Kr. 230. MmKmenk-keckinM««: Abonnements- Preis nr-�nnerandoi Bierteljnhrl. 3£0 Tit., mot"- l.lk> Mk., wöchentlich 2tt Psg. frei'"« Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. sonntags- nummer mit illustrierter-onntagS- Beilage»Die Neue Welt" lo'ffl- Post- Abonnement: 1,10 Marl pr Monat. Einaetragen in die Posl3k>tungs- Preisliste. Unter«reiumd für Deutschland und Ocsierreic- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabtr™ctits nehmen an: Belgien,?nemnrt, Holland, Italien, Luxemburg. s?rtugal, KtmiSnien, Schweden und dil-chwclj. 28. Jahrg. VIe InfertlonS'Geblfyr tetrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Psg„ für politische und gewerkschastliche Vereins» und Bersamnilungs-Anzeigcn ZO Psg. „Kleine Hnieigen". das settgedruekle Wort 20 Psg.(zulässtg 2 settgcdruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etcllengciuche und Echlofstellcnan» zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, öWKlnt täglich anStr morW» Vevliner VolKslilntk. Zmtralorgan der rozialdcmohrat» fchen Partei Deutfchtands. Telegramm• Adresse: .SozUldcmokrat Btrlio". Redaktion: 803.68, Lindcnstrasae 69, Fernsprecher: iluit IV, Nr. 1983. Line verraucnswürdige Regierung. Bittere Rache hat Füst Bülow an den Herrschenden für seinen Sturz genommen; auf seinen Rat ist Herr v. Beth- mann Hollweg Reichskanzpr. Herr v. 5ttderlcn Waechter der Leiter unserer auswärtige' Politik geworden. Es war für wahr ein infernalischer Ra'l Zwei Katastrophen siid über das deutsche Volk herein gebrochen: Hungersnot und Kriegsgefahr. Rat und hilflos steht die dc�sche Regierung den Ereignissen gegenüber. Was hat Herr v. Brthmar.n Hollweg zur Linde rung der Teuerung getan? Er hat die Frachttanfe herab setzen lassen, damit die Lank-virte Futtermittel etwas billiger beziehen können, eine Ma rogel vom kaum nennenswerter Wirkung. Er bat Sorge da lr getragen, daß die Schnapsgift produzierenden Junker wege Bezug ihres Rohmaterials nicht in Verlegenheit kommen, ein Maßregel, die das Angebot von Getreide nur noch mehr r'rringert. aber den Profit der Schnapsbarons sicbert. wei» nicht die Verschärfung des Schnapsboyk'i.t: urch diese schöne Rechnung einen dicken Strich mächi. Damit'«' ib die Taten di''es Herrn auch erschöpft. Der Gefangene"er Agrarier wo t es nicht einmal, mit dem Syiiem d Einfuhrscheine t' brechen, dieser Prämiierung Oer Auf-f- r d-z beutid Getteides, ein System, das in de-.. 1f Zeiten der. Gerung das Verbrechen des regem, von oer z ö l l e. will die falls bis die Großi, mittel zu den Höchfti leidenden kleinen niedrigsten Preisen wenn es zu spät und da diese dann' r der ehrlichsten Amt schtckung geduldig tcdeu ck. Von wirklich wirksamen Mafr s chas u ng der Lebensmitte l' erung nichts hören. Sie wartet jeden- ndbefitz'r ihr Getreide und ihre Futter . Preifin verkauft haben, bis die not andwirt ihren Viehbestand zu den perschleu"rt haben werden, um dann, ijtt, einig rScheinmaßregeln zu ergreifen wlich i chts mehr nützen können, mit zi v sichern, daß eben die Himmels »ej?n müsse i Das ist die p s'errn v. Bethmann Hollweg, das ist die Fürsor� de...u�je Regierung für die hungernden Massen l Aber noch verhängnisvollei war der Rat des Fürsten Bülow, Herrn v. Kiderlen� Jaechter zum Staats fekretär der- auswärtigen Angc«r heiten zu machen. Die ganze Welt sieht jetz'.>..'hin die glorreiche Politik dieses Balkandiplomaten gefüi rt hat. Italien, der süße Bundesgenosse, und die Türkei, � e treue Freund, im Kriege! Die gefährlichste aller Fragen, Balkanfrage, aufgerollt, Die europäischen Regierungen vor'Probleme gestellt, zu deren friedlicher Lösung sie kaum fähig sind I Wahrlich es sind herrliche Zustände, die die kapitalistische Politik über die ölker verhängt, und Herr v. Kiderlen-Wacchter kann sich rühmen, nichts unterlassen zu haben um seinen Teil zu all den Verwickelungen beizutragen. Bei einer Kritik der deutschen Regierung muß man unter- scheiden: Wir Sozialdemokraten verwerfen prinzipiell die kapitalisttsche Kolonialpolitik, und wenn irgend etwas die Richtigkeit unserer Anschauungen bestärken konnte,, so die Ereignisse der letzten Zeit, die Europa aus einer Knegsgefahr in die andere gestürzt und nunmehr die Kriegsfurie ent- fesselt haben. Wir machen keinen linterschied zwischen diplomatischem Länderschacher und gewaltsamem Länderraub. weil wir wissen, daß das d i p l 0 m a t i s ch e V 0 r s p i e l über kurz oder lang im kriegerischen Unternehmen endet. Friedliche Kolonialpolitik ist innerhalb des kapitalistischen Systems ein Widerspruch in sich. Die Geschichte lehrt auf jeder Seite, daß die Ausraubung des Landes, die Vernichtung oder Versklavung der Eingeborenen der Anfang jeder kapita- listischen Kolonialpolitik ist. Und die Ereignisse der letzten Zeit'müssen auch den größten Illusionisten klarmachen, daß die koloniale Expansion der kapitalistischen Staaten, wie immer sie eingeleitet wird, zum Weltkrieg treibt. Lassen wir aber unseren prinzipiellen Widerspruch einen Moment lang beiseite und prüfen wir dann die Politik des Herrn v. Kiderlen-Waechter. Die deutschen Offiziösen vor- sichern ja immer wieder, daß diese Politik an dem drohenden Unglück, das der Tripolisraubzua heraufbeschwört, ganz un- schuldig sei. Ist denn das wahr? Herr v. Kiderlen-Waechter hat das Narokkoabenteuer mit dem berühmten„Panthersprung" einleiten zu müssen geglaubt. Bisher n>ar es außer der Türkei gegenüber nicht üblich, Ver- Handlungen mit einer europäischen Kulturnation mit einer Schiffsdemonstration zu beginnen. Dieses unvexantivortliche Vorgehen des Herrn v. Kiderlen-Waechter rief mit einem Schlage die größte Beunruhigung hervor, verletzte auf das empfindlichste das französische Nationalgesühl und schuf von vornherein eine Atmosphäre, die für vernünftige. Wirtschaft- liche Auseinandersetzungen äußerst ungünstig war. Herr v. Kiderlen-Waechter freilich versprach sich in seiner Naivität wunder welche Wirkungen. Wußte er doch, als er an das Abenteuer heranging, selbst noch nicht reckt, was er wollte und schon gar nicht, was er konnte. Es ist gar kein Zweifel und das osfizivse Leugnen ist eine Bestätigung— daß der Herr zuerst vermeinte, sich ohne weiteres in Südwest- Marokko festsetzen zu können. Deshalb die Entsendung des Schiffes, die ja ohne solchen Zweck vollends eine sinnlose Provokation geivesen wäre. Der Herr hatte keine Ahnung von dem Widerstand, den England vom Standpunkt seiner Interessen ganz selbstverständlich einer deutschen Festsetzung an der atlantischen Küste entgegensetzen mußte. Er war völlig überrascht, spielte einen Moment lang mit dem wahnsinnigen Gedanken eines deutsch-englischen Krieges, bis ihn Wilhelm II. zur Besinnung rief. Statt aber jetzt wenigstens die Ver- Handlungen zu beschleunigen, der Aufregung, die die imperia- listischen Kreise aller Nattonen ergriffen hatte, möglichst schnell die Ursache zu entziehen, sich mit Frankreich zu verständigen und mit Frankreich, das das gleiche Interesse an der Ausrechterhaltung des Friedens auf dem Balkan hat, sich über ein. gemeinsames Vorgehen zu verständigen, zieht dieser Unglücksmensch die Verhandlungen von Tag zu Tag hinaus und streitet tage- und wochenlang über die kleinsten Differenz- puntte. So bekamen die italienischen Imperialisten Zeit. ihre Agitation immer mehr zu verstärken. England und Frankreich, das von Herrn v. Kiderlen noch immer hingehalten wird, stellen sich natürlich gegen das deutsche Interesse auf die Seite Italiens— der Tanz geht los. Und da hoben d'o deutschen Offiziösen noch den Mut zu versichern, Herr v. Kiderlen sei an dieser Entwickelung un- schuldig l Ja, hat sich denn die deutsche Diplomatie nicht wieder übertöpeln und überraschen lassen? Und wenn nicht, warum konnte sie im Bunde mit Oesterreich ihren Verbündeten nicht von seiner verbrecherischen Torheit zurück- halten? Wenn Frankreich trotz seiner riesigen finanziellen Interessen im Orient, die es dort an der Aufrcchterhaltung des Friedens in erster Linie interessiert sein lassen, Italien unterstützt, wer hat denn Frankreich zu dieser Haltung ge° trieben als der Herr v. Kiderlen-Waechter mit seiner gräßlichen Marokkopolittt? Und die Fehler dieser Diplomatie nehmen kein Ende und werden nur immer gefährlicher. Wenn je, so ist jetzt nicht die Zeit, um den Rest der Marokkodifferenzen weiter mit Frankreich Händel zu suchen. Ohne eine Verständigung der deutschen mit der französischen Regierung ist es völlig aus- sichtslos. den Brand, den die italienische Gewissenlosigkeit entsacht hat, auch nur zu beschränken. Statt die Marokko- Verhandlungen so zu sichern, daß sie zur Vorbereitung eines dauernden Einvernehmens mit Frankreich werden könnten, hat es Herr v. Kiderlen glücklich dahin gebracht, daß die Gegensätze heute größer sind als je. daß Deutschland wieder als der zu fürchtende Feind dasteht. Und deshalb werden alle Beteuerungen der Offiziösen an dem Urteil über diese Politik der Unzulänglichkeit, der Frivolität und des Unverstandes nichts ändern. Schuld an der Kriegsgefahr ist in letzter Linie das kapitalisttsche System selbst. Und deshalb sind auch die Vertreter dieses Systems, die Rc- gierungen aller Länder schuldig. Aber daß die Gefahr so akut geworden, dafür trägt die deutsche Regierung mit in erster Linie die Verantwortung. Das Wort, das in den Novembertagen 1908 geprägt worden ist, eS gilt heute mehr denn je: Das Auswärtige Amt ist der Feind des deutschen Volkes._ Wachsende Gefahr. Der WahnsinO der italienischen Verbrecherbande wird von Stunde zu Stunde jlsRchrljch�. Der tiefere Sinn der Kriegs- crkläruug wird erst i)".ch den Beginn der Feindseligkeiten in seiner ganzen verhäng»'sollen Bedeutung klar. Konnte man bis nun noch meinen, �Mien werde sich mit dem Raub von Tripolis begnügen, werd? das türkische Land besetzen, aber den Krieg doch Wenigsteps auf nordafrikanischen Boden beschränken, so ist ckuch dies eine Illusion gewesen. Italien hat den Krieg silsort auf das europäische Gebiet der Türkei übertragen. Es hat diese Verruchtheit ver- übt, nachdem es tags zuvor iff. feierlichster Weise hat ver- sichern lassen, daß es die AufreÄterhaltung und den Schutz der europäischen Türkei auch in Zukunft zur Grundlage seiner Politik machen wolle. Es ist, als ob die italienische Regierung sich vorgenommen hätte, aller Welt zu beweisen, welcher Schandtaten der Kapitalismus fähig ist, wenn er erst einmal zur offenen Gewalt schreitet. Die italienische Flotte hat ihre erste Waffentat getan. Sie hat ein Torpedoboot verfolgt, es zum Stranden gebracht und vernichtet. Recht harmlos noch im Ver- hättnis zu den Greueln und Infamien, die sie im Laufe des Krieges noch verüben wird. Aber diese Tat ist vollbracht worden nicht an der Küste von Tripolis, sondern vor Prevesa, einem Hafen der südalbanischen Küste. Prevesa ist ein Punkt von hoher strategischer Be- dcutung, da von hier aus der Eingang ins Jonische und damit ins Adriatische Meer beherrscht werden kann. Ein allerdings noch unverbürgtes Gerücht besagt, daß auch Truppen in Prevesa gelandet worden sind. Dieses Gefecht an der albanischen Küste kann geradezu verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen und das in Expedition: 8M. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. doppelter Hinsicht. Einmal ist klar, daß die Bedrohung der Türkei in ihrem europäischen Gebiet die angriffslustigen und angriffsbereiten Balkannationen zu einem aktiven Vorgehen aufreizt. Und Italien hat sich gerade den für die Türkei gefahrvoll st en Boden für seine Aktion gewählt. In Albanien steht es schlimmer als je zuvor. Der General- gouverneur Halil Bey ist soeben von einer Inspektionsreise zurückgekehrt und bestätigt die pessimistischen Schilderungen der jungtürkischen Emissäre. Die Lage ist äußerst bedrohlich. Den christlichen Albanern wurden im Frühsommer Ver- sprcchungen geniacht, die nicht sofort eingehalten werden konnten, nur um sie zur Rückkehr zu bewegen, und es herrscht jetzt unter ihnen eine derartige Aufregung, daß eine neue militärische Expedition nach Albanien u n- vermeid Ii ch geworden ist. Der Waffenschmuggel blüht ivie früher und das schlimmste ist, daß die mohamme- d a n i s ch e n Albaner mit der Regierung wegen der� Konzession an die Christen höchst unzufrieden sind ur mit einer Erhebung drohen. Die Notwendigkeit eine neuen Expeditton nach Albanien würde auch ohne den Tripolis konflikt an das türkische Heer die schwierigsten Anforderunge stellen, da die Redifs, zumal in Kleinasien, kaunr abgerüst haben und in allen Garnisonen die Cholera wütet. da hat die italienische Regierung die verbrecherische Gelvis losigkeit, gerade nach Albanien den Krieg zu tragen! Und als ob es daran noch nicht genug wäre, sollen autt Saloniki und S m y r n a, sollen alle bedeutender europäischen und kleinasiatischen Hasenplätze der Türkei bo.i barbiert werden! Das Vorgehen.Italiens bedeutet abf'- noch y! Schlimmeres und Gefährlicheres. Albanien ist stets das eigentliche Ziel seinerimperialistischen Sehnsuchtgewese Die Festsetzung der Italiener an der albanischen Küste würd ja das Adriatische Meer zu einem italienischen Meer mache Gerade deshalb ist dies aber für die Machthaber Oesti rcich-Ungarns ein unerträglicher Zustand, den sie ni ruhig dulden werden. Entweder müssen sie sich Jtaliei entgegenstellen oder sich einen anderen freien Zugang Meere verschaffen, das heißt, den Eroberungszug n> Saloniki antreten- und damit alle anderen Großmä. zum Eingreifen aufzurufen. Das Feuer der italienischen Kanonen vor Prevesa zugleich die bisher verborgenen Absichten der italienl, Abenteurer. Der Zug nach Tripolis mußte vom Standpunkt der Imperialisten fast Wahnsinn sä Der Handel mit Tripolis ist nicht nennenswert, dem Lande selbst nichts Bcttächtliches zu holen. Und halb nicht nur die ungeheuren Kosten der Militär Expedition und die Gefahren eines langwierigen Gue krieges, sondern die kolossalen Verluste, die aus der bindung des italieiiisch- türkischen Handels, aus der trcibung der Italiener aus der Türkei folgen müßten? war ja wirklich kaum begreiflich. Ganz anders steht die Sache, wenn Tripolis nur der fang, Albanien aber und die Herrschaft übe: die A d r i a das letzte Ziel der italienischen Politik ist. Dann mag dem italienischen Imperialismus das Spiel schon den Einsatz lohnen. Nur daß das Spiel nicht gewonnen werden kann ohne den Weltkrieg um das Er Türkei zu entfesseln l Und nun fragen wir, was wollen die kapitali Regierungen, was will vor allem die bei Regierung tun. um das Unheil abzuwenden. deutsche Negierung tut, was sie getan hat? Nicht doch eines: sie führt die öffentliche Meinung irre, wirklich das einzige, was sie zu leisten vermag. Ein r ö nl i s ch e s Blatt hat eine Note des halb- amtlichen Wylffschen Bureaus veröffentlicht, die folgendermaßen lautet: .Die Berliner politischen Kreise sehen ungeachtet aller dem deutschen Interesse im Orient pflichlschuldigen Rücksichten die italienische Aktion als Berechtigt an, indem sie den wichtigen. besonderen Interessen des Königreichs in Tripolitanien gebührend Rechnung tragen. Man fragt sich, mit welchem Recht die Türkei von Deutschland geeignete Maßregeln zum Schutze ihres Besitzes inTripolitanien erwartet, während sie selbst jede dieser Maßregeln unterlassen hat. Seit Januar hatten sich ihre Schwierigkeiten derart zugespitzt, daß sie die Notwendigkeit, auch an den Schutz ihrer Interessen zu denken, längst hätte erkennen sollen. Anstatt dessen trieb sie eine Politik, die auch ihren deutschen Freunden unverständlich blieb, eine Politik der Nadelstiche und der beständigen Verletzung der natio- nalen Gefühle Italiens, ohne dabei das geringste gegen die Folgen einer solchen Politik vorzukehren. Hier ist man der Ansicht, da' die systematische Verwahrlosung des WilajetS für die italienis Staatsmänner eine Quelle bestandiger Sorgen sein mußte mußten sich fragen, ob die offenbare Untätigkeit der Tü-' andere Mächte anlocken würde, was Italien um kei dulden dürste. Die Freunde der Türkei mußten sich fragen, ob es für die Türkei nicht besser sei. einen V> zuschließen, anstatt aus eigener Kraft eine Souverö leidigen zu wollen, die sie nicht mehr festhalte Diese offene Parteinahme für den italien?- schen Raubzug hat man in Deutschland freilich nicht zu veröffentlichen gewagt. Aus guten Gründen i Steht doch diese romantische Betätigung der Nibelungentreue(die in den Augen der Türkei und der ganzen islamitischen Welt natürlich als Treubruch erscheint) im s ch ä r f st e n Gegensatz zu den Interessen des deutschen Volkes. Die deutsche auswärtige Politik steht hilf- und kopflos einer Katastrophe gegenüber. Der Einfluß Deutschlands in der Türkei ist verloren. Das deutschfreundliche Ministerium ist in Konstantinopel davongejagt worden und wird durch england- freundliche Minister ersetzt. Die Hoffnung, den Brand lokali- sieren zu können, wird von Tag zu Tag geringer. Die deutsche Politik hat nichts vorausgesehen, nichts der- hütet. Aus dem Zusammenbruch hat sie nur etwas zu retten gewußt: Italien hat die deutsche Regierung damit betraut, den Schutz der Italiener in der Türkei zu übernehmen I Die deutsche Regierung hat eine beneidenswerte Aufgabe: Sie muß die Türkei zu hindern suchen, Italien dort zu bekriegen, wo der Krieg am wirksamsten ist, auf wirtschaftlichem Gebiet. Und da sie das nicht wird leisten können, da der entflammte Fanatismus der Mohammedaner den deutschen Schutz vielleicht nicht sehr hoch achten wird, werden wir es vielleicht noch er- leben, daß Deutschland als Hausknecht Italiens gegen die Türkei dienen darf. Das sind die glorreichen Er- gebnisse der deutschen auswärtigen Politik I Aber das Eine wollen wir doch in aller Ruhe er- klären. DaS deutsche Proletariat hat nicht die gering st e Lust, das Opfer dieser Politik zu werden. Und mag passieren, was da mag: die deutsche Arbeiterklasse will keinen Krieg. Im Bunde mit den englischen und französischen Arbeitern werden wir alles aufzubieten trachten, um die kapitalistischen Regierungen zu zwingen, Frieden zu halten. DaS erste Treffen. Rom, 30. September.(Meldung der Agenzia Stefanl.) Aus den Nachrichten, die in den letztest Tagen im Marineministerium eingelaufen sind, ergab sich, daß die türkischen Torpedo« boote sich bei Prevesa versammelten, mit dem offenbaren Ziel, in daS Sdriatische Meer einzulaufen, die italienischen Handelsschiffe beschlagnahmen, die offen liegenden Städte Italiens zu beun uhigen und gegebenenfalls sein« Transporte zu stören. Infolge -ssen wurden Matznahmen getroffen, um diese Absichten zu durch zen. Der Herzog der Abruzzen hat hierüber an den Marine aister das nachstehende Telegramm abgeschickt: „Ich bin heute<2S. ds.) vor Prevesa eingetroffen und abe mit meinem Kreuzergeschwader hier Aufstellung genommen. Im 3 Uhr meldeten die Befehlshaber der kleinen Geschwader durch Funkspruch, daß zwei türkische Torpedoboote Prevesa nacheinander passierten. Daö eine Geschwader machte Jagd auf den einen Torpedo, der gegen Norden zu entfliehen versuchte. Nachdem nur wenige Kanonens chüsse gewechselt worden waren, fuhr der türtische Torpedo aus das Land US, wo er scheiterte. An Bord brach ein Brand auS, der ihn vollständig unbrauchbar machte. Das zweite Torpedoboot, gegen das sich zwei Torpedo zr»,'rörer wendeten, kehrte sofort nach Prevesa zurück und blieb unverlebt. Ich habe den Kommandanten trlcgraphisch meine srcude über die Durchführung der Maßnahme bekanntgegeben." Dieser offizielle Bericht lügt natürlich, wenn er von An. zriffsgelüsten der kleinen unmodernen türkischen Boote spricht. Es delt sich vielmehr um einen U eberfall der italienischen aber. Wegnahme eines Schiffes. Rom, 3». September. Wie dem„Mcssagero" aus Tripolis ge- eldet wird, wurde der türkische Transportdampfer > e r n a" im Hafen von Tripolis mit Beschlag belegt. ld der Beginn der Feindseligkeiten zwischen Italien und der bekanntgemacht war. Der Kommandant und die Besatzung eten keinen Widerstand. Der noch nicht ausgeladene eil der Ladung wurde ebenfalls mit Beschlag belegt. Der Beginn des Bombardements. Mom, 30. September. Wie der„Meffagero" aus guter Quelle issen behauptet, könnte nach den internationalen Abmachungen Bombardement von Tripolis erst 24 Stunden nach .ifsorderung zur Uebergabe erfolgen. Diese Aufforderung sei «m durch den TorpedobootSzerstörer.Garibaldino" übermittelt �>. Tie 24 Stunden würden heute abend um S Uhr fcn, bis dahin würden also die Feindseligkeiten nicht beginnen. Gerüchte über die Landung. Tripolis, 30. September. ES laufen Gerüchte um. die aus ingeborenenkreisen herrühren, nach denen bereits eine La n- >ung italienischer Truppen an der Küste westlich von Tri- pol iL stattgefunden hat. Bevorstehendes Bombardement von Saloniki und Smyrua. Paris, 29. September. Der„Agence HavaS" gehen zu, wonach S m y r n a eldungen aus Konstantinopel s ch e Panzerschiffe vor niki erschienen sind. Sturz des deutschsremidlichen Ministeriums. , 29. September. Die Agence Havas meldet tinopel: Das Kabinett Harki Pascha hat ita und aus de- missionier f. Said Pascha ist zum Großwestr ernanir worden, K i a m i l Pascha zum Minister des Aeußern. Mah mud Schewket Pascha bleibt Kriegsminister. Ein zweites in Konftantinopel um 19 Uhr 39 Minuten abends aufgegebenes Telegramm besagt: Italienische Truppen sind in Tripolis und Bengasi an Land gegangen. Ter wirtschaftliche Kampf. Saloniki, 29. September. Das Komitee für Ein heit und Fortschritt droht jetzt öffentlich den Wirt schaftlichen Kampf gegen alle italienischen Einrich tungen an. Es wird nach Eröffnung der Feindseligkeiten alle italienischen Staatsangehörigen aus' weisen; bis dahin fordert es das Volk zur Ruhe und Be sonnenheit auf. Da sich unter der hiesigen jüdischen Bevölke rung an viertausend italienische Schutzbefohlene befinden, so wird die Lage als überaus ernst empfunden, zuma" diese Israeliten sehr großen Grundbesitz haben und in her vorragendem Maße an Handelsunternehmungen beteiligt sind. Ter Widerstand Tripolitaniens. Mailand, 30. September. Der Korrespondent des„Giornale d'Jtalia" in Konstantionpel hatte eine Unterredung mit B e k i r S a m y Bei, dem früheren Gouverneur von Tripolis Dieser erklärte u. a., falls die Italiener landen würden, würde ihnen von den Eingeborenen ein blutiger Empfang be- reitet. Die Tripolitaner würden ihr Vaterland bis auf den letzten Blutstropfen verteidigen. Landen könne Italien zwar, aber nicht in das Innere eindrin- gen. Dazu mutzten sie wenigstens 3 bis 4 Jahre lang eine Okkupationsarmee in Tripolis unterhalten. Ein Erfolg Italiens sei unter dem alten Regime möglich gewesen, heute aber nicht mehr. Ein Notschrei der Türkei. Konftantinopel, 39. September. Der von der Pforte den Mächten heute übersandte Appell um Hilfe hat folgenden Wortlaut: Trotz der überaus kurzen von Italien in dem Ultimatum festgesetzten Frist von 24 Stunden hatten wir uns beeilt, lange vor ihrem Ablauf zu antworten, daß die italienische Regierung nicht nötig habe, zu einer mili tärischen Besetzung zu schreiten, um von uns in Tripolis und in Eyrenaika Bürgschaften wegen einer Wirt- schaftlichen Ausdehnung für sich zu erlangen. Wir erklärten uns bereit, diese Bürgschaften zu gewähren, soweit sie unsere territoriale Integrität nicht verletzten, wobei wir die Verpflichtung übernahmen� während der Verhandlungen unsere m i l r t ä r i s ch e Lage in den genannten Provinzen nicht zu verändern. Ohne auf dieses versöhnliche Anerbieten auch nur zu antworten, schickt uns dte italienische Regierung zu derselben Zeit, da sie ihr- Flotte aussendet und vor Ablauf der Frist eines unserer Torpedo- boote in den Gewässern des Adriatischen Meer-s a n g r e l- f e n läßt, ein? förmliche Kriegserklärung. Peinlich überrascht von dieser unerwarteten Feindseligkeit, die durch unsere Hai- tung gegen Italien keineswegs gerechtfertigt wird, wollen wir glauben, daß es n o ch Zeit ist, angesichts derversönlichen Stimmung, von der wir be- seelt sind, die unheilvollen Wirkungen eines Krieges, der keine tatsächliche Ur- fache hat, aufzuhalten. Wir wenden uns deshalb an die friedlichen und menschlichen Gesrn- n u n g e n sowie an die F r e u n d s ch a f t der p. t. Regie- rung. damit sie bei Italien Einspruch erheben und es von un- serem aufrichtigem Wunsche überzeuge, mit ihm zu ver- handeln, um einem unnützen Blutvergießen vorzubeugen. Die Begründung der Kriegserklärung. Koastantinipel, 30. September. Die italienisch« Note mit der Kriegserklärung, die während des Ministerrates über- geben wurde, führt auS: Da die Frist abgelaufen ist, ohne ein« befriedigende Antwort zu bringen, was den schlechten Willen oder die Schwäche der Pforte beweist, ist Italien genötigt, selbst für die Wahrung der Rechte und Interessen, der Würde(?) und Ehre(?) de» Staates Vorsorge zu treffen. Da die freundschast- lichen und friedlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten unter- brachen sind, betrachtet sich Italien im Kriegszustände gegenüber der Türkei. Die Aufforderung zur Uebergabe. London, 30. September. Aus Tripolis wird gemeldet: Als gestern vormittag ein Offizier des italienischen Torpedobootsger- störerS«Garibaldino" mit einem Matrosen, der die we'tze Flagge trug, an Land kam. wurden beide von türkischen Tol- baten umringt. Der Offizier fragte nach dem türkischen Befehls- haber, dem er in aller Form ankündigte, die italienische Flotte habe den Befehl erhalten, die Stadt zu besetzen. Deshalb ver» lange er die sofortige Uebergabe der ganzen Garnison. Der türkische Kommandant erwiderte. erseinichtinderLage, dieser Aufforderung nachzukommen, und lehne die Ueber- gäbe entschieden ab. Darauf erklärte der italienische Offi zier, den N i ch t k ä m p f e r n würde eine F r i V o n 6 Stun» den zum Verlassen der Stadt einger-�mt werden. Nachdem man höfliche Grütze ausgewechselt katt* Vehrte die italienische Abordnung»"? Flotte zurück. Ter RauberhaupH"««. Rom, 30. September. Das Mil�r�latt„Exercito Jtaliano" kündigt die bevorstehende VcröffenU-Hüng eines Erlasses an, der den General Caneva zum Befehlshaber der italieni. schen Streitkräfte zu Wassel vnd zu Land« für die Tripolis. Expedition ernennt. Kurte von CrlpoUö. Die Karte gibt unseren Lesern ein Bild des Kriegsschauplatzes, auf dem der türkisch-italienische Krieg sich abspielt. DaS Haupt« intereffe konzentriert sich äugen- blicklich auf die Stadt Tri« polis, deren Beschießung durch die Italiener bereits begonnen haben soll. DaS Parlament überfjsfig. Rom, 30. September.„Popolo Roma;" spricht sich entschieden gegen das Verlangen der sozial st ischen Kammer- gruppe aus, daß das Parlament sofort einberufen werde, da augenblicklich_jede Sammerbelttc' über das Tripolis- Unternehmen den nationalen Interessen würde. Gnädige Anerkennstg. Rom. 30. September. Giornale d'Jstja schreibt zu der Mel- dung. daß Deutschland die in der isirkei lebenden Italiener unter seinen Schutz genommen habe: Tx verbündete Nation hat hierdurch unserem Lande einen neuen lx�oisderFreund- schaft und Sympathie aegebe. Die Handlungsweise Deutschlands ist um so sympathisch,;,«ls stinc Lage wegen der Freundschast mit der Türlei s e h r d l j k« t ist. Die Haltung Deutschlands könnte unter diesen enswn Umständen nicht freundschaftlicher sein. Es-mufnoch bemerkt werden, datz die Italiener unter dem Schutz Deutschz»�. � großen Einfluß auf die türkische Regierung hat. sich.xer sind, als unter dem Schutze anderer Machte. Englands An>il. Tunis, 29. September. Nach cnem aus Malta stammenden unbestätigten Gerücht soll.er e n g l i s ch e K r e u- zer„Medea" abgegangen sein, Bomba. den natllr« lichen Hafen zwischen D e r n a uni Alexandrien, zu besetzen. Die englische)lreffe. .. L-ud-n. 30. September. Die e,gl ischen Zeitungen beschäftigen sich allgemein mit der �ipoliskrisis. Sie verur- teilen einstimmig das italie.js� Vorgehen und hoffen durchweg, daß die Machte noch ein chxoiten werden, um das Gebiet des Konfliktes einzugren x,,. Klerikaler und losialMher Umsturz. In dem Düsseldorfer Wahlkampf �a�en die Ultramontanen in bekannter Weise den Philister mit de, Gespenst des Umsturzes zu schrecken versucht.«Die Wähler— st, tn-kiHdete Herr Karl Trim- born— müssen sich entscheiden, ob i, ,.,st mS gehen wollen oder mit einer Partei, die offen die Republ�„üreSt. die unser eW irt- schaftSordnung vollständig, mkehren will, die nicht den sozialen Frieden, sondern den Klissenhaß predigt, die nicht die Ordnung, sondern den U m stur,.„strebt" Herr Karl Trimborn versteht ni\„„j nichts von der Sozial- demokratie. sondern auch die Bruuds�e und Forderungen der christ- lichen WirtschaftS- und Gesellschas�eh,,. sind ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Weiß er doch nich. daß die Hauptforderung der christlichen Sozialreform: die be-ufsstän dische O rg ani- ation der Gesellschaft. ,ncil völligen Umsturz der be- stehenden Verhältnisse bedeuten wür t< Bielleicht liest Herr Trimborn demnächst in einer seiner Mußestun!■„ das Buch seines Partei, und Gesinnungsgenossen Franz Hitze.,. Kapital und Arbeit" t Paderborn 1880) nach. Dort kann[C finden, daß die heutige gesell- schaftliche Ordnung weder den ,m teriellen ProduktionS- bedingungen", noch den.( �teressen der sozialen Verteilung", noch endlich.geistig-chtlichen" Anschauungen von Freih ,t und GIeichh'it" genügt wie sie nun einmal unser Zeital auszeichnen, daß le.in ihrer ausschließlichen privatwirtschaftlich-- chaltung" c-n o,«nischen «brechen leidet und der und Duu,- Sozialismus hin bedarf". Allerdings ist es ein christlt ,er Hitze die Gesellschaft reformieren„ill, träger nicht wie bei unS das Pro-s.anat, sondern der Mittel« t and ist. Und um dem Bürger� und-gauerSmann gegenüber. dem Kapilalisten und dem Prolelar/ck Wied'» zu seinem verdienter Einfluß zu verhelfen, muß die Ge llscha ft ständisch organi- siert werden, es muß zunächst-.e ständische Interessen- Vertretung geschaffen werden W' HD .Die politische Organisati- der führt zur Wirtschaft». lichen in Produktion, Konsnn, ibution, zur geistig- sittlichen in Erziehung und V sju- t für die Presse wer nicht jahrelang vernachlässigt worden wäre. Düsseldorf mit seinen 60 Proz. Katholiken würde nie und nimmer der Sozialdemokratie anheimgefallen sein, wenn man hier auf unserer Seite nicht schwer auf dem Pretzgeb>ete gesündigt hätte. Dies muß uns eine Warnung sein. Mit der Verbreitung jener Presse wächst und fällt die ZentrumSpartei. Der Sozialdemokrat hat bei der Stich- wähl außer den 3000 demokratischen Stimmen noch 2000 weitere Stimmen aus dem liberalen Lager erbalten. Man kann be- haupten, daß von den Wählern, die seither nationalliberal gestimmt haben, gestern zwei Drittel sozialdemo- k ratisch gestimmt haben. Der Rest blieb zu Hause und ent- schied die Wahl zugunsten der Sozialdemokratie." Es ist nur gut, daß die..Märk VoltSztg." einen Trost für die nur zu verdiente Niederlage des Zentrums gefunden hat. Wenn das Zentrumsblatt ober meint, daß die 2000 Stimmen. die die Sozialdemokratie außer den demokratischen Stimmen bei der Stichwahl für sich aufgebracht hat. liberale Stimmen ge» wesen seien und wenn sie gar bebauptet, daß von den 11000 ehe- maligon nationalliberalen Wählern zwei Drittel sozial- demokratisch gestimmt hätten, so ist das denn doch eine völlig aus den Fingern gesogene, durch nichts zu beweisende Annahme. Möglich, daß sich unter den demo- kratiscken Stimmen auch eine Anzahl ehemaliger nationalliberaler Stimmen befunden hat. Aber ebenso sicher ist eS, daß sich unter den„nationalen" Stimmen befunden haben, die bei der Stichwahl dem Zentrum zugute gekommen sind. Und wenn daS Zentrum die 3500 Stimmen, die ihm darüber hinaus zufielen, als Stimmen von Zentrumsangehörigen betrachtet wissen will, so sollte es doch auch die Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen als sozial- demokratische Reserven betrachten. Wenn die„Märk. Volksztg." den Liberalen versichert, daß die Zentrumswähler den Liberalen die Nichtünterstützung des ZentrumSkandidaten«sobald nicht vergessen" werden und daß die Nationalliberalen..ja sehen würden, wer den größten Schaden davon habe", so wird man die Entwickelung der Dinge ruhig ab- warten müssen. Trotz allen Sperrens und aller jetzigen Drohungen ist es noch immer das wahrscheinlichste, daß das Zentrum doch noch den von nationalliberaler Seite für Rheinland-Westfalen angebotenen Wahlschacher akzeptieren wird. Für solche Handels- geschäste ist das Zentrum ja noch jederzeit zu haben gewesen, Wieder e'n politischer KorrnptionsfotidS. Zu den verschiedenen Wahlfonds des Bundes der Landwirte, deS Hansabundes, der industriellen Juliustürmer usw. hat sich ein neuer Korruptionsfonds aufgetan unter der Bezeichnung: Koloni- aler WaHlfoudS. Und hinter diesen neuen Fonds stecken Leute, die in den Kolonien einen mehr oder minder großen Teil ihres Kapitals angelegt hoben, sowie ferner eine Anzahl der genugsam bekannten Kolonialpolitiker— also Interessenten, die daraufbrennen, möglichst große Gewinne auf Kosten der deutschen Steuerzahler ein- zusäckeln. Mit Hilfe dieses Fonds sollen möglichst viele Ab- geordnetein den Reichstag gewählt werden, die sich verpflichten, die besonderen Interessen ihrer ahlgeber zu vertreten! Als Programmpunkte sind auf- gestellt: 1. Eine Vertretung der einzelnen Kolonien im Reichstage ist erstrebenswert zunächst in der Form, daß nicht beamtete Sach- verständige aus den einzelnen Kolonien an den Beratungen deS Haushaltsausschustes teilzunehmen haben. 2. ES ist der Ausbau der Selbstverwaltung zu erstreben, urid zwar in der Art. daß der Landes- bezw. GouvernementSrat, dessen Vertreter in der Mehrzahl aus freier Wahl hervorgehen sollen, nicht beratende, sondern beschließende Stimme erhält. 3. In allen Kolonien ist, soweit es die klimatischen Verhält- nisse ermöglichen, die Besiedelung durch deutsche Ansiedler zu unter- stützen, und ihnen die soziale Stellung zu gewährleisten, die der Rassenstandpunlt erfordert. 4. Die Verkehrspolitik der Kolonien ist so zu gestalten, daß der Handel mit dem Mutterlande auf alle Weise gefördert wird." Mit einem Flugblatt will sich die neue Organisation, der die Arendt und Liebert vermutlich nicht sehr fern» stehen, demnächst an die Oeffentlichkeit wenden. Die politischen Korruptionsfonds schießen neuerdings aus dem Boden hervor, wie die Pilze nach warmem Regen. Nicht mehr als Vertreter parteipolitischer Uxberzeugung, sondern als Sold- linge irgend einer der vielen geldspendenden Jnteressentengruppen treten die bürgerlichen Kandidaten im Wahllampf auf. In Variation eines bekannten Sprich- Wortes kann man diese Kandidaten fragen:„Sage mir, wer Deine Wahlarbeit bezahlt, und ich sage Dir, wo Du hingehörst". Die Spickung aus diesen unterschiedlichen Korruptionsfonds muß schließ- lich zum politischen Bankrott der einzelnen bürgerlichen Parteien führen, denn nicht mehr parteipolitische Ideale stehen im Mittelpunkt des Wahlkampfes, sondern nackte Jnteressenpolitik. Die nationalliberale Drecklinie. In Weimar hat der neugewählte Vorsitzende deS national» liberalen Vereins. Dr. Stapff, Syndikus des Vereins Thüringer Industrieller, eine Erklärung veröffentlicht, in der er sich dagegen verwahrt, daß feine Wahl eine LinkSabschwenkung der National- liberalen bedeute. Er habe sich, so erklärt er wörtlich, aus die „Drecklinie' gestellt— wie eS Fürst Bülow nannte um gegen Antisemiten und Sozialdemokraten in der Weise, wie eS notwendig sei, aufzutreten. Zugleich bezeichnete er es als Aufgabe der Nationalliberalen, den Kanipf zu führen gegen die zurzeit herrschende, von reinemKlassenegoiSmuS getriebene Strömung der rechtsstehenden Parteien. Wie vielseitig der auf der.Drecklinie" stehende Liberalismus de« Herrn Stapff ist, wird von ihm selbst am Schlüsse seiner Er klärung verraten, indem er eS für selbstverständlich findet, daß im Falle einer Stichwahl zwischen Graf(Antisemit) und dem Sozial demokraten die Nationalliberalen sich nicht nur öffentlich für den bürgerlichen Kandidaten erklären, sondern seine Wahl mit allen Kräften sichern._ Oeftemicb-Cliigaiii. Fortdauer der ungarischen Obstruktion. Budapest, 30. September. Abgeordnetenhaus. Der gewesene Staatssekretär D e s y richtete an den Finanzminister eine Anfrage wegen der Unterbrcitung deS Budgets für 1012. Er verwies daraus, daß über daS Budget ohne Verzug verhandelt werden müsse, da für einen etwaigen budgetlosen Zustand die Ver- antwortung auf die Regierung falle. Er erklärte namens der Kossuthpartei, daß sie der Verhandlung über das Budget lein Hindernisse in den Weg zu legen gedenke. Die W e h r v o r lagen seien nicht von derartiger Wichtigkeit u an keinen bestimmten Zeitpunkt gebunden. Ueber das Budget mö zuerst verhandelt werden.(Zwischenruf de« Landesverteidigung Ministers Hazai:„Auch die Wehrvorlagen find von großer W' iigkeit 1") Deiy schloß mit der Erklärung, daß seine Partei wett gegen die Wehrvorlage obstruieren werde. Spanien. Gewaltmaßregeln gegen Republikaner und Sozialisten. Balenria, 30. September. Der Generalkapitän hat d Volkshaus soivie 18 Arbeitersyndikate und republikanische Klubs aufgelöst. Der Bürger- meister von Cullra ist verhaftet worden unter der Bcschuldi- gnng, die jetzigen Unruhen begünstigt zu haben. General Echaque hat ebenfalls republikanische und sozialistische Klubs in Cullra, Jativa. Bunal und Caragente aufgelöst. In der Provinz Valencia allein sind über 300 Verhaftungen vorgenommen. Die Zensur wird mit größter Strenge ausgeübt. Portugal. Eine monarchistische Verschwörung vereitelt. Lissabon, 30. September.(Amtlich.) Die Polizei von O p o r t o hat in der vorigen Nacht eine große Zahl von klerikalen und reaktionär gesinnten Persönlichkeiten verhaftet, die in eine Ver- schwörung zum Zwecke deS Umsturzes verwickelt sind. Die Regie- rung hat energische Maßregeln ergriffen und die Verhasteten auf zwei Krcegsschifse transportieren lassen, die sie hierher bringen sollen. Hier und in Oporto herrscht jetzt vollkommene Ruhe. Im Distrikt von Oporto ist es zu einigen Ruhestörungen gekommen, die mit dcni erwähnten, eben gescheiterten Umsturzversuch in Vapbindung zu bringen sind; fie sind durch die nach Oporto gesandten Truppen energisch unterdrückt worden. Die Regierung hat es aber nicht für nötig gehalten, die konstitutionellen Garantien zu suspendieren, ScKweclen. Ministerwechsel. Stockholm, 30. September. Infolge des Wahlausfalles, der die konservative Majorität beseitigt hat. ist daS Ministerium Lind in an zurückgetreten. perlten. Ein neuer Sieg der Regierung. Teheran. 30. September. Zwischen den Regierungs, truppen und den Truppen Salar ed Daulehs hat ein abermaliger Zusammenstoß stattgefunden. Die Bach- tiaren BogadurS und Mochtaschems schlugen die Kurden Nasna ali Khans, die 200 Tote und Verwundete auszählen und 2 Geschütze verloren. Tausend der besten Reiter der Regie» rungstr Uppen verfolgen Salar ch Daulch. GeweiitfcbaftUchea. Berlin und Umgegend« Arbeiter! Parteigenossen! Raucher! Seit vier Wochen stehen die Zigarrenarbeiter in Grost Berlin im Kampf um eine Besserung ihrer Lage, und es muß gesagt werden, daß Schritt für Schritt die Dinge sich zuin Besseren wenden. Aber langsam nur bequemen sich die Herren Fabrikanten zu Zugeständnissen und das auch nur unter dem Druck der Konsumenten, der Raucherl Arbeiter. Parteigenossen, Raucher! Ihr könnt uns m diesem Kampfe viel, sehr viel helfen. Dem Druck der Kon sumenten kann auf die Dauer auch nicht der hartgesottenste Händler, Gastwirt oder Fabrikant widerstehen. Fragt bei Euren Zigorreneinkäufen stets danach, ob die Ware zu Preisen hergestellt ist, die tarisiert sind, oder auch aus Fabriken stammt, wo eine Einigung stattgefunden zwisdjen den orga nisierten Arbeitern resp. ihrer Organisation, dem Deutschen Tabakarbeiterverband, und dem Fabrikanten. Achtet auch auf die F a b r i k k a n t i n e n, beachtet dabei unsere veröffentlichte Liste, und der Erfolg kann bei der Ein mütigkeit, mit der die öffentliche Meinung hinter den kämpfenden Tabakarbeitern steht, nicht ausbleiben. Noch- mals, Arbeiter. Interessenten, habt acht! Uebt Solidarität! Raucher, beachtet die Liste im Annoncenteil im heutigen ».Vorwärts"!_ Die Töpfer und die �ensterfrage. Die Töpfer stimmten in der am Freitag abgehaltenen General- Versammlung dem Ortsstatut und dem Arbeitsnachweis-Regulativ zu, welche schon in der vorigen Versammlung diskutiert wurden. Die Konirolle der Arbeitslosen, worüber in der vorigen Versamm- lung Meinungsverschiedenheit herrschte, ist nunmehr so geregelt, daß sich jeder Arbeitslose in den ersten beiden Wvchen der Arbeits- losigkeit wöchentlich einmal, von der dritten Woche ab aber wöchent- lich dreimal in den zuständigen Kontrollstellen zu melden hat. Die in Schöneberg wohnenden Kollegen brauchen sich aber auch von der dritten Woche ab nur einmal melden, weil dort wegen der städtischen Arbeitslosenunterstützung eine tägliche Kontrolle seitens der Stadt durchgeführt wird. Hierauf nahm die Versammlung eine von der Funktionär- sitzung aufgestellte Resolution zur Fen st erfrage an. Sie lautet: .Die Versammelten verpflichten sich, vom Montag, den 16. Oktober ab nur auf solchen Bauten zu arbeiten, wo alle be- fchäftigten Töpfer vor Zugluft durch genügend verglaste Fenster geschützt, arbeiten können. Das heißt, es muß unbedingt das Zimmer dicht sein, in dem der Töpfer arbeitet, und auch die Nebenräume, wenn er von dort aus durch Zugluft belästigt wird Provisorische Verglasung und Verschalung von Balkontüren usw. ist nur soweit zulässig, als die übliche Arbeitszeit bei genügen� dem Tageslicht ausgenutzt werden kann.— Kollegen, die wegen Nichtverglasung oder aus anderen Gründen am 16. Oktober arbeitslos werden oder sind, sollen, sofern ihnen nicht andere sowie auch für die Heimarbeiterinnen, die direkt für den Fabrik kanten arbeiten. Den Tarif auch bei den Zwischenmeistern zur Geltung zu bringen, muß Aufgabe der Arbeitnehmer selbst sein. Uebcr den Tarif hinausgehende Vergünstigungen müsien unter allen Umständen bestehen bleiben. Als Tarifdauer wurden drei Jahre festgesetzt, mit dem 1. September als Ablaufstermin.— Im übrigen hat der„Vorwärts" die wichtigsten Bestimmungen schon am Donnerstag mitgeteilt.— Die Akkordtarife sollen bekanntlich in den einzelnen Betrieben festgesetzt werden, so daß also ein «außerordentlich wichtiger Teil der Tarrfbewegung noch zu erledi gen ist, was bis zum 9. Oktober zu geschehen hat. Die Arbeiter und Arbeiterinnen werden nun in den Betrieben durch ihre Kom- Missionen mit aller Energie darauf dringen müssen, daß sie zu annehmbaren Tarifen kommen. Wenn über irgendwelche Punkte Klarheit nicht zu erzielen ist, mutz dies sofort im Bureau, Neue Königftr. 6, gemeldet-werden. Sowohl der Referent Eue, wie der Hauptvorstandsvertreter M i r i u s betonten ausdrücklich, daß, wenn die Wünsche der Arbeitnehmer bei diesen Verhandlungen in den Betrieben nicht genügend berücksichtigt werden, die Fabrikanten mit der Ablehnung des Tarifes zu rechnen haben. Man werde dann auf feiten der Arbeitnehmer erwägen, welche Taktik weiter einzuschlagen ist.— Im Nebensaal sprach zu der ebenfalls über stillten Versammlung der Verbandsvorsitzende Stühmer im selben Sinne. Beide Versammlungen erklärten sich mit Pen Aus- führungen der Referenten einverstanden, und der ganze Verlan- der Versammlung bewies, daß die Wäslhcarbeiterschcrft Berlins mehr denn je auf dem Posten ist, um die Bewegung zu einem guten Ende zu führen. Nach Schluß dieser Versammlungen kamen noch die Arbeiter und Arbeiterinnen besonders zusammen, die bei den Nichtorganisierten Firmen beschäftigt sind, von denen bis zum 39. September Antwort auf die eingereichten Forderungen ver- langt war. Eine Versammlung der bei diesen Firmen Beschäftig ten wird am Montag stattfinden, um die nötigen Beschlüsse zu 'assen. Bis jetzt hat sich die Firma I. u. W. Hauser zu Ver- Handlungen bereit erklärt, während andererseits die Firma W. Blume ihren sämtlichen Arbeiterinnen gekündigt hat, die nun am Montag nicht mehr zur Arbeit kommen werden. Ferner hat das Personal von Wohl u. Heymann selbst gekündigt, da hier eine friedliche Regelung ausgeschlossen erschien. Voraussicht� lich werden verschiedene Unternehmer jetzt durch Zdtungsannom cen nach neuen Arbeitskräften suchen, und aus diesem Grunde ist es dringend notwendig, daß sich die Arbeiter und Arbeiterinnen. ehe sie irgendwo Arbeit annehmen, im Bureau erkundigen, wie es mit der betreffenden Firma steht. Arbeit nachgewiesen wird, vom vierten Tage ab unte den, falls sie seit dem vorigen Fensterstreik mindestens 26 zu einem Lokalfonds gesteuert haben; desgleichen Kollegen, die in letzter Zeit von einem anderen Verband oder dem Verein der Töpfer Berlins und Umgegend übergetreten sind und 26 Beiträge seit dem 15. Oktober 1919 geleistet haben.— Junggesellen, die sofort nach beendeter Lehrzeit eingetreten sind, erhalten wöchentlich 19 M. Unterstützung.— Die Streikenden und Arbeitslosen haben sich sofort gegen Vorzeigung des Verbandsbuches in die Streik- Listen eintragen zu lassen und sich alle Tage einmal im Streik- oureau im Gewerkschaftshause zur Kontrolle zu melden. Die Streikenden von den Bauten können sich durch den Bauvertrauens- mann in die Streikliste eintragen lassen und sich auch auf dem Bau«beim Vertrauensmann zur Kontrolle melden. Der Ver- trauensmann ist aber verpflichtet, die sich bei ihm Meldenden täglich dem Streikbureau anzugeben.— Für die Vororte Köpenick, Friedrichshagen, Spandau, Königs- Wusterhausen, Bernau, Oranienburg. Neuenhagen, Mühlenbcck-Schönwalde und Potsdam sind Kontrollstellen in den dortigen Zahllokalen zu errichten und können sich die Kollegen auch dort zur Kontrolle melden.— Das Streikbureau ist geöffnet von 19— 5 Uhr und die Bezirkskontroll- stellen von 19— 12 Uhr." Hierauf wurde der Versammlung Mitteilung gemacht von einer atistik, welche die heiztechnische Kommission veranstaltet. Kommission will bekanntlich dahin wirken, daß der Herstellung von Kachelöfen auf möglichst große izkraft derselben Bedacht genommen wird. Da die Hcizkraft ncht nur von der Bauart des Ofens, sondern auch von dem ver- vandten Material abhängt und gerade in dieser Hinsicht von den lnternehmern vief gesündigt wird, so soll durch die Statistik unter -.derem auch festgestellt werden, welcher Art das verwendete Ma- rial ist. Diese Statistik wurde als ein bemerkenswertes Vorgehen r Kommission bezeichnet und den Kollegen empfohlen, durch Ver- ceitung und Ausfüllung dev-�in der Versammlung ausgegebenen Fragebogen an dem Zustandekommen dieses Werkes mitzuwirken. Achtung, Töpfer! Wegen Beschäftigung von Wilden und Tarif- bruch sperren wir hiermit den Bau Klost, Winsstraße. Ecke Jablonskistraße 39._ Die Berbandsleitung. Die Tarifbcwegung der Wäschearbeiterinnen und-arbeiter. Die Wäschearbciterinnen und-arbeiter hatten sich am Freitag so außerordentlich zahlreich bei Bötzow am Prenzlauer Tor versam- melt, daß der große Saal nicht ausreichte und im Nebensaal eine zweite Versammlung veranstaltet werden mußte. Aus dem Be- riebt über das Ergebnis der Verhandlungen, die am selben Tage, soweit der allgemeine Tarif in Frage kommt, ihr Ende erreicht hatcen, ist zu entnehmen, daß die Vertreter der Parteien auf die zuerst in Aussicht genommene Ueberweisung strittiger Punkte an das Tinigungsamt verzichtet haben, so daß auch diese Punkte durch die Verhandlungen als erledigt gelten. Die Verkürzung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen von 914 auf 9 Stunden ist abge- sehnt; ebenso die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für die Stanzer und Maschinenzuschneider, so daß diese kurze Arbeits- zeit wie bisher nur für die Handzuschneider besteht. In einigen anderen Punkten haben die Fabrikanten etwas Entgegenkommen gezeigt. So ist unter anderem bestimmt, daß das Mitgeben von Arbeit nach Feierabend nicht gestattet ist, und daß das Vergeben von Arbeit an Zwischenmeifter sowie nach auswärts nur zulässig ist, wenn die Arbeiterinnen im Betriebe voll« Beschäftigung haben. Verlangt der Arbeitgeber, daß die Arbeiter oder Arbeiterinnen bei schlechtem Geschäftsgang länger im Betriebe bleiben, als Beschäf- tigung für sie vorhanden ist, so sind den Zuschneidern 75 Pf., den' Plätterinnen 45 Pf., den Näherinnen 49 Pf. die Stunde zu ver- güten. In der Praxis wird diese Bestimmung jedenfalls dazu führen, daß die Fabrikanten in Zukunft darauf verzichten, ihre Arbeiter und Arbeiterinnen unnötig in der Fabrik festzuhalten, um den Kunden einen regen Betrieb zeigen zu können, wenn keine Arbeit vorhanden ist. Bei fehlerhafter Arbeit muß der Lohn gc- zahlt werden, wenn der Zuschneider oder die Arbeiterin nachweist, daß ihrerseits kein Verschulden vorliegt. Bevorzugung einzelner Arbeitnehmer durch Zuschiebung einträglicherer oder leichterer Arbeit darf nicht vorkommen. Für Ueberzeitarbeit der Akkord- arbeiter und-arbeiterinnen ist ein Zuschlag von 19 Pf. die Stunde zu zahlen, neben der Voraussetzung, daß die Arbeitszeit pünktlich begonnen wird. Die hier und da vorkommende Unsitte, daß die Arbeitnehmer zu spät und ebenso unpünktlich Feierabend machen, muß aufhören. Der Tarif soll Gültigkeit haben für alle in den Betrieben und Filialbetrieben tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen Streik in der Geschäftsbiicherbranche. Die in der Berliner Geschäftsbuch-, Schreibheft-, Kassen-, Zeichen- und Kalenderblockindustrie sowie in den Liniieranstalten be- fchäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen versammelten sich vorgestern vollzählig, um den Bericht ihrer Lohnkommission über den Stand der Lohnbewegung entgegenzunehmen. Wie Klar berichtete, ist der Vereinigung Berliner Buchbindereibesitzer des Geschäftsbücher- faches der Beschluß der letzten Versammlung vom 15. September, durch den die Arbeiterschaft den Vorschlag der Arbeitgebervereini- gung, den geltenden Tarif bis zum 31. Dezember zu verlängern, mitgeteilt worden. Die Fabrikantenvereinigung erwiderte darauf am 25. September: „Nachdem die Verhandlungen über den Abschluß eines Sondertarifes gescheitert sind, weil Sie unverständlicherweise den Standpunkt einnehmen, eine Tarifverlängerung auf den 31. De- zpmber ablehnen zu müssen, sehen wir uns veranlaßt, Ihnen mitzuteilen, daß unsere Vereinigung ihren Mitgliedern anHeim gestellt hat, sich entweder dem Verein Berliner Buchdruckerei- besitzer oder dem Verband Berliner Buchbindereibesitzer anzuschließen. Fast alle unsere Mitglieder gehören bereits einer der ge- nannten Vereinigungen an und Iverden deshalb vom 1. Oktober ab entweder den mit dem Verein Berliner Buchdruckereibesitzer oder mit dem Verband Berliner Buchbindereibesitzer abgeschlosse- ncn Tarif ohne weiteres anerkennen. Bezüglich der in den einzelnen Wcrkstuben bestehenden Akkordtarife bleiben die Ver- haiidlungen mit dem Personal jedem Mitgliede überlassen." Es haben daraufhin auch sämtliche Mitglieder der Arbeitgeber- Vereinigung den mit den Buchdruckercibesitzern abgeschlossenen Tarif anerkannt, nur eine Firma hat den Buchbindertarff an- erkannt. Die Vertrauensleute haben sich bereits mit der durch die Arbeitgeber geschaffenen Situation beschäftigt, konnten sich aber mit dieser Regelung der Dinge nicht einverstanden erklären. Nach einer nochmaligen Revision des von der Arbeiterschaft aufgestellten Tarifs wurde dieser an sämtliche Arbeitgeber versandt und um dessen Anerkennung gebeten. Sieben Firmen mit 161 Arbeitern und Arbeiterinnen, die allerdings nicht der Vereinigung der Buch- bindereibesitzer des GeschästSbücberfaches angehören, haben bis zum Freitag diesen Tarif anerkannt. Weitere Bewilligungen dürften am Sonnabend, dem letzten Tage des alten Tarifverhältnisses noch zu envarten sein. Für die Buchbindereibesitzer des Geschäftsbücherfaches legte sich nunmehr der Verein Berliner Buchdruckereibesitzer ins Mittel und lud die Leitung des Buchbinderverbandes zu einer Aussprache ein. Von den Vertretern des Vereins der Buchdruckereibesitzer wurde dabei erklärt, nachdem die Buchbindereibesitzer des Geschäfts- bücherfaches ihre Mitglieder geworden seien, durften sie nicht be- treikt werden. Einen solchen Streik würden sie als Tarifbruch ansehen und ihren Mitgliedern den weitgehendsten Schutz gewähren müssen. Inzwischen Haten die Fabritanten allen Arbeitern und Arbeiterinnen mitgeteilt, welchen Lohnsatz sie vom I. Okwber ab erhalten würden, wenn sie dafür eintreten, daß der-Streik nicht beschlossen wird. In der Diskussion sprach als erster Redner der Verbandsvor- sitzende K l o t h. Er betonte, daß. so sehr der Verbandsvorstand. wie immer, einer friedlichen Regelung daS Wort reden würde, er doch hier in diesem Falle nicht empfehlen könne, auf das Angebot der Prinzipale einzugehen. Verlangen sie doch damit, daß die Arbeiterschaft für augenblickliche Vorteile ihre Zukunft verkaufen 'olle.— Die Lohnkommission hatte der Versammlung«ine Resolution vorgeschlagen, durch die der Tarif mit den Buchdruckereien abge- lehnt werden soll, weil er die Lohnverhältnisse der Kontobuch- arbeiter und-arbeiterinnen nur sehr unvollkommen regelt und diese bei-Schaffung dieses Tarifes nicht die Möglichkeit mitzu- wirken gehabt haben. Es wurde jedoch eine nochmalige VerHand- lung mit dem Verein der Buchdruckereibesitzer empfohlen und falls dieselben bis zum 7. Oktober nicht zu einem Ergebnis führen sollten, der Streik in Aussicht gestellt. Doch fast alle Diskussionsredner wandten sich mit heftigen Worten gegen eine weitere Aufschiebung der Angelegenheit und orderten die sofortige Arbeitsniederlegung. Nur einige Redner traten unter fortgesetztem Widerspruch der Versammelten für die von der Lohnkommission vorgeschlagene Resolution ein. Folgender aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag wurde mit er- drückender Mehrheit angenommen: „Bei allen Firmen, welch« die Forderungen nicht bewilligt haben, sind die Vertrauensleute verpflichtet, am Sonnabend, den 39. September, vorstellig zu werden. Wo die Bewilligung nicht erfolgt, hat am Abend die Arbeitsniederlegung zu erfolgen." Zum Streik der Hausdiener, Radfahrer usw. der Firma Karl Stiller, Schuhwarenhaus, Jerusalemerstraße 37/39, Filialen: Friedrichstraße 75. Potsdamer Straße 2. Königstraße 25/26, Rosen- thalerstraße 5, Tauentzienstratze Illa und 7b, Charlottenburg, Wik- mersdorfer Straße 45, Schöneberg. Hauptstraße 146, Rixdorf, Berg- stratze 26. und Oranienstraße 161, ist zu berichten, daß die Firma in bürgerlichen Blättern der Vororte, wo sie Filialen unterhält, sich zu rechtfertigen versucht, und dem Publikum von der Notwendigkeit zur Stellung einer Kaution überzeugen will. Trotz dieser vielen Rechtfertigungen und Richtigstellungen müssen wir nach wie vor an unseren Darlegungen in den Flug- blättern usw. unbedingt festhalten, und bezeichnen das Vorgehen der Firma Stiller, insbesondere den Sellien fegenÄÄ, ffiefcJfe 19 Jahre und länger im Hause tätig waren und sich nie Ver-- fehlungen haben zuschulden kommen lassen, als unschön. Obgleich es der Firma Stiller gelungen ist, Arbeitswillige zu bekommen, dauert der Streik doch weiter. Deutscher Transportarbeiterverband. Herr Alex Kunschke, Liebigstraße 24. bei der Firma Martin Goldmann beschäftigt, ersucht uns um die Mitteilung, daß er mit dem Arbeitswilligen Werkmeister K u n t s ch k e bei der Firma Georg Weigert nicht identisch sei. Der Kampf«m den Zehnstundentag in der Handels� gärtneret. Die in den Topfpflanzengärtnereien von Groß-Berlin beschäff tigten Gärtnergehilfen führten im Frühjahr dieses Jahres einen Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit. Diese beträgt in der Mehrzahl der Gärtnereien noch 11 Stunden. Am 14. September wurde nun der Arbeitgeberorganisation, der Gruppe Berlin des Verbandes der Handelsgärtner Deutsch- l a n d s, die Forderung auf Einführung der zehnstündigen Arbeits- zeit in den Wintermonaten ab 1. Oktober von neuem unterbreitet. Zur Unterstützung und Belebung der Bewegung veranstaltete der Allgemeine Deutsche Gärtnereiverein am Dienstag, den 19. Sep- tember, 19 Versammlungen in den Vororten �Berlins, die sich mit dieser Frage beschäftigten. Auf das oben erwähnte Schreiben teilte die Unternehmerorganisation mit, daß im September keine Sitzung mehr stattfindet, die sich mit der Forderung der Gehilfen beschäf- tigen könnte. Die Forderung auf Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit ist nun jedem Unternehmer einzeln zugestellt worden und wird die Bewegung betriebsweise geführt werden. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein. Ortsverein Groß-Berlin. verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw,: Blecke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaft Paul Singer ä Co.. Berlin LW„ Der Streik der Fleischergesellen der Wurstfabrik Wilh. Heiber, Charlottenburg, Kantstratze 63, hat die Polizei mobil gemacht. Vor dem Eingang des Geschäftes halten zwei mit Revolvern bewaffnete Schutzleute Wache, in der nächsten Umgebung halten sich eine An- zahl Kriminalbeamte auf. Den Streikenden ist von der Polizei das Betreten der Kantstraße verboten. Streikposten werden verhaftet. Jedoch das alles kann den Mut der Streikenden nicht brechen. Auch die kleinen Fleischermeister find der Firma zur Hilfe geeilt; mehrere haben derselben einige Gesellen zur Ver- sigung gestellt, damit sie die notwendigsten Arbeiten fertigstellen kann. Die„Allgemeine" und„Deutsche Fleischerzeitung" be- richten, daß der Streik„erledigt" sei, was unwahr ist. Wenn die Firma glaubt, die Sache sei erledigt, weil sie sich zu verhandeln weigerte, so irrt sie sehr. Die Organisation wird in diesem Kampfe nicht nachlassen; sie wird alles versuchen, auch hier menschenwürdige Zustände zu schaffen. Von einem großen Teil der Wiederverkäufer der Heiberschen Wurstwaren sind Mitteilungen eingetroffen, daß sie so lange der Streik dauert, keine Wurstwaren von dort beziehen. Die Firma setzt ihre Fabrikate ausschließlich an Delikateß-, Kolonial- und Milchgeschäste ab. Trotz aller Anstrengungen der Firma sowie der Berliner und Charlottenburger Innung ist es noch nicht gelungen, Ersatz für die Streikenden zu bekommen. Zuzug von Fleischcrgesellen und Kutschern ist fernzuhalten. Die Differenzen mit den Fleischermeistern Schmidt, Zimmerstratze 57, und Wiese, Mühlenstraße 45, sind noch nicht beigelegt. Beide Firmen sind nach wie vor für unsere Ritglieder gesperrt. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung rlm. DcutTches Reich. An die Parkettleger DentschkanM�— Die Lohnbewegungen der Kollegen in den einzelnen Orten liegen den Unternehmern schwer im Magen, darum sind sie eiffig bestrebt, die Versuche der organisierten Arbeiter, ihre Lage zu ver- bessern, mit brutaler Macht zu unterdrücken. Kein Mittel ist ihnen zu gering, keine Kosten zu hoch, wenn sie nur ihren Zweck erreichen. Haben doch die Unternehmer bei dem Berliner Streik sogar aus Mailand Streikbrecher kommen lassen. Glücklicherweise ist eS uns gelungen, einen Transport von 24 Mann in München abzu- fangen, und der Streikbrecheragent mußtr ohne seine Schützlinge nach Berlin abdampfen. Jetzt haben sie ein anderes Mittel aus- geklügelt, um die organisierte Kollegenschaft niederzuknüppeln und aushungern zu können. Herr G r o ß k o p f in Köln, der Borsitzende der Parkettindustricllen, hat am 12. September an die Unternehmer ein Rundschreiben ergehen lassen, worin er-üe bittet,„so viel wie nur irgendmöglich unorganisierte Leute anzulernen, dannt sich die Unternehmer gegenseitig aushelfen können". Also eine Streik- brechergarde soll geschaffen werden, die überall dahin dirigiert wird. wo die bösen Holzarbciterverbändler Miene machen, ihre Lage zu verbessern und keine willigen Ausbeutungsobjekte mehr abgeben wollen. Und gerade jetzt, wo alle Lebensmittel unerhört im Preise gestiegen sind und täglich noch mehr steigen, da soll uns die Möglichkeit genommen werden, unsere Lage zu verbessern und unser Einkommen den veränderten Verhältnissen anzupassen. Kollegen! Seid auf der Hut. seht Euch die Kollegen, die eventuell angelernt werden sollen, vorher genau an. prüft sie aus Herz und Nieren; vor allen Dingen lernt keine unorganisierten Kollegen an. Wir haben es ja in dieser Beziehung Verhältnis- mäßig leicht. Das Anlernen hängt von uns ab, denn unsere Unter- nehmer sind mit verschwindenden Ausnahmen keine Fachleute. sondern Kaufleute. Kein Kollege darf die Hand dazu bieten, die Ruten zu binden, mit denen wir gezüchtigt werden sollen. Darum nochmals. Kollegen, seid auf der Hut. Zuzug ist fernzuhalten von Berlin. Dresden(Heine), Hamburg. Leipzig(Schulz«, Inhaber Elbinger). Die Zentralkommission der Parkettleger Deutschland» I. A.: H. Elstermann. letzte rfoehriebtem Der erste Angriff. Konstantinopel, 30. September.(Meld, der..Agence Havas".) Amtlich wird bekannt gegeben, daß italienische Kriegsschiffe heute vormittag zwei türkische Torpedoboote in der Bay von Tnrazzo angegriffen haben. Tripolis» 30. September. Das italienische Geschwader hat heute früh lOVk Uhr das Feuer auf die Forts der Stadt eröffnet. Ruhe in Saloniki. Saloniki, 39. September.(Meld. d. W. k. k. Telegr. Corr. Bur.) Trotz tiefgehender Erregung der Mohammedaner herrscht hier völlige Ruhe. Das Komitee für Einheit und Fort- schritt hat bisher da-'ür gesorgt, daß keine Zwischenfälle sich er- eigneten. Ein endgültiger Entschluß, wie gegen die italienischen- Staatsangehörigen vorzugeben sei, ist noch nicht gefaßt. To« Ko- mitee, das mit den Komitees in Konstantinopel und Tri- p o l i S in MrinungSaustausch steht, ist fest entschlossen, Angriffe auf den Bestand der Türkei bis zum letzten Blutstropfen zurückzu- weisen. Bulgarien röstet. Sofia, 39. September.(Pr. T.) Es sind all» Anzeichen vor- handen, daß durch den Angriff Italiens auf Tripolis auch auf dem Balkan große Schwierigkeiten entstehen werden. Bulgarien hat sich bereits für alle Fälle gerüstet und zieht im geheimen Truppen zusammen, um gegen die Türkei mit Waffengewalt seine Aspira- tioncn geltend zu machen. Hierzu 7 Beilagen. Nr. 230. 28. Jahrgang. 1. KkilM des, Amiirls" Kttlim Alksdlall Zonntag, 1. Oktober t9U. Quittung. Im Monat August gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Argentinien, Hennig 5,—. Berlin, Groß-, a konto seiner acht Wahlkreise 20 000,—.(Darunter: Alexander F. 6,—, X. g). Z., zweites und drittes Quartal durch P. B. U/IS 6,—. Schnabel 1,—. ffür Märzkranz und Kranzuberschust des Genossen Singer von den Arbeitern der Firma Ludwig Löwe 168,40. Von den Kollegen der Argusmotoren für Bierprozente 17,—. Von den Kupferschmieden der Argusmotoren-Gesellschaft 3,—. Für Kranzspende des Genossen Borgmann von den Arbeitern der Firma Ludwig Löwe 169,35. Zum Wahlfonds durch Burkhardt, S. Abt. 2,65. Höppner 2,—. Referat Bahn zum Wahlfonds 6.—. Referat Dr. Bernstein 3,—. Sparverein Freundschaft 1,50. Bleisteg 1,—. A. B. Mister 1,—. Kranzüberschub der freiorganisierten Arbeiter der Firma Siemens 300,—. Referat Martin Meyer 3,—. Amerikanische Auktion bei einer roten Hochzeit am ersten Pfingstfeiertag 9,—. Dr. K. R. 25,—. Max, Parteifonds 6,—. Gutenberg 28,70. Ueberschub der Kranzspende der Pianofortefabrit A. Jaschinsky 2,90.) Berlin, diverse Beiträge: Tucholski-Berlin 12,—; Kranzübersch. v. Arb. d. Kabelw. u. Automobilfabr. Qber- Schöneweide(A. E.-G.) 312,05; W. Tasiler, P. K. F. 2.35; Sechserkasse Tischlerei Klempau Nachf., Lausitzer Str. 6,—; Dr. L. A. für August 100,—; Arb. d. Druckerei Elsner 5,—; Dr. S. W. 15,—; MacheteS 20,—; Arb. d. Fa. Zwitusch u. Co., Charlottenburg 45.—; Uebersch. d. Rechenschule d. Stellmacher Berlins 14,—; Notationsarb. d.„Berl. Tagebl." zur Wahl 10,—;.Sora Floria* Reichstagswahl 1,15; Kontobucharb. v. Wedding 5,—; Gesamtpersonal d. Buchdruckerei Sittenfeld, Partei- tagskosten 67,05; Ordner.Freie Volksbühne", Waldfestüberschuh 8,30; A. B. 50,—; M. W. 4,—; Backnang. 11. württ. R.-W-K. 2. Qu. 11 85,47; Boitzenburg, 1. mcckl. R.-W,-K., 117,78; Betzingen- Reutlingen, 6. württ. R.-W.-K,, 1. Halbs. 11 160,16; Bern P. L. 50,—; Bonn, Rcstbeitr. 10/11 92,20; Böblingen, 4, württ. R,-W.-K. 2. Qu. 11 193,81; Cöln a. Rh.. Reg. W. 20,—; Calw, 7. württ., 2. Qu. 11 110,28; Cannstatt Ludivigsburg, 2. Qu. 11 800,—; Cleve-Geldern, 2. Qu. 11 14,74; Delitzsch-Biiterfeld, 2. Qu. 11 581,96; Dresden, Bezirksvorstand.Binnenschifferbeiträge 6,70; Dresden, 4. sächs. R.-W.-K., a konto 2000,—; Forst-Sorau. 2. Qu. 11 379,78; Frankfurt a. M., 2. Qu. 11 1666,—; Falkenberg O.-S., A. L. 4.—; Freiburg i. B,, 2. Qu. 11 75.96; Görlitzer Agit.-Bez„ 2. Qu, 11, Wahlkreise: Grünberg 94,77; Sagau 104,56; Bunzlau 93,45; Görlitz 511,22; Rothenburg'128,02; Sa. 950,02; Grabow, 3. meckl, R.-W.-K., 114,—; Göppingen. 10. württ. R.-W.-K., 2. Qu. 11 411,06; Heil- bronn, 3. württ. R.-W.-K., Restbeitr. 1378,56; Husum, 4. schlcsw.- holst. R.-W.-K., 2. Qu. 11 72,90; HildeSheim, 10. hannov. R.-W.-K,, 1. Halbs. 11 642,44; Leipzig, 12, sächs. R.-W.-K. a konto 500,—; Lennep- Remscheid-Mettmann, 2. Qu. 11 731,91; Lübeck. Binnenschifferbeitr. 7,40; Lübeck. 2, Qu. 11 971,50; Malchin, 4. meckl. R.-W.-K., 2. Qu. 11 86,01; Magdeburg, sozialdem. Verein, Extrabeittag 1000,—; Nordhausen, Grafsch. Hohenstein, 2. Qu. 11 393,93; Neustadt i. H., 9. schlekw.-holst. R.-W.-K., 2. Qu. 11 100,52; Reichenbach i. V.. Jahresbeitrag 10/11 1908,25; Ziegen-Wittgenstein, 1. Halbs. 11 47,76; Sangcrhausen-EckartSberga 100,—; Schwerin i. Meckl., 2. Qu. 11 246.2'; Steinfurt-Tecklenburg. 2. Qu. 11 19,70; Schramberg, 8. wii R.-W.-K., 2. Qu. 11 75,41; Saarbrücken. 1. Halbs. 11 216,3«. 14. württ. R.-W.-K., 2. Qu. 11 205,04;„Vorwärts" Hebe. 2. Qu. 11 57 826,—; Wiesbaden. 2. Qu. 11 1000,—. Z. n für die Parteikasse können jekt auch an daS P o st- fcheckkonlo A. Gerisch, F. Ebert, Berlin 7918 gehen. Berlin, den 29. September 1911. Für den Parteivorstand: I.V.: Fr. Ebert, Lindenstr. 3. Der Jenaer Parteitag in Re)(l)$verband$'BdeucI)tung. «in eifriger Kämpe des Reichsveribandcs, der Sekretär Grießbach aus Mühl a Ilsen in Thüringen hat als gewissen- haster Zuhörer die Verhandlungen des Parteitages von Anfang vis zu Ende verfolgt und, wie er selber sagt,„ganz genau das Leben und Treiben des Arbeiterparlamentes beobachtet". Seine Eindrücke und Ersahrungen gab Herr Grießbach dieser Tage in einer Ver- fammlung des Evangelischen Arbeitervereins in Sangerhausen zum besten, eines Vereins, dem eine ganze Anzahl Pastoren, Lehrer, Beamte, Kaufleute, Gewerbetreibende, Werkmeister, Diakonissinnen, aber so gut wie gar keine Arbeiter angehören. Ter Herr Reichsverbandsekretär„konstatierte" zunächst, wir wir einem Berichte unseres Mühlhäuscr Parteiblattes entnehmen, daß er den Genossen in der„Berichterstattung" zuvorgekommen sei. Warum wohl, fragte Herr Grietzbach? Weil die Obergenossen, die auf Kosten der armen Arbeiter die Spritztour nach Jena machten, den Verhandlungen entweder gar nicht beigewohnt, sondern sich in 4>en Erfrischungsräumen zu der anstrengenden Arbeit gestärkt oder in irgend einer Ecke ein gemütliches Schläfchen gemacht hätten. Jetzt wären sie erst dabei und studierten die in der Presse erschienenen umfangreichen Verhandlungsberichte. Er habe aber tagtäglich seinen Ausguck auf der Galerie eingenommen, nachdem er 50 Pf. Eintritts- geld und die Garderobengebühr gezahlt hätte. Das sei doch kein öffentlicher Parteitag, wenn man täglich 60 Nickel dem Umsturz opfern müsse. W*e war denn dieses Ärbeiterparlament zusammen- gesetzt? Man sah gut genährte Herren in weißen Anzügen, mit echtem Panama auf dem gedunsenen Kopf, bekleidet mit gelben Lack- schuhen und geschmückt mit goldenen Ketten. Die Damen, die als Vertreterinnen der darbenden Proletarierinnen in Jena die Zeit totschlugen, rauschten einher in duftenden Seidenroben und trugen, täglich wechselnd, kostbare Hüte zur Schau. Es war der reinste Pariser Modebasar. Der christliche Sekretär vermochte es ferner mit seinem christlichen Gewissen zu vereinbaren, den verstorbenen Genossen Singer noch über das Grab hinaus zu verleumden, indem er die aufhorchenden weiblichen und männlichen Betschwestern auf das schon tausendmal richtiggestellte Mäntelnäherinnen-Märchen hinwies. Nachdem der Redner den Vertreter des englischen Prole- tariats, Genossen Queich, als Agenten der englischen Regierung bezeichnet und der Genossin Zetkin die unrichtige Uebersetzung seiner Rede nachgesagt hatte, kam er auf die„blutige Rosa" zu sprechen. Die Worte dieser hergelaufenen Jüdin sprühten in der Tat Blut, denn sie habe in der unverfrorensten Weise den armen Partei- vorstand getadelt und gefordert, daß, als es in Marokko anfing zu wackeln, man hätte sofort mit der Revolution begin- n e n und alles klein schlagen sollen. Man kann sich das Schaudern der Frömmlingc denken, das diese Schilderung Hervorries. Und um die zu Tode erschrockenen Zuhörer wieder etwas zu beruhigen, kramte der glücklich aus der Jenaer Löwenhöhle Eni- ronnene ein paar Witze aus, um dann auszurufen, daß die sozial- demokratische Partei und die freien Gewerkschaften wirklich eins seien, weil man geflissentlich jeden Konflikt vermieden habe. Bei der Debatte über die Jugendbewegung entschlüpften dem Redner aus Versehen einige wirklich wahre Worte. Er machte der preußischen Regierung den Vorwurf, daß sie spät mit ihrer Vcrsimpelungsmillion auf dem Plan erschienen sei. Hätte man früher die evangelischen Jünglingsvereine mehr beachtet, brauchte man jetzt mit der Jugendpflege nicht allerlei Allotria zu treiben, um den männlichen Nachwuchs von der Sozialdemokratie fernzu- halten. Von dem Genossen. S ü d e k u m wurde gesagt, er wohne in einem Palast wie ein Millionär, ein Diener in Livree mit Mar- schallstab stehe vor dem Eingang und verweise die ganz gewöhn- lichen Genossen nach dem hinteren Eingang für Dienstboten. Dort komme das sechste oder siebente Stubenmädchen und weise den un- gebetenen Besuch ab. Auch die übrigen führenden Genossen und Genossinnen wurden allesamt in dieser Weise„beschrieben", um den paar Kleinkrämern ein Gruseln einzujagen. Die Direktoren der Großeinkaufsgenossenschaft deutscher Konsumvereine, die durchweg auf der Volksschule die letzte Bank gedrückt hätten, bekämen ein Gehalt von 10 000 M. Sie hätten es verstanden, in irgend einem Winkel die Klappe aufzureißen, wären rechtzeitig arbeitslos ge- worden und mästen sich nunmehr auf Kosten der armen Konsu- menten. Die Parteischriftsteller, die Kautsky, Hoffmann usw.. lebten gleichfalls herrlich in den Tag hinein, denn für jeden ge- lieferten Hetzartikel bekämen sie 100 bis 200 M. In einer Volksversammlung spräche kein führender Genosse, wenn er nicht min- bestens 100 M. Honorar bekäme, zu dem die armen Proletarier ihre sauer verdienten Groschen beitragen müßten. Aber bald würde es anders kommen. Sobald der alte Bebel die Augen schließe, werde die Partei, die einer Papierlaterne mit einem brennenden Lichte gleiche, auseinandergehen. Mit breiter Behaglichkeit unterhielt Herr Grießbach die Zuhörer dann mit der eingehenden Beschrei- frnng des siudentischen SauigelzugeS und sprach auch über die von den„gebildeten" Akademikern verübten frechen Störungen des Marktfestes seine vollste Befriedigung aus. Zum Schluß redete er dem festen Zusammenschluß des gesamten Bürgertums das Wort und behauptete, die Sozialdemokratie führe die Arbeiter nur an der Nase herum, zum Nutzen der Besitzenden, denn ihre Abgeord- neten hätten ja gegen die herrliche deutsche Sozialgesetzgebung ge- stimmt. Die Mitläufer müßten zurückgewonnen werden. Wir haben die Ausführungen dieser Reichsverbandsleuchte hier wiedergegeben, nicht weil wir sie besonders ernst nehmen, sondern nur um darzutun, mit welchen erbärmlichen Waffen der Reichs- verband draußen im Lande seinen„geistigen" Kanipf gegen die Sozialdemokratie führt._ Die Neuerwerbungen cler JVational- 6alene. (Ausgestellt in der Akademie der Künste.*) Wir stehen vor dem ersten Rechenschaftsbericht des neuen Direktors. Wir erfahren ein Doppeltes: erstens, daß Justi gar gut weiß, worauf es bei der Kunst ankommt; zweitens, daß er solche Weisheit nur den Toten zugute kommen lassen idarf. Es läßt sich schwer eine heftigere Anklage gegen die VerwaltungSzuständc unserer Nationalgalerie erheben, als es durch diese Ausstellung geschieht, die der Direktor selber zusammengekramt hat. Grotesker kann man kaum seine Ohnmacht gcgenülfer unverantwortlichen Mächten der Oeffentlichkeit enthüllen. Die Ausstellung in der Akademie ist wie ein Feuerzeichen, wie ein Paukengetös: schaut der, hier steht einer der euch wahrhaft ein Museum des Besten schaffen könnte; doch er steht mit gebundenen Armen und mit Ketten an den Füßen. Erlöst ihn und schafft ihm die Freiheit, die er braucht; damit er künftighin nicht mehr nötig hat, mit geschlossenen Augen an dem vorüberzugehen, woran sich seine Seherkraft eigent- lich entscheiden sollte. ES ist eine Unvernunft und rein rechnerisch eine Dummheit, einen Einkäufer— das ist nämlich der Direktor eines Museums— zu zwingen, seinen bewährten Instinkt abzu- schnüren, akkurat in den Fällen,>da er für relativ geringes Geld erwerben kann, waS später einmal mit absoluter Sicherheit das Zehnfache, vielleicht das Hundertfache kosten wird. Es ist ein kost- fpieligcr Eigensinn, dem tüchtigen Fachmann die Antiquariate frei- zugeben, ihm aber den Eintritt in die Werkstätten der lebenden Künstler stachelig zu verschließen. Welcher Eigensinn frevelhafte Lästerung wird, wenn der Erkennende nicht nur zum Nichtstun. gar dazu gezwungen wird, das offenbar Minderwertige in das Schatzhaus einzulassen. Solcher Art aber ist in der Tat der Zu- stand an der Nationalgaleric: eine von geistigen Impotenzen bc- herrschte Kommission, und daneben der König, verhindern, daß der verantwortliche Direktor den Lebenden nacy dem gleichen Maße ein Pfleger ivird, ivie er es den Toten ist.(Sine Lächerlichkeit, die endlich einmal aufhören muß; der Dilettant hat keine Meinung zu habe», dort wo es des K e n n e r S bedarf, um Wert und Unwert zu trenn«,. Die lendenlahmen Medaillenbesitzer mögen andere Wege find«,, sich gegenseitig zu protegieren; eine nationale Galerie in kein Diarium, in daS die freundschaftlichen Beziehungen des einflußreichen Herr» X. zu dem gehorsamen Herrn U. einzutragen wären! Wer Ohren hat zu bören. der dürfte gehört haben! Was bat dl- klägliche Pinselei von Hans Looschen. waS hat die speiüble Düftigkcit von Hertel in einem Museum zu suchen, das für Corinth und Slcvogt bisher keinen Raum hatte, das •) Am Pariser Platz 4, geöffnet wochentags und Sonntags von 10-5 Uhr. sich selbst einen L e i st i k o w nur widerwillig schenken ließ. Es wäre schamlos und närrisch zugleich, wollte die Nation länger zw sehen, wie die nationale Galerie mit Lügen durchsetzt, wie das nationale Geld den Unfähigen zugeschoben wird. Es muß erzwungen werden können, daß, nachdem T s ch u d i der Clique der blinden Greise zum Opfer fiel, nunmehr I u st i von den Ratten zufrieden gelassen wird. Er hat ein Recht zu sagen, daß er für sich allein'der Kunst der Gegenwart ein gerechter Richter sein werde; dafür zeugt, was er an den Toten tat. Von Feuerbach und Menzel, auch von B ö ck l i n wurden ganz ausgezeichnete und sehr charakteristische Werke erworben Wobei vielleicht, was Böcklin betrifft, den Unverantwortlichen bo reits einige Konzessionen gemacht wurden. Aber Feuerbach, dieser Feuerbach, dessen Erwerbung(was eine Schande wäre) nicht ganz ohne Schwierigkeit gewesen sein soll, ist ein Bild, wie deren wenige von Deutschen gemalt wurden. Ei» Bild, dessen innere Größe sich entfaltet mit der Selbstverständlichkeit eines Sonnenaufgangs. Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß neben einer Leinwand, die durch so unerhörtes Grün, durch so genial rhythmitisierte Anatomie solch sieghaftes Leben bekam, der verblasene Kitsch eines Hugo Vogel hängen darf. Und: es ist absurd, daß, wer solch einen prachtvollen Trübner, eine geschliffene Melodie aus Schwarz und Grau, zu kaufen vermag, ängstlich die Hände lassen mutz von all denen, die das der modernen Malerei leisten, was Trübner damals für die Entwickclung zur Moderne tat. UcbrigenS: Trübner malte nicht nur 1872, er malt auch noch heute; cS scheint, als ob selbst bei denen, die bereits klassisch wurden, die Zensur der Greise mit dem holen Schädel wackelt. Gott sei Donk, daß F ü ß l i tot war, definitiv tot seit dem Jahre 1825— sonst wären seine Zeichnungen wohl schwerlich in die Nationalgalerie gekommen. Sie sind nämlich gar nicht akademisch, sind beinahe so französisch, daß man sie für Guhs halten köinitc. Ach, wenn die Mcpcrheim und Konsorten je so etwas vermocht hätten! Diese Füßli sind sprühendes Leben und beinahe pervers (hoffentlich haben die Hofdamen keinen Gläsernen). Wie mit einem schwingenden Strich eine Brust zu Atem kam, wie durch ein paar getuschte Flecken weiches Haar zu duften beginnt, wie Augen slat- lern und Glieder sich rekeln, das alles ist von solcher Vitalität und Delikatesse, daß der Anschauende die Sinne tanzen und klingen fühlt. Nur ein Glücklicher konnte solche Werte entdecken und— sich schenken lassen. Mau kann sich, nachdem man das Füßli- Kabinett genossen, nachdem man die reiche und amüsant wechselnde Kollektion der Gcnelli. Hacker t. Schnorr und Koch und die unvergeßlichen Caspar David Friedrich durchgesehen hat, man kann sich gut vorstellen, mit welchem Grimm Justi sein schönes Geld für offiziöse Kindereien hingeben mag. Und wenn man nun gar erst die entzückenden, von Temperament funkelnden Luftschilde- rcien des Johann Christian Da h l oder das adelige Porträt des Kavaliermalers R a y S k i mit überraschten und entzückten Augen liebkosen durfte, dann möchte man von ganzem Herzen hoffen, daß sich Kräfte und Arme finden, der Nationalgalcrie nicht nur solch umsichtigen und feinfühligen Direktor zu dezidieren— auch einen recht robusten Hausknecht. Robert Breuer. Lriitörungen. Im Anschluß an die Versammlungen, die den Bericht über den Partettag in Jena entgegennahmen, gehen uns noch folgende Er- klärungenzu: Der Genosse Stadthagen gab vorgestern eine Darstellung über Vorgänge auf dem Parteitage, die der Wirklichkeit nicht entspricht. Um dem, unseren Gegnern nur Waffen liefernden, Unfug der„Er- klärungen" nicht gar zu weit nachgeben zu müssen, haben wir ge- wartet, weitere Erklärungen gleich mit einem Aufwaschen abzu- mache». Wie spielte sich nun die weltbewegende Begebenheit, des„ge- ährdeten Aktionskampfes der Linken", auf dem Parteitage ab? Am Sonntag, den 10. September, vormittags, erfuhren Liep- mann und Wels in Jena, daß am Abend desselben Tages eine Zu- 'ammenkunft des linken Flügels des Parteitages stattfindet, zu der auch Berlin eingeladen sei. Unsere Meinung ging nun dahin, daß nur unsere Auftrag- geber— die Berliner Delegierten— nicht aber wir, über eine solche Beteiligung Berlins zu bestimmen haben. Wir waren von der G e s a m t delcgation Berlins wohl ausersehen, deren Zusanimcnkunft einzuberufen, nicht aber berechtigt, einen Teil der Landsmannschaft zu Zusammenkünften hin zu dirigieren, von der ein anderer Teil ausgeschlossen werden sollte. Eine Zu- sammcnkunst Groß-Berlins sofort einzuberufen, um einen Beschluß herbeizuführen, Ivar unmöglich. Die Delegierten von Berlin und Brandenburg trafen zum Teil erst um 2 Uhr nachmittags in Jena ein, um 7 Uhr begann der Parteitag. In der Zwischenzeit mußten sie ihre Wohnungen aufsuchen und sich restaurieren, so daß jeder die Unmöglichkeit einsehen wird, noch vorher eine Zusammenkunft einzuberufen. Trotzdem ging Eugen Ernst nach dem Bahnhof und bat die Ankommenden,.von jedem Kreise einen oder zwei Delegierte zu bestimmen, die an der Abendzusammcnkunft teilnehmen möchten. Fast alle am Abend anwesenden Berliner Delegierten, waren übereinstimmend mit uns der Meinung, daß wir uns an der „Stellungnahme der Linken zu Parteitagsfragen" nicht beteiligen konnten, da wir seitens der Bcrlin-Brandenburgcr Delegation nicht dazu legitimiert waren. Die dort gepflogene Diskussion— die in einer„Beurteilung" der Fähigkeiten der, natürlichabwescn- den, ParteivorstandSmitglicder gipfelte—, ivar auch nicht be- sonders einladend. Ernst und Wels gaben die Erklärung ab, daß sich die Berliner an der„Stellungnahme" nickst beteiligen können da Berlin-Brandenburg noch keine Gelegenheit gehabt, hieriibc zu beschließen. In der einsetzenden Diskussion erfuhren wir nui zu unserer Ueberraschung, daß der in Magdeburg konstituierte Aus schuß der Linken beschlossen hatte— anscheinend aus eigene Recht, da verschiedene Delegierte vom Borjahre davon nick wissen—, daß sie auch über Magdeburg und den Parteitag hiw sich für berufen halten, die Geschicke der Linken in ihrer Hand behalten, obwohl in Jena ganz andere Delegierte anwesend Uv (Von 31 Berliner Delegierten war z. B. nur ein einzig- Magdeburg, die anderen waren neugcwähltc Genossen.)- diesem Ausschuß hörten wir in Jena zum ersten Male, obwo Dienstag, den 5. September, eine Zusammenkunft aller Be Delegierten und der Mitglieder des Zentralvorstandcs stattgefu hatte, in der alle Parteitagsangelegenhciten eingehend bespi wurden»und an der auch einige„Wissende" teilnahmen. Montag, den 11. September, fand eine Zusammenkunft der Be Brandenburger Delcgation statt, in der wohl einstimmig t Verhalten gebilligt wurde. Daß wir beantragt haben sollen, an der von der Linken gewählten Kommission nicht zu beteilig ist einfach nicht wahr. Auffallend ist allerdings, daß der Genosse Stadthagen davon nichts wissen will. W� der Genosse Stadthagcn solange noch ein Mißverständnis v schützen konnte, so fiel diese Entschuldigung für ihn weg, als t in der Landsmannschaft immer wieder betonten, unsere Erkläru konnte und sollte nichts anderes besagen, als daß wir uns ni, beteiligt hätten, weil wir von Berlin nicht dazu bestimmt wäre kleines f euUletom Einen Tonbindcnpparat für Blasinstrumente hat der Schweriner Kammermusiker Samuel erfunden. Seine Konstruktion ist so einfach und natürlich, daß cS wunderlich ist, warnm nicht schon längst ein findiger Kopf darauf gekommen ist. Der„Aerophor" ist tatsächlich, wie sein Name sagt, ein Luft bring er. Durch einen Schlauch, in dem sich ein feines Metallröhrchen befindet, das in ein Mundstück mündet und mit dem Instrument verbunden ist, wird dem Instrument ein Luststrom zugeführt, der durch einen blase- balgartigen Apparat durch pedalartiges Auftreten mit dem Fuß er- zeugt wird. Auf diese Weise ist eS möglich, eine absatzlose AuS- sührung auch auf der längsten Periode wiederzugeben. Die drei tiefsten Bohrlöcher der Erde befinden sich in Preußen; alle drei erreichen eine Tiefe von über 2000 Meter. ES sind dies das Bohrloch bei Paruschowitz im Kreise Rljbnik mit 2003,3 Meter Tiefe, daS von Schubin in der Provinz Posen gelegene, da« 2149.4 Meter unter die Erde geht, und das tiefste mit 2239,7 Meter, da» bei Czuchow, ebenfalls im Kreise Rybnik gelegen ist. Humor und Satire. Russische? S y st e m.„WaS, gestohlen hast und umgebracht auch schon? Du bist mein Manu I D» kommst sofort unter die Geheimpolizei und zwar direkt zum Schutze des Zaren!" (.Jugend.') Witzige Spitzbuben. Auf einer Bahnstation bei St. Jng- bert(bayerische Pfalz) wurde dieser Tage aus einem Eisenbahnwageu ein Quantum Kappus(Weißkohl) gestohlen. Wohl in Anbetracht der Teuerung, die allenthalbe» herrscht, schriebe» die Diebe an die Waggontüre: Wer auf Gott vertraut, lind sich Kappus klaut, Hat im Winter Sauerkraut! Notizen. —„D i e s i ch irre n". cin NarrenhauSstück von Henri Wenden, da? am hiesigen Fricdrich-Wilhelmstädiiichen SchampielhauS dem- nächst zur Ausführung gelangen sollte, ist von der Zensur verboten worden— um so eine drohende Gefahr für die Oesseiitlichkeil ab» zuwenden. Die Polizei ist eben der Volkscrzieher in Preußen! — Achtzehn Monate Gesäugiiis für satirische Zeichnungen hat am Donnerstag der bekannte Pariser Künstler Grandjouan von» Geschivoreiiengericht zudiktiert bekoinnicn. Sein„Verbrechen" bestand in Jllnstratioiien einer Nummer deS „Voix du Peuple", des Organs der Arbeitskonföderation. Der Staatsanwalt sah darin.Beleidigungen der Armee" und„Auf- rcizniig von Soldaten zum Ungehorsam" und die wackeren Ge- schiooreiieu pflichteten ihm bei.— Vor ein paar Monaten hat die französische Bourgeoisie die verurteilten elsässischen Zeichner Z i e ö l i n und H a n s i als Märtyrer gefeiert, aber wie man sieht, verstehen sich die Pariser„Richter aus dem Volke" auf die Rache au der oppositionellen Kunst ebenso gut wie die Rechtöbureaukraten des verpreußten Deutschland. vnd fe t i uns nicht tias Rech! anmaßen, uns als Vorsehung Berlins aufzuspielen. Wir überließen also die Stellungnahme der Gv- samtdelegation Berlin-Brandenburgs. Nachdem diese die Genossen Ernst und WelS zur Teilnahme an der Kommission bestimmt. nahmen beide an den weiteren Verhandlungen teil. Versäumt war aber auch wirklich nichts. Noch am Dienstag vormittag währte die Diskussion über den Bericht des Parteiborstandes, was ja bei dein, durch den Kampf mit unseren Gegnern nicht gezügeltem Tatendrang einiger Genossen borauszusehen war. Das endgültige Resultat der„geschlossenen Aktion der Linken" war denn auch, daß sich alle Teilnehmer verpflichteten, für die jetzt gewählten Partcivorstandsmitglieder die Stimme abzugeben, nur der Genosse Ledebour erklärte, er könne Ebert und Müller nicht wühlen. Damit war wieder einmal die„einige geschloffene Aktion der Linken" dokumentiert und die Notwendigkeit der Zu- sammenkünfte bewiesen. Die beiden Genossen Ebert und Müller verloren denn auch im ganzen— man denke— 10 resp. 20 Stimmen. .Eugen Ernst. Leopold Liepmann. Otto Wels. » Um nicht zuviel schreiben zu müssen, habe ich mit meiner Er- klarung gewartet, bis mich auch der Genosse Ledebour»richtig- gestellt" hat. Gegen das, was von einzelnen Rednern in den Berliner Ver< sammlungen gegen mich gesagt ist, wende ich mich nicht. Die Kritik ist das gute Recht jedes Genossen, und auch ich werde mir dasselbe nicht verkümmern lassen. Niemand ist heilig und unantastbar. Weder der Parteivorstand für Ledebour, noch Ledebour für mich. Wenn aber immer wieder gesagt wird: ich hätte kein Recht gehabt, im Namen der Berliner zu sprechen, so frage ich all die Genossen: „Wo habe ich das getan?" In meinen Ausführungen auf dem Parteitage, und nur diese können gemeint sein, spreche ich aus- drücklich von meinen Anschauungen. Ein Blick in das Protokoll wird das beweisen. Die Ausregung ist deshalb überflüssig. Im Namen der Berliner und in Wahrung der Interessen der- selben sprach ich aber in der Konferenz der Linken, und dazu war ich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet. An der Delegierten- Zusammenkunft, die gemeinsam mit dem Zentralvorstand von Groß- Berlin stattfand, beteiligte sich, obwohl eingeladen, der Genosse Ledebour nicht, wohl aber war Stadthaaen dort anwesend, doch hielt dieser sich nicht für verpflichtet, die Frage der Beteiligung an ev. Zusammenkünften der Linken auf dem Parteitage dort anzu- schneiden. Er trug also dazu bei, daß die Delegation in Jena damit überrascht wurde. Wenn Stadthagen jetzt behauptet, ich hätte ein„phantasievolles Gemälde" von den Sitzungen der Linken entworfen und seinerseits zu einer Schilderung übergeht, die an anderer Stelle beleuchtet wird, will ich mich nur mit einem Punkt seiner Darlegungen befassen, welcher die ganze Art Stadthagenscher Beweisführung charakterisiert. Der Bericht des„Vorwärts" bringt in Fettdruck folgende Stelle meiner Rede im 5. Kreis:„es handelt sich .„um die Absicht, fast den ganzen Parteivorstand zu stürzen". Stadthagen polemisiert gegen mich und schreibt:»Niemand in der Vorbesprechung ist es eingefallen, „den ganzen Parteivorstand zu stürzen"." Der Jurist Stadthagen läßt nur 4 Buchstaben, daS Wörtchen »f a st" hinweg, hat dadurch meine Behauptung ins Gegenteil der- dreht und glücklich eine Tatsache konstatiert, die einwandfrei ist und gegen die auch ich nichts einzuwenden habe. Daß er mich damit aber widerlegt oder meine Behauptung erschüttert hätte, wird sogar er selbst nicht glauben. Zur Erklärung des Genossen Ledebour will ich bemerken, daß ich allerdings keine Ursache gehabt hätte, ihn im fünften Kreise anzugreifen, wenn ich als seine„wirklichen Absichten" die in den beiden Artikeln des„V o l k s b l a t t e s" niedergelegten angesehen hätte. Trotz des tcilweisen nochmaligen Abdrucks der- felbcn im gestrigen„Vorwärts" ziehe ich nach wie vor meine Auf- sassung aus dem Teil der Verhandlungen der besonderen Ver- samnvlung der Linken, in welcher Genosse Ledebour abwesende Mitglieder des Parteivorstandcs— nicht nur Ebert und Müller— in einer Art kritisierte, die wohl nur er als eine Empfehlung zur Wiederwahl auffaßt und in der er durch lebhafte Rufe:„Pfui",„Unerhört",»Wirklich nobel, so über Abwesende zu sprechen" unterbrochen, ausrief:»Aber Parteigenossen, hier unter uns muh ich doch das sagen können." Wenn Ledebour nur das gesagt hätte, was im„Volksblatt" für Halle und in seiner gestrigen Erklärung steht, brauchte er diese Verwahrung nicht ein- zulegen, ebenso wie eS dann nicht nötig gewesen wäre, daß der Vor- sitzende der Versammlung erklärte: daß es natürlich un- statthaft sei, sich Notizen oder sonst schriftliche Aufzeichnungen zu machen. Auf jenen Vorgang stützt sich meine Auffassung, soweit Ledebour dabei in Frage kommt. Ich bin gegen ihn weder„voreingenommen" noch„verblendet", sondern erlaube mir nur das zu sagen, was ich für recht halte und was ihm auch schon unverblümt in der Sitzung der Berliner Landsmannschaft von Delegierten des sechsten Wahlkreises gesagt worden ist. Otto Wels. Genosse Ed. Bernstein schreibt unS: Eine Parteitagslegende. In der Einsendung des Genossen Dr. Siegfried Weinberg in Nr. 228 des„Vorwärts" lese ich:„Auf dem Parteitage hat man sehen können, wie gut orga- nisiert der rechte Flügel war." Aehnlich haben sich, wie ich den„Vorwärts"-Berichten über die letzten Versammlungen Groß- Berlin? entnehme, eine Reihe anderer Genossen geäußert, einige sogar von„Fraktionssitzungen" der Rechten gesprochen. Als einer, der nach ssiner Stellungnahme in den Parteidiskus- sionen zum rechten Flügel der Partei gehört, sehe ich mich dem- gegenüber veranlaßt zu erklären, daß mir während des ganzen Parteitags nicht ein einziges Mal etwas von einer Orga- u i s a t i o n dieses Flügels zu Ohren gekommen ist. Weder ist mir hinsichtlich seiner von einer F r a k t i o n s s i tz u n g, wie nach den Feststellungen von Ledebour und anderen sie der linke Flügel ab- gehalten hat, Mitteilung geworden, noch habe ich von einem„Wohl- fahrtSauSschuß" oder dergleichen der»Rechten" etwas ver- nommen. Die vermeintlich« furchtbare„Organisation der Rechten" löst sich bei näherer Betrachtung offenbar in die l a n d s m a n n» schaftlichen Besprechungen der süddeutschen Partei. genossen auf. Solche landsmannschaftlichen Besprechungen aber sind längst allgemein üblich und haben mit der Zersetzung des Parteitages in organisierte Fraktionen nichts gemein. Ich nehme diese Gelegenheit wahr, zwei formale Irrtümer richtig zu stellen, die der»Borwärts"-Bericht über mein Partei- tagSrefcrat in Friedenau enthält. Der Bericht läßt mich sagen, die Resolution des Genossen Bebel betreffend der Stichwahl per- lange von den bürgerlichen Kandidaten herzlich wenig, doch müsse man,»da unser Bürgertum politisch total vehsumpt sei", schon froh sein, wenn diese Forderungen schriftlich akzeptiert werden. DaS sind nicht meine Worte. Was ich ausführte, war, daß die mit der Zersetzung des Bürgertums verbundene politische Schwäche der bürgerlichen Parteien zur Folge habe, daß man froh sein müsse, wenn usw. usw. Ferner habe ich in Sachen der Genossenschaftsfrage nicht den Ausdruck»Praktiken der jetzigen Leiter" gebraucht, sondern einfach ausgeführt, daß meines Erachtens die Genossen Kauffmann und Müller in der Betonung der Neutralität der Genossen- schaften mehr als das Nötige tun, ich aber eS gleichfalls für der- jehrt halte, den Genossenschaften den Parteistempel aufzudrücken. Mit parteigenössischem Gruß Ed. Bernstein. « Unser Berichterstatter Ungrr ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Zu der Berichtigung de« Genossen A. Bloch habe ich zu be- merken: ES ist selbstverständlich nicht möglich, alles, was Ge- Bpfie Bloch gesagt, wortgetreu wiederzugeben, wenn nicht die- übrigen Kreise Berlins auf ihren Raum im„Vorwärts" hätten verzichten wollen. Der Berichterstatter konnte darum manches nur andeuten, waS der Redner ausführlich besprochen hat. Für jeden Leser aber, der in politischen Angelegenheiten auf dem lausenden ist, genügt ein Stichwort vollauf, um zu wissen, was gemeint>oar. Leider muß ich darauf bestehen, daß der„un- sinnige Satz", die Revisionisten hätten wiederum(wörtlich) die Radikalen vergewaltigt, gefallen ist, wobei ich aber gerne zu- gestehen w'll, daß eS von mir Unsinn war, diesen Unsinn noch der Mitwelt zu unterbreiten. Was die Stelle von den Konservativen betrifft, so hat Bloch nicht einmal, sondern dreimal erklärt: „Beinahe alle Konservativen können diese Bedingungen unter- schreiben." In dem gedruckten Bericht fehlt nun allerdings das Wörtchen„beinahe", was ich beim Durchlesen sofort festgestellt habe; vielleicht war es eng und unleserlich geschrieben, so daß es beim Satz übersehen wurde; im Manuskript war es jedenfalls enthalten. Bloch schätzt die Intelligenz der»Vorwärts"-Leser sehr gering ein, wenn er nieint, die Stelle von den„Klubs" müsse ihnen un- verständlich sein. Ja, hat sich denn der Parteitag etwa mit dem „Klub der Harmlosen" befaßt? Ob Genosse Heinemann den „Schatten eines Beweises" hat, für das was er gesagt, geht den Berichterstatter gar nichts an; die Entgegnung Blochs enthielt keinerlei sachliche Momente; sie konnte daher lm Interesse der anderen Redner, die doch dasselbe Recht haben wie der Einsender, wegbleiben. Was die Abstimmung betrifft, so wurde die Re- sclution— wie auch der Vorsitzende T ä t e r o w verkündete— e i n st i m m i g angenommen. Was im Busen des Einsenders vorgegangen ist, konnte der Berichterstatter nicht registrieren. Wohl aber ging mich Bloch am Schlüsse der Versammlung an, ich sollte nicht schreiben„einstimmig". Diese Zumutung mußte ich ablehnen. Emil Unger. ßiis der Partei. Nach dem Generalstreik. Rom, 28. September.(Eig. Ber.) Der„Avant i", der wegen des römischen Generalstreiks am 27. d. Mts. nicht erschienen ist, spricht in seinem Leitartikel seine Genugtuung über den Proteststreik in ganz Italien aus.„Die Absicht der Konföderation der Arbeit," schreibt das Zentralorgan,„war ganz klar: die Aufmerksamkeit des Proletariats auf die Barbarei und Gefahr eines Krieges zw lenken und seinen Blick zu schärfen für die Bedrohung der mühseligen Kultur/- errungenschaften im Innern, mit denen die Hoffnung auf eine weniger traurige Zukunft unterzugehen droht: gleich- zeitig wollte man den herrschenden Klassen und der Regierung diesen blutigen Kontrast vor Augen halten und sie an die drängenden unabweisbaren Fragen des Tages, wie an die Existenz des Proletariats erinnern. Dies war die Absicht des Generalstreiks, und diese Absicht ist erreicht worden. Das italienische Proletariat hat mit fester Hand seinen Gedanken und seinen Willen auf die politische Wage des Landes ge» legt. Niemand wird die in die Augen springende Wahrheit leugnen können, die sich aus der verstümmelten und gefälsch- ten Berichterstattung der bürgerlichen Blätter ergibt, daß die organisierten Arbeiter gegen das neue afrikanische Abenteuer Stellung genommen haben, indem sie diesem ihrem ein- mütigen Willen durch Streik und Volksversammlungen, wie durch ihre Presse Ausdruck gaben." In der Mäßigung und Diszipliniertheit der Demonstra- tion sieht der„Avanti" den Beweis für den Einfluß der Kon- födemtion der Arbeit und der Partei auf die Massen: die Szenen der Wildheit, die man unlängst in Calabrien erlebt hätte, seien unter dem Einfluß der modernen Arbeiter- bewegung unmöglich geworden. Wenn in der Romagna der Instinkt der Massen heftiger aufgeflammt sei, so sollte dies der Regierung als Warnung dienen und ihr zeigen, daß man nicht ungestraft die Arbeiterschaft provozieren darf. Der Artikel schließt mit folgenden Worten:„Jetzt sieht das Proletariat dem Laufe der Dinge zu. bereit, in angemessener Weise das Fazit aus den Ereignissen zu ziehen, die sich außer- halb des Umkreises seines Willens und seiner Verantwort- lichkeit abspielen... Die gestrige Demonstration hat gerade die Trennungsiinie zwischen dem Willen und der Verantwort- lichkeit der Klassen gezogen: das war ihr eigentlicher Zweck. Das tripolitanische Unternehmen bleibt das Unternehmen der Bourgeoisie und des Nationalismus, die sich an dem imperia- listischen Traum, ein Stück afrikanischer Mittelmeerküste zw besitzen, berauschen und bereit sind. � auf Kosten des Pröle- tariats va banque zu spielen. Da ist es natürlich, daß das Proletariat gute Wacht halte und sich wehrhaft erweise. Das ist ihm Lebens- und Zukunfisfrage." Zu ernsteren Zwischenfällen hat der Generalstreik, der besonders in der Romagna und Emilia von imponierender Einhelligkeit war, in M o d e n a und in F o r l i geführt. In Modena waren die Gemüter durch die Nachricht über den Konflikt von Nonantola, von dem wir gestern berichtet haben. erregt worden. Als die Karabinieri einen Dcmonstrations- zug auflösen wollten, wurde einiger Widerstand geleistet, worauf die Ordnungshüter den Kopf verloren und erst in die Luft, dann auf die Menge schössen. Verwundet wurden sechs Demonstranten: auch unter den Karabinieri befindet sich ein Verwundeter, der einen Messerstich in den Unterleib erhielt. In Forli, wo eine ungeheure Menge die Abreise der Reservisten zu hindern suchte, ritt die Kavallerie wiederholt in die Masse hinein, wobei mehrere Personen verwundet wurden. An der Volksversammlung nahmen 2(1l)(X) Per- sonen teil. Tie Stadt blieb ohne Tramverkehr, ohn� Zei- tungen, ohne Gas und elektrisches Licht. Im ganzen wurden von der Kavallerie 40 Personen verwundet. Der„Avanti" bringt Nachrichten über würdevollen und einmütigen Ver- lauf des Generalstreik aus 52 Ortschaften, bemerkt aber selbst, daß der Ueberblick zunächst noch ganz unvollständig ist. Die Lehren der bulgarischen Wahlen. Man schreibt uns: Die bulgarische Regierung hat wieder in den jüngsten Wahlen zu der Volksvertretung den eklatanten Sieg davongetragen. Die große„demokratische" Partei, die bis vor kurzem die Ge- schicke des Landes gelenkt hatte, ist zu vollkommener Nichtigkeit zu- sammengebrochen, die vom Zaren an das Ruder berufene Koalition der N a p r e d n j a k i(Fortschrittler) und Z a n k o w i st i(nach dem Führer Z a n k o w) badet sich in den Sonnenstrahlen dcS parlamentarischen Sieges. Die besiegten Demokraten, die noch frisch in Erinnerung haben müssen, wie sie selbst ihre Vorgänger am Staatssteuer, die S ta m b u l ow i sti, mit einem Schlag zur Strecke gebracht hatten, können sich damit trösten, daß es auch der regierenden Koalit'vn nicht besser ergehen wird; auch sie wird durch eine an sich ziemlich belanglose parlamentarische„Katastrophe" zum alten Eisen geworfen werden. Daß dieses launische»Spiel der Wellen" auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechtes vor sich geht, spricht natürlich nicht gegen das allgemeine Wahlrecht, es charakterisiert nur die politische Konfusion des Landes, die ihrer- feite nur die soziale Rückständigkeit zum Ausdruck bringt. Die Grenzen der bürgerlichen Parteien sind vollkommen verschwommen. Die eine bemüht sich so gut wie die andere, die Geschäfte der koburgischen Dynastie und der hinter ihrem Rücken stehenden eure» päiscben Interessenten auf Kosten des Volkes zu besorgen Die einö wie die andere ergänzt die Gewaltmittel der einheimischen Bar- barei durch die modernsten Kniffe des bürgerlichen Parlamentaris- muS. Demagogie und Betrug, Vergewaltigung und Bestechung—- nur die Proportion, in der diese Mittel angewendet werden, bildet einen gewissen Unterschied zwischen den bürgerlichen Parteien, die desto rascher abwirtschaften, je armseliger die Bagage ihrer politischen Prinzipien ist. Unter solchen Umständen könnte die sozialdemokratische Partei, die sich auf das junge kampflustige bulgarische Proletariat stützt und über ein klares politisches Programm verfügt, eine nicht un- bedeutende Rolle im öffentlichen Leben spielen. Die 15 000 bis 20 000 gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter und Staatsangestellten Bulgariens, von denen die konzentriertesten Produkt'onskcäfte des Landes und der Machtapparat des Staates in Abhängigkeit ist, bilden hier eine nicht zu unterschätzende Macht. Nun aber, um sich in vollem Um/fang zur Geltung zu bringen, muß diese Macht einheitlich und entschlossen den gespaltenen Fraktionen der bürgerlichen Nation gegenüber auf ökonomischem wie auf poli- tischem Gebiete auftreten. Unglücklicherweise ist aber die sozialdemokratische Arbeiter- schaft Bulgariens selbst in Fraktionen gespalten. Diese Fraktionen bekämpfen einander mit Leidenschaft, die man manchmal in der Bekämpfung des wirklichen Klassenfeindes vermißt. Den Streik, der von der einen Gruppe geleitet wird, durchkreuzt oft die gegnerische Gruppe durch Streikbruch. Ter Klassenkampf tritt bor dem Fraktionshader zurück. Die wirklichen politischen Perspek- tiven werden verschoben. Verwirrung und Bruderhaß werden �e- --------- 4r' So ist es auch bei die>en ' wen den unendlichen Zwist erschöpften Arbeiter nahmen einen zu ungc- nügenden Anteil an den Wahlen, und im Resultat ist kein einziger Sozialdemokrat, in die neue Sobranje eingetreten. Ein unbedeu- tenoer Zuwachs der Stimmen kann das bulgarische Proletariat in keinem Falle mit der Tatsache versöhnen, daß eS wieder für neue vier Jahre die Hoffnung aufgeben muß, seiner Stimme im Par- lament Gehör zu verschaffen. Es fehlt auch in Bulgarien nicht an Stimmen, die für die Einigung der sozialistischen Kräfte eintreten. Der bekannte ruuwi- nisch-bulgarische Genosse Rakowsky, der jüngst zum zweiten Male aus Rumänien ausgewiesen wurde, läßt in Sofia seit 3 Monaten ein sozialdemokratisches Tagesblatt erscheinen, das außerhalb der beiden Fraktionen steht, ihre Einseitigkeiten mit großem Takte auf- deckt und die Gemüter der Arbeiter für das große Werk der sozio- listischen Einigung vorbereitet. Die sehr gut geleitete Zeitung, die Napred(Vorwärts) heißt, wird natürlich von beiden Seiten an- gegriffen, was sie aber nicht stören kann, immer größeren Einfluß ?u gewinnen. Auch die Wahlniederlage wird zuletzt die gute Seite oben, daß sie, wenn nicht die Söharfmacher auf beiden«eiten des besseren belehren, so doch in den Arbeitermassen selbst die Em- pörung gegen den unerträglichen Zustand der Zersplitterung und Zwietracht wachrufen wird. Die Stunde der Ueberwindung des Sektierertums hat auch für Bulgarien geschlagen. Der 7. Parteitag der finnländischen Sozialbemokratie. Angesichts der immer schärferen Anwendung der Zwangsmaß« regeln des russischen Despotismus gewann der kürzlich abgehaltene Parteitag der finnischen Genossen besondere Bedeutung. Ist es doch voraussichtlich für geraume Zeit die letzte Tagung, die' iur eigenen Lande möglich ist. Auch bedurfte die immer tchärfere Zuspitzung des wirtschaftlichen Gegensatzes zur Bourgeoiüe, die selbst angesichts des gemeinsamen russischen Feindes C Mittel anwendet, die von den Arbeitern in der Ausschwuu de er- rungenen Verbesserungen ihrer Lage zunichte zu u einer unzweideutigen Kundgebung des unvertümmerten K wakter» der Partei. Unter der Einwirkung des Wirtschaft. �... mTOer- ganges ist eS gelungen, durch Massenaussperrungen die Arbeiter gutenteils wieder auf den Stand vor 1006 hcrabzu- drücken. Auch ist der Bestand der Partei infolge dieser Kämpfe zurückgegangen, beträgt aber immer noch rund 55 000. Und daß die Stellung der Partei im Volke unverändert geblieben ist, das geht aus der Steigerung der Stimmenzahl bei jeder LandtagSwabl (zuletzt 41 Proz. der Stimmen gegen 30 bei der ersten Wahl) und der Gründung zahlreicher Ortsgruppen klar hervor. So steht auch die Partei im Vordergrund des Kampfes gegen die verbrecherischen Werkzeuge des Zarismus, mit denen sie, im Gegensatz zu den be- sitzenden Klassen, in keiner Weise je»kettiert hat. Der Parteitag war beherrscht von dem Kampfe gegen«ine kleine Zahl Genossen, die unter den jetzigen Umständen ein Zu- sammcnwirken mit der Bourgeoisie gegen Rußland geboten er- achten. Die angenommene Nesoluttvn bekundet, wie scharf die finnische Sozialdemokratie, die noch vor wenigen Jahren keines- wcgs einen durchweg ausgeprägten Klassencharakter bekundete, in den ständigen Kämpfen ihre Haltung ausgeprägt hat. Sie lautet in der Hauptsache: „Die Partei muß auf dem Boden ernes unversöhnlichen Klassenkampfes für die Verteidigung und Ausdehnung der Rechte des Proletariats kämpfen und dieses stark und klassenbewußt machen, um die Macht der Bourgeoisie entreißen und so das revo- lutionäre Ziel des Sozialismus: die Beseitigung jeder Unter- drückung und Ausbeutung einer Klasse durch eine andere, ver- wirklichen zu können. Die Gewerkschaftsbewegung ist ebenso not, wendig wie die politische. Ebensowenig darf der Parlamentaris- muS unterschätzt werden, vielmehr muß die Partei sich bemühen, die gesetzgebende Gewalt des Landtags(die durch die Uebertra- gunjz wesentlicher Befttgnisse auf die russische„Volksvertretung" verkümmert ist) zu erweitern. Die sozial. Fraktion darf sich nicht mit bürgerlichen Gruppen zur Unterstützung einer bürgerlichen Regierung verbünden. Ihre Mitglieder dürfen nicht versuchen, den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat zu verschweigen oder ein Zerrbild von Harmonie im gegenlvärtigen sozialen Zustand erstreben. Denn solche Bestrc- Hungen bedeuten eine Täuschung der Arteiterklasse. Hätten sie Erfolg, so würden sie die Partei in eine bürgerliche Reformpartei verwandeln, die sich dem bestehenden Znstand anpaßt. Die Partei muß die Fraktion im Landtag unterstützen und ihre Tätigkeit kritisieren. In ihrem Kampf gegen die Regierung darf die Arbeiterklasse nicht auf die Bourgeoisie rechnen, die dasselbe Ziel Verfolgt wie die russilche Bureaukratie." Die Resolution warnt noch vor anarchistischer Taktik, berkangi vielmehr strengste Disziplin und betont die Solidarität mit dem russischen Proletariat._ Bon der Agitation für die Partcipresse. Bei der Agitation für die beiden in der Erfurter Parteidruckrrei erscheinenden Zeitungen „Tribüne" und deren Kopfblatt.Thüringer" wuroen insgesamt 1948 neue Abonnenten gewonnen. Au« den Organisationen. Die Parteiorganisation deS Stadt» und Landkreise« Erfurt hat im abgelaufenen Vierteljahre ihre Mit- gliederzahl um 223 erhöhen können. Ein sozialistische« Feldlager. Nach dem Muster anderer Bildungsveranstaltungen haben die Sozialisten der Vereinigten Staaten seit einigen Jahren in der- schiedenen Teilen de« Lande«„encampments" veranstaltet: Feld- lager, die irgendwo im Freien abgehalten werden und für die Dauer einer Woche den Teilnehmern eine Fülle von Vorträgen und sonstiger sozialistischen Belehrung bieten. Von der dieSjSrigen. in Grand Saline(Tera«) abgehaltenen Veranstaltung wird ge- meldet, daß sie glänzenden Erfolg gehabt hat. Vom Tagt&or der Eröffnung an ergoß sich ein ununterbrochener Strom von Wagen in das bestimmte Gebiet, ebensoviel Leute kamen mit der Bahn. Die Zahl der täglichen Teilnehmer wird auf 10 900, die gesamte Zu- hörcrzahl im Verlauf der Woche auf 50 000 Personen angegeben. DaS BortragSzelt, das 2000 Zuhörer fassen kann, erwies sich al« zu klein. Ein während der Woche veranstaltete« Feldlager dek Demokraten"Eonhle befti Erfolg unserer Genossen keinen Eintrag tun. Die Hälfte der Teilnehmer rückte vielmehr zu deg Sozia- listen aus und trug ihre Zeichen. pollreNict,»«, emchtKcbcs ukw, Zweimal 600 Mark Geldstrafe! ■' Anfang Januar d. I. wurde auf.den Eisendahnschienen beim Sternschanzcnbahnhof in Hamburg ein 74 jähriger Eisen- bahnarbeiter von einem Zuge ersaht und sofort getötet. Im „Hamburger Echo" erschien darüber eine Notiz, in der ge- sprachen wurve von der Sparwut des Eisenbahnfiskus, der nicht einmal vor der Ausbeutung alter Leute zurückschrecke. Mehr als drei Monate später schickte die Eisenbahwdirektion Altona unserem Hamburger Parteiblatt eine Berichtigung zu, in der behauptet wuroe, der alte Mann habe nur Reinigungsarbeiten verrichtet und habe auf den Schienen nichts zu tun gehabt. Das„Echo" druckte die„Berichtigung" ab, erhielt aber trotzdem eine Anllage zugestellt wegen übler Nach- rede und Beleidigung auS§ 185 des Strafgesetzbuchs. Am Dienstag hatte sich nun Genoste Ernst K ö p k e als Verantwortlicher Redakteur vor der Straftammer II des Landgerichts wegen Beleidigung des Eisenbahnfiskus zu verantworten. Durch Zeugenvernehmung wurde die„Berichtigung" der Eisenbahndirektion dahin berichtigt, dah der alte zu Tode gekommene Mann tatsächlich noch den ge- fährlichen Schienendien st versehen hat. Die Eisenbahn- Direktion erklärt aber, der Manr habe nicht pensioniert werden wollen, weshalb er den höchsten Lohn für solche Arbeiten— 3,80 M. pro Tag— bezogen habe, wie er auch eine Alterspension von 195 M. bezog. Trotz dieser Richtigstellrng beantragt der Staatsanwalt eine «Äesängnisstrafe von einem Monat, da diese Kampfeswcise typisch sei für das System der so�aldemokratischen Presse, Behörden her- unterzureihen und Arbeiter unzufrieden zu machen. Verteidiger Dr. Herz trat diesen Aisführungen energisch entgegen und bean- tragte, weil der Wahrhiitsbeweis erbracht sei, die Freisprechung des Angeklagten. Nach langer Beratung erkennt das Gericht auf -eine Geldstrafe von 600 Mark oder 60 Tage Gefängnis. Der Wahr- heitsbeweis sei nicht(tlungen, weil der alte Mann hätte pensio- niert werden können, wenn er eS gewollt hätte. Am Donnerstag hatte sich Genosse K ö pke wegen Beleidigung des Redakteurs Hülbe von den„Hamburger Nachrichten" zu ver- » führt seit Jahren in äusserst aggressiver Weise -ie Sozialdemokratie, die er bis in ihre„geheim- " verfolgt. Er steckt seine Nase in die„sozial- chtöpfe" des Gewerkschaftshauses, er läht den lern an der angeblich schlechten Ausführung der ____________ M---. r„Produktions-Bauten in Hamburg(wegen dieser Behauptuiz ist er vor kurzem zu 100 M. Geldstrafe ver- urteilt worden, a sein Wahrheitsbeweis völlig vorbeigelangl, wie er auch das aus Hintertreppen zusammengetragene Material, wie der Verteidiger e rz ausführte, für seine Zwecke fruktifiziert. Als im April d. I. ie Wogen der Strassenbahnerbewegung Hamburgs hochgingen, sucht e den Strassenbahnern das„Standesbewuhtsein" antworten. Hi den Kampf geg stcn Schlupfww demokratischen Zukunftsstaat st Malerarbeiten ...g' *36*» fachen an 61 W* 'chrieb:„Ter Strahenbahner ist nicht mit dem ierkutscher zusammen in einen Verband zu . im Durchschnitt das Empfinden dafür, datz roletarier fem soll. Das Gleichheitsprinzip der Praxis Fiasko gemacht." Diese Aus- s„Hamburger Echo" in seiner Nr. 86 vom i darin einige Ausdrücke wie„Pretzgesinde" er" vor, weil Hübbe sich gerade für solche e Trinkgeld empfangen. Hierin erblickte der ?rwurf der Bestechlichkeit, den er mit Ge- hte. Dr. Herz erhob gegen Hübbe Wider- cem„Sozialdemokratische Jugendverrohung" •tifcl die Sozialdemokratie moralisch verantwortlich für eine Bluttat, die ein 12jähriger Zeitungsjunge, .. scharfmacherischen„Hamburger Neuesten Nachrichten", la.�-sßcn Mädchen begangen hatte. Ter Vater dieses zu schärfen, ind Hasenarbeiter bringen. EL s er mit Gewal hat wieder en Äffr' t und„Trinkge , Kategorien »» ein Schnbeamter, vervahrte sich in einer den„Hamburger W.achrichten" zustellten Betätigung, Anhänger der S'ozialdemo- ckratre zu sein. Dr. Herz b-tonte, dass nach der Reichsgerichts- judikatur solche �ollektivbeleidgungen strafbar seien, wie auch wiederholt Sozi-Aemokraien legen des Ausdrucks„Reichslügen- verband" bestraft ldr''«n seien. Hübbe wollte unter Beweis stellen, daß der bürgerliche itungsjnge Aeusscrungen fallen gelassen habe,„die aus den'llen kateckismus der Sozialdemokratie stammen". DaS Ger f gir, auf dieses Anerbieten nicht ein, indem es ausführte, be>. tflrfel böten genügend Vdaterial zur Entscheidung, ob Beleidigungen-orläaen. Das Gericht sprach den Merbcklagten frei, weil dieser mir Weltanschauungen, aber nicht e Person des Angeklagten Köpke angegriffen habe, und verurtei Genossen Köpke zu der Kleinig- keit von 600 Mark Geldstrafe sr 120 Tagen Gefängnis. In der scharf zugespitzten UrteilSbegrvung hob der Vorsitzende, Amts richter Dr. B ehrend s. hcrvedass eine solche öffentliche Beleidi gung nicht mit Ältweiberklatschif eine Stufe gestellt werden könne, weshalb auf eine hohe Gckdstr erkannt werden müsse. Also in zwei Tagen hat t hanseatische Gerechtigkeit 1200 M. Geldstrafe gegen einen soziamokratischen Presssünder erkannt. Eine sehr beachtenswerte Seifig! Scialee* Bom �istbotenelenb. Aus Halle a. S. berichtwan uns: DaS Land mit der„ge füllten Kompottschüssel" wirdeder einmal recht drastisch illustriert durch ein Dienstzeugnis, dider 26jährigcn Dienstmagd Anna Essebier von hier von dem:beramtmann BaldamuS von der Domäne Dohndorf nach 13täer Dienstzeit ausgestellt worden ist Es lautet: „Konnte den Dienst n weiter versehen, weil sie ihr Kind ! nicht geeignet anderwärts erbringen konnte. War im Dienst | brauchbar." Welch furchtbare Anklagsgen die heutige Gesellschaftsordnung enthalten diese dürren Wor Auf einer grossen Domäne findet sich nicht ein Plätzchen für«mit Sorgen zur Welt gekommene? Kindchen. Was hätte der Mu und dem Kind« nicht alles passieren können, wenn die Proletari, nicht sobald bei einem einfachen Gutsbesitzer Unterkunft ßefun hätte?... Das ist die gesicherte Existenz der Arbeiter bis ihohe Alter hinein! Seried- Leitung. Eine RSverdandSwaffe. Die„Vosfilche Zeitun�ehaiiptet in ihrem Freitag Abend- blast, in dem Prozeß Dr. L ig gegen unseren Genossen Barth sei.ein umfangreicher Bew über die sozialdemokratische Miss» Wirtschaft in der Mühlhausttadtverwaltung angetreten". Diese Behauptung ist wie die„Pche Zeitung" ans unserem auSfllhr- USen Bericht und dem Urteilte entnehmen können, unwahr- D-r Kläger erklärte auSdrück er klage nur wegen formaler Beleidigung und trat keine Beweis an. Beweis wurde auf Antrag des Sngeklagt'erhoben, um durch die veweiS- aufnabm« festzustellen, daß:. Ludwig unwahre Behauptungen aufgestellt habe. Dieser Bis ist auch geführt. DaS Gericht nahm aber an. der Bewei-ass Dr. Ludwig wissentlich die Nnwahrheil gesagt habe, secht erbracht. Gegen da« unhaltbare Urteil ist Berufung eingelegt_ Die Abrüstzfrage vor Gericht. Eine Beleidigungsklage Militärschriftsteller» Oberst a. D. Gardke wurde gestern in derufungSinstanz vor derStraskammer des LondgerlchiS II unter% des LandgerichtSratS Ellendt ver- handelt. Die vom Justizr�oss« vertretene Klage richtete sich 9««« den Chefredalseur befymnitzei Tageblattes". Kafchke, der vom Rechtsanwalt Paul Brebereck verteidigt wurde. Der Prival- kläger hatte für eine amerikanische Zeitschrift auf Ersuchen einen Artikel über die Frage der allgemeinen Abrüstung geschrieben, darin Betrachtungen über die Stärkeverhältnisse der einzelnen maß- gebenden Mächte angestellt und darzutun versucht, datz die drei grossen germanischen Nationen England, Deutschland und Amerika in ihrem eigenen Interesse mit ihren Rüstungen aufhören sollten. Dieser für ein amerikanisches Blatt in deutscher Sprache geschrie- bene und ins Englische übersetzte Artikel war ohne Zutun des Privatklägers in der englischen Zeitschrift„Nashs Magazin" ab- gedruckt worden. Ein Passus des Artikels war von englischen Chauvinisten missverständlich dahin interpretiert worden,-daß die Friedensliebe der Deutschen verdächtig und die Furcht der Eng- länder vor einer feindlichen Invasion durchaus berechtigt erscheine. Gegen diesen Artikel richtete sich ein Artikel des„Chemnitzer Tage- blattes" unter der Ueberschrift„Pfui!". Darin wurde eine scharfe Kritik an der angeblichen, aber nicht zutreffenden Tatsache geübt, daß ein früherer hoher Offizier in einer englischen Zeitschrift in englischer Sprache einen Artikel veröffentliche und die englische Nation vor dem Deutschen Reiche warne. Das sei eine„Schandtat". — Das Schöffengericht hatte dem Angeklagten an sich den Schutz de? Z 193 zugebilligt, aber wegen der beleidigenden Form des Ar- tikels auf Grund des§ 185 des Strafgesetzbuchs auf 100 Mark Geldstrafe erkannt.— Justizrat Mosse beantragte in der gestrigen Verhandlung die Bestrafung auch auS 8 186, da nachweisbar unwahre Tatsachen behauptet worden seien.— Rechtsanwalt Brrderek beantragte die Verwerfung der Berufung. Der Angeklagte habe als nationaler Publizist alle Veranlassung zu einer scharfen Kritik gehabt.— Das Gericht hielt die Anwendung auch des 8 186 für geboten. Eine nicht erweislich wahre Tatsache sei die Behauptung, datz der Privatkläger England vor Deutschland gewarnt habe. Ohne Zweifel verfolgte der Privatkläger mit seinem Artikel ehrlich den Zweck, für Frieden und Abrüstung zu wirken, vielleicht könnte man sagen, der in Frage stehende Passus sei ungeschickt und nicht sehr geeignet, diesen Zweck zu fördern, sondern vielleicht geeignet, die englischen Leser in der Meinung zu bestärken, datz ihre Jnvasions- furcht berechtigt sei. Auch die Behauptung, dass der Privatkläger den Artikel gerade in eine englische Zeitung lanciert habe, sei nicht erweislich wahr. Abweichend von dem erstenRichter habe das Gericht dem Angeklagten den Schutz des 8 193 des Strafgesetzbuchs nicht zugebilligt, im übrigen aber berücksichtigt, datz der Angeklagte von seinem subjektiven Standpunkte aus geglaubt habe, seiner patrioti- fchen Entrüstung Ausdruck geben zu müssen.' Der Gerichtshof hat aber auch bei der Anwendung des 8 186 die Geldstrafe von 100 M. für ausreichend erachtet und dem Privatkläger die Publikations- befugniS im„Chemnitzer Tageblatt" zugesprochen. Eine gemeingefährliche Betrügerin, die zahlreiche arme Familien empfindlich geschädigt hat, wurde gestern von der 4. Strafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit unschädlich gemacht. Aus der Untersuchungshaft wurde die 21jährige Fabrikarbeiterin Else Mertens vorgeführt, um sich wegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle zu verantworten. Die An- geklagte ist schon zweimal wegen eine? ähnlichen abgefeimten Schwindels zu 4 bzw. 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nachdem sie am 20. Juni d. Js. aus der Strafanstalt entlassen worden war, nahm sie sofort ihre Betrügereien wieder auf. Sie sprach auf der Strasse Kinder an, die von ihren Eltern geschickt waren, Einkäufe und andere Besorgungen zu erledigen. Unter dem Versprechen, ihnen eine Belohnung von 10 Pf. zu geben, schickte sie die Kinder mit irgendeinem Auftrage in ein Haus hinein, wobei sie fingierte Namen anwendete. In zahlreichen Fällen nahm sie den Kindern die Einholetaschen und das Portemonnaie weg, unter der Angabe, die Sachen solange aufbewahren zu wollen. Wenn die Kinder dann, nachdem sie längere Zeit vergeblich in den Häusern herumgesucht hatten, wieder auf die Strasse kamen, war vie An- geklagte natürlich verschwunden. Zu diesen Schwindeleien suchte sich die Angeklagte zumeist den Norden Berlins und den Stadtteil Moabit aus. In mehreren Fällen nahm sie Kindern, deren Mütter sich durch Heimarbeit einen geringen Verdienst verschafft hatten, das Geld ab, so dass die Familie in die schlimmste Bedrängnis geriet. In anderen Fällen schwindelte sie den Kindern Kleidungsstücke und andere Sachen ab, welche sie abliefern sollten. DaS Gericht erkannte auf 2Vj Jahre Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Schmiergrldcrunwesen im Berliner Baugewerbe. Die im Berliner Baugewerbe vielfach herrschende Geschäfts- moral wurde in einer vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I verhandelten Anklagefache eigenartig beleuchtet. Die auf Betrug läutende Anklage richtete sich gegen den Architekten Paul Geldner- Westend. Der Angeklagte war als Bauleiter mit dem Umbau eines Geschäftshauses in der Friedrichstrahe betraut gewesen; er hatte seinerzeit bei dem Vertra�sabschluh dem betrefseriden Bauherrn in bestimmter Form zugesichert, ausser seinem Bauleiterhonorar keinerlei weitere Nebenverdienste durch Annahme von Provisionen oder Schmiergeldern seitens der Lieferanten und Handwerker haben zu wollen. Diese feste Zusicherung war von dem Angeklagten mehr. fach gebrochen worden. So hatte er unter anderen einem Maurer- meister Bautz-Niederschönhausen, wie von diesem nachträglich ein- gestanden worden war, dazu veranlasst, datz Bautz einen von ihm ursprünglich auf 28 000 M. festgesetzten Kostenaschlag hinter dem Rücken des Bauherrn um 5000 M. erhöhte und diese 5000 M. dem Angeklagten zuwies. Der Angeklagte war für diese strafbare Hand- lung vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 1900 M. ver- urteilt worden. Gegen das Urteil hatte sowohl der Staatsanwalt als auch der Angeklagte Berufung eingelegt. Zu dem Berufungstermin waren von dem Angeklagten- als Sachverständige die Architekten Albert Wehe-Westend, der im Be- sitze des Titels Fürstlich Schaumburgischer Hofbaurat, und Ludwig Schmülling, Direktor der„Berliner Hochbaugesellschaft", geladen worden. Beide Sachverständige gaben ihr Gutachten dahin ab, daß in j>em Vorgehen deS Angeklagten ein Betrug nicht zu sehen sei, indem sie erklärten, da» Abändern der Handwerker- und Lieferan- tenrechnungcn für den Bauherrn gehöre zu den herrschenden Usancen im Berliner Baugewerbe. Der Sachverständige Wehe fügte ergänzend hinzu, er seinerseits wende dieses Verfahren sogar den Ministerien als Bauherrn gegenüber an. UebrigenS kenne jeder orientierte Bauherr diese GeschästSiricks der Architekten und lasse deshalb seine Baumeister heimlich kontrollieren: geschehe daS nicht, so komme eben dem Baumeister ein höherer Profit zugute. Im glcick)«» Sinne äusserte sich der Sachverständige Schmülling. Wenn bei seiner Gesellschaft, so bemerkte er, ein Bauherr die Original- kostenanschläge und-Rechnungen selber zu sehen verlangte, so würden die Handwerker von der Gesellschaft veranlasst, für diesen Zweck die Urrechnungen zu ändern und neue, entsprechend erhöhte Rechnungen einzureichen.— Die Strafkammer, unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hübel, erklärte in ihrem Urteil den Betrug Landgerichtsdirektors Göbel, erklärte in ihrem Urteil.-den Betrug Berücksichtigung der nach den Aussagen der beiden Sachverständigen in dem Berliner Baugewerbe herrschenden Usancen, über die ein moralische« Urteil zu fallen, nickt Sache des Gericht? sei, mildernde Umstände zubilligen zu sollen und verurteilte den Angeklagten wegen Betruges zu 1000 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt._ Ein ausgerissener Bart, der fürsorglich in ZeituimSpapier eingewickelt war, bildete das „corpus äelicti" in einer Strafsache, die gestern vor dem Schöffen- oericht Berlin-Wedding zur Verhandlung kam. Wegen gcmrinschaft- licher Körperverletzung waren die Witwe Auguste Stendel und der Invalide Emil Semann angeklagt. Als Belastungszeuge trat der 82jährise Vater dev Angeklagten Stendel, der Invalide Boggai, auf. Die 4Sjährige Angeklagte Stendel unterhielt mit dem ö5jährigen Mitangeklagten Semann seit mehreren Jahren zarte Beziehungen, die allerdings hin und wieder durch ihren alten Vater, der als dritter im Bunde in der Wohnung hauste, getrübt wurden. Der alte Herr, der die Feldzüge mitgemacht hatte, konnte nämlich, wenn ihm irgend etwas nicht Patzte, sehr energisch werden und dann den ersten besten Gegenstand, der ihm gerade in die Hände fiel, als Waffe benutzen. Zwischen ihm und dem bbjährigen Schw:e- gersohn in spe kam es häusig zu Reibereien, bei denen der alte Herr jedoch stets die Oberhand behielt. Als es am 24. Mai wieder zu einer derartigen Szene kam, soll sich der Zweiundachtzigjährige ju* in grimmiger Wut auf Scmann gestürzt und ihn unter dev Drohung, ihm„die Nase abzudrehen", an der Nase gepackt Habens Semann revanchierte sich dadurch, datz er den Alten an seinem Barte packte. Bei dem nu entstehenden Ringkampf, bei welchem die Nase des S. tatsächlich etwas stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, blieb plötzlich der schöne weisse Bart in den Händen des Semann. Da sich auch die Tochter bei dieser Rauferei beteiligt hatte, wurde gegen beide Anklage wegen Körperverletzung erhoben. Zu der gestrigen Verhandlung brachte der als Zeuge erschienene Vater seinen in ZeiiungSpapier eingewickelien Bart mit, den er dem Gerichtshöfe mit wehmütiger Miene vorwies. Der Staats- anwalt beantragte je 50 Mk. Geldstrafe. Das Gericht nahm jedoch an, datz hier ein typischer Fall von Notwehr vorliege und erkannte auf Freisprechung der beiden Angeklagten. Untersuchung von Schweinefleisch. Der Fleischhändler Seib hatte Schweinefleisch, daS in Mccklen-- bürg ausgeschlachtet war, und dortige amtliche Untersuchungs- stempel trug, in der Berliner Zentralmarkthallc zum Verkauf ge- bracht. Auf Grund der Berliner Gemeindebeschlüsse von 1894, die gemäss dem Schlachthausgesetz ergangen sind, wurde er vom Land- gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er das Fleisch vor dem Feilhalten in Berlin nicht von einem Berliner beamteten Tierarzt hatte untersuchen lassen. Das Kammergericht hob dieser Tage das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Entscheidung an das Landgericht zurück. Es führte aus: Seit dem preußischen Aus- führungsgesetz von 1902, in Äerbin-dung mit dem Reichs-Fleisch- beschaugesetz von 1900, könne eine nochmalige tierärztliche Unter- suchung am VerkaufSorte eingeführten, auswärts geschlachteten Fleisches nicht allgemein gefordert werden, wenn eS bereits am Schlachtort gehörig untersucht und der Befund durch Stempel er- kenntlich sei. Zugelassen sei für diesen Fall nur eine Un-tersuchung, um festzustellen, ob es inzwischen verdorben sei oder sonstige ge- sunbyeitsschädliche Veränderungen in derBeschaffenheiterlittenhabe. Insoweit als das alte Berliner Regulativ von 1894 etwas anderes etwa bestimme, wäre es unanwendbar. Gleichwohl könne Frei- sprechung nicht erfolgen. Durch eine Aenderung des Regulativs vom Jahre 1903 sei bestimmt worden, datz eingeführtes frisches Schweine- fleisch als auf Trichinen bereits untersucht mir gelte, wenn die Beurkundung(Stempel usw.) in bestimmter Weise erfolgt sei. Diese Bestimmung sei gültig. Das Landgericht müsse deshalb in neuer Verhandlung prüfen, ob die mecklenburgischen Stempel diesen Be- dingungen entsprächen._ Hu 9 aller Alelt. Der anternebmer Lieblinge. Wir haben darüber berichtet, dass in der Nähe von S o e st m Westfalen an einer Talsperre beschäftigte Kroaten einen Poli» � z i st e n totgestochen und eine weitere Person verletzt haben- Kurz nach der Bluttat hieß es, dass ein Teil der Kroaten aus- gewiesen sei und dass die ganze Umgegend des Möhnetals, wo das Wasserwerk gebaut wird, aufatme in der Hoffnung, die gefährlicher Burschen loszuwerden. Bald aber biess eS in den Blättern: „Keine Ausweisung. DaS Amt in Körbecke ist von der Regierungspräsidenten veranlasst worden, die Answeisungsorder fr etwa 45 Kroaten in ihrem ganzen Umfange zurückzuziehen." Diese Kroaten sind ja allerdings keine organisierten Gewe: schafter, die sich um die Besserung ihrer Lage bemühen. In solck Fällen sind ja die Behörden bei friedlichen Arbeitern mit der Au- Weisung fix bei der Hand. Die Sache scheint sich aber im Müh' derart auszuwachsen, dass es unbedingt nötig ist, energisch das greisen der massgebenden Behörden zu fordern. Wie daS D o munder Amtsblatt berichtet, ertönte in einem Soester L folgender Notschrei: „Im Bezirk der Möhnetalsperre sind sich die Bewohner f deS Lebens nicht mehr sicher; Sonntags und abe findet man in Körbecke. Delecke und Günne nach eingetrete Dunkelheit fast keinen Einheimischen mehr auf der Strasse. Frem Volk vagabundiert lärmend und häufig schießend in! Strassen umher. Wie erzählt wird, sollen in letzter Zeit an, Sperre beschäftigt gewesen sein 600 Italiener, 400 Kroate 200 andere Ausländer(Holländer, Polen, Russen) u. 400 deutsche Arbeiter, sogenannte Monarchisten." Weiter heißt eS dann:„Es hat sich namentlich in U letzten Monaten ein wahres Gesindel von Kroaten eingeniste welche nur einige Tage oder gar nicht arbeiten, von einer Barock zur anderen ziehen, durch Falschspiel die ruhigen Arbeiter ouSbeuter sogar am hellen Tage mit Revolvern auf der Strasse schießen unt dergleichen. ES wurde deshalb in der ganzen Gegend als eine Er> lösung begrüßt, als nach der Ermordung des Polizeidieners Wulf bekannt wurde, dass seitens der Polizeibehörde in Körbecke gerade die gefährlichsten Elemente als lästige Ausländer die Ausweisung»« Verfügung erhalten hatten. Wie jetzt bekanntwird, soll auf eine Beschwerde eines Unternehmer« hin der Herr Regierungspräsident die Zurücknahme sämt« licher Ausweisungsbefehle verfügt habe. Man sagt, der Unternehmer habe sich beschwert, dass er durch die Ausweisungen Schaden erleiden w L r d e." So geht eS in Preußen-Deutschland! DaS der Organisation nicht zugängliche Gesindel darf auch in Zukunft sein Unwesen weiter treiben. Wehe aber, wenn ein klassenbewusster Ausländer eS wagt, sich einer Arbeiterorganisation anzuschliessen oder gar mit seinen deutschen Arbeitskollegen gemeinsam in den Ausstand tritt I Kleine Notizen. Mit 144 000 M. durchgebrannt. Ein ISjähngn Angestellter des Saarbrücker Bankhauses Gebr. Röchling ist mit 144 000 M., die er an die S u l z b a ch e r Filiale abliesem sollte, flüchtig geworden. Im Namen deS Königs! In Dortmund wurde am Sonn- abend der Arbeiter Franz Jakubowskh hingerichtet. Jakubowsky hatte im Januar d. I. den Kesselheizer S o b e r er- mordet und beraubt. Ein erfolgreiches Gastspiel. Bei der Juwelierfirma Friedrich Weiland am Kohlmarkl in Stettin wurde in der Nacht zum Sonnabend ein schwerer Einbruch verübt. Die Diebe hatten sich in da« HauS einschließen lassen und dann vom Keller aus da? Gewölbe durchbrochen. Sie raubten Brillanten und Silber« zeug im Werte von 80000 Mark. Da« Näuberunwcseu im Kaukasus. In dem Marktflecken S t a r y s e n« k i wurde auf die Markthalle ein Ueberfall ausgeführt, bei dem drei Kaufleute und ein Räuber getötet wurden. Die Banditen raubten alles, was einigen Wert hatte sowie 3000 Rubel in bar. ES gelang, sechs von ihn«» zu verhaften, die sämtlich entwichene Sträflinge sind. Eingegangene DrucKfcbrikten. SiifferottS illustrierter Kolonialkaleuder ISIS. Mit vier ZAmft. druckbcilagen. 12 Kalcnderlopsleistcn und Vigncttcnoriginalen von Th. llrampe, einer Karte von Afrika und vielen Illustrationen. S04 Seiten. Verlag von Wilh. Süsserolt, Berlin. Sadrvlaubuch. Berliner Wegweiser. AinterauSgabe 1S11/1S mit PharuSplan von Berlin. 25 Pf. PharuS-Berlag, Berlin SW. 6& Zur Uermcidung von Verwechselungen: Die 5irma fl. Äertheim unterhält in Berlin nur diese 3 Geschäfte ü,.Wu\hmn G« sn« Ii« H« üersanchHbteilung Berlin Ol. 66 Ceipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. ihdwSk, idpziyw StTOMe 132-31 Ckmm Strafe Zn die&er VMiz im ücMhoj: in allen Mode', Wäsche' und ManufakturWaren'Abteilungen Kleiderstoffe Damenhüte Darunter: Kleiderstoffe 95 pc reine Wolle, ca. 105 V�licviuio cm breit, besonders 1 1A gut© Qualität....... Meter � Wolltaffet 1.20 Popeline rbeÄd.caPal!,? 1.90 Kostümstoffe ce£gUcmUbJ: 2.75 Seidenstoffe Blusenseide gestreift.. iwtr. 1.30 Paillette 1-85 Paillette glace 2.10 Taffet glace 1.60 Seidenvoile.tÄÄo 7q breit............ Meter» O Sammele Linden. Köper-Velvet» 7ft in modernen Farben.... Meter" Linden. Köper-Velvet. 7e- sebwarz f. KoalUme, ca. 70 cm breit Gestreifte Velours B1uüsren2.50 Kleider-V elvets �Neuheit 2.75 garniert Gamm farbig 3.45, weiss 3.90 mit Phantasie-Garnitur H llz-HÜte modern /% 7C 7 7C garniert.......... 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Jiönij-tt-WnKterhantsen: Frich Bau mann, Bahnhofstr. 13. hl öpeniek: Envil D i ß l e r, Kritr. S, Laden. Eiehtenhers, Eriedrleh-de. Rohenetehönliansen: Olio Seite!, Wartenbergstraj(Laden). ZIahIt««Iorf, Ranlndort: Peßberg, KauISdors, Ferdinand» straße 17. Rariendorf: August Leip, Cfeestr. 290. Hof. Rarienfeide: Envil Weine rLorsstr. 14. K enenhagen: Johann H ü b s Ö, Wolleritvaße. Xieder-tüehöneweide: G e, Bvitzerftr. 6. V owaytc-M: Wildclnv I a» d e. drichslr. 7. ee: K. F u h r m a n kedanslr. 105, parierve. W iIn>er«dorf-I>alen«ee-S»,argeadorf- Baul Schubert, Wiheimsaue 26. Zeuthen, Ricrsdorf: Ernst t t ig. Zeuthen, Dorsstr. 15. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle nschastlichen Werte werden geliesert. Verantwortlicher Nedalteur: Richard Vorth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanjtalt �Singer u. Co., Berlins�. Dr. 230. 28. IahtMS. 2. Kkilage in Juiritls" Knlim MbWatt. Sonntag, 1. Oktober 1911. Hus der frauenbeweefung. Schule und Haus. Mit dem neuen Schulanfang atmen viele Mütter erleichtert Kuf, der sie von ihren Störenfrieden entlastet; besonders aber wenn sie die bisher noch nicht schulpflichtigen Kleinen auf einige Stunden, da sie dann ruhig ihrer Arbeit nachgehen können, in der Schule bc- aufsichtigt wissen. Während die Schule nun in gewissem Sinne einen Teil der Hausfrauenlasten übernimmt, werden den Müttern durch sie neue Lasten auferlegt. Sie sollen z. B. für die ordentliche Erledigung der Schularbeiten sorgen und die Kinder in jeder Bc- ziehung zum Ordnungssinn anhalten. Falsch ist es. wenn Ar- beitermütter glauben, da ihre Kinder nur als arme Teufel geboren sind und doch nur Arbeiter werden, für sie das Lernen nicht so not- wendig sei. Leider werden viele Kinder noch zur Erwcrbsarbeit herangezogen, wo der Verdienst der Eltern nicht ausreicht, manch- mal auch aus Unverständigkeit der Eltern. Die unter solchen Um- ständen heranwachsenden Kinder können natürlich nicht viel lernen, ihre Kräfte reichen zu der doppelten Belastung nicht aus. Wenn die Mutter in die Fabrik geht oder sonst zu einer Arbeit ausser dem Hause verpflichtet ist, kann sie natürlich schwer beobachten, ob die Kinder ihre Pflichten für die Schule ordentlich erledigen. Die Mütter sollen dafür sorgen, dass die Kinder erst täglich einige Zeit für Spiele im Freien haben, sie aber ebenso zur regelmässigen Er- ledigung ihrer Schulpslichten anhalten. Nicht mit Schelten und Schimpfen sollen die Kinder den Zwang empfinden, sondern indem sowohl Vater als Mutter Interesse an den Schulaufgaben bekunden. Das Kind soll früh unseren Wahrspruch begreifen lernen:„Wissen ist Macht!" Die organisierte Arbeiterschaft schätzt die Bildung der Kinder, weil die Eltern immer wieder sehen müssen, wie schwer es ist, sich später in den alten Tagen das Fehlende anzueignen. Der Arbeiter soll aber auch nicht vergessen, dass die Volksschule ein öffentliches Institut ist. das auch er mit seinen Steuern und seinen Landes- und Gemeindeumlagen erhalten muss. Sein Bestreben soll Heshalb sein, dieses Steuergeld in Form von Wissen für seine Kinder wieder zu gewinnen. Weit schwierigere Aufgaben erwachsen aber noch den sozialistischen und klassenbewussten Eltern. Unsere Volks- schulen, die heute das geistige Produkt der bürgerlichen Gesellschaft sind, bieten natürlich den Arbeiterkindern lange nicht ein ge- nügendes Mass von Wissen und nicht ein parteiloses. Sie will aus den Kindern der Arbeiter willige und billige Ausbeutungsobjckte erziehen. Deshalb sollen sie vor allem zu guten Hurrapatrioten und frommen Staatsbürgern erzogen werden. Die Schule feiert alle Monarchen als gut und edel, und alle Einrichtungen des Staates als vortrefflich. Für die Eltern ergibt sich daher die Schwierig- � keit, dem Kinde ein anderes selbständiges Denken anzugewöhnen. trotzdem aber dem Kinde das Vertrauen und die Lust zur Schule nicht zu nehmen. Auf diese und jene Fragen des Kindes sollen die Eltern ihrer Ueberzeugung nach antworten, aus dem praktischen Leben heraus zum Denken anregen, auf den Weg des Lernens aber als Grundlage zu späterer Weiterbildung hinweisen. Vor allem müssen auch die Eltern selbst nach Möglichkeit an ihrer eigenen Er- ziehung weiterarbeiten. In dieser Art Arbeit, die zu selbständigem Denken und Schauen auf verschiedenen Grundlagen anregen soll, werden die Proletarierkinder aus dem praktischen Leben heraus den Weg zum Klassenkampf zur wirtschaftlichen Befreiung der Arbeiterklasse finden. Bürgerliche Franentagungen. Die politische Fortschrittspartei ist in Deutschland ziemlich auf dem Hund. Ob es den dürftig gesäeten fortschrittlichen Frauen, die sich zur sechsten Generalversammlung des Verbandes fortfchritt- licher Frauenvereiae zusammenfanden, gelingen wird, ihm neues Leben einzuhauchen, wagen wir nach dieser Tagung etwas zu be- zweifeln, wenn auch der gute Wille dazu nicht verkannt werden soll. Zur Begrüssung der Damen hatte die Berliner Stadtverord- netenversammlung Herrn Rosenow entboten, der den Damen namens derStadtinder vorsichtigsten Weise das Wohlwollen der Reichsmetropole zum Ausdruck brachte und persönlich aus tiefstem Herzen die Frauensache zu fördern versprach...Mit Vor- sicht", meinte er,„lasse sich oft mehr erreichen als sonst, und die Berücksichtigung des Milieus dürfe nicht ausser acht gelassen werden." Der altgewohnte fortschrittliche Eiertanz! Der den Damen aber grosse Freude zu bereiten schien. Den ersten grösseren Vortrag erstattete der Münchener Nationalökonom Dr. Dorn, der in rein theoretischer Weise die Kon- kurrenz der Frauen- und Männevarbeit behandelte. Er kam zu dem Schluss, dass angesichts der Unentbehrlichkeit der Erwerbsarbeit unverheirateter und verheirateter Frauen der Zielpunkt aller prak- tischen Sozialpolitik der sein müsse: nicht die Frauen vor der Er- werbsarbeit zu bewahren, sondern in der Erwcrbsarbeit empor- zuHeben. Der Ausbau der Arbciterinnenschutzgcsetzgebung müsse, so notwendig er sei, verhältnismässig zurücktreten hinter den Be- strebungen nach einer möglichsten Steigerung der Löhne der Frauen. Die Vorbereitung der Frauen für die Erwerbsberufe dürfe nicht auf die rein fachliche Ausbildung beschränkt bleiben. Auch die Allgemeinbildung der Frauen müsse auf die Erwcrbsarbeit eingerichtet werden.— In der Diskussion erwiderte ihm Helene Simon, es sei ein bedauerliches Faktum der modernen Gesellschaft, dass die junge Mutter erwerbstätig sein müsse. Vom national- ökonomischen Standpunkt aus müsse eine höhere Wertung der Mutterschaft erstrebt werden und die Hebung der Lage der Arbeiterin. Ohne Arbeiterinnenschutz sei die Erreichung höherer Löhne ausgeschlossen, das lehre die Geschichte der Arbeit im l9. Jahrhundert. Je ungeregelter die Arbeitszeit der Frau, je mehr sei sie Lohndrückerin. War schon diese einleitende Versammlung ziemlich schwach be- sucht, so gähnten nachmittags, als Professor Friedrich Cauer über die höheren Berufe theorisierte, zwei Drittel leere Stühle Antwort. Das war um so mehr zu bedauern, als die nachfolgende Refe- rcntin, Meta Gadcsmann, einen weit volkstümlicheren. Vortrag über Volksschule und Fortbildungsschule hielt, der sich zu einer ungeheuren Anklage des Staates und der Gemeinden auswuchs. Von den Schülern der Fortbildungsschule sind 93 Proz. männlich und nur— 7 Proz. weiblich. Zu dem Vortrag über Frauenerwerbs- arbeit und Rassenentwicklung von Dr. Gertrud Woker hatte sich ein zahlreicheres Publikum eingefunden. Sie legte ihrem Vortrag folgende Leitsätze zugrunde: Die Erwerbsarbeit der Frau ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Selbst wenn eine Rassenschädigung durch die weibliche Erwerbsarbeit erwiesen wäre, so Hesse sich diese doch nicht mehr aus der Welt schaffen. Die begünstigenden und hemmenden Faktoren mühten beleuchtet werden. Begünstigung läge in der Verminderung der Versorgungsehe. Beseitigung der Verquickung des Sexuellen und Materiellen in der Ehe, Ermög- lichung einer früheren Eheschlietzung der Männer, Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der arbeitenden Klassen. Gewöhnung der jungen Mädchen an eine geregelte Tätigkeit und die dadurch bedingte Selbsterziehung. Erweiterung der Lebenskenntnissc der Frau. Die hemmenden Faktoren brauchen den Lesern des„Bor- wärts" Wohl kaum genannt zu werden, wie Ausbeutung, Ucber- lastung, Wochenbett, schädliche Arbeitsbetriebe. Die rassen- schädigenden Faktoren können beseitigt werden. Sie sind nicht untrennbar mit der Erwerbsarbeit verknüpft, durch rechtliche Gleichstellung von Mann und Weib, Minimallöhne, staatliche Kontrolle der Arbeitsverhältnisse, der Heimarbeit, Aufhebung der Zölibate der Beamtinnen, Schutzgesetze für die Frauen, Stillstüben, Stillprämien, Einküchenhäuser, Ge- nosscnschastsküchen, Krippen. Kindergärten und durch Ausschliessung der Frau von schädlichen Betrieben. Die öffentlichen Abendver- sammlungen brachten Ansprachen verschiedener im Berufsleben stehender Frauen und einen schwächlichen Vortrag der Frau Dr. Wegscheider-Zicgler über das Berlin WW-Weibchen, wie es war, zum Teil noch ist und nicht sein sollte. Lcseabcnde. Königs-Wusterhausen und Wildau. Den Funktionären und Partei« genossinnen zur Kenntnis, dass der Frauenleseabend umstände- halber erst am Freitag, den 6. Oktober, bei Wwe. Wedhorn statt- finden kau»._ Der Vorstand. lversammlungen— Veranstaltungen. Alt-Glienicke. Am Dienstag, den 3. Oktober, abends 8>/z Uhr, im Lokale des Genossen Petermann, Rudower Strasse 53: Schluss« Vortrag der Genossin Berta Lungwitz-Berlin über das„Erfurter Programm". Zu diesem Frauen- Leseabend sind die Genossen auch eingeladen._ Der Vorstand. Eingegangene DrucKfdmften. Aus den Staaten der Barbaresken. Von Dr. S. Dagobert Schönlcld. Verlag von Dietrich Reimer(Ernst Vohsen), Berlin SW. 48, Wilhelmslr. 29. Geb. 8 M. Taschenkalcnder 1912, Oesterreichischer Arbeiter-Notizkalcnder. 80 Heller. I. Brand u. Co., Wien VI. Mleillen. "rjeiFacWiiiiiis SpezialinstiW Zinmierstr. 78. 9—12,3—6 Mittwochs u. Sonntags 9—12.' I. Baer B8ÖStr.26prinEzC*Allee Herren- und Knaben- [Moden, Beruftkleidung. I Eleg. Paletots. Ulster. t Grobes Stsfflager 'zur Anfertigung n. 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Elysium Landsberger Allee 40—41. Jeden Sonntags im Parkettsaal: Damen» R-eitsuz CroßerBall. Ansang 4'/, Uhr. Enlree frei. Mittwochs: Miingcr— Freitanz Vereinen u. Gewerkschaften empsehle meinen gr. Saal, lOoO Pers. fassend, an Sonntagen von Dezember bis Mär» zur Irden iBctlüciuiig.* üolks-Cbcatcp. Rixdorf, Hermannftr. ao. Sonntag. 1.1 10.: Ohne Geläut'. Schauspiel m 5 Alten von Zobeltitz. Ansang Tl. Uhr. Montag. 2.110: Ter Mustergatte. Schwant in 3 Akten von Balebreque. Ansang 8'/, Uhr.____ Markgrafen-Säle 34, Harkgrafen-Damm 34. An der Stralauer Allee. Jeden Sonntag: Groger Ball. 3m Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, st.Bierc u Deine, Billard«.Kegelbahn Alhambra Wallncr-Theaterstratze 15, Großer Ball Jeden Sonntag; Grotze» Orchester. Ansang SonntagS 5 Uhr._ A. Zanseitat« Sur neu Juvatt der Fniccate übernimmt die Redaktion dem Budltrsim gegenüber keinerlei Verantwortung. üiairtMitlr Jugendbewegung» Arbeiter-Jugend vor Gericht. Seit länger als Jahresfrist führt die Polizei in Raum- bürg a. S. einen rigorosen Kampf gegen die Arbeiterjugend- bewegung. Ter Polizeikampf hatte dazu geführt, daß der seit Juli 1909 bestehende Jugendbildungsverein polizeilich aufgelöst wurde. Vier Genossen, Hedicke, Heehl, Sasse und Bruno Burga, ivelchc dem Jugendausschuß angehörten, bekamen Strafmandate von je 15 M. Sie sollen Vorstandsmitglieder dieses„politischen" Vereins gewesen sein und als solche es unterlassen haben, der Polizei Statut und Vorstandsliste einzureichen, auch Personen unter 18 Jahren in dem Verein geduldet haben. Gegen die Strafmandate wurde Einspruch erhoben. Bald danach regnete es aber erneut Strafmandate. Dies- mal erhielt Genosse Hedicke ein solches über 39 M. und elf Jugendliche Strafmandate über je 2 M. Sie sollen an Versamm- lungen, in welchen politische Angelegenheiten erörtert worden seien, teilgenommen haben. Auch gegen diese Straftnandate wurde Ein- spruch erhoben. In beiden Sachen wurde am Mittwoch in zehn- ftündigcr Sitzung vor dem Schöffengericht in Naumburg ver- handelt. Die Polizei hatte nicht weniger als 59 Zeugen aufgüoten. Das Ergebnis in erster Sache war, daß alle vier Angeklagten frei- gesprochen werden mußten. Es wurde festgestellt, daß die An- geklagten gar nicht als Leiter des Vereins angesehen werden konnten, und weiter stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, daß auch Verjährung eingetreten sei. Der Verein ist, wie auch der Polizei bekannt war, im Juli 1999 gegründet und damals ist auch ein Vorstand gewählt. Dieser hätte eventuell innerhalb drei Monaten nach Gründung zur Verantwortung gezogen werden können und nicht jetzt die Angeklagten. Da hierdurch schon die Freisprechung geboten sei, erübrige es sich, darüber eine Entscheidung zu treffen, ob der Verein ein politischer war. Das Ergebnis der Verhandlung in der zweiten Sache war, daß sämtliche elf Jugendliche frei- gesprochen wurden. Festgestellt wurde, daß die jungen Leute in dem„Jugendheim,, Unterhaltungs- und Gesellschaftsspiele ge- trieben, Volkslieder und einigcmale auch politische Tendenzlieder gesungen, auch vereinzelt politische Zeitungen mitbrachten und im Zimmer liegen gelassen hatten. Es waren auch Vorträge nicht politischen Inhalts gehalten worden. Mit Recht erblickt das Gericht in den vereinzelt vorgekommenen Fällen, wo Tendenzlieder gesungen und politische Zeitungen mitgebracht waren, nicht eine„Erörterung politischer Angelegenheiten" und kam zur Freisprechung. Genosse Hedicke wurde von zwei Strafdelikten freigesprochen; die Sache liegt so: Als Ende Dezember v. I. der Jugendbildungsverein polizeilich aufgelöst war, wurde eine öffentliche Versammlung ein- berufen, in welcher auch die Wahl eines Jugendausfchufscs vor- genommen wurde. Der Jugendausschuß wählte Hedicke als Obmann. Das Gericht erblickt nun in diesem Jugendausschuß einen Verein und ferner als Zweck dieses Vereins, junge Leute für die Sozial- demokratie zu präparieren, um sie später dieser Partei als Mit- glieder zuzuführen. Nach der Rechtsprechung höchster Instanz(Ober- verwaltungsgcricht) sei dieses aber als„eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten" anzusehen, somit habe der„Verein" Jugendausschutz politische Zwecke verfolgt und Hedicke hätte der Polizei Statut und Vorstandsliste einreichen müssen. Das sei nicht geschehen, deshalb müsse Bestrafung erfolgen, aber 15 M. seien angemessen. Die Polizei hat also bei der großangelegten Jugendhatz wenig Jagdglück gehabt. Eingegangene vrucklckrikren. Mein Lebensweg von Luise von Toscana(frühere Kronprinzesfm von Sachsen). Continent, Berlin W. 15, 3,— M,, geb. 4,50 M. München, ein Führer und Ratgeber zur dauernden Anfledlung (Teil I und II). 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Oktober eintretenden Lohnerhöhung._ 89/14 Bautischler(Bez. IV). Montag, de» 2. Oktober, abends K Uhr(gleich nach Feierabend): ilülglietlek-veriammluvg bei Gltesche, Kopenhagener Str. 74. Kammacher. Mittwoch, de» 4. Oktober, abendS 8 Uhr: XlftmdKN-Vcrfatfitnlung im Englische» Garten, Aiexanderstr. 27c, Taget. Ordnung: 1. Die Beschlüsse der Unternehmcrorgamsatwn. Reserent Kollege Hildebrand. 2. Branchenangelegenheiten. l» Arbeitsnachweis: Berwaltunqsstelle Berlin Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239.__ Eharitöstr. 3._ Hos III. Amt 3 1987. Dienstag» den Z. Oktober, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Wollschläger, Adalbertstr. 21: Versammlung sämtlicher IKolonDenfifyrcr und üorzeichner der Koustruktiktrjkbe Groß-Kerli«s. Die Tagesordnung wiro in der Versammlung bekannt gegeben. Kollegen I Da in dieser Versammlung eventuell weitergehende Beschlüsse gefaht werden, ist das Erscheinen sämtlicher Kolonnen- snhrer und Vorzeichner notwendig. Unseren Mitgliedern znr Kenntnis, daß die Protokolle der 1«. ordentlichen Generalversammlung unseres Verbandes erschienen«nd zum Preise von Sv Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassierern zu haben sind. Desgleichen find noch Jubiläumsnummern„S00 000" zum Preise von 50 Pf. im Bureau zu haben. Achtung! Achtung! Die nächste ordentliche Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin findet am 19. November d. I. statt. Anträge für diese Generalversammlung müssen spätestens bis 22. Oktober in den Händen der Ortsverwaltung sein. �23/(6 Die Ortaverwaltwng. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Serlin. Die nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: Geschirr-Kranche: Donnerstag, den S. Oktober, abends 8'/a Uhr. im Gcwerkschaftshause. Engestiser IS....... zlorteftuillrr- und Kristartibtldrullche: bei Granmann, Naunynstrabe 27. Militär-Krundie: sägt»ns. (iuolkemiezn«, T-pp!>ij»iihrr: bei Weihnacht, Grünstr. 21. MilgtU-DlUlldlt: Mittwoch, den 4. Oktober, abends 8>/, Uhr. im GewerkschaftShanse. Sngeluser lS.... «stmödri- n.!ederll»l>!p-i?nlr:®0-sa Svc"'r- bei Wotlschliiger, Kbalbcnflvoste 21. Stbtion Cljarlottf llburij: Mittwoch, 1 Oktober, abends 8'/. Uhr. im Bolkshanfe, Rosinenftr. 8. Lahtreicheu Besuch dieser Versammlungen erwarten 1S7/19 " Dir Branchenleitungen. Achtung I Achtung! Montag, den 2* Oktober 1911, abends 8 Uhr, Grofte öffentliche Versammlung im grofien Saale von Mörners Festsälen(vormals L. Keller), Koppenstr. 29. TageS-Ordnung! 296/8 Der 8taiid des Kampfes. Kollege»! Da die Unternehmer in Deutschland die Kündigung zur Aussperrung durch. leseüt haben, gilt eS jrnt dazu Stellung zu nehmen. Wir erwarte« deshalb, daft kein Kollege in '.'.-r---------------- se"----- ieser Bersaminlung fehlt. Die Verwaltungen. Leukelier banarlieiter-Verband. iSwelgverein Berlin. Am Mittwoch, den 4 Oktober d. I., abends 8% Uhr. finden folgende Verfaniminngen statt, ans deren Besuch die in Frage kommenden Kollegen hingewiesen werden. Sektion der Putzer. In den bekannten Lokalen(im Norden I und II bei Obiglo, Schwedter Straße 23/24, im Osten bei Hoffman», Königsberger Straße 28) finden Bezirkssitznngen der Pntzer statt. Tagesordnung: Beratung über eine Lohntarifvorlage sowie Verschiedenes. Im Interesse aller Kollegen ersuchen wir um pünktliches Erscheinen: Gäste haben Zutritt. Die örtliche Verwaltung«nd Obleute. I7B. Gleichzeitig machen wir daraus ausmerksam. daß der Gesangverein der Puyer am Sonnabend, den 14. Oktober d. I., sein IS. Stiftungsfest in den Räumen der KonigSbonk. Große Frankfurter Ztr 117, seiert und ersuchen wir alle Kollegen, die mit ihren Familien einen genußreichen Abend zu verleben gedenken, daran teilzunehmen._ D. C. Sektion der Steinholzleger im„Bürgerheim", Mte Schönhauser Straße 28/24. In dieser Versammlung kommen die gedruckten Verträge zur Verteilung. Sektion der Rohrer tm Saal 1 des Berliner Gewerkschastshauses» Engelufer 15. Tagesordnung: Die Aufgaben und die EntWickelung der Organisationen. Zu dieser Versammlung sind alle Rohrer eingeladen. Mit kollegialischem Gruß * Der vorstand de? Deutschen Banarbeiter-BerbandeS, Zwetgveretu Berlin. liordtiausep Koutabab von GpimmETriBpel.MiiausBii. Man. verlange stets ausdrQcklich unser Fabrikat—«Marke Grimm& Triepel"— und weise die vielfach missbräuchlich -- angebotenen geringwertigen Nachahmungen zurück.-- Zum Zeichen der Echtheit befindet sich in jedem unserer Röllchen ein Zettel mit unserer Firma in Rotdruck, was wir - beim Einkauf besonders zu beachten bitten.- Einem Teil unserer heutigen Auslage liegen Prospekte folgen- der Firmen bei: Für den Korden: Jacques Cohn, Modewareu- haus. Berlin X., Müller- strafte 183. Für üloablt: lionia Halle Nachf., Schuh- warenhaus, Turmstr. 82. Für W'eate?: und Süd» Westen: Wllhelm Joseph, Kaufhans, Berlin- Tchöueverg» Groß görschen-Str. 1. A. Weiß& Co. Nachr., Kaufhaus, Berlin-Schöneberg. Hauptstr. 11. fföie ilsäiiilea- wzede�MMei'u.Seiiltz Berlins.(Ii. H. Nr. 27.) Montag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, bei Kube, Alte Jakobstrafte 76 1 General-Tersammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Mänderung des§ 30 des Statuts. 3. Innere Kassenangclegenheitcn. 9126 Der Vorstand. SemtMe Neubeit! Imitiert. Inder- Teppich gnna dickes doppel- scItlaesGewebe auf creme, oliv, blau oder fraise Fond, von den echt. Inderteppichen kaum zu unterscheiden. Größe ca. 90X185 cm. dl. 6,75 130X193,..., 8,75 150X223„..., 14,75 190X295„..., 22,50 250X360„..., 33,00 Passende Bett- und Palt- Teppiche Stück M. 8, 3, 4 and 6,75. Nacb auswärts per Nachnahme. Teppieh- Spezialhaus LH Emil Berlin S. Seitl882nur Oranienstv. 158. Speziaikatalog + Magerkeit+ achwindet durch Haufe'» Nährpulver t,Thilo»»ia-'. Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund äratl. kontrollierte Zunahme. Gar. unsohädl. Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Nachnahmespesen extra. H. 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Pfd. 2.85 M. 3-4 Pfd. zum großen Oberbett Nach Erscheinen der Haupt-Preisliste Preise bedeutend ermässint für di® In dieselbe nicht wieder aufgenommenen Artikel, ferner für Restbestände in einzelnen Abteilungen. Besonders erwähnt seien einzelne Marken Tischzeuge, Tischtücher für 6, 12 u. 18 Personen(teilweise leicht angeschmutzt), Mundtücher, Kaffee-Gedecke u. Decken, handgestickte und angefangene Decken und Läufer, Damast- und glatte Bettbezöge, Weiße Baumwollstoffe für Bett- und Leibwäsche, Damen- und Kinderwäsche, Morgenröcke, Handtücher, Küchen- und Badewäsche, Gardinen, Stores, Steppdecken. Aus den Restbeständen seien hervorgehoben: em* di* Hauptpreislisto Nr. U6 n Varlingen. Ein Gelegenheitsposten: Halbfertige weiße Batistkleider vorzügliche Schweizer Stickerei sonstiger Preis 23.00 29.00 36.00 39.00 53.00 Jetziger Preis IS.oo 19.oo 24.oo 26.oo 34.oo Baumwollflanoll,>" h«tlen"• ' deckton Karo- u.Streifenmust., geeign. f.Hemdenu. Blusen 75 cm br. d. Mtr. statt 80 Pf. 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LerlagSanpalt Kaul Singer u.So, Berlin Nr. 230. 28. ZahrMy. 4. Sfilnpr des Lmirls" Sctlintt lolbM. j, 1. Vktobtt 1911. CClod)en-8plelplaii der Berliner Cbeatcr. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Zauberflöte� Montag: Das Rhewgold. Dienstag: Die Waltürc.(Ans. 7 Uhr.) Mittwoch: Boheme. Donnerstag! Siegfried.(Ans. 7 Uhr.) Freitag: Carmen. Sonnabend- nachmittag: Die Puppensec. Abends: La Traoiata. Sonntag: Götter» dämmerung.(Ansang G'/j Uhr.) Montag: Die Zauberflöte.(Ans. 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Hamlet.(Ans. 7 Uhr.) Dienstag: König Heinrich IV. I. Teil. Mttwoch: Penthefilea. Donnerstag: König Richard II. Freitag: Der Kaufmann von Venedig. Sonnabendnachmittag: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Julius Cäsar. Sonntag: Penthefilea. Montag: Die Welt, in der man fich langweilt.(Ansang 7'/. Uhr.) Neues königliches Opernthrater. Sonntag: Romeo und Julia. Montag und Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Faust. Donnerstag: Don Carlos. Freitag: Romeo und Julia. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag- nachmittag: Othello. AbendS: Hamlet. Montag: Chrysanthus und Daria. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Penthefilea. Montag: Don Carlos. Dienstag: Othello. Mttwoch: Penthesilea. Donnerstag: Faust 1. Teil Freitag: Penthefilea. Sonnabend: Faust 2. Teil(Ans. 6'/, Uhr.) Sonntag: Penthesilea. Montag: Hamlet.(?lnsang 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Montag: Lanväl. Dienstag: Frühlings Erwachen. Mittwoch: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Donnerstag: Vertauschte Seelen.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag: Gawan. Sonnabend und Sonntag: Vertauschte Seelen. Montag: Lanval.(Ansang 8 Uhr.) Lessing- Theater. Sonntag und Montag: Glaube und Heimat. Dienstag: Rosmersholm.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwoch und Donnerstag: Glaube und Heimat. Freitag: Anatol. Sonnabend bis Montag: Glaube und Hcimal(Ansang 8 Uhr.) Resideuz-Theater. Täglich: Ein Walzer von Chopin.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dame von Maxim. Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die schöne Ziisette. Täglich abends: Die keusche Susanne.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die schöne Risette. Kleines Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: l. Klaffe. Angele. AbendS und Montag bis Soimabend: Papa. Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: I. Klaffe. Angele. Abends: Papa.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hohe Politil Allabendlich: Bummelswdcntcn.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hobe Politik. ReucS Schauspielhaus. Sonntag: Josephine. Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Dienstag' bis Freitag: Josephine. Sonnabend und Sonntag: Büxl(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Die Näherin.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater O. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Das Urbild des Tartüff. AbendS: Zops und Schwert. Montag: Der Pfarrer von Kirchseid. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Zops und Schwert. Mittwoch und Freitag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Urbild des Tartüff. AbendS: Der Psarrcr von Kirchseld. Montag: Der Geizige. Der eingebildete Kranke.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater lkharlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Montag, Mittwoch und Freitag: Zops und Schwert. Dienstag, Donners- tag und Sonnabend: Der Psarrer von Kirchseld. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends und Montag: Zops und Schwert.(An* sang 8 Uhr.) Friedrich> Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nach mittags 3'/, Uhr: Kabale und Liebe. Abends und Montag bis Mttwoch: Moral. Donnerstag: Judith. Freitag: Moral. Sonnabend: Die Lc- gionäre. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Kabale und Liebe. Abends und Montag: Die Legionäre.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3'/t Uhr: Ein Walzerttaum. Abends: Die Dame tn Rot. Montag bis Sonnabend: Die Dame in Rot..sonnlag, nachmittags 3V, Uhr: Ein Walzertraum. Abends: Di« Dame In Rot. Montag: Die Dame in Rot.(Ans. 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Mutter und Sohn. Allabendlich: Die Macht der Liebe.(Ansang 8 Ubr.) Neues Overetten-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Die schöne Helena. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Abends und Montag: Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Trianön-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillon. Abends bis Donnerstag: Ihr Alibi. Freitag und Sonnabend: Mein Baby. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillon. Abends und Montag: Mein Baby.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Täglich: Polnische Wirtschast.(Anfang 8 Uhr.) LnstsPielhauS. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Leutnantsmundel. Abends bis Sonnabend: Der Grotzsürst. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Meyers. Abends und Montag: Der Grofisürst.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbeater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: DaS Käthchen von teilbronn. Abends und Montag: Richters Millionen. Dienstag: Das äthchen von Heilbronn. Mittwoch: Die Peitsche. Donnerstag und Freitag: Richters Millionen. Sonnabend und Sonntag: Das Käthchen von Heil- bronn. Montag: Richters Millionen.(Ans. 8 Uhr.) Theater in der Königgräser Straffe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends bis Freitag: Spielereien einer Kaiserin. Sonnabend: Hundstage. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends und Montag: Hundstage.(Ansang 8 Uhr.) Belle-Allianee-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends und Montag: Zaza. Dienstag bis Freitag: Der Sittenapostel. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Mnna von Barnhclm. Abends: Der Sittenapostel Sonntag, nachm. 3 Uhr: Eine Ehescheidung. AbendS: Der Sittenapostel.(Ansang 8 Uhr.) NeueS Bolkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: In Behandlung. Abends: Des Pastors Rieke. Montag bis Don» ncrStag: In Behandlung. Freitag: Des PastorS Rieke. Sonnabend: In Behandlung. Sonntag, nachm. 3 Uhr: In Behandlung. Abends: Des Pastors Rieke.(Ansang 8V- Uhr.) Gasino-Theatcr. Sonntag, nachmittags 3'/- Uhr: Papa Nitsche. Abends sowie täglich: Der selige Hollschinsty. Nächsten Sonntag, nach- mittags 3'/, Uhr: Papa Nitsche. Abends und Montag: Der selige HollschinSky.(Ansang 8 Uhr.) Metropol- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Miß Hclhett. Allabcnlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Kobi Krach. Nr. It.(Ans. SV, Uhr.) Herrrnfcld- Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerz- lose Behandlung.(Ansang 8 Uhr) ZIpollo-Tlieater. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Garl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 7V, Uhr) Intimes Theater. Täglich: Lou. Liebesabenteuer.(Ansang 8V, Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Teufel, das hat eingeschlagen!(Ansang 8'/. Uhr.) Kaiser-Panorama. Hamburg und seine Schiffahrt. Reise tn der Schweiz. Tellsage. Passage. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) ReichSftallen-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) «önigftadt-Kasiuo. Täglich: Spezialltäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania» Theater, Taubenstr 48/49. Sonntag: Lebende Tierbilder von nah und sern. Montag, nachmittags 4 Uhr: Lebende Ticrbilder von nah und sern. Abends und Dienstag: Roms Jubiläumsjahr und seine Ausstellungen. Mittwoch bis Sonntag: Geheimnisse der belebten Natur. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenslr. S7— L2. Bncfkaften der Redaktion. P. M. 1. Ja. 2. Nein, sosern eine sormgültige Abtretung vorliegt, die Versicherungsgesellschaft benachrichtigt ist und Sie im Besitz der Police sind. — K. T. 8. 1. und 3. Die Schenkung wäre rechtsgültig. 2. Unseres ErachtenS ja.— Habermann, Hasenheide. AuS Ihrem Schreiben ist nichts dasür ersichtlich, ob und wen ein Verschulden trifft. Kommen Sic in die Sprechstunde.— 1871. 1. Nein. 2. und 3. Ja. 4. Die gesetzlichen Rechte des Vermieters lassen sich nicht beseitigen.— P. L. 141. Am Sonnabendabend.— I. P 31. 1. 6 Wochen. 2. Das Mädchen hat sür Oktober Anspruch aus Lohn.— 31. B. E. 6(5. Für Berlin 36 Ps. pro Kind und Tag. Anmelden beim Magistrat.— M. M. 14. Senden Sie uns, unter Wiederholung der Anfinge, das Urteil ein.— M. B. 3. 1. Nach Ablauf von 6 Wochen, vom Todestage gerechnet. 2. Nach§ 1712 Abs. 2 Bürgerl. Gesetzb. sind die Erben berechtigt, das uneheliche Kind mit dem Betrag abzufinden, der dem Kinde als Pflichtteil zukommen würde, ivenn es ehelich wäre. Macken die Erben von diesem Rechte keinen Gebrauch, so hasten sie sür die üblichen Alimente. Z. S. Nein. — Gr. 103. Wir halten Sie zur Rückforderung nicht sür berechtigt.— A. T. 30. Sie sind nicht verpflichtet, den Sohn heraus- zugeben.— M. O. 1. Wenn kein Vermögen und kein größeres Ein- kommen vorhanden ist: nein.— G. K. 37. Von den Versicherten nicht. — 3l. Z. 40. Ansprüche aus Rückerstattung der Beiträge können seit dem 1. August, dem Zeitpunkt der amtlichen Verkündung der Reichsvcrsichcrungs- ordnung, nicht mehr geltend gemacht werden. Der„Vorwärts" hat seiner- zeit die Frage ausführlich behandelt.— 33. K. P. Ihre Tochter soll von ihrem Recht, zu Ihnen zu kommen, nach wie vor Gebrauch machen.— W. 10S. Anträge, die nicht vor dem 1. August gestellt sind, werden nicht mehr berücksichtigt.— H. lln. Ohne Kenntnis des Inhalts des von Ihnen unterschriebenen Schriststücks läßt sich die Frage nicht beantworten. — R. St. 00. 1. Soweit ersichtlich, leider ja. 2. Rein. 3. Die Krank- heitsdauer wnd besonders vermerkt. Die Karte kann vollgeklcbt werden, der Umtausch muß aber innerhalb der Frist von zwei Jahren erfolgen.— H. St. 33. Beschwerde ist zu richten an die Deputation sür das Fach- und Fortbildungsschulwesen, Rathaus. Sie werden kaum Erfolg haben, aber versuchen Sie es._ WafferftandS-Na-prtibten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner WelterbureaU. V 4- bedeutet Such»,— Fall.—*) Unterpegel. 3$euischß> engäscheund amedkanisdie. Form: 1 V« Form; 2 V. Form: 3 V, Form: 4 V. Form: 5 V, Form: 6 V. Form: 1 V. Form: 8 V« Form: 9 V, Form: 10 V. F€ytig0 UlstGl* In unseren KleiÖerwerken hergestellt Ht. 1. Gr««, braun melierter tiachtrit- gemusterter CheTiol....... Vr.S. Grün, braun, grau gemusterter ...................... Wr.>. Gestreifte und kurierte Phantasie- Stoff« 1fr, 4. Hell und dunkel gemusterter Cheriot nach englischer Art.,. 18 m. 21 M. 24 m, 27 m. Nr.ö. Braun, griu gestreifter QA Cheviot................ 33 m. 36 u. 40 m. Cheviot. Nr. 0. Karierter Phaotasiestoff, neuest« Farbenstellung........... Nr. 7. Grau oder grün melierter Cheviot sehr chic............... Nr. 8. Klein karierter Cheviot mit bunten Effekten.......... Nr. 9. 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Versand von 20 Mark an franko unt. Nachnahme od. Vorein send, des Betrages. DaenSohn Kleider-Werke PÄÄ Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 □ □ □□ 11 B rückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Auswärtige Bestellungen werden sorgfältigst erledigt. Fortsetzung der Versand- Bestimmungen; 4. Obige Preise verstehen sich für normale Herren- figuren, die einen Brust- u. Leib-Umfang bis 108 cm haben, von 109 bis 116 cm I00l0 Aufschlag, von 117 bis 124 cm 20\ Aufschlag. 5, Muster franko geg. franko, unter Angabe der Farben, des Preises u. der Formen. Der Haupt-Katalog Nr. 43(Letzte Moden) auf Wunsch kostenirei Groß-Berlin. Bitte, diese Liste aufzubewahren! GroK-Berliti. M iKpip InltiMd, Wf i>ci Fchtms i>ll HmrmMcr« ErH-Knli« bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenossen» Arbeiter, Interessenten, Uancher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uedt Solidarität! Osten. •CHo Schirm er, Frankfurter Allee 7. 'Wtlh. Klein, Am Oberbaum l. 'Richard Schuhe, Friedrtchsselder Straße 23. M. Hanneman». Breilauer Str. S. R. Frille, Langestr. 2g, IV. 'Paul Watschte, Andrealstr. 16. 'Hermann David, Weldenwcg 3. Helene Kolberg, Memeler Str. 31. 'Paul Peterson, Weidenweg 83. Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Franz Krüger, Posener Str. 25. 'Iah. Heiden, Weidenweg 26. 'Ernst Bast. Boigtstr. 6. 'Gustav Brösel, Fruchtstr. 63. Max Lerche, Tilsiter Str. 44. 'August Körlin. Rigaer Str. 46. E. Tornow. Wcidenweg 8. 'Immanuel Harzmann, Stralauer Allee 3l d ll. 'Johann Liebich. Memeler Str. 7. Otto Kogli». Schreinerstr. 56. Anton Fröhlich, Langestr. 56. Fr. Marie Schubert, Romintencr Straße 30. 'V. Spenkoch. Tilsiter Str. S0. Südosten. Adolf Domann, Lausitzer Str. 7. 'August Lefbvre. Adalberlftr. 13. 'Ph. Baehr. Raunynstr. 24. Emil Gabler. Cuorystr. 48. 'Louis Fischer, Wiener Str. 57d. 'Gustav Zillich. Förster Str. 3. 'Robert Kestler. Marianncnstr. 37. 'Jean Brunn, Wrangclitr. 16. 'Frist Lobbes. Adalberlstr. 58. 'Wilhelm Friedet, Forster Str. 3S. 'Wilh. Stubner, Ellenbahnftr. 33. 'Robert Kämmler» Reichenberger Straße 167. 'Paul Reichelt. Wrangrlstr. 62. Süden. 'Wilh. Boerner, Ritterstr. 16. 'Angust Zech, Gitjchiner Str. 53. 'Gustav Schmidt, GrSsestr. 63. 'Gustav Lochmann, Waisertorstr.4S. Nordwesten. 'Richard Kiepert, Zwingllstr. 29. Otto Bornkeffel. Waldstr. 3S, III. Wilhelm Bundschuh, Birkenstr. 43. 'Rodert Sern, Stromstr. 25. Richard Schoppan, Wiclesstr. 46,1. 'H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Böseuberg, Rostocker Str. 21. Norden. 'Emil Herforth, Rsigener Str. 7, Eingang Pntbuser Straße. 'Frau Luis« Nnst. Soldiner Str. 63. 'Wachsmnth, Freieiimaider Str. 9. 'August«ausdorf, Soldiner Str. 14 im Laden. 'Deglow. Hochstr. 2». 'Paul Mazante, Pankstr. 24. 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'Friedrich Schulz, Wtesenstr. 60». Albert Haspel, Humboldthain, gegenüber Ramlerstrage. 'August Beutel, BiesenlhalerSK. 24. 'Eduard Möhl.SchönholzerStr.ll. 'H. Herberg. Gleimstr. 65. 'Karl Habersaath, Graunstr. 40. 'Gustav Hennig, Kolontestr. 429. Nordosten. V. Lorwlndorsf. Weinstr. 6 II. W. Eckenbrechi. Höchstestr. 7 IH. Otto Brtter, Höchstestr. 32. 'Jos. Krobisch. Bllschingstr. 20. 'Max Polest. FriedrichSberger Str. 10 'Karl Müller. Rhtestr. 33. 'A. Dierbach, Winsstr. 25. 'Tb. Bernhöft, GreisSwalderSt. 207. 'Gustav Pinner, Tresckowstr. 36. Georg Bürger, TreSckowstr. 38. 'Heinrich Olle. Mctzcr Str. 22. 'Elisabeth Wolter, Marienburger Straß« 32. Gustav Richter, Landsberger Allee Nr.»45. H. pt. 'Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. 'M. MoewuS, Weinstr. 29. »Hugo Wache. Koppenstr. 46. Zentrum. A. Ehaim, Mulackstr. 11, 1. Vororte. 'Karl Jancke, AdlerShof, Frieden- straae 16. »Rudolf Otto, AdlerShof, Sedan- ftraße 29. Albert Schumacher. Lichtenberg, Warlenbergstr. 63. »H. Trompa, Lichtenberg, Scharn» iveberftr. 44. 'Paul Harting. Lichtenberg, Rum- melsburger str. 18. 'Joh. BobrowSti, RummelSburg, Crosfener Str. 17. OSkar Masertopff, Soxhage», W-feistr. 35. 'Friedrich Schütze. Rtxdors, Dlß- mannstr. 22/23. »Wilhelm Schulze, Rurdorf, Stein« metzstr. 110. Gustav Becker. Rtxdorf, Jnnstr. 29. 'Albert Schuster, Rixdors, Fulda- straße 15. I. GanS, Rixdorf, Friedelstr. 3 HI. »F. Ehlert.Rirdorf. Hermannstr. 226. 'Gustav(Carl, Rixdorf, Prinz- Handjery.Str. 59. »Arttz Ehlert, Britz, Rudower Str. 6. »Wilhelm«leia, Wilmersdorf. Uhlandstr. 123. 'Paul Witt. Steglitz. Düppelstr. 5. »Rod. Stübner, Steglitz, Schloß- straße 115. M. Lehman». Rewtckendorf- Ost, Thunerstr. 5. »Wilh. Klelu. Tegel. Berliner Str. 84 Herm. Goldmann, Tegel, Berliner Straße 39 pt. »Alb. Jaulte. Pankow, Mühlenstr. 36. 'Jacodt, Weißenfee.BerlinerAllee>79 Rod. Werner, Weißensee, Sedan- straße 19 l Jakob Reul, Barnimstr. 42. 'Arnold Hamacher. Köpntcker Str. l55/l56 und H.«retzner, Mariannenplatz 15. «usterdem sämtliche Verkaufsstelle» der Grosteinkaufögesellfchaft Hamburg.— Alle mit einem' versehenen Firmen haben Ladengeschäste. Nachträglich eintreffende Bewilligungen werden den späteren Veröffentlichungen mit angefügt.— Plakate für Fabrikanten werden nur gegen Vorzeigung des unterzeichneten Tarifs im Bureau der Tabakarbeiter, Große Hamburger Str. 18/19, 2. Hos II. ausgehändigt. Obigen Tarisfirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich nachmittags von y2S—5 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen laffen. welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen. Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten. Der Zigarrenfabrikant Herr I. Stubrey dl.. Gleimstr. 10. im Laden, erfüllt die Tarifbedingungen nicht. Die Fabrik ist für unsere Kollegen gesperrt. 187/19 Der � erkraltVNSMlMN. A. Schulze. Sroße Hamburger Str. 16/19. BÜUT Todes-Anzeigen Am Mittwoch, oen 27. Eeptbr., eiitschlief nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sibwieger. und Groß- vater, der Bauarbeiter Seimim Jaurseb im 62. Lebensjahre. Um stilles Betleid bitten vis Hinterbliebenea. Die Beerdigung findet Montag, den 2. Oltober, nachm. 3'/, Uhr, von der Halle des Rirdorfer(Sc- mcindc-KirchhoseS, Mariendorser Weg, auS statt. zolisIlleinolll'Zlizcliei'Välilvei'Llii Iii x dort'. Den Parteigenossen zur Nach- richt. daß unser Mitglied, der Arbeiter Lermsnii Jaurseb Richardstr. 10 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet Montag, den 2. Oktober, nachm. 3'/. Uhr. von der Leichenhalle deS Rixdorser (SemeindcjriedhoseS, Mariendorser Weg. aus statt. 236/6 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Deulzeber Bauarbeiter-Verband Zweigvepein Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauarbeiter Hermann Jaurseb am 27. September au Magenkrebs verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag. den 2. Oktober, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Rixdorser (SeMcindesriedhoses, Mariendorser Weg. auS statt. 140/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Veitoi! der Buch- und Steindniekerei-HillsarheilerD. AHieiteriooeö Oentschlands. OrtsverwaUunc Berti v. Slm 29. Eeptbr. verstarb ganz plötzlich unser Milglted und Kollege Wilbeim Böttcher im Atter von 45 Jahren. Ehre seinem Andenke«! Die Bcerdianng findet Montag, den 2. Oktober, nachm. 4 Uhr. von der Leichendalle deS Fried. hofeS der Christus- Gemeinde, Wariendorf. Lichtenrader Chaussee, auS statt. 28/3 vi« Ortmrwaltuiig. Sozialdemokratisch Jahl?ereiD Kreis Nieder-Barnim Bezirk Lichtenberg. Den Genosse» zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Glaser- meister Eduard Kampf, Friedrich-Karl-Str. 11 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhall« in Marzahn auS statt. Rege Beteiligung erwartet 14/12 Die Bezirksleitung. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSstelle Berit». Todes- Anneice. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Archeiierin Margarete Meinke am 29. September anLungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Schöneberger neuen städtischen FriedhoseS an der Blanken Hölle auS statt. Rege BeleUigung erwartet 123/17 Die OrtSverwaltung. iHHaBBBBBHHSPPe*** Am 29. September starb nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, guter Vater, Sohn und Bruder, der Gastwirt Paul Fischer im 38. Lebensjahre Dies zeigen tiesbeiriibt an im Namen der Hinterbliebenen Emma EiHchcr geb.Teubner und Tochter, Alte Jakobstraße 139—143. Beerdigung: Mittwoch, 1 Ok- tober, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS St. Simeon- Friedhoses, Tempelhojer Weg in Britz, aus. 89 lb Von langen, schweren Leiden wurde am 29. September 1911 meine inniggeliebte Tochter, unsere liebe Schwester 90gb Margarete Inj durch den Tod erlöst Um stille Teilnahme bitte» Frau E. Kray U.Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, 4'/, Uhr, von der Leichenhalle de« Zentral- Fried- Hosts in Friedrichsseide au« statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Blumenspenden bei der Beerdi- gung meines lieben ManneS und DaterS sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma H. S. Hermann innigsten Dank. vi 9b krau Alma Verner nebst Kindern. Extzra- Abteilung , Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 StriBe37a(2 Haus von der| Jerusalemer Slra8e). Iii. Gesch.: Berlin NO., Grote 1 Frankfurt. Str, 1 1S(2. 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Die meisten Fachleute neigen der Änschaunng zu, daß das Unglück der Selbst- enizündung des.Pulvers B" zuzuschreiben sei und die Macine- behörden haben denn auch Befehl gegeben, aus allen Schissen das an Bord besindliche Pulver, vor allem die Vorräte, die aus der dem Jahre 1902 vorangehenden Zeit stammen, ans Land zu schaffen. Delcassö freilich hatte versucht. diese Hypothese als unwahrscheinlich hinzustellen. Der„Eclair" glaubt diese Meinung des Ministers in Verbindung damit bringen zu müssen. daß schon seiner'Zeit bei der großen Enquete DelcasjeS über die Marine der Untergang der„Jena" just auf die gemengte Einlage- rung des schwarzen Pulvers und des„Pulvers B" zurückgeführt wurde, und daß sich trotzdem jetzt auf allen Schiffen— so wie es auf der„Liberts" der Fall war— schwarzes Pulver neben dem Melinit «ingelagert vorfindet. Die Stellung Delcassös, der eben erst bei der Touloner Revue als Wiederhersteller der von seinen Vorgängern angeblich zugrunde gerichteten Kriegsmarine paradiert hatte, ist natürlich durch die Katastrophe, die in ihren Wirkungen einer schweren Niederlage zur See gleichkommt, arg erschüttert, und dex gestrige Zusammenstoß von Torpedozerstörern in den Touloner Gewässern wird, wenn auch Delcassv sicher nicht für ein falsches Schiffsmanöver verantwortlich gemacht werden kann, seiner Autorität einen weiteren Stoß versetzen. Daß es dem Minister sehr angenehm wäre, das„Pulver B" zu rehabilitieren, darf man schon glauben. Denn nicht nur die Hinterbliebenen der mit der„Liberts" Zugrundegegangenen würden den Minister der schwersten Mitschuld anklagen, sondern alle diejenigen, die ihre An- gehörigen in der Marine haben, und überhaupt das ganze Publikum müßten bei dem Gedanken, daß so viel kräftige Jugend schwimmen- den Vulkanen anvertraut ist, erzittern— von den Empfindungen der Mannschaft selbst zu schweigen. Am bequemsten wäre es ja gewesen, sich aller Verantwortlichkeit durch Hinweis auf irgendwelche„Sabotage" zu entziehen und ans dem Unglück noch falsche Münze für den Kampf gegen die Arbeiter- bewegung zu schlagen. Einige solche Versuche sind von schuftigen Preßbanditen in der Tat unternommen worden, indes ist der Ge- danke, daß ein Revolutionär darauf ausgegangen sein soll, 409 Kameraden und sich selbst in die Luft zu sprengen, so hirnrissig, daß auch die leichtgläubigsten Aengstlinge der bürgerlichen Klaffen eine solche Zumutung an ihre Phantasie zurücklveisen. Freilich gehört die Schnellfertigkcit, womit die„Balaille Syndicaliste" die Katastrophe unter die„Sabotagen des Unternehmertums" einreihen möchte, zur selben Sorte demagogischen Journalismus. Die Prositmacher der Schiffbauindustrie haben genug Sünden auf dem Gewissen, als daß man ihnen ein solches namenloses Ver- brechen zurechnen müßte, solange noch nicht die geringste Klarheit über die Ursachen der Katastrophe vorhanden ist. Immerhin ist der Umstand, daß der Bau der„Liberts" von der P r i v a t i n d u st r i e ausgeführt wurde, darum zu vermerken, weil im anderen Fall die „große" Unternehmerpresse nicht verfehlt hätte, die Unfähigkeit der Staatswerkstätten, die„Disziplinlosigkeit" der Staatsarbeiter und in letzter Linie die gewerkschaftliche Organisation anzuklagen. So aber muß man sich begnügen, nach dem obligaten patrm tischen Trommelwirbel zweideutige, infame Anspielungen auf das geschwisterliche Verhältnis des Schiffskoinmandanten zu Genossen JaursS zu machen. Allerdings, Kapitän Jaurss, der vor einigen Tagen seinen regelrechten Urlaub angetreten hatte, ist nicht nur schuldig, der Bruder eines sozialistischen Führers zu sein, sondern es werden ihm auch„humanitäre" Gesinnungen zum Vorwurf gemacht. Sie sollen sich auf doppelte Art geäußert haben. Erstens darin, daß dieser Marineoffizier nicht den lriegS- wütigen Eisenfresser spielte, zweitens in einer ungewöhnlich anständigen Behandlung der Mannschaft. Da Jaurös seine Leute nicht mit übertriebener Knöpfeputzerei und dergleichen schikanierte, wirft ihm ein Blatt vor, die„Liberts" nicht sauber gehalten zu haben, wobei dann immer noch der Zusammenhang von Unsauberkeit und Pulverexplosion nachzuweisen wäre. DaS Blatt, das diese und andere Nichrswiirdigkeiten produziert, ist das Organ des Exgenosscn und FinanzabenteurcrS Gerault-Richard. Und zitiert wird es von der monarchistischen„Action Franqaise", die selbst mit der perversen Niedertracht brandstiflender Idioten die»einzig mögliche Erklärung" zutage bringt:„Diese Katastrophen sind das Werk Deutschlands und des Verrats." Wozu als Er- läuterung der Hinweis auf die historischen Ansprüche des heiligen römischen Reichs auf das linke Rhöneufer und aus die in„deutschen Diensten" stehenden„Vaterlandslosen" von Toulon folgt. Die „Action Frantzaise" hat freilich nur ein kleines Publikum, aber zu diesem gehört die Jugend nicht nur der abgehausten„Edelsten der Nation", sondern auch zahlreiche Sprößlinge der blasierten Bour- geoisie, deren Unernst und moralischer Schwachsinn so illustriert wird. Bemerkenswert ist aber, was ein bürgerliches und entschieden patriotisches Blatt, der radikale„Rappel", auf die reaktionäre Be- hauptung, daß der revolutionäre Geist der Arsenalarbeiter die Schwäre des„verwünschten Hafens" sei, antwortet:„Es gibt mindestens noch zwei andere: den Mangel an Ueberwachung des Kommandos und das Opium". Acivir Möbel! Spezial- Kaufhaus bürgerlicher Wohmmgs-EinriWnyen 1.200-450. bessere». 500-900 Ii. Schlafzimmer *.2003». Speisezimmer V.575M. Herrenzimmer V.465M. Mod.Kücheneinrichtung.v.fifiM. ttGelphiskie ÄJ'" spottbillig! Lieferung und Aufbewahrung frei. Möbel-Thiele Berliner Melhaie Jonler. 1.«rslhäft: MerHi-ßr 12« am Martenplatz* 2.Gkschäst:Inl>alidtnkr.l18 FoOrifgebäube, vis-a-vis Stell. Bahnh. Zahlungen nach Uebereinkunft. Auf Teilzahlung wöchentlich nur 1 Mark Bös find ohne Frage alle tzautun- reiniakeiten und SautauSschläge, wie Mileffer. Blülchen. Kinnen. Rote dei> Besicht» ,c. 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Loewy,Eild Meter Höhe glücklich abzuspringen. während der Paffagier, ein Mechaniker, unter den Motor geriet und schwere Verletzungen davontrug. � Verbreiterung der Charlottenstraße. Der Magistrat beschmtigte ich in seiner gestrigen Sitzung mit der Verbreiterung der Char- lotlenstraße zwischen Behrenstraße und der Straße Unter den Linden. Die Diskontogefellschaft beabsichtigt nämlich an der östlichen Seite der Charlottenstraße ein neues Baukgebäude zu errichten. Der Neu-- bau soll 2 Meter hinter die gegenwärtige Baufluchtlinie zurücktreten. Die Gesellschaft will die frei werdende Fläche für den öffentlichen Verkehr freigeben. Der Magistrat erklärte sich mit den Vorschlagen einverstanden und beschloß ferner, die Baufluchtlinie der Charlotten- straße auf der genannlen Strecke auf der östlichen Seite dem- entsprechend zurückzurncken; ebenso wurde die Baiifluchüime auf der westlichen Seite, wo die Gebäude seinerzeit 2 Meter hinter>.er Baufluchtlinie errichtet worden sind, entsprechend festgesetzt. In der Bauverwaltung der Kannlisationswerke tritt im kommen- den Monat wieder der Winter-Arbeitsplan in Kraft, welcher im gegenwärtigen Augenblick besonders kennzeichnend für die Arbeiter- Politik des Berliner Magistrats ist. Darin wird die Arbeitszeit wie der Pausen vom 20. 10. bis 16. 11.: von 7-4'/z Uhr, 8'/z Stunden 17. 11.. 30. 11.:. 7'/.-4'/«..8 „ 1. 12,» 21. 12.:„ 7'/2-4„ 7,/a. » 22. 12.» 11. 1.:„ VU-iV.„ 7'/3. » 12. 1.. 25. 1.:„ 7'/2-4'/2, 8 Die Arbeiter dieses Betriebes arbeiten regelmäßig L Stunden und könnten sich ja nun die vorübergehende Verkürzung der Arbeits- zeit in den Wintermonateii gefallen lassen, wenn— ja, wenn die Sache nicht den Haken hätte, daß sie im Stundenlohn stehen und somit einen empfindlichen Lohnausfall erleiden. Die schon an sich völlig unzureichenden Löhne werden dadurch noch um ein weiteres herabgedrückt. Dafür ein Beispiel: Ein Arbeiter auf der Baustelle erhält 43 Pf. Stundenlohn und verdient somit bei»eunstündiger Arbeitszeit in der Woche 23,22 M., wovon dann noch die Kassenbeiträge abgehen. Bei der 7�/2stiindigen Arbeitszeit kommt er auf ganze 10,35 M. pro Woche, und zwar heimst er dieses fürstliche Einkommen ausgerechnet zur Weihnachtszeit ein, wo unsere„göttliche" Weltordnung das»Fest der Liebe" zu begehen vorgibt. Die so wirtschaftlich schwer getroffenen Arbeiter haben dann Gelegenheit, mit Weib und Kindern Betrachtungen darüber anzustellen, wie die Herren des Magistrats und ihre Beamten den bekannten Grundsatz der„christlichen" Religion: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ausfassen. Ganz besonders interessant ist die Sache insofern, als der gekennzeichnete Arbeitsplan just in dem Augenblick herauskommt, wo man in der Stadtverordnetenversamm- lung sich uiit der Teuerung besaßt und die Eventualität von Teuerungszulagen für Beamte und Arbeiter in Beratung gezogen hat. Welch ein klaffender Widerspruch zwischen Theorie und Praxis! Von einem Mädchenhändler entführt worden fft allem An- scheine nach eine 20 Jahre alte Käte Atzmann, die Tochter eines Goldarbeiters aus der Neuen Königstraße 70. Das Mädchen lernte im Juli d. I. in den Zelten einen jungen Mann kennen, der sehr fein und gewandt auftrat, aber auch ganz geheimnisvoll tat. Er prahlte mit seiner Abstammung aus hohen Kreisen, gab sich für einen Schriftsteller aus, nannte aber nie seinen Namen. Wie aus einem zurückgelassenen Briefe hervorgeht, spiegelte er dem Mädchen vor, daß er den Namen nicht preisgeben dürfe, weil er zu anarchisti- schen Kreisen Beziehungen unterhalte. Im Laufe der Zeit gewann er großen Einfluß auf die Betörte und traf sich mit ihr öfter hinter dem Rücken der Eltern. Endlich verlobte sich das Paar, ebenfalls ohne Wissen der Eltern, und bald darauf am 14. d. M. verschwand es. Ans Briefen ist zu ersehen, daß der junge Mann vorher schon einmal weggewesen war und daß das Mädchen ihm nachfolgen sollte, daß er aber zurückkehren mußte, um es zu holen, weil es nicht allein reisen wollte. Nach einer Andeutung in einem Briefe wollte das Paar nach Amerika gehen, um dort zunächst in einem Boardinghouse zu wohnen. Nach allen Ermittelungen der Kriminal- Polizei unterliegt es kaum noch einem Zweifel, daß der Entführer ein Mädchenhändler ist. Er scheint ein Rheinländer zu sein und spricht auch englisch und französisch.— Aus Danzig entführt wurde am vergangenen Donnerstag die 17 Jahre alte Martha Sachert von einem 27 Jahre alten Kellner Bernhard Koschnick, der ebenso wie sie in Danzig geboren ist. Wie ermittelt wurde, ist das Paar nachmittags um 4,A Uhr über Dirschau und Schneidemühl nach Berlin gefahren. Ob es sich hier noch aufhält oder durchgereist ist. konnte noch nicht festgestellt werden. Das entführte Mädchen ist klein und schwächlich, hat hellblondes Haar und trägt einen fangen grauen Mantel und einen auffallend großen grünen Winterhut mit Federn. Der Entführer ist etwas größer, hat dunkelblondes, gescheiteltes Haar und einen kleinen dunkelblonden Schnurrbart und trägt einen grauen Jackettanzug und einen schwarzen steifen Hut. Eine mehr als halbstündige Störung im Straßenbahnbetriebe fand am gestrigen Vormittag in der Französischen Straße nahe der Oberwallstraße statt. Dort war einem Rüstzeugwagen der Bau- firma Boswau u. Knauer, Mohrenstraße 49, das linke Hinterrad gebrochen und das Gefährt sperrte beide Straßenbahngleise in der Zeit bon'10 Uhr 25 Minuten bis 11 Uhr vormittags. Die Straßen- bahnwagen der Linien 12, 18, 20, 39, 42, 60, 61, 70, 73, 80, 81 mußten während dieser Zeit abgelenkt werden, bis der Rettungswagen der Straßenbahn das Hindernis aus dem Wege geräumt hatte. Ein Reinfall Scherls. In Scherls Verlag erscheint täglich eine illustrierte Sonderbeilage, die Bilder vom Tage bringt. Unter anderen bringt diese Beilage auch die Bildnisse bekannter Persönlich- leiten, die im öffentlichen Leben hervorgetreten sind. Dabei passieren dem Blatte aber manche schlimme Schnitzer. Am Donnerstag wurde in der Stadtverordneleuversammluiig bekannt gegebe», daß der Stadtverordnete Hermann Marggraff, der eine Reise nach Samoa unternommen hatte, in Samoa plötzlich gestorben ist. Schnell muß Scherl das Bild Marggraffssproduzieren. Wir, die wir Marggraff gut kannten, waren nicht wenig erstaunt, anstatt das Bild des Ver- storbenen, das Konterfei des noch lebenden Stadtrats und Ehrenbürgers von Berlin Marggraff als das des toten Stadtverordneten produziert zu finden. Stadtrat Marz- graff hat aber auch nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Ver- storbenen, zumal außerdem der Verstorbene 47 Jahre alt war, während'Stadtrat Marggraff hoch in den siebziger Jahren ist. Hoffent- lich lebt Stadtrat Marggraff noch lange. Für Scherl aber bedeutet diese Veröffentlichung einen großen Reinfall; sie beweist ferner, wie „gewissenhaft" in diesem Betriebe gearbeitet wird. Stellungslosigkeit hat den 33 Jahre alten Drogisten Richard Heßler aus der Elsasser Straße 16 in den Tod getrieben. Der Mann hatte seit vier Monaten keine Beschäftigung mehr und konnte auch trotz aller Bemühungen keine finden. In verzweifelter Stim- mung entfernte er sich aus der Wohnung und kam nicht wieder zurück. Gestern landete man seine Leiche am Kronprinzenufer aus der Spree. AuS der Spree gelandet wurde gestern an der Ebertsbrücke die Leiche eines unbekannten Mannes, die wahrscheinlich schon einige Tage im Wasser gelegen hat. Der Ertrunkene ist 1.7» Meter groß. hat blondes Haar und einen kleinen blonden Schnurrbart und trug einen dunklen Jackettanzug, baumwollene Strümpfe und schwarze Schnürschuhe. Seine Wäsche ist nicht gezeichnet.— Noch nicht fest- gestellt ist auch die Persönlichkeit eines Mannes, der am 14. d. M. im Gasthof„Zur deutschen Eiche" in Wannsee tot aufgefunden wurde. Der Tote, ein Mann von etwa 55 Jahren, hatte einen Zetkel mit der Aufschrift:„Karl Linze, Drahtardeiker aus Berlin� geboren am S. Oktober 1855 in Reetz, Kreis Arnswalde", bei sich. Die Nachforschungen, die daraufhin nach der Persönlichkeit in Reetz und hier in Berlin angestellt wurden, blieben erfolglos. Bon einem Brauerwagen totgefahren. Ein schwerer Strafjew Unfall hat sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr in der Fennstraße zugetragen. Dort wurde ein etwa IS jähriger junger Mann, der einen Handwagen schob, von einem Branerwagen überfahren und auf der Stelle getötet. Der Unfall geschah dadurch, daß der junge Mann einem Straßenbahnwagen ausweichen wollte und dabei direkt in den Brauerwagen hineinfuhr. Die Leiche wurde nach der Unfall station in der Lindower Straße gebracht. Der Tod ist infolge eines schweren Schädelbruches eingetreten. Die Personalien des Verunglückten konnten noch nicht festgestellt werden, da der junge Mann keinerlei Paviere bei sich trug und auch der Handwagen ohne Firma war. Berichtet wird uns, daß em Fennstr. 61 wohnender Arzt von einem Passanten zu Hilfe geholt werden sollte, daß der Arzt aber ablehnte, weil er auf seine Frage, wer die Kosten bezahle, keine befriedigende Antwort erhalten konnte. Johannisthaler Flugwoche. Am Sonnabend war mit Rücksicht auf den Tod deS abgestürzten Korvettenkapitäns a. D. Engelhardt zwischen Sportleitung und Fliegern die Vereinbarung getroffen worden, keine Wett bewerbe stattfinden zu lassen. Es fanden deshalb auch nur einige kürzere Flüge statt, die von Suvelack, Pietschker und Hoff mann ausgeführt wurden. Die am Sonntag zu Ende gehenden Flugveranstaltungen haben bisher folgendes Ergebnis gehabt: Wettbewerbs.(Flugzeugwettbewerb) Pietschker 11 Stunden 87| Minuten, Suvelak 11 Stunden 1 Minute, Grulich-Hoffmann S Stunden 24 Minuten. Beese-Hirth 9 Stunden 1 Minute, Engel. Hardt 3 Stunden 18 Minuten. Otto 2 Stunden 3 Minuten, Büchner 55 Minuten, Engelhardt 54 Minuten, Hoffmann 10 Minuten. Wettbewerb B(Fliegerwettbewerb) Pietschker 11 Stunden 87 Minuten, Suvelak 11 Stunden 1 Min., Beese 8 Stunden 53 Min., Witte 8 Stunden 39 Minuten, Grulich 7 Stunden 45 Min., Engel. Hardt 7 Stunden 3 Minuten, Kahnt 5 Stunden 59 Minuten, Schauenburg 4 Stunden 48 Minuten, Schirrmeister 4 Stunden 36 Minuten, Caspar 4 Stunden 25 Minuten, Schwankt 8 Stunden 51 Minuten, Oelerich 3 Stunden 38 Minuten, Hanuschke 3 Stunden 30 Minuten, Wertheim 3 Stunden 9 Minuten, Noelle 3 Stunden, Otto 2 Stunden 3 Minuten, Röver 1 Stunde 34 Minuten, Steinbeck 54 Minuten, von Gorrisfen 49 Minuten, Schulze 27 Minuten. Dr. Liffauer 26 Minuten.— Die Verletzungen des mit Kapitän Engelhardt abgestürzten Passagiers, des WrightschülerS Sedlmayer, haben sich glück- licherweise als minder ernster Natur herausgestellt, als man an- fänglich annahm. Ein Schädelbruch hat nicht stattgefunden, sondern die Verletzungen im Gesicht und am Hinlerkopf find nur äußerliche._ Konkurs einer Pianofortefirma. Der Konkurs Karl H. Hintze, der schon zahlreiche Opfer gefordert hat, zieht immer neue Fallissements nach sich. Gestern ist die große und angesehene Firma Wilhelm Menzel, Warschauer Str. 58 in Konkurs gegangen. Wie wir schon vor einiger Zeit berichteten, hatte diese Pianofortefabrik ihre Gläubiger zusammengerufen und ein Moratorium auf ein Jahr nachgesucht, daß auch bewilligt wurde. Trotz alledem ist eS nicht gewesen, das Unternehmen zu halten, denn vor einigen Tagen wurden bereits die Zahlungen eingestellt und der Konkurs angemeldet. Menzel ist gleich vielen andern ein Opfer der Riesenpleite HintzeS. Er hatte dem verkrachten Klaviergroßhändler auf abzunehmende PianoS und Flügel Wechsel in Höbe von 80 000 M. gegeben. Auch der Konkurs von Gutzeit kostete Menzel etwa 50 000 M. Hierzu kam, daß die Firma durch den Neubau ihrer großen Fabrik in der Warschauer Straße sich finanziell zu stark engagiert bat. Die Passiven dürften etwa 250 000 M. betragen, denen jedoch ziemlich bedeutende Aktiven gegenüberstehen, so dag man mit einer Quote von 20 bis 25 Proz. rechnen kann. Auch die Pianofortefabrik Knabe u. Sohne in der Urbanstr. 116 ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Falls eine Einigung mit den Gläubigern nicht zustande kommt, dürfte der Konkurs in den nächsten Tagen angemeldet werden. des Ausscheidens dreier bürgerlicher Stadtverordneten Ersatz wählen notwendig, die der Magistrat auf Mittwoch, 11. Oktober, anberaumt hat. ES handelt fich zunächst um ein Hausbesitzer- mandat im 9. Wahlbezirk(alter Ortsteil), in welchem voriges Jahr unser Parteigenosse Oskar Riedel den Sieg errang. Leider steht unserer Partei auch heute kein Hausbesitzer am Orte zur Verfügung und daher ist beschlossen worden, im Kampf mit der Reaktion einen von der Demokratischen Vereinigung aufgestellten Kandidaten, den Hausbesitzer PincuS, zu unterstützen. Im zehnten Wahlbezirk hin. gegen, dem Kaiserplatzviertel, sind zwei Mieterkandidaten zu wählen. Als solche haben unsere Parteigenossen den Tischler Alfred Riedel und den Kaufmann Siegfried Markussohn aufgestellt. Leicht wird der Kampf in diesem Bezirk nicht werden, da der konservative Kandidat hier voriges Jahr ungefähr doppelt so viele Stimmen als der von unseren Parteigenossen unterstützte Hausbesitzerkandidat der Demokrattfchen Vereinigung errang. Aber die Sozialdemokratie hätte wohl noch bei keiner Wahl den Sieg davongetragen, wenn sie sich durch solche Hindernisse abschrecken ließe. Vorläufig gilt es mit aller Kraft zu arbeiten, und dann wird der Erfolg auch nicht aus- bleiben. Steglitz. Der Töpfer als Brandstifter. Eine überraschende Aufklärung hat nachträglich ein Brand gefunden, der bei dem Bäckermeister Lietz in der Jahnstr. 2 aus unbekannter Ursache in der Wohnung ausgebrochen war. Man nahm wohl Brandstiftung an, vermochte aber über den Urheber nichts zu ermitteln. Die polizeilichen Nach- forschungen haben jetzt ergeben, daß der Brandstifter unter der Maske eines Töpfers Zutritt in die Wohnung gefunden hat. Er spiegelte vor, er müsse die Oesen kontrollieren und dabei benötige er etwas Spiritus. Anstatt nun die Oese» zu untersuchen, steckte der gefährliche Bursche die Kleider des Bäckermeisters in Brand und als später daS Feuer entdeckt wurde, hatte es bereits eine größere Aus- dehnung angenommen. Der falsche Töpfermeister war inzwischen längst auf und davongegangen. Es ist nicht ausgeschloffen, daß er der Urheber auch anderer Brände ist. Rixdors. Die in den Borjahren von der Stadt veranstalteten stark be- suchten volkstümlichen Vorträge und Konzerte haben die städtischen Köiperschaften veranlaßt, auch in diesem Jahre wiederum Mittel für diese Zwecke bereitzustellen. Das Programm der im kommenden Winter zur Veranstaltung gelangenden Abende ist durch Aufnahme von Rammermusikausführungen, die von ersten Berliner Musikern ausgeführt werden, vermehrt und bei dem geringen Eintrittspreis von 50 Pf. glaubt die Stadt aus einen starken Besuch rechnen zu dürfen. Die Veranstaltung der vom Blüthner-Orchester ausgeführten Sinfoniekonzerle in der.Neuen Welt' sowie die unentgeltlichen Vor« träge in der Aula des Kaiser-Friedrich-Realgymnasiums sind bei- behalten worden. Zur Erleichterung der Besucher aller dieser Abende ist ein Programmkalendrr hergestellt worden, der eine Zusammen- 'lellung der im Winterhalbjahr 1911/12 von der Stadt veranstalteten Theatervorstellungen. Vortragsabend« und Konzerte enthält. Das genaue Programm eines jeden Abends wird kurz vorher in geeigneter Weife bekannt gegeben. Ein Straßcnunfall mit tödlichem AuSganz ereignete fich gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Elsenstroße. Dort geriet ein 5 bis 6 Jahre alter Knabe unter die Räder einer Automobildroschle. DaS Kind blieb bewußtlos auf dem Straßendamm liegen und wurde noch der nächste» Unfallstation geschafft. Dort konnte der Arzt aber nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Für Ertaubte und Schwerhörige. In der königl. Charitä-Ohren Poliklinik beginnen im Oktober die neuen Kurse im Absehen der Sprache und zur Spracherhaltung für Ertaubte und Schwer- hörige unter fachärztlicher Leitung. Meldungen dazu werden Mon- tag, Dienstag. Donnerstag und Freitag von 12—1 daselbst entgegen- genommen.(Eingang vom alten Hauptportal, Schumannstraße). Die Teilnahme ist für Unbemittelte unentgeltlich. Bon„Kießlings Berliner Berkehr" erschien soeben die Winter auSgabe zum Preise von 40 Pf., mit einer neu beigefügten Eiseilbahiv karte der Provinz Brandenburg und den Kärtchen deS Berliner Vorortverkehrs sowie der Stadt- und Ringbahn. Die Fahrpläne der Eisenbahnen, Straßenbahnen, Omnibusse usw. weisen wiederum große Veränderungen auf. Das wichtige Verzeichnis der von Straßenbahnen und Omnibuffen durchfahrenen Straßen ist voll- ständig umgearbeitet worden. Die neu hinzugekommene Eisenbahn- karte der Provinz Brandenburg bildet eine werlvolle Ergänzung des praktischen Buches. Ein gefährlicher Brand kam in der letzten Nacht in einem Delikateffengeschäft in der Nangarder Str. 40 aus noch nicht er- mittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Gefahr in dem neuen Hause bemerkt wurde, stand der Laden schon vollständig in Flammen. Diese hatten bereit» den Fußboden mit der Balkenlage im ersten Stockwerk ergriffen und gefährdeten das HauS in hohem Grade. Da die Treppenaufgänge total verqualmt waren, wurde über Leitern am Hause vorgegangen, die Fenster eingeschlagen und in die Wohnungen eingestiegen. Durch kräftiges Wassergeben gelang eS dann, den Brand einzudämmen und weiteres Umsichgreifen der § lammen zu verhüten. Die Hausbewohner hatten sich noch vor intreffen der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Ueber die Ent- stehung konnte nichts ermittelt werden. Bei einem Brande in der Langestr. 81 erlitt Frau Auguste Aron Brandwunden, die ihr auf der Unfallstation verbunden wurden. Gardinen und Regale in der Küche wurden hier ein Raub der Flammen. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 1. September früh an der Hobrechtbrllcke ein Mann von einem Wagen der Straßen- bahnlinie 46 überfahren und von der Unfallstelle nach der Rettungs- wache am Görlitzer Bahnhof gebracht wurde, wollen ihre Adreffe senden an Giese. Berlin, RüderSdorfer Straße 39. U n k o st e n werden vergütet. Arbeiter-Samariter-Kolonne Grofi-Berlin. In dieser Woche finden folgende Lehrabende statt: Abteilung 1. Dresdener Str. 45, am Montag, den 2.: Abteilung 5, Rixdors, Erkstr. 8, am Mittwoch, den 4.; Abteilung 4. Lichtenberg, Scharniweberstr. 60, am Donnerstag, den 5.; je abends 9 Uhr beginnend mit ärztlichen Vorträgen über Ver- letzungen. Blutstillung und praktischen Uebungen. Kursusteilnehmer können noch eintreten. Gäste willkommen. Vorort- �laclmcbten« Wilmersdorf-Halensee. Stadtverordneten- Ersatzwahlen. Nachdem die Sozialdemokratie hei den Stadt�.'rordnetemvahlen des vorigen JahreS die beiden ersten Parteigenossen inS Ortsparlament gesandt hat, machen fich infolge Schöneberg. In der letzte» Sitzung der GewerkschastSkonnnission gelangte ein Schreiben der Stadlbauiuspektion II, daS aus Anlaß einer Be- schwerde der Uiiterkommisston eingegangen war, zur Verlesung. I» dem Schreiben wird mitgeteilt, daß dem Antrage der Bauarbeiter. aus dem Sieubau des Rathauses Schöneberger Arbeiter zu berück- sichtigen, nach Möglichkeil ent'prochen werden soll. Der Bierverlauf ist den Polieren auf dem Bau verboten worden; den Arbeitern soll eS überlassen bleiben, sich ihre Getränke zu beschaffen, wo und wie sie wolle». Außerdem Hai der Berliner Frauenverein bereits einen alkoholfreie» Ausschank errichtet. Die Mehrzahl der Delegierten sprachen sich dahin aus. daß. wenn die Antivort auch nicht so ausgefallen sei, wie sie eS gewünscht hätten, sie sich jedoch vorläufig damit begnügen. Sodann wies der Obmann auf die bevorstehenden GewerbegerichlS- wählen hin und ersuchte die Delegierten, daß sie sin ihren Persannn- lungen sich damit beschästigen, um in der nächsten Sitzung Bor« schlage über die Kandidaten machen zu können. AuS der Arbeits« Nachweisdeputation berichtete Genosie Kossonke, daß für den Arbeits- Nachweis endlich größere Räume gemietet worden sind. Betreffs der Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises für das Kellner- gewerbe sind die Verhandlungen vertagt worden. Zum Schluß wies Genosse Henkel noch auf die im November stattfindenden Stadt- verorduetenwahlen hin und forderte die Delegierten auf. bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen bietet, unter ihren Arbeitskollegen aus diese Wahlen aufmerksam zu machen. Charlottenburg. Bei der KirchhofSverwaltung des SüdwcfikirchhofeS in StahaS- darf herrschen, so schreibt unS ein Leier, sonderbare Ansichten i» dezug aus die Gräberbepflanzung. Wünschen Angehörige eines Ver- stordenen die Beyügelung relp. Bepflanzüng des Grabes, fo werden ihnen hinler dem VerkaufSsiand der Bliinienhalle acht sogenannte Mustergräber gezeigt. Auf Tafeln ist dort zu lesen: Mustergrab Nr. 1 und 2--5 M, Nr. 3 und 4--->6 M. ut'w. Die Mustergräber sind äußerst reichlich dekoriert, ringsherum mit Spheu und oben mit hübsche» Blumen bepflanzt. Auch ich entschloß mich zu einem Mustergrab. Der Betrag von 5 M. wurde bezahlt. Zu meinem größten Er- staunen sah ich aber, nachdem das Grab aufgehügelt und bepflanzt war, daß ringsherum der Epheu fehlte. Ich schrieb an den Kirch- hofSgärtuer, ob daS Grab genau so hergerichtet worden fei. wie das Mustergrab Nr. 2. Derselbe teilte mit. daß daS Grab bestellungS- gemäß ausgeführt worden sei. Vor einigen Tagen war ich wieder auf dem Friedhof. Auf die Frage an den Kirchhofsgärtner, warum daS Grab nicht mit Epheu umpflanzt worden fei, antwortete derselbe: Mit Epheu. ja, daS kostet noch 15 M. extra! Auf meine Frage, warum die Stadlsynode dieS nicht vermerkt, erwiderte der Gärtner, die Verwaltung nehme an, daß da? Publikum nicht für 5 M. ein Grab mit Epheu und Blumen bepflanzt verlangen könne. Das Grab kostet somit nicht 5, sondern 20 M. Warum läßt die Fnedhossverwaltung aber dies nicht in denselben großen Bucvstoben bekannt machen, damit das Publikum unterrichtet ist. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei. daß nunmehr eine Aenderung dort eintritt. Ober-Tchöneweide. In hilfl-sem Zustande wurde vorgestern eine alte Frau aufge- funden, die augenscheinlich infolge völliger Erschöpfung zusammen- gebrochen war. Die Frau gab an, Auguste Karoline Tredopp zu heißen und 85 Jahre alt zu sein; sie will in Mahlsdorf. Kauledorf und Berlin gewohnt haben, jetzt aber obdachlos sein. Ob diese Angaben jedoch zutreffend sind, erscheint fraglich, da die Frau offenbar geistesschwach ist. Die Unbekannte wurde daher in einer Privatpflegeanstalt untergebracht. Mittenwalde. Ein aufregender Lorgang spielt« fich vorgestern im SchiffahrtS- kanal ab. Die Frau des Pächter« Schadow hatte auf dem Wege nach Mittenwalde den Kinderwagen vor fich hergeschoben. Ver- sehentlich stieß sie bei einer Brückenrampe gegen einen Prellstein, so daß der Wagen umstürzte und mitsamt dem Kinde in den Kanal siel. Sofort sprang die Mutter nach, um ihr Kind vom Tode des Ertrinkens zu retten. Sie wäre ober zweifellos mitsamt der Kleinen ertrunken, wenn nicht der Lehrer Valenttn aus Mittenwalde gerade kn der Nähe gewesen wäre. Auf die Hilferufe der Sch. eilte er schleunigst hinzu, sprang in die Fluten und rettete erst das Kind und dann die Mutter. Beide wurden nach dem Krankenhaus ge- bracht. Tempelhof.. Ein Straßeiibahnunfall ereignete sich vorgestern, abends gegen �8 Uhr, in der Lankwitzer Straße. Dort stieß ein Fuhrwerk der Firma Wilke u. Elbe. Mariendorf. das dicht neben einem Straßen- bahntvagen der Linie 99(Richtung Gesundbrunnen) fuhr, mit der Wagenrunge gegen die linke Seitenwand des Motorwagens, wo- durch zwei Seitenscheiben zertrümmert wurden. Durch umher- fliegende Glassplitter erlitt eine Insassin des Bahnwagens. Frau Barganda aus der Nostizstr. 22 Schnittwunden an der rechten Hand. Die Verletzte erhielt im Tempelhofer Garnisonlazarett Notverband und begab sich von dort nach ihrer Wohnung, Eine Betriebsstörung entstand infolge des Unfalles nicht Herzfelde. Aus der Gemeinbcvcrtretersitzung. Zunöchft wurden die Töpferarbeiten für den SchulhauSneubau dem Töpfermeister Kohl über- tragen. Die Arbeiten zu den HeizungS-, Be- und EntwäfferungS- anlagen sollen in nächster Sitzung vergeben werden.— Dem Antrage der Märkischen Elektrizitätswerk-Akt.-Ges. zu Eberswalde um Genehmigung zur Durchführung einer Hochvoltleitung längs des Rüdersdorf-Kageler Weges wurde stattgegeben. Nowawes. Errichtung öffentlicher Teleph-nzellen. Die Firma Töller u. Komp. in Frankfurt a. M. hat von der Gemeinde die Gc- nehmigung erhalten, gegen Zahlung einer Anerkennungsgebühr von jährlich 1 M. zwei öffentliche Telephonzellen, wie sie bereits in vielen Orten vorhanden sind, errichten zu dürfen. Die Zellen. die architektonisch ausgestaltet sind und an der Vorderseite eine weithin sichtbare Uhr tragen, öffnen sich nach Einwurf eines Fünfpfennigstückes selbsttätig. Zur Aufitellung werden die Zellen wahrscheinlich auf dem Platze an der Norkstraße und an der Ecks der Priester- und Friedrichstraße kommen. Spanvau. Stadtverordnetenversammlung. Vor derselben fand eine ge- meinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten statt, in welcher die Wahl von drei Vertretern und drei Stcllver- tretcrn für die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Groß- Berlin vorgenommen wurde. Als die drei Vertreter wurden drei erzionservative Personen, nämlich der Oberbürgermeister K o e l tz e, der Stadtverordnetenvorsteher L ü d r ck e und der Stadtverordnete Bender, Vorsitzender d«S hiesigen Reichsverbandes, gewählt. Bei der Wahl der Stellvertreter wurden mit Ach und Krach zwei liberale Männer, nämlich die Stadtverordneten Grätsche! und Präger und als dritter der konservative Bürgermeister Wolf gewählt. Die Liberalen machten zwar den Versuch, auch einen der ihrigen als Vertreter hineinzubekommen, indem sie den Stadtverordneten Dr. Kantorowicz vorschlugen. Derselbe unterlag aber tläg- lich. In der Stadtverordnetenversamtsilung wurde zunächst der Abschluß deS Vertrages über die Gründung eines elektrischen Kraftwerkes(G. m. b. H.) mit dem Kreis« Osthavclland und der StromlieferungSvertrag mit dem Kraftwerk genehmigt. Die Sache hatte die Versammlung bereits schon, früher einmal beschäftigt, da- mals war noch der Kreis Ruppin mit einbegriffem Dieser Kreis ist aber zurückgetreten, eS wird diese? elektrische Kraftwerk daher nur von dem Stadtkreis Spandau und dem Kreis Osthavelland gebaut werden. In den Aufsichtsrat der G. m. b. H. wurde der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Prager gewählt. Ferner wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Spandau und der Aktien- gesellschaft Berliner Elektrizitätswerke zu Berlin betreffend die Versorgung des erweiterten Schlachthofes mit hochgespanntem Drehstrom genehmigt.— Bei dem Bau des neuen Wafferturnrs scheint man nicht mit der genügenden Vorsicht vorgegangen zu lein, denn kaum ist derselbe fertig, so werden schon wieder 2200 Mark für die Herstellung einer besonderen geschlossenen Vorslut- lcitung für den Hochbehälter gefordert. Die Versammlung mußte wohl oder übel das Geld bewilligen.— Für den Schlachthof ist die Beschaffung zweier neuer Kessel erforderlich geworden. Die Kosten betragen 13000 M. und wurden von der Versammlung be- willigt.— In dem Sch-ulgebäude in der Konkordiastrahe hat man zum ersten Mole in Spandau und zwar auf forttvährendes Drän- gen der sozialdemokratischen Stadtverordneten ein Brausebad ein- gerichtet. Der Schuldiener, der die Bedienung zu verrichten hat, wird im Hanptberuf angestellt. Das Anfangsgehalt des anzustellenden Schuldieners soll jährlich 1500 M. betragen und in 13 Jahren auf 1800 M. steigen. Zum Schluß der Versammlung setzte noch eine interessante Debatte über die Teucrungsverhältnisse ein. Von 17 anscheinend liberalen Stadtverordneten war nämltch folgender Antrag eingebracht worden: Die Stadtverordnetenver- sammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, bei den Reichs, und Staatsbehörden vorstellig zu werden behufs Herbei- führung von Maßregeln zur Linderung der Lebensmittelteuerung. Der Referent und Mitunterzeichner oeS Antrages, der liberale Stadtverordnete Dr. Kantorowicz, begründete in wirkungs- voller und zutreffender Weise den Antrag. Der nächste Redner Stadtverordneter Schreiber stimmte auch dem Antrage zu und stellte den Unterantrag, eine Kommission zu wählen, die im Ein- vernehmen mit dem Magistrat Mittel und Wege sucht, hier am Orte zunächst Hilfe zu bringen z. B. durch große Einkäufe seitens der Stadt. Oberbürgermeister K o e l tz e erklärte, dem Magistrat sei vom Deutschen Städtetage bezüglich der Lebensmittelverteuerung eine Petition zugegangen mit dem Ersuchen, ihr auch beizu- treten. Der Wagistrat sei bereit, über diese Petition sowie über den vorliegenden Antrag in gemischter Kommission zu verhandeln. Von den sozialdemokratischen Stadtverordneten sprach der Genoff« Pieper. Er erklärte sich mit dem Antrag einverstanden, den er und feine Freunde schon längst gern selbst gestellt hätten, wenn die sozialdemokratische Fraktion nicht zu klein wäre, so daß sie selb- ständige Anträge nicht einbringen könne und von anderen Fraktio- neu fehlt gewöhnlich die Unterstützung, wenn wir sie um Unter- schriften eriuchen. Redner kritisierte in treffender Weise das Ver» halten der Regierung gegesiübcr der Teuerung. Nach fortgesetzter Debatte, in welcher sämtljche Redner für den Antrag auf Ein- sctzung einer Kommission sprachen, wurde dieser Antrag ein- stimmig angenommen. Man wird nun abzuwarten haben, IvaS bei der Kommissionsberatung herauskommt. Die Kommission wird erst in der nächsten Sitzung gewählt werden. Marktpreise von Berlin amLS.Teptbr. IVll.nach Ermittelung deS Kiniglichc» PolszeiPräsidiumS. Marklballenpreije. sKieiubandel.) IlX) Kilogrnmm Erbten, gelbe, zum Kochen 35,00—50,00. Sveisebobncn weiße. 35.00 50.00. Linien 34.00- 80,00. Kartoiieln 7,00-12.00.'> Kilo. gramm Rindsletlch, von der Keule 1.S0— 2.40. Rindfleilch, Bauch st-ilch i.M bis 1,70. Lchweinesleifch 1,30— 1.80. Kaibfleiich 1.40—2.40. �aiiimellleisch 1 HO— 2.00. Butter 2.40—3,20 60 Stück Eier 3.20—6,50.? Kilogramm Knrpsen 1.00-2.40. Rnle 1.60-2.80. Zander 1.40—3.60.»echte 1.20 bi» 2.80. Barsche 1.00-2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0.80-1,60. 60 Stück Krebse 2,50-30,00._ «Sitternngsnserbiui vom 80. September ivi 1. II iE if frmnenide|7593S g 760 SB netftr 1761 B Jrnnfl.a K 704 SB viüiicheu 1766«A Bitn I766S0 Setter ZwoMß 3 halb bd. 2 wolkig 1 Dunst 1 wolkig 3 halb bd. a» f» H MD fttafUttten ÜS!. � äl*§ 1« s® 5 2=■ S •�1 B »apatanda 758 S 4woMg Betersburg 761 SSV 3 bedeckt Sctll» 762 L 3 wolkig ckberoeen 781 SB i 3 beiler «an« 764 Sö Regen «>e»nr»>rognoie für Sonntag, den I. Oktober 1911. Kühl, zunächst vorwiegend trübe mit Regen'chauern und frischen westlichen Winden; später langsam aufklarend. Berlin tr Betterbur«au. genossen ms �»rtsparlament gesandt hat, machen sich mfolge ertrunken, wenn nicht ver Leyrer«aiennn aus»ciirenwaive gerade Berliner We«»»rbur«ar Verantwortlicher Redakteur: Richard varüß, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Trucku. Verlag: Vorwärts Duchdruckcrei u. Vcrlaz'anfralt PaulsiTinger u. Co., Berlin 5VV. Nr. 2B0. 28. Jahrgang. 7. Kkilagt des Lmiirts" Dttlimr UcksM Sonntag,!. Oktober 1911. Jugenäbeievegung. Die Polizei auf dem Kriegspfade. In Erfurt hat die Polizeiverwaltung entdeckt, daß ein Jugend» bildungsverein besteht, der ein politischer Verein sein soll. Nachdem vorletzte Woche eine Reihe Vernehmungen stattgefunden hatten, er» hielten am Donnerstag einige Genossen folgende Verfügung in dem bekannten AmtSstil: Nr. 64 8. Erfurt, den 22. September 1911. Nachdem festgestellt worden ist, dah der Jugendbildungsverein in Erfurt ein politischer Verein ist, trotzdem er Haupt- sächlich aus Personen besteht, die das IL. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wird er gemäß Z 2,§ 17 des Reichsvereins- gesetzes vom 19. April 1908 für aufgelöst erklärt. Gemäß§ 2 Absatz a. a. O. kann diese Verfügung im Wege des Berwaltungsstreitverfahrens angefochten werden. Die Polizeiverwaltung. Schmidt. Einige Genossen haben das wertvolle Dokument engherziger Spießerei wieder dem Oberbürgermeister zukommen lassen, da sie einen Verein wie den aufgelösten nicht kennen. Eigentümlich ist an der Sache, daß außer der hochwohllöblichen Erfurter Polizei niemand etwas von einem Verein erwähnten Namens kennt. Eingegangene Dnickfcbriften. Der Turm. Nr. 1. Herausgeber: Dr. E. E. Friedegg. 20ZPf.— Erscheint jeden Montag. R. Falk, Berlin, Leipziger Straße 115/116. Sonderangebot für die Leaer des » Vorwärts". Die Wunder der Urwelt und die SntMkelungsgesctiichte der Srde. Nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen bearbeitet und herausgegeben von Ciaatav A. Ritter. In klarer, jedermann verständlicher Sprache zieht hier die Schöpfungsgeschichte von den Uranfängen bis zur Gegenwart an uns vorüber. Wir sehen nicht nur den Erdball selbst entstehen, sondern auch die organische Welt, die auf demselben lebt, Pflanzen sowohl wie Tiere sich von den unvollkommensten organischen Körperchen durch Zeiträume von Jahrmillionen bis zu immer vollkommeneren Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen, als dem höchstorganisierten und vollendetsten Wesen ihre höchste Schöpfungskraft zeigt— Was Konernikus, Kepler, Newton, Kant, Laplace, Alexander v. Humboldt, alle die vielen Forscher als richtig erkannt und zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt 700 Seiten mit mebr als 500 Original-Illustrationen. :: Ganzleinen-Practitband:: — Lexikon-Format.— Das Werk wird zu dem äußerst billigen Preise von nur 3 Mark an die Leser des„Vorwärts" abgegeben. Der Bestellschein ist einzusenden an Willibald Wende's Verlag, mSÄE'm. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Plg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). 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