Gr. 223. nbonnementS'Redingtingeti: «lboiinemsnts- PrciS pränumerando: «icrtcljährl. Z,Z0 Wit., motiotl. 1,10 SWf., WSchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Cinjclne Nummer 5 Psg. Eonnlaqs. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage..Tie Neue Well" lv Psq. Poll, tlbounement: l.tll Marl pro Monat. Einaetragen in die Post.Zeiwngs. Preisliste. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich' Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnenienls nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Nuiilänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. Die Tnlertlons-Gebölff pekägt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 80 Psg.. für politische und gewerkschaftliche Lereins- und Bersaininlungs-Anzeigen 50 Psg. „Al-in« Hnrcigen", das fettgedruclie Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedrulllo Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan» zeigen das erste Wort lv Psg.. jede- weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Juserine für die nächste Numnier müflen bis 6 Uhr nachiiiittagS in der Expeditioi! »pgcgeden werdeii. Die Expeditiou ist bis 7 Uhr abends gej-fuet. kflchcllit t?zlllv äii8?r RIontast. Vevlinev Volksblnkk. Zentralorgan der fodaldetnohrat» feben Partei Deutfcblands. »elegramm» Adresse: „SbzlaiiKinslirat Bsrlia". Rcdahtion; 8 Tl. 68. Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. ia83. Hungersnot uoä Regierung. Die preußisch-deutsche Regierung denkt nicht daran, ernst liche Maßnahmen zu ergreifen, um der in Deutschland drohenden Hungersnot abzuhelfen. Seit zwei Monaten steht es für jeder mann fest, daß ein Mangel an Futterstoffen in bisher nicht dagewesenem Umfange eintreten muß. Dieser Mangel führt dazu, daß eine für die gesamte Volkswirtschaft gefährliche Reduktion der Viehbestände eintreten nmß— und damit zu gleich eine weitere Preissteigerung. Denn auf der einen Seite werden alle jene Landwirte, die Futterstoffe zukaufen müssen, die Zlufzilcht junger Tiere, der Kälber und Schweine, auf ein Minimum einschränken und ebenso die Mast; auf der anderen Seite werden, wenn auf solche Weise das Angebot an Schlacht Vieh zurückgeht, die Preise rasch steigen— was wiederum zahlreiche Landwirte bewegen wird, auch den noch übrigen Bestand an Vieh zu reduzieren. Um die Ernährung der Bevölkerung in den nächsten Monaten sicher zu stellen und gleichzeitig einer derartigen Reduktion der Viehbestände vorzubeugen, gibt es ein einfaches Mittel: es muß sowohl Fleisch als Futterstoff nach Deutsch- land geschafft werden zu möglichst niedrigen Preisen. Das ist möglich, wenn die Grenze für die Zufuhr von gekühltem und gefrorenem Fleisch sowie von Schlachtvieh freigegeben wird unter Aufhebung des Zolles, und wenn ferner alles ge- schieht, um die Preise der Futterstoffe aller Art herabzu- drücken. Die Regierung denkt indessen nicht daran, ernstliche Maß- nahmen zu ergreifen. Alles was bisher geschehen ist, besteht in der Herabsetzung der Eisenbahntarife für eine Anzahl Futterstoffe— Hackfrüchte, Oelkuchen, Heu und Nauhfutter aller Art. Diese Ermäßigung erstreckt sich indessen zunächst nicht auf Getreide, das zu Futterzwecken Verwendung finden kann und hat somit nur eine ganz mininrale Bedeutung. Denn es ist eine Tatsache, daß Heu und Rauhfutter kaum aufzutreiben ist, daß ferner sowohl dieses Nauhfutter als auch Kartoffeln und Futterrüben selbst dann, wenn der Frachttarif aus die Hälfte reduziert wird, durch den Eisenbahntransport auf größere Entfernungen derart verteuert werden, daß die Landwirte ganz außer stände sind, diese Futtermittel zu beziehen. Wenn, wie immer noch zu hoffen, die östlichen Provinzen infolge der Ncgenfälle der letzten Wochen einigen Ueberschuß an Kartoffeln haben werden, so ist doch gar nicht daran zu denken, daß die Landwirte ini Westen und Süden diese Kartoffeln als Vieh- futter bezichen können, da der Preis unerschwinglich hoch bleiben muß. Erst in den letzten Tagen hat sich weiter die Regierung entschlossen, auch den Tarif für Mais und Futtergerste um die Hälfte zu ermäßigen. Indessen auch dieser Maßnahme kann keine große Bedeutung beigemessen werden, denn auch bei Mais und Futtergerste ist der Bezug per Bahn nur auf geringe Entfernungen möglich. Die Regel ist, daß diese Gctrcidearten, die in großen Mengen aus dem Aus- lande eingeführt werden, von den Häfen auf dem Wasserwege transportiert werden, und dieser Transport stellt sich immerhin noch billiger als der Trcuisport Per Bahn zu den reduzierten Tarifsätzen. Nur jene wenigen Landwirte, die darauf angetviescn sind, Mais und Futtergerste von den Städten an den schiffbaren Flüssen per Eisenbahn zu beziehen. erfahren also eine kleine Erleichterung. Da es sich dabei um den Transport auf geringe Entfernung handelt, wird es sich um Ersparnisse von ein paar Pfennigen pro Doppelzentner handeln. Bestehen aber bleibt der Zoll, der pro Doppel- zcntner Gerste 1,30 M. beträgt, pro Doppelzentner Mais 3 M. Daß bei der gegenwärtigen Marktlage dieser Zoll voll- ständig von den inländischen Verbrauchern gezahlt iverden niuß, daran zweifelt wohl kein Mensch. Dabei beträgt er bei Mais ein Fünftel des Preises der unverzollten Ware, bei Gerste ein Sechstel. Es ergibt sich also folgendes: der deutsche Landwirt bedarf dringend der ausländischen Futterstoffe. Sie werden durch den Einfuhrzoll horrend verteuert, aber die Re- gierung hebt den Zoll nicht auf; dafür aber setzt sie den Eisenbahntarif herab, was eine Verminderung der Transport- kosten um eine Lappalie bedeutet. Welche Fürsorge, welche Weisheit! Aber die Regierung tut noch etwaS: sie will eine Aende- rung des Branntweinsteuergesetzes bewilligen. Es handelt sich da um folgendes: es sind bekanntlich die junkerlichen SchnapSbrenner privilegiert, sie zahlen von dein in land- wirtschaftlichen Brennereien hergestellten Fusel eine geringere Steuer, als andere Brenner. Als landwirtschaftliche Brenne- rcien gelten solche, die Rohstoffe aus dem eigenen landwirt- schaftlichcn Betriebe der Besitzer verarbeiten und die Neben- Produkte, die Schlempe, in dem eigenen Betriebe an das Vieh verfüttern. AuS den Andeutungen der offiziösen Presse geht hervor, daß diese einschränkenden Bestinunungcn durch eine Verordnung des Bundesrats aufgehoben werden sollen. Die Folge würde sein, daß diese landwirtschaftlichen Brennereien nunmehr auch gekaufte Produkte verwenden würden. Das, so folgern die Offiziösen, würde bewirken, daß mehr Schlempe zum Viehfutter zur Verfügung stehen würde. Die Logik dieser Ausführungen ist schier unglaublich. In normalen Zeiten wird ein Teil der in Deutschland ge- ernteten Kartoffeln sowohl als des Getreides zur Produktion von Iuselgift verwendet, wobei allerdings ein Teil der in diesen Futterstoffen enthaltenen Nährwerte erhalten bleibt als Schlempe. Aber eben nur ein Teil! Die Schlempe, die bei der Verarbeitung von einem Zentner Kartoffeln oder Roggen zu Fusel gewonnen wird, enthält natürlich nur einen Bruchteil an Nährstoff der Kartoffeln und des Getreides. Jetzt fehlt es an Kartoffeln und Getreide. Folglich sollte man annehmen, daß die Vernunft gebietet, die Produktion des Fusclgiftes, wenn nicht gänzlich einzustellen, so doch auf ein Minimum zu beschränken. Es würden dann 2,5 Millionen Tonnen Kartoffeln und 340 000 Tonnen Getreide(so viel vcr arbeiteten im letzten Jähre die Brennereien) als Viehfutter verlvendet werden. Freilich gebe es dann keine Schlempe, aber mit diesen Kartoffeln und dem Getreide kann viermal so viel Vieh ernährt werden, als mit der Schlempe. DieRegierung in ihrer Weisheit will aber das Gegenteil: sie will den Junkern die Möglichkeit geben, das einträgliche Geschäft der Fuselfabrikation nicht einzuschränken, sondern auszudehnen. Allerdings würden dann diese Junker so schlau sein, die auf ihren Gütern ge- wachsenen Kartoffeln nicht in den Brennereien zu verwenden, sondern sie zu verkaufen und würden den Fusel aus Mais brennen, den sie voin Auslände bezichen. Aber das würde zur Folge haben, daß der Mais sofort stark im Preise steigen würde zum Schaden der Kleinbauern, die diesen Futterstoff notwendig brauchen, um ihr Vieh durchzuhalten. Somit ist diese Maßnahme geeignet, die Futternot nicht zu mildern, sondern eher noch für die Kleinbauern zu ver- schärfen. Wie ein so törichter Plan entstehen kann, ist aller- dings begreiflich: er würde den Junkern Millionen einbringen. Sie würden ihre für die Brennereien be- stininiten Kartoffeln teuer verkaufen und trotzdem die profitable Fuselfabrikation, die so fette Liebesgaben bringt, nicht ein- zuschränken brauchen. Aber allem setzt die Tatsache die Krone auf, daß nach wie vor deutsches Getreide nach dem Auslände geht und die Regierung für jeden ausgeführten Zentner Weizen, Roggen und Hafer eine Ausfuhrprämie zahlt. Zur Beschwichtigung weist man darauf hin. daß die Getreideernte Deutschlands reichlich sei. Indessen darf nicht vergessen werden, daß auch in den letzten beiden Jahren, in denen Deutschland Rekordernten in Getreide hatte, die Zu- fuhr an Getreide enorm war. So betrug 1910 die Mehr- einfuhr an Weizen über 2 Millionen Tonnen, während die einheimische Ernte, von der noch die zur Aussaat notwendigen Mengen abzuziehen sind, nicht ganz 3.9 Millionen ergab, die Mehreinfuhr an Gerste rund 3 Millionen Tonnen, bei einer Eigenproduktion von 2,9 Millionen. Bei Roggen ergibt sich dagegen eine Mehrausfuhr von rund 430 000 Tonnen und bei Haser halten sich Einfuhr und Ausfuhr die Wage. In diesem Jahre ist die Getreideernte erheblich geringer als im Vor- jähre, und es kommt hinzu, daß unter allen Umständen die Landwirte erhebliche Mengen Roggen an das Vieh ver- füttern werden, weil sie keine anderen Futterstoffe haben. Somit kann von einem Ueberschuß an Getreide offen- bar keine Rede sein. Trotzdem wurde noch im August der deutsche Roggen als Viehfutter nach Dänemark, Finnland und Polen vertäust, weil die Exporteure ihn dank der Ausfuhrprämie dort billiger abgeben konnten, als einheimischer Hafer kostet. Jetzt allerdings ist der Preis in die Höhe geschnellt, die Ausfuhr lohnt nicht mehr, weil der Preis in Deutschland um den vollen Zoll höher ist, als im Auslände. So hat man künstlich den Getreide- preis in die Höhe geschraubt, trotz der g ü n st i g e n E r n t e. Es ist erreicht I Zu den hohen Fleisch- preisen, zu den unerschlviuglichcu Preisen des Gemüses kommen hohe Brotpreise. Aber eine weise Regierung denkt weder an die Beseitigung des Getrcidezolles, noch an die Aufhebung der Einfuhrscheine, d. h. der Ausfuhrprämie. Auch das hat seinen Grund: die Agrarier erzielen bei einer reichlichen Getreideernte Preise, wie sie noch nie in Deutschland erzielt wurden. So arbeitet die Regierung darauf hin, die Not des Volkes nicht zu lindern, sondern zu steigern. Die blutigen Ereignisse in Wien, die Hungerrevolten in Frankreich und Belgien, lassen die junkerliche Regierung kalt. Sie baut auf die Flinten und Säbel. Wohin sie damit kommt, wird sich zeigen._ Die tlMikoaffäre. Man darf nun endlich zienilich sicher sein, daß die Ver- Handlungen kurz vor ihrem Abschluß stehen. Eine halbamtliche Note der französischen Regierung besagt: Nachdem die gestrige Unterredung zwischen dem Botschafter C a m b 0 n und dem Staatssekretär v. Kiderlen»Wae chter die Neigung Deutschlands bestätigt hat, den Boden einer endgültigen Verständigung mit Frankreich über Marokko zu suchen, kann inan der Ansicht sein, daß nach der Prüfling des deutschen Standpunktes, dem sich die französische Regiernng in diesen Tagen widmen wird und nach einer endgültigen Aus- arbeitung der vorliegenden Formeln ein Einverftündnis wird erzielt werde» können. Fehlt auch auf deutscher Seite ciuc offizielle Bestäsigung, so läßt die offiziöse Presse doch deutlich erkennen, daß die deutsche Regierung die optimistische Auffassung der sremzösischeu teilt. Expedition: 8 Tl. 68, LindenetrasöC 69» j Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. lieber die noch vorhandenen Differenzen macht der „Matin" folgende Angaben: „Deutschland sagt uns: Wir geben Euch Marokko. Gut. Man soll uns Marokko frei von jeder Hypothek geben, die eine Einmischung in Zukunft möglich oder wahrscheinlich macht. Deutschland gibt uns Marokko nicht, wenn eö kraft des Madrider Vertrages im ganzen Lande die Ein- geborenen in deutsche Untertanen verwandeln kann: es gibt uns Marokkos nicht, wenn seine Konsuln in Marokko von den Eingeborenen Schutzgenossensteuer erheben und über sie die bürgerliche und Straf- gerichtsbarkeit ausüben. Deutschland sagt uns ferner: Wir begreifen, daß all das für Euch in Zukunft eine Belästigung darstellt. Wir unsererseits sind bereit, darauf zu verzichten, aber natürlich nur unter der Bedingung, daß auch die anderen Mächte ihren Rechten entsagen. Darauf antwortet Frankreich: Es ist klar, daß Ihr nicht verzichten kömit, wenn die anderen Mächte ihre Rechte bewahren. Wir werden denn auch unser möglichstes tun nud sind ungefähr sicher, bei allen Mächten Erfolg zu haben, um die Unterdrückung der Konsular- gerichte und die Abschaffung des Madrider Vertrages zu erlange». Wir verlangen von Euch nur, daß Ihr erklärt, diese Bedingung grundsätzlich anzunehmen und uns bei der Erlangung der An« »ahme durch die übrigen Mächte behilflich zu sein. DaS ist die Wcchselrede, die vorgestern und gestern zwischen Paris und Berlin stattgefunden hat. Die Formel, die den Nieder- schlag dieser Unterredung jetzt bietet, wird also erklären, daß die grundsätzlich beschlossene Abschaffung der Konsulargerichts« barkeit in Marokko zur Tatsache wird sowie die französischen Gerichte im Lande vollkommen eingerichtet sind, und daß während der Uebergangszeit daS gegenwärtige RechtsprechuitgSsystem in Kraft bleibt." Es handelt sich also in der Tat um so untergeordnete Differenzen, daß die Einigung nicht lange mehr auf sich warten lassen kann, uinso inehr da die Börsen unter der Be- unruhigung des Publikums und unter der Geldklemme leiden und die hohe Finanz mit der weiteren Hinauszögerung unzufrieden ist. Nun sind ja noch über die Kongo- kompcnsationen zu verhandeln sein, doch wird all- gemein angenommen, daß diese Verhaudlungen glatt von statten gehen werden. Die gestrige Erklärung des Unterstaatssekretärs Zimmer- mann an die Bankwelt wird heute offiziös abzuschwächen versucht. Herr Zimmermann habe nur mit Herrn Fürsten- bcrg, dem Direktor der Berliner Handelsgesellschaft gesprochen, mit den anderen Herren nur tclephoniert; er hätte auch nicht von zwei oder drei Tagen, sondern von„einigen Tagen" gesprochen. Geändert wird mit diesem Abschwüchungsversuch natürlich nicht das geringste an der Tatsache, daß das Auswärtige Amt den großen Finanziers Auskünfte erteilt hat, um die Börscnstimmung zu verbessern. Entweder war das„diplomatische Geheimnis" nötig, dann durfte es nicht preisgegeben werden, oder es war nicht nötig und dann war es eine Frivolität, erst das Drängen der Finanz abzuwarten und nicht sofort, dem deutschen Volke zu sagen, daß jede Ge- fahr beseitigt ist. Sehr hübsch ist übrigens, wie der Wert der halb- amtlichen Verlautbarungen, die die französische und deutsche Regierung kürzlich veröffentlichen ließen und die die Ursache der Beunruhigung der Börse waren, jetzt in der offiziösen Presse beurteilt wird. Der Offiziosus der„Köln. Ztg." meint, die Noten wären besser ganz unterblieben, der der „Franks. Ztg." versichert gar, sie wären ja gar nicht ernst gemeint gewesen, da zur Zeit, als sie veröffent- licht wurden, bereits zivischen beiden Unterhändlern ein Aus- gleich formuliert worden war.„Nicht ernst gemeint", ja wenn also die Offiziösesten der Offiziösen solche Kritik an der Diplomatie üben, was sollen dann erst unabhängige Kritiker sagen? Die Anffnssuiig in Paris. Paris, 21. September. Die optimistische Stimmung der Blätter hält auch heute an. Man ist beruhigt über die Ver- sicheruugcn, die der UnterstaatSsekretär Zimmermann den Ver« tretern der Berliner Grobbaiilcn über den bald bevor- st e b e n d e n Abschluß der Verhandlungen gegeben hat. Der Berliner Korrespondent deS„Figaro" erzählt, ein Diplomat, hinter dem man nach gewissen Andeutungen einen französischen vermutet, habe ihm am Sonnabend erklärt: Ich hoffe, das Ab- kommen wird nächster Tage in einer für Deutschland und Frankreich vorteilhaften Weise perfekt werden. Ich glaube, Deutichlandö Antwort wird um zwei Tage verschoben werden. Man darf nicht übertrieben optimistisch sein, weil der endgültige Abschluß, so wünschenswert er ist, nicht nur von der Autivort aus Berlin, sondern auch von der Aufnahme in Paris abhängt. Es scheint nun nach alledem, daß die Antwort, die von Paris zu erwarte» ist, durch- aus günstig sein wird.„Matin" schreibt: Informationen aus Berlin und Paris gestatten es, einen baldigen Abschluß mit Optimismus vorauszusehen. Entlassung der französischen Reservisten. Paris, 2l. September. Eine Note der„Ageuec HavaS" besagt: Die Entlassung der N e s e r v i st e n muß am 24. und 26. Sep- tember für das 6. und 2V. Korps stattfinden, vom 24. September ab für das 7. und 2. Korps, vom 26. September ab für das 1., 0. und 14, Korps, für alle anderen Korps am 24. September. eine Relcösnerbandswaffe. Vom Amtsgericht Berlin-Mitte'(Wteilung 147)' forderte gestern der Hauptgeschäftsführer des ReichsverbandeS zur Belämp- fung der Sozialdemokratie, Dr. Franz Ludwig, die Bestrafung des .,Borwärts"-Redakteurs Richard Barth. Gegen Genossen Barth hatte Dr. Ludwig Beleidigungsklage erhoben, weil er erwähnt war- den war in einem„Vorwärts"-Artikel über eine sehr böse Affäre des Vorsitzenden der demokratischen Partei in Mülhausen(Elsaß), eines Rechtsanwalts Dietz, der bei einem Hausverkauf die Jnter- essen des Besitzers zu vertreten hatte und nach Herabdrückung des Kaufpreises sich vom Käufer eine Provision zahlen ließ. In jenem Artikel(Nr. 225 vom 25. September 1910) wurde gesagt» der„so schwer kompromittierte Ehrenmann Dietz" habe in Mül- hausen im Jahre 1908„die Abschwenkung seiner Partei mit den Liberalen an die Seite des Zentrums und den Lügenfeldzug gegen die Sozialdemokratie mitgemacht", aus dem„ein gewisser Dr. Franz Ludwig das„Material" zu den in dem reichsverbändlerischen Schwindelwerk„Kommunalpolitik und Sozialdemokratie" nieder- gelegten Verleumdungen geschöpft" habe. Das Buch des Dr. Franz Ludwig, das er im Vorwort den bürgerlichen Parteien als eine „solide Waffe" in ihrem Kampf gegen die Sozialdemokratie emp- fichlt, greift unter anderem auch unsere Mülhauser Genossen wegen ihrer Tätigkeit im Gemeinderat an. Ein früherer Termin war vertagt worden, weil Barths Ber- teidigcr, Rechtsanwalt Hugo Heinemann, den Wahrheitsbeweis dafür anbot, daß in Ludwigs Buch gerade über die Mülhauser Verhältnisse wider besseres Wissen Unwahres behauptet werde. Als gestern der Verteidiger noch einen ähnlichen Beweisantrag auch bezüglich der Ludwigschcn Schilderung der Offenbacher Verhältnisse stellte, wehrte sich dagegen der Rcchtsbeistand des Klägers, Justizrat Stolte. An dem gegen Ludwig erhobenen Vorwurf des Artikels, Wider besseres Wissen gehandelt zu haben, werde nichts geändert, auch wenn bewiesen werde, daß seine Darstellung unrichtig sei. Es bliebe beleidigend, daß der Artikel ihn zusammen mit jenem Dietz genannt und von„Lügenfeldzug" und„Schwindelwerk" gesprochen habe. Der Verteidiger entgegnete, das sei das Wertvolle an diesem ganzen Prozeß, daß man sich hier so sehr dagegen wehre, den wirklichen Sachverhalt festgestellt zu sehen. Das Gericht kam zu dem Beschluß, der neue Beweisantrag sei schon deshalb abzu- lehnen, weil der Artikel nur formale Beleidigungen enthalte. Ge- klagt hat auch Ludwig nur wegen formaler Beleidigung. Es wurde dann in die Beweisaufnahme eingetreten, die in der Verlesung der Aussagen einer Reihe kommissarisch vernommener Zeugen bestand. Die Vernehmung hatte sich hauptsächlich darauf erstreckt, ob es wahr sei, daß in Mülhausen, wie Ludwigs Buch behauptet, unter der Herrschaft der sozialdemokratischen Gemeinde- ratsmehrheit die Schuldenlast der Stadt sich von 5%' Millionen Mark auf 28 Millionen Mark gesteigert habe und diese Mehrheit aus parteipolitischen Erwägungen durch Errichtung des einen Ar- beiter darstellentwn Monumentalbrunnens die Herrschaft des Mannes mit der schwieligen Faust habe dokumentieren wollen. In den Aussagen der vom Kläger benannten Zeugen kamen allerlei Meinungen und Ueberzeugungen zum Ausdruck, die sich in derselben Gedankenrichtung wie das Ludwigsche Buch bewegten. Ludwigs Behauptung über die Schuldenlast stützte sich auf ein Flugblatt, das im Jahre 1903 während des Wahlkampfes dem„Mülhauser Tageblatt" beigelegt worden war. Greifbareres ergab sich aus den Aussagen der von der Verteidigung benannten Zeugen. Ober- regierungsrat Kayser-Metz, der 1902—1903 in Mülhausen Bürger- meiftcr war, hat bekundet, die Aufstellung des Brunnens sei keines- ttegs nur auf die Sozialdemokraten zurückzuführen. Der Vorschlag sei von ganz anderer Seite ausgegangen, und unterstützt habe ihn dann er selber. Auch für die Anleihe seien nicht nur die Sozial- demokraten, sondern ebenso auch andere Mitglieder des Gemeinde- rats eingetreten und mit ihnen wieder er selber. In der Aussage des Reichstagsabgeordneten Emmel-Mülhausen wurde betont, daß der Sozialdemokratie in dem Gemeinderat Mülhausens schon 1906 die Mehrheit wieder verloren gegangen war. 1907 habe dann die Schuldenlast der Stadt sich auf 22 Millionen belaufen, wenn man das Elektrizitätswerk einrechne, das inzwischen von der Stadt mit Nutzen, wie der Käufer meine, verkauft worden sei. Für die Er- richtung des Brunnens ist Zeuge nicht mit eingetreten. Aus dieser Beweisaufnahme wurde von dem Rechtsbeistand des Klägers, dem Justizrat Stolte, der Schluß gezogen, es sei nicht zu bezweifeln, daß Ludwig im besten Glauben gehandelt habe. Selbst wenn er etwas gesagt habe, was nicht zutreffe, so dürfe man nicht gleich von Lüge und Schwindel reden.„Gerade in der sozialdemo- kratischen Presse findet man," fügte er hinzu,„tagtäglich Auf- reizungcn und Aufhetzungen, und ohne Lüge und Schwindel geht nun einmal eine solche Sache nicht ab." Als hier der Verteidiger protestierend ihn unterbrach, wiederholte der Vertreter des Klägers: „Ohne Lüge und ohne Schwindel geht eS in den Angriffen auf andere nicht ab." Der Antrag des Verteidigers, diese Aeußerung zu rügen, veranlaßte den Vertreter des Klägers zu der Korrektur: „Ich meine, ohne die Worte Lüge und Schwindel geht es nun einmal nicht ab." Das Gericht lehnte durch Beschluß ab, eine Rüge zu erteilen. Der Vorsitzende sagte zur Begründung:„Die Aeußerung ist lediglich tatsächlicher Art und steht immerhin zu dem vorliegenden Prozeß in einer sehr nahen Beziehung." Der Ver- treter des Klägers fuhr dann fort:„Bezüglich des Strafmaßes bitte ich, die Borstrafen des Angeklagten zu berücksichtigen und stelle anHeim, ob nicht gegen ihn auch in diesem Fall, wie schon in früheren, auf Freiheitsstrafe zu erkennen ist. Es scheint doch so, wie wenn dem Angeklagten durch diese Vorstrafen das Beleidigen nicht abgewöhnt worden ist." Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heincmann, nagelte eS als charakteristisch fest, daß der Kläger, der selber Schriftsteller sei, einem Redakteur seine im Beruf erlittenen Borstrafen vorwerfen und Freiheitsstrafe beantragen lasse. Das Gericht werde zu einer Freisprechung schon deshalb kommen müssen, weil die Ausdrücke „Lügenfeldzug" und„Schwindclwerk" nicht, wie die Klage behaup- tet, formale Beleidigungen enthalten, sondern bestimmte Tatsachen behaupten. Auch das Gericht scheine ja auf diesem Standpunkt zu stehen, da es soeben selber die Ausdrücke„Lüge" und„Schwindel" als Angaben tatsächlicher Art bezeichnet habe. Dem Angeklagten stehe der Schutz des 8 193 zur Seite, weil er gegenüber dem Kläger, der die Sozialdemokratie angegriffen habe, in seiner Eigenschaft als Redakteur eines sozialdemokratischen Blattes mit der Abwehr durch jenen Artikel berechtigte Interessen gewahrt habe. Der an- gebotene Wahrheitsbeweis dafür, daß Ludwig wider besseres Wissen Unwahres gesagt habe, sei zwar beschränkt worden, habe aber doch noch genug erbracht. Jetzt sehe man, daß der auf„amtliches Material" sich berufende Verfertiger der„soliden Waffe" sich u. a. auf ein Flugblatt gestützt habe, das von Gegnern der Sozialdemo- kratie zusammengeschrieben worden sei. Widerlegt sei die Be- hauptung, daß die sozialdemokratische Gemeinderatsmehrheit die Schuldenlast der Stadt auf 28 Millionen Mark gesteigert habe, widerlegt auch die Behauptung über die Motive der Errichtung des Brunnens. Der Angeklagte sei freizusprechen. In einer Erwiderung bestritt Justizrat Stolte, Freiheitsstrafe gefordert zu haben; aber der Vorwurf der Lüge verdiene harte Kejtrajnug. AkgtKggMt KeillMBBB JpBjtatiejie, daß hex Kläger sich üsier Lest Vorivurf Ler Lüge estlrüste, AS'chdeR er seih Li Urlwahrheiten über die Sozialdemokratie behauptet habe. Das Urteil wurde gestern noch nicht gesprochen. ES soll in 8 Tagen verkündet werden, weil dann— wie der Vorsitzende sagte —„die Gründe bestimmter, klarer und schärfer zum Ausdruck kommen können". Uns dünkt, die Gründe zur Freisprechung und Zurückweisung der Klage sind schon jetzt leicht zu finden, nachdem dem Kläger die Verbreitung von Unwahrheiten nachgewiesen und von dem Vertreter des gewerbsmäßigen Angreifers der Sozialdemo- kratie erklärt ist:„ohne Lüge und ohne Schwindel geht es in den Angriffen auf andere nicht ab." j. poUtifcbe OcbcrHcbt. Berlin, den 21. September 1911. Herbsttagung des Reichstages. Nach einer Meldung des Wolfschen Telegraphenbureaus beabsichtigt der Präsident des Reichstags die nächste Plenar- sitzung des Reichstags auf Dienstag, den 17. Oktober einzuberufen. Da der Reichstag vom 31. Mai bis zum 19. Oktober vertagt worden ist, sieht es in dieser politisch bewegten Zeit wie ein Kompliment an den Absolutismus aus, wenn der selbstverständlich im Einvernehmen mit der Regierung handelnde konservative Rcichstagspräsident die dem Parlament zur Ver- sügung stehende Zeit noch um eine volle Woche verkürzt. Die Reichsregierung wird trotzdem sowohl über die Marokkofrage Auskunst geben, wie ihre Stellung zu der immer steigenden Lebensmittelteuerung verantworten müssen. Der Arbeitsplan für die Herbstsession des Reichstages. Wie eine hiesige halboffiziöse Korrespondenz mitteilt, wird der Reichskanzler beim Zusammentritt des Reichstags mit den Führern der Reichstagsfraktionen Besprechungen abgehalten, in denen er die Richtlinien für die Gestaltung der Arbeiten der Nach- session im Sinne der Regierung darlegen wird. Der Senioren- konvent soll daraufhin einen Arbeitsplan festsetzen. In erster Linie soll die Privatbeamtenpensionsvorlage der Kommission überwiesen werden und die zweite Lesung des Schiff- fahrtsabgabcngcsetzeS im Plenum vorgenommen werden. Alsdann soll die dritte Lesung der kleinen Strafgesetznovelle ver- abschiedet werden und die Beratung des Hausarbeitsgesetzcs und der Gewerbeordnungsnovelle aufgenommen werden. Bei diesen beiden Vorlagen will die Regierung den im Reichstage geäußerten Wünschen entgegenkommen, um die Erledigung zu beschleunigen. Auf die Verabschiedung der Arbeitskammervorlage wird von der Regierung endgültig verzichtet, doch wird die Erledigung der Strafprozeßordnung und der Fcrnsprcchgcbührcnordnu�g rcgic- rungsseitig für notwendig erachtet. Der Wahlfonds des Zentralverbandes dentscher Industrieller. Der Zentralvcrband deutscher Industrieller macht mobil für den Wahlkampf. Er hat, wie die„Post" mitteilt, an seine sämt- lichen Mitglieder ein Rundschreiben erlassen, in dem auf die kom- Menden Reichstagswahlen hingewiesen wird, welche eine Scheidung nach links und nach rechts mit sich bringen werden. Der Zu- sammcnsetzung des nächsten Reichstages komme für die„Fort- entWickelung unseres nationalen Wirtschafts- l e b e n s eine besondere Bedeutung zu. Deshalb, so heißt es weiter, sei es„nationale Pflicht der großen wirtschaftlichen Ver- bände, daran zu erinnern, daß unser blühendes Erwerbsleben durch schwere Erschütterungen bedroht wird, deren Folgen sich überall — von den größten Unternehmungen über den gewerblichen Mittel- stand bis zum Kleingewerbetreibenden keinen ausgenommen— bemerkbar machen werden, wenn die wechselseitige Erbitterung und Verbitterung in den bürgerlichen Erwerbskreisen, die doch aufein- ander angewiesen sind, noch weiter um sich greift und die Kluft zwischen den bürgerlichen Parteien immer mehr vergrößert wird." Vornehmlich aber sollte sich die Industrie mit Rücksicht auf ihre schwierige Lage gegenüber dem Weltmarkt und gegenüber dem überstarken sozialpolitischen Drucke un° seres Wahlrechts auf die Fraktionen des Reichstages davor hüten, ihr Wohl und Wehe der mehr oder weniger großen Geschicklichkeit der Führer einer einseitigen Parteirichtung an- zuvcrtrauen. Es muß angenommen werden, daß die Vertreter des beut- schen Volkes in allen bürgerlichen Parteien des Reichstages ge- willt sind, das Wohl der Gesamtheit zu fördern; weil dem so ist, kommt es vor allem darauf an, dafür Sorge zu tragen, daß sie über die vielfach überaus komplizierten Zusammenhänge der Dinge gründlich und von ihnen vertrauenswürdig erscheinender Seite unterrichtet werden. Gerade hieran fehlt eS und hat es viel zu lange gefehlt. Denn viel zu wenig in der In- dustrie tätige oder der Industrie nahe st eh ende und mit ihren verschiedenartigen Bedürf- nissen vertraute Männer sind im Reichstage und somit in der Lage, an dem wichtigsten Rechte der Reichs- bürger, an der Mitwirkung bei der Gesetzgebung, teilzunehmen. Getragen von dieser Ueberzeugung und in der Hoffnung, daß diesem Uebelstande nach und nach abgeholfen werden könne, hat der Ausschutz des Zentralverbandes Deutscher Industrieller durch die Begründung des industriellen Wahlfonds den Willen bekundet, auf die Wahl von industriellen und in- dustriefreundlichen Männern möglichst in allen hürgerlichen Par- teien hinzuwirken. Nichts kann der gesamten deutschen Industrie nützlicher sein. alS wenn in allen bedeutenderen bürgerlichen Fraktionen des Reichstages demnächst mehr Bi ä n n e r a u s der Industrie selbst und aus der Industrie nahestehenden Kreisen mitarbeiten, welche durch ihre persönlichen Eigenschaften und Erfahrungen Gewähr dafür bieten, daß die Fraktionen über ihre Darlegungen nicht achtlos hinweggehen werden. Nicht also eine einseitige Partcirichtung einseitig zu unter- stützen, sondern die Entsendung möglichst zahlreicher Vertreter oder doch zuverlässiger Freunde der Industrie in möglichst viele bürgerliche Fraktionen anzustreben, das ist heute angesichts der Entwicklung, welche die Dinge genommen haben, mehr denn je die wirtschafts- und sozialpolitische Pflicht der industriellen Ver- bände. Da seit der letzten Reichstagswahl im Jahre 1907 der Zentral- verband eifrig für seinen„i n d u st r i e l l e n WahlfondS" gesam- melt hat, dürfte eine recht ansehnliche Summe zusammengebracht worden sein. Zur Stichwahl in Düsseldorf. Die Nationallibcralen scheinen einstweilen noch wenig geneigt, dem Zentrum bei der Stichwahl in Düsseldorf, die am 29. d. M. stattfinden wird, die vom Zentrum so heiß erflehte Wahlhilfe zu leisten. Die Nationalliberalen wollen dem Zentrum nur dann Helfersdieniste leisten, wenn es für Rheinland-Westfalen zu dem von den Nationalliberalen angestrebten Gegenseitigkeitsvertrag kommt. Zeigt hier das Zentrum kein Entgegenkommen, so wollen die Nationalliberalen auch bei der Stichwahl Stimmenthal- t u n g üben. Die„Kölnische Z t g." setzt den Beschwörungen der„Kölnischen Volksztg.", die wir gestern erwähnten, kaltblütig den Standpunkt entgegen: „Für uns bleibt zur Beurteilung der Düsseldorfer Wahl bestehen, weiß wir in Nx. QU geschrieben haben:-Die libebgle l Wählerschast soll eS bei elnSr ErsaMahl mit Stichwahl Ser» meiden, der Stellungnahme und der Taktik der Liberalen bei den Hauptwahlen inl Rheinland und Westfalen vorzugreifen. Die liberale Wählerschaft sollte sich für eine bevorstehende Er- satzivahl zurzeit weder nach rechts noch nach links drängen lassen, um keinen Präzedenzfall für eine SUch- w a h l ta kt i k bei den Hauptwahlen im kommenden Januar zu schaffen." Das Vaterland gerate nicht in Gefahr, wenn für die paar Wochen, die der jetzige Reichstag noch sein Leben fristet, der eine oder andere der beiden Gegner als Vertreter für Düsseldorf ge- wählt werde. Wenn also das Zentrum nicht noch rechtzeitig den verlangten Pakt mit den Nationalliberalen abschließt, dürften bei der Stich- Wahl in Düsseldorf die Nationalliberalen das Zentrum seinem Schicksal überlassen. Natürlich werden trotzdem unsere Genoffen mit äußerster Kraft agitieren, zumal ja die Wahlagitation für die Sozialdemokratie keineswegs nur dem Zwecke der Mandats- gewinnung, sondern in erster Linie der Aufklärung der Massen dient. Eine Meldung in der bürgerlichen Presse besagt, daß die Sozialdemokraten die Gültigkeit der Breit- scheidschen Stimmzettel anfechten wollen, weil dar- auf der Wohnort des Kandidaten Breitschcid fehlt. Die Meldung ist unzutreffend. Richtig ist, daß die Breitscheidschen Stimm- zettel diesen Mangel haben, und daß in früherer Zeit auch wieder- holt sozialdemokratische Stimmzettel deshalb kassiert wurden. Die Sozialdemokraten werden aber selbstverständlich keinen Nutzen aus diesem Versehen zu ziehen suchen. Wachsende Ansprüche des Lnftmilitarismus. Während der Militarismus zu Lande und zu Wasser immer abenteuerlichere Ansprüche an die Stenerkraft des Volkes stellt, beginnen jetzt auch noch obendrein die Anforderungen des Luftmilitarismus immer beträchtlicher zu werden. Zu den Millionen, die schon jetzt für lenkbare Luftschiffe, die sogenannten„Luftkreuzer" der verschiedenen Systeme, ans- gegeben worden sind, kommen auch jetzt die Millionen für die Flugapparate. Wie die„Neue Preußische Korrespondenz" von„zuständiger Seite" erfahren haben will, werden die „zufriedenstellenden" Leistungen der Flugapparate bei den Manövern unsere Heeresverwaltung veranlassen, demnächst beim Reichstage größere Mittel für die Be- schaffung von Flugapparaten und zur Ausbildung mili- tärischer Flieger zu beantragen. Die Höhe der anzu- fordernden Summe sei einstweilen noch nicht festgestellt. Die Zahl der auszubildenden Militärflieger werde grundsätz- lich geheimgehalten, doch gehe das Bestreben dahin, den Vorsprirng Frankreichs möglichst rasch ein- z u h o l e n. Der demnächst in Breslau zusammentretende Luftschiffer- tag will angeblich die Einstellung von fünf Millionen zur Förderung der militärischen Aviatik fordern, während von einer anderen Seite bereits kürzlich behauptet wurde, daß für die Zwecke der Luftschiffahrt iu den nächsten Etat gar die Summe von 17 Millionen eingestellt werden solle. Diverse Millionen werden es auf jeden Fall sein. Und je größere Anstrengungen Deutschland macht, den französischen Vorsprung einzuholen, desto fieberhafter wird Frankreich seine Militär- aviatik zu fördern suchen. So werden wir auch in der Luft das internationale Wettrüsten erleben! Ein Fälscherkunststück. In der letzten Dienstags- und Mittwochsnummer des„vorwärts" berichteten wir unter der Ueberschrift„Wer hat gefälscht?" über die von der amtlichen.Weimarischen Zeitung" an einer Jenaer Rede Bebels vorgenommenen Fälschung und veröffentlichten zwei auf diese Fälschung bezüglichen Erklärungen deS Korrespondenz« bureauS Schweder u. Hertzsch und der Korrespondenz Herzberg. Nach der stenographischen Aufnahme hat Bebel am 10. September in seiner Eröffnungsrede zum Jenaer Parteitag gesagt: „Die Teuerung verschwindet auch nicht mehr. Die Preise gehen leicht in die Höhe, aber sehr schwer wieder herunter. Die Verkäufer und Produzenten werden jeden Widerstand gegen eine Verbilligung leisten, und dann tritt für das Deutsche Reich die sehr ernste Frage der Lebensmittelpreise in den Vordergrund. Wir müssen die Oeffnung der Grenzen, die Herabsetzung der Zölle, die Einfuhr fremden Fleisches und Viehes, die Aufhebung der Einfuhr- scheine, die Veseitigung der Futtermitlelzölle verlangen. In dem Lugenblick aber, wo es uns, unterstützt von der ungeheuren Masse des Volkes, gelingt, eine oder die andere dieser Forderungen durch- zusetzen, hat das Reich ein erhöhteSDefizit, weil das Reich doch auf den indirekten Steuern und Lebensiniltelzösicir aufgebaut ist.(Lebhaftes Sehr richtig!) Und dann muß das Reich an diejenigen Klassen heran, welche Steuern noch auf- bringen können. Ist aber einmal die Bourgeoisie zur direkten Besteuerung herangezogen, ja dann schweigen alle Flöten, dann hört der Patriotismus auf." Aus diesen letzten Sätzen hat die.Wcimarische Ztg." die Worte gemacht: „Wir fordern die Beseitigung der Zölle. weil wir dem Deutschen Reiche den Lebensnerv ab- schneiden wollen." Als Bebel diese Verdrehung seiner Worte in Jena annagelte, entschuldigte sich dieses ehrsame Amtsblatt damit, es hätte jenen Satz einer bekannten zuverlässigen Korrespondenz entnommen. Als diese Korrespondenz wurde auf dem Parteitag die von der Firma Schweder u. Hertzsch herausgegebene„Journalpost" genannt; doch bestritt diese Firma in einer uns zugesandten Erklärung die Rich- tigkeit der Vermutung. Jetzt stellt sich heraus, daß tatsächlich die..Weimarische Ztg." den Bericht von Schwedcr u. Hertzsch benutzt hat(sie gesteht eS selbst in ihrer Nr. 220 vom 10 d. Mts.), doch hat sie nicht diesen Bericht direkt bezogen, sondern aus der„Jenaischen Ztg." abgeschrieben, und ferner hat sie sich keincslvegS genau an den von der„Jenaischen Ztg." veröffentlichten Wortlaut gehalten, sondern ihn obendrein ihren sauberen Zwecken entsprechend„korrigiert". Nach der«Jcnaischcn Ztg."(Nr. 214) soll Bebel nämlich ge- sagt haben: „Alle Erfahrungen zeigen uns. daß Preise leicht steigen, aber nur sehr schwer wieder fallen. Wir müssen selbstverständlich die Oeffnung der Grenzen verlangen, ferner die Herabsetzung der LebenSinittclzülle, die Beseitigung der Futtcrmittclzölle usw. lBeifall.) In dem Augenblick, wo es uns gelingt, weite Brvöl, kcrungskreise in diese unsere Bewegung hineinzuziehen, ist dem Deutschen Reich der Lebensnerv abgeschnitten. da seine Existenz auf indirekten Stenern beruht. Dann wird die Regierung zu direkten Steuern greifen müssen, und wenn wir erst direkte Steuern im Reiche haben, dann schweigen alle Flöten, dann hört der Patriotismus auf." Wie ein Vergleich mit dem obigen Stenogramm zeigt, ist dieser Text sehr ungenau und mißverständlich. Von einem Abschnei- den deS Lebensnervs hat Bebel überhaupt nicht gesprochen. sondern von dem Eintreten eines erhöhten Defizits, --- öoch der nafionglxi,.MiLWischeB Ztg." genügte selbst diesec ImttdjHfle, betBaff�otnh Text noch nicht, sie lieh die derschiedenen Zwischensätze fortfallen und Bebet kurzweg sagen:„Wir for- dern die Beseitigung der Zölle, weil wir dem Deutschen Reiche den Lebensnerv abschneiden wollen." Sicherlich ein recht niedliches Fälscherkunststück. Herr Professor Schiemann als Märchenerzähler. � Das Attentat gegen S t o l y p i n gibt Professor S ch i e- in a n n in seiner letzten Wochenübersicht in der„Sireuzzeitung" Gelegenheit, seine üblichen Kannegictzcreien über das unheimliche Treiben der russischen Revolutionäre loszulassen. Dabei über- nimmt der Herr Gcschichtsproscssor unbesehen alles, was in den -russischen Regierungsblättern, auch in der von ihm als lügnerisch und verleumderisch qualifizierten„Wowoje Wremja", aus Polizei- lichen Quellen veröffentlicht wird. Wir würden auf diese Kon- susion des Herrn Geschichtsprofcssors nicht hinweisen, wenn in der letzten Wochenübersicht nicht Spuren böswilliger Tat- sachenverdrehung enthalten wären. So läßt Professor Schiemann einen in Moskau verhafteten Sozialdemokraten an einer Pariser Terroristcnkonferenz teilnehmen und bringt die Verhaftungen unter Gewerkschaftsmitgliedern in Moskau mit terra- ristischen Aktionen in Verbindung. Endlich leistet er sich aber auch die recht niedliche Denunziation, das Attentat gegen Stolypin sei der erste terroristische Akt der vor kurzem erfolgten Vereinigung der Sozialrevolutionäre, der finnländischen Terroristen und des jüdischen Bundes! Wir möchten dem Herrn Professor seine Judenhetze nicht verderben, das eine sollte er aber doch wissen, um sich vor seinen Studenten nicht schämen zu müssen, daß weder die Moskauer Sozialdemokraten noch der Bund, noch irgendeine andere sozialdemokratische Organisation jemals an terroristischen Unternehmungen teilgenommen haben, da sie de n Ter- ror als unbrauchbares politisches Kampfmittel betrachten._ Unterschlagungen durch einen Offizier. Der Oberleutnant Wisotzki von der 1. Werftdivision hatte sich tvcgen Unterschlagung vor dem Marinekriegsgericht in Kiel zu ver- antworten. Wisotzki gehörte früher zur Besatzung des Linien- Ischiffes„Braunschweig" und bat hier ihm übergebene Spargelder der Rekruten unterschlagen, die Zinsenberechnung gefälscht und den Vorgesetzten falsche Meldung abgestattet. Das Urteil lautete auf 1*6 Jahre Gefängnis und Dienstentlassung. Die Berhand- tung fand, wie immer, wenn die Angeklagten Offiziere sind, unter llusschluß der Oeffentlichkeit statt. Die revolutionäre Bewegung in Spanien. Madrid, 20. September. Man glaubt, Mh morgen der sAeneralausstand ausbrechen wird. Die Regierung ist fest entschlossen, jede Agitation zu verhindern und mit aller Strenge gegen diejenigen vorzugehen, die sich außerhalb des Gesetzes stellen. DieTruppen sollen unnachsicht. iich von der Waffe Gebrauch machen. In Saragossa, Barcelona und Sevilla herrscht Ruhe. In E l F e r r o l ist die Arbeit allgemein ein- gestellt, die Verpflegung ist sehr schwierig: zum Brotbacken sind Militärbäcker herangezogen worden. Der Gouverneur von Valencia erklärte, die Lage sei derart, daß die aus Madrid entsandten Truppen nach ihrer Garnison zurückkehren könnten. Ter Streik in Madrid. Madrid, 21. September. Die Stadt bietet heute den ge- wohnlichen Anblick.(?) Die Wirkungen des Streiks zeigen sich allein darin, daß auf mehreren Bauhöfen die Ar- deitcr fehlen, die Droschkenkutscher nicht in Tätigkeit sind und die Zeitungen entweder gar nicht oder nur in beschränktem Umfange erscheinen konnten. Irgend ein Zwischenfall hat sich heute früh nicht ereignet. Man erwartet, daß der Versuch eines Generalstreiks wegen des Mangels an Einmütigkeit unter den Arbciterverbänden scheitern(?) werde. In dem Volkshause wurde gestern nachmittag eine Haus suchung vorgenommen. Zwischen mehreren Grup- Pen, die sich vor dem Gebäude angesammelt hatten, und Polizeibeamten kam es zu leichten Zusammen st ößen. Der sozialistische Stadtrat Quejido wurde verhaftet. Fortdancr der Agitation. Madrid, 21. September. Die Wiederausnahme der Arbeit »nacht sich in der Provinz bemerkbar, jedoch dauert die Agitation in den Provinzen Gijon und Valencia fort. Iii Jativa warfen die Streikenden mit Steinen nach den Truppen, die darauf Schüsse abfeuerten. Eine Zivilperson wurde getötet, vier wurden verwundet. Oettem�cb. Das Todesopfer der Teuerungsdemonstration. Wien, 21. Sept.(Privattclegramm des„Vorwärts".) Die Wiener Sozialdemokratie hat heute den: Todesopfer der großen Teuerungsdemonstration, dem Eisen- dreher Prötzenberger, das Geleit zur letzten Ruhestätte gegeben. Trotzdem es ein Wochentag war, folgten 20 0 0 0 bis 25000 Arbeiter dem Zuge. Fast alle Fabriken Wiens hatten Deputationen mit Kränzen geschickt, deren Zahl LOO erreichte. Einige große Fabriken waren vollzählig ver- treten. Das Leichenbegängnis des Getöteten fand nachmittags um 2 Uhr statt. Der lange Trauerzug bewegte sich durch ein Spalier von Tausenden von Menschen vom Hospital nach dem Ottakringer Friedhof. Ten Zug eröffneten die Ottakringer Genossen, die in Zchnerrcihen marschierten. An der Spitze des Zuges wurde ein zwei Meter hoher Kranz getragen, dessen zwei Schleifen die ganze Breite der Straße ausfüllten. Sie trugen die Inschrift: Dem Todesopfer vom 17. September: Die Sozialdemokraten Ottakrings. � 20 Minuten dauerte der Vorbeimarsch der Ottakringer Genossen. Dann erschienen die 30 Reihen der Kranzträgcr. Hierauf folgte der vierspännige Leichenwagen, hinter diesem die Trauerwagen mit den Eltern und Geschwistern. Daran schloß sich der Zug der Arbeiter, an ihrer Spitze die P a r t e i- Vertretung. Den kleinen Friedhof selbst konnten nur die Kranzträger betreten, während die Menge am Friedhof vorbeidefilierte. Am Grabe sprachen die Genossen Abgg. Per n er st orfer, Tomaschek und Schuhmeier. Mit dem Vortrage des Liedes„Ruhe sanft" durch den Ar- beitersängerbund fand die Trauerfeier ihren Abschluß. Die Regierung hatte wieder höchst provozierende Vorkehrungen getroffen. Außer einem großen Polizeiauf- gebot waren mehrere Kompagnien und Schwa- dronen verschiedener Regimenter im Bezirk Ottakring zusammengezogen. Doch verlief die Beisetzung ohne jede Störung. Das Publikum verteilte sich in voll- ckommenerOrdnung, so daß gegen 4 Uhr der größere Teil des Polizeiausgebots zurückgezogen wurde. I frauliveicb. W-• Ein starkes Stück. Paris, 20. September. Ministerpräsident Caillaux hat jede Straßenkundgebung gelegentlich der am nächsten Sonntage gegen den Krieg und gegen die Lebens- mittelteuerung stattfindenden Proestversammlungen unter sagt..■, Italien. '... Die Tripolisfragt. Die italienischen Imperialisten halten anläßlich des Marokko- konflikts die Gelegenheit zu einem aktiveren Vorgehen gekommen und propagieren ein Eingreifen Italiens in Tripolis. Dazu meldet nun ein Telegramm aus Konstantinopel: Die Bürger- meister, Ulemas, Scheichs und Notabeln von Tripolis sandten an den Großwesir eine Depesche, in der die sofortige Ent- sendung von Munition und Lebensmitteln für ein Jahr sowie die Befestigung des Landes verlangt und die Hoff- nung ausgedrückt wi�-. daß sich das Kabinett in k e i n e V e r- Handlungen zur Gewährung von wirtschaftlichen Privilegien an Italiener einlassen werde. Die Bevölkerung wolle aber die diplomatische Aktion der Regierung nicht hemmen. Nachts wurde beim Großwesir ein Ministerrat abge- halten, welcher sich auch mit Tripolis beschäftigte, und insbeson- dere, wie verlautet, über die militärische Organisation in. Tripolitanicn beriet. Dolland. Für das allgemeine Wahlrecht. Haag, 20. September.(Eig. Bcr.) Die politischen und ge- werkschaftlichen Organisationen der holländischen Arbeiterschaft veranstalten schon seit Jahren zur Eröffnung der Generalstaaten — des holländischen Parlaments— eine Wahlrechtsdemonstration. Bisher fand diese stets an einem Sonntag in einer der größeren Städte des Landes statt. Diese allgemeinen Wahlrechtsdemonstra- tionen haben wohl agitatorische Wirkung erzielt, indem immer größere Massen des Volkes aus ihrer Lethargie aufgerüttelt und für die Bewegung gewonnen wurden, aber der Eindruck auf die Regierung und die herrschenden Klassen reichte nicht aus, um auf dem Wege zum allgemeinen Wahlrecht wirklich vorwärts zu kommen. Die vorige liberale Regierung wollte durch eine Verfassungsände- rung— einen sogenannten Blanko-Artikcl— erst einmal die Buhn frei machen für eine Wahlrechtsreform, die dann auf dem einfachen Wege der Gesetzgebung durchgeführt werden sollte. Daraus ist aber nichts geworden. Die klerikale Regierung, die jetzt am Ruder ist, hat eine Kommission zur Untersuchung der ganzen Vcrfassungs- frage eingesetzt, und das Resultat der Kommissionsarbcit wird wohl demnächst ans Tageslicht kommen. Daß es auf diesem Wege zur Einführung des allgemeinen Wahlrechts kommen sollte, scheint aus- geschlossen. Offenbar ist das Ganze nichts als eine Komödie, um die Massen des Volkes noch weiterhin um ihr wichtigstes Staats- bürgerrecht zu prellen. Nach all den Erfahrungen machte sich in der Arbeiterschaft natürlich der Drang geltend, schärfere Mittel anzuwenden, den herrschenden Klassen und ihrer Negierung die Forderung des allgemeinen Wahlrechts etwas eindringlicher vor Augen zu führen. Darum wurde auf dem diesjährigen Parteitag der Beschluß gefaßt, die Demonstration diesmal nicht am Sonntag, sondern am Dienstag, den 19. September, dem Eröffnungstage des Parlaments, und in der Parlaments- und Residenzstadt Haag zu veranstalten. Zudem wurden im ganzen Lande mit großem Eifer und Ausdauer Unterschriften für die Wahl- rechtspetition zur Ueberreichung an die Regierung gesammelt, und die Petition ist von 317 099 Männern»nd Frauen unterzeichnet worden. An dem Demonstrationszuge und der gewaltigen Demon- strationsversammlung unter freiem Himmel aber nahmen rund 29 999 Personen teil. 950 Organisationen mit über 600 Fahnen und Bannern waren vertreten. Von 8 Rednertribünen wurden Ansprachen gehalten, und die Redner ließen keinen Zweifel darüber, daß sich die Demonstrationen von Jahr zu Jahr in wachsender Stärke wiederholen werden, und zwar an einem Wochentag. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß dies, wenn man die Forderung nicht beizeiten erfülle, binnen 3— 4 Jahren zum Massenstreik für das allgemeine Wahlrecht führen werde. Daß ein starker Druck zur Erreichung des Zieles notwendig sein wird, das scheint auch aus dem Verhalten der Regierung gegenüber der Wahlrcchtsdcputation hervorzugehen, die die Auf- gäbe hatte, die Petition abzuliefern. Die Deputation wurde emp- fangen vom— Portier, und die Regierung hatte nicht einmal ei» paar Leute zur Verfügung gestellt, um die Kisten mit den Petitions- listen von den Wagen zu heben. Die Deputierten der Wahlrechts- demonstranten mußten das selbst besorge» und die Kisten selbst ins Gebäude schleppen. In der T h r o n r e d e, mit der das Parlament eröffnet wurde, war die Wahlrechtsfrage mit keinem Wort erwähnt. Obstruktion. Haag, 21. September. Wegen der gestrigen Vorgänge in der Kammer begannen die Sozialisten in der heutigen Sitzung systematische Obstruktion zu treiben. Der Abgeordnete .S ch a p e r schlug vor, in den Kommissionen den Gesetzentwurf betr. die Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Arbeiter nicht zu be- raten. Er erklärte in der Begründung seines Vorschlages, daß die Soziali st enmitder Ob st ruktionaufhörcn würden, sobald die Rechte ihren gestrigen Beschluß aufgehoben haben würde. Nach Schaper schlug der Sozialist T c r l a a n in einer Rede, die wie die Schapers unendlich lang war, vor. den Entwurf für eine Aufbesserung der Offiziersgehälter nicht in Kommissionen zu prüfen. Die Rede wird heute Abend fortgesetzt. Sebweden. Das bisherige Wahlergebnis. Stockholm, 20. September. Bei den Wahlen zur Zweiten Kammer, die beim Schluß der letzten Session aus 03 Mitgliedern der Rechten, 100 Mitgliedern der Linken und 35 Sozialdemokraten bestand, sind bis heute abend folgende Ergebnisse bekannt geworden: Gewählt sind 43 Mitglieder der Siechten, 53 der Linken und 31Sozialdemock raten. Rußland. Die politische Polizei. Petersburg, 21. September. Die Revision der p o l i- tischen Polizei in Kiew hat begonnen: sie wird vom Justizminister geführt. In der Wohnung der Schriftstellerin Türkowa, wo der Korrespondent der„M o r n i n g p o st" wohnt, ist eine Haussuchung vorgenommen worden. Der Korrespon- dent hat bei der englischen Botschaft Beschwerde erhoben,_ H«9 der Partei. Tie Arbeitslosensiirsorge und der Frankfurter Oberbürgermeister Adickes. Auf dem Städtetag hat der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Adickes jo rückständige ArguUenle gegeg, eine lowmunaie ArbeilSlosenberstcherurlh ssosgekrassW,?a? vlchk iWt kraten sich lebhaft gegen feine Ausführungen wandten, sondern auch bürgerliche Politiker und Zeitungen. Herr AdickeS hat von„fozia- listischen Irrlehren" geredet und das Gespenst einer„kommumsti- schen Wirtschast" an die Wand gemalt. Er erblickt in einer Arbeits- losenversicherung nach dem Genter System ein„Ausnahmegesetz zu« gunsten der Arbeiter". Diese Stellungnahme des Herrn Adickes ist, das schrieb selbst die„Frankfurter Zeitung",„statt der„warmen" Befürwortung eine Bekämpfung der Arbeitslosenversicherung", Adickes hat sich mit seinen Ausführungen das Lob aller Scharf« machcr errungen, während sie bei der Arbeiterschaft hellen Wider- spruch hervorriefen. Die Arbeiterschaft von Frankfurt a. M. nahm am Dienstag abend in einer außerordentlich stark besuchten Ver« sammlung zu den Ausführungen Adickes Stellung. Der Referent» Stadtv. H ü t t m a n n, wandte sich scharf gegen den Oberbürger- meister Adickcs und wies dessen Behauptungen als ungerechtfertigt zurück. Staat und Gemeinden hätten die Pflicht, für die Arbeitslosen, den schuldlosen Opfern der heutigen Wirtschafts« ordnung,-zu sorgen. Das Urteil der Versammlung über die Stellungnahme des Herrn Adickes kommt in der angenommenen Resolution zum Ausdruck, in der es heißt: „Die Versammlung protestiert entschieden dagegen, wie auf dem dritten Städtctag in Posen die Frage der Arbeitslosenver- sichcruug behandelt worden ist. Die auf dem deutschen Städte- tag beliebte Beweisführung über die Ursachen der Arbeitslosig- keit, die mit durchaus mangelhaftem statistischen Material belegt worden ist, und die damit verbundenen Ausfälle und Vor- würfe gegen die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften sind unbegründet. Die Ge- werkschaften sind gegenwärtig die einzigen Organisationen, die im ganzen Reiche, besonders aber in den größeren Städten, die Fürsorge für ihre arbeitslosen Mitglieder durch Arbeitslosen- Unterstützung betrieben haben. Dieses soziale Wirken, an dem die Gemeindeverwaltungen in erster Linie lebhaft interessiert sind, sollte in jeder Beziehung unterstützt werden, anstatt es in dieser abfälligen, unverständlichen Art zu bekämpfen. Die Ver- sammelten verpflichten sich deshalb, wie bisher im Sinne der Bc- schlüsse der Gewerkschaftskongresse organisatorisch und agitatorisch für den Ausbau der Gewerkschaften zu sorgen, um noch stärker als bisher den großen sozialen Schäden der Arbeitslosigkeit entgegen- wirken zu können. Die fürsorgeude Tätigkeit der Gewerkschaften befreit aber keineswegs die Gemeinden u»b den Staat von ihrer Pflicht, ihren ohne eigene Schuld durch die heutige Wirt- schaftsordnuug arbeitslos gewordenen Mitbürgern die Existenz- Möglichkeit für sich und ihre Familie zu garantieren, ohne daß den Unterstützten dadurch Einbuße an ihren staatsbürgerlichen Rechten erwächst."_____ Soziales. * Weite Maschen im Arbeitcrilincuschutzlzcsetz. Absatz 1 des 8 137 a der Gewerbeordnungsnovclle vom Dezember 1008 schreibt zum Schutz gegen die Umgehung des Maximolarbcitstages von 10 Stunden für Arbeiterinnen vor: „Arbeitenminen und jugendlichen Arbeitern darf für die Tage, an welchen sie in dem Betriebe die gesetzlich zu- lässige Arbeitszeit hindurch beschäftigt waren, Arbeit zur Verrichtung außerhalb des Betriebes vom Arbeitgeber überhaupt nicht übertragen oder für Rechnung Dritter überwiesen werden." Bei der Beratung dieser Vorschrift hatten die Sozial- demokratcn dargelegt, daß sie völlig ungenügend sei u'nd weite Lücken zur Umgehung des Verbots aufweise. Ihr An- trag, unzweideutig die Mitgabe von Arlbeit nach Hause zu verbieten, wurde indes abgelehnt, weil das Zentrum auch bei dieser Schutzvorschrift zugunsten einer Ueberarbeit der Ar- beiterinncii umfiel. Wie recht die Sozialdemokmtcu mit ihrer Anschauung hatten, zeigt ein soeben vom sächsischen Oberlandcsgericht gefälltes Urteil. Die Firma Klärner u. Steinberg, eine der bedeutendsten! Stickercifabriken in Plauen i. V., hatte im Dezember vorigen Jahres an 10 Arbeiterinnen Heimarbeit gegeben, und zwar auf den Namen dritter Personen, auf den Namen von Haus- genossen, der Wirtinneu der Arbeiterinnen usw. Die Ver» abfolguug der Hausarbeit geschah durch die Direktrice der Firma Klärner u. Stcinberg, Fräulein Fuker. Gegen diese und den Inhaber der genannten Firma, den Fabrikanten Klärner, war nun Anklage wegen Vergehens gegen 8 137-1 der Gewerbeordiiwug erhoben, der Fabrikant jedoch vom Landgericht Plauen freigesprochen worden, während die Direktrice verurteilt worden war. Das Landgericht hatte zu- gunsten des Fabrikanten angenommen, daß die in seinem Betriebe beschäftigten jugendlichen Arbeiterinnen nicht selbst die ihnen von der Direktrice übergebene Heimarbeit auszn- führen beabsichtigten, sondern vielmehr als Boauftragte dritter Personen fungierten. Gegen die Freisprechung des Fabrikanten legte die Staatsanlvaltschaft Revision beim Oberlandesgcricht ein. Der Strafsenat des obersten sächsischen Gerichtshofes erkannte unter Ucbernahme sämtlicher Kosten auf die Staatskasse auf Verwerfung der Revision und führte hierzu folgendes aus: Das Gesetz lasse Maschen auf, die es ermöglichen, dasselbe zu nmgehen. Wenn auch der Gesetzgeber die Absicht gehabt habe, jede Hausarbeit zu entziehen, so könne es dennoch nicht verhindert werden, daß Arbeit nach Hause geslfyifft werde. Das könne auch nicht ganz verboten werden. Zugunsten des Fabrikanten müsse auch das Oberlandesgericht annehmen, daß jene jugendlichen Arbeiterinnen, welchen Heim- arbeit übergeben worden sei, lediglich als Botinnen ihrer An- gehörige», ihrer Wirtinnen usw. fungiert und und die ihnen mitgegebene Heimarbeit nicht selbst, also nicht auf Rechnung Tritter, des Arbeitgebers, ausgeführt hätten. Das könne nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht verboten werden. Haben Angestellte der Marine keinen Nechtsschutzs> Nin die Berichtigung eines Zeugnisses war ein Rechtsstreit zwischen dem Chemiker St. und dem MarincfisluS des Deutschen Reiches entbrannt, dem folgender Sachverhalt zugrunde liegt: St. war bei der Marinewerft in Kiel als Hilfschemiker angestellt. Wegen Beleidigung seiner Vorgesetzten wurde er entlassen. Das Zeugnis, das ihm von der Marineverwaltung ausgestellt worden war, erkannte er nicht als vollkommen an und klagte vor den ordentlichen Gerichten auf Berichtigung dcS Zeugnisses, weil cS lückenhaft und unzutrcsfcnd sei. Das Landgericht Kiel erkaunte nach dem Klageantrag. In der Bcrufuiigsiiiftanz bestritt der Marinefiskus die Zulässigkcit des Rechtsweges: weil Kläger Beamter des Fiskus sei, stehe ihm der Klagcweg vor den ordentlichen Gerichten nicht zu. Das Ober- landcsgcricht 5iicl hatte die Zulässigkeit dcS Rechtsweges bejaht. Gegen dieses Urteil hatte der Fiskus mit Erfolg Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der dritte Zivilsenat des höchsten Ge-- richts hob am Mittwoch das Urteil des ObcrlandcSgcrichtS Kiel auf„nd erklärte de» vom Kläger eingeschlagenen Rechtsweg für unzulässig. Auf die schriftlichen Gründe dieses auffallenden ErkcnntnisscI darf Mir gespannt jein. GcvwkfcbaftUcbea. Berlin und Umgegend. Der Streik der Militäresfektenarbciter. Seit Freitag voriger Woche befinden sich die Metallarbeiter der Berliner Militärausrüstungsfirmen im Streik. Es kommen sol- gcndc Betriebe in Betracht: F. Damaschke, L. Giesecke Nachf., C. F. Imme u. Sohn Nachf., C. E. Junker, A. M e y- bauer, Paul Meybauer, Prot I) mann u. W o b e s e r, C. Schwerin u. Sohn, Friedrich Unterwalder, A. Werner u. Söhne. � Die Hauptforderungen der Arbeiter betreffen folgende Mindest-Stundenlöhne: Dreher 65 Pf., Gold- und Silbcrarbeiter 65 Pf., Gürtler 65 Pf., Graveure 65 Pf., Klempner 65 Pf., Presser 65 Pf., Schleifer 76 Pf., Drücker 75 Pf., Schnittarbciter 55 Pf., Hilfsarbeiter über 18 Jahre 45 Pf., solche über 26 Jahre 56 Pf. Ausgelcrnte erhalten im ersten Jahre nach Beendigung der Lehrzeit 16 Pf. pro Stunde weniger. Weiter wird verlangt eine angemessene Bezahlung der Ueberstunden. Sonn- abend ist ohne Lohnabzug eine und vor den hohen Festen zwei Stunden früher Feierabend zu machen. Die Unternehmer haben nun in einer Gegenaufstellung ihre Bedingungen präzisiert: Die Arbeitszeit soll auch am Sonn- abend 9 Stunden betragen, vor den hohen Festen jedoch soll eine Stunde früher Feierabend gemacht werden ohne Abzug für Lohn- arbeitcr. Dem Passus von den Ueberstunden stimmen sie zu. Der Mindestlohw für Gürtler beträgt pro Stunde 55 Pf., für Schnitt- arbeitcr 45 Pf., für Hilfsarbeiter über 18 Jahre 46 Pf. Höhers Löhne bleiben der Vereinbarung überlassen. Ausgelernte erhalten in den ersten zwei Jahren nach Beendigung ihrer Lehrzeit bis zu 75 Proz. der normalen Löhne. Die Arbeitgeber wollen diese Ver- einbarung bis zum 1. Oktober 1914 gelten lassen, während bei den Arbeitnehmern als Ablaufstermin der I.September 1913 vorgesehen ist. In einem Rundschreiben an die Militärausrüstungsfirmen Deutsch- lands bezeichnen die beteiligten Fabrikanten die Arbeitsniederlegung als durchaus ungerechtfertigt, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse seien durchaus angemessene. Es werden darin Löhne von 45 bis 86 Pf. angegeben. B e r e n d, der in einer vollzählig besuchten Versammlung referierte, gab dagegen eine andere Darstellung des Sachverhalts. Es kommen bei dem Streik zum Teil Arbeiter in Betracht, die schon 36— 46 Jahre und darüber in ein und demselben Betriebe sind. Wenn diese Leute noch leidlich verdienten, dann sei dies bei ihrer großen Uebung, die sie erlangt hätten, nicht verwunderlich. Die Löhne bewegen sich zwischen 31 Pf. und 74 Pf. Nur ver- einzelte Arbeitcr kommen darüber. Die große Mehrheit aber steht auf einer sehr niedrigen Lohnstufe. Daß die Arbeiter nichts Un- mögliches fordern, beweise die Tatsache, daß die Firmen Da- maschke, A. Meybauer, Paul Meybauer und Fried. Unterwalder die Forderungen schriftlich bewilligt, aus Angst vor Boykottierung und Kundencntziehung aber ihre Unter- schrift wieder zurückgezogen haben. Diese Firmen mußten doch, als sie unterschrieben, die Ueberzeugung gehabt haben, daß sie auch unter den neuen Löhnen weiterbestehen konnten. Bis jetzt ist noch kein einziger Streikbrecher in die Betriebe gekommen, obgleich die Unternehmer in der„Berliner V ol k s z e i t u n g" und in der„Berliner Morgcnpost" Arbeitswillige suchen. Desgleichen sucht man aus anderen Städten Arbeitswillige heranzu- holen, so in Solingen, Kiel, Hannover u. a. m. Die Sache steht sehr günstig, zumal die Einjährigen bald ihre Aus- rüstungsstücke brauchen werden. Der Vertreter des G e w e r k- v e r ei n s, der auch anwesend war, erklärte, was verlangt werde, Lei berechtigt und könne auch gegeben werden. Achtung, Metallarieitcr! Der Streik bei der Firma Hohndel, » Warschauer Straße, dauert unverändert fort. Bei einer Aussprache, welche die Organisationsvertreter(Metallarbeiterverband und Ge- wcrkverein) mit der Firma hatten, legte Herr Cohn, der Mit- e» Inhaber der Firma, diesen das Lohnbuch vor, durch ivelches zu er- sehen sein sollte, daß die Firma anständige Löhne zahle, da Wochen- Verdienste bis zu 42 M. verzeichnet seien. Die Firma trennt aber die von den Arbeitern gemachten baren Auslagen nicht von dem wirklichen Verdienst. Die auf Montage Beschäftigten haben für Material, Fahr- gcld usw. große Auslagen. Während in den Büchern, welche von den Arbeitern selbst geführt werden, diese Auslagen von dein Meister mit Tinte spezialisiert eingetragen sind, geschieht dies nicht im Hauptlohnbuch der Firma. Dort werden diese Auslagen zusammen- gerechnet mit dem wirklichen Verdienst für geleistete Arbeitsstunden, als„Wochenverdienst" eingetragen, was den OrganisationS- Vertretern auch durch den Werkmeister bestätigt ivcrden mußte. Da- durch entsteht ein völlig falsches Bild über die Einkommens- Verhältnisse der Arbeiter. In bczug auf die in dem Betriebe als Lehrlinge beschäftigten jungen Leute wiesen wir schon darauf hin, daß von einer genügenden Ausbildung nicht geredet Ivcrden könnte. Herr Hohndel selbst ist wohl Fachmann, aber wenig im Betriebe. Der Meister ist ebenfalls vielfach auf Montage. Herr Cohn als Teilhaber der Firma ist nicht Fachmann und kann � wohl mit Recht gesagt werden, daß aus den dort Lernenden tüchtige Leute schwerlich werden dürften. Die Streikenden wünschen nun- mehr, da die Firma meistens Montagen(Transmisfionsanlagen) ausführt, daß Arbeitswillige, falls solche Arbeiten der Streikenden ausführen, auf das Verwerfliche ihrer Handlungsweise hingewiesen werden. Der Betrieb ist nach wie vor gesperrt und ersuchen wir, Arbeit!» angebote der Firma zurückzuweisen. Tcntschcr Metallarbeiterverband. OrtSverwaltnng Verlin. Der Streik bei der Firma Schneider, Brunncnstr. 181, ist be- endet. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Melallarbeiterverband. Ortsvcrlvaltimg Berlin. Achtung, Isolierer, Banarbeiter Berlins und Umgegend! Die organisierten Unternehmer Breslaus verlangen von den im dortigen Bauarbeiterverband organisierten Isolierern die An- erkeunung der Arbeitsbedingungen, wie sie seiner Zeit vom Zentral- verband der Jsolierfirmen Deutschlands unter dem Namen„Reichs- Arbeitsbedingungen für Isolierer" aufgestellt wurden. Die Unter- nehmer nehmen sich darin nicht nur die Freiheit heraus, die Löhne und Arbeitszeit nach eigenem Ermessen und Gutdünken festzusetzen, sondern verlangen, daß der Arbeiter auf die spärlichen Rechte, oie ihm das Gesetz gewährt, ein für allemal Verzicht leistet. Da soll der Isolierer sich das Gerüst allein ausstellen und muß allein die Verantwortung für die Sicherheit und Haltbarkeit desselben tragen! Er soll sich außerdem noch verpflichten, das Gerüstmaterial s e l b st zu beschaffen, ohne daß er dafür eine Vergütung beanspruchen darf! Die im Deutschen Bauarbcitcrverband organisierten Isolierer Breslau» haben es abgelehnt, aus Grund solcher Bedingungen zu verhandeln, und da die Unternehmer auf ihrem Standpunkt beharrten, legten die Arbeiter am Montag die Arbeit nieder. Wir appellieren daher nochmals an die Solidarität der Berliner Isolierer und ersuchen sie, den Zuzug nach Breslau fernzuhalten! Ferner Vertveifen wir darauf, daß die Filiale Bres- lau der Firma R h e i n h o l d u. Co. in der Krast-Zentrale Spandau größere Jsolierungsarbeiten auszuführen hat und ersuchm die bei der Berliner Filiale Rheinhold beschäftigten Kollegen, diese Arbeit nicht fertigzustellen. Das gleiche gilt selbstverständlich auch von allen anderen Arbeiten der Brcslauer Filiale. Der Vorstand des Deutschen Bauarbcitervcrbandes. Zweigvercin Berlin. Die Tarifbewegung der Zigarrenarbeiter. In einer kombinierten Versammlung des Deutschen Tabak- . orbeiterverbandes und des Verbandes der Zigarrcnsortierer, die am Mittwoch den großen Saal von Dräsel in der Neuen Friedrich- struSe füllte, berichtete Alwin Schulze über den Stand der Tarisbewegung. Im allgemeinen hat die Bclvegung, namentlich so- weit die kleineren Fabrikanten in Frage kommen, gute Fortschritte gemacht. Bei 116� Arbeitgebern sind die Forderungen anerkannt, Oerantw, Redglt.: Richard Barth, Berlin, Inseratenteil verantw.T und wenn e! sich auch hier meist um solche handelt, die nur wenige Leute beschästigen, so zählen doch diejenigen Arbeiter, die zu den neuen Bedingungen beschäftigt werden, bereits nach Hunderten. Die großen Fabrikanten beharren auf ihrem Hcrrenstandpunkt und bilden sich offenbar ein, sie könnten die Forderungen der Arbeiter sortdauemd unbeachtet lassen. Der Redner erwähnte hier den in Nr. 219 des„Vorwärts" bereits veröffentlichten Bricflvechiel mit dem Syndikus Dr. Jonas und bemerkte dazu, daß die Herren sich jedenfalls irren werden, wenn sie glauben, sie könnten ans diese Weise die Tarisbewegung von ihren Betrieben fernhalten. Es sei ganz ausgeschlossen, daß die Arbeiterschaft sich mit einer solchen Antwort zufrieden geben werde. Die Bewegung wird vorwärts schreiten, und der Umstand, daß die Partei und die Gewerkschaften durch die grenzenlose Armut, die die Zigarrenarbeiter bedrückt, sich veranlaßt suhlten, die gesamte Arbeiterschaft zu tatkräftiger Unterstützung der Bewegung aufzurufen, wird es um so eher möglich machen, zum Ziele zu kommen. Hier und da wird von kleinen Fabrikanten die Befürchtung geäußert, daß ihre Existenz durch den Tarif bedroht werde. Daß dergleichen Befürch- timgen grundlos sind, geht schon aus der Tatsache hervor, daß in Dresden die Fabrikanten sich mit dem'vor zwei Jahren ab- geschlossene» Tarif sehr gut abgefunden haben. WaS dort möglich war, imiß sich auch in Berlin möglich machen lassen. ES kommt nun vor allem darauf an, daß jeder Zigarrenarbeiter und jede Ar- beiterin ihre ganze Kraft in den Dienst der Bewegung stellen, daß sie dort, wo die Forderungen bewilligt sind, dafür sorge», daß das Errungene auch aufrechterhalten bleibt, und im übrigen alles aus- geboten wird, um die Forderungen auch bei den übrigen Firmen durchzudrücken. In dem Referat sowohl wie in der daranffolgenden Diskussion wurde ferner darauf aufmerksam gemacht, daß die Zigarrenarbeiter auch ihrerseits eifrig dahin wirken müssen, daß die aus dem Dresdener Gewerkschaftskongreß zu ihren Gunsten gefaßte Resolution inner- halb der Arbeiterschaft die nötige Beachtung findet. Es wurde er- wähnt, daß die im„Mitteilungsblatt" enthaltene Notiz über die Maßnahmen zur Unterstützung der Tarifbewegung nicht überall auf dem letzten Zahlabend zur Verlesung gekommen ist. Es soll dafür gesorgt werden, daß dies ans dem nächsten Zahlabend geschieht und daß überbaupt in jeder Weise in der gesamten orgaiiisierleil Arbeiterschaft für die Sache der Zigarreuarbeuer Propaganda ge- macht wird._ Der Streik in der Album- und Mappcnfabrik von Georg Weigert beschäftigte eine stark besuchte Versammlung der Album-, Mappen- und Galanteriearbeiter und Arbeiterinnen, die am Mittwoch in GraumannS Fcstsälcn tagte. Gerber erstattete namens der Branchenlcitung den Bericht. Bekanntlich ist es im Juli zu einer Tariserncuerung in der Album-, Mappen- und Galanteriewaren- industrie gekommen. Die Branchenleitung wurde alsdann beauf- tragt, die Durchführung des Tarifs in der gesamten Branche zu betreiben und insbesondere die Anerkennung des Tarifes bei den der Arbcitgebcrorganisation fernstehenden Unternehmern durchzu- setzen. Auch mit der Firma Weigert wurden des öfteren deswegen Unterhandlungen gepflogen, die jedoch nicht das gewünschte Ergebnis zeitigten. Die Firma erklärte sich zwar bereit, ihre Ar- beiter und Arbeiterinnen nach den Sätzen des Tarifes zu entlohnen und führte auch die vorgesehene Arbeitszeitverkürzung durch. Doch lehnte sie es ab, den Tarif unterschriftlich anzuerkennen, weil sie befürchten müsse, daß ihre Konkurrenz, die Firma A. Dittmar, diese Tarifanerkcnnung in geschäftlicher Hinsicht zu ihren Un- gunsten ausnützen wird. Da aber mit der Firma Weigert schon sehr üble Erfahrungen gemacht worden sind, gaben sich die dort be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen sowie die beteiligten Or- ganisationen Mit dieser Regelung der Dinge nicht zufrieden und bestanden aus der formellen Anerkennung des Tarifs. Da dieselbe nicht zu erzielen war, verließen am 2. September sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen, 53 an der Zahl, den Betrieb. Aus der Versammlung wurde dann noch daraus hingewiesen, daß auch die Arbcitgeberorganisation nach dem Tarifverträge die Pflicht habe, für die Durchführung des Vertrages in der Branche zu sorgen. Das tvurde auch in der später angenommenen Resolution gesagt. Die Versammlung beschäftigte sich auch noch mit der Firma Leopold R o s e n o w, Bildcrrahmenfabrik. Dort sind die Löhne der Gehilfen bisher sehr niedrig gewesen. Die Firma will deshalb den Lohn ratenweise erhöhen. Die Versammlung lehnte eS aber ab, auf dieses Angebot einzugehen. Sollte sich nun die Firma zur vollen Bewilligung des Tariflohnes nicht verstehen wollen, so dürfte ein Streik unvermeidlich sein. Die Firma Schuhwarenhaus Carl Stiller sendet uns eine Zuschrift, in der sie uns ersucht, auS der Kopie ihres Briefes an den TranSportarbeitervcrband nicht nur ihren ablehnenden Bescheid, sondern auch die Gründe zu demselben mitzuteilen. Dem Ersuchen, den ganzen Brief abzudrucken, können wir freilich nicht nach- kommen, auch wenn dasselbe damit begründet tvird, daß wir den Brief des Transportarbcitcrverbandcö an die Firma vollinhaltlich wiedergaben. Immerhin sei mitgeteilt, dah die Firma in ihrer Antwort aus die gezahlten Löhne hinweist, die in der letzten Woche betrugen: für 8 Hausdiener 24 M., für 11 derselben 25 M., für II weitere 26 M.. für 16 27 M-, für 8 28 M. und für 11 29 M. Die Firma hält diese Löhne nicht für unzureichend. Wenn sie dabei noch auf die Trinkgelder der Hausdiener verweist, so vermögen wir allerdings dieses Argument nicht als durchschlagend anzusehen. Was die Kaution betrifft, so erklärt die Firma, zu dieser Forderung durch„verschiedene Vorkommnisse" veranlaßt zu sein. Sie meint aber, daß diese Kaution als eine gute Spareinlage angesehen werden könne, weil der Kautionsbetrag mit 6 Prozent verzinst werden sollte. — Das sind in Kürze die Gründe, welche die Firma für ihre Haltung ins Feld führt; sie zu wägen, wollen wir unseren Lesern überlassen.. DeudlcKe» Reich. Ter Zentralverband der Handluttgsgehilfen und -Gehilfinnen hielt am 18. und 19. September in Hamburg eine Konserenz des Verbandsborstandes mit den Gau- und Ortsbeamtcn unter Hinzu- ziebuug eines Vertreters dcS VerbandSanSschusseS ab. Es wurden zahlreiche Frage» der Agitation und Organisation geklärt; auch der Ausbau der UnterstiitzuiigScilirichtuugen war Eegenstand einer längere» DiSkusfion. Gegen die in jüngster Zeit bemerkbar gewordene Strömung, die sich gegen die frcigewerkschaftliche Be- wegung richtet, wurde folgende Resolution gefaßr: Die Konferenz des Zentralverbandes der HandlnngSgeHilfeii und-Gehilfinnen wendet sich gegen die Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, durch Gründung neuer Vereine die Handlungsgehilfen- bewegmig noch weiter zu zersplittern. Insbesondere betrachtet eS die Konfercnz als eine Schädigung der Gehilfcniiiteresseii, daß durch die vom Bund der technisch-industriellcn Beamten erfolgte Gründung deS Bundes der kausmannischen Angestellten neuer Zwist unter die Handlungsgehilfen getragen worden ist. Die Konferenz ver- urteilt diese neue organisatorische Absplittcrung umsoinebr. als sie nicht etwa ans den Kreisen der HmidluilgSgehilfen selbst hervorgegangen ist, sondern von, Bund der technisch-iudustrieNen Beamten künstlich verursacht worden ist. DeS weiteren protestiert die Konferenz gegen die andauernden Versuche der Führer und Orgaue der Demokratischen Vereinigung der technisch. industriellen Beamten, ans parteipolitischen Gründen die An« gestellten und Arbeiter anSeilianderzuhetzen. Die Konferenz macht die Augestellten ausdrücklich darauf aufmerksam, daß jene Be- ftrebnngen ihren Interessen durchaus zuwiderlaufen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Handlungsgehilsen sowohl als auch die technischen Angestellten sich nicht verleite» lassen, jenen Treibereien Vorschub zu leisten. Ter Kampf im Lithographie- und Steindrnckgewerbe. Der Beivegimg der Lithographen und Steindrncker in Frank- furt a. M. sckilolsen sich nun auch die Hilfsarbeiter an. Sie stellten ebenfalls Forderungen auf und reichten sie am Miitivoch den Unternehmern ein. Die Arbeitszeit soll der der Gc Hilfen(acht- und ChlGlocke, Berlin, Drpck Verlag: Vorwärts Buchdr. ü VerlagSanstal�'l achtemhalbstimdlg) gleich sein. Der Mindestlohn soll betragen für: Steinschleifer 26 M., Hilfsarbeiter 24 M., Aulegeriimen 16 M., Bogenfängerinnen 14 M., Bronziereriiinen 13 M-, sonstige HiliS- arbeiterinncn unter 16 Jahren 11 M. und über 16 Jahren 13 M. Regelmäßige Ueberstunden sind nicht zulässig, Hilfsarbeiter wie Arbeiterinnen dürfen wöchentlich nicht mehr wie 5, jährlich nicht mehr wie 86 Ueberstunden leisten. Ueberstmidenzahlung mit 25 bi! 56 Proz. Zuschlag. Gesetzliche und ortsübliche Feiertage sind zu bezahlen. Ferien von drei Tagen bis zwei Wochen. Tie Kölner Elcktroscharfmacher. Das Kölner Gewerbegericht versuchte im Streik der Elektro- Monteure, der nunmehr schon 7 Wochen dauert, eine Einigung her- beizuführen, welche aber an dem Machtstandpunlt der Vorstands- Mitglieder der Unternchmervereinigung scheiterte. Die Herren vom Vorstand, die ausdrücklich ersucht wurden, einen Beschlutz der Ver- einigung über das Ersuchen des Gewerbegcrichts herbeizuführen, kamen diesem Ersuchen nicht nach, sondern beschlossen lediglich im Borstand. Ihr Beschluß ging dahin, daß sie jegliche Verhandlungen mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband oder mit einer Kom- Mission der Streikenden strikte ablehnten. Wie lange die Mitglieder der Vereinigung sich dieses absolutistische Vorgehen des Vorstandes noch gefallen lassen, mutz abgewartet werden. Fest steht, daß sehr viele unzufrieden sind und liA>er Frieden machen möchten.— Nach dieser Ablehnung beschlossen die Streikenden einstimmig, im Streik auszuharren, um so den Machfttandpunkt der Herren zu brechen. Es ist nunmehr die dringende Pflicht aller organisierten Arbeitcr, die Kölner Elektromonteure durch Fcrnhaltung jeglichen Zuzuges zu unterstützen, denn nur darauf wird es ankommen, ob diese den Kamps zu einem siegreichen Ende führen können. kommunales. Teucrungsdebntte im Stadtparlament. Die Stadtverordneten beschäftigten sich gestern abend bis in die zehnte Stunde hinein mit der Erörterung der Frage, was zu geschehen habe, um der herrschenden Teuerung und dem durch sie verursachten Notstand zu begegnen. Zwei hierzu vorliegende Anträge, einer von den Frei- sinnigen und einer von der sozialdemokratischen Fraktion, er- suchten den Magistrat, bei den Reichs- und Staatsbehörden vorstellig zu werden und ans die erforderlichen Abhilfe- maßnahmen hinzuwirken. Der Antrag unserer Genossen forderte außerdem den Magistrat auf, selber eine Abhilfe zu versuchen und durch die Gemeinde Einrichtungen zur Versorgung Verlins mit Lebensmitteln zu' schaffen. Stadtv. Koempf begründete den Antrag der Freisinnigen in einer langen Rede, die die Sachlage in großen Uilirissen schilderte und in einer Absage an die Zoll- Politik der Reichs regierung gipfelte. Tempera- mcntvoller als dieser Freisinnsredner sprach unser Genosse W u r m. Er brandmarkte die Junkerherrschaft, die niit ihrer Agrarpolitik den Notstand weiter Kreise der Bevölkerung verschuldet hat. Wie KAempf forderte auch Wurm vor allem die sofortige Erleichterung der Ein- f u h r v o n L e b e n s m i t t e l n. die bisher zugunsten des beutegierigen IunFcrwms künstlich erschwert worden ist. Unser Redner wies aber angesichts der herrschenden Teuerung. die man dem hungernden Volke als eine„Prüfung des Hiin- mels" hinstellen wolle, der Gemeinde die Pflicht zu, auch ihrerseits S ch r i t t e z u r A b h i l f e zu tun. Zu den Vor- schlagen, die er machte, äußerte sich Oberbürgermeister K i r s ch n e r. Er versprach, daß olles geschehen werde, was möglich sei. Warten wir ab, was dem Magistrat da are möglich gelten wird. Tie Versammlung stimmte beiden An» trägen zil und überwies sie der gemischten Deputation, die bereits früher zur Erörterung der Tcuerungsfrage eingesetzt worden ist. Im ersten Teil der Sitzung wurde über das Projekt der von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu bauenden Schnellbahn Gcsundbrunne n— R i x d o r f Beschluß gefaßt. Der Ausschuß empfahl, der Magistrat sollte noch einmal mit der A. E.-G. darüber verhandeln, ob nicht die Bahn in ihrer ganzen Ausdehnung als U n tergrundbahn ausgeführt werden könne. Ober- biirgermeister K i r s ch n e r erklärte von vornherein, daß der Magistrat im voraus beschlossen habe, auf diesen Vorschlag n i ch t e i n z u g e h e n. Diese Fixigkeit, die man an unserem Magistrat sonst nicht kennt, erregte bei den Stadtverordneten einige Sensation.' Herr Kirschncr erwartet von der A. E.-G. keinerlei Entgegenkommen mehr, und Stadtbaurat Krause hält die tcchnischcn Schwierigkeiten für unüberwindlich. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte für den Antrag des Aus- schusses. � Genosse H i n tz e forderte, daß bei einer Weigerung der A. E.-G., die Bahn ganz als Untergrundbahn zu bauen, die Stadt selber den Bau übernehmen solle. Das war natürlich nicht nach dein Geschmack des Freisinns, von dessen Rednern nachher kein einziger diesen Vorschlag unterstützte. Nach langer Debatte wurde der Antrag des Ausschusses mit unerwartet großer Mehrheit angenommen. Vielleicht überlegen sichs nun Magistrat und A. E.-G. doch noch einmal. Auch über die Einsprüche gegen die Gemeinde» w ä h l e r l i st e wurde gestern beschlossen. Wie der Aus- schuß vorschlug, wurden noch etliche hundert Wahlberechtigte n a ch t r ä g l i ch a u f g c n o m m c n. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte, auch alle die aufzunehmen, die wegen sogenannter Unterstützung durch Krankenpflege ge- strichen worden waren. Genosse Leid legte dar. daß daS eine Forderung einfachster Billigkeit sei, die z. B. Charlottcnburg bereits erfüllt habe. Von freisinniger Seite äußerte sich— niemand. Nur der Ausschußbericht- erstatter. behauptete, nach Lage der Gesetzgebung könne man so nicht beschließen. Der Antrag wurde dann mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Für ihn stimmte außer unseren Ge- nossen niemand._ Hetzte Nadmcbtcn. Von der Cholera. � Konstantinopel, 21. September.(W. T. B.) Die Cholera ist im Abnehmen begriffen. Gestern und heute wurden 27 Er- kranknngcn und 17 Todesfälle festgestellt, unter den Truppen 9 Todesfälle und 4 Erkrankungen. In den eigentlichen KrankheiiS- Herden Ha S ko i j, Bujukdere. Skutari und Kassim- Pascha wurde seit Tagen kein Cholcrafall mehr verzeichnet. Budapest, 21. September.(B. H.) In Budapest sind meh» rcre neue cholcraverdächtige Erkrankunm-n vorgekommen. AuS dem Weißcnburgcr Komitat werden mehrere festgestellte Cholerasällc gemeldet. Schiffsunglück bei Havre. Paris, 21. September.(Pr.-C.) Wie aus Havre gemeldet wird, ist das Schiff Nr. 37 aus H o n f l c u r an dem L e u ch t, türm bei Havre gescheitert und gesunken. Zwei Matrosen sind ertrunken, die anderen komitcn gerettet werden. saulSingersiCo.,Bcrlin SW, Hierzu 3 Beilagen u.NnterhaltungSbl. Nr. 222. 28. IahrMg. cilagt des, Amiirls" Kerliser KsllÄlM ire!Kg> 22. ZepIcO» 1911. Stadtverordneten�erlaininluDg. 2 7. Sitzung vom Sonn et Stög, den 21. September, nachmittags 5 U h r. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen Stadtverordneten Deutsch (soz.-fortschr.). Fn den Ausschufz, der sich mit den Bauprojekten für sechs neue Gemeindedoppelschulen, solvie mit den für 11 städtische Bau- anlagen geforderten Nachbewilligungen zu beschäftigen hat, sind von der sozialdemokratischen Fraktion die Stadtverordneten Fischer, Glocke, Hintze und Koblenzer deputiert. Zur Erörterung und Beschluhfassung steht zunächst die Vorlage betr. den Abschluß eines Vertrages mit der A. E.-G. in Berlin über den Vau einer Schnellbahn Gesundbrunnen-Rixdorf auf Grund des vom Stadtv. L e n tz sA. L.) erstatteten Ausschuß- berichts. Ueber die Verhandlungen des Ausschusses haben wir bereits ausführlich berichtet. Der mit 7 gegen 6 Stimmen gefaßte Beschluß des Ausschusses geht dahin, der Versammlung zu ernp- fehlen, sich mit dem Abschluß des Vertrages auf der a l l g e- meinen Grundlage des vorgelegten Entwurfes einverstanden zu erklären, wenn an Stelle der Hochbahn die Endstrecken zwischen Oranienplatz und Rirdorf bezw. zwischen Rügener und Christiania- straße als Unterpflasterbahn hergestellt werden und zu- gleich die Anlage eines Zwischenbahnhofes im Norden vorgesehen wird. Ueber diese Abänderungen soll der Magistrat mit der A. E.-G. neu verhandeln. Die Gesellschaft hat sich bisher nur mit dem Aus- bau der Südstrecke als Untergrundbahn und nur unter der Vor- aussetzung einverstanden erklärt, daß Berlin 5,3 Millionen Mark zuschießt(die Gesamtkosten ihres Projekts berechnet die A. E.-G. auf 84 Millionen). Die Ausführung der Nordstrecke als Unter- pflasterbahn erklärte sie wegen der technischen Schwierigkeiten für untunlich, eventuell will sie sie nur übernehmen, wenn die Stadt 3,3 Millionen zugibt und eine Reihe weiterer Bedingungen betr. Zinsgarautie usw. eingeht. Oberbürgermeister Kirschuer: Ich muß schon bei Beginn der Beratung auf die Nachteile aufmerksam macheu, die ein Ve- schluß der Versammlung im Sinne der Ausschußanträge haben würden. Die Hoffnung, daß die A. E.-G. bereit sein wird, auf die Ideen des Ausschusses einzugehen, erscheint nicht begründet; dazu kommen Erwägungen technischer Natur. Eine Untergrundbahn ist ja einer Hochbahn an sich vorzuziehen; die Prüfung durch unsere Techniker hat aber ergeben, daß die Unter- grundbahn sich am Südende, nicht aber im Norden ermöglichen lassen wird, daß sie hier eine erhebliche Verschlechterung des Projekts bedeuten würde, ja nach Ansicht des Stadtbaurats Krause geradezu unausführbar ist. Auch würde ein verändertes Projekt an dieser Stelle die Genehmigung der Aufsichtsbehörde nicht finden. Der Ausschußantrag würde somit die Ausführung des Projekts un- möglich machen. Ter Magistrat hat schon vor einigen Wochen in meiner Abwesenheit beschlossen, dem Antrage nicht statt zu- geben, auch wenn die Versammlung ihn akzeptiert.(Bewegung.) Ich glaube und fürchte, daß, wenn Sie dem Antrage zustimmen� die Aussicht auf die Verwirklichung des Baues nur' noch sehr gering ist, daß etwas Gutes verworfen wird, weil noch etwas Besseres gedacht werden kann, was aber nicht erreichbar ist.(Beifall.) Stadtbaurat Krause: Es ist nicht anzunehmen, daß die A. E.-G., mit dar wir ja von Ausschuß wegen schon seit 6 Monaten vev- handeln, von ihrem Standpunkt abgehen wird. Ter Referent hat gemeint, die A. E.-G. tonnte die Bahn für 52 Millionen ausführen, aber er hat den Unternehmer nicht genannt, der sie für diesen Preis zu bauen bereit wäre. Bei der Südstrecke handelt eS sich ja lediglich um eine Finanzfrage: wir sollen bis 5,3 Millionen Garantie leisten. Wenn man nicht durch die Urbanstraße gehen will, kann man durch den Kottbuser Damm gehen, aber dort ist auch eine Hochbahn sehr wohl ausführbar, tvie uns die A. E.-G. noch heute nachgewiesen hat; sie würde dann bis zum Kottbuser Tor als Unter- grundbahn geführt Iverden. Im Norden aber sind die technischen Schwierigkeiten zu groß, die Lage der Bahnhöfe dort ist sehr un günstig, wir kommen 13 Meter tief und es müßten Aufzüge ein gerichtet werden. Die Verlegung des Bahnhofes Gesundbrunnen nach der Ramlerstraße würde die Benutzung der Bahn erheblich schädigen; die A. E.-G. rechnet hier einen Verlust von 175 303 Mk., lapitalisiert 4,4 Millionen, heraus, die wir außer den 3,3 Millionen noch zu übernehmen hätten. Die Badstrahe ist 4 Meter breiter als die Gilschiner Straße; Bedenken gegen eine Hochbahn bestehen dort nicht, zumal ja die Schtvebebahn dort einen größeren Teil der Straße eingenommen haben würde als das Projekt der A. E�G. Fvleines fcmllcton Johannes Proclj? ist in Stuttgart gestorben. Als Solln des ellemalS bekannten Librettisten und Literarhistorikers Robert Proelß am 4. Juli 1853 zu Dresden geboren, hat er sich als Lyriker, Novellist und Verfasser einiger'KonversationSlnstspiele betätigt. In Stuttgart war er auch längere Zeit Mitredakteur der Gartenlaube; wurde jedoch schließlich kalt gestellt, angeblich, weil er nicht zu schreiben verstand, i» Wahrheit jedoch, iveil er allerdings den hirnverblödeudeu Familieiiblattslil verschmähte und neuen, prote- gierten NedakiiouS-Talglichtern der Gartenläubigkeit Platz zu machen genötigt wurde. � Adolf Kröner, der damalige Verleger, hat dann zivar den Schriftsteller noch einige Zeit gelegentlich beschäftigt. � Im Grunde aber war Proelß auf journalistische Taglöhuerei augewiesen. Mehr Erfolge hat er auf dem Gebiet der literarhistorischen Forschung errungen: nämlich als Biograph Joseph Viktor SchesfelS, des Trompeter» und Ellehard-DichterS; ferner des sranksurtischen Humoristen Friedrich Etoltze und als Herausgeber Lenauscher Briefe. Bleibende Bedeutung behält sein Buch über:.Das junge Deutschland", dem soeben ein großangelegtes Werk:.Jung- deutscher Sturm und Drang" von H. H. Houben berichtigend und ergänzend zur Seile getreten ist. Thalia auf Eis. Jetzt wird auch in den. Berliner Eis- Palästen— Theater gemacht. Zu dieser Verschaiidelung des schönen Eislaufsports schreibt Julius Bab in der Schaubühne: Ich finde nicht, daß Berlin als Theaterstadt Fortschritte macht, in der Höhen- oder Tiefendimension, meine ich; in der Breite aber wächst es fürchterlich, und die Berliner scheinen nachgerade nichts und nirgends mehr genießen zu können, wenn nicht ein bißchen Theater dabei ist. Im Zirkus müssen die hohe Schule und der dumme August schon längst hinter dem Ausstattungstheater zurück- stehen. Das Variete ist drauf und dran, aus einer Stätte der ehr- lichen Reckturner. Schlangenmenschen und Zauberkünstler ein schlechtes Operettentheater zu werden. Unsere Landpartien arten in Naturtheater aus, und jetzt beginnt dieser Moloch auch noch den Sport zu verschlingen. Zunächst ist die Dame Thalia einmal auf Eis gestellt worden. Mußte dies Unternehmen sich so grausam verpöbeln? War es wirklich nicht mit den unvergleichlich edleren, reinlichen und imposanten Vorführnngen allein zu halten, die man noch jetzt dort vor neun und nach zehn Uhr im sportlichen Teil bewundern kann? Denn daß das Theater auf alle Fälle etwas Höheres" fei, ist ein etwas verdächtiger KommiSjtandpunkt. In der Sportbegeifterung kann hingebungsvolles Sachinteresse, be- geisterungSfähige Leidenschaft, echter Schönheitssinn sich ausleben. Das Theater aber in dieser Form bedeutet nichts als ein Ruhe- kissen für faule Gehirne, die ein paar möglichst gewohnte, mög- lichst zusammenhanglose Vorstellungen durchglitschen lassen wollen. Wd für stumpfe Sinne, die die gröbste Durcheinanderschüttelung Der Widerstand gegen dieses Projekt in der Bürgerschaft über- rascht und bestürzt uns. Triti die Versammlung dem Ausschusse bei, so dürfte der ganze Bahnbau scheitern. Stadtv. Hinhe(Soz.): Die eben gehörten Erklärungen klingen nicht sehr hoffnungsfreudig, was ich sehr bedauern muß. Die V e r k e h r s s ch w i e r i g k e i t e n für das Publikum, namentlich auch für die Arbeiterbevölkerung, sind tatsächlich im Norden wie im Süden unerträglich geworden. Wir verlangen, daß die Stadt auch diese Linie in eigener Regie erbaut, und dürfen auch glauben, daß, wenn die Stadt hier gleich energisch wie bei der Nord- Südbahn und dem neuen Projekt Moabit-Treptow vorgeht, wenn die A. E.-G. sich weigert, ihre Bedingungen zu ändern, der Bau durch die Stadt ausgeführt werden lann. Der Verkehr Gesundbrunnen-Rixdorf ist schon jetzt ein außerordentlich großer und wird sich immer mehr steigern; finanzielle Bedenken können hier n ich t ins Feld geführt werden. Wir hören heute vom Stadtbaurat, daß die Nachprüfung durch die städtischen Techniker ergeben hat, daß das Projekt der A. E.-G. mit 8 Millionen weniger, also mit 76 Millionen auszuführen sein dürfte; man sieht daraus, mit welch hohem Verdienst die A. E.-G. rechnet. Die technischen Schtvierigkeiten, die dem Ausbau der Nordstrecke als Untergrund- bahn entgegenstehen sollen, erscheinen mir doch mehr vorgeschoben, um die Hochbahn durchzudrücken. Ich möchte mit dem Kollegen Lentz glauben, daß die A. E.-G. ihren Widerstand aufgeben und uns annehmbarere Bedingungen stellen würde, wenn die Versamm- lung mit großer Mehrheit den Ausschußantrag annähme. So gut wie übrigens die A. E. G. für dieses neue große Bauprojekt neue technische Kräfte usw. einstellen wird, so gut kann das doch die Stadt Berlin auch; und das Graulichmachen mit einer großen Schuldenlast kann doch niemand schrecken, auch die Rentabilität erscheint durchaus gewährleistet. Die Stadt hat also gar kein Risiko, wenn sie die Linie selbst errichtet. Wir sind freilich mit dieser Ansicht im Ausschuß allein geblieben. Somit können wir nur anheimstellen, wenigstens dem Ausschuß- antrage b e i z u st i m m e n. Stadtv. Kuhlmann(Fr. Fr.) freut sich im Gegensatz zum Vor- redner, daß der Magistrat wieder das Privatkapital zu Bahn- bauten heranzieht. Die Freie Fraktion werde in ihrer großen Mehrheit den Ausschußantrag ablehnen, denn sie wolle vor allem, daß die Bahn gebaut werde. Stadtv. Reimann(A. L.): Ein Ausspruch wie der des Ober- bürgermeisters, der Magistrat wird so und so verfahren, gleichviel wie die Versammlung beschließt, ist mir in meiner 13jährigen Tätigkeit hier noch nicht vorgekommen.(Heiterkeit und Widerspruch.) Aber ich sage: Bange machen gilt nicht! Erst vor ein paar Tagen hat ja unser Oberbürgermeister Freund- schaft geschlossen mit einem Manne, mit dem er über ein Jahr- zehnt lang im heftigsten Kampfe lag! Die überwiegende Mehrzahl meiner Freunde wird für den Ausschuß stimmen. Stadtv. Tlsieme(Fr. Fr.) spricht namens der Minderheit, die in seiner Fraktion den Standpunkt der Ausschußmehrheit ein- nimmt. Eine Hochbahn dürfe man in der B a d st r a tz e schon deshalb nicht errichten, weil die Konzession ja auf 33 Jahre er- teilte werde, der Verkehr sich aber rapide steigern müsse, da der Brunnen in spätestens 13 Jahren zugebaut sein werde. Stadtv. R»se»»w(N. L.) bedauert auch die vorweg abgegebene Erklärung des Oberbürgermeisters, daß der Magistrat nicht mehr mit der A. E. G. neue Verhandlungen führen will. Die Neue Linke werde beute e i n st i m m i g f ü r den Ausschußantrag stimmen. Stadtv. Jacobi(A. L.): Die Erklärung des Oberbürger- Meisters war sehr dankenswert und wertvoll; er war auch zu dieser Erklärung verpflichtet, die unZ Aufschluß gibt über das, was hier im Interesse-der Stadt liegt. Die Rentabilität hat die Verkehrs- jdeputation.ganz anders heürteilt als Herr Hintze. Stadtrat Albert sucht das Verfahren des Magistrats zu recht- fertigen. Mit der A. E. G., die erklärt habe, pflichtgemäß ihrer Ueberzeuguug über den Anschlag und die Rentabilität Ausdruck gegeben zu bnbcn, seien neue Verhandlungen absolut aussichts- l o s. Die Freunde des Ausschußantrages hätten sich teilweise in Widersprüchen bewegt. Stadtv. Groncwaldt(A. L.) tritt mit großer Lebhaftigkeit für den Gesundbrunnen und für die reine Untergrundbahn ein. Damit schließt die Beratung. Mit großer Mehrheit wird der Ausschusiantrag angenommen. Der Ausschuh für die Vorprüfung der Gültigkeit der Stadt- verordnetenwahlen hat— wie bereits gestern im„Vorwärts" be- richtet wurde, über die 3201 gegen die Nichtigkeit der Geineindewahlerliste in diesem Jahre erhobenen Einwendungen beraten und be- schlössen, 573 davon als berechtigt anzuerkennen und die nachträg- von Farben und Form noch eben ein bißchen kratzt. So als ein VerdauungSmittelchen des passivsten PhilisteriumS ist das Theater eine böse Niedergangserscheinung, und die Freunde der Kunst sollten sich vielleicht doch mehr Sorge darüber machen, daß die Theaterstadt Berlin derartig ins Breite wächst, wie daß sie ihnen nicht schnell genug in die Höhe sproßt. Theater. Lessing-Theater.„Alles u'ichS G e'I d." Fünf Akte von Herbert E u l e n b e r g. Die irrlichterierend-phantastische Art deS Dichters, den Enthusiasten früher für eine große Zukiinftshoffniing der deutschen Bühne hielten, ist sich gleichgeblieben. Einfälle, Um- risse, seltsame Situationen, Bilder und Vergleiche strömen ihm in Fülle zu. Aber zu dem drängenden Gewirr dieser Assoziationen ge- sellt sich nicht die Kraft des gliedernden Gestallens, seinem Dichten fehlt die Gabe Konzentrierender Verdichtung, die des prüfenden Ab- tvägens, des überlegenden Verstandes nicht entraten kann. So stürmt er in seiner dramatischen Produktion von einem Versuch zum anderen, und jeder trägt die Spure» flüchtiger Jmprovisalion, zer- fahrener Willtür. Ein Spiel von Schalten schiebt sich an die Stelle der Entlvickctung von Individualitäten und Konflikten und erzeugt im Zuschauer auch dem, der willig mitzugehen versucht und regsame Empsänglichkeit für alles Neue mitbringt— bald ein Ge- fühl qualvoll ermüdender Zwccklosigkeit. DaS zeigte sich auch bei der Aufführung des neuen Stückes. Die souveräne Freiheit, mit der sich Eulenbcrg über die � Wirklichkeit hinwegsetzt, frappierte anfangs; schien in gewissem Maße originell und kühii und weckte die Erivarlnng irgend welcher Jutentioiien, zu deren Ausdruck dieser Stil als Mittel dienen sollte. Jedoch sie blieben aus. Jeder Schritt tveiier brachte immer neue, immer krampfhafter verzerrte und hohlere Unmöglichkeiten. Nach dem dritten Akte fetzte die Oppo- sition energisch ein, der vierte wurde mit eisigem Schweigen auf- genommen, erst am Schlüsse raffte» sich die unentwegten Anhänger wieder zu lärmend deinonslrativem Beifall auf. Brahm dankte in des Autors Namen. Herr Vineenz, den der Theaterzettel dem Wohlwollen der Zu- schauer als eine„Kreatur Gottes" empfiehlt und das ganze um ihn in seiner Dachmansarde versammelte Mem'chcnhäuflein— der kranke Sohn, die verführte Tochter und ihr in Anbetung ersterbender Ver- ehrer, der Schreiber Cassian— sind nach deS Dichters Ansicht auserlesene Naturen, die tragischerweise am stumpfen Widerstand der Welt zu Grunde gehen. Sie sielten sich gegenseitig dieses Zeugnis aus. Was man im übrigen von ihnen sieht und Hort, ist nur Verblendung. Wenn Ibsen? Gabriel Borkmann, der Gestrandete, von den Millionen träumt, lo lebt darin� der Nachhall einer Wirklichkeit. Er hatte nicht das Zeug zum großen kapitalistischen Eroberer. In seiner Sehn- sucht nach dem Golde pulst elementarer Schaffensdrang, täuscht ihm die Perspektiven eines allgemeinen Fortschritts vor. Da zeigen sich bedeutsame Beziehungen, an die das Interesse anknüpft. Vineenz' verzückte NeichstumSvisiomu sind jedes solchen Hintergrundes bar. liche Eintragung der Reklamanten zu empfehlen. Referent ist Stadtv. M o m m s e n(Fr. Fr.) Stadtv. Leid(Soz.): Man hat eine Reihe von Einsprüchen abgewiesen, weil die betreffenden Leute eine Extra unter- st ü tz u n g erhalten haben. Es handelt sich da um Lieferung von Milch und um Beträge von 2 M., 2,53 M. usw. Wir halten den vom Ausschutz eingenommenen Standpunkt für etwas hart. Man verweist darauf, daß die Milch durch den Armenvorsteher, also aus öffentlichen Mitteln gegeben worden ist, folglich müsse die Entziehung des Wahlrechts die Folge sein.� Das brauchte sie aber nicht zu sein, denn diese Art Unterstützung ist doch nur aanz vorübergehender Natur.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es sind auch neuerdings Entschädigungen des Bundesamts für das Heimatwesen ergangen, nach denen der Be- griff der„vorübergehenden Unter st ützung" doch nicht ganz feststeht. Wir stellen besondere Anträge nicht, wollen viel- mehr nur unseren Standpunkt markieren. Für ganz snlsch aber halten wir den Standpunkt der Ausschuhmehrheit, das Wahl- recht wegen erfolgter Krankenunterstützung zu entziehen. Viele der Erkrankten sind ja bereit, durch Ratenabzahlung die erwachsenen Kosten zu decken. Leider sind wir auch hier an Entscheidungen des Obervcrwaltungsgerichtes gebunden. In der Zwischenzeit ist aber dock immerhin ein Reichsgesetz zustande gekommen, tvelches den Begriff der U n t e r st ü tzu n g enger faßt und wonach die Ge- lvährnng von Krankenpflege oder die Uebernahme in Kranken- anftalten in Zukunft das Reichstagswahlrecht nicht mehr tangiert. Leider hat Preußen noch nicht den gleickien Weg betreten; im Februar 1333 verabschiedete der Reichstag das Gesetz; nach fast 3 Jahren hat der preußische Landtag m dieser Richtung immer noch nichts getan, im Gegensatz zu andern einzelnen staatlichen Vertretungen. Hoffentlich beschäftigen wir uns heute zum letztenmal mit dieser Frage. Meine Freunde glauben, daß trotz der entgegenstehenden Eni- scheidungen die Versammlung den Betreffenden das Wahlrecht belassen könnte, wie es z. B. in Charlottenburg seit Jahren üblich ist(hört, hört!), ohne daß Einwendungen dagegen erhoben worden sind. Deshalb bringen wir hiermit einen bezug- lichen Antrag ein. � Der Antrag wird abgelehnt; die Versammlung beschließt nach dem Ausschußantrage. Die Entwürfe und Kostenanschläge für den Bau eines neuen Wasserwerks in der Wuhlheide sind von dem eingesetzten Ausschuß einstimmig genehmigt worden. Ohne Debatte beschließt die Versammlung dementsprechend.. Von den Stadtvv. Kämpf, Cassel(A. L.), Körte(Fr. Fr.) und Rosenow(N. L.) ist am 8. September mit insgesamt 73 Unter- schriften folgender Antrag eingebracht: „den Magistrat zu ersuchen, bei den zuständigen Reichs» und Staatsbehörden Vorstellungen zu erheben zwecks Ergreifung der zur Beseitigung der drohenden Verteue- rung der Nahrungsmittel dringend erforderlichen Matz- nahmen." Die Stadtbv. Dr. Arons und Genossen(Soz.) legten am 15. September den Antrag bor: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, unverzüglich Schritte zur Linderung der verhängnisvollen Lebensmittel- teuerung'zu tun, sowohl durch Eingaben an die zuständigen Stellen um Aufhebung der die Nahrungsmittel verteuernden staatlich»»- Maßnahme» als auch- durch städtische Einrichtungu«- zur Versorgung Berlins mit Lebensmitteln." D.ix Bexat�ixg.beider Lsntrage wird verbunden.„ .Stadtv, Kämpf: Wir leben'in exnstfl Zeitz DaS Wirtschaft-' liche Leben auch der HcnCptstadi Wird LceinffFchkiat durch inter- nationale Spannungen, die hoffentlich bald beseitigt sein werden, und durch die L e b e n s m i t t e l t e u e r u n g, die zum Teil schon zu einer Notlage in der. Bevölkerung geführt hat. Die Fleischteuerung ist bleibend schon seit Jahren, wieder- holt schon haben wir uns damit befassen müssen. Im vorigen Jahre wurde eine gemischte Deputation eingesetzt, die eine Denkschrift ausarbeiten sollte, die uns noch nicht vor» liegt. Im August 1311 sind die Fleischpreise gegen August 1313 bis auf das Kalbfleisch und das Schweinefleisch weiter gestiegen, zum Teil erheblich, und dabei waren sie auch im August 1913 schon exorbitant. Die Aussichten auf die Zu- kuiist sind sehr gering. Die Maul- und Klauenseuche greift weiter um sich; die Futter- mittelpreise steigen und die schlechte Kartoffelernte wird auch das Schweinefleisch im Preise wieder steigern. Ein Verkauf des Viehes wegen des Futtermangels ist dabei auch für die Konsumenten In kindischer Verbleiidimg. törichten Spekulationen hat er sein mütterliches Erbteil dnrchgebracht und redet sich nun ein. das Schicksal schulde ihm Ltevanche. Von jedem Tage erwartet er das Wunder. Eine königliche Ausstattung soll die Tochter er» halten, in Samt und Seide ivill er die Seinen kleiden. DaS ist der ewig wiederkehrende Refrain seiner eigensinnigen, im Leeren schweifenden Begebrlichkeit. Sinnlos verspricht er, sinnlos ist sein ganzes Tun und Treiben. AIS die Tochter ihm gesteht, daß sie von einem verheirateten Manne ein Kind miter dem Herzen trage, ruft er einfach seinen getreuen Cassian, den still verliebten Schreibers- mami. herbei: Er mag da« Mädchen heirate». Der Jüngling fühlt sich tiefbeseligt, und auch die edle Schwärmerin scheint nicht abgeneigt. Sie wartet akkurat bis zu dein Hochzeitstage und erwürgt sich dann mit goldener Kette.— Ein ganzer Akt wird ausgelvendxt, zu zeigen, wie Vineenz beim Versuch, dem reichen Vater nochnials Gelder abzuknöpfen, Schiffbruch leidet. Aber später schickt der alte Herr anS unbekannten Gründen in einem Briefe zwanzigtausend Mark und Vineenz in Verzweiflung Über den Tod seines armen Jlingeii verbrennt das ungeöffnete Kuvert— zur „Totenfeier". Die roniantisch seiitimeiitalen Partien wechseln mit burlesk satirischen Gläubigerszene» ab. Schließlich taucht eine stein» reiche, seelengute alle Jmigser auf, die aus Hochachtung und Rührung den Witwer Vineenz heiraten und alle Schulden zahlen will. Der Held ist davon ansangS hoch begeistert, bis er danii plötzlich wieder anderen Sinnes wird. Im Sckilußakt sieht man ihn als ge- brochenen Mann von der gute» Dame behütet. Er hat endlose Tranmgesicbte und schießt sich endlich tot...Cassian spricht an der Leiche. der Bewunderung. "Die Aufsührung war erstklassig. Oskar Sauer gab den Schwadronaden des Träumers einen Schimmer liebenswürdiger Verlvogenheit und half dem Schemen, soweit der Text eS zuließ, zu einen, Schein deS Lebens. Sehr innige und warme Töne fand Fräulein Hetterich in der unklaren Rolle der Tochter. Von den anderen Leisiunge» sei besonders M a r r S dicker Börsenmensch Hilarius. F o r e st S Heiratsvermitller, S t i e I e r S Cassian und I l k a G r ü n i n g s Prachtsigur des alten Jüngferchens hervor» gehoben._ dt Notizen. — Goethes„Mephistopheles" im Faustdrama erachten die Llabbiiier der jüdischen Genieiiiden von Minnesota alh eine— Satire auf das Judentum. Nun protestelu sie heftig. � Wedekinds„Büchse der Pandora" wurde im Neuen Schauspielhause zu KönigG-rg aus sittenpolizeilichen Gründen Verbote». — Frau Elise S ch w e i ch e l bittet auf diesem Wege dem Parteivorstaud, den Delegierten der Provinz Sachsen zum Jenaer Parteitage, den delegierten Genossiiinen sowie allen, die in so er- hebender Weise ihres LO. Geburtstages gedacht habe», herzlichsten Dank zu sagen. durchaus unerwünschk. Das Brotgetreide ist zurzeit um 8 /■ 80 pe 1 907 1 909 Wintricher.......>/, fl 95 Pf. 1 908 1 907 Lösenicher....... v, fl 1.15 1 907 1 909 Wiltinger........ v, fu 1.25 1 907 Brauneberger____ v, n. 1.40 1 906 BerncasÜer AJlcnwald fi. 1.80 Wachstum Steuerinspektor Gerber. Fleischwaren Brannschw. Zervelatwürst im Fettdarm, pra. 1.30 �Teewurst............ prunal.lO �Feine Leberwurst.... Pfund 95 Pf. *Landleberwurst...... Pfund 85 pt �Pasteten-Leberwurst...Pfund 1.00 *Rotwur8t........ Pfund 45 u. 70 pe, «Gänsebrust S��e'n bVüs� 145 Schinkenspeck M 1.00 Mausschinken 5?hSiV"3.F.f,!n? Pfund 118 Landschinken"hw7r,2P.tu.nd Pfund 1.15 Speele fett, Pfd. mager 72 Pf. in Stücken von ca. 4 Pfund Rheingau- and Rheinhess. Weine Engelstadter..... y, fi. 83 pt Jugenheimer..... v, fl 95 Ft. Niersteiner....... v.fi. 1.15 Rüdesheimer..... v, fl 1.25 Bordeauxwein 1 907 Bas Medoc....... v. fl 87 pe 1 904 Saint Emilion..... v, fl 95 pe 1905 Dignac. Landureau-/. fl 1.05 1 904 Chat, du Mayne �'-»1.35 1907 Chat. Leoville Poyferre, j-e Saint- Julien............. V, Fl. 1 1907 Ducru Branaire 1.70 "Räucherwaren Grosse Ahlbeck. Flundern Pfd. 50 fi. Grosse Kieler Flundern Pfd. 40 pe Mittel Ahlbeck. Flundern Pfd. 25 Ft. Geräucherte Aale...... Pfd. 1.10 Koch- und Backbutter... Pfd. 1.20 Tischbutter....... pro. 1.30, 1.40 Bratenschmalz......... Pfd. 58 pt. Limburger Käse....... Pfd. 60 pr. Tiisiterpfd 65 pe Schweizer Pfd. 85 pe Emmenlhaler Käse...... Pfd. 1.15 Harzer Käse.......... Kiste 1.45 Romatour stck. 30, Briekäsepfd.75 pe Camembert........... stück 22 pe Faust- u. Spitzkäse... 3 stück 20 pr. Preisseibeeren pf«nd 35 Pf. Goldtrauben m«,»« 68 pr. Bücklinge K'ste8 32, Sprottbücklinge Pfd. 25 pe Makrelenbücklinge.... stuck 10 pe Stralsunder Bücklinge 4 stück 15 pe Geräuch. Lachs'n s>ü,p!X 65, 75 pe Bratheringe....... 4 Liter-Dose 98 pe Matjes-Heringe...... 3 stock 25 pe PostKiste 1.30 Weisser Tischwein....'/> n. 70 pe Roter Tischwein ro,er Hä,a� 67 pe 1909 Saint Marie r0,er"�VTfe 73 Pt Almando roter Natorwein.... Vi FL 80 PE Borsdorfer Apfelwein.>/. fl 32 pe Baiter's Double brown stout... 10 fl 2.10 Baxter's Imperial stout iofi. 2.80 Baxter's Pale Ale..... io fi. 2.80 Flaschen werden mit 10 Pf. berechnet und ebenso zurückgenommen« "Obst u. Gemäse Blaue Pflaumen..... s Pfund 55 pe Pastorenbirnen....... Pfund 14 pe Grosse Koch- u. Essbirnen Pfd. 12 pe Tiroler Tafel- Aepfel..Pfund 18 pe Kanada-Reinetten....Pfund 14 pe Italienische Tafel-Aepfel Pfd. 12 pe Grosse Koch- Aepfel,. Pfund 1 2 pe Kurtrauben p1" 18, Goldlrauben 20 pe Tomaten Pfd. 10, Mohrrüben 6pe Kürbis............... Pfund 5 PE Spanische Melonen... Ffuad 12 pe Rot- und Weisskohl. Kopf 5 u. 8 pe Kohlrabi MdLlS, Rote Rüben Pfd. 5 pe Junge Gänse... Pfand 48, 58, 68, 75 pr. Gänserümpfe.... 3.25»i- 4.50 Junge£n{en I.30 bis 3.00 Gänsekeulen........... 60 pe 5,.., r»,,, Gänse-Stückenfleiscb Pfund 55 Pf. Poularde. Pfund 1.38 Gänsebrust........ Pfund 93 pe JlUlgG ilähllG... 1.00 bis 1.75 "Hirsch und Wildschwein SO Pf-, RUcKen/ 3 Rk, Blatt 60 Pt., Ragout 20 Pf. Kasseler Rippespeer...».»4 65 m. 80 pe Keule « Frisches Fleisch jetzt auch Oranienstr. Tische Pa. Rinderfilet im Ganzen... Pfd. 1.00 Pa. Roastbeef pfd 1.00, bei 10 Pfd. 95 pe Pa. Schmorfleisch....... pfd. 90 pe Fehlrippe u. Brust Pfd. 75, 5 pfd. 70 pe Kamm u. Querrippe 65, 5°�. 60 pe Gulasch pfd. 70 pe Gehacktes 60 pe Nierentalg Pfund 50, ausgelassen 55 PE Schweinekotelettes... Pfund 80 pe Schweinefilet......... Pfund 1.25 Eisbein{Dickbein)........ Pfund 60 PE Rückenfett pfd. 2.85, Liesen pfd. 3.50 Kalbskamm u. Bug pro. 70, f®"» 75 pe Kalbsbrust ,.. Pfd. 80,-Spitze 95 pe Hammelkeule... Pfd. 75, geteot 80 pe Grüne Heringe........ Mdi. 25 pe Kabeljau ohne Kopf 01 eaD"D FiÄ 15 pe Seelachs obne Kopf io ganz. Fischen, Pfd. 8 Pf. Seeaale ohne Kopf........ Pfund 1 0 Pf. Scbelifiscbepfd. ISpe Große Schollen prd.25pE Scharhenzungen Pfd. 16 pe Lachs prd. 55 pe Zander.......... Pfund 40 bis 65 pr. jetzt auch Oranienstr. Frischer Tafellachs.... Pfund 2.50 Lebende Hechte...... Pfund 1.10 Lebende Karpfen.. Pfund 65, 85 pe Lebende Aale. Pfund 75, 90 pe 1.10 Lebende Schleie.. Pfund 95 pe 1.30 Lebende Krebse. MdL ISpe bis 4.00 Solokrebse........ stock 35, 55 pe Unterem Gen offen /ilfielm Sellin nebs« Fran die herzlichste Gratulation zur s Silbernen Hochzeit! l. Genossinnen des» 657 b Bezirks(6. Kreis). Todes-Anzeigen SlMelnÄlÄ. Mtverein für den 2. Herl Reiefistapalim (Bezirk 153.) Arn 20. September verstarb B unser Genosse, der Arbeiter Jj Marlin Pieckowiak Gräsostr. 3. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. Mts., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Urban-Kranken- Hauses auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/tt Ter Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme an der Beerdigung meines Neben Bräu- tigams Zfortln Prjkonlngcn spreche Ich dem Verein der Auszugs- Monteure nochmals meinen herz- Lchfien Daitk aus. Bis Blaut Anna Trammnitz. ISczialdeniokratisclieFWalilverein für den lißerliaerReiclistagswalrels. . Kiipeilicker Viertel. (Wahlbezirk 209, ij Den Mitgliedern zur?tachricht, � dag unser Genosse, der Sattler Hermann Gabel Sorauer Straße 8 | verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ! Freitag, den 22. d. M., nachmiltags 5 Uhr, von der Halle des Zentral. FriedhoseS in Friedrichsseide aus s'.att. i Rege Beteiligung erlvartet j■222/5 Der Vorstand. SoziaiileniokralisctierWalilverein für den I. Reil. Reiehstays-Walilkreis. S Köpenicter Viertel. (Wahlbezirk 211.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Sisvert Görlitzer Str. 50 gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2t. September. nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Jakobi-Kirchhoses in Rixdors aus statt. 222/6 Der Borstand. [Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 19. d. M. mein lieber Mann und herzensguter Vater, der Nestau- � ratcur Adolf Sievert Görlitzer Str. 50 im Alter von 56 Jahren nach schweren Leiden entschlafen isL Dies zeigen liesbetrübt an Mafhilllö Slam! nebst so�n. Die Beerdigung findet Sonn- tan, den 24. September, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jalobi- Kirchhofes, Her- mannstraße, aus statt. Veitoll öep Brauerei- unil und verwandter Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Unfern Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 19. September, der Kollege, Stallmann Bieber (Schloßbraueret Schöneberg) nach langen, schweren Leiden ver- storben ist. Ehre seinem Alidenken k Die Beerdigung findet heute. Freitag, den 22. September, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen. halle des neuen Schönebetger Gemeinde-Friedhoses, BlankeHölle, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 44/3 Der Vorstand. Sozialiieuiolratiseliep Verein im S. Berliner Wahlkreise. Am Mittwoch, den 20. d. M., verstarb unser Mitglied und Ge- nasse, der Isolierer Emil Bornemann (1. Abteilung) Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. M., ikach- niiltagS 3 Uhr, von der Leichen- halle"des Georgen-KirchhofeS in Weißenfee, Rölkcstiaße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 223/14 Ter Vorstand. Bentecber Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Am 19, September verstarb unser Mitglied Emil Bornemann (Bezirk Nord-Ost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 23. September, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhofes in sidr■ Weißensee. Röldcstraße, aus statt. Um 140/4 Um rege Beteiligung ersucht Nor Vorstnnek. Hermann Fiscliers billigntc SUrsc Urbanftr. III, früher Rtxdors. Tel. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- diener 71/9 Eduard Zwanzig am 20. d. Mts. im Alter von 59 Jahren verstorben t(L Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. MtS., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Parochial-Kirch- hoseS, Boxhagener Straße, aus statt. Die Bczirk�vcrwaltung. Arn 20. September früh 3 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe gute Frau und Muller Lkristigne pkakk im 51. Lebensjahre.57t2L Dies zeigt tiesbetrübt an IVaiiz Plall und Tochter. Die Beerdigung findet am 23. September, nachm. 5 Uhr, aus dem neuen Jakobi-Kirchhoi, Rtxdors, Hermannstr. 100, statt. Klniiitu- und firnuiliiii&rrri m Robert Meyer,' mit Uarllmnttt-Ailnße 2. Am 20. September verschied nach langem schweren Leiden unier lieber Kollege, der Schrist- setzer 134/12 August Müller im Alter von 37 Jahren. Ein treues Andenken bewah- ren ihm Die Kollege» des„Berliner Tageblatt". Die Beerdigung findet am Montag, den 25. d. MlS., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle" deS Rirdorier Gemeinde- Friedhofes, Martenborset auS statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, unseres guten VaterS sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Verband deutscher Metallarbeiter, dem Verein der Me» tallschleiscr Berlins u. Umgegend, dem Wahloerein deS 4. WabikreiseS, 1 .. dem So arverein.Weihnachtssonds-, den Kollegen der Finna Btix u. Genest meinen besten Dank. 7llb Frau Valeska Rehbach Kinder«. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, Mutler, Schwieger« und Großmutter sagen wir allen Ver« wandten und Bekannten, insbesondere den Genossen deS sechsten Wahl- kreiscs(Bezirk 621) sowie dem Ge- sangverein„Weddinger Mäsmerchot» unscrn herzlichen Dank. 712b Tie trauernde» Hinterbliebenen Wilhelm Gottschalk n. Kindern. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für deg Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck E. Verlag: Vorwärts Bilchdrttckerei u. VerlagSanstqlt Zagl Singer u. Es., Berliv L)�. |tt. 222. 28. Jahrgang. 2. Kilagt des.Awlirls" Krim WksdlÄ Freitag, 22. September I!Ut. Hus aller Melt. eine exhurfion auf dem Hettia. . KM ■fv.:•::> rs. r QLjS->s.-f ON-V' w: ••.�v- K'!./! .-«-.•r■■t-' �' Meine Kundschaft ist sehr zufrieden! ist mein Geschäftsstolz! Polsterwaren Kulant in Zahlungen iSeeil in Bedienung Solid in Preisen. Küchen Garniturenvon140' bis zu den elegantesten. von Trotz billigerer Kassapreise Teilzahlungen gern gestattet. Wohnungs« Einrichtungen schon von 225 Mark an. Erg8nsungs-Möbel: Vertikos..... von 36 m..» Kleiderschränke. von 36 m. an Spiegelspinde.. von IS i*. an Sofas mit Auszug.,, von 54 M. an 4«,UJ Bettstellen mit Federboden. von 33 an Ausziehtisch.. von 17 M. an DEUTSCHE BANK BERLIN W., Behrenstraße 9—13 Zentralleitung der Depositenkassen: W., MailCrstr, 28 Aktienkapital......... 200 000 000 Mark Reserven.......... 107 781 000 Mark Im letzten Jahrzehnt(1901— 1910) verteilte Dividenden: 11, 11, 11, 12, 12,12, 12, 12, 12�/2, IS1/«0/«- Zweigniederlassungen: Bremen, Brüssel, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Konstantinopel, Leipzig, London, München, Nürnberg. Depositenkassen: Augsburg, Chemnitz, Wiesbaden. Depositenkassen in Berlin: W.; SL: Mauerstraße 26— 27....... Kasse A* Potsdamer Straße 134a...... Königgrätzer Straße 6...... Potsdamer Straße 96(a, d. Bülowstr.) KW.; Alt-Moabit 129(Ecke Weritstraße) Turmstraße 51........ SW.; Jerusalomer Straße 41(DönhoSplatz) Belle-Alliance-Platz 2...... RitterstraJle 48....■..... BeUe-Alliance-Straße 21..... Friedriebstraße 209(Ecke Kochstr.) Oranienstraße 140 Chausseestraße 17........ Kasse L Schönhauser�llc 9— 9a..... Reinickendoiror Straße 2..... Brunnenstraße 24........ Badstraße 56.......... KO.: Landsberger Straße 89...... Greifswalder Straße 2...... An der Jannowitzbrücke 4.... Frankfurter Allee 89....... SO.: Dresdener Straße 3(Kottbuser Tor) Köpenickor Straße 30...... C.: Königstraße 41—42....... Am Spittelmarkt 8— 10...... Hackescher Markt 3....... Depositenkassen In den Vororten: Charlottenbnrg: Berliner Straße 66........ Kurfürstenstraße 115....... Savignyplatz 6......... Kantstraße 162......... Kurfürstendamm 188—189..... Tauentzienstraße 21—24...... Bismarckstraße 84........ Rheinstraße 17 Frledcnnn; Kasse J* n M» . Q' r R* , KL* v NO* , OP* llalcnscc: Joacbim-Friedrich-Straße 16.. Kilchtenberg: Frankfurter Chaussee 152a... Potsdam: Am Alten Markt 17...... Rixdorf: Berliner Straße 102...... Schöneberg: Kaiser-Wilhelm-Platz t..... Martin-Luther-Straße 5..... Bayerischer Platz 1...... Markt 4 Spandau: Schloßstraße 88. Steglitz: Wclßcnsce: Berliner Allee 246..... Ehlands traße 57 Schaperstraße 1. Wiliucrsdopl: Die mit einem* bezeichneten Kassen besitzen Stahlkammcrcinrichtung. Die Depositenkassen eröffnen Geschäftstreibonden, Industriellen und Privaten laufende Konten für den Deposltca- und Schcck-Verkebr und besorgen den An- und Verkauf von Wertpapieren, fremden Geldsorten, Schecks und Wechseln auf das Ausland, die Ausschreibung von Kreditbriefen, die Ausgabe von Welt-Zirkular-Kreditbriefen, zahlbar an all. Hauptplätzen der Welt, etwa 1800 Stellen, die Diskontierung sowie Einziehung von Wechseln, die Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren, die Versicherung von Wertpapieren gegen Kursverlust im Falle der Auslosung, die Einziehung der abzutrennenden Coupo Joupons. Beschaffung und Unterbringung von Hypothekengeldern. NachlaB- und Vormögent- Verwaltung, Uebernahme von T estamentevollstreckungen. Sanderabteilung fDr Diskontierung von Buchforderungen. Stahlkammern. Die Stahlkammern der Depositenkassen stehen unter eigenem Vorschluß der Mieter und eignen sich zur Mbewalmg von Wertpapieren, Hypotheken-Bokinnenten, Urkunden, Wertgegenständen und Sctunucksachen. Die Vermietung dieser Schrankfächer erfolgt je nach Wunsch auf beliebige Zeit. Bedingungen für den Depositenverkohr und die Benutzung der Stahlkammern nebst Beschreibung der letzteren werden an den Schaltern der Kassen ausgehändigt. Die Deutsche Bank Ist mit ihren sämtlichen Zweigniederlassungen und Depositenkassen amtliche AnnalimeHtelle von Zahlungen für Inhaber von Scheck-Konten bei dem Kaiserl. König). Oesfcrreichlschen Posfsparkasscn-Amte in Wien. HJeltmonn Hadif. Stefan Ei® Kalser-Wi!he!tn-Slr. 41-42 Berlin C Spandaucr Str. 70-71 Herten AnzOge Arlieiter-Radlahrer- Btiud Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonnfog,£4. September. Die Tour nach Stolpe« Hohen- Neuendorf wird nicht gefahren. t bis 10. Abt.: VI, Uhr: Baum- fchutemueg(Speer). Start: An den Defaimleri Stelle».. 12/16 Lichtenberg und Umgcgcud. Tour wird am Start befan»! ge- geben. Start: 1 Uhr bei Erlelt. Voljlsgsrleu-ffiesler. Säte für Vereine und Gswerk- schallen noch einige Sonnabende scei bei fulantcn Bedingungen._ Offeriere in nur frischer, schöner Ware: Km* ein l'rcls! Z Gänse 0,88 7—12 Pfund schwer. 112/2* Rur allererste Lrualität Gäustrümpft, haltie Gänse. ftette Suppenhühner, jg. Vrathühncr. F. Wcgner, SO. Mariannenstr. 34. Achtung! Bewilligte Bäckerei. Achtung! Meiner werten Kundschaft und Nachbarschaft zur Kenntnis, dag die Disfcrcnzen zwischen dem Bäcker- und Konditorenoerbaiide n»d mir wieder geregelt sind. 41/11 Ich bitte meine verehrte Kundschaft, hiervon Notiz zu nehmen. Gleichzeitig empfehle ich meine anerfamit wohlschmeckende Mtlb&nd)eitUmt*e sowie In Konditorware, auch mache ich ans mein grosjcs tvohlschmeckendes Brot a 40— 60 und 80 Pscnnig ausmerksam. HochachtinizSvoll �.U ThomaS, Oranien- straße 160, Oranienplatz; Rosen- kalerstraße 54. 18tK' Hermnnnplao 6. Psandleihhaus. Jedermanns vorteilhastcste Kausge- legcnheitl Riesenauswahl preiswerter Jackettanzügel Gebrockanzügel Som- merpaletots l WinterPaletotS I Herren- boien l Billigster Bettenverkausl Braut- betten I VelmietungSbeltl Aussteuer- Wäsche I Tepptchauswahll Gardinen- auswahll Portier enlagerl Ptüschtiich- decken l Sleppdeckenl Festgeschenlel Taschenubrcn! Wanduhren I Wand- bilderl Schmucksachen! Kettenaus. wahll RingeauSwahll Warenverfaus ebenfalls Sonntags._+73* Schönhauser Allee 114 bahnhos), Psandleihhaus! Groß-Ber lins spottbilligste Einkaussquelle samt- licher Waren I Extrabilliger Bettenverkausl Nmzugsartikell Einseznungs- Geschenke l Fahrvergütigung I' Nadfahrerkarten. Wir empsehlen den Freunden deS Radsports: Mittel- Vachs Karte sür Rad- und Motor- fahrer von Berii» und weiterer Nm- gebung, aus Leinen gezogen PrciS 1,80 M.(zusammenlegbar).— Karte sür Rad- und Motorfahrer von Brandenburg, aus Leinen ggzogen und zusammenlegbar 2,60 M. Expedition deS.Vorwärts', Lindenstraße Laden. 69. Teppiche(fehlcrhaste), Portieren, Gardinen, Steppdecken, Divandecken, Plüschtischdecken, Fellvorlagen, Läuser- stosse, spottbillige Gelegenheiten. Pols- damerstraße 109, Conrad Fischer. Vorwärtsleser Exirarabatt. L984K' GS müssen bis 31. Dezember 1911 Noch 100000 Mark eingenommen werden, wenn der große Laden aus- geiiiitzt werden soll, daher die kolossale Preisverbilligung bei Herrnian» Schlesinger, Turmstraße 38. Liefe« rant der konsumguivssenschast Berlin und Umgegend. 122K blaskroiieii, Woche l,00, billige Preise. Große Frankfllrlersttaße 02, Ravenöstraße 6 lWedding), Rirdors, Berlinerstraße 102. 03K* Teppiche(Farbenfehler), Stepp- decken, Gardinen, Tischdecken, Tüll- bettdecken, Uebergardinen, Soja- ftossreste spottbillig Fabriklager Maucrhoff, Große Franksurlerslraße 9, Flureingnng. Vorwärlslesern zehn Prozent. Sonntags gcössnet. 21885t' MonatSanzuge uno Winter- Paletots von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gehrockanzüge von 12.00, Fracks von 2,Sv, sowie sür korpulente Figuren. Neue Garderohe zu stauilend billigen Preisen, aus Pfandleihen ver- sallcne Sachen kaust man am billigsten bei Naß, Mulackstraße II._• Familien-Restaurant billig, 24 Halbe. Postlagerkarte No. 7 Post- amt 20._+92 Ecklokal billig zu verkausen Char lottenburg, KnobelSdorssstraße 44/45.' ~~Z aalgeschäft, große Säle, öffcnl- licher Tanz, viele Vereine, verlaus- lich. Lagerkarte 71 Postamt 37. 713b Möbel. Mäbel-Lschner, Brunnenstraß«?, am Rosenthaler Tor, WohnungSein- richtungen aus Kredit und gegen bar. Riesen-Auswahl. Stube und Küche Anzablung von 15 Mark an. Einzelne Möbelstücke von 5 Mark Anzahlung an. Hervorragend schöne Muster in bunten Küchen. Wochen-, Monats- oder vierteljährliche Raten nach Ueber- einkunst. Liefere auch nach auswärts. Vorzeiger dieses Inserats erhält beim Kaus 5 Mark gutgeschrieben. Kunden, die ihr Konto beglichen haben, erhalten einzelne MSbelstucke ohne Anzahlung. Sonntags gcössnet. Möbel ohne Geld! Bei ganz Nciner Anzahlung geben Wirtschaften und einzelne Stücke aus Kredit unter äußerster Preisnolierung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten kaust bei uns. Kretschmann u. Co., Koppen- straße 4.(Schlesischer Bahnbos.)> Teilzahlung, Möbeleinrtchtung, Stube und Küche 15 Mark. Ver- liehen gewesene Möbel spottbillig. Berolin«, Kastantenallee 49. 205K' Möbelangebot. Vorteithasteste Gelegenheitsläuse durch Ankauf ganzer Warenlager. Einzelmöbel, komplette Einrichtungen, schlichteste, eleganteste Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren- zimmer, RiesenauSwahl, 5 Etagen. Fabrikgebäude, Neue Königstraße 5— 6, Teilzahlung gestaltet. Sonntags ge- öffnet. Auf Teilzahlung WohnungSein- richtung von 300 bis 3000 Mark, sowie einzelne Möbel in kolossaler Auswahl bei billigen Preisen liesert unter kulanten Bedingungen Tischler- meister NoUe, Zionskirchstraße 39. Kein Abzahlungsgeschäft. 6616' Kinderbettsielle 7,— Andreas- straße 53. 224K Möbelhanblung Marianncn- straße 25, billige Preise. Teilzahlung gestattet.„VorwärtS'lejer 3 Prozent Rabatt. 39.51' Möbel-Teilzahlnng, bequeme, bei kleinster Anzahlung, in bekannter Güte. Größte Rücksicht bei Kraniheit und Arbeitslosigkeit. E. Cohn, Große Franksurtersttaße 58. 13lK* Verlange» Sie gratis meinen illustrierten Möbclkatalogi M.Hirscho- witz, Fabrik Skalitzerslraße 25, an der Hochbahn._ 126/6' Riifsbanmwirtichaft verkaust schleunigst umständehalber mit hoch. elegantem Umbausosa, prachtvollen Küchenmöbeln, Küchengcschirr.Teppich, nur Privatleuten sür 220.00, Nußbaum- büsett, sehr billig, Wemmclster- straße 1d— S. Der Verwalter.; 134/14 Ein Wort an das Möbel kausende Publikum. Bevor Sie Ihre Einkäuse machen, besichtigen Sie meine Riesen- läger: Moabit, Turmstraße 73, und Schöucberg, Hauptstraße 50. Enorme Auswahl in kompletten Zimmern als auch Einzelmöbeln. Spezialität Gin- und Zwei- Zimmer- Einrichtungen. Modernes Wohnzimmer, echt Nuß- bauni furniert, nebst Küche in den prachtvollsten Farben von 295 Mark an. Eigene Polsterwerkslätten, daher weitgehendste Garantie sür nur erst- klassigeS Material und allerbeste Ver- arbeitung. Besichtigung ohne Kauf- verpstichtung erbeten. Ständig zirka 100 Musterzimmer in allen Preis- lagen vorrätig. Lieferung srei Hans. Kostenlose Lagerung.' 209K Bibliothek, 100 Bände, sauber erhalten, ocrkaust alter Parteigenosse. Zn erfragen Verbandsbureau. Mcmelerstraße 15, II.+92 Verschiedenes. Patentanwalt Wessel, Gitschiner- straße 94a._ Verloren geht Ihnen viel Geld. wenn Sie Ihren Bedarf an Einzel- möbeln sowie ganzen Wohnungs- Einrichtungen nicht Moabit, Turin- straße 69, decken. Kleinste An- zahlung, Abzahlung von Mark 1,— pro Woche an. Reichhaltiges Lager in Möbeln jeder Holz- und Stilart. Niedrigste Preise trotz allerbester Ver arbeitung. Nur streng moderne Muster. Stube und Küche schon von Mark 200,— an. Zwei Stuben und Küche von 450 Mark an. Sonntags geöffnet bis 2 Uhr. Höhne u. Co., Moabit, Turmstraße 69. 210K' Ketuen Pfennig'Ausschlag zahlen Sie in meinem Möbcl-Spczial-Gc- schäst sür Ihre WohnungS-Einrichtung bei größerer Anzahlung. Ich habe kein Personal, daher nur ganz ge- ringe Unkosten und lasse diesen Vor- teil Ihnen zugute kommen. Fast immer Kelegeiibeitskäuse, namenllich in einzelnen Stücken und Küchen. Licsenmg kostenlos. Kirstein, Moabit, Ottostraße 2, zwischen Turmstraße und Alt-Moabit. L55K' Arbeitcr-Muftcrwohuungcn.Für jedermann leicht erwerbbar, sehr billig, auch gebrauchte Möbel, gut erhalten, große Auswahl, Teilzahlung gern gestattet. Kassenpreis Zinsvergütung, kleine Anzahlung, bequeme Abzah- lung nach Wunsch der Käufer. Gabbert, Tischlermeister, Acker- straße 54. Teilzahlung! Möbel, Spiegel, Polsterwaren, unter günstigen Zah- lungsbedingungen, langjährige Ga- raniie, liesert Mäbelsabril Dresdener- straße 14.(Kein SlbzahlungSgeschäst.) � Gut erhaltene Matrnvc verkäuflich, Franke, Bclsortcrshaße 16. 146 ßtltter. Fertkggerahmte und los- Bilder, Leisten und Rahmen kaufen Sie beute am billigsten und reellste» direkt Fabrik bei Bilder-Bogdan, Wein- mcistcrsttaße 2. Verlangen Sie 5Proz. Rabatt. Fsdrrader. Herrenfahrrad, Daniensahrrad. einmal benutzt, 35,—, Holz, Blumen. straße 36d. 23K' Misik. Prach tpianino, neuerhaltenes. Hosfirma) Umzugshalber 200,00. trüger, Friedenstraße 2(Königstor). Kanf�esuche. Zahngebisse, Goldsachen, Platin, Silber, Stanniol höchstznhiend. Edel- schmelze Drcsdenerslr. 9(Hochbahn). Kupfer, Messing, Plntinabsälle Silberabsälle. Goldschmelze Nieper Köpenickerstraße 20a(gegenüber Man- teuffelstraße). 205K' Zahngcdissr. Zahn bis 80 Pfennig, Goldsachc», Stanniol, höchstzahlcnd. Kohn, Neue Königstraße 76. 222/11* Platinabfälle. Gramm 5,55. Gold, Silber, Zahngebisse kaust Blümel. Auguststraße 19.+114' Patentanwalt Müller, Gitschiner- straße 81._ 24395t* Kiiiislitopfcrei von Frau Kokosky. Schlachtcnsee, Kurstraße 8 III. Ilnterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an- gefertigt. G. Swicnly- Liebknecht Charlottenburg, Stuttgarterplatz 9 Gartenhaus III. 41 445f Saal für VireinSsestlichteite» zu vergeben, 160 Personen fassend, Müllerfttaße 59, Schulz. 154 Vermietungen. Geschäftskellcr neben Realschule Rheinsbcrgersttaße 6. 1101' �Volimmxeii. Mittlere und kleine Wohnungen Brunnenstraße 146.:_ 1101'' Balkonwohnung, zwei Stuben, Küche 32.00, Stube, Küche 25,00. Kleine MarkuSftraße 3. Prachtpolle Vorderwohuungcn, Aussicht Schmuckplatz, 2 Zimmer, Bad, Balkon, billig. Neubau Weichsel- straße 12(Frankfurter Allee), Näbe Bahnhos, gleich beziehbar. 134/18* Freundliche Gericnwohnungen, am Schmuckplatz, 23 und 25 Mark. Neubau Weichsetstraße 13(Franksirrter Rlleel, Nähe Bahnhof), Trcpven- läuser, gleich beziehbar. 134/17'' Achtung! Caf ehaus-Angestellte! Di« nachbenannten CasöS haben den Lohntaris sür AushllsSkellner (2 M. Lohn pro Tag für jede AuShllse— ungeachtet deS Umsatzes) nicht anerkauut und beschäfiigen nur gelbe Gehilscn, welche sich abermals zum Verrat an die Gehilsenschast bereit gefunden haben. Es sind dcShald für organificrte Gehilsen bis aus Widerruf gesperrt: Norden: Lskö Luxemburg, Müllerstr. 154. „„ Roland, Brunnenstr. 181. Osten:» Frankonia, Große Frankfurter Str. 63. Süden:„ Jahn, Hasenheide 19. Rixdors:„ Rathaus, Bergstr. 7. „„ Lchwedler, Bergstr. 66. Tie Forderungen Haben anerkannt: Cate Hermannplatz, Rixdors. Caf6 X. Y. Z., Große Frankfurter Straße 121. Im Lakö dlagler am MorUzpIatz schweben noch Ver- Handlungen. 295/19* Verband dent»obvr«a>ctn Irtsgobilkvn. leavlgvvrvin dvr OakE-Vnge»tvIltvn. Rerlln,r. ISslv. hnnshmeitellen sür„Meine Anzeigen" Berlin C. 91. Habnisch. Anguststr. 50, Eingang Joachlmsttaße. 4V. G. 3rfiiiiihf, Mrchbachsw 14. O. R. Hacketbusch, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppen- straße 83. R. Wengels, Gr. Frankfurter Str. 120. XO. L. Zucht, Jmmanueltirchstr. 12. F. Re»l. Larnimstr. 42. W. Baumann, RbeinSberger Str. 67. F. Trapp, Stettiner Skr. 10. Karl MarS, Greisenhagencr Str.27. I. Hönisch, Nazavetbkirchstr. 49. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Tic«, Jnvalldenstr. 124. L. Techand, Rubepiatzstt. 24. XlsV. Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Lawerenz. GotzkowSkhstr.' 29. SW. H. Werner, Gneisen au ftr 72. Tarhn, Hagctberger Str. 27. St. Fri«. Prinzcnftr. 3t F.(ftutschiuidt. Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch, Engeluser 15. Vdler«b«r. ditarl Schivarzlose, Hossmannstt. 9. liaainsQbrileaveg. H. Hornig. Marienthalrrstt. 13, I. Bar« ig« aide. Paul Kienaft, Räuschstr. 10. Oiiarluttenbarg. Gustav �charnbcrg, Seseubeimer Str. 1. l''r»ed>-ieb«bagen. Grust Werkmann, Köpcnicker Str. 18. «rUna». Franz Klein. Fricdrichstr. 10. .labanaintbal. Pielicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Zinrlibei-st. Richard Kütrr. Rödclstt. 9. II. kttpeniek. Emil Wistler. Kletzerstr. 6, Laden. Ldehteiiberg. Ctto Scikel, Kronvrinzenstt. 4, L Xieder-Ä|chUiiewclde.(Sehrt, Britz er Str. 6. Xowtawc». Wilhelm Jappe, Fricdrichstr. 7. Ober-Sebvne«elde. Alfred Bader, Wilhelmlnenhofstr. 17 II. Bankosv. Otto Ristmann, Müdleustt. 30. Reinickendorf. P. Gnrsch, Provinzstt. 56, Laden. lllxdoi-t'. M. lbciurich. Neckarstr. 2. Eourad, Hennannstr. 50. (5. Rohr, Siegsriedslr. 28/29. Rnmnielsbnrg. 21. Rosenkrauz, Alt-Boxhagen 56. Sehöncbcrg. Wilhelm Bäumlcr, Martiu-Luiher-Str. 69 im Laden. Spanclan. Koppen. Vreiteftr. 64. «teglit-. H. Bcrusce. Alseustr. 5. Tempelliof. Frau«, Berliner Str. 76, Laden. Vrepto,,'. Rodert Gramen», Kiesbolzstt. 4l2, Laden. >VeiUen«ee. Fuhrmann. Sedaustr. 105. Schillert. König-Thaussee Z9a �Vllnierrcdorf. Paul Schubert. WilbelmSaue 26, Hos parterre. Einfach möbliertes Zimmer, Rabe, Barutherstraße 17. 714b M öbliertes Zimmer, Nähe Bahn- hos, 18 Mark mklustve, Johannis- thal, Stubenranchstraße 14, III. Assel. 281K LcklskstoUen. Möblierte Schlafstelle, zwei Herren Brunnenstratze 58, vorn III, Dahlke. Alietsxesucds. Möbliertes Zimmer, nicht über 18,00, sucht junger Mann, Süd-, Süd« oft. Osscrlen F. Speditioo Prinzeu- straße 31. 131 Arbeitsmarkt. 1 LtellenanZedole. « Drei Färber und Wäicher auf Kleider gesucht. Gebr. Attenbergs Färberei, Weißcniee, Langbans- straße 4. 1143» Schlosser aus Schauscuster, Gitter, Bronzearbeit verlangt Blume, Char- lottenburg, Schillerstraße 9t. 1116 Schlosser sür Baubeschlag verlangt Steglitz, elhornllraße 6._ L85K' Steinmest-Bildhauerlehrling. Ader« straße 3a.__ 1102* Gin ige Pneumatik- Repara'.eure finden sofort bei gutem Lohn dauernde Stellung bei derittpollo-Gumvusabril in Budapest Szeul-Laszlo uica 43. Möbelkutscher, tüchtiger, mit guten Zeugnissen, findet dauernde Beschäftigung. Lechner, Brunnen« straße 7.__ 28-111 Schlosscrlebrlinge gegen sofortige Vergütung gesucht. Willy Baum, Herdsabrik, Berlin- Wilmersdorf. Babclsbergerstraße 40. L82K' Polierer, tüchtige, in Alkord, finden dauernde Beichästtgung bei Krcmener, Klosettsitzsabrik, Pankow, Florastraße 8. t34j!3 Schlriferlehrling bei hohem Kostgeld und guter Ausbildung verlangt F. W. Hentschel, Dresdenerstraße 80. Schrifthaiicr aus Granit verlangt Grabsteingeschäst Schulz, Adlershof. Auswärtcri». vor- und nach- mittags, sofort verlangt. Ritzow, Pintschstraße 3._ fSG Krawatten> Bindeunäherln verlangt Frau Haas«, Königsberger- «trage 13, IV. 126 Plättcrinne«, Arbeiterinnen, hoher Lohn, sucht Dampswäscherei Kopisch- straße 1(am Kreuzberg). 6956* Im Arbcitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten Sv Pf. die Zeile. h-liei, ten, Händler usw. durch Verkauj un- serer prima Dauerwäiche kalt ab- waschbar, Eeidenbans- Krawatten, Selbstbinder, Kragenschoner w Kunst- seide, Hosenhaller und sonstigen Neu- betten. Anerkannt bestes Fabrikat, feinste Muster, größte und älteste Firma der Branche. Gest. Anfragen mit Angabe ob aus eigene Rechnung oder gegen Provision. Verireiwig ge- wünscht wird erbeten. VkSsohe-lmlustrie Puscli& Krusche, Glogau. 134/0* finden bei erster süddeutscher Kronlenohtorfiibrik bei hohem Stundenlohn dauornda BeschSfli- gung. Eintritt sofort. 134/11 Reite wird vergüte� Offorton mit Zeugnissen unter 31. O. 748» befördert Rudolf Jlosse, München. Iverantwortlicher stiedatteur Richard Barth, Berlin. Für den Lnieratenteil verantw.f TH. Glocke, Berlin. Druck u-Berlag: Vorwärts Buchdrucksret u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin Svt. iit.222. S8J.WÜS. 8. leildje des LmMs" Iftlitift Jolblildft .................. iu iliiiu.ii.iiiM in imll wwwtm imi Charlottenburger Stadtverordneten' verlamtnlung. Die Sih'ung der Charlottenburger Stadtverordneten vom Mitt- woch, die erste nach den Ferien, wies eine so reichhaltige Tages- ordnung auf, daß sie sich bis gegen 1 Uhr nachts hinzog. Trotzdem blieben eine Reihe von Punkten unerledigt. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich zunächst an die Borlage betr. Errichtung einer Badeanstalt in der Nürnberger Straße. Es handelt sich hier um ein Projekt, das schon seit zehn Jahren schwebt und nun endlich der- wirklicht werden soll. Der Magistrat bezweckt die Schaffung eines hygienischen Bades, welches der Erhaltung und Steigerung der Ge- sundheit der gesamten großstädtischen Bevölkerung und namentlich dar heranwachsenden Jugend dienen soll; er legt deshalb den Hauptwert auf die Ausgestaltung der Schwimmbäder. Um den Zuschuß, den die Schwimmbäder erfordern, zu verringern, soll dies Bad durch Errichtung einer Abteilung für Dampf-, Schwitz- und Heilbäder erweitert werden, von der die Erzielung von Zuschüssen erwartet wird. Sowohl der Berichterstatter Stadtv. Dr. F r e n tz e l als auch die meisten Redner der bürgerlichen Parteien hatten an dem Projekt zahlreiche Ausstellungen zu machen. Bon allen Seiten wurde die luxuriöse Ausstattung getadelt, und auch die Kirchturms- Politiker, die eine Gefährdung Charlottenburger Interessen darin erblicken, wenn auch mal Berliner oder Wilmcrsdorfer Eistwohner in einer städtischen Anstalt baden, brachten wieder ihre Bedenken vor. Ebensowenig fehlte es an dem veralteten Argument, die Stadt dürfe den Privatbadcanstalten keine Konkurrenz machen. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion sprach sich Ge- nasse Z i e t s ch aus kulturellen Erwägungen heraus im Prinzip für die Borlage aus. Weng wir das Projekt ausführen könnten, würden wir eine der schönsten Badeanstalten in ganz Deutschland bekommen,, die für andere Städte vorbildlich sein würde. Aber auch seine Freunde hätten einige Bedenken, die sich zunächst gegen die Platzfrage richten. Dagegen könne er sich nicht auf den lokal- �patriotischen Kirchturmsstandpunkt einiger Vorredner stellen. Was schade es denn, wenn auch Berliner, Schöneb�ßher oder Wilmers- dorfer die Anstalt benutzen? Durch die Errichtung der Anstalt an der äußersten östlichen Peripherie der Stadt würden der Westen und der Norden sehr vernachlässigt werden. Er frage deshalb, wann und in welchem Umfange der Magistrat eine Erweiterung der Badeanstalt, in der Krummestraße vornehmen, und Wang und in tvelchcm Umfange er in dem Stadtteil jenseits der Spree eine Anstalt errichten werde. Ein weiteres Bedenken seiner Freunde richte sich gegen die zum Teil übertriebene luxuriöse Ausstattung der Anstalt und gegen die K l a s s i f i z i ew-u ng, die so weit gehe, daß sogar für die Hunde zwei Klassen von Bädern vorgesehen sind. Das Projekt des Magistrats entspreche nicht dem Charakter einer Volksbadeanstalt; seine Freunde würden.sich bemühen, die Klassenunterschiede zu beseitigen und dafür zu sorgen, daß die An- stalt eine wirkliche Bolksbadcanstalt wird. Nachdem Oberbürgermeister Schusteh.ruS den Entwurf des Magistrats verteidigt und nach Vollendung der Anstalt in der Nürnberger Straße die Errichtung kleinerer Badeanstalten mit Schwimmgclcivnheit in den verschiedensten Gegenden der Stadt in Aussicht gestellt hatte, wurde die Vorlage einem Ausschuß über- wiesen. Der Magistratsvorlage betr. die Bewilligung von 250 M. zur peraustaltung eines Ausbildungskursus für Jugendpflege und von 500 M. als Beihilfe an den Hauptausschuß für Jugend- pflege stimmte die Versammlung zu, obwohl Genosse Zietsch die sNafjncchmen als einen Teil der Bestrebungen zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Jugendbewegung kennzeichnete. Aach Erledigung einer Reihe von Vorlagen, die Nachbcwilli- gungcn verschiedener Etatpositionen betreffen, nahm die Vcrsamm- lung einstimmig einen Dringlichkeitsantrag des Stadtv. Otto an, der den Magistrat ersucht, die Mahlzeit für die Wahlen der dritten Abteilung auf g bis 6 Uhr festzusetzen.(Der Magistrat hat als Wahltermin Sonntag, den ü. November, von 11— 6 Uhr bestimmt.) Oh der Magistrat dem Verlangen der Stadtverordneten Folge leisten wird, ist nach der Erklärung des Oberbürgermeisters, der die Zeit von 11— ö Uhr als ausreichend bezeichnete, sehr zweifelhaft. Von Interesse für unsere Genossen ist die von der Stadtver- ordnctenversammluug genehmigte Festsetzung von Fluchtlinien für eine neue Straße zwischen Rosinen, und Guericke- straßc, die in nächster Nähe des Charlottenburger V o l k s h a u s e s vorbeiläuft.- Nach längerer Debatte, die sich in Einzelheiten verlor, nahm die Versammlung das Ortsstatut gegen die Verunstaltung der Ortschaft im wesentlichen nach den Beschlüssen des Aus- schusscs an. Endlich, kurz vor Mitternacht, beschäftigte sich die Vcrsamm- lung noch mit der Frage der Lcbensmittelteuerung. Hierzu lag ein sozialdemokratischer Antrag vor; die Stadtverord- netenversammlung wolle beschließen: 1. Ten Magistrat zu ersuche», bei den verbündeten Regie- rungen um eine sofortige Suspension der Lebensmittel- und Futterzölle, die Ocffnung der Grenzen zur Einführung von aus- ländischem Vieh und Fleisch ind die Beseitigung' der Getreide- einfuhrscheiue zu petitionieren. 2.$c|i Magistrat zu ersuchen, mit ihr in gemischter Depu- tation weitere Schritte zur Bekämpfung der Teuerung zu bc- raten, insbesondere, ob nicht durch Vermittelung der Stadt selbst ein billigerer Bezug von Lebensmitteln, vor allem von Kartoffeln, Milch, Brot und Fleisch, für die Bevölkerung ermöglicht werden kann. Weiter hatten die Liberalen beantragt: Die Stadtvcrordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, bei den Reichs- und Staatsbehörden dahin vorstellig zu werden, daß schleunigst weitere Maßregeln zur Milderung der Teuerung ergriffen werden, da die von dem preußischen Staatsministerium beschlossenen Frachtermäßigungen nicht ausreichend.sind, eine Vcrbilligung notwendiger Nahrungsmittel in dem erforderlichen Maße herbeizuführen und der drohenden Zunahme der Teuerung vorzubeugen. Genosse Hirsch begründete den sozialdemokratischen Antrag. Die Versammlung habe sich bereits in früheren Jahren wiederholt mit der Frage der Flcischteuerung beschäftigt, ohne indessen— ab- gesehen von der Einrichtung des Seefischmarktcs— positive Maßnahmen zu ergreifen. Ja, sogar die gemischte Deputation zur Be- ratung von Maßnahmen zur Beseitigung der Fleischnot sei wieder aufgehoben worden. Heute habe man es nicht nur mit einer Teuerung des Fleisches, sondern mit einer Lcbcnsmittelteucrung im allgemeinen zu tun, deren Folgen noch gar nicht abzusehen seien und die nicht nur die weitesten Schichten, der Bevölkerung schwer schädige, sondern auch der Stadt selbst hohe finanzielle Opfer auferlege. Ter Armenctat werde belastet, das Krankenhaus und andere städtische Anstalten könnten � mit ihren Etats nicht aus- kommen, der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit und gegen die Tuberkulose sei vergeblich, wenn die Massen des Volkes an Unter- ernährung leiden. Was solle man demgegenüber tun? Gewiß sei in erster Linilv die Gesetzgebung verantwortlich, aber Abhilfe sei. von dieser Seite bei der jetzigen Zusammensetzung der Parlamente nicht zu cr>v«rtfn, die Petitionen der Städte wandern erfahrungsgemäß in den Papierkorb. Wenn er trotzdem die Absendung einer Peti- tion bcsünvortc, so, um die Regierung immer und iinmcr wieder go i�re Psl.W exjMW. Tes Hguptlxprt lege ex gtzcx ßüf k« zweiten Teil des Antrags. Nachdem Charlottenburg bereits einen Fischmarkt errichtet habe, werde man mit dem Einwand, daß die Lebensmittelversorgung nicht Aufgabe der Städte sei, nicht mehr kommen können. Eine ganze Reihe von Gemeinden seien bereits viel weiter gegangen, und die Erfahrungen mit dem gemeinsamen Einkauf von Lebensmitteln und mit der Eigenproduktion seien durchaus günstige. Gewiß würden dadurch einzelne Leute ge- schädigt, aber die Rücksicht auf die Gesamtheit stehe höher, als das Interesse des einzelnen. Für den Augenblick zeige der sozialdcmo- tratische Antrag den Weg; was später zu tun sei, wolle er uner- örtcrt lassen, nur darauf mache er aufmerksam, daß eine Aende- rung der Wirtschaftspolitik nicht zu erwarten sei, solange nicht das Bürgertum den Kamps gegen die Agrarier ebenso energisch aufnehme wie die Sozialdemokratie. Stadtv. W ö l l m e r schloß sich in der Begründung des libe- ralen Antrags in mancher Hinsicht dem sozialdemokratischen Redner an, erklärte sich aber gegen den zweiten Teil des sozialdemokra- tischen Antrags, da dessen Verwirklichung die Vernichtung vieler kleiner Existenzen bedeute. Oberbürgermeister Schuft ehr us betonte den Ernst der Lage und gab die Erklärung ab, er selbst werde im Magistrat die Einsetzung einer gemischten Deputation befürworten. Dann könne man wenigstens für Charloitenburg den Notstand lindern. Nachdem noch Stadtv. S t a d t h a g e n sich mit einigen„Wenn" und„Aber"' für die Absertzdüpg einer Petition und die Einsetzung einer gemischten Deputation ausgesprochen hatte, wurde der libe- rale Antrag in Verbindung mit dem zweiten Teil des sozialdemokratischen Antrags angenommen. Schließlich überwies die Versammlung noch die Mitteilung betr. die Wahl der Vertreter zur Verbandsver- sammlung des Zwcckverbandes Groß-Berlin einem Ausschuß. Der Ausschuß hat lediglich'die Wahlordnung des Magi- strats zu beraten, über die Vertretung selbst ist zwischen dem Magi- strat und den Fraktionen eine Verständigung erzielt. Der Magi- strat bekommt von den 10 Sitzen i, die Stadtverordneten 6. Auf die Sozialdemokraten entfällt ein Vertreter und ein Stellvertreter. Partei- j�geiegeukeiteu. Zur Lokalliste. Fünfter KrerS. Das Lokal„Distriks-Logenhaus", Linienstr. 121 (Jnh. Neumann) steht der Partei und den Gewerkschaften zu allen Veranstalluiigen zur Verfügung. In Steglitz lT.-B.) ist das Lokal.Albrechtshof" und in Süd- ende Dahl und Schultheß nach wie vor gesperrt! _ Die Lokalkommission. Tempclhof. Sonnabendabend pünktlich S Uhr: Zehntes Stiftungsfest des Wahlvereins.— Festrede, Streichkonzert, Männergesang, Liedervorträge(Frau Else Eulert, Sopran), Rezitation (Frl. M. Schipfmann), Klavier(Frau Berta Stahl-Beck). Waiiusce. Am Sonnabend, den 23. d. M., abends 8 Uhr, im Restaurani„Fürstenhof": Ocffentliche Versammlung. Genossin Marie Juchacz-Rixdorf spricht über:„Die Bedeutung der nächsten Reichs- tagswahlen". Schcnkcndorf!(bei Königs- Wusterhausen). Am Sonnabend, den 23. d. Mts, abends 8>/z Uhr, bei Otto Paetsch: Mitglicderversamm- lung des Wahlvereins. Zur Kontrolle der Maimarkcn sind Partei- und Gewerkschaftmitgliedsbuch mitzubringen. Hohcn-Ncncndorf. Infolge der Schwierigkeiten, die die Be- Hörden bei der Wiederausstellu'ng des Denksteins für"unseren er- schossenen Genossen Adolf Herrmann machen, wird die geplante Gedenkfeier nicht am Sonntag, de» 2t. September, sondern später stattfinden. Der genaue Termin wird an dieser Stelle rechtzeitig bekannt gegeben. Verna». Sonnabend, den 23. d. M.: Mitgliederversammlung im Lokale des Gen. Salzmann.. Tagesordnung: Vortrag, Wahl, Vereinsangelegeiiheiten. Stanke». Sonnabend, den 23. d. Ms., abends.8l/z Uhr.'in Gnädigs Gasthof: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Kreisgeneralverfammlung. Berliner JVacbricbten* Beschaffung von frische» Seefischen für' die Berliner Bevölkerung. Die Markthallendeputation beriet in ihrer gestrigen Sitzung die Frage ciucr städtischcrseits zu unterstützenden Beschaffung von frischen Seefischen zu billigein Verkauf in einer Anzahl Markthallen, um den Konsum von Seefischen im allgemeinen zu heben und auch, uin ein gesundes uud wohtschmcckcudes Nahrungsmittel als teilwciscn Ersatz für. das im Preise ge- sticgene Fleisch zu bieten. Es tvurdc eine-Konünissivn ge- bildet, die iintcr Hinzuziehung von städtischen Verkaufs- Vermittlern und hiesigen Fischhändlern die Angelegenheit be- raten und vorschlagen soll, wie ein Verkauf unter Aufsicht der Markthallenverivaltung zu regeln und in welcher Weise frische Seefische vorteilhaft zu beschaffen sind. Vornehmlich sollen in den Markthallen der Außenbezirke solche öffentlichen Verkaufs stellen errichtet und Sorge getragen werden, daß nur frische Seefische zum Verkauf kommen. Bekanntlich sind die Gemeinden Wilmersdorf und Char- lottenburg ans diesem Gebiete vorangegangen. „Vivlcttas". Flucht vor dem Kriegsgericht. Die seinerzeit großes Aufsehen erregende Flucht der Hoch- staplerin und HotelLiebin„Violetta" alias Etclka Wittenberg aus der königlichen Charite fand gestgru vor. dem Kriegsgericht der ersten Gardedivision ein Nachspiel. Die Affäre hat für den Stabs- arzt Dr. Koch von der Eharite insofern unangenehme Folgen nach sich gezogen, als Dr. Koch-für das„Versehen",! dem Violetta ihre Flucht zu verdanken hat. verantwortlich gemacht wirb. Als„Vio- letta" im Llpril dieses Jahres iu Berlin verhaftet, wurde, mußte sie die löntgliche Charite aufslicheu, da sie der Geburt eines Kindes entgcgcnsal). Sic wurde ohne Begleilung nach dem Zlufnahmebureau geschickt, um dort die nötigen Formalitäten zu erledigen.„Violetta" benutzte aber die günstige Gelegenheit, die Flucht zu ergreifen. In der gestrigen Verhandlung vor dem Kriegsgericht sollte fest- gestellt werden, inwieweit Dr. Koch ein Verschulden an der Flucht der Hochstaplcrin trifft. Wie verlautet, war seinerzeit auf dem Einlieferungsschein, der seitens des Untersuchungsrichters für die Ucberweifung an die Charite ausgestellt worden lvar, ausdrücklich vermerkt worden, daß„Pioletta" für den Fall, daß sie keine Auf- nähme in der Charite finden sollte, sofort wieder in das Unter- suchungsgefängniS zurückzutranSporticrcn sei. Nach Verlesung der Anklage äußert sich der Angeklagte in folgender Weise: Am 21. Juni dieses Jahres sei eine schwangere Frau in der Charite aufge- nommen worden. Er habe sie nach der Entbindungsanstalt zur Untersuchung geschickt.' Gleichzeitig sei ein Schriftstück bei ihm ab- gegeben worden, däs etwa folgenden Wortlaut hatte:„Die hoch- schwangere Etclka Wittenberg ist jetzt unbedingt hastunfähig; sie muß schleunigst eni lassen werden. Dr. Marx." Er sei daher der Uebcrzeuguug gewesen, daß die Wittenberg freigelassen werben niüsse. Während sie tn dex Eutbintztingsanstait untersucht wurde, entfernte sich der Angeklagte aus der Charite, und als er später wieder zckrückkehrte, sah„Violetta" mit dem'Hut auf dem Kopf im Empfangszimmer. Seines Erachtens lag kein Grund vor, sie festzuhalten. Auf die Vorhaltungen des VerhandlungS- leiters, daß der Angeklagte die W. nicht für Hochschwänger und in» folgedcssen auch nicht für hafiunfähig halten konnte, erklärt Dp- Koch, daß er die Eingelieferte freilassen konnte unter den obwalten» den Umständen. Es sei sonst Usus in der Charite, daß eingelieferte Untersuchungsgefangenc durch einen Wärter nach' dem Aufnahme- burcau gebracht werden. Im vorliegenden Falle hätte erst recht eine Vcgleitung vorhanden sein müssen, da er die Wittenberg be- reits eipmal zurückgeschickt habe. Er habe ihr erklärt, er wolle mit ihr nichts zu tun haben. Der Angeklagte habe sich über das Ge» sÄäftsvetfahren deS zuständigen Beamten gewundert, der Etelkä Wittenberg wieder zurückschickte. Kriminalkommissar Weiß habe, wie Dr. Koch später hörte, davor gewarnt, die„Violetta" nach der Charite zu überführen, denn dort existiere kein gesicherter Raum für Justizgcfangene. Es sei bekannt, daß aus der Charite'zahl- reiche Gefangene entweichen, und man habe festgestellt, daß etwa die Hälfte der eingelieferte» Justizgefangenen aus der Eharite entfliehen. Leider seien die Sicherhettszustände nach dieser Richtung hin- in der Charite keine ausreichenden. Als erster Zeugs wird Rechnungsrat B u ch gehört. Er erledigt alle Aufnahmeangelegcnhciten. Nach den Bekundungen des Zeugen werden Untersuchungsgcfangcne in der gleichen Weise aufgenommen wie andere Patienten der Charite. Männliche Gefangene werden gewöhnlich durch einen Gefängniswärter, weibliche durch eine Wärterin vorgeführt, und wenn der„grüne Wagen" vorfahre, dann- komme noch ein Transporteur mit. Der Vcrhandlungsleiter, Kricgsgerichtsrat Dr. Matschke ersuchte dann den Zeugen ur» Auskunft darüber, wo die Wärter und Wärterinnen ivährend der Anwesenheit der eingelieferten Justizgcfangencn verblieben. Rech- nungsrat Buch erklärt, daß hierüber keine Bestimmungen in der Charitö existieren. Die Wärter und Wärterinnen bleiben gewöhn-. lich so lange in der Charite, bis über die Gefangenen entschiede� worden sei. Auch die Frage: Wer ist verantwortlich für die Unter- suchungsgefangenen? ist nach den Bekundungen /des Zeugen schwer zu entscheiden. Rechnungsrat Buch erklärt, daß auch hierüber keine Bestimmungen in der Charite vorhanden seien. Räch seiner' Ansicht müsse der jeweilige aufnehmende oder untersuchende Arzt verantwortlich gemacht werden. Eine bestimmte Aussage vermag der Zeuge aber nicht zu machen. Der Vertreter der Anklage, Gcrichtsassessor Dr. Zielkc richtet dann an den Zeugen eine Frage betreffs der. verspäteten Meldung der Flucht der„Violetta" an die Unter- suchungsbehörde. Vom 21. bis 24» Juni habe man es nicht für nötig befunden, der Behörde Mitteilung zu machen. Erst vier Tage später sei dies geschehen. Wäre die Meldung sofort erstattet worden, dann hätte die Polizei noch alle Hebel in VciDgung setzen können, um die Flüchtige an der Grenze festnehmen zu lassen-. Daran schließt sich die Vernehmung der Transporteurin Opelt. Sie ist Wärterin im Moabiter Untersuchungsgefängnis und hat seinerzeit die Wittenberg nach der Charite transportiert. Sie fuhr in einer Droschke mit der Inhaftierten fort. Auf die Frage, ob sie nicht Furcht gehabt- habe, eine so schwere Vcrbrcchcrin' allein zu begleiten, erwiderte die Zeugin, daß- sie keine Bedenken getragen habe. Es war ihr nicht aufgetragen worden, so lange i» der Charite zu bleiben, bis die Wittenberg aufgenommen sei. Geheimrat P ü t t e r, der Verwaltungsdirektor � der Charit�, verbreitet sich dann- eingehend über das Ilufnahmeverfahren in. der Charite.. Die Charite se.i ein Teil Universität, und es stehe im Be- lieben der Vcrwältimg, aufzunehmen, wen sie wolle. In den fünf- ziger Jahren seien Bestimmungen erlassen worden, die heute aber . veraltet seien und nicht mehr in. Anwendung kämen. Nach-Ansicht. des Zeugen hätte der Angeklagte die Justizgefangene nach erfolgter Untersuchung einer Wärterin übergeben und zur Aufnahmestation zurückschicken müssen.— Auf die Frage, warum er dies nicht getänl habe, erwidert der Angeklagte, er habe die Wittenberg das erste Mal zurückgeschickt, und als man sie ihm wieder zuschickte, habe er geglaubt, man wolle ihn an der Nase herumführen. Da habe er schließlich gesagt, seinetwegen könne sie hingehen, wo sie wolle.— Der Angeklagte hebt hervor, daß er weder eine schriftliche noch eine mündliche Verpflichtung eingegangen sei, nach der er für Justizgefangene der» antwortlich gemacht werden könne. Geheimrat Pütter bemerkt hier» zu, daß'kcin Arzt definitiv über Aufnahme und Nichtaufnahme ent» scheiden könne. Der Vertreter der Anklage bittet den Zeugen um-Auskunft darüber, ob aus der Charite schon öfter Gefangene entwichen seien. Geheimrat Pütter erklärt, daß ein Fall, wie der vorlegende, noch nicht vorgekommen sei. Allerdings seien wiederholt Justizgefangene aus den Krcmkensälen entwichen. Die Direktion der königlichen Charite übernehme außerdem für die Untcrsuchungsgcfangencn keinerlei Garantie. Dann wird der erste Leiter der Eharite, Gene- raloberarzt Professor Scheibe vernommen. Auch dieser Zeuge ist der Ansicht, daß der Angeklagte dafür sorgen mußte, daß die Wittenberg beim zweiten Zurückschicken nach der Aufnahme weiter- befördert wurde. Der Vertreter der Anklage, Gcrichtsassessor Dr. Zielke, wies in seinem Plaidoyer darauf hin, daß in der Charite unklare Wer- füguugen bestünden, und daß nicht allein den Angeklagten die Schuld treffe. Mit Rücksicht hierauf bcantraße er 200 Mark Geld- straff, evtl. für je 10 Mark einen Tag Gefängnis.— Der Verteidiger erklärte, ein Arzt sci nicht dazu da, um Gefangene ßu be- aufsichtigen. Er müsse die Freisprechung beantragen. Das Urteil lautete auf Freisprechung._ Zum Hiitverbot in den Theaterlogea äußert sich das Polizeipräsidium wie folgt: „Die Thcaterdireklorcn befürchten durch das polizeiliche Hut» verbot für einen Teil der Thcäterlogcn, das am 1. Oktober in Kraft tritt, einen Kassenausfall. Nach dem Inhalt einer Unzahl zu- stimmender: Zuschriften, welche dem Polizeipräsidenten zugegangen sind, kauii angcnomliren lvcrdep, daß mancher Theaterfreund, dessen Kunstgenuß bisher durch mangelnde Aussicht beeinträchtigt imyrde, künftig häufiger als bisher das Theater aufsuche» wird. Solche Hebung des Theaterbesuches wäre erwünschte Folge und zugleich materielle Stütze des Verbote-." AuS der Parkdepiitation. In der Sitzung der Parkdeputatton vom 20. d. M. wurde beschlösse», den Fahrweg durch den Fricdrichs- hain, der die große Allee hinter dem Denkmal kreuzt und eine große Gefahr siir die dort zahlreich vcrkehrendeu Spaziergänger und Kinder bilder, dem Wagcnvcrkehr zu entziehen, zumal dieser Weg als BerkchrSsttaße verhältnismäßig wenig in Betracht kommt. Die Deputation beschäftigte sich auch mit der Frage, wie der Forckenbeck- platz schöner ausgestaltet werden könnte. Ein Springbrunnen würde den Platz sicherlich verschönern, aber wegen der Unebenheit des Geländes muß von der Anlage eines solchen abgesehen wcrddn. Dem Platz soll durch erweiterten Blunlenschmilck ein reizvolleres Ansehen gegeben werden. Die Parkdeputation hofft, daß sie durch das den Platz besuchende Publikum eifrig in dem Schutz der Anlagen, die leider zu oft von roher Hand zerstört werden, unterstützt wird.. — Im vergangenen Jahre ist die Webertviese zum ersten Male siir die Zwecke einer Eisbahn hergerichtet worden. Die Verwaltung be- schloß, auch in diesen, Winter unter Beriicksichtiguiig der gemachten Erfahrungen wieder eine Eisbahn dort anzulegen. Im Interesse eines geregelten EisbahnbetriebeS wird ein geringes Eintrittsgeld erhoben werden; doch sollen selbstverständlich zahlreiche Freikarten an Schüler verteilt werden. �' Die stiidtischen Badcaustalten sind am Freitag und Sonnabeud- nachmittag sowie am Somitagvormittag in der Regel überfüllt. ES empfiehlt sich daher, die Anstalten nach Möglichkeit üt den ersten Tagen der Woche zu besllchen. Die Voruntersuchung gegen den Schlosser Friedrich Schumann, der die Aufräumefrau Minna Wolschke in Spandau vor einigen Wochen erschossen hat. nimmt immer größeren Umfang an. Dem 18jährigen Menschen werden noch drei andere Attentate gegen Frauen zur Last gelegt. Außer dem an der Wolschke begangenen Mord handelt es sich noch um die Schußaffäre gegen die Frau des Maschinenmeisters Gödecke vom städtischen Wasser werk in Spandau, ferner um einen Ueberfall, der auf die Frau de? Heizers Steffen', gleichfalls vom Wasserwerk, verübt worden ist und ferner um eine Messerstecherei in Staaken, wo vor etwa Monatsfrist in später Abendstunde ein junges Mädchen von einem Manne auf offener Landstraße durch Messerstiche verletzt wurde. Die beiden Frauen Gödecke und Steffen sind in der Pionier straße überfallen worden, und es ist durch Zeugenaussagen er- wiesen, daß der Schlosser Schumann fast an jedem Abend in der Gegend der Spektewiesen, des Falkcnhagener Feldes und der Kisseln umhergestreift ist. Seit längerer Zeit wollten die in jener Gegend wohnenden Frauen nur ungern diese Stadtgebiete aussuchen, weil sie sich vor dem Gesindel, das sich allabendlich dort herumtrieb, fürchteten. Auch Schumann sollte zu denjenigen gehören, die Frauen belästigten. Frau Steffen, welcher anfangs August ein unbekannter junger Mensch eines AbendS in der Pionierstraß'e mit der Pistole drohend gegenübertrat, dann aber durch das Hinzukommen eines Sergeanten von der Wache des Pionierübungsplatzes verscheucht wurde, erkannte in dem ihr vor- geführten Schümann jenen Attentäter wieder. Die Vernehmung mit der Frau Gödecke verlief rcsultatlos. Sie konnte den ihr Gegenüber- gestellten nicht erkennen. Allerdings fiel der Schuß auf die Frau im Dunkeln und man nimmt an, daß Schumann sich in dem Gehölz verborgen gehalten hatte. Bei dem Ueberfall auf das junge Mädchen in Staaken konnte gleichfalls mit positiver Sicherheit nicht festgestellt werden, daß der Schloffer der Täter gewesen sei. Die Narbe der Stichwunde, die er seinem Lpser beigebracht hat, läßt erkennen, daß dabei mit einem Dolchmesser gestochen worden ist. Ein solches Dolchmeffer aber ist bei der Haussuchung im Besitze Schu- mannS gefunden worden. Der Schloffer hat übrigens vor mehreren Monaten. ehe er sich die Browningpistole anschaffte, einen alten Revolver und ein Desching besessen. Diese beiden Waffen konnten von der Polizei nicht mehr gefunden werden. Schumann will den Revolver einem Schulfreund geschenkt haben, dessen Namen er nicht kennen will, den Tesching soll angeb- lich seine Mutter ins Waffer geworfen haben. Bei der HauS- suchung wurden übrigens 30 alte Bücher, zumeist Schauerromane, vorgefunden unb beschlagnahmt. Schumann selbst leugnet sämtliche ihm zur Last gelegten Straftaten und behauptet, daß er auf die Frau Wolschke aus Furcht, daß er von derselben angefallen werden konnte, gefeuert habe. Im übrigen hat die Staatsanwaltschaft be> rcits so viel belastendes Material gewonnen, daß die Vorunter� suchung bald geschlossen und die Anklage gegen Schumann wegen Mordes resp. Totschlag demnächst erhoben werden dürfte. Selbstmord eines Fabrikanten. Große Teilnahme findet im Südosten der Stadt das traurige Geschick des 5-4 Fahre alten Fabrikanten Hermann Fj�bcr aus der Brandenburgstr. 63, der in jenem m■■ Viertel seit Jahren�ehr bekannt war. Fölber betrieb seit 11 Jahren in der Ritterstraße eine Gürtlerwarenfabrik, in der er früher ständig über zehn Arbeiter beschäftigte. In der letzten Zeit ging sein Ge- schüft so zurück, daß er einen Gehilfen nach dem anderen entlassen mußte. Zuletzt hatte er nur noch einen Mann. Geldschwierigkeiten veranlaßlen ihn zu dem Versuche, die Fabrik zu verkaufen. Er fand auch einen Käufer, aber kurz vor dem Abschluß zerschlug sich das Geschäft wieder. In der Verzweiflung über seinen Mißerfolg ver- ließ Fölber am Dienstagnachmittag seine Wohnung und kam nicht wieder. Gestern spürte ein Polizeihund in dem Gehölz der Hasen- Heide seine Leiche auf. Der Unglückliche hatte sich dort an einer mannshohen Fichte erhängt. Ein frecher Labenräubcr tvurde gestern von der Kriminal- Polizei ermittelt und festgenommen. Ein 32 Jahre alter wohnungs- loser Arbeiter namens Schirmer kam vorgestern abend um TVi Uhr in das Kleidergeschäft von Markus Lausberg, im Erdgeschoß des Hauses Limenffr. 24, und verlangte einen Anzug. Frau Lausberg, eine Frau von 28 Jahren, die allein im Geschäft war, legte ihm verschiedenes vor. Schirmer wählte einen Anzug für 18 M. aus und ging damit in das Hinterzimmer, um ihn anzupassen. Nach- dem er ihn angezogen hatte, begab sich die Geschäftsfrau zu ihm in das Zimmer, um nachzusehen, ob er ihm passe. Plötzlich sprang ihr der Kunde an die Kehle, würgte sie mit der linken Hand und gab ihr mit der rechten einen Stoß vor die Brust, daß sie zurück- taumelte. Dann lief er unter Zurücklassung seiner alten Kleidung zum Laden hinaus die Linien- und Bartelstraße hinunter. Frau Lausbcrg, die sich von ihrem Schreck bald wieder erholte, eilte Hilfe- rufend dem Räuber nach. Er entkam jedoch durch einen Durch- gang, der von der Bartclstratze nach der Kleinen Alexanderjtraße führt. Auf der Flucht verlor der Räuber eine Brieftasche mit Papieren. Ein ILjähriger Knabe hob sie auf und brachte sie der Beraubten. Aus ihrem Inhalt und mit Hilfe des zurückgelassenen Anzuges gelang es der Kriminalpolizei, die Person des Räubers festzustellen. Gestern morgen ermittelte sie ihn dann in einer Kaschemme in der Nachbarschaft des Scheunenviertels, in der er in dem geraubten Anzug beim Bier saß, machte ihn dingfest und führte ihn nach dem Verhör dem Untersuchungsrichter vor. Eine Warcnschwinblerin treibt seit einiger Zeit besonders in Schönebcrg ihr Unwesen. Eine etwa 30 Jahre alte Frauensperson sucht Geschäfte aller Art auf, gibt vor, daß sie bei einer Herrschaft in Stellung sei, kauft größere Posten ein, nimmt die eine Hälfte gleich mit und gibt die. Anweisung, daß die andere zu einer be- stimmten Zeit mit quittierter Rechnung nach der Wohnung gesandt werden solle. Wenn dann der Hausdiener mit dem Rest des Einkaufes kommt, so sucht er vergeblich nach der Herrschaft. Die Gaunerin, die sich auf diese Weise beträchtliche Warenmengen er- schwindelt, ist kauin mittelgroß, hat blondes Haar und ein ge- bräuntes längliches Gesicht und trägt ein etwas verschlissenes dunkles Kleid und eine blaugestrcifte Hausschürze. Mehrere Einbrüche beschäftigen wieder die hiesige Kriminal- volizei. Geldschrankknacker suchten das Krcdithaus von Rubin in der Weinmeisterstr. 12 heim. Sie erbrachen am Flur des ersten Stocks mit großer Gewalt eine stark gesicherte Tür und dann noch zwei Jnnentürcn, knabberten das Gcldspind auf und erbeuteten daraus für 12ö0 M. Uhren, Ringe, Ketten und Schmucksachen aller Art.— Für 1000 M. Straußenfedern fielen anderen Einbrechern in dem Putzgeschäft von Hahn in der Zluguststr. 32 in die Hände. Während die Geschäftsleute nachts in ihrer Wohnung im zweiten Stock schliefen, kantelten sie den Laden auf und suchten aus den Vor- rätcn die besten Federn in allen Farben heraus. Dieses Einbruchs verdächtig sind ein Mann und eine Frau, die sich am Tage vorher den Laden ansahen, unter denp Vorwande, ihn mieten zu wollen. Zwischen Gräbern wurde gestern nachmittag auf dem städtischen Friedhof an der Müllerstraße die Leiche eines neugebornen Mädchens gefunden. Sie war in ein gestreiftes Rolltnch und hellgraues Pack» papicr eingewickelt. Nach dem Befund ist das Kind wahrscheinlich ermordet worden. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen nach der Mutter hatten bisher noch keinen Erfolg. - Ein gefährlicher Vrand beschäftigte gestern die Berliner Feuer- wehr in der Prenzlauer Allee 187. Dort war durch Ueber- kochen von Bohnermasse in einem Erdgeschohzimmer einer Drogerie Feuer ausgekommen, das sich mit rasender Geschwindigkeit ver- breitete und nach dem Treppenaufgang übersprang. Als der 20. Zug�crschicn, standen schon Möbel, Fenster, Türen, der Fuß- bodcn, Schaldeckcn usw. in Flammen. ES wurde kräftig Wasser gegeben und Sappcure mußten bis zum Brandherd vordringen. Hierbei konnte ein Hund gerettet werden. Ein Feuermann Fetzke erlitt dabei durch Stichflammen Brandwunden ersten Grades im Gesicht und der linken Hand. Schließlich gelang es, die Drogerie und die Treppen zu schützen. Ein gewaltiger Schuppcnbrand wütete gestern in früher Morgen- stunde in der Kolonie Wilhelmsruh-Rosenthal. Vermutlich durch Brandstifter war dort an dem See des EiShändlerS Fritze in der Viktoriastraße ein großer Eisschuppen, der etwa 25 Meter lang und 15 Meter breit war, in Brand gesteckt worden. AlS die Gefahr be« merkt wurde, stand der ganze Schuppen schon in Flammen. Zum Glück herrschte Windstille. Trotzdem war aber anfangs ein in der Nähe befindlicher Holzplatz, auf dem große Posten Rüstzeug lagerten, stark gefährdet. Die Feuerwehren von Wilhelmsruh-Rosenthal, Reinickendorf, Wittenau und Blankenfelde hatten mehrere Stunden mit den Löscharbciten zu tun, doch war von dem Eisschuppen nichts mehr zu retten. Von den Brandstiftern konnte noch keine Spur ge- funden werden. Ein tödlicher Straßenbahnunfall'ereignete fich gestern abend um ll'/z Uhr in der H u t t e n st r a ß e. Vor dem Hause Nr. 7 geriet die vier Jahre alte Tochter Klara des Maurerpoliers Lipke unter einen Straßenbahnwagen der Linie 11. Dem unglücklichen Kinde wurden beide Beine abgefahren. Um es unter dem Wagen hervor- zuholen, mußte die Feuerwehr zur Hilfeleistung gerufen werden. Man konnte das Kind jedoch nur noch als Leiche unter dem Wagen hervorziehen. Die gemeinverständlichen naturwissenschaftlichen Borträge und Vortragsreihen, welche im Winterquartal Oktober bis Dezember im Hörsaal der Urania in der Taubenstraße und auf der Urania- Sternwarte in der Jnvalidenstraße abgehalten werden, umfassen die nachstehenden Gebiete: Elektrotechnik. Eine gemeinverständliche Ein- führung in das Gebiet der Wechselstromerscheinungen und der elektrischen Wellen. 3 Experimentalvorträge von Prof. Dr. Donath, Sonnabends 8 Ubr. Zusammenhängende Experimentalvorträge über das gesamte Gebiet der elementaren Physik, Wärmelehre. Wöchentlich eine doppel- ftündige Vorlesung von Professor Dr. Donath, beginnend am Dienstag, den 17. Oktober, nachmittags 6 Uhr. Ueber den Ursprung des Lebens und die Abstammung und EntWickelung der Lebens- formen, 10 Vorträge mit Lichtbildern von Herrn Dr. Wilh. Berndt, Dienstags, abends 8 Uhr. Die gebräuchlichsten Antriebsmaschinen im Gewerbebetriebe, 6 Vorträge mit Experimenten von Herrn Re- gicrungsbaumeister Phoenix. Mittwochs, abends 8 Uhr. Astronomie. Vier Borträge von Herrn Professor Dr. P. Schwahn mit Licht- bildern auf der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße. Freitags, abends 8 Uhr. Ausführliche Prospekte über diese Vorlesungen sind an der Kasse der Urania erhältlich oder werden auf Wunsch kosten- los zugesandt. Vorort- JVacbncbtem Lichtenberg. Das allgemeine» gleiche, geheime und direkte Wahlrecht an die Stelle des heutigen Kommunalwahlrechts zu setzen, heißt, an Stelle eines Wahlrechts ein— Wahlunrecht fetzen! So lautete der Aus- spruch eineS freisinnigen ReichStagskandidaten in der Gemeinde- Vertretung von Lichtenberg. 14 731 Wähler gegen 13 988 im Vor- jähre weist die noch bis zum 30. September im Rathause zur Ein» ficht auslicgende Gemeindewählerliste auf. Der Drittelung liegt ein Gesamtsteuerbelrag von 1 357 532 M. zugrunde, das ist gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von 185 346 M. 452 711 M. bringen die 125 Wähler der ersten Klaffe auf; im Vorjahre waren es 158 Wähler. Der Höchstbesteuerte zahlt 53 316 M., der Niedrigstbesteuerte 993 M. Die zweite WLhlcrllasse, bestehend aus 2463 Wählern, bringt 452 439 M. auf. Die Steuersätze gehen hier von 943 M. bis auf 72 M. herab. Es gehören aber nicht alle Wähler mit einem Steuersatz von 72 M. der zweiten Klasse an. Bis zum Buchstaben I des Alphabets gehören noch alle 72 M. Steuern Entrichtenden zur zweiten Klasse, während vom Buchstaben K nur noch die Hälfte diesen Vorzug genießt. Die übrigen 72 M.-Steuerzahler bis herab zu den ,3 M.-Männern� ver- einen sich in einer Anzahl von 12 143 Wählern zur.dritten Wähler« klaffe'; sie bringen gemeinsam 452 381 M.. auf. Die Schachtel, Plonz und Genossen haben Ursache, mit einem solchen Wahlrecht durchaus zufrieden zu sein. Haben doch 125 erstklassige und 2463 Wähler der zweiten Klasse, also 2583 Wähler, 11 Stadt- verordnete in der Ersatzwahl zu wählen, während 12143 Wähler der dritten Klasse nur 5 Stadtverordnete in der Ersatzwahl wählen. Das ist gleiches Bürgerrecht! Rixdorf. Durch einen Sprung au? dem Fenster versuchte gestern morgen um 7 Uhr die Arbeiterfrau Minna Bauer aus der Berliner Str. 14 ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie sprang ans dem ersten Stock auf den gepflasterten Hof hinab und wurde mit schweren inneren Verletzungen und einen Beinbruch nach dem Krankenhause gebracht Ehezwtst soll sie zu dieser Tat veranlaßt haben. Arbeitslosigkeit scheint den 81 Jahre alten Bierbrauer Joses Werner ans der Berliner Str. 102 in den Tod getrieben zu haben. W. hatte drei Monate lang keine Arbeit. Seit Sonnabend wurde er vermißt. Gestern morgen fand man ihn vor dem Haufe Kottbuser Ufer 30/32 im Landwehrkanal als Leiche wieder. Am 24. September veranstaltet der BildnngSauSschuß der Arbeiterschaft Rixdorss eine Theatervorstellung im Rixdorfer Theater. Zur Vorführung gelangt.Der Geizige' und.Der zerbrochene Krug'. Billetts a 30 Pf. sind im Jugendheim, Jdcalpassage, beim Kollegen Benezö zu haben. Wilmersdorf. DaS vorbildliche Wilmersdorf. Unsere Behauptung, Wilmersdorf sei die rückständigste aller Gemeinden im Kranze Großberlins, hat's, wie das vorauszusehen war, der.Wilmersdorfer Zeitung' angetan. deren Aufgabe es ist, jede traurige Tat des reaktionären Rathaus- klüngclS zu beschönigen. Es ist allerdings nur ein VerlegenheitS- geftdinmel, das sich das Blättchen gegen unsere Zurückweisung. Wilmersdorf auf kommunalem Gebiete für andere, namentlich für Provinzstädle als vorbildlich hinstellen zu wollen, leistet. So ver- schweigt es in seiner Jereminade gegen uns seinen Lesern, daß wir die Rückständigkeit de? über 100 000 Einwohner zählenden Wilmers- dorfs auch in dem Fehlen eines Kronkenhauses er- blicken. Davon braucht das Blättchen, daS den.Vorwärts' der u»- genügenden„Einweihung' seiner Leser in kommunale Einrichtungen Wilmersdorfs anklagt, den satten Spießbürgern natürlich nichts mit- zuteilen. Vor solchen Gewiffensskrupeln bewahrt es seine Leser. Viel wichtiger erscheint ihnen wieder die Schulzahnklinik, von der eS bereits bei Eröffnung betonte, daß Wilmersdorf für die ärmere Be- völkerung sehr viel tue. Wir nagelten es damals bereits fest, daß diese Klinik vom Verein für Schulzahnklinik inS Leben gerufen worden ist und daß dieselbe von der Stadt mit über 2000 M. jährlich subventioniert wird. Demnach bestände keine Ursache, diese Einrichtung als besondere Großtat der Stadt in die Welt zu schreien. Doch das Ortsblättchen beschuldigt den.Vorwärts' jetzt der Fälschung: nicht 2000 sondern 3000 M. habe die Stadt hierzu ge- währt. Wir glaubte» noch im Gedächtnis zu haben, daß die Sub- vention etwas über 2000 M. betrug; wenn wir uns jedoch getäuscht haben, so ändert das an dem Geiamtnrteil über Wilmersdorf und feine Einrichtugcn auch nicht das geringste. Wegen lumpiger tausend Mark sollte sich auch die.Wilmersdorfer Zeitung' nicht erst lächerlich machen. Tatsache ist, daß die ärmsten Vororte, darunter daS 50 000 Einwohner zählende, meist von Arbciterbevölkerung be- wohnte Weißensee in Punkts Erfüllung sozialer Aufgaben daS reiche Wilmersdorf weit in den Schatten stellte. Die„Freie Turuerschaft" veranstaltet morgen Sonnabend im Viktoriagarten, Wilhelmsaue 114. eine Rekrutenabschieds- f e i e r, die mit turnerischen Aufführungen usw. verknüpft ist. An- fang 8 Uhr. Alle Freunde und Gönner der Turnsache sind ein- geladen. Schöneberg. A«S Furcht vor onheilSarer Krankheit hat gestern die 4SjShrige Ehefrau des Malers Voßwinkel aus der Barbarofsastraß« 56_ ihrem Leben ein Ende gemacht. Nachdem der Ehemann schon frühzeitig sich nach seiner Arbeitsstelle begeben hatte, öffnete Frau V. die samt- lichen Gashähne des Schlafzimmers und legte sich dann wieder zu Bett, um den Tod zu erwarten. Als gegen 8 Uhr die 12jöhrige Tochter der Frau ins Zimmer trat, fand sie dasselbe vollständig mit GaS angefüllt. Das Mädchen schlug sofort Lärm, und als Hausbewohner in die Wohnung drangen, fanden sie die Lebensmüde tot vor. Die von einem herbeigerufenen Arzt angestellten Wieder- belebungsversuche hatten keinen Erfolg. AuS einem hinterlasienen Briefe der Frau V. ging hervor, daß sie die Tat begangen hatte, weil sie glaubte, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden. Die Leiche der Lebensmüden wurde nach der Friedhofshalle in der Max- straße übergeführt. Ober-Schöneweide. Der Turnverein„Oberspree" feiert am Sonnabend, den 28. Sep- tember, im Restaurant Wilhelminenhof sein 8. Stiftungsfest, be- stehend in Turnen, humoristischen Aufführungen und Tanz, und ladet Freunde und Gönner dazu ein. Weiftensce. Welche Maßnahmen ergreifen wir gegen die beschlossene Er- höhung des MilchpreiseS? Dieses Thema war Gegenstand einer am Dienstagabend hier stattgefundenen, von 800 Personen, darunter vielen Frauen besuchten öffentlichen Protestversammlung. Das Referat hatte Gemeindevertreter Fuhrmann übernommen, der die Milchpreiserhöhung der Weißenfeer Molkereibesitzer und Milch- Händler auf 24 Pf. scharf kritisierte. Von den zahlreich erschienenen Molkereibesitzern und Händlern suchten die Herren Henning und Prinz die Erhöhung des Milchpreises zu rechtfertigen. Ter gleich- fall? anwesende nicht unbekannte Herr Mertens versuchte sich wieder einmal in der Rolle des Sozialistenbekämpfers. Ihm wurde vom Genossen Taubmann gehörig heimgeleuchtet. Nachdem der Referent sowohl wie auch Genosse Schlauminger die Ein- wände der Herren Henning und Prinz auf Grund authentischen Materials widerlegt hatten, gelangte folgende Resolution gegen eine Stimme zur Annahme: .Die am 19. September in EnderS großem Saale versammelten Einwohner WeißenseeS geben ihrer Entrüstung Ausdruck über die von den hiesigen Milchhändlern und Molkereibesitzern vorgenommene ungerechtfertigte Erhöhung deS Milchpreises. Die Versammelten verpflichten sich, den Milchkonsum auf daS geringste einzuschränken und nur von solchen Milchhändlern Milch zu beziehen, die den alten Preis fordern. Die Versammelten verlangen ferner, daß der hiesige Gemeinde- vorstand und die Gemeindevertretung den eigenen Vertrieb von Milch zum billigsten Preise eröffnet und zwar sofort nach Ablauf des Vertrages mit dem Milchpächter des Rieselgntes Birkholz. Weiter wird im Interesse deS Volkswohlfahrt verlangt, daß alle gewonnenen Nahrungsprodukte deS Rieselgutes(Kartoffeln usw.) zu den billigsten Preisen an die hiesige Bevölkerung im Kleinhandel abgegeben werden. Die Versammelten verlangen ferner, daß Gemeindevorstand und -Vertretung dahin ivirken, die Staatsrcgierung zu veranlassen, der bestehenden und noch weiter zu erwartenden Lebensmittelverteuerung dadurch Einhalt zu gebieten, daß den außerdeutschen Staaten freie Einfuhr aller Nahrungsprodukte ermöglicht wird. Als weiteres Mittel, der drohenden Teuerung entgegentreten zu können, bezeichnen die Versammelten die umgehende Einführung der ArbeitSlosemmterstützung und ersuchen den Gemeindcvorstand und die Gemeindevertretung, schnellstens dazu Stellung zu nehmen.' Friedrichshage». Morgen Sonnabend, den 23. September, begeht der Arbeiter- Turnverein.Vorwärts' in LercheS Bürgersälen(Rundteil) sein sechstes Stiftungsfest verbunden mit Rekruten-Abfchiedsfeier. Da sich der Verein bei Arbeiterveranstaltungen stets zur Verfügung stellt, werden die Genossen besonders darauf aufmerksam gemacht. Potsdam. Ein Kuratorium zur Förderung deS Handwerks soll fetzt be- gründet werden, nachdem festgestellt ist, daß der Handwerker- und Gewerbestand in den letzten Jahren am Orte zurückgegangen ist, ob» wohl sonst in allen Tonarten die Entwickelung der Stadt gepriesen wird. Reben Magistrats- und Jnnungsvertretern wird auch die Stadtverordnetenversammlung zwei Vertreter entsenden. Solche Wunderkuren wären gar nicht nötig, wenn man nicht Potsdam und Umgegend bisher systematisch von der Industrie abgeschlossen hätte. Immerhin scheint es in dieser Beziehung jetzt auch im Rat- ham'e anders zu werden, allerdings erst, nachdem für das Vorjahr ein Rückgang an Steuererträgen für Handel und Industrie fest- gestellt worden ist. Der verschwundene Kriminalbeamte. Seit Sonntag abend um 11 Uhr wird der Potsdamer Kriminalschutzmann Robert Krüger. >>«»»• im(Srtllfi» �inifprffr r»A»rmTmftf fiörmtf?»' QssrnfTioftA iÄ—".».5.� der im Hanse Junkerstr. 54 wohnte, vermißt sein Verschwinden bestehen nicht. Amtliche Gründe für Jugendveranstaltuttge». Lichtenverg-Rummelöburg. Am Sonnlag. den 24. d. M.. findet eine Spiclpartie nach Soatwintel statt. Trcsspuntt sür die Olle Lichtenberg. FriedrichSielde, NummelSburg. Stralau früh 7 V, Ubr am Babnbol Frankfurter Allee. Abfahrt 8 Uhr. Fahrgeld 40 Pj. eingcgangeiie Druckfcbriften. Von der»Neuen Zeit« ist soeben daS 50. Heft deS 29. Jahrganqs erschienen. AuS dem Inhalt des Heftes heben wir bervor: Der zweit« Parteitag von Jena. Von Karl Kantsky.— Mmr und Bakunin" Von Georg Stietlosf(Forlsctzimg.)— Aus der Vorgeschichte der Marrschcn Oekonomie. Von Rudols Hilscrding.— Soziologische Fragen. Von Heinrich Cunow.(Schluß.)— Zur ZoNschuhsrage. Von Karl Marchionini.— Das Mofclland und die westdeutsche Eiieuiiidustrie. Von F. Andröe.— Literarische Rundschau: Dr. Ernst Jäckh. Der aufsteigende Halbmond. Von Herniann Wendel. Robert Hessen, Die sieben Todfeinde der Menschheit. Von Diesenbach. I. L. de Lanessa», I.a Intto contre lo crime. Von Julius Fischer Germanikus, Ein Spiegelbild des Zentrums. Von rv.— Zeitschristenschau. Von G. St._ SJcttcmoqnrfe fftt Freilag. de» LS. September 1914. Mild und vielfach heiter aber sehr veränderlich mit leichten Rcgcnsällen und ziemlich lebhaften fiidlichen Winden. _ Berliner W e t t e r b ur ea» WasicrstaiidS.Nacbrtchtc,, der Landeianstali für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berllner Deltcrdurcau. Wasserstand M- m e l. Tllftt P r e g- l. JnNerburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Krassen . Franksurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , varby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, SvandauK , Rathenow') Spree, Sdremberg') , BeeSlow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansmi , Kaub , Köln Neckar. Herlbronn Main, Wertheim Mosel. Trier ')+ dedeule, Wu-bs.- Fall._«) UnierpeqeL DerantwortliZer Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckere, u. Ve clagSanftalt Paul Singer Berlin SW»