N». 208. 28. Jahrg. nbonnementS'ßedlngungeti! H Die Intertions-Geböljr Abonnements. Preis pränumerando: WD Bai �fNö�rV WUMjLSm f WS f. beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. Siertcljährl. 3�0 Mb. monatl. I.lo Mb, WW MW SM KB«D»| geile oder deren Raum W Pfg.. sür wöchentlich 2» Pfg. frei ins Haus. JSB HB W BBI IC MM BH Kwt t'JI HB Uci WS HH~J �(\�ggW7/ politische und oewerlichaftliche Vereins. Einzelne Rümmer S Pfg. Sonntags. IM HB MI W) BB BH 0MZ HB MB f/ HB WB--- und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. uunmicr mit illustrierter Eonntaqs» MWN\SSmSsk W> Hl HB s-»/ WM MM Mj KS fe« BW IHd MB MM //„Kleine Hnrcigen", das settgedruckl- Peilage.Die Reue Lelt' lv Psg. Post. ���M If MK MW Wt �W HB DM MM Mg BM MW HB BM aJL Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte biboniicmcnt: t.10 Marl pro Monab ��M I MM �W �W �H MMi DM HSj B3 �H MM Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Eingetragen in die Post-Zeitungs. J HB I MM— MD MH\ HH� MHlx BH\ MD WD RH CS Etellengesuche und Echlafstellenan. Preisliste. Unter Kreuzband für MM I MM WM BBD( swülfft ijK�k i' jWZASs&jjf V WMDV WM zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes Teutschland und Oesterreich- Ungarn WW I �M ��WS WM 1 7/ Es« weitere Wort ö Pfg. Worte über löBuch. 2 Mark, für das übrige Ausland MB N �M\ �w/ z/\S ��S yrS WiB1'> JSSS&X // WH slaben zählen für zwei Worte. Inserate 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS•*_ S S V/ // BH fiir die nächste Nummer müsien bis nehmen an: Belgien. Dänemark,-> eö Ä AA/ 5 Uhr nachmittags in der Expedition Holland. Italien, Luicmburg. Porwaal. r&Sl C ss � �>. I» � J»pgegeben werden. Die Expedition ist Rumänien, Schweden und die Schweiz, V.*------- � � bis? Uhr abends geoftnet, Iissxs-. Tentralorgan der fosialdcrnokrati feben Partei Deutfebtands. Redaktion: SM. 68» Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 1— IM 11 I- 1 I—in 1......... HIBII■■■im mm I I« yollttschullehrei' und Sozial' detnoMie. Von einem Volksschullehrer. Eine wichtige Rolle im bevorstehenden Wahlkampfe werden die Volksschullehrcr spielen. Im agrarischen Osten sind sie von den hochmögenden Junkern dazu ausersehen, die �utreibcr der konservativen Partei zu sein; im Westen und Süden werben sie als Vorkämpfer der Liberalen. Nur von Lehrern als sozialdemokratischen Agitatoren hört man nichts. Eine ganz natürliche Folge davon, daß in unserem„modernen" Staate noch nicht einmal jedem Staatsbürger das Recht der freien Meinungsäußerung gewährleistet ist. Und gerade für den Sozialismus zu wirken, in der sozialdemokratischen Partei ihren aufrichtigen Bundesgenossen, den allzeit bewährten Kämpfer für die Interessen ihres Standes und ihrer Arbeit zu sehen, hat die Lehrerschaft, vor allem die Volksschullehrerschaft, den gewichtigsten Grund.„In der bürgerlichen Gesellschaft gibt es zwei Klassen, die dem Proletariat nicht angehören, die aber, tvcnn sie sich von ihrer engen bürgerlichen Auffassungsweise zu emanzipieren vermöchten, mit Jubel dem Sozialismus zustimmen müßten: das sind die Lehrer und die Mediziner."(A. Bebel, Tie Frau und der Sozialismus, Vorwort zur 25. Auflage.) In anderen Ländern(Holland. Frankreich, Italien) zählt bereits ein beträchtlicher Teil der Lehrerschaft zur Sozial- demokratie. In Deutschland dagegen sieht die Arbeiterschaft vielfach gerade in den Lehrern ihre erbittertsten politischen Gegner, die mit den vergifteten Waffen des Reichsverbandes ihre Bestrevungen bekämpfen und zuwellen sogar die ihr von den Eltern anvertraute Jugend mit dem Hasse gegen ihre Eltern und deren politische Anschauungen zu erfüllen suchen. Nur in ocn Großstädten ist es etwas anders. Wenn dort schon ein kleiner Bruchteil der Volksschullehrer sich zur Sozial- demokratie zählt, so ist das darauf zurückzuführen, daß diese Wenigen aus Volksschichten stammen, die fest in der Sozial- demokratie verankert sind, so daß sie im Bannkreis sozia- listischer Weltanschauung aufwuchsen. Der größte Teil der Lehrerschaft kommt allerdings aus kleinbürgerlichen und bäuerlichen Kreisen und ist darum nur schwer für den Sozialismus zu gewinnen. Trotzdem müssen wir der- suchen, mit unserer Agitation auch in die Lehrerschaft hincinzudringcn. Wir werden Erfolge verzeichnen, wenn wir der Lehrerschaft zeigen, daß ihr Beruf, ihre tägliche Arbeit an der Erziehung der Jugend, an der Bildung des Volkes, sie mit Notwendigkeit in die Reihen der kämpfenden Arbeiter- schaft treibt. Der Lehrer, der mit heißem Bemühen und ehrlichem Eifer an der Förderung seiner Schülcrschar arbeitet, wird nur allzufrü h inne, ivie seiner Arbeit Hemmungen und Hindernisse aller Art entgegenstehen. Da findet er unter den fünfzig Kindern eine Anzahl, die mit leerem Magen in die Schule gekommen sind, die vielleicht auch kein kräftiges Früh- stück unter ihrem Tische liegen haben. Muß nicht aller pädagogische Eifer an diesen armen Kinderseclen verloren sein? Das sind die, die bequeme Oberflächlichkeit als „Dumme" und„Faule" bezeichnet. Nach einer Ilmfrage der „Zentralstelle für Volkswohlfahrt" gab es im Sommer 1908 in 125 Städten an 3(5 000 Kinder, die morgens hungrig zur Schule gingen. Nur 10 Proz. aller Kinder erhielten zum Früh- stück etivas Milch und ein großer Teil kein warmes, nahrhaftes Mittagessen. Wie können Kinder fröhlich lernen und arbeiten, deren Körper geschwächt ist durch Hunger und Unterernährung! Tic bittere Not, das Elend unseres Volkes schreit den Lehrer a»S den blaffen, magern, abgehärmten Gesichtern seiner Schüler entgegen. Kann er sein mitfühlendes Herz demgegen- über kalt verschließe»? Fühlt er nicht Zorn, Empörung ob solcher Zustände? Und weiter: Kaum hat am Mittag die Schule ihre Pfleglinge entlassen, so werden nicht allzu wenige eingespannt in die Fesseln ermüdender Lohnarbeit. Trotz des bestehenden Kinderschutzgesetzes herrscht eine geradezu er- schreckende Ausbeutung jugendlicher Arbeitskraft, soivohl im eigenen Heim wie im fremden Dienst, im Handel uiic im� Gewerbe, vor allem aber in den Gebieten, wo die Heimarbeit„blüht", und ans dem Lande, wo agrarische Profitsucht in den Kindern billige und willige Arbeitskräfte findet. Allen diesen Tausenden und Abertausenden Kindern wird die Sonne, wird die Jugend geraubt. Sie können sich nicht erholen von den ermüdenden Schulstunden und sollen doch morgen früh wieder hinein: sie können nicht spielen, nicht sich austoben, nicht turnen, nicht wandern, nicht ftei atmen. Und an diesen Unglücklichen soll der Lehrer arbeiten; geistige Kräfte soll er lösen, Charaktere bilden. Klingt es nicht wie Hohn? Die lange Arbeitszeit der Eltern läßt viele Kinder ohne Aufficht, ohne treusorgende Mutterliebe aufwachsen. Schon früh find sie den Gefahren der Straße, des großstädtischen Lebens ausgesetzt. Die Roheiten und Laster, die sie erblicken. üben einen liefen Eindruck auf die weiche, jeden Eindruck leicht ausnehmende und lange bewahrende Seele des Kindes. Und bann zetert man über die zunehmende„Unsittlichkeit" und Verwahrlosung" der Großstadtjugend! Ein Teil der Kinder ist dazu verdammt, in der Wohmmg zu bleiben, in stickigen Räumen ohne Licht und Luft; sie müssen ihre kleinen Ge- Mittwoch, de« 6. September litll. schwister warten und pflegen. Unwissenheit der Eltern, bc- dingt durch die schlechten Schulverhältnisse, begünstigt durch geisttötende Arbeit, durch die„verdammte Bedürfnislosigkeit", läßt die Kinder schon frühzeitig am Alkoholgenuß teilnehmen, verführt sie' zu seichten, verderblichen V�gnügungen(Kino). Häufiges Wechseln der Wohnung hat fortwahrende Umschulung der Kinder zur Folge und bedeutet für den Lehrer das Arbeiten an einem sich stetig verändernden Schülerkreis. Der ganze Jammer unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist es, der dem Lehrer in der Schulstnbe entgegentritt und seinem Unterricht fast allen Erfolg raubt. Die steigende Aus- beutung immer zahlreicherer Arbeiterschichten, die Zusammen- drängung immer größerer Massen in engen, sonnenlosen Vorstadtvierteln, das Wohnungselend, verheerende Krisen, der Alkoholkonsum, die ganze verderbliche Wirtschaftspolitik der Herrschenden läßt eine schwächliche,- entartete Jugend auf- wachsen, eine Jugend, die nichts weiß vom Naturgeschehen, die nur in steinernen Häusermassen, in dumpfen Höfen sich auskennt. Kaum sind die Kinder reif geworden für eine tiefere ethische und intellektuelle Beeinflussung, so muß der Lehrer sie frei geben. Den Kinderschuhen kaum entwachsen, in der günstigsten und gefährlichsten Zeit ihrer EntWickelung werden sie in die Fron gezwungen; die Kapitalisten brauchen frische Hände. Und alles, was wir Lehrer uns in lang- jähriger, mühevoller, durch den Druck von oben zudem er- schwerter Arbeit in den jungen Seelen aufzubauen suchten, geht im Nu, im Wirbel des täglichen Kämpfes ums Brot verloren Sisyphusarbeit! Um all der Not zu steuern. tut eine tiefgreifende Sozialreform not, die der Degeneration des Volkes entgegen- arbeitet, die den Kindern wieder ihr Jugendland zurückerobert und sie sür eine freie, tiefe Erziehungsarbeit des Lehrers empfänglich macht. Wohl bemühen sich manche bürgerliche Kreise, durch wohltätige Bestrebungen(Schul- speisungen, Spielnachmittage, Kinderhorte, Ferienkolonien, .Wanderungen usw.) das Elend etwas zu lindern. Eine wirk- liche Reform, die die Wunden unseres Volkskörpers nicht nur notdürftig übcrpflastert, sondern eine tiefgehende Heilung be- wirkt, von den Machthabern der heutigen Gesellschaft zu der- langen, wäre aber eine Utopie. Das hat uns noch in den letzten Monaten die Erledigung der Reichsversicherungs- ordnung in aller wünschenswerten Klarheit gezeigt. Nur dem unermüdlichen Klassenkampfe der Arbeiter kann es gelingen, Besserung herbeizuführen. Wenn es also der Lehrerschaft darum zu tun ist, ihre Arbeit lohnender zu gestalten, so muß sie die Eltern der Kinder, die sie unterrichten soll, die Arbeiter- schaft in ihrem Kampfe um bessere Daseinsbedingungen unter- stützen. Eine körperlich wie geisfig kerngesunde Jugend wird aber erst aufwachsen können, wenn nicht mehr der Kapitalismus auf dem Volke drückt. E s g i lt also für die Volks- schullehrer. an dem Kampf zur Beseitigung der herrschenden Gesellschaftsordnung teil- zunehmen. Die Umwandlung derselben in die sozialistische ist mit dem ureigensten Interesse der Volksschullehrerschaft aufs eng st e verknüpft. Erst in der sozialistischen Gesellschaft wird die Schule die Stellung einnehmen, die ihr gebührt. Ein starkes, lebensmutiges, geistig und körperlich gesundes Geschlecht zu erziehen, wird ihre erste Sorge sein. All die kostbaren Begabungen, die heute schon im Keime erstickt werden, werden erhalten bleiben. Vollsaftige Persönlichkeiten wird man dann erziehen, nicht, wie heute, gehorsame Unter- tancn und fronende Arbeitssklaven. Dann erst, nicht gedrückt durch Zwang und wirtschaftliche Not, wird der Lehrer die tiefsten Kräfte seines pädagogischen Ingeniums entfalten können. Die Arbeit an und mit der Jugend wird die schönste. am meisten Befriedigung und Lebensglück versprechende Be- tätigung sein. Diese Gedankengänge gilt es den Lehrern unserer Volksschuljugend zum Bewußtsein zu bringen. Vor allem den jungen Lehrern. Gerade bei dem jungen Lehrer, der, nachdem er sechs grenzen- los öde Seminarjahre hindurch immer nur hat lernen niüsscn, mit allen Fasern darauf brennt, zu arbeiten, zu schaffen, der von heiliger Liebe zun: Erzieherberuf durchglüht ist, ist der Boden günstig. Nur allzu rasch wird er merken, wie seine Arbeit gelähmt, ivie sie so häufig trotz besten Strebens zu schänden wird, wie die grauen Geister des Miß- muts und der Verzivciflung ihn beschlcichen. Jhni die tieferen Ursachen seines Mißerfolges darzulegen, ihm zu zeigen,»vie allein eine gründliche Besserung erfolgen kann, muß Sache unserer Aufklärungsarbeit sein. Und diese Arbeit wird uns so leicht gemacht. Der ganze Zustand unseres Schulwesens muß den aufrichtigen Lehrer zum schärfsten Gegner des herrschenden Systems machen, muß ihn, wenn er konsequent zu denken vermag, über den Libe- ralisnius, und mag er sich noch so sozial gebärden, hinaus zum Sozialismus treiben. Jene Klassenteilung des Schul- Wesens, die dem Sprößling der Bourgeoisie, mag er auch ein Tummkopf sein, eine bessere Schulbildung übermittelt als dem wissensdurstigen Proletarierjungen, die schandbaren Schul- Verhältnisse in zahlreichen Gebieten des Deutschen Reiches, die hohe Klassenfrequenz auch in großstädtischen Schulen, verglichen mit der höherer Schulen. die„Schul- Paläste", das Elend der Lehrpläne. die unwürdige Besoldung der Volksschullehrer. die Unterordnung Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Str. 1981. der Volksschullehrer unter die bevormundende Aufsicht des Bureaukratismus und Pfaffentums, die politische Unfreiheit der Lehrer: alles das zeigt, daß die Volksschule das Aschen- puttel gegenüber ihrer„höheren" Schwester ist. Das alles beweist jedem vorurteilslos Denkenden, daß die Machthaber, ganz gleich, ob das agrarische Junkertum oder das„liberale" Geldsacktum regiert, die Volksschule für ganz bestimmte Zwecke mißbraucht. Arbeitsschule, weltliche Schule. Einheitsschule— diese drei Ideale der modernen Lehrerschaft haben ihre Freunde nicht bei dem Bürgertum, die zum Lichte strebende Arbeiterschaft ist es, in deren Progranim auch jene drei Punkte stehen. Selbst in jenen bürgerlichen Staaten, wo es heute schon eine Einheitsschule gibt, zeigt sich an ihr der schädigende Einfluß der Klassenteilung unserer Ge- sellschaft. Die minder begabten Kinder bemittelter Eltern sind vermöge des Milieus, in dem sie leben, stets im Vorteil gegenüber dem begabten Arbeiterkinde, das im Hinterhausc, in Not und Elend aufwächst. Auch iveim der Lehrer auf anderen Gebieten sich betätigt, wird er immer und immer wieder auf die Forderung gestoßen: Kampf gegen das herrschende System! Die Bestrebungen der Jugendschriftenausschüsse, die selbstlos mitarbeiten an der literarischen Bildung der breiten Volksmassen, die Bekämpfung der Schundliteratur und der Kinopest, die Arbeit des Dürer- bundcs für eine künstlerische Kultur, alles das sind Be- strebungen, die unter den heutigen Verhältnissen wenig Aus- ficht auf Erfolg versprechen. Ohne soziale Kultur keine ästhetische Kultur. Erst die sozialistische Gesellschaft wird da Wandel schaffen können. Eine rege Werbearbeit unter den Volksschullehrern wird. wenn es wahr ist, daß der Lehrerstand ein wissenshungrige», aufstrebender Stand ist, reiche Früchte bringen. Eine solche Agitation kann wohl nicht in Versammlungen erfolgen, auch kaum in der Tagespresse. sondern nur durch eine b e- sondere schriftliche Werbearbeit, durch Flug- schriftcn und, wenn die Vorbedingungen gegeben sind, durch eine s 0 z i a l i st i s ch e S ch u l z c i t u n g. Vor allem tun uns Flugschriften not, die dem Lehrer ini einzelnen und an den Tatsachen zeigen. wie seine Berufsarbeit, wenn sie nicht nur auf- gefaßt wird als bloße Gelegenheit zum Broterwerb, wie sein Idealismus ihn notwendig zur sozialistischen Weltanschauung, zur sozialdemokratischen Partei führt. Nicht wird ein Heft ihn zum durch- gebildeten Sozialdemokraten machen; wohl aber kann es ihn auf bisher unbekannte Gedankengänge aufmerksam machen, ihn anregen zum tieferen Eindringen in die Welt des Sozialismus. Für jene, die tiefer forschen wollen, ist unsere Literatur reich. Ihr Studium wird den Lehrer, der auf sie aufmerksam gemacht ist, zum überzeugten Anhänger und Mit- kämpfer machen. Vor allem gilt es. wie schon gesagt, sich an die junge Generation der Volksschullehrerschaft zu wenden. Nicht vergessen dürfen wir selbstverständlich auch die Volks- schullehrerinnen. Wenn wir einen größeren Teil der Lehrerschaft unter unseren Fahnen sammeln und sie zur klaren Auffassung unserer Weltanschauung bringen könnten, so würde das unserer Bewegung von größtem Vorteil sein. Nicht daß wir die Parteigenössischen Lehrer zu Rednern und öffentlichen Agita- toren heranziehen könnten. Das ist bei dem in Preußen- Deutschland herrschenden scharfen Maßregelungswinde, dem sogar liberale Lehrer zum Opfer fallen, leider nicht angängig. Wohl aber würden wir sie als Lehrer und Mitarbeiter an unseren Kunst- und Bildungsbestrebungen, als Heiser in unserer Jugendbewegung aufs glücklichste verwenden können. Und noch eins I Der sozialistische Lehrer wird in der Schule gewiß keine Politik treiben. Davor bewahrt ihn die tiefe Auffassung seines Erziehcrberufcs. Aber er wird andererseits keine Ursache haben, die Gehirne seiner Schüler hurrapatriotisch zu verkleistern, durch Auswendiglernen und geistlosen Drill den gesunden, qnellfrischen Geist unserer Kinder zu verderben. Und daS ist doch klar; Knaben und Mädchen, denen man in der Schule nicht gewaltsam das Denken abgewöhnt hat, die daran gclvöhnt sind, nnt hellen Augen um sich zu schauen, immer nach dem Warum zu fragen, werden, wenn sie heran- gereift sind, ihren Weg schon finden, den Weg in die Reihen ihrer Klassengcnossen._ Die Ularobltoaffäre. lieber die Verhandlungen bringt die„Nordd. Allg. Ztg." folgende Verlautbarung: Die in den Marokko-Verhandlungen eingetretene Unter- brechung hat ihr Ende erreicht. Die Besprechungen zwischen dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wacchter und dem französischen Botschafter sind gestern wieder aufgenommen worden. Ten Umständen nach kann mit einem glatteren Fortgang der Unterhandlungen gerechnet werden, als vor der Pause. Nichtssagender, man kann kaum mehr! Unterdessen bringt der„L.- Auz*', dessen offiziöser Charakter ja neulich halbamtlich bekundet wurde, einen aus- führlichen Artikel über den Standpunkt der deutschen Re- gierung. Weiß man auch bei unseren Offiziösen nie. ob sie nicht morgen verleugnen müssen, ivas sie gestern behauptet. so verdienen doch einige Stellen Beachtung. Der Artikel führt aus, da Frankreich mit Kompensationen nicht knausern wolle, so liegen die Schwierigkeiten ans anderein Gebiete: Um diese zu verstehen, mich mm, auf den Ursprung deZ Marolkohandcls zurückgehen, der ein rein plutokratischcr ist, und mif die UnternehinuiigSlust und den beinahe unbegrenzten Einklutz zurück- zuführen ist, welchen eine rücksichtslose und gierige Oligarchie von Spekulnntcii und Kapitalistei, seit Jahren ans alle sich einander folgenden Negieriingen der Republik und durch die Presse auf das französische Publikum ausübt." Das ist im großen und ganzen mich unsere Meuiung. nur gilt das Gesagte nicht nur für Frankreich, sondern ebenso für die imperialistische Politik aller anderen Staaten. Das Blatt meint weiter: „Aber gerade weil die. sagen wir. Befriedung Marokko? durch Frankreich gerade so wie seinerzeit der B u r e n k r i c g seilen? Eng- lands, alZ ein rein k a p i t a l i st i i ch- k o m n, e r z i e l l e s Unternehmen aufgefastt werden muß, kann man unsere Staats- »ränner nicht genug auf die Wichtigkeit aufmerksam machen, ivelche die peinlichste und minutiöseste Sicherung unserer Volkswirt- s ch a f t l i ch e n u n d H a n d e l S i» t e r e s s e u im ZukUnftS- st a a t e Marokko erheischt.. Im groszen und ganzen scheint unsere Regierung von dem Grundsatz auszugehen,� daß. wenn schon einmal eine Regelung in Marokko stattfindet, diese so gründlich wie möglich sei, und daß den Franzosen, wem, alle übrigen Bor- beding,», gen erfüllt sind, in politisches Hinsicht, soweit Deutsch- lnud in Frage kommt, volle Handlungsfreiheit gewährt wird. Damit ist aber hosseutlich gemeint, daß Frankreich in Marokko mit den politischen Rechten auch die vollste politische Verantwortlichkeit über- nimmt. Obgleich das ja einigermaßei, in den bisherigen Verhält- nissen lag. sind beinahe alle Schwierigkeiten zwischen Deutschen und den französischen Militärbehörden darauf zurückzuführen gewesen, daß die letzteren Zwar alle Rechte des Eroberers beanspruchten, in, übrigen aber sich kräftigeren Reklamationen gegenüber hinter die scherifischen Behörden verschanzten, welche ja die Herren im Lande seien. Dieser Zustand muß anfhörcn! Frankreich muß in Zukunft, wenn es in Marokko politische Rechte ausüben will, direkt und per- sönlich in ganz Marokko sürLeben und Eigentum jedes deutschen Untertanen verantwortlich sein, und dieser Grundsatz kam, nicht scharf genug in dem abzuschließenden Vertrage betont werden, falls derselbe zu einem befriedigenden Ab- schluß kommt. Weniger Gewicht wird auf den Einspruch gegen die Aufstsllung von marokkanischen Truppen und ihre Verwendung auf europäischem Boden gelegt. Zunächst wird die Defriedung Marokkos noch für viele Jahrzehnte hinaus Truppen fordern, nicht aber diejünroer- b u n g von Kriegern im Dienste der Ungläubigen g e st a t t e n. Haben denn Algier und Tunis Frankreich bisher verläßliche arabische Streitkräfte in nennenswerter Zahl geliefert, welche sich zur Verwendung auf europäischen Boden eignen könnten? Die so oft und rühmend erwähnten Scnegalschützcn sind uns noch vor kurzem von Fachleuten, die sie an der Arbeit gesehen haben, in höchst zweifelhaftem Lichte geschildert worden. Nachdem so das Märchen von der«schwarzen Armee" abgetan ist, fährt der Offiziosus fort: Auf die wirtschaftlichen Abmachungen sollte, wie schon oben gesagt, unser Auswärtiges Amt daS hauptsächlichste Gewicht legen und kein Jota übersehen. Inwieweit die Erzählungen vom Erzreichtun, und speziell von den Eisenlagcrn zu Sus au Wahrheit beruhen oder in das Bereich der Fabel zu ver- weisen sind, ist vermutlich im Auswärtigen Amt noch nicht bekannt, wahrscheinlich überhaupt noch ein unbekannter Faktor, aber man muß mit der Möglichkeit der Existenz solcher Mineralschätze rechnen und sie dem deutschen Handel und über- Haupt dem freien Wettbewerb der Nationen offen halten. Dazu gehört nicht nur, daß jeder Deutsche im Besitze dessen, was er bisher rechtmäßig erworben hat, auch voll- ständig gesichert wird, sondern cö müssen auch dahingehende Ab- machungen getroffen werden, daß Erze frei von allen Be- schränkungen, Abgaben oder gar Exportzöllen auf den inter- nationalen Markt kommen können, ferner, daß der Besitz von Lager- statten oder Bergwerksrechten auch an die V e r p f l i ch t u„ g zum Abbau gebunden ist, denn ohne solche Bürgschaften würde sicherlich die langarmigc Oligarchie, auf deren Gebiet Frankreich an die stachlige Aufgabe der Durchdringung Marokkos gegangen ist, Mittel und Wege finden, diese Erzlager dem freien Wettbewerb zu ent- ziehen und zu ihrem Vorteil zu verwenden. Was die Besitzergreifung und die Besiedlung von'Sus betrifft, so ist auf die Unzweckmäßigkeit dieser Forderung von uns schon wiederholt hingewiesen worden. Erstens ist da gar nichts oder nur sel,r wenig mehr zu besiedeln, da das Land chon ausreichend besetzt ist, und zweitens haben wir a u m Siedler, die dahin passen. Und schließlich muß man doch auch weiter blicken. Was würde denn unser Reichstag zu dieser Erwerbung eigentlich sagen, die mit einer kkreditforderung von einer ansehnlich runden Zahl von Millionen für Hafen- und Wegebauten und mit der Berschisfung und Unterbringung von mindestens einem ArmrekorpS j;inz»leitei, wäre, und noch ganz andere Löcher in den Staatssäckel reißen würde, als etwa unser Dcutsch-Südwest? Es lvürde für das Deutsche Reich nicht mehr oder weniger bedeuten, als eine neue und sehr gefähr- liche, dabei vollkommen unnütze Achillesferse. Schön ist das ja gerade nicht gesagt, denn Achillesfersen sind immer unnütz, aber manches Richtige. Schärfer lann in der Tat der alldeutsche Wahnsinn, aus Marokko eine „Siedelungskolonie" zu machen und deshalb mit Frankreich Krieg zu führen, nicht kritisiert werden. Sollte der Artikel in der Tat die Ansichten der Regierung wiedergeben, dann würde für Marokko die Garantie der offenen Tür verlangt, ein Verlangen, das, wenn nicht mit unnützen Schi- kanen verbunden, auch von Frankreich zu erfüllen ist. Wegen der„Kompensationen" aber, die für das deutsche Volk wirklich nicht von Bedeutung sind, einen Krieg führen zu wollen, dargn darf keine Regierung denken. Es wäre aber Zeit, daß der Ungewißheit ein Ende gemacht und die deutsch? Regierung endlich sagt, was sie eigentlich will. Die öffentliche Meinung wird immer nervöser, wilde Gerüchte springen auf und schließlich muß Handel und Industrie durch die Unsicherheit der Lage in Mit- lcidenschaft gezogen werden. Wenn wir den Krieg vermeiden, werden wir dank dieser glorreichen Diplomatie doch von Kriegskosten nicht ganz verschont bleiben. Soll es denn lange noch so fortgehen? Gerüchte. In Frankfurt a. M. verbreitete sich am Montag das Ge- rächt, das 18. Armeekorps sei wegen der Kriegsgefahr aus dem Munöver zurückgerufen worden. Das Generalkommando machte so- kort bekannt, daß daS Gerücht falsch sei, fand aber im Volke wenig Glauben. In Stettin fand in den letzten Tagen infolge der Kriegs- furcht ein starker Ansturm auf die Städtische Sparkasse statt. In den letzten drei Tagen wurden mehrere Millionen abgehoben. Alle De- ruhigungSversuchc schlugen fehl. Auch Dienstag vormittag dauerte der Ansturm noch fort. Spanische Kriegstreibercien. Barcelona, 5. September. Seitens der am spanisch-marokkani- scheu Handel beteiligten Kreise ist an die Regierung ein Telegramm gerichtet worden, in dem sie energisch die Besitzergreifung I f n i s durch Spanien innerhalb der festgesetzten Frist verlangen. Andernfalls würde die schlechteste Wirkung im Lande hervorgerufen werden, dg wall die Ursache der Nichthesetzung auf die dagegen ge- richtcken Angriffe der französischen Presse zurückführen iöürde, die hier einen tiefen Eindruck machten.— Es soll eine Versammlung einberufen werden, um die Regierung, aufzufordern, die Rechte Spaniens zu wahren. TaS württembergische Proletariat über Marokko. In seinem Referat über die Rcichstagswahlen auf dem württcmbergischen Parteitag kam Genosse Hildenbrand auch auf das Marokkoabentcucr zu sprechen und führte aus:„Die Reichs- tagsfraktion wird beim Wiederzusammentritt des Reichstags von der Regierung Aufklärung über die Stellung Deutschlands zur Marokkofrage verlangen. In der Marokkofrage be- steht in der ganzen Partei nicht die geringste Meinungsverschiedenheit. Den Sozialdemokraten möchte ich kennen, der auch nur die leiseste Andeutung zugunsten eines Krieges zu machen wagte.(Sehr richtig!) Die Sozialdemokratie ist als Partei fest entschlossen, mit allen Mitteln jeglichen Krieg zu verhindern und dem Frieden die Wege zu ebnen.(Beifall.) Es entspricht jedenfalls auch ihrer vollsten Ucberzcugung, wenn ich sage, daß Marokko nicht die Knochen eines einzigen Arbeiters wert ist. Es liegt eine Resolution zur Marokkofrage vor. ES wäre überflüssige Wort- Verschwendung, wenn ich Ihnen die Annahme derselben noch be- sonders empfehlen wollte. Hierauf wird die folgende Resolution der Genossin Zetkin einstimmig angenommen. «Die am 2. und 3. September in Stuttgart versammelten 360 Delegierten der sozialdemokratischen Organisationen Württem- bergs mit ihren fast 30 000 Mitgliedern sprechen ihre Entrüstung aus über die Einmischung der deutschen Regierung in den Marokkohandel und über den empörenden Versuch, in Verbindung dansit Teutschland in einen Krieg mit Frankreich hineinzuhctzen. Sie fühlen sich eins mit den klaffen- bewußten Arbeitern Frankreichs und Englands wie der anderen Länder in dem Abscheu vor jedem Völkermord, dessen furchtbare Folgen in erster Linie von der Arbeiterklasse zu trage» sind. In dem Marokkohandel erblicken die Vertreter der Sozialdemo- kratie in Württemberg das notwendige Ergebnis der kapitalistischen Entwickelung, die dank der sich immer schärfer zuspitzenden wirk- schaftlichen und sozialen Gegensätze der bürgerlichen Ordnung zur eroberungstollcn WcltmachtSpolitik treibt. Die Weltmachtspolitik soll die Lebensdauer des Kapitalismus und damit die Dauer der Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Massen verlängern. Sie will die ganze Erde in AuSbeutungsstättcn des Kapitalismus verwandeln, bringt nur einer Hand voll Ausbeuter Riesengewinnc ein und bedeutet für die große Masse des arbeitenden Volkes stei- genden Steuerdruck. Teuerung und stete Kriegs- g e f a h r, wie im allgemeinen eine reaktionäre Heimatspolitik, die zur Stärkung des selbstherrlichen Regiments führt. Die Versam- melten protestieren gegen die Schmach, daß das Schicksal des beut- schen Volkes abhängig ist von dem hinter verschlossenen Türen vor sich gehenden Schachergeschäft einiger sogenannter Staatsmänner, mit denen das deutsche Volk nichts gemein, für die es keine anderen Gefühle als die des unbegrenzten Mißtrauens hat. Sie fordern in Uebereinstimmung mit dem klassenbewußten kämpfenden Proleta- riat von ganz Deutschland die sofortige Einberufung des R e i ch e t a g s und brandmarken die herausfordernde Weise, in welcher die württembergische Regierung sich zur Interpellation der sozialdemokratischen Landtagsfraktion gestellt hat. Die Versammelten geloben, an ihrem Teil dahin zu wirken, daß auch in Württemberg die werktätigen Massen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln der Gefahr eines Weltkrieges entgegen- wirken. Die Furcht vor der sozialen Revolution war bisher das sicherste Mittel, den Weltkrieg zu verhindern. Die Versammelten geloben, dafür sorgen zu wollen, daß diese Furcht der herrschenden Klassen vor den sozialen Konsequenzen eines Weltkrieges auch in Zukunft lebendig bleibt. DaS beste Mittel hierzu erblicken sie in rastloser politischer Aufklärung und in dem weiteren kraftvollen Ausbau der Arbeiterorganisationen." Zum IPartclllonfliltt In Württemberg. Unser Stuttgarter Parteiorgan veröffentlicht einen Leitartikel über den Verlauf des württembergischen Parteitages, dem wir folgende Darstellung entnehmen: „Das Interesse konzentrierte sich begreiflicherweise auf den Parteikonflikt, der gründlich aufgerollt werden sollte, um eine gewisse Entscheidung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde bescblosscn, den Genossen P f l ü a e r mit einem möglichst erschöpfenden Referat an der Hand der Akten des Landesvorstandes zu beauftragen. Dieser Vortrag zog sich am Samstag abend nahezu bis i/all Uhr hin. Die Sitzung vom Sonntagvormittag begann mit der Be- gründung der zum Punkt Presse vorliegenden Anträge, und im Anschluß daran bekamen die beiden an dem Parteikonflikt in erster Linie beteiligten Redakteure, W e st m e y e r und Keil, das Wort. Nachdem eine Reihe weiterer Diskussionsredner gesprochen hatten. liefen Schlußanträge ein, die sich des öfteren wiederholten, auf die eindringlichen Mahnungen des Genossen Dietz aber immer wieder zurückgezogen wurden, weil man alles versuchen wollte, um eine Verständigung herbeizuführen. Die Presscdebatte dehnte sich auf diese Weise aus bis in den Nachmittag. Die große Mehrheit der Delegierten deS Lande? gab zu erkennen, daß sie eine P r e ß k o m m i s s i o n, wie sie von Stuttgart aus verlangt wurde nicht für wünschenswert halte. Die Mehrheit wollte, daß die„Tagwacht", an deren Förderung die Genossen des ganzen Landes seit Jahrzehnten mitgearbeitet haben, LandeSorgan im vollen Sinne des Wortes bleiben solle. DaS zeigte sich noch in der VormittagSsitzung, als ein vom Genossen Hildenbrand eingebrachter Antrag auf Errichtung einer Preßkommission nicht einmal die geschäftsordnungSmäßigc Unterstützung von 15 Mit- gliedern fand, ohne die ein Antrag nicht zur Beratung zugelassen wird. Schließlich berief Genosse Ebert die Mehrheit der Tele- gierten von Stuttgart und einigen anderen Mitgliedschaften zu einer Besprechung zusammen, in der der neue Antrag zustande kam, eine Preßkommission von 7 Mitgliedern zu wählen, von denen 4 von Gr o ß- S t u t t g a r t, je 1 vom 1., 2. und 4. Kreis- vcrein gewählt werden sollten. Genosse Ebert befürwortete den Antrag. Mehreren folgenden Rednern ging er erheblich zu weit, da er sogar über die Regelung hinausgeht, die für die Mitver- waltung der Berliner Genossen am„Vorwärts" durch das deutsche Parteistatut getroffen worden ist. Dazu kam noch die Unitimmig- kcit, daß zunächst Groß-Stuttgart für sich 4 Vertreter wählen und dann Alt-Stuttgart noch einmal im ersten, Cannstatt im zweiten Wahlkreis mitwählen sollten. Die Mehrheit der Stuttgarter Tele- gierten erklärte, daß sie den Antrag als das„Mindestmaß" ihrer Forderungen bezeichnen müsse. Die Mehrheit der Laiches- Versammlung erklärte sich nach langem innerem Widerstreben zu einem sehr weitgehenden Entgegenkommen bereit. Sie unter- stützte jetzt nach vielen vermittelnden Bemühungen deS Genossen Hildenbrand dessen vorher abgelehnten Antrag. Hiernach besteht die Preßkommission auß 7 Mitgliedern, von denen 4 vom 1., 2 vom 2., 1 vom 4. Wahlkreis zu wählen sind. Die Grundlage der Wühl bildet also genau wie im Reichsstatut der Wahlkreis- verein. Nur Stuttgart und die nächste Umgebung sollte in der Kommission vertreten sein, das ganze übrige Land nicht. Wenn die große Mehrheit der Landesvcrsammlung, die ursprünglich gegen jede Preßkommission war, auf die sehr bewegte Empfehlung durch Hildenbrand und andere Genossen schließlich nach Ablehnung des vorerwähnten Antrags diesem Antrag zustimmte, so bedeutet da? eine Kundgebung der Friedfertigkeit, die hätte gewürdigt werden sollen. Die Mehrheit der Stuttgarter Delegierten aber lehnte auch dieses Entgegenkommen schroff ab. Vor der Abstimmung war es noch zu erregten Szenen gekommen. Ten beiden beteiligici, Redakteuren noch ausführliche Schlußworte zu gestatten. Ichine die Versammlung ab. Die Presseerörterungen hatten schon mehr als 7 Stunden gedauert und die ganze übrige Tagesordnung war noch zu erledigen. Auch eine persönliche Bemerkung, in der W e st- meyer gegen Ausführungen Keils Stellung nehmen wollte, wurde von der Versammlung nicht zugelassen. Stürmische Schlußrufe hinderten den Redner am Sprechen. Das ist ebenso bedauerlich wie so manche ähnliche Szene in Stutt- garter Parteiversammlungen. Erklärlich— nicht gerechtfertigt wird dieses Vorgehen der Mehrheit der Landesversammlung aus der gereizten Stimmung, die nicht ohne Mitschuld des einen Teils der Stuttgarter Delegierten hervorgerufen worden war. Die Landes- Versammlung hatte den Wunsch aus Schaffung einer Preßkommission für das„Industriegebiet" Groß-Stuttgart in sehr weitgehendem Maße erfüllt, der eine Teil der Stuttgarter aber hatte jedes Entgegeukominen abgelehnt und die bedingungslose Erfüllung seiner Forderung verlangt. Nach der Abstimmung verließen diese Stuttgarter mit einer Anzahl anderer Genossen d e n S a a l, worüber sich der Vorsitzende Dietz in scharfen Worten berechtigter Mißbilligung ausließ. Später überbrachto Genosse B u l l in e r als Vertreter der fortgegangenen Delegierten zwei Erklärungen, in denen gegen die große Mehrheit der Landesver- sammlung in schärfster Weise Stellung genommen wird. Vor einer ruhigen, von aller Erregung freien Beurteilung der ganzen Sachlage können diese Erklärungen nicht standhalten. Erwähnt sei noch der Beschluß, wonach die Redaktion der Tag- wacht mit den, Ausscheiden des leitenden Reakteurs eine Neu- besctzung erfahren soll, und eine mit gewaltiger Mehrheit an- genommene Resolution, die sich über das persönliche Verhalten eines Redaktionsmitglieds(Wvstmeyer) mißbilligend ausspricht. Die Landesvcrsammlung hat nun gesprochen, und zwar mit erdrückender Mehrheit. Die Disziplin nicht nur, sondern auch die bevorstehenden schweren Kämpfe erfordern, daß jeder Parteigenosse sich den gefaßten Beschlüssen fügt. Es ist ein dringendes Erfordcr- nis, daß der volle Friede in der württembergischen Partei wieder hergestellt wird, wenn wir geschlossen den großen Aufgaben gerecht werden wollen, die uns gestellt sind." Den eingehenden Bericht über den Konflikt wir die„Schwab. Tagw." erst in der nächsten Nummer bringen. Die Vorgänge auf dem württembergischen Parteitag werden nicht verfehlen in der ganzen Partei unliebsame? Aufsehen und tchmerzlicheSEr staunen wachzurufen. In diesen ernsten Zeiten, kurze Zeit vor den ReichStagSwahlcn wäre eS oberste Pflicht aller württembergischen Genossen gewesen, den Konflikt zu ver- meiden. Wir wissen allerdings, daß das keine leichte Aufgabt ge- wesen wäre, da die Streitigkeiten in Stuttgart, aus prinzipielle» Differenzen entstanden, bei denen die Stuttgarter Genossen die in der Partei herrschenden Anschauungen vertraten, sich schließlich persönlich zugespitzt und innerhalb der Redaktion zu heftigen Znsammenstößen geführt hatten. Nichtsdestoweniger hätte eine Beilegung doch noch möglich sein müssen, hätte die LandeSversammlung selbst den vermittelnden Stinnnen und namentlich dem erfabrenen Rate der Genossen Ebert und Dietz mehr Gehör geschenkt. Aber leider war die Stimmung der ländlichen Delegierten von Anfang an nicht günstig. Der Konflikt in Stuttgart, von der bürgerlichen Presse weidlich aus- geschlachtet, erschwerte natürlich in den ländlichen Gegenden die Agitationsarbeit. Die Delegierten kamen so zum Parteitag mit der Absicht, um jeden Preis, Schluß zu machen. Dafür ist folgende Auslassung des Heilbronner„Neckar-Echo", das überhaupt Ivenig zum Frieden in der Partei beiträgt, ganz charakteristisch: „Jedenfalls ist die übergroße Mehrzahl der Land- delegierten fest entschlossen, unter allen Umständen die Dinge aus der Welt zu schaffen, die uns in der Landagitatiou seit Monaten die Arbeit in der empfindlichsten Weise hemmen und erschweren. Da wird alle DarstelluugSkunst dieSnial vergebens fein. Unsere Landespartei trägt ein arg beschädigtes Kleid und das wollen wir ausbessern, ehe wir in den Wahlkampf ziehen. Wir wissen uns einig mit all den Genossen, die auf schwierige Vorposten gestellt und die unendlich häufiger gezwungen sind, Auge in Auge mit dem Gegner zu stehen, als die Genossen in den großen Städten. Darum reden wir, unbekümmert um die Ungnade, die wir uns wieder zuziehen werden. Es ist nicht mehr möglich, der gründlichen Aussprache und der klipp und klaren Entscheidung ohne alleHalb- heiten noch länger aus dem Wege zu gehen. Der Schaden würde sonst nur„och tiefer fressen." Aus dieser Stimmung erklären sich die F e h l e r. ES war schon falsch, den Antrag, den Konflikt einer Kommission zu überweisen, abzulehnen, wenn auch diese Ablehnung vielleicht durch die Borloge einer Broschüre von feiten der Stuttgarter, die heftige Angriffe enthielt, provoziert sein mochte. Was aber viel schlimmer war und bei der ohnehin erregten Stimmung schließlich jede Verständigung ausschloß, war die Annahme des Antrages G ö h r i n g. Denn dieser Antrag bedeutete in der Praxis nicht nur die Entlassung der beiden radikalen Redakteure, die das Vertrauen der Stuttgarter Organisation genießen, sondern eö war auch der schwerste Eingriff iit die vi echte der Preßkommission und machte dieses dankenswerte Zugeständnis wenigstens für den Augen- blick in den Augen der Stuttgarter wertlos. Allerdings, alle diese Fehler fließen aus einem allgemeineren: aus der zu geringen Berücksichtigung, die die auf die Mehrheit der ländlichen Delegierten gestützten Führer den Strömungen der Stuttgarter Organisation, die„ach Mitgliederzahl und finanzieller Leistungsfähiglcit das Rückgrat der württembergischen Partei bildet, angedeihen ließen. ES ist eben auf die Dauer unmöglich, der Stuttgarter Organisation ihren legitimen Einfluß auf ihr Blatt verwehren z» wollen und der Parteitag mußte es 'elbst anerkennen, als er die Einsetzung der Preßkommission beschloß. Umsoweniger durfte er dann durch den Antrag Göhring diese» Einfluß wieder auszuschalten suchen. Es ist auch unmöglich, auf die Dauer eine Politik zu«reibe», die der prinzipiellen Auffassung einer o bedeutenden Mitgliedschaft zuwiderläuft und zugleich dieser Mit- gliedschaft«S fast unmöglich macht, ihre Auffassung in einem unter ihrem Einfluß stehenden Blatt zum Ausdruck zu bringen. Es ist eine schlechte Politik, die zu solchen Konflikten führt, und wieder zeigt eS sich, daß weit wichtiger als taktische Finessen in den Parlamenten die Aufgabe ist, durch eine Politik, die fich keinen Lugenblick dem Verständnis der Mafien ent- remdet, die Einheit und Schlagkraft unserer Organisation zu erhalten. Die Stuttgarter Parteigenossen haben für Dienstag abend be- reits ihre Porteiversammlung einberufen und der neue Landes- vorstand appelliert in seinen, Aufruf an die Einigkeit der Genossen. Hoffen wir. daß, nachdem in der Vergangenheit schwere Fehler ge- macht worden sind, Fehler auf beiden Seiten, sich bald«in Weg findet, der der Stuttgarter Organisation gibt, was sie beanspruchen kann, ohne der würtembergischen Partei das ihre zu nehmen. » Der Aufruf des LandcSvorstandeS. Der nengewählte Landesvorstand erläßt einen Aufruf, in dem eS heißt:„Die LandeSversammlung hat nach eingehenden Beratungen Beschlüsse gefaßt, die für die Partei in Württemberg von weit- tragtnder Bedeutung sind. Sie hat eine Basis geschassen, auf der «in gusammcnarbeiten aller Parteigenossen im Interesse und zum Wohle der Partei und der ganzen Arbeiterklasse unseres Landes für die Zukunft möglich ist. Schlvere Kämpfe stehen uns bevor, zu deren erfolgreicher Durchführung das einige und geschlossene Handeln der ganzen Partei unbedingt notwendig ist. Jeder Genosse muh es für seine Pflicht betrachten, mit dazu beizutragen, dah cin geschloflener Marsch gegen den gemeinschaftlichen Feind möglich ist. Mih- ftimmungen, die noch vorhanden sein mögen, müssen zurücktreten hinter dem Gesamiinterefle der Partei, daS unbedingte Respektierung aller Beschlüsse der LandeSvcrsammlung erfordert. Tie Hoffnungen der Gegner, auS den Differenzen in unseren Reiben Kapital schlagen zu können, müssen gründlich zuschanden gemacht werden. Der neue Landesvorstand wird, soweit eS an ihm liegt, alles tun, um ein einheitliches und geschlossenes Arbeiten zu ermöglichen. Dazu bedarf er aber unbedingt des unbeschränkten Vertrauens und der Unter- flützung aller Parteigenossen in Stadt und Land." Der LandeZvorstand fordert schliehlich die Vorstände deS 1., S. und 4. Wahlkreises auf, sofort die Mahnahmen zur Einberufung der Generalversammlungen und der Wahl ihrer PrehkommissionS- Mitglieder zu treffen._ politlfcbe dcbcrlicbt Berlin, den 5. September 1911, Der Flottenverein macht mobil! Die Mitteilungen des deutschen Flottenvereins bringen folgende Veröffentlichung: .Der Deutsche Flottenverein hat es sich in Beachtung der ihm fatzungßgemäh gezogenen Schranken versagt, zu der das ganze Volk bewegenden Miarokkofrage Stellung zu nehmen, trotzdem auch in den Reihen feiner Mitglieder das gleiche zornige Echo wider- hallt, das die jüngsten Herausforderungen unseres Volkes im ganzen Reiche hervorgerufen haben; er glaubt dies berufeneren Stellen überlassen zu müssen. Wohl aber hat sein Präsidium an olle Einzelverbände die Aufforderung gerichtet, mit aller Energie dafür einzutreten, dah der seit Jahren vom Verein vertretene und auf der letzten Haupwersammlung in Nürnberg eingehend be- gründeten Forderung, die bedenklichen Lücken in unserer See- rüstung zu beseitigen, so schnell wie möglich Folge gegeben wird. Die seit Monaten alle Schichten der Bevölkerung in Atem haltenden Vorkommnisse anlählich der Marokkoverhandlungcn haben auch den letzten Zweifler von dem Ernst der Lage überzeugt. Soll Deutschland noch länger säumen, seine Seerüstung zu voll- enden, weil in Zeiten, in denen die heutigen Verhältnisse nicht vor- ausgesehen werden konnten, da? Jahr 1917 für die Beendigung unseres Flottenbaues bestimmt wurde? Ter Flottenverein hat seit Jahren nachgewiesen, daß die Krenzerfrage durch den gegen- wärtigen Bauplan, der kein Teil des FlattengeseheS ist, nie zeitig gcnng gelöst werden kann, um i>er Flotte das durchaus notwendige Mah von Leiswngsfähigkcit zu verleihen, dah dies nur möglich sei durch schnelleren Ersatz der kriegsunbranchbaren, ungcpanzer- ten Schulschiffe der.Hertha"-Klasse und S. M. S.»Kaiserin Augusta", die noch immer die Stelle von Panzerkreuzern ein- ' nehmen. Diesen angesichts der heutigen Mächtegruppierung ganz un- haltbaren Zustand dem deutschen Volke klarzumachen und es auf- zufordern, von der Regierung einen entsprechende» Etatsentwurf zu seiner Beseitigung zu verlangen, darauf wird der Flottenverein in nächster Zeit seine ganze Arbeit richten." V8 tft doch hübsch, oaß der Flotscnverem sein? karten jetzt so rücksichtslos aufdeckt- Ter Flottenverein verlangt also, daß entgegep dem jetzigen Flottenbauprogramin rascher gebaut werden soll. Er verlangt von der Regie- rung einen entsprechenden Etatentwurf. Offenbar glaubt er, wie seine Veröffentlichung ja beweist, daß der M a r o k k o- rummel die gewünschte Stimmung für die marinistifchen Rüstungspläne geschaffen hat. Was an dieser Stimmung noch fehlt, soll durch die im ganzen Lande zu betreibende künstliche Mache erzeugt werden. Jedenfalls erklärt der Flottenverein, daß er seine ganze Arbeit darauf richten wolle, den beschleunigten Ersatzbau für eine Anzahl von Schiffen durchzusetzen. Kein vernünftiger Mensch kann noch daran zweifeln, daß die Forderungen des Flottenvereins das mindeste sind, was von den bürgerlichen Parteien bewilligt werden wird. Es ist geradezu rätselhaft, wie manche Frei- f i n n s b l ä t t e r sich noch immer so naiv gebärden können, als glaubten sie nicht an das Zustandekommen der neuen Flottenvorlage. Sie möchten diese Frage aber offenbar nur deshalb aus der Diskussion ausgeschieden haben, weil es ihnen selb st peinlich ist, in der Rüstungssrage ungeschminkt Farbe zu bekenn ens Schwefelbande! Tie klerikalen und antiscinitischen Gaukler, die die b e° vorstehende Abrechnung bei den Reichstags- Wahlen wie den Tod fürchten, scheinen das Marokkoaben- teuer dazu ausnützen zu wollen, um die Aufmerksamkeit, der schwierig werdenden Arbeiter von dem Lebensmittel- Wucher und Steuerraub des Zentrums abzu- lenken, was ihnen in dieser Zeit der drohenden Hungersnot allerdings schwer gelingen soll. Deshalb erläßt der Ausschuß des deutschen Arbciterkongresses, der den Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands, den Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfenvcrband, die Ver- bände der Katholischen Arbeiter- und Gesellenvereine Deutsch- lands, den Gesamtverband der Evangelischen Arbeitervereine Tculschlands und verschiedene nationale Verbände von Pri- vat- und Staatsbediensteten mit zusammen Wa, Million Mitgliedern— die natürlich nur auf dem Papier stehen vertritt, folgenden Aufruf: ..Die Organisation der Sozia'demokratie und ihre Presse haben in letzter Zeit Kundgebungen veranstaltet, in denen in der Haupt- fache die deutschen Arbeiter im Falle einer kriegerischen Berwicke- luug unseres Vaterlandes zum politischen Massen st reik aufgefordert wurden. Infolge dieser Kundgebungen hat sich in den Werkstätten und Fabriken eine lebhaste Propaganda seitens sozialdemokratischer Arbeiter für den M a s s c n st r c i k entfaltet, wie lebhaste Entrüstungsschreiben aus den Kreisen der christlich-nationalc» Ardeiter an die Zentral- Icitung beweisen. Der unterzeichnete Ausschuß sieht aber deshalb veranlaßt, die Mitglieder der angeschlossenen Organisationen und olle unsere Freunde aufzufordern, diesem unverantwortlichen, das Ansehe» der deutschen Arbeiterschaft schädigenden Treiben mit aller Entschiedenbcit entgegenzutreten. Wir betrachten den Versuch, eine sn kritische Lage wie diejenige, in der sich das deutsche Volt gegen- wärtig befindet, auszunutzen, um eine soziale Revolution vorzu- bereiten, als einen Verrat an Volk und Vaterland. Wir schätzen die Segnungen des Friedens, der uns seit 40 Jahren beschieden ist. und wünschen die Aufrcchterhaltung dieses Friedens. Ilm so nichr legt allen deutschen Volksgenossen die gegenwärtige kritische Lage die Pflicht auf, die deutsche Nation einig und geschlossen zu erhalten in dem Bestreben, unser« Volkswirtschaft weiter zu cnt- wickeln und dem deutschen Volke Arbeit und Brot zu sichern, sowie die Würde und das Ansehen des Deutschen Reiches zu wahren. DaS Gebaren der Sozialdemokratie ist leider nur zu sehr geeignet, tm Auslände den Eindruck zu erwecken, als würde im Falle einer kriegerischen Verwickelung in Deutschland die soziale Revo- lution ausbrechen und die Widerstandskraft Unserer Nation ge- schwächt sein. Es ist zudem im höchsten Maße eine Gefährdung des Friedens und ein indirekter Anreiz für das Ausland, die fricd- liche Entwickclung Deutschlands und seiner Weltwirtschaft gewalt- sam zu hindern, nicht zuletzt zum schtversten Schaden der deutschen arbeitenden Stände. Wir erheben gegen dieses vaterlandsfeindliche und arbeiterschädigende Treiben der Sozialdemokratie energischen Protest. Wir fordern zugleich alle christlich und national gesinnten Arbeiter und Angestellten auf, der Propagierung des politischen Massenstreiks mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Der unterzeichnete Ausschuß erklärt namens der 1�4 Million Mitglieder der ihm angeschlosseneii Organisationen, daß die christlich- gesinnten Arbeiter, Gehilfen, Bediensteten und Angestellten sali- darisch mit allen übrigen Ständen und Volksgenossen das Ansehen und die Ehre unseres Vaterlandes in der Stunde der Gefahr ver- teidigen werden. Der Ausschuß deS Deutschen ArbeiterkongrcsseS. Im Auftrage(gez.): F. Behrens, Vorsitzender. A. Stegerwald, Schriftführer; Acchlh, Schatzmeister. Uns war bisher von Diskussionen über den Masseilstreik in den Fabriken nichts bekannt. Allerdings wäre dieser Auf- ruf geeignet, solche Diskussionen hervorzurufen, wenn nicht Diskussionen über das volksverräterische Treiben des Zen- trums bei der preußischen Wahlreform und bei dem Steuer- raub noch näher lägen._ Offiziöser Humor. Die»Nordd. Allg. Ztg." bringt folgende Notiz: „Die vom.Vorwärts" angegebene Zahl von 200 099 Be- suchern der Treptower Versammlung erweist sich als eine starke Uebertreibung. Nach sorgfälligen Schätzungen ist die Zahl der Demonstranten auf etwa 80 000 zu beziffern." Diese Berichtigung ist in mehr als einer Beziehung höchst originell. Zunächst verschweigt daS offiziöse Organ, daß eS ja nicht den.Vorwärts" berichtigt, sondern sich selbst! Hatte doch die .Nordd. Allg. Ztg." auf Grund eigener Berichterstattung die Zahl der Treptower Demonstranten auf 200 000 beziffert! Warum da ausgerechnet gegen den.Vorwärts" polemisieren? FamoS ist dann auch die Behauptung, daß nach»sorgfältigen Schätzungen" nunmehr die Zahl der Demonstranten auf etwa 80 000 zu beziffern sei. Da bis zu Montagabend die»Nordd. Allg. Ztg." noch nicht in den Besitz dieser sorgfältigen Schätzungen gelangt war, sind diese also wohl erst 43 Stunden nach der Demon- st ratio» vorgenommen worden! Solche Schätzungen find in der Tat ebenso sorgfältig als verläßlich! Agrarische Unverfrorenheit. Vor dem Offenbacher Schöffengericht hatte sich der Guts- Pächter Eduard Viehmann von Rumpenheim wegen Vergehens gegen das Seuchengesetz zu verantworten, ein angesehener agrarischer Scharfmacher und Mitglied der LandwirtschastS- k a m in e r. Viehmann hatte von einem Landwirt in Wachenbuchen zwei Kühe bezogen, von denen eine an der Maul- und Klauenseuche erkrankt war. Vor Gericht verteidigte er sich mit der merkwürdigen Ausrede, er habe geglaubt, die Ouarantänevorschriften, die er übrigens selbst nicht gelesen habe, gelten nur für die Händler. Der AmtSanwalt beantragte drei Wochen Gefängnis, das Gericht erkannte auf 100 M. Geldstrafe. Viehiuauu ist ein Hmipttreiber.der Milchvcrteuerung und ein Hauptwortführer jener Agrarier, die beteuern, die Grenzsperre gegen das AuSlan bis vieh sei nötig, Jfcamit nicht die Seuche aus dem Auslände eingeschleppt werde. „Germania" gegen„Mark. Volksztg.". Noch in den letzten Tage» hatte die»Märk. Volksztg." die eiserne Stirn, jede Kriegshetze in Deutschland abzuleugnen. Wir hatten damals dem blinden und tauben Zentrumsblatt sofort die Feststellung eine? katholischen GewerkschastSblatteS gegenübergestellt, das die skrupelloseste Kriegshetze in Deutschland konstatierte. Heute wendet sich gar die.Germania" gegen ihren Ableger. Sie schreibt: „Es ist nicht zu verkennen, daß gegenwärtig daS Säbelgcrassel und dieKriegSlust in einen, weiteren Kreise der Presse, als der all- deutschen, zum Ausdruck kommt und auch in einem größeren Teil des Volkes sein Echo findet. ES kommen hier be- sonders die parteilosen Generalanzeiger und ihr Lescpublikum in Betracht. Ganz natürlich: die Blätter, die in der inneren Politik keine Meinung äußern dürfen, halten fich dafür auf dem Gebiete der äußeren Politik und in der Kritik anderer Nationen schadlos; und jene Spezies von Lesern, die über irgend etwas, was eS nun auch sei, geschimpft sehen will, kommt so ebenfalls aus »hre Rechnung." Die.Germania" gibt also die Tatsache der unverschämten Kriegshetze ohne weiteres zu, nur haut sie daneben, wenn sie für das Säbelgerassel neben der alldeutschen namentlich die General- anzeigerpresse verantwortlich macht. Unverfrorene Kriegshetze wird eben so in der k o n s e r v a t i v e n. ja sogar in der Zentrums- presse betrieben. WaS die ZentrumSpresse anlangt, so braucht die.Germania' nicht lange zu suchen, betreibt doch die»Mark. Volksztg." den Marokkorummel in ebenso unverfrorener Weise wie die nationalliberale und alldeutsche Presse. Auch sei nicht ver« gessen, daß die sozialistischen Friedensmahnungen und Warnungen von der Presse keiner Partei, nicht einmal von der freikonservativen, in so infamer Weise als.Landesverrat" denunziert worden sind, wie gerade von der deS Zentrums! Der Rekord der Dnmmheit. Gelten ist so viel dummeS Zeug zusan, mengeschmiert worden, wie von den bürgerlichen SchmockS über die Kundgebung in Treptow. Den Vogel schießt aber doch der fromme„ReichSbote" ab, der sich folgendes zusammenspintisiert: Bei einem derartigen Massenanfmarsch könnte man der Menge ganz getroit das direkte Gegenteil von de», vorlesen, waS jetzt als.angeiiommen" behauptet wird; eö würden die hunderttausend Arme ebenso rettungslos in die Höhe fliegen, selbst wenn man den Zuhörern dabei Sätze in den Mund gelegt hätte, wie:„Nur durch die Sozialdemokratie werden die Forderungen der Kultur und der Völkerfreiheit behindert. In der am Sonntag angenommenen Re- solution ist nur das eine einzige Wort anders; da steht an Stelle des„behindert" das stolze Wort„erfüllt". Den Tatsachen entspräche daS Wort„behindert". Wer will behaupten, daß von den angeblichen 250000 Menschen auch nur ein einziger eine solche Veränderung eines unscheinbaren Wortes bemerkt oder doch dagegen Widerspruch erhoben haben würde? Wer wollte sich in einer derartigen Miesenversainmluiia auf die Bekämpfung einzelner Worte einer Resolution einlassen? Er würde mit seinem Einspruch rettungslos niedergeschrien und obenein wahrscheinlich noch gründlich verhauen werden. WaS fich der.ReichSbote" bei diesem Gewäsch wohl gedacht haben mag? Wenn er behauptet, daß in.einer solchen Rieseiiversanimlung nicht von jed est: mann jedeS einzelne Wort verstanden werden kann,— ja. wer wollte denn daS bestreiten? Oder glaubt der„ReichSbote" ettva, die Demonstranten hätten den Sinn der Resolution nicht verstanden? Das ist ausgeschlossen, denn der„Reichsbote".selbst meint ja, jeder Störer der einhelligen Kundgebung wäre am Ende gar gründlich verhauen worden, wobei er allerdings fkine Erfahrungen aus antisemitischen Radauversammlungen zu Unrecht aus sozialdemokratische Kundgebungen überträgt. Offenbar hat pch der „ReichSbote" bei seinem Geschwätz überhaupt nrchtS gedacht. Er fühlte sich nur patriotisch verpflichtet, die FnedenS-Kuno- gebung der Berliner Arbeiterschaft herabzuwürdigen, und da ihn nichts Gescheites einfiel, schrieb er eben das Allerdümmste hm. auf daS er in gewohnter Trottelhastigkeit verfallen konnte. Rathauseinweihung unter militärischem Schutz. Höchst kuriose Vorstellungen scheint man in Chemnitz von den Bestrebungen und der Taktik gewerkschaftlich organisierter Arbeiter zu haben. Am Tage der Weihe des neuen RuthauseS am Sonn- abend stand, wie dem„Berl. Tageblatt" gemeldet wird, eine Kon,- pagnie des 104. Infanterieregiments, mit scharfen Patronen aus- gerüstet, marschbereit in der Kaserne, weil man fürchtete, die aus- gesperrten Netallarbeiter könnten die Festfreude stören. Diese Bor- ficht wird auch in bürgerlichen Kreisen Sachsens belächelt. „Cine christliche Stimme". Genosse Rudolf Krafft schreibt uns:„Durch die Parteipresse macht ein Artikel die Runde, der der in Waren- berg erscheinenden„Westfälischen Rundschau" ent- nommen war und den Krieg überhaupt als das größte Per- brechen gegen daS Christentum verurteilte.„Endlich eine christliche Stimme gegen den Kriegl" heißt es. Ich muß aber die Freude zerstören. Der Arstkel ist nämlich vor einiger Zeit in unseren: Magdeburger Parteiblatt, der „Volks stimme" erschienen und trug den Titel„Die Frommen und der Krieg". Er staminte von ni i r. Die fromme„Westfälische Rilndschau" hat ihn mit wenigen unwesentlichen Aenderungen einfach ohne Quellenangabe abgedruckt und so als Eigentumsprodukt ausgegeben. Rur das von der Litanei ist ihre eigene Leistung. Mit der christ- lichen Stimme ist es somit einstweilen nichts." Ist das nicht köstlich? Wenn sich in der ZentrumSpresse endlich einmal ein Blättchen findet, das christliche Grundsätze vertritt, so ist der Artikel einem sozialdemokratischen Blatt entnommen! Lelgien. Nene Kundgebungen gegen die Teuerung. Brüssel, 5. September. In T r i v i e r e s rotteten sich Haus- frauei, zusammen und zogen von Ort zu Ort, um gegen die Lebensmittelteuerung zu demonstrieren. Der Zug war schließlich auf über 5000 Köpfe angewachsen. JnPeronn es zogen die Kundgeberinnen vor das Haus deS katholischen Abgeord- neten Graves und forderten ihn auf, bei der Regierung zwecks Abhilfe der Lebensmittelteuerung vor- st e l l i g zu werden. Der Abgeordnete versprach, unverzüglich den Landwirtschaftsminister über diese Angelegenheit zu befragen. Portugal. Das neue Ministerium vor der Kammer. Lissabon, 4. September. Ter Ministerpräsident Joao Cha- gas verlas in der Deputiertenkammer eine Erklärung, in der cS heißt, die Regierung werde als eine Regierung der republikanischen Einheit niemals eine Parteiregierung sein. Sie werde antiklerikal bleiben, aber ohne Feindseligkeit gegen irgendeine Glaubensgemeinschaft. Sie werde die Arbeit der provi. sorischen Regierung prüfen, um allmählich das Programm de: republikanischen Partei zur Ausführung zu bringen, ohne das un. umgänglich notwendige Gleichgewicht des Budgets aus dem Auge zu verlieren. Sic werde die arbeitenden Klassen nicht enttäuschen, die stets die Hoffnung hegten, daß cine Revo» lution ihnen eine Besserung bringen werde und die Verteidi« gung des Landes sicherstellen. Die Regierung werde die Verhältnisse der äußeren Politik Portugals nicht ändern, die sich in Uebereinstimmung mit derjenigen des Portugal verbündeten England? befestigt habe, ohne jedoch aufzuhören, wie es ihre Pflicht sei, den Anregungen deS Parlaments und der öffentlichen Mei- nung Folge zu leisten und ohne die Grundprinzipien des rcpubli« konischen Programms zu vergessen.(Lebhafter Beifall.) Nachdem der Ministerpräsident geendet hatte, gaben die Führer deS parlamentarischen Blocks die Erklärung ob, die Regierung unter st ützcn zu wollen. Zum Schluß ergriff der Minister- Präsident noch einmal das Wort und bemerkte, das Gebäude der Republik stehe noch nicht vollkommen gc- festigt da. Die republikanische Idee sei in der öffentlichen Meinung noch nicht gänzlich durchgedrungen. An den Grenzen gäbe eö einen Feind, der zwar keinen Schrecken, aber doch Be- unruhigung hervorrufe. In verschiedenen sozialen Klassen herrsche Erregung. AuS diesen Gründen dürfe kein Republikaner die Re- gierung bekämpfen. CUrkei. Meuterei, Saloniki, 5. September. Drei anatolische Bataillone, die innerhalb de? Sanitätskordons in der Umgebung von Mitrowitza lagerten, um die Quarantäne durchzumachen, meuterten, bemächtigten sich eines Bahnzuges in der Station Mitrowitza und forderten, daß dieser sie nach Saloniki bringe. Sie weigern sich, auf ihren früheren Lagerplatz zurückzukehren. Für den Fall, daß sie auf der Gehorsamsverweigerung beharren sollten, sind die schärf- sten Maßregeln angeordnet worden. Die RädekssÄhrer sollen mitdemTodebeftraft werden. Eue der Partei. Erfolgreiche Werbearbeit im Osten. Unsere Waldenburger Genossen begannen die Werbearbeit für ihr neues Blatt, die»Schlesische Bergwacht', mit seltener Energie und großem Erfolge. Die erste Nummer war am Freitag in 35 000 Exemplaren herausgekommen, und am Sonntag begann das Abonnentensammeln, das als Ergebnis rund 1200 neue Leser brachte. Damit steigt der Abonncntenstand auf über 8000. Für unser jüngstes Parteiblatt ein vielversprechender Anfang und für den Wahlkainpf ein überaus gutes Zeichen. Unsere Toten. In B u r g d o r f(Schweiz) ist unser Genosse Ferdinand ThieS im Krankcnhause, wo er wegen eines Blasen- und Magenleidens Heilung suchte, plötzlich an einem Hirnschlag im Alter von 62 Jahren verschieden. Genosse ThieS war m G ollnow in Pommern gc. boren, wurde Schriftsetzer und schloß sich schon frühzeitig der modernen Arbeiterbewegung an. in der er sich in verschiedenen Stellungen hervorragend betätigte. In Mannheim war er zwei Jahre lang Redakteur der.Volksstimme', in der Schweiz nacheinander Redakteur der.Arbeiterstimme". Sekretär des GewerkschaftSbundeS, nachher solcher deS Schweizerischen Lebens- und Gcnußmittelarbeitcr- Verbandes sowie Redakteur deS„Pnpicrarbciter" und für die nächste Zeit stand seine Wahl als Redakteur der»Helvetischen Thpographia" in Aussicht. Der verstorbene Genosse erwarb sich auf allen Posten, auf die ihn das Vertrauen der Arbeiterschaft gestellt, hervorragende Verdienste und diese wird ihm daher auch stets ein treues Andenken bewahren. 6ewerkrchaftlicbe9. „JSeutralitätöunnnn!" Das Matt des am wenigsten unbedeutenden Hirsch- Dunckerschen Gewerkvcreins, der Organisation der Maschinen- bau- und Metallarbeiter, trägt au seinem Kopfe immer noch die putzige Formel:„Einzig wirklich neutraleBerufs- organisatiori aller Metallarbeiter". Tie blicken läßt nun eine Briefkastennotiz der„Westdeutschen P o st des Düsseldorfer Blattes der Hirsch-Dunckerschen in Rheinland und Westfalen, wo es heißt: „An Manche' Wenn sich die„Neutralen" bei ihren Schmerzen doch mal zuerst auf ihre Gewerkvereinsmitgliedschaft besinnen möchten, dann würde manches anders sein. Wenn wir einmal . ein anscheinend schiefes Wort über eine Richtung bringen, dann schreit alles über die Verletzung der„Neutralität" I Wenn wir aber als Organisation von andern herunter gemacht werden, dann schmunzeln die„Neutralen" und freuen sich, datz es uns einmal gesagt worden ist! Wo bleibt da der so oft betonte Gewerk- vereinsstolz? Dann wundern sich diese„Neutralen" noch, daß es nicht so geht, wie sie gerne möchten I Kann denn eine Bewegung vorwärts gehen, wo es so zugeht. Es ist bitter für einen alten Gewerkvcreinler, so etwas schreiben zu müssen. Wenn es so weiter geht, dann geht an dem N e u t r a l i t ä t s u n s i n n die Bewegung noch ein." Ja, es sind ungünstige Zeiten für die„Einzig Neutralen" sowohl als auch für die„liberalen" Hirsch-Dunckerschen. Es Ivill Abend Iverden. Die Berliner„Einzig Neutralen" treten trotz dieser Pose eifrig für die Fortschrittler ein, die Rheinisch- Westfälischen Gewerkvcreinler für eine„demokratischere" Nummer des„Liberalismus". Das arbeitende Volk weiß sehr wohl, daß beide„liberale" Gruppen Interessenten der herrschenden Ausbcutuugslvirtschaft sind. Und die locken keinen Hund mehr vom Ofen._ Berlin und Umgegend. Tie flretfenbcit Elektromonteure und Hilfsmonteure versammel- tcn sich am Dienstagmittag im„Englischen Garten". Auf den Vor- schlag der Arbeiter, eine Vereinbarung zum Zwecke der Verbesserung der bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen einzugehen, haben die Unternehmer noch keinen endgültigen Bescheid erteilt, wie Otto Handle den Versammelten berichtete. Sicher ist, daß die Unter- uehmer durch den Streik in große Bedrängnis geraten sind. Sie haben sich in der letzten Zeit mehrmals versammelt und die Forde- rungen der Arbeiter eifrig diskutiert; manche Stimmen erhoben sich freilich für die strikte Ablehnung aller Forderungen, andere aber traten.dafür ein, daß mit den Arbeitern verhandelt werde. Ter Streik hat sich seit Montag auf eine Reihe weiterer Betriebe aus- gedehnt, so daß die Zahl der Streikenden sich um M vermehrt hat. OeutfeKes Reich. Der Streik der Metallarbeiter in Barmen, Elberfeld und Vohwinkel dauert jetzt schon bereits sechs Wochen. Die Situation für die Strei« kendcn ist jedoch nicht ungünstiger geworden. Nicht allein, daß es wieder in einem Betrieb mit 60 Arbeitern zu einer Einigung ge- kommen ist, so daß jetzt 4Sl> Arbeiter zu neuen Bedingungen arbeiten, sondern es ist den Streikenden auch gelungen, die Betriebe von Arbeitswilligen fast vollständig reinzuhalten. In fünf Betrieben befindet sich kein einziger Arbeitswilliger, in den anderen Betrieben nur sehr wenige. Die Unternehmer machen unter ausgiebiger Be- mühung der bürgerlichen Presse verzweifelte Anstrengungen, Ersatz- kräfte zu bekommen. Da in den Inseraten nicht mitgeteilt wird. »daß in den Betrieben gestreikt wird, sind schon eine Unzahl Arbeiter daraus hereingefallen, weshalb jeder, der im Streikgcbiet Arbeit annehmen will, gut daran tut, sich in seinem eigenen Interesse vor- her bei der Streikleitung in Barmen, Wasserstr. La, zu erkundigen. Einige Unternehmer haben 7S der bei ihnen beschäftigt gewesenen Arbeiter wegen Schadenersatz verklagt, weil sie die angefangene Mordarbeit nicht fertiggestellt haben. Sie verlangen von jedem „vorläufig" 100 M., ganz gleich, ob er noch einen halben Tag oder vier Wochen an seiner Maschine zu tun hatte. Da aber auch der „vorläufige" Schaden nachgewiesen werden muß, beschloß das Ge- Werbegericht, über die Höhe des Schadens, sowie die der Lohnforde- rung der Arbeiter, die durch Widerklage geltend gemacht worden war, weil die Unternehmer den Arbeitern beim Eintritt in den Streik den Lohn einbehalten hatten, von einem Sachverständigen ein Gutachten einzufordern. Die Arbeiter allerorts werden dringend ersucht, jetzt ganz be- sonders den Zuzug fernzuhalten. Die Landarbeiter rühren sich! In Burg(Insel Fehmarn) fand am 27. August eine öffent- liche Versammlung der Dreschmaschinenarbeiter statt, die sich mit einer Lohnerhöhung beschäftigte. Die fruchtbare Insel Fehmarn ist das Eldorado einer Menge reicher Bauern, strammer Landwirts- büudler, denen die agrarische Wirtschaftspolitik feit Jahren die Taschen gefüllt hat. An ihre Arbeiter dachten die Herren Groß- dauern indes nicht, denn sie zahlten den Arbeitern während der Erntemonate 2 M. und 2,30 M. Tagelohn. Dieser erbänn- lichen Entlohnung waren die auf Fehmarn gut organisierten Land- arbeiter endlich überdrüssig. Sie forderten in jener Versammlung einen Lohn von 2.20 M. und 2,30 M., ließen Flugblätter drucken und gaben dadurch den Versammlungsbeschluß auf der ganzen Insel bekannt. Die Arbeiter wurden aufgefordert, unter keiner Bedingung für den alten Lohn zu schuften. Die Bewegung hatte einen überraschenden Erfolg. In den meisten Fällen wurde der Lohnaufschlag sofort bewilligt. An einigen Stellen wurde die Arbeit eingestellt; aber nach ein bis zwei Tagen mußte auch hier bewilligt werden, weil Arbeitswillige nicht vorhanden waren. Jetzt sinnen nun die Bündler auf Rache. In einer Ver- sammlung am Sonnabend beschlossen sie. keinen Arbeiter für den Höchstlohn einzustellen, obwohl dieser mit 2.30 M. mehr als bescheiden zu nennen ist. Jedem Zuwiderhandelnden wurde eine Konventionalstrafe angedroht. Wenn keine Leute für 2,50 M. zu haben sind, sollen eventuell die Dreschmaschinen stillstehen gelassen werden. Inwieweit dieser Beschluß-durchgeführt werden kann, wird die Zukunft lehren. Jedenfalls werden die Arbeiter nach wie vor fest zusammenhalten. In den nächsten Tagen soll noch eine weitere Versammlung der Arbeiter sich mit den Beschlüsien der Agrarier beschäftigen. Sie bitten den Zuzug von ländlichen Arbeitskräften nach Fchniarn fernzuhalten._ Ter Kampf im Hamburger Holzgewerbe. Im Laufe der vergangenen Woche waren auf Veranlassung außenstehender Personen die Vertrauensmänner beider Parteien zu Besprechungen zusammengetreten, um den Versuch einer Vcrständi- guiig von neuem zu unternehmen. Herr Bürgerschaftspräsident Engel gab den Anstoß hierzu und lud zunächst die Vertreter des Holzarbeiterverbandes zu sich, um zu hören, welche Bedingungen für den Friedensschluß jetzt in Frage kämen. Ihm wurde erklärt, daß der Holzarbeiterverband nunmehr an den mit dem neuen Arbeitgeberverein abgeschlossenen Vertrag inklusive Arbcitsnach. weis sich gebunden erachte und dieser auch mit dem Schutzverband nichts anderes abmachen könne. Der Schutzverband lehnte in einem Schreiben an Herrn Engel die Anerkennung dieses Vertrages strikte ab, verlangte dafür aber unter Aufrechterhaliung seiner bis- herigen Forderungen einen besonderen Vertrag und auch einen eigenen Arbeitsnachweis mit dem Holzarbeiterve cband. Ter Holz- Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; arbeiterberband erklärke diesen Standpunkt des Schutzverbandes für gänzlich undiskutabel. Zu gleicher Zeit hatte auch Herr Ho Ist, Vorsitzender des Bau- gewerbcverbandes, durch eine zwischen den Herren W o l f r o m m als Vertreter des Schutzverbandes und N e u m a n n als Vertreter des Holzarbeiterverbandes angesetzte Unterredung den Versuch einer Verständigung unternommen. Tiefe Unterredung zeitigte das Er- gebnis, daß den beiderseitigen Vorständen folgende Vorschläge zur Annahme und Beschlußfassung in den Versammlungen empfohlen wurden: 1. Ein Vertragsverhältnis zwischen dem Schutzverband und dem Holzarbeiterverband wird vorläufig nicht abgeschlossen. 2. Die Arbeitgeber beschließen, die im Vertrage vom 30. Juli festgelegten Bedingungen, Arbeitszeit und Löhne, zu erfüllen. Wenn das geschehen ist, wird die Arbeit aufgenommen. 3. Die endgültige Regelung der Arbeitsnachweisfragc zwischen den streitenden Parteien erfolgt innerhalb eines Jahres durch eine zu diesem Zweck einzusetzende paritätische Kommission. Sollte alsdann über einige Punkte eine Einigung nicht er- zielt werden können, so verpflichten sich die Herren Wolfromm und Neumann, in ihren Versammlungen dafür einzutreten, daß die Entscheidung hierüber einem unparteiischen Schieds- gericht übertragen wird. Mit diesen Vorschlägen beschäftigten sich die Vorstände beider Verbände; die Versammlungen sollten am 30. August stattfinden. Während die Leitung des Holzarbeiterverbandes sich trotz großer Bedenken verpflichtete, für die Annahme einzutreten, lehnte der Vorstand des Schutzverbandes dieses ab. Die Herren hegten die Befürchtung, daß die Arbeitsaufnahme unter diesen Bedingungen ein etwas unsicheres Geschäft sei. Sie legten ihrer Versammlung eine Resolution vor, die den sofortigen Abschluß eines Vertrages verlangt, während die Entscheidung über die Regelung des Arbeitsnachweises durch ein unparteiisches Schiedsgericht, und zwar innerhalb einer Woche, erfolgen sollte. Diese Resolution ist aber tatsächlich vom Vorstandstischc aus mehr bekämpft als befürwortet und von der Versammlung dann auch abgelehnt worden. Der Schutzverband will also auf der betretenen Bahn weiter fortfahren. Es herrscht in den Reihen seiner Truppen eine unbändige Kampfesstimmung, was sich daraus erklärt, daß das Element der sogenannten„Spankrauter" die Situation be- herrscht und unter der Führung ihres„Hauptmanns" weiter im Trüben zu fischen trachtet. Die für den Kampf eigentlich in Frage kommenden Betriebsinhaber sehen dem wilden Spiel mit nach- denklicher Miene zu, aber zu einem energischen Auftreten gegenüber dem unverantwortlichen Treiben der Scharfmacher haben sie sich bislang noch nicht aufgerafft. Sie ziehen dagegen vor, der Reihe nach eine Verständigung mit dem Holzarbeitcrverband zu treffen und ihre Betriebe wieder aufzumachen. Die Zahl der Streikenden nimmt beständig ab. In Anbetracht der verhältnismäßig noch großen Zahl ungeregelter Betriebe und der immer noch über 1000 betragenden Zahl der Streikenden kann aber von einer Beendigung des Kampfes noch keine Rede sein. Der mit dem neuen Arbeitgeberverein vereinbarte paritätische Arbeitsnachweis ist am 21. August eröffnet worden und erfreut sich des regsten Zuspruches von beiden Seiten. Mag nun der Schutz- verband seine Haltung einrichten, wie er will, an der Tatsache wird er nichts mehr ändern. Die Stunde wird kommen, wo er sich in sein Schicksal wird fügen müssen, ob ihm auch noch so sehr davor zraui. Vorläufig schlägt er noch große Töne an, also muß der ilamps mit allem Nachdruck weitergeführt werden. Ter Zuzug ist nach wie vor streng fernzuhalten. Arbeitseinstellung der Elektriker und Helfer in Hamburg. Nachdem die drei in Betracht kommenden Arbeitgeberorganisa- tionen es abgelehnt hatten,«ruf die vom Mctallarbeiterverband ein- gereichte Tarifvorlage zu reagieren(die Herren vertreten noch den antiquierten Standpunkt der Verhandlung von„Mann zu Mann"), beschloß am Montagabend eine Versammlung der Elektriker und Hilfsarbeiter von Hamburg und Umgegend mit 504 gegen 37 Stimmen, am Dienstag, den S. September, die Arbeit einzustellen, wel- chem Beschlutz überall nachgekommen wurde. Die Forderungen lauten in ihren Hauptpunkten: An Stelle der neunstündigen tritt die achteinhalbstündige Arbeitszeit. Tie Arbeits- zeit beginnt um 7 Uhr morgens und endet um S Uhr abends. An den Vorabenden bor den großen Festtagen ist zwei Stunden früher Feierabend. Nach einjähriger Beschäftigung ist den im Betriebe Be- schästigien ein Erholungsurlaub von drei Tagen zu gewähren, welcher sich nach jedem Jahr um drei weitere, bis zu 14 Tagen er- höht. Am 1. Mai ruht die Arbeit. Sämtliche Arbeiten werden im Zeitlohn auSgeftiHrt. Der Arbeitslohn beträgt nach beendeter Lehr- zeit 75, für Helfer 60 Pf. Das System der Hilfsmonteure fällt fort. Ueberstunden, die nur in dringenden Fällen gemacht werden dürfen, werden mit einem Aufschlag von 30, Nachtstunden mit einem solchen von 60 Proz. bezahlt. Sonntags- und Feiertagsarbeit wird mit einem Aufschlag von 100 Proz. vergütet. Die Arbeitsvermittelung erfolgt durch den Deutschen Metallarbeiterverband. Bei eintreten- dem Arbeitsmangel werden, um Entlassungen vorzubeugen, nach gegenseitiger Verständigung ArbeitSverknrzungen oder wechselndes Aussetzen vorgenommen. Eine Kündigung findet nicht statt. Die Zugehörigkeit zur Organisation darf kein Grund zur Eni- lassung sein. Im Streikgebiet waren etwa 700 Elektriker und Hilfsarbeiter beschäftigt._ Lohnzulagen für die städtischen Arbeiter in Nürnberg. Im August 1910 unterbreiteten die städtischen Arbeiter Nürn- bergS den städtischen Kollegien eine Eingabe, in der sie eine Aus- gleichung der bestehenden Löhne, eine Abänderung der Arbeils- ordnung und der Arbeiteransschußsatzungcn, die Einsührung einer Sckiutzkleiderordnung und die Einführung von Familienzulagen forderten. Diese Eingabe stand am 1. September im Magistrat zur Ver- Handlung. Bewilligt wurde lediglich Eiiifübrung von Familienzulagen von 5 M.. 10 M. und 15 M. pro Monat, je nach Zahl der Kinder. Außerdem werden die Gärtner in die Klasse der Handwerker eingereiht, was bis jetzt nicht der Fall war. Der Mühe unserer Genossen gelang eS nicht, weitergehende Verbesserungen für die Arbeiter zu erreichen, da der Referent den bürgerlichen Kollegiums- Mitgliedern das Schreckgespenst von 540 910 M. Mehrkosten vor- malte. In den Etat werden jetzt 4L 120 M. zur Durchführung der Familienzulagen eingesetzt. Ausland. Das Ende des Syndikalismus in der französischen Schweiz. Der unheilvolle Syndikalismus hat vielleicht nirgends die sozialdemokratische Arbeiterbewegung so schwer geschädigt wie in der französischen Schweiz. Tort kam ihm der Umstand zugute, daß sich Leute an ersten Stellen als„Arbeiterführer" aufspielten, Advo- katen usw., die nichts anderes als bürgerliche Streber waren und die in den Grütlivereinen willkommene, bequeme Tummelplätze für ihre persönlichen Liebhabereien gefunden hatten, denen sie skrupel- los die Arbeitcrintercsscn opferten. Die Herren fielen schließlich dem durch ihre Sünden begünstigten Syndikalismus zum Opfer, allein der der Arbeitersache zugefügte Schaden war damit nicht repariert. Tie Besserung ist von den gewerkschaftlichen Zentral- verbänden gebracht worden und durch den Zusammenbruch der un- haltbaren syndikalistischen Taktik selbst, die jeden Fortschritt ver- unmöglichte, so daß durchweg die Arbeits- und Lohnverhältnisse in der französischen Schweiz schlechter sind als in der deutschen Schweiz, wo'alle syndikalistischen Versuche scheiterten. Aus dem syndikalistischen Verbände sind jetzt nacheinander die Arbeiter- Unionen Frciburg, Neuenburg. Locle und Montreux ausgetreten und die anderen werden folgen, um den Zusammenbruch des Syn- dikaliSmuS zu vervollständigen. So wird die Bahn wieder frei für die zentralisierten Gewerkschaften und für die schweizerische Zh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag:Vor>värtsBuchdr.u Verlagsanslalt sozialdemokratische Parke?. Es ist tiur gu Ivünschen, daß jetzt dl« früheren Fehler vermieden und nicht wieder phrasenreiche Streber und Wichtigtuer, die bei den bürgerlichen Parteien nicht schnell genug Karriere machen können, nun im Handumdrehen als erste Parteiführer an die Spitze gestellt und in unverantwortlicher Weise die Arbeiterinteressen maskierter bürgerlicher Strebcrci geopfert werden. Bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen bandelt es sich in der kleinen Schweiz uin Werte von etwa einer Milliarde Franken und um die Verstopfung mächtig fließender Bcreichcrungsquellcn des Privakkapitals. Auf dem Gebiete der Versicherung be- steht in der ganzen Schweiz die zum Teil bis auf 100 Jahre und noch weiter zurückreichende staatliche Gebäudeversicherung in den 25 Kantonen, der sich ganz gewiß in nicht ferner Zukunft die Ver- staatlichung der Mobiliarvcrsichcrung anschließen wird. Tie überflüssig werdenden Vcrsichcrungsbeamten werden sich eben anderswo eine neue Existenz suchen müssen, wie dies jeden Tag durch neue Maschinen ausgeschaltete Arbeiter tun müssen. Und mit den Bersichcrungskapitalisten, die noch nicht 0,001 Pro- zent der Bevölkerung ausmachen, werden die wenigsten der 99,999 Prozent anderer Leute in der Schweiz Mitleid haben, wenn ihre mühelosen Millionengcwinne eine kleine Schmälerung er- fahren und die Dividenden der Unfall- und Rückversicherungs- gesellschaften in Zürich und Winterthur von 30,25 und 20 Prozent etwas zurückgehen. Damit ist der Staat noch lange nicht in Gefahr. Hus der Frauenbewegung. Fabrik und Sänglingsheim. Die Propaganda für Säuglingsheime resektive Stillstuben im Anschluß an die Fabriken mit weiblicher Arbeiterschaft wurde von der Organisation der Tabakarbeiterinnen besonders lebhast betrieben. Bei den Generalversammlungen des Verbandes und in denen der k. k. Generaldirellion der Tnbakregie wurden diese Forderungen immer wieder erhoben. Mit Erfolg, Zuerst wurde ein Säuglings- heim im Anschluß an die Tabakfabrik in Tachau ernchtet, dann in Hain bürg in Niederösterreich. Für letzteren Oit erwies sich diese Einrichtung als besonders wohUuend, da fast 2000 Arbeiterinnen in der Tabakfabrik beschäftigt sind. DaS Säuglings- heiin— Stilljluben würde zu wenig sagen— in Hain- bürg besteht aus zwei großen, hellen und freundlichen Zimmern. 28 nette hygienische Kinderbetten sind ausgestellt; Badewannen be- finden sich in jedem Räume, dann eine Warm- und Kaltwasser» teiluiig, ein Tisch zum Wickeln der 51inder und eine Vorrichtung, durch' die die Luft des Zimmers immer Feuchtigkeit erhält. In jedem Zimmer sind zwei Pflegerinnen, die von der Fabrik angestellt sind; auch alle Einrichlungen sind von der Fabrik hergestellt. Die Arbeiterinnen übergeben ihre Säuglinge den Pflegerinnen, wenn sie früh in die Fabrik kommen. Diese baden und wickeln die Kleinen und widmen ihnen alle notwendige Sorgfalt. Dreimal des Tages kommen die Mütter, um die Kinder zu stillen. Abends nehmen sie sie nach Hause mit. Nur solche Kinder werden im Säuglingsheim übernommen, die gesäugt werden; jede Woche werden sie gewogen und in einem Buche werden die Gewichtsziffern eingetragen, so daß über jedes Kind eine Ucbersicht gegeben ist, welche Entwickelung e» nimmt. Auch alle Erkrankungen und ihre Dauer werden verzeichnet, so daß auch die Ursachen eventueller Gewichtsabnahmen zu er- klären sind. Mit Recht kann diese Einrichtung gerühmt werden. Um so mehr sollte sie nicht nur in allen staatlichen Beirieben, sondern auch bei Privatbetrieben Nachahmung finde», als sich eine Differenz im Arbeitslohn bei den säugenden Müttern im Verhältnis zu den anderen nicht ergibt. Es werden die üblichen Pausen ausgenutzt, und gewiß bekommt der Mutler die Erholung bei der Arbeit besser, wenn sie sie mit den? Kinde im Arme verbringt, als wenn sie die Unruhe verzehrt, was wohl mit den bei Kostfrauen untergebrachten Kindern sein möge. Erwähnt sei noch, daß in diesem Sommer für die Arbeiterinnen der österreichischen Tabakfabriken zum erstenmal der von der Orgam- salion errungene Urlaub in Kraft getreten ist. J*ctzU ftadfriehtetn Reitet auf dem Bahnhof Fstriedrichstrafje. Dienstagabend um 9 Uhr kam auf dem Bahnhof Friedrich» st r a ß e Feuer aus. Die große Empfangshalle wird zurzeit ausgebessert, zu welchem Zweck in einer Höhe von 30 Meter ein Ge- rüst erbaut worden ist, das mit einem Leinenplan zum Schutz für das Publikum gegen herabfallende Steine usw. unterzogen ist. Dieses große Planlaken brannte gestern plötzlich. Die Feuer- wehr erschien sofort mit dem 13. Zuge. Ucber eine große mechanische Leiter wurde vorgegangen und mit zwei Rohren einer Tvmpfspritze Wasser gegeben. Um den erforderlichen Druck zu bekommen, mußte die Dampfspritze mit 14 Atmosphären Druck arbeiten, wobei natürlich die Gefahr entstand, daß die Schläuche platzen konnten und die mächtige Wassersäule in den kerzengerade hochgezogencn Schlauchleitungen Personen verletzen konnten. Außerdem bestand die Gefahr, daß das große H o l z g e r ü> st. das an mehreren Stellen in Brand geraten war, unter der Last einer eisernen Feldschmiede einstürzen konnte. Es mußte also diese Schmiede aus ihrer luftigen Höhe entfernt werden. Vrandinspektor Hammer ließ mit Rücksicht auf die große Gefahr den Verkehr auf den beiden mittleren Gleisen einstellen. Fernzüge vom Schlesischen Bahnhof und Stadt. bahnzüge von Eharlottenburg konnten nicht verkehren. Schließ- lich in später Nachtstunde war die Gefahr beseitigt uich konnte der Berkehr wieder in den alten Bahnen laufen. letzte Nachrichten. Auch ein Erfolg der Kriegshetzer! Stettin, 5. September.(W. T. B.) Der Andrang bei der hiesigen Sparkasse ist auch noch in den heutigen Vormittags. stunden ein außerordentlicher gewesen. In überwiegendem Maße handelte es sich um Rückzahlungen. Dasselbe Bild bot auch das Mssenlokal der Randower Sparkasse. Nachmittags ließ der An, drang nach. Großseucr in Vlissingen. Blissingen, 5. September.(Wt T. B.) Bei einem Brande ist die Jakobkirche mit Turm vollständig zerstört worden; außerdem sind auch vier Häuser dem Feuer zum Opfer gefallen. Tie Cholera. Saloniki, 5. September.(W. T. B.) Wie der SanitätSbericht besagt, sind gestern am Tage 27 an Cholera Gestorbene beerdigt worden; die Zahl der nachts im geheimen erfolgenden Beerdigungen ist unbekannt. Aus Uesküb weroen 42 neue Cholerafälle» darunter 25 tödlich verlaufene, au? Monastir 48, aus Berat 4, aus Gümcndsche 2 Todesfälle gemeldet. Unruhen in China. Peking, 5. September.(Meld. d. PeterSb. Tel.-Ag.) Im Distrikt Hji-ning der Provinz Kansu sind Unruhen unter der mohammedanischen Bevölkerung ausgebrochen. Tis Stadt Hsi-ning ist in den Händen der Aufständischen. Nach dem «chauplatz der Unruhen sind Truppen entsandt._ Paul Singers- Co.,BerlinL�V. Hierzu 3 Beilagen». Unterhaltungsbl. Nr. 208. 28. Jahrgang. 1. KkilU des Jutniitls" Kerlim WllsblM Wwtch, ß. Zeflmber lSU. Sie GetiKlndewäljlerlltte wurde in diesem Jahre, wie wir bereits gemeldet haben, für 77 785 Personen kontrolliert. Diese Zahl ist die höchste, die bisher erreicht wurde. Auch die Zahl der Einsprüche, die gegen die diesjährige Gemeindewählerliste erhoben wurdzn, ist höher als je zuvor. Sie stellt sich diesmal auf 3671. Bei der Minderzahl der Einsprüche wird Venchtigung irriger Angaben über die Personalien(in 376 Fällen) oder Uebertragung nach der richtigen Wohnung(in 94 Fällen) gefordert. Bei der Mehrzahl handelt es sich darum, daß Wahlberechtigte— oder solche, die es zu sein glauben— nicht in die Wählerliste aufgenommen worden sind und nun durch Einspruch die nachträgliche Auf- nähme fordern. Nicht weniger als 3201 solcher Aufnahmeanträge sind diesmal eingegangen. Die Entscheidung über die Einsprüche steht der Stadtverordnetenversammlung zu. Der Magistrat hat ihr jetzt die Einsprüche vorgelegt und sich sogleich darüber geäußert, welche er für begründet hält und welche nicht. Die Berichtigung der Personalien jener 376 Wahlberechtigten hat er ohne weiteres angeordnet, auch die von 94 Wahlberechtigten gewünschte Uebertragung nach der richtigen Wohnung erkennt er als notwendig an. Bei der vorläufigen Prüfung der 3201 Aufnahmeanträge hat sich herausgestellt, daß 184 der die Aufnahme nachfordernden Personen tatsächlich bereits in der Wählerliste verzeichnet sind, manche allerdings mit nicht ganz zutreffenden Personalienangabcn, viele aber mit völlig richtigen. Bezüglich 94 Aufnahmeanträge ist der Magistrat zu dem Ergebnis gelangt, daß nach Ausweis der in scincm'iWahlbureau geführten Personenblättcr ein Grund zur Nichtaufnahme nicht vorlag. Er erklärt, daß in diesen 94 Fällen die Aufnahme hätte erfolgen müssen. Es bleiben dann noch über 2900 Fälle, bei denen der Magistrat, gestützt auf die Angaben der Personenblätter, die Nicht- aufnah nie für ordnungsgemäß hält. Unter den Gründen, aus denen bei diesen 2900 Personen die Aufnahme in die Wählerliste unterblieben ist, steht die S t e n e r s ch u l d weitaus an erster Stelle. 1224 davon sind lediglich deshalb nicht aufgenommen worden, weil sie dem Wahlbureau als Steuerrcstanten gemeldet waren. Nach- trägliche Aufnahme wird aber in all den Fällen gewährt werden müssen, wo die Reste inzwischen noch bezahlt worden waren, ebenso da, wo sich nicht nachweisen läßt, daß den� betreffenden Personen überhaupt schon eine Zahlungs- auffordernng zugegangen war. 491 der die Aufnahme nach- fordernden Personen sind nicht in die Wählerliste gelangt, weil sie als Schlafburschen gemeldet waren. Auch hier wird noch mancher nachträglich aufgenommen werden müssen, weil er zu unrecht als Schlafbursche angemeldet worden ist. Wer nachweisen kann, daß er das Recht selb- ständiger Verfügung über den von ihm ge- mieteten Raum hat. ist nicht als Schlafbursche, son- dern als Ehambregarnist zu betrachten und muß in die Gcmeindcwählcrliste aufgenommen werden, auch wenn er in den Melderegistern der Polizei fälschlich als Schlafbursche ge- bucht ist. Bei 250 Personen wird die von ihnen bemängelte Nichtaufnahme damit begründet, daß sie in Preußen nicht st aatsan gehörig seien. Auch diese Angabe der Personenblätter braucht, wie die Erfahrung früherer Jahre lehrt, noch nicht immer zutreffend zu sein. Aber Tatsache ist allerdings, daß leider sehr viele Personen, die aus anderen deutschen Bundesstaaten zugezogen sind, es immer wieder unter- lassen, die Staatsangehörigkeit in Preußen zu erwerben. Zur Aufnahnle in die Gcmeindcwählcrliste ist auch erforderlich, daß man bereits mindestens ein Jahr in der G e- m e i n d e wohnt. Bei 247 der eingegangenen Aufnahmeanträge macht der Magistrat geltend, daß zur Zeit der Auslegung der Wählerliste diese einjährige Frist noch nicht abgelaufen war, und dazu kommen 36 Fälle, in denen die Antragsteller im letzten Jahre als unbekannt verzogen oder nach außerhalb verzogen abgemeldet worden sind. Es wird sich zeigen, ob die Zeitangaben immer zutreffen. Das Gemeindewahlrecht steht auch dem nicht zu, der nur zu 2,4 0 M. Steuer pro Jahr oder frei veranlagtist; 89 Aufnahme und Klaffcnbcwußtlcin. In Nr. 169 des UnierhaltungSblaitcS vertritt Robert Dreucr in seinem Artikel„Holz und Geist" die Forderung,-der Arbeiter müsse bestrebt sein, auch in den Möbeln, mit denen er sich umgibt, sein Klassenbewußtsein zum Ausdruck zu bringen. Es würde zu weit führen, wenn ich an dieser Stelle untersuchen wollte, ob es überhaupt möglich ist. in Möbeln Klassenbewußtsein auszudrücken. Angenommen— aber nicht zugegeben— es wäre so, dann entsteht die Frage: Woran erkennt man die Möbel, welche proletarisches Klassenbewußtsein zum Ausdruck bringen, und wodurch unter- scheiden sie sich von Möbeln, die bürgerliches Klassenbewußtsein ausdrücken oder sonst dem Klassenbewußtsein der Arbeiter wider- streben? Robert Breuers Artikel dient vornehmlich der Besprechung von sogenannten Arbeitcrmöbcln, die aus einem von der Berliner Tischlcrinnung veranstalteten Wettbewerb hervorgegangen sind und am Zoologischen Garten ausgestellt waren. Von diesen Möbeln sagt er:„Sic dienen nicht jenem Idealismus, der in dcni Arbeiter- Möbel einen KlasscnauSdruck, eine metaphysische Form sieht, nach jener Art. wie die Tome und die Schlösser Klasscnausdruck waren." Aber— das sagt Robert Breuer nicht ausdrücklich, jedoch geht uus seinem Artikel hervor, daß er es so meint— wir haben schon ein Musterbeispiel von Möbeln, die jenen, Idealismus dienen, der in dem Arbcitcrmöbcl einen Klassenausdruck sieht. Das sind die von der Kommission für vorbildliche Arbeitermöbel(deren Seele, neben- bei gesagt, Robert Breuer ist) im Gewerkschaftshause ausgestellten Möbel. Nun, ich habe bor diesen Möbeln nicht einmal, sondern öfter gestanden und mit heißem Bemühen versucht, den Ausdruck prole- tarischen Klassenbewußtseins an ihnen zu entdecken; aber gesunden habe ick nichl! davon. Fa. ich kann beim besten Willen nicht einmal sagen, daß sich diese Küchen- und Zimmereinrichtungen in irgend- einem Grundprinzip von dem üblichen bürgerlichen Hausrat unter- scheiden. ES sind sowohl hinsichtlich der Zweckbestimmung, wie der grundlegenden Formen dieselben Stücke, die wir auch in bürgcr- lichcn Wohnungen finden. Wir scheint überdies, daß ein und das andere Stück der Ausstellung, mag eS immerhin für den bürger- lichcn Haushalt als unerläßlich gelten, für den typischen Arbeiter- Haushalt von heute nicht einmal zweckmäßig ist.— Wenn ich mich (rage: Haben die Möbel im Gewcrkschaftshause sonst irgend etwas esondcres. was sie. als Arbciiermöbel qualifizieren könnte; reden fie eine eigene, dem Arbeiter vertraute oder wenigstens seinem Empfinden angepaßte Formcnsprache; zeigen sie überhaupt neue, antrüge wurden mit dieser Begründung abgetan. Hiermit sind die Durchlöcherungen des ohnedies sehr beschränkten Gemeindewahlrechts noch nicht zu Ende. Sehr groß ist die Zahl derjenigen Aufnahmeanträge, gegen die der Magistrat geltend macht, daß die Antrag- steller im letzten Jahre ails öffentlichen Mitteln dauernd oder vorübergehend unter st ützt ivorden sind. Wir zählen 373 zusammen, bei denen für die Nicht- aufnähme in die Wählerliste lediglich dieser Grund angegeben wird, darunter allein 279, bei denen es sich um weiter nichts als Unterstützung durch Krankenpflege(gewiß meistens für Angehörige, wohl besonders für Kinder) handelt. Wer nachweisen kann, daß er solche„Unterstützungen" recht- zeitig erstattet hatte oder ihm die Rechnung noch gar nicht zugegangen war, muß nachträglich aufgenommen »Verden. Bei rund 300 Personen»vciß der Magistrat nicht einen, sondern zugleich mehrere der hier aufgefiihrten Ausschließungsgründe zu nennen, zum Beispiel Schlafstelle und Steuerschuld, Steilcrschuld und Unterstützung usw. usiv. Dadurch erhöht sich die Gesamtzahl der Steuerrcstanten, der Unterstützten usw. noch sehr erheblich. Vermutlich wird die Stadtverordnetenversammlung bei der Prüfung der ihr vorgelegten Aufnahmeanträge und der beigefügten Ablehnungsgründe in vielen Fällen zu einem anderen Ergebnis als der Magistrat kommen müssen, so daß noch manchem Wahlberechtigten sein Wahl- recht wiedergegeben werden muß. Jinmer wieder zeigt sich da,>v i e unzuverlässig W ä h l e r l i st e n sind und wie sehr es sich für jeden Wahlberechtigten einpfiehlt, sie rechtzeitig zu prüfen. Anßkrordentliljie Gtneralvtrsllmmlung des Verbandes der Iigarrensartierer und Kistenbebleber Ventschlands. Dresden, 4. September 1911. ES find 88 Delegierte im Dresdener Dolkshause zusammengetreten. um auf der Extrageneralversainmlung die beiden Punkte: Die Vereinigung mit dem Deutsche» Tabak- arbeiterverbande und Vorschläge der beiden Vor- st ä n d e(Referent: Arnhold-Hamburg) und: Die zu den Vor- schlagen gestellten Anträge, zu beraten. Die Genossen D e i ch m a n n und K r o h n sind als Vertreter des Deutschen Tabakarbeiterverbandes, Genosse K u b e als Vertreter der Generalkommission erschienen, �r Borstand des Zigarren- sortiererverbandes ist durch Arnhold und Kassierer Ramke, der VerbandSauSschuß durch N i c o l a i- Dresden vertreten. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Bereinigung mit dem Deutschen Tabakarbeiterverdande erhält Arnhold- Hamburg daS Wort. Redner schildete, wie vor 26 Jahren der Verband-der Zigarrensortierer gegründet wurde und »vie derselbe sich besonders gut dadurch einführte, daß er gemäß Vorschlägen v. ElmS großen Wert auf die UnterstützungSeinrichtungen legte. Der Verband ist die einzige Organisation, welche die Arbeitslosen- Unterstützung von Anfang an durchführte. Schon im Jahre 1883, ans der ersten Generalversammlung des Verbandes, tauchte die Frage aus: Warum schließen wir uns nicht zu einer allgemeinen Organisation mit dem Tabakarbeiterverband zusammen? Der' Verschmelzungsgedanke sei ebenso alt wie der Verband der Zigarrensortierer selbst. Die Ver- schmelzung scheiterte aber bisher immer vornehmlich an der bei uns eingeführten Arbeitslosenunterstützung, die für uns das Rück grat der Organisation bedeutet. Die Tabakarbeiter konnten sich aber lange Zeit nicht zur Arbeitslosenunterstützung be- kennen. Die drei folgenden Generalversammlungen beschäftigten sich weiter mit der Frage, ohne der Lösung besonders näher zu kommen. Zunächst wurde beschlossen, die beiden Verbände sollten sich bei Lohnbewegungen verständigen. Doch bald stellte sich heraus, daß dies im allgemeinen bei Lohnbewegungen absolut unmöglich war, viel leichter war eS, den Kampf gegen die Tabaksteuergesetze gemeiir sam zu führen. Auch auf der Generalversammlung deS Tabakarbeiter l Verbandes trat der Verschmelzungsgedanke immer wieder auf. Schon 1898 wurde von ihnen eine Kommission gelvählt zur Prüfung der Arbeitslosenunterstützung, 1899 wurde dieEinführung dieserUnterstützung noch gegen eine geringe Minorität abgelehnt. Jin Jahre 1993 wurde sie mit 43 gegen 18 Stimmen vom Tabakarbeitervcrbande beschlossen. Mit diesem Beschluß war das größte Hindernis zur Verschmelzung beseitigt, doch trotzdem kam tnesclbe noch nicht zu- stände. Erstens war die Unterstützung im Tabakarbeitervcrband noch eine ziemlich geringe, und zweitens erstanden auch noch viele Einzel eigenartige Formen?, so kann ich nur mit einem glatten„Nein" antworten.— Ganz gewiß stehen diese Möbel unendlich hoch über jener schundmäßigcn Fabrikware, die heute noch zu teuren Preisen in Arbciterkreiscn abgesetzt wird, aber sie zeigen, wie gesagt, nichts grundsätzlich Neues. Nach Form und Ausführung sind sie nichts anderes, als eine vereinfachte Spielart jener kunstgewerblichen Richtung, die speziell im besseren Möbelgenre seit Jahren aner- kannt wird von allen, die Anspruch auf Kunstsinn und guten Ge- schmack erheben.. Dieselben künstlerischen Grundsätze, nach denen unsere modernen Wohnungskünstlcr seit langer Zeit für ein zahlungsfähiges bürgerliches und feudales Publikum arbeiten, sind auch bei den im Gewerkscfoiftshause ausgestellten Einrichtungen angewandt, nur mit dem Unterschiede, daß man sich hier auf die denkbar einfachsten AuSdrucksmittel beschränkt hat. Mancher wird vielleicht sagen: Die Einfachheit ist bis zur Nüchternheit getrieben. Anfangs glaubte ich, die Einfachheit und Schlichtheit sei eine un- bcrmeidliche Folge des Bestrebens, die Sachen so billig wie irgend möglich zu liefern. Doch das scheint nicht zutreffend zu sein. Hat uns doch ein Teilnehmer ain Wettbewerb der Tischlermeister ge- zeigt, daß er zu annähernd demselben Preise, der für die Ein- richtungcn im Gcwerkschaftshause gefordert wird. Möbel herstellt, die nicht gar so nüchtern sind, sondern durch mäßig angewandte und an gewissen Exemplaren mit gutem Geschmack verteilte schmückende Elemente recht angenehm und reizvoll»virkcn. Das aber ist eS gerade, was nach Robert Breuers Ansicht eine starke Hinneigung zum bürgerlichen und eine Ablvendung vom Arbeiter- klasscnmöbcl sein soll. Sagt er doch mit Beziehung auf die er- wähnten Möbel der Tischlermeister, sie mußten„eine gewisse Mittelmäßigkeit wahren; sie durften nicht ein hart geschliffenes Programm rücksichtslos erfüllen, sie mußten Konzessionen machen. Gewiß, sie sehen lustiger aus als die Möbel des Gewerkschafts- Hauses; sie haben hier eine Kartusche und dort ein eingeleimtes Zierstäbchcn, hier ein wenig Profil und dort ein wenig Schweifung. kurz, sie sind: nationalliberal". Soll denn, so frage ich, der Verzicht auf Kartusche, Zierstäb- che», Profil und Schweifung ein charakteristisches Merkmal der Arbeiterklassenmöbel sein? Diese Dinge, wie überhaupt jede An- leihe an die historischen Stilarten vermeidet doch auch jene von mir schon erwähnte kunstgewerbliche Richtung, die seit einer Reihe von Jahren die Wohnungen reicher Leute ausstattet. Was bleibt also, wenn man Breuers Ausführungen durchdenkt, als kennzcich- nendcs Merkmal der Arbeiterklasscnmöbcl übrig? Die bis an die Grenze der Nüchternheit getriebene Einfachheit und Schmucklosig- kcit. An sich will ich durchaus nichts gegen den Geschmack sagen, der solche Einfachheit liebt. Auch mir gefällt fiC Aber ich kann schwicrigkeiten, wenn es galt, den Interessen der Zigarrensortiercr im Gesamtverbande die nötige Berücksichtigung zu sichern. Auf der letzten Generalversammlung unseres Verbandes kam alsdann einstimmig eine Resolution zur Annahme, die sich grundsätzlich mit der Verschmelzung einverstanden erklärte, jedoch augenblicklich die Vorbedingungeu noch nicht für erreicht erachtete. Der Vorstand wurde beaustragt, mit dein Vorstande des Tabakarbeiterverbandes eine Verständigung herbeizuführen. Seide Vorstände haben seitdem daran gearbeitet, den VerfchmclzungSgedankcn der Verwirklichung näher zu bringe». Mau d'fferierte aber besonders bei der Frage der Bildung selbständiger Sektionen und anderer. Aber die wirtschaftlichen Verhältnisse veränderten sich in der letzten Zeit so gewaltig, daß der Vorstand ein starres Festhalten an dem alten Standpunkt nicht mehr glaubte verantworten zu können. Es kam die Tabakstcuergesetzgebuiig, und ihr folgten zwei Jahre Arbeitslosigkeit, hohe Summen mußten ausgezahlt werden, wobei die berühmte Reichsunterstiitzung nur ganz minimal zu Hilfe kam. Aber auch in anderer Richtung wirkte die Tabaksteuer. Sie führt zu wirtschaftlichen Kämpfe» und zur Verlegung der Industrie in die entlegensten Winkel Deutschlands, um die höheren Löhne der Städte nicht zahlen zu müssen. Die immer schärfer vorgehenden Arbeitgebervereiniguugen sollten ebenfalls die Arbeiter der Tabak- brauche veranlassen, sich zu starken und widerstandsfähigen Organ»- sationen zu einen. Redner begründet dann seine Haltung auf der Geueralversamm- lung des TabakarbciterverbaudeS 1919 in Braunschweig, welche die völlige Zustimmung deS Vorstandes des Zigarrensortiererverbandes fand. Nachdem Arnhold geschildert, was bisher in der Ver- schmelzungSfrage geschehen ist, führte er die gegenwärtige Situation den Delegierten vor Augen. Man hat an verschiedenen Orten geradezu beschämende Lohnrehlzienmgen hingenommen. Die Arbeitsgelegenheit wird in die welteulegensten Gegenden getragen. Der Drang nach billigeil Löhnen der Dörfer ist u. a. auch in Sachsen ganz unverkennbar,»venn wir nicht mit unserer Agitation i» diese Dörfer einzudringen vermögen, dann ist der Rückgang unseres Gewerbes ganz nnaufhaltbar. Wir werden aber nur eindringen, wenn wir gemeinsam verbunden mit der größeren Organisation sind, die weit mehr und vielgestaltigere AnknüpfungS- punkte hat. Auch die Frauenarbeit»vird immer stärker ein- geführt. Und die Frauen sind leider für die gcwertschaftliche Organisation noch schwerer als die Männer zu gewinnen. Auch am eigentlichen Stützpunkt unserer Organisation, Hamburg, dringt die Frarienarbeit immer stärker ein. Wir haben dort schon dafür im Kampfe ge- standen, daß gleiche Löhne für die Frauen wie für Männer gezahlt werden. Redner verbreitet sich dann über die Einheitlichkeit im Handeln gegen die Fabrikanten und zeigt, wie schon jetzt eine Zer- splitterung in den eigenen Reihen vorhanden ist, da schon eine An- zahl Sortierer im Tabalarbeiterverband organisiert ist. WasS bietet uns nun der Tabakarbeiter» verband? Wir erhalten die SektiouSbildung,»vir bekommen außerdem Vertretung im Vorstand ui»d Ausschuß,»vir werden also in den leitenden Stellen vertreten sein. Die Gesamtheit der Sortierer bekommt eine Vertretung auf der Generalversammlung, auch bleiben uns die bis jetzt bestehenden A r b e i t s n a ch»v e i s e unseres Verbandes auch in Ztllunft erhalten. Wir haben in Hamburg das Verbot der H a u S- und Sonn tagSarbeit durchgeführt. Auch das bleibt uns nicht mir erhalten, sondern wird a»»ch bei späteren Tarifbewegungen mit berücksichtigt werden. Alles dies spricht für die Verschmelzung, noch find unsere Kafienverhälti»»fie nicht schlecht, betrug doch unser Vermögen am Jahresschluß 109 141 Mark oder auf den Kopf der Mitglieder be- rechnet 32,12 Mark. Redner spricht die Befürchtung auS, daß infolge der Verlegung der Industrie und der zu erwarrenden großen Kämpfe wohl kaum die Kassenverhältnisse»ich weiter so günstig gestalten. Dazu kommen die vielen UntcrstützungSarten. Und di, entsteht die Frage: Läßt sich daS System wie bisher halten? Be- sonders bei der Arbeitslosenunterstützung. Bei den Tabakarbeitern war die Arbeitslosigkeitsdauer bisher im Durch- schnitt pro Kopf und Jahr 1>/z Tage, bei den Sortieren» 37/w Tage. Die Unterstützung dafür ist ja der springend- Punkt. Der Tabakarbeiterverband ist nun in einer steten finanziellen VorwärtSentwickelung begriffen. Sein Gesamt- vermögen beträgt 425 999 M. Er hat seine Arbeits- losen Unterstützung bereits bedeutend ausgebaut und er wird darin schon durch daS Drängen seiner Mitglieder konsequent weiter schreiten müssen. Etwas anderes ist es mit der Kranken unter- stütz ung. Aber wenn wir zu keiner Verschmelzung kommen, dann»vird auch nichts anderes übrig bleiben, als unsere Kranken- Unterstützung zu reforn»ieren, aus der Basis wie sie schon in der Verschmelzungsvorlage enthalten ist. WaS soll also ein Sperren gegen die Verschmelzung für einen Zweck haben? Der Tabak- arbeiterverband kommt uns in der Arbeitslosenunterstützung weit entgegen. Auch die Unterstützungssätze beriickstchtigen im allgemeinen sehr gerecht die wirklichen Verhältnisse. nicht zugeben, daß sie ein„hart geschliffenes Programm" ver- körpert und daß sie„jenem Idealismus dient, der in dem Arbeiter- mövel einen Klassenausdruck sieht."— Robert Breuer nennt die Wettbewerbsmöbel der Tischlermeister nationalliberal, weil sie em Kompromiß darstellen zwischen dem was überwunden und dem, was erstrebt werden soll. Um in diesem Bilde zu bleiben sage ich: die Möbel im Getiwwkschaftshause sind nationalsozial. Sie wollen etwas Neues, eigens für die Arbeiter geschaffenes, deren Verhält» nissen und Empfindungen angepaßtes sein, halten aber im Grund» Prinzip an dem fest, was schon längst dagetvcscn ist. Also: Möbel, die das Klassenbewußtsein der Arbeiter zum Arisdruck bringen, gibt es nicht. Daß solche Möbel überhaupt geschaffen werden können, glaube ich nicht. Dagegen muß es mög- lich sein, Möbel herzustellen, die den Bedürfnissen des Arbeiter- Haushalts besonders augepatzt, solide geatzheitet sind, den Forderungen des guten Geschmacks gerecht werden und für einen Preis zu erhallen sind, der nicht nur von den bestgesteliten, sondern auch von den Durchschnittsarbcitern bezahlt»Verden kann. Das ivürden dann Arbeitermöbel sein, die diese Bezeichnung»virklich verdienen. Durch bloße Vereinfachung des herkömmlichen bürgerlichen Haus- rats wird man dies Ziel nicht erreichen. Hier gilt es, neue, bisher noch unbekannte Wege zu suchen, die meiner Meinung nach nur gesunden werden können, wenn begabte Arbeiter an der Lösung deS Problems mitarbeiten. Die Tätigkeit der Kommission für Vorbild- liche Arbeitermöbel ist durchaus anerkennenswert. Wenn sie ihre Aufgabe beim ersten Vorstoß noch nicht in vollkommener Weise gelöst hat— namentlich nicht bezüglich des Preises— so wird sie deshalb niemand tadeln wollen. Diese Aufgabe ist so schwierig, daß sie beim besten Willen nicht mit einem Schlage gelöst werde»» kann. Da die Kommission, t»ne Breuer in Aussicht stellt, das an- gefangene Werk fortsetzen t»>ird, so können wir ja auf ein voll- kommencs Gelingen hoffen. Vielleicht bringt sie in Zukunft,»vaS lebhaft zu wünschen ist, Arbeitermöbel»v dem von unk angedeutete»» Sinne heraus. Das Bestreben, den elenden Schund zu verdrängen, den der Arbeiter heut in den Möbelhandlungen findet, und den» Arbeiter Gelegenheit zu bieten,-daß er seine Mohnuns» schön, zweck- mäßig und preiswert ausstatten kann, ist so anerkennenswert und so berechtigt, daß es sich selbst empfiehlt. Ein derartiges Bestreben bedarf zu seiner Empfehlung in Arbeiterkreiscn nicht des AvpellS a» das Klasscncmpfindcn der Arbeiter, der in diesen» Zusamwe»»- hange keinesfalls angebracht ist. Wie ein Arbeiter seine Wohnung ausstattet, ob er den Wcttbciverbsmöbeln der Tischlermeister oder den Möbeln im Geiverlschastshause den Porzug gibt, das ist lediglich Geschmackssache, aber, doch um alles in der Welt nicht Sache deS Kcassenbewußtseins. Gustav Reinle. Vor« zum ober Im weiteren betont Redner, daß wenn di-Smal der schmel�ungSbcschluß nicht zustande kommt, daS nimmennebr Vorteil für die Sortierer sein könne. Die Frage ielbst wird dann trotzdem nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden, doch können die Umstände schlechter werden für die Sortierer, unter denen später vielleicht die Vcrschniclzung vollzogen wird. Wenn wir also die wirklichen wirtschaftlichen Interessen der Sortierer wahren ivollen. dann ist eZ heute an der Zeit, mit Einstimmigkeit die Berschinelzmig zu beschließen.(Lebhafter Leifall bei einem großen Teil der Delegierten.) Ueber die darauf einsetzende Diskussion berichten wir morgen im Zusamnirnhang._ Soziales. Tie soziale und wirtschaftliche Lage der Rechtsanwalts- angestellten beleuchtet eine vom Verband der Bureauangcstellten bearbeitete Berufsstatistik der Rcchtsanwaltsangcstcllten. Aon der Statistik sind 7321 Zlng>.stellte, darunter 1087 weibliche, die in 1973 Betrieben beschäftigt find, erfaßt. Da etwa 8000 Bureaus in Teutschland vorhanden find, wird man die Gesamtzahl der Angestellten auf rund 30 000 schätzen können. 1054 Anqestellte sind verheiratet. Tie Augestellten scheiden sich in 2640 Lehrlinge. 1087 weibliche und 1538 männliche Angestellte, sowie 1727 Bnrcauvorstehcr. 2385 An- gestellte stehen im Alter bis zu 17 Jahren. 3475 im Alter bis zu 20 Jahren und nur 2400 find älter. 15,7 Proz. der Angestellten find alter als 30 Jahre. Ein Gehalt bis zu 50 M. monatlich bezogen 47,3 Proz., bis zu 100 M. 42,4 Proz., über 150 M. beziehen nur 11,6 Proz. In der gegenwärtigen Stellung waren weniger als ein Jahr 48 Proz. der mäimlichcn und 4.3.7 Proz. der weiblichen Angestellten� tätig. 7,7 Proz. der männlichen und 3 Proz. der weiblichen Angestellten waren länger als zehn Jahre in der letzten Stellung. Im Berufe waren weniger als ein Jahr 24,7 Proz. der männlichen und 33.9 Proz. der weiblichen Angestellten. Die monatliche Gehalts- zahlung ist für 02,8 Proz. der Angestellten eingeführt. Bei 41,0 Proz. der Angestellten ist die Kündigungsfrist kürzer als ein Monat. Acht Stunden arbeiten 36 Proz., 0 Stunden 43 Proz. SonntagSarbcit wird noch von 15,5 Proz. der Angestellten verlangt. Der Sonn- abend-Frühschluß bestellt für 55,2 Proz. der Angestellten. Für 8,7 Proz. ist der offizielle Bureauschluß an Wochentagen nach 7 Uhr abends. Bezahlung der Ucberstundcn erhalten nur 10,2 Proz. Urlaub erhalten 83,2 Proz. Weihnachtsgratifikation wird an 94,7 Proz. der Angestellten gezahlt. Nur 4 Proz. der Angestellten erhalten das Gehalt während der Krankheit weitergezahlt. Ucber die Bureauhygiene liegen zahlreiche Klagen vor. Vor allem find die Räume vielfach zu klein. So müssen zum Beispiel vier An- gestellte in einem Raum von 18 Kubikmeter, 6 in einem solchen von 28,44 Kubikmeter arbeiten. Ueber die soziale Herkunft sagt die Statistik,, daß 44 Proz. der männlichen und 27,6 Proz. der weiblichen Angestellten aus Arbeiterfamilien stammen, die übrigen sind aus den Kreisen des Mittelstandes hervorgegangen. 75,7 Proz. der männlichen und 70,8 Proz. der weiblichen Angestellten haben Volksschlllbilduna ge- nossen._ Ten bitteren Trank der Gerechtigkeit Kredenzt ihn in der Schale des Erbarmens! Ties Motto setzt die Frau Polizeiassistentin Schapiro in Mainz ihrem soeben erschienenen Bericht über ihre Tätigkeit als Polizei- ossistenlin in der Zeit vom Januar 1010 bis 1. April 1011 voran. Ter 83 Druckseiten starke Bericht zeigt, daß die Verfasserin sich von dem Motto auch hat leiten lassen. Ihr lag«S ob, all- mit der Sittenpolizei aus irgend welchem Grunde in Berührung kommende weibliche Personen, mögen sie obdachlos sich umhcrtrcibend oder der Getverbslmzucht nachgehend oder unter dem Verdacht der Ec- schlechtskrankhcit aufgegriffen oder vorgeladen werden oder frei- willig erscheinen, zu vernehmen oder anzuhören, etwaige Anzeigen Liegen dritte Personen entgegenzunehmen und bei allen Polizei- ärztlichen Untersuchungen zugegen zu sein. In ihrem Bureau und in ihrer Wohnung entwickelte sich ein sehr reger Verkehr. Mit 1350 Personen kam sie in dem einen Jahre ihrer Tätigkeit als Polizei- assistentin in Berührng. Darunter befanden sich 051 weibliche Per- sonen und 50 Kinder. Die Fürsorgctätigkeit stellt Frau Schapiro mit Recht in die erste Linie und läßt von ihr sich in allen Ange- Icgenheiten leiten, mögen diese sittcn- oder kriminalpolizciliche Ar- beiten, allgemeine Fürsorge- oder spezielle Gefangenen-Fürsorge betreffen. Jede Art menschlichen Elends fand sie unter den unglücklichen Geschopten, mit denen sie amtlich in Berührung kam. verkörpert. Durch Rat und HUfc, die sie den Unglücklichen und Irrenden zuteil werden ließ, hat sie häufig günstige Wirkungen erzielt. In dem Bericht werden Stichproben aus ihren Erfahrungen mit jugcnd- lichen Umhertreiberinnen, stellenlosen Dienstmädchen und Sänge- rinnen, Jugendlidhen, Schwangeren, ans der Entbindungsanstalt Entlassenen, aufgegriffenen Prostituierten, freiwillig Erschienenen, gefährdeten Kindern, verwahrlosten Schulentlassenen usw. gegeben. Ueberall tritt das, wie es scheint, zum großen. Teil erfolgreiche Ve- streben der Vorbeuge und liebevoller RettungSarbcit durch Ver- schaffen geeigneter Stellungen hervor. Freilich wird die Polizei. assistentin nach längerer Tätigkeit sehr bald erkennen, daß auch diese wohlgemeinte RettnngSarbeir nur geringen Erfolg hat, so lange nicht die sozialen Verhältnisse von Grund auS umgestaltet sein werden. Die Tätigkeit der Frau Schapiro erstreckte sich auch auf die in den öffentlichen Häusern wohnenden Mädchen. Ihnen brachte sie mit Recht„aufrichtiges Interesse und Mitleid entgegen, da sie noch bedauernswerter find, als die srciwohnenden Prostitu- ierten". Erfolgreich ist st« mit ihren Bemühungen gewesen, die schamlose Ausbeutung dieser Armen in den Bordellen durch Polizei- Unordnungen etwas zu mildern. Das Dulden von Bordellen, wie es nun einmal polizeilicherseits stattfindet, steht, wie wir wieder- holt dargelegt haben und auch im Reichstage von der Regierung anerkannt ist, im schroffsten Gegensatz zu den Vorschriften des Strafgesetzbuches über Kuppelei. Bordelle find gewerbsmäßige Kuppelinstitute, ihre Inhaber und Begünstiger nach dem Strafgesetz- buch strafbar. Wir zweifeln nicht, daß auch Frau Schapiro am liebsten den Bordellen den Garau-Z machen mochte. So, wie die Dinge einmal liegen, richtet sich ihre Haupttätigkeit darauf, die Ausbeutung der armen Opfer der Bordelle einzuschränken und die Mädchen zu einem anderen Lebenswandel zu veranlassen. Den Bericht der Frau Schapiro wird jeder, der sich mit sozialen Dingen befaßt, mit großem Interesse lesen. Und wenn er auch, wie wir, der Ucoerzeugung ist, daß eine solche aufopferungsvolle, hin- gebende Tätigkeit, wie sie von der Polizeiassistentin entfaltet ist, die Ursachen des entsetzlichen Elends, mit dem eine Polizeiassistenlin zu tun hat. zum allergeringsten Teil zu beseitigen vermag, so ist doch eine solche Tätigkeit bei weilem anerkennenswerter als die Art, wie gemeinhin durch das Polizeisystcm die durch die Gesell- schaftöordnung Gefallenen in noch immer größeres Elend gebracht werden. Daß die polizeiliche Aufsicht, die Titienpolizei, häusig den Gefallenen es erschwert, in einen ordentlichen Lebenswandel zu kommen, ersieht man auch aus manchen Stellen des Berichts der Mainzer Polizeiassistentin.__ Andauern der Hitze eine weitere Haussebewegung zu erwarten. An der Berliner Börse betrug der Preis für 1000 Kilogramm Weizen an den eiiizeliien Tagen der letzten Woche in Mark: 26.8. 28.8. 29.8. 30.8. 31.8. 1.9. 2.9. Weizen. 205,75 206,25 207,75 207,75 208,50 210,— 215,50 Ungefähr die gleiche EntWickelung weisen die R o g g e n p r e i s e auf. Hier ergab sich im Laufe der letzten Woche eine Steigerung von 175,— ans 189,50 oder um 14,50 M. An den einzelnen Wochen tagen wurden folgende Preise an der Berliner Produktenbörse für Roggen, Septeniberlieferung, notiert: 26.8. 28.8. 20.8. 30.3. 31.8. 1.9. 2.9. Roggen. 175.— 177,— 179,50 179,50 184,— 187,50 189,50 Am wesentlichsten war die Erhöhung vom 30. zum 31. August. In der Zeit vom 26. August bis 2. September wurden die Großhandelspreise für Hafer in Berlin, wie folgt, notiert: 26.8. 28.3. 20.8. 30.8. 31.8. 1.9. 2.9. Hafer. 172.75 174,— 175,50 176,50 178,50 180,75 182,50 Die Zunahme im Laufe der letzten Woche belauft sich auf 9,75 M. ES muß berücksichligt werden, daß die Preise schon zu Vc- ginn der Woche eine ungewöhnliche Höhe erreicht hatten. Die ungünstig lautenden Nachrichten über die amerikanische Maisernte hallen auch eine bemerkenswerte Aufwärt-bcwegung der M a i S p r e i f e zur Folge. Tezeinberware wurde am 2. September mit 165,50 notiert gegen 161,— M. am 23. August. Infolge der Erhöhung der Roggen- und Weizeupreise wurden auch die ent- sprechenden Mehlsorlen teurer. So kostete Weizenmehl am 2. September 26,50 bis 29,50, Roggen in ehl 23,40 bis 25,30 M., das heißt durchschnittlich 1,— bis 1,50 M. mehr als zu Beginn der Berichtsperiode._ Nur 4 Prozent, weil die Bergarbeiter streikten! Auf der Zeche Glückauf-Segen bei Dortmund streikten die Berg- leute drei Monate, um die Einführung eines für sie ungünstigeren NummernshstcmS abzuwenden. Das gelang nicht, die Zeche blieb hartnäckig.„Wir geben nicht nach!' hieß die Parole der Gruben- Verwaltung. DaS„dicke' Ende kommt nun nach. Die Osnabrücker Bank, die den größten Teil der Kuxen von Glückauf-Segen besitzt, macht ihre Aktionäre darauf aufmerksam, daß für 1911 infolge des Streiks eine Dividende von nur i Prozent in Aussicht gestellt werden könne, die aber noch nicht einmal aus den BetriebSergcbnissen erzielt werden konnte. Im vergangenen Jahre wurden Proz. Dividenden verteilt. Wie die „Bergarbeiter-Zeitung' mitteilt, beträgt der Dividendenverlust bei IS'/z Millionen Mark Aktienkapital 507 000 M. DaS ist aber noch der geringste Verlust. Bei der Uebernahme dcS Werkes im Jahre 1003 wurde der 1000teilige Glückauf-Segen-Kux mit 6000 M. bewertet. Die Gläubiger der früheren Zechen Crone und Felicitas. aus welchen die Gewerkschaft Glückauf-Segen hervorgegangen ist. wurden 1008 ausdrücklich aufgefordert, für diesen Preis von 6000 M. Kuxen zu nehmen. Jetzt aber haben sie den Salat. In der Erklärung der Osnabrücker Bank heißt eS in bezug auf den Kuxenwert: »Der dreimonatige Streik bei der Zeche Glückauf-Segen hat zu einer anderen Bewertung dieses AltivumS geführt, und die Ver waltung hegt den dringenden Wunsch, den gesamten Kurenbefitz auf 1 M. abzuschreiben.' Darob find nun die Unternehmerblätter wie auf den Kopf ge- fallen. Geht doch aus den Zahlen eindringlich hervor, wer eS ist, der Werte schafft. Die Unternehmer haben sich die Sache selbst zu- zuschreiben. Hoffentlich lernen sie endlich, sich mit den Arbeitern fciedlich-schiedlich auseinander zu fetzen. Aubauflächeu der hauptsächlichsten Fruchtarten im Dentscheu Reiche. Vis 1893 wurden für das Deutsche Reich die Anbauflächen der verschiedenen Fruchtarten im Laufe deS EnitejahreS ermittelt und erst in dem auf die Aberntung folgenden Jahre zugleich mit den Erntezahlen veröffentlicht. Mit Rücksicht ans die Bedürfnisse deS Handels und der Landwirtschaft fand seit 1809 die Feststellung schon in der Zeit vom 1. bis 30. Juni statt. Durch BundeSratSbeschluß vom 3. Mai 1011 wurde für die Ermittelung der Anbauflächen die Zeit vom 28. Mai bis 4. Juni festgesetzt, um eine noch frühzeitigere Veröffentlichung der Ergebnisse zu"ermöglichen. Der ISIIer Anbau weist gegenüber dem von 1910 folgende Ab- weichungen auf: Abnahme: um 1 172 ba oder 0,1 Proz. Winterwcizen Wintcrspclz...» 12 702,. 4.3 Winterroggen 53002,. 0.9 Klee...... 71298,. 3.4 Luzerne.„ 831» ,0,1 BcwässerungS- wiefen...» 25412,, 4,9 andere Wiesen..» 4 828»„0,1 Winter- Raps und Rübsen...» 3 651,» 7.1 Hopfen...... 782,. 2,8 Reben, im Ertrage stehend...» 2 337» ,2.3 und stellte sich auf 1 751 240 ha 281829. 6 015 778, 2 010 805. 242 390, 488 052, 5 443 146, 47 770, 26 684, Eue IncUiftric und Randcl Die Getreidehansse. Anfänglich infolge nmkangreicher Aufkäufe zu Deckung;- und Exportzwccken und mit Rücksicht aus die erneut einsetzende Hitze er- fuhren in der letzten Woche die Getreidcpreise im Großhandel eine ganz außergewöhnliche Steigerung. So wurde Weizen. September- lieferung, am 2. d. RlS. in Berlin mit 215,50 t��notiert. Mithin ist im Laufe der Woche eine Erhöhung des Preises um 9.75 M. ein- getreten. Do die Stimmung fest war, ist bei dem voraussichtlichen 2 537.. 2.3. 110 031» . � und stellte Zunahme: sich auf Sommerweizen.um 14 967 ha oder 7.2 Proz. 222 958 ha Sommerroggen.. 2 384 2,0. 119 934, Sommergerste... 14 756.» 0.9. 1535 205„ Hafer...... 38 338,, 0,9. 4 327 545, Kartoffeln.... 25400,, 0,3. 3 321482, Zieht man von den hier nachgewiesenen Fruchtartcn zunächst die Halmfrüchte in Betracht, so ergibt sich, daß gegen das Vorjahr bei sämtlichen Sommerhalmfrüchten eine Flächcnzimahme von 70456 Hektar, bei Winterweizen.-Spelz und-Roggen aber eine Abnahme von 66 966 Hektar stattgefunden hat. Von den übrigen Früchten ist gegen das Vorjahr nur bei Kaitoffeln eine geringe Zunahme zu verzeichnen, während die Flächen von WintcrrapS und Rübsen. Hopfen, Reben und Luzerne, namentlich aber die von Klee und Wiesen abgenommen haben. Sembts- Leitung. Ruhezeit im GastwirtSgewerbe. Im Artikel 1 Ziffer 1 Absatz I der BundeSratSvcrordnung vom 23. Januar 1902 heißt es:»In Gast- und Schankwirt,'chaften ist jedem Gehilfen und Lehrling über 16 Jahren für die Woche sieben- mal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 8-stunden zu gewähren. Ter Leginn der ersten Ruhezeit darf in die vorher- gehende, das Ende der siebenten Ruhezeit in die nachfolgende Woche fallen." Unter Ziffer 4 wird dann bestimmt:.An Stelle einer der nach Ziffer 1 zu gewährenden ununterbrochenen Ruhezeiten ist den Gehilfen und Lehrlingen mindestens in jeder deckten Woche einmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden zu gewähren. In Gemeinden, welche nach der jeweilig letzten Volts- zählung mehr als 20 000 Einwohner haben, ist diese Ruhezeit mindestens in jeder zweiten Woche zu gewähren. � In denjenigen Wochen, in welchen hiernach eine 24stündigc Ruhezeit nicht gewährt zu werden braucht, ist außer der ununterbrochenen Ruhezeit von der vorgeschriebenen Dauer(Ziffer 1) mindestens einmal eine weitere ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 6 Stunden zu gewähren, welche in der Zeit zwischen 8 Uhr morgens und 10 Uhr abends liegen muß." Diese Vorschriften sollte der Gastwirt Rchra bezüglich zweier weiblichen Angestellten übertreten haben. In Bc- tracht ldm die sechsstündige, iw die' Tageszeit fallende Ruhezeit und die ununterbrochene 24 stündige Ruhezeit. Das Landgericht hielt die Ucbcrtretung auf Grund der Aussagen der Betreffenden objektiv für erwiesen und den Angeklagten Rehra auch subjektiv für strafrechtlich haftbar. Abgesehen davon, daß die Hausordnung sich nicht klar genug darüber verhalte, wielanoe und wann die Ruhepausen fallen sollen, hätte der Angeklagte auch dafür sorgen müssen, dast das Personal während der Ausgehzeit nicht beschäftigt werde. Er hätte selber nachprüfen müssen, ob die Ruhezeit auch wirklich innegehalten werde, und wenn er eS selber schlecht konnte, dann hätte er einen Angestellten anhalten müssen, diese Nachprüfung vorzunehmen. Da mne derartige Kontrolle nicht stattgefunden habe, so falle dem Angeklagten ein schuldhaftes Ver- halten zur Last. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die vom Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision. Zwanzig angepumpte Schutzleute. Eine verlorene Eisenbahnkarte hat den Gutsinspektor Empting in eine recht üble Situation gebracht, die sogar zu einer Anklage wegen Betruges gegen ihn geführt hatte. Eines Tages kam der An- geklagte, der auf einem Gute in der Nähe von Aschcrsleben beschäf- tigt war, im Auftrage seines Chefs nach Berlin. Er stürzte sich hier in den Strudel der Großstadt, so daß er sich völlig verausgabte. Als er eines MhrgenS mit einem' wüsten Brummschädel aufwachte, mußte er auch noch die unangenehme Wahrnehmung machen, daß seine Rückfahrkarte nach Afcherslebm verschwunden war. Er saß nun, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche zu haben, in Berlin fest. In dieser fatalen Situation kam er auf eine gewiß originelle Idee. Er beschloß, sich das für die Fahrkarte nötige Geld zusammen- zuborgen, und zwar bei den auf der Straße postierten Schutzleuten. Er trat an einen Beamten heran und bat ihn, ihm doch 50 Pf. zu leihen, die ihm angeblich zu einer Rückfahrkarte nach Ascherslebcn fehlten. Da er einen durchaus vertrauenerweckenden Eindruck machte, gab ihm der Beamte nicht nur die verlangten 50 Pf., sondern gleich 2 M., nachdem ihm der Angeklagte seine Adresse mitgeteilt und ihm versprochen hatte, sofort nach seiner Ankunft das Geld zu- rückzusenden. Als der Schutzmann dann zur Revierwache zurückkam und sein Erlebnis erzählte, machte er ein nicht sehr geistreiches Gesicht, als ihm drei Kollegen mitteilten, daß es ihnen genau ebenso ergangen sei. Es wurde nun sofort an die benachbarten Polizei- rcviere telcphonicrt. Von dort kam zur allgemeinen Ueberraschung und Heiterkeit die Mitteilung, daß auch dort mehrere Schutzleute Beträge bis zu 2 M. geopfert hatten. Es stellte sich heraus, daß der Angeklagte das Kunststück fertig gebracht hatte, etlva 20 Schutzleute anzupumpen. Vor Gericht bestritt der bisher unbestrafte Angeklagte, irgend- welche betrügerische Absichten gehabt zu haben. Er sei bereit, die einzelnen Beträge sofort zurückzuzahlen. Er hätte dies schon längst getan, wenn er die Adressen der einzelnen Beamten nicht verloren hätte. Das Gericht kam zu einer Freisprechung des Angeklagten. Tie Tatsache, daß der Angeklagte den einzelnen Beamten seine richtige Adresse angegeben ihattc, lasse erkennen, daß er keinerlei be- trügerische Absichten gehabt habe. Der Angeklagte zahlte auf dem Korridor dann die einzelne» Beträge an die als Zeugen erschienenen Schutzleute zurück. £[iis aller Alelt. Die ßeftte im IMenfcbcn. ES läßt sich heute kaum bezweifeln, daß die weiße Bevölkerung der nordamerikanischcii Südstaaten vielleicht die tiefste moralische und Kulturstufe einnimmt, die selbst von dem planmäßig in Ver» blödung erhaltenen russischen Volke zumeist überschritten ist. Nach einer Reihe scheußlicher Lynchertaten gegen einzelne Neger kommen jetzt ans Georgia wieder Berichte von einem im großen gegen die Schwarzen geübten Regiment deS Schreckens, richtiger der Bestialität. Ein schwarzer Prediger hat einen Weißen getötet. Ob ein Mord oder, wie meist in diesen Fällen, Notwehr vorliegt, wird nicht berichtet. Ist auch gleichgültig, denn die weiße Bestie wendet sich genau so gegen die Abwehr weißer Verbrecher wie gegen wirk- liche schwarze Verbrecher. Es wurde nun behauptet, die Tötung sei auf Beschluß einer Negerloge erfolgt. Die Weißen durchzogen in organisierten Banden da» Land, peitschten und schössen die Neger, verbrannten ihre Kirchen und Schulen. Nach dem Bericht der„N. D. VolkSzeitmrg' wurden mindestens sechs Neger getötet, fast 100 gepeitscht, fünf Logen, sechs Kirchen, vier Schulen niedergebrannt. Die Neger flohen massenhaft. Es fehlt vielfach an Arbeiten,. Auch die anständigen Weißen, die sich diesen reichlich durch Whisky genährten Scheußlich« leiten widersetzten, wurden bedroht. Schreckenstat einer Geisteskranken. Durch eine entsetzliche Bluttat wurden an, Dienstag vormittag die Einwohner des als Ausflugsort der Berliner bc- kannten Dorfes Chorin chcn in Änfregung versetzt. In einem Anfalle von Geistesgcstörtheit hat dort die Witwe des Bahiibcamtcn Sewekow ihren vierjährigen Sohn und ihre 1'/»jährige Enkelin ermordet. Frau Sewekow. die in leidlichen Verhältnissen lebte, trug schon seit einiger Zeit ein gedrücktes Wesen, daS auf eine Gemüts- crkrankung schließen ließ, zur Schau. Am Dienstag benutzte sie die Abwesenheit der älteren Familienmitglieder, um den beiden Kleinen mit einem Schlachtmesser den Hals durchzuschneiden. Als die Anverwandten vom Felde zurückkehrten, fanden sie die verbluteten Kinder und in der Küche die ohnmächtige Frau Seivekow. Nach etwa einstündigen Bemühungen wurde die Frau zum Bewußtsein zurückgerufen. Aus ihren wirren Reden merkte man, daß sie wahnsinnig geworden war. Im Laufe des TageS wurde die Unglückliche als Polizcigcfangene ins E b e r s w a l d e r Krankenhaus eingeliefert. Das Martyrium eines Handlungslehrlings. Ueber ein furchtbares RoheitSverbrechen wird der.Tribuna' aus Mailand geschrieben. In einer dortigen Firma, Pivaroni u. Lunghi, war der 16jährige Bruder deS Inhabers Pivaroni im Bureau angestellt, znchnete sich aber durch schlechte Führung und wiederholte Diebereien au». Deshalb wurde der Bursche von Lunghi wiederholt grausam bestrast. Seinen Strafmethoden setzte der Unternehmer am 30. August die Krone auf, indem er den Burschen bis auf die Unterhofen ausziehen ließ und ihn dann mit zahlreichen Stricken an eine gußeiserne Säule deS Bureaus fesselte. Um den Hals deS Lehr» lingS wurde ein dicker Draht gelegt, den der Chef mit der Zange befestigte. Dann schloß der Gemüts» mensch seelenruhig daS Bureau, um erst am nächsten Morgen wieder zu erscheine». Da fand man den Gefesselten t o t in it weitaus den Höhlen quellenden Augen. Ein Arzt konstatierte, daß die Stricke so tief in den Unterleib ein- schnitten, daß diese Umschnürung allein schon den Tod er« k l ä r e n k ö» n t e. ES ist aber auch möglich, daß der gemartert« Junge durch den Draht erwürgt wurde. Der Mörder ist erst ent- flohen, hat sich dann aber der Polizei gestellt. Sie die»Tribuna* meldet, ist der Schuft nach dem Verhör auf freiem Fuß belassen worden._ Christliche Nächstenliebe. In Agira in der italienischen Provinz Catania ist der dortige Pfarrer, ein HauSprälat des Papstes, durch vergifteten Meß- wein in schwere Gefahr gekommen. Gleich nach dem Genuß des WeineS brach er am Altar zusammen und mußte fortgetragen werden. Dem schnell herbeigerufenen Arzt gelang es, das sofortige Erbrechen des Giftes herbeizuführen. Der Verdacht des Anschlages trifft den Diakon derselben Kirche, der bereits v e r* haftet worden ist. Daß Priester einander den Meßwei» vergiften, scheint die allerneueste Betätigung christlicher Nächstenliebe. In den letzten Jahren ist eS in Süditalien öfter vorgekommen. Kleine Notizen. Waldbrände. Der gestern gemeldete Waldbrand bei Reihen- stein ist zum Stillstand gekommen. IoOOV Morgen Wald sind vernichtet: ein Mann wird vernrißt. Ganze Rudel Hirsche sind im Feuer umgekommen. Der Brand ist durch Fahrlässigkeir eines HolzkäufcrS entstanden.— Im Rheinlande wütet zwischen Altena und Eveningen seit Sonnabend ein Waldbrand, dessen man bisher nicht Herr werden konnte. Die Ab- löschung macht große Schlvierigkeilen. da Wassermangel herrscht. Bis jetzt sind etwa 1000 Morgen Waldbestand vernichtet. Eine Kirche niedergebrannt. Bei Renovierungsarbeiten geriet aus Unvorsichtigkeit der Kirchturm der Ortschaft B i l l w S r d e r bei Hamburg in Brand, wodurch die K i r ch e, das P a st o r a t. das L r g a n i st e n h a u s und eine Scheune total vernichtet wurden. Giftige Weintrauben. Fünf Augcstellie eines Erziehungsinstituts f in Perpignan(Südfrankreich) sind nach dem Genuß von Wein- trauben gestorben. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Trauben aus einem Weinberg stammten, dessen Besitzer zur Ver- n i ch t u n g von W e i n s ch ä d l i n g e n A r s e n i k m i t t e l be- nutzt hatte. Die Cholera. In B c n e s ch a u(Böhmen) ist eine Frau aus der Durchreise von Trieft an ob olera a�iatica erkrankt. Die Erkrankte ist sofort isoliert worden.— Wie aus Meirelbeke (Belgien) berichtet wird, sind dort zwei Einwohner an Cholera erlrankt und wenige Stunden daraus gestorben. W,>Iterst«n»S-tNachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbmeau. Lasserltand M- m e l, Tilfit Brezel. Jniterbmg Weichsel, Tborn Oder. Ratidor , krassen FranNurt Warthe, Zchriima , ZandSberg Netze, Vordamm Elbe, Zettmeritz , Dresden , Barbs , Magdeburg am 4 9. CTTI CO — 55 —22 81 7 15 —52 —71 — 45 — 101 _ 222 — 20 i -i teil 3. 9. am') •H —4 _2 —1 +1 —1 —7 _ 2 —3 —8 — 5 _ o Lalferltand Saale, Grochlltz Havel, Sdandau') . Rathenow') Spree, Svremberg') . Beesiow Leser, Münden , Minden Rhein, MupmillanSail , Kaub , Käln Neckar, Heilbronn Main, Werthcin, Mosel, Trier am 4.9. om 28 —13 -40 48 82 62 -04 346 132 93 20 l-lt 3.9. era'I —6 — 5 +1 0 _ o —8 —1 —3 —2 — 1 H-4 •)+ bedeutet LuibS,— ttall.—•) llnierdeaet. Berliner Rrbeiter-Schachklnb. Osten I: jeden Donnerstag'/.9 Uhr bei Guhl, RüderSdorscr Str. 5V. » II: jeden Donnerstag>/,9 Uhr bei Rohde, Gr. Frantsurter Str. 52. Äiiden: jeden Freitag'l-ß Uhr bei O. Herrmann, Scbastiansw. 1. Westen: jeden Freilag'/s9 Uhr bei Paßler, Karlsbad 17, Ecke Flottwellslr. Norden I: jeden Freitag>/.9 Uhr bei Zachenich, Maxstr. 13 „ II: jeden Montag'/a9 Uhr bei Fritsch, Drontbeimer Str. 4. III: jeden DonncrSläg'/..O Uhr bei Lehnert. Vollmer Str. 24. Boxhagen: jeden Freitag �'»9 Uhr bei Möz, Sonntagstr. 32. Lichtenberg: jeden Donnerstag V-9 Uhr bei Münchebecg, Gudrunstr. 9. Cbarlotteuburg: jeden Freitag'(.19 Uhr bei Wernicke, BiSmarckstr. 38. Ober-Tchönewride: jeden Freitag'/,3 Uhr bei Rodenbusch, Wilhelminenhos- straße 64, Ecke Rathenailstraße. Rixdorf l: jeden Freitag'!.ß Uhr bei Brandt, Pflügerstr. 19. „ II: jeden Donnerstag lIS Uhr bei Pormann, Hcrmannstr. 7ä, , III: jeden Freitag llß Uhr bei Nan, Wildenbruchstr. öS. WitternngSiiderstcht vom s. September 1011. etoficsc» M g [Sa P S 2 r. s e? ffitOft MX ci »'! k? 2 bedeckt j 3 bedeckt> 2 bedeckt! 1 Dimst � 4 halb bd. 1 bedeckt Swmenrde �765 B Hainbmg|T65ffi2B Serlit i766© Zr.mtt.av!.; 767 NO München 1 767 SB Sien! 763 NNW Weltervrognoie»nr?1!ittwoch. den 6. September 1911. Ein wenig wärmer bei veränderlicher Bewölkimg, etwa? Regen ziemlich lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterb ureau. «lattonen .£3 c B Bf Havaranda 755 O PeterSbitrg 752 ONO Seillv 768 NNO .'lber.'een 762« TW BanS!7C7 still Letter w? G* t* ** i 4 bedeckt i 1 heiter< 2 halb bd. 1 bedeckt wolkenl S 9 16 13 16 und foß man für bares Geld seine Möbel Bga ist so unerschütler- iicli als die Taisacbe ■r Deutsche Kraft am besten und billigsten beim Tischlermeister daß man für bares Geld seine Polstersachen am besten und billigsten beim Tapezierermeister kauft reue in Eiche f Büfett, 2 m breit mit 2 Scitenscbränken, en~l. Züfje. 1 Umbau mit 2 Seitensch räuken. 1 Sota aus pr. Moquette. I 4-Zugliscn mit Plattenheber. 8 Stflhle mit pr. Rind- I.edcr. 1 Credonr mit Spiegel. 1 Standuhr mit pr. Work. Mark tioa In Elche 1 Bibliothek. t Umbau mit zwei Schränken. 1 Sofa aus pr. Moquette. 1 Tisch. 1 Diplomaien-Schreibtisoh mit Zügen. I Schroibsessel mit pr. Rind-Lcder. 2 StDhle. Mark m kauft, er In echt Slahngonl 1 Salonschrank.* 1 Umbau. Mark 1 Garnitur, 1 Sofa und((■Ac 2 Sessel. hyfi 1 Tisch. WfalÜ 2 StOhle m. 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Fahlrciche Beiciligung erwartet 76/5 Die ertSverwaltung. Ferbanililer Brauerei- und üblenarbeiter 30?°�»°°' Zahlstelle Berlin. Unseren Kitqlitdcrn zur Nachricht. daß der Kollege, stallmann Joliann Ranrnionat (Schultheiß I) nach langem, schweren Leiden an der Prolei arierkrankheil verswr- den ist., �, Lhre seinem«»denken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. September, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhaule. Schlirmannllr. 17. nach dem Seth. lemanekirchbos tn Nteder-Tchön. haust» ftait. Um rege Beteiligung ersucht 44/4 Der Vorstand. lentraiverband der itobinisten und Beize? sowie BenilsgenossenDentscbL Verwaltungsstelle Grell Berlin. Mm 3. September verstarb unser Mtglied. der Kollege Albert Goiiniscb. (ffirc seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Sepicmbcr. nachmittag«* Uhr. von der Leichenhalle d,S KirchhoseS in weitzenice, Falkcnbcrgcr Straß«. au« statt... Um rege vetelligung ersucht 145/lv Die Lrisverwaltung. Am 2. d. MIS., nachmittag» SUHr, enllchlief nach kurzem schweren Leiden im 35. Lebensjahre meine liebe, herzensgute Frau und Mutter Emma Rackow geb. Gcrnlnf. DleS zeigt liesbetrübt an Eci-flinnnel Rackow. Tie Beerdigung findet am Mittwoch 4 Uhr von der Leichenhalle de- Gcorgen-KirchbaseS, Lands- bergcr Allee, auS statt. 124/19 Danksag«l»g. Für die Beweis« herzlicher Teilnahme bei derBeerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten und Freun« den. den Mitgliedern deS Lotterie« verein».100009» sowie den Kollegen der Verzinkerei der A. E(8. Oberspree herzlichen Dank. 1, 1 nd>», 7ldlerShof.Selchowstr.29/Z0. Dauksagnttg. Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ror-ti-nd Je»ke sage ich den lieben Kollegen in der M. E bei der Firma.Borfig meine» herzlichslei» Dank. Karl Jeske. Stoffe Reste, ausreichend für Anzüge, Ulster, Paletots. Kostüme Mtr. 3.-, 4.-, 5.- M. Duchlager koch A Seeland, G.m.bH. 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UNnmer, Arzt für Hautkrankheiten etc., Friedrichstr. 19. 349b* I Tadellos gewaschen ist Jedes Stück, frisch und dultig wie auf dem Rasen gebleicht, wenn Sie für Ihre Wäsche nur Persil gebrauchen, ohne Zusatz von Seile und Waschpulver. Kein Reiben und Bürsten, daher keine Zerstörung des Gewebes I Versuchen Sie es! ErhfilUicb nur in OrlginaUPAketen. HENKEL& Co., DÜSSELDORF. Rllainigc Fbbrikanlcn auch der weltberühwilen Hcnhers Bleich-Soda. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Johann Schmalor, Berlin N. 4, Tiekstraße 11. iiiiiiii IIIIIIII Dentseher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin* Heute Mittwoch, den 6. September 1911, abends 81!2 Uhr: Nertranensmanner Nersammlnngen der Kezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Cifchlcr. Süd tvesten: in Habels Brauerei. Bergmaunstr. 5—7. Süden: bei Gltesing. Wassertorstr. öS. Südosten I. n. II: in den NaunUn-FeftsSle«, Naunynstr. 6. Osten 1: bei Kluge, Lange Str. 53. Osten II: bei Zieh, Watischauer Sir. 60. Osten HI: bei Bergmann. Boxhagener Sir. 26. Oestliche Vororte: bei W. Schulz, Ucliteiiberg, Kronprinzen. strage 47, Ecke Scharnweberstraße. Nordosten: bei Merkmann, Gr. Franlsurier Sir. 16. Jede Sargiischlerei mutz einen Vertrauensmann nach dieser 2 ersamm- lung senden. Dosenthnler nnd Sehünhnnser Vorstadt: bei Lbiglo, Schwedter Stratze 23. S eddins und Zlonhlt: bei KaezarowStt, Ravensstr. 6. Wetvensee: im Prälaten, LeHderftratz« 122. AbendS 6'/, Uhr. Rixdorf: bei Krömke. Weichselstr. 8(Jdeal-Paffage). Sohüneders: um 5'/, Uhr bei Kuschle. Mewinger Stratze ö. Bautischler. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei GrastHoff. Admiralslr. ISo. Beslrk L: Osten bei Bratner, Wcidenweg 65.__ Bezirk 3: Korden nnd nttrdllche Vororte Lei Gliefche, Kopenhaaener Stratze 74.. � �. Bezirk 4: Oesnnddrnnnen, Wedding: nnd Bonnlt bei Sachse, Lwdower Stratze 26. Bkrdorl: bei Schenk, Nosenslr. 24. Oacleneinri�tungs- uncl l�ontormöbelbranche im„Englischen Garten», Nlexanderstratze 27o. i�ll�enmöbelbran�e bei Lehmann. An der Stralauer Brücke 3. JVIöbel- u. Stuhlpolierer sowie j�agadnarheiter. Osten Bei Boekee, Weberstr. 17. Südosten im„Märkischen Hof», Zlimlralsir. 18e. Worden bei Günther» Brunnenstr. 96. Mafchincnarbdter% bea KlavkrarbeitCI* die Versammlung fällt aus. Drechfler, Creppengeländer- und Luxuomöbel- ßranche. Worden Bei Döhling, Brunnenstr. 79. Osten Bei Schneider. Friedenstr. 67. Südosten nnd Südwesten Bei Stramm, Ritterstr. 123. Einsetzer im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal IL JModeUtlschlef Bei Walbt, Pflugstr. 5. Pünktlich 8 Uhr. Bodenleger im Gewerkschaftshause, Saal Z Stellmacher RosentHaler Stratze 57. Jalousiearbeiter Bei Walter, ZldaiBertstr. ta. Vergolder Im Gewerkschaftshause. Sngeluser 14/15, Saal lk Kiften- und Koffermadiei* bei Baudach. BreSIaner Str. 33. Korhmad)er bei Krause, Mi�kauer Sir. 29. Bllrstenmad)er bei PrenH, Holzmarklstratze 65. 83/0 Kammacher Bei Prenst. HclzmarNstr. 65. Bilderrahm enmacher iTvafc Bci S5>c0tiW' Stocharheiter um« Uhr Bei Lehmann. An der Elralauer Brücke 3. Perlmutt-, Dorn- u. Steinnußarbeiler um e Uhr bei Ernst Thomas, Melchicrstr. 5. Sebirmmadier s Uhr Bei Lehmann. An der Stralauer Brücke 2. M?" Einsetzer.-UM Morgen Donnerstag, den September 1911, abends 8 Uhr: Kezirks-Uersnmmtnngrn. 1. Bezirk: Merkowski, Aiidreasstraßc' 26. 2.„ Gliefche, Kopeiihnlieiler Straße 72. 4.„ Schenk, Rixdorf, Roscnstraße 21. «. Bezirk: Mix. Skalitzer Straße 59. 7.„ Thunack, Charlottenburg, Wielandstr. 4. 8.« Melzer, Wicsenstraße 29. Sonntag, den 10. September, vormittags 9 Uhr: _ 3. Bezirk: Sauer, Levetzoivstraße 21.__ i Iii der Möbeidranche nimmt die s?in:.ä�rh. Fort, jtrctfchmar u. Eo.. Zln der Jaunowinbrücke 3—1, unstreitig die erste Stelle ein, sowohl was Auswahl als anch Solidität und Preisivürdigkeit ihrer Ware an- Betrifft. Es sind 760 Zimmer, in jeder Stil» und Holzart und Bunte Küchen ausgestellt: selbst der verwöhnteste Geschmack dürste das ihm Zusagende finden. Der neneste illustrierte Prachtlatalog wird jedem aus Ersuchen gratis und franko zugesandt. Bezirk; Wiemers, Bülowstraße 58. Brechdurchfälle und Sommerdiarrhoen verhütet man am leichtesten durch die Ernährung der Kinder mit„Knfcke", welches leicht verdaulich ist, den Magen und Dan» schont und den Darmbakterien einen schlechteu Nährboden darbietet. Verantwortlicher Nedakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co, Berlin SW. ft. 208. 28. Jahrgang. 2. Ifiliijf i>ts Jotniirts" Knlim KIKsblM Mitwoih, 6. Zepieinber lOlt. Lriefkaften der Redaktion. Sie lutiftifrfie Sprechstunde findet Linden st raste 69, vorn vier Treppen Fahrstuhl—, wochentäglich dou vis T/- Uhr abends, Sonnabends, von i\i bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflasten bestimmten Anfrage ist ein Snchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfrage», denen leine Abonnementsguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. B. k. und E. S. 99. Diese Privatkassen sind nie zu empsehlen.— 1. Detektivbureaus finden Sie im Adreßbuch II. Teil.— 5606. Die Erage muß Ihnen ein praktischer Landwirt beantworten.— E. S. 40. fscnbacher Frauenkasse, Prinzenstr. 66 bei Hinz.— P. H. 47. Die Wehr ist königlich und crsolgt die Einstellung durch das Kommando der Wehr. Die Stadt hat das Recht, die Kosten der Wehr ebenso wie die der Polizei zu bezahlen.— Franz K. 4. Ja, Nein.— M. W. Ihre Anfrage ist zu unklar. Fragen Sie in der Sprechstunde.— F. H. 999. Freie Gemeinde. — P. L. 1888. In der Kgl. Charite, 3—4 Monate. Etwa ISO M.— Ol. Schreiber, Werftstr. 7. Zugelassen werden Frauen und Mädchen nicht unter 20 Jahren und nicht über 36 Jahre. Dauer des Unterrichts vom 1. Oktober bis 36. März. Kosten etwa 360 M.— Meldungen beim Kreisarzt zur Vorprüfung, dann beim Polizeipräfidium.— Z. 51. Eine Privat- kaffe, vor denen wir so oft gewarnt.— G. R. 35. Vielleicht mit recht verdünntem Salmiakgeist.— A. B. 102. Eine Fachschule sür Gürtler de- steht nicht. Wenden Sie sich an den Gewerbesaal. Rcichenberger Str. 44/4S. — K. K. 31. Uns nicht bekannt.—£>. W. 100. Sic geben ja keinen Berus an. Vielleicht im Gewerbesaal, Reichenberger Str. 44/45.— F. Z. 31. Fragen Sie bei der„Volkswacht", Dcnzig, unter Beisügung des Rückportos an.— Charlottenburg A. H. Sie wenden sich besser an das Berliner Waisenhaus, Me Jalobstr. 33.— M. A. 1897. Nein. Eingegangene Dnickrchnftew. Allgemeiner Beobachter. Nr. S. Halbmonatsschrift. W Pf. P. W. Richter, Hamburg I. ßesfe 2 Pfg-Ogarslfe itir - �TiaDD ��5,.... Theater und Vergnügungen\\m Mittwoch, 6. S e p t b r. Anfang 7'/, Uhr. St. Opernhaus. Mignon. St. Schauspielhaus. Die Journalisten. Deutichcs. Judith. Berliner Prater. Die junge Garde. LIniang 8 Ubr. Urania. Dnubeustraste 48/49. Lebende Tierbilder von nah und fern. Kammerspiele. Der verwundete Vogel. Lessing. Glaube und Heimat. Berliner. Bummclstudcnten. Kleines. Der Leibgardist. Neues. Die Frau Greil. Slenes Schausplelhaus. Eine Million. Koi»,.che Ober. Die keuscheSusanne. Residenz. Die Dame von Maxim. Neues Lveretteu. Der Gras von Luxemburg. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller.<». Im Klubkcssel. Sch.u,>, Cbariottenburg. Der Probckandidat. Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Judith. SustspielbanS. Die goldene Schüssel. Triauo». Ihr Alibi. Luisen. Das Wintcrmärchen. Casino. Der selige HollschinSky. Bvigr. In Freud und Leid. ivtetrovo.� Hoheit amüsiert sichl Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Spezialitäten. ReichSbnllc» Stettiner Sänger. Königiladt-Kasino. Spezialitäten. Herrnfeld. Das Mnd der Firma. Schmerzlose Behandlung. Ansang 8'/. Uhr. Rote. Lassallcs Ende. FolieS Cnprice. Die Mcisterrkger von Dirnberg. Nr. 14. Bellc-Alliance. Des Lebens Possen- spiel. Ansang 8>/i Uhr. Intimes. Pariser Ehen. »» Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Kaiser-Panorania. II. Wanderung am Bodensce. Konstantinopel. Ricsenbrand in Stambul. Sehiller-Thealer OÄ Mittwoch, abends 8 Uhr: Im KInbsessel. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Probekandidat. Freitag, abends 8 Uhr Der Bund der Jugend. SehlHer-Thealer Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Pi'obekandidat. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Gcir.lge. Hieraus: Oer eingebildete Kranke. Freitag, abends 8 Uhr: Rcvolntionshochzcit. Neues Theater. 8 Uhr Gastspiel Hansi Niese: Die Frau Greil. Berliner Tflbeater. Heute 8 Uhr: BmielsludeDten. Täglich: Bummelftudenten. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Diejescliiedene Fraa. Friedrich-Willielnisthiiscties Schauspielhaus. Mittwoch, 6. Sept., nachm. 3'/, Uhr: Jugcndvorst., Märchen in 5 Alten: Rumpelstilzchen. Abends 3 Uhr: ludilb. Donnerstag 3 Uhr zum erstenmal: kebensbunger. Luifeu-Theater. Ansang 3 Uhr. Das Wintermärchen. WissensckukÜIvires Theater Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und lern. R.OCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- m Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark von abends 6 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter 16 Jahren die Hülste. Residenz-Tlseater. Direktion Richard Alexander. _ Abends 8 Übt: gW- Sommerpreise. Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von George? Fcydeau. Deutsch v. Benno Jacobson. Große Frankfurt ei Str. 132. Zum 1. Male: Lassalles Ende Drama in 4 Akten v. Jak. Rhenanus. Ansang 8st, Uhr. Auf der Garteubühne: E» gibt nnr ein Berlin. Grosie Revue. Enoch Arden Nach dem Gedicht von AHied Tennyson. Der Trlnmph moderner Fllniknnat Premiere Sonnabend, 9. September. Alexanderplatz Unter den Linden 21. CLOU Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82 X ZlmmerstraBe SO/91. k.'! Heute t!! Großes Konzert! Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachm. 4—7: Gr. Promenadenkonzert bei freiem Eintritt._ Belle-Alliance-Thcater (fr. 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Für Viertel IH tagt gleichfalls an genanntem Tage, SVs Uhr abends, eine Versammlung im Lokal von Steuer, Frank- furter Chaussee 128, in der dasselbe Thema auf der Tages- ordnung steht. Berliner I�admcbten. Moderne Judiistriepaläste. Die kapitalistische Entwickclung hat zu einer kolossalen Ausnutzung besonders des großstädtischen Grund und Bodens geführt. Der Besitz eineS Berliner Grundstücks von einigen hundert Quadratmetern wiegt sehr oft den Wert eines mittleren Landgutes auf, zumal wenn ihm für die Zukunft noch aussichtsreiche Perspektiven offen stehen. Auf dreierlei Art wird in der Regel bei uns das Bau- grundstück ausgenützt. Enttveder wird das Mietshaus er- richtet, oder der Besitzer baut irgend eine technische oder sonstige Anlage, in der er sein eigenes Ge- schäft betreibt und von dem er sich lohnenden Gelvinu verspricht, oder aber er baut vernnetbare Räumlichkeiten für industrielle Zwecke. Aus Versuchen, die sehr oft nicht den gesetzlichen hygienischen und sanitären Anforderungen ent- sprochcn, ist im Laufe der letzten Jahre der moderne Berliner Sndustriepalast geworden, wie er heute schon in vielen underten Exemplaren besteht, aber immer noch'Vcrbessc- rungcn erfährt, die den Mietern jeden erdenkbaren Komfort stellen, dafür aber auch schweres Geld kosten. Erste Vor- bedinqung für eine lohnende Spekulation ist eine möglichst günstige Lage des Grundstücks. Dabei ist es durch- aus nicht nötig, daß dasselbe in der City liegen muß, die Hauptsache bleibt, daß bequeme Verbindungs- Möglichkeiten bestehen, daß der Bahn- und Wasser- verkehr in �der Nähe ist. Aus diesem Grunde finden wir auch an den Sprecufern eine ganze Reihe solcher geräumiger Häuserriesen. Soll das Gebäude jedoch in erster Linie zu Bureauräumcn Verwendung finden, dann ist eS dankbarer, wenn eS in der City liegt. In der Regel werden die Jndustriepaläste so angelegt, daß das mit einer prunkenden Fassade geschmückte Vorderhans Wohnzwecken dient, und um den zahlungsfähigen Einmietern für ihr schweres Geld auch die nötige HauSruhe zu sichern, richtet man das erste Quer gebäude für Bureaus ein, Ivährend in den weiteren Oucrgcbänden und Seitenflügeln Fabrikbetricbe Unters kunft finden, in denen dann lautes Pochen, Surren und Nattern ertönt. Dort saust der Hobel, schwirrt der Trcibriem, poltert die Drehbank und schwitzen Männer. Frauen, Burschen und Mädchen beim werk- tätigen Schaffen. Wenn wir den großen Unterschied dar- legten, der darin besteht, daß entweder Gewerbebetriebe oder Bureauräume eingerichtet werden, so darf nicht unerwähnt bleiben, daß einzelne dieser Paläste wieder für bestimmte Geiverbebetriebe hergerichtet werden. Hier siedeln sich vor- zugSweise die Tischlereien an, dort die Schlossereien, hier wieder sind es einige Zeitungsbetricbe kleineren Maßstabes usw. Die Größe der einzelnen Räume, ihre Lage und sonstige Vorteile sprechen hier mit. Jahrelang haben»vir das Werden und die EntWickelung solcher Paläste in Berlin beobachtet. Um einige praktische Einblicke in einen solchen Betrieb zu geben, führen wir als Beispiel das jüngste und modernste dieser Riesen- gebäude an, den sogenannten„Erdniannshof", der unweit vom Kottbuser Tor am Landivehrkanal liegt. In ihm sind zum Teil Einrichtungen vorhanden, die sonst noch nirgends bestehen. Auf mehreren Tausend Quadratmetern erheben sich hier eine ganze Reihe Hintergebäude, in denen zahlreiche Gewerbebetriebe untergebracht sind. Da der Kanal eine bequeme Verkchrsverbindnng bietet, konnte damit gerechnet werden, daß bald alle Räume Mieter finden würden. Bei der Ausstattung durfte nian deshalb keine Kosten scheuen. Damit der Verkehr auf den Höfen durch die Material- bcförderung nicht behindert wird, wurde im Kellergeschoß eine 2,50 Meter breite und 2,7t) Meter hohe Fahr- bahn eingerichtet, die mit Schiencnglcisen und Drehscheiben verschen ist und von der aus das Rohmaterial Nüttels Hebebühnen auf den Hof oder in einzelne Etagen befördert werden kann. Diese drei hier befindlichen Hebebühnen gehen weit über daS Maß sonstiger Fabrilfahrstühlc hinantz. So hat z. B. die größte eine Fläche von tM.') X 3 Meter und eine Tragfähigkeit von hundert Zentnern. Man kann also Stiick- gilter von riesenhaften Dimensionen mit Leichtigkeit befördern. ohne dabei viele nienschliche Arbeitskraft zu bedürfen. Für die Betriebe wurde sogar ein eigenes Elekrizitätswerk errichtet. so daß sich die Abgabe von Strom an die Mieter etwas billiger als sonst gestaltet. Zur Lagerung von Lebensmitteln ivurden große Kühleiurichtungen getroffen, ebenso eine gelverbliche Wasser- anlöge, die Wäschereien und ähnlichen Betrieben Vorteile bietet. Für Betriebe, die Säuren benötigen, wurden Säuregully? ge- schaffen. In den Pferdeställen wird der Dung durch einen Exhaustor abgesaugt und in einem Kessel verbrannt. Für die Arbeiter lvurden 19 Wannen- und 20 Brausebäder, eine Kantine für 400 Personen und auch eine Sanitätsmache ge- schaffen, wobei man aber durchaus nicht anzunehmen braucht. daß dadurch die Unfallgefahr gemindert wird. Doch ist es iinmerhin beachtenSlvert. wenn in einem Privatbetriebe der- gleichen besteht, noch dazu mit eigenem Operationszimmcr und dauerndem Sanitätspersonal. Auch eine eigene ständige Feuerwache finden wir vor. Die größten dieser Vorzüge sind bisher noch in keinem anderen ähnlichen Gebäude vorhanden; heute nicht, aber niorgen kann es trotzdem schon der Fall sein. Denn die Konkurrenz lst kein geringer Hebel in der bau- techu'ichen Entwickelung. Einen sicheren Voneil haben die Besitzer solcher Industrie- paläste vor den Hauspascha? voraus: sie vermieten leichter. Auch die geschilderte Judiistriestätte hatte gleich nach Fertig- stellung alles vcrinietet, ivobei ihr zugute kam. daß die Berliner Exportgeschäfte bereit? stark im südlichen Berlin, der Ritterstraße, gelegen sind. Man braucht aber nicht zu alauben, daß die Errichtung solcher Häiiserkomplexe sich billiger stellt als der Wohnhausbau. Gewiß. Wände sind hier bc- deutend weniger nötig, da fast alle Räume große Aus- dehnungen besitzen und auch der Maler und Tapezierer, der Töpfer und manch anderer Handwerker haben h,er wenig oder gar nichts zu schaffen. Aber die erforderliche Stabilität solcher Gebäude, die Hunderttausende von Zentiiern an Eisen und noch mehr an Zement für die großen starkeii Fiindamente und Mauern bringen es mit sich, daß die Kosten eines Wohnhauses weit überschritten werden. Denn während dort die Arbeitskraft ausschlaggebend ist, ist es hier das Material und dieses ist entschieden teurer als jene; gerade im Baugewerbe zeigt sich das.mit jedem Jahre mehr. Während dort der Hauswirt ängstlich achtet, daß kein Kind etwas beschädigt, dröhnen hier die Hammcrschläge und rütteln die Maschinen mit ihren Hunderten von Pserderräften an den Fundamenten und Wänden, sie auf ihre Festigkeit hin prüfend. Diese modernen Jndustriepaläste, die immer zahlreicher in Berlin werden, sind auch ein Zeichen für den Fortschritt der Technik und die immer mehr um sich greifende kapitalistische Entwickelung._ Die Einnahme der städtischen Straßenbahnen im August 1911 betrugen 169 148.59 M. gegen 137 136,35 M. im August 1919, d. i. eine Tageseinnahme von 5456,49 M. gegen 4423,75 M. im August 1919. ES wurden insgesamt 1 828 999 Personen gegen 1 497 979 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im August ge- fahrenen Wagenkilometer(Motorwagen und Anhängewagen) ist von 249 821 des Vorjahres auf 341 173 gestiegen. Die Einnahme für das Wagenkilometer beträgt 49,58 Pf. gegen 56,85 Pf. im Vor- jähre._ Berlin»nd Rixdorf, Lichtenberg» Boxhagen-Rummelsburg. Tie Schüler und Schülerinnen unserer Volksschulen erhalten heute von ihren Klassenlehrern Formulare mit, um deren Ausfüllung die Eltern vom Magistrat gebeten werden. In dem Auschreiben heitzr eS:„Die Ausfüllung deS Formulars wird lediglich zu dem Zwecke erbeten, um festzustellen, welchen Betrag die Stadt Berlin den Gemeinden Rixdorf, Lichtenberg und Boxhagen- NunrmelSbnrj auf ihre gegen die Stadt Berlin für das Rechnungsjahr 1911 au Grund des§ 53 des Kommunalabgabengesetzes erhobenen Schul- lastenforderuugcn in Gegenrechnung stellen kann. Zu steuerlichen Zwecken ivird da? Formular nicht benutzt, was hierdurch ausdrücklich hervorgehoben wird." Die Fragen erstrecken sich auf Namen, Stand, Wohnung des Vaters, den Betrieb in dem der Vater in der Zeit vom 1. April 1919 bis 31. März 1911 gearbeitet hat, Zahl der Arbeiter in den Betrieben, Verwendung von Maschinen oder Motoren. Zahl der schulpflichtigen Kinder und Schule und Klasse, die die Kinder besuchen. Solche Erbebungen fanden früher mündlich statt, waren aber nicht genau genug, daher jetzt die neue Form._ Drei Jahre in der Isolierzelle. In Nr. 189 des„Vorwärts" wurde berichtet von einem Pa. tienten in der städtischen Irrenanstalt Buch, der fast drei Jahre hintereinander in einer Isolierzelle untergebracht ist, weil er wiederholt versucht hat, brieflich unter Umgehung der Anstalts Briefzensur mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. Der Patient war vordem auf einem der unverschlossenen Landhäuser stationiert, was doch allein schon dafür spricht, daß seiner Jnter nierung keine Gemcingefährlichkeit zugrunde liegen kann. Hierzu bat unterm 28. August die Redaktion der Zeitschrift„JrrenrechtS- Reform", welche über die lediglich wegen Verstoßes Fegen die An- staltSordnung erfolgte dreijährige Jnternierung bei der Deputation für die städtische Jrrenpflege Beschwerde führte und schleunigste Verlegung in einen angemessenen Raum forderte, folgenden Be scheid erhalten: „Ter entmündigte Otto 2... mußte im Interesse der Anstaltsordnung in einem Einzelzimmer untergebracht werden; sein Aufenthaltsraum ist hygienisch einwandfrei; er ging täglich spazieren und hat auch Gelegenheit, sich zu zerstreuen. Jetzt ist er versuchsweise noch einmal in einen Gemein- schaftsraum gelegt worden. gez. Panofsky. Conrad." Die Worte„im Interesse der Anstaltsordnung" bestätigen zweifellos das, was behauptet wurde, nämlich, daß lediglich das Briefschretben die Ursache der Isolierung war, Würde der Grund ein anderer sein, so hätte die Deputation sicher nicht verabsäumt, ihn zu nennen. Eine derartige Behandlung von Patienten, also eine jahrelange Einsperrung in der Isolierzelle lediglich wegen Uebertretens der Anstaltsordnung, ist absolut ungehörig und ver- dient die schärffte Rüge. Die Isolierzelle, gegen die wir hlzgienische Bedenken nicht mal geltend gemacht hatten, wird durch die wohl- klingende Bezeichnung„Einzelzimmer" nicht besser. Wenn der Patient L. logisch bemerkte, daß er als noch nicht Verrückter in solchem Räume verrückt werden müsse, so hat er nur zu recht. In diesem Sinne ist das Einzelzimmer hygienisch nicht einwandfrei. Aus dem Schreiben der Deputation gehr nicht hervor, ob der Patient nur aus der Isolierzelle herausgelassen und wieder im Gemeinschaftsraum desselben oder eines anderen„festen HauseS" untergebracht ist. Ein solcher Kranker, der nicht tobsüchtig und nicht gemeingefährlich im geivöhnlichcn Sinne ist, gehört auf die allerleichtesten Stationen, also auf die Landhäuser, wo er vordem war. Ten Irrenärzten muß das Recht, wegen Verstoßes gegen die Anstaltsordnung Patienten in die festesten Häuser zu legen, un- bedingt bestritten werden._ Unter dem Verdacht der versuchten Verleitung zum Meineide ist der frühere uniformierte Schutzmann Sieling aus CharloNenburg verhaftet worden. Dieser war in dem Detektivbureau deS früheren Kriminalkommissars Wanowski beschäftigt, der von der Verteidigung des MagistratSassisteuten Sternebeck mit Nachforschungen in dessen Gatteimiordgeschichte beauftragt ist. Sieling wird nun beschuldigt, bei seinen Ermittelungen versucht zu haben, Zeugen, die von der Kriminalpolizei schon vernornmen Ivaren. zu veranlassen, ihre Ans- sagen zu ändern. Auf Anordnung deS Untersuchungsrichters fand gestern in dein Bureau WanoivSkis eine Haussuchung statt, die mit der Verhaftung SielingS endete. Als Leiche wiedergefunden wurde Montagnachmittag der acht Jahre alte Knabe Robert 5tole»da aus der Fehmarnstr. 14, den seine Eltern seit Sonnabend vermißten. Man sah die Leiche in der Nähe der Torfstraßen-Brücke im Spandauer Schiffahrtskanal treiben und landete sie mit dem Rettungskahn, der dort liegt. Der Knabe ist wahrscheinlich beim Spielen ins Wasser gefallen und ertrunken. Ein Zusammenstoß zweier Ttraßenbahwagen ereignete sich am Montagabend in der Neuen Schönhauser Straße. Tort fuhr ein Wagen der Linie 48E in die falsche Weiche und stieß infolgedessen gegen den Vorderperron des haltenden Motorwagens 2925 der Linie 54. Bei dem Zusammenprall erlitt der auf dem Vorderperron des angefahrenen Waggons stehende Wagenwäscher Räther eine klaffende Wunde am Hinterkopf und mußte in besinnungslosem Zustande nach dem Hedwigskrankenhaus übergeführt werden. Die beiden Straßenbahnwagen wurden nicht erheblich beschädigt; eine Verkehrsstörung trat infolge des Unfalles nicht ein. Einbrecher in der Fricdrichstraßc. Reiche Beute machte eine Einbrccherbande auf dem Grundstück Friedrichstr. 212. Die Spitzbuben, die mit Einbrecherwerkzcugcn wohl versehen waren, er- brachen mit Leichtigkeit die Türen zu einem Stoffwarengeschäft und erbeuteten große Vorräte an Kammgarn- und englischen Stoffen. Auch in die angrenzende Wohnung des Geschäftsinhabers drangen sie ein und stahlen Brillanten und Goldsachen im Gesamt- wert von 2399 M. Zu der Verhaftung des Diebes Walter Döring wird noch mit- geteilt: Ter Festgenommene wurde gestern von dem Kriminal- kommissar, der diese Angelegenheit bearbeitet, noch weiter ein- gehend verhört. Dabei ergab sich, daß sein Hehler ein am 28. Fe- bruar 1864 zu Wolgast geborener früherer Einbrecher Richard Swenn ist, der in der Sophienstr. 23 wohnt. An diesen Swcnn hat Döring in etwa 199 Fällen seine Tiebcsbeute verkaust. Swenn beteiligte sich früher selber an Einbrüchen und Diebstählen, bis er in das Zuchthaus kam. Wie viele seiner Art bekam, er den Zucht- hausksapps und wurde nach Herzberge gebracht. Aur Ersuchen und Betreiben von Bekannten wurde er später aus der Anstalt ent- lassen. Bei Haussuchungen fand man noch Schmucksachen, Mün- zen usw., die von TÄring stammen und-diesen in noch weiteren Fällen überfübren, außerdem auch einige Fahrräder. Auch dies« hat Döring gestohlen. In der letzten Zeit lebte er überhaupt dum Fahrraddiebstahl, weil seine andere„Spezialität" schon zu weit bekannt und deshalb gefährlich geworden war. Er stahl täglich 3 bis 4 Räder. Polizeiverordnung. Auf Grund der§Z 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1859, sowie der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 39. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Gemeindevorstandes für den Stadtkreis Berlin folgendes verordnet:§ 8 der Stratzenord- nung vom 31. Dezember 1899 in der Fassung der Polizeiverord- nung vom 39. Mai 1919 erhält folgenden abgeänderten Wortlaut: „Tie Geschirre müssen haltbar und in ordnungsmäßigem Zustande sein. Bei Pferdegespannen von Last-, Arbeits- und Geschäftswagcn sind Sielengeschirre mit einer Halskoppel zu versehen, welch« auf beiden Seiten des Halses �der Pferde je durch einen Riemen mit der Mitte des Stranges(wo der Llummetdeckelteil mit dem Strange in Verbindung kommt) und außerdem auf dem Rücken des Pferdes mit dem Halsrieinen verbunden wird; Kummet- geschirre sind mit einem einfachen Riemen, welcher das Kummet nnt dem Sprenggurt oder Kammdeckcl der Geschirre oben ver- bindet, zu versehen. Aufhalter von Strickwerk sind unstatthaft. Das Fahren mit einfacher Leine oder mit Aufzäumung ohne Mundstück ist untersagt. Zwei- oder mehrspänniges Fuhrwerk muß mit 5rreuzleine gefahren werden." Diese Verordnung tritt am 1. Ja- nuar 1912 in Kraft. Der Brrliiicr Zoologische Garten hat bei seinen Wildrindern einen erfreickichc» Zuwachs bekommen: ein Bison und ein Wisent sind geboren worden, und die beiden wolligen Kälber werden von ihren Müttern getreulich gepflegt und genährt. Bekanntlich lebte der Wisent neben dem Auerochsen bis ins Mittelalter auch in Deutschland wild, wurde hier aber ausgerottet und wird heute noch in Rußland in Bjalowjischa gehegt, der Auerochse dagegen, ein dem Hausrinde verwandtes Tier, ist ganz von der Bildfläche verschwunden. Anck, der bis vor wenige» Jahrzebnten die Prärien Nordamerikas bevölkert habende Bison war dem Aussterben nahe, Ivird aber jetzt in eigenen Schonbezirken gehegt. Wer ist die Tote? Aus dem Grunewaldsee würfce gestern in der Nähe des Jagdschlosses die Leiche eines unbekannten Mädchens von etwa 19 bis 29 Jahren gelandet. Tie Tote ist etwa 1,68 Meter groß, hat blondes Haar und trug eine schwarzweiße leinene Bluse, einen blauen Rock, einen grauen Gummigürtel, eine wcißgestreifte Schürze, Schnürschuhe mit Lackspitzcn, herzförmige Ohrringe und eine Emailbrosche. Tie Leiche wurde nach der Halle in Schildhorn gebracht., DaS Apollo-Thcatcr hat das neue Monatsprogramm um einige tüchtige Kräfte bereichert. Eine bewundernswerte musikalische Bc« gabung erweist eine junge Dame Regia, die nicht weniger denn 22 Instrumente beherrscht. Sie ergreift der Reihe nach ein Jnstru» ment nach dem andern und bringt die verschiedensten Piecen in form» vollendeter Weise zum Vortrog. Stnch dein bekannten Bilde von Ncznicek bringen Wera Forst und Robert von Balberg einen Dialog„Die G'schamige" lvirksam zur Aufführung. Neuheiten auf dem Gebiete der Magie bringt De Bilve. AunieFerrera erweist sich als feine Vor« tragSlünstleriii, ivährend Hansi Priihrer als Wiener Soubrette Chansons von recht massiver Art zum besten gibt. Gesang und Tanz fanden in einer amerikanischen und einer ungarischen Truppe annehmbare Vertretung. Bciin Volksfest deS zweiten Kreises am Sonntag in der Bock« brauerci wurde verloren: eine Damenuhr mit Kette und ein Arm« band; gefunden wurde: eine Mütze, eine Brosche und ein Ring. Abzuholen resp. abzugeben bei Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Auf dem BersammlungSplah im Treptower Park ist ain Sonntag eine Uhr gefunden ivordcn. Abzuholen im Berliner Verbandsbureau, Lindeustr. 69, vorn 4 Treppen. Großfeucr in Berlin ki. Vier Züge der Berliner Feuerwehr waren gestern nachmittag in der Göhrcner Str. 1, Ecke Senefelder- straße, im Norde» der Stadt mit der Ablöschung eines gewaltigen Dachstiihlbrandes mehrere Stunden lang beschäftigt. Es brannten die Dachstühle des Vorderhauses und des Seitenflügels in ganzer Ausdehnung.— Fast gleichzeitig brach in der W i n s st r a ß e 3 ei» größerer Ladenbrand aus. Verloren. Am Sonntag hat ein Arbeiter von Treptow vis Engelufer eine Lohntüte mit 6—7 M. Inhalt verloren. Bitte ab» zugeben Berlin, Engelufcr 4-1, Restaurant Naß. Die Arbcitcr-Samaritcr-Koloiine teilt mit: Folgende in den Sainariterzcltc» im Treptower Park bei der DemonstrationSver- samnrlung zurückgelassene Gegenstände: ein Paar Manschetten, ein Taschentuch, ein Kragen, eine Hutnadel, eine Schlipsnadel mit Bildnis sind im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, abzuholen. Vorort- JVadmcbteirs Tchöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlnng. Der StadtllerorLneten» Vorstcher-Stellvertreter Genosse Molkcnbuhr teilte vor Ein- tritt in die Tagesordnung mit, daß der Stadtverordnete Hart« m(tun(2 ib. Frkt.) wegen Verzugs sein Mandat niedergelegt habe. Ebenfalls sein Mandat niedergelegt hat der Stadtv. Lohausen (wild). Einige Armcnpflcger hatten darum ersucht, ihnen die Er- lcdiguiig der Einziehungssachen abzunehmen. Der Magistrat meinte, die von den Armcnpflcgern geübte Tätigkeit bestehe darin, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schuldner zu prüfen und ihre Zahlungsfähigkeit zu begutachten. Hierüber hat auch eine Er- örtcrung in den einzelnen Kommissionen und eine Abstimmung unter den Armenpflegern stattgefunden. Von 157 Pflegern war die überwiegende Zahl dafür, daß die Erledigung der EinziehungS- fachen für die hiesige Verwaltung auch fernerhin von den Pflegern ausgeführt wird. Es soll daher das bisherige Verfahren bis auf weiteres beibehalten werden.— Von der Terraingcsellschaft Groß- Berlin wurde eine Schenkung in Höhe von 35 999 M. überwiesen, die zu dem Grundstock für die Errichtung eines großen städtischen Hallenschwimmbades verwendet werden sollen.— Einem Ausschuß überwiesen wurden das städtische Alters- und Pflegeheim in Deutsch- Wusterhausen, das spätestens zum 1. November d. I. bezogen werden kann und die Vorlage der Mietung von Räumen im Hause Gr?me» waldstratze 19 für den städtischen Arbeitsnachweis. Genosse Däa« m i g meinte, daß der Ausschuß an der ganzen Sache nichts ändern könne, er ersuchte daher um sofortige Annahme.— Hierauf wurde in die Beratung der Umgestaltung der Knabenmitteljchule ein» getreten.