Ar. SIS. flbonnementS'ßtdingutwn: •BonnemenJä• Preis pränumeranda z Biertcljährl. ZM M5., monall. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer niit Mustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiMngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Port:, aal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. erfötllit Wich außer Oloniasi. Vevlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands. Dlt Tnlerflons-GebOftf tekägt für die fechsgespaltene Kolones- »eile oder deren Raum 00 Psg, für politische und gewerlschast'.iche Vereins- und Verlaninilungs-Anzeigen 30 Pfg. „liteine Hnzcigcn", das scitgedruckle Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruclte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasslellcnan- »eigen das erste Wort 10 Psg, jedes wertere Wort S Psg. Worte über IS Buch- ftaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüsten bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geestnet Delcgrannn. Adresse: »SsxialUiwoMt BerUa". Der Militarismus als Auiturhemmnis. Neber die ungeheuerlichen Ausgaben für den Militarismus enthält das neuerschienene„Handbuch der Friedens- b e lv e g u n g"*) interessantes Material. So weist es nach Gaston Moch nach, daß französische Kriegsbudget sür das Jahr 1897 als gesamte Armeeunkosten 919 739 493 Frank aufführte, daß dazu aber noch für Militärpcnsionen, Marinepensionen, Zinsen der Anleihen für militärische Zwecke usw. 369 Millionen hinzuzurechnen waren. Danach betrugen die militärischen Ausgaben Frankreichs bereits im Jahre 1897 nicht 881, sondern in Wirklichkeit 1242 Millionen. Aber damit waren die wirklichen Aufwendungen für den Militarismus in Frankreich noch keineswegs er- schöpft. Hinzuzurechnen wären nämlich noch die Ausgaben für Errichtung und Erhaltung gewisser strategischer Wege- bauten, die Fehlbeträge der strategischen Bahnen, die Unter- stützungen zur Hebung der Pferdezucht, die Subventionen der Handelsmarine, wofür diese ihre Schiffe für den Kriegsfall als Hilfskreuzer zur Verfügung zu stellen hat, usw., wodurch sich die militärischen Ausgaben abermals um ein ganz erkleckliches erhöhen. Die Ausgaben für das deutsche Militärwescn betrugen nach dem Handbuch für das Jahr 1919 1499 Millionen Mark. Dazu kamen noch die Zinsen der Neichsschuld, soweit sie für Militär- und Marinezwccke Verwendung fand, mit 195 Millionen, die Amortisierung der Reichsschuld mit 129 Millionen und die verloren gehenden Zinsen des Reichs- kriegsschatzcs im Spandauer JuliuLturm mit 4,8 Millionen, so daß die gesamten Ausgaben sich schon hiernach auf 1675 Millionen beliefen. Durch weitere Militärausgaben, die von den Einzelstaaten gemacht werden, erhöht sich der Betrag auf annähernd 1700 Millionen. Aber damit sind wir dann noch lange nicht am Ende aller Aufivendungen für unseren deutschen Militarismus angelangt. Hinzuzurechnen wären die kommunalen Lasten, die durch Errichtung von Militärbauten, Hergabe von Exerzierfeldcni usw. entstehen, der Fehlbetrag der strategischen Bahnen, ein großer Teil der Reichs- und Staatsausgaben für Gestüte aind Hebung der Pferdezucht, die den Reedereien gezahlten Subventionen usw. Will man vollends berechnen, welcher Verlust am Ertrage der nationalen Arbeit durch unseren Militarismus dem Volke entsteht, so wären auch noch folgende Zahlen in Rechnung zu stellen: für 19 999 Einjährige eine Ausgabe von je 199Ö M.= 19 Millionen, für 799990 Mann der Friedenspräscnzstärke, häusliche Zuschüsse an Naturalien und barem Gelde von 199 M. pro Kopf und Jahr— 79 Mill. Mark. Nimmt vian noch hinzu die verloren gehenden Zinsen der in Mlitärbauten(Festungen, Kasernen, Depots usw.) ferner die in Rüstungen(Kriegsschiffe, Kanonen, Gewehre, sonstige Waffen usw.) investierten Kapitalien, weiter die den Mannschaften während der Dienstzeit entgehenden Arbeitserträge, so gelangt man leicht zu einer Riesen- suiiiiiic von 4— 5000 Millionen Mark, die dem deutschen Volke jährlich der Rüstungswahnsinn kostet! Tie Kosten des„bewaffneten Friedens", der, tvie die Marokkoaffäre so schlagend beiviesen, nicht eine Friedens- garantie, sondern die schlimmste Kriegsgefahr darstellt, beziffern sich für Europa nach den in den Budgets niedergelegten Militärausgabcn auf jährlich 9 bis 19 Milliarden Mark. Rechnet man aber die im Budget nicht enthaltenen indirekten Ausgaben der oben angeführten Art hinzu, so kommt man zu einem jährlichen Kostenbetrag von 29 bis 89 Milliarden Mark.„Nach einer Berechnung des Statistikers Professor Hickmann verteilen sich die Aus- gaben im Gcsaintbudget der europäischen Staaten in einem der letzten Jahre folgendennaßen: Es betrugen die Ausgaben für die Zentralverwaltung 1 Proz., für die Vtarine 6 Proz., für das Landhcer 17,2 Proz., für Pensionen 2.2 Proz., sür die Schuld(Zinsen und Amortisationen) 24 Proz., Finanzvermaltung 13,2 Proz., öffentlicher Unterricht 5,6 Proz., Justiz 2,1 Proz., äußere Angelegenheiten 1,7 Proz„ ver- schied�ne Verwallungszweige 27 Proz. Mehr als 25 Proz. dieses Budgets stellen also, wenn nian nur einen Bruchteil der Pensionen hinzuzählt, die sichtbaren Ausgaben für die Armee und Marine dar: hierzu kommen noch die 24 Proz. der Schuld, die zum größten Teil auf das Konto der Armee gehört. Das sind 49 Proz.(nur sichtbare Ausgaben) für den MilitarismnS und 5,6 Proz. für den vffcntlichcn Unterricht und gar nur 2,1 Proz. für die Rechtspflege! Diese Tabelle belehrt uns, daß die europäischen K u l t u r st a a t e n für die Kricgsvorbercitung fast neunmal mehr ausgeben als für den öffentlichen Unterricht, 25 mal mehr für die„Gewaltpflege" als für die Rechtspflege." Mit Recht fährt das Handbuch der Friedensbewegung fort: „Diesen beredten Zahlen gegenüber fällt die von militaristi- scher Seite so oft vorgebrachte Behauptung, daß trotzdem die Kulturaufgaben nicht leiden, i n sich zusam in en. Die Au-Zgaben für den MlitariSmus machen sich vielmehr wie ein •) Leipzig 1911, Reichenbachsche BerlaMiuchhandlung. Krebsgeschwür bemerkbar, daS alle Kräfte des Staatskörpers auf- saugt und ihrer Bestimmung entzieht. Wie ein Parasit in einem lebenden Körper sitzt der Militarismus im sozialen Organismus der Staaten und läßt sich von diesem ernähren. Die Milliarden, die alljährlich in Europa für das Kriegswesen ausgegeben werden, werden den Kulturaufgaben entzogen, und die vielen, vielen Milliarden, die Europa in den letzten Dezennien geopfert, hätten genügt, um aus der heutigen Generation ein Geschlecht von Glücklichen zu machen, das soziale Elend fast völlig aus der Welt zu schaffen und das physische Elend auf ein Mindestmaß zurück- zuführen. Ein Umblick auf die wirklichen Verhältnisse kann jeden Sehenden belehren, wie alle Organe des öffentlichen Lebens leiden müssen, weil nicht genügend Geld vorhanden ist, die not iv endigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Unsere Sanitätsfrage ist nicht imstande, die Errungen- schaften der Wissenschast auszunützen. Die Menschen gehen in Massen zugrunde, nicht weil es, wie im Mittelalter, an Wissen und Erkenntnis des Uebels gebricht, sondern weil es an Geld mangelt, die Krankheiten zu bekämpfen oder zu verhüten, die Errungenschaften des Wissens praktisch zur Anwendung zu bringen. Der Unterricht leidet, weil kein Geld vorhanden ist, die genügende Anzahl von Lehrern anzustellen, ausreichende Schulen zu erhalten, die nötigen Lehr- mittel zu beschaffen; die Rechtspflege leidet, weil nicht genügend Geld vorhanden ist, genügend Richter zu bestellen, und die vorhandene Zahl nicht ausreicht, die Rechtsprechung so rasch zu üben, wie es den Interessen der wirtschaftlich Schwächeren allein nützen würde. Elend, Krankheit, Unrecht, Unlvissenlicit machen sich breit, weil der moderne Staat seine Kräfte, die ihn in die Lage setzen würden, die Elenden aufzurichten, die Kranken zu heilen oder den Krankheiten vorzubeugen, den Eni- rechteten zuni Recht, den in der Finsternis der Unbildung Ver- funkenen zur Ausklärimg zu verhelfen, fein Geld für Kanonen und Festungen, für Gewehre und Panzerschiffe, sür die Ernährung von zur Untätigkeit und Uliproduktivität verurteilten Kricgcrscharcn ver« wendet. Die Kulturausgaben leiden im höchsten Maße, der Mangel macht sich fühlbar aju allen Ecken ustl d En d en', und jedes Jahr, das die europäische Gesellschaft noch ferner verharrt in diesem sie untergrabenden Wahn, bringt sie dem unausbleiblichen Ruin immer näher und näher. Die Folgen dieses miehr als vierzigjährigen bewaffneten Friedens werden viel schwerer auf den kommenden Generationen lasten als die Folgen jenes unseligen Dreißigjährigen Krieges, die heute noch nicht ganz überwunden sind." So vortrefflich diese kritische Darstellung des Rüstungs- Wahnsinns und seiner entsetzlichen Folgen für das Volksleben ist, so wenig Ersprießliches und Positives leistet leider die Ver- cinigung der Friedensfreunde in der Bekämpfung des uiiheilvollcu Militarismus. In völligerBerkennung der wirklich treibenden Kräfte des Wettrüstens bilden sich die bürgerlichen Friedensfreunde eiii, daß es nur des Appells an dieOcffeutlichkcit be- darf, um der Idee der Abrüstung und des schiedsgerichtlichen Aus- trags der interuationaleu Konflikte zum Siege zu verhelfen. Oben- drein lassen eS diese bürgerlichen Friedensfreunde gerade d aun an einer energischen Aufklärung der Massen fehlen, wenn der Zeitpunkt zur Propagierung ihrer Ideen am aller- geeignetsten wärel Der Vereinigung der Friedens- freunde gehören zahlreiche bürgerliche Parlamentarier aller europäischen Länder an. Niemals seit dem dcutsch-französischen Kriege war die Lage so gespannt, die Kriegsgefahr so groß, als in den letzten Wochen. Wäre es da nicht die verdammtc�Zflicht aller ernstmeincndcn bürgerlichen Friedens- Politiker geivescn, sowohl durch eine große internationale Kund- gcbuug, als durch eine energische Protestbewegung in den ver- schiedcnen bei der Kriegsgefahr in Frage kommenden Ländern ihre Auffassung mit äußerster Tatkraft zu vertreten? Die bürgerliche Friedensbewegung hat aber gerade in dieser kritischen Zeit kein Lebenszeichen von sich gegeben. Sei es aus jämmerlicher Rechuuugs- trägerci, sei es, weil die Friedensliebe der Herren nur ein höchst schwächliches Gewächs ist, das nur in Zeiten gedeiht, wo der politische Horizont wolkenlos ist, das aber verdorrt und spurlos zerstäubt, sobald sich Wettcrgewölk zusammenballt! Eine Friedens- bewegung aber, die so schlv Schlich ist, daß sie nicht den Mut zu Protestaktionen findet, wenn es am nötigsten ist, ist zur Ohnmacht verdamntt. kann von den chauvinistischen Kriegstreibern und Rüstungsinteressenten nur als ohnmächtige Vereinsmeierei bc- lächelt werden! Das völlige Versagen der bürgerlichen Friedensbewegung konimt den Sozialdemokraten freilich nicht überraschend. Hat doch die Sozialdemokratie seit jeher die Hohlheit und Un- fr'uchtbarkcit der bürgerlichen Friedensbewegung gekennzeichnet. Hat sie doch immer wieder dargelegt, daß innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft Nüstungswahnsinn und Kriegs- abcnteucr nur der uaturnotiveirdige Ausfluß der kapitalistischen Triebkräfte seien. Mache sich doch einerseits der brutale Konkurrenzkampf des Kapitalisinus auf intern ationaleni Gebiete in der ge- h ä s s i g st e u und kleinlichsten R i v a l i t ä t s- süchtclei geltend, während auf der anderen Seite die Furcht vor inneren sozialen Konflikten die ausbeutende Klasse internationale Kon- flikte als Ausiveg aus diesen inneren Ver- Cxpeditfoti: 8M. 68, Luidcustrasae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Wickelungen suchen lasse. Wie recht die Sozial- demokratie mit dieser Charakterisierung der kapitalistischen Zustände gehabt hat, haben ja in den letzten Wochen die Hetzergüsse der chauvinistischen Presse bewiesen! Der Gedanke der bürgerlichen Friedensbewegung, daß internationale Streitigkeiten vernünftigerweise durch inter- nationale Schiedsgerichte statt durch die„ultimu ratio" der Kanonen zu lösen seien, ist ebenso richtig, wie die Hoff- nung der bürgerlichen Friedensfreunde u t 0 p i st i s ch ist, solche Schiedsgerichte zu wirklichen Schlichtungsinstitutioneii auszubauen, solange der Kapitalismus und das Regiment der herrschenden Klassen un- erschüttert ist. Erst dann werden internationale Schieds- gerichte segensreich ihres Amtes walten können, erst dann wird von einer Abrüstung die Rede sein, wenn das Proletariat die ausschlaggebende politische Macht geworden ist! vle fflaroltkoatfäre. Ueber den gestrigen Kabinettsrat, der 23U Siundern dauerte, wird in einer sichtlich offiziösen Mitteilung folgendes berichtet: Die Minister erörterten den ursprünglichen Text der französischen Vorschläge, dann die Gegenvorschläge und schließ- lich den von d e S e l v e s abgefaßten neuen Text, der die Antivort auf die deutschen Benierkungen bildet. Der Text enthält etiva 29 Artikel, die in den Hauptzügen sich mit drei Punkten beschäftigen: erstens die vollständige, unzweideutige politische Freiheit Frankreichs in Marokko; zweitens die vollständige wirtschaftliche Gleich- h e i t für alle Mächte mit Einschluß Frankreichs ohne Begünstigung. Vorteile oder Vorrechte sür irgend- welches Land; drittens die ernstesten, umfassendsten Bürg- schaften, um die wirtschaftliche Gleichheit in Zukunft zu sichern. Heute begibt sich de SelveS nach Rambouillet, um Fallisrcs den neuen Wortlaut der französischen Borschläge zu unterbreiten. Falls der Präsident sofort seine Billigung er- teilt und nicht den Wunsch ausspricht, mit dem Minister- Präsidenten darüber zu konferieren, der heute den Manövern in Belfort beiwohnt, dürften die französischen Vorschläge inorgen oder übermorgen an den Botschafter C jt m b 0 n nach Berlin gesandt werden. Da die deutschen Offiziösen mit solchem Nachdruck be- haupten, daß Deutschland keine Sonderrechte, sondern nur Gleichberechtigung verlange, wäre ja alles in Ordnung. Leider herrscht aber zwischen den deutschen und französischen Diplomaten über das, was Gleichberechtigung ist, eine durchaus verschiedene Auffassung und so wird der Streit noch eine Zeitlang dauern. Kommt schließlich darüber eine Einigung zustande, dann beginnt erst der Zank um die Kompen- s a t i 0 n e n ini Kongo. Nach dem„Matin" würde Frank- reich dafür den Mittelkongo mit der südlichen Abgrenzung des Sango und mit einem Gebietsteil abtreten, der oberhalb Libreville die Verbindung mit dem Atlantischen Ozean ermöglicht. Eine deutsch-offiziöse Antwort. Köln, 13. September. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Der aus Berlin verbreitete Bericht über die Verhandlungen im französischen Ministerrat ist zweifellos sehr interessant. ES wird aber abzuwarten sein, ob die neuen französischen Vorschläge diesen Angaben auch in allen Punkten entsprechen werden. Wenn Frankreich für die Wahrung der vollen wirtschaftlichen Freiheit und Gleichberechtigung aller Mächte eintritt und für diese Freiheit aus- reichende Bürgschaft geben will, so hätte eS ebensogut den letzten deutschen Vorschlag ohne weiteres annehmen können, der auch dieses Ziel verfolgt. Verlustreiche Kämpfe der Spanier. DaS Vorgehen der Spanier in Nordmarolko führt zu immer erbitterterer Gegenwehr der vergewaltigten Eingeborenen. Die Rifkabyleii verteidigen mit wahrem Heldenmut ihre Heimat gegen die spanischen Eroberer und das spanische Volk wird das wahnsinnige Abenteuer noch teuer bezahlen müssen, wenn eS nicht durch eine kraftvolle Protestbewegung dem König und seinem charakterlosen Ministerpräsidenten die Lehre beibringt, daß das verbrecherische Spiel der Salongenerale ein Ende haben muß. Meldungen aus Madrid zufolge fand am Dienstag ein heftiger Kampf spanischer Truppen, die am rechten Ufer des KcrtflusseS lagern, mit Kabylen statt. Die Verluste der s P a 11 i s ch e» Truppen belaufen sich auf 18 Tote und 77 Verwundete, darunter drei bis vier Offiziere, die der Marokkaner auf 600 bis 700 Verwundete und Tote. Die Zahl der nach dem Kampf auf- gefundenen gesallencn Marokkaner beträgt 132. Der Kampf war sehr erbittert und endete mit einem vollständigen Siege-" der Spanier. Vandervelde über die Kriegsfrage. In einer riesigen Protcstversammlung gegen die Lebens- Nlittelvertcucrung sprach der Vorsitzende des Internationalen sozialistischen Bureaus in bemerkenswerter Weise über die Gefahren der Lage. Er erklärte, daß er an keinen Krieg glaube. Sollte auch das Proletariat nicht überall stark genug sein, die Mobilisierung zu verhindern, so wüßten die Herrschenden doch überall, daß eine Niederlage auch den Sturz der schuldigen Dynastie herbeiführen könnte. Er verwahrt sich gegen den Versuch der Bourgeois- presse. Bebels Jenaer Rede als Zustimmung(!) zur deutschen Rüstungspolitik hinzustellen. Er glaube mit Bebel. die Gefahr liege nicht in einem drohenden Kriege, sondern in der ständig wachsenden Beunruhigung.„Sollte doch die Kata- strophe kommen, so werden der französische und der deutsche Sozialismus auf der Höhe ihrer geschichtlichen Aufgabe stehen. Gegenüber den Regierungen stehen die Arbeiter, die einander lieben gelernt haben. Man will, daß sie einander umbringen, aber das wird nicht sein. Der Sozialismus wird stark genug sein, es zu verhindern!" Unsere Protestbewegung. Gegen die Kriegshetze fanden am Sonntag wieder im Herzogtum Braunschweig mehrere Protestversammlungen stall. In Helm» stedt, wo Genosse Antrick referierte, war die Versammlung überfüllt. Auch die sonstigen Versammlungen in den rein ländlichen Bezirken waren sehr gut besucht. Hier refe- rierten die Genossen Antrick, Günther und Brenner. Die Protestresolution fand überall begeisterte Zustimmung. Auch im Wahlkreise des Januschauers v. Oldenburg, in Marienburg, fand eine sehr stark besuchte Protestvcrsammlung unter freiem Himmel statt. Das konservative Blatt hatte«in Inserat abgelehnt; dafür hatte der Landrat vier Gendarmen ge- schickt. Aber das konnte ebensowenig wie das windige und zeit- tveilig regnerische Wetter den ungewöhnlich starken Besuch ver- hindern. Auffällig viel bürgerliches Publikum und viele Frauen waren anwesend. Die eineinhalbstündige Ab- rechnung des Genossen Bartel-Danzig mit der blutdürstigen Profitgier der Marokkohetzer und kriegslüsternen Mordpatrioten fand lebhafte Zustimmung. Der in der Berliner Demonstration beschlossene Kriegsprotest wurde ohne Widerspruch angenommen. Der Parteitag in Jena. Dritter Tag. Jena, den 13. September. Nach dem Sturm ist Ruhe eingetreten. Auf der heutigen Tagesordnung steht zunächst die Berichterstattung dcS Genossen jGeck über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion. Er beschränkt sich auf einige interessante Ergänzungen zu dem gedruckt vorliegenden Bericht und gibt zum Schluß einen Ausblick auf die kommende Herbsttagung des Reichstags und dem Wahlkampf. Es folgt dann die schnelle Erledigung einer Reihe von An- trägen und Resolutionen, darunter eine von unserer Reichstags- fraktion vorgeschlagene, vom Genossen Dr. Südekum ausführ- lich und nachdrücklich begründete Resolution, die in Anbetracht der drohenden Hungersnot die Aufhebung der Le» bensmittel- und Futtermittelzölle, der Grenzab- Sperrung für die Vieh- und Fleischeinfuhr und die B e s e i t i- gung der Einfuhrscheine fordert. Ebenso wird eine vom Genossen Eduard Bernstein eingebrachte und begründete Re- solution, die verlangt, daß in Zeiten internationaler Verwicklungen der Reichstag einberufen werden mutz, einstimmig an- genommen. Weit lebhafter gestaltet sich die Sitzung, als der M a n d a t S- streit in Stuttgart zur Beratung gelangt. Genosse Ho ffm an n- Hamburg meldet zunächst als Bericht- xrstatter, datz an dem Parteitag 338 Delegierte, darunter 33 Frauen, ferner 3 Vorstandsmitglieder, 8 Mitglieder der Kon- trollkommission und 36 Reichstagsabgeordnete teilnehmen, und be- richtet mit musterhafter Sachlichkeit über den Mandatsstreit in Stuttgart, den er näher schildert. Die Mandatsprüfungs- kommission hat, obgleich sie die Manipulationen der Revisionisten bei der Wahl der Vertreter zum Parteitag verurteilt, doch die Sachlage dahin entschieden, datz die vom Kreisvorstand Stuttgart anberaumte zweite Wahl ungültig sei, also das Ergebnis der ersten Wahl wiederhergestellt werden müsse. Danach find ge- wählt, Hildenbrandt, Rapp, Frau Duncker und Westmeycr. Doch sind bei der Wahl Westmeyers V ländliche Bezirke nicht mitgezählt worden, die, wenn sie berücksichtigt wären, insofern eine Aenderung des Wahlresultats ergäben, als dann nicht Westmeyer, sondern Saemann das Mandat zukommen würde. Ferner aber könnten die 280 in Botnang abgegebenen Stimmen nicht mitgezählt werden. da dort ein Teil der Wähler seine Stimmen an einem HochzeitS- abend ohne eigentliche Wahlkontrolle abgegeben habe und an dem darauffolgenden Sonntag die Wahlzeit widerrechtlich eingeschränkt worden sei. Auf Grund aller dieser Untersuchungsergebnisse be- antrage die Kommission, die Mandate BullmerS und West- piehers für ungültig zu erklären. Die Debatte über diese Entscheidung wird wesentlich von drei Juristen. Stadthagen, Liebknecht und Landsberg, geführt, die aus juristischen Gründen teilweise zu so verschiedenen Folgerungen kommen, datz der Parteitag mehrfach ihren Ausführungen mit Heiterkeit folgt und einer der folgenden Redner erklärt, er hätte bei den drei Juristen eigentlich vier verschiedene Meinungen gefunden. Die Genoffen Liebknecht und Stadthagen wenden sich gegen den starren Rechtsformalismus. Sie halten den Kreisvorstand für be- rechtigt, nach den bei der ersten Wahl vorgekommenen unglaub- lichen Unregelmäßigkeiten eine Neuwahl anzusehen. Ferner dürfte die Wahl in Botnang nicht einfach für ungültig erklärt werden, folglich seien Bullmer und Westmeyer als gewählt zu betrachten. Ganz anderer Ansicht ist Genosse Landsberg, der sehr provo- zierend auftritt, und sich gegen Stadthagen einige boshafte Sottisen gestattet. Er ist ebenfalls gegen den sogenannten FormaliSnius, verteidigt aber gerade deshalb die Entscheidung der Mandats- Prüfungskommission, denn nach seiner Ansicht ist die Funktion des Kreisvorstandes mit dem ersten Wahlgang beendet, die Eni- scheidung, ob die Wahl gülllg sei, stehe allem dem Parteitag zu. Jedenfalls aber sei es verkehrt, deshalb, weil bei der Wahl in Botnang Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien, nun auch alle anderen Ortsvereine des Kreises nochmals wählen zu lassen. Nachdem Genosse Ludwig gesprochen und die Ungültigkeits- erklärung der Wahl von S ländlichen und 2 Stuttgarter Bezirken verlangt, kommt nochmals ein Jurist zum Wort, Genosse Frank- Mannheim, der wiederum eine andere juristische Auffassung ver- tritt. Er hält die erste Wahl für gültig, verlangt aber, da die Stimmen von 2 Stuttgarter Bezirken ungerechtfertigter Weise mitgezählt worden seien, die Annullierung der Wahl WestmeherS. ' Es sprechen noch die Genossen Dittmann und Stadthagen, dann er- folgt auf Antrag Hintze-Berlin Schluß der Debatte. Die nach längeren Streitigkeiten über den Abstimmungsmodus borge- nommene Abstimmung ergibt die Annahme des Ent- schlusseS der Mandatsprüfungskommission, BullmerS und WestmeherS Mandate sind also für nichtig erklärt. Damit ist jedoch die Behandlung des ParteistrciteS nicht be- endet. Genossin Duncker und 106 weitere Genossen haben den An- trag gestellt, daß der Parteitag erklären möge, er nehme mit Be. dauern von den Vorgängen in der württembergischen Landes- Organisation Kenntnis und beauftrage den Zarteivorstand, mit dem württembergischcn Vorstand und mit der Stuttgarter Partei- leitung in Verbindung zu treten, um die EntWickelung der Partei in Württemberg im Sinne und Geiste der Gesamt- Partei und ihrer Beschlüsse zu sichern. Zur Begründung dieses Antrages erhält in der Nachmittags- sitzung Genossin Duncker- Stuttgart das Wort. Sie bittet in außerordentlich geschickter Rede, den Gegensatz zwischen den Stull- garter Genossen und ihrem Parteiorgan, der„Tagwacht", nicht, wie das vom leitenden Redakteur des Blattes, dem Genossen Keil, geschieht, als einen persönlichen Streit zwischen ihm und dem Lokalrcdakteur Westmeyer aufzufassen. Der Streit komme daher, daß in Württemberg der Jndustrialismus um sich greife und da- mit auch der Klassengegensatz zwischen Arbeiterschaft und Unter- nehmcrtum sich verschärfe, während die„Tagwacht" durch Rück- sichtnahme auf die politisch rückständigen ländlichen Elemente An- Hänger zu werben suche. Die Rcdnerin sucht den Revisionismus der„Tagwacht" durch verschiedene Beispiele zu veranschaulicken. erinnert an den„Vorwärts"streit in Berlin und verlangt schließ- lich die Einsetzung einer Pretzkommission, in der die Stuttgarter Arbeiterschaft einen der Größe ihrer Organisation und ihrer politi- scheu Bedeutung entsprechenden Einfluß ausüben könne. Sie er- läutert weiter den Vorschlag des Parteivorstandsmitgliedes E b e r t zur Bildung einer aus sieben Personen bestehenden Pretz- kommission und beklagt die Nicdcrstimmung der Stuttgarter Anträge durch die Revisionisten. Deshalb seien die Radikalen in Württemberg gezwungen, den Parteitag anzurufen. Kaum hat Genossin Duncker beendet, so stellt Genosse D i e tz >den Antrag, von jeder Diskussion abzusehen, da das Eintreten in eine Debatte über den württcmbergischen Streit zu endlosen Anklagen und Gegenanklagen führen würde, die voraus- sichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Ein großer Teil der süddeutschen Delegierten widerspricht, von Nickiard Fischer unterstützt, dem Vorschlage und verlangt, daß wenigstens einer der Führer des württembergischen rechten Flügels ausführlich zum Wort kommt. Es entspinnt sich eine leidenschaftliche Geschäfts- ordnungsdebatte, doch werden die Reden immer lauter und stärker durch die Rufe übertönt: Nicht reden, abstimmen, abstimmen! Unter großer Unruhe läßt Genosse Leber, der den Vorsitz führt, abstimmen. Mit großer Mehrheit wird der Antrag auf Schluß der Diskussion angenommen und dann ebenfalls mit beträchtlicher Majorität auch der Antrag der Genossin Duncker akzeptiert, durch den der Parteivorstand beauftragt wird, in die württembergischen Parteizwistigkeiten schlichtend und ordnend einzugreifen. Die durch diesen kurzen Kampf hervorgerufene Unruhe wirkt noch einige Zeit nach, so daß der Genosse M o l k e n b u h r sich zu- nächst gezwungen sieht, seinen gründlichen Vortrag über die Reichs- Versicherungsordnung vor einer größtenteils unaufmerksamen, sich lebhaft über die soeben erlebten Vorgänge unterhaltenden Ver- sammlung halten zu müssen. Nach und nach verschafft sich Genosse Molkenbuhr jedoch immer größere Aufmerksamkeit und schließt seine Rede unter lebhaftem Beifall. In der Diskussion sprechen Genossin Zietz und Genosse Hoch-Hanau. Zum Schluß erfolgt noch ein« längere persönliche Erklärung des Genossen Keil gegen die ihn betreffenden Ausführungen der Genossin Duncker._ politifche Gcbcrficbt. Berlin, den 13. September 1911. ssSr die Wahlagitation; Die„Kreuzztg.", das führende Organ der konservativen Partei, wendet sich in einem Artikel gegen eine Arbeitslosen- Versicherung, sei es durch den Staat, sei eS durch die Ge- meinde. Denn, das ist der langen Rede kurzer Sinn, die Arbeits- losenunterstützung werde die Arbeiter in ihrem EmanzipationS- kämpfe nur stärken, werde die Bestrebungen der GewerkschaftS- bcwegung fördern. Und dann leistet sich der Leitartikel des füh- renden konservallven Organs folgende lapidaren Sätze, die wir als stehendes Motto für unsere Wahlflugblätter gegen die Konser- vativen empfehlen möchten: „Und zu diesem politischen und wirtschaftlichen Bedenken ge- sellt sich noch der moralische Nachteil: das Gefühl und die G e- wißheit, daß für alle Lebenslagen vorgesorgt i st, muß ja geradezu den Charakter verderben. Je freier von Sorgen die Arbeiter sind und je mehr freie Zeit sie haben, desto weniger wird die A l l g e- meinheit einen Nutzen von ihnen haben. Tie Arbeiter sollen sich selb st helfen, eingedenk des SatzeS: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!" Die Arbeiterklasse ist ausweislich der Berufszählung die zahlreichste Klasse. Sie umfaßt die Mehrheit deS ganzen Volkes. Die Arbeiterklasse ist der Kern der Nation. Ihr Wohl und Wehe ist entscheidend für das Volk überhaupt. Und von dieser zahlreichst en Klasse dcS Volkes wagt das füh- rende konservative Organ mit dürren Worten zu sagen, daß die Allgemeinheit(will sagen die Minderheit der agrarischen und industriellen Ausbeuter!) keinen Nutzen von ihr habe, wenn sie von den schlimmsten Sorgen um das tägliche Brot befreit werde! Die Arbeiter, die Masse des Volkes soll aus der Sorge um die nackte LebenSnotdurft nicht herauskommen, damit unsere Junker und unsere Schlotbarone sie möglichst rücksichtslos auspressen und ausbeuten können! Weder Staat noch Gemeinde soll den Arbeiter vor dem Elend der Arbeitslosigkeit, daS für ihn häufig die Verschleuderung seine? ganzen Hausrates, das Hinabschleudern in daS Lumpenproletariat bedeutet, schützen helfen! Der Arbeiter soll„in der Zeit sparen", um in der Not geschützt zu sein. E r soll sich selbst helfen. So spricht man von dem Arbeiter in einer Zeit, wo durch die agrarische LicbeLgabenzovpolitik, durch die schwarzblaue Steuer- auSplünderung und durch die Dürre alle Lebensmittelpreise in der ungeheuerlichsten Weise in dir Höhe gegangen sind, wo für die Masse des ehrlich arbeitenden Volkes die Hungersnot vor der Türe steht! Und diese Selbsthilfe für die doppelt und dreifach ausgeben- teten und ausgepreßten Arbeiter proklamiert das Organ der- selben Junker, die ihrerseits in der unverfrorensten Weise die Staatshilfe durch Schutzzölle und Liebesgaben aller Art auf Kosten der großen Masse des Volkes für sich in Anspruch nehmen! Stupidere Unverschämtheiten sind von dem leitenden Organ einer schmarotzenden Minderheit einer ausgeplünderten Volks- Mehrheit noch niemals ins Gesicht geschleudert worden! Immer- hin: wir sind der„Kreuzztg." verbunden für dieses wunderbare Agitationsmaterial. Ein verzweifelter Trick. Das Sprachrohr der Kriegslieferanten, die., R h e i- nisch-We st fälis che Ztg.", versucht es noch einmal mit einem letzten Bluff, die Regierung in ein Kriegsabenteuer hineinzuhetzen. Sie sucht nämlich die Regierung vor einem friedlichen Abkommen mit Frankreich dadurch abzuschrecken, daß sie ihr einzureden sucht, die Erhaltung des Friedens werde nicht der Friedensliebe der Regierung, sondern ihrer Furcht vor der Sozraldemokra- tie zugeschrieben werden. Tie Prozenlpatrioten halten danach unsere Regierung für so kopflos und schreck- Haft, daß die Besorgnis vor einer solchen Deutung sie zu einer Handlung treiben könne, die ihr im Grunde als politisches Verbreche w erscheint! Diese mordspatriotische Auffassung der„Rheinisch-Westfälrsckien Zeitung" verrät also ein Urteil über die Intelligenz und das moralische Verantwortlichkeits- gefühl der Krone und der Regierung, wie sie der despektierlichste Sozialdemokrat nicht ausdenken könnte. Das Organ der rheinisch-westfälischen Panzerplatten- und Kanoneninidustrie läßt sich angeblich von„einem gelegentlichen Mitarbeiter, den sein Beruf mit sozialdemokratischen Zei- tungsredaktionen des Wesbenis in Berührung dringt", aus Köln schreiben: „Ich weiß aus ganz sicherer Quelle, daß augenblicklich in einigen sozialdemokratischen ZeitungSredaktwncn b e- reits die Triumphartikel vorbereitet werden, welche, wie aus der Pistole geschossen, sofort erscheinen sollen. sobald feststeht, daß in dem Maroklohandel die deutsche Diplo- matie eine endgültige Niederlage erlitten hat und der von den Sozialdemokraten so heiß ersehnte Frieden um jeden Preis erzielt worden ist. Ein anderer Ausgang wird zunächst von den Genossen nicht erwartet. In diesen Artikeln— ich habe einen ganz gelesen— wird zunächst der alte Brei wieder auf- gewärmt, daß die Sozialdemokratie infolge ihrer idealen und philantropischen Bestrebungen und Ziele den Krieg als„Massen- Völkermord" verabscheut und ihn deshalb auch mit allen Mitteln zu hintertreiben suche. Des weiteren wird die sozialdemokratische Presse dem deutschen Volke klar zu machen suchen, daß es allein der Sozialdemokratie zu verdanken hat, wenn das Vaterland diesmal von den Schrecknissen eines Krieges bewahrt worden ist. Trotz Junkern. Kanonenkönigen, Panzerplattenfabrikanten und Schlotbaronen und anderen mächtigen Kreisen, die, um Millionen zu verdienen, die Regierung' zum Kriege gehetzt hatten, sei durch die Sozialdemokraten der Frieden erhalten worden. Warum?— Weil die Regierung ihre Macht fürchte, und sich deshalb wohl hüte, ohne ihr Einverständnis einen Krieg gegen das Ausland zu führen. Ein Hinweis auf die angeblich so imposanten so z ia ld e mo kir at i s ch/e n Masfenfriedenskund- gedungen in Berlin, die kürzlich stattgefunden haben, bleibt selbstverständlich nicht aus. Schließlich st eigertsich der triumphierendeTon in den Artikeln zu der Behauptung,'daß die Entscheidung von Krieg und Friede« in Händen der Sozialdemokratie liege. Während man jetzt die Fanfaronaden der Sozialdemokraten und ihre billigen Proteste gegen den Krieg in einsichtsvollen bürgerlichen Kreisen belächelt, wird man sie allerdings ernster nehmen, sobald die Regierung vor dem Auslande zurückweichen sollte. Man wird dann in der Tat glauben, daß sich die Regierung durch die Sozial- demokratie hat einschüchtern lassen, und sie da- durch veranlaßt wurde, ihre Würde und Ansehen gegenüber dem Auslände nicht genügend zu wahren." Wir brauchen wohl nicht erst zu erklaren, daß die Er- Zählung von dem„gelegentlickicn/ Mitarbeiter" und seiner an- geblichen Kenntnis eines bereits vorbereiteten sozialdemo- kratischen Artikels der dümmste und unverschämteste Schwindel ist. den sich unsere chauvinistischen- Ehrenmänner seit geraumem geleistet Hadert! Aber selbst wenn es sich nicht um eine freche Lüge des Panzerplattenorgans handelte— welch unsägliche Geringschätzung derRegierung liegt in der Annahme des Hetzblattes, diese werde sich entgegen ihrer i nn ersten Ueberzeugung in einen unabsehbaren Krieg stürzen. Hunderttausende ans Messer liefern und das Schicksal des ganzen Volkes aufs Spiel-setzen, nur weil sie dem Verdacht ausgesetzt sein könne, außer anderen Politischen Erwägungen auch die dringlichen Friedensforderungen der prole- tarischen Volksmassen berücksichtigt zu haben! So zeigt sich täglich von neuem in diesen kehrreichen Wochen, daß es keine gröblicheren Majestätsbeleidiger»nd skrupelloseren Schädiger des Ansehens der Regierung gibt als unsere nationalen- Kriegshetzer! Eine Irreführung. Die„Nordd. Allg. Ztg." regt sich darüber auf. daß Genosse Queich als Vertreter der englischen Sozialdemolratie in seiner Begrüßungsrede auf dem Parteitag die englischen Arbeiter als Feinde deS Imperialismus und Chauvinismus und als Anhänger der Abrüstung bezeichnet habe. Er hätte verschwiegen, daß seine Partei sich für die Ausrechlerhaltung einer genügend starken Flotte ausgesprochen hätte. Die.Nordd. Allg. Ztg." verschweigt, daß dieser Beschluß. wie im„Vorwärts" seinerzeit mitgeteilt, durch Urabstimmung der Mitglieder mit großer Majorität verworfen worden ist. Die Nlannesmann-Presse. Der Herausgeber der. G r e nz b o t e n'. Herr Cleinow. hatte behauptet, die„Post", die.Rheiiiisch-Westfälische Zeitung" und die„Tägliche Rundschau' führten in der Marokko sacke die öffentliche Meinung irre, und er hatte von Beziehungen dieser Blätter zu den Herren ManneS mann gesprochen. Die„Rheinisch- Wistiälische Zeitung" hat diese Behaiipiungen darauf als„eine nichtswürdige Verleumdung und jouriialist'sche Charakterlosigkeit" bezeichnet. Herr Cleinow erklärt nun in dem heute erschienenen ,Grenzboten"-Hest: „ES wird mir jeder Unbefangene zugeben, daß aiiS meinen AnSführungen nur solcke den Vorwurf der B e st e ch l i ch k e i: herauslesen können, die nicht wissen, wie vielfach und vertraulich die Fäden zivischeu der Presse und dem Pudlikuni sein können. Ich habe die„Rdeinisck-Wcstfälische Z>iiuiig' wegen Beleid i- gung verklagt, ebenso die„Post" und die„Tägliche Rund» schail", weil sie die Ausführungen dcS Essener BlalteS weiter ver» breitet haben." Die Kraftprobe der Kriegshetzer. In diesen Tagen, wo auf diplomatischem Wege die Entscheidung im Marokkokouflikt fallen wird, lassen unsere Kriegshetzer alle ihre Minen springen. So bringt die„Post" einen Leitartikel, in dem sie die Frage auswirft, ob es nicht doch besser sei. denunauS- weichlichen Krieg mit Frankreich und England schon jetzt zum AuStrag zu bringen, stall fich auf einen Vertrag einzulassen. Mit brutalster Rücksichtslosigkeit wird erklärt, daß es im gewissen Sinne vorteilhafter fei. gegen Frankreich und England gemeinsam Krieg zu fiihrcn, als gegen England allein. Denn dem Insel- reich England könne Deutschland nicht gut etwas anhaben, sei aber Frankreich der Verbündete Englands, so könne man sich für die von England zugefilgten Verluste an ihm schadlos halten. DaS Blall der Panzerplattenpatrioten sagt wörtlich: „Sind aber England und Frankreich verbündet, so haben wir in Frankreich ein AngriffSobjett. Die französische Flotte würde sich freilich mit der englischen bereinigen und deren Angriffslraft verstärken. Dafür aber wären die Engländer ge- zwungen, ihrerseits anzugreifen, um ihre Bundesgenossen zu entlasten. Die Verhältnisse liegen dann für uns günstiger. Erstens brauchten wir der feindlichen Flotte nicht aus hoher See entgegenzugehen, sondern könnten deren Angriff gegen unsere Küstenbesestigungen abwarten. Zweitens aber könnten wir uns für alle Gefahren des Seekrieges an Frankreich schadlos halten, das bis zur Ver- nichtung bekämpft werden mühte, um in ihm seinen Bundesgenossen mit zu treffen. Sollte aber England Truppen landen, um die Franzosen unmittelbar zu unter- stützen, so würden auch diese Truppen für uns ein erwünschtes Angriffsobjekt bilden, und wir hätten die Engländer selbst vor der Klinge. Alle diese Verhältnisse und Erwägungen weisen darauf hin, dah es vielleicht klüger und sicherer ist, den unvermeidlichen Kampf jetzt auszufcchten, wenn unsere Gegner es auf einen solchen wollen ankommen lassen, als die Entscheidung auf spätere Zeiten zu verschieben, wo wir dann, mensch- li-bem Ermessen nach, unter noch ungünstigeren Aussichten fechten müssen, ganz abgesehen davon, dah wir— wenn es heute nicht zum Kampfe konrmt— unsere Rüstung z u Lande und zur See sehr bedeutend vermehren müssen, um auf der einen Seite der sehr bedeutenden Heeres- Verstärkung gewachsen zu bleiben, die Frankreich zweifellos aus Marokko ziehen wird, und auf der anderen mit den englischen Seerüstungen einigermaßen Schritt zu halten.� Läßt sich eine infamere Zumutung denken, als die, Deutschland selbst dann in einen Wellkrieg zu stürzen, wenn nach Ansicht der Regierung ein ehrenvoller Friede mögl.ch ist, nur deshalb, weil nach Ansicht unserer Kriegstreiber eS möglicherweise doch einmal zu einem Zusannnenstoh kommen könne? Hat die„Nordd. Allgem. Ztg." noch immer keine Veranlassung, das niederträchtige Hetzer- gcsiiidcl zu Paaren zu treiben?! Welche Folgen solch wahnfinnige Hetzerei haben muß, ist ohne weiteres klar. Frankreich, das sich dergestalt als Pfand- objckt bei irgend einem Konflikt Deutschlands mit England bedroht sieht, wird seine Rüstungen unter Aufbietung aller Kräfte fortsetzen, und den englischen Chauvinisten wird mit der Behauptung, daß Deutschland ja unter allen Umständen einmal mit England abrechnen müsse, geradezu unbezahlbares AgitatiouSmaterial in die Hand gespielt! Die Folge ist dann neues unabsehbares Wettrüsten, neue Steuerausplünderung der Massenl Unser Chauvinistenpack stellt wahrhast übermenschliche An- forderungen an die Geduld der Vollsmassen. Aber der Wahltag wird Zahltag sein!_ Friedensdemonstration in Nürnberg. Die Nürnberger Arbeiterschaft veranstaltet am kommenden Sonntag eine große Friedenskundgebung, bei der auch englische und französische Arbeitervertreter sprechen werden. Die Kundgebung findet ihren Abschluß mit einem Um- zuge, für den die polizeiliche Genehmigung erteilt worden ist. Sozialdemokratische Interpellationen an den Reichstag. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hielt am Diens- tag in Jena eine Fraklivnssiyung ab, in der beschlossen wurde, folgende Interpellationen im Reichstage einzilbringen: 1. Marokko-Interpellation. Redner: Bebel und Frank. 2. Interpellation betr. Lebensniittelteuerung. Redner: Scheidemann und S ü d e k u m. 3. Interpellation betr. Mastregelung der Eisenbahner in Elsast-Lothringen. Redner: Emmel und Böhle. 4. Interpellation betr. Handhabung des Verciilsrechts. Redner: A l b r e ch t. Ein Zentrumsabgeordneter für Trennung von Kirche und Staat. In einer Zentrnmsversammlung, die am Sonntag, den 10. Sep- teniber, im lothringischen Kreise S a a r g e m ü n d tagte, gab der ZcntrumSabgeor'.ixu H a n die Erklärung ob. d a ß auch er für die Trennung von Kirche und Staat sei. Aehnlich Hai sich bekanntlich vor Jahrzehnten schon Windthorst aus- gesprochen. Nebenbei sei noch bemerkt, daß Herr Hoen auch zugab, das Zenlrum habe deshalb im Sommer 1V0Ü die Tabaksteuer be» willigt, weil es mit ihren Erträgnissen den Ausfall der(von den Schivarzen bekanntlich abgelehnten) Erbschaftssteuer habe decken wollen. Zhnischer kann die fromme Partei gar nicht zugeben, daß sie die Armen geschröpft hat, um die Reichen zu schonen. Wie heißt eS doch in der Bibel?.Wer da hat, dem wird gegeben, wer da aber nichts hat, dem wird auch genommen, was er hat." Was Heinlich Heine so übersetzte: .Wer da viel hat, wird gewiß Noch viel mehr dazu bekommen. Wer da wenig hat, dem wird Auch das Wenige noch genommen. Wenn Du aber gar nichts hast. Ach, so lafie Dich begraben, Denn ei» Recht zum Leben, Lump, Haben nur. die etwas haben." franhmcb. Die Arbeiter gegen Delcassö. Brest, 13. September. Das Syndikat der Arsenalarbeiter hat Maueranschläge anbringen lassen, die in äußerst heftiger Weise den Marineminister angreifen. Jnfolgedcficn hat der AdmiralitätSchef de MarolleS erklärt, alle Beziehungen zu dem Syndikat abzubrechen._ Die Teuerung. Paris, l3. September. Gestern abend kam eS in der- schiedcnen Städten wegen der Lebensmittelteuerung abermals zu Ausschreitungen. In Lorient fandeit nach einer Versammlung in der Arbeitsbörse, an der 5ÜOO Personen teilnahmen, große Strastcnkundgebungen statt. In St. Etienne durchbrach die Menge den Militär- kordon, drang in die Markthalle ein und vernichtete einen großen Teil der Waren. Jn Mczisres trieb Kavallerie zahlreiche Arbeiter. die den Ausstand beschlossen hatten und in geschlossenem Zuge die Fabrik verließen, auseinander. Dabei geriet ein 13 jähriger Lehrling unter die Hufe der Pferde und wurde getötet ßolland. Ablehnung der Wahlrechtsdeputatio». Der Minister Hecmskerk hat dem Parteisekrciariat der sozialdemokratischen Arbeiterpartei am Montag mitgeteilt. daß er die Deputation, die ihm am 19. September die große Wahlrechtspetition überbringen soll, nicht empfangen werde und zwar erstens, weil die Partei den Zeitpunkt dafür ciaenmächtig festgesetzt habe, und zweitens, weil er mit dem Ebarakter der Demonstration nicht einverstanden sein könne Der zweite Grund ist offenbar der wichtigste: Eine große Polksdemonstration sür das allge- meine gleiche Wahlrecht behagt der Regierung nicht. Selbstverständlich wird die Demonstration dennoch stattfinden und infolge der Unverschämtheit des Ministers vielleicht einen gewaltigeren Umfang annehmen, als wenn die Regierung sich wohlwollend gezeigt hätte, und die Abgesandten des wähl- rcchtforderndcn Volkes werden die niit Hunderttausenden von Unterschriften versehene Petition ins Ministerium tragen. Der rote Dienstag wird offenbar alles übertreffen, was man bisher in der Wahlrechtsbewegung erlebt hat. In A m st e r- dam allein»varen bis Ende voriger Woche schon 2200 Fahr- karten für die Extrazüge ausgegeben, die die Demonstranten nach der Residenz- und Parlamentsstadt Haag führen sollen. Im ganzen Lande werden Massen von Arbeitern den roten Dienstag zu einem Feiertag machen. I�onvegen. Die ersten Opfer der Soldatendemonstratione«. Gegen vier jener Soldaten, die wegen der disziplinwidrigen Ausschreitungen dieses Sommers angeklagr sind, ist jetzt das Urteil gesprochen. Einer wurde zu anderlhalb Jahren Gefängnis und zehnjährigem Verlust des Wahlrechts verurteilt, zwei zu je acht Mo- nalen und einer zu 120 Tagen Gefängnis. Es handelt sich hierbei um die Vorgänge bei Stenijär in der Gegend von Trondhjem, wo die Soldaten nach dem Arrestlokal zogen, um einen gefangenen Kameraden zu befreien. Ter am härlesten verurteilte Soldat war derjenige, der die Fahne mit der Inschrift:.Im Namen der Ge- rechtigkeil fordern wir Freilafiung des Gefangenen" getragen hatte. Den Anstifter und Verfafier der Laufzettel, durch die zu der Demonstration aufgefordert wurde, hat man noch nicht erwischt, man glaubt jedoch nun nachträglich wenigstens jenen Mann gefaßt zu haben, der die Tür des Arrestlokales aufbrach. Eine Anzahl weilerer Kriegsgerichts- urteile stehen noch bevor. Die Arbeiterschaft von Trondhjem wird am nächsten- Sonntag eine große Straßendemon st ratio» zum Protest gegen die Militärjustiz und den Militarismus veranstalten..Socialdemokraten" fordert den Parteivorstand auf, eine allgemeine Sammlung zu einem festen Fonds zu veranstalten, aus dem die Familien der jetzt der» urteilten Soldaten sowie derjenigen, deren Verurteilung noch bevor- steht, unterstützt werden sollen. Portugal. Eine monarchistische Verschwörung. Lissabon, 13. September. In Vianna do Castello wurde eine monarchistische Verschwörung entdeckt. Die Zahl der Verhafteten be- trägt zwanzig. Sie standen in Verbindung mit den jetzt in Galizien weilenden Flüchtlingen. Hauptmann MortiuS Lima wurde in dem Augenblick verhastet, als er auf dem Rade von Caminha zu« rückkehrte. Auch der Pfarrer von Caminha wurde festgenommen. Von Porto sind Truppen nach Vianna do Castello geschickt worden. Huö der parte!* Die behördliche Handhabung des Vereins- und BersammlungSrechts. Wie auS dem Parteitagsbericht der heutigen Nummer zu ersehen ist. hat die sozialdemokratische Re'chStagssraktion beschlossen, im Reichstage eine Interpellation einzubringen betreffend die Hand- habung des Vereins- und Versammlungsrechtes. ES ist notwendig, daß die Parteigenossen im ganzen Reiche alleS Material über mißbräuchliche Anwendung dcS Vereins- und Ver- samiulungSrechieS ungesäumt dem Fraklionsreduer, Genossen Alb recht, Halle a. S., L i n d e n st r. 63, zusenden. Zum Stuttgarter Parteistreit. In der.Schwäbischen Tagwacht" antwortet Genosse Redakteur R o ß m a n n als Berichterstatter de?.PrcsseburcauS" auf den in unserer Donnabendniimmer enthaltenen Vorwurf der Stuttgarter Parteileitung, das Pressebureau habe über eine Mitglieder- versmnmlung tendenziös berichtet. Genosse Roßmann verwahrt sich in einer längeren Erklärung gegen diesen Vorwurf, der durch nichlS gerechtfertigt sei. Jugendbewegung. Die Organisation der staatlichen Jugcnd„pflege". Die unter dem verlockenden Namen Jugend., pflege" im preußi- scheu Abgcordnetenhause feierlich angekündigte Korrumpierung der proletarischen Jugcudbeivegung beginnt jetzt in vielen Orten Preußens ihre heuchlerische Wirksamkeit zu entfalten. Sie beginnt in der Regel trotz der Millioncnjpende aus dem Säckel der preußi- schen Steuerzahler mit einer widerlichen Bettelei. Kürz- lich hat sich auch in E l b i n g ein Verband für Jugendpflege ge- bildet, der seine Arbeit mit der Versendung von Bettelbriefen an Vereine und Privatpersonen aufgenommen hat. Die Empfänger werden aufgefordert, den Verband durch Zahlung eines Jahres- beitragcs von mindestens ö M. zu unterstützen. Dem Briefe ist ein Auszug aus den Satzungen des Verbandes beigefügt, aus dem der Charakter und die Organisation der staatlichen„Jugendpflege" einigermaßen ersichtlich ist. Der Zweck des Verbandes ist: „alle auf Pflege der schulentlassenen Jugend Elbing gerichteten Bestrebungen zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen und zwar auf dem Boden vaterländischer Gesinnung". Was ins klare Deutsch übertragen heißt: Tic Organisation verfolgt den politischen Zweck, die jugendlichen Arbeiter zu untertänigen Aus- beuiungsobjekten zu erziehen. Als geeignet zur Mitgliedschaft im Verbände werden alle bestehenden„nationalen" Vereine be- zeichnet. Schneidige Offiziere der Jugendwehr, teutsche Turner, alte Jungfern der Jungs aucnvereine und Pastoren aller Konfessio- nen sollen hier in brüderlicher Umarmung vereinigt werden. Durch einmalige Zahlung einer Summe von 100 M. können sich die Förderer des Verbandes für alle Zeit ihrer Beitragspflicht entziehen, ivas als«in Appell an die Unternehmer anzusehen ist, die an der „vaterländischen" Gesinnung der Arbeiter ein lebhaftes Interesse baben. Die Aufgaben des Verbandes sollen erstens in der Förderung der Bestrebungen der angeschlossenen Vereine bestehen, zweitens in der Einwirkung auf die Behörden, die im gcmeinsamen Interesse der einzelnen Vereine erforderlichen Ein- richtungen, wie Turn- und Spielplätze Jugendheime, Volks- bibliotheken zu beschaffen, drittens in der Veranstaltung mindestens eines gemeinsamen Festes im Jahre für Turnen, Spiel und Sport, „um das Interesse der Jugend hieran wach zu halten". Also eine Art JahrmarltSrummel zu veranstalten, durch den die Jugend mit lärmender Musik und äußerem Prunke angelockt werden soll, wie der JahrmarktSbudenbesitzer mit der Kraft seiner Stimme die schau- lustigcn Gasfer anlockt. Die Leitung des Verbandes liegt in den Händen des ersten Bürgermeisters, der noch einen Stellvertreter ernennen(!!) darf. Als Staffage dürfen die an- geschlossenen Verein« je«inen Vertreter in den Voi stand senden. Auch dürfen„Persönlichkeiten", die sich für die Jugend- pflege interessieren, in den Vorstand aufgenommen werden. Die Jugend selbst, die überhaupt mit keinem Wort erwähnt wird, hat natürlich bei der Sache nichts zu sagen. Wie es im preußischen Staate heißt: Maul halten und zahlen, so heißt es in der staai- lichen Jugendpflege gegenüber der Jugend: Maul halten und nicht mucksen. Eine feine Jugendorganisation, dieser Verband für Jugendpflege, mit dem aus Lebenszeit bestellten bürgermeisterlichen Vorsitzenden cm der Spitze. In einer Zeit, in der sich sias NeichsvereinSgesetz als eins Guillotine der proletarischen Jugendorganisationen erwiesen hat, dürfen die Macher dieser Jugend„pflege" auf das ReichsvercinS- gesetz lustig pfeifen. Offen sprechen sie in den Satzungen den politischen Zweck des Verbandes aus. Und da findet sich kein Staatsanwalt, das Gesetz zu schützen. *.• Im übrigen soll die oben gekennzeichnete Sorte von„Jugend- fürsorge" noch weiter ausgedehnt werden. Die bürger- liche Presse berichtet darüber:„Durch den preußischen Etat für 1911 ist bekanntlich eine Million Mari zur Pflege der schulentlasse- nen männlichen Jugend bereitgestellt. Aus diesem Betrage sollen Beihilfen für Veranstaltungen Dritter zwecks Förderung und Pflege der schulentlassenen männlichen Jugend, sowie zur Aus- bildung und Anleitung der zur Jugendpflege geeigneten Personen gewährt werden. Es war dabei beabsichtigt, ein möglichst einhcit- lichcs Zusammenwirken der in dieser Jugendpflege bereits tätigen oder für sie zu gewinnenden Kräfte herbeizuführen und ihre Be- strebungen durch Rat und Tat von feiten des Staats nach Mög- lichkeit zu fördern. Die Regierungspräsidenten waren beauftragt, mit Hilfe der Kreise und Gemeinden und den bestehenden Wohl- fahrtsvcreinen Vorschläge für eine sachgemäße Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel zu machen. Die Nachfrage nach Bei- Hilfen für den gedachten Zweck ist nun eine außerordentlich lebhafte gewesen, denn immer weitere Kreise haben sich von der Notwendigkeit einer umfassenden Pflege der schulentlassenen mann- lichen Jugend überzeugt. Unter diesen Umständen darf man an- nehmen, daß die bisher bereitgestellten Mittel für die Zukunft nicht ausreichen. Man rechnet vielmehr damit, daß schon für das nächste Jahr sich verstärkte Mittel als notwendig erweisen werden, deren Bewilli- gung vom Landtag wohl zu erwarten ist." Den beabsichtigten Zweck, Beseitigung der freien Jugendbewe- gung, wird man freilich auch mit den verstärkten Mitteln nicht erreichen._ Huö Industrie und Kandel. Kohlengewinnung ans Spitzbergen. Auf Spitzbergen hat eine amerikanische Gesellschaft Kohlen geschürst uttd bisher 60 000 Tonnen gewonnen. Dieser Umstand hat die Aufmerksamkeit an- derer ausländischer Jndustrieunternehmungen auf sich gezogen, um so mehr als die Kohle von guter Beschaffenheit ist, wie die Käufer derselben— Schiffahrt- und Eisenbahnunternehmen— bezeugen. Es hat sich daher eine schwedische Gesellschaft gebildet, die nicht bloß Kohlen, sondern auch andere Mineralien auf diesen nördlichen Inseln gewinnen will. Die Gesellschaft läßt gegenwärtig Unter- suchungen und Schürfungen anstellen, die sie schon im Sommer 1910 begonnen hat. Aber auch eine englische Gesellschaft hat als Schauplatz ihrer Tätigkeit die Eisinseln erwählt. An Bord eines eigenen Dampfers haben sich in ihrem Auftrage Ingenieure und Arbeiter von Tromsö nach Spitzbergen eingeschifft. Diese Expedi- tion ist vorzüglich ausgerüstet; ihre eigentlicke Aufgabe wird ge- heim gehalten; es ist aber ganz selbstverständlich, daß sie sich nur auf die Ausbeutung von Bodenschätzen richtet. Es findet also alli- mählich ein Run aus die Insel statt, der sich bald in Verwickelungen allerlei Art kundgeben wird. Da die Gesellschaften ihre Sphären natürlich so weit wie möglich auszudehnen versuchen werden, wer- den Streitigkeiten entstehen, deren Sckflichtung um so schwieriger sein wird, als ja die Inseln keiner Macht gehören, sondern politljch frei sind,_ Soziales* Schulhygienisches. Wie die Hygiene überhaupt, so hat im besonderen auch die Schulhygiene in den letzten Jahrzehnten etliche Fortschritte ge» macht. Ueber die gegenwärtigen einschlägigen Einrichtungen gibt eine Schrift:„Ausübung und Ergebnisse der Schulhygiene in den Volksschulen", im Auftrage der deutschen Zentrale für Jugend- fürsorge bearbeitet vom Schularzt Dr. Lewandowski- Berlin, interessante Auskunst. Zur Beschaffung des Materials hatte der Verfasser an alle Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern Frage- bogen versandt, von denen 468 in brauchbarem Zustand zurück- kamen. Danach waren in 266 Orten, also nur reichlich der Hälfte, Schulärzte angestellt. Je kleiner der Ort, um so seltener ist ein Schularzt vorhanden. Die 202, also immerhin über 10 QOV Einwohner zählenden Orte, die keinen Schularzt hatten, besaßen 1230 Schulen. Brausebäder in den Schulgebäuden gab es in 216 Orten; Gelegenheit zu Schwimmbädern durch die Schulver- waltung war in 205 Orten gegeben, Schwimmunterricht auf Gemcindekosten wurde in 96 Orten erteilt. Spiele im Freien unter Leitung von Lehrern wurden in 367 Orten ver- anstaltet; in 226 Orten hiervon sind zu dem Zwecke Spielnach- Mittage eingerichtet. In 193 Orten werden gymnastische Hebungen vorgenommen, in 22 Orten wurde sogar orthopädischer Turw- Unterricht für rückgratverkrümmte Kinoer erteilt. Ueber die Abgabe von N a h r u n g s m i t t e l n an die Kinder durch die Schulen wird aus 26 Orten berichtet. 7 Orte verteilten an arme und bedürftige Kinder während des ganzen Jahres Früh- stück, 12 nur während des Winters und 6 nur gelegentlich. Zähne und Zahnfleisch der Kinder werden in 163 Orten regelmäßig unter- sucht; in 41 Orten durch Zahnärzte. In 29 Orten sind Schulzahn- kliniken eingerichtet. Eine schulärztliche Untersuchung und Ueber- wachung der Augen findet in 274 Orten statt, eine Untersuchung der Ohren in 131 Orten. Der Bekämpfung der Tuber- k u l o s e wird ebenfalls besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In 238, also etwa der Hälfte der auskunfterteilenden Orte, werden die tuberkulösen oder tuberkuloseverdächtigen Kinder festgestellt. Meist werden die Kinder den Fürsorgestcllen für Lungenkranke oder ahn- lichen Instituten zugewiesen, die mit Hilfe von Vereinen und Stiftungen usw. unter Umständen eine Kur eintreten lassen. Auch in diesen Einrichtungen sind die großen Städte den kleineren über- legen. Einen ziemlichen Umfang nimmt die Nervosität der Kinder an. Zur Bekämpfung derselben ist aber noch wenig getan worden. In 127 Orten hat man den Nachmittagsunterricht beseitigt, in 61 Orten Kurzstunden und in 130 Orten Hand- sertigkeitsunterricht eingeführt. In 146 Orten bestehen Hilfsschulen und in 103 Orten Hilfsklassen für Schwachbefähigte. Die in der Statistik angeführten Zahlen zeigen, wie weit wir noch von einer wirklichen Schulhygiene entfernt sind. Wir haben in Deutschland 676 Städte mit mehr als 19 000 Ein- wohncrn, von ihnen haben über lvv gar nicht oder unbrauchbar geantwortet. Man kann wohl behaupten, daß bei der Mehr- zahl davon schulhygenische Fürsorge nicht zu f i n d e n i st. Und dann die tausende Orte, deren Einwohnerzahl 10 000 nicht erreicht! Gerade in diesen wirtschaftlich zurückgeblie- benen Ortschaften herrschen die jämmerlichsten Sck'u'vcrhältnisse. Wenn die Schulpatrone teilweise nicht einmal dafür sorgen, daß die Schulgebäude sich in einem einigermaßen bewohnbaren Zustande befinden, um wieviel weniger werden sie die soziale Verpflichtung in sich fühlen, die heranwachsende Jugend durch schulhygienische Einrichtungen körperlich und geistig widerstandsfähiger zu machen. Das dem so ist, zeigen auch die Auskünfte der von der Statistik umfaßten 468 Orte über 10 000 Einwohner. Selbst Schul- ä r z t e sind nur in 266 Orten vorhanden, und auch ihre Tätigkeit wird durch die große Anzahl der zu überwachenden Kinder mehr oder weniger in Frage gestellt. Wir können wohl mit Recht be- Haupte», daß da, wo sich Ansätze einer Schulhygiene zeigen, sie dem Drängen unserer Vertreter in den Gemein- den zu danken sind. Diese Ansätze zu einer wirklich um- fassenden Schulhygiene auszubauen, werden sich unsere Genossen in den Gemeindevertretungen angelegen sein lassen. Denn kein Kapital ist nutzbringender angelegt, als wenn es zur Kräftigung der heranwachjenden Jugend verwandt wird. Gewerfercbaftlicbee. poltzdltcbe Ueberwachung einer Gewerhfcbafto- verlammlung. In den großen Glashüttenwerken des Herrn Heye in Gerresheim und Porta Westfalica haben sich die Arbeiter in der letzten Zeit der Organisation der Glasarbeiter angeschlossen. Am Sonntag fand wiederum eine öffentliche Glasarbeiterversamnilung statt. In dieser Versanimlung er- schienen ein Gendarm und ein Polizeibcamter. Beide wünschten, daß ihnen ein Platz angewiesen werden möchte. Als den beiden Beamten bedeutet wurde, daß sie in dieser Vcrsamm- lung gar nichts zu suchen hätten, meinten sie, daß sie das Recht hätten, die Versammlung zu überwachen und daß sie bleiben würden. Alle Aufforderungen waren umsonst, die Beamten verließen das Lokal nicht. Da die Reiseunkosten des Referenten ganz erhebliche waren, wurde die Versammlung trotz der Anwesenheit der Polizei abgehalten. Beschwerde gegen das Verhalten der Behörde ist eingelegt worden. verlin und Onigcgcnd. Die Ausgesperrten der Firma Schneider versammel'.en sich am Miltwochvormitlag in den.Borussiasälcn", Ackerstratze, zur Besprechung der Situalion. Eine Verhandlung mit der Firma ist angebahnt worden durch eine Unterredung zwischen Otto Handle vom Deutschen Meiallarbeitciverband und dem Direktor des Werkes. Eine Anzahl Arbeitswilliger sind eingestellt worden; aber man soll mit ihren Leistungen nicht zufrieden seim Die Ausgesperrten beklagen sich sehr über ein schroffes Vorgehen von feiten der Polizei, die einige Personen, in denen sie Streikposten vermutete, verhastet hat. Es wurde erzählt, daß zwei Schutzleute nach dem Streiklokal kamen und sich erkundigten, ob dort Leute gegen ihren Willen festgehalten würden. Diese sonderbare Vermutung war natürlich unbegründet. Handle erhob Protest dagegen, daß die Polizei in die Rechte der Arbeiter eingreift und forderte die Ausgesperrten auf, sich dadurch nicht einschüchrcrit zu lasten. Er wandte sich auch gegen eine Notiz im„Berliner Tageblatt", die den Ausgesperrten alle Schuld an dem bestehenden Unfrieden beimißt und eine falsche Darstellung der Ursachen der Aussperrung gibt; er betonte, daß die Arbeiter nur verlangten, was sie als recht und billig ansahen, daß sie keine Lohnforderungen stellten und nur ihre Rechte als organisierte Ar- beiter vertraten. Ucber den Ausgang der jetzigen Verhandlungen wird in der nächsten Versammlung Bericht erstaltet werden. Unter den Arbeitern und Arbeiterinnen der Schokoladen-, Kakao- und Zuckerwarenfabriken bereitet sich eine Bewegung zur Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse vor. Die in dieser Industrie Beschäftigten(in Berlin gegen TOOOs hoben unstreitig die erbärmlichsten Löhne, wie die elendesten Verhältnisse. Gibt es doch heute noch große Fabriken, darunter sogar Hoflieferanten, die an die weiblichen Arbeiter Löhne von 6 M. pro Woche bezahlen und ist der Durchschnittsverdienst der Arbeilerinnen im allgemeinen nicht höher als 10 bis 11 M. Dabei werden besonders die Arbeiterinnen durch ein fein aus- geklügeltes Akkordsysiem zu äußersten Anstrengungen getrieben und wiederholt ist es speziell in einer großen Fabrik vorgekommen, daß diese armen Geschöpfe bei ihrer Arbeil vor Erschöpfung zu- s ammenbrachen, wobei herzlose Antreiberinnen den armen ab- gehetzten Wesen noch ein paar Eimer Wasser über den Kopf gießen lassen wollten. Lange Jahre war es der Organisation nicht möglich, in die Reihen dieser ausgemergelten Arbeiter und Arbeiterinnen eindringen zu können, denn die Unternehmer entwickelten in der Bekämpfung der Arbeiterbewegung einen Terrorismus, der alles bisher Da- gewesene in den Schatten stellt. Wurden doch von einzelnen Fabrikanten sogar Prämien für diejenigen Beschäftigten ausgesetzt, die ihre Mitarbeiter und-Arbeiterinnen als„osganisiert" denunzierten. Diese Denunzierten wurden dann sofort entlasten. Mit diesem Schreckensregiment hatten die Fabrikposchas auch bis vor einiger Zeit Erfolg, und die Ausbeutung konnte immer schlimmere Formen annehmen. Seit voriges Jahr jedoch hat nun die Organisation trotz alledem Fortschritte gemacht. Die Un- zufriedenhcit der Beschäftigten ist eben bereits bis zur Erbitterung gestiegen. In der vergangenen Woche haben bereits mehrere Versamm- lungen für einzelne Fabriken staltgefunden, welche sehr gut besucht Ivaren und die erkennen ließen, daß die Arbeiter wie auch die Ar- bciterinncn gleichmäßig entschlossen sind, der übermäßigen Aus- beutung entschieden gcgcnüberzutreten und eine Aufbesserung der miserablen Entlohnung unter allen Umständen herbeizuführen. Am Freitag, den 15, d. M. finden wiederum zwei Versamm- lungen für die in dieser Industrie Beschäftigten statt, und zwar eine bei Ballschmieder. Gesundbrunnen, Vadstr. 10, und Berliner Bock- brauerei. Tempelhofer Berg. Es steht zu erwarten, daß auch diese Versammlungen zahlreich besucht werden und wäre es nur zu begrüßen, lvcnn endlich auch für diese armen ausgemergelten Geschöpfe eine bessere Zeit herein- brechen könnte. Die Familienangehörigen, besonders Töchter, sehr häufig auch die Frauen von Partei- und Gewerkschaflsgenossen, sind zu Hunderten, wenn nicht gar Tausenden, in dieser Industrie beschäftigt. Auch sie gehören zu den am erbärmlichsten bezahlten Arbeilerinnen und müssen sich die empörende Behandlung der Fabrikanten und ihrer Kreaturen gefallen lassen. An diese Partei- und Gcwerkschaftsgenossen richtet die Organi- salion die diingende Bitte, diese in der Znckerwarenfabrik be- schäsligten Familienmitglieder der Organisation zuzuführen und sie auf die beiden am Freitag stattfindenden Versammlungen hin- zuweisen. Bei den ungeheuren Hindernissen, die von raffgierigen Fabrikpaschas der Organisation entgegengestellt werden, ist die Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft um so notwendiger, als die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in diesen Fabriken geradezu schand- bare sind. Ter Zentralvcrband der Bäcker und Konditoren, Berlin, Engelufer 14 III, Zimmer 05. Fernspr. IV 2396. Internationaler Kongresi der Glasarbeiter. Am Mittwoch, den 13, d. M,, trat im Berliner Gewerkschafts- hause der internationale Kongreß der Glasarbeiter zusammen. Delegierte sind gemeldet aus Amerika(Vereinigte Staaten) 1, Belgien 2, Dänemark 1, Deutschland 5, England i, Frankreich 1, Holland 1, Italien 2, Oesterreich 3, Schweden 1, Ungarn 1. Mexiko(Toluka) hat den internationalen Sekretär Genosten Girbig mit seiner Vertretung betraut. Finnland, Spanien und Bulgarien haben mitgeteilt, daß sie nicht in der Lage sind, einen Delegierten zu entsenden. Es werden also im ganzen 19 Delegierte anwesend sein, welche rund 37 60V Glasarbeiter vertreten. Außerdem nimmt am Kongreß das Internationale Sekretariat teil, das seinen Sitz in Berlin hat und den Kongreß vorbereitet hat. Außer der Berichterstattung des internationalen Sekretärs wird sich der Kongreß mit der Regelung der Arbeitszeit, Abschaffung der SonntagSarbeit, Einführung eines wöchentlichen Ruhetages für die Bedienungsmannschaften, Beseitigung der Nachtarbeit und Kinder- arbeit, Stellungnahme zur Frauenarbeit, Gesundheitsschutz in der Glasindustrie und der AuSwandcrungsfrage beschäftigen. Zur Begrüßung der Delegierten fand am DienStag abend im großen Saal des Gewcrkschnflshauscs ein Empfangsabend statt, der von der Zahlstelle Berlin deS GlaSarbeitei Verbandes sowie vom Zcntralvorjtand des Verbandes arrangiert Ivar. Achtung, TachdcckerhilfSarbcitcr! Zur Arbeitseinstellung ist es int Mittwoch, den 13. September, bei der Firma Förster, Waldemar- s.raße 39, gekommen. Herr Förster will durchaus den Vertrag 'iverantw. Ncdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: für die Hilfsarbeiter nicht anerkennen. Er scheint der Meinung zu sein, daß Löhne von 47(4 Pf., die er einigen Arbeitern bezahlt, vollständig ausreichend sind.— Ebenfalls haben auch die Hilft- arbeiter der Firma H. Matz, Schönhauser Allee 97, die Arbeit niedergelegt. Herr Matz weigert sich, 00 Pf. Stundenlohn weiter zu bezahlen, wozu er sich im vergangenen Jahre durch Unterschrift verpflichtet hatte. Diese Werkstcllcn sind unbedingt zu meiden. Zentralverband der Dachdecker. Deurkebes Reich. Beendigung des Lederarbciterstreiks in Eluishorn. Nach Llwöchentlicher Dauer ist der Lcderarbeiterstrcik in Elms- Horn beendet worden. Die Arbeit wurde am Dienstag, den 12. September wieder aufgenomnien. Die Forderungen der Elms- Horner Lederarbeiter lauteten auf Einführung von Mindestlöhiicn für die Stündenlohuarbeiter. Die Akkordarbciter hatten keine Forderungen erhoben. Die Forderung der Mindeststundenlöhne für die Slundenlohnarbeiter konnte trotz des langwierigen und von den Streilenden glänzend durcbgehaltenen Kampfes nicht durchgesetzt werden. Die Lederfabrikauten haben sich bei Beendigung des Kampfes verpflichict, die Stundenlöhne aufzubessern, haben es aber abgelehnt, Mindeststundcnlöhue zuzubilligen. Der mit Energie und Ausdauer durchgeführte Kampf mag den Elmshörner Lederfabriknuten eine Mahnung sein, die versprochene Erhöhung der Stundenlöhne bald und nicht zu karg eintreten zu lassen, damit nicht gleich wieder Zündstoff zu neuen Kämpfen angesammelt wird. Der lliwöchentliche Kampf in Elmshorn wird sowohl den Elmshörner Lederiabrikanten, wie auch den Lederfabrikauten anderer Orte gezeigt haben, daß die organisierten Lederarbeiter auch langwierige Kämpfe nnt glänzender Solidarität durchzuhalten wissen. Deshalb wird es die Lederarbeiter auch kühl lassen, wenn die Scharsmacher unter den Lederfabrikanten jetzt ein Freudengeheul anstimmen und erklären, daß der Kampf der Elmshörner Lederarbeiter zwecklos gewesen ist, da sie die geforderten Mindeststundcnlöhne nicht durchgesetzt haben. Der langwierige Kampf in Elmshorn wird es manchen Lederfabrikanten doch nahe legen, den Forderungen seiner Arbeiter ein williges Ohr zu leihen, ehe er es zu solch einem langen und auch für die Fabrikamen opferreichen Kamps kommen läßt. Die Verbandsleitung des Lederarbeiter- Verbandes aber hat durch Ausschreibung von Extrabcilrägcn dafür gesorgt, daß das finanzielle Rüstzeug des Verbandes auf der Höhe bleibt und der Verband trotz Elmshorn und vieler anderer schwerer Kämpfe im Jahre 1911 auch für kommende Kämpfe gerüstet dasteht. Dir Schlosser und Obcrleituiigsarbcitcr der den Straßenbahn- verkehr in Wiesbaden berreibenden Süddeutschen Eisenbahngescllschaft sind wegen Lohnforderungen und Entlassung eines Kollegen aus« ständig geworden._ Zur Lohnbewegung der Lithographen und Steiudnicker in Leipzig. Wie wir berichteten, haben am 3. September in ganz Leipzig. mit Ausnahme einiger weniger Firmen, die Lithographen und Stein- drucker die Kündigungen eingereicht. Darunter befindet sich auch eine größere Anzahl Nichtorganisierter Gehilfen. Ueber ganz Leipzig wurde für Lithographen und Steiudnicker die Sperre verhängt. Die gestellten Forderungen gipfeln in der Hanplsache in einer Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von neun ans achteinhalb Stunden, einer � Erhöhung des Mindestlohnes, Redu- zierung der Lehrlingsziffer, bezahlte Ferien, Verbot von Akkord-, Prämien- und Häusarbeit und einer den TcuerungSverhällnisien entsprechenden Lohnzulage für alle Lithographen und Steiudnicker, Die Leipziger Prinzipale, soweit sie dem Schutzverband deutscher Steindruckereibesitzer angehören, erklären, nicht einzeln zu verhandeln, sondern hätten ihrem Vorstand in Berlin die Erledigung übertragen. Die Bewegung scheint auch auf das Hilfspersonal übergreifen zu wollen. Denn am 3. September sind neben einigen Kündigungen von Hilfspersonal in Kleinbetrieben.auch in zwei Großbetrieben lAltiengeiellscdasten) in Leipzig bcreils Mastentündignngen des Hilsspersvuals erfolgt. Die Bereinigung der Sleindruckerei- besitzer Leipzigs steht mit der Hilfsarbeiterorganisation seit 1907' im Tarifverhäliiiis, baS- am 31. Dezember d. I. abläuft. Nach vorliegendem Tarifschiedsgerichtsurteil des Hilfsarbeiter- Schiedsgerichtes in Leipzig sind Masseiiküudigungen ein Tarifbruch. Dies trifft schon zu, wenn ein größerer Teil einer �Berufsgruppe kündigt oder gekündigt wird. Der Verband der Buch- und Steindnickerei- Hilfsarbeiter und-Ärbeiterinnen erklärt, daß, wenn diese Massen- kündigung des Hilfspersonals wider Erwarten von der OrganisationS- leitung der Steindruckereibesitzerguigeheißen werden sollte, dann wäre der Tarif damit in einseitiger Weise von den Prinzipalen außer Kraft ge- setzt und die Hilfsarbeiter würden dann sofort geeignete Gegen- maßnahmen treffen.— Jiizwischen hat nun eine gemeinsame Sitzung der beiden Zentralen(vom Schlitzverband der deutschen Stein- druckcreibesitzcr und vom Gehilfenverband der Lithographen, Srein- drucker und verwandten Berufe) stattgefunden, in welcher vereinbart wurde, daß unter Hinzuziehung von beiderseitigen Vertretern aus Leipzig am Freitag, den 15. September, in Berlin Verhandlungen stallfinden sollen. Ueber das Resultat dieser Verhandlungen werden wir berichten._ Die Bremer Elcktromontellre, die zum übergroßen Teil im Deutsche» Meiallarbeiterverband organisiert sind, haben sich jetzt mit dem.OrtSverbaud der elektro-iechuischen Jilstallatiousfirmcn" auf güllichem Wege über die Regelung der Lohn- und Arbeilsverbäll- uisse geeignet. Das Resultat der mehrmaligen Verhandlungen ist der Abschluß eines Tarifvertrages, wonach den Gehilfen, die vier Jahre in einem elektro-lechnischen JnstallalionSgcschäft gelernt haben, im ersten Jahre nach vollendeter Lehrzeit 45 Pfg., im zweiten Jahre 50 Pf. und im dritten Jahre 55 Pi. Siundcnlohn bezahl! werden. Nach dieser Zeit beträgt der Stundenlohn nicht unler 60 Pf. für Monteure. Wer diesen Lohn beieiis hatte, erhält eine Zulage von »lindesteus 2 Pf. pro Stunde. Für Ueberstunde» werden 25 Proz., für Nachtstunden 50 Proz. Ausichlag bezahlt. Die Arbeitszeit ist eine neunstündige. Der Vertrag läuft bis zum 1. Juli 1914; am 1. Juli 1913 werden die tariflickcu Löhne um 2 Pf. erhöht. Lohnkampf im Darmstädter Transportgcwcrvc. Seit 1. September stehen die Kohlenarbeiter unter hcstigstem Widerstände der Kohlenhändler im Streik. Die Fuhruntcriiehmer und Möbeltransportimtcrnehnier haben Vurch den TranSporlarbeiler- verband eingereichte Forderungei! abgelchnl und weisen durch den Südwestdeutswen Arbeilgcbcrverbaud auch Verhandluiigen zurück. Ein allgemeiner Streik der Transportarbeiter scheint unvermeidlich. Hustand. Der Generalstreik in Bilbao. Bilbao, 12. September. Im Laufe des Vormittags ist es zu zahlreichen Zusammenstöße» zwischen Streikenden und Truppen gc- toiiiiiicn, die auf die Arbeiter Schüsse abgaben. Die Arbeit ruht voll- ständig. Der Verkehr im Hafen ist aufgehoben, der Eisrnbahnbctricd im Weichbilo der Stadt ist eingestellt. Bilbao, 12. Scprember. Heule ist hier der Bclagcrnngsznstand erklärt worden. Die Lage in den Bergwerken und industriellen Betrieben in der Umgebung von Bilbao ist bcdcnllich. In sämtlichen Bergwerken und Hüticn ist' die Arbeit eingestellt worden. Auch auf den baSkischcn Elseubahnen wurde mit der Arbeitseinstellung be- gönnen. Der Arbeilgeberverband beschloß, in der feil Beginn deS Streiks eingenommene» Haltung auch weiterhin zu verharren. Ovicdo, 12. September.. Minenrn beiler sollen nach offiziösen Meldungen eine Brücke der baSlischen Eisenbahn mit Dynamik i» dir Luft grspreugr haben, um den Äohlcnrrciusporl aus Gruben, in denen»och weitergearbeitet wird, unmöglich zu mache».� Bilbao, 13.� September. Heule ist auch das Personal der hiesigen Truckcrcicn in den Ans stand getreten. Der Streik der Marmorarbeitcr in den Steinbrüchen von Carrara ist in für die Arbeiicr ziifriedeiisttllender Weise beigelegt worden. Die Streikenden erzielten eine Lohiierhohung von 18 Proz. Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt und eine geringe Herabsetzung der Arbeitszeit. Die Arbeit ist heute wieder aufgenommen worden. Die mit dem Herablassen der Marmorblöcke beschäftigten sogenannten„Lizzatou" sind bis jetzt den Abmachungen noch' nicht beigetreten. Mite der frauenbewegunef, Mntterschaftsfürsorge. Auf dem zurzeit in Berlin tagenden 3. Internationalen Kongreß für Säuglingsschutz wurde in der Sektion III auch das Problem der M u t t e r s ch a f t s v e r s i ch e ru n g be- handelt. An Stelle des erkrankten Professors M a y c t hatte Dr. B r u n o- Heidelberg, Vorsitzender der Propagandagesellschaft für Mutterschaftsversicherung, das Hauptreferat übernommen. Der Vortragende begründete an der Hand eingehenden statistischen Materials die Notwendigkeit der gesetzlichen Muttcrfürsorge. Die hohe Säuglingssterblichkeit ist eine Folge der Wirtschaft- lichen Schutzlosigkeit von 1/4 Millionen Frauen zur Zeit der Geburt. Neben dem Leben der Kinder wird die Gesundheit und das Leben der Mutter bedroht. Der Vortragende gibt dann eine Ucbersicht über den Stand der Frage des Mutterschutzes im In- und Auslande, über die durchweg ungenügende gesctz- liche Regelung derselben, sowie einen Ueberblick über die private Hilfstätigkeit auf diesem Gebiete. Er fordert« dringend reichsgesetzliche Einführung der M u t t e r s ch aft s- Versicherung, als deren unverrückbare Forderungen zu gelten haben: Lohnentschädigung in Höhe des vollen Tagelohnes(für 10— 12 Wochen), Ersatz der Kosten für Arzt. Hebamme. Medikamente, Haus- oder nötige Anstaltspslege— Stillprämien, sowie Bei- Hilfe zur Säuglingsernährung.— Bis zur endgültigen Regelung dieser Frage sei der Weg der Selbsthilfe zu be- schreiten. Diese stellen die von der Propagandagesellschaft für Mutterschaftsversicherung gegründeten Mutterschaftskassen dar. In der Heidelberger Propagandagesellschaft wirken mit den Ver- tretern aller Beruftklassen die Vertreter sämtlicher Arbeiterorgani- sationen zusammen. Der erzielte Erfolg ist sehr erfreulich. Die Heidelberger Muttcrschaftskasse zählt zahlreiche Mitglieder, gewährt Wöchnerinnengeld(20—40 Mk.), Stillprämien(20 Mk.) bei monatlichen Einzahlungen von 50 Pf. Die Propagandagesellschaft ver- sieht die Versicherten der Mutterschaftskasse mit Schwangeren- fürsorge in den letzten vier Wochen. Haus- und Wochenpflege, und zahlt aus einem Reservefonds Stillprämien auch an solche Ver- sicherte, die noch keinen Anspruch auf Wöchnerinnengcld haben. Der Redner forderte vorläufig zur Unterstützung dieser privater� Mutterschaftskassen auf— als Endziel bleibt jedoch bestehen: die Mutterschaftsversicherung. Die von Herrn Dr. Bruno geforderte staatliche Fürsorge für die Schwangeren und Wöchnerinnen wurde von der sozialdemokrati- scheu Reichstagsfraktion gelegentlich der Beratung der Reichsver- sicherungsordnung verlangt. Der Erfolg war freilich, daß die bürgerliche Mehrheit nicht einen der im Interesse der Mütter und Säuglinge gestellten Anträge akzeptierte. Spätere Geschlechter werden es freilich nicht verstehen, daß es eine Zeit gab, in der eine zu den Kulturstaaten zählende Nation dem kostbarsten Gut der Gesellschaft, den Müttern und Kindern, jegliche wirkliche Fürsorge versagte._ Hetzte Naebrtchten. Flammender Protest. Paris, 13. September. Aus Brest wird gemeldet: Das Syndikat der Arscnalarbeitcr ließ einen Aufruf anschlagen, in welchem anläßlich des bevorstehenden Stapcllaufs des Panzer- schiffcs„Jean Bart" die Marinebchörde wegen der verweigerten Lohnerhöhung stark angegriffen und dem Marineminister zuge- rufen wird, daß„Jean Bart" noch nicht in seinem Element sei, und er werde es auch nicht sein, bevor der Minister nicht den Lohn der Arsenalarbeiter um 5V Cents erhöht, und bevor er nicht die AushilfSarbeiter fest angestellt habe. Der Präfekt hat Gendarmerie- Verstärkungen und Truppen nach Brest kommen lassen, und der Bürgermeister hat jede öffentliche Ansammlung untersagt. Erscnbahnuufall. Stettin, 13. September.(W. T. B.) Heute vormittag zwischen 10 und 11 Uhr ist von dem mit Kohlen beladenen Güterzuge 7533, der von Arnswalde nach Stettin fuhr, bei der Station Dölitz«in Wagen aus dem Gleis gesprungen. 13 andere Wagen sind aufgefahren und zum Teil zertrümmert worden. Der Schaffner Schröder aus Kasekow wurde getötet. Der Verkehr wirb durch Umleiten der Züge aufrecht erhaltem Brandkatastrophen. Marirnbad, 13. September. bat da» Schlußwort: Ich habe versucht, die Sache frei von jedem Beiwerk zu schildern.(Sehr gut!) Ich weiß nicht, ob dadurch, dah unsere Herren Juristen gesprochen haben, die Sache klarer gc- worden ist(Heiterkeit) und ich möchte Sie bttten, einfach den ge- Sunden Menschenverstand und nicht Junstenweisheit entscheiden zu iXn.(öeiterkeit.) Der Wahlkreisvorstand hat das Resultat der eriten"-akl geprüft und da, Ergebnis veröffentlicht. Wohin würde e» führen, wenn wir den Grundsatz anerkennen würden, dag SU«orstand 5 Tage später eine neue Wahl anordnen kann? Dabn würde ja da, wo innere Zwistigkeiten vorhanden sind, ein Vorstand es immer in der Hand haben, Unregelmäßigkeiten fest- zustellen und Neuwahlen anzuberaumen.(Sehr richtig!) Ich kann den Stuttgarter Genossen und den Genossen des ersten Württembergischen Kreises nur den Rat geben, daß die Zwistigkeiten aus der Welt geschafft werden. (Lebhafte Zustimmung.) Auf die Personen hat die Mandats- Prüfungskommission natürlich keine Rücksicht genommen, sie hat sich nur von sachlichen Erwägungen leiten lassen. Ich für meine Person hätte ja gar nichts dagegen, wenn auch die Stimmen aus Botnang mitgezählt würden. Allerdings kann ich das nur in meinem Namen sagen, nicht im Namen der Kommission. Die zweite Wahl darf aber auf keinen Fall für gültig erklärt werden, denn das würde zu unheilvollen Konsequenzen führen.(Sehr richtig!) Dr. Liebknecht(persönlich): Ich habe das Recht des Parteitages auf Prüfung der Legitimation seiner Mitglieder nicht b e- schränken wollen. Im Gegenteil, ich habe das Recht des Partei- tags aufrecht erhalten und nur die Ansicht vertreten, daß der Par- teitag auch darüber zu entscheiden hat, ob vom Kreisvorstand mit Recht eine zweite Wahl anberaumt worden ist. Vorsitzender Leber schlägt vor, zunächst über den Antrag der Kommission auf Gültigkeitserklärung der Mandate von Hilden- brandt, Rapp, Sämann und Frau D u n ck e r abzustimmen. In zweiter Linie käme der Antrag Ludwig, die Wahlen von W e st m e y e r und Rapp für gültig, die von B u l l m e r für un- gültig zu erklären. Vorsitzender Dietz: Es ist noch ein Antrag Dittmann ein- gereicht worden. Allerdings war die Diskussion schon geschlossen, wir waren mitten in der Abstimmung.(Widerspruch.) Wenn das Bureau das erklärt, so gilt das.(Lebhafte Zustimmung.) Ich möchte auf das lebhafteste protestieren, daß meine Worte bezweifelt werden.(Erneute Zustimmung.) Mir ist der Antrag vom Schrift- führer überreicht worden, als wir uns bereits in der Abstimmung befanden.(Dittmann: Ich bitte ums Wort!— Große Unruhe und Schlußrufe.) Dittmann(zur Geschäftsordnung; mit Schlußrufen empfan- gen): Ich habe einen Antrag eingebracht.(Rufe: Abtreten! Wäh- rend der Abstimmung gibt es das Wort nicht!) Vorsitzender Leber: Ich habe Dittmann das Wort zu erteilen! Dittmann: Ich habe meinen Antrag eingebracht, als sich der erste Redner meldete, um den Schluß der Debatte zu begrün- den, nicht aber erst, als wir uns schon in der Abstimmung befanden. Es ist doch nicht mein Verschulden, wenn der Schriftführer dem Vorsitzenden den Antrag nicht gibt. Ich verlange, daß mein Antrag verlesen und daß darüber abgestimmt wird. Schriftführer Schiebel-Leipzig: Ich stelle fest, daß D i t t- mann den Antrag eingereicht hat. als bereits Schluß der Debatte eingetreten war.(Hört! hört!— Dittmann: Ich bitte ums Wort!) Stadthagen(zur Geschäftsordnung, wird mit lebhaften Schluß- rufen empfangen): Sie müssen doch so viel Achtung vor dem Prä- sidenten haben, daß Sie einen Redner, dem er das Wort erteilt hat, auch sprechen lassen. Bleiben Sie doch ruhig und mäßigen Sie Ihre Leidenschaft. Ich will nur vorschlagen, daß wir zunächst abstimmen, ob das Mandat We st meyers ungültig sein soll, und dann, ob das Mandat von B u l l m e r gültig sein soll. Wir können doch hier nicht im Ramsch abstimmen. Hoffmann-Hamburg: Wir müssen zunächst darüber abstimmen, ob die Anordnung der zweiten Wahl zu Recht erfolgt ist. Bejaht der Parteitag diese Frage, dann sind ohne weiteres die Mandate der in der zweiten Wahl Gewählten gültig. Wird das verneint, so muß abgestimmt werden, ob das Mandat von We st meyer aus der ersten Wahl gültig ist oder nicht. Dann haben wir Klarheit. (Lebhafte Zustimmung.) Der Parteitag schließt sich diesem Abstimmungsmodus an. Die Anordnung der zweiten Wahl wird mit großer Mehrheit für ungültig erklärt. Ebenso tritt der Parteitag mit großer Mehrheit dem Antrage der Mandatsprüfungskommission bei, die Mandate von Hilden- brandt, Rapp, Sämann und Frau Duncker für gültig, da« Mandat von West meyer dagegen für ungültig zu erklären. (Das Mandat von Bullmer ist durch den ersten Beschluß für ungültig erklärt.) ES tritt die Mittagspause ein. Schluß 1 Uhr, Nach mittagSsitzung. Vorsitzender Leber eröffnet die Sitzung und stellt den Antrag 74 zur Verhandlung, der jetzt nicht mehr„Westmeher und 10S Genossen" heiße, sondern„Duncker und 104 Genossen", Genossin Duncker: Der Antrag ist veranlaßt durch die Vorgänge auf der letzten württembergischen Landeskonferenz. 58 Delegierte, die 8000 von 28 000 organisierten Genossen vertreten, haben demonstrativ die Landesversammlung verlassen, nachdem der Stuttgarter Antrag auf Schaffung einer Preßkommission zur llebcrwachung der prinzipiellen und taktischen Haltung der„Schwä- bischen Tagwacht" abgelehnt worden war und nacktem den Re° dakteuren West meyer und Krillc. die die Ansichten der Stuttgarter Genossen in der„Tagwacht" vertreten haben, gekün- digt worden war. Wir bringen die Sache vor den Parteitag, weil sie die Gesamtpartei angeht. Es sind dieselben Differenzen, die die württembergische Partei erschüttern, welche auch in der Gesamtpartei sich geltend machen. Ter Schlüssel der ganzen Situ- ation ist der, daß seit Jahrzehnten zwischen der Mehrheit der Stutt- garter Parteigenossen und ihrem Organ der schärfste Ge- gcnsatz in der politischen Auffassung besteht. (Widerspruch deS Genossen Keil.) Der Chefredakteur der„Tag- wacht" sieht darin nur persönliche Anfeindungen von feiten deS Lokalredakteurs W c st m e y e r, der als Vorsitzender der Stutt- garter Parteiorganisation die Parteigenossen in Stuttgart gegen ihn. Keil, und seine Redaktionsführung aufhetze. Immer und immer wieder ist versucht worden, den Gegensatz auf Ursachen per- sönlichcr Natur zurückzuführen. Auf der letzten Landesversamm- lung hat dieser Gedankengang die Haltung der Mehrheit bestimmt. Aber gerade diese Auffassung ist das größte Hindernis der Wer- ständigung. Um die sachlichen Gründe des Gegensatzes darzulegen, muß ich etwas weiter ausholen. Bis vor lvcnigen Jahren war die„Tagwacht" das einzige Parteiblatt Württembergs. In den letzten Jahren hat nun im bisher durchaus kleinbürgerlichen, kleinbäuerlichen Württemberg eine außerordentlich industrielle EntWickelung eingesetzt, die auch in der Parteientwickelung sich widerspiegelte. Von 1007 an ist die Zahl der organisierten Genossen um 10 000 gestiegen. Das Industriegebiet Stuttgart einschließlich Eß- lingen. Göppingen und Gmünd stellt mehr als die Hälfte der württembergischen Parteimitglieder. In den Städten spitzt sich der Klassengegensatz immer mehr zu und die Genossen erwartetcn�von ihrem Organ, daß es dieser EntWickelung Rechnung trage. Statt dessen ließ die„Tagivacht", namcnt- lich in den letzten 4 Jahren, immer mehr die grundsätz- liche Stellungnahme vermissen und zurücktreten. Kaum ein Dutzend grundsätzlicher Artikel fallen auf einen Jähr- gang. Dafür legt sie auf den Parlamentarismus, dessen Bedeu- tung niemand unterschätzt(Rufe: Na, na!), unverhältnismäßiges Gewicht. Die„Tagwackt" sieht ihre Aufgabe in persönlicher Re- klame für unsere Mandatare. Ich erinnere an die Oberbür- germeisterwahl und an die Reklame für Dr. Lindemann. Statt die sachlichen Zusammenhänge aufzudecken, krittelt die„Tag- wacht" an den Personen ktcrum. Den Stuttgarter Arbeitern, denen die wirtschaftlichen Verhältnisse immer mehr Klassenkampflogik einpauken, konnte diese geistige Kost nicht mehr genügen und die Mißstimmung wurde daher immer größer. Dazu sorgte die würt- tembergische Landtagsfraktion ihrerseits dafür, die Stuttgarter Genossen, die ihre sthiDächliche Stellungnahme besser kennen, als man sie auf dem Lande kennt, vor jeder Ueber- schatzung des Parlamentarismus zu bewahren. Ich erinnere, an die Zustimmung der Fraktion zum reaktionären VolkSjchule g e f e tz, an die B u d g e t b e w i I l i g ü n g, an das F r i e d r i ch s- Hafen er Frühstück, an das Königshoch und an das Mi« n i st e r e s s e n. Dazu kommt die nichtachtende Behandlung der Rechenschaft fordernden Genossen. Am 4. August, als Hilden- brand seine Teilnahme am Ministeressen verteidigte, rief er den aufgeregten Massen zu: Empören Sie sich so viel Sie wollen, ich rede nicht für Sie, ich rede zu meiner eigenen Be« ruhigung.(Hört! hört!) Er entschuldigte sich damit, daß ein Fern- bleiben der Fraktion vom Ministcressen eine Brüskierung des Ministers gewesen wäre.(Hört! hört!) Die„Tagwacht" hat allem diesem gegenüber kein Wort der Kritik gefunden, sie hat vertuscht und verteidigt. Keil hat mehrfach angeführt, daß er seine Aufgabe nicht in der Kritik führender Genossen sehe. Auf der Landesvcrsammlung hat er erklärt, er habe keine Lust, die Fahne der Rebellion gegen seine Fraktionskollegen zu erheben. (Hört! hört! Keil ruft: Das habe ich nicht gesagt!) Immer ungestümer forderten die Stuttgarter Genossen grundsätzliche Aufklärung und schärfere Herausarbei- tung des Klassenkampfstandpunktes. Im Grunde ist es derselbe Vorgang, wie er sich vor einigen Jahren in Berlin vollzogen hat, als die Parteigenossen auch nicht mit der Haltung des„Vorwärts" einverstanden waren. Den Berlinern ist inzwischen der Einfluß auf ihr Organ gesichert worden.— Inzwischen haben sich alle Par- teiorganisationen in Württemberg, die nur einigermaßen die Mittel haben, eigene Organe geschaffen, die Organisation in Heilbronn, in Göppingen, in Eßlingen. Demnächst haben auch die Reutlinger und Ulmer Genossen ihre Blätter. Also die Genossen auf dem Lande haben eine ihnen unterstellte Presse, während die größte Parteigenossenschaft Württembergs dazu verurteilt bleiben sollte, ein Blatt zu lesen, das ihren Anforderungen nicht entspricht, das sie in der Hauptsache zu unterhalten haben, bei dem sie aber nichts zu sagen haben. Wir verlangten durch eine Preßkommission Einfluß auf das Blatt zu gewin- nen, in der aber nicht die Genossen des Jndustriebezirkes durch die ländlichen Genossen majorisiert werden durften. Bei dem Ueber- gewicht' der ländlichen Delegierten auf der Landesversamm- lung, das sie einem ungerechten Delegationssystem verdanken, und bei der einseitigen Information der ländlichen Bezirke durch die vom Landessekretariat fast ausschließlich auf Agitation geschickten revisionistischen Genossen, war keine günstige Stimmung der Lan- deSversammlung für die Wünsche der Stuttgarter zu erwarten. 49 Delegierte auf der Landesversammlung haften im ganzen 723 Mitglieder hinter sich, während Groß-Stuttgart mit seinen mehr als 8000 Mitgliedern nur 43 Delegierte hat.(Zuruf: Das ist ein Skandal!) Die Stuttgarter Genossen beantragten daher. nach der Zahl der vertretenen Parteigenossen die Abstimmung vorzunehmen. Der Antrag wurde glatt abgelehnt. Auf Anraten und nach Besprechung mit dem als Parteivorstands- Vertreter antvesenden Genossen E b e r t wurde ein Kompromiß- antrag eingebracht, eine Preßkommission zu bilden nach dem Vor- bild der Berliner, die gleichberechtigt mit dem Landesvorstand die„Tagwacht" überwachen sollte. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Körperschaften sollte der LandesauSsöbuß den Ausschlag geben. Von den 7 Mitgliedern der Preßkommrssion sollten 4 von Groß-Stuttgart und je einer vom 1., 2. und 4. Reidhs- tagSwahlkreiS gewählt werden. Obivohl E b e r t sich dafür ins Zeug legte, wurde der Antrag abgelehnt. Dagegen wurde be- schloffen, daß die Wahl sämtlicher 7 Mitglieder der Preßkommission auf den Kreisgeneralversammlungen der genannten drei Kreise erfolgen sollte. Das Wahlsystem zu den Kreisgeneralversammlun« gen ist aber ein g a n z ä h n l i ch e s wie daS zur Landesversamm� lung, es gibt den kleinen ländlichen Mitgliedschaften ein entschie« dencs Uebergewicht. � Eine derartige Preßkommission konnte bei der rein revisi« nistischen Neubesetzung und der überwiegend revisionistischen Zu« sammensetzung des Landesausschusses nur ein Messer ohne Klinge und ohne Griff für uns sein. Die radikale Minderheit mußte im der Annahme dieses Antrages eine Mißachtung ihrer bercch- tigten Forderungen erblicken. Dem Faß den Boden schlug aber der Antrag Döring aus. den drei Redakteuren der „Tagwacht". We st meyer, Roßmann und K rille zu kündigen. DaS war ein Eingriff in die Rechte der noch zu wählenden Preßkommission, ferner war er eine Maßrege- lung von We st meyer und Krille. Dazu kam, daß W e st m e h e r als Vorsitzender deS Stuttgarter Ortsvereins der Fahnenträger der Stuttgarter Parteigenossen war. Eine solche Mißachtung konnten sich die Stuttgarter nicht gefallen lassen. Na- mentliche Abstimmung— abgelehnt. Preßkommission— abgelehnt. Kompromißantrag von E b e r t abgelehnt. Halten wir uns das alles vor Augen und machen wir uns noch den sehr gra- vierenden Umstand klar, daß der dritte Teil der Landesversamm« lung. 102 Delegierte, nur 328„Tagwacht"-Leser repräsentierte, während das Groß-Stuttgarter Industriegebiet 12700 Leser hat! Wir hätten jede Selbstachtung verloren, wenn wir uns das hätten gefallen lassen. Hätten wir uns gefügt, so hätte das auch nicht zum Frieden geführt, sondern der Krieg wäre in Permanenz erklärt worden. Das ganze Partcileben leidet unter den un- gesunden Verhältnissen, die die Landesversammlung sanktioniert hat. Um des Friedens willen rufen wir die oberste Instanz der Partei, den Parteitag, an. Wir vertreten in dieser Angelegen- heit die Auffassung der Gesamtpartci, auch der Ver- treter des Parteivorstandes stand auf unserer Seite und erkannte unsere Forderungen als berechtigt an. Wir fordern, daß der Parteivorstand mit der Stuttgarter Leitung der Landespartei und der Ortspartei diese Sache prüft und schlichtet, damit endlich der Friede möglich wird, der notwendig ist, wenn wir geschlossen dem gemeinsamen Feind entgegengehen wollen.(Lebhafter lang anhaltender Beifall. Rufe bei den Süddeutschen: Schöne Friedens- rede!) Dietz: Ich bitte Sie, den Antrag anzunehmen unker Ablehnung jeder Debatte. Eine Debatte würde kein klares Licht bringen, denn wir haben in Württemberg nicht nur 16, sondern vielleicht 100 Stunden über die Angelegnheit diskutiert, und sie ist n i ch t g e- fördert, sondern so weit gebracht worden, daß sie vor den Parteitag gebracht ist. Daher ist es am klügsten, den Antrag an- zunehmen und von jeder Debatte abzusehen.(Widerspruch.) Dar- über hat der Parteitag zu beschließen, ob er debattieren will.(Leb- hafte Zustimmung.) Ich beantrage, daß der Parteitag von jeder Debatte absieht, und den Antrag dem Parteivorstand überweist. Materiell will ich auf die Angelegenheit nicht eingehen, nur einige Streiflichter darauf werfen. Man hat mir vorgeworfen, daß ich als alter Parteigenosse nicht in der Lage war. die Sache an Ort und Stelle beizulegen. Sehen Sie sich einmal Victor Adler an, der ein großer Diplomat und ein noch größerer Stratege ist. Auch er hat eS nicht fertig gebracht, einen Ausgleich in Böhmen herbeizuführen, er hat sich zurückziehen und dem Unheil den Lauf lassen müssen. Wir haben auch in Deutschland und speziell in Württemberg einiges, was an Böhmen erinnert, aber wir haben doch das Vertrauen zu uns, daß in Deutschland ein solches Böhmen nicht aufkommen kann. Wir sind Manns genug, ein solches Feuer zu ersticken. Der tschechische Proletarier ruft auS: dloi nopsstölö. eou tvoi nepsatölö, Tvoi nepsatdle, aou rnoi nepsat&ö. Und der österreichische Proletarier versteht das ohne weiteres Wenn aber der deutsche Proletarier ausruft:„Meine Feinde sind deine Feinde und deine Feinde sind meine Feinde", dann sagt der Bruder Tschcch:„Nix deitsch" und versteht das nicht. In Württemberg bestehen Unterschiede zwischen Nord und Süd Die Differenzen zwischen Stadt und Land sind nicht schwer zu be- greifen. Wenn man aber den Streit einen Streit zwischen Radi- kalen und Revisionisten genannt hat, so trifft das nicht zu.(Leb- Haftes Sehr richtig!). Der Streit ist vielmehr entstanden aus starken persönlichen Difierenzen ,n der„Tagwacht". Wenn solche personlichen Differenzen lahrelang dauern, ziehen sie immer teeüsjfi Sicilf, Wir tfanm nicht einfach Straf-Bayern nach WSrttemSirg schicken, aBet ffiTt fSnnlfl ParkesbörflanS veüUs., tragen, reinen Tisch zu machen. Das Land befürchtet infolge der» I schiedener Handlungen von Groß-Stuttgart, man wolle ihm sein ..Tagwächtle" nehmen. Das will das Land nicht, und man ist ja auch schon dabei, Lokalblätter zu gründen. Daß gute Erfahrungen damit gemacht werden, möchte ich bezweifeln. Bald werden Zu- schüsse gefordert werden. Näher auf die Sache einzugehen, hat keinen Zweck, sonst geht die Debatte tagelang weiter und wir sind so klug wie zuvor. Nehmen Sie also den Antrag an, und auch meinen Antrag, daß von jeder Debatte abgesehen und alles dem Vorstand überwiesen wird. Wenn die nötigen Untersuchungen an Ort und Stelle angestellt werden, wird bald Friede einziehen.(Lebhafter Beifall.) Goschäftsordnungsdebatte. Hildenbrand-Stuttgart: Ich habe mich vor Tisch dem Genossen D i e tz gegenüber einverstanden erklärt damit, den Antrag 74 au• diese Weise zu erledigen, natürlich unter der Voraussetzung, daß die Begründung des Antrages in einer Weise erfolgt, daß die würt- tembergische Landesorganisation nicht im Interesse ihrer Ehre und Würde Protest zu erheben hat. Nach der Rede der Genossin D u n ck e r würde ich es als eilte Beleidigung der württembergischen Landesorganisation ansehen, wenn ihr nicht Gelegenheit gegeben würde auf diese Begründung zu antworten.(Lebhafte Zustim mung bei den Süddeutschen.) Ebert: Auch ich bedaure, daß Genossin Duncker bei der Er- örterung des Antrages die Vorgänge in Württemberg materiell behandelt hat.(Dr. Frank: Und wie behandelt hatl) Jetzt ist es ungemein schwer, das zu erzielen, was sie vorschlägt, denn dazu darf der Streit natürlich nicht verschärft werden.(Lebhafte Zu stimmung.) Der Parteivorstand darf bei seinen Verhandlungen aber auch nicht von vornherein durch den Parteitag ge b u n d e n sein. Deshalb bitte ich dringend, von weiteren De- batten abzusehen.(Widerspruch der Süddeutschen.) Nach unseren Erfahrungen würde die Erörterung der württembergischen Ver Hältnisse sehr großen Raum einnehmen, und es wäre sobald kein Ende zu finden. So sehr ich es bedaure, daß die Genossin Duncker von einer formalen Begründung des Antrages abge wichen ist, bitte ich Sie doch, im Interesse der Partei, von einer weiteren Diskussion abzusehen.(Zustimmung.) Richard Fischer: Es ist zweckmäßig, daß eine weitere Erörte rung unterbleibt, aber ich glaube, daß der Parteitag nach der Rede der Genossin Duncker verpflichtet ist, einem Redner der Gegen- selte das Wort zu geben.(Sehr richtig bei den Süddeutschen.— Lebhafter Widerspruch bei der Mehrheit.) Keil: Stimmen Sie dem Vorschlage Fischer zu.(Nein! Nein!) Sie haben vorhin entrüstet Hört! hört! gerufen, als Ihnen borge- tragen wurde, daß auf der württembergischen Landesversammlung den angeblich Angeklagten das Wort zur Verteidigung gegen eine anderthalbstündige Anklagerede verweigert wurde. Diese Dar- stellung ist falsch und sie wird in der gesamten Parteigenossenschaft Württembergs hellste Entrüstung erwecken.(Lachen und Zustim- mung.) Ebenso, wenn die Rede der Genossin Duncker hier ohne Erwiderung bleibt. Die Berichte der norddeutschen Parteipresse über unsere Landesversammlung waren so einseitig, ver- letzend und tendenziös wie nur irgendmöglich. (Lärm und Zustimmung.) Die Gerechtigkeit und Objektivität er- fordert es(Lachen.)— Sie haben ja ganz falsche Darstellungen be- kommen!— wenigstens einem von uns das Wort zur Erwiderung zu geben.(Zustimmung bei den Süddeutschen.) Knauer-Sonneberg: Um den Anschein einer Vergewaltigung zu vermeiden, sollten wir einem Mitglieds der württembergischen Landesparteileitung das Wort geben, das sich aber auf eine direkte Antwort auf Genossin Duncker zu beschränken und selbstver- ständlich nicht stundenlang die ganze Frage aufzurollen hat. Aucr-München: Der Zweck des vorliegenden Antrages sollte sein, Frieden zu stiften. Dazu ist aber die Rede der Genossin Duncker wirklich nicht angetan.(Sehr richtig!) Der Antrag D i e tz hätte vor dieser Begründung der Genossin Duncker kommen sollen.(Lebhafte Zustimmung bei den Süddeutschen.) Da die Be- hauptungen dieser Rede bestritten werden, müssen wir, um das Ansehen des Parteitages zu wahren, die Möglichkeit einer Richtig- stellung geben. Ich stelle den Antrag, dem Genossen Hilden- b r a n d als Vertreter der württembergischen Landesorganisation das Wort zur Richtigstellung der Unrichtigkeiten zu geben, die die Genossin Duncker vorgebracht haben soll.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschen und einem Teil der übrigen Delegierten.) Dietz: Wenn Sie den Antrag Auer annehmen, dann können Sie eine weitere Debatte nicht mehr aufhalten, ein Wort wird das andere geben.(Sehr wahr!) Ich bin überzeugt, bei ruhiger Ueberlegung, werden auch Sie(zu den Süddeutschen) das ein- sehen.(Hildenbrand: Tagegen verwahren wir uns, wir stehen doch' nicht unter Kuratel! Zustimmung bei den Süd- deutschen.) Adolf Hoffmann(mit Rufen der Ungeduld empfangen): Ich will ja nur darum reden, damit Sie schneller zur Abstimmung kommen.(Große Heiterkeit.) Nach§ 4 der Geschäftsordnung hat bei formalen Anträgen nur ein Redner für und ein Redner gegen das Wort. Wäre danach verfahren worden, dann wären wir schon weiter. Wenn wir jetzt einem Redner von dieser Seite(nach dem Tisch weisend, an dem Hildenbrand, Keil, Auer, Dr. Frank usw. sitzen) das Wort geben, dann muß mindestens auch die Genossin Duncker noch einmal reden.(Zuruf der Süd- deutschen: Warum denn die zweimal?) Bei der Abstimmung wird der Antrag Dietz ange- n o m m e n.(Beifall der Mehrheit.— Aue r-München ruft, auf die Mehrheit weisend: Aber Friede muß sein!) Darauf wird der Antrag 74 selbst mit großer Mehrheit angenommen. (Anhaltende lebhafte Bewegung.) Das Wort erhält zur Verlesung folgender Erklärung Hildenbranb: Die unterzeichneten württembergischen Mitglieder des Partei- tages haben zu dem Antrage We st meyer, Duncker, Zetkin und Genossen folgende Erklärüng abzugeben: Die württembergische Landesorganisation ist ernstlich be- müht, die in ihrer Mitte bestehenden Differenzen zu schlichten. Die überwiegende Mehrheit der Parteigenossen des ganzen Lan- des ist von dem festen Willen erfüllt, den persönlichen, die Parteiarbeit schädigenden Streitigkeiten ein Ende zu machen, ohne damit die geordnete Austragung sachlicher Meinnngsvcr- schiedenheiten zu unterbinden. Will der Parteivorstand die würt- tembergische Landesorganisation in diesem Bemühen unterstützen, so wird das zweifellos von allen Parteigenossen Württembergs einmütig begrüßt werden. Die württembergische Landesorgani- sation wird wie bisher auch künftig im Sinne und Geiste der Gesamtpartei arbeiten und bedarf nach dieser Richtung keiner be- sonderen Weisungen. Deshalb weisen die Unterzeichneten na- ./mens der von ihnen vertretenen württembergischen Parteige- nossen den durch den Wortlaut des Antrages Westmcper und Genossen erweckten Anschein, als arbeite die württembergische Landesorganisation bisher nicht im Sinne und Geiste der Gc- samtpartei als eine bcweislose Behauptung mit Entschiedenheit zurück. K. H i l d e u b r a n d(4. württemb. Wahlkreis), G. Fischer(2. württemb. Wahlkreis), G. Hitzler(3. württemb. Wahlkreis). Chr. Renz(4. württemb. Wahlkreis), K. Trost (S. württemb. Wahlkreis), I. Kurz(6. württemb. Wahlkreis), W. Benz(14. württemb. Wahlkreis), W. Keil, Mitglied des Reichstages.*. v Dr. David erklärt zur Geschäftsordnung, daß ihm trotz rechtzeitiger Wortmeldung vor der Abstimmung das Wort nicht erteilt worden sei und nennt das einen zweiten Fall von Vergewaltig ung., � Der Antrag 69, der die Karlsruher Angelegenheit be- handelt, wird auf Antrag Dietz debattenlos der Beschwerde- k o m m i s s i o n überwiesen. folgt Punkt 4 der Tagesordnung Die ReichSverficheruugSordnwtg. Referent Molkenbuhr beginnt unter großer Unruhe zu sprechen. Ich begreife ja, daß einige Unruhe herrscht, das Thema hat bereits zwei Parteitage be- schäftigt und jeder Teilnehmer des Parteitages hat wohl schon eine oder mehrere Reden darüber gehalten und wird in Zukunft viel- leicht darüber wieder reden. Es wird deshalb schwer sein, etwas Neues zu sagen. Aber es ist dennoch nötig, daß solche Fragen immer wieder erörtert werden. Das gilt besonders von der Ar- beiterversicherung und die Interessen der Arbeiter müssen nach dieser Richtung noch nachdrücklicher vertreten werden, als das bisher der Fall war. Der Gedanke der Arbeiterversicherung geht in Deutschland von der Sozialdemokratie aus. 1878 war es Bebel, der im Reichstage eine einheitliche große Versicherungsanstalt forderte, in der sämtliche Unternehmer verpflichtet sein sollten, sämtliche Arbeiter gegen Krankheit, Unfall usw. zu versichern. Die Fraktion hat bisher bei der Arbeiterversicherung mitgewirkt Und wenn wir uns heute die Anträge von 1883, 1884 und 1888 ansehen, so finden wir, daß sie noch immer die Grundlagen unserer Forderungen bilden. Früher suchte man nicht große Gedanken zu verwirklichen, sondern alle Versicherungsgesetze waren genau genommen nur Versuche. Der einheitliche Grundgedanke fehlte nach jeder Rich- tung. Man hätte nun glauben sollen, daß hier die Reform zuerst ansetzen würde, zumal, da die jetzige Organisation ungeheure Kosten macht und bei jedem weiteren Ausbau neue Organ* sationen geschaffen werden müssen, wie jetzt wieder bei dem Gesetze entwurf über die Privatbeamtenversicherung. Dm durch wird die Frage der Versicherung immer komplizierter, und es gehen erhebliche Mittel verloren, welche für die Versicherten ver wendet werden könnten.(Sehr richtig!) Wir sehen auch oft, daß da, wo geholfen werden sollte, nicht geholfen wird, weil ein ganz erheblicher Teil noch außerhalb der Versicherung steht. So sterben in Deutschland jährlich etwa 22 066 Leute an Unfällen, während nur 9666 bis 10 666 als versicherte Unfälle in Frage kommen. WaS aber tut die Regierung gegenüber solchem Durcheinander? Sie bringt eine umfangreiche Vorlage, die aber alles vermissen läßt, was notwendig, und die sich darauf beschränkt, was jeder Buchbinder machen könnte, indem er mehrere Versicherungsgesetze in einen Einband bindet.(Heiterkeit und Sehr gut!) Das sind die Grundgedanken der sogenannten großen Reform.(Sehr richtig!) Das Interesse der anderen Parteien am Zustandekommen dieses Werkes besteht darin, daß sie zur Wahl auf irgendein 'oziales Gesetz hinweisen wollen, wenn man ihnen ihre Sünden bei den Steuergesetzen und anderswo vorhält.(Sehr richtig.) Nun hatte der Vorentwurf der Regierung noch eine gewisse Selbständigkeit für die Versicherungsämter vorgesehen, aber die Selbständigkeit wurde wesentlich eingeschränkt, weil der erste Vor- 'chlag auf erheblichen Widerstand bei den Unternehmern gestoßen war. Die Krankenversicherung hatte man vorgeschlagen, erheblich auszudehnen und einen erheblichen Teil der NichtVersicherten einzubeziehen. Früher behauptete man immer, baß Landarbeiter und Dienst- boten sich nicht hierfür eigneten. Als man nun daran ging, auch die Selbstverwaltung erheblich einzuschränken, sagte man sich, wenn man den Arbeitern ihre Rechte rauben will, so muß man ihnen auch Lasten abnehmen. Genau genommen, bedeutete der Vorschlag der Regierung ja keine Halbierung. Man räumte zwar den Arbeit- zebern und Arbeitnehmern gleiche Rechte ein, aber man gab auch den Aufsichtsbehörden einen Einfluß, so daß unter Umständen mmer eine Mehrheit gegen die Arbeiter vorhanden war. Im übrigen begnügte man sich damit, die Versicherungsgrenze auf 2666 M. zu lassen, wo sie schon 1883 gewesen war. Für die Neuversicherten sollten einige Minderleistungen geschaffen werden, die noch hinter den Leistungen der bisherigen Krankenversicherung zurückbleiben. Mr hatten keinen leichten Stand, aber unsere Marschroute war gegeben durch die Beschlüsse des Leipziger Parteitages. Wir haben nicht weniger als 53? Abänderungsanträge stellen müssen; ja, wenn unsere Prinzipalanträge angenommen worden wären, dann wären wir vielleicht auf 2666—3666 Anträge gekommen. Wir haben uns in der Kommission redliche Mühe gegeben, stießen aber von vornherein auf erheblichen Widerstand. Das war voraus- zusehen, weil a l l e P a r t e i e n es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Interessen der Unternehmer zu vertreten, und alle ein geschlossenes Kartell gegen uns bildeten.(Hört! hört!) Sogar die Freisinnigen stimmten in manchen Fragen mit dem Block. Das Zentrum gab zum Teil nicht nur seine eigenen Grund- sätze auf, sondern es setzte sich auch in Widerspruch mit seiner Haltung bei der ersten Lesung. Damals war es der Abgeordnete Spahn, der über die Versicherunysämter sagte, es sei Aufgabe der Kommission, daß sie größere Selbständigkeit bekämen. Spahn ging nicht in die Kommission, er überließ das anderen. Wahrscheinlich hat die Richtung E r z b e r g e r die Mehr- heit erlangt, und so kam es. daß Erzberger in Verbindung mit Gamp, Schicker und Horn einen Antrag einbrachte, der die Versicherungsämter dem Landrat unterstellte.x.(Hört! hört!) Aber auch die eigentlichen Sozialpolitiker des Zentrums, Hitze und T r i m b o r n, haben den Entwurf verschlechtert, indem sie das Bestätigungsrecht beantragten, das hatte noch nicht einmal die Regierung gefordert. Das S t i l l g e l d sollte in Höhe des halben Krankengeldes gewährt werden, aber Becker meinte, das sei etwas viel, und beantragte dafür.bis zur Höhe" des halben Betrages, so daß man auch weniger geben kann. Er war es, der die Klasseneinteilung in den Krankenkassen von der Zu- stimmung des Oberversicherungsamtes abhängig machen wollte, damit nicht schlecht entlohnte Arbeiter ein unverhältnismäßig hohes Krankengeld bekämen. Die Herren waren auch noch gegen die Beseitigung der Zwergorganisation. Man hatte die Halbierung bei der ersten Beratung abgelehnt, aber das Zentrum war bereit, trotzdem die doppelte Mehrheit für di« Wahl des Vorsitzenden und der Beamten einzuführen. Die Regierung sagte, die Arbeiter hätten mit ihren Rechten politischen Mißbrauch getrieben, aber merkwürdigerweise ist nicht nur in den Motiven kein konkreter Fall angeführt, sondern es machte sich auch in der Kommission eine große Mund- spere bemerkbar. Man hatte absolut keinen Beweis für die Be- hauptung.(Hört! hört!) Die Regierung wollte möglichst viele Unteroffiziere in die Beamtenstellung hineinbringen, das war der leitende Gedanke. Das einzige Material, auf das die Freunde der Regierung sich beriefen, war das bekannte Buch von Möller. das wir aber sofort widerlegen konnten, so daß man schließlich sagte, wenn auch nur ein Zehntel davon zutreffe, so genüge das, um den Arbeitern ihre Rechte zu rauben.(Hört! hört!) Es kam freilich vor, daß eine Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hatte, der vom Oberverwaltungsgericht für ungültig erklärt wurde. Das ist auch Behörden schon passiert, aber nichtsdestoweniger war es das Steckenpferd, auf dem man herumritt, die Rechte der Arbeiter ein- zuschränken. Freilich waren auch einige Verbesserungen gemacht worden. wie Heraufsetzung der versicherungsfähigen Einkommensgrcnze von 2666 M. auf 2566 M., die Ausdehnung der Wöchnerinnenhilfe, die Heraufsetzung des anzurechnenden Lohnes von 4,56 M. auf 5 M. Während aber die Vorlage Ausländer etwa gleichberechtigt machen wollte mit den inländischen Arbeitern, wurden hier wieder vielfach Durchbrechungen beschlossen und ebenso Einschränkungen bei der Unfallversicherung. Immerhin waren einige Verbesserungen in der ersten Lesung beschlossen; aber zwischen der ersten und zweiten Lesung bildeten das Zentrum, die Konservativen, die Nationalliberalen und Antisemiten einen Kom- promiß zur Beseitigung eines Teiles dieser Ver- besserungen und zur Ablehnung jeder weiteren Verbesserung. Nach der zweiten Lesung kam es zu einer sogenannten Ausgleichslesung, in der die bekannte Erklärung Delbrücks abgegeben wurde, daß der Mutterschutz wie jede weitere Verbesserung fallen müsse, wenn die Vorlage iMHi sHekkivkl solle. Eft NallMÄlSekake«HftH deshalb, seine Partei würde für die Aufrechterhaltung der Kinder- rente eintreten, wenn das Zentrum sich verpflichtete, kerne Ver- besserungsanträge mehr zu stellen und für keinen von anderer Seite gestellten zu stimmen. Das Zentrum beugte sich, nicht etwa aus Furcht vor den Nationalliberalen, fondern weil feine eigene Mehrheit dasselbe wollte und man nun den Wählern sagen konnte, man sei gezwungen worden. Die zweite Lesung im Plenum war eine Komödie, wie sie wohl noch in keiner gesetzgebenden Körperschaft in der ganzen Welt sich abgespielt hat. Wir hatten einen schweren Stand. Die ganze Fraktion ist in einer Weise eingetreten, daß sie wohl noch bdl keinem Gesetz so im Feuer gewesen ist wie hier. Die Kompromißparteien lehnten ohne Debatte unsere Anträge ab, und der Ge- schichtsforscher wird sich fragen, warum denn auch ganz handgreif- liche Verbesserungen, die gar nichts kosteten, ohne Angabe eines Grundes abgelehnt wurden. Zur Debatte kam es nur bei einigen Punkten, so bei dem Wöchnerinnenschutz, wo dev ZentrumSmann I r l und der Vertreter des Bundes der Landwirte, Hufnagel, noch eine Verschlechterung anbringen wollten. Dann kam es zur Debatte bei der Frage der Selbstverwaltung, und da zeigten wir, wie es eitel Lug und Trug ist, wenn die Gegner be- haupten, sie wollen die Selbstverwaltung gsgen vorhandene Miß« stände in den Krankenkassen beschneiden. Das bewies E m m e l s wuchtige Anklagerede, welche die Mißstände in den Betriebskranken- lassen beleuchtete. Dann kam die Debatte am nächsten Tage. Man muß b i«, tt die Zeit der Debatten über das Sozialistengefetz zurückgehen, um ähnlichen Wutausbrüchen im Parlamentzubegegnen, wie denen des Grafen Westarp. Er meinte, feine Partei wolle auf Reinlichkeit des öffentliche» Lebens halten. Diese Partei, die nur davon existiert, daß die Landräte und die Polizei öffentliche Mittels zu agitatorischen Zwecken gebrauchen, eine Partei, die unter der Führung H a m m er- st eins gestanden hat. Die Gegner wollten sich an ihrem Toben selbst berauschen, um sich zu sagen, sie haben einen Grund, den Arbeitern die Selbst- Verwaltung zu nehmen. Weiter kam es bei der Frage der Herab- setzung der Altersgrenze auch zu Debatten. Auf dem vorigen Parteitag in I ena habe ich einen solchen Antrag bekämpft, weil ,ch sagte, es ist besser, der Betreffende erhält Invalidenrente als Alters. rente, denn damals waren die Invalidenrenten im Steigen be- griffen; aber sehr bald wurden sie erheblich herabgesetzt und des- halb ist es angebracht, auch mit der Altersgrenze herab. zugehen. Weiter wollten wir mit diesem Antrag zeigen, daß es den Gegnern mit ihren sozialpolitischen Anträgen gar nicht ernst ist, denn 1967 hatten die Konservativen die Herab- setzung der Altersgrenze beantragt und die National- liberalen hatten dafür gesprochen. Auf den eigentlichen Inhalt des Gesetzes will ich nicht«in- ?ehen, aber auf einen Umstand von eigentümlichem Beigeschmack inweisen, daß nämlich im Einführungsgesetz das wieder aus- gelöscht wird, was in der Reichsversicherungsordnung steht. Wahrscheinlich wird man sagen: Vom 1. Januar 1912 an gibt man jedem Invaliden, der Kinder hat, die erhöhte Rente. Im Ein- führungsgesetz ist aber bestimmt, daß keiner diese erhöhte Rente be- kommt, der schon Invalidenrente bezieht. Weiter sagt man. es ist eine Witwen- und Waisenversicherung geschaffen, aber wenn eine Witwe in den Genuß der Witwen, und Waisenrente kommen will, so mutz sie zu diesem Zweck erst heiraten.(Heiterkeit) In, sie muß zunächst heiraten, und zwar einen Mann, der versiche- r u n g s p f l i ch t i g ist. Erst wenn sie dann wieder Witwe wird, kann sie die Rente beziehen, istsieaberschonaml. Januar 1912 Witwe, so bekommt sie keine Rente. Früher hat das Z e n t r u m behauptet, die Witwen« und Waisenversicherung sollen ohne Beitragsverpflichtung gegeben werden und jetzt sind die Beiträge in den oberen Klassen erhöht und man bringt auch noch die Beträge in Anschlag, auf deren Zurückerstattung die Witwe jetzt Anspruch hat. Dafür gibt man ihr nicht etwa eine ausreichende Rente, sondern 56 M. ReichSzuschuß, dazu 18 M. und für das erste Kind 0 M., für jedes weitere 1,50 M. für das ganze Jahr. Wenn man jemals von einer Verhöhnung emes Volkes sprechen konnte, so ist dies hier der Fall. In der 3. L e s u n g wurden allerdings einige Verbesserungen eingeführt. Die Versicherungsgrenze wurde wieder auf 2566 M. erböht, sonst aber blieb alles beim alten. Man sagte, die Mehr- lasten seien so groß, daß sie nicht mehr getragen werden können. Man behauptete, bei Annahme unserer Anträge entstände daraus eine Mehrbelastung von 2653?� Millionen. Diese Behauptung wird vielleicht in der Agitation eine erhebliche Rolle spielen. �,le Sache liegt so: Während der Kommissionsberatung wurde unS vom Reichsamt eine Denkschrift unterbreitet, in der die ganzen Lasten auf etwa 766 Millionen berechnet waren. In der dritten Lesung kam nun der konservative S ch i ck e r t mit den 2653 Millionen. Ich will Ihnen den Trick verraten. Während bei der ersten Rechnung die JahreSauSgaben in Be- tracht gezogen sind, sind bei dem Rechenkunststück SchickertS die Ka- pitalbe:räge eingesetzt. Deshalb schwellen z. B. die Ausgaben von 28 Millionen auf 143 Millionen an. Mit solchen Mitteln operieren unsere Gegner. Man kann die gegnerischen Agitatoren sehr leicht in Verlegenheit bringen, wenn man sie auffordert, die ein- zelnen finanziellen Wirkungen vorzurechnen. Doch hat man daS gar nicht nötig. Man muß nur in den Vorder- l>rund schieben, was der Grundgedanke unserer Anträge war, >aS war der, daß alle Versicherungsbedürftigcn legen Krankheit, Unfall. Invalidität v er- icher t werden sollen. Nun kann man sagen, daß dadurch eine erhebliche Mehrbelastung entsteht, aber man kann davon doch nur sprechen, wenn man erst nachweist, daß die Personen, die nicht versichert sind, nicht krank werden, nicht verunglücken und nicht Invalide werden. Wenn daraus eine Mehrausgabe von 2666 Milli- onen entsteht, so geht daraus hervor, welch ein ungeheures Elend in jenen Kreisen noch vorhanden ist, die gegenwärtig als krank und verletzt von der herrlichen Rente leben müssen. Wir wollten die Lasten auf die Allgemeinheit legen und hätten übrigens auch bei Annahme unserer Anträge höhere Einnahmen geschaffen. � Nun sagt man, die höheren Beiträge hätte die Industrie mcht tragen können. Das ist eine der beliebtesten Einwendungen der Kapitalisten, und die Minister sind von Amts wegen verpflichtet, diese Behauptungen zu glauben. Man weist auf unsere Ausfuhr hin, aber man kann feststellen, daß mehr als die Hälfte der Berufs- zweige nicht für einen Pfennig ausführ e n. WaS führt ijenn das Baugewerbe aus? Tie Industrie, die am meisten ausführt, ist die Baumwollenindustrie. Bei der Baumwolle sind nach der Zählung von 1967 etwa 46 Proz. unserer Textil- a r b e i t e r beschäftigt. Berechnet man, daß die Unternehmer an Kassenbeiträgen bezahlen müssen 1 Proz. des Lohnes, rechnet man dazu die gesamten Beiträge zur Unfallversicherung und Invaliden- Versicherung, so sehen wir. daß für 1666 M. Textilware« ein Unter» nehmerbcitrag von 2,56 M. zusammen kommt. Gerade in Deutschland baben die Arbeiter nicht nur daS Recht, öndern auch die Pflicht, die Frage nicht von der Tagesordnung verschwinden zu lassen, und im nächsten Reichstag wird es eine der nächsten Ausgaben sein, die V e r w i r k l l ch u n g z u verlangen. Das Wahlrecht sollte daS gleiche und direkte sein. wie öei den Gewerbegerichten. Man könnte eine Reihe anderer Fragen herausgreifen. Ein Punkt ist besonders wichtig, nämlich, daß bei der Landagitation ununterbrochen darauf hingewiesen wird, wie durch die ReichSversicherungSordnung die ganze ver- höhnung der Landarbeiter so recht in den Vordergrund gedrängt wird. ES gibt kein Mittel, womit man die Landarbeiter besser auf, peitschen kann, als gerade mit diesen Bestimmungen. Man soll nicht sagen, die Rcichsversicherungsordnung sei ein langweiliges Thema. Wenn Sie sie erst gründlich durchgehen, dann 'inden Sie. daß sie ein Agitationsarsenal ist, wie wir in der ganzen Gesetzgebung kein zweites haben.(Lebhafter, an- haltender Beifall.)(Schluß in der zweiten Beilage.)! VS soigt jpuiui 4 oer �agesoronung_____, u i ich«u um*-» � �"""'" � � � � u �----- � �—"--- Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Lnjeratente»zverantv.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts vuchdruckeret u.VectagSans�lt Vaut�mger Berlin SW, Nr. 215. 28. Jahrgang. 2. KeiiGt i>ts Jniüiirts" Knlim MIKsblM Donnerslag, iL September 1911. Sozialdemokratlf(i)er Parteitag. (Schluß aus der 1. Beilage.) Luise Zictz begründet eine Resolution der Frauenkonferenz über Mutter» und Säuglings schütz: Die Agitation gegen die Reichsver- sicherungsordnung ist mit der parlamentarischen Altion nicht be- endet. Sie muß in den Mittelpunkt des Interesses treten. Geben Sie hierzu Ihre Zustimmung, indem Sie die Resolution annehmen. Gerade die Mutter- und Säuglingsfürsorge hat die unerhör- teste parlamentarische Behandlung erfahren. Gerade diese Frage mutz dazu dienen, die Frauen in Stadt und Land zu politischem Leben zu wecken. Durchschnittlich haben wir jährlich 5l>VOO Frauen, die infolge der Mutterschaft schwer erkranken und zeitlebens siech und krank bleiben. Wir haben 10 MV Frauen, die nn Wochenbett sterben. Das ist kein Wunder, wenn wir hören, daß allein im Königreich Pr e u tz e n 128 822 Frauen ohne Heb- amme und ärztliche Hilfe entbinden müssen. Tie Zahl der Kinder, die im ersten Lebensjahre sterben, ist erschreckend groß. Es sind etwa 4M MV. Die Statistik sagt uns leider nichts davon, wie viele Kinder im Mutterleibe hungern müssen und verkrüppeln und wieviele bereits im Mutterleib sterben. Das alles ist die Folge davon, daß aus der Arbeitskraft der weib- lichen Personen seitens der deutschen Unternehmer blinkendes Gold gemünzt wird. Die Reichsversichcrungsordnung ist anstatt eine großzügige Fürsorge für die Arbeiterschaft zu sein, im Gegenteil zu dem schlimmsten Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter geworden. Als Kaiser Wilhelm II. zur Regierung kam, da hieß es, daß man kein Opfer scheuen dürfe, um für die Mütter und Kinder des Volkes Sorge zu tragen. Jetzt hat er in Hamburg in einer Rede seine neben rhm sitzende Gattin gefeiert als eine Frau, die in ganz besonders hohem Matze ihre Pflicht als Mutter erfüllt, und sie als Muster einer pflichttreuen Mutter hingestellt— und die Regierung dieses selben Kaisers, der so die Mutterpflichten feierte, erklärte, daß die Rcichsversicherungsordnung für sie unannehmbar würde, wenn die Forderung der Sozialdemo- kraten in bezug auf den Mutter- und Säug- lingsschutz angenommen würde.(Lebhafte Pfuirufe.) Es war eine der schlimmsten parlamentarischen Skandale, die wir je erlebt haben. Wir haben auch die Königsberger Rede in diesem Jahre gehört, in der der Kaiser sagte, die Frau solle sich um Politik nicht kümmern; aber wenn irgend etwas ge- eignet ist, den Frauen die Notwendigkeit der Beteiligung am poli- tischen Leben einzupauken, dann ist eS die Behandlung, die die trage des Mutter- und Säuglingsschutzes von der Mehrheit des eichstagcS und der Regierung erfährt. In der katholischen Kirche betet man zur Mutter GotteS und die Beamten dieser selben Kirche haben sich in ganz unerhörter Weise gegen den Ausbau des Mutter- und Säuglingsschutzes ge- wehrt. Der Konservative Hufnagel und der Zentrumsmann I r l haben beantragt, daß in den Landkrankenkassen überhaupt keine Fürsorge für Mutter und Säug- ling Platz greifen soll.(Hört! hört!) Nicht aus Liebe zu Mutter und Kind, sondern aus Aug st vor den Reichs- tagswahlen haben sie ihren Antrag zurückgezogen. Aller- dings nicht nur die Zentrumsmannen sind es gewesen, sondern bis zu den Linksliberalen mit wenigen Ausnahmen find die Vertreter des Besitzes aufgestanden und haben alle Anträge der Eozialdemokralcn im Interesse von Mutter und Kind nieder- g c st i m m t. Das kann bei der Agitation gar nicht genug hervor- gehoben werden. Wenn das geschieht, dann wird es uns gelingen, neben den Männern die Millionen von Frauen, die das ganze Martyrium sozial ungünstig gestellter Menschen durchzukosten haben, für unS zu ge- Winnen. Es läßt sich damit eine Verbesserung der Entwickelungs- Möglichkeit ihrer Kinder sichern und dann werden sie auch einsehen, daß es ein Verbrechen an ihren Kindern ist, wenn sie sich von unseren Reihen fernhalten. In den Herzen und Köpfen dieser Frauen haben wir daS hei- lige Feuer der Empörung zu entfachen, daß sie sich um die Fahne der Sozialdemokratie scharen und mit uns den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung führen; für eine wirksame Ausbreitung des Schutzes für Mutter und Säugling.(Lebhafter Beifall.) H-ch-Hanau: So groß die Entrüstung der aufgeklärten Arbeiter über den arbeiterfeindlichen Charakter der ReichSversicherungSordnung ist, so werden die arbeiterfeinolichen Stimmungen doch noch weit un- t erschätzt. Die Arbeiter haben das Selbstverwaltungsrecht in den Krankenkassen unter Bismarck zur Zeit der schlimmsten Verfolgung bekommen, weil es einfach unmöglich ist, eine derartige Institution ohne die maßgebende Mitwirkung der Arbeiter zu be- treiben. In der Arbeiterversicherung mutz eine bureaukratische Wirtschaft unter allen Umständen böses Blut machen, und eine un. geheure Erbitterung hervorrufen. Die Epigonen Bismarcks sind über diese Bedenken erhaben. Sie glauben die Krankenversicherung mit ausgedienten Unteroffizieren führen zu können. Auf Schritt und Tritt werden wir die schlimmsten Konflikte be- kommen und die Arbeiterintcressen werden auf das Schwerste vcr- letzt werden. Wenn die Not aufs höchste gestiegen ist, wenn die Arbeiterfrau verzweifelt am Krankenlager ihres Mannes steht, wird sie der zum Krankenkontrolleur ernannte Unter- offizier anschnauzen, ob ihr Mann denn noch nicht gesund ist. Schikanen aller Art werden das Arbeiterherz noch viel mehr vergiften und empören als es ohnehin geschieht. Hier müssen wir einsetzen und den herrschenden Klassen zeigen, daß die Arbeiter sich nicht beiseite schieben lassen. Deshalb müssen uniere Genossen sich immer mehr um die Krankenkassen kümmern und die Gesetzesbestimmungen ausnutzen, um die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Unsere ReichStagSfraktion mutz immer von neuem einschen, um die Arbeiterintcressen wahrzunehmen. Die Unternehmer sind bereits an der Arbeit, um vor dem Inkrafttreten der neuen Gesetzesbestimmungen möglichst viele BetricbSkrankenkasscn einzurichten. Tie bürgerlichen Sozialpoli- tiker jammern, daß die Regierung dieses ungesetzlich« Vorhaben nicht verhindert. Die Ausnahmebestimmungen gegen die Arbeiter sollen schon in diesem Jahre in Kraft treten, die Unter- nehmer aber dürfen das Gesetz nach Belieben mißachten. (Sehr wahr!) Bei der Durchführung der ReichSversicherungSordnung werden wir praktisch mitarbeiten müssen, damit nicht die Interessen der Arbeiter mit Füßen getreten werden. Wir müssen die herrschenden Klassen zwingen. unS wieder zuzugestehen, was unS entrissen wurde. Immer aufs neue müssen wir die Massen hieran erinnern und den herrschenden Klassen zeigen, daß der Arbeiter» Nasse ihre Rechte auf die Dauer nicht vorenthalten werden können. (Lebhafter Beifall.)" Moltenbuhr(Schlußwort): Ich hätte eine längere Debatte erwartet, um der Oeffcntlich- keit'-u zeigen, mit welchen Mitteln die Gegner auch noch nach Schluß dcS Reichstags arbeiten. So sprach der KentrumSarbciter, der ibaeordnete Schientet in feinem Äcrichtsffüber die Tätig- keit des Zentrums von der„Versorgung der verdienten Parteigenossen aus Krankenkassengelder n", von .unabsetzbaren P a r t e i p f r ü n d n e r n', von den.8000 sozialdemokratischen Agitatoren, die an den Futternäpfen sitzen"(Heiterkeit), von den„Gehältern aus Arbeiter- groschen, oie die Höhe der bahrtschen M i n i st c r g e- hält er erreichen"(Heiterkeit). Er erzählte, daß ein sozial- demokratischer Kassenrendant Meyer in Essen(Hört! hört!) 52 000 Mark Krankengelder beiseite brachte, weil er befürchten muhte, daß nach Einführung der Reichsversicherungsordnung sein Gehalt verkürzt werden würde.„Mit diesen beiseitegcbrachten Geldern, die doch den Kranken gehören, wollte der rote Gemüts- mensch(Heiterkeit) sein Gehalt wieder auf die Höhe von S000 Mark bringen". Dabei war Schirmer zugegen, als im Reichs- tag festgestellt wurde, der betreffende Meyer ist nicht nur kein Sozialdemokrat, sondern in der ganzen Essener Krankenkasse sitzt nur ein einziger Sozialdemokrat im Borstand. Alle anderen Mit- glieder gehören dem Zentrum und der nationallibe- ralen Partei an.(Hört! hört!) Da kann man sich denken, was für Dinge die München-Gladbacher den�untcrgeord- neten Leuten mitgeben, die aufs Land hinausziehen(Sehr wahr!). Unsere Genossen müssen sich mit dem nötigen Material versehen, das in Hülle und Fülle schon jetzt zur Verfügung steht. Weiteres wird noch im Handbuch gegeben werden.(A u e r- München: Hof- fentlich wird es bald fertig!) Durch Erläuterung der Versicherungs- gcsetze und der hier bestehenden Zustände können wir noch größere Eroberungen machen. Die Arbeiter werden für unsere Forderungen eintreten, wenn sie erst genügend unterrichtet fino, was hier noch zu erreichen ist und was hier noch erreicht werden kann.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Die von der Frauenkonferenz beantragte Resolution über den Mutter- und Säuglingsschutz wird ein st immig ange- n o m m e n. Zu einer persönlichen Erklärung erhält das Wort Keil-Stuttgart: Der Vortrag der Genossin D u n ck e r zu Beginn der Sitzung enthielt eine Menge persönlicher Angriffe auf mich. Ich will nur zwei Punkte herausgreifen, aus denen Sie ersehen können, wie es mit den Darstellungen der Genossin D u n ck e r überhaupt steht. Sie hat behauptet, ich hätte auf der Landesversammlung in Stutt- gart eine anderthalbstündige Anklagerede gehalten, ohne daß dem Angeklagten die Möglichkeit der Verteidigung gegeben gewesen wäre. Bei dem Punkt Presse ist auf unserer Landesversammlung beschlossen worden, den beiden im Gegensatz zueinander stehenden Redakteuren Keil und Wcstmcyer unbeschränkte Rede zeit zu gewähren. Der Vorsitzende Genosse D i e tz und ich er- warteten, daß ich zuerst das Wort mit unbeschränkter Redezeit be- kommen würde. W e st m e y e r aber verlangte dringend, daß er zuerst mit unbeschränkter Redezeit spreche, und das wurde ihm z u- g e st a n d e n.(Hört! hört!) Am Schlüsse der Debatte richtete der Vorsitzende in völlig loyaler Weise die Frage an die Landesvet sammlung, ob die beiden Hauptbeteiligten am Schluß noch einmal sprechen sollten. Die Versammlung hatte bereits anderthalb Tage dem Punkt gewidmet und befürchtete, die anderen Punkte würden nicht mehr erledigt werden können, da zudem beide Hauptbeteiligte schon mit unbeschränkter Redezeit gesprochen hatten, beschloß die Versammlung, beiden das Wort nicht mehr zu geben. (Hört! hört!) Das ist die Wahrheit! Weiter behauptete die Ge- nossin D u n ck e r, die.Schwäbische Tagwacht" habe seit Jahy und Tag— sie sprach von den vier Jahren, seit sie in Stuttgart ist im Widerspruch mit den Anschauungen der Stuttgarter Parteigenossen gestanden. Wahrheit ist, daß seit 16 Jahren, die ich in der Redaktion der.Tagwacht" beschäftigt bin, im vorigen Jahr zum erstenmal eine Debatte über die prinzipielle und taktische Haltung der„Schwäbischen Tagwacht" auf der Landesver- sammlung entstanden ist. Wahr ist, daß bis jetzt innerhalb der Redaktion prinzipielle Meinungsverschiedenheiten n i e geherrscht haben. Danach ermessen Sie, wie eS mit der Richtigkeit anch oer übrigen Behauptungen der Genossin Duncker steht.(Zuruf: War das eine Erklärung?) Vors. Leber: Sie haben die Erklärung gehört.(Zuruf: Das war eine Debatterede.) Eine Debatte darüber kann nicht eröffnet werden. Hierauf wird die weitere Verhandlung auf Donnerstag 9 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung steht zunächst das Referat Bebels über die Reichstagswahlen. ' Nachtrag. Zur Ergänzung des gestrigen Berichts vom Parteitage geben wir nachstehend die gestern ans Raumrücksichten zurückgelassenen Anträge zu„Presse und Literatur". Sämtliche Anträge sind dem Parteivorstande zur Erwägung überwiesen worden. 82. Lübeck: Ter Parteitag spricht die Erlvartung aus, daß der Vorwärtsverlag seine wohlfeilen Schriften noch mehr verbilligt, um sie den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Vor allem sollten populär geschriebene Agilationsbroschüren für die Landbevölkerung veröffentlicht werden. Tie als Kulturbilder bezeichneten— in letzter Zeit mit sehr zweifelhaften Illustrationen geschmückten— Sammelwerke sino nicht weiter zu fördern. 33. Hamburg II: 1. Der Parteitag beschließt, den Partei vorstand zu ersuchen, seinen Einslutz auf den Verlag Vorwärts dahin geltend zu machen, daß den Bildungsausschüssen für Unter- richtSzwccke die im Verlag Vorwärts erscheinenden Schriften mit einem möglichst hohen Rabatt geliefert werden, ähnlich wie der Dictzsche Verlag in Stuttgart für solche Zwecke seine Schriften abgibt. 2. Die Parteivcrlage dahin zu beeinflussen, daß eine Samm- lung b'lliger Monographien aus den Gebieten der GcsellschaftS- Wissenschaften herausgegeben werde. Es wäre wünschenswert, diese Monographien als neue Bände der„Kleinen Bibiliothek" bei Dietz in Stuttgart erscheinen zu lassen oder als Ersatz für die teueren, der Arbeiterschaft wenig förderlichen„Kulturbildcr des Vorwärts- Verlages. 34. Niederbarnim: Der Parteitag möge beschließen: DaS illu- strierte Unterhaltungsblatt.Die Neue Welt" ist in besserer AuS- stattung herzustellen. 85. Hamburg III, Distrikt Uhlenhorst: 1. Der Parteitag möge Mittel und Wege finden, um die Illustrationen der„Neuen Welt" besser zu gestalten. Sollte dies technisch nicht möglich sein, dieselben gänzlich wegzulassen. 2. Den„Wahren Jacob" bildlich und satirisch besser auszugestalten und den Umfang der Annoncen wesentlich einzuschränken. 36. Ter Gautag NordbahernS: Der Parteivorstand ist zu beauftragen, die„Kommunale Praxis" zu einem billigeren Preise abzugeben, damit die Gemeindevertreter mehr als bisher in der Lage sind, die„Kommunale Praxis" zu abonnieren. 37. Der 11. und 14. sächsische Wahlkreis: Den Kreisvereinen oder sonstigen Organisationen, die an ihre weiblichen Mitglieder die„Gleichheit" gratis liefern, den Bezugspreis von 6 auf 4 Pf. pro Exemvlar zu ermäßigen. 38. Breslau-Stadst Der Sozialdemokratische Verein Breslau beantragt, vom Parteitag in Jena die Herausgabe einer populär gehaltenen Agitationsschrift zu fordern, worin das Verhältnis der Sozialdemokratie zum landwirtschaftlichen KIcinbesitz dargelegt wird. Eine solche kurzgefaßte Schrift ist deshalb nötig, weil wir noch zahlreiche ländliche AgitationSdistrikte haben, in denen neben den Landarbeitern auch die kleinen Bauern und Stellenbesitzer ge- wonnen werden müssen. Gerade diese beiden letzten Gruppen, die aus wirtschaftlichen Gründen viel mehr zu uns, den Besitzlosen, ge- hören, werden in Wahlzeiten aber von den konservativen und lioc- ralen Wortführern des kapitalistischen Großgrundbesitzes als dessen natürliche Bundesgenossen reklamiert und dementsprechend gegen die Sozialdemokratie aufgehetzt. Eine solche Schrift müßte neben einer überzeugenden Darstellung der schädlichen Wirkungen unserer Agrarzollpolitik auch für den ländlichen Kleinbetrieb eine kurze klare Erläuterung unserer Programmforderung der Bodenverstaatlichung enthalten. 39. Hamburg III, Distrikte Harvestehude, Barmbek, Rothen- burgsort: 1. Wir ersuchen den Parteivorstaich, seinen Einfluß auf den Verlag Vorwärts dahin geltend zu machen, daß den Bildungs- ausschüssen für Unterrichtszwecke die im Verlag Vorwärts erschie- neuen Schriften mit einem möglichst hohen Rabatt geliefert werden, ähnlich wie der Verlag Dietz in Stuttgart für solche Zwecke seine Schriften mit 50 Proz. Rabatt abgibt. 2. Wir ersuchen den Partei- vorstand, die Parteiverlage dahin zu beeinflussen, daß eine Samm- lung billiger Monographien aus den Gebieten der Gcsellschafts- Wissenschaften herausgegeben werde, ähnlich den Sammlungen „Göschen",„Aus Natur und GeisteSwelt",„Wissenschaft und Bil- dung". Zur Behandlung müßten u. a. gelangen mit besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts: Deutsches Wirtschaftsleben, Landwirtschaft, Bankwesen, Handwerk, Welthandel, Deutscher Handel, Dampfmaschine, Elektrizität, Vorkehrswege, Eisenbahnen, Schiffahrt, Kriegswesen, Berussstatistiken, Bauern und Land- arbeiter, Soziale Theorien, Zcitungswcscn, Verfassungsgeschichte, Revolutionen, Reichsgründung, Aus der Geschichte der Religion oder des Christentums, Aus der Literaturgeschichte, Philosophische Systeme, Aus der Geschichte früherer Jahrhunderte und anderer Völker. Es wäre wünschenswert, diese Monographien als neue Bände der„Kleinen Bibliothek" bei Dietz in Stuttgart erscheinen zu lassen oder als Ersatz für die teueren, der Arbeiterschaft wenig förderlichen„Kulturbilder" des Vorwärts-Verlages. 40. Stuttgart: Der Parteivorstand wird beauftragt: für eine bessere künstlerisch und literarisch höher stehende Ausgestaltung des öWaHren Jakob" Sorge zu tragen. 41. Hamburg l, 40. Bezirk: Der Parteitag wolle beschließen, den Parteivorstand zu veranlassen, die namentlichen Abstimmungen im Reichstage dem gesamten Volke zu unterbreiten. Äielleicht in einer Broschürenform mit Erläuterungen der Gesetze in kurz- gefaßter Weise, sowie die Abgeordneten durch Reihenfolge anzu- führen, welche f ü r und welche gegen das Gesetz gestimmt haben, damit die Wähler wissen, wie der Abgeordnete, dem sie ihre Stim- men gegeben haben, gestimmt hat. Dieses muß einheitlich über das ganze Reich geschehen. 42. Hamburg III, Distrikt Hamm: Dem Parteivorstand wird dringend empfohlen, sein Augenmerk mehr auf die Illustrationen der„Maizeitung",„Neue Welt" und„Neuer Welt-Kalender" zu legen. 43. Der 23. sächsische Wahlkreis drückt den Wunsch auS, daß die„Neue Welt" öfter Erzählungen von der Art bnngen möge, wie der Roman„Erweckt" war, und daß diese Erzählungen zu billigen Preisen in Buchform herausgegeben werden, bamit auf diese Weise eine Literatur entsteht, die in sozialistischem Sinne auf Geist und Gemüt der arbeitenden Jugend wirkt und ihr Denken veredelt. Es empfiehlt sich, solche Literatur der Arbeiterjugend bei festlichen Gelegenheiten wie: Geburtstagen, Konfirmations- und Weihnachtsferien usw. zu schenken. Die Genossen des 23. sächsischen Wahlkreises haben mit diesem Versahren in der Bekämpfung der Schundliteratur gute Erfolge erzielt. 44. Harburg: Der Parteitag wolle beschließen: DaS Presse- bureau ist dahin auszubauen, daß eine Institution geschaffen wird, die die Aufgabe hat, der Parteipresse über wichtige Tagesereignisse, die von agitatorischer Bedeutung sind, passende Illustrationen durch Lieferung von Platten oder Matern zu übermitteln. Die Platten und Matern müssen für Rotationsdruck geeignet sein. Die ent- stehenden Kosten werden wie bisher durch das Pressebureau pro- zentual verrechnet. 45. Hannover: Der Parteitag möge den Parteivorstand beauf« tragen, entsprechend dem Beschlüsse des Brcslauer Parteitages, die Herausgabe der„Sammlung agrar-politischer Schriften der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands" recht bald in die Wege zu leiten._ Sericdts- Leitung. Bestrafte Ausnutzung der Jugendsünde eincS Pastors. Ende 1892 und in den ersten Monaten des Jahres 1893 unterhielt der damalige.Kandidat der Theologie und jetzige Pastor T. mit einem fünfzehnjährigen Mädchen ein intimes Verhältnis. Er soll ihr da- mal? die Ehe versprochen haben, aber es war später nicht mehr da- von die Rede. Auch irgendwelche Geldansprüche wurden damals nicht erhoben. Jenes Madchen heiratete später den Versicherungs- inspektor Stephan Hennings in Schleswig. Beide wollten sich im Jahre 1910 eine außergewöhnliche Einnahme verschaffen und der Mann sandte im Einverständnis mit der Frau an den in einem westfälischen Orte wirkenden und verheirateten Pastor einen Brief, in welchem unter Hinweis auf jene Jugendsünde 6000 M. verlangt wurden. Der Pastor antwortete, er könne so viel nicht zahlen, er wolle aber die Summe in jährlichen Raten von 600 M. zahlen und verzichte auf Rückzahlung. Frau Hennings verheimlichte diesen Brief vor ihrem Manne und verhandelte weiter brieflich mit dem Pastor. Dieser sandte ihr schließlich postlagernd 2000 M., wofür sie- sich ein Gruitdstück kaufte. DaS Landgericht Flensburg hat am 31. Juli die Eheleute Hennings wegen vollendeter Erpressung der- urteilt, und zwar den Ehemann zu einem Jahre, die Ehefrau zu drei Monaten Gefängnis. Der Einwand der Ehefrau, ihr Vater habe damals dem Kandidaten 2800 M. geliehen, und sie habe nur dieses Kapital nebst Zinsen zurückerlangen wollen, fand keinen Glauben, da verschiedene Umstände dagegen sprachen.— In ihrer Revision behaupteten die Angeklagten wiederum, sie hätten keinen rechtswidrigen VcrmögenSvorteil erstrebt. DaS Reichsgericht er- kannte in der gestrigen Sitzung auf Verwerfung der Revision. Etos aller Alelt. DaS Luftschiff„M. 3" verbrannt. Bei den diesjährigen großen Manövern, die in den letzten Tagen staltfanden, hat auch das jüngste Glied des völkermordenden Militarismus— die Luftflotte— mitgewirkt. Eine Anzahl Flieger haben dem Moloch Militarismus„große Dienste' bei seinen Operationen erwiesen und sich den Dank ihres kaiserlichen Poten- taten errungen. Der Abschluß der Flottenschau brachte aber die Vernichtung des auch den Berlinern durch seine Fahrten über die Stadt nicht unbekannten Luftschiffes„M. 8". Ueber den Unfall meldet ein Telegramm aus Dem min (Pommern): Das Luftschiff„M. 3" war wegen eines während der Fahrt entstandenen Maschinenschadens gezwungen, auf der To l l en se e- w i e s e bei G r o tz- B e l o w niederzugehen. Die Landung erfolgte durchaus regelrecht. In dem Talkessel, in dem sich das Luftschiff in diesem Augenblick befand, herrschte ein starker Bodenwind, Infolge Auffetzen« Ber TonBel entzündete s i ch dieHülle mit hörbarem Knall und verbrannte vollständig. Der Wind hatte die Hülle glücklicherweise nach der Seite zu abgedrückt, so daß sie nicht aus die Gondel stieß. Die Gondel und die Apparate sind anscheinend unbeschädigt. Die Feuerwehr von Treptow a. Toll, ist mit den AufräumungSarbeiten beschäftigt. Die sieben Offiziere der Besatzung konnten sich durch Abspringen retten. Das Luftschiff„M. 3" ist 1909 gebaut worden. Sein Raum- inhalt beträgt 6500 Kubikmeter. Die Geschwindigkeit beträgt 16,4 Sekundenmeter bei 300 Pferdestärken. Das Luftschiff, das nach dem System Groß erbaut ist, hat von Tegel aus zahlreiche Fahrten ausgeführt, die oft eine große Ausdehnung annahmen. AviatikerS Sterben. Au« Versailles wird gemeldet: Leutnant C h o t a r d stürzte, als er gestern abend bei Pillacoublah an Bord eines Doppeldeckers einen Flug ausführte, aus einer Höhe von 60 Metern ab. Schwer verletzt wurde er vom Platze getragen und st a r b noch am Abend. Zustflemer sahen nur, wie der Apparat zu schwanken begann und dann umkippte. Grohfeuer im Antwerpener Hafen. Dienstag abend nach 10 Uhr brach in dem großen Holzlager des Antwerpener Hafens Feuer aus, das in kurzer Zeit eine ungeheure Ausdehnung annahm. Die durch die Trockenheit sehr leicht entzündbaren Holzmengen brannten wie Streich. Hölzer und innerhalb weniger Zeit bedeckten die Flammen eine Oberfläche von mehreren Hektar. Durch die ungeheure Hitze schmolzen die elektrischen Leitungsdrähte. Alle Feuerwehren der Stadt Antwerpen waren an der Brandstätte tätig, um das Feuer zu bekämpfen, konnten jedoch gegen die Macht desselben nichts ausrichten. Infolgedessen wurden die Feuerwehren von B r ü s s c l Lind Gent mittels Spezialzügen herbeigeholt und Genie- truppen und ein Jnfankerie-Regiment requiriert. Ein starker Westwind begünstigte fortgesetzt das Feuer, so daß nicht nur das Holzlager, sondern auch eine Anzahl in der Nähe befindlicher Wohnhäuser eingeäschert wurden. Auch der auf dem Holzlager befindliche Bahnhof wurde von dem Feuer ergriffen und vollständig in Asche gelegt. Die Rettung mehrerer Bewohner der abgebrannten Häuser gestaltete sich äußerst schwierig. Genietruppen entfernten alle vorhandenen Holzgerüste, um einem noch weiteren Ausbreiten des Brandes Einhalt zu ge- bieten. Dieses überaus schwierige Werk gelang denn auch mit vieler Mühe. Begünstigt wurden die. Rettungsarbeiten durch das Umschlagen des Windes. Namenloses Unglück hätte geschehen können, wenn es den Rettungsmannschaften nicht gelungen wäre, die in dem gefährdeten Trockendock befindlichen Dynamit- Vorräte zur rechten Zeit in Sicherheit zu bringen. Gegen 3 Uhr morgens war das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Bis nach Brüssel, also auf 40 Kilometer Entfernung wurde deutlich der rote Feuerschein am Himmel beobachtet. Der Schaden, der durch den Riesenbrand verursacht wurde, wird auf sechs bis sieben Millionen Frank veranschlagt. Bei den Aufräumungsarbeiten sind fünf Feuerwehrleute und zwei Soldaten verletzt worden. Verhaftung eines am Main wurde der verhaftet, weil er Kleine Notizen. Gefangenenaufsehers. In Frankfurt Gefangenenaufseher Heinrich H e i m a n n Durchstechereien im Untersuchungs- gefängnis sich zuschulden kommen ließ. Er hat gegen Bezahlung für einen Gefangenen, den Pferdehändler Georg Rieger, so genannte Kassiber in daS Gefängnis herein- und hinausbefördert. Antomobilunfall. Bei einer militärischen Uebung in der Nähe von Z w i e ch y c e ist, einer Meldung aus Lemberg zufolge, ein Militärautomobil mit einem Bauernwagen zu- sammenge stoßen. Der Führer des BauernwagenZ wurde von der Deichsel seines Gefährts derart aufgespießt, daß er sofort tot war. Ter verschwundene Postbeutel. Ein Postbeutel, der in dem kleinen, an der Egcr belegenen böhmischen Orte L a u n auf« gegeben wurde und 36 000 Kronen für eine Berliner Firma enthielt, ist auf der Strecke Laun— Tux, wo ihn ein Bodenbacher Postbeamter übernehmen sollte, aus dem Postsack verschwun- den. Eine Untersuchung der Affäre ist eingeleitet worden. Eine süße Ueberschwcmmung. Nach einer New Dorker Meldung sind in New Orleans mehrere Straßen und eine große Anzahl Wohnungen von Zuckcrsirup überschwemmt worden. Die Uebcrfchwemmung wurde dadurch verursacht, daß mehrere große Behälter, in denen sich viele Millionen Gallonen Zuckersirup be- fanden, barsten. Verschiedene Personen schwebten in Lebensgefahr, da die klebrige Masse sie an der Bewegung hinderte. Der an- gerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Sechsfacher Mord. In der letzten Nacht hat der Arbeiter Z a u tz e in W a s s e l bei Sehnde seiner Frau und seinen fünf Kindern mit einem Rastermesser den Hals durchgeschnitten und sich dann selbst erhängt. Die Tat hat Zautze anscheinend in einem Anfall von Schwermut ausgeführt. Tie Tätigkeit des Aetna. Der Direktor des Observa» toriums auf dem Aetna teilt mit: Eine große Anzahl neuer Eruptionsöffnungen haben sich gebildet. Die Aschen- s ch i ch t um das Observatorium hat eine Höhe von sechs Zenti- meiern erreicht. Die Lava bedeckt die Bahn, die rings um den Aetna geht, dringt weiter in die Weinberge ein, zerstört die Häuser der Landleute und macht die Straßen für Wagen und Eisenbahn unpassierbar._ eingegangene Druchfebriften. Die Traumfahrt. Roman von Th. Krau». 874 Seite», E. Ahn, Bonn. Stoff und Methode der LebenSkunde für Schulentlaffeue. von E. Kruchcn. Herausgegeben vom Verband stlr soziale Kultur und Wohl- sahrtspflege(Arbeiterwohl). M.-Gladbach, VolkSvereinSverlag S. m. b. H. 1 Mark. Großer Umzugs- Ausverkauf ferusalemer Str. 38-39 am DSnbuffpl Beginn Montag, den 18. September Gegründet 1867 Ende Oktober verlegen wir unser Hauptgeschäft Jerusalemer Str. 38-39 a. Dönhoffplatz wegen Abbruch des Hauses in die bedeutend erweitert. Räume unseres eigenen Hauses Jerusalemer Str. 32-35 Ecke Leipziger Strasse am Dönhoffplatz Nie wiederkehrende Gelegenheit! Die alte Stiller-Firma ist genötigt, das langjährige Verkaufslokal ihres Haupt-Geschäftes Jerusalemer Str. 38-39, am Dönhoff platz, bis spätestens Ende Okt. weg. Abbruch d. Hauses zu räumen. Um diese Räumung zu erreichen, werden ca. 100 000 Paar Stiefel und Schuhe— für Herren, Damen und Kinder—, die keine sogenannte Ausverkaufsware darstellen, sondern frisch, modern und gut sind, zu unvergleichlich billigen Preisen abgegeben! Man beachte das nächste Sonntags-Inserat/ IM- Achtung! Jeden Donnerstag von 6 Uhr an: frische hsutmscher Klüt- und Ceberwurit. Am Donnerstag erhält jeder Käuser beim Sinkaus von 2 Pfd. an ewe Leberwurft IMT gratis.-Mg Linkes Fleischzentrale, Hermannplatz 4. Oer Verkauf der Abonnements-Garderobe des größten Abonnementshauses für feine Herrenbekleidung J. Stock& Co. befindet sich von jetzt ab nur Friedrichstraße, Ecke Johannisstraße, Eingang Jobannisstraße. inzüge u. Paletots von 10 Mark an. d An diesem Schild sind die Läden erkennbar, m In denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Xtaatergfllti«; in Konettraktlon und AnefOhrang, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. — i BERLilX, Leipziger Strußc 92. r— ♦| Läden in den verschiedenen Stadtteilen._ j ♦ .".17.".' Teilzahlung bei kleinster Anzahlung In bekannter Güte (mit grflBter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Cohn, Cr.Frmikliirtepstr.SB. Wild und Geflügel kaust man am besten und billigsten In der SSSSL' berliner Wild-Zentrale Gontard> Ecke Panoramastraße. Hirschfleisch von 30 ff.«» Möbeltisohler«! Hi. Harnack Tischlermeister StalUohrelbor-StrasM 57 (UontiplatzX Komplette vrolmimgseinrichtimgen. £nonne Auswahl I— Beeile Wsrel I Billigste Fabrikpreise. I 1 ZahlUDgaerlelchtcrnne.* Tertaol mr Bot bn rabiOgeblnda. Herr Theodor Jungblut.! In seiner nahezu zehnjährigen Tätigkeit hat er sich die Achtung aller Mitarbeiter erworben und werden wir ihm stets ein ebrendes Gedenken bewahren. Freitagnachmittag 3 Uhr Friedrichsfelde statt und Die Beerdigung findet am auf dem Zentral-Friedhof in bitten wir um zahlreiche Beteiligung. Die Verwaltung der Konsnmgenossenscbaft Berlin nnd Umgegend. für den UerlioerReieiistapaiilkreis. Stralauer Viertel. (Sladtbez. fS7c, Wahlbez. 3281.) Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Genosse, der Lagerhalter Ikeoctol- Jungblut Slralauer Allee 20 a gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den IS. September. nachmittags 3 Uhr. von der Halle des Zentraifriedhoss in Friedrichs- selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borvand. DeulZCder Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Möbel. Polierer 88/13 Msx Siegert Glogauer Str. 34, am 10. September tot Aller von 29 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des EmmauS-Kirchhoses in Rizdorj. Hermannstratze. auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvrrwattun«. VeHiaü!! der Lagerhalter u. LagerhalterinneD Beutsebl. Ortsverwaltung Berlin. Am Dienstag, den 12. d. M.. verstarb plötzlich und unerwartet unser treues Mitglied Ibeodor Jungblut im noch nicht vollendeten SO. Le- bensjahre an Herzschlag. Wir verlieren in demselben einen braven Kollegen und treuen Mitarbeiter, welcher mit unermüd- lichem Eiser die Interessen seiner Kollegen wahrnahm. Wir werden sein Andenken in Ehren hallen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhoseS in Friedrichsselde auS statt. S4Sb Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Oeutsclm Metallarbeiter-Verband Berwattnugsftelle Berlt«. Todea-Anselice. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Gustav Nadler am 8. September an Herzschlag gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. September, nachmittags 4'/, Uhr, von bei Leichenhalle des Zentral-Fried- Hofes in Friedrichsselde auS statt. Rege Beteitigung erwartet 123/1 Die OrtSverwaltnng. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung GroB-Bcrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. das) unser Kollege, der Haus- dtener 70/19 konnolä Inende am 12. d. MlS. im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. d. MtS., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deSSimeon-KirchhoseS in Britz, Tempelhofer Weg aus statt. Die Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß am Dienstag, den 12. September, nachmittag» 1l,h Uhr, unser innig- | geliebter Sohn und Bruder JMft'otl Feige im Alter von 17 Jahren nach langem schweren Leiden ent- schlafen ist. 55052 Die» zeigen ttesdelrübt an Johann Feige, Emma Feige geb.»»«dlvg, Anna Feige. Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. diese» Monats, nachmittag» 5 Uhr, von der Halle de» städtischen Friedhose« in Wilmersdors, Berliner Str. 100/103 aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne», Vater» und Groß- oater» sagen allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. S39b Witwe Marie Nickel und Kinder. w Aua den (Eabak-�Fabriken 3.(Soldfarb prevssStmaiÄ. aeaea gegründet 1839. C I I■ i' il I B Q<■ I II IIBC=— Tabac russe h priser. goüt de ttowno. �rPrawdziwa tabaka do °j zazywanla«KowRoeK* Die reellsten und billigsten Möbel jnd Polsterwapon auf Teilzahlung zu Kassenpreisen und Zins« •ergütung eiKWt man in der seit 33 Jahren bestehenden Möbel- äbnk unter lOjähriger Garantie 1 CftUulFf Reichenherger mL, Ä. OvDUIA, ßtraUd». Statt Karten: Alma Brauer Hugo Weinlaub Verlobte GroCe Frankfurter StraOe 35. Los nur1/. Mark! Ziehung am 2t. Sept. 191. Kg Schneidemühler Bg Automobil- und Pferde- Ibotterie 3103 Gewinne i. Werte r. Mark 100000 Hauptgew. 1 Automobil i. W. v.M. ijkisv ü: 10 .0 50 l'| 3000 ni 2000 z»? * mH LeuäMPLsSiil Porto u. Liste 25 Pf. eztrs doreh das Gcb©ritl-Oeblt H.C.Kr89er Barl H W O, Priedricbstr 1 93« BOir sowie alle durch Plakate SO" kenntlich. Verkanfutell. ». Filiale Berlin III der Wäsche-, Krawatten- u. Korsettbranche. Bureau und ArbeiisnachweiS: Neue Königstr. 5.— Telephon VII, 5734. Freitag- den 15. September, abends Slla Uhr. in Bökers Festsälen. Weberstr. 17: Oeffentl. Versammlung aller Wäsche- und Krawatten-Arbeiter und-Arbeiterinnen Berlins. Tagesordnung Die Aordernngen der Wäschearbeiter vor der Entscheidung! Ikuiiion. 252/10 Wa» wird uns die Diskusston. Kollegen und Kolleginnen der ei Zutunst bringen? Werden die Herren Wäschesabrikanten die Forderungen ~......." Wird es möglich sein, aus sriedlichem Wege Fragen stehen zur. lagen zwischen dm der Arbciterschast anerkennen?„.. zum Abschlug neuer Tarisoerträge zu kommen? Diese zeit im Vordergründe und sie werden in den nächsten beiderseitigen Organisationen entschieden. Wir bitten alle organisierten Männer und Leser dieser Anzeige, ihre Angehörigen und Betannien welche in unserer Branche arbeiten, zu veranlassen, bah sie fich bei un» al» Mitglied ausnehmen lassen. Die Wäschesabrikanten weisen bei jeder Gelegenheit mit Freude daraus hin, daß nicht alle bei ibnen Beichäsligicn organisiert find, besonder» stützen sie fich auch aus die Heimarbeiterinnen. Die Ortwverwerltiiilg. Gartenstadt FnlKeniußen-West U.raki am lannhot Seacafcio Sanrnlt an Lalirtar Hauptbahn* hol II Min., ab Charloltanbur» lannhot Junifamheldt tl Min bellende laadicbattliebeLagr ncilenwcitfi Laub- u. Nadel- valdunsen. Idealste Wobn .litte(Ur Jedermann. Leloh- taelar Erwerb eine» Eigenheim. Hochwald-, -andarundsiOotta i3 N. II Mar. ml Klsmata Anzankmg. II, Rh. e mortis« lloo»n»ootn»a— Oom- -nar-Farianhlitaar 300•*,.■)(«•>■ hluaer 5009 I. an. Laakanlt u. 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Der Bersafier gelangt auf Grund seiner sorgsälttgen aus zahlreiche statistische Tabellen gestützte Unterfuchungen zu dem Nachwei», bah der Bergmannsberuf, im Gegensätze zu dem in neuerer Zeit durchweg beobachteten Sinken der Fruchtbarkeit bei besserer Lebenshaltung die Tendenz zu steigender Fruchtbarkeit ausweist. pauk Kampffmeyer t Veitanschauung und Sozialdemokratie. Heft 1 der.Süddeutschen Volksbücher-, 54 Seiten. Preis 40 Pf. Eine durchaus gemeinverständliche Darstellimg der wichtigsten Philosoph!- schen und ethischen Fragen in ihren Beziehungen zur Sozialdemokratie. L. Isenheim: Streik. Roman au» dem gegenwärtigen Klassenkampf. 8 Lieferungen a 30 Pf., in Lernen gebunden 2,50 M.. schlll ztseii dert hier in In 8 Lieferungen a 30 Pf., in Leinen Einbanddecke 75 Pf. Der au» der Arbeiterklasse hervorgegangene Bersafier meisterhafter Weile die Kämpie der zum Klassenbewufitseto erwachten Arbeiter. 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Unzweifelhaft liegt eine gesetzliche Verpflichtung, die über die Armenpflege hinausgeht, für uns zurzeit nicht vor. Tos Recht auf Arbeit erkennt weder der Staat noch die Gesetzgebung an. Es scheint aber, daß eine Wandlung vor sich geht, und zwar nach der Richtung, daß man nicht ein geschriebenes Recht auf Arbeit anerkennt, aber den öffentlichen Körperschaften Verpflichtungen auferlegt, nach dieser Richtung zu sorgen. Die Hoffnung auf die Gewerbeordnung, daß sie eine Harmonie der Kräfte herbeiführen werde, erwies sich auf diesem Gebiete als trügerisch. Man hat erkannt, daß ein arbcits- williger und arbeitsfähiger Arbeitnehmer ohne sein Zutun arbeits- los werden kann. Die Reich-rcgierung hat bisher eine Lösung dieser Frag- nicht versucht. Allerdings wurde 1902 vom Reichstag eine Resolunon angenommen, die eine Untersuchung durch eine Sachverständigenkommission fordert. Das Ergebnis war bisher nur die wertvolle Enquete von 1996. So trivial der Satz klingt, daß man Arbeitslosigkeit am besten durch Arbeitsnachweise be- kämpfen kann, so fundamental richtig ist er. Denn die Arbeits- nachweise bilden die Grundrage der Arbeitskräfteverteilung und der Notstandsarbeiten. Die Notstandsarbeitcn bleiben aber immer nur ein notwendiges Uebel. Sie sind beschränkt auf einige Ka- tegorien von Arbeiten und stopfen an einer Stelle ein Loch, während sie ein anderes öffnen. Sie haben auch manche andere Nachteile. Sie�ind vor allen Dingen unwirtschaftlich. Wenn der deutsche Handwerkskammertag in Düsseldorf für Notstandsarbeitcn seine Stimme erhoben hat, so muß ich auf Grund unserer Kölner Erfahrungen meine Stimme dagegen erheben, daß durch Notstands- arbeiten die Arbeitslosigkeit behoben werden könnte. Da Not- standsarbeiten vor allem nur in beschränktem Maße in Anwendung kommen können, so ergibt sich die Notwendigkeit der Arbeitslosen- Versicherung. Früher haben sich weite Kreise ablehnend verhalten. Aber dieselben Bedenken wurden auch gegen die Feuerversicherung, die Hagelversicherung und gegen jede Versicherung von vornherein erhoben und sind durch die Praxis doch beseitigt worden. Die Ar- bcitSlosenversicherung wird die Arbeitslosigkeit beseitigen helfen. Die Arbeitslosigkeit ist kein Notstand, der nur einzelne Personen tritt, sondern der die Gesamtheit bedroht. Die Frage der Ar- beitslosenversicherung darf nicht mehr von der Tagesordnung ver- schwinden. Redner bittet daher um Annahme der Leitsätze. Der zweite Redner Oberbürgermeister Dr. A d i ck e s- Frank» furt a. M. geht auf die einzelnen Punkte der Leitsätze näher ein, und führt zum Teil unter dem Widerspruch einer kleinen Minori- tat aus: Die Untersuchung über die Ursachen der Arbeitslosigkeit haben die„sozialistische Irrlehre", daß alle Arbeitslosigkeit mit der kapitalistischen Produktionsweise im Zusammenhang steht, widerlegt. Die größte Arbeitslosigkeit haben wir ja immer im Winter. Dies ist durch das Klima bedingt. Niemand wird be- haupten wollen, daß diese klimatische Arbeitslosigkeit mit unseren wirtschaftlichen Verhältnissen im Zusammenhang steht. Das ist die treffendste Widerlegung der Behauptung, daß die winterliche regelmäßige Arbeitslosigkeit eine Folge unserer Produktionsweise ist.(Lebhafte Zustimmung.) Ebenso wichtig ist der Umstand, daß ein weiterer großer Teil von Arbeitslosigkeit abhängig ist von der Saison. In der Saison sind die Gewerbe in hohem Maße unab- hängig von der Wirtschaftsweise. Weiter kommen hinzu als Ur- fache der Arbeitslosigkeit die Einführung neuer Maschinen. Dann .. kommen auch durch die Krisen in der Weltwirtschast Arbeitslosig- leiten vor. Und es ist auch nicht zu leugnen, daß manche gesetz- geberische Maßnahmen Einfluß auf den Weltmarkt haben. Hieraus ist daher auch für das Reich eine gewisse Verpflichtung abzuleiten. Es können aber zwei Gewerbe ganz dieselbe Ziffer der Arbeits- lofigkeit aufweisen, und trotzdeisi braucht das Bedürfnis einer Ar- bcitSlosenversicherung nicht bei beiden parallel zu laufen. In der Landwirtschaft ist ja zum Beispiel im Winter kein Bedürfnis an Arbeitern vorhanden. In manchen Saisongewcrben sind die Ar- beiter in der einen Stadt auch schlimmer daran als in der an- deren Stadt, wo sie keine Nebenbeschäftigung finden. Das Bau- gewerbe ist immer ein Saisongewerbe. Jetzt wird nun behauptet, daß in den Großstädten die Bauarbeiter im Winter keine Gelegen- heit zu Nebenarbeit finden. Es ist ein verhängnisvoller Zug, daß man von sozialistischer Seite bewußt versucht hat, die Arbeiter in die Großstädte zu ziehen, wo sich alles in Gcldwirtschaft umsetzt. Auch die Versicherung kann kein Allheilmittel sein. Es muß für kleines feuilleton. Eine Bibliographie des kommunistischen Manifestes. Im letzten Jahresberichte der Veröffentlichungen der Bibliographical Society of America(1910) wird ein interessanter bibliographischer Versuch ver- öffentlicht, nämlich eine Zusammenstellung aller Ausgaben und Uebersetzuugen. die von der grundlegenden Urkunde des heutigen Sozialismus, dem von Karl Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfaßten.Kommunistischen Manifest" seit seiner ersten, am 24. Februar 1848 in London erfolgten Veröffentlichung bis zum heutigen Tage erschienen sind. Diese erste Ausgabe. die in deutscher Sprache geschrieben war und 25 Okiovseiten umfaßte, wurde sogleich in ihrer großen politischen Bedeutung er- kannt und daher die nötigen Borbereitungen getroffen, um sie in alle europäischen Sprachen zu übersetzen: es sollen auch alsbald schon zwei sranzösiiche Uebersetzungen hergestellt worden sein, doch ließ der Ausbruch der Revolution von 1848 das Interesse an dem Werk zu- nächst zurückireten und eS dauerte mehrere Jahre, eigentlich sogar bis Jahre 1871, ehe daS Manifest außerhalb Englands größere Verbreitung gewann. Die erste englische llebcrsetzung war, so viel bis jetzt bekannt, die von Helen Mc Farlane. die im November 1850 in der Londoner„Red Republican" erschien. In Deutschland ivar daS Manifest natüilich streng verboten: die Polizei falmdele eifrig danach, und nur in dem 1853 in Berlin er- schicnenen Buche der beiden Polizeibeamtcn Wermuth und Stüber: .Die Koinmuuisten-Verichivörung des neunzehnten Jahrhunderts" wurde es damals als Beilage wörtlich abgedrurkt. Aber erst 1868 erschien, wieder in London, eine zweite deutsche Auflage, während ziemlich um dieselbe Zeit Bakunin eine russische llebcrsctznng ver- faßte, die in Alexander Herzens bekannter.Glocke" erschien. Nach Engels sollen damals auch eine dänische und eine polnische Uebersctzung erschienen sein, über die indessen bis jetzt noch nichts Näheres bekannt ist. Jin Jahre 1372 erschien in Berlin die erste AuS- gäbe auf deutschem Boden, der seitdem— übrigens auch in der Schweiz und Amerika— zahlreiche andere folgten': in französischer Sprache erschien daS Manifest anscheinend zuerst 1872 in dem New- yorler Blatt.Le Socialiste". dann seil 188« in verschiedenen Pariser Ausgaben, davon eine von 1991 in zwei Bänden als Text- abdruck und geschichtlich-kriiilcher Teil. Auch die erste spanische llebcrsetzung erschien in» Jahre 1386, während die Italiener erst im Jahre 1891 mit der ersten, seitdem mehrfach aufgelegten Uebersetznng folgten. In Dänemark erschienen, abgesehen von den oben crtvähnten Uebersetzungen im Jahre 1885 und im Jahre 1893. in Schweden wenigstens eine im Jahre 1903. in Holland zwei gesonderte Ausgaben in den Jahren 1892 und 1994. Auch russische lieber- sebunaen erschienen noch mehrfach, ferner zwischen 1896 und 1995 Vier ungarische Uebersetzungen, 1904 eine litauische und im Jahre 1888 jedes einzelne Gewerbe geprüft werden, ob ein Bedürfnis für eine Versicherung vorliegt, und in welchem Maße hier Abhilfe geschaffen werden kann. Wenn von gewisser Seite gesagt wird, ihr habt ja so viele Millionen für Schiffe und Kanonen, dann könnt ihr auch einige Millionen für die Arbeitslosenversicherung ausgeben, so ist daS leichthin gesagt. Das ist Demagogie. Wir haben die Pflicht. dafür zu sorgen, daß unsere Gemeinden nicht allzusehr belastet wer- den. Daher begrüße ich es, daß die Frage der Arbcitslosenver- sicherung in eine Reihe von einzelnen Fragen sich auflöst. Damit wird auch die Frage der Zwangsvcrsicherung und die Unterstützung des Arbeitsnachweises ein ganz anderes Gesicht gewinnen. Wy» können mit der ganzen EntWickelung, die diese Frage genommen hat, zufrieden sein. Sie hat uns eine Fülle von Äclehrungen ge- bracht, so daß wir mit mehr Aussicht auf die Lösung der Aufgabe rechnen können. An die Spitze unserer Leitsätze fetzen wir die Frage der ZwangS- oder Freiwilligenversicherung. Nach den bis- herigen Erfahrungen müssen wir sagen, daß die reine Freiwillig- keit sich nirgends bewährt hat, selbst bei den Gewerkschaften nicht, so bewunderswert das ist, was sie an Opfer geleistet haben. Im Jahre 1998 haben die Gewerkschaften 8,1 Millionen Unter- stützungen gewährt, davon entfallen 6 Millionen auf die vier Gruppen: Metallarbeiter, Buchdrucker, Holgarbeiter und Zimmerer, die nur ein Drittel der 1,8 Millionen gewerkschaftlichen Mitglieder umfassen. Hier handelt es sich aber um die vier bcstentlohnten Gewerbe. Auch die englischen Erfahrungen sprechen hierfür. ES fragt sich nun, ob die gewerkschaftlichen Organisationen als Träger der Versicherung aufzufassen sind, und ob sie aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden sollen, wie von sozialdemokratischer Seite und von einzelnen bürgerlichen Nationalökonomen verlangt wird. Wir haben schon gesehen, wo die Grenzen der Gewerkschaften liegen. Alle Vertreter des Gedankens, daß die Gemeinden eine Unterstützung geben sollen, sagen selbst, daß daS nur ein Mängel- hafter Weg fei, der später ßur Reichsuntcrstützung führen mutz. Glaubt aber jemand, daß sich im Reich eine Majorität bilden wird, die 3 Millionen Mark Unterstützung an die Angehörigen von nur vier Gewerkschaften auszahlen wird, und zwar an Gewerk- schaften, die sich nur auf einen Teil der Mitglieder des Gewerbes erstrecken?(Lebhafte Zustimmung.) Der stellungslose Kaufmann, der kleine Handwerker muß selbst für sich sorgen, weshalb soll eine Ausnahme zugunsten der Arbeiter gemacht werden?(Lebhafter Beifall.) Die Sozialdemokraten sind ja sonst immer gegen Aus- nahmebcstimmungen. Hier aber verlangen sie für die Arbeiter eine Ausnahme.(Stürmischer Beifall.) Dann werden auch be- schäftigungslose Ingenieure, Anwälte und andere dasselbe für sich beanspruchen können. Nun wird aber von Sozialpolitikern wie Jastrow und anderen angeführt, daß die gewerkschaftlichen Vereine die Träger der Versicherung sind. Das ist richtig. Die Gewerck schaften würden durch die öffentliche Unterstützung allerdings ge� fördert werden. Die Gewerkschaften sind aber nicht gegründet, um Leistungen für die Allgemeinheit zu schaffen, sondern für die Ar- beiter allein. Das verargt ihnen niemand. Wenn ich selbst Ar- beiter wäre, würde ich mich ihnen auch anschließen.(Sehr wahr!) In allen diesen Fällen aber bedeutet dann die öffentliche Unter- stützung einen Eingriff in den Lohnkampf und in die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Das Gros der gewerkschaftlichen Mit- glieder besteht aus Anhängern der Sozialdemokratie. So lange die Sozialdemokratie nicht die Majorität in Deutschland hat, wer- den wir anders Gesinnten doch Bedenken tragen müssen, dieser Partei die Geldmittel an die Hand zu geben, um sich die Majorität zu schaffen.(Stürmischer anhaltender Beifall.) Mit welchem Recht soll eine öffentliche Unterstützung für Saisongewerbe Platz greifen? Jeder arbeitsfähige Mensch soll doch für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen, und wenn jemand einem Gewerbe angehört, in dem er nur sechs Monate Arbeit hat. so muß er dafür sorgen, daß er in den übrigen sechs Monaten andere Arbeit hat. Man kann nicht behaupten, daß die Löhne der Bauarbeiter nicht ausreichen, um eine Prämie für die Versicherung zu zahlen. Wie viele kleine Bür- ger und kleine Beamte gibt«s denn, die solche Stundenlöhne haben wie sie den Bauarbeitern durch die Tarisverrräge gewährt werden? (Sehr wahr!) Das würde zu einer kommunistischen Wirtschaft führen, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Bisher war diese Erkenntnis nur verschleiert worden durch Verallgemeinerung. Die Arbeitslosen in großen Krisen zu unterstützen, ist Menschen. Pflicht. Aber die dauernde Unterstützung bedeutet einen Umsturz der wirtschaftlichen Ordnung.(Stürmischer Beifall.) Ich habe diesen Punkt absichtlich mit solcher Schärfe hervorgehoben, weil mir das notwendig erscheint. Es ist gesagt worden, daß sich der Vor- stand des Städtetages um eine Entscheidung herumdrücke. Ich glaube, daß nach meinen Ausführungen daS niemand mehr wird behaupten können.(Stür- mischer Beifall.) Die Fragendes partiellen Zwanges ist in dieser Weise noch nie gestellt worden. Wir haben damit den Weg ge- wiesen, auf dem man vorwärts kommen kann. Der Weg, den die Regierung uns gewiesen hat, nach dem Genter System die öffent- liche Unterstützung zu Hilfe zu nehmen, ist ein Verlegenheitswcg gewesen, und ich kann den Gemeinden nur raten, den populären Strömungen nach dieser Richtung nicht nachzugeben.(Lebhafte Zu. stimmug.) Indem wir sagen, der partielle Zwang soll geprüft wer- den, tun wir einen wesentlichen Schritt vorwärts. Die Regierung wird sich auf die Dauer einer allgemeinen Regelung nicht ent- ziehen können. Mit großer Sorgfalt mutz die Bedürfnisfrage bei oen einzelnen Gewerben geprüft werden. Von allergrößter Be- deutung ist, daß die Arbeitgeber dabei mitwirken. In vielen Fällen kann die Ursache der Arbeitslosigkeit nur durch den Arbeitgeber beseitigt werden, indem er mitwirkt und uns Beiträge zahlt. Auch die Leistungsfähigkeit des Gewerbes muß in Betracht gezogen wer- den. Die ganze Arbeitslosenversicherung ist eine wirtschaftliche Aufgabe für das ganze Reich. Es kann daher nicht die Regelung auf einige hundert Drahthäuser verteilt werden, sondern die Frage muß einheitlich geregelt werden.(Lebhafte Zustimmung.) Es muß deshalb der Bundesrat sich der Sache annehmen. Das ist durchaus ausführbar. Das Gesetz, nach welchem die Arbeitslosen- Versicherung für bestimmte Gewerbe im ganzen Reich zwangsweise eingeführt werden muß, kann nicht ersetzt werden durch verschiedene Experimente in einzelnen Städten. Die Leitung muß eine ein- hcitliche sein. Die Gemeindeverwaltungen sind nicht geeignet, in dieser Sache als Organisatoren aufzutreten.(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) In der Diskussion nahm' als erster Redner das Wort Reichstagsbgeordneter Stadtver» rodnctenvorsteher G i e s b e r t s- M.-GIadbach: Es ist ja recht er- freulich, daß der Deutsck>e Städtetag sich mit dem großen Problem der Arbeitslosen beschäftigt. Damit ist ein Ziel lahrzehntelanger Agitation der Arbeiterorganisationen erreicht worden, diese Frage in den Mittelpunkt der Erwägungen maßgebender Körperschaften zu stellen. Aber die Leitsätze und vor allem das Referat des Herrn Adickcs können bei uns Zlrbeitern wenig Befriedigung auslösen. Aus seinen Ausführungen lesen wir eine Opposition gegen die Arbeitslosenversicherung heraus.(Ohorufe.) Es find jedenfalls keine positiven Grundsätze herauszulesen. Er hat nur alle Bedenken hervorgekehrt. Ich hoffe, daß die Gemeinden, die das Problem lösen zu können glauben, sich durch diese Dar- legungen von weiteren Maßnahmen nicht werden abhalten lassen. Das Reich verneint nicht grundsätzlich die Regelung, sondern sagt nur, daß bisher keine Vorbilder vorhanden waren. Wir sagen: JhrStädte, dieihrMillionenaufwändefürParks, Theater und andere K u l t u r b e d ü r f n i ss e der Bessergestellten(stürmische Unterbrechungen), gewiß, ich halte das auch für berechtigt, aber die Städte dürfen eS dann auch nicht ablehnen. Mittel für die Arbeiter aufzuwenden, indem sie sagen, das Problem sei so schwierig, daß nichts getan werden kann. Der Staat sagt, das Problem ist so, daß ich es nicht lösen kann, und der Vertreter einer der reichsten Städte Deutschlands sagt hier, wir können nicht helfen. Denken Sie, welche Einwirkung das auf die Psyche des hungernden Arbei- ters haben muß. Das muß Haß gegen die Gesellschaft in ihm erwecken.(Große Unruhe.) Dieser Gedanke darf also nicht von dem Städtetag ausgehen. Deshalb ist es gut, daß in den Schluß- sätzen gesagt wird, daß trotz der großen Schwierigkeiten eine Lösung versucht werden muß. Es liegt eine moralische Verpflich- tung für die Städte vor.(Zurufe: Nein, nein!) In erster Linie haben doch die Städte die Folgen der Arbeitslosigkeit zu tragen. Das Anwachsen der Armenpflege, die Vermehrung der Verbrechen und damit der Unsicherheit sind die Folgen der Arbeits- losigkeit und belasten die Städte, deshalb entlastete die Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung und der Waisenversicherung die Armen- pflege der Städte. Gewiß sind die Summen für die Armenpflege gestiegen, aber sie wären noch viel höher gestiegen ohne die Ver- sicherungen.(Sehr wahr!) Allerdings ist man heute, Gott sei Dank, zu einer humanitären Auffassung über die Anwendung der Armen- pflege gelangt. Die Städte müssen bestrebt sein, in den unteren Klassen aufrechte, stolze Bürger zu schaffen. DaS kann nur ge- schehen. indem die Arbeiter gesichert werden gegen die Not der Ar» beitslosigkeit.(Vereinzelter Beifall.) Der Redner spricht der Stadt Köln seine volle Anerkennung aus für die von ihr getroffenen Maßnahmen. Wenn wir nicht aufreizend auf die unteren Klassen wirken wollen, dürfen wir nicht sagen. daß wir nicht helfen können. Deshalb bedauere ich die Ausführungen de? Referenten und die Leitsätze. Kein Sozialpolitiker, kein Sozial- demokrat verlangt, daß das ganze Problem an einem Tage gelöst wird. Aber keinesfalls darf man sich um die Lösung herumdrücken. (Heftiges Zischen.) Oberbürgermeister D o m i n i c u S- Schöneberg äußert auch einige Bedenken gegen die Ausführungen des Oberbürgermeisters eine armenische Uebersetznng: endlich sind noch eine japanische und eine chinesische Uebersetznng bekannt, von denen die letztgenannte eine Verbreitung von 209 999'«nick haben soll. Die vorläufige Untersuchung, von der wir hier berichtet, bat bereits ungefähr 69 ver- schiedeue Ausgaben der berühmten sozialistischen Urkunde zu Tage gefördert, doch ist, da ein großer Teil der älteren Abdrücke und Uebersetzungen in schwer zugänglichen Zeitschriften erschien, kciu Zweifel, daß ein weitere? Nachforschen diese Zahl noch erheblich steigern wird. Ter Zug des weißen Storche?. So alt auch die Kenntnis von den Wanderungen unserer heimischen Zugvögel ist, die sie im Herbst in südliche Klimate antreten, so wenig Gewisses hat man bisher über die Wege gewußt, die sie einschlagen. Um endlich hierüber Klarheit zu schaffen, hat die Vogelwarte in Rossittcn(kurische Nehrung, Ostpreußen) gemeinsam mit der Ornithologischen Zen- trale in Budapest genauere Forschungen über die Wanderungen des weißen Storches(Ciconm ciconia) angestellt. Zu dem Zwecke wurden etwa 3999 halbflüggen Störchen Aluininiumringe mit der Adresse der Vogelworte um die Füße gelegt. Von diesen Tieren sind 35 von allen möglichen Orten der alten Welt als erbeutet gemeldet worden, so daß man aus den Fangstellen ziemlich ein- deutig auf die Flugbahn schließen kann. In Deutschland geht nach alter Erfahrung der Hauptzug der Vögel von Nordosten nach Südwesten. Auch für die Störche hatte man bisher den gleichen Weg angenommen. Dies hat sich aber als Irrtum herausgestellt. Die Störche fliegen südosttvärtS ab und gelangen, das Odertal als Richtschnur nehmend, nach Ungarn(Südostccke). Von dort ge- langen sie über den Bosporus und Kleinasien nach Palästina und weiter zum Golf von Suez, von wo sie nach dem afrikanischen Kontinent gelangen. Hier wurde, wie Dr. Thicncmann in den „Zoologischen Jahrbüchern" berichtet, der erste Ringstorch auf afrikanischem Boden gefunden. Es geht nun das Niltal aufwärts, über den Viktoria Nyansa in die Kalahari bis ins Kapland, welches da? Ende der Reife dar- stellt. Das warme Klima der Länder unter 39 Grad südlicher Breite gewährt den Wandervögeln einen behaglichen Winteraufent- halt, bis sie sich wieder anschicken, die 9699 Kilometer lange Rückreise anzutreten und ihr altes Nest in Deutschland wieder aufzusuchen. New Uorks neue Bolksbibliothek. Bibliotheken sind große geistige Reservoire. Entweder unmitwlvar oder durch Vermittc- lung von Gelehrten und Fachleuten fließt von ihnen auS in tausend Bächen der Strom geistigen Lebens bis in die weitesten Schichten des Volkes. Tie Notwendigkeit guter Präsenz- und Volksbiblio- theken wird denn auch allgemein anerkannt. Die Königliche Bib.io- thek in Berlin ist mit Recht berühmt. Sie wird jedoch jetzt durch die neueste New Yorker Bolksbibliothek übertrvffen. Wie der Pariser„Cosmos" mitteilt, ist ihr Heim im Renaissancestil erbaut. ein imposanter Bau, der 82 Meter breit und 118 Meter lang ist. Die Kosten dieser Riesenbücherei betragen 36 Millionen Mark. Die Bibliothek vermag 3 Millionen Bücher aufzunehmen: äugen- blicklich bel)erbergt sie„nur" 1 399 999 Bücher, Broschüren, Hand- jchriften und Tagcseingänge. Außer dem Zeitschriftensaal und dem großen Lesesaal, in dem 768 Personen Raum finden, sind noch Privaträume zu ruhigem wissenschaftlichem Arbeiten eingerichtet. In den sieben unteren Etagen sind die Bücher aufgestapelt: 12 elek- irische Fahrstühle befördern die gewünschten Bände zur Ausgabe- stelle. Jeder Stuhl vermag 129 Kilogramm zu heben und steigt 76 Zentimeter in der Sekunde. Anerkennenswert ist auch die Schnelligkeit der Bücherbestcllung, die durch eine Art Siohrpost ge- schiehtz Theater. m. Münchener Theater. Der nordische Autor Adolf Paul brachte es im Residcnzthcatcr mit der Uraufführung seiner Komödie:„Die Sprache der Vögel" zu einem Achtungs- erfolg. Ter vogclsprachciikundigc König Salomo— das Stück ver- setzt das Auditorium in biblische Zeiten— wird von einem kleinen Rasseweibchen belehrt, daß er im Grunde trotz aller Weisheit doch nicht versteht, was die Spatzen auf dem Dach zwitschern, nämlich daß. frei nach Heine, ein Tor immer willig ist, wenn eine Törin will, d. h. daß des Weibes Weisheit zehnmal größer als die aller Salomone ist, wenn es gilt, den Mann zu umgarnen, zu über- tölpeln. einer Sache gefügig zu machen. Die einen haben als Ant- wort auf die Schlangenlist der Frau die Peitsche— das aber sind die Bedauernswerten: die glücklicheren sind immer die, die sich im Kuß besiegen lassen. So wird auch der Konig der Könige zuletzt durch den Anblick eines küssenden Paares besiegt, und die Kreatur, das Urweib, Salome und Lulu in einer Person, triumphiert. Leider hatien wir in München in Fräulein Michelote keine genügende Vertreterin der Evastochter. Ter Autor ist ziemlich trocken im Ironischen und ohne durchschlagende Pointe. Notizen. — H a n s i Niese hat sich in einem Manegedrama.König OedipuS" eine putzige Hosenrolle zurechtmachen lassen und verulkt nunmehr Herrn Reinhardt mitsamt seiner ZirtuSkunst— zum Gaudium des Publikums. — Der Diebstahl der Mona Lisa soll jetzt auch als Schwank auf die Bretter kommen. Der Stoff hat's einem Wiener Blitzdichstr angetan. — Berichtigung. Der Druckfehlerteufel hat in einer gestern an dieser Stelle gebrachten Notiz das Liszt-Rubinstcin-Bülcv*' Denkmal in Wien zum Uebersetzer gemacht. Es sollte heißen:' Au* Björn st jerneBjörnsons Nachlaß wird ujw. ujw. Adi'ckeS. Gerade den Experimenten einzelner Städte, über die AdickeS etwas despektierlich sprach, sei eS zu danken, daß eine gewisse Klärung herbeigeführt worden ist.(Sehr wahr!) Der Kritik des Vorredners muß ich mich anschließen. AIS ich die Tchesen las, hatte ich die Empfindung, daß mit diesen nur zu leicht der Verdacht geweckt werden kann, die deutschen Städte wälzen die Veranwortung auf daK Reich ab, und kommen leider zu einer negativen Stellung. Das würde ich bedauern, denn das würde nicht der Bedeutung dieser Tagung entsprechen.(Ohorufe und Unruhe.) Ich bitte um Ver- zeihung, ich meine diese mißverstandene Auffassung. Ich bin selbst uberzeugt, daß die Verfasser der letzten Sätze nicht die Absicht gehabt haben, die Verantwortung von sich abzuwälzen. Nachdem Adickes aber heute sich gegen den Zwang ausgesprochen hat, kann niemand hier gegen uns diesen Vorwurf erheben, und ich bitte, den Leit« sätzen zuzustimmen. Der Redner stellt dann noch zur Frage des Arbeitsnachweises folgenden Antrag: setzung für jede Form der Arbeitslosenversicherung ist, regt der Deutsche Städtetag die einheitliche Organisation der paritätischen Arbeitsnachweise für ganz Deutschland als dringendes Bedürfnis an und richtet an Regierung und Bundesrat daS dringende Eo suchen, baldmöglichst derartige Einrichtungen zu schaffen." Geheimer Finanzrat Oberbürgermeister B e u t l e r- Dresden glaubt, daß es nicht möglich sei, auf diesen Antrag heute sachlich einzugehen. Er schlägt daher vor, die Thesen in Form einer Petition an Bundesrat und Reichstag zu schicken.(Lebhafter Beifall.) Nach weiterer Diskussion und nach einem Schlußwort von Oberbürgermeister A d i ck e s wurde der Antrag Beutler abgelehnt und die Resolution gegen fünf Stimmen angenommen. Hierauf referierte RcchtSrat Dr. Merkl-München über die Neueinteilung der NcichStagSwahlkreife. Redner gab zunächst eine Uebersicht über die Entstehung deS ReichstagswahlrcchtS und bespricht dann eine von ihm ausgestellte Statistik, die Aufschluß über den Anteil der Städte am Volks- ganzen und am Wahlrecht geben soll. Schließlich empfahl der Vor» tragende die Annahme folgenden Antrages: „Der Deutsche Städtetag spricht sein Bedauern darüber aus, daß die jetzigen Bestimmungen über das Wahlrecht zum Reichstage für die an Einwohnerzahl stark gewachsenen Wahl- kreise, insbesondere solche mit städtischer Bevölkerung eine durch. aus ungenügende Vertretung mit sich bringen und erklärt, daß dieser Zustand dringend der Abänderung bedarf. Dem- gemäß ersucht der Siädtetag die Reichsregierung um Abhilfe." Der Referent empfiehlt, mit einer gleicklautenven Vorstellung sich auch an den Reichstag zu wenden und schließt mit den Worten, die Graf Bismarck bei der Beratung des Wahlgesetzes im Reichstage des Norddeutschen Bundes gesprochen hat:„Im übrigen möchte ich Sie bitten, nicht zu glauben, daß wir die jetzige Einrichtung für tadelfrei und nicht für in hohem Grade verbcfscrungsfähig halten, insbesondere daß die Abgrenzung der Wahlbezirke nicht eine große Anzahl von Mängeln darbiete, die der Abhilfe bedürfen." Wie Bismarck kann auch der Deutsche Städtetag sagen: Abhilfe tut not. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Der Antrag des Referenten wurde einstimmig ange- nommen. Schließlich wurde ein Antrag des Abg. Cassel-Berlin angenommen: „Der Vorstand wird ersucht, bei den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden vorstellig zu werden, bezüglich der drohenden Nahrungsmittelverteuerung Maßnahmen zu ergreifen." Hierzu teilte der Vorsitzende, Oberbürgermeister K i r s ch n e r- Berlin, mit, es sei ein Sachverständiger nach England geschickt worden, um Rücksprache über die Einfuhr gefrorenen Fleisches zu nehmen. Der Vorsitzende bat aber, von einer Erörterung dieser wichtigen Frage abzusehen, da die Versammlung nur noch schwach besucht sei. Darauf wurde die Dringlichkeit des Antrages Cassel abgelehnt und die Tagung geschlossen. ver Schutzmann In nervaler Lrregung. «fftgf Unrechtmäßige Festnahme eines Mannes und Körperverletzung in Ausübung des Amtes wirst die Anklage dem Schutzmann Karl »m, rci'Neft vor, die am Mittwoch vor der 7. Ferien-Strafkammer verhan- delt wurde.— Nest stellte den Vorgang, der ihn auf die Anklagebank gebracht hat, so dar: Bei einer Nachtpatrouille in der Schliemann- straße habe er in einem Schanklokal Licht bemerkt und darauf durch eine kurze Unterredung, die er mit dem Schankwirt in der Tür deS Lokals hatte, festgestellt, daß keine Gäste im Lokal waren. Dann sei er weitergegangen. Da iei der Tischler Hacker, den er nicht kannte, an ihn herangetreten und habe gesagt:„Sie treiben sich nachts in Schanklokalen herum und auf der Straße kann passieren, was will." Der Angeklagte habe geantwortet, er habe das Lokal dienstlich kon- trolliert.„Nein, Sie haben gesoffen", habe Hacker darauf erwidert, sei hinter ihm, dem Angeklagten, hergegangen und habe auf ihn ge- schimpft. Nun habe der Angeklagte zu Hacker gesagt:„Wenn Sie nicht ruhig sind, muß ich Sie festnehmen." Hacker habe gerufen: «Wenn Sie mich anfassen, schlage ich Ihnen den Schädel ein", und habe mit einem Gegenstand, den er in der Hand hielt, eine drohende Bewegung gemacht. Hierauf habe der Angeklagte dem Hacker einen Knebel angelegt und ihn nach der Dache geführt. Auf der Treppe des Wachlokals habe Hacker den Angeklagten gegen das Geländer gestoßen und„Hilfe" gerufen. Darauf sei der Telegraphist heraus- gekommen und habe ihm, dem Angeklagten, geholfen. Auf dem Wege vom Telegraphenzimmcr nach dem Wachlokal könne er— so sagte der Angeklagte— den Hacker vielleicht gestoßen haben, aber er wisse nichts davon. Schankwirt Leuendorf und Wächter Mau bestätigten die Angabe des Angeklagten, daß er das Schanklokal nicht betreten, sondern in der Tür mit dem Wirt verhandelt habe. Tischler Hacker, der Verletzte, stellt den Hergang ganz anders dar, wie der Angeklagte. Er sagt, der Angeklagte Nest habe sich eine Btertelstunde in dem Schanklokal aufgehalten. Als er wieder her- auskam, heche der Zeuge den Angeklagten gefragt, warum diese Schankwirtschaft noch im Betrieb sei, während andere Wirtschaften schon um 11 Uhr schließen müssen. Ter Angeklagte habe darauf ge- In der lleberzeugung, daß der Arbeitsnachweis die Voraus- Antwortet:„Wenn Sie ein Glas Bier trinken wollen, dann können Sie hier eins bekommen." Der Zeuge sagt, er habe darauf die Be merkung gemacht, daß Schutzleute im Dienst kein Schanklokal be. suchen dürften. Der Angeklagte habe geantwortet, er habe das Recht, jede Wirtschaft zum Zweck der Kontrolle zu besuchen.— So seien ste beide im Gespräch weiter gegangen. Plötzlich habe der Angeklagte Nest den Zeugen angeschrien:„Jetzt kenne ich Sie wie- der, Sie sind ja auch so ein Aas ans Moabit." Diese Beleidigung habe den Zeugen veranlaßt, den Schutzmann Nest aufzufordern, mit ihm nach der Wache zu gehen, damit er dessen Nummer er- fahr«. MS Antwort darauf habe der Angeklagte gerufen:„Gehen Sie weg, sonst schlage ich Ihne« mit dem Säbel über den Kopf." Der Angeklagte habe dem Zeugen dann die Handfessel angelegt mit den Worten:„So, jebt kehren wir den Spieß um. Jetzt gehen Sie mit mir nach der Wache." Der Zeuge sagt, er sei vom An- geklagten an der Handfessel derart gezerrt worden, daß er heftige Schmerzen hatte. Auf sein Ersuchen, ihn nicht so zu zerren, habe der Angeklagte geantwortet:„Es ist mir ganz egal, und wenn ich Sic in drei Stücken nach der Wache bringe." Straßcnpassanten, die den Vorgang beobachteten, hätten gesagt, der Schutzmann müsse betrunken sein.— Auf dem Hausflur der Polizeiwache angekom- men, habe der Angeklagte die Tür zugemacht und wiederholt auf den Zeugen eingeschlagen, immer von oben herunter, und dabei habe der Angeklagte gerufen:„Du Aas, Dir werde ich es anstreichen." Auf den Hilferuf des Zeugen erschien der Telegraphist in der Tür, während der Angeklagte weiter auf den Zeugen einschlug.„Herr Wachtmeister, Sie sehen, wie mich der Schutzmann mißhandelt," rief der Zeuge dem Telegraphisten zu. In demselben Augenblick — sagt der Zeuge— bekam ich schon wieder einen Schlag. Da habe sich der Telegraphist ins Mittel gelegt und zu dem Angeklog- ten gesagt:„Nest, was machen Sie denn, Si« haben den Mann nicht zu schlagen."— Auf dem Korridor vom Telegraphenzimmcr nach der Wache— sagt der Zeuge— sei er aufs neue vom Ange- klagten geschlagen und mit dem Fuß gestoßen worden. Auch da habe der Telegraphist wieder gesagt:„Nest, lassen Sie doch den Mann in Ruhe, ick habe schon mal gesagt, daß Sie ihn nicht schlagen sollen. Lassen Sie ihn doch allein geben." Die Mahnung habe nichts genutzt, der Angeklagte habe den Zeugen fortgesetzt ge- schlagen und mit wildrollenden Augen gerufen:„AaS, Dir werde ich es besorgen." Am Tage nach diesem Vorfall ist der Angeklagte Nest in die Wohnung des Zeugen Hacker gekomm«« und hat diesen ersucht, nichts aus der Sache zu macheu. Er hat sein Verhalten bedauert und eS mit seiner Erregung entschuldigt und— wie Hacker sagt— ihm auch eine Geldzuwendung angeboten. Hacker hat sich seiner Angabe nach bereit erklärt, keine Anzeige zu erstatten, hat dem Angeklagten aber das Versprechen abgenommen, daß er ihm, dem Zeugen Hacker, falls er infolge der Mißhandlungen arbeitsunfähig werden würde, die Differenz zwischen Krankengeld und Arbeits- lohn auszahle. Hierzu hat sich der Angeklagt« Nest in einem bei den Akten befindlichen RevcrS, den er auf Ersuchen Hackers nieder. schrieb, bereit erklärt. Der Angeklagte bemerkt hierzu, er sei zu Hacker gegangen auf Veranlassung de» NeviervorsteherS, der zu ihm sagte, eS könne schlimm für ihn— den Angeklagten— werden, er solle sehen, daß er sich mit Hacker einigen könne. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Schwindt, suchte den Zeugen tacker als unglaubwürdig hinzustellen. Zunächst fragte er den eugen, wie er zum„vorwärts" stehe. Als dies« Frage allgemeine Verwunderung erregte, fragte der Verteidiger, ob der Zeug« eine« Artikel im„vorwärts" verfaßt oder veranlaßt habe, der von der Behandlung eines Arrestanten handelt. Nachdem der Zeuge dies verneint hatte, wurde fein Vorleben beleuchtet. Da kamen nun Tinge zur Sprache, die zwar die Glaubwürdigkeit des Zeugen nicht unbedingt autschließen, aber doch ein recht ungünstiges Licht auf seine Person werfen. Hacker war früher Schutzmann in Hambstrg. Seiner Angabe zufolge ist er freiwillig von der Schutzmannschaft abgegangen. Ter Gerichtsvorsiyende stellte aus den Akten fest, daß Hacker gerichtlich mit 50 M. bestraft worden ist, weil er als Schutz- mann eine Zivilperson heftig stieß und sie„Lausejunge",„Scheiß- Hammel" schimpfte. Ferner ist Hacker nach Angabe der Akten mehrmals disziplinarisch, einmal mit 8 Tagen Arrest bestraft toow den, und, um seiner im Wege des Disziplinarverfahrens in Aus- ficht stehenden Entlassung zuvorzukommen, ist Hacker von der Schutz- Mannschaft abgegangen. Zwei Zeugen, die den Zusammenstoß zwischen dem Schutzmann Nest und dem Zeugen Hacker auf der Straße zum Teil beobachtet haben, stellten den Vorgang so dar, daß Nest sich ruhig verhalten, Hacker aber laut geschimpft und die Hand gegen den Schutzmann erhoben habe.— Was Hacker über seine Mißhandlung auf der Polizeiwache angab, wurde durch den Telegraphisten. Schutzmann Meier, soweit er Augenzeuge des Vorganges war, bestätigt Meier ist auf den Hilferuf Hackers erschienen. Er hat gesehen, wie dieser vom Angeklagten Nest mit der Faust geschlagen wurde und hat dem Nest das untersagt.' Meier hat auch gesehen, daß Nest später noch, als er Hacker aus dem Telegraphenzimmer nach der Wache brachte, mit dem Fuße stieß. Von weiteren Mißhandlungen hat Meier, wie er angibt, nichts bemerkt. Die Schutzleute Bischof und Teichert gaben an, sie wüßten nicht, daß dem Hacker nach dem Verlassen des Telegraphenzimmers noch etwas passiert sei. Nach dem Gutachten eines ärztlichen Sachverständigen ist der Angeklagte schon seit seiner Geburt mit einer krankhaften Nerven- schwäche behaftet, die sich im Laufe der Jahre noch gesteigert hat. Er ist infolgdessen leicht erregbar und zu AsfektauSbrüchen geneigt. Nach dem Vorfall mit Hacker ist der Angeklagte wegen seines Ner, venleidens in„HauS Schönow" behandelt worden. Es wurden dort Anfälle von Migräne, verbunden mit vorübergehender Trü- bung dcS Bewußtseins bei ihm festgestellt. Seine freie Willens- bestimmung im Sinne des Strafgesetzes ist aber dadurch nicht aus- geschlossen. Ter Staatsanwalt ließ die Anklage auf unberechtigte Fest- nähme fallen und beantragte wegen Körperverletzung im Amte eine Geldstrafe von 150 Mark.. Das Gericht erkannte den Angeklagten der vorsatzlichen Körper. Verletzung in Ausübung des Amtes für schuldig und verurteilte ihn zu 50 M. Geldstrafe. Eine rechtswidrige Verhaftung liege nicht vor, denn Hacker habe den Angeklagten beleidigt und infam be- schimpft, auch habe der Angeklagte annehmen können, daß Hacker ihn schlagen wollte. Von den Vorgängen auf dex Wache sei nur das erwiesen, was der Schutzmann Meier gesehen hat. Danach ist Hacker mehrmals mit der Faust geschlagen und mit dem Fuß ge- stoßen worden. Daß Hacker schon vorher geschlagen sei, halt das Gericht nicht für glaubhaft. *.« Es ist ein Glück für den Zeugen Hacker, daß der Schutzmann Meier zur rechien Zeit auf dem Plane erschien, um wenigstens einen Teil der Mißhandlungen mit anzusehen. Sonst wäre statt des Schutzmanns Nest jedenfalls der Zeuge Hacker auf die Anklage- dank gekommen. Unglaubhaft erscheint es keineswegs, daß der Schutzmann, der seinen Arrestanten noch unter den Augen deS Telegraphisten prügelte, nicht sckon vorher, wo er sich unbeobachtet wußte, geschlagen haben soll. Wenn das Gericht daS für unglaubhaft hält lediglich deshalb, weil der Zeuge als früherer Schutzmann sich selber einer Mißhandlung schuldig machte, so ist da» kein Zeichen von scharfer Logik. Noch eine Frage an das Polizeipräsidium: Gibt e» denn für den nervenkranken Schutzmann Nest gar kein« andere Verwendung als im Straßendienst? Welches Unheil kann so ein nervöser, leicht erregbarer Schutzmann in der Zeit der Jagowschen Schießerlasse anrichte». Hus der fraucnbeweguncf, Leseabende. Mariendorf. Umständehalber findet diesmal der Leseabend a ch t Tage später, am Donnerstag, den 21. d. M., abends 8 Uhr, bei Lucas Nachfolger(Paul), Königstr. 14, statt. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klasse. Montag. den 18. Sepiember: Versammlung in Keller« Neuer Phil- Harmonie, Köpenicker Str. S6. Lichtbildervortrag: Die Ent- Wickelung der modernen Malerei. Referent: Herr Robert Breuer. Die Mitglieder werden hiermit darauf hingewiesen, daß die ver- sammlungen jetzt jeden ersten und dritten Montag im Monat in Keller« Neuer Philharmonie stattfinden. Lriefkapten cker Redaktion. ®. R. SO. l M.— K. L. 18. Der Beamte war im Recht. ES empfiehlt sich W-iterversicherung.— W. 117. 1. Ja. 2. Ja. sofern nicht V-rjähruna eintritt. 3. Ja, falls ausgeklagt. 4. Nein. 5. Ja.— Friebel. Heck- maun-Ufer. DaS Gesetz verbietet in solchem ifalle nur eine übermäfiac die Gesundheit gefährdende Arbeitszeit, ohne Festsetzung einer bestimmten Arbeitszeit.— H. N. 31. I. Ja. 2. Die Hälfte. 3. Magistrat bez. Landrat Zur geß. Beachtung! Aus meinem geschätzten Kundenkreise erhalte ich zahlreiche Anfragen, welche die bei einer ähnlich lautenden Firma bestehenden Lohndifferenzen betreffen. Demgegenüber teile ich ergebenst mit, daß in meinen sämtlichen Geschäften keinerlei Differenzen mit dem Personal vorliegen, im Gegenteil, Chef und Angestellte im besten Einvernehmen arbeiten. Carl Stiller Inhaber der Firma Carl Stiller W. Leipziger Str. 29 ' Uu FiWridrtr.(Midier hjui«) W. Königgrätzer Str. 124-129 S. Oranienstr. 155-156 Hotol FQntenhof Ecke Priszesamnenstrafie SrfnitTni.fi. Theater und Vergnügungen Donnerstag,14. Sept. 1S11: Nnsang VI, Uhr. K. Cporuliaits. Die Zanberflöte. 5t. Schauspielhaus. Die OuitzowS. TcutichcS. Was ihr wollt. Berliner Prater. Die junge Garde. Haperland. Spezialiläten. 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Donnerstag, den 14. Sept., 8 Uhr: Kabale und Liebe. Bürgerl. Trauerspiel v. Fr. v. Schiller. Freilag 8 Uhr: Judith. Sonnabend nachm. 3'/, Ubr: Erste Fugcndvorstcllung: Rumpelstilzchen. Luisen-Theater. Heute 8 Uhr: Das Wintermärchen. !08c-7n�ir Große FranliuNei Air. 132. Anfang 81/. llhr. Lassalles Ende Sonnt, nachm.: Staalsanw.Alerander. Au! der Gartenbühiie die gr. Revue! tln gibt nur oin Berlin. I -Theater. Direttion Richard Alexander. Abends 8 Ubr: Die vame von �laxim. Schwank in 3 Akten von G. Feydcau. Sonnabend. tS. Sept., zum l Male: Ein Walzer von Chopin. Schwanken 3 Akt, v, Ksroul u. Borrs. TlcUe-�niai»«?e-rr!teater Die Diebin. Scnlaiionsschauspiel in 4 Akten von tt SR.$• Mc. Lcllan. Ans. 8'/, Uhr. In Deutichland und Amerika über LOGO mal zur Ausführung gelangt. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Roms Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. k/�lCCISCHER GA»TEN Täalich: Großes MilitSr- M Doppel-Konzert. 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September 1911. abends 6 Uhr 1 Hranchen-Nersainmwtlg aller in der Berliner Geschäftsbuch-, Schreibheft--, Kassen-, Zeichen- und Kalenderblock- Industrie, sowie Liniieranstalten beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen i« de»»Musiker-Fcslsälcn-', Kaiser-Wilhelm-Strafte 18m. Tages- Ordnung: 1. Das Scheitern der Tarifvcrhandlungeu. 2. Stellungnahme zu der gegenwärtige« Situation. 25/8 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltiuic. Reiehshallen-Thealer. Stettiner Sänger Me/sel, Britton, Seidel, Horst, Schrüter.ScIiubert Gröning A. u. R. Schräder. »jgf Anfang wochentags MU« Uhr, Sonntags 7 Uhr, Trianou-Theater. Ansang 8 Uhr. Ihr Alibi. Volbsgarlell-Ibealer. Säle für Vereine und Aewerk» schalten noch einige Sonnabende srei bei lulanten Bedingungen. Mobd-JZngebot. Solides Alöbelgeschäst liefert bürgerliche Wohiiuugseiurichtungm sowie ein. zclne Möbel gegen»lägige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen, Anfragen unter Postlagerlarte 16, Postamt tOZ. 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W dkljkiiigkii Ilisilisiliiilkii, Sic iw folsiitarif iw Hmkimdeiltr Don(Orol-Strlin bewilligt haben. Nartetgenosten, Arbeiter, Interessenten, Rnucher! Wer die Tnbakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uedt Solidsrifäl! Osten. Ctfo Schirmer, Frankfurter Allee 7. SLilh. Klein, Am Obcrbaum t. Richard Schulze, Friedrtchsseider Straße 23. At. Haunemann, Breslauer Str. 8. R. Fricke, Langcstr. 23, IV. Paul Wotschke, Andrcasstr. 16. Hermann David. Weidenweg 3. Helene Kol borg, Mcmcler Str. 34. Peterson, Weidenweg 83. Hermann Kasrlom, Fricdenstr. 74. Thranz KrUger, Poscncr Str. 25. Joh. Heide», Weidenweg 26. tSrnst Vosi, Voigtstr. 6. Gustav Brösel, Fruchtstr. 83. Südosten. Augnst Lesevre, Adalbcristr. 18. Ph. Baehr, Naunynstr. 24. Nmil(«übler, Cuorystr. 48. Louis Fischer, Wiener Str. S7h. Giistav Zillich, Förster Sir. 8. F. Lobbes, Adalberistr. 58. Süden. WilH. Voerner, Riilerstr. 15. August Zech, Gilschiiicr Sir, 53. Robert Keßler, Mariannciistr. 37. («nstnv Schmidt, Gräsesir. 68. Gustav Lochmann. Wasseriorslr. 43. Nordwesten. Richard Kiepert, Zwinglistr. 23. Otto Bornkcssrl. Waldslr. 33, III. Rodert Kern, Slromslr. 25. Richard Schoppan. Wiclesstr. 46,1. H. Hagedorn, Beussclstr. 33. Norden. Tcglow, Hochslr. 2a. Paul Nlazankc, Pankstr. 24. ZI. Kvrnetzki. Wollincr Str. 23. Heinrich Keuipcrö, Fchlbclliner Straße 57. A. Lindeman», RhcinsbergerStr.37. Frit? Sperber. Ruppiner Str. 44. B. Moritz, Bcrnaiicr Str. 18. Hermann Licbrecht, Wetßenburger Straße 83. Julius Nicke. Saarbrüiker Str. 7. Wild. Klein. Müllerstr. 184. Paul CPiti, Lhnarflr, 2. V. Robrah», Krciscnhagener Str. 16. Karl Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. H. Vongardt, Gleimstr. 40. I. Stadrry. Gleimsir. 10. Gustav Piniicr. Trcsckowstr. 36. F. Ziuiincrmann, Trcsckowstr. 13. Hcrm. Kriedcmann, Stargarder Straße 74. Franz Frib, Triststr. 4. Paul Noa, Malplaquetstr. 24, I. Wilhelm Nüst, Antonstr. 2. W. Möppner, Ma�lr. 13a. August Schirmcr, Jnvalidcnstr. 2. E. Gobien, Freicnwalder Str. 22. Nordosten. Otto Netter, Höchstestr. 32. Jos. Krobisch/Büschingstr. 20. Vi nx Polest, Friedrichsberger Sir. 10. Jakob Rrnl, Bnr-nimslr. 42.j Karl Müller, Ziytestr. 38. 31. Dierbach, Winsstr. 25. Dh. Bernhöst, Grcisswaldcr Str. 207. Zentrum. A. Ehaim. Mulackstr. 11. Vororte. Mar Belger. Lichtenberg, Psarr» siraße 43. Alber» Schumacher, Lichtenberg, Warteubergstr. 68. Oskar Masel kopff, voxhagen, Wesel str. 35. Wilhelm Schulze, Rixdors, Stein- metzstr. 110. («uiiav Becker. Rixbors. Jnnstr. 22. Wilhelm Klein. WUmersdors, UHlandftr. 128. Paul Witt, Steglitz, Düppelstr. 5. Rob.Stübner. Steglitz. Swloßstr.llZ. Vi. Lcliinann. Rciiiickcndolj- Ost, Thunerstr. 5. Wilh. Kleiu, Tegel. Berliner Str. 84. Nachträglich eintreffende Bewilligungen werden den späteren Veröffentlid)ungen mit angefügt.— Plakate werden nur gegen Vorzeigung des unterzeichneten Tarifs im Bureau der Tabakarbeiter, Große Hamburger Str. 18/19, 2. Hof I, ausgehändigt. Der jUkrfrftltrttötttdttlf. A. Schulze,©rohe Hamburger Str. 18/19. Je höher der Umsatz desto höher der Lohn, desto bessere Arbeitsbedingungen und bessere Produkte. Keine Heimarbeit! Zigarren Je höher der Umsatz desto höher der Lohn, desto bessere Arbeitsbedingungen und bessere Produkte. Keine Heimarbeit! ohne Konkurrenz, in vorzüglichster Qualität und billigen Preisen. Hygienisch einwandfreie Herstellung zu den* höchsten Lohn- u. besten Ndeitsbeämgungen des Cabakarbeiter-llerbandes beim Generaldepot der Zigarrenfabriken der Großeinkaufe-Gesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H., Hamburg (früher Tabakarbeiter-Qenossenschaft, Hamburg) Udo Stangenberg, Berlin SQ., Köpenitker Straße 20 a (Fernsprecher Amt 4, 9460) und in allen Verkanfsstellen. (Fernsprecher Amt 4, 9460) Verantwortlicher Redakteur Richnrd Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.« Berlin SW. 9r. 315. 28. ZshkMg. 4. Seilte des.lormirts" ferlinet AldsdlM. Partei- Hngelegenbeiten« Verna». Heute Donnerstag: Zahlabend in den bekannten Lokalen. Die Bezirksleitung. Wandlitz» Basdorf i. d. M.(Bez. Pankow). Am Sonnabend, den 16. September, bei Lassan-Wandlitz: Mitgliederversammlung (geineinsamer Zahlabend). Es ist eine sehr wichtige Tagesordnung zu erledigen._ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbtem Die Feuerwehr auf Reisen. Ihren Spitznamen:„das Mädchen für Alles" verdient sich jetzt die Berliner Feuerwehr auf eine ganz neue Art. Es ist bekannt, daß man sie herbeiholt zur Rettung ver- flogener Papageien und ins Wasser gepurzelter Gäule, auch zum Einfangen von Bienenschwärmen. Ein besonderer Schlau- köpf hatte sogar mal den Einfall, den öffentlichen Feuermelder zu benutzen, weil er den Hausschlüssel vergessen hatte. Es wird also unserer braven Wehr mitunter wirklich ein bißchen viel zugemutet. Was sie aber bei den heurigen Kaiser- manövern zu suchen hat, dürste manchem schleierhaft sein. Das Unglaubliche— es wird Ereignis: ein Spritzenauto der Berliner Feuerwehr mit dem Brandmeister Steiner und einer größeren Anzahl aus den verschiedenen Brandkompagnien sieben- mal gesiebter tüchttgster Feuerwehrleute ist zu den Manövern ab- kommandiert worden I Was ist der Zweck der Uebung? Keine direkte Beteiligung an den Manövern, auch keine Bor- führung, die ja bequemer in Berlin stattfinden könnte. Biel- mehr dient das ansehnliche Feuerwehrkommando ausschließlich dem Schutze der Person des Kaisers, der sein Hauptquartier im Schlosse des Boitzenburger Arnims aufgeschlagen hat. Desselben Arnim, den geschäfttge Zungen schon für das traurige Erbe Bethmann Hollwegs präsentteren. Die Berliner Feuerwehr soll also hier darüber wachen, daß die verwitterte Stammburg des Boitzenburgers, die trotz modernen Aufputzes an allen Ecken und Kanten den Zahn der Zeit erkennen läßt, nicht während des kaiserlichen Aufenthaltes in Flammen aufgeht. Schön... so weit läßt sich die Sache hören. Nur darf man Wohl die Vermutung aussprechen, daß aus dieser ganz neuen Mode sehr bald eine Gewohnheit werden kann, wenn nicht gegen eine solche Jnanspruch- nähme der Berliner Feuerwehr von vornherein Protest er- hoben wird. Die Berliner Feuerwehr wird aus der Tasche der Berliner Bürgerschaft bezahlt und sollte nicht ohne weiteres dazu da sein, um persönliche Bedürfnisse des Mon- archen weit außerhalb der Grenzen der Reichshauptstadt zu befriedigen. Oder hat Berlin so viel Uebcrschüsse, um über- flüssige Feuerwehrleute zu besolden? Es bestecht also die Gefahr, daß in Zukunft noch öfter solche Abkommandierungen der Berliner Feuerwehr nach außerhalb„befohlen" werden und schließlich die jetzt gelegentliche Inanspruchnahme zu einer ständigen Einrichtung für die Krone wird, die ja neuerdings auch eine besondere Feuerwache im Berliner Schloß hat etablieren lassen. Darunter leidet aber auch die Schlagferttgkeit unserer Wehr. Gerade jetzt, wo in Berlin und den Vororten so viele große Brände an der Tagesordnung sind, sind ein Dutzend Mann- schasten nicht wochenlang zu entbehren und müssen auch sämt- liche Feuerwehroffiziere ständig auf dem Posten sein. Wenn die Boitzenburger Burg des Brandschutzes bedarf, so soll man diesen Schutz anders woher nehmen. Und wer bezahlt, mit Verlaub, die Rechnung? Es ist durchaus nicht als so ganz selbstverständlich zu betrachten, daß die königliche Schatull- kasse sich erkundigt, was sie der Berliner Bürgerschaft schuldet. Wer etwa glaubt, daß Frau Berolina eine zarte Mahnung losläßt, hat die Rechnung ohne den ordengeschmückten Kirfchner gemacht. Die regierenden Fürsten sind überdies noch heute, wie in früheren Jahrhunderten, daran gewöhnt, sich schadlos zu halten. Aber auch noch für angemessene Bezahlung ist die Benutzung der Berliner Feuerwehr zu solchen Zwecken ein Risiko. daS Widerspruch herausfordert. Sonst erlebt man das Schauspiel, daß demnächst die Berliner Feuerwehr zu einer neuen Jerusalemfahrt oder zu dem. ersten besten Jagd- vergnügen abkommandiert wird. Dazu hat die Berliner Bürgerschaft kein Geld übrig,— auch wenn die Berliner Feuerivchr als Abteilung des Polizeipräsidiums den Titel „königlich" führt._ Kinderhandrl in der Relchshauptpadt? An die Darstellungen Emile Z o l a S in seinem Roman„Frucht- barkeit" werden wir erinnert, wenn wir uns vergegenwärtigen, was die Schwester Henriette Arendt, ehemalige Polizeiassistentin. iiber angeblichen Kinderhandel in Berlin mitteilt. Auf Veranlassung der Deutschen Gesellschaft für Mutter» und KindeSrccht habe fie diesem trostlosen Gebiete ein monatelanges Studium gewidmet. Sie erklärt: Sie könne beweisen, dah in Verlin Kinder zu seder Preislage von 300 M. aufwärts bis 10 000 M. und mehr zu den verschiedensten Zwecken nach dem Auslände verkauft würden, ohne daß den Händlern von irgendeiner Behörde Schwierigkeiten gemacht werden. Ein groher Teil deutscher Kinder, die mit Abfindung übernommen werden, werde in das Pariser Findelhaus expediert und auf Kosten der französischen Nation unterhalten. In einem Falle habe ein- fragwürdiges Ehepaar, das in einem Vorort von Berlin wohne, sogar die Konzession, Kost- kinder zu halten. Es übernehme Kinder mit Abfindungs- summen von 3000—5000 M. und lasse diese Kinder entweder bald st erben oder verschwinden. Die Frau sei— noch ihrer eigenen Angabe— auch zwei Jahre Waisenpflegerin f-ewesen. Der einzige Erwerb, den diese Leute nachweisen könnten, ei die Herstellung unzüchtiger Postkarten. ES wird Sache der Behörden sein müssen, nachzuprüfen, ob die von der Schwester Arendt gemachten Ermittelungen zutreffen, und wenn ja. geeignete Maßnahmen hiergegen zu tteffen. Zwischen der Tischlcrinnung zu Berlin und dem Berti» Berliner Waren- und Mödclkredithäuser ist unter dem 1. September 1911 vachstehender Vergleich geschloffen worden: 1. Der Verein der Waren- und Möbelkredithäuser erkennt die Forderung der Tischlermeister und Möbelsabrikanten bezüglich Er- höhung der Preise ihrer Fabrikate um T1/, Proz. als berechtigt an und wird be» seinen Mitgliedern dahin wirken, daß dieser Aufschlag, soweit er gefordert und noch nicht gezahlt wurde, bewillig: wird. Maßregelungen wegen dieser Forderung sind nicht zulässig. 2. Der Berein erklärt sich mit dem Bestreben der Tischler» fanunci, daß die in Verlin gehandelten Fabrikate soweit als irgend möglich auch in Berlin gefertigt sein müssen, einverstanden nnd wird diese Bestrebungen ernstlich zu unterstützen suchen. Auch die Versuche der Innung, den einfacheren Möbel gefälligere Formen zu geben, v«d-» lebhaft begrüßt. 3. Um die vorbezeichneten Bemühungen der Tischlerinnung praktisch zu fördern, wird der Berein vorerst mindestens 60 der beim Wettbewerb für Beschaffung geschmackvoller, zweckmäßiger und preis- werter Einrichtungen von Arbeiter- und Beamlenwohnungen preis- gekrönten Zimmer bis zum 1. April 1912 fest ankaufen, auf die Verkaufsläger seiner Mitglieder verteilen nnd in deren Kundenkreis einführen. 4. Die Tischlerinnung dagegen verpflichtet sich, den Verein der Waren- und Möbelkredithäuser bei der Stipulation zeitgemäßer Leihverträge. Reform der Snlart aller in den Handel kommenden Möbel, sowie in der Bekämpfung von unlauteren Agenren und Elagengeschäften, des Reklamewesens, sowie ähnlicher Krebsschäden mit Rat und Tat zu unterstützen. ö. Zur Schlichtung von Streitigkeiten und Differenzen wird aus den beiderseitigen Vorständen eine Schlichwngskommission von je fünf Mitgliedern gewählt und als Obmann das Mitglied der Berliner Handelskammer Herr D. Bry bestimmt. 6. Diese Vereinbarungen gelten vorläufig bis zum IS. Februar 1913 und laufen stillschweigend immer um ein Jahr weiter. wenn nicht die Schlichtungskommission Zusätze oder Aenderungen beschließt._ Aendcrnng von Namen auf der Wannseebaha. Die königliche Eisenbahndirektion hat dem Vorstand des Vereins Zehlendorf-West auf einen Antrag die Mitteilung gemacht, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten damit einverstanden ist, daß die jetzige Be- zeichnung des Bahnhofes Zehlendorf-Beerenstraße in Zehlendorf- West und die des Bahnhofes Zehlendorf-Wannieebahn in Zehlendorf- Mitte umgeändert wird. Die entsprechende Abänderung der Bahn- Hossanschristen muß aus dienstlichen Gründen einem späteren Zeit- punkt, und zwar voraussichtlich bis zum Jahreswechsel vorbehalten werden. Ein schweres Brandunglück hat sich vorgestern in dem Hause Carmen Sylvastr. 82 zugetragen. Die 20 Jahre alte Ehefrau des dort wohnhaften Bäckergesellen Bayer wollte abends Kaffee warm machen. Sie goß auf einen noch brennenden Kochapparat Spiritus auf. dabei fing die Flüssigkeit in der Flasche Feuer, worauf der Be- hälter mit lautem Knall explodierte. Die Kleider der B. gerieten in Brand und in wenigen Minuten stand die bedauernswerte Frau in hellen Flamnien. Hilferufend stürzte sie aus den Korridor hinaus. wo es Hausbewohnern erst nach längerem Bemühen gelang, durch Aufwerfen von Decken das Feuer zu löschen. Frau B. hatte jedoch bereits auf dem ganzen Körper, insbesondere im Gesicht und an der Brust, schwere Brandwunden erlitten, die ihre sofortige Ueberführung nach dem Krankenhause Friedrichshain erforderlich machten. Hier ist die Unglückliche wenige Stunden nach ihrer Einlieferung an den Folgen der erlittenen Verletzungen unter entsetzlichen Qualen ver- starben. Maultierimport für die BerNner OmnibuSgesellschast. Die Direktion der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft will, so wird mitgeteilt, nach und nach ihre Wagen mit Maultieren bespannen lassen und dann die Pferde abschaffen. Zu diesem Zwecke sind be- reits 12 Maultiere aus Argentinien in Berlin eingettoffen, die augenblick eingefahren werden, damit sie bereits Anfang nächster Woche„in Dienst" gestellt werden können. Die Direktion der Gesellschaft sieht sich zu dieser Maßnahme veranlaßt, weil sie Futter ersparniffe machen mutz, und erwiesenermaßen find Maultiere weit genügsamer als Pferde, ohne diesen an Leistungsfähigkeit nach' zustehen. lieber die Verhaftung deS Bankbeamten Fritz Taubert, der kürz lich der Dresdener Bank für 20 000 M. Kanada-Aktien stahl, wird noch folgendes mitgeteilt: Taubert lernte zehn Tage vor seiner Flucht die Sascha John kennen, die vor vier Monaten von Breslau nach Berlin kam und hier in der Elsasier Straße ein Quartier be- zog. Nach der Vergnügungsfahrt von Hamburg reiste das Pärchen nach London und nahm dort in einem der vornehmsten Hotels unter dem Namen Hammerstein und Frau aus Berlin ein Zimmer, für das eS täglich 40 M. zahlte. Das vermeintliche Ehepaar galt als sehr vermögend, weil der Mann gleich 10 000 M. im Geldspind des Hotels niederlegte. Bald nach der Ankunft kleideten sich Taubert und Sascha in den ersten Geschäften neu ein. Dann lauste T. zwei Fahrkarten nach Amerika. Sascha aber bestand darauf, daß sie nicht eher die Reise über den großen Teich antreten werde, als bis sie Frau Taubert geworden sei. Auch hiermit war Taubert ein- verstanden. Man suchte einen Geistlichen aus und erließ daS Auf gebot, nachdem er sich bereit erklärt hatte, die Trauung zu vollziehen. Inzwischen wurde das Paar von einem Berliner Kriminalkommifsar verhaftet. Außer den 10 000 M., die Taubert in Verwahrung ge- geben hatte, beschlagnahmte er auch alle Neuanschaffungen, auch die ganze Ausstattung der Sascha, so daß für die Bank noch 13 000 M. gerettet wurden. 7000 M. hatte Taubert in der kurzen Zeit doch schon durchgebracht. Sascha war erst sehr erstaunt und schien über die unerwartete Wendung ihres Geschicke« untröstlich zu sein. Sie beruhigte sich aber bald und fuhr mit einem der nächsten Züge nach Berlin zurück. Ein schwerer Betriebsunfall auf'der Eisenbahn hat sich am Dienslagnachmillag auf dem Berliner Oslbahnhos zugetragen. Dort wurden mehrere Güterwagen rangiert, während gleichzeitig der 51 jährige Eisenbahnarbeiter Johann Körber, Am Ostbahnhof 16 wohnhaft, aus dem Bahnkörper beschäftigt war. Als K. nach Be endigung seiner Arbeit sich nach Hause begeben wollte, überschritt er, um den Weg abzukürzen, die Gleise, auf denen rangiett wurde und übersah dabei das Herannahen einer Lokomotive, die einen Waggon vor sich herschob. Von dem abgestoßenen Wagen wurde Körber um- gestoßen und geriet unter die Räder des Waggons, wobei ihm der rechte Unterschenkel vollständig zermalmt wurde. In besinnungö> losem Zustande wurde der Verunglückte zunächst nach der Unfall station in der Warschauer Straße und von dort nach Anlegen von Notverbänden noch dem Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt. wo das verletzte Glied abgenomnien werden mußte. Auf dem Potsdamer Platz verunglückt ist gestern mittag der Präsident der Juslizprüsungskommission, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Eccius: er wurde von einem Straßenbahnwagen der Linie 88 überfahren und trug Rückenverletzungen und eine Stirnwunde davon. Man schaffte den Verletzten nach der HiifSwache in der Kölhener Straße und dann nach seiner Wohnung in der Meinekestraße in Charlottenburg. Turbulente Szenen, an denen auch organisierte Arbeiter beteiligt gewesen seien, sollten sich nach Berichten bürgerlicher Blätter in dem Lokal von Bauniann, Stettincr Straße 51. ereignet haben. Der Inhaber des Lokals bittet uns mitzuteilen, daß allerdings am Montag, den 11. September, sich eine solche Szene in seinem Lokal abgespielt habe, diese sei jedoch von eintretenden, ihm unbekannten fragwürdigen Elementen angezettelt worden, die einen in dem Lokal sitzenden Gast gesucht und sofort ans denselben eingeschlagen hätten._ Vorort- JNf achrichten. Nixdorf.. Die Wahlbezirke in der- 2. Wählerabtcilung. Wegen der in der Zahl der stimmfähigen Bürger bei der 2. Wählerabteilung eingetretenen Aenderungen hat der Ma- gisttat, wie wir bereits mitteilten, die Zahl der Bezirke der Bezirke in der 2. Abteilung von 4 auf 6 erhöht und folgende veränderte Wahlbezirkseinteilung für die Stadtverordneten- mahlen festgesetzt: t. Wahlbezirk. Bürtnerswahe, Frtedelstratze. Hobrechtstr 11—74, gansaftratze, Kottbuser Damm, Lenaustraße, Liberdaltratze, MaMNusstraße, Maybachuser, Nansen- straße. Ossastr. 1—8. 43—50, Pannterftr. 4-60, Pslügerstraße, Schmtestraße, Reutciplatz, Reulerstr. 27—65, Rütliswaße, Sanderswaße, Tellstraße, Weserltr. 1—31 und 189—217. S. Wahlbezirk. Anzengrubcrstraße, Berliner Str. 47/8—61, BerthelSdorserskaße, Bouchä- ftraße, Broikenstrahc, Damr.iweg, Donauitr. 35— 53 und 86— 08, Elbestraße. Elsenftraße, Finowstraße. Fuldastr. 11—52, Harzerstr. 1— 94, Heidelberger Straße, Hertzbergplatz, Innstr. 4—23 und 31—48, Kaiser-Friedrich sw. 29 bis 221, Kicjholzstraße, Köllnisches User, Laubestraße, Lohmühlenplatz, Loh- mühlcnstr. 25—36, Ossastr. 9—16, 34-42, Richardstr. 1—8 und 108—120, Roseggerstr. 13— 41, Schandauer Straße, Stuttgarter Straße, Teupitzer Straße 15—97, Thiemannstr. l— 14 und 26—40, Treptower Sw. 40-44 und 51—96. Weichsclplatz, Weichselstr. 11—60. Weiganduser. Wesersw. 82 bis 183, Wiesenuser, WUdenbruchplatz, Wildenbruchstraße, Straße 16, 16«, 17, 22a, 23o. 35a, 37. 38ä. 47. 52, 53. 54. 55. 60. 62. 65, 66, Platz S. Md W. 3. Wahlbezirk. Bergstraße, Böhmischestraße, Bruscndorser Straße, Donaustr. 54—85, Droryfwaße, Eislerstraße, Gärtncrswaße, Goetheswaße, Grenzallee, Hertzberg- ftraße, Hobenzollernplatz, Jnnstr. 24—30, Fohann-Hußstraße, Canner Chaussee, Canner Straße, Kirchgasse, Kirchhossw. 1— 9 und 35—49, Lahn» straße, Mareschstraße. Mitleibuschweg, Naumburger Straße, Niemetzstraße, Nichardpiatz, Richardstr. 9-107, Roseggerstr. 1—12 und 42-55, Rosenswaße, Saaleslraße, Schöneweider Straße, Schudomaswaße, Teupitzer Straße 1 bis 14 und 98—111, Thiemannstr. 15—25. Thüringer Straße, Treptower Str. 1 bis 9 und 97-106, Unstrutswaße, Waltersw. 27—42, Wipperstratze. Zeitz« Straße 15 b, I6b, 60, 63, 180 a. 180c, 1806, 180«, 181, 181b, 181b, 185a, 187 b, 183. Platz. Z 4. Wahlbezirk. vambachstraße, Bendastraße, Boberslraße, Bodestraße, Bnmo-Bauer» Swaße, Delbrückstraße, Edmundstraße, Emser Straße, Glasowstraße, Grün« Weg. Hcrmaimstr. 75-178, Herthaswaße, Jlsestraße. Jonasltraße, JulmZ. straße, Kirchhossw. 10—34, Knescbcckstraße, Kranoldpiatz, Kranoldswaße, Mariendorscr Weg, Neißestraße. Netzeslraße, Nogalswaße, Odersw. 7— 29, Rcinholdstraße, Ringbahnswaße, Rübelandstraße. Schiertestratze. Sellestraße, Siegjricdstraße, Stubenrauchplatz, Thomastraße, Waltersw. 1—26 0. 43—55, Warthestraße. Straße 166, 167a. 170, 202, 204, Platz XV. 6. Wahlbezirk. «llerstraße. Am Wasierturm, Boddinplatz, Fallstraße. FoManeftraßi, Hermannsw. 28-74 und 179-232, Hcrrjurthplatz, Herrsurthstraße. Jäger. straße. Jsarsw. 5—10. Karlsgatteustraße. Kopsstraße. Leinestraße. Lesfing. straße, Lichtemader Straße, Mahlower Swaße, Mainz« Sw. 27—36, Mittelweg, Neckarstraße, Oderstr. 30-52, Okerswaße. Priiiz-Handjery-Swaße, Schillerpromenade, Selchower Swaße, Steinmetzswaße, Wanziickswaße, Watzmatinsdors« Swaße. Weisestraße. Ziethenswaße. Straße 202, 204, 207b. 6. Wahlbezirk. Berlin« Sw. 1—46 nnd 62—107, Biebrich- Swaße, voddwstraßi, Donausw. 1—34 und 99—131. Erkstraße. Erlanger Straße, Fuldastr. 1—10 und 53—61, Hasenhelde, Hermannplatz. Hermannsw. 1—27 und 233—253, Hobrechtsw. 1—10 und 75—84, Jsmstr. 1—4 und 11—14, Kaiser-Friedrich- straße 1—23 und 222—248, Mainzer Sw. 1—26 und 37—60, München« Straße, Panniersw. 1—3 und 61—64, Reulerstr. 1—26 und 66—99, Schön- stedtstraße, Weichselstr. 1—10 und 61—69, Wißmamiswaße, Swaße 151, 152. In der Bezirkseinteilung der I. und m. Wählerabteilung treten Aenderungen nicht ein. Die vorstehende Wahlbezirkseintelluna der H. Wählerabteilung tritt mit dem 14. September 1911 in Kraft. Mit dem gleichen Zeitpuntte verliert die im Plane vom 9. Juni 1909 festgesetzte Bezirkseinteilung für die II. Wählerabteilung ihre Gültigleft._ Eine Familientragödie. Die Rixdorfer Feuerwehr wurde gestern nachmittag nach der Niemetzstr. 6. 4 Treppen gerufen, wo eine Frau Marie John in selbstmörderischer Absicht versucht hatte, durch Auf« schneiden der Pulsadern und Oeffnen des Gashahnes sich und ihrem zweijährigen Söhnchen das Leben zu nehmen._S5ie Feuerwehr rief beide. Mutler und Kind, durch Einflößen von Sauerstoff ins Leben zurück und, nachdem Notverbände unter Assistenz des Sanitätsrats Dr. Braune angelegt waren, wurden die zwei geretteten Personen ins Krankenhaus Buckow übergeführt. Die Frau, die allgemein alS ordentlich und arbeitsam geschildert wird, ist in der Verzweiflung zu dieser Tat getrieben worden. In der Sitzung der Armendcputation teilte der Vorsitzende mit, daß der Antrag auf Gewährung einer Beihilfe aus der Dotations» reute für 1910 vom ProvinzialauSschuß abgelehnt worden sei.— Der verstorbene KieSgrubenbesitzer Körner hat den Armen RixdorfS 3000 M. vermacht. Der Magistrat hat beschlossen, die 3000 M. im Etat der Armenverwaltung als besonderen Fonds zu führen und zu verwalten.— Der vorgelegte Entwurf einer neuen Hausordnung für daS Armen- und SiechenhanS wurde mit der Aenderung ge- nehmigt. daß im§ 13 Absatz 3 der Satz:„Kein Patient darf zu gleicher Zeit mehr als zwei Besucher haben" gestrichen wird.— Zur Vorbereitung des Projektes betreffend die Errichtung einer Kinderkrippe wurde eine Kommission eingesetzt, bestehend aus Stadtrat Dr. Mann als Vorsitzenden, Stadtrat Dr. Vogel. Stadtverordneten Heitmann, Gnidowsky und Mehle.— In die Kommission zur Bereisimg der Waisenkolonien wird an Stelle des Stadt« verordneten Beiß der Stadtverordnete TrieS gewählt. �riedrichsfelde. Gcmcindevcrtrctcr und Schöffen dürfen bei Arbeite» und LltfervNgta für die Gemeinde nicht mehr zugelassen werden. Dieser für die Gemeinde wichtige Beschluß wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung mit großer Mehrheit gefaßt. Schon vor zirka drei Jahren stand dieser Antrag in der Gemeindevertretung zur Beratung, wurde aber damals von den Interessenten abgelehnt. Der Umschwung der Stimmung ist zu suchen i» den Mißhelligkeiten beim Bau der 4. Volksschule im OriSteil Karlshorst. Die Bauausführung wurde bei. der Submission der Firma Held u. Franke als Mindestfordernde übertragen. Der Architekt dieser Firma, Brüning, der zugleich auch Gcmeindevertreier war, schien wohl der Majorität der Baukommission Gewähr für eine sachgemäße, sowie gute Bauausführung zu bieten. Herr Brüning, der im Baufach über große Sachkenntnis verfügen soll, war ja deswegen auch Mitglied der Baukommission und hatte als Mitglied derselben auch bei der Projektierung des Baues milberaten, er war also von allen Einzelheiten unterrichtet. Genosse Pinseler stellte damals vor der endgültigen Vergebung der Arbeiten die Be- dingung, daß nicht im Akkord gemauert werden dürfe. Gemeinde- Vertreter Brüning, als Vertreter der Firma Held u. Franke, sagte dieses als selbstverständlich zu. Während der Ausführung des Baues kamen nun mit dieser großen Firma ein» Reihe jetzt noch nicht völlig erledigte Differenzen vor. Sie war vertraglich verpflichtet, verlängerten Zementmörtel sl zu 3) zu verwenden, verwendete aber tatsächlich hydraulischen Kalk, der nach einem Gutacknen des königl. Materialprüfungsamtes eine 37fach geringere Druckfestigkeit hat als der Zementmörtel, trotz deS Verbotes des Bauamles. Da die Arbeiten eilig waren, schritt das Bauamt leider nicht zu der vom Genossen Pinseler geforderten Jnhibierung der Arbeiten. Auch wurde entgegen dem Verbot der Bau in Akkord ausgeführt. Gemeindeverttetcr Brüning, als Ver« trcter der Firma Held u. Franko, erklärte, daß der Vau nicht in Akkord-, sondern in Prämienmaurerei ausgeführt worden sei.' Die Einivenduiigen des Genossen Pinseler. daß das System doch dasselbe sei, wurde von der Majorität nicht be- achtet. Einige Herren meinten, es wäre nur zu loben, wenn fleißige Leute Prämien erhalten. Der damalige Gemeindebaumeister trat der Ansicht des Genossen Pinselcr bei. Die Differenzen spiszten sich infolge der Nachforderungen der Firma, bczw. infolge Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen immer mehr zu. Im Ver dingungsanschlage Ivaren besondere Schntzabdcckungen bei den Jnnenarbeiten vorgesehen. Die Firma Held u. Frauke brachte diese aber gar nicht an, sondern meinte, bei eventuellen Unglücks fällen die Folgen tragen zu wollen. Andererseits waren die Schutz haken auf dem Dache im Anschlage vergessen worden aufzuführen. Flugs stellte die Firma diese Kosten extra in Rechnung.— Nur nach hartem in zwei Sitzungen geführten Kampfe gelang eS, die vertraglich ausbedungenen Dachsteine zur Verwendung zu bringen. Auch die Maurerarbeiten, Bögen usw. sind nach Ansichl des Bau amtes nicht exakt ausgeführt. Die Firma Held u. Franke fordert nun noch fiir Mehrarbeiten 20 Proz. der Bansumme. Die Gemeinde bestreitet diese Mehrforderungen. Die ganze Sachlage wurde durch eine Interpellation des Gcmeindcvertreters Schäfer aufgerollt. Der Bürgermeister wollte, wie er ausführte, diese erst in gehciincr Sitzung verhandeln, von dieser Absicht nahm er jedoch Abstand, nachdem Genosse Pinseler erklärte, dag diese Angelegenheit un- bedingt öffentlich verhandelt werden müsse, um evemuell andere Gemeinden vor Schaden zu bewahren. Die F'�ma Held u. Franke beantragte die ganze Streitfrage nicht bei dem Schiedsgericht, sondern vor den ordentlichen Gerichten zu verhandeln. Dies lehnte aber die Gemeinde- Vertretung ab. Gcmeindeverlreter Brüning hat nun infolge der Differenzen sein Mandat niedergelegt.— Der schlechte Zustand der alten und schmalen Straffen im OrtSteil FriedrichSfelde macht es notwendig, dah Verbreiterungen vorgenonimen werden nillsscn. Leider scheitert dies oft an dem Starrsinn der alteingesessenen Bauern und den mafflos hohen Forderungen, die sie für die Grund- stücke, die als Straffenland gebraucht werden, stellen, obwohl sie selbst den gröfften Vorteil von einer gut angelegten Straffe haben. Um nun damit vorwärts zu kommen und den Grundstücks- spckulanten, die die Notlage der Gemeinde ausnutzen, einen Riegel vorzuschieben, soll ein Ortsstatut erlassen werden. Nach diesem soll die Gemeinde berechtigt sein, durch Umlegung die Anlieger der betreffenden Straffen zu den Kosten der Verbreiterung bis zur Höhe von 75 Proz. der Kosten heranzuziehen. Nach langer Debatte erfolgte einstimmige Annahme dieses Statuts. Hoffentlich trägl es dazu bei, dah auch im Ortsteil FriedrichSfelde bald breitere Straffe» mit gutem Pflaster entstehen, denn der jetzige Zustand ist als jammervoll zu bezeichnen. Darauf genehmigte die Vertretung die Ausschreibung einer Ober- lebrerstelle als Leilerfür die am I.April 1912 in Karlshorst zu errichtende höhere Schule(Gehalt 2700—7200 M.) schon jetzt vorzunehmen.— Eine Polizeiverordnung für daS Droschkenfuhrgcwerbe sowie eine andere umfangreiche Polizeiverordniing zur Anfrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung auf den öffentlichen Straffen und Plätzen gelangte nach einigen Abänderungen zur Annahme.— Die Gemeinde- Vertretung genehmigte, daff in jedem Ortsteil je zwei von einer Privatfirma zu stellende Telephonzellen(Automaten) errichtet werden. Mit diesen sollen zu gleicher Zeit Briefmarken- und Postkarten» Automaten sowie Feuermelder verbunden sein.— Als dringlich wurde noch eine Interpellation unserer Genossen auf die Tagesordnung gesetzt, die sich mit der Rosenfclderstraffe beschäftigte. Während FriedrichSfelde seine Bereit- Willigkeit zeigte, daff diese ungcpflasterte Straffe auch einmal in einen menschenwürdigen Zustand versetzt wird und zirka Va der Kosten zu tragen bereit ist, wird von Lichtenberg eine gewiffe Ver> schlcppungspolitik getrieben. In geheimer Sitzung wurde ein Unter stlltzungsgesuch eines Gemeindebeamten abgelehnt. Wilmersdorf. Ein Müttrrhcim hat die Deutsche Gesellschaft für Mutter« und KindeSrecht in der Düsseldorfer Str. 1t gegründet. Das kleine, aber freundliche Asyl ist bestimmt für junge Mütter jeden Standes, die in ihrer schweren Zeit einer Zuflucht bedürfen und sie dort mit ihren Säuglingen so lange finden sollen, bis fie wieder selbst für sich und ihr Kind zu sorgen in der Lage sind. Da? Heim, das .Mutterhilfe" getauft ist, wird am Sonntag, den 17. September, eröffnet werden. Die Gesellschaft lädt für die Zeit von 10—1 Uhr vormittags zu einer Besichtigung ein. Mariendorf-Südende. Immer mehr zeigt es sich, dah die hiesige Feuerwehr nicht mehr den an sie gestellten Anforderungen gewachsen ist. Obwohl sich schon wiederholt die Gemeindevertretersitzungen mit dieser Frage be- schäftigt haben, sind bisher noch keinerlei Verbesserungen vor- genommen worden. Bei dem grohen Dachstuhlbrand an der Ring- und Kaiserstraffen- Ecke in der Nacht vom Montag zum Dienstag hat sich abermals herausgestellt, dah die Wehr dem Brande ohn- mächtig gegenüber stand. Nicht nur, daff, als die Feuerwehr Alarm schlug, schon das Gebäude inshellen Flammen stand, man muffte auch die Wahrnehmung machen, daff die Wehren von Tempelhof und auch Südende eher am Vrandplatz waren, als die örtliche Wehr; dabei soll noch ,ar nicht über die Art deS Feuerangriffs und den Zu- stand der Schläuche gesprochen werden, denn schliefflich trifft ja die nicht im besonderen der Vorwurf, sondern die Gemeinde� Verwaltung, die noch immer nicht über die Besprechungen so not- wendiger Anschaffungen hinausgekommen ist. Die Sicherheit der Einwohner scheint talsächlich erst in zweiter Linie zu kommen. Auch die Benutzung des Telephons ist bis heute noch nicht zur Nachtzeit möglich, trotzdem dies gerade aus Sicherheitsgründen bei Feuers- gcfahr vor einem Jahre bereits angeregt worden ist. Wenn bei dem letzten Brande nicht zufällig vollständige Windstille geherrscht hätte, so hätte die gröffte Gefahr für Menschenleben entstehen können. Bei einem so großen Brande muff es aber möglich sein, per Telephon die Berliner oder Schöneberger Feuerwehr anzurufen, die in ihrer Vollständigkeit schnell die allergröfften Gefahren beseitigt. Hoffent- lick wird nunmehr dafür gesorgt, daff den Mariendorfer Ein- wohnern und Steuerzahlern die nötige Sicherheit bei Gefahren ge- boten wird. Ein schwerer Zusaiuiueiistoß zwischen einen Aushilfswagen der Firma Tietz und einem Wagen der Straffenbahn-Linie 99 ereignete sich am Dienstag abend gegen g Uhr an der Ecke Steglitzer und Mittel- straffe in Südende. Die Kutscher deS Wagens wurden in weitem Bogen auf die Straffe geschleudert und erlitten schwere Ver- letzungen am Kopf und an den Beinen. Auch der Wagen wurde zertrümmert. Seit kurzer Zeit ist dies der dritte Zusammenstoff, hervor- gerufen durch eine etwa 2>/� Meter hohe Hecke, welche an der Mittel- straffe, Ecke Steglitzer Straffe steht. Die Fahrer der Straffenbahn können bei schneller Fahrt in der abschüssigen Steglitzer Straffe nur schwer sehen, ob ihnen etwas in den Weg kommt. Warum stellt die Slraffcnbahn nicht eine rote Ll-Tafel, wie sonst an abschüssigen Straffen auf zum Zeichen, daff jede Straffenbahn dort halten soll? Dann werden sicher die gusammenstöffe vermieden, die die All- wohner in Aufregung versetzen. Charlotteuburg. Elternverein für freie Erziehung. Sonntag, den 17. d.'M. Familienausflug nach PichelSwerder. Treffpunkt: iU/�UHr auf dem Reichskanzlerplatz, Abmarsch pünktlich S'/z Uhr. Für Nachzügler zur Kaffeepause beim»Alten Freund". Der Vorstand. Lichtenberg. Zn den bevorstehenden Stndtverordnetenerfatzwahleu liegen die Wählerlisten in der Zeit vom 15. bis 30. September zur Einsicht nähme Wochentags von 8— 3 Uhr und Sonntags von 10—1 Uhr im Rathause aus. Wahlberechtigt ist, wer zur Zeit der Auslegung der Wählerlisten mindestens 21 Jahre alt ist und seit September 1910 am Orte wohnt. Auch Chambrcgarnistcn sind wahlberechtigt. Diejenigen, die verhindert sind die Wählerlisten einzusehen, können sich in den durch Plakate gekeunzeichneten Sammelstellen (Restaurants, Zigarrengeschäfre) melden. Die Einsichtnahme wird dann von hier ans durch Vertrauenspersonen bewerkstelligt Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht wählen; daher ist es notwendig die Eintragung in die Wählerliste an Ort und Stelle zu beantragen. Rummelsburg. Die Polizei hat Unglück gehabt. Blut floß bei der Sistie- rung eines Mannes, der am Donnerstag voriger Woche, gegen '/zl Uhr nachmittags von einem Polizisten nach der Polizeiwache an der Ecke der Leopold- und der Emanuelstraffe gebracht wurde. Für schreckhafte Leser wollen wir von vornherein betonen, daff dieses Blut nicht von Säbelhieben herrührte, die etwa der Polizist ausgeteilt hätte, weil er einen Widerstand brechen zu sollen glaubte. Der Mann, der da sistiert wurde, leistete keinen Widerstand, sondern ging ruhig mit. AIS er da? HauS der Polizeiwache von der Emanuelstraffe ans betreten hatte und im Hausflur am unteren Ende der Treppe angelangt war, erhob er plötzlich ein Gc- schrei. Personen, die in der Nähe weilten, hörten Rufe um Hilfe Sie bemerkten, baff zwei Schutzleute sich mit dem Mann beschäftigte». Als der Lärm sich gelegt hatte und der ArrestaG zum Wachlokal hinaufgebracht worden war, sahen sie unten vo� der Treppe eine etwa tellergroffe Blutlache und auf den Stufen eine Blutspur nach der anderen. Auch andere Personen, die hinzu kamen, blieben verwundert vor dem Blut stehen. Die Wißbegier derjenigen, die sich fragten, wovon e» herrühren könne, wurde befriedigt, als im Hause bekannt wurde, was die Polizei über den lärmenden Vorgang erzählte. Ein Schutzmann war zu der Frau des HauSportiers gegangen und hatte sie, weil die von der Polizei ständig beschäftigte ReinigungSfrau nicht daheim war, höflichst ersucht, Flur und Treppe zu reinigen.»Wir haben Unglück gehabt". sagte er, wie wenn er um Entschuldigung bitten wollte, daß daS HauS mit Blut beschmutzt worden war und die Portierfrau nun noch Ar« beit davon hatte. Als diese dann die Reinigung besorgte und dabei einen anderen Schutzmann nach der Ursache des Blutverlustes fragte, antwortete er:.Ach, dem hat nur ein bißchen die Nase geblutet." DaS ist in der Tat ein sonderbarer Einfall, bei Nasenbluten um Hilfe zn rufen. Wir haben den Wunsch, diesen Mann kennen zu lernen, und bitten daher alle unsere Leser, uns bei seiner Ermittelung behilflich zu sein. GS scheint übrigens, daß der Blutverlust bei ihm recht erheblich gewesen ist, wie daS ja bei Nasen» bluten zuweilen vorkommt, und schliefflich soll sogar die Hilfe eines Arztes erforderlich geworden sein. Man erzählt, daß er später einem Krankenhause zugeführt worden sei. Wer weif) näheres über den Man»? Boxhagen- Rummelsburg. Der Männcrchor Boxhagen-RumvielSburg feiert am Sonnabend. den IS. September, in den Gesamträumen de« Cafü Bellevue, In« Haber G. Tempel, sein erste» SttstungSfest. DaS Programm be- steht anS Bokal- und Jnstrumentalkonzert. Beginn abends 8 Uhr. sich der Partei bei allen Festlichkeiten zur Ver Da der Männerchor sügung stellt, so wird mn zahlreichen Besuch der Parteigenossen gc« beten. Heinersdorf. Eine öffentliche Bersammliing nntrr freiem Himmel tagte hier am Sonntag auf dem Grundstück deS Herrn Bork. Durch die günstige Lage des Versammlungsplatzes wurden zahlreiche Spazier- gänger auf die Versammlung aufmerksam und nahmen an derselben teil. Dos Referat über»Rcichspolilik und Arbeiterklasse" hielt Genosse S ch l em ming er- Wciffensee. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion kriltsierte Genosse Schmidt eine Rede deS OrtSgeistlichen Krätschell, welche derselbe anläßlich deS SedanfestcS über die Marokioaffäre gehalten und in welcher er sich in argen Widerspruch mit der von ihm sonst ver- tretenen Lehre der chrisilichen Nächstenliebe gesetzt habe. Nach einem Appell deS VersainmlungSleitelS an die Anwesenden, sich der politischen Organisation anzuschlieffen, wurde die Versammlung mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratie geschloffen. Spandau. Parteigenossen, welche nicht Mitglied der Freien Gemeinde sind, ihren Kindern aber die Jugendweihe am 21. September erteilen lassen wollen, können sich beim Vorsitzenden O. Rondtke, straffe 4, Hof II, melden. nahmen zwei Schutzleute in der GreifSwalber Siratze die Sistie« rung eines Mannes bor. Die Art, wie der Mann von' den Schutz- leuten behandelt wurde, rief lebhaften Unwillen unter den Augen- zeugen des Vorganges hervor. Der Mann lag auf dem Erdboden, ob wegen Trunkenheit oder ob er dem Schutzmann nicht folgen wollte, ist nicht festgestellt. Der Schutzmann(es war nicht der Angeklagte) fahte den Mann an den Beinen und schleifte ihn so über den Straßendamm, baß Kvpf und Oberkörper das Pflestcr streiften. Jetzt kam ein zweiter Schutzmann, der Angeklagte Gus- dat. hinzu. Nun faßten die beiden Schutzleute den Alan» an den Armen und zogen ihn weiter, so daff seine Beine auf dem Straffen- Pflaster schleiften. Das Publikum, welches sich infolge dieses Vor- ganges angesammelt hatte, äußerte seinen Unwillen über das Ver- halten der Schutzleute. Dar Schneider Voff forderte die Schutzleute auf, den Sistierten in einer Droschke nach der Wache zu bringen. Da sagte der Schutzmann, Voff solle doch mit anfassen, dann würde der Transport leichter vonstatten gehen. Voff erklärte sich zu dieser Hilfeleistung bereit. Als er aber mit zufassen wollte, faßte der Schutzmann GuSdat an den Säbel und zog ihn zum Teil aus der Scheide. Da rief jemand aus dem Publikum:»Lassen Sie doch die Plempe stecken. waS wollen Sie denn damit machen?" Nun ließ Gusdat den Säbel los und gab dem Schneider Voff eine Ohr- feige mit solcher Wucht, daß. wie das sachverständige Gutachten eines Arztes sagt, ein kleiner Riß im Trommelfell und eine leichte Blutung auS dem Ohr festgestellt wurde. Der Angeklagte behauptete, er habe gar nicht die Mffcht ge« habt. Voff zu schlagen. Er habe nur einen Stoff nach der Seite ausgeführt, weil er geglaubt habe, Boff wolle ihn angreifen oder ihm den Sistierten entreißen. Von den vernommenen Zeugen hat niemand bemerkt, daß das Publikum beabsichtigt hätte, die Beamten an der Sistierung zu hindern. Man sei lediglich auS Mitleid für den Sistierten dafür eingetreten, daß derselbe von den Beamten nicht in so empörender Weise behandelt wurde. Auch der Staatsanwalt hielt nicht für erwiesen, daß die Be- amten bedrängt worden seien. Aber der Angeklagte möge die Ge- berde des Zeugen Voff verkannt und sie für eine Angriffsbewegung gehalten haben. Das sei als Milderungsgrund anzurechnen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von IVO M. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Daff Voff eine Ohr« feige vom Angeklagten bekommen hat und dieser auch die Absicht hatte, Voff zu treffen, hielt das Gericht für erwiesen. Aber— so sagte der Vorsitzende in der Begründung deS Urteils— das Publi« kum sei ungehalten gewesen über die Sistierung. Die Beamten hätten deshalb annehmen können, man wolle ihnen den Sistierten entreißen. Der Angeklagte werde die Bewegung deS Zeugen Voff falsch verstanden haben. So habe der Angeklagte einen Angriff ausgeübt, um einem Angriff von der anderen Seite zuvorzu- kommen. Es liege also ein Fall von Putativnotwehr vor. Ein solcher aber sei straflos._ «rbeiter-Wanderbniid»Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonnlag, den 17. Sept.: l. Werbellwsec-EberSwalde. Abfahrt: Slettiner Fcnibahnhof Sonnabend 7.16 Uhr nachmittag». II. Werftpfubl-Gamenfce- Tiesens«. Abfahrt: Schlcsilcher Bahnhos(Wriezcner Bahnsleia) 5.32 Uhr vormitiags.»III. Tegel. Reubrück- Segeseld. Treffpunkt(Endstation der Straßenbahn Tegel) 7 Uhr vormittag». IV. Wanderung der Photographen. WcrbrlUnsec-Udersce-Zcrpenschlcuse. Abfahrt: Slettiner Fernbahnhof 6 Uhr vormiitags. V. KaulSdors- Pferdcbuchi- Sadvwa. Abfahrt i Schlesischer Bahnhos 2.14 Uhr nachmittags. VI. Kind er- Wanderfahrt. Spandau- Papenberge-Tegel. Tresspunl: I. Bahnhof Wcdding(Sing. Nettelbeckplatz). II. Schlesischer Bahnhoj(Ecke Frucht« und Madaistraß«) 7 Uhr. Gälte willlommen._ Marktpreise von Berlin am IS.SePtbr. lg», nach Ennlttelung de« Königlichen Polizeipräsidium». Martlballenpreife.(Kleinhandel.) IVO Kilogramm Erbsen, gelb«, zum Kochen 34.00— 90,00. Spetlebohneu weiße. 35.00- 50,00. Linien 20,00- 80,00. Kartoffeln 8,00—14,00. 1 Kilo. gramm Rindflcilch, von der Keule 1,60—2.40. liindflciich. vauchsieiich 1,30 bi» 1,70. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbflcifch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2.40-3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40. Aale 1.60-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bi» 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40-3,00. Lleie 0,80-1,60. 60 Stück Nrcbl- 2,50-88,00. evitterungSüberftit» vom 18. September 1011. Körner- Gerichts Leitung. Ter Schutzmann i»„Notwehr". Mancher Angeklagter wird sich vergebens so milde Richter wünschen, wie sie der Angeklagte, Schutzmann GuSdat, fand, der sich am Montag wegen Körperverletzung im Amte vor Gericht zu verantworten hatte. Eine Ohrfeige, die der Schutzmann Gusdat dem Schneider Boß ohne Veranlassung verabreicht hat, war die Ursache der Anklage. Uebcr die Umstände, unter denen der an- geklagte Schutzmann diese Ausschreitung beging, wurde vor Gericht folgendes festgestellt: Am Abend deS zweiten Osterfeiertages £ a II SwMcmde j 762 SO Hamburg!760OSO Lerlil!>762 SO Frantf.a vi. 763 SN Siimchev>765 SN Sien! 768 Still Vetter 2 wolkeiil 2 heiter 1 bciter 2 Dunst 4 heiter wölken! 4% » II t? M« «wttovev i1 ««e» i| ■»— ZZ »f Haparanda 760 D Petersburg 762 NN Scrllv .iberveeu Paris 762 NNO 761 W 763 SSW I vcNft l 2 bedeckt 1 bedeckt 5 bedeckt 3 halb bdl 2 wollen! B« *4 8 6 13 9 18 «Settervrvgnoke kür DolincrStag. den 11. September lg». Zunächst vorherrschend wolkig, etwas wärmer bei ziemlich frischen weftz, lichen Winden ohne erhebliche Niedetlchläge: fpätcr wieder aufllarend, aber kühler. Berliner Wetterbureau. WaiieritandS-Nachrtchto» der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteill vom Berliner Netterbureau. Nafserftand Memel, Tilsit Br e g el, Jnsiervmg Weichsel. Thor» Oder. Ratibor , Krollen , Frankfurt B ar I h e. SSrimm , 2and»berg Netze, vordnmm Eibe, Lcitmcritz » Dresden , Bardo , Magdeburg vaflersiand Saal», Krochlitz Havel, Svandaug » Rathenow') Spree, Soremberg') . Beeskow Nefer, Münden . Minsen Rhein, Mar>-.nllian»au , Kaub » Köln Neckar, Heilbrona Main, Scrlheun M o I e l. Trier g 4. bedeutet Such»,— Fall.—») Unterpeael. na � ss{ Willst du haben stets Erfolg Bei der Wäsche undzwar rasche» Musst du einzig und allein~ Nur mit Sunlichtseife waschen! filMiitivotlliiS« Kednktkllr Richard Barth, Berlin. Für Un ZnjeralenteU verantw.; Th. Glocke, Berlin. Dtuiu.«erlag sCocwäctT"" Buchdruckeret u. Berlagsanfialt Paul Singer 8. So.. Berlin S.�'