Nr. 310, Ndonnementz-lieckingWM HBonncmcnti- Preis pränumerando i Lierteljährl. 3£0 9Rf., Mona«. 1,10 Ml, wöchcnllich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Slunimcr K Pfg. Sonntags- nummer mit illufiricrter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofl- dtbonnciuent: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS. PrelSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für da- übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncnieiUS nehmen an: Belgien, Däneniarl Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz, 28. Iahrss. CrfchdDt Wich außer montags. Vevlinev Volksblatt. Tentralorgan äev fo2ialäemokratifcken Partei Deutfchlands. DU Tnlertions-Gebfiltr Betrügt für die sechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Rauni 60 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche VereluS- und VersamnilungS. Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Bnzeigen", da- fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlosstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Worts Pfg, Worte über 15 Buch- stoben zählen für zivci Worte. Inserate kür die nächste Nummer müsien bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition «pgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm. Adresse: „Sozialdtciokrat ßerU»". Die[(])weizeriki)eD iiationalrats-- «vahlen. Ende Oktober finden in der Schweiz die Nationalrats- Wahlen, und zwar in verschiedenen Beziehungen unter wesent- lich anderen Umständen als vor drei Jahren statt. Einmal sind diesmal 21 Abgeordnete mehr zu wählen, insgesamt 188, da von� 1900 bis 1910 die Bevölkerungszahl von 3 315 413 auf 3 741 917 gestiegen ist und an der Vertretungszahl von 20 000 Einwohnern unveränderlich festgehalten wurde. So- dann haben die chauvinistischen Leistungen engherziger Grüt- lianerführer endlich die so lange und zum großen Schaden der schweizerischen Sozialdeniokratie geschlummerte Selbst- kritik in unseren Reihen geweckt, die nun auch den verderblichen Personenkultus und die persönliche Politik einzelner alt- bewährter Führer näher untersucht und mancherlei Versündi- gungen derselben an den Interessen der Arbeiterschaft feststellt. Zu einem wahren Skandal ist die persönliche Liebhaberei und Eigenbrödelei verschiedener sozialdemokratischer National- räte ausgeartet, so daß die Fraktion wiederholt bei Abstim- mungenl das bedauernswerte Bild arger Zerfahrenheit bot. Von den früheren sieben und seit der Flucht Scherrers in den Ständerat jetzigen 0 sozialdemokratischen Nationalräten treibt jeder Politik auf eigene Faust. Der eine stimmt für einen Antrag, der andere dagegen; der dritte enthielt sich der Ab- ftimmung und der vierte war zur Vorsicht gar nicht in die Sitzung gekommen-: der Rest traf seine Auswahl aus diesen verschiedeneib Sorten von Taktik und schloß sich der einen oder anderen an und verstärkte sie. Nur der Mangel an Klarheit über die Bedeutung des Mandats und der Mangel an Bewußt- sein und der Entschlossenheit, unter allen Umständen sich nur von der Rücksicht auf die Interessen der Arbeiterschaft, deren Vertrauensmänner und Vertreter sie sind, leiten zu lassen, konnte eine solche disziplinlose Zerfahrenheit herbeiführen. Sie trat namentlich in der letzten dreijährigen Legislatur- Periode immer wieder zutage, während die Einigkeit der Frak- tion und infolgedessen auch ihre Wirksamkeit in der Legislatur- Periode von 1902— 1905 eine befriedigende war. Das Wüten der Gegner gegen unsere Partei bei den Nationalratswahlen von 1905, bei denen denn auch einige bisherige sozialdemo- kratische Abgeordnete aus der Strecke blieben, ist nicht ohne Einfluß auf die weitere Haltung unserer Fraktion geblieben. Aber gerade jenes gegnerische Wüten war die schönste An- erkeünung der Tätigkeit der damaligen sozialdemokratischen Fraktion, An Kritik der bedauerlichen Erscheinungen in den letzten Jahren fehlte es allerdings in unseren Reihen nicht; mehrere unserer Parteiblätter verurteilten scharf und rückhaltlos das immer wiederkehrende beschämende Verhalten unserer Frak- tion. Aber sofort erhoben sich zu deren Verteidigung auch die Flaumacher, Leisetreter und„Staatsmänner", deren Tumniel- platz der„Grütlianer" war und ist, um dieses Gebaren ein- zelner zu rechtfertigen und zu beschönigen und andererseits die Kritik als„parteisckstidigend" zu diskreditieren. Es versteht sich, daß daran die Gegner ihre helle Freude haben, und daß zeitweise der„Grütlianer" das meistzitierte Blatt der bürger- lichen Presse war und namentlich gegenwärtig in der Dis- kussion der Frage der Reorganisation der Partei ist, in der er den rückständigsten bürgerlich-chauvinistischen Standpunkt vertritt und auch ganz nach bürgerlichen Methoden kämpft, die freilich nicht einer„Parole von Berlin", wohl- aber einer solchen aus Krähwinkel folgen. In verschiedenen Wahlkreisen, ist man bereits in die Wahl» Bewegung eingetreten, um die Situation im eigenen Lager zu klären und die Ansprüche an die Vertreterzahl festzusetzen. Ein Parteitag wird vor den Wahlen nicht mehr abgehalten. Daher bringt die Gesckwftsleitung in Biel folgende Beschlüsse früherer Parteitag'e betr. die Nationalratswahlen in Erinne» rung: 1. Es sollen in allen Wahlkreisen, wo es den Partei- genossen irgend wie möglich ist, ausgesprochen sozialdemokra- tische Kandidaturen aufgestellt werden. Diese parteigenössi- scheu Kandidaten sollen sich verpflichten, im Falle der Wahl einiger weiterer Parteigenossen zu den bisherigen Genossen im Nationalrat eine besondere sozialdemokratische Fraktion zu bilden. 2. Tie etwaige Unterstützung nicht parteigenössischer Kandidaten resp. die Abschließung von Kompromissen mit anderen Parteien liegt im freien Ermessen der Genossen der einzelnen Wahlkreise. Unter allen Umständen sollen jedoch die von den sozialdemokratischen Parteien der Kreise auf- gestellten Wahlvorschläge, auch wenn sie neben den Partei- kandidaturen noch andere, bürgerliche Kandidaten aufweisen, deutlich den Charakter eines von der sozialdemokratischen Partei des betreffenden Kreises selbständig aufgestellten Wahl- Vorschlages enthalten, 3. Tie Partei- resp. Telegiertenver- Sammlungen der Kreise haben bis spätestens Ende September ihre Parteikandidaten zu bezeichnen und der Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei sofort mitzuteilen, worauf dieselbe alle Parteikandidaten anfangs Oktober zu vcrösfent- lichen hat. 4. Tie Aufstellung einer und derselben Kandidatur in mehreren Kreisen ist zulässig._ Die schweizerische Arbeiterschaft wird im nächsten Herbst im übrigen für keinen Nationakratskandidaten stimmen, der nicht für die Revision des Fabrikgesetzes— mindestens im Sinne des bundesrätlichen. Entwurfes sich verpflichtet.«. Die unangenehme Ziffer 2 ist das bedenkliche Produkt des bürgerlichen Parteiterrorismus, der in der Listenwahl nach dem Majoritätssystem besteht und der die Arbeiterschaft ver- gewaltigt. Von den 49 Wahlkreisen sind nur 5 Einerkreise, lauter katholische Kantone, die also ebenso viele sichere Do- mänen der Ultramontanen sind. Daneben gibt es zwei Kreise mit je 8 Abgeordneten, sechs mit je 7, drei mit je 6, sechs mit je 5, 11 mit je 4, 10 mit je 3 und sieben Kreise mit je 2 Ver- tretern. Ein Kreis ist neu geschaffen worden, und zwar durch die Teilung des Züricher Kreises, der bisher 9 Vertreter hatte und nun 12 erhalten sollte und den dann die Furcht der Bürgerlichen, alle 12 an die Sozialdemokraten zu verlieren, in Mei Kreise mit 7 bezw. 5 Vertretern zerreißen ließ, wobei der letztere mit Außersihl und einigen kleineren Gemeinden einen sicheren sozialdemokratischen Wahlkreis bildet. Einen solchen besitzt unsete Partei nur noch in Basel, wo 1908 Genosse Dr. B r ü st l e i n allein mit sozialdemokratischen Stimmen im ersten Wahlgang gewählt worden war, obwohl er wegen mangelhafter Feststellung der Wahlziffern sich einer Stichwahl hatte unterziehen müssen. 14 Wahlkreise erhalten jetzt je einen Vertreter mehr als bisher und unsere Genossen sind überall darauf bedacht, sich wenigstens diese neuesten Mandate zu erobern, In Zürich hat die Wahlbetvegung im Zeichen der Frage der Parteiorganisation eingesetzt, ist also zugleich die Fort- setzung der bezüglichen Diskussion. Der sozialdemokratische Verein„Eintracht" hat die Kampagne mit einem sehr be- achtenswerten Flugblatt eröffnet, in dem festgestellt wird, was ist und wo heute die sozialdemokratische Partei der Schweiz steht. Ter Chauvinismus des„Grütlianer" war dadurch aufs höchste angestachelt, aber das Zentralorgan ist glücklicherweise nicht allmächtig und muß daher auch ihm unangenehme Dinge geschehen lassen. Ter Verein„Eintracht" hat noch ein übriges getan und in einer Versammlung direkt Stellung zu den Nationalratswahlen genommen, die er in einer längeren Rcso- lution näher präzisierte und der wir folgendes entnehmen: „Die große Bedeutung, die der Parlamentarismus in einem modernen Staate, auch in der Demokratie, gewonnen hat für die Gesetzgebung und Verwaltung des Staatswesens, zwingen un? Sozialdemokraten, der parlamentarischen Aktion nicht nur Be- achtung zu schenken, sondern ihr auch unsere Tätigkeit zu widmen. Die positive Seite unserer Vertreter im Parlament besteht in der rücksichtslosen Vertretung unserer proletarischen Klasseninter- essen, das heißt in einer Kritik der Einrichtungen und Mißstände des kapitalistischen Staates und de» Propagierung und Durch setzung der im Interesse der arbeitenden werktätigen Bevölkerung aufgestellten Forderungen. Die bevorstehenden Nationalratswahlen und die Nominierung der sozialdemokratischen Kandidaten dazu veranlaßt uns aus- ländische Sozialdemokraten, unsere Meinung und Stellung zu dieser angeblich rein schweizerischen Frage unfern Schweizer Parteigenossen zu unterbreiten. Die Erwägung nachstehender Tatsachen: 1. Der Ausgang der Bieler Tagung des Grütlivereins mit den Reden der Genossen Pflüger. Mrz, Seidel, Scherrer usw. zu dem Parteistatut und der Ausländerfrage; 2. die absonderliche Haltung einiger sozialdemokratischer Nationalräte bei den Verhandlungen und Abstimmungen in betreff der Zoll-, Absinth-, Militärfrage usw., die Vorgänge ähn- licher Art in den kantonalen Parlamenten; 3. das Verhalten sozialdemokratischer Exekutivbeamter bei wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiter, Streiks usw.; 4. die Nichtbeachtung und Vcrkennung sozialdemokratischer Prinzipien und von Beschlüssen sozialdemokratischer Partei- organisationen, Parteitage und Kongresse durch einzelne Genossen und kleine Gruppen von Genossen; und 5. die nicht von der Hand zu weisende Notwendigkeit einer starken sozialdemokratischen Vertretung der Interessen der poli- tisch rechtlosen ausländischen Arbeiter in den Parlamenten der Schweiz, zwingt uns zu folgender Erklärung: Wenn uns sozial demokratischen Arbeitern nicht von der schweizerischen sozial- demokratischen Partei die Gewißheit und die Garantie gegeben wird, daß von ihren Vertretern, Beauftragten und Mitgliedern den Beschlüssen der sozialdemokratischen Parteiorganisationen, Parteitage und internationalen Sozialistenkongresse nachgelebt wird und die sozialdemokratischen Grundsätze hochgehalten werden, andernfalls gegen renitente Genossen mit der nötigen Strenge vorgegangen wird, so können wir vom internationalen sozial demokratischen Standpunkt aus weder Zweck noch Sinn in der Beteiligung des organisierten Proletariats ersehen. DiePartei soll und muß die Kontrolle über ihre Mandat inhaber ausüben und deren Tätigkeit über- wachen. Sollte dieser bisher übliche Kurs weiter beliebt wer- den. so halten wir dafür, der Partei zu den bevorstehenden Wahlen jede materielle und ideelle Hilfe aufzukünden." Damit beschäftigt sich nun auch die� gesamte Züricher Arbeiterschaft, die, ausgerüttelt durch alle die verschiedenen Vorgänge der jüngsten Zeit, voraussichtlich den in der Reso- lution gezeichneten Richtlinien folgen wird. � Es ist denn auch nur zu wünschen, daß einmal auch bei der Ausstellung der Kandidaten die Sonde der Kritik an die Per- sonen gelegt werde, um uicht letzten Endes eine verstärkte sozialdemokratische Nationalratsfraktion zu erhalten, die die beklagten Fehler der heutigen kleineren Fraktion in größerem Maße wiederholt. Der Deutsche Ztadtetag und die Drbeitsloieuveriicherung. Der in den nächsten Tagen in Posen zusammentretende Deutsche Städtetag wird sich auch mit der Frage der Arbeitslosen- Versicherung befassen. Die Oberbürgermeister Wallraf- Köln und Dr. Ad i ck e s- Frankfurt a. M., die über dieses Thema Vorträge halten werden, haben den Mitgliedern des Städtetagcs bereits ihre Thesen zugestellt. Beschlüsse werden auf den Städte- tagen bekanntlich nicht gefaßt, so daß die dort gepflogenen Ver- Handlungen lediglich den Wert akademischer Erörterungen be- sitzen. Der Inhalt der Thesen verdient Beachtung. Es hat aller- dings, schon wenn man die erste These besieht, den Anschein, als sei die ganze Angelegenheit auf eine falsche Basis gestellt, denn es wird davon gesprochen, daß, wenn die Stadtverwaltungen sich mit der Frage der Arbeitslosenversicherung beschäftigt haben, dies nur aus„st arker menschlicher Teilnahme für die Nöte der unverschuldet Arbeitslosen" geschehen sei. Von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit und sozialen Verpflichtung der staatlichen oder kommunalen Fürsorge für die Arbeitslosen ist nicht die Rede. Man kann aber von den Herren auch nicht mehr verlangen, als sie in Anbetracht ihrer bürgerlichen Anschauungs- weise zu geben in der Lage sind. Deshalb muß man schon zu- frieden sein, wenn„Verantwortlichkeiten" anerkannt werden, die allerdings nicht den Kommunen, sondern den Re- gierungen zugeschoben werden. Daß aber auch die Kommune» Anlaß zum Studium dieser Fragen haben, verkennen die Vor- tragenden nicht. Neuerdings haben die bayerische und badische Staatsregierung versucht, den Städten in erster Linie die Ver- antwortung für die Organisation der Arbeitslosenversicherung zuzuweisen. In den Thesen wird darauf hingewiesen, daß Gründe und U m f a n g der Arbeitslosigkeit und das Versicherungs bedürfnis in den einzelne» Gewerben sehr verschieden seien, z. B. einerseits in den Wetter- und Saisongewerben und zum anderen in den- jenigen Berufen, wo Stockungen und Ueberfüllung herrschen. Eine allgemeine Arbeitslosenversicherung erscheine schon deshalb ausgeschlossen, weil ihre Voraussetzung:= ein allgemeiner Arbeitsnachweis— nicht vorhanden sei. In These 4 wird die Frage: ob staatlicher Zwang an- zuwenden sei, bejaht. Durckjgreifende Erfolge seien nur bei Zwang zu erzielen. Die bisherigen Versuche mit freiwilliger Versicherung(Genter und Kölner System) hätten da, wo Hilfe am meisten not tut, bei den Bauarbeitern und Gelegenheitsarbeitern. nur ganz unzureichende Hilfe gebracht. Im übrigen aber müsse eine Untersuchung erfolgen, inwieweit für die einzelnen Gewerbe ein Bedürfnis und in welcher Höhe vorliege. Für die Aufbringung der Beiträge durch Unternehmer und Arbeiter spielten die Gründe der Arbeitslosigkeit, die Höhe der Löhne, die Lage des Gewerbes und seine Kon- kurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslande eine entscheidende Rolle. Die Zuschüsse aus öffentlichen Kassen seien schwierige, aber außerordentlich wichtige Fragen. Es sei z. B. kein Grund ersichtlich, warum eine öffentliche Beihilfe für Fälle gegeben werden soll, in denen die Arbeitslosigkeit nur aus llimati- schen Gründen eintritt. Die Voraussetzung jeder Arbeitslosenversicherung, nämlich ein gut geordneter Arbeitsnachweis für die beruflich geschulten Arbeiter, könne nur für die einzelnen Gewerbe geschaffen werden. Die Untersuchung der Verhältnisse in den einzelnen Gewerben könne nicht von den Stadtverwaltungen vor- genommen werden, sie müsse vielmehr einheitlich von den Re- gierungen durchgeführt werden. These 8 spricht unumwunden aus:„Die Ueberweisung der weiteren Bearbeitung der Fragen der Arbeitslosenversicherung an die Gemeindeverwaltungen ist daher nur eine Verlegenheitsauskunft, um die eigentlich ver- antwortlichen Stellen, Regierungen wie Parlamente, von der Ver- antwortlichkeit zu befreien. Alle Gemeindeverwaltungen, auch diejenigen, welche aus freiem Entschluß bisher Versicherungs- einrichtungen irgendwelcher Art für Arbeitslose geschaffen haben. sowie alle wahren Freunde rationeller und wirksamer Versicherung sollten gegen diese versuchte Verschiebung der Verantwortlichkeit Verwahrung einlegen und von den Regierungen fordern, daß von ihnen unverzüglich die erforderlichen Untersuchungen ein- geleitet werden, um sowohl das Vcrsicherungsbedürfnis als die Mittel zu seiner Befriedigung für die einzelnen Gewerbe- und Arbeiterklassen zu ermitteln und festzustellen. Soweit die Stadt- Verwaltungen hierbei, insbesondere bei Untersuchung der Ver- Hältnisse der Gelegenheitsarbeiter, hilfreiche Hand leisten können, werden sie gerne dazu bereit sein." Zum Schluß wird darauf hingewiesen, daß diese Untersuchung in erster Linie die Verhältnisse der Bauarbeiter ins Auge zu fassen hätte, und daß zu prüfen sei. ob nicht vor seiner Erledigung der übrigen Fragen durch Reichs- oder Landesgesetz für einzelne Kommunen eine obligatorische Arbeitslosenversicherung für Bau- arbeiter einzuführen wäre�___ Die IHarolshoaffäre. Die„Nordd. Mg. Ztg." schreibt:„Der Reichskanzler v. Bethmann Holl weg, der gestern abend von Kiel in Berlin eintraf, hatte alsbald nach seiner Ankunft eine längere Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Im Lause des heutigen Tages schlössen sich mehrfache Kon- fersnzen an. Die nächste VesMchnng beZ StaatZ- sekretärs mit dem französischen Botschafter »vird voraussichtlich heute abend oder morgen früh erfolgen." Ueber den französischen Vertragsentwurf macht der „Temps" folgende Angaben: Den künftigen französischen Residenten in F ie s soll eine Anzahl französischer Kommissare unterstützen, welche den scherifischen Behörden fiir alle Zweige der Vcrlvnllimg, der Finanzen und der Justiz als Kontrollorgane beizugeben sind. Die diplomatischen Beziehungen Marokko? stehen gleichfalls u n t e r d e r K o n t r o l I e �.e s Residenten, der darüber zu wachen hat, daß alle früheren Verträge Marokkos mit europäischen Mächten respektiert werden. Eine von Frankreich zu schaffende� marokkanische StaatSschuldenkonnnission sichert dem Sultan die Z i v i l l i st e und wird mit der Konversion bczw. Liquidation der älteren Staatsschulden betraut. Frankreich be- hält sich die oberste Kontrolle aller zu vergebenden öffent- lichen Arbeiten vor, doch will Frankreich diese Arbeiten keineswegs monopolisieren. Was die von Deutschland beanspruchten Grubenkonzessionen betrifft, so will sich Frankreich in diesen Punkten durchaus entgegenkommend zeigen, doch nur unier zwei Bedingungen: 1. darf das Jmcreffe eines Dritten keineswegs verletzt werden, 2. würde Deutschland sich zu verpflichten haben, den Preis für diese Konzessionen zu ent- richten. Der„Tenips" meint, das; dieser Preis nicht in Geld entrichtet z» werden brauchte; Deutschland solle mit einem geringeren Gebietszuwachs im Kongo vorlieb nehmen. r Dieser Auszug des Marokkostatuts wird von dem offiziösen „Lok.-Anz." als itsi allgemeinen richtig bezeichnet. Nur die auf die Grubcnkonzessioncn sich beziehende Stelle dürfte sich mit den amtlichen Anschauungen nicht vollständig decken. Ferner sei noch verzeichnet, dafj ein englisches Blatt eine Aeusierung bringt, die Herr v. K i d e r l e n- W a c ch t e r zu zwei Vertretern einer auswärtigen Macht, offenbar der „Vereinigten Staaten", gemacht haben soll. Danach hätte der Staatssekretär gesagt: Es lvird keinen Krieg geben. Eine Erledigung unserer Differenzen mit Frankreich ist im Gange. Wir erhalten die offene Tür in Marokko und ein Territorium im Kongo. Kein deutscher Reichskanzler könnte vor den Reichstag treten, um einen Krieg wegen einiger nwrokkiinischcr Sandberge zu rechlfertigen. Das Blatt fügt hinzu, daß der Reichskanzler und Kiderlen- Wacchter bestrebt seien, die Marokkoverhandlungen so zu beschleunigen, daß sie vor den Reichstag bei dessen Wieder- zusammentritt am 10. Oktober mit einer fertigen Tat- fache treten könnten. Die deutschen nationalistischen und reaktionären Organe fahren übrigens fort, die Regierung scharf zu machen und die Situation ungünstig zu schildern. Die internationale Solidarität. Unter der Ueberschrist„Der Friede ist gesichert", bespricht Genosse D u b r e u i l h in der„Humanite" die Wiederaufnahme der Verhandluiigen zwischen den Herren Jules Cambon und v. Kiderlen-Waechter. Er meint, der Weg der Verhandlungen der Diplomaten sei lang und umständlich.„Für uns aber liegt die Antwort Deutschlands bereits vor, und sie ist deutlich. Diese Antwort lag in der gewaltigen Demonstration, die i» Berlin am Sonntag veranstaltet wurde. 40» 000 Arbeiter haben im Treptower Park mit einer Festigkeit, wie sie noch nicht da war, ihren Wunsch nach Frieden und ihren festen Willen, sich dem Kriege mit allen ihnen zu Gebote stchrnden Mitteln zu widersetzen, aus- gesprochen.... Da? bedeutet, das; der K r i e g unmöglich ist, daß das UrVeiterdeutschlnnd entschlossen ist, dieses Verbrechen zu der- hindern, und daß demgemäß seine Regierung gezwungen sein wird, sich verträglich zu zeigen. Wunderbare« Schauspiel, das schönste vielleicht, das zu schauen und zu betvuiidcrn den Menschen seit langer Zeit vergönnt war! Mögen aber unsere französischen Chauvinisten und Imperialisten nur nicht versuchen, daraus für ihre Zwecke Ruhen zu ziehen! Wenn die alldeutschen„Patrioten" Haß verdienen, wenn ihre Hetzereien und ihre Gier der normalen Ent- Wicklung der menschlichen Gesittung entgegenstehen, so sind unsere eigenen„Patrioten" nichl minder hassenswert, ihre Hetzereien nicht bester und menschlicher. Wir französischen Sozialisten st ecken beide in denselben Sack. Wir kenn- zeichnen sie gleichermaßen der Verurteilung deS Proletariats, der Verachtung der Völker, die nach einer! besseren Zu» kunft sireben. Und mögen unsere Regierenden nur nicht zu sicher sein, weil die öffentliche Meinung Frankreichs sich jetzt ziemlich ruhig zeigt. Wäre eine offenbare Kriegsgefahr vorhanden, sähe die Arbeiterklaffe unseres Landes nicht, daß auch unsere Re« giernng schon zum Nachgebe» entschlossen ist und nur noch die Einzel- heiten der Verständigung erörtert: sie würde sich wie ein Mann erheben und die Leiter wegfegen, die so verwegen wären, sie in einen ruchlosen und brudermörderischen Kampf zir stürzen. Das sozialistische Deutschland hat dem sozialistischen Frankreich gezeigt, daß eS unter den furchtbarsten Umständen auf seine handelnde und heldenhafte Solidarität bauen kann. Das sozialistische Frankreich wird nicht hinter ihm zurück- stehen, wenn die Stunde des entscheidenden Entschlusses schlagen sollte." Folgen des KriegSlärms. In Wiesbaden werden zahlreiche Einlagen der Sparkaffe gekündigt. Auch von der Reichsbank und der Norddeutschen Laudesbank werden Einlagen in so hohem Maße abgehoben, daß sich diese Bankinstitute genötigt sehen, Kriegsgerüchie zu dementieren. In Stettin ist Beruhigung eingetreten. In anderen Städten werden die Sparkassen mit Anfragen überhäuft, ob im Falle einer Mobilmachung der Staat die Gelder mit Beschlag belegt. Die Zerfleiichung Finnlands. Die unverantwortlichen Leiter der russischen Politik haben die Politische Saison mit einem von langer Hand vorbereiteten Schlage gegen die Integrität Finnlands eingeleitet. In einer offiziellen Kundgebung wurde dieser Tage der Beschluß des Ministerrates veröffentlicht, wonach zwei Kirchspiele des Gouvernements Wiborg dem Petersburger Gouvernement angegliedert werden sollen. Der Form wegen soll diese„allerhöckfft" sanktionierte Vor- läge der Tuma und dem Reichsrate vorgelegt werden, in Wirklich« keit ist aber die Frage durch den Beschluß des Ministerrates bereits entschieden. Nach einigem Zögern, das durch die inncrpolitischen Berwickelungen im Frühjahr hervorgerufen worden war, hat die Regierung S t o l y p i n nun den entscheidenden Schritt getan und die Zerfleischung des finnländischcn Staatskörpers begonnen. Die gewaltsame Lostrennung zweier finnischer Kirchspiele kann als eine Art Probemobilisation des russischen Vcrgewaltigungöappa- rates angesehen werden, dem zweifellos weitere räuberische Aktionen folgen werden. Schon wird in offiziellen Kreisen die Lostrennung zweier weiterer Kirchspiele— der Gouvernements Wiborg-Björkc und Kuolema-Njarvi— ernstlich erwägen. Ebenso wie bei den erstell zwei Kilchspieleg, Akykyrka und Kiwinebb, iver�en ällch h'c? tsiikitärisch-stralegische Gründe inZ Acl? ge- führt. Diese Gründe werden dem kriegerischen russischen..Ratio- nalismus" stets bei der Hand sein, wenn es sich darum handeln wird, das finnische Staatsgebiet unter die unumschränkte Gewalt der russischen Knute zu bringen. Schon jetzt hat die Veröffentlichung des erwähnten Regie- rungsbeschlusses dahin geführt, daß in dem Gouvernement Wiborg die sinnischen Gesetze außer Kraft gesetzt und die russische Polizeiwillkür proklamiert worden ist. Der neue Gou- verneur von Wiborg, eine Kreatur des Säbelsenais. die Hand in Hand mit dem schurkischen Polizeimeister Pekonen die Bevölkc- rung terrorisiert, hat die Verfügung erlassen, daß keinerlei Reden oder Referate, die die Regierungsmaßnahmen kritisieren, gehalten werden dürfen. Infolge dieser vollkommen ungesetzlichen Ver- fügung des Gouverneurs, die mit einem Federstrich die ver- fassungsntäßig garantierte Rede- und Versammlungsfreiheit aus- hebt, ist es bereits zu einem blutigen Zusammenstoß der protestierenden Arbeiterschaft Wiborgs mit der Polizei gekommen, wobei diese bei dem Versuch, den sozialdemokratischen Redakteur Airola wegen der Verlesung einer Protestresolution zu ver- haften, einige Arbeiter verwundet hat. Auch die Abgeordneten- Immunität ist bereits von der russisiben Polizei für nichtig erklärt worden. Nach dem vergeblichen Versuch, Airola auf der Straße zu verhasten, drang die Polizei in die Redaktion unseres Partei- blatte»„Thö" ein und verhaftete ihn, trotzdem er als Mtglied des Landtages für die Polizei unantastbar ist. Diese Proben zeigen, daß die Petersburger Negierunh nicht nur entschlossen ist, über den Rahmen des Erdrosselungsgesetzes vom 30. Juni 1910 Iveit hinauszugehen und die Okkupation Finnlands stückweise praktisch zu betreiben, sondern auch absichtlich die schärfsten Mittel anwendet, um die finnische Arbeiterklasse offen zu provo- zieren. Diese Gesichtspunkte müssen unbedingt im Auge gehalten werden, um die nachfolgenden Phasen des jetzt eingeleiteten Kampfes in ihrer Tragweite zu würdigen. Freilich wird die Zaren- rciglerung, nach ihrem allzu durchsichtigen Rechtfertigungsgestammel über die militärisch-stratcgische Notwendigkeit des jetzt vor- genommenen Rechts- und Länderraubcs, auch jetzt hinter dem Rücken der gefügigen Duma Deckung suchen. Aber die darauf zielende Regierungsvorlage, die nur eine einseitige Beschluß- fassung der russischen Institutionen vorsieht und sich dabei auf das Gesetz vom 30. Juni 1910 beruft, kannunddarfvon der Duma überhaupt nicht erledigt werden. Wie Professor Th. Kokoschkin, Staatsrcchtslehrer an der Universi- tät Moskau, nach einer gründlichen juristischen Analpse nackpoeist, kommt das Gesetz vom 30. Juni 1910 bei dieser Gelegenheit gar nicht in Betracht, da ein derartiger Eingriff in die finnischen Hoheitsrechte nicht einmal in diesem Erdrosselungsgesetz vorgesehen ist; außerdem würde die Regierungsvorlage nur dann gesetzliche Kraft erlangen, wenn sie zu gleicher Zeit von dem finnischen Land- tag« angenommen werden würde, was natürlich als vollkommen ausgeschlossen angeschen werden muh. Diese verwickelte Situation wird die Regierung des Meineidszarcn natürlich nicht hindern, den begonnenen Rcchtsraub zu Ende zu führen, wie sie die europäischen Mächte nicht veranlassen wird, Väterchen an die Ein- Haltung seiner Schwüre und seiner eigenen Gesetze zu erinnern. Sie ist aber bezeichnend fiir den jetzt inaugurierten„Finnlands- kurs", dem die Methode der„friedlichen Durchdringung"(mit Hilfe eben des vorjährigen Erdrosselungsgesetzes) als zu langsam erscheint, und der darum alle Vorlchrungen trifft, um„a u s S Ganze" zu gehen. Gin Protest. Nikolnistadt, 6. September. Alle Zeitungen veröffentlichen einen an den Staatssekretär für Finnland in Peters- bürg, Lang ho ff, gerichteten offenen Brief, worin darauf hin- gewiesen wird, daß das Volk seit langer Zeit von seinem Ver- treter beim Throne Schritte erwarte zur Abwehr der auf das Vaterland fallenden Schicksal sschlägt. Daß solche Schritte nicht erfolgt seien, habe im ganzen Lande Erregung hervor- gerufen. In dem Schreiben wird an den Staatssekretär die Frage gerichtet, was er zum Schutze der Rechte Finnlands und zur Abwehr der dem finnischen Volke drohenden Gefahren unter. nvmmen habe oder zu unternehmen beabsichtige. Unterdessen dauern die Protestversnmmlungen im Lande fort. Dabei geht, dem„B. T." zufolge, die Po lizet immer häufiger zu den Demonstranten über. So gingen auf einer großen sozialdemokratischen Versammlung in Kotka zwei berittene und vierzehn gewöhnliche Schutzleute zu den Demonstranten über, so daß der alleingebliebene Polizeimeistcr, der mit zwei Schutzleuten nichts ausrichten konnte, von der Menge verhöhnt wurde. In Wiborg reichten 26 Schutzleute eine Erklärung ein, daß sie sich nicht mehr zur Verletzung der Versamnilungs- f r e i h e i t durch den Gouverneur mißbrauchen lassen würden. In Kuokkala und Terrijöfi zerrissen die Polizisten den Befehl deS Gcneralgouverneurs, keine Versammlungen zuzulassen, und ge- statteten sie. Daraufhin hat dtzr Genieralgouverneur russische Schutzleute aus Rußland erbeten, um alle Denion- strationen zu unterdrücken. Für den 17. September sind in allen Städten Finnlands Massendemonstrationen geplant. politische(lebersicdt. Berlin, den 7. September 1911. Tie SchtttzzoUpläne des Zentralverbandes deutscher Industrieller. Im roten„Tag" beschäftigt sich Herr Dr. A. Bueck, der frühere Generalsekretär des Zentralvcrbandes deutscher Industrieller, mit der Acndenmg der deutschen Handelspolitik. Er tritt dafür ein, daß nach Ablauf der jetzigen Handels- Vertragsperiode am 31. Dezember 1917 die heute geltenden Tarifverträge mit Belgien, Italien, Oesterreich Ungarn, Ruß» land, Rumänien, Serbien und der Schiveiz nicht einfach ver» längert oder erneuert werden, sondern daß die Regierung versucht, inzwischen auf Grund eines wesentlich erhöhten Gcncralzolltarifs mit jenen Staaten neue Handelsverträge abzuschließen, ivelche verschiedenen deutschen In- dustriezlveigen einen höheren Zollschutz sichern als bisher. Wie sich Herr Bueck diese neue Handelspolitik vorstellt, schildert er folgendermaßen: „Wie sie nach meiner persönlichen Ansicht beschaffen sein müßte, will ich hier unbeirrt durch irgendwelche Rücksichten darlegen. Deutschland müßte seinen mit Unstimmigkeiten und Fehlern bepackten. aber auch in vielen Beziehungen durchaus ungenügenden, d. h. bedeutendenJndustrien den erforderlichen Schutz nicht gewährenden Konventionaltarif gründlich revidieren, also von den Fehlern befreien und mich besonders im Interesse znhlreicher Fertigwdustrien erhöhen. Solche Erhöhungen werden auch unerläßlich sein, um die so außerordentlich dünn und brüchig gewordene Rüstung für den Neuabschluß der Tarifverträge den andern Staaten gegenüber mit einer neuen, starken, wirkungsvolleren zu vertauschen. Dann aber muß Deutschland, endlich dem erfolg- reichen Beispiel mancher anderer Staaten folgend, sich als Waffe einen viel höheren Gencraltarif schaffen, nicht, um den so lange gegen uns verübten Druck und Zwang zu vergelten, sondern um zu bewirken, daß dieser zuweilen tatsächlich entwürdigende Zu- stand endlich aufhöre, um zu erreichen, daß auch die andern Staaten höchste» Wert darauf legen, mit Deutschland zu an- gemessenen und günstige» Handelsbeziehungen zu gelangen. Die Ausführungen sind höchst wertvoll, denn was Herr Bueck hier fordert, ist zugleich die Fordcrung des Zentralverbandes deutscher Industrieller. Noch vor kurzem wurde von diesem bestritten, daß eine wesentliche Erhöhung der jetzigen Schutzzölle geplant jei: in seiner obigen Aeußerung bestätigt Herr Äneck jedoch klar und deutlich, daß der Zentralverband eine weitere Hinauf- schraubung der Jndustriezölle erstrebt. Damit erledigt sich zugleich die unwahre Bersichcriing des Zentralverbandcs, er wolle keine weitere Erhöhung der Lebensmittelzölle: denn sein Vorstand wird sich selbst nicht einreden, daß er eine Erhöhung der Jndustriezölle durchzu- setzen vermag, wenn er nicht zugleich durch reichliche Kau- Zessionen an die Agrarier diese für seine Pläne gewinnt. Wer heute, unter den gegenwärtigen Verhältnissen, eine Erhöhung der Jndustriezölle fordert, sagt damit zugleich, daß er eine weitere Erhöhung der Lebensmittelzölle billigt.> Alldeutsche Prahlereien. In der. T ä g l. R u n d s ch." wendet sich der Potsdamer Gym- nasialdirektor Rassolv, der die Flottenreklame zu seiner Spezialität entwickelt hat. gegen Delcasiös Wort- von der Kriegsbereitschaft der französischen Flotte. Die französische Marine möge ja wohl kriegS- fertig in See stechen können, aber einen Kampf mit der beut- scheu Flotte werde sie gleichwohl nicht aufnehmen können. Denn Deutschland habe zielbewußt und ununterbrochen neue Kriegsschiffe gebaut, während Frankreich bei dem sprungweisen Ausbau seiner Flotte arg ins Hintertreffen geraten sei. Den neun Dread- n o u g h t s, die augenblicklich in Deutschland kriegsbereit seien, habe Frankreich nicht ein einziges gleichwertiges Schlachtschiff entgegenzusetzen. Die 0 Schiffe der Patrie-Klasse seien„völlig veraltet", und die 6 Schiffe der Danton-Klasse wiesen zwar ein großes Deplacement und Geschütze schwersten Kalibers auf; allein sie seien trotzdem«keine Dreadnonghts", weil sie nur mit je biet Riesengeschützen armiert seien, statt Ivie die deutschen Dradnoughts mit 10—12. Frühestens in zwei Jahren würde Franl- reich seine ersten zwei Dreadnonghts aufzuweisen haben; dann aber besitze Deutschland deren bereits 17! Frankreich habe eben niemals Aussicht, den deutschen Vorsprung einzuholen. Es sei von Deutschland zu Lande und zu Wasser ein für allemal überholt. Schon heute gebe Deutschland 100 Millionen mehr für seine Land- armee und IIS Millionen mehr fiir seine Flotte aus als Frankreich. Wollten die Franzosen wirklich in absehbarer Zeit den maritimen Abstand vermindern, so müßten sie nicht nur 100, sondern 200 Millionen jährlich zu ihrem gegenwärtigen Flottenetat hinzufügen, und dazu lange es doch wohl nicht in Frankreich! Es ist wunderhübsch, daß dieser alldeutsche Flottenpatriot Deutschlands Flottenstärke der matilimen Schwäche Frankreichs gegenüber so energisch herausstreicht. Nimmt man noch hinzu, daß von alldeutscher und flottcnpatriotlscher Seite auch Englands Flottenstärke als„tönernerKoloß" bezeichnet worden ist, weil dieser starken Flotte ja daS geeignete BemannungSmaterial fehle, so ergibt sich aus diesen Auslassungen unzweifelhaft, daß die deutsche Flotte so stark ist, daß eine geradezu unbegreifliche D r e i st i g k e i t selbst für einen Flottenfanatiker dazu gehört, nun abermals gleich dem Flottenverein eine weitere Verstärkung unserer Marine zu verlangen! Der Ueber in ut und die protzige Händelsucht unserer Mordspatrioten sind ja jetzt schon nicht mehr zu bändigen!_ Tie Flottenfexe an der Arbeit. Die„Hamburger Nachrichten" begrüßen die Kundgebung des Flottenvcreins ausS wärmste. Sic schreiben: „Diese Kundgebung ist nichts anderes als ein neues Bc- kenntnis zu dem Nürnberger Beschluß und eine Ankündigung, daß der Flottenverein setzt bei dem Ernst der Zeit mit allem Nachdruck dafür arbeiten will, daß seinen begründeten und voll berechtigte,, Forderungen in der Kreuzcrfrage entsprochen wird. Zu irgend welcher Aufregung, wie sie sich in sreisinnig-dcmokra- tischen Blättern ob dieser ruhigen, sachlichen Darlegung äußert, ist nicht der geringste Grund vorhanden, im Gegenteil, man könnte sich höchstens wundern, daß der Flottenverein trotz seinem Beschluß in Nürnberg bisher so zurückhaltend gewesen ist, diesem Beschluß zur Verwirklichung zu helfen... Die bitterste aller Nöte ist heute die Kreuzernot. Darum: Wenn je der Deutsche Flottenverein niit seinen Forderungen recht gehabt hat, so ist cS mit seinem Nürnberger Beschluß. Die jetzt so ernste Zeit ist der denkbar stärlste Beweis dafür." So wird der Marokkorummcl siisteniatisch für die Durchbrechung des Flottenprogrammb, für die abermalige Ver- stärkung unserer Marine ausgeschlachtet. Und nicht einmal die freisinnige Presse findet den Mut, dem Nüstungs- Wahnsinn entschieden entgegenzutreten! Bekämpfung der Lebcnömittelteuernng. Wie das„Berliner Tageblatt" hört, schweben zurzeit zwischen dem ReichSamt des Innern und dem Reichsschatzamt, sowie dem preußischen Landwirtschafts» und Handelsministerium und den zu- ständigen Ministerien der anderen Bundesstaaten Verhandlungen über die Maßnahmen, die zu treffen sind, um angesichts der jetzigen gespannten Verhältnisse am Getrcidcmarkt sobald als möglich Ab- Hilfe zu schaffen. Es sei sicher, daß die zu treffenden Maßnahmen zur Abhilfe der hohen Gclreidepreisc sofort nach Wiederbeginn de» Reichstages dort zur Sprache kämen. Diese Ahnung wird die Regierung nicht trügen, denn eS kann als zweifellos angenommen werden, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sofort eine Interpellation stellen wird. Die erste Forderung muß die Aufhebung des Unfug? mit den Gctretdecinfuhrscheincn sein. Dieses System ist nicht» anderes als die Gewährung von Ausfuhrprämien für Getreide. Dem deutschen Markt wird dadurch eine Menge Getreide entzogen, und dieser Umstand beeinflußt natürlich die Preisbildung sehr erheblich. Gleich- zeitig müssen auch die bei den preußischen Eisenbahnen bestehenden Exporttarife beseitigt werden, die es ermöglichen, deutsches Getreide zu billigsten Frachtsätzen an die Frenzen des Reiches zu schaffen."_ Ein Angriff auf die Abgeordncten-Jmmunität. Die„B. Z. am Mittag" und einige Abendblätter erzählen von einem„Mißgeschick", das dem Mittelstandsvereinler Reichstags- abgeordneten Rieseberg aus Quedlinburg passiert sei. Danach fuhr der Abgeordnete von Halberstadt in einem Eisenbahn- abteil erster Klasse. Sin Eisenbahnaffeffor. der in demselben Abteil fuhr, veranlaßte in der Bahnhofswirtschaft in Braunschweig, wo der HBgeotbiitfe eine Tasse KafseS einnaW, die Sistierung de5 Abgeordneten durch einen Polizeibeanrten. Der rundliche Bäckenncister soll dem Assessor als.blinder Passagier' verdächtig erschienen sein, zumal er im Abteil erster Klasse— eine Prise genommen hatte. Nieseberg legitimierte sich auf Grund seiner vom StaatSselretariat ausgestellten Eisenbahnfahrkarte. D i e genügte dem Polizeibeamten nicht. Einer Abführung ins Gefängnis entging Riesebcrg dadurch, dast ein Bekannter ihn unterwegs legitimierte. Die Eisenbahnfahrkarte wurde ihm abgenommen. Er war gezwungen, sich zur Weiterfahrt eine Fahrkarte zu lösen. Ist der Hergang so, wie er geschildert ist, so liegt ein grober Verstoß gegen Rcichsgesetze und ein durch nichts gerechtfertigter schwerer Eingriff in die Immunität des Abgeordneten vor. Der Abgeordnete hat auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Mai ISvS das Recht freier Fahrt. Der Eisenbahnassessor hatte nicht das ge- ringste Recht, die Sistierung des Abgeordneten zu verlangen, der Polizeibeamte kein Recht zu der von ihm verlangten Sistierung. Beiden Beamten mußten die Vorschriften des Gesetzes vom 21. Mai 1900 und die Ausweiskarten bekannt sein. Hat der Abgeordnete Rieseberg wenig energisch seine Rechte wahrgenommen und es unter- lasien, die Verhaftung des Eisenbahnaffeffors zu erwirken und tele- graphische Remedur beim Reichskanzler durchzusetzen, so ändert das an der gröblichen Verletzung des Rechts und der Verfassung durch den vom Assessor repräsentierte» Bureaukratismus und die der Bureaukratie nachkommende Polizei nicht das geringste. Es handelt sich hier nicht um das Individualrecht eines einzelnen Abgeordneten, sondern um eine kaum glaubliche, dem Abgeordneten als Volks» Vertreter zugefügte Ilubill. Der Reichstag hätte alle Veranlassung, die strafrechtliche Verfolgung der schuldigen Beamten und hin- reichende Maßnahmen zum Schutz der Abgeordneten-Jmmunitüt zu verlangen._ Eiu treffendes Urteil über die Kriegshetzerpreffe. Die„Grenzboten" schreiben: „Die Mannesmann-Presse(„Nhcinisch-Westfälische Zeitung",„Post" und„Tägliche Rundschau') ist in erster Linie für die Irreführung des deutschen Publikums verantwortlich zu machen, die wegen unserer Absichten in Marokko eingetreten ist, und es wird wohl demnächst angebracht sein, die Fäden bloßzulegen, die die genannten drei Blätter mit den Herren Mannesmann verknüpfen." Wie prächtig dieser Hieb gesessen, zeigen die Erwiderungen. So schreibt die„Post": „Wenn die„Grenzboten' hiermit sagen ivollen, daß die .Post' irgendwie Beziehungen zu den Herren Mannesmann habe, die sie geheimhalten müsse oder mit der Ehre und der lln- obbängigkeit einer Zeitung nicht vereinbar wären, so erklären wir diese Annahme als eine niederträchtige Ver- leumdung. Sollten � die„Grenzboten" in ihrer nächsten Nummer eine Erklärung abgeben, daß sie an derartiges nicht ge- dacht hätten, dann möchten wir sie doch im Interesse ihres An- sehen? dringend ersuchen, in Zukunft eine Sprache zu wählen, die nickt derartigen Mißdeutungen Raum gibt.' Ter polternde Ton kann die Tatsache nicht verdecken, daß Beziehungen zwischen der„Post" und den Mannesmanns bestehen; daß sie die„Ehre" der„Post" nicht tangieren, ist sicher kein Beweis. Denn was nicht vorhanden ist, kann auch nicht tangiert lverden. Noch wütiger schreibt die„Nhein.-Westf. Zeitung": „Uniere Unabhängigkeit nack jeder Richtung hin ist in der ganze» Welt zu bekannt, als daß wir es notwendig hätten, uns hier erst des langen und breiten verteidigen zu müssen. Wir er- klären deshalb rundweg die Angriffe der«Grcnzboteu' auf die Ehre unserer Zeitung als eine nichtswürdige Verleumdung und journalistische Eharakterlosigkeit. Die.Grenzbotcn' zeichnet als verantwortlicher Redakteur der Herausgeber Hauptmann a. D. George C l e i n o w in Schöneberg. Er ist uns also, da der Name des Verfassers des Artikels nicht genannt ist. für jene Niederträchtigkeit preßgesetzlich haftbar. Wir begnügen uns mit dieser öffentlichen Feststellung, weil>v i r nicht L u st haben, uns etwa jahrelang vor Gericht wegen ewig verschleppender Prozesse herumzuschlagen." Diese Scheu vor Gericht ist etwas nierkwürdig. Daß die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" auf die Offizierseigcnschaft des Herausgebers der„Grenzbotcn" hinlveist, kann natürlich nur dön Zweck haben, eine„ritterliche Erledigung" des ganzen Handels herbeizuführen, dann hat man Genugtuung, ohne „ewig verschleppte Prozesse" führen zu müssen. Durchbrechung der achtjährigen Schulpflicht. Die preußischen KreiSschnlinspcktoren find, wie der„Rhein.- Wests. Ztg." aus Münster berichtet wird, ermächtigt worden, in Zu- kunft diejenigen schulpflichtigen Kinder, welche im vierten Quartal deS Kalenderjahres doS 14. Lebensjahr vollenden und am 31. Oktober des Jahres die Schule 7'/» besucht haben, auf Antrag der ErzichungSpflichtigen vom 1. Oktober ab bis zum 3t. März des nächsten Jahres— dem Termin ihrer Enllafinng aus der Schulpflicht, nach den geltenden Bestinumnigen— unter Abstandnahme v�n vor- heriger Berichterstattung an die Regierung vom Schulbewche zu entbinden, wenn die häuslichen Verhältnisse die Beurlaubung recht- fertigen und bisheriger regelmäßiger Schulbesuch und ausreichende Kenntnisse von den OrtSschuliiispelroren bezw. Rektsren bescheinigt worden find._ Tie Folgen der Reichsfinanzreform. Besonder? hart werden von der ReichSfinanzreform die Zünd- h o l z f a b r i k e n auf dem Thüringer Walde betroffen. So hat wegen de? starken Rückganges de? Absatzes die Zündholzfabrik Spcitcl in?ie»stadt am Remiweg(Sachsen-Meiningen) ihren Betrieb bis 1. Oktober gänzlich eingestellt. Seit Einführung der Zündholz- stcuer ist der Verbrauch um 50 Proz. zurückgegangen. Durch die Stillegung deS Betriebes werden zirka 70 Arbeiter brotlos. Zur Rcichstagscrsatzwahl in Düffcldorf. Der Hauptvorstand der Liberalen Vereinigung in Düsseldorf be- schloß, seinen Mitgliedern strikte Wahlciilhaltuiig zu empfehlen. Diese Vereinigung umfaßt Nationalliberale und Fortschrittler; letztere haben vor einiger Zeit schon die Wahlparole für den sozial« demokratischen Kandidaten Haberland ausgegeben. Wie viele fort- schrittliche Wähler den Mut haben, dieser Wahlparole zu folgen, muß freilich erst abgewartet werden. frankreidi. Tie Folgen der Teuerung. Lille,'6. September. Die Teuerungskund- g e b u n g e n breiten sich im Norddepartement a u s. In N o u b a i x erbrachen Arbeiter den Schuppen eines Gemüse- pändlers und bemächtigten sich eines Rollwagens. Sie legten Feuer an und verhinderten die Feuerwehr am Löschen. Tie Polizei mußte mehrfach einschreiten. TenkrlingSmasircgeln der Regierung. Rambouillet, 7. September. Der Ministerrat genehmigte de» vom Filianzministcr C a i I l a u x aufgestellten Gesetzentwurf, wonach den Gemeinde» die Teilhaberschaft an den GenoisenschaftSfleischcrcien und-bäckereien g e- st-a t t t t wird. umsodiePreisederPrivatbetriebezu Isgeln. Aer Enstpurj sieht fexner die Brxjvixklichung der weit auöschauend'eit Pläne Zur Schaffung billiger Wohnungen vor, um auf diesem Wege einer übertriebenen Steige- rung der Mietspreise vorzubeugen. Im weiteren Verlaufe des Ministerrats setzten der Handels- minister und der Landwirtschaftsminister auseinander, daß die Teuerung, die in einem sehr großen Teil Europas herrsche, hauptsächlich durch die Trockenheit, die mageren Ernten und die Vichkrankhciten hervorgerufen sei. Der Ministerrat beschloß der- schiodcnc Verwaltungsmaßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet, besonders zur Erleichterung der Vieheinfuhr aus den Kolonien, und ordnete die Revision der Vorschriften betreffend die Einfuhr bestimmter Viehgattungen aus dem Aus- lande an, sowie die Aufhebung des Einfuhrzolles auf Futtermittel. Lelgien« Telierungsdcinonstrationcn. Brüssel, 7. September. In Charleroy veranstaltete eine nach Tausenden zählende Menge auf dem Wochenmarkt Lärm- szenen, so daß die Polizei und die Feuerwehr wiederholt ein- greifen mußten. Später wurden auch Truppen ausyeboten. Man erwartet abends erneute Lärmkundgebungen. Auch auf dem Markt in O st e nd e kam es zu L är m sze n e n. � Pcrficn. Ter General des Schahs erschossen. Teheran, 7. September. Ter'geschlagene Führer der Auf- ständischen, S a r d a r A r s ch a d, wurde heute früh sl a n d- rechtlich erschossen. Von der ersten Salve wurde er nur verwundet. Sardar Arschad richtete sich wieder auf und rief mit dem Angesicht gegen die Exekutionsabteilung ge- wendet:„Lang lebe der Schah Mohammed Ali." Tann wurde eine zweite Salve abgegeben, die ihn tötete, � Hua der parte!. Eine Arbeiterbilbnngszentrale in Frankfurt a. M. Die Reichstagswahlkreise Frankfurt a. M., Höchst, Homburg, Offenbach, Hanau. Wiesbaden, haben eine Zentralisation des Bildungswesens geschaffen. Die Gewerk- schatten und Parteiorganisationen zahlen pro Jahr und Mitglied 10 Pf. in eine gemeinsame Kasse, die von einer aus Vertretern der Partei und Gewerkschaften gebildeten Kommission verwaltet wird. Die Zentralstelle vermittelt Kräfte für wissenschaftliche und künstlerische Darbietungen und beschafft Einrich- tungen, z. B. Lrchtbildcrapparate, zur gemeinsamen Be- Nutzung. Neben der Bczirkszcntrale bestehen in den einzelnen Wahlkreisen Kreis-Bildungsausschüsse, denen eventuell Ileberschüsse aus der Bezirkskassc im Verhältnis zur Zahl der in den Kreisen organisierten Genossen und Gewerkschaftler zufließen. Der An- schlutz weiterer Kreise an die Bezirkszentrale ist zu erwarten. Aus dem russischen Parteileben. Eine interessante Resolution bezüglich der Verdrängung der jüdischen Arbeiter aus einigen Industriezweigen ist auf der kürzlich stattgefundenen Konferenz des Zentralkomitees des„Jüdischen Arbciterbundes" angenommen worden. Diese Resolution ist um so beachtenswerter, als sie der verwirrenden Agitation einiger sich als Sozialisten gebärdender zionistischen Querköpfe einen Riegel vor- schiebt. Die Resolution stellt einerseits fest, daß das jüdische Pro- letariat immer mehr in die Großindustrie eindringt, daß aber andererseits der Haß der Bourgeoisie gegen die klassen- ckewutzte Arbeiterschaft häufig dazu führt, daß jüdische Arbeiter durch nichtjüdische ersetzt werden.„Indem— so fährt die Resolu- tion fort— die Konferenz alle Versuche von sich weist, gegen dieses Ucbel mit künstlichen philanthropischen Mitteln anzukämpfen, er- achtet sie, daß nur starke Gewerkschaften gegen die geschil- dertcn Tendenzen wirksam vorgehen könnten. Indem sie in den Reihen einer und derselben Organisation jüdische und nichtjüdischc Arbeiter vereinigen, werden die Gewerkschaften zu einer wuchtigen KampfSAoaffe gegen den nationalen Hader innerhalb der Arbeiter- schaft und gegen das Bestreben der Arbeitgeber, diesen Hader in ihrem Interesse auszunutzen." Die Resolution empfiehlt den Arbeitern, schon jetzt in diesem Sinne zu wirken, bei der Einstellung der Arbeiter in den Betrieben dafür zu sorgen, daß das nationale Moment ausge- schaltet werde, und alles aufzubieten, daß die Beziehungen innerhalb der Arbeiterschaft reglementiert würden.„Zugleich warnt die Konferenz die jüdischen Arbeiter vor der Agitation eines Teiles der jüdischen Bourgeoisie zugunsten der Lösung dieser Frage niittels der Organisation der sogenannten„nationalen Verteidi- gung" auf wirtschaftlichem Gebiet, da diese Pläne utopisch sind und die erwähnte Frage nicht zu lösen vermögen, während diese Agita- tion selbst bloß das Klassenbewußtsein der Arbeiter aller Nationalt- täten verdunkeln und den nationalen Hader in ihren Reihen schüren kann."_ Eine Konferenz der sozialistischen Bibliothekare Belgiens wurde am 3. September im Brüsseler Volkshause abgehalten. Ein- berufcr war Genosse De Dian, Generalsekretär der Kunstzcn- trale, der über die Schaffung einer Einkauf szentrale�o er Arbeiterbibliotheken sprach. Seinem Vorschlag gemäß wurde beschloffen, die Kunstzentrale um Einsetzung eines solchen Einkaufsamlcs zu ersuchen; ferner um Abhaltung von Bibliothekar- konferenzen in zweijähriger Folge, die eine Kommission für dieses Amt ernennen sollen. Genosse Dr. Hanauer, Bibliothekar deS Brüsseler Deutschen Arbeitervereins, sprach über Katalog- Wesen. Zwei weitere Referate(B a l t h a z a r: Die Propa- ganda durch Bibliotheken und die Aufgabe deS Bibliothekars als Führers der Leser, und geller: Bibliothek und Statistik) sollen gedruckt werden, da die Zeit zum Vortrag mangelte. Mit der Konferenz war eine Ausstellung von Mbliothekmaterial verbunden. polizeiliches, gerichtliches ulw., Anklage gegen den„Wahren Jakob". Gegen den verantwortlichen Redakteur des„Wahren Jakob" schwebt eine Klage, die von der Polizeidircktion in Halle ausgeht. In N. 651 des„Wahren Jakob" vom 4. Juli stand ein Gedicht, betitelt:„Die Schlacht von ,iö!au". Die Hnllcschc Polizei fühlt sich dadurch beleidigt und hat Strafanträg gestellt. In dem Ge- dicht ist die Polizei verspottet worden, weil sie sich aus einem Fest der Jugend, in gewalttätiger Weise eingemischt hat. Jugendbewegung. Sind Jugciidausschiisse politische Bereine? Nachdem man den freien Jngendorganisatione» den GaranS ge- macht hat. ist man eifrig bestrebt, die von Partei und Gewerkschaften eingesetzten JngendaiiSschüsse zu politischen Vereinen zu stempeln. In Hannover stellte der Polizeipräsident gegen die Genosse» Rolle und S t i ch n o t e Slrafantrag. weil sie es als „Vorstand eines politischen Vereins" unterlassen hätten, inner- halb von zwei Wochen nach Bildung des Ausschusses der Behörde daS VorstandsniitgliederverzeichniS und die Satzungen de« Vereins einzusenden. Dos Schöffengericht ver- urteilte die beiden Genoffen zu je 20 Mark Geldstrafe. Aus der llrteilSbegründmig sei hervorgehoben: Der Verteidiger meine zwar, die Mitglieder des JiigendaiiSichnffcS seien nur die Dele- gierten einer anderen Organisation, bildeten also selbst keinen Verein. Tos lönnie vielleicht richtig sein, wenn sie die Beauftragten nur einer Partei wären. Im vortiegenden Falle handle es sich aber um drei Gruppen, um Partei, Gewerkschaft und Jugendliche. Ein Verein entstehe nun im Sinne des Gesetze« durch das dauernde Zusanunentreten mehrerer Personen zur Erreichung«ine» bestimmten Zweckes. Wenn beim Jugendausschuß auch die Mitglieder nur aus die Dauer eines Jahres gewählt würden, also wechseln könnten(in der Regel würden sie ja wiedergewählt), so sei die Institution doch dauernd gedacht. Der Ausschuß sei also ein Verein, und das Gericht sei auch der Ansicht, daß dieser Verein die Ein- Wirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Eine bloße Erörterung von politischen Fragen in einer Versamm- lung sei etwas anderes. Der eigentliche Hauptzweck des Jugend- ausschnsseS fei doch der, die Jugend in der sozialdemokratischen Welt- anschannng zu erziehen und später der sozialdemokratischen Partei zuzuführen. Die sozialdemokratische Partei sei aber eine eminent politische Partei, welche den heutigen Staat ummodeln und in ihrem Sinne lenken wolle. Eine Vereinigimg, die, wie der Jugendausschutz, dieser Partei Mitglieder zuführen wolle, bezwecke auch die Ein- Wirkung auf politische Angelegenheiten. An dieser Hauptsache änderten die sonstigen idealen Bestrebungen, die auch andere Vereinigungen und Parteien hätten, nichts.— Wo nun ein Verein, sei mindestens ein Vorsitzender und Kasscnführer vor- Händen, ein Vorstand, de» die beiden Angeklagten darstellten. Kein Mensch sei gezwungen, Vorstand zu sein. Wenn er aber Vorstand eines politischen Vereins werde, so dürfe er das Amt nur weiterführen, Ivenn den vereinsgesetzlichen An- sorderungen in Z 3 entsprochen werde, wenn also auch Satzungen vorhanden seien und die gesetzliche Pflicht, Satzungen und Vorstands- mitgliederverzeichniS innerhalb der gesetzlichen Frist der Behörde ein- zureichen, erfüllt werde. Das sei von den Angellagten nicht ge- schehen, weshalb sich die Strafe rechtfertige. Abgesehen davon, daß die Begründung des Urteils falsch ist, wird der ganze von der Regierung inszenierte Kampf gegen die freie Jugend- Bewegung auf die arbeitende Jugend nur anstachelnd wirken, unter den bisher indifferenten Jugendlichen neue Anhänger der proletarischen Jugendbewegung zu werben. Denn nichts wirkt aufreizender als die Tatsache, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Alles das, was bei der proletarischen Jugend siir politische Betätigung erklärt wird, bleibt bei den christlichen, nationalen, Hirsch-Dunckerschen und anderen Jugendorganisationen unbehelligt. Im Gegenteil— für diese Art der Jugendorganisation werden noch Staatsmittel zur Verfügung gestellt, um sie künstlich lebensfähig zu erhalten. Soziales. Unsittliche Konkurrenzklauseln. Die Firma Franz Clouth in Köln-Nippes schließt nach einer Mitteilung der„Handlungsgehilfen-Zeitung" mit ihren laus- männischen Angestellten Verträge folgenden Inhalts ab: Ich, Endesunterzeichneter, verpflichte mich auf Ehrenwort und bei einer Konventionalstrafe von 10 000 M., sage zehntausend Mark, innerhalb zweier Jahre vom Tage meines Austritts aus der Firma Franz Clouth, Rheinische Gummi- Warenfabrik mit beschränkter Hastung zu Köln-Nippes, i im c r- halb der Grenzen des Zollvereins oder Oe st er- r e i ch s in keiner Weise, sei es als Ingenieur, Kommis. Reisender. Volontär oder in eigendeiner anderen Eigenschaft, in einem Konkurrenzgeschäft oder für ein solches tätig zu sein, noch mich an einem solchen zu beteiligen, noch auch selbst ein solches zu etablieren. Wpnn dies dennoch der Fall sein sollte, so verpflichte ich mich, genannte Konventionalstrafe ohne Widerrede oder gericht- � liche Entscheidung zu zahlen, gleichviel, ob die Kündi- gung von mir oder der Firma ausgeht. Im übrigen richtet sich mein Verhältnis zur Firma Franz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik mit beschränkter Haftung, nach den Bestimmungen des Handelsgesetzes; jedoch ist die gegen- seitige Kündigung auf sechs Wochen festgesetzt. Köln-Nippes, den...... Es ist zweifellos ein großer Mißbrauch der wirtschaftlichen Ilebermacht des Unternehmers, daß er dem Angestellten in cincr Frage, die dessen Existenz betrifft, sich das Ehrenwort geben läßt. Und dann neben dem Ehrenwort noch eine Konventionalstrafe von 10 000 M., obwohl der Angestellte im vorliegenden Falle'noch keine zweitausend Mark Jahresgchalt bezog. Diese Konkurrenz- klausel ist ihrem ganzen Inhalt nach, inGlicsoiidere deshalb un- gültig, weil die Abforderung des Ehrenworts gegen die guten Sitten berstößt._ Bon der Bekleidungsindustrie. Die Zahl der versicherten Betriebe hat sich bei der BckleidungS- industrie in den letzten 25 Jahren vervierfacht und ist jetzt auf 10 105 gestiegen, dt« insgesamt 315 801 Arbeiter beschäftigen. Gegen das Vorjahr sind mehr als 18 000 Arbeiter mehrversichert. Auch die Zahl der Unfälle steigt weiter an. Im Jahre 1910 wurden 3712 Unfälle gegen 3457 im Vorjahre gemeldet. Die meisten und schwersten Unfälle hatten die Schuhfabriken mit 1382 zu vcrzcich- nen. Ihnen folgen die Wäschereien mit 064, die Kleidcrfabriken mit 634, die Filzhutfabriken mit 108 usw. Der Gcfahrentarif zeigt 55 einzelne Branchen, die zur Versicherung zählen, deren Unfall- gefahren natürlich sehr verschieden sind. Der Bericht der Berufs- geuossenschaft versucht auch wieder die Schuldfrage bei den Un- fällen zu ermitteln und gibt darüber folgende Auskunft:� „Von den 385 entschädigten Unfällen kamen 15 auf die Gefähr- lichkeit des Betriebes, 8 auf mangelhafte Betriebseinrichtungen, 13 auf ungenügende Anweisung, 59 aus Fehlen von Schutzvorrich- tungen usw., dagegen 106 Unfälle auf Ungeschicklichkeit und Unacht- samkeit der Arbeiter, 35 auf offenbaren Leichtsinn, 32 auf Nicht- benutzung gebotener Schutzmittel, 52 auf Handeln wider erhaltene Anweisung usw." Man sieht, daß die Unternehmer sehr gut bei dieser einseitig aufgestellten„Statistik" wegkamen, obschon der Bericht selbst er- wähnt, daß bei den 811 revidierten Betrieben allein 5490 Mängel gefunden wurden. Später führt man noch folgendes aus: „Von diesen Unfällen hätten sich durch bessere Beachtung der UnfallvcrhütungSvorschriften seitens der Betriebsunternehmer (Klasse L) 80 Unfälle— 20,8 Proz. und seitens der Versicherten (Klasse A und D) 123 Unfälle— 82,0 Proz. vermeiden lassen. 116 Unfälle— 30,1 Proz.(Klasse E) fallen der Ungeschicklichkeit und der Unachtsamkeit der Arbeiter und ihrer Unkenntnis der Gefahr zur Last, während 66 Unfälle— 17,1 Proz.(Klasse B, F. und G) sich schwer hätten permeiden lassen,. Hochkonjunktur konnte für die Schuldfragen nicht in Betracht kommen, da eine solche im vergangenen Jahre nicht bestand, auch dürfte ein bäufiger Arbeiterwcchsel auszuschalten sein. Die Ver- Wendung ungeübter Arbeiter, namentlich der Kinder und der jugendlichen Arbeiter, welche meistens alS Lehrlinge selbständig zum Teil unfallgefährliche Arbeitsmaschinen bedienten, führte viel- mnls zu Unfällen, dagegen konnte kein einziger Unfall auf Alkohol- mißbrauch zurückgeführt werden. In den revidierten Betrieben des Südbezirks waren im ganzen 859 männliche jugendliche Arbeiter unter 10 Jahren: das sind 2.4 Proz. aller beschäftigten männlichen Personen, und 1250 Weib- liche jugendliche Arbeiter unter 10 Jahren: das sind 3,51 Proz. aller beschäftigten weiblichen Personen tätig. Trotz des§ 7, Abschnitt G, unserer Unfallverhütungsvorschristen, nach dem Arbeiter unter 17 Jahren an der Einlatzstelle von Dampfmangeln, an Gefahr- bringenden Bügel- und Plättmaschinen, sowie an Stanzen nicht be- schäftigt werden dürfen, gibt es eine ganze Anzahl von Betriebs- Unternehmern, die trobde», gegen diese Vestimmung handeln und nicht nur jugendliche Personen im Aller von 14 bis 17 Jahren. sondern auch Kinder unter 14 Jahren mit selbständigen Arbeite» an diesen unfallgcfährlichen Maschinen betrauen. Wenn nun diesen unerfahrenen, mit der Bedienung und Wartung der Arbeits- Maschinen gar nicht, bezw. ungenügend vertrauten Personen schwere Unfälle zustoßen, so darf man sich hierüber nicht wundern."!!! Eine weitere Statistik zeigt uns, daß von 385 Unfallanzeigen, welche von dem technischen Äufsichtsbeqmten geprüft worden sind, auf Kinder unter 14 Jahren 5 Unfälle— 1,3 Proz., auf jugendliche Personen unter 17 Jahren 64— 16,6 Proz. in den Schnhfabriten entfielen. Beschäftigt waren in den revidierten Betrieben des Süd- bczirkS 15 854 erwachsene männliche und 17 817 weibliche Arbeiter. ferner 859 jugendliche männliche und 1250 weibliche Arbeiter unter IS Jahrev. SewevKlekaftUcdes. Der britilcke Gewcrhrchaftehongrcß. London, 5. September 1911. Auf dem 44. Kongreß der britischen Gewcrtschaftcn, der om 4. September in Newcastle eröffnet wurde, waren S21 Delegierte anwesend. die wie bereits gemeldet, 1 667 666 organisierte Arbeiter der- traten. Die Zahl der vertretenen Gewerkschafter war um 14418 größer als im vergangenen Jahre. Der geringe Zuwachs erklärt sich zum Teil daraus, daß die Gewerkschaft der Zimmerleute und Schreiner '(58 660 Mitglieder) in diesem Jahre keine Vertreter zum Kon- greß geschickt hat. In Wirklichkeit wird die Zahl der vertretenen Arbeiter viel größer sein; datieren doch die obigen Antgaben vom Ende des Monats Mai dieses Jahres, als die Massenbewegung der letzten Monate noch nicht die Reihen der Gewerkschaften gefüllt hatte. Als Gäste waren Vertreter der amerikanischen Gewerk- sckasten wie auch Vertreter des Handelsministeriums und des Ministeriums des Innern(Shacklcton) anwesend. Den Vorsitz führte Mullin, ein Vertreter der Textilarbeiter, der zusammen mit einem Vertreter der Messingarbeiter die briti- schen Gewerkschaften vor drei Mvnaten bei der Krönung Georgs V. vertrat. Er ist einer jener alten Gewerkschafter, deren Ansichten dirrch die jüngsten Erschütterungen wenig Aenderungen erfahren hgbcn. Seine Jnauguraladresse, die den größten Teil der ersten Sitzung in Anspruch nahm, kann daher kaum als inspirierend be- zeichnet werden und täuschte die Erwartungen, die man allgemein hegte. Da aber den Eröffnungsreden zu den britischen Gewerk- schaftskongressen eine große Wichtigkeit beigemessen wird, so mögen hier die wichtigsten Punkte der Rede wiedergegeben werden. Der Vorsitzende besprach zu Anfang seiner Ausführungen die Versicherungsvorlage der Regierung und erklärte sich als ent- schiedener Anhänger der Beitragspflicht. Auch in der Sozialver- sicherung müsse der Grundsatz der direkten Besteuerung hochgehalten werden. Wenn die große Masse der schlecht entlohnten und un- organisierten Arbeiter einmal unter dem Versicherungsgesetz zusammengebracht worden sei, dann werde es auch leichter sein, sie zur gewerkschaftlichen Mitarbeit heranzuziehen. Die wöchentliche Beitragsleistung werde auch den Indifferentesten bestimmen, ein Interesse an der Organisation der Sozialversicherung zu bekunden. Er befürworte den Vorschlag, daß sich die Gewerkschaften zu- sammenschlicßen sollten, um als Träger der Versicherung zu fungieren. Der Schatzkanzler sei für dieses Svstem, das den Gewerk- scbaften eine wirksamere Kontrolle über die Auszahlung der Unter- stützungcn gewährleiste. Nachdem der Vorsitzende die Aufhebung des Osborne-Urteils, die wegen der Selbstsucht einer Minorität der Gewerkschafter noch immer auf sich warten lasse, und das Parlamentsgesetz kurz ge- streift hatte, wandte er sich wieder gewerkschaftlichen Fragen zu. Er betonte die Forderung der Gewerkschaften, daß der Staat für die Blinden sorgen sollte, besprach das Ladengesetz und das neue Bergwerksgesctz, die beide in der kommenden Parlamentssession erledigt werden sollen, und kam dann zu der augenblicklichen Lage in der britiscbcn Gewcrkfchaftswelt, ein Thema, das von den Tele- gierten mit Spannung verfolgt wurde. Seine Ausführungen lauteten wörtlich:„Eine bemerkenswerte Phase der Geschehnisse des Jahres fordert zu besonderen Vemer- kungen heraus. In den letzten paar Monaten ist das Land durch eine allgemeine Unruhe in der Arbeitcrwelt, die ibrcn Höhepunkt in einer Reihe von Streiks der Transportarbeiter und Eisenbahner fand, aufs heftigste bestürzt worden. Praktisch haben alle den Erfolg gehabt, den Arbeitern Vorteile zu sichern, die ihnen bisher vorenthalten wurden. Niemand, der weiß, was es bedeutet, tritt leichten Herzens in einen Streik; aber ebenso sicher ist es,'daß kein Gewerkschafter daran denken kann, das Recht, die Arbeit nieder- zulegen, aufzugeben, wenn eine gerechte Aufforderung dazu er- folgt. In den letzten Jahren ist die Gewcrksckiaftspolitik in bezug auf Fragen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse für Gegenseitig- keitsverträge, Einigungsämtcr und dergleichen eingetreten. kann kaum gesagt wtzcden, daß diese sich in der Praxis für die organisierte Arbeit als gänzlich zufriedenstellend erwiesen baben. Eine sich in die Länge ziehende Sckiiedsgerichtsgual muß für Leute, die keinen auskömmlichen Lohn erhalten, oder für andere, die bis zum Zusammenbruch angetrieben worden sind, seine Grenze er- reichen. Denjenigen, die diese Dinge bis zu den äußersten Kon- seguenzen treiben wollen, möchte ich in den Worten unserer amerikanischen Freunde zurufen:„Schiebt den Karren Weiterl Denn wenn Ihr das nicht tut, so setzt es sich der Arbeiter in den Kopf, den Karren selbst Weiler zu schieben." Das störische Gebaren dör Eisenbahndirektoren wurde von dem Vorsitzenden mit gebührenden Worten gegeißelt und auch die Re- gierung bekam einen Klaps ab.„Die Regierung", so hieß es in der Rede, hat den Eisenbahnen nicht nur zum Vorteil der Direk- toren und Aktienbesitzer, sondern auch zum Nutzen und zur Wohl- fahrt des Publikums besondere Machtbefugnisse erteilt. Es scheint mir, daß die Regierung pflichtvergessen ist, wenn sie mehr daran denkt, Truppen nach allen Teilen des Landes ohne Aufforderung der Zivilbehörden zu entsenden, anstatt diesen Eisenbahnmagnatcn den Standpunkt klarzumachen." Schließlich muß auch noch ein Passus auS der Rede des Vor- sitzenden erwähnt werden, der wieder einmal klar dartut, daß die Arbeiter England? und Teutschlands keinen Anteil an der ge- wissenlosen Hetze der chauvinistischen Presse diesseits und jenseits der Nordsee haben.„Ich kann nicht umhin, der vielen heimtückischen Versuche der Presse, böses Blut zwischen den Arbeitern Englands und Deutschlands zu machen, Erwähnung zu tun. Es wird der Wunsch und die Pflicht aller Gewerkschafter in beiden Ländern sein, alles, was möglich ist, zu tun, um den üblen Folgen dieses Treibens entgegenzuwirken." Den Rest der Sitzung verbrachte der Kongreß mit der Erkedi- pung der formalen Geschäfte und der Beratung zweier Resolu- tionen, die sich gegen die Arbeitsverträge der Ladenangestellten, die diesen die Annahme von Arbeit in der Nähe des Geschäfts ihres früheren Arbeitgebers verbieten, und für die Selbstbckösti- gung der Ladenangestellten aussprechen. Berlin und Umgegend. Achtung, Bauarbeiter, Steinholzlcger! Die Firma Hannoversche Asbestfußboden- und Stetüholzfabrik„Fama". Abteilung Groß- Berlin, Konstanz Vetter, hat nunmehr den Lohntarif der hiesige» Steinholzleger ebenfalls anerkannt und ist daher die Sperre Über diese Firma aufgehoben. Gesperrt bleibt nunmehr noch die Firma Brandenburgische Kunststein- und Steinholzfabrik, Schöneberg, Geneststr. 7. Deutscher Bauarbeitcrverband, Zweigvcrein Berlin. Die Putzer hatten im April beschlossen, die Erhöhung der Akkord-Abschlagszahlung aus 9 M. täglich zu verlangen und da, wo die Aktordpreise so niedrig sind, daß ein Tagesverdienst von 9 M. nicht erreicht werden kann, eine Erhöhung der�Akkordpreise zu for- dcrn.— Am Mittwoch fand eine stark besuchte Sektionsversammlung statt, wo über die Durchführung dieses Beschlusses und seine Folgen diskutiert wurde. Fast alle Redner vertraten die Ansicht, daß eine Verbesserung des Verdienstes nicht eingetreten sei. Die meisten Kollegen hätten nicht den Mut. höhere Akkordsätze zu fordern. In sehr vielen Fällen werde ein Tagesverdienst von 9 M. nicht erreicht. Bei den Üblichen Akkordsätzen könnte auch nur bei angestrengtester Arbeit der Lohn verdient werden. Eine Folge des Beschlusses sei die, daß ältere und schwächere Kollegen keine Arbeit mehr bekämen. Die mangelnde Solidarität unter den Jnnenputzern habe es dahingebracht, daß die Arbeiten auf dem Bau nicht mehr gleichmäßig unter allen Kollegen verteilt werden, sondern eS würden mehrere Kolonnen gebildet, die je nach Art der Arbeit Verdienst in vcr- schiedener Höhe erzielen. Dieser Mangel an Solidarität und die Sucht mancher Kollegen, durch äußerste Anspannung der Kräfte •noch Akkordüberschüsse zu erzielen, sei schuld daran, daß trotz der günst igen Konjunktur die Verhältnisse der Pu tzer so s chlecht seien. Beräntw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Der Streik Bei Bei Schuhwarenfirma Spiegek, EreissivalBer Straße 224, ist durch neue Verhandlungen beigelegt worden. In der Lohnfrage erfolgten Zugeständnisse; auf die Wiedereinstellung des entlassenen Vertrauensmannes wurde verzichtet. Die Arbeit wurde am Tonnerstag wieder aufgenommen. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Oeutkcbcs Reich. Neber die neue Zersplitterung der Haudlungsgehilfenbewegung schreibt das Organ des freigeiverkschaftlichen Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen: Als eine verfehlte Spekulation hat sich bisher die Gründung des Bundes der kaufmännische» Angestellten er- wiesen. Im Frühjahr 1916 leitete der Bund der technisch-industriellen Beamten durw wohl vorbereiteten Beschluß seinesBundestagsdieAktion ein. In der Folgezeit stibitzte der Bund der technisch-industriellen Be- amten die Adressen der kai�mänuischen Angestellten, die ihm durch die Petition der„Freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestelllen" zugänglich geworden waren. Vom November 1916 ab versandte man dann die neugegrllndete Zeitschrift„Der kauf- männische Angestellte". Nun suchte sich der Bund der technisch- industriellen Beamten— der seine gesamte Organisation für die Gründung des geplanten kaufinämiischen Bundes tätig sein ließ— zwanzig Strohmänner, die der Oeffeiitlichleit gegenüber die Rolle der Gründer spielen sollten. Unter diesen zwanzig Stroh„männern" befand sich eine weibliche Angestellte des Bundes der technisch- industriellen Beamten. Im Juni 1911 gingen dann 1640 heimliche Aufrufe zur Grün- dung des Blindes der kaufmännischen Angestellten an— die Vertrauensmänner des Bundes der technisch-industriellen Beamten. Man hoffte nun, daß die kaufmännischen Angestellten in hellen Haufen kommen würden, um sich als„Schlafburschen" des Bundes der technisch-industriellen Beamten" eintragen zu lassen. Aber g'fehlt war's! Nachdem man die Einsendefrist der ausgegebenen Bogen verlängert und den Gründungstag hinausgeschoben hatte, brachte man mit Hängen und Würgen angeblich 466 Mitglieder des neuen Bundes der kaufmännischen Angestellten zusammen. Aber so einfach, wie wir die Sache hier schildern, war sie nicht gegangen. Nein, die zwanzig Gründer, die nur in Gemeinschaft mit den Herren vour Bund der technisch-industriellen Beamte» tagen durften, hatten einmal Gelegenheit gefunden, allein zusammen- zukommen. Das war nicht leicht, weil ja unter den Zwanzigern der weibliche Kundschafter war. Die Zwanzig wurden rabiat und wollten noch nicht„gründen". Der in den 1646 Aufrufen als Adresse angegebene Obmann der Zwanzig warf sogar vor dem Gründungstage den ganzen Krempel hin. Endlich, endlich kam am 12. Juli die Gründungsversammlung zustande. An der Gründungsposse wirkten ein Angestellter des Bundes der technisch-industriellen Beamten(Herr Kuttncr) als Referent und drei Angestellte deS Bundes der technisch-industriellen Beamten (Fräulein Wülfel und die Herren Schweitzer und Lüdcmann) als Diskussionsredner mit. Die Geschäftsstelle des jungen Bundes der kaufmännischen Angestellten befindet sich im— Bureau deS Bundes der technisch-industriellen Beamten. Die Agitation des kaufmännischen Bundes leitete bisher Herr Band, der als be- zahlter Bureaubeamter des Bundes der techuisch-industriellcu Beamten tätig ist. Aus dem Sandstcinbezirk von Bunzlau(Schlesien) wird eine große Arbeitslosigkeit gemeldet. In den Orten Bunzlau, Löwen- berg, Teutmannsdorf, Hockcnau, Plagwitz, Rackwitz und Warthau haben bereits große Arbciterentlassungen stattgefunden. Der Streik der Klempner und Installateure in Frankfurt a. M. wurde nach fünfwöchigem Kampf erfolgreich beendet. Am Freitag, den 8. September, nehmen die Streikenden die Arbeit wieder auf. Mit dem Arbeitgebervcrbnnd für das Klempner- und Jnstallationsgewerbe wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen, der wesentliche Verbesserungen für die Arbeiter bringt. Die wöchcnt- liche Arbeitszeit beträgt künftig 55 Stunden. Die Ent- lohnung erfolgt nach Leistung. Jedoch erhalten Junggesellen im ersten Halbjahr nach der Lehre mindestens 85 Pf., im zweiten Halbjahr nach der Lehre mindestens 38 Pf., ab 1. Juli 1913 min- bestens 37 und 46 Pf. Ein Jahr nach beendeter Lehrzeit bis zum 21. Lebensjahre beträgt der Mindestlohn 42 Pf., ab 1. Juli 1913 45 Pf. Für Gesellen vom 21. bis zum 25. Lebensjahr 52 Pf., ab 1. Juli 1913 55 Pf. Für Gesellen über 25 Jahre 66 Pf., ab 1. Juli 1913 62 Pf. Alle zurzeit in Arbeit stehenden Gesellen erhalten zunächst den durch die Arbeitsverkürzung bedingten Lohnausgleich, außerdem eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde. Soweit hier« durch der Mindestlohn nicht erreicht wird, entsprechend mehr.— Verschiedene Jnnungsmeister haben noch nicht bewilligt; bei diesen werden die Forderungen nun einzeln durchgesetzt. Der Kampf der Metallarbeiter in Leipzig. Donnerstag nachmittag tagte eine Versammlung der Gelbmetall» arbeiter. Die Versammlung hatte den Bericht der VerhandlungS- kommission der Arbeiter entgegengenommen. Die Zugeständnisse, die die Unternehnier gemacht haben, wurden von der Versammlung ohne Diskussion einstimmig abgelehnt. Die Zugeständnisse waren so minimaler Natur, daß die Entscheidung der streikenden und ausgesperrten Gelbmetallarbeiter zu verstehen ist. Die Unternehmer hatten zwar eine 56stüudige Arbeitszeit zugebilligt, sich aber ge- weigert, für die Verkürzung der Arbeitszeit einen entsprechenden Lohnausgleich zu gewähren. Bei Löhnen, die nach der Behauptung der �Unternehmer selbst gar nicht existieren, haben sie eine Zulage ge- währt, während sie zu den jetzt schon bestehenden Löhnen nur 1 bis 2 Pf. Lohnzulage gewährt haben einschließlich deS Lohnausgleichs für die Verkürzung der Arbeitszeit._ Zum Streik der Elektriker und Helfer in Hamburg. Tie Arbeitseinstellung ist eine allgemeine, so daß sich über 666 Elektriker und Helfer im Ausstände befinden. Einzclvcrträge, die verschiedene Unternehmer abschließen möchten, werden nicht ein- gegangen; es dürfen nur korporative Verhandlungen stattfinden. ZZusland. Straßenbahnerstreik, Klassenkampf und Klassenjustiz. Seit Anfang August versuchen nun die beiden Straßenbahn- gesellschaften Kopenhageu-Frederiksberg und Tuborg-Klampenborg ihren Betrieb durch Streikbrecher aufrechtzuerhalten, während sie die alten Angestellten für dauernd entlassen erklären. Sie folgten dabei den Anordnungen der Dänischen Arbeitgebervereinigung, die da glaubt, sie könnte, nach manchen Mißerfolgen, bei dieser Gelegenheit einmal einen Sieg über die organisierte Arbeiterschaft erringen. Ob ihr das gelingen wird, scheint jedoch sehr zweifelhaft. Allerdings, der Betrieb auf den bestreikten Linien ist wieder im Gange— aber wie? Es sind zumeist ungeschickte und viel zu wenig ausgebildete Leute, diese Streikbrecher, denen das vcrantwortungs- volle Amt eines Straßcnbahnführers anvertraut wird. Jeder Ta� bringt neue Unglücksfälle, und im Monat August sind allein bei der FrederikSberger Gesellschaft 24 Unfälle vorgekommen, zehnmal so viel als bei den großen, jetzt kommunalen Kopcnhagener Straßenbahnen, die doch eine weit größere Anzahl von Wagen im Betrieb haben. Wagen sind zertrümmert, Personen sind mehr oder minder schwer verletzt, und einen Mann haben die Streik- brecher bereits totgefahren. Es war freilich nur ein alter Lumpen- sammler, und da sei das Unglück nicht so sehr zu beklagen, meinte die Presse des guten Bürgertums. Der Straßenbahnerstreik läßt die Tatsache des Klassenkampfes stärker denn je hervortreten.„Socialdemokraten" ist das einzige Blatt, das sich auf die Seite der Streikenden stellt, und auch das ainzige. das gegen die Polizciausschrcitungen Front macht, die in den ersten Strciktagen eine ständige Gefahr für das Publikum bU- deten. Die bürgerliche Presse sucht jene Brutalitäten zu be- fchönigcn, und unter den richterlichen Beamten scheint es auch nicht an solchen zu fehlen, die an die Untersuchungen mit der vorgefaßten Meinung herangehen, daß Streikbrecher und Polizeibeamte un- Th. Glocke, Berlin. Druck„.Verlag: Vorwärts Buchdr.lj. Perlagsanstals' schuldsvokle Engel, mißhandelte Leute auS Sem Publikum»her sehr verdächtige Zeugen sind. Bei den<_traßenunruhen Anfang August hatte ein 15jähriges Mädchen mit dem Polizeiknüppel einen Hieb auf den Kopf bekommen, und überdies hatte ihr der Polizeimann die Bluse arg zerfetzt. Unser Brudcrorgan veröffentlichte neben den vielen anderen Polizeitaten auch diese Geschichte. Aber die vier Polizisten, die dabei in Betracht kamen, gaben die eidesstatt- liche Versicherung ab, daß sie überhaupt nicht geschlagen hätten. Da wurde das junge Mädchen unter dem Verdacht, Falsches be- kündet zu haben, verhaftet, solange in die berüchtigten Zellen ein- gesperrt und dann nach der in Dänemark noch immer üblichen ge- Heimen Jnquisitionsmcthode verhört»nd mit Kreuz- und Ouer- fragen gemartert, bis es schließlich, den Wünschen des stellvertrcten- den Untersuchungsrichters entsprechend,„eingestand", daß die Kopf- tvunde nicht von einem Polizeitnüppel, sondern von einem Kamm herrühre, und daß eigentlich der Mitarbeiter von„Socialdemo- traten" daran schuld sei, daß sie zuerst falsche Angaben gemacht habe. Die bürgerliche Presse jubelte— aber zu früh. Inzwischen haben sich Tag für Tag neue Zeugen gemeldet, die teils gesehen haben, daß die betreffenden Polizeileute auf das Publikum schlugen mit ihren Knüppeln, teils auch, daß ein junges Mädchen geschlagen wurde. Diese Bekundungen haben den Erfolg gehabt, daß die Sache nun von neuem untersucht werden soll. Die Arbeiterschaft hat bereits in großen Massenversamm- lungen unter freiem Himmel gegen die Polizeibrutalitäten wie gegen das richterliche Vorgehen protestiert, und.der Justizminister hat denn auch erklärt, daß er baldigst für Einführung der Oeffcnl- lichkeit des Gerichtsverfahrens Sorge tragen werde, sowie, daß die Sache der Emilie Raßmussen— so heißt jenes junge Mädchen— in allen Einzelheiten von neuem untersucht werden solle.— Der Boykott, den die Arbeiterschaft über die bestreikten Linien verhängt hat, und daneben wohl auch die Gefahr, die mit dem Streikbrecherbetrieb verknüpft ist, beginnt zu wirken. Tie Fredcriksberger Gesellschaft hat im August nur 51 866 Kronen eingenommen gegenüber 166 666 Kronen im selben Monat vorigen Jahres. Die Gesellschaft beantragt nun, daß gegen„Socialdemo- traten" ein richterliches Verbot der Aufforderung zum Boykott und der Veröffentlichung von den Namen der Streikbrecher erlassen werde. Sie wird damit wohl kein Glück haben. Jedenfalls müßte, wenn der Boykott strafbar sein sollte, zu allererst die Dänische Arbeitgebervcreinigung beim Kragen genommen werden, die dos Boykottieren statutengemäß betreibt und schon manchen Handwerks- meister, der sich friedlich mit seinen Arbeitern einigen wollte, durch Geldbußen bis zu 56 666 Kronen, Materialboykott und dergleichen ruiniert hat.•_ Versammlungen. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Schuhgeschäften VerlinZ. Am Mittwoch fand in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstrahe, eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der kaufmännischen Ange- stellten der Schuhwarengeschäfte statt, in der über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in diesen Geschäften gesprochen wurde. Die Ver- sammlung war einberufen vom Zentralverband der Handlungs- gchilfen auf Wunsch der Angestellten jener Branche, die immer mehr zu der Erkenntnis kommen, daß sie sich zusammenschließen müssen, um aus diesem Wege die dringend notwendige Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage herbeizuführen und weiteren Vcrschlech- tcrungcn vorzubeugen. Die Referentin, Frau Friedländer. schilderte die Zustände und nannte dabei namentlich die Firmen Stiller und Leiser, betonte jedoch, daß es in einer ganzen Reihe anderer Schuhwarcngeschäfte kaum besser bestellt sei. Im allge- meinen sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dieses gutgeschulten Personals schlechter, als die der Verkäuferinnen in den großen Warenhäusern. 56 bis 66 M., wenn's hoch kommt 75 M. im ganzen Monat, sind die Regel; einzelne mögen vielleicht 85 bis 95 M. haben. Die Ursache ist, daß das Personal der Warenhäuser es ver» standen hat, sich zu organisieren, wenigstens soweit, daß die Waren- Hausbesitzer und ihre Direktoren auf die Wünsche des Personals und feiner Organisation Rücksicht nehmen müssen, während cö in den Schuhgeschäften minder Organisation noch ziemlich schlecht be- stellt ist. Die Firma Stiller scheint auch große Furcht davor zu haben, daß die Organisation in ihren Geschäften Eingang findet. Hat die Firma doch, als sie von der geplanten Versammlung er- fuhr, sofort an alle Filialleiter telephoniert, daß sie das Personal vom Besuch der Versammlung zurückhalten sollten. Von den Löhnen werden noch allerlei Strafen in Abzug gebracht, die in einer langen Liste für nicht weniger als fünfzehnerlei Verfehlungen festgesetzt sind, zum Beispiel für einen Rechenfehler, der an der Kasse ent- deckt wird, 16 Pf.; für das Vergessen der Verschickung eines Paketes 25 Pf., wenn ungleiche Stiefel eingepackt wurden und vom Kunden zurückgebracht werden, für die Verkäuferin 1 M., für die Kon- trolleurin 56 Pf. Strafe usw. So sind auch für die kleinsten Ver- gehen Geldstrafen aufgeführt und müssen ohne Gnade gezahlt werden. Obendrein beucht oder bestand bis vor wenigen Tagen die Bestimmung, daß Mankos in der Kasse einfach� vom Lohn abgezogen wurden, der Kassiererin keinerlei Mankogeld gewährt wurde, während andererseits, wenn sich ein Ucbcrschuß in der Kasse ergibt, dieser der Firma zufällt. Erst jetzt gab die Firma durch Zirkular Anweisung, daß den Kassiererinnen 16 M., den Kon- trollcurinnen 5 M. Mankogeld gewährt werden solle. Dazu kommt noch die Unsitte, daß das Manko nicht immer regelmäßig jeden Monat abgezogen wird, sondern daß man eine Reihe von Monaten zusammenkommen läßt. So wurde, wie die Redncrin ausführte, einer Kassiererin beim Abgang von 85 M. Monatsgehalt das Manko von 6 Monaten in der Hohe von 27 M. abgezogen und einer Kon- trollctirin für 9 Monate 16 oder 18 M. Manko. Im Falle der Krankheit müssen die Angestellten vertraglich auf die Vorteile des § 63 des Handelsgesetzbuches verzichten, so daß sie also, wenn ein solcher Vertrag gesetzliche Gültigkeit hätte, in Krankheitsfällen keinen Lohn beanspruchen könnten. Leider sind die Angestellten in diesen wie in manchen anderen Dingen so gcsetzesunkundig, daß sie sich dergleichen ruhig gefallen lassen. Bei der Firma Leiser werden, wie die Redncrin ausführte, Verkäuferinnen nach zwei- jähriger Tätigkeit noch mit 35 oder 46 M. Monatslohn nach Hause geschickt, und außerdem sind dort ebenfalls verschiedene andere Miß- stände zu rügen. So wurde erwähnt, daß der Filialleiter der Firma in der Müllerstraße den Angestellten eine empörend schlechte Behandlung zuteil werden lasse. Die Referentin b'etonte ganz be- scnders unter Hinweis auf die Erfolge, die die gewerblichen Ar- bciter und Arbeiterinnen durch ihre Organisation erreicht haben, daß es endlich an der Zeit ist, daß die Handlungsangestellten, und namentlich auch die der Schuhgeschäste, diesem Beispiel folgen und sich vor allem erst einmal dem Handlungsgehilfenverband an- schließen, der mit der gesamten Arbeiterschaft zielbewußt für eine Verbesserung der Lage aller Ausgebeuteten kämpft.— In der Tis- knssion meldete sich von den anwesenden Firmenvertretern Herr Mandel von der Firma Leiser zum Wort und führte ans, daß seine Firma viel bessere Löhne zahle und überhaupt weit vornehmer gegen ihre Angestellten handele, als es die Referentin dargestellt hatte. Er fand jedoch keinen Glauben in der Versammlung, und man lachte nur darüber, als Herr Mandel behauptete, die Ver- käuferinnen könnten es bei Leiser auf 266 M. bringen und der Durchschnittslohn wäre 166 bis 126 M. Es war der Referentin ein leichtes, die Ausführungen in ihrem Schlußwort zu widerlegen. Hetzte Pfoebriehtem Verurteilter Betrüger. Hamburg, 7. September.(W. T. B.) Vor der Straf. kam mer IV des Landgerichts fand heute die Verhandlung gegen den früheren Vorsitzenden der Geesthachter Spar- und Leihkasse, Schweigmann, statt, der beschuldigt ist. mehrere Jahre hindurch Unterschlagungen in Höhe von ungefähr 189 666 M. zum Schaden der Spar- und Leihkasse begangen zu haben. Der Angeklagte, der geständig ist, wurde zu einer Gefnag- nisstrafe von Jahren unter Anrechnung von acht Mpftahen Untersuchungshaft und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. �- Paul Singer i Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 210. 28. Jahrgang. 1. Kilagcdcs Jotmiitts" fmlintt Jlollislilntl. kmlag, 8. Zeplmder 1911. StadtnerordDeten-Versammlung. 26. Sitzung vom Donnerstag, den 7. September 1911, nachmittags 5 Uhr. Die Tagesordnung für die heutige erste Sitzung nach den Sommerserien ist sehr reichhaltig; sie umfaßt nicht weniger als 88 Punkte. Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach L'/z Uhr. Das neue Mitglied Schriftsteller Max Grunwald wird in der üblichen Weise eingeführt und auf die Städteordnung verpflichtet. Vor der Sitzung haben die Abteilungen die Wahl des Aus- schusseS vollzogen, der den Antrag A r o n S(Soz.) betreffend die Berfügung des Polizeipräsidenten wegen der Erleichterung im Gc- brauch der Schußwaffe der Schutzmannschaft vorzuberaten hat. Dem Ausschuß gehören auch die Genossen Dr. Cohn, Nosenfeld und Stadthagen an. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Ausschußbericht über die Porlage wegen Abschluffes eines Vertrages mit der A. E.-G. in Berlin über den Bau einer Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorf. Der Ausschuß hat seine Arbeiten am 7. April begonnen und in seinen Sitzungen hauptsächlich die Frage des Ausbaues der ge- samten Strecke als Untergrundbahn erörtert. Nach dem Vertrags- entwurf soll die Bahn im Süden vom Oranienplatz bis Rixdorf und im Norden von der Rügener Straße an als Hochbahn ausgebaut werden. Mit 7 gegen 6 Stimmen hat der Ausschuß schließlich am 27. Juni folgend� Beschlutzfassung für das Plenum empfohlen: »Die Versammlung erklärt sich einverstanden mit dem Abschluß eines Verlrages mit der A. E.-G. auf Grund des Vertrags- entwurfs, wenn an Stelle der Hochbahn die Süd- und Nordstrecke zwischen Oranienplatz und Rixdorf bezw. zwischen Rügener und Christianiaslraße als Unterpflasterbahn hergestellt und zu- gleich die Anlage eines Zwischenbahnhofs im Norden vorgesehen wird. Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit der A. E.-G. über solche Abänderungen zu verHandel», und sieht einer ent- sprechenden Magistratsvorlage entgegen." Mit Rücksicht auf den großen Umfang der Tagesordnung, die auch eine erhebliche Anzahl sehr dringlicher Borlagen enthält, beschließt die Versammlung den Gegenstand auf die nächste Sitzung zu verschieben. Eine lange Reihe von Vorlagen minderen JntereffeS gelangt hierauf ohne Diskussion zur Annahme. Von der Erklärung deS Magistrats, in diesem Jahre die Ergänzungswahlen der dritten Abteilung versuchsweise an einem Sonntage stattfinden lassen zu wollen, nimint die Versammlung Zlcnntnis. Die Vorlage wegen Anrechnung der Dienstzeit an den Mädchen- schulen der Evangelischen Gemeinde zu B u k a r e st für Lehrerinnen gelangt nach kurzer Befürwortung durch den Stadtv. Dr. K n a u e r (Alte Linke) zur Annahme. Gegen die Richtigkeit der Gcmeindcwählcrliste sind, wie wir hereits berichtet, 3671 Einwendungen erhoben worden. Die Vorlage wird dem Ausschusse für die Prüfung der Stadt- cherordnetenwahlen zur Vorberatung überwiesen. Jagotvs Schießerlaß. Unterm 30. August haben die Stadtvv. Dr. AronS und Ge hoffenee Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband.] Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht,| datz unser Kollege, der Drojchken- sührer WHKelm Hinze am 5. d. M!s. im Alter von I 62 Jahren verstorben ist. 70/14{ Ehre seinem Zlndenken Z Die Beerdigung findet aml Sonnabend, den g. d. M.. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen JohanneS-Kirch- Hosts in Plävcnstc aus stall. Die Bezirksverivoltung. I Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. TodcS-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß ulistr Mitglied, der Arbeiter Bruno CJipp am 4. d. MIS. gestorben isi. Cchre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den S. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- hall« des HimmelsahrtS-Kirchhojes in Nordend auS statt. Nege Beteiligung erwartet 122/ IS die Ortsverwaltung Danksagiing. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines eben ManneS und guten BaterS lieoei» utiu uuicii vuiw» sagen wir allen Teilnehmern unjcren herzlichsten Dank. Witwe Anna Fritsch nnd Minder. kepliätid der Liflupphen, Steiüßrueker d. verw. fWe. ?)eut8cher Senefelder-Bund.) Im 5. September verstarb plötzlich unser Kollege und Mit- glied, der Steindrucker Karl Halm im Alter von 30 Jahren an Herzlähmung. 295/3 . flehte seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Luther- Kirch Hosts in Lankwitz, Marienselder SIratzc, aus statt. die Verwaltung der Filiale h Deutscher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traarige Nachricht, dag unsere Kollegin Klara packe plötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 4 Uhr aus dem Friedhos in Marzahn(Wriezener Bahn) statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 25/7 die drisverwaltung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für flaut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2. 6—7. Sonntaga 10—12, 2—4 Obst! 10 25 20 15 „Williams" Tafelbirne a 50kg 30 M. „ geringere.„ 50„ 20 „Gute Graue".....„ 50„ „Winter-GaldparrnSne" Taselsrüchte„ 50„ „ geringere.„ 50„ Grolle Mußäpfel (Reinetten)„ 50„ lieserr srei Haus Berlin bei Abnahme von mindeste»» 25 kg eventuell in mehreren Sorten die Städt. GutsverwalL Blankenburg u. Falkenberg bei Berlin. „Gute Graue" nur Faltcnberg auch in Sendunzen von 12,5 kg. Elite- srllchte besondere Beretnbaruug und Packung. 12610* Ntoffe Damentuche, Eskimo, sllr eleg.Patetots, Jacken, Kleider Mir. 2.50, 4.50 Mk. Tuchlager Koch& Seeland G. in. b. H. Gertraud». 20/21 Giftet deiner O. I Dänischer Kapitän-Kautabak in Rollen, BUndcI und Enden. : General- Vertrieb: Karl Röcker, Berlin ? II«(Amt VII, 3861)._ OCBSaBS Verkauf nur liu Eabrikgeb&adc! BESSQg "" Sie sparen Geld!""° olssl di�kt Engföspmscn f ! jyi_.. 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TageS-Ordnung: 1. Werden die Abmachungen von 1910 innegehalten und welche Stellung nehmen wir dazu? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wegen der autzergewöhnlichen Wichtigkeit der Tagesordnung Ist daS Er- Icheinen eines jeden Kollegen unbedingt ersorderlich. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Achtung i Zannaufsteller. äeh- Sonntag, den 10. September, vormittags 10 Uhr: Versammlung' aller in der Drahtindnstrie beschäftigten Zannanssteller und Helfer im Lokal von Wollschläger» Adalbertstrasse 21. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Kollegen! In dieser Versammlung dars keiner fehlen, jeder Betrieb mutz vertreten sein. Agitiere jeder für guten Besuch. 122/15_ Pic Orisvcrwaltnng. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ■ t■, Verwaltung Berlin. 1■= Montag, den 11. September 1911, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner-Versammlung der Maschinenarbeiter Groß-Berlins in den FraebtsiUea„Alt- Dcrlin", Blumcnstratze IL Tages-Ordnung: 1. Die Tätigkeit der Branchenkommisfion. 2. Die erste Branchenkonferenz der Maichinenarbeiier in München. 3. Ausstellung der Delegierte». 4. Branchenangelegenheilen. ggf Wegen der Wichtigkeit dieser Versammlung ist cS unbedingt not- wendig, datz ein jeder Beirieb von Grotz-Berlin vertreten ist. 88/7 Die Branchenkomintsslon. MWmjstN, Seilet, Ppainist ii.Merie- rätet, AWliierer«ud Kchiembeiier der Jentralen und Uiiterstatloueu der K.& W. Sonntag, den 10. September, präzise O'/, Uhr vorm., in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: ar Vensammlnng m TageS-Ordnung- 146/5 Bericht deS Arbeiter-Ausschusses, die Statuten der RuhegehaltSkasse, die Rcchlssähigeeit der AnstellungSverträge der B.E.W.. Betriebs angclegenheiten. DaS Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig? Pew Klnbcrufcr. Verlangen Sie überall I Anti=T rUStsCigaietten Qidon 2 ei Sparta-Klub 3 PL Blendend weisse Wasclie erzielt man mit vitlliewpse� SEIFENPULVER '8 15 11. Männer-Äbteiiiing „Fichte" Kitglied des A.-T.-a Sonntag, den 10. September, in der Berliner Bockbrauerei« Tempelhof. Berg (großer Saal): Unterhaitnngs-�bend zur 7eier des tOiährtyen Bestehens Mitwirkende: Konzert: Berl. SInfonie-Orohestep(Dirigent: Maxim. Fischer). Rezlt.; Herr Matthias v. Erdberg, Gesangverein Typographia. Anfang 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Nachmittags 2'/. Uhr: FLKZMWrNVN TurnhaHe des Friedrichs-IRealgymnasIums, Mitienwalder Liralle 34-37. Freunde u. Gönner sind hierzu freundl. eingeladen. Germania-Prachtsäle, Wittenau Lübarserstraße 94/95. Sonntag, den 10., und Montag, den 11. September: Lvmmeriest"ZT."" Volksfest oerrma fl. ll/ertheim unterhalt in Berlin nur diese 3 Geschäfte m« b. H* üeTsand'Hbteilung Berlin m.66 Ecipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. HiMmthdw Sk, SlfCtMC 132*31, Crcmiea SiroMe Freitag und Sonnabend $mMueHe ithnmttid SoWeit Vorhanden 'Mmdvmvm Oslpr. Landschinken läw7rI2.P!u.nf Pfund 1.15 SMhch Echt Westfäl. Landschinken 1.65 ca. 8—12 Pfund schwer........ 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Schweine8chuftea.4Pfd.«ehwor)Prd. 70 Pf. Schweinekotelettes Pfd.85,ganE. 60 pc Pökelkamm........... prd. 70 pr. Eisbein CDiekbein)........ Pfund 60 Pf. Rückenfett p,�. 3.00, Liesen 3.50 Rasseler Rippespeer.. Pfund 70 ws 85 pf. Wildschwein, Reh- u. Hirschwild zu billigen Preisen Wilde Kaninchen____ stück 60 pr. bis 1.00 Suttcni. Jube Iteacfimiwuw Ober-Moseler.......... v. fi. 1909 Wintricher....... v. fl 1907 Kinheimer...... v. pl 1908 Piesporter........ v. fc 1 908 Zeltinger......... v, n, 1906 Berncastler Altenwald Wachstum: Steuerinspektor Gerber'/, Fl. 1907 Graacher Bistum Wachstum: Am. Tanisch, Berncastel>/, FL 1907 Lieserer Niederberg Wachstum: Freiherr V. Schorlemer Vi Fl. 80 et 95 p». 1.15 1.35 1.60 1.80 2.10 2.70 Koch- und Backbutter pfund 1.20 Tischbutter.... Pfund 1.30 und 1.40 Limburger Käse...... piund 60 pr. Tilsiter pra. 60, Schweizer Pfd. 88 pr. Emmenthaler Käse...Pfund 1.1 5 Harzer Käse.. Kiste ca. ido stock 1.45 Land- und Kuhkäse.. 2 stock 35 pi. Romatour stek. 30, Briekäsepfd. 75 pf. Camembert.......... stock 23 pc. Bratenschmalz........ Pfund 58 pf. Lachs in Stocken.... Pfund 65 und 75 Pf. Bücklinge........ klein. Kin. 38 pc. Kieler Bücklinge..... s stock 10 pf. Kieler Flundern...... Pfund 38 pr. Ahlbecker Flundern.. Pfund 40 pr. Pommersche Flundern Pfund 30 Pt Aale...... Pfund 95 Pf.. Bund 35 Pt Dorsch............. 3 stock 25 Pf. Matjes-Heringe...... 3 stock 25 Pt Sardellen............ Pfund 85 Pt Borclecmscwem 1907 Bas Medoc...... Fi. 87 Pf. 1907 Chat. la France Fro,1'f'Fi. 95 Pf. 1907 Saint Christoly..,. ViFl 1.15 1905 Margaux......... v, fu 1.25 1907 Chat. Leoville Poyferre. ,-e Saint-Julien............. V. FL i-OO 1904 Chat. Figeac ��L 170 1905 Chat. Brane Cantenac. qn errand vin. Mareaux........'/,?!. grand vin, Margaux........ V, 1905 Chat. Pichon-Longueville v grand vin, Pauillac......... Vi FL 2.45 'CM "ShtAc Weisser Tischwein.. Vin. 70 'pf. Roter Tischwein Ta 63 p,. 1909 Saint Marie'.r�VtrOp,. Almando""" n. 80«. Ananas.......... pfund 70 u. 85 pt Kochbirnen......... 3 pfund 25 pr, Kochäpfel........... Pfund 1 5 Pt Canada-Reinetten...... Pfund 1 3 pc. Hasenköpfe.......... Pfund 13 pr. Weintrauben..........»ste 58 Pt Pflaumen.......... io Pfund 85 et. Zitronen........ Dutzend 25 u. 35 Pt, r Nur Leipziger und Rosentfialer Strasse: Schellfische.......... Pfund 10 pt Bratschollen........... ptundS Kabeljau in ganzen Fischen.... Pfund 7 Pf. Kabeljau in ganz. Fischen ohne Kopf Pfd. 12 Pt Seelachs in ganten Fischen ohne Kopf 8 Pf. Heilbutten............ Pfund 18 pr. Rotzungen............ Pfund 17 Pf. pt Limandeszungen...... Pfund 19 pr. Lebende Aale pfund 75, 90 pt 1.10 Lebende Karpfen.. Pfund 70, 90 pi. Krebse........ mol 20 pr. bii 4.00 Solokrebse...... stück 45 und 60 pt Die mit*) Versehenen Artikel sind Von der Zusendung ausgeschlossen. FrucHtsäfte inkl. Ftaacke, in Raffinade eingekocht Kirschsaft.........'/, Flaache 85 Pt Johannisbeersaft... rein Übersee-- Ische, lOOStck.> 4.30! 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September 1911, nachm. pünktlich 21/, Uhr. im Lokale der Witwe Wedhont („Altes SchutzenhauS"): General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des AussichtSrateS und Vorstandes. 2. Genehmigung der BUanz und Entlastung des Vorstandes. 3. Verteilung des Reingewinns. 4. Neu- und ErgänzungSwahlen des AusfichlsraleS und Vorstandes. 5. An« träge der Mitglieder(dieselben müssen spätestens 7 Tage vor der General, Versammlung in Händen deS Vor» standeS sein). Vom AusstchiSrate scheiden auSz August Reinke. Wildau: Paul Schulze und Otto Schuft, Dcutsch-Wuster- haulen: Willi«chmidt und Wilhelm Eolberg, Schentendorf. Vom Vorstande scheidet auS: Otto Friedland, Königs-Wusterhausen. Die Genossen find wieder wählbar l Idei> Voi-ataatl. 107/5 Wilhelm Pleikies. Otto Friedland. Wilhelm Buohwalder. lt. 210. 28. IahMg. 2. Kriltze Ks ,A»iick" Kerlim VilksblM treüilg. 8. Zeplmbet 1911. Partei- Angelegenheiten. Schönwalde(Bez. Pankow). Am Sonntag, den 1». September, nachmittags 4'/z Uhr, bei Schulz: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Kirche und die Sozialdemokratie. Referent: Genosse U n g e r. Der Pastor des Ortes ist schriftlich zu dieser Versammlung eingeladen. Die Pankower Genossen, welche an der Versammlung teilnehmen, Wollen mit dem Zug 3,08 Uhr von Reinickendorf-Rosenthal fahren. Die Agitationskommission. berliner Nachrichten. Tie Stadtverordneten hatten nach Beendigung der Sommerferien gestern ihre erste Sitzung. Sie begann mit der Einführung des neu- gewählten Stadtverordneten Genossen G r u n w a l d, der an die Stelle unseres verstorbenen Genossen Borgmann tritt. Tie sozialdemokratische Fraktion ist nun wieder mit 38 Mit- gliedern vollzählig. Das Arbeitspensum, das der Stadtverordnetenversamm- lung vorgelegt wurde, sah sehr reichlich aus, das meiste wurde aber ohne jede Debatte erledigt. Beachtung verdienen be- sonders.die Verhandlungen über den von der sozial- demokratischen Fraktion eingebrachten Antrag, der gegen den neuesten JagowschenSchieherlaß pro- testiert und den Magistrat auffordert. Schritte gegen diese Gefährdung der Bürgerschaft zu tun. In der� letzten Sitzung vor den Ferien war über�Jagows ersten Schietzerlaß verhandelt worden, der die Schutzleute auf den Gebrauch der Schußwaffe hinwies. Dem Protest unserer Genossen stimm- ten damals die Freisinnigen zu, allerdings unter verklausu- lierendem Gerede ihres Wortführers Cassel. In der ersten Sitzung nach den Ferien hatte die Stadtverordnetenversamm- lung Stellung zu nehmen zu dem Erlaß, der die Schutzleute anspornt, nicht zu spätzuschießen. Diesmal, wo man schärfste Worte der Verurteilung auch aus den Reihen der Freisinnigen zu hören erwartete, fielen einige ihrer Redner kläglich aus der Rolle. Ten Antrag begründete Genosse R o s e n f e l d. Eine Proklamicrung des Standrechts nannte er den neuesten Schieß- erlaß, dessen Folge eine Diktatur des Revolvers sein müsse. Gefährlich sei dieser Kriegszustand für die Be- völkerung, gefährlich aber in seinen Rückwirkungen auch für die Polizei. Schrecken wolle Herr v. Jagow offenbar die Berliner Arbeiterschaft, aber sie werden ihr Recht, z u d e m o n st r i e r e n, sich nicht nehmen lassen. Dann sprach als Redner der„Alten Linken" der Stadtv. S o n n e n f e l d. Et gab sich alle Mühe, dem P r o t e st seine Schärfe zu nehmen und dem Antrag die Spitze abzubrechen. Noch offener äußerte sich Stadtv. M o m m s e n. Ihm wäre es. sagte er, lieber gewesen, wenn man nicht schon wieder öffentlich über diese Angelegenheit ver- handelt hätte. In dem Ausschuß, der vor den Ferien wegen jenes Antrages über den ersten Schießerlaß beschlossen wurde, hätte man— meinte Herr Mommsen— sich auch über den zweiten unterhalten können. Gegenüber diesen Ausführungen sprach Genosse Rosen- f e l d sein Bedauern aus, daß die Einheitlichkeit des Protestes gestört sei. Er wies scharf eine Unverschämtheit des Herrn Sonnenfeld zurück, der von Ausbeutung des Schießerlasses durch gewissenlose Agita- t o r e n geredet hatte. Wie eigentlich der Magistrat über diese Gefährdung der Bürgerschaft denke, fragte unser Redner. Da erhob sich Oberbürgermeister K i r s ch n e r und erklärte, daß weder das Magistratskollegium noch er selber schon eine Mei- nung äußern könne. Ter Antrag wurde gleichfalls dem obenerwähnten Ausschuß überwiesen. Tort wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. der Freisinn sich noch weiter demaskieren dürfen._ Die Schulversäumnisstrafcu haben in Berlin sich in den letzten Jahren sehr ver- mindert. Nachdem z. B. das Schuljahr 1907108 noch die geradezu unbegreiflich hohe Zahl von 10 133 Strafverfügungen gebracht hatte, wurden plötzlich im Jahre 1908/09 nur 4916 Strafen und in 1909/10 nur 3532 Strafen verfügt. Aus dem neuesten Jahresbericht über die Schulpolizeivcrwaltung der Stadt, der das Jahr 1910/11 behandelt, ersehen wir, daß die Zahl der Versäumnisstrafen weiter sich auf mäßiger Höhe ge- halten hat. Diesmal wurden in, ganzen Jahre nur 3425 Strafen verfügt, knapp 15 pro 1000 Genicindeschulkinder. Durch die aus dem Vorjahr übernommenen noch unerledigten'Strafen — diesmal 737— erhöhte sich die Gesamtzahl der zu be- arbeitenden Strafsachen auf 4162. Erledigt wurden 3657, davon 2960 durch Zahlung der Geldstrafen von zusanunen 9212 M., 271 durch Verbüßnng der Haftstrafcn von zu- sammen 406 Tagen an Stelle der nicht bezahlten Geldstrafen von 1048 M., ferner 426 durch Zurücknahme der Verfügung. 82 durch Einstellung des Verfahrens, 188 durch richterliche Entscheidung und zwar 44 durch Freisprechung und 144 durch Verurteilung. Gegenüber dem Vorjahr hat besonders die Zahl der Zurücknahmen sich auffallend stark geändert: iin Vorjahr wurden nur 252 Verfügungen zurückgenonimen, diesmal aber mußten 426 zurückgenonimen werden. Der Jahresbericht hebt hervor, daß durch das vor einigen Jahren eingeführte Verfahren, bei den ersten unbegründeten Versäumnissen die verantwortlichen Personen unter Hinweis auf die Strafbcstinimungen zunächst zu verwarnen, vielfach weiteren Schulversäimiuissen vorgebeugt worden sei. Die Verminderung der Strafverfügungen erklärt sich wohl auch daraus, daß— eben infolge der Einführung dieses milderen Ver'ahrcns— jetzt nicht mehr so geschwind wie früher mit Strafen vorgegangen wird. Der Bericht sagt, bei zahlreichen Schulversäumnissen ergebe die Recherche. daß sie begründet waren oder daß niemand dafür ver- antlvortlich gemacht werden kann sz. B. wenn ein Kind ohne Wissen der Eltern die Schule geschwänzt hat oder über Nacht dem Elternhause ferngeblieben ist und daher nicht von den Eltern zum Schulbesuch angehalten»Verden konnte). Wenn eine verantwortliche Person bestraft wird, aber die Schul- Versäumnisse des Kindes fortdauern, so wird polizeiliche Zu- führung des Kindes angeordnet oder es werden die Waisen- Verivaltung. das Vormundschastsgericht oder Jugendfürsorge- vereine angerufen. Als bestes Mittel gegen Unregelmäßigkeit des Schulbesuches erscheint dann nicht nur dem Vormundschafts- gericht oder der Waiscnverwaltung, sondern auch den Jugend- sürsorgevcreincn leicht die Ueberw eisung in Fürsorge- e r z i e h u n g, die in dem Bericht allerdings mit keinem Äort erwähnt wird. Es kann passieren, daß ein Schulschwänzer lediglich wegen seiner Schulversäumnisse zur Fürsorgeerziehung überwiesen wird, aber dann bis weit über das Schulpflichts- alter hinaus und wohl gar bis zur Vollendung des 21. Lebens- jahrcs in Fürsorgeerziehung bleiben muß. Das ist nämlich nur zu oft der„Erfolg" der Fürsorgeerziehung, daß e r st unter ihrem Einfluß ein wegen geringer Verfehlung überwiesener und sonst vielleicht ganz harmloser Zögling zu einem Verhalten gelangt, das ihn als„unverbesserlich" erscheinen läßt._ Einführung von Briestclcgrammrn. Brieftelegramme werden am 1. Oktober in ganz Deutschland versuchsweise eingeführt. Es sind dies Telegramme, die in der Nacht an den BestimmungSoit telegraphiert und dort wie gewöhn- liche Briefe möglichst mit der ersten Bestellung abgetragen oder Ab- holern in der üblichen Weise ausgehändigt werden. Jedes Wort kostet 1 Pf., mindestens aber 50 Pf. für jedes Telegramm mit Ab- rundung auf je S Pf. nach oben. Brieftelegramme dürfen nur von 7 Uhr abends bis 12 Uhr nachts aufgeliefert werden. Es kann dies bei allen Annahmestellen für Telegramme erfolgen. Sie können auch brieflich aufgeliefert werden. Voraussetzung für die Beförderung ist natürlich ein ent- sprechender Nachtdienst. Die neue Einrichtung beschränkt sich deshalb auf den Verkehr zwischen folgenden Orten: Aachen, Augsburg, Bamberg, Barmen, Berlin mit dem ganzen Nohrpostbezirk, Viele- feld, Bonn. Braunschwcig, Bremen, Breslau, Bromberg, Kassel, Chemnitz, Koblenz, Köln. Colinar, Krefeld. Cuxhaven, Danzig, Darinstadt, Dessau, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Elberfeld. Emden. Erfurt, Essen, Eydtknhnen, Flensburg, Frank- furt a. M., Frankfurt a. O.. Freibnrg i. B., Gera, Gießen, Görlitz, Göttingen, Halle, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Königsberg, Köslin, Leipzig, Liegnitz. Ludwigshafen, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Metz, Mülhausen i. E., München, München-Gladbach, Münster, Nordhauscn,?!ürnberg, Oldenburg, Osnabrück, Passau, Plauen, Posen, Potsdam, Regcnsburg, Rostock, Saarbrücken, Schwerin, Stetlin, Stralsimd, Slraßburg, Stuttgart, Thorn, Trier, Wiesbaden, Würzburg und Zwickau. Brieftelegramme können aber auch über diese Orte hinaus innerhalb Deutschlands mit der Post wcitcrgeschickt werden. Die Telegramme erhalten den gebührenpflichtigen Vermerk ,,Bkt" oder„Brieslclegromm" vor der Adresse. Sie dürfen nur in offener Sprache abgefaßt sein. Die Wortznhl ist schon vom Absender anzugeben. Es ist auch eine vereinbarte abgekürzte Adresse und die Bezeichnung„postlagernd" zw lässig. Die Vermerke„dringend",„Antwort bezahlt",„Ver- glcichnng",„telegraphenlagernd",„Empfangsanzeige",„mehrere Adressen" und„einschreiben" werden dagegen nicht zugelassen. Die Adresse lautet z. B.:— Bkt.— Johann Müller, Leiterstr. 17, Bonn, oder— Eft.— Post— Schnbach, Euskirchen, Köln. Eine Eil- bcstellnng ist nicht zulässig. Eine Nächscndung erfolgt brieflich ohne Gebühr. Unbestellbare Brieftelegramme werden wie unbestellbare Telegramme behandelt. Der Einpfennigtaris findet nur auf das Telegramm selbst Anwendung, nicht auch aus gebührenpflichtige Dicnsttelegrannne, die durch ein Briestelegrannn veranlaßt werden oder sich auf ein solches beziehen. Die Gebühr wird auf Antrag nur dann erstattet, wenn das Brieftelegramm durch Verschulden des Telcgraphenbet-'ebs verloren gegangen oder später angekommen ist. als es bei Ausguß und Beförderung als gewöhnlicher Briet mit der Post angekommen_ Diebstähle auf dem städtischen Bichhofe. Umfangreichen Dieb stählen an Fourage, die jahrelang nach einem bestimmten Plane auf dem Berliner städtischen Viehhofe begangen sind, konnte gestern endlich ein Ende bereitet werden. Die Verwaltung wie die Kriminalpolizei war sich seit langem klar darüber, daß auf dem Viehhof in weitgehendem Maße Veruntreuungen an Fourage vor sich gingen; bei dem festen Zusammenhalt des in Frage kommenden Personals mit den Treiber», welche im Auftrage der Vieh- kommissionäre die Futtermittel abnehmen, war cS bisher unmöglich, die Methode der Diebstähle aufzudecken und die Täter festzustellen. Eine vor einiger Zeit erhobene Anklage führte aus diesem Grunde zu keinem Ergebnis. Die Kriminalpolizei setzte aber im Ein- vernehmen mit dem MagistratSdezernenten für den Vieh- und Schlachthof ihre Beobachtungen in sorgfältiger Weise fort und gestern morgen war der Zeitpunkt des Zugreifens gekommen. Es wurden nicht weniger als 17 Sistierungen vorgenommen. Gegen über dem erdrückenden BeweiSmaterial gab eine Reihe der Be schuldigten bald das Leugnen auf und legte ein umfassendes Ge- ständniS ab. Danach haben Treiber und städtisches Personal Hand in Hand gearbeitet und den Erlös der Veruntreuungen geteilt. Die Geschädigten sind die Viehhändler wie die städtische Verwaltung. Gegen die Schicbctänze haben dieser Tage die Vorstände sämtlicher Berliner Tanzlehrer organisationcn Stellung genommen. ES wurde betont, daß nur die Einigkeit sämtlicher Tanzincister und Saalbesitzer zum Ziele führen könnte, weil der einzelne anS wirtschaftlichen Interessen meist dem Geschmack des Publikums Rechnung tragen müsse. ES wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Tie am heutigen Abend einberufene Versammlung der unter- zeichneten Vorstände erblickt in der heutigen Art des Tanzcns, daS zum größten Teil ein Auswuchs dcS Two-step. Boston- und Apachen- tanzeS ist, eine schwere Berufsschädigung, die sich mit der Würde des TanzlehrerstandeS nicht vereinbare» läßt. Die erschienenen Vor stände find der Ueberzeugung, daß eine Selbsthilfe unter Mitwirkung der Saalbesitzer zu erzielen ist und di? Polizei nur in Notfällen angerufen werden soll, wie eS bisher teil weife mit Erfolg geschehen ist.— Verein Berliner Tanzlehrer 1876. Vereinigung Berliner Tanzlehrer. Tanzlehrcr-Verband„Solidarität". Tanzlehrer-Vercin„Groß-Berlin". Diese Resolution ist um so bemerkenswerter, als der Verein Berliner Saalbesitzer ausdrücklich hat erklären lassen, er »verde ohne weiteres mit den Beschlüssen der Tanzlehrer einverstanden sein. Schließlich wurde noch ein Bureau gewählt, daS die Aufgabe hat, dafür zu sorgen, daß auch überall im Sinne der obigen Resolution gehandelt wird. Wie wir weiter erfahren, findet am Montag, den 11. d. MlS., abends 9 Uhr, in den Musiker-Fest- sälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m, eine öffentliche Verfanim- lung statt, in der Tanzlehrer Zimmermann referieren wird. Ter Zweck ist der. die Beschlüsse und Gründe der Tanzlehrer vor der breiten Oeffentlichkeit klarzulegen. Zu dieser Versammlung werden sämtliche Tanzlehrer. Snalbesitzer. Gastwirte usw. durch Säulenanschlag und Inserate in den Tages- zeitungen eingeladen._ TaS Kuratorium der städtischen Heimstätten genehmigte in seiner gestern abgehaltenen Sitzung die während der Ferien getroffene VclegungSändcrung sür die Heimstätten zu Blankenburg und HeincrSdorf. Da diese beiden früher sür Kinder bestimmten Heim- statten auch während der Ferienzeit durch die Armeudircklion, Waisendepntation und andere Verwaltungen sowie sonstige Jnter- essenten nicht voll in Anspruch genommen wurden, konnte eine dieser Heimstätten als ausreichend angesehen iverden und die Heimstätte Blankenburg sür Frauen für geschlossene Tuberkulose benutzt werden. Dadurch ist, wie beabsichtigt war, erreicht, daß die große Zahl der Vormcldungen und die Wartezeiten von 8 Wochen, welche bei den Heimstätten für brnstkranle Franc» zu Malchow und Blankenfelde bestanden, innerhalb kurzer Zeit aus die sür den Sommer nicht> ungewöhnliche Wartezeit von jetzt 24 Tagen zurückgegangen sind und sür Kinder in der Heimstätte zu Heincrsdorf auch heute noch 14 Betten frei stehen. Um zahlreichere Anträge, besonders von der Armciidireltion zu erhalten, wird erwogen werden, ob nicht für Kinder eine Ermäßigung des Verpflegungssatzes von zurzeit 2,b0 M. für den Tag durchführbar ist. Wen» ztvci dasselbe tun. Gestern vormittag versammelte sich am Kaiser-Wilhelm-Dcnkmal ein Mäiincr-Gesangverein und ließ ans 80 Kehlen:„Es braust ein Ruf wie Donnerhall" ertönen. Dann legte ein Beauftragter des Vereins einen Kranz nieder. Wenn ein Arbeiter-Gcsangvcrein auf dem Schloßplatze die Marseillaise singen würde, würde er das auch so unbehelligt tun können? Wir verneinen die Frage, war doch am Sonntag unseren nach Treptow ziehenden Genosse» jeder Gesang von vornherein untersagt. Aber Patrioten können sich das leisten. Tciiipclhof und die Schiicllbah» Nord— Süd. Die Gemeinde Tempelhof hatte vor einiger Zeit gegen den Beschluß der städtischen Behörden von Berlin die Schnellbahn Nord— Süd bis zur Gneiscnau-, Ecke Forkstraße, zu bauen, beim Eisenbahnminister Einspruch er- hoben und gleichzeitig verlangt, daß die Schnellbahn bis zur Weich- bildgrcnze von Berlin vom Magistrat gebaut wird. Der Eisenbahn- minister hat den Einspruch der Gemeinde Tempelhof abschlägig be- ichicden und in seinem Bescheide ausdrücklich noch darauf hin- gewiesen, daß mit dem Bau der Nord— Südlinie bis zur Gneisenau- straßc die Stadt Berlin den Verkehrsmteresscn von Berlin in jeder Weise gerecht wird. Zwecks Orieittienmg in den Straßen Berlins empfinden Kutscher vom Pcrsonenfnhrwerk es sehr unangenehm, daß sie besonders bei breiten Siraßen mit zwei Fahrdämmen die auf der gegenüber« liegenden Seite befindlichen Hausnuminern nicht sehen können. Dieser Umstand führt besonders in der Dunkelheit oft zu längerein Zeitverlust durch Umfahren. Eine Fuhrwerksvereinigung hat sich deshalb an die städtischen Behörden gewendet mit dem Ersuchen, Abhilfe zu schaffen. Man ist nun ans den Ausweg verfallen, an die an den Straßenecken stehenden Laternen auch die ans der anderen Seite dcr Hänser befindlichen Nnminern zu vermerken. Ob dieser Vorschlag Abhilfe und nicht noch mehr Verwirrung schafft, will man zunächst dadurch festzustellen suchen, indem man in den, westlichen Teil der Lothringer iraße zunächst einen Versuch mit Anbringung von Schildern unter- nimmt. In der Tiefbandcputation, in der dieser Vorschlag be- sprachen wurde, wurde angeregt, ob es nicht zweckmäßiger sei, überhaupt eine andere Numerierung der Häuser vorzunehmen, in- dein auf der einen Seite der Straße nur gerade, auf der anderen Seite nur ungctade Nummern an den Häusern angebracht würden, wie dies in verschiedenen Städten schon der Fall fei. Der Anregung wurde aber Weiler keine Folge gegeben im Hinblick auf die Kosten und ans die große Umwälzung, die dadurch auch in den Grund« büchcr» herbeigeführt werden' würde; außerdem würde der beab» sichtigte Zweck besserer Orientierung auch nicht voll erreicht. Mit einer schweren Brustvcrletzung wurde gestern niittag gegen 12 Uhr in der Umgebung des Kaiser-Wilhelm-TnrmeS im Grüne« wald von einem Polizeibeanuen eine Frau aufgefunden. Die Frau >var von dem erlittenen Blutverlust derartig geschwächt, daß sie besinnungslos dalag und eine Auskunft von ihr nicht zu erlangen war. Später konnte festgestellt werden, daß die Anfgesundene von ihrem Bräutigam, einem Berliner Friseur, die Verletzung erhalten hat. Die Frau wurde in einem Charlottenburger Krankenwagen »ach dem Krankenhaus Westend gebracht, wo sie bcsimiungSloS daniederliegt. Beim Spielen überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern nachmittag der 6 Jahre alte Sohn Kurt. der Arbeitcrwitwe Przilsky ans der Friedenstraße 64. Der Knabe tummelte sich mit mehreren Nachbarskindern an der Ecke der Frucht- und Friedenstraße und lief im Eifer des Spiels unter einen Arbeitswagcn, der aus der Frnchistraße kam. Ein Rad des schweren Wagens ging ihm über die Brust. Der Kutscher, dem nach Zeugenaussagen keine Schuld trifft, brachte den Verunglückten gleich mit seinem Wagen nach der Rettungswache I in der Koppenstraße, die ihm die erste Hilfe leistete und ihn dann dem Krankenhause ain Friedrichshain zuführte. Dort liegt er bedenklich danieder. Schon über 50 Diebstähle hat der Mechaniker Walter Döring eingeräumt, über dessen Spezialität und Festnahme wir berichteten. Döring gab im Lause des weiteren Verhörs zu, daß er noch er- hcblich mehr Diebstähle verübt habe als die bisher eingeräumten. Er erinnerte sich aber der einzelnen Fälle nicht genügend mehr, um sagen zu können. Ivo er überall gewesen sei. Wenn er wieder in die Gegend käme, meinte er, würde er sich auch wieder auf die einzelnen Villen und anderen Gebäude besinnen, Kriminalbeamte machten deshalb gestern nachmittag in einer Kraftdroschke eine Rundfahrt mit ihm, aus der dann»och verschiedene Fälle festgestellt und von Döring zugegeben wurden. Seltsanierweise leugnet er den Diebstahl im Reichskanzlerpalais auch heute »och. Schon gesteril aber bestand kein Zweifel mehr, daß er auch hier der Täler war. Eine Viertelstunde vor dem Auftreten des Diebes im ReicbskanzlerpalaiS hatte Döring die Gräfin Hülfen- Häfeler bestohlen. In diescin Falle war er bereits wiedererkannt lvorden und»ach der ganzen Perfonbeschreibung konnte nur er auch der Dieb im ReichSkanzlerpalaiS fein. Auch die letzte» Zweifel daran sollen nn» gestern durch Beamte und Angestellte aus dem Reichs- kanzlcrpalais beseitigt worden sein. Auch diese wollen in Döring den Dieb wiedererkennen. Döring bestreitet aber, der Täter zu sein. Herr Walter Döring, Oberscböneweide, Rathenaustr. 7, bittet uns mitzuteilen, daß er mit dem Verhafteten nicht identisch ist. Verhaftung eines SittlichkcitSvcrbrcchcrS. Auf frischer Tat über- rascht lvurde Mitlwochabend ein Wüstling, der in Moabit sein Un- Wesen trieb. Es handelt sich um den Zöjährigcn Galvaniseur Fritz Küchner aus der Stromstr. 6. Er hatte in dein Hause Alt-Moabit Nr. 107, wo er zu tun-hatte, ein fünfjähriges Mädchen, dem er VonbonS schenkte, an sich gelockt und es mit nach den, Hanse Strom- straße 5 geschleppt, wo er das Kind auf dem dunklen Treppcnflur zu mißbrauche» versuchte. Auf das Schreien des Kindes eilte die Portierfran und der Angestellte eines in dein Hanse wohnenden KanflnannS hinzu, die den Unhold überraschten und ihn so lange festhielten, bis die telephomsch benachrichtigte Polizei einen Beamten entsandte. Der Attentäter wurde verhaftet und dem königl. Polizei- Präsidium zugeführt. Ei» schwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei dem drei Personen verletzt wurden, ereignete sich Donnerstag nachmittag gegen ö'/z Uhr an der Ecke der Brunnen« und Invaliden st raße. Der Führer des Motorwagens 1651 der Linie 36 fuhr, vom Gesundbrunnen kommend, die» ziemlich steil ab- fallende Strecke hinab. Da kurz vorher gesprengt worden war. waren die Schienen schlüpfrig, so'daß der Wagen nur schwer ab- gebremst werden konnte. Kurz vor dem vor ihm fahrenden Motor- wagen 1450 derLi>tic39E versuchte der Fahrer des zweiten Wagens seinen Waggon zum Halten zu bringen, der Triebwagen rutschte jedoch weiter und prallte'mit voller Wucht gegen daS vordereGefährt an. Bei dem Zusammenstoß wurden der Vorder- und Hinterperron der beiden Wagen eingedrückt und schwer be- schädigt. Der Schaffner des Wagens 1450, I u ch n i s ch k a, stürzte zu Boden und zog sich so schlvere innere Verletzungen zu» daß er sich nicht wieder erheben konnte und nach dem HedwigZ-KrankenhauS übergeführt werden mußte. Die Herren August Heiden. Arndt ftraße S. und Gottfried Fink, Oudenarder Straße 4 wohnhaft, zogen sich Verletzungen an den Beinen zu und wurden ebenfalls nach dem HedwigS-KrankenhauS geschafft. Drei Personen hatten einen Nervcnschol und leichtere Quetschwunden davongetragen, konnten aber ihren Weg, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, fortsetzen. Spielplätze für Kinder sollen infolge der Ueberfiillung der Spiel- platze im Kleinen Tiergarten auf der Mittelpromennde der Straße Alt-Moabit zwischen Elberfelder und Krefclder Straße eingerichtet »verdeil. Aus der Mittelpronicnade der Waldstraße sollen besonders für die kleinen Kinder Sandspiclplätze hergestellt»Verden. Di« Ein- richtung tut dringend not und kann ihre Einführung nur begrüßt werden. Dir Jugendspiele in der Breiner Straße sind n»l» auch beendet, was die dort spielende Jugend beachten möchte. Vorort- richten« Rixdorf. Ein aufregender Vorfall spielte sich vorgestern in dein Hanse Hohei»zolleri»platz lZ ab. In der im zweiten Stockwerk des Quer- gebaudes belegenen Wohnung des Portiers Heidt befanden sich gegen « Uhr abends die beiden Kinder des H.. ein ca. Sjähtigcr Knabe und ein B>/z Jahre altes Mädchen, allein, während die Mutter sich auf kurze Zeil entfernt hatte, im, eine Besorgung zu erledigen. DaS Mädchen, das auf dem Korridor spielte, glaubte u»»» plötzlich ein verdächtiges Geräusch an der Tür zu hören, das sich»vicderhoite. In ihrer großen Angst öffneten die Kinder das Kücheufeuster und sprangen nacheinander aus den gepflasterten Hof hinab. Glucklicher- weise war aber daS Vorhaben der Kleinen von mehreren gerade auf dem Hofe anwesenden Hausbeivohncrn bemerkt ivorden, denen eS gelang, beide Kinder aufzufangen, so daß dieselben bei den» Sprung nur unerhebliche Hautabschürfungen davoutriigen. Die Ver- »nutuug, daß Einbrecher in die Heldische Wohnung hätten eindringen wollen, hat sich nicht bestätigt. Chnrlottenblirg. Die Stadtvcrordnetcntvahlen in Eharlottenburg sind für die 8. Abteilung auf Sonntag, den ö. November fll— ö Uhr), für die 2. Abteilung auf Montag, den(3. November(9—6 Uhr) und für die l. Abteilung auf D i c n s t a g, den 7. November(9—4 Uhr) festgesetzt. Bon der städtischen Desinfektion. Der Charlottenburger Magi- strat teilt folgendes mit: In der letzten Zeit wurde in vereinzelten Fällen darüber geklagt, daß die polizeilich vorgeschriebene Des- tnfcktion bei ansteckenden Krankheiten von der städtischen Des- infcktionSanstalt nicht so schleunig ausgeführt wurde, als cS den Beteiligten erwünscht erschien. Es handelte sich hierbei fast stctS um den Todesfall eines Kindes oder um die Uebtrführung eines anderen in ein Krankenhaus, und es lag das berechtigte Verlangen der Eltern vor, die bisher verschont gebliebenen Angehörigen durch Vornahm» der Desinfektion so schnell wie möglich zu sichern. Iii solchen und ähnlichen Fällen empfiehlt es sich stets, die städtische Anstalt um Vornahme der Desinfektion unmittelbar zu er- suchen, anstatt abzuwarten, bis bei dieser die polizeiliche Anzeige eingelaufen»st. Da diese Anzeige vom Eingang der Meldungen des behandelnden Arztes und von anderen Umständen abhängig ist, so ist der Verlust eines gewissen Zeitraumes unvermeidlich. Die städtische Desinfektionsanstalt nimmt die Desinfektion von Woh- nung und Gegenstände» auch vor Eingang der polizeilichen An- zeige auf private Aufforderung vor. Sie bedarf der polizeilichen Mitteilung allerdings, um je nach der Art der gemeldeten Er- krankung feststellen zu können, ob die verlangte Desinfektion ge- bührenpflichtig oder gebührenfrei war. Diese Feststellung aber kann natürlich auch nachträglich erfolgen. Ueberfahrcn und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern der Baumeister Paul Koch aus der Krumniestr. 68. Als der Batimeister gegen 16 Uhr vormittag» auf einem Zweirade die SchillrrstrOße entlang fuhr, kam ihm in der Nähe der Grölmannstrahe ein Brauer- wagen entgegen, dem er nicht rechtzeitig misiveichen konnte. Obwohl der Kutscher deS Wagens, die Gefahr erkennend, seine Pferde heru»»ziireißen versucht«, wurde K. doch so heftig von der Deichsel gegen die Brust getroffen, daß er ln weitem Boakli auf daS Straßen- Pflaster geschleudert wurde und dort blutüberströmt und besinnixigS- los liege» blieb. Der Berunglückte wurde»Nittels Droschke nach der nächsten Unfallstation gebracht, wo der Arzt eilten Schädelbruch und schwere imisre Verletzungen feststellte. Nach Anlegung eine» Not- Verbandes wurde K. in bedenklichem Zustande nach dem Kraiitenhause Westend übergeführt. Große Aufregung unter den Straßenpassanten verursachte am DonnerStagnachmittag 6 Uhr in der Bismarckstkaße ein durch- gehendes Privatgespann. Dort war das Pferd eines Pieivatkutsch- Wagens scheu geworden und rasts im Galopp die Bismarckstraße elitlaiig. In der Nähe der Krummestraße lief daS Pferd auf die Böschung der Allee und in den dort befindlichen Elitgang zur Unter- grundbahn hinein. Pferd und Wage» stürzten die Treppe hinunter bis zu den untenstehenden Billettschaltern, wo das Pferd zu Fall kam und dadurch das Gespann zum Halten brachte. Drei im Wagen sitzende Herren hatten sich ckm Eingang zum Bahnhof in Sicherheit gebracht, indem sie aus dem Gefährt sprangen. Glück- lichctwcise hat keiner von ihnen Verletzlingen davongetragen. Auch das Pferd blieb unverletzt, während der Wagen stark beschädigt wurde. Die alarmierte Feuerwehr schaffte das Gefährt wieder auf die Straße hinauf. LehrstcUeniiiangel in, städtischen Arbeitsnachweis Charlotten- bürg. Nachdem die Lehlstellenverniittelung Mit Hilfe der Lehrer, der Schulärzte ustv. neu organisiert worden ist, hat sich für ver- schicdeNe Berufe ein Mangel an Lchrstcllcti hcrausgeslcllt. So sind noch Knaben angemeldet, die zun» Oktober eine Lehrstelle suche» als: Mechaniker, Maschinenbauer, Maschinen-, Werkzeug- und Automobilschlosstr, Eisendrchcr, Büchsciiinachcr, Uhrinacher und Installateur, ferner als Schriftseher, JnstruUicNtcnmacher Und Gärtner, sowie für den kaufmännischen Beruf als Buchhalter Und Verkäufer für Maschinenfnbrik. Eisenwaren-, Kolonialwaren- und Zigarrenhanblung, schließlich als Schreiber für Kontor« und Rechtsanwälte. Arbeitgeber, welche noch Lehrlinge einstellen wollen, werde», gebeten, Anmeldungen umgehend an den städtische»» Arbeitsnachweis Charlottenburg, Berliner Straße 81, gelangen zu lassen. Der Gesangverein„Charlottenburger Liedertafel"(M. d. A.-S.'-B.) feiert am Sonnabend, den 9. September, in» Volkshaus, Rosinenstraße 3, sein Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Gesang und Ball. Die Parteigenossen sind dazu freundlich ein- geladcit. Schöitcberg. Spurlos verschtviinden sind die beiden Kinder des Arbeiters Rudolf Tobiau, Koburgcr Straße 12, Qliergcbäud« parterre, wohnhaft. Der kleine Franz ist 6 Jahre alt, trögt blondes Haar und hatte einen blauweih gcstveiften Waschanzug an; die kleine 3VH Jähre alte Tochter Lieschen hatte cin weißes Kleid an und darüber eine buntkarierte Schütze. Beide gingen barfuß. Der Polizei»mirde das Verschwinden gleichfalls gemeldet, bis jetzt leider ohne Erfolg. Es wird vermutet, daß die Kjnder verschleppt worden sind. Sollte jemand über deren Verbleib Auskunft geben können, so bitten die betrübten Eiter», ihnen sofort davon Mitteilung zu mache». Eine Rekrtiten-Abschiedsfeier veranstaltet der Arbeiter-Turnverein morgen Sonnabend, den 9. September, in Oeff» Festsälen, Haupt- straße 5.� Anfang 9 Uhr. Ciutrltt 20 Pf. Alle Rekruten mit ihren Augehörigen, sowie Gönner deS Vereins sind eingeladen. Friedenau. Lebhafte Klagen über unangemessene Behandlung durch einen Kriminalbeamten gehen»ii§ von einer Frau H. aus der Rhein- straße zu. Frau tz. begab sich am 31. August nach dem Polizei- bureau mid betrat ein Zinimer, an dessen Tür der Name Kriminal- Ivachtmeister Seidel stand, um das Abhandenkoniinen ihres 16 Jahre alten SohneS anzumelden. Sie tmirde von dem Beamte» dahin be- schieden, a», anderei, Tage, also am 1. Scplcmbsr, noch einmal wicderzukoimnen. Das tat Frau H. denn auch. Doch als sie am anderen Tage dasselbe Bureau betrete» habe, so beteuert»ins Frau H., sei sie von dem Beamten in einer Weise behandelt worden, wie sie es nicht erwartet habe. Ihre ausgesprochene Vermutung, daß ihrem völlig»nittellosen und ordentlichen Sohn etwas zu- gestoßen sein könne, habe der Beamte mit allerlei st« als Mutter schwer kränkenden Einwendungci» abgetan. Frau H. versichert, daß noch ein Herr, verinntlich cin Kriniinalbeanitek, in demselben Zimmer gewesen, der ihr aber in ruhiger und aiistättdigcr Weise entgegengekonimen sei. Wir geben dieser Beschwerde hier Raum, um der Polizeibehörde Gelegenheit zu geben, die Auschrildigriuge» gegen den in Frage konniienden Beamten zu untersuche». Weistensee. Zwei Brände versetzten am Mittwoch die hiesige Bevöllernng in Aufregung. Kurz vor 4 Uhr nachmittags stand der Dnchstiihl des große»» Eckhauses Neniibahnstrahe 19 in Flamme»». Außer der hiesigen eitlen die Heinersdorfer, Pnnkoiver und ein Löschzng der Berliner Wehr herbei, lieber drei Stchleitrrn lviirde voit den ver- einten Kräfte» ein Angriff vorgenommen, jedoch konnte nicht ver- hindert werde», daß der gesainte Dachstuhl des große» Eckgruiidslücks ein Raub der Flanuuen wurde. � Die Weißcuseer Wehr war noch mit den AufrauminigSarbcitci» beschäftigt, als von neue»» in der zehnten Abendstunde Feuerschein in der Nähe der Gasanstalt beobachtet wurde. Dort brannte zlim dritten Male in kurzer Zeit ein Lagerschuppen. Auch hier hatte die HeiiierSdorser Wehr erfolgreich milgewirkt, während die erschienenen Pankower und Matchowcr Wehren nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchten. An letzterer Stelle wird Braiidstiftling vermutet. Jugendvcranstaltnngen. Schiinederg. Sonntag, den 10. September: Partie»ach Spandau, Falkeiihngcn und Finlenkrug. Trcsipunlt morgens 7 Uhr am Bahnhof Ebersstraße._ Gencbta- Zeitung. Einen Nevolveranschlag auf die eigene Ehefr»», bat der Gastwirt Wilhelm Hintzc, der gestern der Ferienstraf- kammcc des Landgerichis III vorgeführt wurde, am 3. Januar d. I. ausgeführt. Der Angeklagte ist wegen dieses Verbrechens einige Zeit verhaftet gewesen, dann aber wieder entlassen worden »tznd hat die Zeit der Freiheit dazu benutzt, um sich an dem Geld- schrankdiebstahl bei dein Buchhändler Weichert, Neue Konigstr. 9, zu beteiligen. Es ist erst vor wenigen Tagen berichtet worden, wie schwer bei dieser Affäre seine Ergreifung war, da er seine Ver- feiger mit einen» sckzarf geladene» Revolver bedrohte, bis er zu seinem Unglück gerade t» ein Haus rannte, in welchem sich ein Polizeibureau befand. Er ist am 26. August zu 4 Jahren Zucht- haus verurteilt worden. Diese Strafe ist aber nock» nicht rechts- kräftig, da der Verurteilte Revision eingelegt hat. Bei der jetzigen Anklage handelt es sich»in einen RoheitSakt, der leicht sehr böse Folgen hätte haben können. Der Angeklagte betrieb»nit seiner Ehefrau, mit der er seit etwa drei Jahren verheiratet ist, in der Schöningstraße 8 eine Schankwirtschaft. Er hat»nit der Frau schon vor der Ehe zusaminengelebt und ist jetzt Vater von drei uu- ehelichen und drei ehelichen Kindern. Zwischen den Ehrleuten kam es in letzter Zeit häufiger zu Zank und Streit. Am 3. Januar hatte Hintze in seinem Loka»»nit mehreren Gästen gezecht, als seine Frau ihiü einige Vorwürfe in Wittschaftssachen machte und 29 M. für Haushaltsausgaben von ihm verlangte. Der Angeklagte verübelte es ibr sehr, daß sie sich»n dieser Weise in sein Mit den Gästen geführtes Gespräch mischte; er verweigerte ihr die 20 M. und als sie auf ihrer Forderung bestand, bot er ihr Ohrfeigen an. Er erhob sich auch in drohender Haltung, so daß die Ehefrau es für angcbrocht hielt, in aller Eile in»hr nahegelegenes Schlaf- Zimmer zu schlüpfen und die Tür hinter sich zu verriegeln. Der Angeklagte war ihr aber dicht auf den Fersen, und tn demselben Augenblick, als die Frau zu ihrer Sicherheit sich noch gegen die Tür stemmte, krachte von draußen cin Schuß, den der Angeklagte aus einem Revolver abgegeben hatte. Die Kugel durchschlug die Türfüllung und traf Frau Hintze am linken Oberarm; sie drang dann durch den Oberarm hindurch in die linke Brustseite ein, und Frau Hintze brach zusammen. Sie wurde nach dem Birchoiv- Krankcnhause transportiert und hat dort fast vier Wochen zu- gebracht, ist aber jetzt völlig wiederhergestellt. Der Angeklagte hatte bei setner Festnahme die Tat zugegeben; im gestrigen Termin behauptete er, daß«r von dem ganzen Vor- gang nichts mehr wisse, sein Erinneru»gsvrrii»ögen vielmehr voll- ständig erloschen sei. Gerichtsarzt Dr. Marx begutachtete, daß der Angeklagte, der schon zweimal kurze Zeit in der Dalldorfer Anstalt gewesen, zwar ein miiidsrwertiger Mensch sei, der§ 51 des Strafgesetzbuches aber aus ihn keine Anwei»dui»g finde.— Der Staats- anmalt beantragte hierauf 6 Monate Gefängnis. Das Gericht ging über diesen Antrag hinailS und erkannte stuf 9 Monate Gefängnis. Huö aller Melt. Slviatikers Schicksal. Auf seinem ersten größereu Ferustuge Ist am Donnerstag- morgen der deutsche Militärflieger Ober- l e u t n a n t N e u m a n n abgestürzt und getötet worden. Auch der ihn als Passagier begleitende Aviatiker L e c o n» t e erlitt daS gleiche tragische Schicksal. Ober- leutnant Neumann diente beim 142. Jnsanterteregiment in Biülhansen i. E. zZ erst im Frühjahr d. I. hatte er das PilotenzeugniS erivorbon. In Begleitung des Fliegers Lecomte>oar er in Mülhausen tu den ersten Morgen- stunden Zll einem F e r n f l n g e nach Stkaßburg auf- gestiegen. Bald nach 6 Uhr explodierte während des Fluges in der Nähe von Bilzheim sein Motor. Der Apparat stürzte aus etwa 20 Meter Höhe ab: beide Flieger waren sofort tot. Bei Flugversttchen auf dein Forchhcimer Exerzierplätze ist der Flieger Senge anS Karlsruhe aus beträchtlicher Höhe abgestürzt. Der Verunglückte erlitt bei dein Sturze einen Schädelbruch: sein Zustand ist sehr bedenklich. Ein preusfischer Schnlpalast. AuS Sagau in Niederschlesien wird gemeldet: Im Dorfe S ch ö n e i ch brach in der Schl»le während deS Unterrichts«tn Stiick Decke, Lehm und Holz im Gewichte von mehrere» 8 entnern herunter und zerschmetterte dievordere ank. Gliicklicherweise hatten wenige Sekunden zi»vor einig« Kinder bemerkt, wie Sand von der Decke rteielte. Der Lehrer, darauf aiiknierksam gemacht, hatte denn sofort die Räumung der bedrobtei» Bänke angeordnet. Aber»och»vareii die Kinder nicht auS dein Klassenziinmer, als ein zwei Onadratmetcr großes Sliick der Decke herunterstürzte. Jetzt wird der Unterricht im Saal« deS Gasthofes erteilt.— Daß derartig erbärmliche Schulznstände ouch in anderen Gefilden Ostelbien» an der Tagesordnung find, ver- steht sich bei der Bildungsfeindlichkeit der in Preußen herrschenden Junker am Rande.__ Ten Kanal durchschwömmen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen ist es dem 45jährigen englischen Dauerschwimmer Burgeß gelungen, den Kanal zwischen England und Frankreich zu durch- schwimmen. Burgeß schwamm mn Dienstagtzormittag von South F o r e l a n d in der Nähe von Dover ab und landete, nachdem er f a st 24 Stunden in dem feuchten Element zugebracht hatte, an der französischen Küste bei Kap Gris-Nez. Die von dem kühnen Schwimmer durchguerte Strecke beträgt in der Luft- linie etwa 33 Kilometer, jedoch ist Burgeß' Leistung weit größer, da er durch den Seegang mehrere Male z»lrückgeworfen wurde. Auf seinem Wege wurde er durch ein Boot begleitet, daS ihn mit den notwendigen Nahrungs- mittel»» versah. Vor Burgeß ist es trotz vielfacher Versuche bisher nur e i n m a I gelungen, die gleiche sportliche Leistung zu bollführen. Im August des Jahres 1875 durchschivamm der englisch» Kapitän W e b b den Kanal. Webb ist später bei den, Versuch, die Niagarafälle oberhalb des Absturzes zu durchqueren, ums Leben gekommen. Kleine Stotizen. Ein ungetreuer Rechtsanwalt. In Wiesbaden wnrde am Donnerstag der dortige Rechtsanwalt G ü t h verhaftet, weil er ihm anvertraute Wertpapiere» n» B e t r a g e V o n 33 000 M. durch eine Mittelsperson verpfände n ließ. Er soll das Geld hauptsächlich zu Grundstücksspekulationen verbraucht haben. Mord und Selbstmord. Der iin Vorott Valby bei Kopen« Hagen seit 14 Tagen»vohiiende d e u t s ch e M o n t e ujc Hugo Heise, Vertreter einer Dresdener Maschiiieiisirma, hat an, Donnerstag seine Frau und darauf sich selber er« schösse n. Der Grund für die Tat ist nicht bekannt. Schnicrcr Verkehrsunfall iin Schwarzwald. Ein Kraftwagen der Linie Wildbad— Hcrrenalb— Gernsbach ist bei Loffenau mit einem L a st a n t o m o b i l z»» s a m m e n g e st o tz e n. Der Personenwagen stürzte über die Straße»böschung. Die n, eisten Insassen>v»irden schwer, eine Frau l e b e n S« gefährlich verletzt. Bon der Eholcra. Die, wie gemeldet, in Wi en an der Cholera erkrankte Frau eines Steliermaniis ist der Krankheit er» legen. Auch bei den drei Kindern der Verstorbenen sind C h o l e r a b äz i l l e n f e st g e st e l l t worden.— Nach einer amt- lichen Melduiig aus Budapest ist von der Sanitätsbehörde die Donau für cholerainfiztert erklärt worden. Zlrbeiter.Waudcrverein»Berlin«. Wandersahrten am Tonntag, den 10. SevItiiiSer: I. Dohinsdois-MtiiicheSerg, Märlitche Schwei,. Abfahrt 7 Uhr Echlcsiichcr Bahnhos. tSonnIngssahrkarte.) II. Bernau-Malchow. Absähet 6 40 Uhr Stettiner vororlbahnhos. Neue Tourenprogramme bei Kruse, Mariannenslr. II._____ Eingegangene Vruckfckrikten. Von der»Neuen Zeit" ist soeben das 49. Hest des 2?. Jahrgangs «richienen. Aus dein Inhalt des HestcS heben wir hervor- Zum Parle!« tag. Von Karl Kalitsli).— Der Parteitag und die auswärtig« Politik. Von Rudois Hilserdtng.— Füni Jahre Parteischule. Vo» Heinrich Schulz— Zum Ausbau uNIercr Jugendbewegung. Von W. Sotlmami.— Die Prwalangestclllen und die politische» Parteien. Von Paul Lange(Ham- bürg).— Die Agitation unter den Landarbeitern. Von Hermann Linde (.Königsberg).— Die soziaiisliichen Parteien und die Alkoholsrag«. Bor- läufiges Ergebnis einer Ziundfrage. Von I. Hanauer(Brüssel). Die»Neue Zeil' erscheint wöchentlich emnial. Das einzebie Hest lostet S.-, Pf. Der Strom. Nr. g. Organ der Wiener Freien Volksbühne. Heraus- aeber E. Pernerstorser, St. Großinailn u. A. Rund». Siiizclhejt 36 Ps. Oesterheld u. Co., Wicn-Berlin. Briefkasten cler keclaktion. Die juriNische epreihRBiid» flutet L«n»»nstrade 69, vor» vier Treppen — N a h r st» l» I—< wocheiiliisliilt vo» 4<» dt« 7;� Übe odend«, Conn-bend«, von V/j bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den vrieskailea destimmten Anfrage Ist ein Buchstabe«Ud eine Aap» als Merfzelchen delznlligen. vrlefitche Antwort wird nicht«rlrUt. Antragen, denen feint»IdannkmentsanUtang belgeistgt Ist, werde» nicht beaulwortet. Eilige Frage» trage man In der Sprechstunde vor. F. G. IS. Ja.— G..-,00. 1. Ja. 2. Am 2. Oktober im Lause des Tages. S. Nein.— H. Trubler II. 1. Ja. 2. Nein. 8. Dt» not- wendigen, dem Stande nach angeinetlenen Ausgaben. 4. Nein, Sie haben aber Anspruch a» die Erben aus Erfiatlung der notwendigen Ausgaben. 5. Nein, aber die Ausgabe» spezialisieren. K. und 7.. Klage. 8. Ja.— O. R. W. S. 17. I. 10. Nach Ihrer Schilderung haben Sie einen An- I'pruch aus Herausgabe der Sachen. Einen Aiiwalt müfien Sie tclbcr be> stellen.— Z B ?i" «■ o tri Iii 5000 3000 2000 ll»J50W.K�5l Porto o. Li«t« 25 Pf.©xtrs darfth das Gcneral-Debtt H.C.Kr09er BcpIH W 8, FrledrlchetM 93a ■F* sowie eile durch Plakat« 88" koantlich. VerkaufsttelL Die Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglieder werden hiermit zu der am Freitag, den 15. September 1911 abends 8 Uhr, im GrseUschaftShaus. Wilhelms- auc IIS, stattfindenden »«ßee'or'deiltlleheiK General-Versammlung ergebenst eingeladen. Tages-Ordnung: 1. Auslosung der nach s 49 Nach- trag 11 dcS Kasseustatuts aus- scheidenden Delegierten. 2. Verschiedenes. Wahleinladung. Die Wahl der Delegierten findet in der Wahlversammlung am Diens- tag. den 19. September 1911, im Gescllschasishaus. Wilhelmsaue 112, aus Grund der Bestimmungen des 49 des Kassenstatuls(11. Nachtrag) toit. Für dieKaffenmilglieder von S bis Tl, Uhr abends, für die Arbeitgeber von 8—9 Uhr abends. Es sind zu wählen 25 Vertreter der Arbeitgeber und 51 Vertreter der Kassenmitglteder. Die Namen der in der Generalversammlung am 15. Sep- tember 1911 ausgelosten Vertreter- Werden durch Aushang im Kassen- lokal bekannt gegeben.— Wahl- berechtigt und wählbar sind nur die- jcnigen Arbeitgeber und Kassenmit- gltcder, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte find., Für die Mitglieder genügt zur Legi- timatio» eine Arbeitsbeicheinigung, welche mit der Unterschrlst und dem Stempel des Arbeitgebers versehen ist oder der Meldeabschnitt; auch find Legitimationskartcn, welche zur Teil- nähme berechtigen, im Geschäslölokal Kaiserallec 173 a, am Schalter 1, und in den bekannten Meldestellen zu haben. Für dl« Arbeitgeber, welche der Person nach nicht bekannt sind, legi- tstntcrt die lebte BeilragSrechnung. WilmerSdorf-Berlin, den 7. September 1911. Hcp VoFHtand. Riedel, Tuckermann, Borfitzender. Schriskführer. Meilek-yfohrei'- Biiod Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, 10. September. 1. Abt.: 6 Uhr- Brandenburg VolkSgarien). 1 Uhr: Wannsce Fürstenhos). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 5 Uhr: Kloster Chorin. I2'/,Uhr: Bernau(Waldkater). Start: Schonleinstr. 6. 3. Abt.: 6 Uhr: Saarmund(Hilde- brand). 12'/, Uhr: gehlendors(Miel). Start: Laufitzer Platz 12. 5. Abt.: 6 Uhr: Beelitz. 10 und 12 Uhr: Strausberg(Hungriger Wois). Start: Elyfium. 5. Abt.: 5 Uhr: Fangschi, use(Werl- see). 1 Uhr: Liirschgarlcn(Wilhelms- hos). LIart: Oderberoer Straße 28. 7. Abt., 5 Uhr: Kloster Chorin. 12 Uhr: Wandlih(Seekrug). Start: KöSliner Str. 3. 8. Abt.: 5 Uhr: Luckenwalde. I Uhr: Neudabendors. Start: Beufiel- straße 22. 10. Abt.: Am 9. 8',, Uhr: Eberswalde(Gewerkschaslshauß). Am 10. 12'/, Uhr: Bernau(�chützenhaus). Start: Ärbcrstr. S. Bezirk»1. BKm Ansetzen der Touren bitte ich folgende Orte zu berücksichtigen Am 24. September Hobeii-Ncuendors und Rüdersdorf(Nalkberge); am 1. Oktober Lindenberg< G-ißensee/ am 8. Oktober Schildow t. M.(Bc. zirkStour). 12/12 Der vezirkSleiter. Dficderc in nur frischer, schöner Ware: >»>' ,'i» Preis! Fette junge Gänse 0,68 7—12 Pfund(chlt Nur allererste Cu wer. 112/2* unlität ößiifpriimpff, halbe Gänse. Fette Suppenhübner. jg. Brathühner. E.'Wegaer, SO. Marlannenstr. 34. immmmmmmmm Reik in Rlxdorf -»■i> Beginn des Verkaufs am ftoltag, den 8. September, vormittags 9 Ahr in folgenden 9 Reik- Läden Hobrechtstraße 77 Oonaustraße 114 Weserstraße 52 Zietenstraße 80 Boddlnstraße 60 Welsestraße 9 Welsestraße 52 Nogatstraße 19/20 Friedelstraße 21 Wirklich billige Lebensmittel-Preise mit Rabattmarken! Wir werden die denkbar besten Lebensmittel aum Verkauf bringen au sehr niedrigen Preisen. Wir können daher auf die Kundschaft aller wirtschaftlichen Hausfrauen zählen, die zu rechnen verstehen. Einiges Nur soweit Vorf&to wichen. aus unserer Preisliste. Pfund 50 Pf. .. 22.. -fr 25 14 16 16 23 18 16 JCuhao Kunst-Honig..... „„ im Karton Pflaumenmus.... Linsen, große.... Gelbe Erbsen.... Geschalte gelbe Erbsen Kaisermehl..... Feinstes Weizenmehl, Feinstes Auszugmehl in 5 Pfd.-Beuteln 5 Pfd. 100 »>>>> 10»./ ,n t® m 200 Feinstes Eoggenmehl..., Pfund 14 Feinstes Kartoffelmehl,.„ Graupen......... ,|,r, Feiner Weizengries.... Feinster gelber Gries...' r", Speise-Salz.... Schokolade, Block-Schokolade „ Haushalt-„... Fadennudeln(leicht gelürbt).,, �, Figurennudeln„„....„ Hausmacher Eiernudeln(leicht geftlrht)„ Eiergraupen(leicht gefärbt)....„ Eeis............. � ,, »-M-a- Milch-Reis.......-*.,,, Bruoh-Eeia... ch. v„ Oranienburger Sejfe....i- v„ Gelbe Seite Weiße Seife Weizens Lärko Borax... Soda.... ■#' iür m: v.■ n 15 14 17 20 10 66 56 26 26 88 36 15 20 13 32 39 86 33 29 4 Pfund Pack Pfund Nicht für WiedOTverkäufer. Große Vollheringe Stück d1/« Pf. Vollheringe, größte Sorte,»»,„ 7„ Gurken, feine, saure„ 9„ Harzkäse...........4,, 10„ Sehr schöne, große, frische Eier.f.'„? ,. Schwefes Brot..,...f, 6Ou,0O.. Zitronen.. �........ Hafergrütze......... Himheersirup mit Kirschsaft. Backpulver., Puddingpulver...».».. 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