Ur. 209. HbonnementS'Redingflngen: RSoiinomcntä- Preis pränumerando i Picrtcljnhrl. 3£0 Ml, monafl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags« Hummer mit illustrierter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncmcnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Iahrg« VI« TntertionS'GebQlir velrägt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersanimlungs-Anzoige» 30 Pfa. „Kleine Hnzeigen". das fettgedruckte Wort 20 Pfg, izulössig 2 setlgedrucile Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte über ISBuch- fibcn zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. vlcheint iiiglich außer Montag». Berliner Bolksblnkt. Zentralorgan der rozialdemohrati fchen parte» Deutfcblande. Telegramm-Adreff«! uSozlaltümohral Btrliß" Redahtton: 8 Cd. 68, Lindcnstrassc 69. Fcriisprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8 Cd. 68, Lindcnstrassc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der febwarz' blaue Block der IKriegstreiber. Die wachsende Not des Volkes bereitet den schwarz-blauen Volksausplünderern und Wahlrechtsfeinden immer größere Aengste. Und je höher die Furcht vor dem Volksgericht bei der Reichstagswahl steigt, desto verzweifeltere Mittel ergreifen Junker und Zentrum, um das Strafgericht von ihrem schuldigen Haupt abzuwenden. Dabei treibt es das Zentrum noch toller als die Konservativen. Das Zentrum hat ja auch mehr zu verlieren, nämlich Hunderttausende von Arbeiter- stimmen, die es bisher noch durch seine listige Demagogie an sich gekettet hat, während die Konservativen nur noch durch den brutalsten Terror der Massenflucht des Landprolctariats in die Reihen der Sozialdemokratie wehren können. Die bittere Not lehrt auch die katholischen Arbeiter denken, sie bringt ihnen das Verständnis für die Missetaten des Zentrums bei, das ihnen noch bei der letzten Reichsfinanzreform wieder Bier, Tabak, Kaffee, Tee, Zündhölzer usw. verteuert hat. Die Tatsache der Stcuerschröpfung können auch die tollsten Zentrumsschwindeleien nicht aus der Welt schaffen, ebenso wenig die andere Tatsache, daß es die unsinnige Kolonial- Politik und das uferlose Wettrüsten gewesen sind, die die ungeheure Steigerung der Ausgaben und damit die neuen Steuerlasten verschuldet haben I In dieser äußersten Not griff das Zentrum mit wahrer Gier nach dem infamen Mittel der nationalen Ver- h e tz u n g, die das Aufrollen der Marokkofrage der Reaktion in die Hand zu geben schien. Mit den Alldeutschen um die Wette suchte die Zentrumspresse unter den Massen die Wahn- Vorstellung zu erwecken, als handele es sich bei den Forde- rungen der deutschen Diplomatie um wichtige Interessen der Nation, um die Ehre des deutschen Volkes. Und als die Sozialdemokratie die Hohlheit dieses albernen Schwindels aufdeckte und allen Kriegshetzern unzweideutig zu verstehen gab, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft ihre Interessen und ihre Ehre keineswegs mit dem von etlichen Panzerplattenfabrikanten und alldeutschen Narren identifiziere, und daß sie deshalb alles aufbieten werde, um einen so lächerlicher Ursachen wegen frivol angezettelten Krieg zu verhindern, da stürzte sich das ultramontane Preßgeschmeiß mit der be- kannten Christenliebe auf die Sozialdemokratie, um sie ge- hässiger und infamer als irgend ein Scharfmacherblatt des Landes- und Hochverrates zu bezichtigen! Die Sozialdemokratie wehrte diese giftigen Denunziationen mit aller Gelassenheit ab und fuhr fort, durch die Presse und zahlreiche Massenversammlungen das Volk über die in Wahrheit treibenden Kräfte des Marokkorummels und die wirklichen Interessen der großen Mehrheit der Nation aufzuklären. Und überall jubelten die Massen den sozial- de ni akratischen Darlegungen zu, überall gelobte das Proletariat, die niederträchtige 5iricgshetzc mit Wort und Tat zu bekämpfenl Und selten herrschte eine solche Einmütigkeit der deutschen Sozialdemokratie, als gerade in dieser rücksichtslosen Abwehr der infamen Kriegstreibcreien. Ein paar nationalsoziale Ein- gänger abgerechnet, die ein politischer Irrtum vor Jahren zum Anschluß an die Sozialdemokratie bewogen. steht die ganze sozialistische Arbeiterklasse ge- schlössen hinter dem Aufruf des Parteivorstandcs, hinter der Resolution, die am letzten Sonntag von 200000 Berliner Sozialdemokraten angenommen wurde I Diese unerschütterliche Selbstsicherheit der Sozialdemokratie, dies völlige Versagen der chauvinistischen Hetzparole hat dnL Zentrum vollends aus dem Häuschen gebracht und sein kläg- liches Geheul über sozialdemokratischen Landesverrat sich ver- doppeln lassen. Aber die Denunziationen allein taten's auf die Dauer nicht, es mußte auch eine„Aktion" unternommen werden. Diese Aktion bestand in dem famosen Aufruf der drei Männlein Behrens, Stcgcrwald und Bechly, der in den Werkstätten und Fabriken augeblich betriebenen lebhaften Propaganda für den politischen Massenstreik mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Diese Propaganda zum Massenstreik, die da von sozialdemokratischer Seite in den Werkstätten und Fabriken betrieben werden soll, ist natürlich eine abgeschmackte ultra- montane Erfindung. Aber dieser Schwindel war ja notwendig, um den famosen Aufruf zu rechtfertigen. Um diesen ganz unmotivierten und höchst überflüssigen Aufruf aber zu einer politischen T a t aufzubauschen, müssen die drei Männlein sich damit brüsten, daß ihr Aufruf an l'/e Millionen deutsch- nationale evangelische uno christlichsoziale Handlungsgehilfen. Arbeiter, Gesellen, Privat- und Staatsbedienstete ergehe. Mit Recht spottet die„Volkszeitung" über„Ausschußarbeit" der drei Gernegroße, die nichts dazu legitimiere, im Namen von IV« Millioneri Arbeitern zu sprechen, da ja die Willens- mciuung der durch den Aufruf Inkommodierten in keiner Weise festgestellt sei. Und in der Tat, wenn die wackeren alldeutschen und ultramontanen Kriegshetzer Aktionen unter- nehmen wollten, die m e h r wären, als ein bekleckstes Stück Papier, so hätten sie eben auch Massenkundgebungen veran st alten müssen. Aber vor solchen Massenkundgebungen zugunsten einer � beispiellos niederträchtigen Kriegshetze schrecken unsere Nationalen aus nur zu gutem Grunde zurück I Sie wissen, warum sie Versammlungen mit hohem Entree und unter Ausschluß der wirklichen Oeffentlichkeit veranstalten!— Nicht die Resolution der Kriegstreiber, sondern die Losung der sozialdemokratischen Friedensmahner würde bei wirklich freien Demonstrationen und freier Aussprache zur Annahme gelangen! � Daß die Presse der Kriegshetzer die kindische Renommier- kundaebung des nationalen Drei-Männer-Ausschusses als wich- tige Kundgebung den proletarischen Massenkundgebungen gegen- überzustellcn wagt, kennzeichnet nur die feige Unehrlichkeit dieser Blätter. Dem blauschwarzen Block der Kriegstreiber ist eben kein Mittel verächtlich und lächerlich genug, um die Oeffentlichkeit zu täuschen. Fe st genagelt aber werden muß, daß auch die offiziöse„ N 0 r d d. A l I g e m. Ztg." das Verlegen- heitsgeschreibsel der drei Pinipcrl Wichtig in seiner ganzen hohlen Breitspurigkcit wiedergibt. Die„Nordd. Allgem. Ztg." sollte doch lieber einmal unserem Ersuchen entsprechen und die beispiellosfrecheKriegshetze des„Deuts chen Armee-Blattes" gebührend kennzeichnen und von den Rockschößen abschütteln! Oder hält das offiziöse Organ selbst diese maßlose Beschimpfung Englands noch immer für keine Kriegshetze? Will es sich gar durch tolerierendes Schweigen zum Mitschuldigen solch infamer Völkervcrhetzung machen? Das offiziöse Organ täte gut, sich b a l d zur Antwort zu entschließen. Verlegenes Sichausschweigen wird ihm doch nichts nützen, denn wir werden unsere Frage wiederholen! Welches S y st e m in den Kriegstreibereien des schwarz- blauen Blocks liegt, beweist der Umstand, daß soeben ja auch die„Konservative Korrespondenz" der Regierung versichert hat, daß sie in der Marokkofrage„bis zum äußersten" hinter ihr stehen werde. Das soll beileibe keine unein- geschränkte Loyalitätsbezeugung sein, sondern vielmehr besagen, daß die Konservativen dann hinter der Re- gierung stehen werden, wenn sie„bis zum äußersten" zu gehen entschlossen sei I Für die Haltung unserer Junker und des mit ihnen verbündeten Zentrums gilt ja wieder einmal das Sprichwort:„Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut I" Unsere Junker versichern die Megierung nicht etwa ihrer Ergebenheit— ganz im Gegenteil I Die Diplomaten sollen au der Strippe der Junker tanzen, sie sollen ihre Haltung s 0 einrichten, wie es den Interessen des blauschwarzc» Blockes entspricht. Sagt doch die„Deutsche Tageszeitung" am Mittwochabend am Schlüsse ihres Leitartikels ganz unverblümt: „Sollte die deutsche Regierung zu schweren Eutschcidnngen gedrängt werden, weil sie nicht über eine gewisse Grenze hinaus- gehen kann, so darf sie überzeugt sein, alle national empfindenden Kreise deö Volkes ohne Unterschied der Partei hinter sich zu haben. Treibt sie aber ihre Nachgiebigkeit zu weit, erweckt sie den An- schein, als ob sie vor gewissen Machenschaften und Brüskierungen zurückgewichen sei, so würde sie das Vertrauen des Voltes voll- ständig verlieren." Unsere Junker hetzen also nicht nur, sie drohen auch! Das ist ja nichts Neues bei den Kriegshetzern. Die„Post" verstieg sich ja zu den klobigsten Majestätsbeleidi- gungen, um durch Verschärfung des Marokkokonflikts die Interessen ihrer Auftraggeber, der Panzerplattenindustriellcn, durchzusetzen. Die„Deutsche Tagesztg." begeht zwar keine formale Majestätsbcleidigung, aber sie droht der Regierung mit dem völligen Verlust des Vertrauens des Volkes(soll heißen der Junker und Juukergenosienj, falls sie sich erkühnen sollte, die Weisungen der Kriegshetzer nicht zu respektieren! Ob sich die Regierung, ob sich die Krone durch solche Drohungen ihrer„allcrgetreuesten Triaricr" einschüchtern lassen wird? I Wir wollen uns in das zarte Verhältnis zwischen der Krone und ihren so bescheidenen„Dienern" nicht eindrängen; nur das möchten wir noch einmal feststellen, daß das Volk nicht hinter den Kriegshetzern steht I Es wäre auch eine gar zu groteske Annahme, dem Volke eine Leidenschaft dafür zuzutrauen. sich zum Vorteil der Panzcrplattcnpatrioten und Kricgslieferanten nach � ungeheuerlichen Strapazen tot- oder zum Krüppel schießen zu lassen, da dies Volk doch noch von der Wahlrechtskampagne her nur zu genau weiß, wie schanilos gerade der blauschwarze Block dieVolks massen uin seine Rechte geprellt hat, die jetzt gut genug dazu sein sollen, ihr Leben und ihre gesunden Glieder zu riskieren, um den Kriegsspekulanten zu eineni Riesen- Rebbach und dem blauschivarzcn Block aus seinen Wahlverlegenheitcn zu helfen! Die Marokkoaffäre. Der Reichskanzler hat Dienstag in Kiel dem Kaiser über die Marokkofragc Vortrag gehalten. Heute vornüttag soll eine Unterredung zwischen den Herren v. Bethmann und Kidcrlen stattfinden. Für nachmittag wird eine neue Unterredung zwischen den Herren v. Kiderlen und Cambon erwartet. Die Berliner und Pariser Blätter gaben bereits ziemlich übereinstimmend der Meinung Ausdruck, daß die deutsche Re- gierung den französischen Vorschlag, zuerst über den politischen Verzicht Deutschlands und seine wirtschaftlichen Ansprüche in Marokko, sodann über das Ausmaß der Kompensationen zu verhandeln, akzeptieren werde. Im allgemeinen kam in den allerletzten Tagen auch die Erwartung zum Ausdruck, daß die Verhandlungen zu einem Einverständnis führen werden. Nun liegt auch eine Auslassung der„Kölnischen Zeitung" vor, deren offiziöser Charakter durch die Verbreitung durch das Wölfische Telegrapheu-Bureau sichergestellt ist. Das Tele- gramm lautet: Den deuts ch-französischen Verhandlungen lag von Anfang an der Gedanke zugrunde, datz Deutschland für die Wirtschaft- licheBetätigungin Marokko, namentlich für die Erhaltung und Fortentwickelung seines Handels im scherifischen Reich s ichere Bürg- schaften erhalten solle und daß Frankreich für die Einräumung politischer Bewegung sfreiheit in Marokko und auf kolonialem Gebiete entschädigen müsse. Zur Erfüllung dieser deutschen Wünsche hat die französische Regierung nunmehr einen schriftlichen Vertragsentwurf aufgestellt und am Montagvormittag durch den Botschafter C a m b 0 n hier überreichen lassen. Die Prüfung der französischen Vorschläge gibt Anlaß zu deutschen Gegenvorschlägen. Da es sich für Deutschland in Marokko wesentlick«m ausreichende Sicherstellung wichtiger wirtschaftlicher Interessen handelt, so müssen zu wieder- holten Malen Sachkundige befragt und für verschiedene Punkte ins einzelne gehende Aufstellungen gemacht werden, was besondere Sorgfalt und entsprechende Zeitaufwendung erfordert. Es ist aber bisher soviel Vorarbeit geleistet, sowohl in der Frage der Bürgschaft sür unsere wirtschaftliche Betätigung in Marokko, wie für die Gebietsentschädigungen, daß bei beiderseitigem guten Willen auf ein baldiges Ergebnis der Verhandlungen gehofft werden darf. Diese Auslassung bestätigt also zunächst, daß die deutsche Regierung die französischen Vorschläge nicht akzeptiert hat, sondern Gegenvorschläge macht. Immerhin scheint aber der Umkreis der Verhandlungen soweit eingeschränkr zu sein, daß es sich der Hauptsache nach um das Ausmaß der wirtschaftlichen Garantien handelt. Danach wäre wenigstens ein prinzipieller Gegensatz nicht mehr vorhanden. Aber warum wird das nicht ausdrücklich festgestellt? Immer- hin klingt der Schluß, der von dem„baldigen Er- gebnis der Verhandlungen" spricht, zuversichtlicher als die bisherigen offiziösen Verlautbarungen, wenn auch in einem gewissen Widerspruch damit der„entsprechende Zeit- aufwand" betont wird, den die Feststellung der Einzelheiten noch erfordern werde. Die Schwierigkeiten, die jetzt noch zu überwinden sind, liegen offenbar einmal in dem Ausmaß der Kompensationen, sodann und hauptsächlich in der Frage der Garantien, die Frankreich für die wirtschaftliche Stellung Deutschlands übernehmen soll. In der Tat liegt eine objektive Schwierig- keit darin, daß die wirtschaftliche Erschließung ja von den kapi- talistischen Interessenten nur zu leicht in einer Weise vor- genommen wird, die die Eingeborenen zu Gewalttaten pro- vozicrt. Frankreich käme dann in die Lage, militärische und Polizeiliche Schutzmaßregeln zu ergreifen, die natürlich nicht nur sehr kostspielig sind, sondern auch stets den Kein: zu neuen Konflikten in sich tragen. Die Frage solcher»virtschaft- lichen Garantien in einem von unabhängigen und kriegerischen Stämmen bewohnten Lande ist also in der Tat nicht ein- fach. Trotzdem wäre es natürlich Wahnsinn, wenn die Regierungen wegen solcher Interessen einer Handvoll Kapital- Magnaten die Verhandlungen scheitern ließen. Eine besondere Niedertracht hat sich die von den Kricgsinteressenten ausgehaltcnc„Post" geleistet. Sie berichtete in ihrer Abendausgabe, daß die V e r h a u d- lungen abgebrochen seien. Die Lüge wurde sofort anitlich dementiert. Aber man sieht, daß diese bezahlten Patriotarden zu allem fähig sind, wenn sie nur hoffen können, die Aufregung und Kricgsstimniung zu fördern, lind der Führer der Freikonservativen, der Freiherr v. Zedlitz, schänit sich nicht, ein Hauptmitarbeiter L» solchem Schmutz. blatt zu sein. Die Kriegsfurcht in Stettin. Stettin, 6. September. Trotz aller beruhigenden Hinweise in der hiesigen Presse und seitens der Spaikasscnbeamlen waren heute morgen wieder Hunderte von Sparern zur Abhebung ihrer Gutbaben bei der Sparkasse erschienen. ES gelangten rund 206 000 M. zur Auszahlung gegen 18 000 M. Einzahlungen. Im Publikum war daS Gerücht verbreitet, daß die Sparkasse im Falle einer Mobilmachung überhaupt ihr Kassenlokal schließen und die Auszahlungen einstellen werde, doch ließ sich eine ganze Reihe von Sparern durch Zureden dazu bewegen, ohne Abhebung von Einlagen die Sparkasse iviedcr zu verlaffen. Auch nachmittags war der Andrang wieder ziemlich stark. Seit Sonnabend sind insgesamt rund 1400 000 M. zur Rück- zahliing gelangt. ... Unsere Protestbewegung. Gegen die Kriegsgefahr aus Anlaß der Marokkoabenteuer protestierte in Lübeck eine von mehr als 3 00 0 Personen be- suchte Volksversammlung, in der Reichstagsabgeordneter Scheide- mann sprach. Viele Hunderte mußten wieder umkehren, da sie keinen Platz mehr erhalten konnten. Es wurde eine Resolution ein- stimmig angenommen, in der die Kriegshetze auf das schärfste ver- urteilt und die Einberufung des Reichstags gefordert wird. Eindrucksdolle Friedenskundgebungen des Proletariats fanden I werden. Wer mochte>aver zu behaupten wagen, daß es in Preußen am Sonntag nachmittag in Frankfurt a. O. und am Dienstag- abend in F ü r st e n w a l d e statt. Die Versaminlung in Frank furt a. O. war von annähernd 2000 Personen besucht. Reichs tagSabgeordneter Eichhorn referierte.. Die Versammlung in Für st en Walde fand im größten Saale de« Orts statt und wies über 1800 Besucher auf. Hier sprachen Reichstagsabgeordncter F a b e r« Frankfurt a. O. und Genosse Charpentier« Fürsten- Wälde. Die Ausführungen wurden mit stürmischer Zustimmung auf genommen. In beiden Versammlungen wurden Resolutionen ein- stimmig angenommen, die die Kriegshetze verdammen und die Auf rechterhaltung des Friedens fordern. Die englische Presse und die Berliner Demonstration. London, 4. September 1911.(Eig. Ber.) Die gewaltige De- monstration der Berliner Arbeiter gegen die Kriegshetzer wird von der englischen Presse so gut wie totgeschwiegen. Die meisten Blätter begnügen sich mit der Wiedergabe eines farblosen Reuter telegramms; andere widmen diesem Machtvollen Eingreifen des deutschen Volkes in die auswärtige Politik seiner Machthaber nur einige Zeilen in einer versteckten Ecke ihrer Spalten. Und diese selben Blätter füllen Spalten mit dem elenden Geschreibsel eine? istntcrpommerschen Wurstblättchens und den chauvinistischen Rodomontaden käuflicher Preßreptilien, die sich als' die Wortführer des deutschen Volkes aufspielen. Man bemüht sich, im englischen Volke den Glauben zu erwecken, als sei die Handvoll Schreier, die vor kurzem in Berlin mit Müh und Not eine„Eck- und Winkel- Versammlung", wie der englische Volksmund sagt, zustand? brachten, das deutsche Vokk, das nach dem Blute seiner englischen Feinde trachte. Durch diese Politik erzielt man nicht allein, daß man die Aufmerksamkeit des Volkes, das noch immer wie die täglich stattfindenden Massenversammlungen beweisen— von den letzten wirtschaftlichen Kämpfen ungeheuer aufgeregt ist, von dem inneren Elend ablenkt, sondern man bereitet auch den Boden für kommende Fkottenausgaben vor. Auch scheinen manche Blätter nicht zu wissen, was sie mit dem aktiven Eingreifen eines Volkes in die äußere Politik anfangen sollen. Ihre äußere Politik »st das gewöhnliche Gemengsel von Albernheiten, diplomatischer Geheimniskrämerei und sich diametral widersprechender Nachrichten, das dem einfachen Bürger, der das nicht versteht, begreiflich machen will, welch dummer Kerl er im Grunde genommen ist. Der einzige, der einen einigermaßen ausführlichen Bericht über die Friedens- demonstration der Berliner Arbeiter bringt, ist der Korrespondent des„D a i l y T e l e g r a p h". Er berichtet, daß eine solch gewaltige Demonstration, wie sie letzten Sonntag im Treptower Park statt- fand, augenblicklich nur in Berlin möglich sei. Es sei schwer ge- Wesen, die Zahl der Demonstranten festzustellen; sicher seien es über 100000, vielleicht aber auch 300000 gewesen. Die Demonstration habe wieder einmal' die außerordent- liche Stärke. Disziplin und Organisation der Sozialdemokratie in Berlin und Deutschland bewiesen. Ferner habe sie dargetan, daß die„vollständige nationale Ein- mütigkeit" über Marokko, von der die monarchisch gesinnte Presse seit Wochen unaufhörlich rede, in Wirklichkeit nicht existiere. Jeden- falls sei es eine„Einmütigkeit", an der die Arbeiterschaft Deutsch- lands nur geringen Anteil habe. Die gegenwärtige Kriegshetze wie auch die jüngsten Ereig- Nisse im wirtschaftlichen Leben Englands zeigen wieder einmal, wie dringend notwendig eine selbständige Arbeiterpresse in diesem Lande ist. Die Leichtigkeit, mit der unter den herrschenden Verhältnissen die Gemüter des englischen Volke? von den bürger- lichen Sudelblättern vergiftet werden können, bildet eine Gefahr für den Völkerfrieden._ politifcbe Qcberlicbt. Berlin, den 6. September 1911. Geht Herr v. Jagow? Die„Neue Ges. Korresp." meldet, daß Herr v. Jagow, Berlins genialer Polizeipräsident, demnächst die Stätte seines „segensreichen" Wirkens verlassen wird. Er soll Re- giernngspräsident werden, und zwar, wie verlautet, in Oppeln (Schlesien), da der jetzige Regierungspräsident in Oppeln v. Schwerin zum Nachfolger des Oberpräsidenten v. Waldow in Posen bestimmt sei. Als Ersatz für ihren Jagow soll den Berlinern der jetzige Polizeipräsident von Breslau, Herr Heinrich v. Oppen, früher Landrat des Kreises Oberbarnim, beschert werden. Wir bedauern sehr, daß Herr v. Jagow geht, trösten uns aber mit dem Gedanken, daß Herr v. Oppen von gleicher hervorragender Güte ist._ Gegen die Teuerung. Der Magistrat der Stadt F r a n k f u r t a. M. hat dem Stadtverordnetenkollegium eine Erklärung zugehen lassen, wo- nach er angesichts der vorhandenen Teuerung für Gehälter und Löhne 300009 M. mehr bereitgestellt habe. Der Antrag auf Getvährung einer Teuerungszulage ging von der sozial- demokratischen Fraktion aus. Gleichzeitig nahm die Stadt- verordnetenversanimlung einen Antrag an, den Magistrat zu ersuchen, gemeinschaftlich mit ihr bei der Reichsregierung um Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh und vorübergehende Herabsetzung der Getreide- und Futtermittelzölle zu petitio- nieren._ Die nationalliberale Partei muß ein Bersammlnngs- lokal haben. Die nationalliberale Partei muß allerorts ein Versammlungs- lokal haben. In diesem Sinne hat der Bezirksausschuß in Düssel« pars in den letzten Tagen„nach Recht und Gesetz im Namen des Königs" in einer Verwaltungsstreitsache entschieden. In der Gemeinde Schonnebcck bei Essen, die 8900 Einwohner zählt und über 15„katholische" Wirtschaften verfügt, war vor kurzem vom KreiSauSschnß dem nationalliberalen, evangelischen Lehrer a. D. HuSmann eine neue Konzession erteilt. Gegen diese KonzessionSerteilung erhob der Polizeipräsident beim Bezirksausschuß Einspruch, der sich auf folgende Begründung stützte: Für die Konzession Husmanus habe der evan- gelische Teil der Einwohner Schonnebecks und der nationalliberale Verein agitiert, weil 14 der vorhandenen Wirtschaften ausschließlich von Zentrumsanhängern besucht würdey und eS dem nationalen Verein an einem Versammlungslokal fehle. � Der Kreisausschuß habe aus diesen Gründen auch die Konzession erteilt. Solche Gründe dürften aber für die Erteilung einer Konzession nicht bc- stimmend sein, lediglich die Bedürfnisfrage im allgemeinen müsse entscheiden. Der Bezirksausschuß wies den Einspruch des Polizeipräsidenten kostenpflichtig ab und schloß sich den Gründen des Kreis- ausschusseS völlig an. indem ausdrücklich anerkannt wurde� daß die Konzession„auf Grund der bestehenden Verhältnisse" hätte erteilt Verden müssen. Diese Entscheidung ist umso bezeichnender, als Serade in der Gegend von Schonnebeck unter der Aegide derselben legierungSorgane. die die Notwendigkeit eine? Versammlungslokals für die Rationalliberalen von Rechtswegen durch Urteil attestieren. systematisch der Sozialdemokratie die Versammlungslokale abgetrieben zweierlei Recht gibt? Auch eine„unabhängige" Zeitung. In Waldenburg in Schlesien ist eine Tageszeitung ge- gründet worden, die in der Hauptsache den Kampf gegen die Sozial- demokratie zu führen hat und mithelfen soll, der Sozialdemokratie den Preis zu entreißen. Unsere Genossen hatten schon von Anfang an diese Gründung als eine solche der Grubenkapitalisten bezeichnet. Die geschäftlichen Leiter dieser Zeitung wollten durch preßgesetzliche Berichtigungen erzwingen, daß man ihrem Unabhängigkeitsgerede Glauben schenken sollte. Jetzt geht nun der„Schlesischen Berg- wacht" und einem freisinnigen Blatte des Kreises eine vertrauliche Aufstellung zu, die mit absoluter Sicherheit beweist, daß das ganze n i e d e r sch l e fisch e Kohlensyndikat Geldgeber dieser „unabhängigen" Zeitung ist. Diese Aufstellung sieht so auS: fiiift Pleß..... khilf-Friedenshoffming Reichsgraf Grube Glü Fuchsgrube von Kulmitzsche Gruben.. von Tielsche GlaSmanufaktur Niederschlef Eleltrizitätswerk Wilhelmshütte..... Karlshütte....... Ticlsch u. Co......... 6 000 Kaufmann Schulz....... 8 000 Redakteur Lippold....... 8 000 20 000 18 000 13 000 13 000 13 000 10 000 8 000 8 000 M. Summa 130 000 M. 130 000 M. waren öffenllich als Gründungskapital angegeben. Die Geldgeber wurden natürlich nicht bekanntgegeben.— Nach der Veröffentlichung der beteiligten Kapitalisten kann sich die Zeitung das Versteckspiel im Text sparen. Sie kann sich nun ungeniert und offen gleich der„Post" und der„Nheinisch-Westfälifcheu Zeitung" als Scharfinacherblatt geben._ Klerikale Verleumder. Die Zentrumspresse benutzt mit Vorliebe Begebenheiten, die sich an Beerdigungen anknüpfen, zur Verhetzung und Fana- tffierung ihrer Anhänger. Die schwarzen Auguren wissen, daß ihr Anhang in diesem Punkte außerordentlich empfindsam ist. Ohne Verdrehungen und Verleumdungen geht es dabei niemals ab. Der Bachcmsche„Lokal-Anzeiger" in Köln, eines der nichtsnutzigsten aller ultramontanen Preßerzeugnisse, arbeitet besonders gern mit diesem Trick. Erst kürzlich haben wir nachgewiesen, daß ein Artikel, der von diesem Blatt in die Welt gesetzt worden war und d i e Runde durch die gesamte schwarze Presse gemacht hatte,, völlig erlogen war.„Sozialdemokraten" sollten in Köln- Sülz einen Leichenzug verhöhnt und den Geistlichen beschimpft haben. In Wirklichkeit hatten junge Bauarbeiter, die niemals ich um die Sozialdemokratie gekümmert haben und auch nicht gewerkschaftlich organisiert waren, zum Teil sogar Streikbrecher gewesen sind, sich einige ziemlich harmlose Ungehörig- leiten vor Beginn des Leichenzuges erlaubt. Jedenfalls hatte die Sozialdemokratie mit dem Vorgang nicht dasallermindeste zu tun. Dasselbe gilt von einem Vorfall bei einem Begräbnis in Köln-Niehl. Es ist dort zu unbeschreiblich wüsten Auftritten gekommen, bei denen ganz allein die Gegner der Sozialdemo- kratie aktiv waren. Dennoch erschien im Kölner„Lokal- Anzeiger" und nachher in der übrigen Zentrumspresse ein Ar- tikel unter der Neberschrist:„Sozialdemokratische F l e ge- leien an offenen Gräbern". Unsere Freunde in Köln- Niehl hatten indes keine Lust, die klerikalen Verleumdungen auf sich sitzen zu lassen, zumal der„Lokal-Anzeiger" trotz einer ihm von dem Hauptbeteiligten zugesandten Berichtigung seine Lügen aufrecht erhielt. Dieser Tage standen nun zwei der Hauptatten- täter wegen Beleidigung vor dem Kölner Schöffengericht. Die Verhandlung ergab, daß die Vorgänge sich buchstäblich so zugetragen haben, wie die sozialdemokratische Presse sie in der Ab- wehr gegen die klerikale VerleumdungSmcute geschildert hatte, und daß den an der Beerdigung teilnehmenden Sozialdemokraten hoch- stes Lob wegen ihres taktvollen Benehmen? gespendet werden muß. Die Angeklagte Katharina K l e s i u s mutzte zugeben, daß sie in das Grab des Beerdigten hineingesprungen war, den von unseren Parteigenossen hineingelegten Kranz zer- rissen, die Stücke über die Hecke geschleudert und den in der Nähe stehenden Genossen zugeschrien hat:„Ihr sozialen Säue!" Dem Kranzträger rief sie zu:„Geh fort, sonst spuck ich Dir ins Gesicht!" Und das alles, obwohl unsere Genossen die ursprünglich an dem Kranz befestigt gewesene rote Schleife schon vor Beginn deS Leichenzuges aus Rücksicht auf den von der Jen- trumspresse Tag sür Tag verhetzten Teil der Nichlcr Einwohner entfernt hatten. Das Gericht hielt mit seiner Entrüstung über das beispiel- lose Betragen dieses frommen weiblichen Schützlings der Zentrums- presse nicht zurück. Unsere beschimpften Parteigenossen erklärten trotzdem, daß sie auf die Bestrafung des Weibes keinen Wert legten. Sie gaben sich damit zufrieden, daß die Angeklagte Abbitte tat und im„Lokal-Anzeiger" und einem anderen Kölner Blatt eine öffent- liche Erklärung abgibt. Ferner mußte sie die Gerichtskosten über- nehmen. Auch der zweite Angeklagte, der Arbeiter Matthias Engels, konnte auf die Frage des Vorsitzenden nicht das geringste vor- bringen, woraus unseren Genossen ein Vorwurf hätte gemacht wer- den können. Das Gericht verurteilte ihn zu 20 M. Geldstrafe wegen Beleidigung und Bedrohung. Nur seine Aufregung und sein ungewöhnlich geringer Bildungsgrad schützten ihn vor höherer Strafe, wie die Urteilsbegründung hervorhob. In der Tat sitzen ja die wirklich Schuldigen in den Redaktionen der verlogenen Zentrumspresse und sonstwo. Sie sind die moralisch Gebrandmarkten. Der„Hauptfeind von Thron und Altar". DaS Jahr 1848 mit seinen Unruhen und Empörungen in den verschiedenen Ländern hatte es den Völkern zum Bewußtsein ge- bracht, daß in ihrer Mitte ein gemeinsamer Feind aller staatlichen Ordnung vorhanden sei. Die folgenden Jahr- zehnte innerer Ruhe ließen das Gefühl für die drohende Gefahr schwinden, und selbst die Warnrufe bedeutender und einsichtiger Männer vermochten nicht, die Völker miS ihrer Vertrauensseligkeit zu wecken. Bis der Feind, in der Stille immer' stärker geworden, im Jahre 1909 sich der Welt in seiner ganzen Größe und Gefahr offenbarte.- Als die Untaten des spanischen Revolutionärs Ferrer ans Licht kamen, da gingen endlich der Menschheit die Augen auf: Auf einmal erkannte man in unabhängigen Kreisen wieder, wo die Ursache von all den zum Umstürze notwendig führenden Entwickelungen der letzten Jahrzehnte im religiösen und praktischen Leben zu suchen sei. Die Freimaurerei, das ist der Feind!— so heißt eS seitdem in vielen, namentlich aber in den katholischen TagrSblättern. In der Tat: Der Feind alles dessen, was uns als friedliebenden Bürgern, treuen Untertanen und gläubige» Christen teuer und heilig ist, der Feind, von dem in unserer Zeit in letzter Instanz all die Senderungen und Maßnahmen auf staatlichem und religiösem Gebiete ausgehen, die wir so oft beklagen müssen, dasistdiegeheimeGesellschaftderFreimaurerei. I So zu lesen in dem„Zentrumswähler* politlschcr Kalender für das Jahr 1912, in einem Kapitel mit der Ueberschrift: „Wer ist unser Hauptfei nd im heutigen Kampfe für ThronundAltar"(Seite 201—232). In diesem lustigen Büch- lein wird eingehend die ganze Fülle: der Schlechtigkeiten geschildert,' die die Freimaurerei begangen hat und begehen wird. Wir Sozial- demokratcn, die der„Zentrumswähler" gewiß nicht mit Liebe be- handelt, müssen uns wie harmlose Waisenknaben vorkommen gegen- über den Generalen, Regierungsräten, Gymnastalprofessoren und andern Unholden, die in der Loge ihr frevelhaftes Wesen treiben: Das Programm der Freimaurer ist im allgemeinen auf den U m st u r z der b e st e b e n d e n Ordnung zur Erlangung einer allgemeinen Weltrepublik unter Leitung des FreimaurerbundeS gerichtet. Daher muß an erster Stelle das Christentum vernichtet werden: Daraus ergibt sich dann als erster, besonderer Punkt dieses Programms: Kainpf, rücksichtsloser Vernichtungskampf gegen das Christentum und namentlich gegen das volle und wahre Christentum, die katholische Kirche. An zweiter Stelle kommt dann der Kampf gegen das Königtum und jede Staatsform, die nicht mit freimaurerischen Prinzipien übereinstimmt. Jeden Fürsten mutz der eingeweihte Freimaurer nach seiner Anschauung sür einen Usurpator und einen Feind hallen. Das Hauptmiitel der Freimaurerei, von dem sie gleichsam lebt. ist die freche bewußte Lüge. Um die Völker möglichst für die Revolution reif zu machen, stört der Geheimbund fortwährend den bürgerlichen Frieden. Die Freimaurerei arbeitet an der Entsittlichung der Völker— und so geht'S feiten- lang mit den Anklagen fort. Und nun die politische Nutzanwendung: Die liberale Partei ist weiter nichts als die poli- tische Vereinigung der Logenbrüder, verstärkt durch gleichgesinute Nichtmaurer mit dem Zwecke, die Grundsätze, und Absichten deS Geheimbundes in der staatlichen Gesellschaft zu ver- wirklichen. Die Sozialdemokratie ist das Kind des Liberalismus und der Loge und steht unter deren stetem Einflüsse. Sie hat in den Tagen des Umsturzes, wenn erforderlich, die Bataillone zu stellen. Hat man die Sozial- demokratie dann nicht mehr nötig, so hofft man sich ihrer wie nach der französischen Revolution zu entledigen, indem man sie vor die Kanonen schickt. Man versteht nach diesen Offenbarungen eines politischen SchundromanschrciberS, daß sich etwas klügere Zentrumsblätter vor diesem windthorstbündlerischen Erzeugnis bekreuzigen und es sanft, aber deutlich abschütteln. Insbesondere den Kölner Zentrums- leuten muß vor solcher Aufklänmgsliteratur angst und bange werden. Haben sie doch bei den letzten Stadtverordnetenwahlcn einen Freimaurer mit auf ihre Liste für die zweite Abteilung gesetzt; der Erzbischof und die gesamte bessere katholische Christenheit hat für den Mann gestimmt und er sitzt nunmehr al-S Mitglied der Zentrumsfraktton im Kölner Rathaus. Es ist eine üble Sache sür die Kölner ZentrumSleute, sich jetzt sagen lasten zu müsien, daß sie „einen Feind alleS dessen, was friedliebenden Bürgern, treuen Untertanen und gläubigen Christen teuer und heilig ist", auf den Schild erhoben und Seine Eminenz Kardinal Fischer in die üble Lage gebracht haben, für einen „Hauptfeind von Thron und Altar' seine Stimme abzugeben. 1600 Mark unter dem Existenzminimum. DaS großherzoglich badische Bezirksamt Konstanz hat in einem amtlichen Aktenstück beurkundet, daß das Einkommen von 1000 M. für eine Arbeiterfamilie unzureichend zum Unterhalt ist. DaS Besuch eines seit langem ansässigen, gut beleumundeten russischen Arbeiter» in Konstanz um Aufnahme in den badischen Staatsverband wurde abgelehnt. In der Begründung heißt eS, es fehle der Nachweis dafür, daß der Gesuchsteller„bei seiner vollständigen Vermögenslosigkeit und einem Jahreseinkommen (einschließlich dem Verdien st der Ehefrau) von nur etwa 1000 M." imstande sei, sich und seine Angehörigen in Konstanz dauernd zu ernähren. Eine recht eigenartige, zu den sonstigen Ansichten der vadischen Regierung über das Existenzminimum in schärfstem Widerspruch stehende Begründung; denn es leben in Konstanz sehr viele Beamte und Eisenbahnarbeiter, deren Gehalt 1000 M. nicht er- reicht. Die badische Regierung wird nicht umhin können, deren Ge- halt sofort zu erhöhen, denn sie wird sich doch nicht nachsagen lassen wollen, daß sie ihre Angestellten so schlecht bezahlt, daß diese nach eigener Auffassung einer hohen Regierung nicht im stände find, sich und ihre Familien von ihren Gehältern zu erhalten. Ersatzwahl zum prcuhischeu Landtag. Im Wahlkreise Hanau ist sür den verstorbenen nationalliberalen LandtagSabgeordneten Jungheim eine Ersatzwahl nvttg geworden, die nunmehr aus den 17. Oktober angesetzt ist. Bischof«nd Priester. Gegen die„Freie Presse' in Straßburg hat der Erste Staat«. anwalt Anklage erhoben wegen Beleidigung des Bischofs B e n z l e r in Metz, ferner des GcneralvikarS Dr. Pell sowie deS SuperiorS des Metzer Priesterseminars Dr. Dorvaux. Die Beleidigung soll erfolgt sein in dem Artikel„Priester und Bischof" der auszugsweise Beschuldigungen wiedergab, die der Abbö Charles Thilmont, Priester der Diözese Metz, in einer Eingabe an den Landesvorstand gegen die drei vorgenannten Würdenträger vor- gebrach: hatte. Die Hauptverhandlung gegen den Verantwortlichen Redakteur Genossen Emil Fischer ist auf den 30. September vor der Straf- kammer des Landgerichts Straßburg angesetzt. Sie ohrfeigen sich selbst! DaS ZentrumSblatt„Saarbrücker VolkSzeitung' sagt am 4. Sep- tember in einer Abonnementsemladung: „Die ungeteilt und nachdrückliche«iiftnerksamkeit aller beansprucht heute die schlechte wirtschaftliche Lage von der vor allem unsere arbeitende Bevölkerung unsere» Saar-' reviers, weiterhin aber auch die ganze GcschäslSwelt schwer be- trosien wird. Hier gilt es vor allem auf Mittel und Wege zu sinneu. wre wirlsau» Abhilfe und Besserung geschassen werden kann. Sonst kaut die Zentrumspresse Tag für Tag wieder. wie.segenZ. reich" d,e F.nanzreform gewirkt hat. Jetzt auf einmal entdeckt sie wieder die„schlechte wirtschaftliche Lage" und sinnt aus„Abhilfe und Besserung".>»--> Oerumid). Demonstrationen. Wien. 6. September.(Privattelegramm.) Die deutsche s o z i a l d e m o kratische Fraktion hat an den Präsi- Kenten des.lbgeordnetenhauses ein Schreiben gerichtet, in dem die sofortige Einberufung des Reichsrats verlangt wird, umMatznabmcn gegen die Teuerung zu beschließen. In W i e n sanden große Demon st ratio» s- Versammlungen statt, die massenhaft besucht waren. Nach Schluß der Versammlungen kam es in allen Bezirken zu großen Ttraßenkundgebungen. In den Ber- sammlungen wurde eine Resolutton beschlossen, in der eS unter anderem heißt: Auf die herrschenden Parteien fällt die ganze Schwere der Verantwortung für alles, was bisher zur Linderung der Teuerung unterlassen wurde, für die Steigerung derRot, die uns bevorsteht, für die Verzweiflung, in die das hungernde Voll systematisch getrieben wird. Die Sozialdemokratie wird unerschrocken und unermüdlich den Kampf gegen die agrarische Wucherpolitik der bürgerlichen Mehrheit des Parlaments und deren Regierung fort- setzen, sie wird stets von neuem den Ruf erschallen lassen: Die Grenzen auf! Nieder mit dem Lebensmittelwucher I Nieder mit der Hungerpolitik I Auch in der Provinz finden zahlreiche Versammlungen statt, die von der Erregung der Bevölkerung Zeugnis ablegen._ Gegen die Lebensmittelverteuerer. An das arbeitende und hungernde Volk richtet sich ein Aufruf der„Arbeiter-Zeitung" zur Teilnahme an 2 0 P r o t e jt- versammlungen in Wien. Anknüpfend an das von der Regierung im Dienste der einheimischen und der ungarischen Agrarier verhängte V e r b o t der Ausladung des bereits eingetroffe- nen Schiffes mit argentinischem Fleisch, legt er die ganze neuere Geschichte der Fleischwucherpolitik dar: Wie seit November 1907 die Sozialdemokraten im Parlament ununterbrochen ihre Anträge auf freie Fleischeinfuhr gestellt und gegen das Toben der Agrarier und ihrer nationalen und christlichsozialcn Verbündeten am 2. Oktober 1910, eine Viertelmillion stark, dafür auf der Straße demonstrierten. Wie damals die Regierung etwas lieber- seefleisch hereinließ, dann aber infolge geheimer Vereinbarungen mit Ungarn alle möglichen Schwierigkeiten machte und der sozial- demokratische AniSig auf Beiseiteschiebung Ungarns zweimal von den bürgerlichen Parteien n i e d e r g e st i m m t wurde.„Ein fester Bund deD Agrarier aller Zungen Oesterreichs und Ungarns hat Schlagbäume an der Reichsgrenze aufgestellt zur Plünderung der wehrlosen.Konsumenten und ist dabei unterstützt worden von feilen, streberischen und gewissenlosen bürgerlichen Städtevertretern, die ihre knechtische Haltung, ihren Volksvcrrat mit den Phrasen von nationaler Kraft und Treue verdecken wollen. Diese agrarische Volksausplünderung hat alles Maß überschritten. Fern ist ihr jedes Erbarmen mit dem darbenden Volke, jedes Mitleid mit dem unter- ernährten Kinde, mit den stillen Tränen verzweifelnder Mütter." Dazu wird zum Herbst eine neue Erhöhung der Milchpreise angekündigt. Und die industriellen Kartelle gesellen sich hinzu.„Zucker-, Petroleum- und Spiritus kartell haben abermals höhere Preise diktiert, die K o h l e n barone folgen, sobald der Winter naht und sich die Kinder der Armen mit starren Fingern an den Ofen drängen. Jede neue Not ist dem Kartellkapital eine neue Gelegenheit zum Profit. Ohne Parlamentsbeschluß hebt es indirekte Abgaben ein, höhere als der Staat. Die Arbeitgeber- verbände verkürzen dem Arbeiter die Löhne, die Kartelle verteuern ihm die Preise. Welch ein Bild der Zukunft! Die Massen des Fleischkonsums beraubt, auf Kartoffelnahrung reduziert, gehalten wie chinesische Kulis. Dahin zielt die bereinigte Wirk- samkeit von Großagrarismus und Großkapitalismus I" Anknüpfend an das Beispiel des englischen Volkes, das in zwei Wahlen die Wucherzölle abgewehrt und der Macht der Grund- Herren Schranken gesetzt hat; an die Erhebung des arbeitenden Volkes, die sich in der ganzen Welt vollzieht unter dem Banner dcS Sozialismus wider Kapitalismus und Agraris- mus, wird das Volk aufgerufen, wie es das Wahlrecht errungen hat, auch weiterzuarbeiten im Kampfe für Arbeit und Brot, auf dem Wege zum Sozialismus: durch Massenversammlungen und Kund- gcbungcn aller Organisationen die Tätigkeit der Vertreter im Parlament zu unterstützen. Selglen. Gegen die Teuerung. Brüssel, 6. September. In der belgischen Hauptstadt fand beute mittag eine große Kundgebung gegen die Lebens niittelteuerung statt. Zahlreiche Haus f r a u e n und mehrere hundert Schlächter waren aus der Provinz in Brüssel eingetroffen. Temonstrierend zogen die Unzufriedenen durch die Straßen, von der Regierung die Oeffnung der Grenzen zur freien Einfuhr von Schlachtvieh verlangend. Die Regierung wurde heftig ange griffen, schuld an der jetzigen Teuerung zu sein. Die Polizei zerstreute wiederholt die Demonstranten, die sich aber immer wieder sammelten und schließlich beschlossen, einen Gene ralaus stand der Schlächter im ganzen Lande zu inszenieren. Die Demonstranten werden versuchen, vor das Ministerium des Innern zu ziehen, und dort eine Audienz verlangen. Ein großes Gendarmerieaufgebot steht bereit, er forderlichenfalls einzugreifen. Auch in � vielen Pr o v i n z st ä d t e n erneuerten sich heute die Kundgebungen gegen die Lebensmittelteuerung. Zu ernsteren Zusammenstößen kam es in Mecheln. Kundgeber und Polizei gerieten dort zu sammen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. perNen. Eine entscheidende Niederlage des Schahs. Teheran, 6. September. Wenige Meilen von hier kam es gestern zu einer entscheidendenSchlacht. Die zu meist aus Turkomanen bestehenden Truppen S a r d a r A r s ch a d s wurden vollkommen überrascht. Die Sache des früheren. Schahs erlitt einen Schlag, von dem er sich wahrscheinlich nicht erholen wird. Dreihundert Mann, darunter Sardar Arschad, wurden gefangen genommen; vier feindliche Kanonen wurden erbeutet. Die Regierungs truppen machten auch sonst reiche Beute. Sardar Arschad, der verwundet ist. wird hingerichtet werden. Eue der Partei. Zum württembcrgischen Konflikt. Die Mitgliederversammlung des Sozialdemolrarischen Vereins Stuttgart, die von ca. 2000 Genossen besucht war, nahm am Dienstag Stellung zu den Vorgängen auf der LandcSvcrsamiulung. Das Referat hatte W e st m eher. Er betonte, daß die Stuttgarter Parteigenossenschaft den Kampf um ihr gutes Recht nur in den Grenzen der für alle Parteigenossen gültigen Parteigesetze führen werde. Nach Westmeyer sprach Keil, dem die Versammlung die gleiche Redezeit wie dem Genossen Westmeyer zugebilligt hatte. Es beteiligten sich dann noch unter anderen Rednern auch der Genosse K rille an der Aussprache. DaS Resultat war: abgelehnt wurde folgende Resolution Keil: Die Parteiversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen der LandeSverfammIung einverstanden. Angenommen wurden mit großer Mehrheit unter mirnitcn- langem stürmischen Beifall der Versammlung folgende beide Resolutionen: Die heutige Parteiversammlung dankt den SS Delegierten für He energische Vertretung der wohlbegründeten und fachlich durch- aus gerechtfertigten Anträge der Stuttgarter Parteigenossenschaft. Sie spricht diesen Delegierten sowie jenen, die sich mit ihnen solidarisch erklärten, ihre Anerkennung aus. Die Versammlung beauftragt die Parteileitung, beim Parteivorstand und Parteitag dahin zu wirken, daß eine derartige Vergewaltigung der Stutt- garter Parteigenossenschaft in der Zukunft unmöglich ist. Die Parteileitung. Die zweite Resolution, die mit der gleichen Mehrheit an- genommen wurde, lautet: Die Parteiversammlung erklärt sich mit den 56 Delegierten einverstanden und mißbilligt die gewaltmäßige Unterdrückung der Stuttgarter Anträge. Die Versammlung spricht ferner den Stutt- garter Delegierten, welche gegen die Stuttgarter Anträge gestimmt haben, die schärfste Mißbilligung aus. Den Genossen Westmeyer und Krille spricht die Versammlung das vollste Vertrauen aus. Schumacher und Genossen. Dem Bericht unseres Pressebureaus entnehmen wir ferner noch folgendes: Ueber die Mstimmungsfrage entspann sich eine längere Geschäftsordnungs-Debatte. Ein Teil wünschte schriftliche Ab- stimmung, der andere Teil wollte per Akklamation abgestimmt haben. Die Versammlung geriet darüber in ziemliche Erregung, die durch die Abstimmungsergebnisse noch gesteigert wurde. Gegen den Widerspruch eines Teils der Versammlung wurde die Resolution Keil für abgelehnt, die beiden anderen Resolutionen, über die gemeinschaftlich abgestimmt wurde, für angenommen erklärt. Die Zentralisation der Bildungsiestrebungen in Thüringen kann nunmehr als perfekt bezeichnet werden. Eine Konferenz, die am Sonntag in Weimar stattfand, beschloß, einen Bezirks- bildungsausschuß zu schaffen. Als Vorort, der die Wahl des aus fünf Mitgliedern bestehenden Bezirksausschusses vorzunehmen hat, wurde Erfurt bestimmt. Alljährlich soll zur Aufstellung der Winterprogramme und zum Auslausch der gemachten Erfahrungen eine Konferenz der Kreisbildungsausschüsse' stattfinden. Alle.die Bildungsbestrebungen betreffenden Zuschriften sind, soweit sie die Thüringer Kleinstaaten und die preußischen Wahlkreise Erfurt- Schleusingen, Nvrdhaüsen und Muhkhäusen be- treffen, an die Zentralstelle in Erfurt zu schicken. Aus den Organisationen. Der Bezirksparteitag für Kurheffen hat am der- gangcnen Sonntag in Kassel stattgefunden. Aus den sechs an- geschlossenen Wahlkreisen waren 60 Delegierte anwesend, ferner die Reichstagskandidaten; der Parteivorstand entsandte als Vertreter de» Genossen Pfannkuch, der Bezirksvorstand von Frankfurt ließ sich durch den Genoffen Hüttmann vertreten. Kurhessen ist eins der- jenigen Gebiete, die«inen rein ländlichen Charakter zeigen und in denen sich infolge Fehlens fast jeder nennenswerten Industrie unsere Parteiorganisation nur mählich entwickelt. Trotz der größten Schwierigkeiten bei der Agitation— Zerrissenheit der Wahlkreise, Lokalmangel, Skrupellosigkeit der gegnerischen Parteien— war cS in der Berichtsperiode möglich, die Mitglieder- zahl von 3563 um 1232 auf 4798 zu steigern. Weibliche Mitglieder find nur 103 vorhanden; die Zahl der Parteimitgliedschaften hat sich von 55 auf 75 verstärkt.(Die Wahlkreise zählen insgesamt 1140 Orte!) An Zusammenkünften arrangierte die Partei 438 öffentliche und 1057 Mitgliederversammlungen, an 300 000 Flug- schriften gelangten zur Verbreitung. Auch der Einfluß der Sozial- demokratie in den Gemeinden ist erheblich größer geworden. Waren im Jahre 1903 nur 52 Genossen in kommunalen Vertretungen, so wurden neuerdings in 45 Landgemeinden 120 sozialdemokratische Gemeindevertreter, in vier Städten 14 Stadtverordnete ermittelt. Die Verhandlmigen des Bezirkstages verliefen angeregt und einmütig, doch waren sie außer dem Punkte„Die Reichstagswahlen" iReferent GrzefinSki- Kassel) mehr geschäftlicher Natur. Des- halb seien von den Beschlüssen nur die zwei wichtigsten erwähnt DaS seit den 90 er Jahre» als Ableger des.Volksblatteü" er- scheinende Wochenblatt„Der Wegweiser" soll mit dem 1. Oktober d. I. sein Erscheinen einstellen, da ein BedürftiiS für die Herausgabe nicht mehr besieht. Der Bezirksvorstand wurde angesichts der bevor- stehenden Reichstagswahlen von 5 auf 9 Mitglieder erweitert. Die Generalversammlung deS Wahlkreises Recklinghausen- Borken fand am Sonntag in Reckling hausen statt. Laut Geschäftsbericht betrug die Zahl der Mitglieder im laufenden Geschäftsjahr 2267, darunter 719 weibliche Mitglieder. Die Zunahme betrug in« Berichtsjahre 367. Die Einnahinen belaufen sich auf 10594,37 M., an Kasseubestand find 4016 M. vorhanden. Mitgliederversammlungen haben 137 statt gesunden, in denen 148 Borträge gehalten wurde««. Bei den Kommunalwahlen war eS möglich, in dein großen Jndustrieort Herten zivei Sitze zu erobern. Die starke Zunabme miserer Stimmen läßt für die Zukunft weitere Siege erhoffen.— Die Generalversainmlung beschloß die Anstellung eines Partei- s e k r e t ä r s. Ein Antrag, die Wahl des Sekretärs auszuschreiben. wurde abgelehnt. Als Delegierter zum Parteitag wurde Genosse Töneböhn gewählt._ potizeilicbea, OencbtUcbcs ukvp. jPrcjjprozesse. Genosse M a r k e w i tz von«.Volksblatt' in Mühlhausen (Thür.) wurde wegen Beleidig«»«» z u zwei Monaten Ge- fängnis verurteilt. Das«Volksblatt" hatte eine«kuriose Ge schichte" über eine junge Ehe erzählt, die der Kläger, der der sogenannten besseren Gesellschaft angehört, auf sich bezog. Das Gericht folgte dieser Annahme, obwohl die Notiz keinerlei nähere Angaben enthielt. Genosse Simon von der„Schwäbischen VolkSzeitung" in Augsburg erhielt wegen Beleidigung des Amtsrichters Einininger 14 Tage Gefängnis. Die Beleidigung ivurde geftuiden in einer Notiz, die sich mit den Prozessen beschäsiigte. die im Verlauf der Jmmeustadtcr Wahl zlvischen liberalen und Zeutrumsagitatorei« stattgefunden habe». Hierbei wurde das Verhalten des Amtsrichters Eniminger, der ZentrumSkandidat bei der Jm»«ei«stadter Wabl war, kritisierr. Emmiitger las daraus den Borlvurf der Parteilichkeit. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung durch die Verurteilung Siinons an. Soziales* Ein Aufsehen erregendes Urteil fällte vor kurzem das Haiaburger Gcwerbegericht unter dem Vor- sitz des Amtsrichters Tr. Lüdcrs. Es haiidelte sich um eine Kfage von 28 Bohren« der Vulkanwcrft gegen die Vulkanwerft. Die Kläger waren mit Strafen von 2 bis 4 M. belegt. Tie Strafgelder wurden ihnen bei der nächsten Lohtizahlung in Abzug gebracht. Sie klagten auf Rückerstattung der Strafgelder in Höhe von insgesamt 74,50 M. Die Strafen waren verhängt, weil die Kläger mit ihren Bohrmaschinen zu früh an Teck gekommen oder die Bohrmaschine überhaupt nicht an ihren Bestiinmungsort abgeliefert hatten, son- dern, als das Signal zum Aufhören der AiBeit ertönte, die Maschinen einfach da stehen ließen, wo sie waren. Die Firma er- klärte, die Arbeiter seien nach der Arbeitsordnung verpflichtet, nach Feierabend die Werkzeuge abzuliefern, ohne dafür eine Bezahlung verlange«» zu können� Ten Bohrern sei es erlaubt, fünf Minuten bor Schluß der Arbeitszeit von Bord des Schiffes zu gehen und das Werkzeug abzuliefern. Sie hätten aber 20 bis 25 Minuten zu früh zu arbeiten aufgehört. Tie ausgedehnte Beweisausnahme drehte sich wesentlich darum, ob es Usus gewesen sei, zehn Minuten oder frühestens fünf Minuten vor dem Pfeifen von Bord zu gehen, das den Schluß der Arbeitszeit verkündete. DaS Gericht nahm an, daß bei den gegenüberstehenden Zeugenaussagen über diesen MM Vicht erViesen sei, fegsj znehr als fünf. Minuten wr fees? Schlußsignal die Entfernung bon Bord gestattet war. Es nimmt aber am, daß, da von jedem' Schiff 50 bis. 100 Bohrmaschine« geholt werden««rußten, innerhalb fünf Milwken'die Abl-ieferuirg der Bohr- «naschinen nicht möglich gewesen sei. Für die Zeit, die mir dein Abliesern der Bohrmaschinen verloren? geht, sei Lohn-nicht zu zahlen, die unentgeltliche Ablieferung sei durch die Fabrikordnung vorgeschrieben, und deshalb seien die Strafen wegen Nichtabliefe- rung oder zu früzeitiger Ablieferung bezw. zu friihzeitigsn Fort? gchcns von Bord gerechtfertigt. Das Urteil wird von unserem Brudcrorgan, dem„Hamburger Echo", dem wir den Bericht entnehtnen, mit Recht als ein Fehl- urteil von weittragendster Bedeutung bezeichnet. Wir sehen davon ab, daß mehrere Bestiminungen der Fabrikordnung der Annahme des Gerichts entgegenstehen. Denn das Urteil ist auch aus einem anderen Grunde aufsehenerrege««d. In ihin wird der Grundsatz proklamiert, daß durch die Fabrikordnung eine unentgeltliche Ar- beitsleistung nach Schluß der Arbeitszeit verlangt und wegen Nicht- Verrichtung der Arbeit Strafe auferlegt werden könne. Wenn in der Tat die Fabrikordnung so, wie es das Gewerbegericht getan hah auszulegen wäre, so wäre eine solche Bestimmung— und das hat leider das Gewerbegericht übersehen— nicht rechtsverbindlich. Nach § 134b der Gewerbeordnung dürfen Strafbestimmungen, welche die guten Sitten verletzen, nicht in die Arbeitsordnung aufgenommen »verde». Nach beinahe konstanter Rechtsprechung der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte und nach der vom Reichsgericht ausnahmslos geübten Praxis sind Verträge oder Abreden in Verträgen als Verstöße gegen die guten Sitten zu erachten, wenn sie eine»« Miß- brauch der wirtschaftlichen Uebermacht des Arbeitgebers gegenüber dein Arbeiter enthalten. Ein solcher Mißbrauch liegt aber stets vor, wenn unentgeltliche Arbeitsleistung und gar Bestrafung mit Geld- strafe für den Fall vereinbart ist, daß die unentgeltliche Arbeit nicht geleistet wird. Der Klage hätte ferner auch deshalb stattgegeben werden müssen, weil nach§ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ein Abzug der Strafen vom Lohn'mizuläsfig avar.• Die Kündigungsfrist im Bühnenanstelluilgsvertrag. Ungleiche;-Kündigungsfristen z«lul«gunsten des■ Schauspielers kommen leider bei Abschluß der Bühnenverträge immer noch allzu? oft-vor. Ein solcher Vertrag, der dem Bühnemkünstler jahrelang eine Fessel auferlegt, während der Direktor den, Vertrag mit zwei- wöchiger Frist zu lösen berechtigt, sein soll, war auch Gegenstand einer Verhandlung vor der Brcslaiicr Ferienzivilkammer. Dort erhob die Soubrette Fräulein Bcrndsen gegen den Direktor des- Viktoria-Theatcrs, Henry Bender, Klage auf Feststellung, daß der mit Direktor B. geschlossene Vertrag noch bis Juli 1913 läuft. Ob- gleich die Vertragsdaucr auch bis dahin im Vertrage festgesetzt ist, kündigte Direktor Bender dennoch der Künstlerin am 15. August per 31. August d. I., und zwar stützt er sich auf eine Klausel des Vertrages, in der ihm das Recht vorbehalten sein soll, zum Ab- lauf des jeweiligen Vertragsjahres mit 14tägiger Frist zu kündigen. Das Vertragsjahr schließe El«de August. Jin Vertrage stehe zwar 31. Juli, doch das sei ein Schreibfehler. Der Vertreter der Klägerin führte aus, daß die Kündigungsklausel den guten Sitten wider- streite, da sie nur dem Bühnenleiter einseitig zustehe und somit die Mitglieder völlig in seine Hand gebe. Das Gericht gab auch der Klage statt und verurteilte Direktor B, antragsgemäß zur Auf- rcchterhaltung des Vertrages._ Mehr Arveiterschutz- Bei einem Gerüsteinsturz, der sich am Freitag auf der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack ereig»«ete,»vurden sechs Arbeiter schwer verletzt. Das zusammengebrochene Gerüst hatte eine Höhe von etwa 20 Metern. Die Werftarbeiter haben sich bereits in zwei Versammlungen mit diesen« schweren Unglücksfall beschäftigt und der Direktion verschiedene Forderungen unterbreitet. Es wurde scharf gerügt, daß zum Gerüstbau Hölzer verwendet wurden, die schon 9 Jahre lang allen Einflüssen der Witterung ausgesetzt waren. Die Gerüsttrümmer«vurden schnell hinweggeräumt, noch bevor die Polizei die Unglücksstelle besichtigt hatte. Die Arbeiter verlangen. jetzt in erster Linie die Anstellung von besoldeten Arbeiter-' kontrolleurcn, die für die Durchführung eines wirksamen Arbeiter- schutzes auf der Werft zu sorgen haben. Die Akkordarbeit im Gerüstbau soll abgeschafft und der Lohn der Stellagenbauer in angemessener Weise aufgebessert werden. Ferner verlangen die Arbeiter bei dem Stellagenbau die Verwendung guten Materials und Erhöhung der Akkordpreise, damit ein Uebcrhasten bei der Arbeit vermieden wird. Eine von den Arbeitern gewählte Koin- Mission, der auch der Geschäftsführer des deutschen Metallarbeiter- Verbandes als Mitglied angehört, soll solange in Wirksamkeit bleiben,' bis der Forderung der Arbeiterschaft nach Anstellmtg von besoldeten Arbeiterlontrolleuren Rechnung getragen ist. Gustav Hoch: ReichsverflcherungSordnung nebst Einftihrungs- gcsetz. Verlag Karl Giebel(Volkstümliche Zeitschrift für praktische Arbeiterversicherung). Preis biegsam gebunden 5 M. Das soeben erschienene Buch gibt auf 728 Seiten den Text der Reichsversicherungsordnung. Die Aenderungen und Neuerungen der R.V.O. sind durch Fettdruck hervorgehoben. Kurze Anmerkungen verdeutlichen die unzähligen Hinweise auf andere Paragraphen, durch die sich die R.V.O. besonders unvorteilhaft auszeichnet, erläutern die Fachausdrücke und geben iitöbesondere aus der Be- gründung und den KommissionSvcrhaiidlungen gefolgerte Aus- legungen. Ein ausführliches alphabetisches Sachregister ist dem Werk beigefügt. Die übersichtliche Anordnuitg bei der Textwiedergabe sichert der gewissenhaften Arbeit eine weite Verbreitung bei denjenigen, die mit der Anwendung des Gesetzes täglich zu tun haben._ Hus Indurtrie und FtendcU Sturmsignale. Nicht mit Unrecht wird die Börse als' der Markt des Geldes, ein Wirtschaftsbarometer genaiiiit. Momentan steht eS auf Sturin. Seit Monaten stiegen die Kurse aller Jndustriewerte. Die Aussicht auf erhöhte Dividenden gab den Anreiz dazu. Aus den enilegeusten Gegenden Deutschlands- holten die' Winkelbansiers und Buckelshops die Geldmittel. Der Rückschlag konnte nicht aus- bleiben. Angefangeu hat er mit dem Zusammenbruch einer Bucketshop-Bank. ES find dies die Institute, die zwar Kauf- und VerkaufSauflräge- von ihren Kunden annehmen, sie aber nicht auf der Börse auShühren. Ein Verlust des Kunden bedeutet Gewinn für das Uiiternehmen. Die Inhaber der Bankfirma G w i e t u. Ganz sind verHaftel Wörde««, eil« vereideter Makler der Berliner Börse hat sich, als seine Verbindlichkeiten ihn« über den Kopf wuchsen, er» schösse««. Dai«n packte es oie Börse grinidlich, die Kurse stürzten mn 15, 20 und 30 Prozent. Von allen Seilen kanten die Verkaufs- ordcrs der Privälspekulatioi«, die Banken gaben immer mehr Material auf den Markt, keiner wollte es aufnehmen, die allgemeine D e r o u t e war fertig- Da zurzeit alles auf Km-snickgäilge ein- gerichtet lvird, kam« sich leicht das Depressionsgefühl a««f das all- gemeine Wirtschaftsleben übertragen. Der st a r k e n Hausse in Roggen ist zwar wieder eine lle»ne Abschivächmig gefolgt, aber es muß doch wohl noch mit «veiteren Preistreibereien gerechnet werden. Wenn bis jetzt auch der höchste RoggenpreiS.«vie er vor etlichen Jahren möglich geworden war— 217 Mark pro Toinre— noch nicht wieder erreich: ist, die kürzlich erfolgten Preissteigerungen lassen die gleichen Aussickiten bc- ürchten, war doch die Tonne Roggen innerhalb ganz weniger Tage iin Preise von 138>/z Mark auf 200 Mark gestiegen! Die Forderungen, das Einfuhrschein s y-st-e m zu beseitigen. deit Einfuhrzoll aus Roggen aufzuheben— mind-esteiiS zeit« weilig— und die Frachttarife zu ermäßigen, ist eine dringende Forderung des Volkswohles. GcwerfefcbaftUcbea. Der englische Gewcrhlchaftohongreß. London, 4. September. Den heute in Newcastle-on-Thne zusammengetretenen 44. Jahreskongreß der englischen Trade Unions beherrschen hauptsächlich die großen Ereignisse der letzten Wochen und erwartet man wichtige Kundgebungen von dem englischen Arbeiterparlament. Aber die Organisationsweise solcher Kongresse bringt es mit sich, daß die Massenstreikbewegung nicht in regel- rechter Form wird besprochen werden können, denn nur solche Reso- lutionen können zur Besprechung gelangen, die spätestens vor zwölf Wochen eingereicht worden sind, und damals konnte noch niemand die stürmische EntWickelung der letzten Wochen voraussehen. Aber trotzdem wird sich ohne Zweifel Gelegenheit bieten, über die Fragen, die heute jedes Arbeiterherz in England bewegen, ausführlich zu reden. Eine der wichtigsten Kundgebungen der englischen Arbeiter- kongresse bildet stets die Eröffnungsrede des Präsidenten, worin dieser die wichtigsten Ereignisse des verflossenen Jahres Revue passieren läßt und Ausblicke in die Zukunft eröffnet. In dieser Rede, sowie im Bericht des Parlamentarischen Komitees, die beide den Delegierten in Druck vorgelegt und nach Abschnitten diskutiert, angenommen, abgelehnt oder abgeändert werden, wird selbstver- ständlich von der großen Streikbewegung, der Haltung der Regie- rung, der Verwendung der Polizei und des Militärs die Rede sein und in diesem Zusammenhange werden sich auch die Gefühle des Kongresses äußern können. Außerdem stehen auch eine Anzahl Resolutionen auf der Tagesordnung, die zum Teil schon frühere Kongresse beschäftigten; aber angesichts der veränderten Gesamt- läge besondere Bedeutung gewinnen und zu wichtigen Diskussionen Anlaß geben dürften. Es kommen hierbei hauptsächlich drei Punkte in Betracht. Da ist die so oft angenommene, aber jetzt so außer- ordentlich aktuelle Resolution, die die V e r st a a t l i ch u n g der Eisenbahnen fordert. Dann die bei den besonderen englischen Heeresverhältnissen nicht ganz leicht zu entscheidende Resolution, die die stehende Armee für eine dauernde Gefährdung der VoKsfreiheiten erklärt und eine demokratische Bürger- wehr ausschließlich zu Verteidigungszwecken fordert. Nach den Erfahrungen, die die Arbeiterschaft in den letzten Wochen mit dem Söldnerheer gemacht hat, dürfte diese Resolution jetzt zum erstenmal gründlich erörtert werden. Und schließlich kommen hier eine Reihe von Resolutionen in Betracht, die auf die einheitlichere Organisation der verschiedenen Schichten und Phasen der Arbeiterbewegung hin- wirken wollen durch die engere Beiordnung oder völlige Vereinigung der drei großen Zentralorganisationen der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung Großbritanniens, des Trade Union-Kongresses, des Allgemeinen Gewerkschastsverbandes und der Arbeiterpartei, die ja auch die sozialistischen Organisationen mit Ausnahme der S. D. P. in sich schließt. Die große Massen- streilbewegung hat ja so schlagende praktische Beweise für den un- vergleichlichen Wert des solidarischen Zusammenwirkens der ver- schiedenen Schichten der Arbeiterbewegung geliefert, daß man eine sehr gründliche und ersprießliche Besprechung dieser Resolutionen erwarten darf. Eine dieser Resolutionen, die von der Gewerkschaft der Kesselbauer und Eisen- und Stahlschiffsbauer eingebracht worden ist, die einen Plan zur Gründung einer einzigen großen Zentral- Organisation für die gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung Englands entwirft. Die neue Organisation soll Arbeiter- k o n g r e ß heißen und einen Verband von Gewerkschaften und sozialistischen Organisationen darstellen und sich die folgenden Auf- gaben stellen: 4. über alle die Arbeiter berührende Gesetzgebung wachen; 2. eine politische Arbeiterpartei im Parlament zu organisieren und aufrechtzuerhalten und 3. einen gemeinsamen Unterstützungsfonds zu gründen. Daneben liegen noch viele andere Resolutionen, wie über den A ch t st u n d e n t a g, den gesetzlichen Minimallohn usw. ivor, die zwar nicht direkt mit der Streikbewegung zusammenhängen, aber unter dem Eindruck derselben mit größerer Lebhaftigkeit dis- kutiert werden dürften. Andere sehr wichtige Resolutionen beziehen sich auf den Arbeiterversicherungsentwurf und die neue Osborne-Vorlage der Regierung. Auf dem Kongreß werden mehr organisierte Arbeiter vertreten sein als auf dem vorjährigen Sheffielder Kongreß, obschon die Organisation der Zimmerleute und Tischler, die 60 000 Mitglieder zählt, dem Beispiel der großen Gewerkschaft der Mechaniker und Maschinenbauer gefolgt und aus dem Trade-Union-Kongreß mit der Begründung ausgeschieden ist, daß die Arbeiterpartei als Zentralorganisation genüge und die Abhaltung von zwei Zentral- kongressen Geld- und Kräfteverschwendung sei. Der Zuwachs ist auf das gewaltige Anwachsen der Mitgliederzahl vieler Gewerk- schaften zurückzuführen. Wäre die auf dem Kongreß vertretene Mitgliederzahl nicht schon vor einigen Monaten, sondern erst jetzt festgestellt worden, dann würde ganz sicher ein noch um viele Tausende größerer Mitgliedcrzuwachs zu verzeichnen gewesen sein. Die Funktionen des Kongresses haben wche hier üblich bereits gestern mit der Sonntagspredigt eines arbeiterfreundlichen Geist- lichen begonnen. Der Prediger war diesmal der Rektor einer Oxforder Kirche und Lehrer der Nationalökonomie an der Univer- sität Oxford A. I. C a r l h l e, und seine Ausführungen haben einiges Aufsehen erregt. Er untersuchte die Ursachen der gegen- wältigen Streikbewegung, die die ganze Gesellschaft aus den Angeln zu heben drohte. Er fand sie in den Interessen- und Klassen- gegensätzen, die unsere Gesellschaft durchwühlen. Schon vor vielen Jahrzehnten, sagte er, haben uns ernste Denker gesagt, daß die Grundlagen unserer Gesellschaft unsicher seien und daß wir inmitten eines gefährlichen und verhängnisvollen Klassenkampfes leben. Robert Owen, Karl Marx, Carlyle, Ruskin, Maurice haben uns alle gelehrt, daß man kein dauerndes politisches Gebäude errichten könne auf der Grundlage wirtschaftlicher Anarchie, sozialer Des- Organisation und Regierung durch Gewalt, sondern daß wir eine Wirtschaftsordnung begründen müßten, die mehr im Einklänge steht mit den Geboten der Moral und der Gerechtigkeit. Er ging dann auf die Geschichte der modernen Gewerkschaftsbewegung und deren Entstehen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ein. Die Gründung dieser Gewerkschaften, sagt er, war die größte Leistung des sozialen und politischen Genies unserer Rasse im letzten Jahrhundert. Die Behauptung, daß die Gewerkschaften die Ursache der sozialen Un- ruhen seien, sei Unsinn. Vor der Acra der Gewerkschaften waren die sozialen Konflikte noch häufiger und blutiger. Die Macht der Gewerkschaften sei groß, aber durch die Solidarität werde sie noch viel größer werden. Der Kampf der Gewerkschaften mit den Untcrnehmerverbänden bedeute zwar den Wirtschaft- lichen Krieg. Aber dies sei nicht das letzte Wort unserer EntWickelung. DerWegausdem Chaoswirdgefunden werden in der vollständigen Kontrolle aller industriellen and wirtschaftlichen Vorgänge durch die Gesamtheit des Volkes. Eine andere Rettung gebe es nicht.... Das ist doch etwas anderes, als was man von deutschen Psaffen und«Kathedersozialisten" zu hören bekommt. Berlin und Umgegend. Zum Streik der Berliner Parkettbodenleger. Die Berufsvereine der Parkettgeschäfte haben an die Unter- nehmer dieser Branche in Deutschland einen„streng vertraulichen" Aufruf erlassen, in dem vornehmlich der Klingelbeutel geschwungen wird. Die Berliner Unternehmer müssen in ziemlichem finanziellem Druck sein, den sie in bekannter Unternehmerart durch nachhaltigen Terrorismus gegen die Arbeiter wettzumachen suchen. In dem streng vertraulichen Schriftstück heißt es unter anderem: ... wir können aber nur dann ausharren und den schweren Kampf zu unsern Gunsten nur dann bestehen, wenn wir: 1. der Unterstützung aller Fabrikbetriebe sicher sind und bleiben, 2. die allernötigsten Arbeitskräfte durch Heranziehung arbeits- williger Leute bekommen. Wir müssen deshalb unorganisierte Leute heranbilden und außerden, ausländische Arbeiter heranholen, um nicht fortwährend der Willkür und Brutalität unserer Arbeiter ausgesetzt zu sein. Wir hätten sicher den festen und den besten Willen, diese Eni- schlüsse durchzuführen, aber eS gehört hierzu auch das entsprechende Geld. Wir hoffen auch zur Aufbringung des letzteren der Opfer- Willigkeit der gesamten Parkettindustrie sicher zu sein. Bedenken Sie die weittragende Bedeutung unseres Vorhabens, das Joch der Parkettleger abzuschütteln! In ganz Deutschland würde man die Wohltat empfinden, endlich Herr im eigenen Betriebe zu sein, sobald wir unabhängig von der Organisation der Parkettleger sind. Unsere Bitte ist in Anbetracht dessen bescheiden, wir wollen nur einen kleinen Beitrag zu den enormen Kosten unserer Prospekte! Zeichnen auch Sie in der anliegenden Liste einen Ihnen angemessen erscheinenden Beitrag. Dank im voraus! Sehr ergebenst! Berufsverein der Berliner Parkettgeschäfte E. V. Der Vorstand. A. Meyer. Der Bcrufsverein deutscher Parkettfabrikanten bittet seine ver- ehrlichen Mitglieder, die Berliner Parkettfirmen zu unterstützen. Der Geschäftsführer: gez. Groskopf. Das„Joch der Parkettleger" würde mit einem Male ab- geschüttelt, wenn die Unternehmer die geringen Forderungen der Arbeiter bewilligten. Deuvfcbes Reich. Zehn Jahre gewerkschaftlicher EntWickelung in Frankfurt a. M. Am letzten Sonntag feierte die Frankfurter Arbeiterschaft das zehnjährige Bestehen des Gewerkschastshauses. Ende August 1S01 wurde das mächtige Geschäftshaus, das rund 600 000 M. kostete, eingeweiht. Das erste eigene Heim der Frankfurter Arbeiterschaft wurde ja zwar schon vier Jahre früher eröffnet. Bei dem steten Wachsen der Gewerkschaftsbewegung genügten aber die Räumlich- leiten dieses Hauses„Erlanger Hof" bald nicht mehr und mußte dieses Heim 1901 dem Gewcrlschaftshaus weichen. Aber auch das Gewerkschastshaus konnte bald nicht mehr alle Bureaus der Verbände ausnehmen. Im Juli 1906 schritt man zum Ankauf eines großen Nebengebäudes, das nebst Umbau eine Aufwendung von 300 000 M. verursachte. Im Oktober 1909 wurde ein weiteres sich anschließende Haus zu dem Preise von 170000 M. erworben. DaS gesamte GewerkschaftshauS umfaßt nun einen Flächenraum von 17 160 Quadratmeter, wovon 1064 Quadratmeter bebaut sind. Die Gebäude haben einen Buchwert von 1064 000 M. In wirtschaftlicher Beziehung schloß das GewerkschaftshauS in dem ersten halben Jahrzehnt seines Bestehens ganz günstig mit einem erheblichen Ueberschuß ab. Unter der eminenten Lebens- mittelverteuerung in den letzten Jahren hatte es aber sehr stark zu leiden. Der Gesamtumsatz schwankte in all' den Jahren zwischen 230 000 M. und 277 000 M. jährlich. Der Umsatz an Speisen stieg stetig, wenn auch langsam. Im Jahre 1902 betrug er 104 000 M., 1910 139 000 M. Trotz dieser Zunahme des Konsums von Lebensmitteln ging der Bierverbranch wie überhaupt der Konsum sämtlicher alkoholischer Getränke zurück. Dies für die Arbeiterschaft erfreuliche'Zeichen hat seine Ursache keineswegs nur in der Abstinenzbewegung, sondern in der gewerkschaftlichen Erziehung. Die Gewerkschastshäuser, die auf der Grund- läge des Konsums von alkoholischen Getränken aufgebaut sind, müsse» naturgemäß unter diesem Rückgang leiden. Beim Frankfurter Gewerkschaftshause fiel der Ueberschuß, der 1903 13 795 M. betrug, auf 544 M. 1907 und auf 70 M. im Jahre 1910. Der Rückgang des Ueberschusses ist also ganz enorm. Die ständige Vergrößerung des Gewerkschaftshauses zeigt das starke Wachsen der Gewerkschaftsbewegung. Bei der Eröffnung des Gewerkschaftshauses zählten die Frankfurter Gewerkschaften rund 8500 Mitglieder, Ende 1903 waren es schon 12 768, 1906 32 566 und am Ende des vorigen Jahres konnten 38 279 gewerkschaftlich organi- sierte Arbeiter gemustert werden. Bei der Einweihung des Gewerk- schaftshauseS bezogen 4 Verbände eigene Bureaus. Heute ist daS vergrößerte GewerkschaftshauS ein großes Verwaltungsgebäude. Bureau reiht sich an Bureau, in 57 Bureauräumlichkeitcn arbeiten über 60 Gewerkschafts- und Parteiangestellte für 25 Organisationen. Gewaltig sind die Summen, die die Frankfurter Gewerkschaften in den letzten 10 Jahren an Unterstützungen ausgegeben haben. Besonders hoch ist die Krankenunterslützung, für die beinahe 1 Million Mark aufgewendet wurde. Nämlich 133 087 M. in den Jahren 1901—1905 und 798 204 M. von 1906—1910. Die Arbeits- losenunterstiitzung verschlang etwas über eine halbe Million Mark. Von 1901-1905 118 927 M. und von 1906—1910 450 870 M. An Unterstützung für Streikende wurden über 950 000 M. verausgabt; von 1901-1905 199 218 M. und von 1906-1910 756 347 M. Wie- viel Not und Entbehrungen durch diese Summen gelindert und wie- viel Lasten durch d'iese Unterstützungen der Kommune abgenommen wurden I Auf die Früchte der gewerkschaftlichen Tätigkeit im letzten Jahr- zehnt kann die Frankfurter Arbeilerschaft mit Genugtuung blicken. Von 8000 auf 38 000 Mitglieder— das ist ein sehr schöner Auf- schwang! Möge die wcilere EntWickelung ein noch rapideres Enssior« schnellen der Mitgliederzahl bringen! Die Spulcrinuen der Firma S a l z m a n n u. Co. in Ein- b e ck stehen seit Sonnabend, dem 2. September, in Kündigung. Schon seit einigen Wochen standen die Arbeiterinnen mit den Firnien- Vertretern über die Abschaffung einer Reihe von Mißständen in Unterhandlung, denen aber zum Teil mit Ironie begegnet wurde und die zu keinem positiven Ergebnis führte. Tie Löhne für Spulerinnen schwanken zwischen 6 und 11 M. pro Woche. Bei 22 Spulerinnen betrug der Durchschnittslohn während der letzten vier Wochen 9,41 M. Die Spulerinnen beschlossen deshalb, in eine Lohnbewegung zu treten und unterbreiteten der Firma ihre Foide- rungen, die eine Lohnerhöhung von 10 bis 20 Proz. vorsahen. Die gesamte Lohnerhöbung würde bei zirka 30 Spulerinnen der Firma etwa 40 M. die Wocbe gekostet haben. Anstalt daß nun die Firma der gedrückten Lage ihrer Arbeiterinnen Verständnis entgegengebracht hätte, antwortet sie, nach ihrer bekannren Methode,� wieder mit Maß- regelungen. Die Firma wird versuchen, von auswärts Arbeiterinnen heranzuziehen. Darum muß der Zuzug ferngehalten werden. Der wahre Wert des christliche» Terrorisn«nsgeschrcis. Im Frühjahr dieses Jahres lief durch einen großen Teil der bürgerlichen Presse ein Bericht über eine christliche Metallarbeiter- Versammlung in Düsseldorf, welche gegen den vom„sozialdemokra- tischen" Metallarbeiterverband angeblich geübten Terronsmus protestiert hatte. Der Bericht war mit der üblichen Aufmachung ver- sehen und in der betreffenden Versammlung, sowie in den Ein- ladungen zu derselben zog man in schwerer Weise vom Leder gegen die angebliche Brotlosmachung armer christlicher Familienväter.„Rot oder kein Brot", das sei die Parole, wel�e die Sozialdemokraten ausgc- geben hätten. Wenn man solche Töne anschlägt, verlangt die Welt Be- weise und man tut auch so, als wenn man solche anführen wolle. In der Hauptsache handelt es sich allerdings nur um emen „Fall", welcher bei der Firma de Fries u. Co. vorgekommen sein sollte. Ein christlicher Former habe dort angefangen, aber die im sozialdemokrattschen Metallarbeiterverband organisierten Former hätten ihm die gegenseitige Hilfe verweigert und so hätte denn der Mann als Opfer seiner Ueberzeugung das Feld räume» müssen, die Sozialdemokraten hätten ihn brotlos gemacht. Seitens des Metallarbeiterverbandes wurde dieser Fall unter- sucht und festgestellt, daß derselbe in seinem ganzen Umfange auf Unwahrheit beruht. Der betreffende christliche Former hatte einen neben ihm liegenden Kollegen aufgefordert, ihm anfassen zu Helsen, worauf dieser erwidert habe, er habe keine Zeit. Einige Zeit später hatte dann der Mann seine Entlassung genommen und dabei erklärt, die Arbeit passe ihm nichtl Er wnr� dann zum christlichen VerbandSburcau gegangen und hatte erklärt, daß man ihm nicht geholfen habe, weil er christlich organisiert war. Gewissenhafte Leute untersuchen nun so etwas, ehe sie in Versammlungen. Flügblättern sowie in der Presse darüber einen großen Brei machen, und andere Leute beschimpfen. Aber das machen die Christen anders. Wenn man ihnen einen Fall mitteilt, dann stürzen sie mit Wonne über ihn her; sie untersuchen ihn nicht, weil sich dabei herausstellen könnte, daß sich die Sache anders verhält. In diesem Fall untersuchte nun der Metallarbeiterverband die Angelegenheit und stellte� fest,� daß gerade die freiorganisierten Former dem Christlichen geholfen hätten. Er stellte weiter fest, daß der Former, der mit den Worten:„Ich habe keine Zeit" die gegenseitige Hilfe abgelehnt hatte, ein U ns- organisierter war und seiner Gesinnung gemäß zu den Chri st lichen gehörte. Auch nicht ein Jota der mit großem Geschrei erhobenen Beschuldigungen beruhte auf Wahrheit. Um nun den Christen Gelegenheit zu geben, ihre Fälle zu be- weisen, strengten diejenigen Former der Firma de Fries u. Co., welche direkt»m den entlassenen Christlichen ihre Arbeitsplätze hatten, gegen Herrn L e u p k e, den Beamten des christlichen Ver- bandes, welcher in Versammlungen und Flugblättern die Behaup- tungen aufgestellt hatte, die Beleidigungsklage an. Aber siehe da. Herr Leupke nahm nicht etwa die schöne Ge« legenheit wahr, den bösen Terrorismus am Gericht zu beweisen, sondern er kniff. Er ging der Klage durch allerlei juristische Kniffe auS dein Wege. Er habe nicht die Former beleidigen wollen, die er gar nicht kenne. Nur das System habe er kennzeichnen wollen. Da ihm jede Absicht, die betr. Former zu beleidigen, gefehlt hätte, habe die Klage keine Berechtigung. DaS Gericht schloß sich diesen Gründen an und die Klage kommt nicht zur Verhandlung. Wenn das auch an und für sich schade ist, so kann aber auch dieser Ausgang der Sache befriedigen. Es steht fest, Herr Leupke hat nicht den Mut, den Beweis für seine Behauptungen anzutreten, weil er sich wohl mittlerweile überzeugt hatte, daß sie unwahr sind. Er wird sie aber wahrscheinlich auch nicht zurücknehmen, denn das widerspräche den gewerischastSchristlichen Gepflogenheiten. Streik der Speditionsarbeiter in Nürnberg und Fürth. Seit dem 1. September befinden sich die Kutscher und Arbeiter in den Speditionsbetrieben in Fürth, und seit dem 4. September in Nürnberg im Ausstand. Die Lohnvcrhältnisse sind mit Wochenlöhnen von 20— 22 M. in Fürth und 23—25 M. in Nürnberg, bei einer 80- und mehrstündigen Arbeitszeit pro Woche, den teuren Lebensverhält- nisten dieser Städte nicht mehr entsprechend, so daß auch die an- gebotene Lohnerhöhung der Unternehmer von 2 M. pro Woche den Arbeitern zu gering erschien und die in Betracht kommenden 450 Speditionsarbeiier gegen einige wenige Stimmen den Streik be- schlössen. Auch der Umstand, daß sich ein großer Teil der Unter- nehmer wie bisher weigert, den allgemeinen Tarifvertrag für das Speditionsgewerbe anzuerkennen und zu unterzeichnen, war mit die Ursache der Arbeitseinstellung. Verhandlungen, die vor dem Einigungsamt gepflogen ivurden, verliefen resultatlos, da die tarif- unireuen Unternehmer sich weigern, zu den Verhandlungen zu er- scheinen.— Zuzug ist streng fernzuhalten. ZZusland. Achtung, Marmorarbciter! Wie die amerikanische Organisation der Marmorarbeiter dem internationalen Gewerkschaftssekretariat telegraphisch mitteilt, ist ein großer Streik der Marmorarbciter im Staate New D o r k aus- gebrochen. Die Streikenden verlangen eine Lohnerhöhung, die Unter- nehmer hoffen ans Zuzug von Arbeitswilligen aus Europa. Ihren Agenten werden die deutschen Arbeiter daher die Tür weisen, damit jeder Zuzug ferngehalten bleibt. Letzte Nadwichtcn. Vier Personen an Pilzvergiftungen gestorben. Cernowitz, 6. September.(Pr. C.). In einer bena'ch- karten Gemeinde sind acht Personen nach dem Genuß von Schwämmen unter Vergiftungserscheinuiigcn erkrankt. Vier von ihnen sind bereits gestorben. Neue Cholcracrkrankungem Wien, 6. September.(W. T. B.) Der heute aus Budapest gemeldete Fall von Cholera bei der Frau eines Steuermannes ist in Wien, festgestellt worden, wo die Frau auf einem Schlepper aus Budapest eingetroffen war. Bei einem Kinde der Er- krankten ist heute abend gleichfalls Cholera festgestellt worden. Budapest, 6. September.(B. H.) Bei den bisher isolierten Arbeitern der Leinerschen Fabrik in N e u- P e st wurden bei dreizehn choleravcrdächtige Bazillen konstatiert. Sie wurden in das Cholcraspital gebracht. In Budapest sind zwei Neuerkran-, langen festgestellt, bisher elf Erkrankungen mit fünf Todesfällen konstatiert worden. Saloniki, 6. September.(W. T. B.) Auf den Truppen- schiffen, die sich bei Klazomenaa in Quarantäne befinden, wurden mehrere Cholcrafälle festgestellt. Aus Uesküb werden 55 Fälle gemeldet, von denen 27 tödlich verliefen, aus M o n a st i r 47, darunter 32 tödlich, aus Berat acht, O chri da drei, G u m a n d j e vier, und aus Prizrcnd zwei Todesfälle.— In Kriwolak entwichen 46 Personen der Quarantäne, �.lafseniirteile in Frankreich. Paris, 6.Septs"(W.T.B.) Ter Leiter der„G u e rr e Sociale" A u r o Y wurde bor dem Geschworenengericht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wegen eines Artikels, der das Andenken an den Oberst Moll verunglimpfte. A u r o y wurde ferner zu acht Monaten, der antimilitaristische Agitator Herve zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wegen einer in der„Guerre Sociale" ver- öffentlichten Apologie von Taten, die als Morde angesehen wer- den müßten. A u r o y und Herve wurden endlich zu einem und der Zeichner L a y zu zwei Monaten Gefängnis wegen Belcidi- gung der Armee verurteilt._ HaulSinger& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«. Nnterhaltungsbl. verantw. Rcdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Th.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag-BorwärtsBuchdr.u. Lerlagsanstalt Nr. 209. 28. Jahrgang. 1. Kilage des.Fmiirls" Dnüm NxlkMM Donnerstag. 7. Zeptember l91t. Sie Stadtverordnetenwaiaen In Berlin Jrcr&en im Herbst dieses Jahres von der dritten Wählerklasse zum erstenmal auf Grund der endlich zustandegekommenen neuen Wahlbezirks-Eint eilung vollzogen. Gemildert wird durch die�Neucinteilung die Ungleichheit der Wahlbezirke, die von Jahr zu Jahr schlimmer geworden war und für die Arbeiterbevölke- aung der dichtbcwohnten Austenviertel Berlins eine zunehmend- Bc- «inträchtigung ihres Einflusses auf die Zusammensetzung des Stadt- Parlaments bedeutete. Bei den Diesjährigen Wahlen sowie auch noch bei den in zwei And in vier Jahren zu vollziehenden wird im Zusammenhang mit der Neueinteilung der Wahlbezirke ein U e b e r g a ng s z u sta n d bemerkbar werden, der aus einer Besonderheit des in Berlin noch 'nuner festgehaltenen Grundsatzes für die Einteilung der Wahl- bezirke dritter Klasse sich erklärt. Der Berliner Stadtfreisinn hat sich bisher nicht davon abbringen lassen, dast für die Kommunal- tvahlen die gesamte Wählerschaft dritter Klasse auf 48 Wahlbezirke verteilt werden müsse, während aus der zweiten und der ersten Klasse nur je 16 Wahlbezirke gemacht werden. Da bei einer Ge- samtzahl von 144 Stadtverordneten jede Wählerklasse 48 Stadtver- ordnetenmandatc zu vergeben hat, so kommen in der ersten und der zweiten Klasse auf jeden Wahlbezirk drei Stadtverordnete, in der dritten Klage aber auf jeden Wahlbezirk ein Stadtverordneter. Bei den alle zwei Jahre wiederkehrenden Stadtvcrordnetenwahlen ver- gibt jede der drei Wählcrklassen jedesmal ein Drittel ihrer Man- date neu auf sechs Jahre, es wählen daher alle zwei Jahre in der ersten Klasse sämtliche 16 Bezirke je einen Stadtverordneten und ebenso in der zweiten Klasse, in der dritten Klasse dagegen wählen je einen Stadtverordneten immer nur 16 von ihren 48 Be- zirken, so daß hier jeder Bezirk nur alle sechs Jahre einmal an der Wahl teilnimmt. Im Jahre 1911 mühten in der dritten Klasse die Wähler derjenigen 16 Wahlbezirke zu einer Neu- Wahl schreiten, in denen vor sechs Jahren gewählt wurde. Nun hat aber die jetzige Neueinteilung der Wahlbezirke zu einer all- gemeinen Verschiebung der bisherigen Wahl- bezirksgrenzen geführt, wobei die früheren Wahlbezirke zer- stückelt worden und die auseinandergerisscncn Deile in anderer Gruppierung zu neuen Wahlbezirken zusammengesetzt worden sind. Welch cneuen Wahlbezirke sollen da in die Rechte -der früheren eintreten? Sehr viele der neuen Wahlbc- zirke, 28 von 48, haben in der Weise abgegrenzt werden müssen, dast in ihnen Teile aus früheren Wahlbezirken zusammcngefastt wurden, die gar nicht in denselben Wahljahren zur Wahl berufen waren. So sind Wahlbezirke entstanden aus Bruchstücken früherer Wahlbezirke, die zum letztenmal teils 1995, teils 1997 mitwählten, andere aus Bruchstücken, deren letztes Wahljahr teils 1997, teils *999 war, noch andere aus solchen, in denen die letzten Wahlen Irils 1995, teils 1997, teils 1999 vollzogen wurden. Wann kann für diese so. zusammengesetzten Wahlbezirke die sechsjährige Wahl- Periode als abgelaufen gelten? Hierüber ist bei der Wahlbezirks-Reueintcilung bestimmt wor- den, dast die Dauer der Mandate der den Wahlbczir- Jen zugeteilt en Stadtverordneten mastgeben d sein soll. Jeder Stadtverordnete bleibt in seinem Amt bis zum Ablauf der Zeit, für die er gewählt worden ist. Ist sie abgelaufen, so hat für den neuen Wahlbezirk, dem er zugeteilt wurde, auch die Wahlperiode ihr Ende erreicht. Dabei kann nicht danach gefragt werden, ob die einzelnen Teile, aus denen der neue Wahlbezirk zu- sammengcsctzt worden ist, unter der alten Bezirkseinteilung zum letztenmal vor sechs Jahren gewählt haben oder vier oder zwei Jahren oder andererseits vor acht oder zehn Jahren. So besteht z. B. der im Jahre 1911 wählende neue Bezirk 2 aus Teilen, die 1995, und solchen, die erst 1999 gewählt haben, oder z. B. der erst im Jahre 1913 wählende neue Bezirk 16 aus Teilen, die zum letzten- mal 1995, aus solchen, die 1997, und solchen, die 1999 gewählt haben, oder z. V. der erst im Jahre 1915 wählende neue Bezirk 6 gleichfalls aus Teilen, die zum letztenmal schon 1995, aus solchen, die 1907, und solchen, die 1999 gewählt haben. Dieser Uebelstand endet mit Schlutz der bis 1915 dauernden Uebergangszcit, aber er mutz bei jeder späteren Neueinteilung sich wiederholen. Unmöglich wäre es, wenn die dritte Klasse statt in 48 in 16 Wahlbezirke ein- geteilt wäre, so daß alle zwei Jahre die gesamte Wählerschaft dritter Klasse zur Wahl berufen werden könnte. Ein anderer Uebelstand, der schwerer zu vermeiden ist, hat sich bei der Vertei- lung der Stadtverordneten auf die neu abgegrenzten Wahlbezirke kleines fcuillcton. Der Theaterkritikcr. Im Restaurant von Bellmann abends um elf Uhr. Also zu der Zeit, wo es am schlimmsten zugeht. Um jeden. Tisch sitzen zehn Mann und lärmen durcheinander, und die Kellner bringen immer neue Portionen herbei. Gustav, der Oberkellner, setzt ein großes Tablett mit sechzehn vollen Tellern auf den Serviertisch nieder.„Hol' es der Henker!" sagt er. Und dabei läuft ihm der Schweiß von der Stirn herunter und fällt Tropfen nach Tropfen in jene Portion Hammelniercn, die sogleich von der Frau Gcrichtsrat Beyer mit großem Behagen und mit einer gewissen Kennermiene verspeist werden wird. Da betritt der große Theaterkritikcr Ernst Mancke das Lokal und geht zu dem Stammtisch, der gebührenderweise, lecrgcbliebcn ist. Er zieht den Paletot aus und sagt zu dem Kellner:„Vorläufig bestelle ich noch nichts; mein Bote wartet am Büfett; ich schreibe ihm noch ein paar Worte." Ter Kritiker Mancke hat soeben im Theater ein neues Stück von Maeterlinck gesehen und gedenkt jetzt hier im Restaurant einen kurzen Vorbericht für seine Zeitung zu verfassen. So setzt er sich an den Stammtisch und schreibt folgendes: „Gestern im Deutschen Theater Pellcas und Melisandc. Was soll man sagen? Was soll man sagen, Freunde und Gefährten? Nichts soll man sagen nach solchem künstlerischen Erlebnis. Stumm und erschauernd soll man hinausgehen, über Blütenwiesen wandeln und den feinen Tust der Tulpen einatmen. Und soll Gott aus vollem Herzen danken, daß uns diese Gnade und Gloria wurde, und diese schimmernde Magie. Morgen schreibe ich noch etwas mehr. Jetzt drängt es mich hinaus in die Nacht unter des Sternenhimmels hehren Tom. Jetzt weist ich nur einen Rat: schluchzen, schluchzen, schluchzen." Ter Theaterkritikcr tut diesen Bericht in ein Kuvert und schickt ihn seinem Boten hinaus. Tann winkt er den Kellner herbei und sagt ihm:„So, Oberkellner, jetzt bringen Sic mir einmal Pökelkamm mit Sauerkrau t." Victor Auburtin(int„Simplizissimus"). Eine„Eichcnholzwine" ist im Süden Rußlands in einem Fluß- bett aufgefunden worden. In geringer Tiefe über eine Fläche� von etiua 200 Ouadratkilometer lag ein großer Eickenwald versenkt. Man hat bereits Stämme von 40—59 Meter Länge und über '/., Meter Durchmesser zutage gefördert und dabei die überraschende Entdeckung ger-acht, daß das Holz auherordentlicki verschieden- artige Tönungen aufweist, vom tiefen Braun über Blau und Gelb bis zum Hellrosa. DaS Eis der Behringstraße taut auf! Diese erstaunliche Nach- richt hat der„Bcard", ein Fahrzeug der Vereinigten Staaten, dieser Tage bei seiner Rückkehr in den Hasen von New Dork mitgebracht I Die außerordentliche Hitze dieses Sommers hat sich auch in den nördlichen Gewässern der Behringstraße, die sonst dick vereist sind, fühlbar gemacht und mit Staunen sah die Mannschaft des„Beard", Wie an Stelle der früheren Eismassen freies Fahrwasser vorhanden war. Ein anderes Fahrzeug der amerikanischen Negierung bestätigt fühlbar gemacht. Es war angestrebt worden, die Verteilung so auszuführen, daß jeder Stadtverordnete unter Berücksichtigung der Wahlperiode demjenigen der neuen Bezirke zugewiesen würde, der einen möglichst großen Teil von dem früheren Bezirk des betreffen- den Stadtverordneten enthält.' Das hat sich aber nicht immer machen lassen, und so sind manche Stadtverordnete völlig von ihrem früheren Wahlbezirk losge- rissen und in einen ganz anderen Stadtteil verschlagen worden. Welches Drittel der Wahlbezirk: dritter Klasse im Herbst 1911 zur Wahl berufen wird, das hängt, wie gesagt, von der Dauer der Mandate der ihnen zugewiesenen Stadtverordneten ab. Wir geben hier eine Liste der 16 Stadtverordneten, deren Mandate in diesem Jahr ablaufen, sowie der Wahlbezirke, in denen hiernach eine Wahl nötig wird, unter Berücksichtigung der Stadtbezirke, aus denen die neu abgegrenzten und übrigens auch neu numerierten Wahlbezirke zusammengesetzt sind. Stadt- Wahl- Stadtbezirke verordneter bezirk Stadtbezirke Giese 1 1-10. 210-217 Rettig 2 11-30, 118, 120 Menzel 3 31—42, 50—53, 56 A. Ullstein 5 55, 562—62 Tolksdorf 10 93—96, 110—1132 Zadel 13 114-117, 119, 121—126, 131—134 Rosenow 14 127-130, 135-144 Manasse 15 145-152, 154, 162, 163 Wille 21 1812, 199�.— F, 191 Heimann 23 189 D u. F, 1930DGH Sassenbach 24 192-1932, 1932 u. F, 194 A-C Hoffmann 25 182— 188, 195— 201 Koblenzer 28 237—241, 2422, 243 A— 245 Mars 35 26iA— 264, 276—278 Llrons 42 305, 308 A—E Hintze 46 307, 314A-317 Ten Hausbesitzern ist nach den Bestimmungen der Städteord- nung in jeder Wählerklasse die Hälfte aller Mandate reserviert. Damit in der dritten Klasse die Hälfte wieder vollzählig wird, müssen diesmal nach dem Ergebnis der vorgenommenen Auslosung Hausbesitzer in den W a h l lne z i r k e n 1, 2, 3, 13, 21 gewählt werden. Unter den 48 Stadtverordneten der dritten Klasse sind nur noch 10 Freisinnige, gegenüber 38 Sozialdemokraten. Aber gerade in der Liste derjenigen 16 Wahlbezirke, die diesmal zu wählen haben, sehen wir noch 5, die durch einen Freisinnigen ver- treten sind: die jetzigen Wahlbezirke I, 2, 3, 5, 14. Die im No- veinber zu vollziehenden Stadtvcrordnetenwahlen müssen uns dem Ziel, wenigstens aus den Wahlbezirken dritter Klasse einmal den letzten Freisinns mann hinauszupeitschen, wieder um einen tüchtigen Schritt näher bringen. Alißkrordeutlillje Gentralvtrsammlullg des Nerbandes dtr'Zlgllmnsortlerkr und Kjsttubejiltbrr Deutschlands. Dresden, 5. September 1911. Zweiter Vcrhandlnngötag. Die Debatte über das Arnholdsche Referat setzte bereits am Montagnachmittag ein und wurde am Dienstag weiter geführt. Im lebhaften Für und Wider vertreten die Delegierten ihren zu- stimmenden oder ablehnenden Standpunkt mit einer Fülle von Argumenten. Die große Mehrheit tritt für die Verschmelzung ein. Zum kleinen Teil machen die Redner die Zustimmung von der U r- a b st i m m u n g abhängig. K u b e(Vertreter der Generalkommission) legt in längeren AuS- führunge» dar, aus welchen Gründen die Generalkommission zu der Bestimmung, daß doppelt organisierte Mitglieder iin Falle von Arbeitslosigkeit usw. nur bei einer Organisation Unterstützung erhalten sollen.(Die Angelegenheit war in der Debatte erörtert worden.) Der Redner legte dann seine Auffassung dar, die er persönlich als nicht direkt beteiligter Faktor aus den Debatten über die Verschmelzung gewonnen habe. Ihm scheinen die Gründe der Verschmelzungsfreunde doch viel schwerer als die der Gegner zu wiegen. UebrigenS habe auch von diesen keiner sich als grundsätzlicher Gegner bekannt. Ihm scheine daher die Frage spruchreis zu sein, und die noch Zaudernden mögen es sich doch gut überlegen, ob sie nicht in Rücksicht auf alle Verhältnisse und die Mehrheit der hier gehörten diese Nachricht vollauf. ES handelt sich um einen Kreuzer, der in den polaren Gewässern eine Reise von beinahe 10 009 Seeineilcn ausgeführt hat und überall außerordentlich starke EiSabschmelzungen festgestellt hat. Wie weit bis zum Pole sich die Wirkung des warmen SommerS erstreckt, weiß man natürlich nicht; jedenfalls wäre eS für Polarfahrer eine günstige Gelegenheit, die guten Eis- Verhältnisse zu einem nördlichen Vorstoß auszunutzen. Theater. Charlottenburger Schiller-Theater. Malier e- Abend: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Moliöres Posse vom eingebildeten Kranken ist trotz ihrer längst ver- alteten Satire gegen die Charlatancrien der damaligen Acrztezunft lebendiger geblieben als die anspruchsvollere Charakrerkomödie vom Geizigen. Die Zeichnung HarpagonS. des habsüchtigen Alten, für den es keinen anderen Genuß als die Vorstellung seiner vergrabenen Schätze, keine andere Sorge als die ewig zitternde Angst vor Dieben gibt, zeigt durchgängig epigrammatisch scharfe Zuspitzung, kommt aber in dieser ihrer Art über das bloß Typische zu keiner einzel- menschlichen Farbenabstusung, wie sie ein durch die Schule dcö Naturalismus hindurchgegangener Geschmack erwartet. Sein Geiz- hals ist ein Mustergeizhals; doch kein Mensch, der uns in seiner Leidenschaft durch ein persönliches Gepräge näher rücken und seelisches Interesse wecken könnte. Dazu kommt, daß die Handlung, die Moliere im Anschluß an eine Komödie des Plautns um die Gestalt herninspinnt, das Gewebe der Situationen, in denen er Harpagon sein Wesen erklären läßt, von äußerst primitivem, lockerem Gefüge ist. Der Eigensinn des Alten, ein armes Mädchen ohne Mitgift— eben die, um welche auch sein Sohn wirbt— zu heiraten, erscheint als etwas ganz Unmotiviertes, seiner sonstigen Pfennigsuchserei schnurstracks ZuividerlaufendcS, und ebenso wenig leuchtet die glückliche Lösung des erkünstelten Konflikts durch den Diebstahl der vergrabenen Kassette ein. Vielleicht, daß eine hervor- ragende Darstellung der Hauptrolle die Schwächen vergessen lassen würde. Aber Herr G e r b a r d, der in jugendlichen Helden Proben bedeutenden Talentes gab, brachte für den Alten keine besondere Kraft und Eigenfärbnug tntt.— In dem„Eingebildeten Kranken" waren einige Nebenrollen, so die des verliebten Töchterchens durch Helene A l in a und die der eleganten, intriganten Ehefrau durch Hedwig Pauli glücklich vertreten. indes es fehlte am Eni- scheidenden. Herr A l f r e d y als wehleidiger, tyrannischer Patient und Fanny Wolf in der Figur der munter schlagfertigen Toinette blieben dem feinsinnig- übermütigen Humor des Dichters vieles schuldig. DaS Publikum nahm beide Stücke mit lebhaftem Applaus auf. 61. Notizen. — Der„Pan" hat Glück. Nachdem ihn der preußische Staatsanwalt abermals unter Anklage gestellt hat. ist er nun auch auf allen bayerischen Bahnhöfen verboten worden. Herrn von Jagows Münchener Kollege ist so nett gewesen. — Haeckels„Welt rät sei' erscheinen als Taschen-. ausgäbe(gebunden 1 M.) in neuer Auflage; dann sind sie in 300 000 Exemplaren verbreitet, ungerechnet zahlreiche Uebersetzungen, Stimmen doch ihre Zustimmung zur Verschmelzung geben wollen. (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion ging heute noch nicht zu Ende. Sehr wirknngs- voll faßte D e i ch m a n n(Tabakarbeiterverband) noch einmal die großen Gesichtspunkte zusammen. Weiter versicherte er gegenüber den Befürchtungen, daß die Sortierer nach der Verschmelzung zurück- gedrängt werden, im Namen des Gesamtvorstandes des Tabakarbeiter- Verbandes, daß derselbe alles tun werde, um ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit den Sortiererkollegen zu ermöglichen. Es wurde gesündigt von den Tabakarbeitern an einzelnes Orten, aber gesündigt wurde manchmal auch recht kraß von den Sortierern. Ein Zusammenschluß sei die beste Möglichkeit, sich gegenseitig zu Ver« stehen und zu vertragen._ 6mcbts- Zeitung Ein ländliches Sittenbild, wie es scheußlicher kaum gedacht werden kann, wurde gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II aufgerollt. Aus der Untersuchungshaft wurde der 36jährige Lehrer Georg Arndt vorgeführt. um sich wegen schweren Sittlichkeitsverbrechens in 18 Fällen zu ver- antworten. Der Angeklagte, welcher verheiratet und Vater von fünf Kindern int Alter von 2 bis 9 Jahren ist, war seit dem Jahre 1994 in Gadsdorf bei Trebbin als Ge- meindeschullehrer angestellt. Schon in dem ersten Jahr seiner Tätigkeit tauchten allerlei dunkle Gerüchte über Arndt auf. Es hieß allgemein, dast der Angeklagte sich weit über das Mast des Erlaubten hinaus mit seinen Schülerinnen einlasse. Schließlich wurde es offenes Geheimnis, dast in der Wohnung des„Herrn Lehrers" die ivüstesten Orgien gefeiert wurden, an denen mehrere Schulmädchen teilnahmen. Trotz- dem wurde nicht das geringste gegen A. unternommen. Erst als sich bei einem der Schulmädchen Folgen einstellten, die eine Masseuse Riemer im Auftrage des Ait- geklagten in strafbarer Weise beseitigte, kam das schändliche Treiben zur Anzeige. Das betreffende Mädchen erkrankte und mußte dem Krankenhause zugeführt werden, wo es dann den ganzen Sachverhalt erzählte. Es stellte sich heraus, dast der Angeklagte sich mit 18 Schul- mädchen vergangen hatte und ferner auch noch, dast seine Ehe- frau, nach seiner eigenen Angabe, von dem verwerflichen Treiben ihres Mannes geivustt und es geduldet hatte. Wggen des Verbrechens gegen das keimende Leben schwebt zurzeit eine besondere Anklage gegen Arndt. Nur mit Rücksicht darauf, dast der Angeklagte ein völlig dem Morphiumgennst verfallener Mann ist, nahm das Gericht von der höchst zu- lässigen Strafe Abstand, erkannte aber in Anbetracht des schändlichen und gemeinen Treibens des A. auf f ü.n f Jahre Zuchthaus und 19 Jahre Ehrverlust. Die Möglichkeit, dast ein solches Treiben nur durch einen Ztifall zur Anklage führte, zeugt nicht von einem besonderen Scharfsinn der Schulaufsichtsbehörde. Wo freilich Zeit und Aufmerksamkeit von den Regierungen und dem Provinztal- schulkollcgium auf widerrechtliche Behinderung von Arbeiter- Turnvereinen so reichlich vergeudet wird, ist es kein Wunder, wenn solche von Lehrern gegen Kinder verübte scheustliche Verbrechen dem Auge der Aufsichtsbehörde entgehen. Das liegt so ähnlich wie mit den Polizeivcrhältnissen in Berlin. Hier haben ja bekanntlich die int Sinne der Scharfmacher liegenden polizeilichen Bctätrgungen gegen die Ausübung des Koalitionsrechts und gegen die politischen Bestrebungen der Arbeiterklasse und der Arbeiterjugend auch nicht gerade zur Verhütung und Entdeckung der von Sittcnbcamten getriebenen Zuhältereien und Kuppeleien geführt. Erzichungspflicht und Ucbertragung der elterlichen Gewalt. K" Zwei interessante Schulvcrsäumnissachen beschäftigten vor kur- zcm das Kammergericht. Nach tz 1626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Humor und Satire. RechnungeinesHetzblatteS. ...... Sedan 1911. An das berehrliche Syndikat des... Wir brachten int Monat August folgende Artikel pp. und beehren uns, unteitstehend unsere Berechnung nach den vereinbarten Sätzen einzusenden. Mark 1. August: 1 Leitartikel über Koinpensatioiien.(Mit Schwung) 1090 3.„ 1 Entrefilet wegen SuS.(Stark patriotisch).. 500 4.„ 1 Alarimtachricht.(Sehr scharf.) 4 Zeilen a 100 M. 400 7.„ 1 Artikel gegen England. Netto...... 1 000 Darin: Vorwurf der Frechheit...... 500 „ Unfähigkeit der englischen Flotte.. 600 Armee.. 300 9.„ 1 bcrlockende Schilderung von Marokko.... 750 11.„ 1 Angriff gegen Frankreich(Höhiiisch.).... 1000 12.„ 1 Forderung noch ganz Westafrika..... 2 000 14.„ 1 Nachweis, daß die französische Armee nicht kriegsbereit. Netto........ 1 500 Dazu: sorgfältig Zahlen ausgewählt.... 1000 17.„ 1 scharfer Artikel gegen England und Frankreich. Netto............. 2 000 Darin: 3 Schimpfworte a 300 M... Sa. 900 19. u. 20. August: 2 Artikel:„DaS deutsche Volk will den Krieg", a 1500 M....... Sa. 3 060 23. Angust: 1„Eingesandt eines höheren Offiziers"(„Wo bleibt der Kaiser?"). Netto..... 2 000 Darin: 4 EveittualinajeslätSbeleid. a 1000 M. 4 000 25.„ 1 schwungvollcr Artikel gegen FriedcnSdusclei. 500 26.„ 1 do. Mit Vorwurf des Hochverrats.).... 1000 27.„ 1 Leitartikel gegen Frankreich und England(Sehr � herausfordernd.)......... 1 000 29.„ 1 Aufstellung übcrStärkevcrhällnisse der deutschen, englischen und französischen Waffen. Netto 100 Darin: falsche Zahlen für rund..... 1 599 30.„ 1 Gedicht:„Auf, in den Kampf. Germania!' 20 Slropben a 100 M. Netto.... 2 000 Dazu Fettdruck........... 500 31.» 1 scharfer Artikel gegeck England nnd Frankreich. Netto............. 1000 Darin: Vorwurf der Feigheit, zweimal, das erstemal 500, das zweitemal, mit Rabatt, 300 800 Darin ferner: 1 Witz, gut erhalten.... 599 Hierzu Ihr Interesse an der Lieferung Sa. Sa. 3135« 19 001 Sa. Sa. Sa. 41 85( P. 8. Wir ersuchen höflichst um baldige Begleichmtg, da wir gleich Ihnen, nur bet prompter Zahlung die Notwendigkeit einei Krieges einzusehen vermögen. Hochachtungsvoll D. O. F. Rat b'et Vater kraft der elterlichen Gewalt Las Recht und die Pflicht, für die Person und das Vermögen des Kindes zu sorgen. Und nach § 1631 umfaßt die Sorge für die Person deS Kindes das Recht und die Pflicht, das Kind zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aus enthalt zu bestimmen. Nach dem Allgemeinen preußischen Land- recht(K 43 Teil 2 Titel 12) ist ferner jeder Einwohner, welcher den nötigen Unterricht für seine Kinder in seinem Hause nicht de- sorgen kann oder will, verpflichtet, dieselben zur Schule zu schicken Nach der Judikatur ist der„nötige" Unterricht in diesem Sinne der in der Volksschule erteilte. Herr Stachowih, der in der Provinz Westpreußen wohnt, hatte nun sein Kind zu einem Verwandten in der Gegend von Schrimm gegeben, wo es auch die Schule besuchte. Hier hat nun das Kind an mehreren Tagen ohne genügenden Entschuldigungs- grund die Schule versäumt. Dafür wurde nicht der Erzieher, der Verwandte, sondern der Vater verantwortlich gemacht auf Grund der Verordnung der Regierung in Posen vom 26. November 1907. welche gleich anderen Regierungsverordnungen gleicher Art die Strafen für Schulversäumnisse den Eltern und ihren Vertretern androht. Der Angeklagte wurde aber freigesprochen. Die Strafkammer in Schrimm verwarf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Bc- rufung mit folgender Begründung: Der kinderlose Schwager des Angeklagten habe von diesem das Kind zur Erziehung übernommen, wo eS auch erst regelmäßig die Schule besucht habe. Für die dann vorgekommenen Schulder- säumniffe könne der fernab wohnende Vater nicht verantwortlich gemacht werden. Eine Uebertragung der elterlichen Gewalt sei unbedingt zulässig und rechtswirksam. Sei die Erziehung eines Kindes übernommen, wie hier durch den Schwager in der Provinz Posen, dann umfasse sie unbedenklich auch die Sorge um den Schul- besuch. Diese habe also dem Schwager obgelegen. Der Vater sei hier nicht verantwortlich. Er würde es höchstens dann sein, wenn er eine von vornherein ungeeignete Person damit beauftragt hätte, was nicht der Fall gewesen sei. TaS Kamilicrgericht verwarf die von der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil eingelegte Revision. Einen anderen Ausgang nahm die Sache des Herrn Drobinski aus Nottcnburg, welcher seinen Sohn einem galizischen Kloster zur Erziehung übergeben, es also ins Ausland getan hatte, ohne eine Genehmigung der preußischen Schulbchörde zu haben. Drobinski wurde von der Strafkammer verurteilt, weil das Kind nicht eine preußische, nicht eine inländische Schule besucht hatte. Das Kammer- gericht verwarf die Revision des Vaters. Mit dem nötigen Unter- richt im Sinne des Allgemeinen Landrcchts könne nur der im In- lande gemeint seil». Nur da könne die Schulaufsichtsbehörde fest- stellen, ob die vom Staate verlangte Reife erlangt sei. Der Vater könne sich auch nicht darauf berufen, daß nach§ 1631 des Bürger- lichen Gesetzbuches die ihm obliegende Sorge für die Person deS KindeS unter anderm das Recht mitumfasse, den Aufenthalt des Kindcö zu bestimmen. Die Vorschrift habe nur privatrechtliche Bedeutung. Auf sie könne man sich gegenüber der öffentlich recht- lichen Schulpflicht nicht berufen. BoccacioS Dekameron. Das Urteil der 8. Ferienstrafkammer, durch welches die amts- gerichtliche Beschlagnahme einiger Illustrationen des Buches:„Das Dekameron, illustriert von F. von Bayros, mit einem Vor- wort von Hans Heinz Ewers, Berlin, im Verlage»Neues Leben" Wilhelm Bor n grübe r" aufgehoben wurde, liegt jetzt im Wortlaut vor. Die Beschlagnahme wurde verfügt, weil drei Bilder: „Wie der Mönch den Abt verführt", ferner„Die Tochter des Königs" und»Der genarrte Ehemann" als unzüchtige Bilder zu betrachten und geeignet seien, das Schamgefühl in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen und die Lüsternheit zu erregen. Bezüglich des ersten Bildes führt die Strafkammer aus, daß die Darstellung der pointierten Situation nicht die Grenzen des Anständigen zum Unzüchtigen überschreitet und die Ausführung die Künstlerhand zeigt. Auch die der Anklage offenbar sehr affrös erschienenen Randvignetten des Bildes— sie zeigen den siegreichen Amor auf einer halb knicendcn, halb liegenden Mädchengestalt— find nach der Würdigung des Gerichts allegorische und daher durchgeistigte Darstellungen des Nackten, durch die das Schamgefühl des Normal- menschen in geschlechtlicher Beziehung nicht verletzt werde. In ähn- lichcr Weise werden die beiden anderen Illustrationen gewürdigt und die Angriffe des Staatsanwalts widerlegt und zum Schluß folgende Ausführungen gemacht: Das Buch, zu dem diese Jllustra- tionen gehören, das„Dekameron" von Boecacio, wendet sich als Werk eines jedenfalls, vom kulturhistorischen Standpunkt aus be- trachtet, anerkannten Künstlers an die Gebildeten. Es ist keine für das ungebildete Volk berechnete Schmutzliteratur. Dem entsprechen die äußere Ausstattung des Buches und der Preis von 6 M. Letzterer ermöglicht nur einem geringen Teil des Publikums und der Leih- bibliothckcn die Anschaffung, so daß im großen und ganzen nicht zu fürchten ist, daß die nicht auf geschlechtliche Reizung gerichtete Tendenz der Abbildungen verkannt werde. A. O. Weber als Kläger. Die Beleidigungsklage, die Herr A. O. Weber gegen den ver- antwortlichen Redakteur der„Ostprcußischen Zeitung" in Königs- bcrg, Herrn S o h r, und gegeiz den Feuilletonisten Richard Her- zog angestrengt hat, kam gestern in zweiter Instanz vor der Ferien- strafkammer des Landgerichts III zur Verhandlung. Die Ange klagten waren vom Charlottenburger Schöffengericht bekanntlich zu ö6t> bezw. 3l)<1 M. Geldstrafe verurteilt. Der Wahrheitsbeweis war abgelehnt. Die Strafkammer beschloß gestern, den Wahrheitsbeweis für die Behauptung gewisienloser Ehrabschneiderei zu erheben. Die Verhandlung verfiel deshalb der Vertagung. Bicrmanscherei wurde dem Schankwirt Wilhelm Ferber zur Last gelegt, der gestern sich vor dem Amtsgericht Wcdding auf die Anklage der NahrungS- mittclfälschung zu verantworten hatte. Er wurde beschuldigt, in seinem Schanklokal Koloniestvaße 73 beim Bicreinschenken Bier- reste miiverwcndet zu haben. Der Angeklagte bestritt das. Gegen die Zeugen, die ihn in der Voruntersuchung belastet hatten, wandte er ein, daß sie ihm noch Zeche schuldig seien. Zur Borgeschichte der Anklage führte der Verteidiger, Justizrat Schöps, vor Eintritt in die Beweiserhebung aus, das Verfahren sei schon eingestellt ge- Wesen, sei dann aber wieder aufgenommen worden, und zwar, so hob er hervor,„auf Antrag des Rechtsanwalts Liebknecht, des be- kannten sozialdemokratischen Abgeordneten". Das Vorgehen gegen den Angeklagten müsse auch aus politischen Motiven erklärt werden; angezeigt habe man ihn, weil er nicht Mitglied der sozialdcmokrati- schcn Partei sei. Die Beweiserhebung ergab, daß die Ferber belastenden Zeugen gar nicht sämtlich der sozialdemokratischen Partei angehören. Der Vorsitzende richtete nur an die ersten paar Zeugen die Frage nach der Parteizugehörigkeit, erklärte aber schon beim zweiten Zeugen: »Ach, das ist ja ganz egal, hier im Gerichtssaal gibt's keine Partei, hier muß jeder die Wahrheit sagen." Desto eifriger forschte dann bei den übrigen Zeugen der Verteidiger nach ihrer politischen Richtung. Zu der Behauptung, daß die Belastungszeugen Zech- fchuldner feien, wurde festgestellt, daß auch das keineswegs bei allen zutraf. Gegen einen Zeugen, der den Angeklagten besonders schwer belastete, machte der Verteidiger geltend, daß er umhergelaufen sei, um Material gegen Ferber zu sammeln. Aber auch von anderen Zeugen wurde bekundet, von Ferber sei Tropfbier mitverwendet worden, und Gläser mit Bierrcstcn seien nachgefüllt worden. Ein paar von der Verteidigung geladene Zeugen hatten bei ihren Be- suchen des Fcrbcrschcn Lokals nicht bemerkt, daß gemanscht wurde. Ein Zeuge meinte, die Gläser seien manchmal, wenn Lagen bestellt wurden, nur nicht ausgespült worden, aber im Einverständnis mit den Gästen. Der Amtsanwalt sah als erwiesen an, daß hix Bierresten zu- gegossen und Tropfbicr mit verwendet worden sei. Er beantragte gegen Ferber 14 Tage Gefängnis und Veröffentlichung des Urteils. Der Verteidiger Justizrat Schöps hob nochmals hervor, daß die Staatsanwaltschaft, obwohl die den Angeklagten belastenden Zeugen schon im Vorversahren ihre Aussagen gemacht hatten, die«traf� Verfolgung zunächst- abgelehnt habe. Tann habe nran„sich an die bekannten sozialdemokratischen Anwälte, die Herren Liebknecht, ge- wandt", und nun erst sei Anklage erhoben worden. Der Verteidiger suchte die belastenden Aussagen zu entkräftigen, indem er sie als Ausfluß feindlicher Gesinnung hinstellte, und kam dann erneut auf den angeblich„politischen" Hintergrund des Verfahrens zurück. „Die Sache hat," erklärte er pathetisch,„einen politischen Bei- geschmack. Das ist zweifellos, selbst wenn ich davon absehe, daß Liebknechts den Antrag gestellt haben. Hier ist ein Berichterstatter anwesend, der offenbar von einer sozialdemokratischen Zeitung ist und den offenbar einer der Zeugen hkrherbestellt hat, damit er den Mann ruiniert." Nachdem der Verteidiger mit dieser dreist aus der Luft gegriffenen Behauptung auf die Schöffen zu wirken sich be- müht hatte, beantragte er Freisprechung. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Der Angeklagte sei zwar durch eine Reihe Zeugenaussagen belastet worden, deren subjektive Nichtigkeit nicht angezweifelt werden solle. Zweifelhaft sei aber doch, ob die Beobachtungen so scharf waren, daß man sie für zu- treffend balten könne. Als erwiesen könne nur gelten, daß Gläser vor dem Neueinschenkc» nicht ausgespült wurden. Es mögen sich Reste darin befunden haben, aber festgestellt sei nicht, ob sie groß oder klein Maren. M arktpretsc vo» Berlin am 5. Septbr. 1911, nach ErmMelung des Köni glichen Polizeiprälidium� Markthallenpretse.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—S0,00. Speisebobne» weihe 35,00-50,00. llinsen 20,00—80,00. Kartoffeln 8,00—14,00. 1 Kilo- qramm Nwdfleisch, vor.' der Keule 1,80—2.40. Rindffeisch, Bauchfl-isch 1.20 bis 1,70. Schwemefleisch 1.30—1,80. Kalbfleisch 1.40—2.30. Hammelfleisch 1 zo—2 20. Butter 2.40— 3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2.40. Aale 1.60-2,80. Zander ILO— 3.60. Hechte 1,40 bis 2 80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,50-36,00.__ «SttterungSüberNa'" vom 6. September 1911. srotnnnb«. 761® 765® erlw 764 S ants.a vi. 768 Still ünche» j768WW t|fi H 52 II 8? Bettet r 4 bedeckt 4 bedeckt 3 bedeckt Dunst 26alB 6b. '65®N® 3 halb 66. V« t! i paranda 756 D terSburg 754 S II ■ f Sctllh -werde« Barts 769 NO 764 S® 769 NNO Bett« 2 bedeckt 1 halb bd. 2 heiter 2 wolkig 2wollenl «S* t- K« 6 8 17 14 16 K Wien «Settervroguose ütr Tonuerstag, den 7. September 1911. Vorherrschend wolkig mit leichten Rcgensällen und srischen westlichen Winden; Temperatur wenig verändert.«... Berliner W etterbareau. Wasierftands-Stalbrlchte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbttreau. Waff erstand M e m e l. TUM B r e g- l, Jnflerbmg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Kroffen , Frankfurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netz«. Vordamw Elbe, Letttneritz , Dresden , varby , Magdeburg 1+ bedeutet WuckiS.— Fall.—•) llMerpeael. j Todes-Anzeigen| Am 6. September, vormittags 9 Uhr, starb nach langer, schwerer Krankheit mein lieber Mann, der Schristsctzer Emil Strobel im 34. Lebensjahr«. Um stilles Beileid bittet Dir tieftranernde Witwe Frida Strobel. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. September, nach- mittags 4'/, Ubr, von der Leichen- balle de? siadiischen Fricdhoses in FriedrichSselde aus statt. (Dr den 4. Bert. Beiclistass-MkrEis. Landsberger Biertel. (Bezirk 404 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schrist- setzer Emil Staobvl LotheniuZstr. 14 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. September, nach- mittags 4>/, Uhr, von der Leichen- balle de? Zentratfriedhoses in FriedrichSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am 5. September starb unser ehemaliger Mitarbeiter, der Setzer- invalide Emil Stnobel im 34. Lebensjahre. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Vorwärts kucbckruckerei und Verlagsanstalt l*»«! SInjjer& Co. Am 5. September, vormittags 9 Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser lieber Kollege und Mitarbeiter, der Schristsetzer-Jnvalide Emil Ltrodsl im 34. Lebensjahre. Sein kollegiales Wesen und sein ausrichtiger Charakter sichern ihm bei den Unterzeichneten ein dauerndes, ehrendes Andenken. vas Personal der Vorwärts-Buclidnickerel Paul Singer& Co. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Sepiember, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- lalle des sl.idlischen Friedhofes in lriedrichtstlde aus statt. des S.öei'Illl.kleicktsMzlillli'Wj Tbaele»- Am 5. September verstarb unser Genosse, der Steindrucker Karl Halm Soldiner Str. 36. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet an, Freitag, den 8. September, nach. mittags 4 Uhr, aus dem Fried- Hose der Luther-Gemeinde in Lankwitz, Marienselder Straße, statt. Um rege Betelligimg ersucht Oer'Vorstand. Sozialdemokratischer WahlvereiD des 6. Berl. Heiehstigs-Watilkreises. Nachruf. Am 4. September verstarb unser Genosse, der Arbeiter Paul �Vent?el Schwedtcr Str. 27. Ehre seinem Andenken k. Tie Beerdigung hat aus dem städtischen Zentral-Fciedhose in FriedrichSselde stattgefunden. Oer Verstand. SoziaiileniokraüsctierVaiiivereiii Kixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Klavicrarbeiter Otto Knispel Sleinmetzstr. 86 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung slndei heute DonnerSlag, nachmittags 3 Uhr, von der Leicheuballe deS Rixdorfer Gemeinde- FriedhoseS, Marien- dorser Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/5 Der Borstaud. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwallung GreB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Otto I�eder am 2. d. MtS. im Alter von 40 Jahren verstorben ist. 70/13 Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 7. d. M.. vor- mittags 9 Uhr, von der Leichen- Halle der Charitü aus nach dem Gethsemane- Kirchhof in Nieder- schönhausen statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltuna. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Am 4. September verstarb unser Mitglied friedrieb Friese (Bezirk Oranienburger Dorstadt). Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. September, voiniittags 9>/, Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS in FriedrichSselde aus statt Um rege Belelllgung ersucht 140/1 Oer Verstand. SoziaidemokraiischerVahirerein für TeltowundUmgegend. Todes- Anselgo. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Otto Nuß gestorben ist. 203/16 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. September, nach- mittags s Uhr, von der Leichen. halle in Teltow aus statt. Der Borstaud. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Am 5. September verstarb unser langjährige» Mitglied Karl Kuchenbecker (Bezirk Wcdding). Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 8. September, nach- Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Nlsnov IHattke geb. Gerieke am 5. September nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Dies zeigt kiesbelrübt an Wilhelm Mattke nebst Kindern. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 7. September, nach- mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- balle deZ Nir.dorser Gemeinde- FriedhoseS, Mariendorser Weg, auS statt. S480L In. Sirnm«! Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden, Prlnzenstr. 41, ÄpfSi. 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 4 Healih snuff robacco. Fabac a prisei» de santd. Tabaka do zazywania dta zdrowik labacco da naso ada salute, lum rege Beteiligung ersucht 140/2_ Oer Vorstand. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise berz. sicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Sohne»»ösb Paul Dabergotz sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden, Kollegen und Bekannten lOwie dem Gesangverein»Kreuzberger Harmonie" unseren ttesgejühlten Dank. ftunili« Dabergotz. | Gelegenheitskauf! Wollene SchlafdEehen Ist fferdedeehen! iSI.I50, 350,4M,5S,M. f- für dicke l*�e«5 Portiere» . alle Farben. 1 Meter 1.7». L.SO bis 4.50. 1 Abgep.FrieSmäntelS.llS— 8M. Versand unter Nachnahme. ZmilLestvre | Berlin. Oranieiistr. um. Möbeltlschlorel H». Harnack TUchlermeiiter Stallaohreiber-Strasse 57 (Moritzplatz). Komplette woünuügseinrichlungen, Enorme Answahl l— Beeile"Wuel I Billigste Fabrikpreise. I • ZahluDgserleichterung.• Verkauf nur Hof im Fabrlkgebluda. Warnung vor Betrug! Meine Packung ist nur echt mit der Aufschrift: Dr. Landmann's Hesser-Putzputver. Botet 10 Cf, eitenSfliMe SO und 50 Pf. Nur echt la Crtatnol• Otreoifung in allen tessere» »eschäbeil in hoben. 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Heute 8 Uhr: Bummelstudenten. Täglich: Bummelftudenten._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Friedrlch-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 7. Sept.. abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Lebenshunger.- Freitag 8 Uhr; Sigfrled, d. Cherutker. Sonnabend 8 Uhr: lebenthunger. Sonntag 8 Uhr: Judith. Residenz-Theater. Dircltion Richard Alexander. _ Abend» 8 Uhr:_ Sommerpreise."W Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von George» Feydcau. Deutsch v Benno Jacobson. Belle- Allianco-Theater ffr. volkSopcr) Bellc-Alliancestr. 7/8. Novität! Heute Novltit! Pen Leben« Possenspiel. Schauspiel in 4 rtusz. o. Kurl Küchler. MetropoTTheater. Zum 132. Male: Operette in 3 Akten von I. Frechtd. Mufik von Rudolf Nelson.' »n Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang e Uhr. Rauchen gestattet. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Das Wintermärchen. osc-in�i Große Frankfurter Str. 132. Zum 2. Male:... Lassallcs Ende W Drama In 4 Akten v. Jak. Rhenanus Ansang S'l, Uhr. Ruf der Gartenbühne: Bs gibt nur ein Berlin. Große Revue. 8 Uhr: Vollständig neues Programm. Sensationelle Novitäten Die G'schamige. Ein Dialog nach dem bekannten vild von F. v. Reznicek. Vera Forst: R. v. Laiberg a. G. Theafc Noch nie dagewesener Lacherfolg! Das Kind der Firma mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung Ansang 8 Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr(Theaterkasse). Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Marietta Olly (Kleines Theater) Guido Herzfeld (Deutsches Theater) in ihrem Sketch „In einer Nacht!" Sorna Balogh d. Sänger m. d. doppolt. Kohle und das grolle Varietö-Programm. ASS AGB:::: ANOPTIKUM Das gr&Bte Scbaaetablissement des Kontinents. eor Lebend"W der Mann mit der eisernen * Znnge. Ein Fakir ohne Kerren. AGA die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extca-Entree. Moabiter Wintergarten Artus=Hof Perleberger Str. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Pirnau. 6 Radrennen aus der Bühne. Ol«mn Jansly mit seiner Tiersamilie. M. Wiegmanns beste Scilkünsilcr der Welt. _ Dhratcr— Spezialitäten. KoacUs Theater, Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunneitstraße 16. Aus dem Leben einer Soubrette ober: Therese Krones. Lebensbild m. Ges. i. b Akt. v. tzafsner. Ansang«'/« Uhr. Ehren- und Vorzugskarten gultlg I Morgen: Bete und arbeite! Reichsliallen-Tlieater. Stettiner Sänger Meyeel, Britten, Seidel, Horst, Schröter, Schubert GrönlngA. u.R. Schräder. Anfang wochentags S Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Trete Volksbühne Die nächsten Verstellungen sind Sonntag, den 10. September nachmittags 3 Uhr: Wenn der Junge Wein blH Kalhan der Heise lalhan der Weise Urania. Wiasenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. 4 Uhr und 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Volks-Cheater. Rixdorf, Hermannstr. 20. Sonntag, 10. 9.: Einer von unsere Leut. Posse in 3 Akten(8 Bildern) von Kalisch. Ansang 7'/, Uhr. Montag, lt. g.: Die Schuld der Mutter, Schauspiel in 4 Akten von Bischer. Ansang 8'/, Uhr. Sröffnung Kitte Septetnber 8. Abteilung, Gruppe 32—37 16.(11. Abcnd-Abteilnng) 1. Serie Montag, 11. September Montag, 9. Oktober 2. Serie 'Ä-ÜSSU.-. Der Zigarettenkaslen Residenz-Theater Die arme LÖWin , 4./«. Abteilung, Gruppe 18, 27, 28** �*** v w***" JerrnJeld-Theafer 4.15, Abteilung, Gruppe 17—20 2X2= 5 In Vorbareitung: � Im JVcucn SchauTpUlhaus» Bjömson, Heber unsere Kraft, H. Lutz, Thomas, Münz er, Qrillparzer, Des Meeres und der Liebe Wellen.— Im Challa- Cbeater: Samson nndDelila.— Im Rerrnfeld-Chcater t Morbus Tellermann. PF* Plo neuen Karlen der Mitglieder mitasen ans den Zahlstellen abgeholt werden. Per Torstand. I. V.: G. Winkler, Neue Mitglieder können sich in allen Zahlstellen meiden. CLOU Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82 X Zimmerstraße 90/81. !!: Heute 1 1! Großes Konzert! Anfang 8 Uhr. Entrec SO Pf. Anfang 8 Ubr. An allen Woehentagen nachm. 4—7: Gr. Promenadenkonzert bei fl-clem Eintritt._ Sport-Palast Potsdamer Str. 72. Allabendlich: IM Parade Grosso mllitärischs Revue in 6 Bildern ca. 200 Hitwirkende. Sport» Attraktlonm U Rang«. Sol.llul.r uns-Liuferlenei Schncllaul- K.nlmrrenz.p. Hcck.y- Spltl. utw. ii». Eintritt O.SO M. 1 bis 6 Uhr, Sperrsitz 1,00 M./ Sonntags bis 4 Uhr. Von 6 Uhr ab....) Eintritt 1,00 M. Sonntags von 4 Uhr ab> Sperrsitz»,00 M. Größter Eispalast der Weit Volksgarten-Theater Donnerstag, den 7. September 1911: Die Ifrse von Japan. Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Ihr Alibi. CARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark von abends 0 Uhr ab 60 Ps., Kinder unter 10 Zähren die Hülste. V«tKt-L'lKvtttvr Gesundbrunnen, Badstraße SS. Heute: In Freud und Leid. VolkSslück mit Gesang und Tanz in 4 Akten. Reue erstklaeslge Spezialitäten. Montag, 11. September: Beginn der Wintersaison: Unsere Den Juan*. Max Klieins ttommcr-Tbester Rudel« Krüger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklaffige Tbeater, und Spezialitäten. BorstrNiingen. Täglich abend» 9'/, Uhr: Karl Braim der Original• Verwandlungskünstler. Donnerstag: Eiltotag. eAu iiin llnlott- ZNeuter Direktion: Willy Cremer. Morgen letzter Tag des dieswöchentliohen Elite-Programms. Ab Sonnabend vollständig neue Programme.— Unter anderm die anßergewöhnlioh glänz. Filmdarstellungen Enoch irden nach dem Gedicht von Alfred Tennyson. Der Schandtleck Dramatisches Sittengemälde. |MerlU>latz||Ha»enhelde[ auf dem entsprechend hergerioht. Platz© Kurfürstandamm 15) (frühere Bollsohuhbahn) r bei Arbeit, Sport und Spiel. Wissenschaftliche und lehrreiche Darstellungen. Original-HOtteno.-Zelte. Hausindustrie. Casino-Theater Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr Aßabeudlich der neue Serliner Possen-Zlhlager Der selige goßschinoky. Sonnt, nachm. 3'/, Uhr: Berühmte Töchter. Königstadl wlzmarttstr. 72,» Filiale Groß-Berlin. Donnerstag, 7. September, abends S'/z Uhr, im Gewerkschaftshanse sgroher Saal), Engelufer IS: Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnun g: 1. Die Errichtung einer gelverkschaftlich- genossenschaftlichen Volksversictierung. Referent: Gewerlschastsjelretär Genosse Bauer. 2. VcrbandSangclegcnbeiten. 31/3 ZM"- Im Hinblick auf die-große allgemewe Bedeutung dcS Vortrages werden die Kollegen ersucht, auch die Frauen zum Besuch der Versammlung einzuladen.__ Ple Ortaverwaltnng. Verband der Brauerei- und Muhlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Geschäftsstelle Berlin C. 54, Mulackstr. 10, I.— Fernsprecher Slmt Hl. 4518. Sonntag, den 10. September, nachm. l'/g Uhr, im Gewerkschaftshanse (großer Saal) Engelufer 15: Mitglieder-Versammlung TagcS-Ordnung: 1. Bericht vom diesjährigen GcwerkschaftSkongreft. 2. Tie Bierablösnngsfrage. 44/5» gM- Die wichtige Tagesordnung macht es jedem Kollege» zur dringenden Pslicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ple Ortnvcrwaltnng. ZentralverbandderHausangestellten Donnerstag, den 7. September, abends 8'/, Uhr, in den Industrie- Aeftsäten, Benthstraste SO, I;| Vortrag v. Fr!, vr. VxuoltoinZln: VirKechte des fimdes. Gäste willkommen. 295/2 öUlllLk' heilung� lssargarete Walkotte Sonntag, 10. Sept., T'/j Uhr abends, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Mitwirkende: Frl. Schmidt, Annaberg, Altistin.— Frl. Rose, Koloratur.— Herr Felix Gutdeutsch. Violine.— Frl. Grete Rothe. Rezitatorin.— Herr Emil Walkotte, Rezitator.— Herr Erwin Feustel, Klavier.— Margarete Walkotte. | Vorverkauf 50 Pf. 294/13» Abendkasse 60 Pf. Y orverkairf b m Herrn Horsch, Engelufer J5._______| Heute und folgende Tage Gratis-Kostproben von Kronen-Suppen Kronen-Bouillon In der Lebensmittelabteilung n 1 11 a. Jandorf& Co., Brunnenstraße. ßflonior- Rtrlel sson Fesseln Sie Ihre Frau durch Schönheit und Eleganz Ihrer Kleidung an sich. Gar zu wird oft von soften der Herren durch kaum glaubliche Vernachlässigung der Kleidung der berechtigte Unwilleder Frau hervorgerufen. 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Herzhoff, Vorsitzender. 4306 eine vorzügliche 6� Ho. 57 Maloja operas 5 No. 61 Maloja camsllas 6»■ No. 91 Maloja bonquofs 7 pt No. 24Malojaenin6fi!es8PL No.163 Mal. aromaticos 10 pt Ci�aiT»en— Fab�ikeni | Ueber 200 Niederlagen in Deutschland! Neu eingeführt! Fehlfarben-Sortimente Seder Beutel enthält eine Mliehung betondert prelewerter Fehlfarbm. FeblUrben-Sortimeot Fortana.......... 10 Sülck 60 Pf. Fchlfarben-Sortiment Hansa............ 10 Stück 75 PC. fehlfarben Sortiment Excelslor......... 10 Stück 1.00 MANOLI Htwnnw CigarcHes mmmmm Belieble Spedalmarken Neaanschaffungswert teilweise bis 125— M. Robert Schmidt, Reinigungsanstalt|| l-vfl'l Kein Laden! Rosenthaler Str. 9, I. Etage, AuBEucsk,|tr. Kein Laden! J H m* Knchdmck verboten_ ' Verantwortlicher Nkdakteuri Richard Barth, Berlin. Fü�den'Lnjeralenteil oecantw��TH. Glocke, Berlin. Krück it. Äerlagi vorwärts Buchdruckerei u. Äcclagöanitalt Paul Singer u.«», Berlin SÄle |i.209. 28. ZahkMg. 2. Dtiltze des JotMitlf Dollverstllg, 7. September t9lt. Partei- �ngelegenkeiten. Erster Wahlkreis. Für die Besichtigung der konsumgenossen- schastlichen Anlagen in Lichtenberg ist der nächste Sonntag (10. September) bestimmt. Die Teilnehmer treffen sich morgens 10 Uhr im Hofe der Anlagen in der Nittergutstrasze. Beste Fahr- gelegenheit: Straßenbahn Linien 67 und 71 bis Möllcndorffstraßc, Ecke Rittergutstraße.— An der Besichtigung können sich auch noch andere Interessenten beteiligen. Zernsdorf. Am Sonntag, 10. Septeniber, nachmittags 3 Uhr, in Kablow auf dem Grundstück des Herrn Friedrich Selke: Oeffentliche Versammlung unter freiem Himmel. Die Parteigenossen der Umgegend werden ersucht, für zahlreichen Besuch sorgen zu wollen. Reinickendorf-Ost. Morgen Freitag, abends 7'/z Uhr, von den bekannten Stellen aus: Handzettelvcrbreitung. ßerUmr JVacbncbten. Die„goldene" Jugend. In einem Berliner Sensationsprozeß kam dieser Tage zur Sprache, daß der Jüngling, um den sich bei dieser Prozeßsache alles drehte, ein Student, jahrelang von seinem Vater einen monatlichen„Wechsel" von zwei- tausend Mark bezogen hatte. Man bedenke— ein Mensch, der durch den Reichtum seines Erzeugers zwar schon als Knabe flügge, aber noch nichts majorenn ge- worden war, erhält jeden Monat eine Summe in den Schoß geschüttet, von der eine köpfereiche Arbeiterfamilie ein ganzes Jahr leben soll! Und als dummer Junge, als Schüler hat er sicher schon mehr an Taschengeld zur Ver- sügung gehabt, als ein Familienvater zum Unterhalt seiner ganzen Familie braucht. Hier ist die Achillesferse des schwer- reichen Bürgertums, hier der Angelpunkt, an dem soviel vom jungen bürgerlichen Nachwuchs elend zugrunde geht. Ist das ein Einzelsall, eine Ausnahme? Durchaus nicht. Der betreffende junge Mann, der heute für die Sünden seiner durch väterlichen Leichtsinn zum Ueberfluß genossenen Jugend im Jrrenhause büßt, ist nur ein Blatt von jenem Giftbaum, den man mit einem französischen Schlagwort jeunesse 6or6s nennt... die„goldene Jugend". Es gibt unzählige solcher Parasiten, die sich mästen, in satten Zügen das Leben ge- nicßen vom Geldsack des Vaters, blindlings in ihr Verderben rennen und, wenn sie dazu überhaupt noch fähig sind, ein Geschlecht züchten, dem der Keim des moralischen Nieder- ganges schon im Blute liegt. In den besten Entwickelungs- jähren, in denen andere junge Leute die Bestimmung haben, für das Leben vom Leben zu lernen, sich vorzubereiten für die Anforderungen, die das Leben an jeden vernunftbegabten Menschen stellt, stürzen sie sich in den Strudel des tollsten Vergnügens und erblicken ihre Levensaufgabe darin, so lieder- lich als möglich das schließlich doch nur aus den Taschen der Volkßmehrheit ergaunerte Geld totzuschlagen. Und wer den Rekord bricht im Geldverquetschen, wer am besten saufen und randalieren kann, die meisten Weiber zur Strecke bringt und sich die teuerste Maitresse hält, der hat in diesen„exklusiven" Kreisen das größte Ansehen. Man könnte über diese Erscheinung, die ein Sargnagel des Kapitalismus ist und so gern mit dem Mäntelchen bedeckt wird, daß Jugend sich austoben will, gemütsruhig hinweg- gehen, wenn nicht diese selben Kreise sich später berufen fühlten und nicht gerade selten auch dazu berufen würden, im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen und einen unver- dienten Platz auszufüllen. Ein großer Teil geht an dem Uebergenuß der Jugend zugrunde, schleppt sich bestenfalls als „junger Greis" förmlich an Krücken durch das nutzlose Leben. Andere mit dauerhafteren Knochen laufen sich die Hörner ab oder lassen sich die Kandare anlegen und werden nun mit Hilfe von Vaters Moneten in ein fettes Pöstchen hineinbug- siert. Ob in irgend einen Aufsichtsrat, im Heere, bei der Frau Justitia oder in einem Verwaltungsbureau, das bleibt sich gleich. Tie Hauptsache ist: etwas vorstellen, einen Titel ergattern und aus der großen Krippe mitcsien. Was an Hirnschmalz fehlt, das ersetzt dann der Arnheim des Herrn Papas, der auf seinen geistig lahmen Sprößling nicht wenig stolz und froh ist, daß aus dem Tagediebe doch noch etwas wurde. Man darf ja aus naheliegenden Gründen keinen Namen nennen, aber mit Fingern ließe sich zeigen auf solche Leute, die so gut wie nichts gelernt haben und nur etwas geworden sind durch den Reichtum, der hinter ihnen steht. Kann man es ihnen verdenken, wenn sie zugreifen? Sie sind ja nur ein faules Glied an dem noch fauleren Snstem unserer Gesellschaftsordnung. Und wenn sie ohne erkenn- bares Verdienst von Staffel zu Staffel steigen, wenn ihnen bunte Vögelchen an die Mannesbrust fliegen und alle Türen sich öffnen vor ihrem goldbeschwerten Götzen, brüsten sie sich ohne Berechtigung in aufgeblähtem Stolz gar noch mit dem Dichterwort: Was du ererbt von deinen Vätern— Erwirb es. um es zu besitzen. Die Stadtverordneten halten heute ihre erste Sitzung nach den Ferien ob. ES sind zahlreiche Vorlagen jgi verhandeln, unter anderen steht auch ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion den Schießerlaß des Polizeipräsidenten betreffend auf de Tagesordnung. Die Antoniobilprachtstraße Neues PalaiS— Döberitz sollte in dem Teil Neues Palais— Nedlitz biS zum l. Oktober d. I. fertiggestellt sein, der Termin kann aber nicht im entferntesten eingehalten tverden. Die Bauleitung hat auch seit längerer Zeit gar nicht mehr die Absicht hierzu, da bis jetzt immer noch nicht entschieden ist, wie die Wetterführung von Nedlitz aus geschehen soll. Auf jeden Fall werden aber größere Brückenbautcn über die Havel nötig, so daß der ganze Bau dieser Straße trotz der verschiedenen Zuschüsse eine ungemein starke Belastung des Kreises Osthavelland darstellt. Nene Schwibbogen in Berlin. vor einigen Jahren erhob sich in der Künstlerlvelt ein lebhafter Protest gegen den Plan, die beiden in der Französischen Straße ge- legenen, der Deutschen Bank gehörigen Gebäude durch einen so- genannten Schwibbogen zu verbinden. Und auch in der Stadt- verordnetenvcrsammlung führte der Vorschlag deS Magistrats zu erregten Auseinandersetzungen. Lediglich in Rücksicht auf das für Berlin und für den öffentlichen Verkehr so wichtige Jnstittit der Deutschen Bank und im Hinblick auf die architektonische Gestaltung des Schwibbogens erteilte schließlich die Stadtverordnetenversamm- lang ihre Genehmigung. DaS Projekt ist dann auch ausgeführt worden, obwohl es auch nach der Genehmigung fdurch die städtischen Behörden nicht an ferneren Schwierigleiten fehlte. Man hatte nämlich außer acht gelassen, daß bei der in Berlin herrschenden Selbstverwaltung kein Stein versetzt werden darf, wenn nicht auch der Kaiser sein Ein- Verständnis gegeben hat. Und daß die Aufsichtsbehörden ängstlich darüber wachen, daß die Hohcitsrechte der Krone gewahrt bleiben, versteht sich am Rande. Es gelang noch nachträglich, auch die Unterschrift des Kaisers herbeizuführen. Mancher wird erstaunt fragen, wieso die Aufsichtsbehörden in diese Angelegenheit sich über- Haupt einmischen konnten, in der sie eigentlich nichts zu sagen hatten. DaS kam so: die Aufsichtsbehörden meinten, daß durch die Aus- sührung eineS solchen Schwibbogens eine Aenderung der Baufluchtlinie eintrete; eine solche Aenderung oberer- fordert die Nachsuchung der Bestätigung. Eine recht sonderbare Auf- fassung, die einer ernstlichen Kritik nicht stand hält. Jetzt sind zwei neue Anträge auf Erteilung von Genehmigung zur Ausführung von Schwibbogen bei der städtischen Verwaltung eingegangen. DaS eine Gesuch hat die Firma Bergemann zum Antragsteller. Diese Firma beabsichtigt, einen über die Oudenarder Straße führenden Verbindungsgang zwischen ihren Etablissements für Angestellte herzustellen. Mit Mehrheit stimmte die Tiefbau- depntation dem Antrage zu, nicht ohne daß auch lebhafte Bedenken gegen das Gesuch vorgetragen wurden. Nach einem anderen Antrage will die Deutsche Bank einen Verbindungsgang zwischen ihren in der Mauerstraße liegenden Gebäuden schaffen und bezog sich auf ihr früher genehmigtes Projekt in der Französischen Straße. Auch dieses Gesuch fand die Billigung der Deputation. Ob die Stadtverordneten- Versammlung so ohne weiteres der Vermehrung der Schwibbogen in Berlin zustimmen dürfte, ist nicht ganz sicher. Tut sie eS, so dürste die Zahl dieser VerbindungSgänge sich bald erheblich ver- mehren._ Die Eröffnung des Flugplatzes a» der Pirschheide beim Bahn- Hof Wildpark, dessen Gelände die Stadt Potsdam der Zeppelin gesellschast zur Verfügung gestellt hat, wird voraussichtlich am Sonn abend oder Sonntag dieser Woche erfolgen. Das für Potsdam be stimmte besondere Lrlstschiff ist zwar noch nicht fertig; ebenso die Flughalle auf dem Flugplatz. Dafür soll das Luftschiff „Schwaben", ehe es nach seinem stäudigen Onartier übergeführt wird, mehrere Tage auf dem Potsdamer Flugplatz Aufenthalt nehmen. Die Verankerimg muß hier noch im Freien geschehen. Zu erreichen ist der Flugplatz von Berlin am besten bis Bahnhof Wildpark. Vom Bahnhof Potsdam muß man erst die ganze Stadt durchqueren. Die elektrische Straßenbahn fährt nur bis zur Kastanienallce. Vom Bau der Untergrundbahn wird uns gemeldet: In der Haltestelle. In se lstr a ßc" tritt das jetzt fertiggestellte Gewölbe wirkungsvoll hervor und man konnte nun dainil beginnen, die Tunneldecke mit Boden zu hinterfüllen und in den Vorräumen des Bahnhofs die Decken zu betonieren. Die neue Baustelle an der Noroseite der Spree tritt jetzt deutlich in die Erscheinung: Nachdem das Leitwerk für die Schiffahrt in Betrieb genommen ist, werden jetzt die mächtigen Spundwände für die Fangedämme eingerammt. Auch in der K l o st e r st r a ß e sind die Nammen in Tätigkeit ge treten, um die eisernen Träger für die Bangrubenabsteifung in den Boden zu treiben. Die Rammen werden elektrisch angetrieben; ein Motor bringt eine endlose Kette in Umlauf, an dieser wird er„Bär" mittelst einer Klinke befestigt, so daß er mit in die Höhe geht, das Lösen der Kette erfolgt durch einen Anschlagstist. durch dessen Verstellen man die Fallhöhe des Bären verändern kann. Die Ramme ist auf Rädern montiert, die auf Scblcnen laufen. Der Arbeitsstrom, deffen Spannung auf 780 Volt erhöht worden ist, wird von den Kraft- werken Trcbbiner und Stralauer Straße geliefert. Unter der Kunstschule geht der Tunnelbau seiner Vollendung entgegen; auch in der G r u n e r st r a ß e ist die Decke größtenteils betoniert. Auf der Südseite des Alexanderplatzes sind die AuSschachtungS- arbeiten in Angriff genomen worden, cS wird hier von den Schmuck- anlagen aus nach der Stadtbahn zu gegraben. Die RatS wage am Alexanderplatz mußte umgebaut werden, um für den Tunnel Platz zu gewinnen; der Umbau ist jetzt vollendet und die Jnbetrieb- nähme der Wage kann daher erfolgen. Weiterhin bis zur Ein- Mündung der Königstraße müfsen erst die Straßenbahnglcise, soweit erforderlich, umgelegt werden; danach wird man, Hand in Hand mit den Kanalverlcgungen, mit den Erdarbeiten weiter vordringen. Millioucuprozcß gegen den FiSkuS? Von den Vereinigten Vieh- kommiisionären de» Magerviehhofes Friedrichsfelde ward, wie die .Deutsche Flcischerzeitung" meldet, gestern beschlossen,»wegen un- berechtigter Schließung des Magerviehhofes" auf dem Klagcwege gegen die Regierung, vielleicht auch gegen die Zentrale für Vieh- Verwertung vorzugehen. Man will das Objekt vorläufig nur auf 50 000 M. angeben, der Kosten wegen, aber unter Vorbehalt weiterer Schadenersatzansprüche. Diese sollen sich insgesamt auf mehrere Millionen Mark belaufen. Kommt es wirklich zum Prozeß, so kann nian auf seinen Ausgang gespannt sein. Er hätte bei der großen Verbreitung der Maul- und Klauenseuche allgemeinste Bedeutung. Die Ausschließung Treptows wird recht eifrig betrieben. Obwohl von den städtischen Behörden Berlins bestimmte Beschlüsse über die Veräußerung ihres Grund- besitzeS in Treptow noch nicht vorliegen, rechnet unsere Nachbar- gemeinde doch sicher mit dieser Beschlußfassung auf Grund ihr von MagistratSmitglicdcrn gemachten Zusagen. Infolgedessen Hot Treptow bereits einen Bebauungsplan entworfen und sucht sich mit Berlin zu verständigen. Von Berliner Sachverständigen ist eben, falls ein solcher Aufteilungsplan angefertigt worden, der den Wünschen Treptows in weitgehender Weise entgegenkommt, zugleich aber auch die Berliner Interessen ivahren soll. Wenn über diese Materie ein Einverständnis erzielt wird und das scheint bei dem beiderseitige» entgegenkommenden Verhalten ziemlich sicher, so dürfte Treptow in nicht allzuferner Zeit einer großen Entwickelung entgegengehe»._ Titclreklame. DaS Polizeipräsidium teilt mit:»Der in Berlin 80., Brückcnstr. 10b, wohnhafte Naturheilkundige Paul MistelSky hat im April dieses Jahres zahlreichen Zeitungen eine Notiz zugehen lassen, nach derer von der»Italienischen Phhsikalisch- Chemischen Akademie, mit dem Sitz in Palermo" unter gleichzeitiger Verleihung der»Goldenen Verdienstmedaille 1. Klasse" und Ueberreichung eines Diploms zum Ehrenmitglied dieser Akademie ernannt worden ist. Diese»Akademie" ist keine staatlich anerkannte und keine der Wissen- schaft oder ernsten Zivccken gewidmete Vereinigung, sondern ein auf die Ausbeutung des Ehrgeizes und der Leichtgläubigkeit gerichtetes Unternehmen, auf das Berliner Zeitungen bereits im Jahre 1007 hingewiesen hatten. Hanptbetciligte der„Akademie" sind die Brüder Angela und Giovanni Bandicra, die weder Aerzte noch Apotheker sind und jeder wissenschaftlichen Qualität entbehren. Auf dem Bau verunglückt ist am Dienstag nachmittag der Ar- beiter Hermann Bauschke ans der Grünauer Straße 4. Er war auf den, Neubau des Warenhauses Wertheim in der Königstraßc bc- schäfligt und half dort im 5. Stock beim Verschalen. Plötzlich brach er durch die Rüstung und fiel bis in den dritten Stock hinab. Der Verunglückte, der ais Junggeselle in Schlafstelle wohnte, zog sich einen Armbruch, schwere innere Verletzungen und eine Gehirn- erschütterung zu. Er wurde von der Hilfswache nach dem Kranken- hause am Friedrichshain gebracht. Grabschänder haben in den letzten Tagen auf dem alten Matthäi- Friedhof au der Großgörschenstraße und auf dem Friedhof der Zwölf- Apostel-Gemeinde an der Kolonnenstraße ihr Unwesen getrieben. Von den Grabstätten zweier hiesiger Familien und einer Familie in Friedrichshagcn stahlen sie 20 Meter Bronzeletten der Einfassung. Von den Tätern und dem Verbleib ihrer Beute fehlt noch jede Spur. Der Spcisccishändler als Verführer. Einen gefährlichen Kinder- reund hat die Polizei in der Person des 50 Jahre alten Speiseeis- Händlers Hugo Günther, Wiesenstr. 25, verhaftet. G. hatte in der Nähe deS Nettelbeckplatzes einen VerkausSstand von Speiseeis auf der Straße. Er verstand eS nun, schulpflichtige Mädchen, die Eis bei ihm kauften, nach seiner Wohnung zu locken und sich dort in der schwersten Weise an ihnen zu vergehen. Gestern fiel es wieder Hausbewohnern auf. daß zwei Mädchen, die vierzehnjährige Gertrud L. und die dreizehnjährige Frida H. aus der Liebigstraße. längere Zeit hindurch in der Wohnung des Händlers aufgehalten wurden. Man schöpfte Verdacht und benachrichtigte die Polizei. G. wurde infolge- dessen überrascht und auch überführt. Er wurde ins Moabiter Unter- suchungsgesängniS eingeliefert und wird einer schweren Bestrafung entgegensehen. Der wegen Sittlichkeitsverirechen verhaftete Schankwirt Sattler aus der Fidicinstraße 8 ist am Sonnabend aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Gestern hat er sich in dem Keller des Haufes erhängt. Das„Mädchen für alles", die Berliner Feuerwehr, wurde gestern früh zu einer Affenjagd aufgeboten. Auf dem Platz an der Frankfurter Allee und Memcler Straße erschien gestern in der Morgenfrühe zwischen 9 und 10 Uhr ein alter, ehrwürdiger Mandrill, der mit seiner imposanten Erscheinung das Interesse der Bevölkerung in hohem Grade erregte. Da die Berliner Straßen kein ständiger und selbstverständlicher Aufenthaltsort für entsprungene Affen zu sein pflegen, so alarmierte man die Feuerwehr, die ihn schließlich von eine», Baume, auf dem er Schutz gesucht hatte, herunterschüttelte und mit einer Schlinge einfing. Schwere Braudwundcn erlitt am Mittwochuachmittag ein junges Mädchen Berta S. beim Plätten in der Augsburger Str. 39. Es benutzte dort in der Küche einen Spiritus-Plättapparat, der aus noch nicht ermittelter Ursache explodierte. Die Kleider des Mädchens gerieten dabei in Brand. Hausbewohner, die auf das Geschrei des flüchtenden Mädchens die Flammen erstickten, holten einen Arzt herbei, der mit Unterstützung von Samaritern der Feuerwehr dem Mädchen, das schwere Brandwunden an der Brust, an den Armen und am Kopf erlitten hatte, Verbände anlegte. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Monat August in ihren 68 Verkaufsstellen einen Umsatz von 601 888,88 M. gegen 402 472,31 M.. das sind 199 416,57 M. mehr. Die beiden ersten Monate des 13. Geschäftsjahres brachten zusammen 1 142 254,06 M. gegen 709 839,36 M. in den gleichen Monaten des Vorjahres, also 432 414,76 M. mehr. Am 12. September soll in Baumschulen- weg, Vaumschulenstr. 93a, die 69. und Ende September in Westend, Fridericiastr. 11, die 70. Verkaufsstelle eröffnet werden. Nachdem im Oktober die neuen Verkaufsstellen in Adlcrshof noch hinzu- gekommen sein werden, wird in der Gegend der Berg- und Zieten« straße in Rixdorf die 80. und in der Gegend der Ufenan-Hutten- straße die 81. Verkaufsstelle eröffnet werden.— Die Bäckerei, Selter- Wasser- und Limonadesabrik(Monat August 56 000 Flaschen) sowie die Kaffeerösterei sind beinahe an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, so daß auf die Fertigstellung der rüstig fortschreitenden Neubauten schon gewartet wird. Neun AutoS sind jetzt zur Beförderung der Waren in Betrieb. Wer ist die Tote? Am 3. September 1911, nachmittags gegen 7 Uhr, wurde vor EorneliuSstr. 4 die Leiche einer unb�fainiten, etwa 25 Jahre alten Frauensperson aus dem Landwehrtänal ge- zogen und dem Schauhausc zugeführt. Beschreibung: 1,60 Meter groß, kräftig, dunkles gelocktes Haar. Bekleidung: Schwarzer Rock, weiße Bluse, weiße Wäsche und Unterkleider, rosa durchbrochene Strümpfe, halbe schwarze Lackschuhe, goldene Ohrringe, weißer englischer Strohhut mit schwarzem Samt- band und zwei weißen metallenen Hutnadeln mit roten GlaSknöpfcn. Mitgeführt hatte sie eine braune Handtasche, enthaltend zwei ungezeichnete weiße Taschentücher, eine Schachtel Zündhölzer, ein Paar zweiknöpfige braune Glaccchandschuhe, einen HmiS- und einen Korridorschlüssel sowie einen Schlüssel zum Sicherheitsschloß, einige Straßenbahnbilletts. Rabattmarken und ein braunes Porte- monnaie ohne Inhalt. Aufklärende Nachrichten über die Periön- lichkeit erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 409, zu Nr. 3853 IV. 55. 11. Auch nimmt jedes Polizeirevier diesbezügliche Nachrichten entgegen. Großfcucr kam in der letzten Nacht in dem Neubau Potsdamer Straße 20 gegenüber der Eichhornstraße zum Ausbruch. Als die Berliner Feuerwehr an der Brandstelle erschien, stand bereits das provisorisch angebrachte Nüst- und Stützenmatcrial im Keller und Erdgeschoß vollständig in Flammen. Der Bauwächter war voll« ständig überrascht worden. Mit fünf Schlauchleitungen ging die Feuerwehr zum Angriff vor und es gelaug ihr, den Brand auf den Keller und das Erdgeschoß zu beschränken. Vorort- JVacbndrtem Nixdorf. lieber die Tätigkeit der Stabtvcrordnetenfraktiv« erstattete Genosse W u tz k i am Dienstag Bericht in einer Generalversammlung deS WahlvercinS. Der Redner verwies darauf, daß der Kampf gegen den Wahlrcchtsraub im Vordergrunde deS Interesses stand. Auf die Beseitigung deS OrtSstaiutS, welches den Wahlrechtsraub sanktioniert, richteten unsere Genossen ihr Hauptaugenmerk. Nachdem durch Urteil des ObervcrwaltungSgerichlS festgestellt war. daß daS, was die Wahlrechtsräuber durch das Ortsstatut erreichen wollten, ungeietzlict, ist, versuchte die bürgerliche Mehrheit immer noch, an dem Ortsstatut festzuhalten, bis es dem erneuten Ansturm unserer Genoffen gelang, cS zu Falle zu bringen. Aller- dings bereitete der Magistrat der bürgerlichen Mehrheit die Freude, selbst die Aushebung deS unhaltbaren Statuts zu beantragen, damit die Mehrheit nicht nötig hätte, einem sozialdemokratischen Antrage zuzustimmen.— Auch auf anderen Gebieten konmiunaler Tätigkeit halten unsere Genossen harte Kämpfe mit den bürgerlichen Stadt- verordneten zu führen. Immer stießen unsere Anträge für Verbesserungen zugunsten der Arbeiterbevölkerung aus den schärfsten Widerstand der Gegner. So sind beispielsweise die Schulverhälttnsse in Rixdorf einer so großen Stadt unwürdig. Die Frequenz der BoklZschule ist so stark, daß eine fruchtbare UnterrichtStäligkeit gar nicin erwartet werden kann. Aus dem Verwaltungsbericht des Magistrats geht hervor, daß auf eine Klasse 57—60 und auf eine Lehrkraft sogar bis 69 Schüler kommen. Wie unzureichend für die Volksschule gesorgt ist, das zeigt auch ein Vergleich der Kosten der Volks- und der höheren Schulen. Im Jahre 1908 betrugen die Ausgaben der Stadt pro Kopf der Schüler in der Volksschule 62,32 M.. im Real- gymnasium 106,19 M.. in der Oberrealschule 160,73 M. Im Jahre 1909 kostete ein Schüler der Volksschule 70,14 M.. de« Real- ghmnasiumS 91,79 M.. der Oberrealschule 146,04 M.. der Realschule 182,02 M. Die Erhöhung der Ausgaben für die Volksschule ist aber nicht durch Verbesserung des Unterrichts entstanden, sondern durch Erhöhung der Baukosten und der Lehrergehälter.— Die Einrichtung" der Schulärzte ist durchaus ungenügend. Nur 4500 Mark werden dafür ausgegeben. Die Untersuchung der Schulkinder wird von mehreren Acrzten gegen geringe Ver- gütung im Nebenamt betrieben. Unser Antrag. 15000 M. für diesen Zweck zu vewülligen und zwei Aerzte miZschtieszIicfi als Schulärzte anzustellen, ist abgelehnt worden.— Auch mit den Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt ist es, wie der Redner an Beispielen zeigte, schlecht bestellt. Ganz unzureichend ist die Sciuglingsfiirsorge. Die Waisenpflege läßt viel zu wünschen übrig, namentlich sind die Waisenkinder, welche auf dem Lande in Kostpflege gegeben werden, oft recht schlecht aufgehoben. Die Verwaltung des Krankenhauses ist nichts weniger als gut. Das Kraukenhaus selbst ist so unzureichend, daß mehr als 100 Kranke in einem Monat abgewiesen werden muhten.— Gegen die Einführung der kommunalen Arbeitslosen- Versicherung sträubt man sich, indem man sagt, das könne mtt im Eiirverstäudir« 3tit allen Gemeinden Groh-Berlins gemacht werden. Also weil sich die Gemeinden über diesen wichtigen Zweig kommu naler Wohlfahrtspflege nicht einigen können, müssen die Tausends von Existenzen durch die Folgen der Arbeits losigkeit unlergehen. Seit Jahren wird die Errichtung einer städtischen Badeanstalt erörtert. Seit Jahren stehe» vier Bauraten für die Badeanstalt im Etat, das Projekt ist fertig, aber gebaut wird immer noch nicht. Die geplante städtische Müllabfuhr kommt nicht in Gang, weil die Haus besitzer dagegen sind.— Die Wasserversorgung entspricht nicht den Interessen der Stadt, denn der Vertrag mit der Charlottenburger Wasserwerksgesellschaft entspricht den Geschäftsinteressen dieser Gesellschaft.— In jedem Falle, wo irnsere Genossen Verbesserungen zugunsten der Bevölkerung beantragen, heiht es, sie können nicht durchgeführt werden, weil die Geldmittel dazu fehlen. Auf einem Gebiet aber darf es nicht an Geld fehlen, das sind die Polizeikosten Dafür hat die Stadt jährlich eine halbe Million zu zahlen und die Vertretung der Stadt hat nichts dazu zu sagen. Die Rechnung, welche der Polizeipräsident präsentiert, muß einfach bezahlt werden. Wie der Magistrat sagt, sind in derPolizeikostenrechnung hohe Beträge enthalten ohne nähere Angabe, wofür sie verwendet werden. Nun, wir wissen ja, daß derartige geheime Fonds für Spitzeldienste verwendet werden Der Redner schloß mit dem Hinweis aus die nächsten Wahlen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, der reaktionären Mehrheit den Garaus zu machen, umsomehr, da ja die Wählerlisten nicht niehr nach dem anderthalbfachen Durchschnitt, sondern nach dem Prinzip der Drittelung aufgestellt werden müssen. Dem Referat folgte eine rege Diskussion, welche zeigte, daß die Parteigenossen lebhaften Anteil nehmen an der Verwaltung der Arbeilcrfladt Rixdorf. Schließlich war noch eine geschäftliche Angelegenheit deS Wahl Vereins zu erledigen: die Genossin Röhl wurde als weibliches Mitglied des Vorstandes gewählt. werden jetzt tiefe Gräben gebogen und Sand aufgeschüttet. Es ist dies inmitten des Oualines eine recht unangenehme und langwierige Arbeit. Das beredte Schweigen des Magistrats. Gelegentlich gibt der Magistrat der Bürgerschaft seine Beschlüsse > bekannt durch Veröffentlichungen in der Presse. Mögen diese von noch so weittragender Bedeutung sein und die Wünsche und Forde rungen der Einwohner oder Kommunalwähler gröblich mißachten, eine Begründung seiner oft unverständlichen Haltung fehlt. Seitdem er sich den Wahlrechtsräubern auf Gnade und Ungnade gefangen gegeben hat, muß ihm auch der kleinste Schritt, der einer modernen Auffassung Platz machen hieße, mühsam abgetrotzt werden. Für die dritte Abteilung sind die SonntagSwahlen glücklich durch gesetzt. Um so mehr mußte der Beschluß deS Magistrats Aufsehen erregen, daß für die zweite Abteilung die Wahlen an einem Sonntage abgelehnt wurden. Die Geheimniskrämerei des Magistrats, die bei der Eingemeindungsfrage mit Treptow ein so glänzendes Fiasko erzielt hat, gibt zu allerlei nicht unberechtigten Deutungen Veranlassung. Seit einiger Zeit sind bereits die Wählerlisten fertiggestellt, die bekanntlich nach dem Prinzip der Drittelung aufgestellt find. Nach den langen Kämpfen gegen Magistrat und Stadtverordnetenmehrheit ist nun endlich an die Stelle der gesetzwidrigen Gewalt das Siecht getreten. Der überwiegende Teil der Bevölkerung, der mit Ingrimm diese Vergewaltigung drei Jahre hindurch über sich ergehen lassen mußte, erwartet mit Ungeduld die durch den Sieg des Rechts eingetretene Verschiebung bezüglich der Grenzen der Wählerabteilungen und die Zahl der eingeschriebenen Wähler näheres zu wissen. Der Magistrat hüllt sich in tiefes Schweigen. Gerüchtweise verlautet, daß in der zweiten Klasse nach der neuen Aufstellung über SOOV eingeschriebene Wähler vorhanden sein sollen, gegenüber den 2400 bei den letzten Wahlen; also eine Zunahme von etwa 7000 Wählern. Diese rund 2400 Wahlberechtigten wählten in vier Wahllokalen, es entfielen also durchschnittlich auf jedes Wahllokal rund 600 eingeschriebene Wähler. Hierdurch hat sich schon manche Störung gezeigt, da insbesondere in den Abendstunden, durch den ruckweisen Andrang der Wähler in relativ unzulänglichen Wahllokalen,«ine glatte Abwicklung der Wahl- geschäfte beeinträchtigt wurde. Umso unverständlicher muß der Bc- schluß deS Magistrats wirken, da auch ihm diese Tatsachen hin- reichend bekannt sind, daß die nunmehr LOOO Wahlberechtigten in nur sechs Wahllokalen wählen sollen, also auf jedes Wahllokal ungefähr 1500 Wähler entfallen. Dieser Beschluß ist eine Brüskierung der Interessen der Wähler. Wer die Verhältnisse kennt, wird mit Recht be- fürchten müssen, daß unter solchen Umständen kaum an eine ordnungsgemäße Erledigung der Wahlgeschäfte zu denken ist. In Betracht muß auch gezogen werden, daß an den Wahlvorstand hervorragende physische Anforderungen gestellt werden, die die Wahl« Handlung auch nicht zu erleichtern imstande sind. Es muß bei den bevorstehenden Wahlen unter allen Umständen damit gerechnet werden, daß eine enorme Beteiligung zu erwarten ist. Welche weisen Gedanken den Magistrat leiteten, als er die Sonutagswahlcn ablehnte, die unter den besonderen Umständen geradezu eine zwingende Notwendigkeit sind, braucht er der Be- völlerung nicht mitzuteilen. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurfte nach all' deni Vorhergegangenen, wie sehr der Magistrat die Interessen der Bürger- schast mißachtet, ist er durch die beiden charakterisierten Beschlüsse glänzend erbracht._ Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Dienstagabend in dem Hause Caimcr Cbaussee 43. Dort war die 4gjährige Geflügel- Händlerin Frau Anna Köckeritz damit beichäfligt, Geflügel über einer offenen Spiritusflauune abzusengen. Durch eine unvorsichtige Be- wegung stürzte der Spirituskocher um und der brennende Inhalt ergoß sich über die Kleidung der Frau. Laut hilferufend stürzte die Unglückliche� die einer lebenden Feuersäule glich, auf die Treppe hinaus und brach dort bewußtlos zusammen. Hinzueilende Nach- barn erstickten den Brand durch Ueberwerfen von Tüchern und schafften die Händlerin, die schwere Brandwunden an der Brust, im Gesicht und an den Armen davongetragen hatte', nach dem Krankenhaus». ßthnrlottenburg. Brennendes Torfmoor. Die hiesige Feuerwehr wurde am Dienstag nach der Spandauerberg-Branerei, vormals C. Bechmann Akt.-Gesi, gerufen. Dort steht seit einigen Tagen schon in un- mittelbarer Nähe der Hainburger Eisenbahn, nahe der Spree im sogenannten Spreetal und in der Nähe des NonnendammcS ein über 2000 Quadratmeter großes Torfmoor in großer Ausdehnung in Flammen. Der Oualin hüllt die ganze Gegend ein und vcr- breitet einen unangenehmen, beißenden Geruch, der sogar in Char- lollenbura sich bemerkbar macht. Das Moor brennt schon bis zu einer Tiefe von 1 Meter. An eine Löschung mit Wasser ist kaum zu denken. Um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Schöneverg. Ein großer Dachstnhlvrand beschäftigte am gestrigen Mittwoch die Schöneberger Feuerwehr in der Ebersstr. 23. Das Vorderhaus stand in großer Ausdehnung in Flammen. Mt fünf Schlauch leitungen mußte kräftig Wasser gegeben werden, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Vermutlich liegt Brandstiftung vor. Friedenau. Die Wahlen zn dem neu errichteten Gewerbegericht finden am Montag, den 18. September, nachmittags von 2—8 Uhr, im Nestau- rant„Hoheuzollern", Handjerysir. 64, statt. Die von unseren Genossen beantragte Proportionalwahl wurde von. der Gemeinde Vertretung abgelehnt, es entscheidet also die einfache Majorität. Zu wählen sind 24 Beisitzer, und zwar 12 Arbeitnehmer und 12 Arbeitgeber. Von dem evangelischen Arbeiterverein am Orte ist eine Gegenliste aufgestellt worden, was unseren Genossen ein Ansporn zur regen Agitation sein muß. Wahlberechtigt find alle am Ort wohnenden oder beschäftigten Arbeiter, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben. Als Legitimation gilt für die nur in Friedenau Beschäftigten eine Be scheinigung des Arbeitgebers, die derselbe auszustellen gesetzlich ver pflichtet ist. Die in Friedenau wohnenden Arbeiter müssen sich durch polizeilichen Ausweis als ortsansässig legitimieren. Formulare zu derartigen Bescheinigungen werden im Gemeindebureau, Feurig straße, Zimmer Nr. 8, unentgeltlich abgegeben. Die Namen der von der Gewerkschaftsunterkommission aufgestellien Beisitzerkandidaten werden in eine in Kürze erscheinenden Flugblatt veröffentlicht. Steglitz. Uebcr einen Scharfmacherstrcich, den man in der Nähe Berlins nicht für möglich gehalten hätte, berichtete in der vor einigen Tagen abgehaltenen Generalversammlung der Gemeinsamen Ortskranken- kasse für Steglitz der Vorsitzende derselben. Als im Herbst deS vergangenen Jahres an Stelle des bisher amtierenden Vorsitzenden feines Arbeitgebers) unser Genosse E. Barthel gewählt wurde, be- gannen die Scharfmacher aller Schattierungen, den neuen Vor- stand mit den kleinlichsten Mittelchen zu bekämpfen, ohne daß jedoch ihr unrühmliches Treiben den gewünschten Erfolg hatte. Als nichts mehr zog, betraute man einen der Haupttufer im Streit, den Inhaber einer Rohrleger- und JnstallationSfirma, Herrn Lüdemann, mit einer schäbigen Mission. Dieser Herr wandte sich nämlich vertraulich an den Arbeitgeber unseres Genossen Barthel und ersuchte denselben im Interesse der gefährdeten Arbeitgeberfache Barthel aus seinem Arbeitsverhältnis zu entlassen. Der hier in Frage kommende Arbeitgeber war aber nicht unanständig genug, den frommen Wunsch des Herrn Lüdmann zn erfüllen, sondern teilte die Angelegenheit dem Genossen Barthel mit, der in der Generalversammlung das Treiben des Herrn Lüdemann und seiner Hintermänner gebührend kennzeichnete. Herr Lüdemann, der anwesend war, tat was in dieser verzweifelten Situation für ihn der beste Bnsweg war, er kniff. ohne auch nur ein Wort zu seiner Verteidigung zu sagen. Ob der Reichsverband diesen Fall auch in sein Material aufnehmen wird? Weifteusee. Die erste Alt-Weißenscer GrundbcsiHer-Versammlung nach den Ferien hat sich bereits mit den nächsten im März des folgenden Jahres stattfindenden Gemeindevertrcterwahlen beschäftigt. Schon die Einladung zur Versammlung, wonach nur die bürgerlichen Gemeinde- Vertreter Eintritt hatten, ließ ahnen, daß etwas loS sein müsse. Und richtig. Bei irgend einer Gelegenheit hatte Genosse Taubmann die Aeußerung gemacht, bei der nächsten Wahl gehöre auch die zweite Abteilung der Sozialdemokratie. Diese Aeußerung hol bei den Herren des alten Ortsteiles eine heillose Angst herauf- beschworen. Ein Herr Müller, seines Zeichens Schutzmann in Berlin, der hier im Nebenamte eine Schweinemästerei betreibt, sprach seine Besorgnis darüber aus, daß die bösen Sozis noch mehr Terrain gewinnen könnten. Herr Porath sprach von einem Zusammengehen zer Sozialdemokraten mit dem Hausbesitzerverein von 1910. Nur der Vorsitzende Bergenthal zweifelte daran, daß die Vermutung des Genossen Taubmann in Erfüllung gehen werde, er erinnerte an die letzte Wahl in der dritten Abteilung, die den Sieg des bürgerlichen Kandidaten gezeitigt, wenn nicht ein Fehler der Wahlleitung die Wahl ungültig gemacht hätte. Diese Aussprüche der bürgerlichen Philister müssen unsere Genossen nur anspornen, eine außerordent liche Werbetätigkeit zu entfalten. Das Ziel, in dem Arbeiterort Wcißeniee die zweite Abteilung der Gemeindevertretung mit Genossen zu besetzen, muß erreicht werden. Nowatves. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: Bekanntlich wird hierorts der alte Bahnhof abgerissen und nach der Mitte der Retzowftraße verlegt. Zu diesem BeHufe wurde ein provisorischer Bahnhof an genannter Straße errichtet. Laut Bekanntmachung der Eisenbahn- dircktion sollte derselbe am 6. September fertig sein. Alle Reisenden. die mit dem Frühzuge ihrer Arbeitsstätte zustreben wollten, waren nicht weiiig erstaunt, als sie sahen, daß die Treppe von der Retzowstraße aus noch nicht fertig war. Sie mußten infolgedessen von der anderen Seite(Lindenftraße) her den provisorischen Bahnhof aufsuchen. Kurz vor dem neuen, aber noch nicht fertiggestellten Bahnhof ist ein Uebergang. Als nun die Mitfahrenden diesen Uebergang über- chreiten wollten, waren die Schranken heruntergelassen und wir mußten nun zusehen, wie mehrere Züge an uns vorbeisausten. Da- durch haben viele Reisende den Zug verpaßt und mußten einen Zug 'päter fahren. Wenn der provisorische Bahnhof doch noch nicht komplett war, hätte die Direklion auch noch von der alten Haltestelle abfahren lasten sollen, dann wäre vielen Aerger, Verdruß und Arbeits» Versäumnis erspart geblieben. Spandau. Wegen SittlichkeitsvergeheuS an der elfjährigen Tochter seines in der Kurstraße wohuhaflen Bruders ist gestern der 24 Jahre alte unverheiratete Arbeiter Friedrich Br. auS der Hamburger Straße verhaftet worden. Potsdam. Ei» Moorbraud auf den Potsdamer Nuthcwicscn, der fast zwei Tage mit ungemindeNer Heftigkeit wütete, konnte gestern gelöscht iverdcn. Auf dem Wieseuterrain zwischen den Gemarkungen NowaweS, Drewitz. Potsdam und der Potsdamer Forst entflammten vermutlich durch Selbstentzündung zehn Morgen Rasen. Das Feuer raß sich in die Tiefe und verzehrte die Moorschichten, die dort große Ausdehnung befitzen. Zuerst waren die freiwilligen Feuer- wehren von Potsdam und NowaweS dem Brande gegenüber macht- los, der immer mehr um sich griff. Eichcu- und Erlcustämme, die in dem Moorgrund lagerten, enlflammten wie Zunder, und die Wosserstr»�:n, die in die schwelenden Giutm geschlendert wurden, verpufften als Darnpftvolken. Erst als die Dampfspritze in Funktion trat, konnte man dem Feuer schrittweise den Boden streitig machen. Man zog Gräben und Branddämme um daS gefährdete Gebiet und schließlich gelaug eS, die Brandnarben umzugraben und unter Wasser zu setzen. Erst gestern mittag konnte die Brandwache nach schwerer Arbeit wieder abrücken. des Stolzes und der Genugtuung nicht unterdrücken können. Es hat sich auch hier wieder gezeigt, daß einer Einrichtung, die von der Notwendigkeit diktiert, von den Verhältnissen getragen wird, der Erfolg nicht versagt bleibt. Selbst die ausgesprochensten Skeptiker innerhalb der Partei sind aus Saulusien zu Paulussen geworden. Allerorts wachsen— wie Pilze nach dem Gewitterregen— Frauen- lesenbende auf, allein in Berlin sind viele Dutzende vorhanden und Tausende von Proletarierinnen holen sich dort mit Lust und Eifer das theoretische Rüstzeug zum Kampfe gegen Ausbeutung und Unter- drückung, nehmen dort den Geist des wissenschaftlichen Soziatismus in sich aus. Mögen auch diese Zusammenkünfle nicht immer sifion bis ins Kleinste organisiert und ausgebaut sein, sicherlich aber stellen sie heute schon einen Faktor in der Arbeiterbewegung dar, dessen segensreiches und stuchtbares Wirken, dessen eminente Bedeutung erst künftige Generationen der Arbeiterschaft voll und ganz werden ermessen können. So weit, so gut? Noch aber breitet sich bor uns ein weites, steiniges und hartes Brachfeld aus, das gewaltige Kräfte erfordert, aber nach erfolgter Deackerung auch gewaltige Kräfte auslösen wird: nämlich die ländlichen Gebiete mit ihren kleinen, verstreut liegenden Ortschaften und Städtchen. Dort sind bis heute derartige Frauen- zusammenkünfte so gut wie gar nicht vorhanden. Wenngleich nun auch niemand verlangen wird, daß in Orten von 300 Einwohnern schon ein Leseabend gegründet werden soll, so gibt es aber doch genug stark init industrieller und ländlicher Arbeiterschaft bevölkerte Kleinstädte und Flecken, wo eine Schar erprobter Genossen vorhanden ist und wo alle Vorbedingungen zur Schaffung eineS Frauen-Lese- abends vorhanden wären— bis auf eine: den geistigen Leiter. AuS der Mitte der seßhaften Ortsgenossen ist unter den heutigen Verhältnissen in der Regel wenigstens keiner, der gewillt und ge- eignet wäre, diesen Posten auszufüllen. Daß aber ein außerordent- liches Interesse für alle Lebenslagen der Arbeiterschaft gerade beim weiblichen Proletariat in jenen Diswikten vorliegt, beweist, offen- kundig die reichliche Beteiligung der Frauen bei öffentlichen politi- scheu Versammlungen. Wer draußen agitiert, wird diese Tatsache be- stätigen müssen. Diese Versammlungen nun in allen Ehren, aber ihr Erfolg eist- spricht bei weitem nicht immer den aufgewandten Mühen und Losten. Nicht alle Ausführungen des Vortragenden, und sei es der beste Redner, werden von den Anwesenden und besonders von den Frauen vollkommen erfaßt und verstanden. Mit Rätseln und Fragen beschwert gehen viele von ihnen aus der Versammlung. Noch weniger aber haben diese Frauen den Mut, vor aller Oeffentlichkeit vom Referenten Auskunft zu erbitten oder gar eine Diskussion zu entfachen und durch die Wiedergabe der eigenen Erfahrungen und Erlebnisse das Referat agitatorisch wirft am zn ergänzen. Als Referent lernt man daS auf AgitationStouren am besten kennen, wenn am Schlüsse der Versammlungen, im'kleinen Kreise, sich die Zungen lösen und das mitteilen, was schon wäbreitd deS Vortrages darauf gebrannt hat. Mit anderen Worten gesagt: "o notwendig und agitatorisch wertvoll die öffentlichen Versamin- lungen sind, alS ergänzender Teil müßten sich ihnen kleine Lese- zirkel anfügen. In jeder zweiten oder vierten Woche müßte ein olcher Leseabend stattfinden, wobei für gewöhnlich allerdings nur daS Winterhalbjahr in Betracht käme. Die Hanptschwjerigkeit böte die Lösung der Referentenfrage, wobei es gleichgültig wäre, ob ein Mann oder eine Frau diesen Posten versähe. Die auch noch in Genosseilkreisen vielfach vertretene Ansicht, daß nur die Frau wirksam unter ihrem Geschlecht agitieren kann, ist ein Irrtum, den ja schon allein unsere ganze Parteigeschichte he- richtigt. Wie in allen Erziehungsfrage» entscheidet auch hier einzig und allein das pädagogische Talent. Und haben Revolutionen Volks- ührer hervorgestampft, so wird die Notwendigkeit auch die nötigen Kräfte für diese Ausgabe ausbringen. Zum Teil sorgt schon unsere Parteischule in dieser Hinsicht. Die Tätigkeit der arbeitenden Kräfte würde natürlich auf die Arbeit der Wanderredner hinauslaufen. Würde nun für jeden Ort z. B. im Monat nur e i n Leseabend fcst- zesetzt, so könnte der betreffende Leiter zirka 25 Orte verleben, da a eine Veranstaltung sich an die andere reihte. Erforderlich wäre a freilich, daß der Referent es verstände, in die Psyche dieser Volks- kreise einzudringen, sich mit ihren Verhältnisien. ihren Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehend vertraut zu machen und anknüpfend hieran die Lehren und Grundsätze der Sozialdemokratie in schlichter, gemeinverständlicher Weise auszulegen und zu erklären. Im kleinen Kreise, ungeniert und unbeobachtet, im munteren Frage- und Antwortspiel wäre es mit Leichtigkeit zu erreichen, die Frauen von ihrer Befangenheit, ihrer Aengstlichkeit zu befreien, sie zu regein Gedankenaustausch zu veranlaffen. Die Vorteile und Wirkungen einer derartigen Einrichtung lassen sich auch nickit annähernd aus- denken. Die Kostenftage würde sehr wohl zu lösen sein, zumal ja die öffentlichen Versammlungen auch Geld erfordern, ohne dabei immer den gewünschten Erfolg zu bringen. Auch würde die Zahl der notwendigen bezahlten Leiter mit der Zeit immer geringer werden, da ja in den meisten Orten sich geeignete, brauchbare und arbeilssreudlge Kräfte entwickeln würden. Jedenfalls ist diese Anregung einer eingehenden Beachtung wert. E. Unger. Versammlungen— Veranstaltungen. Die Kontrolleurinnen der Kinderschntzkommission des Kreises Teltow-Beeskow werden zu einer Sitzung auf Freitag, den 8. September, abends 8%. Uhr, nach dem Gewerk- schaftShaus, Saal 5, eingeladen. Verein für Frauen und Mädchen' der Arbeiterklasse. Montag, den lt. September, nackimittagS'/«ö Uhr: Exkursion nach der Deutschen GlaSmosaikgesellschaft Puhl u. Wagner, Treptow- Rixdorf. Kiesholzstraße. Treffpunkt daselbst vor dem Institut. £Iiis aller Welt. Bus der Frauenbewegung. Wander-Franenleseabcnde? Wer baS Aufblühen und prächtige Gedeihen abende beobachtet oder dabei gar mitgewirkt hat� der Frauen-Lese« wird ein Gefühl Erdbeben in Württemberg. Nach einem Telegramm auS Stuttgart wurden in der letzten Nacht in Ebingen und Hechingen mehrere Erdstöße von mäßiger Stärke und bis zu 6 Sekunden Dauer verspürt, die zwar keinen Schaden anrichteten, aber die Bevölkerung aus dem Schlafe weckten und erschreckten, weil fie mit starkem unter« irdischen Rollen verbunden waren. Gläser klirrten, ver- einzelt fielen Gegenstände von ihrem Platz, und Uhren blieben stehen. Auch in Tübingen wurden die Erdstöße wahrgenommen. » Wie die.Dürener Zeitmig" ans Köln meldet, wurden Mitt- woch nachmittag gegen 3 Uhr zwei ziemlich heftige Erdstöße verspürt. Die Erschütterung war so stark, daß Bilder und kleinere Möbel in leichte Bewegung gerieten. Auch in Aachen. Esch- weilcr und anderen Orten der Umgegend machten sich die Erdstöße bemerkbar._ Ein weiser Zensor. Im Königsberger Neuen Schauspielhanse wurde die Auf- führung einer Burleske von Lothar Schmidt und Heinrich Jlgenstein vorbereitet. Die allzeit fürsorgliche Zensur hat jedoch noch recht- zeitig durch ein Verbot die Luffiihrmig verhindern können. Was umsomehr anzuerkennen ist, als jber Titel des verbotenen Stückes „I'iat.rustitia" lautete. In unsere neudeutschen Berhälwisie paßt der Ruf»Hoch die Gerechtigkeit!" mich wirklich nicht hinein._ Tie Cholera unter de» türkischen Truppen. Im türkischen Heere findet die Cholera dank der Untätigkeit der verantwortlichen Behörden immer weitere Verbreitung. Vis Die»*- tag waren von 3—4000 Soldaten, die in Sibri Bornou in Quarantäne liegen, 240 Soldaten und 12 Offiziere der Cholera zum Opfer gefallen. Außerordentlich strenge Mahnahmen sind■ dem KnegSminister beifügt worden, um weiteres Umsichgreifen der schrecklichen Seuche zu verhindern. em Reiche Beute. Ein verwegener Juwelendiebstahl auf offener Straste wurde gestern in Wood Green, im Norden Londons, verübt. Ein Geschäftswagen der Firma Lawson. Ward u. Gamage befand sich an der Ecke einer Straße in Wood Green. i£>er Kutscher harre sich aus kurze Zeit entfernt. Trotzdem der Wagen stark verschlossen und die Räder fest angekettet waren, war der Wagen, als der Kutscher zurückkehrte, verschwunden. Ein unbekannter Mann im Alter von ungefähr 28 Jahren hatte sich mit dem Wagen davon- gemacht. Später wurde der Geschäflswagen in einer leeren Straße init zerbrochenen Fenstern und geöffneter Tür, der Schmuck- fachen beraubt, wieder aufgefunden. Der Wert der gestohlenen Gegenstände. Diamanten, Broschen usw. beziffert sich auf un- gefähr 60000 M. Kleine Notizen. Schwere SchiffSkatastrophe. Aus Lima&.n 0/.. Ott l>/ Abzug vom bisherigen mit 19 U /0 mit �rU /O mit£.*9 /O Verkaufspreis. Sommers und Winters Kleidung. \ % K 4fr Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Steliengesucbe und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.i das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndensirasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Zehn Prozent Rabatt.Vorwärts' lesern. Teppiche. Farbensehler, jetzt sabcl hast billig. Rieseii-Fabriktager, Grosze Aranlsurlerstrasze 125, im Hauie der Möbcisabrik; billiger wie überall. Vorwärtslesern noch extra 1l) Prozent Rabalt. Sonntags geössnet. Gardinen, Fabritreste, Fenster 1.65, 2.35, 2.85, 3.50, 4.50, 6.75 usw Totalausverkanf oon an- geschmutzten Gardinen, Stores, Bett decken staunend billig. Große Frank surterstraßc 125. Tuch- und Plüschportiercn, Gar> Nitnr 3.85. 4.50, 5.25, 6.50, 8.25, 10.50. Fabrillager Große Frankfurter� straße 125. 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