Ur. 223. BbonncmcntS'Bcdingungen: atonncniciilS■ Preis pränumerando i SiertcljShrl. 3£0 KUf., monatl. 1,10 SR f., wöchentlich 28 Pfg, frei WS Haus, Einzewe Nummer S Pfg. Sonntags- »ummer mit illustrierter SoimlagZ- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Poll- ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zciwngs- PreiSlifie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonncmentS nebmcn an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Aahfg. Die InttrtlonS'Gebübf letrigt für die fechSgespaltcue Uolonek- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Berfainnilungs. Anzeigen 80 Pfg. �Alelne?n:e>gcn", das feilgedruwe Wort 20 Pfg-(zulässig 2 settgcdruilie Worte), jedes weitere Wort 10 Pig, Stellengesuche und Schiafstcllcnan' zeigen das erste Wort 10 Pfg. jede» weitere Worts Pfg, Worte über löBucli- staden jätiien für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachniittagS in der Exvcdision Ibgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöjstiet. cstlcheivi täglich außer montags. Verlinev Volksblatt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfcbtands. telegramm- Adresse: aSozIaldcinokrat Rcrlln". Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 23 September Expedition: SRI. b8» I-indenotrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Nach der Cenerangzrevolte. Aus Wien wird uns vom 21. September geschrieben: Der Tote ist begraben: die Maschine der Justiz, die die Verhafteten richtet, hat sich in Bewegung gesetzt: in Ottakring kehrt die volle Ruhe ein: man kann nun Umschau halten, was der blutige Sonntag bewirkt und was er verdorben hat. In jeder Hinsicht wird dieser siebzehnte September denkwürdig und unvergeßlich bleiben. Seit dem Jahre 1893, seit der großen Wahlrechtsdemonstration unter Taaffe, die den Anstoß zu der ersten Wahlreform gab, demonstrierten die Wiener Arbeiter auf der großen Prunkstraße der Residenz, auf jenem Teil der Ringstraße, wo Parlament und Rathaus stehen und wa die Hofburg sich befindet. Gewaltige Aufzüge und große Versammlungen hat die Ringstraße gesehen. Zur geschicht- lichen Größe wuchsen die zwei Wahlrechtskundgebungen im Jahre 1905: die Versammlung vor dem Parlament, als im Schatten der roten Fahne, die auf den Masten des Rcichsrats- gcbäudes aufgezogen wurde, hunderttausende Menschen das Gelöbnis bekräftigten, nicht zu ruhen und zu rasten, bis das allgemeine Wahlrecht erobert ist. dann der Zug der Viertel- Million, der sich am 28. November 1905 in der Erhabenheit des Schtveigens durch fünf Stunden über die Ringstraße be- wcgte und den Sieg des Wahlrechtskampfes entschied. Und . fast ebenso eindrucksvoll gestaltete sich der vorjährige Umzug über die Ringstraße, der der Oeffnung der Grenzen galt: mit Fahnen, Standarten und Emblemen zog da eine unüberseh» bare Menge zum Rathaus, wo die Anklage gegen die agra- rische Hungerpolitik in packenden Worten ertönte. Aber so viele und so große Aufzüge die Ringstraße schon erblickt hatte: alle diese Kundgebungen haben in friedlicher Weife geendet. Selbst das einzige Mal, als auf der Ringstraße Militär er- schien— an jenem Novembertage im Jahre 1897, der Badems Sturz brachte—, war das Husarenaufgebot nur der Kunst- griff eines sterbenden Gewaltmenschen, der damit den Schein einer besonderen Gefahr zu erwecken hoffte, der ihn der Krone als den Mann der Notwendigkeit empfehlen sollte. Jener „Ningstraßen-Spaziergang" war weder im Umfange noch in der Stimmung so geartet, daß er ohne die Husarenattacke nicht zu enden gewesen wäre. Und überhaupt zum erstenmal sahen die Arbeiter, als sie auf den Ring zogen. M i l i t ä r vor sich, erblickten sie die„bewaffnete Macht" drohend gegen sich gc- richtet. Das sollte, nach der Meinung der Regierung, eine unerläßliche Vorsichtsmaßregel' sein, stellte sich aber als die verhängnisvollste Aktion heraus, die überhaupt ersonnen werden konnte. Und unter so vcrgleichslosen Umständen der Tag begann, so endete er auch, wie noch nie eine politische Demonstration in Wien geendet hat. Daß bei einer poli- tischen Kundgebung auf das Volk geschossen worden wäre, daß Soldaten in den Straßen Wiens geschossen haben, ist von dem lebenden Geschlecht nie erfahren worden. Den letzten Toten hatte die Arbeiterschaft im Jahre 1895 zu begraben: bei einem Ziegelarbeiterstreik wurde damals ein Mann von der Polizei erschossen. Der blutige Sonntag der vorigen Woche hat mit anderen Demonstrationstagen keine Aehn- lichkeit. Was sich am Sonntag, vom Schluß der eigentlichen Ver- sammlung bis zu den traurigen Vorfällen in Ottakring, in Wien ereignet hat, war ein wahrer Ausbruch der Ver- z w e i f l u n g. Seltsam, geheimnis- und widc'rspruck>svoll erscheint jene Ausartung einer VersammluM, die in so schroffem Gegensatz zu der Disziplin und Vesckimenheit steht, die die Wiener Arbeiter auch in Zeiten starker Erregung be- kündet haben, und doch war der ganze Verlauf mit allem Beklagenswerten und Widerwärtigen, was er gezeitigt hatte, nur das, was man nach der verbitterten und verzweifelten Stimmung des Volkes erwarten mußte. Daß sich in einer Demonstration, die hundertfünszigtausend Menschen zu- sammenballt, auch solche Leute befinden, die die politischen Gedanken nicht zu Ende denken, ist erklärlich, und so ist es auch nicht unbegreiflich, daß die Dinge am Sonntag schließ- lich mit einem vernunftlosen Zerstören geendet haben. Wobei noch berücksichtigt werden muß. daß aus eine Masse das(böse oder gute) Beispiel fast unwiderstehlich wirkt. Während nun bei allen früheren Demonstrationen der Teilnehmer, der mit Steinen Glasfeuster demolieren hätte wollen oder ähnliches unternommen hätte, ganz ohne Zweifel der Abneigung, ja dem Zorn der Demonstrierenden versallen wäre, das Zer- störungswerk, auch wenn Lust dazu vorhanden gewesen wäre (was aber nie der Fall war), also wegen der Abneigung und infolge des Widerspruches der Teilnehmer unmöglich gewesen wäre, war es diesen Sonntag anders: an der namen- losen Empörung der Arbeiterschaft fanden diezerstörungslüsternenElementedenbesten Nährboden. Als auf der Ringstraße die ersten Steine flogen, drängte sich einer unserer Vertrauensmänner in die erste Reihe der Demonstranten und mit dem Aufgebot seiner ganzen Stimmittel suchte er die erbitterte Menge von dem ziellosen Zerstöörungswerk abzuhalten. Da legte eine alte Frau ihre Hand auf seine Schulter und rief ihm zu:„Lassen Sie doch die Leute! Was soll man denn tun, wenn das Kilo Zucker mehr als eine Krone kostet?" DaswardieStim- mnng der gesaniten Teilnehmer! Tausende, die sonst selbst für die Ordnung gesorgt, haben diesmal den wilden Ausbruch geschehen lassen, weil sie die Verzweiflung der Ver- zweifelten, die Empörung der Empörten allzu tief mitfühlten. In der Arbeiterschaft, die durch die immer noch ansteigends Verteuerung aller Lebensmittel, durch das grause Wohnungs- elend alle Sicherheit der Existenz schwinden sieht, in dieser hundertmal getäuschten Arbeiterschaft hat sich ein solches Maß von Wut und Grimm angesammelt, daß der Puf zur Ordnung, zur Zurückhaltung, zur Besonnenheit, die sonst immer und überall auf bereite Gemüter stieß, diesmal ganz vergeblich erscholl, da er. die verbitterte und verzweifelte Stimmung der Masse nicht zu durchdringen vermochte. Es ist gekommen, wie es denn nicht anders kommen konnte: der Volkszorn hat alle Dämme niedergerissen und in Gewalttaten sich entladen. Deshalb ist es so sinnlos, der sozialdemokratischen Partei dafür die Schuld aufzuladen, daß die Kundgebung gegen die Teuerung in ein Demolieren von Fenstern und Laternen ausartete. Selbswerständlich hat die Partei die Exzesse nicht„arrangiert"— man muß sich schämen, das lang und breit zu beweisen. Die„Führer" waren angesichts der immer wachsenden Erbitterung der Massen aber auch nicht mehr imstande, alle Verzweifelnden vor den Ausbrüchen der Verzweiflung zurückzuhalten. Und gerade deshalb hat bisse Kundgebung den verantwortlichen Faktoren es deutlich ge- macht, wie die Stimmung im Volke wirklich ist. Nachdem die Regierenden sich jahrelang taub gestellt und mit dem Elend des Volkes ein böses Spiel getrieben haben, haben sie nun endlich deutlich erblicken müssen, wohin diese, die drin- gendsten Volksnotwendigkeiten vernachlässigende Politik sühren muß. Obwohl auch in der Arbeiterschaft das B e- dauern darüber, daß sich der Unmut des Volkes gegen harmlose Gebäude entladen und unschuldige Opfer getroffen hat, allgcniein ist, so hat sie doch keinen Anlaß, den Sonntag zu bedauern, der, ob auch manchmal in abstoßenden Formen, nur demonstrierte, w a S ist. Und obgleich die journalistische OrdnungSbestie, insbesondere in den christlich-sozialen Blättern, diese Tage wahre Orgien feierte, so ist es doch sicher, daß auch in allen von Not und Sorge heimgesuchten bürgerlichen Schichten niemand beklagt, daß den Mäch- tigen die wahre Stimmung des Volkes verkündet wurde. Diese sind es, die den Wind gcsäet und nun den Sturm ernten._ cedeitimitteltetieiMg. Die zunehmende Teuerung soll, wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, die hochwohlwcise Reichöregierung bewogen haben, aufs neue Erwägungen darüber anzustellen, ob es nicht vielleicht tunlich sei, zur Linderung der Futtcrnot den Maiszoll herabzusetzen, die Ausfuhr von Kartoffeln für eine getvisse Zeit zu ver bieten und die Ausgabe von Einfuhr scheinen für ausgeführtes Getreide ein- zuschränken. Wohlverstanden, die Regierung trägt sich keineswegs schon mit der Absicht, diese Maßnahmen durchzuführen; sie erwägt noch— und bei der bekannten Gründlichkeit und Langsamkeit ihrer Erwägungen ist schiverlich darauf zu rechnen, daß sie bald zu einem Entschluß kommen wird. Immer langsam voran! Ucberdies, was nützt es den unter der steigenden Lebensniittelteuerung leidenden ärmeren Volksschichten, wenn der Maiszoll etwas herabgesetzt wird, vielleicht um eine ganze Mark pro Doppelzentner, oder das System der Eiufuhrscheine, das heißt der Prämien- zahlung für ausgeführtes Getreide, ein wenig beschnitten wird. Soll tatsächlich der heutigen Notlage abgeholfen werden, so müssen nicht nur der Maiszoll und das Prämicnsystem der Einfuhrzölle ganz suspendiert- werden, sondern auch die drückendsten Lebensmittelzölle, vor allem die Zölle auf Getreide, Gemüse, Reis, Vieh und Fleisch aufgehoben und die Grenzen für die Einfuhr von ausländischem Fleisch, insbesondere von billigem Gefrierfleisch, geöffnet werden. Obgleich aber durch die Einfuhr von argentinischem und australischem Gefrierfleisch keine Viehseuchen eingeschleppt werden können, ist die RcichSregierung bisher nicht darüber hinausgelangt. bei einigen ausländischen Regierungen formell anzufragen, ivelchcn Erfahrungen sie mit der Gestattung der Einfuhr von Gefrierfleisch gemacht haben, und zwar hat die deutsche Regie- rung nicht in England angefragt, das seit vielen Jahren den größten Import und Konsum vom Gefrierfleisch hat, sondern in Italien, Oesterreich und der Schweiz. Inzwischen haben eine ganze Reihe von Stadtverordneten- Versammlungen ihre Magistrate zu veranlassen versucht, bei den betteffenden Landesregierungen auf Maßnahmen zur Linderung der Lebensmitteltcucrung und Futtcrnot zu dringen, darunter vornehmlich die Stadtverordnetenversammlungen von Berlin, Schöneberg, Wilmersdorf, Frankfurt a. M., Nürnberg, Kassel usw. Von den uns in den beiden letzten Tagen zugegangenen Berichten über derartige Erörterungen der Lebensmittel- teueninz in deutschen Stadtparlamenten teilen wir folgendes mit: Zur Abwehr der Teuerungsnvt. Die sozialdemokratische Fraktion des Dresdener Stadtparlaments hatten einen Antrag eingebracht, durch den sie unter Hinweis auf Mißernte und Teuernng forderten, daß der Stadtrat für Beseitigung des Einfuhrscheinsystems, der Zölle und der Grenzsperre vorgehen, ferner städtische Verkaufsstellen für billige Nahrungsmittel einrichten und eine größere Summe für Unterstützung ärmerer Fa- milien bereit stellen sollte. Nach der Begründung durch den Genossen N i tz s ch e erklärte der Oberbürgermeister Dr. B e u t I e r. für Aufhebung der Zölle und der Grenz- sperre nicht eintreten zu können, weil solches Vorgehen aus- sichtsloS sei, dagegen sei er dafür zu haben, daß daS System der Einfuhrscheine so geändert werde, daß ein Einfuhrschein nur zur Einfuhr derselben Getreideart benutzt werden dürfe, für die er aus- gegeben worden sei. Zu den übrigen sozialdemokratischen Forde- rungen nahm das konservative Oberhaupt der Stadt Dresden eine ablehnende Haltung ein. Von sozialdemokratischer Seite wurde die sozialpolitische Ein- sichtslosigkeit des Oberbürgermeisters scharf kritisiert. Erreicht wurde schließlich, daß die Stadtverordneten abweichend von der Haltung des Rats den letzten Teil des sozialdemokratischen Antrages, der die Bereitstellung einer größeren Summe zur Be- kämpfung der Teuerungsnot forderte, gegen eine Stimme annahmen, im übrigen aber den sozialdemokratischen Antrag ablehnten. Schließlich wurde noch ein Antrag des nationalliberalen Abg. Dr. Stresemann angenommen, der die Gültigkeitsdauer der Einfuhrscheine auf 3 Monate beschränken und sie nur zur Einfuhr von Getreide zulassen will. .... In Hamburg verlangte die sozialdemokratische Fraktion ebenfalls energische Maßnahmen gegen die Teuerung. Der Senat werde ersucht, im Bundesrat mit aller Entschiedenheit hin- zuwirkcn auf 1. eine mindestens zeitweilige Aufhebung itller Zölle auf Nahrungs- und Futtermittel; 2. falls dies nicht zu erreichen, zum mindesten eine B e» seitigung des Systems der Nusfnhrscheine fürGetrcide; 3. eine Beseitigung aller Verbote und Grenz» sperren gegen die Einfuhr von Vieh und Fleisch, soweit sie nicht durch sanitäre Gründe geboten sind. Der Senat wird weiter ersucht, Maßnahmen für eine unmittelbare Versorgung der Hamburger Bevölkerung mit billigen Seefischen zu treffen. Endlich wird der Senat um seine Mitgenehmigung dazu ersucht, daß allen Staatsarbeitern eine wöchentliche Teuerungszulage von drei Mark gewährt werde. Ein linksliberaler Antrag verlangt für Staatsbeamte mit einem Einkommen bis SM) M. und für Staatsarbciter usw. eine entsprechende Teuerungszulage. Den„Herrschern" Hamburgs wird also Gelegenheit geboten, ihre Volksfreundlichkeit zu beweisen. Auf Grund einer Anregung unserer Genossen im Gemeinde- kollegium in Hof i. B. hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine L e b e n s in i t t e l k 0 m m i s s i 0 n zu schaffen, die die Fleisch- und Viehpreise ermitteln soll. Dieser Kommission ge- hören zwei Magistrats« und zwei Gcmeindekollegiumsmitglieder an, ferner zwei Landwirte und zwei Viehhändler. Wichtiger war ein zweiter Beschluß des Magistrats in der zweiten Sitzung, der die Kartoffelver mittelung durch die Gemeinde betrifft. Sollten die Preise für die Kartoffeln, die in Hof pro Pfund 7. 8 und S Pf. kosten, nicht bald zurückgehen, so soll der Kartoffelbezug durch die Stadt erfolgen. Zu diesem Zwecke bewilligte der Magistrat 6000 M. Der Magistrat will zuerst Offerten einholen und den Be- darf feststellen. In Chemnitz brachte die sozialdemokratische Fraktion zur Donnerstagssitzung des Stadtverordnetenkollegiums eine Jnter» pellation ein: Was gedenkt der Rat angesichts der herrschenden allgemeinen Teuerung zu tun. um den großen Notstand unter der Chemnitzer Bevölkerung zu lindern? Genosse NoSke begründete die Interpellation. Der Oberbürgermeister versicherte in seiner Antwort, daß der Rat um die Wohlfahrt der Einwohnerschaft angesichts der Teuerung sehr-besorgt sei. Der Rat habe, nachdem er die schriftliche Interpellation der Sozialdemokratie erhalten, eine Eingabe an die StaatSregierung gemacht, worin gebeten wird, keine Mittel unversucht zu lassen, gegen die Dauer der Preissteigerung vorbeugende Maßnohmen zu ergreifen. Abhilfe zu schaffen, sei Sache der Regierung. Doch wolle der Rat sorgfältig prüfen, was zu tun sei. Alle bürgerlichen Redner waren darin einer Meinung, daß etwas zur Abhilfe geschehen müsse. Die sozialdemokratischen Anregungen aber gingen ihnen zu weit. Allgemeine Verurteilung fand daS System der Einfuhrscheine. Der Rat wurde beauftragt, dem Kollegium in der nächsten Sitzung geeignete Vorschläge zur Beseittgung deS Notstandes zu machen. »» » In Bayern hat, wie auS München gemeldet wird, der Verkehrs» minister in Verbindung mit dem Minister des Innern im Hinblick auf die Teuerung angeordnet, daß die von Preußen auf dem Gebiete der Frachtvergünstigung in Aussicht genommenen Maßnahmen auch in Bayern Platz greifen sollen. Danach soll unter anderem der Ausnahmetarif für Futter- und Streumittel jedem Viehhalter zu- gestanden, die Fracht für Kartoffeln, Gemüse, Bohnen, Erbsen und Linsen um die Hälfte verbilligt, beim Bezug durch Gemeinden und gemeinnützige Organisationen eine weitere Frachtermäßigung von 15 Proz. gewährt und schließlich eine Frachtermäßigung für frischt Seefische eingeführt werden. Die inartMoaffäre. Der Optimismus wegen eines baldigen Abschlusses der Marokko- Verhandlungen hält an. Wir beschränken uns heute darauf, zwei offiziöse Stimmen wiederzugeben, die eine optimistische Beurteilung der Situation zulassen. Der«Berliner Lokalanzeiger" schreibt in seiner Freitagabendausgabe: Das Ergebnis der letzten Besprechungen zwischen Herrn von Kiderlen-Wacchter und dem französischen Botschafter wird dem voraussichtlich morgen in Paris zusammentretenden Minister- rat zur Prüfung vorgelegt werden. Man ninimt au. daß die vermutlich bereits nächsten Montag hier eintreffende Antwort der französischen Regierung so gehalten sein wird, daß weitere Verhandlungen über Marokko nicht mehr er forderlich sind, so daß alsbald in die Besprechungen über die Kongofrage eingetreten iverden kann, die nur einen kurze» Z e i t r a u m in Anspruch nehmen dürften. lind der der französischen Regierung nahe stehende«Petit Parisien" schreibt: „Niemand zweifelt mehr daran, daß der Austausch der Unter schristen erfolgen wird. Auch in Kreisen, die zu Beginn der Woche Vorbehalte machten, wird zugegeben, daß die noch schlvebcnden Differenzen sich in kurzer Zeit ausgleichen lassen. In der letzten Berliner Unterhaltung, die gestern stattfand, wurden die vermittelnden Formeln, die am Mittwochabend gefunden wurden, genauer besprochen. Sie bezogen sich hauptsächlich auf da? Protektorat und die Konsulargerichtsbarkeit. Herr Cambo» hat über die Unterhaltungen zlvei Berichte geschickt, der erste trifft heute ein, der zweite wahrscheinlich morgen. Der Ministerrat, der am Sonnabend um 10 Uhr in Rambouillet zusammenkommt snicht wie gestern angegeben wurde, am Freitag), wird die Berichte prüfen. Nimmt er die jetzige Fassung an, worüber sich noch nichts voraus- sagen läßt, so kann dieser Teil des Marokkovertragcs als er- l e d i g t gelten. Erscheinen Aenderungen nötig, so ist noch eine. weitere Verhandlung unerläßlich, die aber nicht lange dauern kann. Hierauf beginnen die Verhandlungen über den Kongo. Wir glauben, daß Aussicht vorhanden ist, sie bald beendet zu sehen." Heute morgen werden also in Rambouillet, wo der französische Ministerrat zusammentritt, um die deutschen Vorschläge zu prüfen, die Verhandlungen zu einem Abschluß kommen, der die internationale Lage wenigstens einigermaßen entspannen kann. Es wird aber auch die höchste Zeit. Paris, 22. September.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Wie der„Temps" meldet, erhielt die Regierung heute Cambons Berichte über die deutschen Vorschläge bezüglich des Marokko- statuts, aus denen resultiert, daß keine prinzipiellen Divergenzen mehr, sondern nur noch einige Differenzen redaktioneller Art bestehen. Der morgige Ministerrat wird über eventuelle neue Formeln und ModifAationen entscheiden, Li« Sieg des englischen Imperialismus. Am Donnerstag haben die Wahlen zum kanadi- scheu Parlament stattgefunden. Das Ergebnis war eine Ueberraschung. Die bisherige liberale Majorität von ungefähr 42 Stimmen ist in eine konservativeMehr- heit von etwa 3 0 Stimmen umgewandelt worden. Daniit ist die Aussicht geschwunden, daß der Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten, der vom anierikanischen Kons greß bereits angenommen worden war, auch in Kanada die Zustimmung des Parlaments finden werde. Denn die kon- servative Opposition hatte die Auslösung des Parlaments erzwungen, um diesen Vertrag zu Fall zu bringen, und im Wahlkampf selbst hat sie mit den schärfsten Mitteln für die Verwerfung des Vertrages agitiert. Die Ablehnung dieses Vertrages ist aber nicht nur ein handelspolitisches Ereignis und auch nicht in ihrer Wirkung auf Amerika beschränkt. In zwei wichtigen Punkten wird sich vielmehr die Rückwirkung auch auf die europäische Politik erkennen lassen. Als die Kunde von dem Abschluß des Vertrages nach Europa kam, wurde sie, namentlich von der liberalen Presse, dahin gedeutet, daß jetzt in das Hochschutzzollsystem endlich eine Bresche geschlagen sei. Wenn die Vereinigten Staaten damit anfingen, ihre starre Zollpolitik zu mildern und m die Handelsvertragspolitik einzubiegen, dann würde auch Eu-ropa nachfolgen müssen. Wir sind von Anfang an solchen Versichc- rungen gegenüber sehr skeptisch gewesen. Die Zollpolitik der Vereinigten Staaten— und dies unterscheidet sie ivesentlich von der deutschen— war von jelper viel ausschließlicher als diese bestimmt durch das Interesse des industriellen Kapitals, während neben der Arbeiterklasse und mehr als sie die land- wirtschaftliche Bevölkerung die Kosten dieser Politik tragen mußte. Zwar haben auch die Vereinigten Staaten landwirt- schaftliche Zölle; da sie aber landwirtschaftliche Produrtc erportieren, sind diese Zölle bisher unwirksam geblieben. Die Landwirte mußten sich die Industrieprodukte durch den Zoll- schütz verteuern lassen, ohne dafür, wie die deutschen Agrarier, durch die künstliche Verteuerung der Lebensmittel im Ueber- maß entschädigt zu werden. Die stürmische industrielle Eni- Wickelung hat nun die Tendenz, den Export der landwirtschaftlichen Produkte ständig zu verringern, und die Zeit ist nicht mehr allzu fern, wo die Vereinigten Staaten aus«nein Getreide ausführenden ein Getreide einführendes Land sein werden. Dann aber werden die landwirtschaftlichen Zölle auch voll in Wirkung treten. Nun ist die internationale Teuerung auch in Amerika wirksam. Für die Industriellen bedeutet aber die Teuerung die Notwendigkeit, Lohnerhöhun- gen zuzugestehen. Es war also ein Interesse der Industrie, einem Vertrage zuzustimmen, der Kanada die zollfreie Einfuhr seiner landwirtschaftlichen Pro- d u k t e zusicherte und andererseits der Industrie der Ver- einigten Staaten wichtige Erleichterungen für die Ausfuhr ihrer Produkte nach Knnada bringen sollte. Nicht eine Durchbrechung des amerikanischen Schutzzollsystems, das ganz auf die Interessen der Trusts zugeschnitten ist, sondern nur eine Anpassung dieses Systems an die durch die In- dustrialisierung bewirkte relative Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion, das war der Zwsck des Vertrags mit Kanada für die herrschenden Jndustriemagnaten der Ver- einigten Staaten. In Kanada fand dieser Vertrag Befür- worter vor allem an den Farmern, dagegen scharfe Opposition bei der rasch sich entwickelnden jungen kanadischen Industrie. Kanada ist aber zugleich eine englische Kolonie, und zwar die aussichtsreichste und cntwickelungsfähigste von allen. Der Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten hätte deren wirtschaftlichen Einfluß auf Kosten der englischen Industrie außerordentlich gestärkt. Und der starke Wirtschaft- liche Einfluß hätte auch allmählich zu einem Potttischen Einfluß des gewaltigen Nachbarreichs geführt. Schon sprachen amerikanische Politiker von der Möglichkeit einer künftigen Annexion. Wichtiger aber als dieses Zukunftsgespenst war für die englischen Imperialisten eine andere Sorge. Kanada war ja der wichtigste Faktor in der großen Konzeption Chamberlains, das englische Weltreich nach außen hin mit einer Zollmauer zu umgeben. Die großen engiischen Kolonien sollten dem Mutterlande Nahrungsmittel und Roh- Material fiir seine Industrie liefern und die englische In dustrie, durch den Zoll gegen die immer mächtiger werdende deutsche und amerikanische Konkurrenz geschützt, in den Kolonien ein gewattiges, rasch sich entwickelndes und sicheres Absatzgebiet finden. Die wirtschaftliche Jnteressengemein schaft dieses riesigen gemeinsamen Zollgebietes würde dann auch eine immer straffer werdende politische Verein heitlichung des gewaltigen Reiches bedeuten, das getrost dem Anwachsen der Vereinigten Staaten und vor allem des Deutschen Reiches die Stirne bieten könnte. Chamberlains Idee ist zum Programm der englischen konservativen Partei geworden und zählt auch innerhalb der liberalen so manchen heimlichen Anhänger. Zwar sind die Konservativen bei den letzten Wahlen unterlegen, aber man darf nicht vergessen, daß die liberale Majorität trotz der günstigen Situation von Wahl zu Wahl gesunken war. Da schien, ganz unabhängig von der politischen EntWickelung in England, der Abschluß des kanadisch-amerikanischen Handels Vertrages dem Plan Chamberlains eine tödliche Wunde beb gebracht zu haben. Wenn Kanada handelspolitisch sich den Vereinigten Staaten verband, war an das„Größere Eng land" kaum mehr zu denken. Die englischen Imperialisten schrien auf und ihr Schrei fand bei der kanadischen Opposition Gehör. Der Kampf um den Handelsvertrag wurde zu einem Kampfs ür oder gegen das„Größere Eng- l a n d". �„Die Liberalen wollen Kanadas Unabhängigkeit an die Vereinigten Staaten verkaufen, wollen England verraten" das war die Schlachtparole der kanadischen Opposition, und die imperialistische Ideologie hat einen unerwartet starken Sieg errungen. In England Im wird dieser Sieg rückwirkend d an p e r i a l i s m u s st ä r k e n. Trifft er doch in eine Situation die der imperialistischen Agitation außerordentlich günstig ist. Die Liberalen hatten versprochen, mit Deutschland zu einem Abkommen zu gelangen, die Flottenrüstungen einzuschränken und dadurch die Mittel zu gewinnen, großzügige Sozialpolitü! zu treiben. Die M a r o k k o a f f ä r e hat gezeigt, wie st a r � und drohend der englisch-dcuts-che Gegensatz geworden ist. Von einer deutsch-englischen Verständigung sind wir heute weiter entfernt als je, hüben und drüben haben die. Imperialisten leichtes Spiel, die chauvinistischen Instinkte bis zur Sinnlosigleit anzustacheln. Das Hindernis aber, das der kanadisch-amcrikanische Vertrag dem englischen Imperia lismus in den Weg zu legen schien, ist beseitigt. Für den englischen Imperialismus ist die Bahn frei, und die Politik des deutschen Imperialismus hat dafür gesorgt, daß seine Aussichten sich günstiger gestaltet haben, als seit langer Zeit. Ein Sieg der englischen Imperialisten bedeutete aber naturgemäß eine neue außerordentliche Verschärfungderweltpoli tischen Situation, bedeutet zugleich für die deutsche Industrie eine außerordent lickj»: Gefahr. Die auswärtige Politik der herrschenden Klassen hat nichts getan, um diese Gefahr zu beseitigen, sie tut alles, um sie zu verschärfen. Der Kapitalismus, vorwärts gepeitscht "von dem unbezähmbaren Expansionsdrang des Profitinter esses, treibt immer mehr die staatlichen Gegensätze auf die Spitze, ebenso wie er im Innern der Staaten den Gegenso der Klassen, immer mehr steigert. Die Wahlen in Kanad haben eine Entwickclung gefördert, die das Ende des europäischen Kapitalismus beschleunigen muß. Das Wahlergebnis. Montreal, 22. September. Bis gestern abend' 10 Uhr waren von den 221 Wahlen 208 Resultate bekannt, und zwar waren 1 2-9 Konservative und 70 Liberale gewählt. Die Nieder läge der Regierung ist also überwältigend. Als Präsident Taft dies orfuhr, sagte er: Ich bin sehr enttäuscht. Schon die bis 7 Uhr eingegangenen Wahlergebnisse aus Ontario, Quebec, Neu-Braunschweig und Neu-Schottland zeigten, daß die Majorität der Regierung erschüttert sei. Der Minister F i e l d i n g, der Schöpfer der Reziprozitätsbill, ist unterlegen, ebenso die Minister Paterson und Sir Frederick Borden. Dagegen ist in Hall fax B o r d e n, der Führer der konservativen Opposition, gewählt worden. Auch die Minister Graham, Fisher und Mackenzie King sind unterlegen. Durch die Niederlage der Regierung ist das Rezi- prozitätsabkommen so gut wie gefallen. Im ganzen sind a ch t M i n i st e r unterlegen. Man nimmt an, daß die konservative Majorität sich auf 45 Mandate beziffern und da- mit die größte seit 1378 sein werde. Politische Ocberficbt. Berlin, den 22. September 1911, Nochmals: Zentrmn und Sozialdemokratie. Die Zentrumspresse und Dr. Bell erhalten gegenüber unserer Erklärung ihre Behauptung aufrecht, daß bei den setzten RcichStagswahlen von maßgebender sozial- demokratischer Seite dem Zentrum ein generelles Wahlbündnis angeboten worden s e i. Dr. Bell läßt dabei durchblicken, daß dieses Angebot vom Genoffen Bebel gemacht worden sei. Noch deutlicher ist der„Aachener Volksfreund", der in seiner Nummer vom 21. d. Mts. behauptet, daß Bebel im Einverständnis mit dem damals erkrankten Genossen Singer in einem Eilbrief am 28. Januar dem Zentrum ein Wahlbündnis vor den Stichwahlen angeboten habe. Dazu ist, so wird uns vom Parteivorstand geschrieben, zu bemerken, daß dieser Brief Bebels lediglich eine Antwort war auf ein vertrauliches Sch reiben des Abg. Müller-Fulda vom 27. Januar 1907 an den Genoffen Singer. Wir raken der Zentnlmspreffe nochmals, sich bei Herrn Müller-Fulda nach dem Inhalt dieses und anderer Briefe zu erkundigen._ „Afalsche Stichwahlen". Die„Freisinnige Zeitung" gibt die Bemerkung dcS „Vorwärts" wieder, daß es für die Demokraten in Düsseldorf rat- samer gewesen wäre, keine Sondcrkandidatur anfzustellen. da als- dann d�r sozialdemokratische Kandidat Haberland bereits im ersten Wahlgang gewählt worden wäre. Die„Freisinnige Ztg." bemerkt dazu, daß doch die Sozialdemokraten selbst unbekümmert um die politische Konstellation überall Sondcrkandidaturen aufftelle, ohne Rücksicht aus die Stärkung der Reaktion und„falsche Stich- wählen." Da? freisinnige Blatt vergißt, daß der„Vorwärts" in seiner Nötiz selbst bemcnkte, daß man es keiner Partei verargen könne, tvenn sie Sonderkcmdidaturen aasitelle. Von einer Partei wie der demokratischen freilich, die ihre Existenzberechtigung gerade aus der Notwendigkeit der rücksichtslosesten Bekämpfung der Reaktion und der Erziehung des Liberalismus zur gemeinsamen Aktion mit der Sozialdemokratie herleite, sei zu erwarten, daß sie nur dort SonderkandidakuteU aufstelle, wo es ohne Gefährdung eines Er- folges der Sozialdemokratie möglich sei. Daß die Sozialdemokratie ihrerseits niemals auf eigene Kandidaturen verzichten wird, liegt eben an der grundsätzlichen G e g n e r scha f t der Sozial- demokratie allen bürgerlichen Parteien gegenüber. Des- halb verlangt auch die Sozialdemokratie vom Freisinn gar nicht, daß er jemals auf eine Sonderkadidatur verzichtet. Das taktische Zusammengehen von Sozialdemokratie und Freisinn wird von der Sozialdemokratie stets nur als ein Zusammengehen bei der Stichwahl aufgefaßt. Und just die„Freisinnige Ztg.", die nicht nur keine entschiedene Stichwahlparole für die Sozialdemokratie auszugeben gewagt, sondern in zahlreichen Fällen sogar die Parole ausgegeben hat, für den Reaktionär und gegen die So- zialdemokratie zu stimmen, hätte zu allerletzt Ursache, der Sozialdemokratie einen Verzicht auf eigene Kandidaturen zuzu- mutml_ Die Stichwahl in Düsseldorf. Der Wahlausschuß der Demokratischen� Vereint, gung in Düsseldorf hat zur Stichwahl folgenden Beschluß gefaßt: „Die Demokratische Vereinigung hat von jeher im Düsscl- dorfer Wohlkampfe betont, daß sie. im Falle der Stichwahl in i t aller Energie für die Sozialdemokratie ein- t r e t e n w ü r d e. Um die Reaktion zu stürzen, müssen die Unterschiede, die unsere Wähler von der Sozialdemokratie trennen, zurücktreten, muß jede Stimme dem Sozialdemokraicu zufallen. Wir fordern unsere Freunde und Wähler aus, alles daran zu setzen, um Herrn Karl Haberland zum Siege zu vec- helfen. Sie dürfen sich nicht darauf beschränken, dem Sozial- demokraten am Tage der Wahl ihre Stimme zu geben, sondern sie haben auch die Pflicbt, durch persönliche Werbearbeit ihm Stimmen zuzuführen. Es gilt, dem Zentrnnt den Wahlkreiszu entreißen. Jeder tue seine Pflicht! Der Wahlausschuß der Demokratischen Vereinigung. Die Nationalliberalen haben Stimmcnthal« tung beschloffen._ Zur preußischen Steuerreform. Die„Tägliche Rundschau" hält es für selbst- verständlich, daß auch der preußische Landtag bereits im Herbst einberufen werde. Habe doch der Landtag in der kommenden Session neben kleineren Vorlagen sechs Gesetz- entwürfe von größerer Tragweite zu beraten, darunter auch den Entwurf, der die direkte E i n k o m m e n s b c st e u e- rung in Preußen zu regeln habe. Als im Jahre 1999 zur Deckung der Beamtengehältererhöhung Zuschläge in Höhe von 5—23 Proz. beschloffen worden seien, sei gesetzlich fest- gelegt worden, daß diese Zuschlagserhebung nur eine vorübergehende Besteuerungsart darstellen dürfte und spätestens bis 1912 durch eine organische Regelung der Einkommensteuer zu ersetzen sei. Die preußische Finanzreforin vertrage also keinen Aufschub mehr; der neue Entwurf sei denn auch dem Verlauten nach bereits vom Finanzministerium bearbeitet. Die preußische Steuerreform ist in der Tat gerade für den kleinen Mittelstand und die Arbeiter» klasse von nicht unerheblicher Bedeutung. Während näni- lich 1909 die Regierung die Zuschläge erst bei einem Ein- kommen von 7990 M.(nicht 5799 M., wie die„Tägliche Rundschau" unrichtig angibt) an beginnen lassen wollte, be- schloffen sämtliche bürgerliche Parteien bereits die Ein- kommen v on 1299 Mark an damit zu belasten! Es ist in der Tat, namentlich angesichts der Notstands» preise allerhöchste Zeit, daß diese skandalöse Bestimmung beseitigt wird und die unteren und mittleren Einkommen von den Zuschlägen voll» ständig befreit werden. Außerdem aber wird bei der Steuerreform dafür zu sorgen sein, daß für das steuerfreie Mindesteinkommen, das jetzt 909 M. beträgt, eine den heutigen Tcucrungsverhältnissen entsprechende neue Grenze geschaffen wird, so daß alle Ein» kommen bis zu 1c>00Mark von der direkten Besteuerung überhaupt befreit werden! Da eine solche Forderung, wie sie bereits 1909 von der sozialdemokratischen Lanvtagsfraktion gestellt worden sind, bei der Geldsackmchrheit des Hauses begreiflicherweise auf heftigen Widerstand stoßen wird, wäre es doppelte Pflicht der Re- gierung. für die Beratung einer so wichtigen Gesetzesmaterie die genügende Zeit zu schaffen. Asreikonservntive Schulideale. AuS Oberlehrcrkreisen läßt die„Post" in ihren Spalten pädä- gogische Ansichten vertreten, die ci» blendendes Schlaglicht auf die Bildungsfreundlichkeit dieser reaktionären Sippe werfen. Gegen- über den vielfachen Klagen über unser höheres Schulwesen wird da einfach der Spieß umgekehrt und den Schülern selbst und den«ungesunden modernen Verhältnissen" alle Verantwortung für die vorhandene„Schulvcrdrossenheit" aufgebürdet. Die Schüler- elbstmorde beispielsweise werden auf die Verweichlichung der Schüler zurückgeführt. Wenn vor 30 oder 40 Jahren ein Junge unbarmherzig geprügelt worden sei, habe er es für Ehrensache gehalten, seinen Schmerz und seine Wut zu verbeißen; der Sekundaner unserer Tage, der eine Ohrfeige erhalten habe, fühle sich in seiner Mannesehre gekränkt und er- chießt sich. Man führe also für die Sekundaner wiederum das Prügelsystem ein und die Schülerselbstmorde werden verschwinden! In höchst genialer Weise soll der Kampf gegen die„Schund- l i t e r a t u r" erfolgreich geführt werden. Die Kinder sollen überhaupt keine Privatlektüre mehr bekommen! Man gebe den Kindern so wenig wie möglich zu lesen: die freie Zeit möge man ihnen„zum Austoben" gönnen! Das Lesen, überhaupt jeder Bildungstricb, ist in der Tat eine Schwere Gefahr für unsere reaktionäre Borniertheit. Werden die höheren Schulen selbst als Drillanstalten für möglichst öden Gc- döchtniskram benutzt— die„Post" warnt vor„jeder Vielwisscrci". ie verpönt zum Beispiel Bürgerkunde. Hygiene, Kunst» g e s ch i ch t e usw.— und wird den Schülern jede Gelegenheit zur Befriedigung ihres elementaren» Wissensdranges durch private Lektüre vereitelt, so dürsten in der Tat die Zöglinge dieser Muster» anstalten den Ansprüchen entsprechen, die die Hintermänner der „Post" an brauchbare Staats- und Ordnungsstützen stellen. Das unsägliche Banausenttim der reaktionären Obcrlehrerseele der„Post" wäre nicht hinreichend gekennzeichnet, wenn wir zu er- wähnen vergäßen, daß sie den Zutritt zu den höheren Schulen m ö g l i ch st b e s ch r ä n k t zu sehen wünscht. Fünf Prozent höherer Schüler seien reichlich ausreichend, für die übrigen 05 Pro- zent sei die„Volksschule mit ihrer abgeschlossenen Bildung" vollauf gut genug. Und von dieser abgeschlossenen Bildung unserer herrlichen preußischen Volksschule wagen diese!» b e n Leute zu sprechen, die die b r e i t e n M a s s e n d e s V o l k e s deshalb der dritten Klasse der Wahlrechts- Heloten zugewiesen wissen wollen, weil sie keiner höheren SKulhildung teilhaftig geworden sindj Ein Kind ausgetvicse». Die preußische Ausweisungspraxis hat ein neues Ruhmesblatt in ihren Kranz geflochten. In Dölzig, Kreis Schrimw(Posen), würbe die 15jährige Johanna Naivakolvska aus Rußland, die bei ihrem Onkel, dem Stadtverordneten Smigielski in Dölzig zu Be- such weilte, ohne Angabe von Gründen plötzlich nach der Grenze abgeschoben. Das ISjährige Mädchen wurde am 19. September, nachmittags 4 Uhr, auf die dortige Polizei geladen, woselbst der völlig Ahnungslosen mitgeteilt wurde, daß sie sofort ausgewiesen würde und nicht mehr zu den Verwandten zurück dürfe! Alles Weinen und Bitten des Madchens, doch wenigstens von den Verwandten Abschied nehmen und sich andere Kleider Hillen zu dürfen, wurde abgeschlagen. Das Kind wurde in die Arrestzelle gebracht und am anderen Morgen früh 4 Uhr nach der Grenze transportiert. Die Polizei verweigert jede Angabe ihrer Gründe für die Ur- fache der Festnahme und Ausweisung. Tie militaristische Verseuchung des Zivillebens ist in keinem Lande der Welt soweit vorgeschritten als in Deutsch- land. Nicht allein, daß zahlreiche Kategorien der Staatsbeamten durch das System der Militäranwärter fast ausschließlich aus Leuten bestehen, die ihren Befähigungsnachweis in der Kaserne erworben haben, auch die Kommunen sind gezwungen, einen großen Prozentsatz ihrer Beamten dem Unteroffizierkorps zu entnehmen. Daneben wird aber auch eine große Anzahl inaktiver Offiziere in den staatlichen und städtischen Beamtenkörpern untergebracht. Daß dem preußischen Staate die Militarisierung der Kommunen ganz besonders am Herzen liegt, beweist folgende Mitteilung in der neuesten Nummer des„M i l i t ä r- W o ch e n° Mattes"; (Amtsvorsteher- und Bürgermeisterkurse.) Für alle Offiziere, die die Absicht haben, sich nach erfolgter Pensionierung um Amtsvorsteher- und Bürgermeisterstellen zu bewerben, um sich dadurch einen angenehmen und ge- eigneten Beruf zu schaffen, dürfte der Hinweis darauf großen Wert haben, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, sich die für ein derartiges Amt unerläßlichen Vorkenntnisse zu er- werben. Etwa Mitte Oktober 1911 und Mitte Januar 1912 beginnt nämlich an der Deutschen Staatsbürger- und Beamten- schule, Berlin W. 35, je ein Lehrkursus, der den aktiven und inaktiven Offizieren gleicherweise offensteht, und in denen die Teilnehmer mit den dienstlichen Obliegenheiten eines Amts- Vorstehers und Bürgermeisters möglichst eingehend vertraut ge- macht werden sollen. Der Herr Minister des Innern hat die A in tsvorste Herkurse usw. empfohlen. Da die fraglichen Stellen besonders für inaktive Offiziere sehr geeignet siitd und ihnen aus naheliegenden Gründen gern übertragen werden, so bietet sich hier den Offizieren eine sehr günstige Gelegenheit, sich die notwendige Vorbildung für diesen Beruf zu verschaffen. Nicht selten haben es inaktive Offiziere, die Amtsvorstcher oder Bürgermeister wurden, empfunden, daß sie .auf ihr Amt nur sehr ungenügend vorbereitet und mit Einzel- hciten der Stellung wenig vertraut waren. Diesem Mangel soll durch die Lehrkurse abgeholfen werden. Herren, die an einem der Kurse teilzunehmen beabsichtigen, wollen sich alsbald mit der Staatsbürger- und Beamtenschule, Berlin W. 35, Flottwellstr. 3. in Verbindung setzen. Die preußische Regierung schlägt mit einer solchen Maßnahme zwei Fliegen mit einer Klappe. Einmal wird sie dadurch den ewigen Klagen der inaktiven Offiziere über schlechte Versorgung und angeblich ungenügende Pensionen gerecht und verbessert in- direkt den Vcrjüngungsprozeß" im Offizierkorps. Zum zweiten aber bekommt sie eine starke Waffe gegen da? Selbstverwaltungs- recht der Gemeinden in die Hand. Denn die ehemaligen Offiziere. die alle noch den militärischen Ehrengerichten unterstehen, werden sich meistens hüten, gegen den staatlichen Stachel zu löken. Und daß Offiziere a. D. als Bürgermeister absolut zuverlässige Kämpen gegen die„Mächte des Umsturzes" sind, versteht sich am Rande. Ter verbotene Maiaufzug. Die Arbeiterschaft von Altona und Ottensen plante für den i. Mai 1910 einen Festzug, der sich von der Fritz-Reuterstraße durch Altona nach Bahrenfeld bewegen sollte. Die Parteisekretäre Sicbert und Kürbis beantragten die Genehmigung bei der Polizei- Verwaltung in Altona. Diese versagte die Genehmigung mit der Begründung, daß mit dem Aufzuge Gefahren für die öffentliche Sicherheit verbunden sein würden. Voraussichtlich würden viele tausend Personen teilnehmen. Gerade aber Sonntagsnachmittag sei der Verkehr zwischen der Stadt und dem Vororte Bahrenfeld ein außerordentlich großer. Bei dem gegen die heutige Staatsordnung gerichteten demonstrativen Charakter des Maiauszugs der Sozial- demokraten und der mit ihnen haltenden Gewerkschaften würden weite Bevölkerungskreise beunruhigt werden und eS könnte zu Störungen kommen. Beschwerden� beim Regierungspräsidenten und beim Ober- Präsidenten in Schleswig hatten keinen Erfolg. Darauf klagten die Genossen Siebert und Kürbis beim Ober- vcrwaltungsgericht. Sie bestritten, daß irgendwelche konkrete Tat- fachen vorlägen, die die Befürchtung der Störung der öffentlichen Sicherheit begründen könnten. Ohne Rücksicht auf solche Tatsachen sei denn auch das Verbot lediglich die Folge einer Anordnung des Ministers. Der Obcrpräsident erwiderte nichts, sondern reichte nur die sogenannten polizeilichen Vorgänge ein, die zumeist aus Polizei- berichten zu bestehen pflegen. Hier handelte es sich auch nur um einen solchen, der Ausschluß geben sollte über die Motive der Polizei. In dem Bericht wird nun als entscheidend hervorgehoben, daß am Sonntag, den 1. Mai 1910, auf dem bekannten Bahrenfelder Renn- platz großes Pferderennen stattfinden sollte. Dazu pilgerten, so wurde ausgeführt, mindestens 10 000 Personen nach Bahrenfcld hinaus, die ungefähr dieselben Wege gingen, die der Zug der Ge- nossen genommen haben würde. Nicht nur Fußgänger besuchten das Rennen, es führen auch sehr viel Leute nnt Automobilen hin- aus und andere ritten. Wenn nun noch 10 000 Sozialdemokraten und Gewerkschafter sich dahin bewegten, dann seien sehr leicht Störungen möglich. Diese Darlegung genügte dem Oberverwaltungsgcricht denn doch nicht, um darauf ein Urteil stützen zu können. Es beschloß des- halb in der Sitzung am 19. September, noch weitere Ermittelungen anzustellen und die Sache zu diesem Zwecke zu vertagen. Zwei Militärgerichtsurteile. Kürzlich tagte in Kiel das Kriegsgericht der 18. Division in Flensburg, um über die Straftaten zweier Offiziere, des Ober- leutnants Er itropel und des Leutnants Sutorf, beide vom Infanterieregiments Nr. 85, abzuurteilen. Welcher Straftat die Offiziere beschuldigt, ob sie schuldig befunden und wie hoch sie ver- urteilt wurden, hat kein Unberufener erfahren. Sofort nach Er- öffnung der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit aus- geschlossen, und sie wurde nicht einmal zur Ver- lündung de« Urteils wieder hergestellt, trotzdem es gesetzliche Vorschrift ist, daß die Urteilsverkündung öffentlich zu ge- fcbehcn hat. wenn auch die Begründung des Urteils in nichtöffcnt- licher Sitzung erfolgen kann. An-demselben Tage verhandelte das Kriegsgericht der Auf- klärungSfchisfe über eine Anklage gegen zwei Matrosen deS Panzer- treuzers„v. d. Tann". Die Matrosen Tschaun und Saupe standen unter der schweren Anklage des Aufruhrs. Beide waren am 2. Juli in einem Vergnügungslokal in angeheiterter Stimmung. Bei der Gelegenheit soll Tschann einige Damen bc- lästigt haben, die in Begleitung von zwei Maaten gekommen waren. Der BootSinamiSmaat Willbrand wollte TschaunS Namen feststellen und nahm ihm deshalb die Mütze vom Kopf. DaS war im Saal des Etablissements. Der Vorgang rief viele Neugierige, alle Angehörige der Marine, herbei. Die Angeklagten sollen nun bei der Gelegenheit den Bootsmanns- j maaten bor die Brust gestoßen und zum Ausgang gedrängt haben, s wobei er hingefallen sein soll. Als er hingefallen war, sollen ihn noch mehrere Matrosen geschlagen haben, so daß er im Gesicht blutete und Kragen und Hose dabei zerrissen wurden. Von den Tätern wurden nur Tschaun und Saupe abgefaßt, die anderen ent- kamen. Die beiden Angsllagten müssen ihr im Alkoholrausch be- gangeneS Vergehen schwer büßen. Tschaun erhielt wegen Belügcns eines Vorgesetzten er hatte erst einen falschen Namen genannt—, Ungehorsams und militärischen Aufruhrs fünf Jahre und vierzehn Tage Zuchthaus, Saupe wegen Ungehorsams und mililärischen Auf- ruhrs fünf Jahre und drei Tage Zuchthaus. Durch solche geradezu ungeheuerlichen Strafen im Verhältnis zu dem Vergehen soll Furcht und Schrecken verbreitet und der Kadavergehorsam erzwungen werden. Aber auch dieses Schreckens- shstem wird an sich selbst zugrunde gehen. Ein Elite-Regiment. Wie wir seit Jahresfrist wiederholt berichtet haben, hat das 18. Husarenregiment(Schleswig-Stadt) die Militärgerichte des 9. Armeekorps fortgesetzt in Bewegung gehalten. Was dort an Soldatenschindereien aller Art geleistet worden ist, dürfte kaum von einem anderen Truppenteil überboten worden sein. Einige übereifrige„Militärpädagogen"— alle wollen aus pädagogischen Gründen gehandelt haben— sind zwar dauernd unschädlich ge- macht und auch nicht unerheblich verknackt worden, aber die meisten sind doch mit einem blauen Auge davongekommen. Auch Gefreite und sogenannte„alte Militärs" haben sich den jüngeren Soldaten gegenüber in schmählicher Weise benommen. So auch der jetzige Gefreite der Reserve Karl Michel sen in Flensburg. Für drei Fälle der Mißhandlung Untergebener hatte die erste Instanz ihn zu drei Wochen Mittelarrest ver- urteilt. Dieses Urteil hat er angefochten. Die Straftaten liegen schon ein bis zwei Jahre zurück und sind erst nachträglich zur An- zeige gelangt. Die Zeit lindert jeden Schmerz, denkt der An- geklagte, der die Sache so gelinde darstellt, daß nichts übrig bleibt. In allen Punkten vermag nicht volle Aufklärung geschaffen zu werden, aber der eine Husar läßt sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Er schildert, wie er von dem«hen Patron auf der Stall- wache mit der Faust und mit einem Riemen arg verdroschen worden ist. Der Ankläger betont, daß bei diesem Regiment in verhältnismäßig kurzer Zeit 250 Untersuchungen, zumeist wegen Mißhandlung Untergebener, vor- genommen worden seien, so daß wohl einige Fälle durcheinander- liefen. Unter Absetzung eines Falles könnte das Strafmaß ent- sprechend ermäßigt werden. Das Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps(Altona) nimmt nur niinder schwere Fälle an, da kein gesundheitlicher Schaden entstanden sei. und setzt die Strafe auf neun Tage Mittelarrest herab. Italien und Cnpolitalkn. �., 9! out, 21. September.(Ei?. Ber.) �Seit längerer Zeit kann es niemand verborgen sein, daß in Italien eine ziemlich starke Strömung zugunsten neuer afrikanischer Abenteuer besteht. Der italienische Imperialis- mus, der in Crispi seinen letzten grotesken und tragischen Aus- druck fand, hebt wieder den Kopf und richtet seine Blicke auf Tripotitanien. � Die NationalistLn schreien nach einem „größeren Italien", und das Eiscnkapital mit allem, was drum und dran hängt, schreit nach neuen Militärlieferungen. Dabei liegt auf� der Hand, daß ein kleiner Abstecher nach Tripolis in O e st e r r e i ch ganz gern ggsehen werden würde von all denen, die ihn als Vorwand ausschlachten würden, um einen österreichischen Vorstoß im Balkan zu rechtfertigen. Der„Avanti" berichtet in seiner Nummer vom 20. September, daß das 9. und 10. Armeekorps Order hätten, sich kriegsbereit zu halten, und bringt diese Nachricht mit einer afrikanischen Expedition in Verbindung. Nach unseren In- sormationen wäre die Okkupation eines Teiles von Tripoli- tanien bereits eine diplomatisch abgemachte Sache. Es heißt nämlich, daß eine italienische Aktiengeselbschast von der türki- selten Regierung für 125 Millionen Lire Konzessionen in Tripo- litanien erworben hätte. Da aber die türkische Regierung bisher nie von derartigen! Konzessionen etwas wissen wollte. wofür Gründe innerer und äußerer Politik ausschlaggebend waren, so sei es nötig, eine gewaltsame Okkupation wenig- stens vorzutäuschen. Deshalb dürsten demnächst i t a l i e- nische Kriegsschiffe an die t r ip o l i t a n i s ch e Küste gesandt werden, die irgend einen, Konflikt vom Zaun brechen sollen. Alles würde dann damit enden, daß die Türkei unter dem Schein des Zwanges das gewährt, was sie schon vorher gegen klingende Münze regelrecht verkauft hat. Die Kosten trüge die Aktiengesellschaft, an der auch der „Banco di Roma" mit großen Kapitalien beteiligt sein soll. Tie erwähnten Konzessionen, die in Landstrick)en, Handels- vorteilen usw. bestehen, würden dann einer„friedlichen Penc- tration" JtalientZ in Tripolitanien den Weg ebnen. Oesterreick. Ein zweites Todesopfer. Wien, 22. September. Wie die Blätter melden, ist der bei den Ausschreitungen am Sonntag verwundete Werkzeugschlosser Franz Joachimsthaler seiner schweren Unterlcibsverletzung erlegen. Die von Sachverständigen festgestellte Höhe des durch die Kundgebungen vom Sonntag angerichteten Schadens beträgt im Bezirk O t t a k r i n g hunderttausend, im Bezirke innere Stadt vierzigtausend, im achten Bezirk vicrzigtausend Kronen. Gegen die Lebensmittclteucrung. Budapest, 22. September. Die gestern abend von der sozialdemokratischen Partei veranstalteten 12 Protestversamm- lungen gegen Lebensmittelteuerung und Mietswucher, die von vielen Tausenden von Arbeitern besucht waren, nahmen einen ruhigen Verlauf. Die Regierung hatte Militär in Bereitschaft gehalten, das aber nicht in Aktion trat. ftankmek. I» Einigkeit für den Frieden. . Paris, 21'. September.(Eig. Ber.) Die Kundgebung. die die Gewerkschaften des Seinedepartements für den Sonn- tag organisieren, soll dem Protest nicht nur gegen die Kriegs- Hetzer und die Teuerung, sondern auch gegen die Reaktion im Innern gelten. Und als ob es ihre Absicht gewesen wäre, die Notwendigkeit dieses Protestes zu demonstrieren, hat die Re- gierung den Polizeipräfekteni beauftragt, keine Kundgebungen aus der Straße zu dulden. Herr L ä p i n e ist also wieder einmal Diktator von Paris. Er wird Kavallerie und In- fanterie zu Attacken auf die Leute loslassen, die diese Ka- vallerie und Infanterie davor bewahren wollen, sich für den Profit etlicher von seinen Millionärkollegen massakrieren zu lassen. Ter Manifestation selbst freilich wird er kaum etwas anhaben könneni Die Organisationen haben die Parole aus- gegeben, jeden Konflikt mit den Wächtern der Ordnung streng zu vermeiden. Ter Versanim- lungsplatz ist im Aeropark, im Nordosten der Stadt. Die De- monstranten werden sich nach den Vormittagsversammlungen in losen Gruppen dorthin begeben, Tie Weistiffgen des Geiverkschaftsberbati�es Zeigen,?aß die Syndikalisten über die Gepflogenheit von ehedem, sich mehr auf die Impulse des Augenblicks als auf die ordnenden Kräfte der Disziplin zu verlassen, glücklich hinaus sind. Die Kifcid- gebung am Sonntag kann und soll nicht durch lärmende Leidenschaft, sondern durch die Masse und den entschlossenen Ernst der Teilnehmer imponieren. T-amit die Teilnehmer- zahl möglichst groß werde, war es sicher notwendig, an alle Kräfte der Arbeiterbewegung zu appellieren, deren Zersplitte- rung hier so oft die wichtigsten Bemühungen vereitelt und die zielbewußte Klassenaktion durch innere Kämpfe schwächt. Und es ist ein überaus erfreulicher, vielleicht folgenreicher Beschluß, den der Gewerkschaftsverband gefaßt hat, als er das Angebot der sozialistischen Seineföderation, an der Manifestation mitzuwirken, annahm. In seinem Beschluß heißt es:„Der Verbandsvorstand ist der Meinung, daß bei einer so ernsten und dringenden) Frage die Kund- gebung einen populären Charakter haben muß, wozu alle Organisationen zusammenwirken müssen." Das elementare Bedürfnis der � Proletarischeft Klassenbewegung selbst hat also über theoretische Schrullen, zur Ge- wohnheit geworden!» Phrasen und bornierte Vorurteile ge- siegt. Noch vor wenigen Jahren wäre ein formelles Zu- sammenwirken von Partei und Gewerkschaft der großen Mehr- heit der Gewerkschaften— Revolutionärsyndikalisten und Neutralisten— unannehmbar und gleichsam als Selbstpreisgabe erschienen. Aber auch in der geeinigten Partei war die Aengstlichkeit, dem Nurgewerkschaftlern die sozialistische Auf- fassung entgegenzustellen, so groß, daß sich auf den Kongressett von Limoges und Nancy eine Mehrheit für die strengste Sepa- ration beider Flügel der kämpfenden Arbeiterschaft fand. Wohl hat die Praxis diesen taktischen Grundsatz, der bei den GeWerk- schaften vielfach auch als prinzipieller erschien!, an manchen Orten, zumal in Nordfrankreich, überwunden, aber noch häufiger verwandelte sich das Neben einander von Gewerkschaft und Partei in ein unheilvolles Gegeneinander, wie dies eben jetzt erst wieder die Bewegung gegen die Teuerung im Norden gezeigt hat. � �. Daß nun gerade auf dem durch alten Sektenstreit und demagogische Treibereien verwüsteten Pariser Boden ein so bedeutungsvoller Schritt zum Besseren gemacht wird, zeigt, wie stark das Gefühl der UnHaltbarkeit der bisherigen Zu- stände geworden! ist. Die Erfahrungen der letzten Monate haben manchem die Augen geöffnet. Und sicher ist auch das deutsche Beispiel nicht ohne Anteil an diesem Fort- schritt. Ganz fruchtlos ist die Berliner Fahrt der Gewerkschaften auch für ihre klassenpolitische Erkennt- nis nicht geblieben. Bor allem aber ist es der Eindruck der Riesenkundgebungen des deutlichen Proletariats, der hier das Streben erweckt hat, dem Friedenswillen des arbeitenden Frankreich in Kundgebungen von gleicher Wucht und zwingender Größe Ausdruck zu geben. Hoffentlich ist der gestrige Beschluß der Beginn eines Gesun- dungsprozesses, der auch anhält, wenn an die Stelle der augenblicklichen Sorgen des Proletariats andere treten, die ebenso die gesammelte Kraft seiner Organisationen heischen. Die Eiiibcrufung der Kammer. Paris. 22. September. In parlamentarischen Kreisen läuft das Gerücht um, das Parlament werde zum 24. Oktober e i n b e- rufen werden. Wie der„Figaro" mitteilt, sinkt aber dieser Termin bei vielen Mitgliedern des Senats und der Kammer keine große Zustimmung; man würde es in diesen Kreisen lieber sehen. daß der Parlamentsbeginn aus den 8. November verschoben würde._ Dumme Streiche. Brest, 22. September. Der Kassierer der hiesigen sozialistisch» revolutionären Arbeitsbörse G o u r m e l i n wurde aus frischer Tat ertappt, wie er Telegraphenstangen erkletterte und Drähte zerschnitt. Er wurde verhaftet. Die Verhaftung rief unter der hiesigen Arbeiterschaft große Aufregung hervor. Spanien. Bcendigung des Massenstreiks? Madrid, 22. September. Alle Zeitungen sind heute früh erschienen. Der A u s st a n d dauert nur noch an in G i j o n und in den K o h l e n m i n e n von Pueblonuevo del Ternble. Einige Zusamimenstöße haben hier stattgefunden: mehrere Pevsonen sind verwundet worden. Der a l l g e in eine Arbeiterverband hat gestern abend den Schluß desStreiks verkündet._ Ja der Provinz. Madrid, 22. September. Gruppen von Ruhestörern, die die Provinz V i s c a y a durchstreiften, wurden, zerstreut. In Valencia versuchte eine Bande von Revolutionären, den Palast des Herzogs von Gcmdia in Brand zu stecken, wurde aber vertrieben. Eine andere beraubte die Gemeindekasse. In EI Ferro! beginnen die Lebensmittel knapp zu wer» den. Zahlreiche Arsenalarbeiter nahmen die Arbeit wieder auf. In B a d a j o z sind zwei portugiesische Anarchisten ver- haftet worden. In Barcelona herrscht vollkommene Ord- nung, und es wird überall gearbeitet. Einige Gruppen von Anarchisten wurden zerstreut. In La Coruna haben die Hafenarbeiter die Arbeit wieder aufgenommen. In M a d r i d erschienen gestern abend nur vier Zeiwngen. Die einzigen, die den Ausstand in Madrid jetzt noch aufrechterhalten, sind die Droschkenkutscher: diesen ist eine Frist von 21 Stunden! gewährt worden: wenn sie in dieser Zeit die Arbeit nicht wieder aufnehmen, wird ihnen der Fahrschein ent- zogen. Ministerpräsident Canalejas sagte beim Ber- lassen des königlichen Schlosses zu den Journalisten:„Meine Herren, ich habe das Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, daß der Ausstand überall beendigt ist." Holland. Tie Obstruktion. Haag, 21. Seplcmber. In der Sitzung der Kammer setzte der Sozialist T e r l a a n seine Obstruktionsrede eino Stunde hindurch fort und sagte, er könne, ohne von der Tagesordnung abzu- weichen, noch stundenlang reden. Er habe nur zeigen wollen, welche Mittel die Minorität besitze, um die Majorität zu hin- dcrn, der Minorität ihren Willen aufzudrängen. Jedoch träten die Sozialisten heute nicht in eine wirkliche Obstruktion ein; sie würden aber dafür erkenntlich sein, wenn die Majorität die Möglich- keit eines Zusammenarbeitens wieder schaffe. Hier- auf verlangten die sozialistischen Deputierten noch zweimal eine Ab- stimmung über ihre Vorschläge, gewisse Entwürfe in den Sektionen zu prüfen. Nach Schluß der Sitzung pfiff das sozialistische Publi- kum den christlich-historischen Deputierten L o h m a n n aus und nahm eine drohende Haltung an, so daß die Gendarmerie blank ziehen mußte, um die Menge, die sozialistische Lieder sang, in einiger Entfernung zu Kalten. GewerkfchaftlicbeB. Sin cnglifcber öcbarfniacber über die Crade-Onions. London, 19. September 1911. Lord Claud Hamilton ist der Vorsitzende des Direk- toren-Kollegiums der Großen Ostbahn und ein Scharfmacher ersten Ranges. Gestern trat er als Zeuge vor der Kommission auf, die von der Regierung beauftragt worden ist, das auf den englischen Bahnen übliche Einigungsverfahren zu unter- suchen. Der edle Lord jammerte über die bösen Gewerr- schaften und noch mehr über die gottlosen Gewerkschafts- beamten, die all den Kummer in der Eisenbahnwelt ver- Ursachen. Ja, wenn es keine Gewerkschaften und keine Ge- Werkschaftsbeamten gäbe, so wären die Eisenbahner zufrieden und die Große Ostbahn hätte Ruhe. Die Gewerkschaftsführer Hetzen die Leute gegen die von Gott eingesetzten Eisenbahn- autoritäten auf. Hat doch das Blatt der Eisenbahner die verbrecherische Kühnheit gehabt, den edlen Lord zu karikieren. In diesem Tone ließ man ihn stundenlang reden, bis er sich in seinem Eifer in soviel Widersprüche verwickelte, daß es ein leichtes sein würde, dem edlen Scharfmacher in einer Weise heimzuleuchten, daß er zuletzt mit einem recht dummen Ge- ficht dastünde. Eine Stelle aus seinen Aussagen verdient je- doch Beachtung, da sie ziemlich klar zeigt, wie sich die letzten Vorgänge in England im Kopfe eines englischen Scharf- machers widerspiegeln. Nachdem Lord Claud Hamilton seine Tirade gegen die Gewerkschaften ausgeschüttet hatte, nahm ihn der Arbeiterparteiler Hendersen, ein Mitglied der Kommission, sich vor. Er fragte den Lord unter anderem: „Glauben Sie, daß die Gewerkschaften eine ständige Ein- richtung sein werden?" Darauf erwiderte der Zeuge: „Ich befürchte, sie sind es, aber ich möchte mich weiter aus- lassen. Als ich ein Knabe war, machten die Enthüllungen über das„rsttenin8"-System, wie es genannt wurde, in bezug auf die Sheffielder Exzesse, an denen die Gewerkschaften schuld waren, auf mich einen tiefen Eindruck, und von der Zeit an, als ich ins Parlament kam, habe ich sorgfältig die Wirksamkeit der Gewerk- schaften im ganzen Lande beobachtet. Ich gebe zu, daß sich die Dinge seit den Sheffielder Enthüllungen sehr gebessert haben, und daß die Gewerkschaften bis vor etwa zehn Jahren sehr gut geleitet wurden, aber seit der Zeit ist es den soziajistischen Elementen gelungen, eine Mehrheit in den Vorständen zu er- halten, und die Sachlage hat sich nach meiner Ansicht sehr ver- schlimmert. Die Gewerkschaften sind jetzt im Begriff, eine agi- tierende, kämpfende Körperschaft zu werden, eine Stellung, die sie in den früheren Jahren ihrer Existenz nicht einzunehmen trachteten. Ich glaube, daß sie in gewisser Hinsicht ihre Pflichten in nützlicher Weise erfüllen, aber wenn zur gegenwärtigen Zeit ihren agitatorischen Methoden nicht Einhalt geboten wird, so werden der Freiheit der industriellen Bevölkerung und der kom- merziellen Stabilität des Landes große Gefahren bereitet werden." Hendersen fragte dann weiter: „Wie kommt es denn, daß es den Sozialisten, wie Sie sagen, worin ich mit Ihnen aber nicht übereinstimme, stets gelingt, eine Mehrheit in den Vorständen der Gewerkschaften zu erhalten?" Darauf erwiderte der Lord: „Viele dieser Sozialisten sind sehr geriebene Kerle und haben beträchtlich mehr Verstand als ihre Kameraden." Also sind es doch die S o z i a 1 i st e n und nicht etwa die H u n g e r l ö h n e, die die Große Ostbahn zahlt, die die Eisenbahner zur Empörung treiben! Kerlin und Clmgcgend. Achtung, Nohrer! In Hannover ist es zwischen unseren Kol- legen und deren Unternehmern zu Differenzen gekommen. Der geltende Tarifvertrag läuft am 9. Oktober d. I. ab und hat ein Unternehmer jetzt schon den Preis pro Quadratmeter um 2 Pf. gekürzt, weswegen seine Arbeit gesperrt ist. Da er den ihn um Fertigstellung der Arbeit drängenden Bau- Unternehmer damit zu trösten suchte, daß er ihm sagte:„er solle sich gedulden, in den nächsten Tagen träfen Rohrer aus Berlin ein," steht zu erwarten, daß versucht werden wird, Berliner Rohrer ajs Streikbrecher nach Hannover zu schaffen. Da auch im übrigen die Konjunktur in Hannover sehr schlecht ist, warnen wir jeden Rohrer, Arbeitsangebote nach Hannover anzunehmen, da die Gefahr be- steht, daß er als Streikbrecher dazu gebraucht werden soll, ehrlich um ihre Existenz kämpfenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Alle Bauarbeiter werden um Beachtung obiger Angaben gebeten. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Zweigverein Berlin. Der Streik der Fleischergescllen bei der Firma Schmidt, Zimmerstraße 57, dauert sort. Um den Streikenden das Fort- kommen zu erschweren, hat Herr Schmidt die Verbandsbücher (Zeugnisbucher), ohne welche die Gesellen sehr schwer Arbeit er- halten, der Innung übergeben. In der„Allg. Fleischer-Ztg." werden die Namen und Geburtsorte der Streikenden derösfentlicht in der löblichen Absicht, dieselben zu kennzeichnen und auf die schwarze Liste der Stellenvermittler zu bringen. So arbeiten die Fjeischcrmeister, die nicht laut genug über den angeblichen Terra- rismus der Arbeiter schreien können. In der„Allg. Fleischer- Ztg." wird ferner behauptet, daß die Schlafftelle der Gesellen viel besser sei, als sie dieselben sich mieten würden. Das ist unwahr. Gerade die schlechte Schlafstelle hat neben der 16 stündigen Arbeits- zeit den Anstoß zu den Forderungen gegeben. Dieselbe spottet in allen Beziehungen den geringsten hygienischen Anforderungen; des weiteren sind soviel Wanzen vorhanden, daß das Schlafen fast unmöglich ist. Die Führer der Berliner Innung geben sich alle Mühe, Herrn Schmidt das Rückgrat steif zu halten, damit er keineswegs die Forderungen bewillige. Im übrigen tröstet sich Herr Schmidt da- mit, daß die Arbeiter, die infolge der Vorgänge jetzt sein Geschäft meiden, bald wiederkommen würden. Zentralverband der Fleischer, Wie„Wohlfahrtseinrichtnugen" Knebelungs» einrichtnngen werden können. zeigke ein Fall, der sich dieser Tage bei der Firma G o e r z in Friedenau abgespielt hat. Dort nehmen die Fabrikferien heute ihren Anfang. Einzelne Meister benutzen nun leider diese Wohl- fahrtseinrichtung, um ihr Mütchen an mißliebigen Arbeitern zu kühlen. Ein besonders krasser Fall dieser Art hat sich nun vor- gestern ereignet. Ein Arbeiter, der nahezu drei Jahre bei der Firma beschäftigt ist, und der als Arbeiterausschutzmitglied stets die Interessen seiner Kollegen gegen die Uebergriffe des Meisters wahrgenommen hat, ist plötzlich„wegen Arbeits- mangels" entlassen worden. Den Betreffenden trifft dieser Schlag um so härter, als er Vater von vier Kindern ist und seine Frau in Kürze das fünfte erwartet.— Daß wegen Arbeitsmangels urplötzlich ein drei Jahre bei der Firma tätiger Arbeiter, der dazu Arbeiterausschußmitglied ist. vor anderen kürzere Zeit Beschäftigten entlassen werden muß, will den Arbeitern nicht einleuchten. Wenn aber der Betroffene durch die Entlassung auch noch um den Genuß der Ferien kommt, wirkt dies besonders aufreizend. Die Leitung der Goerz-Werke sollte sich ernsthaft darum kümmern, daß die mit der Schaffung von Wohlfahrtseinrichtungen ver- bundenen Absichten durch das plumpe Eingreifen untergeordneter Angestellter nicht ins Gegenteil verkehrt werden. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantF,� Achtung, Plätterinnen und Wäschereiarkieiterinnen! Der Streik in der Färberei und chemischen Waschanstalt„Ilse", Weitzensee, Lehderstraße 24/28, ist nach dreitägiger Dauer erfolgreich beendet. Nachdem die sämtjichen 29 beschäftigten Plätterinnen Lohnabzüge wegen die Arbeit eingestellt hatten, übertrugen sie die Regelung der Angelegenheit der Organisation der Wäschearbeiter, Neue Königstraße 6. Deren Bevollmächtigter Eue wurde zunächst von der Firma kurzerhand abgewiesen. Als Arbeitswillige traten an die leeren Plätze die Frau und das Dienstmädchen des Chefs sowie zwei jüngere Mädchen vom Kontorpersonal. Tie Streikenden blieben mustergültig geschlossen beisammen.' Ihre Streikposten be- nahmen sich in jeder Beziehung ruhig und anständig, informierten die auf Annonce kommenden Plätterinnen und diese kehrten um. Schließlich schloß die Verbandsleitung mit der Firma ein Ab- kommen, in dem es heißt: Die Arbeitsverhältnisse bezüglich Ar- beitszeit, Pausen usw. bleiben wie bisher. Weiter werden die Akkordpreise genau festgesetzt. Das Reinigen des Speisesaals und der Garderobe gehört nicht zu den Arbeiten der Plätterinnen. Strafgelder dürfen im Falle des Zuspätkommens nur nach vor- aufgegangener Verwarnung bis zu 16 Pf. ausgesprochen werden. Die Streiktage werden pro Tag und Arbeiterin mit 2,25 M. bezahlt. Maßregelungen wegen dieser Lohndifferenz oder Zugehörigkeit zur Organisation der Wäschcarbeiter dürfen nicht stattfinden. Darauf- hin traten alle Plätterinnen wieder in Arbeit. Weitere liebes- stände im Arbeitsverhältnis, wie Verhängung der Strafen, Un- sauberkeit der Wasserabflußsöcher, Nichtvorhcmdensein von Venti- sationen, Vernagelung und Verbot, die Fenster zu öffnen in den Arbeitsräumen, trotz Vorhandenseins einer Hitze von 45 bis 59 Grad Celsius, sind bei den Verhandlungen besprochen und werden für die Zukunft nicht mehr bestehen. Tie Sperre wurde daraufhin auf- gehoben. Die Plätterinnen können bei dieser Firma wieder Arbeit annehmen, Verband der Schneider und Wäschereiarbeiter, Filiale Berlin III, DeutfeKes Reich. Elektromonteurstreik in Hannover. Die Elektromonteure der Firma G. Fleischhauer in Hannover st ehe» seit Montag, den 18. September, i m Streik. Die Streiks bei den übrigen Firmen konnten im Laufe der vorigen Woche durcb Verhandlungen, welche durch Kommissionen für die einzelnen Geschäfte geführt wurden und bei welchen seitens der Firmen annehmbare Zugeständnisse gemacht wurden, beendet werden. Die Firma Fleischhauer verstand es, in der vorigen Woche die Verhandlungskommission durch Versprechungen von einem Tage zum anderen hinzuhalten. Zum Schlüsse erklärte die Firma dann, es würde überhaupt nichts bewilligt. Aus diesem Grunde haben die Monteure die Arbeit eingestellt und wollen sie nicht eher wieder aufnehmen, bis auch die Firma Fleischhauer als Letzte am Platze Zugeständnisse macht. Zuzug ist streng fernzuhalten. Der Kamps im Hamburger Holzgewerbe. Nachdem der Arbcitgeberschutzverband am 2. September die zwischen den beiderseitigen Vertretern vereinbartpn Friedensvor- schlüge abgelehnt hat, ist inzwischen eine wesentliche Verschärfung der Situation eingetreten. Da eine beträchtliche Anzahj Arbeit- gcber— und gerade die maßgebenden Firmen— mit der von der Majorität betriebenen Taktik nicht mehr einverstanden ist und eine Firma nach der anderen eine Verständigung mit den Arbeitern sucht, muß der Schutzverband alles aufzubieten suchen, um seine Reihen zusammenzuhalten. Eine neuerdings bei den bewilligten Firmen unternommene„Agitatianstour", um diese von neuem zum Anschluß an den Schutzverband und zur Befolgung seiner Taktik zu bewegen, sit gänzlich ergebnislos verlaufen. Der Schutzverband hatte bisher nach außen hin die Meinung zu erwecken versucht, daß der mit dem neuen Arbeitgeberverein abgeschlossene Vertrag in der Luft schwebe, weil dem Arbeitgeber- verein nur„27 Männekens" angehörten, die höchstens einige hun- dert Arbeiter beschäftigen. Mit dieser Taktik hat der Schutzverband jetzt gebrochen und sich anscheinend entschlossen, wenigstens in dieser Beziehung die Mehrheit gelten zu lassen. Er hat jetzt eine Sperr- liste über die bewilligten Betriebe herausgegeben. Er sagt dabei ausdrücklich, daß er nur die größeren Geschäfte herausgegriffen habe, nichtsdestoweniger enthält die Liste immer noch 63 Namen. Der Liste ist ein Begleitschreiben an die Holzhändler und Mate- rialienlieferanten angefügt, in dem es heißt: „Wir bitten Sie deshalb dringend, diesen Firmen Holz und Baumaterialien nicht verabfolgen zu wollen. Eine große Anzahl Ihrer Kunden hat sich entschlossen, es von Ihrem Verhalten mit Bezug auf die oben ausgesprochene Bitte abhängig zu machen, ob sie den Bedarf an Holz usw. weiter bei Ihnen decken." Der Arbeitgeberverein hat durch ein Rundschreiben an die Holzhändler und Materialienlieferanten dem Schutzverband einen Dämpfer aufgesetzt. Es heißt in dem Schreiben: „Es haben sich unserem Verein eine Reihe Firmen zur Ver- fügung gestellt, welche bereit sind, unseren von der Material- sperre betroffenen Mitgliedern Holz usw. zur Verfügung zu stellen. Für den größten Teil der Holzgewerbetreibenden und speziell nach der Zahl der beschäftigten Arbeiter, ist der Kampf im Gewerbe durch den abgeschlossenen Tarifvertrag erledigt und wir betrachten dieses auch nicht als eine„Schädigung des hiesigen Holzgewerbes", sondern sind vielmehr der Meinung, daß die vom Schutzverband getroffenen Maßnahmen keineswegs dazu bei- tragen, den so notwendigen Frieden im Gewerbe herbeizuführen. Vor allen Dingen müssen wir aber Anspruch darauf erheben, daß unsere Meinung ebenso respektiert wird als diejenige der Schutz- verbandsleitung. Es sind in unseren Reihen genügend erfahrene Männer vorhanden, welche wohl in der Lage sind, beurteilen zu können, was dem Gewerbe nützlich ist, und das Bedürfnis eines paritätischen Arbeitsnachweises, wie wir ihn eingerichtet haben, sür das hiesige Holzgewerbe als eine Notwendigkeit erachten. Gegen die Anwendung solcher terroristischer Mittel von feiten des Schutzverbandes, wie die Materialsperre über unsere Berufs- kollegen, müssen wir aber ganz energisch protestieren und werden wir mit allen unserer Organisation zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, diesem entgegenzuwirken. Wir möchten Sie deshalb bitten, nach wie vor den betreffen- den Firmen Holz usw. zu liefern und sehen Ihrer gefl. Rück- antwort baldigst entgegen." Des weiteren macht der Schutzvcrbandsvorstand öffentlich be- kannt, daß Arbeiter nur dann zu den alten Bedingungen eingestellt werden dürfen, wenn sie sich verpflichten, aus dem Holzarbeiter- verband auszutreten. In einer Versammlung der Streikenden wurde erneut bekundet, daß der Kampf nicht eher beendet wird, bis der mit dem Arbeitgeberverein abgeschlossene Vertrag auf der ganzen Linie durchgeführt ist. Die Holzarbeiter haben alle Ursache, den kommenden Dingen mit ruhiger Zuversicht entgegenzusehen, denn seit dem Tage der Arbeitgeberversammlung haben wiederum 26 Firmen die neuen Bedingungen anerkannt und die Arbeit ausnehmen lassen. Da aber der Schutzverband als Organisation den Kampf nicht beenden will, muß der Zuzug weiterhin ferngehalten werden. Differenzen im Bremer Bäckergewerbe. Am 1. April d. I. ist im Bremer Bäckeraewerbe ein Tarif- vertrag in Kraft getreten, wonach sich die Meister verpflichtet haben, das Kost- und Logiswescn abzuschaffen und dafür einen entsprechend höheren Lohn zu zahlen. Die Mehrzahl der Meister denkt aber gar nicht daran, das Versprechen zu halten. Das hat in den Reihen der Gesellen natürlich große Erbitterung hervor- gerufen. Eine vom Zentralverband der Bäcker und Konditoren einberufene öffentliche Versammlung hat deshalb zu dieser Frage Stellung genommen und die Gesellenausschüsse und die Verbands- leitung beauftragt, die umfassendsten Vorbereitungen zu einem Tarifkampf zu treffen, wenn die Bäckermeister den Positionen des Vertrages nicht nachkommen und insbesondere das Kost- und Logis- shstem nicht abschaffen.__ Zh. Glocke. Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdr.» Verlagsanstalt' Ein Streik der Chemnitzer Kartonarbeiterschaft ist durch Beschlutz einer starkbesuchten Versammlung in die Nähe geruck.. Die vor einigen Wochen eingeleitete Tarifbewegung wurde zu- nächst von den Fabrikanten ohne Beachtung gelassen. Die Zu- schriften der Streikleitung beantworteten sie nicht. Als aber die Streikleitung nicht locker ließ, wandten sich die Fabrikanten an den Verband sächsischer Industrieller zu Dresden, der nun die Ver- Handlungen nach einer persönlichen Rücksprache mit � dem Verbandsbeamten der Kartonagenarbeiter in die Wege leitete.~aä letzte Schreiben des Verbandes sächsischer Industrieller wünschte einen Aufschub der Verhandlungen um weitere 8 Tage. Die Leitung der Versammlung empfahl auch, dieses Entgegenkommen den Fabrikanten noch zu zeigen. Nach reger Aussprache beschloß aber die Versammlung mit drei Viertel Mehrheit, die Kündigung diese Woche noch einzureichen. Achtung, Mechaniker und Elektromonteure! Die Firma Gg. Kesel in Kempten(Allgäu), elektro- technische Werkstätte, hat sämtlichen Arbeitern gekündigt, weil sie sich der Organisation angeschlossen und in einer Betriebsversamm- jung zu den bestehenden Lohnverhältnissen Stellung genommen haben. Bevor irgendwelche Forderungen eingereicht waren, hatte die Firma die Kündigung vorgenommen. Zuzug ist daher streng fernzuhalten._ Husbrnd* Ter Streik der irischen Eisenbahner. London, 21. September 1911.(Eig. Ber.)' Der Streik auf den irischen Bahnen dauert mit unveränderter Schärfe fort und die Störung des wirtschaftlichen Lebens des Landes wird immer empfindlicher empfunden. Auf den ersten Blick scheint es, als sei das Streitobjekt— die Weigerung einiger Eisenbahner in Dublin, die Güter einer Firma zu befördern, deren Arbeiter gerade streiken— zu geringfügig, um deswegen eine allgemeine Streikbewegung einzuleiten. Man verwendet doch nicht gleich eine Dampfmaschine, um eine Fliege zu töten. Aus ähnlichen Anlässen ist es auch schon auf englischen Bahnen häufig zu Streitigkeiten gekommen, die aber stets in kurzer Zeit bei- gelegt wurden. Man mutz aber, um die Lage der Dinge zu verstehen, den erregten Zustand der Gemüter berücksichtigen, in dem den Menschen die Verhältnisse und Ereignisse in einem ganz anderen Lichte erscheinen als gewöhnlich. Den Gewerkschafts- beamten wird die irische Bewegung gerade jetzt, da man von den Berätungen der Untersuchunaskommission die Anerkennung_ der Eisenbahnergewerkschaften erhofft, nicht sehr angenehm sein. Leider haben aber augenblicklich die Vorstände der Gewerkschaften in Großbritannien keinen großen Einsluß auf die Handlungsweise der Mitglieder. Auch der irische Streik ist«ine spontane Massen- kundgebung, die die Gewerkschaftsführer notgedrungen mitmachen müssen. Die Lage hat sich in den letzten zwei Tagen wenig verändert. Dienstag abend faßte die Streikleitung folgenden Beschluß:„Wenn die Eisenbahngcsellschaften nicht aufhören, Leute, die sich weigern, die Waren von Firmen, deren Angestellten streiken, zu befördern, zu entlassen oder in irgendeiner Weise zu maßregeln, und wenn sie alle Leute ohne Bestrafung nicht wieder einstellen, so werden wir allen irischen Eisenbahnern den Auftrag geben, die Arbeit ein- zustellen, und werden weitere Maßnahmen treffen, die uns not- wendig scheinen, um unsere Mitglieder zu beschützen." Diese Resolution wurde mit einem Begleitschreiben, in dem um eine Besprechung ersucht wurde, an die Direktoren der verschiedenen Bahnen geschickt. Diese haben Resolution wie Schreiben einfach ignoriert. Sie erklären, daß sie wohl mit ihren eigenen Angestellten, nicht aber mit den Vertretern der Gewerkschaften ver- handeln wollen. Die hartnäckige Weigerung der Eisenbahndirek- toren, mit den Vertretern der Organisationen zu verhandeln, ist in erster Linie an der Fortdauer des Streiks schuld. Die Gewerk» schaftsbeamten fühlen, daß sie den Streit bald beilegen könnten, wenn sich die Direktoren in Verhandlungen einließen. Diese aber beharren bei ihrem Herrenmenschenstandpunkt, den die Eisenbahn- direktoren des Reiches als Parole ausgegeben haben. Ein Beamter des Handelsministeriums erschien gestern in Dublin, um die Ver- Mittlerrolle zu übernehmen. Verhandlungen zwischen den streiten- den Parteien scheinen denn auch eingeleitet worden zu sein. Diese Entwicklung scheint die Streikleitung bestimmt zu haben, mit der Ausführung des Beschlusses von Dienstag zu warten. Gegen Mitternacht nahm sie eine Resolution an, in der erklärt wird, daß man vorläufig von der Proklamierung des Generalstreiks aus den irischen Bahnen absehe, man werde aber Telegramme an alle Gewerkschaftsfilialen in Irland schicken, damit sich diese bereit hielten, zu streiken, sollten die Verhandlungen resultatlos ver- laufen. Aussperrung und Streik der Mailänder Buchdrucker. Rom, den 19. September.(Eig. Ber.) Die Unternehmer der Mailänder Buchdruckereien und-binde- reien haben ihre sämtlichen Arbeiter ausgesperrt. ES handelt sich um eine Differenz in der Auslegung des herrschenden Tarif- Vertrages. Die Zahl der Ausgesperrten beläuft sich auf 5909; unberührt von der Aussperrung bleiben etwa 2999 Arbeiter, darunter auch die Setzer und Drucker der Tageszeitungen. Der Zentrailverband der Buchdrucker hat beschlossen, auf die Aus- sperrung mit einem allgemeinen Streik im Mailänder Buchdruck- gewerbe zu antworten. Unter Stimmenthaltung der Lithographen wurde weiter beschlossene die geltenden Tarifverträge, als von den Unternehmern gebrochen, aufzusagen und einen Lohnzuschlag von 35 Proz. sowie Anerkennung des gewerkschaftlichen Arbeitsnach- weises zu fordern. Der Streik, der sich auch auf die Tageszeitungen erstreckt, ist am 19. d. M., wie schon kurz telegraphisch aemeldct, ohne Zwischenfall begonnen worden. &et2tc Pfcdm'chtcm Arbeit für die Henkersknechte. Kiew, 22. September.(W. T. B.) Das Kriegsgericht hat den Mörder Stolypins. Bagrow. zum Tode durch den Strang verurteilt._ Bergmannslos. Seuchen, 22. September.(B. H.) Auf der K ö n i g s g r u b e sauste heute die Förderschale in die Tiefe und tötete den Bergmann Lukasczyk sofort. Die anderen Bergleute kamen mit dem Schrecken davon. Selbstmord. Mannheim, 22. September.(W. T. B.) Die Mutter de» Millionendefraudanten Hetzler, die 56 jährige Lehrers» Witwe Marie H e tz l e r, hat sich mittags aus ihrer im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straße gestürzt und war sofort tot. Das Unwetter in Süditalien. Neapel, 22. September. Ueber die Folgen de» gestrigen Unwetters wird aus Torre del Greco gemeldet: Die Straßen sind unpassierbar, mehrere Häuser eingestürzt, die Wasserleitung ist unterbrochen, und die Erdgeschosse zahlreicher Häuser sind überschwemmt.— Auch aus San Giovanni a Teduccio, Portici und besonders aus Resina werden ähnliche schwere Unwctterschäden berichtet. Der Schlamm er- reicht beinahe die Höhe der Straßenlateruen. Die Orte sind vom Verkehr abgeschnitten; Gas- und Wasserleitungen sind zerstört.(Siehe auch unjer„Aus aller Welt".) jaul Singers: Eo-, Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«.NnterhaltungSbl. Ar. 223. 28. ZahrMg. 1. Stilnjt Ks„ilotmiitlü" ZM«abt«d, 2Z. Skplmber ISll. Sie kerliaei'„freie Volksbühne" «nü äie?eniur. Die„Freie Volksbühne", jene im ganzen Reich tmd darüber hinaus rühmlich bekannte Pflegstätte der dramatischen Kunst, welche den Berliner Arbeitern den Genutz hervorragender Bühnenwerke vermittelt, ist durch Verfügung des Polizeipräsidenten vom 23. Jubi 1910 der Zensur unterworfen worden. Gestern hatte das Oberver- wvltungsgericht als letzte Instanz über die Zulässigkeit dieser Matz- nähme der Polizei zu befinden. Der Berliner Polizeipräsident hatte in seiner Verfügung einfach die Vorstellungen des Vereins, wo nur Mitglieder des Vereins Zutritt haben, für öffentliche erklärt, weil der Verein— sehr groß sei.(Er hat jetzt über 18 009 Mitglieder.) Auch betonte er, dah die Mitgliedschaft erworben werde nur durch Zahlung eines Einschreibegcldes und des ersten Monatsbcitrages. Gesagt wurde dann: Die Mitglieder von Vereinen, bei denen der Er- wcrb der Mitgliedschaft an derartige geringe Voraussetzungen ge- inüpft ist, deren Mitgliedschaft so grotz und deren Organisation so lose ist, können aber als ein in sich geschlossener, bestimmt abge- grenzter Kreis von innerlich unter sich verbundenen Personen nicht angesehen werden werden. Da nun ein wesentliches Merkmal der Richtöffentlichkeit von Veranstaltungen darin zu erblicken sei, datz zwischen den einzelnen Personen, vor denen diese Veranstaltungen stattfinden, ein inneres Band vo» wechselseitigen persönlichen Be- ziehungen besteht und datz diese Personen einen in sich verbundenen, bestimmt abgegrenzten Kreis bilden, so müssen die Mitgliedervor- stcllungen der„Freien Volksbühne" als öffentliche angesehen werden. Sie unterfielen deshalb der Zensur. Der Vorstand der„Freien Volksbühne" griff die polizeiliche Verfügung durch die Beschwerde beim Oberpräsidenten durch Rechts- onwalt Dr. H. Heinemann an. Er betonte zunächst, datz es ein logischer Fehler sei, einen Verein, den man über ein Jahrzehnt als geschlossenen Verein habe gelten lassen, nun mit einem Male den geschlossenen Vercinscharakter abzusprechen, weil sich die Mitglieder- zahl wieder mal um ein paar Tausend vermehrt habe. Dann sei ober auch der Begriff des nach autzen„abgegrenzten Kreises inner- lich miteinander verbundener Personen" verkannt. Das bedeute doch nicht etwa, datz die Mitglieder eines Voreins alle oder gröhtenteils unter sich persönlich befreundet seien oder gar miteinander verkehren. Es genüge vielmehr vollständig, dah die Mitglieder durch ein ge- meinsamcs reales oder ideales Ziel derart miteinander verbunden seien, datz sich für sie alle der Wunsch und die Tendenz als notwendig ergebe, auf die Erfüllung eines gemeinsamen Zweckes hinzuwirken, und datz sie einem einheitlich gewollten Zweck ihre Mittel und ihre Kraft in bestimmter, gleichartiger Betätigung zur Verfügung stellten. Gerade bei der Volksbühne aber werde dieses Moment auf das in- tcnsivste erfüllt. Der Oberpräsident verwarf aber die Beschwerde und führte in der Hauptsache aus: Zum Begriff der geschlossenen Gesellschaft ge- höre ein nach außen abgeschlossener Kreis von Personen, welche durch »vechselseitige persönliche Beziehungen miteinander verbunden sind. Für die Herstellung des Bandes persönlicher Beziehungen genüge die Gemeinsamkeit des verfolgten Zweckes an sich noch nicht. Auch bei Vereinsveranstaltungen sei das Vorhandensein einer geschlossenen Gesellschaft zu verneinen, wenn die Mitglicderzahl so groß, die Zusamniensetzung eine so wechselnd« und die Voraussetzungen für den Erwerb und Verlust der Mitgliedschaft so geringe und leicht zu erfüllende sind, datz persönliche Beziehungen der Mitglieder unter- einander als ausgeschlossen gelten mühten. Nachdem das Erkennt- nis des Oberverwaltungsgerichts vom 24. Januar 1896 aus diesen Erwägungen bereits früher eine von dem Verein„Freie Volks- 6 bühne" veranstaltete Vorstellung als öffentliche angesehen hotte, sei der Verein zwar bestrebt gewesen, sich durch neue statutarische Bestimmungen über die Veranstaltung von geselligen Zusammen- künften sowie über die Aufnahme von Mitgliedern einen geschlosse- neren Charakter zu geben. Noch der gegenwärtig auf 18 500 ango- wachsenen Mitgliedcrzahl mühte indessen für ausgeschlossen gelten, datz die HersteUiing persönlicher Beziehungen zwischen den ein- zelnen Mitgliedern noch irgendwie tatsächlich in Betracht komme. Vielmehr sei ohne weiteres ersichtlich, datz das diese Mitgliederzahl verknüpfende Band im wesentlichen nur in dem Interesse an billigen Theateraufführungcn beliebiger Art bestehe. Der Polizeipräsident ginge von ganz richtigen Erwägungen aus, wenn er auch die Mit- gliedemransmltungcn der„Freien Volksbühne" als öffentliche be- handele, weil die Teilnehmer eine„geschlossene Gesellschaft" nicht bildeten. Der Borstand klagte nun beim Oberverwaltungsgericht, vor dessen erstem Senat gestern Termin zur mündlichen Verhandlung l anstand. Der Vorstand war durch Rechtsanwalt Dr. H. Heine- »mann, der Oberpräsident durch Regiernngsrat Dr. Lindenau ver- � treten. Rechtsanwalt Dr. H. Heinemann entwickelte die schon in der Beschwerde vertretene Auffassung noch näher und führte ferner aus: Allerdings sei auszugehen von der Judikatur, wonach es sich um eine„geschlossene Gesellschaft" handele, wenn ein nach außen abgeschlossener Personenkreis vorliege, dessen Teilnehmer durch wechselseitige Beziehungen innerlich untereinander verbunden seien. Usw. Man würde doch aber sehr an der Oberfläche bleiben, wenn man z. B. lediglich die mechanische Zahl(der Mitglieder) entscheiden lassen wollte. Danach allein könne nicht entschieden werden. Die Frage sei vielmehr:„Sind persönlich« Beziehungen wirklich vor- handen?" Datz dies bei der„Freien Volksbühne" der Fall sei, wies der Anwalt an der Hand der jetzigen Statuten und unter Darlegung des Vereinslebens, wie es sich in der„Freien Volks- bühne" tatsächlich gestaltet, eingehend nach. Insbesondere betonte er, datz sich die Mitgliedschaft in Abteilungen gruppiere. Es seien immer dieselben Mitglieder, die die allmonatlichen Vorstellungen der Abteilung besuchten. Sie lernten sich nicht nur hier persönlich näher kennen, sondern es beständen auch schon die verschiedensten pevsönlichn Beziehungen aus dem sonstigen Leben der Mitglieder, die fast durchweg der Arbeiterklasse angehörten und politisch meist auf demselben Standpunkt ständen, sowie meist gewerkschaftlich organisiert seien. Daß alle miteinander verkehrten, sei nicht er- forderlich. Im übrigen entschide über Neuaufnahmen erst der Vorstand. Es genüge nicht die bloße Anmeldung bei der Zahlstelle. Dafür sei Beweis angetreten. Nun sage der Oberpräsident, der große künstlerische Gedanke, der etwa ein gemeinschaftliches Band geben könnte, würde nicht ganz durchgeführt, weil auch Stücke leichteren Inhalts gegeben würden. Der Vorstand stelle dem- gegenüber unter Beweis, daß dies nur in ganz verschwindendem Matze der Fall sei. Der größte Teil der Stück« fei ernster Natur und von durchaus hohem künstlerischem Werte. Man werde nicht sagen können, es sei mit einem Male aus der„geschlossenen Ge- scllschaft", als die auch der Polizeipräsident mehr als ein Jahrzehnt lang nach der Neugründung(1897) die„Freie Volksbühne" aner- kannt habe, ein öffentlicher Verein geworden, weil die Bevölkerung ihm ein so großes Vertrauen entgegengebracht und sich in immer größerer Zahl angeschlossen habe. Regierungsrat Dr. Lindenau hielt sich in seinen Darlegungen im wesentlichen im Rahmen dessen, waS Polizeipräsident und Ober- präsidcnt ausgeführt hatten. Neu war, datz er betonte, gegen das Programm der„Freien Volksbühne", gegen seinen künstlerischen Wert, solle keinerlei Einwand erhoben werden. Es wäre doch aber immerhin nur dieselbe künstlerische Kost, die auch jeder andere Theaterbesucher von gutem(steschniack genieße. Nicht darum handele es sich, die künstlerische Tendenz der„Freien Volksbühne" anzugreifen, sondern festzustellen, datz es sich bei der„Freien Volks- bühne" nur darum handele, den interessierten Personen auf mög- lichst leicht« und bequeme Weise den Besuch von Theatervorstellungen zu ermöglichen und datz diese Vorstellungen sich nicht unterschieden von anderen durch die Theaterleitungen veranstalteten öffentlichen Vorstellungen. Weil dies aber der Fall sei, habe die„Freie Volks- bühne" kein Recht, ihre Vorstellungen polizeilich anders behandelt zu sehen, wie andere Theatervorstellungen. Nach einer Erwiderung Dr. Heincmnnns zog sich der Gerichts- Hof unter Vorsitz des Präsidenten Vitter zur Beratung zurück. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende dah die Entscheidung „ausgesetzt" werde. Das bedeutet, daß das Urteil lediglich durch schriftliche Zustellung an die Parteien verkündet werden wird. Lerlin auf äer AleltaussteUung in �unn. Turin, 20. September. Brn Ende des deutschen AusstellungSpalastes in Turin, da, Ivo man durch eine Ausgangspforte zur amerikanischen Abteilung und in die Obsthäfen Kaliforniens gelangt, mutz man ein riesiges Modell umgehen, das wie ein Wald mit großen Hotels und Pensionen ans- sieht. Es ist das Modell der Arbeiter-Heilstätten in Beelitz, die mit ihren 1 400 000 Quadratmetern Flächeninhalt genau die Größe des Valentinoparks hat, der jetzt von der Weltausstellung beherrscht wird. Daneben paradiert eine Extraausstellung von Ludwig Löwe u. Co. in Berlin mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen nebst einer Teeküche, die den Arbeitern besagter Firma in zehn Jahren angeblich 438 746 M. erspart haben soll.... Diese beiden Objekte bilden den Rahmen dessen, WaS die Stadt Berlin in der nicht ganz zutreffend betitelten„Ausstellung für Volkswohlfahrt" zeigt. Da die meisten anderen eingeladenen Städte abgesagt haben, prangt hier die Reichshauplstadt mit Hamburg allein und genießt so den Vorzug, wenigstens beachtet zu werden. Die Auswahl der zur Schau gebrachten Gegenstände ist eine recht vorsichtige zu nennen. Sie betrifft hunmniläre und Schul- augelegenheiten sowie kommunale Notwendigkeiten; drei Gebiete also, auf denen die Italiener, die ja das Gros der Besucher stellen. noch viel von uns lernen köunen— und wollen. Nur muß es eben deshalb als mangelhaft bezeichnet werden, datz man die Erlnute- rungen zu den Modellen, Photographie» und graphischen Dar- stellungen nur in deutscher, nicht auch in italienischer oder fran- zösischer Sprache gegeben hat— ein ebenso großer Fehler wie der, daß die Charlottenburger Waldschulen und transportable Schulen, System Drecker, die mir im Berliner Zimmer hängen, nur italienische Bezeichnungen tragen(LsdiAliom-souola delle citta di Cbarlotten- burg usw.). Wieviel Deutsche sprechen denn italienisch? Und erst gar: Wer von den Italienern, Franzosen, Engländern usw. sprich! deutsch? Sagt man's doch gerade in Italien offen heraus: absichtlich nicht Deutsch zu lernen, weil man die Deutschen nicht liebe.(Lü occore non di sapere questa lingua, sagen sie, wir haben nicht nötig, diese Sprache zu sprechen.) Unter diesem Mangel leidet sibrigeus die gesamte deutsche Ausstellung wie deren Katalog. In drei Zimmern hat Berlin die Ausstellungsobjekte unter- aebrackit. Was zuerst sichtbar wird, ist da? Modell des„Alte-Leute- Heims" in B u ch mit seinen Gärten, Wäldern und 22 Bauten. Eine knappe Erläuterung über Zweck und Wesen dieser schönen Einrichtung wäre gewiß nur eine kleine Mühe und doch für alle Besucher höchst wertvoll gewesen. Leider versäumte man sie hierbei ebenso wie bei fast allen anderen Gegenständen. Das ist sehr schade, denn so nüchtern und kahl kommen begreiflicherweise die sonst sehr lehrreichen cgqder und Diagramme lauge nicht genug zur Geltung. Ringsum sind die Wände geschmückt mit Zeichnungen und «botoaraphicn der wichtigsten kommunalen Einrichtungen Berlms. Man gewinnt bei diesem Studium einen Einblick w das rmponie- lilalnzer nnsittlichheltsfcljnüffler. In dem seit Dienstag in Mainz geführten Prozeß, in dessen Mittelpunkt die Polizeiassistentin Frau Dr. Schapiro sieht, wurde gestern mittag die Beweisaufnahme beendet. Die Verhandlungen der vier Tage ergaben die völlige Hinfälligkeit der Behauptungen, Frau Dr. Schapiro habe, als Kellnerin, als Theaterdame und in anderen Maskeraden verkleidet, umherspioniert, und ähnlichen Tratsches. Hingegen wurde in einer Reihe von Fällen erwiesen, datz Mädchen, die keineswegs gewerbsmäßig Unzucht trieben, auf De- nunziationen hin wegen unschuldiger Liebeleien oder wegen Verkehrs mit Prostituierten vor die Polizeiassistentin geladen und dort rende Schulwesen der Stadt, in das Fürsorgewesen für Kranke, in die Art der Wasser- und Gasversorgung und manches andere mehr. Tie Rieselfelder, das wuchtige Rudolf-Virchow-Krankenhaus, die Irrenanstalt für geisteskranke Verbrecher in Buch(im Modell vor- geführt), da? städtische Gut bei Bernau, das UntersuchnugSamt für hygienische und gewerbliche Zwecke, die Volksbadeanstalt an der Gerichtstratze, die Heimstätte für brustkranke Männer in Buch und Teile des Wasserwerkes sind in großen, gut ausgeführten bildlichen Ausführungen vertreten, von denen narnentlich die Bilder über daS Virchow-Kranlenhaus viel Bewunderung erwecken. Von der neuen Gasanstalt in Tegel handeln eine ganze Reihe unter Glas eingerahmter Bilder, die u. a. auch die Schutz- und Hilfsvorrichtungen bei Gasvergiftungen veranschaulichen. Zwei lveitere Bilder zeigen die Beleuchtung der Königgrätzer und Greifs- walder Straße mit dem neuen Preßgas, das, wie es scheint, eine ungeheuer starke Helligkeit eutlvickelr i denn auf den Bildern sind sogar die unteren Flächen der elektrischen Drähte der Straßenbahn silberhell erleuchtet. DaS städtiscbe statistische Amt ist mit unifangreichen, sauber ge- arbeiteten Statistiken vertreten, die u. a. die Gliederung der Sterblichkeitsziffern von 1902—1006 ankünden, sowie einen lieber- blick geben über die Sterblichkeit der Säuglinge u. a. m. Schön sind die vorgeführten Volksschulen in der Bötzow-, Sonnenburger und Driesener Straße, sowie das Modell der Schule an der Pank- und Wiesenstratze. Moderne Bauausführung, ge- räumige Haltung, luft-, licht- und sounespendende Fenster und vor- nehm schlichte Fassaden wirken auch aus den betrachtenden Laien. Für den, der noch die Schulen„von dazumal" besuchen mußte, wirken ja diese modern eingerichteten Schulen imponierend— ganz von denen zu schiveigen, die nur die ostelbischen oder oberschlcsischen „Schulpaläste" zu sehen Gelegenheit hatten. Aber an die nieisten Schulen der Schweiz z. B. reichen auch die hier gezeigten schonen Gebäude der obengenannten vier Straßen noch nicht heran. In Genf, Zürich, Bern, Basel. St. Galle», ja sogar in vielen kleinen bis kleinsten Orten der Kantone findet man noch weit schönere, ge- fälligere und imposantere Volks-(Primär-) Schulbauten, die oben- drein noch den weiteren Vorzug haben(den die Berliner leider nicht haben könne n), daß sie durchweg auf den schönsten und höchst- gelegensten, luftigsten und sonuigsteu Plätzen stehen. Und, daß sie außerhalb der Unterrichtszeit de» Jugendorgauisationeu, wie auch allen politischen Parteien zu Beratungen, Versammlungen und Kongressen unentgeltlich zur Verfügung stehen. Neunen wir zum Schluß noch das städtische Wasser-(Müggelsee) werk, das in großen Photographien aushängt,— leider ohne tabellarische Erklärungen und liebersichten über die Wirksamkeit u. a. m. — so. haben wir alles aufgezählt, was Berlin in Tnrin beisammen hat. Daß nicht auch die städtische Straßenbahn als Regiebetrieb gezeigt werden kann, daran sind die schlauen berlinischen Kommunalpolitiker säiuld. die seinerzeit den Anschluß verpaßten und Paul Singers dorthinzielende Anregungen stets als „Umsturz" oder Zukunftsmusik" in den Wind schlugen. Gerade in Turin mit seinem weitverzweigten Netz der Traniway, mit seinen Stratzenbahnrückfahrkarten und autzerordentlich billige» Tarifen — allerdings unter ihrer Zustimmung— einer ärztlichen Untersuchung ihrer geschlechtlichen Unbescholtenheit unterworfen sind. Derartige Sittlichkeitsschnüffclcien sind empörend und durch daS Gesetz nicht gerechtfertigt. Sie sind Folgen des Systems der Polizei- kontrolle überhaupt, deren Beseitigung dringend erforderlich ist. Die Polizeiassistentin selbst scheint in keinem dieser Fälle selbständig bor- gegangen zu sein, sondern nur als ausführendes Organ ihrer Vor- gesetzten gehandelt zu haben. Die zwangsweise Gestellung von Mädchen unter der bcweislichen Behauptung, sie trieben gewerbs- mäßige Unzucht, wird mit Recht— mögen Denunziationen nach' der Richtung hin auch vorliegen— als eine der gröblichsten und unsittlichsten Beleidigungen gegen unschuldige Mädchen empfunden. Die Mainzer Polizei hätte sich vor solchen Verfchlnugen um so mehr zu hüten, als unter ihre» Augen in Mainz Bordelle bestehen, also Kuppelei getrieben wird. Durch- aus unrecht hatte der Angeklagte, als er wegen Draugsalieriing der Bordelle der Polizeiassistentin Vorwürfe, nachte. Nicht ein zu rigorose?, sondern ein zu laxes Vorgehen gegen die Bordelle fällt der Polizei zur Last. Der Polizeiassistcntiu aber kommt daS Verdienst zn, innerhalb des durch ihre Vorgesetzten ihr gezogenen Rahmens wenigstens in etwas das Los der in den Vordellen ausgebeuteten Opfer gemildert zu haben. Ihr Wirken erhellt aus folgender Schilderung. Vor dem Eintritt der Frau Dr. Schapiro in den Polizeidienst hatte jedes Bordellmädchen in Mainz von ihrer wöchentlichen Ein- nähme von vornherein die Hälfte an ihre Wirtin zu zahlen, ohne dafür anch nur die geringste Gegenleistung zu erhalten. Alsdann zahlte sie für Kost und Logis jeden Tag 6 M., ferner wöchentlich fiir Krankenkasse 2 M., Bedienung 2 M., Arzt 2 SKI., für Heizung bis zu 10 M., für Wäsche manchmal bis zu 20 M., für Licht und Kerzen bis zu 5 M.. für Frisieren 6—6 M. Blieb trotz dieser schamlosen Ausbeutung des Elends noch Ueberschuß vorhanden, so wurden die Mädchen meist gezwungen, alle ihre Garderoben- und Wäschebedürfnisse bei ihrer Wirtin oder wenigstens durch ihre Vermittelung zu decken und zwar zu so enorm hohen Preisen, daß ein Mädchen, und wenn es jahrelang im Bordell blieb, selten einmal aus den Schulden herauskam. Hatten sie trotz alledem das Glück, etwas zu sparen, so wurde ihnen der Spargroschen noch vor- enthalten. So wurde ein Mädchen, das nach mehrjährigem Aufenthalt in solcher Knppelbude abreisen wollte und nach ihrer Berechnung etwa 3000 Mark herauszubekommen hatte, von der Wirtin bedeutet, daß sie nur höchstens 30 M. auf der Kasse stehen hätte. Erst nachdem sie gedroht hatte, die Sache zur Anzeige zu bringen, und nach langen Unterhandlungen zahlte ihr die Wirtin 1000 M. heraus, wobei das Mädchen aber unterschreiben mußte, datz sie nichts mehr zu fordern habe. Die Preise, die für die gekauften Gegenstände in den Bordellen berechnet wurden, waren außer- ordentlich hoch: Korsetts 36 M., Salouschuhe 12— 20 M., andere Schuhe 36 M., Kleider zu 180—200 M.. Wäsche zu schwindelnd hohen Preisen, Hüte zu 50—60 M. waren etwas Alltägliches. Die Abänderungen, die das Polizeiamt auf Drängen der Frau Dr. Schapiro zugunsten der so Ausgebeuteten verfügte, waren folgende: 1. Die Kontobücher der Mädchen müssen jede» Sonnabend nadb» mittag auf das Polizeiamt zur Kontrolle gebracht werden. 2. Es muß jede Woche mit den Mädchen abgerechnet und das Guthaben den SKkiidchen in bar ausbezahlt werden. Der Empfang des Geldes ist durch Unterschrift zu bestätigen. 3. Es darf nichts an die Mädchen verkauft oder ihnen auch nur besorgt werden, seien eS mm Kleider, Wäsche oder Gebrauchsgegenstände aller Art. 4. ES dürfen die Bordellinhaber den Mädchen nichts„borgen". 5. Für Kost und Wohnung einschließlich Bedienung. Bettwäsche. Handtücher und Servietten darf höchstens die Hälfte der Einnahme der Mädchen be- rechnet iverden. Gegen diese Einschränkungen in der Ausbeutung liefen die Bordcllhalterinuen Sturm. Sie behauptete», sofort die Häuser schließen zu müssen, da es nunmehr unmöglich sei. auch nur bestehen zu können. Sie versuchten auf alle Art und Weise die alten Ver- Hältnisse tvieder herzustellen, machten Eingaben an das Polizei- amt, an die Bürgermeisterei und erst als sie sahen, daß alles zweck- Xv? sei, fügten sie sich. Merkwürdigerweise ist bis heute kein einziges Haus geschlossen worden. Das eine wurde sogar, trotz der Ein- schränkunge», vor kurzem sür den Preis von 150 000 M. verkauft. Frau Dr. Schapiro versuchte auch, wie sie behaupter, nicht ohne teil- iveisen Erfolg, die Mädchen zum Sparen anzuhalten. Das Bestreben auf Besserung der Lage der Bordellinsassen zog der Polizeiassistentin lebhafte Anfeindungen von Leuten zu, die ihr (10 Centesimi— 8 Pf. I) und trotzdem hohen Ueberschüssen für die Steuerzahler kommt einem so reckt zum Bewußtsein, wie schwer sich die Berliner RathanS-Freisiimige» an der reichshauptstädtischen Bevölkerung vergangen haben, als sie das Riesenwerk örtlicher Per- souenbeförderung einem Häuflein profitgieriger Privatkapitalisten überließen I DaS hätte man in Turin auch nock zur Anschauung bringen sollen anderen Städten Europas zur Warnung I _ Robert Albert. Kleines feinlleton. Ein Denkmal der Revolution im Pariser Pantheon. Im Pantheon von Paris, dem Ehrentenipel, den die Nation der Er- imierung an ihre großen Männer getveiht hat, sollen denmächst von Bildhauer Sicard geschaffene monumentale Gruppen enthüllt werden, die eine grandiose Verherrlichung der Revolution darstellen. Das ganze Denkmal baut sich in einem prächtigen Formen- und Linien- rhylhmus. Auf der einen Seite sind die Mitglieder des Konvents dargestellt, die der Nation ihren Eid ablegen, auf der anderen die Armee der Freiwilligen, die in den Krieg ziehen. Darüber erhebt sich eine Statue, die Frankreich verkörpert; zu ihrer Reckten steht ein Denker und zur Linken ein Symbol des Volkes, verkörpert in den Figuren eines Philosophen und eines Arbeiters in der Trackt des 18. Jahrhunderts. DaS Denkmal tvird sich schon in wenige» Tagen den Besuchern des Pantheon präsentieren, doch ist die Aufstellung nur eine vorläufige; cS ist nur ein Modell des Werkes. Die einzelnen Stücke werden erst in Guß gegeben und sollen gegen Ende des Jahres vollendet sein. Die feierliche Ein- weihung wird dann durch FalliöreS noch vor Ablauf feiner Amtszeit erfolgen. Greise als Wettschwimmer. Im Serpentiue-Teich im Londoner Hydepark fand neulich eine originelle sportliche Veranstaltung statt. Es handelte sich um ein Wettschwimmen, das acht Greise an den Start brachte, die zusammen 501 Lebensjahre zählten und von denen der älteste aus 84 Jahre zurückblickt. Die zu durchschwimmende Strecke maß 46 Meter und mußte in den 5llcidern durchschwömmen werden. Als Sieger ging aus dem Wettschwimmen ein 79jährigev hervor, der in 55 Selunden rund 2 Meter vor seinen Mitbewerbern anS Ziel gelangte. Hsvior und Satire. Das Prestige Deutschlands im Orient.„Warum mag der allmächtige, große, weiße Sultan fein in Tanger gegebenes Versprechen nicht einlösen?!"—„Das weiß Allah! Wahrscheinlich gibt es irgendwo einen Sultan, der noch allmächtiger und größer ist!" Das Volksfest spiel„Die Orestie" auf der Münchcner Oktoberiviese. Die Erinnyen zu Orestes:„Zahlst a Maß Bier. Haderlump, elendiger? I" Bonzenmoral.„Jessas, die Hitz I und dabei derf'n mer froh sei, daß mer's hob'n, denn auf wen sollten mer sonst die Schuld an der allgemeinen Teuerung abwälzen!"(.Jugend.") borwarfen, sie wolle„die Bordelle zu moralischen Anstalten' machen. Von solcher Stimmung waren auch die zur Anklage gestellten Artikel erfüllt. Nach Schlug der Beweisaufnahme versuchte der Verteidiger des Angeklagte einen Vergleich durch folgenden Vorschlag herbeizuführen:.Der Angeklagte will in Frieden von dieser Stätte scheiden. Er hat sich, das kann ich ohne weiteres erklären, durch die Beivei-Zaufiiahme überzeugt, dag et in den meisten Fällen falsch informiert war und daher seine Behauptungen in bezug auf die beiden Nebenkläger nicht aufrecht erhalten kann. Er will deshalb die Erklärung abgeben, dast er in gutem Glauben an die Richtigkeit des ihm übertragenen Materials gehandelt habe, die völlige Integrität der beiden Nebenkläger anerkenne und sämtliche Kosten übernehmen wolle. Es fragt sich, ob die Nebenkläger damit einverstanden sind." Die Nebenkläger lehnten jeden Vergleich ab. Nach längerem Plaidoyer beantragte der S t a a t s a n>o a l t die exorbitant hohe Strafe von einem Jahre wegen Beleidigung des Beigeordneten Berndt und von neun Monaten wegen der Be- leidigunge» der Frau Dr. Schapiro. Zur allgemeinen Ueberraschung teilt dann der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Mees mit, daß die Urteilsverkündi- g u n g auf den 2 9. September d. 8?i Uhr vormittags, su-gesetzt werde._ Em der parte!* Ein Parteigenosse als Generaldirektor der Statistik. Man schreibt uns aus Rom: Genosse Monte martini, der Direktor des italienischen Reichsarbeitsamtes, ist zum General- direktor der Statistik ernannt worden, nachdem Arbeitsamt.und statistisches Amt verschmolzen worden sind. Die Statistik des italienischen Staates ist durch den bekannten Statistiker und Demo- graphen Bodio auf-ihre heutige Höhe gerückt worden und kann in mancher Hinsicht für vorbildlich gelten. Als Bodio wegen vor- gerückten Alters zurücktrat, wurde De Negri zum Generaldirektor ernannt. Nach dessen Tode leitete der Statistiker Raseri das statistische Amt interimistisch. Nun ist auch Nasen im vollen Mannesalter im Juli dieses Jahres gestorben, und an seine Stelle tritt eben Montemartini, der seit vielen Jahren organisierter Parteigenosse ist und als solcher auch Stadtrat in der römischen Kommunalverwaltung._ Aus Württemberg. Den Redakteuren der„Schwäbischen Tagwacht" in Stuttgart, Westftmeher und K r i l l e, ist vom Landes- vorstand am 19. September auf den 1. Oktober gekündigt worden, obwohl die Kündigungsfrist der beiden Redakteure bis zum 1. Januar läuft. Der Landesvorstand kommt mit dieser Kündi- gung einem Beschlutz der Landesversammlung nach. Immerhin erscheint die Matznahine des Landesvorstandes übereilt, und zwar aus folgendem Grunde: Die Landesversammlung hat auch die Einsetzung einer Pretzkommission beschlossen, zusammen- gesetzt aus vier Vertretern des 1. württembcrgischen Wahlkreises stStuttgart-Stadt und-Amt), zwei Vertretern des 2. Wahlkreises �Cannstatt-Ludwigsburg) und einem Vertreter des 4. Wahlkreises stBöblingen-Leonberg). Dieser Pretzkommission wurde die Aufgabe zugewiesen, zusammen mit dem Landesvorstand' die prinzipielle und taktische Haltung der„Schwäbischen Tagwacht" zu überwachen und gleichberechtigt mit dem Landesvorstand über die Redaktions- Verhältnisse(Entlassung und Anstellung der Redakteure) zu ent- 1. Oktober in Tätigkeit treten, da die Kreisgeneralversammlungen, die die Pretzkommissionsmitgliedcr zu wählen haben, erst am 1. Oktober stattfinden. Wir hoffen, datz das überschnelle Vorgehen des Landesvorstandes nicht den Zweck hat, der Pretzkommission jede Möglichkeit zu nehmen, bei der Neubesetzung der Redaktion mit- zuwirken und damit auf die prinzipielle und taktische Haltung der „Schwäbischen Tagwacht" Einfluß zu gewinnen. Wir sind der Meinung, daß es zur Beilegung der unliebsamen Stutt- garter Differenzen beitragen kann, wenn der Landes- vorstand wartet, bis er die Neuregelung der Redaktions- Verhältnisse in der„Schwäbischen Tagwacht" in Gemeinschaft mit der Pretzkommission vornehmen kann. Außerdem gehört zweifellos die Neubesetzung der Redaktion zu den Fragen, bei deren Lösung nach dem Beschluß des Jenaer Parteitages der Partei- v o r st a n d mitzuwirken hat._ Die Organisationen zum Jenaer Parteitag. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Augsburg wurde nach einem Bericht deS Genossen Rollwagen über die Verhandlungen des Jenaer Parteitages folgende Resolution angenommen: „Die heute, den 18. September, im„Wittelsbacher Hof" tagende, gut besuchte Mitgliederversammlung des sozialdemo- kratischen Vereins Augsburg-Wertingen spricht ihre Befriedi- gung aus über den glatten und erfolgreichen Verlauf des Parteitages in Jena und erklärt sich mit der Haltung unseres Delegierten einverstanden. Die Versammelten sind überzeugt, daß nur durch Einigkeit und Geschlossenheit innerhalb der Reihen der Parteigenossen unsere Partei die bevorstehenden schweren Wahlkämpse siegreich durchführen kann. Tie Genossen und Genossinnen verpflichten sich demgemäß, mit allen Kräften für die strikte Durchführung der Beschlüsse des Parteitages Sorge zu tragen. Die Versammelten verpflichten sich ferner, mit allem Nach- druck für Gewinnung neuer Mitglieder für den sozialdemokrati- sehen Verein und für Gewinnung neuer Abonnenten für die Parteiprcsse, die„Schwäbische Volkszeitung", zu wirken." polizeiliches, Gerichtliches ulw. Wegen Beleidigung deS Leipziger Aerzteverbanbes wurde vom Schöffengericht in Leipzig Genosse K e m p k c n s, Redakteur der „Rheinischen Zeitung" in Köln, zu 159 M. Geldstrafe und der praktische Arzt Dr. Baum aus K ö l n- D e u tz�, der sich als Ver- fasser des unter Anklage stehenden Artikels genannt hatte, zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Kläger waren die Vorsteher deS Leip- ziger Aerzteverbanbes, Dr. Götz und Dr. Hartmann, die sich durch den Artikel der„Rheinischen Zeitung", der sich in der Hauptsache mit den ärztlichen Ehrengerichten beschäftigte, beleidigt fühlten. Die Verurteilung erfolgte lediglich wegen formaler Beleidigung. Interessant ist, daß das Leipziger Gericht sich für zuständig er- klärte, obwohl nur ein Tauschexemplar der„Rheinischen Zeitung" nach Leipzig gelangt. Haussuchung in der Redaktion der Ehcmnibcr„Volksstimmc". Donnerstagvormittag in der elften Stunde erschien in der Re- daktion der Chemnitzer„Volksstimme" ein Kriminalbeamter, um im Auftrage der Staatsanwaltschaft bei dem Redakleur Max Müller zu haussuchen. Er durchsuchte denn auch die gesamten Schränke, Pulte usw. Als Grund für die Haussuchung wird an- geführt, es werde das Original eines Briefes gesucht, der in der „Bolksstimme" abgedruckt wurde, und der von einem Pastor oer Johann-Georgenstadt an den dortigen Stadtrat geschrieben worden war. Selbstverständlich ist der Brief in der Redaktion der„Volks- stimme" nicht gefunden worden. Preßprozesse. Im„Bornaer Tageblatt" war die Behauptung aufge- stellt, cs solle eine gelverkschaftliche Kriegskasse gegründet werden, zu der jeder organisierte Arbeiter 5 Pf. Beitrag leisten müsse. Im Anschluß hieran hatte sich das-..Bornaer Tageblatt" noch über die Höhe der Beiträge der organisierten Arbeiter verbreitet und daran hämische Bemerkungen und Ivahrheitswidrige Behauptungen ge- knüpft. Die„Volkszeikung für das Muldcnthal" hatte diesen Artikel als vom Reichsvcrband herstammend bezeichnet und gesagt, die Reichsverbandslugcnmäuler seien im Schwindeln unverwüstlich. General V. L i e b e rk und Dr. Bovenschen verklagten daraufhin den Redakteur B a h r d t und erzielten seine Verurtei- lung zu 200 M. Geldstrafe. Im April d. I. hatte Genosse Redakteur Zorn vom Saal- selber„V o l k s b l a t t" sich in einem Artikel mit dem Malz- fabrikanten Prossen in Melkershausen beschäftigt, der einen alten, 16 Jahre bei ihm tätigen Arbeiter entlassen hatte. Prossen fühlte sich beleidigt und lief zum Kadi. Das Schöffengericht in M e i n i n g e n, vor dem die Ver- Handlung stattfand, verurteilte den Genossen Zorn zu drei Wochen Gefängnis, obwohl der Wahrheitsbelveis für die behaupteten Tatsachen erbracht wurde. Zu einer Gefängnisstrafe kam das Gericht, weil, wie der Vorsitzende meinte, eine Geldstrafe doch nur aus der sozialdemokratischen Parteikasse bezahlt werde. Btos InduFtnc und ftandcl. Gcldsorgen. Die in den letzten Wochen erfolgte Zurückziehung beträchtlicher französischer Lkopitalien vom deutschen Geldmarkt hat die Auf- merksamkeit auf die Verknüpfungen gelenkt, die zwischen den Finanz- instituten der beiden„Erbfeinde" bestehen. Die.Humaniiö" hatte schon vor geraumer Zeit in einer Artikelreihe Material über die Versorgung der deutschen Industrie und des deutschen Militarismus mit den bei den französischen Banken hinterlegten Geldern mit- geteilt.„Die Finanzwelt" vom 5. September berichtet, seit Anfang Juli seien mehrere Hundert Millionen Frank aus Deutschland zurück- gezogen worden. Leroy- Veaulieu bezeichnet diese Beträge auf 600 und der„Matin" gar weit über 1200 Millionen. Die„Nordd. Allg. Ztg." hält«s für notwendig, gegenüber den Meldungen, datz durch das Zurückziehen fremder Kapitalien Deutschland in schwere Kalamitäten geraten sei, uitsere Finanzkraft heraus- znstreichen. Sie schreibt u. a.: „Gegenüber den in der letzten Zeit im Auslände verbreiteten Nachrichten über die finanziellen Verhältnisse und den Stand der Banken in Deutschland kann nicht scharf genug betont werden, datz sie durchweg der Begründung entbehren und zumeist aus ein direktes Uebelwollen gegen Deutschland zurückzuführen sind. Sie be- gannen mit derBeurteilung der scharfen Rückgänge an einem Tage der letzten Börfeilwochen, obgleich bereits vorher in Paris, ferner in London, New-Aork und Brüssel sich gleichartige Schwierigkeiten im Börsenverkehr gezeigt hatten. Am Berliner Platze sind die da- maligen Kursverluste überwiegend bereits eingeholt worden. Ebenso sind die gleichzeitig auftretenden Gerüchte von umfang- reichen Angstabhebungen bei den Sparkassen nicht enist zu nehmen und schießen weit über das Ziel hinaus; denn tatsächlich sind sie rein lokaler Natur und ohne die geringste Bedeutung. Die Ab- Hebungen insgesamt bei den in Betracht komnienden vier Sparkassen beziffern sich auf einige Millionen Mark gegenüber einem Anlage- bestand von zirka sechzehn Milliarden Mark bei den deutschen Sparkassen überhaupt. Die finanzielle Lage Deutschlands hat ihre Widerstandskraft in letzter Zeil zur Genüge unter anderem darin erwiesen, datz die hierher gegebenen ausländischen Guthaben, die Anfang dieses Jahres aus säst 800 Millionen Mark geschätzt wurden, bis auf einen geringen Bestand zurückgezahlt worden sind, ohne daß der hiesige Geldmarkt irgendwelche Erschütterung erlitten hätte. Im übrigen hat es sich dabei— wiederum im Gegensatz zu den hierüber verbreiteten Meldungen— keinesivegS uni Kündigunzen des Auslandes, sondern lediglich um ohnehin fällige Verbindlichkeiten gehnudelt..." Datz wir so finanzkräftig sind, ist jedenfalls sehr erfreulich; hoffentlich merkt man davon später aber auch etwas, wenn es sich um berechtigte sozialpolitische Forderungen handelt. Die Wirknngen des EiufuhrscheinsystemS. Wir haben seinerzeit— siehe die Nr.115 d.„B." vom 13.Mai l.J.— die Wirkungen der Einfuhrscheine auf die Roggcnpreise dargetan. Es ist lehrreich, die Darlegung in einigen Punkten zu ergänzen, um das Raffinement der Handhabung des Einfuhrscheinsystems kennen zu lernen. Wir haben damals gezeigt, daß die Ausfuhr von Getreide und Mehl dadurch gesördert wird, datz für eine bestimmte nach dem Auslande exportierte Getreidemenge Wertscheine ausgestellt werden, welche zur zollfreien bezw. zollermätzigten Einfuhr gewisser Artikel berechtigen, die der heiniischen Landwirtschaft keine Konkurrenz bereiten. Die Einfuhrscheine besitzen Geldwert und wirken geradezu alS Ausfuhrprämie. Wie äußert sich nun diese Wirkung? Das Einfuhrscheinsystem bat im deutschen Außenhandel, soweit Getreide und Mehl in Betracht kommen, eine bedeutsame Wandlung hervorgerufen. Die Einfuhr von Getreide ist zurückgegangen, die Ausfuhr aber gestiegen. Ihren Höhepunkt hat der Getreide- und Mehlerport ini Vorjahre erreicht. Dem Werte nach haben Ein- und Ausfuhr betragen(in Millionen Mark): Weizen u. Roggen u. ß f« fte Weizenmehl Roggenmehl �er,u: 1909 1910 1909 1910 1909 1010 1909 1910 Einfuhr: 460,4 376,6 88,9 42,9 05,7 48,4 305,1 308,5 Ausfuhr: 84,4 95,9 110,7 138,8 41,8 69,0 0,3 0,3 Insgesamt hat die Einfuhr von Getreide- und Mnllerei-Erzeug- nissen im letzten Jahre 776 Millionen Mark betragen gegen 368 Millionen in, Jahre 1909. Dem steht eine Ausfuhr gegenüber von 312 bezw. 250 Millionen Mark. Bei Roggen und Hafer ist die Ausfuhr weit größer als die Einfuhr, bei Weizen macht die Ausfuhr im Jahre 1910 reichlich ein Viertel der Einfuhr aus. Nur bei Gerste steht einer größeren Einfuhr fast gar keine Aussuhr gegenüber, was daher rührt, datz bei der Verschiedenheit der Zoll- und Vergütungs- sätze deutscher Haser und Roggen ausgeführt und als Ersatz dafür russische Futtergerste eingeführt wird. Die zunehmende Getreide- und Mehlausfuhr macht sich für die Reichsfinanzen recht unangenehm in den Anfwindungen für die Aus- suhrvergütuuge» bemerkbar. Durch Einlösung der Eintubrschcine für ausgeführtes Getreide und Mehl hat nämlich die Reichskafse zahlen müssen(Millionen Mark): 1905 1906 1907 1908 1909 1910 38,5 48,4 40,7 90,7 92,9 122,4 DaS sind die Tribute, die sich die Agrarier auS den Taschen des Volkes vermittelst des DiebessystemS der Einfuhrscheine zu hole» wissen! In jüngster Zeit haben insbesondere die Einfuhrscheine für Brotgetreide»och höhere Anforderungen an die Reichskasse gestellt als inr Vorjahre, denn der Export von Roggen und Weizen hat sich auch in den ersten Monaten des Jahres 1911 ganz erheblich ge- steigert. Es betrug nämlich in der Zeit vom 1. August 1900 bis 20. März 1911 1910/11 1909/10 der Roggenexport.... 6 139 345 To. gegen 4 673 910 To. „ Roggenimport... 3 444 575,„ 2 093 543„ 2 694 770 To. gegen 2 580 367 To. Die AuSfuhrverglltung. lZ473 850 M.„ 12901835 M. Die Ausfuhrprämie für Roggen allein verschlang also in diesem Erntejahre a» die 13'/3 Millionen Mark, d. i. um nahezu Vz Million mehr als ini vorhergehenden Jahre. BerhältniSmätzig noch stärker wird der Reichssäckel bei Weizen in Anspruch genommen, denn einem verringerten Import steht auch in dieser Periode eine wesentlich vermehrte Ansiuhr gegenüber. Allerdings kau» bei Weizen nicht von einer Ausfuhrprämie im eigentlichen Sinne gesprochen werden, da die Einfuhr von Weizen beträchtlich größer ist als die Ausfuhr. Der Autzenhaudel in Weizen gestaltete sich im neuen Erntejahre wie folgt: 1910/11 1909/10 Weizeneiiifuhr 10 572 704 Tonnen 17 093 500 Tonnen Weizenausfahr 4 155 882,_ 2 77 1 529, Nettoeinfnhr. 12 416 232 Tom!cu 14 821 971 Tonne« Zolleinimhme. 68 489 551 ,M. 78 770 840 M. Demnach bleibt 1910/11 infolge der vergrößerten Ansfichr die Einnahme des Fiskus au Weizeuzölleu um mehr als 10 Rkillionen Mark gegenüber der gleichen Vorjahrsperiode zurück. Das Ergebnis der Zolleinuahmeu wird sogar noch ungünstiger, wenn mau die Exportvergütungen an Mehl hinzurechnet, denn auch an Mehl ist die Ausfuhr neuerdings stark gewackisen. In der Zeit vom 1. August bis 20. März wurden 1203 251 Tonnen Roggenmehl(im Vorjahre 737 716 Tonnen) und 1 385 116 Tonnen Weizenmehl(im Vorjahre 1 134 743 Tonne») ausgesührt. Bei Hafer hat die Ausfuhr gegen- über dem Vorjahre um zirka 600 000 Tonnen nachgelassen, während gleichzeitig der Import um etwa 900 000 Tonnen gestiegen ist. Diese Verschiebung hängt mit dem ungünstigen Ausfall der letzten Haser- ernte zusammen.— Aus den obigen Zahlen ergibt sich wohl uu- zweideutig, datz die Behauptung der Agrarier, Deutschlands Getreideimport sei nur eine vorübergehende Erscheinung, die in den Ernteverhältnissen begründe: erscheine, eine Irre- führung der Ocffentlichkeit ist. Es ist daher auch begreiflich, wenn man vielfach die starke Haussetendenz, die bis in die letzte Zeit auf den deutschen Getreidemärkren zu beobachte,: war, bis zu einem Grade als eine Wirkung des deutscheu Einfuhrschein- systemS ansieht. Besonders auf dem Roggenmarkt haben sich die Preise sprungweise aufwärts bewegt. Die Haussebewegung hängt damit zusammen, datz in Deutschland die Bestände bei den Prohn- zenlen und Händlern mehr und mehr zusammenschmelzen, was man wieder darauf zurückführt, datz der durch das Einfuhrscheinsystem forcierte Roggenexporr aus Deutschland sich künstlich zu stark ent- wickelt hat. Selbst wenn in Betracht gezogen wird, datz die Einfuhr im laufenden Erntejahr wesentlich stärker war als im voran- gegangenen, so zeig: sich doch, datz das Ausfuhrquanluin das der Einfuhr in den ersten acht Monaten des letzten Ernlejahres um etwa 270 000 Tonnen überstieg; und wenn auch diese Zahl gegen den Ausfuhrüberschuß in der gleichen Periode des Vorjahres, der sich aus etwa 320 000 Tonnen belief, etwas zurückbleibt, so hat das wenig zu bedeuten im Hinblick darauf, datz die letzte Rvggcuernte einen Minderertrag von etwa 840 000 Tonnen ergeben hat.. Die nachstehende Aufstellung zeigt, datz man in Deutschland gegen das Vorjahr bisber ein tatsächliches Manko an Roggen in der Höhe von nahezu 790j000 Tonnen gehabt hat: m/ 1909..... 11348 415 Roggenernte in �onnen|...... 10 511160 Minderertrag 837 255 Ausfuhr vom 1. August 1909 bis 1. April 1911 553 603 Einfuhr............... 231 623 Ueberschutz der Ausfuhr über die Einfuhr 321 976 Ausfuhr vom 1. August 1910 bis 1. April 1911 684 580 Einfuhr............... 412 107 Ueberschutz der Ausfuhr über die Einfuhr 272 473 Zieht man die Differenz zwischen den beide» Ausfuhrüberschüffen per 49 503 vom Mindcrertrag der Periode 1909/10 ab, so ergibt sich also ein tatsächliches Manko von 787 752 Tonnen. DaS ist die eine Wirkung des fluchwürdigen korrupten Einfuhr- scheinjystemS; neben der Entblößung Deutichlands von Roggen bewirkt es noch, wie wir gesehen haben, eine Ver- Minderung der Zolleinuahmeu des Staates. Das könnte die deutschen Proletarier kalt lassen, wenn nicht ebendieselben Leute, die ihnen das Einfuhrscheinsystein als eine notwendige, unentbehrliche Staatseinrichlung einzureden versuchen, plausibel zu machen ver- suche», datz an eine Aenderung der Handelspolitik nicht zu denken sei, weil der Staat ohne die Getreidezölle— die in ihrer Gesamt- heit 250 Millionen Mark jährlich einbringen I— nicht leben könne und daß ihre Ersetzung durch andere Finanzzölle oder durch Steuern unmöglich sei. Von zwei Dingen eines: Entweder das letztere ist wahr— dann ist nicht einzusehen, warum die Agrarier den Staats- säckel mittels des Einfuhrscheinsystems schröpfen dürfen; oder es ist nicht wahr— dann ist es nicht zu begründe», warum eine Zoll- erleichterung gerade nur zugunsten der Agrarier Platz greifen soll. ES ist nickit einzusehen und nickit zu begründen— eS ser denn, daß man die einseitigste, schroffste Klassenpolitik, daS Klaffeuinteresse der Agrarier, dafür geltend machen und die gesamte übrige Bevölkerung als tribuipflichiige Hintersasscn der mittelalterlichen Feudalherren und Raubriller von heute betrachtet. Die Internationale Bohrgesellschaft ist aus der Dividenden« losigkeit herauSgekommeir, sie wird für daS am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 200 Proz. Dividende verteilen. Bei der Gesellschaft ist der Ausdruck Divideudeulosigkeit nicht tragisch zu nehmen. Wenn die Verwaltung nämlich nicht mindestens 100 Proz. ausschütten kann, dann läßt sie die Verteilung lieber ganz bleiben. Aktionäre hat daS Unternehmen nicht, sondern nur einen einzige», den Schaaff- hauseuscheu Baulverein, nachdem der frühere Generaldirektor und Gründer, Anton Raky, der Erfinder des Diamantbohrers, seinen Besitz an den Bankverein hat verkaufen muffen. Vor einigen Jahren setzte die Jnternationnlc Bohrgesellschaft die Welt durch zweimalige Dividenden von 500 Proz. in Staunen, verleilte dann 100 Proz. und jpaxte in dem folgenden Jahre de» Ueberschutz zu den dies- jährigen 200 Proz. auf. Juteressciigeiiieinschaft. Das„W. T. B." verbreitet folgende Meldung: In einer heute— 22. September— abgehaltenen Be- sprcchung zwischen den Direktoren Heineken vom Norddeutschen Lloyd und Ballin von der Hamburg- Amerika- Linie ist völlige Ueberein- stimniung der beide» führenden deutschen Reedereien in bezug auf die in letzter Zeit mehrfach erörterten Fragen erzielt worden. Das Zusammengehen der beiden Gesellschaften ist dadurch auch für die Zukunft gesichert worden.— Vielleicht hat man in dieser Meldung die Voranzeige für eine direkte Interessengemeinschaft der beiden bedeutendsten SchiffahrtSimternchmen. Die weitere Folge dürfte sich dann wohl in einer— Reform der Frachtsätze und Tarife be- merkbar machen._ Sozialea. Bon der Krankenversicherung der HanSindustriellen. In einer Sache, die die Genehmigung einer statutarischen Vc- stimmung einer Ortskrankenkasse betraf, hat das preußische Ober- vcrwaltungsgericht am Donnerstag eine Entscheidung gefällt, die wegen der unveränderten Rechtslage auch noch Bedeutung für die Zeit nach dem Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung haben wird. Die Gemeinde Düsseldorf hatte durch Ortsstatut vom 25. Mai 1909 von der Befugnis aus 8 2 des Krankenvcrsichcrungsgesctzes Gebranch gemacht und die 5lranlenversleherungspflicht ausgedehnt auf:„selbständige Gewerbetreibende, welche in eigenen Betriebs- stätten im Auftrage und auf Rechnung anderer Gewerbetreibender mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeugnisse be- schäftigt werden(Hausindustrie), und zwar auch für den Fall, datz sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher sie vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten". Im Ortsstatut war zugleich ausgesprochen worden, daß diese ver- sicherungspflichtigcn Personen sämtlich bei der Gemeiiisaineit OrtS- kranrcnkasic für Düsseldorf zu versichern seien. DaS Ortsstatut fand auch die Genehmigung des BezirlSans- schusses. Als jedoch die Gemeinsame Orlskrankenkasse in einem Statutennachtrag vermerkte, datz diese Gewerbetreibenden sämtlich bei ihr zu versichern seien, da versagte der Bezirksausschuß dieser statutarischen Bestimmung der Kasse die Genehmigung. Er stellte sich jetzt auf den Staiidpunkt, daß die dem Versicherungszwange unterstellten Hausgewerbetreibenden bei derjenigen Kasse zu ver- sichern feien, die für d»n Betrieb des Unternehmers zuständig sei, für den sie arbeiten. Deshalb könne von ihrer generellen Versiche- rpng bei der Gemeinsamen Ortskrankenkasse nicht die Rede sein, da neben der Gemeinsamen OrtSkrankenkasse auch noch Betriebs-, Fabrik-, Bau- oder JnnungSkrankenkassen in Frage kämen. Auch nach mündlicher Verhandlung blieb der Bezirksausschuß bei seiner nunmehrigen Auffassung und wicS die Kasse mit ihrem Antrage auf Genehmigung jener statutarischen Bestimmung ab. Tie Kasse legte Revision beim Oberverwaltnngsgericht ein, vor dem Rechtsanwalt Wolfgnng Heine am 21. Septemher für sie gel? tend machke; AuZ Mei GrünLen sei?ak. Verlanget?cr Kasse vus Genehmigung der Bestimmung in ihrem Statuteunachtrag gerecht- fertigt. Erstens bestehe die Vcrsichcrungspflicht der Hausgewerbe- treibenden, und zwar nicht nur die Pflicht als solche, sondern auch die der Versicherung bei der Gemeinsamen Ortskrankenkasse, ganz unabhängig von dem Krankenkassenstatut lediglich auf Grund des Ortsstatuts. Denn dieses sei die gesetzliche Grundlage der Verfiche- rungspflicht der Hausgewerbetreibenden in jeder Beziehung, auch in bezug auf die Zuweisung zur Kasse. Dem Ortsstatut entspreche aber die neue Bestimmung des Kassenstatuts. Zweitens habe aber die Ortskasse auch darin recht, daß die Hausgewerbetreibenden der- sichert werden müßten bei der Krankenkasse, unter die sie selbst kraft des von ihnen betriebenen Gewerbes fielen. Das sei aber hier die Gemeinsame Ortskrankenkasse. Das entspreche auch der Ansicht im Kommentar von Hahn. Tie entgegengesetzte Auffassung des Kom- mcntators Hoffmann, der„Hausgewerbetreibende gehöre zur Kasse seines Arbeitgebers", könne schon deshalb nicht die Auffassung des Gesetzes sein, weil der selbständige Hausgewerbetreibende gar nicht einen Arbeitgeber im Sinne des Krankenvcrsicherungsgesetzes habe. Er arbeite heute für diesen, morgen für jenen, ja er arbeite viel- fach gleichzeitig für mehrere Besteller. Die Hoffmannsche Aus- legung würde praktisch zu absolut undurchführbaren Konsequenzen führen. Ter dritte Senat des preußischen Oberverwaltungsgerichts folgte dem Antrage des Anwalts, hob die Vorentscheidung auf und erkannte dahin, daß die strittige Bestimmung im Kassenstatut zu genehmigen sei. Ter Senat habe sich, so wurde ausgeführt, im all- gemeinen der fauch vom Anwalt vertretenen) Ansicht von Hahn an- geschlossen. Danach aber könnte die Kasse im Statut aussprechen, daß die sämtlichen Hausgewerbetreibenden bei ihr zu versichern seien, zumal der Gemcindebeschluß, der notwendig sei zur Zu- Weisung, sie der Kasse sämtlich zugewiesen habe. Lohuverhältuisse im Trnnsportgewerbe. Infolge der eigenartigen Verhältnisse im TranSportgelverbe hat es hier lange an einer alle Kräfte ziisammenfassenden Organisation gefehlt. In den letzten Jahren ist hierin jedoch ein erfreulicher Wandel zum Besseren eingetreten und die organisierten Transport- arbeiter stellen eine der leistungsfähigsten Gciverkschastsgruppen dar. Für das Vorjahr hat nun der Deutsche Transportarbeiter- Verband eine st a t i st i s ch e Aufnahme über die Löhne in diesem Gewerbe vorgenonimen, deren Resultat jetzt vorliegt. Die Aufnahme erstreckte sich über ganz Deutschland. Es liefen von 80 849 Mitgliedern Angaben ein. In einzelnen Orten war die Be- teiligung eine sehr gute. So beteiligten sich an der Statistik in Nürnberg 93 Proz., in Breslau 93, in Magdeburg 89, in Kiel 82,5, in Berlin leider nur 56,8 Proz. der Mitglieder. Bon den 80 849 Mitgliedern arbeiteten 80,3 Proz. in Wochen- lohn, 7,9 Proz. in M o n a t s l o h n, 2,4 Proz. in Stunden- lohn und 3.3 Proz. waren im Akkordverhältnis tätig. Einkommen ans Nebenverdienst hallen 7 Proz. oder 6409 Mit- glieder. Diese Ziffer verteilt sich in erster Linie auf die Kutscher und Fuhrleute. Bei den männlichen Mitgliedern betrug der wöchentliche Arbeits- Verdienst mehr als 21 M. bei 70,2 Proz. und weniger als 21 M. bei 25,7 Proz. Doch muß hierbei in Betracht gezogen werden, daß hier die jugendlichen Arbeiter mit inbegriffen sind. Von den be- teiligten 3079 weiblichen Arbeitern hatten 62,5 Proz. ein wöchentliches Einkommen bis zu 12 M., nur 31,7 Proz. verdienten die Woche über diese Summe hinaus. Den höchsten Durch« s ch n i t t s l o h n erzielten mit ganzen 14,65 M. Wochenverdienst die Arbeiterinnen in den Kohlengeschäften. Dann folgen die Lager- arbeiterinnen mit 13,99 und diesen die Packerinnen init 13,87 M. pro Woche. Die Durchschnittslöhne der männlichen Ar- beiter stellen sich in deu einzelnen Branchen folgendermaßen.- Automobilführer im Personenverkehr 31,19 M., solche im Waren- transporl 30,74 M.; Bierfahrer 28,19 M.; Möbeltransporteure sZieh- leute) 27,63 M.; Kohlenarbeiter 26,33 M.; Hafenarbeiter 26,14 M.; Straßenbahner 25,71 M.; Seeleute 25,38 M.; Kutscher und Fuhrleute 25,13 M.; Spcditiousarbeiter 24,84 M.! Binnenschiffer 24.20 Mark; Hausdiener und Packer 23.99 M.; Fensterputzer 23,95 M.; Droschkeilführer 21,31 M. und Flößer 18,16 M. pro Woche. Da die Berechnung sich auf ganz Deulschlnnd erstreckt, ist es klar, daß die durchschnittlichen Wochenlöhne in einigen Großstädten etwas höher sind, in anderen Orten um so niedriger. Die Löhne aller Branchen ineinander gerechnet, beträgt der wöchentliche Durchschnittslohn eines deutschen Transportarbeiters 24,82 M. Am schlechtesten sind die Flößer gestellt. In sieben Orten be- trug hier der durchschnittliche Wochcnverdienst 15—16 M., in vier Orlen 14—15, in einem Orte 13,50 M. und in Zantoch gar nur— 9,27 M. pro Woche. Daß diese Leute trotzdem»och existieren, verdanken sie ihrer gänzlich primitiven Lebensweise, die sie fern von den Kultlirerruiigenschafien ziibriugen und die sie von einem Vaga- bundendasein oft nicht viel unterscheidet; während aber gerade die Holzhändler, Forstbesitzer usw.. die hier als„Arbeitgeber" in Frage kommen, in jedem Jahre kolossale Simimen einheimsen. Auch dieser so schlecht gestellten Arbeitcrkategorie kann nur die vereinte Kraft innerhalb der Organisation wirtliche Hilfe bringen. Mißlungene Rcntenquctschcrci. Das Chemnitzer Schiedsgericht hatte sich mit der Rentesache des Lackierers Rchm zu beschäftigen. Dieser Arbeiter war eine lange Reihe von Jahren in einer Chemnitzer Laternenfabrik be- schäftigt. Im Jahre 1908 wurde er so schwer nervenkrank, daß er erwerbsunfähig und invalid im Sinne des Jnvalidenversiche- rungsgesetzcs lvucbe. Er erhielt die Invalidenrente. Diese war ihm jetzt entzogen worden. Die Versicherungsanstalt war durch die Beitragskontrolle unterrichtet worden, daß St. wieder arbeitet und denselben Lohn erhält, wie andere gleichartige Arbeiter. Aus dieser Tatsache schloß sie, daß eine wesentliche Besserung im Ge- sundheitSzustande R.s eingetreten und er wieder erwerbsfähig ge- worden sei. Dieser Schlußfolgerung folgte die Entziehung der Rente. Dagegen hatte sich R. mit der Berufung an das Schicds- gcricht gewendet. Er führte begründend aus. daß die Annahme wesentlicher Besserung seines Gesundheitszustandes eine irrige sei; aus Wohlwollen bekomme er von seinem bisherigen Arbeitgeber den Lohn gleichartiger Arbeiter, den er nicht verdiene und seines ZustandeS wegen auch nicht verdienen könne. Das Schiedsgericht prüfte und fand diese Angaben durch beim Fabrikanten selbst vor- genommene Erörterungen bestätigt. Auch der schiedsgerichttichc Vertrauensarzt Dr. Hering gab sein Gutachten dahin ab, daß der Zustand R.S sich in keiner Weise gebessert, sondern noch derselbe sei, der 1903 zur Gewährung der Rente geführt habe. Der Vcr- tretcr der Versicherungsanstalt schlug aber alles in den Wind, was gegen die Entziehung der Rente sprach; er verwies auf den„hohen Verdienst" des Renteklägers, der die Entziehung der Rente völlig begründe. Er fand aber beim Gericht keine Gegenliebe. DieS verurteilte die Versicherungsanstalt zur Weitcrgewährung der Rente. Ausschluß auS kommunalen Teputalionen und Kommissionen. Ucbereinstimmend mit der Städteordnnng für die sieben öst- lichcn Provinzen vom. 30. Mai 1853 bestimmt die westfälische Städteordnnng vom 14. März 1856 in ihrem 8 75 Absatz 2: .Tie zu den bleibenden Vertvaltungsdeputationen gewählten stimmfähigen Bürger und andere, von der Stadtverordnetenivr- sammlung auf eine bestimnite Zeit gewählten unbesoldeten Ge- meindebeamten, zu denen jedoch die Schöffen nicht zu rechnen sind. können durch einen übereinstimmenden Beschluß des Magistrats und der Stadtverordneten auch vor Ablauf ihrer Wahlperiode von ihrem Amte entbunden werden." Ter Stadtverordnete Rösser zu Herne war nun durch einen solchen Beschluß aus zwei Deputationen und einer Kommission vor Ablauf der Amtszeit ausgeschlosien worden. Er klagte darauf gegen die Stadtverordiietenversammluug beim Bezirksausschuß auf Aufhebung des Beschlusses und machte geltend, daß er sich nichts habe zuschulden kommen lassen, was seinen Ausschluß aus der Kommission und den Deputationen rechtfertigen könnte. Den Aus- schlug müsse er als eine Art Strafe belrachken, jstr! sstt er Wangels eines Verschuldens zu Anrecht bedacht sei. Der Bezirksausschuß wies die Klage als unzulässig ab und das Obcrverwaltungsgericht in Berlin bestätigte das Urteil mit folgender Begründung: Wenn die Städteordnung den Magistrat und die Stadtverordneten ermächtige, durch übereinstimmenden Beschluß Mitglieder von Deputationen und Kommissionen von ihrem Amt vorzeitig zu entbinden, dann liege darin keine Disziplinarmaßregel. In keiner Weise werde durch solchen Be- schluß die Ehre des Betreffenden angefochten. Durch jene Be- stimmung habe den städtischen Behörden eine diskretionäre Be- fugnis eingeräumt werden sollen. Einen Rechtsweg gegen ihre Anwendung gebe es nicht._ Ein Abwchrmittel gegen die hamburgische Konsumvereinssteuer. Wie bekannt, ist im Juni d. I., dem Drängen der Krämer- seelen Rechnung tragend, von der Hamburger Bürgerschaft eine Alisnahmcbcsteucrung der Konsumvereine beschlossen worden. Das Gesetz zur„Rettung des Mittelstandes" stipuliert einen fixierten Neingewinn von 8 Proz. vom Umsatz, und von diesem„Gewinn" wird die Steuer erhoben. Für das zweite Halbjahr 1911 soll Ham- burgs größter Konsumverein, die„Produktion", eine Sondersteuer von 30 243 M. zahlen. Gegen dieses einer Konfiskation der Mit- gliedcrersparnisse gleichzuerachtende Unrecht hat die„Produktion", wie wir bereits mitteilten, ein wirksames Abwehrmittel gefunden. Es ist die Handelsgesellschaft„Produktion" mit beschränkter Haf- tung ins Leben gerufen worden.„Diese Handelsgesellschaft über- nimmt," so lautete der Antrag der Geschäftsleitung, der in der Generalversammlung der„Produktion" zur Verhandlung kam, „am 1. Oktober d. I. die Handels- und Produktivbetricbe der Ge- »ossenichaft„Produktion", also die Verkaufsstellen, Bäckerei, Schlächterei und das Hauptlager."— Der alte Konsum-, Bau- und Sparverein„Produktion" bleibt nach wie vor bestehen. Er unterhält noch die Spar- und Bauabteilung, die Nebenbetriebe, wie Tischlerei, Klempnerei, Schlosserei usw. Die neue Handels- gescllschaft hat den Vorteil, daß sie an jedermann verkaufen darf. Vertraglich ist zwischen der Handelsgesellschaft und der Genossen- schaft festgesetzt, daß den Mitgliedern der Genossenschaft„Pro- duktion" ein bestimmter Rabatt zusteht, den die Nichtmitglicder nicht erhalten.— Der An/trag fand einstimmige Annahme. Da man aus naheliegenden Gründen in der Handelsmetropole Hamburg die Handelsgesellschaften bislang ungeschoren ließ, wie auch keine Gewerbesteuer besteht, so darf man gespannt sein, was Hamburgs Steuerkünstler zu dieser Abwehr sagen werden. Für den Arbeiter ist gesorgt bis ins hohe Alter! Am wenigsten trifft das Wort Wilhelm II. auf die Land- arbeiter zu. Dafür einen neuen Belag. Seit 45 Jahren hatte der nun 76jährige Landarbeiter Koch auf dem Rittergut Klopzow in Mecklenburg gearbeitet. Jetzt ist er völlig arbeitsunfähig ge- worden. Gesetzlich, nicht nur moralisch, war der Rittcrgutspächter Strümpfler zum Unterhalt des Alten verpflichtet. Weil er aber als Agrarier sich über Gesetz und Nächstenliebe glaubte hinweg. setzen zu dürfen, unterließ der Gemütsmensch dies. Das ritter- schaftliche Polizeiamt in Röbel wurde nun von dem armen Alten, der völlig hilflos ist und sich nur auf Krücken fortbewegen kann, angerufen, und dieses wies den Nittergutspächter an, für den Arbeiter zu sorgen. Darauf entfernte der Pächter den Alten aus Klopzow und steckte ihn in eine unbewohnte, 114 Kilometer vom Gut entfernte Mühle. Dorthin wurden dem Hilflosen von Zeit zu Zeit einige Kartoffeln geliefert. Außerdem wurde ihm anheimgegeben, sich täglich auf dem Gut einen Liter Magermilch zu holen. Der gebrechliche Alte konnte natürlich weder Magermilch holen, noch sich die Kartoffeln zubereiten. Andere Nahrungsmittel erhielt er aber nicht, so daß er im größten Elend verkommen wäre, hätten sich seiner nicht mitleidige Menschen in der Nachbarschaft angenommen. Da die schriftliche Anitveisung des Polizeiamts, die den Guts< Herrn zum Unterhalt des Alten verpflichtete, dem Arbeiter vom Besitzer des Ritterguts, einem Freiherrn v. Hammerstein, abge- nommen und seitdem spurlos verschwunden war, richtete der Alte in seiner Verzweiflung eine Beschwerde an das Ministerium. Dieses hat nun das Polizeiamt in Röbel angewiesen, seines Amtes zu walten. Der Gutsherr wurde behördlich verpflichtet, pro Monat 15 M. für die Verpflegung des Alten auszugeben. DieS sind zwar pro Tag nur 50 Pf., sie schützen aber den Alten wenigstens vor dem Hungertodc.— Nun sage noch einer, daß die Kompottschüssel dieses Arbeiters nicht gefüllt sei bis zum Rand. Versammlungen. Die Arbeiter der Firma Karl Flohr haben schone öfter in Versammlungen Beschwerde erhoben über Mißstände, die im Betriebe herrschen. Alle derartige Beschwerden müssen wohl leinen Erfolg gehabt haben, denn am Dienstag hielten die Flohrschen Arbeiter wieder eine Versammlung ab, in der Mißstände im Betriebe be- sprachen wurden. In erster Linie waren es die Löhne, die wegen ihrer Niedrigkeit Anlaß zu Klagen gaben. Es wurde angeführt, daß die Löhne in der Dreherei sowie in der Montageabteilung wesentlich geringer sind wie in anderen Betrieben der gleichen Art. Wenm im Akkord etwas höhere Löhne erzielt werden, so könne das nur bei äußerster Anspannung der Kräfte geschehen. Als be- sonders drückend werde die Antreiberei empfunden. Die Arbeiter würden dadurch zu einer Hast veranlaßt, die nicht nur ein sorg- fäktiges Arbeiten ausschließen, sondern auch Gefahren für den Arbeiter zur Folge haben. Ein junger Monteur, der kurz vorder Versammlung begraben worden ist, wurde als ein Opfer dieses Systems bezeichnet. Er ist beim Bau eines Fahrstuhls der Firma Israel tödlich verunglückt. Es wurde bemerkt, daß der Verunglückte schon früher einem Unfall nur dadurch entgehen konnte, daß er sicki durch ein Fenster rettete, nachdem er die Schci- ben desselben zerschlagen hatte. Schließlich habe aber der Arbeiter die Scheibe, die er zu seiner Lebensvettung zertrümmert hatte, noch bezahlen müssen.— Große Empörung habe es hervorgerufen, daß ein Arbeiter, der zu einer kurzen militärischen Uebung ein- gezogen war, bei seiner Rückkehr entlassen wurde, obgleich sein Platz erst zwei Tage zuvor besetzt worden war. Der von den Arbeitern ausgesprochene Wunsch nach Wiedereinstellung des Be- treffenden fand kein Gehör. � Herr Flohr ließ sich gar nicht sprechen.— Als eine große Härte wird das Strafverfahren emp- funden. Als ein Beispiel dieser Art wurde angeführt, daß acht- zehn Dreher, weil sie, wie es ihr gutes Recht ist, keine Ueber- stunden macken wollten, mit je einer Mark Strafe belegt wurden. Selbst Lehrlinge würden mit Geldstrafen belegt. Weitere Klagen erstreckten sich aus schlechte Behandlung durch bestimmte Meister, sowie auf sanitäre Mißstände in verschiedenen Abteilungen des Betriebes. Tie Versammlung nahm eine Resolution an, welche besagt, daß die Arbeiter von der Betriebsleitung die Beseitigung der Mißstände erwarten und sich weitere Schritte vorbehalten.— Das rigorose Strafsystcm sowie das Verhalten des Betriebsleiters Hornring wird entschieden verurteilt. Verband der Vranrrci- und Miihlenarbeitcr. Die Zahlstelle Berlin nahm am Ticnstag in einer gutbcsuchten Versammlung des Fahrpersirnals, der Hofarbciter und Stallcute den Bericht von der Bierfahrerkonferenis entgegen. Zum zweiten Punkt wurde mitgeteilt, daß die vor 114 Jahren in dem Verlrag abgeschlossencn Bestimmungen zum Teil von dem Unternehmertilm geradezu mit Füßen getreten werden. Die tariflichen Lohnsätze werden vielfach nicht eingehalten, außerdem wenden einzelne Brauereien alle Finessen an, um die verschiedenen Abmachungen zu umgehen. Ob es an den Besitzern selbst liege, bleibe dahingestellt, sicherlich aber arbeiten ihre Beamten mit Raffinement darauf hin, das Personal um seine tariflich festgelegten Rechte zu prellen. Diese Angaben wurden durch drastische Beispiele aus der Praxis unterstützt. Auch wurde rundheraus erklärt, daß mit allen Mitteln das Aus- fahren bezw. Austragen von Pier in den Siundcn von 12 biö 2 Uhr SM Sonnlag für ssse Zukunsk sserhinsserk Nersssn sistrE.®Ti zugesagte Hilfe und Unterstützung der Arbeitgeber hat vollkommen versagt. Die Abschaffung der Touren in der genannten Zeit stoyt aus den hartnäckigsten Widerstand bei den bürgerlichen Gastwirte- vereinen, die behaupten, daß das den Ruin des Gastwirtsgewerbes bedeuten würde. In Wirklichkeit liegt es nur an der Bequenr lichkeit oder Zahlungsunfähigkeit eines Teiles der Gastwirte. Eine große Anzahl von Bäckermeistern scheint sich strafbar ge« macht zu haben durch Uebertretung der Gewerbeordnungsbestlm» mung, wonach die Verkäuferinnen, wenn nur eine vorhanden ist. eine ununterbrochene Ruhepause von 10 Stunden, wenn, zwei vor- Händen sind, eine solche von 11 Stunden haben müssen. In einer am Dienstag abgehaltenen Vers am mlung derFreien Vereinigung der Bäckermeister von Berlin und Umgegend wurde diese Sache besprochen, und der Bäckermeister Fischer teilte mit, daß es sich bereits um 800 bis 900 solcher Ueber- tretungen handle. Es sei notwendig, die Bäckermeister auf die,e Bestimmung aufmerksam zu machen, die natürlich, da sie eben Gesetz sei, streng innegehalten werden müsse. Uebrigens wurde, namentlich in der Diskussion, hervorgehoben, daß der gesetzliche Schutz, der hierdurch den Verkäuferinnen gewährt wird, durchaus anzuerkennen, und ihre zulässige Arbeitszeit immer noch reichlich lang sei.— In der Versammlung wurde ferner vom Bäckermeister Thoma über den Stuttgarter Verbandstag der Bäckermeister be« richtet, wobei namentlich auch die Frage des Backverbotes zur Sprache kam. Aus dem, was der Redner sagte sowie aus der darauffolgenden Diskussion ging hervor, daß unter den Mit- gliedern der Freien Vereinigung wohl im allgemeinen keine Sym- pathie für jene seinerzeit beim Streik der Bäckergesellen von den Innungen propagierte Maßnahme vorhanden ist. Ein Diskussions-. redner sprach sich allerdings für das Backverbot aus. Außerdem wurde über das don den Bäckergesellen zwecks Durchführung ihrer Forderungen vielfach angewandte Mittel des Boykotts gesprochen, und es schien, daß ein Teil der Anwesenden, mit diesem Kampf- mittel sehr wenig einverstanden war. Entrüstet war man dar- über, daß der Bäckergesellenvertreter Schneider in einer Vcr» sammlung des Wahlvereins in Oberschöneweide behauptet hatte» die Bäckermeister könnten auch nach der Bewilligung der Forde- rungen noch ganz gut 5 Stück Backware liefern; eine solche Aeuße- rung liege nicht einmal im Interesse dxr Gesellen, denn diesen werde damit ebenso wohl wie den Meistern in vielen Fällen mehr Arbeit aufgebürdet. Im übrigen wandte man sich stark gegen das Sefesyndikat, das ja auch den Stuttgarter Verbandstag beschäftigt hatte und das von den Jnnungsgrößen außerordentlich begünstigt wird. Die Berliner Bäckermeister müßten trotz ihres weit große« ren Verbrauchs die Hefe teurer bezahlen, als sie vom Syndikat in einer Reihe von Kleinstädten geliefert werde, und zudem er- hielten sie ihre Hefe bald von dieser bald von jener Syndikats- brennerei geliefert, so daß sie immer wieder mit einer anderen Hefe zu rechnen hätten, wodurch es sehr erschwert jverde, eine gleichmäßig gute Backware zu liefern.. Hus aller Melt. Die öcblamm fluten des Vesuvs. Noch haben die Vertviistungen, die durch die Lavamassen des A e t ii a hervorgerufen wurden, ihren Abschluß nicht er» reicht und schon wieder kommen ans dem sonnigen Süden Nachrichten über eine neue Katastrophe. In der Nähe von Neapel wütete am Donnerstag ein furchtbares Un- weiter; durch die niedergegangenen Negenmassen kamen die Aschenreste des Vesuvs in Bewegung und gingen als dickflüssigg Schlammflut zu Tal. Besonders betroffen wurden von dem Unglück die Gemeinden P o rti ci, R est n a, T o rr e d e l G r e c o, Ottajano und San Giuseppe. So weit bisher bekannt ist, sind etwa zwanzig Personen der Katastrophe zum Opfer gefallen. Viele Familien sind in ihren Häusern durch die Wasser- und Schlammassen von der Außenwelt ab- geschlossen. Zahlreiche Felder sind überschwemmt; die Eiscnbahndämnie sind teilweise zerstört, so daß der Verkehr unterbrochen werden mußte. Von Neapel aus ist eine Rettungsabteilung nach der Unglücksstelle abgegangen. Schweres Eisenbahnunglück in Württemberg. Ein folgenschwerer Zugzusammenstoß hatte sich am Frcitagmittag auf dem Bahnhofe Eßlingen zugetragen. Wie uns ein Tele- gramm meldet, fuhr infolge falscher Weichenstellung ein nach Möhringen fahrender Güterzug in voller Fahrt auf einen stillstehenden Güterzug. Die Lokomotive des auffahrenden Zuges wurde teilweise zerstört, die Wagen des stehenden ZugeS gingen vollständig in Trümmer. Die Wagenüberreste gerieten in Brand. Der Lokomotivführer E l s a r auS Neuhauscn und der Heizer G o r k u S aus Cannstatt wurden vollständig der- b r a n n t auS den brennenden Trümmern hervorgezogen. Bei den Hilfeleistmigen erlitt der Bahnhofsvorsteher Lenz schwere Brand- wunden an beiden Armen._ Ans dem 20. Jahrhundert. DaS kirchengläubige Volk von Neapel ist in größter Auf- regung, weil das am 19. d. MtS. fällige Wunder des Flüssig- Iverdens desBlnteS deSStadtheiligen Januarius nur mit größter Verzögerung erfolgt ist. Außerdem ist nicht die gesamte Menge des Blutes flüssig geworden, worin man einen Vorboten großen Unheils sieht. Es war von vornherein anzunehmen, daß im Jubiläumsjahre der italienischen Einigung der heilige Januarius sich renitent benehmen würde. Als der Heilige zur Zeit Napoleons I. ähnliche Mucke» zeigte, gab dieser der Priester- scbaft eine Frist, nach deren Verlauf er das Kirchenkapitel hätte per« haften lassen. Da ging eö denn mit dem Flüssigwerden ganz glatt. Wer sollte aber heute dem heiligen Januarius einen ähnlichen Schrecken einjagen? Das Volk ist also ganz voll Sorge und wird jedenfalls in jedem kommenden Cholerafall den Ausdruck des Zornes seines Heiligen sehen._ Kleine Notizen. Eisenbahners Ende. Beim Zusammenkoppekn zweier Wagen geriet auf dem Bahnhofe I e s e r i tz in Pommern der Hilfsweichen» siefler S o p k e zwischen die Räder und wurde totgefahren. Schiffsiiusätte an der isländischen Küste. Nach einein Telegramm anS Seydisfjord scheiterte in der Nähe der Küste ein Motor- boot, wobei vier Mann der Besatzung ertranken. Ein anderes Motorboot mit vier Insassen und ein Ruderboot mit drei Mann werden vermißt. Man fürchtet, daß die Boote verunglückt sind. Explosion in einer Pulverfabrik. Am DonnerStagnachmittag erfolgte in der Sprengmitielfabrik von Montickiasi(Norditalieu) eine große Explosion. Von den Angestellten der Fabrik wurden sechs g e i ö t e t u n d s e ch z e h n v e r w u n d e t. ltrieg im Friede». An den Folgen der Geschützexplosion auf dem französischen Panzerkreuzer„Gloire" sind noch zwei V e r- wundere gestorben. Die Zahl der Toten beträgt nunmehr n c u n. Erdbeben in Zcutralameeika. Durch ein gewaltiges Erdbeben ist die Ortschaft Trojarillo in Costarica zerstört worden. Mehrere Menschen sollen bei dem Beben, über das Einzelheiten fehlen, umgekommen sein. Der Schwager als Brandstifter. Der Rentner K. Müller in T e u p i tz ist wegen B r a n d st i s t n n g verhaftet worden. Er soll das Anwesen seines Schwagers F. Kleist in Klein-Köris bei Teupitz angesteckt haben. Das Anwesen brannte nieder, worauf man de» Spürhtznd„Harras" komnieu ließ. Dieser slellie den Schivager in Teupitz, der mit seinem Schwager verfeindet war. Leipzigerstr.SOa am Dönhoffsplatz K. Ssders% IDgekhoff Leipzigerstr.SOa am Dönhoffsplatz an der Petrl-Klrctac. 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Jahrgang. 2. Icilop dcs.lorniärtü" Sttlincr UalksdIM Zonnabend, 23. Zeptember l911. Sericbts- Leitung. Hoch das allgemeine Wahlrecht! Wege» Teilnahme an einer nicht genehmigten Wahlrechts- demonstration und groben llirfugs hatte gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber eine Anklage gegen den Möbelpoliorer Franz Grncki zu verhandeln. Ter Angeklagte, welcher beschuldigt wurde, sich nicht entfernt zu haben, als er sich in einer Menschenmenge befand, die von dem zuständigen Beamten dreimal aufgefordevt war, sich zu entfernen, hatte am 4. Juli dieses Jahres an einer Versammlung in der Memeler Straße teilgencunmen. Nach Beendigung der Versamm» lung schloffen sich die Teilnehmer, trotz der ausdrücklichen Abrede des Versammlungsleiters, zu einem Zuge zusammen, welcher durch die Memeler Siratze nach der Warschauer Brücke zu schritt. Hier wurden die Teilnehmer von dem Polizeileutnant Kuhn wiederholt aufgefordert, auseinanderzugehen. Als trotz dieser Aufforderung die Leute in geschlossenem Zuge weitergingen und vereinzelte Hoch» rufe aus das allgemeine Wahlrecht ertönten, wurden mehrere Per- sonen, darunter der Angeklagte Grucki, von Schutzleuten festge- nommen.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte, die Aufforde- rungen des Polizeileutnants nicht gehört zu haben. Der Staats- anmalt beantragte eine Geldstrafe von 30 Mark und wegen des proben Unfugs, begangen durch die lauten Hochrufe, K Tage Haft. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht trat in erster Linie der Anscha» ung entgegen, daß Hochrufe bei einer politischen Demonstration als grober Unfug angesehen.werden könnten. Daß Gericht erkannte auch wegen des groben Unfugs auf Freisprechung, wegen des Vergehens gegen den§ 116(Auflaufs) lautete das Urteil auf 30 Mark Geldstrafe._ Begünstigung? Der Tischlergeselle Czyarinski war wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 40 M. eventuell 6 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Die Beleidigung war bei Gelegenheit einer Arbeits einstellung erfolgt. Der Verurteilte hatte an Strafe und Gerichts- kosten 101 Mark an die Gerichtßkasi« des Amtsgerichts Berlin zu zahlen; die Summe ist von dem Verbandskassierer des Holzarbeiter Verbandes Berlin, Ferdinand Miele, gezahlt worden. Herr Miele hielt sich nach dem üblichen Modus für berechtigt, aus der Kasse des Verbandes nach Prüfung eine derartige Zahlung zu leisten. Diese Zahlungen erfolgen als„Vorschüsse", um die Mitglieder des Verbandes vor einer Notlage zu schützen. Es ist üblich, daß in dieser Weise den Personen, welche vom Verbände Rechtsschutz wegen Streitigkeiten der Mitglieder mit ihren Arbeitgebern wegen des Arbeitsverhältnisses, namentlich während eines Streiks, gewährt ist, Strafen und Kosten bezahlt werden. Weil dies auch im vor liegenden Falle geschehen ist, wurde Anklage wegen Begilnstignns gegen Herrn Micke erhoben. Das Schöffengericht verurteilte diesen auch zu 10 M. Oieldstrafe, und zwar aus folgenden Gründen: Unter dem Begriff.Strafe" fei nicht bloß die Verurteilung zu einer Strafe, sondern auch deren Vollstreckung zu verstehen. Wenn die Hemmung einer Strafvollstreckung als eine„Entziehung" zu gelten habe, so lasse sich die? auch bezüglich einer Geldstrafe behaupten. Letztere sei ein dem Verurteilten auferlegtes persönliches Straf- übel, und wer die Realisierung des erkannten StrafübclS in der von dem Angeklagten ausgeführten Weise vereitele, mache sich einer nach§ 257 St.-G.-B. strafbaren Begünstigung schuldig. Diese Deduktion wurde von den Rechtsanwälten Dr. Heinemann und Roth mit dem Rechtsmittel der Berufung als unzutreffend angefochten. In der gestrigen Verhandlung kam es zu Meinungsverschiedenheiten über die Frage, ob der Angeklagte Micke ein für allemal autorisiert sei, seinerseits von Fall zu Fall zu entscheiden, ob der Verband die Kosten auslegen will oder nicht oder ob nicht vielmehr der Rechts- schütz den betreffenden Personen erst durch Beschlutz des Vorstandes zugebilligt werden mutz. Das Gericht hielt eine weitere Klärung dieser und anderer Fragen für notwendig und beschlotz, zu einem neuen Termin den Vorsitzenden des Holzarbeiterverbandes, Herrn Glocke, sowie den Obmann der Schlichtungskommission, Herrn Her- mann Maaß, als Zeugen vorzuladen. Eine sofortige Freisprechung hätte dem allgemeinen Rechts- empfinden entsprochen._ Die umgekehrte Rechtsordnung. Am 28. Mai d. I. kam es im„feinen" Viertel Altona? zwischen Arbeitswilligen und Ausgesperrten zu einem Zusammenstotz, der durch das provozierende Verhalten jener verursacht wurde. Die Arbeitswilligen hantierten mit Revolvern und führten sich wie die Wild-Westmänner auf. Als der Arbeitswillige Barton einen Re- volver auf den Drechsler Bauerreis richtete, war es mit der Ruhe der Passanten vorbei. Diese suchten die Arbeitswilligen zu ent- waffnen, wobei von dieser Seite einige Schüsse abgefeuert wurden. Ein Passant wurde durch Messerstiche, die ausgeteilt zu haben der Arbeitswillige Preuß sich gerühmt hat, erheblich verletzt. Es wurde nun nicht etwa gegen die bewaffneten Streikbrecher vorgegangen, sondern gegen Bauerreis und den ausgesperrten Tischler Rofflcr, die sich des— Landfriedcnsbruches schuldig gemacht haben sollen. Die Sache gelangte am Mittwoch vor dem Landgericht Altona zur Verhandlung. Die Anklage brach aber völlig zusammen, so daß der Staatsanwalt nur Körperverletzung annahm. Obwohl gar nicht feststeht, datz die beiden bislang völlig unbescholtenen An- geklagten ein solches Delikt begangen haben, beantragte er gegen jeden nicht weniger als zwei Jahre Gefängnis. Verteidiger Dr. Herz trat für Freisprechung ein. Das Gericht erklärte sich für unzuständig und überwies die Sache dem Schwurgericht. Es könnte doch LandfriedenSbruch vorliegen und daran hätten sich dann die Angeklagten aktiv beteiligt. Das Schwurgericht wird wohl auf Freisprechung erkennen und bedauern, datz nicht die Revolverhelden, sondern die Angegriffenen angeklagt sind._ Wieder eine Zentrumslüge über„Mißwirtschaft eines sozial- demokratischen OrtSkrankenkassenvorstandes" zusammengebrochen. Die Dortmunder klerikale„Tremonia" brachte in ihrer Nummer vom 24. September borigen Jahres eine„Städtische Wochenplauderei", worin auch hahnebüchene Anwürfe gegen den „sozialdemokratischen Ortskrankenkassenvorstand" gerichtet wurden. Es war von einer„Mitzwirtschaft schlimmster Art" die Rede, die Verhältnisse hätten sich zu einem„tvahren Skandal ausgebildet". In Dortmund lietze sich jedes Vorstandsmitglied jährlich 50 M. zahlen, obschon die Kasse sehr schlecht stehe. Es sei ein erhebliches Defizit bei einer Revision der Kasse festgestellt worden usw. Vor- stairdsmitglieder erhoben die Beleidigungsklage gegen die „Tremonia". Am Donnerstag kam die Angelegenheit vor dem Schöffengericht zur Verhandlung. Zwei Mitglieder des Vorstandes der Ortskrankcnkasse, Arbeitgeber und keine Sozialdemokraten, sagten eidlich aus, daß von einer Mißwirtschaft gar keine Rede sein könne. Die Sozialdemokraten im Borstand hatten vollauf ihre Pflicht getan, um die Kasse möglichst voran zu bringen. Es iMi kein Defizit in der Kasse gewesen. Die 50 M. seien ein kleiner irsatz der vielen Auslagen, die die Vorstandsmitglieder hätten. Auch die Unternehmer im Vorstand bekämen diese Summe. Die Zulässigkeit sei im Statut vorgesehen und die srufsichtsbehördc habe es genehmigt. Der zeitweilig ungünstige Stand der Kasse sei auf die allgemeine schlechte Wirtschaftslage zurückzuführen� gewesen. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vorstandsmitglicdcr hätten sich immer auf eine mittlere Linie geeinigt, wenn die Ansichten auf- einandergeplatzt seien. In der Verhandlung kam zur Sprache, datz der Verfasser der verleumderischen Notiz der Verleger der „Tremonia", Hensing, Vorstandsmitglied des Augustinusvereins sei, der die Artikel gebracht habe, als der Angeklagte verreist gc- Wesen sei. Das Urteil lautete deshalb auf nur 100 M Geldstraf: eventuell 20 Tagen Gefängnis und Publikationsbesugnis. Nach der Begründung enthält die Wochenplauderei zweifellos schwere Beleidigungen der Privatkläger. Es sei der Vorwurf erhoben worden, datz der ungünstige Stand der Kasse auf die schlechte Wirtschaft der Kläger zurückzuführen gewesen sei. Durch die Unternehmervorstandsmitgliedcr sei aber bewiesen, daß sich die Kläger redlich bemüht hatten, zum Besten der Kasse zu arbeiten. Der Borwurf sei widerlegt. Auch die Form des Artikels sei bc- leidigend. � Hus der fraueiibewegimcf. Eine Frauenkonfercnz. Am Sonntag, den 17. September, wurde in Troppau die zweite Landeskonferenz der Genossinnen Oesterreich- Schlesiens abgehalten. 18 Orte loaren durch 35 Delegierte, darunter zehn Genossen vertreten. Die schlesjschen politischen freien Frauen- organisationen haben zurzeit über 1000 Mitglieder, von welchen zwei Drittel auch den Gewerkschaften angehören. Diese Orgar.i- sationen entfalten eine sehr rege Tätigkeit. Durch Kurse und Vorträge sowie Diskussionen wird für die Ausbildrmg der Mitglieder gesorgt. Da in Schlesien die Frauen zumeist in der Textilindustrie arbeiten, so haben sie wenig Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern. Diese sind grötzentcilL sich selbst überlassen, Kinder- gärten sind nicht genügend vorhanden. Daher haben eS sich nun die Frauenorganisationen zur Aufgabe gemacht, nach Möglichkeit für die Kinder zu sorgen. Sie veranstalten Ausflüge, Märchenvorlesungcn und Theateraufführungen, bei welchen die Kinder Darstellende sind. Diese Tätigkeit der Frauenorganisationcn findet bei den Genossen viel Anerkennung. Aber nicht minder treu arbeiten die Gensssinnen politisch mit. Der Wahlkampf wurde von ihnen durch Agitation luid durch Sammlungen unterstützt, und im Kampf gegen die Teuerung stehen die Frauen an erster Stelle. Die Konferenz hat eine Reueinteilung der Landesorganisation beschlossen, und zwar so,. datz Bezirksorganisationen gegründet werden, die Bertrauenspersoncn zu wählen haben, welche dem Landeskomitee angehören werden. Angestrebt soll werden, den Arbeiterinnen in alle« gewerkschaft- lichen und genossenschaftlichen Organisalionen eine. Vertretung zu erringen. Die Gründung einer Dieustmädchenorg�nisatioll soll zu- nächst in der Hauptstadt, in Troppau, erfolgen. ES wurden dann Referate über.,BildungSwessn und Kindererziehung", über die„Forderungen der Frauen an die Gesetzgebimg" und über die„Presse." erstattet. Eine Reibe von Antragen wurden angenommen, die alle zum Ziele haben, Wissen und Aufklärung unter den Frauen durch Broschüren- literatur, Zeitungen und Borträge zu verbreiten. Beschlossen wurde noch, datz die Frauenorganisationen Aufgabe haben. Austlärung über die schädliche Wirkung des Alkohols zu verbreiten und speziell me Jugend vom Alkoholgenntz sc anzuhalten. Die Veranstaltungen der Frauenorganisationen sollen ohne alkoholische Getränk- bor sich gehen. Die Frauenorgamsatioi� in Oestcrreich-Schlesien hat bisher eine gute Entwickelung geu�mmen. Wenn wie bisher gearbeitet wrro, dann bringt auch die� Konferenz erfreuliche Früchte. Großer Verhaute 40,000 Ulster, Paletots, Pelerinen u. 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September, nachmittags, veranstaltet der hiesige Wahlverein einen Ausflug nach der Treptower Sternwarte. Abends 7 Uhr wird Direktor Archeuhold einen Vortrag halten über:»Das Geheimnis des Weltenbaues". Um 6 Uhr Führung durch das Astronomische Museum. Besichtigung der Stern- warte und Beobachtungen mit dem Riesenfernrohr. Billetts zum Preise von 40 Pf. resp. 80 Pf. sind noch zu haben bei Genosten Kreksch, Baugenossenschaft„Paradies". Treffpunkt Bahnhof Grünau 4,45 Uhr, Abfahrt von dort 4,59 Uhr. Der Vorstand. Zernsdorf. Sonnabend, den 23. September, abends 8 Uhr, im Lokale von I. Knorr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin; Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Sonntag, den 24. September, nachmittags 2 Uhr, im Lokale des Genossen Petermann, Rudower Str. 53: Oeffentliche Versammlung. Genoste Kaspar Wenzel- Gr.-Lichter- felde wird über die Mißstände in unserer Gemeinde referieren. Da sämtliche Beamten und bürgerlichen Parteien öffentlich eingeladen sind, so ersuchen wir auch die Arbeiterschaft, zahlreich an der Ver- sammlung teilzunehmen. Weißens». Am Dienstag, den 26. d. MtS., abends 8'/z Uhr. dn„Vereinshaus", Charlottenburger Str. 150: Mitgliederverimnm- lung des Wahlverems. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse G r a u e r- Lichtenberg. Der für den Sonntag geplante Ausflug findet umständehalber später statt. Im Frauenleseabend, der abeuds 8'/2 Uhr bei Peukert stattfindet, referiert Genoste Heinrich Schacht- Berlin über: Finanzwesen im Haushalt und im Reich. Die Bezirksleitung. Nieder- Schönhaufen- Nordend. Die Parteitags- SammeUisie 5!r. 12 281 ist verloren gegangen, sollte dieselbe gefunden oder vor- gelegt werden, wird ersucht, die Liste anzuhalten und an I. Hiege, Blücherstr. 14, Mitteilung hiervon zu machen. Mühlenbeck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Die am 24. September fällige Wahlvereinsversammlung findet nicht statt. _ Die Bezirksleitung. Berliner Nacbrlcbten. Prüfungsuöte. Die Zeit der Versetzungsprüfungen ist wieder einmal da und mit ihnen eine Zeit der Qual für die Schüler wie auch für die Lehrer. Obwohl für unsere Volksschulen eigentliche Versetzungsprüfungen durch den schon viele Jahre gültigen Grundlehrplan verboten sind, und obgleich sich trotz dieser grundlegenden Bestimmung das königliche Provinzial-Schul- kollegium in verhältnismäßig kurzer Zeit zweimal veranlaßt gesehen hat, auf das Verbot der Versetzungsprüfungen hinzu- weisen, wird in manchen Berliner Volksschulen wacker weiter geprüft und zwar nach allen Regeln der Kunst. Da werden Vcrsetzungsdiktate angefertigt, die mit rührender Liebe zu- sammengestellt worden sind. Ein Hindernisrennen ist ein Kinderspiel dagegen. Da müssen Proberechenarbeiten ge- schrieben werden, bei denen die Kinder Blut und Wasser schwitzen. Und noch verschiedenes andere wird geprüft, oft stundenlang. Geprüft sollen aber nur die werden, bei denen nach Angabe der Klassenlehrer eine Versetzung zweifelhaft er- scheint. Geprüft werden aber alle. Run sollte man annehmen, daß bei der Versetzung allein die Ergebnisse der Prüfung maßgebend seien. Doch weit gefehlt. Die Sache hätte sonst ja noch Sinn. Nein, oftmals ist das Maßgebende die Platzfrage. Zu schwach� darf eine Klasse nicht werden, sonst ist der Bestand der Schule gefährdet oder wenigstens der der oberen Klassen. Die Prüfung ist eigentlich eine Prüfung der Lehrer oder aber ein alter Zopf, den man nicht ablegen will. An die unnötige Angst und Not der armen Kinder wird dabei nicht gedacht und wo bleibt der lchrplan- mäßige Unterricht? Er soll verfligungsgemäß nicht gestört werden. Er wird es aber bei einem solchen Betriebe. Darum: Fort mit den Versetzunasprüfungen I Sie sind unnötig und verboten. Das königl. Provinzial-Schnlkollegium sollte ein- mal bei den Lehrern eine amtliche Erhebung anstellen, wo in diesem Jahre Versetzungsprüfungen stattgefunden haben. Es sollte die Prüfungsarbeiten einfordern von den Lehrern, wohl- gemerkt von den Lehrern und nicht von den Rektoren, denn es scheint sich in der Versctzungsprüfungsfrage um Meinungs- Verschiedenheiten zu handeln, bei denen der Stärkere so lange recht hat, als ihm sein Unrecht nicht nachgewiesen werden darf. Unsere Kinder sind dabei die Leidtragenden, darum darf nicht stillgeschiviegen werden. Berlins Maßnahmen gegen die Teuerung. Die von der Markthallcn-Dcpntation in Aussicht gc- nommenen Maßnahmen zur Hebung des Konsums und zur Verbilligung der Preise der S e e f i s ch e waren gestern Gegen- stand der Verhandlung im Magistrat. Die Markthallen- Verwaltung will eine größere Anzahl von Verkaufsständen in den Markthallen den Unternehmern zur Verfügung stellen. Die Verwaltung soll den Einkauf der Fische kontrollieren, den Verkauf überwachen und dafür Sorge tragen, daß in der Hauptsache nur frische Seefische zum Verkauf kommen. Die an einem Tage nicht abgesetzte Ware wird anderweitig verwendet werden. Der Verkauf soll an zwei bis drei Tagen der Woche stattfinden. Die Markthallenverwalttmg wird den Tag jedesmal 24 Stunden vorher unter Angabc der Preise an den Anschlagsäulen bekannt geben. Einige Kochrezepte werden dabei gleichzeitig mitgeteilt werden. Die Kommission, welche unter Hinzuziehung von städtischen Verkanfsvermittlern und hiesigen Fischhändlern die Angelegenheit im einzelnen be- raten soll, wird Mitte nächster Woche zusammentreten. Der Magistrat ist in seiner gestrigen Sitzung dem Be- schluß der Stadtverordnetenversammlung, die Anträge der Stadtverordneten Kaempf und Genossen und Arons und Genossen auf Beseitigung der Lebensmittel- Verteuerung der gemischten Deputation, die zur Be- ratung von Maßnahmen zur Milderung der bestehenden Fleischteuerung eingesetzt ist, zu überweisen, beigetreten. Da der Zweck der Deputation damit erweitert wird, wird der Oberbürgermeister den Vorsitz darin übernehmen. Die nächste Sitzung der Deputation findet am kommenden Dienstag statt. Verlegung der Bureauräume des Gewerbe-Kommissariats. Die Burcauräume des Gewerbe-Kommissariats werden am 28. d. M. von der Miarkgrafenstraße 25 nach dem Schiffbauerdamm 30 II verlegt. Die Untcrgrundbahnstrecke Kaiscrallec— Rastatter Platz genehmigt. Dem Wilmersdorfer Magistrat ist jetzt vom Berliner Polizei- Präsidenten die Genehmigungsurkunde für die Unterpflasterbahn Kaiserallec— Rastatter Platz auf neunzig Jahre erteilt worden. Die Bahn geht von der Ecke der Kaiserallee und der Spichernstraße quer über die Kaiserallee durch den Hohenzollerndamm, Barbarossa-, Heidelberger, Riidesheimer und Niedelwaldstraße über den Rastatter Platz auf Dahlemer Gebiet bis zum Strcckenzeichen 47-j- 34.8. Der Betrieb muß spätestens am 1. April 1913 eröffnet werden. Eine BetriebsstSrung im Straßenbahnverkehr trat gestern morgen kurz vor 8 Uhr ein. Infolge Brandes des Speisekabels 40a wurden die Speisepunkte 40a und 78 der Zentrale in der Rathaus- straße für die Zeit von 7.50 bis 8.10 stromlos. Das Störungsgebiet erstreckte sich auf die Breite Straße, den Schloßplatz, Schinkelplatz, Jerusalemer Straße, Dönhoffplatz, Spittelmarkt und die Leipziger Straße bis zur Charlottenstraße. Durch Hinzuschalten benachbarter Speisepunkte wurde die Störung behoben. Das Obdach der Stadt Berlin hat im Verwaltungsjahr 1910 (1. April 1910 bis 31. März 1911) in der Abteilung für nächtlich Obdachlose es glücklich auf eine Frequenz von mehr als eine Million Besuchern gebracht. In den letzten fünf Jahren wurden hier 549 493, 629 178, 866 300, 969 853, 1 021 494 Personen beherbergt, da haben wir also eine Verdoppelung innerhalb eines Jahrfünfts. Daß die BesuchSziffer diesmal bis zu solcher noch nie dagewesenen Höhe anschwellen würde, konnte man schon lange vor Ablauf des Verwaltungsjahres als sicher ansehen. Der Jahresbericht, den der Magistrat jetzt veröffentlicht, sagt über die wirtschaftlichen Ursachen der entsetzlichen Frequenzzunahme nichts. Er hebt nur hervor, daß ein erheblicher Teil der Besucher— eine bestimmte Zahlenangabe hierüber fehlt— aus der Provinz und den Orten der näheren Umgebung Verlins komme. Seine Klage, daß diese Orte keine eigenen Obdach- einrichtungen geschaffen haben und ihre Fürsorgeverpflichtung der Stadt Berlin überlassen, ist leider nicht unberechtigt. Zum ersten Male fehlt in dem Jahresbericht eine Angabe darüber, an wieviel Tagen die Frequenzen die 2000, 3000, 4000 über- schritten. Hat der Verfasser des Berichtes sich gescheut, diese Zahlen der Oeffentlichkeit zu übergeben? Aus anderer Quelle wollen wir mitteilen, daß z. B. die 4000, während sie im vorletzten Ver- waltungSjahr„nur" an 48 Tagen überschritten worden war, im letzten Verwaltungsjahr an 4 Dezembertagen, 30 Januartagen. 23 Februartagen, 2 Märztagen, zusammen 64 Tagen überschritten wurde. Tie überhaupt höchste Frequenz, die im vorletzten Jahre 4371 gewesen war, stellte sich diesmal— auch darüber schweigt der Bericht— auf 4711. Im Fahrstuhl totgequetscht. Ein schwerer Fahrstuhlunsall, bei dem eine Person getötet und eine zweite erheblich verletzt wurde, ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr in der Kronenstraße 29. Dort zieht zurzeit die KonfektionSfirma Löb u. Levh um, und zwar wird der Umzug von der Speditionsfirma Gustav Knauer aus- geführt. Als gestern nachmittag zwei Angestellte dieser Firma mit dem Fahrstuhlführer Rudolf Bischoff vier leere Musterkoffer mit dem Fahrstuhl auf den Hof hinabbefördern wollten, verfing sich unten der Fahrstuhl infolge einer unbefugten Manipulation an dem Fahrstuhlseil. Die Koffer rutschten zur Seite und klemmten den 27jährigen Kaufmann Karl Hermann auS der Belle-Alliance- straße 30 derart ein, daß er nur noch als Leiche geborgen werden konnte. Der Brustkasten war ihm vollständig eingedrückt worden. Außerdem verunglückte der Arbeiter Willi Lötz aus der Bayreuther Straße 6, da ihm an der rechten Hand vier Finger zerquetscht wurden. Während er auf der nächsten Unfallstation verbunden wurde, kam die Leiche Hermanns auf Anordnung der Polizei nach der Charitö. Der Fahrstuhl, der übrigens elektrischen Antrieb hat, wurde polizeilich gesperrt. Zwei Neberfälle. Vor dem Hause Brandenburgstr. 32 wurde heute früh gegen 4� Uhr die Arbeiterin Wanda Schubert, als sie die Haustür aufschließen wollte, hinterrücks von einem Manne über- fallen und durch mehrere Messerstiche im Rücken und an der Brust schwer verletzt. Das Mädchen brach hilferufend zusammen, während der Täter schleunigst die Flucht ergriff. Das Messer, mit dem er die Stiche ausführte, wurde am Tatort gefunden. Die schwerverletzte Arbeiterin mußte nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden. Die benachrichtigte Polizei hat sofort die Verfolgung des Meffer- stechcrs eingeleitet, bisher aber noch keine Spur von ihm finden können.— Ein zweiter Unfall wurde auf der Chaussee nach Rudow auf eine Krankenschwester verübt. Als die Krankenschwester Witsch- kowski allein die Chanssee entlang ging, stürzte sich plötzlich ein etwa 30jähriger Mann auf sie, steckte ihr einen Knebel in den Mund und warf sie zu Boden, um ihr Gewalt anzutun. Die Ueberfallene wehrte sich aber aus Leibeskräften und hatte noch so viel Kraft, den Knebel aus dem Mund zu reißen und um Hilfe zu rufen. Der Täter ergriff darauf die Flucht. Auch in diesem Fall haben die polizeilichen Ermittelungen noch keinen Erfolg gehabt. Zur Frage beS Tamcnhntverbotes schreibt uns per Vorstand des Verbandes der Berliner Bühnenleiter: „Gegenüber der durch das Wolffsche Bureau verbreiteten Kundgebung des Polizeipräsidiums erscheint folgende Ergänzung erforderlich. Gegen die Verfügung des Polizeipräsidenten, durch welche er das bekannte Hutverbot erlaffen hat, ist von einer Reihe Theaterdirektoren Beschwerde beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg eingelegt worden. Nach Z 53 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung hat die Anbringung der Beschwerde aufschiebende Wirkung, es sei denn, daß nach dem Er- messen der Behörde die Ausführung der Verfügung nicht ohne Nachteil für das Allgemeinwescn ausgesetzt werden kann. In einer Unterredung, die der Vorsitzende unseres Ver- bandes, Direktor Brahm, gestern mit dem Herrn Polizeipräsidenten hatte, erklärte dieser, die Ausführung der Verfügung über den 1. Oktober hinaus nicht verschieben zu wollen. Die beteiligten Direktoren werden nun im Aufsichkswcge beim Ministerium des Innern Beschwerde führen."_ Arbeitcr-Bildungsschule, Berliu. Das Streben der Arbeiterschaft, sich weiterzubilden, um energischer als als bisher an dem großen Emanzipotionskampf des Proletariats teilnehmen zu können, umfaßt immer weitere Kreise, jedoch steht der Besuch der Arbeiter-Bildungsschnle in keinem Ver- hältnis zur Zahl der Partei- und Gewerkschaftsmitglieder. Die Schule versucht seit Jahren immer mehr in die Kreise der Abseits- stehenden einzudringen und sie davon zu überzeugen, daß es notwendig ist, sie einzuführen in die verschiedensten Wiffensgebiete, welche in den Unterrichtsknrsen der Schule in für jedermann gemeinverstäi dlicher Weise gelehrt werden. Viele Arbeiter meinen immer noch, daß sie mit dem, was ihnen das alltägliche Leben bietet, auszukommen in der Lage wären, und wollen nicht glauben, daß immer höhere Aufwendungen an die Bildung des Einzelnen gestellt werden. Die Partei und die Gewerkschaften sind besonders in den letzten Jahren in die Breite gegangen; nun ist es an der Zeit, auch mehr in die Tiefe zu gehen und gerade dazu bietet die Arbeiter-Bildungsschule reichlich Gelegenheit. Arbeiter und Arbeiterinnen! Sorgt dafür, daß die jetzt beginnenden Kurse gut besucht werden. Wir lassen den L e h r p l a n für das 4. Quartal 1911 im Auszuge folgen. Beginn in der Woche von Sonntag, den 24., bis Sonnabend, den 30. September. Sonntag 10 Uhr vormittags: Deutschland und der Weltmarkt. Vortragender: Max Grunwald. Sonntag IlVz Uhr vormittags: Rednerschule(mündliche und schriftliche Agitationsübnngen). Vortragender: Max Grunwald. Montag: Praktische Sozialpolitik(unter besonderer Berück- sichtigung der neueren sozialpolitischen Gesetze und Gesetzentwürfe und ihrer Verhandlungen im Reichstage). Vortragender: Georg Schmidt. Mittwoch: Die Theorien und Programme der bürgerlichen Parteien in Deutschland. Vortragender: Julian Borchardt. Freitag: Sozialpolitik und Gewerkschaften. Vortragender: Emil D i t t m e r. Sonnabend: Die deutsche Geschichte der letzten zwanzig Jahre. Vortragender: Konrad Hänisch. Näheres siehe Schulplan im Inseratenteil. Also auf zur Arbeiter-Bildungsschule nach der Grenadierstr. 37, Hof 1 Treppe. Am ersten Unterrichtstag resp. Abend ist der Besuch zwecks Auswahl des Faches frei. Ein Gespann im Landwehrkanal. An der Schöneberger Brücke spielte sich gestern früh kurz nach 3 Uhr ein aufregender Vorgang ab. Ein durchgehendes Pferd mit einem Zeitungswagen kam die Schöne- berger Straße heruntergerast und sprang unmittelbar neben der Brücke in den Landwehrkanal. Um das verunglückte Fuhrwerk wieder an Land zu bringen, wurde die Feuerwehr alarmiert. Diese holte zuerst das Pferd und dann auch den Wagen glücklich aufs Trockene. Straßenbahnunfälle. Zu einem Zusammenstoß zweier Straßen- bahnwagen, bei dem zwei Personen leicht verletzt wurden, kam es Donnerstag abend gegen s48 Uhr am Kurfürstendamm. Dort fuhr an der Ecke der Leibnizstrahe ein Straßenbahnwagen der Linie A auf einen an der Haltestelle stehenden Zug der Lima 79 auf. Bei dem Zusammenstoß erlitten zwei Fahrgäste leichte Verletzungen, konnten jedoch ihren Weg ohne fremde Hilfe fortsetzen. Die beiden Bahnwagen wurden nur unerheblich beschädigt; eine Verkehrsstörung trat nicht ein.— Ein zweiter Zusammenstoß zweier Straßenbahn- wagen ereignete sich fast zu derselben Zeit am Askamschen Platz. Dort fuhr ein Straßenbahnwagen der Linie 17 (Richtung Greifswalder Straße) in. die falsche Weiche und stieß irr- folgedessen in den Vorderperron des Motorwagens eines aus ent- gegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnzuges derselben Lima Bei dem Zusammenprall erlitt ein Fahrgast, dessen Per- sonalien nicht festgestellt werden konnten, eine Kopfwunde, die er sich in der Rettungswache in der Köthener Straße verbinden ließ. Die Vorderperrons der beiden Bahnwagcn wurden stark beschädigt, eine Störung entstand jedoch infolge des Unfalles nicht. Bon einem schweren Verlust wurde am Mitkwochnachmittag der Dreher Kuhmigk, Mulackstr. 27 I, betroffen, indem aus dem von ihm bewohnten Flurzimmer ihm die gesamte Garderobe, vier Anzüge, davon zwei einreihige Rockanzüge, einer braun, der andere dunkel; ein zweireihiger und ein einreihiger Jakettanzug, beide hellgrau. ein dunkler Winterpaletot und ein dunkler Sommerpaletot, gestohlen wurden. In den Kleidern befand sich unter anderem ein Notizbuch, das ein Verzeichnis von Mitgliedern des Wahlvereins und die Sammelliste zum Parteitag Nr. 5035 enthielt. Zwischen der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend und der Freien Hochschule nnd der Humboldt-Akademie ist ein Uebereinkommen getroffen worden, wonach die Kommission die Hörerkarten zu den Unterrichtskursen übernimmt und dieselben zum Vorzugspreise von 2 M. pro Kursus an die Gewerkschafts- vorstände abgibt. Die Vorlesungen werden alle Wissensgebiete umfaffcn: Kunst und Kunstgeschichte, Musik und Musikgeschichte, Literatur und Literaturgeschichte, Philosophie, Lebens- und Weltanschauung, Weltgeschichte, Urgeschichte, Entstehungsgeschichte, Entwickelungslehre, Geologie, Technik, Physik, Chemie, Medizin, Hygiene, Ethik, Sexual-Ethik, Recht, Volkswirtschaft, Staatswissen- schaft, Bürgerkuirde, Handelskunde usw. Besonders reichhaltig sind die Kurse zur Erlernung fremder Sprachen. Französisch, Englisch, Italienisch, Russisch und Lateinisch sind mit je mehreren Zyklen vertreten. Ferner sind Diskussionsübungen über Tagesfragen und Uebungen in der Kunst des Vortrages vorgesehen. Der Erlernung des Schachspieles dient ebenfalls ein Kursus. Eine Anzahl Vor- lesungen werden durch Lichtbilder und Demonstrationen erläutert werden. Die Vorlesungen und Unterrichtsstunden beginnen anfangs Oktober. Die Mitglieder, welche sich an denselben beteiligen wollen, können die Hörerkarten von ihrer Ortsverwaltung oder im Bureau der Gewerkschaftskommission, Engel-Ufer 15, I, Zimmer 23, in der Zeit von 9 bis 1 und 4 bis 8 Uhr bekommen.(Sonnabends nur vormittags.) Als Leiche wurde gestern mittag am Kottbuser Ufer ein junger Mann aus dem Kanal gezogen, der in einer in der Nähe der Kottbuserbrücke gelegenen Fabrik beschäftigt war. Der junge Mann hatte sich mit gleichaltrigen Kollegen an der Böschung belustigt und muß durch eine unglückliche Wendung in den Kanal gefallen sein. Obwohl Umstehende den Verunglückten bald darauf aus dem Wasser zogen, konnte er nur als Leiche geborgen werden. Ein Schlaganfall scheint seinen sofortigen Tod herbeigeführt zu haben. Zu dem Tod der Frau Erlcr in der Voigtstraße teilt UNS der Ehe. mann der Frau mit, daß er sich nicht in schlechten Vermögensvcr- Hältnissen befunden habe. Es sei ihm eine Räumungsklage zugestellt worden, obwohl er dem Verwalter am 6. September die Miete an- geboten habe. Der Verwalter habe aber abgelehnt, trotzdem E. seit zwei Jahren stets zwischen dem 4. und 10. jeden Monats seine Miete bezahlt habe. Um den Laden besser vermieten zu können, habe man diesmal die Gelegenheit der ctlvas späteren Zahlung benutzt, den E. durch Räumungsklage aus seinem Geschäft herauszubringen. Das habe die Frau E. schwermütig gemacht und sie veranlaßt, sich da* Leben zu nehmen. Auf der Treptow- Sternwarte beobachtete Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold Donnerstagabend 8 Uhr gelegentlich der Beobachtung des neuen Kometen, der jetzt bereits einen Schweif zeigt, eine Feuerkugel, die durch ihren Doppelschweif und große Helligkeit besonders bemerkenswert war. Sollte einer unserer Leser diese Feuerkugel beobachtet haben, so wäre es wichtig, genaue Angaben über ihren Lauf am Himmel. Formenänderungcn usw. möglichst bald an die Treptow-Sternwarte gelangen zu lassen, da solche Mitteilungen für die Bahnbestimmung von Wichtigkeit sind. Am Sonntag, abends ,7 Uhr, spricht Direktor Dr. F. S. Arche«, Ii o l b über„Das Geheimnis bcs Weltenbaües", und Montag, � abends 7 Uhr. lautet daS Dhema:..Unser Wissen von den Sternen- weiten". Mit dem großen Fernrohr wird der Komet, in dessen Kops seit einigen Abenden interessante Aenderungen bor sich gehen, abwechselnd mit dem Saturn gezeigt. Ein großer Dnchstnlilbraud brach gestern vormittag gegen tl) Uhr in der Schreinerstraße 26, im Osten Berlins, aus. Als die Züge 7 und 26 der Berliner Feuerwehr auf der Brandstelle ein- trafen, stand der größte Teil vom Tachstuhl des Vorderhauses schon in Flammen. Brandmeister Gcmpp ließ daher sofort mit vier Schlauchleitungen eingreifen, die zum Teil über mechanische Leitern, zum Teil über die Treppen gelegt wurden. Trotzdem dauerte es über eine Stunde, bevor die Gefahr für die Nachbargebäude beseitigt war. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist fast vollständig vernichtet. Vermutlich liegt auch in diesem Fall böswillige Brandstiftung vor. Die Ermittelungen in dieser Richtung sind noch nicht abgeschlossen. Ein Revolvcrattcntat verübte am Freitag nachmittag im Forst bei Schulzendorf der in Berlin, Kottbuser Straße, wohnhafte Arbeiter Richard Röseler auf seine Braut, die in der Graun- straße wohnhafte Arbeiterin F r o h l o f f. Der Attentäter gab auf das Mädchen zwei Schüsse ab, die sie schwer verwundeten. Röseler wurde festgenommen und der Polizei übergeben, während das schwerverletzte Mädchen Aufnahme im Paul-Gcrhardt-Stift fand. Röseler gab bei seiner Festnahme an, daß er mit seiner Braut aus dem Leben scheiden wollte und mit deren Einverständnis auf sie geschossen habe. Bermitzt wird seit dem 8. d. M. der tZjähriga Schüler Bruno Siegmund. Derselbe wurde mit einer Bestellung fortgeschickt und ist seitdem spurlos verschwunden. Er ist zirka 1,36 Meter groß, schwächlich, war bekleidet mit blauer Sportmütze, blauer Kniehose, hellbrauner Joppe aus geripptem Zimmermannsstoff, schwarzen Strümpfen und hohen Schnürstiefeln. Derselbe hat dunkelbraune Augen, blasses Aussehen, dunkelblondes Haar. Auf dem Oberkopse befindet sich ein lll-Pfeimigsiück größer weißer Fleck, ebenso auf dem Hinterkopf ein kleinerer. Es wird angenommen, daß er sich auch in der Umgegend bei Besitzern aufhält. Nähere Angaben bitte zu richten an Frau Siegmund, Nanpachstr. l. Zeugt» gesucht. Personen, welche in der Woche bor dem 3. Juni d. F. den Transport von Arbeitswilligen mit der Straßen- bahn zwischen Bahnhof Gesundbrunnen und Griinthaler Straße beobachteten und das Gespräch des Metallarbeiters Maus mit den, che- maligen Angestellten der Gelben(Jeschke) gehört haben, werden er- sucht, ihre genaue Adressen an Ludwig Maus, Charitöstr. 3, Bureau des MetallarbeiterverbandeS, gelangen z» lassen. Eventuelle Unkosten werden vergütet._ Leseabende. Reinickendorf-Ost. Montag, den 2Z. September, abends 8 Uhr, bei S a d a u, Residenzstr. 12t: Vortrag des Genossen Doni- nick:„Welches Interesse haben die Frauen an der Politik?" Lcseabend des Westens. Sonntag, den 2t. September, Ausflug nach Schlachtensee. Für Nachzügler bis 3 Uhr»ochmittags beim Stockförster Liebig, Wannseer Chaussee. Treffpunkt früh 8 Uhr, bei WiemerS, Bülowstr. 58. Lichtenberg. Umständehalber findet der Leseabend anstatt bei Wilh. Schulz, bei Pickenhngen, Scharnweberstr. 60, statt; der 2. Lese- abend tagt bei Simon, Wilbelmstr. 86. Vortrag für beide Lokale;»Der Kampf um die Arbeiterjugend". 2.80. Barsche 1,00-2,00. Schiele 1,40-3,00. Bleie 0,80-1,60, 60 Krebse 2,50-30,00._ WitteruugSüberstcht vom SS September 1911. ltück etati«»« LZ || ßnefhalten der Sxpeäition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätien. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Uebcrwcisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäte«« Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden, Alle Adressen müssen jeden Monat neu«ingesandt werden. Marktpreise von Berlin am SI.Tcptbr. 1911, nach Tnmttelung des Käiiialicheii Polizeipräsidiums. M a r k t h a l! e n p r e i s c.(Kleinkaiidel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sbeisebotme» weivc, 35.00-50,00. Linsen 34,00-80,00. Kartoffeln 8.00—12,00, 1 Kita. Klirpje» 1,20-2,40. Aale 1,60-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bii ZwMemde Hamburg Berlii! Franti.a vi. München Wien * 5 = 5 se 757 NW 757 SSA 757 O 757 NO 758 NW 756 Still » Oetttr I 1 Regen 2 wolkig 1 bedeckt 2 Nebel 3 Ziegen bedeckt »II ß? htm «tationen £1 IS° Se o 5 »- e 5? Saparemda 761SSA eterSburg 760 SD Ecrllh 1 758 NW Aberdee» 756 NNW BarrS i757W Setter 2 bedeckt 1 wolkig 4 Ivolkig 2 heiter 1 bedeckt »e C« A. II 11 11 13 6 9 Wetterprognose für Sonnabend, den LS. September 1911. Zunächst aufklarend, am Tage etwas wärmer, bei mähigeu südlichen Winden; später wieder zunehmende Beivölkung und leichte Zlcgensälle. Berliner Wette rbureau. Wasierstaiidö-NaMrichten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l. Tilsit Pregel, Imterburg Deichsel, Tdorn Oder, Natibor , itrossen , Frantsurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, LeiMreritz , Dresden , Bardo . Magdeburg Lasserstand Saale, Srochlttz Havel, Svandaul , Ratdcuow') Spree, Svrcmberg') , BeeSkow Leser, Münden , Muidcn Rhein, MaplMllimiSmi , Kaub K5ln Neckar, Hetlbronn Main, Wertbeim Mosel, Trier am 21.0. orn 83 — 9 — 10 70 87 69 132 310 104 61 14 feit 20.9. am') '+7 0 —1 0 +1 —5 —4 _ o +1 +4 _ 2 +13 •)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') llnlerpegel. Todes-Anzeigen Sozialdeuiökpatiseliireiswalil- verein Kieöerliarniiii Bezirk Tegel. In der Nacht am 19. d. Mts ist unser Genosse, der Maschinen- arbciter 5r!ellric!i Kutter sreiwillig aus dem Leben geschieden. Ehre seinem Zlndeukeni Die Beerdigung findet am Sonnabeiidnachmittag um 4 Uhr, aus dem Gcmeindefriedhose statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/18 Die Bezirksleitung. m ni 5'". Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands (Zahlstelle Berlin). " Am Dienstag, de» 19. d. MtZ., ist unser Mitglied frieäricd Kutter sreiwillig aus dem Leben geschieden. Ehre seinem Slndenkeu! Die Beerdigung findet ain Sonnabend, den 23. d. Mts., nachmittags 4 Uhr. von der Halle des Tegeler Gemeinde-FriedhoseZ aus stait. 64/2 Rege Beteiligung erwartet isie OrtsvcrwaUnng. tiermit die traurige Nachricht, Misere liebe Mutter. Schmie. ger- und Großmutter, die Witwe Marie Rolle geb. Genthe nach schwerem Leiden am 21. d. M. verstorben ist. Im Namen der Hinterbliebenen: Paul Herold, Gräsestr. 26. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. d. M., nach- mittags 4 Uhr von der Leichen- halle des St. ThomaS-Kirchhoses, Rixdors. Hermannstraße, aus statt Danksagung. 7246 Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS sage ich allen meinen herzlichsten Dank. Clementine Qoehring. Danksagung. Für die vielen Beweise herz- sicher Teilnahme bei der Be° erdigung meines geliebte» MaimeS, sürsorgeuden Vaters und Onkels, des Gastwirts Julius Pietz sagen wir allen Verivandten, Frermden und Bekannten herz- lichsien Dank, insbesondere Herrn Georg Bracht für seine trostreichen Worte am Sarge deS Eni- schlasenen, ebenso den Kranz- spendern, dem sozialdemokratischen Wahlverein des 2. Berliner Reichs- tagSwahlkreiseS, den Herren der Firmen Müller u. Model, Struck, kowitzke, Metz, den Mitgliedern des Gesangvereins Miicntramn- Soni-Belli, den Angestellten der Brauerei Urbach, sowie dein Ber- band der sreien Gast- und Schank- Wirte Deutschlands: ebensalls den Stammgästen und Freunden für Stellung der Musik unsercu tief. gefühlten Dank. 725b Vil«e Marie Pietz nebst Kindern und Nichte. Mut Konfektionshaus für Damen' u. Mädchen' Bekleidung Berlin N, Brunnenstraße 56. WeM letzte Neuheiten aus echt engl. Stoffen sowie Tuch, Kammgarn, Cheviot etc. IS75. 22-, 27-, 39-, 45- i-- 76 M. 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Sonntags 7 Uhr. JS® % Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Ihr Alibi. folies üspriee. Täglich S>,. Uhr: Kobi Krach. Bunter Teil. Nr. 14. Gesundbrunnen, Badstraße SS. Morgen Sonntag: Der Prozeßhansl. Volksschauspiel in 4 Auszügen von Ludwig Ganghoser u. Hans Neuert. Musik von F. Voita. Kasseneröffn. 6 Uhr. Ansang 7 Uhr. ftoacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenftrahe 16. Graste Extra-Vorstellung: Uriel Acosta. Schauspiel in 5 Akten von K. Gutzkow. Anfang 8llt Uhr. Morgen: Uriel Acosta. vasino Tksstoi' Lothringer Str. 37. Täglich S Uhr der«eue Terwaltang Berlin. Sonntag 31/, Uhr: Papa Nitfche. Kerliner Possen-Schluger feiise KelschiM lsiaichlnenarbeitei' Lrok-kerlins! Montag, de» 35. September 1911, abends 8 Uhr: Aiißnsrdkiitliliie Kriiilllitll-Vtrsmiiliiliig tu den„Andreas-Feftstllen«, Andreasstraste 31. TageS-Ordnung: 1. Die erste Konferenz der Maschinenarbeiter Deutschlands in München. 2. Wahl von vier Delegierten. 3. Bericht von den letzten Generalversammlungen. 4. Wahl zweier Obleute. Mitgliedsbuch legitimiert._ 89/3_ Die Branchenkommission. Königstadt-Kasmo. Hoizmarktstr. 72, EckeAlexanderstr. Täglich: In lauschiger Nacht. Burleske mit Gesang in 1 Akt. klsate Pohlmann. Honny Solms. Minni Neumann. Rudolfi. Präciosa, der weidl..Sherlock HolmeS'. Anst�vo�eich��onnmgsK�b� Die blntvickeluiij OentsoUlanä.— der Industrie und 5ie UnfaUversicheruns Arbeiter-Bildung'sschule Berlin. Schallokal: Grenadierstr. 37, Hol geradezu 1. Lehrplan für das IV. Quartal 1911. Sonntag: Dentschland und der Weltmarkt. Die wirtschaftliche Entwickelung Zentraleuropas bis zur kapitalistischen Weltwirtschaft.— Die Technik des Weltverkehrs. Börse. Eisenbahnen. Post. Telegraphie. Seeschiffahrt Luftschiffahrt.— Die internationalen Handelsbilanzen.— Deutschlands Entwickelung vom Agrarstaat zum Industriestaat.— Die Zölle und Handelsverträge.— Das Bevölkerungsproblem.— Weltwirtschaft und Weltpoütik. Vortragender: Max Grunwald. Sonntag: Rednerschnle(mündliche und schriftliche Agitationsübungen). Der Ausdruck in Wort und Schrift.— Die Technik und Disposition der Bede und des schriftlichen Berichts.— Praktische Uebungen über bestimmte Fragen aktueller Wirtschaftspolitik. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Praktische Sozialpolitik(unter besonderer Berücksichtigung der neueren sozialpolitischen Gesetze und Gesetzentwürfe und ihrer Verhandlungen im Reichstage). die Sozialpolitik in nach der B.-V.-O.— Die Krankenversicherung nach der R.-VT-O.— Die Invaliden- Versicherung nach der K.-V.-O.— Die staatliche Witwen- und Waisenversicherung.— Die Arbeitersohutzgesetzgebung.— Das Hausarbeitsgesetz.— Die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine.— Das Stellenvermittelungsgesetz.— Staatliche und kommunale Arbeitslosenversicherung.— Die gesetzliche Vertretung der Arbeiter Deutschlands(Arbeiterkammera— Ar- beitskammem). Vortragender: Georg Schmidt. Mittwoch: Die Theorien und Programme der bttrj;er- liehen Partelen in Dentschland. Der Gegensatz zwischen konservativ und liberal. Die Klasseninteressen der Konservativen, ihre theoretische Begründung und ihre praktische Vertretung.— Die entschieden liberalen Parteien, ihre Grundanschauungen und Programme und deren Zusammenhang mit den von ihnen vertretenen Klasseninteressen. — Die Nationalliberalen. Das Zentrum. Die gegenwärtige Situation. Vergleich der drei„Weltaasohauungea": konservativ, liberal, sozialistisch. Vortragender: Julian Borohardt Freitag: Sozialpolitik and Gcwcrkschalten. Die Gewerkschaften und die Reichstagswahlen.— Sozialpolitische Aufgaben des Staates und der Gemeinden.— Die Sozialpolitik der deutschen Gewerkschaften.— Arbeitslosen- Unterstützung und Arbeitsnachweis.— Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung.— Die Volksfürsorge der deutschen Gewerkschaften.— Lohnkampfund Tarifvertrag.— Das Koalltions- recht und der Strafgesetzentwurf. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend: Die dentsche Geschichte der letzten zwanzig Jahre. Rückblick auf die deutsche Politik seit 1870/71.— Der Sturz Bismarcks. Der Fall des Sozialistengesetzes.— Der„neue Kurs"(Aera Caprivi).— Die Aera Hohenlohe.— Das persönliche Regiment.— Beginn der weltpolitischen Aera. Bülows Anfänge.— Der Kampl um die Agrarzölle.— Die Periode der Blockpolitik.— Bülows Sturz.— Die Steuerkämpfe.— Arbeiter- schütz- und Arbeitertrutzgesetzgebung in den letzten zwanzig Jahren.— Die Verfassungskämpfe im Reiche und in den Einzelstaaten.— Die beginnende Aera der Massenkämpfe.— Die deutsche Weltpolitik und der Imperialismus. Vortragender: Konrad Hänisch. Der Unterricht beginnt in Deutschland und der Weltmarkt und Rednerschnle: Sonntag, den 24. September; in Praktischer Sozialpolitik: Montag, den 25. September; in Theorien nnd Programme der Parteien: Mittwoch, den 27. September; in Sozialpolitik nnd Gewerkschaften: Freitag, den 29 September; in Deutscher Geschichte: Sonnabend, den 30. September. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende nnd beginnt pünktlich um 8>/, Uhr und endet pünktlich um 10 l/hr. Der Sonntagskursus in Deutschland und der Wellmarkt beginnt pünktlich um 10 Uhr und endet pünktlich um'/,1L Uhr. Der Sonntagskursus in Rednerschule beginnt um 18 Uhr und endet pünktlich um'!,% Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an den Abenden von 7'/,— 8J/, Uhr geöfinet. Der Mitglledsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Greuadierstraße 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottft. Schulz. Admiralstr. 40a; Real, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 31, W. Kaczorowskl, Rai enestr. 6; Horts eh, Engelufer 15. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Hermann Uammd, Utchtenberg-Berlln, Rlttergutstr. 35 I, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56. Der Vorstand. Arbeiter m ihre» Beruf � gute und billige �fe�dUfll) tn«roster Auswahl Brunnenstr. 158, Otto Keinicke. Für die streikenden Holzardeiter Hamburgs gingen weiter folgende Bei» träge ein: Tisch!. Braunftsch u. Jakob, Abt. I 9,—. Tischt. Linke u. Jode«« schweger 5,65. Peschel u. Söhne, Sechserkasse 15,—. Winkler u. Haas 7,—. Möbels. Ostend 7,80. Haserkorn u. Co. 8,40. Werkst. SttcklaS 11,—. Tischt. Zack 4,—. Tischt. Volkmann 7,—. Korb. v. Heinemann, 4. Rate 6,50. sirma Bechstein 76,30. Gen. Modern 8,65. Gerson 15,—. Streikkontrolle K),—. Tischlerei Cosmann 9,—. Ebert u. Gabelin 15,—. Horschke u. Görlich, 3. Rate 3,50. Tischlerei Weinland 26,—. Hanke u. Vollmar, 2. R. 13,—. Fa. Steinte 5,—. Werkst. Juhre u. Nicolai 4,—. Werkst. Raule 12,—. Werkst. Lüdtke. Britzcrstr. 7 20,60. Tischl. Mietsch 10,—. Tischt. Fink, 2. R. 12,80. Tischl. Zwanzig u. Metzker 12,—. Werkst. Mittag 50,—. Werkst. Gülle, 2. N. 6,60. Blankenburg u. Schnabel, 4. R. 8,55. Bembeneck, Hock u. Co. 8,50. M. u. Franz Berndt, 2. R. 26,15. Werkst. H. Thomas 7,—. Tischl. Schmidt, Lichtenberg 22,—. Fa. Rückert 5,50. Abb u. Daum 13,80. Einige Kollegen v. Alschner 7,40. Budig u. Kruner 13,75. Reschke, Wiener« ftratze 19,—. Tischt. Wedegärtner u. Fischer 8,10. Werkst. Steinbock 7,45. Meier, Heitchen u. Co. 16,10. Flotow u. Priemcr 21,—. Werkst. Zippel 8,—. Werkst. Hänsel 7,90. Werkst. Schcfsler 7,25. Werkst. Maier 6,05. Werkst. Fischer, Rusch u. Co. 5,05. Wagner u. Dunnebreit 16,—. Bautischl. Alt« städt 6,55. Werkst. Busse 9,20. Miles u. Neumann, 4. R. 16,—. Tischl. Treue 10,50. Tischl. Voigt 9,50. Aronsohn 10,45. May u. Co. 7,55. Möbelf. Weise 11,40. Fcllsner u. Koffer 7,90. Tischl. Schütze, 3. R. 20,—. Kießling 10,05. Werkst. Schumann 5,05. Sauter, Hinz u. Co. 35,—. Heinz, Sauter u.Co. 10,50. Mitusch u. Langisch 8,20. Stellmacher N. A. Schöneweide 41,25. Bautischl. Wegener 10,50. Fa. Raabe 9,50. Müller, Schwedterstr. 258 2,50. Werkst. Thomas 6,50. Tischl. Zache 7,80. Möbels. H. u. A. Schultz 23,10. John u. Bester, 3. R. 9.10. Werkst. Schmidt 12,50. Stern, Seliger«. Co., 3. R. 13,—. Tischl. Kieling 10,40. Baut. Pohl 4,30. Leistens. Krüger, 2. R. 3,75. Turbinenf. A. E. G., Äodellt. 39,35. Teisel u. Co., 4. R. 6,60. Baut. Vonhoss u.Tannert 9,—. Klinke Nachf., 2. R. 29,85. Werkst. Werner, 2. R. 20,20. Werkst. Nöhle, 2. R. 11,80. Firma Sommer 2,60. Baut. Reetz 4,90. Lüdtke, 5. R. 12,15. Schulz u. Hinsche, 3. R. 12,—. Bilderrahmeni. Nipprasch 4,50. Küchen- möbeis. Manske, 4. R. 10,60. Modellt. C. A. Lukas 5,70. Sa. 1113,45 M. Bereits quittiert 3954,05 M. Sa. 5072,50 M. 89/4__ Tie Lrtsverwaltung. HiSsel Spezial- Geschäft Aach Teilzahlung Große Frankfurter Straße 45-46, 1 u. 11. Wilhelm Misch Wlditia für HObelkaufer Selten günstige von Wohnungs Herrenzimmer mv 388 SpeisezimmerT422 Bunte KOchen v.M. 54 Kaufgelegenheit Einrichtungen Schlafzimmern 285 Wohnzimmer �210 Einz- MObelstUcke enorm billig Solide, gediegene, geschmackvolle Ausführung. 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Tie Berichte der ein- zelnen Landesdelegicrten, die insgesamt 1S0t)t>v organisierte Be- rufskollegen vertraten, ergaben ein interessantes Bild über die wirtschaftliche und soziale Lage sowohl wie auch über die Organs- sationsverhältnisse der Maler und verwandter Berussgenossen. Mit aller Deutlichkeit ging aus der Berichterstattung hervor, daß überall der Kamps um die Existenz ein schwerer ist, die Ausbeutung der Arbeiter in skrupelloser Weise betrieben wird und die Arbeiter im Malergewerbe allgemein unter großer Arbeitslosigkeit, Unsicherheit des Erwerbs zu leiden und zu kämpfen haben. Zur Aufrechterhaltung und weiteren Ausgestaltung der internationalen Beziehungen beschloß der Kongreß einstimmig die Er- richtung eines internationalen Sekretariats mit dem Sitz in H a m- bürg. Als Sekretär wurde der Vorsitzende T o b l e r des deut- schen Malerverbandes gewählt. Außer den näher bestimmten Auf- gaben, die das Sekretariat zu erledigen hat, ist ihm auch die Her- ausgäbe einer halbjährig zu erscheinenden internationalen Rund- schau über die Berufs- und Organisationsverhältnisse der angs- schlossenen Länder übertragen. Letztere sind deshalb verpflichtet, halbjährlich einen nach den Dispositionen des internationalen Sekretärs bestimmten Bericht an dasselbe einzusenden. Die Druck- schrift erscheint in 4 Sprachen(deutsch, französisch, englisch und dänisch) und wird den angeschlossenen Verbänden für ihre Funktio- näre zugestellt. Zur Deckung der Kosten des Internationalen Sekre- tariats und der zu erscheinenden Druckschrift haben die einzelnen Ver- bände pro Mitglied und Jahr 5 Cents zu bezahlen. Die Wahl des Sekretärs, die Bestätigung des Kassenberichts, sowie die Entschädi- gung für den Sekretär obliegt dem nächsten internationalen Kon- greß. Alle 3 Jahre findet nach Anfrage des Sekretärs bei den angeschlossenen Zentralverbänden ein Kongreß statt. Außerordent- liche Kongresse müssen einberufen werden, wenn mindestens drei Organisationen mit zusammen 19 000 Mitgliedern die Einberufung beantragen. Aus dem zur einstimmigen Annahme gelangten Kartellvertrag sheben wir noch folgende Bestimmungen hervor: Ten Mitgliedern der dem Kartell angeschlossenen Organisa- tionen wird es zur Pflicht gemacht, im Falle sie ihre Heimat ver- lassen, sich nur denjenigen Organisationen anzuschließen, die die Vertragsbestimmungen anerkennen und vom Internationalen Se- kretariat ihre Bestätigung erhalten haben. Sollten Zweifel über die Aufnahme entstehen, so entscheidet definitiv der nächstfolgende Kongreß. Beim Uebertritt von der einen in die andere Organisation sind folgende Bestimmungen zu erfüllen: Vorlegung des Mitglieds- buches mit dem für die Person nötigen Ausweis. Beim Uebertritt in die Organisation überseeischer Länder ist außerdem die Bestäti- gung des Internationalen Sekretariats erforderlich. Bezüglich der besonderen Unterstützungseinrichtungen(Kranken-, Sterbe- und Arbeitslosenunterstützung» behalten sich die Verbände vor, die Unter stützungsberechtigung nach der geleisteten Beitragssumme zu be rechnen.— Die Reiseunterstützung wird gezahlt an Mitglieder der Vertragsverbände, wenn sie ein Jahr der Organisation angehören oder nachweislich innerhalb 4 Wochen nach beendeter Lehrzeit der- selben beigetreten sind und ihre Beiträge entrichtet haben.— Die in der einen Organisation bereits erhaltene Unterstützung kann bei Uebertritt in die andere Organisation bei der gesamten zu- stehenden Unterstützung in Rechnung gezogen werden.— Unterstützung zahlt jede Organisation nur an diejenigen Mitglieder innerhalb ihres Bereichs, die bei ihr rechtzeitig angemeldet sind. Der Kartellvertrag tritt mit dem 1. Januar 1912 in Kraft. Ter Rücktritt eines Zentralverbandes von diesem Vertrag kann nur erfolgen, wenn 6 Monate zuvor die Kündigung beim Internationa- len Sekretariat eingereicht worden ist.— Eine sehr eingehende Aussprache fand über die Frage der Unterstützung bei Lohnkämpfcn und Aussperrungen— hierzu lag ein Antrag aus Ungarn vor— statt. Es fand eine Resolution einstimmige Annahme, in der es der Kongreß als ein Gebot internationaler Solidarität erachtet. die angeschlossenen Bruderorganisationen in besonders schweren Kämpfen nicht nur moralisch, sondern auch finanziell zu unterstützen. Als selbstverständlich hält es der Kongreß, daß die Regelung der Unterstützung nur durch das Sekretariat erfolgen kann und zuvor eine eingehende Berichterstattung erfolgt sein mutz. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung wurde der Kongreß geschlossen. Vorort- l�adrnckten. Charlottcnburg. Wegen eines größeren DochfinhlbrandeS wurde gestern nachmittag die Ostfeuerwache nach der A n s b a ch e r Str. 6 gerufen. Der Brandherd lag im Dachgeschoß des Ouergebäudes. Zur Ablöschung der Flammen mutzte mit zwei Rohren Wasser gegeben iverden. Die Ursache des Feuers wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Schon gestern vormittag hatte die Wehr in demselben Hause eine» kleinen Brand zu unterdrücken, der durch Kurzschluß in einer elektrischen Leitung entstanden war. Rummelsburg. In der Gciiicindevertreterfitzung am Mittwoch wurde bei der Wahl von Mitgliedern für das Kuratorium der. höheren Lehr- anstalten gegen die vom Wahlausschuß vorgeschlagene Kandidatur des Gemeindeverordneten Oberlehrer Aigte von bürgerlicher Seite Einspruch erhoben; man befürchtet von dieser Seite, daß durch die Wahl eines Lehrers, der Herr Direktor vom Gymnasium im Kuratoriuni in seiner Bewegungsfreiheit sehr beengt wird und daß andererseits dann auch Rechte der Lehrerschaft im Kuratorium vertreten werden könnten. Die Grundbesitzervertreter und der Gemeindevorstand stimmten denn auch geschlossen gcgenOberlehrer Aigte. an dessen Stelle wurde Ge- rneindcverordneter Büsch mit 10 gegen 11 Stimmen, welche auf Aigte emfielen, gewählt. Ein Antrag deS GemeindevorstandcS, zu be- schließen, daß die jetzige siebcnstufige Knabeinnittelschule in eine neunstufige umgewandelt wird, wurde auf Antrag unserer Vertreter dem Finanzausschuß erst zur eingehenden Prüfung überwiesen. Ein weiterer Antrag des Gemeindevorstandes lim Bewilligung der Mittel zur Einrichtung einer Zentralheizungsanlage imHause Türrschmidtstr. 24 und Vergrößerung der bestehenden Anlage im Hause Bürrschmidlstr. 20 wurde nach eingehender Debatte abgelehnt und dafür beschlossen, daß in allen Räumen, in denen noch Kochmaschine» zur Heizung dienen, dieselben durch gute Kachelöfen zu ersetzen sind. Am Schlich der öffentlichen Sitzung brachte Genosse John zur Sprache, daß in der gewerblichen Fortbildungsschule von der Lehrerschaft Propaganda für eine Zeitschrift gemacht wird, welche sich„Feierabend" betitelt— und daß einzelne Lehrer aus dieser Zeitschrist gleichzeitig Vorlesungen abhalten und auf die Schüler einwirken—_ damit dieselben aus die Schrift auch abonnieren. Der Bürgermeister versprach, die An- gelegenheit zu untersuchen und in der nächsten Sitzung Bericht zu geben. In der folgenden nichtöffentlichen Sitzung machte der Bürgermeister Mitteilung von dem Verlaus der Kominissions- Verhandlung mit der Stadt Lichtenberg in Sachen der Berschmelznng beider Orte. AuS den Ausführungen de? Bürgermeisters war zu entnehmen, daß Lichtenberg auf eine Vorbelastimg bei den Real- steuern auf mindestens sieben Jahre» bcharrt. Auch konnte bei den Eondcrbedingungen. welche Rummelsburg noch gestellt hatte, eine Ucbereinslimmung nicht cxziell werden, doch ist hier nach Ansicht des Bürgermeisters zu erwarten, daß die swittigen Punkte wahrscheinlich zu einer Verständigung führen werden. Die sich hieran an-. schließende sehr lebhafte Debatte ergab, daß die bürgerlichen Ver- treter durchaus nicht für eine längere Vorbelastung als den bereits beschlossenen ftmf Jahren zu haben sind. Beschlüsse wurden aber nicht gefaßt, da erst abgewartet werden soll, welche abweichenden Ansichten uns Lichtenberg noch betreffs der Sonderbedingungen unterbreiten wird. Schöneberg. Die Ersatzwahl im ersten Bezirk der dritten Abteilung findet am Mittwoch, den 27. d. Mts., von vormittags 9 Uhr bis abends 8 Uhr im Restaurant Nolle ndorf-Hof, Bülowstr. 2 statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Genosse Albin M o h s, Gewerkschafts- sekretär. Die Wahl vor vier Jahren brachte uns 170 Stimmen und den Gegnern 211 Stimmen. Bei etwas intensiver Tätigkeit kann dieser Bezirk, trotz seiner vornehmen Zusammensetzung für uns ge- Wonnen werden. Die Genossen werden ersucht, am Sonntag, den 24. d. Mts., vormittags 8 Uhr, bei S e n st, Nollendorfstr. 10, zu erscheinen. Die Genossen und Genossinnen des 3., 5.. 0., 7., 8. und 11. Be- zirks erledigen ihre Parteiarbeit von den bekannten Lokalen aus. Pflicht derjenigen Genossen, in deren Bezirken keine Wahl stattfindet, ist es, sich den anderen Bezirken zur Verfügung zu stellen. Treptow-Baumschulenweg. Auf die Bedeutung der nächsten Rcichstagswahlen wiesen in den letzten regelmäßigen Mitgliederversammlungen des Wahlvereins die Referenten beider Abteilungen hin. Während in der 1. Abteilung, die bei Krause, Marienthaler Straße, tagte, Genosse Schacht über die Parole für die nächste allgemeine Reichstagswahl sprach, referierte in der 2. Abteilung im Sportrestaurant„Zur Rennbahn" Genosse Lehmann über das Thema:„Zehn Jahre nach dem Sozialisten- gesetz", am Schlüsse seiner Ausführungen gleichfalls auf die Be- deutung der im Januar stattfindenden Wahlen hinweisend. Der Vor- sitzende zeigte hierauf, daß seit dem Jahre 1907 eine wesentliche Verschiebung der Wählermassen zugunsten der westlichen Vororte Platz gegriffen habe und da sich diesmal voraussichtlich 7 Kandidaten um das Mandat bewerben, niüsse alles daran gesetzt werden, um dem sozialdemokratischen Kandidaten gleich bei der Hauptwahl mit großer Majorität zum Siege zu verhelfen. AKahlsdorf an der Ostbahn. Ein schweres Brandungliick, das leicht verhängnisvolle Folgen hätte haben können, ereignete sich vorgestern in der Waldowstraße. In Abwesenheit seiner Mutter, der in der Waldowstraße wohnenden Witwe Nitschke, hat der kleine zweijährige Sohn wahrscheinlich mit Streichhölzern gespielt, die sich entzündeten und Betten»nd Tücher in Brand setzten. Als Hausbewohner dies bemerkten, war die ganze Wohnung bereits vollständig verqualmt. Ten Kleinen fand man leblos am Fenster auf der Erde liegend vor und brachte ihn ins Freie. Aber erst nach mehrstündigen angestrengten Be- mühungen eines Arztes gelang es, den Knaben wieder zum Be- wußtsein zu bringen. Das Befinden des Kindes ist jedoch, wenn auch Lebensgefahr beseitigt scheint, so bedenklich, daß es nach einem Krankenhause übergeführt werden mußte. Weihensee. Die alte Secbadeanstalt wird gleich nach der Badesaison ab' gerissen, um einer neuen modern eingerichteten Badeanstalt Platz zu machen. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäfligte sich mit dieser Angelegenheit etwa zwei Stunden. Einige Herren wollten die Badeanstalt an das westliche Ufer des Sees stellen, während die beteiligten Schwimmvereine der östlichen Seite den Vorzug gaben, was von der Mehrheit der Vertretung anerkannt wurde. Die Bade- anstatt soll eine Schwimmfläche von 50 Metern Breite erhalten, für die Herrenabteilung 33>/z Meter, für die Dainenabteilung 10% Meter. Nach dem See zu bleibt die Anstalt offen, so daß dem tüchtigen Schwimmer der ganze See zur Verfügung steht. Um die Ufer- Promenade nicht zu beeinträchtigen, wird die Erfrischnngshalle nach dem See in einer Höhe von 3 Metern verlegt. Die ganze Anlage soll so gefördert werden, daß dieselbe am 1. Mai 1912 dein Betrieb übergeben werden kann. Durch einen Hufschlag schwer verletzt wurde vorgestern der 20jährige flutscher Berndt aus Bernau. B.. hatte für den Pferde- Händler Fleischer zwei Pferde gekauft, von denen das eine ein Hufeisen verloren hatte. Als sich der Kutscher an dem Fuße des Tieres zu schaffen machte, scheute es vor einem vorbeifahrenden Automobil und schlug aus. Der Kutscher wurde dabei so heftig am Kopfe getroffen, daß er blutüberströmt und besinnungslos zu- sammenbrach. Ter Verunglückte wurde nach dem Augustc-Viktoria- Krankenhaus übergeführt, wo außer einer klaffenden Stirnwunde eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Buch. In der letzten Mitgliederversammlung hielt Genosse Emil Ungcr einen Vortrag über die Bedeutung der Sozialdemokratie und die Handhabung der Agitation. In kurzen Umrissen schilderte der Referent die Fortentwickelung der Arbeiterbewegung, die heute ein nicht mehr zu ignorierender Faktor in der gegenwärtigen Ge- sellschaft ist. Zur Handhabung der Agitation gab Genosse Unger etliche praktische Ratschläge, die in der Diskussion durch mehrere Redner noch ergänzt wurden. Nowawes. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins machte vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Mitteilung von dem kürzlich erfolgten Tode der Genossin Meißner. Die Anwesenden ehrten ihr Andenken in der ühlichen Weise. Einen weiteren Trauerfall, der besonders die wenigen alten Genossen am Orte schmerzlich berühren dürfte, gab Genosse Neumann bekannt. Am 19. August verstarb in Nordamerika im Alter von 02 Jahren einer der Gründer der örtlichen Parteiorganisation, der Genosse Oskar Hesse. Ter Verstorbene war ein energischer, unermüdlicher Kämpfer für die Ausbreitung des sozialistischen Gedankens und hatte sowohl vor als auch während des Sozialistengesetzes mit der Reaktion so manchen harten Strauß auszufechten gehabt. Als dann die Be- drängnis schließlich zu arg wurde, entschloß er sich schweren Herzens auszuwandern und fand, wie so viele andere, in der neuen Welt eine zweite Heimat. Trotz der weiten Entfernung nahm er an der Entwickelung der örtlichen Organisation auch weiterhin regsten Anteil und stand mit seinen alten, treuen Mit- kämpfern bis an sein Lebensende in stetiger Verbindung. Ilnter „Vercinsmitteilungen" machte der Vorsitzende auf den am 20. Sep- tember im Lokal des Genossen Hiemkc stattfindenden Frauen- lcseabend und die am 27. September in den festgesetzten Lokalen abzuhaltenden Bezirkssitzungen aufmerksam.— Zur Aufnahme ge- langten 17 neue Mitglieder, und zwar 1ö männliche und 2 weib- liche. Aus anderen Vereinen übergetreten sind 0 Mitglieder.— Die Abrechnung vgm Sommerfest ergab eine Einnahme von 172,50 Mark und eine Ausgabe von 170,15 M.— Den Bericht vom Jenaer Parteitag erstattete die Genossin Juchacz aus Rixdorf. Das Referat gewährte einen klaren Ueberblick über die Parteitags- Verhandlungen und fand lebhaften Beifall. An der darauffolgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Jüth und Schulz, die mit einigen Ausnahmen ihrer Befriedigung über den Verlauf des Parteitages Ausdruck gaben.— Unter„Verschiedenem" machte Ge- nosse Schulz auf das am 21. Oktober im Singerschen Saale statt- findende Herbstvcrgnügcn unserer Jugend aufmerksam und bat um rege Beteiligung der Eltern und Freunde der Jugendbewegung. Zum Schluß teilte der Vorsitzende mit, daß sich der Besitzer des in den Räumen des Vereinslokals befindlichen Kincmatographcn er- boten habe, für die Mitglieder des Wahlvereins an einigen Abenden Extravorstellungen zu geben, in denen wertvolle soziale Auf- führungen geboten werden sollen. Ten eventuell aus einer Teller- sammlung resultierenden Betrag will der Besitzer dem Wahlverein überweisen. Spanvau. Zu unseren Mitteilungen über die Inhaftnahme eines.KindeS (in Nr. 213 und Nr. 219) ist uns ein seltsamer Brief zugegangen. Sein Verfasser hat nicht begriffen, weshalb wir gewisse Neben« umstände jener Inhaftnahme gerügt haben. Er erzählt uns, das Mädchen habe wiederholt gestohlen und auch ihn selber durch einen Schwindel geschädigt. Der Mann ereifert sich unnötig. In unseren eigenen Mitteilungen war beide Male gesagt worden, daß das Mädchen des Diebstahls beschuldigt wird. Das kann uns aber nicht hindern, es beispielsweise für höchst bedenklich zu halten, daß das 13jährige Kind im Gewahrsam der Polizei untergebracht worden ist und darin anscheinend mehrere Tage und Nächte hat verweilen müssen. Jener Brief, dessen Verfasser das nicht begriffen hat, fängt so an:„Unterzeichneter habe soeben den Artikel Ihrer Zeitung über das Mädchen L... gelesen. Dasselbe muß noch 25 Schläge pro Tag dazu haben, um daß sie lernt, zu unterscheiden, was mein und dein ist." Die Unterschrift nennt als angeblichen Absender„Paul Otto, Spandau, Kur» st r a ß e 4." Außerdem findet sich auf dem Briefbogen ein Blaustempel und auf dem Briefkuvert ein Firmenaufdruck, die beide„Paul Otto, Fuhr- und Kohlengeschäft, Spandau. Kur» straße 4" nennen. Wir können nicht wissen, ob Herr Paul Otto tat» sächlich diesen Brief geschrieben und abgeschickt hat. Dem Verfasser aber glauben wir einen Gefallen zu tun, wenn wir unseren Lesern seine Meinung mitteilen, daß man einem dreizehnjährigen Kind den Unterschied von Mein und Dein durch Ver» abreichung von täglich 25 Hiebe beibringen kann. Sonntag, den 24. September er., nachmittags 4 Uhr, feiert die Freie Gemeinde ihre Jugendweihe im Lokal von E. Schubert, Kur« straße 21. Kinder, welche daran teilnehmen wollen, könneu sich noch beim Vorsitzenden O. Rondtke, Körnerstr 4, Hof II, melden. Auch sind daselbst und beim Genossen Koppen Formulare zum Austritt aus der Landeskirche zu haben. Jugendveranstaltnngen. Köpenick. Sonntag, den 24. September, findet der letzte Ausflug In diesem Jahre und zwar nach Pserdebucht statt. Abmarsch erfolgt 2 Uhr vom Postgebäude. Alle Lehrlinge sowie jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sind hierzu eingeladen._ Der Jugcndausschutz. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. September, vormittags 11'/, Uhr bei Happoldts, Hasenheide 32:„Jugendweihe". Festrede von Dr. B. Wille:„Das Recht der Jugend." Gäste willkommen. Eingegangene DnicklcKnfren. Kinderschutzkoinmissioil der sozialdemokratische» Partei und der Ge» werkschastskommission von Berlin und Umgegend. Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 1. Juli 1310 bis 30. Juni ISII von 30. Juni ISll von H. Barcnthin.„Vvrwärls"-Buchdruckcrci und Verlagsaustall P. Singer u. Co., Berlin 31V. 08. Der große Dhespis. Schwank in einem Aufzuge von Pasquino. Tenien-Verlag. Leipzig. 1 M. Der goldene Spiegel. Erzählungen von I. Wassermann.(S. Fischer, Verlag, Berlin). 4,50 M., geb. 6 M. Dr. Bastian Schiiiids»atiirwissenschaftliche Schüler-Bibliothek. Bd. 8. Kiistenwanderniigeu von Dr. V. Franz.— Bd. 9. Anlcitiinge»« z» photographifche» Natnraiifiiahiiteir von G. E.F.Schulz.— 3350 10. Die Liiftschiffahrt von Dr. Zi. Nimsühr. Einzelb. geb. 3 M.— Wort und Mnn. Begriffswandliingcii in der deutschen Sprache von Dr. F. Söhns, geb. 2 M.— Die Idee der staatsbürgerlichen Erziehung in der Schweiz von Dr. P. Rühlniann. 1 M.— Staatsbürgerliche Er« ziehung in Dänemark von Ch. Gröndahl. 00 Pj.— Die staatsbürger- liche Erziclimig in den Niederlande» von P. Olstvald. 60 Pf.— Mntcrinlic» kür das wirtschaftswissenschaftliche Studium. 1. Bd. Kartelle des Bergbaues. Herausgegeben von Dr. R. Passow. 3,60 M. — Der Zlmeiscnstaat. Seine Entstehung und seine Einrichtung von Pros. Dr. E. A. Goddi. 80 Pj. B. G. Tcubner, Leipzig. Reclams llniversal-Bibliothek. Nr. 5325. Penthcsilia. Trauer» spiel von H. v. Kleist.— Nr. 5323. Dreiunddreißig Minuten in Grüne» berg oder: Der halbe Weg. Posscnsp el von K. v. Holtei.— Ztr. 5329. Meyers. Schwank von F. Friedmann-Frederich. 20 Pf. PH. Reclam, Leipzig. Das Lebe» Heinrich v. Kleists. Von O. Brahm. Egon Fleischel u. Co., Berlin. 6 M. Wissenschaft und Bildung. Band 8. Eiszeit»nd Urgeschichte des Mensliien. Von Pros. Dr. H. Pohlig. 1,25 M.— Band 89. Christliche Kuiist im Bilde. Von Pros, Dr, G. Gras Vitzthum. 1,25 M. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig, Deutsche Stilkunst von E. Engel, Verlag von G. Frcytag in Leipzig und F. Tcmpsky in Wien, Geb. 5 M. 4. Jahresbericht des Zlrbeitersekrctariats für Gelsenkirche» »nd Umgegend. 1909— 1910, 14 S. Selbstverlag. Süddeutsche Niouatshcste. Oktobcrhest. 1,50 M. Selbstverlag, München 2, NO. Der deutsche Gerstenzoll von E. Zeckendors. 1,80 M. I. Schweitzer (A. Scllier), München. Bessere Zeiten von Lloyd George. 3 M.— Politik und mensch- liche Natur von Graham Wallas. 3 M.— StaatSchristentum oder Bolkskirche von G. Tmub. 80 Ps. E. Dicderichs, Jena. KmfKafteH der Redahtion. Tie inristislhe Sprechstunde sindet Linde u st raste 69, vorn vier Treppe» — F a h r st u h l—, tvochriitiiglich von 4VH bis 7Vj Uhr abrnds, Sonnabends, von 4>,<. bis 6 Uhr abrnds statt. Jeder siir den Briefkasten bestimmten Anfrage ist etil Buchstabe und eine Zahl als Mcrljcichrn briznsiigrii. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Adonnemcntsquittnng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage ma» in der Sprechstunde vor. K. H. 200. Verjährung des Heronsgabcanspruchs bezw. Ersatz dcS Wertes liegt nicht vor.— F. 09. Im— R. G. 100. 1. und 2. Sie können die Nennung des Namens und der Adresse des Vaters ablehnen. Das allein reicht zu den besürchtelcn vormuitdschastsgerichtlichcn Anord» Hungen nicht aus. 3. Die Bestellung des Vormundes ist Sache des Ge- richts. Sie können Vorschläge machen, können auch selber als Vormünderi» bestellt werden.— Meiuholdt. Wenn die vertragliche Kündigungssrist inncgehaltcu ist: RäunimigSklage.— I. B. 100. Ja.— Chemiker. l. Nach§ 196 Ziffer 15 BürgeA. Gesctzb. ist der Anspruch verjährt. 2. Es- kommt aus eine» Verluch an.— R. R. 78. Zahlen Sie»nttr Vorbehalt und klagen Sie den Betrag ein.— F. o'5. Läßt sich nur nach Einsicht des Mietsvcrtrages bcaiirworten.— A.W. Die Handlung des Vormieters erscheint strafbar: außerdem ist derselbe schadenersatzpsl'chtig.— G. G. 40. DaS Testament ist, soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, ungültig. Für den Fall der tKültigleil können die Kinder innerhalb sechs Wochen, von der Kenntnis des Tcstamentsinhalts ab gcicchnct, den Pflichtteil fordern. Die Erklärung ist dem Nachlaßgcricht gegenüber abzugeben.— A. 48. Wenn Sie Ihre Behauptungen peweisen können, so erklären Sie dem Vermieter — unter Angabe der Gründe— daß Sie den Vertrag rückgängig machen. H. W. 104. Nein.— Kiep 50. Fordern Sie Beseitigung der Mängel uiiier Setzung einer angemessenen Frist. Falls ersolgtos, ltagen Sie. Zur Lösung des Vertrages erscheinen die Gründe nicht ausreichend.— S. 48. Die Abmachung ist bindend.— Langjähriger Abonnent. Als gut» gläubiger Erwerber können Sie die Herausgabe ablehnen.— H. S. 4. Ja, wenn die Vollstreckung sruchtlos war.— V. P. 25. 1. Frau. 2. Zweckmäßig. Durch Ehevertrag vor einem Notar. 3. Ja. Magistrat. 4. Die Frau kann für den Fall der Pfändung iuleroeiiieren.— F. P. 3. Bei Ausfuhr von Getreide werden Einsuhrscheine gegeben, die pro Tonne Roggen 50 M., bei Weizen 55 M. gelten nnd bei der Einsuhr zollpslichliger Waren in Zahlung gegeben werden.— M. S. 77. Nein. F. F. 17. 1. Ja. 2. Halste dcS gesetzlichen Erbteils. 3. Nein.— Wanda. Ein Erstnttmtgsanspruch besteht nicht mehr. Der Antrag hätte vor dein 1. August gestellt sein müssen. Im„Vorwärts" ist rechtzeitig daraus bin- gewiesen. Wir raten zur Weitervcrsicherung.— E. L. 42. Gegen de» Bescheid der Berjicherungsaiistalt ijt innerhalb Monatsslist Berufung-m das Schiedsgericht für Arbeitcrversicherung zulässig.— Gcrmanisatio» 2t'. Polizeipräsidium.— ö ft. Den Vertrag halten wir wegen der fehlenden Unterschrift des«inen Mitmieters für rcchtsunwirksam.— 15 L. R. Ja. Hcsic» 2. Der Raum des Briefkasten ist zu solchen Abhandlungen nicht ausreichend.— Bd. Zl.«OO. Zenlraic für Jugendfürsorge Wall- slrasic öS. Von 3—1 Uhr.— Zl. Z. 40, Fischerstr. 39/42. Alles nähere erfahren Sie dort.— A. N. 90. Ambulatorium für Sprechftörungen Ziegelstr. 19, Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 3— 4 Uhr. — ÖJ. 82. 1. 5 Milliarden. 2. 120 Millionen. 3. Dieselbe Summe. — K. W. 50. Ofsenbachcr Krankenkasse Hintz, Prinzcnstr. ö6.— E. P. 79. Wallstrasie 89. Von 3—1 Uhr.— ff. P. 100. Acrzte, auch Spezial« ärzlc sindcn Sie im Berliner Adrejzvuch.— Lotterie. Sie müssen sich etwas deutlicher ausdrücken, Lotteriespiel ist eben Glücksspiel.— Hoffnung. Bei dem Schuldiencr der betreffenden Schule. Arbeitsnachweis für weib- liche Personen. Ztückcrstr. 9.— Gen. 125 IV. Das Alter bestimmen die Satzungen, die nicht gleiche sind.— A.«. 25. Die Austrittserklärung ist an das Ämtsgericht„Bcrlin-Mitte" zu richten. Kosten etwa 3,60 M. Formulare erhalten Sic bei Ihrem Bezirksführer oder nn Bureau Scharnwcbcr- strcsic 6/7.— K. P. 127. Schullokal Grenadierstraße 37.— Z. Nein. — R. L., Budapest. Anmeldung bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihre Schwester zurzeit wohnt. Die Austrittserklärung ist aber der Heimat- behörde gegenüber nicht wirksam, befreit vielmehr nur von den Vcrpflich- tungen in Deutschland.— K. 70. 1. Die Wartezeit— 1200 Beitrags- Wochen— ist nicht crsüllt, salls der Versicherte nicht nachweisen kam, daß er in den drei Jahren vor Inkrafttreten des Gesetzes Beschäftigung gehabt hat, bei der er nach dem jetzigen Gesetz versicherungspflichtig war. Dieser Nachweis ist erlassen, wenn während der ersten fünf Jahre nach Jnkraft- treten der Versichcrungspflicht begründende Beschäftigung von mindestens 200 Wochen bestanden bat. 2. Ja. Wenn er Rente bezieht, wieder aus An- trag befreit.— E. W. 58. Der Vertrag bleibt wirksam. Bei einer Darlehnshbpothek bleibt der frühere Eigentümer hastbar.— C. K. 11. Das Verlangen der Polizei ist begründet.— 31. B. 10. 1. und 2. Ihr Mann hat Anspruch an die Militärbehörde aus Unsallrente. Die Gemeinde ist zur Gewährung des notdürftigen Unterhalts verpflichtet. 3. Nein.— K. Z. 148. Sie haben keinen Anspruch. — B. B. Lassen Sic im Interesse Ihrer Mitmenschen die Finger vom Klavier.— G. H. 100. Uns nicht bekannt.— ft. L. 30. Wollen Sie sich von der Buchhandlung Vorwärts ein Bücherverzeichnis einfordern.— Streitfall 1000. Tausend Millionen.— R. P. 26. Bringen Sie das Instrument zum Jnstrinnentcnmachcr.— R. P.. Utrecht. Garde-Feld- artilleric.— I. W. 1000. 1. 3 M. 60 Pf. 2. Können? Leider:— I. St. 1. Lassen Sic sich in einem größeren Annonccnbureau Kataloge vorlegen.— I. Graul. Zu den geäußerten Befürchtungen liegt keine Veranlassung vor. Die gewünschte Ausllärung ist erfolgt.— H. Ich. 10. 1. Nein. 2 und 3. Die gewerblichen und klimatischen Verhältnisse von R. erfragen Sie vielleicht beim dortigen Partciblatt. 4. Durch Vermittelung des städtischen Waisenhauses Alte Jakobstraße 33. — K. 300. In der Pflichtsorwildungsschule, Friedrichstraße 126.— M. B. 13. In der Regel kommen die Töchter der Beamten in diese Stellungen. Meldungen an die Oberpostdireklion Berlin 2, Kaufmännische Fortbildungsschule, Scbastianstr. 26.— G. L. 885. 1. Nach Vereinbarung bezw. dem Stande des Tarameters. 2.„Vierteljahrshcfte zur Statistik des Deutschen Reichs", Buchhandlung Vorwärts. 3. 100 000 M.— Eli- sabeth 27. Sind die Darleiher kommunale oder staatliche Organe, senden Sie die Scheine und Geld mit Porto unter Einschreiben und Ersuchen um Zusendung auf Ihre Kosten.— A.<£. 99. Berittene 8,80 M., alle übrigen 7,10 M. pro Mann. m m m i i ! I ! I I ! ! L 3 Schlager meto Putzabteilung m* m m ranpcii................. 14 r Feiner Weinensries..........„ 17 n Feinster gelber Kries.........„ 20 n Speise-Salz...............„ 16» Schokolade, Block-Sohokoladc......„ 56„ „ Haushalt-Schokolade.....« 56 r Fadennndcln(leieht gefärbt)....... r 26. Flgurcnnndeln„«.......„ 26, Hansniachcr Elernndeln(leicht gefärbt).„ 38 r Fiergraupen(leicht gefärbt)........»16, Reis...»... r, l*i n Milch-Reis................ 2«„ Brnch-Rels...............* 13„ Oranienburger Seife..........* 32„ Üclbe Seife.............. v 32„ Weiße fSelfe««••••••••••••«« Welzenstürke....,»>.....*> �3„ Einiges aus unserer Preisliste: Vicht für Wlcderverkiinfer. Borax................., Pfund 22 Sudu..................., 4