Ur. 224* RbonnementS'Bedlngungen: tlBonnemenlä> Preis pränumerando z Biertcljährl. ZP0 Ml., uwnatl. l.lv M5., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EonnlagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfq. Post- iibonnement: l.l» Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung-- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich, Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, Vlchkili» täglich RecUhtion: SM. 68, Ltndenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. »illlcr ElMtags. 28. Jahrg. Die Intertlons* Gebifyr Beträgt für die sechsgespaltene Kolone?. zeilc oder deren Raum eo Pfg., für politische und gewerkschaftliche Berei is- «lnd Versainmlungs-Anzcigen 30 Psg. „Kleine Hmeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- »eigen das erste Wort 10 Pfg» jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate ...—.....-— üsten Pak... � für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition gpgcgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geossuet. Berliner Bolksblalk. Zcntralorgan dev fozialdcmokrati fdicn Partei Deutfchlands. Telegramm-Adreffe: �ozialdtmelirat Bcrlii". Sonntag» den 24 September 1911. Expedition: SM. 68, �-indenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. An die Partei! Partelgcnossen! Der Parteitag in I e n a hat die E i n- h e i t und Geschlossenheit der Partei in allen wichtigen politischen Fragen bekundet. Die Unterzeichneten, vom Parteitag zur Führung der Geschäfte berufen, werden alles tun, um das ihnen entgegengebrachte Vertrauen zu recht- fertigen. Parteigenossen! Wir leben in sorgenvoller Zeit und gehen noch ernsterenTagen entgegen. Unter der Teuerung aller Gegenstände des Kedarfs hat der Notstand der Arbeiterklasse einen Grad erreicht, der unerträglich geworden ist und weite Volkskreise zur Vor- zweislung treibt. Die Nutznießer dieses Massenelends, die agrarischen und industriellen Schutzzöllner, verschließen ihre Lhren dem Schrei der Ausgebeuteten, und die R e g i e r u n g, ihr Verwaltungsausschuß, denkt nicht daran, wirksame Ab- Hilfe zu schaffen. Eine Schar Kapitalisten treibt im Profitinteresse, unterstützt von ruhmsüchtigen Militärs, eine verbrecherische Kriegshetze unbekümmert darum, ob Hunderttausende hinge- schlachtet werden, das gesamte wirtschaftliche Leben zu- sammenbrechen svird, Not und Elend in grauenvoller Weise vermehrt werden. Immer größer wird die Zahl derjenigen, die— soll nicht der letzte Rest von Lcbensfreudigieit zugrunde gehen— eine Rettung nur noch in der Aenderung unserer poli- tischen und wirtschaftlichen Zustände von Grund aus erblicken. Diesem Ziele näher zu kommen, und zugleich mit den Unterdrückern gründliche Abrechnung zu halten, ist dem Volke bald Gelegenheit gegeben.> Der Parteitag in Jena hat bereits in eindru'ckvollster Weise das Signal zum Wahlkampf gegeben. Der Wahlkampf ist damit fiir uns eröffnet! Parteigenossen? Die politischen und wirtschaftlichen Ver- Hältnisse sind uns besonders günstig. Aber täuschen wir uns nicht! Die Gegner werden Anstrengungen machen, wie wir sie noch nie erlebt haben, um uns zurückzuwerfen. Da dürfen wir nicht einen Augenblick ungenutzt lassen! Von heute ab muß es mehr denn je unsere Pflicht sein, neue Mitglieder für unsere Organisation zu werben und neue Leser für unser-e Parteipresse zu gewinnen. Das ist der wirkliche und dauernde Gewinn, den uns neben der Vermehrung unserer Mandate und einer starken Zunahme unserer Stimmen der Wahlkampf bringen kann und muß. Parteigenossen! Auf dem Boden unserer Grundsätze kämpfend, werdet Ihr den Wahlkampf streng sachlich führen, ohne Ruh und Rast, mit all der Energie. Opferwilligkeit und Ausdauer, die oft genug den Neid und die Bewunderung unserer Gegner hervorgerufen haben. Gehen mir nunmehr freudig an die Wühlarbeit! Und kommt der Wahltag heran, dann treten wir an zum Sturm auf die gegnerischen Schanzen, von denen wir auf den ersten Anlauf eine ganze Anzahl nieder- zurennen gedenken! Wir wollen sorgen, daß die angeblich Niedergerittenen von 1907 im Jahre 1912 ihren Mann stellen und fest im Sattel sitzen. Parteigenoffen! Auf zum frischen, fröhlichen Kampf! Koch die Partei! Berlin, den 21. September 1911. Oer parteivorstand. Kebel, Braun. Ebert, Gerisch, Haase. Liepmann. Molkenbuhr, Müller, Pfannkuch, Scheidemann, Wengels. Zietz. Vorwärts! Schweren politischen und wirtschaftlichen Kämpfen geht die gesamte deutsche Arbeiterschaft im kommenden Winter entgegen. Noch immer sind die geheimen Verhandlungen der Diplomatcih über den Marokkokonflikt nicht beendet. Mit Mühe und Not sind die deutschen Arbeiter, ist die ganzx Kulturwclt vorläufig. der Gefahr entronnen, um der Interessen einer kleinen Kapitalisten- gruppe willen Blut und Leben in einem menschenmordenden Kriege opfern, ihre Frauen und Kinder der grenzenlosesten Not preis- geben zu müssen. Und schon erhebt eine neue Gefahr grinsend ihr Haupt: Die Teuerung klopft an die Türen der Arbciterwohnungen und fordert ihre Opfer. Eine ganz immense Preissteigerung sämtlicher Lebensmittel muß selbst von den bürgerlichen Zeitungen zugestanden werden; und dabei stehen wir erst in den Anfängen der Teuerung. Die kommenden Monate werden uns eine Verschärfung der Not bringen, die unter der arbeitenden Bevölkerung ungeheure Verheerungen anrichten wird. Was läge näher, als die Grenzen zu öffnen und die gegen das Ausland errichteten Zollschranken nieder- zulegen? Aber diese unsere Forderung findet ihren ärgsten Gegner in den in Deutschland und Preußen herrschenden Groß- grundbesitzern und deren politischen Ausschuß, der deutschen Negicrung. Die auf die Dauer unhaltbaren, immer schlimmer werdenden Zustände werden im kommenden Winter voraussichtlich zu schweren wirtschaftlichen Kämpfen führen. Die Arbeiterschaft kann es sich nicht widerstandslos ge- fallen lassen, daß die Geißel der Lebensmittelteuc- rung über ihr geschlvungen wird. Eine notwendige Vorbedingung zur Erhaltung der Arbeitskraft ist es, daß der Arbeitslohn wieder in ein einigermaßen richtiges Verhältnis zu den ver- steuerten Lebensmittelpreisen gebracht wird. Aber dieselben Unternehmer, die durch Unterstützung der agrarischen Beute- Politiker die dem Volke verderbliche Zoll- und Steuerpolitik haben schaffen und ausbauen helfen, wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, wenn die Arbeiterschaft verlangt, daß sie nun auch die Folgen ihrer reaktionären Haltung mit tragen sollen. Die Pflicht der Selbsterhaltung zwingt die Arbeiterschaft, durch umfangreiche Lohnbewegungen den auf ihr lastenden Wirt- schaftlichen Druck wenigstens abzuschwächen. Da erscheint es an der Zeit, an die Arbeiterschaft die dringende Mahnung zu richten, noch mehr als bisher unter den Indifferenten, den politisch Gleichgültigen, für Aufklärung zu sorgen. Die wirtschaftlichen Kämpfe mit all ihrem Elend sind nur die Widerspiegelung der jeweilig herrschenden politischen Verhältnisse. Nicht aus der sogenannten ..unparteiischen" Presse kann der Arbeiter die notwendige Kenntnis des politischen Lebens schöpfen. Wissen wir doch, daß diese Blätter nur geschaffen sind, um den Geldbeutel ihrer Besitzer zu füllen und um die Leser über die vorhandenen Klassen- und Interessengegensätze hinwegzutäuschen. Haben doch jetzt erst gelegentlich des Marokkokonflikts die pseudo- demokratischen Blätter—„Morgenpost" und andere— ihren toahren Charakter enthüllt. In volksverrätcrischer Weise haben sie sich auf die Seite der alldeutschen Kriegshetzer gestellt. Ihnen ist es wahrlich nicht zu danken, wenn es trotzdem nicht zum Kriege gekommen ist. Die Arbeiterschaft müßte es als eine Schmach empfinden, wenn in ihren Wohnungen derartige„unparteiische" Blätter zu finden wären. Die wahren Interessen des Proletariats werden nur von der sozialdemokratischen Presse, dem „Vorwärts" vertreten. Durch schonungslose Aufdeckung aller Mißstände des heutigen Klassenstaates und Aufhellung der politischen Intrigen der herrschenden Klassen tritt der„Vorwärts" für die Rechte des gesamten arbeitenden Volkes ein. Der erfreuliche Aufschwung der Abonnentenzahl der sozialdemokratischen Presse beweist, wie sehr gerade in diesen ernsten Zeiten das Proletariat die Wirkung dieser wuchtigen Waffe erkannt hat. Aber mehr noch als bisher muß es Sache unserer Anhänger sein, dem„Vorwäets" immer weitere Verbreitung zu schaffen. Jeder neue Leser wird auch zu einem Kämpfer für unsere heilige Sache werden. Und der Kämpfer bedürfen wir so nötig; stehen doch in diesem Winter die Reichstagswcihlen bevor, wird doch während der Wahlagitation eine Schlammflut von Lügen und Verleumdungen über die Sozialdemokratie im beut- scheu Volke verbreitet werden. Nur dann werden wir diese ver- gifteten Waffen des politischen Kampfes mit Erfolg abschlagen und zu neuen Siegen schreiten, wenn wir beizeiten für Aufklärung unter unseren Volksgenossen gesorgt haben. Daher ist es unabweisbare Pflicht jedes Genossen, die günstige Gelegenheit zu benutzen und in unermüdlicher Werbetätigkeit für die Gewinnung neuer Leser des „Vorwärts" zu agitieren. Nur durch die politische Schulung, durch Nevolutionierung der Köpfe kann es gelingen, den Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Not ein Ende zu machen und unsere Volksgenossen einer besseren freien Zukunft entgegenzusühren. Vorwärts an die Arbeit! Illlt eigenen Kasten geschlagen. Wie nun ouch von amtlicher Seite bestätigt wird, ist das Attentat gegen Stolypin nur deshalb möglich geworden, weil B a g r 0 w seit langen Jahren im Dienste der Geheim- Polizei stand. Er hatte seinem Vorgesetzten, dem Chef der Kiewer„Ochrana" Oberst K u l j a b k 0, glaubhaft gemacht. daß während der Theatervorstellung ein Attentat gegen Stolypin verübt werden würde, das nur von ihm verhindert werden könne. Der Oberst schätzte die Angaben seines lang- jährigen Vertrauten, der auch beim Polizeidepartement sehr gut angeschrieben war, außerordentlich hoch. Er hoffte, daß er durch den Coup seines Agenten,, dessen provokatorische Tätigkeit ihm natürlich bekannt war und der ihm schon eine große Reihe von Opfern zugeführt hatte, mit einem Schlage Karriere zu machen und als„Retter des Vaterlandes" be» rühmt werden würde. Und um den vermeintlichen Attentäter uni so sicherer an den Galgen zu bringen und die Notwendig- keit der Geheimpolizei desto eklatanter darzutun, willigte er auf den Vorschlag Bagrows ein, den Attentäter mit der Waffen in der Hand im Theater zu ergreifen. Dieser teuf- tische Plan war keineswegs ein Privatunternehmen des Chefs der Kiewer Geheimpolizei, wie die Regierungspresse das jetzt darzustellen sucht. Er a-rbeitete vollkommen im Einvernehmen mit dem P 0 li z ei d e p ar t e- m e n t und machte auch der näch st en Umgebung Stolypin s davon Mitteilung. Es sollte eben neben der hurrapotriotischen Posse, bei welcher der Zar die Hauptrolle spielte, auch ein von der Geheimpolizei einge- fädeltcs terroristisches Drama zur Aufführung gelangen, und es ist bloß dem Zufall zuzuschreiben, daß statt neuer patrio- tischer Ovationen aus Anlaß der„glücklichen Errettung aus der Lebensgefahr" wirkliche Revolverschüsse ertönten, die den Meister und Protektor des Provokationsunwesens tödlich verwundet zu Boden streckten. Sämtliche Einzelheiten des Kiewer Attentats weisen eine erstaunliche Aehnlichkeit mit dem Petersburger Dynamitan- schlag gegen den Obersten K a r p 0 w im Januar 1910 auf, der von dem Revolutionär P e t r 0 w ausgeführt wurde. Hier wie dort richtete sich die Waffe, die von der Geheim- Polizei sorgsam gehütet wurde, um die Revolutionäre zu neuen terroristischen Taten zu provozieren, schließlich gegen sie selbst. Hier wie dort sahen die in die Netze der Geheimpolizei ge- ratenen Attentäter die Ermordung eines Vertreters der Re- gierung als das einzige Mittel an. um sich vor ihren früheren Genossen zu rehabilitieren und ihre besudelte Ehre wieder reinzuwaschen. Im Falle Karpow-Petrow waren alle Vor- bereitungen zu einem teuflischen Anschlag getroffen worden, um einen Coup gegen die Revolutionäre auszuführen. Das Dynamit, welches den Chef der Geheimpolizei in die Luft sprengte, war mit Staatsgeldcrn bezahlt und unter militärischer und polizeilicher Bedeckung nach dem Spitzelquartier gebracht worden, während der Attentäter Petrow, der für die Rolle eines zweiten Asew auscrsehcn war, auf das sorgfältigste vor allen möglichen Komplikationen behütet wurde. Bei dem Attentat gegen Stolypin wurden die tödlichen Schüsse aus einer polizeilichen Pistole abgegeben. während der Attentäter selbst, mit einer Karte der Geheim- Polizei versehen, in die unmittelbare Nähe des Minister- Präsidenten vordringen konnte. Wenn irgendwo, so hat sich gerade hier das System der provokatorischen Durchseuchung, die seit Jahren in Rußland geübt wird, an dem Hauptschul- digen und Schöpfer dieses Systems gerächt. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß gerade Stolypin und seine nächsten Gehilfen bei jedem Anlaß der Anschuldi- gung entgegengetreten sind, daß die Regierung die Dienste von Lockspitzeln in Anspruch nehme. Bei der Interpellation anläßlich der Asewaffäre war es Stolypin, der mit der Schamlosigkeit eines professionellen Meineidszeugen erklärte. „nie und nimmer wäre irgend eine Amtsperson in irgend einer Weise mit irgend welchen terroristischen und anderen, verbrecherischen Unternehmungen der Revolutionäre in Be- rührung getreten". Und kurz vorher hatte sein Gehilfe Makarow, derselbe, der jetzt als Kandidat für den vakanten Ministerposten genannt wird, in der Duma erklärt:„Ich spreche es kategorisch, überzeugt und offen aus. daß das. was Provokation genannt wird, vom Standpunkt des Ministeriums des Innern unzulässig ist." Seitdem haben die Enthül- lungen aus der Asewaffäre. der Berliner Lockspitzelexzellenz Harting, dem Prozeß Petrow usw. der gesamten Kulturwelt die Möglichkeit gegeben, hinter die Kulissen drr russischen Regierungstätigkeit zu schauen und die Wahrheitsliebe des Ministerpräsidenten an den Scheußlichkeiten seines Regimes zu messen. Gegenwärtig, nach den Revolverschüssen in Kiew, dämmert sogor den treuesten Anhängern des herrschenden Regierungssystems die Erkenntnis auf, daß die Waffe der Provokation, mit welcher die Regierung ihre Existenz auf- recht zu erhalten sucht, denn doch zu zweischneidig sei, um weiter gehandhabt zu werden. Daß ein Oberst Karpow aus Staatsmitteln in die Luft gesprengt wurde, ließ man noch gelten; daß die Ermordung von Plehwe. des Großfürsten Sergius und vieler anderer nachträglich als das Werk A s e w s enthüllt wurde, darüber suchte man irgendwie hin- wegzukommen: aber daß nun der allgewaltige Stolypin von einem im Solde der Geheimpolizei stehenden Attentäter niedergestteckt Sorben ist— bfll vMirMt dev Echtrusse» Hüben tote Stuben der Grenze arges KopfzerdreKen. Es ist possierlich anzusehen, wie die Presse der Echtrussen, der Natio- nalisten und der Oktobristcn neben den ärgsten Schmähungen der Revolutionäre-und der Inden mit einem Schlage gegen die Geheimpolizei wettert, die sie bisher als„Hort des Vater- kmdes" gepriesen hat. Noch possierlicher ist es anzusehen, wie Professor Schi e mann, der treue Schildträger Stolypins, in der„Kreuzzeitung" über die V e r d e r b l i ch k e i t des „unsittlichen Systems" deklamiert,„das in Rußland, trotz aller bösen Erfahrungen bei Auswahl der Agenten der Ge- Heimpolizei, noch immer im Schwange ist". Allen diesen Leuten, die plötzlich in der Suppe, die sie bisher getreulich einzurühren halfen, ein Haar gefunden haben, kann das zynische Geständnis des echtrussischen Zentralorgans„Rußkoje Snamja" entgegengehalten werden:„Ihr ehrenwerten Herren, akzeptiert Ihr ein bestimmtes Regiernngssystem, so akzeptiert es voll und, ganz, mit seinen angenehmen und un- angenehmen Begleiterscheinungen: mit den Kriegsgerichten — und folglich auch mit den Henkern: mit dem radikalen Kampf gegen die Verschwörer— und folglich auch mit den Asews. Aber sa findet Ihr nur Dank für die Kriegsgerichte und Schimpfworte für die Henker; Dank für die Vereitelung von Verbrechen und Verachtung für die Spitzel. Ist das ehr- lich, zu gleicher Zeit Kapital zu erwerben und die Unschuld zu wahren?" Der Realismus, der aus diesen Worten spricht, wird aber schwerlich von allen offen eingestanden werden, die ein Interesse daran haben, dgs bestehende Regime in Rußland aufrechtzuerhalten. Ist auch Stolypin mit eigenen Waffen geschlagen worden, so werden sich die Bureaukratie wie die herrschenden Parteien dennoch auch ferner an diese Waffe klammern, werden sie auch ferner dieselbe jesuitische Regie- rungskunst auszuüben trachten, werden sie sich alle erdenkliche Mühe geben, die Sünden ihres Regimes in einen: Meer von Blut und Schmach zu ertränken � bis endlich die große Stunde der Vergeltung schlagen wird. Die Verhandlung gegen Bagrow. Petersburg, 23. September. Wie aus Kiew gemeldet wird, trohnten der kriegsgerichtlichen Verhandlung gegen Bagrow der Justizminister, der Befehlshaber des Kiewer Militärbezirks und der Gouverneur bei. Bagrow hatte auf Stellung eines V e r- teidigers verzichtet. Da er seine Schuld zugab, wurde von den geladenen sechs Zeygen nur Polizcichef Kuljabko vernom- men. Bagrow, der seine Mitwisser nicht verriet, erzählte eingehend, wie er die Geheimpolizei irreführte. und gestand ein, das Verbrechen im Auftrage der Par- t c i begangen zu haben, die ihn des Doppelspiels verdächtigt und seine Rehabilitierung durch Ausführung des Anschlags gefordert habe. Abgesandte aus Paris hätten ihm den Auftrag der Partei überbracht. Polizeichef Kuljabko antwortete auf die Frage, warum er die in Bagtows Wohnung befindlichen Revolutionäre, deren Anwesenheit Bagrow selbst ihm gemeldet habe, nicht ver- haftete, damit hätte er Bagrow verraten. Er sagte weiter aus, Bagrow habe mit Wissen des Mintsterpräsidenten Zutritt zum Theater gehabt. „Nowoje Wremja" erfährt, der Gehilfe des Ministers des Innern K u r l o w habe Stolypin zweimal gebeten, nicht ins Theater zu gehen, worauf Stolypin erwidert habe, das wäre ein Zeichen von geringem Mut. Die politische Polizei. Petersburg» 22. September. Der K a i s e r hat angeordnet, daß .pnahhängig von der Untersuchung über den Anschlag auf Stolypin «ine eingehende Untersuchung der Tätigkeit der poli- tischen Polizei von Kiew vorgenommen werden soll, mit der auf kaiserlichen Befehl der Senator T r u s s c w i t s ch betraut worden ist. Dazu erklärt die offiziöse„Rossija": Es gibt Wunden, die eine energische Kur fordern; wenn die Revision durch den Sena- tor feststellt, daß eine solche üble Wunde vorliegt, kann die Gesell- schaft versichert sein s?), daß die Regierung ohne Schwanken mit härtester Energie diese schwere Frage erschöpfend behandeln wird. vi« flfcroMaffsre. Der schwierigste Teil der Unterhandlungen zwischen der französischen und deutschen Regierung ist so gut wie e r- l e d i g t. Sonnabend vormittag fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik in Rembouillet der f r a n z ö s i s ch e Ministerrat statt. Die vom französischen Botschafter gemachten Vorschläge sind in allen wesentlichen Punkten a n- ..genommen worden. Nur die Aenderung einiger Worte in dem von Herrn v. K i d e r l e n redigierten Text soll auf Vorschlag des französischen Ministers des Aeußeren empfohlen werden. Ter vom Ministerrat definitiv redigierte Text ist Sonnabend nachmittag 3 Uhr dem deutschen Bot- fchafter v. Schön übergeben worden. Zu erledigen bleibt also nur noch die K o m p e n- sationsfraye, über die beide Regierungen gleichfalls in allen wesentltchen Punkten bereits einig sein sollen. In diesem Sinne heißt es auch in einem vom Wolfffchen Telegraphenbureau verbreiteten Artikel des„Matin": Der Kvbinettskurier, der dem Botschafter C a m b o n die vom Ministerrat redigierte Antwort auf die neuesten deutschen Vorschläge überbringt, reist heute abend nach Berlin ab. D i e Antwort weicht sehr wenig von den Vor- sch lägen ab. Herr Cambon wird morgen mit Herrn v. Kioerlen-Waechter eine Zusammenkunft haben. Wenn nicht sofort im Laufe der Unterredung völlige Ueber- einstimmung festgestellt werden sollte, so wird eine solche doch zweifellos bald nachher erzielt, werden. Hinsichtlich Marokkos darf also Einmütigkeit als sehr nahe bevorstehend betrachtet werden. Erkun- digungen, die wir in Paris und Berlin eingezogen haben, gestatten uns, zu versichern, daß auch in der K o m p e n s a- tionsfrage bald Uebereinstimmung Herr- s ch e n wird. Tie Kämpfe in Marokko. Melissa, 22. September. Die feindliche Harka hat während der ganzen Nacht vom 20. zum 21. September die vorgeschobene Stellung der Spanier am rechten Ufer des Kertflusses beun- ruhigt. Unter dem Schutze des herrschenden Nebels setzte der Jeind über den Fluß und eröffnete das Feuer auf die linke Flanke der spanischen Truppen. Nach einem heftigen Kampfe zersprengten die Spanier den Feind, der zahlreiche Tote und Verwundete zurückließ. Die Verluste der Spanier be- trugen 8 Soldaten, unter ihnen zwei eingeborene, tot, ein Major, v andere Offiziere und 33 Soldaten, unter ihnen 8 eingeborene. verwundet. Besetzung von Tetuan. Paris, 23. September. Die„Agence Havas" meldet aus Tetuan von gestern: Wie verlautet, bereitet der MilUärgouver- neur von Ceuta, General Alfan, die Besetzung Tetuan» vor. Truppen mit 300 Maultieren werden morgen aus Tarifa in Eeuta erwartet. Unter den Eingeborenen geht das Gerücht, eine spanische Transporikolonne sei bei Tebudja am Ued Kert übermal len worden; von der Bedeckungsmanüschaft seien 170 Mann gefallen und 15 in Gefangenschaft geraten. Tie Riflcute, die 30 Maultiere wegtrieben, hätten 100 Mann verloren, cebeasmittelteuerung. Während die freisinnige Presse fast täglich zur Linderung der Lebensmitteltcuerung die zeitweilige Herabsetzung bezw. Aufhebung der Getreide- und Viehzölle sowie die Beseitigung des Einfuhrschein- systems fordert, haben in Königsberg die freisinnigen Stadtverord- neten unter Führung des freisinnigen Reichs- und Landtagsabgc- ordneten Justizrat Gyßling gegen die von unseren Ge- nossen im Königsberger S ta d t p a r l a m en t ge- stellten Anträge gestimmt, die Königsberger Stadtverord- netenversammlung möge den Magistrat beauftragen, die zustän- digen Stellen des Deutschen Reiches und des preußischen Staates zu ersuchen, die Lebens- und Futtermittclzölle aufzuheben, die Reichsgrenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch zu öffnen und das System der Gctreideeinfuhrscheine zu beseitigen. Nur für die zeitweilige Aufhebung der Futtermittelzölle waren die freisinnigen Stadtverordneten zmhaben, gegen die anderen Forderungen stimm- ten sie mit großer Mehrheit— teils aus Wahlrücksichten, das heißt, um sich die Sympathie der wohlhabenden ostprcußischcn Agrarier zu erwerben, teils weil ein Teil der freisinnigen Kaufmannschaft Vorteil von dem durch die Einfuhrscheine geförderten Getreide- cxportgeschäft hat. Ueber die für die Zuverlässigkeit des Freisinns äußerst charak- teristische Stadtverordnetensitzung, in der die sozialdemokratischen Anträge kurzweg nicdergestimmt wurden, wird uns von einem Königsberger Mitarbeiter berichtet: Der Freisinn für Kornwnchcr und Einfuhrscheine. Am Mittwoch wurde in der freisinnigen Königsberger Stadt- verordneten-Versammlung über nachstehenden sozialdemokratischen Antrag verhandelt: „Da die Bevölkerung Königsbergs unier der Teuerung der Lebensmittel zu leiden hat und eine weitere Steigerung der Preise zu erwarten ist, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat: 1. die zuständigen Stellen des Deutschen Reiches und des preußischen Staates zu ersuchen, die Lebens- und Futter mittelzölle aufzuheben und die Reichsgrenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch zu öffnen; ferner das System der Getreideeinfuhrscheine zu beseiti- gen, weil dieses die Wirkung der.Getreidezölle noch verschärft; 2. die Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Lebensmitteln durch Anlauf und Verkauf zum Selbstkostenpreis seitens der städtischen Verwaltung in die Wege zu leiten." Der zweite Teil des Antrages wurde glatt abgelehnt. Der Ausschuß hatte wenigstens vorgeschlagen, den Magistrat zur versuchsweisen Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Seefischen aufzufordern. Aber vom Plenum wurde auch dieser Antrag ohne weiteres niedergestimmt. Für die«frei- sinnige" Stadtverordnetenversammlung Königsbergs ist das nichts Ungewöhnliches, aber besonders bemerkenswert war, daß der Frei- sinn sich bei dieser Gelegenheit für die Aufrechterhaltung der Kornzölle und Einfuhrscheine erklärte. Ter Referent des Ausschusses, ein strammer Freisinniger, betonte, die Aufhebung der Getreidezölle würde zu einer Katastrophe führen. deshalb dürfe man die Beseitigung dieser Zölle nicht fordern. Wohl aber tönne die Abschaffung der Futtermittelzölle verlangt werden. Selbst der Syndikus des Königsberger Vorsteheramts der Kaufmannschaft machte die Freisinnigen auf diese Widerspruchs- volle Politik aufmerksam. Er wies darauf hin, daß doch recht vielGetreide zuFutterzwccken verwandt würde. Aber darauf wußten die Herren nichts zu sagen. Nahezu auS- nahmsloS stimmten sie, mit dem Reichstagsabgeordneten Gyßling an der Spitze, gegen den Antrag, der Magistrat möge Schritte zur Aufhebung der Lebensmittelzölle' unternehmen. Mögen auch Millionen Menschen unter dem Brotwuchcr schwer leiden, die Freisinnigen sorgen zuwst für das Wohlergehen der ländlichen Großgrundbesitzer, die nach dem eigenen Geständnis der Fortschrittler allein den Vorteil von den Getreidezöllen haben. Diese unerhörte Stellung nimmt der Freisinn ein, um sich die Gunst der ostpreußischen Agrarier zu erwerben, um in Ostpreußen einige Mandate zu ergattern. Dann sein Verhalten zu den Ge- trcideeinfuhrscheinen. Diese kommen nicht nur den Junkern, sondern auch den Getreidehändlcrn des Ostens, insbesondere denen Königsbergs, zugute. Sie haben infolge dieses Systems einen leb- haften Getreideschacher betreiben können. Deshqlb erklärt sich auch das Königsberger Vorsteheramt der Kaufmannschaft für die Einfuhrscheine. Trotzdem mußte sein Syndikus zugeben, daß die Einfuhrscheine das Brot verteuern, weil sie die Wirkung haben, daß der Zoll im Preis voll zum Ausdruck kommt. Aber Getreide- einfuhrscheine brächten mehr Handel und daher auch Verdienst den— Getreideträgern. Tatsächlich bekamen die Königs- berger Freisinnigen es fertig, die Aufrechterhaltung des Systems der E i n f u h r s ch e i n e mit Rücksicht auf die Arbeiterschaft zu verlangenll Welch unwürdiges Spiel! Wenn die Junker die Massen aus- rauben, schützen sie stets die Interessen der kleinen Besitzer vor. Tie Königsberger Fortschrittler wollen den Großhändlern die schönen Riesenprofite erhalten— und verweisen auf das Wohl der Getreidcträger. Und wiederum stimmten sie fast ausnahmslos gegen den Antrag, der den Magistrat ersucht, Schritte zur Be- seitigung de? Systems der Einfuhrscheine zu tun. Das ist die positive Arbeit derjenigen Partei, die ständig erklärt, daß sie nur allein das«Allgemeinwohl" vertrete. Eine»eitere Erhöhung der Preise für Milch soll nach Meldungen bürgerlicher Blätter eine für den kommenden Montag von der Interessengemeinschaft Märkischer Milchproduzenten nach Berlin einberufene Versammlung sämtlicher nach Berlin und den Bororten liefernden Milchproduzenten beschäftigen. Die Lage des Berliner Milchmarktes soll unter Berücksichtigung der ab- normen Witterungs- und Futterverhältnisse dieses Jahres be- sprachen werden, um dann Maßnahmen zu ergreifen, durch welche «die Milchproduzenten wieder leistungsfähig gemacht" werden können. Dem Vernehmen nach wird eine dieser Maßnahmen in dem Beschluß bestehen, durchweg die Preise für Mich um 2 Pf. pro Liter z» erhöhen. Teuerungszulage für Beamte? Der„Berliner Lokal-Anzeiger" will wissen, daß im preußischen Finanzministerium auf Grund mehrfacher Anregungen über die Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage an die Staatsbeamten«Erwägungen schweben". Um eine Grundlage für etwaige Beschlüsse zu fassen, seien die einzelnen Verwaltungen befragt worden, inwieweit dort ein Bedürfnis für eine Teuerungszulage anerkannt werde. Vorsichtigerweise fügt das Blatt hinzu, daß es noch dahinstehe, ob sich die Erwägungen zu Be- schlüssen verdichten würden. Die letzte Teuerungszulage wurde, wie erinnerlich, im Jahre 1908, zugleich mit der Besoldungsresorm, durchgeführt. h politilcbe(lederllcdt» Berlin, den 23. September 1911. Der politische Einfluß des Grubenkapitals. Das soeben den Interessenten zugestellte vertrauliche Protokoll über die 53. ordentliche Generalversammlung de? Bergbaulichen Vereins für das Ruhrgebiet ermöglicht ebenso interessante Einblicke in den scharfmacherischen Einfluß auf die Gesetzgebung wie in die Stellungnahme der Montanindustrie zur Privatbeamten- und Arbeitslosenver- sichemng._.. In der Generalversammlung, die von Regierungsvertretern, Landwirten, Oberbürgermeistern usw. besucht war, erstattete der bekannte Bergassesior v. L ö w e n st e i n den Bericht über das Geschäftsjahr 1910/11. Dabei kam er auf die erfolg- reiche Einwirkung des Vereins auf die Reichsgcsetzgebung zu sprechen. Bei der Beratung des Reichs wert- z n w a ch s sten e rg ese tz es sei, so führte er aus, von der ReichStagskonimission ganz die Prüfung der Rückwirkung auf das Bergwerkseigentum vergessen worden. Erst auf Vor- stellung des Bergbaulichen Vereins sei das geschehen: „Die Erkenntnis neuer ungeahnter Schwierigkeiten, die dann durch eine in aller Eile von uns veranlaßte Eingabe noch verstärkt wurde, ließ es zum Abbruch der weiteren Verhau d- lungen kommen, sehr gegen den Willen der Herren Kom- missionsmitglieder. die sich schon dahin geeinigt hatten, so schnell wie möglich fertig zu werden, da man— das ist eine wertvolle Illustration zu unserer modernen Reichsgesetzfabrikation— im Hinblick auf die zu erwartende Flut von Einsprüchen ein Scheuern des ganzen Gesetzes befürchtete, falls es nicht noch vor der Ver-v tagung des Reichstages über die WeihuachtStage im Plenum durch- beraten werde." Die Vertagung der Kommission sei dann für die spätere Gestaltung des Gesetzes„unendlich wichtig" geworden. Sehr bezeichnend für die Wertschätzung, die der Reichstag in den Augen der Scharfmacher genießt, ist die Behauptung des Herrn v. Löwenstein, das über die Einzelheiten dcS Wert- zuwachssteuergesetzes höchstens ein halbes Dutzend Ab- geordneter unterrichtet gewesen sei. Bei den anderen hätte— nach dem Eingeständnis des Abgeordneten Arendt— über die Z§ 4, 5 oder 6 hinaus«die Auffassiu'gsgabc versagt" I Doch nicht bloß auf das Wertzuwachssteuergesetz, auch auf die P r i v a t b e a in t e n v e r s i ch e r u n g hat der Bergbau- liche Verein seinen unheilvollen Einfluß ausgeübt. Tiesmal hat er sogar beim Bundesrat seine Absichten durchsetzen können. Herr v. Löwenstein sagt darüber: „Erfreulicherweise hat der Bundesrat neben einigen unwescnt- lichen Aenderungen den ganzen letzten Abschnitt, welcher die privaten und öffentlich rechtlichen PcnsioiiSkassen behandelt, auf eindringliche Vorstellung der industriellen Kreise hin einer völligen Abänderung unter- zogen, welche, soweit man dies bei der Kürze der Zeit zu überblicken vermag, im großen und ganzen unseren Wünschen entspricht." Wie diese Wünsche der Kohlenbarone beschaffen sind, geht aus folgendem klar hervor: «... darauf sei hingewiesen, daß die borliegende Form einer ReichSzwangSverstcherung der Privatbeamten doch wieder ein gut Stück Staats sozialiSmus enthält, dem wir in den lctzleu Jahren wiederholt in unserer ReichSgesctzgcbung begegnet sind/ Auch wird eine uuauöbleibliche Folge des Gesetzes sein, daß di e unerfreulichen Nebenerscheinungen unserer Arbeiterversicherungsgesetze mit diesem Gesetz auch auf den Stand der Beamten übergreifen, und daß die Er- Haltung deS Gefühls der Selb st verantwortlich- keit für das eigene Lebensschicksal und die Ver» sorgung der Angehörigen stark beeinträchtigt werden wird." Im übrigen hofft der Redner, daß über den Entwurf der Privatbeamtenversichcrung nicht überstürzt verhandelt wird und daß nicht„polittsche Motive und Wahlrücksichten seine Ausgestaltung beeinflussen." Herr v. Löwenstein weiß also, weshalb die bürgerlichen Parteien— denn auf diese kann sich seine Anspielung nur beziehen— Sozialgesetze machen. Bitter beklagt es der Beauftragte der Bergiverksunter- nehmer, daß man den Gedanken der Fortbildungs- schulpflicht für Bergarbeiter nicht endgültig fallen gelassen habe, sondern sich sogar mit einem Sondcrgesetz trage. Wozu sollen auch die Bergsklaven etwas lernen, was nicht unbedingt zur Grubenarbeit notwendig ist? Besonders heftig ist serner der Ausfall des Herrn v. Löwen» stein auf die Arbeitslosenversicherung: «Tatsache ist doch, daß die gewaltige EntWickelung der deutschen Arbeiterversicherung unddaSbe- drohliche Anwachsen der Sozialdemokratie in engstem Zusammenhang stehen, daß unsere Jnvaliden- vnd Unfallversicherung bei allem Segen, der damit über das Land gekommen ist. in besorgniserregender Weise das Pflichtbewußtsein und das Vertrauen auf eigene Kraft gelähmt hat. daß.... die gesamte Arbeiterfürsorge eine eminent demoralisierende Wirkung auf die Massen ausgeübt hat und in zunehmender Weise die Grundbegriffe derMoral in u n s er er Arb eite r- schaft entwertet, weil man sich'schon längst an den Ge- danken gewöhnt hat, daß dem Versicher'ungsträger gegenüber alles erlaubt sei und mangelnde Wahrheitsliebe, Uebertreibung und Simu- lation ihm gegenüber nicht als Betrug gelten können.... Die gesetzliche Arbeitslosenfürsorge wird die unerfreulichen Rebe n e r s ch ei n un g en unserer sozialen Arbeiter- fürsorge ganz wesentlich verschärfen; sie wird eine eminente Stärkung der sozialdemokratischen Gewerkschaften bringen— diese Schlußfolgerung liegt sehr nahe, wenn man verfolgt, wie intensiv gerade von dieser Seite für das neue soziale Problem Propaganda gemacht wird— und schließlich gerade das züchten, waS sie verhüten soll: die Arbeits« losigkeit." Lügner und Betrüger sind die Arbeiter in den Augen der Grubenbarone schon längst: nun aber werden sie sich zur Erlangung der glänzenden Versicherungsbeträge auch noch konsequent aufs Faulenzen Verlegon. Deshalb sollte, so vor- langt der Sekretär der Grubenkapitalisten, die Regierung, an- statt mit„nervöser Hast" an die Verwirklichung eines solchen Problems zu gehen, lieber«aufklärend" wirken und dem„im Material der Versicherungsgesetze mehrfach ausgesprochenen Gedanken" nachgehen: „Wenn der Staat seinen Bürgern durch die Versicherung eine auskömmliche Lebenshaltung, Schutz vor Sorge und Rot schafft, dann ist er auch berechtigt, allen Unternehmern des Umsturzes mit doppelter Entschiedenheit ent« gegenzutreten." Also Ausnahmegesetze her! Ein Wunsch, der noch deutlicher wiederholt wird bei einem Hinweis auf die Frage des Reichseinigungsamtes nach australischem Muster: „Man wird eS nicht als unbillig bezeichnen, wenn wir bei. Einrichtung dieses Amtes, dessen Vorbild Exzellenz v. Berlepsch in Australien gefunden hat, oerlangen, daß wenigstens auch die dort in Amvendung stehende gesetzliche Bestimmung auf unsere Bei- Hältnisse übernommen wird, nach der jede Aufforderung zum Streik mit hoher Geldstrafe bezw. viel- jähriger Gefängnisstrafe geahndet wird." Das Protokoll verzeichnet, dast die Auwesenden Herrn b. Löwenstein für seine„interessanten und inhaltreichen Aus- führungen" Beifall spendeten. Offensichtlich auch die Bürger- meister, Landräte und Regierungsvertreterl Das gibt einen Fingerzeig für die Pläne der Zukunft. Scharfmacher und Regierung sind einig in dem Kesseltreiben gegen die Sozial- demokratie und die freien Gewerkschaften. Die klassenbewußte Arbeiterschaft hat alle Ursache, lvachsam zu sein und bei Zeiten zu rüsten. Angebinde für das Zentrum. Herr Schwartzkopff, der berüchtigte schwarze Mann im Kultusministerium, ist zum Oberpräsidenten der Provinz Posen ernannt worden An seine Stelle ist der Ministerialdirektor von C h a p p u i s getreten. Die liberale Presse behauptet nun, daß das Konzessionen der Regierung an das allmächtige Zentrum und Pränumerando-Abschlagzahlungen für die Wahlhilfe seien. Daß Herr von Schloartzkopff kein Anhänger der hakatistischen Politik ist, ist von konservativer und Zentrumsseite unwider- sprachen geblieben. Sowohl die Zentrums- als die konservative Presse haben den Amtsantritt des neuen Posener Oberpräsidenten sehr sympathisch begrüßt— ein Beweis dafür, daß diese Parteien in der Tat eine weitere Abkehr von der ehemaligen Bülowschen Anti-Polenpolitik erwarten, die ja dem Zentrum wie den Agrariern gleich unbequem ist. Aber auch das Avancement des Herrn von C h a P P u i s wird von der liberalen Presse als solch ein dem Zentrum erwiesener Liebesdienst gekennzeichnet. Das„Berk. Tageblatt" speziell be- hauptet, daß der neue Unterstaatssekretär im Kultusministerium „Vertrauensmann des Zentrums" sei und daß keine offizielle Ableugnung an dieser Tatsache auch nur das geringste zu ändern vermöge. Daß die Zentrumspresse dieser Behauptung widerspricht, beweist natürlich nicht das geringste. Ist es doch von vornherein klar, daß in der gegenwärtigen Situation, wo das Zentrum die eigentliche Regierungspartei bildet, an die Stelle Schwartzkopffs kein Mann gesetzt wird, von dem man nicht sicher -lväre, daß er in denselben Spuren zu wandeln entschlossen ist, wie fein Vorgänger._ Zur Stichwahl in Tüffeldorf. Der Hansabund gibt eine Motivierung der Stellungnahme der Düsseldorfer Hanseaten gegenüber dem Zentrumskandidaten Dr. Friedrich, der sich, um die Stimmen der Nalionalliberalen zu ergattern, dem Hansabund angeschlossen hatte. Der Hansabund betont, daß eS Pflicht seiner Düsseldorfer Zweigorganisation gewesen sei. sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob der Zentrumskandidat Dr. Friedrich faktisch ein überzeugungstreuer Anhänger des HansabundgedankenS gewesen sei. Es sei deshalb des mindeste gewesen, was die Hansabundorganisation Düsseldorf tun konnte. wenn sie Dr. Friedrich fragte, ob er bereit sei, die„agrardemagogi sche R ichtuug van Mitgliedern der ZcntrumSpartei zu bekämpfen, insbeson- der« jeder gegen Gctverbe, Handel und Industrie und den Au- gcstclltenstand gerichteten agrardeinagogischen Ausschreitung sich zu widersetzen, endlich dafür einzutreten, daß unter Per- z i ch t auf jede einseitige Belastung jener Stände die Steuern und Lasten unter alle Stände nach Besitz und Leistungsfähigkeit gerecht verteilt werden, und dafür, daß jedem Stand der ihm gebührende Anteil an der Gesetzgebung, Verwaltung und Leitung des Staates gewährt werde." Tie Forderung, Herr Dr. Friedrich solle auch die hansabundfeindlichc Richtung der Zentrumspresse bekämpfen und für eine gerechtere Feststellung und Einteilung der Wahl- kreise eintreten, ist von der Ortsgruppe Düsseldorf des Hansa- chundeS fallen gelassen worden, da man Herrn Dr. Friedrich, so weit wie möglich, entgegenkommen und ihn nicht zur Unterzeichnung von Fragen nötigen wollte, die nicht schon ausdrücklich in den Richtlinien standen. Herr Dr. Friedrich hat eS nach mehrtägigen Verhandlungen abgelehnt, eine Verpflichtung auf die eben angeführten Grundsätze einzugehen, ob- wohl sie nichts enthalten, was zu versprechen einem gewerbefrcundlichen Manne schwer oder gar unmöglich wäre. ES könne doch gerechtcrwcise dem Hansabund nicht zugemutet werden, daß er Personen, die seinen Zielen u n z uv e r l ä s.sig gegenüberständen, in den Reichstag bringe und damit die agrar- demagogischen Elemente stärken helfe. Wenn es der Hansabund wirklich ernst meint mit der Nichtunterstützung zweifelhafter Elemente, so sollte er sich auch einmal in liberalen Kreisen genauer umsehen. Vor allen Dingen aber müßt» er dann auch die rheinisch-westfälischen Nationalliberalen ernstlich ins Gebet nehmen, die durch einen Wahlschacher dem Zentrum, diesem Verbündeten der extremsten Agrardemagogie, eine Reihe von Mandaten zu- fchanzen möchten! » Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 19. Sep- jcmber vorgenommenen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Düssel- dorf betrug die Zahl der Wahlberechtigten 104 788; eS wurden ab- gegeben 70 406 Stimmen, von denen 70 175 gültig waren. Davon entfielen auf Haberland(Soz.) 84 071, auf Dr. Friedrich(Zentr.) 29 291, auf Dr. Breitscheid(Demokrat) 8315. auf Herkenrath (Teutschnati.) 3148, auf Choziszewski(Polej 329 Stimmen. Zersplittert waren 21 Stimmen._ Mürbe für den Wahlschacher will jetzt selbst die„ R h e i n is ch- W e stfä li s ch e Z t g." das Zentrum inachen, die es urspriinglich als selbst- v e r st ä ii d l i ch hingestellt hatte, daß die Nationalliberalen in Düsseldorf für den Zentrumskandidaten stimmen»vürdcn. Jetzt schreibt das Blatt zu der auf Wahlenthaltung laiitenden Stichwahlparole der National- liberalen: ,WaS dein Zentrum heute in Düsseldorf, der Metropole der Kunst, begegnet, wird ihm im Januar an- gesichtS der Stichwahlen in Köln undEssenso gut wie in zahlreichen anderen Bezirken der beiden Provinzen widerfahren. Den Appell an das nationale Gelvissen kann das Zentrum nicht mit Aufrichtigkeit erheben, die Partei, für die der bayerische Erzbischof den «reubund mit der Ballonmütze geschlossen, in nächster Nähe, j„ jämmerlichen Briefen um die Mithilfe der Genossen gegen � liberale Mitbewerber in Mülheim-Ruhrort, Dortmund-Land ge- bettelt hat.— Um nur weniae Seiten im großen Schuldbuch bewußt antwationalen VerhaMnS der Zentrnmspartei anfzu- schlagen, als Bochum. Duisburg. Dortmund. Bielefeld durch fein I Verhalten der Sozialdemokratie anheimflelen, weinte das Zentrum keine Angstzähren vor der roten Gefahr. Erst aber muß das Zentrum mürbe werden, bevor es für ehrliche Per- st S n d i g u n g. für Kompromisse und Kompensationen die Reife erlangt." Je»vütender sich Zentrum und Nationalliberale in den Haaren liegen, desto größer wird später die Inbrunst sein, mit der sich diese schönen Seelen in die Arme fallen l Das Brüsseler Telegramm an Bebel. Das Jenaer Postamt sendet uns folgende Zuschrift: Jena 1, 23. September 1911. Durch die Zeitungen ging dieser Tage die auch von Ihnen gebrachte Mitteilung, daß ein in Brüssel aufgeliefertes Tele- gramm an den Neichstagsabgeordneten Bebel in Jena von der deutschen Post konfisziert worden sei. Diese Mitteilung ist un- • richtig. Das betreffende Telegramm ist dein Adressaten bc- händigt worden, allerdings mit erheblicher Verspätung; es war nach dem rechtzeitigen Eingang beim Postamt in Jena durch das Verschulden eines wegen des sozialdemokratischen Partei- tagcs von der Behörde dorthin entsandten Aushilfsbeamten im Drange der Geschäfte nicht zum Bestellgeschäft gelangt und wurde erst, nachdem wenige Tage später von Brüssel aus nach dem Telegramm geforscht wurde, ermittelt. Dem Adressaten wurde nach Abschluß der Untersuchung ausführliche Mitteilung von dcm Sachverhalt gemacht. _ gez.: Neumärke r. Ein schlagfertiger Pfarrer. Daß in Bayern zwischen den allmächtigen Zentrumspfarrerw und den Lehrern ein recht idyllisches Verhältnis herrscht, ist be- kannt. Der Pfarrer und Schulinspektor Dr. Gregor Schmidt aus Eschendorf hat dieses Verhältnis kürzlich drastisch illustriert. Er prügelte den Lehrer Wolf aus Köhler derart durch, daß die Straf- kammer Äschaffenburg den schlagfertigen Priester wegen Körper- Verletzung und Vergehen im Amt zu 1000 M. Geldstrafe verurteilen mußte, trotzdem seltsamerweise mildernde Umstände ange- nommen wurden,•._ Oesterreich. * Die Eisenbahner und die Teuerung. Wien, 23. September. Teuerung und Wohnungselend haben die Angestellten und die Beamten der Eisen- bahnen gezwungen, Lohnforderungen zu stellen. In einem ausführlichem Memorandum haben sie der Regie- rung ihre Forderungen überreicht. Sie sind entschlossen, wenn die Regierung nicht rechtzeitig nachgibt, zur Waffe der passiven Resistenz oder des Streiks zu greifen. Wie die„Neue Freie Presse" erfährt, beschäftigt sich die Re- gierung mit der Abfassung eines Gesetzes, welches einen nicht unbeträchtlichen Teil der Forderungen der Staatsbeamten zu erfüllen geeignet ist. Die Gesetzvorlage wird im Laufe des Oktober von der Regierung beim Parlament eingebracht werden. Gleichzeitig wird eine Vorlage vorgelegt werden, welche die Deckungssrage für dieses Gesetz regeln soll._ « Verbot einer Teuerungsversammlung. Lemberg, 23. September. Die Polizei verbot ein für morgen geplantes sozialdemokratisches Mee- tin g geg«i die Teuerung, da sie Unruhen befürchtl�t. Spanien. Eine sozialistisch. republikanische Kundgebung. Madrid, 23. September. Das Komitee der r e p u b l i» kanisch-sozialistischen Vereinigung ist in Santander zusammengetreten und hat dem Ministerpräsi- deuten C a n a l e j a s ein Telegramm gesandt, in dem es erklärt, die Vereinigung sei an der neuen sozialen Betvegung unbeteiligt. Weiter wird die Haltung der Regierung in dcm Konflikt getadelt, gegen neue Untcrnehnmngen in Marokko Protest erhoben und die sofortige Einberufung des Parlaments ge- fordert. Blättermeldungen zufolge herrscht im Komitee Zwiespalt. Italien. Die Tripolisfrage. Rom, 23. September. Nach einer offiziellen Ankündi- gung im Militärblatt wird einTcilderJahresklafse 1888 einberufen, um den Bestand der Regimenter zu ergänzen, da das Kontingent der unter den Fahnen bleiben- den Soldaten nicht genügt. „Matin" berichtet aus Turin, die Vorbereitungen für das tripolitanifche Geschwader werden mit großer Intensität fortgesetzt. Die Mobilmachung, die von der Regierung verfügt worden ist, wird mit großer Genauigkeit und Schnelligkeit durchgeführt. Das Panzerschiff„Peruccio" ist von Tarento nach unbekanntem Bestimmungsort abge- gangen. Vier andere Panzerschiffe haben Befehl erhalten, sich unter Dampf zu halten. Das Blatt„Corriere Mercantile" versichert, daß sechs Transportdampfer ebenfalls bereit sind, abzudampfen. Die gesamte türkis che Presse behandelt die Tripo- lisfrage. Der offiziöse„Tanin" wendet sich entschieden gegen die Haltung Italiens. Er beschuldigt die italienische Regierung, nichts getan zu haben, um die Presse zu einer maßvolleren Sprache gegen die Türkei zu veranlassen und die Aufregung des Volkes zu beruhigen. Der„Tanin" hält die Befürchtung einer bevorstehenden Landung italieni- scher Truppen in Tripolis für unbegründet, gibt aber der Türkei den Rat, dem Ernst der Lage gerecht zu werden und die einer großen Nation geziemende Ruhe zu wahren. OrKei. Tie Kretafrage. Konstantinopel, 23. September. Di- Pforte erklärt in einer Zirkularnote bezüglich Kretas, daß der antigriechische Boykott fortdauern und der türkisch-griechische Bahn- a n s ch l u ß nicht z u st a n d e komme werde, solange bic Kretafrag- nicht endgültig geregelt sei. Di- einzig mögliche Lösung der Schwierigkeiten sei auf dem Wege der Autonomie zu suchen. Die Errichtung einer kretischen Republik sei un- möglich. Hus der Partei. Parteigenossen! Die Konstituierung des ParteivorstandeS ist erfolgt. Die Adresse des ParteivorstandeS ist wie bisher W. Pfanuknch, Berlin 8>V. K8, Lindeustr. 3. An diese Adresse sind sämtliche für den Partcivorstalld bestimmten Zuschriften und Drucksachen zu richten. Sülle Gcldsendltkgen sind nur an den Patkeikassierer A. Gerisch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 zu richten. (Postscheckkonto A. Gerisch, F. Ebcrt, 7918 Berlin.) Alle Zuschriften, betreffend die Frauenagitation, sind an O. Baader, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 zu richten. Die Adresse des Bildungsausschusscs lautet tvie bisher: H. Schulz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Zur Kontrolle des Parteivorstandes und als Beschwerde- instanz ist die aus neun Personen bestehende, im§ 29 unseres Organisationsstatuts vorgesehene Kontrollkommission getvählt worden. Dieselbe hat sich im Anschluß an den Parteitag in Jena konstituiert und sind alle Zuschriften für dieselbe an August Kaden, Gohlis bei Dresden zu richten. Wir ersuchen die Vorstände der Landes-, der Bezirks- und der Wahlkrcisorganisationen aus Grund des§ 3 des Organisationsstatuts, uns die genauen Adressen ihres Vor- sitzenden und ihres Kassierers nach erfolgter Wahl alsbald mitzuteilen._ Der Parteivorstand. Aus Württemberg. Der würltembergische Laudesvorstanb nimmt in einer Erklärung Stellung zu der Kündigungsaffäre der beiden Tagwacht-Redakteure Westmeyer und Krille. Die Göppinger„Freie Volkszeitung" hatte sich unter der Spitzmarke„Sie können es nicht erwarten...!" gegen die überschnelle Art der Kündigung gewandt. Darauf ant« wortet der Landesvorstand folgendermaßen: ..Der in Betracht kommende Beschluß der LandcSversammlung lautet folgendermaßen: „Nachdem der Genosse Keil bestimmt erklärt hat, daß er aus seiner Stellung ausscheiden will, beauftragt die Landesversamm- lang den neu zu wählenden Landesvorstand, allen übrigen Redaktionsmitgliedern, mit Ausnahme Saueäbccks, zu kündigen nnd die Redaktion der Tagwacht einheit- lichzu besetze n." In Ausführung dieses Beschlusses hat der LandeSborstand den in Betracht kommenden vier Redakteuren� also nicht nur den.Genossen Krille und Westmeyer, auf 1. Oktober gekündigt. Bezüglich der Neubesetzung der Redaktion der Tagwacht hat der Landesvorstand nur die notwendigen vorbereitenden Schritte unter- nommen. Bei der Anstellung der neuen Redakteure tvird die von der LandcSversammlung beschlossene Prehkommission mitwirken und gemeinsam mit dcm LandeSborstand beschließen. Die Preßkommission wird also nicht ausgeschaltet, und damit erledigen sich die übrigen Schlußfolgerungen der Freien Volkszcitung von selbst." • In der Freitagnummer der„Schwäbischen Tagwacht" wird in einem langen Artikel, betitelt„Zum Schutze unserer LandcSorgani- fation", der Versuch gemacht, die auf dem Jenaer Parteitage von oer Genossin Duncker erhobenen Anklagen sowie die Aeutzerungcn einiger Parteiblätter zu den württenÄbergischen Differenzen zu widerlegen und u. a. auch das Delegationssystem zur Landcsvcr- sammlung zu verteidigen. In dem Artikel, auf dessen Einzelheiten wir hier nicht eingehen können, heißt es zum Schluß: Es wäre wirklich an der Zeit, den Streit zu beenden. DaS Vorgehen der Genossin Duncker aber dient ebensowenig dem Frieden wie der Antrag Wcstmeyer bezw. Duncker. Die württem- bergische Landesorganisation, die zu allen Zeiten im Rahmen der Gesamtpartei ihre Aufgaben treu erfüllt hat, die im letzten Jahr überraschend große Fortschritte gemacht hat, verdient nicht, vor der ganzen Welt herabgesetzt zu werden. Sie wird auch keinen Pfleger anerkennen, der sie anweist,„im Sinne und Geiste der Gesamtpartei" zu wirken. Sie kann in höhcrem Grade für sich ,n Anspruch nehmen, mit dem Sinne und Geiste der Gesannpartet übereinzustimmen. Ivie diejenigen, die als ihre Ankläger auftreten. Wir sind der Ansicht, daß die Beilegung des Streites nur beschleunigt werden kann, wenn der Parteivorstand nach dem Be» schlusse des Jenaer Parteitages vermittelnd eingreift. Diese Ver- Mittelung kurzerhand als Pfleger- oder Vormundschaft abzuweisen, hieße sich über den Jenaer Beschluß und damit über den Willen der Gesamtpartei hinwegsetzen. Von einer Bevormundung der württembergischcn LandcSorganisation kann gar nicht die Rede sein. Auch wir teilen den Wunsch, daß der leidige Zwist bald begraben werde, aber meint die Redeiktion der„Tagwacht", daß es zu einer Beschleunigung des Friedens beitragen kann, wenn sie den Parteivorstand. der nur seine Pflicht tun wird, als aufgezwungenen „Pfleger" hinstellt?„Im Sinne und im Geiste der Gesamtpartei" liegt vielmehr, alles zu vermeiden, was den Friedensschluß erschweren oder verzögern kann. » Der sozialdemokratische Berein Stuttgart nahm in seiner vor. gestrigen stark besuchten Versammlung den Bericht vom Parteitag in Jena entgegen. Die Versammlung war von rund 1000 Ge- nassen besucht. Es referierte Genossin Duncker und Reichstags- abgeordneter Hildenbrand. Folgende beide Resolutionen gelangten Mit sehr starker Mehrheit gegen etwa 150 Stimmen zur Annahme: I. Die Parteiversammlung dankt der Genossin Duncker für die energische Vertretung der Interessen der Stuttgarter Partei. genossen. Sie verurteilt entschieden, daß die anderen Delegierten des Stuttgarter Wahlkreises diesen Interessen ostentativ entgegen gehandelt haben. 2. Die Parteiversammlung bedauert, daß der Landesvorstand entgegen dem Beschluß des Parteitages die Maßregelung der Redaktcure Westmeyer und Krille vorgenommen und die Neu. besctzung der Redaktion in die Wege geleitet hat. bevor die Preß- kommisston sich hat konstituieren können und bevor dcm Partei, vorstand ein vermittelndes Eingreifen möglich war. Die Partei« Versammlung verurteilt aufs schärfste die gehässige KampfeSweise der„Schwäbischen Tagwacht" gegen die Mehrheit der Stuttgarter Parteigenossenfchaft sowie die systematische einseitige Information der Parteigenossen über Partciangelegenheiten. * ♦* Die erste Nummer der beiden neugeschaffenen württembergische» Parteiblatter..D o na u w a ch t"- U l m und..Freie Presse". Reutlingen ist heute erschienen. Als Redakteur des Ulmer Blattes zeichnet Redakteur Noßmann, für das Reutlinger Partei. organ Rednstcur Ulrich, beide bisher an der„Schwäbischen Tag, wacht, l' Soziales» Arbeitslosenversicherung in KaiserslaNetn, Ain Donnerstag beschloß dgs Stadtratskollegium in Kaisers- lautern die Einführung einer Arbeitslosenversicherung mit IS gegen 8 Stimmen. Für den von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten Antrag stimmten 13 Sozialdemokraten» 2 Demokraten und ein Zentrumsmann, dagegen 6 Nationalliberale und 2� Zentrumsleute. Tie Versicherung wird aus dem gemischten Genter System aufgebaut werden: Unterstützung der Arbeitcr. organisationen mit Arbeitslosenversicherung und Errichtung einer Versicherungskasse für Nichtorganisierte und solche Organisierte. deren Organisationen) eine Arbeitslosenunterstützung nicht ein. geführt haben. DaS außordein im Musterstatut der bayerischen Regierung vorgesehene System der Einzelsparer ist vorab nicht beantragt, um die vcrwaltungstechnische Ausführung nicht zu selir zu komplizieren und ii« Leistungsfähigkeit der VersicherungSkajse nicht zu schwächen,- GewerkfchaftUchea. Raucbcrfreuden— Cabakarbeiterleidcti. Die Tatsache, daß sich die Arbeiter der Zigarrenbranche zu einer Lohnbewegung, zu einer Tarifbewegung aufgerafft haben, hat bei den Fabrikanten, denen eine Bewilligung des Tarifs noch am leichtesten fallen würde, weil sie kapitalkräftig genug sind, eine gewaltige Erregung hervorgerufen. Und seltsamerweise sind es gerade d i e Firmen, die, da sie meist Hausarbeiter beschäftigen, erst recht die Verpflichtung hätten, die Löhne zu erhöhen. Denn hier wie überall, wo Heimarbeit Mode ist, werden dem Unternehmer die Sorgen für Heizung, Raum und Licht von den Arbeitern abgenommen. Der Arbeiter bekommt den Rohtabak geliefert, das heißt, er holt sich den Tabak vom Fabrikanten, wobei er häufig genug lange Zeit warten muß. Er hat sich jeden Tag eine Anzahl Stunden mit der Zurichtung des Tabaks zu be- schäftigen, so daß er sich oft erst früh um 1(1 Uhr zur eigent- lichen Berufsarbeit hinsetzen kann: ebenso die Wickelmacherin, die meist seine Frau ist. Und nun geht das Arbeiten los. Es kommt der Abend, es kommt die Nacht, aber das Licht in dem vierten Stock im Seitengebäude brennt noch immer! Noch immer sitzt da der Tabakproletarier mit seiner Frau, arbeitet und arbeitet! Denn bald ist der Liefertag, und da möchte man doch seine„Zahl" fertig haben. Diese Zahl ist manchmal 150(1, manchmal 2000, manchmal 3000 Stück Zi- garren, selten darüber. Denn diejenigen, die darüber hinauskommen, sind Ausnahmen. Und einen Lohn bekommen sie, der es erklärlich macht, daß der letzte Rest von Kraft auf- gewendet werden muß, um den drückendsten Verpflichtungen, die das Leben mit sich bringt, nachkommen zu können. So bezahlt eine Firma Laser ihren Arbeitern noch immer 9,50 M. pro Tausend der billigeren Sorten. Preise von 10 M. und 11 M. sind an der Tagesordnung bei Kur- n i k e r, bei K a p h u n, bei Sonnabend. Und nament- lich der letztgenannte hat den Rekord in geringen Löhnen. Man bedenke, so roh, wie der Tabak von Uebersee in Ballen ankommt, so empfängt ihn der Arbeiter. Er wird unter seinen Händen gestaltet zur gebrauchsfertigen Zigarre, die mit ihrem Aroma den Menschen erfreut. Wüßten die vornehmen Raucher nur, daß oft nicht der zehnte Teil des Kaufpreises in die Hände der Verfertiger kommt, wüßten sie, daß die Mädchen im fernen Elbing, in Braunsberg, in Graudenz mit Löhnen von, 6, 8, 10 M. pro Woche nach Hause gehen müssen, sie würden diese Produkte menschlichen Ueberfleißes, sie würden die Zigarre mit anderen Augen betrachten, als nur mit denen des Gourmands. Und dennoch diese Gereiztheit jener Fabrikanten, wenn sich diese Enterbten des Glücks einmal auf sich selbst besinnen, sich ihres Menschtums erinnern, um ihre Lage auf ein Niveau zu heben, das wenigstens einigermaßen menschlich genannt werden kann. Teile und herrsche: Wir verhandeln nicht mit der Or- ganisation.— Der einzelne ist ja so leicht zu biegen und, wenn notwendig, auch zu brechen.— Wir verhandeln nicht mit der Organisation: wir haben es nicht nötig. Wir vor- legen auch unsere Fabrikation. Dann habt Ihr gar nichts! Merkt Euch das! Das Verlegen der Fabriken, das ist die Peitsche, mit der man dem Arbeiter droht. Nun, die Herren haben' ihre Produktion ja schon seit Fahren zu verlegen getrachtet, der Osten reizt ihren Appetit nach �billigen Arbeitskrästen nicht erst feit heute. Aber die Oeffentlichkeit soll es wissen und muß es wissen, was es auf sich hat mit dem Gerede von dem sozialen Empfinden und Verständnis dieses Unternehmertums. Und diesem Zwecke sollen diese wenigen Zeilen gewidmet sein. Raucher, beachtet die im heutigen„Vorwärts" veröffent- lichte Liste der tariftreuen Zigarrensirmenl Berlin und Clmgegend. Zum Streik der Militäreffektenarbeiter. Entgegen den Behauptungen, die in der bürgerlichen Presse erschienen sind, wonach die Arbeitnehmer Verhandlungen mit den Arbeitgebern abgelehnt und auch ohne genügende Zeit zu Verhand- lungen zu lassen, die Arbeit niedergelegt hätten, erklärt die Streik- leitung noch mal mit aller Bestimmtheit, daß von ihrer Seite das möglichste getan worden ist, um die Differenzen auf gütlichem Wege beizulegen. Sie hätte auch gerne noch weiterverhandclt, wenn die beteiligten Firmen nicht derartige Angebote unterbreitet hätten, daß es für die Arbeitnehmer absolut unmöglich war, auf dieser ßirundlage weitere Verhandlungen zu pflegen. Um nun ein weitgehendes Entgegenkommen zu bezeugen und such dem Wunsche mehrerer von dem Streik betroffener Firmen nachzukommen, nahmen die am Sonnabend Versammelten einen Vorschlag an, demzufolge aus der Gruppe der Ausständigen eine Kommission gewählt werde, die mit den Firmen zu verhandeln haben. Das wäre eventuell ein Weg. auf dem eine Einigung erzielt werden könnte. Es ist aber auch, was noch einmal hervor- gehoben werden muß, nicht wahr, daß die Löhne 45 Pf. bis 80 Pf. betragen, sondern wie schon im„V o r w ä r t s" mitgeteilt, 31 Pf. bis 74 Pf. pro Stunde. Neun Zehntel der im Berufe tätigen Per- sonen erhalten aber die niedrigen Löhne und nur ein Zehntel rangiert in der höheren Lohnklasse. Sollte wirklich einer vorhanden fein, der 80 Pf. verdient, dann kann es sich nur um einen Meister oder Vorarbeiter handeln. Die Behauptungen in der bürgerlichen Presse zeigen offenkundig, daß sie aus dem Bureau der Arbeit- geber kommen. Die Versammelten waren im höchsten Maße em- pört über eine derartige Irreführung der Oeffentlichkeit. Daß durch die Bewilligung der Forderungen die Leistungsfähigkeit der betreffenden Firmen gefährdet werde, trifft schon deshalb nicht zu, weil diese Betriebe bis dahin niedrige Löhne gezahlt haben, wo die anderen Firmen der Branche jahrelang schon weit höhere Löhne geben. Die Ausständigen sind nach wie vor bereit, Verhandlungen zu pflegen. Bis jetzt ist noch kein Streikbrecher in den Betrieben, immerhin wird dringend darum ersucht, Zuzug fernzuhalten. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Pahlitzs'ch, Gneisenaustraße, Fabrik für Kuvertmaschinen, stehen die Kollegen im Streik. Auf Forderungen, welche die Streikenden eingereicht hatten, gab Herr P a h l i tz s ch, nachdem er die Kommission von einem zum anderen Tage vertröstet hatte, ausweichende Antwort. Als die Kollegen endgültigen Bescheid verlangten, ging Herr P a h l i tz s ch auf Reisen. Auf recht eigene Art sucht Herr P a h l i tz s ch sich seiner Leute, die er unbedingt gebraucht, zu versichern. So schloß er mit einem Kolonnenführer vor einiger Zeit einen Kon- trakt ab, in welchem der Unterzeichnete sich verpflichtete, in fünf Jahren sich an keiner Arbeitsniederlegung zu beteiligen, widrigen- falls die ihm von Herrn P a h l i tz s ch geliehenen 800 M. sofort zahlbar seien. Im anderen Falle sollen die 500 M. als bezahlt gelten. Die Firma versucht nun durch den Arbeitsnachweis Berliner Metallindustrieller sowie durch den Nachweis der Gelben Arbeits- Willige zu bekommen, allerdings mit negativem Erfolge. Bei diesem Streik müssen wir wieder einmal konstatieren, daß rechtes die größten Schwierigkeiten macht. So verbot man den Streikenden den Aufenthalt in der Gneisenaustraße zwischen der Bärwaldstraße und dem Kaiser-Friedrichplatz, Kkrgntlv. Redakt.i Richard Barths Berlin. Lnseratenteil veranto,?" obgleich Bort einem Verkehrshindernis oder einer Belästi- gung etwaiger Arbeitswilliger gar keine Rede sein kann. Die Firma hat nämlich nicht ein Exemplar dieser nützlichen Ele- mente. Des weiteren haben die Streikenden den Eindruck, daß die bekannten„Nichtgentlemans", welche sich überall bemerkbar machen, auch hier den Versuch machen, die Streikenden vom Wege des ihnen zustehenden Rechtes abzubringen. Auf der Polizeiwache, wohin einer der Streikenden auf Veranlassung eines Unbekannten gebracht wurde, bezeichnete sich dieser Unbekannte als ein Herr Mathes, Stallschreiberstr. 23, wohnend. In diesem Hause ist jedoch ein Mieter dieses Namens nicht bekannt. Die Streikenden ersuchen die Arbeitslosen, den Betrieb zu meiden und Arbeitsangebote der Firma zurückzuweisen. Der Be- trieb ist für Metallarbeiter aller Branchen gesperrt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Der Streik der Hausdiener usw. bei der Firma Carl Stiller Schuhwarenhaus, Jerusalemer Str. 38/39, dauert fort.— In Nr. 222 des„Vorwärts" berichtet die Firma Stiller über die Höhe, der gezahlten Löhne.*)— Die Firma legt besonders großen Wert auf Trinkgelder, welche die Hausdiener angeblich bekommen haben. Wir haben festgestellt, daß Trinkgelder fast überhaupt nicht gegeben werden. Will denn die Firma behaupten, daß, wenn ein Haus- diener die ganze Woche hindurch 16 Pf. Trinkgeld bekommt und ein großer Teil überhaupt nichts, weil sie am Lager und im Hause beschäftigt wurden, hiervon Abzüge für die Kaution gegeben werden können?— Die Firma Stiller trifft jetzt ganz besonders Maß- nahmen, damit kein organisierter Hausdiener in den Betrieb ein- schleicht. Charakteristisch ist der nachfolgende Engagementsvertrag mit einem Hausdiener: Durch meine Unterschrift bestätige ich mein Einverständnis mit folgenden, mein Arbeitsverhältnis mit der Firma Schuh- Warenhaus Carl Stiller, Berlin, betreffenden Vereinbarungen: Eintritt: Am 12. September 1911 als Hausdiener und Dreirad- fahrer. Gegenseitige Kündigungsfrist: Kündigung ausgeschlossen. Lohn: 23 M. Besondere Bemerkungen: 100 M., Einhundert Mark Kaution. Zahlbar bei Eintritt mit 6 Proz. Zinsen. Berlin, den 12. September 1911. Vor- und Zunamen: Unterschrift: Schuhwarenhaus Carl Stiller. I. V.: Elsner. Bei 23 M. Lohn also 100 M. Kaution! Dieser im Hause Stiller nur wenige Stunden tätig Gewesene war in der glücklichen Lage, die geforderte Summe in bar stellen- zu können. Wer dies aber nicht kann, muß sich wöchentlich 2 M. von seinem Lohn kürzen lassen. Die Firma Carl Stiller glaubt, eine Kaution deshalb nehmen zu müssen, weil sich einige ihrer Hausdiener angeblich Un- regelmäßigkeiten haben zuschulden kommen lassen. Warum fordert denn die Firma diese Kaution von Leuten, welche 3—10 Jahre im Hause tätig waren und sich nie etwas haben zuschulden kommen lassen, ja selbst von Angestellten, welche nie zum Einkassieren von Geldern oder Wegschaffen von Waren herangezogen wurden. Während die Hausdiener bei der Firma Stiller einen Kampf um die Menschenrechte, einen Abwehrkampf führen, weil ihnen zu- gemutet wurde, eine Kaution zu stellen, schloß der Deutsche Trans- portarbeitervcrband mit der Firma H. Leiser, Schuhwarenhaus, für die dort beschäftigten Hausdiener, Radfahrer usw.. einen Tarif- Vertrag, welcher fiir beide Teile als befriedigend angesehen werden kann und lkine Kaution vorsieht. Hoch die Solidarität! Deutscher Transportarbeiterverband. Deullebes Reich. Der Streik in den Plangeschen Mühlen ist aufgehoben, da die Differenzen beigelegt, sind. Der Brauerei- und Wühlenarbeiter- verband hat eine Einigung mit der Direktion erzielt. Die Marmorarbeiter in Köln befinden sich in einer Lohn- bewegung. Da bisher noch keiw tariflich geregeltes Arbeits- und Lohnverhältnis bestand, so wurde an die Unternehmer ein Tarif- entwurf eingereicht. Die Unternehmer erklären sich zu VerHand- lungen bereit. Zuzug von Marmorarbeitern nach Köln ist fernzu- halten. In Betracht kommen 125 Arbeiter. Busland. Eine englische Streikpolizei. London, 21. September 1911.(Eig. Ber.) Wie tief die Arbeiter- rebolten das englische Bürgertum beunruhigt haben, beweisen die Maßnahmen, die man jetzt trifft, um einem neuen Streik begegnen zu können. Vor einiger Zeit wurde hier schon berichtet, daß eine Reihe Offiziere des Landheeres damit beauftragt worden sind, das Terrain in London zu rekognoszieren, damit man dem„inneren Feinde" in Zukunft erfolgreich entgegentreten kann. Jetzt verschickt der Minister des Innern Schreiben an alle Polizeibehörden des Landes, die einen Plan zur Einführung einer Polizeireserve enthalten. In England wirbt man in Zeiten großer Unruhe söge- nannte Spezialkonstabler an; das heißt, man bewaffnet Zivilisten, meist Angehörige der bessersituierten Klassen und ausgediente Sol- baten, mit Polizeiknütteln und stellt sie den Polizisten zur Seite. In den letzten hundert Jahren sind Spezialkonstabler nur dreimal angeworben worden, das letztemal vor einigen Wochen bei dem Eisenbahnerstreik. Diese Spezialkonstabler sollen nun zu einer ständigen Einrichtung gemacht werden. Der Minister Churchill schlägt den Polizeibehörden vor, eine Polizeireserve zu schaffen, und zwar eine erste Reserve, bestehend aus ausgedienten Soldaten, Polizisten und ähnlichen disziplinierten Elementen, und eine zweite Reserve, der andere Personen von gutem Rufe und geeignetem Körperbau angehören würden. Diese Polizeireserve, die unter anderem auch ähnliche Dienste verrichten soll wie das Militär bei den letzten Eisenbahner- und Transportarbeiterstreiks, soll in allen volkreichen Distrikten ins Leben gerufen werdem Um der Arbeiter- schaft die Pille zu versüßen, schreibt Herr Churchill, es könne auch unter Umständen angebracht sein, bei Streiks Streikende als Spezialkonstabler einzustellen. Aber auf diesen Leim werden wohl wenig Arbeiter gehen. Das Schreiben des Ministers, das vom 15. September datiert, hat bei der englischen Bourgeoisie gleich An- klang gefunden. Schon gestern beschloß der Zweckvcrband für Wcstyorkshire, eine Polizcireferve von 400 Mann einzuführen. Die Leute sollen ein festes Jahresgehalt von 5 Pfd. Sterl. und einen täglichen Lohn im Falle der Mobilisierung von 5, ö und 8 Schilling, je nach ihrem Range, bekommen. Der Genosse Herbert Smith. Vorsitzender des Bergarbciterverbandcs von Aorkshire. protestierte energisch gegen diese neue Einrichtung, die er als eine kapitalistische Schutzgarde bezeichnete, die bestimmt sei, die Arbeiter niederzu- knüppeln. Auch der Liberale Booth wandte sich dagegen und nannte die Maßnahme eine Verrücktheit, die der panische Schrecken geboren. Tie Reserve wurde aber dennoch angenommen, Hu9 Induftrie und Handel Agrarische— Naivität. Genosse Bebel hat den Leuten der„Deutschen Tagesztg." arge Schmerzen bereitet, indem er auf dem Parteitage in Jena darauf hinwies, daß unsere geniale Zollpolitik die Militärverwaltung zu erhöhten Ausgaben zwingt. Wie andere Konsumenten müsse natürlich auch sie die durch die *) Leider hat sich in der Notiz ein Druckfehler eingeschlichen: Es muß nicht heißen: 11 Hausdiener 29,— M.. sondern 1 Haus- diener 29,— M.___ Red, d.„V." 'Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstait Zollerhöhungen hervorgerufene Preissteigerung für Lebens- und Futtermittel bezahlen. Diese von normalen Menschen kaum bestrittene Tatsache veranlaßt das Agrarierblatt zu einem fast unglaublichen— Bluffversuch. Es schreibt: ,... Herr Bebel scheint die Reichsetats nicht zu kennen. Selbstverständlich sind die Gesamtausgaben für Heer und Marine gestiegen. Sie betrugen bei dem Kapitel 25, Titel 3, des Militär- etats(Brot- und Futterverpflegung) im Jahre 1873 annähernd 49 Millionen Mark und sind bis zum Jahre 1911 mit einigen Schwankungen auf 72 Millionen Mark gestiegen. Diese Steigerung hat aber mit der Zoll- und Steuerpolitik nicht das mindeste zu tun. Sie erklärt sich vielmehr aus der Zunahme des Gesamtbedarfes, die von 1878 bis 1911 an Brotfrucht etwa 42 000 Tonnen, an Hafer. Heu und Stroh zusammengenommen etwa 163 000 Tonnen betrug, d. i. bei Brotgetreide über 57 Prozent, bei Hafer, Heu und Stroh etwa 56 Prozent. Dagegen sind die von der Heeresverwaltung im Etat veranschlagten Preise seit 1873 gesunken. Sie betrugen bei Weizen Roggen Hafer Heu Stroh 1873 249,— M. 183,— M. 166,22 M. 68.— M. 45.80 M. 1911 203,02 M. 151,34 M. 155,04 M. 60.55 M. 45.31 M. Selbstverständlich kann man nicht die Preise xbeliebiger Jahre zusammenstellen, um die Wirkung der Zölle zu er- Mitteln. Weil die Preise starken Schwankungen unterliegen. ist ein solcher Nachweis durch Vergleichungen der Preise zweier Jahre nicht einwandfrei zu führen. Warum wählt die„Tages- zeitung" nicht die folgende Zusammenstellung, die die amt- lichen Notterungen enthält? Danach kostete die Tonne Mark: 1903 1904 1910 Roggen... 132.3 135,1 152.3 Weizen.... 161.1 174,4 211,5 Haser.... 136.6 133,7 153.1 Hier kann man schon mit größerem Recht behaupten: die Vergleichung der Preise kurz vor Einführung der letzten Zollerhöhung und der nachherigen Notierungen zeigt die Wirkung der Zölle! Aber, wie schon bemerkt, ein Vergleichen der inländischen Preise nach verschiedenen Jahren läßt leicht Trugschlüsse zu. Will man die Wirkung der Zölle ermitteln, dann muß man die Inlandspreise mit den Preisen am Weltmarkt vergleichen. Dabei zeigt sich, daß die Inlandspreise um fast den Zollbettag höher sind, als auf dem Weltmarkt. Ohne Zölle würde demnach die Militärverwaltung für Roggen zirka 50 M.. für Weizen zirka 55 M.. für Hafer zirka 50 M., für Pferdefutter — Bohnen, Lupinen, Wicken— zirka 15— 20 M., für Mais zirka 30 M. usw. ersparen, hätten wir keine Zölle. Bei dem großen Bedarf der Militärverwaltung kämen Riesensummen heraus, die nun das Agrariertum als willkommene Beute einsteckt. Es gehört schon die ganz agrarische edle Dreistigkeit oder freche Naivität dazu, diese offenkundigen Tatsachen aus der Welt— zaubern zu wollen. Liebesgaben-Notstandspolittk. Ein recht charakteristisches Licht auf die Notstandspolitik der Re« gierung als Dienstbeflissene der Großagrarier wirst eine Eingabe der Handelskammer Düsseldorf. Es heißt darin u. a.: ..... Da der Frachtersparnis infolge der Herabsetzung der Tarife für einzelne Futtermittel keine durchschloggebende Kraft inne- wohnt und viel wirksamer die Rot durch Aendernng des ZollwesenS bekämpft werven könnte, aber bislang nicht bekämpft wird, wird in weiten Kreisen— einerlei, ob nxit Äecht oder mir Unrecht-i- der Eindruck erweckt, daß es der Regierung mit der Futtermittel- verbilligmig nicht recht ernst ist und daß sie hohe Futtermittel- preise für Hafer,- Heu und Stroh im Interesse der landivirtschaft- lichen Verkäufer dieser Güter wünscht, aber keine Verbilligung in, Interesse der Vichhalter. Wir fürchten, wie schon erwähnt, daß dieser Eindruck auch durch die getroffenen Tarismatznahmen nicht völlig beseitigt werden wird, einmal deswegen, weil die Aus- führungsbestimmungen zu wenig berücksichtigen, daß die große Mehrzahl der Viehhalter ihre Futtermittel nur durch den Handel, nicht aber direkt in Wagenladungen beziehen kann. dann aber, weil die gewährten Frachtermäßigungen wieder abgeschwächt und unwirksam gemacht werden durch Tariferhöhungen, teilweise für die gleichen Dinge. Schon seit Jahren interessieren sich bestimmte Kreise der Land- Wirtschaft für Frachterhöhungen fiir Futtermittel, und in der letzten Sitzung der ständigen Tariskommission deutscher Eisenbahnen ist auf deren Veranlassung beschlossen worden, sämtlichen Mischfuttern mit Einschluß derjenigen melassehaltigen, die mehr als einen Melasseträger haben, die Vergünstigung des Spezialtarifs III zu entziehen nnd sie in die allgemeine Wagenladungsklasse zu ver« setzen. Das bedeutet eine Erhöhung der Fracht um mehr als das Doppelte----' Die Großagrarier find an hohen Futtermittelpreisen als Ver- käufer interessiert. Deshalb erlauben sie der Regierung keine Politik, die den Viehhaltern billiges Viehsuttcr garantieren könnte. Damit auch keine Konkurrenz der künstlichen Futtermittel auskommen kann, muß die gehorsame Regierung hierfür die Tarife verteuern. Und das spielt sich auf als Vertreterin der Landwirtschast und der nationalen Interessen. Die Regierung betreibt eine Politik, als sei sie offiziell lediglich ein Ausschuß zur Wahniehmung von Groß- grundbesitzerinteressen. Und das Volk schreit nach Brot! K-etztc Nadmcbtcn. Teuerungsunrnhen in Oesterreich. Wien, 23. September.(W. T. B.) Wie aus Jägerndorf ge- meldet wird, kam eS heute abend dort nach einer Versammlung gegen die Lebensmitteltcucrung zu einer Kundgebung von zwei- tausend Personen vor der Bezirkshauptmannschast. Die Menge zog dann vor einen Meicrhof, wo die Fenster eingeworfen und die Türen beschädigt sein sollen. Als einer der Demonstranten ver- haftet wurde, nahm die Menge eine drohende Haltung ein. Es wurde Militär aufgeboten, das den Platz räumte. Um zehn Uhr abends herrschte wieder Ruhe._ Verurteilter Totschläger. Köln, 23. September.(W. T. B.) Ter Handwerker Gustav Adolf Hild, der am 10. Mai 1911 hier seine Mutter ermordet hat. ist vom Schwurgericht wegen Todschlags zu 10 Jahren Zucht- haus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Riescnbrand in einem russischen Torfe. Warschau, 23. September.(Pr.-E.) Eine entsetzliche Feuers- brnst brach heute gegen Abend in der Ortschaft Plawno aus. Ter Brand, der allem Anscheine nach auf Brandstiftung zurückzuführen ist, brach zu gleicher Zeit an zwei auseinanderliegenden Stellen aus. Gegen 10 Uhr abends bot das brennende Dorf nur noch den Anblick eines gewaltigen Flammenmeeres. Mehr als 80 Gebäude wurden ein Opfer der FeuerSbrunst. Ein ungeheures Elend ist damit über die Bevölkerung des kleinen Dörfchens hereingebrochen. die nichts weiter als das nackte Lebe» in Sicherheit bringen konnte. Vieh, Hab und Gut wurden ein Raub der Flammen. Bei den Versuchen, Herr des Feuers zu werde», um zu retten, was irgend noch zu retten war. ist eine große Anzahl Menschen ums Leben gekommen. Der Brand konnte�bis in die späten Nachtstunden nicht gelöscht werden. Paul Singer& Co, Berlin SV� Hierzu 5 Beilagen. Nr. 224. 28. Aahrgass. 1. Ufiliijt i>ts Lsmiirts" Ittliiin vcksdlR Smt>ig,A.Ztptmtttl9U. Zum tüainzer Prozeß. Im Mainzer Prozeß ist die Verkündung des Urteils aufgeschoben. Schwerlich wird auf eine der Höhe und Art nach so drakonische Strafe erkannt werden, wie sie der Staatsanwalt beantragt hat. Die Feststellung des Tatbestandes und der Tatsachen, daß die An» griffe platt zu Boden fielen, die gegen die auf Besserung der Lage der Prostituierten gerichteten Bestrebungen abzielten, sollte sür die Beteiligten wertvoller sein als eine Bestrafung des falsch informierten und nach völlig falscher Richtung losgegangenen Artikelschreibers. Für die Oeffentlichkeit weit wichtiger als die Frage der Straf- höhe ist die ohne Zutun des Angeklagten und des Staatsanwalts durch den Prozeß aufgerollte Frage der unheilvollen Folgen des gegen die Prostitution heute herrschenden Polizeisystems. Dies wächst aus der Unmöglichkeit der heutigen Gesellschaftsordnung heraus, die Prostitution, die sie selbst täglich, ja stündlich nährt und vermehrt, zu beseitigen oder auch nur erheblich einzudämmen. Der Versuch des Gesetzgebers, durch seine strafrechtlichen und polizeilichen Mittel die gelverbs- mäßige Unzucht zu verschleiern, statt ihre wirtschaftlichen Wurzeln abzugraben, mutz mit Notwendigkeit zu dem heutigen Polizeisystem und seinen beklagenswerten Folgen führen. Unsere bürgerliche kapitalistische Wirtschaftsordnung gibt statt wirtschaftlicher Reformen zur Bekämpfung der Prostitusion— polizeiärztliche Kontrollen zur bequemen Benutzung der der Prostitutton verfallenen Opfer; statt Sozialpolitik gibt sie Sittenpolizei. Die Industrialisierung der Frau, die Wohlfeilheit der weiblichen Arbeit zeigt uns den Grund für die moderne Prostitution. Statt das Ucbel an der Wurzel zu packen, kräftigen Arbeiterinnenschutz zu schaffen. die Organisationen der Arbeiter zu stärken und dadurch der Prostitution das Feld abzugraben, wird die Ausübung der Unzucht polizeilich kon- zessioniert, kontrolliert, reglementtert und bordelliert. Mittel, die keineswegs die Ausübung der Prostitution zu beseitigen, höchstens zu verdecken vermögen. Die Prostitution als gesellschaftliche Institution ist durch das heutige System zu einer polizeilich sorgsam behüteten und gepflegten Säule der bestehenden Gesellschafts ordnung gemacht. Nicht naiv offen, wie im Mittelalter bis ins IS. Jahrhundert hinein di� Dirnenzunft mit ihrer Dirnenkönigin. die zum Empfang hoher Herrschasten sich bereit hielten, soll die Prostitutton auftreten, sondern heuchlerisch versteckt, hohem Polizei obrigkeitlichem„Schutz* übergeben. Da kommt zunächst Z 361 Ziffer 6 deS ReichS-Strafgefetzbuchs in Betracht. Danach wird eine„Weibsperson* mit Strafe bedroht, wenn sie gewerbsmäßig Unzucht treibt, ohne polizeilicher Aufsicht lder sog. Sittenpolizei) unterstellt zu sein oder welche nach Unterstellung unter polizeiliche Aufsicht den von der Sittenpolizei erlassenen Anordnungen zuwider handelt. Diese Sitten� Polizei erschwert nawr- und erfahrungsgemäß in unendlich häufigen Fällen Mädchen, die Not oder Verführung oder beide? zusammen vorübergehend den Armen der Prostitution zugetrieben hat, einen anderen Lebenswandel zu beginnen. Wenn die Mainzer Polizei assistentin sich endlich und nicht ohne Erfolg bemühte, den aus dem Suinpf Herausstrebenden hilfreiche Hand zu reichen, so ist da? eine erfreuliche anerkennenswerte Einzelerscheinung. Aber es gleicht dies Wirken doch sehr dem Wasserschöpfen mit einem Faß ohne Boden. 9 Die Sittenpolizei in ihrer Gesamtheit betrachtet, wirkt dahin: in den Sumpf hinein die Gestrauchelten und unter drückendster Polizei- und Luden-Fuchtel die Unglücklichen, die im letzten Grunde ihre Lag« dem Elend der heutigen Gesellschafts« ordnung zu danken haben l Das immer tiefere Sinken dieser armen Opfer ist eine Folge des im Jntereffe der„Sicherung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen AnstandS' geschaffenen § 361 Ziffer S des Strafgesetzbuchs. Das Zuhältertum er- wächst auS derselben Wurzel: eS entspringt dem Schutzbedürfnis der Prostituierten gegen polizeilich-strafrechtliche und andere Vexationcn. In Berlin hat ja unlängst als Folge deS Polizeisystems die Tat- fache, daß Sittenpolizisten selbst Zuhälterei ausübten und ihre Opfer zu Kuppeleien und Lockspitzeleien anhielten, zur Verhaftung eines kleines Feuilleton. Eloffen zum Spielplan der„Freien Volksbühne". Die Berichte über den vorgestern vor dem Oberverwaltungsgericht geführten Jen- furprozetz geben eine Aeußerung des Herrn Regierungsrais Dr. Lindenau wieder, die geeignet ist, im Publikum durchaus irrige Vorstellungen vom Wesen der„Freien Volksbühne" zu erwecken. Nach Herrn Lindenau soll es nämlich„in Wahrheit" das Ziel der �.Freien Volksbühne" sein, ihren Mitgliedern billige Billetts zu den gerade auf den Repertoires der Berliner Theater stehenden Stücken zu verschaffen, seien dieselben nun ernsten oder heiteren , Inhalts, klassische Dichtungen oder von Boulevardtheatern impor- tierte Schwänke. Hätte sich der Verein von HauS auS keine höhere Aufgabe gesetzt, als diese, dann läge eine Art burcaukratischer Logik darin. ihn einem xbeliebigen Lotterielos-, Touristen-, Tanz- oder sonst- welchem VcrgnügungStaxen-Ermäßigungsverein beizugesellen. Würde er bloß die Vcrbilligung des Theaterbesuchs als Hauptzweck verfolgen, dann wäre es längst als eine Torheit zu bezeichnen ge- wesen, daß er weiter zu bestehen entschlossen ist. Denn angesichts der allgemeinen Zurückhaltung des Publikums von den Theatern: erstens aus Gründen eines von Jahr zu Jahr kostspieliger werden- den und daher immer schwerer zu bestehenden Existenzkampfes, zweitens, weil die Preise der Billetts eine den verteuerten Betriebs- kosten entsprechende Steigerung erfahren haben, hat sich ja bereits seit einiger Zeit die Gepflogenheit eingebürgert, durch F r e,- karten gegen Abnahme einer Kartensteuer auch die ärmeren Volksschichten zum Besuch der Vorstellung anzueifern. Es bedürfte erst gar keines Zusammenschlusses von Kunstinteressenten, um die vorhin angedeuteten Vcrgünssigungen mit Vorteil zu nützen, und ?war mit einem Vorteil der Verbilligung des Theaterbesuchs, den der Verein„Freie Volksbühne" seinen Mitgliedern schwerlich zu bieten vermöchte. Dieser Verein muß also höhere Zwecke haben— und er h a t sie Er war und bleibt der Pionier für wahrhafte Kunst in den Reihen der sozialistischen Arbeiterschaft. Demgemäß wird denn auch der Spielplan der Freien Volks- bühne von ihrem gewählten Vorstand nach sorgfältigen, kritischen Erwägungen zusammengestellt. Die Wahl von sieben der zehn jähr- über aufzuführenden Werke erfolgt völlig unabhängig vom laufenden Spielplan der öffentlichen Theater. Nur drei Stucke müssen vertragsmäßig dem Spielplan stehender Bühnen(des Lessing- tbcaters und des Neuen Schauspielhauses) entnommen werden. Meit davon entfernt, eine bloße Agentur fiir billige Theaterbllletts sein zu wollen, betrachtet es die„Freie Volksbühne* als'hre Auf- oabe ihren Spielplan immer selbständiger zu gestalten und wert- vollen Novitäten den Weg zur Oeffentlichkeit zu bahnen.. Von diesen Bestrebungen zeugt untrüglich auch das diesiahnge fifi-vcrtoir Es umfaßt, soweit bisher feststeht, folgende Werke: v-ttina Natban der Weise": Grillparzer.„Des Meeres und der »iebe bellen": Hauptmann.„Einsame Menschen": Björnion.„Ueber unsere Kraft*/ Teil II; Zpeu Lange.„Simson und Delisa j halben Dutzend„Sitten'-„Schutz*leuten geführt. Tatsächliche, wenn freilich auch nicht absolut notwendige Folge des Systems des K 361 Ziffer 6 ist, insbesondere wenn mit Handhabung der Sitten- Polizei heuchlerische Schnüffler betraut werden, die g r ö b- liche Beleidigung und Freiheitsberaubung unschuldiger, unter den Verdacht unzüchtigen Betriebes ge- brachter Personen. Hat die Polizei das Recht und die Pflicht, gewerbsmäßige Unzuchtstreiberinnen unter Sitte zu stellen und die ihrer Aufsicht sich Entziehenden zur Bestrafung zu bringen, so hat sie— so deduziert die herrschende Polizeilogik— auch die Pflicht nachzuspüren, ob solche polizeilichen Eingriffs reife Elemente zu finden sind. Ter§ 361 Ziffer 6 Str.-G.-B. mit seinen für die ihm unter- stellten unbarmherzigen, unwürdigen, nutzlosen und entmenschenden Folgen, mit seiner Grotzziehung des Zuhältertums und mit der durch ihn geschaffenen täglichen Bedrohung anständiger Frauen und Mädchen mit niedrigen Beleidigungen muß fallen, wenn man die Prostitution wirklich bekämpfen und sie nicht nur verhüllen oder gar zur leichteren Befriedigung der Gelüste von Ordnungsheuchlern mehren und für ihre Nutznießer minder gefahrvoll gestalten will. Der Mainzer Prozeß hat ferner die Bordellfrage wieder aufgerollt. Solche werden außer in Mainz, entgegen dem Straf- gesetz, in einer großen Reihe Städte gehalten und polizeilich ge- duldet. Die Bordellinhaber genießen als Hausbesitzer Privilegien bei der Gemeindewahl. Sie sind in Preußen wohl sämtlich Wähler erster Klasse um preußischen Dreiklassenparlament. Diese Tatsache symbolisiert die sittliche und geistige Höhe der ersten Klasse der preußischen LandtagSwähler. Das preußische Wahlrecht prämiiert gewissermaßen den reichen Bordcllbesitzer, dessen Gewerbe so schmutzig ist, daß selbst der preußische Staat Gewerbesteuer von ihm nicht annimmt, gesetzlich dadurch, daß sie ihm als Wähler erster Klasse das 25- bis 50«fach größere Wahlrecht gibt, als dem Wähler dritter Klaffe, dem Arbeiter, der ehrliche Arbeit verrichtet und dessen Einkommen bis auf den letzten Pfennig mit Steuer belegt ist. Das Reichsgericht hat in konstanter Praxis anerkannt, daß Bordellhalter nach Z 136 des Strafgesetzbuches wegen Kuppelei zu bestrafen sind, gleichviel ob die Polizei diese Kuppelbuden duldet oder nicht. Es macht sich vielmehr die Polizei, die dergleichen duldet, konzessioniert, reglementiert, dringend der Begünstigung der Kuppelei schuldig. Gestern mußten wir berichten, wie eifrig der Berliner Staatsanwalt dabei ist, einen Arbeiter wegen„Bc- günstigung* auf den Anklageschemel zu bringen, weil der seinem Kollegen ein paar Mark zur Bezahlung einer Strafe ge schenkt haben soll. Warum ist die Staatsanwaltschaft in den mit Bordellen bestandenen Städten der offenen „Begünstigung* der Bordellkuppelei so untätig? Eltern, die eine antizipierte Hochzeitsnacht ihrer Tochter duldeten, sind wegen Kuppelei angeklagt, ja hatten bis vor wenigen Jahren ein Jahr Zuchthaus als Minimum zu erwarten. Weshalb läßt man nach Ansicht des Reichsgerichts strafbare Bordellinhaber und deren polizeiliche Begünstiger unbehelligt? Weshalb ferner klagt man sie nicht wegen Wuchers anl Die Bordellinhaber treiben doch den denkbar schamlosesten Wucher Z 302 o deS Strafgesetzbuchs bedroht mit Gefängnis nicht unter drei Monaten und zugleich mit Geldstrafe von 1500 bis 15 000 M. sowie mit Ehrverlust eine Person, die in Be- ziehung auf Rechtsgeschäfte gcwerbs- oder gewohnheitsmäßig unter Ausbeutung der Notlage, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines Anderen sich oder einem Dritten Vermögensvorteile ver« sprechen oder gewähren läßt, welche den Wert der Leistung dergestalt überschreiten, daß nach den Umständen des Falles ihre Vermögensvorteile in auffälligem Mißverhältnis zu der von ihr dargebotenen Leistung stehen. Selbst nach den durch Bemühung der Polizeiassistentin Schapiro herabgesetzten Preisen in Mainz liegt ja eine schamlose Ausbeutung in Notlage befindlicher Mädchen vor. Und keineswegs nur in Mainz. Ist man bei der Unterstellung unter Sittenaufsicht so eifrig, warum dann so zimperlich beim Zugriff gegen Kuppler, Wucherer und ihrer Begünstiger. Beseitigung des§ 361, Ziffer 6, und Anwendung der Kuppel- und Wucherstrafen gegen Bordellwirtschaften und ihre Begünstiger ist auf strafrechtlichem Gebiet erforderlich. Viel wichtiger sind die sozialen Schritte zur Eindämmung der Prostitution. Statt Sittenpolizei Sozialpolitik. Statt Verhüllung des Elend? durch Sittenpolizei oder polizeilich beaufsichtigte Bordelle wirtschaftl che Reformen. Statt Drangsalierung der Arbeiter- und Arbeiterinnen» organisationen Aufhebung aller gegen sie und gegen Betätigung ihres Koalitionsrechts gerichteten Bestrebungen. Die Prostitution ist eine Konsequenz der Verelendung der Massen. Fort mit dem pharisäischen Verhüllen,„aus dem Auge, aus dem Sinn!* Man packe die Prostitution an ihrer Wurzel, beseitige ihre Wirt- schaftlichen Ursachen. Freilich von einer Reichstagsmehrheit, die die notwendige Nahrung künstlich verteuert und selbst dem bescheidensten Wöchnerinnen» und Säuglingsschutz ein „Unannehmbar* entgegenstellt, ist nicht zu erwarten, daß sie diesen Weg beschreitet. Desto notwendiger ist es für uns, immer wieder die Wunden bloßzulegen, die durch das gegenüber der Prostitution herrschende System dem Gesellschaftskörper zum Schaden der Ge- samtheit und in Schändung des weiblichen Geschlechts geschlagen werden._ Gerichte-Zeitung. Aus einer Fürsorgeanstalt. 1 Der HausvatervonHimmelpforten. Volks» schullehrer Wilhelm H ü h n e, ist am 27. Juni vom Land- geeichte Stade wegen Sittlichkeitsverbrechens nach§ 174, II zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren. Ehrverlust verurteilt worden. Er war in dem Rettungshause in Himmelpforten tätig, einer privaten Anstalt, deren Vor- stand von dem Superintendenten und dem Landrat in Stade gebildet wird. Der Zweck der Anstalt besteht in der Fürsorge- erzichung sittlich verwahrloster Kinder. Der Angeklagte hatte das Erziehungsrecht auszuüben und den Unterricht zu er- teilen. Die im Mai 1894 geborene Frida H. war in der An- stalt untergebracht und dem Angeklagten als Dienstmädchen überwiesen. Sie schlief bei der Tochter des Angeklagten und wurde von diesem wiederholt nachts in unzüchtiger Weise be- lästigt. Auch gegen die Schülerin Katharina G. hat sich der Angeklagte sittlich vergangen. In zwei weiteren Fällen ist die Schuld Hühnes nicht als erwiesen angesehen worden. Seine Revision wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Unfallrente nach dem Bürgerlichen Gesetzbüch.- Um wieviel schlechter der der Unfallversicherung untertvorfens Arbeiter bei Schädigungen� gestellt ist, die infolge unterlassener Schutzvorrichtungen oder sonstiger Fahrlässigkeit ihm zugefügt werden, als ein durch solche Fahrlässigkeit verletzter Dritter bc- weist wieder ein am Freitag in letzter Instanz vom Reichsgericht entschiedener Schadensersatzprozeß. Ein Buchhalter und Prokurist, der seit 11 Jahren bei einem Fabrikanten tätig war, hatte am 21. Mai 1901 auf dem Fabrik- Hof dadurch einen Unfall erlitten, daß er beim Ausgleiten in das ungeschützte Räderwerk eines Drehkrans griff und dabei einen Schaden an der rechten Hand davontrug. Er verlangte von dem Fabrikanten Erstattung der Heilungskosten, 500 M. Schmerzens- geld und eine Jahresreute von 666 M. Alle drei Instanzen er- kannten zugunsten des Klägers. Hätte dieser der Unfallversiche» rung unterstanden, so hätte er keinen Anspruch auf Schmerzcns» geld gehabt, hätte sich durch die Rentenquetschmaschincrie der Be» rufsgenossenschaft drangsalieren lassen müssen und hätte höchstens eine Rente von kaum 200 M. jährlich erlangt. Als bei der Reichsversicherungsordnung die Sozialdemokrateni abermals diese Benachteiligung der Arbeiterklasse aufzuheben be. antragten, stimmten alle bürgerlichen Parteien dagegen.. � Sozialdemokratischer Zentralwahlverei« für de» Reichstag?. Wahlkreis ZlrnSwalde- Friedcbera, Ortsverein Berlin. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Mitgliederversammlung bei Thnmn. Tilsitcr Straße 79. Zentrnlverband der Fleischer. Sektion Darmarbeiter. Dienstag, 2(3. September, abends 81/, Uhr: SektionSvcrsammwng bei Otto Rott, Swaßmannslraße 29. 1. Vortrag de» Genossen Dr. Max Schütte: „Die Niederwaldverschwörung." 2. Scksionsangelegenheiten._ Galsworthy,„Der Zigarettenkasten*; Walter Lutz,„Thomas Mün- zer". Die beiden letztgenannten Stücke gelangen durch die„Freie Volksbühne* zur allerersten Aufführung in Deutschland überhaupt. Soziologie deS Krieges. In der„Zeitschrift für Staaiswissen» schaft* untersucht Max Ried die soziale Bedeutung des Krieges im Wandel der Zeiten. Er würdigt die Bedeutung de? Proletariat?, die es in der Gegenwart für die Verhütung des Krieges gewonnen hat. Früher sei ein mit seinem Lose unzufriedener Fabrikproletarier leicht geneigt gewesen, den kriegerischen Ehrgeiz der Mächtigen zu unterstützen. Heute wirkt dem„in wachsendem Maße das Erstarken des Klassenbewußtseins mit seiner Hand in Hand gehenden Wirt- schaftlichen und geistigen Hebung des Proletariats entgegen. Vor allem dadurch, daß die aufgeklärte Arbeiterschaft den Krieg per- horresziert und für internationale Verständigung arbeitet, dann aber auch indirekt durch die materiellen und ideellen Motiven entspringende, unbeschränkter VolkSmehrnng bewußt entgegenwirkende künstliche Be- schränkung.... Das Menschenleben wird dadurch an Wert gewinnen, und der soziale Selbsterhaltungstrieb wird dazu beitragen müssen, eine Schwächung der Volkszahl durch Kriege und damit'die Gefahr des Unterganges zu vermeiden.* Zur inneren Selbstvernichtung deS Krieges tragen wesentlich die wachsenden Kosten und die Schnelligkeit im Wechsel der Kriegswerk- zeuge bei. In der französischen Armee wurde die Hackenbüchse mit Lunte 150 Jahre, da? Feiiersteingewchr 173 Jahre, das glatte Piston- gewehr 139 Jahre gebraucht. Dann folgen sich die Neubewaffnungen in atemloser Hast: das gezogene Pistongelvehr 15 Jahre, der ge- zogene Stutzen 9 Jahre, das Chasicpotgewehr 8 Jahre, das Schnell- feuergewehr GraS 12 Jahre, das Lebelgewehr 6 Jahre. Noch rascher wechseln die Kanonen und Kriegsschifftypen. Der Verfasser lehnt die Theorie ab, daß der Krieg einen Prozeß der Auslese darstellt. Der Krieg unterscheidet sich von allen Formen des„Kampfes ums Dasein* im Tierreich. Der Krieg unterdrückt gerade wichtige Lcbensäußerungcn, welche für ein geordnetes Ge- fellschaftsleben unentbehrlich sind, während er Fähigkeiten entwickelt, die im Frieden überflüssig oder schädlich werden. Englands frühe technifch-wirtschaftliche Ueberlegenheit wird nicht zum mindesten dem auf der Insel herrschenden langen Frieden verdankt, während der Kontinent durch Kriege zerfleischt wurde. Der Krieg ist eher kontra- selektorisch, zumal er im Zeitalter der allgemeinen Wehrpflicht raffe» verschlechternd wirken muß.„Der Krieg ist heute kein Faktor sozialer Höherentwickelung mehr, sondern eher ein Hemmnis derselben, und selbst die Vorbereitungen, die er im Zeitalter unserer hoch aus- gebildeten Wehr- und Waffentechnik heischt, hindern den Fortschritt, indem sie zur Rückstellung kultureller Erfordernisse gegenüber jenen militärischer Machtentfaltung drängen und einen verkehrshcmmcnden Zustand internationaler Unsicherheit und internationalen Mißtrauens schaffen.* DaS Leben der Völker wird aus einem Gegeneinander- wirken mehr und mehr Vereinigung zu gemeinsamer Arbeit. Theater. Neues Schauspielhaus: Josephine; ein Spiel von Hennann Bahr, Die Wiederaufnahme dieser vor ein Dutzend Jahren erschienenen Komödie war kein glücklicher Griff. Man kann bedauern, daß Bahr in dieser geistreichen Persiflage hier uu!> da durch allzu krasse Ucbertreibungen und Flüchtigkeiten die lust- spielmäßige Wirkung stört. Wenn bei einem solchen Wurf soviev gelang, dann hätte, denkt man unwillkürlich, bei intensiverer Kon- zcntration der Wurf auch ganz und gar gelingen müssen. Indessen� eine temperamentvolle, flotte Aufführung— und die der Halmschen Bühne war ausgezeichnet— läßt diese gelegentlichen Stilen!- gleisungen in dem Gesamteindruck des Ganzen fast verschwinden- Es wäre undankbar, die Treffer zu verkennen, nur darum, weil nicht alles Treffer ist. Die Verliebtheit Bonapartes in seine erste Gattin, die schöne Joscphine, wovon die Biographen allerlei berichten, nimmt des Verfassers übermütige FafchingÄaune zum Vorwand, den künfti- gen Herrn Europas als einen drollig-eifersüchtigen, vom hübschen Lärvchen dieser Dame rettungslos behexten Schwärmer zu ironi- sieren. Sein Lustspiel-Korse tobt und droht und ist bei alledem doch nur ein Spielzeug seiner flatterhaften Angebeteten. Sie muß all ihre List anwenden, den auf die Dauer höchst unbequemen Menschen zum Heere nach Italien abzuschieben; und auch dort, im Lärm des Lagers und der Schlachten, hat er nur sie vor Augen. Die Komik ziellos verrückten, ein Nichts zum Götterbild erhöhenden Liebes- Wahns wird durch die wirksamen Kontraste des historischen Reliefs aufs nnterhaltsamste gesteigert. Der Epilog des Schlußakts führt den Spott in origineller Wendung weiter. Bonaparte ist erster Konsul, auf dem Weg zum Kaisertum. Er hat Geschmack am Ruhm und an pomphafter Repräsentation gewonnen und quält sein Josephinchen, statt wie vorher durch Liebe, durch höfische Etikette. Nun wirbt sie um ihn, wie er um sie geworben und ebenso vergeb- lich. Der hohe Herr verachtet die Jugcndeseleien, der„Ernst des Lebens* ist ihm aufgegangen. Unter Anleitung Talmas, des Hof- schauspielers, übt er mit verschränkten Armen die historische Napolconsgeste fürs Volk und die Gemälde ehrfurchtsvoller Künstler ein. Josephine muß hell auflachen, als sie ihn zuerst 10 sieht, ihr fehlt nun einmal absolut der Sinn für Größe. Ida W ü st war glänzend Josephine— in jeder Miene, jeder Wendung leichtsinnig durchtrieben, reizvoll verführerisch. Gut traf Herr L o e h r den hitzigen Ton und die verstiegene Leidenschaft des jungen Bonaparte. In Nebenrollen sind namentlich Toni G i e- b e l, Rosa V a l e t t i als Marketenderin Larose und vor allein Eugen Burg als humoristischer Korporal La Moustache zu nennen. dt. Humor und Satire. Oktodekfest und Futternot.„Heute großer Ringkampf! Wer Mister Signore August Hubertini regelrecht wirft. erhält zwei Zentner Heu und Miß Trumba aus Marokko, das einzige französische Zugeständnis!" 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WerinflerKönig�zerWe Nachm. 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends 8 Uhr: Gastspiel Wiesenthal. N eues Theater, 8 Uhr. Gastspiel Hanai Niese: Die Fran Oretl dazu HOnlg Oedlpn«. Montag: Die Frau Grell u. König Oedipus.— Dienstag: Zuflucht. Mutter. Schöne Seelen._ Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Letzte Spielzeit unter Direktion Richard Alexander. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Köroul u. Barrö. Morgen u. solg. Tage: Dies. Borstell. Sonntag, 1. Oll., 3 Uhr, zu ermäß. Preisen: Die Dame von Maxim. frlsijslMiliiölmtSiMgs Schauspielhaus. Eoimtag, den 24. September, 8 Uhr: Moral. Montag: Moral. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Moral. sosc-in�ie Große Franksurtet Str. 132. Nachm. 3 Uhr(halbe Preise): Das Käthchen von Hcilbronn. Abends 3 Uhr: DaS Käthchen von Heilbronn. Montag: Dt« Peitsche. I KöDigstadt-KasIno. Holzmarktstr.TL, Ecke Alezandersir. Täglich: I» lauschiger Nacht. 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Folgen der Kriegshetzerei— Goldflucht— Bedrohung der Lebens- Haltung— Erschwerung der gewerblichen Gütererzeugung— Hungersnot und Arbeitslosigkeit— Getäuschte Hoffnung— Notstandstarif und Futtermittelteuerung— Lebensmittelpreise— In- und ausländische Preise— Die Grenzen auf! Die unverantwortlichen Kriegshetzer aus dem grotzindustriellen, dem konservativen und ultramontanen Lager, die aus verschiedenen Motiven, aber mit derselben Wirkung die Völkerverhetzung be° trieben, schlugen damit dem wirtschaftlichen Leben schwere Wunden. Die Unternehmungslust wurde abgeschreckt; die Abstotzung von Effekten brachte das Bürogebäude ins Wanken, die Börse erlebte schwarze Tage; Sparer stürmten die Kassen, große Summen der- schwanden aus der Zirkulation. Wenigstens vorübergehend stört das ängstliche Zurückweichen des Kapitals den Gang der Wirt- schaftsmaschinerie. Bemerkenswert ist der starke Golfctbfluß nach dem Auslande. In der Zeit von Januar bis einschließlich August hat Deutschland 3716 Kilogramm deutsche Goldmünzen eingeführt, ober gleichzeitig 11 637 Kilogramm ausgeführt. Und der Hauptbetrag der Mehr- ausfuhr von 7621 Kilogramm entfällt auf den Monat August, er allein brachte einen Ausfuhrüberschuß von 6239 Kilogramm. Im September dürste die Flucht des Goldes wohl noch bedeutend um- fangreicher gewesen sein. Sahen sich doch schließlich die Bank- direktoren aus Sorge über die Gestaltung der Verhältnisse am Geldmartt veranlaßt, bei der Regierung wegen der Erledigung der Marokkofrage vorstellig zu werden. Man bekam die Versicherung, daß des Uebels Ursache, die Marokko-Wirrnis, in wenigen Tagen beseitigt sein sollte. Bisher gab solche Zusicherung nur die Berech- tigung zu Hoffnungen, denn immer noch halt die Sorge um den Ausgang der Affäre die Völker gefangen, lähmt und hemmt die Gütererzeugung. Jedenfalls hat die freche Kriegshetzerei zu der Versteifung am Geldmarkt und zur Verteuerung des Geldes beigetragen. In diesen Wirkungen wird die Marokko-Angelegenheit noch längere Zeit schädlichen Einfluß ausüben. Das ist angesichts der durch eine langanhaltende Dürre und infolge unserer ganzen Wirtschafts- Politik hervorgerufenen Teuerung von besonders schwerwiegender Bedeutung. Je mehr die Produktionskosten durch teueres Geld hinaufgetrieben werden, um so heftiger ist naturgemäß der Wider- stand der Unternehmer gegen Lohnforderungen der Arbeiter. Für viele tausende Arbeiter bedeutet die jetzige und die voraussichtlich noch mehr sich auswachsende Teuerung direkte Hungersnot, wenn sie keine Erhöhung der Löhne durchsetzen können. So sind es wieder die Aermsten, die für die Verbrechen der Kriegshetzerei sowie der Lebensmittelwucherei in Verbindung mit den Folgen der Dürre «im meisten zu leiden haben. Aber auch die gewerbliche Gütererzeugung wird in schwerer Weise durch die Teuerung betroffen. Es ist klar, daß der Konsum von Gebrauchsgegenständen und allen nicht der Ernährung dienen- den Artikeln eingeschränkt wird, um die Mehrausgaben für die Fristung des nackten Lebens bestreiten zu können. Die Nachfrage nach gewerblichen Erzeugnissen geht zurück und damit vcrschlcch- tern sich natürlich auch die Verhältnisse am Arbeitsmarkt. Wahr- scheinlich werden wir im Herbst ein sehr starkes Angebot von Arbeits- kräften erleben; für den nächsten Winter steht neben einer Hungers- notartigen Teuerung auch eine größere Arbeitslosigkeit in Aussicht. Man sollte glauben, daß die Regierung, der diese Entwickelung der Dinge doch nicht verborgen sein kann, nun endlich zu den schon längst von uns geforderten Maßnahmen, die eine Linderung der Not garantieren, sich aufschwingen werde. Dergleichen Hoffnungen werden aber wiederum zu Grabe getragen werden müssen, wenn die Empörung des Volkes die Männer am Steuer des Staats- schiffes nicht doch noch zu einem anderen Kurse zwingt. Was hat die Regierung bisher getan, um der Not des Volkes zu steuern? Eigentlich nichts, wenn man nicht die Anregung des Reichskanzlers, die Stadt Berlin möge eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Seefischen in die Wege leiten, als eine energische Hilfsaktion betrachten will. Allerdings, die Regierung hat die Tarife für Futter- mittel und Kohlen ermäßigt und den Schnapsbrennern das Füll- Horn der Liebesgaben erweitert. Alle diese Matznahmen bieten wohl den Händlern und Groß- abnehmern, nicht aber den Kleinbauern und Viehhaltern, ganz sicher aber nicht den Konsumenten Vorteile. Erstens gleicht die Frachtermäßigung für Futtermittel die Preissteigerung nicht aus und zweitens werden die Händler, die an die Kleinkonsumenten liefern, die Frachtersparnis in die eigene Tasche stecken. Was die Frachtermäßigung bedeutet, zeigt eine Zusammenstellung des „Amtsblattes der LandwirtschastskamWer Kassel". Danach ergeben sich folgende Ziffern; Preise pro Tonne 16. 1. August Septbr. Baumwollsaatmehl 56/60 ab Hamburg Kai-P. 159 170 Erdnußmehl... 53/54 ab Hamburg Kai-/,]. 140 150 Palmkuchen.,. 23/28 ab Harburg... 130 135 Schlempe.,.. 35/40 ab Hainburg Kai-V. 130 135 Leinkuchen.,, 86/40 ab Harburg.., 170 177 Sesamknchen,. 48/50 ab Mannheim i, 136 150 Reismehl.... 24/26 ab Bremen... 108 120 Rübkuchen... 33/40 ab Nentz.... 95 106 Unter Berücksichtigung dieser Preise und der gewährten Fracht- ermätzigung, das heißt, nach Abzug der Frachtersparnis von der Preissteigerung, restiert immer noch eine erhebliche Verteuerung, sie stellt sich pro Waggon für Baumwollsaatmchl auf 60 M., für Erdnutzmehl auf 50 M., für Palmkuchen auf 5 M., für Leinkuchen auf 25 M., für Sesamkuchen auf 102,5 M., für Reismehl auf 80 M. und für Rübkuchen auf 75 M., wenn man die vorstehenden Lieferungsorte und Kassel als Bezugsmarkt der Berechnung zu- gründe legt. Mit solcher Wirkung der Notstandstarife ist kaum etwas gegen den herrschenden und immer noch böser werdenden Notstand getan. Verseuchte Viehbestände, Notverkäufe, unerschwingliche Futter- mittelpreise, wahnsinnige Lebensmittelteuerung und unübersteigbare Grenzsperren, dazu Ausfuhrprämien auf Kosten der Gesamtheit, das sind Zustände, die geradezu nach Abhilfe schreien. Aufhebung der Zölle und des Einfuhrscheinsystems, das ist die Forderung, die mit gesteigertem Nachdruck erhoben werden muß. Welchen Zustän- den wir entgegensteuern, das läßt die nachfolgende Zusammen- stellung der Preise wichtiger Nahrungs-. und Genußmittel ahnen. Es kosteten vach amtlichen Nstierungen an den aufgeführten Markt- orten; im August Roggen, Berlin....... 1000 Kg. Weizen»»„ Haser-,........„ Mais gelb, La Plata, Bremen,.., Gerste(Brau-), Leipzig K,„„ Gerste, andere.....» Hopfen(Markt-), Nürnberg.... 1 Dz. Kartoffeln(frührote Speise-) Berlin 1000 Kg. Dz. Roggenmehl 0/1, Berlin,,. i Butter EL. Sorte, Berlin.... Rüböl, ohne Faß...... 1„ Heringe, ohne Faß. Danzig, 1 To.(150 Kg,) Kaffee, unverz.(Santos, good av.), Bremen 1 Dz. Kakao, unverz,(Acera.Kurant), Hamburg 1 ,. Tee, unverz.(Souchong), Haneburg. 1 51g. Reis, unverz.(Rangoon, geschält), Bremen 1 Dz. Pfeffer, unverz.(Singapore), Bremen 1» Im Kleinverkauf sind die Preise teilweise noch schärfer hinauf-- gegangen als im Großhandel. Und auch die hier nicht aufgeführten Artikel sind teurer geworden. So war nach dem Durchschnitt von 50 preußischen Marktorten der Preis für ein Schock Eier, der im August v. I. 419 Pf. betrug, in diesem Jahre bereits auf 432 Pf. gestiegen, und für einen Liter Milch hob sich der Preis von 19,9 auf 20,7 Pf. Diese Entwickelung verlangt gebieterisch eine Aen- derung in unserer Wirtschaftspolitik. Daß der Zoll in Verbindung mit dem Einfuhrscheinsystem dett Inlandspreis um den Zollbetrag über den Weltmarktspreis hinaus- hebt, das zeigen die folgenden Angaben. In Berlin notierte Roggen im August d. I. 171.02 M., dagegen unverzollter russischer Roggen in Bremen nur 123,75 M. Die Differenz macht fast 50 M. aus. In Odessa notierte Roggen 111,03 M.; rechnet man zirka 10 M. Transportkosten hinzu, dann hat man zwischen dieser Notierung und der Berliner eine Differenz, die genau dem Zollbetrage cnt- spricht. Weizen, der in Berlin über 200 M. notierte, kostete in Buenos Aires 154,57 M., in New Dork, September, 149,66 M. Bemerkenswert ist auch, daß an den genannten beiden ausländischen Märkten— ebenso in London— im laufenden Jahre der Preis niedriger war als im Vorjahre, in Deutschland aber höher. Die Notierungen ergeben: in Berlin eine Preissteigerung von 4,40 M.. dagegen eine Ermäßigung in Buenos Aires um 4,01 M., in New Dork um 16,52 M. und in London um 14,53 M. Daß in Deutschland, dank dem Einfuhrscheinsystem, die Preise weiter hin- aufgetrieben werden können, wenn auf den Auslandsmärkten die Preise nachgeben müssen, ist der beste Beweis für die UnHaltbarkeit der herrschenden Praxis, durch Gewährung von indirekten Ausfuhr� Prämien das Inland von Getreide zu entblößen. Die nun bereits unerträglichen Verhältnisse auch in bezug auf die Viehpreise werden sich noch schwieriger gestalten, wenn infolge der jetzigen Notverkäufe der kleine Viehhalter das Angebot ab- schwächt, dann schnellen die ohnehin schon hohen Fleischpreise noch weiter hinauf. Glaubt die Regierung, glaubt die herrschende Sippe, das Volk ertrüge die durch agrarischen Egoismus verschärften Ver- Hältnisse, ohne sich gegen die unverantwortliche Mißwirtschaft auf- zulehnen? Kommt es schließlich zu Hungerrevolten und Arbeits- losenkrawallen: die Regierung und der agrarische Klüngel tragen die Verantwortung dafür._ D. Marktpreise von Berlin am SS. Septbr. Ivll.nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speisebobncn weiße, 35.00-50,00. Linsen 34,00-80,00. Kartoffeln 8,00-12,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauch fleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1,30— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,40— 3,20. 60 Stück Eier 3,20— 6,00. 1 Kilogramm Karpjen 1,20—2,40. Aale 1,60—2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,00. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebs« 2,50-30,00. /vW fyoHtjotm yfycUiQfKOM' AVt/Mvmi dioAßtnwwMcf TUSloiß�ßnffntu: t&rvw jnciijji'£{ Möbel ganze Wohnungs-Einrichtungen bunte Küchen bei Kassaprclscn auf Teilzahlung Im Möbelhaus Carl Barthel Inh.: Joachim Hochmuth. A76m O. 34, Zorndorfer Str. 54 nw Rlcsen-Laeer In separaten Rttamen von Uhren, Goldwaren, Sprechmaachinen. PnWbeWJSSSSÄl in tadelloser Ware zu billigsten Tagespreisen en gros und rn detail auf dem Markt am ReichstagSufer Cätourkrung entfernt Dr. Schünemann Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin, Qranicnftrasie Rr. 139. UineiseDaustraße 10, � J IS. 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Dienstag, den 26. September 1911, abends 8'/- Uhr: Versammlungen der Wahlvereine. 1. Kreis: Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. 3. Kreis: Kock-Krauerei, Tempelhofer Berg. 3. Kreis: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. 4. Kreis: Kellers Festsäle(Inj). Momler), Koppenstr. 29. 5. Kreis: Soichieu-Säle, Sophienftt. 17/13. 6. Kreis: Germauia-Festsäle, Chausseestraße 110. Mechelcke, Handjerystr. 60. Ref.: Genosse u, Bernstein. ♦ Neues Gesellschaftshaus. Friedrich- vIL- � straße 6. Ref.: Gen. klsrie dueilkei. Nieder Schönhansen: NÄwÄSi Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Referent: > Genosse iTfred Scholz. N-«e Nalhaussale, Meininger Str. 8: Ref.: Genosse �Id. koriiiz. Slliellhase, Ahornstraße 17. Referent: Genosse > Dx Kroger. 1. Kerichterstattnna vom Parteitage in Jena. Tages-Ordnung:. � � 2. KkNlhttrßMW Vollmer Sralldkiiblirger PromMl-Kochrell;. WW" MiKgNecksdTsvk«?ss dvVff'vWonÄon WaMvvnvtos legitimiert."DW Zahlreichen Besuch der Genossen und Genossinnen erwarten_ Die Vorstände« HSbel-SciiDldt Tisohlermeistap Bernauer Str. 80 didil an der BrunnenatrasM Verkauf nur im Fabrik- Gebäude y Sie kaufen die m am vorteilhaftesten direkt»--m Tischlermeister Rasier, u. Frisierstuhl D. R.-Patent 228 703 M J9.50 49 Mark m. Hutb. u. St. 49 Mark m. gaachl. Glaa 4,75 M. 36 Mark mit Plüschbaiui 58 Mark (aurniart, m. 2 Auli'jen ra p,t�alraU.58M. 0 R. Pat�T ------____ Vafltagtn Sit, Wtia.»»«... C!h vtpUlimn- llninnfS bestehend aus Wohnzimmer 229.50 M., Schlafzimmer 256 M. m" mar «ÄrleTÄ Hsupt-Kalalog V. gratis! niese SpeitSl etartontung„Union" KUcbe in veliarbe 5?t ül. S4Z.50" Wohauaga-Eiarlohtungen Groß' Bitte, diese Liste anfzubewahren! Groß-Verl!n. Wc dtWijw bkitnln. die dm(olnfetif dn Jiprf««tlitiltt in GGKM bewilligt haben. Parteigenosten, Arbeiter, Interestenten, Kaucher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist. beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten, tfcht Solidarität! Osten. »Otto Schirmer. Franlsurter Mee 1. »Wilh. Klein. Am Oberbaum h »Richard Schulze, FnedrichSfclder Straße 23. M..Hannemann, BreZIauer Str. 8. R. Fritke, Langestr. 29, IV. »Paul Wotschke, Andreasstr. 16. »Hermann David, Wcidenweg 3. Helene Kolberg, Memeler Str. 31. »Paul Peterson, Weidenweg 83. »Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Kranz Krüger, Posener Str. LS. »Iah. Heide», Weidenwcg LS. �Ernst Boft, Voigtsir. 6. »Gustav Brösel. Frnchtstr. 83. Ä)lax Lerche, Tilsiter Str. 44. »August Körli», Rigaer Str. 46. E. Dornow, Weidcnweg 8. »Immanuel Harzmann, Stralauer Allee 31b II. »Johann Liebich, Memeler Str. 7. Otto Kogllu, Schrewerstr. 63. Anton Fröhlich. Langestr. SS. Fr. Marie Schubert, Romlntener Straße 30. 'B. Spenkoch, Tilsiter Str. 90. Südosten. »August Lesövre, Adalbertstr. 18. »Ph. Baehr» Naunynstr. 24. Emil Gäbler, Cuvryftr. 48. »Louis Fischer, Wiener Str. S7b. Gustav Millich, Förster Str. 8. »F. Lobbes. Adalbertstr. S8. »Robert Keßler, Marianneitslr. 87. »Jean Brunn, Wrangelstr. IS. »Frit, LobbrS. Adalbetiftr. S8. »Wilhelm Friebel. Forster Stt. 3g. »Wilh. Stdbiier, Ellenbahnstr. 33. »Robert Kämmlcr, Reichenberger Straße 157. »Paul Reichelt, Wrangelstr. 62. Süden. »Wilh. voerner. Ritterstr. 15. »August Zech, Gttschiner Str. S3. »Gustav Schmidt, Gräsestr. 68. Gustav Lochmanu, Wassertorstr.4g. Nordweste«. »Richard Kiepert. Zwinglisir. 29. Otto Borukessel, Waldstr. 39, III. »Robert Kern, Stromstr. LZ. Richard Tchoppan, Wlclesstr. 46, 1. H. Hagedorn, Beuslelstt. 33. »Böseitberg, Rostockcr Str. 21. Norden. »Deglow, Hochslr. 2». »Paul Mazanke, Pankstr. 24. »Hermann Kornetski, WollincrSt. 23 Heinrich Kempers, gehrbelliner Straße 57. A. Lindemaun. RbelnSbergcr Str. 37. »Feil» Sperber, Zluppiner Str. 44. »Franz Proöke, Ruppiner Str. 21. »B. Morib. Bernauer Str. 18. Hermann Liebrecht, Wcißciiburger Straße 83. »Julius Nicke, Saarbrücker Str. 7. »Wilh. Klein, Mllllerstr. 134. »Paul Opil«, Lynarltr. 2. »B. Robrah», Greisenhagcner Str. Nr. 16. »Karl Engelhardt, Schönhauser Allee SO». %Bongardt, Glelmstr. 40. . Stabrey,(Sleiinltv. 10. F. Zimmerman», TreSckowstr. 13. »Herm. Kriedemann. Stargarder Straße 74. »Franz Fritz. Trislstr. 4. Paul Noa, Malpluguetstr. 24. t »Wilhelm Nutz. Antanstr. 2. »W. Göppncr, Maxstr. 13». Anguft Tchirmer, Jnvalidenstr. 2. »E. Gobien, Frelenwalder Str. 22. »LouiS Hoffmaun. Gaudhstr. S. »Robert Eckert, Kolberger Str. 15. Robert Grewe, Wiesenstr. 19. »P. Vlorttvvdn, Stolpische Str. 44. »Friedrich Aschcnbrenner, Schlie- mannstr. 4. »Zld. Krämer. Schwedter Str. 18/19. »Friedrich Schulz. Wiesenstr. 60». Albert Haspel, Humboldhain. gegenüber Namlcrsuaße. »AuguftBentel, Bi-senthalerSK. 24. 'Eduard Möhl.SchönholzerStr.ll. »H. Hcrberg. Glelmstr. 65. »Karl Habersaath. Grannstr. 40. Nordosten. Otto Vetter. Höchstestr. 32. »Jos. Krobisch, Bllschingstr. 20. »Max Poletz, Friedrichsberg er Slr. 10 'Jakob Rcül, Barnimstr. 42. »Karl Müller, Nykestr. 38. »A. Tierbach, WinSftr. 25. »Ih. Bernhöft. GretsSwaldcr St 207. »Gustav Piuuer, Trelckowstr. 36. Georg Bürger. TveSdowstr. 38. »Heinrich Olle, Metzer Str. 22. »Elisabeth Wolter, Marienburger Straß« 32. Gustav Richter. Landsberger Allee Nr. 145, H. pt. »Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. »M. MoewiiS, Weinstr. 29. »Hngo Wache. Koppenstr. 46. Zentrum. Zl. Chaim, Mnlackstr. 11, 1. Vororte. Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartenbergftr. 68. »H. Drompa. Lichtenberg, Schar». ivcberstr. 44. »Paul Harting, Lichtenberg, Rum- melsburger Slr. 18. »Joh. BobrowSti. RummclSburg, llrostener Str. 17. OSkar Maferkopff, Boxhagcn, Wcsetstr. 35. »Wilhelm Schnlze, Rixdors, Stein- ruetzftr. 1l0. Gustav Becker, Rixdors, Jnnstr. 29. »Albert Schuster, Rixdors, Fulda» siraße 15. »IS. Ehlert, Rixdors, vermamistr. 226. 'Gustav Carl, Rixdors, Prinz» Handjery-Str. 59. »Fritz Ehlert, Britz. Rndomer Sir. 5. »Wilhelm Klein, WilmerSdors, Udlandstr. 128. »Paul Witt. Steglitz. Düppelstr. 5. »Rod. Stübner, Steglitz, Schloß- straße 115. M. Lehmann, Reinickcndots- Ost, Tbunerstr. 5. »Wilh. Klein. Tegel. BerlwerStr. 84 Herm. Koldmann, Tegel, Berllner . Straße 39 pt. »Alb. Jantle. Pankow, Mühlen str. 33. »Jacob i, Welßensee, BerliuerAllce 179 WM_____ Gustav Henuig. Koloniestr. 12». Slntzerdem sämtliche Verkauföftelle» der GrotzrinkaNfsgescllschaft Hamburg.— Alle mit einem» versehenen Flrcken haben Ladengeschäste. Nachträglich eintreffende Bewilligungen werden den späteren Veröffentlichungen mit angefügt.— Plakate für Fabrikanten werden nur gegen Vorzeigung des unterzeichneten Tarifs ini Bureau der Tabakarbeiter, Große Hamburger Str. 18/19, 2. Hof II, ausgehändigt. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Handler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich nachmittags von 5 Uhr von Unterzeichnetem ansgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen laffen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlosfen haben- Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten. 187/17 Der Derirattensmann. A. Schulze, Große Hamburg« Str. IS/IS. Verein für grauen u. lAackeben der Arbeiterklasse. Montag, den«. ettober ISIl, abend? 8 Uftr, in KcllerS »Nener Philharmonie-, Köpcnicker Ttrahe VK/V7. EinführungSabend zu den U.iet-ltoiizei'tcn. 55/15 Vortrag: Franz Lilszt. Referent: Leo Keftenberg. Ausführung bon Liedern und Derlen für zwei Klaviere. lTäste, Männer und Frauen, willkommen._ Der Vorstand. ZentralverbandderHausangestellten _ Sonntag, den 24. September,_ Wtf im Volkshause, Charlotteubnrg, Rosineustr. 3:"WQ GroBe Versammlung. Vortrag von Hernrt Zldolf Ritter, ArbeiteAekretär:„Wo finde» wir Rat nnd Hilfe bei Tienftstreitigkeiten.- Freie AuS/prache. Nachdem:<-i«inittIt«Ii«s Svtsaninienseln Saalöffnung ö Uhr. 296/1 Ansang 7 Uhr. Verband der Sattler und Portefeuiller. Mittwoch, OrtsverwaUnnff Berlin. den 27. September, abends 6 llhr, im»Englische» Garten-, üllexanderstrahe 27; HußerordcntUcbe Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Endgültige Stellungnahme zur Tarifkündignug. 2. Verschiedenes. 157/18 Pflicht eine» jeden aus Militärarbeit, beschäftigten. Kollegen ist es, in. dieser Versammlung zu erscheinen. Tie Branchenleitung ärboitiasoli«si»: Hos I. Amt 3. 1239. Berwaltunqöstelle Berlin lisoptbureau: _ Cbaritestr. 3. Hof III. Amt 3, 1987. Montag, den 25. September 1911, abends 6 Uhr, im Lokal Blumenstr. 38: Versammlung für alle in der IMöbelschloßbranche beschäftigten Kollegen nnd Kolleginnen. Tage»«Ordnung: I. Vortrag de» Kollegen Bahn. 2. Diskussion. 8. Branchen« und VerbandSangelegenhetten. 4. Berfchiedencs. 123/9 —— Tie Mitgliedsbücher sind mitzubringen. i Da» Erscheinen aller Kollegen wird erwartet. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daft die Protokolle der 19. ordentlichen Generalverfauiinlung unseres Verbandes erschienen nnd zum Preise von 29 Pf. im Bureau und bei de» Bezirkskassiercrn zu haben sind.' Desgleichen find nochJubiläumsnummern„599 999" zum Preise von 59 Pf. im Bureau zu haben. Achtung! Erwerbslose sKranke). Wegen Quartalsschlusi bleibt da» Bureau am Sonnabend, den 39. September, den ganzen Tag geschloffen und«r. halten die kranken Kollegen schon am Freitag, den 29. Sep- tember sür diesen Tag ihre Unterstützung. Auch werden die kranken Kollegen ersucht, bis ZUM 29. Sep tember ihre Unterstützung abzuheben. Ausaeschloslen davon sind diejenigen, welche sich in Krankenhäusern und Heilstätten befinden und ihre Unterstützung erst nach Beendigung der Krankheit abheben. _ Die OrtzverwnUnng. !ri m Ii —— Filiale Berlin. Telephon: Mint IV 9737. Sebaftiauftr. 87/38. Achtung! Achtung! Herren-«. Stapelkonrektion. Montag, den 25. September, abends 8'/, Uhr: , Oeffentliche im* KonfekjioltsschlikldkrVechmmtiing in der Brauerei Friedrichshain(fr. Lipps).. TageS-Ordnung: Welche Forderungen erheben wir an die Berliner Konfektionäre und welche Löhne sind die Konfektionäre bereit zu bewilligen. Referent: Kollege Kun/e. Kollegen und Kolleginnen! Da die Unternehmer bereit» mit de» Vertretern unseres Verbände» über die Tarise verhandelt haben, so soll in Lm�ung' darüber beschlossen werden, ob die Zu- geständnisse der Unternehmer genügen oder nicht Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Kommission. rt der l! Mittwoch, den 27. September, abends 8'/, Uhr, bei Boekcr, Weberstrahe 17: Mitglieder-Versammlung Tag«»-Ordnung: 1. Vortrag:»Schule. Kaserne und Presse.- Reserent: Gchrssl« Neller Genosse I/Nirer. 2. Beschlutzsassung über den Antrug aus Ver. ammlnngircsorm. 3. Brrschiedene». Mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet vollzähligen Vtfuch Btv Ort*verwaltaiij£. Zur Beachtung! aoir ersuchen um Begleichung der rülkständigen Beilräge und um Tin« licserung der Mitgliedsbucher zweck» Kontrolle w der Zeit vom 1. bi» 15' Auw �emdleblen wir den Mitgliedern die wieder eröffnete, neu renovierte Mb bcdeulend auSZ-stalte!e Bibllvthek zur reichlichen Benutzung. MM ZoxlisgeN'AummvlLdurg. Dienstag, den 29. September, abends 8>/z Uhr, im Cafs Bellevue, Hauptstr. 2: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Tie Verschlnelzuiig mit Lichtenberg. Reserent: Genosse O. I o b n. 2. Bericht vom Parlcitag in Jena. Reserent: Genosse "erge�-. 3. Dlslussion. 4. Verschiedenes. 8/11 Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Die Bcy.lrksleltnng. f und verwandter Berufsgenosseii ZaklBtcIIc Berlin. Geschäftsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt 3, 4518 Sonntag, den 24. September, vormittags 19 Uhr: Ver5MmkmgwM!enardeiter Wilkes Festsälen» Scbastianstr� 39(nnweit Alte Jakobstraße). �> TageS-OrdinlNg:. Stellungnahme zu dem am 29. September 1911 ein- gegangenen Bescheid des Ärbeitgcber-Verbandcs der Mühlenindustrie auf unseren eingereichten Tarifvertrag Beschlufifaffung. Kollegen! Wir machen es allen Aühlenarbeitern zur strengsten Pflicht, in dieser wichtigen Versammlung zu er- scheinen und für einen recht zahlreichen Besuch derselben in den Betrieben zu agitieren. Bringt die Uusrgauisiertcn mit! 44)9*___ Die Ortsvcrwnltnns. h Vcrwaltnng Berlin. Sfeinarbelter. Mittwoch, de» 27. Septbr., abcndZ 8'/« Uhr, in den Arminhallcu, Kommanvantcnstr. 58/59: Mitglieder-Versammlnng der Sektion I(Sandsteinarbeiter). TagcS-Otdnung: 1. Neuwahl des stellvertretenden ScktionSIeilerS. 2. Antrag der Ezarnlkowschen Kollege» betreffend Einführung eines AkkordiariseS iür Kunslsteiuarbeiten nach Leipziger Muster. 3. Verschiedenes. 172)9* ■MF- 3» dieser Versammlung sind sämtliche zurzeit in Kunststein bc« schäsltgten Kollegen(Steinmetzen und Schleifer) ganz besonders eingeladen. Um pünktliches Erscheinen ersucht_ Tie Ortsvrrwaltung,■ Deutscher Arbeiter- Stenotachygraphen-Bund, - Orts�rnppc Berlin.===== Dienstag, ben 26. Icpteniber 16ll. wird bei Dietsmann, Nixdorf, Hcrmannstratze, Ecke Steinmetzstrasie; Freitag, de» 29. September 1911, bei KacaorowskJ, Berlin, Raveiiästrasie 6; Donnerstag, den 5. Oktober 1911, bei Dobnt, BcrUn Bf., Scller« strahe 3, ein Kursus in Stenographie sür Damen und Herreu unentgeltlich eröffntl. Dauer des Kursus 10 biS 12 Stunden. Für LthtmiUci jini» 2 ü. zu cr4vicht.ii.- Anmeldungen erfolgen in Pen Lokalen oder beim Gruppenleiter „ W. M.ittner. Bcrlkn. Bckerstr. 93. 1. „Hoffnung1 Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwilchen Roi.nthaler QmiHMOiielt« 4 PK Zwilchen Roienthslor Tor d. Invalidenstr. örnilUCHäir. lOU Tor'u. invalldenstr. Gegr. i. Februar 1,906 v. organieiortSchnoidorgebillenBorlins. Ä» Arbeitern, Parteigenossen Mitbürgern zur Anlortigung eleganter llerren-u.Kiialiengarderobe Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u. Kinder-Anzöge, GroOc Answ.-ilil in 'Winter-Paletots, Oislep, RartlaliFanzligen li, Fant.-Wesleo' in sllvn Größen nnd Preislagen sowie Arbeitep- Berufs» Kleidung. Die llcrstellnnfir nn.crcr Fabrikate erfolgt in eigenen BetriebSWCrkStätteil anter den von unserer Organisation festgelegten Bodingungon. Lieferanten 103/1* i der Konsum-Genossenschaft Berlin u. Umgegend i sowie des Arbeiter-Radfahrerbundes. NB. Wir weisen besonders darauf bin, daÖ wir nur für eigenen Bedarf fabrizieren nnd unsere Waren in keinen: anderen Geschäft ztf haben sind. I(E. H. Ao. 1181, m. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dag das Bureau der Kasie am Donnerstag, de» 2S. d. VI. wegen U>» z» g S geschlossen bleibt. Vom Freitag, den S9. ab befindet sich doSsrlbc Zlalaekotr. Xä, vorn parterre. 38/4* __ Ter Borstand. a A; Heinrich Meiike.- fr. Siegels feMIe und Satten Theaterbühne. Gr. Lrunkfillter Str. 39. s Kegelbahnen. Empfehle SSk, 30, 60, 80, 200, 300 Personen sasscird, zu Sitzungen sowie Festlichteiten aller Art zu den kiilanlcsten BedingimgeN._ 4.t Ii ii 7l<« Kiichenmöbelbranche. Montag, den 85. September, abends««Hr. im Englische« Garten, Zllexanderstr. 87c:> Vvaneben»Versammlung Tagesordnung: l. Bericht von den beiden Generaiversammlunsen. 2. BranchenangelegenHeitem Mittwoch, den 87. im GelverkschaftS. Bau- Bodenleger. . September, abends 8 Uhr, Haus, Saal ti: vettrauenswSnner-yettawmIling. Einsetzer. Mittwoch, den 87. September, abends 8 Uhr, im GewerkschaftS- hnuS, Engelufer 14/15, Eingang B, parterre(SlrbeitSlosensaal): Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen DhomalSke uoer:. gewerbliche Fragen-, 2. Braffchenangelegenheiten. Schirmmacher. Mittwoch, den 87. September, abend» 6'/, Uhr(gleich«ach Feierabend), bei Lehmann. An der Stralauer Brücke 3: Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Gcneralversamntlung. 2. Unsere Agitation. 3. Branchcnangelegenhctten. Stock- und Zellnloidarbeiter.' Mittwoch, den 37. September, abends 0 Uhr, in den Ritter« s«i l e n(Jnh. Bercht), Ritterstr. 75 t Branchen-Versammhmx. Tagesordnung: 1. Vortrag über:.Die Verwirklichung sozialer Probleme'. Reserent: Kolleg« Nitschke. 2. VerbandSangelegenHelten. Kammacher. Mittwoch, d«» 87. September, abends 8 Uhr, bei Merkowski, Andreasstrasttz 26 t. Bnanvbvn- Versammlung aller in der Zelluloid-Haarschuiuckbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: l. Vortrag des Kollegen Stusche. 2. Diskussion. S. Verbands- und Branchenangelegenhesten. Stellmacher. Donnerstag, den 88. September, abends SV, Uhr, im Rosen. thaler Hof, Rosenthaler Str. 11—12: Branchen- VersammlunK. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Branchenkonferenz und Wahl der Delegierten. 2. Bericht von der Generalverlammlnng. 3. Verbands« und Vranchenanaelegenheiten.__ Freitag, den 29. Sept.. abends 81/, Uhr, bei Böker, Weberstr: 17: Xomblnier�e Slbzung (Verwaltnngs-, Bezirks- und Branchenkommissionen). Achtung! Bibliothek! Tie Bibliothek des ZZerbandeS ist wieder erössnet. Die Kollegen werden ersucht, die Bibliothek fleistig zu beuntiin. Aus» gäbe der Bücher von 4—7 Uhr abendS. K THeater-Vorstellung-MZ. >e» 29. Oktober. abendS 7 Uhr, in M o e r n e r s Fest- sttten,«oppenstr. 89a. Zur Aussührnng gesanat:„Dyr vr»t von I-iueml>iuv». Billett 50 Pj. 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Septbr.: frauen-Leseabenck m de» Bezirken Groß-Berlins. Partei- Ungelegenkeiten. Rixdorf. Theaterbilletts zur Vorstellung am heutigen Sonn- tag, den 24. September, sind noch bis mittags 2 Uhr zu haben bei Meyer, Prinz-Handjerystratze 3. Der Bildungsausschuß. Friedenau. Am Dienstag, den 26. d. M., abends 8% Uhr. im Lokal von Mechelk, Handjerystr. 66/61: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: u. a. Bericht vom Parteitag, Referent.Genosse Ed. Bernstein. Lichtenberg. Am Dienstag, den 26. September, 6% Uhr abends, im Etablissement„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee Nr. S/6: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Bericht von Grotz-Berlin. 3..Geschäft- licheS. Zehlendorf(Wannseebahn). Nächsten Dienstag, den 26. d. M.: Generalversammlung des Wahlvereins bei Benno Mukley, Pots- damer Straße. 1. Bericht vom Parteitag; 2. Vcreinsangelegenheiten. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Dienstag, den 26. d. M.. abends 8(4 Uhr, bei Fr. Wahrendorf, Bäkestr. 22: Mitgliedersammlung. Vortrag des Genossen Julius Kaliski, Vereinsangelcgenheiten und Ver- Lchiedenes. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, den 26. September, abends 8(4 Uhr, im Restaurant„Cafe Pein", Hubertusbader Straße 8: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Unger über:„Die augenblickliche politische Situation im Reiche und die bevorstehenden Reichstagswahlen".— Morgen, Montag abend, von Pötscher aus: Handzettelverbreitung. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 27. h M., abends 8(4 Uhr: Mitgliederversammlung bei Schulz. Mühlenstraße. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag: Referent: Genossin Juchacz-Rixdorf. Ver- einsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Britz-Buckow. Mittwoch, den 27. September, abends 8(4 Uhr im Lokal„Lindenpark", Inhaber Karl Gruhn, Chausseestr. 18: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1.„Der Parteitag in Jena", Berichterstatter: Genosse Max Groger. 2. Diskussion. ö. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Karlshorst. Dienstag, den 26. d. M., abends 8(4 Uhr: Mit- gliederversammlung im Restaurant„Fürstenbad", Inhaber Bartels. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Parteitag. Referent Genosse Wilhelm Schüming. 2. Diskussion. 3. Bezirksangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 26. September, abends 8(4 Uhr, im Wilhelminenhof: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Bericht vom Parteitag; Referent Genosse Siering. Diskussion. Die Bezirksleitung. Friedrichsfelde. Dienstag, den 26. d. M., abends 8(4 Uhr: Mitgliederversammlung bei Schulz, Lindenpari. Bericht vom Parteitag: Genosse Schwenk. Der Frauenleseabend fällt am Montag aus. Friedrichshagcn. Am Mittwoch, den 27. September, abends 8(4 Uhr. bei Lerche. Friedrichstraße 112: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Konrad H a e n i s ch über: „Heine als politischer Dichter". 2. Bericht von der Kreisgeneral- Versammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mariendorf. Am Dienstag, den 26. September, abends 8(4 Uhr, bei Preuß, Kurfürstenstraße 44: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag, 2. Diskussion, 3. Vereinsangelegen- heilen und Verschiedenes. Der Vorstand. Reinickendorf-Ost. Dienstag, den 26. September, abends 8 Uhr, fm neuen Saale des Genossen Paul Anders, Hauptstr. 61: Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: I. Bericht vom Jenaer Partei- tag; Referent: Genosse Hctzschold. 2. Partei- und Vereinsangelegen- heiten. Die Bezirksleitung. Rcinickendorf-West. Dienstag, den 26. d. M.. abends 8(4 Uhr, im Lokal des Genossen Gördes, Waldstr. 56/51: Mitgliederver- sammlung des Bezirkswahlvereins. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht vom Parteitag; Referent: Genosse Karl Giebel. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Dienstag, den 26. September, abends 8(4 Uhr, bei Klippenstein(Restaurant„Seeschlößchen"), Spandauer Straße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht über den Partei- tag in Jena; Referent: Genosse Bühl er. Die Bezirksleitung. Spandau. Heute, Sonntag, den 24. September. Ausflug nach Cladow. Abmarsch nachmittags 2 Uhr vom Genossen Scior, Gatower Straße 1. Dienstag, den 26. September, abends 8(4 Uhr, im Lokal von Fritz Böhle, Havelstratze 26: Außerordentliche Generalver- sammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag, Referent Ge- nosso Dr. Karl Liebknecht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Schlichtungskommission. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Ter Vorstand. Berliner JVaebriebten. Das Ende der LustbarkeitSstener. Der Magistrat hat aus dem Laufe der bisherigen Verhandlungen über die Lustbar- keitssteuer in der Stadtverordneten-Versammlung und aus der Ablehnung der Vorlage in der letzten Ausschlltzberatung die Ueberzeugung gewonnen, daß eine weitere Verhandlung hierüber im Plenum nicht zu einer Annahme der Vorlage führen wird. Der Magistrat legt deshalb kein Gewicht auf ihre weitere Beratung und hat die Vorlage zurück- gezogen. Der in den Etat für 1911 eingestellte Ertrag der Lustbarkeitssteuer in Höhe von 1 150 000 M. kommt da- durch in Ausfall; er soll aus den Ueberschüssen des Vorjahres gedeckt werden. Der Stadtverordneten-Versammlung wird eine entsprechende Mitteilung gemacht werden. Wozu katholische Arbeitervereine gut sind, beweist ein uns dieser Tage übersandtes Zirkular, das der Vorstand des katholischen Arbeiter-Vereins St. Sebastian kürzlich an seine Mitglieder gerichtet und das. folgenden Wortlaut hat: Liebes Vcreinsmitglied! Am Sonntag, den 17. September, findet in der St. Sebastians- kirche(auf den: Gartcnplatz) um(416 Uhr die statutengemäße gemeinschaftliche hl. Kommunion statt. Die Mitglieder sind streng verpflichtet sich an der gemein- schaftlichen hl. Kommunion zu beteilige». Diejenigen Mitglieder, welche aus zwingenden Gründen verhindert sind, sich an der gemeinschaftlichen hl. Kommunion zu beteiligen, wird aufgegeben. dieses dem hochw. Herrn Präses oder dem VizepräseS mitzuteilen. Fernbleiben ist entsprechend zu begründen. Der Vorstand gibt sich der sicheren Hoffnung hin, daß kein Vereinsmitglied bei der gemeinschaftlichen hl. Kommunion ohne wichtigen Grund fehlen wird. Die Mitglieder versammeln sich gegen(416 Uhr(weil um diese Zeit die Bänke noch frei sind) in den unteren rechten Bänken und treten sämtlich hinter der Fahne geschlossen zur Kommunionbank heran. Diese Ordnung ist streng innezuhalten. Mit Vereinsgruß Der Vorstand des kath. Arbeiter-Vereins St. Sebastian. gez.: Kaplan Klimek, Präses. Aus diesem Schreiben erhellt, daß die katholischen Ar- bester gerade gut genug sind, die Kirche füllen zu helfen, und zwar statutengemäß. Es wird dabei streng auf Ordnung ge- halten. Nur zwingende Gründe können das Fernbleiben entschuldigen, und dann muß das Fortbleiben beim Präses oder Vizepräses begründet werden. Die Hauptsache für die katholischen Ärbeitervereinler besteht darin, hinter der Fahne geschlossen zur Kommunionbank anzutreten. Es ist bedauer- lich, daß es immer noch Arbeiter gibt, die sich zu solchem Zauber hergeben. In Berlin ist die Zahl dieser Arbeiter nicht sehr groß und wird erfreulicherweise immer geringer. Die Borbereitungen zu den Stadtverorduetenwahlen sollen von den Freisinnigen anscheinend damit eröffnet werden, daß für diejenigen ihrer Stadtverordneten, die bei der dritten Wählerklasse nur noch auf einen Durchfall zu rechnen haben, anderswo Nnterflhlupf gesucht wird. Freisinnsblätter melden, daß der Stadt- verordnete Ullstein, der sich„Sozial-Fortschrittler" nennt und bisher einen Wahlbezirk dritter Klasse vertrat, nicht wieder in der dritten Klasse kandidieren wird. Sein Mandat läuft mit Schluß dieses Jahres ab und er hätte daher im November sich seinen Wählern zur Wieder- wähl zu stellen, aber er dankt ivohl für die Trauben, die zu hoch hängen, und soll nun in einen Wahl- bezirk zweiter Klasse hineingerettet werden. Zufällig ist eben durch den Tod des Stadtverordneten Deutsch, der sich gleichfalls zu den„Sozial-Fortschrittlern" rechnete, ein Bezirk zweiter Klasse frei geworden, so daß für Herrn Ullstein hier Platz wird. Diese Flucht aus der dritten Klasse in die zweite oder erste ist nicht neu; sie ist vor Herrn Ullstein schon manchem anderen Freisinnsmann aufgenötigt worden, weil. er durch sein volksfeindliches Verhalten im Rat- haus für die dritte Wählerklasse unmöglich geworden war. Für die Landtagsersatzwahl im 5. Berliner Landtags- Wahlbezirk, die für den verstorbenen Abgeordneten Borgmann notwendig geworden ist, liegen die Abteilungslisten drei Tage lang offen, und zwar am Sonntag. 21. September, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags, sowie Montag und Dienstag von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Poststraße 16, Zimmer 57. Die Erziehung zum Massenmord. Am heutigen Sonntag ver- anstalten die Knaben- und Jugendabteilungen der Jünglings- und Christlichen Vereine junger Männer auf dem Truppenübungsplatz in Döberitz ein großes Kriegsspiel. Zu diesem Zweck hat die Eisen- bahnverwaltung, die für weit wichtigere Zwecke oft nicht so ent- gegcnkommend zu sein pflegt, sogar einen Sonderzug zur Verfügung gestellt. Als Führer und Schiedsrichter fungieren aktive Offiziere. Ten Festgottesdienst halten Pfarrer Arnold von Gethsemane und Forstmeister a. D. von Rothkirch ab. Die Spielerei, an der wahrscheinlich auch eine Korona ge- werbsmäßiger Kriegshetzer teilnehmen wird, kommt sehr unzeit- gemäß. Hat die Kirche als Vertreterin der sogenannten christlichen Nächstenliebe keine anderen Aufgaben zu erfüllen, als in der Jugend kriegerische Gelüste zu wecken? Solche Veranstaltungen, noch dazu unter Protektion staatlicher Behörden, gehen doch schon über das Soldatenspielen von Kindern hinaus. Aber auch in gewissen kirch- lichen Kreisen, gerade in den strenggläubigsten, beruft män sich ja leider gar zu gern auf den„Gott, der Eisen wachsen ließ". Unterbrechung von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist genötigt, wegen Bauarbeiten drei Linien zu unterbrechen. Die Thielenbrücke wird vom Mittwoch, den 27. an, für voraussichtlich zehn bis zwölf Tage gesperrt. Der Verkehr auf den Linien 13, 64 und? muß dort solange durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. SchcnkungSstcuer, Wohltätigkeit und Kaiserbild. Wie wir jüngst mitteilten, hat der Steuerfiskus verschiedene gemeinnützige Vereine für die ihnen von der Reichshauptstadt gewährten Unterstützungen zur Schenkungssteuer veranlagt. Jetzt wird ein noch ärgeres Stück- chen bekannt. Nach der Hundertjahrfeier der Städteordnung schenkte der Kaiser der Stadt Berlin sein von Prof. Schwarz gemaltes Bild- nis. Dieses, das sich jetzt im Magistratssaal befindet, ward auf der Großen Berliner Kunstausstellung ausgcfkellt und damals mit 8666 M. versichert. Für genau den gleichen Betrag fordert nun des Kaiserbildes halber der Fiskus vom Magistrat die Schenkungs- steuer— rund 466 M. Im Gegensatz zu den früher erwähnten Vereinen hat der Magistrat nicht den Rechtsweg beschritten, son- dern gezahlt. Schulschluß wegen Diphthericerkrankungen. Die 244. Gemeinde- schule. Pankstr. 26/22, ist wegen mehrfacher Diphtherieerkrankungen bis 36. September geschlossen worden. AuS der Krankciihauödeputation. Infolge der starken In- anspruchnahme der städtischen Krankenhäuser haben selbst in Berlin wohnhafte Kranke nicht immer Aufnahme finden können. Die An- gelcgenheit wnrde gestern in der Sitzung der Krankenhausdeputation besprochen. Um dem Uebelstand abzuhelfen, soll aus' möglichst baldige Fertigstellung des von den Gemeindebehörden beschlossene» Krankenhauses für Brust- und Kchlkopskranke hingewirkt werden. Diese Kranken nehmen in den Krankenhäusern eine sehr erhebliche Zahl der Betten meist ans lange Zeit in Anspruch. Wenn sie erst in dem Spezialkrankenhaus Unterkunft finden, so.tvird damit eine große Zahl von Betten in den anderen Krankenanstalten frei. Es steht zu erwarten, daß dann in den städtischen Krankenhäusern Ab- Weisungen wegen Ueberfüllung nicht mehr nötig sind. Der zweite Ausgang beim Ringbahnhof Frankfurter Allee ist soweit fertiggestellt, daß er anfangs Oktober dem Publikum frei- gegeben werden soll. Auch die Arbeiten zum dritten Ausgang beim Ringbahnhof Wedding, der bekanntlich nach der Lindower Straße führt, schreiten so rüstig vorwärts, daß die Benutzung dieses drin- gend notwendigen Ausganges ebenfalls noch im laufenden Jahre wird erfolgen können. Von anderen..Ringbahnschmerzen" ist zu erwähnen, daß der Bau der Brücke im Zuge der Sonnenburger und Schönfließer Straße nach jahrelangen Verhandlungen mit den An- liegern endlich in Angriff genommen worden ist. Im Warenhause vom Tode überrascht wurde gestern nach- mittag ein unbekannter 68 Jahre alter Herr, der 1,62 Meter groß ist und spärliches graues Kopfhaar hat. Papiere, die über seine Person hätten Auskunft geben können, fand man nicht bei ihm vor. In seinen Taschen fand man nur ein jüdisches Gesetzbuch. Seine Leiche wurde zum Schauhause gebracht. Schwer verunglückt ist vorgestern der 46 Jahre alte Maurer August S�midt aus der Floraftraße 62 zu Panfyw. der auf ejnem Neubau in der Elbinger Straße arbeitete. Der Mann trat aus der obersten Sprosse fehl, stürzte vom zweiten in das erste Stockwerk hin- unter und zog sich mehrere Nippenbrüche zu. Die Rettungswache in der Gaudystraße ließ ihn nach dem Virchowkrankenhause bringen. Die Gattin des Schlächtermeisters Paul Hilbrich in Rixdorf, die ihr Dien st mädchen geprügelt und dadurch in der Be« völkerung lebhaften Unwillen erregt hatte, findet Schutz bei der „Deutschen Fleischer-Zeitung". Das Blatt widmet dem Mißgeschick. das die Frau Meisterin über sich und ihren Gatten gebracht hat, einen langen Leitartikel. Die sozialdemokratische Arbeiterbevölke- rung Rixdorfs sei gegen Meister Hilbrich aufgehetzt worden, so daß seine Kundschaft ihm fernblieb. Uebcr den„Vorwärts", der„mit Behagen Ocl ins Feuer gegossen" habe, schüttet die«Deutsche Fleischer-Zeitung" einen besonderen Giftkübel aus. Und dem Blatt der Fleischermeister sekundiert in Mtendem Eifer das gelbe Blätt- chen„Der Bund". Wir wissen nicht, ob Herr Hilbrich und Frau darüber erfreut sein werden, daß nun eine nochmalige Erörterung der Angelegen- heit nötig w«:d. Im„Vorwärts" war zunächst nur gemeldet worden, vor dMi Hilbrichschen Geschäft an der Ecke der Hermann- und der Zietenstraße sei es zu Ansammlungen gekommen wegen des Gerüchtes, daß Frau Hilbrich ihr Dienstmädchen erheblich gc» schlagen haben solle. Bestimmte Angaben hierüber machten wir nicht, wohl aber teilten wir sogleich die Darstellung des Herrn Hilbrich mit, wonach Frau Hilbrich dem Mädchen eine Ohrfeige gegeben habe. In unserer nächsten, Nummer berichteten wir dann, diese Darstellung finde in der Bevölkerung keinen Glauben, viel- mehr sei nach wie vor das Gerücht verbreitet, daß das Mädchen— erst jetzt gaben wir das wieder— mit einer Peitsche mißhandelt worden sei und ein Krankenhaus aufgesucht habe. Wieder habe man am Abend starken Verkehr vor dem Laden bemerkt, im Laden aber, wo sonst die Kunden sich drängten, sei es leer gewesen. In der darauffolgenden Nummer veröffentlichten wir ein uns zur Kenntnisnahme überreichtes Attest des Arztes der Frau Hilbrich, wonach das Mädchen selber ihm gesagt habe, daß„Frau Hilbrich es lediglich an den Haaren festgehalten und ihm eine Ohrfeige ge- geben hätte". Wir fügten hinzu:„Nach diesem Attest wäre das unter der Bevölkerung kursierende Gerücht, das Dienstmädchen habe wegen der erlittenen Mißhandlungen das Krankenhaus auf- gesucht, nicht zutreffend. Leider war es uns bisher nicht möglich, das Dienstmädchen selbst zu sprechen, um so aus eigener Anschau- ung ein Urteil in dieser Sache zu gewinnen." Nachdem wir zwei Personen, die der Frau Hilbrich nahestehen, hatten zu Worte kommen lassen— in der ersten Notiz von vornherein ihren Gatten, in der zweiten ihren Arzt, der sie mit hochgradiger Nervosität zu entschuldigen sich bemühte—, war es nur recht und billig, daß wir auch noch die andere Seite zu hören wünschten. Die„Deutsche Fleischer-Zeitung" höhnt über„sozialdemokratische Gerechtigkeit" und schwatzt:„Die Vernehmung des Beschuldigten scheint diesen Herrschaften nicht mehr notwendig, und die Verurteilung erfolgt auf einseitige Angaben hin." Und in demselben Atemzuge sagt sie selber zur Entschuldigung der Frau Meisterin, die ihr Dienst- mädchen ohrfeigte:„Ohne weiteres kann man annehmen, daß sie vorher schwer gereizt worden sein muß." Also„ohne weiteres" nimmt die Redaktion der„Deutschen Fleischer-Zeitung" das ank Auch sie hat die Beschuldigte, in diesem Fall das Mädchen, nicht „vernommen". Der„Vorwärts" hat der Frau Meisterin die Gc« rechtigkeit widerfahren lassen, die für sie sprechenden Darstellungen ihres Gatten und ihres Arztes zu veröffentlichen. Gegenüber einem Dienstmädchen darf ein Fleischermeisterblatt„ohne weiteres annehmen", daß die Madame„gereizt" worden sei. Inzwischen sind uns Namen und Wohnung des Mädchen? be- kannt geworden, so daß wir es persönlich befragen konnten. In Uebereinstimmung mit den bei dem Arzt gemachten Angaben ist jetzt auch uns gesagt worden, daß Frau Hilbrich das Mädchen ge. ohrfeigt habe, indem sie es i n d i e H a a r e packte. Mit einer Peitsche habe Frau Hilbrich nicht geschlagen, auch habe das Mädchen kein Krankenhaus aufgesucht. Hautabschürfungen am Kopf, die das Mädchen auf die Prügel zurückführt, sind später von einer anderen Person, wie diese uns auf Befragen versichert hat. bemerkt worden. In dem Attest des Arztes werden solche Spuren nicht erwähnt. Das Mädchen hat uns gleichzeitig Mit- tcilung gemacht von verschiedenen Schimpfwörtern, mit denen cS von Frau Hilbrich belegt worden sei. Einige davon sind so unflätig. daß wir sie hier unmöglich wiedergeben können. Uebrigens sind uns auch von anderer Seite sehr sonderbare Angaben über die Erregtheit zugegangen, mit der die Frau Hilbrich anderen Dienst. mädchen und gelegentlich auch Gesellen entgegengetreten sei. Wir haben daraus den Eindruck gewonnen, daß die streitbare Frau Meisterin in der Tat, wie ihr Arzt sie nennt, eine„hochgradig ncr- böse Frau" sein muß. Der Polizei, die jetzt Herrn Hilbrich oll- abendlich Schutzleute vor den Laden stellt, ist die aufgeregte Gattin schon bekannt aus Klagen, die von Hilbrichschen Dienstmädchen auf dem Polizeibureau vorgebracht worden sind. Wer ist die Kranke? Eine unbekannte Frau von etiva 36 bis 35 Jahren wollte vorgestern nachmittag um 2 Uhr in die Unterspree springen. Leute, die ihr Vorhaben bemerkten, zogen sie vom Gitter zurück und brachten sie, weil sie augenscheinlich geisteskrank ist, nach der Charite. In ihrer Kleidertasche fand man einen Zettel mit dem Namen Mathilde Pätsch. Das Automobil im Schaufenster. Ein Automobilunfall er- eignete sich gestern in früher Morgenstunde in der L e i p z i g c v Straße 9. Dort fuhr die Automobildroschke I A. 8382, die aus der Wilhelmstratze kam, in ein großes Schaufenster der Pelz- Warenfirma C. A. Herpich Söhne. Die Scheibe ging in Trümmer und das Automobil fuhr fast vollständig in das Schaufenster hinein. Der Chauffeur und die beiden Fahrgäste kamen merkwürdigerweise ohne jede Verletzung davon. Dagegen wurde in dem Schaufenster selbst Schaden verursacht. Glassplitter zerschnitten wertvolle Toiletten und Pclzgarnituren und außert-nn wurden auch die anderen Sluslagen im Fenster stark beschmutzt und beschädigt. Der Gesamtschaden bcläuft sich auf nahezu 16 666 M. Der Cbauffeur suchte mit dem Wagen schleunigst zu entfliehen, doch wurde seine Nummer von einem Wächter erkannt und der Polizei mitgeteilt. Reiche Beute machten Geldschrankeinbrecher in der vorder- gangenen Nacht in der bekannten Patent-Möbelhandlung von Jockel an der Ecke der Koch- und Markgrafenstraße. Die Schau, fcnster des großen Ladens liegen an beiden Straßen. Der Eingang befindet sich auf der Ecke zwischen zwei Schaufenstern. Einen zweiten Zugang hat der Laden vom Hausflur aus, der auf die Koch- straße hinausführt. Durch diesen drangen in der vergangenen Nacht Knacker, die die Haustür aufgekantclt hatten, in den Laden ein. indem sie die Tür erbrachen. In dem hinter dem Laden ge, legencn Kontor knabberten sie nach der Art gewerbsmäßiger Ver. brecher das Geldjpmd aus und erbeuteten daraus 8166 M. bares Geld. rniS zwar 500 M. in Gold'. 200 M. In 50-Markschemen. 150 M. in Silber und das übrige in alten und neuen Hundertmark- scheinen, außerdem ein goldenes Kettenarmband mit sechs großen Smaragden und einem Brillanten im Werte von 500 M., einen Arillantring aus acht bis zehn kleinen Steinen, die sich um einen größeren gruppieren, im Werte von 150 M., sowie drei Schecks, und zwar ein Scheck über 146 M. aus Frankfurt a. M., einen über 53 M. auf die Kommerz- und Diskontobank, Depositenkasse Viktoria- Louisenplatz, und einen Scheck über 48 M. auf die Deutsche Bank, Dcpositenkasse Hackeschcr Markt. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Postautomobil und einem Straßenbahnwagen, bei welchem drei Personen verletzt wurden, ereignete sich am gestrigen Sonnabend mittag an. der Ecke der Moltke- und der Alscnstraße. Das Postauto Nr. 20 kam in scharfem Tempo aus der Alsenstraße und bog in die Moltkestraße ein, als der Motorwagen 203L der Linie 6 die Kreuzung passierte. Der Chauffeur versuchte, seinen Kraftwagen scharf abzubremsen, das schwere Fahrzeug geriet dadurch auf dem nassen Asphalt ins Schleudern und prallte gegen den Straßenbahnwagen. Die Seiten- scheiben des Waggons, ebenso wie die hinteren Scheiben wurden zer- trümmert. Durch die herumfliegenden Glassplitter erlitten mehrere Personen Schnittwunden am Kopf und an den Händen. Eine aufregende Szene spielte sich vorgestern nachmittag am Maybachufer ab. Ein alter Mann, der ein Weilchen am Ufer auf- geregt auf und ab ging, stürzte sich plötzlich über das niedrige Holzgelänöer in den Kanal und ging gleich unter. Ein junger Mann sprang ihm nach, während Schiffer ihre Boote losmachten und nach ihm fischten. Nach kurzer Zeit gelang es, ihn zu finden und zu landen. Er war aber schon tot. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Leute aus der Nachbarschaft erllinnten in dem Ertrunkenen den 64 Jahre alten Kutscher FerdinSkd Suter vom Kottbuserdamm 100. Der Mann war beschuldigt worden, sich an einem 12jährigen Mädchen, das er auf seinem Wlagen mitfahren ließ, vergangen zu haben. Os er schuldig ist oder nicht, ist noch nicht festgestellt. Arbeiter-BilbungSschule. Heute abend 7 Uhr im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, Lichtbildervortrag des Genossen Roth:„Die Revolution von 1848/49"(90 farbige Lichtbilder). Billetts sind vorher a 30 Pf.(Garderobe frei) bei Horch, Engelufer 15, Gottfr. Schulz, Kottbuser Tor, und an der Abendkasse von 6 Uhr ab zu haben. Zeugengesuch. Um Namen und Adresse tverden die Berliner Ausflügler gebeten, die in der Nacht vom Sonntag zum Montag (17. zum 18. September) aus dem Spandauer Hauptbahnhof die Arretierung eines Mannes mitangesehen haben. Addreffen werden kin Eduard Mattke, Berlin O. 112, Frankfurter Allee 189, erbeten. Nordland nennt sich eine Ausstellung am Kurfürstendamm, die gestern eröffnet worden ist. Die Schaustellung ist auf dem Gelände der einstigen Rollschuhbahn eingerichtet worden und soll an- scheinend einen Vorgeschmack geben von den Absichten Hagenbecks über die geplante Einrichtung eines Tierparks in Berlin, für die Hagcnbcck schon die Genehmigung so gut wie in der Tasche hat. Die Ausstellung bringt das Leben und die Lebensgewohnheitcn nordi- scher Völkerstämme zur Anschauung. Eskimos, Lappländer, Samo- jeden und Schweden haben sich auf dem großen Terrain in ihren Hütten niedergelassen und scheinen sich inmitten ihrer Renntierc ganz Wohl zu fühlen. Lappländer und Samojeden zeigen, daß sie auch gewerbliche Arbeiten recht geschickt verrichten können. In der großen Halle finden Vorführungen der Sitten und Gebräuche statt. Hagenbeck führt seine Eisbären vor. Gesang und Tanz ist Sache der Schweden. Großes Interesse erregte das Kajaktauchcn eines Lappländers. Der„Männcrchor Norden"(M. d. D. A.-S.-B.), Chormeister Paul Kurz, veranstaltet heute Sonntag, den 24. September 1911, im großen Saal der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee. Ecke Saar- brücker Straße, ein Konzert unter Mitwirkung von Erna Selpiu« Sabin(Konzertsäugerin), Eduard v. Winterstein(Rezitator) und deS Kahntschen Solisten-EnsembleS. Saalöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Einlaßkarten 40 Pf., welche a» der Kontrolle am Saaleingang zu entrichten sind. Arbeiter-Samariter-Kolonne Groß-Berlin. Da die Beteiii. guug an den Lehrabenden eine sehr große ist. hat sich die Teilung der 1. Abteilung, Dresdener Straße 45, in zwei Gruppen als not- wendig erwiesen und ist für die Delegierten der Turner, Radfahrer, Schwimmer ein besonderer Lehrabend eingerichtet, welcher am Man- tag, den 25. d. M., seinen Anfang nimmt mit dem Vortrag:„Ver- letzungen, Blutstillung". Ferner haben in dieser Woche Lehrabend: L. Abteilung. Brunnenstratze 154, am Montag, den 25. September. und 3. Abteilung, Schöneberg. Vorbergstraße 9, am Donnerstag, den 28. September. In beiden Abteilungen ärztliche Vorträge über .Physiologie", Beginn, abends 9 Uhr. Neue Kursusteilnehmer können noch eintreten. Verlöre» wurde am Sonnabend früh in der Zelt von K— 7 Uhr in Oer Siadlbahn vom Schlestschen Bahnhof bis Savignyplay ein schwarzes L rderportemoiiiiaie mit 28—29 M. Inhalt. Abzugeben bei Felke. Berlin 0 At-Sreasstraze 66, III.'' Vorort- ISachrichUn* Eharlotteuburg. Die diesjährigen Stadtverordnetcnwahlen sind für die Arbeiter- schaft von ganz besonderer Bedeutung. Von den 72 Sitzen im Stadtparlament verfügen die Sozialdemokraten über 10, die übrigen 62 Mandate gehören den bürgerlichen Parteien, die sich in zwei Fraktionen teilen. Doch ist diese Trennung nur eine äußerliche, in allen wichtigen Fragen stimmt die Bourgeoisie ge- schlössen, und auch den Wahlkampf führt sie gemeinsam. Durch friedlich-schiedliche Vereinbarungen verteilen sie die Mandate der ersten beiden Klassen untereinander, und in der dritten Klasse stellen sie überall nur einen Kandidaten denen der Sozialdemo« kratie gegenüber. Nun darf man aber nicht etwa glauben, daß die dritte Wählerabteilung, wie in manchen anderen Gemeinden, eine rein proletarische ist. Muß man doch, um in die zweite Klasse zu kommen, mindestens 290,40 M. Steuern entrichten! Mit anderen Worten: Wähler, die fast 3-0 0 M. Steuern zu zahlen haben, gehören nach der dritten Abtei- lung an. Dazu kommt, daß in Charlottenburg zahlreiche Bc- amte wohnen, die dank dem System der offenen Stimmabgabe oft gegen ihre innere Ueberzeugung gezwungen sind, gegen die sozial- demokratischen Kandidaten zu stimmen. Das erschwert unseren Genossen natürlich den Sieg. Aber trotzdem wird und muß es, wenn jeder auf dem Posten ist, ge- lingen, Erfolg zu erzielen und unsere Fraktion zu stärken. In der dritten Abteilung sind diesmal 11 Mandate neu zu besetzen, und zwar 8 für die regelmäßig wegen. Ablauf ihrer AmtLperiode ausscheidenden Vertreter. 1 für einen Stadtverordneten, der sei» Amt niedergelegt hat und 2 infolge der Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten von 72 auf 73. Da von den Sozialdemokraten nur die Genossen Dr. Borchardt und Klick ausscheiden, ist die beste Aussicht für eine erhebliche Vermehrung unserer Sitze vorhanden. Allerdings müssen von den 11 zu Wählenden nicht weniger als 7 Hausbesitzer sein, aber auch diese Schwierigkeit werden wir überwinden. Die Charlottenburger Sozialdemokratie ist bis- her mit dem Hausbcsitzerprivileg fertig geworden, und sie wird auch in Zukunft damit fertig werden. Das sogenannte liberale Bürgertum ist, wie seine Vertretung im Stadtparlament zeigt, in Wirklichkeit ein Mischmasch schlimm- ster Sorte. Wer zum Stadtverordneten ernannt oder gewählt werden will, dex braucht nur die Erklärung abzugeben, daß er auf dem Boden einer liberalen Weltanschauung steht. Wie sich dieser „Liberalismus" äußert, ist Nebensache, und so finden wir denn, daß neben Herren, die politisch dem Programm der Fortschritt- lichen Volkspartei huldigen, auch Führer der Nationalliberalen, ja sogar Konservative als geeignet befunden werden, von Freisinns Gnaden ins Stadtparlament geschickt zu werden. Der Charlotten- burger Kommunalfreisinn, der einst, als er nur eine kleine Zahl von Vertretern hatte, wirklich für liberale Grundsätze eintrat und jede Gemeinschaft mit dem berüchtigten Berliner Kommunalfreisinn ablehnte, ist heute infolge seiner skrupellosen Schacherpolitik auf ein Niveau politischer Gesinnungslosigkeit und Heuchelei gesunken, wie es tiefer kaum gedacht werden kann. Mandate zu ergattern ist ihm die Hauptsache, die Art. wie das geschieht, ist ihm gleich- gültig, und auf die Gesinnung seiner Anhänger legt er überhaupt kein Gewicht. Bei allen möglichen Vereinen geht er hausieren, allen macht er Versprechungen, von denen er im voraus weiß, daß er sie nicht halten kann. Die Haus- und Grundbesitzervereine hat er völlig in der Hand, diese Vereine machen Propaganda für die liberalen Kandidaten und stellen Geldmittel für die Wahlen zur Verfügung. So verständlich das ist, da der Liberalismus sich nicht entblödet, in der städtischen Verwaltung die Geschäfte der Haus- agrarier zu besorgen, so unverständlich ist es, daß sich jetzt auch der Charlottenburger Mietervcreiu von den Liberalen hat ein- fangen lassen. Die Liberalen haben einem Vertreter dieses Ver- eins eine Kandidatur versprochen, allerdings eine völlig aussichts- lose Kandidatur, aber schon der bloße Umstand, daß einer der Ihrigen kandidieren darf, hat die Herren vom Mieterverein ver- anlaßt, den Liberalen ihre Hilfe zuzusichern. Die Herren find in den Wahn versetzt, daß nur der liberale Kandidat die Interessen der Mieter wahrnimmt. Hätten sie sich um die kommunalpolitischen Angelegenheiten gekümmert, dann würden sie wissen, daß gerade die Liberalen wiederholt Maßnahmen zur Hebung des Wohnungs- elends durchkreuzt und die einseitigen Interessen der Haus- agrarier vertreten haben, ja, daß sogar der jetzige Führer der liberalen Fraktion sich im Stadtparlament gegen die Aufhebung des Ha us be si tz e r p r i v i l eg s ausgesprochen, hat. Aber wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen, und wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Sehr viel verspricht sich die Bourgeoisie von der Sonntags- wähl, die, nebenbei bemerkt, ihre Einführung einem sozialdemo- kratischen Antrage zu danken hat. Man glaubt allgemein, daß die Arbeiter bis auf den letzten Mann zur Wahl kommen, gleichviel ob des Sonntags oder an einem Wochentage gewählt wird, daß aber die bürgerlichen Wähler weit lässiger sind. Ohne auf diese Frage näher einzugehen, sei hier konstatiert, daß in früheren Jahren zahlreiche Arbeiter Charlottenburgs von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht und so die Pflicht ihrer Klasse gegenüber verletzt haben. Das lehrt ein Blick in die Wahlstatistik. Wieder- holt ist es vorgekommen, daß in der Stichwahl bis zu 25 Prozent Stimmen mehr für uns abgegeben sind als in der Hauptwahl, und daß uns durch unsere eigene Schuld Wahlbezirke entrissen sind. Wenn wir aus der Vergangenheit lernen« wenn am Wahltage jeder Arbeiter auf dem Platze ist, nicht nur, um seine Stimme ab- zugeben, sondern auch, um sich der Partei als Agitator zur Ver- 'ügung zu stellen, dann werden die diesmaligen Wahlen mit einem glänzenden Siege der Sozialdemokratie enden. Die Situation ist uns günstig. Nutzen wir sie aus und arbeiten wir eingedenk des Wortes: Ohne Fleiß kein) Preis. Rixdorf. Aus kommunalpolitischen Bauernfang läuft das nachstehende Kommunalprogramm hinaus, das in einer gemeinsamen Versammlung der drei hiesigen fortschrittlichen Ver- eine(Bezirksverein„Ost", Bezirksverein„West", Verein der Fort- srchittlichen Volkspartei) festgesetzt worden ist. auf Grund dessen die Bildung eines bürgerlichen Grohblocks angestrebt werden soll:„Die Arbeitsgemeinschaft der drei Vereine tritt für eine fortschrittliche Kommunalpolitik ein und verlangt von den mit ihrer Unterstützung zu wählenden Stadtverordneten, daß sie a) im Stadtparlament sich einer fortschrittlichen Fraktion anschließen und sich auf deren Pro- gramm schriftlich verpflichten, d) in ständiger Verbindung mit den fortschrittlichen Vereinen bleiben und die Wünsche derselben hören. Insbesondere sollen sie für die Verwirklichung folgender Grund- fordcrungen eintreten: 1. Einführung des geheimen Wahlrechts für die Stadtverordnetenwahlen und Ausdehnung des passiven Wahlrechts auf die Volksschullehrer und alle Beamten. 2. Als Ziel der kommunalen und staatlichen Schul- Politik gilt die nationale, simultane Einheitsschule mit gemein- samem Unterbau und mehrteiligem Oberbau unter Vermeidung zu hoher Klassenfrequenzen. Zum mindesten müssen die Schul- Verhältnisse den Zuständen der anderen Berliner Vororte, soweit diese der Servisklasse A. angehören, gleichgestellt werden. 3. Unter- nehmungen, die einem dauernden Bedürfnis des Gemeinwesens dienen und die durch ihren monopolartigen Charakter die Vorteile eines gesunden Wettbewerbs ausschließen, sind in städtische Ver- waltung zu übernehmen. 4. Bei städtischen Submissionen sind in erster Linie die eingesessenen selbständigen Handwerker, Handel- und Gewerbetreibenden zu berücksichtigen und die Aufträge tunlichst in kleine Lose zu zerlegen. 5. Der städtische Grundbesitz ist zu erhalten und rationell zu vermehren. Unbebautes Gelände ist bei gleichzeitigem Anschluß an das Hauptvcrkehrsnetz rechtzeitig zu erschließen. Die Bebauungspläne und die Bauordnung sind im Sinne der Einschränkung des Kasernensystems auszugestalten und alle auf Schaffung gesunder und preiswerter Wohnungen gerich- teten gemeinnützigen Bestrebungen zu unterstützen, jedoch ohne Schädigung des soliden Grundbesitzes und Baugewerbes. Dabei ist unter Berücksichtigung ästhetischer Gesichtspunkte für eine fort- schreitende Verschönerung des Stadt- und Straßenbildes zu sorgen. 6. Zweckverbände können nur als Notbehelf angesehen werden. Die wirtschaftliche und soziale Gebietseinheit, die Berlin mit seinen Vororten bildet, muß in der kommunalen Organisation entweder durch Schaffung eines alle Zweige der Kommunalverwaltung um- fassenden höheren Kommunalverbandes nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung oder durch eine allgemeine Eingemein- dung unter Durchführung kommunaler Dezentralisation zum Aus- druck kommen." Wie aus der ersten Forderung zu ersehen ist, haben die Wahl- rcchtsräubcr weder etwas gelernt noch etwas vergessen. Um die Wählerschaft zu düpieren, fordern sie das„geheime" Wahlrecht für die Stadtvcrordnetcnwahl, nicht aber auch das gleiche. Wie könnten sie, die die werktätige Bevölkerung durch ihren Wahlrechts- raub dauernd rechtlos machen wollten, eine solche Forderung auf- stellen. Was die übrigen Thesen anbelangt, so entsprechen sie zum Teil der bürgerlichen Auffassung über die Aufgaben unserer Stadt- Verwaltung, andererseits sind sie darauf angelegt, möglichst zahl- reiche Schichten für die Wahl bürgerlicher Vertreter zu� gewinnen. Die gegenwärtige RathauSmchrheit ahnt, daß sie in den be- vorstehenden Wahlkämpfen nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren hat. Daher ihre Anstrengungen, noch zu retten, was zu retten ist. Die Sozialdemokratie wird es jedoch nicht daran fehlen lassen, die Bevölkerung über ihre Feinde aufzuklären. Kommunalwähler Nixdorfs. Seht, soiveit es noch nicht ge- schehen ist, am heutigen Sonntag in der Zeit von 8—10 Uhr vormittags die Wählerliste für die Stadtverordnctenwahlen ein, welche im Städtischen Wahlburcau, Rathaus, Berliner Straße 62/64, öffentlich ausliegt. Versäume niemand diese Pflicht. Ein Sparkasscnschwindel ist vorgestern auf der hiesigen Svar« lasse versucht worden. Eine Frau aus der Äarienthalcr Straße in Britz zeigte ein Buch über 8000 M. vor; 4000 M. wollte sie auf ein anderes Buch überschreiben lassen, 500 M. abhebem Die Kassenbeamten sahen sofort, daß in dem Buche, das auf eine 21 Jahre alte Anna Domack aus der Walterstratze 28 lautete, die Zahl 8000 plump gefälscht war. Aus einer 8 waren 8000 gemacht worden. Es ergab sich, daß die 8 M. erst vor einigen Tagen ein- gezahlt worden waren. Die Frau hatte das Buch von der Domaa erhalten, mit dem Auftrage die Umschreibung vornehmen zu lassen und den Betrag abzuheben. Von der Fälschung will sie nichrs wissen. Die Domack behauptete erst, daß keine Fälschung vorliegt und versicherte, daß sie die 8000 M. von einem feinen Herrn für einen Liebesdienst bekommen habe. Im Laufe deS Verhörs aber gab sie die Fälschung zu und erzählte, daß die Furcht, ihren Brau- tigam zu verlieren, sie dazu getrieben habe. Der Geliebte habe ihr nämlich erklärt, daß er sie gern heiraten würde, aber eine Frau ohne Geld nicht gebrauchen könne. Um ihn zu überzeugen. daß sie Geld besitze, habe sie ihm das gefälschte Sparkassenbuch gezeigt. Zu dem Bericht der Gcwerkschaftskommission teilt uns der Kassenangestellte Herr Wagner mit. daß die in der Sitzung auf- gestellte Behauptung, er habe den Jnnungsmitgliedern Schriftstücke der Ortskasse zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt, un- wahr sei. Steglitz-Friedenau. „Heil uns in Steglitz". Der„Steglitzer Anzeiger' enthält in einem Festariikel zur Feier des Geburtstages der Kronprinzesiiu folgenden Erguß eines überglücklichen Redakteurs: „Für uns Steglitzer ist dieser Geburtstag unserer Krön- Prinzessin in gewissem Sinne doppelt bedeutungsvoll. Wohnt doch in unserem Orte jene nützliche Frau, die der Kroiiprinzeisui in ihren schweren Stunden schon öfter beigestanden hat, und auch diesmal wohl, wenn die Zeit erfüllet ist, wird Frau Josephs Kötzer in Potsdam erscheinen und als erste das neue Prinzlein sehen." O. du glückliches Steglitz l Wie wird nach dieser Kunde deine Einwohnerzahl wachsen. Schöneberg. Im ersten Bezirk wird von den Gegnern alles aufgeboten. damit ihnen derselbe erhalten bleibt. Automobile, Droschken und der ganze Stab der Liberalen will anrücken, um die Gefahr ab- zuwenden, diesen Bezirk an die Sozialdemokratie zu verlieren. Die Genossen des 1. und 2. Bezirks müssen daher alles daransetzen, um den Bzirk zu erobern.. � �, Die Wabl findet am Mittwoch, den 27. d. M., ,m Nollendorshof. Bülowstr. 2, von vormittags 9 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Kandidat ist Genosse Albin Mohs. Die arbeitslosen Genossen treffen sich um 8',h Uhr bereits bei Senst, um ihre Informationen entgegen- zunehmen. Die übrigen Genossen wollen möglichst zeitig er- scheinen, um bei der Wühlarbeit behilflich sein zu können. Lichtenberg. Die Wählerliste liegt am heutigen Sonntag in den Vormittags- stunden im Rathause(großer Sitzungssaal), Möllendorfstraße, zur Einsichtnahme aus. Es ist dies der letzte Sonntag l Wer nicht in der Wählerliste steht, kann nicht wählen! An unsere Abonnenten. Am DienStag, den 26. September, verlegen wir unsere Zeitungsspedition von der Kronprinzen- straße 4 nach der Wartenbergstr. 1(Laden). Die Hailptcxpedition. Tempelliof-Mariendorf-Marienfelde. Straßenangclegcnheiten und Verpachtungen bildeten den Hauptgegenstand der letzten Gemeindevertretersitzung. Bei der Taufe der Straße 12a in Albio- und der Straße 2 in Wittekind- straße tvurde angeregt, auch die aNbetannte Dorfftrahe eine» NamcnswcchselS zu unterziehen.— Die Verpachtung des Ge- meindelandes(an den Hauptwerkstättcn), welche bereits im Früh- jähr viel erörtert wurde, ist noch nicht definitiv erledigt. Jeder der beiden Pächter möchte dies Land auch fernerhin benutzen; einen will die Verwaltung aber los sein. Der eine will seinen kostspielig angelegten Obstgarten nicht eingehen lassen, sondern erweitern, während der andere an Laubcnkolonisten vermieten möchte. Die Sache wurde wiederum einer Kommission über- wiesen, die über die Zweckmäßigkeit der Behandlung noch weiter beraten soll. Die Gemeinde sollte sich das Versügungsrecht über Teich und Mulde sichern, da sie durch Abladen von Sand usw. Taufende von Mark ersparen kann.— Eine andere Verpachtung ging sehr schnell von statten. Es betraf dies die Verpachtung der Baukantinen aus dem Tempclhofer Felde an die Löwenbrauerei. Dieselbe hat sich verpflichtet, pro Tonne 8,50 M. und pro Kasten Bier 25 Pf. zu zahlen. Diese Pachteinnahmen fließen der Aktien. gescllschast zu. Die Brauerei hat dadurch eine Monopolstellung.— Auch die Verpachtung des Kirchhofsgeländcs in der Germnniastraße an die Tempelhofer Feldaktiengesellsthaft wurde in dieser Sitzung perfekt. Der Gemeinde schwebte hier der Gedanke vor, nach 15 Jahren die dort von der Aktiengesellschaft errichtete Gärtnerei ohne Risiko zu übernehmen. Sie scheint der Meinung zu sein, daß diese Gesellschaft dort nur aus Liebe zur Gemeinde eine Gärtnerei errichtet. In Wirklichkeit wird es so auslaufen, daß die Gemeinde für ihr eigenes Land noch erhebliche Mittel zusetzt. Von der Verwaltung wurde der Pachtvertrag als recht günstig be- zeichnet, und es gelang ihr auch, diesen nach einigen wesentlichen Aenderungen durchzusetzen. Die Gemeinde erhält als Pachtgeld jährlich 2000 Topfpflanzen nach Wahl, den übrigen Bedarf zum Engrospreis. Will die Gemeinde die Gärtnerei nach fünf Jahren übernehmen, so muß sie vollen Ersatz der AnschaffungSkosten zahlen(im Vertrage stand sogar deS Nutzungswertes, welcher ein vielfacher deS Anschaffungswertes sein kann», nach zehn Jahren braucht- sie nur Ersatz zu leisten für die Hälfte des Wertes inkl. Amortisation, und nach 15 Jahren kann sie dann im Ramsch alles für ein Viertel deS Wertes ankaufen. Der jetzige Friedhofsinspektor wird gleichzeitig Obergärrner der Gesellschaft.— Nachdem die Ger- maniastraße reguliert ist, wurde gewünscht, daß die Verhältnisse auch vor dem Kirchhofsgelände in Ordnung gebracht werden. Es bleibt aber beim alten.— Mit Bezug auf die Gestaltung des Metzplatzcs sei erwähnt, daß die Rasenanlage unverändert bleibt und eine Vergrößerung des Platzes durch die Hinzuziehung deS Bürger- stciges der Kaiserin-Augustastraße erfolgt. Zugesichert wurde die Aufstellung von Bänken und Spiclkästcn, was auch in den anderen Zlnlagen wirklich nottut.— Am Schluß der Sitzung wurde ent- gegen aller Gewohnheit die Baukommission per Zettel gewählt. Tie Kommission soll sich besonders mit dem Rathausbau be- schäftigen. Auf zur Kraukcnknsscuwahl! Morgen Montag von 5'/z bis Vl3 Uhr finden die Wahlen der Delegierten der Arbeitnehmer zur allgemeinen OrtSkrankenkasse statt. Da voraussichtlich eine Gegen- liste aufgestellt ist, werden alle Genossen ersucht, Mann für Maiin an der Wahl teilzunehmen. Die GewcrkschaftSuntcrkommission Tempelhof, Mariendorf, Marienfclde. Die Errichtung clncs Gewerbe- und Kaufmann?gerlchtS steht nunmehr bevor. Wiederholte Anträge an die Gemeinde auf Errick- tung eines solchen Gerichts blieben bisher unberücksichtigt. Jetzt ist die Gemeinde von der Ressierung ersucht worden, dem nachzukommen. Die Räume für das Gericht sind bereits gemietet. Eine BcrkaufSstelle der Konsumgenossenschaft wird in der nächsten Zeit im alten OrtSteil errichtet. Die Vorarbeite» sind bereits im Gange. Wilmersdorf. Auf die Dummheit ihrer Leser fcheinl sich die„Wilmersdorfcr Zeitung" nur noch verfassen zu können. Venn fic mit eines? andere» Blatt in eine Polemik geräk. Nachd'em Sir d'em Reklamemonikeur für Ortsangelegenheiten zweimal gehörig auf die Finger geklopft und dabei nachgewiesen haben, daß er seinen Lesern das sür ihn Unangenehme unterschlägt, endet er in seiner gestrigen Nummer mit einem öden Geschimpfe. Dabei ist das Blättchen noch so un- anständig, das, worauf es überhaupt ankommt, seinen Lesern völlig zu verschweigen. Und so etwas redet von Irreführung der„Vor- pzärts"-Leser. Wahrlich, es war zu viel der Ehre, Treptow-Baumschulenweg. Am Dienstag, den 26. d. M., abends 8zh Uhr, im Sport- restaurant, Elsenstr. 115— 116: Generalversammlung des Vereins Arbeiter-Jugendheim. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Kassenbericht, Wahl eines Kassierers und eines Revisors. Diensdorf(Kreis Beeskow). Die Volksversammlung, welche am letzten Sonntag hier im Lokale von Lusius stattfand, war von reichlich 100 Personen besucht. Der Vortrag des Genossen Kluß- Rirdorf über„Die Taten des alten und die Aufgaben des neuen Reichstages" fand lebhaften Beifall. Genosse Alex Pagels ermahnte die Anwesenden, wacker für die Sozialdemokratie einzutreten. Einige.Genossen wurden als Mitglieder sür die Organisation gewonnen. Kalkberge- Rüdersdorf. Vom Herzschlag betroffen wurde eine Verwandte des hier wohnhaften Briefträgers Haube, die diesem einen Besuch abstatten wollte; sie fiel kurz nach ihrer Ankunft tot nieder. Pankow. Den kommenden Gemeindewahlen galt vornehmlich die letzte ausserordentliche Generalversammlung des Wahlvereins. Nachdem die Genoffen Gütig, Larsen und F engl er mit der Leitung her Geschäfte für den Bezirk Pankow betraut worden waren, gab Genosse K u b i g einen Bericht aus der Gemeindevertretung. Redner hob hervor, daß unsere Genossen sich in der Pankower Gemeinde- Vertretung einst eine achtunggebietende Position geschaffen hatten. Leider seien uns durch den Streit in den eigenen Reihen der- schiedene Mandate verloren gegangen. Die vornehmste Aufgabe der Genossen müsse es sein, das Verlorene zurückzuerobern und mit den Vorarbeiten zu den Gcmeindewahlen zu beginnen, damit wir siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Wie notwendig es sei, datz mindestens die Plötze der dritten Abteilung durch die Sozialdcmo- kratie besetzt würden, wies Redner aus folgendem Beispiel nach: Schon vor drei Jahren, als das neue Schulprojckt auftauchte, sei zugleich der Bau einer Schwimmbadeanstalt beschlossen worden, die durch einen Tunnel mit der Schule verbunden werden sollte. Die Bauzeichnung sei bereits fertig gewesen. Mit dem Augenblick aber, wo unsere Vertretung zusammenschmolz und die Plätze von den Bürgerlichen besetzt wurden, ist die geplante Badeanstalt von der Bildflächc verschwunden. Die Herren in der Vertretung lehnten alles ab mit der Begründung, in ihre Wohnungen befände sich eine Badeeinrichtung, und so harre der dazu bestimmte Platz noch seiner Bebauung. Redner kritisierte weiter die hohe Schülerzahl in den einzelnen Klassen, die sich ans 60— 63 belaufe. In der Diskussion wurde von allen Rednern betont, dass bei den kommenden Gemeinde- Wahlen Genossen ins Parlament gesandt werden müssen, die auch in der Lage sind, die Ansicht der Arbeiterschaft rednerisch zu vcr- treten, damit diese Aufgabe nicht immer nur einigen zufalle. Be- mängelt wurde weiter, dass die Schulstunden in der Fortbildungs- schule bis abends 0 Uhr ausgedehnt werden. Hierzu wurde folgender Antrag angenommen: Die Gemeindevertretung wolle be- schliessen, mit Rücksicht auf die Gesundheit unserer Jugend den Unterricht in der hiesigen Fortbildungsschule nicht bis nach 7 Uhr abends auszudehnen. Spandau. Tie Arbeitcr-Samariter-Kolonne Spandau beginnt am Mitt- tvoch, den 27. September, mit einem Samariterkursus von 12 Aben- den über: a) In der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, d) In der ersten Hilfe bei plötzlichen und gefahrdrohenden Krankheitserschei- nungen, c) In den Grundzügen der Krankenpflege. Damen und Herren sind freundlichst eingeladen. lensiag: Penthefilea. Mittwoch: Faust 2. Teil.(Anfang 6'/, Uhr.) I: Penthesilea. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Penthefilea. Don CarloS. Montag: Penthefilea.(Anfang 7'/. Uhr.) Othello. Dienstag: Penthefilea. Donnerstag: 9 Sonntag: Don Darios, viontag: Pcnigrnicll. I I,«mi.; Kammerspiele. Sonntag: LanvSI. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Guw&n. Mittwoch: Gyges und fein Ring. Donnerstag: Lanvgl. Freitag: Der verwundete Vogel. Sonnabend: Der Arzt am Scheidewege. Sonntag: Heirat wider Willen. Montag: Lanval.(Anfang Leffing> Theater. Sonntag: Alles um Geld.(AN Montag: Glaube und Heimat. Dienstag: 8 Uhr.) (Anfang 7'/, Uhr.) Hedda Gabler. Mittwor und Donnerstag: Glaube und Heimat. Freitag: Einsame Menschen. Sonn- abend bis Montag: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Refidenz-Theater. Täglich: Ein Walzer von Chopin.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag, 1. Oktober, nachm. 3 Uhr: Die Dame von Maxim. Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die schöne� Risette. Täglich abends: Die keulche Snfanne.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die schöne Risettc. Kleines Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: I. Klasse. Angele. Abends und Montag bis Mittwoch: Der Leibgardift. Donnerstag bis Sonnabend: Papa. Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: I. Klasse. Angele. Abends: Papa.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hohe Politik. Allabendlich: Bummelstudenten.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hobe Politik. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Josephine. Montag: Nathan der Weise. Dienstag biS Donnerstag: Josephine. Freitag: Nathan der Weise. Sonnabend und Sonntag: Josephine. Montag: DeS MeereS und der Liebe Wellen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntag und Montag: Die Frau Greil. König OedipuS. DienStaa: Die Mutter. Zuflucht. Schöne Seelen. Mittwoch: Die Frau Greil. König OedipuS. Donnerstag: Die Mutter. Zuflucht. Schöne Seelen. Freitag und Sonnabend: Die Frau Greil. König OedipuS. Sonntag und Montag: Die Mutter. Zuflucht. Schöne Seelen.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater O. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Da? Urbild des Tartüfi. Abends: Der Pfarrer von Kirchseld. Montag: Der Probekandidat. DicnStag: Der Psarrer von Kirchseld. Mittwoch: Der Geizige. Der ein- gebildete 5tranke. Donnerstag: Der Probekandidat. Freitag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Der Pfarrer von Kirchseid. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Urbild dcS Tartüff. Abends: Zopf und Schwert. Montag: Der Pfarrer von Kirchseld.('Ansang 8 Uhr.) Schiller« Theater Charlottcnburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Bund der Jugend. Abends: Zopf und Schwert. �Montag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Dienstag: Zops-—- woch: Der Probekandidat. Donnerstag: Der Geiz___ Kranke. Freitag und Sonnabend: Zops und Schwert. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. CClOcdeti- Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Boheme. Montag: Tristan und Isolde.(Ans. 7 Uhr.) Dienstag: Marie die Tochter dcS Regiments. Die Puppensec. Mittwoch: Die weisse Dame. Donnerstag: Die Zauberflöle. Freitag: Tannbäuser. Sonnabend: Cavalleria rusticana. Bajazzi. Sonnlag: Die Zauberflöle. Montag: Das Rheingold.(Ansang 71/, Uhr.) Königl. Schauipielhaus. Sonntag: Penthesilea. Montag: Der Schlagbaum. Dienstag: Die Luipowö. Mittwoch: Penthefilea. Donnerstag: Goldsische. Freilag: Colberg. Sonnabend: Penthefilea. Sonntag: Die Journaiisten.(Ansang 71/, Uhr.) Montag: Hamlet.(Anfang 7 Uhr.) NcurS königliches Overutbeatcr. Sonntag: Fidelis. Montag und Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Othello. Donnerstag und Frcilag: Gcichiossen. Sonnabend: Hamlet. Sonntag: Romeo und Julia.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag: Penthesilea.(Ans. 7 Uhr.) Montag: und Schwert.' Mitt Seizige. Der eingebildete 8 Uhr.) >er Gras Sonntag. Montag: Montag: Zopi und Schwert.('Ansang 8 Uhr.) Friedrich> BZitbelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Moral. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch:_ Moral. Donnerstag: Judith. Freitag: Kabale und Liebe. Sonnabend bis Man- (AnsanaJ) Uhr.) Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Ein Walzertranm. Abends: Tie Dame in Rot. Montag bis Sonnabend: Die Dame in Rot. Sonntag, nachmittags 31/i Uhr: Ein Walzertraum. Abends: Die Dame in Rot. Montag: Die Dame in Not.(Ans. 8 Uhr.) Luisen-Thcater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Waise von Lowood. AbcndS: Die Macht der Liebe. Montag: DaZ Wintcrmärchen. Dienstag bis Freitag: Die Macht der Liebe. Sonnabend: Das Winter märchen. Sonntag und Montag: Die Macht der Liebe.(Ansani Neues Operetten-Theater. Sonntag, nachmitiags 3 Uhr: von Luxemburg. Allabendlich: Die ichöne Helena. Nächsten nachmittags 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Abends und Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Thcater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillon. Abends bis Smmabend: Ihr Alibi. Sonntag, nachmittag 3 Uhr: Francillon. Abends und Montag: Ihr Alibi.(Ansang 8 Uhr.) Thaiia-Theater. Täglich: Polnische Wirtschast.(Anfang 8 Lnstspielhauo. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: MehcrS. AhendS bis Sonnabend: Der Grosssürst. Sonntag, nachmittag 3 Uhr: DaS LeutnanlSniüiidel. Abends und Montag: Der Grosssürst.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr und abends: DaS Käthchcn von Heilbronn. Montag: Die Peitsche. Dienstag: DaS Käthchcn von Heilbronn. Mittwoch: Die Peitsche. Donnerstag: Das Käthchen von Heildronn. Freitag: Die Peitsche. Sonnabend bis Montag: Richters Millionen.(Ansang 8 Ubr.) Theater i» der Königgräver Strasse. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Fallissement.'AbcndS bis Freitag: Grete Wiescnthal. Sonnabend: Spielereien einer Kaiserin. Sonntag, nachmittags 3 Uhr Ein Fallissement. Abends und Montag: Spielereien einer Kaiserin. (Ansang 8 Ubr.) Belle-Alliance-Thcater. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hosgunst. Abends bis Frcilag: Zazu. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Iphigenie. Abends: Zaza. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Minna von Barnhelm. AbcndS: Zaza.(Ansang 8 Uhr.) Neues Boltstheater. Sonntag, nachm. 3 Uhr: In Behandlung. WendS bis Dienstag: In Behandlung. Mittwoch: DcS Pastors Ricke Donnerstag: Der Strom. Freitag und Sonnabend: In Behandlung Sonntag, nachm. 3 Uhr: In Behandlung. Abends: Des Pastors Rtele. (Ansang 8'l, Uhr.) Gasino-Theatcr. sonntag, nachmittags 3yt Uhr: Papa Nitfche. Abends sowie täglich: Ter selige HollschinSty. Nächsten Sonntag, nach mittags 3'/, Uhr: Papa Nitfche. Abends und Montag: Der selige (Ansang 8 Uhr.) Mctropol- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Miss Helyett. Allabcnlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprire. Allabendlich: Kobi Krach. Nr. 14,(Ans. 8'/, Uhr.) Herrriifeld- Theater. Täglich: Das Kind der Firma. Schmerz lose Behandlung.(Ansang 3 Uhr.) Apollv-Thearer. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Carl-Haverland-Theätcr. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 7'/, Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Lou. Liehcsabcnteucr.(Anfang 8'/, Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Teufel, das hat eingeschlagen!(Ansang 8'U Uhr. Kaiser-Panorama. Hamburg und seine Schiffahrt. Reise m der Schweiz. Tcllsaae. Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) gkcichShallen-Theater. Täglich: Stcttiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Köuigstadt-Kasiiio. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania- Theater. Taubcnstr 48/43. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Lebende Tierbildcr von nah und fern. Abends: Roms Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. Montag: Lebende Tierbildcr von nah und fern. Dienstag: Roms Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. Mittwoch und Donnerstag: Lebende Ticrbilder- von nah und fern. Freitag: Rons Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. Sonnabend, nachmittags 4 Ub.': Lebende Tierbildcr von nah und sern. Abends und Sonntag: Lebende Tierbilder von nah und sern,(Ansang 8 Uhr.) �... Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62.>/; Bnefkaften der Redaktion. Cr.®. 42. Darauf hat die Frau Anspruch; daß gehört zum standcs- gemässen Unterhalt.— Rixdorf SI. Innerhalb zweier Jahre müssen mindestens 20 Marken entwertet sein: innerhalb dieses Zeitraums muss die Karte umgetauscht sein.— P. B. 63. Versteuerung ist zulässig. Ist der Wert zu hoch bemessen, so beschweren Sie sich beim KreiSausschuss.— K. 500. Ihre Schwester soll von der Kasse Zahlung verlangen.— P. U. 17. Klage beim Kausmannsgericht.— I. 38 Pankow. Ihre Angaben sind nicht ausreichend. Kommen Sie in die Sprechstunde.— (f. D. 55. Nein.— M. P. 10. 1. Nein. 2. Anmeldung beim Magistrat.— R. D. 23. Bei dem aussichtssührcnden Ztichter des Amts- genchls Berlin-Wedding.— G. W. 60. Sic können Bcscittgung fordern unter der Androhung der Vertragslösung. Ist die Aufforderung erfolglos und können Sie Ihre Behauptung beweisen, so brauchen Sie nicht zu- zuziehen.— R. P. 10. t. Nein. 2. Nicht aussichtslos.— W. M. Ja. — Färbermeister. 1. ZeitungSspedition Grosse Franksurter Strasse 121. 2. und 3. ersehen Sie dort ebensalls.— Fürsorge. Deutsche Zentrale sür Jugendfürsorge, Wallstrasse 83 II.— Mz. 61. Darüber sind wir selbst nicht insorniicrt.— kl. L. 32. Nein.— F. B..Konsistorium der sran- zösischcn Gemeinde, Friedrichstrasse 123. Dort erfahren Sie alles Nähere. — I. M. 32. Osscnbacher Krankenkasse sür Frauen und Mädchen. Adresse: W. Hinz, Prinzenswasse 66.— K. S. 263. Die Prospekte lauten: Mai bis Oktober. Genauer Schlusstermin unS nicht bekannt. — W. W. 100. 1. Der Mieter ist zur Sicherheitsleistung für die ganze Vertragsdauer verpflichtet. 2. Ja.— Prinzen-AUee. Die Vormiindcrin hat das Recht, den Ausenthalt zu bestimmen. Es ist zweckmässig, sich vor- her der Zustimmung dcS VormundschastSgerichts zu versichern.— P. H. 10. 1. und 2. Ja.- Rixdorf 70. Ja.— K. Z. 148. DaS Recht steht dem Vermieter zu.— T. 46. 1. bis 3. Nein.— A. P. 10. Dafür sind die orispolizeilichen Bestimmungen massgebend. Fragen Sie bei dem Amtsoorstcher an.— G. Ö. 12. Sämtliche Fragen: Nein.— F. S. 48. Nein.— 1000 SB. Beim Auszuge.— M. P. 27. 1. Nein. 2. Nein, Sic können aber aus den Pflichtteil gesetzt werden. 3. Lässt sich nur nach Einsicht in daS Urteil sagen.— P. tS. P. Sie sind zur Mit- nähme der Sachen berechtigt, müssen aber dem Verkäufer von Ihrem neuen Wohnsitz Kenntnis geben.— H. 87. Die Sieden find ungekürzt wieder- gegeben._ WasserftcindS-Nacbrtcbte« �' der LanbeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner WÜterbureau. + bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Witterungsübersicht vom 2S. September 1011 ttoUontn iE if Lwwemd». 760 NNO 762 N erlin' 753 N Frants.-.«.:753NO München j 756 NW Men 1755 31 Bettet 3 bedeckt 2 Nebel 3 bedeckt 2 bedeckt 3 Regen 1 Regen »« t? M» «tattonen Havaranda 764 SSW Petersburg' 768 SO Seilitz Werdeen Paris Wetterprognose für Sonntag, den 94. September VOll.- Zettwesse heiter, am Tage etwas wärmer, bei ziemlich Icköhasten süd- lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. --"i a □ ö □ Tiuentzien-Strafie 20 □ ara Wittenberg Platz □ Leipziger StraSe 65 Ü Königstrasso 34 □ neue Modelle für Damen und Herren >«i □ Oranienstraße 47a □. □ Oranienstrasse 34. Ol? □ Rixdorf, Bergstr.7-8. I □ Müllerstrasse 3a □ la Boxcalf- Schnürstiefel fw" kriftlfe Boden— Für Herren auch in fa Ross-Chevreaux uekk�p"S la Boxcalf- Schnürstiefel; ;□ mit and ohne Lackkappen, mit und ohne Q Derby, auch Doppefsohlen auf Rand □ gedoppelt und Origi naU Goodyear«. Welt Q r la Boxcalf-Schnürstiefelr ML ■och mit p p. 'OeppdiohUa.j la Chevr.-Schnürstiefel nucrltMa«•cUne Fora— OrijloiUGoodytlr-Wclt, erregen uberaB Aufsehen. Kamelhaarschuhe und.Schnallcnstiefel* Warm gefütterte Schnallenstiefel und Hausschuhe* Rationell gearbeitete Kinderstiefel ..................... u juvwu-iAru-o-j-, ist geeignet, ISäSH ÜSi1!1!! vor den Schäden durch viele leicht irritierende Preise zu schützen! 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Strastammer des Landgerichts II unter Vorsiy des Landgerichtsdirektors Forstmann gegen den Händler Willi Bernsee zu verhandeln.— Der Angeklagte, welcher im Verdacht steht, Zuhälterdienste zu leisten, ist schon ISmal wegen Bettelns, Arbeitsscheu und anderer Delikte vorbestraft. In einer Kaschemme, in welcher nur Zuhälter und.schwere Jungcns" verkehren, machte er die Bekanntschaft des 27jährigen Emil Jacob, der als Kolli- und Wohnungsdieb mehrfach zu Zuchthausstrafe verurteilt worden war. Zuletzt war I. zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, die er in der Strafanstalt Sonnenburg verbühen sollte. Mitte Juli d. I. gelang es ihm jedoch, die Flucht zu ergreifen. In der Nacht zum S. August d. I. wollten beide in dem Hause Genthiner Straße 9 einen Wohnungseinbruch verüben. Die Porticrfrau wurde auf die beiden verdächtigen Männer aufmerk- fam und benachrichtigte, als sie hörte, daß die Beiden sich an ver- schiedenen Wohnungstüren zu schaffen machten, den zufällig des Weges kommenden Schutzmann Haper. Dieser holte sich zu seiner Unterstützung den Schutzmann Reimann; außerdem schloß sich ihnen noch der Wächter Münzer von der Wach, und Schließgcsellschaft an. Als die drei das Haus betraten und die Treppe hinaufgingen, horten sie auf der Bodentreppe ein Geräusch. Als sie sich dem Treppenpodest der vierten Etage näherten, ertönte von oben der Ruf:„Köpfer weg oder wir schießen!" In demselben Moment krachten auch schon mehrere Schüsse. Die Kugeln sausten pfeifend an den Köpfen der drei Beamten vorbei und schlugen klatschend in die Wand. Nunmehr gaben auch die Schutzleute Feuer und schössen, indem sie nur die Hand zwischen das Treppengeländer hindurch- steckten, nach dem Boden hinauf. Da sich diese Szene in völliger Dunkelheit abspielte, erbat sich einer der Schutzleute von dem Hausbewohner Binder eine Kerze. Dieses Licht wurde dem Schutz» mann Haper zum Verhängnis, denn die Beamten boten nun im Licht stehend ein gutes Ziel für die Einbrecher, die selbst im Dun- kein standen und unsichtbar waren. Die Einbrecher schössen etwa zehnmal auf die Beamten, die das Feuer erwiderten, ohne jedoch jemand zu treffen. Während dieses Feuergefechts brach plötzlich der Schutzmann Haper mit einem lauten Aufschrei zusammen. Eine Kugel der Einbrecher hatte ihn in die Brust dicht unter dem Herzen getroffen. Er stürzte mit den Worten:«Ich sterbe. Ich möchte nur noch meine Frau und Kinder nochmal sehen!" bewußt- los nieder und wurde zunächst in die Bindersche Wohnung und von dort nach dem nahe gelegenen Elisabeth-Krankenhause ge- schafft, wo er wochenlang mit dem Tode kämpfte und bis jetzt noch nicht wieder hergestellt ist.— Inzwischen hörte man, wie sich auf der Bodentreppe ein erregtes Zwiegespräch zwischen dem Angeklagten und seinem Komplicen Jacob entspann. Der eine sagte:«Ich habe hier nichts mehr zu suchen, es ist nicht möglich zu türmen,"(flüchten.) Plötzlich fiel wieder ein Schutz, der von einem dumpfen Aufschlag begleitet war. Wie sich gleich darauf ergab, hatte Jacob die letzte Patrone, die sich in seinem Revolver befand, dazu benutzt, um sich selbst eine Kugel in die Schläfe zu jagen. Nun begann der jetzige eingeklagte, der keine Waffe bei sich trug, zu jammern und bitten an. Er rief hinunter:„Herr Wachtmeister, tun Sie mir nichts, ich ergebe mich freiwillig. Ich bin zwar ein Verbrecher und habe kein Ehrenwort, aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich keine Waffe habe und selbst hinunterkommen will." Darauf wurde ihm von dem Schutzmann Reimann zugerufen:„Hände hoch, kommen Sie Herunterl" Bernsee kam dann auch mit hochgehobenen Händen die Treppe herunter. Er wurde gefesselt und nach dem Polizei- revier geschafft. Sein Komplice Jacob war bereits tot.— In der gestrigen Verhandlung beantragte Staatsanwalt Dr. Honmann gegen Bernsee eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren. Das Gleicht ging jedoch erheblich über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 3 Jahre Zuchthaus, S Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizei- aufsicht. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich bei dem Urteil beruhigen und die Strafe gleich antreten wolle, erklärte der Ange- klagte:„Ich werde von den mir zustehenden Rechtsmitteln Gebrauch machen!"__ Huö der Frauenbewegung. Leseabende. 1, Kreis. Bei Weihnacht. Grünstr. 21 und für das Hansaviertel bei Rohte, Flensburger Str. 24. 3. Kreis. Montag, den 25. September, abends S'/q Uhr, im Gewerkschaftshaus. Vortrag. Herr Dr. Pletzner:„Die Beschränkung des allzu reichen KiiiS-rsegens in de? Arbeiterschaft, ssivie ihre ärztliche und soziale Bedeutung". Pankow. Montag, den 25. September, abends 8�/z Uhr, bei Krienelke, Berliner Str. 27. Ncserentin: Genossin M. Memmler-Ober- Schöneweide über„Militarismus". Friedenau. Montag, den 25. September, abends 8Vz Uhr, bei Mcchelke, Handjerystr. 69/61: Lese- und Diskutierabend der Frauen. Niedcr-Schöucweide. Dienstag, den 26. September, beim Genossen Bengsch, Britzer Str. 17: Vortrag. Tegel. Montag, den 25. September, abends 8'/z Uhr, Schlieper- straße 39. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bernstein:»Jugend- fürsorge". Baumschulenweg. Abt. I. 8'/z Uhr, Ernststr. 22, Hochparterre. Treptow. Abt. II. 8Vz Uhr bei Kaiser, Grätzstr. 23. Vortrag des Genossen Wissell. FricdrichShagcn. Montag, den 25. September, abend? 8V, Uhr, im Jugendheim, Wilhelmstr. 74, Ho parfterre rechts. Hus aller Alelt. 6ui f'fachhlang zum fächnfchen JManövcr- ungliich. Ein eigenartiger Vorfall erregt unter der Osch atz er Be- völkerung unliebsames Aufsehen und berechtigten Unwillen. Be- kanntlich sind während des sächsischen Manövers beim Durchschwimmen der Elbe bei Pirna elf Mann vom 17. Ulanenregiment ertrunken. DaS entsetzliche Unglück hat allerorten das lebhafteste Mitgefühl erweckt, auch der sozialdemokratische Partei- tag in Jena hat den Angehörigen der Verunglückten sein herzlichstes Beileid ausgesprochen. Begreiflicherweise nahm auch die Bevölkerung von Oschatz, der Garnison des Re gimenteS, innigen Anteil an dem Unglück. Als am ver gangenen Mittwoch dies Regiment aus dem Manöver wieder in die Stadt einrückte, dachte alles an das Unglück und der dabei auf so tragische Weise umS Leben gekommenen Soldaten. Und in dieser Stimmung spielte die Militärmusik den Walzer»Wer kann dafür" aus der Operette»Polnische Wirtschaft". ES wäre sicherlich angebrachter gewesen, in Erinnerung an den traurigen Vorfall die Musik ganz ausfallen zu lassen. TodeSsturz zweier Aviatiker. Während eines Fluges, den der Aviatiker Frank Miller über der Stadt T r o y im nordamerikanischen Staate Ohio ausführte, explodierte der Benzin« behälter des Aeroplans. Miller stürzte aus bedeutender Höhe zu Boden und blieb tot auf dem Platze. Ein ähnliches Geschick führte in der Nähe von M a n s- f i e l d im Staate Pennsylvanien den Tod des Fliegers Castellane herbei. Aus nicht festzustellenden Ursachen stürzte er mit seinem Zweidecker aus 4000 Fuß Hi he ab und blieb auf der Stelle tot. Millionenbetrügereie«. Einem grotz angelegten Schwindel ist die Pariser Polizei auf die Spur gekommen. Gestern wurden in Paris zwei Personen ver- haftet, die es verstanden haben, durch Ausgabe von Aktien nicht vorhandener Gesellschaften kleinen Pariser Ka- pitalisten und Sparern ungefähr zwei Millionen Frank abzunehmen. Einer der Schwindler nennt sich P a l m a r i n i, heißt aber in Wirklichkeit Josef Gabri-l Asquaschad und stammt aus Leon. Er ist ein früherer Rechtsanwalt und wegen Betruges und Urkundenfälschung schon dreinial mit insgesamt elf Jahren Ge- fängnis bestraft worden. Der andere ist der frühere holländische Marineoffizier Baron Adrian Konstantin Winter. Zu den Opfern der Schwindler gehören zahlreiche Geistliche, Offiziere und Frauen. Was ist eine Mutter wert 1 Den schweizerischen Bundesbahnen blieb es vorbehalten, diese Preisfrage in höchst genialer und würdiger Weise zu lösen. Die KreiSdireltion II der Bundesbahnen hat den zwei hinterlassenen unmündigen Kindern einer Frau, die bei einem Niveauübergang in Grellingen von einem Güterzuge überfahren und getötet wurde, eine Entschädigung von 299 Fr, angeboten(179 M.). Der Ort des Unglücks ist sehr gefährlich, wird aber trotzdem nicht durch einen Bahnwärter überwacht, so daß die Bundesbahnen für den Fall rechtlich verantwortlich sind, welche Verantwortlichkeit sie im Prinzip durch dieses, wenn auch beschämend geringe Eni« schädigungSangebot anerkannt haben. Kleine Notizen. Ein neuer Pasiagiemlord. Der französische Flieger Mahlen erreichte am Freitag in Paris auf einem Zweidecker in Be« gleit ung eine? Passagiers eine Höhe von 2469 Meter und stellte somit einen neuen Höhenrekord für den Flug mit Passagier auf. Man konnte daS Flugzeug von mehreren Boulevards aus verfolgen. Der Aufstieg dauerte eine Stunde, der Abstieg elf Minuten. Schwere Folgen eines Streites. Am Freitagabend geriet in Köln ein 69 j ä h r i g e r Former mit seinem Nachbarn, einem Schuhmacher, und dessen Sohn anS Anlaß von Zwistigkeiten zwischen den Kindern beider Familien in einen Streit, in dessen Verlauf er dem Sohne des Schuhmachers mit einem Messer einen tiefen Stich in den Leib versetzte. Der dem Sohne zu Hilfe eilende Vater erhielt einen Stich in dieHand. Die beiden Verletzten wurden in das Krankenhaus gebracht, wo der 17jährige Sohn starb. Der Täter wurde verhaftet. Wettersturz. Aus Mittelfrankreich, besonders au? dem Kantalgebirge wird das plötzliche Auftreten starken Frostes und bedeutender Schneefall gemeldet. Der Schnee im Ge- birge liegt zehn Zentimeter hoch. Zahlreiche Herden, die noch auf den Almen waren, mutzten in die Ställe gebracht werden. Auch im Süden treten Nachtfröste auf. Auftreten der Lungenpest. In der Ortschaft A k t a g r i(Tm> kestan) sind vier Todesfälle an Lungenpest vorgekommen. | Todes-Anzeigen j Am 21. September, abend» 10 Uhr, entschlief sanft nach längerem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Schankwirt 7 65b JoKaiin Krebs im 61. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Agnes Krebs geb. Lehmann und Söhne. Treptow, d. 23. September 1311, Elsenstraße 110. Die Beerdigung findet am Montag. den 25. September, nachmiltagS4Uhr. von der Leichen- balle des Treptower Friedhose», Neue Krug-Allee aus statt. Nachruf. den 22. d. MtS., früh verschied nach kurzem clrankenlager unser hochverehrter llhes, der Fabrilant Herr Oskar Berndt. Nur wer den verehrten Eni- schlasenen persönlich kannte, kann unseren Verlust ermessen. 0»» trauernde Personal d. Fabrik. Ä»i � Tttohpen-Stp. 37a.„ öp.fpankfuptep-Str. 115. Cd. 2000 Plüschmäntel Ulster:;::: Kostüme:-: reserviert 10 r die letzte September«Woche! kkelMMilÄM"Äi- NM! *. 12, 15. 19, 23, 28. 33,42, 57, 69, 81, 124, 155 leg.i.X.li«, ou, ÖS;«s»Üi Ü5J Iii, 1ÖB, iftl,*40, oiuU. Ansolxen! 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FUr den Osten: Gustav Krause, Hau»- und WKüchenqcrätc, Berlin v., Frank« surier Allee 167������� Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Lnseratentell verantw.: Th.Glocke.Berlin. Druck u. Verlag:Bprwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SVV�