Mr.»3». nbennemetitS'Redlngangem RS omtementä- Preis pränumeranda! Liertcljährl. SPll Mk., monatl. 1,l0 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einjeinc Nummer 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Jäclt" 10 Psg. Post- «donnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabounemculs ncbmen an: Belgien. Dlmeniarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwcij, vlcheillt tZgl!»»uLer montaa* 28. Jahrg. Vevllnev VolksblAtl. Zentralorgan der fozlaldemoltratlfcben Partei Deutschlands. Die TnrerflonS'GebUftf Behügt für die sechsgefpaltene Kolon et- »eile oder deren Raum w Psg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Rnzeigen SO Psg. „Kleine Hnreigen". das fettgedruckte »ort 20 Psg. tzulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Auch- staben zähle» für zwei Worte. Jusrctu. Iür die nächste Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Erpedition »hgegcben werden. Die Expedition(tf bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegrainm- Adresse: «Sozialdtmekrat Bcrllf. Kedahtion: 8W. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 4. Oktober 1911. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Keriifprerlier: Amt IV. Nr. 1984. Sie Keich5tag5ersat?ivahl in Dtiiieldorf. Man hat die Düsseldorfer Ersatzwahl als eine Probe für die allgemeinen Neuwahlen zum Reichstage im Januar 1912 bezeichnet und mit gutem Recht. Gibt es doch wohl kaum einen zweiten Wahlkreis, der in Hinsicht seiner sozialen Struktur ein solch vielgestaltetes Gebilde böte wie der Wahl- kreis Düsseldorf. Den Hauptbestandteil bildet die große Masse der Industriearbeiter— vorherrschend ist die Eisenindustrie in allen ihren Formen— doch zeigt der Wahlkreis weiter eine sehr zahlreiche Schicht des sogenannten stieuen Mittelstandes, industrielle Angestellte, Reisende, Privatbeamte, auch die An- gehörigen der„freien Berufe", wie Acrzte, Rechtsanwälte usw. seien hinzugerechnet. Daneben ist das Kleinbürgertum in Handel und Gewerbe noch zahlreich vertreten. In dem aus- gedehnten ländlichen Teil des Wahlkreises halten sich das Kleinbauerntum und der Mittelbesitz so ziemlich die Wage mit dem Großgrundbesitz. Weiter stellen die Beamten im Staats- und Kommunaldienst ein großes Kontingent der Wähler. Wenn also die deutsche Reichspolitik der letzten Jahre in ihrer Wirkung auf die verschiedenen Schichten der Bevölkerung irgendwo zum Ausdruck kommen mußte, so war es hier bei der so vielgestaltigen Bevölkerung des Wahlkreises Düsseldorf. Das Resultat der Wahl ist eine ausgesprochene Ab- sage an die feudal-kapitalistische Gesetz- gebung der herrschenden Klassen. So der Ge- samtcindruck dieser Ersatzwahl. Insofern ist die„Probewahl" geradezu glänzend ausgefallen. Manche klugen Politiker mögen geglaubt haben, daß durch das Ausscheiden der Nationalliberalen aus dem Düssel- dorfer Wahlkanipf nur die Politik des sogen, schwarzblaucn Nockes, d. h. in der Hauptsache die Steuermacherei der letzten Jahre das Kampfobjekt der Wahlagitation sein würden. Diese Leute haben eben übersehen, daß die Politik des sog. schwarz- blauen Blockes nichts anderes ist, als die Politik der herrschenden Klassen in Deutschland, die Politik jener feudal- kapitalistischen Kreise, die gegenwärtig die politische Macht haben und diese so rüch'ichtslos zur Erhaltung ihrer herrschen- den Stellung gebrauchen. Im Düsseldorfer Wahlkampfe ist denn auch kein Gebiet der politischen Vorgänge unerörtert geblieben. das Beiseitestehen der Nationalliberalen wurde umso weniger gespürt, als das Zentrum sich völlig in die Rolle der unbedingten Regierungstruppe eingelebt und in seiner Wahlagitation die„nationale"„patriotische" Zuver- lässigkeit des Zentrums immer und immer wieder betont hat. Willkommenen Anlaß dazu bot den Zentrumsmachcrn der Marokkorummel, der die Oeffentlichkeit ja gerade während der Zeit des Düsseldorfer Wahlkampfes beherrschte. Die Zentrumspresse überschlug sich fast in der..patriotischen" Ctimmungsmacherei für ein Dcutsch-Marokko, und als die Sozialdemokratie ihre Protestbewegung gegen die Kriegs- Hetzer durchführte, da war es gerade wieder die Zentrumspresse, die mit wildem Gebelfer über die roten Vaterlandsfeinde, die Hochverräter herfiel und in chauvinistisch übergeschnapptem Marokkotaumel selbst die Presse der rheinisch- westfälischen Panzerplattenfabrikatcn fast überbot. In der Tat glaubten die Zentrumsdiplomaten gerade im Düsseldorfer Wahlkampfe mit dieser ihrer brünstigen„Vater- landsliebe" besonders gute Geschäfte zu machen. Das war bei der oben gezeichneten Struktur des Wahlkreises auch durch- aus keine falsche Kalkulafion. Die hier stark vertretenen groß» industriellen und kommerziellen Ztreise— diesen Schichten zuliebe üslir ja auch der Kandidat des Zentrums ausgesucht— mit ihren vielfachen auswärtigen Beziehungen und ihrein stark imperia- listischen Drang mußten gerade für die Betonung der unbedingten Zuverlässigkeit in der Frage der W e l t p o l i t i k einen günstigen Resonanzboden abgeben und gaben ihn auch ab. Wie sehr diese Kreise an der Düsseldorfer Ersatzwahl interessiert waren, zeigt auch der wutschnaubende Artikel, mit dem die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" den Ausfall der Wahl bespricht. Aber die Zentrumsdiplomatcn hatten bei ihrer Kalkulation andere Posten falsch eingesetzt: die Industrie- arbeiter und die Kleinbauern und-Bürger. Besonders bei den Industriearbeitern hat das Zentrum eine schwere Enttäuschung erlebt. Diese ließen sich durch das Geschrei über die Interessen der deutschen Arbeiter an einer„kraftvollen Auslandspolitik" nicht beirren, sie erteilten dem Imperialismus eine deutliche Absage. Die Absage ivar in diesem Falle umso empfindlicher, als sie von katholischen Arbeitern erfolgte, die das Zentrum noch immer mit religiösen Einflüssen zu allen möglichen politischen Geschäften mißbrauchen zu können glaubte. Die Düsseldorfer Wahl hat gezeigt, daß auch die Macht des Klerus über die katholischen Arbeiter eine Grenze hat. Und nicht bloß bei den Arbeitern, auch in den Kreisen des Kleinbürger- tu ms und der Kleinbauern ist die Unzufriedenheit über die neuzeitliche feudal-kapitalistische Zentrumsentwickelung und Zentrumspolitik so groß geworden, daß selbst hier das religiöse Band nicht mehr stark genug ist, die Scharen zu halten. Tie Sozialdemokratie hat bei der Wahl am 19. September gerade in rein ländlichen und stockkatholischen Gemeinden im Landkreise Düsseldorf gute, zum Teil überraschende Fortschritte gemacht, während das Zentrum in manchen dieser Orte empfindliche Stimmenverluste aufwies, an anderen Orten aber seine Wähler nicht an die Urne zu bringen vermochte. Einige Zahlen mögen das beweisen. In der Bürgermeisterei Kaiserswerth-Land stieg in den einzelnen Gemeinden die Stimmenzahl der Sozial- dcmokratie am 19. September 1911 gegen die Wahl 1907: in Bockum von 1 auf 5, in Calcum-Zeppenheim von 8 auf 19, in Wittlaer-Einbrungen von 1 auf 6. In denselben Gemeinden gingen die Zentrumsstimnien zurück: in Bockum von 91 auf 83, in Calcum-Zeppenheim von 154 auf 140, in Wittlaer- Einbningen von 86 auf 74. In Mündelheim, einer Gemeinde der Bürgermeisterei Angermund, stieg unsere Stimmenzahl von 24 auf 49, die Zentrumsstimmen sanken von 285 auf 271. In der Gesamtbürgermeisterei Angermund, die als eine der festesten Hochburgen des Zentrunis gilt, hat die Sozialdemo- kratie gegen 1907 um 265 Stiinmen zugenommen, das Zentrum nur 50. Die Zentrumsprcsse versucht ja mit viel Geschrei über diese für die„Volkspartei" so unangenehmen Tatsachen hin- wegzutäuschen; soweit die auswärtige Zentrumspresse in Ve- tracht kommt, mag diese es nicht besser wissen, denn das örtliche Zentrumsblatt in Düsseldorf schweigt sich über diese Dinge aus. Dafür bemüht sich die Zentrumspresse um so mehr, den Zuwachs der Sozialdemokratie auf das Konto der Liberalen zu setzen. Die Zentrumsprcsse trifft in ihrem Bestreben, die sozial- demokratische Stimmenzunahme als liberale Hilfe hinzustellen mit den linksliberalen Blättern zusammen. Bei den Links- liberalen ist dieses Bemühen nur zu verständlich. Für sie handelt es sich bei der Düsseldorfer Ersatzwahl auch um eine Probewahl, zwar in anderem Sinne als den eingangs von uns dargelegtem. Für die Linksliberalen, die Fortschrittler, ist der Kampf gegen den schwarz-blauen Block eine Lebensfrage. Als Partei ist der„Fortschritt" nur möglich als Opposition gegen die Reaktion, und vollends Mandate sind für ihn in größerer Zahl nur zu erringen mit Hilfe der Sozialdemokratie. Daher war die Wahlparole der Fortschrittler im Wahlkreise Düsseldorf: „Gegen das Zentrum, für die Sozialdemokratie" sehr vcr- ständlich. Und ebenso verständlich ist es auch, wenn jetzt die fortschrittlichen Führer versuchen, den Ausfall der Düsseldorfer Wahl, die Niederlage des Zentrums auf das Ermannen und die Hilfe des liberalen Bürgertums zurückzuführen.. Bezeichnend für"dieses Bestreben ist ein Artikel, den der Reichstags- abgeordnete P o t t h o f f für das„Berliner Tageblatt" ge- schrieben unter dem vielversprechenden Titel:„Flammen- zeichen".(„Berliner Tageblatt" Nr. 490 vom 26. September.) Herr Potthoff schreibt da: .Und diese Niederlage hat das liberale, fortschrittliche Bürger- tum ihm(dem Zentrums beigebracht. Die Sunden des schwarz- blauen Blocks wirken doch nachhaltiger, als man annahm. Das Bürgertum ist doch nicht so lau und schlapp, wie man gern sagt. ES hat in Düsseldorf in einer Weise demonstriert, die dem Freunde Respekt und dem Gegner Grauen einflößen muß." Wir wollen dem Abgeordneten Potthoff gern glauben, daß sich nach seiner Meinung und auch nach seinem Wunsche die Sache so verhält. Wir wollen ihm auch weiter attestieren, daß er persönlich mit aller Verve für die Durchführung der fortschrittlichen Wahlparole eingetreten ist; aber von einer „Demonstration des liberalen, fortschrittlichen Bürgertums" bei der Wahl am 19. Septcniber in Düsseldorf kann leine Rede sein. Das zeigt ein Blick auf die Wahlergebnisse der einzelnen Bezirke. Zwar ist hier ein Vergleich mit der Wahl von 1907 außerordentlich schwierig, da eine ganz neue Wahlbczirksein- teilung vorlag. Immerhin gibt es einzelne Bezirke, die die alten Grenzen so ziemlich behalten haben. Greifen wir einige heraus: der Stadtwahlbezirk 7 ist so ziemlich derselbe, wie der Bezirk 9 von 1907. dabei nach seiner Wählerschaft der interessanteste des ganzen Wahlkreises. Neben einem starken Kontingent der geringst entlohnten Arbeiter, Gelegenheits- arbeiter usw., die in entsprechenden Mictshöhlen Hausen, liegen in demselben Wahlbezirk die Paläste Großindustrieller, hoher Beamten und reicher Privatiers. Außerdem ein ziem- lichcr Bestandteil alteingesessener Kleinbürger, Krämer und Handwerksmeister. In diesem Wahlbezirk erhielten 190? Stimmen: die Sozialdemokratie 131, das Zentrum 163, die Nationalliberalen 121. Am 19. September dieses Jahres er- hielten: Sozialdemokratie 177, Zentrum 150, der Demokrat 17 und der nationale Kandidat Herkenrath 13 Stimmen. Also Zunahme der Sozialdemokraten um 46, Abnahme des Zen- trums um 13 Stimmen, das liberale Bürgertum blieb zu Hause, mehr als 200 Wähler in diesem Bezirk stimmten nicht mit. Ein anderer Bezirk mit stark liberalem Einschlag ist der 25. Im Jahre 1907 war dies der 17. Damals erhielten hier Stimmen: Sozialdemokratie 155, Zentrum 235, National- liberale 220. Am 19. September erhielten Sozialdemokratie l82, Zentrum 232, der Demokrat 43 und der nationale Herkenrath 46 Stimmen. Also dasselbe Bild: natürliche Zu- nähme der Sozialdemokratie, eine Abnahme des Zentrums, das„liberale Bürgertum" streikte, 248 Wähler blieben der Urne fern. So könnten wir aus allen Bezirken, in denen l907 das„liberale Bürgertum", aufgepeitscht durch den Hottentottenrummel, in Massen an die Wahlurne getrieben wurde, nachweisen, daß es am 19. September durchaus nicht „demonstriert" hat, sondern zu Hause geblieben ist. Sank doch in einigen dieser Bezirke die Wahlbeteiligung bis weit unter 50 Proz. Dagegen wurde in den ausgesprochenen Ar- bciterquarticrcn bedeutend stärker gewählt. In den in- dusttiellen Stadtbezirken und Vororten mit weit überwiegen- der Arbeiterbevölkerung, wo 1907 nur sehr wenige liberale Stimmen abgegeben wurden, stieg am 19. September die Stimmenzahl der Sozialdmokratie ganz gewaltig. In Ober- bilk, Flingern, Derendorf Steigerungen bis zu 50, 60 Proz., in Eller, Rath, Gerresheim usw. ebenso, in EÜer sogar genau Verdoppelung der sozialdemokratischen Stimmen gegen 1907. Also bei der Hauptwahl am 19. September hat das„liberale Bürgertum" wirklich nicht demonstriert gegen den schwarz» blauen Block, die Sozialdemokratie hat ihren gewaltigen Stimmenzuwachs ihrer eigenen Werbearbeit zu verdanken. Bei der Stichwahl am 29. September, das mag hier hervor- gehoben werden, sind in den liberalen Bezirken der Stadt unsere Stimmenzahlen durch das Eintreten vieler liberalen Wähler enorm gestiegen, aber durchaus nicht mehr, als auch das Zentrum in denselben Bezirken in der Stich- wähl zugenommen hat. In der Stadt haben sich bei der Stichwahl die liberalen Wähler, soweit sie zur Wahl gegangen sind, ziemlich gleichmäßig auf Zentrum und Sozialdemokratie verteilt. In dem schon erwähnten 25. Bezirk z. B. erhielten wir bei der Stichwahl 109 Stimmen inehr, das Zentrum 122. Das gleiche Verhältnis herrschte in fast allen liberalen Stadt- bezirken. Im Landkreis sind die liberalen Stimmen in der Stichwahl ausschließlich dem Zentrum zugefallen, die Sozialdemokratie hatte hier nur in den Orten mit zahlreicher Arbeiterbevölkerung erhebliche Zunahme an Stimmen in der Stichwahl zu verzeichnen, wie das auch in den Arbeiterbezirken der Stadt der Fall war. Das Zentrum im Wahlkreise Düsseldorf ist also durchaus nicht durch das liberale Bürgertum in den Sand gestreckt worden, sondern durch das Erstarken der Sozialdemokratie, durch die Ausbreitung des Sozialismus in die breiten Massen des Volkes. Darauf war auch die Agitation unserer Genossen im Düsseldorfer Wahlkampf gerichtet. Keinen Augenblick ist unsere Agitation von dem Wege des prinzipiellen Sozialis- mus abgewichen. In einer Reihe von Flugblättern wurde unsere Stellung zu den verschiedensten Fragen dargelegt. Unsere Stellung zur Religion, zur Wirtschaftspolitik, zur Sozialpolitik, zum Militarismus und zur Weltpolitik, und als letztes Flugblatt vor der Hanptwahl, das den Wählern im Kuvert zugestellt wurde, eine Darlegung und Erläuterung unseres Parteiprogramms. An sechs, Sonntagen, vor der Wahl wurden unsere Flugblätter im ganzen Wahlkreis, von Haus zu Haus verbreitet, drei Wochen lang vor der Haupt- Wahl und bis zur Stichwahl wurde unser Parteiorgap. die „Volkszeitung", in einer Auflage von 50 000 Exeinplaren den Wählern ins Haus gebracht. Diese intensive Agitationsarbeit hat Früchte getragen. Besonders unsere Aufklärungen über die Wirtschastspolitik, über die Zoll- und Steuerpolitik haben bei den Wählern ge» wirkt. Vornehmlich auf dem Lande, auch bei den kleinen Bauern, wo eine gründliche Erörterung gerade dieser Fragen auf großes Interesse stößt. Das Zentrum hat ja versucht, den Wahlkainpf nach altgewohnter Weise zu führen mit den schmutzigsten Mitteln, mit Verleumdungen und Be- schimpfungen der Sozialdemokratie und einzelner ihrer Führer. Mit einem schier unerschöpflichen Zitatensack aus allen möglichen sozialistischen Schriften und aus Reden von Sozialdemokraten hat das Zentrum in Düsseldorf Tag für Tag operiert, aber es hat alles nichts geholfen. Ebensowenig die außerordentlich starke Verwendung von Zentrumskaplänen in der Wahlagitation und das Hineintragen der religiösen .�etze in den Wahlkampf. Die Sozialdemokratie marschiert trotz alledem! Sie hat Düsseldorf erobert, und unsere Ge- nossen werden alles daransetzen, die gewonnene Feste auch in den Stürmen der kommenden Wahlen zu halten! Der Krieg. Auch heute liegen keine sicheren Nachrichten von größerer Bedeutung vor. Es ist nicht einmal sicher, ob das B o m- bardement von Tripolis, dessen Beginn für Dicns- tagnachmittag angekündigt war. wirklich stattgefunden hat. Von den V e r m i t t l u n g s a k t i o n e n der Mächte ist es still geworden. Offenbar will die italienische Regierung zuerst im Besitz von Tripolis sein, bevor sie sich in Unterhandlungen einläßt. Auf der anderen Seite könnte die türkische Regierung, selbst wenn sie ivollte. nicht kampflos die italienische Demütigung auf sich nehmen, ohne den schärfsten Widerstand des Volkes hervorzurufen. Uebrigens gibt es eine definitive türkische Regierung im Augenblick überhaupt nicht. Zwar hat der greise Said Pascha das Großwesirat über- nommcn, aber bisher hat er noch kein Ministerium zu bilden vermocht, und die alten Ministerführenprovisorisch ihrAmtweiter. Zeigt aber auch die schwere Lösbarkeit der Ministerkrise von der Zerfahrenheit und der Verwirrung in den obersten Kreisen. so darf dieser Umstand doch wieder nicht überschützt werden. Denn die eigentliche Leitung liegt jetzt noch weniger als früher beim Ministerium in Konstantinopel, sondern beim jung- türkischen Zentralkomitee in Saloniki. Und dort scheint man zum ä u ß e r st e n W i d e r st a n d— vorläufig wenigstens— entschlossen. Die österreichische Regierung hat inzwischen in Rom mit größtem Nachdruck zu verstehen gegeben, daß sie einem weiteren Vorgehen an der albanischen Küste nicht ruhig zusehen würde. Die italienischen Entschuldigungen und Beteuerungen könnten vermuten lassen, daß dieses Ein- schreiten genutzt hat. Aber die Gerächte don italie» scheu Landungen an der albanischen 5küpe wollen merkwürdigerweise immer noch nicht verstummen und so wird man wohl nähere Nachrichten und vor allem solche aus nicht- italienischer Quelle abwarten müssen. Wie frivol übrigens das italienische Vorgehen gegen Manien war. kann man erst dann richtig beurteilen, wenn man weiß, daß die Türkei gar nicht die Absicht hatte, im adriatischen Meer gegen Italien aggressiv vor- zugehen und diese Absicht der italienischen Regierung entgegen ihren feierlichen Versicherungen bekannt sein mußte. Die Kriegslage Die militärische Situation im italienisch-türkischen Konflikt ist genau so verworren wie eS die durch den italienischen Raubzug heraufbeschworene politische Lage ist. Vorläufig stehen noch viele Fragen osten. die wichtigste in militärischer Hinsicht ist wohl die: hat die italienische Regierung nur mit einem Kaperstreiche gegen Tripolis gerechnet, oder läßt sie es außerdem noch darauf ankommen, die Söhne ihres Landes auch auf einem oder mehreren europäischen Kriegsschauplätzen zur Schlachtbank zu führen? Die angebliche Landung italienischer Truppen bei Prevesa scheint aus die Absicht. den Krieg auch auf den Balkan zu übertragen, hinzudeuten. Bon verschiedenen Seiten wird sogar angenommen, daß Italien mit Griechenland gemeinsame Sache machen und der Türkei von Thessalien aus zu Leibe gehen werde. ES erübrigt sich, heute auf alle Kombinationen, die nach dieser Richtung hin angestellt werden, einzugehen. Soviel steht jedenfalls fest, daß die türkischen Streit- kräfte einen Kampf mit den Italienern zu Lande nicht zu scheuen brauchen. Dem italienischen Volke wird sicher dabei zur Erkenntnis kommen, daß das in die militaristische Zwangs- jacke gepreßte System der allgemeinen Wehrpflicht das Heer zu einem Werkzeuge kapitalistischer Beutepolitiker und ehrgeiziger Offiziere und Generäle macht, und daß nur ein auf breitester demo« kratischer Grundlage aufgebautes wirkliche« BolkSheer verbrecherische Freibeuterzüge, wie das tripolitanische Abenteuer einer ist, unmög- lich macht. Vorläufig wird das italienische Volk für diese Er- kenntnis sehr schweres Lehrgeld zu zahlen haben. Sehen wir zunächst von allen Komplikationen auf einem euro- päischen Kriegsschauplätze ab und betrachten wir die tripolitanische Expedition Italiens für sich allein, so ergibt sich, daß. wenn die Großmächte nicht rechtzeitig Italien in die Anne fallen, dem italie« nischen Volk ein koloniales Abenteuer bevorsteht, bei dem ihm sehr leicht der Atem ausgehen kann. Die Ueberlegenheit der italienischen Flotte wird zwar sehr leicht zu einer Einnahme der Stadt Tripolis führen, und auch die Besetzung der Küste wird auf keine größeren Schwierigkeiten stoßen, aber damit find die Italiener noch lange nicht Herren des Landes. Die regulären türkischen Truppen in Stärke einer Division find ihrer Zahl nach— es werden kaum IS 000 Mann sein— allein einem starken LandungSheer der Italiener kaum gewachsen, außerdem sind sie in ihrer ganzen Stärke nicht konzentriert, da ein Teil in die Posten im Jnnenlande verteilt ist. Wenn die Nachrichten sich aber bestätigen, nach denen die türkischen Truppen Tripolis verlassen haben, um sich in das Innere zurückzuziehen, so geht das Bestreben der Türken offen- bar darauf hinaus, die Italiener zu einer Verfolgung zu ver- anlasten und ihnen mit Hilfe irregulärer Aufgebote der Eingeborenen einen Kleinkrieg aufzuzwingen, bei dem die Borteile durchaus nicht auf feiten der Italiener sein werden. Die Türken waren, besonders unter de« alten System, bei den Arabern und Berbern TripolttanienS nicht sonderlich beliebt, als Mohammedaner werden fie aber dem türkischen Blaubensgenossen sicher im Kampfe gegen den Ungläubigen beistehen. Seit ungefähr einem Jahrzehnt haben die Türken eine wenn auch nur summarische Ausbildung der Eingeborenen betrieben, sie haben Milizsormationen für Infanterie und Kavallerie geschaffen, haben Söhne angesehener Familien auf einer Art Kriegsschule unterrichten lassen, ferner sollen sie auch Waffendepots zur Ausrüstung der Eingeborenen mit Schneider- und Mausergewehren angelegt haben. Im Süden de« Landes können fie aber auf die Unterstützung der kriegerischen Beduinen« und Berberstämme rechnen, die den italienischen Kolonnen schwer zu schaffen machen werden. Wie es heißt, ist der Militär- attachs der türkischen Botschaft in verlin, Major Envers Bei. der für einen sehr tüchtigen und energischen Offizier gilt, nach Tripolis unterwegs, um den Lufftand der Eingeborenen gegen die Italiener zu organisieren. DaS italienische Expeditionskorps soll zunächst SS 000 Mann stark sein. Diese Zahl reicht bei weitem nicht auS, wenn e» sich um einen Vorstoß ins Innere des Lande» handelt. Vyn Tripolis bis nach Murfuk. dem Hauptorte im Oasengebiet von Festan. find un- gefähr 90 Tagemärsche zurückzulegen. Der Marsch geht von Oase zu Oase durch unwirtliches, wasserarme» Steppen- und Wüsten- land. Um den Besitz jeder Oase wird gekämpft werden müsten, eine Kette von Etappenstationen muß angelegt werden, um die Verbindung mit der Küste auftecht zu erhalten. Die Verpflegung der italienischen Truppen kann nur vom Mutterlande aus erfolgen, fie wird bis zur Küste kein« unüberwindlichen Schwierigkeiten bereiten, wird aber im Innern von Tripolis eine so starke Truppenmacht zur Bewachung der Zufuhrstraßen absorbieren, daß da? Expeditionskorps bald auf> außerhalb der Stadt Verschanzungen aufgeworfen. Sie — Oft} � V____ Jd_______ fjc..____,_ 1— V(">■«»___ C�fYo_____... C... C. r; LI____» 0 asiv* Sn*** 4- /y n>-i i i fsi OTt hunderttausend Mann und noch mehr anschwellen wird. Jedenfalls werden dafür auch die 50 000 Mann nicht ausreichen, die der „Avanti" seiner Berechnung der Expeditionskosten— unser italie- nisches Bruderblatt bezifferte fie auf eine halbe Mlliarde— zu gründe legte, nicht ausreichen. Rechnet man hierzu noch die Ge- fahren eines nordaftikanischen Guerillakrieges, von denen die fraw zöfisch-algerische Kriegsgeschichte genug Beispiele liefert, ferner die Schwierigkeit der Wasserversorgung, denn die Türken und Eingeborenen werden den Italienern jede Wasserstelle streitig oder das Master ungenießbar machen, so kann den Italien«« der Einfall in Tripolis noch teurer zu stehen kommen, als der unrühmliche Kampf gegen die Abessinier in den neunziger Jahren. Ob die italienischen Proletariersöhne, die man jetzt in die tripolitanische Sandwüste schickt, den Strapazen und Unbilden eines afrikanischen Feldzuges gewachsen find, ist mehr als fraglich. Denn Proletariersöhne sind es zum weitaus größten Teile. aus deurn sich das sS 000 Mann starke Expeditionskorps zusammensetzt, das jetzt in Neapel und anderen süditalienischen Häfen konzentriert wird, um am 6. oder 7, Oktober die Ueberfahrt auf Schiffen italienischer Transportgesellschaften anzutreten. Das Reeder kapital wird hierbei sowie bei den späteren unvermeidlichen Transporten von Nachschüben, Kriegsmaterial und Proviant sicher auf seine Kosten zu kommen wissen. Seine und der übrigen Bour geoifie Begeisterung für den Korsarenzug nach Tripolis ist daher sehr begreiflich. Den Söhnen der Bourgeoisie, die zurzeit im Heere stehen, mutet man freilich die Gefahren der afrikanischen Kampagne nicht zu. Zur Bildung deS ersten Expeditionskorps von SS 000 Mann und eines Reservekorps von SO 000 Mann sind, nachdem die Reservisten der Jahresklasse 188S eingezogen worden find, aus jedem Regiment je lOO Mann zur Teilnahme am Zuge nach Tripolis bestimmt, aber durch eine kriegsministerielle Verfügung sind die Einjährigfreiwilligen ausdrücklich von der Einstellung ins Expeditionskorps ausgeschlosten. DaS auS allen Provinzen Italiens zusammengewürfelte Expeditions korps wird also fast durchweg auS Söhnen der unteren Volksschichten be stehen. Es sind meist wenig robuste Gestalten, denen infolge der dürftigen Lebenshaltung des italienischen Proletariats keine allzu große Wider standsfähigkeit gegen die Anstrengungen eines nordaftikanischen Feld zuges innewohnt. Schon da? Klima in dem Steppen- und Küstengebiete wird den so gut wie gar nicht für afrikanische Märsche trainierten Italienern verhängnisvoll werden. In diesen Breiten wechseln TageSiemperaturen von 30 und 3S Grad mit Rachttenrperaturen von S, 3 und sogar 0 Grad ab. Dabei müsten die Truppen auf blanker Erde und unter Zelten kampieren, wozu noch die oben an- gedeuteten Schwierigkeiten der Berproviantierung und Wasser Versorgung kommen. Alles das find Dinge. die für die türkischen Truppen und die irregulären Aufgebote der Berber und Araber kaum in Betracht kommen. Schwierig und kostspielig wird für die Italiener auch die ve- schaffung von Pferden und Lasttieren werden. Schon jetzt hat es Mühe gekostet, die für die Landung nötigen Pferde und Maultiere in Süditalien aufzubringen. Di« Benutzung von Wagen ist aber aus einem Zuge ins Innere von Tripolis, wo es nur die ungewisten Spuren von Karawanenstraßen gibt, ausgeschlosten. ES wird die Be- schaffung zahlreicher Kamele notwendig werden, denn Proviant. Master, Munition usw. kann nur auf dem Rücken der Kamele den inS Innere. deS Landes dringenden Truppen nachgeführt werden. Die tripolitanischen Berber und Beduinen werden den ftemden Eindringlingen ihre Kamelherden kaum zur Verfügung stellen, eS werden also die Schiffe der Wüste für schweres Geld in Tuneflen, Aegypten usw. angelaust werden müssen. DaS find nur die wichtigsten Momente, die den italienischen Raubzug noch Nordaftika als ein sehr verhängnisvolle», mindesten» aber als ein sehr kostspielige» Unternehmen erscheinen lasten. Ohne ein großer Prophet zu sein, kann man schon jetzt sagen, daß, wenn dem italienischen Volke die Rechnung über da« tripolitanische Abenteuer präsentiert werden wird, der national«, und imperialistische Rausch von einem Katzenjammer abgelöst wird, ähnlich dem, der dem Blutbade von Sdua folgte. Roch schlimmer würde freilich die Beschichte werden, wemt das italienische Heer sich auf dem Balkan engagierte. Da aber heute noch keine Gewißheit darüber besteht, daß dem Donner der Schiffs- geschütze bei Prevesa noch ein blutiges Ringen auf albanischen Boden folgen wird, können vir uns für heute Ausführungen darüber ersparen. Vtgin« de« Lombardemeut» vo» Tripolis? Rom, 8. Ottober. Telegramme aus Malta berichten, daß Geschützdonner an« Tripolis vernommen wurde. Man vermutet, daß die Beschießung de» Hafen» nuumehr begonnen hat, nachdem die dreitägige Frist, welche der Bevölkerung zum Verlassen der Stadt gegeben worden war, abgelaufen ist. Eine amtliche Bestätigung fehlt jedoch. Die eingelaufenen Nachrichten kamen aus drahtlosem Wege, da das Kabel mit amtlichen Depeschen überbürdet ist. Die türkische« Truppe». i» Tripoki«. Pari«, 8. Ottober. AuS Tripolis wird gemeldet: Die türfischen Truppen, welche die Stadt verlassen, haben scheinen zu beabsichtigen, das Vordringen der italienischen Truppen zu verhindern. Diese Taktik ist erfolgt, um außerhalb des Bereichs der Geschütze der italienischen Kriegs- schiffe zu gelangen und den Widerstand gegen die Italiener zu Lande zu organisieren. Kleine Diebstähle. Mailand, 3. Oktober. Die Genueser Scebehörde beschlag» n a h m t e auf der Werft von Ansaldo und Armstrong einen türkischen Kreuzer, der dort in Bau war und auf den bereits 7 Millionen von der Pforte gezahlt sind. In verschiedenen italienischen Häfen wurden gestern wieder kleinere türkische Handelsschiffe beschlagnahmt. Die.Tribuna" bezeichnet die Meldung, daß die türkische Flotte in den Dardanellen eingetroffen sei, als falsch. Sie habe sich in Beirut befunden, das sie verlassen hat. Ihre Abreise wurde der .Tribuna" gemeldet. Sehr wahrscheinlich hatte ein italienisches Kriegsschiff Fühlung mit ihr; ob diese aufrechterhalten worden sei, sei schwer zu sagen. Ein Aufruf deS jungtürkischeu Komitees. Saloniki, 3. Oktober. Das Zentralkomitee für Einheit und Fortschritt richtet einen Appell an die öffentliche Meinung, in dem es gegen die Beraubung durch Italien, von der die Türkei bedroht werde, Ver- Wahrung einlegt. Nicht die Türkei, sondern Italien ver« letze Menschenrechte und Gesittung; die Ge- schichte kenne kein ähnliches Beispiel. Die Türkei könnte mit Repressalien antworten, sie werde jedoch das Völkerrecht beobachten, die Waffen aber werde sie nicht niederlegen, bevor nicht der Status quo wiederhergestellt sei. Die türkische Nation fordere die öffentliche Meinung Europas auf, sie moralisch zu unterstützen. Demission deS türkischen MarioeministerS. Konstantinopel, 3. Oktober. Der Marineminister hat demissioniert. In seinem Demissionsschreiben erwähnt er die Zerstörung der türkischen Torpedoboote durch die italienische Flotte und erklärt, da die Flottille, obwohl er recht« zeitig die Rückkehr der Flotte in die Dardanellen und die Flucht der im Adriatischen Meere befindlichen Flottille in die Dalmatinischen Gewässer angeordnet habe, der italischen Flotte nicht ent« kommen konnte, finde er es unmöglich, auch nur inten« mistisch die Geschäfte des Ministeriums zu führen. Die türkische Flotte in Sicherheit? London, L. Ottober. Nach einer Meldung don Aohds Agentur befindet sich die türkische Flotte auf der Reede von Nagara(Dardanellen). Handelsschiffe dürsten die Dardanellen nach Sonnenuntergang nicht mehr paffiereu. Ein türkischer TranSportdampfer in den Grund gebohrt. Rom, 2. Ottober. Wie„Tribuna" meldet, ist auS Matta die Nachricht eingegangen, daß der türkische Dampfer Derna" vor dem Hafen von Tripolis von den Jtaliern zu» Sinken gebracht worden sei. Seine Lemittelung. S-nst-ntiuopei, 2. Oktober. Der hiesige englifch« v et« s ch a f t e r hat dem Großwefir die Antwort de» Königs aus de» Appell deS Sultan« mitgeteilt. In der Antwort wird die Unmöglich» teil hervorgehoben, eine Vermittelung zu übernehmen, und der Pforte angeraten, mit allen Mitteln eine Berstänbtgong mit Italien z» suchen. Der französische Beschäft«» träger hat de» Großwefir eine ähnlich« Mittetlmag gemacht. Der Kriegsminister hat sechs Redifdatailk«», zum Schutz der albanisch«« Küste von valona bis Prevesa einberufe»». Oesterreichs Einspruch. Maila»b, 8. Ottober. Der Korrespondent de«.Seeak»' meldet auS Wien: Wie man mir aus gut informierten Kreisen mitteilt, hat Graf Aehrenthal in der Unterredung mit dem italienischen Botschafter bei Entgegennahme von dessen Erklärungen über dt« italienischen Aktionen in der«dria und im Jonischen Meer erklärt, er sei davon völlig befriedigt, müsse jedoch hinzufügen, daß keine weiteren italienische» An- griffe aus die albanische Küpe pattfinden dürsten, senst müßte Oester» rrich-Ungara Gege»maßregeln treffe«. Der Korrespondent des Blattes fügte hinzu, er könne versichern. Italien habe fich verpflichtet, jede Aktion nicht nur i» der Adria, sondern auch im Ionischen Meer zu Unterlasten. „Uebangen" der österreichischen Flotte. Budapest, 3. Oktober. Die Kriegsschiffe Panzerkreuzer»Sanft Georg' und Kreuzer.Admiral Epaun", zwei TorpedobootSzerstörer und drei Torpedoboote führen an der Westküste Jstriens Uebungen aus. Eine Bereitstellung für das Ausland ist jedoch nicht erfolgt und zurzeit auch nicht in Aussicht genommen. Die Unterseeboote find gleichfalls mtt der Durchführung von Uebungen beauftragt und können den Zentralhafen Pola zurzeit nicht verlassen. Rußland fordert Sompensatione». Petersburg, 8. Ottober. Wie der Korrespondent de».New York Herald' auS autoritativer Quelle erfährt, werde demnächst unter dem Borfitz des Zaren ein Staatsrat stattfinden, welcher fich hauptsächlich mit der durch den türkisch-italienischen Krieg geschaffenen Siluatton beschäftigen wird. Es heißt, daß eS sich besonder» darum handelt, daß auch Rußland seinerseits wie die verschiedensten Groß- inächte in den letzten Jahren Kompensationen und zwar in erster Linie die freie Dardauellendurchfahrt für russische Schiffe verlangen werde.__ Zur cebenzmlttelteuerung. AuS Dresden wird uns geschrieben: Die herrschende Teuerung macht fich gegenwärtig in Dresden doppelt fühlbar, weil zu dem PreiSaufschlag für Lebensmittel noch eine Steigerung der Wohnungsmieten gekommen ist. Der gleichzeitig mit der Teuerung einsetzende Mirtewucher ist eine Folge Kassen WohnungSmangelS, der jetzt in Dresden herrscht und für den zum Teil wenigstens der Stadtrat verantn-ertlich ge« macht werden muß. Um den vor mehreren Jahren bestehende« kleinen Uebcn'chuß von Wohnungen im Jntereffe der Hausagrarier zu beseitigen, wurde der Wohnungsbau erschwert, ja künstlich ver» hindert. Der Rat baute keine neuen Sttaßen und warnte auch durch ein Zirkular die Banken. Geld für Wohnungsbauten herzulcihen. Dadurch ist der Wohnungsbau so gelähmt worden, daß schon feit zwei Jahren ein WohnungSmangel besteht, der immer schlimmer geworden ist. während gleichzeitig die Mielspreise in die Höhe gekieben wurden. Biete kinderreiche Familien finden überhaupt keine Unterkunft. Alle Räume für obdachlose Leute sind überfüllt. Der Rat weiß mit ihnen nicht mehr wohin. Jetzt hat er Militärbaraken beschafft, die aber für den Winter ein Unterkomnien kaum ermöglichen, da die armen Leute mit ihren Kindern der Gefahr deS Erfrieren? ausgesetzt wären. In den überfüllten Obdachlosenräumen herrschen auch menschenunwürdige Zustände. Eine Familie mit drei erwachsenen Personen und neun Kindern ist in einem einzigen Räume untergebracht, durch den aber noch ein Gang nach den Räumen für andre Obdachlose führt. Für mehrere Familien steht nur ein primitiver Kochherd zur Verfügung. Zunächst können die Räume überhaupt nicht geheizt werden. Dabei wird anscheinend der Mangel immer größer und die Unterbringung wegen der eintretenden Kälte schwieriger. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben seit Jahren die den Hausbesitzern zuliebe eingeleitete einseitige Wohnungspolitik d«S Stadtrats scharf kritisiert und Maßnahmen für Beschaffung ausreichender Wohnungsgelegenheit und schließlich menschenwürdige Räume für obdachlose Mieter gefordert. Bis vor wenigen Monaten hat aber unter der Führung des Oberbürgermeisters Beutler der Stadtrat alle besonderen Maßnahmen für überflüssig gehalten und nichts getan. Erst als die Not immer ärger wurde, wurden einige Wohnhäuser von der Stadt errichtet und außerdem bOOOOO M. zu weiteren Neubauten und eine gleichgroße Summe zur Ausleihung auf zweite Hypothek bewilligt. Das alles war aber nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Zudem dauere es auch noch viel zu lange, ehe die geringfügige städtische Hilfe einsetzt? und pie städtischen Häuser bezogen werden konnten. Es sind auch in diesem Jahre nur ö80 kleinere Wohnungen neu gebaut worden, während schon über 1000 gebraucht werden, um nur den Bevölkerungszuwachs auszunehmen. Mit dem unerhörten WohnungSelend in der sächsischen Haupt- stadt beschäftigte sich am Freitagabend auch eine V o l k S v e r- s a m m l u n g. Wie groß die allgemeine Mißstimmung über den Dresdener WohnungSjammer ist, zeigte der Besuch. Mehr als 3000 Personen füllten den Saal zum Erdrücken. Die scharfe Kritik, die die Genossen Fleiß n er und Krüger an der Dresdener Woh- nungsmisere und der Wohnungspolitik des Rates übten, wurde mit stürmischer Zustimmung aufgenommen. Durch einstimmige An- nähme einer Resolution erhob die Versammlung scharf Protest gegen die einseitige hauSagrarische Wohnungspolilik des Rates und forderte weiter menschenwürdige Unterkunft für obdachlose Meter und umfassenden Bau von neuen Wobnungen durch die Stadtgemeinde. De» sozialdemokratischen Vertrerern im Stadtparlament fällt die Aufgabe zu, dem Wohnungselend in dieser Richtung zu Leibe zu gehen und gegen die Phalanx der Hausbesitzermehrheit und der Zögerungspolitik deS Rates diesen Forderungen Geltung zu ver- schaffen. Die Dresdener Zustände zeigen aber auch deutlich, zu welchen himmelschreienden Mißständen eine HauSagrarische Wohnungs- Politik führt. � � Der Rat der Stadt Leipzig und dir LebetlSwittelteuennig. Die herrschende Lebensmiltelteuerung hat auch den Rat der Stadt Leipzig veranlaßt, etwas gegen diese Geißel des Volkes zu unternehmen. Er hat am Sonnabend in seiner Gesamtsitzung be- schloffen,.vorbehaltlich weiterer Maßnahmen' zunächst beim sächsischen Ministerium des Innern zu beantragen: 1. daß der B u n d e s r a t§20 Abf. 1 der zu dem Zoll- tarifgesetz vom 25. Dezember 1902 auf Grund von§ 11 Ziff. 6 daselbst von ihm erlassenen Sinfuhrscheinordnung vom 17. Februar 190S dahin abändere. ») daß die Dauer der Verwendbarkeit der Einfuhrscheine zur Begleichung von Zollgefällen von 6 Monaten«Ulf 8 Monat« herabgesetzt werde, chj daß die Worte.oder von solchen für die in Anlag« 2 auf- geführten Waren(Kaffee, Petroleum)' gestrichen werden und damit die Verwendbarkeit der Einfuhrscheine lediglich auf die Einfuhr der in§ 1 genannten Fruchtorten (Roggen. Weizen, Spelz, Gerste, Hafer, Buchweizen, trockene Hülsenfrüchte, Raps und Rübsen) beschränkt werde, 2. daß die Eisenbahnverwaltungen aller Bundes- staaten die Frachtsätze für Getreide und Reis im Binnenverkehr, die zurzeit nach Spezialtarif I des Deutschen Eisenbahngülertaris» berechnet werden, bis aus weitere» nach Spezialiarif III. oder wenigsten» nach dem für den Ausfuhr- verkehr von Getreide gültigen LuSnahmetarife berechnen. Bon Anträgen auf Aufhebung der Lebensmittelwucherzölle hat der Rat der Stadt Leipzig also abgesehen. Er hat— wie er begründend in seinem Amtsblatte mitteilen läßt—. .um diese für die Preisbildungen auf dem Getreidemarkte in Mitteldeutschland höchst wichtigen Maßnahmen gebeten, weil sie vom Bundesrat(Einfuhrscheine» und von den Eisenbahnverwallungen sofort ausgeführt werde» können, ohne daß es der Zustimmung deS Reichstage« oder der Landtage bedarf. Deshalb sollen auch alle weitergehenden Wünsche, wie z. B. Aenderung der Zölle oder Abschaffung der Einfuhrscheine, hiervon getrennt behandelt werden.' Protestversammlung in Frankfurt«. M. In Frankfurt a. M fand am Eonntagnachmittag eine macht- voll« Kundgebung gegen die Teuerung statt. Im Tivoligarten auf dem Eachsenhäuser Berg erhoben zirka 5000 Männer und Frauen scharfen Protest gegen die ungeheure Verteuerung aller Lebens- »Nittel und verlangten von Staat und Gemeinde Abwehr- maßregeln. von zwei Tribünen sprachen die Genossen Eduard Bern st ein- Berlin und ReichSratSmitgkied G l ö ck e l- Wien. Unter stürmischen ZustimnmngSkundgebungen der Ver- sammelten zeigten die Redner die Ursachen der Teuerung und fordert«, dringende Abhilfe. J" der zur Annahme gelangten Resolution forder» die Ver- sammelten die Reichsregierung auf. die sofortige Suspension der Zölle aus LebenS- und Futtermittel, die Oeffnung der Grenzen für lebendes lgieh und Fleisch und die Aufhebung deS System« der Einfuhrschejne zu bewirken. Ebenso fordern sie von der preußischen Regierung Ermäßigung der Eisenbahntarife für den Verkehr mir NahrungS- und Futtermitteln aller Art. Sie fordern ferner die Ver- Wallung der Stadt Frankfurt a. M. auf. zur Förderung der Produktion und der Zufuhr von Lebensmitteln Anstalten zu treffen,»urch die ein« Beeinflussung der Preisbildung zugunsten der Konsument»,, durch die Stadt gesichert ist. Die Versammelten geloben, bei der bevorstehenden ReichstagSwahl mit allen Kräften dafür zu wirken, daß die reaktionäre, dem Volke feindlich gesinnte Mehrheit im Reichstage beseitigt wird, auS der Erkenntnis, daß nur die sozial- demokratisch« Partei für die entrechteten und unterdrückten Volks» maffen stets und ständig eintritt. Die Polizei hatte wieder die üblichen«orbereitungen ge- troffen, um etwaige Demonstrationen zu verhindern. ES verlief aber alles ziemlich ruhig. m Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung. LSnabrü«, 3. Oktober. Der Magistrat beschloß, umfaffende Maßnahmen zur Herabsetzung der Preise für die notwendigsten Lebensmittel._ politirche Gcberlichto Berlin, den 3. Oktober 1911. Der Bundesrat und die Lebensmittelteuerung. Am Donnerstag tritt der Bundesrat zu seiner ersten Plenarsitzung nach den Ferien zusamnten und wird die Frage des Notstandes diskutieren. Als erste Aufgabe soll der Bundesrat über die den Schnapsbrennereien z« gewährenden Vergünstigungen beraten. Den Schnapsbrennern soll nämlich gestattet sein, statt Kartoffeln mehr Getreide zum Zwecke der Schnagsgewinnung zu verwenden. Es ist bezeichnend, daß die» N o t l a g e' der Schnaps- brenner für den Bundesrat an erster Stelle steht— erst später kommen die anderen Notstandsfragen an die Reihe. Klerikale Verlegenheit. Die arme„Germania' ist in größter Verlegenheit. Der P a p st und mit ihm die ganze klerikale Presse und die Geistlichkeit in Italien machen für die Räuberpolitik der Regierung Propaganda und predigen eine Art„heiligen Kriegs' gegen die„Ungläubigen'. Die deutsche klerikale Preffe aber kann nicht gut ander« als daS italienische Borgehen verurteilen. Noch schärfer geht der österreichische Klerikalismus ins Zeug. Namentlich die.Reichspost', das Organ deS klerikalen Thronfolgers und offizielles Organ der Christlich- sozialen, wütet gegen das.kirchenräuberische" Italien sehr im Gegen- satz zum Papst und seinen Leuten, die plötzlich italienischen Patriotismus herausbeißen. Weil wir nun diesen lustigen Zwiespalt unter den Römlingen der verschiedenen Nationen festgestellt haben, beschuldigt uns die.Germania', die davon ihren Lesern nichts verraten darf, des— HaffeS gegen die christliche Religion. Ja, will denn das jesuitische Blatt behaupten, der Papst handele als unfehlbares Oberhaupt der katholischen Kirche, wenn er für die Raubpolitik der sonst so befehdeten Regierung eintritt? Dann dürften ja die klerikalen Blätter aller Notionen aucki kein Wort der Verurteilung für den italienischen BanditismuS finden. Aber, wer weiß, vielleicht erleben wir das noch und jedenfalls würde das ganz ün Geiste der schlestschen Richtung liegen, die ja den un- bedingten Gehorsam den kirchlichen Obern gegenüber auch in rein politischen Dingen fordert._ Politik i« der Kaserne- Die Kriegervereine machen gegenwärtig in Rekruten-.FÜrsorge'. Die jungen Leute, die ins Heer müssen, werden zu Festen ein- geladen, die von den Kriegervereinen veranstaltet werden. Dort gibt man den Rekruten ein Büchlein, das den Titel trägt:„Der Rekrut'. In ihm sind schöne„Geleitworte für Rekruten der Arinee und Marine' enthalten. DaS Büchlein wird herausgegeben vom Vor- stand deS Preußischen Landes-Kriegerverbandes und richtet sich in der Hauptsache gegen die Sozialdemokratie. In der Ein- leitung wird den jungen Soldaten gesagt:„Unser Vaterland ver- danke seine heutige Größe dem ruhmgekrönten Heere'. Auch über Preußens Geschichte wird einiges erzählt, aber von historischer Wahr- heit findet man leine Spur. Was man den Volksschülern über die „Siege und Tugenden' der preußischen Könige unterbreitet, wird auch den Rekruten vom Landeskriegerverband vorgesetzt. Ueber die Wehrpflicht wird gesagt, sie sei die höchste Ehrenpflicht, denn der Soldat sei dazu berufen, Thron und Vaterland gegen äußere und innere Feinde zu verteidigen! Nach einigen weiteren Aeußerungen über die Wehrpflicht heißt es: „AuS allem ersehen wir, mit welcher Fürsorge für den einzelnen Bürger der Staat und daS Reich vorgehen und wie sehr es unserer Regierung am Herzen liegt, daß die Dienstverpflichtung keine Hätten in sich schließt. Wir erkennen aber auch, wie unrecht diejenigen haben, die all ihr Sinnen und Trachten nur daraus richten, gegen die bewährten Einrichtungen unseres Staates, gegen Gesetz und Ordnung, sowie gegen Thron und Vaterland zu hetzen. Fürwahr, wir Deutschen haben alle Ursache, stolz aus unser Vater- land und unsere starke Wehrkraft zu sein, solange Ordnung und Gehorsam, Vaterlandsliebe und Frömmigkeit unseres Volke« schönste Tugenden sind.' Die Löhnung von 22 Pf. pro Tag wirb als ausreichend geschildert. Der Soldat, der von Hause keinen Zuschuß erhalte und sich mit seiner Löhnung behelfen müsse, könne sich trotzdem manchen Genuß gönnen! Weiter wird erklärt, der Fahneneid fei ein Treugelübde fürs ganze Leben und nicht nur für die Zeit der Dienstjahre, wie so mancher glaube und wie die Feinde von Thron und Vaterland so gerne den jungen und alten Solvaten vorredeten. DaS sei ein ver- hängniSvoller Jrttum, denn einen Eid, der- einmal geleistet sei, könne niemand lösen als Gott allein oder derjenige, dem sich die Soldaten eidlich verpflichtet hätten. Der Soldat schwöre die Treue im Be- ginn seiner Dienstzeit und wollte er nicht meineidig werden, so müsse er sie halten bis zum Tode.— Der größte und bedeutsamste Fest- tag im Leben des Soldaten sei deshalb auch der GebuttStag deS Allerhöchsten Kriegsherrn. Und im Schlußwott heißt eS: „Er(der Soldat) hat in seiner Kompagnie oder der Schiff«- besatzung an Bord treue und vaterlandsliebende Männer kennen gelernt, es hat aber doch einige gegeben, deren Gedanken bereit« durch die Wühlereien der Sozialdemokratie verseucht waren. Der wackere Soldat hält sich von diesen fern, nachdem er eingesehen hat, daß alle Versuche, sie wieder auf die rechte Bahn zu bringen, vergeblich gewesen sind.... Doch die Kameradschaft, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, da» er bei seinen Truppenteilen ge- funden hat. das findet er in der Heimat wieder bei dem Krieger« oder Marineverein.' Bor den Toren der Kaserne muß die Politik Halt machen, so haben wiederholt die Vertreter der Heeresverwaltung erklärt; den Kriegervereinen aber gestattet man, die Rekruten mit politischen Tendenzschristen auszurüsten, die sie mit in die Kaserne Vringen und die dort den Gegenstand der Diskusston bilden. Stellt dann ein aufgeklätter Relrut den patriotischen Verdrehungen die Wahrheit gegenüber, so können daraus die ernstesten Folgen für ihn entstehen. Bielleicht ist es gerade die Absicht der Kriegervereine, in dieser Weise provokatorisch zu wirken._ Parteitag der Nationalliberale». Der Ausschuß der nationalliberalen Pattei hat beschloffen, den diesjährigen allgemeinen Vertretertag der Nationalliberalen auf Sonntag, den 3. Dezember, nach Berlin zu berufen. In einer am Tage vorher stattfindenden Sitzung des Zentralvorstandes wird der Wahlaufruf für die allgemeinen ReichStagSwahlen festgestellt werden. Die„Kompensationen" des Herrn v. Kiderlen-Waechter. Die Deutsche Kolonialgesellschaft hat sich mit der Absicht des Herrn v. Kiderlen-Waechter. von den Franzosen eine Gebietsentschädigung am Kongo zu fordern, befaßt, und sie hat ihre Meinung dahin zusammengefaßt: „Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die uns an- geblich zugedachten Gebictsentschädigungen an den Käme- runer Grenzen für uns keinen wertvollen Zu- wachs bedeuten. Das im ganzen sumpfige und wenig fruchtbare Land bietet nicht viel und ist zum großen Teil einer erwerbsgierigen Konzessionspolitik ausgeliefert, und unter seiner dünnen Bevölke- rung wütet die Schlafkrankheit. Wir würden uns ferner durch den Enverb dieser Gebiete wesentliche finanzielle Lasten aufladen. Vor allen Dingen darf nicht die Rede sein von einer Abtretung Nordbornus, der Kameruner Nordspitze, unseres einzigen Zugangs zum Tschadsee, wie sie von französischen Zeitungen als in Frage stehend hingestellt worden ist. Die starken und kricgstüchtigen Stämme dieser Striche nördlich des Benue haben nicht nur ihre cfgefte schon enkttuckelke imB noch enfwicklungsfahtgs Kultur, sondern sind vor allem aus vollem Herzen deutsch geworden und wollen deutsch bleiben. Im übrigen könnten wir schon aus dem Grunde nicht in eine Preisgabe der Käme- � runer Nordspitze willigen, weil die Völker in Mittelkamerun, südlich des Benue-Stronies, das mit Recht als Schwäche unsererseits auslegen würden. Selbstverständlich steht man in der Deutschen Kolonialgesellschaft nach wie vor auf dem Standpunkt ihrer Kundgebung vom 5. August: Wenn nun einmal die Algeciras-Akte nicht aufrecht zu erhalten war, so konnten für uns Kompensationen in Marokko selbst in Frage kommen."_ Das Düsseldorfer Wahlergebnis. Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 29. September im Stadt« und Landkreise Düffeldorf erfolgten Reichstagsstichwahl find ins« gesamt 75 177 güllige Stimmen abgegeben worden. Davon erhielten Parteisekretär Haberland- Barmen(Soz.) 39 283 und Bankdirektor Dr. Friedrich-Düffeldorf(Z.) 35 389 Stimmen. Parteisekretär Haber« land ist somit gewählt._ jVlonarckittikicker Einfall in Portugal. Santiago de Compostela(Prov. Caruna), 3. Oktober. Wie El Eco de Santiago meldet, ist Kapitän PaivaConceiro, das Haupt der portugiesischen Verschwörer, am 1. Oktober 2 Uhr morgens mit 4000 Bewaffneten, mehreren Geschützen und Mitrailleusen sowie 120 Mauleseln itt Portugal eingefallen. Lissabon, 3. Oktober. Dem Vernehmen nach versuchte eine KolonnevonRoyalistendie Grenze in der Rich» hing auf Chaves(Provinz Traz os Montes) zu über- schreiten, wurde jedoch zurückgedrängt. Ein Zollbeamter wurde getötet. Man machte den Versuch, die Brücke bei Entrocamiento in die Luft zu sprengen. Die Bevölkerung von S a n t o T i r s o hat sich erhoben und r o y a l i st i s ch e Fahnen aufgepflanzt Oefteirdcb. Nationales Faustrecht. Die Gemeinde Wien, deren christlichsoziale Machthaber ihr Glück jetzt durch Deutschnationaltun wiedergewinnen wollen, hat drei tschechische Privatschulen gewaltsam geschlossen. Der Statt- Halter von Niederösterreich hat die Stadtverwaltung beauftragt, die Sperrung der einen Schule wieder aufzuheben. Der Bürgermeister Dr. Neumayer lehnt aber die Ausführung des ent- sprechenden Magistratsbeschlusses ab. In Böhmen, namentlich in Prag, wo zahlreiche deutsche Minderheitsschulen erhalten werden, hat dieses Vorgehen gegen die große tschechische Minderheit in Wien große Erregung hervorgerufen. Spanien. Regierungs'schaudtaten. Die Regierung des„demokratischen" Ministerpräsidenten Canalejas hat ein neues Attentat verübt. Sie hat ein Militärstrafverfahren gegen den Gymnosialprofessor Julian Besteiro veranlaßt. Besteiro sitzt im Madrider Unter- suchungsgefängnis und soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Angeklagt ist er. einen Vortrag in dem Madrider Arbeiterhaus gehalten zu haben, der Aergernis in höheren militärischen Kreisen erregt hat. Er hat nämlich dos srfjttiere Verbrechen begangen, die blöde Erziehungsmethode, die in der Offizier-Vorbildungsschule zu Toledo angewendet wird, scharf zu kritisieren! Der Angeklagte ist einer der ange» sehensten Bahnbrecher der spanischen intellektuellen Jugend, der in Deutschland lange Zeit studiert hat. Ein Major leitet das Verfahren gegen Besteiro. ES handelt sich um die Anwendung des sogenannten Gerichts- barkeitsgesetzes vom Jahre 1996, das damals auf dringendes Verlangen der Militärsmacht erlassen wurde. Dieses ver- fassungswidrige Gesetz entzieht dem normalen Richter alle solche strafbaren Handlungen, die direkt oder indirekt durch Wort, Schrift oder Zeichnung gegen die Armee oder das Vaterland gerichtet sind. Was für Garantien der Gercchtig- keit aber das spanische Militärverfahren bietet, lehrt zur Genüge der Fall F e r r e r. Von den brutalen Strafen, mit welchen das Gesetz die Beleidigung der Militärkaste bedroht, erhält man eine Vorstellung, wenn man sich erinnert, daß der bekannte Zeichner Sagrista eine Strafe von neun Mo- naten Zuchthaus zudiktiert erhielt wegen der Hevaus- gäbe einer Postkarte, diesangeblich die Revolution verherrlichen soll. Die spanische liberale und sozialistische Presse vermag über den Fall nichts zu' berichten, da die konstitutionellen Garantien durch die lebten Unruhen aufgehoben sind, das heißt der Belagerungszustand besteht. Infolgedessen wird sich der Prozeß Besteiro auch im Dunkeln abspielen, und die Oeffentlichkeit wird nur das erfahren, was die offiziöse Presse darüber mitteilt._ Ein Zensurkonfllkt. Madrid» 3. Oktober. Die Polizei hat alle Ausgaben der letzten Nummer der konservativen Zeitung„El Mundo' b«- s ch l a g n a h m t. da da« Blatt den Entschluß bekanntgegeben hatte. seine Attikel nicht mehr vor der Beröffentlichung der Zensur zu unterwerfen. Portugal« OffiziSse AbschwächungSversuche. Lissaion, 3. Oktober. Nach einer heute ausgegebenen amtlichen Mitteilung stehen die der Regierung zugegangenen Nachrichten nicht im Einklang mit den Gerüchten von einem Einfall der Monarchisten an der Grenze. Im ganzen Lande, namentlich in Lissabon, wird heute der Jahrestag der Erklärung der Republik gefeiert. ScKweäen. Ein liberales Miiiisterium. Stockholm, 2. Oktober. Der König hat den Führer der liberalen Partei Staaff mit der Bildung eines neuenKabinetts beauftragt. finnlancl. Ein Attentat. Helsingfors, 3. Oktober. Der Präsident des Hof« gerichts. Waldemar von Hellen, wurde in dem Augen- blick e r s ch o s s e n, als er aus seinem Hause auf die Straße trat. Der Täter rst an den Folgen der Schußverletzung. die er sich beigebracht hatte, im Hospital g e st o r b e n. Die Zettungen von Helsingfors vertreten mit Ausnahme eines Blattes die Ansicht, daß das Verbrechen nicht auf polt» tische Beweggr ü n d e zurückzuführen ist, sondern einem Anfall von Geistesgestörtheit zugeschrieben werden muß. Der Mörder war der 24 jährige Kommis einer Eisenhandlung Bruno Forsstroem. Er hätte sich in Hellens Wohnung versteckt. Der Präsident wurde von dem einen Schuß in den Kopf, von äem anderen in die Achselhöhle getroffen» CkwerhrcbaftUchee. Berlin und Qmzegend, ®fe Modelltischler haben im vorigen Jahre mit den Unter Nehmern über den Abschluß eines Tarifvertrages verhandelt und auch einem Bertrage zugestimmt. Dann forderten die Unternehmer einige Abäuderungen, denen die Arbeiter nicht zustimmten. Infolge dessen kam der Abschluß des Vertrages nicht zustande. In dem Entwurf, der die Zustimmung der Arbeiter gefunden hatte, war bestimmt, daß am 1. Oktober 1910 eine Lohnerhöhung von 2 Pf. Pro Stunde und am 1. Oktober 1911 wieder eine Lohnerhöhung von 2 Pf. eintreten solle. Am 1. Oktober vorigen Jahres ist die Er- höhung von 2 Pf. tatsächlich gezahlt worden, obgleich der Vertrags- abschluß nicht zustande gekommen ist. Jetzt wollten nun die Arbeiter wieder eine Lohnerhöhung von 2 Pf. haben, wie es in dem vor- jährigen Vertragsentwurf bestimmt war. Die Unternehmer erklärten sich bereit, die Lohnerhöhung zu gewähren, unter der Bedingung. daß der Vertrag, so wie er schon im vorigen Jahre die Zustimmung der Arbeiter gefunden hat, nunmehr formell abgeschlossen und unter- zeichnet werde.— Die Entscheidung hierüber hatte eine am Montag abgehaltene Branchenversammlung der Modelltischler zu fällen. Nach längerer Diskussion, in der mehrere Redner gegen ein Vertrags Verhältnis überhaupt Bedenken äußerten, während die Branchen leitung für Annahme des Vertrages eintrat, wurde der Vertrags- abschluß mit 67 gegen 50 Stimmen abgelehnt. Aussperrung der Lithographen und Tteindrucker. Der Kampf des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe(Senefelder Bund) um bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen ist in ein neues Stadium getreten. Der Kampf be- gann in Leipzig und hat sich auf weitere Städte, wie Stutt« gart. Nürnberg, Frankfurt a. M., Offenbach und einige andere Orte ausgedehnt. Die Berufskollegen in Berlin halten sich in einer Versammlung, die am 18. September stattfand, mit den Kämpfenden solidarisch erklärt und sich verpflichtet, für die Firmen, die zum Schutzverbande der Unternehmer gehören, weder Ueberstunden noch Heimarbeit zu leisten, auf das Prämien- system(die Extravergütung für hohe Auflagen) zu ver- zichten und jede Streikarbeit strikte zu verweigern. Diesem Beschluß ist Folge geleistet worden. Jetzt gehen die Untrrnehmer zu einer Aussperrung vor. Am Sonnabend haben die Gehilfen in den 21 Firmen, die zum Schutzverband gehören, die Kündigung erhalten. Diese Firmen beschäftigen 303 Lithographen und 468 Drucker, sodaß 831 Gehilfen von der Aussperrung betroffen werden. Die Maßregel des Schutzverbandes der Unternehmer richtet sich natürlich gegen die organisierten Gehilfen; man will die Organisation vernichten. Diese aber steht gerüstet da und ist! bereit, den angebotenen Kampf in vollem Umfange aufzunehmen. Bei allen Firmen, die gekündigt haben, um die Aussperrung vor- zunehmen, wird man jetzt die Forderungen, die in Leipzig aufgestellt wurden, vorlegen und auf ihre Anerkennung dringen. ES kommt den Arbeitern darauf an, daß die Verhältnisse im Berufe eine bestimmte Regelung erfahren, und sie haben ihre Forderungen durchaus in bescheidenen Grenzen gehalten. Die Forderungen lauten im wesentlichen: Die Arbeitszeit für Lithographen, Kartographen und Zeichner 8 Stunden, für Stein- drucker 8>/, Stunden, an Rotationsmaschinen 8 Stunden. Der Mindestlohn im ersten Jahre 24 M., im zweiten Jahre 27 M., für Rotationsmaschinenmeister im ersten Jahre nicht unter 40 M.. dann nicht unter 45 M. U e b e r st u n d e n. die möglichst einzu- schränken sind, sind mit 25— 50 Proz. Zuschlag zu bezahlen. Sommer- Urlaub von drei Tagen steigend bis zu zwei Wochen unter Fort- zahlung des Lohnes. Akkord-, Heim- und Prä mienarbeit soll unzulässig sein. Der Arbeitsnachweis der Gehilfen- organifation ist in erster Linie in Anspruch zu nehmen. Das Ar- b e i t S m a t e r i a l ist Lithographen und Steindruckern vom Ge- schüft zu liefern. Die Kündigungsfrist beträgt 14 Tage. In einer sehr stark besuchten Versammlung, die am Montag- abend in Mörners großem Saal, Koppenstr. 29, stattfand, sprachen Haß und S i l l i e r über den Stand des Kampfes, den die orga- nisierten Gehilsen in keiner Weise zu scheuen brauchten. Drei Berliner Firmen, die zum Schutzverband gehören, seien bereits an den Verband der Gehilfen herangetreten, um zu erfahren, wie die Differenzen geschlichtet werden könnten. Diese Firmen erklärten, daß sie von ihrem Schutzverband erwartet hätten, daß er lieber gegen die S ch m u tz k o n t u r r e n z vorgeht als gegen die Gehilsen- schaft, die bestrebt ist, zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz durch eine allgemeine Regelung der Verhältnisse das ihrige beizutragen, Die einzelnen Firmen, die mit dem rigorosen Vorgehen nicht ein« verstanden find, getrauen sich noch nicht, dem Schutzverbande ab- trünnig zu werden, da sie sich durch Sichtwechsel, manche auf 10000 M. und mehr lautend, gebunden glauben, während ein solcher Zwang doch offenbar gesetzwidrig ist. Die leitenden Unternehmer im Schutzverband haben jede Verhandlung abgelehnt, und in einem Flugblatt an die Gehilfen erklärten sie, daß die aufgestellten Forderungen der.Ruin ddZ Gewerbes" sein würden. Demgegenüber erinnern die Arbeiter an die großen Summen, die die Firmen als.Streikfonds" an den Schutzverband zahlen, ferner an die Unterstützungen, die in die Kassen der Gelben fließen, und dann an die besseren Bedingungen, unter denen Streikbrecher engagiert werden, und an die hohen Kosten, die für die Gewinnung von Streikbrechern ausgegeben werden. Das alles kann daS Gewerbe mit Leichtigkeit tragen, nur nicht eine kleine Verbesserung für die stelig fleißigen Arbeiter. Die Referenten wiesen dann darauf hin. daß auch die H i l f S a r b e ite bereit seien, sich der Bewegung anzuschließen; bei einer Reihe von Firmen hätten sie selbst ihre Kündigung eingereicht. Die folgende Resolution wurde von der Versammlung an- genommen: .Die am 2. Oktober 1911 im großen Saale von MoernerS Festsälen tagende überaus stark besuchte Versammlung der Berliner Lithographen und Steindrucker nimmt Kenntnis von der erfolgten Kündigung zur Aussperrung der Kollegen in den Schutzverbands- betrieben. Die seitens de? Schutzverbandes getroffenen Maßnahmen zeigen mit aller Deutlichkeit, daß dieser unter Anwendung der rigorosesten Machtmittel versucht, die Durchführung der durchaus berechtigten Gehilfenforderungen zu verhindern. Die Berliner Kollegenschast ist gewillt, den Kampf aufzu- nehmen und fordert die dem Verband noch nicht angehörenden Kollegen auf, sich anzuschließen, damit eine Ausbefierung unserer beruflichen Verhältnisse herbeigeführt werden kann." Der Vorsitzende ermahnte die Versammelten noch, die Zeit zur Agitation für den Verband tüchtig auszunützen und sich in keinem Betriebe auf Sonderabmachungen ohne die Zustimmung der Ver- bandsleitung einzulassen._ Ueber die Tarifverhandlungen im Buchdruckgewerbe verbreitet Wolffs Telegraphenbureau folgende Meldung: Der Tarifausschutz der deutschen Buchdrucker hat den E i n i g u n g s v o r s ch l a g der Einigungskom- Mission, in dem bezüglich Lohn und Arbeitszeit und auch be- züglich der Sonderbestimmungen für Maschinensetzer und Drucker, soweit es sich hierbei um die Hauptfragen handelt, die berechtigten Wünsche beider Parteien soweit als möglich sBerScksichtrguktg gefmiSen mit 38 gsgi» 2 tStkm- men angenommen,_ Beendeter Streik. Die Differenzen in dem Fensterreinigungs- iustitut.Borussia", Inhaber Voegt, sind beigelegt, da der Ein- heitstarif anerkannt wurde. Die streikenden Fensterputzer nehmen heute die Arbeit wieder auf. Deutscher Transportarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Veutlebes Keich. Der Stettincr Tapeziererstreik beendet. Die Tarifbewegung der Stettiner Tapezierer ist ziemlich schnell beendet worden. Im Laufe des AuSstandeS hatten 13 Geschäfte den vorgelegten Tarif anerkannt. Die übrigen weigerten sich hart- näckig, den Gesellen die gestellten Forderungen zu erfüllen. Die Streikenden ließen aber von ihrem Lohntarif nicht ab, da eine Neuregelung der Lohnverhältnisse seit etwa zehn Jahren nicht erfolgt ist. Auf Ersuchen eines Stadtrates kam es zu Unterhandlungen zwischen dem Gesellenausschuß und der Tapeziererinnung, die auch schließlich zur Annahme des Tarifes führten. Der neue Tarif wurde aus drei Jahre abgeschlossen; die Unternehmer wollten vier Jahre Ver- tragsdauer haben. Erreicht wurde eine Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde, ferner ein staffelweiser Lohn von 43, 45 und 56 Pf. pro Stunde, außerdem für die älteren Arbeiter ein bis zu 61 Pf. pro Stunde steigender Lohn. Die Akkordpreise steigen während der Tarifdauer bis zu 7 Proz. Daneben wurden eine Reihe Verbesse- rungen für die Arbeiter tariflich festgelegt, gegen die die Jnnungs- Mitglieder mit aller Macht Sturm gelausen waren. Zur Aussperrung in der westfälischen Tabakindustrie Eine Konferenz der Zahlstellenverwaltungen des Deutschen Tabak- arbeiterverbandes und des Sortiererverbandes für das östliche West- falen, die Fürstentümer beider Lippe und Waldeck fanden am 1. Oktober IN Minden statt. Es waren vertreten 64 Zahlstellen durch 163 Bevollmächtigte vom Tabakarbeiterverband und 12 Zahl- stellen durch 13 Bevollmächtigte vom Sortiererverband. Außerdem waren je 2 Vertreter der Hauptvorstände und die Gauvorsteher des Tabakarbeiterverbandes der benachbarten Gaue Hamburg und Bremen anwesend. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: .Die Konferenz beichließt, die Verbandsvertreter werden auf ihr Ersuchen beauftragt, eine Unterhandlung mit dem Vorstande des Westfälischen Zigarrenfabrikantenverbaudes anzubahnen wegen Beilegung der schwebenden Differenzen. Sollte dieser angebahnten Unterhandlung keine Folge gegeben werden oder sollte keine zufriedenstellende Einigung zustande kommen, so erwartet die Konferenz, daß alle organisierten Tabakarbeiter im westfälischen Jndustriebezirk nach Ablauf der Kündigung die Arbeit nieder- legen." Nachdem noch die Unterstützungsfrage gestreift und weitgehendste Unterstützung zugesagt worden ist, werden noch taktische Fragen und Organisationsangelegenheiten erledigt. Die Verhandlungen mit dem Fabrikantenverband führt eine Siebenerkommisfion. die ihren Sitz in Minden hat, und die aus drei Mitgliedern des Tabakarbeiter- Verbandes und je zwei Mitgliedern des SortiererverbandcS und des Christlichen Tabakarbeiterverbandes besteht. Mit einem begeisternden Hoch auf die�kampfbereite Tabakarbeiter- lchaft fand die Konferenz ihr Ende. Streik der Bremer Brauereiarbeiter. Am Dienstag, den 3. Oktober sind die in Lohnbewegung stehenden Arbeiter der der Bremer Brauersozietät angehörigen Brauer, zirka 900, ausständig geworden. Neben ungenügendem Entgegenkommen in der Lohnfrage usw. ist die Hauplursache des Kampfe? die strikte Ablehnung einer Verkürzung der Arbeitszeit. Zur Verschärfung der Situation hat wesentlich beigetragen die Art der Verhandlung durch den SnndikuS der Norddeutschen Brauerei- Vereinigung. Rechtsanwalt Schmidt, der die Verhandlungen für die Unternehmer allein in deren Abwesenheit führt. Seit 21. August chwebt die Lohnbewegung. Der Syndikus ließ sich überaus Zeit; jetzt glaubt er die bisherige Arbeitszeit von 10Stunden auch in den neuen Tarif hineinbringen zu können. Ohne Arbeitszeitverkürzung können die Arbeiter aber auf eine Tariferneuerung nicht eingehen, weil die Brauereiarbeiter in Bremen mit der Arbeitszeit hinter allen Großstädten zurückstehen. Bei der vollkommen ablehnenden Haltung des Vertreters der Unternehmer waren die Arbeiter gezwungen, den Kampf aufzunehmen._ Achtung, Schuhmacher! In Schwenningen a. N.(Dttb.) stehen zirka 200 Schuharbeiter und-Arbeiterinnen in Kündigung. Zuzug ist streng fernzuhalten._ HusUncL Der Achtstundentag in der Tiamantindnstrie. Amsterdam, 1. Oktober 1911.(Eig. Ber.) Nachdem vor mehreren Jahren Amerika vorangegangen war und dann Antwerpen folgte, wird vom 1. Oktober ab der Achtstundentag in der Diamantindustrie auch für Amsterdam, Frankreich, die Schweiz und London eingeführt, während Deutschland am 1. Januar 1912 folgen wird. ES ist zum erstenmal, daß die Macht der Arbeiterorganisation für die Zentren eines ganzen Industriezweiges international den Achtstundentag erobert hat und zeigt, was die Solidarität der Arbeiter vermag, sei es denn auch. daß die Beschränkung der Diamantindustrie auf Verhältnis- mäßig nur wenige Orte günstigere Vorbedingungen zu einem solchen Siege schaffte.— Die Amsterdamer Organisation der Diamantarbeiter, die stärkste und geschlossenste, seien« am Sonntag ihren Sieg durch einen Umzug durch die Straßen Amsterdams, an dem sich trotz des Sturmes und des anfänglich strömenden Regens wohl alle Mitglieder des Verbandes, Männer, Frauen und Lehrlinge. an die 9000 Personen, beteiligten, mit nachfolgendem Monster- Meeting im Volkspalast. Großer Enthusiasmus brach sich aus den lausenden Kehlen Bahn, als Genosse Jan Schutte von der monu- mentalen Treppe des Gebäudes der Diamantarbeiter aus in einer feurigen Ansprache diesen Sieg als den glänzendsten feierte, den der Gewerkschastskampf bis jetzt für die Verkürzung der Arbeitszeit auf der ganzen internationalen Linie erobert habe. De- putationen von der Partei und den Gewerkschaften und viele Glück- wünsche, zahlreiche Blumeuspenden, worunter ein von den Mit- gliedern des Verbandes gestifteter, auf einem Wagen im Umzüge mitgeführter Rieienkranz von fünf Meter Durchmesser, verliehen der großen Teilnahme der ganzen holländischen Arbeiterichast beredten Ausdruck. Die Feier wird durch eine Anzahl am Dienstag und Mittwoch in mehreren Sälen von dem Verbände zu veranstaltenden Konzerte durch daS berühmte Amsterdamer Orchester des Konzert- gebäudeS und das Utrechter und Arnheimer Orchester beschlossen. Prozentziffern 30,8 13,4 12.6 6.7 6.4 5,9 Daß Italien ein £Iiig Induftm und Handel. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und der Türkei. Da die Türkei der militärischen Aktion Italiens einen nennens- werten Widerstand nicht entgegensetzen kann, überträgt sie den Kamps aus daS wirtschaftliche Gebiet und droht ernstlich mit dem Boykott italienischer Waren. Daß eine solche Maßregel schon in kurzer Zeit dem Wirtschaftsleben Italiens schwere Wunden schlagen würde. kann keinem Zweifel unterliegen. Nimmt doch Italien unter den Staaten, die am Außenhandel der Türkei beteiligt sind. die vierte Stelle ein. Vor ihm rangieren nur Großbritannien. Frankreich und Oesterreich-Ungarn. Rußland und Deutschland kommen erst an fünfter bezw. sechster Stelle. Der gesamte Außen- Handel des ottomanischen Reiches im Etatsjahr 1908/09 revräsentierle einen Bert von 5 233,6 MMonen Piastern. Bawn Mtstetem«J die wichtigsten Handelsstaaten in Millionen Piastern und in Prozein des gesamten türkischen Außenhandels: Wert in Millionen Piastern Großbritannien... 1612,3 Frankreich..... 702,9 Oesterreich-Ungarn.. 661,6 Italien...... 352,8 Rußland..... 336,5 Deutschland.... 311,7 Mithin beträgt der Anteil Italiens 6,7 Proz..._ ganz wesentliches Interesse an guten Handelsbeziehungen zur Türkei hat. ergibt sich vor allem aber daraus, daß es am türkischen Markt hauptsächlich als Verkäufer, weniger als Käufer auftritt. Die Ein« fuhr der Türkei aus Italien belief sich im erwähnten Jahre auf 245,1 Millionen Piaster, während die Ausfuhr nach Italien nur 100,7 Millionen betrug. Der gesamte Außenhandel der Türkei ver« teilte sich nämlich auf Ein« und Ausfuhr und Transit» verkehr wie folgt: Einfuhr Großbritannien... 941,3 Frankreich..... 337,0 Oesterreich-Ungam.. 407,5 Italien...... 245,1 Rußland...... 249,4 Deutschland..... 193,6 Demnach betrug der Anteil Italien? 7,3 Proz. Außerordentlich schwer würde die italienische Schiffahrt betroffen verkehr bildet da? Hauptgeschäft der italienischen Reedereien. Die in türkischen Häsen einlausenden Handelsschiffe verteilten sich im Jahre 1909 auf die wichtigsten Nationen in Liegistcr-Tonncn. wie folgt: an der türkischen Einfuhr von einem Boykott auch werhen. Der Levante« Großbritannien Rußland.. Griechenland. Oesterreich-Ungarn 5 402 923 1 061 703 2 232 054 1 169 319 Deutschland..... 682 055 Italien...... 603 063 Frankreich..... 601 406 Die Schiffahrt Italiens nach türkischen Häsen war also noch be« deutender als die der französischen Schiffahrtsgesellschaften. Die wirtschaftliche Bedeutung des eigentlichen Streitobjettes, des Wilajet? Tripolis ergibt sich aus nachstehender Zusammenstellung des Außenhandels der Zollinspektion Tripolis: Einfuhr Ausfuhr Tranflt Wert in Millionen Piastern Tripolis.... 78,56 27.31 0.05 Die Bevölkerung von Tripolis und Benghazi wird auf zirka 1300000 Seelen geschätzt; sie verteilt sich auf ein Gebiet von»in- gesähr 400000 Ouadratmeilen. letzte Nachrichten. Die Antwort auf den monarchistischen Einfall in Portngak. Köln, 3. Oktober.ch nicht zu spähen ist, so hat das Abendland selbst doch von ihr ernstliches nicht mehr zu befürchten. Es ist seltsam, wie dem politischen und religiösen Siegeslaufe des Islam in seiner ersten Zeit schon nach wenigen Jahrhunderten der Niedergang seiner politischen Macht folgte, während doch die Bekenner Allahs in drei Weltteilen bis zum heutigen Tage zu- genommen haben und sich sicherlich auf lange Zeit hinaus auch noch weiter vermehren werden. Gerade in ien Gebieten Afrikas, die während der letzten Jahrzehnte erschlossen worden sind, gewinnt der Jslan, fortwährend an Ausdehnung. � Seine gewaltige werbende Kraft unter den Nationen des Orients Umstand, daß kaum ein Jahrhundert nach dem Tode des Propheten der Islam über die Grenzen Arabiens hin- aus nach Curien, Persien, Mittelasien, Aegypten, über die ganze Nordküste Afrikas hinaus bis tief nach Spanien verbreitet war. Allerdings ist jjjqx Eroberung, getreu der Vorschrift des Propheten. daß der Moslem mit der Waffe in der Hand für die Ausbreitung seines� Glaubens unter den Heiden zu kämpfen habe, mit Feuer und Schwert vollzogen worden. Aber die untenvorsenen Völker haben sich wohl unter dem Halbmond gefühlt, und. immer neue VolkZstämme. später vorwiegend in Asien, haben sich Allah unter- worfen, bis endlich die OSmanen das Zeichen des Propheten auf der Hagia Sophia in Konstantinopel aufpflanzen konnten. Aber während sie, wie zur Maurenzeit von Südwesten, nun auch von Südosten gegen Europa vordrangen, begann des Islam politischer Niedergang. Als Machtfaktor unter den abendländischen Mächten verblaßte das führende Osmanenreich mehr und mehr; gleichzeitig wuchs ab?? der Islam in Afrika, wo er sich während der letzten Jahrhunderte über zahlreiche Stämme ausgebreitet hat. Gerade in den letz.cn Jahrzehnten hat der Islam don Sansibar aus, das früher sein« südlichste Grenze bildete, in Mozambique. in ver- schiedenen 11 teilten des innersten früher wenig bekannten Sudan, in den portugiesischen Kolonien der Küste, bei den Äaffcrn und selbst auf Madagaskar Einganz gefunden. Von außerordentlich «roßer Bedeutung ist auch der Islam für das ganze westliche Asien und für?udien, das allein nicht weniger als 69 Millionen Mohammedaner � zählt. So ist das indobritische Reich der bei weitem volkreichste aller mohammedanischen Staaten, und die eng- tische Regierung weiß sehr wohl, mit welch latenter Gefahr sie in Indien stets zu rechnen hat, sollte es je zu. einer Erhebung der Sie sozialistische einigungsMerenz in Großbritannien. I. Manchester, 1. Oktober 1911. Die sozialistische Einigungskonferenz, die gestern und heute in der Caxton Hall in Manchester-Salford stattfand, kann, was die Anzahl der Delegierten, die einmütige und begeisterte Stimmung, die zum Ausdruck kam, und den ehrlichen guten Willen, den jede der vertretenen Sektionen des britischen Sozialismus an den Tag legte, anlangt, nur als ein höchst erfreulicher Erfolg bezeichnet werden. Nach gründlicher Debatte, die auch nicht der leiseste Klang persönlicher Reibereien trübte, einigte man sich über die Grundlage der neuen geeinigtcn Partei, die den Namen.British Socialist Party" erhielt, und wählte einen Ausschuß, der ein Parteistatut ausarbeiten soll. Genosse Hyndman— das muß gleich zu Anfang erwähnt werden der in der unvermSidlichen Abwesenheit des Genossen Purcell die Verhandlungen leitete, verrichtete sein schwieriges Amt in geradezu musterhafter Weise und erntete durch seine kluge, um- sichtige und versöhnende Haltung den brausenden Beifall aller Anwesenden. Wenn der Geist, der auf dieser Einigungskonferenz zum Ausdruck gekommen ist, auch in Zukunft die.British Socialist Party" beseelen wird, dann kann die Internationale getrosten Mute? den Ereignissen entgegenschauen in dem festen Be- wußtscin, daß diese Hochburg des Kapitalismus, Großbritannien, von einer siegesbewußten und zuverlässigen Abteilung des sozialistischen Heeres belagert wird. Auf dem Kongreß waren 218 Delegierte fast aller sozialistischen Organisationen Großbritanniens vertreten. Alle Organisationen waren eingeladen worden. Die I. L. P. lehnte eS jedoch ab. sich offiziell an der Einigungskonferenz zu beteiligen; dieselbe Haltniig nahm die Fabilche Gesellschaft ein. Von den 218 Dele- gierten gehörten 41 der I. L. P., 86 der S. D. P., 82 den Clarion- gruppen, 43 den sonstigen sozialistischen Gruppen und Verbänden und 11 der erst kürzlich von Genossen Grahson und Freunden ins Leben gerufenen B. S. P. an, deren Name von der neu gegründeten geeinigten Partei adoptiert wurde. Die 213 Delegierten vertraten annähernd 36 000 politisch organisierte Genossen. 18 Mitgliedschaften der I. L. P., 18 Mitgliedschaften der S.D.P. und 7 sozialistische Gruppen hatten sich schriftlich für eine geeinigte Partei erklärt, konnten aber keinen Delegierten schicken. Im ganzen waren 251 Delegierte angemeldet; 33 von ihnen waren jedoch nicht erschienen. Eine Reihe BegrüßungStelegramme und Schreiben don den der- schiedenen sozialistischen Parteien des Auslands waren eingelaufen. So halten die französische, belgische, polnische, rumänische, kroatische, dänische, holländische und deutsch-österreichische Partei die herzlichsten Glückwünsche geschickt. Die Grüße der deutschen Partei überbrachte Genosse Bebel, der eben von dem Jenaer Parteitag zurückgekehrt war. Stürmischer Beifall begrüßte die Verlesung eines prächtigen Briefes, den die Vertretung der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in Oesterreich geschickt hatte. Der Brief schilderte die Lage der öfter- reichischen Partei vor ihrer Einigung und den gewaltigen Auf- schwung, den die Partei seit der Einigung genommen hat, itzib munterte die britischen Genossen auf, sich zusammenzuschließen. Mit einigen Worten der Begrüßung eröffnete Hyndman die Konferenz. Er wies auf den Zweck der Zusammenkunft hin und er- mahnte die Anwesenden, alles Trennende zurücktreten zu lassen und nur das Einigende, die gemeinschaftliche sozialistische Ueber- zeugung, im Auge zu behalten. Alle persönlichen Angelegenheiten sollten au? dem Spiele gelassen werden. Die Einigung müsse ein Zusammenschluß aller sozialistischen Streitkräfte des Landes bedeuten. Genosse Lee, der Sekretär der S. D. P., der die Einigungs« konferenz vorbereitet hatte, wurde zum Sekretär gewählt. Er gab eine kurze Schilderung der Vorgeschichte der Konferenz. Auf dem letzten Parteitag der S. D. P. in Coventry wurde eine von der Rochdaler Mitgliedschaft eingereichte Resolution angenommen, in der der Parteivorstand aufgefordert wurde, alle sozialisti» scheu Organisationen des Landes zu einer Einigungskonferenz ein» zuladen. Dies sei geschehen und das Resultat sei die heutige Konferenz. Nach der Wahl des Geschäftskomitees und der Stimm- zähler trat der Kongreß in die Verhandlungen über die Grundlage der sozialistischen Einigung. Die von dem Vorstand der S. D. P. eingereichte Resolution über diesen Gegenstand, die schon in dem Vorbericht zitiert wurde und zu der eine Anzahl Mänderunzsanträge eingereicht worden waren, wurde zuerst in Angriff genommen. Muselmanen aus religiösen Motiven kommen. Auch das russische Reich beherbergt, zu jedoch in seinen asiatischen Besitzungen, über 12 Millionen Mohammedaner, und auch in den christlichen Balkan- staaten leben eineinhalb Millionen Bekenner des Islam. Die Zahl der Mohaminedaner im osmanischen Reiche dürfte etwa 20 Millionen betragen, wovon etwa 3 Millionen cNtf den euro- päischen Teil entfallen. Die nicht türkischen Bekenner des Islam in Zentralasien werden auf 18 Millionen, die im unabhängigen inneren Arabien auf 2 Millionen geschätzt. In Niederländisch- Indien gibt es 15, in China 4 bis 5, in Nordafrika 20, im Sudan und der Sahara mindestens 30 Millionen Mohammedaner. Ihre Zahl in den eigentlichen Negcrländcrn ist mit einiger Genauigkeit überhaupt nicht zu schätzen. Jedenfalls dürfte es auf der Erde gegenwärtig mehr als 200 Millioneil Bekenner des Propheten geben. Europas Staatskunst war im letzten Jahrhundert stets darauf gerichtet, die Türkei als Zentralgewalt des Islam anzuerkennen, und trotz aller Verringerungen ihres Gebietes, die sich die Türkei im Laufe der Jahrzehnte gefallen lassen mußte, hat man doch stets vermieden, den religiösen Fanatismus zu wecken. Wie ge- fährlich dieser Fanatismus werden kann, das haben die Engländer bei ihren jahrelangen Kämpfen gegen den Mahdi im Sudan kennen gelernt. Immerhin war die mahdistische Bewegung nur auf einen verhältnismäßig kleinen Teil der islamitischen Welt beschränkt. Und es ist nicht abzusehen, welch unüberwindlichen Schwierigkeiten die europäischen Kolonialmächte gegenüber gestellt werden würden, wenn einmal der religiöse Fanatismus der Mo- hammcdaner allgemein würde, wenn die grüne Fahne des Pro- pheten entrollt und die Vertreibung der Ungläubigen aus allen mohammedanischen Ländern gepredigt werden würde. Ob diese Gefahr in absehbarer Zeit droht, ist vorläufig schwer zu sagen. Aber man sollte nicht übersehen, daß der Anschlag der Italiener auf Tripolis die Muselmanen der ganzen Welt in Erregung ver- setzen wird, und da dem Islam heut« weitaus bessere Verkehrs- und Propagandamittel zur Verfügung stehen wie noch vor wenigen Jahrzehnten, so könnte die abendländische Welt leicht un- liebsame Ueberraschungen erleben. Die Artillerie der Flugmaschine. Dichter und Träumer haben uns schon phantastische Zukunftsbilder jener Zeiten beschert, da die Eroberung der Luft die LebenSgcwohnheilen der Menschheit von Grund auf umwandeln wird. Nun folgt den Phantasien der Dichter ein Zukunftsbild des Ingenieurs, der seine Zerstörungs. und Mord- Visionen mit mathematischen Formeln beweist: der französische Flieger und Flugzengtcchniker Ader veröffentlicht eine Abhandlung über die Strategie der Lüfte. Der Ingenieur verseht sich dabei im Geiste in eine Zeit, da das Flugzeug die gleiche Sicherheit bieten wird, wie heute vielleicht ein Fahrrad. Die Manöver von künftigen Flugzcugvcrbänden werden mit der gleichen Gründlichkeit erörtert wie die Schwierigkeit eines Zielens aus den Lüften; dabei gibt der Verfasser ein Bild von den mannigfachen Angriffswaffen, über die das Flugzeug verfügen wird. Es ist eine ganze Serie von Mord- Jiiis der partei. Das Blutbad von Langhirano.' Rom, 29. September.(Eig. Ver.) Da die Telegraphen- drähte, die Langhirano mit Parma verbinden, am Tage des Generalstreiks durchschnitten worden sind, erfährt man erst heute, nachdem erste vage Nachrichten dementiert worden waren, von einer ungeheueren Schandtat, mit der sich die Karabinieri befleckt haben. In Langhirano, einem größeren, 23 Kilometer von Parma entfernt liegenden Ort, war am 27. d. M. in aller Ruhe und Ordnung gestreikt worden. Dabei war auch die Dampfbahn nach Parma außer Dienst gesetzt worden. Am Morgen des 28. kam nun Nachricht ans Parma, daß der Proteststreik fortgesetzt werden sollte. Daraufhin begaben-sich einige dreißig Personen auf die Station der Bahn, um die Ausfahrt zu verhindern. Man fand die Station von sieben Karabinieri und zwei Wald» Hütern bewacht. Die wenigen Demonstranten stellten sich vor die Lokomotive,»m die Abfahrt zu verhüten. Tarauf drangen die Karabinieri mit dem Gewchrkolben auf sie ein, und als die Leute sich nicht zurückdrängen ließen, schössen sie ohne vorherige Warnung auf wenige fußbreit Entfernung. Es blieben drei Tote auf dem Platz, und zwar ein 30 jähriger Landarbeiter, die 31 jährige Genossin Mondelli. Sekretärin der Laudarbeitcrinncngetverkschaft, und die Genossin S ch i a v i> Mitglied des Exekutivkomitees der Arbeiterkammer. Sie war 21 Jahre alt und im achten Monat schtvanger. Tod- lich verwundet wurden zwei weitere Landarbeiter, von denen einer verstorben ist. Mehrere andere sind schwer verletzt. Alle, sogar der der Szene beiwohnende klerikale Bürgermeister er- klären, daß die Demonstranten, deren geringe Zahl schon die Karabinieri zu ruhigem Verhalten hätte veranlassen niüssen, keinerlei Gewalttat vollzogen hatten. Die Karabinieri setzten ihren Opfern die Waffe fast auf den Leib. Als die Mutter der Genossin Mondelli sich weinend über die Leiche ihrer Tochter warf, wurde sie mit dem Gewehrkolben geschlagen. Gleich nach getaner Blutarbeit zogen sich die Karabinieri. immer mit dem vorgestreckten Revolver in der Hand, in ihr Nachtlokal zurück. Die Enipöning der Menge tvar so groß, daß es des ganzen Einflusses der Leiter der Arbciterkammer bedurfte, um sie zu hindern, das Nachtlokal in Brand zu stecken. In der langen Reihe der Gewalttaten, die sich durch die Geschichte des modernen italienischen Klassenkampfes zieht, ist die von Langhirano eine der furchtbarsten und ruchlosesten. Von Werkzeugen, die dem Militärflieger zur Verfügung stehen, Torpedos. Granaten, 5tcttengranaten und Fallschirmgranaten. Diese merk- würdigen Geschosse sind an einem Fallschirm befestigt und gleiten ganz langsam durch die Lüfte. Wenn eine feindliche Flugmaschine mit den lveitausgespannten feinen Drähten dieser sckyvcbenden Bombe in Berührung kommt, gleitet automatisch ein Draht gegen die Granate, die sich nun in den Lüften entzündet und im tvcilen Umkreis alle Flugzeuge oder Lenkballons vernichtet. Eine andere, nicht weniger furchtbare Waffe bilden Pfeile, dünne Metallstäbchen. die kaum die Dicke einer Stricknadel ausweisen. Sie sind kalt ge- hämmert, laufen in eine außerordentlich feine Spitze aus und können bei einem Fall aus größerer Höhe Tod lind Verderben säen. Ader hat mathematisch berechnet, daß ein solcher dünner Pfeil von etwa 50 Zentimeter Länge und 1 Zentimeter Durchmesser bei einem Sturze aus einer Höhe von 500 Meter die Kraft besitzt, einen Menschcnkörper vollkommen zu durchdringen. Aber der Flieger der Zukunft wird noch kleinere Pfeile mit sich führen, Nadeln von 10 Zentimeter Länge, die dafür ein wenig dicker sind, alles in allem aber kaum ein Gramm wiegen. Ein Flugzeug, das 200 Pfund dieser Pfeile mitführt, würde dann 100 000 dieser ge- fährlichen Projektile besitzen und sie je nach der Geschwindigkeit des Fluges mit einer Schnelligkeit von 50—350 Pfeilgcjchossen in der Minute zum Erdboden hinabsenden können. Aber der Militär- flieger wird sich in komemndcn Zeiten nicht ans die Erkundung dcS Gegners und auf den Artilleristischen Angriff aus den Lüften be- schränken: er wird aucks die Aufgabe haben, seindlichen Flngzcugcn und Lcnkballons den Ausblick zu erschweren und damit Beobachtungen aus den Lüften zu verhindern. Um den Gegner zu „blenden", wirft der Flieger sehr feine Gewebefascrn aus. wobei er von seiner Artillerie unterstützt werden kann. Denn auch vom Erdboden aus werden die Geschütze dann Gewebefaserbon, bcn in die Atmosphäre werfen, die in einer gewissen Höhe explodieren, ohne die Fasern zu verbrennen. Dann entsteht in den Lüften eine Art Netz, das die Sehkraft der feindlichen Flugzeuge ausjebaltet. Aber auch schwarzer Rauch wird dazu dieiicu, Erkunduiigen durch die Atmosphäre zu erschweren. Notizen. — Franz LiSzt als Komponist eines Arbeiter- ch o r S. Nur ganz ivcnige», dürfte es bekannt sein, daü auch Franz Liszt sein regeS Interesse an den Bewegungen der 48 er Jahre durch die Komposition eines ArbeiterchorS bekundet bat. Die Koiiipofition ist für Baßsolo und Männcrchor. An die Oeffentlichkeit ist sie bis- her„och nicht gelangt, wohl aber verwahrt das Liszi-Museum in Weimar das Manuskript des Chores, dessen Veröffentlichung seiner» zeit unt-rblieb. weil die Zeitumstände, nach Franz Liszts eigener Niederschrift,.einen ganz abnormen Kommentar zur Arbeiterfrage lieferten und eS so zweckmäßiger erscheinen ließen, die Publilanon dieses ArbeiterchorS aiifzuschiebeit". Der Chor wird jetzt durch die Verwalter deS schöpferischen Nachlasses Franz LiSzts, Brcitlopf U. I Härtel in Leipzig, veröffentlicht werden. Notwehr, Probokation und ähnlichen Dingen kann diesmal nicht die Rede sein. Die Karabinteri haben anscheinend gedacht, fie befänden sich schon in Tripolitanien und hätten dort .Kulturarbeit" zu leisten. Der Abgeordnete Genosse B e r e n i n t hat den Minister des Innern wegen der Schandtat interpelliert. Man darf gespannt sein, ob auch diese Episode, die sich in einem eminent gesitteten, durch starke Organisation und hohe Lebenshaltung ausgezeichneten Teile Italiens zugetragen hat, ungerächt bleiben wird. Sehr befremdend ist, dasj schon am Abend des 27. ein Telegramm des„Giornale d'Jtalia" von einem Konflikt bei Parma mit drei Toten berichtete, und daß diese Nachricht volle 36 Stunden ohne Bestätigung und ohne Er- gäuzung durch Einzelheiten bleiben konnte. Glaubte die Telegraphenzensur vielleicht, sie könne dem Proletariat und der öffentlichen Meinung die vier Toten einfach unterschlagen? *»* Das Exekutivkomitee der römischen Arbeiterkammer hat eine Tagesordnung angenommen, die den Minister des Innern auffordert,„einer ruhmreichen Tradition gemäß" die an dem Blutbad von Langhirano schuldigen Carabinieri mit einen« Orden zu bedenken. Bekanntlich hat Giolitti in einem ähnlichen Falle einmal den Wachtmeister Centanni deko- riert,«voran er sich vielleicht nach seiner Uinwandlung zum Demokraten nun recht ungern erinnern läßt. MandatSnicderlcgung wegen des Generalstreik». Rom, den 30. September.(Eiz. Ber.) An dem von der Kon» födcration der Arbeit proklamierten Generalstreik hat die Stadt Venedig nicht mit der Einmütigkeit und Disziplin teilge» nommen, mit der sie sich sonst an ähnlichen Kundgebungen zu be- teiligen pflegte. Dieser Umstand hat den Vertreter des ersten Wahlkreises von Venedig, Genossen M u s a t t i, bewogen, sein Aüandat niederzulegen, da er sich in einer wichtigen Angelegenheit im Wider-prüch zu seinen Wählern glaubt. Genosse Musatti, der der intransigenten Fraktion unserer Partei angehört, hat bekanntlich zusammen mit Genossen Agnini seinen Austritt aus der Par- lamentsfcaktion erklärt, als diese beschloß, Giolitti ein Vertrauens. Votum zu geben. Wenn Musatti trotz seines Austritts an der Fraktionssitzung in Bologna teilnahm, so tat er dies, weil er eS für unerläßlich hielt, angesichts der ernsten Lage einig vorzugehen. In Bologna vertrat Musatti eifrig die Idee des Generalstreiks und glaubte sich hierin in vollem Einverständnis mit seinen Wählern, tie sich bisher stets als revolutionär belvährt hatten. Zu den Parteidifferenzen in Württemberg. In Ausführung des Jenaer Parteitagsbeschlusses fand am 8. Oktober in Stuttgart eine Sitzung statt, an der teilnahmen: zwei Vertreter des Parteivorstandes, der LandeSvorstand, die Preßkommission der„Schwäbischen Tagwacht", der Vorsitzende der Organisation des ersten württembergischcn Wahlkreises und die Stuttgarter Parteileitung. Den Vorsitz führte ReichStagSabgeord- netrr Genosse D ie tz. Es wurde festgestellt, daß der Parteworstand es mißbilligt, daß die Entlassung der Redakteure erfolgt ist, bevor bie Preßkommission in Funktion treten und der Jenaer Parte«- tagsbeschluß durchgeführt werden konnte. Der Landesvorstand ver- trat demgegenüber die Auffassung, daß er durch den Beschluß der LandcSversamuilung gebunden war und wie geschehen handeln mußte. Die Stuttgarter Parteileitung erklärte mit Bezug darauf, daß sie auf eine Rückgängigmachung dieser Maßregel kein Gewicht lege; worauf es ihr ankomme, sei die Neuregelung der Redaktions. Verhältnisse im Sinne der von der Mehrheit der Stuttgarter Parieig:noss«n erhobenen Forderungen. In den Verhandlungen trat allseitig daS Bestreben zutage, bald zu einer Beilegung der Differenzen zu kommen. Es wurde Uebereinstimmung darüber herbeigeführt, daß bei der Neubesetzung ber Reiwtiion, die der Landesvorstand gemeinsam mit der Preß- kommission vorzunehmen hat. den berechtigten Wünschen der Stutt- garten Parteigenossen Rechnung getragen werden soll. Der neuen Redaktion soll zur Pflicht geinacht werden, die Richtlinien cinzu- halten, die der Jenaer Parteitag von 1öC)ö für die Haltung der Parteipresse' einstimmig in der Resolution 155 festgestellt hat, in der eS unter I und II heißt:„Die Parteischriftsteller und Redak- teure und anderer der Parteikontrolle unterstellten Organe haben in erster Linie ihre Aufgabe in der prinzipiellen Aufklärung der Arbeitermassen sowie in der Bekämpfung der politischen Gegner zu sehen. Die prinzipielle Aufklärung hat entsprechend den Grund» sätzen des Parteiprogramms im Sinne der Dresdener Resolution zu erfolgen."__ Parteitag für Schleswig-Holstein und Fürstentum Lübeck. Der diesjährige Parteitag der Bezirksorganisation Schleswig. Holstein, zu der auch das großherzoglich oldenburgische Ländchen Fürstentum Lübeck pelstirt, tagte am 1. und 2. Oktober in Eutin. Außer den geschäftlichen Angelegenheiten waren die wichtigsten VerhandlungSgegenstäude:„Der bevorstehende ReichstagSwahl» kämpf" und„Der reaktionäre Ansturm gegen das Kommunalwahl- rccbt'. Der Parteitag war beschickt von III Genossinnen und Ge» nossen, darunter 78 Delegierte der einzelnen Kreisorganisationen, die übrigen Funktionäre der Partei und der Presse. Der Geschäfts- bericht des Parteisekretärs der Bezirksorganisation, Genossen Bartels- Altona, legte Zeugnis ab von einer äußerst rührigen Parteiarbeit im Agitationsbczirk. Die Einzelheiten aus dem Bericht sind schon im"„Vorwärts" vermerkt worden. Eine rege Diskussion entstand über die Frage der Abhaltung von Konserenzen der sozialdemokratischen Ge- meindevertreter. Die alljährliche Abhaltung von solchen Konfereu-.en für den ganzen Bezirk wurde vom Parteitag als un- zweckin ßig verworfen, dagegen folgender Antrag angenommen: „Ter Parteitag empfiehlt den Genossen in Stadt und Land, in«virtschastlich zusammenhängenden Gebieten nach Bedarf Ge- meindevertretersitzungen abzuhalten, in denen sowohl gemeinsame. da» ganze Gebiet betreffende Angelegenheiten, als auch grund- sätzliche koinmunale Fragen erörtert werden." Bon wesentlicher Bedeutung war auckkdie endgültige Annahme tie? von der auf dem vorigen Parteitag dazu gewählten Kom- Mission voraeschlagenen Regulativs für den M a i f e i e r f o n d S. Nach den Beschlüssen soll dieser Fonds gespeist werden auS den Tagevverdiensten nach dem Nürnberger Beschlüsse, den Ueberschüssen der Äl'aifeierveranstaltungen und einem festen Maifeierbeitrag von mindestens bO Pf. für männliche und 2S Pf. für weibliche Mit- Glieder der Partei und Gewerkschaften. Diese? Regulativ ist durch die Vertretung der Gewerkschaftstartelle der Provinz gleichfalls angenoinmen worden. Der Etat für das laufende Geschäftsjahr wurde von dem Parteitag in Einnahme mit 31 814,73 M. und in Ausgabe mit 28 706 Vi. festgesetzt. Beschlossen wurde ferner, daß die Kreis- orchjnisationen von ihren Beiträgen 10 Proz. an die Kasse der Bczirkoorgainsation abzuliefern haben. lieber den bevorstehenden Reichstagswahlkampf referierte der Rcichstagskandidat des S. schleswig-holsteinischen Reichs- tagSwahlkreifes, Genosse Paul M ü l l e r- Berlin. Redner ging in feinem großzügigen Referat besonders auk die Verhältnisse in «SchleSlvif«- Holstein ein, gab eine treffliche Uebersicht über die Parteiverbältniffe und übte eine vermchtende Kritik besonders an den Freisinnigen und Nationalliberalen in der Provinz. Er hob ihervar. daß für den Wahlkamps im allgemeinen natürlich die Nicht- linien, die der Jenaer Parteitag alffgesiellt hat, maßgebend sind, »aß aber der Parteitag nicht beschlossen habe, bedingungslos jeden Liberalen zu unterstützen,— Von einer Diskussion über daS Referat fah der Parteitag ab. Ueber:„Der reaktr'onäre Ansturm gegen La» Kommunalwahlrecht" referierte Genosse Adler- Kiel. Der Extrakt seiner Ausführungen liegt in folgender Resolution, die ohne Diskussion vom Parteitage angenommen wurde: .Der Parteitag erklärt: Die Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein und dem Fürstentum Lübeck erkennt, daß die wirtschaftliche Entwickelung und das erfreuliche Wachstum der Partei dahin geführt haben, daß die alte Ordnung der kommunalen Selbstverwaltung den bürger- lichen Schichten immer weniger genügt und zu immer neuen Attentaten und Verschwörungen gegen das bestehende Wuhlrecht anregt. Demgegenüber bekennt sich die Partei nach wie vor zu der grundsätzlichen Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Mann und Weiv in Stadt und Land im Sinne des preußischen Kommunalprogramms. Sie hält daher die bestehende Städteordnung nur für das Werk einer dürftigen Klassengesetzgebung, dessen Wirkungen sich unter d-m Einfluß der wirtschaftlichen Entwickelung verändert haben und das daher den Machtgelüsten d«r bürgerlichen Gruppen nicht mehr völlig genügt. Die Sozialdemokratie ist darum verpflichtet, allen Verschlechterungen dieser Ordnung unter Wahrung ihres grundsätzlichen Standpunktes Widerstand zu leisten. Ausgehend von diesen Erwägungen fordert der Parteitag die Genossen in Stadt und Land nicht nur dazu auf, ebenso wie bisher standhaft um neue Mandate in den Gemeindeivrtretungen zu ringen, sondern auch dazu, allen Bestrebungen, das bestehende Recht direkt oder indirekt zuungunsten der Arbeiterschaft zu ändern, auf das schärfste und mit allen Mitteln entgegenzutreten und dabei immer wieder die Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts deutlich in den Vordergrund zu stellen." Für die Wahl der Delegierten zu den internationalen Arbeiter- kongressen wurde folgender Wahlmodus beschlossen: Der ganze Ägi- tationobczirk bildet einen Wahlbezirk. Kreiöorganisationen bis 3000 Mitglieder können einen, bis 6000 Mitglieder zwei und über 6000 Mitglieder drei Kandidaten vorschlagen. Die Wahl erfolgt in den Mitgliederversammlungen der sozialdemokratischen Ortsvereine. Als gewählt gelten die Kandidaten, die im ganzen Agitationsbezirk die meisten Stimmen erhalten haben. Als Sitz der Agitationskommission wurde wieder Altona, als ihr Vorsitzender wieder Genosse Bartels gewählt. Die Preß- kommission für die„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" soll die Parteiorganisation von Groß-Kiel wählen. Der nächste Parteitag soll in Kiel stattfinden. �_ Der deutsch-tschechisch« Bruderkrieg. Die„Mener Arbeiterzeitung" bespricht den vor einigen Tagen im„Vorwärts" erschienenen Artikel des serbischen Genossen Z. To- palowits„Die Aufrollung der Orientfrage" und hebt besonders den Passus des Artikels, der sich gegen den„bruderinörderischen Kampf zwischen deutschen und böhmischen Parteien" wendet, hervor. Die „Arbeiterzeitung" schreibt dazu: „Der serbische Geitosse meint es sicher gut und seine Mah- nungen sind wohl beachtenswert. Aber er kennt unsere guten tscheckt. schcn Freunde recht«venig, wenn er meint, bei ihnen mit Mahnungen zur sozialdemokratischen Vernunft auf bereite Gemüter zu stoßen. Wie sie diese brüderliche Mahnung auffassen werden, ersieht man schon aus der Bemerkung der„Delnickö Listy": Dieses wahrheitsliebende Blatt bringt nämlich die Verwegenheit auf, zu den Ausführungen des serbischen Genossen den Kommentar zu schreiben, daß sie„osfensichtlich an die Adresse der— deutschen Sozialdemokratie gerichtet" seien! Höher kann die Entstellung wohl nicht gehen. Allerdings kann das tsckechische Blatt die Entstellung erst wagen, nachdem es den Text des Genossen TopalowitS zu jener „Schlußfolgerung" vorsichtig— präpariert hat. Zum Beispiel schreibr Topalowits, der..brudermörderische Kampf zwischen beut- schon und böhmischen Parteien und Gewerkschaften" solle ge- schlössen werden. In der„Ilebersetzung" der„Delnickö Listy" lautet diese(entscheidende) Stelle:„Schluß mit dem brudermörde- riscken Kampfe zwischen deutschen Parteien und Ge- wertschaften I Dann weist TopalowitS daraus hin. daß es in Oesterreich-Ungarn„eine Menge von selbständigen Parteien und Gewerkschaften" gibt, was er als schädlich erachtet. Die Worte„und Gewerkschaften" werden in der„Ueberjetzung" inS Tschechisch« sorgfältig ausgelassen! der tschechische Leser darf nicht erfahren, daß der serbische Genosse auch für di« Einheit der Ge- werkschaftsbewegung plädiert!— Man könnte schon einmal die Frage aufwerfen, wie lange sich die tsckiechiKhcn Arbeiter in Wien diese Art von Berichterstattung gefallen lassen werden...." Eine internationale Konferenz der sozialdemokratischen AfiNi»»»»»« wurde im Anschluß an den 13. internationalen Kongreß gegen den AltoholismuS am 11. und 13. September im Haag abgehalten. Außer dem internationalen sozial. Abstinenzsekretar, Genossen Dr. Honauer-Brüffel, nahmen daran Vertreter von Deutschland lNeumann). Oesterreich(Dr. Wlassak), Böhmen, Ungarn,. Holland, Belgien, Frankreich und Italien teil. Den Vorsitz führte Schmidt- Amsterdam. Es wurde beschlossen, gegenüber den vorwiegenden bürgerlichen und Regierungstendenzen, die den Kongreß beherrsch- ten, dort entschieden den sozialistischen Standpunkt zur Geltung zu bringen und die Abstinenz alS Mittel im Klassen- kämpf zu vertreten. Ferner wurde beschlossen, dahin zu ivirken, daß die Alkoholfrage, insbesondere der Kampf gegen daS Alkohol- kapital auf die Tagesordnung des nächsten internationalen Sozialistenkongresses gesetzt werde. Die Schaffung einer Zentralstelle für ein« Zeitungskorrespondenz wurde in die Wege geleitet.— Die Vertreter Hollands und Böhmen? erklärten, daß ihre LandeSgenoffen jedenfalls daö kürzlich von den Vertreiern der Arbeiter-Abstinentenbünde Deutfchlanos, Oesterreichs und der Schweiz beschlossene gemeinsame Programm annehmen würden. Die Arbeiter-Abstinenzbewegung ist also die erste, die ein allgemeindeutsches und demnächst internaticmaleS sozialistisches Prograinm aufgestellt hat._ Der Wahlkreis Jmola gegen den Reformismus. Rom, den 30. September.(Etg. Ber.) Am Vorabend des Parteitages, der unwiderruflich am 15. Oktober stattfinden wird, baben die Delegiertenwahlen der verschiedenen Sektionen inanche Ucberraschungen gebracht. Am überraschendsten ist aber das E» gebnis der Kreiskonferenz des WohItreifeS Jmola, der, früher von Andrea Costa vertreten, feit vielen Jahren zur reformistischen Richtung gehört. Jmola hat diesmal mit seinen Traditionen ge- brachen und hat die Tagesordnung L e rda gegen den Ministerialis- mus angenommen. Man darf darauf gespannt sein, wie sich der heutige Vertreter des Wahlkreises, Genosse G r a z i a d e i, der zu den entschiedensten Reformisten gehört, zu diesem Votum stellen wird. In der italienischen Partei erregt die Delegiertemvahl von Jmola, das über eine ziemlich hohe Stimmenzahl verfügt, das aller. größte Aufsehen.__ Rapide Entwickelung der sozialistischen Presse in Amerika. Endlich ist da? Eis gebrochen und der jahrzehntelangen mühe- vollen Aufklärungsarbeit unserer amerikanischen Genossen blüht der wohlverdiente Erfolg. Der sozialdemokratische„Herald" spricyt von einem„wundervollen Erwachen"..Das Erscheinen neuer sozialistischer Zeitungen in allen Teilen des Landes ist einfach staunenerregend. Nie sah man in diesem Lande eine solche B» wegung zugunsten einer großen Sache. Fast jeden Tag kommt ein neues Parteiblatt auf die Aiiztaii'chliste unserer Redaktion. So gehen ganz« Tonnen sozialistischen Propogandamaterials ins Volt, das in der aufnahmefähigen Stimmung ist, die seine Wir- kung verbürgt. Die Bewegung geht fast zu rasch vor sich. Doch ist dieser raschen Entwickelung eine jahrelange solide Gruirdlegung vorausgegangen, so daß keine ernste Gefahr vorliegt. Wir können auch dieses gelvaltige Wachstum der sozialistischen TageSprefle in keiner Weife als künstlich ansehen. Die Bewegung hat sich zu dem Punkte entwickelt, wo sie ihre örtlichen Mundstücke nötig hgt, Die politische Wirkung wird unvermeidlich sei».' poilreiliches,(Jencbtllcbes ufw» Hereingefallener Ncichsverbiinbler, Der Gutsbesitzer Julius Hesse in Guthmannshausen bei Buttstädt fühlte sich durch einen Artikel im„Thurmger Landboten", Volkskalender für l91l, deshalb beleidigt, weil oaS Schicksal einer polnischen Landarbeiterin geschildert Ivird, die in ihrem Dienswerhältnis zum Krüppel geworden und dann als lästige Ausländerin aus dem Großherzogtum Sachsen ausgewiesen sei. Das Mädchen habe angegeben, daß ihr Gutsherr sie� nicht wieder beschäftigt habe, weil sie zu ihm nicht lieb gewesen sei. Obwohl nicht der Name des Gutsbesitzers und auch kein Ort angegeben war, klagte der Gutsbesitzer Julius Hesse gegen den Landtagsabgeord- neten Baudert in Weimar.— Vor dem Schöffengericht in Buttstädt erbrachte Genosse Baudert den vollen Beweis der in dem Artikel gemachten Angaben. Es erfolgte deshalb auch die Frei- sprechung, obwohl sich der dem Bunde der Landwirte ange- hörende Rechtsanwalt Böttger in Buttstädt die größte Mühe gab, dem Gericht zu beweisen, daß eine Penirteilung ersten müsse, weil ein sozialdemokratischer Parteisekretär gegen einen Ver- trauensmonn des Reichöverbandes in herabwürdigender Weise vorgegangen sei.— Beim Landgericht glaubte der Reichsverbändler mit seinem Anivalt, der gegenüber dem den Genossen Baudert ver- teidigenden Rechtsantvalt Dr. Kurt Rosenfeld-Berlin, seine ger- manische Abstammung hervorhob, was ihm sofort die gebührende Abfertigung eintrug, mehr Glück zu haben.— Doch die Beweisaufnahme bestätigte nicht nur in vollem Umfange die in dem Ar- tiket behaupteten Tatsachen, sondern förderte für den Kläger noch andere, ihn nicht angenehm berührende Tatsachen zu Tage. Ob- wohl sich der Anwalt germanischer Abstammung die größte Mühe gab, die Berussrichter zu einer Verurteilung zu gewinnen, weil der Sozialdemokrat mit Rücksicht aus den bevorstehenden Wahlkampf die Landarbeiter gegen die Gutsbesitzer aufhetze und nun gar einen Vertrauensmann des Reichsverbandes öffentlich herabgewürdigt habe, tonnte das Gericht nicht anders, als die Berufung des Guts- besitzers zu verwerfen und die schon einmal erfolgte Frei- sprechung des Landtagsabgeordneten Laudert noch einmal zu bestätigen._ Graf Slolff-letternicl) vor Gericht. Gestern begann abermals die bekanntlich im Juli abgebrochene Verhandlung gegen den bald Löjährigen Grasen Gisbert Wotff- Metternich, Sohn des Rittergutsbesitzers und Kammerherrn Lewin Graf Metternich Ter Angetlagte wurde, wie unseren Lesern er- innerlich ist.«vegen allzu großen Schuldcnmackens als junger Mensch nach Chile geschickt. Er lvar dann in verschiedenen Stellungen in Buenos-Aires tätig, kam nach Deutschland zurück, machte wieder in schulden. Ihm wurde schließlich das Haus seines Vaters verboten. Mit 4000 M. ausgestattet, fuhr er wieder nach Südamerika, kain aber bald nach Deutschland zurück. Im Mai lS09 kam er nach Berlin und trat mit einem Heiratsvermittler Buchwald in Bcrbin» düng, damit dieser ihm eine reiche Frau besorge. Vom Vater er- hielt er nur einen monatlitben Zuschuß von 30 M.. mochte aber außerordentliche Schulden. Später verheiratete sich der Angeklagte in Wien mit der Schauspielerin Vallentin. Er geriet in den Vev- dacht, Mitglied einer internationalen Hochstaplerbande zu sein, zu der Bekannte don ihm, der Handlungsgehilfe Stallmann, welcher sich Baron von König nannte, und der Kapitän Newton gehörten. Wegen Falschipiels wurde er am 10. Dezember 1910 verhastet und von Oesterreich ausgeliefert. Die Falschspielaffäre hat sich hinge« zogen, weil der Hauptangeklagte Stallmann geslohe/i war. In der vorliegende» Verhandlung handelt es sich um ei»«« von der Falschspielanklage abgelrennte Anklage wegen Betrüge». 31 vetrugsfölle werden dem Angeklagten zur Last gelegt. Hohe Beträge soll der Angeklagte sich durch seinen klangvollen Namen und vor allem dadurch verschaisi haben, daß er die Ansicht»er« breitet und bestärtt habe, er habe begründet« Hoffnung, sehr reich zu heiraten. Insbesondere habe er wissentlich falsch behauptet, Anlaß zu hoben, sich mit Frau Dolly Landsberger, der Tochter der Frau Wolf Wertheim, verheiraten zu können. Dolly Landsberger war als noch nicht lgjähriges Mädchen mit einem Dr. Landsberger verheiratet worden und hatte sich turz noch der Hochzeit im„Hotek Esplanade" aus dem Fenster gestürzt. Ihre Heilung hatte längere Zeit gedauert, Scheidung der ersten Ehe ist erfolgt. Während der Angeklagte behauptet, durchaus zu der Annahme berechtigt gewesen zu sein, daß Dolly Landsberger ihn heiraten werde, hatte deren Mutter. Frau Wertheim, in der letzten Verhandlung als Zeugin bekundet, davon hätte gar keine Rede sein können, der Begünstigte ihrer Tochter sei ein Leutnant Vetter gewesen, eS hätte stets ge, heißen: Better— ja, Metter— nich Wenn er eingeladen war, die Werlheimsche Familie auf der Reise zu begleiten, so habe man angenommen, daß er als eine Art Reise» marsckall gegen Bezahlung die Reise mitmachen solle. Die Verteidigung hatte die Glalckwürdtgkeit der Aussagen der Frau Wertheim bestritten und beantragt, sie nochmals sowie die Tochter Frau Dolly Landsberger zu vernehmen. Dem Antrage war stattgegeben. Die beiden Frauen haben auS Meran ärztliche teugniße eingesandt, nach denen sie krank seien. Ein Antrag der erteidigung. einen Gerichtsarzt nach Meran zu entsenden, um über den Gesundheitszustand Bericht zu erstatten, ist vom Gericht abgelehnt. In der gestern eröffneten Verhandlung fehlten von den Zeugen Frau Wolf Wertheim, Frau Dolly Landsberger, Dr. Artur Lands» berger und ein« Reihe anderer von der Verteidigung geladener Zeugen. Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses stellen die Verte«di»s> Dr. Joffe und Dr. Alsberg einen Ablehnungsantrag gegen den Vorfitzenden, LandSgerichtsdirektor Erügee, und einen Beisitzer. Der Angeklagte hege gegen den Vorsitzenden aus folgen» den Gründen Besorgnis der Befangenheit: Der Jnstizminisier labe den UntersuchungSrickter angewiesen, die Voruntersuchung wegen Falschspiels dem Gesetz entgegen nicht abzuschließen. Die vor- liegende BetrugSanklag« fe, eingeleitet, wiewohl die Staaikznwalt- schaft ihn früher außer Verfolgung gesetzt hatte, weil in der Felsch- spielsache eine Freiiprechung mit Sickerheit zu erwarten fei. Die Einwirkung von oben ersehe sich auch daraus, daß dem Siaatsänwalt Dr Schwickerath die Genehmigung zur Zeugenaussage njchi„„ll erteilt sei. eS sei auch versucht, eine wlckc Genehmigung dem Land» richtcr Dr. Katz zu entziehen. Angeklagter sei der Ansickt an höherer Stelle würde seine Freisprechung unangenehm auffällen, «veil sie zum Ausdruck brückte, daß man einen Neffen des deutschen Botschafters in London aus unzureickienden Verdacht hin ÖOfl1 Auslände habe ausliefern lassen und über neun Monate in Unter- fuchungshaft gehalten habe. Wabr cheinlich fei dem Porsitzenden diese Aufsassung de« Justizministeriums mitgeteilt und er somit beeinflußt. So erkläre sich auch nur, daß der Vorsitzende erklärt habe, er werde jede Beweisaufnahme ablehnen, welckx Angriffe gegen die abwesende, böswillig von der Gerichtsstelle fernbleibende Frau Wertheim cnlhalte. Eben darauf sei zurückzuführen, daß der Antrag auf Entsendung eines Gcrichtsarztes nach Meran abge- lehnt war. Ferner lehne der Angeklagte den Beistyer Landrichter Kriener ab. dessen Zwifchenbemerkungest in der vorigen VerHand- lung ergäben, daß er Dinge, die er auf privatem Wege erfahren habe, bei seiner Richtertätigkeit zur Anwendung bringen wolle. So habe der Beisitzer auf einen Einwurf des Angeklagten, er Hobe da- mals Geldmittel gcbabt. geäußert: Ja, woher hatten Sie denn das Geld? Ich weiß es /a, aber ich darf es nicht sagen Ferner. habe dieser Beisitzer auf den Antrag, den Jnsttzrat Meschelsohn zu ver- nehmen, geäußert: Ist der Justizrat Mesckel ohn etwa SyndiktiS der Firma A. Wertheim? Und auf di« bejahende Antwort: So so. das wollte ich nur wissen.' Der Angeklagte Graf Wolff-Metternich dehnt da? AblebnungS- gefuch auf alle Beisitzer aus, die in der letzten Sitzung miiaewirtt hatten. Das sind: LandgerichtSrat ElSner und Landrichter MenatÄ. Set Heiner üonStf�Iet SfrlclTorn Ha! Ftt Vorigen Verhandlung nicht beigewohnt. Der Angeklagte erklärt unter anderem, ihm sei aus authentischer Quelle mitgeteilt, die Kammer habe bereits ein Urteil dahin festgelegt: ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft. Das tue man nach derselben Quelle, weil man doch einen Grasen Metternich, der noch dazu Neffe des deutschen Botschafters in London sei. nicht solange in Untersuchungshaft lassen könne, ohne ihn entsprechend zu bestrafen. Das würde auch dadurch wahrscheinlich gemacht, daß gegen ihn erst vorgegangen sei, als der Botschafter in London auf Anfrage bei der Staatsanwaltschaft erklärt habe, er werde die Schulden seines Neffen nicht bezahlen. Es liege die Befürchtung einer Beeinflussung der Richter von feiten der vorgesetzten Behörde vor. Verhandlung über das Ablehnungsgesuch. Unter Vorsitz des Landrichters Brieskorn tritt hierauf ein Drei-Richterkollegium in Tätigkeit, um die Ablehnungsanträge zu prüfen. Dasselbe verhandelt mündlich. Angeklagter führt noch neu zu seinem Ablehnungsantrag hinzu, im Untersuchungsgefängnis sei er krank und schwach geworden, er habe auf dem Bett gelegen und sei mit<8 Stunden bei Wasser und Brot bestraft worden, weil er beim Eintritt rnes Qberaussehers nicht sofort aufgestanden war. Die abgelehnten Richter erklären, dah ein Grund zu einer Ab- lehnung nicht vorliege. Weder versteckt noch offiziell habe eine Be- einflussung von oben vorgelegen, die angebliche Verfügung des Justizministeriums kennen sie nicht und glauben auch nicht, daß eine solche vorliege Landrichter Kriener erklärte, die Frage wegen des Syndikus habe er zu seiner Information gestellt. Nach kurzer Beratung lehnt das Gericht die Alilehnungsanträge «b. Es wird nun in die Verhandlung selbst eingetreten. Bei seiner Bernehniung erklärt der Angeklagte unter anderem: Bei der projektierten Ne:se mit Wertheims habe er keincsioegs die Rolle eines Reijemarschalls gesp'elt. Stundenlang habe er täglich mit Frau Dolly Landsberger verkehrt, sie seien auch zusammen im Auto spazieren gefahren. Es sei auch vorgekommen, daß dir Eltern abends zu Bett gingen und er der Tochter aus Auf» fordcrung der Mutter noch bis l Uhr nachts Gesellschaft leistete. Sie hätte sich dann auf ein Ehaiselongu« gelegt und er auf einem Taburett vor ihr gesessen. Sie hätten sich Tu genannt und auch geküht. Der ganze Verkehr habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß er als Schwiegersohn angenehm gewesen sei. Er habe mit Frau Dolly wie Braut und Bräut'gam verkehrt. Oft habe er bei den starken Gegensätzen zwischen Mutter und Tochter den Ver« mittler gespielt. So sagte die Tochter zur Mutter: Tu mit Deiner Vergangenheit darfst Dir doch überhaupt nichts erlaube». Da be- ruhigte ich beide, Frau Werthe'm lehnt« den Kopf an meine Schulter und dankte mir. Auf die Frage, wie er zu der Annahme gekommen fei, ohne Mittel die Frau Dolly zu heiraten, crllärt der Amgeflagte: Frau Wertheim wollte ihre Tochter gern wieder ver- heiraten. Die erst« Eh« war schief gegangen, nun sollte die Tochter eineri Grasen haben. Es kommt ja häufig vor, daß Töchter be- ßütrrter Eltern, die gern einen Ramen haben wollen, auch jemanden nehmen, der lein Geld hat. Am 8. Januar schrieb mir ,,rau Wertheim, vorläufig möchte ich nickst kommen, die Tochter sei krank. In Wahrhest lag die Sache jo: Der Kommandeur des Gurderegimentd hatte seinen Offizieren verboten, im Hause Wettheiin zu verkehre«. Deshalb wurde die Krankheit vorge- spiegelt. Daß mich Frau Wertheim schätzte, geht auch daraus her- vor, daß sie ganz entzückt war. als sie bei einer Unterredung mit dem Fürster Sulm-Salm Hörle, daß ich auch mit dem österreichischen Kaiserhaus verwaeidl sei. weil der Prinz mit einer Tante von mir und auch mit dem österreichischen Kaiserhause verwandt ist. Wenn Wertheims später mit der Heirat anderen Sinnes geworden sind. so mag das daher rühren, daß sie wohl gehört hatten, dah ich auf die Aussicht einer reichen Heirat hin schon Geld aufzunehmen suchte. Meine jetzig« Frau hat eigenes Vermögen und ein jähr- liches Einloinmen von 50— 60 00vi Mark. Mehrere Heiratsvermittlerinnen hatte ich an der Hand, denen ich erklärt hatte: unter einer Million tue ich es nicht, es müsse aber auch eine gute Familie seim Die Verteidigung beantragt, den Medizinalrat Dr. Hofsmann zur Erstattung eines Gutachten» über die ausgebliebenen Zeugen der Wertheimschen Familie nach Meran zu senden und die Heiralsvrrmiiileein Fröhlich verwitwete Bornstein al« Sachver- ständige darüber zu vernehmen, daß ein HeiratSkandidat mit dem Namen Graf Wolff-Metternich mit Leichtigkeit Partien mit Mit- yisten von vielen hundertlausenden Mark haben könne. Die An- trage der Berteidigung werden abgelehnt. Beweisaufnahme. Einige Krankenschwestern, die Frau Dolly Landsberger nach ihrem Sprung aus dem Fenster des EsplanadehotelS gepflegt haben. bekunden, daß das Verlstiltnis zwischen Mutter und Tochter das denkbar schlechtestr war. So bekundet die Krankenschwester Alex, Frau Werthcim habe der Tochter gegenüber die gemeinsten Schimpf- »vorte gebraucht, wie»eklige Jüdin",„Biest",„Bestie",„Dirne, „Frauenzimmer" und schmutzige, aus dem Sexualleben entnommene Schimpsworte. Als Frau Wertheim von der schlechten Erziehung rhrer Tochter sprach und diese jragte, warum man sie nicht sji eine Pension geschickt Hab«, antwortete Frau Wertheim: Dann warst Du von einem Hausdiener schwanger nach scchS'Wockwn wieder nach Hause gekommen. Rachtig sei auch, dah Frau Werlheim wiederholt H>re Tochter veranlassen wollte, in dem ShescheidungSprozeß saliche Anschuldigungen zu erhöhen. Frau Wertheim habe wiederholt Briefe ves Dr. Landsberger a» sein« Frau abgefangen und nicht abge- »miert. Die Krankenschwester Rose Kob bekundet, zwischen Mutter und Tochter sei es oft zu hest'gen Szenen gekommen. Als die in mckonvaleszenz befindliche Frau Dr. Dolly L. mal gebeten habe, einezi anderen Weg als den beim Spazierenfahren einzuschlagen, aus dem sie so viele Bekannte treffe, habe die Mutter aus vollem Hw'ie g«schri«n: Wenn sie Dich sehen, sehen sie nichts weiter alS •..(hier habe ein gemeines Schimpfwort eingesetzt). Ost sei die Tochter von der Mutler mit den unflätigsten Schimpfworten belegt. Frau W. Hobe mal zu ihrer Tochter gesagt, ihr Großvater habe nicht umsonst die Millionen zusammengestohlen, damit sie Ehainpaguer saufen und sich amüsieren konnte. Einmal habe sie erklärt: Ich Dir nur eins sagen, ich habe Deine» Bater zu- gründe gerich,e, und richte auch Dich zugrunde. Zwei Ofsjziere, die im Hause Weetheim«erkehrtcn. bekunden, der Angeklogtr fjch immer so gegeben, als ob er Hoffnung auf . eine Heirat«js �trssu zusammenguleben, die die Mutier ist und der man fremd gegenübersteht, ja. die man nicht einmal achtet. An einem Tage habe die-tuüer zu ihr geäußert: Mir ist eS lieber» Du wirst die Maitresse eine» Prinzen, alS die Frau irgendeines Herrn Mayer. In einem Brief zgg7«»: Ich bin schon gehaßt worden, che ich lebte. Mama erzählte mir hundertmal, wie sie mich haßte. Nur den einen Wunsch hatte sie in dieser Zeit, pon der.Unbequemlichkeit" befreit zu sein. Ich war baS Kind des ManneS, Ben sie Haßk« und sie überkrug den Haß auf mich. Meine erste Erinnerung aus meiner Kindheit ist die: Ich lag im Wagen, Mama zeigte mir ein Bild und lagt«: das ist Deine Tante Es war ein Bild einer Maitresse meines Vaters. Bon dem Sumpf in der Seele dieser Frau, die meine Mutter heißt, machst Du Diu keine Ahnung. Du, laß mich nicht zu lange in dieser Hölle. Ich schäme mich, diese Frau als Mutter zu haben. Der frühere Staatsanwalt, jetzige Landrichter Dr. Katz be- kündet, dah mal eine Strafsache gegen die Schwiegermutter der Frau Wertheim, eine.Frau Pinkus, geführt sei. Das Verfahren beruhte aus einer Strafanzeige der Frau Wertheim. Frau PinkuS war die Mutter ihres später von ihr geschiedenen Mannes. Frau PinkuS war mal als Zeugin vor dem Kammergericht vernommen, da hatte Frau Wertheim an sie Briefe auS alter Zeit gerichtet. Die Antworten der damals 70jährigen Dame sollten nach der Behaup- tung der Frau Wertheim unrichtig sein. Das Versahren wurde eingestellt. Da der Angeklagte erklärt, so erschöpft zu sein, daß er der Verhandlung nicht mehr folgen könne, wird diese auf heute S Uhr vormittags vertagt._ Hub der frauenbeweefun� Konferenz über die Berufsberatung des weiblichen Geschlechts. Tief empfundene soziale Gebrechen sind die Veranlassung, welche die Leiterinnen der deutschen Auskunftsstellen und viele sür Volkswohlfahrt interessierte Persönlichkeiten am Freitag und Sonn- abend im Berliner Raihause zu einer Konserenz vereinigten. Die Vorsitzende wies in ihren einleitenden Worten, anknüpfend an den neuen Roman H. G. W e l l s, daraufhin, daß frühere Staatsmänner Gesetze ohne besondere Rücksichtnahme auf die Frauen geschaffen, daß ein moderner Politiker das nicht mehr könne. AlSdann hielt Dr. S i l b e r m a n n ein Referat, indem er darlegte, daß die anarchistische Art der Berusswahl, die durch die Entwickelung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände entstanden, ein Heber- handnehmen ungelernter Arbeit gezeitigt, und daß dadurch nicht nur die betreffenden Individuen, sondern die ganze Volkswohl. fahrt leide. Weshalb man diesem kleinen Mann, der seinen Schriften nach immer für standesgemäße Unterschiede zwischen der erwerbsbedürstigen Frauenwelt eintritt, in einer so zahlreich von berufenen Frauen aller Schattierungen belebten Koiiferenz, die sich für die allgemeinste Berufswahl zusammen- gefunden, gerade dieses einleitende Referat zugewiesen, erscheint rätselhaft. Es wäre denn, daß die Damen gern einen Herrn mit auf dem Podium sitzen haben wollten. Es erhielt alsdann das Wort zu einem Vortrag Frau Levy-Rathenau, von der die direkte Anregung zu dieser Konferenz ausgegangen. Sie legte ihrem Referat folgende Leitsätze zugrunde: Die BerusSberatnng des weiblichen Geschlecht? muß Frauen oller Altersstufen und aller «tände umfassen. Die schulentlassene Jugend, der zumeist der Rat weitblickender Mütter und der Einfluß der Berusstradition fehlt, bedarf verständnisvoller Führung, die ihr die rechten Wege sür die Berussarbeit weist. Für ältere, unvorbereitet zum Erwerb gezwungene Frauen ist planmäßige Fürsorge erforderlich. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist es zweckmäßig, die Beratung deS weiblichen Geschlechts nach besonderen Gesichtspunkten und getrennt von der für männliche Personen auszugestalten. Als Grundlage für die Auskunftserteilung dient die Beschaffung zuverlässigen Nachrichtenmaterials. Die für die Deratungstätigkeit erforderlichen umfassenden Kenntnisse müssen dprch einschlägige Studien er- worden und durch dauernde methodisch« Fortbildung erweitert werden. Die gemeinnützige Beratung soll in einer objektiven Kenn» Zeichnung der Berufe bestehen, unter Hinweis auf die Anforde- rungen, die sie in geistger, körperlicher, sittlicher und materieller Hinsicht stellen. Die Angliederung von Lehrstellen oder Stellen- vermittelung. von Darlehens- und Unterstützungslassen ufw ist nicht zweckmäßig, weil sie das ideelle Ziel einer von Augenblicks- erscheinungen unbeeinflußten, unpareiischen Beratung und Aus- klärung in den Hintergrund drängen. Mittel der Beratung und Belehrung sind Sprechstunden, schriftliche Auskünfte, Vorträge in Schulen, an Elternabenden, in Bildungsvereinen. Merkblätter, Wegweiser, Auskunftsbiicher. periodische Veröffentlichungen usw. Die erstrebenswerte Ausgestaltung der BeratungStätigteit ist die Schaffung allgemeiner, öffentlicher Berufsämter mit Frauenabtei- lungen unter geschulter weiblicher Leitung. Zur Erreichung dieses Zieles ist der Zusammenschluß der bestehenden Organisationen und die Einrichtung eines gemeinnützigen, vorbildlich wirkenden Frauen- berusSamteS, dem Beihilfen auS öffentlichen Mitteln zu gewähren sind, notwendig. Meto GadeSmann- Düsseldorf unterzog in einem weiteren Referat die Organe der Berufsberatung einer scharfen Kritik, in der sie nachwies, daß sie meistens ganz unzureichend, daß sie keine Fühlung mit den tatsächlichen Verhält- nissen, mit der Schule und dem Arbeitsmarkt hätten. Ueber die Aufgaben von Schule und Lehrerschaft in Beziehung auf die Berufs- beratung sprach Fräulein Martha Gennrich, über die Aufgaben der Arbeitsnachweise Fräulein Edith Klausner und über die Ausgaben der Berussorganisationen Fräulein M. B e h m. Die Diskussion ergab fast von alle» Seiten die gleichen Klagen, das verfehlte Airken der lbürgerlichen) Zeitungen und Zeitschriiten, das Versagen der Schule, weil die Obertlassen meisten» in Händen von Männern, die gar nicht geeignet, die Mädchen richtig zu beur- teilen, insonderheit in Rücksicht auf einen Beruf. BesenderS er- frischend berührten die Worte der Borsitzenden deS Bundes Deutscher Frauenvereine, Fräulein Dr. Beumer. die rückhaltlos ehrlich erklärte, daß a» den höheren Schulen, bedingt durch die heutige sreaktionäre!) Schulpolitik, den jungen Mädchen von den Direktoren falsche Richtwege für die Berufswahl angewiesen würden. Es wäre Zeit, meinte diese Rednerin, daß ein Erlaß de» Kultus- Ministeriums endlich einmal diese Materie regele. Es wurde auch vielfach auf England hingewiesen, das sich die Erfahrungen der Deutschen zunutze gemacht und schon im November v. I. ein Gesetz herausgebracht, wonach die Schulleitungen sich um die Berusswahl verdient machen können und sollen. Im großen und ganzen lief der Wunsch der Anwesenden darauf hinaus, daß«in Berufs- amt von Staats wegen geschassen werden müsse. Es sei das notwendig für märniliche und weibliche auf Erwerbsarbeit angewie- sene Elemente. Und so lange eine so wichtige Angelegenheit, wie die gesamte Berufsbildung unseres Volkes, auf die privaten Organe betreffs der Berufswahl angewiesen ist, wird auch trotz alles voll- zogenen Anschlusses wahrscheinlich nicbts Gesundes herauskommen, denn unsere privaten Vereine haben doch alle mehr oder weniger ihre Sonderintcressen im Auge, die sie am allerwenigsten bei Jugend- beratung zurückstellen werden. Eine besondere Frage bleibt auch noch, wie die älteren, durch Todesfälle oder anderes Unglück plötzlich vor die Berusswahl gestellten ungelernten weiblichen Wesen beraten werden sollen. Es wurde schließlich zur Gründung eines Verbandes der AuStunstsstellen für Frauenberufe geschritten und auch die Herausgabc eines vorzüglichen Berufsratgebcrs beschlossen. Wtis aus dieser Gründung hervorgehen wird, ist heute nicht zu beurteilen. Es kann etwas sehr Gutes werden, daS sich zur Wohlfahrt des Landes und seiner Kinder auswochsen kann, wenn die richtigen Kräfte an die Spitze des Verbandes gelangen. ES kann aber auch etwas werden, worauf die Sozialdemokratie dauernd ein scharfes Auge zu richten gezwungen sein wird, einmal der Leitung wegen, die rcin-bürgerlich, und— wenn Regierungs- einflüsse reaktionärer Art, wie wir sie heute also schon bei den Beratungen der höheren Töchter, die man ungern studieren sieht, die man lieber den Frauenschulen und Seminaren zugeführt sähe — sich auch bei der Berufswahl unserer VolkSschülcrinnen geltend machen sollten. Alles, was die Jugend betrifft, betrifft uns, und diese Sache betrifft, wie leine andere, unsere arbeitende Jugend Sericdts- Leitung. Ein Lanbfrlebcnshruchprozeß, so berichtet man uns unterm 8. Oktober auS Halle e. S., beschäf- t'gte am Rontag von morgen» S Uhr bis 1 Uhr nachts das hiesige Schwurgerschk. Angeklagt Karen zehn Kürschnergesellen und M Geschirrsührer Körner von Schkeuditz und Umgegend, die sich ge» legentlich der Kürschneraussperrung am 18. Februar auf der Chaussee nach Leipzig zusammengerottet und Gewalt gegen einen Arbeitsluilligentranspvrt begangen haben sollen. Arbeitswillige aus Leipzig hatten bei der bestreikten Firma Kunat in Schkeuditz Rausreißerdienste geleistet und sich am erwähnten Tage, einem Sonnabend, in einem mit Fellen behängten und einer Plane überzogenen Wagen nach Leipzig schaffen lassen. Sieben Männer und eine Frau hatten eS sich in der Mitte des Wagens auf Schemeln und Bänken bequem gemacht und als der merkwürdige Transport auf Lütschena zufuhr, sollen mehrere Angeklagte mit Steinen nach den Insassen geworfen haben. Ein einziger Arbeits« williger namens Meißner wurde durch einen Steinwurf am Schienbein verletzt und will infolgedessen einige Wochen arbeits« unfähig gewesen sein. Der Angeklagte Körner war der Geschirr« führe: des Gefährts gewesen und die Staatsanwaltschaft ver« mutet. K. habe mit den Ausgesperrten gemeinsame Sache gemacht und sei langsam gefahren, damit die Streikenden dem Geschirr bequemer folgen konnten. Zur Beweisaufnahme waren über 50 Zeugen aufgeboten, von denen aber niemand bekunden konnte» daß die Angeklagten geworfen hätten. Der Genosse Rechtsanwalt Heinemann. Berlin hielt eine auS« gezeichnete Verteidigungsrede, in der er u. a. darauf hinwies, daß, wenn man diese Angeklagten wegen Gewaltanwendung gegen Per« sonen verurteilen wollte, man auch eine Anzahl Studenten, von denen einer eine Laterne demoliert, wegen Landfriedcnsbruch be« strafen könnte. Der hiesige Rechtsanwalt Spilling, ein Herr, der gewöhnlich Reichsverbandsleute vertritt, und unglücklicherweise als Offizialverteidiger Körners fungierte, hielt mehr eine Krieger« vereinSrede als ein Verteidigungsrede, indem er erklärte, al» er kürzlich von der Uebung auS dem KaisermanSver heimgekehrt sei, wäre er nicht angenehm davon berührt gewesen, daß er Landfriedensbrecher verteidigen sollte. Einige Angeklagte habe man ihm abgenommen und er hätte sich noch mehr gefreut, wenn man ihm auch noch K.s Verteidigung abgenommen, dann hätte er doch nicht bis zum späten Abend im GerichtSsaal ver« weilen brauchen. Mit der Rede, die mit allgemeinem Kopfschütteln ausgenommen wurde, hat Herr Spilling daS Offizialverteidiger« system recht drastisch illustriert. Bon den Angeklagten wurden schließlich zwei freigesprochen, sechS wegen einfachen LandfriedenSdruchS zu je vier Monaten, einer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt und bezüglich zweier Angeklagter wurde die Verhandlung vertagt, ?Zus aller Clelt. Die Sturmverkesrungen. Immer noib treffen Nochrichten ein, die von welkeren Opfern deS furchlboren Sturmes zu melden wissen, der am Sonnabend und Soinitag in der Nordsee wütete. In Hamburg ist der Dampfer .Ferdinand" eingetrossen. dessen Kapitän berichiet. daß in der Nähe von Fehmarn in der Nacht zum Moncag ein unbekanntes Segelschiff mit der ganzen Besatzung gesunken ist. — Der Kahn.Wilhelmina", der mit einer Ladung von 000 Tonnen Kohlen vom Schlepper.Maria!" von Duisburg»ach Ant» w e r p« n geichteppl wurde, ist Montag nacht iiisolge deS herrschenden SturmeS in der Sieenbergenichen Vliet bei Zeeland gesunken. Die Besitzerin des Kahne» ist mit fünf Kinder» und zwei Mann der Besatzung errrunken. Wie ein Telegramm aus Osten de meldet, ist öie Fischerbarke Nr. 200 während des Sturmes an der holländische» Külte mir drei Mann.Besayung gesunken. Von Bord mehrerer Fischer« damyser sind Mairolen über Bord gespült worden und ertrunken. Bon fünf Booten, die sich»och auf See befinden, hat man keine Nochrichl.— Na» einer telegrnphischen Meldung auS Amsterdam sind von ISO Booten der Mnichetfilcherflotte deS holländischen Dorfe« B r u i n i s s e während de» SturmeS am Soinitag 120 verloren gegangen oder stark beschädigt worden. Aus den Flüssen sind zwischen D o r d r e ch t und der Nordsee 45 Boote gesunken. Die Mehraahl der Mannschaften ist ertrunken. Bei Steenbergen sollen 28 Leiche» an» getrieben worden sein._ „Nationale" Jngendpoefie. Die„Univ.-Ztg.",„Zeitschrift für nationale Jugend- erziehung", bringt in ihrer Nummer vom 15. September 1911 folgendes gräfjlichjchirne Poem: Heldriitrau«. 1. Der Junge schläft. Von weitem hört er noch Kommando schallen, Von ferne sieht er noch Kameraden wallen In Kameradschaft frisch vereint und wohl Im Herzen Lust, die Seel' so voll. 2. Der Junge schlaft. Im Traum' hebt er die Hand zu neuen Taten. Er siebt als Feldherrn sich in Schar der Kameraden. Er schaut den Feind, die Fahn' ergreift er da Und stürzt aus ihn mit gellende». Ruf.Hurra'. 3. Der Junge schläft. Er liegt am Schlachtenfeld. sein Auge bricht. Der Kaiser steht vor ihnr, der sieht ihn an und spricht: .Ein Vorbild lieget hier, zu Tod' verwandt'. Nehmt euch ein Beispiel dran an diese Stund". 4. Der Jung' erwacht. Er steht sich um. er liegt im warmen Bett. .O, Gott, wenn ich nur wirklich am Schlachtfeld legen hätt'I' Warum der Jung' so kühn gedacht, i» iveiß'S genau, CS war sein erster Tag in„blau-weiß-blau". Dieses Gedicht stammt von Martin Costa, einem jungen Oesterreicher, DaS ist eine Probe jener gksinnunqstüchtigen„Poesie". durch die„nationale" Jugendschri�en die Jugend'zu„erziehen" bemüht sind I Und für solche Zwecke hat der preußische Landtag eine Million bewilligt l_ Skleine Notize». Helene v. DönnIgeS gestorben. In München hat sich am Dienstag Frau Helene v. S ch e w, r s ch durch Einnehmen von Gift das Leben genommen. Die Berstorbeite die als Mädchen Helene v. Dömiiges hieß, war die Ursache zu dem Duell, in dem Ferdinand Lassalle fiel. Tödlicher Absturz eines Fliegers. Nach' einer Meldung auS «pokane Pl&sclimäntel*. 3 S n�arSÄl�tC} Seaimänlel.... m. 82 >ülsfer....ii.25 «BU.ch>Äosff||j,e...... M 3g } Hohair-Ästracisan-Palele« 26 HoHair-Mlüsctucantsi 42 Za«ekgMet«e UiSlSr«»»,«» i■»•■ i Ö EU PeelM Nodalle»»»ri 250, vom 4.10. dl» 9. W. M.|23 Bam Fabrikation, dober grosste Leistungslöhigkeüi ca. 1-45 em lange, aas besten deutsch. 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Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben ManneS, unseres Vaters, des NohrlegermeisterS Franz John sagen wir allen Freimden und Be- lannlen, sowie den Rohrlegern und Helsern unsern innigsten Dank. Witwe Klara John 922 nebst Kindern. Am Sonntag, den 1. Oktober, f nachmittags, entjchlics plötzlich j meine innigst geliebie Feau, unsere gute Mutter, Schwiege» und Grohmutter Inm Marie Spotiog geb. Schnlz im 46. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. Ottober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Emmaus-5tirchhoseS, Rixdors, Hermannstratze, auS statt. Diese» zeigen allen Verwandten und Bekannten ttesbetrübt an A. Spetteg und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahm« und vielen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden. Bekannten, Ver- wandten und Kollegen meinen herz- lichsten Dank. 91K Paul Lorke. Hiermit die traurige Mitteilung, dag unser langjähriges Mitglied krau? Nowakovski am 1. Oktober jrüh 4 Uhr jansl entschlafen ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Rixdors, den 3. Oktober. Die Genossen des 22a Bezirks. yerleihhsuz feiner• Ijcrrcn-loden Leipziger Str. 59 Wir verleihen hochelegante, schicke Kerren- Garderoben aa soliden Preisen und kulanten Bedinguagea auf Tage, Wochen und Monate. Wir verkaufen verliehen gewesene, gutj erhabene fferrensQarderoben, nachdem dieselben wieder tadellos ia Stand gesetak worden sind. jUizQge und Paletots für 10.—, 14.—, 18.—,»«.— Hark. Wir»erkauten Monats- u, Abonnements-Garderoben, die von feinsten Herrschaften nur wenig getragen wurden nnd gereinigt worden sind, Annage u. Paletot» für 6.—, 9.—, 12.—, 14.— Istl. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). Slenerechelnungen: Alt Frauen und der politische Kampf. Von l.nl»e Klein. Preis 20 Pf. Sozialreform und Ardelterfrenndlichkeit. Rede deS Reichstags> Abgc- ordneten kUckard b'Ucher zur dritten Beratung der RetchSnerfichcrungSordnung. Preis 15 Pf. 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Es ist deshalb ein ganz unehrliches Spiel, wenn von den Zentrumsanhängcrn wehmütig erklärt wird, wir konnten nicht anders, die Regierung lieh nicht die Erfüllung ihrer Wünsche zu. Gewiß hat sich die Regierung gegen eine weitere Belastung gesträubt, aber ob sie in allen Fragen bei einem ent- schiedenen Auftreten des Reichstages bei ihrer ablehnenden Hal- tung geblieben wäre, ist sehr fraglich. Hinter der entschiedenen Haltung der Regierung verbirgt sich nur eine Ausrede des Zen- trums, das heilfroh ist, von sich die Verantwortung auf die Re- gierung abwälzen zu können. Die letzte Entscheidung der Sozial- demokratie zur Reichsversicherungsordnung war nicht geleitet durch die Ablehnung so vieler berechtigter Forderungen der Arbeiter auf eine Mehrleistung der Versicherung, sondern von dem Gesichts- Punkt gefällt, daß unter keinen Umständen wichtige Rechte der Arbeiter preisgegeben werden dürfen. Aber diese Preisgabe der Arbeiterrechte vollzog das Zentrum auf Wunsch der Scharfmacher im eigenen Lager und um der Regierung zu zeigen, daß seine Mitwirkung unentbehrlich ist. Die Befestigung ihrer Position erschien ihnen mit der Preisgabe wichtiger Arbeitcrrcchte nicht zu teuer erkauft. Ten christlichen Arbeitern muh natürlich vorgeredet werden, dah alles versucht wurde, mehr zu erreichen; wenn nicht die Re- gierung daran schuld ist, daß so wenig erreicht wurde, dann die Sozialdemokratie. Das ist die Melodie, die Herr Königbaucr in seiner Schrift anstimmt. Man gibt zu, dah die Vertreter des Zen- trums in der Kommission bei verschiedenen wichtigen Fragen gegeneinander stimmten, bis dann schließlich der eiserne Ring ge- schlössen wurde, der die Seitensprünge des Herrn Becker und Schirmer nicht mehr zulieh, und nun muhten die Herren selbst daran gehen, die von ihnen ehedem empfohlenen und angenommenen Anträge zu beseitigen; zur Strafe dafür, dah sie Herrn Herold, Irl, Hitze und Trimborn nicht immer gefolgt waren. Sie haben den Auftrag gut, aber mit wenig Manncswürde durchgeführt. Es ist ganz dankenswert von Herrn Königbauer, daß er in seiner Broschüre die Beschlüffe des christlichen Gewerkschaftskongresses vom Jahre 1909 und des Verbandes der katholischen Arbeiter- vereine für Süddeutschland vom Jahre 1919 wiedergibt. Sehen wir zu, was hat die Zentrumsfraktion und ihre Slrbcitervertreter zur Erreichung der dort aufgestellten Wünsche im Reichstag unter- nommen. Wir greifen nur einige uns wichtig erscheinende Punkte heraus. In den Leitsätzen des christlichen Gewerkschaftskongresses zur Reichsversicherungsordnung heißt es u. a.: „Die Einschränkung der erstinstanzlichen Befugnisse der Träger der Unfall- und Invalidenversicherung— die allen Rechtsgrundsätzcn zuwider Partei und Richter sind— durch die den zu schaffenden„lokalen" Versicherungsämtcrn in der Versicherungsordnung zugedachten Kompetenzen im Rentenfest- setzungsvcrfahren ist zu begrüßen." Das war die Stellung zu dem Vorentwurf, in der endgültigen Borlage lieh die Regierung diese Bestimmung, die der Kongreß ganz zutreffend lobend erwähnt, auf Verlangen der Scharfmacher fallen. Bon keinem der Zentrumsabgeordneten ist auch nur in der Kom- Mission der Versuch gemacht worden, einen Antrag im Sinne der Kongrehleitsätze zu stellen, im Gegenteil, man bekämpfte sofort einen dahingehenden Antrag der Sozialdemokraten. Herr Erz- berger hielt eine große Anklagerede gegen die Versicherungsämter und bewirkte schließlich entgegen den Absichten der Regierung die Abhängigkeit des Versicherungsamtes von der unteren Verwaltungs- deHörde. In den Leitsätzen heißt eS weiter: „Den Versicherten ist das gesetzliche Recht auf Vertretung vor den entsprechenden Instanzen durch Vertrauenspersonen zu sichern." Dieses Verlangen hat daS Zentrum in das Gegenteil um- gemünzt; es hat in§ 1604 den Arbeitersekrctären die Vertretung vor dem Versicherungsamt direkt verboten, aber den Be- rufsgenossenschaften die Stellung eines Vertreters gestattet. Es ist also i» ganz frivoler Weise eine sachgemäße Vertretung der Arbeiter unmöglich gemacht, obwohl auch die christlichen Arbeiter es ausdrücklich forderten. Man verlangt weiter, daß Betriebs, und Jnnungskrankenkassen nur gegründet werden dürfen, wenn mehr als 500 Mitglieder in Frage kommen. Das Zentrum macht daraus 150 Mitglieder für bie Industrie, 50 für die Landwirtschaft. In der ersten Lesung der Kommission, wo also noch kein Kompromiß mit den Konservativen bestand, beantragten die christlichen Gewerkschaftsführer Becker und Schirmer, die Mitglicderzahl auf 100 für die Industrie und 20 für die Landwirtschaft herabzusetzen. Danach scheinen die Konservativen später diese christlichen Arbeitervertreter zu der Aendcrung in zweiter Lesung veranlaßt zu haben, daß die Zahlen wenigstens auf 150 resp. 50 heraufgesetzt wurden.— Die Leitsätze des christlichen Gewerkschaftskongresses verwerfen die Landkrankenkasse. Im Zen- trum hat sich niemand gefunden, der dem Verlangen beigetreten wäre. Weiter heißt es in den Leitsätzen: „Eine Untersuchung auf den Gesundheitszustand der Ar- heiter von Betrieben mit Betriebskasse ist unzulässig." Herr Becker, Schirmer und Behrens, die auf dem christlichen Kongreß zugegen waren— Herr Behrens als Vorsitzender, Herr Becker als Begründer der hier zitierten Leitsätze—, haben sich nicht gemüßigt gesehen, auch nur einen Antrag im Sinne ihrer Leit- sätze zu stellen. Der christliche Gewerkschaftskongreß hat an keiner Stelle ver- langt, daß die Unternehmer bei der Anstellung der Kasscnbeamten besonders ihre Zustimmung geben müssen; in den Leitsätzen sowie auch in der Diskussion auf dem Kongreß ist ausdrücklich betont, daß die Einführung der Verhältniswahl genügt, um den Einfluß der christlichen Gewerkschaften zu sichern. Das Verlangen ist von der sozialdemokratischen Fraktion unterstützt worden. Die Ent- rechtung der Arbeitervertretung, die das Zentrum einführte, trifft alle Arbeiter gleichmäßig, die christlichen Arbeiter können sich beim Zentrum für diesen Liebesdienst bedanken. Die Leitsätze verlangen in der Krankenversicherung die Ein- führung einer Schwangerschaftsunterstützung, die Gewährung des vollen Krankengeldes für die Angehörigen, wenn der Versicherte in einem Krankenhaus untergebracht ist. Jetzt entrüsten sich die- selben Leute, die vor Arbeitern diese Forderungen seinerzeit bc- gründeten, daß die Sozialdemokratie solche„unerfüllbaren" An- träge stellte, und rechnen ihren Anhängern vor, wieviel Millionen die Anforderung mehr kostet. Man verschweigt aber, daß die eigenen Anhänger außerhalb des Parlaments dieselben Forderun- gen stellten, und daß sie von ihren Vertretern düpi.ert wurden, denen es gar nicht einfiel, die Anträge im Reichstag zu vertreten; wohl aber verstieg man sich dazu, mit Entrüstung die sozialdemo- kratischen Anträge abzulehnen. In der Invalidenversicherung forderten die Leitsätze des christ lichen Gewerkschaftskongresses die Versicherung der Heimarbeiter, die Gewährung der Invalidenrente bei Eintritt der Berufs- invalidität und die Einführung höherer Lohnklassen. Ansprüche, auf die das Zentrum verzichtete und die gar nicht erhoben wurden, sondern glatte Ablehnung erfuhren, wenn sozialdemokratische An. träge vorlagen. In ähnlicher Weise hat der süddeutsche Verband der katholi. schen Arbeitervereine seine Stellung zur Reichsvcrsicherungs ordnung durch eine Resolution präzisiert. Unter anderem verlangte er die Beibehaltung des Rekurses in Unfallsachen, die Versorgung auch der arbeitsfähigen Witwen, höhere Hinterbliebenenrente, gc heim« und direkte Wahl der Arbeitervertreter. Die letzte Forde rung ist in der Reiärstagskommission von Herrn Becker auf das entschiedenste bekämpft worden, als die Sozialdemokraten einen dahingehenden Antrag stellten. Von einer Erfüllung der anderen Forderungen war im Zentrum nie die Rede. Es waren also die Leitsätze auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß und die Be> schlüsse der süddeutschen katl)olischen Arbeitervereine nur ein Schon gepränge für die Dummen, die da meinen, es sollte etwas für die Arbeiter getan werden. In Wirklichkeit hat sich niemand von den christlichen Arbcitervertrctern durch diese Mcinungskundgebung beschwert gefühlt und wie einen überflüssigen Ballast die Bürde fortgeworfen. So Ivie hier sind wohl kaum bei einer anderen Sache die christlichen Arbeiter von ihren Vertretern zum Narren gehalten worden. Aber stolz verkündet Herr Königbauer in seiner Bro- schüre: Die Kraft des Zentrums wurzelt darin, daß es ein festes Programm besitzt. Das„feste" Programm, das von den Zen- trumspolitikcrn lächelnd beiseite geschoben wird, wie die maß- gebenden Scharfmacher es wünschen. Um nun diesen Betrug der christlichen Arbeiterschaft zu verschleiern, schimpft Herr König- bau er über die vielen Forderungen der Sozialdemokraten, die, wie ivir darlegten, von den christlichen Arbeitern vielfach selbst gestellt wurden, ihnen jetzt aber als unverständliche sozialdemo- kratische Wünsche vorgehalten werden. Das sagt ein Mann, der auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß selbst zugegen war und die herbste Kritik an der Reichsversicherungsordnung übte und die Landkrankcnkassen mit folgendem vernichtenden Urteil belegte: „Vor allen Dingen aber würde die Einführung von Land krankenkassen eine bedeutende Verschlechteruiig des jetzigen Zu standcs bedeuten, insbesondere für jene Gegenden, wo die land und forstwirtschaftlichen Arbeiter schon der Krankenversicherung unterstellt sind. Wenn die Landkrankenkassen zu bestimmten Zeiten die Zahlungen einstellen, so weiß ich nicht, von welchem Standpunkte die Regierung ausgegangen, als sie dies vorsah: brauchen die erkrankten Mitglieder derselben zu bestimmten Zeiten des Jahres überhaupt nichts zu essen?" Die hier aufgestellte Frage mag sich jetzt Herr Königbauer von seinen Freunden im Zentrum beantworten lassen, die alle dafür eintreten, daß den Landarbeitern im Winter das Krankengeld auf die Hälfte gekürzt werden kann. Die Rede mag wohl Herr Königbaucr vergessen haben, als er jetzt in seiner Broschüre die Versicherung der Landarbeiter mit so großer Begeisterung als eine Wohltat bezeichnet. Eine Wohltat, die das Zentrum den Landarbeitern bei der Beratung des ersten Krankenversicherungsgesetzes vorenthielt, die die Land- arbeiter heute schon besäßen, wenn nicht damals die Versicherung der Landarbeiter vom Reichstag mit Hilfe des Zentrums abgelehnt wäre. Wenn die Arbeiter, die Anhänger des Zentrums sind, kritisch die Schrift des Herrn Königbauer lesen, dann müssen sie sich sagen: Wir sind vom Zentrum unverschämt belogen und betrogen. Soziales. Bon den Ansprüchen nuS 8 53 des Kommunal-Abgabengesetze». Die Landgemeinde Lettin, eine der Vorortgemeinden von Halle a. S., hatte gegen Halle und eine Reihe anderer Gemeinden Ansprüche auf Grund 8 53 des Preußischen Kommunal-Abgaben» gesetzes erhoben. Sie machte geltend, daß sie als Arbeiter-Wohnsitz- gemeinde in bezug auf ihre Schullasten in erheblichem Umfange be- nachteiligt sei dadurch, daß eine größere Zahl Arbeiterfamilien in Lettin Wohnsitz genommen oder behalten haben, weil die Männer in den betreffenden Nachbargemeinden, insbesondere auch in Halle, in Fabriken und Bergwerken arbeiten. Gegen Halle bezifferte Lettin seinen Anspruch auf einen„angemessenen Beitrag" zu seinen Schullasten, zunächst auf 1085 M. für das Jahr 1908, über die das Oberverwaltungsgericht jetzt als letzte Instanz zu entscheiden hatte. Es fanden längere kommissarische Verhandlungen statt. Darauf erhöhte im Laufe des nächsten Jahres Lettin den Anspruch auf 1468 Mark. Am 14. März 1910 entschied dann der Bezirksausschuß zu Merseburg als Beschlustbehörde, daß Lettin auf Grund des§ 53 des Kommunal-Abgabengesetzes Ansprüche an die verschiedenen Nachbargemeinden habe und bezifferte diese. Die kleineren Ge- meinden schieden nunmehr aus dem Verfahren aus, da sie sich bv- ruhigten. Halle wurde durch den Beschlutz für verpflichtet erklärt, an Lettin für 1903 einen Zuschuß von 1468 M. zu zahlen. Es wurde also der nachträgliche höhere Anspruch Lettins zugrunde gelegt. Halle erachtete das für rechtlich unzulässig und beantragte im Wege der Klage beim Bezirksausschuß mündliche Verhandlung und Entscheidung dahin, daß es nur zur Zahlung von 1085 M., also in Höhe des ersten Anspruches von Lettin, verpflichtet sei. Der Antrag sei zu behandeln wie ein Klageanspruch, über den hinaus nicht ent- schieden werden dürfe. Der Bezirksausschuß blieb aber bei seinem Beschluß. Das Oberverwaltungsgericht, bei dem Halle noch Berufung einlegte, hat jetzt das Urteil des Bezirksausschusses mit folgender grundsätzlichen Begründung bestätigt: Halles Auffassung sei verfehlt. Im Gegensatz zu ihr sei anzu- nehmen, daß der bereits bezifferte Anspruch aus§ 53 im Laufe des Bcschlusiverfahrens erhöht werden könne. Wenn Halle eine Parallele ziehe mit dem Einspruchsverfahren gegen Heranziehung zu Gcmeindcabgaben, so treffe daS nicht zu. Dch Zuschüsse aus § 53 des Kommunal-Abgabengesetzes hätten nicht den Charakter von Gemeindcabgaben. Ferner sei es auch nicht zulässig, hier die Grundsätze über die Klagccrweiterung für das Verwaltungsstreit- verfahren anzuwenden. Nach 8 53 sei zunächst der Anspruch bei der Betriebsgemeinde anzumelden, und zwar innerhalb des Steuer- jahres, für das der Anspruch erhoben werde. Das habe nur die Natur einer vorläufigen Anmeldung. Es solle erst der Versuch einer Einigung zwischen den Beteiligten gemacht werden. Miß- linge das, dann habe das Beschlußverfahrcn etwa die Natur eines schiedsgerichtlichen Verfahrens. Taraus ergebe sich, daß die alS Schiedsrichter auftretende Bcschlußbehörde, solange sie ihren Be- schluß nicht gefaßt habe, auch Anträge berücksichtigen könne, dir den ersten Anspruch erhöhten. Das entspreche auch der Absicht des Gesetzgebers, der Wohngemeinde zu helfen. Es sei ja klar, daß zur Zeit der Anmeldung des Anspruches, also bei Einleitung des Beschlußvcrfahrens, die Verhältnisse noch so verworren lagen, daß die Gemeindebehörde noch nicht übersehen konnte, welche Höhe des Anspruchs die Gemeinde vor Schaden bewahre. Marktpreise von Berlin am S. Oktober. 1911. nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums, M a r t t b a l l c n v r e i s e,(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbjen, gelbe, zum Kochen 35.00—50,00. Sveilebobnen weihe, 35.00— 50,00. Linsen 34,00—80,00. Kartoffeln 7,00—12,00. i Ki'o- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.10. Rind, Irisch, Bauchsleisch; 30 bis 1,70. Schweinefleisch 1,30—1.80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hnmniclflcilck 1,30—2,00, Butter 2,40-3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1.60—2,80. Zander 1.40— 3,60. Hechte 120 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,60 60" Stück Krebse 2,50-30,00. 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Iahrgavs. I Sfildfit i>cs Jomitts" ßetlititt öolblilalt. ,4©MrtnlM. partci- Hngdcgcnbcitcn. Zur Lokalliste! In Rix darf ist irrtümlich die Neue Welt, Hasenhride 1V8— 114, von der Liste gestrichen worden, sie steht aber nach wie vor zu den alten Bedingungen zur Ver- fügung. In Reichenwalde bei Storkow hat der Nestau- rateur Baschin seine Unterschrist zurückgezogen, ist mithin von der Liste zu streichen. In Mariendorf feiert der Gesangverein..Gaswerk Maricndorf" am Sonnabend, den 14. Oktober, sein Stiftungs- fest im Sporthaus Aarlshöhe, Jnh. A. Stechert, Tempelhofer Straße Ii). Das Lokal steht der organisierten Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung. Da jedoch versucht wird, Billetts in Arbeitcrkreisen umzusetzen, bitten wir die- selben zurückzuweisen. Die Lokalkommisston. Sechster Wahlkreis. Die Fortsetzung der Generalversamm- lung findet am Dienstag, den 10. Oktober, im Moabiter Ge- sellschaftshaus. Wiclefstr. 24, statt. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Wir machen auf die am S., 7. und 8. Oktober staltfindende.BorwärtS'agitation aufmerksam und erwarten, daß alle Parteigenossinnen und Genossen ihre Pflicht erfüllen. Die Bezirksleitung. Frirdrichshagen. Morgen, Donnerstag, den b. Oktober, abends S'/a Uhr. in Lerches �estsälen, Friedrichstr. 112: Volksversammlung für Frauen und Männer. Tagesordnung: Lebensmittelteuerung, Kriegsgefahr und Reichstagswahl. Referent: Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel. Diskussion. Lerlmer Nadmebten. DaS psychiatrische Groß-Lerlin. Trotz der in vielen Punkten berechtigten starken Gegen- fätze zwischen Oeffentlichkeit und modernem Jrrenwesen muß anerkannt werden, daß die Psychiatrie auf dem Gebiete der Irren pflege, wenn auch hier noch manches der Verbesse- rung und der Loslösung von veralteten Anschauungen bedarf, in den letzten Jahrzehnten Tüchtiges geleistet hat. Es sind natürlich nicht die Irrenärzte allein, welche sich die humane Jrrenbehandlung auf das Konto schreiben dürfen. Vielmehr brach sich längst auch in den geldgewährenden Instanzen die Neberzeugung Bahn, daß für die moderne Jrrenpflege das Beste gerade gut genug sei. Insbesondere hat bekanntlich die sozialdemokratische Fraktion im Berliner Roten Hause stets neue Millionen für den Bau neuer notwendiger städtischer Irrenanstalten mitbewilligt. So stehen heute die öffentlichen Psychiatrischen Anstalten Groß-BerlinS, von Systemschäden und einzelnen hygienischen Sünden abgesehen, wohl mit in erster Reihe im Wettbewerb. Die unmodernen Einrichtungen der Anstalt Dalldorf sind begreiflicherweise von der neueren Jrrenhaustechnik überholt worden. Dagegen können die Bauten der Irrenanstalten in Herzberge und Buch sowie der Anstalt für Epileptische in Wuhlgarten sich auch vor kritischeren Augen sehen lassen. Die vierte städtische Irrenanstalt in Buch, deren Rohbau schon weit vorgeschritten ist, verspricht ihrem Erbauer ebenfalls Ehren. Der Höchstbestand dieser fünf Anstalten beträgt 3827 Männer, 2984 Frauen und 87 Kinder(Wuhlgarten). Dazu kommt noch die Dalldorfer Jdiotenanstalt mit 170 Kindern, ergibt zusammen 7068 Pfleglinge. Außerdem find in Familien pflege 380 Männer, 294 grauen und 80 Kinder, in einer größeren Anzahl von Privattrrenanstalten, welche zu der Stadt Berlin immer noch in einem Vertragsverhältnis stehen, 1380 Männer und 993 Frauen untergebracht. Demnach wird die Stadt Berlin, sobald die vierte Irrenanstalt in Buch fertig gestellt ist. für mehr als zehntausend geisteS» kranke Personen zu gleicher Zeit leistungS» fähig sein. Der Höchstbestand der einzelnen Anstalten wird natürlich in neuerer Zeit nicht immer erreicht. Die eine Zeitlang chronisch gewordene Ueberfüllung hat erfreulicher weise aufgehört. Nur in Herzberge, dem Säufer-Tauben schlag, kommt eS gelegentlich noch vor, daß Platzmangel herrscht und Kranke in unangemessener Weise untergebracht werden. Jntereffant ist nämlich, daß Herzberge die kolossale JahreS-Aufnahmeziffer von 215« Männern aufweist, während die Ziffer in Dalldorf und Wuhlgarten nur um wenige Hunderte über den Höchstbestand hinausgeht, in Buch sogar zurückbleibt. Nicht weniger als 19 Privatirrenanstalten befinden sich in den Berliner Vororten. Nach einem Tableau vom Herbst 4910 waren hier 1628 Kommunalkranke(die meisten aus Berlin). 95ß selbstzahlende Geisteskranke in geschlossenen Ab teilungen und nur 82 Nervöse untergebracht. Zehn dieser Privatanstalten nahmen Reinnervöse überhaupt nicht auf. Man ficht also hier zahlenmäßig den großen Mangel an Gelegenheit zur Unterbringung rein nervöser. Qi(0 nicht geisteskranker Leute, für die nur..HauS Schönow" in Zehlendorf mit der Zweiganstalt..Birkenhof (zusammen rund 100 Patienten) vorhanden ist und das den Kranken der Landcsversicherungsanstalt Berlin vorbehaltene Sanatorium Beelitz mit 284 Personen Bestand und 2270Personen (1910) Jahresanfnahme. Zu den Privatanstalten zählt auch noch die Trinkcrheilstätte Waldfrieden bei Fnrstcnwalde. erbaut und geleitet vom Berliner Bezirksvcrein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. Eine psychiatrische und Nerven-Klinik enthält bekannt- lich auch die königliche Charit* mit einem Höchstbestand von 109 Männern und 103 Frauen(Aufnahme im Jahre 1909: 1188 Männer. 899 Frauen, 177 Kinder: darunter vom Gericht zur Beobachtung überwiesen 35 Männer und 13 Frauen). Zur Beobachttina geistig gestörter männlicher Strafgefangener auS den Strafanstalten Berlin-Moabit, Brandenburg. Sonnen- bürg. Luckau und KottbuS dient die Jrrenabteilung der könig- lichen Strafanstalt Moabit mit einem täglichen Durchschnitts- bestand von 39 Männern. Eine psychiatrische Veobachtungs- statio» für Fiitiorgezöglinge, zunächst mit etwa 15— 20 Betten, ist im städtischen Erziehungshaus Lichtenberg geplant. Unter den sonstigen psychiatrischen Einrichtungen ist neben hex Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde sowie dem Psychiatrischen Verein besonders daS sehr reform- bedürftige Institut der GerichtSärzte erwähnenswert. An diesem Institut wirken in Berlin nur sechs völlig überlastete Psychiater. Jeder derselben hat durchschnittlich im Jahre 80 schriftliche Gutachten in strafrechtlicher Hinsicht und 40 in zivilrechtlichem Interesse zu erstatten. Dazu kommen noch fast doppelt so viele mündliche Gutachten. Es bedarf keiner Frage, daß unter dieser Ueberlastung der Wert dieser Gut- achten, zumal die betreffenden Herren daneben noch umfang- reich mit anderen ärztlichen Dingen beschäftigt sind, sehr be- denklich leidet._ Zur Berschimdelung deS Botanischen Gartens. Der Umstand, daß im Botanischen Garten schöne alte'Bäume der Axt zum Opfer fallen, hat in weiten Kreisen große Empörung hervorgerufen, zumal der Garten von der Stadt Berlin mit großen Mitteln erworben wurde, um im Westen einen Voltspark zu er- halten. Es wurde nun bekannt, daß der BandaliSmnS nicht der Stadt sondern andeni Stellen zuzuschreiben sei und zwar wurde die Regierung für diese Verschandelung verantwortlich gemacht. Jetzt sieh: sich nun die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung* veranlaßt, sich zu der Angelegenheit zu äußern, indem sie schreibt: „Mit Unrecht wird den Ministern die Absicht unterstellt, im vorliegenden Falle von dem gerade in der Ministerialinstanz stets sorgfältig beobachteten und wiederholt den nachgeordneten Be« Hörden empfohlenen Grundsatz der Erhaltung alter Baumgruppen abzuweichen und zur Freilegung der Fasiade deS an diesem Park im Bau begriffenen Kammergerichts die Beseitigung eines großen Teils des Baumbestandes zu fordern. Tatsächlich wird nur die Entfernung einiger weniger, zum Teil nicht einmal ansehnlicher Bäume gewünscht. Als die Ausgabe deS alten Botanischen Garten? feststand, wurde als Bauplatz für daS Kammcrgericht der der Potsdamer Straße gegenüberliegende, an die Elßholzstraße grenzende Teil des Grundstücks gewählt und die Hauptfront des Gebäudes nach dem Garten zu angeordnet, in der Annahme, daß dieser als Park erhalten bleiben und der mit einem Kosten- aufwände von nahezu 5 Millionen Mark zu errichtende Neubau für eine mit der Stadt Berlin in langer geschichtlicher Eni- Wickelung verkimpfte hohe Behörde in dieser bevorzugten Lage stattlich in die Erscheinung treten(!) werde. Als ganz selbstverständlich war hierbei vorausgesetzt, daß bei der Anlage des Parks auf einen solchen Monumentalbau g e- bührend Rücksicht zu nehmen sei.(!) Es sind deshalb auch im Vertrauen auf einen Käufer, wie es die Stadt Berlin war, bei dem Verkauf deS Gartens nach dieser Richtung keine Be- dingungen gestellt worden. Als dann später ein Platz für die Reuausstellung der Königskolonnaden gesucht wurde, war für den Entschluß, die jetzige Stele am Eingang de« Parkes in seiner mit der Hauptachse deS Kammergerichts zusammenfallenden Mittellinie zu wählen, nicht allein der Gedanke entscheidend, daß damit ein vornehmer Parkeingang geschaffen würde, sandern wesentlich auch die Erwägung, daß zugleich«ine baukünstlerisch gedacht« Gesamtanlage mit ausgesprochener Beziehung zwischen den den Eingang betonenden Kolonnaden und dem Mittelbau deS Kammergerichts al« Abschluß gewonnen würde. ES ist zu erhoffen, daß bei der neuerdings begonnenen Ilm. gestaltung deS Gartens solche naturgemäße Rücksichten auf die An. läge als Ganzes im Zusammenwirken von Architektur mit Land. schastsgartenkunst nicht außer acht gelassen werden. Gelegentlich der Besichtigung hat sich gezeigt, daß bei dem gegenwärtigen Zu- stand die Hauptfront des Kammergerichts einschließlich des Mittel- paus durch die vorhandenen Bäume dem Beschauer nicht allein beim Eintritt in den Park durch die Kolonnaden, sondern auch auf den, weiteren Wege zum Gebäude derart verdeckt bleiben wird. daß es als ein bedeutsamer Staatsbau überhaupt nicht erkennbar ist.(Ii Bei einer Frontlänge deS Kammergerichts gleich einem Drittel der Parklänge ist die Freilegung der ganzen Fassade, von welcher in der Presse gesprochen wird, niemals in Frage gekommen. Es wird nur auf die Forwahme einer geringen Anzahl von Bäumen Wert gelegt, damit der architektonisch besonders hervorgehobene Mittelbau de» KammergerichtS beim Durchschreiten der Kolonnaden erblickt werde« kann, und damit die künstlerischen Beziehungen zwischen den beiden Monumentalbauten, durch die der Gesamt» eindruck de« Parke« nur bedeutender werden kann, angemessen zur Geltung kommen.* Mit vollem Recht bemerkt hierzu die.Tägliche Rundschau": .Als der Kleist-Park von der Stadt Berlin gekaust wurde, ge. schoh es in der Absicht, vom alten Botanischen Garten so viel zu retten, wie zu rette» möglich war. um den» Westen den dringend nötigen Erholungspark zu erholten. Dieser Zweck muß immer die Hauptsache bleiben, und alle.Rücksichten auf Monumentalbauten", wie st« die Regierung stillschweigend vorausgesetzt hat, müffe» dahinter zurücktreten. Berlin braucht keme Parke mit„vor- nehmen Gingängen", sondern Parke mit Bäumen und hat für einen solchen, nicht aber für den Blick aus einen.be- deutsamen Staatsbau" zwei Millionen bezahlt. DaS hätten sich die Herren Baukünstler und die in Betracht kommenden Regierungsstellen schon bei der Planung de« neuen Gebäude» sagen müssen. Wenn jetzt den künstlerischen Beziehnngen zwischen den Königskolonnaden und dein neuen Kammergericht zuliebe fund um den.Geiamteinbruck de» Parke« bedeutender" zu machen, Bäume geopfert werden sollen, so zeigt das eine bedauerliche Verkennung de« Begriffe«„ErholungSpart". Hoffentlich hat die Stadt Berlin mehr Verständnis dafür und beharrl bei ihrem Widerstande gegen die Vernichtung der Bäume. Da« plötzlich erwachte Bedürfnis der Regierung, den Bewohnern Berkin« Kunstgenüsse zu bereiten, wird sich ja auch aus andere Weise befriedigen lassen!" DaS Kaiserbild bleibt steuerfrei. Vor einiger Zeit meldeten wir, daß der FiskuS daS vom Kaiser für den Sitzungssaal d«S Berliner Rathauses geschenkte Bild als schenlungssteuerpflichtig angesehen habe. Der Magistrat wollte sich auf eine Klage nirbt einlafien und beschloß, die Steuer zu bezahlen. Wie jetzt halbamtlich mitgeteilt wird, hat die Oberzolldirettion Berlin sieb nach näherer Prüfung der Begleitumstände für die �Steuerfreiheit jener Schenkung au«- gesprochen, und der Finanzmiiiister ist dieser Ausfaffung beigetreten. Schwachbeaulagte und schwer erwerbsfähig werdende junge Mädchen finden eine allseitige, ihrer Eigenart angepaßte Ausbildung in der Städtischen Fortbildungsschule für Schwack- beanlagte, Brunnenstr. 18«(g. Hof, SchulhauS). DaS Winter- Halbjahr beginnt am 10. Oktober. Die Mädchen erhalten Unterricht in Deutsch. Rechnen. Hnuswirischast, weiblicher Handarbeit, Gesang und Turnen. Der Besuch der Schule ist unentgeltlich. Anmeldungen werden Dienstag« und Freitag« von S— S Uhr angenommen. Ungültige Polizeidorschrist. Die OrtSpolizeivcrordnung betreffend die Bulrechterhalwng der Reinlichkeit. Sicherheit. Bequemlichkeit und Ruhe in den bebauten Straße!, des Amtsbezirks Köpenick- Forst bestimmt im§ 2l:„Jeder Besitzer eine« bebauten Grund» stücke«, welcher außerhalb seinen Wohnsitz hat. ist verpflichtet, einen Vizewirt oder eine ionstUe im Aemeindebezirk wohnende Person zu holten, an welche polizeiliche«dex.sonstige Verfügungen deS Amts- oder Gemeindevorstehers resp. des Gutsvorsteher« mit rechtlicher Wirkung flir ihn ausgehändigt worden lönnen. Die betreffende Person muß dem AmtSvorsleher mitgeteilt werden. Gemäß dieser Vorschrift hatte der AmtSvorsleher von Köpenick- Forst an Herrn Violet in Berlin, welcher in RahnSdors-Mühle ein Grundstück hat. eine polizeiliche Verfügung erlassen, wodurch er ihn auffordert«, eine solche Person in Rahnsdors-Mühle, an die die Ver- siigungen usw. in der in der Polizeioerordnung gedachten Weise zuzustellen sind. Herr Violet focht die Verfügung an und machte geltend, die fragliche Bestimmung der Polizeiverordnung sei ungültig. ES könne demzufolge auch leine derartige Polizeiverfügung an ihn«rlaffen werden.,._ Der KreiSauSschuß und der Bezirksausschuß wiesen die Klage ab, indem sie die Vorschrift für gültig und die Verfügung für ge- rechtfertigt erachteten. Wenn der Besitzer auswärts wohne, könnten zweifellos, so wurde ausgeführt, große Unzuträglichkeiten entstehen, wenn kein Vertreter da sei. Man brauche nur an außergewöhnliche Naturereignisse denken. Es könnten Zustände entstehen, die für die All- gemeinheit gefahrdrohend seien. Wenn ein Vertreter de« Wirt« anwesend sei, würden Schutzmatzregeln viel zweckentsprechender und in kürzerer Zeit getroffen werden, als wenn der fernweilende Wirt erst benachrichtigt werden oder die Polizei eigenmächtig vorgehen müßte. DaS Oberverwaltungsgericht setzte aber die Verfügung außer Kraft und führte aus: Die fragliche Polizeivorschrift sei ungültig. Es handle sich dabei nicht um die Erfüllung eines eigentlichen polizeilichen Zwecks, sondern lediglich darum, der Polizei eine größere Bequemlichkeit bei der Ausübung ihrer polizeilichen Be« fugnisse gegenüber auswärts wohnenden Hausbesitzern zu ver- schaffen. Das OberverwaltunaSgericht sei aber mit dem Kammer- gericht der Meinung, daß Poltzeivorschriflen ungültig seien, welche der Polizei nur die Erledigung ihrer Aufgaben erleichtern wollten. AuS demselben Grunde sei oie an V. erlassene Verfügung al«»m- zulässig aufzuheben. Das Kuratorium für de« Lieh- und Schlachthof veschlotz in seiner gestrigen Sitzung, Bewerbungen um die Stellen männliche» Fleischbeschaupersonals bis zum t. Oktober 191S nicht entgegen- zunehmen, da bis dahin der Bedarf an Trichinenbeschauern durch die noch vorliegenden Meldungen gedeckt ist. Nach einem früheren Beschluß bleiben die Listen für Bewerbungen weiblichen Beschau- Personals bi» zum Jahre 1315 geschlossen. Die Resultate der Johannisthal« Flugwoche. Die Gewinn« der einzelnen Flieger beziffern sich wie folgt: Wettbewerb L. Pietschker 3716,71 M.(826 Min.s. Suvelack 3258,79 M.(733 Min.), Witte 2809,77 M.(632 Min.), Grnli-b 2711,96 M.(610 Min.), Frl. Beese 3498,56 M.(562 Min.). Kahnt 2009,58 M.(452 Min.). Engelhard 1818,37 M.(409 Min.), Schirrmeister 1489,33 M.(335 Min,). Schwondt 1471,60 M.(381 Min,), Oelerich 1404,91 M,(316 Min.), Caspar 1388,78 M.(300 Min,), Schauenburg 1311,65 M,(296 Min.), Hannusckke 1142,61 M.(257 Min.), Wertheim 862,63 M.(194 Min.). Roelle 826.98 M.(186 Min.), Otto 578,10 M.(130 Min.). Röder 417,95 M.(94 Min.), Steinbeck 337.94 M.(76 Min.) Im Flugzeugwettbewerb A erhielt Alfred Pietschker auf Albatros-Zweidecker den 1. Preis in Höhe von 5390.07 M. Joseph Suvelack aus Rumpler-Taube erhielt den 2. Preis von 4609,33 M._ Ein Fernsprechkontrollamt, da« der Ueberwachung des Betriebes der Fernsprechämter dienm soll, ist mit dem 1. Oktober in? Leben getreten. ES befindet sich in den Räumen deS TelegraphenschulamtS in der Lützowstraße. ES ist mit sämtlichen Fernsprechämtern von Groß-Berlin durch eine Anzahl von Doppelleitungen verbunden: dies« münden beim Kontrollamt auf eigens konstruierten Schalttischen, bei den Fernsprechämtem da- gegen aus je einem Vielfachumschalter, an dem sie mit beliebigen Arbeitsplätzen von Telephonistinnen verbunden werden können. Da« Kontrollamt bestimmt auch, welche Arbeitsplätze jeweilig der lieber- wachnng unterliegen sollen, und entsendet täglich einen Beamten zu jedem Fernsprechamt zwecks geheimer Vornahme der Ver- bindungen. Es ist also dafür gesorgt, daß weder die Telephonistinnen noch andere Beamte der Fernsprechämter, ja nicht einmal die Vor- steher, eine Ahnung davon haben, welche Plätze gerade kontrolliert werden. Die Folge ist, daß, obwohl täglich nur ein geringer Bruch- teil der Arbeitsplätze eines Amtes der Kontrolle unterzogen werden kann, doch alle Beamtinnen jederzeit damit rechnen müssen, daß sie überwacht werden. Di« Kontrollbeamlen können sich auch mit dem Telephon einschalten und sind in der Lage, alles zu hören, was die Beamtin des Fernsprechamtes spricht, natürlich auch, was die Teil- nehmer mit ihr verhandeln. Jeder Verstoß, jede Unhöflichkett der Beamtin, falsche Verbindungen, lässiges Arbeiten usw. werden beim Kontrollamt vermerkt, und AuSzüge aus den Aufzeichnungen werden täglich den betreffenden Fernsprechämtein und der Oberpostdirektion über- sandt, die daraufhin gegen die Schuldigen einschreiten. Das Kontroll- amt wird auch noch folgendem Zweck dienen: In Fernsprechleitungen machen sich häufig Fehler bemerkbar, die nur auf Minuten stören und denn anscheinend behoben sind, abermals auftreten, wieder ver- schwinden und so fort, so daß bei der Prüfung gewöhnlich keine Unregelmäßigkeit festgestellt werden kann. Künftig werden solche Leitungen einige Zeit hindurch über daS Kontrollamt geführt und dort dauernd beobachtet. Sobald dann der Fehler sich wieder zeigt, legt der Beamte die elektrischen Meßinstrumente an, und eS genügen toenige Augenblicke, um die Natur und den Sitz der Störung zu ermitteln._ Galizisch-polnifche Räuber sind wieder einmal auf dem Schlesiichei, Bahnhof ausgetreten. Obwohl die Kriminalpolizei in der letzten Zeit diele dieser gefährlichen Kerle verhaftet und andere ausgewiesen hat. treiben die dreisten Ränder immer noch ihr Un- Wesen. Diese Leute halten sich meistens unangemeldet im Osten Berlins aus und wohnen bald in diesem bald in jenem Logierhau». Ihre Räubereien führen, sie gewöhnlich zu mehreren gemeinsam au». So auch vorgestern wieder auf dem Schlefiscken Bahnhof. Hier hatten eS zwei dieser Gesellschaft auf eine ältere Frau abgesehen, die noch einem längeren Ausenthalt in Amerika»ach Oesterreich, ihrer Heimat. zurückkehrte. Die Frau hatte eine» Teil ihrer Ersparnisse persönlich mitgebracht. Um bei der Anlunft in'hrer Heimat gleich ökter- reichische« Geld zur Hand zu haben, tauschte sie für ungefähr 120 M' an der Wechfellasse des Bahnhofe» ein. Diesen Borgang sahen die beiden Räuber. Sie beschlossen sofort, die Gelegenheit auSzumitzen. Als die ssirau arglo« ihr eingewickeltes Geld nachzählte/ überfiel einer den.Kerle sie von hinten und hielt ihr die Arme fest, während der andere ihr das Geld entriß. Dann versuchten beide, eiligst mit der Deute zu entkommen. Die Beraubte, die einen Augenblick vor Schrecken sprachlos war, erholte sich jedoch bald wieder und schrie um Hilfe. Ein Kriminalschutzmonn eilte herbei und nahm mit mehreren Beamten de« Bahnhofe« die Verfolgung der Uebeltäter auf. Es gelang ihnen denn auch, die beiden in der Mauenistraße einzuholen und sestjunehmen. Die Räuber entpuppten sich als die Arbeiter Stanislaus KoSezureczkek und Karl Nedroschlitzkow. die schon wiederholt vorbestraft sind. Beide wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Im Bade tot aufgefunden wurde gestern früh ein im Kranken- banse in der Hasenheide angestellter 19 Jahre alter Krankenwärter. Wie unS mitgeteilt wird, hat sich der junge Mann abends zuvor den Schlüssel zun, Bad geben lassen. Gestern morgen siel eö all- gemein auf, daß der junge Wärter nicht zur Stelle war. Nach einiger Zeit wurde derielbe tot in der Badewanne aufgefunden. Da der junge Mann herzleidend ist, nimmt man an. daß ein Herz- schlag seinen Tod herbeigeführt hat. Unfall im De, itscheu Theater. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag im Deutsche» Theater. Ms dort nach der Nachmittagsprobe die Dekorationen zur Abendvorstellung auf die Bühne gebracht werden sollten, stürzte» dir beiden Bühnen« arbciter Zimmermann und Naboda von einer Leiter ab- Sie sielen so unglücklich, daß sie schwer verletzt nach der Charitö gebracht werden mußten. Dort stellten die Aerzte bei Zimmermann einen komplizierten Unterschenkelbruch und bei Naboda eine schwere B-ckenverletzung fest. Besonders der Zustand Zimmer- mannS gibt zu Besorgnissen Anlaß. SpursoS verschwunden ist seit dein 27. b. M. der fünf Jahre alte Knabe Alfred Reichhardt, welcher Petersburger Str. 79 bei seinem Vater, dem Marmorschleifer Reichardt, gewohnt hat. Das Kind ist etwa einen Meter groß, kräftig, blond und trug zuletzt blauen weitzgestreiften Waschanzug, kurze Hosen, schwarze Strümpfe, gelbe Knopfstiefcl mit Lackleder besetzt, gelbe Schürze und ein rot- eingefaßtes Hemd von weißem Leinen ohne Zeichen. Mitteilungen über den Verbleib des Kleinen nimmt jedes Polizeirevier oder die Kriminalpolizei Berlin zu 4S4S IV. 41. 11 mündlich oder schriftlich entgegen. Zeuge gesucht. Der Fahrgast, welcher am 17. September, nachts 12 Uhr 30 Minuten die Straßenbahn Köpenick-Schlesischer Bahnhof benutzte und Zeuge des Zwischenfalles eines anderen Fahrgastes mit dem Schaffner wurde, wird um Angabe seiner Adresse gebeten an Bublies, Ober-Schöneweide, Wattsir. 20. Vorort- �admcdtem Wilmcrsdorf-Halcnsee. Städtische Maßnahme» gegen den Notstand. Der von der Stadt- verordnetenversammlung zur Prüfung der Maßnahmen gegen die Teuerung eingesetzte Ausschuß hielt Montag abend seine erste Sitzung ab. Es herrschte im Ausschutz so ziemlich Einstimmigkeit darüber, daß es die Pflicht der Sladtgemeinde sei, der Bevölkerung im Kampf gegen die Lebensmittelteuerung zu helfen, und auch die in der Sitzung anwesenden Mitglieder des Magistrats erkannten grundsätzlich diese Pflicht an. Ebenso gab sich über die Art der Matznahmen eine er- freuliche Uebereinstimmung zu erkennen. Nach längerer Erörterung beschloß der Ausschuß, daß der direkte Verkauf von Milch und Reis anzubahnen sei. daß hingegen der Verkauf von Kartoffeln und Gemüse sowie unter Umständen auch der Verkauf von Fleisch sowohl direkt durch städtische Verkaufsstellen als auch indirekt durch die am Orte ansässigen Händler in der Weise erfolgen soll, daß die Händler für die von der Stadt bezogenen Waren den vom Magistrat fest- gesetzten Preis nicht überschreiten dürfen. Zu diesen Maßnahmen soll geschritten werden ohne Rücksicht auf die etwa von der Groß- Berliner Gemeindekonferenz gefaßten Beschlüsse. Ueber die auf eine Teuerungszulage für die städtischen Arbeiter und Beamten gestellten Anträge will der Ausschutz in seiner nächsten Sitzung beraten. Lichtenberg. Mit dem Jenaer Parteitag beschäftigte sich die letzte Mitglieder« Versammlung des Wahlvereins. Nach einem ausführlichen Parteitags- bericht des Genoffen Jaffke wandte sich in der Diskussion Genosse Mirus gegen das Verhalten der Genossin Luxemburg auf dem Parteitage. Mit dem Beschlutz betreffs Maifeier kann er. Redner, sich nicht zufrieden geben, da derselbe zu unliebsamen Störungen Veranlassung geben könne, wenn diejenigen, welche den Maibeitrag nicht emrichlen, ausgeschlossen werden. In der Konsumfraae vertrat Redner die Meinung, daß die Konsumbewegung neutral bleiben müsse, schon weil eS gesetzlich unzulässig sei, daß man dieselbe mit der Politik verquicke. Die Konsumvereine sollen aber auch jedem offen stehen, der fich ihnen zuwende. Genosse Mehlhose ist mit der Haltung der Delegierten einverstanden. In der Marokkofrage hätte schon früher etwas geschehen müssen. Betreffs der Maifeier dürfe eine Aenderung nicht eintreten. Wenn wir den Weg der Gewerk- schaftsbeamten gehen wollten, dann wäre die Maifeier schon längst begraben. Genosse Brühl kann dem Genossen Mirus in der Maifeier- frage nicht zustimmen. Da die Angelegenheit bereits auf einem Parteitage geregelt war, sei eS nicht nötig gewesen, daß noch über verschärfte Maßnahmen gesprochen wurde. Man sollte die Maifeier ruhig auf dem Internationalen Kongreß zur Sprache bringen; wenn dort die Mehrheit zu der Auffassung komme, datz die Mai- feier das nicht mehr sei, was fie sein soll, so sei es besser, datz sie selbst aufgehoben werde. Einen solchen Beschlutz würde er, Redner. obwohl er Anhänger der Maifeier sei, für das richtigste halten. Den Ausführungen des Genossen Mirus in der Genossenschafisfrage könne er nicht zustinimen. Die fragliche Resolution habe fich nicht gegen die Berliner Leitung, sondern gegen Kauffmann gerichtet. Nachdem noch die Genossen Schubert und Jaffke gesprochen, erklärte sich die Ver- sammlung mit der Haltung der Delegierten einverstanden. Pro- testiert wurde dagegen, daß die Konsnniresolution ohne Befragen sämtlicher Grotz-Berliner Delegierten zurückgezogen worden ist. Johannisthal. Eine grelle Beleuchtung erfuhr in der letzten Gemeindevertreter- fitzung wieder einmal der eigennützige Charakter der Gruudbefitzer- Mehrheit. Zunächst gelangte der Antrag der Fiilanzkonunisston, die Kostendeckung für Unterbringung von Privatpersonen, die mit an- steckenden Krankheiten behaftet sind, vom Staate zu fordern, zur Annahme. Ein von unseren Genossen gestellter Zusatzantrag, daß, wenn die Kostendeckung vom Staate abgelehnt wird, die Angelegen- heit von neuem zu behandeln, eventuell die Kosten von der Gemeinde zu übernehmen seien, wurde mit der Begründung abgelehnt, datz die Ansteckungsgefahr übertrieben sei und ein solches Vorgehen einen Eingriff in die Privatrechte eines jeden einzelnen bedeute. Des weiteren lag ein Antrag der Finanzkonimission vor, 10 000 M. aur Beschaffung von Etzkartoffeln zu bewilligen und diese zum Selbst- koslenpreise an die Bevölkerung abzugeben. Vertrauend auf den Beschluß der Finanzkommisfion waren denn auch bereits vom Gemeindevorstand die Vorarbeiten zum Einkauf und zur Abgabe von Kartoffeln gemacht worden. Es lagen Proben guter Eßkartoffeln vor. Allein innerhalb einer Woche entdeckten die bürgerlichen Ge- meindevcrlreter unter Führung von Herrn Knaape ihr Mittelstands- retterisches Herz und stimmten nach heftiger Debatte den Antrag nieder. Nur der Gemeindevorsteher und die Vertreter der dritten Klasse stimmten für den Antrag. Die Mitglieder der Finanz- koimnission, die in der KoinmissionSsitzung für, in der Gemeinde- sitzung aber gegen den Antrag stimmten, motivierten ihren Umfall damit, datz die ganze Sache verfrüht sei und man erst abwarten müsse, was die Ernte ergebe. Herr v. Trütschler suchte seinen Rück- zug mit dem Antrage zu decken, einen Probeeinkauf von einer Waggonladung zu machen und nach dem Ergebnis weiter zu handeln. Bei Formulierung dieses Antrages durch den Gemeinde- Vorsteher verschlechterte der Antragsteller die Durchführung seines Antrages damit, datz die Gemeindevertretung erst wieder befragt werden müsse. Der Antrag wurde angenommen. Auf diese Weise hat es die bürgerliche Mehrheit der Gemeinde- Vertretung fertig gebracht, eine wohlgemeinte Aktion der Gemeinde- Verwaltung zur Linderung der Notlage zu durchkreuzen. Ganz anders verhielten sich die Herren, als bei Punkt S der Tagesordnung (Erhebung von Beiträgen für die Neupflasterung der Friedrichstratze) die Interessen der Grundbesitzer behandelt wurden. Ein Antrag der Finanzkommission wollte den Teil des Kostenbetrages, der durch die Verbreiterung der Bürgersteige und UmPflasterung eines Teils der Friedrichstraße entstanden ist, auf die Gemeindekasse übernehmen, von dem verbleibenden Teil sollten die Anlieger der Friedrichsiraße 80 Proz. tragen. Ein Antrag der Grundbesitzer wollte dagegen diese nur mit 60 Proz. belasten. Die Aufforderung des Gemeinde- Vorstehers an die Anlieger der Friedrichstratze. datz fie die Sitzung zu verlassen hätten, da ihre Interessen zur Verhandlung ständen, brachte die gesamten bürgerlichen Vertreter so in Harnisch, datz sie bis auf Herrn v. Trütschler und Herrn Sauerwald den Saal ver- ließen. Dadurch war die Vertretung nicht mehr beschlußfähig. Der Gemeindevorsteher schlotz hierauf die Sitzung. Zehlendorf(Wannseebahn). Der Zweck ist erreicht. Die Vorschule für den Westen ist min- mehr beschlossen. Zwar wurde in der Gemeindevertretersitzung von einem Befürworter festgestellt, datz zunächst ganze 86 Kinder für die Schule in Frage kommen. Aber was tut'S. Es ist für den Westen. Da mutz die Vertretung schließlich ja und Amen sagen. Dafür können dann die Kinder des OrtSteils Schönow noch ein paar Jahre länger die Schulbank der einklasfigen Volksschule drücken. Dieser zum Himmel schreiende Zustand offenbart für unsere Gemeinde- Vertretung kein dringendes Bedürfnis. Nur dann ist ein Bedürfnis vorhanden, wen» die Kinder des Villenviertels nicht alle Bequem- lichkeit auf dem Schulwege haben. Wie sehr selbst in den Kreisen der Gemeindevertreter Klarheit darüber besteht, datz von einem Be- dllrfnis für diesen Schulbau eigentlich keine Rede sein kann, geht am besten daraus hervor, datz von einem selbständigen Bau Abstand genomnien und der Vorstand ermächtigt wurde, einem Vertrags- eutwurf des Architekten Will, der sich bereit erklärte, den Bau aus- zuführen, zuzustimnien. Wenn auch nach einiger Zeit der Bau über- nommen wird, so macht es dann doch nach außen den Eindruck, als wenn in der Tat ein dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Die Tiefgründigkeit unserer Vertretung zeigt die Antwort, die dem Ver- treter Müller erteilt wurde, als er befürwortete, aus sozialen Gründen von einer Trennung der Aborte, Spielplätze und der Ein- gänge Abstand zu nehmen bei der etwaigen Benutzung der Schule auch für Volksschüler. Man antwortete ihm,—.daß durch die Trennung keinerlei Unkosten entständen.'— Für die Regulierung des Buschgrabens wurden 16 000 M., die aus dem Entwässcrungs- fonds genommen werden sollen, bewilligt.— Eine Vorlage, betr. Umbau des Bahnhofes Zehlendorf, wurde mit dem Zusatz angenommen, datz die Fahrkartenausgabe möglichst am alten Platz bleiben möge. Stralau. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins berichtete Genosse Berger-Rummelsburg über den Parteitag in Jena. Am Schluß seiner Ausführungen wies Berger darauf hin, datz uns der Parteitag den richtigen Weg zur bevorstehenden Wahlagitation ge- zeigt habe. Sache der Genossen des Kreises Niederbarnim sei es nun, mit aller Kraft an die Wahlarbeit zu gehen. Nach einer kurzen Diskussion gab der Lezirksleiter Genosse Aschendorf unter Bezirksangelegenheiten bekannt, datz eine HauSagitation für den Ort am 6. und 8. Oktober zur Gewinnung von.VorwärtS'lesern und Mitgliedern und zuvor eine unentgeltliche Zustellung deS.Vorwärts' für eine Woche an die Bewohner der neu bebauten Krachtstratze stattfindet. Hierauf wählte die Versammlung einen Vergnügungs- ausschutz, aus den drei Genossen Wesssl, Petersdorf und Bernhard bestehend, aus ein Jahr, der zu gleicher Zeit die Vorarbeiten eines Weihnachtsvergnügen« zu erledigen bat. Mit einer Ermahnung zur regen Beteiligung an der Hausagitation und an der Protestver- sammlung am 17. Oktober in den Markgrafensälen schlotz Genosse Aschendorf die Versammlung. Zerpenschleuse(Kreis Nicderbarnim). Die am IS. März in Zerpenschleuse abgehaltene Versammlung unter freiem Himmel, die der Amtsvorsteher Seeger und der Lehrer Alboldt durch ihre Machenschaften zu stören suchten, hat prächtige Erfolge gezeitigt. AuS dem Ort, an dem 1907 nur vier sozial- deinokratische Stimmen abgegeben waren, sind 22 Mitglieder in den Wahlverein eingetreten. Leider gelang es den Gegnern der Sozialdemokratie, die Pachtung eines Grundstückes in Zerpenschleuse selbst unmöglich zu machen. Sie erreichten eS aber, datz in der an Zerpenschleuser Gebiet anstoßenden Gemeinde Klandorf am letzten Sonntag eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel auf dem Steiuschen Grundstück an der Prenzlau- Berliner Chaussee abgehalten wurde. Die Versammlung war prächtig besucht. Sie zählte gegen 300 Teilnehmer, meist Einwohner von Klandorf und den umliegenden Ortschaften. Genosse Stadlhagen sprach von einer von den dortigen Genossen sehr geschmackvoll errichteten Tribüne aus über.Kriegsgefahr und Teuerung'. Die Ver- sammelten nahmen gegen etwa 16 Stimmen eine gegen Kriegshetze und Lebensmittelverteuerung gerichtete Resolution an. Mehrere Versammlungsteilnehmer meldeten sich zum Eintritt in den sozial- demokratischen Wahlverein. Köpenick. Ueber„die politische und wirtschaftliche Lage" sprach in einer Volksversammlung Genosse S i e r i n g. Reicher Beifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen des'Referenten. In Anbetracht der Tatsache, datz die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Er- eignisse die Welt in Spannung halten, hätte die Versammlung viel zahlreicher besucht werden müssen. In einer Stadt wie Köpenick, in der über 3000 organisierte Arbeiter vorhanden find, müßten solche Versammlungen von demonstrativer Wirkung sein. Die bevor- stehenden Kämpfe erfordern es, datz die GewerkschastS« und Partei- genossen solche Aktionen rege unterstützen. Herzfelde. Die Beschäftigung auswärtiger billiger Arbeitskräfte wird gerade in Herzfelde in erheblichem Umfange betrieben. Auch die beiden bürgerlichen Gemeindcvertreter, die Gebrüder Mann, hatten diesen Sommer aus ihren Ziegeleien über 300 auswärtige Arbeiter, zum größten Teil Deutsch-Russen, beschäftigt. Die ans den östlichen Provinzen herangezogenen Arbeitskräfte find gegenüber den ein- heimischen natürlich sehr bevorzugt, weil fie die Löhne herabdrücken und de» Fabrikanten größere Profite sichern. Datz die ausländischen Arbeiter hier die Löhne drücken, bewies ein Vorgang, über den uns folgendes berichtet wird: Seit Montag beschäftigten die Gebrüder Mann hiesige Arbeiterfrauen auf ihrem Felde mit Kartoffelbuddeln. Sie erklärten, ihnen einen Tagelohn von 1,80 M. zahlen zu wollen. Die Arbeitszeit betrug Iv'/z Stunden pro Tag. Am Mittwoch wurde den Arbeiterinnen jedoch erklärt, datz der in Aussicht gestellte Tage- lohn von 1,80 M. fortan nicht mehr gezahlt werden könne. Essollte nun- mehr im Akkord gearbeitet werden. Als hierauf die Arbeiterinnen srugen, wie hoch sich die Akkordsätze in diesem Falle stellen würden, wurde ihnen bedeutet, datz sie da« bei der Entlohnung gewahr werden würden. Als Antwort darauf verließen die Frauen sofort die Arbeitsstätte. Hierauf soll den Frauen gesagt worden sein, datz man den Arbeitern einige Pfennige mehr bezahlen würde, so bekäme man die Kartoffeln auch ohne die Herzfelder Arbeiterinnen heraus I Die Herren Unternehmer, auch wen» sie Gemeindevertreter sind, fragen natürlich nichts nach einheimischen Arbeitern und Arbeiterinnen, so- bald letztere Anspruch aus menschenwürdige Lohn- und Arbeits- Verhältnisse stellem Britz-Buckow. Mit den Beschlüssen deS Jenaer Parteitage? beschäftigte fich die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Nach einem Bericht des Genossen Groger bedauerte in der Diskussion Genosse Raatz die Nichtaufhebung deS Nürnberger Beschlusses über die Maifeier. DeS weiteren verurteilte er die Gruppenbildung auf den Partei- tagen. Die Genossen Friedrich, Schröder und Ernst verlangten eine schärfere Propaganda für die ArbeitSruhe am 1. Mai und bezeich- neten die GswerkfchaftSbeamten als Hemmschuh der Maileier« bewegung. Nachdem Genosse Groger in seinem Schlußwort aus die AuSführmigen der Diskussionsredner eingegangen und die Vor- befprechungen des linken und rechten Flügels mißbilligt hatte, er- suchte der Vorsitzende die Versammlung, im Sinne der gefaßten Beschlüsse tätig zu sein. Genosse Kapke forderte dann noch zu reger Agitation für die am 17. Oktober stattfindende öffentliche Protest- Versammlung gegen den LebenSmittelwucher auf. Neuenhaffen(Ostbahn). AuS der Gemeindevertretung. Die JahreSrechnung pro 1910 weist eine Einnahme von 171006,26 M. und eine Ausgabe von 163 670,96 M. auf; hiervon hat dqö Elektrizitätswerk 33 556,46 M. Einnahme und 83 967,36 SR. Ausgabe. Die Herstellung der vielen kleinen Anschlüsse, dagegen eine zu geringe Abnahme von Licht und Kraft, zwingen zur Einführung der Verpflichtung einer Mindest- abnähme.— Die Kosten zum Erwerb des Platzes am Bahnhof und der Verbreiterung der Lindenstratze sind aus dem sogenannten Fonds für Gemeindezwecke entnommen worden; über die Rechtmähigkeit dieser Kostendeckung war man geteilter Meinung.— Der Beitrag der Gemeinde zu den Kirchenlasten betrug im Rechnungsjahr 1910 1203,11 M. Diese Summe wird nicht durch besondere Steuer auf- gebracht, wie bei der katholischen Kirche, sondern wird durch die All- gemeinheit bestritten; daher müssen nicht nur diejenigen, welche der Kirche überhaupt nicht mehr angehören, zu dieser Summe beitragen, sondern auch die Steuerzahler katholischer Konfession. An Schullasten sind 13 138 M. zu verzeichnen.— Die Gemeinde- Vertretung beschloß, den Ueberschutz der Gesamtrechnung in Höhe von 17 335,29 SR. der uächstjährigen Rechnung vorzutragen. Der Forderung des Genossen Köseling auf prozentuale Belastung deS Gutsbezirks zu den Erwerbskosten des neuen«chnlgrundstücks wurde von dem Schulvorstand durch Ausstellung eines 9600 M. betragenden Nachtragetats teilweise entsprochen. Der Gntsbezirk trägt dazu 748 SR. und der Staat ganze 200 M. bei; mithin bleiben durch die Gemeinde 8652 M. auwibringen. 7000 M. davon sind mit Genehmigung des Landrats aus'dem ÄnsiedelungSgebührenfonds und 1652 M. aus laufenden Mitteln-zu entnehmen.— Die Absicht des Schulvorstandes, an der Niederhaiderstraße nur ein vierklassiges Schulgebäude errichten zu lassen, wurde ganz energisch bekämpft; fast einmütig verlangte die Vertretung die Errichtung einer der Neu« zeit entsprechenden, dem aufstrebenden Ort genügenden und u» hygienischer Hinsicht mit allen Eimichlungen ausgestatteten Vollschule. Dem Gemeindevorsteher, als Mitglied des Schulvorstandes, wurde kein Zweifel darüber gelassen, datz die Vertretung gewillt ist. eventuell die Mittel zu versagen, wenn man dem Willen der Gemeindevertretung nicht Rechnung trägt.— Die herabsetzende Art. in welcher der Gemeindevorsteher das, unseren Parteigenossen schon bekannte Resultat der von denselben vorgenommenen Arbeits« losenzählnng auf Anfrage des Herrn Ritzel erst jetzt der Vertretung bekannt gab, wurde vom Genossen Köseling gebührend zurück« gewiesen. Friedrichshagen. Ueber Heine als politischen Dichter referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wohlvereins Genosse Konrad H a e n i s ch. Hierauf erstattete Genosse Micke den Bericht von der Kreisgeneral« Versammlung. Den des Jenaer Parteitages gab Genosse Berger, der die wichtigsten Momente desselben hervorhob. Eine Diskussion hierüber fand nicht statt. Hieraus gab Genosse Miele bekannt, datz am Donnerstag, den 6. d. MtS., im Conradschen Lokal eine öffent« liche Versammlung stattfindet, in welcher Genosse S t r ö b e l über Lebensmittelverteuerung referieren wird. Das Stiftungsfest de? Wahlvereins findet am 21. Oktober statt. Petershageu bei Fredersdorf. AuS der Organisation. In der in PeterShagen stattgefundene» Mitgliederversammlung deS Wahlvereins erstattete zunächst der Kassierer Bericht über das letzte Halbjahr. Einer Einnahme von 484,40 M. steht eine Ausgabe von 487,34 M. gegenüber. Die hierauf vorgenommene Wahl der Bezirksleitung halte folgendes Ergebnis: 1. Bezirksleiter Höselbarlh(PeterShagen), L.Bezirks« leiter Ofenwasser(PeterShagen), Kassierer Schwarzbürqer(Peter-S- Hägen), Schriftführer Bräuntng(Petershagen), Beisizer Görlich und Tische(PeterShagen), Revisoren Zufelde(Petershagen) und Fitting (Fredersdorf). Unter Verschiedenem wieS Genosse Höselbarth noch darauf hin, datz, sobald die Abonnentenzahl deS.Vorwärts' zirka 200 beträgt(jetzt 173), die Zustellung eine bessere werden soll, indem durch Neueinstellung noch eines Boten jeder Ort besonders bestellt wird. DeS weiteren sprach Redner den Wunsch auS, datz sich die Genossen in Zukunft zahlreicher wie bisher an den Parteiarbeiten beteiligen möchten. Zum Schluß wurde noch auf die am Sonntag, den 1. Oktober in Neuenhagen bei Wortmann stattfindende Bezirks« Vertreterkonferenz aufmerlsain gemacht. Bernau. Ein„fetter" Konkurs. Eine selten niedrige Dividende ist in dem Konkurse deS hiesigen Bürgerlichen Brauhauses zu verzeichnen gewesen. Die zahlreichen Gläubiger erhalten nämlich nicht mehr und nicht weniger gls 0,662 Proz. Einem Gläubiger, der hiernach eine Quote von 13 Pf. zu beanspruchen hatte, wurden dieser Tage nach Abzug des PorioS und Bestellgeldes ganze drei Pfennige aus« gezahlt. Dafür sollte der Gläubiger auch noch den Empfang deS Geldes dem Konkursverwalter bestätigen, so datz er also noch 2 Pf. hätte zuzahlen können. Hohen-Schönhausen. In der letzten Gemeindcvertretersitzung wurden 169 M. Beiträge zur RuhegehaltSklasse für Lehrer und Lehrerinnen sowie die Kosten für die Einrichtung von zwei Schulklassen bewilligt. Einen Antrag des Taubstummenheims hier, auf Erlaß der Grundwertsteuer, lehnte die Vertretung einstinimig ab. DaS Einkommen eines neu anzu« stellenden MaichinenmeisterS für die neue Pumpstation wurde trotz Protestes unserer Genossen nur mit 1800 M. Jahreseinkommen und freier Wohnung beschlossen. Nieder- Schönhauscn. AuS der Gemeindevertretung. Auf die vom Genossen Breit« mann in der letzten Sitzung gestellte Anfrage bezüglich deS Salpetergehalts der zum Bau der höheren Mädchenschule verwendeten Steine erklärte im Namen deS GemeindevorstandeS Baumeister Schulz. datz die Steine einwandftei seien. Ferner hatte Genosse Breitniann gewünscht, datz die jüngeren Schulkinder aus Wilhelmsruh nur vor» nnttagS Unterricht haben sollen, damit sie den weilen Weg nur einmal zu gehen brauchen. Die Schuldeputarion hat sich damit beschäftigt und beschlossen, den NachmittagSunlerricht ausfallen zu lassen. Der Antrag deS Grundbesitzervereins um Durchlegung der Blüchcrstratze nach der Kaiser-Wilhelm-Straße wurde der Baukommiision über« wiesen. Zur Unterstützung de« SchnldienerS in der Gemeindeschule Charlottenstratze wurde eine Hilfskraft angestellt, die 20 M. monatlich und freie Wohnung, Licht und Heizung verlangt. Zu dem Nachtrag der Baupolizeiordnung für die Vororte Berlins wurde Stellung genommen- eS hat sich ergeben, datz der Nachtrag einige Vorteile enthält, aber auch schwerwiegende Nachteile. Die Vertretung beschloß, mit der Angelegenheit die Bauplankommission zu beauftragen und sie zu et, mächtigen, eine Petition um Abänderung der betreffenden Para« graphen an die Regierung zu richten. Die erste Arbeit für die HeizungS-, Gas-, Be- und Entwässerungsanlagen des Neubaues der höheren Mädchenschule wurde der Firma Brockmann-Charlottenbura zum. Preise von 17 690 M. übertragen, die übrigen Anlagen der Firma Sörensen u. Co.-Berlin für 11 661 M. Hierauf folate eine nichtöffentliche Sitzung. NowaweS» Einen Fall von ArbeitcrterroriSmnS konstruiert die konservative .Potsdamer Tageszeitung' indem sie über das wüste Austreten cineS arbeitswilligen Messerhelden folgendes schreibt:.Eine Messerstecherei ereignete sich gestern(Sonntag) nachmittag um 2>/,' Uhx j„ der Ahornstratze. Nach den bisherigen polizeilichen Feftstellunaen soll der Messerstecher in der Notwehr g.han-elt haben. Angeblich hatte man ihn schon lange gedrängt, sich der Sozialistenpartei anzuschließen und auch gestern solche Versuche wiederholt. Da er sich beharrlich sträubte, hätten sechs Mann gegen ihn Stellung genommen, von denen ihn zwei mit den Stie?clabsätzen ins Auge und in« Gesicht getreten...' Diese Darstellung entspricht keineswegs den Tatsachen. Nach Aussage von Augenzeugen trug sich der Fall folgendermaßen zu: Der Lackierer Heinrich Kohlbrandt, der bereits öfter ArbeitSwillioendienst« verrichtet haben soll und von seinen organisierten Kollegen gemieden wird, kam am SonntagnachmitMg in die Gastwirtschaft Ecke Ahorn- und Grotzbeerenstraße und begann nach kurzer Zeit mit einigen der Gäste, Arbeitern der Orensteinschen Fabrik, einen Streit, in dessen Verlauf er mehrmals energisch ab« gewiesen wurde. Schlietzlich verließ er daS Gastzimmer stellt« sich jedoch im Vorgarten auf und zog einen Revolver ans der Tasche. um auf die Zurückgebliebenen durch die offenstehende Tür zu schieben. Zum Glück gelaug eS einem der Gäste, dem K. die geladene Waffe zu entreißen. Hierüber in Wut geraten, zog er nun sein Taschen» mesier und drohte, jeden, der herauskomme, kaltzumachen'. Um ein Unglück zu verhüten, versuchten einige der Gäste, ibm daS Messer zu entwinden. Hierbei stürzte K. zu Boden und stieb mit dem Messer wie ein Rasender um sich, so datz drei von den Gästen zum Teil schwere Verletzungen erlitten und verbunden werden mutzten. Ein verletzter mutzte in» Oberlin-Kreiskranienhaus gebracht werden. — Itub ein solche; SuBjelt sollen organisierte Arbeiter versucht haben, für die Sozialdemokratie zu gewinnen? I Das können aller- dings nur solche Leute glauben, die ihre geistige Nahrung aus den Spalten des Potsdamer»Jntelligenzblattes" schöpfen. Potsdam. Der polizeilichen Aufmerlsamlcit erfreut sich in letzter Zeit auch der hiesige Arbeitertnrnverein„Frisch Aus". Der Verein turnt zur- zeit mangels eines entsprechenden Raumes im benachbarten B o r n i m. Dieser Tage erschien nun abends zur Turnstunde der Gendarm aus Eiche in Begleitung eines Polizeihundes, lvährend sich ein zweiter Begleiter, ein Potsdamer ftriminalbeamrer, in der Nähe aufhielt. Der Gendarm Uetz den Vorsitzenden des Verein? herausrufen und richtete an ihn die Frage, ob Jugendliche im Verein seien, weiter nannte er verschiedene Namen von Personen, von denen er zu wissen glaubte, dag sie dem Verein angehörten; dann wollte er die Namen der jugendlichen Personen wissen, die zurzeit als Gälte mitturnen. Auch wollte er wissen, ob der Turn- wart geprüfter Turnlehrer ist, welche Zeitung die Vereinsmitglieder lesen und ob der Verein dem Arbeiterturnerbund angehört. Da ihm der Vorsitzende seinen Wissensdrang nicht stillte, zog der Beamte unverrichteter Weise von bannen. Dir Konsumgenossenschaft„Hoffnung" für Potsdam und Am- gegeud hat sich, wie aus dem in der Generalversammlung gegebenen Bericht des Geschäftsführers zu entnehmen ist, auch im 7. Gcschästs- jähr gut entwickelt. Tie Mitgliederzahl ist um 256" gestiegen und beträgt jetzt l2lS. Der Umsatz stieg von 264 253 M. aus 327 314 M. Die Genossenschaft hat sich an der gemeinsam mit dem Konsum- verein Nowawcs erbauten Bäckerei mit bri 666 M. beteiligt. Die Bankbestände einschließlich Kassenbestnnd betrugen 39 959 M., die Beteiligung an der Großeinkaufsgesellschaft 1533 M., das Inventar und Gesamtkonto 2566 M. und der Warenbestand rund 32 666 M. Die Passiven sind die Mitgliederguthabcn mit 15 596 M.? die ver- schiedenen Reserven sind mit 7417 M. verzeichnet und werden nach den Beschlüssen der Generalversammlung um 4666 Mark vermehrt! an Grundstücksauteilscheinen sind für 6496 Mark ausgegeben. Die von den Mitgliedern eingezahlten Spargelder haben die Höhe von 48 696 M. erreicht. Die aufgesparten Mitgliederrciballe betragen 16 749 M. Diesmal sollen insgesamt 5'/z Prozent zur Auszahlung kommen. In der Ver- schmelznngSfrage mit dem Konsumverein Nowawes wieS der Genosse Schulz-NowaweS auf Grund der von feiirer Verwaltung gefaßten Beschlüsse nach, daß auch sie bemüht sei, einen Ausgleich der noch bestehenden Gegensätze zu schaffen. Für den weiteren Ausbau der Genossenschaft wurde l.r Verwaltung die Vollmacht gegeben, im gegebenen Fall Ut Glindow und im südlichen Teil der Stadt Potsdam noch eine Verkaufsstelle zu eröffnen. An den orgamsterten un« am« geklärten Arbeitern in diesen Gegenden liegt e« nun, durch>/lYl« reichen Beitritt dafür zu sorgen, daß diesem Beschluste recht bctto tue Tat folgt. Nach Erledigung weiterer geschänlicher Ptmlte wurde der Genosse Stovf. welcher sein Amt als Aussichtsratsmltglied nieder- gelegt hatte, als solcher wiedergewählt. Eingegangene Druckfcbriften. Tie Freiheit. Roman von Licsbet Dill. 4 M,, geb. 5 M.— Adventdriefe. Von A. Oelwein. 3 M.. geb. 4 M.— Die Wege des Freiherr» von Wolfsburq. Roman von Gräsin L. Uxkull. 4,59 M., qeb. 5,56 M.— Dcntschcr Dichterwald. Lyrische Anthologie, begründet von®. Echcrer, bearbeitet von A. Kutscher. Geb. 7 M.— Max Lieber- mann. Des Meisters Gemälde in 303 Abbildungen. Herausgegeben von G. Pauli. lKIassiler der Kunst in Gesamtausgaben, 19. Land.) Geb. 7 M. Stuttgart, Deuliche Verlagsanstalt. Tie Schulimacherei i» Deutschland im Lichte der amtliche» Berufs- und Betriebszählnnge» von 1382 bis 1997. 31 I- Herausgegeben vom Vorstand des ZentralverbandeZ der Schuhmacher Deutsch- landS. Selbstverlag in Nürnberg. Kießlings Berliner«crkrhr. Winter 191l/lS. Kursbuch. 40 Ps. A. Kießling, Berlin, Kleinbeerenstr. 26. L!» Lravo'zagt entzückt dasFrauchcn, „So hätt'ichrnir's nicht gedacht!" ,'Wundervolle Sunlichtseife!" Wasche blütenvveiss sie macht!" res Theater und Vergnügungen Mittwoch, 4. Oktober 1911: Ansang 7'/, Uhr. K. v�ernyaus. Boheme. St. Schansptelhaus. Penlhefilea. Deutsches. Penthesilca. Haderland. Epezialiläten. Ansang 8 Ubr. Urania. Daudenstraße 49f49. Geheimnisse der belebten Natur. Sesftng. Glaube und Heimat. Neue» Kgl. Operntheater. Faust. Kammerspicle. Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Neue» SwautpielhauS. Josephwe. Kleines. Pava. Neues Operette«. Die schöne Helena. rlii Berliner, vmmnelstudenten. LustivielhauS. Der Großfürst. Schiller. O. Der Geizige. Der eingebildete Kranke. SchtUr,. VcharlottenbMtO. Zapf und Schwert. Fricdr.< Wtlh. Schauspielha«». Moral. Neues. Die Nähert«. Weste». Die Dame in Not. KomiichrOper.Die keusche Susauue. Refideuz. Ein Walzer von Chopin. Thalia. Polnische Wtrtschast. Königgrätzer Straße. Spielereien einer Kaiserin. Trianon. Ihr Alibi. Naack. Der Glockenguß zu Breslau. Lutie». Die Macht der Lieb«. ttastn». Der selige HollschinSktz. itvou«. Spezialitäten. Wtutergarten. Spezialttstte». Wtnovti. Di« Nacht von Berkw. Bagage. Speziolitäten. Neichsballe». Stettiner Einger. Königftadt-Kafino. Spezialitäten. Herrnfeld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. "«»s«. Die Peitsche. Ansang 8'/, Uhr. sjallrt ysapricr. Kobi itrach. Nr. 14. Walhalla. Teusel, da» hat einge- schlagen! Wach- und Schließgesellschast. Ansang 8'/, Ubr. Belle-Alliance. Der Sittenapostel. �»timrg.»ou.— Liebesabenteuer. Raue» Bolkstheater. In Be- Handlung. » �» Sternwarte. Jnvalldenstr. 57—62. Idester lies bestens. « Uhr: Tie Dame in Rat. Sonntag nachmittag 3llt Uhr: Ein Walzertraum. Residettz-Theater. Direktton Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Ein Walzer von Chopin. schwank in 3 Akt. v. Keroul u. Borrs. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Botten-Bacckcrs. Morgen und solgrnde Tag«: Ein Walzer von Chopi«. Heilsiek-WlköWiMll Schauspielhaus. Mittwoch, 4. Oktober, abendS 8 Uhr: Moral. Donnerstag 8 Uhr: Judtth. Freitag 8 Uhr: Moral. Sonnabend 8 Uhr zum erstenmal: Die Legionäre._ Bell«-Alliance-Theater. Mittwoch. 4. Ott., abend» 8'/, Uhr: Der Sittciiapottel. Donnerstag und Freitag: Der Sittenapostel. Luisen-Theater. Mittwoch und solgende Tage: Tie Macht der Liebe. Eonnabend nachm. 4 Uhr: Die drei Haulemänuerche«._ Seblllep-ThealerO.lSS: Mittwoch, abends 8 Uhr: Ber Geizige- Hieraul: O-p eingebildete Kranke. Donnerstag. abcllD4 g Uhr: Aopf m,,! Schwert. Ö""Q9, abends 8 Uhr: »er ColzlRe. Hieraus: Der eingebildete Kranke Schüler-Tiieaier'"Kr Mittwoch, ofcenvä g Uhr: Zopf and Schwert. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Ber Pfarrer von Kirchfeld Freitag, abend« 8 Uhr: Zopf und Schwert. Berliner Theater. 8 Uhr: Summeistadenfen. Abend» 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. NeuesT heatcrT� Ons. 8 Uhr. Gaittpiel Hans. Niese: Die Näherin. osc-inc/tic Große Franlsurle» Str. 432. Ansang 3 Uhr. Die Peitsch. .Allabsnälick: Hurra! Parade! Gr. militärische Revue in 6 Bildern. Sport-Attrak- tloncn I. Ranges. Sololäufer u.-Läuferinnen, I Schnellauf-Konkurrenzen, Hockey-Spiele usw. I I Zirka aÖO illtwirkcnde. I IHuelk-Kapellen.— Pcnliaftc li.'lcnehtnnar. Gr üs%ter Eispalast dar Walt! CLOU BERMXER KOKZERTRAVS MauersiraSe 82 X ZimmerstraSe 90 91. Qr. Boppel-Konzert. Mutikchor d. Garde-Füsilier-Regiments. Obermusikmeister JOI}}pd. Musikchor des 2. Garde-Oragoner-Regts. Obermusikmnister I*eSClll£e. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Schauspiel in 4 Alten von K.o Holstein. Donnerstag: Richters Millouc» Sonnabend nachm.: Prinzessin Edeltraut. Metropol-Tiieater. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musif von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. ist. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr: 10 sensationelle Novitäten. ExperimeMai.Psychologe Leo Erichsen Ein Abend in einem amerikanischen TIirks! Tangel New Dörfer BurleSke. Gesellschajl usw. Passage-Theater. Abends 8 Uhr; die jepan. Mimo- drarnatikerin mit ihrer Truppe i. ihr. 'j Mimodramen. All Ben Hamad-Truppe, 15 eingeb. Springer». Agadir. Georg Kaiseriin ihren Putzi Cassani/ Parodien and das gr. Oktober-Progr. DDP u Speztalftltan."VS MMI Noch nie dagewesener Lacherfolg! Das Kind der Firma mit Anton und lZonat tterrnfeld in den Hauptrollen. Borher: Schntöntlose Behandlung Anjaiig 8 Ubr. Vorverk. 1t— 2 Uhr(Theaterkasse).- Unsnis. 'VssisssnschaMichss Theater. Abends 8 Uhr: Dr. W. Berndf. Gchclnmlnse der belebten Matnr In lebenden Bildern. Das Programm der Hörsaalvorträge im 4. Qu. 1911 ist erschienen und kostenlos erhältlich. ■ Rurfürstendamm 151 (frühere Rollschuhbahn— nahe Ringbahnhof Halensee). Geb ITnet von lO Ehr vorm. bl« 11 Ehr naehts. Vorführungen von 4 Uhr ab. 125 folarbewohner bei Arbeit, Sport und Spiel. Original-Hütten u. Zelte, Hausindustrie Eintrittspreis in die Ausstelluugs- halie 50 Pf. Eintrittspreis in die Vorführungsbulle 30 Pt —99WO——OC9— Rasenheiiie 108.14 Basenheide 10814 Mittwoch, 4, Oktober, nbends 8 Ehr: Polnische Wirtschaft. Repcrtoire-Posse de» Berliner Thalia- Theaters. Vorverfaus: Enlree 59 Ps., Balkon 75 Ps.. 2. Parkelt 1 M., 1. Parkett 1,25 M. bei»f. B d c k m a n n, Rixdort, Bergstr. 136, K> tt zx e, n. Oberbck, Heemsnnplatr 1 und Hl e u c Welt. »•••••oooooe—•—» Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Aliubendlich der ueue Striiner jlosseu- Zchlager Der sriige Hoilslhinsky. Sonntag 3'/, Uhr: Papa Nttsche. Noacks Theater. Direktion: Rodert Gill. Berlin H., Brunnenstraße 16. Zier Glockenguß zu Areslan. Schauspiel w 3 Abt. von Psrogner. Const. Helm, GIockenmstr.,Dir.R. Dill. Ans.«'/. Uhr/ Entree 30 Ps. MS 1 M. Morgen: Dieselbe Vorstellung. P ASSAQE:::: ANOPTIKUM Das größte Schauetablisscment des Kontinents. DM- Lebend-WM " 3er Mann mit der eisernen Zunge. Ein Fakir ohne Nerven. AGA die schwebende Jungfrau. Alle» ohne Extra-Entree. ) Rente ubend 7'!, Ehr: Brillante Vorstellung mit auserwähltem Programm und O1/« Uhr: 1000 Jahre auf dem Meeresgründe Große Feerie in 5 Bildern, wovon besonders hervorzuheben: 2. Bild: Maurischer Palast; das märchenhafte orientalische Ballett. 4. Bild: Dampfer auf hoher See; Explosion u. Untergang; Rettung im Aeroplan. 5. Bild: Palais deDanse; das glänzende Balabile. Folies Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Kobi Krach. Bunter Teil. Nr. 14. Erlcdrlcbntr. 1G5. Große Spezlailtälen-Vorstellung. u a.; Die Zwergin-Mutter u.i!ireToclitEr! 12 Attraktionen 12 Entree 50 Ps. Admi&bpaiast Amtkimfxol PcicdrkhliCftMc F. i• A r e ii n. Täglich f. Schlittschuhläufer 1 u. Zuschauer ab 10 Uhr vorm. geöffn.— Hncbniltlnx« "."v�hnMilitärtoiizert abwechselnd d. Kapelle d. 2. Garde• Dragoner-Regts.. I 3. Garde-Feldart.-Regts. und Regiments Garde du Corps. ßjäU.; Produkt. d.Solokrälte| Abends: Montreal. Lichtertänze, Bänderreigen, Apachentze., Pushballsp.etc. j Kapelle Einödsholer u. pers. Ijtg.d.KpUmst.Elni(dshofer. Erstklassige Restauration bis 1 Uhr nachts. Bis 6 Uhr u. nach 1 0'/, Uhr| halbe Kassenpreise. Zirkns Bnscli Heute abend 71/« Ehr: Gr. Gala- Vorstellunj»! Die größte und letzte Attraktion aus Karl Hngenbecks berühmten Tierpark Stellingen: Die beielen Mensclien- AITcji..Max und Moritz". Kurzes Gastspiel. Die 4 Orig. Perez in. ihr. statmen- erregenden Produktionen. Herr Ernst Schumann. Kcudress. Gebr. Marianis, hervorr. Clowns. Frl. AnnaStennis, Schulreiterin. Um 9V, Uhr zum 15. Male: Ein Jäsrdfcst am Hofe I.udwlgH XIV. Trianott-Theater. Ansang 8 Uhr. Ihr Alibi. Ceiciisliallsii-Tliealer. 8te1tiner ZAnxer Mexzcl, Briiton, Seidel, Horst, Schriiler. Schub eist GröningA. u.R. Schräder. Ansang wochenlagS 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Volks Theater. Rixdorf, Hermannstr. 26. Sonntag, 8./19.: Wach- u. Schlirß» gefellichaft. Schwank in 3 Akte» von Rich. Ataiiz. Montag, 9./19: Die Ea»ielicn> dame. Drama in 5 Akten von Duma» sils. llSnig8lSkl!-KA5lno Holzmarltstr. 72. Ecke A.cxaiid-silr. Täglich: Er»tkla»,».8,»e.ijnlität ca Auf. ivochciit. 8. Sonnig. ti'/,Uhr. Ab Sonntag, d. 8. Oktober er., beginne» Familien-Nachmittags-Vor- Stellungen»m 4 Uhr z» ermäßigten Prellen. tEuiree 29 Ps.) Boigt-Theater Gesundbrunnen Jadstraße 53. Mittwoch, den 4. Oktober 1911: Wach- u. Scklitßgrsrvslh.'lt. Schwank in 3 ülkicn von R MavZ und F. Winter. Kasscneröffn. 7 Uhr. Ansang h /. Uhr. Germania-Prachlsäle N., Chausscestr, 110. CarlRich'.er.] Jeden Mittwoch: Jflt flu*\\ Paul Manthcys lustige ____ Sänger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Psi Nachdem Ereitanz. j— VorzugSkartcn gelten.—| Morgen Donnerstag: * N". Mili»—•- Gr. 'WWMI vttlitär-Ttreicbkonzert. »WWWWVWWW Für den Inhal»»er Inserate lidrrnimmt die Redattio» dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zentral-Verband der Zimmerer Zahirtelle BcrUn und Omgcgfend. MA- AM allgemeine Jßitjiieder-Versararalnngen. Heute Mittwoch, 4 Oktober, abends 8% Uhr: Morden und Mosfeit: HkllsklS Fkstsält, Jnvaltde««r. l». Ecke Vr»«»e«stra»e. Lliden und Südosten: MttHs Festsäle, mantenffm. 95. Osten: Kellers Festsäle,«o�rnftr. so(oacr« s-ay. Westen, Südwesten, Sehöneberg u. Wilmersdorf:„Kömgshof",»ar-w»..»?. Morgen Dmmerstag, S.Oktbr., abends 8Vs Uhr: vdarlottendurg:„Dolkshaus", 3. HiXdOrl: Tilltltert, Ttelnmctzstraße U». Friedrichslierg-Liclitenberg: Schulz, strafe 47, s�amtoeset®tr«fte. Friedenau, Sieglitz, Groß-Lichterfelde:„Sirkeuwäldchen",«Ä'Ä. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Unsere Organisation«nd Agitation. Referenten die Kameraden: Hinrichsen, Knüpfer, Witt und Ziege. BV* DaS Erscheinen aller Mitglieder in diesen Versammlungen ist Ehrenpflicht. 2Hf20 ___ Der Vorstand. tt«» tiaa�iinna f Eem.li, den Bestimmungen unseres TarisverlrageS tritt am Montag, den S. Oktober. Alll$lluUJiUIl(i. der 80 Pf.-Stundcnlohn in Kraft. Solche Unternehmer, die gegen diese Bestimmung verftotzen, sind unserem VcrbandSbureau sosort iniizuteilc». ». O. Arbeitsnachweis: Hos I. yjmt 3, 1239. iverwaltuiigsstelle Berlin Hauptbureau: Charitvslr. 3,_ HosM. SImt 3, 1987. Donnerstag, den S. Oktober, abends 8 Uhr: Norsammhing aller in den Sisenpstereten Berlins n. Umgegend beschäftigten Armer nnd Bernfsgenossen in den Pharus-Täle», Müllerftr. 142. TageS-Ordnung: t. Stellungnahme zu dem Ergebnis der staltgesundenen Verhandlungen. I DiSlusfion. Wir erwarten daS pllntlliche und vollzählige Erscheinen aller organt» ßerten Kollegen. Bmr Ohne Mitgliedsbuch(ein Zutritt."W® Achtung! dlSrtlCr« Achtutlg� Donnerstag, den 5. Oktober, abends 6 Uhr: Versammlung aller in Qürtlersiett beschäftigten Kollegen nnd Kolleginnen im Gewerkschaftshause. Engelufer 13. Saal 4. TageS-Ordnung: t. Die jetzige Situation iu der Grlbmctallindustrie. 2. DU- kusston. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolloamnen l ES wird bestimmt erwartet, dah niemand in diejer Versanmilung sehlt. Alle müssen erscheinen. gegr Mitgliedsbuch legitimiert!?Zbit 183/19 Die Ortsverwaltung. 0»SSSSDOVV7lOaa»OGO0 Zahlstelle Berlin. DM" Kammacher. Mittwoch, de» 4. Oktober, abends 8 Uhr: Kranchen-Nerfammlung im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 o. TageS-Ordnung: 8S*BS 1. Die Beschllifle der llnternehm-rorganisalion. Referent! Kollege Hildebrand. 2. Branchenangelegenheiten./ ßadentimiihiWgs-«. Ko«!«rmWeIhrancht Sonntag, den 8. Oktober, abends S Uhr: ssss Verr�mtnlung ssss im Englischen Gartcm, Alexanderstr. S7c. Tages- Ordnung: 1. Vortrag«der: Die Frau in der«ewertschastSbewegung. Refereniin: /Darearete PhlHlpp. 89/17 Siach dem Vortrage: Tanz«nd musikalische Unterhaltung. Die Kollegen werden gebeten, ihr« Frauen mitzubringen. «ut besuchte»»MW Garten-Kestaurant Mit reichlicher, fast neuer Euirichiung für geflcherter�Knndsch.jt, billig zu ver!> zirla 300 Personen, mit zum ...._______ Jen. Aitzohlung lvv«) Mark.. «ohnhauS 12 Zimmer, grvhes Saalgebäuve, Bade- und BoolShauS, Kegel- Hahn, Turngerate, zirka 2 Morgen groh am Wald und Wasser gelegen «asserverkehr mit«erlin. Anfragen K. H., Postamt 31, Berlin. in sauberster Ausführung empflehlt sich 1 4 U 4» U lll 1 11 5� heften zu lausen nur direkt in der Ueralmr«! Benin, Wallslr. 72 nnd (ZwelggeschSst:) W., Joachimntha iabrik trohmandel. SpittelmarkUoy�tr. �....... mler Strafie 25/3». Reparaturen u. Ausarbeitungen billigst. 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