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Wie 1908, als zuerst das Arbeiterparlament in Jena tagte, ist auch jetzt wieder vor dem Volkshaus eine Ehrenpforte errichtet worden, an der in Riesenlettern das Wort< Willkommen!" die aus allen deutschen Landen herbeigeeilten Abgesandten des sozial- demokratischen Proletariats begrüßt. Oft hat sich die Partei bei der Abhaltung ihrer Kongresse mit engeren und ungeeigneteren Sitzungsräumen begnügen müssen, als dem großen, weiß und gelb abgetönten, durch mächtige Bogenfenster erhellten Konzertsaal des Jenaer Volkshauses. Er genügt selbst den weitgehendsten An- sprüchen. Obgleich die für die Delegierten bestimmten Tischreihen keineswegs eng zusammengestellt sind, sondern bequeme Durchgänge frellassen. bleibt doch im Hinter- gründe deS Saales ein durch rote Schnüre und Lorbeerbäume von den Sitzen der Delegierten getrennter be- trächtlicher Raum für die Zuschauer übrig, denen außerdem die den Saal an drei Seiten umgebenden breiten Galerien zur Verfügung stehen. Die dem Haupteingange gegenüberliegende Bühne mit der großen Konzertorgel prangt im Schmuck von Palmen, immergrüner Blätterpflanzen und rotblühender Geranien. Unterhalb der Orgel, in einer grünen Blätternische, steht die Figur der Freiheit: daran reihen sich die Büsten von Liebknecht und Singer und vorn, zu beiden Sellen der Bühne, die Büsten von Marx und Lassalle. Um sieben Uhr betritt der Arbettergesangverein Jenas die Bühne und singt unter Leitung seines Dirigenten E. Steiniger als Begrüßungslied Richard Wagners Hymne „Wach auf!" aus den„Meistersingern von Nürnberg". Dann hält der Führer der jenaischcn Sozialdemokratie, Genosse Leber die erste Ansprache. In schlichter Herzlichkeit heißt er die Delegierten in Thüringens freundlicher Universitäts- stadt willkommen, schildert die Entstehung des Volkshauscs und das Wirken Ernst AbbeS, des humanen Erbauers, und gibt dann einen interessanten Ucbcrblick über die Entwickelung der Sozialdemokratie Jenas seit 1905. Hochersreuliche Zahlen sind es. die Leber mitzuteilen ver- mag. Fast überall in Deutschland ist, wie der Geschäfts- bericht des Partcivorstandes beweist, die ausgestreute sozia- listische Saat mächtig aufgeschossen; doch nur wenige Orte dürften gleiche' organisatorische Erfolge aufzuweisen haben, wie Jena. 1905 hatte diese Stadt erst an 600 organisierte Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, jetzt über 2000. Und in gleichem Maße ist die Zahl der gewerkschaftlich Organisierten gestiegen, nämlich von 1700 auf mehr als 5000. Zurzeit hat denn auch von den 30 Gemeinderatsmandatcn Jenas unsere Partei neun im Besitz, und ferner ist Jena im Weimarischen Landtag sozialdemokratisch vertreten. Auch ein eigenes, täglich erscheinendes Parteiblatt hat sich seit 1905 die jenaische Arbeiterschaft geschaffen: die„Weimarische Volkszeitung". dieinJcna selbst über3000Abonnsnten hat. Zuni Schluß weist Leber auf die herannahenden Reichs- tagswahlrn hin. bedauert den Zivist in Stuttgart und fordert zum energischen Kampf gegen die Reaktion auf. Mit stürmischem Beifall begrüßt, besteigt darauf Bebel der ewig Junge in weißem Haare, die rote Rednertribüne. Auch er erzählt von dem Wirken Abbes, der ihm einst per- sönlich nahe gestanden hat. und schildert dann die politische Lage zur Zeit des ersten Jenaer Parteitages, im Herbst 1905, und in der Gegenwart. Damals fuhr der Kaiser nach Tanger. heute ist die bald darauf aus dem Rivalitätsstreit der nx'st- europäischen Staaten geborene Algecirasakte nichts als ein wertloses Stück Papier. Auch die damals aus ihrer Höhe stehende russische Revolution hat eine ganz andere Wendung genommen, als zu jener Zeit so viele russische Revolutionäre begeisterungsvoll erhofften. So mancher frohen Erwartung ist die Erfüllung versagt geblieben; doch, wenn auch mit brutaler Gewalt niedergeworfen, ist deshalb die revolutionäre Bewegung im Zarenreiche nicht tot. Sie glimmt fort und wird zu neuem, stärkerem Leben erwachen. Dann geht Bebel auf den Streit um Marokko und seine Rückwirkung auf die Stellung der europäischen Großmächte zueinander ein. Selbst wenn es nicht zu einem Kriege wegen Marokkos kommt, wird doch die politische Lage durch den jetzigen Streit wesentlich verändert. Von Ab- rüstung ist fürderhin keine Rede mehr, nur noch vom Aufrüsten! Neue Flotlenpläne werden auf- tauchen, neuere, größere Steucrforderungen folgen. Dazu droht eine Lebensmittelteuciung. die sich zur Hungersnot steigert. So drängt alles auf eine Katastrophe hin I In kurzer, launiger Rede behandelt Bebel schließlich, an Lebers Schlußworte anknüpfend, den dem Parteivorstand ge- machten Vorwurf der Schwerfälligkeit und Jnaktivität. Auch sozialdemokratische Regierungen, meint er humorvoll, könnten manchmal zu bequem werden. Er und seine Genossen im Parteivorstand sträubten sich denn auch, so sehr sie sich gegen Dienstag, den 12. September 1911. unberechtigte Angriffe wehren würden, keineswegs gegen Ver- besserungsvorschläge und Aenderungen. Denn vorwärts I sei die Losung. Auf zum Kampf! Auf zum Sieg! Brausender, sich immer wiederholender Beifall folgt den begeisternden Worten unseres Altmeisters. Darauf schreitet die Versammlung zur Konstituierung des Bureaus für die morgen beginnende Tagung. Zu Vor- sitzenden werden die Genossen Leber- Jena und D i e tz- Stuttgart erwählt, zu Schriftführern Schmidt- München, B i t t o r f- Berlin, S ch i e b e l- Leipzig, S t u b b e- Ham- bürg. Ferner werden die Mitglieder der Manhatsprüfungs- kommission sowie der Bcschwerdekommission ernannt und der vorgelegte Geschäftsordnungsentwurs genehmigt. Worauf Dietz als Präses des Kongresses unserem im letzten Jahre gestorbenen Paul Singer einen schlichten, von Herzen kommenden und zum Herzen sprechenden Nachruf widmet. Damit ist die Sitzung beendet. An sie schließt sich für für jene, die Freunde des Gerstensaftes sind, ein feucht-fröhlich musikalischer Eröffnungskommers. Erster Tag. Jena, 11. September. Begrüßungen und Bekundungen internationaler Solidarität er- öffnen wie gewöhnlich die erste Sitzung. Zuerst nimmt ein Abgesandter der Tschecho-flawischen Partei Oesterreichs, S o u k o p, das Wort, der der deutschen Arbeiterschaft die Grüße der Tschechischen Separatisten überbringt und zugleich die Gelegenheit benutzt, vor dem Forum des Parteitages die sepa- ratistischen Bestrebungen seiner Partei zu verteidigen. Ihm folgt als Vertreter des Teiles der tschechischen Sozialdemokratie, der an der Einheitlichkeit der politisch-gewerkschaftlichen Bewegung Oester- reichS festhält, Genosse Stein, und darauf, von anhaltendem Bei- fall begrüßt, als Führer der deutschen Sozialdemokratie in Oester- reich, Genosse Victor Adler, der in ernsten eindringlichen Worten auf den bedeutsamen geschichtlichen Moment hinweist, in dem die Erwählten der deutschen Arbeiterklaffe in Jena zusammentreten. Krieg und Hungersnot bedrohen das Proletariat Deutsch- lands und Oesterreichs, und niemand weiß, wie bald dieses Prole- tariat berufen sein kann, die Geschicke der Welt in die Hand zu nehmen. Auf einzelne Aeußerungen SoukupS bezugnehmend, be- zeichnet Adler Oesterreich als das Land der tragischen nationalen Konflikte und spricht der deutschen Arbeiterpartei den Dank der österreichischen Sozialdemokratie für die Unterstützung bei den letzten ReichSratSwahlen aus. Vielleicht werde bald schon die Ar- beiterklasse der Habsburgischen Lande sich vor neue Wahlen gestellt sehen, deren Durchfechtung ihre ganze Kraft erfordere. Jedenfalls stehen in Oesterreich infolge der steigenden Lebensmittelteuerung große Lohnkämpfe bevor. Um so mehr zu bedauern sei die Zerreißung der gewerkschaftlichen Verbände durch die separatistischen Bestrebungen der tschechischen Genossen. Zu weiteren Begrüßungsroden nehmen das Wort Axelrod, der für das ausländische Komitee der russischen Sozialdemokratie sprach und die Entwickelung der russischen sozialdemokratischen Partei von einer Partei der Intelligenz zu einer Partei des Prole- tariatS im westeuropäischen Sinne schildert; Bracke, der als Vertreter der französischen Partei in einer temperamentvollen in deutscher Sprache gehaltenen, mehrfach durch begeisterten Beifall unterbrock>enen Ansprache die zwischen der deutschen und französi- schen Arbeiterklaffe bestehenden, alle nationalen Verschiedenheiten überbrückende proletarische Solidarität feiert; Queich, der die Grüße der sozialdemokratischen Partei Eng- landS überbringt und sich gleichfalls in deutscher Sprache gegen die Kriegshetze deutscher und englischer Kapitalistencliquen wendet, deS belgischen Genossen Vandersmissen, der die deutsche Parteiorganisation und Disziplin preist und schließlich des serbi- schen Genoffen T o t a m o w i t s, der in einex kurzen hochinter- effanten Rede die Fortschritte des Sozialismus in den Balkan- ländern schildert.» Dann begannen die eigentlichen Arbeiten des Parteitages. Ge- nosse H. Müller erstattete den Geschäftsbericht des Parteivor- standeS. Er bietet manche interessante Ergänzung zu dem gc- druckten Jahresbericht deS Parteivorstandcs.. Besonders berichtet er des näheren über die Lage der Jugcndlichen-Bcwcgung und die Handlungsgehilfen in Deutschland. Nachdem dann das gute Ein- vernehmen zwischen Partei und Gewerkschaft konstatiert worden ist, verteidigte er ausführlich das bekannte Zirkular des Parteivor- stände?, daS zur Einhaltung des guten Tones ermahnt, und tritt auf Grund der zwischen dem Parteivorstandsburcau und dem Internationalen Sozialistischen Bureau in Brüssel geführten Kon- ferenz dem Vorwurf der Jnaktivität entgegen, der in einem Teil der Parteiprcsse gegen den Vorstand erhoben worden ist. Scharf wendet er sich gegen die Kritik des Kautskyschen Flug- b l a t t e S durch die Genossin Luxemburg: eine Kritik, die er, da sie noch während der Friedensdemonstrationen stattgefunden hat, als durchaus unzulässig bezeichnet. Sei vielleicht auch der Aufruf des Parteivorstandes zur Friedenskonferenz etwas spät erfolgt, so sei doch nichts versäumt worden. Nirgends, in keinem Lande hätten solche Massen öffentlich fiir die Erhaltung des Friedens sich ausgesprochen, als in Deutschland. Müller geht dann näher auf die Besetzung des Partcivorstand-bureauS ein, schildert die Arbeitsteilung und Arbeitshäufung, polemisiert gegen die Vorschläge des Genossen Dittmann in einem Artikel des „Vorwärts" und erklärt schließlich, daß der Vorstand nach reif- licher Erwägung die Vermehrung des Vorstandes um einen Parteisekretär für genügend halte, jedoch nichts dagegen ein- 6xpedCtlom SM. 68, Undcnstraae» 69. Fernsprecher: Amt IT» Nr. 198t. zuwenden habe, wenn der Parteitag zwei Parteisekretäre erwählen sollte. E b e r t(vom Parteivorstand) erstattet den Kassenbericht. Der- artige Berichte pflegen meist nur geteilte Aufmerksamkeit zu finden. Denn das Aufmarschierenlassen von Zahlen ermüdet leicht. Aber die Zahlen, die Ebert mitteilt, zeugen von einem solchen Fortschritt der sozialistischen Bewegung in Deutschland, daß Eberl viele Zu- Hörer findet. Besonders finden seine Aufllärungen über die enormen Fortschritte der Parteipresse großen Beifall. Ist doch die Abonnentenzahl der sozialdemokrati- schen Presse auf mehr als 1 300 000 gestiegen. Die Nachmittagssitzung gestaltete sich weit lebhafter, da bei der Kritik der Maßnahmen des Parteivorstandes die ver- schiedenen Meinungen aufeinander platzen. Den Neigen der Kritik eröffnet die Genossin Luxemburg, die sich scharf dagegen ver- wahrt, durch die Veröffentlichung eines Briefes Molkenbuhrs eine Indiskretion begangen zu haben und es für nötig erklärt, daß der Parteivorstand vorwärts geschoben wird. Schon mehrfach habe er die günstige Gelegenheit für eine notwendige Aktion verpaßt. Des- halb er durchaus keinen Anlaß, als Ankläger aufzutreten. Dann wendet sich die Genossin Luxemburg gegen die Ausführungen Müllers am Vormittag und bezeichnet diese als eine Häufung von Hllflosigkeiten. Dr. L e n s ch- Leipzig sekundiert der Genossin Luxemburg. Er wendet sich gegen die der„Leipziger Volkszeitung" gemachten Vor- würfe. Es sei zu jeder Zeit, auch mitten in der Aktion, erlaubt, an der Tätigkeit deS Parteivorstandes Kritik zu üben. DaS Kautskysche Flugblatt sei minderwertig und ebenso daS vom Parteivorstand selbst verfaßte Marokkoflugblatt. 1! r beiden walte ein unglücklicher Stern. Auch Dittmann- Sollen schließt sich der Kritik der Genossin Luxemburg an und wirft dVni Vorstand vor. sich von der Generalkommission schieben zu lassen und völlig unter ihrem Einfluß zu stehen. Ebenso bemängelt Hoffmann- Elber- fcld die Abhängigkeit des Parteivorstandcs von der Gcneralkom- Mission der.Gewerkschaften. Ledebour erklärt, daß nicht die Genossin Luxemburg, sondern der Vorstand auf der Anklagebank sitze. Hätte sie nicht den Partcivorstand vorangetrieben, dann hätten wir keine große Friedensdemonstration in Deutschland ge- habt. Dann wäre absolut nichts geschehen. Ledebour geht dann näher auf die Verhandlungen zwischen dem Vorstand und den Führern der ausländischen sozialdemokratischen Parteien ein und beschuldigt den Vorstand, das Ansehen der Partei im Auslande schwer geschädigt zu haben. Düwell betont die Notwendigkeit, die Aktionsfähigkeit des Parteivorstandes zu stärken. Dazu sollen die von ihm vertretenen Anträge dienen, vor allem der Antrag, den Parteivorstand zu verstärken. Eine solche Verstärkung sei um so notwendiger, als ein riesiger Wahlkampf bevorstehe. Bebel erklärt, nur auf einen Teil der Vorwürfe eingehen zu wollen, besonders auf die Indiskretion der Genossin Luxemburg. Er zitiert zumZwccke deSNachweiseS verfchiodeneStellen ausdemBriefe Molkenbuhrs und beschuldigt die Genossin Luxemburg der F ä I- schung und Unterschlagung, indem er nach Vorlesung ihrer Aeußerungen in der„Leipziger Volkszeitung" den Parteitag als Richter anruft. Die Darstellung der Genossin Luxemburg sei, wie der Parteitag sehe, von A bis Z gefälscht. Dann greift Bebel auf daS schärfste den Genossen Ledebour an und erklärt seine Anschuldigungen für eine Herabwürdigung der ganzen deutschen Arbeiterpartei. Selbstverständlich— schließt Bebel unter anhaltendem stürmischen Beifall— hätte jedes Mitglied das Recht der Kritik, aber eL komme aus die Art der Kritik an. Grumbach- Kolmar hält das Vorgehen der Genossin Luxemburg für nicht richtig, bemängelt aber das Verhalten des Vorstandes gegenüber der französischen Bruderpartei bei Gelegenheit der Pariser Friedensdemonstration. Darauf verteidigt Clara Zetkin daS Verhalten der Genossin Luxemburg. Die Untätigkeit deS Partei- Vorstandes in der Marokkofrage sei eine Tatsache. Sofort nach Auftauchen der Frage hätte gehandelt werden müssen. Noch Ende Juli sei bei einer Beratung deS Parteivorstandes mit den Kontrolleuren eine schwächliche Unentschlossenheit eines Teiles des Parteivorstandes zutage getreten Nachdem Robert Schmidt dargelegt hatte, unter welchen Umständen die erste Friedensdemonstration in Berlin und Paris zustande gekommen ist, tritt S ü ß h e i m für die Vermehrung des Vorstandes um zwei Parteisekretäre ein und befürwortet eine Reorganisation des Par- teivorstandes, da die jetzige Verfassung den neuen größeren An- forderungen nicht genüge. Auch Q u a r ck verteidigt das Verhalten deS ParteivorftandeS. verlangt aber ebenfalls eine Reorgani- s a t i 0 n des ParteivorftandeS. Legten erklärt die Veräffent- lichung des Molkenbuhrschen Briefes in der„Leipziger Volks- zeitung" als einen Mißbrauch, der energisch zurückgewiesen werden müsse. Seine übrigen Ausführungen gelten dem„Geheim- zirkulär" über den guten Ton. W e l S antwortet auf LegienS Dar- stcllung, erwähnt die Stellungnahme des„Vorwärts" zu den Vor- gängen im Scherlschen Betrieb und weist die Kritik zurück, die an dieser Stellungnahme das Korrespondenzblatt der General- kommission geübt hat. Dann wendet er sich mit leidenschaftlichen Worten gegen das Vorgehen der Genossin Luxemburg sowie der Genossen Ledebour, Lensch und Dittmann, dem er Sew> sationSlust vorwirft. Dann spricht, mit lebhaftem Beifall empfangen. Molken- b u h r, der heute seinen OOjährigen Geburtstag feiert. Er vertei- digt sich energisch und entschieden mit Geschick gegen die Angriffe und wendet sich gegen die Verwendung seines Briefes an das Jnter- nationale Bureau durch die Genossin Luxemburg, die diesen seinen Brief, wie Lessing sich ausdrückt, schön„korrigiert" habe. Sein Brief wäre am 3. Juli geschrieben, als die politische Lage eine ganz andere war als nach der Rede von Lloyd George igt englischen Parlament, (Stürmischer Beijall� Nachdem noch Skubbe- Hamburg utib D i h m a n r»- Hoftäu der Meinung Ausdruck gegeben haben, daß der Aufruf des Partei- Vorstandes zu spät erfolgt sei, wird die Sitzung geschlossen. Die fflaroMtoaffärt. Die Nachrichten über die Berhandlungcn lauten auch heute um nichts tröstlicher. Aus Paris wird unter dem 1V. September amtlich Verlautbart: Die deutschen Gegenvorschläge über Marokko sind gestern abend hier angekommen; sie werfen geivisse Fragen grundsätzlicher Natur auf und erfordern e r n st h a f t e und eingehende Prüfung. Ani Dienstag oder gar erst am Donnerstag wird sich dann der französische Ministerrat mit der Antwort befassen, so daß Wohl die Woche vorübergehen ivird, ohne daß die An- gelegenhcit von der Stelle rückt. Unterdessen stillen die deutschen und französischen Offi- ziösen die Zeit mit einer ziemlich gereizten Polemik darüber aus, ob Deutschland wirtschaftliche Sonderrechte und Privilegien verlange oder nicht. Dabei sagt der der Rc- gierung nahestehende„Petit Parisien", die Prinzipienfrage, die die Negierungen trenne, berühre durchaus nicht die nationale Ehre eines der beiden Völker, da es sich um einen bloßen Interessen st reit handele. Andere französische Blätter sprechen sich allerdings schärfer aus und bezeichnen die deutschen Forderungen, die sie zumeist gar nicht kennen, als„unannehnibar" und als Eingriff in die Rechte anderer Nationen. Dagegen behaupten die deutschen Offiziösen wiederum. daß Deutschland keinerlei Sonderrechte ver- lange, sondern daß es sich hauptsächlich um Sicher- stellung gegen Monopolisierung öffentlicher Ar- beiten, Minen und Handelsrechte handele. So wenig erquicklich die Pressebegleitung des diplo- nmtischen Schachers an sich ist, das eine Gute hat sie immer- hin, zu zeigen, wie eS sich bei dieser ganzen Affäre chm lvenig aufregende Geschäftsinteressen handelt, um die Krieg zu führen heller Wahnsinn wäre. Aber auch nur das Fortbestehenlassen der Unsicherheit ist angesichts dieser Sachlage nicht zu rechtfertigen. Der Sturm auf die Sparkassen— in Königsberg ist die Unruhe der Sparer noch nicht ge- tvichen— und vor allen? die B ö r s e n p a n i k, hat ja immerhin der Regierung gezeigt, daß sie die Kriegshetze nicht durch ihr Stillschweigen noch länger unterstützen dürfe, und die größeren Zeitungen finden endlich den Mut, dem nieder- trächtigen Treiben, das die„patriotische" Presse und Parteien so lange unwidersprochen verüben durften, entgegen- zutreten. So schreibt die„Köln. Ztg." unter dem Titel„Warum Krieg?": Es ist wahrlich hohe Zeit, daß da? KriegSgerede und KriegSgehetze endlich verstumme. Warum sollen wir. JIN eigentlich Krieg führen? Diese Frage sollte» alle die Politiker und Publizisten, die heute de» Mund so voll nehmen und sich unberufen zu Anwälten der nationalen Ehre unseres Volkes auswerfen, erst einmal sich und den anderen in Klarheit beantworten. ehe sie fortfahren, sich an politischen Sentimentalitäten zu ,, berauschen. Wer sich erlaubt, in Angelcgenbeiten mitzureden, bei denen eS sich um das nationale Sein oder Nichtsein handelt, der muß von der Voraussetzung jeder öffentlichen Tätigkeit, dem Verantwortungsgefühl dem Ganzen gegenüber durchdrungen sein, „ das seinerseits wiederum an ein klares Erkennen und Verständnis der Lage gebunden ist. Warum also sollen wir mit Frankreich Krieg führen? Es hat den Vertrag von AlgeciraS verletzt, es hat auch das Abkommen mit Deutschland vom Jahre ISOS mißachtet, als eS die von den Mächten durch ihre Unterschrift verbürgte Unabhängigkeit Marokko? wie Luft behandelte. Das ist richtig. Sollen aber wir, wahrend keine jener Garanticmächte daran denkt, auch nur einen Finger zu rühren, deshalb Frankreich mit Krieg überziehen, sollen wir die vierzigjährige Friedensarbeit aufs Spiel fetzen eines mau- rischen Sultans wegen, der selbst die Frau- zoseu gegen seine eigenen Landsleute zu Hilfe gerufen hat? Niemand wird den Wahnsinn vertreten, daß wir allein uns berufen fühlen sollen, als Kustoden eines verpfuschten Vertrage? und der schönen Augen einiger verlotterter Berbern willen da? Schwert zu ziehen. Wenn jene Mächte in dem Vertragsbruch Frankreichs kein allgemeines Interesse und keine» Grund zum gemeinsamen Einschreiten finden konnten, so hatte Deutschland eben zuzusehen, wie es bei dieser Wendung der Dinge am besten seine eigenen Interessen wahrte. Diese seine Interessen an Marokko— das zu betonen haben die deutschen Staatsmänner nie aufgehört— sind wirtschaftlicher, nicht politischer Art." Das sagt das Blatt der nastonalliberalen Partei, die mit Konservativen und Klerikalen um die Wette gehetzt hat, jetzt. Solange wir den Krieg einen Wahnsinn nannten, waren wir„Landesverräter". Jetzt, nachdeui und weil die Börsenkurse ins Wanken gekommen sind, eripnern sich die Herren plötzlich ihres„Verantwortungsgefühls". Das ist ProzentPatriotiSniuS in Reinkultur; für die Arbeiter aber eine neue unübertreffliche Belehrung über den Zusammenhang von Krieg und Geschäft. Unnütze Rederei! Toulon, 10. September. Marineminister D e lca sss hielt auf einem Bankett eine Rede, in welcher er ausführte, er habe mit Interesse den ersten Teil der Manöver verfolgt und er dürfe danach feststellen, daß das Nüstzeug zum Kampfe auf der Höhe der Aufgaben stehe, die man von ihm verlangen könne, und daß cs den Opfern enspreche, die man von der Nation fordem könne. DelcasfS schloß: Ich bin unbeschreiblich glücklich, daß die Meinung de» Landes sich ohne den geringsten Unterschied in vollständiger Uebercinstimmnng mit denjenigen befunden hat, die die RegicrungS- gewalt innehaben. Ich stelle nochmals fest, daß das Kriegs- Material für alle Eventualitäten bereit ist. Sodann trank DelcaffS auf da« Wohl der französischen Armee und Marine. Die Einmütigkeit de? Lande? mit der Regierung ist in Frank- reich ebenso gering wie in Deutschland. Weder hier wie dort wollen die arbeitenden Massen etwas vom MariniSmnS und feinen Folgen wissen._ poUtifche GcbcrHcht Berlin, den 11. September 1911. Ein Kirchenblatt hetzt zum Massenmord. Die„A Ilgen: eine evangelisch- lutlserische Kirche n zeit uno" hrtzt in einer Weise zum Kriege, daß eS sogar der„Kölnischen Volkszeitung" zu stark wird. Nach der Tarstellung des kirchlichen Blattes sollen sogar die Frauen sagen:„Lieber Krieg als nachgebenl" und Johanntterinnen und andere freiwillige Krankenpflegerinnen stellten ihre Koffer ge- packt zum Mobilmachungsfalle bereit hin I Das K i r ch e n b l a t t schreibt wörtlich: „Die Haltimg der deulschen Regierung wird inzwischen dem Gros der Patrioten immer unverständlicher. Sie habe, so wird offiziös versichert, nie die Absicht gehabt, ein Stück Marokko zu besetzen.(Das ist erweislich eine falsche Darstellung.) Sie wolle Frankreich völlig freie Hand in Marokko geben.(Auch davon war bisher nie die Rede.) Nur müßten wir dafür eben entschädigt werden— und da wird uns Französisch-Kongo in leuchtenden Farben geschildert. WaS ist uns derKongo? Vor sechs Monaten dachte an ihn kein Mensch, er ist uns ebenso gleichgültig, wie Madagaskar oder Tahiti. Nein, das, worauf es uns ankommt, ist, daß wir weder in Marokko oder sonstwo einen diplo- mati scheu Rückzug antreten, weil es dann glücklich so weit wäre, daß kein Hund mehr ein Stück Brot von unS nähme. Die einzige annehmbare Erklärung für das Verhalten der Regierung wäre daher diese: man will so über die Maßen nachgiebig sein, wie König Wilhelm 1370 in Ems, damit alle Welt sagen muß: mehr hätte Deutschland auf keinen Fall tun können. Und wenn das, wie bei dem französischen National- charakter und der englischen Hetzertätigkeit natürlich erscheint, nur zu verstärkter Dreistigkeit der Gegner führt— nun, dann in Gottes Namen die Dinge bis zur BrüSkierung Deutschlands reifen lassen, die dann das ganze Volk in seinen Tiefen aufrüttelt. Man inter- essiert sich überhaupt für nichts anderes mehr. und die e i n z i g e Frage des TageS lautet: Marschieren wir?" Die christlichen Herren können es also gar nicht abwarten, bis sich die christlichen Nationen den Prozentpatrioten zuliebe die Gurgel abschneiden!" Ihr Patriotismus schreckt dabei sogar nicht vor den niederträchtigsten Jnsinua- tionen der Regierung gegenüber zurück I Will sich die„Norddeutsche A l l g e m. Z e i t u n g". die uns auch noch immer die Antwort auf unsere Anfrage wegen des schmachvollen Hetzartikels des „Deutschen Armeeblattes" schuldig geblieben ist, noch iminej» nicht zu dem Geständnis bequemen, daß in Deutschland eine geradezu infame Kriegshetze betrieben wird?! Amtliche Agitation für die Kriegervereiue. Nach der»Korrespondenz für Heer und Politik" hat der Kriegs- m i n i st e r einen Erlaß versandt, durch den er auf eine stärkere Beteiligung der aktiven und inaktiven Offiziere bei allen Veran staltungen der Kriegervereine hiiiwirkt. Fernerhin soll an sämtliche Kommandobehörden deS Heeres vom Kriegsminister das Ersuchen gerichtet worden sein, den Kciegervereinen in Zukunft jede Unterstützuiig zuteil werden zu lassen. Besonders soll für die Gewinnung der Reservisten für Kriegervereine agitiert werden. Wie der KriegSminifter betont, soll durch diese Maßnahme der Sozial- demokratie energisch entgegen gearbeitet werden. Auch soll der Kriegsminister die Frage auswerfen, ob es nicht angängig sei. daß die leitenden Heeresstellen sich mit den nationalen Jugend- pflegevereinen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie in Ver- bindnlig setzen I So wird also von den amtlichen Organen mit Hochdruck für die völlige Militarisierung des Volkes gearbeitet. Helfen wird das natürlich alles nichts. Denn die Sozialdemokratie wird solchen amtlichen Machenschaften gegenüber ihre Werbekrast nur ver- doppeln!_• T--.. Alldeutscher Flotten- und Marokkorummel. Auf dem alldeutschen VerbandStag, der in Düffel- dors tagte, wurde eine Resolution zur Flotten frage an- genommen, durch die ein schnellerer Ausbau der deutschen Wehr- macht zur See und zwar mindestens vom Jahre 1912 ab der Bau von wenigstens zwei Pnnzerlreuzern(statt des durch das Flotten- gesetz vorgesehenen BaucS von einem Panzerkreuzer) gefordert wurde. Auch in der Marokkofrage lüfteten die Alldeutschen ihr Visier. Der Borsitzende Rechtsanwalt Klaß-Mninz erklärte, daß man gehofft habe, daß unsere auswärtige Politik»nach 23 mageren Jahren endlich einen wirkliche» Erfolg zeitigen werde, dessen gesunde Wirkung auf den inneren Hader sehr zu begrüßen gewesen wäre." Die Alldeutschen hofften also, daß durch ein frisch-fröhlicheS Kriegsabenteuer ein Ausweg aus den inneren Wirren gesucht werde! Von der sogenannten K o m p e n- ationSpolitik wollten natürlich die alldeutschen Kriegs- chreicr nichts wissen. AlleS, was unabhängig sei in unserem Vaterlande, erhebe gegen eine solche KompensationS- Politik schärfsten Protest. Man glaube im Sinne von Millionen Mitbürgern zu sprechen, wenn man den Er- werb von West Marokko als eine politische Notwendigkeit forderei Die KompensationSpolitil der Regierung könne»keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockcn." Eine Resolution forderte schließlich»in genauester Kenntnis der Stimmung der überwältigenden Mehrheit unseres VolkeS" eine RegiernngSpolitik im alldeutschen Sinne, also eine Eroberungspolitik um den Preis des Weltkrieges! So bekämpften auch unsere Herren Alldeutschen in der schärfsten Form die Marokkopolitik der Regierung, so reizten sie skrupellos zu einem Krieg gegen Frankreich auf. Ist auch das nach Anficht der »Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"»och keine Kriegshetze? I_ Gegen die Flottcnvorlage wendet sich die neueste Nummer der ultramoiitcmen„ M ä r k. 3 o l k L z t g.". Das Blatt erklärt, daß, ganz abgesehen von der Gefährlichkeit, durch Einbringung einer Flottenvorlage im gegenwärtigen Augenblick England zu einen: Verzweiflungsatt zu treiben, eine Flottenvcrmehrung schon deshalb völlig i b e r f l ü f s i g sei, weil die deutsche Flotte zurzeit st a r k genug sei, um es mit der englischen aufnehmen zu können. In der Personalfragc habe Deutschland sogar einen Vorsprung vor England. Dazu komme, daß Helgo- land gut befestigt sei und Deutschland vor einem englischen Flottenangriff schütze, während die englische Flotte in der nnrilhigen Nordsee liegen müsse. Unsere Torpedoboote oien reichlich ausreichend, um eine englische Flotte zu be- unruhigen und die Mannschaft nervös zu machen. Auch dürfe nicht vergessen werdep, daß England n i e seine ganze Flotte gegen Deutschland schicken könne, sondern nur seine K a n a l f l o t t e. Ans all diesen Gründen„braucht man keine Flottenvorlage: was man 1910 geschaffen und ausgedacht hat. ist allen Anforderungen ge- wachsen bis 1917". Wir nehmen von dieser Stellungnahme Notiz, nicht weil wir sie als einen Beweis gegen die Einbringung einer Flottenvorlage nach den RcichStagswahlen betrachten, sondern deshalb, um dies ultramontane Zeugnis für die Zeit anfzu- bewahren, wo auch daS Zentrum wieder seilte Zustimmung neuen Flottenvorlage begründen wird l Die„Kreuzzeitung" für Erhöhung der Tabaksteuer. Die„Kreuzzeitung" erhob jüngst wiederum gegen das deutsche Tabakgewerbe den Vorwurf, daß die anläßlich des letzten Tabaksteuergesetzes erfolgten Preisaufschläge für Zigarren und Zigaretten zu hoch seien und bemerkt dazu betreffs der starken Zunahme des Zigarettenverbrauches:. »Wenn man halbwüchsige Jungen aus der einen und Stem- träger auf der anderen Seite der Straße beim Herumlungern oder bei der denkbar schwersten Arbeit ununterbrochen eine Zigarette nach der anderen rauchen sieht, so fragt man sich, ob nicht eine ganz unverhältnismäßig höhere Besteuerung namentlich diese? vielfach wie ein schweres Gift wirkenden Reiz- mittel« oder»sogenannten" Genußmittels angezeigt wäre." Hierauf antwortet die„Süddeutsche Tabakzeitung": »Gerade der„Kreuzzeitimg" steht eö doch wahrlich recht schlecht an, der Besorgnis um die Gesundheit des deutschen Volkes in dieser Weise Ausdruck zu geben, denn vielleicht erinnert sich dieses Blatt sioch der Tatsache, daß gerade die von thm vertreten- Partei — glücklicherweise erfolglos— bei Gelegenheit der im Reichstage stattgehabten Beratung der Finanzreform den Antrag stellte, f ü r den Schnaps einen»nicht zu knappen" Mindest- gehalt an Alkohol gesetzlich vorzuschreiben. Sollte aber mit dieser verschämten Forderung aus Mehrbelastung deS Zigarettenkonsums ein b-lllon d'essai losgelassen werden, so möchten wir demgegenüber energischen Protest gegen jeden weiteren Versuch erheben, irgend einen Zweig des deutschen Tabakgewerbcs aufs neue durch Steuerobjekte zu beunruhigen." Es ist ganz nützlich, daß das Attentat auf die Volks- gesundheit, das die Schnapsgrafen beabsichtigten, wieder in Erinnerung gebracht wird. Ist das doch auch zugleich eine Aufforderung, den Schnapsboykott immer aufs neue zu propagieren._ Die bürgerlichen Friedensfreunde kneifen. Aus Brüssel wird telegraphiert: Der Rat der Inter» parlamentarischen Union hat beschlossen, die für Oktober nach Rom einberufene Konferenz auf nächstes Frühjahr zu verschieben. Die Nachricht zeigt nur wieder einmal, daß, wenn eS ernst wird, die phrasenreichen Herren sich nicht einmal zu W o r t e n aufschwingen können, so schwer ihnen die Schweigsamkeit auch fällt. Wie die Kerle schwindeln wollen! In ihrem Wochenrückblick kommt die„K r e u z- Z et t u ng" auf die sozialdemokratische Friedensdemonstration in T r e p t o w zu sprechen und erklärt: »Wir sprechen eS offen auS, daß bei den Wahlen die von Partei wegen abgehaltenen Demonstrationen der Sozialdemokratie zugunsten der französischen Forderungen gegen sie und ihre etwaigenWahl- Helfer»ausgenutzt" werden müssen. Den deutschen Wählern muß eS überall so eindringlich wie möglich gesagt werden, daß diese Partei die Ehre Deutschlands preiszugeben unter allen Umständen entschloffen war. Die illustrierten Tageszeilimgen bringen photographische Aufnahmen der Versamm- lung im Treptower Park»lit viele» Hundert aufgehobenen Händen iür die Resolution„Gegen den Krieg". Diese Bilder zeigen auch junge kräftige Männer, manche gewiß Reservisten, und alle diese geloben bedingungslos, ihren politischen und wirtschaftlichen Ein- fluß einzusetzen für den.Völkerfrieden". Kein Deutscher, der die Ehre hat, für sein Volk und seinen Kaiser im Felde mit seinem Leben einstehen zu dürfen, wird einen so feigen Beschluß kund- geben, wenn er nicht sich innerlich ganz von seinem Volk und Vaterland abgetvaudt hat. Und mit s o l ch e n K e r l e n bei den ReichstagSwahlcn gemeinsame Sache zu machen, heißt sich aufs tiefste erniedrigen. Nur bei dem ebenfalls internationalen Juden- Volk kann man eS verstehen, wenn es sich politisch zu dieser Ge- ssllschaft hingezogen fühlt." Man kann es den Konservativen nicht verwehren, den Versuch zu machen, daS Volk noch mehr allzuschwindeln, als wie es von diesen staatserhaltenden„Kerlen" bisher schon geschehen ist. Es wird aber selbstverständlich dafür gesorgt werden, daß dieMassen immer mehr auf das volksfeindliche Treiben der Junker aufmerksam gemacht werden und es wird dann abzuwarten sein, wer die besten Geschäfte damit macht— die preußischen Junker mit ihrer abgrundtiefen Verlogenheit oder die Sozialdemokratie, die sich unverdrossen die Aufklärung deL Volkes angelegen sein läßt._ „Die Kerntrnppe des katholischen Arbeitervereins." Die ultramontane Preffe im allgemeinen und die klerikale Arbcilerpreffe im besonderen regen sich jedesmal gewaltig auf. wenn die sozialdemokratische Presse den Nachweis führt, daß die so- genannten katholische» Arbeitervereine Vereinsgebilde sind, denen zu jeder ernsthaften, praktischen, sozialen Betätigmig alle Fähigkeiten fehlen. Jetzt wird der sozialdemokratischen Presse ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie die unwürdige Nolle gebührend be- leuchtete, die die katholischen Arbeiter auf dem dies- jährigen Katholikentage spielen mußten. Die» W e st- deutsche Arbeiter-Zeitung" nennt diese Kritik eine Beschimpfung und der Münchencr.Arbeiter" spricht von nichtswürdiger Herabsetzung der katholischen Arbeiter durch die sozialdemokratische Presse. Ter»Westdeutschen Ar- beiter-Zeitung", dem Organ deS Herrn GieLbertS, passiert mm aber in ihrer Nr. 33 daS Malheur, durch eine» Bericht über die Feier deS 26jährigen StiftnngSfesteS eines. k a t h o l i- schen Pfeifenklubs' selbst z» zeigen, welch unwürdiges Spiel mit den katholischen Arbeitern in diesen Vereinc» getrieben wird. In dem Bericht heißt cS wörtlich: Im Anschluß an die in allen Teilen so schön berkaufene 25 jährige Jubelfeier des katholischen Arbeitervereins veranstaltete der Pfetfeiiklnb. der im selben Jahre entstand, auch eine Feier zu Ehren seines 25 jährigen Bestehens. Nach dem Vortrag eintger Mnsilstiicke ernsten und heiteren Charakters, worunter besonders die Ouvertüre zur Oper Nonns hervorznbebe» ist, folgte das Absingen d-s KlnbliedcS: Wenn mein Pfeifchen lustig breiint. Danach ergriff der Vorstand des katholischen Arbeitervereins das Wort und ließ die Geschichte des Vereins an den Augen der Anwesenden vor- überziehen. Man erkannte die Notwendigkeit einer solchen Ver- einigung an, die sich hohe Ideale zum Ziele setzte lind dann auf allen Gebieten des religtofen VcrciiiSlvesenS— denn der katholische Arbeiiervereiit war seine Mutter— in hervorragender Weise sich betätige, so daß er mit Recht den Titel»Kcrntruppe deS Verein»" verdient. Der.Pfeifenklub" al» Kerntruppe deS katholischen Arveiter- Vereins! Und der Vorstand deS katholischen Arbeitervereins feiert die hohen Ideale des Pfeifenklubs I Jedes Wort der Kritik würde die Wirkung dieser Feststellungen abschwächen. Aber e» lohnt sich, hier einige kritische Ausführungen zu wiederholen, die man im Jahre 1907 am 9. November in einem nichtsozialdemokratischen Blatt über die kathoIischen�Mäiilirrvereine lesen konnte. Das Blatt schrieb: Die Männervereine haben eS noch nicht verstanden, sich den heutigen Zeitverbältniffen anznpaffen. Man unterläßt cS vielfach noch, die Mitglieder für die VeremsarbeU zu interessieren, sie zu derselben heranzuziehen. Einzelne Bereine kennen selbst noch keine Borstandswahl. ES fehlt an geistiger Regsamkeit. Die geistige und soziale Schulung der Mitglieder ISfet noch b!el, mancherorts alles zu wünschen übrig. Statt Po- sitiv zu arbeite», tüchtige, geschulte Männer heranziibilden. die für ihre Sachen kämpfen und werben, sind manche unserer Vereine nur Abwchrvereine, Großkinderbewahranstaltenl Diese treffliche Kennzeichnung der katholischen Männer- und Arbeitervereine war zu lesen in der—„Westdeutschen Arbeiterzeitung", die die gleiche Kritik der sozialdemo- kratischen Presse als nichtswürdige Herabsetzung der katholischen Arbeiter empfindet. Wie berechtigt aber die sozialdemokratische Kritik ist. beweist die 25jährige Jubelfeier des Pseifenklnbs in der Pfalz. Die katholischen Männer- und Arbeitervereine sind in der Tat Grostkinderbewahran st alten. Tie geistigen Waffen des Zentrums. Aus Düsseldorf wird uns gemeldet: Zu wüsten Szenen kam es gestern in verschiedenen Zentrumöversammlungen des Düsseldorfer Wahlkreises. In der Zentrumsversammlung im PauluShause hier wurde, während der durch seine Hetzreden berüchtigte Kaplan Geicher sprach, ein demokratischer Diskussionsredner im Saale von einer Schar fanatisierter ZentruinSleute tätlich angegriffen. Die Frau eines demokratischen Ingenieurs wurde mit F u fi t r i t t e n und gemeinsten Beschimpfungen regaliert; den anwesenden Generalsekretär des Reichsverbandes zur Bekämpfung deSUltramontaniSinns beleidigten Zentrumsfrauen aufs schwerste, während die anwesenden Führer dcS Zentrums nichts zum Schutze des Beleidigten taten. Herbeigeholte Polizei erklärte, trotzdem sie nichts gesehen, der beleidigten Dame, dah ihr nichts passiert wäre, wenn sie sich anständig benommen. Auf der Polizeiwache soll sich ein Beamter geweigert haben, ein Protokoll aufzunehmen. Die Angelegenheit wird ein gerichtliches Nach- spiel haben. Gleichzeitig wurde in L i n t o r f in der Versanim- lung des Abgeordneten Grünenberg der demokratische Kandidat Breitscheid, alS er eine Anfrage wegen Diskussion stellte, bedroht und der demokratische Parteisekretär Nestriepke schwer miß- handelt._ Soldaten als Lohndrücker. Glogau, 8. September. Nicht nur, daß der hiesige Magistrat den Neubau d«§ Offizierkasinos ohne jegliche Vergütung ausführen läßt und nach Fertigstellung desselben den Herren Offizieren gegen einen jährlichen minimalen Mietszins überlasten will, nimmt man zu den Ausschochtungsarbeilen jetzt seit mehreren Tagen schon Soldaten, die unter Aufsicht von Unteroffizieren diese Arbeiten verrichten. Wie wir ferner erfahren, sollen sogar die Kellergewölbe von Mannschaften und nicht von gelernten Bauhand- werkern ausgemauert werden. Dieses Vorgehen ist um so un- begreiflicher, als infolge des niedrigen Wasserstandes der Oder die Schiffahrt gänzlich eingestellt ist und ein großes Heer Transportarbeiter seit Wochen auf de in Pflaster l'„gt. Daß der«.ngebliche f r e i s i n n i g e Glogauer Magistrat als Bauherr solche den Unwillen der Bevölkerung herauf- beschwörende Lohndrückerei und Entziehung von Arbeitsgelegenheit vornehmen kann, ist recht bezeichnend für diese Gattung Stadt- Väter._ Geistig minderwertig und dienstuntauglich und doch in Uniform! Die Leidensgeschichte eines geistig minderwertigen und dienst« untauglichen Soldaten wurde in einer Verhandlung vor dem Kriegs- gericht in Dresden aufgerollt. Der Fall ist insofern besonders bemerkenswert, daß von der Militärjustiz gegen einen Mann, dessen Dienstunbrauchtarkcit festgestellt und der sich mit Rücksicht auf seine geistige Veranlagung der Tragweite seiner Handln ngs- weise zweifellos nicht bewußt ist, da? schwerste Geschütz auf- gefahren wurde. Wegen Ungehorsams. AchtungLverletzung,. Beharrens im Ungehorsam und ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung mußte der wegen Dicnstunbrauchbarkeit zur Disposition cntlaffcne Kanonier und Tienflknecht Max Ernst Pfüllcr— früher bei der S. Batterie des Artillerie-Regiments Nr. 78 in Würzen— auf der Anklagebank Platz nehmen. Schon der Umstand, daß der Angeklagte vor Gericht in Ballkleidung und mit einer Rose im Knopfloch erschien, ließ er- kennen, daß man cS hier mit einem für sein Tun nicht vcrant- wortlich zu machenden bedauerstSwerten Menschen zu tun hat. Pjüller wurde im Herbst IVOS bei seinem Truppenteil eingestellt. Infolge seiner geistigen Veranlagung beging er verschiedene Un« gehörigkeitckl und zog sich dadurch verschiedene Disziplinarstrafen zu. Wegen YMorsamSverweigerung wurde er sogar k r i e g L- gerichtliH mit zwei Monaten Gefängnis be- straft. Der Angeklagte erklärte selbst, daß er nicht wiffe, wie er zu all diesen Dingen gekommen ist. Der Hauptmann dagegen, nannte das Verhalten eine„krankhafte Neigung, sich gegen die Disziplin aufzulehnen!" Dabei ist aber festgestellt, daß Pfüller infolge seiner geistige» Minderwertigkeit in allem zurückgeblieben ist und nicht mal schreiben kann! Erst als man sah, daß Pfüller in jeder Beziehung eine große Gleichgültigkeit an den Tag legte, hegte man Zweifel an der Zu- rechnungSsähigkeit. Nun erst lvnrde der Saldat auf seinen Geistes- zustand beobachtet. Die Acrzle sprachen im Hinblick auf die geistige!vk in der Wertigkeit die Dienstunbrauch- baricit aus und nun erst wurde Pfüllcr endlich vomMilitär entlassen. ES kamen nun aber hinterher nocki einige Vorgänge zur Sprache, die zu der neuen Anklage führten. Eines Sonntags wollte Pfüller ausgehen und sich in der llntcroffizierstnbe abmelden. Er wurde vom Unteroffizier füuf- bis sechsmal zur Tür hinauSgcschickt. wußte aber nicht warum. Darüber verärgert, verließ er, ohne Stellung zu nehmen, die Untcroffizierstube und ging in seine Stube. Mehrere Zurufe des Unterosfiziers hat er überhört. Verschiedene ihm von Soldaten überbrachte Befehle, in die Unteroffizierstube zu kommen, ließ Pf. in der Erregung unbefolgt und äußerte:„Der Unteroffizier denkt wohl, er kann mich veralbern. ich komme nicht!" Als er dann später vom Vorgesetzten zur Rede gestellt wurde, soll er leine Stellung genommen haben. Im Lazarett, in dem er sich zur Bcobachlung auf seinen Geisteszustand befand, soll er eine? TogcS früh trotz mehrfacher Auffordernng nicht aus dem Bett aufgestanden sein und dabei gelacht haben. Folge— 8>c- harren i m Ungehorsam im Lazarett! Vor Ge- richt erklärte der Angeklagte, er habe sich bei all diesen Vorgängen nichts gedacht; eine Absicht habe er nie verfolgt. Jin übrigen zeigte sein ganzes Bcnehinen, daß er sich der Trag- weite dessen gar nicht bewußt lvar. Ter ärztliche Sachverständige erklärte, bei Pf. liege wohl eine geistige Minderwertigkeit, aber keine WillenSunfreiheit im Sinne des§ 51 vor. Während der Aufregung über das Auftreten des UntcrosfizicrS sei der Angeklagte nicht zu- rechuuugSfähig gewesen, aber für all die übrigen Vorgänge v e r- a n t w o r t I i ch I DaS Kriegsgericht verurteilte den bcdauernSlverten Mann zu der exorbitanten Strafe von 3 Mouuica Grsiingnis!— im Interesse der Disziplin! Kommentar überflüssig! Keine Mobilmachung gegen den„inneren Feind". Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter Bezugnahme auf den in Nr. 208 deS„Vorwärts" vom S. September Ivll erschienenen Artikel mit der Ucberschrist„Rat- dauseinweihung unter militärischem Schutz" wird gemäß 8 11 deZ Pressegesetzes um Aufnahme folgender Berichiiguiig ersucht:' .Die Behauptung, daß am Tage der Weihe des neuen Rat- Hauses in Chemnitz— am Sonnahend, den 2. September— eine Kompagnie des 10t. Jnfanterie-Regiments mit scharfen Patronen ausgerüstet, marschbereit in der Kaserne gestanden habe, ist unzu- treffend." d. Laffert, Generalleutnant und Garnisonältester. frankreick. Die Teuerung. Paris, 10. September. In dem Arbeiterviertel Belle- v i l l e ist es heute vormittag ivegen der Lebensmittel- t e u e r tl n g zu e r n st e r e u Ausschreitungen ge- kommen. Ein italienischer Anarchist ist als Rädelsführer verhaftet worden, er ivird ausgclviesen werden. Charleville, 10. September. Bei einer Kundgebung gegen die Lebensmittelteuerung am heutigen Nachmittag gab die Verhaftung eines Demonstranten das Zeichen zn Ausschreitungen. Die Ruhestörer zogen vor das Polizeigebäude und forderten die Freigabe des Verhafteten. Eine Eskadron Dragoner und Gendarmen gingen mit blanken Waffen gegen die Menge vor. Viele junge Leute und Frauen stürzten sich vor die Pferde. Zwei Reiter wurden zu Boden gerissen. Es wurde beschlossen, einen Generalstreik von 2 4 Stunden zu veranstalten. Roubaix, 10. September. Die gestrigen Unruhen nahmen im Laufe des AbcndS äußerst ernsten Charakter an. Die Demonstranten löschten die Straßenlaternen aus und rissen die Steine aus dem Pflaster, um sich des Angriffs der Kavallerie zu erwehren. Auch Infanterie ging gegen die Ruhestörer vor. Sowohl von den Truppen als auch von den Ruhestörern wurden viele v e-r l c tz t. Mehrere Läden wurden geplündert. Man verhaftete 13 Per- sonen. Um 1 Uhr früh war die Ruhe noch nicht wieder- hergestellt. Paris, 1 1. September. In Pont-äMousson kam es wegen der Lebensmitteltenerung zu so heftigen Krawallen, daß Polizisten und Dragoner einschreiten mußten. Drei Soldaten wurden durch Steinwürfe verletzt und 15 Ruhestörer verhaftet. Militär und Politik. Paris, 10. September. Der Kriegsmintster M e s s i m h hat ein Rundschreiben erlassen, durch welches den M i l i t ä r p e r i o n e n streng untersagt wird, sich an politischen Kund- gebungen irgend welcher Art zu beteiligen. Wie es heißt, ist das Verbot dadurch veranlaßt worden, daß in der letzten Zeit Soldaten revolutionären Versammlungen bei- gewohnt und sich an klerikalen Demonstrationen beteiligt und daß Offiziere Artikel veröffenilicht haben, in denen sie bei der Erörterung militärischer Fragen auch das politische Gebiet streiften._ Spanien. WasscrSnot. Madrid, 11. September. In P e n a g o s ist es wegen des herrschenden T r i n k w a s s e r in a n g e l s zu heftigen Unruhen gekommen, in deren Verlaus die Bevölkerung die Bürgermeisterei mit Steinen bewarf. Als Gendarmerie gegen die Aufrührer vor- ging, wurde sie mit Schüssen empfangen. Sechs Personen, unter ihnen ein Brigadier der Gendarmerie, wurden hierbei getötet, zwanzig verwundet und dreißig Verhaftungen vor- genommen._ Belgien. Eine Kundgebung gegen die Tcnerung. Brüssel, 11. September. Der allgemeine Arbciterverband er- läßt im„Penple" einen Aufruf an die Arbeiter, sich den G e w e r k- s ch a f t e n lind den Konsumvereinen anzuschließen. Angesichts des Verhaltens der Regierung und des Großkapitals, die Schuld an der LebenZmittclteuerung seien, müßten sich die Arbeiter vereinigen, um so dem LevenSmitteltrnst einen Arbeitertrust gegenüberzustellen. Auch die Landwirte werden aufgefordert, sich der Bewegung anzuschließen. In dem Aufrufe wird verlangt, freie Einsuhr von Zucker und Fleisch, Abschaffung der Oktrois, Herabsetzung der Tarife für landwirtschaft- liche Produkte, energisches Vorgehen gegen LebenSmittelspeknlanten und-Fälscher, sowie Aufhebung einer Reihe von Verfügungen, die die kleinen Landwirte bedrücken. ScKweden. Der erste Sozialdemokrat im neuen Reichstag. Die Neuwahlen zur Zweiten Kammer des Reichstags sind'jetzt in vollem Gange, werden jedoch noch bis Ende dieses Monats dauern, und auf das endgültige Ergebnis wird man sicherlich noch einige Wochen länger warten mllffen. Die Auszählung und Vc- rechnung der Stimmen nach dem neuen, proportionalen Wahlsystem erfordert viel Zeit. AuS einem Wahlkreise, dem Nordkrcise von Ocstergötland, wo die Wahl am Sonntag vor acht Tagen vollzogen wurde, liegt das Ergebnis bereits vor. ES sind dort 4955 freisinnige, 3037 sozialdemokratische, und 3570 konservative Stimmen abgegeben worden. Gewählt sind zwei Frei- sinnige, ein Sozialdemokrat und ein Konservativer. Der Kreis hatte bisher fünf Abgeordnete zu wählen und war im alten Reichstag durch vier Konservative und einen FreisinnSmann ver- treten. DaS erste Wahlergebnis, das bekannt wird, zeigt also eine Verschiebung nach links und bringt zugleich die Wahl eines Sozialdemokraten in einem Kreise, wo ein Sieg für unsere Genoffen bisher nicht möglich war. Der gewählte Genosse ist der Metallarbeiter T ö r n b l o m in FinSpong. perfien. Nnruhcn im Süden. London, 11. September. Die„Morningpost" meldet vom 10. September auS Teheran: Der Gouverneur von S h i r a z telegraphierte dem Ministerpräsidenten: Ich und fünftausend Mann sind hier eingeschlossen. Die Stadt ist von lnristanischcn Arabcrhordcn umzingelt. Ich bin zu schwach, der Lage Hcr'r zu werde».— Der Korrespondent der„Morningpost" fügt hinzu, daß ein großes Blutbad unter den Einwohnern wahrscheinlich ist. Tie gegenwärtige Lage ist verzweifelt, mau befürchtet das Schlimmste._ 3. veuticher Städtetag. Posen, 11. September. Telegraphischer Bericht. Dem Städtetag gehören als stimmberechtigte Mitglieder alle Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern an bis auf 0 Städte, die sich noch nickt angeschlossen haben. Auf der diesmaligen Tagung sind 144 Städte und 9 Städtcverbände vertreten. An erster Stelle spricht Oberbürgermeister E b e l i n g- Dessau über die Prüfung der Kreditverhältnisse der deutschen Städte. Als zweiter Berichterstatter über dasselbe Thema sprach Ober- bürgermeister Geheimrat Dr. B e u t l e r- Dresden«< «lrt diese mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referate knüpft sich auf Vorschlag von Oberbürgermeister Kirschncr zunächst eine allgemeine Besprechung. Zur Spezialdebatte lag keinerlei Wortmeldung bor. Der 3. deutsche Städtetag faßte hierauf einstimmig, gemäß den Vorschlägen des Vorstandes des deutschen Städtetages, folgende Beschlüsse:.. 1. Trotz Vorhandensein gewisser Mißstände in der Kreditbeschaffung der deutschen Städte wird von der Errichtung eines Zentralinstituts auf der Grundlage einer Aktiengesellschaft oder einer Genossenschaft oder dergleichen abgesehen, dagegen eine BermittelungSstelle für kommunale Darlehen einzurichten empfohlen. 2. Hierbei ist zu beachten, daß für kurzfristige Darlehen eine Geldvcrinittclungsstelle der großen deutschen Städteverwaltungen besteht. Es wird daher zu erwägen sein, die Vermittelungsstclle für langfristige Kommunaldarlehen an diese anzuschließen. 3. Als Aufgabe der Vermittelungsstelle kommt weiter in Be- tracht. schon zur Erzielung eines besseren Marktes, auf einen möglichst einheitlichen Anleihetyp der Städteanleihen in bezug auf Verzinsung, Rückzahlung bezw. Tilgung und sonstige Rück- Zahlungsbedingungen hinzuweisen. 4. Für geringere Kreditbcdürfnisse und wo die Ausgabe eigener Kreditbriefe der Stadt nicht gewünscht wird, ist eine Ge- schäftsverbindung mit Bankinstituten oder anderen Anstalten, d:e kommunale Kreditbriefe ausgeben, möglichst in provinzieller Gliederung einzuleiten und zu pflegen. 5. Ferner ist ständige Fühlung mit den deutschen städtischen Sparkassen zu unterhalten und die Anlegung von Sparkassen- gcldern in deutschen Städteanleihen und solchen kommunalen Kreditbriefen, die zur Deckung von städtischen Anleihen aus- gegeben werden, zu fordern. 0. Die Vcrmittelung soll provisionsfrei und nur gegen Er- staitung der unmittelbaren Aufwände erfolgen. 7. Ten Mitgliedern des Deutschen StädtctageS ist dringend zu empfehlen, außerordentliche Bedürfnisse inehe: als bisher ge- schehen, durch Fondsbildung zu decken und dadurch das An- schwellen der städtischen Anleihen zu vermeiden und den Wohl- stand der Städte zu heben. Hierauf werden die Verhandlungen auf Dienstag vertagt. JIus der parte!« Die PartcitagSdclcgation von Stuttgart. Bekanntlich hatte die Stuttgarter Parteileitung die am 26. und 27. August vorgenommene Urwahl der Delegierten zum Jenaer Parteitage wegen verschiedener dabei vorgekolmncner Uilregclmäßig- leiten kassiert und für den 7. September eine neue W n h l ausgeschrieben. Die Genossen H i l d e n b r a n d. R a p p, Bein- kämpen und Sämann hatten in der„Schwäbischen Tagwacht" gegen die ztoeite Wahl protestiert und Stimmenthaltung propagiert. DaS Resultat der zweiten Wahl ist folgendes; in l) sind die Ziffern der ersten Wahl beigefügt: ES wurden insgesamt Stimmzettel abgegeben 10l3(1705), ungültig 29(92). Davon erhielten Beinkänipen 202(525), B u l l m e r 1284(988), Frau D u n ck e r 1384(1097), Hilde nbrand 542(870i, R a p p 440(874), Sämann 308(017) und W e st m e y e r 1354(1080) Stimmen. Gewählt sind demnach die Genossin Duncker, die Genossen We st meyer, Bull m er und Hildenbrand. Generalversammlung dcS Vereins Arbeiterpresse. Am Sonnabendnachmittag und Sonntag hielt in I e n a, unter Anwesenheit von etwa 200 Mitgliedern, der Verein Arbeiterpresse seine 12. Generalversammlung ab. Nach Erledigung einer Reihe beruflicher Fragen hielt Genosse Robert Schmidt einen Vortrag über:„Die Versicherung der Prillatangestellten". Wegen der weit vorgerückten Zeit verzichtete Genosse- Gm? d- netuer darauf, noch seinen Vortrag über:„Die Behandlung sozial- demokratischer Redakteure im Gesängnis" zu halten. Er wird das Referat gedruckt in den„Mitteilungen", niederlegen. Er beschränkte sich darauf folgende Resolution kurz zu begründen, die darauf ein- stimmig angenommen wurde: „Die Generalversammlung des Vereins Arbeiterpresse ver- urteilt aufs schärfste, daß immer noch Redakteure und andere Personen, die wegen angeblich politischer oder gewerkschaftlicher Vergehen verurteilt werden, in den Gefängnissen einer unwür- digcn und dem Rcichsstrafgesetzbuch widersprechenden Behandlung unterworfen werden. Diejenigen Behörden, die solche Handlungen an ihren politischen Gegnern verüben oder dulden, erweisen da- durch nur ihre Gehässigkeit im politischen Kampfe. Die Generalversammlung fordert, daß das Reichsjustizamt durch allgemeine und unzweideutige Anweisung an die Straf- vollzugsbchörden Fürsorge trifft, daß den politischen Gefangenen die Selbstbeschäftigung, die Selbstbeköstigung, das Tragen eigener Kleidung und überhaupt eine der Stellung dcS politischen Ge- fangcnen entsprechende anständige Belfandlung gesichert wird. Die Generalversammlung erhebt ferner entschiedenen Ein- spruch gegen die den Strafvollzug verschärfenden und verschlcch- tcrnden Bestimmungen des Vorcntwnrfs zum Deutschen Reich-- strafgcsetzbuch, die wegen der Möglichkeit ihrer Anwendung auf die Presse und auf politische und wirtschaftliche Kämpfe(z. B. Ausreizung. Nötigung, Bedrohung, Beleidigung usw.) geeignet sind, die Stellung der Presse in den politischen und sozialen Kämpfen außerordentlich zll erschweren und die preßrechtlich verantwortlichen Redakteure der rohesten Mißhandlung und der schlimmsten Willkür auszuliefern." Zum Schluß legte Block- Leipzig noch einen Antrag vor, der gleichfalls einstimmig gutgeheißen wurde. Der Antrag verlangt, daß in einer Eingabe an den Reichstag gegen den Beschluß des Reichstages bei der 2. Lesung des Gesetzentwurfs betreffend Aendc- rung des Strafgesetzbuches vom 12. März 1309 Protest erhoben werden soll. Durch die- Abänderung der§§ 186, 187 und 183 würde eine schwere Bedrohung der ohnehin kümmerlichen deutschen Preß- freiheit herbeigeführt. Die Existenz kleiner Blätter würde mit einem Schlage vernichtet, die mittlerer schwer erschüttert, wenn die Höhe der Geldstrafen für Prcßbeleidigungen bis zu 10 000 M. und die der Buße bis zur Höhe van 20 000 M. festgesetzt werden kann, wie es der Antrag Wagner-Gröbcr-Heintze in Ucbereinstiinmung mit der Nr. 4 des RegicrungSentwurfs bestimmt. Die Festsetzung solcher hohen Geldstrafen und Büßen, heißt: den Gerichten die Befugnis zur Unterdrückung mißliebiger Zeitungen geben/ Wenn die Kritik öffentlicher Mißstände, die politische Polemik mit ruinösen Strafen bedroht wird— und selbst bei größter Gewissenhaftigkeit ist kein Redakteur-4)01 falschen Informationen oder vor Leiden- schaftsausdrücken geschützt—. so wird der Entartung der Presse, dem Vordringen der reinen Nachrichten-, Klatsch- und Sensationspresse, die die politische Indifferenz und den geistigen Niedergang der Leser fördert, Vorschub geleistet. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. An Sjclle dcS bis- herigen Beisitzers Block, der nach Leipzig übergesiedelt ist, wurde Genossin Thiede, Buchhalterin in der Buchdruckerei Vorwäris, gewählt. Als Sitz des Ausschusses wurde wieder Hamburg bestimm� Ein Denkstein für Hermann Goldstein. Zwei Jahre sind verflossen, seitdem Genosse Hermann Gold- stein den sächsischen Parteigenossen entrissen wurde. Besonders in den letzten Jahren, wo er als einziger sozialdemokratischer Vertreter im Landtage tätig war, stand er im vordersten Treffen der heißesten Kampfe. Daß die sächsischen Parteigenossen seiner gedenken, zeigten sie dadurch, daß sie ihm einen würdigen Denlstcin gewidmet haben. der am Sonntag durch eine kurze Feier enthüllt wurde. Ein mächtiger Block änö Meißner Granit erhebt sich über dem Grabe. In Lebensgröße sind die charakteristischen Gesichtszüge von Künstler- Hand nachgeformt und in Bronze gegossen worden. Darunter stehen Name und Geburtstag sonst nichts. Note Steine, ebenfalls Meißner Granit, umsäumen das Grab. Gewcrkfcbaftlicbca. Die poUtifchc Polizei im Kampfe gegen das Bäckerplahat. Die Berliner Bäckermeister, welche die Forderungen des Bäckerverbandes bewilligt haben, teilen dies bekanntlich auf einem Plakat, welches sie im Laden aushängen, ihren Kunden mit. Einem Wunsch des Vorstandes der Bäckerinnung folgend, verlangt die Polizei die Entfernung der Plakate. Bäckermeister, welche dem unberechtigten Verlangen der Polizei nicht nachkommen, werden wegen Uebertretung der bekannten veralteten Bestimmungen des preußischen Preß» gesetzes angeklagt. In einem derartigen Falle ist dieser Tage ein Bäckermeister in der Berufungsinstanz verurteilt worden. In diesem Prozeß wurde die interessante Tatsache festgestellt, daß es die politische Polizei ist. welche den Krieg gegen die Böckerplakate führt. Auf eine Frage des Gerichtsvor- sitzenden, der selbst erstaunt zu fein schien über das Vor- gehen der Polizei, erklärte ein als Zeuge vernommener Schutzmann: Im April sei von der siebenten Abteilung des Polizeipräsidiums(das ist die politische Abtei- lung!) eine Anweisung an die Reviere ergangen, daß, wenn in Bäckerläden Plakate der gedachten Art angebracht würden, sie entfernt und Anzeigen erstattet werden sollten. Der Zeuge habe den speziellen Auftrag gehabt, in seinem Revier die Bäckerläden zu kontrollieren. Ueber das Ergebnis der Kontrolle sei vom Revier an die siebente Abteilung des Polizeipräsidiums Bericht erstattet worden. Hiernach betrachtet es also die p o l i t i s ch e P o l i ze i(l) als ihre Ausgabe, gewisse Bäckermeister im Kampfe gegen die vom Einigungsamt des Gewerbegerichts als berech- t i g t anerkannten Forderungen des Bäckerverbandes zu unterstützen. Wie vorsorgend doch die politische Polizei ist. Schon im April erließ sie ihre Anordnung, gegen das Plakat vorzugehen. AlsozueinerZeit.wonoch niemand wissen konnte, ob es überhaupt zu einem Streik der Bäcker und zur Anwendung von Plakaten kommen würdel Im April herrschte all- gemein die Ansicht, es würde zu einer friedlichen Er- ledigung der Lohnbewegung der Bäcker kommen, denn beide Parteien hatten sich ja zu Verhandlungen vor dem Einigungs- amt bereit erklärt. Gegen Ende des Monats April nahmen die Verhandlungen ihren Anfang und waren Mitte Mai be- endet. Dann nahm der Bäckerverband den Schiedsspruch des Einigungsamtes an, während die Innungen denselben ablehnten. Infolgedessen kam es gegen Ende des Monats Mai zum Streik und im Verlauf desselben zur Aus- gäbe der Plakate, zu deren Beseitigung die politische Polizei schon im April mobil gemacht hat. Vermutlich ist diese Mobilmachung zurückzuführen auf die Anregung gewisser Leute aus den Reihen der Bäcker- i n n u n g, die demnach von Anfang an die Absicht gehabt haben müssen, trotz ihrer Beteili» gung an den Einigungsverhandlungen, zum Streik zu treiben. So sehen wir also die politische Polizei mit Eifer dafür sorgen, daß die Bäckermeister ihren Kunden nicht mitteilen dürfen, unter welchen Arbeitsbedingungen die feilgebotenen Waren hergestellt werden.. In der Tat, eine eminent „politische" Wirksamkeit!— Die Polizei beginnt das Werk �md die Gerichte vollenden es. Wie gesagt, ist im vorliegen- den Falle der Bäckermeister wegen Aushang deS Plakats verurteilt worden, was allerdings nur auf Grund eines zwei- fachen Rechtsirrtums geschehen konnte. Erstens stellte sich das Gericht ohne weiteres auf den sehr anfechtbaren Stand- Punkt, der Bäckerladen sei ein„öffentlicher Ort", und zweitens erklärte es, der Inhalt des Plakats habe in erster Linie ein sozialpolitisches Interesse und nur indirekt diene es dem ge- werblichen Verkehr. Das ist eine völlige Verkennung der tatsächlichen Ver- Hältnisse. Hat doch jeder Kunde ein Interesse, zu erfahren. unter welchen Arbeitsbedingungen die ihm angebotene Ware hergestellt wird. Wenn der Verkäufer diese Arbeits- bcdingungen durch Anschlag in seinem Laden den Kunden mitteilt, so ist das nicht anderes als eine Nachricht für den gewerblichen Verkehr._ BcrUn und dmgegend. Die Aussperrung bei der Firma Schneider. Die ausge'perrten Arbeiterinnen und Arbeiter der Firma Schneider, Glühlampenwerk in der Brunneiistratze, versammelten sich am Montaginorgen in den Boruisiasälen. Ackerstratze, wo Handle vom Deutschen Metallarbeitcrverband eine Ansprache hielt und über den Stand der Aus'perrung berichtete. Die Firma hat versucht. Eriatzkräfte anzuwerben, aber bis jetzt ohne Eriolg; sie hat auch die Polizei herbeigerufen, obgleich dazu keinerlei Veranlassung vorlag. Auf deni Hofe und im Keller des Betriebes soll eine Station für eine Anzahl Schutzleute errichtet sein. Wenn die Firma damit eine Einschüchterung der Streikenden oder vielmehr Aus- gesperrten versucht, so dürfte fie sich, wie Handle be- tonte. täuschen, denn die Arbeiterinnen und Arbeiter seien entschlossen, ihr Recht als Mitglieder deS Deutschen Metall- arbeirerverbandes energisch zu verteidigen. Die Versammelten beauslragren nach kurzer Aussprache die Organisationsvertrerer, daß sie Verhandlungen mit der Direktion des Werkes anbahnen, um die bestehenden Differenzen zu schlichten. Man kann sich die plötzlich ansgebrochene Feindschaft der Firma gegen den Verband um io weniger erklaren, als erst vor einigen Wochen die Direktion mit einem Vertreter des Verbandes über einen Streit in einer Abteilung des Werkes verhandelt hat._ Achtung, Handelsarbeiter I Streik bei der Firma Carl Stiller, Schuh» Warenhaus. Am Sonnabendnochmittag waren die Hausdiener, Radfahrer. Chauffeure, Mitfahrer usw. der Firma Carl Stiller. Schuhwarenbaus, Jeruialemer Straße 38/39, Friedrichstratze 75, Potsdamer Straße 2, Königstraße 25,23. Rosenthaler Straße 5, Tauentzienstraße 19», Tanentziensiraße 7b, Charloitenburg. Wilmers- dorfer Straße 45, Schöneberg, Hanvtstraße 146 und Rixdorf, Berg- stratze 26 gezwungen, die Arbeit niederzulegen, weil ihnen zugemutet wurde, eine Kaution von 29V M. zu stellen. Die Hausdiener usw. wurden bei ihrem Arbeitgeber wegen Auf» befferung ihrer Löhne vorstellig. Nach langem Handeln und Feilschen wurde denn auch eine Zulage von 1 M. pro Woche gewährt. Die Firma Stiller stellte aber folgende Gegenforderung: .Den in unseren Diensten befindlichen Dienern und Rad- fahrern bewilligen wir hiermit eine Lohnzulage von 1 M. pro Woche mit der Maßgabe, daß sämtliche Diener und Radfahrer ohne Ausnahme eine Kaution von 299 M. zu stellen verpflichtet sind. Diejenigen, die nicht in der Lage find, dielen Betrag aus einmal zu entrichten, verpflichten sich, an jedem Lohntage sich 2 M. abziehen zu lasten. Maßregelungen wegen der gestellten Forderungen finden nicht statt. Die gestellte Kaution soll zur Deckung etwaiger Fehlbeträge dienen, die durch Fahrlässigkeit seitens der Diener und Radfahrer entstehen." SchuhwarenhauS Carl Stiller. Unterschrift. 'Bmntto. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Di« Arbeiter wählten eine Kommisston, welche mit der Firma zwecks Zurückziehung dieser Forderung verhandeln sollte. Der Kom- Mission gegenüber erklärte die Firma, daß sie von ihrer Forderung (Stellung einer Kaulion) nicht abgehen könne. Am Freitagabend wurde eine neue Kommission, bestehend aus drei Kollegen, gewählt, die am Sonnabend vormittag vorstellig werden sollte. Als die Kommission das Komor betrat, rief ihnen Herr E l s n e r, Schwager de» Herrn C. Stiller, entgegen:.Ich verhandle mit keiner Kommission, sondern nur immer mit einem." Obgleich die Komniission den Austrag von ihren Kollegen hatte, nicht einzeln zu verhandeln, auch keinen Pfennig Kaution zu be- willigen, ließen sich die Leute doch von Herrn ElSner verblüffen und verhandelten einzeln. Mit dieser Art der Verhandlung erklärten sich die übrigen Kollegen nicht einverstanden, sondern forderten einstimmig, daß nun- mehr die in Frage kommenden Organisationsvertreter mit der Firma verhandeln sollten. Der Verbandsvertreter fragte telephonisch bei der Firma an, ob sie zu einer Verhandlung mit Vertretern der Organisation bereit sei. Nach langem Hin und Her erklärte sich die Firma zu Verhandlungen bereit. Aber auch diese Verhandlungen hatten keinen Erfolg. Die Firma Stiller verharrt auf ihrem Stand- punkt. Die Hausdiener, Kutscher usw. der Firma Stiller find dadurch gezwungen worden, die Arbeit niederzulegen. Das Verfahren der Firma Stiller ist um so verwunderlicher, als Kautionen in Berliner Handelsgeschäflen überhaupt nicht verlangt und gestellt werden. Alle Partei- und Gewerkschaflsblätter werden gebeten, von unserer Mitteilung Notiz zu nehmen. Deutscher TranSportarbeiter-Verband. Die Tarifbewegung der Arbeiter in den Eisengießereien. Die Arbeiter in den Eisengießereien hatten am 18. Juli, wie im„Vorwärts" berichtet worden ist, in einer Massenversammlung bestimmte Forderungen aufgestellt, und den Deutschen Metallarbei- terverband mit der Vertretung derselben beauftragt. Am Montage abend fand wieder eine außerordentlich starkbesuchte Versammlung der Former und Eisengießcreiarbeiter in der Brauerei Friedrichs- Hain statt. Adolf Cohen berichtete über die Verhandlungen u>it den Unternehmern. Der Deutsche Metallarbeiterverband war offiziell an den Verband der Metallindustriellen Berlins herange- treten und hatte um Verhandlungen über die Forderungen der Ar- bester ersucht. Diesem Ersuchen wurde stattgegeben; Schwierig,- leiten entstanden in dieser Beziehung nicht, denn diese Form der Verhandlung war nicht zu umgehen, weil durch die Situation ge- §eben. Die Unternehmer ernannten eine BerhandlungSkommission, ie mit der Kommission der Arbeiter fünf halbe Tage Beratungen pflog und nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten zu einer Verständigung gelangte, mit Ausnahme einiger Punkte, über die die Verhandlungen fortgesetzt wurden; da ist besonders die Frage des FehlgusseS noch zu regeln. Inwieweit es zu einer Verständi- gung gekommen ist, das wurde den Versammelten gedruckt vorgc- legt und von Cohen eingehend erörtert. Die gedruckte Vorlage um? faßt 14 Punkte. Die Arbeitszeit ist für Former und sämtliche Aklordarbeiter täglich auf 9 Stunden, Sonnabends auf 8 Stunden festgesetzt. Von Uebcrstunden wollten die Unternehmer selber nichts wissen, ein Vertreter erklärte in der Kommission:.Wer bei mir Ueberstundcn macht, stiehlt mir das Geld aus der Tasche." In bezug auf den Lohn heißt es: Es wird mit jedem in der Gießerei beschäftigten Arbeiter ein seinen Leistungen entsprechender Stundenlohn vereinbart. Aklordarbeiter erhalten bei Lohnarbeit mindestens den Durch- schnittslohn des letzten Jahres, resp. den sie in der Zeit ihrer Beschäftigungsdauer in Akkord verdient haben, abzüglich 15 Proz. Steht em solcher Durchschnittslohn noch nicht fest, so wird der Durchschnittslohn gleichwertiger Akkordarbeiter abzüglich 15 Proz. gezahlt. Zahlreiche Punkte regeln die Akkordarbeit, und in den übrigen werden die in Tarifverträgen üblichen Vereinbarungen festgelegt. Die Diskussion war sehr lebhaft. Zahlreiche Wünsche auf Ver- befferung der vorliegenden Bestimmungen wurden laut; mancher war recht unzufrieden, daß nicht mehr erreicht werden sollte, aber im allgemeinen erklärte man sich schließlich mit der Vorlage etnver- standen, die, wie Cohen betonte, noch nicht als endgültig zu betrach- ten ist. Man beschloß dann, die weiteren Ergebnisse der VerHand» lungen abzuwarten._ Die Tabakarbeitrr, welche in den Betrieben von Nllrren» b a ch und Gäbert zu Zossen beschäftigt find, haben am Sonn« abend wegen Lobndifferenzen die Arbeit niedergelegt, weil die gering» fügige Lobnforderung von 25 Pf. pro Mille bei beiden Firmen. sowie Beseitigung verschiedener Nebenarbeiten und Lieferung besseren Materials bei der Firma Nürrenbach nicht zugestanden worden ist. Daß die Forderungen bewillig» werden können, beweist der Betrieb des Genossen Rackow, wo dieselben längst eingeführt find. Ver- Handlungen mit dem Gauleiter haben bis jetzt zu keinem Resultat geführt. Die Parteigenossen werden aufgefordert, die Tabakarbeiter in ihrem Kampfe zu unterstützen. Der Tarif der Kistenmacher, der von einer aus Vertretern beider Teile bestehenden Kommission am 7. d. M. vereinbart worden ist, wurde am Montag vor dem Gcwerbegericht festgelegt und hat damit für beide Teile bindende Kraft erhalten. Der Tarif ist auf drei Jahre abgeschlossen. Er läuft bis zum 1. September 1914 und bringt eine LohnausTdsserung von 19 Proz. für Massenkiften, außer. dem noch einige sonstige Verbesserungen. Auch die Unternehmer, welche ihrer Organisation nicht angehören, haben den Tarif an- erkannt. Der Streik der Kistenmacher ist damit beendet, veutkcbes Rcieb. Zur Lohnbewegung der Lithographen und Steindrucker. Am 7. September nahmen die Lithographen und Steindrucker Leipzigs in überfüllter Versammlung den Bericht über den Stand der Bewegung entgegen. Sechs Firmen haben die Forderungen bewilligt, mit 7 Firmen ist die Sache noch nicht zum Abschluß ge- kommen. Weitere 38 Firmen haben mitgeteilt, daß der Schutzverband deutscher Steindruckereibesitzer in Berlin zu Ver- Handlungen bereit sei. Da aber das Schreiben jeden faßbaren An- halt vermissen läßt, wurde in geheimer Abstimmung mit 1135 gegen 27 Stimmen be-chlossen, die Kündigungen einzureichen und den Kampf aufzunehmen. Leipzig ist deshalb für Lithographen und Steindrucker gesperrt. Wir bitten, allen Zuzug streng sernzu- halten. Rusland. Tie Frcdcriksbergcr Straszciibahngefellfchaft und ihre Streikbrecher suchen jetzt in großem Maßstabe mit Hilfe der Gerichte den Boykott unmöglich zu machen und die Kassen der organisierten Arbeiter- schaft zu plündern. Dem von der Gesellschaft beantragten Verbot gegen die Aufnahme von Boykottaufforderungen in„Socialdemo- traten" hat die Stadtvegtei, die als erste Instanz hierüber zu ent- scheiden hatte, stattgegeben. DaS Verbot hat damit vorläufig Gel- tung erlangt, jedoch wird als Berufungsinstanz zunächst das Hof. und Stadtgericht und zu guter Letzt daS Hochstgerichl über die RechtSgüitigkeit zu entscheiden haben. ES bezieht sich jedoch nur auf redaktionelle Artikel, anderen Personen steht es frei, Boykottaufforderungen mit ihrer Namensunterschrift in„Social- demokraten" so gut wie in anderen Blättern zu veröffentlichen. solange nicht gegen jede einzelne solcher Personen ebenfalls ein Verbot erwirkt ist. � Die Arbeiterschaft hat also noch immer Ge- legenbeit genug, nicht allein durch die in Massen verbreiteten Flugblätter, sondern auch durch die Presse für den Boykott der be- streikten Straßenbahnen zu agitieren. Im übrigen hat die Ar- 'Th.GIocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Veclagsanjialt beiterfchaft In FreterikSberg auch ein«,„Fußfporkverekn" ge» gründet, dessen Mitglieder aus Gesundheits- und SparsamkeUS- rücksichten auf die Fahrgelegenheit mit den Streikbrecherwagen verzichten. Die Stratzenbahngesellschaft klagt außerdem noch auf 59 999 Kronen Schadenersatz gegen„Socialdemo- k r a t e n" und hat ferner ihre sämtlichen 155 Streikbrecher veranlaßt, Beleidigungs- und Schadenersatz- klagen gegen das Parteiorgan sowohl wie gegen mehrere Ge- werkschaften anzustrengen. Es schwebt also jetzt ein ganzer Ratten- könig von Prozessen gegen die organisierte Arbeiterschaft, die sich aber auch dadurch nicht abhalten lassen wird, den Boykott nach wie vor mit aller Strenge durchzuführen.— Die Stadtveiwrdneten- vcrsammlung von Frederiksberg hatte sich dieser Tage mit der von 19 999 Personen beschlossenen Protestresolution zu befassen, in der unter anderem verlangt wurde, daß die Stadt ihren Einfluß auf die Strahenbahngesellschaft zwecks Beendigung des Kampfes gel- tend mache, wozu ihr aus Grund des geltenden Vertrages das Recht zusteht. Als die Verhandlung über die Resolution beginnen sollte, bemerkte man, daß im Zuhörerraum ungefähr 19 Polizei- beamte in Zivilkleidung anwesend waren. Die sozial- demokratischen Stadtverordneten protestierten ganz energisch gegen eine derartige, noch nie dagewesene Polizeiüberwachung und Spioniererei, aber da die Konservativen in dieser Gemeindever- tretung die Mehrheit haben, blieben die Polizeileute, die der Stadt- verordnetenvorsteher selbst herbestellt hatte, auf ihren Plätzen, und der Protest hatte nur den einen Erfolg, daß die Zuhörer vor den Spionen gewarnt waren. Die Anträge unserer Genossen in der zur Tagesordnung stehenden Angelegenheit wurden natürlich von der konservativen Mehrheit ebenfalls abgelehnt. Uebrigens sind es wieder einmal in der Hauptsache deutsche Kapitalisten, in deren Interesse das dänische Unternehmertum diesen Kampf angezettelt hat und dänischen Arbeitern das KoalitionS- recht raubt. Als seinerzeit durch die Privatbank m Kopenhagen sowohl die Kopenhagener wie die FrederikSberger Straßenbahn- gesellschaft gegründet tvurde, gingen die meisten Aktien nach Deutschland und es waren die Firmen Siemens u. Halske sowie die Elektrizitätsgesellschaft„Union" in Berlin, die als Lieferanten der Gesellschaften große Kapitalien in die Unterneh- mungen steckten. Bei den Verhandlungen über die Verstadtlichung der Kopenhagener Straßenbahnen zeigte eS sich, daß von den rund 19 Millionen Kronen Aktienkapital nicht weniger als acht Millionen in deutschen Händen waren. Von den 4 Millionen Aktienkapital der Frederiksbcrger Straßenbahn aber sind 2� Millionen Aktien in deutschen Händen. Bei den Tarifverhcmdlungen mit den Ver- tretern der Straßenbahner sollen, wie.Svcialliemokraten" mit- teilt, die Firmen Siemens u. Halske und„Union" einen sehr schwerwiegenden Druck auf den Stratzenbahndirektor Hammerich ausgeübt haben und somit die Hauptschuldigen daran sein, daß«S zum Kampfe kommen mutzte. Diese Dinge werfen übrigen» wieder einmal ein scharfes Schlaglicht auf den Patriotismus der herrschen-) den Klassen, die dem dänischen Volke ungeheure Lasten auferlegen, um den Militarismus zu stärken und Festungen zu bauen, die sich in der Hauptsache gegen Deutschland richten, während sie auf der anderen Seite zum Wohle und auf Befehl deutscher Kapitalisten einen sozialen Krieg entfesseln, dessen Schärfe in gar keinem Ver- hältnis zu dem Objekt des Kampfes steht. Handelt eS sich doch im ganzen nur um rund 399 Angestellte. Obendrein ist eS das in der Dänischen Arbeitgebervereinigung organisierte Unternehmertum, das sich verpflichtet hat, die Stratzenbahngesellschaft auch finan- z i e l l zu unterstützen, also den deutschen Kapitalisten zum Teil die Verluste ersetzt, die der Streik mit sich bringt— ein um so merkwürdigeres Verhältnis, als ob Dänemark im Vergleich mit Deutschland«in recht kapitalarmes Land ist. Sozialismus iu amerikanischen Getverkschastea. In zwei bedeutenden Verbänden hat die moderne Arbeiter» bewegung bedeutende Erfolge erzielt. Bei den Zigarren» machern, zu denen G o m p« r» gehört, wurden als sechster und siebenter Vizepräsident zwei Sozialisten gewählt, von drei Delegaten zum GewerksckiafSverband sind zwei Sozialisten. Noch größer ist der Sieg bei den Maschinen« b a u e r n. Dort unterlag der erste Präsident nach l8jähriger Amtszeit mit 13 321 Stimnien gegen den Sozialisten Jobnston, der 15 399 Stimmen erhielt. Von vier Delegaten sind drei Sozialisten. Es geht vorwärts auf der ganzen Linie. Hetzte Nachrichten» Die LcbenSmittelnot in Belgiea. i Brüssel, 11. September.(B. H.) In bezug auf Pe Leben»- Mittelteuerung ist aus Belgien zu berichten, daß gestern wiederum die Bürgermeister des Industriezentrums und diejenigen aus der Gegend von Charleroi zu einer Be- s p r e ch u n g zusammengetreten sind. Die Bürgermeister haben wiederholt beschlossen, bei der Regierung vorstellig zu werden und sie zu veranlassen, die Grenze für lebendiges Sieh weit- möglichst zu öffnen. Außerdem sollen die Steuern für Fleisch und Futtermittel aufgehoben werden. Nötigenfalls sei das Parlament einzuberufen. Unter allen Umständen sei es notwendig, jiatz im Interesse der ärmeren Bevölkerung etwas getan wird. Die Metzger haben sich ebenfalls versammelt und mit großer Mehr- heit beschlossen, von heute ab ihre Läden zu schließen. Sie wollen versuchen, die Metzger von Brüssel unter allen Umständen zu veranlassen, sich mit diesem Beschluß solidarisch zu erklären. Schwere Sturmschäden. Riga, 11. September.(W. T. B.) Der zweitägige Sturm bat großen Schaden angerichtet. LängS der ganzen baltischen Küste sind unzählige Flöhe zerrissen und fortgeschwemmt worden. Sin Dampfer mit Passagieren ist gestandet. In Riga sind durch Hochwasser die niedrigen Teile der Hafen» stadt überschwemmt. In den Wäldern sind große Ver» Wüstungen angerichtet worden. Reval, 11. September.(W. T. B.) Nahe der Insel Dago ist ein schwedischer Dreimaster mit Bretterladung gekentert. Von dir Mannschaft sind nur drei Mann gerettet. La Forunna, 11. September.(B. H.) Auf der Höhe von Villa ta strandete ein unbekannter Dampfer infolge dichten Nebels. Zwei Personen sollen ertrunken sein. Ein neutr Ausbruch des Aetna. Catania, 11. September. Seit Sonntagnacht werden auf dem Aetna sehr häufig auftretende heftige Erdstöße verspürt. Tie seismographischen Apparate deS Observatoriums in Catania sind in fast Ununterbrochener sehr starker Bewegung. Ein weiteres Telegramm aus L i n g u a l o s s a meldet die Entstehung eines neuen AetnakraterS in der Näh« deS Monte Nero und des Monte R o s s o. Der Lichtschein ist weithin be» merkbar. Dicke Rauchsäulen steigen auf, die herabströmende Lava bedroht die Gcmcindcwaldungen von Lingualossa und Castiglione. Die Erdstöße dauern an, ebenso der Aschercge». Di« Strdßen von Catania sind mit Asche bedeckt._ Paul Singer t Co., Berlin SW. Hierzu�. Beilagen«.Unterhaltungebl. ».a awm. t Ktilqt tts.Fmilck" Kerl« Wslllllt.!!«**■"**"«>■ Sozialdcmokratiichcr Parteitag. Je»A, Pen 10. September.(Eig. Ber.) Borversammlung. Zum zweiten Male öffnet Jenas prächtiges Volkshaus ver Nee- tretung des klassenbewußten Proletariats Deutschlands seine gast- lichen Pforten. Ein reges und fröhliches Treiben herrscht schon seit den ersten Nachmittagsstunden in den Straßen der alten Musen- stadt. Jeder Zug bringt neue Scharen von Delegierten. Noch liegt Heller Sonnenschein auf den Straßen, als es bereits zum Volkshaus zu strömen beginnt. Ein herzliches Willkommen begrüßt von einer Ehrenpforte herab die Ehrengäste der Jenenser Arbeiterschaft: ..Durch Kampf zum Sieg" meldet stolz eine zweite Inschrift der Ehrenpforte. Eine Stunde vor Beginn der Vorversammlung sind die Tribünen des prächtigen Saales bereits gefüllt, und immer neue Scharen von Arbeitern und Arbeiterinnen drängen nach. Der Saal entspricht in seiner schlichten Vornehmheit der ein- fachen Größe, die dem Monumentalbau des Volkshauses seinen aus- zeichnenden Charakter verleiht. Durch farbige Fenster flutet ein mild abgetöntes Licht herein. Die gewölbte Decke verstärkt den har- nionischen Eindruck. Im Hintergrunde der geräumigen, mit ge- schmackvoller Eleganz geschmückten Rednertribüne steht die Statue der Freiheitsgöttin, ihr zu Seiten die Büsten unserer verstorbenen Führer Liebknecht und Singer, der vor nunmehr 6 Jahren an eben dieser Stelle die Verhandlungen leitete. Vom Vordergrund der Rednertribüne schauen Lassalle und Marx aus das Gewimmel im Saale herab. Gegenüber der Rednertribüne hangt ein symbolisches Bild, den Sieg der Freiheit verherrlichend. Es trägt als Inschrift das alte Motto der bürgerlichen Revolution Fra�reichS, die stolzen Worte:.Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", die heute das kämp- sende Proletariat mit neuem Inhalt gefüllt hat. Und immer voller wird der Saal. Die Begrüßungen, daß Händeschütteln nimmt kein Ende. Alt bewährte Kämpen feiern ihr Wiedersehen; neue jugendliche Kräfte werden begrüßt. Vertreter der ausländischen Bruderparteien nehmen an Ehrentischen Platz. Plötzlich ertönt ein Händeklatschen am Eingang des Saales. Blitz- schnell pflanzt es sich fort. Der ganze Saal ruft Beifall und von den Tribünen hallt er wider. Bebel ist erschienen, und in der Ovation, die es ihm bereitet, ehrt das Proletariat das gewaltige Stück Partei- geschichte. das sich in der ehrwürdigen Gestalt verkörpert. Tie Bruderparteien des Auslandes haben schon zum Eröff- nungsabend ihre Vertreter entsendet: die Parteileitung der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich vertritt Abg. Gen. Schäfer, die deutschen sozialdemokratische» Reichsratsabgeordneten Genosse Glöckel, die nicderösterreichische Landesparteivertretung Genosse G r a s s i n g e r- Wien; die tschecho-slavische Sozialdemokratie'st durch Genossen Dr. S o u k u p- Prag, die tschechische Sozialdemo- kratie� durch Genossen Stein- Wien vertreten. Die geeinigte französische Partei hat den Genossen Bracke» Paris, die Sozial- demokratische Föderation Englands den Genossen O u e l ch. die bel- gische Bruderpartei den Genossen van der S m i s s e n, die russische Sozialdemokratie den alten Genossen A r e l r o d- Zürich entsendet. Für die Sozialdemokratie Hollands ist Genosse A n k e r s m i t> für die Bruderparteicn Serbiens und BoSnien-HerzegowinaS Genosse T o p a l o w i t S anwesend. Die Parteileitungen Norwegens und Dänemarks haben brieflich die Nichtentsendung eines Vertreters entschuldigt und dem Parteitag die besten Wünsche übermittelt. Punkt 7 Uhr abends betreten die Genossen des Arbeitergesang- dereinS Jena die Bühne, um mit dem herrlichen Volkschor aus dem Schlußakt von Richard WagnerS„Meistersingern von Nürnberg". mit dem Morgcnruf.Wach auf. eS nahet gen den Tag", die schönste Eröffnung, die sich der Parteitag wünschen kann, zu geben. Ms der rauschende Beifall, den die vortreffliche Wiedergabe des CborS ge- fanden, verklungen ist, ergreift das Wort als Sprecher der Jenenser Parteiorganisation: Genosse ReichStagSabgeordneter Leber: Parteigenossinnen und Genossen! Ich heiße Sie im Namen der Jenaer Parteigenossenschaft, der Arbeiterschaft Jenas überhaupt, im Namen der thüringischen Sozialdemokraten aufs herzlichste will- kommen. Zum zweiten Male darf ich Sie in diesem, von Ernst Abbe erbauten, Volkshaus begrüßen. Ich bin in den letzten Tagen und heute wiederholt gefragt worden, wie es möglich ist, daß wir diesen Raum ungehindert benutzen können, trotzdem der Erbauer dieses Hauses heute nicht mehr lebt.(Bewegung�! Ich kann darauf nur antworten mit einigen Sätzen aus einer Rede, die an dieser Stelle der Prosessor E z a p S k i gehalten hat. Er war ein guter Freund Abbes und einer seiner besten Mitarbeiter. AIS dieses Haus 1301 der Oeffentlichkcit übergeben wurde, führte er aus:.Will- kommen sein soll unS jeder, jede Vereinigung, jede Person, die von diesem Raum Gebrauch machen wollen, nur, um in irgendwelcher Weise, auf irgendwelchem Gebiet in einem großen Kreise zu wirken; willkommen jede politische Richtung, die hier für ihre Ideen An- bänger werben will. Ihnen mit in erster Linie sollen diese luftigen Hallen eine Freistatt sein, die jedem Unterkunft bietet, der sich inner- halb des gesetzlich und sittlich Zulässigen bewegt. Die Ueberzeugung, daß im Kampfe der Geister nur geistige Waffen erlaubt'sind, daß die Anwendung jedes anderen Machtmittels nur Erbitterung er- zeugen und moralische Vergiftung hervorrufen kann, diese Ueber- zcugung soll in diesem Räume unzweideutig begründet und betätigt werden."(Bewegung.) Als diese Worte an die Oeffentlichkeit drangen, sagten wir unS: .Nun wollen auch wir einmal die Vertreter der deutschen Sozial- demokratie in Jena begrüßen," und dank der Unterstützung des Ge- nossen Bebel auf dem Parteitage in Bremen dursten wir das auch ausführen. Dieses Mal brauchten wir nicht darum zu ersuchen. Der Parteitag machte unS eines schönen Tages die Mitteilung, daß der diesjährige Parteitag hier abgehalten werden soll, und dem stimmten wir freudig zu.(Bravo!) Gestatten Sie mir, meinen Begrüßungsworten noch einiges hinzuzufügen, nämlich, daß Jena nicht stehen geblieben ist. sondern daß ebenso, wie die Bevölkerung sich hier kolossal entwickelt hat, sich auch die Jenaer Arbeiterbewegung entwickelte. (Lebhaftes Bravo!) 1906 konnte ich Ihnen mit Begeisterung mit- teilen, daß wir schoy eine politische Organisation mit über 600 Mit- gliedern hatten. Das war auch damals eine Zahl, deren wir uns nicht zu schämen brauchten. Heute können wir mit ganz anderen Zahlen aufwarten. Unsere politische Organisation ist von 600 auf 2000 gestiegen.(Beifall.) Wir haben allen Arbeitern, die als Industriearbeiter zugezogen sind, begreiflich ge- macht, daß sie sich ohne weiteres uns anschließen müssen. Die ge- werkschaftliche Organisation zählte damals 1700 Mitglieder, heute -Shlt sie weit über 6000.(Beifall.) Und diese Organisationen haben Einrichtungen geschaffen, die dafür sorgen, daß sie ständig weiter wachsen Wir haben mit Hilfe der Leipziger und Geraer Genossen am t Oktober 1906 die.Weimarische Volkszeitung" inS Leben ge- rufen Der Kampf war kein leichter. Im Jahre 1907. am 2S. Ja- nuar'bei den Rcichstagswahlen haben wir eine Stimmcnzahl von 2734 erreicht und heute hat die.Weimarische Volkszeitung" über 3000 Abonnenten.(Beifall.).. Im Jahre 1905 waren wir tm Gemeinderat noch nicht ber- treten Vor 5 Jahren ist es uns möglich gewesen, den ersten Sozial- »>-makratcn in die Jenaer Stadtverordnetenversammlung zu brinaen Heute sind wir 9 Mitglieder unter 30.(Lebhafter Beifall.) Unsere Gegner haben sich koaliert, aber wir haben sie trotzdem besiegt.(Bravo!) Aehnlich ging es bei den Wahlen zum Landtage. Im Jahre 1909 haben wir die alte Universitätsstadt Jena erobert. Das war den Spießbürgern sehr unangenehm, hauptsächlich, weil auf der Gegenseite der Sammelkandidat, der bekannte liberale Verlags- buchhändler Fischer, aufgestellt war. Und diesen Wahlkreis haben wir nicht nur erobert, sondern wir haben ihn für immer, das kann ich Ihnen versprechen.(Lebhafter Beifall.) Von unseren 15 thüringischen Wahlkreisen werden wir jeden- falls beim ersten Ansturm die große Hälfte erobern. Und oann bei den Stichwahlen(Heiterkeit)— da haben ja allerdings nicht wir zu entscheiden, aber da werden die Liberalen Farbe be- kennen müssen. Es ist Heiterkeit bei Ihnen entstanden, aber wie liegen denn die Dinge? Nun, wir werden ja beim dritten Punkt der Tagesordnung darauf zu sprechen kommen. Aber, daß das ein- trifft, was ich gesagt habe, dafür werden unsere thüringischen Par- teigenossen schon sorgen.(Lebhaftes Bravo!) Nun noch einige Worte zur Tagesordnung. 1905 hatten wir eine außerordentlich wichtige Tagesordnung, anderthalb Tage ver- wendeten wir auf die Maifeier, dann legten wir den Grundstein zu unserer jetzigen Organisation und beschäftigten uns außerdem anderthalb Tage mit dem politischen Massenstreik. Sie wissen, er hat auch Opfer damals bei uns in Jena gefordert, die Genossin Luxemburg hat sich drei Monate Gefängnis geholt, und es war nicht möglich, sie davon zu befreien. Obwohl sie die Strafe ab- gebüßt hat, gebessert hat sie sich nicht!(Heiterkeit.) Es wird nun allgemein behauptet, die Tagesordnung sei dies- mal nicht so bedeutend, aber ich glaube, wir werden alle Punkte, die auf der Tagesordnung stehen, so erledigen, daß die deutsche Arbeiterschaft und auch die außerdeutsche mit unserer Arbeit zu- frieden sein wird. Wir werden die Marschroute angeben, und dann werden die Arbeiter mit fliegenden Fahnen als eine siegreiche Phalanx in die herrliche Zukunft marschieren.(Lebhafter Beifall.) DaS Wort ergreift hierauf Bebel(mit lebhaftem Beifall und Hochrufen begrüßt): Verehrte Versammlung! Es ist das erste Mal in der neuen Geschichte der Partei, daß wir an ein und demselben Orte zweimal den Parteitag abhalten. Der vorige Parteitag hat dem Parteivor- stand die Vollmacht erteilt, über die Wahl des Ortes zu entscheiden. Da haben wir uns gesagt: Besser und angenehmer als in Jena kann es nirgends sein.(Sehr richtig!) Es hat uns vor 6 Jahren in diesen prachtvollen Lokalitäten sehr gefallen, und alle waren einig, daß wir niemals einen schöneren Saal gehabt haben.(Sehr richtig!) Ueber den Mann, dem die Jenenser und insbesondere die Jenenser Arbeiter es zu danken haben, daß dieses Haus gebaut wurde, haben wir unS auch schon vor 6 Jahren geäußert. Ich selbst konnte mit Genugtuung darauf hinweisen, daß Abbe mir sehr nahe gestanden, und ich glaube wohl sagen zu können: einen menschen- freundlicheren, wohlwollenderen und auf der anderen Seite gcschei- teren Menschen habe ich niemals kennen gelernt.(Zustimmung.) Der Mann hat Großes geschaffen, er hat die sehr bedeutenden Mittel seines Geschäftes, die sonst unter Aktionäre und Teilhaber verteilt werden, selbstverständlich unter Zustimmung aller Beteilig- ten, dazu verwendet, ungemein Großes und Schönes zu schaffen. Er hat nach jeder Richtung hin gezeigt, daß er ein ganzer Mann war, und sein Grundsatz war: will man ein echter Demokrat sein, dann muß man soziales Empfinden haben und überall mit der Tat vorangehen.(Lebhaftes Bravo!) Wir haben in der Eröffnungssitzung vor 6 Jahren Fragen er- örtert, die durch ein eigenartiges Zusammentreffen teilweise auch heute wieder im Vordergrunde des Interesses stehen. In erster Linie war cS die M a r o k k o f r a g e. Im Jahre 1905 hatte be- kanntlich der deutsche Kaiser seine Reise nach Tanger unternommen und dort eine Rede gehalten, in der er für den Sultan von Marokko, den damaligen, eintrat. Kaiserliche Reden sind schon oft Gegenstand von Erörterung gewesen, und wir haben es erlebt, daß das, was damals vom Kaiser in Aussicht gestellt wurde, sich im Laufe der nächsten Jahre in leere Luft aufgelöst hat. Das Jahr 1906 brachte die Alaeciras-Akte. Aher die Vereinbarungen, die Deutschland und Frankreich 1909 bezüglich Marokkos getroffen haben, stehen in sehr wesentlichen Punkten mit der Algeciras-?lktc in Widerspruch.(Sehr richtig!) Aher keiner der Beteiligten störte sich daran. Die Marokko-Wirren sind weiter gegangen und haben zu verschiedenen Zeiten Europa in Aufregung versetzt. Am heftig- sten«n diesem Sommer, als das deutsche Schiff .Panther" in Agadir landete.(Sehr wahr!) Es ist selbstverständlich, daß eine solche Frage auch von den Vertretern der deutschen Arbeiterklasse behandelt werden muß und daß der Partei- tag oazu Stellung nimmt.(Lebhafte Zustimmung.) Eine andere Frage, die ich damals im Namen des Parteivor- standes erörterte, betraf die russische Revolution. Leider hat nun mein Pessimismus von damals Recht behalten. Es ist zwar nicht richtig, wenn behauptet wird, die russische Revolution sei spurlos und ohne Erfolg verschwunden. Kein Zweifel, so traurig und entsetzlich die Zustände in Rußland heute sein mögen, daS Land ist ein anderes als vor 1905. Wir sehen in Rußland eine Volksvertretung und in derselben sogar eine Reihe von Ar- beitervertretern, von Sozialdemokraten. Allerdings, das Zaren- tum bietet alles auf, um die revolutionären Elemente niedcrzu- halten. Mit der ganzen Barbarei, der ganzen Grausamkeit und Roheit, deren es von jeher fähig war, kämpft es gegen die Angehörigen politisch verdächtiger Parteien. Tausende, Zchntausende sind aufs Schaffot geschleppt worden, Hunderttausende in Verbannung und Gefängnis gesandt. Aber trotzdem wird die revolutionäre Bewegung in Rußland Fortschritte machen, sie bekommt viel- leicht Hilfe von einer Seite, an die heute noch kein Mensch denkt oder richtiger gesagt, kein Mensch zu denken wagt.(Sehr gut!) Wir haben auf diesem Parteitage eine Reihe wichtiger Fragen zu beantworten. Die Tagesordnung sieht an Bedeutung nicht hinter der von 1905 zurück(Sehr wahr!) Mit dem Verlauf, den die M a r o k k o k r i s i s, speziell durch das Eingreifen Eng- lands, genommen hat, hat die ganze europäische Situation ein ganz anderes Gesicht bekommen. Mit einem Schlage ist eine ganze Reihe von Gedanken und Bestrebungen, die noch vor einigen Monaten auch uns als Partei im Reichstage beschäftigten, sozu- sagen weggeblasen worden. Die Frage der Abrüstung und was damit zusammenhängt, wird uns künftig nicht mehr trennen. Die ist beseitigt. Nicht Abrüstung heißt künftig in Europa die Losung, sondern Aufrüstung zu Wasser und zu Lande, und wir gehen einem Zustand entgegech. der meiner Ueberzeugung nach nur noch mit einer großen Katastrophe enden kann und muß.(Bewegung.) Die Antwort auf die Vorgänge in England war dann die Kaiserrede in Hamburg, in der er sagte, er glaube, die Hamburger seien einig darin, daß die deutschen Secrüstungen weitergeführt werden müßten. Die Hamburger Bourgeoisie war die allerletzte in Deutschland, die für die große Flottenvor- läge begeistert ist.(Sehr richtig!) Wer die Stimmung in den neunziger Jahren und zu Ansang dieses Jahrhunderts in Hamburg studiert hat, der hat dort nichts von Begeisterung gemerkt, weil sich dort die Exporteure und Bankiers sagen, wenn es zum Treffen kommt, haben wir die ersten Kosten zu tragen.(Sehr wahr!) Daß wir eine neue Flolkenssorlage hekommey, steh! für mich unzweifelhaft fest. Parteigenossen, erinnert Euch, daß ich im Frühjahr 1899, nachdem im Herbst des Vorjahres die erste große Flottenvorlage angenommen war, im Reichstage den Staats- sekretär von Tirpitz aufforderte zu � antworten, ob es wahr sei, daß eine neue große Flottenvorlage in Aussicht steht. Tirpitz schwieg, und schwieg auch auf erneute Interpellation. Endlich wurde er in der Budgetkommission vom Zentrum zur Rede ge- stellt und da erklärte er, daß er gar nicht daran denke.— Und sieben Monate später war sie da!(Bewegung und Zu- stimmung.) Und als bei den letzten allgemeinen Wahlen es für jedetf, der denken kann, sicher war, daß dem neuen Hottentotten-Reichstag gewaltige Steuervorlagen vorgelegt werden würden, da hatte die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" drei Tage vor der Wahl, als ihr niemand mehr antworten konnte, die Stirn zu er- klären, die verbündeten Regierungen dächten gar nicht an eine Steuervorlage.(Heiterkeit und sehr richtig!) Die offiziösen Blätter können leicht etwas ableugnen, dafür geben sie aber auch gerade über die wichtigsten Angelegenheiten keine Auf- klärung.(Sehr gut!) Auch jetzt wird man wieder ableugnen, trotz aller Flottenagitation. Und doch, so sicher wie zwei mal zwei vier ist, kommt die Vorlage. Zugleich aber auch kommen wieder neue Steuervorlagen.(Sehr wahr!) Denn trotz der 450 Millionen neuer Steuern reichen die Mittel wieder nicht, um die nächsten Mehrkosten zu decken. In dieser Situation nun haben wir die ungeheure Preis- steigerung(sehr richtig!) und wahrscheinlich werden weite Kreise unserer ärmeren Bevölkerung im nächsten Winter eine Art Hungersnot mitmachen müssen.(Hört! hört!) Die Preis- steigerung wird immer mehr und mehr wachsen. Schon heute sind viele Millionen Deutscher nicht mehr imstande, sich ausreichend zu ernähren.(Zustimmung.) Und wenn nun die neue Frage gestellt wird, wo sollen die neuen Steuern hergenommen werden, dann wird allerdings die Partei— und dafür haben Sie bei den Reichstagswahlen zu sorgen— energisch zu erklären haben: Nun mögen einmal die Reichen in den Beutel greifen, deren Reich das Reich ist.(Stürmische Zustimmung.) Die Teuerung verschwindet auch nicht mehr. Die Preise gehen leicht in die Höhe, aber sehr schwer wieder herunter. Die Verkäufer und Produzenten werden jeden Widerstand gegen eine Verbilligung leisten und dann trifft für das Deutsche Reich die sehr ernste Frage der Lebensmittelpreise in den Vordergrund. Wir müssen die Oeffnung der Grenzen, die Herabsetzung der Zölle, die Einfuhr fremden Fleisches und Viehes, die Aufhebung der Einfuhrscheine, die Beseitigung der Futtermittel zölle behandeln. In dem Augenblick aber, wo es uns, unterstützt von der ungeheuren Masse des Volkes, gelingt, eine oder die andere dieser Forderungen durchzusetzen, hat das Reich ein erhöhtes Defizit, weil da? Reich doch auf den indirekten Steuern und Lebensmitielzöllen aufgebaut ist.(Lebhaftes sehr richtig!) Und dann mutz das Reich an die- jenigen Klassen heran, welche Steuern noch aufbringen können. Ist aber einmal die Bourgeoisie zur direkten Be- steuerung herangezogen, ja dann schweigen alle Flöten, dann hört der Patriotismus auf.(Heiterkeit.) Als Miguel 1890 sein ncncL Steuerprogramm mit der Einkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer vorlegte, da seufzte sofort die „Kölnische Zeitung", daß es einmal Zeit werde, die monarchischen Ueberzcugungen zu revidieren.(Hört! hört! und Heiterkeit!) Soweit ging man, genau wie man auch jetzt in der Opposition gegen die kaiserliche Politik zum alleräußersten bereit ist. Ich meine, wir haben ein ganzes Maß von Ausgaben, das er- erledigt werden muß, und zwar unter allen Umständen erledigt werden muß. Auch an Zeichen der Zeit für die Situation fehlt es nicht. Es ist doch charakteristisch, daß die eng- tischen Arbeiter, die so lange scheinbar sich gefügt und geduckt hatten und von den Streiks kaum noch etwas wissen wollten, in diesem Sommer die große Arbeitseinstellung machten, die ganz England bis in die tief st en Tiefen aufgerührt hat. Das sind Zeichen der Zeit, die zeigen, wohin der Wind weht, und daß Aehnlich es in anderen Staaten auch vor» kommen kann, wenn das Seil zu straff gespannt wird. Nun droht man ja mit Ausnahme maßregeln, mit der Ver- schärfung des Strafgesetzes— auch ein Punkt, über den wir noch zu reden haben werden. Na, wir haben ja in den 45 bis 50 Jahren, in denen die Sozialdemokratie existiert, schon manches auSgchaltcn, und in letzter Instanz hat es uns immer genutzt. Die ein- zclnen sind geschädigt worden, viele sind zugrunde gerichtet und viele sind frühzeitig ins Grab gesunken, aber die Bewegung ist immer vorwärts gegangen, die hat keine Macht der Welt auf- halten können, mochte man was immer für Mittel anwenden. Und so wird es auch jetzt kommen.(Sehr richtig!) Nun noch ein Wort zu dem, lvas der Vorredner gesagt hat. Er meinte, in den letzten Wochen sei eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar geworden. Jawohl, Parteigenossen, ein Teil von Euch ist mit seiner Regierung unzufrieden und findet, daß sie nicht richtig das gemacht hat, was sie soll, und meint, daß man da ein Feuer hinterher machen und sie vorwärts fck'ieben muß. Na, wir vom Parteivorstand haben ja auch alles gesehen und sind sehr ge- spannt darauf, was herauskommen wird. Wir werden uns auch unserer Haut wehren, darüber besteht kein Zweifel. Aber gern wollen wir zugeben, daß es ein gutes Zeichen von Lebens. kraft i st, w e n n m a n sich rührt, und nicht mit allem so ein- verstanden ist. Das geht nicht, daß man die Dinge immer so gehen läßt. Es kommt ja auch vor, daß eine Regierung manchmal zu bequem wird, das geschieht nickt bloß bei der Sozialdemokratie (Heiterkeit), anderwärts wohl noch häufiger. Im großen und ganzen waren Sie ja immer mit uns zufrieden, Sie haben uns ja immer wiedergewählt. Aber lassen wir es auf die Probe ankommen, kritisiert, macht V c r b e s se r u n g s v o r s ch l ä g e— wenn es wirklick Verbesserungen sind, werden wir sie gern annahmen. Das wäre eine schlechte Parteileitung, die meinte, man müsse immer nur am alten festhalten. Deswegen sind wir ja eine demokratische Partei, damit wir uns aussprechen und damit dann die Mehrheit entsckeide, und wenn entschieden ist, haben wir so wie w>r früher zusammen gearbeitet haben, zu- sammen weiter zu arbeiten. Denn großen Kämpfe,« gehen tvir entgegen, darüber wollen wir uns nicht täuschen. Dem Leber möchte ich sagen,„Nur nicht zu o p t i m i st i s ch".(Heiterkeit.) Das ist ein taktischer Fehler, schon mancker General hat geglaubt, den Sieg schon in der Tasche zu haben, und durch seine Vertrauens- seligkcit hat er ganz gehörige Ohrfeigen bekommen. Also tü ch t i g' g ea r b e i t e t, dann zusammenge- schlössen, auf zum Kampf, auf zum Sieg!(Brau- sonder anhaltender Beifall.) Bebel betritt nochmals die Tribüne und erklärt: Ich glaubte schon, mit meiner schönen Rede sei alles erledigt.(Heiterkeit.) Wir müssen uns aber noch konstituieren, nachdem der Parteitag eröffnet ist. Auf Vorschlag von G r o g e r- Rixdorf werden die Genossen D i e tz und Leber zu Vo r s, tz e n d e n. auf Vorschlag von Li pinski-Leipzig zu Schriftführern gewählt: Schmitt. München, B i t t o r f- Berlin, S ch i e b e l- Leipzig, S t u b b e- Hamburg, Sydow-Brandenburg, B i s ch o f f-Altona, Docrnke- Aailno�er, F e l d m a n n- Langenbielau und Linchen Bau m a n n- Hauibnr�. Vorsitzender Dietz: Ich kann nicht umhin, von dieser Stelle noch unseres Singer zu gedenken.(Der Parteitag er- hebt sich von den Plätzen.) Unsere Trauer wird heute um so tiefer sein, da wir ihn nicht mehr an dem allgewohnten Platze finden, von wo er die Geschäfte des Parteitages meisterhaft leitete. Von allen Parteitagen, seit dein Falle des Sozialistengesetzes sind nur zwei, deren Vorsitz er wegen Krankheit nicht führen konnte, aus- zunehmen. Er war ein Präsident, der stets init ganzem Herzen bei der Sache war, aber auch während seiner Krankheit hat er stets Kritik und Anerkennung an den Verhandlungen geübt. Wir danken ihm übers Grab hinaus noch für alles, waS er in selbstloser, hingebender Weis« für die Partei geleistet hat. Unser Genosse G e r i s ch ist endlich nach schwerer Krank- heit wieder imstande, in den nächsten Tagen sein Amt im Partei- Vorstande wieder auszuüben.(Beifall.) Die Mandatsprüfungskommission wird auf Vor- schlag des Genossen Laufenberg folge, idermassen zusammengesetzt: K n i e r i e m- München, L a n d s b e r g- Magdeburg, Schräder- Hannover, P o s l e r- Kiek, Kinkel- Göttinacn, B ü h l e r- Niedcrbarnim, Ludwig- Hagen, F,:m M a t s ch k e- Berlin und Paul H o f fm a n n- Hamburg; die Beschwerde- k o m in i s s i o n auf Vorschlag des Genossen Schmitt- München folgendermahen: N a u ch- HildeSheim, Hof mann- Elberfeld, N i m in e r fa l l- München, G r o g e r- Rixdorf, Schaumburg- Hamburg, R y s s e l- Leipzig, Bartels- Altona, Frau Blase- Mannheim, H u s e m a n n- Bochum. Der Parteitag nimmt die Geschäftsordnung debatteloS an. Zur Tagesordnung liegt der Antrag Z e i tz- Weißenfels vor, Bebels Referat über die Neichstagswahlen an den parlamentarischen Bericht anzuschließen. Der Parteitag überläßt dies dem Bureau. Zu den Anträgen von Breslau, Teltow-Beeslow, Stuttgart und Bremen ergreift das Wort: Bebel: ES ist unmöglich, hier zu verlangen, daß über die gesamte auswärtige Politik Deutschlands auf dein Parteitag referiert werde.(Zustimmung.) Das ist ein zu schweres Stück Arbeit. Schon vor Wochen hat der Parteivorstand bei verschiedenen Genossen angefragt, ob sie ein Referat über die Marokkofrage und was damit zusammenhängt zu halten bereit sind. Es war aber niemand dazu bereit. Da habe ich mich bereit erklärt, bei meinem Referat auch die Marokkofrage mit zu be- handeln. Wenn aber hier jemand ist, der ein"Referat über die Marokkofraae übernehmen will, dann verzichte ich mit Vergnügen darauf, selbst darüber zu sprechen. Wenn nicht, dann niuß ich wohl oder übel in meinem llieferat die Frage behandeln.(Beifall.) Darauf werden diese Anträge zurückgezogen. Die Anträge 2 Schwarzburg-Sondershausen, die Wahlrechts- frage auf die Tagesordnung zu setzen, ferner 5 Berlin IV, auf die Tagesordnung zu setzen:„Der preußische Wahlrechtskampf", und 8 Bremen, Jugendbewegung auf die Tagesordnung zu setzen, werden nicht genügend unterstützt. Antrag 9 Essen, betreffend Beratung der Jmpffrage, wird mit dem Bemerken zurückge- zogen, die Jmpffrage auf dem nächsten Parteitag bebandeln zu lassen. Vorsitzender Dich: ES bleibt also bei der vorgeschlagenen Tagesordnung. Die Sitzungen werden von 9 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 1 Uhr nachmittags danern. Eduard Bernstein begründet folgenden bereits genügend unter- stützten Antrag: Das Bureau wird beauftragt, an dem Denkmal E r n st Abbes als Zeichen der ehrenden Anerkennung für den hochherzigen Stifter des VolkShauscs Blumen niederlegen zu lassen. Der Redner führt auS: Nach den Worten Bebels und LeberS über Abbe bedarf es keiner weiteren Begründung. Draußen vor diesem herrlichen Gebäude, das Ernst Abbe allen Parteien er- richtet hat, steht das Denkmal, das ihm die Stadt gesetzt hat. Das allerwenigste, waS wir tun können, ist, in Anerkennung seiner Hoch- Herzigkeit und als Ausdruck der uns beseelenden Empfindungen des Denkmal mit Blumen zu schmücken. Dieser Antrag wird angenommen. Damit ist die Tages- ordnung erschöpft. o Schluß VA Uhr. An diese Sitzung schließt sich ein Kommers mit reichhaltigem musikalischem Programm an, der noch lange die Delegierten mit den Jenenser Parteigenossen in fröhlicher Stimmung vereinte. kleines feuilleton. Direktor Reinhardts Münchener volksfestspiele. Welch ein überaus glücklicher Gedanke es war, gerade die Orcstie die Aeschy- los als deutsches Volkssestspiel aufzufiihren, beweist folgender Brief, der durch Zufall in unsere Hände gelangt ist: Lib- Kathi! Indem daß es mir heute nicht möklich ist, meine Gefiile in deine Arme zu legen, will ich Dir zum wenigsten etwas schriftliches schreiben, wie es in die Orestie war. Die Orestie ist nämlich eine MordSgandi und sind die alten Griechen solchcne Ur- Viecher, wo der Sepp mein Freunt garnix dagegen iS. Und besonders die Klimpicrnesr»(Kltitemnestra) is eine alte Bisgnrn, wo ich Dir nicht als Herrschaft wünsche. Also im Anfang, da komnft der Chor, wo überhaupts man kein Wort versteht, weil sie alle auf ein- mal reden und nennt man dieses Regisseur. Und der Akamempton (Agamemnon) kommt hereingefahren mit halbnackete Begleiter und macht seine Sprüche und Niemand weiß, was er eigentlich will. Und er gehl auf die Tepiche, wo grad aus der Reinigung kommen, ins Haus. Und drin rauft er mit seiner alten Bisgurn(Xantippe), was man aber- leiter nicht sieht, und sie macht ihn tot. Ich war froh, wie er tot war, der Bazi, weil er solchene geschwollenen Spruch ge- macht hat. Und dann is hell geworden und die Leut ham gesagt, das war dem Reinhard sein erster Teil. Nachher Ivars so dunkel, daß ich nix gesehn Hab und nennt man dieses BeleuchtungSesfekt. Und der Orestie, wo bisher in Urlaub war, is heimgekommen. Und jetz hat die Gaudi erst richtig angfangt. Denn er hat ein Holzbcil gnommen und is hinter der Klimpterncsra her, und Alles hat ge- dacht: verwischt ers oder derwtscht ers net? Im ganzen Zirkus sein sie nmeinand gesprungen und war ein Kinematogras ein Schmarn dagegen. Er hats aber verwischt, das Luader. Und dann is wieder hell geworden. Und ich mutz schon sagen, es war eine rechte Gaudi, wie er hinter ihr her war. Auf einmal sind von allen Seiten solchene Weibsbilder gekommen und um den Orestie herum. Di« ganze Arena voll. Und ich glaub', die baben ihn heiraten ge- Ivollt, weil sie so gcquiegst haben wie du neulich, du weiht doch noch. Und nachher sind wieder solchene Sprüch gekommen und ich bin ein- geschlafen und auch die anderen Zuschauer und dieses nennt man Masienwirknng. Den Schnrschi, wo auch einer von die griechischen Greise war, bab ich nicht entdeckt. Und bin ich ftoh, daß ich jetzt eine Bildung habe. Heb mir die Kalbshaxen wo du hast, gut auf für mich und sei auch sonst umarmt von deinem gedreuen ckaverl. Karlchen(Jugend). Theater. Kammerspiele:„Lanväl". Drama von Eduard Stucke».„Lanv&l" trägt das Gepräge derselben dichterische» Oualitäten und Mängel wie ,Gaiv&ii" und.Lanzelot", �die beiden schon früher anfgesührlen Ritlerdrainen StuckenS. Die Sprache mit ihren ivie im Fluge vornbereilendcn kurzen Reimzeilen hat schmieg- samen Wohllaut; einzelne Szenen frappieren durch farbige Bildlich- ieit; aber das Ganze hinterläßt ain Ende doch nur den Eindruck phautaftisch spielender Willkür, die ein iniierlicheö Mitgehen und Miterleben, wie etwa bei Sch»tidtbo»»S gleichfalls �mittelalterlich kostümiertem„Graf von Gleichen" unmöglich macht. Stucken findet in den Ritieriagen von König ArtnS Tafelrunde Züge, die ihm menschlich bedeutsain, als iymbolischer Ausdruck sich immer wieder- holender seelischer Konflikte erscheinen; doch daS Streben, dies Menschliche herauszuholen, bleibt überall im Ansatz stecken. Er schleppt das Drum und Tran, das Gleichgültige, bloß Fabulierte, jeder psychologischen und gedanklichen Motivierung Bare der alten Erzählungen ver britische LetverilichsktzkongrelZ. London, 8. September 1911. 4. Tag. Die Liberalen, die nach dem Fiasko der Resolution über die Verwendung des Militärs bei Streiks erleichtert aufatmeten und sich gratulierten, daß sie noch mit einem blauen Auge davongekom- mcn, haben sich etwas zu früh gefreut. O'Grady hat in seinen Be- mühungen, das Verhalten der Regierung bei den letzten Streiks einer eingehenden Kritik zu unterziehen, nicht abgelassen und wird in der Freitagssitzung die geharnischte Rede, die er letzten Dienstag halten wollte, anbringen können. Das Geschäftskomitee hat eine Resolution entworfen, in der die Transportarbeiter und die Arbei- tcrinnen zu ihren Siegen beglückwünscht werden. O'Grady soll sie begründen und das Parlamentsmitglied Roberts, der Einpeitscher der Arbeiterpartei, von dem sonderbare Enthüllungen über die von der Regierung während des Streiks getroffeneit Maßregeln zu erwarten sind, wird sie unterstützen. Gilmour(schottische Bcrgarbei- ter), der Vorsitzende des Eeschäftsausschusses, gab ferner bekannt, daß er Freitag im Namen des Komitees eine Resolution gegen die Schiedsgertchtsvorlage des Arbeiterparteilcrs Crooks begründen werde. Auf eine Anfrage über den Inhalt der Resolution erklärte er:„Wir protestieren gegen die Handlungsweise des Herrn Crooks, im Parlament eine Vorlage ohne die Einwilligung der Gewerk- schaften des Landes oder der Arbeiterpartei einzubringen." Die wichtigsten Resolutionen, die zur Verhandlung kamen, be- trafen die staatlichen Arbeitsnachweise und die VersicherungSvor- läge des Schatzkanzlers. Die Resolution über die Arbeitsnachweise verurteilte die Güiistlingswirtschaft der Regierung bei der Besetzung der Beamtenposten und die Organisation der Arbeitsnachweise im allgemeinen und forderte das Parlamentarische Komitee auf, von der Regierung eine sofortige Untersuchung über folgende Fragen zu veranstalten: Methode der Ernennung: die bezahlten Gehälter; Ileberstunden und deren Bezahlung; Abfertigung der Klagen über Beamte; die einschränkenden Bestimmungen, die den Angestellten ihre vollen bürgerlichen Rechte nehmen. Die Untersuchungskom- Mission soll auch einen Plan über die Reorganisation der Arbeits- nachlveise ausarbeiten, in dem den Gewerkschaften die nötige Vcr- trctling in den beigeordneten beratenden Körperschaften zugesprochen wird. Ray kor lLondoner Buchdrucker) forderte, daß die staatlichen Arbeitsnachweise nicht zur Beschaffung von Streikbrechern verwendet werden sollten. Dies sei aber geschehen. Zwar verlange das Gesetz vom Superintendenten eines Arbeitsnachweises, daß er die Arbeitsuchenden auf die gerade stattfindenden Streiks aufmerksam mache, aber diese Bestimmung werde umgangen. Finde ein Streik statt, so brauche ein Arbeitgeber nur zum nächsten Arbeitsnachweis zu schicken, um so viel Arbeiter zu erhalten, wie er wültsche. Das Parlamentsmitglied C l y n e s wies darauf hin, daß es nichts nütze, die Arbeitsnachioeise allgemein zu verdammen, es müßten die Ein- zelfälle geprüft werden. Die Arbeiterpartei habe alle Gewerkschas- ten in"einem Zirkular aufgefordert, diese Einzelfälle zu ihrer Kenntnis zu bringen, damit die Partei handeln könne. Dies hätten die Gewerkschaften aber unterlassen. Wilson(Secleutcl verur- teilte die staatlichen Arbeitsnachweise überhaupt. Die Seeleute hätten diese Arbeitsnachweise seit 69 Jahren und hätten üble Er- fahrungen damit gemacht. Bei der Abstimmung kam ein Irrtum vor. Zuerst wurde die Resolution abgelehnt; später stellte es sich aber heraus, daß die Bergarbeiter irrtümlicherweise gegen die Resolution gcstinimt hatten. In Wirklichkeit war daher die Resolution mit 1 997 999 gegen 273 999 Stimmen angenommen worden. Nach den Begrüßungsreden der amerikanischen Gäste und des Vertreters der Arbeiterpartei beschäftigte sich der Kongreß mit drei Resolutionen über die Vcrsicherungsvorlage. Tie erste Resolution lautete: „Dieser Kongreß ist der Ansicht, daß kein Spstem nationaler Versicherung gegen Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit ziifriedenstellend sein kann, in dem nicht die Beitragspflicht ganz- lich ausgeschaltet ist und die Gelder vom Parlament geliefert werten." Der Begründer, G o r d o n(Londoner Blccharbeiter), forderte, daß in der vorgeschlagenen Sozialversicherung derselbe Grundsatz hochgehalten werden müsse, der schon in dem AlterSreutengefttz an- erkannt worden fei. Cuthbertfon(Dirminghamer Drahtarbei. als unorganischen Bestandteil in die Handlung seiner Stücke fort, baut seine Tragik auf die brüchigsten VorauSsetznitgeit. So soll man im.Gaws.»" die unerschütterliche Treue, mit der der Ritters»!«»« sein Wort einlöst und sich dem schwarzen Feind, den er nicht über- winden konnte,»ach Jahresfrist in der Zanverkapelle stellt, bewundern und es dabei als Grundlage der ganzen weiteren Handlung mit in Kauf nehmen, daß sich der Held bei dem Gegner nach der Lage des KirchlcinS mit keinem Wort erkundigt. So soll man LanzelotS das ASentencr glauben, daß er nach einer LiebeSnacht, die er mit derKönigin Ginevra zu feiern meinte, beim Morgengraneit statt ibrer die kleine Elevin in seinen Annen findet! DaS Publikum der Rilterepen mag derlei aberteuerliche Wendungen als SpanniiitgSrerz empfunden baben, im heutigen Bühnenrahmen nehmen sie sich grotesk auS, vernichten jede Jlnsion. Die beiden ersten Akte deS„Lanväl" sind frei von solcher Störung. Sie haben balladenhafte Stimmung, Zusammenhalt und Steigerung. Doch dann verzerren sich die erst so einfachen Fäden zum ivirrsten, wunderlichsten Knüttel.— In mondbeschienener Bergeinsauikeit harrt Lanväl der verzauberten Königstöchter, denen jtach der Sage, als sie die böse Schwiegermutter im See ertränken wollte, weiße Schwaitenfliigel wuchsen. Er belauscht sie, wie sie das Gefieder ab- streiseud, in ihren Linnenhemdcn zusammengekauert klagend die Er- zählung ihres Schicksals wiederholen. Sein Herz entbrennt in un- «estümer Liebe zu Finngula, der ältesten der Schwestern. Vergessen tst daS Fränlcin Lionors. deS Königs ArtnS Stiebte, tun die der Ritter warb, jede Menschcnschönheit verblaßt vor dem schimmernden Geisterglanz, der die Verzauberte umtpielt. Sie worin ihn: mit Tod und Verderben werde er ihre Küsse büßen müssen. Indessen die Gefahr hat ihn noch nie geschreckt. Er schwört,� wenn sie ihm als fein heimNckieZ Gemahl gehören wolle, sein Leben lang ihr Treue zu halten, ihren Namen nie vor Mensche» Ohren zu nennen. In das Brausen der Leidenschaft klingen Töne stiller Innigkeit, selbstvergessener Schwärmereien und tiefen Mit- gesühlS mit der Einsamen hinein. Die LiebeSszene in des NitterS Schlafgemach. al-Z Finngula, bciin Tagesanbruch von dem Gatten scheidend, ihn seine» Eidschwur wiederholen läßt, führt die im Auf- takt angeschlagene Stimmung glücklich weiter. Auch die Stand- hasiigkeit des Helden, der dem Vater jede AuSkuuft verweigert und aller höfischen Sitte trotzend, die Einladung zu dem Turnier des Artus ausschlägt, bis ihn des Fräuleins Bruder Llgravain�durch Hinwerfen des FehdehandschubS dazu zwingt, kommt hier am Schluß des zweiten Aktes zu dramatisch lebendigem Ausdruck. Mit dem Siege Lanväls über seinen Gegner beim Turnier setzt aber leider auch die völlige Deroute ein. Artus, die gepriesene Blüte deS RittertmnS, treibt die Taktlosigkeit io weit, Lanväl vor versammeltem Volke, ohne jede vorangehende Anfrage. mit der Hand seiner Nickte zu beschenken. Des Helden bescheiden stolze Absage, ein solcher Bund sei ihm timnöglich er Jet bereits vermählt, erregt beim Herrscherpaar Entnistmtg.' Die Königin zeiht ihn der Lüge. So ist sein Höchstes, die Ehre angetastet. Nun ruft er Finngula bei Namen, beschwört sie wo sie immer weile, mit Windesflug alS Zeugin, daß er wafir gesprochen, zu ihm zu eilen. Nichts regt sich. Al? überwiesen�: Lügner soll er atiS dem Orden des heiligen Gral gestoßen tverden. LinorS die Gütige will ihn retten!! Wenn er sich mit ihr trauen lasse, würde König ArtuS die Kränkung verzeihen! Lanväl scheint sich inzwischen eingeredet zu haben, daß Finngula. da sie ans seinen Anruf nicht, erschien, ihn verrate» habe, oder überhaupt nur ein wesenloses Nichts, die Ausgeburt seiner schweifenden Träume sei. Er führt das Fräulein zur Altar, er lästert bei der Hochzeitstafel FinngnlaS Gedächtnis. Da erlöschen die Lichter. Oben an der Decke im bläu» ter) sprach sich für die Beitragspslicht au?. Die Annahme der Re- solution werte der Borlage den Garaus machen. Unter diesen Um- ständen sei eS gescheiter, das Angebot der Regierung anzunehmen. Eine Sozialversicherung ohne Beitragspslicht sei unter den Herr- schenken Verhältnissen eine Utopie. Morris(Londoner Maurer) erklärte, daß viele der Mitglieder seiner Gewerkschaft gegen die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt seien. Sie wünschten Herrn Lloyd George und seine Borlage zum Teufel. S t o k e s(Londoner Glasarbeiter) riet zur Vorsicht; die Kapitalisten rieben sich über die von der Vorlage eröffneten Aussichten vergnügt die Hände. � Die Versicherung werde der Arbeiteraristokratie, nicht aber den schlecht entlohnten Arbeitern Vorteile brstigen. Er könne beweisen, daß die Arbeitgeber in seinem Berufe Profit aus der Vorlage schlagen würden.— Nach längerer Dtsknssion wurde der Antrag mit 594 090 gegen 325 000 Stimmen abgelehnt. In dem zweiten Antrag über die VersichernngSvorlage wurde verlangt, daß die Beiträge aller Arbeiter und Arbeiterinnen, die weniger als 15 Schilling die Woche verdienen, gänzlich vom Staate und von den Arbeitgebern bezahlt werden sollen. Die Debatte warf ein helles Licht aus die Lebenshaltung großer Massen englischer Arbeiter und Arbeiterinnen. Fräulein Macarthur erklärte, daß der Durchschnittslohn der Arbeiteriniien in Großbritannien, wenn man von der Textilindustrie Lancashires absehe, 9 Schilling die Woche betrage. In Bermondsev(London), wo kürzlich die Aus- stände stattfanden, habe sie 29 bis 39 Jahre alte Arbeiterinnen an- getroffen, die Wt Schilling die Woche verdienen. In jenem Lon- doner Stadtteil werde ein Wochenlohn von 8V> Schilling für Arbeiterinnen als ein hoher Lohn angesehen. Edwards(Land- arbciter) gab an, daß der Durchschnittslohn der Landarbeiter nicht einmal 13 Schilling wöchentlich erreiche. Ben Ttklet(Londoner Dockarbeiter) erklärte, daß trotz der gewaltigen Erhebung der Lon- doner Dockarbeiter noch 25 Proz. von ibnen, schwer arbeitende Fa- milienväter, nicht einmal einen durchschnittlichen Wochen lohn von 15 Schilling hätten. Ganze Scharen von Dockarbeitern könnten der Gewerkschaft nicht beitreten, da sie die Beiträge nicht bezahlen könnten.— Die Resolution wurde mit 539 999 gegen 488 999 Stim- men angenommen. In einer dritten von dem Parlamentsmitglied Elynes be- gründeten Resolution wurden die von den organisierten Arboitern geforderten Abänderungen zur Vcrsicherungsbill aufgezählt. Die lange Resolution enthielt folgende Punkte: Ter Kongreß protestiert gegen die Klause??! die dem Arbeiter, der Unfallentschädigung be- zieht, das Krankengeld vorenthalten; er protestiert ferner gegen die Bestimmung, nach der ein arbeitsloser Arbeiter seine eigenen Beitröge wie auch die des Arbeitgebers entrichten muß; er spricht sich gegen die Betriebskassen aus wie auch gegen die vollen Beitrags- leistuiigen für Arbeiter, die nur einige Stunden beschäftigt waren; der Kongreß verlangt die Etnfü'hrutrg eines Gerichtshofes, vor dein Aerztc wegen schlechter Ausführung. Vernachlässigung ihrer Pflicht und übertriebener Gebühren zur Rechenschaft gezogen werden können; er verlangt einheitliche Unterstützung für alle Berufe>md bessere Behandlung der Gelegenheitsarbeiter(casual Werkers); Ar. beiter, die weniger als 25 Schilling die Woche verdienen, sollen ge- ringere Beiträge als die besser entlohnten Arbeiter entrichten oder von der Beitragspfticht ganz befreit werden. In der Diskusfion machte Ben T i l l e t einen heftigen An- griff auf die Aerzte. Er sagte unter anderem, daß Hunderte von Fällen zu seiner Kenntnis gekommen seien, in denen die von den Reedern angestellten Aerzte gegen ihr besseres Wissen ausgesagt hätten, und kein Gerichtshof habe sie zur Rechenschaft ziehen können. Leute seien als arbeitsfähig erklärt worden, die dann eine Woche nachber oder gar sschon nach einem Tage gestorben seien. Vertreter der Arbeiter sollten Mitglieder eines Gerichtshofes sein, der diese Leute aburteile. Wenn die Arbeiterpartei ebenso laut geschrieen hätte, wie die Aerzte, so würde Lloyd George den Aerzten nicht die Vorrechte eingeräumt haben, die er ihnen in der VersicherungSvor- läge zusichere. DaS Parlamentsmitglied Sloberts nahm die Aerzte gegen den Vorredner in Schutz, stieß aber auf den Widerspruch eines großen Teiles der Delegierten.— Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Einstimmig wurde ferner eine Resolution über Wahlrcsorm angenommen, die sich von dem jedes Jahr erscheinenden Antrag übet diese? Thema nur darin unterschied, daß die Forderung Besoldung der Abgeordneten aus Staatsmitteln, die ja jetzt durchgesetzt ist, ge- strichen worden war. Eine Resolution zugunsten des Proportional» Wahlsystems wurde mit 1 992 999 Stimmen gegen 297 999 angcnom» lichen Glanz erscheint der Fuß der Schwanensiingfrau und wenige Minuten später überschreitet sie, als schwarzer Ritter vermummt, die Schwelle. Lanväl« Schwert durchbobrt das Gespenst, er selbst fiillr durch die Hand der ArttlSniaitnen. Die Phantasie, die in dem Anfang waltet, läuft aus in eine Hänfling nnverständsicher, mit leeren symbolistischen Prätentioiteu ausgeputzten Uebcrraschniigen. Der Beifall— nach dem zweiten Alt impulsiv herbor« brechend— klang matt cm. Wnnderbar traf K a h ß l e r die tnärnt» [ich schlichte Nei»heit in dem Langväl des ersten Teil«. L i a Rose», das neuengagierte junge Mitglied, war als Finngula rührend und kindlich bei aller Leidenschaftlichkeit. Camilla E i b e n s ck ü tz, in manchen Momenten gewiß sehr gut, stattete da« Fräulein Lionors für mein Gefühl doch mit zuviel Süßigkeit auS. AuS dem Rahmen fiel die Königin und der gar nicht ritterlich drein- schauende Cbor der Tafelrunde fiel aus dem Stil und Rahmen der Aufsührung heraus. ä'.. Freie Volksbühne(im Herritfeld- Theater). Gustav Wieds prickelnd-lusiigeS Satiripicl„2X2— 5" hat»un auch hier seinen Einzug gehalten und dank einer ihm durch Direktor Witte- Wild bereiteten Mtisteraufführung einen durchschlagenden Heiter« keitSerfolg davongetragen. Das konnte auch bei einer so glücklichen Rollenbesetzung kaum anders sein. Die auf der Bühne rniSiirahlende Atmosphäre eines täuschend echt dargestellten KunstzigeunertumS steckte an. Die vom Dichter einzig wirksam besorgte Mischung gro- teSker Gegensätze offenbarte sich i» den Leistungen aller Mitwirkenden mit ergötzlicher Deutlichkeit. Artur Franzetti. Frida Richard gaben ihre Charakterchargen mit karikaturistischer Schärfe, ohne dabei den Rahmen einer feinen Komik zu sprengen 1 Marga F u g g e r hüpfte von einem Liebhaber zum anderen wie ein Champagnerpfropsen. Bernhard Förster verkörperte mit seltener Skalurtreue einen feisten GetängitiSgeistlichen. Karl Eb ert war trotz etwas Uebettreibung ein guter Rechnungsrat. während hie Rätin bei Gusti G u d e- B t a n d t und die Kammer- Herrin bei Poldi Ruß trefflich aufgehoben waren. Paul P a u l 1 e n «Schriftsteller Abel) erinnerte aufö angenehmste an seine schöne Leistung in Hamsuns Drama„An des Reiches Pforte»'. Toni Willens, die als Frau Abel eine wenig dankbare Roll« feftr sympathisch in Erscheinung und Gehaben spielte, möchte man lebhaft wünschen, öfter und m bedeutenderen Aufgaben, die angetan sind, ihrem künstlerischen Naturell Spielraum und kräftige Bodenständig- keit zu verleihen, beschäftigt zu sehen. o. k. Humor und Satire. Der Würdige. Warum auf seinem schwarzen Rock Drei schwere Orden pl.rvvn» Und welche Ruhmesraten ihm, Dem schlichten Mann gelangen? Er war Lakai im Schloß und stund In AottcS Huld allzeiten! �vrei Potentaten durfte er Nach dem Klosett geleiten. Miserable Konjunktur.„Ja ja, die alten Bilder werden gestohlen, und die neuen kauft niemand." Englische Sozialpolitik.„DaS Beste wird wohl sein. wir veranstalten noch mehr Boxcrkämpfe, damit das Volk seinen Hunger vergißt," (SimplicissimuS.) wen. Dies ist ein sonderbares Ereignis; auf dem letzten Parteitag der Arbeiterpartei zu Leieester, wo die große Mehrheit der GeWerk- schasten vertreten war. wurde eine ähnliche Resolution mit großer Mehrheit niedergestimmt. London, 9. September 1911. 5. Tag. Der fünfte Tag!var reich an interessanten Diskussionen. Die erste wichtige Resolution wandte sich gegen die zunehmende Bureau- kratisierung des Landes und verlangte parlamentarische Kontroll- ausschüsse zur Ueberivachung der Verwaltung. Dann begründete O'Grady die schon im vorigen Berichte angedeutete Resolution, die folgenden Wortlaut hatte: „Dieser Kongreß beglückwünscht hiermit die Gesamtheit der Transportarbeiter zu den großartigen Anstrengungen, die sie ge- macht haben, um ihre Beschwerden abzustellen, und zu den Er- folgen, die sie errungen haben, indem sie ihre Löhne erhöhten, ihre Arbeitszeit verringerten und aus die offizielle Anerkennung der Gewerkichasten bestanden. Auch beglückwünscht der Kongreß die Gewerkschaften der Arbeiterinnen zu der Reihe prächtiger Er- folge, die sie im Laufe der allgemeinen Bewegung errungen haben. Ferner beschließt der Kongreß, daß die Streitkräfte der organi- sierten Arbeit keine Mühe sparen sollen, um die Unzufriedenheit der unterbezahlten Arbeiter mit ihrer Lage zu erwecken und wach- zuhalten und sie in ihrem Entschluß, alle möglichen Mittel zur Erringung eines auskömmlichen Lohnes anzuwenden, zu bestärken und ihnen zu helfen. O' G r a d y, der die Resolution begründete, hielt dazu eine vor- zügliche Rede. Er führte aus, daß die gegenwärtige große soziale und industrielle Aufwühlung von den Massen selbst ausginge. Die Führer sähen, was vor sich gehe, und gäben der Bewegung Richtung und Ziel. Die Streiks hätten großartige Erfolge gebracht, beson- ders für die schlecht bezahlten und ungelernten Arbeiter und hätten diesen Schichten eine soziale Stellung verschafft, die sie nie zuvor besessen hätten. Die Streiks hätten das Parlament gelehrt, daß es andere Pflichten habe, als die Interessen des Eigentums zu wahren. Klar und deutlich sei serner die Tatsache zutage getreten, daß die Zeit der teilweisen Streiks und Aussperrungen vorüber sei. Ein weiteres Zeichen der Kraft der Arbeiierschaft sei die von den ge,- lernten Arbeitern bekundete Entschlossenheit, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis die Forderungen der ungelernten Arbeiter erfüllt waren. Aber die größte Freude, die der Arbeiterschaft be- reitet worden sei, sei durch die Haltung der Frauen bervorgcrufen worden. Die Gewerkschaften müßten sich jetzt entschlossen zeigen, die alte Untätigkeit nicht wieder einreißen zu lassen. Die Zeiten seien vorüber, als Bergarbeiter imd Mäschinenbaner, Dockarbeiter und Fuhrleute, Tischler und Textilarbeiter untätig zusahen, wie man die Arbeiterinnen behandelte. Er hoffe, daß in Zukunft die Ge- werkschafien die ganze Kraft ihrer OrgSnisationen, all ihre ange- sammelten Gelder benützen würden, um den streikenden Frauen oder Männern beizustehen. Das Parlamentsmitglied Roberts wies darauf hin, daß man die'Ereignisse der letzten Woche» fast eine wirtschaftliche Re- volution nennen könne. Die Vorteile, die sich die Arbeiter errungen hätten, seien nur gering im Verhältnis zu dem, waS ihnen von Rechts wegen zukomme; aber das Errungene werde den Ansporn zu weiteren Forderungen geben. Eine Seite der Bewegung beunruhige ihn: durch Unruhen gewinne die Arbeiterschaft nichts; Streikunruhen dienten nur dazu, die Streitfrage zu verdunkeln und schädigten die gute Sache der käinpfei'.dc�»?lrbeiterfchaft. Die beste Wafse sei der passive Widerstand, die Weigerung, zu arbeiten. Zwar habe die Reg:erung das Recht, Leben und Eigentum zu schützen, aber die Regierung iei nicht von der Anklage freizusprechen, provokatorisch dorgegang«» z» sein. G o s l i n g(Transportarbeiter) dankte dem Kongreß für die Resolution. Das Hauptmerkmal des Streiks sei die absolute Soli- dantät der Ardeitermassen gewesen. Man fei der teilweisen Streiks überdrüssig und entschlossen, eine Bewegung elnzuleiten, deren Moiio sei: Alle oder Niemand! Es gereiche den schlecht bezahlten Arbeitern zur Ehre, daß sie, obwohl sie ihre Verträge zuerst abge- schlössen hätten, ihren Kameraden bis zu Ende beigestanden wären. — Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Alsdann beschäftigte sich der Kongreß mit der Resolution des Geschäflskomitees, die den Herrn Erooks und sein« famose Schieds- gerichtsvorlage verdammte. Man darf dieser Angelegenheit keine zu große Bedeutung beimessen. Ter Arbeiterparteiler Crooks ist ein Politiker, dessen Name bisher nur in Verbindung mit mehr oder weniger guten Witzen genannt worden ist. Niemand nimmt ihn recht ernst. Auch ist es noch eine Frage, ob die vier Arbeiter- Vertreter, deren Namen unter der Vorlage erscheinen, mit verant- wörtlich sind. Der eine, der Vorsitzende der Bergarbeiterföderation Edwards, protestierte auf dem Kongreß ganz energisch dagegen, mit der Vorlage identifiziert zu werden; seine Miturheberschaft sei auf ein Mißverständnis zurückzuführen. Der zweite, der Arbeiterpar- teilet Barnes, hat eben eine lange Krankheit und eine schwere Opei- ratio» durchgemacht; der dritte, der Arbeiterparteiler Hendersön, ist Mitglied der jetzt täglich sitzenden Kommission, die das Eint- gungsverfahren der Eisenbahngesellschaften untersucht. Die Unter- schrift dieser beiden sieht daher auch recht verdächtig aus. Der vierte endlich ist der liberale Arbeitervertreter Femvick. G i 1 m o u r (Bergarbeiter) hatte es leicht, die Vorlage und deren Urheber nach allen Regeln der Kunst zu vermöbeln. Die Resolution lautete: „Der Kongreß protestiert hiermit energisch gegen die Hand- lungsweise des Herrn Crooks und anderer Mitglieder der Ärbei- terpartei, die im Unterhaus eine Vorlage über Arbeitsstreitig- ketten eingebracht haben, ohne die Autorität oder Einwilligung der Gewerkschaften des Landes oder der Arbeiterpartei; wir wün- scheu hiermit klar auszudrücken, daß wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln imS gegen jeden Versuch wehren werden, den Arbeitern das Recht, zu jeder Zeit, wenn sie eine solche Handlung zur Verteidigung oder Förderung ihrer Rechte als notwendig erachlen, in den Streik zu treten, zu nehmen oder zu kürzen." Gilmour, der Begründe: der Resolution, sprach die Ansicht aus, daß die fünf Arbeitervertreter, deren Namen unter der Vorlage erscheinen, eine große Dummheit begangen hätten. Er glaube nicht, daß einer von ihnen wirklich beabsichtige, die Arbeiterschaft zu schä- digen. Die Klausel 32 laute: „Es soll ungesetzlich sein, daß irgendein Arbeitgeber eine Aussperrung erklärt oder verursacht, oder daß irgendein Arbeit- nehmer in de» Streik tritt wegen einer Streitigkeit, bevor oder während diese Streitigkeit in einem gemäß diesem Gesetze errichte- ten Einigungs- oder Untersuchungsamt beraten wird." Das heiße den Gcwerk'chaften ein Recht nehmen, das sie seit Iahren ungehindert ausgeübt. Herr Crooks verrate eine kolossale Unwissenheit, wenn er in seiner Vorlage weiter verlange, daß For- derirngen dreißig Tage vorher eingereicht werden müßten. Augen- blicklich berieten die Bergarbeiter über einen Generalstreik wegen der Bezahlung der Hauer an abnormen Arbeitsplätzen. In dreißig Tagen könnte eine solche Stelle längst leer gehauen worden sein. LauieS Gelächter erhob sich, als Gilmour im Laufe seiner nieder- schmetternden Rede die Strafen erwähnte, die nach der Vorlage die Arbeiter und Agitatoren treffen sollen, die in den Ausstand treten oder zum Streik aufmuntern. Gilmour riß die Vorlage buchstäblich in Fetzen. Der Unterstützer Marchand(Textilarbeiter) erklärte, er könne es verstehen, wenn eine derartige Vorlage von Arbeitgeber- verbänden eingereicht werde, aber wie Arbeitervertreter zu solchen schmirrkgen Ideen kämen, sei ihm ein Rätsel. Unter dem lauten Beifall der Delegierten paraphrasierte er ein Dichterwort: „I.et tstose now strike wlio never Struck before. Those who have Struck now strike the niore." Man kann den Sinn dieser prächtigen Zeilen, wie sie von dem Redner gebraucht wurden, im Deutschen kaum wiedergeben, da das Work„strike"- streikeii die Grundhedeükung„Magen" hak. Wörtlich heißen sie etwa: „Laßt die jetzt streiken(schlagen), die nie zuvor gestreikt(geschlagen). Die, die gestreikt(zugeschlagen), mögen nun um so fester streiken s(zuschlagen). Daß diese Kampfesstimmung den ganzen Kongreß beseelte, de» wies die einstimmige Annahme der Protestresolution. Einstimmig nahm der Kongreß auch, wie schon telegraphrch gemeldet, eine Resolution an, in der er sich mit der F r i e d e n s- demonstration der Berliner Arbeiter tdentifiztertc. Sie lautete: � r„„, „Dteser Kongreß stimmt aus vollem Herzen den Gefühlen bei, die in der großen am letzten Sonntag in Deutschland abgehal- tenen Demonstration zum Ausdruck kamen und fordert die Ar- bester aller Länder auf, sich zusammenzuschließen, um eine solch große Kalamität wie einen Krieg zwischen Nationen zu verhin- dern." Smith(Gasarbeiter) begründete die Resolution und der greise Bergarbeiterführer B u r t unterstützte sie mit zitternder, aber ein- drucksvoller Stimme. Er glaube nicht an den Generalstreik zur Verhinderung der Kriege; was den Krieg wirksam verhindern könne, sei der Generalstreik der Heere und der Flotten.— Trotz der Versuche der englischen bürgerlichen Presse, die gewaltige Demonstra- tion der Berliner Arbeiter totzuschweigen oder herabzusetzen� hat die Kundgebung der deutschen Arbeiter in den Herzen ihrer engli- scben Genossen ein tönendes Echo gefunden. Die Rückschrittler mögen versuchen, den Lauf der Welt aufzuhalten— und sie bewegt sich doch! Den Rest der Sitzung füllte eine stürmische Debatte über die Schulfrage. Eine seit vielen Jahren immer wieder angenommene Resolution, in der die Verweltlichung der Schule gefordert wird, wurde von Will T h o r n e begründet. Nach der Begründung wollte der toi _____ M Präsidenten und dem hitzigen Jrländer setzte der letztere schließlich seinen Willen durch Die Resolution wurde mit 717 000 gegen 120 000 Stimmen angenommen. Die Bergarbeiter enthielten sich der Abstimmung._ Marktpreise von Berlin am g.SePtbr. 1911. nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Martlballenpreis«.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.iX>— 50,00. Speisebohnen weihe, 35,00- 50,00. Linse» 20,00-80,00. Kartoffeln 8,00—14,00. 1 Kilo- gramm Rindsleisch. von der Keule 1,60— 9,40. Rindfleisch. Bauch fletsch 1,20 bis 1,70. Lchwemesleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1.30—2,20. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,00. 1 Kilogramm KarpiM 1,40—2,40. Aale 1,00-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80, Barsche 0,90—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 2,50-36,00._ iVttterunqsüverNii» vom 11. September 1911. k tatton a, Zwniemde ierlw ösr.mks a R, München Wien «tattonen Ii « 5 S c S e?6 Havarcmda 763N Petersburg 751 NW Sctllh ,76133 'lber�een 760® BartS 1 764 still ■ i■ OcttR «-? e« »>! h *k 4 halb Bd. 2 Regen I 1 wolkig 3 wolkig 6 7 17 13 iwolleul 13 iiSetterprognole für Dienstag, den IS. September 1911. Wärmer, zunächst ziemlich heiter, bei mähigen südwestlichen Winden; später zunehmende Bewöllung mit etwa» Rege». Berliner Wetterbureau. Ml SüM-WM ca. 35,000 Anzüge Dauer bis 18. Sept. für Herren, Jünglinge, Burschen und Knaben darunter Musteranzüge und nicht abgeholte Maßsachen Herren-Anzüge 07— Kammgame, l und 1 reihig..... M.//» Herren-Anzüge"„tTgSeT A(\__ Cheviot», i und? reihig.\...... M. X V', Herren- Anzüge cS»"?'— Elegante Fa»»on», i und 3 reihig.... M Jünglings-Anzüge Sicund 1 7__ Cheviot»............... M. J./» Burschen- Anzüge Sm- 7 cn game Sehrhaitbar. 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Wir wünschen auch, daß im VerkchrSlebcn ein Arbeiter überall, wo seine Sprache landesüblich ist, sich auch in dieser Sprache orientieren kann. Auch da» ist ein rein proletarisches Interesse. Das ist unser Nationalismus. Tarauf bestehen wir und kennen nichts anderes. Wir identifizieren un« hier mit August Bebel, der gesagt.hat:.Tie Aufgabe der Arbeiterklassen aller Kulturländer ist eine nationale und internationale. National und international sind keine Begriffe und Bestrebungen, die sich gegen- seitig ausschließen, sondern sie ergänzen sich gegenseitig." Wir sind, Parteigenossen, aber auch keine Separa- t i st e n. Separieren wollen wir uns von dem Unverstände, mit dem unabänderliche Tatsachen bei uns begriffen werden. Aber die Absicht einer Separation von der Internationale oder von unseren deutsche» Brüdern in Oesterreich uns zuzuschieben, ist ein Unding. Wir werden speziell in der deutschen Brudcrpresse diffamiert und als diejenigen hingestellt, die die Lebenskraft des österreichischen Proletariat» gelähmt baben. Wir haben es schwer beklagt, daß einer der hervorragendsten Männer der deutschen Sozialdemo- kratie, ein Träger der Wissenschaft, in diesen Kampf eingetreten ist und dabei das erste Gebot der Objektivität und Kritik fallen gelassen bat. Mit Brandfackeln und KriegSproklamationen wird man nichts ausrichten können, wo nur Ruhe und Objektivität Hellung bringen können. In keinem Staat gibt es so viele verwickelte Probleme wie in Oesterreich, in keinem werden auch so viele Ansprüche an die Vernunft und Ruhe des Proletariats gestellt, und ich habe keinen heißeren Wunsch,� als daß wir auf unserem nächsten internatio- nalen Parteitag in Wien der ganzen Welt beweisen können, daß das österreichische Proletariat nicht nur in den Zeichen deS Sturmes und Dranges, sondern auch in den Zeichen der positiven Arbeit auf der Höhe ist. In diesem Sinne begrüße ich Ihren Parteitag und wünsche Ihren Verhandlungen besten Erfolg. Stein-Wien(tschechische sozialdemokratische Arbeiterpartei Oesterreichs): Sehr verehrte Parteigenossen und-Genossinnen! Als eine Art Verkörperung des österreichischen Jammers komme ich hierher, als Vertreter der von der Not der Verhältnisse geschaffenen politischen Organisationen der zentralistischen inter- nationalen tschechischen Sozialdemokratie. Ich bin nicht ge- kommen, um Klag« zu erheben, denn zum Klagen fühlen wir uns viel zu stark, da wir auf den Beschlüssen des Ropenhagener Kon- gresses und den bewährten sozialistisch»» Prinzivien fußen, lon- dern ich bin nur gekommen. Ihnen zu sggen. daß wir aus Ihren Verbandlungen neue Kraft schöpfen für den schweren Kampf um die Erhaltung der einheitlichen Organisation in Oesterreich. Wir hoffen, aus den Verhandlungen dieses Partei- tage» neue Anregungen, neuen Mut zu gewinnen, und daß er die Einleitung eines triumphalen Wahlfeldzuges werden möge. In diesem Sinne begrüße ich Sie und wünsche der Tagung den besten Verlauf.(Lebhaftes Bravo!) Dr. Adler-Wien(mit lebhaftem Beifall begrüßt): Im Namen der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich be- grüße ich Sie. Sie sind in einem geschichtlich entscheidenden Mo- me»t, in einer Zeit der Erregung und größten Spannung zu. sammengetreten. In diesem Moment, wo die Kultur Euro- pa» bedroht ist von Krieg, von Hungersnot und Pestilenz, als ob noch alles so wäre wie bor vielen hundert Jahren, da haben wir alle die Empfindung, daß mit der Abnahme der Zähigkeit der herrschenden Klassen, die Welt zu beherrschen. das Proletariat die Zähigkeit gewinnen muß. entscheidend ein- zugreifen. Wir alle haben das Bewußtsein, daß der eigentliche geschichtliche Prozeß dort vorgeht, wo das Proletariat langsam aber mit wachsender Stärke und Intensität die Kraft ansammelt, um die Geschicke der Welt in die Hand zu nehmen.(Beifall.) Die heute Herrschenden stehen, obwohl sie alle Macht in Händen haben, der Hungersnot gegenüber, wehrlos dem Kriege gegenüber— und wir wissen nicht in diesem Mo- ment ob sie ibn werden verhindern können. Parteigenossen, Sie haben wohl alle mit mir das Gefühl, daß dieser Parteitag, der die beste Kraft des deutschen Volkes repräsentiert, indem er die Arbeit vorbereitet, die der Macht des Proletariats einen kräftigen politischen Ausdruck geben soll, daß dieser Parteitag daS wichtigste vollzieht, was heute möglich ist.(Bravo!) Ich komme aus Oesterreich, dem Lande der tragischen nationalen Konflikte. Sie haben davon einen kleinen Ausschnitt zu hören bekommen, aber ich bitte Sie, nicht allzu weitgehende Schlüsse aus den Konflikten zu ziehen. Parteigenossen, wir deutschen Sozialdemokraten in Oesterreich, die wir von Euch nur durch die Grenz«, durch sonst aber nichts getrennt sind, wir baben wohl daS schwerste und komplizierteste Geschäft, das je einer Sozialdemokratie zugedacht war. Es ist hier nicht der Ort, die Frage auszutragen, aber ich will nur das sagen: wenn es sich nur um die nationalen Forderungen handeln würde, die der Genosse Soukup Ihnen entwickelt hat, dann würde dieser Konflikt nicht existieren. lVielfaches sehr richtig!) Seien Sie aber überzeugt, trotz aller Widerwärtigkeiten und furchtbaren Konflikte fühlen wir die Kraft in uns, die Verantwortung zu tragen für die Geschicke des Proletariats aller Zungen in Oesterreich.(Bravo!) Lassen Sie mich Ihnen noch kurz danken für die Hilfe, die Sie uns wieder bei den letzten Wahlen angcdeihen ließen, wie Sie eö immer getan und hoffentlich auch wieder tun werden. (■Heiterkeit.) Man kann nicht borsichtig genug sein.(Erneute Heiterkeit.) Auch wir haben so etwas wie einen schwarzblauen Block gehabt. Nur, wissen Sie, in Oesterreich sind die Blöcke nicht so fest wie bei Euch.(Heiterkeit.) Und ivenn wir auch in den Jndustricgegenden, in den.Sudetenländern wirklich sehr ernst zu kämpfen hatten, so daß die Klassengegensätze sich endlich in einem Grade zugespitzt haben, daß selbst die österreichische Gemüt- lichkcit Gott sei Dank zum Teufel aegangen ist(Heiterkeit und sehr gut!), wenn wir also da auch Mandate verloren, obwohl unsere Stimmenzahl sich vermehrt hat, so haben wir doch, wie Sic wissen, in Wien einen Teil unseres schwarz- blauen Blocks, wenigstens den schwarzen Teil davon(Heiter- kcit), ordentlich besiegt. Wenn auch das liberale Bürgertum da- von profitiert hat— das ist ja immer so, die Arbeit machen wir— so war es doch kein Kompromiß, wie ich den Genossen sagen möchte, die sich darüber im Zweifel befinden. Ohne ein Wort mit denen geredet zu haben, die davon profitiert haben, daß wir so stark wurde», haben wir die anderen zum Teufel ge- jagt, die uns am zuwidersteix waren.(Sehr gut!) Natürlich wissen wir ganz genau, dieses Bürgertum, das mit uns gesiegt hat, ist gleich wieder bereit, mit den Klerikalen uns zu besiegen. Es ist bereit zu jedem Verrat an seinen..heiligsten Gütern" zu jeder Stunde.(Zuruf: Ganz wie bei unS!) Da? hat uns aber nicht hindern dürfen, gegen diejenigen, die die Gewalt hatten, loszugehen. Rur. daS will ich hier aussprechen, damit Sie e» wissen: die Zeinde unserer Feinde sind noch lange nicht unsere Freunde.(Sehr gut!) Der neue Kampf steht vor unS. Wir werden ihn zu sühren haben zu einer Zeit, wo nächst der Kriegsgefahr die furchb barste Not heute schon— ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist— aber bei uns in Oesterreich heute schon in jeder Familie sich geltend macht, in einem Grade wie wir, soweit ich»urückdenken kann, es nicht erkebt haben.(Bewegung.) Demgegenüber, natürlich genau wie bei Euch, die agrarische Festigkeit der Grundsätze, die, mag auch alles verhungern, auch noch kein Schwein hereinlassen will.(Hört! bört!) Und demgegenüber Schwächeund Ohn- macht der Regierungen. Und so steht eS wahrscheinlich bevor, daß daS Proletariat gezwungen sein wird, da man ihm billige Lebensmittel nicht verschaffen kann, den Kampf um höhere Löhne mit um so größerer Intensität zu f ü h r e n. Es stehen uns große Kämpfe bevor— wieweit es für Deutschland zutrifft, weiß ich nicht—, aber Sie werden begreifen, Parteigenossen, mit welchem Schmerz wir gerade in diesem Mo ment organisatorische Schwierigkeiten in unserer gewerkschaftlichen Organisation sehen. Sic werden begreifen, daß die Einheit der Gewerkschaftsbewegung heute für uns die Frage ist, um die sich in Oesterreich alles dreht.(Lebhafter Beifall.) Und nun will ich Sie nicht länger aufhalten. Ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrer Arbeit. Glück zu dem neuen großen Kampf, der Ihnen bevorsteht und ich wünsche uns. daß wir so wie von je auch ferner in der engsten Solidarität und Freundschaft bleiben mit der von uns so geliebten deutschen Sozialdemokratie.(Stür- mischer Beifall.) Im Auftrage der Zentralbehörde der sozialdemokratischen Partei Rußland« überbringt Axelrod-Zürich die herzlichsten Grüße und Glückwünsche zu den Beratungen und z» dem bevorstehenden Wahlkampf.(Bravo!) Die deutsche Sozial demokratie war immer unsere Lehrmeisterin. aber mehr al» je müssen wir in der neuesten Phase unserer Entwickelung von ihr lernen. Bielleicht denkt mancher von Ihnen: was ist denn da« wieder für eine neue Phase der russischen Sozialdemokratie? Die Bewegung ist ja halbtot. Nein! Gerade in der konterrevolutlo- nären Periode hat unsere Partei große Fort- schritte gemacht und ist in eine neue Evoche ein- getreten. In der ersten Epoche war das russische Proletariat geistig und politisch rückständig mid numerisch schwach. Die Haupt- Nütze der Bewegung war damals die revolutionäre Intelligenz, da« Proletariat war sozusagen nur Objekt der Erziehung und Bevor- mundung seitens dieser Intelligenz. Do« wird nun anders. Während der konterrevolutionären Periode beginnt die Sozialdemokratie eine wirkliche Organisation deS Proletariat« zu werde». Freilich ist die Bewegung noch schwach, und auch unsere Partei selbst hat schuld daran. Aber daS ist eine geschichtliche Schuld, für die wir nicht verantwortlich sind. Die erste Epoche hat uns gewiß Traditionen und taklische Gewohnheiten hinterlassen. Dadurch entsteht«in unverkennbarer Gegensatz zu den neuen Auf- gaben und dieser Gegensatz bildet ein große« Hemmnis für die Um- ivandlung der Sozialdemokratie. Immerhin ist die Zeit, wo die nissische Sozialdemokratie als wirkliche Arbeiterpartei auf der politi- scheu Bühne erscheint, nicht mehr fern. Wir werden zeige», daß e« uns nicht an Energie kehlt und daß wir der neuesten Epoche der rusfifchen Bewegung gewachsen sind.(Bravo!) Bracke-Frankrcich: Nicht zum ersten Male überbringe id) der deutschen Sozialdemokratie die Grüße der französischen Sozialisten. Manche« Gesicht sehe ich wieder, daS ich schon in Lübeck kennen gelernt habe, als noch der unvergeßliche Singer den Vorsitz führte. Besonders er- freut es mich, daß ich gerade hier in Jena der Bote Ihrer Brüder au« Frankreich fein kann. Im Jahre 1905 zeigten Sie hier dem internationalen Proletariat, wie der Begriff des Massen« streik« auS dem Reiche utopistischer Träum« auf den Boden der Tatsachen zu bringen ist. so daß daraus eine zweckmäßige Waffe im Kampfe um die politische Macht wird. In einer Zeit auswärtiger Verwickelimzeu findet der heutige Parteitag statt. Da muß das Proletariat aller Länder gegen den Imperialismus im Interesse de« Weltfriedens protestieren. Gegenüber den Kapitalisten, die sich in der Marokkofrage um den Profit streiten, habe ich Ihnen zu sagen, daß da« französische Proletariat mit dem deutschen durch das Gefühl innigster Solidarität verbunden ist.(Lebhafter Beifall.) Es weiß sich eins mit dem d eu tf ch en P r oletaria t und der ganzen internationalen Arbeiterpartei. (Erneuter Beifall.) Gemeinsam wollen wir die kapitalistische Festung sprengen und damit für inimer die Gefahren der Konflikte und Kriege beseitigen. Glückauf denn! Hoch der Parteitag! Hoch die deutsche Sozialdemokratie I Hoch die internationale Arbeiterpartei l(Erneuter stürmischer Beifall.) Ouelch-London überbringt die brüderlichen Grüße der sozialdemokratischen Parier GroßbrilannienS. Wir in England haben unsere besonderen Schwierig- leiten zu überwinden und unsere eigenen Aufgaben in der inter- nationalen Bewegung. Mit stolzer Befriedigung sehen wir aber die großartigen Forlschritte und Leistungen unserer deutschen Brüder. Die deutschen Genossen sind uns ei» Vorbild. Unter englischen Sozialdemokraten sind die Namen von Marx und Engels ebenso bekannt und geschätzt, als unter deutschen. Mit Stolz er- innern wir uns daran, daß diese Männer als wahre Internationale, als Vaterlmidslose, eine Zufluchtsstätte in England gefunden und dort ebenio viel für ihre monumentale Arbeit gelernt haben, als von dem Lande ihrer Geburt. Auch unS hat der Tod unseres unvergeßlichen Paul Singer schwer betroffen. Ihr versamnielt Euch hier zu einem Zeitpunkt, der für die internationale Sozialdemokratie äußerst wichtig ist. Tie geheime Diplomatie und die kapitalistischen Interessen baben die Beziehungen der Großmächte zu einander getrübt. Ich erkläre hicr nlit größtem Nachdruck im Namen der sozialdemokratische« Partei Englands, daß wir in i t Euch vollkommen einig sind in der Beurteilung dieser geheimen Diplomatie und dieser kapitalistischen Interessen. Es steht nichts au? dem Spiele, was des BluteS eine« einzigen deutschen, französischen oder englischen Proletariers wert ist.(Lebhafter Beifall.) Diese Zusicherung sckeinl mir, obwohl sie angesichts unserer bisherigen Tätigkeit kaum nötig ist. geboten, infolge von Mißverständnissen und Mißdeutungen einer auf unserer Jahreskonferenz angenommenen Resolution, welche von einigen Feinden und auch von einigen Freunden so aufgefaßt wurde, als stellten wir uns im Falle irgend welcher Etrcii- fragen zwischen den europäischen Mächten auf die Seite der Chauvinisten und Imperialisten. Das Gegenteil ist richtig. Die Resolution fprach sich ausdrücklich gegen Im- pcrialismuS und Militarismus aus. sowie gegen die Ausdehnung der Rüstungen. Wir sind weder Antinationalisten noch Imperialisten. sondern Internationalisten. Wir betrachten Britannien als eine SeeräubermaÄt, die mit Beute übersättigt und ängstlich ist, einen Teil ibrcr mit Unrecht erworbenen Güter zu verlieren, und die durch dieie Angst in die schädlichsten Bündnisse mit dem reaklionärcn Despotismus hineingetrieben wird. Da« Proletariat Englands bat lein Interesse daran, der herrschenden Klasse diese Beute zu bewahren und diese Bündnisse zu verteidigen, ES gibt leinen Sozialdemokralen in England, der einen Finger erheben oder einen Groschen bewilligen würde, um die Integrität de« mit Blut und Verrat befestigten Reiche« zu erhalten. Wenn da« ganze englische Proletariat von diesen Gefühlen beseelt wäre, so wäre der Krieg absolut unmöglich. Wie die Sache aber liegt, sind wir eine Minorität, die nur alle« tun kann, was in ihrer Macht steht, dem Polle die Wahrheit einzuschärfen. � Jedenfalls dürfen sich die deutschen Genossen auf die britischen Sozialdemokraten verlassen. In der Zuversicht, daß Ihr von den- selben Gefühlen beseelt seid, danke ich Euch für die freundliche Aufnabme und beglückwünsche Euch zu Eurem Parteitag. Ich wünsche der großen deutschen Sozialdemokratie den besten Erfolg für ihre Arbeit, für das demsche Volk und für die internationale Sozial- demokralie. ES lebe die Jnierualionale!(Lebhafter Beifall.) Genosse Ankrrfmit(holländische Partei): Werte Genossen! Ich will nur daS große Interesse, da« die holländische sozialdemokratische Partei der deutschen Sozialdemokratie immer bewiesen hat, hier bekunden und Ihnen einen guten Partei- tag wünschen, nicht nur für Ihre eigene Partei, sondern für die ganze Internationale.(Lebhafter Beifall.) Van der Smisscn(belgische Partei) (spricht französisch, von Genossin Zetkin übersetzt): Genossen und Genossinnen, ich überbringe Ihnen die Grüße des belgischen Proletariat«. Wir repräsentieren ein verhällmSmäßtg kleines Land und die belgische Sozialdtmokratie und die belgischen Gewerkschaften haben immer. Anfeuerung und Vor- bild suchend,»ach Deutschland hinübergeblickt. Wir sind vor allem erfüllt von Bewunderung für die festgefügte einheitliche Organisation, welche die deutsche känipfende Arbeiierklasse kenn- zeichnet. Wir sind weiter von Bewunderung erfüllt von der Disziplin und Energie des deutschen Prole« t a r i a t s, mit welchen es seine theoretischen Uebcrzeugungcn in die Praxis übersevt. Ich habe die Ueberzeugung, daß daS Werk dieses Parteitages über die deutschen Grenzen hinan« auch auf die Entwickelung in Belgien von Einfluß sein wird, wo daS organisierte Proletariat dem ebenfalls organisierten KapitaliSinuS gegenübersteht, einem Kapitalismus, der um so gefährlicher ist, als er sich einst- weilen noch mit schönen prinzipiellen Phrasen zu schmücken verniag und weil er noch ein Proletariat vor sich hak, daS nicht der Schule und der Kenntnisse des deutschen sich erfreut, sondern infolge der rückständigen Schulverhältnisse der Auf- klärung die größten Schwierigkeiten entgegensetzt. Ich wünsch« dem deutschen Parteitag im Hinblick auf den dem Proletariat bevorstehenden Riesenkampf der nächsten Wahlen und im Hinblick auf den sickeren Erfolg, den sie bringen loerden, zu seinen Arbeiten und Beschlüssen viel Glück.(Lebhafler Beifall.) PopclovitS(für Serbien und Bosnien): ES ist das erste Mal, daß ein Vertreter des Orients auf dein Parteitag der deutschen Sozialdemokratie erscheint. Schon diese« ist ein Zeichen dafür, daß auf dem Balkan sich neue Kräfte entwickeln, daß die sozialistische Internationale in eine neue Festung eingedrungen ist.(Bravo I) Wir baben auf Grundlage der ökonomischen Eniwickelung und der politischen Bedürfnisse eine so- zialistiscke Einheit im Balkan geschaffen, und eS ist unseren gemeinsamen Bemühungen überall gelungen, die größten Fortschritte zu niache». In dem durch den Klerikalismus verseuchten Kroatien zählen wir heute 10000 gewerkschaftlich und politisch organisierte Arbeiter. In Bosnien und der Herzegowina scharen sich um die Fahne der Sozialdemokratie mehr als 10 OVO Arbeiter und Arbeiterinnen.(Bravo I) In Griechenland und Serbien zählen unsere Organisationen über 29 000 Mitglieder, in B u l- garten haben die sozialdemokraiischen Kandidaten bei den Parla- mentswahlen 40 000 Stimmen auf sich vereinigt.(Bravo!) Auch in der Türkei gibt eS zurzeit etwa 50 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und in allen Städten sind sozialistische �nippen gegründet. Sie sehen also, die er st en 150000 So z-. aldemokraten a u f d e n, B a l k a n sind schon da. Die Lösung der Orient- frage wird nicht im Sinne des russischen AbsolultSmus, nicht im Sinne de« europäischen Großkapitals erfolgen, fondern im Sinuc des revolutionären Sozialismus.(Bravo!) Wir leiden nicht unter dem Druck des einheimischen Kapitalismus. sondern unter den kolonialpolitischen Maßnahmen der europäischen kapitalisiischen Großmächte.(Hört! hört!) Wir haben nur einen Beschützer in der Welt, da? ist der prinzipielle Gegner ebet Kolonialpolltik und Unterdrückung, daZ ozialistisch geschulte internationale Proletariat.(Bravo I) Wir sind Ihnen dankbar, als unseren, Lehrer in der Gegenwart und als unserem Beschützer in der Zukunft, und wir werden Ihnen dadurch danken, dag wir auch de» letzten Mann in die Reihen der Klassenkämpfer einführen werden. Wenn unsere Patrioten, unsere Rationalisten kriegslustig sind, so sind wir Sozialdemokraten auf dem Balkan revolutionslustig. Sollte die große Tat der Befreiung des Proletariats zur Wabrheit werden, bevor wir nach dem Grade der ökonomischen Entwickelung imstande sind, tätig mit- zuwirken. so seien Sie sicher: wir werden nicht bloß im Geiste mit Ihnen sein, wir werde» die Grenze» der jungen sozialen Republik überwachen und alles zu ihrem Gelingen einsetzen.(Leb- haster Beifall.) Borsitzeuder Dictz: Ich glaube im Sinne des Parteitages zu handeln, wenn ich unseren Gästen den Dank ausspreche für die herzlichen Glückwünsche, die sie uns überbracht haben. Wir wollen hoffen, daß die Wünsche und Hoffnungen, die sie auf die deutsche Sozialdemokratie gesetzt haben, in Erfüllung gehen werden.(Bravo! Der Parteitag tritt in die Tagesordnung ein. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Berichterstatter Hermann Müller: Ich beschränke mich auf einige Ergänzungen zum gedruckten Be- richt, da ich ja außerdem noch die Aufgabe habe, die Angriffe zu widerlegen, die in letzter Zeit gegen den P a r t e i v o r st a n d er- folgt sind. Die Lebhaftigkeit des politischen Lebens des verflossenen Jahres hat den günstigsten Einfluß auf den Mitglieder- stand und die Agitation der Partei gehabt. Während im Jahre ISO? nur 16,5 Proz. unserer Wähler organisiert waren, ist die Zahl diesmal auf 35,6 emporgeschnellt. Freilich hat in dieser Zeit die Frauenbewegung einen grotzarttgen Aufschwung genommen, so daß, wenn wir nur die Männer in Parallele ziehen, der Prozentsatz kein so großer ist. Aufgabe der kommenden Wahlagitation ist, die 163 000 Mann, die noch an emer Million organisierter Genossen fehlen, für die Partei zu gewinnen. tBravol) Auch die verhältnismäßig junge Jugendbewegung der deutschen Sozialdemokratie hat sich in den drei Jahren ihres Bestehens so entwickelt, wie selbst Optimisten nicht er- wartet haben.(Sehr richtig!) Allerdings haben wir damit die Gegner der proletarischen Jugendbewegung mobil gemacht. Selbst das preußische Dreiklassenhaus hat eine Million zur Vcrfü- gung gestellt, damit die staatlich organisierte Jugendbewegung uns entgegenarbeiten kann. Das spornt uns natürlich nur zu größerer Tätigkeit an.(Bravo l) Wir müssen bei der Jugend nicht nur die Lücken ausfüllen, die die Armenschule läßt, sondern auch jene Schul- Weisheit korrigieren, die auf geschichtlichem und Naturwissenschaft- lichem Gebiet der Jugend der heutigen Schule eingepflanzt wird. Selbstverständlich ist unsere Tätigkeit genau den Gesetzen des Klaffen st aates angepaßt und auch hier sehen die Gegner bereits, daß die Gesetzmäßigkeit es ist, die sie tötet.(Sehr gut!) Der Reichskanzler hat an die Verbündeten Regierungen ein Zirkular erlassen, um sich über die Tätigkeit der Arbeiterjugend zu unterrichten und um zu erwägen, was dem gegenüber geschehen kann. Man beschränkt sich nicht darauf, zu verhindern, was von uns geschieht, man sucht mehr unb mehr mit allerhand Lock- mittel» die Arbeiterjugend für die herrschenden Klassen einzu- fangen. In einigen Städten hat man sogar mit Hilfe der Militär. behörden eine militärische Organisation der Jugend ins Leben gerufen. Man hat Jugendliche schon zu Gefreiten gemacht und ihnen goldene Litzen gegeben. So will man das militärische Bewußtsein der Jugend wecken und jenen Ka, davergehorsam hervorrufen, der nach Ansicht militärischer Fachleute das beste Soldatenmaterial schafft. Aber weder mit der Peitsche, noch mit dem Zuckerbrot wird den Bestrebungen der klassenbewußten Arbeiterjugend Einhalt geboten werden können.(Sehr richtig!) ■c- Mehr und mehr müssen wir eine intensive Kleinarbeit nicht nur in der Jugendbewegung, sondern auch in der allgemeinen Parteibewegung leisten. Die Zahlen über die Kleinarbeit im ge- .druckten Bericht sind zum Teil noch zu niedrig gegriffen: Aus eini- gen Bezirken wird uns mitgeteilt, daß weit mehr Flugblätter, Ka- lender und dergleichen verbreitet worden sind. Solche Irrtümer können am besten vermieden werden, wenn die Fragebogen, bevor sie an den Parteivorstand gesandt werden, von den Bezirksorgani- sationen gesammelt und durchgesehen werden. Auch die Gegner widmen sich immer mehr der Kleinarbeit. So hat der B u n d d e r Landwirte im vorigen Jahre nicht weniger als 10184 Ver- fammlungen einberufen, darunter 930 Wahlversammlungen, und 118 B e a m t e b e s ch ä f t i g t, die die Aufgabe hoben, für seine Ziele zu wirken.(Hört! hört!) Auch dem gegenüber können sich unsere Zahlen sehen lassen.(Sehr richtig!) Die mannigfaltige Tätigkeit, die wir entfalten, ist nur möglich, weil wir neben der stark durchgeführten Zentralisation auch ein reges geistiges Leben in den einzelnen Bezirksorganisationen haben. Es wäre der größte Fehler, wollte man in allen Bezirken reglementieren.(Sehr richtig!) In fteiwilliger Disziplin leisten so die Massen zusammen mit den Führern diese Arbeit für die Partei. Darauf beruht die Macht unserer Organisation, die Intensität und Wucht unserer Aktionen. Redner gibt eineen Ueberblick über die Tätigkeit des Partei- Vorstandes für die spezielle Agitation. Ein Kalender für die Binnenschiffahrer ist in 50 000 Exemplaren abgesetzt. Er wird dazu führen, die Schiffer dauernd an uns zu fesseln, wenn auch die Pastoren gegen uns mobil machen. Wie für die Schiffahrt haben wir auch für die Eisenbahner Spezialflugblätter heraus- gegeben. Tie Angst der preußischen Zentralbehörde vor dieser Agi- tation, wie sie erst neulich wieder in einer Standrede des Eisenbahn- Ministers zutage getreten ist, wird die Herren von dieser Agitation nicht befreien. Ebenfalls haben wir eifrig unter den technischen A n g e st e l l t e n und den Handlungsgehilfen agitiert. wobei die verräterische Haltung der bürgerlichen Parteien bei der Reichsversicherungsordnuna uns zugute kommt. Auch die Land- arbeiterorganisation hat, wie aus dem Bericht hervor- geht, Fortschritte gemacht. Das mangelnde Streikrccht verweist die Landarbeiter ganz besonders auf die politische Betätigung. Partei und Gewerkschaften arbeiten in der Landarbeiterfrage, wie über- jhaupt, Hand in Hand. Das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften ist in den letzten Jahren ein gutes gewesen. Immer mehr wird eingesehen, daß beide Bewegungen aufeinander angewiesen sind. Die Befürchtungen, wie sie vor 6 Jahren hier in Jena geäußert worden sind, als ob die Gewerkschaften eine Entwicklung zum englischen Trade-Unionismus nehmen würden, haben sich nicht bewahrheitet. Tie Gewerkschaften haben im Feuer des Klassenkampfes in einer Weise exerziert, die viele vor wenigen Jahren noch nicht, für möglich gehalten hätten. Einzelne Disfe- renzen zwischen Partei und Gewerkschaften tauchen natürlich von Zeit zu Zeit auf. Ich erinnere hierbei an die Debatten, die durch die Veröfsentlichung unseres sogenannten Geheimzir- k u l a r s durch ein bürgerliches Blatt Sachsens hervorgerufen sind. Ich entrüste mich nicht über die Veröffentlichung, denn das Zir- kular hatte das Licht nicht zu scheuen. Der Ausdruck Ge- Heimzirkular war überhaupt unzutreffend. Es läßt sich nicht ver- meiden, daß auch nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte Zirkulare herausgegeben werden. Es läßt sich nicht alles, was den Organi- sationsleitern mitgeteilt wird, ohne weiteres in der Presse wieder- geben. Wir haben den nichtöffentlichen Weg gewählt, einmal weil wir glaubten, in der jetzigen politischen Situation sei kein Bc- dürfnis zu einer großen Debatte über die Parteiprcsse vorhanden, und zum anderen, weil bereits seit langem beabsichtigt war, alle diese Verhältnisse auf einer Konferenz der sozialdemo- kratischen Redakteure zu besprechen. Schon am 22. März haben wir ein Zirkular an die Redakteure herausgegeben, worin auch von der Behandlung schwebender Lohnkämpfe die Rede war und worin eS hieß, daß die Freiheit der Kritik nicht behindert werden dürfe, und daß die Difserenzpunkte auf einer bevorstehen- den Redakteurkonfcrenz besprochen werden sollten. Daß die Kon- ftrenz vom Mai bis zum Herbst hinausgeschoben wurde, lag daran, baß auZprobierl Iverben sollke, o? baS soziakbeSiokrakische Pressebureau die Berichterstattung einer Generalversamm- lung übernehmen könne. Bei der Generalversammlung des Metall- arbeiterverbandes haben wir einen Versuch nach dieser Richtung gemacht und dabei ausdrücklich den Versuchscharakter betont. Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, daß unsere Anschauungen in bezug auf die Resolutionen von Mannheim und Jena den Gewerkschaften gegenüber nicht zutreffend seien. Wenn das Zusammenarbeiten von Partei und Gewerkschaft nach Auffassung der General- kommission durch Polemiken beeinträchtigt wird, wie sie sich gegen Verbandsbeamte des Buchdruckerverbandes rich- tete, so hat die Generalkommission nach den Resolutionen von Mannheim und Jena durchaus das Recht, an uns heran- zutreten. Selbst wenn, was ich entschieden bestreite, die Jenaer Resolution gegen gehässige Parteipolemiken nicht auch auf die Po- lemik gegenüber den Gewerkschaften Bezug haben sollte, so wäre doch die Art der Polemik, wie sie von zwei Parteiblättern in dieser Frage geführt worden ist, in dieser Weise zu verwerfen. Würde die Jenaer Resolution nicht anwendbar sein, so würden doch die schon 1864 beschlossenen Grundsätze der Internationale in Anwendung kommen, welche verlangen, daß bei Meinungskämpfen innerhalb der Partei und auch gegen Gegner die Grundsätze der Wahr- heit, des Rechtes und der Sitte nicht verlassen werden sollen. Der Erfurter Parteitag hat diese Grund- sähe ausdrücklich b e st ä t i g t, und man hätte daher nicht in per- sönlicher, gehässiger Weise eine Versammlung gewerkschaftlicher Funktionäre angreifen dürfen. Ich gebe allerdings zu, daß auch in der G e w e r k s ch a f t S- presse Aeußerungen geschehen sind, die allerschärf st e Rüge verdienen. Wir haben diese Dinge auch in der ge- meinschaftlichen Sitzung des Parteivorstandes und der General- kommission vorgebracht. Ich will zum Beispiel an folgenden Satz des„Korrespondenten" erinnern:„Pfui Dcubel über solches Demagogengeschmeiß. Es scheint statt des KopfeS mit Verstand eine Konservenbüchse mit Dörrgemüse auf dem Kopfe zu tragen." Das stellt alles in den Schatten, was in der Partei- presse gesagt worden ist. Angesichts eines solchen Tones kann man sich nicht wundern, daß auch von anderer Seit« über die Schnur gehauen wird. Total falsch ist es, wenn behauptet wird, daß wir der Parteipresse in Gewerkschaftsfragen einen Maulkorb vorhängen wollten. Dann wäre ja die Parteipresse schlechter gestellt als die Gewerkschaftspresse, die sich dos Recht nicht nehmen lassen wird. in solchen Situationen ihre Meinung zu äußern. So hat sich auch in seh: verständiger Weise die„H o l z a r b e i t e r- Z e i t u n g" geäußert. Von der Redakteurkonferenz Beschlüsse zu befürchten, die die Rechte der Parteipresse beschneiden, ist schon darum über- flüssig, weil diese Konferenzen ja keine Entschlüsse zu fassen haben, sondern nur der Aussprache und der Verständi- gung dienen. Kautsky hat davon gesprochen, daß wir auf die schiefe Ebene kommen, wenn wir anfangen, die Parteipresse zu zensieren. Für den Parteivorstand wäre es direkt bequem, wenn er auf Beschwerden über Parteiblätter einfach antworten könnte, er habe kein Zensurrccht. Wir haben das aber bjFher nicht getan und glaubten dabei im Sinne der Parteigenossen zu handeln. Der Parteivorstand hat stets genau erwogen, was im einzelnen Falle zu tun ist. Run möchte ich übergehen zu den Angriffen, die gegen den Parteivorstand wegen seiner Tätigkeit oder Richttätigkeit in der Frage des Marokkokonfliktes erhoben worden sind. Die einschlägige Korrespondenz haben wir Ihnen vorgelegt. Es ist jedenfalls nicht richtig, wenn behauptet wird, der Parteivorstand habe in dieser Frage wochenlang nichts getan und andere Länder hätten in ganz anderer Weise die Arbeiterbewegung gegen die Kriegsmöglichkeit aufgeboten. Kurz vor der Entsendung des„Panthers" nach Agadir hatten Vorstand und preußische Landeskommission Wahlrechtsver- Sammlungen über ganz Preußen vorgesehen. Run wurde ganz selbstverständlich neben der preußischen Wahlrechts- 'rage in den Versammlungen auch die inzwischen wider alle Er? Wartungen akut gewordene Marokkofrage behandelt und enk- 'prechende Resolutionen angenommen. Auch in anderen Bundes- itaaten wurden Versammlungen wegen der Marokkofrage abgehalten, Wir haben äußerst eingehend alle diese Vorgänge verfolgt. Bebel war in Holland, stand in ständiger Fühlung mit dem internatio- nalen sozialistischen Bureau und berichtete uns über diese Aus- spräche. Natürlich haben wir nicht alle Pressenachrichtcn allzu tragisch genommen. Die Frage des Ultimatums betrachteten wir wie die„Leipziger Volkszeitung" als Sensation- che». Den geeigneten Zeitpunkt für eine Aftion hielten wir in dem Augenblick für gekommen, als nicht mehr bloß die rheinisch- westfälische Panzerplatten-Jnteressentcnpresse, sondern auch die parteioffizielle„Nationale Korrespondenz" in unerhörter Weise Kriegshetze trieb. Da setzte unsere Aktion ein und ich kann sagen, daß sie von bestem Erfolg begleitet war. Da haben wir das bekannte Flugblatt schreiben lassen. Wir hielten den Genossen Kautsky für den geeigneten Verfasser. Wir haben uns auch allerdings darin getäuscht(Heiterkeit), wie der weitere Verlauf der Debatte über das Flugblatt gezeigt hat.(Er- neute Heiterkeit.) Das Flugblatt soll nicht den notwendigen Ton getroffen haben. Ich will hier nicht den ganzen Artikel der„Leipzi- ger Volkszeitung" wiederholen. Unsere Absicht mit diesem Flug- blatt war, die Leute, die bisher nur aus der Kreisblatt- und Generalanzeigerpresse etwas über Marokko und die Weltwirtschaft- lichen Zusammenhänge gehört haben, nicht etwa aufzupeitschen, andern aufzuklären. Als wir das Manuskript des Flug- blattes lasen, waren wir überzeugt, daß für diesen besonderen Zweck ein besseres Flugblatt kaum geschrieben werden könnte. Ich kann nun feststellen, daß die Partei ein- mütig die Art und Weise, wie die„Leipziger Volkszeitung" und die Genossin Rosa Luxemburg hier vorgegangen sind, abgelehnt hat. Unter keinen Umständen darf eine derartige Aktion, selbst wenn man das Flugblatt für noch so schlecht hält, in dieser Weise gestört werden. Man hat uns Spanien und Frankreich vorgeführt, wo schon in der ersten Juliwoche Protestversammlungcn abgehalten worden seien. Auch in D e u t s ch l a n d ist aber dock schon im Juli in der Presse und in Versammlungen die Marokkofrage vielfack, berührt worden. Wir Deutschen können doch ohne Ucberhebung 'cststellen, daß in keinem Lande so viel getan worden ist wie im Deutschen Reiche. Die auslandisckien Bruder- Parteien haben uns ihre Bewunderung über die großen Aktionen ausgesprochen, die wir jetzt in der Marokkokrise gehabt haben.(Zu- ruf: Jetzt!) Ich erinnere an die ungeheure Beteiligung bei der De- monstration im Treptower Park, in Leipzig und in an- deren Großstädten. Bei den Organisationsverhältnissen anderer Länder können solche Massen gar nicht in Aktion treten. Die Agi- tation ist aber auch nirgend wo so in die Breite gegangen, wie bei uns. Wir können uns eine so intensive Agitation eben leisten, weil wir in alle Gegenden hineinkommen. Wir können also mit Stolz auf unsere Arbeit in dieser Richtung verweisen, Es ist bemängelt worden, und das wird ja wohl in der Debatte noch eingehender geschehen, daß der Vorstand seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen sei. Ter Artikel Kautskys zum Parteitage st natürlich in der besten Absicht geschrieben, aber es ist darin ge- sagt, daß gerade in kritischer Zeit nur einer auf dem Parteibureau gewesen sein könne. Wenn sich Mehreres zusammendrängt, da kann einmal so etwas vorkommen, aber stets waren fünf von den neun Vorstandsmitgliedern in Berlin anwesend, und die konnten jeder- eit zu einer Sitzung zusammenberufen werden. Gerade an dem Tage, wo Molkcnbuhr den bekannten Brief geschrieben hat, war er n i ch t allein auf dem Bureau anwesend. Bebel hat schon auf die Gesundheit der Kritik am Parteivorstand hingewiesen. lieben Sie sie, wir aber können nicht zugeben, unsere Aufgaben vernachlässigt zu haben. Es wird auch zitiert, daß Pfannkuch auf der sächsischen Landeskonferenz in Meißen gesagt hat, daß der Vorstand nicht immer in der Lage gewesen sei, das tun zu können, lvas er gewollt habe. Aber im folgenden Satz hat Pfannkuch ausdrücklich gesagt, er erkläre doch, daß Versäumnisse von dem Parteivorstand aus keinen Fall gemacht sind! vnd das ist d>e Auffassung Sei gesatkikett VorstanbeS. Rtflkfaft Isal ein einziges Mitglied deS Vorstandes irgendwie wichtige Enffche�. düngen im Namen der Partei gefällt. Wir haben dielen Ressort- Partikularismus nie gehabt, alle wichtigen Dinge werden der Be- schlußfassung unterbreitet. Selbstverständlich werden Kleinigkeiten des laufenden Geschäftsverkehrs, wie Ansuchen um 5000 unentgelt« liche Flugblätter nicht erst der Sitzung vorgelegt. In der Paria- mentszeit haben wir stets zwei Sitzungen in der Woche als das Normale festgehalten. In den Ferien oder Sommermonaten kann es, wenn keine besonderen politischen Ereignisse vorkommen, natürlich sein, daß man mit einer Sitzung auskommt. Dies zu dem Artikel des Genossen Dittmann im„Vorwärts", und was die dort auch erörterte Frage der Ressorts anlangt, so ist das, was hier gewünscht wird, soweit ein Bedürfnis danach vorliegt, teils schon vorhanden, teils ist der Keim da. Nach unserer Auf- fassung können aber die gewünschten neun oder zwölf Ressorts nicht ständig von je zwei Sekretären verwaltet werden, sondern es find je zwei derartige Ressorts heute in einer Hand vereinigt. Die Entwickelung hat diese Verhältnisse erzeugt. Der Vorschlag Ditt- manns ist nicht neu, sondern Quarck. Keil und Äauts-ky, dieser in der Vorrede zu„Demokratie und Parlamentarismus", haben ja ähnliche Vorschläge, teilweise für die Bruderparteien des Auslandes, schon früher gemacht. Nun ist die Frage aufgetaucht: Ist der Parteivorstand über- lcfftet oder ist er bei seiner jetzigen Zusammensetzung imstande, die für die Partei notwendige Arbeit zu leisten? Alle organisatorischen Fragen haben wir unter dem Vorsitz unseres unvergeßlichen Paul Singer behandelt und alles notwendige in die Praxis umgesetzt. So viel als möglich haben wir die Mitglieder des Vorstandes von mecha- nischen Hilfsarbeiten zu entlasten gesucht, wir haben drei Hilfskräfte im Bureau und hatten bereits, bevor diese Debatten losgingen, die Anstellung einer vierten beschlossen. Weiter haben wir dem Par- teivorstand einen techmschen Gutackte? für die Parteipresse ange- gliedert, der jedoch nicht Sitz"nd Stimme im Parteivorstand hat. Zu beachten ist auch, daß in gewisser Weise die Arbeiten des Partei- Vorstandes sich verringern und in dem Matze, wie die Bezirksorgani- sationen ausgebaut werden und die einzelnen Wahlkreise zur An- stellung von Beamten übergehen, wenden sich Leute, die Rat suchen, nicht an den Parteivorstand in Berlin, sondern an ihre Bezirksvorstände. Insbesondere im letzten Jahr ist die Arbeit im Bureau sehr groß gewesen, weil infolge der langen Krankheit von Bebel seine Arbeit teilweise in Vertretung mit zu übernehmen war. Einen Teil seines Ressorts hat Bebel ja auch während des letzten Jahres erledigt, und jetzt ist zu hoffen, daß er sehr bald einen großen Teil seiner Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Schon bevor die Debatten darüber einsetzten, haben wir unS mit der Frage der Verstärkung des Parteivorstandes beschäftigt und wollen an den Parteitag mit der Bitte herantreten, die Zahl der Sekretäre um einen zu verstärken. Wenn der Parteitag ztvei für notwendig hält, so wird das zwischen uns und ihm kein Streit- Punkt sein. Ferner behauptete' man, die Parteileitung sei nicht in der nötig en Fühlung mit den Massen draußen. Aber gerade in den letzten Jahren ist das mehr der Fall gewesen als früher, das beweist das Protokoll über unsere Verhandlungen mit den Bezirkssekretären. Die Bezirkssekretäre waren mit allem, was wir vorschlugen, einverstanden; es wurde geradezu gesagt, der Parteivorstand schütte ein Füllhorn über sie aus, und man bezweifelte, ob alles ausgeführt werden könnte. Tatsächlich ist es geschehen, abgesehen natürlich von einigen mit den Reichstags- Wahlen zusammenhängenden Punkten. Wir haben auch ständig die Landeskommission von Preußen zusammengehabt, die ja aus den Delegierten der einzelnen Bezirke zusammengesetzt ist, die uns über die Stimmung in den Bezirken unterrichtet haben. Beim Zusammentritt der Kontrollkommission haben wir durch ein Mitglied des Parteivorstandes einen Vortrag über alle wichtigen Dinge, die die Parteileitung in den letzten Jahren beschäftigt haben, halten lassen. Nur einen Fall bon Einwendung haben"hie gehabt, und der betraf die M a r o k k o f r.a g e; da glaubte ein Mitglied, es hätte zur Aufklärung der Parteigenossen� mehr ge- schehen müssen. Aber auch da ist ja noch nichts verpaßt worden. Seit die Partei besteht, sind noch niemals so viel An- regungen gekommen und so viel neue Institutionen ge- schaffen worden. Nicht nur die Mitgliederzahl der Parteiorganisa» tionen wurde verstärkt, sondern es wurde auch für eine Ver» tiefung der Parteigrundsätze bei den neugewonnenen Massen gesorgt. AuS dem Bericht deS BildungSauS- s ch u s s e S ersehen Sie, daß nicht weniiger als 60 351 Personen an den von ihm eingerichteten Kursen teilgenommen haben. Auch viele Parteischüler nebmcn verantwortliche Stellungen in der Partei und in der Gewerkschaft ein und nutzen ihre Kenntnisse im Interesse der Arbeiterschaft aus. Ebenso hat das Zusammenwirken der Gewerkschaften mit den Jugendlichen Fortschritte gemacht. Weiter ist das sozialdemokratische Presse» bureau begründet. Wie notwendig es war, zeigt das Wachs- tum der sozialdemokratischen Tageszeitungen, deren Zahl von 65 im Jahre 1007 auf 81 angewachsen ist. I» neuester Zeit sind Beratungen gepflogen, inwieweit durch eine Ein- richtung deS Auslandsdienstes die Partei in ihrem Bestreben der Aufklärung der Massen gefördert werden kann. Dann ist das im vorigen Jahre angekündigte sozialdemokratisch« Bureau für Rheinland und Westfalen in Angriff genommen. Nicht weniger als 20 024 M. sind dafür ausgegeben worden, eine Summe, die im Hinblick auf daS mit den reichlichsten Mittel» raffiniert arbeitende Bureau des katboliscben Volksvereins nicht zu hoch erscheint. Weiter ist im letzten Jahre die Partei- korrespondenz ausgebaut und eine besondere Abteilung zur Abfassung von Broschüren und Flugblättern eingerichtet, die bereit? so viel Material auf den Markt geworfen hat, daß schon gesagt wurde, man könne gar nicht alles lesen, man solle mit dem reichen Segen Einhalt tun. Neben diesen Jnstihi- tionen zur Abwehr gegnerischer Angriffe haben wir auch Positives für unsere Ziele geleistet. Wir baben nichts versäumt, was zur Ausbreitung unserer Parteigrundsätze geschehen kann. ES kann »ns nicht der Vorwurf gemacht werden, daß wir nicht diejenige Initiative entfaltet� haben, die zur Befruchtung unsere? Partei- lebcns notwendig ist. Es müßte merkwürdig zugehen, wenn die kommenden großen Kämpfe, nicht nur die Wablkämpfe, sondern auch die Massenaktionen, nach dieser reichen Tätigkeit der sozial- demokratischen ParteileDsing und der Parteigenossen im Lande nicht reiche Frücbte bringen würden. Wir haben auch in dem letzten Jahre alles getan, was notwendig ist, um uns den Sieg zu sichern und um die Arbeiterklasse von dem Doppeljoche bcr politischen und ökonomischen Knechtschaft zu befreien.(Beifall.)� Bericht über Kasse und Presse. Ebert: Der Kassenbericht hat in der gesamten Partei sehr freund- liche Aufnabme gefunden. Im Gegensatz zum vorigen Jahre ist der diesjährige Abschluß ein durchaus günstiger und er- freulicher. Unsere Gesamteinnahmen stiegen von 953 409 auf 1 354 761 M. Das ist die h ö ch st e Einnahme, die die Partei bisher in einem Jahre zu verzeichnen batte. Die Steigerung der Einnahmen ist hauptsächlich auf die erhöhten Einnahmen aus den Beiträgen zurückzuführen. Das ist ein schöner Beweis für die innere Festigkeit und Leistungsfähigkeit unserer Organisationen. 362 gegen 335 Wahlkreise im vorigen Jahre haben Teiträge an die Zentralkasse abgeführt, sogar ein Wahlkreis, der noch über keine Vereinsorganisation verfügt. Weitere Kreise haben nachträglich eingesandt. Nur 12 Wohlkreise, darunter 5 aus Elsatz-Lothringen, haben ihrer BeitragSpflicht nicht genügt. Und gerade die ärmsten und kleinsten Wahlkreise haben ihre Pflicht erfüllt.(Bravo!) In Zukunft müssen alle Wahl- kreisorganisationen rückbaltlos ihrer BeitragSpflicht nachkommen. Darauf müssen auch die Bezirksvorstände achten. Zu klagen!! über die alte Unsitte, daß sich so mancher Wahlkreiskassierer zuungunsten der Zentralkajse verrechnet.(Heiterkeit.) ES muß endlich völlig« Ordnung kn unser Beitragdwesen kommen. Vom Recht der Sei- tragSermätzigung haben wir nur in ganz besonderen Fällen Ge- brauch gemacht. Wenn auch viele Wahlkreise, darunter manche keineswegs kleine oder arme, dahingehende Ansinnen stellten. Aller- dings lagen meist besonders ungünstige Verhältnisse vor. Aber wir haben der Konsequenzen wegen fast alle diese Anträge abgelehnt. Der Parteivorstand hat es in solchen Fällen vorgezogen, lieber durch Erhöhung des Agitationszuschusses einen Ausgleich zu schaffen. Ter Mindestbeitrag hat sich fast überall durchgesetzt und ist nur in zwei Wahlkreisen noch nicht eingeführt, die eine ganz junge und schwache Organisation besitzen. Alle übrigen Kreise haben einen Mindestbeitrag von 30 Pf. monatlich für männliche Mitglieder, 82 haben den 10 Pf.-Wochenbeitrag. 48 weitere er- heben einen Beitrag von monatlich 40 Pf., drei erheben so- gar monatlich 50 Pf. von den männlichen Mitgliedern. Der 10 Pf.-Wochenbeitrag setzt sich mehr und mehr durch; jetzt hat ihn auch die badische Landesorganisation obligatorisch einge- führt. Aber trotz dieser erfreulichen Entwicklung machen die Bei- träge doch nur 50 Proz. unserer gesamten Einnahmen auS, die Partei ist also nach wie vor aus besondere Zuwendungen angewiesen, und hierauf beruht die große Schwankung unserer Finanzgebarung. Die sonstigen Einnahmen sind zu einem erheblichen Teil freiwillige und außerordentliche, zum Teil beruhen sie auf Ueberschüssen unserer Parteigeschäfte. Beide Quellen lausen sehr verschieden und beeinflussen unsere Finanzen ungemein. Im laufenden Jahre waren die besonderen Zuwendungen sehr hoch. Unter anderem befindet sich auch darunter das Vermächtnis unseres unvergetz- l ich e n S i n g er. Im Einverständnis mit dem Stifter ist das Kapital in Höhe von nominell 50 000 M., das unter der Bezeichnung „Juliusturm" zur Zeit des Köllerkurses für die Unterstützung der Opfer polizeilicher und gerichtlicher Verfolgung von einem Partei- genossen überwiesen wurde, dem allgemeinen Parteivermögen zu- geführt worden. Es handelt sich dabei aber nicht um eine neue Ein- nähme, und der Posten läuft auch nicht durch unseren Kassen- Qbschliift. Tue Ausgaben der Zentralkasse sind um 81 622 Mk. höher als im Vorjahre. In Wirklichkeit ist aber die Steigerung der regelmäßigen Ausgaben erheblich höher. Wie schon Müller hervorgehoben hat, hat die Parteileitung in den letzten Jahren eine große Reihe neuer Institutionen geschaffen und diese Institute sind besonders im letzten Jahre erheblich ausgebaut und erweitert worden, so daß auch hierdurch die regelmäßigen Ausgaben erheblich gestiegen sind. Die Gesamtausgabe der Partei betrug 1911 897 180 Mark gegenüber 815 557 Mk. im Vorjahr. In den nächsten Jahren werden sich die Ausgaben durch das Rheinisch Westfälische Bureau und durch die literarische Abteilung vermehren und die be- vorstehenden Reichstagswahlen werden ganz erhebliche Anforderun. gen an die Zentralkasse stellen. Die Verstärkung unserer Reserven war daher sehr notwendig. Die Partei ist finanziellauch so gerüstet, daß die Genossen mit vollem Ver. trauen den kommenden Kämpfen entgegensehen können.(Bravo!) Aber natürlich dürfen die Genossen nicht alles Heil von der Zentralkasse erwarten.(Heiterkeit.) Der Satz, daß der Krieg den Krieg ernähren muß, hat auch für die Zukunft Gel- tung. Der günstige Kassenabschluß Hot den blassen Neid der Gegner erregt und die bürgerliche Presse hat die Opferfrcudigkeit der Ar- beiter der Bourgeoisie zum Muster empfohlen. Täuschen wir unS nicht darüber I Die Gegner sind auch gerüstet! Der Dollar des Ha nfabundes und der Juliustürmer, die Kalischmiergelder des Bundes der Landwirte und der Rubel der Industriellen werden bei den nächsten Wah. lcn eine große Rolle spielen. Aber wenn wir alle unsere Schuldig- teit tun, dann werden wir getrost in die Zukunft sehen können. (Lebhaftes Bravo!) Wir haben über die Finanzgebarung der Wahlkreisvrganisa- tionen interessante Tabellen aufgestellt, die wir aber nicht dem Be- richt anhängen konnten, um ihn nicht ungebührlich zu verlängern. Auch lassen die Kassenberichte der Einzelorganisationen an Ge- r wissenhaftigkeit und Korrektheit noch viel zu wünschen übrig. Die Verwaltung war und�ist auch noch sehr uneinheitlich; doch ist ein Zug auf Vereinheitlichung nicht zu verkennen. Wir müssen endlich '' Maßnahmen treffen, daß eine einheitliche Verwaltung durchgeführt wird, und ich bitte die Kreise, die ich hier übrigens nicht nennen will, bei denen eS noch mit der Berichterstattung ha- pert, auf Vereinheitlichung Hinzuwirten. Erst dann sind die Grund- lagen gegeben für eine einheitliche spezialisierte Statistik über die Finanzgebarung der Partei. Die Gesamteinnahmen der oben er- wähnten g74WahlkreiSorganisationcn bcliefen sich auf 3 737 570 Mk.; ihre Gesamtausgaben auf 2 978 781 Mk. Am Schluß des Jahres hatten diese 374 Kreise einen Gesamtkassenbcstand von 753 976 Mk. Insgesamt hatten also im letzten Jahre die Parteiorganisationen eine Einnahme von 4 468 600 Mk. und eine Ausgabe vo n 3 895 960 M k. Die Partcipresse hatte am 30. Juli 1911 einen Gesamtbestand von Abonnenten von 1 306 465. Gegen das vergangene Jahr hat die Parteiprcsse eine Zunahme von 146 449 Abonnenten zu vcrzeich- nen. Die Einnahmen aus Abonnements sind um 875 465 gestiegen, die aus Inseraten um 873 048 Mk. Im Jahre 1890 hatten wir 254 000 Abonnenten. 1899 400 000, 1906 837 790. 1909 1 041 488, 1910 1 160 016 und 1911 sind es 1306 465. Wir haben also neben den gewaltigen Fortschritten in der Parteiorganisation auch eine geradezu glänzende EntWickelung unserer Partei. presse zu verzeichnen. Den an der Parteipresse tätigen Genossen und nickt zuletzt den Tausenden von Parteigenossen, die die Klein. arbeit für die Partei, fiir die Presse leisten, mliß an dieser Stelle der besondere Tank des Parteitages ausgesprochen werden.(Beifall.) Die letzten ReichSIagSwahlen brachten uns einen Abonnenienzu- wachs von 211000. Wenn wir so weiter arbeiten, werden wir im nächsten Jahr« kräftig auf dia zweite Million Abonnenten'losmar- schieren.(Lebhafter Beifall.)'' Den Bericht der Kontrollkommisfiou erstattet Kaden: Die Kontrollkommission hat in den letzten Jahren noch mit dem Parteivorsland zusammen eine mitleitende Tätigkeit ausgeübt und über alle wichtigen politischen Vcrwallungmo.ßnabineii gemeinsam mit dem Parteivorstand beraten und Beschlüsse gefaßt. Sie bildete gewissenmanen mit dem Parleivorstande die Parteileitung. DaS ging über die ihr durch das Organisationsstatut zugewiesenen Befugnisse hinaus. In einer gemeinsamen Beratung über die Be- fugnisie wurde Einverständnis darüber herbeigeführt, daß eS förder- ltcher wäre, wenn die Kontrollkommission von jeder mitleitendcn Tätigkeit absehe und sich darauf beschränke, lediglich ihre in den KZ 14. 15 und 20 de» OrganisalionsstaiutS niedergelegten Rechte und Pflichten auszuüben. Danach hat die Kontrollkoinmiision lediglich die Tätigkeit deS Parteivorstandes zu kontrollieren und als BerufunaSinstanz für Beschwerden über de» Parteivorstand zufiiiigieren, sowie die in den§§ 14 und 15 deS OrganisationsstaluteS übertragenen Wahlen zu vollziehen. Innerhalb dieser Grenzen hat die Kontrollkommission im Berichtsjahre ihre Täligkeit ansoeübt. Um die Tätigleit der Kontrollkonimisston zu vereinfacheii, Würbe dir Einrichtung geschaffen, daß bei Beginn ihre« vierteljährlichen «usammeniretenS sie über alle wichtigeren Vorgänge im verflossenen Vierteljahr durch einen mündlichen Bericht orientiert wurde. Femer hielt sie eS für notwendig, sich auf allen wichtigeren vom Parteivorstande veranstalteten Konferenzen vertreten zu lasten. Nack dem Tode unsere« unvergeßlichen Paul Singer mußte sich die Kontrollkommfffion mit der Ersatzwahl für den Parteivor- stand beschäftigen. Nach eingehender Erörlcrimg kam sie zu dem Beschluß, mit Rücksicht darauf, daß der nächste Parteitag voraus- fichtlich früher tagen würde, von dem nach Z 15 des Orgaiiifations- slalutS ihr zufiehenden Wahlrecht keinen Gebrauch zu machen, die Wahl vielmehr dem nächsten Parteitag vorzubehalten. Beschwerden über den Parteivorstand lagen der Kontroll- kommission nicht vor. Die RcvisionStätigkeit der Kontroll- kominission nimmt einen immer größeren Umkana an. Durch das stetige sehr erfreuliche Wachsen der Partei und der da« durch notwendig werdenden Einrichtungen wie Parteischule, Parteikorrespondenz, Pressebureau, BildungSanSichutz und ähnliches mehr, haben die Kassengeschäfte eine große Ausdehnung erfahren; außerdem hat die Kontrollkommission auch die Bücher der natur- gemäß sich immer mehr ausdehnenden Parteibelriebe wie.Vor- wärtS', Buchhandlung,»Kommunale Praxis' usw. zu revidieren. ES ist eine Vereinbarung mit dem Parteivorstand getroffen, die eine größere Bereinheillichung und Vereinfachung der Kassengeschäfte herbeiführen soll. Wegen deS von Ebert erwähnten, unter der Bezeichnung.Julius- türm' geführten Fonds kann ich namens der Kontrollkommission bestätigen, daß der Bestand des Fonds in Höhe von nominell 50 000 M. dem allgemeinen Porteivcrmögen zugeführt ist. Bei den Revisionen hat sich zu Beanstandungen kein Anlaß gefunden. Vielmehr wurde die Geschäftsführung in allen Zweigen der Verwaltung sowie in allen Betrieben in mustergültiger Ordnung befunden. Wir beantragen daher, dem Parteivorstande Decharge zu erteilen.(Lebhafter Beifall.) Borsitzender Dietz: Wir kämen jetzt zur Diskussion über den Geschäftsbericht deS ParteivoistandeS und den Bericht der Kontroll- kommission sowie die zur Agitation und Organisation gestellten Anträge. Nicht genügend unterstützt werden die Anträge 10(Breslau I, Gufirau) und 17(Köslin-Kolberg). Der Antrag 13(Stuttgart) wird zurückgezogen. Von den nachträglich eingegangenen und sonstigen Anträgen werden mit zur Diskussion gestellt 55(Bremen) und 63 (Magdeburg), 64(Mansselder Kreis) und 66(Düsseldorf). Darauf werden die Verhandlungen um 1 Uhr auf nachmittags 3 Uhr verlagt. Nachmittagssitzung. Vorsitzender Dietz eröffnet die Sitzung kurz nach 3 Uhr. Leber bittet die Parteitagsmitglieder und vor allem die Reichstagsabgeordneten, sich als Redner für die von den thüringi- scheu Wahlkreisen während der Parteitagswoche veranstalteten Ver- sammlungen zur Verfügung zu stellen. Hierauf beginnt die Diskussion über dea Geschäftsbericht de» Vorstandes und die dazu vorliegenden Anträge. Auf die Marokkosrage soll sachlich erst nach dem Referat Bebels eingegangen werden. Rosa Luxemburg: Sie werden alle die kleine Schrift des Parteivorstandes erhalten haben, die eine Reihe schärfster Angriffe gegen mich enthält. Die Verbreitung dieser Schrift von der höchsten Parteibehörde ist ein etwas ungewöhnliches Vorgehen und ich schließe darauf aus eine ungewöhnliche Geistesverfassung unseres Parteivorstandes. (Ohorufe.) In der Eile des Gefechtes haben sich meine Ankläger nicht einmal die Mühe gegeben, den angeklagten Artikel der„Leip- ziger Volkszeitung' durchzulesen. Ich gehe jetzt die Angriffe gegen mich durch. Durch Weglassung des Anfangssatzes deS Briefes des Genossen M o l k e n b u h r soll ich eine grobe Irreführung begangen haben. Nun heißt eS aber in meinem Artikel ausdrücklich:.Die Antwort wurde zwar nur von einem Mitglied des Parteivorstandes als seine Privatmeinuna mitgeteilt, doch haben sich offenbar die übrigen Mitgl-eder derselben angeschlossen, denn eine weitere Kund- qebung von dieser Seite erfolgte nicht." Ich habe also flipp und Ilar gesagt, daß es sich nur um die Privatmeinung eines Vor- standsmitglicdes handelte, und die Behauptung meiner Unter- schlagung dieses Satzes ist eine Handlung, die ich vor lauter Ver- chrung vor unserer obersten Parteibehörde nicht näher bezeich- nen will. Weiter werde ich angeschuldigt, die Tatsache unterschlagen zu haben,>aß Genosse Bebel sich zu der Frage der internationalen Konferenz im zustimmenden Sinne geäußert hat. In meinem Artikel steht:„Das deutsche Mitglied des Internationalen Bureaus erklärte gleichfalls zunächst die Konferenz für nicht empfehlenswert und die geplante Zusammenkunft unterblieb aus diesem Gruitde." Ich habe also die Tatsache, daß Bebel— den Namen habe ich allerdings nicht genannt, wie ich überhaupt keine Namen genannt habe— sich zu der Frage geäußert hat, nicht nur nicht unterschlagen, sondern sie ausdrücklich angeführt, daß er sich zustimmend geäußert hat. Was hat nun Genosse Bebel selbst geschrieben. Im ersten Briefe von ihm, vom 10. Juli, heißt es: „Wie ich vernehme, soll in Bälde eine Konferenz in Sachen der Marokkofrage stattfinden. Ich beabsichtige, wenn irgend möglich an der Konferenz teilzunehmen." Am 12. Juli aber folgt ein zweiter Brief, worin es heißt:„Die Marokkoasfäre hat neuerdings einen Charakter angenommen, daß mir zunächst eine Konserenz des Internationalen Sozialistischen Bureaus nicht empfehlen s- wert erscheint.' Diese Erklärung soll jetzt im zustimmenden Sinne aufgefaßt sein. Wenn mich meine Augen nicht trügen, so ist das ein ablehnender Sinn. Aber, wenn der Parteivorstand etwas behauptet, so wage ich nie, eS nicht zu glauben, denn für mich als frommes Parteimitglied gilt in diesem Falle der alte Satz: Ich glaube eS, weil es absurd ist.(Heiterkeit.) Die dritte Beschuldi- guna lautet nun. daß ich mich einer groben Indiskretion schüldig gemacht habe, weil ich überhaupt den Brief veroffent- licht habe. (Bebel ruft: Diese Meinung hat auch da» Internationale Bureaul) Nun heißt«S im ersten Satze des Molkenbuhrschen Briefes: „Vorläufig will ich meine persönliche Ansicht mitteilen, die ich auch am Dienstag in einer Versammlung ausgesprochen habe."(Hört! hört!) Es war also eine so geheime Sache, daß sie Molkenbuhr vor versammeltem Volke in Berlin erzählt hat. Man könnte meinen, ich hätte durch Veröffentlichung des Briefes von Molken- buhr etwa die Verständigung des Internationalen Bureaus verhindert. Nun war aber die Konferenz des Internationalen BureauS abgeschlossen am 12. Juli, mein Artikel erschien am 24. Juli und die große Aktion war abgeschlossen und leider nicht zu einem gedeihlichen Ende geführt. Darum mutz ich auf die Frage eingehen, war eS nötig, sie zu diesem ungedeihlichen Ende zu führen oder hätte man ihr noch eine andere Wendung geben sollen? Ich bestreite, daß eS indiskret von einem Parteimitglied ist. sich in der Oeffentlichkeit kritistl, mit den Handlungen des Parteivorstandes im Interesse der Partei zu befassen. Ich gehe weiter und sage, der Parteivorstand hat sich einer Unter- lassung seiner Pflicht schuldig gemacht, daß er nicht selbst an unS herangetreten ist. Er mutzte die Korrespondenz veröffent- lichen und der Kritik der Partei unterbreiten. Es handelt sich um die große Frage, ob sich der Parteivorstand einer UnterlassungS- sünde schuldig gemacht hat oder nicht.(Heiterkeit.) Ob er sich ver- spätet hat mit dem Auftrage, große Protestaktionen gegen den Imperialismus zu veranstalten oder nicht. Wenn die Auffassung MolkenbuhrS nicht die des Vorstandes war— ich nehme es nach der Erklärung an— welche andere Auffassung hat Euch denn dazu geführt, daß Ihr nichts getan habt in der Zwischenzeit, wo etwas getan werden sollte?(Sehr richtig!) Rückt doch mit dem holden Geheimnis heraus; die vorgelegte Korrespondenz enthält nicht ein Wort einer anderen Erklärung.(Bebel: Mit dieser Schrift baben wir gar keine Erklärung abgegeben!) Meine große Sünde ist also, daß ick versucht habe, mir die Handlungen resp. Unter- lassungen des Vorstandes begreiflich zu machen. Ter Parteivor- stand fühlt sich indigniert uich verletzt, gibt aber nicht die geringste Erklärung ab. weshalb er nichts getan hat. Ueberhaupt dpi Natur nach schließt diese ganze Angelegenheit jeden Begriff von Jndis- kretion aus. Der Parteivorstand ist nichts anderes als unser Beauftragter, und wenn wir ihm sagen, er hat nicht das Richtige getan, dann steht es ihm nicht zu. zu sagen: Das ist unsere diskrete Angelegenheit. Mischt Euch nickt ein! Hat sich denn der Parteivorstand zum ersten Male aus falschen Rück- sichten von einer wirklichen Aktion zurückhalten lassen? Denken Sie an den Mainzer Parteitag. Damals standen wir mitten in der Chinakrisis. Auch damals hat er nicht die richtige Aktion hervorgerufen. Hört man nicht seit Jahren auf Schritt und Tritt, daß mit Rücksicht auf die ReichstagSwahlen alles getap und unter- lassen wird? Das hat sogar der»Vorwärts' dem Parteivorstand zum Vorwurf gemacht. Ich würde Ihnen gern das Zlkat verlesen, aber ich habe die Nummer des„Vorwärts" nicht hier; ich habe sie mir einrahmen lassen.(Heiterkeit.) Unsere Kritik war durchaus angebracht, denn wir sind durch die Haltung des Vorstandes in eine ganz schiefe Lage gegenüber der Internationale geraten.(Lebhafter Widerspruch Bebels.) Ich muß mich wun- dern, daß der Parteivorstand, der ein so langes Sündenregister hat, hier mit Anklagen auftritt.(Lachen.) Eine Körperschaft, die von Natur aus so der Kritik ausgesetzt ist, sollte sich hüten, ihren Kritikern den Vorwurf der Illoyalität zu machen. Ich bin entfernt von falschen Auffassungen und Mißdeutungen, aber unsere Gegner könnten vielleicht auf die Idee kommen, daß dieser ganze Tonner und Blitz vielleicht nur den Zweck hatte, abzulenken von den wirk- lichen Fragen, von der Frage, warum der Parteivorstand nicht auf der Höhe der Aufgabe in der Aktion gegen den Imperialismus war.(Vorsitzender Dietz macht die Rednerin darauf crusmerk- sam, daß ihre Redezeit längst abgelaufen ist.) Ich verteidige mich gegen solche Vorwürfe, daß ich glaube, man müßte mir noch ein paar Minuten schenken.(Bebel: Dann müssen auch alle anderen das Recht haben I) Dann will ich schließen. Eigentlich ist der Parteivorstand nicht der Anfläger, sondern der Angeklagte, der sich zu verantworten hat für seine Unterlassungssünden.(Sehr richtig!) Das beweist ja auch der Bericht des Genossen Müller. In meinem Leben habe ich noch nie ein Bild einer so rührenden Hilflosigkeit gesehen.(Lachen: Bebel ruft: Na! nal) Darum gebe ich Euch den väterlichen Rat(Große Heiterkeit— Bebel: Den mütterlichen Rat!): bessert Euch! (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Dr. Lcnsch-Leipzig: Zunächst ein Wort gegen einen Vorwurf, der gegen die„Leip- ziger Volkszeitung" erboben worden ist. Die Kritik des bekannten Marokko-FlugblatteS soll die Aktion der Partei deswegen besonders geschädigt haben, weil sie„mitten in die Aktion" hineingefallen ist. Dieser Vorwurf fällt in sich zusammen. War doch eine Woche nach diesem Artikel die große Demonstration der Berliner Genossen, und wir sind ja wohl alle einig, daß diese Aktion durch den Artikel der„Leipziger Volkszeitung" nicht gelitten hat. Auch hat ja der Parteivorstand gesagt: Solange diese Sachen bloß in der„Leip- ziger Vollszeitung" stehen, reagiere ich nicht darauf. Aber als der Genosse Rosen feld in der Versammlung sie erwähnte, war die Aktion so gefährdet, daß der Vorstand nunmehr während der Aktion darauf reagierte. Was bedeutet überhaupt dieses Argument der Kritik während der Aktion? Wir sind Sozialdemokraten, die immer in Aktion sind, und wenn wir Kritik nur üben dürfen, wenn wir nicht in Aktion stehen, dürfen wir überhaupt keine Kritik üben. Man ist sich auch keineswegs, wie Genosse Müller behauptete. in der ganzen Parteiprcsse einig über das„Ungehörige" dieses Artikels. Das beweist die Haltung der Parteiblätter in Halle, Erfurt und Elberfeld. Soll während der Aktion die Kritik unterdrückt werden, dann müssen politische Schlafmützen in die Parteiredaktionen gesetzt werden. Stubengelehrte, nicht politische Kämpfer verzichten auf die Kritik während der Aktion. Muten Sie einem politischen Kämpfer zu, erst aufzustehen, wenn andere Leute sich stbon zu Bett gelegt haben! Wäre etwa am Sonntag oder übernächsten Sonntag eine allgemeine Verbreitung de? Flug- blattes geplant gewesen, so hätte man vielleicht sagen können: wir wollen die Aktion nicht stören; dann hätte ich vielleicht gesagt: diese eine Woche wollen wir uns den Artikel noch verkneifen; aber so steht es nicht. Es handelte sich um eine Stellungnahme des Partei- Vorstandes zur Politik des Jmperalismus, und da mußte der Parteiprcsse die Kritik freigegeben werden. Nun komme ich zu einem anderen Flugblatt in der Marokko- affäre, dem hier verbreiteten Flugblatt, mit dem sich auch die Ge- nossin Luxemburg schon beschäftigt hat, dem Marokko-Flugblatt, das den Vorzug genießt, vom Parteivorstande verfaßt zu sein und das keine glücklichere Hand verrät als die erstere. Ein unglücklicher Sietn scheint über den Marokko-Flugblättern des Partclvökstandcs zu leuchten. Aber die beruhigende Gewißheit hat man nach der heutigen Rede des Genossen Müller: Der Partcivoistand hat seine Akten über die Marokkoasfäre in Ordnung. Aber-«s wäre schön, wenn man dancbpn auch die politische Initiative in Ordnung hätte. Und diese Initiative läßt, und zwar nicht bloß in letzter Zeit, so außerordentlich viel zu wünschen übrig. Ich bewundere den Mut des Parteivorstandes, der sick hinstellt und erklärt, sich keiner Schuld bewußt zu sein, in demselben Augenblicke, wo er der Ge- nossin Luxemburg in persönlicher Verärgerung die unerhörtesten Vorwürfe macht, sie der Unterschlagung beschuldigt, ihr Dinge nach» sagt, daß man meinen könnte, es müßte gegen sie wegen ehAoser Handlung vorgegangen werden, wo doch schon darauf hingewiesen worden ist, daß die sachlichen Alrgumente nicht zutreffen, daß die „Leipziger Vollszeitung" nicht unterschlagen hat.(P f a n n k u ch: Das Datum auch nickt?) Wenn der Parteivorstand einer Genossin Unterschlagung und ähnliche Tinge vorwirft, und er sich in dem- selben Augenblick nachweisen lassen mutz— ich will keine scharfen Worte gebrauchen—, wie leicht er sich diese Argumente gemacht hat, dann beneide ich den Parteivorstand nicht um diese Leistung, die er hinter sich hat. Ich sage nicht subjektiv, aber als objektives Ergeb- uiS dieses Marokko-Flugblattes haben wir weiter nichts als den Versuch, die ganze Marokkodebatie auf ein falsches Geleise zu schieben. Hier handelt es sich nicht um die Genossin Luxem- bürg, sondern um die Frage: Hat der Parteivorstand in der Marokkofrage seine Pflicht erfüllt oder nicht. Die Frage wollen wir uns nicht verdunkeln lassen. Die Partei hat einen Ansvruch darauf, zu wissen, welche Ali, schauungen in der Frage der Welt- Politik im Parteivorstande herrschen. Sie hat ein Recht darauf, zu wissen, aus welchen Gründen diese Marokkoaktion nicht borge- nommen wurde. Und da sage ich ganz offen, daß die Veröffent- lichung deS Molkenbuh scheu Briefes ein Verdienst gewesen ist. Wir müssen erfahren, nach welchen Anschauungen die imperialistische Politik im Parteivorstand getrieben wird. Die Anschauung MolkenbuhrS in jenem Briefe geht dahin, nach Wahl rücksichten und wiederum nach Wahlrrücksichtcn die ganze Marokkoaktion zu behandeln. DaS ist kein Privatbiief, den Molkenbuhr geschrieben hat. Als Mitglied deS Parteivorstandes schreibt kein Mensch Privatbriefe.(Heiterkeit, Widerspruch. Bebel ruft: Die Vor- standsmitglieder können doch für ihre Person Privatmeinung äußern!) Wir haben jahrelang Zurückhaltung geübt, jetzt aber müssen wir diese Rücksichten fahren lassen.(Beifall.)) Dittmann-Solingen? ES handelt sich hier um die Frage der Aktionsfähigkeit deS Parteivorstandes in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung. Das leitet hinüber zur Frage der Reorganisation der Partei- l e i t u n g überhaupt. Es fragt sich, ob es auf die Dauer bei dem gegenwärtigen Zustand in bezug auf die Zusammensetzung deS Parteivorstandes so bleiben kann oder nicht. Ich kann leider daraus nicht eingehen.weil ich zu einer anderen Sache persönlich zu sprechen genötigt bin. Die„Bcrgische Alrbeiterstimme' gehört nämlich zu denjenigen Parteiblättern, dem die Ehre zuteil ge- worden ist, in dem berühmt gewordenen Geheimerlaß des Vor- standes mit Namensnennung gerüffelt zu werden. Auch diese Frage steht insofern in einer gewissen Parallele zu der von Luxemburg und L e n s ch behandelten, als beide Fragen zeigen, daß sich unsere Parteileitung in einer gewissen Abhängikeit von der Generalkom Mission befindet. (Sehr richtig!) Die Initiative zur internationalen Friedenskundgebung in Berlin hat die Gcneralkommission ergriffen und der Parteivorstand war dabei das fünfte Rad am Wagen. In der Frage des G e h e i m z i r ku l ar s hat sich der Parteivorstand direkt von der Gencralkommission schieben lassen. was ich dokumentarisch nachweisen will. Die..Bergische Arbeiter- stimme" hat bis zur Veröffentlichung� der Resolution der Gau. t-orsteherkonferenz überhaupt keine Stellung zum Buchdrucker- konslikt genommen. In dieser Resolution hieß es:„Die Konferenz erblickt in der ungehörigen Art. in der einige sozialdemokratische Parteiorgane das Urteil des Tarifamtes sowie die Stellungnahme des Verbandsvorstandcs glossierten, einen neuen Beweis fiir die abfällige Beurteilung, deren sich die Buchdrucker seit Jahren von dieser Seite zu erfreuen haben. Sie bringt zum Ausdruck, daß eine solche Einmischung in interne Organisationsfragen nicht im Interesse der Arbeiterschaft liegt und deshalb zurückgewiesen werden muß." Das ist nichts weniger als das Verlangen, daß sich die Parteipresse überhaupt jeder Kritik an den Handlungen der Gewerkschaftsleitungen zu ent- halten habe. sSchr richtig!) Diese Aeußcrungen sind in dem Geheimzirkular und auch in dem betreffenden Brief der Generalkommission nicht gerügt worden. Daß diese Rüge an die Parteipresse schon in der Resolution der Gauvorstchcr enthalten war, obgleich wir erst nach dieser Resolution vorgegangen sind, ist der beste Beweis dafür, daß eS sich nicht um eine angeblich unsachliche Kritik, sondern um die Unterbindung jeder Kritik der Parteiprcsse handelt.(Sehr richtig!) Die„Holzarbeitcr-Zeitung" schreibt in einer ihrer letzten Nummern:„Wir wollen doch den Standpunkt nicht verwischen. ES ist unS nicht eingefallen, das Tarifamt deshalb zu tadeln, weil es bemüht war, dem Tarif Anerkennung zu verschaffen. Hätte das Tarifamt nach gewissen- hafter Prüfung entschieden, daß die Arbeiter tarifbrüchig sind, dann hätten sie eben die volle Schuld zu tragen gehabt, und es wäre schwerlich einem außerhalb des Berufes Stehenden eingc- fallen, das Urteil zu kritisieren. Es ist ausschließlich der Passus des Urteils, durch welchen Unternehmer ermächtigt wurden, d i e Vertrauensmänner der Arbeiter zu maßregeln, der unsere Kritik herausfordert, und es bleibt uns noch heute unbegreiflich, wie geschulte Gewerkschafter ein solches Vorgehen billigen können." Diese Bemerkung des Verbandsorgans, der nach mir zum Worte gemeldeten Mitglieder der Generalkommission Robert Schmidt und Legten, möchte ich diesen beiden Ge- nossen zur ganz besonderen Beachtung empfehlen! Nach dem Geheimerlaß und dem Zirkular der Generalkommission müßte eS scheinen, als habe das Solinger Partei- organ den Deutschen Buchdruckerverband eine gelbe Streikbrecheroraanisation genannt. Der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" hat wochenlang seitenlange Artikel voll ver gröbsten formalen Beleidigungen gegen die Parteiblätter von Solingen, Elberfeld, Essen usw. gebracht. Die ..Bergische Arbeiterstinime" hat festgestellt, 1. die neue Verschlechte- rung der Arbeitsverhältnisse, 2. die Maßregelung der Verbands- vertrauenSmäner, 3. die Verhöhnung der gewerkschaftlichen Soli- darität und 4. die Aufforderung der Verbandslcitung zum Streik- bruch. Von diesem Standpunkt ist unsere Kritik ausgegangen, er deckt sich mit dem der„Holzarbeiter-Zcitung" und einer ganzen Reihe anderer Gewerkschaftsblättcr. Die„Bcrgische Arbeiter- stimme" hat gesagt, wenn Handlungen, wie sie sich die leitenden Instanzen des Buchdruckerverbandes zu schulden kommen ließen, bisher von Hirsch-Dunckerschen, Christen und Gelben vorgekommen sind, so war die ganz« Partei- und Gewerkschastspresse einla rn der Verurteilung dieses Vorgehens und dann sagen wir:„Der Beschluß der Gauleiterkonferenz wird in der ganzen freiorganisiertcn Arbeiterschaft jedenfalls lebhaftes Be- fr e m d e n und schärfste Verurteilung hervorrufen. Die Sprache dieses Beschlusses atmet den Geist eines unerträglichen BureaukratismuS, der jede solidarische Handlung von Mitgliedern als Verbrechen brandmarkt und mit dem toten Buchstaben einen Fetischi-KultuS treibt. Das ist nicht die Sprache einer selbstbe- wußten, frei und demokratisch verwalteten Arbeiterorganisation, die auf dem Boden des proletarischen Klassenkampfes steht, sondern die Sprache einer gelben Streikbrecherorgani- lation. die sich als Schutztruppe des Unternehmertums fühlt. »'S ist nicht anzunehmen, daß die Mehrheit der Mitglieder des Buchdruckerverbandes diesen Beschluß billigt, so daß der Verband gerade in der Zeit der neuen Tarifrevision eine schwere innere Krise haben wird dank dem Unverstand seiner führenden Elemente." Die Kritik richtet sich also nur gegen die Sprache der Resolution. (Die Redezeit ist abgelaufen, wird aber durch Zuruf der Versamm- lung verlängert.(Bebel ruft: Für alle!) Erstens eine Unterwürfigkeit:„Zu Befehl, ihr alleruntertänigster Diener Herr Kommerzienrat Büxen st ein" gegenüber den Unter- nchmern und ein forsches Duckdich,„kusch" den eigenen Ver- b�indsmitgliedern gegenüber. Das ist das Empörende, was auch die Kritik der..Bergischen Arbeitcrstimmc" heraus- gefordert hat. Man kann sagen, die Kritik ist grob, aber sie war doch berechtigt. Es kommt darauf an. zu verhindern, daß nicht durch die leitenden Instanzen der Gewerkschaftsbewegung ein Druck ausgeübt wird auf die Parteipresse, um die notwendige Kritik an der Arbeiterbewegung, auch an der Gewerkschaftsbewegung, zu unterbinden.(Vereinzelter Beifall.) Oskar Hoffmann-Elberfeld: Als Redaktionsmitglied der„Freien Presse" gehöre ich auch zu den Sündern. Stets hat die„Freie Presse" die gewerkschaft- lichen Interessen einschließlich der Interessen des Buchdruckerverbandes wahrgenommen. Zu dem in Frage stehenden Konflikt haben wir in der sachlichsten Form Stellung genommen. Dagegen hat der„Korrespondent" Wochen- und monatelang in der gröbsten Weise gegen die„Freie Presse", und die Arbeiter- < presse überhaupt, Front gemacht. Die Entrüstung steht der Ge- neralkommission nicht besonders an, da doch L c g i e n auf dem Dresdener Gewerkschaftskongreß erklärt hat, daß man mit Seide keinen groben Sack näht. Es ist bezeichnend, daß man mit Rück- ficht auf die politische Situation sachliche Kritik nicht mehr dulden will. Man kann die Rolle des Parteivorstandes in diesem Fall nicht mehr schön nennen. Die Generalkommission fühlt sich in einer weit besseren Rolle, sie sucht die Interessen ihrer Beamten in jeder Form zu vertreten, aber der Parteivorstand desavouiert seine Parteipresse. Da mutz der Parteivorstand eine andere Sprache reden und von der Generalkommission verlangen, daß die Gewerkschaftsblätter das auch beobachten. D ö b l i n verlangt, daß die Parteiorgane den Gewerkschaften die Wahrung ihrer Aufgaben nicht erschweren. Wir haben dasselbe Verlangen in verstärktem Maße an die Gewerkschaftspresse zu richten. Lrdebour: Ueber die letzte Frage nur ein paar Worte. Mit Recht beschwert sich die Parteipresse darüber, daß der Parteivorstand einer Rüge seine Zustimmung gegeben hat, durch die die Kritik an der Gcwerk- schaftSbewegung überhaupt unterbunden werden soll. (Zustimmung und Widerspruch.) ES ist nicht nur Recht, sondern Pflicht der Arbeiterpresse, an allen Dingen öffentlich Kritik zu üben, die die Arbeiterbewegung berühren, und daher auch an den Vorgängen, wo gegen den Geist der Solidarität des Proletariats gesündigt ist, wie in der Angelegenheit der Buchdrucker. Und nun zu der berechtigten Anklage gegen den Parteivorstand wegen seines Verhaltens in der Marokko angelegenheit. Es hat sich hier niemand zu verteidigen außer dem Parteivorstand. Man denutzt die wirklich unverantwortliche Uedereilung, die die Genossin Luxemburg mit der Kritik des Flugblattes geübt hat, um den Kern zu vertuschen, wie ich das ja auch voraus- gesagt habe. Ich bin mit der Genossin Luxemburg oft in Konflikt geraten und werde, wie ich sie kenne, wohl noch manchmal in Kon- flikt geraten.(Große Heiterkeit.) Das hält mich aber nicht ab, ausdrücklich zu erklären, daß, wenn es überhaupt jetzt in Deutsch- land zu großen Demonstrationen gegen Krieg und Kriegshetzer ge- kommen ist, nicht der Parteivorstand daran das Verdienst hat, son- kern die Genossin Luxemburg mit ihrer Kritik.(Zustimmung und Widerspruch.) Wenn sie nicht gekommen wäre, dann hätten die Genossen vom Parteivorstand nicht den Finger gerührt.(Heiterkeit beim Vorstand. S ch o l i ch- Breslau ruft: Ledcbour hätte es viel besser gemacht. Heiterkeit.) Ich habe die Sache schriftlich niedergelegt, weil man die Sache hier nicht gründlich und voll- ständig erörtern kann. Wenn die Genossin Luxemburg nicht selbst vorher den Brief veröffentlicht hätte, so würde das jetzt vom Parteivorstand gegen sie veröffentlichte Flugblatt, die schwerste Selbstbezichtigung des Parteivorstandes sein. Was wäre denn herausgekommen, wenn diese Geschichte in die Oeffentlichleit gekommen wäre, ohne daß nach- träglich eine Aktion erfolgte. Ich habe im„Halleschen Volksblatt" Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für de, die dokumenlarischen Beweise für die von her Genossin Luxemburg publizierten gravierendsten Tatsachen veröffentlicht, tzyndman hatte schon im Frühjahr die schwersten Anklagen gegen den deutschen Parteivorstand erhoben, daß er nichts getan hat.(Zuruf vom Par- teivorstaud: Das stimmt nicht!) Ich habe auch nicht behauptet, daß Hhndman recht gehabt hat.(Zuruf Bebel: Wozu denn die An- klage?) Der Parteivorstand wußte aus dem Vorgehen von Hhnd- man, wie seine Haltung im Auslande aufgefaßt und ausgenützt wurde, und trotzdem ist er auf die abermalige Anregung nicht ein- gegangen, und wieder ist dann vom Redakteur der Federation in England die Anklage gegen die deutsche Partei erhoben worden, daß sie die Aktion durchkreuzt hat, obwohl Frankreich, Spanien, England ihr mit Freuden zugestimmt haben. Sie sagen„vor- läusig", aber im Moment der Kriegsgefahr ist die Aktion sofort geboten, da heißt es jetzt oder nie. Bei solchen Angelegenheiten hört vor allem nur das Nein. Das Nein hat auch das Ausland herausgehört, und das hat deprimierend gewirkt und das Ansehen der deutschen Partei im Auslande geschädigt. Als Mac Donald, dem Führer der Labour Party, seine nationale Gesinnung zum Vorwurf gemacht wurde, erklärte er, daß die deutsche Partei ja nichts gegen den Krieg tue. Ter Glaube, der durch ihr Nichtstun entstanden ist, daß die deutsche Partei entweder nicht wolle oder nicht wage, die internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, die ihr aus ihrer Stärke erwachsen, kann nur dadurch ausgerottet werden, daß wirklich energisch vorgegangen wird. Eins der größten Probleme, deren Lösung der internationalen Sozialdemokratie noch harrt, ist die Frage, wie soll einem Kriege be- gegnet werden. Mit dem Aufheben von 200 000 Händen in einer Demonstrationsversammlung ist es nicht getan, die Frage ist zu er- örtcrn, was zu geschehen hat. Auf die Einzelheiten will ich nicht eingehen.(Teilw. Htkt.) Wir können nicht sagen, wir werden einen Generalstreik machen, noch viel weniger können wir sagen, wir kön- nen keinen Generalstreik machen. Unter allen Umständen müssen wir uns mit den Parteigenossen der fremden Länder verständigen. Eine Aktion wie diese kann nicht von einem Lande allein ausgeführt werden. Die Einleitung einer solchen Aktion wäre eben die Aufgabe ver- traulicher Besprechungen der leitenden Genossen aller Länder ge- wesen. Der Vorstand hat diese Aufgabe leider nicht erkannt und sie nicht bewußt aufgenommen. Er hat in dieser großen Situa- tion versagt. Darum ist cS unsere Aufgabe, den Vor st and vorwärts zu treiben, um diese größte und wichtigste Auf- gäbe des kämpfenden revolutionären Proletariats zu erfüllen. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Düwcll-Berlin: Ich habe Anträge zu vertreten, die die Aktionskraft des Parteivorstandes stärken sollen. Der Vorstand selbst hält eine solche Verstärkung für notwendig. Die Antragsteller gehen allerdings weiter. Der erste Berliner Wahlkreis nennt in seinem Antrag keine bestimmte Zahl. Nieder-Barnim fordert die Anstellung von drei neuen Sekretären. Der Reichstagswahlkamps stellt uns vor ungeheure Aufgaben und die Aufgaben werden mit der Beendigung des Wahl- kampfcS nicht aufhören. Vielleicht wäre manche Differenz nicht zu der Bedeutung und EntWickelung gelangt, wenn der Parteivorstand stärker besetzt gewesen wäre. Er hätte dann ein wachsameres Auge auf die emporsteigenden Differenzen und Meinungsverschieden- heiten haben können. Vielleicht sind ein bis zwei Personen nötig, von denen die eine die Haltung der Parteipresse, die andere die gewerkschaftlichen Verhältnisse in ihre Obhut zu nehmen hätte. Müller hat gesagt, der Parteivorstand würde sicher zwei Sekretäre akzeptieren.(Bebel: Er muß annehmen, was beschlossen wird.) Ich glaube, er wüxde eS nicht unangenehm empfinden, wenn drei beschlossen würden.(Zuruf vom Parteivorstand: Warum nicht sechs!) Vielleicht würde der Parteitag, wenn der Parteivorstand es begründet, auch sechs Sekretäre nicht ablehnen. Wir sind aber bescheiden und begnügen uns mit drei. Bei dem Wachstum unserer Truppen müssen wir auch Generale haben. Und deshalb bitte ich,, stimmen Sie den Anträgen zu. Bebel: Ich werde nur auf einen Teil der gegen den Vorstand ge- richteten Angriffe eingehen, und zwar auf den rein politischen Teil. Den anderen werden meine Kollegen bezw. die Berichterstatter erledigen. Die Genossin Luxemburg äußerte, der Partei- vorstand habe gegen sie ein ganz ungewöhnliches Vorgehen beliebt. Das Vorgehen ist allerdings insofern ungewöhnlich, als da? Vor- gehen der Genossin Luxemburg sehr ungewöhnlich war. (Beifall.) Sie hat unser Vorgehen provoziert, sie hat aus Ver- Handlungen, die entschieden vertraulicher Natur waren, sich erlaubt, bruchstückweise Veröffentlichungen zu machen, die alle Beteiligten als Indiskretion empfinden mußten. Und sie hat das in einer Weise getan, die mit der Wahrheit in Widerspruch steht. (Lebhaftes HörtI hört!) In der Konferenz, die ich am 30. Juli mit dem Sekretär des Internationalen Bureaus hatte, hat er mir gesagt, sie wären übereingekommen, künftig der Genossin Luxemburg als Mitglied des Internationalen Bureaus überhaupt keine Informationen mehr zu geben (Beifall und Hört! hört!), denn da? sei nicht die erste Hn- diskretion gewesen.(Lebhaftes Hört! hört!) Ich sagte noch: „Tun Sie das nicht, das ist Sache des Internationalen Buercaus." Nun hat die Genossin Luxemburg behauptet, sie habe sich eine unrichtige Darstellung nicht zuschulden kommen lassen. Sie hat es so hingestellt, als ob sie in durchaus loyaler und korrekter Weise verfahren sei, und behauptet, daß die übrigen Vorstandsmitglieder sich Molkenbuhrs Meinung angeschlossen hätten. Das ist eine Vermutung, für die sie nichts als ihre eigene Meinung hat. Sic hat in dem Briefe Molkenbuhrs den ersten Satz weggelassen: „In einer Vorstandssitzung habe ich Ihren werten Brief noch nicht vorlegen können", trotzdem erweckt sie in ihrem ganzen Artikel die Meinung, daß der Vorstand der Ansicht Molkenbuhrs sei. Wenn das nicht eine Verdrehung ist, dann gibt es überhaupt keine Verdrehungen.(Lebhafter Beifall.) Die Parteipresse, die nicht informiert war, hat dann, zum Teil Beschuldigungen gegen den Vorstand erhoben, dir unberechtigt waren. Die Genossin Luxemburg hat weiter behauptet, daß Molkenbuhr und der Parteivorstand die Konferenz glatt ab- gelehnt habe. Sie konnte diese Behauptung nur aufstellen, weil sie den Schlußsatz unterschlagen hat, in dem gesagt wird. daß wir vorläufig mit der Besprechung warten können.(Leb- Haftes Hört! hört!) Da appelliere ich nun an den ganzen Partei- tag. an die ganze Partei und frage: Hat die Genossin Luxemburg damit nicht eine ganz falsche Tarstellung der Sache gegeben? (Stürmische Zustimmung.) Es ist eine Stiedertracht! Sie hat die Haltung des Parteivorstandes vollständig falsch dargestellt. Sie hat nicht allein den Brief Molkenbuhrs mißhandelt, sie hat auch meine Auslassungen mißhandelt. Sic sagt, daß ich es am 10. Juli mitgeteilt habe, daß ich der geplanten Marokkokonferenz beiwohnen wollte. Sie behauptet dann, zwei Tage später habe ich es abgc- lehnt. Das ist einfach nicht wahr.(Hört! hört!) Ich habe vielmehr erklärt, und zwar am 12. Juli, daß die Marokkofrage neuerdings einen Charakter angenommen habe, der mir zunächst eine Konferenz des internationalen Bureaus nicht empfehlenswert erscheinen lasse. Ich erklärte, wir wollten einstweilen warten und unser Pulver nicht zu frühzeitig verschießen. Daraus machte Ge- nossin Luxemburg eine glatte Ablehnung. Sie hat wieder voll- ständig unterschlagen und verschwiegen, daß ich mit H u y S m a n S zusammengekommen bin und ihm sagte, er solle die Angelegenheit scharf im Auge behalten und sobald sich die Notwendigkeit einer Einberufung des internationalen Bureau? ergibt, nicht nur die Mitglieder der zunächst interessierten Staaten einberufen, son- dein das ganze Bureau.(Hörtl hört!) Wir haben mit Huysmans verabredet, daß die Eröffnung der Konferenz durch eine große Demonstration in Brüssel eingeleitet werden sollte. DaS alles hat die Genossin Lu�dmburg nicht mitgeteilt. Ihre ganze Darstellung über das Verholten des Parteivorstandes ist von A bis Z vollständig falsch oder mißverstanden. Das ist das allermindeste, was man darüber sagen kann. Nun hat sich Genosse Ledebour auf die dokumentarische Darlegung berufen, die er i Inseratenteil verantw.: Th.Glocke, Berlin. Druck li.Äer!ag: vorwärts von der Sache geden Kerde.(Lededour ruf!: Wie da» gelvirkt hat!) Dann hätten Sie sagen müssen, daß die Frage verhandelt wurde uiil) welche Resultate die Sache hatte. Davon hören aber die Leser nichts. In der„Justice" hat Hyndman die deutsche Parteileitung angellagt, man sei viermal wegen der Friedensdemonstration an sie herangetreten, hätte aber stets Ablehnung erfahren. Die Sache wurde in der Fraktion besprochen, da Ledebour sie vorbrachte. Wir hatten von keiner einzigen Anfrage gehört und dem- gemäß auch keinerlei Auskunft erteilt. Auch das Jnternatio- nale Bureau wußte nichts davon. Auch der Genosse Queich, der derselben Organisation angehört wie Hyndman, weiß von nichts. Was kommt also dabei heraus? Zu einer Zeit, als die Marokkofrage gar keine Rolle spielte, haben sie einmal geschrieben, wir sollten eine gemeinsame Friedensdemonstration machen. DaS hat die deutsche Partei abgelehnt. Das war aber im November 1009.(Große Heiterkeit.) Ich weiß aber auch davon nichts uno auch Molkenbuhr weiß nichts davon. Die ganze Geschichte schwebt in der Luft und auf Grund dieser Tatsachen erklärt Ledebour im vollsten Brustton der Ueberzeugung: die Deutschen wollten nichts tun. Und doch haben wir überall unsere Pflicht ge- tan. Wenn es eine Nation gibt— ich sage das ohne irgendeine andere verletzen zu wollen—, die gegenüber der Internationale zu jeder Zeit in erster Linie ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit getan hat, dann ist es die Deutsche Partei.(Stürmischer anhaltender Beifall.) Es ist eine der schwersten Herabwürdigun- gen der eigenen Partei, wenn solche in keiner Weise begründete Angriffe gegen uns erhoben werden. Wir sind z. B. materiell und finanziell für die russische Revolution eingetreten und haben eine halbe Million dafür aufgebracht. Das ist unendlich mebr als die ganze Internationale zusammen aufzubringen,«m- stände war.(Lebhafter Beifall.) Und so ist es Überall. Daß diese falschen Darlegungen, die seit Wochen durch die Presse gehen, große Aufregung verursachen, ist verständlich. Glaubt man nun mit dem Parteivorstand gründlich abrechnen zu müssen? Ich habe mich über eines gefreut, nämlich daß Ledebour fordert, man müsse ver- traulich« Besprechungen abhalten. Vertrauliche Besprechungen! Die Genossin Luxemburg bringt auch die allervertraulichsten Besprechungen an die Oeffentlichleit. Ich frage Sie alle, ob nicht in jeder Organisation Zusammenkünfte und schriftliche Erörterungen stattfinden, die man vorläufig oder überhaupt verschweigt. Wie würden wir alle uns wehren, wenn auf einmal die vertraulichen Zirkulare oder privaten Veröffentlichungen allgemein bekannt ge- geben würden, weil das einem Querkopf so einfällt.(Lebhafte Zu- stimmung.) Die ganzen gewerkschaftlichen Verbände würden dagn in die Lust gesprengt werden. Dieses überlegt Euch, dann wißt Ihr, was Ihr von der Kampfesweise der Genossin Luxemburg zu halten habt. Noch einS! Man verlangt vom Parteworstand immer mehr Initiative. Ganz meine Meinung. Glauben Sie denn, ich wäre mit dem Partei» vorstand zufrieden(Große Heiterkeit), da irren Sie sich. Ich habe manchmal zu meinen Kollegen gesagt, seid nur froh, daß ich Euer Kollege bin.(Große Heiterkeit.) Es ist auch eine ganz falsche Darstellung der Genossin Luxemburg, als wolle der Partei- vorstand eine sakrosankte Einrichtung sein, die man nicht kriii- sicren dürfe. Der Schlußsatz unseres Schreibens lautet ausdrück- lich:„Es ist der Genossin Luxemburg gutes Recht, die Hand- langen des Parteivorstandes zu kritisieren." Aber eS sollte jedes Mitglied der Partei unter seiner Würde halten, mit illoyalen Waffen und irreführenden Darlegungen einen Kampf zu führen. Selbstverständlich hat jeder Genosse da» Recht zu kritisieren, ebenso wie cS unser Recht ist zu anworten, wenn wir es der Mühe wert halten.(Heiterkeit.) Ich habe mich oft gewundert, daß man so ivenig an uns kritisiert. Es ist viel mehr an uns zu kritisieren als Ihr glaubt. Ich will eS nur nicht so sagen.(Große Heiterkeit). Unö tut Kritik nicht weh. Wenn Sie glauben, unS vorwärts schiebe» zu müssen, wir lassen un» ganz gerne schieben, voran?- gefrtrt, daß die Schiebung nach der richtigen Seite hin geschieht. Sind wir davon nicht uberzeugt, dann werden wir un» nicht schieben lassen, �lsfo donnert weiter, über den Erfolg bin ich außer Zweifel.(Stürmischer Beifall.) Grumbach-Colmar: Ich stimme mit der Kritik Bebels der Genossin Luxemburg ganz übcrein, wenn ich auch daS Vorgehen des Parteivorstandes in der Marokkofrage nicht für richtig halte. Ein großer Fehler war eS, daß der Parteivorstand sich auf einer Friedens- demonstration, die die Syndikalisten, welche die dortige Partei aufs schärfste bekämpfen, veranstalteten, vertreten ließ, an eine ahn- liche Kundgebung der französischen Sozialdemokratie aber nur.ein Telegramm sandte. ES ist das die Folge der Unkenntnis der Ver- hältuisse in Frankreich, die sich aber der deutsche Parteivorstand nicht erlauben darf. (Schluß in der 3. Beilage.) SrncKts-�eiUmg. Eine sonderbare Beleidigungsklage kam vor dem Spandauer Schöffengericht zur Verhandlung. An- geklagt war der in der dortigen Königlichen Geschützgießerei be- ichästigte Arbeiter Buchholz, seinen Kollegen Friedrich Garbe da- durch beleidigt zu haben, daß er diesen in den Geruch eine? Sozial- demokraten brachte, indem er ein Paket mit sozialdemokratischen Zeitungen und Flugblättern:„Zum Angriff vor!" mit Namensauf- schrift des Garbe auf das Grundstück der Fabrik hinlegte, so daß es der kontrollierende Beamte fand. Der Angeklagte bestritt nicht, den Namen auf das Paket ge- schrieben zu haben, doch will er dazu auf eigenartige Weise ge- kommen sein. Im Februar d. IS. sei er von einem Fremden zu einem Glase Bier eingeladen worden. Er sei der Einladung auch gefolgt; nachdem sie aber zwei Gastwirtschafien besucht hatten, habe der Fremde ihm geheißen, den Namen Garbe auf ein Stück Papier zu schreiben,„denn," so sagte dieser,„wenn er noch schreiben könne. könne er auch noch trinken". Er habe auch den Namen geschrieben, worauf sie sich bald trennten. Ein Paket habe er aber nicht an den fraglichen Ort hingelegt. Wenn er auch mit Garbe verfeindet sei, so wisse er eS doch ganz gut, wie eS tue, wenn man arbeitslos sei, als daß er einem das gönne. Ter Kontrollsührer der Geschützgießerei, Otto Goltz, gab zu- nächst auf Befragen an, daß es den königlichen Arbeitern verboten sei. sozialdemokratische Schriften zu lesen; wer es trotzdem tue. werde entlassen. Er habe früh in der siebenten Stunde daS Paket an dem Markenbrett gefunden und eS sofort seinem Vorgesetzten übcrbracht. Beide hatten sofort die Vermutung, daß dem Garbe ein Streich gespielt werden sollte. Als diesem das Paket zwecks Prüfung der Aufschrift vorgelegt wurde, erklärte er nach einigem Besinnen die Aufschrift als von Buchholz herrührend. Verstärkt wurde der Verdacht gegen Buchholz dadurch, daß ein Scheuerlappen aus dem Paket, der stark nach Kolophonium roch, als aus der Werkstatt herstammend erkannt wurde, in welcher Buchholz ar- bettete. Der beleidigte Garbe gab als Zeuge an, daß er die Handschrift des Buchholz aus einem Briefe kenne, den er im Jahre 190S von diesem erhalten habe. Der Amtsanwalt beantragte darauf 1 Monat Gefängnis und Publikationsbefugnis. Ter Verteidiger. Assessor Dr. Carlsen, beantragte die Freisprechung, da gegen den Angeklagten nichts erwiesen sei. Das Gericht hielt ein ncrn liquet für vorliegend und sprach den Angeklagten frei. Wenn einer nicht Sozial- dcmokrat sein wolle, und er als solcher zwecks Schädigung seiner Existenz bezeichnet wird, so fei darin der Tatbestand der Beleidigung zu erblicken; eine formelle Beleidigung liege also vor. Für die Täterschaft des Buchholz fei aber, trotzdem manches gegen ihn spreche, nichts erwiesen. Die Tatsachen, die anscheinend gegen ihn spreche», entlasten ihn. � Luchdruckerei u. Be rlagSanstalt Bctul Singer u. Co.. Berlin b W. Nr. 213. 28. ZahrMg. 3. KcilU des LmSrls" Kcrlim Dieastag. 12. Zeptember l911. SoÄsIäemoKi'stilchei' Parteitag. (Schluß aus der 2. Beilage.� Clara Zetkin: Wahrscheinlich stoße ich bei der Mehrheit auf Widerspruch wenn ich erkläre, mein Eindruck von dem Vorgehen des Partei. Vorstandes und der Rede Bebels ist der, die Genossen haben das Recht, den Partcivorstand zu kritisieren, wer aber dieses Recht ge» braucht, läuft sehr leicht Gefahr, abgekanzelt und bestraft zu werden.(Widerspruch.)(F r o h m e: Da hört sich doch alles auf!) Die Genofsin Luxemburg hat ausdrücklich erklärt, daß der Brief die private Meinung Molkenbuhrs enthalten habe und wenn sie im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen auf Schlüsse des Verhaltens des Parteivorstandes gezogen hat, so hat sie nicht etwa eine persönliche Vermutung ausgesprochen, sondern sie hat sich auf einen bestimmten Tatbestand gestützt und dieser Tatbestand heißt: Untätigkeit des ParteivorstandcS ungefähr während eiues ganzen Monats.(Sehr richtig!) Vergessen wir nicht, daß der Briefwechsel, auf den sich Bebel beruft, aus der ersten Halste des Juli stammt, während der Aufruf des Parteivor- standeS erst am 9. August erfolgte.(Sehr wahr!) Bebel beruft sich zwar darauf, daß in seine« Brief nur stand, daß wir zunächst Abstand nehmen. Ja, das ist ja eben der springende Punkt für uns. Es handelt sich nicht darum, am St. Nimmerleinstag oder wenn die Hauptwellen der Erregung vorbei sind, zu handeln, sondern sofort aktiv einzugreifen. Das ist der fpringende Punkt, um den sich alles dreht und alles Drehen und Deuteln ändert daran nichts, daß der Parteivorstand nicht von Anfang an die nötige Entschiedenheit und Einmütigkeit gezeigt hat. Dafür einen Beweis, selbst auf die Gefahr, daß man mir In- diskretion vorwirft. Nachdem die Artikel in der„Leipziger Volks. zeitung* erschienen waren, haben wir von der Kontrollkommission. die wir zufällig in Berlin waren, eine gemeinsame Sitzung mit dem Parteivorstand gehabt. Auch da wurde die Frage dieser Artikel angeschnitten. Wir hatten sie noch nicht alle gelesen. Die Mehrzahl der Mitglieder der Kommission war der Ueberzeugung, daß der Parteivorstand lässig gewesen ist, daß er rascher hätte handeln und zugreifen müssen.(E b e r t: Das ist nicht wahr: Sie haben selbst gesagt, es ist nichts versäumt worden.) Ich habe gesagt, es ist nicht zu spät, aber es ist reichlich spät(Hört! hört!), und ich stelle fest, daß ein Teil deS ParteivorstandcS derselben Meinung war.(Hört! hört!) Ein anderer Teil war der Ansicht, es wäre klüger gewesen, bis jetzt zu warten; einige gaben auch der Ueberzeugung Ausdruck, es wäre gut, etwas zu tun, aber man wäre ja nicht ganz sicher, ob die Aktion Erfolg haben würde. Ein. stimmigkeit war nicht vorhanden. LlS Müller heute erklärte, daß der Parteivorstand später so energisch und einheitlich in die Aktion eingetreten sei, habe ich mich gefreut, aber daS ändert nichts daran, daß diese Einmütigkeit und Entschiedenheit früher noch nicht vorbanden war. Ich fühle mich verpflichtet, dieses angesichts der Situation hier festzustellen.(Sehr gut!) Meine Ansicht ist, es ist eine Pflicht der Partei, dafür zu sorgen, daß ihre Beauf. tragten in einem solchen Momente, der die Arbeiterklasse den schwersten Gefahren entgegenführen kann, die Initiative ergreifen. (Lebhafter Beifall.) Das ist bedeutend wichtiger, als der Streit um den sogenannten Fall Luxemburg. Wenn wir unsere Aktion?. fähigkeit, wenn wir insbesondere den festen inneren Zusammen- hang zwischen den geschäftsführenden Instanzen und den Massen ,-aufrechterhalten wollelt, dann müssen wir alS' daS kostbarste und ' unantastbarste Gut daS Recht der freien Kritik auch an I den Aktionen des Parteivorstandcs aufrechterhalten.(Sehr rich- »t:g!) Aus dieser Kritik heraus wächst die lebendige Kraft, welche die Leitung in jedem Augenblick, in jedem verantwortungsreichen Moment in die Lage versetzt, führend an die Spitze zu treten (Lebhafter Beifall.) Robert Lchmibt-Berlin: Die Demonstration in Berlin ist in Uebereinstimmung zwischen Gewerkschaft und Partei zustand- gekommen. Nun wird gesagt, die Veranstaltung in Paris habe diesen Charakter nicht getragen. Sie sei nicht mit Zustimmung der Partei zustand« gekommen. Das ist zum Teil richtig. Wir standen vor einer vollendeten Tatsache, als die Confederation de travaille bekannt gab, sie habe eine große Kundgebung in Paris veranstaltet, zu der sie die Generaltom- Mission einladet. Sollten wir bei der Kundgebung, von der uns die Confederation de travaille sagte, daß aus Spanien, Eng- land, Holland, Belgien Zustimmungen eingegangen waren, fehlen, weil die betreffende Organisation nicht auch die Partei in Frankreich einladet? Wir haben uns gesagt, das würde nach außen hin einen außerordentlich unangenehmen Eindruck machen, wenn wir an dieser Frage die Beteiligung scheitern ließen. Wir haben uns ausdrücklich vergewissert, daß die fran» zösische Partei nichts dagegen einzuwenden hat, wenn wir teilnehmen.(Hört! hört!» Wir haben in Paris noch einmal mit Ledebour und den Parteivorstandsmitglicdcrn ge- sprachen und darauf hingewirkt, daß die französische Partei doch noch eingeladen werde. Nach eingehenden Verhandlungen haben wir daS auch erreicht und sie war auch an der großen Kundgebung in Paris vertreten.(Hört! hört) Es hat unS sehr angenehm be- rührt, daß wir hier von einer Seite, von der wir es gar nicht er- wartet haben, von Genossin Luxemburg(Heiterkeit), großes Lob für unsere Aktion gcerntct haben. Andererseits hat uns Lede- bour den Porwurf des Syndikalismus und der nicht ordnungS- mäßigen Erledigung dieser Ängclegenhcit gemacht. Heute erklärte Lensch, von der alten Taktik müsse man sich abwenden, nun komme eine neue Praxis.(Große Heiterkeit. Bebel: Wer älter ist als bg Jahre, mug aus der Partei heraus!— Erneute stürmische Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob die neue Praxis die rechte ist. Ich bin sicher, daß der Parteivorstand durchaus nicht einen Standpunkt eingenommen hat, der den Genossen Lensch berechtigt, zu sagen, der Partcivorstand möge seine imperialistische Politik begründen. Es wäre der schwerste Vorwurf, den man dem Parteivorstand Quarck-Frankfurt a. M.: ES wurde hier eine Nummer der„Erfurter Tribüne" verteilt, in der ein Artikel über die Eröffnung des Parteitages in Jena steht. Tarin ist gesagt... Vorsitzender Tiey(unterbrechend): DaS hat mit unserer TageS- ordnung nichts zu tun, ich bitte darauf nicht einzugehen.(Es handelt sich um einen Angriff gegen den Vorsitzenden Dietz. Anmerkung der Redaktion.) Dr. Quarck: Ich wurde gebeten, das hier zur Sprache zu bringen. Man sagt- mir, Sie hätten Ihre Zustimmung dazu gegeben. Vorsitzender Dietz: DaS ist falsch. Ich habe ausdrücklich erklärt, sch könne meine Zustimmung dazu nicht geben. Dr. Quarck: Gegenüber der Kritik der Genossin Luxemburg muh ich sagen, wir wünschen solche Mittel der Kritik nicht. Es sieht doch verdammt nach der bürgerlichen und polizeilichen Methode auS, wenn VertrauenSbricfe eines Genossen gegen ihn ausgeschlach- tet werden. Gewiß, selbst Homer schläft einmal. Ter Parteivor- stand mag bei der Marokkoasi'äre nicht schnell genug gehandelt haben. Aber jetzt ist schon eingetroffen, was M o l k e n b u h r vorausgesagt bat. daß die Kreisblätter versuchen, die Marokko- afiäre unter Zurückdrängung aller anderen Fragen auSzur-uten. Ich vermisse auch praktische Vorschläge zur Erhöhung der Aktivität des Parteivorstandes. Denn die Vcr- mchrung von Bcamtcnstcllcn bietet doch keine Garantie dafür, I daß der Parteivorstand vor eventuellen Unterlassungssünden, die bei ] seiner Riesenarbeit vorkommen können, gesichert wird. Wir müssen I wieder, wie in den Zeiten, wo Bebel, Liebknecht, Singer und die anderen zugleich die politischen Führer und die politisch Veranwortlichen waren, statt eines Beamtenmini st e- riums eine Vereinigung der politisch Verant- w o r t l i ch e n finden. Das ist das Problem und ich würde es ve- grüßen, wenn Bebel, wenn M o l k e n b u h r, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, in die von S ü tz h e i m geplante Kommission hineingehen und helfen würden. Die Besetzung des Parteivorstandes mit Parteisekretären genügt uns nicht. Es handelt»ich hier gar nicht um den Gegensatz von Revisionisten und Radikalen. Die im Lande am besten gekämpft haben, gehören als Leiter an die Spitze. Die Form zu finden ist schwierig, aber die Partei hat schon schwerere Aufgaben gelöst.(Beifall.) Legien-Berlin: Die Handlungsweise der Genossin Luxemburg, einen Brief zu veröffentlichen, von dem sie nur als Mitglied des Internationalen Bureaus Kenntnis hatte, müssen wir aufs schärfste verurteilen. Ein solches Vorgehen muß die Aktionsfähigkeit der Partei lähmen. (Sehr wahr!) Gegenüber Dittmann bestreite ich entschieden, daß der Vorstand sich in Abhängigkeit von der Gencralkommission befindet. Beide Körperschaften arbeiten durchaus loyal zu- s a m m e w Was das geheime Zirkular anlangt, so hat es uns völlig ferngelegen, die Parteipresse irgendwie zu zensurieren. In der Sache der Buchdrucker Stellung zu nehmen, hat selbst der Gewerkschaftskongreß abgelehnt. Es handelt sich hier eben um eine Angelegenheit, die für die Aktionen des Buchdruckerverbandes von entscheidender Bedeutung ist. Hinter der Gauvorsteherkonferenz stehen die Mitglieder des Buchdruckerverbandes. Nur die Leute, die speziell an der Sache interessiert waren, haben gegen den Be- schlutz der Konferenz Stellung genommen. Wenn man diese Situation nicht kennt, soll man die Finger davon lassen. Und wenn map doch darüber schreibt, so muß man eS sich gefallen lassen, daß von der anderen Seite ebenso erwidert wird.(Dittmann- Solingen: Gegen den Verband hat niemand etwa? gesagt.) Aber die Gauvorstehcrkonferenz war die erste Instanz im Verbände, die zu sprechen hatte. Oder ist die Gauvorsteherkonferenz für Sie nicht eine Institution des Verbandes?(Dittmann: Aber nicht der Verband!) Ja, wenn solche Ansichten geäußert werden, ist es kein Wunder, daß es zu derartigen Differenzen kommt. Wenn wir der- artige Redakteure in den Parteizeitungen haben, die diese einfachen Ding« nicht kennen und solchen Unsinn sprechen, müssen wir uns wehren. Die Angriffe gegen den Parteivorstand wegen dieses sogenannten geheimen Zirkular? waren ganz unangebracht. machen kann. Ich möchte doch bitten, in dieser Diskussion nicht solche Uebertreibungen und Vergiftungen hineinzutragen.(Lebhaftes Sehr richtigt) Aber es gibt eben Parteiblätter, die seit Jahr und Tag in gehässiger und kurzsichtiger Weise die eigene Partei und unsere Taktik herunterziehen.(Sehr richtig!) DaS verbittert den scbweren Kampf, den wir durchzuführen haben, und ich glaube, eS liegt im Interesse der Partei, daß hier einmal mehr Rücksicht geübt wird.(Lebhafter Beifall.) Ich hätte noch mehr über Geheimerlasse gesprochen, ich will aber keinen Anlauf zu einer langen Rede neh- men. Ueber dies« Dinge wird nachher mein Kollege Ledebour (stürmische Heiterkeit), Legien sprechen. Süßheim-Nürnberg begründet einen Antrag, wonach der Parteivorstand im Anschluß an das Pressebureau eine Instanz schaffen soll, die«ine bessere, billigere und schnellere Herausgabe von Agita- t i o n S- und Aufklärungsschriften und Broschüren ermöglicht und befürwortet weiter die Anträge auf Erweiterung deS Parteivorstandes. Walter. Nürnberg: Die Schaffung einer ganzen Anzahl neuer Parteisekretäre, die vom Parteivorstand nicht für notwendig gehalten werden, halte ich für falsch. Gegen die Methode, daß mitten in der Aktion Kritik an Maßnahmen des Parteivorstandes geübt wird, muß ich als Praktiker in Organisationsfragen P r o t e st einlegen. WclS-Berlin: Die Ausführungen LegienS, die auf das Zusammenarbeiten von Partei und Gewerkschaft hinausgehen, finden Wohl den unge- teilten Beifall der ganzen Partei. Wenn ein Zusammenarbeiten, wie eS hier als zwischen Parteivorstand und Generalkommission bestehend geschildert wird, überall eintreten würde, so würde eine ganze Reihe von schiefen und falschen Auffassungen und Zwistig- leiten aus dem Wege geräumt werden. Nur dadurch kann man aber auch in Gewcrkschaftökreisen zu einer objektiven Kritik der Parteipresse kommen. Der„Correspondent für Deutschlands Buch- drucker" hat unS ja längst zu sehr an seine Angriffe gewöhnt, so daß sie kaum noch wirken. Der„Vorwärts" hat sich bei dem scharfen Konflikt zurückhaltend benommen. Er fand damit den ungeteilten Beifall deS größten Teiles der Gewerkschafts- führer. Er prüfte erst objektiv, mußte aber als Berliner Organ Stellung nehmen und tat dies gerecht und unter Berücksichtigung all der großen Schwierigkeiten, die in dieser Frage namentlich der Buchdruckerorganisation erwachsen ftnb._(Beifall.) Trotzdem ist auch der„Vorwärts" mit anderen Blättern in einen Topf ge- warfen worden. Eine die Organisation schädigende Kritik hat man aber gewiß nicht im„Vorwärts" gefunden.(Beifall.) Dem Antrag 12 Berlin bitte ich Ihre größte Aufmerksamkeit zu widmen. Er zielt auf eine L a n d a g i t a t i o n, die sich die verwandtschaftliche» Beziehungen zunutze machen will. Der Antrag kann wohl in die Tat umgesetzt werden. Da er aber zu einer Verhandlung auf dem Parteitag kaum geeignet ist, möchte ich vorschlagen, ihn dem Vorstand zur Prü- fung und Beratung mit den Landcssekretären zu empfehlen. Der Parteivorstand will die Kritik nicht unterbinden. Er ist nur bestrebt, den Krakeel in der Partei, der immer w-cder ange- fangen wird, vielleicht aus Originalitätssucht, vielleicht aus an- deren Gründen, zu verhindern. Dafür verdient der Vorstand nicht Tadel, sondern Unterstützung und Anerkennung des ganzen Parteitages.(Lebhafter Beifall.) Wenn wir uns die politkschc Situation betrachten und� die Kritik, die von Ledebour, Luxemburg und Zetkin an dem Vorstand geübt worden ist, dann müssen wir sagen, daß diese Kritik ganz falsch ist und ganz gegen die Grundsätze aller Kritik verstößt. Es sind heute vier Wochen verflossen seit den Vorwürfen der Genossin Luxemburg, und es zeigt sich heute bereits, daß der Vorstand alle diese Dinge damals richtig vorausgesehen hat. Nach der Art und Weise, in der immer von der bessimmten Seite Kritik geübt wird, nach alledem, was geschieht, macht diese Kritik auf mich absolut keinen Eindruck mehr. Ob Genossin Luxemburg oder Genosse Ledebour mit etwas einverstanden ist oder nicht, das ist mir schon längst ganz egal. Wie war es denn mit der Tätigkeit des Parteivorstandes in der Marokkosrage? Wir hätten doch in Berlin in erster Linie Ge- legcnheit gehabt, von Ledebour geschoben zu werden.(Heiter- kcit.) Wir haben aber nichts davon gemerkt. lErneute Heiterkeit.) Als wir uns an Ledebour mit der Aufforderung wandten, er solle auf der Verbandsgcncralversammlung von Grotz-Berlin das Referat übernehmen, da erhielten wir folgende schriftliche Ant- wort:„Kann das Referat nur unter der Bedingung übernehmen, daß ich an den Maßnahmen des Vorstandes Kritik üben kann. (Lachen.) Da Sie aber das voraussichtlich nicht wollen, schlage ich den Genossen Däumig vor."(Aha! und Bewegung.) Als Ledebour heute hier Ihnen klar machen wollte, daß durch das Versagen des Parieivorstandes das Ansehen der deutschen Sozialdemokratie vor dem Auslande empfindlich geschädigt sei, da vergegenwärtigte ich mir, daß das nun der Mann ist, der nur dann über Marokko sprechen wollte, wenn er den Parteivorstand herunterreißen kann.(Große Heiterkeit und Hört! hört!) Tie ganze Art der Kritik, wie sie da geübt wird, führt naturgemäß dazu, daß man ihr in der Partei immer weniger Gewicht beilegt. Ich lese z. B. in der„Leipziger Volkszeitung", wie man Leute, denen die wissenschaftliche Führung der Prolc- tariermassen fast in der ganzen Welt zu verdan- ken ist, die die Porkämpfer des Marxismus sin s, erbarmungslos zum alten Eisen geworfen hat. (Hört! hört!) DaS wird uns ausklären, daß letzt von der Vcr- teidigung zum Angriff übergegangen wird. Man spricht von Literatenkrakehlen. Wer nicht derselben Meinung ist, wie Genosi: Lensch, wird deswegen kritisiert und ich muß sagen, der Genosse Lensch berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.(Große Heiter- keit und Beifall.) Molkenbuhr (als er die Tribüne betritt, mit brausendem Beifall und Hände- klatschen begrüßt): Ich danke für die freundlickie Begrünung, aber sie geschieht aus einem traurigen Grunde, aus dem, daß ich jetzt ein Schock Jahre meines. Lebens vollende, wovon ich allerdings. zwei Drittel in der Partei verlebt habe.(Großer Beifall.) Aber zur Sache. Daß der Parteivorstand auf diesem Parteitage� streng kritsicrt werden würde, war vorauszusehen. Nicht, daß wir uns einer Schuld bewußt waren, sondern weil das Wetterleuchten vorausging. Wir konnten es der„Leipziger Volkszeitung" gar n>'t recht machen. Es sollte immer anders sein. Da bekam die Genossin Luxemburg meinen Brief in die Hand. DaS gab wieder neue Angriffe. Angeblich tat der Parteivorstand nichts. Wir geben das Flugblatt heraus, und als es herauskam, da hatten wir wieder etwas verkehrt getan.(Große Heiterkeit.) Es war immer verkehrt, immer nicht das, was Genossin Luxemburg gewünscht hatte. Es ist das Recht jedes Genossen, Kritik zu üben, und ich bin der letzte, der dies nehmen wollte. Dann muß man sich aber auch Antikritik gefallen lassen. Jedenfalls halte ich es für bedenklich, Briefe aus- zugeben, statt der ganzen Meinung eines Menschen über irgend- eine Frage. Jeder Brief wird nur geschrieben im Hinblick auf den Empfänger. Alles, wovon man weiß, daß man mit dem Empfänger übereinstimmt oder was bekannte Tatsachen sind, übergeht man. Wenn man nun sieht, wie die Briefe gebraucht werden, so muß man von vornherein zu einem schiefen Urteil kommen. Genossin Luxemburg konnte nun den Brief noch nicht so gebrauchen. Ich will höflich sein. Lessing nennt es, sie mutzte ihn„korrigieren". (Hört! hört!) Und zwar nicht so, daß die beiden Sätze, die Bebel vorgetragen hat, zum Ausdruck kommen konnten, sondern es mußte auch nun ein Bestandteil von nicht untergeordneter Bedeutung beseitigt werden, nämlich das Datum.(Hört! hört!» Der Brief wurde nämlich geschrieben am K. Juli. Da möchte ich nun einmal den Artikel sehen, den Genossin Luxemburg oder Genosse Ledebour vor dem 8. Juli geschrieben haben. Vor dem 8. Juli war die Marokkosrage eiHe ganz andere als 14 Tage später. Das geht ja auch aus dem Briese HuhSmanS hervor. England war damals noch nicht beteiligt und erst durch seine Beteiligung wurde ja die MarokkokrisiS zu einer akuten Kriegsgefahr.(Sehr richtig!) Damals aber erschien es, als ob der Konflikt zwischen Svanien und Frankreich kommen sollte und deshalb demonstrierten die französischen und spanischen Arbei- ter. Wenn auch der„Panther" schon 6 Tage im Hafen von Aga- dir lag, so war doch der Zweck seiner Entsendung nicht offiziell bekannt gegeben. Wir konnten annehmen, daß nicht allein der Schutz deutscher Bürger, sondern vor allem der Wunsch der Kapi- tallsten, die Raubzüge ausführen wollten, dahinter standen. Aber daL waren nur Vermutungen und darauf konnten wir keine Aktion aufbauen. Eine Aenderung trat am LI. Juli ein, als Lloyd George seine bekannte Rede hielt. Das war für die Genossin Luxemburg das gefundene Fressen.(Heiterkeit.) Und sie veröffentlichte den Brief erst drei Tage nach dem LI. Juli, als die Situation eine ganz andere w-a r. (Aha!) DaS Datum hat man ja mitzuteilen vergessen.(Hört! hört!) ES war natürlich nicht beabsichtigt, derartige Kleinigkeiten wegzulassen. Gerade aber dadurch konnte der Brief das Aufsehen hervorrufen. Hätte man nicht geflissentlich das Datum weggelassen und„geflissentlich korrigiert", dann wäre die Sache vielleicht doch auf der einen oder anderen Seite anders aufgefaßt worden. (Sehr richtig!) Genossin Luxemburg sagt, der Brief konnte nicht vertraulich sein, denn Molkenbuhr schreibt selbst, daß er den Inhalt auch in einer Versammlung ausgesprochen habe. Das habe ich auch, aber es ist nur ein Teil von jenem, was ich in der Persammlung gesagt habe.(Hört! hört!) Wenn wir, das bleibt meine Meinung, unseren Gegnern eine Niederlage bereiten wollen, so wird es immer wieder darauf ankommen, die Sünden der inneren Politik in den Vordergrund zu schieben(Sehr richtig!» und mit unseren Grundsätzen zu agitieren.(Sehr richtig!) Wir haben im September 1910 an der Friedens- demonstration in London teilgenommen. Die Depesche wegen der Demonstration vom 12. Juli in Paris erhielten wir erst L Tage zuvor.(Zuruf: Da war noch Zeit genug!) Die Frage war aber noch nicht so akut, weil ja die Einmischung Englands erst am LI. Jul erfolgte, die Anwesenheit der Franzosen in Berlin Ende Juli wurde zu einer Demonstration ausgenutzt, und wir nahmen, als die Gefahr brennend war, in Paris an der Demonstration teil, indem wir die sonst genommene Rücksicht angesichts der Notwendig- keit zu demonstrieren beiseite ließen. Wir haben ja angeblich nichts verstanden, aber darüber kann man verschiedener Meinung sein. Briefe gehören aber so ohne weiteres nicht in die Oeffentlichkeit. (Lebhafte Zustimmung.) Durch die Veröffentlichung von Lrrefen können die schlimmsten Folgen entstehen.(Sehr wahr!) DaS Ver- langen der Genossin Luxemburg, daß der Parteivorstand selbst seine Briefe an die Oeffentlichkeit bringen muß, muß bekämpft werden, hierdurch würde unsere ganze Tätigkeit lahmgelegt.(Sehr wahr!) Allerdings Leute, die nur recht viel Krakeel machen wollen, würden in solchen Briefen immer einen gefundenen Fraß finden. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Stubbe-Hamburg: In der Marokkofrage hätte der Parteivorstand früher aufstehen müssen. Die Vermehrung der Vorstandskräfte ist notwendig, nicht aber durch bestimmte Kräfte, sondern durch ganz Vertrauens- würdige, bewährte Parteigenossen, die im Hauptamt tätig sind. Ter neue Vorstand kann nicht mehr im Ehrenamt tätig sein, sondern muß alsbesoldeterBeamterdie Fäden der gesamten Partei in Händen haben. Der Vorstand sollte auch mehr und mehr mit Bezirks sekretären in Fühlung treten. Im vorigen Jahre wehrte sich der Vorstand mit Händen und Füßen gegen eine Ver- mehrung der Vorstandsmitglieder.(Widerspruch.) Ja, mit Händen und Füßen. Heute willigt der Vorstand erfreulicherweise in die Vermehrung. Es wäre gut, wenn die Frage der Wahl eines be- soldeten, ständig tätigen Borstandes eine glückliche Lösung finden würde. Unser Parteibureau muß in jeder Beziehung aktionZ- fähig werden. Dißmann-Hanau: Die Partei zeigt eine erfreuliche Entwicklung. In der Ma- rokkofrage hätte von der Zentrale früher eingegriffen werden müssen. Denn eine große Aktion muß einheitlich erfolgen. Wir müssen verlangen, daß die Zentrale rechtzeitig zu solchen Akttonen aufruft. Der Kriegsrummcl ist nicht bloß bei den Alldeutschen loS- gegangen, sondern ist weit in die liberalen Kreise gegangen. Da entsteht doch die Frage, was tun wir? Und da mußten wir zu einer Gegenaktion vorgehen.(Sehr richtig!) In den letzten Jahren hat keine Frage die Massen mehr aufgepeitscht als die Marokko- frage. Dagegen tritt selbst die Neichsfinanzreform zurück. Das geheime Zirkular hieb riesig auf die Parteipresse. Genosse Müller hat heute auch einen Teil der gewerkschaftlichen Presse getadelt. Hätte man das in dem geheimen Zirkular getan, so hätte man dort die heute geübte Parität auch geübt, wären alle Aufregungen vermieden worden. Die Gewerkschaftspresse darf der Partei in den bevorstehenden Wahlkämpfen auch keine Schwierig- keitcn bereiten. Partei und Gewerkschaft müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Die Verhältnisse bedingen ein gemeinsames Vor- gehen bei den Bewegungen und Organisationen. Vorsitzender Dicy schlägt vor, die Debatte jetzt abzubrechen und zu vertagen. Die Beschlußfassung über folgenden Antrag Bremen: Der sozialdemokratische Verein Bremen bedauert, daß der Partei- vorstand es nicht für möglich gehalten hat, in eine allgemeine Agitation gegen den Marokkorummel einzutreten. Die Versamm- lung ersucht den Parteitag dafür Sorge zu tragen, daß der Parteivorstand in Zukunft solche wichtige, die ganze zivilisierte Welt in Aufregung versetzende Frage nicht so gleichgültig behandelt, ist eine namentliche Vorsitzender Diet? teilt mit, daß Molkenbuhr heute seinen 60. Geburtstag feiert und gratuliert ihm namens des Partei- tages. iLebhaster Beifall.) Molkenbuhr dankt für die Glückwünsche.(Wiederholter leb- hafter Beifall.) Die Wciterverhandlungen werden auf Dienstag vormittag 9 Uhr vertagt. Schluß 7 Uhr abends. Die Resolution zur Marokkoangelegenheit. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie zu Jena er- hebt auf das nachdrücklichste Protest gegen jeden Versuch,«inen männermordcnden Krieg zwischen Kulturvölkern, wie sie das fran- zösisckie, englische und deutsche sind, hervorzurufen, der notwendig ein Weltkrieg werden mußte und mit einer allgemeinen Kata- strophe enden würde. Die Bestrebungen einer großkapitalistischen Clique, in Ma- rokko festen Fuß zu fassen, um eS um so wirkungsvoller kolonial- politisch auszubeuten und dafür Gut und Blut des deutschen Volkes in Anspruch zu nehmen, unter der verlogenen Vorgabe, „daß die Ehre und die Interessen der Nation" dieses erfordern, weist der Parteitag als bewußte Fälschung der Tatsachen und schamlose Heuchelei zurück. Die einzigen, die hüben und drüben an dieser Verhetzung verschiedener Kulturvölker ein Interesse haben, sind neben den Kolonialpiraten die Chauvinisten zu Wasser und zu Lande, deren Handwerk der Krieg ist, die nach Avancement und Auszeichnung dürsten, und die Fabrikanten und Lieferanten von Kriegsmaterial aller Art, die durch den Krieg ungeheure Gewinne in die Tasche stecken auf die Gefahr hin, daß Hunderttausende von Menschen in diesen Kämpfen zugrunde gehen, Millionen in Not und Unglück gestürzt werden. Nur den seit vielen Jahren betriebenen Hetzereien der inter- essierten Kreise ist es zu Hanken, daß Mittel- und Westeuropa wiederholt in einen Zustand kriegerischer Unruhe versetzt wurden. Diese Beutemacher versuchten dabei die Reichsregierung in die Rolle des gefügigen Handlangers zu drängen, damit sie die Wehr- und Volkskraft der Nation ihren Interessen opfere; ein Zustand. der zeigt, daß die heutigen Regierungen nur der VerwaltungS- auSschuß für die Interessen der besitzenden Klassen sind.. Der Parteitag weist mit Empörung diese dem Volke gemachten Zumutungen zurück und erwartet, daß insbesondere die deutsche Arbeiterklasse jedes mögliche Mittel anwendet, um einen Weltkrieg zu verhindern. Der Parteitag fordert die sofortige Einberufung des Reichs- tags, damit der Volksvertretung Gelegenheit gegeben wird, ihre Meinung zu äußern und den volksfeindlichen Machinationen ent- gegenzutreten. Parteivorstand. Tie Resolntion über die Reichstagswahl. Ter Parteitag erwartet, daß, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, die Parteigenossen in allen Wahlkreisen, in denen die Partei Anhänger besitzt, unverzüglich die Vorbereitungen zur Rcichstagswahl treffen, um selbständig in die Wahl einzutreten. Der Parteitag erwartet weiter, daß die Parteigenossen die Wahlagilarion gründlich ausnutzen, um sowohl neue Mitglieder f ü r die Parteiorganisaton, wie neue Abonnenten für die Parteipresse zu werben. Insbesondere muß die Wahlagitation auch für Erlangung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts im Sinne des Parteiprogramms für die Wahlen zum Landtag in Preußen wie in den Staaten, die das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht noch nicht besitzen, ausgenutzt werden. Wo nach dem Ausfall der Hauptwahlen die Parteigenossen bei engeren Wahlen eine Entscheidung zwischen gegnerischen Kandidaten zu treffen haben, dürfen sie nur demjenigen Kandidaten ihre Stimmen zuwenden, der sich verpflichtet: 1. für Aufrechterhaltung des bestehenden Wahlrechts für den Reichstag; 2. gegen eine Beschränkung des Vereins- und VerfammlungS- rechts und des KoalitionSrcchts; 3. gegen eine Verschärfung der sogenannten politischen Para- graphcn des Strafrechts; 4. gegen ein wie immer geartete» Ausnahmegesetz; 5. gegen jede Erhöhung der Zölle auf die VerbrauchSartikel der großen Masse; 6. gegen jede Ncueinführung oder Erhöhung indirekter Steuern auf VerbrauchSartikel der großen Masse einzutreten und zu stimmen. Ter betreffende Kandidat ist zu ersuchen, seine Erklärung vor Zeugen oder schriftlich abzugeben. Stehen in der engeren Wahl zwei Kandidaten, die beide bereit sind, die ausgestellten Bedingungen zu erfüllen, so ist der Liberale dem Nichtliberalen vorzuziehen. In jedem anderen Falle ist strikte Stimmenenthaltung zu pro- klamieren. Parteivirstand. An ulisere Leser! Durch die Ueberfüllc des Stoffes sind wir gezwungen, den Redaktionsschluß hinauszuschieben. Wir bitten daher, eine event. spätere Zustellung entschuldigen zu wollen. Bus Indurtm und Dandd. Erntehoffnungen. In die Sorgen um die Entwicklung der deutschen Effekten- markte und um die Versorgung Deutschlands mit Futtermitteln und Vieh fällt ein freundlicher Lichtblick durch die Veröffentlichung des Preußischen Statistischen Landesamtes über die diesjährige Ernte. Bekanntlich hatten sich die Befürchtungen, die hinsichtlich der Kartoffel-, Rüben und Futtermittelernte gehegt waren, auch auf die Getreideernte ausgedehnt. Doch hat die Trockenheit dem Ertrag der Getreidefelder nicht viel schaden können, im Gegenteil, die Einbringung des Erntesegens außerordentlich begünstigt. Die fttzige amtliche Schätzung, die zweite, die das Preußische Statistische LandeSamt vorgenommen hat, bestätigt dies. Für Winterweizen wird ein Ertrag von 2,16 Millionen Tonnen erwartet gegenüber einer ersten Schätzung von 2,09 Millionen Tonnen und einem tat- sächlichen Ertrage des Vorjahres von 2,18 Millionen Tonnen. Die jetzige Schätzung geht damit wesentlich über die erste hinaus und bleibt nur wenig hinter dem vorjährigen tatsächlichen Ertrage zu- rück. Wenn die zweite Schätzung auch noch keine tatsächlichen Ergebnisse bringt, so kommt sie doch der Wirklichkeit bedeutend näher als die erste Schätzung, da sie die neuesten Berichte zur Unterlage hat. Der Anbau Deutschlands an Winterweizen fördert die Haupternte in Weizen überhaupt. Sommerweizen wird nur in ganz geringem Umfange angebaut. Die Schätzung der Ernte belauft sich jetzt auf 262 000 Tonnen gegen eine erste Schätzung don 255 000 Tonnen und einem vorjährigen Ertrage von 301 000 Tonnen. Die Gesamternte Deutschlands an Weizen ist danach mit 2.43 Millionen Tonnen anzunehmen, während vor 4 Wochen nur auf einen Ertrag von 2,35 Millionen Tonnen gerechnet wurde. Das Jahr 1910 hatte eine tatsächliche Weizenernte von 2.48 Mil- lionen Tonnen geliefert. Die diesjährige Schätzung bleibt dem- nach nur um etwa 50 000 Tonnen hinter dem vorjährigen Ergebnis zurück. Weit bedeutender als die Weizenernte ist für die Ver- sorgung Deutschlands der Ertrag der Roggenernte. Die Roggen- ernte ist ungefähr biermal so groß als die Weizenernte. Ihre diesjährigen Aussichten sind nun wesentlich gestiegen. Diese Steigerung des Ergebnisses, die wahrscheinlich auch gegenüber dem Vorjahre eintritt, steht in einem starken Widerspruch mit der Prcisbe- wegung, die sich in den letzten Wochen am Ber- liner Getreidemarkte für Roggen bemerkbar ge- macht hat. Bekanntlich sind die Roggcnpreise außerordentlich in die Höhe gegangen und haben für Mailieferungen sogar den Stand von 200 Mark überschritten. Das Preußische Landesamt schätzt nun die Ernte in Winterroggen für dieses Jahr auf 8,39 Millionen Tonnen gegenüber einer Schätzung von 8,12 Millionen Tonnen vor 4 Wochen und einer vorjährigen tatsächlichen Roggen- ernte von 7,97 Millionen Tonnen. Der Anbau von Sommerroggen ist nur ganz unbedeutend. Er verspricht einen Ertrag von 63 000 Tonnen zu liefern gegenüber einer ersten Schätzung von 62 000 Tonnen und einem vorjährigen Ergebnis von 67 000 Tonnen. Die Gefamtroggcnernte von 1911 ist danach mit 8,45 Millionen Tonnen zu veranschlagen. Vor 4 Wochen war nur mit einem Ertrage von 8,18 Millionen Tonnen gerechnet worden. Die vorjährige Ernte hatte aber nur 8,04 Millionen Tonnen geliefert. In diesem Jahre kann also mit einer Mehrernte von fast einer halben Million Tonnen gerechnet werden, gewiß kein Grund übertriebener Vc- fürchtungen über die Versorgung Deutschlands mit Brot getreide zu hegen. Nicht so günstig sieht eS mit dem Anbau der übrigen Getreidearten, mit Gerste und Hafer aus. Das Erträgnis der Gerstenernte wird mit 1,59 Millionen Tonnen angenommen gegenüber einer Schätzung von 1,56 Millionen Tonnen vor 4 Wochen und einer vorjährigen Ernte von 1,69 Millionen Tonnen. Die Haferernte ist fast da? einzige Gebiet des Getreidean- baucS, das zu einigen Besorgnissen Veranlassung gibt. Zwar nicht unmittelbar; denn daS Preußische LandeSamt schätzt gegen- wärtig den Ertrag der Haferfelder auf 5,05 Millionen Tonnen. Das ist eine Zunahme gegenüber der Augustschätzung um 0,15 Millionen Tonnen, da fü»! August nur eine Schätzung von 4,90 Millionen Tonnen veröffentlicht worden war. Freilich enthält auch die neue erhöhte Schätzung noch eine Minderernte gegenüber dem Borjahre von ungefähr einer viertel Mil- lion Tonnen. Denn im Jahre 1910 wurden 5,29 Millionen Tonnen Hafer in Deutschland gecrntet. Dieses diesjährige Minder« ergebnis ist insofern etwas bedenklich, als auch die anderen Futtermittel bekanntlich eine bedeutende Mindercrnte befürchten lassen. Eine Teuerung für Futtergetreide wird daher nicht zu vermeiden sein. Sehr schlechte Aussichten bietet auch nach der neuen Schätzung des Statistischen LandeSamtes die Kartoffelernte. Sie läßt nur einen Ertrag von 22,57 Millionen Tonnen erwarten gegenüber einer vorjährigen Ernte von 32,73 Millionen Tonnen. Doch ist hierbei zu berücksichtigen, daß die Schätzungen der Kar- toffelernte nicht den gleichen Anspruch auf Genauigkeit machen können, wie die Schätzungen der Getreideernte. Denn während da» Getreide zum allergrößten Teile bereits abgeerntet ist, stecken die meisten Kartoffeln noch in der Erde. DaS Ergebnis kann daher günstiger fein, als die amtliche Schätzung erwarten läßt. ES kann ab'er auch noch schlechter ausfallen, da die Kartoffelernte in den leichten Böden vollständig vernichtet ist und nicht einmal die AuSsaat wieder einbringt. Trotzdem bietet das diesjährige Ernteergebnis im allgemeinen keinen Grund für so schlimme Befürchtungen, wie sie in der letzten Zeit an den Getreide- Märkten gehegt wurden. Steigender Gewinn. Duisburg, 11. September. In der heutigen Sitzung des Auf- sichtSratcs der Rheinischen Stahlwerke wurde der Ab- schluß für das Geschäftsjahr 1910/11 vorgelegt, der einen Roh- gewinn von 6 574 975,10 M.(im Vorjahre 5 877 569,27 M.) auf- Weist. Der AufsichtSrat setzte die. Abschreibungen auf die Anlage- werte auf 2 761638,26 M.(im Vorjahre 2 722 966.96 M.) und die Ueberweisungen an das HochofenerneuerungS- und Delkredere- konto auf 183 017,11 M.(im Vorjahre 300 000 M.) fest und beschloß, der Generalversammlung vorzuschlagen, den verbleibenden Rein- gewinn von 3 630 319,82 M.(im Vorjahre 2 854 602,31 M.) wie folgt zu verwenden: 8 Proz.(im Vorjahre 7 Proz.) Dividende aus 40 000 000 M.(35 000 000 M. im Vorjahre) Aktienkapital gleich 3 200 000 M.(im Borjahre 2 450 000 M.). Talonsteucr und Rc- scrvcfonds 60 000 M.(im Vorjahre auch 60 000 M.), Tantieme für den AufsichtSrat 86 594,51 M.(im Vorjahre 56,172,65 M.) und Vortrag auf neue Rechnung 233 725,31 M.(im Vorjahre 238 429,06 M.). Die Generalversammlung soll am 28. Oktober stattfinden. 8o2iales. Arbeiterinnen in der Aachener Zigarrcnindustrie. Wo immer die Klerikalen herrschen, sind die wirtschaftlichen Verhältnisse der unteren Volksschichten am allerwenigsten rosige. So wird auch in Aachen, einer Hochburg des Zentrums, die AuS- beutung von Frauen- und Kinderarbeit en mswe betrieben. Die frommen katholischen Zigarrcnfabrikanten beschäftigen ausschlicß. lich weibliche Arbeitskräfte, die ihnen nicht nur äußerst billige, sondern vor allem besonders willige Arbeitskräfte sind. Die Zahl der in der Aachener Zigarrenindustrie beschäftigten Arbeiterinnen beträgt 2000. Ein Berufsorgan schreibt:„Aachen ist eine Groß- siadt, aber auch eine sehr teure Stadt. Trotzdem werden in der Zigarremndustrie solche. Jammerlöhne gezahlt, daß daneben die bc- kannten niedrigen Löhne fast als glänzend erscheinen, die die Zigarrenarbeiterschaft in den entlegensten Dürfern Süddeutschlands erhält, wo bekanntlich der Lebensunterhalt nicht so teuer ist. Was in Aachen den armen Arbeiterinnen geboten wird, spottet jeder Kritik." AuS den Angaben über die Lohnverhältnisse entnehmen wir folgende Tatsachen. Es herrsche dort die für die Arbeiter ungün- stige Rahmenberechnung mit 205 bis 260 Stück. Nach dieser Bc- rcchnung müssen die Zigarrenrollerinnen 25 bis 40 Stück pro 1000 Zigarren mehr liefern. Damit für diese sogenannten„Heber- zigarren" die Wickel nicht fehlen, wird den Wickelmacherinnen dementsprechend Schutz abgezogen. Für diese ungerechte Praxis können die Fabrikanten auch nicht einen einzigen stichhaltigen Grund angeben. Denn Ueberzigarren werden sonst nur geliefert — und zwar 10 pro 1000 Stück—, wo den Arbeitern 25 bis 35 Gratiszigarrcn verabfolgt werden. DieS ist bei den Aachener Zigarrenarbeiterinnen nicht der Fall. Durch die Einrichtung schlagen die Fabrikanten nicht allein die Bezahlung der Meister heraus, sondern auch noch teilweise den Pflichtteil zur Alters-, Invaliden- und Krankenversicherung. Die Arbeiterinnen werden aber auch durch sie um so härter getroffen, als ihre Entlohnung ohnehin miserabel ist. Für den Nahmen Zigarren werden 64 Pf. bis 1,25 M. gezahlt, hin und wieder wohl auch 1,50 bis 1,60 M., der letztere Satz jedoch nur für derartig schwierige FassonS, daß die Arbeiterinnen nicht viel davon fertigstellen können. Für 1006 Formen Wickel, das sind 2000 Stück, werden 3,25 bis 4,50 M. bezahlt. Außerdem gibt man den Arbeiterinnen noch schlecht zu der- arbeitenden Tabak, meist Siückblatt. so daß sie bei angestrengter Arbeit Hungerlöhne von höchstens 7R>is 12 M. pro Woche erreichen können. Der Verdienst der Zigarrensortiererinnen ist ungefähr gleich hoch. Auf der niedersten Stufe stehen jedoch die Löhne der Hilfsarbeiterinnen. Der schlechten Entlohnung entspricht in einigen Fabriken die menschenunwürdige Behandlung der Arbeiterinnen durch einzelne Meister, Meisterinnen, Chefs usw. Aus einer Fabrik wird von einer Meisterin berichtet, die sich von den armen Arbeite- rinnen Geschenke aller Art machen ließ, sogar die Kommunionkleider für ihr Kind lis� sie sich schenken. Die Geberinnen erhielten dafür Vergünstigungen bei der Arbeit, während die Nichtgeberinnen schikaniert wurden. Diese durch die Kirche zur Knechtseligkeit erzogenen Prole- tarierinnen. die jeglicher Aufklärung ermangeln, wissen sich also aus ihrem Elend nicht anders zu helfen, als durch Bestechung ihrer Meisterin. Die armen Arbeiterinnen sind so jämmerlich schlecht gestellt und so zur Knechtseligkeit erzogen, daß ihnen die Erkenntnis ihre» .Rechte» auf angemessene Bezahlung und die Notwendigkeit, sich zu organisieren, schwer fällt. Noch trostloser sind die Zustände bei den Heimarbeiterinnen. Sie erholten meist die schlechtest bezahlte Beschäftigung mit nach Hanse. Dabei müssen sie noch Raum, Licht und Heizung einrechnen. Von den Wohnungsverhältnissen wird berichtet, daß sie in Aachen unerschwinglich hoch seien. So bietet bei den Zigarrenheimarbeitc. rinnen ein einziger Raum zugleich Wohn-, Etz-, Schlaf- und Ar- beitsraum. Natürlich müssen hier die Kinder der Mutter helfen, die bis spät nachts, neben der Hausarbeit und Kleinkindcrversor- gung, bei ihrer Arbeit sitzt. Dabei klagen sie über daS schlechte Material, bei dem man so wenig verdienen kann. Die schon ohne- hin gesundheitsschädigende Arbeit in der Zigarrenindustrie, bei welcher zirka 60 Proz. der Arbeiter der Tuberkulose verfallen, hat bei diesen Zuständen der Heimarbeit frühe? Siechtum von Mutter und Kind zur Folge. Einen Ausweg aus ihrer traurigen Lage denken auch die arm- sten Heimarbeitermnen hier nicht zu finden. Sie hören wohl die Botschaft— wenn alle einig wären,... allein es fehlt ihnen der Glaube, daß es in— Aachen je besser werden würde. Die fromm eingeschüchterten Gemüter dürfen ja von den frommen Herrschern, die solche Ausbeutung mit ihrer Religion vereinbaren können, nichts fordern. Und die vom Zentrum und Unternehmertum abhängigen christlichen Gewerkschaften denken gar nicht daran, hier Besserungen zu erstreben. Sie haben wichtigere? zu tun, durch niederträchtige Lügen und Verleumdungen suchen sie die freien Gewerkschaften in ihrer EntWickelung zu hemmen. Mögen die Proletarierinnen dahin wirken, allen die Erkenntnis nahezubringen, daß ohne die Aufklärung der Frauen der Kapitalis- mus nicht bekämpft werden kann, und daß ihre Interessen nur in den freien Gewerkschaften wirksam vertreten werden. Die österreichische Gcwerbeinspektion, deren Bericht für 1910 soeben erschienen ist, umfaßt 170 Beamte: 1- Zentralinspektor, 14 Oberinspektoren, 48 Gewerbeinspektoren, 52 Kommissare, 1 Sanitätskonsulenten, 2 Assistenten und 5 Assisten- sinnen, 3 Spezialinspcktoren, 44 Kanzleibeamte. Die von den Sozialdemokraten lange geforderte Vermehrung ist in bescheidenem Maße erfolgt, insbesondere durch Beistellung der Schreibhilfe die Bureauarbeit vermindert worden. Daher stieg die Zahl der In- s p e k t i o n e n um 7626(25 Proz.). Doch wurden von fabrik- mäßigen Betrieben(15 443) nur 10 411, von 128 950 kleineren un- fallversicherungSpflichtigen Betrieben gar nur 24 295 besucht; nur 1899 zwei», 417 drei- und mehrmal, 262 nachts, 317 Sonntags. In mehreren Bezirken wurde nicht die Hälfte der Fabriken besucht. Alle Inspektionen haben bei A r b e i t s ko n f l i k t e n. am meisten f31) die Reichenbergcr, vermittelt. Eine große Rolle spielt die Teilnahme an k o m m i s s i o n e l l e n Verhandlungen; selten unter 190. in Wien 969. Daran schließen sich viele schriftliche Gut» achten, bis zu 252(Königgrätz).— Ueberaus gering, eine Folge der Anweisungen von oben, ist die Zahl der Anzeigen wegen Ueber- tretungen(973). Die Seltenheit der � Inspektionen läßt wenig entdecken. /Jus der frauenbep?egung. Sozialistische Kindererziehung. In großer Zahl sind in Frankreich Kindergruppen gegründet worden. Im August fand im Scine-Tepartement eine Reihe internationaler Kinderfeste statt, die vom Verband der azialistischcn Genossenschaften unterstützt wurden und einen tresf- lichen Verlauf nahmen. Eine nähere Schilderung der Tätigkeit einer solchen Gruppe gibt Genosse B o u d i o s in der„Humanite". Er erzählt von der Erziehungsarbeit der Genossenschafter von B e l l e v i l l c. de? bekannten revolutionären Stadtteils von Paris. Die Gruppe zählt 150 Kinder. Geleitet wird sie von einem Komitee Von 5 Personen, dem eine Anzahl Genossinnen als Helferinnen zur Seite stehen. Sie haben eine ganze Anzahl Musikkurse eingerichtet: Notenlesen, Einzel- und Chorgesang. Mandoline, Bio- line und Vortrag lernen die Kinder. Daneben werden zweimal in der Woche kurze und anziehende Vorträge gehalten. Die Kinder 'elber bestellen ein Bureau und verfassen ein Protokoll, diskutieren auch die Vorträge. Namentlich sucht man die Aufklärung der weiblichen Jugend zu fördern, um den Zerwürfnissen zwischen dem sozialistisch geschulten Manne und der rückständigen Frau, die o viele Ehen stören, vorzubeugen. Ferner hat man eine kleine Genossenschaft zur Beschaffung von S ch u l u t e n s i l i e n eingerichtet, die unter beratender Mitwirkung Erwachsener von den Kindern selbst verwaltet wird und sie in trefflicher Weise auf ihre künftige genossenschaftliche Tätigkeit vorbereitet. Eine eigene B i- b l i o t h e k wird bald hinzukommen. Ten Höhepunkt und Abschluß des Jahres bilden die K i ndc r r e i s e n. Vom 10. bis 15. September reisen die Kleinen nach Lille, Tünkirchen, Arras, AmienS usw. Die Magazine und die Schuhfabrik der Genossenschaften wer. den besucht. Dabei wird ein Reisetagebuch geführt, das den belehrenden Zweck der Reise sichern soll.»Sicher können wir nicht das bestehende System der Schulerziehung umgestalten� sagt B.„Wir tonnen nur auf eine Minderheit wirken. Aber auf diese sehen wir unsere Hoffnung. Sie werden alljährlich die Reihen kämpfender Genossen und Genossinnen vergröhern. Schon sind unsere Arbeiter- Organisationen stärker und zielbewußter als früher. Sic werden es noch mehr sein, wenn erst einmal die«50 Genossenschaften, die unserem Verbände angehören, jedes Jahr so etwa je zwanzig Mit- glieder, jung, begeistert und schon unterrichtet, in die Genossen- schaften, die Gcwcrkschafts- und Parteiorganisationen entsenden werden." Versammlungen. Die Fahrstuhltnonteure und Helfer hielten am Sonntag ihre Branchenversammlung ab. 1010 wurde mit den meisten Firmen eine Vereinbarung bezüglich der Lohn- und Arbeitsbedingungen ge- troffen. Bon diesen Firmen haben so ziemlich alle die Abmachungen eingehalten. Hingegen bieten die außerhalb dieser Vereinbarungen stehenden Unternehmer durch ihre Mahnahmen reichlich Stoff zur Kritik. An erster Stelle steht hierbei die Firma Gebauer, deren Inhaber mit Vorliebe den Herrenmenschen hervorkehrt. Auch die Firma T e n n e r wurde in der Versammlung einer kritischen Be- sprechung unterzogen, weil alle Vertrauensleute entlassen werden. Ferner reiht sich den genannten Betrieben die Firma F l o h r an, wo ebenfalls Verhältnisse herrschen, die dringend einer Remedur bedürfen. Maus führte u. a. in bezug auf die Firma Schindler aus: Herr Schindler beruft sich gern auf sein soziales Empfinden, feine Maßnahmen als Unternehmer aber sprechen eine andere Sprache. Besonders warnte Maus, einen Schindlerschen Revers zu unterschreiben, worin Schindler die ihm zukommenden Pflichten auf seine Monteure abwälzt, z. B. das selbständige Einstellen und Entlassen der Helfer durch die Monteure, wodurch die Kollegen sich ihrer Rechte begeben. Er verwies dabei auf einen Artikel im„Vor- wärts":„Vorsicht vor Schiebern". Ein klassisches Beispiel für Unternehmerprakriken bildet folgendes Vorkommnis. Ein Arbeiter von Gebauer mutzte im Auftrag dieser Firma eine Arbeit bei der Großbäckerei U l b r i ch ausführen. Er wurde nun mitten darin entlassen, da die Firma Ulbrich angeblich sich über ihn bei Gebauer telephonisch beschwert haben sollte. Der Arbeiter aber, in dem guten Bewußtsein seiner Pflichterfüllung, holte sich Auskunft bei Ulbrich, svo ZMlt ihm erklärte, daß ein solches Gespräch gar nicht statt- gefunden habe. Obendrein sandte Ulbrich an Gebauer folgendes charakteristische Schreiben: „Der Monteur R. hat durchaus die Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt, und wundert es uns, daß Sie denselben aus angefangener Arbeit wieder fortnehmen." Es zeigte sich, daß der mißliebige Arbeiter R. eben auf irgend- eine Weise entlassen werden sollte. Bei Schindler ist eine eigenartige Wohlfahrtseinrichtung gc- troffen. Bis zum 15. Lebensjahre zahlt die Firma für jedes Kind ihrer Arbeiter pro Woche 50 Pf. Bei Geburt oder Verheiratung gibt es auch ein Geschenk, das aber nicht näher bezeichnet wird. Maus erklärte, datz diese Geschenke überflüssig seien. Wollen die Arbeiter versichert sein, dann wissen sie, wo die zuständige Organi- sation sich befindet. Ferner wurde mitgeteilt: Wenn Herr Schindler erfährt, daß seine Leute eine Wcrkstubensitzung abhalten wollen, dann beruft er sie vorher zusammen mit den Worten:„Na, was haben Sie denn für Wünsche; Sie wollen doch Betricbsverhältnisse besprechen?" Im Schlußwort richtete der Vorsitzende die dringende Mahnung an die Anwesenden, die Organisation immer straffer anszubauen, damit die geschilderten Zustände ein Ende nehmen. Ter Verband der Brauerei- und Mühlenarbciter hörte in einer Mitgliederversammlung, die am Sonntagnachmittag im Gewerk- >chaftSl)ausc stattfand, den Bericht vom diesjährigen GewerlschaftS- kongreß. Dem Referat T r ö g e r s über die Arbeiten des Kon- greffes folgte nur eine kurze Diskussion, in der bedauert wurde, daß nicht ein Mitglied aus der Rahrungs- und Genußmittel- brauche in die Generalkommtssion gewählt worden sei. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung,„die Bierablösungs- frage", referierte Hodapp. Wie er in der letzten Versammlung schon berichtet hatte, waren Verhandlungen mit der Bergschloh- brauerei im Gange, um eine Ablösung des Freibieres durch einen zu zahlenden Preis herbeizuführen. Die Verhandlungen gewannen eine prinzipielle Bedeutung für alle Braucreiarbeiter von Berlin, da die Entschließung der Bcrgschloßbrauerei abhängig ist von der Zustimmung des Vereins der Brauereien. Dieser hat seine Zu- stimmung zu einer Regelung gegeben, aber die Hauptfrage ist dahin zu erledigen, wie eine Vereinbarung in Bezug auf die Zahl der abzulösenden Liter Bier und den zu zahlenden Preis pro Liter getroffen werden kann. Die Bergschloßbrauerei bat nach mancherlei Verhandlungen das Angebot gemacht, das Freibier abzulösen bis zum Höchstsatz von vier Litern und zum Preise von 15 Pf. pro Liter. Die ganze Angelegenheit ist bereits Gegenstand eifriger Beratungen in Verwaltungs- und VcrtrauenLmännersitzungen des Verbandes gewesen, und Hodapp legte nun diese Sache der Mitglieder- Versammlung vor; er schilderte den Verlauf der bisherigen Verhandlungen und Veratungen und forderte die Meinung der Versammelten heraus. W Brauereien in Berlin bewilligen nicht mehr wie vier Liter Freibier pro Tag, 7 Brauereien bewilligen fünf Liter und 11 Brauereien sechs Liter als höchsten Satz(für die Brauer). Die Ablösung wird seit langer Zeit von dem Ver- bände angestrebt, und hier scheint eine Gelegenheit gegeben, diesen Bestrebungen die Wege zu ebnen. In der Diskussion traten viele Redner dafür ein, daß bessere Bedingungen für eine Ablösung des Freibieres erzielt werden müßten. Man wünschte vielfach einen Preis von L0 Pf. pro Liter. Mit großer Majorität beschloß dann die Versammlung, daß man mit vier Litern als Höchstsatz für die Brauer(für die übrigen Arbeiter gilt das im Tarifvertrage vorgesehene Quantum) zufrieden fein solle und die Ablösung in der Höhe des jeweiligen Verkaufspreises pro Liter erwarte. Hodapp erstattete dann einen Bericht über die Lohnbewegung der Mühlenarbciter. Die Wahl eines Mitgliedes zum Haupivorstand, die die Ver- sammlung vorzunehmen hatte, fiel auf Willi Schmidt. Wnllerst«ndS-?!okkivtch«>!» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbnreau. Lasserlland M e m e l. Tilstt D r e g e l, Jnllerbing Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Krossen , Frankiurl D ar l h e. Schrintm , LandSberg Netz«, vorbamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Sarbv . Magdeburg »)+ dedeuiet WllkbS,— IfSn.—•) Unltrptacl. Todes-Anzeigen Am Sonntagabend um'1,8 Ubr entschlief sanft nach langem Leiden im Aller von 37 Jahren mein herzensguter Mann und Vater. der Gastioirt b08b KarO Becker. In tiefer Trauer Frau Lina Becker und Rinder. Georgenkirchstr. 67. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. September, InachmiliagS S Uhr, auf dem Zeulral-�rtedhose in Friedrichs. SoziaideaickratisciieF Walil verein für den 4. Bert. BeicktsgZ'MIM. Frankfurter Viertel. (Sladtbezirk ISS. Wahlbezirk SSV.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Genosse, der Gaftwtri KarS Becker Georgenkirchstr. 67 am 10. September gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des ZentralsriedhosS in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/19 Der Borstand. i i SozIalileinokratisctierWatilverein für den Görlihcr Viertel (Stadtbezirk S4, Wahlbezirk 164.) Den Atstgiiedern zur Na!, daß unser Genosse, der Arbeiter Lrne� Jung Naunhnstr. 77 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags ss,3 Uhr. auf dem alten ThomaS-Kirchhofe in Rixdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/20 Der Vorstand Zentralverband der Scbübinacher Deutschlands. Todes- An. clg«. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kolleg« Karl Becker Georgenkirchstr. 67 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donncrsiag, sdcn 14. September, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Fried hoics in FriedrichSselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 169/18_ Ter Vorst aud. Allen Freunden und Bekannten die traurig« Nachricht, daß mein innigilgeliebter Mann, unser guter Vater, der Gastwirt Marl Strauß Krossener Str. 9/10, Ecke Gärtner- straße, im 52. Lebensjahre nach langem schweren Leiden am 9. September sanft entschlasen ist. Um stille Teilnahme bittet die trauernde Gattin Minne Streu# nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. MlS., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des RummelSburger Ge- i_ rncinbe- Friedhofes. Lückstraße, auS stalt. 624 b Deutscher Iransportarhelter- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeiter Uuxy Baier am 9. b. Mts. im Alter von 35 Jahren verstorben ist. 70/17 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 13. d. MtS.. nach- miltagS 4 Ubr, von der Leichen- Halle des Thomas- KirchboseS, Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter lt«- mib Krnnjlmldrrrj von datiert Heyer, nur Mnriamiell-Strnßt 2. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleiser Otto Hilbing gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. September, nachmittags 3 Uhr, oon bei Leichenhalle deS Rixdorfer Ge- melnde- griedhoseS in Stixdorf, Mariendorser Weg, auS statt. Ferner den Kollegen zur—>- richt, daß unser Mitglied, der Nadler Bobert Ertel am 10. September gestorben ist Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. September. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe der Paul Gerhardt» Gemeinde in Nordend bei Nieder Schönhausen aus statt. Ehre ihrem Andeuken! Rege Beteiligung erwartet 122/19 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden, Genossinnen »nd Genossen die traurige Nach- Acht, datz meine liebe Frau Marie Tliomae geb. Klcgyn nach langem, schwerem Leiden am Sonntag, den 10. September, nachmittags 4'/« Uhr, sanjt ent- schlasen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. September, nachmittags 4 Uhr. vom Kranken- Hause in Schöneberg aus nach Schöneberger Friedhofe(.Blanke Hölle') statt. Um stille Teilnahme bittet Der trauernde Gatte Adolf Thomae. Schäneberg-Friedenau, Menzeistraße 36, 55562 Deutscher Holzarheiter-Verbanfl | Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler widert vupke Friedrich-Withelm-Slraße 19 am 10. September im Alter von 68 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. September, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zeiitral-Friedhoses in Friedrichs. jelde aus slalt. 88/11 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. SezIalilEniokratlscIierWaliiverelii für Schöneberg. Bezirk 11. Am Sonntag, den 10. d. M., verstarb nach langem schweren Leiden unsere Genossin Akrie Thomae. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 13. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des schöneberger Krankenhauses, Nubensstraße, auS nach dem neuen Schöneberger Friedhoj, Blanke Hölle, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 15/17 Ter Borstand. lieitt der Ireien Gast- und Schankwirte Dentsehlanils. Zahlstelle Lichtenberg. Am 9. September verstarb die Frau unseres Kollegen liorst- mann Hnlda. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. September, nachmittags um 4 Uhr, in Mar- zahn statt. Treffpunkt der Kollegen 2'/, Uhr beim Kollegen M. Höser, Frank. fürtet Chaussee 99. Der Zug jährt ab von Lichtenberg» Friedrichs- selbe um 3.24. Rege Beteiligung ist Pflicht. 515b Der Vorstand. Danksagung. ür die zahlreichen Beweise ans- richtiger Teilnahme bei der Beerdi- gung unseres lieben Bruders Bmll Wolff sagen wir allen Beteiligte», insbesondere dem Ches der Finna Bock u. Co. unseren herzlichstcu Dank. 01» irsusmiion Hinterbiiebenea. I. A.: Adolf Wolff. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer geliebten„ „Wmtsr-Goliiparmilna" Taselsrüchte„ 60„ 25„ geringere.„ 50„ 20„ Große Mußäpfel , Reinetten)„ 50„ 15 liefert frei Hau« Berlin bei Abnahme von mindestens 25 leg eventuell in mehrere» Sorten die Siäitl. Guigvarwali. Blankenburg u. Falkenberg bei Berlin. „Gute Graue" nur Falkenberg auch in Sendungen von 12,5 kg. Elite« fruchte besondere Vereinbarung und Packung. 126/9* Desundheits- u. Krankenptlege, «ierbamUlotie, öummiwaren etc. Berlin?ff., Lothringer Str. 60. Lieiersnt tür Krankenkassea Eigene Werkstatt._ Große 7irma �am Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Teilzahlung ohne Anzahlung. Keine Kassierer. Chiffre 8. 100,„Vor- wärts"-Sped!iion, Auguststr. 50. Kiichhnudlung Vorwärts Lindeiistr. 69, Lade». SsMlrchkm mid Arbeiter- ftellubtilhbeit. Eine Abrechuung. Rede deS NeichStagSabgcorb- »eten Richard Fischer zur dritte« Beratung der Reichs- vcrsicherungSordnung. Preis 15 Pfennig. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239. Charttästr. 3. �os lll. Amt 3, 1987, DonnerStag, den 14. September, abends Sl/3 Nhr t Versammlung flerBauansctäffer im GewerkschaftShaus» Engelufer 15, Saal i. Tagesordnung: 1. TarssllcheS. 2. Verbands- und vranchenangelcgenhellcn. S. Ber» schledeneS. Kollegen l In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir daS Erscheinen jedeS Einzelnen.- 122/13 gM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Wie Ortsverwaltnng. c. /X'ZT X'/x.x x x ü /sc.x, /sr x x:: Bucliltaiidliing Vorwärts, ss iidm Soeben erschien: ReicbsTersichernnusordnung nebst Einfuhrungsgesetz oll Anmerkongen and Sachregister. Herausgegeben von Gustav Hocb, Hanau(M.d.B.}. — Preis gebunden 6 M.— Kleine Bibliothek Nr. 14: Kann die Erde untergehen? Von Felix Linke. Preis geb. 1 M., drosch. 6,75. 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Mitgliederversammlung deS Wahlvereins im Lokal des Genossen Franz. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Jeserich über wirtschaftliche Kämpfe in der Gegenwart. 2. Berichte von der Kreis- und der Verbandsgeneral- Versammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. KSnigswustrrhausen und Wildau. Da am morgigen Zahlabend wichtige Fragen zu erledigen sind, wollen die Genossen und Ge- »osfinnen zahlreich anwesend sein. Der Vorstand. Falkenhagcn-Scgefcld. Mittwoch, den 13. September, abends 8 Uhr: Mugliederversammlung bei Nicolai. Bericht von der Pryvinzialkonfcrenz. Berichterstatter: Genosse Dolibois-Hennigsdorf. _ Der Vorstand. berliner Nachrichten. Es will Herbst werden. Früh genug werden wir in diesem Jahre on iien mechancholischen Gesellen erinnert, der da sehnlichst seines Einzuges hart. Die gelben, sterbenden Blätter kamen heuer allzuzeitig und auch der wilde Wein hüllt sich allmählich in Lern Purpurkleid und leuchtet in rot glühender Pracht.— In der Vogelwelt wird es stille. Sie sind mitten in ten Reisevorbereitungen, manche haben schon den Weg nach den südlichen Zonen angetreten. Manch einem Spazier gänger hat der Kuckuck jm einsamen Waldeßgrund(jewcis Lagt, wieviel Jahre er wohl noch zu leben hat. Nun ist sein traulicher Ruf schon längst verstummt, und wer es versäumt hat, bei dem scheuen Bireschen Auskunft zu holen, muß warten, bis wieder die Veilchen blühen. Auch Freund Adebar nimmt in diesen Tagen Abschied: weitab vom Brausen der Großstadt, auf weitem Wiesengelände, kommen die philo- sophischen Stelzvögel in großen Scharen zusammen und weithin hört man ihr emsiges Geklappere. Sie treffen ihre Vorbereitungen zur großen Reife sehr gründlich und halten strenge Auslese unter den Ihrigen, Es mag grausam an- muten, entspringt aber zweifellos einem sozialen Instinkt, wenn sie alle Schwächlinge uiw Greise vorher rücksichtslos ausmerzen und mit wuchtigen Schnabelhieben töten. Sein reichassorticrtes Lager an niedlichen Wickelpiippchen hat Adebar geschlossen, und so bleiben die Wiegen und Ge burtsregister bis zum Frühjahr leer, wenn nicht ander weitig Ersatz geschafft wird. Die Schwalben haben ihre Exerzitien beendet und sind zum Teil auf der Reise. Vor den Toren der Stadt konnte man sie dieser Tage beobachten. Es war ein interessanter Anblick, ihren Uebnngen zu folgen. Links schwenkt rechts schwenkt— keine Truppe gedrillter Soldaten kann ihre Be wegungen präsizer und schneidiger aussühren wie diese flinken Segler. In ihren kunstvoll und solide gebauten Nestern aber quartiert sich über Winter die nichtsnutzige Spatzengesell fchaft ein und vollführt einen Höllenspektakel, bis sie bei den ersten FrühlingSsonnenstrahlen wieder unsanft exmittiert wird. Manche Vertreter der gefiederten Welt haben teilweise mit den alten Traditionen gebrochen und verzichten— bc> sonderS in der Nähe der Großstadt— auf die Südlandfahrt Buchfinken, Schwarzainscl. Graudrossel u. a. m. kann man in jedem Winter zahlreich sehen, wie sie bettelnd um ein paar Krümchen die Fenster mnschwirren. Der Hunger läßt alle angeborene Scheu verschwinden, und sind sie erst mal an bestimmte Fensterplätze gewöhnt, so gewährt es einen reizen- den Anblick, sie bei ihrem hurtigen Schnabulieren zu be- obachten. Es will Herbst werden. Die Tage werden kürzer. Wenn die Glut der Abendsonne verblichen ist, wehen über Feld und Wald silbergraue Nebelschleier feucht und schwer. Die Fledermaus huscht noch gespenstisch durch die Nacht, bald wird auch sie ihre Schlupfwinkel zum langen Winterschlaf aufsuchen. Raschelnd streicht der Wind durch das dürre Laub, daß eS erschreckt im Wirbcltanz zu Boden sinkt. Es will. Herbst werd-cn.---- Tie UrWählerlisten für die Wahlmännerersatzwahl im 6. Landtags Wahlbezirke liegen nur noch heute TicnStag, den 12. September, von mittags 12 bis abends 8 Uhr zur Einsicht öffentlich aus, und zwar: in der Turnhalle der 145. /151. Gemeindeschule, Reichen- berger Straße 131/132 für die UrWahlbezirke 270 bis 275. 277(Stadtbezirke 79—81), 294. 296. 298, 30U bis 302, 305, 307 bis 310. 313 bis 315, 317 bis 318 (Stadtbezirke 86-95), 379, 382. 384 bis 383. 390 bis 401(Stadtbezirke 110— 113B): 2. in der Turnhalle der 114./122. Gemeindeschule, Köpenicker Straße 2, für die UrWahlbezirke 337, 338, 340 bis 352. 354 bis 359. 361 bis 363, 365 bis 367. 370. 372 bis 376 und 373(Stadtbezirke 102—109). Eine Ucbersicht über die UrWahlbezirke, in denen Ersatz- männer zu wählen sind, ist in der Sonntagnummer veröffent- licht worden. Versäume niemand die Einsichtnahme in die Liste, um sc mehr, als auch die Freisinnigen zn diesen Ersatzwahlen eine eifrige Agitation unternehmen. Zur Erlcichtcrung des vcrkehrS zwischen Wöchnerinnen und Schwongereu mit den SäuzlinzSsürsorgestelleu sollen auf Beschluß der Lnncndirektion besondere Kartenbriefe und Scheine eingeführt werden, die unftanliert zur Post grgeben werden können. Da es fidj mit der Zeit herausgestellt hat. bah einzelne Armen- Immissionen durch Fortzug von Armen nicht genügende Vefchäfti- oung haben, ist ein Plan ausgearbeitet worden, nach welchem «1 Armenkommiisionen eingezogen und eine Reihe anderer vereinigt werden sollen. Die Weiterberatung über diesen Gegenstand ist einem Ausschuß Übertragen worden, der zugleich die Frage erörtern soll, ob die Institution der KrriSvorfleher und KreiSversammlungen beizu- behalten sei. Die Säuglingssterblichkeit scheint in Berlin um Mitte August ihren diesjährigen Höhepunkt erreicht zu haben. In der Woche vom 26. bis zum 26. August, auS der die Zusammenstellung des Berliner Statistischen Amtes über die Todesmeldungen jetzt vorliegt, ist es endlich wieder zu einer Minderung der Säuglingssterbesälle gekommen. Es starben diesmal 273 Kinder des ersten Lebensjahres, während in der vorhergehenden Woche vom 13. bis zum 19. August noch 333 Kinder dieses Alters durch den Tod hingerafft worden waren. Der Zusammenhang mit den Temperatur- Verhältnissen, mit der um Mitle August eingetreteuen Hitzeabschwächung. ist bei diesen, Rückgang der Säuglings- sterblichleit ganz augenfällig. Unter den für die Säug- lingsfterbefälle angegebenen Todesursachen haben von der einen Woche zur anderen sich vermindert z. B. Darmkatarrh von 136 aus 107, Brechdurchfall von 85 auf 80,.einheimische Cholera" von 10 auf 4. Freilich sind alle diese giffern»och immer sehr hoch, so hoch, wie mau sie in Berlin seit Jahren nicht mehr und namentlich nicht im August beobachtet hatte. Berliner Asylvercin für Obdachlose. Jm Monat August nächtigten im Männer-Aihl 15 424 Persone». wovon 8905 badeten, im Frauen- Asyl 3750 Perlone», wovon 1384 badete». Arbeitsnachweis wird erbeten sür Männer Wiesenstr. 55/59, sür grauen Kolbergcr Str. 30. Das Gcwcrbegcricht Berti« hatte in den letzten Jahren eine Minderung der Klagen gehabt. Jm Geschäftsjahr 1910 sl. April 1910 bis 31. März 1911) haben. wie der jetzt vorliegende Jahresbericht zeigt, zum ersten Male wieder dle Klagen sich gemehrt. Diesmal gingen 14 391 Klagen ein, um 521 mehr als in dem vorhergehenden Jahr mit 13 870 Klagen. Die Kläger waren im letzten fbezw. vorletzten) Jahr Arbeit- aeber in 1044<899) Fällen. Arbeitnehmer in 13 347(12 971) Fällen, darunter Frauen in 3176(8111) Fällen, ferner zum Beispiel Heimarbeiter in 61S(563) Fällen. Lehrlinge in 108(lygs Fällen, Lauf- und ArbeltSbursche» in 158(161) Fälle». Die Klagen der Arbeitgeber haben sich verhältnismähig sehr bedeutend gemehrt, um 10 Proz., dagegen die der Arbeitnehmer nur um knapp 3 Proz. Der Streitgegenstand war, wie immer, haupisächlich Lohn: im letzten Jahre wurde 9038mal um Lohn gestritien, außerdem 5085nial um Lohn- oder Entschädigungs- anspruch wegen vorzeitiger Entlassung, Andere Anlässe waren sehr viel weniger zahlreich, zum Beispiel wurde Schadenersatz 1038mal gesordert, Herausgabe von Papieren, Sachen, Werkzeug und so weiter 1g>4mal. Ausstellung eines Arbeitszeugnisses ßL8mal, Zahlung von Kostgeld 283mal, Rückzahlung von Kautionen 96>nal. Auflösung des Lehcverhälmiffes 38mal, Fortsetzung des Lehrverhält- nisseS 2ßmal usw. Oft wurden in einer Klage zugleich mehrere dieser Ansprüche geltend gemacht. Der Wert deS Streitgegenstandes war 5982mal nur bis 20 M., 409Smal über 20 M. bls SV M., 29S4mal über SSM. bis 100 M., l359mal über 100 M. Der höchste Betrog war 2569 M.. der niedrigste 25 Pf. Bon 14 391 Klagen wurden 309 vor dem ersten Termin er- ledigt, und e« verblieben somit 14082 Klagen für die Rechtsprechung. Bon den Kammern waren daran beteiligt: I. Schneiderei, Näherei mit 3129, II. Textil-, Leder-, Putzindustrie mit 791, III. Baugewerbe mit 1488, IV. Holz- und Schuitzstoffe mit 676, V. Metalle mit 1685, VI. Nahrung, Beherbergung usw. mit 3257, VII. Handel. Verkehr mit 1752, VIII. Allgemein mit 1304. Ein Mehr gegenüber dem Vorjahr zeigt sich bei allen Kammern mit Ausnahme der Baukammer, bei der die in den letzten Jahren eingetretene Minderung noch an, gedauert hat. Bis zum Ablauf des I ihres wurden von den 14 082 Klagen 13 707 erledigt, durch Vergleich 6009, Ver- zicht 403, Rücknahme oder Ruhenlassen 3446, Abgabe an JniiungSgericht. KausmannSgericht usw. 447, Auerkennmisurteil 54, Bermumnisurteil 2051, loiilradiklorischeS Urteil 1297(davon 952 mit Beweisaufnahme, 333 ohne BeweiSoufnahine, 12 nach Eides- leistiing durch eine Partei). Unter den durch kontradiktorisches Urteil beendeten Klagen waren 52 von Arbeitgebern, die 31 Mal gewannen (in 60 Proz. dieser Klagen), 1245 von Arbeitnehmern, die 749 Mal gewannen tauch hier m 60 Proz. dieser Klage»). Bezüglich der Dauer der Prozesse ist daS Ergebnis diesmal ungünstiger al» im Borjahr. Von den durch kontradiktorische« Urteil beendeten Klagen dauerten nur 5 Proz. weniger als 1 Woche, 21 Proz. 1—2 Wochen, über 49 Proz. 2 Wochen bi« 1 Monat. 22 Proz. 1—3 Monate, ziemlich 3 Proz. länger als 3 Monate. Jm Vorjahr waren ziemlich 10 Proz. in weniger al« 1 Woche beendet worden. LI Proz. in 1—2 Wochen, etwa 47 Proz. in 2 Wochen bis 1 Monat, dagegen nur 11 Proz. in 1—3 Monaten. 1 Proz. in mehr als 3 Monate»._ Gin schreckliche« vrandunglück ereignete sich gestern mittag in der G r ü» st r. 16. Jm vierten Stock wohnt dort daS Ehepaar R o s e n st o ck, da« sich vorgestern erst verheiratet hatte. Al« gestern mittag sich die junge Frau an einem Spirituskocher zu schaffen machte, kam der Kocher plötzlich zur Explosion. Die Stichflammen trafen die Frau und setzten ihre Kleider in Brand, sodaß die Un- glückliche im Nu einer geuersäule glich. Auf die Hilferufe eilten andere Personen hinzu und erstickten das Feuer durch Auswerfen von Decken. Die Frau hatte aber schon so schwere Brandwunden am ganzen Körper davongetragen, daß sie mit einem Kranke» wagen deS verbände« fü, erste Hilfe nach der Charitä gebracht werden mußte. Es besteht wenig Hoffnung, die Frau am Leben zu erhalten. Zur Frage de« DamenhutverbotS. vom Syndikus des ver- bandes der Berliner Bühnenleiter ist gegen die Verfügung- de« Polizeipräsidenten beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg Beschwerde erhoben worden. Diese stützt sich n. a. aus mehrere Ent- scheidungen deS OberverwaltungSgerichlS und sieht die Verfügung in formeller wie sachlicher Beziehung a» al« den gesetzlichen Bestimmungen und der ständige» JuBkatur de« höchsten Gerichtshofes nicht einsprechend Gleichzeitig hat der Bcrband durch seiueu Syndikus eine Anfrage nn das löuigl'chc Polizeipräsidium gcnchict, die sich auf den§ 53 des LandeöverwaltungSgesetzcS stützt; in diesem wird bestimmt, daß die Erhebung einer Beschloerde gegen polizeiliche Verfügungen auf- schiebende Wirkung hat, es sei den», daß die AiiSführuiia der Ber- sügung ohne Nachteile für daS Gemeiiiivesen nicht ausgesetzt werden kann. Da jedoch nicht anzunehinen ist. daß das Tragen von Damen- Hüten im Theater sür da« Gemeinwesen nackieilia sei. wurde daS Polizeipräsidium um die Vestätigung ersticht: daß eS von der AuS- führung der Bestimmung bis zur Erledigung des JnstanzenzugeS Abstand nehmen wird. Gin Kind von drr Straßenbahn totgefahren. Gin Straßenbahn- unfall mit tödlichem Ausgang hat sich am Soiintagmlttag in der Elisabeth st raße zugetragen. Bor dem Hause Nr. 40 wurde die vierjährige Tochter Else des HcniSdieuerS Geppert aus der Elisabethstr. 45 von einem Slraßenbahmvagen der Linie Hohen- schönhausen— Kurzestraße überfahren und geriet mit dein Oberkörper ganz unter den Schutzrahmcn, so daß es nicht so oh»e weiteres befreit werden kennte. Straßeiipaffanten alarmierten daher die euerwehr. A!« diese eintraf, hatte daS Vahnpersonal daS Mädchen aber schon hervorgeholt. ES wurde in bewußtlosem Zu- stände nach der llnfallstalion in der Keibclstraße gebracht, starb dort aber gleich nach der Eiiilieserung. Die Leiche kam nach der elterlichen Wohnung. Der T»d mif den Schienen. Bei Lichtenrade wurde vorgestern früh von Bahnbeamten auf den Eisenbahngleisen die zerstückelte L ei ch e eines jungen M ä d ch enS aufgefunden. Die Personalien der Toten konnten mit Sicherheit noch nicht festgestellt werden, doch scheint das Mädchen aus Schlesien zu stammen. Es wird Selbst- mord angenommen. Einen größeren Waldbrand verursachten Sonntagnachmittag Berliner Ausflügler durch einen unverantwortlichen Leichtsinn in der Oranienburger Forst. Sie veranstalteten dort ein Picknick und gebraucklen dabei auch einen Spirituskocher. Ob sie nun ein brennendes Streichholz weggeworfen oder den Kocher umgestoßen haben, steht dahin. Plötzlich stand der Wald um sie herum in Flammen. Unter Zurücklassung der Kleidungsstücke, die sie abgelegt hatten, der Kochgeräte und der Lebensmittel ergriffen sie die Flucht, ohne sich weiter um das Feuer zu kümmern. Zum Glück sah es der Bcobachtniigsposten der Forstverwaltung noch Er rief die Feuerwehr von Jensickendorf, die mit Hilfe von vielen Wald- arbeitern sofort große Schutzgräben zog. Immerhin verbrannte» 80 bis 100 Morgen des Waldes. Bis zum Abend gelang es, des Feuers Herr zu werden. Der Schaden, den eS anrichtete, ist beträchtlich. Leider ist der Unfug, im Walde zu kochen, weiter ver- breitet, als man annimmt. So wurde uns dieser Tage berichtet, daß am Sonntag, den 3. September im Rahnsdorfer Forst bei Krumme Lake eine Jugendabteilung des Vereins.Wanderbogel" gleichfalls im Walde ein regelrechtes Abkochen veranstaltet hat. Arbeiter, die den jungen Leutchen das Gesährliche und Ungehörige ibrer Handlungsweise vorhielten, wurden noch verhöhnt. Schließlich machten die Arbeiter kurzen Prozeß und traten einfach da« Feuer au«. Die jungen Leute beriefen sich auf die Erlaubnis de« Försters; es stellte sich aber heraus, daß diese Behauptung unrichtig war. Als die Wandervögel von ihrer Feuerstelle vergrault waren, machle» sie an anderer Stelle Feuer. Der Förster, der auf die Unfug- stister aufmerksam gemacht worden war, verwies ihnen dann energisch ihr Borhaben. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonntagnachmittag auf der Charlottenburger Chaussee nahe der Lessingstraße. Dort versuchte die 70jährige Witwe Luise Masche, die in dem St. Georg- und Heiligcgeist-Hospital in der Reinickendorfer Str. 59 wohnt, vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie dl. das Gleis zu überschreiten. Die Greisin wurde umgestoßen und geriet unter den Borderperron. Die Verunglückte, die einen Bruch des linken Oberarmes, erhebliche Hautabschürfungen an den Händen und am Kopf und anscheinend auch innere Verletzungen erlitten hatte, erhielt auf der Rettungswache im Tiergarten die erst» Hilfe und wurde von dort nach der Charilü übergeführt. Bon einem Hühncrdiebe angeschossen und schwer verletzt wurde in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag der 19jährige Schlosser Hugo Karascb, Rigacr Straße bei den Eltern wohnhaft. Der Vater de» jungen ManucS, der Fabrikarbeiter K., besitzt in der Lauben« kolonie„Kiaulschou" an der schwarzen Brücke, in der Nähe deS Zenlralviebhofes eine Lanhe und unterhält auf dem von ihm ge- pachteten Terrain eine Hühnerzucht. Seit einigen Wochen fanden de» Oeslercn Hühnerdiebstähle in der Laubenkolonie statt, und da auch Herrn K. vor einigen Tagen mehrere wertvolle Legehühner gestohlen waren, beschloß der Arbeiter mit seinem Sohne in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag zu wachen, um die nn- bekannten Diebe abzufassen. Der jüngere K. übernahm von 12 bis 2 Uhr die erste Wache, während der Vater mit einigen Bekaimten i» der Laube Karten spielte. Gegen 1 Uhr morgens sah der Schlosser, daß eine Ge-talt in einer Entfernung von 40 Metern auf ein Nachbargrundsiück schlich und dort den Hühnerstall zu öffnen versuchte. In wenigen Sekunden war der junge Mann m der nächsten Nähe des Diebes und stellte denselben mit der Frage, was er aus dem Grundstück zu suchen habe. Jm nächsten Augenblick zog der Unbekannte einen Revolver und feuerte ans den vor ihm stehenden Schlosser einen Schuß ab, der it. zu Boden streckte. Durch die Detonation waren die kartenspielenden Männer aufnierlsain geworden und rannten sofort dein Flüchtenden nach. ES gelang ihnen den Täter, der den Revolver fortgeworfen hatte, zu fassen. Der angeschossene Hugo K. wurde nach der Unfallstation in der Warschauer Straße geschafft, wo der anwesende Arzt eine schwere Schußverletzung in der linken Brust feststellte. Von da auS wurde der Schlosser nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Der Re- volverschütze veriveigerte auf der Polizeiwache alle Angaben über seine Persönlichkeit. Vermißt wird seit dem 31. August der Schlosserlehrling Mfred Grimm. Brüsseler Straße 33. Bekleidet war derselbe mit grauem Anzug, grauem Hut niil schwarzem Band. Schnllrsttefeln, weiß- und blaugestreiftem Barcheuthemd. Am rechten Unterarm bat derselbe Tätowierungen. Außerdem war der Verschivnndene im Besitze eines Fahrrades, Marke Walküre(307 362). ES wird angenommen, daß das Rad abhanden gekommen ist und der Lehrling auS Furcht vor den Eltern umherirrt._ Vorort- JVaebriebten» Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Für daS am 1. Oktober d. I. in Funktion tretende Gewerbegericht wurde als erster Vorsitzender Bürgermeister Walger und als dessen Stellvertreter die Schöffen Sadee, Apothekenbesitzcr, und Grundmann, Assessor und juristischer Hilfsarbeiter der Gemeinde Friedenau gewählt. Als Waisen- Pfleger wurde Herr Kanzleirat Stierte gewählt. Bisher hat man es trotz der Bemühungen unserer Vertreter ängstlich vermiede», einen Arbeiter mit einem solchen Amte zu betrauen. Die Regelung der Lehrer- und Bcamtengehälter soll eine vom Gemeindevorstand in Vorschlag gebrachte Kommission vornehmen. Genosse Richter wies darauf hin, daß eS wohl selbstverständlich sei, daß diese Kommission auch die Lohn, und Arbeitsbedingungen der Gemeindearbeitcr einer Regelung unterziehe. Er beantragte, dies in der Vorlage zum Ausdruck zu bringen. Auf Antrag der Herren von Wrochcm und Ott wurde die Regelung dieser An» gelcgenheit bis zu den Etntsberatungen vertagt. ES ist oieS ein von den Herrschaften wohlüberlegtes Verschleppungsmanöver, denn die Kommission wird dann in der kurzen ihr zur Verfügung stehen- den Zeit gar nicht in der Lage sein, ihre Arbeiten zu beenden. was denselben Herren wieder den Anlaß zu einem neuen Ber- tagungsantrag geben wird. So verstehen es die Herren Meister- hast, die so bitter notwendige Aufbesserung der Löhne der Ge- meindearbeiter und Angestellten auf die lange Bank zu schieben. Des ferneren schlug der Gemeindevorstand vor. die Versammlung des..Deutschen Vereins für Gesundheitspflege" in Dresden und die Hl)giencauSstcllung ebendaselbst durch mehrere Mitglieder der Gemeindevertretung oder der Bürgerschaft zu beschicken. Genosse Richter beantragte, ein Vorstandsmitglied der Ortskrankenkasse zu delegieren. Während nun unseren bürgerlichen„Gemeindevätern", wenn eS sich um EinweihungSrummel und sonstigen Klimbim handelt, keine Wurst zu teuer ist, stimmte man hier wieder daS alte Lied vom Sparen an. ivaS immer gesungen wird, wenn Mittel verlangt werden, die nicht ausschließlich im Interesse der Bc- sitzenden liegen. Beschlossen wurde, nur den Gemeindebaurat, dessen Hilfsarbeiter, den Architekten Duntz, und den Schöffen Sadee zu entsenden. Alle übrigen Vorschläge wurden gegen die Stimmen des GcmeindevorstandeS und unserer Genossen abgelehnt. Ebenso wurde die Beschickung deS Kongresses der Berussvormünder durch den Generalvormund, Herrn Hendrich, abgelehnt. Wir sind nun neugierig, ob die Herren mit Rücksicht auf die schlechten Zeiten auch auf den alljährlich zum 27. Januar auf Kosten der Steuerzahler stgttfindenden Schmaus Verzicht leisten werden. Nixdorf. Ein sSwereS Sran�unglück sich am gestrig«» Vormittag gegen%12 Uhr in dem Hause Bertelsdorfer Str. Ivo ereignet. 'Die Frau des dort wohnhaften Lageristen Hesse hatte eine eilige Besorgung zu machen und liest ihre beiden Söhne im Alter von . fünf und drei Jahren in der Wohnung zurück. Der jüngste Knabe ■ Richard fand in der'Küche eine Schachtel Streichhölzer, mit denen er spielte. Dabei gerieten die Uhidhölzer in Brand und bei dem Versuch, sie auszutreten, fingen die Kleider des Kleinen Feuer. �Jn wenigen Sekunden glich das bedauernswerte Kind einer leben- 'dsn Fcuersäule. Auf das Hilsegeschrei der beiden Knaben drangen lllachbarsleute in die Wphnung und erstickten durch Aufwerfen von Betten und Decken die Flammen. Leider hatte der Kleine �bereits zahlreiche schwere Brandwunden an der Brust, dem Rücken, den Beinen und im Gesicht davongetragen. Von der Unfallstation in der Steinmetzstratze, wo dem Kinde die erste Hilfe zuteil wurde. mustte der Knabe in bedenklichem Zustande nach dem Städtischen Krankenhaus in Buckow übergeführt werden. Spandau. Wenn Kinder in Hast genommen werden. In der neueren Rechtsprechung zeigt sich einige« Bestreben, mehr als bisher die Jugendlichen vor dem Gefängnis zu bewahren. Verurteilt ein Ge- richt einen jugendlichen Angeklagten dennoch zu einer Freiheitsstrafe, so ist immer noch in der bedingten Verurteilung ein Mittel gegeben, die Vollstreckung der Strafe aufzuhalten und sie dem Verurteilten bei andauernd guter Führung ganz zu erlassen. Wie aber wird verfahren, wenn ein Jugendlicher einer Straftat beschuldigt wird und die Polizei ihn festnimmt? In Spandau hat vor einigen Tagen die Polizei ein erst drei« zehnjährige«, noch schulpflichtiges Mädchen, das des Diebstahls be- schuldigt wird, aus der Wohnung abgeholt. Die Mutter erzählt, sie .habe am folgenden Morgen ihre Tochter auf dem Ralhause besucht >llnd sie dort in einein Raum vorgefunden, den man nicht anders als eine Gefäng niszelle nennen könne. Es ist nickt ganz klar, welchem Zweck die Inhaftierung des Kindes dienen sollte. Hat man für nötig gehalten, wegen des Diebstahls eine Untersucklings« hast anzuordnen? Oder wird Fürsorgeerziehung beabsichtigt und gilt die Gefahr der Verwahrlosung als so groß, dast schleunigst die vorläufige Unterbringung verfügt worden, ist? Die Mulier hat das Kind später noch einmal besuchen wollen, hat es aber nicht mehr zu sehen bekommen. Dabei hat sie den Eindruck gewonnen. dast ihre Tochter noch immer aus dem Ralhause in Veiwahrung gehalten würde. In welchem Raum mag das Kind, das uns übrigens als geistig nicht normal bezeichnet wird, die Tage und Nächte zugebracht haben? Auch die Staatsarbeiter fangen an, unzufrieden zu werden. Kürzlich hatten die hiesigen Milchhändler und Molkereibesitzcr den Milchpreis von 22 auf 24 Pf. pro Liter hinaufgeschraubt; dies " wollten sich die' Staatsarbeiter mcht gefallen lassen. Nachdem kürz- lich eine vom Militärarbeiterverband einberufene Versammlung < der Männer gegen die Milchverteuerung protestiert, hatte vor ' einigen Tagen eine von über 1000 Frauen besuchte Versammlung sich dem Protest angeschlossen. Man will, solange der Milchpreis nicht herabgesetzt wird, den Milchverbranch so viel wie möglich ' einschränken und als Ersatz hierfür Trockenmilch verwenden. Wie der Bundessekrelär Vallenthin aus Berlin anführte, kämen aber nicht nur die Milchlicferantcn in Frage, auch gegen die Bäcker und Schlächter müsse Front gemacht werden. Die Regierung sollte er- sucht werden, die Grenzen zu öffnen und die Zölle herabzusetzen. So erfreulich es ist, dast die Staatsarbeiter anfangen, sich zu rühren, so werden sie ihren Zweck auf dem eingeschlagenen Wege kaum erreichen. Dazu gehörte vor allen Dingen, dast sie bei den koinmepigp Reichstagswahlen einmütig..dp ig.KPvdid�te« dep sozialdemokratischen Partei ihre Stimme geben. Denn nur die so.staldemokatische Partei allein macht Front gehen die Lebens- mittelverteuerung. So viel kann von der Bewegung der Staats- " ärbefler wohl schon gesagt werden, sie zeigt, dast diese Arbeiter sich nicht mehr in das Schlepptau der konservativen Partei nehmen lassen wird. Ein schwerer Bmitinfall ereignete sich gestern morgen aus den Fobrikbauten in Gartenfeld. Ein Klempnergeselle namens Hertz auS Berlin stürzte von einem Dache, wo er mit Abdeckungsarbeiten be« schäfngl war, ob und. trug schwere äustere und innere Verletzungen davon; er wurde nach einem Berliner Kranlenhause übergeführt. Oranienburg. Ein Verbrechen, dessen Aufklärung auch die Berliner Kriminal- Polizei beschäftigt, ruft hier graste Aufreglmg hervor. Am Donnerstag wurde in der Wohnung des Malermeisters Marunge in der Jahn- ' straste an der Ehefrau des M. ein Raubinordversuch verübt, wobei j.Frau M. schwer verletzt wurde. In bedenklichem Zustand mustte >ic nach dem Krankenhaus gebrockt werden. Die Verfolgung des TälerS wurde auch durch einen Spürvund aufgenommen. Das Tier nahm eine Spur auf, die nach dem Nestaiiranl Schneider in derbe- > iiacvborten Kürsürstenstraste führte. Der. Hund lies direkt in daS Lokal hinein und rannte mehrere Male im Zimmer hin und her. Nun wurde festgestellt, dast sich an demselben Tage in dem ' Restaurant ein Müllergeselle aufgehallen hat, der früher einmal bei ' Marunge beschäftigt war und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Wie ermittelt wurde, ist der Gesuchte später Anstreicher geworden. Potsdam. Das Luftschiff„Schwaben" landete am Sonnabendmittag gegen V2\ Uhr auf dem für die Zeppelinschiffe eingerichteten Flug- platz an der Pirschheide, nachdem er bereits um �>12 Uhr die Stadt auf seinem Fluge nach Berlin schon einmal gekreuzt hatte. ' Ter Flug über Potsdam wurde in zirka 200 Meter Höhe aus- geführt, so dast man das Schiff. und dessen Einrichtungen bequem beobachten konnte. Sonst brachte der Tag eine arge Enttäuschung für die einheimischen Luftflolten-Enthusiasten, die die damalige Eugagierung der Stadt mit t Million Mark für den Platz, um die wirtschaftlich« Lage Potsdams zu heben, mit grohcm Beifall auf- nahmen. Bei der Landung-unterblieb jede offizielle Feier. Publi- -> kum hatte sich auf dem Platze vcrhältnismästig nur gering ein- gefunden(es kostete 3 M. Eintritt); am Sonntag sollte der Ein- trittspreis auf l M. festgesetzt werden. Jnzivischen war aber ' morgens 3 Uhr die Rückreise nach Gotha angetreten worden, wo . bereits um H8 Uhr die Landung erfolgte.— Für Flugveranstal- tungcn mit Flugn, aschinen dürfte sich der Platz nicht eignen. Als man diese in Aussicht stellte, hat man wohl die notwendige Grötze ' für solche Veranstaltungen ganz auster Berechnung gelassen. Gerichts- Zeitung. Wegen fahrlässiger Tötung unü versuchten Verbrechens gegen keimendes Leben stand gestern die frühere Hebamme, jetzige Zimmervermieterin Witwe Rosina Neumail» vor der 7. Ferienstrafkammer des Landgerichts l. Die Angeklagte steht bei der Kriminalpolizei schon lange in Verdacht, Frauen und Mädchen gewisse verbotene Dienste zu leisten. Sie hat seinerzeit die Hcbammenprüsung gemacht, sie waltete ihres Amtes aber in einer Weise, die wiederholt zu Beanstandungen Anlast gab. Im Jahre 1397 war sie in eine Kindcsunterschiebungsassäre ver- wickelt. Gegen eine Entschädigung von 49 M. hatte sie Beihilfe da- nu geleistet, dast ein von einem Dienstmädchen geborenes Kind als das Kind einer Frau, die gar nicht geboren hatte, ausgegeben wurde. Es wurde ihr dann vom Bezirksausschust und auch vom Oberver- waltungsgericht das Prüsungszeugnis als Hebamme entzogen. Am 11. Dezember 1899 stch sich der Polizeipräsident veranlacht, eine öffentliche Bekanntmachung zu erlassen und darin das Publikum zu kvarnen, die Angettagle be! Entbindungen in Anspruch zu nehmen. Die Angeklagte kam dann mehrfach in Verdacht, als..ge». fällige Frau" unerlaubte Eingriffe bei Frauen und Mädchen, die sie in ihrer Wohnung in der Voltastratze aufgesucht hatten, vorge- nommen zu haben, sie konnte aber niemals überführt werden. Nun verstarb am 8. November 1919 im Krankenhause zu Rcinickendor ein dorthin gebrachtes Dienstmädchen, und die Aerzte stellten fest, dast sie zweifellos das Opfer eines unerlaubten Eingriffs geworden war. Aus den Mitteilungen der Kranken und aus den angestellten Nachforschungen ergab sich zur Evidenz, dast das Mädchen bei der Angeklagten gewesen und dort'gewissen Manipulationen unier- warfen worden war. Die Angeklagte stritt Stein und Bein, die Ergebnisse der Ermittelungen legten aber ihre Schuld völlig klar. Während der Untersuchungshaft wurden plötzlich Zweifel bezüglich ihres Geisteszustandes wach, die den Medizinalrat Dr. Hoffmann vcranlatzten, den Antrag auf Beobachtung in einer öffentlichen Au- swlt zu stellen. Diese hat durch Prof. Dr. Koppen stattgefunden, zu einer Anwendung des§ 51 aber nicht geführt. Dem Antrage des Rechtsanwalts Bahn auf Ueberweisung der Sache an das Schwur- gericht kam der Gerichtshof nicht nach. Der Staatsanwalt bean- tragte 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft. Böse Beschuldigungen richtete eine Anzahl kleiner Mädchen gegen den Schuhmachermeister Robert Pctrausch, der sich gestern wegen wiederholten Vergehens gegen die Sittlichkeit vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Ter Angeklagte betreibt in dem Hause Salzwedeler Straste 5 ein Schuhwarengcschäft. Er wurde beschul- digt, zu wiederholten Malen Kinder, die bei ihm Schuhputzmittel kauften oder Schuhzeug zur Aenderung oder Ausbesserung zu ihm brachten, in unzüchtiger Weise berührt zu haben. Sieben kleine Mädchen traten als Belastungszeugen gegen ihn aus und behaup- teten, daß der Angeklagte ihre Anwesenheit in seinem Laden dazu benutzt habe, sie mitten im Gespräch in unanständiger Weise zu be- rühren, so dast ihnen die Schamröte ins Gesicht gestiegen sei. Ter Angeklagte bestritt entschieden diese Behauptungen und erklärte, daß er das Opfer des Klatsches und Konkurrenzneides geworden sei. Er kenne die meisten der Belastungszeuginnen überhaupt nicht. Er be- zeichnete speziell einen ihm gegenüber wohnenden Schuhmacher als einen solchen, der aus Konkurrenzneid eins der als Belastungs- zeuginnen auftretenden Mädchen ihm auf den Hals geschickt und die Strafanzeige erstattet habe. Rechtsanwalt Bahn hatte sich zur Ver- teidiguny des Angeklagten auf mehrere einwandssreie Personen be- rufen, dre diesen kennen und erklärten, dast sie ihm die nachgesagten bösen Handlungen nicht zutrauen. Die Mädchen blieben aber fest bei ihren Beschuldigungen, und da auch nach Anhörung ihrer Lehrer gegen ihre Glaubwürdigkeit nichts einzuwenden ist, so war gegen ibre Aussagen nichts zu machen.— Der Staatsanwalt hielt die Ver- fehlungen des Angeklagten für so strafwürdig, dast er 5 Jahre Zuckithaus beantragte. Ter Gerichtshof sah die Sache milder an und erkannte auf ein Jahr Gefängnis. Gegen dieses Urteil meldete der Angeklagte sofort Revision an. Hu 9 aller(Zielt Ter Theatereinsturz in Nizza. Die Aufräumungsarbeiten des eingestürzten TheaterS in Nizza, unter dessen Trümmern zahlreiche Tote und Schwerverletzte hervorgeholt wurden, werden fortgesetzt. Man glaubt, dast sich noch drei Leichen unter den Trümmern befinden. Sonntag nachmittag erfolgte die Besetzung der Opfer dieser furchtbaren Katastrophe. Ueber 10(XX) Personen, darunter zahlreiche Vertreter sämtlicher Syndikate und Geiverk- schaften, geleiteten die toten Kameraden zum Grabe, an dem eine erhebende Mier'stattfand.—-' Die"Poltzci, die von „Unruhen" geträumt hatte, war in groster Zahl erschienen. Da es niqnayd einfiel, irgendwie die Ruhe zu stören, vinstlen die Polizisten ihre gewetzten Säbel in der Scheide stecken lassen und betrübt von bannen ziehen. Im Kampfe mit �elddieben. In der Nack» von Sonnabend zu Sonntag überraschte in der R i ck l i n g e r Feldmark bei Hannover der Polizeiiergcant DreweS zwei Männer beim Felddieb stahl. Bei der Sistierung de-Z einen DiebeS. namens M o h r h o s auS OsterninalS, kam eS zu einem Handgemenge, wobei Mohrhos ein Messer zog und dem Polizeisergeanlen in den Kops inest. Der Sohn des Drewes. der seinem Vater zu Hilfe kam, wurde von dem blindlings um sich Stostenden durch drei Messerstiche io die Brust gctöiet. Ein Schlosserlehrling, der ebenfalls zu Hille eilte, erhieli einen Stich in den Unterleib und liegt schwer krank im Kranken- Hause danieder. Mohrhof konnte verhaftet werden und ist bereUS in das Kreisgefänguis eingeliefert worden. Vom schwäbischen �lugwerrvewerb. Die erste Etappe des Fluges, die am ersten Tag von Stuttgart nach Ulm führte, wurde am Montag von 7 Fliegern unternommen. Ihr 129 Kilometer entferntes Ziel Ulm haben bis jetzt nur Voll- möller(Etrich-Rumpler-Taube) und Jeannin(Aviatik-Ein- decker) erreicht. H i r t h(Etrich-Rumpler-Taube) mustte 5 Kilometer vor Ulm aus dem Exerzierplatz Lerchenfeld, wegen Motor- defektes erne Notlandung vornehmen. Büchner(Aviatik-Ein- decker) zertrümmerte bei der unglücklichen Abfahrt seinen Apparat, er. selbst blieb unverletzt. Auch Schall(Grade) zerbrach bei Neuffen einen Flügel seines Apparates. Als in Hendom nach dem Aufstieg der beiden Flieger zum Luftpostdienst nach W i n d s o r der französische Flieger Hubert um 7 Uhr morgens mit 299 Pfund B r i e f p o st aufstieg, kipple das Flugzeug plötzlich um und stürzte nieder. Hubert brach beide Oberschenkel und wurde in das Krankenhaus gebracht. Brandkatastropljen. Auf dem Leipziger Metzplatz entstand gestern vormittag ein großer Brand, der nach kurzer Zeit ein K i n e m a t o- graphentheater einäscherte. Zwei anstotzendc Ver- kaufsbuden sowie ein gegenüberliegendes K a r u s s e l wurden gleichfalls von den Flammen ergriffen, konnten aber gerettet wer- den. Die Frau des Besitzers wurde mit schweren Brand- wunden aus dem Wohnwagen geborgen. Als Entstchungsursache wird Brand st iftung vermutet. Vergangene Nacht sind in S t ü ck e r b e r g bei Solingen bei dem Brande eines Fachwerkhauses drei Kinder eines Fabrik- arbeitcrs im Alter von ein. d r e,i und vier Jahren in den Flammen umgekommen. Das jüngste Kind wurde durch die Mutter gerettet. Nach einem uns an? Geestemünde zugegangenen Tele. gramm ist das Dorf Deinstede fast völlig niedergebrannt. Viel Vieh ist den Flammen zum Opfer gefallen. In Heddernheim bei Frankfurt a. M. brach gestern mittag kurz vor 12 Uhr in der Tischlerei von Jean Dübel Feuer aus. wobei ein Arbriler den Erstickungstod fand. Bei einem Brandunzlllck, das in der BergsreiheitSgrube in Obers ch m i e d e b c r g wütete, sind vier Bergleute umgekommen, dreizehn an Rauchvergiftung erkrankt, darunter zwei schwer. Unfälle auf hoher See. Zwischen dem Hamburger Dampfer.Hedwig Heitmann* und dem in Leith beheimateten englischen Dampfer.Cumberland" fand nachts bei der Einfahrt in die Oste eine schwere Kollision statt. Die .Cumberland" sank. Durch Sturm kenterte auf dem Trasimenischen See ein Motorboot, das vierzehn Damen und drei Herren eines Wohltätigkeits. bazars von Castiglione del Logo zu einer Lustfahrt über den See bringen sollte. Sämtliche Frauen verschwanden fest aneinander- geklammert in den Fluten. Die Herren gewannen das Ufer. Eine Retilingsaklion war unmöglich, da keine Borten vorhanden waren. Au» dem Monkalasluh im Gouvernement St. Michel ist wählend eines Sturmes ein Touristenboot mit 13 Passagieren auf Stcintlippen geworfen worden. Die Malerin Tea Bingen aus Berlin und eine andere Person find ertrunken, dt« übrigen Reisenden wurden gerettet._ Verjährte Tierquälerei. SuS Rom wird uns geschrieben: Ein schönes Beispiel juristischen Unverstandes hat vieler Tage ein römischer Sladtrichter geliefert. Nach der italienischen Jurisprudenz ist das Blenden von S i n g V ö g e ln zu Jagd- zwecken als Tierquälerei mit Strafe bedroht. Dem- enliprechend Uetz der römische Tierschuyverein bei irgend einem Roh- ling 16 geblendele Singvögel beschlagnahmen und erstattete die An- zeige. Der Siadlriwter hat den Mann freigesprochen unter der hochiveisen Begründung, datz die Tiere schon vor sechs Monaten des AiigenlichlS beraubt worden— was durch einen Sachverstälidigen bezeugt wurde— und datz Ueberrretungen in dieser Frist verjähren. DaS ist natürlich der haorsiräiibendste Blödsinn. Als Grausamkeit wird ja nicht der Att der Blendung, sondern vielmehr die durch ihn erfolgte B e« raubung des Augenlicht« bestraft, weshalb nach allen bis- herigen Urteilen auch die Verwendung geblendeter Vögel verbalen war, io datz man die beschlagnahmten dem Tierichutzverein zur Vernichtung zu üderweiien pflegte. Nach der Heuligen blödsinnigen AuS- legung kann ruhig weiter geblendet und mit blinden Vögelcken ge- bandelt werden, nur muh man Zinsen und Futter von seckS Monaten auf den bisherigen Preis drauii'chlagen. Das.Giornale d'Jtalia" empfiehlt in keiner Jogdrubnl ganz im Ernst, ruhig weiter ge- blendete Singvögel zum Anlocken zu benutzen und nur darauf zu achten, datz ne seil secds Monaten des Augenlicht« beraubt seien. Was sich der Sladtrickiler wohl unter dem Begriff.Tier» quälerei' gedacht haben mag? DaS ist auch jo ein Kapitel von dem Buchstaben, der den Geist tötet. Eifersuchtsdrama im Tbeater. Aus Amerika kommt wieder einmal die Nachricht von einem sensationellen Mord. Im Dixietheater in Nash- Hille stand während der gestrigen Nachmittagsvorstellnng plötzlich eine Frau Samuel auf und feuert« zwei Revolverschüff» gegen ein Fräulein W e st. die neben dem Gauen der Frau Samuel katz. Das Mädcbe» wurde tödlich getroffen, die Mörderin sofort verbaftel. Sie batte vor kurzem eineu Swelduiigsprozeh gegen ihren Gatten angesireiigt. später aber den Antrag zurückgezogen. Sie hotte den Verdacht, datz ihr Gälte sie mit Fräulein West hintergehe und wollte aus dieie Weise die Nebenbuhlertn beiseite schaffen. Der Zu'chauer bemächtigt« sich eine ungeheuere Ponit. Alles strömte dem Ausgange zu; mehrere Personen wurden be' dem Gedränge nicht unerheblich verletzt. Viele Frauen fielen in Ohamacht. Kleine Nottze«. Familientragödie. Ter in Stuttgart wohnhaste Schriftsetzer D e i tz hat vorgestern abend auf der König-KarlSbrücke in Kann» statt seinen etwa sechs Jahre alten Knaben und seine acht» j ach r ige Tochter über das Geländer in den Neckar geworfen. Darauf sprang er selbst in die Tiefe. Einigen hinzueilenden Jtalie» nern gelang es. den Piann und das Mädchen an Land zu schaffen, d'öck) waren die WiederbelehiingSversuche umsonst. Nach der Leiche des Knaben wird noch gefncht. Autounfälle. Der Koburgische Kammerherr Baron von E r f fa- A h o r n ist am Sonnabend bei einer Automobilfahrt ver» unglückt. Er wurde sofort getötet. Der mitfahrende Frei» Herr von Mevern-Hohcnbcrg aus Wüstenahorn sowie der Chauffeur wurden erheblich verletzt.— Sonnabend nachmittag überfuhr der zu Tal fahrende Personenzug 1489 in Kilometer 6,1 der Neben- bahn Elberfeld-Cronenberg ein Automobil und zertrümmerte dasselbe. Von den Insassen wurde F'äulein Marge reihe Lange aus Barmen getötet, ihre Sckwester Emmi Lange und Herr OSmar Franke aus Godesberg schwer verletzt. Der Chauffeur Majewski-Elberfeld wurde leicht verletzt. Wegen fortgeseuten Fallens de» Wasserstandes bei RheinS können die grotzcn Schnelldampfer der Cöln-Düsseldorfer Dampf schisfahrtsgesllschaft nicht mehr verkehren. Die Gesellschaft sieht sich deshalb veranlaßt, den Verkehr ein zu» schränken und einige Fahrten ausfallen zu lassen. S!n schienen. Au» ihrem Inhalt beben wir beionderS hervor da» Ge, dicht.Z»m Paiteistig'. das satirische.Jena' von Tobias und da» Bild .Jung Siegfrieds Schwert' vo» H. G. Jentzsch. Der PreiS' de, Nummer ist 19 Pi. Konicrvativc Monatsschrift. Hest 12. vl-rtelj. S M. R. H-iblng, Berlin S1V. 61. Archiv für die Geschichte des LoztalismnS und ver Arbeiter- beweguiig. lt. Jahrgang. Hest 1. Herausgeber: Dr. K. Grünberg. Verlag E L. Hmchteld. Leipzig. Jahresberichl l«N des Deutschen DabatarbctterverbandeS. 1l3«. Selbstvertag in Br, men keile(irisar. Tragikomödie von F. Freckfa. 19?®.«. Steife, Berlin Vf. 62. Knrerfolge mit HanS-, He», nnd Bolksmitteln. von Sr � fri an5J' Vollst.» ndig in 6 Lieferungen a 60 Pf.— Judivid-ialitat und Persönlichkeit. Von A. Rosikat. 1,29 W. SUuqcv u. Co., Lel�jlg. Lriekliaften 6er k�eclaktlon. �Tle I-rlsttsche EprechNunde finde««lndeustroSe S», vor,»«er »flfttftiifil—,>>wi»iei»A<,liai von 4V4 dt» 7H Uhr oben»«, e«nn<>dend«, !?".4\tiä 6.1 bau. Jede, fgr vrtrstaftrn deftimmren«»krage tft tl««uJKmbe uns eine tzadl als MertjetiNen deiziiitige». PeteNIlde«»n»-k« luitl) nicht erieUt. Anfragr-i, denen«eine AdannementsauNiuna»einet»»« ist, werden nicht blaiitir-tte». Estigl»ragen trage mau ta»er Svrcchttunde»sr. SV. 3. 62. Ja— G. 29. Ja.— F. f».»t. I Wenn der Bräutigam?bne. gesetzllche,, Grund das Derlöbni» gelöst hat, haben sie Anspruch au! Nuckgabe der Gescheute und aus T.sa? dei Ausivendungen, die sie m tri Wartung der Ehe gemacht habe». Hat. nachdein die Ehe ver» Iprochcn mar, euic Belwohuuna statigcsuuden, so kann deswegen eine Ent- schadiglliig in Geld beansprucht werden, die nach den Einkommens- und PennögeiiSverhaltinfsen der Parteien zu bemessen ist. 2 Ja, eigenbänd g, uiiler Beisugulig der OrtSbezeichnung, deS genauen Datum» und der Unterschrist.— F. B. 89t. x. Der Großvater ist in erster Linie berufen. 2. Emige Wochen.- Otto 2». Ja.- H. 8. l. Rein. 2. Ja. S. sie persönlich basten für die PertragSdauer.- D. 2.1. New.- Hans 87. sie haben emcn zioilrechliichea Anspruch auj Herausgabe de» Stadel Sie hahen recht, wenn Sie bei Ihrem Kaufmann ausdrucklieb MiGGr Mlon-WW 5 Ptg. verlangen, denn sie Nur echt mit dem Namen MAOOI und der Schutzmarke KreuzsternI Sinti CiSO iSOS�OIla v4.* H.& P. Uder, Berlin SO. 16, engel-CIfcr 5. Tabak-OroOhandlung und Tabaklabrik. Spezialität: Nordhänser Kautabak von Q. ü. Kanewacker, Qrimm* Triepel. 1 Stets frisch zu den auBersten Engro'preisen..'■ . r.- Amt IV, 3014.■ 1■<, Sie hat etwas sehr Reizvolles, die Mode von 1911-12. Entzückende, für jeden Geschmack passende Modelle enthält das reich ausgestattete Favorit- Modenalbum(nur 60 Pf), franko 70 Pf., Jugend- Modonalbum 50 Pf., franko 60 Pf., bei C. Müller, ßerlin, Spittelmarkt 5.* Stoffe Damentuche, Kammgarne, Cheviot, für Paletots, Kostüme Mir 2.50. S 50 Mk. Tuchinger Koch& Seeland Q. m. b. H. Ggrtrauiltenstr. 21-21, iÄbee.r Erfrischende Bader Zu einem Vollbade füge man vier Eßlöffel voll Lyso- form hinzu. 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Millwoch. abends 8 Uhr: Oer bici'/.lgc. Hieraus: Der eingebildete Kranke. DonnerSIag. abends 8 Ubr: Der Pr«bekandid»t. Deriiner Tbeater. Heule 8 Uhr: BummeisUidenteD. Täglich: Buiiimclliubcnlcn. ]VeuesTSieater. 8 Uhr. Gastspiel Hansi Niese: Die �rnn Greil. Dazu: König Oedipus iManege- drama) mil Nansi Niese als OedipuS. Theater des Westens. 8 Ubr; Tie geschiedene Frau. Sonnabend 7'/, Uhr zum l. Maie: Die Dame in Rot. Nesidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Ubr: Die Dame von �axlm. Schwank in 3 Akten von G Feydeau. Sonnabend, 16. Sept., znm I.Male: Cri» Walzer von Chopin. Schwank in�8 Akt v Köroui u. Barrö. Friedrich-Wilhelmstädtischei Schauspielhaus. DieuSwg. den 12. September. 6 Uhr: Judith. Mittwoch 8 Uhr: Lebensbimger. Donnerstag 8 Uhr: Uraussühnmg: Die sich irren. Lnisen-Theaier. Heute 8 Uhr: Tin Winiermarchen. Mittwoch 8 Ubr: Premiere: Hetratsnrlaud. ose-in�ie Grone Frauktuvte, str 132. Täglich abends 81/. Uhr: Lassa lies Ocubc Aus der Garieubühne die gr. 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