5S äbtrdtea 758 S S© Paris 768 DSD Lhalbbd. 2 wotkenl 3 heiter 2 bedeckt 1 wotkenl 10 11 IC u 12 «rettrrvrognosc fnx Sonnabend, den 8. September I»ll. Vielfach wolkig bei ziemlich lebhaften locsllichen Winden, etwa« wärmerer. Nacht und uieisig perändertn Tggeslemperaiur; keine erhebliche» Niederschläge Berliner Welterbureaa. __ werden von_____________ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil veran:».: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin L1V. «-.«»»»-. Kkiliße des.Awiirls"> Jlipp für A»ri>, Sifn, lütitn. t>»«»■ Vklbllndstllg der Porjklllnmbkittt. Nach dar fortgesetzten Debatte über die Anträge auf Anstellung tveiterer Gauleiter wurde in der gestrigen Sitzung zunächst ein Antrag Wollmanns, die Anträge dem Vorstand zur Berück- sichtigung zu überweisen, abgelehnt. Sodann wurde einstimmig, und zwar in namentlicher Abstimmung, beschlossen, einen Gau- lciter für Schlesien und Sachsen anzustellen, und weiter wurde mit knapper Mehrheit die Anstellung eines Gauleiters für Rhein- land-Westfalen beschlosien. Der Antrag auf Anstellung einer Hilfs- kraft für den Gauleiter Thüringens wurde mit starker Mehrheit ebenfalls angenommen. Von verschiedenen Zahlstellen, lagen An- träge vor, in den Zahlstellen, wenn die Mitgliederzahl eine be- stimmte Höhe erreicht hat, Lokalbeamte anzustellen. Diese all- gemein gefaßten Anträge wurden abgelehnt, angenommen wurde dagegen ein Antrag, für die Zahlstelle Selb in Oberfranken, die über 1100 Mitglieder zählt, einen Lokalbeamtcn anzustellen.— Die Stellungen der neuen Gauleiter sollen spätestens bis Ende dieses Jahres zur Bewerbung ausgeschrieben werden. Eine kleine Debatte über Parteischule r.nd Gewerkschaftsschule rief folgender Antrag der Zahlstelle Selb hervor: Tie Generalversammlung beauftragt den Haupworstand, in Erwägung zu ziehen, ob nicht im Gewerkschaftsinteresse von einer Wcilerbeschickung der Gewerkschaftsschule Abstand zu nehmen ist und dafür nach Möglichkeit von zwei zu zwei Jahren ein Genosse auf die Parteischule entsendet werden soll. Begründung: Verschiedene Artikel der Parteipresse lassen die Schlußfolgerung zu, daß in der Gewerkschaftsschule nach einer gewissen Richtung hin gelehrt wird. Dill- Selb führt aus, daß der Antrag nur eine Anregung un den Vorstand sein solle. Es müsse dafür gesorgt werden, daß vor allem die Mitglieder, die einmal als Angestellte für den Vcr- band tätig sein sollen, eine gründliche Kenntnis der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sowie ihrer Ursachen gewinnen, um allen Anforderungen gewachsen zu sein. Es lägen jedoch Gründe dafür vor, anzunehmen, daß in der Gewerkschaftsschule eine gewisse Richtung bevorzugt werde, und man müsse sich fragen, ob hierdurch nicht systematisch diese Richtung in die Massen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter hineingetragen werde. Wenn man in der Gewerkschaftsschule einen Mann wie Bernhard beschäftige, der in � der bürgerlichen Presse aufs wärmste für die Marokkopolitik ein-! trete, so könne das zum Schaden der Gewerkschaftsbewegung bei- tragen. Es komme aber darauf an, Gewerkschastsbeamte heran- zubilden, die vom Klassenbewußtsein durchtränkt sind. Wollmann erklärt, daß die Gewerkschaftsvorstände dauernd über die Gewerkschaftsschule wachen und erklärt haben, daß der Unterricht durchaus einwandsfrei sei, was auch vom Gr- werkschaftskongrcß anerkannt wurde. Man könne es nicht gut- heißen, daß die Gewerkschaftsschule.diskreditiert werde. Die Auf- fassungen, die ein Lehrer in der Presse äußere, hätten mit der i Schule nichts zu tun. Die Mitglieder des Porzellanarb?iterver-! bandes, die die Gewerkschaftsschule besuchen, müßten stets schrift- � liehen Bericht über den Unterricht geben, und auch aus diesen Be-' richten sei unzweideutig hervorgegangen, daß nichts gegen den' Unterricht einzuwenden sei. Im selben Sinne äußert sich Hoffmann- Ilmenau im eigenen Namen wie im Namen Bredows- Marktredwitz und Sawinskys- Magdeburg auf Grund des in der Gewerschafts- schule genossenen Unterrichts. Der Antrag wird schließlich mit starker Mehrheit abgelehnt. Angenommen wurde ein Vorschlag, wonach auf die Zusammen- fassung einander naheliegender kleiner Zahlstellen zu einer Zahl- stelle hingewirkt werden soll. In der Nachmittagssitzung berichtete D r e s i a- Vordamm über die Arbest der Kommission zur Vorberatung der Antrage über die Beiträge und Unterstützungen. Die Vorlage der Kommission, die den Delegierten vervielfältigt borliegt, weicht in verschiedenen Punkten von den Vorstands- antrügen ab. In der Arbeitslosenunterstützung hat die Kommission die Sätze für die Mitglieder, die erst 52 Wochenbciträge geleistet haben, gegenüber den Vorstandsanträgen noch um 50 Pf. bis 2 M. die Woche herabgesetzt in den verschiedenen Klassen, schlägt dafür jedoch höhere Sätze für die Mitglieder mit mindestens 416 Bei- trägen vor und außerdem für diese und für die Mitglieder mit 156 Beiträgen eine um zwei und um eine Woche längerer Dauer der Unterstützung. Bei der Krankengeldzuschußkasse empfiehlt die Kommission die bisherigen vier Klassen beizubehalten, während der Vorstand nur drei Klassen bestehen lassen will. Außerdem aber schlägt die Kommission für die älteren Mitglieder eine längere Dauer der Krankenunterstützung vor, und zwar bis zu 26 Wochen bei 520 Wochenbeiträgen, während nach den Vorstandsanträgen die Unterstützung höchstens 15 Wochen dauern kann und yian nach dem alten Statut schon bei 260 Beiträgen 26 Wochen lang die Unter- stützung erhalten konnte. Im allgemeinen stellen die Kommissions- Vorschläge wohl eine Ermäßigung der Unterstützungen dar, sind jedoch nicht so weitgehend, wie die Vorstandsanträge. Bei der Wöchncrinnenunterstützung schlägt die Kommission vor, daß in der 1. Beitragsklasse 10 M., in der 2. 15 M., in der 3. 20 M., in der 4. 25 M. gezahlt werden, während der Vorstand als Höchstsatz 20 M. zu setzen wünscht. Gegenüber dem alten Statut bedeuten beide Anträge eine Erhöhung, da bisher nur die Sätze von 10 und 15 M. bestehen. Es schloß sich an den Kommissionsbericht eine lebhafte Debatte, die den ganzen Nachmittag dauerte. Ter Verbandsvorsitzeckde W 0 l l m a n n erklärt, daß wenn die Vorlage unverändert an- genommen werde, keine Aussicht vorhanden sei, die Verschmelzung mit den beiden anderen Verbänden herbeizuführen. Darüber müsse man sich erst einmal klar werden. In ähnlichem Sinne äußern sich auch die Verbandsvorsitzcndcn der Töpfer und der Glasarbeiter. Im weiteren Verlauf der Debatte, an der sich eine große Anzahl der Delegierten beteiligt, wird der Slntrag gestellt, die Vorlage nochmals an die Kommission zu verweisen, jedoch abgelehnt. In- zwischen werden verschiedene Abändcrungsanträge zur Kam- missionsvorlage gestellt, von denen einer, die Dauer der Kranken- Unterstützung im Höchstfälle auf 18 Wochen zu bemessen. Annahme findet. Mit dieser Abänderung wird die Vorlage in namentlicher Zlbsiimmung mit 46 gegen 3 Stimmen angenommen. Der Vor- sitzende W 0 l l m a n n erklärt, daß aus dieser Grundlage die Fort- sctzung der Verhandlungen über die Verschmelzung möglich sein werde. Nachdem man noch eine Reihe von Beschwerden erledigt hatte, wurden die Verhandlungen vertagt Wosserstnnds.Noltirtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ beveiltel Wuchs,— slall.—») Unlerveael. WM tz UMs l Heute, Sonnabend, nachm. 3 Uhr Neu-Eroffnung meines Spezial- fntzgeschäffes Rixdorf 166/167 Hermann= Straße 166/167 Paula Cohn« Mßij IIK-Trio äixdorl-Berlin, W Lahnstr.74.i-i en gros. Achtnng! en detail. Alfred Untx stüher: Ostdeutsche Fleisehinilüstrie Fleisch- u. Wurstverkanf. Spezialität: Ichilikensalzerei. Beste u. billigste Bczugsguclle für Wicderverläufcp Eigene Schlachtung. Bcrli.. Fruchtstraße H-15. * Schlesischer Bahnhos. Pelzwaren,„üue», billig, in größter Auswahl B. J. Sioboy,"SIT SO. 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