Nr. 210. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pig. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter freuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft- Zeitungs- Breisliste für 1893 unter Nr. 6708. Norwärts 10. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pig., für Vereins- und Beriammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Mummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ist an Wochentagen bis 7 lbr Abends, an' Sonnund Fefitagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, 4186. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Homernle und das englische Oberhaus. Donnerstag, den 7. September 1893. = Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Selbstverwaltungs Einrichtungen fordert und auf diese schützen suchen durch Ausübung ihres Vetorechts. Daran Weise das Reichsparlament gründlicher entlastet, als es würden auch allerhand Reformen an der Zusammensetzung. durch die einseitige Berücksichtigung eines einzigen Reichs- des Hauses nichts ändern. Was man in anderen Ländern theils geschehen kann. Allerdings haben auch die radikaleren derart versucht und auch in England geplant hat, kommt Nach langwierigen Redekämpfen hat das englische Liberalen, insbesondere die Schotten und Walliser, längst höchstens auf die Durchsehung der Großgrundbesizer- Roterie Unterhaus den Gladstone'schen Homerule- Gesezentwurf mit eine solche Erweiterung des Homerule- Gedankens begehrt, mit anderen kapitalistischen Fettabschöpfern hinaus. Das 301 gegen 267 Stimmen in dritter Lesung angenommen. aber zu einem greifbaren Vorschlage ist diese Forderung Voltsinteresse wird weder durch den auf rein plutokratischer In 82 Sigungen wurden 459 Reden dafür, 938 dagegen bisher nicht gediehen. Noch können die Konservativen den Grundlage auferbauten belgischen Senat noch durch das aus einem gehalten. Trotzdem sind nur 11 von den 37 Paragraphen des Liberalen den Wind aus den Segeln nehmen. Durch Sammelsurium von Sonderinteressenvertretungen zusammenEntwurfes gründlich durchberathen worden, da die ton- Skrupel darüber, daß sie jest empfehlen müssen, was sie so gesetzte preußische Herrenhaus, diese Musterkarrikatur einer gesetzservative Opposition durch ein obstruktives Hinausziehen lange befehdet haben, werden sie sich von einem solchen| gebenden Körperschaft, besser gewahrt als durch das engder Debatte die Berathung zu ersticken versucht und daher Parteimanöver nicht abhalten lassen. lische Oberhaus, eher schlechter. Die Kontrolle und Korschließlich die Mehrheit zur regelmäßigen Anwendung des Für den Augenblick indeß wird die Aufmerksamkeit rektur der Volksvertretung kann im Volksinteresse nur ausDebattenschlusses bei den restirenden 26 Paragraphen ver- auf die Stellung gelenkt, die das Oberhaus im Verfassungs- geübt werden durch das Volk selbst vermittelst des anlaßt hatte. Der Entwurf hat durch die Berathung nur leben Englands einnimmt. Der Einfluß, den es noch im Referendums und der Initiative. Von den gegenwärtig in unwesentliche Aenderungen erfahren. Wie wir bei einer vorigen Jahrhundert ausübte, ist dem House of Lords längst England in der Regierung einander abwechselnden beiden früheren Gelegenheit ausführten, verleiht er Irland eine entschwunden. In diesem Gewerkverein der Großgrundbesizer" Barteien ist allerdings die Befürwortung der direkten ähnliche Stellung innerhalb des britischen Reiches, wie sie ist die konservative Mehrheit längst so übergewaltig ige Boltsgesetzgebung nicht zu erwarten. Die Liberalen werden Bayern oder Sachsen im Deutschen Reiche einnimmt, mit worden, daß sein Votum in allen wichtigen politischen Gladstone hat das schon angedeutet sich allenfalls zu dem Unterschiede, daß Irland kein selbständiges Heer befizen Fragen im voraus feststeht. Gemeiniglich fümmert sich das einer Reform" des Oberhauses aufraffen, für dessen Abund an der Spitze der Landesverwaltung kein eigener Landes- Volk garnicht mehr um die Redeübungen seiner erblichen schaffung haben sich bisher nur wenige Stimmen aus fürst, sondern ein von der Reichsregierung auf sechs Jahre Gesetzgeber. Dann indeß, wenn die edelen Lords, weltlicher gesprochen. Enthält doch selbst der Homerule- Geseßentwurf ernannter Beamter, Vizekönig betitelt, stehen soll. und geistlicher Observanz, die Herzöge, Grafen und Barone, die Kopie eines Oberhauses. Der heranwachsenden Partei Es lohnt sich nicht auf alle die Einzelheiten des vor die Erzbischöfe und Bischöfe, sich zu einem ernstlichen Wider- des Proletariats bleibt es vorbehalten, auf Abschaffung des liegenden Entwurfes einzugehen, da er in der jebigen stande gegen irgend eine volksthümliche Reform aufraffen, Oberhauses und Einführung des Referendums und der Fassung schwerlich Gesetzestraft erlangen wird. Das erhebt sich ein Sturm des Unwillens, und Vorschläge zur Initiative zu dringen, um so auch in Großbritannien und Oberhaus, dem er jegt zur Berathung vorliegt, wird ihn Reform oder gar Beseitigung der überlebten Oberhaus Frland der direkten Volksgesetzgebung zum Durchbruch zu ablehnen und dann ist nach Anberaumung von Neuwahlen ruine werden eifrig im Volte erörtert. Nicht verhelfen. zum Unterhause der Entwurf, verändert oder unverändert, lange währt's, und die eingeschüchterte Erbweisheit giebt abermals dem neuen Hause vorzulegen. Welche Gestalt er klein bei. Dann beruhigt sich auch das Volk wieder, bis dann erhalten wird, ist völlig ungewiß. Es ist zwar von neue Fortschrittshemmungen es aufs Neue aufregen. einem Anhänger Gladstone's angeregt worden, in Nachahmung Aus dieser hemmenden Thätigkeit des Oberhauses haben " eines im Jahre 1869 von den Konservativen gegebenen Beispiels mun gerade dessen Vertheidiger seine Daseinsberechtigung Politische Lebericht. S Berlin, den 6. September. den Entwurf in seiner vorliegenden Fassung demnächst durch herzuleiten versucht. Als so eine Art Tribunus plebis ſtellen einfache Refolution des künftigen Unterhauses dem Ober- sie es dar, der gegen übereilte Beschlüsse des Unterhauses hause zum zweiten Male zuzuschicken, um auf solche Weise sein Veto einlegt, um eine Entscheidung des Volkes über Die Verhandlungen der Steuerkonferenz werden, die langwierige abermalige Durchberathung zu sparen. die Streitfrage herbeizuführen. Nun bedarf zwar eine jede wie die" Nordd. Allgem. Ztg." meldet, geheim gehalten Gladstone hat erklärt, den Vorschlag in Erwägung ziehen Volksvertretung mit gesetzgebenden Funktionen, besonders werden"." Wohl gerade so geheim, wie die Verhandlungen zu wollen, doch steht es noch ganz dahin, ob er zur Durch eine auf längere Jahre gewählte, der Kontrolle und der der Finanzminister Konferenz, die Stillschweigen gelobte führung kommen wird. Korrektur, damit sie nicht einmal sich beikommen läßt, irgend und durch ihr offiziöses Organ, die Frankfurter Zeitung", Mag nun aber auch der Geschäftsgang diesen oder jenen welche dem Volkswohl zuwiderlaufende Beschlüsse durch- tagtäglich ihre Heldenthaten verkünden ließ. Weg nehmen, so viel erscheint gewiß, daß Homerule die zuführen. Alles kommt aber darauf an, in wessen Händen Ueber die Tabakfabrikat- Steuer urtheilt der Bericht der weitgehendste provinzielle Selbstverwaltung, und zwar nicht diese Kontrolle und Korrektur liegen soll. Ein Fortschritt Tabat- Enquetekommission von 1878,„ daß eben jede hohe Steuernur für Irland, so lange im Vordergrunde des öffentlichen gegenüber manchen pseudokonstitutionellen Staaten, in last auf den wirthschaftlichen Organismus eines Volfes einen Lebens in England stehen wird, bis sie Gefeßestraft erlangt denen ein Einzelner kraft seines Erbrechtes diese Kontrolle schädigenden Druck ausüben muß". Sicher- so heißt es dann hat. Unmöglich ist es nicht, daß auch diesmal, wie das ausübt, ist es zwar immerhin, daß in England weiter wird das auch in den Bereinigten Staaten von Amerika mit anderen Reformen früher schon geschehen ist, die Konser auf eine öffentlich berathende Körperschaft derartige Funktionen nicht anders sein. Wenigstens zieht sich das Argument, daß der vativen ihren liberalen Gegnern die von ihnen angeregte Reform- übergegangen sind. Leistet aber wohl die Zusammensetzung Arbeiter, der arme Mann in Amerika von der Last der Tabakbewegung aus der Hand winden, sobald sie deren Unvermeidlich- dieser Körperschaft Gewähr dafür, daß sie wirklich irgend besteuerung sehr bedrückt sei, wie ein rother Faden durch die Rongreßverhandlungen von 1878. Ein Redner( Senkle) hebt ausfeit eingesehen haben. So hat es Peel mit der Aufhebung der welche den Interessen des Volkes zuwiderlaufende Beschlüsse drücklich hervor, daß neun Zehntel der ganzen Tabaksteuer von Kornzölle, Disraeli mit der 67er Wahlreform gemacht. Es des Unterhauses verhindern wird? Die Großgrundbesitzer, Leuten bezahlt werden müßten, die sich in verarmten Zuständen ist schon angedeutet worden, daß Salisbury, oder wer sonst die ihren Besitz wie ihre geseggeberischen Funktionen ererbt befänden, und an einer anderen Stelle heißt es: Man darf die Unionistentruppen leiten wird, in die Wahlbewegung haben, werden mitsammt den Bischöfen und den Paar ihnen bei einer Erhöhung der Tabaksteuer nicht blos von der ergiebigen mit einem Programm hineingehen könnte, das nicht nur durch Ernennung zugesellten im Unterhause abgebrauchten Steuerquelle Tabak allein ausgehen, sondern muß vor allem die für Irland, sondern für die sämmtlichen Reichstheile Politikern immer nur ihr engherziges Klasseninteresse zu Höhe des durchschnittlichen Reineinkommens der unbemittelten Feuilleton. Nabbrud verboten.) 1 -Hemden- camisas im Patois( Landesdialekt), französisch chemises guter Eustach, der Kohlenbrenner, der mir immer so hübsche über den Kitteln und Röcken, und erhielten davon den Steinchen aus dem Walde herunterbrachte und neulich mal Namen camisards Camisarden oder Kamisarden. den großen wilden Vogel, den er für eine Drossel ausgab, Zum offenen Aufstand im größeren Stil tam es erst 1702; es der schwarze freundliche Mann ist nun auch ein Satan wurde von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung gekämpft, geworden." und so tapfer wehrten sich die Kamisarden ihrer Haut, daß die Was schwatest Du da!" rief der Vater unwillig aus; lich zu Ronzessionen verstehen mußte, die natürlich nicht ernst wer hat Dir das gesagt?" gemeint waren. Das Gemetel und die Mordbrennerei dauerte volle 2 Jahre, und als wieder Ruhe eintrat, war es die Ruhe des Kirchhofs. Der Aufruhr in den Cevennen. Regierung, froß Aufwendung all ihrer Macht, ſich doch schließ Eine Erzählung von Ludwig Zied. Erster Abschnitt. " Marthe, meine Amme," sagte die Kleine; denn er rebellirt nun gegen Gott und den König, bis sie ihn auch Meinfangen und verbrennen oder sonst todtmachen müssen, denn er will kein Christ mehr sein; so hat mir Marthe in heut' morgen beim Ankleiden erzählt; sie will auch in der andern Woche zur Stadt hinein und die andern Satans und armen Sünder umbringen sehn. Erlaube ihr das doch, lieber Vater; sie meint, es soll sie besonders erbauen und in ihrem Glauben stärken, denn sie ist auch schon ein paar mal irre gegangen und fast in des Bösen Stricke gerathen: der Böse ist hier in der Gegend gar mächtig, besonders droben in den Bergen, da ist er am liebsten zu Haufe; wir haben es hier unten schon besser. Väterchen, die Feigen fangen schon an im Garten reif zu werden." Der leider unvollendet gebliebene Roman, mit deffen Beröffentlichung wir heute beginnen, ist einer der besten, wo nicht Jst Edmund noch nicht nach Hause gekommen?" die beste der dichterischen Schöpfungen Tied's, eines der Häupter der„ Romantischen Schule", dessen vortreffliche Ueber- fragte der Vater den Diener, indem er im großen Vorfehung Shakespeare's( wobei er mit Schlegel zusammen- faale des Landhauses auf und nieder ging. arbeitete) wohl den meisten unserer Leser durch Lektüre oder" Nein, mein gnädiger Herr", sagte der Alte, und es durch das Theater bekannt ist. Weil Tied, soweit er selbständig wäre doch gut, er käme noch vor Abend zurück; denn in ter Literatur auftrat, in unserer realistischen Zeit nur mehr drüben vom Gebirge her ist ein Gewitter im Anzuge, das wenig beachtet wird, ist auf sein realistischstes Werk: Der Auf uns auch nichts Gutes bringen wird." ruhr in den Gevennen, fast in Vergessenheit gerathen, und wird Indem kam die kleine Tochter mit ihrem Spielzeuge daher für so ziemlich alle Leser des Vorwärts" noch den Reiz herein und setzte sich an den großen Tisch der Halle. Da Der Aufstand in den Gevennen, den Tiect dem Wesen oben braust es wieder so schrecklich", sagte sie schmeichelnd, nach sehr richtig schildert, wurde hervorgerufen durch die ich bleibe bei Dir, mein liebes Väterchen. Ich kann die Glaubensverfolgungen in Frankreich gegen Ende des 17. und Wetter nicht leiden; wozu muß nur so fürchterliches Lärmen zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1685 hob Ludwig und Donnern in der Welt sein?" der Neuheit haben. " " " Du schwabest!" fagte der Vater unwillig; ich werde sorgen, daß Du nicht so viel mit der Alten allein bleibst." Die Sache an sich," wandte der Diener ein, hat seine Richtigkeit, Eustach ist hinauf ins Gebirge zu Roland und hat sich zum Kamisard gemacht, Frau und Kinder sitzen in der öden Hütte und heulen; sie haben kein Brot und fürchten noch wegen des Mannes eingezogen, wohl hingerichtet zu werden." Das weiß nur der," sagte der Vater seufzend, der es" Ich glaube," sagte der Herr von Beauvais, Du hast berüchtigten Dragon aden, d. h. Strafeinquartirung von uns auferlegt, er wird es auch zu seinem Endzieck hinaus- sie unterstüßt, guter Franz, sonst thu es noch; gieb ihnen das Nöthige, was sie brauchen, und mit Vorsicht, damit wir Kavallerie, nicht gebrochen werden fonnte. Die Rebellen" führen." unser nicht in die gleiche Verantwortung kommen. Denn in diesem der Vierzehnte das Edikt von Nantes auf, das den Hugenotten Sawahl," sagte der Diener Franz, und all das Elend, ( Protestanten) Duldung gewährleistete. In verschiedenen Theilen das uns nun schon seit Jahren gedrückt, und wovon kein Frankreichs fam es zu Unruhen, und namentlich leisteten die Ende abzusehen ist?" Hugenotten der Cevennen in Südfrankreich, Abkömmlinge der Ende abzusehen ist?" alten Waldenser, hartnäckigen Widerstand, der durch die " trugen bei ihren nächtlichen Streifereien, um sich zu verkleiden, Väterchen!" rief das Kind vom Spiele auf, Bevölkerung in das Gebiet der steuerpolitischen Erwägungen hineinziehen, welche schließlich in Deutschland wie überall neun Zehntel der Tabaksteuer zu tragen haben wird. Auf die Forn der Besteuerung kommt es hierbei erst in zweiter Linie an, den keine Steuerreform, auch das Tabaksmonopol nicht ausgenommen, kann Werthe schaffen, sondern muß die Existenz von Werthen voraussetzen, deren Uebertragung aus der Privatwirthschaft des Steuerpflichtigen in die Wirthschast des Staates zulässig erscheint."—> Spottet ihrer selbst, und weih nicht wie. Ms der „Vorwä rts" die erstaunliche Langsamkeit der amtlichen Wahl- statistik in Teutschland geißelte, die es bis zum heutigen Tage no ch nicht zu einer zahlenmäßigen Uebersicht der Wahl- ergebnisse gebracht hat, und auf die Raschheit hinwies, mit der in Frankreich, England, Amerika gearbeitet wird, polterte das offiziöse Zeitungsgesinde auf das heftigste gegen den anspruchsvollen„Vorwärts". In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 6. September liest man nun: „Ein Beweis dafür, bis zu welchem Grade Frankreich unter dem Zeichen des Verkehrs steht, kann auch in der Raschheit erblickt werden, womit das Ergebniß von Wahlen zusammengestellt und bekannt gegeben wird. Schon am Montag Abend wird von Paris aus telegraphirt. daß nach der amtlichen statistischen Znsammen- stellung die neue Kammer aus 409 Republikanern(gemäßigten Liberalen) und Bürgerlich-Radikalen, 79 sozialistischen Radi- kalen und Sozialisten.. 29 Ralliirten und 64 Konservativen. d. h. also Monarchisten, bestehen wird." Wir Deutschen stehen also im Zeichen der Verkehrs- stockung, da wir heute, fast drei Monate nach den Haupt- und Stichwahlen, ohne Wahlstatistik sind. Auch das soeben erschienene neueste Heft der vom statistischen Reichsamt ver- öffeutlichten Monatshefte enthält keine Silbe über die Wahl- statistik! Wird es den Herren am grünen Tisch so schwer, sich zum ziffernmäßigen Eiugcständniß der Wahlniederlage, die der Militarismus erlitten hat, aufzuraffen? Denn es leuchtet ein, daß die Mehrheit der Wähler gegen die Vor- läge gestimmt hat.— Militärisches. In Bern eck(Oberfranken) feuerte der Premier-Lieutenant v o n B u r ch t a f f, der Sohn des durch seine sozialistengesetzliche Thätigkeit berufenen Bay- reuther Regierungspräsidenten, auf Kurgäste, die einen von ihm mißhandelten Knaben schützen wollten, fünf Revolver- schüsse ab, ohne jedoch zu treffen. Die„Bayreuther Abend- zeitung" berichtet über den Vorgang folgendes: Am Sonntag Nachmittag war Premierlieutenant v. Burch- torff, der Sohn des Bayrcuther Regierungspräsidenten, in Umform von Bayreuth nach Berneck geritten. Im Restaurant Bube hielt er sich einige Zeit auf und ging dann auf die Bade- Anstalt der Mühle des Herrn Neidhardt zu, um zu baden. Auf der Brücke standen Kinder, welche der angeheiterte Premier- lieutenant fragte:„Ihr werdet mich doch nicht auslachen, wenn ich vorbeigehe?" Die Kinder liefen davon, nur ein Knabe, der zwölfjährige Sohn des Photographen Klotz, Kurt mir Namen, blieb stehen, nachdem ihm Herr v. Burchtorff zugerufen:„Bleibe stehen, ich thue Dir nichts! Auf Ehren- wort!" Natürlich blieb der Knabe stehen, aber kaum war der Herr Premierlieutenant in seiner Nähe, so drehte er die Reit- peitsche um und versetzte mit dem Knopf derselben dem Knaben einen Schlag auf den Kops und einen Schlag auf die Schulter; alsdaun wurde der laut aufschreiende Knabe mit der Peitsche im Rücken und an den Beinen bearbeitet. Als der Knabe dies dem Gewährsmann der„Abendzeitung" erzählte, begann er zu weinen und versicherte, daß er ob der Schläge fast ohnmächlig geworden sei. Die Kinder und auch Kurt Klotz flüchteten dann in das Haus des Tapeziers Schlee und verriegelten die Thür. v. Burchtorff eilte ihnen nach und schlug 7 bis 6 Mal niit der Reitpeitsche an die geschlossene Thür und einmal in das Fensterkreuz. Allmälig sammelte sich eine große Menscheninenge um den Premierlieutenant, der es dann vorzog, nach dem Restaurant Bube zu retiriren, wohin die Menge nachfolgte, v. Burchtorff nahm jetzt seinen «eladenen Revolver und feuerte einen Schuß zum Saalfenster maus, der zweite Schuß ging, wie man sich überzeugen kann, in die Zimmerdecke. Noch dreimal gab v. Burchtorff Feuer, bis der Hauptpolizeidiener Küneth erschien und ihm den Re- oolver entwand. Dann bestieg v. Burchtorff sein Pferd und ritt gen Bayreuth zu. Dem„Bad. Landesb." entnehmen wir folgendes: In der vorletzten Woche hatten wir in unserm Orte Einquartierung von einer Kompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 112. Der Hauptmann dieser Kompagnie, der, wie man mir miltheiue, von Zeit zu Zeit das Bedürfniß fühlt, die ihm untergebene Mannschaft recht Drangsal der allgemeinen Roth und Verwirrung ist alles verdächtig, man mag handeln, wie man will, wenn man nicht selbst sich zum Tyrannen auswerfen und zum Henkers- knecht erniedrigen mag." „Wie unser Marschall", rief der Alte heftig aus,„wie unser Intendant; wie die Herren dort in NisnieS, die um Golteswillen ihre Brüder martern. Ich habe schon den Leuten hingeschickt und will es ferner; es ist zwar nur ein Tropfen im Meere, aber doch werden ein paar Herzen in dieser Trübsal beruhigter sein." Er ging hinaus, und als der Vater nach den Bergen mit einem wehmüthigen Blicke hinaussah, drängte sich das Kind schmeichelnd an ihn, küßte seine Hand und sagte: „Väterchen, werde Du und Franz nur nicht auch noch gott- los und Rebellen, sonst komme ich mit Bruder Edmund ganz allein in den Himmel, und das möchte ich nicht; denn mit Edmund kann ich mich gar nicht vertragen, so schreck- lich fromm er auch ist, und Du bist viel besser, wenn auch Dein Glaube nicht im besten Zustande sein mag." „Jawohl, schrecklich fromm," rief der alte Mann aus; „o Himmel, wann wird es dir doch gefallen, diese Ver- wirrung zu lösen?" „Da kommt Edmund den Garten herunter," rief die Kleine;„sage es ihn: lieber nicht von dem gottlosen Eustach, sonst haben wir wieder Lärmen und Zank; er kann der- gleichen gar nicht vertragen." Edmund kam herein, grüßte, stellte sein Gewehr in die Ecke und legte die Jagdtasche ab; der große Hund machte sich zum Kinde, das mit ihm tändelte und ihm dann die aufgehobenen Brocken zusteckte. „Wo warst Du heute Mittag, mein Sohn?" fragte der Vater. „Beim Intendanten, dem Herrn von Basville", ant- wartete Edmund, ohne aufzusehen,„drüben in Alais, wo er sich noch einige Tage aufhalten wird wegen des Verhörs der Rebellen. Er läßt Sie grüßen, aber er wundert sich, daß Sie die angebotene Stelle ausgeschlagen haben, und er meinte, der Marschall würde es �uoch weniger begreifen können." „Der Marschall, mein Sohn", fing der Vater nicht „eigenartig" zu behandeln, ließ an einem der heißesten Tage während der Einquarlierungc-zeil seine Leute eines Mittags zum Appell antreten und dieselben zwei Stunden in der glühendsten Sonnenhitze stehen. Den Soldaten lief, trotz des ruhigen Stehens, infolge der kolossalen Hitze im wahren Sinne des Wortes das Wasier am Körper hinunter. Diese Prozedur nahm der Herr Hauptmann vor, nachdem Morgens ein beschwerlicher Ausmarsch, verbunden mit Hebungen, vorausgegangen war. Aber der menschenfreundliche Hauptmann hatte damit noch nicht genug. Er ließ Abends nach 9 Uhr die Mannschaft nochmals zum Appell antreten, zu dem die Unteroffiziere mit brennenden Stalllatenien erscheinen mußten. Unter der hiesigen Einwohnerschaft rief diese Maß- nähme eine große Erbitterung hervor, die sich badurch Luft machte, daß, als kaum die Soldaten angetreten waren, mit Steinen auf die Laternen geworfen wurde. Der Hauptmann sowohl wie ein anderer Offizier wurden dabei durch Stein- würfe getroffen. Den Soldaten wurde daraufhin besohlen, ins Feld zu rücken, aber auch dahin folgte die inzwischen stark an- gewachsene Menge nach, aus der fortwährend Steine ge- schleudert wurden. Schließlich ließ der Hauptmann seine Leute abtreten und gab zwei Sergeanten den Befehl, einen Zivilisten, der in sehr derben Worten die Anordnungen des Hauptmanns lritisirt hatte, festzunehmen. Dieselben konnten aber den Be- fehl nicht ausführen, denn ehe sie den Mann recht gepackt halte», lagen sie ans dem Boden und es blieb ihnen nichts übrig, als dem rasch Davoneilenden mit verblüfften Gesichtern nachzusehen. Später gelang es dem Hauptmann, den Namen des Zivilisten festzustellen, der unter Klageandrohung auf- gefordert wurde, seine Aeußerungen zurückzunehmen. Der Mann hat sich dessen geweigert und harrt heute noch der Schritte, die gegen ihn unternommen werden sollen.— Aus München wird gemeldet:„Ter Prinz-Regent verfügte zur Verhütung weiterer Typhrrs-Erkrankungen die Aufhebung der Hofgarten- Kaserne und der Seidenhaus- Kaserne. Aus dem Erlös für die Kasernen werden die Neubauten bestritten." Und wie steht es mit der Ver- köstignng, wie mit dem Dörrgemüse?— Ueber den Fall Seidl schreibt man dem„Bayrischen Vaterland":„Wenn man die nationalliberal-offiziöse„Augs- burger Abendzeitung" und ähnliche Blätter liest, so möchte man glauben, Hauptmann Seidl wäre als Märtyrer ge storben. Von dem Unglücklichen, der durch seine Chikane in den Tod getrieben wurde, von dessen Vater:c.:c. ist nicht die Rede, als ob sie nickt auch von Fleisch und Blut wären und ebenso Herz und Gefühl hätten wie ein Offizier. Der Offizier ist der befehlende, der Soldat der gehorchende, demnach leidende Theil. In Nr. 271 der„Abendzeitung" wird dem armen Opfer des Hauptmanns sogar zum Vor- wurs gemacht, daß er„nervös erregt" war. Leider sind nicht alle Ferienkolonisten nnt Nerven wie die Kreuzerstricke ans die Welt gekommen. Nervös erregt zu sein, Ehrgefühl zu haben, ist denn dieses einzig ein Vorrecht der Offiziere? Ich denke im Gegentheil, ein nervös erregter Mensch taugt nicht zum Befehlen, er ist ungerecht und stiftet Unheil, wie auch Figura gezeigt hat. Ter Fall Seidl wirft wieder ein grelles Streiflicht aus den Militarismus und eine gewisse Presse, welche nur nach oben schielt und alles vertuschen und entschuldigen möchte, wo es Pflicht dem Volke gegen- über wäre, rücksichtslos vorzugehen.— Tie Aufnahme, welche die Reden, die der deutsche Kaiser gelegentlich der Manöver in Lothringen gehalten hat, im Auslande fanden, spiegelt sich aus den nach- stehenden Drahtnachrichten des„Bureaus Herold" wieder. Dieselben lauten: Brüssel. 6. September. Die„Jnbep. Bekge" bespricht die letzte Rede Kaiser Wilhelms und sagt, der Kaiser spreche in einem Tone, der vermuthen läßt, man wünsche in Berlin den Ausbruch neuer Streitigkeiten zwischen Frankreich und Teutschland und dementire die vom Kaiser oft abgegebenen Er- klärnngen seiner Friedensliebe. Chauvinismus in der Schule. Mit dieser Ueber- schrifl bringt das„Pädagogische Wochenblatt" für den akademisch gebildeten Lehrerstand folgendes: Zu diesem Kapitel wird uns geschrieben: Dieser Tag« be- handelte ich in der Tertia die Geographie Elsaß> Lothringens. Dabei fiel mein Blick auf eine Stelle in dem bekannten Leit- faden von Daniel, die ich den Schülern nicht vorenthalten wollte. Sie lautet:„Deutschland hat durch den siegreichen Feldzug von 1670/71 nur einen Theil des Verlorenen wieder- gewonnen..... aber gerade denjenigen, der noch am meisten deutsche Sprachen und Sitte» bewahrt hatte und der dem Reiche zum Schutz(Metz!) gegen den ewig unruhigen, räche- brütenden westlichen Nachbar am unentbehrlichsten ist." ohne Bewegung an,„mag manches nicht begreisen können. ech danke Gott, daß ich mich schon seit länger als zehn ahren in diese Einsamkeit zurückgezogen habe; denn wäre ich noch im Amte, so würde mein Gewiffen mich zwingen, es jetzt abzugeben, und das möchte den beiden wackern Herrn dann noch unbegreiflicher sein. Ich beneide ihnen weder, noch bcwundre ich ihren Patriotis- muS, und Gott soll unsere Familie vor dem Schicksal bewahren, dem Könige auf diese Art Dienste zu thun. Darum, mein theurer, mein geliebter Sohn, wiederhole ich noch einmal meine väterliche Warnung, Dich mit diesen Menschen einzulassen, es würde mich zum Grabe führen. Dich ans diese Weise thätig zu sehen. Denn, was verlangt man von uns? Keinen offenen, geraden Dienst, keine Hilfleistung, wie sie dem Bürger ziemt, wie sie den edeln Menschen ehrt: sondern wir sollen uns zu Spionen hergeben, unsere eigenen Unterthanen und Landsleute ver- rathen und auf die Folter und den Scheiterhaufen liefern, uns dieser Unmenschlichkeit frenen, das Land entvölkern, den Haß Gottes und der Menschen ans uns laden und, wenn'tvir es genau betrachten, au unserem Vaterlandc und Könige zu Verräthern werden." „Darf der Unterthan je fragen?" fiel Edmund haftig ein;„ich kenne diese Gesinnung an Ihnen, mein Vater, ich kenne und betrauere sie; aber darf der Unterthan so fragen? Wo bleibt der Gehorsam, wo sind dann noch die Bande des Staates, Ivo das Heiligste, Höchste, Frommste und Ehrenvollste, wodurch wir eben nur Menschen und Bürger sind, worauf alle unsere Tugend, unser Dasein ruht, wenn ich sagen darf: hier kündige ich Dir meinen Gehorsam auf, dies darfst Du nicht befehlen, obgleich Du mein König bist, obgleich das Vaterland, der Himmel selbst durch Deinen geheiligten Mund zu mir spricht." „Du hast nicht unrecht, mein Sohn," antwortete der Alte,„und weil Du, wenn Du so fragst, immer im Rechte sein wirst, sollte der Herrscher mit frommer Scheu, mit Gottesfurcht, diese Schranken achten, das Gewissen seiner Unterthanen ehren, die Versprechungen und Schwüre, die edle Vorfahren gethan und er nach ihnen wiederholt hat, heilig halten und nicht selbst die Mordfackel in seine Die Lektüre dieser Worte wurde von der Klaffe mit stürmischer Heiterkeit aufgenommen. Und als ich daraus be- merkte:„Gewiß, die Franzosen haben wirklich etwas Ge- fcheidteres zu thun, als„ewig Rache zu brüten", da meldeten sich mehrere Schüler, und es kamen recht vernünftige An- schauungen über„unseren geschworenen Erbfeind" zu Tage. Ich muß gestehen, daß ich mich über dieselben auftichtig ge- freut habe. Auf jeden gesunden Sinn müssen derartige chauvinistische Redensarten in der That zum mindesten komisch wirken. Zu Hause nahm ich denn mein eigenes Exemplar des Leitfadens, noch einmal vor, das etwas älteren Datums und schon 1333 erschienen war. Und was fand ich da? Das Wort„rachebriilend" fehlte in dieser Ausgabe, es ist also ein neuerer Zusatz des jetzigen Herausgebers des Buches. In der That wäre der alte Professor Damel einer solchen Geschmack- jlosigkeit auch nicht fähig gewesen. Die Sache hat aber noch eine prinzipielle Bedeutung. Man wirft den Franzosen häusig vor, daß in ihren Schulen Monsieur Chauvin das Szepter führe. Noch jüngst erzählte man mir, auf den französischen Schulkarten gehöre Elsaß- Lothringen noch immer zu Frankreich. Ich möchte die Richtig- keit dieser Behauptung bezweifeln. Aber selbst wenn sie wahr wäre— soll man deshalb bei uns in den gleichen Fehler ver- fallen? Und sollten wir nicht auch in dieser Beziehung besser daran thun, vor unserer eigenen Thür zu kehren? Man sehe die landläufigen Geschichts- und Lehrbucher darauf hin nur einnial durch, und man wird staunen über die Fülle recht chauvinistischer Bemerkungen. Da ist es wirklich erfreulich, zu beobachten, daß die deutsche Jugend an der Schwelle des 20. Jahrhunderts dergleichen„patriotische Phrasen" als solche betrachtet." Zu dieser höchst vernünftigen Auslastung bemerkt die „Kreuz-Zeitung", die durch die Spaltung in ihrer Partei ganz rabiat geworden zu sein scheint: Soweit das„Pädagogische Wochenblatt". Zweierlei muß hierbei überraschen: erstens, daß es einen akademisch gebildeten Lehrer geben soll, der sich nicht entblödet, einen solchen Artikel zu übersenden; zweitens, daß das„Pädagogische Wochenblatt", welches in den Kollegien der höheren Lehranstalten viel- verbreitet.ist, eine derartige Einsendung in seine Spalten aufgenommen hat. In der vorbehaltlosen Aufnahme liegt eine Beleidigung des gesummten höheren Lehrerstandes. Des- halb können ivir nicht glauben, daß der verantwortliche Redakteur des„Pädagogischen Wochenblatt", Universität�- Professor Dr. Stengel zu Marburg, darum gewußt hat, ver- mulhen vielmehr, daß die Aufnahme von seinem Vertreter ver- anlaßt ist. Man sieht, auch ein bischen Denunziation darf bei dem Organ für ritterliches Junkerthum nicht'fehlen. Eines Kommentars bedarf die Sache an sich nicht. Aber sie erinnert uns an den schmachvollen Zustand eines großen Theils unserer Schulbücher— namentlich der Geschichtsbücher, in denen fast ausnahmslos die Geschichte auf das unverschämteste gefälscht, und der Geist und Sinn der Kinder durch Verherrlichung gemeiner Leidenschaften, Strebungen und Handlungen systematisch vergiftet wird. Wir wollen hier nur auf das verlogene Zeug aus- merksam machen, das in so ziemlich allen Schulbüchern von der sogenannten Friedericianischen Periode(d. h. der Zeit des alten aiias„großen" Fritz) und von der neueren Ge- schichte Deutschlands erzählt wird. Kaum ein Wort ist da zu finden, das nicht mit den Thatsachen im schroffsten Widerspruch wäre. Betreffs der— nicht blos in Schulbüchern kolportirten—„Friedericianischen" Legenden oder. ut deutsch ausgedrückt Lügen, erkundige man sich in e h r i n g's„L e s s i n g l e g e n d e", wo diesem Lügen- gcwebe unbarmherzig zu Leib gegangen wird. Ein sehr gutes Werk aber wäre es, wenn jemand, der die nöthige Zeit und die nöthigen Kenntnisse hat, sich ein- mal der Mühe unterzöge, den Schund, der in unseren Schulen als„Geschichte" fignrirt, auf seinen wirklichen Werth zu prüfen.— Die preußischen Landtagswahren sollen, wie die Kreuz-Zeitung" berichtet, Ende Ottober oder Anfang November stattfinden.— Wer mag das sein? Die Tante Boß schreibt in einer Betrachtung über die Landtagswahlen: „Wer aber uiiter allen Umständen annehmen zu müssen glaub!, daß die freisinnige Partei auch im nächsten Ab- geordnetenhause nur durch ein winziges Häuflein von Getreuen vertreten sein werde, der wird sich am ehesten gegen die be- liebte Parole„Wiederwahl" aussprechen müssen. Eine kleine Frnklion muß, was ihr an Zahl abgeht, an geistigem Gewicht einzubringen suchen. Die Wählerschaft darf daher nicht aus Bequemlichkeit an bisherigen Abgeordneten festhalten, wenn i Scheuern werfen, als Kläger, Richter und Verfolger zu- zleich auftreten:— und wehe denen, die sein schwaches Alter, sein verletzbares Gewissen und ihren Einfluß so mißbrauchen! Und wehe jedem, der sich zu diesen Diensten gebrauchen läßt, sgute und fromme Menschen zu schlachten; am wehesten aber dem rechtlichen Manne, der aus Ehrgeiz oder mißverstandener Pflicht ebenfalls hinzutritt und den Scheiterhausen anschürt und die Folter noch grimmiger 'pannt." „Es thut mir weh, mein Vater," sagte Edmund mit unterdrücktem Zorn,„und immer wieder bewältigt mich der ungeheure Schmerz, daß ich im Liebsten, Heiligsten, was meinem Herzen das Nächste und Eigenste ist, so durch Welten von Ihnen getrennt mich suhlen muß! Seit ich denke und mich empfinde, ist mir diese unsre alte heilige Religion das Höchste und Göttlichste, nur in ihr lebt mein Herz, und alles, was ich wünsche und ahne, spiegelt sich glänzend in diesem hellen Krystall. Dies, was die Liebe elbst verkündigt hat, dies, was die Liebe selbst ist, die ewige, unsichtbare, uns Armen, Verlorenen fichtbar geworden, als Kind, als Mitbruder zu uns niedergeitiegen, als unser nächster Freund und Nachbar, und dann für unsere Ver- irrung so schmerzhaft gelitten und in liebevollster Auf- opfernng nur unser und aller unserer Schwächen und Ver- derbnisse gedacht, nur unser im Leben und Tode:— dies sollte ich je vergessen, verschmähen können, dies niein Herz, das in Dankbarkeit vergehen möchte, sollte es dulden, daß man diese Welt von Wunder und Liebe ver- nichtcte, in den Staub träte und hohnlachend frech daß Heiligste in Trümmer schlüge, um es dem Niedrigsten zu verbrüdern?" „Wer will das, mein Sohn?" rief der Alte;„selbst Türken und Heiden wollen und können es nicht, geschweige unsere Brüder, die nur in einfacher, schlichter Weise sich jenem unbegreiflichen Wesen nähern wollen, das uns allen, trotz seiner Unermcßlichkeit, in Liebe und Demuth unseres Herzens so nah' befreundet und bekannt vertraulich wird." „In dieser Schilderung," sagte der Sohn,„wird mau freilich diejenigen nicht erkennen, die unsere Priester morden, deren politische und parlamentarische Leistungen unter dem Mittelmaß bleiben." Wer von den Männern des Deutschfreisinns hat das parlamentarische Militärmaß nicht?— Nicht Koseielski» Admiralski, sondern ein Ober- Präsidialrath von Dziembowski ist vom Provinzialausschuß als Nachfolger Posadowskis zum Landeshauptmann der Provinz Posen gewählt worden.>— Ter Zentrumskandidat Letocha ist im Wahlkreise Kattowitz- Zabrze mit großer Mehrheit in den Reichstag wiedergewählt worden. Weshalb Herr Letocha, der bei der Abstimmung über die Militärvorlage eine so klägliche Rolle gespielt hat, eigentlich zurückgetreten ist?— Parlamentarisches. JmReichstags-WahlkreisSchlochau- F l a t o w steht eine Nachwahl bevor, da der bisherige Reichs- tags-Abgeordnete Graf von Könitz zum geheimen Oberregierungsrath und vortragenden Rath im Hausministerium er- nannt worden ist.— Ein Maulkorbgesetz für den Reichstag sollen, wie die„Saale-Zeitung" meldet, die Regierungen planen. Es heißt in dem Halle'schen Blatte, das allerdings schon öfter fette Enten hat fliegen lassen: „Der nach Abschluß der letzten Legislaturperiode in Ver- bindung mit dem Aktenskandal des Abgeordneten Ahlwardt erörterte Gedanke einer Verstärkung und Erweiterung der parlamentarischen Strafgewalt nach englischem Muster ist keineswegs als ausgegeben zu betrachten. Es schweben auch heute noch innerhalb des Bundesraths bezügliche Erörterungen, die nach seinem Wiederzusammeutreten im Oktober zu bestimmten Vorschlägen verdichtet werden dürfte». Neben dem Verweise und der Verpflichtung zur Entschuldigung soll insbesondere eine Aenderung der Verfassung und geltenden Geschäftsordnung des Reichstages dahin erstrebt werden, daß in gewissen Fällen eine Ausschließung von Mitgliedern aus dem Reichstage auf be- stimmte Zeitdauer, die sich bis zum Ende der Legislaturperiode erstrecken kann, statthast sein soll. Indessen steht diesem letzteren Borschlage der größte Theil der süddeutschen Mitglieder des Bnndesraths entgegen." Dazu ist zu bemerken, daß der Bnndesrath in diesen Fragen einseitig und ohne Zustimmung des Reichstags gar nichts machen kann. Aber trotzdem kann derselbe durch seine strebsamen Freunde im Parlament irgend ein starkes Attentat auf die parlamentarische Redefreiheit aus- führen lassen. Diensteifrige Pudelscelen, die Alles apportiren, was man oben will, gicbt es genug. Die Nachricht der„Saale-Zeitung" ruft die Thatsache ins Ge- dächtniß, daß während der Ahlwardt-Krawalle eine Reihe reaktionärer Organe, an ihrer Spitze das Pindterblatt und irren wir nicht, das Organ Stumm's, die„Post", die Be- schränkung der Redefreiheit forderten unter Hinweis auf den in den siebenziger Jahren gemachten, aber sehlgeschlagenen Versuch, im Reichstag das freie Wort zu erdrosseln. Der Reichstag, dem wir viel zutrauen, wird hier sein Nein! entscheidend in die Wagschaale werfen.— Die„Germania" zerbricht sich den Kopf darüber, wie unsere bayerischen Genossen, welche als Landtags- Abgeordnete gewählt sind, sich mit dem beim Eintritt in die Kammer zu leistenden Abgeordneten-Eid abfinden werden. Das leitende katholische Blatt macht sich dieserhalb wirklich ganz überflüssige Sorgen. Wenn es so frommen Herren, wie dem verstorbenen Windthorst und dem noch lebenden Abgeordiieten Dr. Brnel— von weniger bekannten Parti- kularisten nicht zu reden— keine Gewissensbeschwerden machte, dem König Georg von Hannover und dem König von Preußen den Treueid bis ans Lebensende zu leisten, warum sollen dann unsere„gottlosen" bayerischen Genossen an den Zwirnsfäden des politischen Bersassungseides stolpern? Schweiz. Die Zahl der von den beiden Zentralstellen nach Bern gesandten Unterschriften für das Recht auf Arbeit beträgt nun 52 427. Sie vertheilcn sich ans die einzelnen Kantone wie folgt: Zürich 11178, Bern S857, Luzern 2419, Uri 326, Schwyz 574, Unterwalden 126, Glarus 1115, Zug 354, Freiburg 883, Solothurn 3183, Baselstadt 2527, Baselland 957, Schaffhausen 1910, Appen- zell 1191, St. Gallen 3645, Graubünden 435, Aargau 2529, Thnrgau 574, Tessin 734, Waadt 3114, Wallis 221, Neuenbürg 3653, Genf 1657.— die Heiligthümer verbrennen, den Landmann berauben und, wenn sie den Sieg davontrügen, was Gott verhüten wird, ihre Ketzerei mit Feuer und Schwert über das Land aus- breiten würden." „Du siehst es. mein Sohn/ sagte der Alte,„weil Du es so sehen willst; wir mißverstehen uns immerdar in dieser Sache, weil Du dem Verständniß widerstrebst, und freilich, so lange Du in dieser Leidenschaft bist, wird Dir nie jener stille, ruhige Sinn beiwohnen, der nach meinem Ermessen nöthig ist, um der Religion fähig zu werden, und der recht eigen der Geist des Christcnthunis selbst ist, für welches Du zwar mit Schwärmerei streiten, aber nicht in wahrer, hingebendes Liebe leben kannst." Ter Sohn stand unwillig auf und ging mit Heftig- keit im Saale auf und ab, dann faßte er die Hand seines Vaters, sah ihm scharfins Auge und sagte:„Also, Schwärmerei? Mit diesem Worte also, mit diesem tobten Laute haben Sie sich genug gethan und meinem trauernden Geiste Rede gestanden? Das ist es freilich, was die Welt will, was die Verzweiflung meint, deren Herz gestorben ist. Nicht wahr, die Märtyrer und Helden der christlichen Kirche waren auch nur Schwärmer? Wenn sie lächelnd unter Martern ihr Blut vergossen für den, dem sie nicht Schmerz und Liebe genug opfern konnten, so faselten sie, weil es ihnen an Vernunft und Ruhe gebrach? Alle jene Wunder der Liebe sind nur unreife Verirrungen aberwitziger Leiden- schast, die jene überirdischen Geister nicht mit Rührung und Freude, sondern nur mit mitleidigem Lächeln von oben gesehen haben und den i» Verziickung Verschiedenen wohl alLbald mit Kopsschütteln und zurechtweisendem Tadel entgegengetreten sind? O, ehe ich mein schlagendes Herz ans dergleichen Ueberklugheit und niedrige Zweifelsucht abrichten möchte, möchte ich eS mir lebend aus der Brust reißen und mit Füßen treten und den Bestien zum Fraß hinwerfen." (Fortsetzung folgt). In Oesterreich-Ungnrn ist die Verarmung der Bauern in rapider Zunahme. Nach einer Zusammen- stellung des Abg. Adamek giebt es 4 Millionen Ortsarme, 16 Millionen arbeitsunfähige Kinder, Greise und Krüppel, 6 Millionen nur zum Theil arbeitsfähige Kinder, 9 Millio- nen verheirathete Tagarbeiter mit einem Jahreseinkommen von 189 Gulden, 2 Millionen Arbeiter, Dienstboten«. mit einem Jahreseinkommen von 399 Gulden und nur 1 691 969 Personen mit einem höheren Einkommen. Den„Wohl- stand" unter der Bauernschaft illustrirte derselbe Abgeord- nete in den Delegationen mit folgenden Ziffern: In den letzten 13 Jahren wurden in Böhmen 46 389 Bauerngüter im Schätzungswerthe von 296 977 918 Gulden auf dem Zwangswege verkauft. Bei diesen Verkäufen kamen Tabular- gläubiger um 79 866 718 Gulden.— In den letzten 11 Jahren wurden in Galizien 21831 Bauerngüter im Wcrthe von 23 Millionen Gulden auf dem Zwangswege verkauft. In Ungarn befinden sich 49 pCt. des Grund- besitzes in Wucherhänden, und 39 pCt. der Bauerngüter sind arg verschuldet.— lieber den Ausgang der französischen Wahlen wird uns aus Paris unterm 4. d. geschrieben: Wer die gestrigen Wahlsiege der Sozialisten so recht goutiren will, der muß die heute erschienenen Bourgeoisblätter lesen, sosern diese nicht, wie der„Germinal", dessen politischer Leiter, der bisherige Abgeordnete A. Maujan, einem Metallarbeiter weichen mußte, in ihrer Verblüffung über den Ausgang der Wahlen ganz ihre Sprache verloren haben. Sie rufen heute nicht mehr, daß die französischen Sozialisten„wahrscheinlich be- rauscht von den Siegen der deutschen Sozialisten, schon im vor- hinein ihren Sieg feierten, der sich nun als eine Niederlage erwies", denn sie haben es gestern zu ihrem Schrecken erfahren, daß im Gegentheil sie es waren, die allzu voreilig die Nieder- läge der Sozialisten bejubelten; noch ein paar solche Nieder- lagen und die Bourgeoisie hat ausgelebt. Ja, auf ihren seit Thiers bis zum Ueberdruß gehörten Satz:„Die Republik wird konservativ sein oder sie wird nicht sein", was mit anderen Worten nichts anderes heißt, als daß Frankreich eine Aus« beuterrepublik oder überhaupt keine Republik sein wird, ist ihnen gestern klar und deutlich geantwortet worden: Frankreich wird eine Republik, aber nicht nur dem 3! amen, sondern auch dem Inhalte nach, nicht eine konservative, sondern eine soziale, nicht eine Ausbeuter-, sondern eine Arbeiter- Republik sein. Es sind nämlich, soweit sich zur Stunde die Gesammtwahlen überblicken lassen, folgende Sozialisten gewählt worden: Von den sogenannten Allemanisten: Grousster (Paris, 19. Bez.), Fabörot(Paris, II. Bez.), dem der ehe- malige Minister- und- Kammerpräsident Floquet erlegen ist, Toussaint(Paris, 11. Bez.), D e j e a n t e(Paris, 20. Bez.), Avez(St. Denis, Seine). Von den sogenannten Blanquisten: Baudin(Bourges), Chauviöre(Paris. IV. Bez.), Ed. V a i l l a n t(Paris, 29. Bez.), Walter(St. Denis). Von den sogenannten Brousfisten: A. Lavy(Paris, 18. Bez.) und Prudent-Dervillers(Paris, 19. Bez.). Von den sogenannten Marxisten oder Gnesdisten: Antide Boy er(Marseille), C h a r p e n t i e r(Rive-de-Gier), Chauvin(St. Denis), C o u t u r i e r(Lyon), A. Del cl uz e (Boulogne), Jules G u e s d e(Lille), I a u r ä s(Aldi), I o u r d e (Bordeaux), Sauvanet(Montlugon), S a l i s(Montpellier), T h i v r i e r(Montlugon), P. 21. Baut(Dijon) und Paul Aigns(Lodeve), der den der Kapitalisten klaffe so sehr ans Herz gewachsenen Aonrgeoisökonomen Paul Leroy-Beaulieu auss Haupt geschlagen hat. Von den sogenannten unabhängigen Sozialisten, d. i. denjenigen Sozialisten, die entweder der„Fsderation des Socialistes independanta"(Verband der unabhängigen Sozialisten) oder überhaupt keiner Verbrüderung angehören: M i l l e r a n d(Paris, 12. Bez.), R o u a n e t(Paris, 18. Bez.), der den Abbe Garnier mit einer Mehrheit von 2704 Stimmen schlug, V i v i a n i(Paris, 5. Bez.), S e m b a t (Paris, lö. Bez.), Clovis Hugues(Paris, 19. Bez.), Hove- laque(Paris, 13. Bez.), Roche(Paris, 17. Bez.), Chassaing (Paris, 4. Bez.), M i ch e l i n(Paris, 14. Bez.), Alph. H u n>- b e r t(Paris, IS. Bez.), Paschal G r o u s s e t(Paris, 12. Bez.), Pauli n-Mery(Paris, 13. Bez.), P. Richard und C o u- t a» t(Sceaux, Seine). C l u s e r e t(Toulon). 21 ls zu keiner Fraktion angehörenden Sozialisten sind auch die beiden Grnbenarbeiter-Abgeordneten Basly und Lamendinzu zählen, die in Bethune(Pas de Calais) gewühlt worden sind. Ließe sich auch über den Sozialismus mancher der unter den unabhängigen Sozialisten 2lngesührten von unserm Standpunkte aus streite», so werden sie doch und noch so mancher andere 21b- geordnete zu den Sozialisten gezählt und werden auch sicherlich. soweit sie auch keine Kolleklivisten sind, mit diesen Hand in Hand gehen, wenn es gelten wird, in die Bastillen des Kapitalismus Bresche zu schießen. Die Bouraeoispresse hat denn auch voll- kommen recht, wenn sie das Resultat der gestrigen Wahlen als ein überaus beklagenswerthes bezeichnet, und zwar umsomehr recht, als selbst die Verdächtigung, als hätte jeder kollektivistische Kandidat„von der Berliner internationalen Kasse, die von dem deutschen Kanzeleramt streng überwacht wird", 2300 Fr. erhalten, „unter der Bedingung, die Beseitigung der stehenden 2lr»>ee in seinem Wahlprogram», aufzunehmen", die Wühler nicht ab- geHallen hat, eine so stattliche Schaar von internationalen Kolleklivisten in die Kammer zu entsenden und gleichzeitig den Häuptern der verschiedenen Bourgeoisparteien den Laufvaß zu geben. Ja. klaget nur, Ihr Drohnen all', denn es ist der Ülnfang von Eurem Ende: die Arbeitsbienen haben erkannt, daß ihnen die Natur nicht nur den Honig, sondern auch den Stachel gab.— Aus Paris läßt sich die„Vossische Zeitung" folgende Schauerinär drahten: „Der sozialistische Pariser 2lbgeordnete Chauvin, der von den deutschen Sozialdemokraten Geld zu Wahlzwecken erhalten bat, wird von den radikalen Blättern heftig angcgriffen. Einige dringen darauf, daß die Angelegenheit sofort in der Kammer zur Sprache komme, in der man weder Söldlinge Deutschlands noch vaterlandslose Leute brauchen könne." Unser Genosse wird von denselben Prcßmamelucken an- gegriffen, die im Panamaskandal als Zuhälter der Lcffeps, Herz, Alton, als seile Agenten der Panamisten ihr schofles Gciverbe trieben, die jedem Bankhaus, das sie zahlt, ihre unsauberen Dienste leisten. Die französische Sozialdemo- kratie lächelt über diesen Sturm im— Rieselfetde.— Eine Fremdenstener sollen französische Ar- heiter aus Nancy gefordert haben. Wenn dies wahr ist, so haben sie nur als Werkzeuge und Mundstücke chauvinistischer Bourgeois gehandelt. Jedenfalls können es keine Sozialisten gewesen sein, sondern nur rückständige Arbeiter, die noch in ver geistigen Knechtschaft und Nacht des Kapitalismus leben.— O diese verkommenen Franzosen! Die französischen Offiziere— das ist jetzt durch eine Denunziation des durch- gefallenen Gassenbuben Grenier aus Cassagnac herausgc- kommen— haben die freventliche Gewohnheit, ihre Uniform abzulegen, sobald sie den Dienst beendigt haben, und nament- lich bei Ausgängen und in Gesellschaften niemals die Uniform zu tragen. Und der französische Kriegsminister hat kürzlich erst eine Verordnung erlassen, die das Tragen der Uniform im Dienst vorschreibt, woraus zu schließen ist, daß die Ossiziere nicht einmal im Dienst ihre Uniform regelmäßig zu tragen pflegten. Unsere Ferienkolonial-Politiker sind ganz außer sich über diesen„Mangel an Respekt vor der Uniform", der sich bei den Franzosen hier zeigt, und sagen den Untergang des für die höchsten Kultur- Errungen- schaften verständnißlosen Volks voraus. In Frank- reich gilt der Militarismus nicht wie bei uns für etwas an sich Großes und Schönes, sondern für ein noth- wendiges Uebel, dessen man sich entledigt, sobald man kann. Uebrigcns möchten wir unsere Mordspatrioten, die bei dieser Gelegenheit über die verkommenen Franzosen weh- klagen, doch einmal ersuchen, in Buckle's„Geschichte der Zivilisation" das Kapitel nachzuschlagen, in welchem ausgeführt wird, daß die Kulturhöhe eines Volkes im um- gekehrten Verhältniß zu seiner Verehrung des Krieges und Militarismus— oder zu seinem„Respekt vor der Uniform" — steht, und daß die Kultur eines Volkes um so geringer, je mehr es vom„militärischen Geist" durchdrungen ist.— Der grohe Kohlenstreik in England fängt an, auf die englische Industrie zu wirken. Die Eisenbahnen haben schwere Verluste durch den Ausfall an Fracht und die Er- höhung der Kohlenpreise. Zwei der größten Bahnen bc- rechnen ihren Verlust auf eine halbe Million Pfd. Sterl. (— 19 Mill. Mark). Der Gesammtverlust der Bahnen bis Ende der vorigen Woche wird auf das Doppelte geschätzt, also 29 Millionen Mark.— Viele Fabriken haben aus Kohlenmangel den Betrieb schon ganz oder theilweise ein- gestellt, und da auch das„große Publikum" unter den Kohlenpreisen schwer zu leiden hat, so wird der Ruf nach einer Verständigung immer lauter. Die Grubenbesitzer aber, die bei dem Streik ein gutes Geschäft machen, weigern sich nach- zugeben und bestehen nach wie vor auf der Lohnreduktion. Und so müssen anderthalb Millionen Menschen hungern und dreißig Millionen Menschen sich Entbehrungen auf- erlegen, damit ein paar Dutzend reiche Grubenbesitzer ihren Goldhunger befriedigen und die Roth ihrer Mitmenschen in blanke Sovereigns(29 Markstücke) umsetzen können. Das ist die Ordnung in dieser besten der Welten. Daß es in den Streikbezirken hier und da zu Tumulten kommt, ist begreiflich. Man darf jedoch nicht glauben, was der Telegraph alles meldet. Er übertreibt bei solchen Gelegenheiten stets— und wo er nicht übertreibt, lügt e r.-> Dem durch seine Lügennachrichten übelberüchtigten, im Dienste der Regierung stehenden„Reuter'schen Bureau" wird aus Barnsley vom heutigen Tage gemeldet,„daß. mehrere tausend Bergarbeiter die Steinkohlengruben von Silkstone und Hoyland plünderten, den Direktor, sowie mehrere Beamte verwundeten und die Bureaus der Gruben in Rockingham in Brand steckten. Die Behörden von Barnsley beschlossen Truppen aus Chesterfield herbeizu- rufen. Die Streikenden, mit eisernen Stangen bewaffnet, beherrschten die Steinkohlengruben und forderten die Polizei heraus, die unter dem Schutze t>er Truppen sich nur unter- großen Schwierigkeiten den Weg bahnen konnte. Die Be- Hörde erließ die gesetzlichen Aufforderungen und kündigte an, daß nach Verlauf von 29 Minuten Feuer gegeben werden würde. Die Bergarbeiter zogen sich hierauf zurück." Diese Mittheilung in der vorliegenden Fassung ist natürlich mit der größten Vorsicht aufzunehmen. Die Tendenzmache spricht aus jeder Zeile.— Rustland. Der„Regierungsbote' veröffentlicht eine Vorschrift für die Verabfolgung von Darlehen ans Getreide durch die Reichsbank. Vermittler sind die Semstwos, die Landschaftsverwaltungen.— Sozinle Lleberlirhk: An die sozialdemokratische« Radfahrer der Provinz Brandenburg. Im Anschluß an den Aufruf der Fürther Genossen, zwecks Bildung eines Arbeiter-Radfahrer-Bundes über ganz Deutschland, werden die Vereine, sowie die Einzelfahrer der Provinz Branden- bürg aufgefordert, zu einer engeren Besprechung zusammen zu treten. Ort und Zeit werden nach Eintreffen der Zuschriften sofort bekannt gemacht. Zuschriften wolle man spätestens bis zum 13. d. Mts. an Richard Vogel, pr. Adr. Restaurant G. Köppen, Berlin 80., Köpenickerstraße 29», richten. Der Vor st and des Arbeiter-Radsahrer-Vereins„Berlin". Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen! Von den auegegebenen Sammellisten für die streikenden 2lrbeiter und Arbeiterinnen der Firma Kauffmann in Branden- bnrg sind uns die Nummern 133 und 134 als verloren ge- meldet, und bitten wir, die betreffenden Nummern, sollten die- selben irgendwo zum Zeichnen vorgelegt werden, anzuhalten und an Kollegen Seidel, Brunnenstr. 40, abzuliefern. Die Verwaltung. Monopolgelüste des Herrn v. Thielen. Trotz aller Talente, weld)e der Finanzminister Miqnel in der Auffindung neuer Steuerquellen entwickelt, ist er doch außer stände, dem Volle genügende Summe» auszupressen, um den Militarismus zu befriedigen. Verftändnißinnig springen ihm deshalb seine Kollegen von den anderen Refforls helfend zur Seite. Das Sparsystem des Herrn von Stephan und des Eisenbahnministers an dem Gehalt und dem Bestand der unteren Beamten ist satt- sam bekannt. 2lber das passive Sparen bringt nicht genügend ein, es muß aktiv„erwerbend" vorgegangen werden, damit alle staatlichen Einrichtungen als Post, Telegraph, Eisenbahn und was sonst im Deutschen Reich so neben der Pickel- Haube noch herläuft, audi seinen wahren Zweck er- füllt, nämlich— unser„herrliches Kriegsheer" erhalten zu helfen. Wie die„Breslauer Morgenzeitung" zu berichten weiß, geht der Eisenbahnminister mit der Absicht um, die Eisenbahn- Reklame zu verstaatlichen. Sämmtlichen Verlegern von Eisen- bahn-Zeitungen, Fremdenführern u. s. w. solle die Erlaubniß zur Vertheilung ihrer Zeitungen entzogen werden; dagegen beabsichtigt er 2lnnoncenbücher in den Kupees auslegen zu lassen und diese Reklamemittel an ein oder mehrere Unternehmer zu verpachten. Wir wissen nicht, in wie weit die„Breslauer Morgenzeitung" gut oder schlecht unterrichtet ist; würde jedoch diese Maßregel zur Dnrchsührung gebracht, so bliebe dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Verstaatlichung oder mindestens Besteuerung des gestimmten Juferatenwesens, denn—„der Appetit kommt beim Esten". Eine Arbeitsbörse soll auch in Zürich errichtet werden. Für den Inhalt der Injerate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Donnerstag, den 7. September Opernhaus. Die Hugenotten. Neues Theater. Bom landwirth: schaftlichen Balle. Die Schulreiterin. Eingeschlossen. Deutsches Theater. Der Za lisman. Berliner Theater. Der verarmte Edelmann. Lessing Theater. lieben. Das Recht zu Kroll's Theater. Das Glöckchen des Eremiten. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Vogelhändler. Residenz- Theater. Jugend. Borher: Idolph Ernst- Theater. Goldlotte. Besuch nach der Hochzeit. Central- Theater. Berliner Vollblut. Viktoria- Theater. Frau Venus. Alexanderplat- Theater. Das Damenbad. Vorher: Madame Farkas, oder: Meine Tante, deine Zante. National Theater. Lehmann auf der Weltausstellung in Chicago. Vorher: Becker's Geschichte. Wintergarten. Spezialitäten- Vorstellung. Reichshallen- Theater.SpezialitätenVorstellung. Apollo Cheater. Vorstellung. Spezialitäten Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Doppel- Vorstellung zu einfachen Preisen. Gastspiel der badischen Kammerfängerin Frl. Adolphine Grimminger. Sensationelle Novität! Lehmann auf der Weltausstellung in Chicago. Große Ausstattungspoffe mit Gefang und Tanz in 5 Aufzügen von Eugen Prudens. Kouplets v. Linderer. Musik von Adolph Wiedecke. Regie: May Samst. Vorher: Becker's Geschichte. Liederspiel in 1 Att von E. Jacobsohn. Regie: Hugo Hummel. Raffenöffnung 51/2 Uhr. Anfang der Abend- Vorstellung 72 Uhr. Im Garten auf der Sommerbühne: Novität: Das lachende Berlin. Große Posse mit Gefang und Tanz in 4 Atten. Regie: Hugo Hummel. Vor und nach den Possen: Auftreten von Spezialitäten 1. Ranges. Neues Programm. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Königl. italienischer Circus| Bentral- Verein Deutscher Ernesto Ciniselli. Stadtbahn- Station: Zoolog. Garten. Seute Donnerstag, den 7. September, Abends 8 Uhr: Böttcher. Allen Kollegen zur Nachricht, daß 4. Sept. verstorben ist. Die Beerdigung unser Mitglied H. Münster am am findet Donnerstag, den 7. d. M., Nachm. 3 Gr. außerordentl. Vorstellung. 8 Uhr vom Trauerhause, Waldemar- 2. Auftreten der Künstlerinnen: Miss Rosa, Miss Käthe Lee, Gesch. Chiarini, Frl. Marie, Mad. Gerichon, urtomisches Qui pro quo ausgeführt von den beExcelsior, Herold, doppelte hohe Schule liebten Klowns Gebr. Weldemann, geritten vom Direktor. Ferner Auftreten der berühmtesten Maurer Berlins. Deffentliche General- Versammlung Sonntag, 10. Sept., Vorm. 10 Uhr, in Hensel's Salon, Invalidenstraße 1, Ecke der Brunnenstraße. e Tagesordnung: 1. Neuwahl der Preßkommission der Bauhandwerker". den wirthschaftlichen Kämpfen der Berliner Maurer. 3. Maßnahmen behufs Beschaffung statistischen Materials über das Submissionswesen. Die charakteristische Haltung des Bundes der Maurerpoliere Berlins gegen straße 11 nach dem Thomaskirchhof statt. über Um zahlreiche Betheiligung bittet 112/13 Der Vorstand H. Winter. PosamentenBranche. Reiter und Reiterinnen, sowie Reiten Deffentliche Versammlung und Vorführen der bestdressirten Schulund Freiheitspferde. Castan's Panopticum. Weltberühmte Ausstellung von Wachsfiguren und Gruppen. Juustonen. Irrgarten. Schreckenskammer. Passageam Sonnabend, den 9. Sept., Abends 81/2 Uhr, bei Bolt, Alte Jafobstraße 75. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom internationalen Kongreß durch Kollegen Hübsch. 2. Beschlußfassung über den Antrag der schiedenes. Zahlreiches Erscheinen aller Der Bund der Maurerpoliere Berlins ist hierdurch öffentlich zu dieser Versammlung eingeladen. 243/14 Bei der Wichtigkeit dieser Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Der Vertrauensmann der Maurer Berlins. August Engnoth. Freie Vereinigung der Getreideträger und Speicherarbeiter. Vereins- Versammlung am Sonntag, 10. Sept., Vorm. 10% Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Tages Ordnung: = 1. Vortrag über: Nationalfeste. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver 197/14 schiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäfte haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Gewerkschafts- Kommiffion. 3. Verlegen und Kolleginnen erwartet 258/5 Die Agitations- Kommission. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Arbeiter- Bildungsver. Generalversammlung am Sonntag, den 17. September um 10 Uhr, Adlershof. Die Vereinsversammlung am Don nerstag, den 7. d. M., findet nicht statt, für uns gesperrt ist. Panopticum. da das Lokal, Wölstein's Luftgarten, Grösstes Schau- u.VergnügungsEtablissement der Welt. Entree 50 Pf. Kaufmann's Variété Stadtbahn- Station Alexanderplatz. Täglich: Gross. Concert. Specialitäten- Vorstellung von nur Künstlern I. Ranges. Zaro, Engl. Afrob. Miss Gabriele und Mrs. Othon, gr. Luftgymastit. Elsa Rosinska, Soubrette. Cordes, Gesangshumorist. Alfonso, Instrumental- Humorist. A. Engel, 8 dress. Hunde. Charles MorleyTrio, musikalische Verwandlungs Pantomimisten. Kassenöffnung: Sonntags 5 Uhr, Anfang 6 Uhr; Wochentags 7 Uhr, Anfang 8 Uhr. Entree 50 Bi. A. Zimmermann. Victoria- Brauerei, noſtraße 111-112. Garten resp. Saal ( außer Liglich Sonnabends) Der Vorstand. Ostbahn- Park am Küstriner Play, Hermann Jmbs. Rüdersdorferstr. 71, am Ostbahnhof. Konzert, Täglich: Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Neu u. sensationell: Little Alfons, der phänomenale Lawinensturzfünstler. The Moras, musikalische Excentrics, 1 Dame, 1 Herr. Troupe Metzetti, Parterre- Atrob., 2 Herren, 2 Knaben, 1 Mädchen. Emmy u. Reinhold Hintsche, Gefangs- u. Charakter- Duettisten 2c. Volksbelustig. jeder Art. 4 Kegelbahnen z. Verfügung. Kaffeeküche geöffnet an Wochentagen von 2 bis 6 Uhr, Sonntags von 2-5 Uhr. in den Arminhallen, Rommandantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Vereine. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bundesangelegenheiten und Fragekasten. Wichtigen Antrags halber Erscheinen aller erforderlich. Bildhauer! 172/15 Zur Unterfügung des allgemeinen Streiks der Bildhauer Wiens, fordern wir auf, Listen zur freiwilligen Sammlung Abends von 8-9 Uhr, bei Ehrenberg, Annenstr. 16, abzuheben. 147/6 Die Agitationskommission der Bildhauer Berlins. Orts- Krankenkasse der Buchbinder 2c. Auf grund des laut Beschluß der Verhaltungs- Regeln Generalversammlung revidirten Sta- für ertrantte Mitglieder, tuts der Orts- Krankenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe zu Berlin wird hiermit folgendes bekannt gemacht: Der Tagelohn ist festgesetzt: Für männliche Kassenmitglieder über 16 Jahr ausschließlich der Lehrlinge, 1. Klasse, 2 M. 70 Pf. Für weibliche Kaffenmitglieder über 16 Jahr, 2. Klasse, 1 M. 50 Pf. Für männliche Kaffenmitglieder unter 16 Jahr und der Lehrlinge, 3. Klasse, 1 M. 30 Pf. Für weibliche Kaffenmitglieder unter 16 Jahr, 4. Klasse, 1 M. ratweil'scheontingen Bierhallen Kommandantenstr.77-79. Täglich von 5 Uhr ab: Die monatlichen Beiträge sind feftgefeßt: Für Klasse 1 auf 1 M. 80 Pf. " 2 " " 3 " " 4 0 0 0 99 " " 87 " " 66 " # " Unterstützung in Erkrankungsfällen Stettiner Sänger Grosses Frei- Concert wird gewährt: Stets mechs. Programm. 3. Schluß neu: Wurst wieder Wurst. Nach d.Soirée: TanzKränzchen. Soiréen der Leipziger Sänger vom Brystall- Palast. Unf. Wochent. 71% Uhr. Entree 15 Bf., refervirt 25 Pf. Anf. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf., refervirt 50 Pf. Anerkannt gute Küche. Säle für Festlichkeiten u. Versamml. Programm unentgeltlich. Carl Koch. Sonntag, den 10. September, Nach Anfang: Sonnt. 7 Uhr, Wochent Buhr. Altes Schüßenhaus, 8 mittags 3 Uhr: Voltsvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen: Maria Stuart. Central- Theater. Alte Jakobstrasse No. 30. Mittwoch, 6. September 1893: Berliner Vollblut. Poffe mit Gesang und Tanz in 4 Aften v. Jean Kren. Musif v. Julius Einödshofer. Tageskasse: Vormittag von 10 bis 2 Uhr, Abendkaffe von 61/2 Uhr ab. Anfang der Vorstellung 7/2 Uhr. Morgen: Berliner Vollblut. Adolph Ernst Theater. 10 3um 83. Male: Goldlokke. Gesangspoffe in 3 Atten v. Ed. Jacobson Anf. 7 Ha und W. Mannstädt. Uhr. Fauteuil 2,50 M. Der Sommergarten ist geöffnet. American- Theater. Dresdenerstr. 55. Direktion: H. Martin. Täglich: Entree 50 Pf. Vorverkauf Billets Sonntags teine Giltigkeit. Alkazar. Schönste und billigste Sehens würdigkeit der Residenz! Täglich Auftr. v. Spezialitäten ersten Ranges. Neu! Neu! Spreeniven! Wochentags 71/2 Uhr. Anfang: Sonntags 6 Uhr. Entree 15 Pf. R. Winkler. orig Etablissement morik Buggenhagen. Play. Play. Täglich: Gr. Garten- Konzert. Für Klasse 1 pro Arbeitstag 1 M. 50 Pf. 2 000 == " " " " 3 4 " " " " Das Sterbegeld beträgt: " 85 " 72 " " 1 56 # Für Klasse 1... 75,- m. 2 " " 42,50 3... 36, 4 27,30 " " " T " Bei einer Mitgliedschaft von unter welche Krankengeld be ziehen: Auf grund des§ 24 des Statuts und des§ 26a 3iffer 2a des Krankenversicherungs- Gesezes hat die General versammlung vom 3. Juli folgende Kontrollvorschriften beschlossen: 1. Kaffenmitglieder, welche infolge einer Krankheit erwerbsunfähig werden, haben hiervon innerhalb 3 Tagen nach dem Eintritt der Erwerbsunfähigkeit der Kaffenverwaltung unter genauer Angabe ihrer derzeitigen Wohnung Anzeige zu erstatten. Ein wäh rend der Dauer der Erwerbsunfähigfeit eintretender Wohnungswechsel, sowie Wiederaufnahme der Arbeit sind ebenfalls innerhalb 3 Zagen der Verwaltung zu melden; 2. dem Krankenkontrolleur muß zu jeder Tageszeit der Zutritt zur Wohnung des Kranten gestattet werden und hat der Krante jede Auskunft zu er theilen, welche sich auf die Krankheit bezieht. Der Krankenschein ist dem Rontrolleur stets vorzulegen und muß beim Verlassen der Wohnung für den Kontrolleur zurückbleiben, falls der Krante sich nicht zum Arzt oder zur Kasse begiebt; 3. den ärztlichen Vorschriften haben die Kranken unbedingt Folge zu leisten, und insbesondere ist ihnen nicht geAltes Schüßenhaus, 13 Wochen werden die Unterſtügungen ſtattet, ihre Wohnung außer der ihnen Linienstraße 5, empfiehlt seine Festsäle nur in der Höhe der Hälfte des fest( 560 Personen faffend) zu allen Gelegen- gefeßten Tagelohnes gewährt. heiten. 7336 Dr. Hoesch, homöopath. Arzt, Linienſtr. 149. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Arbeitsmarkt. om Arzt bewilligten Ausgehezeit zu verlassen. Das Verziehen nach einem anderen außerhalb des Bezirks der Kaffenärzte gelegenen Ort während der Krankheit ist nur mit Genehmigung des Arztes und der Kassenverwaltung Gebühren- Tarif. Auf grund des§ 55 des Krankenversicherungs- Gesetzes hat die GeneralVersammlung vom 3. Juli 1893 be- gestattet; 4. dem Kranken ist ferner der Beschlossen, daß diejenigen Arbeitgeber, welche die Eintritts gelder und Bei- such von Schanklokalen, sowie die träge nicht zum Fälligkeitstermin ein Vornahme irgend einer Beschäftigung Ginige Etuisarbeiter gezahlt haben, für die der Zwangs- oder der Genesung hinderlichen Handund Arbeiterinnen für Besteck Etuis finden bei hohem Lohn dauernde Stellung. vollstreckung voraufgegangene Mah- lung untersagt; nung eine Gebühr zu entrichten haben 5. Zuwiderhandlungen gegen vorund ist nachstehender Mahngebühren stehende Vorschriften werden mit Ord= Tarif festgestellt worden: nungsstrafen bis zu 20 M. geahndet; 10 Pf. 6. der Kasse steht das Recht zu, die Strafgelder von dem Krankengeld in Abzug zu bringen. 1 bis einschließlich 3 M. " " " 150 40 " " " 75 " Rudolf Mosse, Hamburg, erbeten. Gesucht sofort: 488M Offerten unter. W. 4886 an 2 von 3 bis einschließlich 15 M. 20 3 15 4 über 150 m. Diese Mahngebühren werden in derselben Weise wie die Rückstände beigetrieben. Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch. für eine Album- und Gesangbuchfabrik Spezial- Ausschant von Pakeuhofer in Stockholm 2 tüchtige AlbumLagerbier, hell und dunkel. Arbeiter, 2 Schnittmacher, 1 GesangBei ungünstiger Witterung findet das buch- Arbeiter, der in Kalbleder- Arbeiten Konzert in den unteren Restaurations- geübt ist. Näheres bei Carl Schirmer, Wassergasse 9, Vorm. 9-1 Uhr. 1792b Gürtlerlehrl. verl. Gründer u. Sohn, 1787b Mariannenstr. 8. räumen statt. 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Mitglieder, welche ihrem Erwerb nachgehen und gleichzeitig Krankengeld beziehen, unterliegen den Bestim mungen des Strafgesetzbuchs. Der Vorstand. gez. C. Hoffmann, Vorfigender. gez. H. Lindstädt, Schriftführer. Borstehender Tarif sowie die Verhaltungsmaßregeln werden hierdurch genehmigt. Berlin, den 30. August 1893. Gewerbe- Deputation des Magistrats. gez.: Mugdan. 119/18 Vorstehende Bestimmungen treten mit dem 1. Oftober er. in Kraft. Metzner's Korbwaaren- Fabrik, Berlin, Andreasstr. 23, Hof part., vis- à- vis d. Andreasplay. Kinderwagen, größtes Lager Berlins. Musterbücher gratis. Theilzahlung gestattet. 500 Mark zable ich Jedem, der mir nachweist, daß ich nicht das größte Kinderwagen- Lager Berlins habe. F. Metzner. Echt Stonsdorfer Likör in einer mitteldeutschen Stadt wird à Liter 1,20, 5 Liter 5,50, 10 Liter 10,-, 50 Liter 47,50, 100 Liter 90,-. ein tautionsfähiger, tüchtiger 440M Wirth gesucht. Offerten unter K. K. an die Erp. B Jeden Sonntag, Montag u. Donnerstag des Vorwärts". Großer Ball. 4 Empfehle meine Säle zu allen Privatfestlichkeiten und Versammlungen. 1788b Eugen Neumann& Co. 6a Belle- Allianceplatz 6a. 81 Neue Friedrichstr. 81. 8 Oranienstr. 8. Arbeiter- Spielkarten gesetzl. geschützt! Sensationell! Piquet 32 Blatt. 1 Komiter empfiehlt sich Vereinen und Gesellschaften bei Dantert, à Spiel 65 Pf. Engros- Verlag, Berlin SO, Reichenbergerstr. 19 I. Luisenufer 5. 439 Probespiele geg. vorh. Einsend. v. 80 Pí. in Briefm. Franko- Zus. Wiederv. Rabatt Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2, Hierzu eine Beilage Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zlr. 310. Donnerstag, den T' September 1893. 10. Ilchrg. Ter sozialdemokratische Verein Mannheim faßte den Beschluß, au die Landesorganisation das Ersuchen zu richten, den diesjährigen badischen Arbeitertag ausfallen zu lassen und eine beschränkte Konferenz von Delegirten der Landtags-Wahl- kreise Karlsruhe. Mannheim. Pforzheim und Offenburg behufs Stellungnahme zur Landtagswahl und Aufstellung eines Wahl- Programms einzuberufen. Als Ort der Konserenz schlägt er Karlsruhe, als Zeit den 10. September vor. Gemeinde> Kirchenrath. Unsere Genossen in Deetz bei Zerbst haben sich den Spaß gemacht und einen der Ihren als Kandidaten zum Gemeinde- Kirchenrath aufgestellt. Der Mann ist auch richtig gewählt worden. Darüber nun großer Jammer unter den Frommen in Deetz. Auf eingelegte Beschwerde hat das herzogliche Konsistorium entschieden, daß die Wahl eines Sozialdemokraten unzulässig und deshalb eine Neuwahl vorzu- nehmen sei. Nun hat die arme Seele hoffentlich wieder Ruh! ».» Frankfurt a. O. Die Lokalfrage hat nun endlich für Frankfurt eine einigermaßen befriedigende Lösung gefunden. Dem im Februar d. I. gegründeten Konsumverein„Vorwärts" ist es gelungen, Lokalitäten, welche sich zur Abhaltung von öffent- lichen Versammlungen bis zu 400 Personen eignen. zu pachten, verbunden mit einer aufs sauberste eingerichteten Restauration. Somit können nun alle Gewerkschaften und Vereine, welchen seit- her von den hiesigen Wirthen ihre Lokalitäten verweigert wurden, jetzt in diesem Lokal ihre Versammlungen abhalten; außerdem können die Genoffen jetzt ungenirt in einem Lokal verkehren, wo sie nicht mehr die Worte auf die Goldwaage zu legen brauchen, weil die Wirthe merst schon bei Aussprechung eines freien Wortes seitens eines Gastes fürchteten, Militärverbot zu er- halten. Es wird nun Sache der Frankfurter Arbeiter sein, das Heim, welches geschaffen worden ist, auch in des Wortes vollster Bedeutung als solches zu betrachten, damit wir im stände sind, dasselbe für die Dauer aufrecht zu er» halten. Als Oekonom ist Genosse Boges gewählt worden und wird derselbe bestrebt sein, allen Wünschen der Genossen ge- recht zu werden. Außerdem möchten wir an die auswärtigen Parteiblätler die Bitte richten, ein Exemplar dem Restaurant „Vorwärts" zum Auslegen überweisen zu wollen. 9 9 Aus Budapest wird uns mitgetheilt, daß die ungar- ländischen Eisen- und Metallarbeiter ein Fachblatt heraus- zugeben entschlossen sind, welches am nächsten Donnerstag in Budapest erscheinen wird. «« Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Die Genossen Elze. Johannisthal, und Grunow und Jastrau, Schönweide, erhielten wegen Verbreitung von Druckschristen ohne ortspolizeiliche Erlaubniß ein Strafmandat von je 10 M. Geldstrafe. Es wurde richterliche Ent- scheidung beantragt und das Amtsgericht zu Wusterhausen sprach die genannten Genossen kostenlos frei. — Mainz, 5. Septeniber. Die Strafkammer des Land- gerichts verurtheilte heute den Floßarbeiter Konrad Baumgarten aus Kassel wegen Majestätsbeleidigung zu 9 Mo- naten Gefängniß. Der Verurtheilte hatte in einer Wirth- schafl in Kassel in angetrunkenem Zustande ans den Kaiser geschimpft. — Dresden. Wegen Majestätsbeleidigung wurde am 30. d. M. der Arbeiter Karl Gustav Heinrich Kliefoth in Pieschen vom hiesigen Landgericht zu 10 Monaten Gefängniß verurtheilt. Apolda. Am Sonnabend wurde vom hiesigen Schöffen- gericht Genosse H. Meyer wegen Bedrohung resp. Verhinderung von Amtshandlungen von Beamten nach Z 114 des Reichs- StrafgesetzbuchS zu einer Gefängnißstrafe von 0 Wochen ver- urthcill. ES Handell sich hierbei um die Plakate, auf welchen die Boykottirnng der hiesigen Vereinsbrauerei bekannt gegeben war. � Zeugen waren der bekannte Polizeiwachtmeister Feller und Schutzmann Richter; gegen beide schweben vor dem Landgericht zu Weimar seit mehreren Wochen Anzeigen wegen Mein- eids. Der Antrag Meyer's, die Verhandlung bis nach Ausgang vorerwähnter Prozesse zu vertagen, wurde abgelehnt. Lokales. An die Berliner Gewerkschaften. Am 21. August beschloß «ine bei Hensel in der Brunnenstraße tagende öffentliche Ver- fammlung, die Regelung eines Streitfalles zwischen dem Stell» wacher Brüß und der Direktion der Brauerei Oswald Berliner der Berliner Gewerkschaftskommission zu überweisen. Durch die Verhandlunge», die der Ausschuß in dieser Sache mit den Betheiligten hatte, ist nunmehr festgestellt und durch Vernehmung von Zeugen bestätigt worden, daß der Stellmacher Brüß nicht wegen seiner gewerkschaftlichen oder politischen Thätigkeil aus der Arbeit entlassen worden ist. Mithin ist diese Sache als erledigt zu betrachten.— Ferner giebt der Unterzeichnete den Gewerkschaften besannt, daß laut Beschluß der öffentlichen Delegirten- Versammlung der Gewerkschafts- kommission die Errichtung eines Bureaus für die Gewerkschafts- kommission vorgenommen ist und besindet sich dasselbe vor» läufigund provisorisch Grünauerstr. 6, Hof links part., bei H. Faber. Vom I. Oktober er. ab wird sich dasselbe im Zentrum der Stadt befinden. Alle Anfragen und Angelegen- heilen in bezug auf gewerksckmstliche oder gewerbegerichtliche Sachen finden also bis aus weiteres wochentäglich von Mittags 12—2 und Nachmittags von S— 8 Uhr in der Wohnung des Ge- nassen Faber ihre Erledigung. Ebenso sind alle schriftlichen Zu- sendunge» betreffs Auskünfte:c. für die Kommission an obige Adresse zu richten. Die weiteren Bekanntmachungen über de» endgiltigen Sitz des Bureaus werden rechtzeitig den Berliner Ge- werben und Berufen in Kenntniß gebracht werden. Berlin, den 6. September 1893. Die Berliner GewerkschastS- Kommission: I. A.: Oskar Völkel, Dunckerstr. 6. III. Die Arbeiter de? städtischen Strafienreinigung sollen jetzt ebeusalls„verchristlicht" werden. Den Mittheilungen einiger orihodor gesinnter Blätter zufolge hat der„Christliche Verein junger Plänner zu Berlin" zunächst„eine Missionsarbeit unter den Arbeitsburschen" begonnen. Er ist mit dem Direktor der stäbtischen Straßenreinigung in Verbindung getreten und hat von diesem„die Zustimmung zu der Arbeit und auch freundlichen Rath erhalten". Sämmtliche 150 Burschen sind zu einer ersten Zusainmenkunst eingeladen worden, die bereits stattgefunden hat. „Obgleich die jungen Leute", heißt es in der Zeitungsnotiz dar- über,„zum Theil bis um 8 Uhr in der Arbeit gestanden hatten und auch vielfach recht weite Wege zurücklegen mußten, waren doch über 100 erschienen, und 33 meldeten sich gleich zur Mit- gliedschaft". Für den ersten Versuch ist das ein geradezu glän- zender Erfolg. Da sieht man wieder, wie nützlich es ist, bei der Einberufung von Versammlungen sich mit den Arbeitgebern bezw. Vorgesetzten der zu bearbeitenden Leute in Verbindung zu setzen und sich deren Zustimmung und freundlichen Rath zu erbitten. Der„Christliche Verein Junger Männer" kennt die Brauchbarkeit dieses entschieden genialen Gedankens aus Er- fahrung, da er sich dieser Agitationsmethode von Anfang an bedient hat. Die Direktion der Straßenreinigung wird ihre Zu- stimmung um so freudiger ertheilt haben, da sie bei dem Geschäst aus eine Gegenleistung rechnen darf. Es wird bekanntlich seit Langem darüber geklagt, daß die Arbeitsburschen der Straßen- reinigung ihrem Berus keinen rechten Geschmack abgewinnen können und ihn in der Regel bald wieder aufgeben. Auch der neueste Verwaltungsbericht über das städtische Straßen- reinigungswesen(für 1332/93) bezeichnet es wieder als einen Uebclstand,„daß sich unter den jugendlichen Arbeitern ver- hältnißmäßig wenig brauchbare und ausdauernde Kräfte finden, und daß aus diesem Grunde leider ein unaufhörlicher Wechsel unter diesen Arbeitern stattfindet." Voraussichtlich wird der „Christliche Verein junger Männer" sein Augenmerk darauf richten, den Arbeitsburschen außer der Gottesfurcht auch mehr Begeisterung für ihre schlecht bezahlte Arbeit— pro Tag 1,60 M. — einzutrichtern. Schwer wird's freilich halten. Die Arbeit der Burschen ist augenscheinlich keine allzu angenehme und ver- lockende, und was ihrer erst harrt, wenn sie später in die Reihen der erwachsenen Straßenreinigungs-Arbeiter aufrücken, das sehen sie ja vor Augen. Die Jungen retten sich bei Zeiten aus einem Beruf heraus, den die Alten, durch die Sorge um Frau und Kinder gehalten, nicht mehr aufzugeben wagen. Besonders aus- sällrg ist, daß, wie früher einmal hervorgehoben wurde, so wenig Söhne von Straßenreinigern unter den Burschen sind, während man gerade das Gegentheil erwartet hatte. Der Verwaltungs- bericht des Magistrats giebt sich alle Mühe, in längerer Aus- führung, die in merklicher Weise polemisch gehalten ist und wohl kaum als objektiv bezeichnet werden kann, darzuthun, daß die Lage der Straßenreinigungs-Arbeiter trotzdem keine ungünstige sei. Sie würden verhältnißmäßig gut bezahlt,— Arbeiter 1. Klasse 3,25 Mark, Arbeiter 2. Klaffe 2,75 Mark— und der Durch- schnitt des Tagewerkes überschreite nicht 8 Stunden. Hieran ändere auch der Umstand nicht viel, daß zuweilen besondere Arbeiten vorkämen, die außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit lägen, ohne daß sie besonders vergütigt würden. W i e viel von diesen besonderen Arbeiten im Durchschnitt auf den Mann und Tag kommt, wird nicht gesagt. Auch über die Anstrengungen des achtstündigen„Tagewerkes", das bekanntlich� ein Nachtwerk ist und bei jedem Wetter ausgeführt werden muß, schweigt der Bericht. Unter„Krankenkasse" wird gesagt:„Die Zahl der Erkrankungen war im allgemeinen nicht übermäßig groß",— und die Angabe einer Zahl wiederum unterlassen. Wir ersehen aus der Uebersicht der Betriebs-Ergebnisse der m Berlin vorhandenen, unter der Aufsicht der Gewerbe-Deputation des Magistrats stehenden Orts-, Betriebs- und Jnnungs-Krankenkassen, daß der Krankenkasse für die Straßenreinigungsarbeiter im Jahre 1892 833 Personen(Monatsdurchschnitt) angehörten, auf welche 222 Erkrankungen mit 3429 Erkrankungstagen kamen. Von je 100 Mitgliedern erkrankten also über 26, und auf jede Er- krankung kamen über 15 Tage. Der Gesundheitszustand der Straßenreinigungsarbeiter war also ziemlich ungünstig. Ungünstig ist auch trotz aller gegent heiligen Versicherungen die Gesammtlage der Straßenreinigungsarbeiter. Das wird diesen weder der Magistrat noch das unter magistratlichem Schutze agitirende Muckerthum ausreden können. Dem VerwaltnngSbericht der Juvaliditäts» und Alters- Versicherungsanstalt Berlin für das Kalenderjahr 1892 sind folgende Angaben entnommen: Im Jahre 1322 lagen 617 An- träge aus Altersrente vor, von denen 390 bewilligt, 167 ab- gelehnt, 15 anderweit erledigt und 45 unerledigt aus das Jahr 1893 übernommen wurden. Jnsgesammt sind bei der Anstalt Berlin bis Ende 1892 1795 Altersrenten mit einer Jahresrente von 282 790,40 M. einschließlich des Reichszuschusses von 50 M. für jede Rente festgesetzt worden. Bis Ende 1392 waren aus- geschieden durch Tod oder aus sonstigen Gründen zusammen 175 Altersrenten, so daß ein Bestand von 1620 Altersrenten verblieb. Anträge aus Invalidenrente lagen vor 442, von denen 179 be- willigt, 196 abgelehnt, 24 anderweil erledigt und 43 unerledigt auf das laufende Jahr übernommen wurden. Bis zum Schlüsse der Berichtszeit waren insgesammt 193 Invalidenrenten festgesetzt worden mit 21 978,20 M. Jahresrente einschließlich de» Reichs- zuschusses von 50 M. Ausgeschieden sind 14 Invalidenrenten, lodaß Ende 1892 179 Jnvalidenrenten-Empsänger verblieben. Die Anstalt Berlin hatte im Jahre 1892 174 356,75 Mark für Altersrenten und 10 335,30 M. sür Invalidenrenten als eigene Antheile zu zahlen. An Quittungskarten wurden 397 465 Stück in der Berichtszeit für Versicherte neu ausgestellt. Bei der An- stall gingen insgesammt 337 192 im Verkehr gewesene Quittungs- karten ein, von denen 348 404 den Namen der Anstalt Bertin und 33 783 den Namen einer fremden Anstalt trugen. Die An- stalt Berlin hatte im Jahre 1892 aus dem Erlöse verlauster Beitragsmarken eine Einnahme von 4 738 167,28 M. Stach dem Jahresabschluß der Anstalt pro 1892 beliefen sich die Gesammt- einnahmen auf 13 824 492,18 M., die Ausgaben auf 4 793 952,06 Mark, sodaß ein Bestand von 9 040 540,12 M. verblieb. Zum Falle Paasch. In amtlichem Auftrage schreibt die .Nordd. Allg. Ztg.": Das Verfahren gegen den Kaufmann Karl Paasch betreffend, hat die„Staatsbürger Zeitung" in Nr. 414(Abend-Ausgabe vom 4. d. M.) Mittheilungen veröffentlicht, welche zum großen Theil unzutreffend oder ungenau sind. Dieselben sind nach eingezogenen zuverlässigen Informationen dahin richtig zu stellen: 1. Es ist nicht richtig, daß seitens der Charitee-Aerzte Paasch für gemeingefährlich nicht befunden worden sei.— Das Gutachten gehl vielmehr ausdrücklich dahin: „daß der Geisteszustand des Paasch derartig gemein- gefährlich sei, daß seine Unterbringung in eine Irrenanstalt geboten erscheine." Das Gutachten der psychiatrischen Autoritäten der Charitee besagt aber nicht blas, daß Paasch an fixen Ideen leide, sondern daß er an Ver- solguugswahn und chronischer Verrücktheit(Paranoia chronica) leide und deshalb geisteskrank und nicht ver- handlungsfähig sei. 2. Es ist nicht richtig, daß durch Gerichtsbeschluß vom 29. vorigen Monats die Einstellung des Verfahrens ausgesprochen worden ist. Es ist vielmehr lediglich die Aushebung der Unter- suchuugshaft beschlossen worden, wie dies nach der von autoritativer Seite festgestellten Geisteskrankheit des Angeklagten nicht anders geschehen konnte. Der Fortgang des Verfahrens dürfte von dem weiteren Geisteszustände des Paasch abhängig sein. Uebcr die Gemeingesährlichkeit des letzteren, bezw. die Nothwendigkeit seiner Unterbringung in eine Irrenanstalt, zu be- finden, gehörte nicht zur Zuständigkeit des Gerichts, sondern zu derjenigen der Polizei. 3. Es ist nicht richtig, daß Paasch bei seiner Untersuchung durch den Bezirksphysikus nur einem kurzen Verhör unterworfen worden ist. Die Untersuchung hat vielmehr stundenlang ge« währt, und auf grund derselben hat der Bezirksphysikus ein mit dem Gutachten der psychiatrischen Autoritäten der Charitee voll- ständig übereinstimmendes Gutachten dahin abgegeben, daß Paasch gemeingefährlich sei und in eine geschlossene Anstalt gebracht werden müsse. Das Gutachten ist eingehend begründet. Auf grund desselben ist Paasch in die Irrenanstalt zu Herzberge überführt worden lediglich im Sicherheilsinteresse und auf Veranlassung der Polizei- behörde. Dieses Verfahren entspricht den gesetzlichen Vorschriften und stellt gegenwärtig, wie bekannt, den geordneten Weg dar, auf welchem die Unterbringung gemeingefährlicher Geisteskranker stattzufinden hat. Wie sich unsere Feudalen amüfiren. Bürgerliche Blätter veröffentlichen mit Entzücken folgendes: „In aristokratischen Kreisen wird eine„Kavalier-Zirkusvor- stellung" zu einem wohlthätigen Zweck geplant, und zwar soll dieselbe, mit Ausschluß der Ocffenllichkeit, vor einem geladenen Publikum aus den ersten aristokratischen Kreisen, ganz in der Weise, wie man sie in Italien und Oesterreich bereits entrirte, nur von Herren und Damen unseres Adels als ausübenden Künstlern in der Manege eines hiesigen Reitinstituts zur Aus- sührung gebracht werden. Die Vorproben werden seit einiger Zeit bereits betrieben. Interessant dürste es dabei sein, zu er- fahren, daß ein Erbprinz die Regie führt, ein Fürst sich im Vor- führen von Freiheitspferden und eine Durchlaucht sich als„Au just" produziren werden. Ein veritabler Prinz wird als Reprisen- Clown und Springer debütiren und zwei junge Grafen als Akrobaten. Von letzteren heißt es, daß sie selbst einem Zirkus Renz mit ihren Leistungen Ehre machen würden. Außerdem find bare back- und Panneau- SReiter in Masse vorhanden, ins- gesammt Träger illustrer Namen. Besonders bemerkenswerth er- scheint es, daß auch die weiblichen Artistensächer nach jeder Richtung hin vertreten sein werden. An Schulreiterinncn ist erklärlicherweise kein Mangel, denn die Reitkunst wird ja in den aristokratischen Kreisen mit Vorliebe gepflegt; aber es werden auch„Stehende Reiterinnen" in dem Programm glänzen und mehrere Komtessen über Bänder und durch Reifen springen aufgesattelten und ungesattelten Pferden. Das genannte Reitinstitut wird für die Amateur-Borstellung vollkommen zirk us» artig umgestaltet." Wir haben niemals daran gezweifelt, daß sich Aristokraten ganz vorzüglich zu„Reprisen- Clowns" eignen. obwohl es uns unklar ist, worin sich ein gewöhnlicher Clown von einem Reprisen- Clown unterscheidet. Als„Aujust" haben sich Durch- lauchte übrigens schon öfter produzirt. Auf die„stehenden Reiterinnen" brauchen die Aristokratinnen nicht so stolz zu sein— die findet man überall. Von gewissem Interesse für verschiedene Parteigenossen des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises und speziell für die orgauisirten Steinmetzen dürfte es sein, daß die Inhaber der ehemaligen Finna Jakob u. Wiese, die sich nach Beendigung des derzeitigen Streiks der Steinmetzen etablirten und von den Genossen unterstützt wurden, jetzt laut neuestem Mitgliederverzeichniß des konservativen Bürgervereins Weddrng Mitglieder dieses Vereins sind. Dieselben haben die alle Firma aufgelöst und sich einzeln wieder in der Müllerstr. 39 resp. 137 ein Geschäft eingerichtet. Bezugnehmend auf den Artikel im„Vorwärts" vom 24. August er. unter Nr. 198 und vom 29. August er. unter Nr. 202 betreffs der königl. Charitee hat der Vorstand der Orts- Krankenkasse sür den Gewerbebetrieb der Kausleute:c. auf Antrag in seiner Sitzung vom 31. August cr. beschlossen, aus grund der geschilderten Vorgänge von nun an mehr keine Kranken dorthin zu schicken. Achtung k Schuhmacher k Den Berliner Kollegen zur Mit- theilung, daß der Verein deutscher Schuhmacher am Sonntag, den 10. September, beabsichtigt, die deutsche Hutfabrik zu be- sichtigen. Treffpunkt Morgens 8 Uhr bei Steuer, Weinsrr. 22. I. A.: K. German, Flemmingstr. 16. Arbeiter-Bildungsschnle. Der Unterricht im oberen Deutsch findet, wie bisher, Montags von 8>/s— 10>/, Uhr in der Nordschule statt. Vorher sind chemische Uebungen(stereo« metrische Aufgaben) wie bisher von 7�-8»/« Uhr. Mit den fremdländischen Völkerschaften, welche uns in Berlin vorgeführt werden, haben wir, wie die„National-Ztg." schreibt, lein besonderes Glück, besonders nicht, wenn sie aus 'Afrika kommen.„Da iverden sie uns als mit ganz außerordent- lichen Mühen für eine wissenschaftliche Rundreise erworben ge- schildert, unter Glas und Nahmen hängen die mit großen rothen Siegeln der exotischen Behörden versehenen„Zertifikate", aus denen ihre Echtheit hervorgehen soll, mit Staunen sehen die einen. mit Grausen die anderen den Kriegstänzen und den damit ver- bundcnen Abschlachtungen der Feinde zu, die anthropologische Gesellschaft studirt an diesen Fremdlingen mit besonderem Eifer, es werden Vermessungen und Farbefeststellungen vorgenommen und nach geraumer Zeit erfährt man dann aus sicherster Quelle, daß das, was man gesehen, an sich zwar recht inter- essant, aber nicht das gewesen sei, als was es uns vorgeführt wurde. Die Amazonen aus Dahomeh waren afrikanische Weiber, aber sie hatten nie zur Leibgarde des blutdürstigen Königs ge- hört. Die Zulus des Königs Ketschwayo hatten niemals die Gegenden gesehen, aus denen sie angeblich stammten. Der größte Rernfall, de» Berlin je erlebte, war. als mit jener Geselischajt von Zultikaffern uns die bildschöne Tochter des Königs vor- geführt wurde, dessen Krieger seinerzeit den Sohn Napoleon'». Lulu, niedermetzelten. Die junge Asrikanerin war in der That eine majestätische Erscheinung. Vor 10 Jahren strömte die Ber- liner Bevölkerung zu ihr. Sie ward der Liebling der Damen, und ihr kleiner drolliger Sohn lernte so schnell einige deutsche Worte, daß die ihm geschenkten Nickelstücke bald ein Vermögen aus- machten. Adzomwola selbst vermochte sich nur mimisch oder „zulusch" als unverständlich zu äußern. Um so erstaunter waren die wenigen zufälligen Zeugen einer Szene, als die sich unbeobachtet glaubende Prinzessin eines Tages im geläufigsten und fürchterlichsten„Billingsgate" zu fluchen und zu weitern begann, als sie mit ihrem Manager in eine Auseinandersetzung finanzieller Natur gerielh. Damals erfuhr man denn, daß sie eine aus Nordamerika nach Liverpool übergesiedelte Negerin war. die im schmutzigsten Theile des Hafens eine Matrosenkneipe hielt und ihre Rolle vorzüglich gespielt hatte. Heute nun theilt uns ein durchaus erfahrener Kenner afrikanischer Dinge, der längere Zeit in Deutsch-Ostafrika ansässig gewesen ist, mit. daß die in Berlin jetzt vorgeführten Wahehe weder Wahehe noch überhaupt Ostafrikaner sind. Es sind vielmehr, nach dieser Mittheilung, Sudan-Negcr mit den charakteristischen Stammes- Merkmalen derselben. Sie thun, als ob sie nicht Arabisch verständen, sprechen aber unter sich das Sndan-arabisch. Drei oder vier Leute sind dabei, die Sklaven aus Kiloa oder Dar-es- Salani sind, aber auch keine Wahehe. Das Trommeln und Tanzen sind das Trommeln und Tanzen unserer Schntztruppen- Sudanesen, ihre Waffen und Schilde aber in Europa fabrizirt und haben mit den Wahehe-Waffen nichts gemein. Ucberraschend kommt uns diese Mittheilung kaum. Man muß im allgemeinen nocf) immer die Gäste au? Afrika auf Treu und Glauben auf- nehmen. Staust da? Publikum in der Hasenheide doch noch heute Menschenfresser an. deren Wiege ofr nur wenige Schritte davon, in Rixdorf gestanden. Und wer darauf ausgeht, uns zu betrugen, indem er uns Sudan-Neger als Wal, ehe vorführt, hat damii sicherlich noch leichteres Spiel als der Rixdorfer Menschen- freier in der Hasenheide." Zur Cholera. Nach den bis gestern 10 Uhr Vormittags im Rathhause eingelaufenen Meldungen aus den drei st ä d t i- schen Krankenhäusern ist der Stand der Cholera in Berlin folgender: Im Krankenhause Moabit war der gestrige Bestand 21 Personen— 14 männliche und 7 weibliche— darunter asiatische Cholera 2 männliche und 3 weibliche Per- fönen. Neu eingeliefert wurden 2 männliche Personen. Enl- lassen 6 männliche und 3 weibliche Personen. Somit bleibt ein Bestand von 14 Personen, darunter S Fälle von asiatischer Cholera(2 männliche, 3 weibliche). Im K r a n k e n h a u s e am Friedrichshain war der gestrige Bestand ö Personen <3 männliche, 2 weibliche), darunter 3 Fälle von asiatischer Cholera(1 männlicher, 2 weibliche). Neu eingeliefert wurde kein Cholerakranker. Entlassen wurde 1 männliche, gestorben 1 männliche Person, nach einer andern Station verlegt 1 Person. Es verbleibt somit ein Bestand von 2 weiblichen Personen, die an asiatischer Cholera erkrankt sind. Aus dem Krankenhause am Urban ist kein Cholerafall gemeldet.— Es war somit der gestrige Bestand in allen drei 5k r a n k e n h ä u s e r n 26(17 männliche, 9 weidliche), darunter Fälle von asiatischer Cholera 8 Personen (3 männliche, 5 weibliche). Neu eingeliefert wurden 2 männliche Personen, entlassen 7 männliche und 3 weibliche und gestorben eine männliche Person. Es bleibt somit heute ein Bestand von 16 Personen(16 männliche, 6 weibliche), darunter 7 Fälle von asiatischer Cholera.— Ein neuer Fall von asiatischer Cholera ist in keiner der Anstalten eingetreten. Aus dem Krankenhause Moabit konnten die Angehörigen des im Nordhafen infizirten Knaben als unverdächtig entlassen werden. Ter Abgang durch Tod im Krankenhause betrifft den früher mehrfach erwähnten vier Wochen alten Knaben. Die in derselben Anstalt befind- lichen Mutter und Schwester des Knaben gehen der Genesung entgegen. Der Regkernnaspräsident zn Potsdam mächt bekannt: Das unter dem 28. Juli v. I. erlaffene Verbot der Ein- und Durchfuhr gebrauchter Kleider, sowie gebrauchter Leib- und Bett- wüsche aus Rußland ist fortan weder auf das Gepäck der Reisenden, noch auf das Mobiliar der umziehenden Personen (Umzugsgut) anzuwenden. Der Arbeiter Edmund GermerSdorf, Adalbertstr. 74, hat auf dem Wege von der Potsdamerstraße, Ecke Bülowstraße, bis zur Niederwallstraße eine ihm von seinem Prinzipal an- vertraute Summe Geldes in Gold und Papier im Betrage von 233 M. verloren. Ter ehrliche Finder wird gebeten, es an obige Adresse abzugeben. Drei Kastanieubäume stehen jetzt im Kastanienwäldchen in zweiler Blüthe. Der eine Baum hat schon über 26 Blüthen- Kandelaber und prangt zugleich in einem zweiten Blätterschmuck, der dem ersten kaum etwas nachgeben dürfte. Von den übrigen Kastanienbäumen dort, die zum Theil völlig entlaubt sind, de- reiten sich noch einige aus eine Wiederholung des Frühlings- festspiels vor. „Die Beichte eines Thoren", ein Werk des schwedischen Schriftstellers August Slrindberg, der gegenwärtig in Berlin lebt, ist heule früh durch die Staatsanwaltschaft konfiszirl und im bibliographischen Bureau in der Alexanderstraße mit Beschlag belegt worden. Ihre Anfklärnng gefunden hat die Angelegenheit, be- treffend den Kaufmann Bogelgesang aus der Reinickendorfer- straße, der wegen Vernachlässigung seines blödsinnigen Sohnes bei der Polizei angezeigt wurde. Das Skind wurde wegen seines Zustandes nach der Charilee gebracht. Dort hat die Untersuchung des Oberarztes Dr. Gudden ergeben, daß von einer Verwahr- losung nicht die Rede sein kann. Der Knabe, der seit den ersten Lebensmonaten idiotisch ist, hat die bei Idioten vielfach beobachtete Angewohnheit gehabt, die Finger fortwährend in den Mund zu stecken. Dadurch sind Anschwellungen und wunde Stellen er- zeugt worden. Auf grund dieses Gutachtens können die Eltern für den Zustand des Knaben nicht verantwortlich gemacht wer- den. Das Kind ist nunmehr der städtischen Irrenanstalt in Dall- dorf überwiesen worden. Eine umfangreiche Ratten-Razzia findet jetzt in Berlin statt. Die Eilgul-Abferugungsstelle auf dem Lehrter Bahnhof hatte vor kurzem die Anzeige erstattet, daß die ganze Böschung in der Ausdehnung des Bahnhofes in der Jnvalidenstraße mit Natten bevölkert sei; dieselben gelangten von da durch den Zaun auf das Eisenbahnterrain am Eilgutschuppen und somit unter und aus den Eilgutboden, woselbst sie die zur Beförderung auf- gegebenen Güter durch Zernagung beschädigten. Die von dem Kammerjäger täglich vorgenommene Jagd aus die Ratten durch Gift und Fallen habe vis jetzt keinen nennenswerthen Erfolg gehabt, und es werde sich ein solcher nur dann erreichen lassen, wenn auch eine Verlreibung der in der Straßenböschung vor- handenen Ratten erfolge. Das Betriebsamt Berlin-Wittenberge ersuchte daher den Magistrat, Anordnungen zur Vertilgung der in der Straßenböschung der Jnvalidenstraße im Zuge des Lehr- ter Bahnhofs vorhandenen Nager treffen zu wollen. Mit dieser Ratten-Razzia ist die zehnte Stadt-Bauinspektion betraut worden. In dem Selbstmörder, der am Montag Nachmittag auf dem Bahnkörper der Ostbahn seinen Tod durch Uebersahren ge- sucht und gesunden, ist ein Kutscher aus Köpenick rekognoszirt worden, der, weil er aus seiner Slellung entlassen worden war, den Tod gesucht hat. In einer Waschwanne ist gestern die ein Jahr alte Tochter des Salzwedelerstr. 15 wohnenden Tischlers Reinhart ertrunken. Das Kind war in Abwesenheit der Eltern in die in der Küche aufgestellte Wanne, in der sich in Wasser aufgeweichte Wäsche befand, gefallen und hatte nicht die Kraft gehabt, sich wieder aufzurichten. Opfer der Arbeit. Abgestürzt ist gestern Nachmittag der Dachdecker Koch, der aus dem Dach des Hauses Pankstr. 56 be- schästigt war. Er stürzte auf den Hof hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod nach einigen Stunden ein- trat.— Ans eben dieselbe Weise verunglückte auf dem Grund- stück Wollinerstr. 52 der Dachdecker Hinze; derselbe starb auf dem Transport nach der Charitee. Marktpreise in Berlin am 4. September, nach Ermitte- langen des Polizeipräsidiums. Weizen per 166 Kg. guter von 15,76—15,26 M., mittlerer von 15,16—14,70 M., geringer von 14,60—14,20 M. Roggen per 100 Kg. guter von 13,20—13,00 M., mittlerer von 12,80— 12,60 M., geringerer von 112,50— 12,20 M., Gerste per 100 Kg. gute von 19,00—17.70 M.. mittlere von 17,60—16,40 M., geringe von 16,36—15,00 M. Hafer per 160 Kg. guter von 13,66—17,46 M., nüttlerer von 17.30—16,40 M. geringer von 16,00—14,80 M. Stroh. Nicht- per 160 Kg. von 5,80—5,36 M. Heu pr. 166 Kilogr. v. 9,60— 6,80sM. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40.60—24.00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,06 M. Linsen per 166 Kg. von 80,00 bis 36.00 M. Kartoffeln per 106 Kg. von 9.00—5.60 M. Rind- fleisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1,30-0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,60-1,06 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1,60-0.86 M. Hammel- fleisch per 1 Kg. von 1,50-0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2.80 bis 1,30 M. Eier per 60 Stück von 4,00—2,20 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,26 M. Aale von 2,80—1,26 M. Zander von 2,40—1,20 M. Hechte von 2.00—1,20 M. Barsche von 1,66—0,80 M. Schleie von 2,40—1,16 M. Bleie von 1,40 bis 0,60 M. Krebse per 60 Stück von 15,00—1,25 M. Polizeibericht. Am 5. d. M. sprang eine Kellnerin gegen- über dem Hause Schiffbauerdamm 2 in die Spree, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee ge- bracht.— In der Nähe der Moltkebrücke wurde ein Mann in der Spree treibend bemerkt, noch lebend aus dem Wasser gezogen und ebenfalls nach der Charitee gebracht. Es.liegt ein Selbst- Mordversuch vor.— Vormittags wurde ein ein Jahr altes Mäd- chen in der Küche der elterlichen Wohnung, Salzwedelerstr. 13, in einer mit Wäsche und Wasser angefüllten Wanne todt auf- gefunden. Das Kind, das mit seinem fünfjährigen Bruder von der Mutter in der Wohnung allein gelassen worden war, ist anscheinend in die Wanne gefallen und ertrunken.— Vor dem Hause Katzlerstraße Nr. 10 fiel ein Mann von einem Eiswagen herab und erlitt eine so bedeutende Verletzung am Hinterkopfe, daß seine Ueberführung nach dem Elisabeth-Krankenhause erforderlich würbe.— Eine Frau wurde in ihrer Wohnung in der Heimstraße erhängt vorgefunben. — Auf dem Neubau Thiergartenstr. 19 fiel ein Vergolder von einem zwei Meter hohen Gerüst herab und erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Beim Ausbessern der Dachrinne des Hauses Pankstr. 50 stürzte Nachmittags ein fklempner auf den Hof hinab und wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Wege nach der Charitee starb.— Gegen Abend stürzte ein Dachdecker beim Verlassen seiner Arbeitsstelle vom Dache des vierstöckigen Hauses Wollinerstr. 52 auf den Hof hinab. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mußte nach der Charitee gebracht werden. Beim Sturze fiel er auf einen auf dem Hose spielenden dreijährigen Knabe», der dabei einen Bruch des Fußes erlitt.— Im Laufe des Tages fanden drei Brände statt. Gevicliks-Beikmiri. Eine prinzipielle Entscheidung des Reichs-Verfiche- rungSamteö. Die Bark„Emilie" halie auf einer ihrer Fahrren mit allerlei schweren Witterungsunbildcn zu kämpfen. Eines Tages fand die Besatzung, daß das mitgefährte Waffer brakig geworden, d. h. mit Seewasser versetzt war. Der Kapitän unv ein großer Theil der Mannschaft erkrankten bald darauf an Skorbut. Mehrere Matrosen und der Kapitän Holländer starben. Die Wittwe Holländers beanspruchte für sich' und ihre Kinder die gesetzliche Unfallrente. Von der See-Berufsgenossenschast wurde jede Entschädigung abgelehnt; Skorbut sei kein Uniall, sondern eine Krankheit, behauptete sie. Das angerufene Schiedsgericht äußerte sich eben so. Jetzt wandte sich die Frau an das Reichs- Versicherungsamt. Dieses sprach der Frau Holländer die Rente zu. Es wurde angenommen, daß die Er- krankung der Besatzung der„Emilie" und der infolge derselben eingetrelene Tod eines Theiles derselben zurückzuführen sei auf den Genuß brakig gewordenen Trinkwassers. Die Frage sei ge- wesen, ob das Auftreten des Skorbuts als Betriebsunfall anzn- sehen sei. Dieselbe habe bejaht werden müssen. Wenn auch nicht eine unmittelbare körperliche Schädigung der Schiffsmann- schast damit verbunden war, daß das Eindringen des Seewaffers in die Süßwasserbehälter infolge des Sturmes gewaltsam er- folgte, so wäre doch die Zwangslage für sie geschaffen worden, für noch nicht absehbare Zeit Wasser trinken zu müssen, dessen Genuß, gesundheits- und auf die Dauer lebensgefährdend wirken mußte. In der plötzlichen Schaffung einer solchen Roth- läge erblickte der Senat einen Unfall im Sinne des See-Unsall- Versicherungsgesetzes. Ein Akt schnöder Habgier führte gestern den Schlächter- meister Hermann Adolf Röhl unter der Anklage des Ein- bruchsdieb stahls vor die 3. Strafkammer des Land- gerichls I. Der Angeklagte, ein wohlsituirter Mann, der sehr gute Geschäfte machi, hat in der Markthalle VI einen Verkaufs- stand inne. Früher hatte er mit seinem Vetter, dem Schlächtermeister Wegner, und dem Schlächtermeister Wetzel ge- meinsam einen Vorrathskeller in der Halle gemiethet, da aber dem Wetzel auf unaufgeklärte Weise eine Quantität Pökelfleisch aus diesem Keller verschwunden war, so zogen es Wegner und Wetzel vor, die Gemeinsamkeit mit dem Angeklagten aufzugeben und sich einen anderen Keller zu miethen. Als Meister Wegner am Morgen des 28. März seinen Vorrathsraum aufschließen wollte, sah er sofort, daß derselbe einen unerbetenen Besuch erhalten haben mußte. Das Vorlegeschloß fiel an die Erde, und es zeigte sich, daß Jemand mit einem Hammer die Kramme des Schlosses auseinander geschlagen haben mußte. Meister Wegner konnte weiter sofort feststellen, daß von den fünf Kälbern, welche er am Abend vorher noch in dem Kellerraum zu hängen hatte, eins über Stacht abhanden ge- kommen war. Er wandte sich sofort an die Marktpolizei und es begann«ine Durchsuchung der Verkaufsstände, welche ohne Ergevniß blieb. Man ging darauf an eine Revision der Keller- räume, und da fand sich denn in dem Verschlage des Angeklagten und zwar in einem dort stehenden Eiskasten, unter einem Plan versteckt, das verschwundene, mit den Buchstaben R. W. ge- zeichnete Kalb vor. Der Angeklagte soll dabei leichenblaß ge- worden sein und ausgerufen haben:„Wer hat mir diesen Streich gespielt? Ich hänge mich auf!" Er soll dann in der Thal den Versnch gemacht haben, sich an einem Gashahn aufzuhängen. Später befolgte er die Taktik, sich als das Opfer eines Schurkenstreiches hinzustellen, nnd er beauftragte wirklich einen Privat-Delekti» damit, den Urheber dieses Streiches zu er- Mitteln. Die nach dieser Richtung unternommenen Schritte blieben erfolglos. Im Hauptverhandlungstermin blieb der An- geklagte dabei, daß hier ein Racheakt vorliegen müsse, als dessen Urheoer er seinen Vetler Wegner bezeichnete, der wohl von Ge- schästsneiv beseelt sei. Die Beweisaufnahme unterstützte diese Behauptung keineswegs. Dazu kam, daß der Keller des An- gcllagten, in welchem sich das gestohlene Kalb befunden, regel- recht mit einem nicht leicht nachzubildenden Schlüffel verschlossen war. Der Gerichtshof erachtele deshalb mit dem Staatsanwalt die Schuld des Angeklagten sür nachgewiesen und verurtheilte ihn zu 4 Monaten G e f ä n g n i ß. Der Buchhalter Zltexander Herzberg wurde gestern der ersten Straskammer des Landgerichts! aus der Strafanstalt zu Küstrin vorgeführt, woselbst er eine neunmontige Gefängnißstrafe wegen Betrugs verbüßt. Jetzt wurden ihm noch zwei Betrugs- fälle zur Last gelegt, die vor seiner letzten Verurtheilung be- gangen sein sollen. Im Herbst 1891 hatte der Angeklagte in Gemeinschaft mit den Gatlermann'schen Eheleuten die Garderobe im Wintergarten gepachtet. Der Ehesrau Galtermann schlug der Angeklagte vor, zusammen die Garderobe in dem im Bau begriffenen Theater Unter den Linden zu pachten. Nach einigen Tagen theilte Herzberg der Ehefrau Gattermann mit, daß er be- reits die einleitenden Schritte gethan habe. Anton R o n a ch e r der Erbauer des Theaters, der sich damals noch in Wie' aushielt. verlange aber eine persönliche Besprechung und er, Herzberg, müsse deshalb nach Wien reisen. Frau Gatrermann billigte diesen Entschluß und trug auf Verlangen 75 M. zu den Reisekosten bei. Herzberg erklärte nach etwa acht Tagen, daß er in Wien gewesen sei und die Sache fast bis zum Abschluß gebracht habe. Wieder nach kurzer Zeil behauptete Herzberg, daß er nochmals nach Wien reisen müsse, um dort den Vertrag abzuschließen. Ronacher verlange jährlich 50 000 M. Pacht und eine sofortige Anzahlung von 2000 M. Frau Gattermann händigte dem Angeklagten 1000 M als ihren Antheil ein. Als Herzberg sich wieder blicken ließ, be hauptete er, daß der Pachtvertrag geschloffen und alles ii Ordnung sei. Die Schwester der Frau Gatlermann, ein Fräu lein Sch. hatte zu der Geschäftsgewandtheil des Angeklagten eir so großes Vertrauen gefaßt, daß sie ihn bat. mit ihr ein Gesell schafisverhältniß einzugehen und eine Agentur einer Lebensver sicherungs-Gesellschaft zu gründen. Herzberg war sofort dazu bereit und ließ sich von der Dame 400 M. geben, die er zur An- schaffung von Komtoir-Geräthschaften u. s. w. verwenden wollte Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß sowohl Frau Gatter- mann wie ihre Schwester betrogen worden waren. Durch die gestrige Beweisaufnahme wurde für erwiesen erachtet, daß Herz- berg gar nicht in Wien gewesen war, seine ganze Thätigkeit in der Pachtangelegenheit hatte sich darauf beschränkt, daß er sich schriftlich nach dem Pachtpreise erkundigt hatte. Ebenso wenig hatte er in der zweiten Angelegenheit irgend welche Schritte ge- lhan. Das ihm anvertraute Geld hatte er für sich verausgabt. Das Gericht belegte den Angeklagten mit einer Zusatzstrafe von einem Jahre sechs Monaten Gesängniß und zwei- jährigen Ehrverlust. Manche Droschkenkutscher denken, daß sie ihrer Pflicht vollauf genügen, wenn sie Leuten, die in der Nähe ihrer Droschke über den Damm gehen, einen warnenden Zuruf zukommen lassen, daß sie aber, wenn die betreffende Person dann nicht aus dem Wege geht, diese einfach über den Haufen fahren können. Auf diesem Standpunkte scheint auch der Droschken- kutscher Ludwig Nahrstädt zu stehen, welcher gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung vor der 3. Strafkammer stand. Als der Angeklagte am 23. April mit seiner Droschke im Trabe die Char- lottenstraße passirte, wollte ein Mann etwa zehn Schritte vor seinem Pferde über den Damm gehen. Er ließ einen lauten Anruf ertönen, auf den der Fremde nicht achtete. Obgleich nun der Damm ganz frei und es nicht schwer war, das Pferd anzn- halten oder ihm eine andere Richtung zu geben, fuhr der An- geklagte einfach gerade aus, und der Fremde gerieth unter die Droschke, die über ihn hinwegging. Der Angeklagte fuhr schnell weiter, er wurde aber von Paffanten festgehalten. Es stellte sich heraus, daß der Uebersahren« ein taubstummer Mann war, der den Zuruf des Kutschers natürlich nicht gehört hatte. Er hatte einen Schenkelbruch erlitten und mußte zur Charitee gebracht werden. Ter Angeklagte suchte sich vergeblich damit zu entschuldigen, daß er den lleberfahrenen angerufen habe. Der Gerichtshof hielt einen solchen Anruf keineswegs für ausreichend, um straflos zu erscheinen, er verurtheilte vielmehr den Angeklagten zu 60 M. Geldbuße event. 12 Tagen Gesängniß. Um Mehszusatz zn gehacktem Schweinefleisch handelte es sich in einer Anklage wegen Nahrungsmittel-Verfälschung, die gestern vor der 133. Abtheilung des Schöffengerichts gegen den Schlächtergesellen W i l h. Kunde verhandeil wurde. Wie der Angeklagte zugab, hatte er ohne Wissen seines Meisters einer Menge von etwa 10 Pfund gehacktem Schweinefleische eine Hand voll Stärkemehl zugesetzt, wie er dies auch in seinen früheren Stellungen gethan habe. Die Bindekraft des Fleisches sollte dadurch erhöht werden. Gerichtschemiker Dr. Bischoff bezeichnete dies Verfahren als eine Unsitte, die ausgerottet werden müsse. Wenn auch bei gewissen Fabrikationsmethoden, z. B. bei Würsten, welche nach dem Kochen saftig bleiben sollen— ein ganz geringer Mehlznsatz zugebilligt werden könne, den der Obermeister Glöckner von der Berliner Schlächterinnung auf 2 pCl. festgesetzt habe, so liege doch durchaus kein Bedürfnis vor, reinem gehackten Schweinefleisch einen solchen Zusatz zu geben. Im vorliegenden alle habe der Zusatz vier Prozent betragen. Der Käufer, der leisch bezahle, wolle kein Mehl haben, sondern könne sich solches selbst zuthun. Während der Staatsanwalt 15 M. Geldstrafe beantragte, hielt der Gerichtshof nur eine Fahrlässigkeit sür vor- liegend und beließ es bei einer Geldstrafe von 3 M. Der Herr Lieutenant haben warten müssen?! Eine Anzahl Droschken hielten eines Tages— so wird der„Volks- f eitung" erzählt— vor dem Kammergericht, an der Ecke der inden- und der Hollmannstraße. Ihre Führer waren einstimmig der Ansicht, daß es bald für sie etwas zu thun geben würde. Die Entscheidung lag jedoch nicht beim Kammergericht, sondern in der benachbarten Garde-Kürassier-Kaserne, allwo der Kaiser bei dem Offizierkorps speiste. Das Mahl konnte jeden Augen« blick aufgehoben werden und die Kutscher waren deshalb der Fahr- gäste, die alsdann nahen würden, gewärtig. Der erste Kutscher saß, wie es die Vorschrift gebietet, auf dem Bock, die übrigen hielten sich bei ihren Wagen auf. Mitten in dieser erwartungsvollen Zeit überkam den dritten Kutscher menschliches Rühren. Seine Kehle verlangte nach Bier, sein Gaumen nach einer Zigarre. „Du," sagte der Trink- und Rauchlustige zu feinem hinter ihm, an vierter Stelle haltenden Genossen,„ick jeh' mal uff neu Oogenblick in de Destille. Js wat los. da pfeifst De!" Der Raum der„Destille" hatte den Kutscher kaum aufgenommen, als mehrere, vom Mahl heimkehrende Offiziere dem Halteplatz zu- eilten. Die erste Droschke fuhr davon, die zweite ebenfalls, und jetzt trat ein Lieutenant an die dritte heran, um sich in deren Arme zn werfen. Während der vierte Kutscher den verabredeten Pfiff ertönen ließ, begann der Lieutenant mit lauter Stimme seinem Unmuth über das Fehlen des Kutschers Ausdruck zu geben. Flugs war ein Schutzmann zur Stelle und im nächsten Augenblick stürmte der Kuischer herbei. Er hatte sich, um den ihm durch den Pfiff angekündigten Fahrgast nur ja nicht lange warten zu lassen, nicht einmal Zeit genommen, sein Bier auszutrinken. Nur die gekauften Zigarren hatte er sich eingesteckt und sofort war er hin zu seinem Wagen gesprungen. Hier angekommen, empfing ihn das Schelten des Lieutenants und das Grollen des Schutz- inanns.„Sie waren nicht auf Ihrem Platze. Der Herr Lieutenant haben warten müssen," bemerkte der letzlere. Der Kutscher entschuldigte sich, verwies auf seine eilige Rückkehr und deutele an, daß der Herr Lieutenant höchstens eine oder zwei Minuten gewartet haben können. Der Schutzmann hielt jedoch seinen Vorwurf ausrecht und notirte den Kutscher. Gegen das Strafmandat in Höhe von 3 M., das ihm infolge der Anzeige zuging, erhob der Kutscher Widerspruch und zunächst hatte sich das Schöffengericht mit dem sträflichen Wartenlaffen des Garde- lieutenanls zu beschäftigen. Der Angeklagte wendete ein. daß er an dritter Stelle gehalten, daß er sich nur auf einige Augen- blicke entfernt und daß er überdies durch die bewußte Vereinbarung mit seinem Genoffen alles gethan habe, um ein Warten des Fahrgastes zu verhindern. Die Beweis- ausnähme ergab das Erzählte. Der gleichfalls vernommene Schutzmann bemühte sich, darzulegen, daß der Angeklagte zweisellos gefehlt habe. Der Angeklagte sei nicht beim Wagen gewesen und der Herr SiMrtenant habe warten müssen. Die letzien Worte gebrauchte der Schutzmann wiederholt und stets mit großem Nachdruck auf dem„Herrn Lieutenant". Der Amtsanwalt beantragte, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 M. zu verurtheilen, indem er betonte: Eine Uebertretung liege vor; dieselbe sei im vorliegenden Fall schärfer zu ahnden, weil der Fahrgast, den der Angeklagte habe warten lassen, ein Offizier gewesen. Das Gericht erkannte jedoch aus Freisprechung. Der Angeklagte habe nicht an erster, sondern an dritter Stelle gehalten und sich nur aus einige Augenblicke entfernt. bemerkte der Vorsitzende. Hierin könne etwas Sträfliches nicht gefunden werden. Soweit gehe die Polizei-Ver- ordnung nicht, einem Kutscher, der nicht als erster halte, zu ge- bieten, seinen Wagen überhaupt nicht zu verlassen. Der Umstand, daß der Fahrgast, der eine oder zwei Minuten habe warten müssen, ein Offizier gewesen, komme gar nicht in Betracht. Für einen Arzt, der sich eilends zu einem Schwerkranken begeben wolle, könne diese Spanne Zeit von Bedeutung sein, nicht aber sür einen Lieutenant, der von einem Mahle komme und sich nach Hause begeben wolle. Eine oder zwei Minutm habe ein Lieute- nant doch ivohl übrig, und die öffentliche Ordnung werde nicht geschädigt, wenn er einmal einige Augenblicke warten müsse, bevor er seine Nachhausesahrt antreten könne. Ter in Nr. 138 deS„Vorwärts" in der Rubrik Gerichtszeitung erschienene Bericht, unter der Spitzmarke: ,Ein höchst gefährlicher Mensch", enthielt insofern eine Unrichtigkeit. als der Arbeiter Eduard Oehlitrom nicht eine Zuchthaus-, sondern eine Feslungsslrafe beim Militär wegen Insubordination erhalten bat. Ai ch waren die Verletzungen des betreffenden Unteroffiziers nicht erheblich, und beruht die Angabe, daher den Verletzungen erlegen, aus Unwahrheit. Soziale UebevstHzk: Kammin. In der Tampstischlerei von W. Schmidt hier ist sämmtlichen Gesellen(S Mann) gekündigt, weil dieselben den ihnen jetzt gebotenen Lohn nicht annehmen können. W. Schmidt hat einen Posten Militärspinden zu liefern, bezahlte vorher Stundenlohn, und jetzt bietet er seinen Gesellen solchen Akkord an, daß es unmöglich ist, denselben anzunehmen, das Probespind kostete im Stundenlohn 12 M., und jetzt will Herr Schmidt 5 M. gebew Die ganze Sache wird dem Werkführer Herrn Franz Schmidt(es est dies der Bruder), zugeschoben, derselbe sagt, daß er es darauf ankommen läßt, und ivenn die Spinden das Doppelte kosten, er will sich Leute von Berlin schicken lassen. Es wird gebeten, den Zuzug streng fernzuhalten. W. Prang. Vorfitzender des Arbeitervereins„Vorwärts" Kaminin und Um- gegend. Mainz, S. September. In einer öffentlichen Schuhmacher- Versammlung, welche heute hier stattfand, kam man nach langer Debatte zu folgender Resolution: Die Versammlung erklärt sich im Prinzip für die Bildung allgemeiner lokaler Arbeitervereine und Verschmelzung der gewerkschaftlichen mit der politischen Be- wegung. Innerhalb der Arbeitervereine bilden sich Berufs- gnippen, und Zentralstelle für die einzelnen Berufsgruppen ist die zu gründende Arbeitsbörse. Die einzelnen lokalen Arbeiter- vereine stehen durch Vertrauensmänner mit einander in Verbin- düng. Die internationale Verständigung mit Arbeitervereinen anderer Länder eriolgt durch das internationale Sekretariat. Die Unterstützungsfrage der Arbeitslosen einschließlich der Wandernden ist örtlich zu regeln, Streiks und Boykotts durch das Sekretariat. Achtstundentag und Abschaffung der Akkordarbeit sind als die nächstliegenden Forderungen anzusehen. An den zentralisirten Ber.lfcverdänden ist so lange festzuhalten, bis sich der Plan der allgemeinen Arbeitervereine bis zur Verwirklichung geklärt hat. Der Schwerpunkt der Arbeiterbewegung ist zur Zeit in die Ge- werkschafl-karlelle zu verlegen. Burkhardtödorf. Die Folgen des Zollkrieges machen sich uns schon bemerkbar. Vor kaum dreiviertel Jahr stieg der Ver- dienst der hiesigen Strumpfwirker um 4—10 pCt. Doch jetzt stehen wir wieder vor neuen Lohnreduktionen, vorläufig von 10 pCt. Ein sonst wenig redseliger Unternehmer sagt uns, es würde ganz sicher eine Reduktion von 20—25 pCt. nothwendig werden. Als Gründe giebt man uns an: Internationale Konkurrenz, theuerer Rohstoff, deutsch-russischer Zollkrieg. Die Proletarier muffen also hier wie immer die Kosten tragen. Die Industrie kann es aushalten, sie hält noch viel mehr aus; nur wenn wir im Interesse des Proletariats Regelung der anarchischen Produktions- weise oder Verkürzung der Arbeitszeit fordern— daran geht die Industrie zu Grunde. Ob wir Strumpfwirker mit unseren zahlreichen Familien die Lohnrcduktionen vertragen können, danach fragt kein Mensch. Bei uns Erzgebirglern ist der Hering saft das einzige Fleisch, welches auf den Tisch --kommt: wie lange, noch und wir können uns auch den nicht mehr leisten und müssen beständig von Kartoffeln und Salz leben. Doch— ruhig Blut. Diese Lohnreduktionen werden auch ihren Nutzen haben; Nutzen für die Arbeiter- bewegung. Die Bahn wird frei werden und die Zentral- Organisation der deutschen Textilarbeiter wird auch hier festen Fuß fassen. Vevlammlmigcn. In der Versammlung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes(Bezirk Süd-Ost) hielt am 4. d. M. Dr. Joel einen lehrreichen mit Beisall aufgenommenen Vortrag über Nahrungs- mittel. Eine Diskussion fand nicht statt. Zu Werkstattange- legenheiten wurden die Verhältnisse der S ch a r f' s ch e n Pianofabrik besprochen, es sind dort verschiedene Kollegen durch Entlassung gemaßregelt worden, weil sie für Holzabtragen und Querschneiden nicht den bisherigen Preis von 5 M. pro Tag bekamen, sondern die Arbeit sollte von jetzt ab im Akkord gemacht werden, und zwar wollte der Herr Scharf für das Schock Bretter zu zerschneiden 3 M. geben, wobei die Arbeiter im höchsten Falle pro Tag 1,50 M. verdient hätten. Es wurde auch von verschiedenen Seiten behauptet, daß gerade durch diese Fabrik die größte Schundkonkurrenz groß gezogen wird. Ferner sind bedeutende Abzüge gemacht und zwar in Höhe von 10 bis 26 M. Allgemein wurde auch be- dauert, daß die Klavierarbeiter sich so wenig an der Organi- sation betheiligen. Die Kollegen, die die Arbeit niedergelegt hatten, werden von der Versammlung als gemaßregelt be- trachtet und bekommen eine Unterstützung von 18 M. für Ver- beirathete und 15 M. für Unverheiralhete. Sodann wurde aufgefordert dafür zu sorgen, daß kein Kollege in erwähnter Fabrik Arbeit nimmt. Der Derein zur Regelung der gewerblichen Verhält- »isse de* Töpfer für B erlin und Umgegend hielt am 5. September eine Versammlung ab, ,n der Genosse Fritz Hansen über dos Thema:„Der Antisemitismus" sprach. Hieraus wählte die Versammlung vier Hilfekassirer und zwar: Für den Osten Krischen, für den Norden P i n e tz k i, für den Westen G i e ß m a n n, für den Wedding H» f e n b a ch. Die Versammlung nahm sodann Stellung zur Einführung der Lohn- arbeit für größere Arbeiten. Diese Angelegenheit wurde schon in der vorigen Versammlung erörtert. Wenige Redner sprachen sich prinzipiell gegen diesen Plan aus. die meisten erklärten sich dafür, hielten aber zum Thcil die Ausführung dieser Absicht vorläufig noch nicht für angebracht, wünschten zunächst, die Wiederherstellung der Einigkeit unter den Töpfern abzuwarten. Die Versammlung beauftragte schließlich den Vorstand, zur nächsten Versammlung einen Referenten für das Thema:„Lohn- und Akkordarbeit", zu bestellen. Unter„Gewerkschaftlichem" wurde beschlossen, beim Neudruck der Arbeitsnachweiskarten auf diesen den Vermerk:„Kündigung findet nicht statt", fortzulassen. Dann wurde auf die Wichtigkeit der am Donnerstag stattfindenden Ver- sanimlung der Zuschupkasse aufmerksam gemacht und die Kollegen ausgefordert, zahlreich zu erscheinen. Am Freitag findet ferner in Spandau eine Wanderversammlung und am Dienstag eine in Weißensee statt. Ein Kollege theilte mit, daß bei Schirmer die Töpfer, die nicht bis 6 Uhr arbeiten wollen, gemaßregelt seien, und ersuchte die Kollegen, dort keine Arbeit zu nehmen. Im Verband der deutschen Gold->nnd Silberarbeiter sprach am 28. August Dr. Pin» über: Muhamed und feine Lehre. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen und nahm man von einer Diskussion Abstand. Der Vorsitzende berichtet sodann über den Streik der Wiener Kollegen und regt eine Sammlung für dieselben an. Hierauf gelangt ein Brief des Kollegen T h i e m e l zur Berlesung, in dem die traurigen Ver- bäliniffe in Wien geschildert werden. An der Diskussion be- theiligen sich die Kollegen Faber, Münnich und B r ü ch n e r. Eine lebhafte Debatte ruft die Verlesung eines Artikels aus dem Organ der Freien Vereinigung der Goldschmiedemeister hervor, in dem sich eine Besprechung der statistischen Fragebogen befindet. Folgende Resolution gelangt gegen einige Stimmen zur An- nähme: Die Zahlstelle �Berlin bedauert, daß der Zentralvorstand bis heute noch nicht Schritte gethan hat, um den Wünschen der Berliner bezüglich des Inhalts des„Goldarbeiters" in fach- gewerblicher Beziehung nachzukommen. Tie Mäntelnäherinnen, Bügler. Stepper, Trikot- taillen- Arbeiterinne n, Arbeiter und Arbeite- rinnen der Herrenkonfektion und der Maaß- b r a n ch e waren am 4. September bei Joel in der Andreas- straße recht zahlreich versammelt, erfreulicher Weise waren in übergroßer Mehrheit Frauen und Mädchen anwesend, ein Zeichen, daß es auch endlich bei diesen am meisten ausgebeuteten Arbeile- rinnen zu dänunern beginnt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten alle dem ausführlichen Vortrage der Kollegin Frau R e i m a n n, welche unter wiederholten Zustimmungsbezeigungen die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Mäntel- und Herrcnkonfekrions-Branche klarlegte, dieselbe durch drastische Bei- spiele einiger besonders abscheulichen Auswüchse des ausbeutungs- wüthigen Zwischenmeisterthums illustrirend. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage. Eine zehn Minuten lange Pause gab den Kollegen und Kolleginnen Gelegenheit, sich dem Verbände anzu- schließen. Kollege Pfeiffer, Beisitzer zum Gewerbegericht, bemerkt, daß die Räume hauptsächlich für Kammer I ganz un- genügend sind. Ferner tadelte Redner, daß von den 47 Bei- sitzern in Kammer I, in welcher nur Fälle betreffend die Bs- kleidungsindustrie verhandelt werden, nur 11 Beisitzer Fach- leute seien, die übrigen 36 anderen Branchen angehören. Kollege Timm schilderte, ergänzend zum Vortrage, das Elend der Mäntelnäherinnen, unter anderem folgenden Vorfall: Bei Herrn Wenschlag hatte 14 Tage eine Kollegin gearbeitet. Lohn bekam sie nicht und klagte. Redner hatte diesen Fall auf dem Ge- werbegericht zu vertreten. Da die Arbeiterin an dem Termintage nothwendig ihr Geld zur Miethe brauchte, ging sie zur Einigung von 14,50 aus 9 M. mit der Forderung zurück. Da an die Vertretung ausgeklagte Löhne nicht ausgezahlt werden, ließ die Arbeiterin um Zuertheilung eines Begleiters zum Abholen des Geldes ersuchen, und wurde Redner dazu beauftragt. In der Stralauerstraße vom Herrn Venschlag insultirt. mußte Redner unter Auflauf einer Menschenmenge seine Personalien feststellen lassen. Als zur bestimmten Zeit Redner mit der Klägerin in der Wohnung des Beklagten erschien, wurde ihm bedeutet, die Wohnung zu verlassen, welcher Weisung er nach- kam. Trotz Vorsicht konnte er nicht verhindern, daß der ihn hinausbegleitende Herr Wenschlag ihm einen Stoß versetzte, daß er gegen die Thür flog. Als Klägerin ebenfalls die Wohnung mit dem Redner verlassen wollte, wurde sie von der Frau Meisterin am Arme festgehalten, die Thür zugesperrt, und ihr die ver- schiedensten schimpflichsten Redensarten gesagt, aber— kein Geldver- abfolgt. Frau K öh n. unabhängig, versuchte konfusen Anschauungen Eingang zu verschaffen, wurde jedoch vom Kollegen Timm, von Fräulein W a b n i tz, Frau W e n g e l s und dem Kollegen Pfeiffer gebührend zurückgewiesen. Zwischenmeister W a h l s plädirte für Weiterbestehen der guten Zwischenmeister. Hierauf nahm man einstimmig folgende Resolution an: „Da die Einrichtung der Kammer I des Gewerbegerichts nicht danach angelhan ist, den Bestimmungen des Gewerbegerichts- Gesetzes.wonach innerhalb achtTagenTermineanberaumtsein müssen, zu genügen, und durch diesen Mißstand die Interessen der wesent- lich schlecht gestellten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Schneiderei arg vernachlässigt sind, fordert die heutige Versammlung die be- treffenden Organe des Magistrats aus. dafür Sorge zu tragen, die Einrichtungen derart zu treffen. daß die Arbeiter und Ar- beiterinnen schleunigst zu ihrem Rechte kommen." Schließlich wurde ausgefordert, die Werkstattdelegirten-Sitzung am Donnerstag, den 7. September, in der Schützenstraße 13 (Restaurant Freygang) zahlreich zu besuchen, sowie für die öffent- lichen Versammlungen am II. September in Moabit und am 25. September im Berliner Prater möglichst Propaganda zu machen. Eine öffentliche Versammlung der Klempner tagte am Sonntag, in der Genoffe F a b e r einen Vortrag hielt über das Thema:„Der Staat und die Arbeiter". An der Diskussion be- theiligten sich die Kollegen Drange. A i e w e g und G. Schulz im Sinne des Referenten, den Versamnulten die Nothwendigkeit der Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen und politischen Organisation vor Augen führend. Kollege Drange berichtete hierauf über den Prozeß, welchen der Vorstand der Ortskasse gegen ihn wegen Beleidigung angestrengt hatte. Der Vorstand wurde im Termin am 13. April vom Gericht nicht als Behörde im Sinne des Gesetzes angesehen und demfelben anHeim- gestellt, durch jedes einzelne Mitglied gegen ihn(Drange) inner- halb drei Wochen eine neue Klage anzustrengen, widrigenfalls das Verfahren eingestellt würde. Die Herren haben sich»un- mehr mit dem Urlheil eines Schiedsgerichts begnügt, welches den Vorstandsmitgliedern der Kasse die Zahlung der Gerichiskoften und ihm(Drange) das Honorar seines Rechtsanwaltes auferlegte. Damit wäre die leidige Angelegenheit aus der Welt geschafft. Was seine„Unterschlagung" an- betrifft, so beruhe dieselbe auf einem Jrrthum. Er habe den Ueberschuß der Tellersammlung von 6,05 M. aus der Versammlung der Ortskassenmilglieder bei Mündt an den Vertrauensmann der Metallarbeiter abgeliefert, der ihm den Vor- schuh zur Einberufung derselben gegeben, und nicht, wie eine Delegirtenversammlung bei Gründet bestimmte, an die Koni- Mission der Klempner. Da Quittung vorliege, könne von„Unter- schlagung" keine Rede sein. Die Kollegen Winter und L ü t t y bestätigten diese Erklärung und die Versammlung ging zur Tages- oronung über. Kollege S ch e ch e berichtete über die Verhand- lungen der Gewerkschastskommission in der lehien Sitzung. K ö h l« r' s Verhallen wurde von mehreren Kollegen scharf gerügt; den Interessen der Gesammtheit müsse jeder, der ein Amt übernehme, feine eigene Meinung unterordnen oder aber das Amt nieder- legen. Köhler erklärte sich als Gegner der Kontrollmarke. und meinte, nachdem die Kommission ihren Rahmen überschritten, habe keine Veranlassung für ihn vorgelegen, an den weiteren Sitzungen theilzunehmen. Nach längerer Debatte fand eine Resolution, durch welche die Versammlung ihr Einverständniß mit den Beschlüssen der Gewerkschasts-Kommission aussprach, gegen 7 Stimmen Annahme. Die Kollegen Winter und Drange wurden als Vertreter der Klempner zur Gewerkschasts- Kommission gewählt. Die Angelegenheit H o f f m a n n kontra Drange wurde, nachdem einige Kollegen bestätigt hatten, daß Hoffmann an seiner Entlassung aus der Werkstatt von Bach und Mahlow, Schönhauserstr. 12, selbst Schuld habe, einem vom Fach- verein zu wählenden Schiedsgericht zur genaueren Untersuchung übertragen. Die Parquettbodenleger hielten am 4. September eine Bersammluug ab, in der die Kommission über die Lohnstatistik Bericht erstattete. Die zusammengestellten Tarife sämmtlicher Firmen, welche Variationen bis zu 30 Pfg. pro Quadratmeter aufweisen, ergeben im Durchschnitt einen Lohnsatz von 1,18 M. pro Quadratmeter für Stabboden und 0,86 M. für Parquett. Damit nun de» Fabrikanten die Gelegenheit genommen werde, sich gegenseitig zu unterdieten, soll ein einheitlicher Minimallarif ausgearbeitet werden, der dann, wenn er seitens einer beschließen- den Versammlung des Holzarbeiter-Verbandes die Zustimmung erfährt, unter allen Umständen zur Einführung gebracht werden muh. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, den Miittmaltarif wie folgt festzusetzen: für Stäbe über 50 Zenti- meter Länge pro Quadratmeter 1,20 M.; für Stäbe unter SO Zentimeter: 1,30 M.; für Stab in Taselform pro Quadrat- meter: 1,35 M.; für Stab mit Friesen pro Quadratmeter 10 Pf. mehr; für Parquett: 0.90 M. pro Quadratmeter. Bessere Ar- beiten unterliegen freier Vereinbarung. Dieser Minimaltarif soll am I. Januar 1894 in Kraft treten, doch bald nach endgiltiger Beschlußfassung den Firmen mit einem Begleitschreiben zugestellt werden, damit sie in der Lage sind, bei ihren Abschlüssen sich danach zu richten. Gleichfalls wird er jedem Kollegen im Arbeitsnachweis Bureau, Wallstr. 7—8, kostenlos ausgehändigt werden. Kollege W i e d e m a n n hegte die Erwartung, daß die Kollegen der übrigen Branchen jederzeit ihre Zustimmung zudem Vorgehen der Bodenleger geben werden, wenn diese durch den Anschluß an den deutschen Holzarbeiter-Verband beweisen, daß sie ernstlich bestrebt sind, ihre Lebenslage zu verbessern. Beruhe die Bewegung auf guter moralischer Grundlage, dann werde die Unterstützung nicht ausbleiben und der Erfolg gesichert sein. Hierauf wurden die Arbeitsverhältnisse einzelner Firmen be- s'prochen. Namentlich erfuhren die der Firma Ende und das Verhalten der dort beschäftigten Kollegen eine scharfe Kritik. Kollege Brieske hob hervor, daß die Kollegen infolge ihres Jndifferentismus selbst schuld an den erbärmlichen Löhnen seien. Kollege Heß ging des Näheren auf die Verhältnisse bei H a m- wer ein. Derselbe beschäftige meist ungelernte junge Leute, denen einige ältere als Vorarbeiter beigegeben werden. Diese zahlen ihren Hilfsarbeitern den Lohn und streichen das Uebrige in die eigene Tasche. Dadurch glaubt sich Herr Hammer der gesetzlichen Verpflichtung überhoben, ferne Leute zur Kranken-, Unfall-, sowie Alters- und Invalidenversicherung anzumelden. Kollege Flint. gegen den verschieden� artige Vorwürfe erhoben wurden, bestreitet, daß er de?c sogenannte„Macher" bei dem Agenten Hammer sei. Dieser stelle seine Leute ein und entlasse sie. Er(Flint) habe nur insofern eine Vertrauensstellung, daß er Sonnabends das Geld auszahle. Kollege H e ß rief allen Kollegen zu, diese Aussage F l i n t' s genau im Gedächtniß zu behalten, da seitens der Ortskasse ge>zen Hammer geklagt werde und durch F l i n t' s Aussage er- härtet werde, daß Hammer der Arbeitgeber und somit zur Versicherung seiner Arbeiter verpflichtet sei. Derartige Schiebungen ständen, wie Heß behauptete, im Baugewerbe nicht vereinzelt da. Das Agentenunwesen habe am meisten mit dazu beigetragen, daß die heutigen elenden Verhältnisse bei den B oben- legern Platz greifen konnten. Jni Jahre 1877, wo die Lebens- bedürfniffe eher billiger waren, als heute, erzielten sie für den Quadratmeter 2 M. Lohn, während jetzt bei fast nur der(Fälste dieses Lohnes obendrein noch Nägel, Werkzeug, Transpact des Materials aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Allen Kollegen wurde der Beitritt zum Holzarbeiter-Verband zur Pflicht gemacht. Die Metallschrauben- nud Fa?ondreher hielten am 4. September eine gut besuchte Versammlung ab, in der Genoffe M e tz n e r den Werth einer Feier des Sedantages belei lchtele. Zur Diskussion nahm ein Redner das Wort. Zum dritten Punkt der Tagesordnung berichtete Koopmann über den Stand des Streiks bei der Firma Willing u. Violet. Redner konnte mittheilen, daß die Lage für die Streikenden immer besser wird. An diesem Montag habe die Firma sogar Mädchen einzustellen versucht, weil sie mit den paar Männern, die dort cwbeite», nichts anfangen kann. Ein Streikender, der dort noc'h etwas Werkzeug hatte, holte es sich an diesem Montag. Er w urde von dein Meister hoch und theuer beschwört, doch die Arbevt aufzu- nehmen, natürlich ohne Erfolg. Einen Hamburger Kollogen hat die Firma brieflich gebeten, nach Berlin zu kommen, um bei ihr anzufangen. Die stehengebliebenen Arbeiter arbeiten seit kurzem in Akkord und kommen dabei nicht zurecht.s o daß sie mehr und me ffr mit den Streikenden sympathisiren. Von den Ausständigen sinli noch 41 nicht untergebracht. Schulz regte an, der Vorsitzende d«- Metall- arbeiter-Verbmides solle bei der Firma aufragen, otz> sie jetzt bereit sei, aus die Forderungen der Ausständigen einzugehen. Rüther wies auf die hohe Bedeutung hin, welche dieser Streik für die Branche der Schraubendreher in ganz Deutschland hat, und forderte die Kollege» aus den anderen Fabriken was, daraus zu achten, daß in diesen nicht etwa Arbeit für Wälling und Violet gemacht werde. Dem Bureau war inzwischen die Mit- theilung gemacht worden, daß in Luckenwalde für Wülling und Violet gearbeitet wird. Koopmann sprach darauf die Meinung aus, daß auch zwei hiesige Fabriken für die Firma arb eiten. In Beziehung auf die eine dieser beiden Fabriken bestritt dies ein dort beschäftigter Schraubendreher, sollte es Arbeit von Willing und Biolet sein, so würden die Kollegen sich weigern, daran weiter zu arbeiten. Die Versammlung verpflichtete sich dann durch einstimmige Annahme einer Resolution, den Streik mit allen gesetzlichen Mitteln aufrecht zu erhalte». Der oben er- wähnten Anregung von Schulz wurde keine Folge gegeben. Die Möbelpolirer hatten am 3. September eine gut- besuchte öffentliche Versammlung, in wejcher eingehend debattirt wurde über die Arbeitseinstellung der Möbelpolirer beim Hos- lieferanten Herrn I. Groschkus wegen nichtlarismäßiger Lohn- zahlung. Auch wurde mitgetheilt, daß auf ein diesbezügliches schriftliches Ersuchen an Herrn Groschkus keinerlei Bescheid ein- gegangen sei. Nach ausgedehnter Diskusston, an der sich die Kollegen Reuter. Reinke, Urban. Kassel, Herm. Richard, Köppen, Gräber, R. Schulz, Franke, Krumm und Köhler betheiligten, nahm man fol- gende Resolution an:„Die Versammlung der Möbel- polirer beschließt: 1. Die Sperre für Möbelpolirer in der Fabrik des Hoftischlermeisters Groschkus aufrecht zu erhalten, bis dort den Polirern durchschnittlich 27 Mark Wochenlohn ge- zahlt wird, und die Sonntags- und Nachseierabend-Arbeit ab- geschafft ist. 2. Ermuthigt die Versammlung die Streikenden zum Ausharren, und sichert ihnen jede Unterstützung zu, durch Fernhalten der Streikbrecher und auch in moralischer und materieller Beziehung." Kollege Strauch, Anarchist, wirft den Kollegen Jntcressenlosigkeit vor, indem Kollegen in der Werkstatt. in der er mit mehreren Kollegen wegen des Betragens des Arbeit- gebers die Arbeit niedergelegt hatte, andern Tages dieselbe Werkstätte besetzt hätten. Kollege Franke weist diesen Vor- wurs entschieden zurück, indem er es den Unabhängigen und Anarchisten zur Pflicht macht, da sie den gewerkschaftlichen Kampf anerkennen, sich auch der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, damit dieser Kenntmß von solchen Schritten der Kollege» zugehe, und es ihnen ermöglicht wird, ihre Solidarität zu bethätigen. Die Versammlung beschloß, daß die beiden Kollegen Kluge und Schmoll nur bei einem Lohn von 27 M. i* der Werkstatt anfangen sollen. Nachdem verschiedene Mißstände bei Philipp in der Manteuffelstr. 113, bei Bertram, Skalitzer- straße 101 und bei Gebr. Weimann, Hoflieferanten in Char- lottenburg am Spree-User besonders beleuchtet worden waren, gab der Vorsitzende bekannt, daß am 19. Seplember eine Verbands- Versammlung stattfindet, und daß Kollegen, die dem Verbände beitreten wollen, dieses in den Zahlstellen und Aersammlnngen herbeiführen können. Die AgitntionSkoinmisston der Bildhauer hatte am Sonntag, den 3. d. M., Abends eine öffentliche Versammlung mit Frauen veranstaltet, in welcher Buchdrucker M a s s i p i an- läßlich des Todestages Lassalle's eine Gedächtnißrede hielt. Dem großen Tobten zur Ehre erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Im Anschlüsse hieran hielt Massini weiter einen Vortrag über unser hemiges Sodour und Gomorrha, in welche», er die Moral und Sittenzustände der herrschenden Klassen auf's schärfste geißelte. Beiden Vorträge» wurde reicher Beifall ge- zollt. Der Versammlung schloß sich eine gesellige Unterhaltung mit Tanz an. Am 18. August faud in der Borussia- Brauerei zu Nieder-Schöniveide eine Volksversammlung statt, in der Genoffe Mattutat über die Segnungen unsrer modernen Kultur reserirte, Zur Diskussion meldeten sich die Genossen John und Gustrsüi. lischer Hof, Neue Roßstr. 3. ftraße 78. 1 Rauchklub Brüder= such Herr Litfin sprach im Sinne des Referenten. Die Ver-| bhauferfir. 42.- Brivat: Theaterverein Crescendo bet Maißner, Garten- Theilerei betreiben. Nach dem Ableben des langjährigen Renſammlung beschloß die Gründung eines Arbeiter- Bildungsvereins fraße 162: Sigung mit Damen. Theaterverein Matglöden, Eng: danten der Darlehnskasse hat sich herausgestellt, daß derselbe für Johannisthal, Nieder- Schönweide und Umgegend. Rauchflub Kollegia, Abends 9 Uhr, bei Hermann Rohr, Naunyn: 4000 M." getheilt" hatte, welche der Kaffe gehörten. Die MitAchtung, Schneider und Schneiderinnen! Die nächste A. Gaspar, Reichenbergerstr. 113a.- Rauchtlub Ohnesorge, Abends 9 Uhr stand abgesetzt und es soll gegen denselben auf Schadenersatz Rauchklub Waldesgrün, Abends 8½ Uhr, Restaurant glieder der Kasse, meist Handwerksmeister, haben den alten VorWerkstatt- und Geschäfts- Delegirtensitzung findet am Donnerstag, Restaurant Buber, Gräfeftraße 18. Rauchklub Kernipige, Abends den 7. September, bei Freigang, Schüßenftr. 18/19, statt. Wir hr, bei A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. Rauchflub Arabi Pascha, geflagt werden. Vielleicht kommen die guten Leute auch noch Abends 9 Uhr, b. Restaurateur Schröder, Stephanstr. 45. fordern die Kollegen auf, daß wenigstens aus jeder Werkstatt Abends 9 Uhr Springstubbe's Restaurant, Manteuffelstr. 67. Klub Ohnestreit, auf den Gedanken, daß die gegenwärtige Gesellschaftsordnung und jedem Geschäft ein Kollege oder eine Kollegin anwesend ist. Süd- we it, Abends 9 Uhr, Simeonstr. 23 bei Flick. Rauchklub doch noch verbesserungsbedürftig ist und verhalten sich nicht mehr lich feit, von 9 bis 11 Uhr bei Stabernack, Bücklerstraße 49. Die Sigung beginnt präzise 81/2 Uhr. Rauch so gehässig gegen Leute, welche ihre ehrliche Ueberzeugung vertlub Mordstern, jeden Donnerstag nach dem 15. im Monat bet treten. matra, Abends 8½ Uhr, im Restaurant Krause, Gitschinerstr. 93. Die Nürnberger! Von den fünf Bewerbern für die zweite Statflub Tournee, Abends 8 Uhr, bei üürich, Wrangelstr. 84. Stat: Bürgermeisterstelle in Nürnberg wird, wie die Stadt- Zeitung" flub Rüdwärts, Abends 8% Uhr bei Arndt Ballisadenstr. 47. Stat: zu berichten weiß, keiner gewählt werden. Man will die Stelle tlub Gordischer Knoten Abends 9 Uhr, bei Schilling. Ruderverein Borwärts. Sigung Abends 8 Uhr, bei Bodenburg noch einmal ausschreiben, da, wie genannte Zeitung schreibt: das Kommandantenstr. 10-11. Gäste willkommen. Schießtlub Telt erste Ausschreiben niemand ernst genommen hat!! Abends 8 Uhr bei Nagel, Schwedterstr. 23.- Tambour: Berein Einig: teit bei Haupt, Staligerstr. 102. Um 9 Uhr Uebungsstunde, nach derselben Sigung. Aufnahme neuer Mitglieder. Der fozialdemokratische Agitations- Verein für Arus-. Heinicke, Friedrich Karlstraße 11, Friedrichsberg. Rauchklub Su= walde- Friedeberg hielt am 2. d. M. eine Generalversammlung ab. Der vom Kassirer gegebene Kassenbericht weist eine Einnahme von 116,70 M. und eine Ausgabe von 86,12 M. auf; mithin ein Bestand von 30,58 M. A Adlershof. Der Arbeiter Bildungs Verein hielt am 17. Auguft seine General- Versammlung ab. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 81,05 M., eine Ausgabe von 75,40 M., mithin Bestand 5,65 M. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt: Lubasch, 1. Vors., Heinrich, 2. Vors., Worbs, Schriftführer, Bergau, Kassirer, zum Bibliothekar Neubacher und zum Hilfskassirer Luckfiel. Unter Vereinsangelegenheiten wurde = arrangiren. Verband Deutscher Barbiere, Friseure und Verrückenmacher ( 8weigverein Berlin). Donnerstag, den 7. September, Abends 10 Uhr, Rosenthalerstraße 38, Mitglieder- Bersammlung. Nichtmitglieder wil Arbeiter- Bildungsschule. Donnerstag Abends 8%-10% Uhr: Süd). tommen. Unterricht in Physiologie. In allen Unterrichtsfächern, mit Ausnahme je bt im Laufe des Semesters, eintreten. bel: Schröder, Wiesenstr. 39. " Flora, Abends 8% Uhr. Edelweiß, MelchiorVermischtes. Depeschen: ( Depeschen des Bureau Herold.) Mailand, 6. September. Der„ Secolo" bespricht die Reise Briefkaffen der Redaktion. Engler, Schwiebus. Zur Vermittlung von Privatangelegen. beiten können wir den Briefkasten des„ Vorwärts" nicht hergeben. O. G. und Hämmerling. Ja. F. N. Geburtsurkunde. Der Antrag ist auf dem Amt3. gericht zu stellen. F. 3 N. Zuschußkasse auch für weibliche Arbeiter. Kassirer Schulz, Memelerstr. 60a, III. beschlossen, Mitte September ein Familien Kränzchen zu erfcantte Italiener ist gestern Morgen 9 Uhr im Augusta von den Ministern nicht gewünscht, sondern angenommen worden, Die Cholera. Köln, 6. September. Der an der Cholera des italienischen Kronprinzen nach Meß und sagt, dieselbe sei Hospital gestorben. im Epidemieenhause am Duisburg, 5. September. Von zwei sie sei eine antifranzösische Kundgebung, der das Volk nicht „ Grunewald" zur Beobachtung unter- sympathisch gegenüberstehe. gebrachten Personen ist ein Mann gestern Nachmittag unter ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Die Abgänge des= Belfast, 6. September. Der Kongreß der Gewerkvereine hat Schule, Mariendorferfir. 6( bei Grube): Unterricht in Deutsch( oberes. felben wurden gestern Morgen bereits an das bakteriologische heute mit 137 gegen 97 Stimmen einen von Tillett und den Südost- Schule, Reichenbergerstr. 133: Unterricht in Kaufmännischem Institut in Bonn behufs Untersuchung gesandt. In vergangener Barlamentsmitgliedern Wilson und Burns unterstützten Antrag Rechnen, Korrespondenz und Geschichte. Oft- Schule, Martusstr. 31: Nacht starb, laut der Rhein- und R.- 3tg.", im Städtischen Asyl angenommen, nach welchem diejenigen Parlaments- Kandidaten, Mathematik und Buchführung, fönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch für Obdachlose am Sternbuschweg eine Frau unter verdächtigen welche eine finanzielle Unterstüßung von den Gewerkvereinen Erscheinungen. Die Obduktion der Leiche fand heute Vormittag erhalten, sich verpflichten müssen, das Prinzip des KollektivbefizLese- u. Diskutirklubs. Donnerktag. Dieggen, Abends 8% uhr statt; über das Ergebniß derselben liegt noch keine Mittheilung vor. Gieshott. Süd Oft, bet Görligerstraßen Ede. oltsborf, Gorauer- und Gorgen, bei Meiderich, 5. September. Durch die bakteriologische Unter- thums und der Kontrolle über sämmtliche Produktions- und Distributionsmittel zu unterstützen. Klub der Freunde" bei Gnadt, Swinemünderstraße 120. suchung der Gyfremente eines in der Baracke verstorbenen 82jähSafenelever, Abends 8½ Uhr, Restaurant Bischof, Baumschulen weg rigen Greises ift asiatische Cholera festgestellt worden. Der Ge- 600 ausständige Bergleute nach der Wath- Grube, vertrieben die London, 6. September. In Megbro( Yorkshire) zogen heute Treptow. Sozialistischer Lese- und Diskutirtlub bends s½ Uhr, Reichenbergerstr. 157, Sigung. Distutivtlub, 3eitgeist" jeden ſundheitszustand der gegenwärtigen Insassen ist als ein guter zu dort beschäftigten Arbeiter und drängten die Polizei zurück. Donnerstag nach dem 1. und 15. des Monats bei Tempel, Langestr. 65, Abends bezeichnen. Köln, 5. Sept. Ein hier zugereifter und gestern Darauf zertrümmerten sie die Fenster, zerrissen die Gruben8% thr. Brüderlich feit" Abends 9 Uhr, im Restaurant Wernau, wegen verdächtiger Erkrankung in das Augusta- Hospital gebrachter bücher, verbrannten die Möbel in den Bureaux und zündeten die Roseliftr. 30. Distufirtlub„ Gleichheit"( Weißenfee) bei Hannemann, zur Italiener ist heute an asiatischer Cholera gestorben. bei der Grube lagernden Kohlenhaufen an. Jirbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Alle Menderungen im Rotterdam, 5. September. Hier sind neuerlich 1 Todes= Beret nstalender find zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelfir. 70 fall und 2 Erkrankungen an Cholera fonstatirt. Eine Person ist Donnerstag. Uebungsstunde Abends 9 Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder. als gefund entlassen. In Assen 3 Todesfälle und 2 ErSt. 11rban, Annenstr. 9, bei Broß.- Kornblume, Blumenstr. 54, bei Buttl'e. Frühlingsluft, Bülowstr. 59, bei Werner.- Brebelschluß, frankungen, in Wonbrügge und Ammersthal ein Todesfall. Annexaftr. 16, bei Reßner. Weiße Rose, Reinickendorf, Seeschlößchen bei Sofia, 6. Sept. Auf Verfügung der obersten Sanitätswache Böttcher.- Morgenroth 1, Rummelsburg, Berlinerstraße 9, bei Friefecte. ist die türkisch- bulgarische Grenze für Reisende nur bei Hebitschow Dori glödlein, Wilmersdorf, Berliner- und Auguftstr.- Ecke bei Schulz. Einigteit( Sutmacher), Bappel- Allee 3/4, b. A. Meinhardt.- Harmonte, und Rotscherinowo geöffnet. Die Seegrenze ist nur bei Varna Tempelhof, Dorffir. 10, bet Gerth.- Ost- und 2 eſt preußischer Männer und Burges geöffnet. Die Reisenden zu Wasser und zu Lande Gesangverein, Holzmarttstr. 3, bet Deter. Straße 15, b. Stehmann. Borax, Wienerftr. 31 b. Drü gemüller. Mai- müssen sich einer achttägigen Quarantäne unterwerfen. glöden 2, Süd- Ost, Reichenbergerstr. 16 b. Päbold. Freie Sänger, Stockholm, 6. Sept. Das tgl. Kommerskollegium verfügte, Prautir. 6, bei Rudolf. Zukunft 3, Velten, bei W. Grunow.- Kreuz daß alle mit Auswanderern aus russischen, südlich von der berger Harmonie Fichtestraße 29, bei träfche. Nordstern, Müllerstr. 7 bei Reichardt. Morgengrauen,( Bäder), 3 bis s uhr Finnischen Bucht belegenen Häfen ankommende Schiffe nach Nachmittags, Gipsstraße 3 bei Pyrtec. die Auswanderer zu verlegen, Steinfeger Gängerdor, einem Observationsplate Kaftaninen Allee Nr. 28 bei Maiwald. Liebes Echo, Reichenberger einer ärztlichen Untersuchung zu unterwerfen und die straße Nr. 145-146 bei Brandt. Liedertafel Westend, Blumenthal Landung erst nach fünf Beobachtungstagen zu gestatten sei. straße bet Behrendt. Vorwärts 9, Charlottenburg, Schillerstr. 102 om, 5. September. Der Gesundheitszustand der Stadt ist vortrefflich. Alle unter verdächtigen Erscheinungen in das Lazareth Santa Sabina eingelieferten Personen konnten heute Wie die Tribuna" meldet, find als geheilt entlassen werden. in den letzten 24 Stunden in Neapel 9 Todesfälle an Cholera vorgekommen, in Cassino 2 Erkrankungen, in Palermo 5 Erfrankungen und 5 Todesfälle, wozu noch seit Mitternacht bis heute Nachmittag um 4 Uhr 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle tommen und in der Provinz Salerno, in Scafati, 3 Erfrankungen und 3 Todesfälle, in Albanella eine Erkrankung. Sangerhausen. Die Sittlichkeit der biederen Sangerhäuser A. A. 705. Nicht immer, aber häufig wird ein Baß( nicht scheint auf schwachen Füßen zu stehen, denn als vor Kurzem be- nur Militärpaß) verlangt: Sie thun gut, sich denselben schleunigst tannt wurde, daß eine Frankenhäuser Theatergesellschaft, die hier zu besorgen. Gastspiele giebt, Sudermann's" Heimath" aufzuführen beabsichtigte, Forsterstraße. Ein verständiger Richter würde denjenigen fette die hiesige Geistlichkeit Himmel und Hölle in Bewegung, von der Anklage der Beleidigung freisprechen, der den Kläger um die gute Stadt Sangerhausen vor diesem Attentat auf die deshalb einen Flegel" genannt hat, weil dieser das SprechwerkSittlichkeit zu bewahren. Einer der Herren Geistlichen schrieb zeug eines Mädchens mit einem Ausdruck belegte, das dem straße 24, bei Thielsch. Flöter'scher Gesangverein, Roppenstr. 43 c an den Direktor der Theatergesellschaft einen Brief mit Freßwerkzeug von Thieren zukommt, und die Aufforderung zum Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. dem Ersuchen, die Heimath" hier nicht aufzuführen. Wenn Halten" des vornehmlichsten weiblichen Vertheidigungsorgans Alle Buschriften den Bund betreffend find zu richten an: P. Gentel, diesem Gesuche feine Folge gegeben werde, dann wolle in ungalanter Weise erließ. Bergmanriftr. 21, Hof 3 Tr. Donnerstag: Bergnügungsverein Bruder Unterlassen Sie lieber die Klage. bund, Andreasftr. 3 bei Noll. Rauchtlub Graue Wolte, Krautftr. 48. er, der Geistliche, gegen die Aufführung agitiren. Der D. 2. S. 100. Die Uhr fann der Gerichtsvollzieher fortMlufttverein Dsiris, Adalbert Straße 21. = Verein Grüne Theaterdirektor hat natürlich diesen Brief unbeantwortet nehmen, wenn nicht der Schuldner Künstler, Handwerker, Hand, Eiche( or dem Balle'schen Thor), Solmsstr. 1 bei Raporte. RegelKlub ,, uftige 13", Wienerstr. 1 bei Boll. Bergnügungsverein Jugend gelassen und die Heimath" ist hier aufgeführt worden. Eine Fabritarbeiter, Hebeamme, Offizier, Beamter, Geistlicher, Lehrer luft, Ohnigaffe 2 bei Krebs. Rauchklub Frisch auf, Koppenstr. 48 bet Wiederholung der Aufführung der Heimath" hat man wegen an öffentlichen Unterrichtsanstalten, Rechtsanwalt, Notar, Ärzt Lorenz. Vergnügungsverein Felfenfeft, Rigdorf, Hermannfir. 167 bei Unfittlichkeit" zu verbieten versucht, aber und die Uhr zur Ausübung des Berufs unentbehrlich ist. Ob Fülleborn. Rauchtlub Dezimalwaage, Krautftr. 36 bei Jnsinger, Ach, man will auch hier schon wieder letzteres der Fall, entscheidet im Streitfalle das Amtsgericht. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Donnerstag. Männer Gesangverein Alt- Dessau, Abends 9 Uhr, bei Kind, Wrangelstr. 91. Nicht so wie die Geistlichkeit". Gesangsabtheilung des sozialdemokratifchen Arbeitervereins für Der Liebe Müh' war auch hier vergebens. Bekanntlich wird Weißensee und Umgegend. Donnerstags und Sonnabends Abend; bei Müller( Pfeifenmüller), Königs Chauffee. Männer Gesangverein Tyrolienne, Abends 9 Uhr bei Faustmann, Reichenbergerstr. 73a. mey. bei Stahl. Gesangverein Abendroth in Deutsch- Wilmersdorf bet Gefangverein der Studa teure Berlins und Umgegend, Sendel Mölter. Straße 30 bei Preußer. Arbeiter- Gefango. Spanda u Lynarstraße Restaurant Stefers. Gesangverein, Bor wärts 2" Schönhauser Allee 28, bet Stuhl Arbeiter- Befangverein 2yra 2, Charlottenburg, Gaurftr. 23, bei Lange.Gefangverein Felsenfeft( Gem. Chor), Badstr. 12, Bictoriagarten. Gefangverein Collegia 2( freie Bereinigung der Zivil- Berufsmusiker), Neue Friedrich str. 44, bei Röllig. Gesangverein der Kürschner, Landsbergerfiraße 31 bet Seehausen. Gesangverein Arion in Wittenberge, bei Goring. Gefangverein Glodenrein( gem. Chor) Kaftanten- Allee 95/96. Steinnelte, Röslinerstr. 17. Sängerrunde, Rottbuserstr. 6 bei Braun. Alpenrose, Grenzftr. 16 bet Getdel. Frohsinn 2, Friedrichberg- Lichtenberg, Frankfurter Chauffee bet Müller. Treu und Fest, Le buferstraße 5 bet Nemiz.@efangverein Brüderschaft Stallschreiberstraße 29" Sum eisernen Stab". Gesangverein Freunde streue( gem. Chor), Landsbergerstr. 31 bei Seehausen. Gesangverein in tracht, Neu- Glienicke, Rudowerstraße bei Hasdorf. Fris" Naunynstraße 86, bet Frizz Zubeil.- ,, Waldesgrün"( gem. Chor) Böchstr. 8 bei A. Mo ewes. Bergnügungsverein elfenfeft" in Rirdorf, Her: mannstraße 167 bei Fülleborn. Arbeiter- Besangverein Oranienburgea Gesangverein Feldblume Gefangverein 2tbertee 1, Guory Borstadt, Ackerstr. 83/84, bei Hoppe. Sübbenerfer. 30, bet Wilhelm Meyer. bei Lorenz -bei Knapp, Kaftanien- Allee 95/96. " Gefangverein íodenrein, gemischter Chor, Abends von 9 bis 11 Uhr Brivat- Theaterverein Fibeler Geist 2", Abends 9 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. 18.- 9 Theater- Berein Bultanta 2" 9% Uhr, Vorstädtisches Kasino, Ackerstr. 144. Theaterverein Freundestrets 9 Uhr im Restaurant Bräuer, Solmsstr. 47. -O " " durch die Aufführung der Sudermann'schen Theaterstücke der so: genannten besseren" und herrschenden Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, in welchem sie ihr Bild erblickt. Dies ist aber dieser Gesellschaft nicht angenehm, deshalb will sie nicht in diesen Spiegel sehen, denn derselbe zeigt ihr auch, daß eine so vertommene und völlig faule Gesellschaft nicht mehr herrschen kann und deshalb bald einer besseren Platz machen muß. Turnverein Gesundbrunnen( Lehrlings- Abtheilung) turnt Montag und Donnerstag Abend von 8-10 Uhr, in der Turnhalle, Pantstr. 26. Tugendwächter. Der protestantische Pastor Meißner Geselliger Klub Blau- Beilchen, Abends 9 Uhr, Restaurant Sehmann, aus Bucha bei Dschah wurde wegen Verbrechen gegen die SittNaunynstr. 44.- Verein ehemaliger 22. Gemeindeschüler, punkt 9 Uhr bei Schröder, Stegligerstr. 18. Pfropfenverein Wedding, Abends lichkeit, begangen an 11 Mädchen unter 14 Jahren, theils in 8 Uhr, bei Selterhoff, Antonftr. 5. Vergnügungs- Verein Renata s uhr, der Kirche(!), theils außerhalb, zu 5 Jahren Zuchthaus; der Abends im Restaurant Göt, Orantenstr. 153. Gefangverein Proletariat Lehrer Schlüter aus Beuren, der an einer Anzahl Kinder unter ( gem. Chor) Abd. 9 Uhr, Uebungsstunde b. Möwes, Böchstr. 8.- Geselliger Berein univerfum, Sigung mit Damen Abends 9% Uhr b. Sagemann, Lothringer- 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen hat, zu 15 Monaten ftraße 81. Vorträge, Fidelitas. Geselliger Klub ber alten Gefängniß verurtheilt. Moabiter, Stephanstr. 23, bet Littto, Abends um 8 Uhr und A. B. Von Ihrem Eingesandt wissen wir nichts. Bitte, geben Sie uns auch die Sache etwas genauer an. So ist sie unverständlich. wie wahrscheinlich Miethsvertrage die Reparaturpflicht übernommen haben, muß der wirth die Reparatur vornehmen und kann eventuell verklagt 2. B. 100. Wenn nicht werden. Sie im 2. A. 99. Zur Zahlung der 1,75 M. war Ihre Tochter nicht verpflichtet. Ihre Klage auf Rückzahlung tann aber daran scheitern, daß vorbehaltlos gezahlt ist. gegangen. 2. Sie thun gut, sich einen Paß ausstellen zu lassen; H. V. 1. Der von Ihnen erwähnte Brief ist nicht einetwas weiteres ist nicht erforderlich. D. A. 1500. Wenn nichts vereinbart ist, so gilt vierzehntägige Kündigungsfrist bei Arbeitsverträgen. Vor Ablauf dieser Frist tann ein Geselle entlassen werden, wenn er die Arbeit unbefugt verlassen hat oder sonst den nach dem Arbeitsvertrage ihm obliegenden Verpflichtungen nachzukommen beharrlich verweigert. Solch' Fall liegt in dem von Ihnen vorgetragenen vor. W. D. Beantragen Sie bei dem Amtsgericht unter Darlegung Ihrer Verwandtschaftsbeziehung Abschrift des Testaments. F. S. 1. Wegen unerlaubten Fernbleibens ohne militärische Genehmigung fann derselbe bestraft werden. Kiefer. Wenn der Innung das ausschließliche Recht, Lehrlinge zu halten, beigelegt ist, so ist das Halten von Lehrlingen seitens Nichtinnungsmitgliedern strafbar. H. E. S. 1. Großgörschenstr. 22a. 2. Altersrentenbeiträge werden auch nach dem Tode nicht zurückerstattet; was der Staat hat, behält er. Briefkaffen der Expedition. jeden Donnerstag nach dem 15. im Monat Sigung mit Damen. Geselliger Ein ,, Edelster", ein Graf von Röbern wird von der Verein univerfum, Sigung Abends 9% thr, im Restaurant Neumann, Staatsanwaltschaft in Heidelberg steckbrieflich verfolgt, weil er Linienftr. 19: Vorträge, Fidelitas. Verein Gemüthlichteit und Klub Humor, Abends 9½ uhr, Lothringerstr. 105: Geselliges Betsammensein mit, sich einer Anzahl Betrügereien schuldig gemacht haben soll. Damen, Fidelitas und Tanz. Männergesangverein angesfreunde, In Sonnenburg herrscht große Erregung. Warum? Man H. M. B. Ein Buch, wie Sie es fich wünschen, existirt Abends 9-11 Uhr, Pazenhofer Ausschant, Landsbergerstr. 82. Berein hat wieder einmal die Erfahrung gemacht, daß nicht die bösen leider nicht. Winte für Redner find in der Broschüre von ManWaldesgrün, Abends 9 Uhr Sigung bei Nebelin, Langestraße 108. 3ithert lub Gleichheit, 9 Uhr Abends, bet H. Reimann, Alte Schön-| Sozialdemokraten, sondern die braven Ordnungsstüßen die fred Wittich:" Prologe für Arbeiterfeste". Preis 75 Pfg. Munk- Automaten für Restaurateure, große Auswahl zu Kauf und Miethe, sowie alle Musikmerte zum Drehen und selbstspielend( alle mit Arbeiterliedern) von 5 M. an. Außerdem alle Streich, Schlag- und Blasinstrumente. Harmonikas aus der fächs. Arbeiter- Industrie. Aug. Kessler, 51, Laufigerstr. 51. Als anerkannt reelle und that: fächlich billigste Einkaufsquelle des Süd- Ostens für Roh- Tabak 47722* Sumatra- Deckblatt v. 140 Pf. an, Java- Umblatt u. Einlage v. 90 Pf. an, CarmenUmblatt v. 100 Pf. an, sowie sämmtl. Gold-, Silber- anderen Sorten. Alfénidewaaren( Eig.Fabr.) goldene u. silberne Uhren empfiehlt sich H. Gottschalk, Goldarbeiter und Uhrmacher, 37, 4035L* G. Elkhuysen, Alte Schönhauserstr. 5. Jede Uhr 2 au repariren ( außer Bruch) Sophabezug- Reste, Sophaplüsch- Refte, billig,[ 47772* De Grüner Weg 57. 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