Nr.»17. RbonnemtntS'Bedlngunsen: VbonnementS< Preis prinumerando: Lierteljährl. 8�0 Mk.. monatl. l.lo Ml., wöchentlich W Pfg. frei WS HauZ. Einzelne Nunimer b Pfg. Sonntag?. nummer mit illustrierter Sonntag?» BeUage»Die Neue Welt' lv Psg. Post- Lbonnemew: l,1v Marl vra Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung?» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Poslabonncment? nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, vlchtllll täglich auStr tnontag«. 28. Jahrg. Derlinev Volksblalt. Tentralorgan äer fosialäemokratifcken Partei Dcutfcblands. Die 1n!erflen$*Geb01ir leträgt für die sech?gespaltene Kolonet« geile Oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewcillchaftliche Bcrcins. und Beisamnilungs.Slnzeigeii 80 Pfg. „steine Snreigen", das scttgedrulkte Wort 20 Psg.(zulässig 2 scttgedruale Worte), jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleium- zeigen da? erste Wort 10 Psg., jede? weitere Wort b Psg. Worte über lbBuch- slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »pgcgebcn werden. Die Expedition ijt bis 1 Uhr abend? geössnet. Delegramm> Adresse! v!oalaläiiii»llrat Kill»". li.eäakrion: 8M. 68» I.inäens�fasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 16. September 1911. 6xpcdition: 8M. 68, Ltndcnstraaac 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der kommende Aahlkarnps. Jena, den 15. September. Gleich nach Beginn der Sitzung beginnt Bebel seine fast anderthalbstündige große Rede über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Er sieht heute noch frischer und wohler aus, als am gestrigen Tage, und tatsächlich zeigt sich während des ganzen Verlaufes der Rede in seinen Zügen nicht das geringste Zeichen der Ermüdung. Er spricht, obgleich sich zeitweilig seine Stimme zu den höchsten leidenschaftlichen Akzenten steigert, ohne ersichtliche Anstrengung und streut vielfach in seine Rede launige satirische Bemerkungen ein, die stürmische Zustimmungen! wecken. Bebel fuhrt aus, daß voraussichtlich im Januar nächsten Jahres der� neue Reichstag gewählt und schon Anfang Fe- bnmr zur Tagung berufen werde. Er schildert dann die Vor- gäiige bei der Wahl im Jahre 1907, den Mandatsverlust der Sozialdemokratie und die Gegensätze im Hottentottenblock, zwischen dessen Parteien alsbald innere Zwistigkeiten aus- brachen, da er nicht homogen war, wie der jetzige schwarz- blaue Block. Bebel geht dann näher auf die Taktik der Parteien des schwarzblauen Blocks, namentlich des Zentrums ein, das er als die grundsatzlose st e aller deutschen Parteien charakterisiert. Er erinnert daran, wie Bischof B e t t i n g e r mit dem verstorbenen Genossen E h r h a r t im Dom zu Speyer bei den Kaisergräbern über die Stich- Wahlen verhandelt habe, und ermahnt die Delegierten, diese Tatsachen in der Wahlagitation gegen das Zentrum cniszu- nutzen. Sodann unterzieht Bebel die Sozial- und Steuerpolitik des Zentrums einer einschneidenden Kritik, die hinüberleitet zur Kennzeichnung der lächerlichen Mittelstandsretterei der Antisemiten und ihrer sogenannten„nationalen" Wirtschaftspolitik. Er kritisiert auf das schärfste die heutige Reichs st euerpolitik, die das Reich auf indirekte Steuern basiert, das heißt die Kosten der Erhaltung des Daitschen Reichs den ärmeren Volksschichten aufbürdet, und kommt dann auf die enormen Ausgabenl für Heer und Flotte zu sprechen. Und doch steht, wie die Rede des Kaisers in Ham- bürg schon ankündigte, eine neue, größere Flotten- vorläge bevor, wie auch Herr D e l c a f s 6 in Frankreich eine Reform der Marine angekündigt hatte. Auch Eng- l a n d rüste weiter. Bebel geht dann auf die heutige Lebensmittel- teuer» n g ein. die, wenn auch zeitweilig infolge besserer Ernten eine Prcisverbilligung eintreten mag, doch eine dauernde sein wird. Tus aber nötigt die Arbeiter zu neuen größeren Lohnkämpfen, zu höheren Lohnan- sprächen an das Unternehmertum. Um so notwendiger ist, daß jeder Arbeiter seiner Gewerkschaft bei- tritt. Die Folge der Teuerung wird sein, daß die Preissteige- rung der Lebensmittel zur Kardinalfrage des ganzen deutschen Wirtschaftslebens wird. Und die hohen Lebensmittelzölle müssen und wenden fallen. Bebel schildert dann die Kämpfe, die der neue Reichstag zu führen habev.l wird auf dem Gebiete der Strafgesetzgebung, der Zoll- und Handelsverträge, dei Ko- lonialpolitik und des Wahlrechts. Deshalb müssen wir bei den nächsten Reichstagsivahlen init allen Kräften kämpfen. Aber wie verhalten wir uns bei den Stickyroalilen? Täuschen« wir uns nicht, die Liberalen werden meistens für die Konservativen stimmen. Aber trotzdem keine allgemeine Stimmenenthaltung, wenn sich in der Stichwahl Liberale, Konservative und Zen- trumslcute gegeitüberstehen. Aber wir werden Forderungen stellen, auf die jene, welche unsere Unterstützung wollen, sich verpflichten müssen. Als solche Forderungen bezeichnet Bebel vornehmlich: Aufrechtcrhaltung des Reichstagswahl- xechts, keine neuen Zölle oder weiteren Zollerhöhungen, keine neuen indirekten Steuern, keine Beschränkungen des Vereins- und Versommlungsrcchts. Mit einem leidenschaftlichen Appckll schließt Bebel seine große Rede. Immer mächtiger steigert sich seine Stimme, bis er seiner« flammenden Ausruf mit den Worten endet:„ A u f zum Kampf, vorwärts marsch, durch!" Minutenlang hält der Beifall an. An die Rede schließt sich eine längere Debatte. Bern- st e i n und K l u p t s ch begründen ihr? Anträge, eine Bro- schüre über die politüchen Beziehungen Deutschlands zu Eng- snud zu veröffentlichen und die Arbeit am Wahltage ruhen zu lassen. Scheibe(Bochum) macht die Mitteilung, daß sich im rheinisch-westfälischen Jndnstrierevier d i e Scharf- rt, a cher und das Zentrum oder vielmehr die Führer der ch r i st l i ch e n Gewerkschaften dar- auf geeinigt haben, daß die ch r istl 1 chen, Ge- merks choftler schon bei der Hauptwahl für ds? nationalliberalen Kandidaten ein- trCten Als Entgelt haben die Scharfmacher versprochen, kem? gelben, Gewerkschaften mehr zu gründen.. Darauf sprechen König(Dortmund) über die Zen- trum"aaitatiou im Ruhrrevier: Hartleib(Hannover) Lb'er'die Ausstattung der Wahlflugblätter: T uwe l l über die Physiognomie des Zentrums; H a upt(Magdeburg) ver- laugt daß in der Stichwahl zwisefcn zwei Gegnern icner imter- ssiitzt wird dessen Partei Gegemmterstutzung verbürgt. Dann wird die Debatte geschlossen. Bebel nimmt zu einer kurzen Schlußrede das Wort und verteidigt die vom Parteivorstand vorgelegte Reichstagswahl-Resolution. die dann der Partei- tag einstimmig gutheißt. Sie hat folgenden! Wortlaut: Der Parteitag erwartet, daß. soweit es noch nicht geschehen sein sollte, die Parteigenossen in allen Wahlkreisen, in denen die Partei Anhänger besitzt, unverzüglich die Vorbereitungen zur Reichstagswahl treffen, um selbständig in die Wahl einzutreten. Der Parteitag erwartet weiter, daß die Parteigenossen die Wahlagitation gründlich ausnutzen, um sowohl neue Mitglieder für die Parteiorganisation, wie neue Abonnenten für die Partei- presse zu werben. Insbesondere muß die Wahlagitation auch für Erlangung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts im Sinne des Parteiprogramms für die Wahlen zum Landtag in Preußen wie in den Staaten, die das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht noch nicht besitzen, ausgenutzt werden. Wo nach dem Ausfall der Hauptwahlen die Parteigenossen bei engeren Wahlen eine Entscheidung zwischen gegnerischen Kandidaten zu treffen haben, dürfen sie nur demjenigen Kandi- baten ihre Stimmen zuwenden, der sich verpflichtet: 1. für Aufrcchterhaltung des bestehenden Wahlrechts für den Reichstag; 2. gegen eine Beschränkung des Vereins- und Vcrsammlungs- rechts und des Koalitionsrechts; 3. gegen eine Verschärfung der sogenannten politischen Para- graphen des Strafrechts; 4. gegen ein wie immer geartetes Ausnahmegesetz; 5. gegen jede Erhöhung oder Neueinführung von Zöllen auf die Verbrauchsartikcl der großen Masse; 6. gegen jede Neueinführung oder Erhöhung indirekter Steuern aus Verbrauchsartikel der großen Masse einzutreten und zu stimmen. Der betreffende Kandidat ist zu ersuchen, seine Erklärung vor Zeugen oder schriftlich abzugeben. Stehen in der engeren Wahl zwei Kandidaten, die beide bereit sind, die aufgestellten Bedingungen zu erfüllen, so ist der Liberale dem Nichtliberalen vorzuziehen. In jedem anderen Falle ist strikte Stimmenthaltung zu pro- llamieren. Der Annahme der Resolution folgt starker Beifall. Der Parteitag hat das Bewußtsein, daß gute Arbeit ver- richtet, der kommende Kampf wohl vorbereitet worden ist. Was an diesen beiden Tagen in diesem Saale gesprochen worden ist. das wird im ganzen Reiche Früchte tragen. Die Wahlen sollen es uns zeigen. Line furchtbare Aarvung. Kirw, 14. September. Während der heutigen Bor- stellung im Thvater wurde aus den Ministerpräsidenten S t 0 I y p i n ein Anschlag verübt, wobei dieser schwer verwundet wurde. Der Täter wurde verhaftet. Den Henker der Revolution hat das Schicksal ereilt, das er so vielen der Besten des russischen Volkes bereitet hat. Bei einer Theatervorstellung in Kiew, der auch der Zar bei- wohnte, feuerte der Rechtsanwaltsgehilfe B a g r 0 w aus nächster Nähe mehrere Schüsse gegen Stolypin ab. Der Ministerpräsident ist schwer verwundet und an seinem Auf- konunen wird gezweifelt. Bei der Vernehmung erklärte der Täter, daß er Stolypin aus Beschluß des sozial- revolutionären Komitees töten sollte, weil er eine für Rußland unheilvolle Politik treibe. Angeblich sollen auch mehrere Mitschuldige verhaftet sein. Die Schüsse, die da bei der Galavorstellung im Theater zu Kiew gefallen sind, unterbrechen plötzlich die Ruhe des Grabes, die so lange über dem Reiche Nikolaus IL zu lasten schien. „Die Revolution ist tot", hatte Stolypin verkündet.„Die Konterrevolution muß st erben", antworten die Schüsse. Alle Gewalt, alle Schurkerei, alle Infamie, die der Zarismus in unendlichen Greueln fünf lange Jahre gehäuft hat. sie sind vergebens gewesen. Die Konterrevolution hat ihr Ziel nicht erreicht und der Zarismus ist heute ohnmächtiger als je. Die Machtmittel des Staates sind vernichtet, die Flotte zerstört, die Armee desorganisiert, die Vureaukratie verfault und verkonimen und die politische Polizei, trotzdem alles Sinnen und Trachten der Herrschenden ihrem Ausbau galt, unfähig, auch nur das Leben der Minister oder des Zaren zu sichern. Rußlands Autokratie ist heute unhaltbarer als je. Wie ungeheuer muß die Spannung sein, wenn solch ein Attentat möglich war l Noch vor kurzer Zeit schien die sozial- revolutionäre Partei, die im Gegensatz zur russischen Sozial- demokratie die terroristische Taktik befürwortete, durch die Eni- hüllungen über Asew völlig desorganisiert. Die Sozialdemo- kratie aber, die von jeher nur von der Organisation der Massen und nicht von den Verzweiflungstateu Einzelner die politische Befreiung erwartet hat, war gerade in der letzten Zeit-eifriger als je bemüht, die verschwindend kleinen Möglichkeiten gesetzlicher Betätigung in Rußland selbst auszu- nützen, gewerkschaftliche, konsunigcnossenschaftliche und politische .Organisationsarbeit nach westeuropäischem Muster trotz der KWIMU»— ungeheueren Schwierigkeiten und Gefahren zu leisten. Jedoch der Zarismus hat eS anders gewollt. Unfähig hat sich Stolypin erwiesen zu allem andern, als mit brutaler Henkcrsfaust alles niederzuschlagen, was in dem unglücklichen Lande zur Fortcutwickelung strebte. Feldgerichte und Strafexpcditionen hatten den Beginn seiner Ministerschaft bezeichnet. Die Auflösung der Duma, die Verhaftung und Einkerkerung der Volksvertreter, schließlich der t n f a m e WahlrechtSraub, der die dritte Duma zu einer lächer- lichen Karikatur der Volksvertretung machte, bildeten die Fort- fetzung. Und selbst dieses reaktionärste aller Parlamente war dem skrupellosen Werkzeug der korruptesten Bureaukratie noch nicht gefügig genug. Die Verhöhnung des Staats- st r e i ch s zeigte Rußland, daß nicht einmal der Schein des Konstitutionalismus mehr gewahrt werden sollte. Der Zarismus scheute den Eidbruch gegenüber dem eigenen Volke so wenig, wie gegenüber dem Finnlands. Und während der ganzen Zeit dieser Herrschaft des Schreckens, der Korruption, der Schamlosigkeit und Unfähigkeit oben, jenes f ü r ch t e r- liche Massenmorden unten in den Bergwerken Sibiriens, in den entsetzlich überfüllten Gefängnissen, wo zu Bestien entartete Direktoren unaufhörlich peitschten, folterten, meuchelten, was der Typhus noch verschonte. Das ist die Regierung Stolypins gewesen; sie hat Gewalt gesät und nun Gewalt geerntet. Noch läßt sich nicht sagen, welche Folgen der Schuß Bagrows haben wird. Als einzelne Tat ist er ein nutzloses Opfer. Aber wie die Bombe, die Plehwe tötete, nur das Zeichen war, daß die revolutionäre Spannung unerträglich geworden war, wie die Aktionen der Massen selbst damals sich immer mehr und mehr steigerten, bis schließlich die gewaltige Revolution das Riefenreich bis in seine tiefsten Tiefen aufwühlte, so ist auch dieses Attentat nur ein Zeichen und eine nicht zu überhörende Warnung. Der Despotismus muß fallen, er kann nicht mehr er- halten bleiben. Von der Fähigkeit der Herrschenden, die furchtbare Mahnung zu beherzigen, wird es abhängen, unter welchen Umständen der Fall der Autokratie sich vollzieht. Es sind ernste Zeiten, die Bagrows Schüsse künden. Wie das Attentat geschah. Kiew, 1ö. September. Stolypin war mit dem Zarenpaar zur Enthüll imfl eines Denkmals Alexanders II. nach Kiew gekommen. Abends wohnte er in der Zarenloge einer Festvorstellung im Theater bei. Der Vorstellung wohnten nur geladene Gäste bei. Ein Drittel deS„Publikums" bestand aus Geheimpolizisten. Während S t 0- I y p in im zweiten Zwischenakt der Oper„Zar und Sultan" von RimSki Korsakow, an die Rampe gelehnt und das Gesicht dem Publikum zugekehrt, mit den umstehenden Personen sprach, näherte sich ihm ein jnnger Mann im Frack, der auS einer Entfernung von zwei Schritt zwei Schüsse aus einem Broivning gegen ihn abgab. Stolypin fuhr mit der Hand gegen die Brust und fiel in seinen Sessel. Die Umstehenden trugen den verwundeten Ministerpräsidenten zum Ausgang, während das Publikum in Entrüstungsrufe ausbrach und die Nationalhymne forderte. Nachdem der Vorhang aufgegangen war. näherte sich der Kaiser der Logenbrüstung und die mitwirkenden Künstler sangen knieend die Nationalhymne. Das ganze Theater er- zitterte unter den dem Kaiser dargebrachten Kundgebungen, bis der Herrscher seine Loge verließ. Stolypin wurde bei vollem Beivußisein in die Privathcilaustalt deS Dr. MakowSki ge- bracht. Die Kugel hatte ihn an der Brust unter der linken Brust« Warze getroffen. Im Krankenhause ersuchte er, seine Gemahlin zu beruhigen und ihm einen Priester zu schicken. Der Täter ver- suwte nach dem Anschlag durch einen SeitenauSgang zu entslieben, wurde aber von Offizieren ergriffen. Man fand Dokumente bei ihm, die auf den Namen des Rechtsanwalts« gehilfen Bagrow lauteten. Eine zweite Kugel, die den Ministerpräsidenten an der Hand gestreift hatte, traf den im Orchester befindlichen Konzertmeister Bcrgler und verwundete ihn am Fuß. Der amtliche Krankheitsbericht. Petersburg, 15. September. Heute nachmittag wurde folgender amtliche Kraukheitsbcricht ausgegeben. Beim Miilisterpräsidenten Stolypin sind zwei durch eine Feuerwaffe verursachte Wunden festgestellt worden, die eine auf der rechien Brustseile, die andere an der rechte» Hand. Die Emgmigsöffmnig der ersten Wunde befindet sich zwischen der sechsten und stebeiiten Rippe, innerhalb der Papillär- linie. Eine Ansgangsöffiiuiig ist nicht vorhanden. Die Kugel ist imler der zwölften Rippe in einer Eiitfermmg von drei Zoll vom Rückgrat sondiert worden. In den ersten Stunden nach der Verwundung trat große Schwäche bei heftigen Schmerzen ein, die der Minister mit Gleichmut ertrug. Den ersten Teil der Nacht ver- brachte er unruhig, gegen Morgen trat eine Besserung ein. Die Temperatur betrug 37, der Puls 92. Privaten Nachrichten zufolge soll die Leber verletzt und der Zu« stand sehr e r n st sein. Unbelehrbar. Petersburg, 15. September.„Now oje Wremja' drückt die Hoffnung aus, daß das Kicwer Altcutat keine Aenderung in dem bisherigen Kurse des StaatsschiffeS herbeisühren werde. Mit der Stellvertretung StolhpiuS wurde Finanz» minister Kokowzew, ein erklärter Feind deSKonstitutionaYSmnS. betraut. Auf den Zaren soll daS Attentat eine» nieder- schmetternden Eindruck gemacht haben. Die IftaroMioaffäre. Freitagabend hat eine Unterredung zwischen den Herren E a m b 0 n und Kiderlen-Waechter stattgefunden. Herr Cambon überreichte die neuen französischen Vorschläge und erläuterte sie in längerer Besprechung. Eine Friedensaktio» der französischen Sozialdemokratie. Paris, 15. September.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Auf eine dringende Anregung des Vor- sitzenden des Internationalen VurcanS, Genossen V a n d e r- Velde, trat gestern die Verwaltungskommission der geeinigten Partei zu einer Versammlung zu- sammen, zu der auch drei Vertreter der Fraktion und der Sekretär des Internationalen Bureaus, Genosse H u y s m a n s, zugezogen worden war. Nach einem Exposö Hnysmans' wurde eine von V a i l l a n t beantragte Resolution be- schlössen. Diese erklärt die sofortige Einberufung des Internationalen Bureaus für notwendig und fordert das Internationale Sekretariat auf, sogleich die nötigen Schritte einzuleiten. Die sozialistische Kammer- fraktion wird verpflichtet, die sofortige Einberufung dcS Parlaments zu fordern und die bürgerlichen Deputierten zur Unterschrift aufzufordern. Ferner beschloß die Versammlung ein M a n i f e st, das heute von der„Humanste" veröffentlicht wird. Darin wird erklärt, in Frankreich wolle außer den Wegelagerern derFinanz und derPolitik niemand denKrieg. Es besteht aber die Gefahr, daß sich das Volk düpieren und die Regierenden, die im Dienste des Marokkosyndikates stehen, gewähren lasse. Um dies zu verhindern, müßten die Proletarier und Sozialisten ihren Friedenswillen kundgeben. Das Manifest verweist auf die Versammlungen in Deutschland und den Beschluß des Parteitages in Jena und erklärt, es sei notivendig, daß das internationale Proletariat das Verbrechen der Herrschenden mit einmütiger revolutionärer Erhebung beantworte. Die Partei fordert alle ihre Gruppen und Organisationen auf, in ganz Frankreich am 23. und 24. September Protest Meetings zu veranstalten.___ Die jüngste Selsten des Kongreffes. New Jork, Ende August.(Eig. Ber.) Die außerordentliche Session, zu welcher der Kongreß am 4. April zusammentrat, ging dieser Tage zu Ende. Wenn sie auch die Hoffnungen, mit welcher ihr die Massen entgegen gesehen, nicht rechtfertigte, so zeitigten die Verhandlungen doch manches Gute und hätten ohne des Präsidenten Veto noch mehr desselben ergeben. Vor allem aber enthält die abgeschlossene Tagung des Bundesparlaments ein hoffnungs- frohes Moment, welches bessere Aussichten für die Zukunft eröffnet. Zum ersten Male erstand der Arbeiterschaft in dem ber den jüngsten Nationalwahlen erkorenen Sozialisten Viktor � Berg er von Milwaukee im Kongreß ein Fürsprech ihrer ' Interessen. Genosse Berger beantragte im Repräsentanten- Hause, der Kongreß möge dem durch Privatdetektivs und die Justizbanditen von Los Angelos im Auftrage des Fabri- kantenbundes verbrecherischerweise aus dem Staate Indiana entführten und nach Kalifornien geschleppten Sekretär des Perbandes der Eisenkonstruktionsarbeiter und-brückenbauer, John I. Mac Namara, zu seinem Rechte zu verhelfen. Zwar erklärte der Kongreß, nicht imstande zu sein, das zu tun. Aber gänzlich erfolglos war der Antrag doch nicht. Sogar der berüchtigte Bundessenator Berah, der vor vier Jahren zu Boise(Idaho) die Anklage gegen den ans Colorado ge- raubten Genossen William Haywood, den damaligen Sekre- tär der Western Federation of Miners(Westlicher Berg- arbeiterverband) vertrat, gab, durch Bergers Vorgehen ge- zwungen, zu, daß Mac Namara Gegenstand eines Derbrechens wurde. Berah bezeichnete eine Verbesserung der Bundes- gesetze zur Verhinderung ähnlicher Gewalttaten als Wünschens- wert.— Bergers Alterspen sions-Gesetze n.t w u r f ge- langte nicht zur eigentlichen Verhandlung.?lber die Tatsache der Einreichung, der Inhalt des Entwurfs und die außerordentlich geschickte Begründung durch den Antragsteller wurden im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten bekannt und fanden z. B. in Gewerkschaftskreisen lebhafte und fast ungeteilte Zustimmung. Die vom ersten sozialistischen Kongreßmitgliede aufgestellte Forderung wird nimmer von der Tagesordnung verschwinden, bis sie erfüllt ist und einen� neuen mächtigen Ansporn zur Geltendmachung von Arbeiterinteressen wie zur Förderung sozialistischer Propaganda bildet. � Das positive gesetzgeberische Ergebnis der viermonatlichen Tätigkeit des Bündesparlaments läßt sich kurz zusammen- fassen: Genehmigung des zwischen den Regierungen Kanadas und der Vereinigten Staaten vereinbarten Handelsvertrages (die Ratifizierung durch das kanadische Parlament steht noch aus): Annahme eines Gesetzes, welches die öffentliche Rech- nungsablegung über die zu Wahlzwecken verausgabten Gelder vorsieht und auf die Verminderung der herrschenden Kornip- tion abzielt, und endlich die Aufnahme der Territorien Arizona und New Mexiko als Staaten in die Union. Doch soll die Aufnahme Arizonas erst dann erfolgen, wenn das Territorium die Bestimmung, welche den Wählern das Recht der Absetzung der Richter erteilt, aus dem Verfassungsentwurf ausgemerzt bat. Repräsentantenhaus wie Senat hatten der zeitgemassen Bestimmung ihre Genehmigung erteilt, aber der PräsidentTaft belegte denKongrcßbeschluß mit seincmVeto. Tasselbe wäre wirkungslos geworden, wenn jedes der beiden Häuser des Kongresses mit Zweidrittelmehrheit auf seinem ursprünglichen Beschlüsse bestanden hätte. Dazu war im Senat nicht die geringste Aussicht vorhanden. Daher fügte sich das Brmdespärlament dem reaktionären Präsidenten im fraglichen Falle ebenso wie in wichtigen Zollfragen. Bei den Herbsttvahlen des letzten Jahres erlitten die Republikaner eine schwere Niederlage und verloren die Majorität im Rcpräsentantenhause. Im April zu einer Extrasession einberufen, um den Handelsvertrag mit Kanada gu ratifizieren, nahm der Kongreß aus eigener Initiative eine teilweise Revision des nach Payne und Aldrich benannten, im August 1909 angenommenen Wucher-Zolltarifs vor. Zwei sich in dieser Richtung bewegende Gesetze gelangten zur An- «ahme. Das eine sah eine Ermäßigung der Zölle auf Roh- wolle und Wollenzeuge, das andere eine solche auf andere Textilwaren, insbesondere Baumwollstoffe, auf Stahlwaren «nd Chemikalien vor. _ Beide Bills belegte Taft mit-seinem Veto. Zur Be- gründung desselben machte er geltend:„Ter Kongreß sollte mit der auch voll mir befürworteten schrittweisen Revision des geltenden Zolltarifs warten, bis die Zolltarifkommission wissenschaftlich begründete Vorschläge ausgearbeitet und den gesetzgebenden llörpcrschaften der Vereinigten Staaten unter- breitet hat." Diese Zolltarifkommission, deren Bestellung im Aldrich-Payne-Zolltarif vorgesehen ist uyd deren Unter- Haltung jährlich die Kleinigkeit von einer Million Mark kostet, hat zwar herzlich wenig Wissenschaft, aber desto mehr hochschutzzöllnerischen Geist in sich: zur Belehrung des Kon- gresses ist sie weder geeignet noch befähigt. Das weiß natür- lich auch Taft, dem es lediglich darauf ankommt, den Verrat seines eigenen Programms zu beschönigen. Wie schon als Präsidentschaftskandidat im Herbste 1998, so hat Taft auch später noch als Präsident, z. B. am 17. September 1909 zu Winona, eine Ermäßigung der Wollen- und Baumwollenzöllc für unerläßlich erklärt. Und am 12. Fe- bruar letzten Jahres gab er in einer hier gehaltenen Rede zu, daß die Republikaner ihr Wort brachen, als sie die Wollzölle bei der Beratung des zurzeit geltenden Zolltarifs nicht niedriger gestalteten. Noch im Dezember 1919»verpflichtete sich Taft in Chicago, für eine Woseiligung der im Zolltarif enthaltenen Härten und Unbilligkeiten zu sorgen. Tafts Verhalten ist, vom rein politischen Standpunkt aus betrachtet, unbegreiflich. Wurde bis jetzt noch jeder republikanische Präsident, mit Ausnahme von Rutherford Burchard.Hayes(1877— 1881), vor dem Ablauf seiner ersten Amtsperiode zum zweiten Male als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, so hat Taft in dieser Hinsicht sicherlich Ehrgeiz, denn er unternimmt jetzt schon Agitationsreisen. In seiner nächsten ordentlichen Session, zu welcher er verfassungsmäßig im Dezember zusammentreten muß, wird der Kongreß die Revision des Zolltarifes wieder aufnehmen. Die.Schlußverhandlungen der nächsten Tagung des Bundes- Parlaments wird zugleich die Einleitung für den Wahlkampf im Herbste nächsten Jahres bilden. Will Taft auch dann wiederum sein Vetorecht gegen Kongreßbeschlüsse ausspielen? Er wiirde sich sein politisches Grab schaufeln, ohne den geld- mächtigen„Interessen" viel zu helfen. Auch die Demokraten sehen der Erfüllung so mancher ihrer als Wahlköder aufgestellten Forderungen mit gemischten Gefühlen entgegen. Nur der einzige sozialistische Repräsen- tant treibt keine Kulissenschieberei. Sein entschiedenes Ein- treten für die Forderungen des Proletariats bietet die Ge- währ, daß er im Bundeskapitol bald nicht mehr vereinsamt sein wird._ Politische Qcbcrltcht. Berlin, den 15. September 1911. Bodenlose Unverschämtheit! Für eine Verschlechterung des Dreillassen- Wahlrechts tritt Oktavio von Zedlitz in einem Artikel des roten„Tag" ein. Dieser Wackere hat den Mut, angesichts der ReichstagSwahlen Veränderungen deS jetzigen Dreiklassenwahl- systemS vorzuschlagen, die nicht etwa auf eine sei es noch so mini-- male Abschwächung des plutokratischen Wahlsystem?, sondern im Gegenteil auf eine völlige Entrechtung der Ar- beiterklassc hinauslaufen. Bekanntlich hat die Sozialdemokratie im Jahre 1903 nur des- halb einige wenige Mandate im preußischen Dreiklassenparlament zu erobern vermocht, weil eS ihr infolge der Drittelung in den UrWahlbezirken gelang, in einigen Wahlkreisen auch die Mehrheit der Wahlmänner der zweiten Klasse durchzubringen. Diesen Zustand will nun der Oberscharfmacher von Zedlitz völlig beseitigt haben. Unter dem Vorwand, daß dem M i t t e l st a n d in den Großstädten ein größerer Einfluß gesichert werden müsse, empfiehlt er derartige Maßnahmen zu treffen, daß die Arbeiter in der zweiten Klasse niemals die Majorität erlangen können. Er denkt sich die Sache folgendermaßen: „Dieses Ziel wäre erreicht, wenn jeder Wähler, der nach seiner Steuerlei st ung zu der reicheren Minderheit zu zählen ist, auch der e r st e n und jeder, der danach zum Mittelstand gehört, der zweiten Abteilung zugeteilt wird, während jeder Wähler, dessen Steuerleistung hinter dem Mindestmaß für den Mittel st and zurück. bleibt, in der d r i t t e n Abteilung zu wählen hätte. Würde die Bildung der Wahlabtcilungen nach dem Antrage Schorlemer demgemäß dahin ergänzt, daß alle Wähler, welche die unterste Grenze für die Zurechnung zu den Höchstbesteuerten erreichen oder uberschreiten, gleichwohl aber bei der Drittelung der zweiten oder selbst der dritten Wahlabteilung zugefallen sind, der e r st e n Wahlabteilung, diejenigen, welche das Mindestmaß der Stcuerleistung für die Zurechnung zum Mittel stände auf- weisen, aus der dritten in die zweite Abteilung aufrücken, und endlich alle Wähler, deren Steuerleistung dieses Mindest- maß nicht creicht, aus der ersten und zweiten Wahlabteilung ausscheiden, so wäre offenbar der Grundgedanke des Dreiklassenfystems wiederhergestellt und damit auch dem Mittelstand der ihm danach zugedachte bedeutsame Einfluß auf den Ausfall der Wahlen zurückgewährt." Daß von dem Führer einer an Zahl zwar winzigen, aber in- folge des infamen Dreiklassenwahlsystems an politischem Einfluß keineswegs unerheblichen Partei ein solch bodenlos unverfrorener Vorschlag überhaupt gemacht werden kann, beweist der Arbeiter- klaffe, mit welch verächtlicher Geringschätzung die preußischen Machthaber sie behandeln zu dürfen glauben! Daß diese Scharfmacher obendrein in einem Augenblick, wo von ihnen die niederträchtig st e Kriegshetze ausgeht, wo sie also ihrer Profitgier hunderttausende von Arbeiter- leben skrupellos opfern möchten, in aller Oeffcnt- lichkeit erörtern, wie man daS rechtlose Proletariat politisch vollends entrechten könnte, setzt ihrer aufreizenden Unverschämtheit die Krone auf! Die Reform der Fahrkartensteuer soll angeblich im Herbst zum Abschluß gebracht werden und dem »eneu Reichstage zu Begiu» des nächsten JahreS vorgelegt werden. Uebcr den voraussichtlichen Inhalt der Vorlage wird mitgeteilt: „Tie bisherigen Verbandlmigen haben im allgemeine« zur Genehmigung des preußischen V o r e n l lo u r f e S geführt. Danach wird der geltende«leiiertarif abgeändert, ohne eine Erhöhung zu bringen. Er fall vielmehr Härten ausgleiche» und vor allem die Belastung bei den oberen W a g c n k l a>' s c n m i n d e r n. Eine Besteuerung der vierten Klasse ist nach wie vor nicht beabsichtigt. Möglich ist anch, dag die unterste Stenergrenze, jetzt LO Pf., auf eine Mark heraufgesetzt wird, um dem Stadt« und Vorortverkehr eutgegen- zuTommen. zumal in Berlin die geplante Elektrisierung der Stadt- v.chu eine Erhöhung der Tarife bedingen wird. Durch die R»iorin sollen die Einnäh-nen de? Staates nicht verringert werde». da man hofft, mit ihr die Benutzung der oberen Klaflcn zu heben." Wenn man die Einnahmen nicht vermindern und doch gleichzeitig die Belastung bei dcu oberen Wageullassen verringern will, so bleibt nichts anderes übrig, als zum Vorteil der wohlhabenden Passagiere der ersten beiden Wagenklassen die Reisenden der dritten Klasse noch schwerer zu belasten. Das wäre allerdings eine Reform der Fahrkartensteuer, die ganz in das Finanzprogramm unserer herrschenden Klassen passen würde. Da freilich die dritte Klasse ja auch hauptsächlich von gut bürgerlichen Elementen benutzt wird, würde eine solche Reform anch in.staatserhaltenden" Kreisen sehr viel böses Blut machen._ Ter Hansabündler als Ze»ttr«mskandidat. Aus dem Düsseldorfer Wahlkampf meldet das „Berliner Tageblatt": .Der Ham'abund bat dem ZentrumSkandidnten Dr. Friedrich, der bekannilich Mitglied des HansabundeS ist, behufs Wahlunter- stützung bei der Reichstagsersatzwahl am 19. September eine Reihe von Fragen vorgelegt über seine Stellung zum Hansabund- programni. Gefordert' ivird die Verpflichtung zur Bekämpfung der Angriffe in der Z c n t ru in s p a r t e i und Zentrums- presse gegen den Haiisabund solvie die Be- käinpfung der agrardeinagogischen Richtung innerhalb des Zentrums, ferner das Eintreten für eine ausreichendere parlamentarische Vertretung von Handel und Industrie und für Neueuiteilung der ReichSlagswahlkreise. Die Verdandlimgen sind dem Abschluß nahe." Wir bezweifeln nicht, daß der Hansabündlerische Zentrums- kandidat, um gewählt zu werden, alles Mögliche und Un- mögliche versprechen wird. Daß die Politik seiner Partei es ihm nicht erlauben wird, auch nur eine dieser Vor- sprechungen in die politische Praxis umzusetzen, ist freilich ebenso gewiß. Man denke nur an die zum Teil schriftlich niedergelegten Wahlversprcchungen der zentrümlichen „Arbeiterkandidateu" Gronoivski, Bartscher usw. aus dem letzten preußischen Landtagswahlkampf und daran, wie diese Versprechungen dann später gehalten oder vielmehr nicht gehalten wurden I_ Auch eine„Volkspartei". Nach einer Zusammenstellung der parteioffiziellen.Rational- liberalen Korrespondenz" befinden sich unter den nationalliberalcn ReichstagSkandidaten für die nächsten Wahlen u. a. 25 Landwirte, 5 Fabrikbesitzer, 1 Generaldirektor, 9 Kommerzienräte, 1 Bank- direktor, 1 inaktiver-StaatSminister. 2 LegationSiekretäre, 8 Geheim» und andere Räte, 1 OberverwalMugSgericktSrat, 1 Landgericbls- direktor, 7 andere Richter, 4 Geheime Justizräte, 1? Rechtsanwälte, 7 Bürger» res p. Oberbürgern, ei st er und Stadträte. 1 Generalleutnant usw. usw. Neben ein paar Renommier- Handwerksmeistern finden sich in der ganzen Liste dann noch 2(sage und schreibe: zwei) Arbeiter, und zivar ein im Wahlkreise Bochum als hoffnungsloser Durchfallskandidat aufgestellter Bergmann und ein Eisenbahnschlosser, von dessen.Unabhängigkeit" der Regierung gegenüber die Leser sich selbst eine Vorstellung machen mögen. Und angesichts dieser Tatsachen wagt«S die nationalliberale Partei, sich den Wählern als wahre VollSpartei zu empfehlen und in ihrem offiziellen Organe zu behaupten, daß sie bei ihrer Kandi- datenaufftellung.auf die möglichst gleichmäßige Berücksichtigung aller Berufs- und Erwerbsklassen der deutschen Bevölkerung bedacht ist" 1 1 Die ReichstagSersatzwahl im Wahlkreis 8 Oppeln stirden verstorbenen Domherrn Frank ist aus Freitag, den 27. Oktober. angesetzt worden._ Nationalliberale RcichstagStvahlkandidaten. Nach einer Zusammenstellung in der„Nationalliberalen Korr'e- spondenz" haben die Naiionalliberalen bisher in 112 Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt. Außerdem sollen noch in mindestens 2ö Kreisen Kandidaturen aufgestellt werden. Sächsische Nadelstichpolitik. Die sächsischen Behörden können sich noch immer nicht in die durch Reichsgesetz veränderten Verhältnisse auf dem Gebiet deS Vereins- und Versammlungsrechts hineinfinden. Die.ladütische" Handhabung de» alte» iächfischen Vereins- und Versammlungsgesetzes, das von den Konservativen, von ihrem Standpunkte aus mit Recht, den Namen.Juwel" erhielt, liegt ihnen noch in allen Gliedern. Mit einem Wust althergebrachter Sozialisienfeindschaft und Bureau- tratiSmuS müssen unsere sächsischen Parteigenossen aufzuräumen suchen, indem sie in zahlreichen Fällen gerichtliche Entscheidungen herbeiführen und die unteren Behörden zwingen, offenbares Recht auch Recht fein zu lassen gegenüber der modernen Arbeiterbewegung. Dieser Kamps geht uuvermiudett weiter, seit daS neue ReichSvereins- gesctz besteht. Zwei solcher Fälle liegen jetzt wieder auS dem Dresdener Bezirk vor. Der soziatdemokratiiche Verein für den S. Rcichötagswahlkreis hielt ein SliflungSfest in einem seiner Bezirke ab. Die Amts- hauptmannschaft stellte sich auf den Standpunlt, daß wegen deS im Programm mit vorgesehenen TanzeS die Genehmigung einzuholen sei, weil daS Tanzvergnügen ein„öffentliches" wäre, die Gonehmi« gung aber wurde deswegen versagt. Den Charakter der Ocffenllüh- keil erblickte die Behörde in der Größe der Mitgliederzahl. Ter Leiter dcS Festes kehrte sich jedoch nicht an daS Verbot, da es nach seiner Meinung im Reichsvereinsgesetz nicht begründet bezw. der Charakter der Oeffeutlichleit durchaus verkannt war. Er tat ober alles, um auch äußerlich daS Vergnügen als geschlossene Mitglieder- Veranstaltung kenntlich zu machen. Tie Folge war eine Straf- Verfügung über ISO Mark, die höchste Strafe, die nach der sächsischen AusführnngSordiinng von der Behörde auf« erlegt werden kau». Der Bestraste ging an daS Schöffengericht, das ihn freisprach und feststellte, daß daS Vergnügen nicht öffentlich war. und deshalb keinerlei behördlicher Genehmigung bedurfte. Anderer Meinung war der StaalSanwall. er legte Berufung ein. Mit dem Erfolg, daß auch das Landgericht unseren Genossen frei» sprach und sich den Gründen der Vorinstanz anschloß. Der andere FaK lag ähnlich. Zu einem Maifest-KommcrS in Dresden stand n. a. auch die Marseillaise auf dem Programm, daS überflüssigerweise her Polizeibehörde eingereicht wurde. Die Folge dieser Kulanz: der Bortrag der Marseillaise wurde verboten! Der KonimerSleitcr beachtete aber das Verbot nicht. Das so verpönte Lied wurde lebhaft gespielt und gesungen. Bald darauf gab eS ein Strafmandat über 25 Mark. Der Bestrafte ging nun ebenfalls an das Gericht. In diesem Falle gab der Klagevettreler die Berufung auf das VereinSgesctz halb und halb preis, er stützte sich aber auf daS— Zeufutrecht der Polizei. Unglaublich, aber wahr I DaS Schöffengericht hatte auch für diese Beweisführung keine» Sinn und erkannte auf Freisprechung. ES stellte fest, daß auch diese« Fest nicht als ein öffentliches im Siuue des VereinSgesetzeS belrachret werden könnte.— Das sind zwei von den sehr bäufiaen Fällen, die zeigen, wie trotzalledem noch Nadelsiichpolilik in Sachsen getrieben wird. Ueberflüsfig zu sagen. daß bürgerliche Veransialtungei, von solcher Aufmellsamkest der Be« Hörden verschont bleiben._ Mit Mustnuhmen gegen die LedenSmittelnot muffen sich gegenwärtig verschiedene nordbayerische Gemeinden be- schäftigen. � So sah sich in Bayreuth der Siadtniagistrat veranlaßt, das Geschäftsgebaren der Herren Fleilchermeistcr ein wenig unter die Lupe zu nehmeu. Es wurde von dem rechtskundigen Ncfercmen nachgewiesen, daß bei der das Volk ausräubernden Schutzzöllnerei auch die Fleischer auf ihre Rechumig kommen. Die Preise weiden unberechtigt bochgeh.ilten, und die organisierten Fleischer sind bestrebt, auch beim Sinken der Einknusspreise die Verkaufspreise aus der Notstandshöhe zu erhalten. Nach der anulicheu Feststellung nehmen die Fleischer z. v. beim Schweinefleisch 34, beim Kalbfleisch gar 80 Pf. pro Kilogramm Profit. ES wurde der Gedanke erwogen, ob nicht eine g e m e i n d- liche Schlächterei zu errichten sei, doch will man vorläufig davon absehen; dagegen wird den Privaten, Vereinigungen usw. empfohlen, gemeinsame Schlachtungen vornehmen zu lasten. Die Stadt will dazu die nötigen Räume unentgeltlich zur Verfügung stellen und auch in jedem Falle die Schlachtgebiihrcn � nachlasten. Auch die unerhörte Kartoffelteuerung erheischt ein Ein- greifen. Hier hat ebenfalls der Stadtmagistrat Bapreutb beschlossen, solide Händler und Genossenschaften aufzufordern, Llarioffeln in großen Mengen von auswärts zu beziehen und billig auf dem städtischen Wochenmarkte zu verkaufen. Die Stadt will in diesem Falle die Marktgcbühren nachlassen. In Erlangen belvilligte der Magistrat 2000 M. zum Bezüge von Kartoffeln, die unter Ausschluß der Händler billig an die Ein- wohnerschaft abgegeben werden sollen. Weiter richtete er an die Staatsregierung die Forderung, auf die SuSpendierung der Zölle auf Lebens- und Futtermiltel, Aufhebung der Grenzsperre gegen Vieh und Fleisch und Beseitigung der Gctreidceinfubrscheiue hin- zuwirken. Vom Verkehrsministerium wird gefordert, die Frachtsähe auf Lebensmittel um die Hälfte zu ermäßigen. Die bayrische Schmiergelderaffäre. Der bayrische VerkehrSminister erläßt folgende Erklärung, die die am Donnerstag gemeldete Einhüllung der ZentrumSpresse halb und halb bestätigt. .Die Verwaltung der pfälzischen Eisenbahngesellschaft hat nach vollständigem Abschluß der Kaufvcrhandlungen einem M i n i st e r i al- beamten eine Dotatiou zugewendet. Der Beamte hatte von der Absicht der Zilwendung vorher keine Kenntnis. Bei dwser Sachlage trug der VerkehrSminister keine Be- denken, die Zuwendung gemäß Artikel 20 des Beamten- gesetzes ausdrücklich zu geuehmigen." Das letzte Wort ist in der Affäre zweifellos damit noch nicht gesprochen._ Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit! Ein Leutnant der Artillerie stand vor dem Obcrkriegsgericht in Breslau als Angeklagter. ES sollte gegen den Offizier auf Berufung deS Gcrichtshcrrn gegen ein kriegsgerichtliches Urteil verhandelt werden. Geladen war zu der Berhondlung als einziger Zeuge ei» Artillerieleutuant v. H i l S. Sofort zu Beginn der Verhandlung fragte der Verhandlungsführer, Oberkriegsgerichtsrat Trefzt. ob ein Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit gestellt wird. Der Vertreter der Anklage, Oberkriegsgerichtsrar Laub, verneinte, der angeklagte Leutnant bejahte. Die Oeffentlichkeit wurde während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschlossen, wegen Gefährdung der Disziplin, die. wie der oben- genannte Verhandlungsführer ausführte, zu befürchten sei wegen der Eigenart der Sache und der zur Sprache kommenden Dinge. In der öffentlichen Verhandlung wurde eine Anklageschrift nicht verlesen, Namen, Regiment, Bergehen des Offiziers nicht genannt. Bei wieder hergestellter Oeffent- lichkeit verkündete der Verhandlungsführer, Oberkriegsgerichtsrat Trefzt, nur. daß die Berufung deS Gerichlsherrn gegen das kriegsgerichtliche Urteil verworfen werde. DaS Oberkriegsgericht habe genau denselben Sachverhalt festgestellt, wie das erste Gericht, auch ebenso Schuld und Strafe gewürdigt. Oeltcrmcb. Teuerung und Parlament. Wien, 15. September. In der heutigen Obmännerkonferenz teilte der Ministerpräsident G a u t s ch niit, eine überstürzte Ein- berusung des Parlaments— unsere Genosten hatten die Ein- berusung gefordert— hätte keinen Zweck. Nach seiner Anficht sollt« das Parlament am V. Oktober zusammentreten. Er sei mit der ungarischen Regierung über die Fleischnot in Unterhandlungen ge- treten. Er bedauere, daß die Aufregung der Bevölke- r u n g eine Form und Erscheinung angtuon,men habe, die für die Klärung der Situation nicht gerade erwünscht sei. ES sei auch die Möglichkeit von Erscheinungen angedeutet worden, die. wenn sie fich verioirklichen sollten, die Regierung zwingen müßten, mit aller Entschiedenheit dagegen aufzutreten. Die Ausführungen des Ministerpräsidenten haben bei den Sozialdemokraten große Erregung hervorgerufen. Schließlich wurde der 6. Okiober als Tag der ersten Sitzung angenommen. finnlanä. Gegen den russischen Räuber. Helfingfors, 18. September. Gestern abend fand eine große Studentenversammlung statt, bei der ein Redner auch die Frage der Einverleibung der beiden fiilnische» Kirchspiele in das Petersburger Gouvernement berührte. Als der Polizeimeister daraufhin für den Fall der Wiederholung die Schließung der Versammlung— nötigenfalls mit Gewalt— androhte, erklärte der Borsitzende, er weiche der Gewalt und schloß die Versammlung. Beim Berlasten deS Saales wurde an die Anwesenden ein ge» druckter Beschluß verteilt. Hus der Partei. Jules Guesdcs Erkrankung. Wie der..Socialisme" mitteilt, hat Genosse Jules Gucsde neuerdings eine gefährliche Krise überstanden. Von der Hitze dieses Sommers erschöpft, hatte er sich im August auf die Insel Jersey zur Erholung begeben. Am 11. August erlitt er einen Sonnenstich, der eine furchtbare Lungcnkongcstion zur Folge hatte. Drei Tage lang war er völlig bewustlos und erst allmählich kehrte er ins Leben zurück. Am letzten Freitag konnte er nach Paris heimkehren. Die Gesundung schreitet normal vor und in einigen Wochen wird er wieder seinen Platz in der Schlachtreihc der französischen Partei einnehmen können. Vorläufig ist ihm von den Acrzten absolute Ruhe streng vorgeschrieben. Ein Hilferuf der persischen Sozialisten. Durch Vermittlung des russischen Delegierten Lenin wendet sich das Zentralkomitee der persischen Sozialdemokratie an das Juternationale Bureau mit einem Hilferuf gegen die vom russi- sehen Zarismus in holdem Verein mit der liberalen englischen Regierung betriebene Raubpolitik gegen Persien. Es heißt da:„Wir haben unser Stück Freiheit, so gering es auch sei. durch harten Kampf errungen. Diese Frcilieit ist in Gefahr, denn der Zarismus, im Bunde mit Großbritannien, sucht sich unseres Landes � zu- bemächtigen und die Autokratie wiederberzustellen. Hätte das juuge Persion cS nur mit dem armseligen Mahmed Ali -u tun, so wäre er mit seiner Bande rasch vernichtet. Aber uns versperrt die ennze raubgierige Internationale der reaktionären Regierungen den Weg. Sie will keine Freiheit und Unabhängigkeit Persiens. Ihr Werk der Ausbeutung erfordert ein versklavtes Pcrsien mit einem käuflickscn Schurken.an der Spitze. Die russische Regierung hat im Einverständiz mit der englischen das von beiden Mächten mit der neuen persischen Regierung getroffene Abkommen verletzt. Während dieser Bertrag beide Regierungen verpflichtet, jeden Versuch deS Exschahs, zur Macht zurückzukehren. -u bekämpfen, läßt Rußland, nach Erregung von Aufruhr im Lande ihn nach Pcrficn zurückkehren, um ihn auf den Thron zu fetzen. anderen Mächte bleiben diesem schimpflichen Verrat gegenüber gleichgültig. Sie liosfen wohl, Anteil an der Beute oder deck, Kompensationen zu erhalten.— Zur Ufberwindung dieser Schwierigkeiten werden die Anhänger der Freiheit und Unab- hängigkeit keine Mühe scheuen, und in diesen schweren Tagen, wo wir überall nur Feinde sehen, können wir nur vom sozialisti- schen Proletariat Hilfe erhoffen. Denn ihr allein seid die brüderlichen Freunde und Brüder aller Unterdrückten, welcher Nation sie auch angehören. Erhebt daher eure Stimme zugunsten unserer Frei- h e i t in euren Parlamenten, euren Versammlungen, eurer Presse, überall, wo es euch möglich sein wird zu protestieren! Pro- testiert gegen die persische Politik eurer Negierungen, insbe- sondere der russischen und englischen, die sich rüsten, das persische Volk zu erwürgen! Selbst wenn eure empörten Protest- rufe nicht imstande sein sollten, die Politik unserer Feinde zu bc- cinflusten, so werden wir sie doch hören und sie werden uns mit Mut in unserem Kampfe erfüllen. Hoch die Völkerfreiheit! Hoch der internationale Sozialismus!" �Personalien. Zum Par,to,isekretSr in Freib�erg i, Sa. wurde Genosse Karl Bethke aus Berlin gewählt. polizeiliches, OeriebtUebes ulw. Ein hartes Urteil. Das Opfer einer Mystifikation war die„Volkszeituirg" in Zittau geworden. Die„Volkszeitung" lebte mit der Weberei- firma Zier scheu. Söhne in Schönbach resp. dessen Direktor S t r o b a ch wegen der in diesem Betriebe herrschenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Fehde. Den Abschluß in diesem Kampfe bildete ein Artikel, der an eine der Redaktion der„Volks- zeitung" zugegangene Postkarte anknüpfte, die mit dem Namen des Direktors Strobach unterzeichnet war. Ihr Inhalt war den Gefühlen eines Sozialistcnfressers angepaßt, der die Arbeiter der in Frage kommenden Firma und die Redaktion der„Volkszeitung" stark verböhnte. Dementsprechend waren natürlich auch die von der„VoliLzcitung" dazu gemachten Bemerkungen gehalten. Merk- würdigcrweise nahm sich die Staatsanwaltschaft der Sache an. Sic klagte und Strobach wurde als Nebenkläger zu- gelassen. Das Schöffengericht in Zittau als erste Instanz erkannte gegen Genossen Schnettler als verantwortlichen Redakteur der.Volkszeitung" auf 75 M. Geldstrafe. Gegen das Urteil legte sowohl der Verurteilte als auch der Staatsanwalt Berufung ein, mit der sich jetzt das Landgericht Bautzen befaßte. Es gelangte aber zu einem weit ungünstigeren Urteil, als die erste Instanz. Während die Berufung des Angeklagten verworfen wurde, gab das Landgericht der Berufung der Staatsanwaltschaft resp. der des Nebenklägers statt und erhöhte die Strafe auf 500 M. resp. 2 Monate Gefängnis. Während die erste Instanz nur einfache Beleidigung in der Veröffentlichung der Postkarte erblickt hatte, legte das Langericht verleumderische Beleidigung zugrunde. Soziales. Charlottenburger Sozialpolitik. Anläßlich des eben verflossenen Dritten Internationalen Kon- gresseö für Säuglingsschutz hat der Charlottenburger Magistrat eine Festschrift:„Die gesundheitlichen Einrichtungen der König- lichen Residenzstadt Charlottcnburg" erscheinen lassen, die wert- volles sozialpolitisches Material enthält. Wenn altch die gut aus- gestattete Festschrift in erster Linie bezweckt, CharlottenburgI soziolpoltische Verdienste um seine Bürger rühmend hervorzuheben, so gewinnen durch solche Elendsswtistiken verschiedene Bevölke- rungSkreise oft erst einen Einblick in daö vorhandene tawsiendfältige Leid, daö seine grauen Schwingen vornehmlich, j« man kann fast sagen ausschließlich, über die Proletaricrschichten spannt. In erster Linie ist es die Tuberkulose, die unter den Proletariern massenhafte Olpfer fordert. Wie die Schrift hervor- hebt, steigt die Zahl der ans diese Krankheit zu untersuchenden Per- sonen mit jedem Jahre. 1910 mußte in nicht weniger als 12 203 Fällen untersucht werden. Die städtische Tuberkulosesürsorge ar- beitet Hand in Hand mit den Prwatärzten, deren Pflicht eS ist, sie ihnen verdächtig scheinenden Patienten der Fürsorgcstelle zu überweisen. Bei den Untersuckiingcn hat die Röntgendurch- l e u ch t u n g vorzügliche Dienste getan, ja sich vielfach als un- entbehrliches Hilfsmittel erwiesen. Bemerkenswert ist, daß von den Armenärzten die erforderlichen Stärkungsmittel, wie M i l ch, au die Patienten auf städtische Kosten verordnet werden kön- nen, ohne daß die Empfänger in ihren politischenRechtenbe- nachteiligt werden. Eigentlich eine selbstverständliche Maßnahme, die aber leider erst in einer geringen Anzahl Gemeinden Eingang gefunden hat. Im vorigen Jahre wurden für 25 000 M. Milch auf ärztliche Verordnung an Arme geliefert. Den Erholungsstätten wurden 1532 Personen überwiesen, darunter 1211 Kinder, die in der Mehrzahl an Tuberkulose, Blutarmut und Skrofulöse litten, ebenso an schw acher Konstitution und Unterernährung. Die Kosten der Fürsorge für Lun- gen- und Tuberkulosekranke bezifferten sich auf 173 203,23 M. im Jahre 1910. Eine weitere der sozialen Wphlfahrt gewidmete Einrichtung ist die' städtische Säuglingsfürsorge. Von 4272 Kindern wurden die sechs Fürsorgestellen der Stadt im letzten Jahre in An- spruch genommen. Sehr stark ist der Andrang der unehelich geborenen Kinder, was nur zu begrüßen" ist. Sind es doch gerade diese, die des Lebens rauhe Stürme schon im zartesten Kindesalter zu fühlen bekommen. 87 Proz. aller unehelich Ge- borcnen wurden der Fürsorge zugeführt. Bemerkenswert ist, daß während der Fürsorgezeit die vorgekommenen Todesfälle der ehelichen und unehelichen Kinder sich völlig die Wage hielten, während man sonst regelmäßig konstatieren mutz, daß die Todcsziffcr der Unehelichen entschieden höher ist als der im staat- lich vorgeschriebenen Ehebett gezeugten Kinder. Der bedeutungs- volle gcsundbeitliche Unterschied zwischen Brust- und Flaschen- k i n d e r n ist wie überall auch hier zu konstatieren. Von ersteren sterben an den Brcch. und Tarmkrankheiten nur 0.4 Proz., während letztere mit dem doppelten Prozentsatz, 0,8 Proz., den Mangel der Muttermilch büßen mußten. Da die Fürsorge sich nur bis zum achten Lebensjahre erstreckt, aber in der Zeit vom ersten bis sechsten Jahre sich viele Krankheitskeime bilden, die sich erst in späteren Jahren äußern, wurde vom 1. April dieses Jahres ab eine besondere Sprechstunde für ältere Kinder eingerichtet. Seit Mai dieses Jahres besteht eine sogenannte Säuglings- k r i p p e, an die� gegen ein Entgelt von 25 Pf. bruststillende Mütter, die tagsüber auf Arbeit geben, ihr Kind während dieser Zeit abliefern können. Insgesamt betrugen die Aufwendungen für die Säuglingsfürsorge im letzten Jahre ,308 000 M. Zu bedauern waren viele uneheliche Mütter, wo der Vater des Kindes durchaus nicht zum Zahlen zu erlangen war. Mobiliar- Pfändungen erwiesen sich hierbei fast immer als?rgeb- nislos, da fast regelmäßig Intervention von dritter Seite er- bobcn wurde. Verheiratete Männer, die ein Mädcken geschwängert hatten und ebenso Söhne woblbabender Eltern, geben sich als An- gestellte ihrer Frauen bezw. Eltern aus, um iv sich vor de? Zahlung erfolgreich zu drücken. Es offenbarten also nicht nur die der- heirateten und ledigen Väter eine robuste Gewissenlosigkeit, sondern im gleichen Maße auch deren Ehefrauen bezw. Eltern. Auch auf sie, die ihren zur Alimentation verpslichteien Gatten und Söhnen Vorschub leisteten, fällt der Fluch von Mutter und Kind. Wenn in bezug auf das Wohnungswesen gesagt wird. daß trotz der Unzulänglichkeit privater Mittel dieses nicht hindern darf,„Forderungen eines idealen Znstandes aufzustellen und ihre Durckführung bis zur äußeren Grenze des Möglichen anzustreben", so ist das ganz unsere Meinung, nur daß die öffentlichen Mittel hierzu in noch stärkerem Mlaße Verwendung finden müßten.—, Tie Schulspeisung erstreckt sich seit 1. April 1911 auf täglich etwa 700 Kinder. Auch die Sprößlinge be- mittelter und reicher Eltern profitieren aus städtischen Mitteln. So zahlt die Stadt jährlich 3000 M. für daS Schü ler- rudern der drei obersten Klassen der Gymnasien; 15 Boote sind aiigeschafst worden, und zur Errichtung eines Bootshauses hat die Stadt ein Grundstück«n Werte von 56 000 M. erworben. Bei Betrachtung der von der Kommune Ehorlottenburg geschaffenen Einrichtungen dürfen wir jedoch zweierlei nicht ver- gessen: einmal, daß in diesen Angaben nur ein kleiner Ausschnitt des umfangreichen Elends der Arbeiterklasse angeführt und helfend eingegriffen worden ist, und zum anderen, daß der Mitarbeit unserer Genossen im Charlottenburger Rathaus gar vieles von diesen segensreichen, doch unzulänglichen Einrichtungen zu dau- kcn ist._ Die flrbeit$veii)ältnii$e auf den städtischen Rieselgütern haben kürzlich in mehreren Versammlungen der dort beschäftigten Arbeiter wieder erneut eine eigenartige Beleuchtung erfahren. Eine geradezu unglaubliche Maßnahme des Magistrats bildete d.r den Hauptgcgenstand der Verhandlungen. Bisher erhielten die Teputatsarbeiter neben ihrem Barlohn, der im Sommer 1,80 M. und im Winter 1,20 M. beträgt, und dem Naturallohn auch die volle Krankenfürsorge für ihre Familienangehörigen, die sowohl in Arzt und Medizin, als auch in Krankenhausbehandlung, Liefe- rung von Heilmitteln(Milch, Bandagen usw.) bestand. In diesem Jahre hat nun die Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde Berlin eine an sich sehr dankenswerte Familienunterstützung ein- geführt, die aber vorläufig nur in Gewährung von Arzt und Medizin besteht. Verbunden mit dieser Ausdehnung der Kassen- leistungen war auch eine Erhöhung des Kassenbeitrages. Da die Rieselfeldarbeiter ebenfalls dieser Betriebskrankenkasse ange- gliedert sind, kommen diese neuen Leistungen nunmehr auch für sie in Betracht. Diese Tatsache hatte aber auch den weiteren Effekt, daß die bisher von der Stadt gewährte Krankenfürsorge für die Familienangehörigen der Deputanten um die neuen Leistungen der Krankenkasse entlastet wurde. Aus diese Weise machte die Stadt Ersparnisse, welche infolge der Erhöhung der Krankenkasscnbeiträge zu Lasten der Arbeiter gingen. Man sollte nun meinen, daß die Stadt vernünftigerweise den so ersparten Teil der Naturalleistungen in der Krankenfürsorge ohne weiteres durch eine Erhöhung des Barlohncs der Arbeiter ausgeglichen hätte. Eine solche zwingende Logik ist aber der von„Arbeiter- freundlichkeit" triefenden städtischen Verwaltung völlig fremd. Im Gegenteil: sie hat ihrer stets bis zum Ueberdruß betonten sozialen Einsicht geradezu die Krone aufgesetzt, indem sie den in Frage kommenden Ricselfeldarbeitern auch noch den Rest der bisher gewährten Familienkrankenfürsorge entzogen hat. Infolge- dessen ist die unglaubliche Tatsache festzustellen, daß die für die Gesamtheit der städtischen Arbeiter zweifellos zweckmäßige Ein- führung der Familienunterstützung in der Betriebskrankenkasse für die Deputatarbeiter der Rieselfelderverwaltung zu einer zwiefachen Schädigung geführt hat. Sie haben nicht nur die bisher gewährte Naturallcistung an Krankenfürsorge für ihre Familien von ihrem Lohn vollständig eingebüßt, sondern sie müssen nun- mehr auch den von der Krankenkasse gewährten Teil derselben durch eine etwa 25prozentige Erhöhung der Beiträge bezahlen. Das Verhalten der städtischen Verwaltung muß geradezu als sinnlos bezeichnet werden, demgegenüber man unbedingt verlangen muß, daß der durchaus berechtigten Forderung der Arbeiter, so- wohl eine Erhöhung deS Darlohnes als auch den von der Kranken» lasse nicht übernommenen Teil der bisherigen FamiNenkranken- fürsorge zu gewähren, unter allen Umständen Rechnung getragen wird. Herrschen, wie auS vorstehendem ersichtlich, schon bei der Gesamtverwaltung der Rieselfelder sehr stark die Allüren preußi- scher Junker vor, so ist dies nicht minder bei den Herren Administra- tcren auf den einzelnen Gütern der Fall, wie die nachstehenden Beispiele zeigen. Auf den südlich Berlin gelegenen Rieselfeldern besteht für Sis auf den Fuhrhöfcn beschästigtcn Arbeiter eine Arbeitszeit von morgens 3 Uhr bis abends 7 Uhr, welche von einer 2- bis stüiidigcn Pause unterbrochen wird. Mit dieser wahrhaftig reich- lich langen Arbeitszeit ist cS aber meist noch nicht genug, sondern häufig werden auf längere Zeit täglich noch 1 bis 3 Ueberstunden verlangt, so daß diese Arbeiter dann nicht weniger als 15 bis 17 Stunden frondcn müssen. Zu diesem Skandal reiht sich aber dann noch die Tatsache, daß den Arbeitern für die unerhörte lieber- stundcnschinderei wöchentlich, also für 6 bis 18 Stunden, sage und schreibe eine ganze Mark gezahlt wird. In gleich unverantwortlicher Weise wird mit der Arbeitskraft in der Administration Großbeeren Raubbau getrieben. Der In- spcktor des zu diesem Bezirk gehörenden Gutes Ruhlsdorf hatte während der Ernte den Arbeitern für das, Mähen im Akkord 7 Pf. pro Aar versprochen. Dem Administrator in Großbeeren. welcher die Löhne auszahlt, hatten die Leute aher anscheinend zuviel verdient und er reduzierte kurzerhand den versprochenen Lohn auf 5 Pf. pro Aar. Das Resultat dieser unverantwortlichen Preis- drückcrci war, daß die Arbeiter im Akkord ggnze 10 Pf. Mehr als ihren eigentlichen Tagelohn verdient hatten. Wie gering Leben und Gesundheit der Arbeitev bei der Rieselfeldverwaltung im Werte stehen, zeigt folgender Borfall, der sich in der Administration Falkenberg, nördlich von Berlin, zugetragen hat. Hier hat die Stadt Berlin auf dem weit ausge- dehnten Gebiet der Rieselfelder umfangreiche Obstkulturen an- gelegt, die das willkommene Ziel füo die Raubzüge der Obstdiebe sind. Infolgedessen ist den auf den Feldern tätigen Rieselwärtern durch den Administrator Jerschky die strenge Weisung erteilt worden, scharf gegen die Diebe vorzugchen, anderenfalls bättcn die Rieselwärter ihre Entlassung zu gewärtigen. Welchen Sinn eine derartige Drohung hat, ermißt man schon daran, daß auf die Riescnfläche von 900 Morgen im Revier Aürknersselde im ganzen zwei bis drei Riesellvärtcr Dienst tun, so daß sie nicht selten ganz allein einer ganzen Bande von Dieben gegenüberstehen und es unmöglich ist, durch Notsignale den außer Hörweite beschäftigten benachbarten Kollegen herbeizurufen. Aber auch sonst läßt die Rieselfeldverwaltung die Ricsclwärter vollkommen im Stich. So hatte Ende August ein solcher während seines Nachtdienstes ein Rcncontre mit Obstdieben zu bestehen. Anfangs gingen diese auf seine Aufforderung ruhig mit, fielen dann aber über ihn her und mißhandelten ihn aufs gröblichste, um schließlich zu entfliehen. Der arg zugerichtete Rieselwärtcr beantragt« nun selbswcrständ- lich, daß mit Rücksicht auf die ihm solchermaßen lvährend des Dienstes zugefügten Beschädigungen die Unfallmeldung sowohl als auch eine Strafanzeige bei der Polizei gemacht würde. Dazu hatte aber offenbar der Herr Administrator keine Lust, denn er lehnte beides einfach ab und erklärte dem Arbeiter, er solle nur selbst zur Polizei und zum Amtsvorsteher in Schönhausen gehen, um den Unfall zu melden. Natürlich schickte letzterer den Arbeiter wieder zurück mit dem Bemerken, daß die Betriebsleitung verpflichtet sei, Unfallanzeige zu erstatten. Erst jetzt, nachdem der Verletzte stnndenlage Wege zurückgelegt hatte, fiel es dem Administrator ein, daß es seine Pflicht war, die nötigen Schritte zu unternehmen. Aber auch jetzt noch unterließ er es, irgendwie polizeiliche Ermittelungen in der Sache anzustellen. Die städtische Verwaltung bezw. ihre Vertreter verlangen also, daß die Arbeiter im Kampfe mit Obstdieben ihre Haut zu Markte tragen; man denkt aber gar nicbt daran, ihnen konsequenterwcise auch den nötigen Schutz angedeihen zu lassen. Die Stadtverwaltung sollte fich auch darüber klar sein, daß sie die Pflicht hat, durch Ver- stärkung der Wachtposten für die Sicherheit der Arbeiter in dem ihnen zugemuteten schweren Dienste zu sorgen. Davon ist aber in der hier in Frage kommenden Administration nichts zu merken, sondern wie versichert wird, hält eS der Herr Administrator nicht unter seiner Würde, bei den geringsten Anlässen die Rieselwärtcr obendrein noch zu beschimpfen. ES dürfte am Platze sein, daß in der Deputation den angedeuteten Zuständen einmal auf den Grund gegangen und mit aller Macht dahin ge- arbeitet wird, daß den vielfach lange Jahre im Dienste der Stadt stehcüden Arbeitern der ihnen zukommende � Schutz zuteil wird, nicht zuletzt auch gegen die Uebergrisfe seitens impulsiver Bor- gesetzter. GewerkfcbaftUcbee. Der lästige Huslander. In dem Betrieb der Altonaer Automobil-Droschken- Gesellschaft legten am 5. d. M. 34 Chauffeure die Arbeit nieder, weil die Direktion obiger Gesellschaft einen Chauffeur, dem ein kleines Versehen unterlaufen war, kurzerhand ent- lassen hatte. Der Chauffeur sollte einen Arzt aus dem Krankenhause abholen, fuhr aber statt dessen aus Versehen vor dessen Wohnung hin, wodurch der Gesellschaft ein Schaden von 1,10 M. entstanden ist. Die Direktion weigerte sich, den Mann wieder einzustellen und warnte gleichzeitig vor einer Arbeitsniederlegung, weil eine solche dem Entlassenen nur ge- fährlich werden könnte, da er Ausländer sei. Die Chauffeure legten trotzdem die Arbeit nieder und anderen Tages traf pünktlich ein, was die Direktion bereits angedeutet hatte. Unterm 6. September erhielt nämlich der Chauffeur P l a t o folgendes Schreiben der Altonacr Polizeibehörde: »Polizeiamt J.-Nr. VII 1G97 Ausl. Altona, den 6. September 1S11. Da Sie bestraft, lästig gefallen und aus Hamburg verwiese» sind, wird Ihnen als Ausländer der fernere Aufemhalt im preußischen Staatsgebiete hiermit untersagt und Ihnen unter An- drohung einer Geldstrafe von 30 M. eventuell entsprechender Haft aufgegeben, dasselbe binnen 24 Stunden nach Zustellung dieser Verfügung zu verlassen. Die Rückkehr in das preußische Staatsgebiet ohne Erlaubnis wird nach I 361 des Reichsstrafgesetzbuches mit Haft bestraft. gez. Rosenkranz." Die im Schreiben angeführte„Bestrafung" bestand darin. daß Plato als Altonaer Kraftdroschkenführer mit einigen Strafmandaten bedacht worden war, wegen Aufnahme von Fahrgästen auf Hamburger Gebiet, und auch dieserhalb aus der„freien Stadt Hamburg" verwiesen war. Ob nun durch eine Anzeige des Herrn Direktors oder durch die Denunziation des„Hamburger Fremdenblattes", welches in seiner Nr. 209 eine Notiz über den Streik brachte und dabei u. a. bemerkte,„daß die Direktion einen Chauffeur, einen Schweden, entlassen hätte, der mehrfach zu ernsten Klagen Anlaß gegeben hätte", die Polizeibehörde scharf gemacht hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Der Streik wurde auf Grund des famosen„Eingreifens" der Polizeibehörde am 7. September aufgehoben, da durch die Ausweisung derselbe gegenstandslos geworden war. Die Streikenden beschlossen jedoch, die gesamte Streikunterstützung dem Ausgewiesenen zu überniitteln. Berlin und Amgegend. Ter Streik der Elektromonteure und Helfer ist beendet. Die letzte Streikversammlung der Elektromonteure und Hilfs- Monteure fand am Freitag mittag im„Englischen Garten" statt. Otto Handle berichtete, daß auch mit den Siemenswerken sowie mit Gebauer u. May eine Einigung zustande gekommen ist, so daß bei diesen Firmen die Arbeit unter besseren Bedingungen und ohne daß Maßregelungen zu fürchten sind, wieder aufgenommen werden konnte. Dadurch ist die Zahl der Streikenden stark zusammen- geschmolzen und nur etwa 26 Mann, die sich auf die 4 Firmen Opitz, Machos u. Marter, Henning und Rüffer ver. teilen, sind übrig geblieben. Dem Antrage der Streikleitung, den �Streik vom Montag ab als beendet zu erklären, stimmten die Ver- sammelten zu. Für die letzten der Streikenden tritt die Organi- sation nach Maßgabe der statutarischen Bestimmungen des Ver- bandes ein. soloeit sie nicht anderweitig Arbeit finden, was bei dem jetzigen Bedarf an guten' Elektromonteuren nicht lange dauern dürfte. Handle betonte in seiner Schlußrede, daß die Streiken- den fich tapfer gehalten haben und den jetzt beendeten Kamps als einen Aufmarsch betrachten müßten, um die gesteckten Ziele, zu denen sie diesmal nicht gelangen konnten, später zu erreichen. Die Ausgesperrten der Firma Schneider versammelten sich am Ereitag morgen wieder in den Borussiasälen, Ackerstratze, um den erichi über die Verhandlungen mit der Direktion des Werkes zu hören. Ein bestimmtes Resultat wurde nicht erzielt, wie Handke berichtete. Die Direktion nimmt einen ablehnenden Slandpunkt ein und erklärt, daß für sie die Angelegenheit beendet sei, da ihr genügend« Arbeitskräfte zur Verfügung ständen. Trotzdem wurde erzählt, daß eine Anzahl der Arbeitswilligen wieder entlassen worden sei. Die Ausgesperrten wurden von Handke aufgefordert, fest zusammenzuhalten und der Direktion nicht die Genugtuung zu bereiten, einzeln um Arbeit anzufragen. Die Organisation wird für die erste Unterstützung sorgen. Zu Verhandlungen im Interesse des Friedens sind die Ausgesperrten jederzeit bereit. Die Lohnbewegung der Kupferschmiede. Nachdem der Verband der Kupferschmieds seine Forderungen den Unternehmern eingereicht hatte, beschlossen die organisierten Unternehmer, die Forderungen abzulehnen. Zur Begründung der Ablehnung wird gesagt, die gegenwärtigen Löhne der Berliner Kupferschmiede seien hoher wie die Löhne in anderen Orten, und wenn in Berlin der Lohn erhöht werden sollte, so würden die Meister der auswärtigen Konkurrenz nicht mehr standhalten können. das Gewerbe würde dem Ruin entgegengehen. Trotz dieser ab- lehnenden Haltung hat aber am vergangenen Dienstag eine Ver- tretung der Meister mit den Vertretern des Verbandes der Kupfer- schmiede verhandelt. In einer Vertrauensmännerversammlung dieses Verbandes, die am Donnerstag stattfand, erstattete Kühne Bericht über die Verhandlung. Die Forderung, den im Jahre 1666 festgesetzten Mindestlohn von 62M> Pf. auf 75 Pf. zu erhöhen, ist den Meiste n gegenüber eingehend begründet worden. Es wurde nachgewiesen, daß von den 132 Kupferschmieden, die für diese Be- wegung in Frage kommen. 117 schon jetzt Stundenlöhne von 64 Pf. und darüber bekommen, und daß der Durchschnittslohn dieser 117 sich auf 6814 Pf. beläuft. Nur junge Gesellen, die noch nickt länger wie 2 Jahre ausgelernt haben, erhalten weniger wie 64 Pf. Da der Mindestlohn von 1666 sckon sowieso hinaufgegangen �ist, so er- scheint die geforderte Lohnerhöhung duxckaus nickt beträcktlich.— Bei den Verhandlungen ist vorläufig noch nichts herausgekommen. Einem Vorschlage der Verbandsvertreter entsprechend, werden die Meister einen Entwurf ausstellen, aus dem ersichtlich ist, wie weit sie den Forderungen der Arbeiter entgegenzukommen bereit sind. Sobald der Entwurf vorliegt findet eine neue Vcrlwndlung der beiderseitigen Vertreter statt, über deren Ergebnis dann die Ver- irauensmanner- bezw. die Verbandsversammlung zu entscheiden hat. Buchbindervcrband, Zahlstelle Berlin. Die Differenzen bei der Firma H. Lochbaum. Alexandrinenstraße 67, sind beigelegt. Die Sperre ist aufgehoben. Die Ortsverwaltung. Vom Streik bei Stiller ist zu berichten, daß es der Firma ge- lungen ist, 2 Leute, die soeben von außerhalb zugereist sind, als Arbeitswillige a"mwerben. Ein<äerr Julius G o l d st e i n, ge- werbsmäßiger Stellenvermittler, Alexander Straße 33. sucht meh- rere Hausdiener. Radfahrer usw. für die Firma �t'ller. Alle an- deren Bezugsquellen haben anscheinend versaqt. Da der Firma kein gewerbliches Personal zur Verfügung steht, werden Pakete usw. in Autodroschken unter Begleitung der sogenannten Steh- kragenproletarier befördert. Deutscher Transportarbeiterverband. oeuiscbes Bekb. Unternehmeranstand. Worauf ein Unternehmer schnell zu antworten weiß und worauf er keine Antwort findet, zeigt �ein�Briefwechsel, den die� verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil oerantw.: Verwaltung EberSivalde des Deutschen Metallarbeiierberssandes mit der Firma Ardelt u. Söhne geführt hat. Vor längerer Zeit wurde von ihr festgestellt, daß die Lehrlinge unter 16 Jahren fort- gesetzt länger als 16 Stunden pro Tag beschäftigt wurden. Aus- gehend von der Auffassung, daß vielleicht untergeordnete Betriebs- organe zu dieser Gesetzesübertretung Veranlassung gegeben hatten, ersuchte der Bevollmächtigte der Verwaltung, Genosse Ulm, durch Brief vom 25. Juli, die Firma, für Abstellung dieser Gesetzesüber- tretung zu sorgen, die auch sofort zugesagt, aber nur von einer neuen, schlimmeren Gesetzesübertretung, der Nachtarbeit für diese jugendlichen Personen, abgelöst wurde. Ein erneuter Hinweis des Genossen Ulm hatte zur Folge, daß endlich dem Gesetz Geltung ver- schafft wurde; doch soll auch jetzt noch ein Lehrling, der erst zu Ostern konfirmiert worden ist, mit Nachtarbeit beschäftigt werden, worauf wir das Augenmerk der berufenen Behörden lenken wollen, die in Eberswalde weder Auge noch Ohr für solche Gesetzesüber- tretungen zu haben scheinen. Auf diese beiden Eingaben wußte, wie gesagt, die Firma Post- wendend zu antworten. Anders auf eine Zuschrift, worin dieselbe Verwaltung im Auftrage der dort beschäftigten Arbeiter die Firma ersuchte, die sehr niedrigen Löhne etwas zu erhöhen. Nach 16 Tagen teilte die Firma mit,„daß ihr Bestreben dahin ginge, sich zufriedene Mitarbeiter zu sichern". Eine neuerdings auf diesen salomonischen Bescheid in derselben Angelegenheit am 6. September an die Firma gerichtete Zuschrift, die als"dringlich bezeichnet wurde und worin die Verwaltung sich zu Verhandlungen bereit erklärte, harrt noch heut bei der Firma ihrer Erledigung. Sie hat plötzlich die Sprache verloren. Sie glaubt, daß 36- bis 46jährige Schlosser bei dem ge- waltigen Verdienst von 46 Pf. pro Stunde allen Grund zur Zu- friedenheit haben. Trotz der Zusicherung der Firma sind aber die Arbeiter der Meinung, daß ihre Zufriedenheit nur durch einen ge- sättigten Magen erreicht werden kann, zu dem sie bei solchen Ver- diensten leider nicht kommen können. Die Glasergehilfen in München haben den Glasermeistern eine Tarifvorlage unterbreitet. Die Jnnungstrauter, die meist ohne Gehilfen und mit Lehrlingen wursteln, lehnten es ab, mit der Organisation in ein Tarifvertragsverhältnis zu treten. Dagegen erklärten sich die im Arbeitgeberverband vertretenen Glasermeister zum Abschluß eines Tarifvertrages bereit, wenn neben einem Minimallohn auch eine Mindestleistung im Vertrage aufgenommen werde. Vor dem Einigungsamt wurden unter dem Vorsitz des Gerichtsdirektors Dr. P r e n n e r nach mehrstündiger Verhandlung unter Zugrundelegung einer Min- destleistung folgende provisorische Vereinbarungen getroffen: Die wöchentliche Arbeitszeit wird um eine Stunde verkürzt. Ver- tragsdauer bis 1. April 1615. Die bestehenden Löhne werden so- fort um 4 Pf. pro Stunde, ab 1. September um weitere 2 Pf. pro Stunde erhöht.— Die beiderseitigen Kommissionen werden diese Vereinbarungen nunmehr ihren Bollversammlungen zur Ge- nehmigung unterbreiten. Ausland. Rechtsgültige Verurteilung der Strastenbahngcsellschasten von Kopenhagen-�rederiksberg. Bei den erfolglosen Verhandlungen zur Beilegung des Straßenbahnerstreiks Mitte August stellten die Vertreter der Ge- sellschaften und der dänischen Arbeitgebervereinigung das An- sinnen an die Streikenden, daß sie kontraktlich auf ihr freies Koalitionsrecht verzichten, und sich gleichzeitig damit einverstanden erklären sollten, daß ihnen von ihrem Lohn nach und nach 366 Kronen abgezogen wurden, um als Garantiesumme dafür zu gelten, daß sie die Gesellschaften nie mehr durch Massenkündi- gungen in Verlegenheit bringen wollten. Es sollte sich also jeder der Angestellten bei Strafe des Verfalls der obigen Summe ver- pflichten, unter keinen Umständen mehr in den Streik zu treten. Tie Angestellten konnten darauf natürlich nicht eingehen. Ueber- dies bedeutet das Verlangen des Unternehmertiuns einen Wruch des Septemberübereinkommens vom Jahre 1866, das noch immer die Rechtsgrundlage für Arbeitsstreitigkeiten in Dänemark bildet und in dem das Koalitionsrecht sowie das Streik- und Aus- sperrungsrecht der Arbeiter bezw. der Arbeitgeber ausdrücklich festgelegt ist. Der Gesamtverband der dänischen Gewerkschaften hatte denn auch bei dem permanenten Schiedsgericht Klage gegen die Arbeitgebervereinigun� und die Stratzenbahngesellschaftcn er- hoben. Das Urteil ist jetzt gesprochen und lautet in seinem Schlußsatz: „Die Frederiksberg Straßenbabn» und ElektrizitätSgesell- schaft sowie die Aktiengesellschaft Tuborg-Klampenborg Straßen- bahnen haben dadaurch, daß sie den organisierten Arbeitern gegenüber an Forderungen festhielten, die die Arbeiter ver- hindern sollten, einer Aufforderung zur Arbeitsniederlegung seitens ihrer kompetenten Organisationen nachzukommen, einen Bruch des 8 2 des Septemberübereinkommens begangen. Die Kosten des Verfahren trägt die Dänische Arbeitgeber. und Meistervereinigung im Namen der beiden genannten Straßenbahngesellschaften in der Höhe von 166 Kronen." Die beiden Straßenbahngescllschaften sind also verurteilt, und in dieser Verurteilung liegt gleichzeitig auch die Anerkennung der Berechtigung des Streiks. Das Schiedsgericht hat von der Fest- setzung einer Geldbuße, zu der es auf Grund des Schiedsgerichts- gesches von 1616 berechtigt ist. Abstand genommen. Den schuldiizen Teil zu Schadenersatz zu verurteilen, ist das Schiedsgericht nicht kompetent, die Streikenden werden jedoch derartige Forderungen gegenüber den Gesellschaften jetzt bei den ordentlichen Gerichten geltend zu machen sucken. und da das Höchstgericht bereits einem Unternehmer einen Schadenersatz von 4666 Kronen zugesprochen hat, weil seine Arbeiter unter Bruch des Septemberübercin- kommens in den Streik getreten waren, so darf man wohl an- nehmen, daß hier, wo der Bruch jenes als rechtsgültig anerkann- ten Uebereinkommens auf feiten des Unternehmertums liegt, auch der Schadenanspruckj der Angestellten als berechtigt anerkannt werden mutz. Der Streik der Straßenbabner wird übrigens auch sonst eine immer größere Fülle von Prozessen zur Folge haben. Außer den früher bereits erwähnten Massenklagen der Streikbrecher gegen „Socialdemokraten" und die Gewerkschaften, zu denen noch weitere 86 wegen Veröffentlichung von Streikbrechernamen hinzu- gekommen sind, hat man jetzt auch damit zu rechnen, daß die Sireilenden auf gerichtlichem Wege gegen ihre Verleumder vor- gehen. Es sind nicht weniger als 356 Beleidigungsklagen der Streikenden gegen„Berlingske Tidende" und„Nationaltidende" in Vorbereitung, zwei reaktionäre Blätter, die sich in der Be- schimpfung der organisierten Arbeiterschaft besonders hcrvorgetan haben._ Der Generalstreik in Bilbao. Von der Regierung wird eine strenge Telegraphcnzensur geübt. Es ist deswegen schwer, ein Bild von der wirklichen Lage zu be- kommen, da man ganz aus die ofsiziösen Schwindelnachrichten im Stile der bekannten Kriegsberichte aus Moabit angewiesen ist. Alle diese Meldungen sind natürlich mit der größten Vorsicht auf- zunehmen. Wir fassen einige derselben folgen: Madrid, 15. September. ES wird amtlich bekanntgegeben, daß der Ausstand in den G ru b e n g e b ie t e n von Langreo und M i e r e s beendet ist. AuS Bilbao wird gemeldet, die Ausständigen haben die Eisenbahnen an verschiedenen Punkten unterbrochen, die Arbeits, willigen mit Steinen beworfen und an den Arbeiten zur Wieder- Herstellung der Bahnstrecken gehindert, sowie die Telephon- und Telegraphenlinien un!e>brochcn.— Es ist auch gestern zu Zu- sammcnstößen zwischen den Ausständigen und Gendarmen ge- kommen. Es fehlt an Brot. Aus San Sebastian wird gemeldet, daß sich die Arbeitervereine dafür entschieden haben, von heute an den Ausstand in Bilbao zu unterstützen.__ TH?Glocke, Berlin. Druck u. Peclag: Vorwärts Buchdr. n LcrlagSaustalt Bilbao, 15. September. Der Zugverkehr auf der Linie S a n t a n d e r— P ortugalete ist unterbrochen. Stän- big patrouillieren Soldaten des Forts durch die Straßen und treiben Ansammlungen mit blanker Waffe auseinander. Die Streikenden versuchten eine bei Zaramillo belegene Brücke mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Bei den gemeldeten„Sprengungen" von„Eisenbahnbrücken" handelt es sich um die Beseitigung kleiner Stege, über welche die Kleinspurgleise der Grubenbahnen gelegt sind. Zur regulären Sprengung von Brücken braucht man natürlich Vorbereitungen, welche die Arbeiter unter den Augen der Soldaten gar nicht treffen könnten. Man hat schon daran einen Maßstab dafür, was man von den offiziösen Darstellungen zu halten hat. Sericdts- Leitung. Erinnerungen an eine 19 Jahre zurückliegende grausige Mordtat erweckte eine Verhandlung, welche gestern unter Vorsitz des Land- gerichtsrats Lampe die 2. Strafkammer des Landgerichts I be- schaftigte. Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls waren der Ar- beiter Otto Neukam und der Hausdiener Franz Vausdorf angeklagt.— Der Angeklagte Neukam ist schon mehrfach vorbestraft, darunter wegen Raubmordes mit 15 Jahren Gefängnis. Im Mai des Jahres 1862 wurde die in der Gartenstraße 53 wohnhaft gewesene Pvstschaffnersftau Karoline Manzel ermordet aufgefunden. Einige Zeit darauf wurde der jetzige Angeklagte Neukam, der damals 17 Jahre alt war und der l8jährige Stukkateurlehrling Wagenschütz mit mehreren anderen jungen Burschen bei der Ver- Übung eines Einbruchs abgefaßt. Neukam und Wagenschütz wurden von ihren.Komplicen des Mordes an der Frau Manzel bezichtigt und legten schließlich ein Geständnis ab. Beide wurden s. Z. von der 7. Strafkammer des Landgerichts�! unter Vorfitz des Landgerichtsdirektors Bath als Jugendliche zu der höchst zu- lässigen Strafe von je 15 Jahren Gefängnis verurteilt.— Nach Verbüßung der 15 Jahre Gefängnis hielt sich Neukam einige Zeit von jeder Straftat fern, bis er aber jetzt wieder den Weg des Verbrechens betrat. Er verband sich mit dem bei der „Berliner Plan- und Sackfabrik" in der Münzstraße beschäftigten Mitangeklagten Bausdorf und veranlaßte diesen, mehrere hundert Schlafdecken und Pläne zu stehlen, während er selbst mit einem geliehenen Fuhwerk auf der Straße wartete und die Beute in Empfang nahm. Die beiden Diebe wurden dann am nächsten Tage, als sie die Decken verkaufen wollten, in einem Lokal in der Oderbergerstraße verhaftet.— Das Gericht erkannte wegen gemeinschaftlick'n Diebstahls auf je IV2 Jahren Gefängnis. Neukam, der sich auf freiem Fuße befand, wurde wegen Flucht- Verdachts sofort verhaftet._ Sonntagsverordnnng gegen sozialdemokratische Flugblattvcrbreiter. Auf Grund der Kvbinettsorder vom 7. Februar 1837(in den neueren Provinzen Gesetz vom 6. Rkai 1862) sind in allen preuhi- scken Provinzen Verordnungen der Oberpräsidenten über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage, welche u. a. an Sonn- und Feiertagen alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten ver- bieten, erlassen worden. So auch in der Provinz Sachsen die Ver- ordnung vom 27. Oktober 1665. Sticber. Reinsch und eine Anzahl weiterer Genossen aus Halle a. S. sollten die Vorschrift dadurch übertreten haben, daß sie in Halle sozialdemokratische Flugblätter am Sonntag, den 22. Januar 1611, verteilten. Das Landgericht Halle als Berufungsinstanz verurteilte siy auch zu Geldstrafen, weil sie Sonntags verbotswidrig eine öffcnt» lich bemerkbare Arbeit verrichtet hätten. Es eracktete zunächst für festgestellt, daß die Angeklagten mit nichtverhüllten Packen Flug- blättern über dem Arm oder in der Hand von Haus zu Haus ge- gangen seien und dann die Flugblätter in den Häusern so verteilt hätten, daß die Blätter in die Briefkästen der Wohnungen gesteckt oder auch auf den Korridoren niedergelegt worden seien. Dann führte das Gericht aus: Zweifellos habe es sich um eine Arbeit gehandelt, denn die Tätigkeit der Angeklagten sei mit einer«e- wissen körperlichen Anstrengung verbunden gewesen. Das Gehen von Haus zu Haus und besonders das Steigen von Stockwerk zu Stockwerk sei eine solche Kraftanstrengung. Diese Kraftanstrengung sei auch öffentlich in die Ersckeinung getreten, denn eS hätte von einem größeren Kreise beobachtet werden können, wenn die Leute mit den Blättern über dem Arm von Haus zu Haus gingen. Die Angeklagten legten Revision ein und machten namentlich geltend, daß es dock nicht als eine Arbeit angesehen werden könne, wenn man unentgeltlich im parteipolitischen Interesse Flugblätter verbreite, wie es hier der Fall gewesen sei. Das Kammergericht verwarf die Revision der Angeklagten mit folgender Begründung: Polizeiverordnungen, welche öffentlich be- merkbare Arbeiten an Sonn- und Feiertagen verbieten, fänden ihre rechtliche Grundlage in den alten preußischen Provinzen in der Kabinettsorder vom 7. Februar 1837 und in den neueren Pro- vinzen im Gesetz vom 6. Mfti 1892. Sie seien rechtsgültig. Die Verordnung hier sei auch mit Recht angewendet worden. Eine Arbeit sei eine mit einer gewissen Kräfteanstrengung verbundene Mübewaftung. ganz gleich, ob sie im parteipolitischen Interesse ohne Entgelt geübt werde. Daß«ine Arheit, nämlich eine mit einer gewissen Kräfteanstrengnng verbundene Tätigkeit, vorliege, sei aber ohne Recktsirrtum festgestellt worden. Bedenklich sei nur der eine Satz, worin auch von der Anstrengung beim Steigen von Stockwerk zu Stockwerk die Rede sei. Dieses Steigen von Stockwerk zu Stock- werk hätte die Strafkammer nickt berücksichtigen dürfen, weil diese Tätigkeit nicht in der Oeffentlickkeit vorgenommen sei. Dies Be- denken habe aber nickt zur Aushebung des Urteils führen können. weil das Urteil auch die Feststellung enthalte, daß. ganz abgesehen vom Steigen im Hause, eine gewisse Anstrengung beim Austragen der Flugblätter von Haus zu Haus obgewaltet habe und hierbei öffentlick in die Ersckeinung getreten sei. Das genüge sckon zu der Annahme einer öffentlich bemerkbaren Arbeit. Es rechtsertiae sich deshalb die Verurteilung. Hetzte Nachrichten. Eine zweijährige Muttermörderiu. Budapest, 15. September. lPr.-Tel.) In Maygar-GyepeS wurde ein zweijähriges Kind zur Muttermörderin. Das zwei- jährige Mädchen Mitra Z s u r k u c a. das im Bett bei der schlafen- den Mutter lag. bemächtigte sich eines auf dem Nachttischchen liegenden Revolvers des Vaters und s p i e l t e d a m i t. Die Waffe ging los und die Kugel tötete die Mutter. Hnngerredolte. Prag. 15. September.(B. H.) Nach hier korliegenden Mcl- düngen finden in Neu-Paka und Liepen große Straßenkund- Behlingen gegen die LcbenSmittelhändler statt. Diese wurden tätlich angegriffen und mutzten flüchten. Ein Torf in Flammen. Brüssel, 15. September.(W. T. B.) In dem Dorfe El er- m 0 n t- T h i m i st e r bei Verviers ist eine Feuersbrunst auSge- brachen. Bis um 4 Uhr nachmittags sind über zehn Wohnhäuser abgebrannt. PaulSingcrL Co.,BerIin5XV. Hierzu 4 Beilagen u.NntrrhallungSbl. Nr. 217. 28. Zahrgavg. 1. StilM dts.Amiills" Krlim KllichlÄ. Sltttnabend, 16. Zeptembtt 1911. Sozialdemokratischer Parteitag. KSnstcr Sag. B o rkr ittags fitzung. Jena, den IS. September.(Eig. Ber.) Die Tribünen sind überfüllt. Vorsitzender Leber eröffnet die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt Klara Zetkin mit, datz m N e w tziork die Genossin Kretz- Craner berstor- ben ist.(Der Parteitag erhebt sich von den Plätzen.) Sie war ein Kind des Volkes aus Deutschland und gehörte unter dem Aus- nahmegesetz zu den ersten Frauen mit, die organisierend und agitierend unter die Massen des weiblichen Proletariats hinaus- �«Sangen sind. Sie wurde von den Stürmen des Ausnahmegesetzes New Dork getrieben und gehörte dort zu den tätigsten und gcactzletsten Agitatoren der deutschen Sozialdemokratie in den Ver- einigten Staaten. Sie gründete dort nach deutschem Muster eine zentralisierte deutsche Frauenbewegung, die in bezug auf Grund- sähe und Taktik auf dem Boden unserer Bewegung steht. Sie haben sich in Anerkennung der Verdienste der Genossin von den Plätzen erhoben. Ich stelle das fest. Dann folgt das Referat über Die RcichötagswabUn. August Bebel: Bevor ich auf mein Referat eingehe, bin ich genötigt, meinen gestrigen Ausführungen eine kleine Berichtigung zuteil werden zu lassen. Ich hatte anläßlich der Darstellung der Vorgänge auf dem internationalen Kongreß bezüglich der Militärkommission angc- geben, daß die F r a n z o s e n in ihren verschiedenen Fraktionen sich für den Massenstreik im Kriegsfalle erklärt hatten. Das war ein Irrtum von mir. Die G u e s d i st e n hatten sich in der Kom- Mission auf das allerentschiedenste dagegen erklärt, sie haben für unsere Resolution gestimmt und gleichzeitig waren es die österreichischen Genossen unter Führung Dr. Adlers, die im gleichen Sinne gewirkt haben. So wurde in der Subkommission mit 8 gegen 4 Stimmen die deutsche Resolution angenommen, und schließlich mit großer Mehrheit im Plenum der Kommisston und im Plenum des Kongresses. Parteigenossen! Der im Januar 1997 gewählte Reichstag geht nunmehr seinem Ende entgegen, und wenn nicht alles täuscht, und wenn nicht unerwartete Ereignisse eintreten, die eine Verschiebung der Wahlen aus irgendeinem Grunde herbeiführen, dann dürften die Wahlen in der ersten Hälfte des Januar, also in genau vier Monaten, stattfinden. Man will dann, wie ich aus sehr guter Quelle gehört habe, in der zweiten Hälfte des Januar die Stichwahlen vornehmen, und man glaubt, Anfang Februar, jeden- falls in den ersten Tagen, den neuen Reichstag berufen zu können. Der jetzt bestehende Reichstag hat ein tragisches Geschick er- lebt. Bekanntermaßen fanden die Hottentottenwahlen unter der Parole statt: Gegen Sozialdemokratie. Zentrum und Polen! Diese drei Fraktionen hatten bei der Abstimmung am 13. Dezember 1996 in der zweiten Lesung über eine geforderte Summe für den Kriegsetat für Südwestafrika sich dagegen erklärt und mit ein oder zwei Stimmen die Vorlage zur Ablehnung ge- bracht. Es war zweifellos, daß wenn es zur dritten Lesung ge- kommen wäre— das hatte der Redner des Zentrums hinlänglich deutlich angezeigt—, die Position im Sinne der Regierung cnt- schieden worden wäre. Aber es hatte sich mittlerweile im Reichs- tage eine Konstellation gebildet, die um jeden Preis den Bruch herbeiführen, die auflösen wollte, weil man hoffte, daß man durch die Auflösung eine neue, der Regierung günstigere Zusammen- setzung des Reichstages Herbeiführen würde. Und in der Tat gelang es. Ich habe ja vom Jahre 1867 an alle Wahlen zum norddeutschen und deutschen Reichstag mitgemacht, und ich mutz sagen, soviel auch an Druck von Regierungsseite und von feiten von Unternehmern immer vorgekommen ist, ein solcher Druck, wie bei diesen Wahlen ist noch niemals ausgeübt worden. Selbst zu Bismarcks Zeiten fand nicht ein Druck in ähnlichem Matze statt. Vom Minister bis zum Nachtwächter wurde alles gegen uns mobil gemacht, und so war der Erfolg, daß wir zwar einen Stimmenzuwachs von einer Biertclmillion Stimmen hatten, aber 86 Mandate verloren, daß wir von 79 bis auf 43 zurück- gingen. Großer Jubel erhob sich, nicht nur in Deutschland, son- dern in der ganzen internationalen bürgerlichen Welt. Die Hoff- nung wurde ausgesprochen, als sei die Sozialdemokratie jetzt völlig unterdrückt und ihr Ende nahe. Als ich in einer der ersten Sitzungen des Reichstages biß Schicksal des Hottentottenblockes, wie wir ihn nannten, charakterisierte und das Zitat brauchte: „In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling, Still auf gerettetem Kahn kehrt in den Hafen der Greis/ da lachte alles und man rief mir zu, das treffe auf mich zu. (Heiterkeit.) Na, die Dinge haben einen anderen Verlauf ge- nommen. Der Hottentottenblock ist in Trümmer gegangen und sein Erzeuger, der Fürst Bülow, wandelt heute trauernden Blickes an den Usern des Tiber, ihn schmerzt tief das Geschick, das ihn ereilt. Sein anderes Ich, D e r n b u r g. hat es vorgezogen. ebenfalls aus dem Amt zu scheiden, er sitzt heute auf seiner Villa im Grunewald und wird weidlich geärgert durch unsere neuen ' Landsleute, die Schwarzen(Heiterkeit), die dort in einer Truppe Vorstellungen geben, und ihm dabei nicht nur die Tagesruhe, son- dern auch die Nachtruhe rauben.(Heiterkeit.) Ich habe ihm das weidlich gegönnt.(Erneute Heiterkeit.) Wer am 23. Januar 1997 in Berlin war, war Zeuge des matzlosen Jubels, der alle bürgerlichen Kreise erfatzte, als die Wahlresultate bekannt wurden. In ungeheuren Scharen zogen sie zum Fürsten Bülow, und obgleich keine Versammlung unter freiem Himmel anberaumt war, fand doch eine statt, in der Fürst Bülow eine Rede hielt. Und von da ging es zum Kaiser, der eine Ansprache hielt, in der er das bekannte Wort aus dem .Prinzen von Homburg" zitierte: „Was kümmert Dich die Regel, nach der der Feind sich schlägt, Wenn er nur nieder vor Dir mit allen seinen Fahnen sinkt. Die Regel, die ihn schlägt, das ist die höchste. Die Kunst jetzt lernten wir ihn zu besiegen Und sind gewillt, sie fürder auch zu üben/ Es kam anders. Die Auflösung des Reichstages stand ja einen Augenblick in Frage, damals als die Finanzresorm des Für- sten Bülow abgelehnt wurde. Damals trat man an den Kaiser wegen der Auflösung heran, da soll der hohe Herr gesagt haben: „Ich trau mich nicht!" Jedenfalls hatte er gemerkt, daß die Stimmung mittlerweile eine total andere geworden war: die Nachwahlen hatten gezeigt, daß die Sozialdemokratie nicht tot war. daß die Niedergerittenen lebten. Ein Sieg nach dem anderen wurde erfochten: wir eroberten mehr Mandate als alle bürgerlichen Parteien zusammen, und heute stehen die bürgerlichen Parteien schlotternd vor der Aussicht, die ihnen die nächsten Wahlen bieten.(Sehr richtig!) Derselbe Jubel in anderen Kreisen. Ter katholische König von Sachsen erinnerte sich plötzlich eines Wortes des Protestanten Ulrich von Hutten:„Es ist eine Lust zu leben!" rief er aus.(Heiterkeit.) 1993, als von den 23 sächsi- schen Mandaten 22 von uns erobert wurden, klang es freilich ganz anders. König Eduard sandte telcgraphische Glückwünsche an den Kaiser, der Kaiser von Oesterreich gratulierte, kurz: die Internationale der Fürsten nahm gegen die Internationale der Arbeiter Stellung.(Heiterkeit.) Und nun gar der Jubel im liberalen Lager! Jahrzehnte hatten die armen Schacher gekämpft, um endlich einmal ein bißchen Regierungsgunst zu er- langen. Endlich fing die Regierungssonne an. ihnen zu leuchten; Bülow war bereit, sie in den Hottentottenblock aufzunehmen— allerdings eine sehr wunderbare Gesellschaft. Jeder vernünftige Mensch hätte sich sagen müssen, daß das eine Mißgeburt war, eine Zusammenschweißung von Elementen, die unmöglich zu- sammenhalten konnten, weil die Interessengegensätze viel zu groß waren.(Sehr richtigl) Der Bülowblock ist ja auch in die Brüche gegangen, an seine Stelle ist der s ch w a r z- b l a u e Block ge- treten. Ganz mit Recht, denn der schwarz-blaue Block ist in Wahr- hcit homogener. Er gehört seiner ganzen Natur nach zusammen. In der Zollpolitik, in der Agrarpolitik, in der Gcwcrbepolitik, in der Steuerpolitik, in der Verkehrspolitik, in Schul- und Kirchen- fragen, in Militärfragen, im Kampf gegen Kunst und Wlissenschaft besteht volle Gemeinschaft der Interessen und Anschauungen zwischen Zentrum und Konservativen. Die gehören ihrer Natur nach zu- sammen, und wenn sie erst jetzt zusammengekommen sind, so, weil die Ursachen, die seinerzeit den Kulturkampf traurigen An- godenkens hervorgerufen haben, verschwunden sind. Ich habe schon anfangs der siebziger Jahre, als der Kulturkampf entbrannte, in meiner Rede gegen das Jesuitengesetz gesagt:„Ihr werdet das Gegenteil erreichen; statt das Zentrum zu schwächen, werdet Ihr es stärken." Und in der Tat ist ja auch das Zentrum groß ge- worden, nicht nur trotz des Kulturlampfes, sondern gerade wegen des Kulturkampfes.(Sehr richtigl) Der hat ihnen die Massen zugeführt, und noch heute sehen wir, daß, wenn es die wankenden Massen an seine Fahne fesseln will, sofort die Kulturkampffahne hervorgeholt wird. Dann heißt es: die katholische Kirche ist in Ge- fahr, die Religion ist in Gefahr. Dann iverden die alten Schlag- Worte hervorgeholt, an die kein denkender Katholik mehr glaubt, und diejenigen, die die Fahne hervorholen, erst recht nicht.(Heiter- keit und Sehr gut!) Denn sie wissen, daß die katholische Kirche sich heute in Deutschland außerordentlich mollig fühlt, und einige Führer haben ja auch offen erklärt: So gut, wie es uns im Deutschen Reich geht, geht rS der katholischen Kirche nirgends! Man braucht ja nur auf das katholische Frankreich, auf das katholische Portugal, vielleicht auch auf Spanien hin- zuweisen, um die Unterschiede zu erkennen.(Sehr richtigl) Nein, der Kulturkampf ist alle? er wird nur ab und zu hervorgeholt, um die Ivankenden Massen an die Fahne des Zentrums zu fesseln. Die Massen wanken in der Tat, womit ich nicht etwa sagen will, daß der Sturm sehr bald kommt, dazu ist das Zentrum zu fest; aber sein Verhalten im Reichstage wird in der weiteren Ent- Wickelung zu seinem Sturz beitragen. Wie sich nun die Dinge entwickelt haben und wie unS der sckswvrz-blaue Block heute als geschlossene Mehrheit des Reichstages gegenübersteht, ist es ganz selbstverständlich, bah wir alles aufbieten müssen, um den schwarz-blaucn Block zugrunde zu richten, um seinen Einfluß im Reichstage zu vermindern. Dabei befolgt das Zentrum eine ganz widersprechende Taktik. Es ist die grundsatilosestc Partei, die es gibt. Sie hat gar keine Prin- zipien, sie treibt einfach Zweckmäßigkeitspolitik.(Sehr richtigl) Das Zentrum tut heute genau das Gegenteil von dem, was es gestern getan hat, wenn ihm das Vorteile bringt. Es tritt in Bayern im Bunde mit der Sozialdemokratie für das allgemeine Stimmrecht ein, es fordert in Baden das allgemeine Wahlrecht und es ist in Prcnhen und Hessen der entschiedenste Gegner des all- gemeinen Wahlrechts. Seine einzelnen Glieder in den Staaten und Ländern richten sich ganz und gar nach dem Augenblick und seinen Möglichkeiten und Vorteilen, und man fragt gar nicht danach, ob Grundsätze und alte Ansthauungen'dabei zugrunde gehen. Das Bündnis des Zentrums mit ber Sozialdemokratie in Bayern war so regelrecht abgeschlossen, wie eS regelrechter nicht zwischen ztvei Parteien abgeschlossen werden kann.(Sehr richtigl) Da nach der ganzen Natur der Entwickclung sich das Zentrum in den nächsten Wahlen mit aller Vehemenz und all den schofeln Mitteln, die ihm im reichlichsten Matze zur Verfügung stehen und die es ohne jede Gewisscnsskrupcl anwendet, denn in der nächsten Beichte absolviert ja schließlich der Papst(Heiterkeit), da es sich also mit aller Kraft auf Euch(zu den bayerischen Delegierten) stürzen wird, gilt es, gerade an dieses Bündnis zu erinnern. Es war der gegenwärtige Erzbischof von München, der 1993 mit unserem inzwischen leider verstorbenen Genossen Franz Joseph Ehrhardt im Dom zu Speyer und an mög- lichst ruhiger Stelle, unter den Kaisergräbern(Heiterkeit), die Vereinbarungen für die nächsten Landtagswahlcn traf, und sie sind auch durchaus eingehalten worden. In jeder Volksverfamm- lung, wo Ihr dem Zentrum gegcnübcrtretet, müßt Ihr ihm diesen Fall, den es nicht wegleugnen� kann, unter die Nase reiben. Es sind heute noch Zeugen dafür da, wenn auch Versuche gemacht worden sind, das Bündnis wegzustreiten. Der Erzbischof von Bettinger ist heute einer der ärgsten Hasser der Sozial- demokratie(Sehr wahr!); nehmt das wahr, nutzt das aus; ich meine, die katholischen Köpfe müßten noch etwas härter sein, als sie im allgemeinen sind, wenn sie da nicht begreifen wollten, daß ein freches Spiel mit ihnen getrieben wird.(Sehr richtig 1) In nachdrücklicher Weise aber mutz ausgenutzt werden die Stellung des Z e n t r u m s zu den entscheidenden Fragen im Reichstage, zu den Lebensmittel- und Fleischzöllen, zu den Sperrmaßregeln, zu der ganzen agrarischen Politik, der ein ganz wesentlicher Teil der Verteuerung der Nahrungsmittel zu danken ist. Wie hat sich da das christliche Zentrum aufgeführt? Wir kämpfen für die Armen und Elenden, für die Mühseligen und Beladencn. Das sollte auch das Zentrum tun, das wäre seine Aufgabe. Vor Jähren schon habe ich im Reichstage einmal ausgerufen: Wenn Euer Christus einmal wiederkäme und Mitglied des Reichs- tags würde, er würde nicht bei Euch im Zentrum, sondern bei uns, der Sozialdemokratie, seinen Platz einnehmen, weil sie die einzige Partei ist, die die menschlichen Grundsätze seiner Lehre vertritt.(Lebhafter Beifall.) DaS Zentrum benimmt sich auch jetzt wieder in der Ma- rokkofrage aufs äußerste zweideutig. Da lese ich in einer Zeitung, daß Tri m bor n vor einigen Tagen in Koblenz erklärt hat, wenn die Ehre des Vaterlandes bedroht sei, wenn der Kaiser rufe, dann würden sie Gut und Blut einsetzen(Heiter- keit). Aber was sind das für Manöver? Man glaubt, mit der- artigen Dingen auf die Schwachheit des Kaisers zu spekulicren. ES ist ja überhaupt ein Buhlen jetzt in allen bürgerlichen Kreisen um die Gunst des Kaisers, daß einem ein wahrer Ekel erfassen mutz. Ich glaube, der Kaiser muß selbst derartige Empfindungen haben, er muß eine wahre Menschenverachtnng empfinden, wenn er das Pack sieht, daS sich an ihn herandrängt und um feine Gunst wirbt.(Sehr gut!) Kein einziger aufrechter Mann, der den Mut hat, seine Urberzeugung zu sagen, die Wahr- heit auszusprechen. Man kann im Bürgertum des ganzen Reiches Männer von Entschiedenheit und Wahrhaftigkeit mit der Laterne suchen, man wird keinen finden. Das deutsche Bürgertum ist in den letzten Jahrzehnten an Charakter von Etappe zu Etappe immer tiefer gesunken. Leider ja auch die Liberalen, und trotz alledem sind wir schließlich in der Klemme, zu bestimmen, was wir bei den Stichwahlen tun werden. Würde das Z e n tr u m ernstliche Sozialpolitik treiben, dann müßte es unsere Anträge unterstützen, müßte mit uns die Lebens- mittelzölle bekämpfen. Mit Leichtigkeit kann nachgewiesen werden, daß die Anträge der Sozialdeniokratie, die das Zentrum und andere bürgerliche Parteien in früheren Jahren entschieden bc- kämpft haben, von ihnen nach 19, 12, 14 Jahren selbst aufgc- nommen und unter der Firma„eigene Anträge" eingebracht wurden, weil auch das Zentrum durch die Entwicklung ixt großen industriellen Arbeiterklasse, auf die es namentlich in Rheinland und Westfalen in hohem Grade angewiesen ist, Rücksicht nehmen muß. Bismarcks Wort, das er, provoziert durch unseren Ge, Nossen Auer am 26. November 1884 sprach: „Wenn es keine Sozialdemokratie gäbe, und sich nicht eine Menge vor ihr fürchteten, würden die mäßigen Fortschritte, die wir bisher in der Sozialpolitik überhaupt gemacht haben, auch nicht existieren." Das gilt heute noch genau so, wie damals. Auch das wollen sie wcgstreitcn, es sei.nicht in dem Sinne gemeint gelvescn. (Heiterkeit.) Es ist gar kein Zweifel daran möglich, daß es so gemeint war, man mutz nur die Situation kennen, in der wir damals standen. Wie soll es auch anders ausgelegt werden können? Es ist so klar wie irgendmöglich. Und erst die Steuerpolitik des Zentrums! Die 439 Millionen, neuer Steuern,.die vor zwei Jahren die große Mehrheit des Reichstages bewilligt, sind ja in erster Linie dem Zcn- trum zu verdanken, das müssen wir mit aller Schärfe festhalten. Das Zentrum war es, das die Erbschaftssteuer und die Nachlaß- steuer zu Falle gebracht hat. Die Liberalen waren bereit, dem Kanzler Bülow 399 Millionen neuer Steuern zu präsentieren, wenn nur 499 Millionen davon indirekter und 199 Millionen direkter gewesen wären, worunter hauptsächlich die Nachlaßsteuer. Das Zentrum hätte als„christliche Partei" die verdammte Pflicht und Schuldigkeit gehabt, für diese Steuer ein» .zutreten. Ja, es hätte die Pflicht gehabt, diese ganzen Hunderte von Millionen auf die Schultern der Wohlhabenden und Neichen, nicht austdie der Armen und Elenden abzuwälzen. Das ist nicht geschehen, im Gegenteil, es wurde alles aufgeboten, um eine solche Steuerpolitik unmöglich ku machen. Das Zentrum hat Steuern gutgeheißen, die nachher die schwersten und verhäilgilisvollsten Folgen für ganze Industrien, ich erinnere nur an die Zündholz-, Tabak- und Brauereiindustrie, nach sich zogen, wodurch Zehntausende von Arbeitern auf Monate und Jahre brotlos gemacht wurden, eine Menge selbständiger Geschäftsleute bankrottierten. Und wenn dann, wie es ganz selbstverständlich ist, solche Steuern auch einen Ertrag ergeben, dann hat das Zentrum noch die Unver, schämt heit, von dem Erfolg einer solchen Steuerpolitik zu reden, als wenn es nicht ganz selbstverständlich wäre, daß schließlich eine solche Masse drückender Steuern, die man dem Volke auferlegt, auch etwas bringen!(Sehr wahr!) Selbswerständlich war hier das Zentrum nicht allein. Die Liberalen standen hier ausnahmsweise einmal in der Opposition, aber die Konservativen und die M i t t c l st a n d s p o l i t i k e r unterstützen, ganz gegen die Jntcr, essen des Mittelstandes, diese Steuerpolitik. Diese M i t t e l st a n d s l e u t e, diese Antisemiten, daS find auch diejenigen, die sich bei jeder Gelegenheit als die großen Politiker aufspielen, und die dann alle Militär-, Flotten- und Kolonialvorlagen, mögen die Belastungen noch so groß sein, ungesehen hinnehmen; die das Kleinbürgertum retten wollen, und die in ihrer ganzen Zoll- und Steuerpolitik gerade dem Kleinbürgertum Lasten aufbürden, die es fast erdrücken. Das ist die Rettung des Kleinbürgertums, des Kleingewerbes und Kleinhandels von jener Seite! Wunderbar aber ist das eine, daß die katholischen Arbeiter und die antisemitischen Kleinbürger nicht begreifen, welche Politik ihre Vertreter im Reichstage betreiben, wie sie gerade das Gegenteil von dem tun, was sie von rechtswegei, tun niüßten. Und nun der berühmte Erfolg. Der Etat von 1919 hat einen angeblichen Ueberschutz von 117 Millionen Mark gehabt. Darob große Freude in Israeli(Große Heiterkeit.) Da seht Ihr, was für einen Erfolg die Steuern gehabt haben, schreit das Zentrum und die anderen, da seht Ihr, daß wir dem Volke nicht zu viel zu- gemutet haben, und in welche gute Finanzlage das Reich kommt! Der Mann, der da am Reichsstcuer sitzt in Berlin, der Rcichsschatz- sckretär Herr Mermuth, hielt sich gleich verpflichtet, zurück. zupfeifen und zu erklären: Hallo, redet Ihr mir nicht von den guten Finanzen(Heiterkeit), das ist gar nicht der Fall, wir haben eine Masse Schulden zu decken, deren Zahlung wir übernommen haben, und trotz der 117 Millionen können wir nicht einen einzigen Pfennig für Schuldenzahlung aufbringen. Dabei hat Wermuth bei der letzten Etatsrede im Reichstag erklärt: „Meine Herren, der Etat ist nur dadurch in Balance gekommeli. ohne daß wir noch größere Schuldenlasten auferlegen mußten, als wir sie im Etat selbst präsentieren, dadurch, daß wir Hunderte von Millionen Forderungen, die von den verschiedenen Ressorts an- geincldet wurden, gestrichen haben."(Lebhaftes HörtI hört!) En Wt also Abstriche gemacht und gesagt: Ne, ne, Kinder. Ihr müßt Maß halten(Heiterkeit), wenn wir später Geld haben, mit Ver- gnügen. vorläufig haben wir es nicht. Ob Sie es bekommen wer- den, darüber werden wir später reden.(Heiterkeit.) Mittlerweile sind ja Ereignisse eingetreten, die die Situation in dieser Hinsicht nicht verbessert haben. Außer den neuen Steuern und Militärborlagen hat das Z e n- trum auch die Flottenvorlage von 1999 mit Hurra-Hoch bewilligt. Bei dieser Gelegenheit stellten die Nationalliberalcn"in der Budgetkommission des Reichstages die Forderung, es sollten die Kriegsschiffe der Kaiser-, Wittelsbach- und Siegfriedklasse, die mehr oder minder durch die moderne Technik überholt seien, neu gebaut werden. Das hätte wieder eine gnnz bedeutende Ver- stärkung der Flotte und gnnz bedeutende MeyrauSgaben bedeutet. Wenn die Parteien, das Zentrum, die Liberalen und Konserva- tiven— heute find ja in dieser Beziehung nahezu alle bürgerlichen Parteien vollständig einig, solche Ausgaben zu bewilligen, weil sie im Interesse des Vaterlandes lägen— wenn sie an den Patrio- tismus des Volkes appellieren, dann wäre es Anstandssache, daß die Herren die daraus entstehenden Mehrkosten aus eigener Tasche bc- zahlen.(Sehr gut!) Denn ihre kapitalistischen Interessen sind es in erster Linie, die durch alle diese Dinge gestützt und unterstützt werden sollen. Wird Deutschland in einen Krieg verwickelt. würde Teutschland eine Niederlage erleiden, dann sind es die großen Massen, die leider die ungeheuren Opfer zu bringen habe». Was tragen denn die Herren z» den Lasten bei? Was zahlen sie an Kafseesteuer— von der Branntweinsteuer gar nicht zu rc&cti, was zahlen sie an Zuckersteucr, Getreidezöllen usw. im Vergleich zu ihrem ungeheuren Einkommen? Was aus dem Budget dieser Kreise in die Rcichskasse fliesit, ist gar nicht in Vergleich zu stellen mit dem, was der a r m c Arbeiter zu leisten hat, der allcrärmsle Arbeiter. Ihn treffen diese Laste» am schwer- sten, je mehr Kinder er besitzt, je mehr Gottes Segen bei ihm ein- gekehrt ist, wie die Fr»mmeu sagen.(Heiterkeit und Beifall.) Da zeigt sich die ganze Heuchelei der Kirche! Da hetzt ein Pfaffe in der evangelischen Kirchenzeitung zuni Kriege. Das ist ein eckt christliches Werk, so gehört es sich für die Diener der Kirche, lind kommt es dann zum Kriege, dann steigen die Pfaffen auf die Kanzeln, auf die 50 000 Kanzeln in Deutschland und beten zu ihrem Gott, er möge den Deutschen den Sieg verleihen. Unglücklicherweise machen das die Fr an- z o s e n, die Engländer und die Spanier ebenso(Heiter- tcit), und da wir heute nicht mehr, wie zu den Zeiten der Griechen, der Römer und der Gallier nationale Götter habe», sondern da wir einen einzigen internationalen Gott haben, da wir einen Christengott haben, so kommr er in die scheutzlichste Verlegenheit, wem er denn eigentlich Helsen soll.(Große Heiterkeit.) Denn wenn er dem einen hilft, dann sind die andern wütend, daß er sie im Stich gelassen hat.(Heiterkeit.) Das ist ein Beweis dafür, wie es mit der ganzen christliche» Heuchelei in Wahrheit beschaffe» ist. Wenn man alle diese Dinge bedenkt und beobachtet, wie in allen Ländern in dieser Weise geheuchelt wird, dann muß mau sagen: Solange die M«nschhcit besteht, hat es kein Zeitalter gc- geben, in dem die Heuchelei und die Lüge zu einer derartigen Herrschaft gelangt ist wie in der heutigen Zeit.(Lebhafte Zustimmung.) Tann kam das M i l i t ä r q u i n q u e n a t. Es ist ja auch noch in der letzten Session des Reichstages bewilligt worden und erfordert bis 1915 eine Mehrausgabe von 104 Millionen. Das hat man ohne großen Lärm gutgeheißen. Ich habe schon in meiner Eröffnungsrede angedeutet, daß auch bei dieser Gelegenheit die National- liberalen und die Konservativen sich bereit erklärten, mehr zu bewilligen. Sie erklärten, sie seien der Meinung, der Kriegsminister habe zu wenig gefordert und sie boten ihm mehr an. Sie machten es gerade so, wie es der Parteitag hier dem Parteivorstande gegenüber gemacht hat.(Heiterkeit.) Ihr habt dem Parteivorstand auch mehr bewilligt als er haben wollte: das ist ja auch ganz in der Ordnung.(Erneute Heiterkeit.) Aber im Reichstage lagen die Dinge anders. Man erklärte also, man wolle dem Kriegsminiitcr gern mehr bewilligen, er solle nur mehr fordern. Dabei muß doch der Kriegsminister am besten wissen, was Aiir Schlagfertigkeit der Armee gehört, was notwendig ist. Erst auf diese Erklärung hin ließ man von der unsinnigen Aufforderung ab, noch mehr zu verlangen. Nun besteht gar kein Zweifel, daß wir auf dem Gebiete der Militärverwaltung eine sehr wichtige Forderung zu stellen haben, die wie schon seit Jahren vertreten. Wir haben bereits 1906 im Reichstage den Antrag gestellt, daß endlich einmal den armen Kerlen, den gemeinen Soldaten, ihre täglichen 22 Pfenuig entsprechend erhöht wurden. Diese 22 Pf. Tagessold bestehen wohl schon seit einem Jahrbundert. Jnzwifchen sind gewaltige Umwäl- zungen in der Gescllschgft vor sich gegangen. Tie Lebensmittel- preise, der Geldwert haben eine wahre Revolution durchgemacht. Man hat vom Unteroffizier auswärts bis zum Generalfeldmarschall wiederholt sehr bedeutende Gehaltsbewilligungen gemacht. Heute bekommt ein General soviel, daß, wenn der alte Wilhelm das erlebt hätte, er die Hände über den Kopf zusammenschlagen würde, daß den GencrtAen so reichlich mit Geld gedient wird.(Heiterkeit.) Für die Gemeinen ist es bei den l u m p i g c n 22 P f. g e b l i e b e n. Wir verlangen aber, daß nicht allein der Sold erhöht wird, sondern daß den armen Kerlen auch die Kosten für Putz und Schuh- zeug, die sie beim Eintreten ins Militär besorgen müssen, ersetzt werden. 1908 haben wir aufs neue den Antrag gestellt. Die Gc- meinen einschließlich der Spiclleute, Oekonomiehandwerker usw. sollten eine entsprechende Lohnerhöhung erfahren. Der Antrag wurde leider abgelehnt. Auch da empfehle ich Ihnen bei der Wähl, wenn wieder von der nationalen Feindseligkeit und der Wehrlosmachung des Deutschen Reiches durch die Sozialdemokratie die Rede ist, darauf hinzuweisen, daß w i r eS gewesen sind, die den armen Teufeln die erforderliche Soldcrhöhung bewilligen wollten, die sie trotz unserer Bemühungen bis heute noch nicht erhalten haben. Angeblich ist k e i n Geld vorhanden. Wenn man den Sold von 22 auf 32 Pf. erhöhen würde, was durchaus gerechtfertigt wäre, so würde das dem Deutschen Reiche 18 bis 20 Millionen Mark mehr kosten. Das ist den Herren zu viel, aber wenn es sich um a n d e r e Dinge beim Heer« und bei der Marine handelt, dann werden Hunderte und Tausende von Millionen weg- gegeben. Diese Erhöhung des Soldes verdienen die gemeinen Soldaten am ehesten, denn zahlreiche Proletarier von ihnen müssen ihre Angehörigen in Not und Elend zurücklassen, wenn sie beim Militär eintreten. Sie haben es am notwendigsten. Als 1907 der Etat beraten wurde, hat Fürst Bülow auch zu der Frage Stellung nehmen müssen: was hast Du für ein Pro- gramm? Er hat da allerlei hingemurmelt, was ein Programm sein sollte. Er erklärte: ich denke an Ersparnisse durch Verein- sachung auch in der Armee. Der Kriegsminister, der dicht daneben saß, wurde ganz bleich.(Heiterkeit.) Das hatte er aar nicht für möglich gehalten, daß der Reichskanzler so etwas sagen konnte. Aber er brauchte keine Furcht zu haben. Fürst Bülow war ein angeneh- mcr Poscur, er hat das Wörtchcn von der Ersparnis nur geprägt, als Bmihigungspnlvcr für die Liberale«». (Sehr richtig!) Selbstverständlich ist von Ersparnissen in keiner Weise die Rede gewesen. Wir haben sogar auf verschiedenen Ge- bieten, ganz abgesehen vom Ouinquenat, mehr oder weniger Mehrausgaben gehe«» Das war allein schon bedingt durch die beständige Verteuerung der Lebens- und Futtermittel. Denn wenn wir und einmal die sogenannte Finanz- r e f o r m in ihrer Totalität ansehen und fragen, waS ihr finanzieller Nutzen war. und wenn wir genau zusehen, dann entdecken wir, daß das gerade Gegenteil von dem,>vas damit beabsichtigt war, herausgekommen ist.«Sehr richtig!) Da sind in erster Linie die gctvaltizen Mchrnusgabcn der Armee für Futtermittel und die Bedürfnisse der Mannschaften. Die Verteuerung der Lebensmittel hat«veiter zur Folge gehabt, daß die Gehälter der Beamten erhöht werden mußten. Ter preußische Staat hat weit über hun- dert Millionen Mehrausgaben dadurch zu vcrzeich neu. beim Reiche find es 90 Millionen. Die Sache überträgt sich natürlich auch auf die Kommunen. Auch bei ihnen müssen die Beamtengebälter erhöht werden. Das sind Hundertc und Aber- hunderte Millioiir», die durch den dem Agrariertum gcivährten Schutz, durch die Lelienßmittclzölle usw. mehr ausgegeben werden müssen.(Zuruf: Die Zivilliste!) Gewiß, auch in der Zivillistc tritt die allgciiicinc Verteuerung zutage. Majestät erklärten ja. er könne mit 16 Millionen nicht mehr auskommen.(Heiterkeit.) Da erhielt er 3>X> Millionen mehr. Das war ja das allerdeutlichstc schlagende Zeugnis für die Situation. Was sind dann weiter für Mchrlasten entstanden für die Krankenhäuser, die Waisen- Häuser, die Siechcnhäuser, die Gefängnisse und alle möglichen An- stalten, in denen der Staat Taufende und Abertausende von Mcn- schen zu schützen und zu ernähren hat. Wenn man das alles zu- sammenrechnet und in Vergleich stellt zu dem, was lbei der ganzen Finauzrcform herausgekommen ist, dann entsteht ei» gewaltiges Defizit, aber kein Uebcrschuji. (Lebhafte Zustimmung.) Das ist doch eine ganz tvpflvse Steuer- pvlitik. Man sollte es nicht für möglich halten, daß erlauchte Regierungen mit ihren Ministcrn und Geheimräten und 400 aus- erivählten Mitgliedern der Nation— ich habe mir allerdings nie eingebildet, daß diese die Creme der Nation bilden, aber eS sind doch die, die ausgewählt werden—, daß diä einer Finanzreform das Wort reden, die schließlich das Gegenteil dessen erreicht, was man erwartet. Und dann schließlich die Stellung des Zentrums bei der Reichs- »ersichcrungsordiiung, die wieder den Bcrrai beS Volkes zeigt. Auf einzelnes will ich gar nicht eingehen, darüber hat ja schon Molkenöuhr gesprochen, auch ist Ihnen darüber Material zugegangen und weiteres wird Ihnen zugchen. Es ist gar kein Zweifel, daß dem neuen Reichstage eine Reihe wichtiger Aufgaben bevorsteht. Daß eine neue Flottcuvorlagc in Aussicht steht, ist selbstverständlich. Der Kaiser hat in seiner bekannten Rede auf dem Fest des Hamburger Senats bereits leise Andeutungen gemacht, die gnr keinen Zivcifcl darüber ließen, daß eine neue Flottenvorlage kommt. Als ich mir die Entwickelung der Dinge in der Marotkofrage ansah, als sich insbesondere heraus- stellte, wie England in der Frage dachte, sagte ich mir sofort, nun ist die neue Flottcnvorlage fertig, nun haben unsere Wasser- ch a u v i n i st e n Oberhand, jetzt werden sie losgehen und behaupten, die deutsche Flotte sei der neuen Situation nicht gc- wachsen, jetzt werden sie fordern, es müssen neue Schiffe gebaut werden. Die Flottengcsctzgebung des letzten Jahrzehnts hat sich allmählich als viel teurer herausgestellt, als man annahm. Im Jahre 1898 bei der ersten Flottcnvorlage kostete ein großes Linien- schiff noch 25 Millionen Mark, heute kostet ein Dreadnought 50 bis 60 Millionen, genau das Doppelte; damals kostete ein erster Kreuzer 20 Millionen, heute tostet ein Panzerkreuzer fast so viel wie ein Dreadnought, 45 bis 50 Millionen Mark. So ist aus allen Gebieten eine gewaltige Steigerung der Kosten zutage getreten, die selbstverständlich viel mehr Ausgaben erfordern. Dazu kommt, daß in den letzten Wochen D e l c a s s e, be-- kanntlich ein guter Freund Deutschlands, der in Frankreich Marineministcr wurde, bereits erklärt hat, er gehe mit einem Plane der Rcformicrung der französischen Flotte um. Frankreich hat in den letzten Jahren, gestützt auf das englische Bündnis, geglaubt, es könne seine eigene Flotteneiitwickcliing etwas zurückhalten. Die Lasten, die das französische Volk für den Militarismus zu tragen hat, sind ja auch ganz kolossal, sogar noch etwas höher als in Teutschland, aber es wird den Franzosen viel leichter, weil sie ein viel reicheres Volk sind. Tie Franzosen haben nicht die ungeheure industrielle Entivickelung durchgemacht wie wir, die französische Bevölkerung ist seit nahezu 40 Jahren stabil geblieben, Frankreich hat einen ungeheuer frucht- baren Boden, die Franzosen sind ein sogenanntes.Sparvolk, das Zweikirlderipstem ist bei ihnen durch alle Schichten durchgeführt, die französischen Staatsschulden haben bei dem Ueberfluß an Geld einen Zinsfuß, mit dem Teutschland keinen Vergleich aushält, das Geld ist im Ueberfluß da. und weil es im eigenen Lande mangels einer großen industriellen Entwickelung keine Verwendung findet, müssen die Kapitalisten ihre Millionen im Auslande unterbringen. Also Herr Delcasse kündete an, es werde der Kammer im Herbst' eine neue Flottenvorlage zugehen, es sei ihm geglückt, die Einrichtungen für die Herstellung der Kriegsschiffe so zu vervoll- kominnen, daß er imstande wäre, binnen zwei Jähren zwölf Dreadnoughts fertig zu stellen, daß er hoffe, innerhalb weniger Jahre die französische Flotte auf die Höhe der deutschen zu bringen. Was an dieser Renommage wahr ist, weiß ich nicht. Es genügt, daß er eine neue Vorlage angekündigt hat, das ist ja alleS Wasser auf die Mühlen unserer Marinepatrioten, und eS wird selbstverständlich von dieser Seite alles getan werden, um neue Rüstungen herbeizuführen. Auch die Engländer werden vor- wärts gehen, das allgemeine Wettrüsten wirb weiter gehen, und ich habe ja gestern schon gesagt, was das Ende vom Liebe sein wird. Jeder Mensch muß sich ja sagen: Wo soll das hinaus, wie kann das anders enden, ja, wie soll das anders enden, als mit einer Katastrophe? kSehr wahr!) Nun, mögen diejenigen, die an der Spitze der heutigen Gesellschaft stehen, mit den hinter ihnen stehenden Klassen in ihr Verderben rennen, w i r haben keine Ursache, das zu bedauern. Es bewahr. heitet sich hier wieder das alte Wort:.Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit."(Sehr gut!) Man kann mit Engelszungen reden, nichts wirkt auf sie ein. sie fragen nach nichts, nein, ivie mit eisernen Peitschen treibt es sie in ihren Untergang hinein. Die ganze Geschichte kommt den Herren ja verdammt un- bequem, sie haben gewünscht, wenn auch der jetzige Reickstag den Etat für 1912 nicht mehr beraten könne, so möge die Regierung ihn doch wenigstens einbringen, damit man Kenntnis davon be- kommt. Eine Komödie, wenn das wirklich geschähe. Ich habe auch einem unserer Minister gesagt: Was ist denn damit geändert, wenn Sie den Etat vorlegen? Aber das ist doch nur eine Attrappe, die keinen Wert hat, denn wer hindert Sie denn, nachdem dieser Etat belvilligt ist, sofort mit neuen Nach- tragsforderungcn zu kommen, von denen heute natürlich geschwiegen wird, von denen man die Wähler um keinen Preis etwas wissen lassen will. Das geht genau wie 1907. Drei Tage vor der Wahl schrieb die„Norddeutsche Allgemeine" frech, es sei gar nicht daran zu denken, daß die Regierung mit neuen Steuer- vorlagen käme, und ein Jahr danach war die Vorlage mit 500 Millionen da. Wenn aber die Massen zu dumm sind und sich nas- führen lassen, so ist das nickt zu ändern. Wr jedenfalls worden versuchen, sie nach jeder Richtung hin aufzuklären.(Leb. Beif.) Die jetzige Teuerung — daS müssen wir anerkennen— ist nicht bloß durch die Zölle und Steuern, sondern zum Teil auch, namentlich in diesem Sommer, durch Mißernten hervorgerufen. Aber einen Punkt haben wir dahei bisher viel zu wenig berücksichtigt: Tie Teuerung«vird eine dauernde sein; die Preise werden zwar bei übergroßen Ernten zeitweise etwas heruntergehen, aber der Preis aller Lebensmittel wird auch in Zukunft ein so hoher sein, daß die kleinen Beamten, daß die Kleinbürger, daß vor allem die Arbeiter dauernd unter der Teuerung zu leiden haben(Sehr richtig!), und daß die Ar- beiter vor allem gezwungen sein werden, durch Lohnerhöhun- gen einigennaßcn das Loch auszugleichen, das die Teuerung in ihr Budget gerissen hat. lSehr richtig!) Das möge» sich besonders die Unternehmer merken. Tiefer Zustand zwingt die Arbeiter zu neuen Forderungen, zu neuen Kämpfen; die Arbeiter können nicht auskommen, und es ist ein Verbrechen»»venu ein Arbeiter, der das erkannt bat, nickt sofort seinen Eintritt in die Gewerkschaft anmeldet. tLcbhafte Zustimmung.) Denn das ist die einzige Möglichkeit, die Teuerung auszugleichen, wie andererseits der Konsumverein unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine notwendige Einrichtung ist.(Sehr wahr!) Tie Arbeiter müssen den Konsumvereinen in' Masse zuströmen, nicht nur. weil sie etwas billiger kaufen, sondern vor allem, weil sie unverfälschte Lebensmittel bekommen.(Sehr wahr!) Tie Verfälschung der Lebensmittel hat eine ungeheure Höbe erreicht; würde da einmal gründlich nachgeforscht, es würden erschreckende Dinge zum Vor- schein kommen.(Sehr richtigl) Aber genau so wie die Arbeiter- organisationcn Unternchmerorganrfationen hervorgerufen baden, genau so hat das Unternehmertum sich bereits des Genosscnschafts- wcsenS beinächtigt, und insbesondere die Bauernschaft. Heute haben die Bauern ein so entwickeltes Genossenschaftswesen, wie kaum ein anderer Beruf, und das wird ausdrücklich benutzt zur Leben Smitteflvertcueru n g. Ter Verkauf von Eiern, Butter, Käse, Milch und anderen Produklen geht in rapider Weise auf bäuerliche Genossenschaften über, ja man«rill sogar schon die Viehzucht kontingentieren. sHörtl hört!) Wenn auf irgendeinem Gebiet einmal eines TagcS die Frage der Sozialisier»»« anftauckt, dann am ehesten bei der Landwirtschaft.(Lebhaftes Sehr richtig!) Ich btn überzeugt, sie ist dort am a l l e r l e i ch t c st e n durch- zuführen. Dann die Bäcker- und Fkeischerorganisationen. die Unter- nehmerringcl Tie Fleischpreise, die Brotpreise, die macht doch heute nicht mehr der einzelne Fleischer und Bäcker, die macht die Innung, die macht die Organisation; da wird dafür gesorgt, daß entsprechende Profite herauskommen, und jede Konjunk- tur, die eine Preissteigerung ermöglicht, wird gründlich ausgenutzt. Wo 10 Proz. genügen würden, da erhebt man 15 und A Proz. (Sehr ivahrl) Das ist ein sehe tvesentliches Momenk. Wir können natürlich nicht hindern, daß Genossenschaften sich gründen, ebenso- wenig wie wir daran gehindert werden wollen. Aber infam ist es. daß dieselben Kreise.'die die Arbeitergenossenschaften bekämpfen, in den Städten und auf dem Lande für ihre Unternehmerzwecke Genossenschaften organisieren.(Sehr wahr!) Das finden sie in Ordnung, aber die Arbeiter sollen das nicht. Diese U n- gercchtigkeit liegt aus der Hand, und auch nach der Richtung hin werden wir mit aller Energie künftig vorgehen müssen. Da ist nun eines interessant. Ter Kaiser hat neulich in ?! l t o n a eine Rede gehalten, in der er besonders die Notlage der Landwirtschaft erwähnte, die durch die Ereignisse dieses Sommers herbeigeführt worden sei. Ter Staat werde alles tun, um diese Notlage nach Möglichkeit zu beseitigen. Ich begreife den Stand- Punkt des Kaisers. Ter Kaiser ist der größte Agrarier im Deutschen Reich. Er steht der Landwirtschaft nahe, er kümmert sich um die Land» Wirtschaft, er kennt die Landwirtschaft. Also was ist natürlicher, als daß er meint, diesem Stande müsse in besonderem Maße ge- Holsen wenden. Wie eS aber den armen Schluckern, den Konsu- iiieiiten der landwirtschaftlichen Produkte geht, darüber hat er kein Wort gesagt. sHörtl hört!) Das kennt er eben nicht; der Kaiser kann nicht alles wissen, das kann kein Mensch verlangen. (Heiterkeit.) Was hat denn der Kaiser für eine Ansicht von den Arbeitern. Für den deutschen Arbeiter ist gesorgt bis an sein Lebensende; er kann gar nicht in??ot geraten, der hat eine stän- dig gefüllte Ko mlpo t t sch üs se l vor sich.(Heiterkeit.) Das wird dem Kaiser gesagt; er glaubt es und spricht es aus, aber «vahr ist es nicht.(Sehr richtigl) Gerade das Gegenteil isr wahr.(Lebhafte Zustimmung.) Niemand mehr als� die A r- beiter— und hier trete ich auch zugleich für die kleinen B e- amten und für die kleinen Gewerbetreibenden ein — leiden unter dieser Teuerung. Und wenn irgendjemand Schutzmaßrcgeln braucht, dann sind es die Llrbeiter, die kleinen Gewerbetreibenden und die unteren Beamten.(Lebhafte Znstimmimg.) Das wird immer schlimmer. Ich sehe schon heute, selbst auf die Gefahr hin, wieder einmal bespöttelt zu werden, daß ich prophezeie:— ich sehe schon heute die Zeit kommen, wo die Frage der Lebensmittelpreise die Hauptfrage für die ungeheure Mehrheit des Volkes ist. (Sehr richtigl) Und dann wird ein Lärm im deutschen Volke hervorgerufen werden, dann werden die Lcbensmittelzölle fliegen, ob die Herren»vollen oder nicht.(Bravo l) Da droht man jetzt schon wieder mir dem Verbot der Ein- s u h r V o n G e f l ü g e l. Ja. die deutsche Landwirtschaft erzeugt nicht Geflügel genug. Ich habe auf Grund meiner Studien über die landwirtschaftlichen Verhältnisse die Ueberzeugung gewonnen, wenn alle Errungenschaften der modernen Agronomie auf das Land. den Landbau, die Landausnutzung angewendet werden, dann ist Deutschland imstande, aus kigcncin Grund und Boden 199 Millionen Menschen z» ernähren. (Sehr richtig!) Tann braucht man kein Korn vom Auslände. Aber dazu gehört eine vollständige Sievolutiomcrung der ganzen Landwirtschaft auch in bczug aus den Grund und Boden.(Erneute Zustimmung.) Es ist ein U n s i n n, zu sagen, wir leiden an Ucbervölkerung. Gar kein Gedanke! So lange noch Jahr für Jahr Hunderttausende von ausländischen Arbeitern nach Deutschland geschleppt werden, kann man davon nickt reden.(Leb- hafte Zustimmung.) Auch die Statistik beweist, daß in den letzten 20 Jahren trotz des Anwachsens der Bevölkerung die A u S w a n d c- rung ganz erheblich zurückgegangen ist.(Hört I hört!) Man will der Masse, die die Tinge nicht beurteilen kann, Sand in die Zlugen streuen. Nein,«vir können alle Leute in Teutschland ernähren, bei richtiger Wirtschaft, und da sollen wir jetzt sogar noch� nach Marokko gehen, lvo tagtäglich die Sonne noch ganZ anders auf unseren Schädel brennt als in diesem Sommer.(Heiterkeit.) Ich glaube, wir haben in diesem Sommer gerade genug gehabt.., Aber in Marokko sollen Deutsche millionenweise unterkommen können.(Hört! hört!) Im nächsten Reichstage haben wir nun die Vorlage des neuen deutschen Strafgesrtibuches zu erwarten. Das ist eine außerordcnt- lich ivtchtige Frage. Ich setze voraus, daß die meisten von Ihnen das vorzügliche Referat gelesen haben, das Genosse H e i n c m a n n hierüber aus dem letzten Gc w e r k sch a f t s l o ng r e ß i n Dresden gehalten hat. Ich will mich nicht näher darüber aus- lassen. Die Rede ist im Verlage von Legien, also der General- kommission erschienen, ihre Tlnschaffung ist auf das dringendste zu empfehlen. Der Titel lautet:„Das Koalitionsrecht in Deutschland und der Vorentivurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch". Wieweit «vir bereits gekommen sind,«vicwcit die Reaktion bereit? um sich gegriffen hat, dafür will ich Ihnen einige Sätze aus der Einleitung der Broschüre vorlesen. Es heißt da:„Vielmehr werden unter dein Anschein der notivendigen Bekämpfung lediglich gemeiner, von jedermann für strafloürdig angesehener Verbrechen die Tatbestands- merkmale des Gesetzes heimtückisch so abstrakt, so unbestimmt und so inhaltlos gefaßt, daß jede oiipositionclle, den herrschenden Klasse«» unangenehme politische ot>«r gewerkschaftliche Betätigung bestraft«verde» kann... Einige im allgemeinen Teil des Eut- «vurfs unleugbar vorhandene Fortschritte sollen auch auf dem Gebiet der politischen und sozialpolitischen Volksrechte»nit den für ein Kulturvolk ungeheuerlichstcn Rückschritte» erlauft werden, die sogar die empörendste», volksfeindlichen Entwürfe, Zuchtbausgesctz und Umsturzvorlage,»vcit hinter sich lassen.(Hört! hört!) Diese Tat» fache ist in der gesamten bürgerlichen Presse und Literatur bisher nicht niit der genügenden Schärfe geivürdigt worden. Ganz im Gegenteil, dem Entlvurf folgen auf der abschüssigen Bahrr auch Männer, die an sozialpolitischer Einsicht die Bureaukraiie turinlzoch überragen. Vier Professoren— Professor Liszt gehört dazu— haben einen Gegcnentwurf veröffentlicht, der ebenfalls den herrschenden Klassen eine Reihe der schärfsten Waffen gegen die Ausübung des KoalitionsrechteS liefert. Und doch nennt sich die internationale lriminalistische Vereinigung: die soziologische Schule!" Soweit sind wir also gekommen, daß die fortgeschrittenste juristische Schule Strafbestimmungen in daS Gesetz aufnehmen will, die die Ausübung des Koalitioiisrcchtes der Arbeiter un-«» möglich«nache«.(Hört, hört!) Sie sehen, unsere Genossen in« künftigen Reichstag stehen sehr wichtigen und einschneidenden Auf- gaben gegenüber.. Dann noch ein weiterer, wichtiger Punkt. Daß man jetzt noch nicht übersehen kann, waS in 5 Jahren kommt, ist ganz 'elbstvcrständlich. Daß aber bei der Stimmung der Konservativen und des Zentrums, wenn sie etwa wieder im Reichstag domi- niercn, die unheilvollsten Tinge für die dcntschen Arbeiter herauskommen, steht fest, u id von 1913 an haben wir uii? mit dem neue,, Zolltarif zu beschäftigen. Die Handelsverträge mit anderen Nationen laufen i» den Jahren 1914, 1915 und 1916 ab, wir tverdcn also dieselben Käinpfe zu führen haben, die wir 1902 so glänzend geführt haben. Abermals kommen die Agrarier und verlangen die Einführung erhöhter Zölle. Wir stehen natürlich aus dem entgegengesetzten Stand- Punkt. Mit aller Macht und kraftvoller Agitation müssen«vir alles aufbieten, daß die Massen im Kampf dagegen auftrete», da- mit wir den nötigen Hinterhalt für den Kampf im Reichstag bc- kommen, und auf die große Bewegung unter den Massen hin- weisen können. Dann baben wir nach den Vorgängen der letzten Zeit auch die große Möglichkeit, daß wir im Laufe der nächsten Jahre einen Ovnmbokncg in Südwestafrika zu erwarten haben,«ine ziveite und viel schlimmere Lluflage ocS HercrokriegcS. Daß wir die Ovainbos in ihren Niederlassungen nicht völlig beherrschen, ist ein großer Sckimerz unserer Äolonialleute. Sie möchten um jeden Preis die OvamboS sich Untertan inachen, die tüchtige?lr« beiter sind, zugleich aber auch tapfere Leute, die überdies in einem Lande wohnen, das die Verteidigung leicht macht. Auch Va haben wir in der Ichten Zeit Shuipkome, die auf die Möglich- keit des Aufstandcs hindeuten. Und daß eine teilweise Erwerbung von Marokko in den Verhandlungen mit Frankreich auch nicht sehr zur Beruhigung beitragen würde, steht fest. Es wird jetzt schon geschrien, das; Marokko den Franzosen nur 10 Millionen Frank kostet. DaS sei eine Kleinigkeit. Aber wenn wir erst da eingerückt sind, werden sich ganz andere Summen zeigen. Weiter ist es selbstverständlich, daß wir die Frage des Dreiklnsscnwahlrechts im Wahlkampfs zu erörtern haben. Wir wissen ja. wie die bürgerlichen Parteien dazu stehen, wie insbesondere das Zentrum auch hier Heuchelei treibt. In den siebziger Jahren unter Windthorst, trat das Zentrum noch offen für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht im preußischen Landtag ein. Heute ist es längst davon a b g e k o»> m S n. Man sagt im Zentrum, wir geben das allgemeine Wahlrecht nicht preis, wir wollen es, aber wir können es nicht haben, und des- halb verzichten wir darauf. Tas ist doch keine Stellung für eine Partei, die etwas erreichen will. Wo kämen wir hin, wenn wir so reden wollten! Erreichen kann man etwas nur, wenn man agitiert, wenn man die Masten aufklärt, sie in Bewegung bringt, sie zwingt, auch ihrerseits die Forderungen zu stellen, und wenn man eine grohe Volksbewegung entfacht. Es ist doch ein Widersinn, daß die Preußen ein schlechteres Wahlrecht haben sollen, als unsere Süd- deutschen in Bayern, Württemberg, Baden und neuerdings auch in Elsaß-Lothringen, wo das allgemeine Wahlrecht mit unserer Hilfe eingeführt ist. Die elende Rolle, die das Zentrum und die liberalen Parteien hierbei spielen, ist ja allen bekannt, so gut wie die Haltung des Z e n t r u m s zum Fortbildungsschulgesetz, zum LeichcnvcrbrennungSgesetz, zur Borromäusenzyklita, kurz, seine wachsende Intoleranz auf allen Gebieten. Wir haben also bei dem nächsten Wahlkampf Zähne und Nägel daran zu setzen, um möglichst große Erfolge zu erzielen. Ich habe schon ani Sonntag auf Lebers Bemerkungen geantwortet, seid nicht zu optimistisch.(Sehr richtig!) Wenn einer Optimist ist, so bin ich es. Wenn es aber zum Kampfe kommt, da bin ich es vielleicht auch— was ich im Inneren denke, sage ich nicht, das soll keiner von Euch sagen—, wir müssen vielmehr den Kampf so führen, als unterlagen wir. Wir Müssen natürlich den Gedanken an Sieg erwecken in den Massen, aber wir dürfen uns nicht mit Sicgesboffnungen vollsaugen. lSchr richtig!) Und neben einer möglichst großen Zahl von Mandaten müssen wir möglichst viel Stimmen erwerben; insbesondere gilt das für die Wahlkreise, in denen wir sicher sind. �Gerade diese Wahlkreise müssen den ungeheuren Zu- wachs an Stimmen, den der Bevölkerungszuwachs gebracht hat, gründlich ausnützen. Wir müsten den Wahlkampf auch bcnützcn, um der Partciprcsse auf die Strümpfe zu helfen; wir müssen- neue 5lrcise erobern, neue Gcnosten erwerben. Wenn man da die Frauen zum Vergleich heranzieht, so haben sie prozentual ganz anders gearbeitet wie die Männer. ISOtXJO Genossen mehr haben ivir im lctztcnHJahre bekommen; das ist eine sehr respektable Zahl, mehr als doppelt soviel als die Süddeutsche Volksparlei bei den Wahlen 1W7 bekommen hat. und die bürgcr- -liche Presse ist ganz entsetzt über diesen Zuwachs. Ich bin aber gar nicht zufrieden damit; cS ist viel zu wenig; es heißt, daß von den 700 000 Genossen, die wir hatten, nur je'iVi Mann im yanzea Jahre einen Genossen gewonnen haben. Das ist doch nicht in der Ordnung.(Heiterkeit.) Bringen wir eS zunächst mal dahin, daß je zwei Genossen einen neuen im nächsten Jahr bringen; dann haben wir wenigstens LOOOOO neue und rücken über die Million hinaus, und dann müssen wir verlangen, daß jeder Gc- uosse einen neuen bringt, dann geht es vorwärts.(Lebhafter Beifall.) Tann fällt den Gegnern das Herz in die Hosen. Und das könne» wir erreichen. Nur wollen müssen wir, wollen muß der Mensch! Auch die Presse hat sehr erfreuliche Fortschritte gemacht; wir haben eine ganze Anzahl neuer Abonnenten bekommen, aber das reicht noch lange nicht hin. Wir müssen viel mehr, viel mehr haben. In jeder Versammlung müssen Vorkehrungen getroffen werden, daß neue Mitglieder sich einschreiben können.(Sehr richtig!) In jeder Versammlung müssen neue Abonnenten gc- Wonnen werden, innß dafür gesorgt wcrdS», daß die Leute wissen, wie und wo sie sich einschreiben und abonnieren usw. usw. Bei den Tausenden von Versammlungen, die wir abhalten, können wir dann ganz Erhebliches gewinnen. Dann können wir, wie es immer geschah, in einer großen Zahl Wahlkreisen zu Stichwahlen kommen, zu solchen, wo unser Kandidat nicht in Frage steht, und zu solchen, wo unser Kandidat in Frage steht. Bei diese» letzteren wird— täuschen wir uns darüber nicht— der ganze bürgerliche Klüngel gemeinsam gegen uns marschieren.(Lebhaftes Sehr richtig!) Tas ist so selbstverständlich, daß wir kein Wort darüber verlieren. Aergert Euch nicht, wenn Ihr seht, daß die Liberalen den Konservativen gegen uns wählen. Liberale und Konservative siehe» sich ja doch viel näher als die Liberalen zu u»S stehen, sind sie doch alle von einem Bein und Fleisch. Sollte sich das ändern, so wäre das die erste angenehme Erfahrung, die ich in meinem Leben aus diesem Gebiete gemacht habe. Ich würde mich darüber freuen, aber ich glaube nicht daran. Nun sind die Forderungen, die ich bei diesen Wahlen den Parteigenossen cnipfehle, den gegnerischen Kandidatei� in der Stichwahl vorzulegen, wen» er auf unsere Stimmen rechnet, sehr bescheiden, vielleicht so bescheiden, daß mancher von Ihnen den Kopf geschüttelt hat.(Sehr richtig!) Ja. sebr richtig! Aber ich wäre froh, wenn wir die Kandidaten überall darauf kriegten. Haltet Euch doch vor Augen, es kommt nicht darauf an, was ivir wollen, sondern was wir können. Entweder stellen wir Forde- rungen, die ein ehrlicher, bürgerlicher Mann noch bewilligen kann. oder wir verzichten ganz darauf, uns an der Stichwahl zu be- teiligen. Aber das nützt nichts, die Leute laufen doch in Massei, zur Wahl. Man muß eben die Psychologie der Massen kennen. An dem Wahltage jjeht es ihnen wie den Kavallcrievserden, wenn sie die Trompete hören. Sie laufen dann in Massen zur Wahl. Wir haben die Erfahrungen gemacht, wohin wir mit unserer Etimmenciithaltung gekommen sind. Wir haben elend Schiffbruch gelitten und wollen nicht abermals solche Dummheiten machen. Wir haben schwere Forderungen gestellt und gesehen, daß man in einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen nicht folgen konnte und um jeden Preis bei der einzelnen Wahl sich beteiligen wollte. Darum stellen wir jetzt sehr mäßige Fvrdernngen. Da ist zunächst die Forderung der Aufrechterhält»»« bcS bestehenden Wahlrechts. Ja, Parteigenossen, wen» die Hauvtwahlen glück- lich ausfalle», und wenn wir eine gehörige Stimmcnzahl bc- kommen, dann werde ich einmal das Haseurenutu erlebe», das bei den bürgerlichen Parteien nach rechts hin stattfindet. Tas wird einen gewaltigen Schrecken absetzen. Da wird die Frage sein: Können wir bei einem solchen Zustand der Tinge der Sozial- dcmokratie loeiter das Feld überlassen? Ich betrachte diese Wahl gewissermaßen als eine Probe auf den Wasserstand. Man befindet sich auf einer Insel, die selbstverständlich von Wasser umgebe» ist. Tie WahlrechtSstimmen zeigen den Wasserstand an. Tas wächst und wächst. Tie Insel wird mit jeder Wahl kleiner und enger. Da stellt Euch mal die Situation der Herr- schcnde» Klassen vor. Sie sagen sich: wenn das so ioeiier geht, ertrinken wir ja!(Heiterkeit.) �Wiir dürfen uns nicht dar- über täuschen, daß in einer solchen Situation sie zu den aller- über täuschen, daß in einer solchen Situation sie zu den aller verzweifeltesten Mitteln greifen werden. Darauf müssen wir gesaßt sein und darum vorbeugen. Ta gehört es sich, daß wir eine solche Bedingung stellen, daß das Wahlrecht nicht geändert tvird'. Wer� diese Bedingung nicht unterschreibt oder nicht in anderer Weise Gewähr gibt, darf nicht unterstützt iverden. Dann mutz er sich erklären gegen eine Beschränkung des Vereins- und Verr sammlung �rechtes und des K o a l il i o n s r e ch t e s. Was ans diesem Gebiete vorliegt an Klagen, ist so deutlich, daß wi» froh sein müssen, wenn wir das, was loir haben, aufrechterhalten. Denn leider ist nicht daran zu denken, daß wir mehr verlangen können. Wenn wir mehr verlangen könnten, so würde gewiß jeder tun, was er kann. Tann nwiß der betreffende Kandidat sich erklären gegen eine Verschärfung der sogenannten politischen Paragraphen des Strafrechts, gegen ein wie immer geartetes Ausnahmegesetz, gegen jede Erhöhung der Zölle aus die Verbrauchsartiiel der großen Masse, gegen jede Neuein führung oder Erhöhung i,r direkter Steuern aus Verbrauchsartikel der großen Masse. Eine Herab- sctzung zu verlangen, würde uns nicht in allen Fällen gelingen. Wir müssen froh sein, wenn sie nicht erhöht werden. Das gilt nicht nur für die Zölle, sondern auch für die indirekten Steuern. Also, Parteigenossen, ich kann Ihnen dringend raten: Be- scheiden Sie sich in dieser Richtung. Und dann kommt schließlich die Frage: Wie handeln wir, wenn von zwei Kandidaten beide die aufgestellten Bedingungen erfüllen? Da sage ich, daß wir den liberalen Kandidaten dem nichtlibcralen vorziehen würden. Was ich damit sagen will, das weiß jeder deutlich nach meinen Ausführungen. Damit bin ich zu Ende. Sie sehen also, daß die nächsten RcichstagSwahlen die allerwichtigstcn sind, die wir jemals durchgekämpft haben, daß für die Sozial- demokratie, für die deutsche Arbeiterklasse ungeheuer viel auf dem Spiele steht, und da ist es jetzt unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, den Kriegszustand zu erklären. Alle Mann auf die Posten! Alle Mann an die Arbeit!(Stürmischer Beifall.) Und wenn Ihr vier Monate hindurch, Tag für Tag, Nacht für Nacht, emsig arbeitet und alle Eure Schuldigkeit tut, wenn wir alle nach jeder Richtung hin unsere Kraft einsetzen in den Dienst der all- gemeinen Sache, dann müßte es doch sehr sonderbar zugehen, wenn wir dann nicht ein anderes Resultat zu verzeichnen lstitten, ein viel freundlicheres, als wir am 2b. Januar 1907 erlebt haben. Es besteht kein Zweifel, daß die neuen Wahlen ganz anders ausfallen werden als damals.(Lebhafte Zustimmung.) Darum auf, Parteigenossen! Auf zum Kampfe! Vorwärts! Durch! (Brausender, anhaltender Beifall.) Zur Diskussion stehen die Resolution 70(siehe Leitartikel). der Antrag Bernstein und der Antrag 05 Dortmund*). Dazu ist ein Amendement Scheibe- Bochum eingegangen. Danach soll in diesem Antrage statt der Arbeiterschaft den Mitglie- der» der sozialdemolranschen Partei die Ardeitsruhe empfohlen iverden. Eduard Bernstein: Die herrschenden Parteien werden bei den Wahlen das Acußerstc versuchen, um das Volk durch Erörterungen über auswärtige Politik abzulenken, hier spielt namentlich die an- gcbliche Bedrohung Teutschlands und der deutschen Industrie durch England eine große Rolle. Tic verkehrtesten und verderblichsten Ideen finden aus diesem Gebiete immer weitere Verbreitung, der Zusainmenstoß mit England wird nicht nur in der chauvinistischen Prsie, sondern weit darüber hinaus als unvermeidlich hingestellt. Es ist eine wahnsinnige Idee, die da verbreitet wird. Was würde denn selbst eine Zerstörung des deutschen Handels durch England, die ja eine Unmöglichkeit ist. ergeben? England kann die deutschen Arbeiter, die deutschen 5lohlengruben, Eiseichütten und Textil- sabriken doch nicht aus der Welt schassen und ebensowenig die der anderen Staaten, die doch auch mit der englischen Industrie kon- kurrieren. Man denkt nicht an den deutsch-englischen Handel, der ständig steigt und heute fast zwei Milliarden Mark aus macht. Wir müssen also eine derartig unsinnige und gefährliche Agitation machtvoll bekämpfen. Dazu hat das so bekämpfte Flug- blalt K a u t s k y s verdienstvoll beigetragen. Rosa Lurcmburg möge aber ruhig sein, ganz stimme ich mit dem Flugblatt doch nicht überein.'(Heiterkeit.) Aver es hat daS große Verdienst, an die Stelle bloßer Argumente endlich Tatsachen zu setzen. Aus Feig hcit, Schwäche, vielleicht auch aus Grund von offiziösen Mitteilnn gen, endlich auch infolge Nnkcnntnis der tatsächlichen Beryältnisse hat die bürgerliche Presse, auch die libceal-deinokratische, mit sehr wenigen Ausnahmcu in der lebten Krise durchaus versagt. Unsere Presse aber hätte nicht nur die Meinungen, Aeußerungen und Be schlüsse unserer englischen Parteigenossen wiedergeben müssen, sow der» sie hätte auch der Londoner Lokalpresse Zitate aus der viel wichtigeren Presse der großen Industriezentren Englands gegen- überstellen müssen. Gründliche Aufklärung aber darüber, daß beide Nationen ihre Interesse» nur durch den Frieden wahrnehmen können, ist nickst durch ein Flugblatt, sondern nur durch eine Broschüre möglich, deshalb bitte ich um Annahme unseres An- träges.(Beifall.) Klupsch-Dortmund: Wir haben den Antrag 05 schon bei der letzten Wahl durchge- führt und hatten dadurch am Wahltage 4000 Genossen zur Wahl- arbeit in Tätigkeit. Gerade bei diesen Wahlen, wo die christlichen Gcwerlschaften von vornherein erklärten, ihre ganze Arbeit gegen uns zu richten, wo im Osten der amtliche Apparat den Konserva» tiven und im Westen die größten Kapitalien den Nationalliberalen zur Verfügung stehen, müssen wir alle unsere Genossen zur Wahlarbcit freimachen. Tchcibc-Bochum: Der Antrag geht in dieser Form zu weil. Wir können doch nicht die gesamte Arbeiterschaft, sondern nur unsere Genossen auf- fordern, den Wahllag arbeitsfrei zu halten. Deshalb bitten wir. den Antrag 05 nach unserw Vorschlage abzuändern.(Zustimmung.) Im Nuhrrevier haben die christlichen Gewerkschafter ihren an- fänglickien Widerstand gegen das Kompromiß von Zentrum und Na- tioiinllibcralen ausgegeben, da die Nationallibcralcn versprackzen, keine gelben Gclvcrkschaflc» zu gründen. Tas Kompromiß ist also fertig,' um so notwendiger ist, daß wir unsere Rüstung stärken. Wir kommen durch diese Forderung unseres Antrages auch unserer Pro. grammsordcruug, daß alle Wahlen an Ruhetagen stattfinden, näher. Tarauf wird in die Diskussion über die RcichstagSwahlen eingetreten. König-Dortmund: DaS Zentrum bricht alle Verträge. Wir sind früher auch für das Zentrum eingetreten, aber jetzt, da es an der traurigen Lage der Arbeiterschaft mit Schuld ist, würde sich eine gewaltige Opposition erheben, wenn wir vorschlagen wür. den, das Zentrum zu unterstütze». Ta die christlichen Arbeiter- sckrctäre keine Erfolge mehr erzielen, machen sie Kompromisse mit den Nationallibcralen. Wir niüssen den christlich-nationalen Ar- beitern klar machen, daß ihre Interessen allein von uns vertreten werden. *) Der Paricivorstand möge, wenn möglich noch vor den RcichstagSwahlen die Herausgabe einer Broschüre veranlassen. welche gegenüber den Bestrebungen, England und Deutschland zu verhetze», die großen gemeinsamen Interessen der arbeitenden Klassen beider Länder an der Erhaltung sind Festigung der fricd- lichcn Beziehungen zwischen ihnen darlegt und das Falschspiel der Hetzer aufdeckt. E d. B c r n st e i n und G e n. 05. Dortmund. Der Parteitag wolle beschließen, der Ar- beiterschaft zu empfehlen, am Tage der Rei.chstagslvahl die Arbeit ruhen zu lassen. Hartleib-Hannover: Bei dem Wahlkampf werden ungeheure Massen von Flugblät- tern von allen Parteien verteilt, aber diese Flugblätter werden meist nicht gelesen. Wir sollten deshalb einmal dazu übergehen, ähnlich wie es bereits im Jahre 1893, 1907 und� auch bei dem preußischen Wahlrcchtskampf gescksthen ist, i l l u st r i e r t o Flug- b l ä t t e r zu verbreiten. Wir könnten z. B. Elcndsbildcr auf diese Weise darstellen und Vergleiche mit dem Ucberfluß, in dem die Reichen leben.(Bravo!) Diiwell-Berlin: $ich unterstreiche die Warnung von Bebel, man möge sich den Kampf gegen daS Zentrum nicht leicht vorstellen. Mit der Theorie der dummen Kerle kommen wir beim Zentrum nicht aus, der Kul- turkampf hat ein ganz besonders festes Band um das Zentrum gc- schlungcn. Das Volk glaubt an das, was der Ultramontanismus, was die katholische Kirche lehrt, und diesen Glauben dem Volke durch einen Wahlkampf aus dem Herzen zu reißen, ist gar nicht möglich. Nun treiben aus der anderen Seite die wirtschaftlichen und die soziale» Verhältnisse die Massen mehr und mehr in die Arme der Sozialdemokratie. Eine Bolkspolitik kann das Zentrum nicht betreiben, weil dann die besitzenden Kreise dieser Partei da- gegen Revolution machen würden, das Zentrum m n ß also reaktionär werden, die Industriellen liefern ihm die Schule aus und zum Dank dafür liefert es diesen die Arbeiter als wehrlose Ausbeulungsobjckte aus. Wir müssen den � Kampf gegen das Zentrum zwar energisch, aber auch vorsichtig füh- ren, wir dürfen nicht mit dem Knüppel auf die Religion los- schlagen, wir müssen den katholischen Arbeitern zeigen, daß das Zentrum mit der Religion gar nichts zu tun hat und daß es mehr und mehr eine reaktionäre, volksfeindliche Partei wird.(Sehr richtig!) Haupt-Magdeburg: Der Passus in der Stichwahlresolution, daß wir, wenn zwei Kandidaten in Frage stehen, die beide die genannten Bedingungen erfüllen, dann unter allen Umständen den liberalen Kandidaten vorziehen scheint mir bedenklich. Es kann dann leicht vorkommen. daß der liberale Kandidat bei der Haupt, vahl uns mit den schmutzig- stcn und niederträchtigsten Mitteln bekämpft und dadurch statt unserer in die Stichtvahl kommt. Ich gebe Bebel doch zu be- denken, ob man diesen Passus nicht streichen oder durch einen an- deren ersetzen soll, daß in solchem Fall der Kandidat vorzuziehen ist, dessen Partei Gegenseitigkeit verbürgt. Ein von D i k r e i t e r- Altenburg gestellter Schlußantrag wird von Hintze-Berlin mit dem Hinweis bekämpft, man solle doch einigen Rednern noch Gelegenheit geben, auf die Frage der Stich- Wahlparole näher einzugehen und die von Haupt erhobenen Be- denken noch weiter auszuführen; Bebel habe sich wohl scharf gegen das Zentrum, nicht aber genügend scharf gegen die L i b e r a l e n gewendet. Der Schlußantrag wird angenommen. Bebel(Schlußwort): Wenn Hinhe bei seiner BefürworUing der Ablehnung des Schlußantrages hervorhob, daß ich zwar das Zentrum scharf an- gegriffen habe, nicht aber ebenso scharf die liberalen Parteien, so ist dock, hervorzuheben, daß ich wiederholt auch auf die Haltung der liberalen Parteien bei den verschiedenen Vorlagen eingegangen bin und darauf hingewiesen habe, wie sie mit unseren übrigen Gegnern zusammen gestimmt haben. Ich will nicht bestriten. daß man in einem einstündigen Vortrag nicht die ganze Situation nach allen Richtungen hin beleuchten kann. Aber so viel politische Erfahrungen haben wir ja alle, daß wir wissen, was wir von den Liberalen zu erwarten haben. Noch gegen ein starkes Mißverständnis muß ich mich wenden. Haupt und eine Reihe anderer Redner haben es so dargestellt, als wenn wir eo ipso für die Liberalen zu stimmen haben. ES ist nichts weiter gesagt als das: stehen in engerer Stichwahl zwei Kandidaten, die bereit sind, die ausgestellten Bedingungen zu erfüllen, so ist der Liberale dem Nichtliberalen vorzuziehen. Das ist doch ungeheuer klar. Setzen Sie h B. den Fall, ein Liberaler und ein Zentrumsmann stehen in Stichwahl, wir scheiden auS, wir bleiben natürlich außer Frage. Wo wir selbst in Frage kommen, bieten wir natürlich alles auf, um den Sieg an unsere Fahne zu heften. Aber die Frage kann ja nur entstehen, wenn wir ausfallen. Nun sagte Haupt, dann wird der Liberale alles aufbieten und auch die schmutzigsten Mittel anwenden, un, uns aus der engeren Wahl zu drängen. Glauben Sie, daß er das nicht sowieso tun wird?(Heiterkeit.) Die schmutzigsten Mittel anzuwenden, ist nicht sein gutes Recht; alles aufzubieten, um uns aus der Stichwahl herauszuwerfen, das ist sein gutes Recht. Da hat er ebenso viel Recht wir wir. Aber ich habe die Erfahrung gc- macht, daß gerade diejenigen, die die niederträchtigsten und schmutzig- sten Mittel anwenden, sehr fch l übt abschneiden.(Sehr richtig!) Ich glaube also in der Tat, daß der�passus ganz gerecht ist, und daß die Befürchtungen, die dagegen erhoben werden, nicht zutreffen. Ich habe weiter zu erklären, daß wir es als selbstverständlich erachten, daß, bevor die Entscheidung in den einzelnen Wahlkreisen getroffen wird, man sich mit den Bezirks- und Landcsorganisatioucn und den Partcivorstand in Verbindung zu setzen hat, und daß der Parteivorstand auch in diesem Falle als eine Art Zcntralinstanz für ganz Deutschland besteht. Nun möchte ich selbst eine kleine Slendcrung an der Resolution vorschlagen. Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, daß es sich unter llinständen bei der Frage in Passus 5 der Resolution auch um neue Zölle handeln kann, und daß besonders der Milchzoll in Frage kommt. Deshalb schlage ich vor, den PassuS 5 folgendermaßen zu fassen:„gegen jede Erhöhung oder Neueinfüh- rung von Zöllen auf die Verbrauch sartikel der großen Mass e". Damit ist diese Lücke ausgefüllt. Tie Genossen in Dortmund haben nun beantragt, daß am Tage der Wahl die Arbeit ruhen soll. Ich bitte Sie im Namen des Parteivorstandes, diesem Antrag nicht zuzustimmen... Wir sind mit dem Inhalt vollständig einverstanden. Aber wenn wir einen derartigen Beschluß fassen, dann besteht die große Gefahr, daß der Glaube erweckt wird, die Genossen müßten die Arbeit ruhen lassen. Dadurch können Konflikte mit den Arbeitgebern hervor- gerufen werden und Ungelegenheiten aller Art entstehen, die wir in diesem Fall vermeiden möchten. Wo man glaubt, die Arbeit ruhen lassen zu können, mag eS geschehen. Aber wir raten davon ab, einen derartigen Beschluß zu fassen. Gegen den Antrag Bernstein habe ich durchaus nichts einzuwenden. Nach der Begründung halte ich es für sehr nützlich, wenn eine derartige Broschüre zur Aufklärung der Beziehungen Deutschlands zu England geschrieben wird."Es wird ja möglich sein, eine solche herstellen zu lassen. Nun eine Bemerkung gegen die ,.W eimarische Zeitung" (daS amtliche Nachrichtenblatt für das Großherzogtum). Sie bringt einen Artikel„Der Lebensnerv des deutschen Volkes" vom heutigen Tage, dem 15. September. Da ist als Motto angegeben:„Wir fordern die Beseitigung der Zölle, weil wir dem Deutschen Reiche den Lebensnerv abschneiden wollen. A u g u st B e b e l aus dem Parteitag in Jena 1911." Das Lügen, das sängt bereits sehr frühzeitig an, und das Fälschen und das Verleumden.(Lebhafte Zustimmung.) Das ist eine ganz gemeine Fälschung»nd Verdrehung meiner Worte. Das ist eine doppelte Schande, wenn das Blatt sich ein Amtsblatt nennt und sich zu einer solchen Fälschung herbeiläßt.(Lebhafte Zustim- mung.) Ich habe gesagt, daß die Agrarzölle nicht aufrechterhalten werden können, daß sie nicht auf einmal, sondern nacheinander fallen müssen, und daß sie nach unserer Auffassung gleich fallen sollten. Geschieht das, so kommt allerdings das Reich insofern in Verlegenheit, als bisher sinne Haupteinnahmequelle die Zölle waren. Ta mutz es für andere Einnahmequellen sorgen, da muß es nach direkten Steuern gehen. Es ist eine Schmach und Schande sür den betreffenden Herrn, in solcher Weise zu bc- richten.(Lebhafte Zustimmung.) Klnpsch-Doctmund zieht den Antrag Dortmund zurück. �Schluß in der 2. Beilage.). «. Einladung Wahlversammlung am Montag, den(25. September er, im Restaurant Wilhelmsgarten, Tempelhof, Berliner Sir 9. Gemäß§ 49 des Statuts ist eine Neuwahl sämtlicher Delegierten er- forderlich. Zu wählen find t 28 Vertreter der Arbeitgeber 57„ der Kassenmitglieder und 30 Ersatzmänner. Die Wahl der Kassenmitglieder findet von 5'lt bis 7V, Uhr abends, die der Arbeitgeber von 8'/, bis ö Uhr abends statt, 278/13 Die Wahlen sind geheim und werden durch Stimmzettel vor genommen. Wahlberechtigt und wähl bar sind nur diejenigen Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber, welche großjährig und im Besitz der bürgcr- lichcii Ehrenrechte sind. Für die Kassenmitglieder genügt zur Lcgiti- mation das Ouittungsbuch oder Karte, Tempelhos. 15, September 1911. ve,- Voi>«tand der Allgemeinen Orts-Krankenkasse für Tempelhof. ?!-1,: Jacob Flieg, t. Vorsitzender, Ich suche zu lausen oder zu lauschen einzelne Jahrgänge oder vollständige Reihen des„Vorwärts� und bitte um schriftliche Offerte. !(gsl W. Hiersemann, Buchhandlung und Antiquariat, I-vip-iS, Li). Greift zu! Jed. Herrn, der sich eleg. u. bill. kleiden will, empfehle eleg. Monatsgarderobe in feinsten Werkstatt. Berlins gearb., von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(fürjed. Kig. pass.) 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Reich-Hamburg schlägt>r, die Referate Bebels in Broschüren, form herauszugeben. Bebel: Ich bitte Sie, den mtrag abzulehnen. Die Vorträge kommen in aussiihrlicherWeise ins Protokoll. Dann bekommen wir auch für die Wahlen ine so ungeheure Maffe an Material, daß ich gar nicht weiß, wic-ie Parteigenossen, die mit der Agitation betraut sind, das alles len und verdauen sollen. Außerdem ist der �deengang meiner Re'rate für die Partei nichts Neues. Ein besonderer Druck erschett mir nicht notwendig. Der Antrag R e i7 wird abgelehnt. Damit ist dieser lUnlt der Tagesordnung erledigt. Bell(zur Geschäftsordnung): Es schwirren hid auf dem Parteitag allerlei Gerüchte. Es ist mir von verschiedene Seiten die Mitteilung zugegangen, daß e i n Teil de r Jena» Studentenschaft, der hier in Jena an- wesend ist, den Ge�nken erörtert hat, ob er nicht in irgend einer Form heute nachnttag das Marttfest stören könnte.(Leb- hafte Rufe der Errüstung.) Ich halte natürlich diese Gerüchte für einen Unsinn. Ich bin der Meinung, daß diese Studenten, die doch den bcsitzendn und gebildeten Klassen angehören, selbst bereits durch ihre Erzi«ung ein solches Matz von Bildung genossen haben müssen, daß si sich schämen müßten, eine derartige Pro- bokatton hcrvrzurufen.(Stürmische Zurufe.) Aber wenn es dennoch wahr>n sollte, lvas ich nicht für möglich halte, sollte in der Tat ein solche Versuch gemacht werden, uns in unserem Vergnügen zu stören, nadann lassen wir mit uns reden.(Heiterkeit.) Dann kann ich denSerren ankündigen, sie möchten sehr vorsichtig sein und ihren Bücke' entsprechend wattieren.(Stürmische Heiterkeit.) Vorsitzender Leber: Das.vmitee hat gestern abend erfahren, daß die hier an- wesenden ttudenten und auch die, die in der Nähe wohnen, gestern abend imWcimarischen Hofe eine Sitzung abgehalten haben, um zu bsaten. wie sie unser Fest stören können.(Lebhafte Pfui- rufe.) Br haben sofort Maßnahmen getroffen. Es ist mir mit- geteilt»orden. daß die Herren schon einen Umzug arrangiert haben. Vir lassen uns aber nicht stören, wir werden so handeln. Wie es wtwendig ist.(Lebhafter Beifall.) Es werden jetzt «Sonstige Anträge'"') berate. * 2(5. Bremen: Der Parteitag möge beschließen: Der ZentolbildungSauSschuß wird aus Delegierten der Provinzial-, Distlkts- oder lokalen Bildungsausschüsse zusammengesetzt. 1. Parteitag Sachs en-Altenburg: Der Parteitag woll beschließen, in Zukunft soll bei Unglücksfällen usw., bei denen allgmeine Sammlungen vorgenommen werden, die Partei selbst Sarmlungen vornehmen, um nicht wieder, wie in Radbod, die Grschen der bürgerlichen Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. 52. Niederbarnim: In Erwägung, daß bisher die für dt, Gewerkschaften reservierten Sitze der Parteischule nicht voll alLgcnutzt wurden, wird der Partcivorstand beauftragt: Um eine rckle Besetzung der Schule zu erzielen, in Zukunft etwa frciblci- »«»de Sitze anderweitig besetze» zu lassen, wenn sechs Wochen vor Eröffnung des Kursus die volle Schülcrzahl nicht angemeldet ist. 53. Berlin IV: Der Parteitag ruft den Parteigenossen er- ,eut und auf das dringendste den Beschluß des Leipziger Partei- tages in Erinnerung, wonach die organisierten Arbeiter aufge- wrdert wcöder, den Schnapsgcnuß zu unterlassen. 54. Stuttgart: Der Parteitag möge den Parteivorstand teauftragen, dafür zu sorgen, daß künstig in der Partcipresse SchnapSinse«te nicht mehr aufgenommen werden. 55. Biemen: Ter Soz. Verein Bremen bedauert, daß der Parteivorstend es nicht für nötig gehalten hat, in eine allgemeine Aktion gegln den Marokkorummcl einzutreten. Die Versammlung ersucht den Parteitag, dafür Sorge zu tragen, daß der Partei- vorstand ir Zukunft solche wichtige, die ganze zivilisierte Welt in Aufreguns setzende Fragen nicht so gleichgültig behandelt. 56. Verbandsgeneralversammlung Groß- Berlin Resolution:„Die Verhandlungen über die Ge- uossenschcftsfrage und die einstimmige Annahme des Antrages über das GirosscnschaftSwesen auf dem Magdeburger Parteitag haben endlich die langersehnte Regelung des Verhältnisses zwischen Partei Glasmalerei. (Zur Ausstellung bei Keller u. Reiner.*) ES wäre falsch, anzunehmen, daß es sich um eine Malerei kjatfele, die mit dem Pinsel auf einer Glasscheibe geschieht. Es wäe richtiger, von GlaSniosaik zu sprechen: aber ganz richtig wäre dal auch nicht. Denn für einige Prozesse des technischen Ber- fairenS wird der Pinsel notwendig. Man könnte von einer Glas- bidkunst reden; doch hat auch das seine Bedenken, dicweil der minale Sprachgebrauch bei dem Worte„Bild" mehr an etwas Per- ßektivisches als an das Ornamentale denkt. Die Glasmalerei, »enitzslens zurzeit die moderne, will aber keineswegs Natur- pirklichkeit illusionieren. Sie will sich in den Dienst der einen llaum umfassenden Fläche stellen; sie will der Wand eine Bereiche- :nng sein. Eine Glasmalerei, die in der Fensterrahmung irgend :incs Saales sitzt, will nicht den Blick nach außen schweifen lassen, sie will, ihn im Gegenteil arretieren, daß er an dem bunten Fenster anpralle und es als ein besonders wertvolles Stück Raum- begrenzung empfinde. Somit scheint es zutreffend, das Glasb'ld den architektonischen Elementen zu gesellen, den Mitteln, die der Architekt für seine Rechnung braucht, lind dies um so mehr, als V der Tat die Herstellung solch eines Glasbildes eine Art von Architektur ist: eS wird aus einzelnen Glasstücken aufgebaut. Wenigstens war daS die Technik zu allen guten Zeiten; auch heute is sie cS wieder. Wobr freilich zu beachten bleibt, daß solchen, Dosaik meist eine Bereicherung wurde, nicht zum wenigsten durch Ui Pinsel. Man sieht: die Sache scheint ein wenig verworren. Fn Grunde aber ist sie doch ganz einfach und llar; nur die jßoabcl— Glasmalerei, Glasbildkunst, GlaSniosaik, Blciverglasung —schafft hier und da Mißverständnisse. Ter ärgste dieser Irrtümer jpcr jenes populär- Monstrum, das man für 50 Pf. kaufen und oif eine Scheibe billigsten Glases klebe» tonnte; die Diaphanie. Vit diesen bunt bedruckten Papieren ließ sich alles erreichen, ganze Ldlgcinäld«, selbst die Bleistreifen, die sonst den einzelnen Gläsern dn Zusammenhalt geben, waren mit Leichtigkeit zu imitieren. Sun, jedem verständigen Manschen mußte es lächerlich erscheinen, ün Stück gemeinen ElaseS durch das Auspappen einer Oblate in iltoaS wandeln zu wollen, was zu den schönsten Schätzen alter Sauwerke gehört. AlK die Zeit der Erkenntnis kam, als man Technik und Material wieder zu ehren begann, verfiel die geflei- siertc Butzenscheibe der Komik.(Falls Sie solch kleines Scheusal ,ock, irgendwo vor den Fenstern hängend oder in der Tür eines Ecl, rankes montiert haben, waschen Sie es ab. oder legen Sie cS in )ic Kommode!) •) Für Sonntag, den 17. September, von 9—1! Uhr, wurde der Eintritt auf 25 Pf. ermäßigt. Um 16 Uhr beginnt eine Führung ,nter sachverständiger Leitung. Die Anträge 26, 51 und 67 werden nicht genügend unterstützt. De» Antrag 52 begründet Diiwcll-Berlin: Die Gewerkschaften haben von ihrem Rechte, die Plätze der Parteischule zu besetzen, nicht genügend Gebrauch ge- macht. Es ist vorgekommen, daß die Hälfte der Plätze nicht ge- nügcnd besetzt waren. Heinrich Schulz: Im Einverständnis mit dem Parteivorstand bitte ich, den Antrag dem Parteivorstand zu überweisen. Es ist nich: richtig, daß die Hälfte der Plätze leer geblieben ist; freilich sind nicht alle besetzt worden. Der Antrag wird dem Parteivorstand überwiesen. Den Antrag 53 begründet Kupferschmidt-Bcrlin: Unser Antrag will den Leipziger Schnapsboytottbeschluß bekräftigen. Gerade bei den Rcichstagswahlen ist es angebracht, den Schnapsboykott erneut durchzuführen, denn Leute, die Schnaps trinken, die folgen nicht uns, sondern den Gegnern. Und unsere Gegner verwenden, namentlich im Osten, den Schnaps nicht selten zur Wahlbestechuug. Der Antrag wird angenommen. Zum Antrage 54 führt Molkenbnhr aus: Es ist schon öfter gewünscht worden, daß die Partciblätter bestimmte Inserate nicht aufnehmen sollen. Aber aus einem Parteitag kann man das nicht beschließen. Was soll denn als Schnapsinserat gelten? Da sind die großen Warenhaus- anzeigen, die eine große Einnahme der Parteipresse bilden, und wo neben Wäsche, Teppichen, Gemüse usw. auch mal Rum oder Cognac verzeichnet steht. Was soll man da machen? Oder ein Parteigenosse macht bekannt, daß er eine Wirtschaft übernommen hat. Ist das ein Schnapsinserat, weil er doch in seiner Wirt- schaft auch Schnaps verkauft? Die Preßkommifsioncn in den ein- zclncn Orten können Bestimmungen treffen, aber mit einem Parteitagsbefchlutz ist da nichrs zu machen.(Zustimmung.) Der Antrag wird abgelehnt. Zur Resolution 56 spricht Gühre: Der Inhalt der Resolution weist deutlich auf das Problem hin, das gegenwärtig das wichtigste in der Genossen- schaftsbewegung ist. Keiner von uns wird das Ansinnen stellen, daß die GenossenschaftsbewcAiing Partcipolitik treiben soll, auch nicht in dem Sinne, daß der Sozialdemokratie wirtschaftliche Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen. Das ist bei uns auch nicht nötig, denn die Partei bringt genug aus eigener Kraft ans. Wir meinen aber, daß ein gutes nachbarliches Verhältnis zwischen den Genossenschaften und der übrigen Arbeiterbewegung bestehen muß, ein Verhältnis brüderlicher Fühlungnahme in allerlei gemein- samcn Fragen. Als exaktes Beispiel haben wir ja das Verhalten von Partei und Gewerkschaft. So, wie aber in Hamburg die Neutralität uns gegenüber aufgefaßt wird, ist es ein osten- tativeS deutliches Abrücken von der sozial- demokratischen Bewegung bei jeder gebotenen Gelegen- heil(Zustimmung und Widerspruch) und ein ebenso o st e n- und Konsumgenossenschaften gebracht. Klar und scharf wurde her vorgehoben, daß die Arbeiter die Hauptträger der Konsumgenossen schaftsbewegung sind und daß diese bemüht sein müssen, diese Be- wegung mit sozialistischem Geiste zu erfüllen, damit auch die Konsumvereine als Waffen im proletarischen Emanzipations- kämpfe Anwendung finden können. Das setzt aber auch voraus, daß die leitenden Männer der Konsumgenossenschaftsbcwegung dieser energischen Willenskund- gebung der imposanten Masse politisch organisierter Arbeiter und Arbeiterinnen nicht entgegenarbeiten und diesen Willen durch so widerliche Zerrbilder von Neutralität, wie sie der Generalsekretär des Zentralverbandcs deutscher Konsumvereine Heinrich Kaufs- mann gezeichnet hat, geradezu verlohnen. Die Tatsache, daß die Aeußtrungcn KauffmannS bisher in der„KonsumgenossenschafV lichen Rundschau" unwidersprochen blieben, spricht dafür, daß der Gencralseeretär in führenden Kreisen nicht isoliert dasteht. Der Parteitag wendet sich mit aller Schärfe gegen diesen Neu tralitätsfanatismus und erhebt energischen Widerspruch. Er spricht aber auch gleichzeitig aus, daß eine Wiederholung solcher Aeuße� rungen nur dann ausbleiben kann, wenn durch massenhaften Ein tritt der Genogen und Genossinnen in die Konsumvereine und rege Anteilnahme an der Bewegung derselben die Möglichkeit ge- schaffen wird für die Ausbreitung sozialistischen Geistes in den Konsumvereinen. Nur dann können die tiefen Gegensätze zwischen Masse und Führer verschwinden und die auf dem Magdeburger Parteitag und dem Internationalen Kongreß in Kopenhagen ausgesprochenen Er Wartungen in Erfüllung gehen." 67. Düsseldorf: Um die Frauen zur intensiven Mitarbeit zu befähigen, wolle der Parteitag beschließen, daß seitens des Parteivorstandes Unterrichtskurse zu diesem Zwecke eingerichtet werden. Am Anfang, als die Kunst noch von den Mönchen betrieben wurde, war es so, daß farbige Gläser zurcchtacschnitten und durch Blcirutcn bildlich zusammengefaßt würben. Bald aber wollte man die Effekte mehren, man wollte das Rot des Glases an einigen Stellen dämpfen, an anderen ganz zu decken. Man lernte das Schwarzlot nutzen; Eiscnhammerschlag, der mit Wasser angerührt, mit dem Pinsel aufgetragen und dann em- gebrannt wurde. Damit ließ sich d'e Farbe dcS Glases nuancieren, auch dessen Durchsichtigkeit. Es ließen sich Falten, Gesichtszüge, die sogenannten inneren Konturen in die Farbfläche des Glases eintragen. Eine weitere Entdeckung kam hinzu: man beobachtete das Silber, wenn es als ein mit Wasser angerührtes Pulver auf das GlaS gestrichen und dann gebrannt wurde, sich dem Glas als ein schönes transparentes Gelv vereinte. Das nutzte man, ließ Sonnenstrahlen aufleuchten und Sterne funkeln. Zum dritten wurde das Ilcbcrsangglas erfunden. Das ist ein Glas, bei dem etwa über Blau ein Rot liegt; wenn das Rot an einigen Stellen fortgeschlisfcn oder geätzt wird, so kommt das darunter befindliche Blau zu seiner Geltung. Es war bequem und selbstverständlich, d'es Prinzip für die verschiedensten Farbmischungcn, für vielerlei Trübungen zu verwenden. DaS tat man bereits im späten Mittel alter, tat es mit noch größerem Erfolg in den Zeiten der Renais sance und das Barock. Die herrlichsten Stücke der alten GlaS- malerei arbeiten mit diesem dreifachen Mittel: des Schwarzlotes. des SilbcrgelbeS und des IlcberfaiigeS. Die moderne Technik will nicht? anderes. Nur muß man bedenken, daß die weiter fort geschrittene Fabrikat'on heute eine weit größere Auswahl an Ter� tigen Gläsern ans den Markt bringt: getrübte, milchige, schillernde. regenbogige, scheinbar flüssige. Mit solchem Reichtum wachsen die Mögüch.'eiien der Glasmalerei, ohne das Gesetz des Mosaiks zu gefäbrden. Von dem, waS heute in solchem Sinne geleistet werden kann, gibt die Ausstellung des Künstlerbundcs für Glasmalerei einen gründlichen Bescheid, auch einen«ehr farbigen und amüsanten. Es ist lustig, diese durchsichtigen Teppiche, diese leuchtenden Gobelins. dwse blumigen oder figürlichen Organisatonen aus sattem Blau. schmetterndem Gelb und brcuncirdcm Rot, diese flächigen Aufbauten aus Farbeninseln anzuschauen. Es ist interessant, zu sehen, wie mannigfach die einzelnen Persönlichkeiten ihre Art zum Ausdruck brmgen, ohne die Technik zu verletzen. Es läßt sich beobachten, daß manche Maler, denen der willige allzu willige Pinsel leicht eine Gefahr wird, in der Glasscheibe und der Blcirute fruchtbare Lehr- mc'ster erhalten. Das gilt besonders für unsere Jüngsten; die müssen sich bändigen und müssen ihren Glückseliglcitsrausch einer architektonischen Rechnung Untertan machen. Trotzdem wäre eS imturlich ganz falsch, zu sagen, daß zum Exempel Max Pcchstein erst im Glasbild zu sich selber kam. O nein, so kräftig und feurig auch seine Glasbilder sind, auf dem Papier und auf der Leinwand kommt seine Art doch unmittelbarer und leidenschaftlicher zum Ausdruck. R. Br. tatives Hinneigen zu bürgerlichen Anschau» un gen.(Widerspruch.) Das ist tatsächlich ein scharfer Gegen- satz zur Arbeiterbewegung.(Zuruf: Unsinn!) Wir müssen Mittel und Wege finden, um das zu ändern. Im Augenblick ist� durch die Einbringung der Resolution genug geschehen. Die Oeffentlickckeit ist auf den bestehenden Konflikt aufmerksam gemacht worden. Das genügt, ich ziehe daher die Resolution zurück. Englcr-Freiburg: Ich halte es für illoyal, daß hier eine solche Rede zpr Begründung der Resolution gehalten wird und daß dann die Resolution zurückgezogen wird.(Zustimmung.) Hch hätte es begrüßt, wenn man dem, was Göhre hier gesagt hat, in einer Debatte hätte entgegentreten können.(Zustimmung.) Vorsitzender Tiefe:. Da die Resolution zurückgezogen und nicht wieder aufgenommen ist, ist die Diskussion geschlossen. Den Antrag 68 begründet Müller-Düsseldorf: Wir halten es für notwendig, daß unsere Programmforderung, Trennung der Kirche von der Schule und Trennung der Kirche vom Staat schärfer als bisher propagiert wird, weil alle bürgerlichen Parteien mehr und mehr die Kirche in den Dien st ihrer Interessen stellen. Heinrich Schulz-Berlin: Die Tendenz des Antrages ist mir äußerst sympathisch, aber wir können ihn nicht ohne weiteres annehmen, sondern wir müssen ihn dem Parteivorstand über- weisen. Seine lleberweisung an den Parteivorstand würde er- neut eine Angelegenheit in Fluß bringen, die eigentlich noch nicht erledigt ist. Die von der Genossin Zetkin und mir dem Mann- heimer Parteitag vorgelegien Leitsätze über das Erziehungs- und Bildungswesen find bisher immer noch nichtjjffiziell von der Partei beraten und angenommen worden. Es wäre deshalb sehr zweck- mäßig, wenn diese Frage erneut auf die Tagesordnung eines Parteitages gesetzt würde. Dann könnte auch die von den Düffel- dorfer Genossen' gewünschte Aktion eingeleitet werden.(Sehr richtig!) Hierauf wird der Antrag 63 dem Parteivorstand überwiesen. Der Parteitag vertagt sich. Die Nachmitiagssihung fällt aus. Die Parteigenossen von Jena haben zu Ehren der Delegierten für den Nachmittag e i n M a r k t- f est vorbereitet. Vors. Tictz: Wir haben morgen noch zu erledigen den Antrag 73, den Antrag 80*). dann haben wir den Bericht der Be- sch Werdekommission und die Feststellung des Wahlergeb- nisses entgegenzunehmen und den Ort des nächsten Partei- tages zu bestimmen. Wenn alles nach Wunsch geht, dürften wir gegen 11 Uhr mit unseren Arbeiten fertig sein. Schluß 1 Uhr. Berichtigung. Im Bericht des dritten VerhandlungstageS, VormittagSfitzung, 13. September, ist folgender Irrtum unterlaufen: In der Impf- debatte muß der Redner hinter Sachse anstatt„Vullmer-Stuttgart" heißen:„W o l f-Döh l e n". *) 78. Der Parteitag anerkennt die Notwendigkeit, dem AuS» bau der Parteisekrctariate erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, ent» sprechend dem gesteigerten Leben der Partei und seinen vermehrten Anforderungen an diese Institute. Als Mittel zum Zweck erachtet er neben der materiellen Besserstellung der leitenden Sekretäre die gute technische Ausgestaltung der Sekretariate und die An- stellung weiterer Kräfte. In Bezirken, wo eS von Bedeutung ist, daß breite proletarische Frauenmasscn agitatorisch erfaßt und den Organisationen ihrer Klasse zugeführt werden, sollte außer dem leitenden Sekretär eine Sekretärin tütig sein.. Klara Zetkin und 26 Genossen. 80. Der Parteitag nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den neuen Attacken des eidbrüchigen Zarismus gegen das finnische Volk. Es brandmarkt die unier dem Vorwande strategischer Not- wendigkeiten begonnene Zerstückelung Finnlands als einen Akt unverbülltcr Vergewaltigung, durch den die russische Negierung ihre bisherigen Infamien gegen das finnische Volk noch über- trumpft. Der Parteitag spricht der tapferen finnischen Bruderpartei und dem gepeinigten finnischen Volke im Namen deS kämpfenden deutschen Proletariats seine herzlichen Sympathien aus und das Gelöbnis der Unterstützung in den schweren Kämpfen, die das finnische Volk, geführt von den« finnischen Proletariat, gemeinsam mit dem russischen Proletariat zur Niederwerfung des Zarismus durchzukämpfen hat. Liebknecht. Unterstützt durch: Fr. Wehlo. H. Hopfe. Mihadow. Otto Krug. Edwin Wolf. Anna Simon. Pens. Sidow. Hunschede. Rob. Schmidt. F. Fröhlich. A. Hintze. 28. Tams. H. Müller. Eugen Brückner. K. Paetzel. 21. Scholz. Adolf Hoffmann. M. Groger. Oskar Conen. kleines feuilleton In ber japanischen Holzinbusirie grassiert in denjenigen tech- nischen Werkstätten, in denen das sogenannte Tagayasan- bolz verarbeitet wird, die Slngenentzündung in mannigfaltiger Intensität, zugleich Hautentzündung mit schlvarz-bräunlicher Verfärbung entblößter Körperstellcn, wie am Gesicht, an der Brust und den Händen, die wie mit Schicßpulvcr bestreut aussehen. Die Schuld liegt an der Wirksamkeit einer pulverförmigen Substanz. die sich in den Spaltungen und Höhlungen des Tagayasanholzcö verfinget. Dieses Holz, das zur Herstellung eleganter Pfeiler und Möbel verwendet wird und wegen seiner Härte, Schwere, präch- tigen Maserung und sehr politurfähigen Schnittfläche sich großer Beliebtheit erfreut, kommt von China aus in den Handel; jedoch dürfte eS wohl in Ostindien heimisch sein. Früher teils den Gutti- peuHchsen zugezählt, teils als Palmenart angesehen, ist es jetzt in Wirklichkeit als eine Kassiaart der Leguminosen erkannt worden. Das schaveselgelbe. an der Luft lcberbrann bis schwärzlich-violett werdende geruchlose Pulver ist chemisch eng verwandt mit dem Thrhsarobin, das in der Medizin häufig zu Salben Verwendung findet. Dr. Jwakawa anS Tokio, der eine Reihe von Tier- versuchen und chemischen Untersuchungen mit diesem Tagayasan- Holzpulver anfüllte, wies nach, daß es ebenso wie es auf den Augen und der Haut Entzündungen hervorruft, auch innerlich fchtrere Störungen der?'icrcn und Vcrdauungsorgane zu bewirken imstande ist. Er fordert zum Schutze der Arbeiter dieses In- dustriezlvciges möglichste Vermeidung jeder Staubentwickclung und die Verwendung von Schutzbrillen und Handschuhen bei der Ver- arbcitung des Holzes in den einschlägigen Betrieben. Bielleicht ist daS Tagayasanholzpulvcr dazu berufen, statt des EhrysarobinS als Zusatz zu Salben gegen Hautkrankheiten Verwendung zu jinden. Notizen. — Das Damenhutverbot ist vossläufig außer Wirkung gesetzt— bis Herr v. Jagow von seinem Sommerurlaub heimgekchrc sein wird. � Der Zensur teufe l ist schon wieder wacker rm der Arbeit, kaum daß die Theatcrsa'son begonnen hat. Man verbiete: jetzt auch schon die Stücke, die in Berlin, Wien und anderen Orl v. bereits Hunderte von Aufführungen hinter sich baben. Dem San noverschcn und Münchcner Zensor hat es nämlich gefallen, cm einem satirischen LicbeSschwank:„Das Prinzchen" von Robert Misch sittlichen Slnstoß zu nehmen, nachdem er in Berlin 125-, in Wien iSSmal gegeben und belacht worden ijt. Theater und Vergnügungen Eonnabend. IS. Sept. 1911: Anfang 4 Uhr. Urania. Lebende fem. Tfaubeiistrafte 48/49. Tierbilder von nah und Anfang 3 Ubr. LustspiclhanS. Der Herr Zenator. Anfang 3'l, Uhr. Frtedr.- ZÄilh.- Schauspielhaus. Rumpelstilzchen. Ansang 7'/, Uhr. St. Opernhaus. Boheme. St. T6iausPiclhauS. Penthefilea. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Steues Sltiinlivielvans. Des MeercS und der Liebe Wellen Westen. Die Dame in Rot aMetravai. Die Nacht von verlin. Berliner P rater. Die junge Garde. Haverland. Spezialitäten. Ansang 8 Ubr. Urania. Daubenstraste 48/49. Roms Jubiläumsjahr und feine Ausstellung. Uammerspiele. Lanvlll. Lessuig. Glaube und Heimat. Neues Operetten. Die fchöne Helena. tili Berliner. Bummelstudenten. Uöntggriiher Strasze. Grete Wiesem thal. jtleincs. Der Leibgardist. Neues. Die Frau Grell. König OediPuS. UouiischeOper.Die keusche Susanne. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller. O. Der Probelandidal. Sch ltr,- Ekarlottriivuru. Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Kriedr.■ Willi. Schauspielhaus. Kabale und Liebe. Suftspielhaus. Die goldene Schüssel. Triano». Ihr Alibi. Luisen. Die Waise auS Lowood. Castuo. Der selige HollschinSktz. ApoUo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. ReichsbaNr». Stettiner Sänger. Königstadt-Kastno. Spezialitäten. Herr» selb. Da» Kind der Firma. Schmerzlose Behandlung. Anfang 8'/, Uhr. Roie. LassalleS Ende. Falles(Poprice. Die Meistert Inger von Dirnberg. Nr. 14. Walhalla. Teufel, das hat ewge, fchlagenl Ansang 8>/, Uhr. lvelle-Mliance. Di- Diebia. Intimes. Pariser Ehen. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. S7— S2. Satser-Panoraina. Schweiz— Tellsnge. Land- und- Lenti von Tonkin. � ■_ L. 1 �.............. Urania. Wissenschaftliches Theater- Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah u. fern. Abends 8 Uhr: Roms Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. lOCISCKER dAFITEN Großes Militär- Doppel-Konzert. Heute Große FestiieleueiitiiDg Eintritt 1 Hie.; Kmder unter 10 Jahren die Hälste. Lebüjer-fdeÄero.zh� Sonnabend, abends 8 Uhr: Der ErobehnmiHint. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des Tarttäff. ■ Sonnlag, abends 8 Uhr: l>ep Geizige. Hieraus: Oer eingebildete Kranfee.' Montag, abends 8 Ubr: Der Probekandldat Sehiller-f iieater dFabfÄen Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Geizige. Hierauf: Der eingebildete Kranke. Sonntag, nachin. 3 Uhr: Der Unnd der Jugend. Sonniag. abends 8 Uhr: Der Probekandidat. Montags abends 8 Uhr: Der Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Berliner Theater. Heule 8 Ubr: Summelstudenten. Werlo der Küßiggrätzer Straße 8 Uhr: Gastspiel Wiesenthal. Neues Theater. 8 Uhr. Gastspiel Hans! Niese: Die Frau Greil. Dazu: König OedipuS(Manege- drama) mit Hans! Niese als OedipuS. Theater des Westens. 7'l, Uhr: Die Dame in Not. Soniilng nachmiiiag 3'/« Uhr: Die geschiedene Frau._ FriedriGii-Wllhelinstädfisches Schauspieliiaus. Sonnabend, lö.Sepi., nachm. 3'/, Uhr: Erste Jugendvorstellung: Rumpelstilzchen. AbendS 8 Uhr: Kabale und Liebe. Resideuz-Theatcr. Anfang 3 Uhr. Letzte Spielzeii unter Direktion Richard Alexander. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Käroul u. Borrs. Für die deutsche Bühne bearb. v. Balten- Bäckers.— Morgen u. solgende Tage: Ein Walzer von Chopin. 0U-7HeAie Groste Franksurter Str. 132. Anfang 8'/, Uhr. I! Lassalles GndeLl Sonnt, nachm.: StaaiSanw.Merander. Huf der Gartenbühne die gr. Revue: En Uidt nur ein Oerlla. fi Belle-Allianee:TliealeF. 8'/, Uhr: Heimat. Sonnt. 3'/, Uhr: DerHüttenbesttzer. Lnisen-Theater. Heute 8 Uhr: Die Waise ans Fonioad. Ab 8 Uhr: Vollständig neues Programm. Scusationelle Novitäten u. a. Die Geschämige. Ein Dialog nach dem bekannten Bild von F. v. Neznicek.' Vera Forst: R. v. Balberg a. G. Heute zum ersten Male: Präzise>/z8 Uhr Grojze Jahrcsrcoue in 8 Bildern oon Jul. Freund. Musik oon B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. NiedeMs!roteo?.Kepii-!oGi. Mepd GWpielro. G. Tliielsclier. siktflr SorliErt. l m Else Kopier. Mailpe Lessiop. Gossjf Holl a.D. Lori Lern a. D. Lj Wioter Rauchen gestaltet. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Marletta Olly (Kleines Theater) Guido Herzfeld (Deutsches Theater) in ihrom Sketch „In einer Nacht!" Sorna Balogh d. Sänger m. d. doppelt. Kehle und das große Varietd-Progranim. |>ASSAGE ANOPTIKUM Das größte Sctiaaetablissemem des Kontinents. DS- IjCbend 9U der Mann mit der eisernen Zunge. 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Heute abend» 7'/, Uhr: Gala-Premiere: ahre aul dam Meeresgrüad.. Roch Motiven aüi■ 1001 Rocht, in 4 Bildern. Entwoifan und inszeniert oon.?tzin,»ijjiou�iat. Dikaitqr Albert 8chumznn. Einstudiert vom flönfal. Ballettineister Giovanni Pralesi Musik lompoincrl vom jrapellmcisl«: Ltwist van lZinleran. Die Gei'amIanSstattung der Tclorulioncn, Zlequiftlen uiw. ouS dem Atelier Georg Handrieh, Dresden. Ztoslüine von llogo Saruch �rtus-Uvk Perlederger Slr. 2S. Ltsndaler Llr. II Direktion: K»rl Pirnau. 0 Oeobi'cituctt auf der BiHne. Clown«Miisly mit seiner Tiellimille. M. W ieg'inanns beste Scillünsiier str Welt. Dsteoter— Spezfalitüien. iHHsEnFiPReäiirr Steltiner Sinjer Mcysel, Brlttoa, Seidel, Horst, ScstrStor Schubert Gröning A. v st. lewader. Mstng wochniagZ 8-Ihr. Sonnt qS 7 Ut. Eröffnung demnächst Ausstellung NOROLANO aaf dem enespreebend hergerichteten Platze KurfQr stendanxm 151 (früher Koll«chuhnabn S25 Polarbewohner bei Arb it. bport und Spiel. 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Uhr| afjds.: halbe Kassenpreise Koacks Theater. Direktion i Robert Olli. verltn N., Brunnenstrotze 18. Große Extra-Aorsiellung: Der Mann im Monde. Posie mit®e|. in 3 Slkt. u. Jacobion. Aniana S1/. Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Volksgarten-Tlieater. Säle für Vereine und Gewerkschaften noch einige Sonnabende frei bei kulanten Bedingungen. Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Ihr A l i b i. Unserem Freunde u. Genoffen_ Karl Brachmann« ju feinem heutigen Wiegen, feste ein dreifach donnerndes JK Hochl Hoch! Hochl � ä» Ois Seltiion oer Isubsiummen. w »»»S-SSSS- stT Dem Arbeiter Gustav Springer zu feinem zehnjährigen Ar. beitsjnbilänm beim Elekirizi- tätswerk„Südwest' in Schöne« berg ein dreifach donnerndes Hoch, dnh die ganze Haupt« stratze waaelt. Svlb Nun rate mal? iv >v li> \l/ « V Sl/ « q»'II?! uzpzui jvai goa, hilf»h g(z fsfilslisclief /lfbeilsliselmm iiil öiieiililiillöf »rirl v'vrrvsnato»' Itonntv. tzlottr Falzerinnen für längere Zeit und aushilfsweise werden sofort verlangt. Zu melden von 3—1 Uhr 0.. Rückerftr. 9, Aufgang Im(3 IV.'__ 6786 Srandenburgischer �voumzialverein für Trauenstimmreehi Montag, 18. September, abends 7 Uhr, im Restaurant Preuß, Mariendors, Kurfürftenstr. 44: Ovffeirtlickv Versammlung. Die Krankenkaffetiwahlen und die grauen. Reserentinnen: Frau Id. Lbobdolr, Frl. öS. loäsobagen.— Freie Aussprach«._ 6786 Männer und Frauen dringend eingeladen."MA ___ Ter Vorstand. I. A: Dr Or Olga Knlecbewellx. n Zahlstelle Grost-Bcrlin. Bureau: Engelufer IS. Geöffnet v. S—1 u. 4— 8 Uhr. Tel. Amt IV, 11443. ISeÄrks- Versammlungen Sonntag, den 17. September, vormittags 9 Uhr: gül Blankenfelde tm Lokal staab. Für Ober-Scilöuewelde bei Nabe, Wilhelminenhofstr. 47. Für zdler8!l0f b-i«aal. BiSmarckftr. 19.. Für kelnlckendorf bei �Vobirabnt,«ichbornftr. 18. lZi'Uppe der �nnslslelnardelter Bmbi'„uAt??. Für Rummelsburg bei Blume, Alt.Boxhagen 56. Für JObanniStlial bei Gobln, Roonstr. s.(Nachm. 4 Uhr.) Für ölederlebme bei I4«eb, Restaurant Jägersruh. i(NailiMittags 4 Uhr.) Mittwoch, den SO. September, abends 8 Uhr: Für Spandau b-t Buhle, Havclstr. SO. Für RildOrf bei Geller«, Steinmehstr. 93. Für Scliönliauser Vorstadt slrÄ?"�"' Ro*£n9a8tnfr Für Südost D. Süden bei GNcke.. Forster Str. 9. TonnerStag, den Sl. September, abends 8'/, Uhr: Für Norden(ei WcrnlcUc, Ackcrstr. 123. Für Hordwest bei Klrscbkowskl, Bcusselstr. 9. Für Osten bei Zlcts, Warschauer Straße 61. Für Charlottenburg im Tolk.han.e, Rosinenstr. 8. Für Tegel bei Kakle., Berliner Str. 92. Für veillensee bei Ganten«, Lrhderftr. 5. Für Scliöneberg und Ömgegend �"st""'®6cr#' Sonntag, den 24. September, vormittags O'/s Uhr: Für Köpenick im Stadttheater, Frtedrichftraße. Donnerstag, den 28. September, abends 8'/, Uhr: Gruppe der Schallplattenarbeifer 64/1 bei llaim, Rofeiithalcr Str. 57. Zablrcicher nnd pünkillchcr veluch. möglichst mil Frauen, wird er- wartrl. Die Teilnahme an den Versammlungen wird durch Slemvel- vermerk Im Mitgliedsbuch quittiert. Die Ortavemaltiine. Achtung!■• Achtung! Tie �Versammlung für den Bezirk Norden findet nickst, wie ans dem Laufzettel angegeben, bei Schoppa», ftolbergcr Str. 23, sondern Umstände halber bei Wernicke, Ackerstr. 12», statt. D. O. u. Fröhlich 30,7». Werkst Werkst Weselowsky 2,7S u. Heini 10,e!<>. Werkst, j sard u. Goldschmidt, Seö Für die streikenden Holzarbeiter Hamburgs gingen weiter folgende Beiträge ein: Tiichi. Bohrmann 8,—. Tifchl. Pusker 3,—. Tiichl. Manske, 3. Rate 10,65. Tiscbl. Solasfe 6,—. Tifchl. Ditlmar, Sechserkasse 40.—. Tifchl. Mann 4.60 üorbm. Heinemann. 3. Rale 7,16. Vcrgold. Viestädt 2.—. Modelllischl. Cyclop 5,50, Möbelfabr. Unrau Aachs. 8,30. Möbelfabr. I. C. Pfaff, Saal II 31,50. Schneidemühle Reichel 8,65. Tifchl. Geistler, auster Scibt 11,80. Tisch!. Nachfall 13,60. Branche der Rahmenmacher 161.20. Tischt Hauichiid 5,9Z. Tifchl. Horschke u. Görlich, 2. Rate 4,50. Tifchl. Vollnmr u. Hanke 16,70. Tischt Born 2,—. Stockfabr. Ludwig 25,—. Tischt Siebert 21.50. jlücheiimöoclsabr. Praufe 5,40. Tifchl. Wabock 2,50. Tischt Seifei u. Comp. 3. Rate 7,05. Tifchl. Zahn 22,—. Tifchl. Felzner u. Kosse 13,55. Tischt Hornig u. Comp., 2. Rate 10,05. Werkst. Psaff'.oth 8.20. Werkst. Eigner 5,—. Werkst Wusterbarlh 20,—. Werkst. John u. Bester 12,10. Werkst. Heede u. Krah 23,45. Werkst. Golz 8,—. erkst Hos u. Nikola 5,70. Werkst. Markgraf u. Tau 14,50. Werlsl. Schwarz Trebs 20,—. Werkst Nöstler, Sechierkaste 20,—. Slcllmach. Kliemt 14,—. Werkst. Zimmermann cllmer u. Bartsch, 2. Rate 15,—. Werkst. Wodl- serkasse 23,—. Werkst. Preistier 12,—. Werkst. Rosenau 4,—. Werlst. Aronsohn, Sechserkasse 15,00. Werkst Libock u. Biade 10,50. Werkst Fleischer 8,75. Werkst. Bormann u. Körting 10,—. Werkst Wegner 18,75. Werkst. Stern, Seliger u. Comp. 20,20. Werkst. Jurisch 15,—. Werkst. Zander 15.30. Werkst. Hartwig??achs. 11,—. Werkst. Mau- folf 6,35. Werkst. King 40,—. Vereinigle Werkst, für Kunst und Handwerk 14,80. Werlst. S'eroka 7,40. Werkst. GraSIe 3,90. Werkst. Langnick 8,—, Stellmach. Wienicke Nachj. 30,—. Werkst Bros ei u. Segnet 9,55. Werkst. Rotz 4,—. Comp. Werkst Schnabel, 3. Rate 9.20. Werkst Steinhaus 3.25. Werkst. Rahn 2,—. Werkst. Schoen 10,55. Werkst. Massra 20,—. Firma Klink Rachs. 28,85. Werkst Mieles u. Neumann 16,—. Werkst. Kuske 6,30. Werkst Ouebl, 2. Rate 6.50. Werkst Pelcrscn u. Comp. 5,80. Werkst. Rasp, 2. Rate 4.25. Werkst. Schuster u. Heuer 5.55. Werkst Berolina 14,15. Werkst. Miiufch u. Langisch 9,05. Werkst. Friedrich 10,—. Pol-Werkst King 15,— Werkst. Ball 3,—. Werkst. Maier u. Franz. 1. Rute 5,—. Werkst Reich u. Comp. 9,60, Werkst Werner 2,25. Werkst. Fürstenberg 16,70. Werkst. Kraule 12,80. Werkst. Grotzkusch 50,—. Lcistenfabr. Meier, 3. Rate 5,90. Tischt Röhle 13,80. Werkst. Heiin it. Gerken 30,—. Werkst. Starick 32,45. Werks!. Raetz 7,05. Werkst. Grotz 13,20. Modelllischl. Borsig 15,—. Modelllischl. C. A. Lucas 9,—. Werkst. Pfaff durch Bräuning 15.30. Werkst. König 11,60. Werkst. Pfaff durch RaScke 30,05. Werkst. Försterling 10,45. Werkst. Emmluih 13,10. Summa 1516,15 M. Bereits quittiert 2437,90 M. Summa 3354,05 M. 88/17 Tie Ortsverwaltung. Todes-Anzeigen VeM der Brauerei- und MilenartiEiter �.7� Zahlstelle Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 13. Hep- tember,. unfer Kollege, der HilfS- arbciler dulius Bussisn nach langer Krankheit verstor- ben ist. Ehre feinem Andenken! _®U Beerdigimg findet am Sonntag, den 17. September, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- hause, Eisenstr. 84, nach dem neuen Rixdorfer Kirchhof am Mariendorfer Weg statt. Rege Beteiligung erwartet 44/7_ Ter Vorstand. !s Sichere Merkmale guter reeller Bedienung liegen in der außerordentlich großen Haltbarkeit und den enorm billigen Preisen unserer Garderoben. Der Fortfall der großen Spesen ennögliobt es uns, njit ganz geringem Nutzen zu verkaufen. Es bieten sieb daher für alle Herren die ihren Bedarf im Verlelhhan* feiner Ilerren- JSoden. Leipziger Straße 60, am Spittelmarkt, decken, ganz besonders große Vorteile. Wir empfehlen nur kurze Zeit verlieben gewesene und wenig getragene Anzüge m. 9, 12, 16, 20 getragene Paletots m. 8, 10, 15, 18 Wir verleiben elegante neue Garderoben, die im Verkauf bis zu M. 100 kosten, auf Tage, Wochen und Monato zu niedrigen Preisen. Verleihbaus feiner Herren-Moden Berlin— Hamborg Leipziger Straüe 59 m Spittelmarkt Sonnabends bis 9 Uhr abends, Sonntags von 8—10 vorm. und 12—2 Uhr nachm. gebffnet Verband der Lederarbeiter. Filiale Berlin 1. Am Mittwoch, den 13. b. MtS., starb unser Mitglied, der Weiß- gerber Erasi Volkel im Alter von 54 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. September, vormittags>/,10 Uhr, von der Leichenhalle des Birchow-Kranken- bauses nach dem Sebastian-Kirch- hos, Reinickendorf, Humboldt- stratze statt. Um rege Beieiligung ersucht Der Borftand. 144/17 Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, datz mein lieber Mann. unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Putzer �uxust bäthge nach langen schweren Leiden am Donnerstag, den 14. d. MiS., vormittags 7 Uhr, sanft cnifchlafcn ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 17. September, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des ZionS-KirchhofeS in Nieder-Schönhaufen- Nordend aus statt.. �., 66322 Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, äs;„, 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4! Für die Hälfte der Orlginalprelse verkautt WESTMANN Mohren«(ra«ae H7a(naht Jarusalcmtr Straaaa) Or. Frau klarier Str. 1 1A(nahe Andreaeatraiaa) einen �rosseo Teil hoohapaptep Modelle AofanKend tod 15 18 23 29 36. 48.«2.77.95 124bi«?50 f»j. 80 Sü« 6b Ii, te, II,. 154 tdu. 248 M. 1M0 Plüschmäntel Kostüme echi eogitscb. blau Karnmfcarn. 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Zu dieser Versammlung find alle Mitglieder, Kaufleute, Zwilchen. «eistcr ulw. etngeladcn.— Wegen der Wichtigkeit dieser Angelegenheit er« »artet recht zahlreichen Besuch vi« Ortavcrwaltung. ei nigun�S" Anstalt I. Etage. Ecke August- Straße. Robert Schmidt ROSOilHlRlSf Stfi 9 Wir kaufen gelrageiieBerren-Garderoben�enn dieselben gut erhalten sind. Wir reinigen getragene Herren-Garderoben, s° dieselben wie neu werden Wir verkaufen getragene Herren-Garderoben 60 Anzüge u. Paletots rw 6.-, 9.-, 12.-, 16.- m. Wir»erkaufen gereinigle Herren-Garderoben 60 AnzügeVPaletots% 10.-, 14.-, 18.-, 22.- m. Wir lernen billig sein, da'wir keine teure Ladenmlcte zahlen. Bitte überzeugen Sie eich.— Kein Kaufzwang.— Zuvorkommende Bedienung. Todes-Anzelee. Am 11. d M. verstarb plötzlich und unerwartet mein innig- eliebicr Mann, unser unvergetz- rcher Sohn, Bruder.- Schwager und Onkel Otto EJethke. Im Namen der traiternden Hinterbliebenen- Hedwig Bethke geb. Leist. Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend, den 16. September, nachmittags 6 Uhr, auf dem Sophien- Kirchhofe, Freienwaldcr Stratze b76b Sozialdemokratiseiier Verein im 5. Kerl. Reidistagswaüreise. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unfer Genosse Ott« Ikvtlttkv (5. Abteilung) gestorben ist. 223/13 Ehr« seinem Andenke« I Die Beerdigung findet heule Sonnabend, nachmittag? 6 Uhr. von der Leichenhalle de? Sophien« Kirchhofes, Freienwaldcr Stratze (Gefundbrunnen) aus statt. Ter Borftand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, f datz unser Kollege, der Haus- f diener 70/20 Otto Bethke am IL d. MtS. im Mer von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. d. MS.. nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle deS Sophien> Kirch- Hofes, Frei enwalder Stratze, aus statt. Um rege Betestigung ersucht Tie BezirkSverwaltung. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Berwaltungsftellr Berlin. Todea-Annolge. Den Kollegen zur Nachricht, datz unfer Mitglied, der Gürtler August Schröder am 12. September an Nervenleiden gestorben ist. Ehre-scinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den tS. September, nachmittags 4'/, Uhr, von bei Leichenhalle des Neuen Jakobi- Kirchhofes in Rixdortz Hermann- stratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/3 Tie OrtSverwaltnvo. Am 13. September verschied nach langem Leiden unser hoch- verehrtes Vorstandsmitglied, Herr Hugo Deutsch, welcher mit warmem Herzen und scharfem Verstände tn unermüd- lichem Eifer für die Jntereffen unsere« Verein» tätta war und fich als Kurator de? Männerafhls unauslöschliche Verdienste um die Aermsten der Armen erworden hat. Sein Andenken wird bei uns fortleben. 57gb Berlin, den 15. September 1911 vor Vorstand und Verwaltungsrat de* Berliner Asvl• Verein* für Obdachlose. StraaBledcrn. Eine Dame oder ein Herr, der vollständig bewandert ist in der Fa- brikation von Slrantzfedern, sowohl Zusammenfetzen wie auch Reinigen und Färben versteht, kann sofort lohnende Anstellung in Dänemark bekommen. 272/1 Jetm Andronaen, H o r s e u a(Dänemark), _ Fugbolm 11. Orts-Krankenkasse der Kiirschntrn.vtrwniidttll Gewerbe zu Keriin. Bekanntmachung. Mittwoch, L». Ieptcmver 1911. abends von 7st,— 8 Uhr, in den„Mufiker-T/tlen-, Kaiser» Wilhelm-2tr. IKm: Wahiversammiung der großjährigen Kasten- Mit« glieder. welche im Befiß der bürgerliche» Ehrenrechte sind. TageSordnu n g: Ersatzwahl von acht Delegierten. TonnerStag. Sl.September 1911, abendS von 8>i,— 9 Uhr, im Reftanr. Kuhn. Linienftr. 8: Wahiverfammtnng der Arbeitgeber, welche Beiiräae aus eigenen Mitteln zur Kaste zahle». 278/12 Tage?-Ordnung: Erfatzwabl von zwei Deleaierten. Bon Vorstand. 6. Fritze, Borfitzender. RSS W Leipzigersir. 50 a am Dönhoffsplatz K. 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Er ruft den Kongreß auf,<Ä>lidarität zu üben und aus allen Ländern den Zuzug fernzuhalten. G i r b i g gibt sodann den Bericht des Sekretärs. Aus dem Bericht geht hervor, daß das Sekretariat die ihm vom Kongreß in Paris aufgetragenen Arbeiten nach besten Kräften geleistet hat. Redner geht kurz auf alle Fragen ein, die zur Tis- kussion gestanden haben. Er bedauert, daß die einzelnen Organisa- tioncn am internationalen Mitteilungsblatt nicht so mitgearbeitet haben, wie es notwendig ist, und spricht die Hoffnung aus, daß dies in Zukunft besser werden soll; er wünscht, daß größere Mittel bereitgestellt werden, um das Blatt besser ausgestalten zu können. Hamann gibt sodann den Kassenbericht. In der Diskussion sprechen D e l r a n t- Frankreich, Horn- Deutschland, I ö n s o n- Schweden und H ä ck e l- Oesterreich. Letzterer führt dem Kongreß die Schwierigkeiten vor Augen, die durch die Spaltung der Organisationen durch die Separatisten entstanden sind. Er spricht die Hoffnung aus, daß alle Delegierten daraus erkennen, wie notwendig eine internationale Einigung aller Arbeiter ist. E i ch f e l d- Ungarn bringt Beschwerden über die Schikanen der Behörden, welche einem Zusammenschluß der Ar- bciter sehr hinderlich sind, zur Sprache. Zur Diskussion spricht noch Baart- Holland, worauf G i r b i g das Schlußwort erhält. Die Donnerstagsitzung begann mit der Verhandlung des zweiten Punktes der Tagesordnung: Regelung der Arbeitszeit. Aus den Ausführungen deS deutschen Redners geht hervor, daß es mit der Arbeitszeit der Glasarbeiter auch in Deutschland noch keineswegs zum besten bestellt ist. Vor allem ist die Sonntagsruhe noch sehr mangelhaft; die Glasarbeiter müssen noch darum kämpfen, die volle Sonntagsruhe für die am Ofen beschäftigten Arbeiter zu erreichen. Die vorgeschriebene Ruhepause der Hilfs- arbcitcr an den Glasöfen wird so gehandhabt, daß, wenn der eine Arbeiter seine gesetzliche lMstündige Ruhepause hat, ein anderer Arbcitcr dafür 24 Stunden ununterbrochen arbeiten muß. Aehnliche Verhältnisse werden aus Oesterreich gemeldet. D e l r a n t- Frankreich berichtet, daß die Arbeitszeit in Frank- reich in den Wcißglasfabriken IV Stunden dauert. Die Fabri- kanten wehren sich gegen eine Verkürzung mit dem Hinweis darauf, daß die deutsche Konkurrenz, gestützt auf niedere Löhne, dies un- möglich mache. R o w e- Amerika macht interessante Ausführungen über die dortigen Verhältnisse. Die in Amerika gezahlten Löhne sind be- deutend höher als in Europa. Die Arbeitszeit beträgt zirka 8H Stunden in Tag- und Nachtschicht. Die Fabriken sind gut ein- gerichtet, so daß nach Meinung des Delegierten die amerikanischen Glasarbeiter die besten Verhältnisse der ilMt haben. Die Industrie leidet jedoch unter dem enormen Transport von Glaswaren. Des- halb ist es auch schwierig, neue Lohnerhöhungen durchzuführen. Für die tropischen Länder sei die Abschaffung der Nachtarbeit nicht empfehlenswert, weil es dort in der Nacht kuhler sei und die Glas- arbeitcr dann nicht so unter der Hitze leiden._ Girbig wünscht, daß Rowe seine Darstellungen über die Löhne und Arbeitszeit in Amerika schriftlich niederlege, um sie auf diese Weise den Unternehmern und Arbeitern in Europa erschöpfend darstellen zu können. H o r n- Deutschland weist darauf hin, daß auch Amerika sehr viel Glas nach dem Kontinent sende. Er erklärt, daß so gut wie in Holland die Gesetzgebung jetzt durch Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche unter 12 Jahren die Glasindustrie zwingen wird, die Nachtarbeit zu beseitigen, dies auch in anderen Ländern möglich ist. Er fordert die amerikanischen Delegierten auf, im Interesse der Kultur für die tunlichste Beschränkung der Nachtarbeit einzu- treten. Girbig weist darauf hin, daß Rowe unbedingt für Abschaffung der Nachtarbeit eintreten müsse, weil, wenn die Nacht- arbeit in Europa nicht beseitigt werden könne, sondern vielleicht noch mehr ausgedehnt würde, die amerikanische Industrie noch mehr unter der europäischen Konkurrenz leiden würde. Wenn die amerikanische Organisation uns beistehen will, so muß sie auch unseren Standpunkt teilen. Rowe gibt die Erklärung ab, daß, wenn den kontinentalen Staaten die Beseitigung der Nachtarbeit die Hauptsache ist, die Amerikaner sie in diesem Kampfe unterstützen werden. D e l r a n t- Frankreich hält den Standpunkt des englischen Delegierten für reaktionär; auch für England besteht die Möglich- keit, durch technische Einrichtungen die Nachtarbeit zu beseitigen. Die Resolution, die den Achtstundentag und die Be- schränkung der Nachtarbeit fordert, wurde mit allen Stimmen gegen die des englischen Delegierten zum Beschluß erhoben. Bus Industrie und RandeL Amerikanisch« Wirtschaftskrise in Aussicht. Im„Peuple" gibt Leon Brabant in einem Briefe aus Montreal beachtenswerte Angaben über den Niedergang der Ge- schäfte in den Vereinigten Staaten. Vor kurzem wurde berichtet, daß die Gewerkschaften des Staates New Dork zu Ende März d. I. 18,8 Proz. arbeitslose Mitglieder zählten gegenüber 13,4 Proz. zur gleichen Zeit des Vorjahres. Brabant gibt eine Reihe ähnlich schwerwiegender Tatsachen aus den verschiedensten Teilen des ge- waltigen Reiches. Als„Thermometer" des allgemeinen Geschäfts- ganges führt er die Ergebnisse des Transport geschäfts an. Nach dem„Bulletin" des Reichs-Handelsamts wurden auf den großen Seen im I u n i 10 347 000 P.-Tonnen(zu S07 Kilogramm) befördert gegen 136V3SVV P.-Tonnen im Jahre 1910. Der Rück- gang entfällt hauptsächlich auf Eisenerze(4,604 gegen 7,068 Millionen P.-Tonnen) und Fettkohle(2,232 gegen 2,807 Millionen), während Hartkohlen eine Zunahme um 97 000 aufweisen. Bauholz wurde um 11 Proz. weniger als 1910 befördert. Der Schiffs- oerkehr auf den großen Seen umfaßte 10 198 Schiffe mit 13,610 M-llionen P.-Tonnen Ladefähigkeit gegen 10 384 mit 15,974 Mill. im Vorjahre. Aehnlich bei den Eisenbahnen. So hat die Northern Pacific in dem Ende Juni endenden Geschäftsjahr 6 258 000 Dollar weniger Betriebsausgaben gehabt als im vorhergehenden, und weitere Einschränkungen sind angekündigt/ Natürlich besteht auch hier das„Sparen" zuerst in der Entlassung von Arbeitern oder Verkürzung der Arbeitszeit und des Lohnes. Auch von der Industrie kommen aus einer ganzen Reihe wichtiger Gebiete trübe Nachrichten. In Buffalo am Erie-See zählt man tausende Arbeitslose. Die gelernten Arbeiter suchen Tagclöhnerarbeit. In E l e v e l a n d, der Rockefeller-Stadt am selben See, wird nur 2 bis 3 Tage in der Woche oder 5 bis 6 Stunden am Tage gearbeitet. In Philadelphia wurden eine Anzahl Hochöfen ausgelöscht, der Betrieb der übrigen auf etwa 60 Proz. beschränkt. Aehnlich in Cincinnati mit seiner umfassenden Maschinen-, Fahrzeug- und Schuhindustrie. In Pittsburg, dem Hauptsitz des Stahltrustes, wirkt die Krise von 1907 noch immer nach. Die Pressed Steel dar Company hat ihre Stahlwaggonfabrik 1909 wieder geöffnet, beschäftigt aber statt in jedem einzelnen ihrer Werke 12 000, wie früher, im ganzen nur 6000 Mann. Und der gewaltige Stahltrust selbst mit seinem Kapital von einer Milliarde Dollar, der dort 30 große Werke be- sitzt, produziert nur 60 Proz. der normalen Menge. Preise und Löhne sind herabgesetzt. Im ganzen ist die Stahlproduktion dieses Hauptgebietes auf etwa die Hälfte reduziert. In Detroit (Mich.) mit großer Auto- und Ofenindustrie feiern viele Ar- beiter. Auf dem städtischen Arbeitsamt meldeten sich jüngst 1100 gelernte Arbeiter zu jeder beliebigen Arbeit. Die den Sommer über beschäftigten Arbcitcr verdienten nicht mehr al§_ 8 Dollar die Woche. Die meisten Betriebe stellen Arbeiter vorübergehend ein, um sie dann wieder bis zum Eintreffen neuer Aufträge zu entlassen. Die Fabrikanten von Unterwäsche im Staate New D o r k, die täglich 12 000 Dutzend zu erzeugen pflegen, haben auf mindestens einen Monat den Betrieb eingestellt. In Fall River(Massach.), wo 83 000 Textilarbeiter sind, wurden 8 Fabriken einer Firma geschlossen und damit 5000 Arbeiter und 488 000 Spindeln stillgesetzt. Die übrigen arbeiten höchstens 2 bis 3 Tage in der Woche. Statt 450 000 Dards(405 000 Meter) Baumwollstoffe wöchentlich werden jetzt nur 40 000 hergestellt.— In New D o r k meldeten sich auf ein Gesuch um 15 Tagelöhner 500 Mann, darunter Berufsarbeiter, deren normaler Tagelohn 5 Dollar ist. In Seattle(Washington) sind die Straßen von Arbeitslosen gefüllt. In der Nähe der Arbeitsnachweise muß Polizei den Verkehr aufrechterhalten. Man fürchtet, daß die T r u st s mit der Stockung zusammen- hängen. Sie wollten, meint man, für die jüngst aus parteipoliti- schen Motiven gegen sie eingeleiteten behördlichen Matznahmen Rache nehmen. Man denkt dabei an die große Krise von 1907, die Roosevclt nötigte, die Hilfe Morgans zur Regelung des Geld- Marktes in Anspruch zu nehmen und nicht allein auf seinen mit großem Lärm unternommenen Feldzug gegen die Geldfürsten zu verzichten, sondern sogar der dem Gesetze widersvrcchendcn Aus- saugung der Tennessee Jron Compaich durch den Stahltrust, durch die erst dessen Herrschcrstellung endgültig befestigt wurde, zu- zustimmen. Die Einwirkung der Krise auf den europäischen Markt dürfte nicht ausbleiben. Zu der Hemmung der Auswande- rung, zu der noch eine Rückwanderung von drüben hinzukommen dürfte, wird jedenfalls der Versuch kommen, möglichst viele Waren zu billigem Preise auf europäischen Boden zu werfen. Umgekehrt aber wird die Ausnahmefähigkeit Amerikas für europäisckie Waren stark beeinträchtigt werden. So darf man erwarten, daß Nord- amerika, von dem schon mehrfach große Erschütterungen unserer Wirtschaftsverhältnisse ausgegangen sind, auch dazu beitragen wird, die Wirkungen, die von der Lebensmittelteuerung ausgehen müssen, noch zu verschärfen. Für Amerika selbst aber wird wohl das Ende von allem eine neue Stärkung der Trusts und damit der Volksausbeutung, aber auch der wachsenden Empörung und der kräftig zunehmenden sozialistischen Bewegung sein. Gegen den Stahltrnst. Einer Meldung des„Daily Chronicle" aus New Fork zufolge hat eine neue Gesellschaft, die unter dem Namen G r e a t Republic Steel Company mit einem Kapital von 7 300 000 Pfund Sterling zur Bekämpfung des Stahltrust ge- gründet worden ist, ausgedehnte Erzlager in Alabama und Tennessee angekauft und sucht noch weitere zu erwerben. Die Gesellschaft soll ihr Kapital aus Deutschland, Großbritannien und Japan erhalten haben. b.' 1 s Großer Anzug-VerKauf Dauer bis 18. 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G. Neumann, Charlttbg., Walistr. 50 Wolle, K."7ruch' IZO!! PlBBZ, Brunncnstr. 8�- EmilQuade�nÄ Qnltzow, Job., Müllerstr. la. Rampmaier, F., Skaiitzerstr. 23. Karl Eoichol Hp™n' RIedeINchf.Jleinickendorf.St.74. A. Roß, Keiaickdf. W.. Eichbornstr. 91 Job. Schallau, Scböab. AUee 186 a. Tor. Alfred Scheer, Turmstr. 40. Carl Schlewinsky, Eoppenstr. 4. K.Schmelz, be™tru3 Willy Schmidt, Friedcaaa1HhC!g.Hü,.!3. [SiaT Ml i SchSoemaim, G., Sfhöneberg Hauptstr. 155.| , Ri., Berl.-Str! 73. F, Schönwltj, Berl. 0.,Gosslcrstr. 27 W.Schaltz6ozhagoDtNeieBftkahftfstr.32 Rieh. Schramm, Turmstr. 32. Schumacher, 0MTegol,B8rl.-St.6a. Schulz, Osw., Frankf. Alieo 24. T. Stolz, Chausseestr. 83. Carl Stuhr, Dresdnerstr. 134. Sturm, Erich, Tegel, Hcrmad.-St.l M. Tomedma Nchf., Briickönstr. 16. PauITrenk, Charl., Spand.-Str.32. Tribes, Alfred, Falkensteinstr. 4, Trnxa, W., Frankf t. Alice 185. lidm- li. HiwargD-lBsie Berlin 220, Lindenstr. 16. Beste direkt.Bezugsquelle! Katalog gratis. 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Verlag: Vorwärs» Luchdruckerei u. VerlaLsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW. yr. 217. 28. ZahkMg. 4. KtilW des LorlUlls" Kerlim MllisdlM. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Der„Tambourberein Norden" ersucht unS unter Bezugnahme auf eine Notiz der Lokalkommission am Sonnabend, den 9. Scf- tember, um die Mitteilung, dah das Lokal Schlo�garten in Tegel besucht loorden sei, weil es in der neuen Ausgabe der Lokalliste nicht als gesperrt bezeichnet sei und außerdem der Wirt erklärt habe, daß er sein Lokal der Arbeiterschaft zur Verfügung stelle. Demgegenüber sei festgestellt, daß das Lokal nicht frei ist und daß eine Erklärung eines Gastwirts so lange keine Bedeutung hat, als der schriftliche Revers nicht vorliegt. Heute, Sonnabend, hält der Rauchklub„Edelweiß" in dem gesperrten Lokal Kaiser Wilhelms-Garten, Friede- nau, ein Vergnügen ab. Da uns das Lokal trotz vieler Bemühungen nicht zur Verfügung steht und obengenannter Verein sich bemüht, speziell in Arbeiterkrevjjen Billets umzusetzen, ersuchen wir, dieselbe zurückzuweisen._ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis fFriedrichstadt) Zahlmorgen für Druckerei- Nachtarbeiter am Sonntag, den 17. September, bei Julius Meyer, � Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Urabstimmung über die eventuelle Verlegung des Zahlmorgens. 2. Geschäftsberichte. 3. Vortrag des Kollegen R. Moritz. Alle Mitglieder müssen an- wesend sein! Das Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen. Die Vertrauensleute. Der Vorstand. Schöncbcrg. Zur Wahlagitation im ersten Bezirk treffen sich die Genossen am Sonntag vormittag 3 Uhr bei Wilde, Nollendorfstr. 16. Die Genossen der andern Bezirke helfen entspr.echend der Bestellung durch die Bezirksführer. Rixdorf. Heute abend findet von 7 Uhr ab von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Dem Flugblatt ist besondere Beachtung zu schenken, da es sich mit der Einsichtnahme in die Wählerlisten für die Stadwcrordnetenwahlen beschäftigt, Welche dieses Mal nach dem Prinzip der Drittelung aufgestellt sind. Ter Vorstand. Lichtenberg. Sonntag früh 3 Uhr von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Tempelhof. Die Genossen sämtlicher Bezirke treffen sich am Sonntagvormittag, 8 Uhr, im Restaurant Keiner, Manteuffel- Ecke Albrechtstraße zur F l u g b l a t t Verbreitung. Lichtenrade. Sonnabend, den 16. September 1911, abends 8� Uhr: Mitgliederversammlung im Lokale des Herrn Jantke, Hohenzollernstraße. Weißensee. Am Dienstag, abends SH Uhr, bei Enders, Berliner Allee, Protestversammlung gegen die Erhöhung des Milchpreises. Tie in kurzer Zeit zum zweiten Male erfolgte Erhöhung des Preises dieses wichtigsten Volksnahrungsmittels muß alle Arbeiter und Arbeiterfrauen zur Ergreifung von Abwehr- maßregeln veranlassen. Die Bezirksleitung. Buch. Heute, Sonnabend, abends 8H Uhr, bei Starke, Bahn- hofftt. 6: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Emil U n g e r._ Ter Bczirkslcitcr. Berliner JVadmehten. Der I- Träger. Vor dem hocheleganten Warenhaus hält ein Rollwagen. mit schwersten X■ Trägern beladen. Eine größere Reparatur ist nötig. Die Arbeiter, die die Träger hineinschaffen sollen, stehen untätig. Der VerkehrSstronl ist noch zu groß, und der Vorarbeiter ivartct, bis sich eine Lücke zeigt, in die er die Leute hincindirigicren kann. Es ist Großstadt-, Wcltstadttreibcn. Noch ist nicht die Zeit, da der elegante Portokassendandy und die schickeKonfektions- dame das Bild beherrschen. Die Welt, die sich nicht langweilt, die Welt mit dem vollen Portemonnaie und dem leeren Hirnkasten, die Welt, deren einziges Interesse Putz. Klatsch und Flirt ist. hat jetzt den Lorrang. Und die Arbeiter stehen und schauen in dieses bunte, wirbelnde, rastlos wechselnde Bild. Es sind stämmige, muskulöse Gestalten. Auf diesen kraftvollen Körpern sitzen intelligente Köpfe. und die Augen blicken nicht mit dumpfem knechtischen Staunen in die elegante Welt, die da vor ihnen durcheinandertorkelt, sondern scharf, durchdringend. Sic sehen ganz genau, daß diese in Seide und Brillanten vorbcitrippelnden Damen die Frauen jener Männer sind, die irgendjpo in dieser geivaltigen Stadt ihre Arbcitsgenossen um den vollen Ertrag ihrer Arbeit gebracht haben. Sie ivissen ganz genau, daß sie niemals— und»vürden sie arbeiten, daß ihnen das Blut unter den Nägeln hcrvorspritzt— iinstande sein werden, ihrer Frau da- heim auch nur eins von jcikcn schönen, köstlichen Gewändern zu kaufen, die da lockend iin Schaufenster des großen Waren- Hauses ausgebreitet sind. Ihre Frauen müssen in billigen Vorstadtgeschäften kaufen. So stehen diese Arbeiter und schauen und denken der eigenen Not, des eigenen erbitterten Kampfes um das bißchen Brot.... Ein Ruf vom Vorarbeiter ertönt, Hebel werden angesetzt, Ketten klirren, breite Mauncsschultern schieben sich unter den schtvercn Träger.... Eine kurze Pause.... Alles ist bereit. Nock; ein Ruf, dann ein gelvaltiges Auspannen aller Muskeln, ein Stöhnen und Ticfatmen aus Männerbrüsten, um Millimeter hebt sich die riesige Last, geht höher und höher, schivebt frei auf den Schultern der Männer. Der gemeinsame starke Wille macht das schier Un- mögliche zur Tat. Aber»venu jetzt die Arbeiter, univillig der Last, zur Seite springen, dann»Verden Scheiben zerklirren, Steine springen. Mauern beben u>ld die Menschen schreckensbleich allseinandcrstieben._ Bestrafte Zeppelin-Begeisterung. Am Sonimbend passierte bekanntlich das Luftschiff„Schwaben" auf seiner Fahrt nach Potsdam auch Berlin. Die Angestellten der Firma Orenstein u. Koppel-Arthur Koppel waren, als sie von dem vorbeikommenden„Schwaben" Kenntnis erhielten, so enthusias- miert, daß sie auf das Dach stiegen, um das Schiff beaugenscheini- gen zu können. Diesen Luftschiffenthusiasmus ihrer Angestellten scheint die Firma Orenstein u. Koppel selbst mit verschuldet zu haben, denn als seinerzeit einer der Vorgänger des„Schwaben" gestrandet war. sammelte die Firma unter ihren Angestellten zum Kau eine? neuen Riesenvogels. Kein Wttnder, wenn dieselben nun auch einmal das Bedürfnis hatten, bei dieser Gelegenheit sich ein solches Luftschiff, wofür man auch ihnen Geld abgeknöpft, zu sehen. Etwa 100 Personen sollen sich nun am Sonnabend auf dem Dache befunden haben, die in ihrer Begeisterung auf kurze Zeit hie Arbeit für die Firma unterbrachen. Kurz darauf erhielten dieselben zu ihrem Erstaunen folgendes ßektographierte Schreiben der Firma: Sie wurden heute mittag, gelegentlich der Vorbeifahrt des Zeppelin-Luftschiffes auf dem Dache des Steinhauses TemPel- hofer Ufer angetroffen. Da Sie eine Erlaubnis hierzu nicht hatten, und Sie dadurch Ihre Arbeitszeit um zirka � Stunde unterbrochen haben, nehmen wir Sie hiermit in eine Ordnungsstrafe von M. 1,—, welchen Betrag wir Ihnen Ultimo dieses Monats von Ihrem Gehalt kürzen werden. Dieses Schreiben der Firma dürfte die Angestellten von ihrer Zeppelin-Begeistcrung ein für allemal kuriert haben. Gegen die Lebensmittelteuerung. Die sozialdemokralische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung hat folgenden Antrag eingebracht:„Die Berliner Stadlverordnetenversammlung ersucht den Magistrat Berlin, un- verzüglich Schritte zu tun zur Linderung der verhängnisvollen Lebensmittelteuerung durch Eingaben an die zuständigen Stellen, um Aushebung der die Nahrungsmittel verteuernden Maßnahmen. als auch durch städtische Einrichtungen zur Versorgung Berlins mit Lebensmitteln aller Art."_ Zur Liebestragödie in der Scydelstraße. Wie von vornherein nach Lage der Dinge anzunehmen war, hat der 24jährige Kaustnann Hans Vogel, der, wie berichtet, in seiner Wohnung in der Sehdelstr. 21 seine mit ihm verlobte Braut Hilda Börner aus Chemnitz durch fünf Revolverschüsse tötete und dann flüchtig wurde, Selbstmord verübt. Ter junge Mann wurde Donnerstagabend 10� Uhr von einem Streckenwärter auf dem Bahnkörper der Potsdamer Bahn in der Nähe von Hundekehle als Leiche aufgefunden. Vogel hatte sich vor einen Zug geworfen und war in zwei Teile getrennt worden. In seinen Taichen fand man ein Notizbuch mit dem Namen Hans Vogel, Seydelstr. 21 und ein Stück graues Tütenpapier, auf dem mit Bleistift geschrieben etwa folgendes stand:„Liebe Mutter! Wir sind im Einverständnis ge- meinsam aus dein Leben geschieden. Begrabt uns zusammen in Dobrilugk. Wir waren lebensmüde." Ter Streckenwärter benach- richtigte sofort die Polizeistation Hundekehle, die unverzüglich einen Beamten an die Fundstelle entsandte. Geld wurde bei dem Selbst Mörder nicht mehr gefunden, so daß anzunehmen ist, daß Vogel zu Fuß nach jener Stelle gewandert ist. Auch der Revolver, mit dem er die Geliebte erschoß, war nicht mehr bei ihm zu finden. Die Leiche wurde noch in der Nacht nach der Halle des Friedhofes in Schildhorn gebracht, wo im Laufe des heutigen Tages eine Leichen- kommission eintreffen wird. Die Berliner Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft wurden von dem Fund umgehend in Kenntnis gesetzt. Tie Veruntreuungen auf dem Viehhof werden die Behörden noch längere Zeit beschäftigen. Am Donnerstag wurden noch 15 Personen, Obcrtreiber, Treiber und Arbeiter, die ebenfalls in Verdacht geraten»varen, von der Kriminalpolizei eingehend ver hört. Zu einer Verhaftung führten diese Vernehmungen nicht. Einer Haftentlassung von Untcrsuchungsgefangenen hat,»vie schon mitgeteilt wurde, der Untersuchungsrichter Dr. Dreist wider- sprachen. Es ist daran auf absehbare Zeit nicht zu denken,»veil die Sache noch lange nicht geklärt ist. Erst neuerdings hat die Untersuchungsbehörde von der Direktion des Viehhofes und den Komniissionsfirmen wieder viele Beläge eingefordert, die zur Grundlage einer Nachprüfung der Vorgänge dienen. Ein Berkehrskonimando zum Schutz der Schulkinder besteht seit einigen Tagen an der Ecke der Weiiimcistcr- und Rosenthaler Straße. Zivei Schutzmänner vom 12. und 13. Revier sieben dort von 7l/s Uhr morgens bis 5 Minuten nach 8 Uhr, um den Schulkindern über den Damm zu helfen. In der Gipsstraße, in der Auguststraße und am Koppenplatz liegen zusammen zwei Knaben- und zwei Mädchenschulen, die namemlich von vielen Kindern aus der Unigegend des Alexander- Platzes besucht werden. Für sie ist der Uebergang an der Wein- meisler- und Rosenthaler Straße lvege» des außerordentlichen Fuhr- Verkehrs in den Morgenstunden sehr gefährlich. Jetzt bringen die beiden Beamten die Kleinen in Triippö von 6—10 Rindern über die gefährliche Stelle hinüber. Diese Schutzmaßregel ist recht angebracht, nur ist zu wünschen, daß sie auch ausgedchn» wird aus die Zeit deS SchulschlusseS. Es ist in der Tat an jener Stelle recht gefährlich. 'Auf offener Straße erschossen hat sich der 49 Jahre alte Installateur Traugott Bader aus der Scharnhorststr. 30. Bader war vor längerer Zeit in Untersuchungshaft genommen worden, unter dem Verdacht, seinem kleinen Laden in der Buttmannstr. 7 zur Nachtzeit in Brand gesteckt zu haben. Er hatte angegeben, von fremden Männern überfallen, gefesselt und geknebelt worden zu sei». Vorige Woche ivnrde Bader aus der Untersuchungshaft entlassen. Bader war nicht überversichert, wie erst die Kriminalpolizei be- hauptet hatte. Nach seiner Entlassung war B. nnttelloS und ihm bangte vor der Zukunft. An» Mittwochabend verließ er die Wohnung seiner Schlvcster; er schrieb ihr, daß er unter keinen Um- ständen inS Irrenhaus gehe, wohin man ihn bringen»volle, nach- den, er scbon drei Monate unschuldig in Untersuchungshaft gewesen »väre. Lieber würde er sich das Leben nehmen. Am Donnerstag- morgen fand man ihn vor dem Hause am Nordufer 3a tot auf dem Bürgersteig liegen. Hier hatte er sich eine Kugel in das Herz ge- schössen. Bader lebte von seiner Frau gelrennt. Bon einer Kraftdroschke übcrfaliren und getötet wurde gestern nachmittag 5 Uhr das dreijährige Söhnchen des Arbeiters Forgler. Das Kind spielte auf dem Fahrdamme vor der Wohnung der Eltern, Prenzlauer Straße 77, hierbei geriet es unter die Räder einer Kraftdroschke, die den Schädel des Kindes vollständig zcr- trümmerten. Tie Leiche»vurde»räch dem Schauhause gebracht. Durch einen Sprung aus dem vierten Stock hat sich gestern nachmittag die 43 Jahre alte Aufwärterin Frau Emilie Both aus der Schönhauser Allee 177c das Leben genommen. Seit achtzehn Jahren von ihrem Manne getrennt, lebte die Frau Both für sich ollein und ernährte sich durch Schlafstellenvcrmictcn und Auf- wartearbcitcn. Seit einiger Zeit war sie nervenkrank und in den letzten vier Tagen konnte sie deshalb auch ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. In eineni Anfalle lief die Unglückliche gestern abend 9 Uhr nach dem Hausboden und sprang aus dem Bodenfenster auf den gepflasterten Hos des Nachbargrundstückes Schönhauser Allee 117b hinab, wo sie init zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Ter Lehrer als Defraudant. Selbst gestellt hat sich gestern ver Lehrer N. aus Summt der Polizeibehörde in Pankow. 9t. war nebenbei der Stellvertreter eines Gutsvorstehers in Summt ge- wesen, und es gingen durch seine Hände recht erhebliche Beträge. Summen, die der Lehrer an die Gutsverwaltung abgeben mußte, steckte er in die eigene Tasche, und als er befürchtete, daß die Unterschlagungen entdeckt werden lvürden, ergriff er die Flucht. Planlos irrte er umher, bis er schließlich in Berlin landete. In Pankow faßte der Defraudant den Entschluß, sich selbst der Bc- Hörde zu stellen. Er begab sich auf das Polizeiamt und wurde später in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Vom Rad heruntergerissen und unter ein Automobil ge- schleudert. Das Opfer eines schweren Automobilunsalles»vurde der 25jährige Hausdiener Anton Puff aus der Rosenthaler Straße. Der junge Mensch»var auf einem Ecschäftszwcirad nach Baumschulenweg gefahren. Als er die Krugallee passierte, wurde er von einem Berliner Droschkenautomobil so unglücklich gestreist, daß er mitsamt der Maschine stürzte und unter den Kraftlvagen geschleudert»vurde. Die Räder des schiveren Gefährts gingen über den Verunglückten hinweg. In schwerverletztem Zustand wurde P. in das Krankenhaus Bethanien eingeliefert. Der Tod deS Handwerksburschen. In der Dunkelheit ins Wasser geraten und ertrunken ist der b9jährige Arbeiter Friedrich Hähnke aus Berlin. H. hatte sich wegen Arbeitslosigkeit auf die Wanderschaft begeben. Als er hinter Eberswalde m vorgerückter Abendstunde am Finowkonal entlang ging, geriet er in der Dunkel- heit versehentlich dein Ufer zu nahe und stürzte in das Wasser. Auf die Hilferufe des Verunglückten eilten Kanalarbeiter herbei, doch sollte es leider nicht mehr gelingen, den Handwerksburschen noch lebend aus dem Kanal herauszuholen. Nur als Leiche vermochte man H. zu bergen. Eine aufregende Szene spielte sich gestern nachmittag in dem Hause P a n Ist r a ß e 30 ab. Dort sollte auf Veranlassung eines Ar-tes eine Frau N e t k o w s k i. die in den letzten Tagen Spuren von Irrsinn gezeigt hatte, mit einem Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe förigeschafft werden. Die Frau hatte hiervon aber Kenntnis eichalten und sicv mit ihren beiden Kindern m ihrer rm ersten Stock des Hofgebäudes belegenen Wohnung eingeschlossen. Als die Krankenwärter auf dem Hof erschienen, öffnete die Frau die Fenster und traf Anstalten, ihre beiden Kinder und sich selbst auf den Hos hinabzustürzen. Die erschreckten Hausbewohner benack- richtigten die Feuerwehr, die aus dem nahen Depot m der Pank- strcße schnell zur Stelle war. Brandmeister v. Bergen ließ sofort unter den Fenstern auf dem Hofe ein Sprungtuch ausbreiten und schickre gleichzeitig mehrere Feuerwehrleute nach oben, die die Wohmingstür gewaltsam öffneten. Durch Zureden ließ sich die Frau auch zurückhalten und beruhigen. Sie wurde dann mit dem Kranken« wagen nach der Anstalt in Dalldorf gebracht. Wegen einer Kcssclexplosion wurde die Berliner Feuerwehr gestern nachiiüttag nach der Neuenburger Straße 32 gerufen. Dort war aus bisher nicht ermittelter Ursache ein Kessel der Warm- wasserheizung explodiert. Ein Arbeiter Wenncke hatte hierher mehrere Verbrühimgen erlitten, so daß er sich in ärztliche Bchand- lnng begeben mußte.— Durch einen größeren Brand wurde gestern nachmiltag in der Weserstraße 30 zu Voxhagen-Rummelsburg der Dachstuhl des Vorderhauses zerstört. Die Ablöschung wurde von der Riimmelsburger Wehr ausgeführt. Der von Berlm berbeigeeilte Löschzug aus der Memeler Straße brauchte nicht in Tätigkeit zu treten. Anscheinend liegt Brandstiftung vor. RomS Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen lautet der neueste Lichtbildervortrag im Wissenschaftlichen Theater der Urania, der von Ernesto Banca entworfen ist und von Herrn Oskar Wagner ge- ballen wird. Der Vortrag, der sich von einer gewissen patriotischen Tendenz nicht ganz frei hält. fuhrt uns in die von den ver- schicdcnen Staaten auf dem AuSstellimgsfelde auf der Piazza d Armr veranstalteten Ausstelliingen und läßt uns cme.. Emblick m das Kunstleben der verschiedenen Länder tun. Durch gute Lichtbilder wird der Vortrag wirksam unterstützt. Der Zirkus Schumann hat am Donnerstag seine erste Vor« stellung gegeben. Ein reichhaltiges Programm, in dem die Dressur- kmist die erste Stelle einnimmt, unterhielt das Publikum auf das trefflichste.___ Vorort- JNacbrlcbtem Lichtenberg. Stabtverordnctcnsitzung. Zunächst gab der Magistrat Kenntnis von folgendem Schrei« ben des Berliner Magistrats in Sachen der Eingemeindung Lich. tenbergs nach Berlin: „In Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen über den Gesetzentwurs, betreffend Bildung eines Zweckverbandes Groß« Verlin, halten wir es zur Zeit nicht für angebracht, in der Angc- legenheit, betreffend die cttvaige Eingemeindung der Stadt Lichten- bcrg in Berlin, etwas weiteres zu veranlassen."— Bemerkt sei hierzu, daß Lichtenberg erst nach mehrfachen Erinnerungen über. Friedhofsdeputation wurde an Stelle des Genossen A. Priese, welcher durch seine Arbeitsverhältnisse wiederholt gc- zwiingcn war, den Deputationssitzuiigen fern zu bleiben, der Gc. nosse H. Elias gewählt.— Alsdann erfolgte die turnusmäßige Auslosung von 16 Stadtverordneten. Ausgelost wurden die Herren Münchehofe, Strogaly, Plonz. Röder und Sommerkorn von der 1. Abteilung, die Herren Rott. Dornbusch, Lindner. Behrendt. Frensche, und Lewonig von der 2. Abteilung, sowie unsere Genossen Abraham, Brühl, Grauer, Linke, und Spieckermann von der 3. Abteilung.— Vorher war noch an Stelle des ertrun- kenen Magistratssekretärs Hortian Herr Magistratssekrctär 5iurth einstimmig zum stellvertretenden Schriftführer gewählt worden.— Nachdem dann noch die Versammlung ihre Zustimmung für einige vom Magistrat beantragte Verträge, welche sich durch Lieferung von Elektrizität sowie Wasscrabgabe durch unsere städtische» Werke notwendig machten, gegeben hatte, wurde für Ostern 1912 am hiesigen Ncalprogymnasium die Errichtung von 2 neuen Oberlehrer. stellen beschlossen.— Für den städtischen Fuhrpark wurde die Errichtung eines Schuppens genehmigt und die erforderlichen Mittel in Höhe von 15 090 M. genehmigt.— Beim folgenden Punkt: Nachbcwilligung von Polizcikostcn für das Jahr 1910, wies Genosse Brühl darauf hin,!vie notwendig es sei, mit dem jetzigen System zu brechen. Bisher habe die Stadt lediglich die hohen Zu« schüsse zu zahlen, u. a. für 1910 die respektable Summe von »50 158,86 M., während sie auf die Ausübung der Polizcigcwalt keinerlei Einfluß habe. Es müsse mindestens versucht werden, durch Anträge der städtischen Körperschaften an die Staatsregic. rung die Markt-, Gesundbeits- und Baupolizei an die städttsche Verwaltung anzugliedern. Anscheinend jedoch sind unsere Bürgerlichen mit den jetzigen polizeilichen Verhältnissen sehr zufrieden, denn ohne auf die'Anregung unseres Genossen irgend- wie einzugehen, bewilligten dieselben den geforderten Mehrbetrag. Ein Antrag, auf der Westseite der Möllendorfstraße, den 22 Meter breiten Bürgersteig in der Mitte mit 9% Meter breiten Rasen. flächen sowie Blumenbeeten und Strauchgruppen anzulegen, wurde an den Magistrat'zurückverwiesen. Während gegen das Projekt an sich wenig eingelvendct wurde, verlangten die verschiedenen Red- ncr, u. a. auch unsere Genossen Brühl und H e ck e r t, daß erst dann mit der Regulierung begonnen werden solle, wenn ein Rc- sultat der Verhandlungen mit den Eigentümern von Nr. 112 und 113 sowie mit dem Eiscnbahufiskus betreffend Abtretung von Straßenland vorliege. Die Ecke Möllendorfstraße und Eisenbahn» Zufahrtsstraße, der Eisenbahn gehörig, sei jetzt geradezu ein Schand. fleck für die dortige Umgebung.— In geheimer Sitzung wurde als» dann noch die Anstellung mehrerer Beamten beschlossen Charlottcitburg. Ein schwerer Unglücksfall hat sich vorgestern in dem Betriebe der Aktiengesellschaft für Pappfabrikation, Charlottenburger Ufer 51. zugetragen. Dort wollte die 22jährige Arbeiterin Thcophilia Hoffmann aus der Haniburger Strasze 24 in Spandau einen großen Ballen Lumpen herunternehmen, dabei stürzte die schwere Last herunter und begrub die Arbeiterin unter sich. Die H. erliit einen Bruch des rechten Unterschenkels und innere Verletzungen' und mußte nach dem Krankenhaus Westend übergeführt werden. Der städtische Sccfischmarlt in Charlottenvurg ist seit seiner Errichtung im März d. I. so rege besucht worden, dav an einzelnen Berkaufstagen der Raum mehnnalS auf längere Zeit zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung geschlossen werden muhte. Die Verkaufs- ni engen stiegen an einzelnen Tagen bis a u f SO 00 P f u n d. Da im kommenden Winter ein noch stärkerer Andrang zu erwarten ist, be- absichtigt der Magistrat, einen zweiten Verkaufstag ein- zurichten. Neben Mittwoch sollen die Räume deö städtischen Fleischbeschaunmtes Spreestrahe auch am Freitag der Fischerei- gesellschast.Nordsee" für den Charlottenburger Seefischmarkl von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends zur Verfügung gestellt worden. Ein tödlicher Straßcnbahuunfall ereignete sich am gestrigen Freitagnachmitlag gegen 6 Uhr an der Ecke der Schloß- und Stall- straße. Dort wollte die zlveijährige Erna Schmidt, deren Eltern in der Jägerstr. 2 wohnen, unuiittelbar vor dem Straßenbahn- ivagen 2373 der Linie 8t den Damm überschreiten. Der Fahrer benierkle das Kind erst im lcßten Augenblick, konnte jedoch, obivohl er alle Breinsmittcl anwandte, den Wagen nicht mehr zum Halten bringen. Die Kleine geriet unter den Schutzrahinen und wurde, nachdem der Wagen durch Winden angehoben wurde, tot hervor- gezogen. Die Leiche wurde i» das KraiilciihauS Westend geschafft. Schöneberg. Stadtverordueten-Ersatzwahl. Wider Erwarten hat man auf dem Rathaus recht flott ge- arbeitet. Vor knapp 14 Tagen wurde im Stadtverordneten- kollegium verkündet, daß die von den Stadtverordneten Presch und Hartmann innegehabten Mandate frei geworden sind. Trotzdem nun im November Ergänzungswahlen stattfinden, sind flugs Ersatzwahlen ausgeschrieben worden und zwar für Mittwoch, den 27. September d. I. von vormittags 9 Uhr bis abends 8 Uhr, im Restaurant„Nollendorfhof", Bülowstr. 2, für die Wähler des 1. Bezirks der 3. Abteilung und für Donnerstag, den 28. d. M., von mittags 12 bis abends 8 Uhr, im Restaurant„Zum Dürer" Dürerplatz 1, für den 11. Bezirk der 2. Abteilung. Die Wahl Periode umfaßt den Nest der Amtsdauer der bisherigen Stadt- verordneten bis zum 31. Dezember 1913. Parteigenossen nützt die kurze Spanne Zeit zu reger Wahl agitation. Zu den Wahlbezirken gehören folgende Straßen: Zum 1. Bezirk der III. Abteilung: Augsburger Str. 81—5,3, Bamberger Str. 1—7, 13—21 und 33—61, Berchtesgadener Straße, Bülowstr. 1—7 und 101— 108. Frankcnstr. 1—16, Freisinger Straße, GeiSbergstr. 13 und 28—43, Goffowstraße, Kulmbacher iLtraße 1—8, Maagenstr. 10— 25, Motzstraßc 22—34 uud 53—93, Neue Ansbacher Straße. Neue Bayreuther Straße, Neue Winterseldtslraße, Nollendorsvlatz 5—9, Nollendorsslraße, Pallasstr. 21—23. Passauer St. 12 bis 19, RegenSburger Str. 1—9 und 30—85, Roscuhnmer Straße, Victoria-Luisen-Platz, Winterseldlplatz, Winterseldlstr. 18—21, Würzburger Straße, Zietenstr. l— 16. Zum 11. Bezirk der II. Abteilung: Bahnbof Friedenau(Wannseebahn), Bahnhos Papestraße(Ring- und Vorortbahn). Bcckerstraßc, Bessemerstraße, Canovastraße, Cranachstraße, Eisenbaynwcrlstätten und Rangicrbahnbos Tempeihos, Eythstraße, Genest- slraße. Kürnevstr. 46—48, Mariendorser Weg, Menzelstraßc, Neuer Matthäi- Küchhos(Priesterweg), Neuer Schöneberger Kirchhos tSüdostgelände), Neuer Zwöls-Aposlel-Itirchhoj(Tcmpelhoser Weg), Peter-Vischcr-Swaße, Priester- weg, üteichartstraße, Rembrandtstraße. Rubensstraße, Sachsendamm, Sponholzstraße, Straße 36, Suadicanislraße, Temvclhoser Weg, Thor- waldseuitraße 1—16. Kraiikeichanskosten, welch« durch Absonderung kranker Personen cn stehen. Bei ansteckenden Krankheiten macht es sich oft notwendig, daß Angehörige ins Krankenhaus gebracht werden. Die hierdurch entstehenden Kosten wird die Gemeinde bei solchen Angehörigen übernehmen, welche ein Einkommen bis zu 5000 M. haben.— Tie bei der Etatbcratung angenommene, vom Kveisausschuß aber nicht genehmigte Gewerbesteuerordnung stand nochmals zur Be- ratung und wurde mit einigen Aenderungen angenommen. Es werden von dieser Steuer Gewerbetreibende der Klassen 1 und 2, toclche mindestens ein Anlage- oder Betriebskapital von 150 000 M. haben, mit% vom Tausend, oder wenn mindestens 75 Personen beschäftigt werden, mit 10 M. pro Person betroffen. Der Haupt- zweck ist jedenfalls, auch für die Zukunft Großbetriebe von Lankwitz fernzuhalten.— Der Beförderung von einigen Gemeindebeamtcn in höhere Stellungen, welche bei der Einweihungsfeier des Rat- Hauses vorgenommen war, mußte auch die finanzielle Aufbesserung folgen. Einige Beamte erhalten dadurch 500 M. mehr Gehalt. Der Etat wird dadurch mit zirka 2000 M. belastet. Gemeinde- arbcitern und Ortsarinen gegenüber übt man nicht solche Frei' gcbigkeit. Steglitz. Mehr Polizei! TaS ist eine ständige Forderung des Spieß- bürgertums und seiner Presse, sobald irgendetwas geschieht, was die Herrschaften auS ihrer behaglichen Ruhe aufschreckt. Ob es sich dabei um einen Einbruch, einen Tachstuhlbrand, um eine Tier- guälerei, einen Streit, eine sozialdemotratische Demonstration oder sonst ein„Delikt" handelt, ist ganz gleich, immer lautet der Re- frain: Mehr Polizei I Da es schlechterdings unmöglich ist, hinter jeden Bürger einen Polizisten als Schutzgeist zu stellen, sollte man doch lieber auf anderweitige Mittel sinnen. Ein solches wäre z. B. die richtige Verwendung der vorhandenen Kräfte. Wie übel es jedoch damit in Steglitz bestellt ist, das haben wir schon bei früheren Gelegenheiten erfahren und erleben es jetzt wieder. Durch den Starrsinn der hiesigen Saalbesitzer gezwungen, sah sich die Ar. beiterschaft veranlaßt, über den„A l b r e ch t s h o f" die Sperre zu verhängen. Um nun die Besucher des Lokales, die tanz- lustige Jugend, von dem Boykott zu unterrichten und weiterhin die Wirkung der Sperre zu kontrollieren, sind natürlich stets eine An- zahl Genossen und Genossinnen dort anwesend. Man sollte meinen. das sei eine Sache, die lediglich die Besitzer des„Albreckshof" und die organisierton Arbeiter interessiere. Aber weit gefehlt: die Po- lizeibehördc, die nie genügend Beamte zu haben scheint, um für die öffentliche Sicherheit zu sorgen,[ic bat stets einige Beamte (natürlich in Zivil) übrig, um unsere Kontrolleure überwachen zu lassen. Das ist zwar ein unschuldiges Vergnügen, aber eben deswegen hockst überflüssig. Was schert es die Polizei, wer im „AtbrcchtShof" tanzt oder dem Tanz zusieht? Das ist eine reine Privatangelegenheit, die die Polizei absolut nichts angeht. Tie Beamten werden vo» der Bürgerschaft besoldet, um im Interesse des ganzen Ortes zu wirken, nicht aber, um für irgendeinen Lokal- belitzer Auspasserdienste zu verrichten. Die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen werden selbswcrstäudlich nach wie vor den gc- sperrten„A lb r e ch t s h o s" nicht nur selbst meiden, son- der» sie werden auch weiterhin versuchen, das dortige Publikum darüber aufzuklären, wie unrichtig es ist, bei einem Saalbesitzer zu verkehren, der zwar das Geld auch der Arbeiter gern nimmt, ihnen aber die politische Gleichberechtigung verweigert. Groft-Lichterfelde. Ein großer Brand, der drei Personen in ernste Lebensgefahr brachte, wütete in der gestrigen Nackt in der Ferdinandstraßc. Auf dem Grundstück befindet sich ein großer Kohlenschuppen der Wittve Schmidt, ein Pferdestall und das Wohnhaus. Das Feuer entstand in dem Kohlenschuppcn und wurde erst bemerkt, als es auch sckwn den Hinteren Teil des Wohnhauses erfaßt hatte. Die Witwe Schmidt wurde durch das Platzen der Fenster ihres Schlafzimmers aus dem Schlaf geschreckt und konnte sich mit ihren beiden Kindern nur mit knapper Not noch in Sicherheit bringen. Die Lichtcrfclder Feuerwehr griff de» Brand mit vier Schlauchleitungen an,'doch dauerte es über zwei Stunden, ehe die Gefahr beseitigt war. Ein Teil de« Wohnhauses wurde eingeäschert, doch konnte der gleich- falls stark gefährdete Pferdestall gehalten werden. Die Ursache des Feuers wird auf Brandstiftung zurückgeführt. Auf den Feuer- schein waren auch noch die Feuerwehren von Mariendorf und der Photographischen Gesellschaft zu Hilfe geeilt. Rixdorf. Zn Aufläufen kam es gestern und vorgestern vor dem Geschäft deS Sckläcktermeisters Hilbich, Hermann-, Ecke Zietheustraße. Grund bierzu gab ei» Gerücht, wonach die Frau des H. das dort bedieustete Mädchen erheblich geschlagen haben sollte. Wie uns der Sckläckter- meistcr mitzuleilen bitter, habe sick seine Frau vor einige» Tagen einer Operalion unterziehen müssen. Am anderen Morgen habe da« Dienstmädchen seiner Frau eine Tasse schwarzen Kaffee ausbrühen sollen, die» habe es jedoch nicht getan. In der Erregung sei seine Frau aus dem Bett gesprungen»nd habe dem Mädcken eine Ohr- feige gegebe». Von schwerer Mißhandlung, wie dies von den Air- wohnern der Umgegend behauptet worden sei, könne keine Rede fem. Auch er. H.. habe es verurteilr. daß sich seine Frau habe soiveit hin- reißen lassen. Lankwitz. Die Gemeinbcvertretersitzung beschäftigte sich in ihrer ersten Sitzung im neuen RathauSsaal zunächst mit der Uebernahme der Cly ♦ v 1 1 4(.-p* v" � tz 4.* fVr- �.. L.#vi-._ j. Y 5.— 1*%: 77— 4-___ Spandau. Stabtverorbiictenwahl cm Sonntag? Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit dem Antrage, die Stadtverordneten- Wahlen für die 3. Abteilung an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Dieser Antrag war von einigen bürgerlichen Stadtverord- nctcn eingebracht, unsere Parteigenossen, die wegen ihrer geringen Zahl einen Antrag nicht stellen können, hatten nur mit unter- schrieben. Nachdem der Antrag durch den Stadtverordneten Grätsche! begründet, der die leise Hoffnung durchblicken ließ, daß bei einer Sonntagswahl der liberale oder bürgerliche Kan didat gewählt werden würde, nahm als Gegner das Wort der Arbeiter der Munitionsfabrik, Stadtverordneter Schmidt l. Interessant war es, diesen Aucharbeiter, von dem sonst nicht viel zu hören ist, einmal aus sich herausgehen zu sehen. Seine Ar- bcitskollcgcn, so führt er aus, hätten ihn nach Bekanntgabe stürmisch befragt, wie man denn dazu komme, einen solchen Antrag zu stellen, und er habe ihnen erwidert:„Die Antragsteller wollen wo.hl nicht, daß Arbeiter der Staats werk- statten als Vertreter in das Stadtparlament kommen!" Dieses Jesuitenstückchen richtet sich von selbst, denn unter den Antragstellern befindet sich auch ein in den Königlichen Staatswerlstätten beschäftigter Oberverwaltungsschreibcr. Es ist auch zu bezweifeln, daß der Ansturm der Arbeitskollegen an diese» Berircter so stark gcivescn sein wird, denn so hoch wird der Stadtverordnete Schmidt von den Staatsarbeitcrn nicht eingeschätzt. Als Grund seiner Gegnerschaft führt er an, daß bei der Sonntags- Wahl die Wahllokale den ganzen Tag von einer gewissen Partei besetzt würden, und wer dann anders wähle, werde angeulkt- Dieser Grund löste zunächst ein ungeheures Gelächter bei fast allen Stadtverordneten aus. Genosse Pieper als zweiter Redner drückte zunächst seine Freude darüber aus, daß der Antrag, den früher die sozialdemokratische Fraktion schon mehrfach gestellt hatte, der aber immer abgelehnt wurde, jetzt von bürgerlicher Seite selbst komme. Dann knöpfte sich unser Redner seinen Vorredner vor und verwies ihn darauf, daß die Staatsarbeiter, die bei der Wochen- tagsivahl ihren Lohn bezahlt bekommen, dafür sckiionsweise zur Wahl geführt würden und dort unter den Augen ihrer Vor- gesetzten vielfach gegen ihre eigene Ueberzeugung stimmen müßten. Der konservative Stadtverordnete Schob trat selbstverständlich auch als Gegner des Antrages auf, er vertrat die Ansicht, daß von der Sonntagswahl nur die Sozis einen Vorteil haben würden. Wie hoch dieser Herr die Staatsarbeitcr einschätzte, geht daraus hervor, daß er behauptete, die Staatsarbeitcr würden am Sonntag nur in sehr geringer Zahl zur Wahl kommen. Nachdem die Stadt- verordneten Grätsche! und Weber lebhaft ftür den Tlntrag eintraten unter Hinlveis auf die vielen außerhalb Spandaus wohnenden Arbeiter, die wochentags meist ihr Wahlrecht nicht ausüben können, und daß ja mich die kirchlichen Wahlen an einem Sonntag 'tattfinden, trat als Gegner des Antrages der Oberbürgermeister Kocltze aus. Er machte die Mitteilung, daß der Magistrat sich bereits gegen die Sonntagswahl entschieden habe. Als Gründe führte er an, er wisse nicht, wo er die Vorsitzenden der.Bezirke herbekommen solle, da sich die MagistratSmitglieder weigerten, an einer SonntagSwahl teilzunehmen. Ferner wisse er nicht, wann die Wahl am Sonntag stattfinden solle. Von 10— 1412 sei Kirchzeit. Vor der Kirchzeit haben viele noch nickt ausgeschlafen. Um 12 Uhr hätten manche noch kein Mittag gegessen. Bis 4 Uhr nachmittags könnte auch nur geivählt werden, da nach dieser Zeit keine Lokale mehr zu haben sein werden, des beginnenden Tanzes wegen.(Dabei wurde in den eigentlichen Tanzsälen bisher gar nicht gewählt.) Schulen oder das Rathaus können nicht zur Verfügung gestellt werden, die würden zu sehr verunreinigt. Man soll« eS nur bei der Wochentagswahl belassen, er würde dafür zu hoben sein, daß abends die Wahlzeit um eine halbe Stunde verlängert wird. Stadt- verordneter B e n de r, der Vorsitzende des hiesigen Reichsverbandes, sprach sich selbstverständlich gegen den Autrag auS. Er meinte u. a. Sonntags herrsche an und für sich eine alkoholge- schwängerte Luft, da könne et bei den Parteien leicht zu Konflikten komme». Dr. Kantarowicz trat mit vielem Geschick für den Antrag ein und rechnete ganz gehörig niit den Gegnern des Antrages ab. Der frühere Staatsarbeitcr, jetzige Sekretär der Zentrnmspartei, Stadtverordneter Kirch, ist Gegner des An- träges, wie er sagt, aus Zweckmäßigkcitsgründcn. Er protestiert dagegen, daß die Staatsarbeiter sektionswcis« zur Wahl getrieben seien. Auch der Stadtverordnete Schmidt I stimmte in diesen Protest ein. Der Antrag wurde schließlich mit 18 gegen 18 Stimmen angenommen. Allerdings wird er nickt viel Zweck haben, da der Magistrat ja bereits ablehnend beschlossen hat. Nun, der Antrag wird ja wiederkehren._ Potsdam. Als NeichStagskandidat für den Wahlkreis PotSdam-Spandau- Osthavcllsnd an Stelle des wegen Krankheit zurücktretenden Rechtsanwalts Lüdicke, haben, wie man uns mitteilt, die Frei- konservativen den hiesigen Oberbürgermeister Voßberg aufzu- stellen beschlossen. Durch«inen Knfschlag verletzt. In daS KraiikenbaiiS Hermanns- Werder wurde gestern der 16 Jahre alte Karl Hö'.'che auS Lebiiin eingeliefert. H. wurde von einem Pferd mit dem Huf vor den Kopf geschlagen und trug eine Schädelvcrletzung davon. Nowawes. Unfall bei der Arbeit. Während der Arbeit in einem Saal der Wollwareniabrik Adolf Pilsch glitt die Frau Auguste Zecker. am Friedrich-Kirckplatz Ivohnhaft. aus»nd erlitt eine Fuhauetichnng, die ihre Ucberfiihruug nach dein Obcrliiilraulcnhaus notwendig machte. Jttgendveranstaltnngen. Freie J»acndorg»uisatio» Zteglit,-Friedenau. Am Sonntag, den 17. September, tindet ein TageSmissiilg nach Drewitz— Kohlhasenbrück— Waniisee statt. Abfahrt morgen» 81/. Uhr vorn Bahnhof Steglitz. Fahrgeld 30 Pj. Die Arbeiterschaft von Steglitz und Friedenau wird gebelen, ihre ichiilcnllasscncn Söhne und Töchter zur Teilnahme an dieser Partle anzu- hallen. ZldscrShaf. Am Sonnlag. den 17. September, findet im„Jugend. beim", Bisnia'.cksir. 11, nachmitiags 3 Uhr, eine Juäendversaw.mliing statt. Tagesordnung: Vortrag:„Die lSirkunn des AlkobolS aus die Jugend". Diskussion. Alle Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sind eingeladen.___ Hus aller Alelt. Blutiger Schwindel. Tie„Deutsche Tageszeitung" uud nach ihr andere Blätter ähnlichen Schlages brachte dieser Tage folgende Schwindelnachricht: „Zielbewußte Messerstecher. Halle a. S., k>. September. Den„Leipziger Neuesten Nachrichten" wird von hier mit- geteilt: Mehrere in den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvcreinen organi- sicrte Holzarbeiter der Lindncrschen Wagensabrik kehrten Freitag abend gegen 11 Uhr von der Broihanschenke in Beesen, einem von der Sozialdemokratie, boykottierten Lokale, nach Ammendorf zurück. In der Wörmlitzer Straße wurden sie von einer Anzahl Posten- stehenden sozialdemokratischen Arbeitern angehalten und nach kurzem Wortwechsel überfallen und mit Messern gehörig bearbeitet.' Dabei erhielt einer, der Stellmacher Joseph Stolzenfels, mehrere Messerstiche in Kopf und Brust, davon einen in die Lunge, der den Tod des Arbeiters zur Folge hatte. Die übrigen Kollegen des St. hatten ebenfalls Stichwunden erhalten. Einer hatte mehrere gefährliche Stiche in den Kopf er- halten, die vom Arzt vernäht werden mußten. Als Täter wurden die in der sozialdemokratischen' Parteiorgan:- s i c r t e n Arbeiter Gebrüder Conrad aus Beesen verhaftet, die ihr Verbrechen auch bereits eingestanden haben. Ein dritter Betettigter wurde in Halle von seiner Arbeitsstelle weg verhaftet. Das fluch- würdige Verbrechen erweckt allenthalben tiefsten Abscheu." Eine ähnliche verlogene Nachricht ging vergangene Woche durch die Hallesche Lokalpreffe. Unser dortiges Parteiblatt stellte sofort fest: Erstens ist der Täter, der Lljährige Maurer Gustav Conrad, nicht Mitglied der sozialdemokratischen Partei, käme als Posten- sicher gar nicht in Frage; zweitens sind schon seit einem Jahre überhaupt keine Boykottposten mehr ausgestellt gewesen. und drittens hat sogar der junge Mensch selbst als Sonntagsgast ziemlich oft in der boykottierten Broihanschenke verkehrt, worüber ihm Arbeitskollegen schon Vorhaltungen gemacht haben. Ter Te�- rorismusschwinckel der bürgerlichen Preßkulis ist damit restlos widerlegt. Ter traurige Vorfall hat mit der sozialdemokratischen Bewegung absolut nichts zu tun. Das gab schon am Sonntag auch der„Generalanzeiger", das amtliche Organ der Hallescheu Polizei, zu, indem er, seine erste Meldung berichtigend, mitteilt, daß die Gebrüder Conrad niemals vor einem von sozial- demokratischer Seite gesperrten Lokal Posten gestanden hätten, da sie keiner Part ei angehören. Gustav Conrad sei am Freitag, den 1. September, eine Woche vo dem Unglückstag, als er aus der Bauschule kam, abends 11 Uhr von Lindnerschen Wagenarbcitcrn ohne Grund mit Gummischläuchen und Messern so bearbeitet worden, daß es ihm nur durch lautes Hilferufen und unterstützt durch die Einwohner in der Beesener Straße möglich war, zu entkommen. Da er sich nicht mehr gc- traute, diesen Weg allein zu gehen, hätte er seine Brüder gebeten, ihn doch an diesem Freitag abzuholen. Diese kamen dem Wunsche nach und das führte zu dem Unglück. Die Sache sei von den Wagenarbeitern abgepaßt worden, die am Freitag mit Gummischläuchen zur Stelle waren. Die Gummischläuche waren mehrfach mit Kupscrdraht durchzogen und befinden sich in den Händen der Polizei.< Danach hat also der unglückliche Täter, ebenso wie seine Brüder, nicht nur nichts mit der Sozialdemokratie zu tun.sondern er hat auch noch, gegenüber den angrcisendcn Hirsch-Dunckerschen Arbcitern, in Notwehr gehandelt. Neue Flugunfälle. Am gestrigen Tage ereigneten sich in der Aviatik wieder einige Flugunfälle, die abgesehen von einem glücklicheriveise nur leichter Natur waren. Der Flieger H i r t h, der gestern früh bald nach 7 Uhr mit einem Offizier als Passagier in Friedrichs- Hafen zu einer militärische» Flugübung über daS Mauövergeläiide aufgestiegen war, ist gegen 8 Uhr, bei Minelbiberach nieder« gegangen. Dabei wurden zwei Artilleristen sowie ein cheu gewordenes Pferd verletzt. Die Flieger wie auch, der Apparat blieben unverletzt. Nach einem Telegramm aus B e r d u n überschlug sich der Flieger Nie»Port, der als Reservist an den Manövern deZ 6. Korps teilnahm, mit seinem Flugzeug im Augenblick der Landung uud wurde verletzt. Der Aviatiker Taine ist bei Albion im Staate New Aork abgestürzt. Sein Zustand ist h o f s n u n g S l o S. Kleine Notizen. Schweres Eisenbahnunglück. AuS B e l f o r t wirb gemeldet: Ein Militärzug mit zwei Batterien Artillerie ist gestem mit einem anderen Zuge zusammengestoßen. Hierbei sind zwanzig Artilleristen verletzt worden. Einer erlitt einen Schädel- b r u ch, an dessen Folgen er st a r b. Tie Untersuchung über den Antwerpen«: Riesenbrand. Die gerichtliche Untersuchung hat ergeben, daß der Feuersbrunst im Holz- lager im Hasen ein anderes Feuer vorausging, das jedoch rechi- zeitig benierkl und gelöscht werden konnte. Die Uiltersuchungs» kommissio» wird dadurch in der Annahme bestärkt, daß das Feuer von verbrecherischer Hand angelegt worden ist. Das Feuer soll gleichzeitig an vier verschiedenen Stellen ausgebrochen sein. Die Höhe des Schadens ist»och nicht festgestellt und schwanleu die Angabe» zwischen 5 und 10 Millionen Mark. Der Ausbruch de»-Aetna dauert fort, hat aber an Heftigkeit a b g e n o m m e n. Der L a v a st r o m hat sich in vier Arme geteilt. Ungeheure Mengen Asche sind auf Carania und die Um- gebung gefallen.— In Florenz wurden gestern zehn E r d- st ö ß e verspürt, von denen drei von ziemlicher Heftigkeit warcu. Schaden wurde nicht angerichtet.» Heftige Unwetter mit starken Regengüssen werden au» Süd- f r a n k r c i ch gemeldet. Mehrere Flüsse sind au« ihren Ufern ge- treten. Einige Eisenbahnlinien im Departement H 6 r a u l t sind ü b e r s ch>v e m m t, Lholcra und Pest. In dem bulgarischen Dorfe Brailitza sind bisher insgesamt sechs CholerasSlle vorgekommen. Die Stadt B r a i l a und der Hafen sind ck o l e r a s r e i.— In der K i r- gisen steppe sind drei neue Pesijiille festgestellt worden, die töd- lich verlaufen sind._ Zlllgemeiiic Krankeu- und Sterbckasse der Metallarbeiter zu Hamburg.(E. H. 29.) Mitgliederversammlungen sindeil slalt in solgenden Filialen: Berlin 2: Joiintag, vormittag» 10 Uhr, in Zadels B auerei. Beramannstr. 5— 7.— Berlin 3: Sonnabend, abend- 8'/, Uhr, tici.tkayscr. Zteichenberger Str. 154.— Berlin 4: Sonnabend abends 8'/, Uhr. bei MertowSli, AndreaSfw. 26.— Berlin 6: Sonntag. vormittags 10 Uhr, bei Wernicke, Ackersir. 123.— Berlin 7: Sonntag, vor- mittags 10 Uhr, bei Prcppcrnau. Vaiewalker Str. 3.— Berlin 9: Soniita> voimiOag« 10 Uhr. bei PiolrowSti, Berlichingenttr. 14.— Zlixdors: Sonnabend. abend« 8'/, Uhr, bei Tadbcrt. Stcinmetzstr. 114.— Lharlottenburg- Sonnabend, abends 8>/, Uhr. im.Boltshau«".— Zinmmrlsbura: Sarai- abcndabend im Vokale von Ostar Btnnie, ällt-Borbage» 56. Freirrligwir Utiinnuiie. Sonntag, den 17. September, vormittaa« 10',. Uhr. bei Lipp». Am Friedrichshain 16-23:„Jugendweihe". Festrede vo» Dr. B. Wille. Gage willkommen. KriefKasten cler l<.eclaktioii. Biel. Das Verlangen aus nochmalige Zahlung erscheint unbegründet Birken Sie aiu ctreichnng des sraglichen Satze« hm.—(g. ft. 1. Ja. Sordenr Sie Sinei rcrniuiig Ihres Anspruchs. Eine etwa nötige Klag« er. scheint ausiichtsooll— 51. P. 40. Nein. Berlin bleibt imterslützungS. ptiichtia.— H- 30. Sie find zahlungspflichtig.—«. Eine«tage beim welverbcgencht auf Lohnzahl», ig ist nach Ihrer Datslellung au«fichto. »oll.— F- 8. 67. Ja.— P. zz. 81. 1. Wir hallen Sie für berechtigt. die Gasleitung fortzunehmen. 2. Der 2. Oktober—<» S. 71. N'.i, der Nechtjprechung der Berliner Gericht» sind Sie im Recht. ES gelten auch Bagatellschaden alS Brandschäden.—®». Z. 10. 1. Nur die An- spl üche, die länger als vier Jahre zurückliegen, sind verjährt. 2. Sie länii.'ii SlbdUse sordcrn, wenn die Uftache der Schäden in ninngelhas.'er Slrbei! ga finden ist.— H(«. 4«. I. Ja 2. Nein.— R. G. 30. Da« ifc-10. bängig von dem etwaige» VerivandllchaslS Verhältnis.— 40. 4\). 83. Sie lönnen sich aus das Einkommen des Kalenderjahres 19l0 berufen, ofev.t nicht etwa eine SlebeitSlojigtett von ununterbrochen mindesten« zehn Wochen w diesen Zeitraum sällt. Ist da« letztere der Fall, io kommt das mutmaßliche Einkommen deS SteueriahreS w Betracht. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstait Paul Singer u. Co., Berlin SW, »r. 217. 28. Jahrs. ScilM Ks Lmiirls"- Anchtn für Oßw, Mm, Wtßtii. 16. Aeptember 1911. r—-——- 1 H An meine werte(Kundschaft! er ) Das ßager in öcr neuesten (jerbst- mt Winter- (Konfektton ist reid) sortiert. Tfleine Taörikate sind ßeßannt reeff, faöeffos im Sit} und seßr sauder gearÖeitef. Vurti) Grsparnis dar teuren Gadenmiete sind die(Preise sehr billig!! Damm-(Mäntel-(Fabrik 9aul ßinck (Rixdorf,(Reuterstmse Wo. 63. an der Kaiser- Trieöricf)- Strasse. TCost�2 #ter tef Adts f 1 —_•• WW-_______________•___ S Am Sonnabend, den 23. September, eröffne ich llroimungsanzelg®! Hermann-Str. 166/167 KaufhausfiirmtaeHerran-imuKnabenbekleidung mit streng festen Preisen.— Besichtigung des Lagers ohne Kaufzwang erbeten. S> Haber, Rixdorf, Hermann-Str. 166/167. Warenhaus A.W8iss& Co. Nachf. Inh. Fritz Prieur. 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