fit» 235« 28. Nbonnements-keSIngungen: H| �\ Av,Ml Die TnffrfionS'GebDftr «bonnenienlS. Preis pränumeranda i WD Bfi I f>M f HW� �»«KZgt str die s-chSgelvaltene Kolon«- Liorlcljährl. z�o Mü, monatl. l.io Mk, IM! WH»S // H VW HB H!■ I»°>le.,°der deren Raum W Pl�. für wöchmilich 26 Pfg. frei ins fiau£ Mn �Hi[ WB BB IH IS HB HB IM HB HH 7/ WD H»ollksche und gewerkschaftliche Lereins. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. r'sBN I LW W> H>W> W» WW>M DM W» MW F/ DM MW— und Versainnitungs.Anzcigcn 60 Vig. uuuinlcr mit illujtricrter Sonntags» äHH I KS Hfl MM � DW HH WW MB MW lÄ� MM Bi //„Kleine Bnscigen", das feltgedrinkte Pcilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. PZlt» DBBB f RH DM DM DB» �M DM WM WD MD WD MD! ML. Eon 20 Pfg. fzulafsig 2 fettgedruckte «tbonnemcnl: l.lO Mark pro Monat. VBKD WW WWW WWW WWW W Berte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Eingelragen in die Post-Zeitungs. �Wa I W W W Z» jBLxBHL��EI MB W W W MWWWl s Stellengefuche und Echlasflcllcnan. Preisliste. 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G a u t s ch gestern nach dem glor- reichen Beispiel Bismarcks in den Tagen des Kullmann- Attentates nicht geschämt, das unsinnige Attentat in Ver- bindung mit der Sozialdemokratie zu bringen und die Polizei ist bemüht, ihm durch allerlei Lügen und geheimnisvolle Ver- dächtigungen zu unterstützen. Und in Deutschland probiert das Preßgelichter des schwarz-blauen Blocks dasselbe. Die Führung hat dabei unbestritten die klerikale Presse, die überhaupt vor keiner Verleumdung und Entstellung im Kampfe gegen unsere Partei mehr zurückschreckt und längst die Kampfes- weise des Reichsverbandes übertrumpft hat. Zwar die „Germania" und die„Märkische Volkszeitung" sind durch unsere Erinnerung an das Kullmann-Attentat sichtlich aus dem Lügenkonzept gebracht. Die„Germania" wirft sogar die für sie sehr merkwürdige Frage auf, ob es denn anständig wäre, das Attentat der Partei in die Schuhe zu schieben. Aber sie setzt sich sofort über dieses Bedenken mit echt klerikaler Unverfrorenheit hinweg, um die Sozial- demokratie als Schuldige hinzustellen, weil sie der erregten Stimmung, die in dem durch Wohnungselend und Hungers- not gepeinigten Volke lebt, Ausdruck gegeben hat und geben wird. Mit der klerikalen Presse geht die konservative natürlich Hand in Hand, und man merkt der Bande das Vergnügen an, das ihr die verrückte Tat bereitet. Die Hetze — so meinen die Burschen— kommt ja recht gelegen, um die Aufmerksamkeit von den eigenen Sünden abzulenken. Zittern sie ja mit Recht vor der A b r e ch n u n g, die ihnen bei den Tcuerungsdebatten im Reichstage und vor allem bei den Wahlen bevorsteht. Diese Leute, die aus Gewinnsucht Deutschland von Getreide entblößen in der Zeit einer Mißernte, die durch ihre Wucherzölle und ihre Einfuhrschcine künstlich Hungersnot preise sabri- zieren, die haben ja auch allen Grund, von allein anderen zu reden als von der Teuerung. Aber eben weil das Spiel so durchsichtig ist, wird es jede Wirkung verfehlen. Das lvissen die betrügerischen'Hetzer auch ganz gut. Schreibt doch sogar die klerikale„Märkische Volkszeitung", nachdem sie in ihrem Hctzartikel eben noch die Sozialdemokratie als die Schuldige bezeichnet hat: „Selbstverständlich fällt es uns nicht im entferntesten ein, ihr bieTatals solche in die Schuhe schieben zu wolle». Die Sozialdemokratie hat die Tat des Verbrechers Vavrek nicht gewollt, das ist zweifellos, denn ungelegener und unbequemer als gerade ihr wird das Verbrechen keiner anderen Partei werden." Nun, wir notieren das Geständnis, daß die Sozial- demokratie die Tat nicht gewollt hat; aber die Hoff- nung, daß die Reaktion deren Nutznießer sein werde, tvird sich keincsivegs erfüllen. Dazu hat die Not das Volk denn doch schon zu sehr denken gelehrt. Und die Begleitumstände der Tat selbst zeigen auf das deutlichste, daß der Attentäter mit der Sozialdemokratie nicht das gering st e zu tun hatte. Er entstammt, nach den Angaben des kroatischen Abgeordneten Bionkini, des einzigen, der von dem Täter überhaupt etwas weiß, einer vor 25 Jahren aus Montenegro nach Dalmatien ein- gewanderten Familie, die wegen Teilnahme an einer Verschwörung gegen das Leben des damaligen Fürsten ausgewiesen worden ist. Die Njegus sind eigentlich Ve r- wandte des jetzigen Königs von Montenegro. Der Attentäter ist zwar in Dalmatien geboren, aber seiner Abstammung und nationalem Zugehörigkeit nach Montenegriner. Die Behauptung, daß er organisierter Parteigenosse ist, ist einfach erlogen; in Sebenico gibt es überhaupt keine politische Organisation, und auch die Ortsgruppe der Holz- arbciter, bei deren Gründung der Attentäter zugegen war, hat längst aufgehört zu bestehen. Njegus hatte von seinem vor einem Vierteljahr verstorbenen Vater einen Hausanteil geerbt und denselben sofort für 3000 Kronen verkauft, um ein lustiges Leben führen zu können. Ivobei er fast den ganzen Betrag verausgabte. Mit dem Rest hat er eine Reise nach Wien angetreten mit der Absicht, später auszuwandern. Die Tat hat er im Affekt begangen, aus Erregung über das Lächeln des Justizministers während der Anklagerede Adlers. Einen geladenen Revolver hatte er st e t s bei sich, was ja bei einem Montenegriner nichts Verwunderliches ist. Nach all dem ist es völlig sinnlos, die Partei für den jungen Menschen, der von der Sozialdemokratie nicht das geringste weiß, ver- antwortlich machen zu wollen. Es gehört also schon eine seltene Schamlosigkeit dazu, wenn sich der österreichische Ministerpräsident in der gestrigen Sitzung unterfangen hat, die Tat für seine Ablcnkungszivccke auszuschlachten. Darüber wird uns aus Wien noch berichtet: Schon hat die Reaktion den Versuch gemacht, die Tat des Mannes, der eben erst nach Wien gekommen ist, der Sozial- demokratie an die Rockschöße zu hängen, und der Minister- Präsident Baron G a u t s ch war es, der als der erste die un- erhörte Beschuldigung gegen die Sozialdemokratie— nein, nicht nur gegen die ganze Sozialdemokratie als solche, sondern gegen Dr. Adler int besonderen erhob, d i c Schuld an der Tat zu haben. Weil der wahnsinnige Attentäter während Adlers Rede sein? Schüsse abfeucrje,?r- Sonnabend, den 7» Oktober 1911, I rühnte sich Gautsch, die Tat mit der„aufreizenden" Rede Dr. Adlers in Zusammenhang zu bringen! Und er hatte weiter die Vermessenheit,.zum Beweise dafür eine Rede zu zitieren, die Adler vorgestern in Favoriten gehalten hat und die heute in der„Arbeiter-Zeitung" abgedruckt ist. Mit schreiender Stimme verlas er aus der„Arbeiter-Zeitung" folgende Sätze Adlers:„Das Bezeichnende und das Wichtige ist, daß wir leider sehen, daß Tausende und Hunderttausende von Menschen in Gefahr sind, einfach von Verzweiflung er- griffen zu werden; daß Hundertausende von Menschen an- sangen, sich zu fragen: Was ist uns das Leben wert? Bevor wir verhungern, verrecken, wollen wir wenigstens Rache nehmen an unseren Feinden!. Wohlgemerkt, nicht als seine eigene Acußerung hatte das Adler vorgebracht, sondern als die Stimmung weiter Kreise, die er ausdrücklich als G e s a h r bezeichnete! Aber Gautsch glitt über die ihm nicht passenden Worte, ging über das„leider" und über„die Gefahr" rasch hinweg und schrie kreischend in das Haus die letzten Worte dieses Satzes. Als ob Adler geraten hätte, Rache zu nehmen. Und dann fügte er noch stolz hinzu, daß er sich nicht fürchte und daß die Autorität des Staates nicht zurückweichen werde. Aber sofort stellten die Sozialdemokraten in Zwischenrufen fest, daß Gautsch nicht nur den von ihm zitierten Satz e n t- stellt habe, sondern auch daß er mit Bewußtsein den ent- scheidenden darauf folgenden Satz unterschlagen habe. Während die deutschnational-christlichsoziale Meute dem Mi- nisterpräsidenten zu seiner Hetzrede gratulierte und ihn wie besessen applaudierte, schrien ihm die Sozialdemokraten zu: „Wciterlesen! Lesen Sie auch den nächsten Satz vor! Fälscher! Fälscher!" Aber Baron Gautsch war nicht dazu zü bewegen, die Wahrheit zu sagen.... Wörtlich steht nämlich noch im nächsten Satze:„Ich teile diese Gefühle nicht und Sie sollten sie auch nicht teile n." Und dann weiter:„Denn der Verstand muß Ihnen sagen, daß nach jedem Tag der Erplosion ein weiterer Tag kommt, und daß mitsolchenExPlosionen nichts gewonnen ist und manches mitunter eingebüßt w ird a n Kra ft, a n B e r? itsch a.st u p d v o r a l l e in a n E r z i e h u n g, d i e w i r a m a l l e r n o t-- w e n d i g st e n b r a u ch e n." Jeder, der Viktor Adler kennt, weiß, daß er nicht zu denen gehört, die selbst im Polizcisinne „aufreizen". Und weiß, daß es eine bewußte Infamie des Barons Gautsch war, die Vorstellung erwecken zu wollen, als ob die Revolverschüsse des Mannes aus Sebenico mit Adlers Reden irgendwie zusammenhängen. Aber Baron Gautsch. weiß, warum er seine perfiden Anspielungen machte. Der Schuß kommt der Re- aktion sehr gelegen. Nun glaubt sie, endlich die Gelegenheit zu haben, um gegen die verhaßten Sozialdemo- kraten losgehen zu können. Was sich an den Urteilen der Wiener Gerichte schon klar gezeigt hat, daß nun dei� Kurs' geändert ist und daß man mit dem Gerede und Getue von Modernität endlich aufräumen will, das hat die Rede des Mi- nisterpräsidenten noch deutlicher gemacht. Die Arbeiter leiden unter der Teuerung! Was geht das die lierrschenden Klassen an, die von der Teuerung der Arbeiter leben? Die Arbciter wagen es, aufzumucken gegen die. die sie zum Hun- gern zwingen? Man antwortet ihnen mit blauen Bohnen und mit dem Kerker. Die Autorität des Staats wird nicht nachgeben. Deshalb istesderReaktiongeraderecht, daß ein Jüngling aus Dalmatien. der von den schweren Ltämpfen der Arbeiterklasse nicht viel Ahnung hat, wenn er auch in seinem dunklen Drange„Hoch die Sozialisten" oder dergleichen rief, seine wahnsinnige Tat begangen hat. „Sie werden es begreifen, daß ich nicht von der Teuerung spreche," sagte Baron Gautsch, obwohl die Teuerung auf der Tagesordnung stand. Und er hielt dann seine Brandrede gegen die Sozialdemokratie. Sie möchten die Tat eines Irr- sinnigen benützen, um nicht über die Teuerung sprechen zu müssen. Sie möchten von etwas anderem sprechen. Dr. Adler hielt seine Anklagerede gegen die Re- gierung und die Herrschenden, die durch die verbrecherische Politik den Hunger und das Elend des Volkes verschuldet haben. Aber Baron Gautsch sagt:„Sprechen wir nicht über die Teuerung!" und seine Mamulukcn klatschen Beifall. Nicht über die Teuerung möchten sie sprechen und dazu wäre ihnen die Wahnsinnstat ganz recht. Deshalb wollen sie jetzt über die Partei herfallen, die sie an die Teuerung und an den Hunger des Volkes mahnt. Nicht über die Verbrechen, die am Volke begangen werden von denen, die den Hunger des Volkes durch ihre agrarische, volksfeindliche Politik verschulden, son- dern über das Verbrechen wollen sie sprechen, daß ein einzel- ncr, ein irrsinniger Mensch verübt hat. Nicht von den Ver- brechen, die sie an den Massen begehen, von den Verbrechen, deren Opfer Tausendc und Zchntauscnde von arbeitenden Menschen geworden sind, wollen unsere bürgerlichen Parteien sprechen, sondern von dem Verbrechen eines Narren, durch das niemand verletzt wurde. Aber man wird sie zwingen, wieder über die Teuerung zu sprechen, so gern sie auch über „etwas anderes" sprechen möchten. Die heutige Sitzung. Wien, S. Oktober. Im Abgeordnetenhause ergriff am Freitag bei Beginn der Sitzung der F i n a n z m i n i st e r das Wort zur Einbringung des Budgets von 1912. Die Umgebung des Parka- mentS und das HauS selbst zeigen das gewohnte ruhige Bild. Nach dem Exposö des FinanzininifterS wurde die Wahl des hefinititzen Präsidiums vorgenommen. Präsident Sylvester Expedition: 8<£l. 68, Lindcnstrasac 69» j Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. wurde wiedergewählt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden die bisherigen Vizepräsidenten wiedergewählt, darunter der S 0 z ia l d emo kra t P ern ersto r fer. Bei Ver- kündung der Wahl Pernerstorfers wurden vereinzelte Pfuirufe der Deutschen laut, auf die dje Sozialdemokraten mit lautem, an- haltendem Beifall üi n d Hochrufen erwidertet!. Hierauf wurde die Teuerungsdebatte fortgesetzt. ' Der Polizeibericht. Wien, 6/ Oktober. Die polizeiliche Untersuchung gegen Njegus und Paulin ist abgeschlossen/ Njegus, der die Absicht, den Justiz- minister zu erschießen, unumwunden zugab, wurde wegen Mord- Versuchs und Paulin wegen Verdachts der Mitschuld(!) in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Beim Verhör sagte Njegus aus, als Adler über die sozial« demokratischen Kundgebungen vom 17. September sprach, habe er benrerkt, daß der Justizmini st er spöttisch lächelte. AuS Empörung darüber habe er den Revolver gezogen und auf den Justizminister gefeuert, um ihn zu erschießen. Die Verhaftung PaulinS, des Beamten deS Holzarbeiterver- bandes, der dem Njegus die Eintrittskarte verschaffte, ist eine Gemeinheit, die nur dem Zweck der politischen Ausschlachtnng dient. ver Krieg. Das wenig heldenhafte Bombardement, das das italienksche Geschwader gegen den unzureichend geschützten und armierten Hafen von Tripolis ausgeführt hat, führt? zu einer Besetzung von Tripolis durch Landiingsdetochcments der italienischen Kriegsschiffe. Weitere militärische Operationen können diese Marineabteilungen nicht unternehmen, wenn das Geschwader manöveriersähig und semer eigentlichen Bestimmung erhalten bleiben soll. Immerhin hat dieser„Sieg'' der italienischen Seestreitkräfte beivirkt, daß das um den 10. oder 11. Oktobbr mit 40 bis 50 Transportschiffen eintreffende. Expeditionskorps ohne Schlviorigkciten wird ausgeschifft werden können. Ob der Vormarsch der Jtäliener in das Innere aber so leicht von statten gehen wird wie die Aktion der Flotte, ist vorläufig noch sehr zu beziveifeln: Die türkische Garnison von Tripolis, die ungefähr 7000—9000 Mann zählen tvird, hat die Stchdt jedenfalls in vollster Ordnung verlassen und sich nach einem wohl erwogenen Plane von der Küste zurückgezogen. Selbst italienische Depeschen, die an eitler Ruhmredigkeit nichts zu wünschen übrig lassen, berichten nichts über den Verbleib der türkischen Truppön oder über einen fluchtartigen Rückzug der- selben. Die Türken haben sich nicht auf einen aussichtslosen Kampf mit der überlegenen Schiffsartillerie der Italiener ein- gelassen und werden sich ein vorteilhafteres Kampffeld aus» suchen. Möglich, daß sie den Angriff der Italiener in dem ungefähr 10 Meilen südlich von Tripolis sich hinziehenden Berglande des Dschebel Nefusa erwarten. Inwieweit sie dabei auf die Verstärkung durch irreguläre Aufgebote der Ein» geborenen rechnen können, läßt sich jetzt nicht abschen. Da die Italiener auch den Hafen von Benghasi beschossen und dort Marinemannschaften gelandet haben, sind sie jetzt die Herren der Hauptstadt und der tripolitanischen Küste ge- worden. So wenig dieser„Erfolg" als militärische Großtat zu buchen ist, so sehr verschlechtert er nicht allein die Aus» sichten auf baldige Beilegung, sondern auch auf eine Lokalisierung des Krieges. Die Türkei kann unmöglich einem weiteren Vordringen der Italiener apathisch und widerstandslos zusehen und damit die Eroberungssucht und den Wagemut der großen und kleinen Raubstaatcn an ihren Balkaugrenzcn aufstacheln. Die Tatsache, daß jetzt über der Stadt Tripolis statt des Halbmondes die grün-lveiß- rote Flagge weht, macht es der Türkei immer schwerer, auf etwaige Vermittelungsaktionen der Großmächte einzugehen. Dazu kommt, daß italienische Kriegsschiffe die Türkei an einer anderen empfindlichen Stelle anpacken, nämlich im Roten Meere. Hier ist der auf der arabischen Halbinsel liegende afen von Hodeida, der den Zugang zu dem unter türkischer berhoheit stehenden Gebiete bildet, beschossen und ein türkisches Kanonenboot zum Sinken gebracht worden. Seit Jahren führen die Türken einen erbitterten Kampf gegen die aufsässigen Arabcrstämme, ein Kampf, der durch die Angriffe der Italiener ungeheuer erschwert würde. Jedenfalls würde ein Nachgeben der Türkei Italien gegenüber ihre Macht- stellung in Arabien ganz gewaltig erschüttern. Verschiedene Meldungen aus Italien lassen die Vermutung zu, daß die' italienische Flotte, an deren Ausrüstung in den Kricgshäfcn fieberhaft gearbeitet tvird, sich auch zu Angriffen aus türkische Häfen in Europa einrichtet. Sollte. es dazu kommen, so wird es auch mit der jetzt feierlich versicherten Neutralität auf dem Balkan sein Ende haben. Wenn jetzt auch die MobilmachungSnachrichtcn aus den verschiedenen Balkanstaatcn dementiert werden, suchen die interessierten Regierungen im. Geheimen doch alles vorzubereiten, um ihre Rolle in dem Völkerdrama zu spielen, das der italienische Imperialismus in frevelhaftem Uebcrmut inszeniert und ein- geleitet hat. Die Flaggenhiffnng. Tripolis, 5. Oktober, 3 Uhr 10 Mi». imchmittitgS.(Meldung der„Agcnzia Stcfani"). Um die Mittagsstunde wurde auf dem Fort „Sultauia" dir italienische Flagge g e h i ß t und vom Gc- schwadcr mit Kanonrndonncr begrüßt. DäS Fort wurde von iianduugökompagnien besetzt, die wmc t»m. Schutze»er Schisse dort ' V' i itl,,... bleiben. Die Gchiffe liegen zum Teil im Hefe» und zum Teil in kurzer Entfernung von den zerstörten FestnngSivcrkc» vor Anler. Die Wirkung des Bombardements. D e h i b a t(Tunis), 5. Oktober. Die feindlichen Geschosse haben tu Tripolis verhältnismäßig wenig Schaden aiigerichtet. Des HauS des deutschen Dragomnns wurde schwer beschädigt. Es»tc finden sich noch 400 v Europäer in der Stadt. Sechs Soldaten und scch-Z Israeliten wurden getötet, fünf Soldaten und ein Israelit schwer verletzt. Die Deutschen sind wohlauf. Die Miisclmnncn verhalten sich untätig und beten, daß das Boiiibardcmcnt nicht wiederholt werden möge.. Die Besetzung von Tripolis. Tripolis, 6. Oktober.(Meldung der„Agenzia Stcfani'.) Nach der Landung der Matrosen im Fort Sultania begaben sich die Araber, die zu den Stammen aus der Umgegend von Tripolis gehören, an Bord des Admiralschiffes und gaben ihre Unter- werfung kund, üidcin sie gleichzeitig um E i n st e I l n n g des Bombardements baten. Der deutsche Generalkonsul als Doyen des Konsularlorps begab sich ebenfalls an Bord und bat den Admiral, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und den Schutz der Personen und des Eigentums der fremden Kolanicii in der von den türkischen Truppen verlassenen Stadt übernehmen zu wollen. Man landete darauf noch weitere Kompagnien Matrosen mit Kanonen und Schncllfcucrgcschiitzcn und besetzte die Stadt Tripolis militärisch. Auch im Fort Sultania blieb ein Posten. Die Besetzung ging ohne Zwischenfall vor sich. Die gelandeten Truppen wurden unter den Befehl deS Kapitäns zur See Eagni gestellt und Konteradmiral Boreadolmo zum Gouverneur von Tripolis ernannt. Der deutsche Generalkonsul hat dem Admiral Faravelli mitgeteilt, daß während des Bombardements kein Schaden weder an Personen noch an den Häusern in den europäischen Niederlassungen zn beklagen gewesen ist. Widerstand in Benghazi. London, 6. Oktober. Wie„Daily Chronicle" meldet, sind aus Tripolis beunruhigende Nachrichten eingetroffen. Die Italiener haben Benghazi und Dorna bombardiert. Wie es heißt, leistete die Bevölkerung von Benghazi heroischen Widerstand. „Matin" meldet aus Rom, daß Benghazi bom- b a r d i e r t worden und daß eine Landung in Tubrauk nördlich von Dcrna erfolgt ist. Kampf bei Hodeida. Massaua, 6. Oktober.(Meldung der„Agenzia Stefani".) Die Forts von Hodeida und ein türkisches Kanonenboot feuerten mehrereSchüssc gegen das italienische Kanonenboot„Aretusa" ab, ohne es zu treffen. Die „Aretusa", die zum Schutze deS italienischen Handels den Ucberwachungsdienst im Roten Meer versieht, erwiderte das Feuer und brachte das f e in d li ch c K a n o ne n- boot zum Sinken. Die englische Darstellung. London, s. Oktober. Dem Reuterschen Bureau geht au? Hodeida über Perim folgende Nachricht zu: Am 2. Oktober feuerten zwei italienische Kriegs schiffe 21 Gra- naten über die Stadt ab, von denen eine ein B e g l e i t- boot des im Hafen liegenden englischen Schiffes„Guildhall" zum Sinken brachte. Die türkische Mobilisierung. Konstantinopel, 6. Oktober. Die Meldung eines Berliner Blattes über die Mobilisierung von(300Ö00 türkischen Soldaten ist unzutreffend. Die gesamte Mobilisierung in der europäischen Türkei umfaßt sieben Divisionen. In Auatolien fand überhaupt keine Mobilmachung, sondern nur eine Verschiebung der aktiven Truppen aus dem Innern nach den Hafen- Plätzen statt. Der wirtschaftliche Kampf. Könstantinopcl, 6. Oktober. Die Ausweis ilng der Italiener aus der Türkei soll bevorstehen. Gestern ereignete sich auch der erste Fall von Boykott gegen Italien. Er betraf italienische Waren, die mit einem bulgarischen Dampfer eingetroffen waren. An der gricchisch-türkischen Grenze. Athen, g. Oktober.(Meldung der Agence d'Athenes.) Man mißt hier der E i n b e'r u f u n g der Reservisten zweier Bataillone, die zur Bewachung der Grenze von EpiniS bestimmt sind, keine Bedeutung bei. Die Türkei hat in dem Wilajet Janina die Reservisten von 22 Bataillonen zu den Fahnen einberufen, während Griechenland nur diese beiden Bataillone eingezogen hat. Diese« ungeheure Mißverhältnis kennzeichnet die friedlichen Absichten der hellenischen Regierung. Keine Operationen in Albanien. Rom, 8. Oktober. Für alle Schiffe der italienischen Regierung ist der strenge Befehl erneuert worden, keinerlei mili- tärische Operationen an den ottomanischen Küsten im Adria tischen und Ionischen Meere vorzunehmen. Ei« neuer Zwischenfall an der albanischen Küste. Rom, 8. Oktober.(Meldung der Agenzia Stefani.) Um 8 Uhr 10 Minuten früh wurde heute unerwartet und verräterisch von der Küste von San Giovanni di Medua auf ein italienisches Schiff, das eine weiße Flagge zeigte, gefeuert. Der italienische TorpedobootSzerstörer„Artigliore", der den UeberwachungSdieifft aus- übt, um zu verhindern, daß KriegskonterbaNde nach Albanien ge« langt, und der vermutlich noch nicht den Befehl, sich von der alba- Nischen Küste zu entfernen, erhalten hatte(?), erwiderte au- gesichtS dieses Angriffs notgedrungen daS Feuer zur Rettung des Schiffes. Der„Artigliore" wurde leicht beschädigt, sein Kom- Mandant an einem Fuße verwundet. Der Schaden auf der feind- lichen Seite ist unbekannt. Eine Prise der Türken. Saloniki, S. Oktober. Der englische Dampfer„Ochris" wurde unterwegs von dem lürkischcn Küstenpauzerschiff„Feth j Bülend" angehalten. Bei Durchsuchung der Ladung wurde» 40 Fässer Schieß Pulver gefunden, weshalb der Dampfer nach dem Hafen von Saloniki gebracht wurde; er wird vorläufig a l s Prise betrachtet. Frieden in Nemcn? London, S. Oktober. Dem Reuterschen Bureau wird auS Hodeida unter dem 28. September gemeldet, daß mit dem I m a rn Jahia, dem Führer der Ausstäüdischen, ein befriedigendes Uebereinkommen getroffen worden ist, das auf einen dauernden Friede» in Aemen abzielt. Man erwartet, daß die Hauptmasse der türkische» Pcrstärknuaen unverzüglich nach Konstantinopel zurückkehren wird. Kriegsfolgen. Odessa, 8. Oktober. Infolge des Krieges macht sich eine starke Abnahme der Tätigkeit im Hafen bemerkbar. Die G e- trei d e v er la d un g uif den AuSlandsdampfern ist sehr ge- ring. S00 Waggons stehen uuausgeladen. Der deutsche Schutz. Köln, 6. Oktober. Die«Kölnische Zeitung' meldet auS Kon- stautiuopel: Die deutsche Botschaft hat der kürkischeu- Re- gierung empfohlen, bei der Ausweisung der Italiener aus der Türkei Mäßigung walten zu lassen. Die österreichische Sozialdemokratie und der Juiperialismiis. Der österreichische Imperialismus hat seinen gefährlichsten Agitator in dem österreichischen Thronfolger. Nicht zuletzt durch seinen Einfluß werden die Forderungen des Militarismus und namentlich des Mariiiismus immer unverschämter und wächst der Gegensatz zu Italien, das die österreichischen Imperialisten als ihren gefährlichsten Rivalen ans dem Balkan betrachtet. In diesem Zujaniincuhang gewinnen auch die iiachstehenden Aeiißeningen der Wicucr„Arbeilcr-Zeituiig" an Interesse, linser Parteiorgan schreibt in der Doniierstagnummer: „Wie wir erfahren, war gestern der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Audienz bei nr Kaiser. Den In- halt dieser Audienz bildete die Tripolisaffäre— gesehen vom Gcsichlspunkr unserer R i V a li t ä t mi t I t a li e n. Als die Schönaich-Krise auf ihrem Höhepunkt war. wurde erzählt und blieb liiimidcrsprochen, daß der G e n e r a l st a b s ch e f Conrad als höchstes Ziel seiner Wünsche einen Krieg mit Italien anstrebe. Der Gencralstabschef verdankt dem Thronfolger seine Ernenniing und ebenso seine Erhaltung. ES ist auch recht auffallend, wie drohend gewisse Blätter gegen Italien losziehen. Da wird eS Zeit, auf diese besondere Art von sitttlicher EntrüsUing über den Gewallstreich der Italiener hinzuweisen. In Oesterreich ist man, wie in aller Welt, über den frechen und banditenmäßigeu Angriff auf Tripolis mir einer Meinung, aber die albanisches Schmerzen gewisser Herrschaften... teilt in ier ungdbeuren Mehrzahl der Bevölkerung niemand. Es ist richtig, daß S o n d e r a b m a ch u ng en zwischen Wien und Rom über Albanien bestehen, aber Italien wird sich schon darum hüten, sie zu verletzen, weil eS, wie ein italienischer Politiker der„Polit. Korresp.' sagte,„mit einem Anschlag ans Albanien inid mit der Ausdehnung seines bewaffneten Vorgehens auf den Boden der europäischen Türkei Europa herausfordern würde.' Doch wenn selbst in Rom der Wahnsinn zur Herrschaft käme, so muß den patriotischen Großmäulern in Wien gesagt werde», daß de» Ocstcrreichern und den Ungarn In ihrer gewaltigen Ncberzahl Allianie» ganz wnrst ist und keinen Knochen eines Tirolers Alpenjägers wert. Die schwarz-gelben Fieber- stimmiliigen bleiben in dem vielsprachigen Doppelstaat gewöhnlich auf die Wiener Redaktionen beschränkt, mit denen allein man europäische Kriege nicht führen kann.' Eine sozialdemokratische Interpellation. Wien, g. Oktober. Genosie Dr. Adler hat im Namen der sozialdemokratischen Fraktion folgende Anfrage bei der Regierung eingebracht: Ist die Negierimg geneigt, eine offene und e n t- s chi e d«Ii e Erklärung darüber abzugeben, daß sie die volle Aufrechterhaltuirg des Friedens auf dem Balkan, wie auch immer die Ereignisse sich gestalten mögen, schüren werde. Welche Maßregeln will die Regicrimg eventuell ergreifen, um'ein ll in sichgreifen deS türlisch-italiriuschen Ko n» f l i l t e S zu verhindern. Zur cedeiumittelteiierung. Teiicrung, Wahlmachc und RcgimingSfursorge. Die„Köln. Ztg." redet mit dem ihr eigenen diplomatischen Geschick der Regierung zu, doch ja Maßnahmen gegen die Teuerung zu ergreifen; denn geschehe dies nicht, würde sich solche Unter- lässung bei den nächsten Reichstagsivahlen schwer rächen, während ändererseits die Anwendung energischer Mittel gegen die zu- Nehistende Preissteigerung die wilde Agitation der Sozialdemokratie hemmen und der Regierung beträchtliche Wahlerfolge verschaffen werde. In seiner Angst vor den nächsten Wahlen meint sorgenvoll das großkapitalistische Kölner Blatt: ..Tollten diese Mittel(Herabsetzung der FuttermittelMe und Beschränkung des Einführscheinsystems) nicht aus eichen, um unsere Viehzucht in den Stand zu fsstKn, das dem Fleischkonsum entsprechende Schlachtvieh durchzufütteni und auf den Markt zu Dringen, dann müßten die Verbündeten Regierungen dazu übergehen, unter Fnnehcrttung der zum Scuchcnschutz des heimi- scheu Viehes unbedingt notwendigen Sicherheit die Grenzen für ausländisches Schlnchtvieh vorübergehend zu öffnen und den Massenbezug gefrorenen Fleisches aus Ueber- sec in die Hand zu nehmen. Schon das B e l: n n t n i k der Bereitwilligkeit zu solchen energischen ll aßnahmen würde den Verbündeten Regierungen nachhaltige mora- tische Eroberungen machen, die sich in der bcwor- stehenden Wahlkampagne leicht in politischen Erfolg umprägen ließen. Sie begegneten damil einer wilden Agitation, die ihnen Abhängigkeit, von wenigen den Landvnnd führenden Groß- agraricrn vorwirft. Daß eine solche Agitation in ei eni Wahl- kämpf, der sich ohnehin schon in erster Linie gegen den schwarz- blauen Block richtet, ein ausschlaggebender Faktor sein kann, liegt keineswegs außerhalb des Bc- reich s politischer Möglichkcitcn. Darüber möge sich der jetzt zusammentretend« Bundesrat nickt länschen. Schnelle Entschlüsse können manches gut machen, Zaudern und Zögern alles verderben, �chon vor der Lebcnsmittclintcrpellation im Reichstag müssen sich die Verbündeten Regierungen durch ein Programm der Tat ihre Stellung festigen. Der Worte und Eriväguiigen ist es nunmehr genug." Anderer Ansicht ist das Blatt der Strauchritter-Ep'zonen, die vaterländische„Kreuzztg.". Sie will von einem eigentlichen llloistand nichts wissen und wünscht, daß auf die, die fich einfallen lassen, sich gegen die heilige Junker-Ordnung aufzulehnen, das Militär losgelassen wird: „Nur durch ein entschlossenes, rücksichtsloses, von Anfang an ohne Zögern durchgeführtes Aufirelcu der staatlichen Macht ist die von gewissenlosen Agitatoren in Wallung versetzte Polksmengc vor schweren Ausschreitungen zu bewahren. Hätte die Sozial- demokratie, die fast durchweg die offene oder versteckte Urheberin aller der Unrnhen des letzten Monats war, die antoruative Ge- walt selbst in der Hand, sie würde sicherlich hohnlachend der äugst- lichen Langmut, mit der heute vielfach die Staatsgewalt, naiNent- sich auch außerhalb Teutschlands, erst in der äußersten Not zum iäilichen Eingreifen sich enrschlicht, alles aufbieten, um mit un- nachsichtlicher Scharfe den unbequemen Gegner niederzuwerfen." Inzwischen sind die hohen Regierungen der diversen deutschen Vaterländer eifrig bemüht, der zunehmenden Lebenzmittelteuerung zu steuern. Und wirllich haben sie sich bereits zu einer bedeut- stillen Tat aufgerafft. Das Wolsfsche Tclegraphen-Bureau de- richtet darüber: In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde der Vorlage betreffend Betriebsvergllnstigungen für die Brenuecekn aus Anlaß der bestehenden Fiittcrnot und der Vorlage betreffend Festsetzung des Durchschnsitsbrandes der Brcnnercicii für das Betriebsjahr 1911/12 und Bestimmung der von der Vergallungs- Pflicht befreiten Branntweinntenge die Zustimmung erteilt. In der Hauptsache besagt diese Meldung, töß die nach dem 1. September 1902 betriebsfähig hcrgerichteten landwirtschaftlichen Brennereien in der Zeit bom 1. Oktober 1911 bis einschließlich 18. Juni 1912 auch Kartoffeln und Getre dearten, welche nicht von den Eigentümern oder Besitzern der Brennereien selbst gewonnen sind, verarbeiten können, ohne die Eigen chaft als landwirtschast- liche Brennerei einzubüßen; 2. daß Brennereien ohne Höfenerzel gung in der Zeit vom 1. Oktober 1911 bis einschließlich 18. Jini 1912 ausnahmsweise ! Getreide an Stelle der von ihnen sonst verwendeten Rohstoffe vor- arbeiten dürfen, ohne aus diesem Grunde den in§ 33 unter Nr. 2 und H 39 des Branntweinsteuergesetzes für den Fall des Uebergangri zur Getreideverarbeitung vorgesehenen Rc chteil zu erleiden. Das heißt, ohne daß ihnen ihr Kontingent ver.ürzt wird. Außerdem wird noch der Turchschnitisbrand der Brennereien für das Betriebsjahr 1911/12 von 86 auf-4 Proz. des allgemeinen Durchschnittsbrandes erweitert. So sorgen die hohen Regierungen der deutschen Bundesstaaten in väterlicher Weise für das Volkswohl. Erfüllt von ihrer hohen Pflicht, bewahren sie die feinste Blüte d s deutschen Volkes, die Schnapsbrcnner, davor, daß diese infolge der Preissteigerung der Brenn-Rohstoffe ihren Betrieb einschränk'n müssen und Nachteil von der Teuerung haben, und andererse is beugen sie vorsichtig dem großen Unglück vor. daß zu wenig S hnapS erzeugt wird und also möglicherweise der Fall eintreten kön ite, daß es im tomiiicn- den Jahre dem nach Verbilligung der Lebe ismittel schreienden Volk an vaterländischem Fusel fehlt. Hoch lebe der Fusel! ** Petitionen der Gemeinden zu- Teuerung. Tie gegenwärtige Teuerung hatte auch unsere Gemeindcvcr- ttcler in Solingen veranlaßt, das Stadtverördnetenkollegium in einem TringlichkeitSantraze zu ersuchen bei der Reick, Sregicrung um Maßnahmen zur Milderung der Tc icrung zu petitionieren und die Stadt selbst zur Ergreifung dal nzickender Maßnahmen zu verpflichten. Dieser Antrag kam in der Stadtverordnetcnsitzung vom Dienstag zu* Verhandlung. Er vcrlc rgte in der Petition an die Regierung: Orffnung der Grenzen fü Fleisch und Vieh, Ge- Nehmigung der Einfuhr gefrorenen oder sekühlten Fleisches, Auf- Hebung der Zölle für Lebens- und Futte mittsl. Beseitigung der Getreideeinsuhrscheir.e und Herabsetzung!er Frachttarife auf die Nahrungsmittel der Massen. Von der S adt verlangte er: im Sinne des Ministerialerlasses vom 26. September dieses Jahres Mahregeln zn treffen, die eine Bcrbilligu ig der Lebensmittel der städtischen Verbraucher gewährleisten, Hi'rzu gehöre gegebenen- falls die kommunale Versorgung der Bevö! erung mit Fleisch, See- fischen, Milch. Butter, Karioffeln, Hülsenfrüchten usw. Ter Anirag wurde von unserem Friktionsredner begründet und von verschiedenen bürgerlichen Rednern, ja selbst dem Oiwr- bürgcrmeister, unterstützt; nur einige Kri wer erklärten, die An- träge nicht unterstützen zu können. Schließlich gelangte der Antrag fast einstimmig zur Annahme. Reben Solingen hat auch schon da? benachbarte Ohligs einen Antrag angenommen, der TeueningSmatznahmen von der Regierung verlangt. � Aus München-Gladbach wird»Her dem 5. ds. gemeldet: Infolge der Ankündigung von billigen Fisc>- und Gemüseverkäufei! durch die Stadt ist heute der Preis für dir verschiedenen Kohlartcii von 50 und 60 Pf auf 38 und 40 Pf. auf den Wochenmärktcn ge- stinken. Mit dem Fischverkauf hat die Dta ck heute begonnen. Tcr Andrang war so stark, daß die gesamten � orräte in drei Stunden ausverkauft waren. politische(lebersickt. Berlin, d m 6. Ovobcr 1911. Masnmhmcn gegen die Steue hinterzirlsnng. Die Tatsache, daß von den Besitzenden sowohl bei der Einkom- mens- wie Vermögenssteuer viel zu n i e d> ige Beträge angegeben werden, daß also der Staat aus diese Reise gerade von den Leistungsfähigsten um erhebliche Steuerbc rräge geprellt wird, ist zwar von den interessierten Kreisen, den I intern und Kapitalisten, immer wieder bestritten worden, aber di« cnnknks dieser Tatsache ist doch eine so allgemeine, daß wo l oder übel wenigstens gewisse Maßnahmen gegen solche Steuert ffraudationen getroffen werden dürften. So ist verschiedentlich vc geschlagen worden, daß namentlich den auf dem platten Lanoe begangenen Steuer- Hinterziehungen dadurch entgegengetreten verde, daß künstig nicht mehr der Landrat als Vorsitzender dr Einkommensteuercin. schätzungSkmnmisfion zu fungieren habe, so idern ein besonders dazu bestellter Beamter. Daß damit den Steuerhinterziehuni en ein Ende bereitet werde, darf man natürlich nicht annehmen Denn die Besitzenden haben Mittel genug, um ihr wirtliches Ein ommen und ihren Ver- mögensstand zu verschleiern. Seitdem in h reußen die Bestimmung existiert, daß die Arbeitgeber verpsl chtet sind, den Steuer- behörden Auskunft über das Einkommen hrer Arbeiter und Angestellten, die weniger als 3900 1 ik.�verdiencn, Auskunft zu geben, wird das Einkommen diese, Schichten bis zum letzten Pfennig ersaßt; aber selbst l'i der peinlichsten Ein- schätzung des sorgfältigsten Beamten wird es nicht gelingen, auch nur annähernd ebenso vollständig die l inkommens- und Ver- mögensvcrhältniffe der besitzenden Schichten festzustellen. Selbst wenn den Sparlassen, Bankinstitute! usw. die Verpflichtung auferlegt würde, über die Einlagen genar.'ste Auskunst zu geben (eine Anregung, die im preußischen Abgedri ictenhause der h e l l e n Entrüstung der bürgerlichen Parteien begegnete), so würden »och immer Mittel und Wege genug übri � bleiben, um die Ein- künste der Reichen der staatlichen Nack, prüf, ng zu entziehen. Aber selbst die minimale Forde ung, nicht den Land- röten und den Bürgermeistern daS Einsch tzungsgeschäft gu überlassen, sondern besondere Beamte damit zu beaustragcn, begegnet bei unseren staatserhaltcnden Pari nen lebhaftem W i d e r- s p r u ch. Und das. trotzdem ein gewiß ui oerdächiig„ Zeuge, der Oberverwaltungsgerichtsrat Falkenhahn, der selbst langjähriger Vorsitzender der Ben sungstommission eines großen Regierungsbezirkes war. im Febri ar vorigen JahreS im „Tag" folgendes Geständnis abgelegt hat: „...Der Grand für die häu ig nicht richtige steuerliche Erfassung von Einkommen und Vermögen in den Landkreisen liegt vielmehr bei einer Reihe von Landräten an der Scheu, die Angaben derjenigen Per- sonen, mit welchen sie gcsellschaftlihvxxfxfjxxii, welche sie für die Kreisverwaltung brauchen, anzu- zweifeln, teilweise wohl auch, besonders wenn die Landräte selbst Grundbesitzer oder mit solchen verwandt sind, in der Neigung, dasjenige Einkommen, welches bei Landwirten meist durch Schätzung.gesunden wird, wie der Geldwert der für den Hauöhalt entnommenen WirtschaftSerzcuc nisse und den Wert der Wohnung im eigenen Hause, zu niedrig zu schätze n." Da aber eine Reform unausweichlich i'i/macht der berüchtigie Oktavio von Zedlitz wieder einmal n neu seiner Kompromiß- Vorschläge. Danach soll wohl ein besonderer jteuertechnisch geschulter höherer Beamter als„Fiskalanwalt" die Vorbereitung der Veran- lagung leiten und die Interessen des Sic lerfiKkus vor der Ver« dnlagungskommission wahrnehmen, aber Lem Landrai und B ü r g e r m e i st e r soll der Vorsitz in der Veranlagungskom- Mission verbleiben! Es versteht sich von selbst, daß bei einer solchen Halbheit nichts herauskommen wird. Denn daß die Fiskal- anwälte es auf einen hartnäckigen Krieg gegen die all- mächtigen Kreisgewaltigen, die Herren Landräte, an- kommen lassen würden, ist kaum anzunehmen. Es ist aber be- zeichnend, daß dieselben Herren, die seinerzeit das kärgliche Ein- kommen des Arbeiters mit der größten Rücksichtslosigkeit bis zum letzten Pfennig zur Steuer heranzuziehen beschlossen haben, so überaus zimperlich sind, wenn es gilt, den Geldbeutel der eigene» Klassen- und Sippengenossen ein wenig zu erleichtern! Borgmanns Nachfolger. Die Vertrauensmänner im 5. Berliner Landtagswahl- kreis haben gestern an Stelle des verstorbenen Landtags- abgeordneten Genossen Hermann Borgmann den Schrift- steller Genossen Julian Borchardt als Kandidaten zu ver demnächst stattfindenden Ersatzwahl aufgestellt. Keine Herbsttagung des Landtages. Wie nunmehr offiziös mitgeteilt wird, hat die preußische Re- gierung beschlossen, den Landtag erst im Januar 1912 einzuberufen. Bekanntlich baben die Parteien ohne Unterschied lebhaste Be- schwerde über die zu späte Einberufung des Landtages geführt. Infolge der durch die späte Einberufung beschränkten Togungsdauer konnten bereits in der letzten Session die Beratungsgegenstände nicht mit der Gründlichkeit behandelt werden, wie das geboten ge- Wesen wäre. Der ganz unerwartet plötzliche Schluß des Landtages, der geradezu eine Entwürdigung des Hauses darstellte, ist ja noch in friicber Erinnerung. Wenn der Landlag erst im Januar nächsten Jahres zusammen- treten soll, werden die Etats und die anderen GefetzgebungSmattrien wieder ebenso durchgepeitscht werden müsien, wie m der vergangenen Session. Ja, eS wird noch schlimmer werden. Denn da im Jahre 1912 spätestens die Verhältnisse der Einkommen- steuer definiliv geregelt werden müssen, wird dies Gesetz mit einer Hast durchberaten werden, die für die Interessen der minderbesitzenden Klassen verhängnisvoll werden dürste. Bor allen Dingen aber be- weist die späte Einberufung des Landtages, daß die Regierung faktisch nicht daran denkt, vor Ablauf der jetzigen Legislaturperiode eine neue Wahlrechtsvorlage einzubringen. Das bedeute». daß auch die nächsten Landtagswahlen unter dem elende st en aller Wahlsysteme stattfinden sollen! Das ist eine so ungeheuerliche Zumutung und eine so schmachvolle Behandlung der entrechteten Wäblcrmassen, daß diese doppelte Ur- fache haben, schon bei den Reichstogswahlen mit der preußischen Reaktion gründlichst abzurechnen! Die Lebensmittelteuerung im bayerischen Landtag. Im bayerischen Landtage wurde am Freitag die erste Reichstags- Wahlrede gehalten. ES standen die drei Jnkerpellationen des Zentrums, der Sozialdemokratie und der Liberalen nebst den dazu gehörigen Anträgen auf der Tagesordnung. Sie ver- laugen von der Regierung Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Interpellation des Zentrums stellt die Futtermittelnot in den Vordergrund und verrät schon im Wortlaut die Tendenz, indem nur von einer künftigen Teuerung notwendiger Lebensmittel gesprochen wird. Die liberale Interpellation verlangt Maßnahmen gegen die Futteruot und fordert die Regierung auf, der von Tag zu Tag sich steigernden Verteuerung aller notwendigen Lebensmittel im Interesse der gesamten Bevölkerung wirksamer wie bisher entgegenzutreten. Die sozialdemokratische Interpellation bestagt die Regierung wegen Rufhebung der Zölle auf alle unentbehrliche» Nah' rungsmittel und fordert Maßnahmen zur Verhütung der Unter ernährung dcS Volkes. Es wurde zunächst nur die Interpellation des Zentrinns von K i ß n e r begründet. Der Redner gab einen gewissen Notstand zu, der aber ausschließlich durch den Handel herbeigeführt sei und sprach sogar von einem T e u e r u n g S r n in m e l. Er lehnte im Sinne seiner Partei jede Milderung der Pfahl- und Grenzsperr- Politik ab, keine Oeffuuiig der Grenzen für Fleisch und Bich, kein argentinisches Fleisch, keine Aufhebung der Futtermittelzölle. Er wendete sich sogar gegen die im bayerischen Landioirtschaftsrat be- schlossene Suspendierung der MaiSzölle. Von dem Bau des Agrar- schutzeS dürfe kein Sleinchen entfernt werden, weil sonst Gefahr besteht, daß das Ganze zusammenstürzt. Selbst die Einfuhrscheine verteidigte er, weil sie der Landwirtschast nutzen. »DaS Zentrum geht also durchaus mit den Konservativen zu- samnien und der Redner ruft unrer stürmischer Heiterkeit der Sozial- demolraicn den Liberalen zu:.Laß dich vom Linken nicht um- gnrnen.' Am Sonnabend wird Genosse Auer die sozialdemokratische Jnter- Pellation begründen._ Tie Steigerung der Gnterpreise. . Als in den Jahren 1900/1902 der Kampf um die Ge- ircide-«nd Viehzölle tobte, haben ivir wiederholt erklärt, daß nicht die Landwirtschaft, sondern lediglich die damalrgen Be- sitzer der größeren und grossen Güter von den Zollerhöhungen Vorteil hahxn würden. Der erhöhte Zoll würde die Ge- treide-»„tz Viehprerse steigern: infolgedessen würden die Grundstücke mehr Ertrag abwerfen als bisher, und dieser Er- trag würde naturgemäß zu einer cntsprecheitdcn Erhöhimg der Grund- und Bodenpreise führen. Denen, die zur Zeit der Zollerhöhung iin Besitz von Landgütern seien, würde also aus Kosten aller jener, die künftig hlchcre Brot- und Fleisch- preise zu zahlen hätten, ein Geschenk gcinacht. Dagegen würde der sogenannten„Not der Landwirtschaft" nicht abgeholfen: denn sobald der Besitzer seine Güter ver- kaufe, hätte der Käufer nicht den früheren, sondern den durch die Zollsteigerung in die Höhe getriebenen neuen Wert zu zahlen. Er ajz'„euer Besitzer hätte alio von den Zoll- crhöhungen keinen Vorteil mehr, sondern stände genau wieder dort, wo der frühere Besitzer vor der Erhöhung gestanden hätte. Aehnlich läge die Snche. wenn ein Verivandter dem früheren Besitzer als Erbe folge und genötigt wäre, beträcht- liche Erbteile an Msterben herauszuzahlen: denn auch ihm als Erbe» würde nicht der frülwre. sondern der neue höhere Wert des Besitztums angerechnet..,, Die Ersahrungen der seit der letzten Zollgesetzgebung (1902) vergangenen Jahre haben diese Voraussagen voll be- stätigt. Die Giiterpreise sind enorm gestiegen, und diese Steigerung l>at die alten Besitzer veranlaßt, ihr Besitztum mit hohem Gewinn zu verkaufen. Die neuen Erwerber aber stehen, was die Rentabilität ihres Besitzes anbetrifft, wieder genau aitf dem alten Fleck und schreien deshalb nach neuen Agrarzöllen.■ � r....r. In welchem Maße die Zollerhöhungen die Guterpreise»n die Höhe getrieben haben, dafür ein neues Beispiel. Das Aittergut Neugabel in Niederschlesien wurde im Jahre 1900 von Leutnant Jörs für 350 000 M. gekauft. Nach a ch t Jahren verkaufte er das Gut für 651 800 M. Zwei Jahre später brachte ein neuer Verkauf 760 000 M. Im letzten Jahre nun wechselte das Rittergut zweimal seinen Besitzer. Das erstemal wurde ein Preis von 790 000 M. erzielt, doch schon anderthalb Monate später schnellte der Kaufpreis auf 830 000 Mark in die Höhe. Interessant ist hierbei außerdem noch, daß das bisher in deutschen Händen befindliche Gut beim letzten Verkauf in polnische Hände übergegangen ist. Einigung der Antisemiten. Nachdem der Abg. Ließermami v. Sonnenberg dem Aßg. Zimmer- mann im Tode nachgefolgt ist, wollen sich die verschiedenen Gruppen der Antisemiten wieder zu einer Fraktion im Reichstage vereinigen. Der ganze Reichstag weist gegenwärtig 9 Antisemiten auf, und wenn sie sich vereinigen wollen, dann müssen sie sich dazu halten, denn die kommenden ReichStagswaßleu iverden mit den Amisemiten so grimdlich aufräumen, daß- kaum mehr als ein Merteldutzeud in den neuen Reichstag zurückkehren wird. Als Vorsitzende der neuen Fraktion sind die Aßgg. Bruhn und Lattmann in Aussicht genommen. Der Meininger Landtag ist von der Regierung auf den 17. Okloßer erußerufen worden. In erster Linie wird ihn die Feststellung deS Staalsßaushalrsetats für die Jahre 1912 ßis 1914 ßeschäfiigeu, außerdem liegt noch der Em- wurs eines AusfüßiungSgesetzeS zu dem am 14. Feßrnar 1911 geschaffenen Z.iwachSsleuergesetz vor. Ter für 1912 ßis 1914 angesetzte Haupletat der Landeskasse ßalanziert jährlich mit 6 528 999 M.; der Etat der Domänenkasse zeigt eine Einnahme von 3 994 349 M. und eine Ausgabe von 2 481 499 M., so dag ein lleßerschug von 1512949 Mark verbleibt, der zur Hälfte in die Landeskasse und zur anderen Hälfte in die herzogliche Hofkasse fließt. Gesinnnngsschniiffelei in Hamburg. Obwohl in Hamburg Staat und Kirche getrennt sind, macht man der schwarzen Richtung doch allerlei Konzessionen. Religion ist immer noch ein Lehrgegcnstand in den Schulen. Einem Ham- burger Bolksschulrektor sieht die Wahl der von ihm zu erteilenden Unterrichisstnuden frei. Als jedoch der dem Monistenbunde an- gcdörende Rektor Höft aus prinzipiellen Gründen keinen ReligionS- Unterricht mehr erteilte, sondern sich dafür einen anderen Unterrichts- gegenständ wnblte. hat ihm der Schnlrat deswegen Vorhaltungen gemacht. Auf dem im September in Hamburg abgehallenen Jnter- nationalen Monistenkongreß hielt Herr Höst einen Vortrag über die Trennung von Schule und Kirche. Dabei soll er geäußert haben. die Sckule halte noch an einem gänzlich veralteten und überlebten Weltbild fest. Die Behörde verschaffte sich den genauen Wortlaut des Vortrages und die Angelegenheit war am Mittwoch abend in der Vürgerschast Gegenstand einer Interpellation. Der Vertreter der O b e r s ch n l b e h ö r d e erklärt unter der Heiterkeit des Hauses, dem Rektor Höft sei nicht gesagt ivorden, der Mrniisten- bund sei nicht der geeignete Ort für Vorträge eines SchnlreitorS, sondern der Schulrat habe gesagt:.Er wlsse nicht, ob der Monisten- koitgreß der geeignete Ort für Vorträge eineS SchnlrektorS sei' (Eine wirklich feine Unterscheidung!> Eine Maßregelung sei in keiner Weise erfolgt. Die Beftörde habe lediglich von ihrem Rechte Ge- brauch gemacht, die Lehrpersonen in bezug darauf zu überwachen, daß nicht den Kindern der Glaube an ihre natürlichen Autoritäten er- schütiert werde. Der Linksliberale Dr. B r a b a n d machte diesen Herrn auf die hamburgische Verfassung aufmerksam, mit der das Verhalten der Behörde in Widerspruch stehe, und bemerkte, daß zu den.natürlichen Autoritäien" auch die Ellern gehören, die geschützt werden müßten. Der Hauptpastor Dr. Rode vertritt wohl die vernünftige Anficht, daß kein Lehrer, der innerlich mit der Religion gebrochen habe, zum Religionsunterricht ge zwnngen werden dürfe;»in Rektor dürfe aber die Religion nicht so angreisen, wie Rektor Höft es getan. Genosse K r a u s e behandelte diese eigenartige Logik und gab de» dringenden Rat, darauf zu achten, daß man nicht noch hinter Preußen zurückgehe. Der Zufall wollte e§, daß in derselben Sitzung ein Stück Lotter- Wirtschaft bei der Oberschulbehörde, Seltio» Voltsjchnlivesen, lebhaft erörtert wurde. Es sind.Fchlbeträg«' enlsiairden. die man vo» Jahr zu Jahr.verbucht' hat und für deren Begleichung 59 786 M. nachbewilligt werden solle».„Gegen die schuldigen Beamten ist ein Verfahren eingeleitet', sagte Senator Refardl. Zutreffend bemerkte Genosse H o f s in a n n zu dieser Schlamperei, es wäre richtiger ge« Wesen, wenn der Präses der Oberfchnlbehärde, statt nach Gesiminngen zu schnüffeln, sich lieber um die Verivaluing gekümmert hätte. Die Sache wurde einem AnSschlitz überwiesen. Bessere Juristenausbildung. Damit der Juristennachwuchs nicht so weltfremd in vielen Dingen des praktische» Lebens urteile, hat die banibnrgische Justiz- Verwaltung theoretiich-technische und praktische Kurse sAnichauungs- Unterricht) für Referendare eingeführt, die jetzt beginnen. Die jungen Jnriste» sollen mit dem täglichen Leben in seinen� viel- gestalligcii Beziehungen näher vertraut gemacht, ihre Kenntnisse von den Vorgängen im WirtschastS- und Erlverbsleben, in Handel und Industrie erweitert werden, um so den GenchtSlreis ihrer allgemeinen Bildung anSzudehncn und gleichzeitig auch ihre fachivisseuschastliche Ausbildung zu fördern. Die Justizverwaltung bezeichnet dies als ein Bedürfnis, daS sich seit geraumer Zeit geltend mache..Insbesondere wird-erstrebt', so äußerte sich am Sonnabend der Erste Rat der Hamburger Fustizverwallnng, Dr. v. Hinüber, vor Vertretern der Presse, Mi Prozessen, in degen die Snlscbeiduiig von Feststellungen abhängig ist. die nur aus Grund technischer Fardkenntmsic getroffen werde» können, den Juristen instand zu setzen, das technische Partei- vorbringen völlig zu verstehe» und mit de» Sachverständigen derart zusaminciizuarbeilc», daß er den technischen Anisübrnngen des Sach- verständigen in den Einzrtyeile» zu solgeu vermag. Unter Leitung eines Tewnikers sollen tewniichc nnd industrielle Anlagen und Be- triebe, staatliche und private Emriclilnngc» für Handel und Verkehr in Augenschein genoinincn werden, nachdem zuvor eine Lorlesung, gehalten von einem Fachmann(Techniker), sta tgefunden bat. In dieien Vor- teinngen werden die Grundlehren iiir daS ganze zu bearbeitende Gcdicl erörtert werden. In den Kreis der Erörterungen werden auch die Len'lungS- und Lieiernngsverträg». die Güte der Materialien nnd der Arbeit, die Preisfeststellungen, die Abnahme, der Arbeiter- schütz usw. gezogen iverden.' I» P r e n ß e» hat man zwar schon ähnliche Kurse eingerichtet. doch iverden diese von Jurijlen— also weltfvrmdeu Leuten— ge- halten. Hoffentlich erweitert die hamburgische Justizverwaltimg noch de» Lehrplan. indem sie die angehenden Richter und Staatsanwälte auch mit den tuluirellen Vestrcbniigcn der Ärbeiierichast. mit deren Denken und Fühlen usw. vertraut macht. Erit dann wird die Keltfremdheil der Richter usiv., von der selbst einmal der nationalliberale Reichs- tagsabgeordnete und Laiidgerichtsdirekl« Dr. Heinze im Rcichblage geiprochen, auf ein orlräglicheö Maß herabgedrückl werden. Portugal. Die monarchistische Erhebung. Lissabon, 6. Oktober. Hier geht das Gerücht, daß zahl- reiche p o r t u g i e sä s ch o Monarchisten die Grenze bei Braganza überschritten und mehrere größere Ortschaften besetzt haben. LcKwecZen. Die sozialdemokratischen Wahlsiege nnd die Ministerkrise. Das Endergebnis der Reichstagswahlen ist jetzt festge- stellt. Tie Sozialdemokratie, die bisher 25 Sitze inne hatte, zieht 6 4 M a n n st a r k in die Kammer ein. Ihr Gewinn an Mandaten ist gerade so groß wie der Verlust der Konservativen. Diese Partei, die in der alten Kammer 93 Vertreter hatte, verfügt jetzt nur noch über 64, ist also nicht stärker als die„Partei des Umsturzes", die nach Auffassung des Unternehmertums und seiner politischen Geschäftsführer im Generalstreik von 1909„niedergeritten" wurde. Tie Liberalen kehren in ihrer alten Stärke, mit 102 Mandaten, in die Kammer zurück. Sie haben einen Teil ihrer alten Mandate an die Sozialdemokratie verloren, aber dafür ebenso viele den Konservativen abgenommen. Der mächtige Fortschritt der Sozialdemokratie ist es also, was die Wahlen vor allem auszeichnet, und das tritt noch deutlicher in der Tatjache zu Tage, daß die Stimmenzahl der Partei seit den Reichs- tagswahlen von 1908 auf mehr als dasDreifache ge- stiegen ist, obwohl über 200 000 Männer wegen Steuer- schulden das Wahlrecht eingebüßt hatten. Stimmenzuwachs haben infolge der außerordentlichen starken Steigerung der Zahl der Wahlberechtigten durch die Wahlrechtsreform selbst- verständlich alle Parteien zu verzeichnen. Aber die Stimmen- zahl der Konservativen ist seit 1908 nur von 130 037 ans 188 247 gestiegen, die der Liberalen von 121 308 auf 242 127, die der Sozialdemokratie jedoch von 55110 auf 1727 8 0. Der Wahlerfolg hat selbst die kühnsten Erwartungen unserer Genossen übertrofsen. Das Ministerium L i n d m a n. das sich namentlich während des General st reiks von 1909 und dann twrch die wiederholten, allerdings verfehlten Versuche zur Ein- führung neuer Zwangsgesetze gegen die organisierte Arbeiter- schaft aufs deutlichste als der politische Ausschuß des Unter- nchinertums zeigte, sah sich genötigt, nach fünfjähriger Am- tierung zurückzutreten. Es konnte sich bisher mit einem Schein von Recht als„parlamentarische" Regierung auf- spielen, weil bei den gemeinsamen Votierungen beider Kam- mern infolge der Uebermacht der Konservativen in der Ersten Kammer eine Mehrheit für die Regierung zustande kam. Jetzt nach dem gewaltigen Zuwachs an sozialdemokratischen Mandaten in der Zweiten Kammer ist das nicht mehr mög- lich. Im übrigen ist auch durch Ergänzungswahlen in der Ersten Kammer eine kleine Verschiebung nach links einge- treten, so daß dort jetzt 4 Sozialdemokraten, 26 Liberale und 120 Konservative vorhanden sind. In beiden Kammern deS Reichstages zusammengenommen ist die Zahl der Gegner einer konserwativen Regierung 196, die ihrer Anhänger 181. Herr S t a a f f, der bereits 1905/06 ein halbes Jahr lang Ministerpräsident war, hat nun den Austrag erhalten, das neue Ministerium zusammenzustellen. Unsere Partei- genossen dringen darauf, daß die neue Regierung aus Man- ncrn zusammengestellt wird, die gewillt und fähig sind, eine er n st hast liberale demokratische- Politik zu führen. Das Wahlergebnis zeigt ja deutlich genug, daß das schwedische Volk nicht nur einen Personenwechsel, sondern einen System Wechsel verlangt. Es ist nun außerhalb, und ganz vereinzelt auch innerhalb der sozialdemokratischen Partei der Gedanke laut geworden, daß ein oder zwei Sozial- demokraten in das liberale Ministerium eintreten sollten. Man denkt dabei selbstverständlich in erster Linie an den Ge- nassen B r a n t i n g, der ja auch ini politischen nnd parla- inentarischen Leben wohl über die reichste Erfahrung verfügt. Aber B r a n d i n g selbst lehnt das entschieden a b und handelt damit durchaus im Einverständnis mit der Gesamtheit der Partei. Uebrigens hat sich ja auch der letzte Parteitag unserer schwedischen Genossen in einer einstimmig angenommenen Resolution gegen der- artige Experimente mit sozialdemokratischen Ministern aus- gesprochen. Inzwischen hat sich Herr Sta äff an den Vor- sitzenden der sozialdemokratischen Partei gewandt mit der Anfrage, ob die Partei geneigt wäre, mit einigen Mitgliedern an dem neuen Ministerium teilzunehmen, und darauf ist ihm am Dienstag im Namen der Partei d i e ablehnende Antwort mitgeteilt worden. Es konnte dabei konstatiert werden, daß so gut wie alle Parteigenossen in Vertrauens- stellungen, die um ihre Meinung befragt wurden, der Auf- fassung sind, das; die Partei sich nicht an der Bildung des neuen Ministeriums beteiligen soll. Tie Stellung der Sozialdemokratie gegenüber der kommenden liberalen Regierung wird die sein, daß sie die Regierung, so lange sie eine ehrliche demokratische Politik treibt und für zweckmäßige soziale Reform sorgt, unterstützt, ihr aber die Gefolgschaft versagt, so bald sie andere Wege einschlagen sollte. Uebrigens gilt, als feststehend, daß Herr Staasf sich, als er den Auftrag zur Bildung des neuen Ministeriums erhielt, die Vollmacht ausbedungen hat, die Erste Kam- m er auszulösen, und zwar noch in diesem Herbst. Da diese Kammer von den Landsthingen und ebenfalls nach dem Proportionalsystem gewählt wird, läßt sich das Ergebnis der Neuwahlen mit einiger Bestimmtheit vorausberechnen. Die Konservativen werden noch ungefähr 30 Reichstagsmandate verlieren, größeren Teils an die Liberalen und im übrigen an die Sozialdemokratie, die dann wahrscheinlich in der Enten Kammer über 13, im gesamten Reichstag also über 77 Mandate verfügen wird. Die liberale Partei aber wird seden- falls zur relativ stärksten Partei des gesamten Reichstags werden, so daß ihr parlamentarisches Recht als Negienings- Partei unbestreitbar ist._ DaS neue Kabinett Staaff. Stockholm, 6. Oktober.(W. T. B.) Der Vorsitzende der liberalen Partei Staaff hat heute dem König folgende Liste für das ncu zu bildende Ministerium vorgelegt, deren Bestätigung für morgen erwartet wird: Vorsitz: Staaff. Auswärtiges: Graf Ehren- s v a e r d. Krieg: Dr. B e r g st r o e m, Marine: Jacob L a r s so n. Justiz: Sandstroem. Innere»: Schotte. Finanzen: Baron Adelsvacrd, Kirchenwescn: Dr. Fridtjuv Berg, Land- Wirtschaft: Alfred PeterSson; Ministet ohne Portefeuilles: P e t r e n und Stenstroem. Ta die sozialistische Partei es abgelehnt hat. sich in der Regierung vertreten zu lassen, gehören die vorgeschlagc- nen Minister ausschließlich derlibcralenParteian. Schotte. Bcrgstroem und Berg waren bereits im ersten Kabinett Staaff im Jahre 1906. Rußland« Neuerliche Verhaftungen. Moskau, 6. Oktober. Hier sind acht Personen, die einer sozialrevolutioniiren Verbindung an- gehörten, vor Haft et worden. Einem der Verhafteten wurde nachgewiesen, daß er mit dem Mörder StolypiuS, B a g r o w. in«erbi.id.utg gestanden hat. Erne terroristische Korrespondenz wurde beschlagnahmt. Gewcrkfcbaftlicbes. Berltn und Clmgegend. Achtung, Bauklempncr! Vom 1. Oktober 19lt belrägt der Mindestlohn 78 Pf. pro Stunde. Wir ersuchen die Kollegen, uns umgehend diejenigen Firmen zu melden, die diesen Lohn am Sonn- abend nicht bezahlen. Alle Zuschriften sind an unser Bureau, Charitestr. 3, Hof 3 Treppen, zu senden. Deutscher Metallarbeiterverband.(Ortsvcrw. Berlin.) Der Zentralverband der Zimmerer hielt am Mittwoch und Donnerstag in Berlin und einigen Vororten acht Mitglredervec isammlungcn ab, die in der Hauptsache den Zweck hatten, die Mit glieder zur lebhaften Agitationsarbeit für den Verband anzu- Togen. Die Referenten Hinrichsen, Knüpfer, Witt und lZiege verwiesen darauf, dah die Mitgliedcrzahl in Berlin und der Provinz Brandenburg seit einigen Jahren leider zurück- gegangen ist, während sonst in Deutschland ein Ausschwung der Mitgliedcrzahl zu verzeichnen ist. Der Rückgang hatte seine Ur- fache zunächst in den ungüiistigen wirtschaftlichen Verhältnissen, wird aber auch aus den eigenartigen Verhaltnissen ,n Berlin erklärt. Hier tvandcrn die jüngeren Berufsangehorigen fortwährend ab und zu. Der Zugang kommt meist aus den Gegenden, wo man von den Ideen der modernen Arbeiterbewegung wenig oder gar nichts weiß. Die neuen Ankömmlinge sind deshalb schwer für die Organisation zu gewinnen, und, wenn gewonnen, sino sie leicht geneigt, der Organisation wieder den Rücken zu kehren, wenn irgend etwas nicht nach ihrem Wunsch geht. Dazu kommt, daß in Berlin immer noch eine Lokalorganisation, der Verein der Zimme- rcb. besteht, der zwar so schwach ist, dasj er für die gewerkschaftliche Bewegung keine Bedeutung hat. der aber jede Gelegenheit benutzt, um Stimmung gegen den Verband zu machen und die Kräfte zu zersplittern. Es ist keincÄvegs der Fall, das; die Mitglieder, welche den Verband verließen, sich dem Verein zugewandt haben. Sie laufen vielmehr als Unorganisierte herum. Aber die bloße Existenz des Vereins dient ollen Indifferenten als ein Vorlvand, daß sie sich ja auch wo anders als im Verbände organisieren könnten, was sie allerdings nicht tun.— Eine kürzlich vom Verbände aufgenommene Statistik ergibt, daß von den in Berlin beschäftigten Zimmerern V2 Proz. dem Verbände, lK Proz. i>cm Verein und 2 Proz. anderen Organisationen angehören. Das Organisationsvcrhältnis, soweit der Verband in Frage kgmmt, ist also immer noch kein schlechtes. Aber es war vor wenigen Jahren besser. Es gilt deshalb, die bcpcrc Position zurückzugewinnen und alle Bcrufsangehörigen, die in völliger Verkennung ihrer Interessen dem Verbände fernstehen, an die Pflichten der Arbeitersolidarität zu erinnern und sie dem Verbände zuzuführen. Eine derartige Stärkung des Verbandes ist durchaus notwendig, schon deshalb, weil aus Anlaß des Tarif- oblaufcs im Jahre l9l3 Verhandlungen mit den Unternehmern bevorstehen, die nur dann Aussicht auf Erfolg jsaben. wenn eine starke, möglichst alle Bcrufsgcnojscn umfassende Organisation hinter den Forderungen der Arbeiter steht. E� wird deshalb allen Mit- gliedern zur Pflicht gemacht, durch unermüdliche Agitation unter den Kameraden zur Stärkung de� Verbandes beizutragen. Tie Polierer Berlins hatten auf Grund cii�Z VersainmIungsb�'ckflusscS vom 21. Scp- tcmber an die Jsoli�sirmcn den AntraK gestellt, den Stundenlohn der Isolierer auf mindestens 75 Pf., den der neueintretenden H"scr aus 55 Ps� zu erhöhen mit der Begründung, daß die durch die �inanzrcsor�u hgu 1999 hervorgerufene und infolge der Dürre die| es Sommers noch immer mehr steigende Teuerung eine außer- ordentlich ,chrk« Belastung des Arbeiterhaushaltes herbeigeführt 5? ,• tju�leich wurde den Unternehmern mitgeteilt, daß man zu �eryar�iungen über die Angelegenheit bereit sei. Es ist daraufhin. funtzueM die einzelnen Firmen sich in ihren Antwortschreiben auf Organisation berufen hatten, vom Verband der Jsoliersirmen '-!ine Erhöhung der bestehenden Stundenlöhne um 2M» Pf. vom Oktober ab angeboten worden. Dies Angebot wurde jedoch von -einer am letzten Sonntag abgehaltenen Versammlung der Isolierer für unzureichend erklärt. Inzwischen haben nun zwischen den Or- ganisationsvertretern beider Parteien Verhandlungen stattgefunden, über deren Verlauf und Ergebnis der Zweigvereinsvorsitzende Otto Hanke am Donnerstag in einer Sektionsversammlung der Isolierer berichtete, die den' großen Saal von Wille in der Sfcbastianstraße füllte. Das Ergebnis der Verhandlungen ist, daß die Vertreter der Unternehmer sich nach längerer Aussprache bereit erklärten, bei den Mitgliedern ihres Verbandes dafür einzutreten, daß neben der bereits zugestandenen Lohnerhöhung eine weitere um ebenfalls 2lh Pf. vom 1. Juli 1912 ab bewilligt wird. Eine Erhöhung der Akkordlöhne, die von den Isolierern für ebenso drin- gcnd notwendig erachtet wird, erklärten sie für Berlin allein nicht bewilligen zu können, da hie Akkordpreise für ganz Deutschland einheitlich geregelt seien. Das könne nur durch die inerhalb vier Wochen stattfindende außcrordeirtliche Generalversammlung der Jsoliersirmen Deutschlands geschehen, und die Arbeitnehmer möchten ihre Anträge formulieren, damit sie dort vorgelegt werden könnten. In der Z�ebergangszeit sollte jeder Isolierer berechtigt sein, Akkordarbeit abzulehnen und deswegen nicht entlassen, werden. — Zu Beginn Verhandlungen hatten die Arbeitnehmervertreter auch die FrrH Pf. pro Stunde, da dadurch die Verteuerung keineswegs aufgewogen wird, lim es aber nicht zu einem Streik kommen zu lassen, erkläreft sich die Versammelten damit einverstanden, jedoch nur unter der Bedingung, daß die übrigen 2Vj Pf. vom 1. Juli 1912 ab zugelegt werden." Sodann wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern gewählt. die den Akkordtarif durchbcralcn und die Verbcsserungsvor- schlüge formulieren soll. Eine weitere Sektionsvcrsammlung wird dann darüber zu beschließen haben. Die Schneider und Schneiderinnen der Firma Maaßen, Oranienstraße 165, sind in den Ausstand getreten. Der Grund dieser Maßnahme wird in einer Maßregelung gefunden, die die Firma vorgenommen hat. Verband der Schneider. Ei»i Tavifabschlnft in der Gcschäftsbuchbranche. Die am Montag in den Streik getretenen Kontobucharbeitcr und-Arbeiterinnen versammelten sick am Donnerstag in den „Musikersälen", um den Bericht ihrer Lohnkommission über die mit den Unternehmern gepflogenen Unterhandlungen cntgcgenzu- nehmen. Wie Klar berichtete, fanden die Verhandlungen mit den GeschäftSbücherfabrikantcn unter Mitwirkung des Vorstandes des Vereins Berliner Buchdruckcreibejitzcr statt. Tie Minimallöhne für Gehilfen und Arbeiterinnen wurden in gleicher Höhe festgesetzt, wie sie in dem zwischen dem Buchbinderverbande und dem Verein der Buchdruckcreibejitzer abgeschlossenen Tarifvertrage festgelegt worden sind. Die in der Geschäftsbuchbranchc arbeitenden Spezialarbeiter werden besonders aufgeführt und sollen nach den Lohnsätzen, wie sie für die in den Truckcrcibuchbindercien arbeitenden Spezial- arbeiter vorgesehen sind, entlohnt werden. Die Lohnrcgelung für die bereits besser entlohnten Arbeiter und Arbeiterinnen soll so erfolgen, daß ersten: zum mindesten 1 M. und letztere 50 Pf. Lohn- Perantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; zulage erhalten sollen. Die Akkordlöhne werden durch den neuen Bertrag besser wie im bisherigen geregelt. Spätestens am 1. No- vember mutz die Durchberatung der Werkstattakkordtarife beendet sein. Zur Regelung etwaiger Streitigkeiten sieht der Vertrag eine «chlichlungskommission vor, die von Arbeitgebern und Arbeit- nchmern der Gcschäftsbuchbranche gebildet wird. Im übrigen gelten die Bestimmungen, die der am 2l. Juli abgeschlossene Tarifvertrag mit den Buchdruckereibesitzern enthält. Die Diskussion über den Bericht setzte sofort recht lebhaft ein. Der Lohnkommission wurde in der erregten Debatte mit scharfen Worten Borwürfe gemacht, weil einige wichtige Forderungen der Arbeiierschaft durch den Vertrag nicht erfüllt werden. Insbesondere wurde bemängelt, daß die Frauenarbeit nicht begrenzt, die Heim- arbeit nicht verboten, die Beschäftigung der zahlreichen ungeübten Arbeiterinnen nicht beschränkt wird, und der Vertrag auch regelnde Bestimmungen beim llebergang von der Akkord- zur Lohnarbeit ver- missen läßt. Die Zugeständnisse in ben anderen Punkten wurden als zu gering bezeichnet. Ueberaus lebhast ging es auch bei der Abstimmung zu. Erst bei einer zweiten Abstimmung konnte die Annahme'des Vertrages konstatiert werden. Im Ausstand befanden sich in 13 Betrieben 391 Personen. Die Wiederaufnahme der Arbeit vollzog sich nicht so glatt als erwartet wurde. Die Firmen Ashelm, Blochwitz, Joachim u. Co., Moriz u. Kummer, Schuckar uird Adolf Zumpe, G. m. b. H., glaubten, eine Auslese unter de» Streikenden halten zu müssen, weshalb sich die von Empörung erfüllte Arbeiterschaft iveigert, die Betriebe zu betreten, wenn nicht alle von ihnen wieder eingestellt werden. Sie verharren deshalb, ihrer 290 an der Zahl, noch im Ausstand. Es wurde beschlossen, die Sperre über diese Be- triebe fortbestehen zu lassen. Streik der Arbeiter in den Eisengießereien. Unter ungeheurem Andränge der Arbeiter in den Eisengieße- rcien fanden gestern abend zwei Versammlungen in den Pharus- sälen, Müllerstraße, statt. Mit großer Spannung wurde Cohens Bericht über die Kommissionsverhandlungen desselben Tages ent- gegengenommen. Das Resultat der Verhandlungen mit den Gießereibesitzern war ungünstig, indem die Unternehmer von der durch die Verhandlungstommission beratenen Vorlage noch Abstriche machen wolleir. In der Diskussion über den Bericht wurde unter allgemeiner Zustimmung erklärt, daß nicht nur keine Abstriche, sondern im Gegenteil über die Vorlage der gemischten Kommission hinaus noch, besonders für die Lohnarbeiter, Z u g e st ä n d n i s s e gemacht werden müßten. Zwei geheime Abstimmungen fanden statt. Die erste handelte sich darum, ob die Zugeständnisse der Unternehmer, wie sie der Ver- Handlungskommission vorlagen, angenommen werden sollten. Diese Frage wurde mit 2927 gegen 128 Stimmen verneint; 17 Stimmen ivaren ungültig. Die zweite Abstimmung betraf den Streik. Für den Streik wurden 1846, dagegen 163 Stimmen abgegeben; 18 Stimmen waren ungültig._ Oeutkchcs Reich. Zur Lohnbewegung in der Bielefelder Nähmaschinen-, Fahrrad- und Automobilindustrie. Am Donnerstag, den 5. Oktober, nahmen die Arbeiter in fünf großen Versammlungen Stellung zu der Antwort der Fabrikanten. Diese hatten aus die Eingabe der Arbeiter vom 22. September unter Hinweis auf die politische Ungellärthcit den Zeitpunkt für eine erhebliche Lohnerhöhung als ungeeignet erklärt. Auch die Teuerung habe sich hier nicht so stark ivic in anderen Bezirken bc- merkbar gemacht. Dabei haben die Arbeiter nur eine Ausvesserung der niedrigeren Löhne verlangt. Zudem ist durch die Bielefelder Handelskammer eine geradezu horrende Verteuerung vieler Lebens- mittel vor erst acht Togen noch zahlenmäßig nachgenncsen. Ferner seien durch die Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte in Thüringen und Süddeutschland die dortigen Fabrikanten in der Lage, billiger zu produzieren. Demgegenüber wird in Bielefeld die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in ousgepräglcstcr Weise forciert. Die Verkürzung der Arbeitszeit von 56� aus 51 Stunden wurde mit dem Hinweis auf die Abmachungen in der Metall- Industrie Sachsens und Thüringens l56 Stunden) abgelehnt. Daß in anderen Bezirken, wie Berlin, Taufende von Arbeitern eine kürzere Arbeitszeit haben, wurde nicht berücksichtigt. Die Firma Dürkopp u. Co. habe ferner z. B. nominell 3 Millionen Mark Aktienkapital. In dem Werke steckten aber tatsächlich nach den Bilanzen 15 Millionen Mark. Die gezahlten 28 Proz. Dividende auf die 3 ARillioiien bedeuteten also nur eine Verzinsung des angelegten Kapitals von 5V� Proz. In Wirllichleit erhellt diese Feststellung nur die Verschleierung der erzielten Millioncnprosile. In den Versammlungen wurde das wenig entgegenkommende Verhalten der Fabrikanten kritisiert und in einer Resolution ein- stimmig gemißbilligt. Von den Unterhandlungen mit den Unter- nehmern, die am Montag beginnen, erivartcn die Arbeiter, daß sie die Erfüllung ihrer bescheidenen Wünsche und Forderungen bringen._ Zu den Differenzen auf der Earlshütte in RcndSbur«,. Am Sonnabend, den 7. Oktober. läuft die Küiidigungssrijt der Arbeiter ab. so daß cS dann, da eine Verständigung durch die Direktion verhindert wird, zur Arbeitseinstellung kommt. Ein Versuch des Gauleiters vom Metallarbeitervcrband, eine Verhandlung herbeizuführen, wurde von der Direktion abgelehnt. In einem Anschlag macht die Direktion den Arbeitern dies jelbcr bekannt. In dem Anschlag wird weiter belanntgcgcben, daß die Direktion mit den Arbeitern nur einzeln verhandeln würde, daß aber auch die Rücknahme der 5lündigung bei den Meistern erfolgen kann; Bedingung sür die Rücknahme der Kündigung sei aber der Beitritt zum gelben Werkverein. Daß die Arbeiter diese schimpflichen Anecbietungen zurück- weisen, ist iclbjtverständlich. Ucbrigens sagt die Direktion nicht. ob auch sie die Kündigung der Aroeiter, die sie vorgenommen hat und die erst zur Kündigung durch die Arbeiter führte, zurück- nimmt. Die Direktion trifft sonderbare Sicherheitsmaßnahmen. Sieben Mann der Wach, und Schlicßgesellschast aus Kiel hat sie sich ver- schreiben lassen, die jetzt bewassnct die Fabrikgebäude sowie die Wohnungen der Direktoren bei Tag und Nacht belvachen und die Direktoren auch auf ihren Wegen zur Fabrik beichützcn sollen. Selbstverständlich denkt kein Arbeiter daran, diesen Herren ein Haar zu krümmen.— Die Werkswohnungen sind den Arbeitern sämtlich zum 9. Oktober gekündigt worden. Aus Grund der Be- stimmungen des Wohnungsvcrlrages hat dos Gericht diese Mieter zur sofortigen Räumung der Wohnung verurteilt. Die menschen- freundliche Direktion beeilte sich auch, diese Familien sofort und unbclümmert darum, ob sie anderweitige Unterkunft finden, durch den Gerichtsvollzieher auf die Straße setzen zu lassen. Die Hofs- nung der Direktion, durch dieses rücksichlslose Vorgehen einschüch- tcrnd auf die Arbeiter zu wirken, zeigt sich aber als verfehlt. Tie Arbeiterschaft Rendsburgs wird Maßnahmen treffen, wodurch dieses Vorgehen unwirksam gemacht wird. In der Bevölkerung Rendsburgs zeigt sich aber bereits eine starke Erbitterung gegen das Verhalten der Direktion der„Carlshütte". Hintze-Brüder im Kampfe der Bremer Braucreiarbeiter. lieber 190 der von Hamburger Streiibrccherlteferantcn Aus- erwählten sind in Bremen zur Unterstützung der Brauindustricllcn eingetroffen. Die Streikenden, die, nebenbei bemerkt, ausgezeich- nete Disziplin halten, sind außer Sorge über diese Schuhtruppe der Unternehmer. Auf II Tage sind die Arbeitswilligen engagiert. Am Bahnhof in Bremen wurden sie von einem Schutzmannsaufgebot von über 199 Mann empfangen, bürgerliche Blätter berichten sogar von einem Aufgebot von 169 Schutzleuten, die die Arbeitswilligen eskortierten. In der nächstgelegenen Brauerei wurden sie auf die einzelnen Betriebe verkeil! und weiter dorthin es- kartiert. Der Norddeutsche Lloyd lieferte Decken, Lebensmittek usw. Ein Koch nebst Hilfspersonal wurde aus.Hamburg mitge- bracht. Die Brauereiunternehmer täten gut, die so leicht zu findende Verständigung mit der Organisation der Brauereiarbeiter anzu- bahnen, ehe die Gesundhcitspolizei sich die Behandlung des Bieres durch die Arbeitswilligen näher ansieht. Notwendig wird dann aber sein, daß die Unternehmer selbst unterhandeln und ihren Syndikus Schmidt möglichst ausschalten, denn das ist nicht der Mann, um Differenzen auszugleichen. Huq der Frauenbewegung. Logik, Unlogik. Der„Vorwärts" vom 28. Juli brachte in der Rubrik.Frauen« bewegung" einen Artikel:„Her mit dem Frauen stimm« recht!" Dagegen wendet sich L. G. H e y m a n n in der.Zeit« schnst für Frauenstimmrecht" vom 1. Oktober, indem sie im Gegensatz zum.Vorwärts"-Artilel ein beschränktes Frauenwahlrecht verteidigt. Sie schreibt: «Es ist unrichtig, daß ein beschränktes Wahlrecht, welches auf Besitz beruhend heute in Deutsäiland eingeführt, eine.infame Rechtlosniachung" der arbeitenden Frauen bedeutet. Alle deutschen Frauen sind auf politischem Gebiete völlig rechtlos, mehr als völlig rechtlos kann man nicht sein; dadurch daß einige Frauen Rechte erhalten, kann keine Rechtlosniachung anderer Frauen er- folgen, die bereits rechtlos sind; sie bleiben einfach was sie waren, rechtlos. Nur der Vorteil kommt hinzu, daß ihrem eigenen Geschlecht durch Geschlechtsgenossinnen Vertretung in der Gesetzgebung zugesichert wird. Beschränktes Frauenwahlrecht bedeutet der völligen Rechtlosigkeit der Frau gegenüber eineir Fortschritt für die Frauen in ihrer Gesamtheit und sür das Frauen- stimmrecht im Prinzip... Hätten im Deutschen Reichstage bei Beratung der Rcichsversicherungsordnung anstatt der Konservativen und Zelitrumsmänncr Frauen von gleicher politischer Gesinnung gesessen, eine Gesetzgebung, wie wir sie jetzt sür die Mutterschaft erhalten haben, wäre einfach unmöglich gewesen. Beschränktes Fraueiiwahlrecht nähert sich der Gerechtigkeit mehr, als Wahl- losigkcit aller Frauen... Es ist die e r st e Etappe zum all- genieinen Franenwablrecht... Ein an Besitz gebundenes poli- iisches Wahlrecht kommt überhaupt nicht mehr in Betracht, höchstens ein auf Steilerleistung beruhendes. Bon letzterem ist die arbeitende Frau weil iveuiger ausgeschlossen, als die Frauen der bessere» Stände..." Man muß sich wirkich darüber wundern, wie sich die Welt in diesem Kopfe malt. Ist es denn nur der Grad der Rechtlosigkeit, der in Betracht kommt? Gibt es nicht auch eine Periode der Rechtlosigkeit? Run. unS scheiut eS. die Periode der politischen Rechtlosigkeit der Frau naht sich ihrem Ende. Je schneller der Sozialismus vorwärtsschreitet, desto rascher werden die Frauen das Frauenstiminrccht bekommen, da« heißt desto schneller werden wir das allgemeine, gleiche Wahlrecht für beide Geschlechter erreichen. Je mehr der Sozialismus ausgehallen wird, je mehr Gegner er zu bekämpfen hat, ob rechtsstehende Männer oder Frauen, desto ferner ivinkt das Ziel. Je mehr besitzende Frauen also ein Wahlrecht er« halten, desto mehr Feinde des allgemeinen, gleichen Wahlrechts er« stehen. Beschränktes Wahlrecht der Frauen ist nicht die erste Etappe zum allgemeinen Wahlrecht, sonder» könnte unter Umständen das allgemeine Wahlrecht illusorisch machen, total verhindern. Wenn bei der Be- ratuiig der Reichsversichernngsordnuiig mehr Sozialdemo- k r a t e n im Reichstag gesessen hätlen, wäre die Mutterschaft«- Versicherung zweifellos anders ausgefallen, e» war nicht der Mangel an Frauen, sonder» die Macht deS Besitzes, die das Gesetz zu Fall gebracht. Besser als Genosse David hätte keine Frau für die MutterschaflSversicheruug sprechen können I Im Gegenteil. Frauen der besitzenden Klasse würden wahrscheinlich die Politik der besitzenden Klasse, die doch einmal Fleisch von ihrem Fleische, mitgemacht haben, wenigstens würde nicht s o zuversichtlich auf sie zu hoffen sein, wie auf die sozialistischen Männer, die sich bereits bewährt haben. L. G. H«Y« in n n n schreibt, die Sozialdemokraten wären ja sonst zufrieden, wenn sie eine Abschlagszahluiig, einen kleinen Bissen ihrer Forderungen bewilligt bekämen. Sehr richtig, Fräulein Heymann, auch kleine gute Biffen werden akzeptiert, wenn sie das Wohl des Volkes fordern, und so lange die Sozialdemokratie die Gesetze für das Bolkswohl noch nicht selbst diktieren kann. Aber vergiftete Bissen, verzuckerte Pille», wie dos beschränkte Frauenwahlrecht. darauf fällt die sozialdemokratische Partei nicht hinein, die sozio- listischen Frauen ebenso wenig. Letzte Nachrichten. Tie monarchistische Erhebung in Portugal. Paris, 6. Oktober. Wie die„Agence Havas" aus L i s l a b o ii meldet, ist gestern früh eine Abteilung von 700 Monarchisten unter dem Befehle Camachos in den portn- giesischcn Bezirk Braganza eingedrungen und hat mehrere Ortschaften besetzt. Zweitausend Mann, die in der Gegend versammelt waren, haben sich bei Vlnbaes mit den Monarchistrn vereinigt und warten das Eintreffen einer iiildcrcil Kolonne unter dem Bcfrhle Eoncerros ab, die von Beriii her in Portugal rinmarschieren soll. Lissabon, 6. Oktober.(Meldung der„Agence Havas"/» Ter Einfall der R o y a l i sie n beschränkt sich auf einige k l c i ii e O r t s ch a f t e n an der Grenze, wo es z» mehreren Zusammenstößen mit unbedeutenden Verlusten kam. Die R e g i e r u n g hat an der Grenze genügend Truppe»� um die Ordnung wieder herzustellen.— Nach Braganza sind Truppen entsandt werden. Nach Oporto wird ein Kriegsschiff abgehen, um dort Truppen zu landen. Nach» lichten von den wichtigsten Punkten des Nordens besagen, daß die Jahresseier der Erklärung der Republik ohne Zwischen- fall verlausen ist. An der Nordgrenze stehen 8000 Mann Negierungstruppen._ Tie Albanier und die Türkei. Belgrad, 6. Oktober. iB. H.) Die A l b a n e s e n im Nordwesten des Wilajets Kossovo hoben erklärt, daß sie die Oberhoheit de» Sultans nicht mehr aiirrkennen. Der Vorsteher von Rotray wurde von ihnen verhaftet. Ter Gouverneur und der Gen- darmcrickommandant sollen nach Monastir geflohen sein. Weiter haben sie den Bezirkshauptmann festgenommen und wollen ihn nur gegen ein Lösegeld von 1200 Pfund freigeben. Da er diesen Betrag nicht zahlen konnte, mißhandelte man ihn und brannte die Präfcktur nieder._ Absturz eines Fliegers. Reims, 6. Oktober.cu'i< Faeui�e, Mitinhaber der Firma, bekundet: Er lmbe dem Sage klagten hauptsächlich mit Rücksicht aus seinen klangvollen Namen die Stiesel geliefert. Was die Erwähnung des'Schloffes Äracht betrifft, so sei es möglich, daß cr zuerst bei der Nennung des Namens Metternich ergänzend gefragt habe:„Schloß Gracht?" um damit festzustellen, ob der Angeklagte zu jener Familie Mctter- nich gehöre. Im ganzen habe der Angeklagte 593 M. für Stiefel Zu bezahlen gehabt und ein Darlehen von 59 M. Erhalten. Die Preise seien völlig angemessen. Dem Angeklagten würde ich auch Kredit gewährt haben, wenn er nichts vom Schloß Gracht erwähnt hätte. Ich habe erst kürzlich geklagt, damit die Sache nicht verfällt. Ein Zwischenfall. Als der Angeklagte hierzu' längere Ausführungen macht, be- werkt der Beisitzer Landrichter Krirner: Das ist doch aber Plädoyer! glicoe des Gerichts entschieden untersagen!— Angekl.: Ich werde irritiert, wenn ich im Anfange meiner Erklärungen immer durch solche Zwischenbemerkungen des Herrn Beisitzers Kriener unter- brdchcn werde. Es muß mir doch gestattet sein, mich zu verteidigen. Solche Zwischenbemerkungen deuten eben für mich auf eine Be- sangcnheit des Gerichts hin.— Vors.(verweisend): Wir hören mit MUeq'chütterlichet Geduld zu und laßen Ihnen den weitesten Spiel- räum und Sie wagen hier so etwas zu behaupten!— Angekl.: Die Oeffentlichkeit ist anderer Anficht! Wenn ich auch Angeklagter bin) muß ich mich dagegen wehren, daß immer nur Landrichter Kriener solche Bemerkungen macht.— Beisitzer Landrichter Kriener: Ich habe nur gesagt: Das ist doch. Plädoyer und man kommt doch nicht- weiter. wenn fortwährend WieLerhotuugcn gemacht werden.— Angekl.: Ich habe doch auch Augen zu sehen uitd sehe die Mienen des Herrn Landrichters und weiß, welche Gedanken cr damit bekun- den will. Ich weiß nicht, wie der Herr das ans seinen RmtSeid nehmen will. Ter Herr Staatsanwalt macht fich sofort Notizen und denkt: Aha! Schloß Gracht hat er dem Zeugen vorgeredet! Ucber das Verhalten des Landrichters Kriener lassen sich Bände schreiben und das werde ich tun. wenn ich in Freiheit bin!— Ttaatsanw.-Rat Porzclt: Ich beantrage, den Angeklagten in eine Ungebührstrafe von 3 Tagen Haft zu nehmen, die er allerdings surzeit nicht wird verbüßen können.— Verteidiger R.-A. Alsberg: Ter Angeklagte geht ganz gewiß viel zu weit, aber cr hat doch nach der Strafprozeßordnung das Recht. Erklärungen zur Sache abzugeben und sich in jedem eingclnen Falle zu verteidigen. Er kann doch nicht am Schluß der Perhandlung eine mehrstündige Rede kleines feuilleton. Di« Benus von Smueffa. Zu der Venus von Milo und der Medicejsch�,, UenuS ist jetzt die„Bemts von Sinuessa" h«zugekommen. Dem durch die jüngsten Entdeckungen in Paestum bekannt gewordenen Professor Spinazzola ist es gelungen, unweit von Man» dragone. dem atleu Stuuessa. eine Venus, die soeben das Bad ver- läßt, zu entdecke». Die Pariser.Iilnimmoli brachte eine Äb- bildting dieser VenuSstauie. und man ist in der Tat entzückt von der ungewöhnlich schone» Liuiensührung und Anmut der Figur. Hüsten und Ovetfistj�r ,jnd entblößt, und mir lose schlingt sich das Peplo» um die Beine. Wie der Venns von Milo so fehlen auch der Benus von Siiiuessa die Arme; leider aber fehlt auch der Kopf. Damit ist der Statur die Seele, das eigentlich Belebende genommen. Dieser Umstand wird otuö zur Folge haben, daß die Vntus von Siiincssa nicht die gleiche Berühmtheit wie ihre beiden Schtoestern erlange» wird. Professor Spüiazzvla aber, der das kostbare Bildwerk nnr mit Geschick und Energie römischen Händlern abjagen konnte, ist von seinem hohe» Werte überzengt, und er hat leiner Venus von Sinuefia im Nalionalinnseum von Neapel, dessen Direktor er ist, «ine» Ehrenplatz gegenüber den» Herkules Farueje angewiesen. Theater. Kammerspicke: Vertauschte Seelen joder die Komödie der Auferstehungen, Groteske von Wilhelm v. S ch o l z. Das danktnrc Märchen motiv der Verwandlungen, das auch Molisres klassischer Aniphnryon-Komödie zugruiide liegt, wird von der Scholzschen Groteske zu regellos verworrener Phantastik aus- gesponnen. TaS triviale Zaubersprüchlein eines alten orientalischen BcttkerS ermöglicht ihm.»act, Belieben seine Seele in irgendeine,'. Leichnam zu lancieren und so dem Toten zur Auferstehung zu ver- Helsen. Nock mehr, der Zauber hat auch rückwirkende Gewalt. Ge- fälllS dem Alten nicht Mehr in der neuen leibluften Behausung, kann er in itüheren entseelte» Körper zurück. Damit der Wirrwarr sich noch weiter kompliziere, gewinnt ein jeder, der den Spruch gelernt hat. dieselbe Kraft. Ein ideal bequemer Apparat für die ErzeuHUvg endloser Verweckselungen! Eine starke komische Phantasie hatte ans der turbulenten Verrücktheit solcher Voraus- setzungeil, vielleicht zu einem übermütig spottenden. bcziehungS- reiche» Kexierspiei menschlicher Torheit gelangen können. Doch bei Scholz reicht es niä't weiter als. zu einigen frostig kalkulierten TbeaterblufsS. Cr stellt die Dinge auf den Kopf, und weiß dock auS tzem limsturz nichts, was dafür Haldwegs entschädigen würde, hcrauSzuho.'en. Ter hübsche Einfall, daß die sich Vcrwandeknden in die neuen Gestalten ihre früheren Instinkte. Ansichten und Manieren mit hinübernchmen und sich so wechselweise travestieren, ist allzu posscnhajt und flüchtig durchgeführt, um humoristisch halten pnd dann erst alle Belastungsmomente widerlegen.— An- geklagter: Ich will mein Recht haben!-- Der Gerichtshof behält sich eine Beschlußfassung vor. Ein Reitpferdhanbcl. Es wird dann der Anklagcsall behandelt, in welchem der An- geklagte von der Frau Risch ein Reitpferd gekauft hat und dabei falsche Vorspiegelungen gemacht haben soll. Der Angeklagte hat am 22. Februar 1919 durch Vermittelung des Stallmeisters Meschede das im Tattersall am Kurfürstcndamm stehende Reitpferd der verwitlveten Frau Risch gekauft. Ter Kauf- preis war aus 2599 M. vereinbart; der Angeklagte hat dafür einen Wechsel gegeben, soll aber das Pferd, welches er, wie er behauptet, nicht reiten konnte, weil es einen Koller hatte, sehr bald weiter verkauft haben. Ter Angeklagte stellt die Sache so dar, daß er bei diesem ganzen Pferdekauf gründlich hineingefallen sei, denn das Pferd sei viel zu teuer bezahlt worden. Er bestreitet auch die Behauptung der Frau Risch, daß er das Pferd zu eigener Benutzung gekauft habe. Ueber den Wert des Pferdes und die Umstände, unter welchen der Pserdekauf zustande gekommen ist, ergeben sich die üblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Zeugin und dem Angeklagten. Auf die Frage des Staatsanwalt- schaftsrats Porzclt gibt die Zeugin Risch zu, daß sie es gewesen, die bei dem Botschafter Metternich in London angefragt habe, ob er die Schuld des Angeklagten begleichen wolle. Dieselbe Anfrage habe sie au den Vater des Angeklagten gerichtet, aber auch eine ablehnende Antwort erhalten. Als bei Darlegungen des Verteidigers, von einem Betrüge könne in diesem Falle keine Rede sein, der Staatsanwalt bemerkt, daß de: Angeklagte zu dieser Zeit mit dem Falschspieler Stall- mann verkehrte, erwidert der Verteidiger: Man wisse doch vor- läufig noch gar nicht, ob Slallmann wirklich ein Falschspieler sei. Angeklagter erklärt hierzu: Mit Stallmann habe ich etwa sechs Wochen verkehrt; er ist mir von einem Gardcossizier, den ich im königlichen Schloß in Berlin kennen gelernt habe, vorgestellt worden. Ein Leumundszeuge. Zwischendurch wird Generalmajor a. D. Pauli, der mit Rück- ficht aus seinen leidenden Zustand nicht warten kann, vernommen. Er erklärt auf Befragen: Ich habe immer angenommen, daß der Gras Metternich das reichste Mädchen von Berlin hätte heiraten können. Er hat ein getoiiincndcs Wesen und gutes Aeutzere und ist eben der Graf Metternich. Ich habe eine Verwandte, die sehr viel Geld hat; der Graf war aber für sie leider zu jung. Ich halte ihn für einen sehr vornehmen Charakter und einer un- rechtco Handlung nicht für fähig. Nach meiner Meinung ist es schuld des Baters des Angeklagten, daß der Graf Metternich überhaupt in diese Zituation kommen konnte. Es war von ihm unverantwortlich, einen so jungen Menschen allein ohne Sub- sistenzmiltel in Berlin zu lassen. Der Graf steht mir sehr nahe, ich habe ihn sehr gern.— Staatsanwalt Porzclt: Wie oft sind Sie denn eigentlich mit �>em Grafen zusammengekommen?— Zeuge: Vielleicht zwei- bis dreimal.— Staatsanwalt Porzclt: Und das hat genügt, fich ein so uuifangreiches Wissen über den Charakter des Grafen Metternich zu bilden?— Zeuge(mit erhobener Stimme): Herr Staaisauwalt, es kommt nicht daraus an, wie oft man mit einem Menschen zusammenkommt, um ihn richtig kennen zu lerne». Es ist möglich, Herr Staatsanwalt, daß Sie nicht in der Lage sind, so wie ich als alter Mann, einen Charakter zu erkenne». Dem Grafen hätte ich jede» Augenblick Geld zur Verfügung gestellt, wenn er mich darum gebeten hätte. Ich kenne in Beriii: viele Lisiziere, dte keinen Pfennig Geld hatten, dann eine. Millionärin geheiratet und jetzt majjeiihast Geld haben; das hat ihnen keiner übel genommen.— Bei den Erörterungen, ob es s» letcht sei, eine Millionärin zu heiraten, meint der Angeklagte: Meine Frau hat eigentlich mehr wie eine Million. Sie hat ein derartiges Einkommen und verdient durch ihr Spiel soviel, daß das Gesamteinkommen die Revenuen eines Kapitals von mindesten» zwei Millionen darstellen.—- Es wird dann auf den Fall Guüke zurückgegriffen. Eine Zeugin Frau Schmidt bekundet: Die Gustke hat mir erzählt, sie habe dem Grafen Metternich gegen einen Wechsel Geld geliehen. Ich glaube mich erinnern zu können, daß ich sie damals noch warnte, soviel Geld zu verleihen. — Bei der weiteren Bertiehmung kommt es wieder zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung, als der Maatsanwalt darauf zurückkommt, daß Rechtsanwalt Dr. Iaffe, obgleich er die Adresse der Zeugin Gustke wußte, sie der Staatsanwallschaft nicht bekannt gegeben habe. Die Zeugin sei aus Petersburg zurückgekommen, habe sich am 14. Juli beim Verteidiger gemeldet, weil der Verdacht des Meineides gegen sie ausgesprochen war, und ihren Wunsch, vernommen zu werden, zu erkennen gegeben. In einer Eingabe des Verteidigers vom 12. August stehe aber, daß die Zeugin sich der Vernehmung zu entziehen bestrebt sei. Das ist es, erklärt der'Staatsanwaltschafts- rat, was ich dem Verteidiger vorwerfe und was ja noch weitere Folgen haben wird: daß er unter Beweis stellte, daß die Zeugin ich vorsätzlich ihrer Vernehmung entziehe.— Tie Verteidiger bezeichnen den Angriff des Staatsamvalts als ungeheuerlich. Pflicht der Verteidigung sei es nicht, einen Belastungszeugen zur Stelle zu schassen, lieber dan Sachverhalt selbst wird beantragt. den Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Jaffs als Zeugen zu vernehmen. Rechtsanwalt Joffe bemerkt noch: Er bitte dringend, gegenüber den Anwürfen des Staatsanwalts, die nicht nur ihn, sonder« den ganzen Anwaltftand angehen, um seme Veriiichmuug Drohung des Staatsanwalts mache auf ihn keinen Eindruck. Wenn der Staatsanwalt den schon mehrmals dargestellten Sach- verhalt nicht verstehen wolle, so fei das feine Sache. In dem Beweisantrag wird unter Beweis gestellt: die Zeugin Gustke war im Julitermin nicht in Berlin. Sie wendete sich»ach dem Termin, in dem der Verteidiger sie heftig angegriffen hatte, nicht an den Staatsanwalt, sondern an den Verteidiger mit der Anfrage, ob er ihr Reisegeld zum nächsten Termin schicken wolle. Daraufhin hat der Verteidiger die Ladung von Zeugen beantragt, die be- künden sollten, daß die Zeugin während des vorigen Termins in Berlin war, also böswillig nicht an Gerichtsstelle erschienen sei. Das Gericht lehnt den Antrag a»f Vernehmung des Vertci- digers ab, weil dem Gericht der Sachverhalt völlig Mfgeklärt er- scheine. Es wird dann wieder zu dem Reitpferdhandel übergegangen. Zwischen den Zeugen und dem Angeklagten wird sehr viel darüber gestritten, ob das Pferd ein sogenannter„Ver- breche:" war, ob es sehr nervös war, ob es kollerig war und ob es einer Arsenikkur unterworfen wurde. Der Angeklagte behaup- tet, ihm sei die Arsenikkur verschwiegen und das Pferd ihm als ganz gesund verkauft.— Stallmeister Meschede ist der Ansicht, der Graf sei mit dem Pferde hereingefallen. Er kennt den Angeklagten noch aus der Zeit, wo er als Tertianer in Bonn weilte. Der An- geklagte habe nur 5 M. monatlich Taschengeld bekommen. Das sei sehr wenig. Tic jungen Leute in jenen Kreisen bekäme» bis zu 399 M. Taschcnacld.— Vursivender:. 15jährige Leute? Tertianer?— Zeuge: Jawohl, bloß für das Reiten wurden monatlich oft 49 bis 59 M. ausgegeben. Ter Augeklagte hätte nach meiner Ansicht sehr leicht eine reiche Partie machen können. In zwei weiteren Antlagefällcn handelt es sich um Darlehnsaufnahmc gegen Akzepte. Der Staats- anwalt legt auf diese kein Gewicht, da der Geschädigte Dr. jur. Schlesinger krank daniederliegt und erklärt hat, er fühle sich nicht geschädigt. Es kommt dann der Fall Kilholz zur Sprache.'. Im Januar 1919 trat der Noßschlnchter nnd Geldvermittler Kilholz mit dem Angeklagten in Verbindung durch den Konuiüs- sionär Tilo, an den sich Metternich zur Erlangung von Geld ge- ivandt hatte. Tilo fragte bei Kilholz an, ob er ciiien Wechsel über 2599 M. unterbringen könne, der die Unterschriften des Grafen Metternich und eines Herrn v. Hagenow trage. Metternich sei„prima-prima". Durch Vermittelung des Kilholz machte der Kaufmann Gustav Noack dieses Geschäft: er gab dem Tilo auf den Wechsel 1359 M. in bar. zog sich 259 M. als Diskont ab und ver- rechnete 999 M. auf eine ältere Schuld des z.uljclz. Von den baren 1659 M. hat Tilo nnr einen Teil an den�G rasen Metternich abgeführt. Letzterer behauptet, nur 509 M. erhalten zu haben. Nach diesem Wechsckgeschäft hat der Angeklagte mehrfach Darlehen bei Kilholz aufgenommen. Kilholz will ihm insgesamt 1959 M. gegeben haben. Die an Kilholz dafür gegebenen Wechsel sind mangels Zahlung protestiert worden. Angeblich soll der Angeklagte bei diesen Geschäften falsche Angaben über seine Bermögensver- Hältnisse gemacht haben. Er bestreitet dies ganz entschieden und versichert, daß er v.on Kilholz nicht 1959 M., fondern nur ganz kleine Darlehen erhalten habe. Die Wechsel habe ihm Kilbolz förmlich herausgeholt.— Die Aussagen der Zeugen Tilo und Kil- holz haben keinen großen Wert: Tilo ist, wie er angibt, wegen Geisteskrankheit entmündigt, Kilholz sitzt in Untersuchungshaft und wird zurzeit auch auf seinen Geisteszustand beobachtet. Das Gericht tritt hierauf in die Verhandlung deS Falles Raedcr ein. Die Anklage wirft dem Angeklagten hierbei folgendes bor: Durch Vermittelung eines Agenten Mandns wurde der Angeklagte. der seinerzeit ein Darlehn suchte, mit dem Kaufmann Wicgking in stärker zu interessieren. Einzelne Motive und die in Winter- st e i ns Inszenierung sehr geschickt herausgearbeitete pantomimische Ttilart des Ganzen erinnern an den„Sumurun". Bei der Auf- sührung erschien der Text vielfach nur als Bindeglied für die mimischen Pointen. Ein hinkander, zerknmpter Gauner— Wegen er gab in dieser Rolle wieder ein Prachtstück naturalistischer Charakteristik— luxt dem mysteriösen Greis den Zauberspruch ab und wird dann wieder vom Könige gezwungen, ihm das Geheimnis zu verraten. Der Gauner fährt in des Königs, der König in des Gauners Leib. Tie Königin aber, die in eifersüchtigem Groll an dem treulosen Gatten eheliche Rache nehmen möchte und just den lumtzigen Gauner zu diesem Zweck sich onscrsehen, bricht so niit ihrem eigenen Mann die Ehe— zu beiderseitiger Zufriedenheit. Ter Fürst, der sie so lang verschmähte, ist nun entzückt von ihr und wünscht nichts sehn- lichcr. als möglichst bald in seine frühere Haut zu fahren, als Hcrrscker und als legitimer Gatte. Tic wirre Hetzjagd der Ver- wandluiigeii geht unterdessen auf der ganzen Linie iveiter. Alle Augenblicke fällt einer tot zu Boden und wacht in anderen Leibern auf. Im Patientcnzimmer ciues Arztes, der Sklaven zu Harems- Wächtern für itcn Sultan präpariert, gibt sich die Gesellschaft der Toten und Lebendigen abtvechselnd ein Stelldichein. Bei der letzten Begegnung des(stauners mit dem alten Betiler hat die Zauber- kunst der beiden den höchsten Grad erreicht. Sie brauchen kaum den Spruch noch herzusagen, sie pusten einfach ihre Seele in die Hand und schleudern sie ivie einen Plumpsack ihrem Gegenüber zu. Dabei schlüpft auch der König wieder in den angestammten Körper. Ein das Publikum launig apostrophierender Epilog, von B i e n s- feldt. dem drolligen Darsteller des Eunuchen, wirksam vor- getragen, brachte es am Schluß zu lebhaftem Applaus. Neben den Erwähnten machten sich namentlich die Herren Viktor Arnold als Arzt, Kühne, der als Bettler die Äönigsschritte trefflich karikierte, und Henrich in der Figur des Königs um die Auf- führung verdient. Ct. Humor und Satire. Eröffnung der Saison. Sieh', eS wintert all bereits,? einsam wird's in Wald und Flnrc», und der Landmo»» sciiicrseils fährt die ersten Düngerfnhren. In der Stadt verschwunden sind vor den Reitaurants die Tische. und eS treibt ein garsi'ger Wind manches Härchen in die Nische. Bei Kouzett, Theater. Tanz. Mittags-, Abend-, Nachtgelage» hofft die Welt der Eleganz die Saison nun totzuschlagen. Mächtig Yäiiil die Wensation jetzt sich in der Bürgerpresje, Metternich sängt an. und schon winken ähnliche Prozesse: Adel, Bildung, Kapital eisern wieder um die Wette, wer den sasiigsteu Skandal und die größten Lumpen hätte. Franz. Notizen. — Theatervorstellungen zu 50 Pfennig. Im Friedrich- Wilhelm städtischen Schauspielhaus« Iverden RachiuittagSvorjtelliingen zum Einheitspreis von 59 Pf. ein« geführt. Die Vorstellungen finden Mittwoch. Sonnabend und Sonutag '/■A Uhr statt. Die erste Vorstellung am Sonntag, den 8. Oktober, bringt„Kabale und Liebe". — Die Jury des Volksschrllerpreises der deutschen Goethc-Biinde für die Preisverteilmig am 19. November 1912 hat sich in Berlin konstitiliert. Ein Preis von 3090 Mark ist für ein hervorragende» deutsches Drama bestimmt, das innerhalb der letzten drei Jahre bekannt geworden ist. Bewerbungen sind bis zum 1. Juli 1912 zu richten an den Vorstand Pros. G, HellmerS, Bremen. — Eine Geschichte Japans.� von dem japanischen Ge- lehrten Pros. HiSho Saila in Tokio deutsch geschrieben, wird dein- nächst in Fcrd. DümmlerS Verlag erscheinen. — Der Sühne-Soldat. Der scanzöfisch« Dramatiker .Henri B e r u st e i n. der vor Jahren aus der französischen Armes desertierte und dann amiicstiert wutde, aber wegen Kränklichkeit vom Dienst befreit blieb, ist wieder in den aktiven Dienst eingestellt worden. Bernstein hat die Euistellting wegen der Skandale bei der Ausführung seines letzten Stückes selbst beantragt. So scheinen der gekränkte Patriotismus und die Neklamesucht beide auf ihre Kosten zu. kommen. — Das Deutsche Museum, das als deutsche» Zentral- museum für Naturwissenschaften und Technik in München ge- baut wird, beging am Donnerstag sein Richtfest, an dem an 1L99 Personen, darunter alle Arbeiter, teilnahmen. — Eine unterirdische Straße inNew Dork. New Dork wird nunmehr eine unterirdische Straße von 39— 49 Fuß Breite erhalten, die sich unter der 42. Straße von der 5. Avenue zur Lcxiiigton-Aveuue erstreckt und nur für Fußgänger bestimmt ist. Di« Kosten sind auf 1 Million Mark veranschlagt. — Das millionste Patent ist jetzt in den Vereinigten Staaten erteilt worden. Die halbe Mllion au Patenteil war in den Vereinigten Staaten erst im Jahre 1893 erreicht, und die ziveite Hülste hat daher nur achzehu Jahre gebraucht. Das ergibt für diese Zeit die Verleihung von mehr als 600 Pate iiteit in jeder Woche. Daraus lassen sich recht hübsche Einnahme» bercchiwit, da jedes Patent 140 9t kostet. Wandsbek bekann?. Der Sozius des W. gab«hm auch e,n Darlechkr von 2000 M. Metternich mutzte dafü.r Anteile der Tepprchfabr'k Roeder u. Co. in Höhe von SO 000 M. übernehmen und dafür eui per 1. April 1910 fälliges Akzept geben. Metternich soll, wie die Anklage behauptet, bei der Abwickelung dieses Geschäfts verschwiegen haben, datz er überhaupt wicht in der Lage war, S2 000 Mark zu zahlen. Auch in diesem Falle soll er auf die bevorstehende Heirat mit der Frau Dolly Landsberger hingewiesen haben.— Der Angeklagte bestreitet auf das entschiedenste, sich eines Betruges schuldig gemacht zu haben. Der Zeuge Roeder, der zurzeit wegen Betruges und Wuchers verfolgt wird und sich ,n Paris aufhält, habe ihm seinerzeit gesagt, es liege ihm daran, klangvolle Namen in den Aufsichtisrat der Tcppichfabrik zu bekommen. Er sei heute sehr erfreut darüber, datz er die Anteile nicht mit 50 000 M. bezahlt habe, denn drei Tage später sei die Firma Roeder in Konkurs geraten und er hätte das Geld verloren. Bei den Besprechungen über dieses Geschäft, welches ihm«ls Auf- sichtsratsmitglied 12 000 M. jährlich bringen sollte, habe er ge- äutzert, es wäre ihm sehr angenehm, wenn er bald etwas Geld in die Finger bekommen würde. Roeder habe ihm hierauf die 2000 M. mit verschiedenen Abzügen gegeben. Er habe jene Verpflichtung ruhig eingehen können, da man ihn als Aufsichtsratsmitglied doch nicht gut verklagen konnte.„Die ganz« Sache", so erklärt der Angeklagte,„lief darauf hinaus: Roeder wollte meinen Namen, und ich von ihm Geld."— Eine Beweisaufnahme über diesen Fall findet nicht statt, da die hierzu geladenen Zeugen noch nicht an- wesend sind.— Auf die Vernehmung des Nsenten Albert Mandus wird vom Gericht verzichtet, da er in einer anderen Sache für geisteskrank erklärt sein soll. Es folgt die Erörterung de? Falles Fuchs, der keinerlei Interesse bietet.— Vors.: Fuchs ist auch im Irren- haus!«(Heiterkeit.) Wie sich ergibt, hat der Angeklagte in diesem Falle für ein Darlehn von 150 M. einen Pelz im Werte von 300 M. verpfändet, so datz keinerlei Schaden entstanden ist. Mehrere andere für den Angeklagten zum Teil günstig liegende Anklagefälle, in denen es sich um ein Konversationslexikon bezw. ganz geringfügige Beträge handelt, sind ohne Interesse. Die nächste Sitzung findet heute um 9 Uhr statt. Montag soll ausfallen und Dienstagmittag weiter verhandelt werden, so datz am Dienstag oder Mittwoch die Verhandlung voraussichtlich br endigt werden wird._ tserfen. fie stützt sich aber darauf, daß der Gehilfe die Gratifikation gar nicht„gefordert", sondern darum„gebeten" habe. Daraus gehe zur Genüge hervor, datz Kläger sich selbst bewutzt war, datz er einen Rechtsanspruch nicht habe. Das Kaufmannsgericht verurteilte die Gesellschaft zur Zahlung der Gratifikation. Der Kläger sei in völligem Einvernehmen mit der Beklagten aus seiner Stellung bei ihr unter Jnnehaltung der Kündigungsfrist geschieden. Bei dieser Sachlage konnte der Um- stand, datz er um Berücksichtigung bei Verteilung der Gratifikation „gebeten" hat und eine solche nicht„gefordert" hat, nicht zugunsten der Ansicht des Beklagten in die Wagschale fallen. Das beweist vielmehr nur, datz der eingestellte auch noch nach der Leendigung seines Dienstverhältnisses bei der Beklagten es hat vermeiden wollen, seiner bisherigen Arbeitgeberin irgendwie schroff gegen- überzutreten. Hätte er sogleich die Gratifikation„verlangt",„ge- fordert" oder„beansprucht", so hätte hierin ein recht geringes Ver- ständnis für das nötige Matz an Höflichkeit und Hochachtung ge legen, die Kläger als gebildeter Mann seiner ehemaligen Arbeit geberin schuldig war._ Soziales« Wichtig für Selbst« und Weiterverfichert« der Jnvalidenverficherung. Die Aenderungen deS JnvalidenversicherungsgesetzeS, die durch die Reichsversicherungsordnung beschlossen find und am 1. Januar 1912 in Kraft treten sollen, bedingen eine Aenderung der Beitrags- sätze. Die Beiträge betragen ab 1. Januar 1912: in Klasse 1... 16 Pf. »»2.», 24, „„ 3... 32 m „ h 4... 40, ,, 5... 48, Durch diese Aenderung macht sich die Einführung neuer Marken und wahrscheinlich auch neuer Ouittungskarten notwendig. Nur für die vor dem 1. Januar 1912 liegende Zeit dürfen alte Marken verwendet werden. Nach z 146 J.-V.-G. dürfen Selbst- resp. Weiterversicherte Marken für eine länger als ein Jahr zurückliegende Zeit nicht ver- wenden. Selbstversicherte müssen in zwei Jahren mindestens 40. Weiterversicherte dagegen im gleichen Zeitraum mindestens 20 Marken geklebt haben. Alle Selbst- und WcUcrvrrficherten Handel» daher in ihrem eigenen Interesse, wenn sie vor dem 1. Januar 1912 prüfen, ob bereits die erforderliche Anzahl von Marken geklebt worden ist, und wenn das nicht der Fall ist, dann noch vor dem 1. Januar 1912 die erforderliche Anzahl Marken kleben, um durch die spätere Ver- Wendung der Marken nicht Nachteile zu erleiden und schlietzlich um ihre Rechte zu kommen._ Darf ein Handlungsgehilfe höflich fein? Datz dem Angestellten Höflichkeit von einer Firma zu seinen Ungunsten ausgelegt werden kann, zeigte eine Verhandlung vor dem Kaufmannsgericht Lichtenberg. Ein Gehilfe, der 11 Jahre bei der beklagten Firma tätig war, schied in Frieden aus dieser Firma aus. Bei seinem Abgange bat er um Aushändigung der Gratü- sikatwn für das letzte Jahr, seine Bitte wurde indessen abgelehnt. In der Verhandlung machte der Kläger geltend, datz er glaube, aus die Gratifikation einen rechtlichen Anspruch zu haben, nachdem er 11 Jahre hintereinander die Jahresgiatifikation stets erhielt und sich bis zuletzt strengster Pflichterfüllung befleitzigt. Die beklagte Gesellschaft vermocht« auch in der Tat dem Kläger nichts vorzu- flus Industrie und Kandel. Die deutsche Samtproduktiou. Die Krefelder Handelskammer hat wiederum mit Hilfe des Verbandes deutscher Samt- und Plüschfabrikanten eine Statistik über die Samtindustrie Deutschlands im Jahre 1910 aufgenommen. ES wurden danach durchschnittlich im Laufe des Jahres beschäftigt in Samt und Samtgeweben 1908 1909 1910 a) Handstllhle..... 486 435 341 b) mechanische Stühle.. 3349 8221 3688 In fe st kantigem Samtband sank die Zahl der Hand- stühte von 36 im Jahre 1908 auf 25 im Jahre 1910, die der mechani- schen Stühle sank von 1067 im Jahre 1908 auf 942 im Jahre 1910. Auf die Stadt Krefeld allein entfallen von den in Samt und Samt- geweben beschäfligten Handstühlen 141, von den mechanischen Stühlen 1664. In festkantigem Samtband laufen dort 25 Hand- und 229 mechanische Webstühle. Der Gesamtumschlag der deutschen Samtindustrie betrug 1903... 46 971 546 M. 1909... 49 402 939, 1910... 62 606 401, An dem Gesamtumschlag ist Krefeld im Jahre 1910 mit 30 212 477 M. beteiligt. Der Verbrauch anRohstoffistauS folgenden Zahlen zu entnehmen: 1903 1909 1910 Kilogramm Kilogramm Kilogramm Verbrauch an Rohseide 60 267 72 596 „„ Schopps 520 858 539 257 . Kunstseide 1325 1 115 ,. Baumwolle 2 138 938 1 934 862 , Wolle 278 636 196 448 Arbeiter und Trusts. 112 524 630 396 1 162 2 581 102 181 391 Der in Kansas Cith abgehaltene Verbandstag des amerikanischen Bäcker- und KonditorenverbandeS, der feit 3 Jahren von 14 582 auf 20 336 Mitglieder gestiegen ist, hatte sich namentlich mit- den durch die Vertrustung deS Gewerbes herbeigeführten neuen Aufgaben zu befassen. Sin großes Problem liege den Delegierten vor, heitzt es im Bericht. Drei Gesellschaften, General Baking Co.. Shults Baking Co. in New Dork und Ward Baking Co. mit einem Kapital von zusammen 50 Millionen Dollar seien im- stände, den ganzen Brotmarkt zu beherrschen.„Wie lange wird eS dauern, bis diese Gesellschaften von einem Zentralamte geleitet werden? Und wie lange, bis man auch die Mühlen in die Kom- bination aufnimmt, so datz man dann auch den Mehlmarkt beherrschen kann? Wir sind unterrichtet, datz Verhandlungen bereit» angebahnt sind." Die Folge werde vermehrte Arbeitslosigkeit durch Ein- führung arbeitsparender Maschinen und Bevorzugung der Kinder- arbeit sowie der Bankrott von taufenden Bäckermeistern sein, die auch �um Heere der Arbeitslosen stotzen werden. Da alle Versuche, die Anerkennung deS Verbandes von der Ward Baking Co. zu er- langen, fehlgeschlagen sind, ist gegen diese der Kampf aufgenommen worden. Als Mittel in diesem Kampfe gegen den Trust, den wichttgsten, der bisher vom Verbände unternommen wurde, kommt auch die Errichtung eigener Verbandsbäckereien in Betracht. Die Delegierten von Kalifornien berichteten von einem gut gelungenen Veriuche dieser Art. In San Jose, wo eS nicht möglich war, festen Futz lür den Verband zu fassen, wurde als Grundlage der Organisation eine Bäckerei errichtet, die sich als Erfolg erwiesen hat und nun die Broterzeugung in San Jose und Umgebung beherrscht.— Zur Ausarbeitung eines Programms für den Kampf gegen den Trust wurde eine Kommission eingesetzt. Die Stimmung war sehr kampffreudig. Gericbts-�eining. Eine polnische Arbeiterrevolte, so berichtet man uns unterm 5. Oktober aus Halle a. S., be- schäftigte heute das Schwurgericht. Blutjunge Polen im Alter von 15 bis 18 Jahren, die auf den Liegenschaften des Rittergutsbesitzers Wendenburg in Lüttchen- dorf und Wermsleben im Mansfeldschen beschäftigt wurden, hatten sich, durch Quälerei getrieben, verabredet, den Hof- meister Körte einmal zu verprügeln. Auf dem echt preutzi- schen Gute des Herrn Oberleutnants W. herrjauen russische Zustände. Die Polen und Galizier beschwerten sich über das Essen, beklagten sich allgemein und erhielten Prügel. 1 3 junge Polen hausten und schliefen in einer Stube, in der sich nur neun Betten befanden. Am Sonntag, den 7. Mai, erschien der Hofmeister K. in aller Frühe in der Polenstube und trieb die jungen Leute mit der Peitsche aus den Betten, obwohl die Jugendlichen zur Sonntagsarbeit nicht ver- traglich verpflichtet waren. Da sie sich weigerten, auf dem Hofe Mist auszubreiten, erhielten sie Prügel. Am Montagfrüh setzte es wegen einer kleinen Unterlassung noch mal Wichse. Da beschlossen die jungen Leute am Montag- abend, den Aufseher, sobald er noch mal einen Polenjungen angreife, zu„verhauen". Sie nahmen ihre Feldhacken mit in die Polenstube und legten sich schlafen. Tatsächlich erschien der Aufseher am Dienstagmorgen 1/26 Uhr wieder in der Polenstube und mißhandelte einen Jungen. Da auf einmal ertönte der Ruf: Hurra, Jungens, rettet mich, der Aufseher schlägt wieder. Tarauf stürzten die jungen Leute auf den Hofmeister los: der 18 jährige Paul K l i n k 0 w schlug ihn mit dem Eisenteil der Hacke über den Kopf, und der 17 jährige P e c u ch versetzte ihm mit dem Hackenstiel einen Hieb. Körte starb einige Tage später infolge der Schädelverletzung in der Halleschcm Klinik. Nun waren die beidenJungensvordemSchwurgerichtwegen Körperverletzung mit Todeserfolg angeklagt. Sie erklärten, daß sie unter Körte schwer zu leiden gehabt hätten., K. behauptete, sechs Wochen vor dem Geschehnis von dem Aufseher derartig mißhandelt worden zu sein, daß er drei Wochen nicht auf den Beinen stehen konnte, und P. will mindestens sechsmal Prügel er« halten haben. Auch der Gcrichtsvorsitzende gab zu, daß der- Aufseher die Peitsche zuweilen zu kräftig geführt habe.— Nebenbei bemerkt, klagt der Herr Rittergutsbesitzer wegen einiger Schilderungen auf seinen Gütern gegen das„Volks- blatt".— Der Staatsanwalt bezeichnete es als ein notwendiges großes Uebel, daß die Landwirte an« gewiesen sesen, Ausländer zu beschäftigen. Im Inlands fänden sie nun einmal nicht die notwendigenbilli» gen Arbeitskräfte!. Die Ausländer seien renitent und da müßte s 0 e i n b i ß ch e n mit der Peitsche nachgeholfen werden. Die Geschworenen billigten den Angeklagten mildernde Umstände zu. Darauf wurden verurteilt: K. zu einem Jahr sechs Monaten und P. zu vier Monaten Gefängnis. Die Ausführungen des Staatsanwalts über ein Peitschen- recht gegen Arbeiter sind empörend: sie können zu fortgesetzts» Gesetzesverletzungen anreizen. Die Mißhandelten hatten un- zweifelhaft das Recht der Notwehr gegen ihre schamlose Be- Handlung. Gingen sie über die Grenzen der Notwehr in Bestürzung, Furcht oder Schrecken hinaus, so waren sie straf- rei, auch wenn der bedauerliche Tod des Mißhandlers die Folge der Notwehr war. Nehme man aber auch an, Not- wehr habe nicht oder nicht mehr vorgelegen, so ist doch das erkannte Strafmaß gegenüber den fortgesetzten von dem Ge- öteten begangenen Roheiten ein ungeheuer hohes. Marktpreise von Berlin a« 5. Oktober.»SU. nach Ermittelung des Kintalichen Polizcipräsidmm». Marilballenpreise.(Kl-inbandel.) I Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35.00— 50,00. Sveisebobnen weltze, 35,00—50,00. Linsen 34,00—80,00. Kartoffeln 7,00—12,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch ijjg bis 1,70. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,00. Butter 2.40—3,20. 60 Stück Eier 3.80—6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0.80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs« 2,50-30.00. -»»SSSSA Unserem Genosse» V Frlt« Rogon v nebst seiner lieben Braut die l.» G herzlichsten Glückwünsche K � zum Hochzeitstage! Z � Die Genossen des 716. Bezirkt "» des 6. Kreises. SSASSSKB-DKSHH » «. €€>€€€««»— sSSZSA Unftem langjährigen vezirtssührer Eduard Nase und Genossin Frl. Franziska Strehl die herzlichsten Glück-© wünsche zur heutigen Ver- G Mahlung. 9786® Die Genossen u. Genossinnen™ de« 739. Bezirks. ffi M««� inais-GarHe! Die besten Sommer- Paletots und 3—400 getragene Anzüge sür Herren, Smoking-Anzüge. Frack- anzüge, sowie von Kavalieren ge- tragene, sast neue Sachen, für jede Figur passend, iligrSSter4us- wahl ,u unübertroffen billigen Preisen. 1 Treppe, deshalb billiger wie iin Laden. 130/3» U5eIiMMW.s7rM/ui ! Vnriäiisigs, feinste IDIster- inzüge i Vinterpaletots von 20— 60 M. Versandhaus„Germania" d Berlin, Unter d. 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Bei der Begründung des Strafmaßes führte der Richter aus: Strafverschärfend für den Angeklagten kämen nicht nur in Betracht seine Vorstrafen und die Tendenz seines Blattes, sondern auch, daß die anderen Redakteure des.Sächsischen Volksblattes� wegen Preß- beleidigungen schon be st rast sind. Dieselbe Urteilsbegründung hat derselbe Richter schon einmal in einem gegen Genossen Breslauer angestrengten Prozesse gegeben. Für jeden Redakteur des„Sächsischen Volksblattes". auch wenn er gänzlich unbestraft ist, wird demnach strafschärfend angezogen, daß seine Kollegen schon vorbe st rast sind. Nette Aussichten für die Zwickauer Redakteure l Eiue neue Polizeiattacke gegen das Reichsvereinsgesetz, so berichtet man uns unterm 6. Oktober aus Halle a. S., wurde heule abend wieder im Volkspark unter- nommen. Der sozialdemokratische Verein wollte eine Mitglieder- Versammlung abhalten, um Stellung zu den kommenden Stadt« verordnetenwahlen zu nehmen. Es handelte sich also um eine rein interne Bereinsangelegenheit. Die Polizei stellte sich wieder ohne Fug und Recht zur Üeberwachung ein. Als der Vorsitzende des Vereins, Neichstagsabgeordneter Genosse A l b r e ch t, die Polizei aufforderte, die Versammlung zu verlassen, löste der überwachende Kommissar die Versammlung auf. Zwei Genossen, die der Auf- forderung nicht nachkamen und erklärten, nur der Gewalt zu weichen, Wurden nach der Wache gebracht, aber bald wieder entlasten. Huq aller Alelt. Die Rcldcntaten der Rutinenhricger. Die bei der Niederwerfung des chinesischen Boxeraufstandes von den europäischen Soldaten verübten Greueltaten und Ver- heerungen sind seinerzeit von den meisten bürgerlichen Blättern hartnäckig geleugnet worden. Ein Verdienst der sozialdemokratischen Presse war es, durch die Veröffentlichung der Briefe von Teil- nehmern der Expedition das Treiben der weißen LAilturträger in das rechte Licht zu rücken. Die Folge der Veröffentlichungen war die Verurteilung eine'r ganzen Reihe Partei- redakteure wegen angeblicher Beleidigung der Expeditions- truppen. Jetzt berichtet Gustav Adolf Melchers in der„Vosir- schon Zeitung" über die Plünderung Pekings nach der Ein- nähme am 14. August 1900. Er schreibt unter anderem: „Die Befehlshaber der internationalen Truppen wollten ein Exempel statuieren, und sie gestatteten ihren Soldaten, einige Tag« Stadt und Volk einer„näheren Besichtigung" zu unterziehen. Indessen wurde ihnen auf das strengste untersagt, tätlich gegen die Bewohner vorzugehen. Auch die verbotene Stadt mit den Palästen der Kaiserin-Witwe und des Kaisers, ferner die Wohnungen der kaiserlichen Frauen waren den Europäern geöffnet. Nicht nur die Paläste deS Kaisers wiesen die Herr» lichsten Kunst schätze vieler Jahrhunder t e auf, auch die unendliche Zahl der Mandarinen, Beamten und reichen Kaufleute Pekings hatten in ihren Häusern die von Vätern und Urvätern ererbten Schätze und Kunstgegenstände aufgespeichert. Denn den Chinesen gilt das Erbe des Vaters heilig, und er trennt sich nicht leicht von den Sachen, auf denen seit undenklichen Zeiten das Auge seiner Vorfahren geruht hat.... Der Wert der Kunstgegenstände, aufgestapelt in den kaiser- lichen Palästen und in den Wohnungen der reichen Chinesen der Mandschu und Tatarenstadt, war nichtmehr nachMil» lionen zu schätzen, man mutzte höhere Werte dafür schaffen. Und alles dies— diese Unsummen von Kostbarkeiten standen jetzt zur freien Verfügung der internationalen Soldateska. Und sie nutzte diese Verfügung wohl aus— Bescheidenheit und Zurückhaltung konnte man ihr nicht vorwerfen." Melchers schildert dann, wie am Tage nach der Plünderung Soldaten in Hermelinmänteln herumspazierten, deren Wert mehr als 1l> 000 M. d a S Stück betragen habe. Alte Vasen, für die Museen 40—50 000 M. das Stück bezahlen, wurden von den Plünderern als Ziel von Wurf- spielen benutzt und zertrümmert. Ueber die Belustigungen im kaiserlichen Palast schreibt Melchers folgendes: „Heiteres Lachen erklang aus den Gärten des kaiserlichen Palastes. Das Lachen konnte nur von europäischen oder amerika- nischen Lippen kommen, denn zu dieser Stunde saß wohl jeder Chinese in Peking ängstlich zusammengekauert in einer Ecke seiner Wohnung. Schon von fern ertönte das fröhliche Lachen. Schlanke, sehnige Soldatengestalten waren es, die sich dort zu fröhlichem Tun versammelt hatten. Zechgelage konnten sie hier nicht veranstalten— die nötigen Getränke dazu waren nicht vor- handen— womit konnten sie sich also die Zeit besser vertreiben. als daß sie im Sport die Glieder stählten. Ah, siehe da— in Ermangelung von Tennisplätzen, Golf links oder Polowiesen hatte man sich einige tausend Jahre zurückversetzt und den Diskoswurf wieder zu Ehren gebracht. Einer nach dem anderen der jungen Leute trat bor, ergriff eine der neben ihm liegenden Scheiben— eine erstaunlich große Menge von Scheiben lag da Herum— und warf sie in kühnem Schwünge dem Buddhatempel am Teiche zu. Aber es mutzten sonderbare Scheiben sein, nicht aus Metall, wie bei den Griechen zu Homers Zeiten, sondern aus leicht zerbrechlichem Material, denn eine jede zerschellte am Tempel des Buddha und ein dröhnendes Gelächter begleitete den erfolgreichen Wurf. Was war es, womit die jungen Herren dort warfen? Sollten es etwa--? Sollten eS wirklich--? Ja—— ja-- es war wirklich so -- eS war das Porzellan aus dem Palaste deS Kaisers von CHsina-- es waren die wunderbaren, herrlichen alten Teller. die sich von Generation zu Generation, von Kaiser auf Kaiser seit Jahrhunderten vererbt hatten. ES war das kostbarste Porzellan der Welt, d as hier zertrümmert wurde!" Bei derartigen Heldentaten der Hunnenkrieger ist eS erklärlich, daß die Sozialdemokratie, als sie es unternahm, die Welt über die verübten Schandtaten aufzuklären, als Vaterlandsverräter be- schimpft wurde. Erklärlich ist aber auch, warum die Chinesen so wenig Verständnis für christliche Kultur haben. Eine Niesengaunerei. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat gegen den flüchtig ge- wordenen Effektenverwalter Lepreux von der Suezkanal- gesellschaft einen Haftbefehl wegen Aktiendiebstahls erlassen. Lepreux hat seiner Gesellschaft Aktien im Betrage von über eine Million Frank gestohlen. Am Miittwoch wurde eine große Anzahl von Suezaktien auf den Markt der Pariser Börse geworfen, was eine Baisse in den Aktien hervorgerufen hat. Man vermutet, daß dies die von Lepreux gestohlenen Aktien Ware». Lepreux bezog ein Gehalt von 14 400 Frank. In einem Brief an die Suezkanalgesellschaft gibt er an, er habe die Wert- Papiere zur Deckung von Spekulationen benutzt, die er unter- nommen habe, um seiner Tochter eine Mitgift zu verschaffen; doch seien diese unglücklich verlaufen. Er habe sich nach dem Auslande gewandt, weil es ihm von dort aus leichter möglich sei, die Gesellschaft zu entschädigen. Aus der besten der Welten. In der Zeit der allgemeinen Teuerung, die es dem Arbeiter fast unmöglich macht, seine und seiner Familie Existenz zu fristen, verdient folgende agrarische Wette Erwähnung, die wir einem Provinzblatte entnehmen: „Q u e r f u r t. Eine kürzlich veranstaltete Wette zwischen einem E u t s b e sitz e r und einem Fischermeister in einem hiesigen Hotel brachte folgende Blüte zutage. Der eine be- hauptete, daß man nicht imstande sei, 14 Tage hindurch täglich ein Rebhuhn zu essen. Die Wette kam zu- stände. Jedes Rebhuhn über die Zahl 15 sollte mit einem Hasen belohnt und außerdem sollten noch mehrere Flaschen Wein spen- diert werden. Der Rebhuhnliebhaber hat ober in den 14 Tagen 30 Rebhühner verzehrt, nämlich manchen Tag drei. Der Verlierer hat nun nicht nur die 30 Rebhühner, die zubereitet 54 M. gekostet haben, sondern obendrein noch 15 Hasen und mehrere Flaschen Wein zu bezahlen!" Kleine Notizen. Ein Eifersüchtiger. In Bonn versuchte aus Eifersucht der Arbeiter B l o.ck den Friseur Jonen zu erschießen. Durch zwei Schüsse verletzte Block seinen Nebenbuhler schwer. Nach dem Attentat beging Block Selbstmord. Naubüberfall im Eisenbahnzuge. Auf einer spanischen Eisen- bahnlinie zwischen Jllan und Ernstes drangen zwei markierte Räuber in ein Zngabteil erster Klasse und erbeuteten durch vor- gehaltene Revolver von den Reisenden eine grötzereSumme. Nach dem Ueberfall sprangen die Räuber aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Trotzdem der Zug bald daraufhin angehalten und die Verfolgung aufgenommen wurde, entkamen die Ban- ditcn. Erdbeben in Haiti. Durch ein schweres Erdbeben, das von unterirdischem Getöse begleitet war, find in C a p Haitien mehr.ere Gebäude beschädigt worden. TobeSstnrz eines Ballonfahrers. Nach einer Meldung aus New Uork stürzte in Tifton(Georgia) der Luftschiffer Bradie mit seinem Ballon aus 250 Meter Höhe ab. Bradie war sofort tot. Selbstmord im Abort. Vor einigen Tagen wurde auf dem Altonaer Hauptbahnhof im Abort eines Abteils 1. Klasse eine? von Frankfurt a. M. kommenden Zuges einUnbekannter erschossen aufgefunden. Nunmehr ist festgestellt worden, daß es sich um die Leiche des ehemaligen Postbeamten Paul Kaiser aus B r i e g handelt, der die Schweizer Postverwaltung um 20 OVO Frank bestohlen hatte und dann geflüchtet war. 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Von den überhaupt 101 UrWahlbezirken des ganzen Landtagswahlkreises sind an den Wahlmänner-Ersatzivahlen 76 Bezirke beteiligt, für die anfänglich 126 fehlende Wahlmänner zu ersetzen waren. In- zwischen hatte noch im Bezirk 388 ein Wahlmannsmandat der dritten Klasse durch Tod sich erledigt, und frei- geworden sind jetzt noch im Bezirk 275 ein Wahlmauns- Mandat der zweiten Klasse durch Niederlegung sowie im Be- zirk 354 ein Wahlmannsmandat der ersten Klasse durch Tod. Nunmehr haben die 76beteiligtenBezirke im ganzen 129 fehlende Wahlmänner zu ersetzen, davon 52 für die dritte Klasse. 36 für die zweite Klasse, 41 für die erste Klasse. Die Wahlmänner-Ersatzwahlen werden von den Urwählern vollzogen a m 1 7. O k t o b e r(D i e n s t a g), für die zweite Klasse von vormittags 9 Uhr bis 12 Uhr mittags, für die erste Klasse nachmittags von 1 Uhr bis 2 Uhr, für die dritte Klasse von nachmittags 3 Uhr bis 8 Uhr abends. Jeder Urwähler hat sein Wahlrecht in demjenigen Wahlbezirke auszuüben, in dem er zur Zeit der Auf- stellung der UrWählerliste, d. h. Mitte August 1911, gewohnt hat und in die Wählerliste aufgenommen worden ist. Auch solche Urwähler, die inzwischen aus ihrem damaligen Wahlbezirk verzogen sind, wählen jetzt dort noch mit. In der nächsten Zeit wird das Wahlbureau des Magistrats den Urwählern die Wählcrkarten zugehen lassen, die bei der Wahl als L e g i t i m a t i o n dienen sollen. Wähler- karten, die infolge Verzuges des Wählers als unbestellbar zurückkommen, können an den beiden letzten Tagen vor der Wahl im Wahlbureau des Magistrats(Poststr. 16) in Enipfang genommen werden. Als Legitimation können im Notfall auch die Steucrquittung. die Jnvalidenkarte, die Militärpapiere, der Mietskontrakt benutzt werden. Partei- Angelegenheiten. WilmcrSdorf-Halensee. Zu den Stadtverordneten. Ersatzwahlen findet Sonntag, vormittags 8 Uhr, eine Flugblatwerbreitung statt. Die Parteigenossen und Genossinnen aller Bezirke werden ersucht, sich bei Fischer, Durlacher Str. 8, zahlreich einzufinden. > Der Vorstand. Eichwaldc-Schmvckwitz, Zeuthen und MicrSdorf. Am Sonntag, den 8. d. MtS., vorniittagS von 7 Uhr ab: Flugblatt- und Kalender- Verbreitung über den gesamten Bezirk. Die Materialausgabe erfolgt heute Sonnabend von 8 Uhr abends ab für Eichlvolde im Restaurant Lindner, für Zeuthen und Miersdors durch den Genossen Hültig in Zeuthen. Für die Landtour durch den Genossen Mendt am Treffpunkt, am Sonntag früh. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am 11. Oktober in Zeuthen bei Lindemann, und das Stiftungsfest am 11. November in Eichwalde beim Genossen Witte statt. Der Wahlvereinsvorstand. » Borsigwalde-Witteuau. Sonntag, den S. Oktober, nachmittags 2 Uhr, in Wittenau, in den Germairia-Prachtialeu, Lübarstratze, p Mitgliederversammlung des Beziris-Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag und von der Gemeindevertretung. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Sonntag, den 8. Oktober, nachmittags 4'/? Uhr. für den Nonnendamm, Stcrnfclde und Haselhorst, inr Lokal von Karl Dreier, Nonnendamm, Ecke Märkischer Steig: Oeffemliche Ver- sammlung. Redakteur Georg Schmidt-Karlshorst spricht über: Ans den Zeilen deS Sozialistengesetzes. Die Genossen Spandaus, welche an der Versammlung teilnehmen, treffen sich nachmittags 3 Uhr bei Fritz Böhl. Havelstr. 20._ Berliner JVacbncbten. Teuerung. Allmählich füllt sich die große, weite Markthalle mit Käufern. Tie großen Taschen und Körbe füllen sich aber nicht. Man sucht und feilscht, srägt hier,� srägt dort, um schließlich gar nichts oder nur wenig zu kaufen. Auf einen Stock gestützt schleppt sich ein alter Mann zu den Jleischständen. Ueberall srägt er vergebens nach„Stücken- sleisch." Ein Kopsschlächter, der ihn schon kennt, verkauft ihm �nige Fleisch- und Knochenbrocken.„Na. Vater Heinrich, der Erste war woll gewesen, nu wollt Ihr wieder mal„Fett- lebe" machen?" ..Ja. dat hat sich wat mit„Fettleben." man weeß nich Utehr. wat man machen soll. Die paar Mark, die man von de Stadt und als Ehrensold kricht, die reichen schon sonst nich hin. nich her, und nu erst jetzt, wo alles so deuer is!— Tat Beste is schon, ick hänge mir mit meine Mutter uff, wie't schon Uiein Nachbar jemacht hat." »Hatte er denn keene Arbeet?" »Na, mit de Arbeet jingt man mies: er verdiente de Woche 25 Mark, und dabei fünf kleene Kinder, wo jetzt de Milch und alles so deuer is, und nu wurde noch die Frau krank. Solange die teste Maschine trampelte, jingt ja noch so leidlich. Hätt' er man die armen Würmer und die Frau mitjcnommen." »Na, junge Frau, wat suchen Se denn? Adjeh. Vaterken!" * Trüben am Kolouialwarcnstand erboste sich eine söge- nannte„bessere Tame" über die Preiserhöhung des Zuckers. „Ta gibt's ja überbaupt nichts mehr, was nicht teurer wird!" „Ja, meine Dame/ durch die Dürre des letzten Sommers ist die Rübenernte sehr schlecht ausgefallen. Es sind gar keine Rüben zu bekommen, und wenn schon, dann nur zu hohem Preise." Resolut tritt eine Arbeiterfrau hervor, die blitzen- den Auges den dicken Standinhaber anfährt:„Ach, reden Sic doch nich so'u Blech. JZ denn der Zucker, den Sie da ver- koosen. von den neuen Rüben? Heh?!— Wenn man't Ihnen nun schon mal wirklich glooben will, dat die Rübenernte dies- mal schlechter als sonst is was noch gar nicht mal so sicher fest- steht, warum erhöhen Sie denn schon für den alten Zucker den Preis? Doch bloß, um aus der Teuerung noch n Extraprofit herauszuschlagen. Ja. ja, dct kennt man schon: je größer de Not unter dct Volk iL, desto mehr verdienen die lJroßen dabei. Und Ihr denkt, Ihr jehört ooch schon dazm" Wüiend schimpft der Händler nun auch drauf los:„�o, nun sehen Sie man bloß, wie schlau Sie sind. Aber daß die Arbeiter alle Augenblicke streiken und mehr Lohn haben wollen und leider auch manchmal kriegen, daß dadurch selbst- verständlich alles teurer werden muß, daran denken Sie nicht." „Na wissen Sie, jetzt zeigen Sie. det Sie davon garnischt verstehen. Da reden Sie ohne zu denken etwas nach, wat man Ihnen vorjeplappert hat. Eens wer ick Ihnen als dumme Arbeiterfrau aber sagen: wenn nun schon irgendwo der Unternehmer bei die heutigen Zeiten die Woche een oder zwee Mark zulegen muß, so sieht er ooch daruf, det er se doppelt und dreifach wieder inkricht. Und leider is ooch der Arbeeter so dumm und hält det vor selbstredend und schindet sich noch mehr ab, um vielleicht een paar Jahre früher nach'n Kirchhoff jeschlcppt zu werden: und der Unternehmer schafft sich wieder'n neuet Automobil an, weil er jetzt noch mehr Profit herausschindet als früher.— Na, man weiter so! Wem et jetzt nich bald zu dämmern anfängt, wat er zu dun hat, dem is überhaupt nich mehr zu helfen. Für so'ne Teue- rung is jetzt jerade die beste Zeit. Laßt man erst die Wahl rankommen: die sollen schon'ne Antwort kriegen, die sie sich nicht hinterm Spiegel stecken!" „Na, ich seh nich hin: ich bekümmere mich überhaupt nicht um die Politik: das ist nichts für unsercinen. Wenn ich nur mein Auskommen habe: was die anderen machen, jeht mir nichts an," meinte resigniert der rückständige Klein- Händler. „Nicht wahr, das ist das Beste: so sagt auch mein Gatte, der ist Beamter," warf die zuhörende Dame dazwischen,„aber er wird jetzt auch unzufrieden: es will auch bei einem Be- amten nicht mehr so recht reichen. Ja, die da oben halten's aus." „Schwächlinge!" murmelte die Arbeiterfrau vor sich hin. An unsere Abonnenten! Unsere Spediteure sind nach einem Beschluß der Preß- kommission gehalten, die Abonnementsgclder am ersten Sonn- tag des Monats, sofern derselbe nicht vor dem vierten Tage im Monat fällt, kassieren zu lassen. Wir richten an unsere Abonnenten die Bitte, im Interesse des Geschäfts und um den Botenfrauen unnötige Wege zu ersparen, nach Möglichkeit am Sonntag das Abounementsgeld bereitzuhalten. _ Die Hanptexpedition. Die Brote werden schon wieder Neiner! Unter den Nahrungsmitteln, deren Verteuerung von der minder- bemittelten Bevölkerung als besonders drückend empfunden wird, steht mit an erster Stelle das Brot. Schon seit mehreren Monaten wird in Berlin die Beobachtung gemacht, daß der Preis des Brotes wieder im Steigen ist. Der Brot preis hatte in Berlin, wo das Statistische Amt regelmäßige Feststellungen hierüber vornimmt, nach seinem im Winter 1007/03 erreichten Höchststand sich all mählich wieder ermäßigt. Aus den Ankäufen, die das Amt allmonatlich zweimal in 40 über die ganze Stadt verteilten Böckereien macht, um durch Wägnng des Gebäckes den Preis pro Kilo- gramm zu ermitteln, war damals im Dezember für das in Berlin übliche Roggenbrot ein Durchschnirtspreis von rund 34 Pf. pro Kilogramm ermittelt worden. Das Fünfgroschcnbrot wog damals durchschnittlich nicht mehr ganz 3 Pfund, während noch drei Jahre vorher, im Winter 1904/05. für. Dezember ein Durchschmttsgetvicht von fast 4l/a Psnnd ermittelt worden war. Räch jenem Höchststmid deS Brot Preises mit rund 34 Pf. pro Kilogramm setzte dann endlich wieder eine Abwärtsbewegung ein, sie verlief aber so langsam, daß nach weiteren drei Jahren, im Winter 1910/11, der Preis pro Kilogramm im Dezemberdurchschnitt sich immer noch auf 26�,0 Pf. stellte. Das Fünfgroschcnbrot wog jetzt im Durchschnitt immer noch keine 34/s Pfund, was gewiß kein überreichliches Brotquantum für 50 f ist. Die Ermäßigung deS Brotpreises war zu der Zeit schon zum Stillstand gekommen, und es folgte dann eine Periode er- n e u t e r B r o tp r e i s st e i g e r u n g, in der wir uns noch be- finden. DaS Statistische Amt hat das Ergebnis der Prcisermitte- lungen erst bis August 1911 bekannt gegeben. Im Monat August stand der Durchschnitt des Brotpreises pro Kilogramm bereits wieder auf 283/1o Pfennig, d. h. das Fünfgroschcnbrot wog im Durch- schnitt nur noch wenig über 3'/z Pfund. Man sieht, wie sehr in dieser kurzen Zeit das Brot schon wieder zusammengeschrumpft ist. Wenn daS in demselben Tempo so weiter geht, dann können wir nur zu bald wieder bei dem kaum drei Pfund wiegenden Hungerbrot des WinterS 1907/03 angelangt sein. Bei den Stadtverordnetcnwahlrn, die im November d. I. statt- finden, hat die dritte Wählerklaffe, wie bekannt, in 16 von ihren 43 Wahlbezirken die üblichen ErgänzungS Wahlen vor- zunehmen, weil die Mandate der betreffenden Stadtverordneten mit Schluß des JahreS 1911 ablaufen. Außerdem ist in einem der anderen Wahlbezirke dritter Klaffe, wie schon gemeldet, noch eine Ersatzwahl nötig geworden durch den Tod deS Stadtverordneten Marggraff, dessen Mandat bis Ende 1915 lief. Die Ergänzungs- Wahlen der dritten Klaffe sind auf den 5. November(Sonntag) an- gesetzt worden, für die Ersatzivahl ist der Termin noch nicht be- stimmt. Marggraff vertrat nach der bisherigen Wahlbezirks- einteilung den alten Wahlbezirk 5, bei der Neucinteilung aber ist er dem neuen Wahlbezirk 4 zugewiesen worden. Dieser Wahl- bezirk 4 umfaßt die S t a d t b e z i r k e 43— 49, die«in Teil der Schöneberger Borstadt sind.(Für die 16 an den Ergänzungs- wählen beteiligten Wahlbezirke sind die nach der Neueinteilung dazu gehörenden Stadtbezirke im.Vorwärts" Nr. 209 mitgeteilt worden.) Ein neues Krankenhaus der jüdischen Gemeinde wird auf dem Terrain Schulstraße-Ecke Exerzierstraße errichtet. Donnerstag mittag fand die Grundsteinlegung statt. Die Anstalt, die 230 Betten.fassen wird, aber noch um 50 Betten vergrößert werden kann, wird cnt- halten das Verwaltungsgebäude mit Räumen für die Polikliniken und Dienstivohnuiige», das Hauptkrankengebäude, ein Haus für In- feklionSkraukhciten, das Wirtschaftsgebäude mit den Kessel- und DeSinsektiousräumen, eine besondere Abteilung für Frauenkrankheiten und Entbindungen und daS LeichenhauS mit Laboratorium und Hörsaal. Die Kosten werden sich auf 4'/, Millionen Marl stellen, so daß das einzelne Bett auf 13 500 Mark'zu stehen kommen wird. Bon einem schweren Verlust istZunser Genoffe Ferdinand Ewald betroffen worden durch den plötzlichen Tod seiner Gattin. Am Mitt- wochabend, während Genosse Ewald einer Sitzung der Prcßkommission beiwohnte, erlitt die Frau plötzlich einen Blutsturz, dem am Donners- tag noch zwei folgten: am Nachmittag gab Frau Ewald ihren Geist auf. Die Verstorbene, die 62 Jahre alt gelvorden ist, hat in den langen Jahren an der Seite des Genoffen Ewald die vielen poli- tischen Kämpfe, insbesondere die schwere Zeit des Sozialistengesetzes mit durchgeinacht und war immer bereit, ihrem Gatten die größt- möglichste Hilfe bei seiner politischen Tätigkeit im Interesse unserer Bewegung zu teil werden zu lassen. Und als Elvald aus Berlin ausgewiesen wurde, folgte ihm seine Frau freudig ins Exil. Für den Genossen Ewald bedeutet der Tod der Gattin und Kameradin einen unersetzlichen Verlust. Fahrrad-Zcitkartcn. Die Eisenbahnverwaltung führt für die- jcnigen Reisenden aus den Vororten, die zur täglichen Fahrt zwischen ihrer Wohnung und der Vorortstation, von der aus sie die Eisenbahnstation benutzen, sich eines Fahrrades zu bedienen pflegen, vom 1. November d. I. an die Vergünstigung ein. daß sie ihr Fahr- rad gegen eine ermäßigte Gebühr auf der Vorortstation zur Auf- bewahrnng geben können. Voraussetzung ist, daß der Reisende Inhaber einer Monats- oder Schülerzeitkarte oder einer Arbeiter- Wochenkarte ist. Er kann dann im ersten Fall eine für den be- treffenden Kalendermonat gültige Fahrradzeitkarte zum Preis» von 1,20 M., im letzteren Fall eine für die betreffende Arbeitswoche gültige Fahrradzeitkarte zum Preise von 30 Pf. lösen.. Die hierin liegende Ermäßigung beträgt ungefähr die Hälfte der bisher zu zahlenden Aufbewahrungsgebühren. Näheres ergibt sich aus den au den Schaltern der betreffenden Vororlstationen aushängenden Be- dingungen. Ein schwerer Straßcniahnunfall hat sich am Donnerstag in det Straße Alt-Moabit ereignet. Gegen 6 Uhr nachmittags wollte au der Ecke der Oltostraße der vierjährige Knabe Walter Schönfeld, Alt-Moabit 79 wohnhaft, unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 14(Richtung Marheinickeplatz) über das Gleis laufen. Er wurde jedoch, obwohl der Führer alle ihm zu Gebole stehenden Bremsmittel anwandte, von dem Waggon erfaßt und umgestoßen. Der Knabe erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, wurde aber auf Wunsch der Angehörigen nach deren Wohnung über» geführt. Selbstmord in einer Antomobildroschke. Auf einer Spazierfahrt durch den Tiergarten verübte in der letzten Nacht ein junger, 25 bis 30 Jahre alter Mann Selbstmord, indem er sich in einer Automobil- droschke durch einen Nevolvcrichuß in den Kopf tötete. Der Chauffeur schaffte den Selbstmörder nach der Charits, von wo aus die Leiche nach dem Schauhause kam. Da der Mann keinerlei Ausweispapiere bei sich trug, konnte bisher seine Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden. Der Kleidung nach gehörte der Unbekannte den besseren Ständen an. Auch über das Motiv des.Selbstmordes ist noch nichts ermittelt. Mit der Frage der städtischen WohnungSaufsicht beschäftigte sich der Magistrat in feiner gestrigen Sitzung: er stimmte einer solchen Einrichtung grundsätzlich zu und setzte eine Kommission ein, die die Vorbereitung für ein entsprechendes Statut treffen soll. Ein schweres Fahrstuhlunglück ereignete sich gestem in der Krausenstr. 17/18. Dort wurde der 25jährige Kürschner Paul Ho ff mann aus der Triststr. 55 von einem Fahrstuhl erfaßt und eingequetscht. Der Verunglückte erlitt gefährliche Kopfverletzungen, mehrere Brustquetsckmngen und eine schwere Gehirnerschütterung, so daß er in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Moabit geschafft werden mußte. Großes Aufsehen erregte gestern nachmittag in der Gegend de» Rosenthaler Tores ein Mann, der nur mit Hemd und Unterhose be- kleidet war. Ein Schsttzmann brachte den offenbar Irrsinnigen nach dem Polizeirevier in der Gartenstraße. Empörung rief hervor, daß der Manu von dem Beamten in der dünnen Bekleidung durch die Elsasser Straße geführt wurde, anstatt ihn in eine Droschke zu setzen. Ein rätselhafter Selbstmord wird aus dem Tiergarten gemeldet. Dort hörte gestern früh eine Schutzmannspatrouille einen Schuß fallen. Daraufhin durchsuchten die Beamten die Gegend, aus dem der Schuß herkam. Auf einer Bank fanden sie dann einen un- bekannten jungen Mann sitzen, der sich mit einem Revolver einen Schuß in die Schläfe beigebracht hatte. Da er noch schwache Lebeiis» zeichen von sich gab, schafften sie ihn mit einer Droschke nach der Charits. Hier konnte jedoch nur noch der bereits eingetretene Tod deS Mannes festgestellt werden. In seinen Taschen fand man eine Karte aus den Namen eines Kaufmannes Paul Becker, Bergstr. 66 bei Semler. Die Ermittelungen noch seiner Persönlichkeit ergaben, daß er bis zum 1. d. M. in der Bergstr. 66 bei einer geschiedenen Frau Semler gewohnt hatte. Frau Semler zog am 1. Oktober aus der Bergstraße aus und mietete sich eine Wohnung im Hause Ackerstr. 151. Dorthin ließ sie ihre Möbel schaffen und bezahlte auch die Miete. Seitdem ist sie sowohl wie Becker nicht mehr gesehen worden. Ob und in welchem Zusammen- hange das Verschwinden der Frau Semler und der Selbstmord ihres früheren Untermieters Becker steht, keimte bisher noch nicht festgestellt werden. Bei der Arbeit verunglückt. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3� Uhr auf dem Grundstück des Verwal- tungSgebäudes der städtischen Gasanstalt in der Stralauer Straße. Dort war der Fensterputzer Erich Kielhorn. Rixdorf, Walterstr. 23 wohnhaft, damit beschäftigt, die Scheiben der zweiten Etage zu reinigen. Der Putzer stellte sich deshalb auf das äußere Fensterbrett und hielt sich am Fensterkrcuz fest. Plötzlich ließ K., wohl infolge eines Schwindclanfallcs, seinen Halt los und stürzte riicklings in die Tiefe. Man schaffte den Bewußtlosen nach der Unfallstation am Grünen Weg, wo der Arzt innere Blutungen und Gehirn- erschütterung feststellte. Kielhorn wurde nach der Charitö übergeführt, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Arbeiter- Samariter- Kolonne Groß- Berlin. In dieser Woche haben Lehrabend: 1. Abteilung Dresdener Str. 45 am Montag. den 9.: 2. Ateilung Brunncnstr. 154 am Montag, den 9.: 3. Ab- teilung Schönebcrg, Vorbergstr. 9, am Donnerstag, den 12.'Oktobcr. In allen Abteilungen Vorträge und praktische Uebungcn in der Wundverbandlchre. Beginn abends 9 Uhr. Gäste willkommen. Kursusteilnehmer könne» noch eintreten. Vorort- �acbricbten» Rixdorf. Die Wahlen der Vertreter zum Zweckverland Groß-Berll» nah die Stadtverordnetenversammlung in einer besonderen Sitzung a Donnerstagabend vor. Um 6 Uhr sollte diese bereits beginnen: a aber mehr als eine halbe Stunde später der Oberbürgermeister e öffnete, war es nur. um bis 8 Uhr zu vertagen. DaS Stadtobc Haupt erklärte, daß die Verhandlungen im Ausschuß no nicht abgeschloffcn sind. Die schließlich nach der Wicde eröffnung der Sitzung von dem den Vorsitz führendl Oberbürgermeister Kaiser nntgeteilte Liste bewies. daß d Block der Wahlrechtsräuber bis zum letzten Atemzug' seine nu sichtslose Gewaltpolitik fortsetzen will. Von den 8 VerbandSvc tretern. welche der Stadt Rixdorf zufallen, hat man der überwicgel den Masse der Bürger, der Arbeiterschaft, einen einzige S i tz eingeräumt. Diese skandalöse Tatsache wird durch die zi gestandenen zwei Ersatzmänner um nichts beschönigt. Befremde, ist auch die Auswahl der Magistratsvertreter auf der Liste. Nirgent ist in den anderen Städten der Oberbürgermeister a Mitglied der Verbandsversammlung gewählt worden, und das m Recht: denn dieser gehört von Gesetzes wegen bereits de Verbandsansschuß an. In Rixdorf wird aber nnbegründeterwei der Oberbürgermeister auch in die Verbandsversammlung gcwähl Von den beiden anderen präsentierten MagistratSkandidatcu niv gesagt werden, daß sie aus verschiedenen Gründen keineswegs si die neuen Aemter berufen find. Und schließlick«y weitere Ueberraschung: ma» hielt angeblich einen Kandidaten aus der Bürgerschaft für notwendig und stellte dafür— den Ep Stadtverordneten Jnstizrat Abraham auf. Die Gegen kandidatur der sozialdemokratischen Fraktion drang nicht durch; der Genannte erhielt in der Zettelwahl 61 und Gen. K l o t h 21 Stimmen. Alle anderen Wahlen fanden per Akklamation statt. DaS Gesamt resultat ist das folgende: Oberbürgermeister Kaiser sErsatzmann Stadtrat Dr. G l ü ck s m a n n), Bürgermeister Dr. W e i n r e i ch sStadtrat Dr. Mann), Stadtrat B ü r k n e r(Stadtrat Fischer. Justizrat Abraham(Stadtv. K o y e). der Stadlverordneren-Vov steher Sander(Conrad. Soz.), Dr. Dietrich(Sern o), Dr. S i l b e r st e i n, Soz.(W u tz k y, Soz.), S in m e l u t h (Winter). Anfsehen erregte ein Unfall, der gestern einem Knaben zustieß. über den folgendes berichtet wird: Der sieben Jahre alte Sohn Erich des Kellners Bielitz aus der Sanderstr. 16, lies zwischen 10 und 11 Uhr in der Sanderstraße Rollschuh. Plötzlich sah er vor dem Hause Nr. 17 eine» Wagen der Wäscherei Lohengrin heran kommen. Als er diesem eiligst auswich, geriet er unversehens in eine Abteilung Soldaten hinein, die gerade vorbeimarschierte. Der linke Flügelmann faßte ihn am Kragen und schleuderte ihn beiseite aus der Abteilung hinaus. Hierbei fiel der Knabe so unglücklich unter den Wäschewagen. daß ihm ein Hinlerrad über den Unterleib ging. Schwer verletzt wurde der Verunglückte von dem Führer des Wäschewagens, dem Kutscher Alfred John aus der Admiralstr. 13 »ach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof und von dort nach dem Kinderkranlenhause an der Hasenheide gebracht. Marienfelde. Die Vertreter der Arbeiterschaft auch fernerhin auS der Gemeinde- verwaltimg fernzuhalten scheint das eifrigste Bestreben unserer Gegner zu sein. Denn was sollte es sonst für einen Zweck haben, daß für die am Montag, den 9. Oktober stattfindende Wahl i n d e r dritten Abteilung die Wahlzeit von vormittag? 10 biS nachmittags 2 Uhr festgesetzt ist. Der Gemeindevorstand, wie auch die bürgerliche» Genieindevertreter wissen, daß diese Zeit für die meist außerhalb des Orts beschäftigten Arbeiter zur Ausübung ihres Wahlrechts die denkbar ungünstigste ist und daß, wer sein Wahlrecht in dieser Zeit ausüben will, eine erhebliche Einbuße an feinem Arbeitsverdienst erleidet. Die Herren wollen auch in Zukunft unter sich bleiben, daher die skandalöse Festsetzung der Wahlzeit. Diese Absicht, die sozialdemokratisch gesinnte Bevölkerung auch fernerhin auf die Geschicke der Gemeinde einflußlos zu erhalten, muß nunmehr durchkreuzt werden, indem die Arbeiterschaft selbst unter erheblicher Lohneinbutze ihr Wahlrecht ausübt und den sozial demokratischen Kandidaten, Genossen Fritz Greulich und Richard K r e u tz b e r g die Stimme gibt. Arbeiter, die mit Marienfelder Kommunälwähler zusammen beschäftigt sind, werden besonder? ge- beten, letztere auf ihre Pflicht, ihr Wahlrecht auszuüben, aufmerksani zu machen. Wenn die Arbeiterschaft ihre Pflicht tut, dann wird e? uns gelingen, die schändlichen Pläne der Gegner zunichte zu machen und den sozialdeniokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Am morgigen Sonntag, den 3. Oktober, nachmittag? 3'/z Uhr, findet bei Schuster, Kirchstr. 68, eine öffentliche Gcmcmdewähler Versammlung statt,, in welcher Gemeindevertreter K u b i g über .Unsere bevorstehende Gemeindewahl* sprechen wird. Hierauf freie Diskussion. Sorgt für guten Besuch der Versammlung! Chavlottenburg. Arbeiter-Fortdildungskurse werden von der Stadt Charlottenburg am Montag, den 9. Okiober 1911, in dem Gebäude der Charlotten� burger Fortbildungsschule, Wallstraße 7b und 80, bei hinreichender Beteiligung wiederum eingerichtet. Die Kurse sind für erwachsene Personen des Arbeiterstandes bestimmt. Sie geben Gelegenheit zur Wiederholung unh. Vermehrung der Volksschulkenntnisse in Deutsch uud Rechnen und zur Erweiterung der allgemeinen Bildung überhaupt. Der Unterricht findet abends von 8 bis 10 Uhr statt mit folgendem Stundenplan: Montag: Volkswirt« fcbaft. Einkommen und Konsumtion. Ferner: Verfassung. Srädteordnung, Behörden, Gewerberecht, Krankenversicherung. Dienstag: Deutsch, Unterkursus; Rechnen. Oberkursus. Wallstr. 80. Mittwoch: Literatur. Spreestr. 29, Aula der 16. Gemeindeschule. Donnerstag: Narurwissenschaften.(Vorträge aus der Physik und Chemie des täglichen Lebens). Witzlebenstr. 35, Gemeindeschule 21. Freitag: Deutsch, Oberkursus; Rechnen, Unterknrsus. Wallstr. 76. Im Anschluß an die einzelnen Kurse werden Besuche von Museen, Ausstellungen und Ausflüge unternommen. Das Schuljahr umfaßt mit Ausschluß der Ferien 40 Wochen. Die Teilnahme an den einzelnen Unterrichtskursen ist unentgeltlich. Adlershof. Die Teuernngsmaßnahmen. Die in voriger Sitzung durch die Gemeindevertretung gewählte Notstandskommission hat in ihrer ersten Sitzung über den Einkauf von Seefischen und Kartoffeln be- raten. Unsere Genossen empfahlen allerschnellste Hilfe und befür- warteten nachdrücklichst den Verkauf durch die Gemeinde selbst. Von den anderen Mitgliedern der Kommission aber wurde daraus hin- gewiesen, daß die kleinen Geschäftsleute bei einer Konkurrenz durch die Gemeinde in große Erregung geraten würden. Die Kommission beschloß nach längerer Debatte, sofort den Verkauf von Seefischen einzuleiten. Der Verlrieb soll dem Fischhändler Höhnow übertragen werden, welcher vertraglich verpflichtet ivird, die ihin von der Ge- meinde gelieferten Seefische mit einem Aufschlag von 10 Proz. ab- zugeben. Der Verkauf findet wöchentlich einmal de» Sonnabend? statt und der etwa übrig bleibende Rest soll Sonntags vormittags von 7— 9'/z Uhr zum Verkauf kommen. Der Verkaufspreis wird jedesmal durch den Bürgermeister festgesetzt und in den Zeitungen ,owie durch öffentliche» Anschlag bekannt gegeben. Jedem Käufcr werden Anweisungen für die Zubereitung der Fische gratis verabfolgt. Auch der Vertrieb von Kartoffeln soll einer Anzahl hiesiger Gemüse- Händler gegen 10 Proz. Aufschlag übertragen werden. Bon unseren Geuosscn wurde aus die Schwierigkeiten der Kontrolle hingewiesen, die enislehen könnte, wenn bei einigen Händlern eigene und Ge- nieindekanoffeln friedlich nebeneinander lagern. Die Kommission einigte sich schließlich dahin, von 5 Pfund au Kartoffelscheine heraus- zugeben, welche an drei verschiedene» Stellen dcS Ortes zur Ausgabe gelange»: 1. beim Pförtner des Fenerivehrdicnitgebäude» in der Selchowstraße; 2. beim Lagerhalter der Konsumgenossenschaft, Bismarckstr. 11; 3. im Gemeindeamt, BiSmarckstr. 1. Der Inhaber eines Kartoffelscheines bekommt von den Händlern, denen der Ver- trieb der Gemeindekartoffeln übertragen wurde, das auf den, Dchei» verzeichnete Quantum. Die Bekanntgabe der Verkaufsstellen und des Verkaufspreises erfolgt in derselben Weise wie bei den Seefischen. ES haben wegen des Em kauf« der Kartoffeln bereits Verhandlungen stattgefunden, ina» glaubt den gentner mit 2.30 M. verkaufen zu können Unsere Genosse» forderten in diesem Punkte ein Zusammengehen mit Berlin, uni so den Einkauf möglichst rationell gestalten zu können. Die Kommission beschloß ferner.' zur nächsten Sitzung die hiesigen Fleischermeister einzuladen, um so den Versuch zu machen, daß die örtlichen Fleischpreise auf ein erträgliches Niveau herabgedrückl werden. Unsere Genossen betonten, daß. wenn die Verhandlungen mit den Fleischern ein negative« Ergebnis zeitigen sollten, die Ge- meinde gleichfalls unbedingt Vorkehrungen treffen müsse, die hiesigen Bewohner selbst mit Fleisch zu versorgen. Dieser Anregung wurde zugestimmt. Falkenhagen. Seegefeld. Eine gut besuchte Volksversammlung hörte bor einigen Tagen einen Bortrag des LandtagSabgeordneten Adolf Hoffmann über: ..Die EntWickelung der Sozialdemokratie und das sozialdemokra- tische Programm." Der überaus reichliche Beifall, den die Ver- sammelten dem Referenten zollten, bewies das völlige Einverständ- nis derselben mit den Ausführungen des Redners. Am Schlüsse der Versammelten meldeten eine Anzahl Besucher ihren Beitritt zum Wahlverein an, auch verlangten sie die Zustellung des„Vor- wärtS". Die Scharfmacher am Ort sind in großer Wut über die glänzend verlaufene Versammlung, sollen doch gar Kündigungen von Arbeitern in der hiesigen Kesselschmiede und Brennerei erfolgt sein, weil die betreffenden Arbeiter sich erlaubt hatten, die Ver- sammlung zu besuchen.— Der Vorsitzende der Versammlung teilte noch mit, daß der Pächter des hiesigen Versammlungslokals ver- zieht und der Eigentümer desselben den Betrieb wieder über nimmt. Das bedeute, daß sich die Arbeiterschaft nun ein Versamm lungslokal erkämpfen müsse. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die glänzend verlaufene Ver- sammlung geschlossen._ Gerichts-Zeitung. Ueverfiillte Borortzüge. Wie der Eisenbahnfiskus, allerdings ohne Erfolg, aus oer un zureichenden Gestellung von Wagen noch einen Extraprosit für sich zu Ungunsten der Fahrgäste herauszuschlagen sucht, zeigte ein am Donnerstag vor dem Reichsgericht verhandelter Prozeß. Am 2. August 1910 denutzte der Tischler G. aus Steglitz einen Zug der Wannseebahn von Steglitz nach Berlin. Aus Mangel an einem Sitzplatz stellte er sich in den Durchgar� zwischen zwei Wagenabteilcn auf. Als der Zug auf einer Zwischenstation lang- sam einfuhr, standen zwei junge Leute auf, um auszusteigen. Der an der Seitenwand lehnende G. trat alsbald auf den Sitzplatz zu In diesem Augenblick hielt der Zug mit einem Ruck. G. war dabei ins Wanken gekommen; er faßte mit der linken Hand rückwärts, um sich anzuhalten. Dabei griff er unglücklicherweise zwischen die Schutzleist« und die bereits geöffnete Wagentür. Im selben Augem blick klappte die Türe wieder zu und quetschte dem G. das letzte Glied des kleinen Fingers der linken Hand ab. Wegen dieser Beschädigung seines Körpers erhob G. Ansprüche gegen den Preu- ßischea EisenbahnfiSku» auf Grund de» ReichShsftpflichtgesetzeS. Und zwar machte er zur Begründung seines Schadens besonders geltend, daß er an der Fräsmaschine, an der er früher selbst ge- arbeitet habe, jetzt nicht mehr hantieren könne. Er müsse des- halb die Maschinenarbeit auswärts fertigen lassen, wodurch ihm Unkosten von täglich 10 M. erwüchsen. Der EisenbahnfiSkus erhob den Einwand, daß den Kläger eigenes Verschulden treffe, weil er den sicheren Stand verlassen habe, ehe der Zug gehalten hat. Das Lunbgericht und Kanimcrgericht zu Berlin erkannten den Anspruch des Klägers dem Grunde nach als gerechtfertigt an. In den Entscheidungsgründen legt das Kammergxricht dar, daß das Reichshaftpflichtgesetz Anwendung zu finden habe und daß ein Fall des Einwirkenz höherer Gewalt nicht vorliege. Deshalb bleibe nur noch zu prüfen, ob den Kläger eigenes Verschulden treffe. Ein 'olches Verschulden wird in den weiteren Ausführungen des Kammergerichts verneint. Unter anderem heißt es, daß der Kläger nur wenige Schritte zu tun brauchte, um den Sitzplatz zu erreichen. Diese paar Schritte habe er auch während der Fahrt tun können, ohne eine Gefahr zu vermuten. Auch habe er bei einem Rückwärtsgreifen ohne Verschulden davon ausgehen können, einen ungefährlichen Stützpunkt zu finden. Es liege deshalb darin, daß er sich an der Sitzlehne nicht festgehalten hat. noch keine Fahr- lässigkeit. Die vom beklagten FiSkuS gegen das Urteil des Kammer. gerichts eingelegte Revision ist vom Reichsgericht zurückgewiesen worden; damit gilt da? Urteil des Kammergerichts als bestätigt. vi-rulk»der Diebstahl? Der Segen der Berufungsinstanz machte sich wieder einmal in einer Verhandlung vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I bemerkbar.— Der Arbeiter Karl Schulz hatte an ein�n Sonn- abend im April d. I. nach der Auszahlung des Lohnes mit mehreren Arbeitskollegen eine Bierreise unternommen und dann auf dieser sehr stark gezecht. Als er beim Verlassen des Lokals auf der Straße einen Handwagen stehen sah, begann er diesen ein Stück fortzuschieben. Der Besitzer des Wagens, durch das Geräusch aufmerksam geivorden, eilte herbei und reklamierte sein Eigentum. Es kam zu einer Schimpferei, die schließlich in eine solenne Prügelei ausartete, bei der der Wagenbesitzer verschiedene Vev- lctzungen davontrug. Erst zwei Schubleute konnten der Rauferei ein Ende machen. Schulz wurde zur Polizeiwache geschafft, wo«r 'einen Rausch ausschlafen konnte. Die Folge dieser Szene war eine Anklaqe wegen Diebstahls und Körvcrverletzung. Das Schöfsengcricht nahm beide Vergehen als vorliegend an und ver- urteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Gegen dieses Urteil legte Rechtsanwalt Dr. Puppe Berufung ein und beantragte die Ladung mehrerer Augenzeugen, die bekunden. 'ollten, daß Schulz sich nur im Scherz an dem Wagen zu schassen gemacht habe.— Tatsächlich stellte es sich auch in der Verhandlung heraus, daß der Angesagte den Wagen im Scherz vorwärts ge- choben und seine Bekannten lachend zugesehen hatten. Das Ge- richt folgte den Ausführungen des Verteidigers und erkannte wegen de? Diebstahl? auf Freisprechung, da der Angeklagte offenbar nicht die Absicht gehabt habe, sich den Wagen anzueignen. Wegen der Körperverletzung wurde Sch. zu 75 M. Geldstrafe verurteilt. Tegel-Borsigwalde. Eiuc Schulcntl-ssilugSfcitt bssteheud auS Gesang. Festrede, Rezitation, findet am Sonntag, den 8. Oktober, nachmittag» pünkt- lich um 3 Uhr, in TrappZ Festsälen, Bahnhofstraße 1. statt. Hierzu find besonders alle Eltern mit ihren schuleutlnssenen Kindeni und alle Freunde der Jugendbewegung eingeladen. Zum ReichSvereinSgesetz. | Eine ganz neue Auslegung de? Reichsveroinsgesetzc? hat daS Landgericht Cottbus gegeben. Sie läßt sich kurz dahin zusammen- ässen: Wer vor Sozialdemokraten redet, behandelt politische An- gelrgenheiten, mag er sprechen, worüber er will. In einer Ver- ämmlung de? Metallarbeiterverbandes zu Finsterwalde hielt am Oktober 1910 der VerbandSbeamt« Pawlowitsch einen Vortrag über die Auswüchse im Strafrecht. Das Schöffengericht Finster- walde fand in diesem Thema die Erijrtcrung politischer Angelegen- heiten und verurteilt« den Vorsitzenden der Versammlung, Just, zu einer Geldstrafe von 20 M. DaS Berufungsgericht, das Landgericht Cottbus, verwarf die hiergegen eingelegte Berufung. Ans die Revi- sion deS Inst hob da? Kammergericht daS Urteil deS Landgerichts Cottbus auf und führte auS: Daß Mängel der Gesetzgebung mit dem Ziele einer Gesetzesänderung erörtert werden, genügt noch nicht, um die Versammlung zu einer politischen zu machen. Dieses Ziel erstreben durch daS gleiche Mittel auch der Deutsche Jirristen- tag, die Tagungen der Internationalen Kriminalistischen Vereint- gung und ähnliche Veranstaltungen, die bloß um dieses Zieles und dieses Mittels willen noch niemand für politische Versammlungen erflärt hat. Daß theoretische Erörterungen praktisch« Zwecke er. lreben, die nur durch eine GesetzeSänderung verwirklicht werden können, macht allein noch nicht die Versammlung, in der die Er. «rterung stattfindet, zu einer politischen. Nicht die letzien Ziele der Erörterung entscheiden; eS kommt nicht darauf an. daß die Behandlung einer Frage die Hörer geneigt machen soll, in einem bestimmten Sinne zu wirken, der auf eine GesetzeSänderung hin- ausgeht. Notwendige Voraussetzung für den Begriff der politischen Angelegenheiten ist vielmehr immer die direkte Absicht, unter Bc» einflussung der staatlichen Funktionen vorzugehen und gerade auf diesem Wege das gesteckte Ziel zu erreichen. Da daS Landgericht Cottbus diese Grundsätze»erkannt habe, wurde die Sache an dieses Gericht zurückverwiesen. Die erneute Serhandlung begann mit einer Wiederholung der Beweisaufnahme. Die vernommenen Polizisten erinnerten sich nicht mehr, waS Pawlowitsch gesagt habe. Dieser selbst bekundete, daß er lediglich einige interessante Kriminalfälle, die Prozesse Ziethen, Liebknecht, Schröder und ähnliche behandelt habe. Von der Notwendigkeit einer Gesetzesänderung habe er nicht gesprochen. Der Vorsitzende richtete an jeden der Zeugen die Frage, ob der Metallarbeiterverband zum überwiegenden Teil Mitglieder habe, die der sozialdemokratischen Partei angehören. Der Staatsanwalt beantragte die Verwerfung der Berufung des Just. Da angeblich der Metallarbeiterverband überwiegend aus Sozialdemokraten bc- stände, müsse angenommen werden, daß der Vortrag als ein politi- scher beabsichtigt und gehalten sei. Der Verteidiger JustS, Rechtsanwalt Dr. Heinemann auS Berlin, wandte sich mit aller Sckiärfe gegen diese Ausführungen, die direkt und ganz offen die Ein- führung der Klassenjustiz in den Gerichtssaal predigen. Das Reichsvereinsgesetz sei aber das gleiche für alle Staatsbürger und kein Ausnahmegesetz für Sozialdemokraten; es komme lediglich darauf an. welches der Gegenstand sei, der behandelt werde, nicht vor welchen Personen gesprochen werde. Der Gegenstand aber sei ein belehrender, kein politischer gewesen. Nach der Rechtsprechung des Kammergerichtt und den für das Gericht bindenden Ausfüh- rungen des Gerichts in dieser Sache könne, wie der Verteidiger an der Hand der Vorschriften deS Reichsvereinsgesetzes eingehend dar. legte, die Freisprechung nicht zweifelhaft sein. DaS Gericht ver- warf aber die Berufung des Just. Es führte aus: Der Metall- arbeiterverband habe zum erheblichsten Teil Sozialdemokraten als Mitglieder und verfolge. waS gerichtsnotorisch sei, sozialdemokratische Tendenzen. Wenn vor einem solchen Verein über Auswüchse im Strafrecht gesprochen werde, so könne dabei nur die direkte Absicht obgewaltet haben, eine Gesetzesänderung durch den Vor- trag zu erreichen. Denn die Sozialdemokratie erstrebe diese Ge- sctzesänderung mit aller Entschiedenheit. Selbstverständlich ist abermals gegen das Urteil Revision eingelegt. Nach der Logik des Landgerichts müßte z. B. der Richter- verein, der überwiegend oder ausschließlich aus Nicht-Sozialdemo- kraten besteht, als politischer Verein erachtet werden. Fretreltgtöie wemeiude. Sonntag, den 8. Oltobcr, vonntttagS 11 Uhr. Kleine Frankfurter Straße S: Vortrag von Frl. I. Altmann: „Sieger*. Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Touristenverei»„Die Naturfreunde--. Erisgruppe Berlin. Vlmderungen am Sonntag, den 8. Ottober: 1. Wannsee, Sakrow, Gatow, Pichetsweider. Absahrt früh 8 Ubr nach Waimjee ab Wannseebahnhof.— 2. Bclzig. Roben. Gareyer Rommel. Nicmegt, Treuenbrietzen. Abfahsi nach Beizig ab Schlesischen BaHiiHoj früh 4,11; Alexanderplatz 4,17; griedrich- slraße 4,27, Gäste willlommen. CiygeAangene Druck rdmftcii. Die„Neue Zeit--, die wissenschaftliche Wochenschrist der deutschen Sozialdemokratie hat dos l. Hest ihres 30. Jahrganges heralisgegcbcn. Aus deui Inhalt öeS Hcjtes heben wir hervor: Banditenpolltik, von Karl Kauisky.— Bebels Denkwürdigkeiten, von F. Sicbring.— Viehzucht und Fleischkontrolle in Amerika, von Albert Rudolf(Kansas).— Wie steht es mit unserer Jugendbewegung, von Max Peters.— Verbrechen und Ver« brccher in Amerika, von Fritz Kummer.— Notizen.— Zeitschristenschau. vie„Neue Zeit* wird auch im neuen Jahrgange mehrere Ergänzungsheste und in jedem Monat eine Feuilletonbeilage unter der Redaktion von Franz Mehring bringen. Der Abonnementspreis beträgt 3,25 M. pro Quartal. Au pays Sabil I-evant. Lettres sur le Japcm.(Im Lande der ausgehenden Sonne. Briese über Japan). Von Fritz Kummer, ins Französische übe, setzt von Leon Remw 4. Hest der Sammlung„I.tu docamente du Socialisme. Paris. Verlag von Marcel Riviere u. Ko. 0,75 Fr. Der Lichtftrahlcnkalcnder ISIS. 20 Heft. J. Brand u. Ko., Wien YL_ Bnefkaften der Redaktion. Sie surlstlschc Svrcchftunde stndet Linden II ratze 0S, vor» vier XTclwcn — F a tz r sl» tz l—, wo-tzcnlü»«» von 4>� dt» 7� Ntzr«dentis, connodend», Bon 4 Vi bis 6 Uhr abend» ftatt. Jeder sSr den VrtrfkaNcn bestimmten Ansraze ist ein'öuchftadc und»we Zahl als Merkzeichen beizusstgen. Briesiiche Animort wird nicht erteilt. Ansrazcn, denen keine Adonnementstznitiung deisesügt ist, werden nicht beantwortet. EUige»ragen trage man in der Sbrechstundc»or. P. D. 106. DaS Geld ist u. E. zu Unrecht abgefordert. Verlangen Sie von der Kirchengcmeinde Rückzahlung, cvenlucll klagen Sie. Von dem Ausgang deS Prozesses geben Sie uns bitte Kenntnis.— F. D. 41. Möglich wohl. Wenden Sie sich an das deutsche Konsulat.— G. Z. 108. 1. und 2. Ja.— KleschinSki. Wir halten Sie für versicherungspflichtig in der Ortskrankenkasse der Kausseule. Die Inhaberin oder Sie selber können bei der AujfichtSbchörde, Stralaucr Str. 3/6, Beschwerde führen.— Dh. K. 82. 1. und 3. Ja. 2. Zahlen Sie an den Gläubiger des Haus. wir«.— F. 19. 1. bis 3. Sie können Klage aus Räumung und Mietszahlung bei dem Amtsgericht erbeben. Da Die die Straße nicht an» gegeben daben, können wir das zuständige Amtsgericht nicht sestslellen. 2. Der Lohnbewag. der 125 M. monatlich(28,85 M. wöchentlich) übersteigt, unterliegt der Psändung. 4. Kündigen. 5. und 6. Die Haushaltungs. gegenstände verbleiben dem Mann. Der übrige Nachlaß gebt zur Halste an die Cltcvn bez. Geschwister der Verstorbenem— M. M.»9. Nein. — B. M. Darüber wird im Stveilsalle-in sachverständiger gehört.— 100.«. 2». 1. Leider nicht. 2, Sie können Beim Einwohnermeldeamt ansragen.—«. Sch. 11. Es liegt Verjährung vor.— 2. SO. Ihre Angaben reichen zur sofortigen BerlragSlölnng kaum aus; zudem sind Sie beweisvstichlig. Beraten Sie die Sache mit einem dortigen Anwalt.— P.«B. 100. Das ergibt das Statut.— M. G. 66. Nein. Schraube. 1. Die Kündigung ist bis zum 15. zum kommenden 1. z�. lässig. 2. Ja.— H. F. 53. Sie können weiterlleben. Die Karte niup aber innerhalb zwei Jahre, vom Ausstellungstage gerechnet, aus dem Polizeirevier umgetauscht werden.— Q. v. u. F. H. 14. Nein. Rella- micrcn bei der im BeranlagMtgsschreiben angegebenen SIclle._ H.®. 1876. 1. Nein. 2. Ja.— P. 3ch. 63. An dem Kündig»»«;. tage muß die Arbeit noch verrichtet werden.— E. K. I. Von dem vor- handrnen Geld ja. Wirtslhastsiachen jedoch nicht.— R. 2. SZ. gjt können teslameiitarische Bestimmungen über die Nachlaßverwaltung trcsscn zum Beispiel eine andere Persönlichkeit als Nachlaßverwalter einsetzen.' «vttterunqsüverffchi vom 0. Oktober 1911. iamembt 767 NO Hamburg|7665?0 Berit, 765 O Frank,» M 765 O Mönche», ,765 NW Wien 765 NW ! sWvlkig ! 3 Rege» 2 bedeckt ! 1 Nebel I bedeckt l Regen 11 10 10 6 v 11 iß- •tattontn i|A| B i|' »=1 iSa Ota« ti Hapornnda 768 Still Petersburg 7709!© äcille i———,__ tbertzeen ,771 NNW 25ed«ft 8 bedeckt 1 l halb bd. 4 PurrS 1763 Still I I wolkig Böettrrvrvgnoie tür Loniiabend. de» 7. Oktober lim. Ein wenig kühler, vorwiegend nebelig oder wolkig bei mäßiaen östlichen Winden; keine c» heblichen Ricderjchlägi."» Berliner© 1 1 1 et 6 ut« a«. Waileritands'Nachrtchtr» der LandeSaiisiall lür Gewüsleriiind«. mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand R e m- l. Tilstl 9 r e g e l. Jnsterbnrg L e> ch i e l. Tbor» Oder. Rattbor , Krossen , Frankiurt Warthe. Sckrimm . Landsberg Netz«, Borvamm Elbe, Leitmert, Dresden Barby , Magdeburg am 5 10 °S3 —14 IIS 22 -38 —60 -34 -61 —182 15 24 le» '4. 10. nra') 0 +1 — 1 42 -6 42 -1 -1 tbasserstaud 5 o a 1». Brochlttz Havel, Lvandau•) -• Aatdenow>) O» 1 1 1, Stvemöcrg1) • Beeskow O e( 1 1, Münde» ■, Bünden � h e i o, Raximtaan»«> • Kaub _» Köln »eckar, Heckbronn Rain,»erthenn v>°Iel. Tri« 0 4 bedeutet Such«.- Fall.-•) um« xegei. WlgWW Todes-Anzeigen des l Bert. Reiebstapalreises. Todes- Anzeige. Am 2. Oktober verstarb unser Genosse, der Arbeiter Karl Krause Wörther Str. 16. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Oktober, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle der BarthdlomäuZ-Gemeinde, Falkenberger Chaussee, aus statt. Um rege Beieitigung ersucht 231/9 Vv»- Vot-sinnd Statt Jeder besonderen Anzeige! m I varstarb unsere treu sorgend mutter und Schwiegermutter, Fran Maria Evald geb. KUbnel im 62. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an im Auftrage der trauernden Hinterbliebenen Ferdinand Ewald, Stadtverordneter. Öle Beerdigung findet statt am Sonntag, den 8. d. M., nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause Schön- leinstraße 6 nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee. SozialüeraoRratiseherWahlvereiii des ß. ßerl. Reictislays- Wahlkreises. Todce- Anzeige. Am 3. Oktober verstarb unser Genosse, der Arbeiter Andreas Seib Brunn enstr. 83. Ehre seinem Andenken! � Di« Beerdigung findet am 'Sonntag, den 8. Oktober, nach- nachmittags 3'/, Ubr von der Leichenhalle des D-bastian-Kirch- hojeS. Zieintctcndoi s-Wrst auS stall. Um rege Beteiligung ersucht liee VorMaml. Soziaiüeniokratiseher Waiiiverein das 6. Berl. Reictislags-Walilkreises. Todcn- Anzeige. Am 3. Oktober verstarb unser Genosse, der Ltiufiter öenno tiettwer Vcteranenstr. 8. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. Oktober, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- balle der AionS- Gemeinde in Nieder- Schönhaussn(Nordend) au? statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter vorstand. Veta! der ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag die Frau unseres Kollegen Ewald Harle geb. Ktihnel Schönleinstrage 6, Bezirk 5 verstorben ist. 51/4 Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, vom Traocrhauje auS nach dem Freireligiösen Fried- hos in der Pappelallee statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortivorwaitung. Soiialdeniokrat. Wahivereio Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt. dag unser Mitglied, der Arbeiter Paul Höstermann Kranoldstr. 12 am 3. Oktober an Herzschlag plötzlich verstorben ist. Ebre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Oktober, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- balle' des Ri�dorser Gemeinde- FliedhosS, Mariendorser Weg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 286/12 Ber Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaitungastelle Berlin. Todes Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Metallarbeiter Herrn. Marquardt am i. Oktober an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. d. Mt«., nach- mittags 4 Uhr von der Leichen- balle de« ftödtilchen Friedhose«. Seestrage, auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Pnvm Benkhardt am 4. Oktober. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Oktober, nach- mittag 4 Uhr von der Leichenhalle de« neuen Jakobi-AirchhoseS, Rix- dors(Hcrmannstratze), auS statt. Ehre ihrem Riidenken! Rege Beteiligung erwartet 124/2 Die OrtaverwaHung SoziaidtmoMeliJaiiiTerelB Nieder-Barnim. Bezirk Weißensee. Am DicNStag. den 3. Oktober, »erstarb unser Mitglied, der Ge- nosse Heiuridi Möhrke im Alter von 34 Jahren an der Lurrzenentzündung. 18/7 Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung findet am Sonn- tagnachmitag 3 Uhr aus dem �rlcdhose Deihensee, Falkenberger «Irafie, statt. Um rege Beteiligung ersucht Tic vczirkSlcitung. SMideilivki'alizcilIahlsei'eil llowawes. De» Milgliedern zur Nachricht, dafi unser Milglied, der Zimmerer Genassc l<3rl Hapke verstorben ist. Ehre seinem Zliidenkeu k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Fried- boscS in der Goechestratze ans statt Die Mitglieder verlammcln sich I um 4'/, Uhr bei Hicmle, Wall- stratze SA I Rege 1 903/8» erwartet �orntajid. Für die so herzliche Teilnahme bei I der Becrdigmrg meine« unvergetz- | lichen Manne» sage ich allen Per- � wondlen und Bekannten, sowie den ! Genossen de» VI. Berliner-Wahl- krriscs meine» innigsten Dank. Wwe. Klara Hoppe, 0796 Hochstr. 32. Zentrai-liftiiiiti ief Böttclier, MMf uriii Bilisarheiter Itcntselilands. OrtSverwaltung Berlin. Todss- Anzeige. Am 5. Oktober verstarb unser Mitglied, der Böttcher Karl Plath im Alter von 55 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Oktober, nach. mittags 2'/, Uhr, vom Trauer. hause Triststr. 5 nach dem städt. Friedhos in der Secstr. auS statt. W ��WTer Vorstand. Hermann Fischers billigste S&rgo Urdasstr. III, früher Rixdorj. Tel. Säckerei Gubener Strafe 51 Hiermit zur gefl. KeunmISnahnre. dafi ich die Blickeret des Herrn l'sbbe, tZubener Straße 51 übernommen bade. SS wird mein Bestreben sein 1502 ö#" gute, reelle und schmaishafte Ware zu liefern. Die Forderungen deS Verbandes der Bäcker unfi Konditoren find hewilligt.* Wilhelm Schuld. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, m�Ä. 10-2. 5-7. Sonntags 10-12. 2—4 •c �lOhre-Strasse 37a(nahe Jeruaalemer Strasse Gr Frankfurter Str 115 nahe Andreasstrasse Preis- Ermässigung bis so pd: (Velour du Nord) kein V© I T( Dieser P-üschman.el l'rr.'v�rr�» p t?.;.;.""'......... tu Flauschmäntel(wci>e. Msn,ei) ip bette- Pabrthal Mirk 38.00, 33.00 A W KestOmoSsS IT sonst 450.06, Ein PDStw flüschmäntei, Hsgg Ein Posten Seldenmäntet i m v i« Hocheieg- Röcke u. Blusen Ms 501. Etmässiguns! Sonntags geöffnet von 8—1« und 12—2 Uhr. Sauarkeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sonntag, de« 8. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, in den„KonkordiafestsSlen", Andreasstr. 64: iußerordenü. MitgliederversammluDg. TageS-Ordnung: 140/8* 1. Entspricht die durch die Organisation erkämpfte Lohnhöhe de« heutigen Verhältnissen? 2. Diskussion. _ Ter Borsiau t> deS Teuts ch en Bauarbeiter-Berk.andeS, Zweigvereln Berlin. Zentrswerbsnü ä. Lötteker, Vewküjer u. Xilfssrbetter. Oillalo»«»Ua. Bureau«. lirbestonaotiwsls: CBgelirser 15. Ferntpreeher Amt IV 490T. Sonntag, de« S. Oktober, vormittags 10 Uhr: Auherordeutliche Mitglieder- Vers ammlung in den Boruistasälen, Ackerstr. 6/7. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Stadtp erordneten Senoffen A. Ritter. Thema: Tie Aufgaben der gewerkschaftlich organisievten Arbeiter in der jehigen Zeit. 2. Swsührunz einer LolalarbeilSlosenunterftStzung und Srhohua, der veittäge. Z9/4 Die Mitglieder werden dringend ersucht, pünktlich in dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen._ Ter Borstand. r wam-w Zahlstelle Berlin. BSP" Einsetzer."WZ Sonntag, den 9. Oktober 1911, vormittags S'/z Uhr: Kezirlt»- Persammlnugen in folgenden Lokalen: 1. Bezirk: MerkowSki, AndreaSstrahe 28. (öliesche, Kopenhagener Stratze 74. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Sauer, Levefiowstratze 21. Schenk, Rixvorf, Rosenstraße 24. Wiemer, Bülowstrahe 58. Mix, Skalitzer Straße 89. Tnnack, Eharlattendlrrg, Wielandstr. 4. Melzer, Wiesenstraße W._ Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. Sonntag, de« 8. Oktober. vormittogS 1V Ubr, tu Schmidts Feftfälen. Prtuzenallee S3: WST V ersammlung"WZ erwartet Tagesordnung: 1. BerbandSangelegenheiten. 2. Verschiedenes.— Zahlreichen Besuch Der Borstand. 144/ IS m U mm\- - f.. und verwindter BerufsgeBosscn Zahlstell« Berlin. KeschSstSstelle: O. 64, Mulacksw. 10 I. Fernsprecher: Amt 3, 4518 Sonntag, den 8. Oktober, vormittags 19 Uhr: Ntchmmliliig der Miihtkilarhkjtkl im GelverkschaftShanS, Engelufer 16, Saal I. TageS-Ordnnng: 1. Der Stand der Lohnbowegmig. 2. Bericht der Konntlissionen. Sollegen I Wir machen e» allen Mühlenarbeitern zur stren> fttnnre» cinrelverkaus ru FabrMlpreisen. Stomas u. i�wSlen vom, wrnfaehsten big elc? jittost»n W Oczlalvrrkaut, �est.Ersavz{..Skunk« Nur eigne Fabrikat. B.KIeinnn Sonr,tngs 18. HlHnstr. 18, gcl�lTnet! Kur 1 Treppe. Xlebung 13,-16. Oktbr. m Düsseldorfer Ausstellung«. lOtterle Uise Gew. I. Werte v. Mk. Lose ö 50 PL ono und Liste 30 Pfi Ii lose WWW S Marls. I Porto und Liste 30 Plg, versendet Ferd. SchSfer, BanttgucItllL Oüssoldorf 2S. Auch zu haben in all.*» Lenni- Heb gemachten Verkaufsstellen. Banpt-Vertrieb für Berlin; Ron« von Holtrode, Walls trafie 1, am SpittelnjarkL m Spezinshau» fflr wenig getragene, fast neue Jackett-Anzjjge, Slock- Anzüge, Slohreck- An- ziigc. Tmoking-Ansttgc, Antttge. Winter-PaletotS und Ulster sowie Wlntcrioppen. Bei». Neider(auch sür korpulente Herrcnl. Dieselbon find teil» aus Seide gearbeitet und nur kurzeZcrt getragen, kaust man IPottbiMg bei sktttztit!»,« gckhau» Nitterstr.(s»üher 20 Jahre Giischmer Str.). llitto aus Stvalls und Hausnummsr zu achten. in dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen und für einen recht zahl- reichen Besuch derselben in den Betrieben zu ngitioren. Bringt die Un. Bio Oz�BTcrwaltung. organisierten wttl 44/12* Für die streikenden Hoizardcttcr Hamburgs gingen weiter solzende Bettrage ein: Aahmensabrik Heide 2.—. Spieficke 3,50. Tischl. Sirocka 7,50. Tisch!. Simon 10,—. Bautischler-Komm. III u. Gliesche 10,—. TreppengeN. Littgen«. Brun» 11.30. Stteikkontrolle Hamborg 20.—. Küchenmöbest. kprwgrr 28,85. Tischl. Koch 19,70. BautiM Schüler 3,35. Berg. Werk- mcister kl. 15, SO. Werfst. GrobowSIi 7,60. A. E»»., Brunnensir.. Msdcll. ttschl. 39,20. Modells. Pröhl 7,60. Tischl. u. Pollerer von Diichleit t6.t0. Tischl. Felzer u. Köster, 4. R. 6,45. Modelli. Nile», Ober-Tchönewcide 1015. Küchenmöbels. Kutsch 12,40. 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Druck».«erlag: Vorwärts Buchdruckerel u. VerlagSanstalt'PäüsSwger u.Co.. Berlin S�V. Jr. 285. 28. Jahrg. Ifilnif iits Jormirts"■ AnjeiM für Ofttn, Situ, 7. OktowM!. Torort- JVacbncbtcn» LichtenVttg. Schulbautcn in Lichtenberg. Nachdem Anfang Oktober v. Js� die neuerbaute Mädchenschule an der Rathausstrasze ihrer Bestimmung übergeben wurde, sind nun auch die inzwischen in Angriff ge- nommenen Neubauten für zwei weitere Lehranstalten fertiggestellt worden. Nach Beendigung der Herbstferien werden zu Beginn des neuen Winterhalbjahres die Neubauten für eine höhere Knabenschule sowie für eine katholische Mädchenschule in Benutzung genommen werden. Die höhere Knabenschule ist auf dem früher den Dottischen Erben gehörigen Gelände zwischen der Möllendorfstrahe, dem Stadt- park und der Ringbahn an den neu angelegten Straffen 75 und 7S, und die katholische Mädchenschule auf dem durch Ankauf erweiterten Schulgrundstück an der Bürgerheimstrahe errichtet. worden. Die Uebergabe des Schulbaues für die Mädchen« schule wird am Montag, den 9. d. Mts. erfolgen. Die Einweihungs- feier der höheren Knabenschule soll an einem späteren Tage statt- finden. Nach Jnbenutzungnahme der � beiden Neubauten besitzt Lichtenberg neun Volksschulgebäude mit insgesamt 224 Klaffen- räumen sowie ferner eine höhere Mädchenschule und eine höhere Knabenschule mit je 23 Klassenräumen nebst den erforderlichen, be- sonderen Zwecken dienenden Lehrsälen und Nebenanlagen. Der Neubau für eine weitere Volksschule an der verlängerten Wörden- straffe, in der Nähe des Röderplatzes, mit 44 Klaffenräumen wird demnächst in Angriff genommen und soll zum April 1913 fertig- gestellt werden. Tempelhof. Unter recht dürftigen Gründen lehnte bor zwei Jahren die Gemeinde die Errichtung eines Gewerbegerichts ab. Von der Mög- lichkeit, daff sich mehrere Gemeinden zu diesem Zweck verbinden können, wurde ebenfalls kein Gebrauch gemacht. Die Industrie hat sich in den letzten Jahren in Tempelhof und den umliegenden Ort- fchaften derartig entwickelt, daß tausende Arbeiter beschäftigt wer- den, die nicht nur ein Jntcreffe, sondern auch ein Recht haben, ein Gcwerbegericht zu fordern. Tempelhof ließ sich von kleineren Ge- meinden beschämen. Es rief sogar den Minister für Handel und Gewerbe an, in der ausgesprochenen Absicht, diese soziale Einrich- tung auf einige Monate hinauszuschieben! Jetzt nun, wo Tempel- Hof 22 500 Einwohner zählt— und nach Auskunft des Ministers das Militär mitgezählt wird— muß die Gemeinde von der Regie- runa darauf aufmerksam gemacht werden, ihrer gesetzlichen Ver- pflichtung nachzukommen. Nun blieb der Gemeindevertretung nichts anderes übrig, als im Sinne der ministeriellen Verfügung zu beschließen." Dos Kaufmanns- und Gewerbegericht wird zum 1. April 1912 errichtet und in den Räumen der jetzigen Steuer- Verwaltung tagen. Die letztere Verwaltung zieht in das Lehneffche HauS, ebenfalls in der Dorfstraße. Die baulichen Veränderungen und die sonstige Einrichtung verursachen einen Kostenaufwand von 1500 M. Da die gegenwärtigen verantwortlichen Personen reichlich belastet sein sollen, wird eine Kraft mit einem Jahresgehalt von 3000 M. angestellt.— Eine neue Polizeiverordnung will die Uebelstände bei den Rummelplätzen, die zur Belästigung der An- wohner sowie zu Verkehrshindernissen an öffentlichen Straßen führen, bekämpfen. Die Errichtung eines solchen Rummelplatzes soll in Zukunft von der Genehmigung des Amtsvorstehers abhängig gemacht werden. Eine andere Verordnung wurde bereits arigekün- digt; dieselbe ist gegen die Verunstaltung des Straßenbildcs ge- . mt. Mir Rücksicht auf den Vau des Rathauses wird beabsichtigt, die Ausgestaltung der Fassaden einer Einschränkung zu unter- werfen.— Die hinter dem der Arbeiterschaft gesperrten„Birken- Wäldchen" gelegenen Gemcindeländereien wurden gegen 65 M. pro Morgen an die bisherigen beiden Pächter weiter verpachtet.— In der dritten Vorschulklasse sind 49 Schüler angemeldet; die Ver- tretung erklärte sich mit einer Trennung dieser Klasse einverstanden. Eine solche Rücksichtsnahme ist man bei den Volksschulen nie ge- wöhnt.— Den Zuschlag für die Verpachtung der Kantinen auf dem Tempelhofer Felde erhielt in letzter Stunde die Schultheiß- Brauerei, die an Pacht noch 1 M. pro Hektoliter und 25 Pf. pro Kasten Bier mehr zahlt als die Löwenbrauerei.— Bei der Verpachtung von Gemeindeländcreien ließ der Vorsteher durchblicken, daß an die Errichtung eines Schulgebäudes in der Gottlieb Dunkel- straße gedacht werden müsse, denn die Gemeinde bezahle für die aus der dortigen Gegend die Schulen in Rixdorf besuchenden Kinder jetzt schon mehrere tausend Mark. In nichtöffentlicher Sitzung wurde über Matznahmen gegen die Teuerung beraten. Rummelsburg. Die Gemeindevertretung erledigte in ihrer Sitzung am Mitt- woch zunächst die Wahlen eines Schiedsmannes und mehrerer Schiedsmanns-Stellvertreter soivie die Wahlen von Armenkom- missionsmitgliedern. Von Angehörigen unserer Partei wurde Ge- Werkschaftsangestellter Wengels als Armenkommissionsmitglied und Lagerhalter Günther als Schiedsmanns-Stellvertreter für den Ortsteil Rummelsburg nördlich der Ostbahn mitgewählt. Eine längere Debatte zeitigte hierauf der Antrag unserer Vertreter: Der Gemeindevorstand wird ersucht, durch eine Eingabe an den Bundes- rat und die Königl. Regierung dahin zu wirken, daß zur Beseiti- gung der Lebensmittelteuerung geeignete Maßnahmen getroffen werden. Insbesondere ist dahin zu wirken, daß 1. die Zölle auf Lebens- und Futtermittel beseitigt, 2. die Grenzen für Vieh und Fleisch geöffnet, 3. die Getreideausfuhrscheine beseitigt werden.— Ferner wird die Einsetzung einer Kommission beantragt, die über Maßnahmen zu beraten hat, welche geeignet sind, die Teuerung den Einwohnern der Gemeinde Rummelsburg weniger fühlbar zu machen.— Unser Genosse Müller, der in eingehender Weise den Antrag begründete, wies im besonderen nach, daß es gerade Aufgabe der größeren Kommunen sein müsse, bei der Staatsregierung aus das nachdrücklichste zu interpellieren, daß der Politik der Zölle auf Lebensmittel, der Sperrung der Grenzen für Vieh und Fleisch, sowie dem System der Getreideausfuhrscheine Einhalt getan würde, da ganz besonders die große Masse der städtischen Bevölkerung auf das schwerste unter den Folgen dieser einseitigen Agrarpolitik leidet.— Bürgermeister Dr. Hahn äußerte sich dahin, daß seiner Ansicht nach die Einwirkung auf die Regie- rung zwecklos sei, da die Regierung bei ähnlichen Petitionen sich stets auf den Standpunkt gestellt habe, daß solche Fragen die Politik berühren, zu denen die Kommunen nicht kompetent feien. Im übrigen trat auch der Bürgermeister für den zweiten Teil des An träges ein. Auch unterstützten einige bürgerliche Vertreter den Antrag unserer Genossen. Nur der neugebackene jugendliche Führer der Boxhagener Grundbesitzer, der Kaufmann und Hauseigentümer Vettricck, der als ernannter Gemeindevertreter der 1. Klasse bereits mehr als einmal reichlich bewiesen hat, daß sein Verständnis für die Aufgaben eines Gemeindevertreters nur insoweit ausreicht, als die Interessen der Hausbesitzer hierbei in Frage kommen, donnerte gegen den Antrag, insbesondere aber gegen den Vorscklag unserer Genossen, daß die Gemeinde selbst den Ein- und Verkauf be stimmter Nahrungsmittel zu ermäßigten Preisen in die Hand nehmen soll. Nach seiner Ansicht würden hierdurch die örtlichen Geschäftsleute zugrunde gerichtet; gleichzeitig erklärte Vettricck noch kategorisch, daß er— auch in der Kommission entschieden gegen solche Vorschläge auftreten werde.— Allgemeines Hohngelächter muffte diese Leuchte der Boxhagener Grundbesitzer dann über sich ergehen lassen, als er bei seinen Ausführungen auch auf den hie- sigen Wochenmarkt zu sprechen kam und die angebliche Minder- Wertigkeit der dort feilgebotenen Waren beweisen wollte. Er teilte mit, daß eine Frau ihm erzählt hätte, sie habe eine Kalbskeule auf dem Markt gekauft, die sich zu Hause als Hammelkeule entpuppte. Nachdem unsere Genossen Herrn Vettrieck gebührend heimgeschickt und auch zu den sonst noch geäußerten Bedenken ihre Ansicht ver- treten hatten, erlangte der Zlntrag fast einstimmige Annahme. Mit den Aufgaben des Antrages wurde der Finanzausschuß beauftragt. In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung nahm die Ver» tretung Stellung zu den von der Lichtenbergcr Kommission in Sachen der Verschmelzung beider Orte beantragten Abänderungs- Vorschlägen betreffs der Vorbelastungszeitdauer, wie den von Rum- melSburg gestellten Sonderbedingungen. � Die Mehrheit zeigte wenig Geneigtheit, von den einmal beschlossenen Sondcrbedin- gungen abzugehen und es bedurste daher erst einer längeren Aus- spräche, um wenigstens für einige Abänderungcnsvorschläge der Lichtenberger eine Zustimmung zu erzielen. Im großen und ganzen können aber die von Rummelsburg noch aufrecht erhaltenen Sonderbedingungen kein ernstliches Hindernis gegen die Vereint- gung mehr abgeben. Anders schien die Sache aber in der Frage der steuerlichen Vorbelastung zu liegen.— Hier hatte Rummelsburg 5 Jahre zugestanden, Lichtenberg verlangte aber durchaus die Beibehaltung dieser Vorbelastung auf 8 Jahre, eventuell aber auf mindestens 7 Jahre. Beschlossen wurde, die Vorbelastung auf 6 Jahre anzuerkennen. Man hofft nunmehr, daß. wenn Lichtenberg eS überhaupt ernstlich mit der Vereinigung meint, die Lichtenbergcr Stadtverordnetenversammlung einmütig die Verschmelzung be, schließen wird. Herzfelde. Die letzte Gemeindevertretersstzung beschloß, die Arbeiten zu den Außen- und Innentreppen für den hiesigen Schulhausneubau der-mindestfordernden Firma Schulze u. Co., Berlin, für 1909 M. zu übertragen. Die Be- und Entwässerungsarbeiten sollen, sobald die noch gemachten Ausstellungen erledigt sind, an die Firma Wescher u. Erich für 16 400 M. vergeben werden.— U. a. kam dann die Verlegung des Gemeindegrabens zur Erörterung. Der Ge- meindevertreter Ziegeleibesitzer Otto Mann, über dessen Verhalten in der vorletzten Gemeindevertretersitzung berichtet wurde, ha! seine Anträge zurückgezogen. Die Firma Mannheimer, die den Gemeindegraben wieder in seine ursprüngliche Lage herzustellen hat, soll im gütlichen Wege aufgefordert werden, dieses zu tun. In einer Anfang September abgehaltenen Sitzung wurde beschlossen. gegen die Firma zwecks zwangsweiser Herstellung des Gemeinde« grabens in dessen ursprüngliche Lage Klage im Vcrwaltungsstrcit- verfahren einzureichen. Es scheint, als ob dieser Gemeindebeschluß nicht zur Ausführung gelangt ist. Zum Schluß machte der Vor» sitzende Jgler noch von einem Schreiben der Auffichtsbehörde Mit- teilung, wonach die Bezeichnung„Totengräber" als— ünschön empfunden wird. Die Versammlung beschloß, den Totengräber mit Friedhofswärter' zu titulieren. � Notvawes. Beleuchtung neuer Straßen. Die auf der Ostseite des Gym- nasialgrundstücks gelegene Althoffstraße und im Anschluß daran die verlängerte Anhaltstraße, die wegen des provisorischen Bahnhofs in der Lindenstraße von den Einwohnern des südlichen OrtsteilS als Durchgangsstrahen benutzt werden, sollen jetzt ebenfalls Gasbeleuch- tung erhalten. Sie häufen preiswert nur in einem Geschäft,(Us seine Konfeldton selbst fabriziert, das schon beim Einkauf der Rohstöffs aus den ersten Fabriken den alles verteuernden Zwischenhandel umgeht Dies Geschäft kann auch Ihnen die hieraus erwachsenden Vorteile zu gute kommen lassen in Gestalt niedrigster Verkaufspreise •1 : Folgende sind ans erprobten Stoffqualitätcn neuester Musterung, mustergültig in Ausführung und Sitz und durchweg Erzeugnisse eigener Fabrikation c3eit ca. 20 Jahren hat eich meine Firma das Vertrauen eines«usKedehDten Kun- denstammeserwoiben Hundeite sehr i ttlicber Anerkennungen legen da« beat, Z«ugni, dllfür Cheviotstoff dunkel geatr., m. Effekt. 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Einiges aus unserer Preisliste; Nicht für Wiederverkäufer. Nur soweit Vorräte reichen, Kakao................. Pfund 69 Pfg. Kunst-Honig..............„ LS „.im Karton..........„ LS PflauincnRins.............„ 14 Linsen, große..............„ L4 Gelbe Erbsen.............„ 10 Geschälte gelbe Erbsen........„ LS Kaisermehl..............„ 18 Feinstes Weizenmehl.........„ 19 Feinstes Anszngmehl in 5 Pfand-Beuteln 5„ 109 in 10„ 10 809 Feinstes Roggenmehl.........„ 14 Feinstes KartofTelmehl........„ 15 Graupen................„ 14 Feiner Welzengries..........„ 17 Feinster gelber Gries.........„ 80 8pelse-8alz...............„ 19 Schokolade, Block-Schokolade......„ 56 „ Haushalt-Schokolade.....„ 69 Fadennadeln(leicht gefärbt).......„ 89 Flgnrennndeln„„.......„ 89 Ifansmacher Elcrnndeln(leicht gefärbt).„ 38 Eiergraupen(leicht gefärbt).......„ 36 Reis..................„ 15 Rilcb-Rels...............*„ 89 Bruch-Reis...............„ 13 Oranienburger Seife..........„ 38 Gelbe Seife..............„ 38 Weiße Seife............... 8« Welzenstärke.............» 83 Borax.................» 88 Soda................... 4 GroBe Toll-Beringe.......... Stück 4'i Tollheringe, größte Sorte.... Garken, feine saure....... Marzkäse........... Sehr schOne große frische Eier Schweres Brot....... Zitronen......... Hafergrütze....... Binibeersirnp mit Kirschsaft.......„ 45 Backpulver.............. Pack 5 Paddlngpnlver.............„ 5 Tanillinzacker.............„ 5 Palmbatter(reines Kokospflanzenfctt)... Pfund 99 Schmalz, ohne Rabatt..........„ 69 Bratenschmalz, ohne Rabatt.......„ 50 Rargarine, hervorragend schön im Geschmack Extra Harke...... Rclk-Margarine I.... "" in::::; Reik• Pflanzenbntter• Rargarine Kanarlensaat(Glanzsaat)...... Rübsaat Hanfsaat............. Würfelzucker.......... Kandis, gelber und weißer...... Gebrannter Kaffee, sehr fein., •» »' tone grooe inscuo ajicr,... n 7'/, Brot........... Stück 45 u. 65 Stück 4 Pfund 89 IM nlz Kaifee mit Zugaben 'l/ Pfund 1 09 .. 77 " SS _ 99 : Ii : ■: U :"JS Flasche 10 HP! aga Bier, helles und dunkles -nn44A» allerfelnste Iffolkerel-Battcr Pfand 159 Pfg.\ ohne .Kkllllvl feine MolUercl-Butter...„ 138, /Rabatt. Auf sämtl. Waren(außer Butter, Schmalz u. Maggi) trotz der außerordentlich niedrigen Preise 10 Prozent-kaliathnarhen. Rabattkarten zum Einkleben der Keik-Rabaltmarken werden in allen Reik-Läden völlig umsonst abgegeben. Preislisten sind ebenfalls in allen Reik-Ll iea zu haben. Jteik in Btxdod. giianltpotllidj« Aedakteu��chard Barth, Berlin. Lür den Lnftrstepteil vergntk?.: Th. Glocke. Berlin. Dcudu.Berlss:Borlxärtt Buchdruckelei u. BerlagSanitalt Paul Singer u-So., Berlin SW,