Ur. 237. Hbonncmcnts-Bedlngungcn: «Bonnemcnlä> Preis pränumerando i Siericljährl. SL0 MI., monall. l.10 MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- mimmer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt">0 Psg. Post- Zibonnenicnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Ocslcrrcich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonncmenlS ncbmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. �4® DU TnTtrfloni'Gebflbr »eträgl für die sechsgespaltene Kolonek- »eile oder deren Raum«0 Psg., für volitische und gewcrlschaslliche Pereins- und Lersaminlungs-Anzeigen 8V Psg. „dlieln. Snretgen", das scttgedruclle wort 20 Psg. szulässig 2 settgedrulkle Worte), ledeg weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlafsiellcnan- «eigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über lö Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Erpeditio» jjt biß 7 Uhr abends geöfsnet, vlailiit Iög»ch i»il!er ll!»lll»g«. Vevlinev Volksvl�lk. ZcntraXovgan der rozialdemokrati feben Partei DeutfchlandQ. Telegramm-Adresse! «SoilaUKntkrat kiiUi". Redahtton: 8M. 68, Ltndenstraaac 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, Ltndcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Kamps gegen die flot. Am 17. Oktober tritt der Reichstag wieder zusammen. Seine erste und dringlichste Aufgabe wird in der Beratung der Notstandsinterpellation liegen, die von sozialdemokratischer Seite bereits angekündigt worden ist. Regierung und Par- lamentsmehrheit werden dann endlich Farbe bekennen müssen, und es wird sich zeigen, ob sie zu einer ernstlichen Bekämpfung der furchtbaren Teuerung entschlossen sind, oder ob sie das darbende Volk mit unzulänglichen und unwirksamen Palliativ- Mittelchen abspeisen wollen. Bisher hat allerdings die Regierung des Reiches wie die Preußens alle wirksamen Maßregeln unterlassen. Nicht ein- mal dazu hat sie sich aufzuraffen verstanden, das infame System der Einfuhrscheine, das die Staatskassen schädigt und das deutsche Getreide ins Ausland treibt, endlich zu beseitigen. Die preußische Regierung hat nur den allerdings gescheiterten Versuch gemacht, die Aufmerksamkeit des Volkes von den Sünden der agrarischen Wirtschaftspolitik abzulenken und den Handel und die Gemeindeverwaltungen mit billigen Er- Mahnungen zu bedenken. So gerechtfertigt diese auch sonst sein mögen, die Verteuerung der dringendsten Volksbedürfnisse ist ins Unerträgliche erst gesteigert worden durch die P 0 l i t i k der Wucherzölle, die den Agrariern Milliarden aus den Taschen der Armen zugeschanzt und den Lkartellmagnaten die Ausplünderung der Massen so außerordentlich erleichtert hat. Hier ist auch der Punkt, wo der Reichstag einsetzen muß. Beseitigung der Einfuhrscheine und A b- schaff nng aller Zölle auf Lebensmittel. Er- möglichung der zollfreien Einfuhr gesunden Viehs und des überseeischen gefrorenen Fleisches, das sind Mittel, die der herrschenden Teuerung abhelfen können, und sie sind die einzig wirksamen, neben denen alle anderen erst in zweiter Linie kommen. Freilich es ist kein Zweifel, daß die Nutznießer deS Brot- und Fleischwuchers alles aufbieten werden, um gründliche und wirksame Maßnahmen zu verhindern. Die Ritter und die Helligen werden wiederum im Zeichen der Volks- ausplündernng zusammenstehen. Das Verhalten der Zentrums- presse gibt uns ja schon einen schönen Vorgeschmack von der zu erwartenden Volksverhöhnung. So sucht sich die Presse der schwarzen Agrarier damit heraus- zureden, daß die gegenwärtige allgemeine Teuerung in der Hauptsache nicht auf die Zollpolitik, sondern auf die D ü r r e und den dadurch hervorgerufenen Mißwachs zurück- zuführen sei. Als ob die hohen Brotpreise— und die schon jetzt unerschwinglichen Fleischpretse werden gleichfalls bald noch mehr in die Höhe klettern— deshalb weniger empfunden würden, weil jetzt auch das Gemüse, die Kar- toffeln. das Obst, Eier, Milch usw. so teuer geworden sind! Als ob es nicht gerade angesichts der durch die Dürre ver- ursachten allgemeinen Preissteigerungen doppelt am Platze wäre, alles zu tun. um wenigstens die durch die agrarische Beutegier, durch Zollwucher und Grenzsperren in die Höhe getriebenen Brot- und Fleischprcise nach Möglichkeit herabzusetzen! Eine ebenso skrupellose Demagogie ist. es, jetzt dem Zwischenhandel die Hauptschuld an den Notstandspreisen zu- zuschreiben, wie das in der Presse des schwarzblauen Blocks geschieht. Daß der Zwischenhandel die Verbrauchsartikel ver- teuert. ist gerade von der Sozialdemokratie stets gebührend hervorgehoben worden. Aus dieser Erkenntnis sind ja gerade die proletarischen Konsumvereine hervorgegangen. Wer aber hat stets gegen die Konsumvereine gewettert? Wer hat sie durch exorbitante Steuern zu erdrosseln versucht? Die Herren vom schwarzblauen Block, die jetzt nicht nur gegen die Getreide- und Viehhändler, sondern auch gegen Bäcker- und Schlächtermeister gar nicht genug losziehen können! Der R e d e n S a r t e n hat das darbende Volk genug gehört, es verlangt jetzt Taten, durchgreifende Maß- nahmen, die ihm billige Nahrungsmittel ver- schaffen! Daß das arbeitende Volk unter der herrschenden Teuerung furchtbar zu leiden hat. kann auch der skrupelloseste Schön- färber nicht leugnen. Wenn bereits vor einigen Jahren vor der Beamtenbefoldungsreform im Organ der Postassistenten darüber geklagt wurde, daß bei den herrschenden Teuerungs- Verhältnissen im Haushalt dieser mittleren Beamtcnschichten das Fleisch geradezu zuni Luxusartikel geworden sei— wie sollen da heute die Proletarier unter den viel s ch l i mm e ren Teuerungsverhältnissen ihre Bedürfnisse mit einem weit geringeren Einkommen zu befriedigen vermögen?? Beim Zusammentritt des Reichstages wird sich auch daö arbeitende Volk Berlins zu wuchtigen Protestkundgebungen zusammenfinden, um Einspruch gegen eine Politik des Brot- und Fleischwuchers zu erheben, die gerade angesichts der allgemeinen Teuerungs- Verhältnisse als frivolste Verhöhnung der Volksnot empfunden werden muß! Mit unzweideutiger Schärfe wird auch das Berliner Proletariat sein Urteil über diese Politik der Volks- aushungerung aussprechen und die durch die verzweifelte Lage gebotenen Forderungen erheben. Dann werden Regierung und Parlamentsmehrheit das Wort haben. Das letzte Wort aber hat das Volk bei den bevor- st ehe n den Reichstagswahle nl Zum tripolitaniichen Abenteuer. Rom, 5. Oktober.(Eig. Ber.) Der„große Eroberungszug" ist in vollem Gange, und man erfährt in Rom durch etwa stündlich ausgegebene Extra- blätter, daß soundso viel türkische Schiffe gekapert wurden, andere in den Grund gebohrt, sieht dieselben Schiffe im nächsten Extrablatt wieder aus den Tiefen des Ozeans auf- erstehen, erfährt von der Uebergabe von Tripolis, dann wieder von seinem hartnäckigen Widerstande, hört von dicht bevor- stehendem Friedensschluß und in gleichem Atem von der Dauer des Krieges bis zum November— kurz, was veröffentlicht wird, ist widerspruchsvoller Unsinn, und über den Gang der Ereignisse weiß man nirgends weniger als in Rom selbst. Die Zensur meint es weiter mit den Journalisten sehr gut, so daß einer nicht einmal die beim Staatslotto gezogenen Nunimern telephonieren durfte, weil man dahinter eine chiffrierte Mitteilung vermutete. Wenn sich trotzdem etwas über Tripolitanien berichten läßt, so ist es mehr über die Dinge, die verschwiegen werden, als über das Zeug, das die Extrablätter füllt. Es handelt sich nämlich um einen„Kreuzzug und heiligen Krieg" des Bank- kapitals, und zwar vor allem des klerikalen, als dessen Haupt- Vertreter der vanco di Koma in Frage kommt. Dieser hat in mehreren Städten Tripolitaniens Filialen, und was es an italienischen Interessen dort zu schützen gibt, sind fast ausschließlich seine Interessen. Boshafte Leute behaupten, daß Italien heute nicht zuletzt diesem Kapital zu Ehren in Waffen steht. Unter diesen Umständen gewinnt eine be- scheidene Meldung des„Messaggero" eine besondere Bedeu- tung. Nach dieser Meldung, die in Italien überhaupt nicht kommentiert worden ist, hat ein Dampfer des Banco di Borna Tripolis am Tage vor der Blockierung mit Getreide versehen. Das heißt also, daß italienische Kapitalisten, deren römisches Organ, der„Corners d'Italia", Feuer und Flamme für den Krieg ist, eine„feindliche" Stadt am Vor- abend der Belagerung mit Getreide verproviantieren. So sieht der Bankpatriotismus in der Nähe aus: an der ganzen „glorreichen" Belagerung ist ihm sicher die Erhöhung der Getreidepreise und das dadurch gemachte Geschäft am liebsten gewesen! Ucberhaupt läßt sich bei dieser Gelegenheit manch inter- essanter Einblick in die Motive tun, die die Presse für den Krieg begeistern oder gegen ihn entrüsten. So ist zum Bei- spiel der österreichisch-italienische„Piccolo" in Trieft Feuer und Flamme für den Krieg, trotzdem der ihm und seinem Jrredentismus so nahestehende Verein„Treato e Trieste" gegen den Krieg ist, und zwar aus denselben Gründen, aus denen die Jrredentisten �s überhaupt sind, weil sie nämlich in ihm die Gefahr erblicken, Oesterreich zu einem Vorstoß im Balkan zu ermutigen und überhaupt die Türkei zum Vor- teil Oesterreichs zu schwächm. Die Erklärung dafür, daß sich auf einmal Jrredentismus und tripoliwnischer Rausch ver- söhnen, hat man dem„Avanti" zufolge in der folgenden Tat- fache: der„Piccolo" ist in Händen weniger Kapitalisten, nebenbei gesagt Juden, und die natürlich für die Interessen des Triester Kapitals besorgt sind. Krieg mit der Türkei bedeutet nun Störung des italienischen Handels mit der Levante und auch Boykott der italienischen Waren, alles Dinge, die sich für den irredentistischen Nationalismus in einer Ver- mehrung des Triester Handels umsetzen. Daher der Enthusiasmus. Ein Gegenstück zu diesein Fall bietet ein großes bürgerlich-radikales Mailänder Organ, das die tripoli- tanische Expedition bekämpft. Unter seinen Aktionären be- finden sich nämlich viele Textilindustrielle. Für diese stellt Tripolitanien eine doppelte Gefahr dar: einmal bedroht der Krieg ihre Ausfuhr nach der Türkei, einem Absatzgebiet, auf dem die italienischen Textilwaren heute allen anderen den Rang ablaufen: dann bedroht die mutmaß. liche tripolitanische Produktion die einem Teil der Kapitalisten gehörigen Baumwollpslanzungen, da das zu erobernde Land in dem sogenannten Alfa eine Tertilpflanze besitzen soll. Aus solcher Ouelle stammt gelegentlich die Friedensliebe der Bourgeoisie. Recht lächerlich macht sich die Zentralorgani- sation der italienischen Unternehmer. Diele hatten gedroht, daß sie auf den Generalstreik mit einer all- gemeinen Aussperrung antworten würden, und machen nun durch Maucranschlag bekannt, daß sie für diesmal, um die Produktion nicht zu stören, von dieser Maßregel absehen werden, daß sie aber im Wiederholungsfalle energisch vor- zugehen bereit sind. Kann man sich etwas kläglicheres denken? Für den nächsten Generalstreik drohen die Herren mit ihrem Zorn— einstweilen wollen sie aber die Produktion nicht stören und sperren deshalb, unbeschadet ihrer patriotischen Eni- rüstung, die Arbeiter nicht aus. Gelegentlich dringt übrigens auch ein Beweis dafür, daß nicht alles Begeisterung und Hurrapatriotismus ist, in die Oeffentlichkeit. So hat der„Lavoro" vom 4. aus Venedig die Nachricht, daß unter 150 Soldaten des Jngenieurkorps sich 20 melden sollten, um auf den Kriegsschauplatz zu gehen. Der Offizier forderte die in Reihe und Glied stehende Mann- schaft zweimal auf. aber kein einziger trat aus den Reihen. Schließlich mußten 20 begeisterte Krieger... aus- gelost werden. Uebrigens ist die Auslosung in den übrigen Regimentern die Regel. Auch hierbei sind natürlich nicht alle gleich, denn die Herren Einjährig-Freiwilligen kommen nicht zur Auslosung. Ihnen wird es freigestellt, ob sie reisen wollen oder nicht. Das Kriegsministerium will offenbar die Lor- beeren dieses Krieges hauptsächlich proletarischen Stirnen vor- behalten! Oer ISrieg. Außer Tripolis haben die Italiener noch fien Wichtigen Hafen von T 0 b r u k in der Kyrcnaika besetzt, wo ihnen die kleine türkische Garnison tapferen Widerstand geleistet hat. Die Lage-in Tripolis selbst ist noch nicht ganz zu übersehen. Es liegen Meldungen vor. die besagen, daß das Vom- bardement noch fortgesetzt werde nach den Sig» nalen, die die gelandeten Marinetruppen den Schiffen geben. Die türkischen Truppen haben sich ins Innere zurückgezogen und türkische Kavallerie beunruhigt zeitweise die italienische Besatzungsmannschaft. In K 0 n st a n t i n 0 p e l selbst aber findet man immer noch nicht die Kraft, wirksame Äbwehrmaßregeln zu er- greifen. Das türkische Ministerium ist schon wieder von einer Krise heimgesucht. Der Wiener Botschafter R c s ch i d Pascha, der das Ministerium des Auswärtigen eben erst über- nommen hatte, hat demissioniert. An seine Stelle soll A s s i nr Bey, der bisher Gesandter in Sofia war. treten. Dazu herrscht zwischen dem jungtürkischen Komitee und dem Ministerium Zwiespalt. Das Komitee will vor allem den wirtschaftlichen Krieg gegen die Italiener mit Entschieden» heit durchführen, das Ministerium zaudert und fetzt feine Hoffnungen auf die Vermittelungsaktion der Mächte. Am Sonntag hat der Ministerrat unter dem Druck des Komitees die Ausweisung aller Italiener aus der Türkei und Kampfzölle gegen italienische Waren. die deren Einfuhr unmöglich machen würden, beschlossen. Gleichzeitig hat das Ministerium einen neuen Hilferuf an dieMächte ergehen lassen. Aber diese Entschiedenheit hat keine 24 Stunden gedauert, und schon am nächsten Tage ist beschlossen worden, die Maßregeln gegen die Italiener aufzuschieben. Es heißt, daß dieser Beschluß auf An- raten des deutschen Botschafters erfolgt sei. Olbi das jungtürkische Komitee genug Einfluß besitzen wird, um seine Politik der Fortführung des Kampfes dem Ministerium doch noch aufzuzwingen, steht dahin. In Italien wird unterdessen mit allen Mitteln einer überhitzten Demagogie die Kriegsstiminung anzufachen ver- sucht. Die eifrigsten in der Kriegshetze sind die Kleri- kalen, die den Banditenstreich der Regierung als heilige Tat feiern. So hat der Erzbischof von Pisa. Kardinal Maffi, einen Aufruf an das Volk und die Geistlichkeit gerichtet, in dem er zu Bittgebeten für den Sieg« Italiens auffordert. Die Priester stellen sich zur Be- gleitung des Expeditionskorps zur Verfügimg, und die kleri- kalen Vereinigungen veröffentlichen ein chauvinistisches Manifest, worin es heißt:„Der Krieg, den Italien den wilden türkischen Barbaren erklärt habe, sei ein Krieg für die Gerechtigkeit und Zivilisation. Der Krieg ist dazu bestimmt, den Briidern in Tripolis den Kuß der Freiheit und die Wohltaten des mensch- lichen Fortschrit t s(!)zu bringen. Die Katholiken seien zu Unrecht als unpatriotisch verschrien. Im Gegenteil, die Feinde des Vaterlandes seien die Freimaurer und die internationalistischen Sozialisten. Es sei aber ein Trost, daß das Volk der Italiener von den Alpen bis nach Sizilien den mächtigen Ruf ausstoße:„Hoch Italien, hoch das Heer, hoch das italienische Tripolis!" Und schon verlangen die Klerikalen die Bezahlung für ihren„Patriotismus" und für ihr Eintreten für die Ge- schäftsinteressen der päpstlichen Bank. Die Rede, die der Ministerpräsident G i 0 l i t t i in Turin gehalten hat. ist ihnen nicht reaktionär genug. Giolitti soll die Verstaat- lichung der Lebensversicherung und vor allem die versprochene Wahlreform fallen lassen. Das Volk ist doch ohnehin so schön patriotisch besoffen, wozu braucht es da noch politische Rechte? Das bedenklichste an der chauvinistischen Hetze ist sedoch, daß die imperialistischen Agitatoren immer deutlicher darauf hin arbeiten, den Krieg auszudehnen. Nicht nur, daß sie von vornherein jedes auch nur formelle Entgegen- kommen gegen die Türkei, das den Krieg leichter beendigen könnte, als„Verrat".ausschreien, ihrem Ehrgeiz genügt Tripolis allein nicht mehr. Der Appetit kommt während des Essens, und schon erinnert man sich, daß doch viel mehr als Tripolis T rieft und Trient italienisches Land seien. Mit jedem Tag, den der Krieg dauert, wächst sy die Schwierigkeit, ihn zu beenden und ihn zu lokalisieren. Die Besetzung Von Tobruk. Rom. 8. Oktober.(Meldung der Agengia Stefani.) Am Morgen des 4. d. M. liefen die Schiffe des ersten Geschwaders in den Hafen von Marsa Tobruk ein, wo sie keine türkischen Schiffe vorfanden. Aus die Aufforderung, sich zu ergeben, ver» weigerte die türkische Garnison die Einziehung der türkischen Flagge. Darauf eröffnete der Panzer«Vittorio Emanuele" das Feuer; mit den ersten Schüssen legte er die Fahne nieder und schoß eine breite Bresche in die Umwallung. Dann ließ Admiral Aubry einige Kompagnien Matrosen landen, die nach Ueber- Windung des von der kleinen türkischen Garnison geleisteten Wider- standes das Fort besetzten, die italienische Flagge hißten und einige türkische Soldaten, die den Kampfplatz nicht hatten verlassen wollen, gefangen nahmen. Die Beschießung von Tripolis. Rom, 9. Oktober. Der Korrespondent der„Vita" hatte in Syrakus Unterredungen mit Personen, die aus Tripolis kamen. Diese teilten ihm mit, die Beschießung der Forts in Tripolis durch die italienischen Kriegsschiffe hätte auf eine Entfernung von 12 Kilometern begonnen. Die türkischen Artilleristen hätten sich als unfähig erwiesen; ihre Schüsse wären nur 4 Kilometer weit gegangen, während die Schußweite ihrer modernen Kruppschen Geschütze 9 Kilometer betrug.— Als die italienischen Matrosenabteilungen landeten, so heißt es weiter in dem Bericht, ging die türkische Kavallerie zum An- griff auf sie über» aber die italienische Schiffsartillerie zerstreute die Kavallerie. Der Befehlshaber der gelandeten Truppen, Kapitän zur See Cagni, ließ eine Veröffentlichung anschlagen, worin die Ent- waffnung zum Zwecke der Sicherheit in der Stadt befohlen wird; in der Bekanntmachung werden für die Auslieferung der Waffen am ersten Tage 10 Franks und am zweiten Tage S Franks versprochen; wer vom dritten Tage an noch im Besitze von Waffen sei, werde hingerichtet werden. Konstantinopel, 8. Oktober. Das jungtürkische Komitee hat die Nachricht erhalten, daß bei der Beschießung von Tripolis der Konak von einem Geschoß getroffen worden sei. Der Mali soll schwer verwundet sein. Die türkischen Streitkräfte. Rom» 8. Oktober.„Tribuns" meldet au» Malta: Von hier an- gekommenen Schiffen wird berichtet, daß die Türken sich in der Umgebung von Tripolis gegen 19 009 Soldaten und ebenso» viele mit Gewehren bewaffnete Araber konzentriert hätten. Ob dieses Heer gegen Tripolis marschieren oder sich auf die Ver- teidigung beschränken solle, wisse man nicht. Tripolis von den Türken verlassen. Rom, 9. Oktober.„Tribuns" meldet aus Malta: Der italienische Dampfer„Herkules", der gestern nachmittag von Tri- po l i S hier ankam, bringt die Nachricht, daß Tripolis von türkischen Soldaten verlassen ist. Türkische K a- v a l l e r i e hält sich aber inder Umgegend der Stadt auf und unterrichtet das Gros der türkischen Truppen, die sich nach dem Fnnern zurückgezogen haben, über die Beschießung und die Bewe- gungen der Italiener. Alle Forts sind jetzt zerstört, Kämpfe im Innern. Konstantinopel, 9. Oktober. Wie die hiesigen Blätter melden, hat sich die türkische Garnison von Tripolis unter Oberst Neschet nach Vehare und Kirkkarisch zurück- gezogen, wo sie eine Verteidigungsstellung ein- genommen hat. Eine italienische Kompagnie ver- suchte, bis Vehare vorzurücken, mußte sich jedoch infolge des Widerstandes der türkischen Truppen zurückziehen. Die einheimischeBevölkerungnahmamKampf teil. Jkdam erfährt, einige Großmächte hätten der Pforte vorgeschlagen, die Besetzung Tripolitaniens an- zuerkennen» wogegen die Mächte die Kretafrage zugunsten der Türkei regeln würden. Die Ausweisungsfrage. Konstantinopel, 8. Oktober. Der Ministerrat hat die Ausweisung der in der Türkei ansässigen Jta- liener beschlossen. Diese müssen das Land innerhalb dreier Tage verlassen. Wie verlautet, soll der Minister- rat auch einen Zollkrieg mit Zöllen bis zu tOO Proz. beschlossen haben....., Rom, 9. Oktober. Wie die„Agenzia Stefan:" meldet, hat die türkische Regierung auf Bitten des beut- schen Botschafters in Konstantinopel die Aus- wcisungderItalieneraufgeschoben. Sie wird wahrscheinlich nichtmehr st attfinden. Die Befragung der Großmächte. Konstantinopel, 3. Oktober. Die Pforte hat ihr« Botschafter beauftragt, die Großmächte zu befragen, unter welchen Voraussetzungen die Mächte die Einstellung der Feindseligkeiten für möglich halten.— Ein Commu- nique des Ministeriums des Aeußern bezeichnet die Blättcrmeldung als unzutreffend, wonach die Pforte unter gewissen Bedingungen über die Anerkennung derOkkupation von Tripolis mit Italien zu verhandeln bereit sei. Die Rede des Ministerpräsidenten. Turin, 8. Oktober. Gestern abend fand im Königlichen Theater ein Diner zu Ehren des Ministerpräsidenten Giolitti statt. Anwesend waren zahlreiche Minister, samtliche Unter. staatssekretäre. an sechshundert Senatoren und Deputierte, die Bürgermeister von ganz Piemont und hervorragende Persönlich- leiten aus ganz Italien. Viele Tausende von Depeschen waren aus dem ganzen Lande eingelaufen, darunter auch von Luzzatti und von oppositionellen Abgeordneten, die dem Vor- gehen der Negierung in Tripolis Beifall zollen. Auf dem Platze vor dem Theater wartete eine gewaltige Menschenmenge auf Giolitti, der aber durch eine Hintertür das Theater betrat. Hier wurde er mit einer großartigen Huldigungskundgebung empfangen. Alle Anwesenden erhoben sich und riefen:„Es lebe llLiolitti!" Die Beisalltundgebungen dauerten mehrere Minuten. Ueber die auswärtige Lage sagte Ministerpräsident Giolitti: Die großen Fortschritte des italienischen Volkes müssen uns die Ucbcrzeugung verschaffen, daß wir erst am Anfang einer neuen Periode unserer Geschichte sind, in welcher der höchste Grad der Kultur, des Wohlstandes, der sozialen Gerechtigkeit im Innern und eine Stellung in der Welt, die der ruhmreichen Ver- gangenheit der italienischen Rasse mehr entspricht, abhängen werden von der Art, in welcher Regierung und Volk es verstehen werden, ihre Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen. Die aus- wältige Politik ist ein Stoff, der nicht geeignet ist für zu genaue Erklärungen, da sie sehr oft in ihrer Ent- Wickelung Ereignissen unterworfen ist, die nicht von unserem Willen abhängen. Wir betrachten den Frieden und ein vollständiges Einvernehmen mit allen Mächten als die höchste Wohltat für Italien, aber wir können nicht aus Liebe zu einem ruhigen Leben die Leb ens i n t e r e s s en des Landes und unsere nationale Würde opfern. Eine demokratische Politik tft flicht gleichbedeutend mit einer schwachen und ohnmächtigen Politik. Die Geschichte aller Völker und Sie sich vor unseren Augen abspielenden Ereignisse beweisen im Gegenteil, daß die Re- gierungen, die Vertreter aller sozialen Klaffen sein können, die eifersüchtigsten Hüter der großen Interessen ihres Landes sind und nicht nur an die Fragen von unmittelbarem Interesse denken, sondern auch die ferne Zukunft ihres Landes zu sichern wissen. Die auswärtige Politik kann nicht wie die innere gänzlich vom Willen der Regierung und des Parlaments abhängen, sondern mutz infolge absoluter Notwendigkeit den Ereignissen und der jeweiligen Lage Rechnung tragen, die zu ändern nicht in unserer Macht fliegt, ja die wir bisweilen nicht einmal beschleunigen oder verzögern können. Es gibt Ereignisse, die sich wie ein wahres historisches Verhängnis ein- stellen, dem sich ein Volk nicht entziehen kann, ohne sein« Zukunft unheilbar in Frage zu stellen. In solchen Augenblicken ist eS Pflicht der Regierung, alle Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen. Sie hat sie mit ruhigem Geiste übernommen, weil sie überzeugt ist. daß gegenüber der hartnäckigen, systematischen Feindselig- keit, die seit Jahren unsere wirtschaftliche Tätigkeit in Tripolis hinderte, und gegenüber den fortwährenden Her- ausforderungen der türkischen Regierung jedes Zögern oder jeder Aufschub zu gleicher Zeit die Ehre des Landes und seine politische und wirtschaftliche Lage in Frage gestellt haben würde. Im weiteren Verlaufe seiner Rede wandte sich der Minister- Präsident der inneren Politik zu und betonte, die Hebung oes vierten Standes auf einen höheren Grad der Kultur [ei das dringend st e Problem, nicht allein aus Gründen er Gerechtigkeit, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Denn nur die tätige Teilnahme an jeder Form des Fort- schritt? von feiten des ganzen Volkes könne den Reichtum des Landes hervorbringen. Giolitti erörterte und verteidigte sodann die Gesetzentwürfe betreffend das LebensversicherungS- Monopol und das allgemeine Wahlrecht. Die R e- form des Wahlrechts werde den Anfang einer neuen gesetzgeberischen Periode bedeuten und werde es ermöglichen, die großen Reformen auszuführen, denen Italien zustrebe. Französisch« Schiffe im Mittelmeer. Toulon. 8. Oktober. Der Panzerkreuzer. Jules Ferrh" ist heute vormittag in See gegangen. Der Panzerkreuzer„Leon Gambetta" mit Admiral d'Artige wird in einigen Tagen abfahren. Beide Schiffe werden sich in den türkischen Gewässern mit dem tanzerkreuzer„Ernest Renan" vereinigen, um gemeinsam den chutz der französischen Interessen während des italienisch-türkischen Krieges wahrzunehmen. Ein französischer Protest. Paris, 8. Oktober. Gestern abend fand unter dem Vorsitz unseres Genossen Franc is Pressense eine große P r o t e st- Versammlung gegen den italienischen Feldzug gegen Tripolis statt. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, in der den konstitutionellen Ottomanen, die allein fähig seien, ein Land zu retten, dessen Bestehen für den Frieden und das europäische Gleichgewicht notwendig sei, die Sym« pathie der Versammlung ausgesprochen und an die an dem Streitfalls nicht beteiligten Großmächte der Appell gerichtet, den Frieden durch Aufrechterhaltung des Rechts wieder- herzustellen.— Der ehemalige türkische Minister H a l a d j i a n wohnte der Versammlung bei. Die lilarokkoveichandlungen. Die Verhandlungen rücken kaum vorwärts. Während die Kongointeressenten in einem Teil der französischen Presse un- aufhörlich gegen jede Abtretung französischen Bodens Sturm laufen und der Kongreß der Radikalen und Radtkalsozialisten, also der Regierungspartei, eine Tagesordnung angenommen hat, die ebenfalls jede Gebietsabtretung perhorresziert, unter- handeln die Regierungen noch immer über jene sagenhaften „redaktionellen Aenderungen", ohne sich einigen zu können. Schon vor Wochen hieß es, daß die Einigung in einigen Tagen perfekt sein werde und heute stehen wir genau so weit. Sonn- tag war wieder mal die„Unterredung" zwischen dem Herrn Cambon und Kiderlen-Waechter und wieder versichert eine halbamtliche französische Note: Paris, 9. Oktober. Wie die„Agence HavaS' erfährt, wurde in der gestrigen Unterredung zwischen dem Botschafter Eambon und dem Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter die Lösung deS marokkanischen Teiles der Verhandlungen sehr gefördert; die Besprechungen scheinen einen guten Fortgang zu nehmen. Diese Verlautbarung hätte ebenso gut vor vier Wochen erscheinen können und eine ähnliche, fürchten wir, werden wir in vier Wochen wieder zu lesen bekommen, wenn den Herren Kiderlen-Waechter und C a i l l e u x nicht endlich in den Parlamenten erklärt wird, daß sie schleunigst den Ver- trag zustande bringen oder fähigeren Männern Platz zu machen haben. Bormarsch der Spanler. Madrid, 8. Oktober. Wie die Blätter melden, haben sich gestern rüh drei spanische Kolonnen nach dem Ued Kert in Bewegung gesetzt. Eine Kolonne überschritt den Fluß und griff die Befestigung der dahinter verschanzten Harka heftig heftig an. Die Harka ergriff die Flucht. Zwei spanische Kriegsschiffe unterstützten die Operationen mit ihrer Artillerie. Mcllilla, 3. Oktober. Die KolonnR pnter Oberst Rivera wurde auf dem linken Ufer des Kert angegriffen und verlor zwanzig Mann. Oberst Rivera und zwei Offiziere wurden verwundet. Darauf überschritt die Division Orozco den Fluß und besetzte eine Stellung 11 Kilometer landeinwärts. Spanische Berlnste. Madrid, 8. Oktober. Amtlich wird miS Melilla gemeldet' Die vorläufigen Operationen sind nach zehnstündigem Kampfe glänzend durchgeführt worden. Die Harka wurde schwer ge» züchtigt und ließ zahlreicheTote sowie Waffen und Munition zurück. Die Division Orozco erreichte die Höhen bei Terkemin nach hartem Kampfe, wobei sie aus dem Marsche alles zerstörte. Die Verluste der Division sind beträchtlich. Privat- depeschen sprechen von mehr als hundert Mann. polirifcke CleberlicKr. Berlin, den 9. Oktober 1911. Zur LandtagSwahl im Grostherzogtum Oldenburg. Unsere oldenburger Genossen haben sich, wie wir bereits mel- deten, entschlossen, bei den Nachwahlen(eigentliche Stichwahlen kennt das oldenburgische Wahlgesetz nicht) den Freisinn im wei- testen Maße zu unterstützen. Sie werden in den Wahlkreisen B u t- jadingen, Brake. Jever und Stadt Oldenburg für die Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei eintreten, nachdem die Leitung dieser Partei zugesichert hat, daß ihre Kandidaten im Falle einer Wahl für einen weiteren Ausbau de? Wahlrechts in Staat und Gemeinde, für eine freiheitliche Ausgestaltung des Volksschulwesens, für weitere Entlastung der untersten Steuer- stufen und Förderung aller sozialen Gesetze zur materiellen Hebung der staatlichen Arbeiter und kleinen Beamten eintreten Kerben. I« Wahlkreise DekKenhorst Ik, Ko für Mseren Genoffen 948, für einen Nationalliberalen 949 und für einen Volksparteiler 639 Stimmen abgegeben wurden, gehen hingegen unsere Partei- genossen selbständig vor und dürften, da die Vollsparteiler für den Nationalliberalen nicht stimmen wollen, das Mandat erobern. Selbständig werden unsere Genossen ferner im Wahlkreise Olden- burg-Land vorgehen, in dem die sozialdemokratischen Kandidaten 1725 und 1734 Stimmen erhielten, während auf die Volksparteiler 1751 und 1782 Stimmen entfielen. Die Nationalliberalen geben mit ihren 1209 Stimmen den Ausschlag, wahrscheinlich zu- gunsten der Volksparteiler. Anstelle des Genossen H u g, der die Wahl in Oberstein ange- nommen hat, wird in Rüstringen der Genosse Heller- Norden- Hamm bei der Ersatzwahl kandidieren. Die Rüstringer Genossen verzichteten auf einen Kandidaten aus ihrer Mitte, damit im neuen Landtag auch die Arbeiterschaft desjenigen Landesteils vertreten ist, in dem die rasche Entwicklung der Industrie zu den besten Hoff- nungen berechtigt. Im Nordbezirk des Fürstentums Lübeck ist ein Kompromiß zwischen unseren Genossen und der Fortschrittlichen Volkspartei abgeschlossen worden, um die Wahl des Agrarierführers und bis- herigen Landtagsabgeordneten. Hauptmanns a. D. v. Levetzow- Sielbeck, zu verhindern. Nach diesem Abkommen läßt jede Partei einen Kandidaten fallen, so daß der bisherige fortschrittliche Ab- geordnete, Bauunternehmer Steenbock- Eutin, mit unserem Kandidaten, Rebenstorf, auf dieselbe Liste kommt. Wie jetzt feststeht, sind von den bei der Hauptwahl abgegebenen reichlich 150 000 Stimmen nahezu ein Drittel(48 800) für die Sozialdemokratie abgegeben worden, die Fortschrittliche Volkspartei erhielt 40 000, die Nationalliberalen 26 000, da? Zentrum 24 000 und die Agrarier 11 000 Stimmen. Die Niederlage der Agrarier wird durch die Nachwahlen hoffentlich vervollständigt werden, Kein freifinnig-konservatives Wahlbündnis in Schlesien. In Bunzlau fand gestern der zweite niederschlestsche Parteitag der Fortschrittlichen VollSpartei statt. Parteisekretär Mickeleit er- stattete den Geschäftsbericht und die Abgeordneten Fischbeck und Kopsch hielten Ansprachen. Offiziell mitgeteilt wurde in der Delegiertensitzung, daß der Provinzial-Parteivorstand auf daS konservative Angebot, betreffend Stichwahlhilfe, geantwortet hat, daß bor der Hauptwahl von der Parteileitung keine Abkommen betreffs der Stichwahl getroffen werden. Die gleiche Antwort sollen die einzelnen Wahlkreise erteilen, in denen ebenfalls bereits solche konservative Anerbietungen gemacht worden sind. Eröffnung des preußischen KlaffenparlamentS. Der preußische Landtag wird am DienStag, den 16. Januar 1912 wieder eröffnet, aber wegen der ReichStagswahlen sofort auf zehn bis vierzehn Tage wieder vertagt.— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit: In der Tagrspresse ist die Nachricht verbreitet worden, daß der Entwurf, betreffend die organische Neuordnung der direkten StaatSsteuern in Preußen, in der nächsten Session dem Landtage nicht zugehen werde. Diese Nachrichl ist unzutreffend. Es wird vielmehr eine entsprechende Gesetzesvorlage, wie dies im Gesetz, betreffend die Bereitstellung von Mitteln zu Diensteinkommen- Verbesserungen vom 26. Mai 1909 vorgesen ist, in der kommenden Session im Landtage eingebracht werden. Nationalliberale und Zentrum. Die Nationalliberalen in Düsseldorf, die sich bei der Stichwahl der Stimme enthalten und damit das Zentrum seinem Unglück überlassen haben, lassen keinen Zweifel darüber, daß es ich nur um ein Warnungszeichen für die nächsten allgr- meinen Reichstagswahlen handelt. Die Nationalliberalen haben die Gelegenheit benutzt, dem Zentrum klar zu machen, was ihre Stichwahlhilfe zu bedeuten hat und was für das Zentrum auf dem Spiele steht, wenn dieses sich nicht zu angemessenen Gegen. lcistungen bei den nächsten Wahlen bereit findet. Erpresser» Politik— wie man es nennen konnte. Im übrigen erklären sich die Nationalliberalen, nachdem sie eine Probe ihrer Macht und ihres Mutes obegelegt haben, gern bereit, mit dem Zentrum im Westen Halbpart zu machen. Die.Nationalliberale Korrespondenz für die Rheinprovinz" schreibt näm- lich bezüglich der Düsseldorfer Wahl: „Der Sieg der Sozialdemokraten bedeutet gewiß für daS Zentrum eine schmerzliche Niederlage; ob man aber von einer „verloren gegangenen" Hochburg des Zentrum» wird sprechen können, muß die Zukunft lehren. DaS wird allerdings in erster Linie davon abhängen, ob daS Zentrum gewillt und imstande ist, die Lehren aus dieser höchst interessanten Ersatzwahl zu ziehen. Vorerst fyit es noch nicht den Anschein, denn was sich die Zentrumspresse seit vergangenem Samstagmorgen in Angriffen auf die Liberale Vereinigung in Düsseldorf und die Nationalliberalen ganz all- gemein leistet, geht ins Aschgraue. Man braucht sich darüber aber nicht allzusehr zu erregen; der Schmerz über den Düsseldorfer„Unglücks-Freitag" muß erst austoben. Hoffentlich vollzieht sich das recht schnell; wenigstens möchten wir es dem Zentrum im Hinblick auf Möglichkeiten der nahen Zukunft dringend empfehlen, wenn sich djxse Möglichkeiten nicht in Unmöglichkeiten verwandeln sollen." Mit anderen Worten: die Nationalliberalen sind bereit, den Verlust der Düsseldorfer Hochburg für das Zentrum zu einem vorübergehenden zu gestalten, d. h. bei den nächsten Reichstags- Wahlen dem Zentrum Stichwahlhilfe zu leisten. Und das Zentrum wird dieses Anerbieten nicht ausschlagen. Herr Marx, der Führer der Düsseldorfer Ultramontanen, soll nämlich, wie dos genannte Organ der rheinischen Nationalliberalen mitteilt, in einer Rede am Abend der Stichwahl gesagt haben: „Die Stichwahl lehrt deutlich, daß da» Zentrum mehr denn je der Unterstützung der andern bürgerlichen Parteien bedarf." Na also! Man weiß beiderseits, was man einander wert ist und wird danach handeln. Vielleicht überlegt sich unterdes Herr Bassermann, der ja in Saarbrücken kandidieren will. ob das Verhalten der rheinisch-westfälischen Nationallibcralen gc- eignet ist. seine Wahlaussichten in Saarbrücken, wo die Sozial» demokraten daS Zünglein an der Wage bilden, zu verbessern. Die Not der Stunde! Wenn die„Post" unter diesem Titel einen Leitartikel veröffentlicht, so meint sie selbstverständlich nicht die Not, unter der augenblicklich die V o l k s m a s s e n leiden, die un- erhörte Lebensmittelteuerung. Für die Leser und Hintermänner der„Post" existiert ja eine solche Not nicht. Die Panzerplattenmillionäre werden durch die Steigerung der Lebensmittelpreise nicht berührt. Ihr Tisch ist reichlich gedeckt, so lange die Dividenden nicht sinken, und die Gewinnste des Panzerplattenkapitals sind ja stets ganz enorme gewesen. Unter der„Not der Stunde" versteht die„Post" viel- mehr die„Not" unserer Flottenrüstungen. Eine solche Not soll nämlich wirklich vorhanden sein, trotz des Fünf- Milliardengesetzes vom Jahre 1900 und der beiden Flotten- Novellen, die inzwischen angenommen worden sind. Es ist unseren Panzerplattenpatrioten ein schier unerträglicher Ge- danke, daß nach dem Flottengesetz jährlich nur noch zwei große Schlachtschiffe gebaut werden sollen, während doch in den letzten Jahren jährlich vier Schlachtschiffe aus Stapel gelegt wurden. Zwar kostet heute ein Schlachtschiff oder ein großer Kreuzer dreimal so viel als im Jahre 1900. Aber der Appetit der Auftraggeber der„Post" ist deshalb noch lange nicht gestillt. Sie verlangen, daß das Flotten- gesetz abermals durchbrochen wird und unterbreiten deshalb einem wohlwollenden Reichsmarineamt ihre„be- scheidenen" Vorschläge. Diese Vorschläge sind so bescheiden, daß sie für die Jahre 1912/13 statt der fälligen zwei Schlacht- schiffbauten deren nicht weniger als je fünf verlangen, also in zwei Jahren den Mehrbau von sechs Linienschiffen. 1914 sollen dann gnädigst„nur" vier Linienschiffe gebaut Werden. Bereits vor den Wahlen mit solchen Vorschlägen zu kommen, verrät einen geradezu erstaunlichen Grad von Un- verfrorenheit. Welche Flottentreibereien sind da erst nach der Reichstagswahl zu erwarten! Zur Verrohung der Jugend. Aus Anlaß des Revolverattentats, das kürzlich ein Magdeburger Gymnasiast gegen einen seiner Lehrer unter- nommen hatte, veröffentlicht in der„Deutschen Montags- zeitung" ein alter Schulpraktikcr, ein Gymnasial- lehrcr Schneider, das Folgende: „Derartige S ch ü l e r a t t e n t a t e sind keine Seltenheit. An einem mitteldeutschen Gymnasium geschah es vor ein paar Iahren, doch ich und ein Kollege durch zufällige Auf- sindung von Briefen, die sich Schüler untereinander geschrieben hatten, einer Verbindung auf die Spuren kamen, die keinen anderen Zweck hatte als den. den Direktor des Gymnasiums zu erschießen. Dinge, die unglaublich klingen, für die ich aber jederzeit das Veweismaterial vorzulegen bereit bin. Es handelte sich um eine reguläre Verschwörung gegen das Leben des Schulchess, unternommen von dreizehn- und vierzehn- jährigen Knaben I Man hatte beschlossen, einen aus der Ver- Hindling als Attentäter auszulosen. Ich bin überzeugt, daß die jungen Hitzköpfe ihr Vorhaben zur Ausführung gebracht hätten. wenn wir ihin nicht rechtzeitig auf die Spur gekommen wären. In einer Lehrerkonferenz wurde dann beschlossen, die Sache mit Rücksicht aus die Familien, denen die Schüler angehörten, vor der Oeffent- l i ch k e i t totzuschweigen. In Halle an der Saale haben vor fünf bis sechs Jahren Schüler einem Restaurateur den durch Sammlungen zustande gebrachten Betrag von 300 Mark angeboten, falls er ihnen gestatten wolle, am Büfett in den Abendschoppen des Mathematiklchrers einen„Schnaps" hinein- zugießen. Dem Restaurateur kam die Sache nicht geheuer vor, und er meldete den Vorfall vorher dem Lehrer. Das Bier wurde untersucht, und der. Schnaps' entpuppte sich als eine stark- prozentige A r s e n i k l ö s u n g... ES gibt ein deutsches Gymnasium, dessen Direktor mir erklärte:„Wir alle sind hier unseres Lebens nicht sicherl" Ueberfälle weniger ernsten Charakters flnd ja nament- lich in Verlin an der Tagesordnung. Der Turn- lehrer eines Berliner Gymnasium« wurde vor einiger Zeit tauch ein wohl im Interesse der„Autorität 1" geheim ge- haltener Fall»buchstäblich im Angesicht der Klasse blutig geschlagen." Gymnafialdirekior Schneider schließt:»Auf unseren deutschen Gymnasien wogt eine ewige Schlacht zwischen Lehrern und Schülern, eine Schlacht, in der eS manchmal buchstäblich auf Leben und Tod geht I" Zu dieser Darstellung hat sich auch der derzeittge preußische Kultusminister, Herr von Trott zu Solz. zu äußern veranlaßt gesehen. Er erklärte, daß ihm von der- artigen Vorgängen im allgemeinen und von den geschilderten Vorkommnissen im besonderen„nichts bekannt geworden" sei. Natürlich l Auch wir wollen gleich der„Täglichen Rundschau" gern annehmen, daß die Darstellung des„alten Schulpraktikers" eine unhaltbare Verallgemeinerung vereinzelter Vorkon, mnisse darstellt. Aber selbst wenn nur die Einzel- Vorkommnisse dcS Gymnasiallehrers Schneider den Tat- fachen entsprechen, so hätte unsere Bourgeoisie alle Veran- lassung. statt in Jugendfürsorge für die Sprößlinge des Proletariats zu machen, erst einmal gegen die Verrohung der eigeiren Bourgeoisjugend nachdrücklichst zu kämpfen!_ Notstandsinterpellationen im bayerischen Landtage. München, 7. Oktober. Die nationalliberale Interpellation wird von dem Abg. Meußdörfer begründet. Aus feiner Rede ist nur Weniges bemerkenswert. Er sieht einen der Gründe zu der rapiden Preissteigerung in der Nervofität der Konsumenten, zwei weitere in dem andauernden Wachstum der Löhne und der Belastung der nationalen Produktion durch unsere Sozialgesetzgebung. Die Heil- mittel steht er unter anderen in der Geflügel-, Kaninchen- und Schweinezucht durch die Arbeiter und in der Gründung von Ver- kaussgenossenschaften zur Regulierung der Marktpreise. Mit er- hobener Stimme betonter, daß seine Partei un- entwegt fe st halte an der bewährten Schutzzoll- Politik. Später, möglicherweise schon in zwanzig Jahren, komme vielleicht einmal der Zeitpunkt, wo alle laydwirtschaftlichen Schutzzölle beseitigt werden würden. Für jetzt lägen die Zölle auch im Interesse der städtischen Bevölkerung. Nach ihm spricht als Redner der Sozialdemokraten Genoffe Auer. Er bringt ein reiches statistisches Material über die Er- höhung der Lebeusmittelpreise in den letzten Jahren und weist an einem Bericht des Gesundheitsamtes nach, daß die Teuerung nicht nur in den Großstädten, sondern aus den, Lande selbst vorhanden ist und daß sie in Stadt und Land zur Unterernährung und damit zur Gefährdung der LolkSgesundheit führt. Bezeichnend für die Zu- stände sei eS, daß selbst in kleineren Landstädten Bayerns die Pferde- schlochtungcn ganz unglaubliche Ausdehnung angenommen haben. Genosse Auer konstatierte auch, daß die Bebauptungen des Ab- geordneten Dr. Pichler über die Abneigung unserer Bevölkerung gegen ausländisches Fleisch unrichtig seien. DaS argentinische Fleisch werde in Oesterreich und England recht gerne gegessen. Gegenüber der Statistik Dr. Pichlers. nach der der Fleischkonsum bedeutend stärker gewachsen sei als die Bevölkerung, weist Auer darauf hin. daß in fast allen Städten ein wesentlicher Rückgang der Schlach- tungen und damit des Konsums stattgefunden habe. Von 138, bis 19,0 fei z. B. der Konsum in München um 20 Kilogramm und in Nürnberg um 29 Kilogramm pro Kopf und Jahr gefallen. An der Teuerung seien in erster Linie das ganze System unserer Schutzzölle und\n zweiter Linie die kapitalistische Spekulation schuld. Darum müssen in erster Linie im Reiche die Zölle auf Lebens- und Futtermittel aufgehoben und das skandalöse System der Ein- fuhrschcine beseitigt werden. Im Lande selbst müsse die Kultur der Oedländer und Moore rascher gefördert und die Aufforstung von Kulturland durch den reichen Adel verhindert werden. Nach Auer beantwortet der Minister des Innern v. Brett- reich die Interpellationen. Die lange ministerielle Erklärung läßt vom Jahre 1912 ab I sich auf die kurze Formel bringen: Wasch mir den Pelz und mach ' mich nicht naß. Die Regierung ist bereit, ein halb Dutzend, wenn es gewünscht wird, auch zwei Dutzend kleinster und kleiner Mitted (Mahnungen. Warnungen, Geldunterstlltzungen, Tarifverbilligungen, Aufhebung des Maiszolles) zur Anwendung zu bringen, weist e S aber weit von sich, etwa im Bundesrat dieAuf- Hebung d e r G etr ei d ez ö ll e oder auch nur die Be- seitigung der Einfuhrscheine zu befürworten. Landtagsuachwahl in Württemberg. Der Landtagsabgeordnete für Urach, Dr. med. L. Bauer in Stuttgart, ist am Sonnabend, den 7. Oktober, gestorben. Bauer gehörte früher der nationalsozialen Partei an und trat dann zur Volkspartei über. Er war als Mensch wie als Politiker ein durch aus achtbarer Charakter, der sich jeder Gehässigkeit gegen die Sozial- demokratie enthielt, in Schulfragen, in solchen der Hygiene und auch in Arbeitersragen sehr häufig mit der Sozialdemokratie ging. Er wurde 1907 mit sozialdemokratischer Hilfe in den Landtag gewählt. Im ersten Wahlgang erhielt die Sozialdemokratie 1636 Stimmen, die Volksparlei 1930, der Bauernbund 2191 Stimmen. Im zweiten Wahlgang wurde Bauer mit 3396 Stimmen gewählt. Der Bauern- bündler erhielt 2308 Stimmen. Sozialdemokratischer Kandidat ist Arbeitersekretär Rod. F e t t e- Stuttgart.' Ein harter Gemeindewahlkampf steht dieses Jahr der Sozialdemokratie in Stuttgart bevor. Die Gemeinderatswahl ist auf den 3. Dezember festgesetzt, der Wahl kämpf aber bereits eröffnet worden. Von den 21 von der Bürger schaft gewählten Mitgliedern des Gemeinderats(die vier besoldeten Stadträte werden vom Kollegium gewählt) scheidet ein Drittel aus. Vier von den acht Mandaten sind in unserem Besitz. Sie sind eine Erbschaft aus den Zeiten der Mehrheitswahl. Mit der neuen Ge meindeordnung 1907 ist die Verhältniswahl in Kraft ge treten. Bei der letzten Gemeinderatswahl 1909 stimmten 9772 Wähler für unsere Kandidaten. DaS sind 40,8 Proz. aller abgegebenen Stimmen. Mittlerweile hat sich der Klasiengegensatz zwischen Bürgertum und Sozialdemokratie ungemein verschärft. Zu Hilfe kommt den biirger lichen Parteien die Abwanderung vieler Arbeiter aus der Stadt in die Vororte mit billigerer Wohngelegenheit. Dem dadurch bewirkten Verlust an Wählern hat die Sozialdemokratie durch intensive Agitation unter den Indifferenten entgegenzuwirken versucht. Nicht ohne Erfolg. Von Juli 1910 bis dahin 1911 stieg die Zahl der Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins Stuttgart von 6141 aus 6333. Die Parteidifferenzen haben erfreulicherweise die Mitgliederzunahme nicht verlangsamt. Rur wird ein nicht geringer Teil der neugewonnenen Mitglieder schon früher für uns gestimmt haben. Immerhin können wir auf eine absolute und relative Stimmenzunahme rechnen. Damit nähert sich die Sozialdemokratie Stuttgarts aber immer mehr dem Zeitpunkt, da sie über die absolute Mehrheit der Stimmen und damit auch über die Mehrheit derj Mandate verfügt. Um dieser „Gefahr" zu begegnen, die Sozialdemokratie nicht zur herrschenden Partei auf dem Rathaus der Hauptstadt des Landes werden zu lassen, scheuen die bürgerlichen Parteien kein Mittel. Es ist ernst lich damit zu rechnen, daß sämtliche bürgerliche Parteien, Zentrum und Nationalliberale, Volkspartei und Konservative sich zusammen tun und ihre Listen verbinden, damit ihre Stimmenzahlen zusammen� gerechnet gegen die sozialdemokratischen Stimmen stehen. Wie in Stuttgart, so steht es auch in den übrigen Gemeinden des württembergischen Landes. In 129 Gemeinden des Landes wirken 262 sozialdemokratische Gemeinderäte(eingeschriebene Partei Mitglieder) auf den Rathäusern für unsere Ziele. Die fortschreitende Industrialisierung des Landes wird uns eine Anzahl neuer Mandate bringen, wird aber auch den Kampf verschärfen. Die Gemeinderatswahl in Württemberg dürfte zur Probelvahl für die kommenden Landtags- und Neichstagswahlen werden. OtzfUmieb. Ein Demonstrationsstreik. Am Tage der Parlamentseröffnung, den 6. Oktober, streikten von den 42 000 Bergarbeitern des Kohlenreviers von Mährisch-Ostrau 36 000, um dem Parlament seine Pflicht, gegen die Teuerung vor- zugehen, zu lehren. Daß nicht mehr streikten, ist das Verdienst der tschechoslawischen.Bruderpartei", deren Wortführer, der Abg. Prokesch, gegen diese„Aktion der Zentralisten" wetterte. Dafür hat er am 6. Oktober den tschechischen Radau in der Empfangshalle des Parlaments angeführt._ Eine Rede des Justizministers. Das reaktionäre Preßgelichter beschuldigt bekanntlich die Sozialdemokratie, durch ihre„Hetzreden" Leute zu politischen Attentaten zu verführen. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung veröffentlicht nun die Rede, die der jetzige Justizminister Dr. v. Hockienburger am 5 November 1898 gegen das Mini sterium Thun gehalten hat, und zwar deshalb, weil diese Regierung den§ 14 zur E r l a s s u n g des Budget Vrovisoriums benützte. Was bekanntlich die Regierung Bienerth-Hochenburger ebenfalls getan hat. Wir geben aus dieser Rede folgende Stellen wieder: ... Es ist. meine hochverehrten Herren, der einzige Dank, den wir dem Herrn Ministerpräsidenten abzustaiien haben, denn im übrigen folgt ihm der F I u ch v o n Millionen Deutschen, ein Fluch, der sich an seine Fersen heften soll wie das böse Gewissen an die Fersen des landflüchtig gewordenen Verbrechers. Und ist der Herr Mini st erpräsident nicht schon ein Verbrecher? Wenn- gleich kein landflüchtiger, so doch zum mindesten, meine Herren. vor dem Richterftuhl der Weligeschichle, die nicht bloß über Taten, sondern auch über den Willen zu urteilen und zu entscheiden Hai. Der Herr Ministerpräsident hat ja doch gezeigt, daß er zwar im- stände wäre, den Dürgerlrieg zu entsesseln, aber nicht imstande ist, das Staatsruder zu führen, daß er zwar das Recht beugen, nicht aber nach Recht und Gesetz handeln kann... So. meine Herren, handeln Mörder, die, nachdem sie ihre Opfer hingeschlachtet und alles geraubt, dessen sie habhast werden konnten, Brand stiften, um glauben zu machen, daß die ousgebrochene Feuersbrunst das Vernichtungswerk getan, oder Bankbrecher. die schlecht gewirtschaslet und falsch gebucht, schließlich den brennen den Schweselsaden an die ihnen verbliebene karge, aber hoch ver sicherte Habe legen, um dieselbe der Vernichtung preiszugeben, die Spuren der eigenen Uniai zu verwischen und später in Ruhe und Muße die behobene Versicherungssumme zu genießen... Weil nun, meine Herren, der§ 14 dazu mißbrauch! werden soll, die Handhabe zu diesem ungeheuerlichen, allen Gesetzen der Ver nunft und des Anstandes hohnsprechenden Vorgang z» bilden, so ist ein Doppeltes nq/wendig. Es ist notwendig, daß dieser Para graph. wenn nicht schon beseitigt, so doch dergestalt umgeändert oder ergänzt werde, daß derselbe auch für ein Ministerium der Frivolität keine Handhabe mehr zu Staatsstrciihidecn bieten kann, auhcr auf die Gefahr hin, an dein nächsten Laternenpfahl aufgernüpft zu werde». ES ist aber auch notwendig, das gegenwärtige Ministerium wegen der bereits begangenen Mihbrälichc mit dem Z 14 in den Anklage st and zu versetzen... Darum, Herr Minejterpräfidcnt. der Sie allerdings nicht an- wesend sind, hüten Sie sich und treiben' Sie die Dinge nicht aus die Spitze, deren Sie könnten sonst leicht die Wahrnehmung und Er- fahruna machen, daß ein gereiztes Volk sich sein Recht auch durch Selbsthilfe verschaffen kann, daß es auch heute noch ein Rotrecht von Völkern gibt, und daß heutzutage möglicherweise wohl Staaten, aber nicht Völker zugrunde gerichtet werden, können... Portugal. Die monarchistischen Verschwörer verjagt. Lissabon, 8. Oktober. Halbamtlich wird gemeldet: Die Banden der Monarchisten verließen Vinhaes im Augenblick deS Eintreffens der republikanischen Truppen und flohen nach allen Richtungen. Einige wurden erschossen, andere ließen sich gefangen nehmen. Die Republikaner hatten zwei Verwundete. Die Verfolgung der Flüchtlinge bis zur Grenze blieb erfolglos. Nachrichten aus Verin besagen, die in Galicien stehenden monarchistischen Trupps seien de- moralisiert. Lissabon, 8. Oktober. Aus Braganza wird gemeldet: Die R o y a l i st e n sind geschlagen worden und haben sich auf spanisches Gebiet zurückgezogen. Oporto, 8. Oktober. Marinetruppen sind vor- gestern abend hier eingetroffen und nach Villa Real und Miran- della weitergegangen. Das Küstenpanzerschiff„Vasco de Gama" hat heute auf der Reede von Leixoes Anker geworfen. Republikanische Truppen halten die wichtigen strategischen Punkte besetzt. Einzelne Abteilungen verfolgen die Monarchisten._ Die offizielle Darstellung. Die Berliner portugiesische Gesandtschaft hat vom Minister des Auswärtigen aus Lissabon eine Mitteilung erhalten, in der es heißt: Die Ordnung ist im ganzen Lande voll- ständig hergestellt. Man kann alle revolutionären Versuche der Royalisten als gescheitert betrachten. Fast 600 Personen sind verhaftet worden und werden in kurzer Zeit bor Gericht erscheinen müssen. Die Regierung hat strenge Anweisungen erteilt, daß man in der Nähe der spanischen Grenze keine Kämpfe liefern solle. perllen. Der Kriegszug des Schahs endgültig gescheitert. Teheran, 8. Oktober. Salar ed Dauleh hat, nachdem er nach seiner letzten Niederlage Hamadan erreicht hatte, den R e st seiner Streitkräfte aufgelöst und will über Bagdad nach Europa gehen. Er erklärte aber, im Frühjahr wieder- kommen zu wollen. Die Regierungstruppen zogen am 4. d. M. in Hamadan ein. kaum 12 Stunden später, nachdem Salar ed Dauleh die Stadt verlassen hatte; sie erbeuteten 13 Geschütze. )Ziis der Partei. Die Organisationen zum Parteitag. Der Parteiverein für den zweiten Hamburger Wahlkreis nahm in seiner letzten Versammlung den Bericht der Delegierten zum Parteitage entgegen. Genoffe S t e n g e l e zog eine Parallele zwischen dem ersten und zweiten Jenaer Parteitage. Der erste Jenaer Parteitag habe die Aufnahme des Massenstreiks unter die Kampfmittel des Proletariats beschloffen. Aus einer Rede Bebels auf dem letzten Parteitage sei vielfach der Schluß gezogen worden, daß auf den Massenstreik als Kampfmittel verzichtet werde. Bei näherem Zusehen ergebe sich jedoch, daß eS sich emfach um die Erklärung handelt, daß nach dem Kriegsausbruch der Massenstreik undenkbar wäre. Von einem Aufheben des ersten Ve- schlusseS könne nicht die Rede sein. Ausführlich behandelt Redner die Marokkofrage. Die Passivität des Parteivorstandes in dieser Angelegenheit sei von verschiedenen Seiten kritisiert worden. In der Tat mußte man auch den Eindruck gewinnen, daß durch die umfangreiche Ver- waltungstätigkeit des Parteivorstandes seine Kräfte zu sehr absorbiert werden, daß er deswegen unmöglich den Vorgängen in der Welt mit genügender Aufsicht folgen könne. Der Parteivorstand habe allerdings Unterstützung gefunden, weil es gerade Rosa Luxemburg war, die zunächst seine Passivität kritisiert hatte. Diese Genossin sei nun einmal das Schreckgespenst für eine ganze Anzahl von Genoffen und ohne Besinnen wendeten sie sich gegen alles,'* was von ihr kommt. So habe sich denn eine ganz eigen» artige Gruppierung des Parteitages ergeben, indem die süd- deutschen und norddeutschen Revisionisten SukkurS erhielten durch die große Schar der Ouietisten. der Leute. die um jeden Preis in der Partei Ruhe haben wollten. Durch die Aus- spräche hielt man schließlich die Angelegenheit für erledigt, da ja der Zweck erreicht war. Späterhin habe dann Bebels Marokkorede selbst den besten Beweis gegeben, wie berechtigt die Klagen über die Passivität des Parteivorstandes waren, denn Bebel habe dargelegt, wie der.Panthersprung" vom 1. Juli der Ausgangspunkt der ganzen Kriegshetze war. Redner hat, wie die meisten Hamburger Dele- gierten, f n r die Zusatzanträge zur ParteivorstanbSresolution gestimmt. jene Zusatzanlräge, die von Rosa Luxemburg. Klara Zetkin und Hoch ausgingen und die die Resolution erst zu einer scharf sozialdemokra- tischen Zurückweisung der ganzen imperialistischen Politik gemacht hätten. In der lebbaften Diskussion erklärten sich die meisten Redner mit dem Verhalten ihrer Delegierten einverstanden. Auch die Sonder» tagungen der„L a n d s m a n n s ch a f t e n" wurden erörtert. Hierzu bemerkte S t e n g e l e in seinem Schlußwort: Wie zurzeit in der Partei die Dinge ständen, so sei die Fühlungnahme der sich zur Linken zählenden Delegierten unerläßlich, da auch die andere Seite in bester Weise sich organisiert habe und gemeinsam vorgehe. Ver- ständigung der gleichgesinnten Delegierten über bestimmte Fragen herbeiznsnhren, damit die Majorität nicht künstlich in eine MinoritätSsiellnng gebracht werde, halte er jür selbstverständlich, und wie er in Jena daran teilgenommen habe, so werde er gegebenen- falls auch in Zukunft sich daran beteiligen. Der Bezirkstag für das östliche Westfalen und die lippische» Fürstentümer fand am Sonntag, den 8. Oktober, in Vlotho a. d, Weser statt. Außer den Parteifunktionären nahmen 136 Delegierte an dem Parteitag teil. Der Parleworstand war durch Genossen Molken. duhr vertreten. Aus dem Geschastsberichi für das Jahr 1910/11 ist folgendes hervorzuheben: Die Bezirkskasse hatte inkl. 620,68 M. Kassenbeftand und 3480 M. Zuschuß vom Parleivorstand 6664,16 M. Einnahme, die Ausgaben bcirugen 6231,92 M. Die Einnahmen der 9 Wahlkreise des Bezirks betrugen 1910/11 40 644,31 M. gegen 31 604.11 M. 1909/10. die Ausgaben 32 787.72 M. gegen 28 462.47 Mjark. An den Parleivorstand lieferten sie insgesamt 6185,11 M. ab. Die Milgliederzahl betrug am 30. Juni 1911 10819(darunter 676 weibliche) gegen 9685 am 30. Juni 1910. Das ist eine Zu- nähme von 12.87 Proz. Gegenwäriig Hai die Mitgliederzachl 11 000 uberiroffen. Die Zahl der Ortsgruppen der Sozialdemokratischen Vereine stieg von 94 aus 106. Die„Bolkswachi"(Biclcfcld) halte am 30. Juni 15 330 Abon- nenien. gegen das Vorjahr 2093 mehr. Durch intensive Agitation ist die Zahl inzwischen auf 16 500 gestiegen. Es wurden verbreitet 163 220 Flugblätter. 88280 Broschüren und 40 100„Volfswacht" Im Bezirke fanden 1319 Versammlungen und Besprcchunaen zur Agitation statt. Die Zahl der Gemeindevertretcr stieg von 105 afls 135; die Zahl der Orte, in denen wir Vertreter haben von 42 auf 57. Die..Arbeiier-Jugend" hat rund 600 Abonnenten Aus den Verhandlungen sei erwähnt, daß folgende Resolution Annahme fand: ..Der Parteitag für das östliche Westfalen und die lippischen Fiirstentumer protestiert auf das Entschiedenste gegen den im prcu. Nischen Abgcordnetenhause eingebrachten Vl n t r a g Hammer sowie gegen das Vorgehen der lippische» Regierung, welches be. zweckt, gegen die K o n s u in v e r e i n e Ausnahmegesetze zu schaffen. Die Parteigenossen verpslichten sich, mit allen ihnen zu Gebole stehenden Mitteln gegen derartige Maßnahmen zu wirken. Der Be. zirksiag fordert die Genossen auf. für einen Masseneintriti in die Konsumvereine zu sorgen." Ferner wurde beschlossen, gegen die behördliche Be. kämpsung der freien Turn- und Arbeiterjugend-Bcwegung energisch Front zu machen und diese Bewegung kräftig zu unlcrstützcn. Mit Referaten des Reichstagsabgeordncicn Severing und de? Bezirkssekreiärs Schreck über die Reichsiagswahl. wobei erstcrer die politische Lage, speziell im Bezirk. letzterer die wahltech- Nischen Fragen behandelte, fand der Bezirkstag sein Ende. (SewerkfcbaftUcbee. ßerUn und Nmzegend. Die Festlegung der Tarifverhältniffc in der Wäsche Industrie hat gestern nachmittag, soweit es möglich war, vor dem EinigungS- amt des Gewerbegerichts stattgefunden. Zunächst wurde das Pro- tokoll der vorigen Sitzung der Schlichtungslommission und dann der allgemeine Tarifvertrag verlesen, um dessen genaue Formulierung festzustellen. Es wurden hierbei noch einige Ab- änderungen, nieist redaktioneller Art, vorgenommen. Außerdem wurde jedoch hinfichtlich der Bestimmungen über die Arbeitszeit der Passus gestrichen, der sich auf die Maschineiizuichneider und Stanzer bezieht, so daß für diese beiden Gruppen die Arbeitszeit nicht tariflich festgelegt ist. Die Streichung geschah auf Antrag der Arbeiter und zwar deswegen, weil die Arbeitszeit der Maschinenzuschneider und Stanzer jetzt schon weniger als die im Tarifvertrag aufgeführten neun Stunden beträgt. Praktisch war der Passus so wie so von keiner Bedeutung, da ja der Tarifvertrag im übrigen bestimint, daß, wo kürzere Arbeitszeit besteht, sie auch weiter bestehen bleiben muß. Ferner wurde auf Antrag der Arbeiter die Bestimmung gestrichen, die be sagt, daß nach dreijähriger Lehrzeit der Mindcstzeitlohn der Zm schneidcr unter 21 Jahre 21 M., über 21 Jahre 21 M. beträgt. Auch hier war der Grund der Streichung der, daß bereits allgemein bessere Verhältnisse bestehen, also in dieser Hinsicht höhere Zeitlöhne gezahlt werden. Um irrigen Auffassungen vorzubeugen, erklärte der Arbeil nehmerobmaun Eue hierzu, daß die Arbeitnehmer prinzipiell für die all genisine tarifliche Festlegung der Zeitlöhne sind, hier aber nur deswegen darauf verzichten, weil das. was in diesem Punkt von den Arbeit- gebcrn zu erreichen war, allzu gering ist und unter den talsächlichen Verhältnissen zurückbleibt.— Die Arbeitgebervertreter erklärten sich mit dieser Streichung sowohl wie mit der oben erwähnte» einver- standen. Auch im übrigen wurden die bei einzelnen Punkten ge- ni«chten Beanstandungen ohne größere Schwierigkeiten erledigt,"so daß der allgenieine Tarifvertrag schließlich als endgültig festgelegt gelten konnte, und zwar auf drei Jahre. Hiera» schloß sich die Vorlegung und Nachprüfung der in den einzelnen Betrieben vereinbarten. Akkordtarife, wozu die bc treffenden Fabrikanten sowie die Vertreter und Vertreterinnen der Personale erschienen waren. Es zeigte sich, daß in den meisten Fällen eine Einigung zur Zufriedenheit beider Parteien erzielt worden war, so daß für diese Betriebe die Sache als endgültig erledigt gelten konnte. In einigen anderen Fällen lagen noch strittige Punkte vor, die zum Teil durch gegenseitige Aussprache vor der Schlichtungs- kommission beseitigt werden konnten, zum anderen Teil jedoch noch eine weitere Sitzung beschäftigen werden. Das Endergebnis war, daß die Tarife bei 26 Finnen geregelt und von der Schlichtungs- kommission anerkannt sind, während dies bei sechs Firmen noch nicht der Fall ist. Für diese Firmen findet die Vorlegung und Nach- Prüfung der Tarife in einer neuen Sitzung der Schlichtungskommission statt, die auf den 18. Oktober, vormittags 10 Ilhr, einberufen ist. Die Lohnerhöhungen, die dort festgelegt werden, gelten jedoch eben- falls vom ö. Oktober ab, haben affo für diese Finnen rück- wirkende Kraft. Von den 33 Firmen, die dem Verbände der Wäschefabrikanten angehören, kommt eine nicht mehr in Betracht, da sie zu einer anderen Branche übergegangen ist.— Bei den Wäschefabrikanten W. B l u m e. F. u. M. S i m o n und Wohl u. Hey mann dauert der Streik fort, da diese Firmen sich noch nicht zur Anerlennung deS neuen Tarifvertrages bereit gefunden haben._ Tie Lohnbewegung der Mühlenarbeiter. Die iviühlenarbciter, organisiert im Verband der Brauerei- und Müblenarbeiter, versammelten sich am Sonntagvormittag im Ge- werkschaftShause, um den Bericht über den Stand ihrer Lohn- . bcwegung zu hören. Nachdem die Unternehmer die Verhandlungen mit der Organisation der Arbeiter abgelehnt hatten, wurde in der Versammlung vom 24. Septeniber beschlossen, daß die Arbeiter der einzelnen Mühlen durch gewählte Kommissionen mit den Mühlen- besitzern verhandeln sollten, und zwar an der Hand der Korde- rungen, wie sie in dem Entwurf deS Tarifvertrages aufgestellt worden sind. Das ist geschehen, aber das�Ergebuis der Vor- Handlungen ist, wie der Vorsitzende S ch u l d t feststellte. ein recht mageres. Die Mühlenbesitzer, die die Organi- sation der Arbeiter nicht anerkennen wollen, kamen in ihrer Organisation zusammen, um sich über die Bewilligungen, die etwa zu machen wären, zu einigen. Ganz winzig waren die Zu- geständnisse; man wollte den Arbeitern 20 Pf., 15 Pf. und einmal sogar nur 5 Pf. pro Tagelohn zulegen. Das bedeutet bei der üb- lichen zehnstündigen Arbeitszeit eine Erhöhung des Stundenlohnes um 2 Pf., l'/z Pf. und Va Pf. Daß die Unternehmer eS wagen durften, mit solchen Angeboten die Forderungen der Arbeiter zu be- antworten, entspricht ganz den Organisati onsverhälmifien, wie Schul dt hervorhob. Solange noch zahlreiche Mühlenarbeiter ab- scits stehen und zögern, sich dem Verbände anzuschließen, brauchen die Unternehmer die Organisation nicht zu fürchten. Auch die ge- forderte Anerkennung des Arbeitsnachweises deS Verbandes wird erst in späteren Kämpfen gewonnen werden. Der Widerstand gegen diese Forderung war allgemein; davon wollte man durchaus nichts wissen. Mit zwei Mühlen, der Bertheim- und der Salomonmühle, macht die Großeinkaufsgesellschaft der Konsumvereine ihre Geschäfte. Die Verbandsleitung hat nun versucht, niit Hilfe der G.-E.-G. einen Druck auf diese Mühlenbesitzcr zugunsten der Arbeiter auszuüben. Das ist nicht in der gewünschten Weise gelungen: die Besitzer gaben ausweichende Antworten und versicherten, sie würden mit ihren Arbeitern schon fertig werden. Ueber die Verhältnisse in der Salomonmühle herrscht viel Unklarheit; dort versteht man eö, die Arbeiter durch verschiedene Lohnsätze uneinig zu machen und sie der Organisation fernzuhalten; von den 80 Arbeitern dieser Mühle waren nur sehr wenige in der Versammlung anwesend.� Von diesen behauptete einer, daß die sanitären Verhältnisse der Mühle sehr viel zu tvünschen übrig lassen, worauf die G.-E.-G. ihr Augenmerk richten müßte. Die Wortführer der Kommissionen in den einzelnen Mühlen be- richteten über die stattgefundenen Verhandlungen und erklärten, daß die Arbeiter die gemachten Zugeständnisse als sehr ungenügend be- trachten und daß sie sich damit nur vorläufig zufrieden geben könnten. — Nach längerer Diskussion beschloß die Versammlung, die gegen- wärtige Lobubewegung abzubrechen und der Verbandsleitung an- heimzustellen, zu gelegener Zeit und unter günstigeren Umständen mit den alten Forderungen wieder hervorzutreten. Unterdesten loll es die erste Pflicht aller Mitglieder sein, die unorganisierten Kollegen für den Verband zu gewinnen. Die Böttcher haben bei den Firmen Otto Thonack und Schuhmacher u. Koch Forderungen auf Abschluß eines Vertrags gestellt. Die erstgenannte Firma hat befriedigende Zugeständnisse gemacht, während die letztgenannte Firma bis jetzt auf das Schreiben deS Verbandes noch nicht geantwortet hat.„ Ferner beschloß eine gut besuchte Versammlung des Verbandes der Böttcher, Weiniüfer iffw. gegen 3 Stimmen die Einführung einer Lokalunterstntzung. Der Beilrag soll zu diesem Zweck vom 1. No- vember ab um 5 Pf. erhöht werden. Die Allszahlung der Unter- stützung beginnt am 1. Januar 1012. Die AuSarbeilung des Regu- lativs ist dem Vorstand und einer viergliedrigen Kommission über- tragen worden. Achtung, Steinarbeiter! Die gesperrte Firma Jüngers u. Schille sucht in bürgerlichen Blattern Steinmetzen unter dem Hinweis,.Lohndifferenzen bestehen nicht". Demgegenüber stellen wir fest, daß genannte Firma nach wie vor gesperrt»st aus Gründen, welche sich gegen das von ihr geübte Arbcitsshstem richten. Zentralverband der Steinarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. 'Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Oeutfches Retch. Zur Lohnbewegung im deutschen Steindruckgewerbe. Wie wir bereits berichtet haben, stehen seit dem 23. Septem- ber in Leipzig 1100 Lithographen und Steindrucker im Streik. Dem Vorgehen der Leipziger Kollegen schloffen sich die Litho- graphen und Steindrucker in einer Reihe anderer Städte an; sie machten die Leipziger Forderungen zu den ihrigen und reichten ihre Kündigungen ein, weil die gestellten Forderungen nicht be- willigt wurden. Da es in der vierzehntägigen Kündigungsfrist, die am 7. Oktober abgelaufen ist, zu keiner Einigung kam, so sind seit diesem Tage weitere 1500 Lithographen und Stein- drucker in den Städten Berlin, Cassel, Crimmitschau, Frankfurt a. M., Fürth, Grimma, Hannover, Nürnberg, Offenbach a. M., Stuttgart, Würzen und Zeitz in den Streik getreten.— Der Kampf richtet sich nur gegen Firmen, die dem Unternehmerschutz- verband der deutschen Steindruckereibesitzer angehören, der wohl vorgibt, daß er rückständige Verhältnisse nicht schützen will, in Wirklichkeit aber unter keinen Umständen gewillt ist, den Gehilfen annehmbare Zugeständnisse zu machen. Denn während die Ge- Hilfen eine tägliche Arbeitszeit für Steindrucker von 8% Stunden fordern, bot der Unteknehmerschutzverband bei den gescheiterten Verhandlungen am 15. September eine wöchentliche Arbeitszeit von 53 Stunden als ein weitgehendes Entgegenkommen an. In vielen Geschäften haben jedoch die Gehilfen jetzt schon diese Ar- beitszeit, im Durchschnitt beträgt sie 5354 Stunde in Deutschland. Eine halbe Stunde wollte man also gnädigst bewilligen, pro Tag 5 Minuten! Und das nennen die Unternehmer weit- gehendes Entgegenkommen und versuchen, die Oeffentlichkeit zu täuschen. Um die Arbeiterschaft gefügig zu machen, spielt der Unternehmerschutzverband jetzt den letzten Trumpf aus, und zwar versucht er es mit dem bei den Oberscharfmachern beliebten Mittel der Aussperrung. In 37 Städten Deutschlands sind am 30. September in Betrieben, die dem Schutzverband angehören, rund 2000 Lithographen und Steindruckcr gekündigt worden. Selbstverständlich ist nur den organisierten Gehilfen gekündigt worden, während man den unorganisierten außerordentlich weit entgegenkommt. Mit den schmutzigsten Mitteln wird dabei ge- arbeitet und ein richtiges Judastaufen dabei inszeniert. Der Unternehmerschutzverband hat an alle seine Mitglieder ein Rund- schreiben versandt, wonach alle Firmen versuchen sollen, die or- ganisierten Gehilfen zum Austritt aus ihrer Organisation zu bewegen. Geld spiele jetzt leine Rolle. Gehilfen, die bisher 30 M. Wochenlohn hatten, werden bei 40 M. Verträge angeboten; selbst bei jetzigen Löhnen von 36, 33 und 40 M. werden Löhne bis 50, 60 und sogar 75 M. geboten. Also zu Verräterdiensten sollen die organisierten Gehilfen gegen hohen Lohn gekauft wer- den. Vielfach wurde von den Unternehmern auch ein TerroriS- mus angewendet, wie er nicht schmutziger erdacht werden kann. Den organisierten Gehilfen wurde oft die Frage vorgelegt, ob sie aus der Organisation austreten und im Geschäft verbleiben wollen. Sagten sie Nein, so wurde ihnen erklärt:„Gut, dann werden wir sorgen, daß sie in Zukunft in Schutzvcrbandsfirmen keine Stellung mehr finden." Zur Ehre der Gehilfen kann aber gesagt werden, daß sie den Lockungen und Drohungen der Unter- nehmer gegenüber bis auf ganz vereinzelte Fälle standhaft blie- Ken. Ja, es kann sogar konstatiert werden, daß sich zahlreiche Unorganisierte solidarisch erklärt und ihre Kündigungen einge- reicht haben. Schon im Jahre 1906 hatte die Gehilfenschaft einen schweren Kampf durchzufechten mit diesem Scharfmacher-Unternehmer- verband, dessen Streben damals dahin ging, die Gehilfenorgani- sation zu vernichten, was ihm aber nicht gelang. Die Gehilfen- schaft sieht dem jetzigen großen Kampfe, auch wenn er den vom Jahre 1906 übersteigen sollte, mit ruhiger Zuversicht entgegen. Sie muß eine Verbesserung ihrer Lage haben; die aufreibende Tätigkeit und die Teuerung erheischen es gebieterisch. Das Siecht steht also auf Seiten der Gehilfenschaft. Wo der Unternehmer. schutzverband nur um die Macht kämpft, tritt die Gehilfenschaft für das Recht ein.— Falls also im Laufe dieser Woche keine Einigung zustande kommt, werden vom 14. Oktober ab rund 4500 Lithographen und Steindrucker in 49 Städten Deutschlands im Kampfe stehen. Außerdem kommt noch das Hilfspersonal dazu, das sich der Bewegung angeschlossen und ebenfalls Forderungen an die Unternehmer gestellt hat. Zur Lohnbewegung in der Schokoladen«, Zuckerwaren- und Waffelindustrie in Dresden. Auf die den Fabrikanten zugestellten Forderungen haben bis zum 6. Oktober nur 7 Firmen(in Betracht kämmen 58) eine Antwort gegeben, die direkt»ind indirekt jede Verhandlung mit den Organiiationsvertretern über die Forderungen ablehnen. Die Unter- nehmer haben eine Sitzung abgehalten, in der sie die Löhne nach ihrem Ermessen festsetzten. Nach einer Bekanntmachung der Firma Hartwig u. Vogel will diese Firma eine Lohnerhöhung bei Stunden- lohnarbeitern um 2 Pf., bei Arbeiterinnen um 1 Stunde eintreten lassen. Bon Ferien ist darin keine Rede. Die Akkord- arbeiter(rund 75 Prozent der Beschäftigten) gehen danach vollkommen leer aus. Die Firma begründet ihr Verhallen mit der enormen Steigerung der Rohmaterialien. Dabei steht fest, daß sämtliche Fabriken außerordentlich billige Abschlüsse laufen haben, so daß sie von dieser Preissteigerung gar nicht berührt werden. Außerdem ist am 1. Oktober eine Preiserhöhung der Jndustrieprodukte in Kraft getreten, die die Steigerung der Roh- Materialien vollkommen auswiegt.— So wie die Firnra Hartwig u. Vogel arbeiten alle Fabriken, teilweise sogar noch günstiger. Auf die Forderungen hygienischer und sanitärer Art und die Beseitigung der Leibesvisitation hat die Firma überhaupt nicht reagiert. ES wird nunmehr das Gewerbegericht als Einigungsamt an- gerufen werden. Bei der bekannten Stellungnahme der Groß- kapitalisten den Einigungsämtern gegenüber, besteht wenig Aussicht, daß es vor dem EinigungSamt zu einer Einigung kommen wird. Zum Streik der Bremer Brauereiarbeiter. Die einmütige Arbeitsniederlegung der Brauereiarbeiter ist nicht ohne Eindruck auf die Nnteruehmer geblieben, die eine solche Ge- chlossenheit der Arbeiter jedenfalls nicht erwartet hatten. Die von Hamburg importierten Hintzebrüder haben zweifellos auch Bedenken bei den Unternehmern hervorgerufen und sie zu der Ansicht gebracht, daß eS doch wohl besser sei. mit den ölten erprobten Arbeitern Frieden zu schließen, um die Arbeitswilligenichutztruppe los zu werden. Auf Anfrage des Vorsitzenden des GewerbegerichtS er- klärten sich beide Teile zu Unterhandlungen bereit. Eine solche fand am Sonnabend, den 7. Oktober, statt. Es sind dabei den Arbeitern einige Zngeständnisse gemacht worden, namentlich auch in der Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 10 bezw. 9'/, Stunden. Die Lohnbewegung der Bergarbeiter. Wie uns aus Bochum gemeldet wird, hat nunmehr auch der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter seine Zu» a g e zu der jetzigen Lohnbewegung gegeben. Damit tritt sieie in ein erneutes Stadium. Bei der letzten Lohnbewegung hatten ich die Christen bekanntlich abseits gestellt. ßushtnd. Heraufziehende Konflikte in der Textilindustrie und Lederindustrie Schwedens. Kaum daß der langwierige Kampf im Baugewerbe vorüber ist, trifft das schwedische Unternehmertum schon Vorbereitungen zu neiien Kämpfen. Diesmal sind es die Texiilfabrikänten, die den Anfang machen. Sie haben ungefähr sünfzjg der für die einzelnen Fabriken geltenden Tarife auf den 31. Dezember gekündigt,� verlangen aber gleichzeitig, daß von dem Datunt ab eine provisorische Verlängerung ?er Verträge eintritt, bis ein allgemeiner Landestnrisvcrtrag für die Textilindustrie zustande kommt.'Damit ist jedoch die Textilarbeiter- 'chast nicht einverstanden, und in Norrköping, dem Hauptsiß der chwedischen Textilindustrie, hat ihre Organisation bereits beschlossen. den Fabrikanten Vorschläge zu einem lokalen Tarifvertrag zu unter- breiten. Die schwedische Gerbereibereinigung hat in 25 Lederfabriken die Tarifverträge gekündigt mit der Absicht, einen zentralen Tarif zustande zu bringen. Auch in diesem Industriezweige liegen die Verhältnisse so, daß man auf einen Konflikt gefaßt sein muß. Versammlungen. Die städtischen Arbeiter forder» Teuerungszulagen. Daß gegenwärtig eine außergewöhnliche Teuerung herrscht, hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung bekanntlich an- erkannt und die sozialdemokratische Fraktion hat den Antrag ge- stellt, den städtischen Arbeitern und Beamten zunächst Teucrungs- znlagen zu gewähren, dann aber auch die Löhne und Gehälter all- gemein zu erhöhen. Nach diesen Vorgängen ist es natürlich, daß sich die zunächst Interessierten, nämlich die städtischen Arbeiter, melden, um den städtischen Behörden ihre Forderung einer angemessenen Lohnaufbesserung zu unterbreiten. Eine Versammlung der städtischen Arbeiter und Handwerker, die der Verband der Ge- meinde- und Staatsarbeiter gestern abend nach Mörners Saal in der Koppenstraße einberufen hatte, war ungewöhnlich stark besucht. Obgleich sämtliche Tische aus dem Saale entfernt wurden, war der- selbe samt den Galerien von einer Kopf an Kopf gedrängten Menge gefüllt. Mit regem Interesse folgte die Versammlung den Aus- führungen des Referenten, Stadtverordneten Dr. Wehl, welcher im wesentlichen den Standpunkt vertrat: Die Stadt ist verpflichtet, ihre Arbeiter und Angestellten so zu entlohnen, daß sie nicht nur dürftig, sondern ausreichend leben können. Würden die Löhne und Gehälter von diesem Gesichtspunkt aus von Anfang an fest- gesetzt worden sein, dann wäre eine besondere Teuerungszulage nicht notwendig. Aber eine durchgreifende Lohnregulierung hat noch nie stattgefunden. Deshalb ist jetzt zunächst eine sofortige Teuerungszulage notwendig, die den Arbeitern und Beamten zu gewähren ist, deren Jahreseinkommen bis zu 3900 M. beträgt. Ter Teuerungszulage muß dann eine den Zeitverhältnissen ent- sprechende allgemeine Erhöhung der Löhne und Gehälter folgen. Es darf nicht gefragt werden:„Was kostet es?" sondern.Ist es notwendig?" Die Notwendigkeit aber läßt sich nicht in Abrede stellen.— In seinen allgemeinen Ausführungen zeigte der Refe- rent, daß die Teuerung ihre wahre Ursache in der volksfeindlichen Zoll- und Wirtschaftspolitik der Regierung hat. Unter lebhaftem Beifall forderte er die Anwesenden auf, bei den Reichstagswahlcn an der Beseitigung dieses volksfeindlichen Systems mitzuwirken. Nach einer regen Diskussion im Sinne des Referats wurde fol- gende Resolution einstimmig angenommen: Die volksfeindliche Wirtschaftspolitik der in der Reichs- regierung und im Reichstage herrschenden Agrardemagogie hat zu einer ungeheuren Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel ge- führt, die unfehlbar Not und Entbehrung in den Arbeiterfamilien zur Folge haben muß. Mit Rücksicht auf diese Tatfachen erklären die am 9. Oktober in einer Zahl von mehr als 3� Tausend versammelten Arbeiter und Handwerker der städtischen Betriebe Berlins es als eine Pflicht des Magistrats, schleunigst entsprechende kommunale Maß- nahmen zu tresfen. Die Versammelten halten insbesondere den von der sozial- demokratischen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung am 28. September unterbreiteten Antrag für vollkommen berechtigt und erwarten mit Bestimmicheit die baldige Gewährung von Teuerungszulagen an alle städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen. Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt war, legte Wutzki in einem kurzen Referat dar, daß die Wünsche der städtischen Arbeiter in bezug auf eine Verbesserung der Beftim- mungen über den Sommerurlaub, sowie die Revision des Arbeiter- ausschußreglementS immer noch unerfüllt sind, obgleich die Arbeiter seit langer Zeit vergebens auf die endliche Erledigung dieser An- gelegcnheiten warten. Hietzu wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung stellt vor der Oeffentlichkeit fest, daß die seit mehreren Monaten zugesagte Revision der Arbcitcrausschuß- reglements und der Sommerurlaubbestimmungen bis heute noch nicht erfolgt ist. Die Versammelten sehen darin eine gänzlich unbegründeie Verschleppung, die sich nur durch Mangel an Entgegenkommen für die städtischen Arbeiter erklären läßt. Dagegen erheben die Ver- sammelten entschieden Einspruch und sprechen die Erwartung aus. daß die Erledigung der beiden für die Gesamtkollegenschast be- deutungsvollen Forderungen in Kürze erfolgt. Hetzte Nachrichten* Die monarchistische Bewegung in Portugal. Köln, 9. Oktober.(W. T. B.) Der Lissaboner Vertreter der „Kölnischen Zeitung" telegraphiert aus B a d a j o z vom 9. Ok- tober: Nach durchaus zuverlässiger Quelle hat ein Gefecht mit den Monarchisten zwischen M o i m e n t a und C a c a r e S statt- gefunden. Die Regierung erhielt die Mitteilung, daß zahlreiches Kriegsmaterial ans dem Kampfplatz zurückblieb. Hiesige konservative Kreise glauben fest an den Sieg Paiva ConceiroS, dessen Hauptmacht noch nicht eingefallen sein soll. Beim Kampf gab rS Tote und Verwundete. Die Stimmung in Lissabon ist ungemütlich schwül. Die Carbonarios bewachen die Kasernen sowie die auswärtigen Konsulate, um zu verhindern, daß verfolgte Monarchisten dort Schutz suchen. Der Mob macht sich unangenehm bemerk- bar. Als die Verhafteten aus dem Norden kamen, wurden sie von dem Pöbel gezwungen, die republikanische Fahne zu küssen. Braganza, 9. Oktober.(W. T. B.) Vierhundert in Oporto gelandete Marinesoldaten sind hier ringetroffen. Sie waren während der ganzen Bahnfahrt Gegenstand lebhafter Huldigungen. Eine Schar Royalisten befindet sich iminer noch in Portugal, einen Kilometer von der Grenze entfernt. Infanterie ist mit Maschinen- gewehrcn nach Moimenta und Montrcoro abgegangen. In Bin- häs sind elf, in M-imrnta drei Monarchisten verhaftet worden. Republikanische Freiwillige haben zwei Priester als Führer der monarchistischen Bewegung verhaftet. Der dich behütet, schläft noch schlummert nicht. Sofia, 9. Oktober.(W. T. B.) Von der im Bau befindlichen Alexanderkirchc ist eine Glocke herabgestürzt. Drei Per- sonen wurden getötet._ Jiidenhctze. Osch, 9. Oktober.(W. T. B.) In Fergana kam es auf das Gerücht von dem Raub eines Sartcuknabcn durch Juden zu einer Kundgebung gegen die Juden. Eine große Menge Einge- borener begann Steine auf die Juden und ihre Fenster zu werfen. Ein Jude wurde dabei getötet, inehrere andere und deren einge- borcne Verteidiger erlitten Verletzungen. Die Polizei war ohnmächtig, die Ruhestörungen zu verhindern. Es wurden Truppen aufgeboten, die die Ruhe wieder herstellten. Eine Falschmünzerei entdeckte Hankau, 9. Oktober.(W. T. B.) Ans dem Besitztum einer russischen Gesellschaft sind eine Werkstatt zur Her- stellung von Bomben, große Mengen falscher Dollarnoten und chine- fische revolutionäre Flugschristeu aufgefunden worden. Der von den Revolutionären zum Gouverneur gewählte Verfasser fordert die Be- vvlkerung darin auf, sogleich die R e p u b l i k zu erklären, dabei aber die Freinden und ihren Handel nicht zu schädigen, wofern sie sich nicht zu Verteidigern der herrschenden Dynastie auswürfen. Th- Glocke. Verlin. D ruck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt PaulSingerö: Co., Berlin L�V. Hierzu 2 Beilagen u-UnterhaltungSbl. Nr. 337. 28. 1. KilU dkg JoriBiirlö" Kttlim NxlKsdlÄ. Nikllstag, 19. Clitolitt 1911. KinderschutzKlimmisßliu von Groß-Kerli«. Die Zentralstelle für alle Kinderschutzangelegcnhetten befindet sich bei dem Vorsitzenden der Kinderschutzkommifsion: Genossen Barenthin, Stralauer Platz 1/2 II. Bureau des sozialdemokrati- schen Wahlvereins des 4. Reichstagswahlkreises. Geöffnet vormittags 9—2, nachmittags 5— 8 Uhr. Beschwerden über Verstöße gegen das Kinderfchutzgefetz sowie über Kindermißhandlungen werden von nachstehenden Kon- trolleurinnen entgegengenommen: L KreiS. Frau Emilie Richter. Berlin W. 8, Leipziger Str. 4A 2. Kreis. Frau Elfe Seyfarth, Berlin EW. 47, Wortenburgstr. 9, Seitenflügel IV. Sprechstunde: Dienstag und Freitag von 2—�4 Uhr- 3. Kreis. Frau H. Torglcr, SW. 61, Gitschiner Str. 93. 4. KreiS. Frau Metzner, O. 27, Andreasstr. 79. Frau M. Temmning, 0. 34, Boxhagcner Str. 29. Sprechstunde: Donnerstags von 7—8 Uhr abendS. Frau Emma Döltz, SO. 36, Forster Str. 44. Frau Rettschlag, Pettenkoferstr. 9. Frau Bertram, Muskauer Str. 4. Frau Pauline Friese, Kochhannstr. Id 5. KreiS. Frau Rosa Wollstein, Lictzmannstr. b. Frau Holzapfel, NO., Rückcrstr. 7. Sprechstunde: Donnerstag und Freitag von 6— 10 Uhr. 6. Kreis. Frau Minna Lohse, N. 58, Oderbcrger Str. 20 III. Sprechstunde: Dienstags und Mittwochs von 3—6 Uhr nachm. Frau Witte, N. 28, Rheinsberger Str. 32. Sprechstunde: Täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Stricbcl, N. 65, Luxemburger Str. 6, v. I. Sprechstunde: Täglich außer Sonnabends von 7—8 Uhr abends. Frau Helene Rolitla, N. Co, Müllerstr. 133a. Sprechstunde: Sonnabends von 7— 8 Uhr abends. Frau Josepf, Gotzkowskystr. 1. vorn I. Frau G. Flatau, Bandelstr. 18. Frau Minna Weide, Rammlcrstr. 5 III. Frau M. Bratke, Täncnstr. 3. Teltow-Beeskow. Frau Elfriede Rhncck, Treptow-Baumschulenweg, Kief- holzstr. 180. Frau Toni Susimann, Charlottcnburg, Berliner Straße 130. Frau Sicdcl, R i x d o r f, Idcalpassage 6. Frau B. Lietsch, R i x d o r f, Wildenbruchstr. 56. Frau Singelmalin, Adlcrshof, Kronprinzenstr. 20. Frau Stut, Britz, Germania-Promenade 20. Frau Tülle, Fr i e d e na u, DeidcSheimer Str. 3. Frau Eonz, Groß-Lichterfelde, Hochstr. 16. Frau Moebcst, Grünau, Köpenicker Str. 91. Frau Radumke, Johannisthal, Roonstr. 4. Frau Hackbarth, Köpenick, Flemmingstr. 18. trau Modrak, Lankwitz, Marienstr. 11. rau Schwarz, Mariendorf, Rathausstr. 97. Frau Greulich, Marienfelde, Kaiscr-Allee 20. Frau Drescher, Nowawes, Priesterstr. 79. Frau Schuschcnk, Schmargendorf, Sulzaer Str. 12. Frau Heide, Schöne berg, Khffhäuserstr. 4. Frau Hirche, W a n n s e e, Chaussecstr. 15. Frau Wolff, Treptow. Grätzstr. 64. Frau Flöter, Steglitz, Sachscnwaldstr. 1. Fiau Rolosf, Tempclhof, Friedrich Wilhelmstr. 31. Niederbarnim. Frau I. Schulze, Rummelsburg, Ä.:-Boxhagcn la. Frau M. Langer, Borsigwalde, Ernststr. 26. Frau Lieschen Gubcla, Erkner, Wilhelmstr. 27. Frau Berta Neumann, Franzöfifch-Buchholz, Rofenthalcr Straße 16. kleines feuilleton. Theatrr. Theater in der Königgrätzer Straße:„Hunds- tage", Lustspiel von Korfiz Holm. Der Verfasser hat sich, was Handlung, Psychologie und Motivierung anlangt, in keine Un- kosten gestürzt. Aver er läßt seine Männlein und Weiblein aus dem Münchener Künstler- und Bohömemilieu so unbefangen keck, so munter paradox und witzig plaudern, daß man die gute Laune den ganzen Abend über nicht verlor. Statt der gequälten Ueberraschungs« tricks und Bluffs gab's in dem Schlendergaug des Dialogs olle Augenblicke Einfälle, bei denen man mit guter Ucberzeugung lache» konnte. So war der Beifall am Schlüsse wohl verdient. Jedenfalls steckt unvergleichlich mehr Humor darin als etwa in den„Bummel- ftudenten", djx im Berliner Theater noch immer- konkurrenzlos dominieren. Ein Kunstschriftsteller, ein Lyriker und Maler— lauter.Jndi- vidualitäten" und.moderne Menschen", für die die eheliche Treue ein überwundenes Borurteil beschränkten bürgerlichen Philisterium« ist— vergnügen sich und ihre Frauen in der Sommerfrische mit SüßholzraSpeln und flüchtigen Liebeleien. Es sind nicht ivirkliche lebendige, aber immerhin durch treffende charakteristisch.pcrssfliereiide Schlaglichter beleuchtete Gestalten. Am drolligsten wirkt die Karikatur des Kunstschriftstellers, eines mit angeblichen Doiijunn.Erfolge» renom- mierenden und ewig abgeblitzten schöngeistigen GesinnungslümpchenS, Verächter jedes banausischen Erwerbes gedenkt er die soziale Frage für sich und seine Frau dadurch zu lösen, daß er nach vollzogener Scheidung ein MillionärStöchterchen ergattert und der Geschiedenen aus den Reuten großmütig ein Stipendium aussetzt. Dem Dichter, der in»och dringenderen Röten lebt, gibt er den guten Raischlag, das Recht auf alle Werke, die er künftig schreiben werde,»m Voraus für rund 500 Mille dem Verleger zu verkaufen und f,» dann für olle Zeit zur Ruh zu fetzen. Eine junge reiche in den MalerSmann verliebte Witwe läßt den Herrn bei feinem putzigen versuche, sich alS Ehekandidaten zu empfehlen, gründlich auffitzen und nimmt dann auch nach einer lleinen EifersnchtSkampogne, die die verstandige Frau deS Künstlers inszeniert, von dem verehrten Meister freund- schaftlichci, Abschied. Versöhnimg der Gatten und Alpcnglüh«, ,m Hiincrarund..Es ist beinah' wie iinj Theater," mokiert der Autor sich selber lustig über seine» Schluß. O t t o G e b ü h r. der in, Lessing-Theater den Doktor Jura, den heiter toleranten Ehephilosophen so ausgezeichnet spielte, brachte die gesinnungSlmnpige Toleranz deS Kunftschriftstellers Tom mit ebenso verblüffendem Humor heraus. Sehr gut war auch Ttlla Durieux, als hitziges, duinmes, intrigantes EhegänSchcn, wie die Darftellurg de» MalerpärcheuS durch Bruno Harp recht und Julia S e r d a. 6t. Friedrich- Wilhelm städtisches Schauspielhaus: Die Legionäre" von Alfred Rofsig. Der ßAutor hat schon verschiedene Stücke geschrieben, darunter.Die Tragödie de» Frau Luise Klokow, Fichtenau, Moltkestratze. Frau Anna Brunck, Friedrichsfelde, Rummelsburger Str. 16. Frau S. Schwarz, Friedrichshagen, Seestr. 110. Frau Charlotte Kllter, K a r I s h o r st, Rödelstr. 9. Frau Frida Hintze, Hohen-Schön hausen, Berliner Str. 120. frau Robst, Lichtenberg, Friedrichstr. 14a. rau Mathilde Reich, Mahlsoorf, Bahnhofstr. 41- rau A. Steinborn, Nieder-Schönhausen, Treskowstr. 52. rau P. Bruckhoff, Ober-Schöneweide. Luisenstr. 28. Frau Auguste Schumann, Oranienburg, Jägerstr. 41. Frau Gütig, Pankow, Binzstr. 51. Frau Olga Zepernick, Reinickendorf-Ost, Hansastr. 14. Frau Elstert, Reinickendorf-West, Berliner Str. 108. Frau Elisabeth Hüttcr, Rummelsburg, Sonntagstr. 4. ttrau M. Daberkow, Stralau, Friedrich-Jungestr. 5. Frau Damaschke, Tegel, Bahnhofsplatz 1. Frau Hedwig Dietrich, Weißensee, Berliner Alle« 217. Frau Elise Ha-eSke, Wilhelmsruh, Kronprinzenstr. 6. Wir bitten, alle Fälle ungesetzlicher Erwerbsarbeit der Kinder- Mißhandlungen, sittliche Gefährdung und dergleichen an diese Ge- nossinnen zu melden. Die Namen der Beschwerdeführer werden diskret behandelt, können also ohne Besorgnis obigen.Personen mitgeteilt werden. Isteilltinöbel als ßapItalMche „aol)lfal)rt"! Die Möbellieserung auf Abzahlung ist daS neueste auf dem Gebiete kapitalistischer„Wohlfahrts"fcxer«t. Von dem„Dorado" der Farbensklaven, aus Elberfeld-Leverkusen, dem Sitz der Farben- firma Bayer u. Comp., ist ja schon mancherlei„Wohlfahrt" aus die Arbeiter herabgeströmt. Auf die Aktionäre der Firma strömt allerdings Jahr um Jahr ein viel reellerer Segen. Wie der„Prole- tarier", das Blatt des Fabrikarbeiterverbandes mitteilt, empfiehlt die Firma Bayer u. Comp, in Leverkusen den Lohnsklaven„ihre" Möbclhandlung auf Abzahlung. In einer Bekanntgabe an die Arbeiter der Werke heißt es darüber: „Wir haben diese Einrichtung getroffen, damit in Zukunft un- bemittelte junge Eheleute und Familien, die genötigt sind, ihre Wohnungseinrichtung zu ergänzen, nicht mehr darauf angewiesen siird, die Möbel und andere Haushaltungsgegenstände auf Abzah- lung zu kaufen." Damit gibt die Firma ja zu, daß an sich der Lohn der Gift- hüttcnproletarier derart niedrig ist. daß sie auf die Abzahlung?- geschäfte angewiesen waren und sind, lieber die„BezugSbedingun- gen" beim kapitalistischen Wohlfahrtsmöbclkrcditbctrieb erfahren wir folgendes: „Ter Bewerber muß mindestens 1 Jahr im Dienste der Farbenfabriken stehen und durch eine einwandfreie Führung die nötigen Garantien dafür bieten, daß er gewillt ist, die eingcgange- neu Verpflichtungen gewissenhaft zu erfüllen. Tie Möbel werden zunächst nur mietweise überlassen. An Miete sind jährlich 6 Proz. de? Anschaffungslvertes zu zahlen. Tie Miete ist in Wochenbeiträgen bei der Lohnzahlung bar zu entrichten. Bei einem Anschaffungswert von 500 Ml beträgt also die Miete pro Jahr 30 M., die in 60 Wochenraten zu 60 Pf. eingezogen wird. Als An- zahlung aiif den zukünftigen Kauf der Möbel hat der" Mieter tvenigstens 10 Proz. des Kaufpreises zu leisten. Die Anzahlung deS Mieters wird auf den Namen deS Mieters in der Sparkasse für Arbeiter der Farbenfabriken angelegt und zu 5 Proz. verzinst. Außerdem muß der Mieter sich verpflichten, sich wöchentlich 1 Proz. des Anschaffungswertes(alio bei einem Anschaffungswerte von 500 M. 5 Ml) von seinem Lohne einhalten zu lassen und die Be- träge ebenfalls der Sparkasse für Arbeiter der Farbenfabriken zu überweisen, die sie zu 5 Proz. verzinst." Zu dieser Rechnung bemerkt der„Proletarier": „Bleiben wir bei dem Beispiel von 500 M., das die Farbwerke anführen, so hat der Arbeiter zuerst zu leisten 50 M.«IS Anzahlung und außerdem 291,20 M., zusammen 341,20 M. im ersten Jahr. Das ist eine Summe, die sich wohl Dulsberg und sein Sozialsekre- tär Schulze mit Leichtigkeit alle Monate leisten können, keineswegs aber ein Arbeiter, der mit einem Jahreseinkommen von 1200 bis 1200 M. eine vier- und fünfköpfige Familie zu ernähren hat. Selbst lunge Eheleute sind nicht in der Lage, unter jetzigen Verhältnissen sich solche Summen abzudarben." Gedankens", ein Giordano Bruno-Drama voll markiger Kraft. Er ist Anhänger des Versdramas, und so sind auch die»Legionäre" in Versen geschrieben. Es war entschieden ein originaler Gedanke, der Bühne das ent- setzliche LoS der französische» Fremdeulegiouäre zuzuführen. Im ersten Akt sowie einigen späteren Szenen wird dazu ein sehr kräftiger Anlauf genommen: die Kraßheit der Bilder auf und hinter der Bühne läßt sich poetisch rechtfertigen. Ein überragender Gestalter würde nun die Handlung konsequent durchgeführt haben. Nicht so Nossig. Er kommt mit subtropischer Näuberromantik. Die Soldaten rebellieren, weil sie weder die vom Kommandanten anbefohlenen bestialischen Hinrichtungen der Eingeborenen mit ansehen können, noch die brutale Behandlung ihrer Kameraden länger dulden wollen. Das alles ist höchst dramatisch gemacht. Dann gehls in den Kampf gegen den schwarzen Feind: er wird Natürlich niedergezwungen: die An- sührerin der Amazonentruppe:„Etioiii* fällt dabei in die Hände der Sieger. Von jetzt an verliert sich der Dichter inS Nebulöse. Etioni ist die Tochter des schwarzen Wüstenfürsten, der unschädlich gemacht wird, indem man ihn samt seiner Burg in die Luft sprengt. Sie doziert, wie ein deutscher Professor und verliebt sich obendrein in den Legionär Konrad, der sie gefangen genommen hat. Im gegen- seitigen LiebeSwerben ergießt sich die Flut salomonisch-orientaliicher Bilderpracht. Und als fern mit lautem Knall die Dynamit- mine auffliegt, da schwören sich Elioni lind ihr Sdolar Konrad, die Welt vom Kriege zu erlöse». Man merkt die Absicht des Dichters: ihm war der Stoff gerade gut genug, um offen von der Bühne für eine große humai,« Idee ein- zutreten. Nossig befand sich schon auf dem richtigen Wege; nur erlahmte die Dichterkrast: das ist das Fatale. So entstand ein Drama. daS zwar in manchen Einzelheiten den starken Schilderer kenntlich macht, jedoch als Ganzes den Keim eines frühen Tode» in sich trägt. ES wurde nicht ohne Widerspruch aiisgenommeit, der aber doch von lautem Beifall üverstimmt sward. Unter de» Darstellern fiel eigentlich nur Käthe Wittenberg als rasend leidenschaftliche Marketenderin auf. Sonst machte sich mancherlei Schac.me bemerkbar. sowohl bei der Regie, als auch bei den meisten Haupt- und Nebeudarftellern. o. k. Humor und Satirr. Europa. Mein Erdteil der Humanitäten. DeS RcchtSgefühls und Gleichgewichts, WaS sagtest du, ivcnn'S andere täten? Galt' anderswo das Recht für nichts? Marokko einfach einzusacken. Aegypten stehlen über Nacht, Und jetzt noch Tripolis zu packen, Wie man'S in Tunis vorgemacht 1 Das Maul voll schöner Redensarten Der Menschheit edle Schützerin, Wie ist es aber, wenn der Arbeiter die„Nase voll" hat von dem ganzen Wohlfahrtsbctrieb in Leverkusen, wenn er das Farben- Paradies verläßt? Darüber heißt es: „Nimmt der Mieter seine Entlassung oder tritt er aus anderen Gründen von dem Mietvertrage zurück, so hat er entweder den Nest betrag in bar zu entrichten oder die Möbel wieder herauszugeben. Im letzten Falle erhält er dann das angesammelte Sparkassenguthaben nach Abzug dos Be- träges zurück, der für etwaige Reparaturen der Möbel erfordcr- lich ist." Das genügt. In daS Abzahlungsgeschäft ist also durch den Wohlfahrtsbetricb ein neues Moment gebracht: während es bisher keinem Händler einfiel, sich darum zu kümmern, wo ein Kunde arbeitete, wenn nur die fällige Rate bezahlt wurde, ist es bei der Farbenfirma Bayer u. Comp, anders, da werden die Möbel wieder weggenommen, wenn der Restbetrag nicht auf einmal beim Arbeits- Wechsel bezahlt werden kannl �.> Wahrlich, es ist etwas abschreckend Häßliches mit der egoisti- schen..Wohlfahrts"Plage des Großkapitals. Was wird die Profit- gier nächstens ausbrüten? Wenn der Abzahlungshandel allgemein derart kapitalistisch in „eigene Regie" übernommen wird, kann ja auch der Lohn für die Arbeiter allgemein mehr der Lebcnsnotdurft des ledigen Mannes angepaßt werden, als der des verheirateten. Welche„glänzenden" Aussichten für die Ausbeuter im Zeitalter der„gehobenen"' Ar- beiterexistenzl__ Hus der Partei. Eine Riesenversammluug gegen die koloniale Naubpolltlk der kapitalistischen Staaten und gegen die KriegSzündelei der Diplomatie fand am Sonnabend, den 7. Oktober in S t» t t g a r t statt. Die Parteileitung Stuttgarts, die im Auftrage der Kreisversammlung des 1. württeinbürgischen Wahlkreises die Versammlung einberufen und Gciiosstn L u x e m b u r g als Rednerin berufen hatte, hatte das größte VersamnilungSlokal der Stadt, den Zirlusbau gemietet. Aber auch dieser Raum reichte nicht auS, die Menge zu fassen. Weit über 5000 Personen waren anwesend. AIS die Polizei daS Lokal längst gesperrt hatte, strömten noch immer neue Massen herzu. In überaus eindrucksvoller Rede behandelte die Genossin Luxemburg daS Thema. Als sie schloß mit der Ausforderung, die Kräfte anzuspannen, um die kapitalistische WirlfchaftS- ordnung zu zertrümmern und damit Teuerung und Krieg unmöglich zu machen, durchbrauste donnernder Beifall den Riesenraum. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale revolutionäre Sozial- demokratie schloß der Vorsitzende Westmeyer die Riesenversammluug. die dritte, die von der Stuttgarter Parleigenossenschaft gegen die Kriegsgeliiste der raubgierigen Clique der Kolonialiuteresscnten aller kapitalistischen Staaten und ihrer Handlanger veranstaltet wurde. Personalien. Zum zweiten Parteisekretär wählte die Generalversnnimlnng des sozialdemokratischen Vereins für Köln- Stadt und Köln-Land den Genossen Rudolf Island(Köln- Ehreufeld.) poU-ciUches« Serichbliches ulw. Eine Rettung der RcichSverftchcrungSordnung. Das Zentrum sieht wohl ein, daß all sein Reden und Schreiben zum Lobe der Rcichsversicherungsordnung unter der christlichen Ar» beiterschaft nicht hinreichend wirkt. Seine Leute veranstalten des- halb eine umfängliche Rettungsaktion des„großen sozialen Werkes" vor dem Kadi! Unser Essener Partciblatt hatte die Arbeiter- Vertreter des Zentrums wegen des Verhaltens zur Vcrsicherungs- ordnung scharf angefaßt, nicht zuletzt den Essener Abacordneten GiesbertS. Dieser hat nun in Gemeinschaft mit den Äbge- ordneten Becker, Behrens und Fleischer Privatklage gegen die Arbeiterzeitung angestrengt. Verhandelt wird die origi- nelle Ehrenrettung einer politischen Mißgeburt am 27. Oktober, Aus das Ergebnis darf man gespannt sein. DaS Nachspiel zu einem Gastmahl. In P f o r z h e i m in Baden wurden am 6. Oktober vor dem Schöffengericht nach siebcnstiindiger Verhandlung die Genosse» Schübe lin, Redakteur der„Freien Presse", und Hamann, Geschäftsführer des Deutschen MetallarbcitervcrbandeS, wegen Be- leidigung de» Fabrikdirektors Emil Kollmar, Chef der Firma Kollmar u. Jourdan, zu je 500 M. Geldstrafe und zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Im vergangenen Jahre gab die besagte Firma einige Zeit bor Ausbruch des Streiks im.Saalbau' in Pforzheim ein Essen für Nimmst du, erlauben dir's die Karten, Pergnügt den schmutzigsten Gewinn. Des ChristcntumeS Grundgedanken, Die deinen Staaten eigen sind, Sie kommen ivirklich oft in Schwanken, Verflüchtigen sich leicht im Wind. Europas Völker, wahrt die Güter, Die heiligsten, in guter Ruh'! Und stehlt als trenbesorgte Hüter, Soviel ihr stehlen könnt, dazu! P. Schlemihl im.SimplicissimuS" Notizen. Theater chronik. Im Friedrich- Wilhelm- städtischen Schau spielhanse sind aus„Gründen, die auf politischem Gebiete liegen",»Die Legionäre" vom Spielplan ab- gesetzt. ES geht statt dessen am Montag. Dienstag und Mittwoch Ludwig ThomaS Komödie„Moral" in Szene.(Diese scltsauie Repertoircäudcrung soll auf eine Einwirkung der sranzösischen Bot- schaft zurückzuführen sein. Wir haben also jetzt nebe» der weit- bekannten eigene» Zensur auch noch eine französische, der sich ein deutscher Thcaterdirektor obne weiteres unterwirft, Männcrstolz!j — Preußische Kultur. Prof. Heinrich W ö l s f l i n. der hervorragendste dentsche Kunsthistoriker, wird sein Lehramt an der Berliner Universität aufgeben und einem Rufe nach München folgen. Gründe: W. fühlt sich in dem absolutistisch- burcaulratisch regierten Preußen nicht wohl, um so iveuiger. da er den Mut hat, seine Kuustanschauungen auch auf daS moderne Leben anzuwenden und seine Meiimiigeii nicht nach der offiziellen preußischen Kunst- politil zu richten. So hat er gegen verschiedene von bekannter Seite protegierte Pläne(die Umgestaltung des Opernplatzes usw.) protestiert. Die Bonzen rächten sich daher, indem sie die von Wölffliii vor- gelchlagene Ernennung Liebermanns zum Ehrendoktor verhinderten und ihm sonst Schwierigleitcn machte».— W. sowt also Ti'chudis Beispiel, und Preußen hat das Nachsehen. "'cht nachgesuchte Konzession. Die Auf- führung der.Orestie"- im Zirkus Schumann ist verboten ivorden. weil Direktor Reinhardt nicht um eine besondere Konzession hierfür nachgesucht hat und die Polizei für jede Bühne eine besondere Konzession verlangt. Direktor Reinhardt hält das nicht für nötig. Die Angelegenheit wird von beiden Seiten prinzipiell behandelt und dürfte erst durch ein Verwaltungsftreilverfahren entschieden werden. — Antwerpen a l» größter Exporthafen der Welt. Die Eiitwickelung Antwerpens als Hafenplatz schreitet im- aufhaltsam vorwärts. Im Jahre 1910 liefen nicht weniger als 8717 Schiffe ein mit einem Gehalt von 12 654 153 Tonnen. Gegen das Jahr 1901 stellen diese Zahlen eine Verkehrszunahme von nicht weniger als 41 Proz. dar. Die Hafenerweitecuilgsbautea werden energisch fortgeführt. ihre Arbeiter mit Miinchener Bier, Schweinefleisch und Sauerkraut, Damals war auch Genosse Schiibclin hingegangen, um vielleicht einige Vorteile für die Arbeiter durch die Teilnahme zu errringen. Einige Zeit darauf besichtigte der Landtag die Fabrik, die natürlich vorher zu diesem Zweck schön herausgeputzt worden war. Daran LiischlicLcnd gab die Firnia den Besuchern ein Bankett, wobei der Chanipagner in Strömen floß und das Loblied der Firma in allen Tonarten gesungen wurde. An diescin Bankett hatten auch zwei sozialdemokratische Abgeordnete teilgenommen. Als dann der Streik ausbrach, erschienen unter anderem ein Zeitungsartikel und ein Flugblatt, in denen der Firma zum Vor- Wurf gemacht wurde, daß sie ungesetzliche Einträge,„wegen Streik ausgetreten" u. a. in die Jnvalidenkarten machte. Ferner, oaß nach dem Streik eine Anzahl Arbeiter cutlassen wurden, 10 e i l sie zum Verbände gehörten. Auch war scharfe Kritik an dein Benehmen Kollmars gegenüber einer verletzten Arbeiterin und an sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen des Betriebes geübt. Der Anwalt der Firma verlangte in äußerst scharfmacherischer Weise Unschädlichmachung des Angeklagten auf sechs Monate! Das Gericht erkannte jedoch auf die oben erwähnte Strafe. Eine Staatsaktion. Die„Freie VolkSzeitung' in Göppingen veröffentlichte am letzten Freitag einen„Reserve hat Ruh!" Überschriebeue» Artikel, in dem die militärentlassenen Neservistcn aufgefordert lrmrden, in die Reihen der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften einzutreten. Daraufhin erschienen Sonnabend nachmittag auf der Redaktion des Blattes vier Beamte der Ulmer Staatsanwaltschaft und nahmen eine Haussuchung nach dem Manuskript des Artikels bor, die natürlich ergebnislos verlief. Iugenäbeievegung. Eine berechtigte Beschwerde. Wir berichteten im Juli von dem gesetzwidrigen Lorgehen einiger Polizeibeamten, welche eine vom Berliner Jugend- ausschuß einberufene Versammlung störten, in welcher der Schrift- stellcr H ö r n l e über Leben und Dichten SchubartS berichten sollte. Der Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d wandte sich damals als Vorsitzender deS Berliner Jugendausschusses beschwerdeführend an den Berliner Polizeipräsidenten, indem er hervorhob, daß daS Vor- gehen der Polizeibeamten jeder Begründung entbehre, da eine nicht- politische Versammlung stattfinden sollte, die Versammlung noch gar nicht begonnen hatte und ein Auflösungsgrund nicht vorlag. Die Beschwerde richtete sich ferner gegen daS Verhalten derjenigen Polizeibeamten, welche die Vernehmung der zur Wache fistierten Personen vorgenommen haben, da bei der Vernehmung Worte, wie z. B. frecher Lümmel von den Polizeibeamten den jungen Leuten zugerufen wurden. Genosse Rosenfeld hat jetzt den Bescheid erhalten,„daß die an- gestellten Ermittelungen die Berechtigung der Beschwerde ergeben haben. Den beteiligten Beamten ist daS Erforderliche eröffnet worden." Hoffentlich verschont nunmehr die Polizei die Veranstaltungen des JugendausschusseS mit weiteren ungesetzlichen Belästigungen. Em InduftTic und Kandel. Die deutsche Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen« und Stahlindustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während deS Monats S eptemb er 1911 insgesamt 1 250 702 Tonnen gegen 1 284 302 Tonnen im August 1911 und '' I 432 477 Tonnen im Scgtember 1910. Die Erzeugung verteilte sich auf die einzelnen Sorten wie folgt, wobei in Klammern die Erzeugung für 1910 angegeben ist: Gießereiroheisen.... 248 930 To.(247 787 To.) Bessemerroheisen.... 26 357„( 36 155„) Thomgsrohcise».... 805 167,(782 194,) Stahl- und Spiegelciscn. 134 035„(115 366„) Buddelroheisen.... 36213,( 50975,) Die Erzeugung während der Monate Januar bis September 1911 stellte sich auf 11507 749 Tonnen gegen 10922 529 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. In der AufsichtSratssitzung der Berliner Elektrizitätswerke wurde seitens des Vorstandes Bericht über das verflossene Geschäftsjahr erstattet. Es soll nach Abschreibungen von 4 455 343,58 M. die Vcr- teilung einer Dividende von 4>/z Proz. auf 20 Millionen Mark Vorzugsaktien und von 12 Proz.(iin Vorjahre 11 Proz.) auf 44.1 Millionen Mark Stammaktien vorgeschlagen werden. Die Anschlußbewegung hat die des Vorjahres wieder überstiegen. Die Zahl der Abnehmer ist auf 33 165(-j- 4526), die der Anschlüsse in Kilowatt auf 206 726(-j- 23 504) gestiegen. Nutzbar abgegeben wurden in Berlin und Vororten 193 031 743 Kilowattstunden (4- 23 600 806). Die Zahlungen an die Stadt Berlin beziffern sich auf 6 233 733,63 M.(im Vorjahre 5 613 316,61 M.). In der Zeit vom I.Juli bis 30. September cr. wurden 9432 Kilowatt neu angeschlossen; weiter angemeldet waren am 30. September 3337 Kilowatt für Licht- und Kraftzwecke sowie 2350 Kilowatt für HochspannungSanlagen. Die in den ersten zwei Monaten des neuen Geschäftsjahres nutzbar abgegebenen Kilowattstunden beliefcn sich ausschließlich des Selbstverbrauches auf 23 599 615(->- 3 209 213). Kohlenshndikat. Aus Essen wird berichtet: Die Zechen- b e si tz e r v e r s a m m l u n g setzte die Beteiligungsanteile für November in K o h l e n auf 85 Proz.(bisher S7ll3 Proz), in K o k s auf 60 Proz.(bisher 65 bezw. 60 Proz.) und für Briketts auf 77>/z Proz.(bisher 80 Proz.) fest. Da die Drucklegung des Monatsberichts noch nicht erfolgen konnte, erstattete der Vorstand einen vorläufige» Bericht über die Marktlage, wonach sich die Ab- s a tz v e r h ü l t n i ss e im September im allgemeinen im Rahmen des Vormonats abgewickelt haben. Ein Run auf die Göttinger Banken. Die Göttinger Bank. Aktiengesellschaft, hat kürzlich wegen finanzieller Schwierigkeiten ihre Zahlungen eingestellt, wodurch im Publikuni eine große Beunruhigung hervorgerufen wurde. Gestern erfolgte der Zusammenbruch einer zweiten Bank, des Bankhauses S e ck e l u. H i r s ch in Göttingen, das ebenfalls seine Zahlungen eingestellt hat. An dem fallierten Bankhaus Scckel u. Hirsch rst daS große Bankhaus W e r t h a u e r in Kassel kommanditarisch beteiligt, io daß für die Gläubiger wenig zu befürchten sein dürfte. Als gestern vormittag die Zahlungseinstellung bekannt wurde. brach in der Geschäftswelt wie inr Privatpublikum eine förmliche Panik au-. Alles lief schnurstracks zu den Banken und hob an Geld ab. was nur irgend möglich war. Die Banken hatten sich gut vorgesehen, so daß sie jede geforderte Sumnie auszahlen konnten, auch solche, die erst hätten gekündigt werden müssen. Die Göltinger Banken haben einen derartigen Run noch nie erlebt. Eine einzige Privatbank hat gestern vormittag über 600 000 M. ausgezahlt. Ilm jtie große Aufregung zu beseitigen, haben die Handels- kammcr und die kaufmännische Innung durch Extrablätter eine Bc- ruhigungSerklärung erlassen, in der sie dem Publikum empfehlen, nicht durch überhastete Maßnahmen die Lage noch zu ver- schlimmem._ � Gründungen in Oesterreich. Nach einer Veröffentlichung des K. k. Handelsmuseums wurden im ersten Halbjahre 1911 21 Aktien- aesellschastcn mit 48 Millionen Kronen Kapital gegründet— die stärkste Grllndungstätigkeit seit 1907. 60 Gesellschaften haben ihr Kapital um 222 Millionen erhöht, davon 19 Banken um 146 Millionen. L36 G. m. b. H. wurden gegründet, ihr Kapital ist 43,3 Millionen, davon sind 37,8 Millionen eingezahlt. An Einzelunternehinungen entstanden ISS neue Fabriken. 26 neue Emissionen'erhöhten daS industriell verwendete Kapital um 738 Millionen, mit de» Kapitals- erhöhungen sogar um 903 Millionen. KricgSfolgen. AuS R o st o w a. D. Wird berichtet: Die G e- treideexporteure in Ro stow und Taganrog sind aber- mals zu einer Beratung zusammengetreten, um Vorbeugungsmaß- nahmen gegen den drohenden Ruin zu treffen; daS Steigen der Frachtraten und das Aufhalten der Dampfer rufen große Unkosten hervor. Die Lage ist besonders dadurch ver- kchlimmert, daß die Staatsbank die Diskontierung der Kanossemente eingestellt hat und die Privatbanken die Versicherung gegen das Kriegsrisiko fordern, waS gleichbedeutend mit dem Ruin des Exporthandels ist. Auf Ansuchen der Exporteure sind die Börsenkomitees bei dem Ministerpräsidenten um Fürsprache zur Wiederaufnahme der Diskontierung der Kanossemente durch die Staatsbank vorstellig geworden. Soziales. Eine Folge der vielen Schachtunglücke. Die Oberbergämter in Breslau, Dortmund, Halle, Klausthal und Bonn sind angewiesen worden, die Ergebnisse der letzten Re- Visionen an die Ministerialabteilung für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen einzusenden. Als Normen für die Betriebsbrauch- barkeit der Förderanlagen gelten die positiven Ergebnisse des Ge- samtbefundes der Revisionen. Im Etat 1912 sind für die ständigen Revisionen 10 neue Bergrevierbeamte(Berginspektoren) ausgesetzt. Davon entfallen auf das Oberbergamt Dortmund drei, auf das Oberbergamt Breslau vier. Halle, Klaustal, und Bonn erhalten je einen. Man geht ivohl nicht fehl, wenn man diese Maßnahmen der Regierung auf die in den letzten Jahren vielfach vorgekommenen Schachtunglücke zurückführt._ Zwangsetatisierung von Polizeikosten. Die Stadt Höhscheid bei Solingen hielt den Polizeibestand der Gemeinde, fünf Polizeisergeanten und einen Hilfspolizeibeamten, für ausreichend. Sie weigerte sich deshalb auch einstimmig, auf das Verlangen des Regierungspräsidenten nach Einstellung eines Polizeikommissars und zweier weiterer Polizeisergeanten einzu- gehen. Der Regierungspräsident erließ darauf eine Verfügung, durch die er„feststellte", daß die Stadtgemeinde verpflichtet sei, durch einen Kommissar und zwei Sergeanten ihren Polizeibestand zu vermehren, und forderte die Gemeinde auf, die erforderlichen Be- soldungsbeträge, die er näher spezialisierte, bereitzustellen. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte das durch einstim- migen Beschluß vom 14. März 1911 ab und erhob gegen die dann erfolgte Zwangsetatisierung Klage im Verwaltungsstreitverfahren. Diese bestritt, daß die Anstellung weiterer Polizeibeamten not- wendig sei. Die vorhandenen Kräfte seien bei den mehr ländlichen Verhältnissen der Gemeinde ausreichend. Auch wären die Ge- meindelasten in der etwa 16 000 Einwohner zählenden Gemeinde schon sehr hoch. Z. B. würden an Grund- und Gebäudesteuer 260 Proz. Zuschlag und 270 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer erhoben. Die Armenlasten und die Ausgaben für das Schulwesen seien besonders hoch; ferner seien neue Schulbauten durchaus not- wendig. Nachdem das ObcrverwaltungSgericht ohne mündliche VerHand- lung einen ungünstigen Vorbescheid erteilt hatte, stand jetzt auf Antrag der Stadtverordnetenversammlung vor dem ersten Senat dieses Gerichts Termin zur mündlichen Verhandlung an. Re- dakteur Deisel als Vertreter der Stadtverordnetenversammlung erklärte, daß der Regierungspräsident willkürlich verfahren sei und daß er dies nachweisen möchte. Dazu wären aber gewisse Akten notwendig, die der Bürgermeister vom Regierungspräsidenten zurückerbeten habe, die aber bis zur Abreise des Vertreters noch nicht zurückgelangt seien. Er bitte deshalb um Vertagung. Reben der Klage sei auch noch Beschwerde beim Minister des Innern er- hoben worden, die noch nicht entschieden sei. Das' OHerverwaltungsgericht wies unter Ablehnung des Vcr- tagungsantrages jedoch die Klage endgültig ab und führte aus: Gegenüber der Zwangsetatisierung habe das Oberverwal- tungsgericht nur zu entscheiden, ob sie gesetzmäßig und vom Regie- rungspräsidcnten innerhaib seiner Befugnisse erlassen sei. Beides sei aber nach den§§ 3 und 4 des Polizeiverwaltung�esetzes der Fall. Der Verwaltungsrichter habe hier weder die Zweckmäßigkeit noch die Notwendigkeit zu prüfen, noch darüber zu entscheiden, ob Willkür obwaltete. Deshalb müsse die Klage abgewiesen werden. — Die Fragen der Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit sowie den Einwand der Willkür könne dagegen der Minister in dem Be- schwerdeverfahren berücksichtigen. Der Minister sei berechtigt, die Verfügung des Regierungspräsidenten aufzuheben, Sericbts- Leitung. Eine polizeiliche Sistierung, die man nicht mit Unrecht als eine kleine Razzia bezeichnen könnte, führte zu einer Anklage gegen den Genoffen Hans Weber. Der Beleidigung von Polizeibeamten des IIb. Polizei- r e v i e r S und der Nötigung des PolizeileutnantS S ch n a r k e und der Schutzleute Schlösser und R ö h m i s ch soll sich Weber schuldig gemacht haben. Der Anklage lag nach der vor kurzem vor dem Schöffengericht Berlin-Wedding stattgefundenen Verhandlung folgender Sachverhalt zugrunde: In der Nacht vom 15. zum 16. April befand sich in einem Nestaurationslokal in der WiSbyer Straße eine Anzahl Gäste, darunter Weber. In dem Lokale tagte an dem Abende ein Verein dem aber nicht alle Anwesenden angehörten. Nach Mitternacht erschien in dem Lokal ein Polizeileutnant mit den beiden Schntzlenten. Einige Gäste wurden von dem Leutnant gefragt, ob sie Mitglieder des Vereins seien. Dann erklärte der Polizeioffizier, daß der Wirt sofort seim Lokal schließen müsse und alle anwesenden Gäste den Beamten zur Wache folgen sollten. Weber hatte ausreichende L e g i t i m a t i o n s p a p r e r e bei sich und bot sie dem Polizeileutnant zur Einsicht an. Dieser lehnte jedoch die Legitimation ab; Weber mußte mit den anderen Gästen den Weg»ach der Wache antreten. Nach Angabe des Polizeileutnants Schnarke sowie der beiden Schutzleute soll Weber, nachdem die Beamten in das Lokal gekommen waren, gesagt haben. eS sei doch unerhört, zur Nachtzeit hier einzudringen und Feststellungen vorzunehmen; er werde das in die Oeffentlichkeit, in die Zeitung bringen. Vor der Haustür zur Polizeiwache angekommen, ließ der Polizeileutnant Halt machen. Mit dem Bemerken des Leutnants: Den nehmen Sie besonders! wurde nun einer der fistierten Zeugen der angeblichen Uebertretung der Polizeistunde die Treppe zur Wache hinaufgebracht. In einem Abstand von zwei Minuten folgte ein zweiter Zeuge, ebenfalls allein, mit einem Beamten. Dieses ganz absonderliche Verfahren erweckte bei Weber die Befürchtung, cr könne auf der Wache geschlagen werden. Er sagte daher zu dem Polizeileutnant Schnarke: „Herr Leutnant, sehen Sie mich an. daß ich unverletzt bin. Ich hoffe auch so von der Wache wieder herunterzukomme n." Durch diese Aeußernng, die Weber in lautem und erregtem Tone gesagt haben soll, fühlten sich Polizeileutnant Schnarke und die Beamten deS Reviers beleidigt. Der Leutnant hat am 18. April Anzeige erstattet, worin nur von dieser Beleidigung als der einzigen Straftat Webers die Rede ist. Auch in einer späteren Aenßernng des Leutnants ist nur die Beleidigung erwähnt. Eine Randbemerkung von anderer Hand weist in den Akten ans den N ö t ig n u g S- Paragraphen hin und erst am 1 2. Juni ist Polizei- leutnant Schnarke zu der Ansicht gekommen, daß Weber ihn nötigen wollte, indem er sagte, cr werde die Sache in die Zeitung bringen. Die Bemerkung sei eine Drohimg zu der Sistierung will der Leutnant veranlaßt worden sein, weil er eine Verdunkelung des Uebertretlingsdeliktes vemmtete, durch die Schnarke beranlaßt werden sollte, eine Amtshandlung zu Mtkerlaffne. Die Frage des Verteidigers, Rechtsanwalts Dr. Kurt Rosenfeld, ob die Aeußernng, sein Verhalten der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, ihn bestimme, eine Amtshandlung zu unterlassen, mußte der Polizeileutnant natürlich verneinen. Welche Amtshandlung sollte denn der Polizeileutnant unterlassen? fragte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Eine Nötigung liegt doch nur dann vor, wenn eine zukünftige Amts- Handlung durch Drohung verhindert werden soll. Als der Angeklagte die Bemerkung machte, da war aber die von ihm kritisierte An- ordnung, nämlich das Eindringen in das Lokal, bereits vollbracht; dagegen war die Sistierung noch nicht angeordnet, konnte also gar nicht verhindert werden. Wenn der Angeklagte der Meinung war, er könne auf der Wache geschlagen werden, dann handelte cr nur in Wahrnehmung berechtigter Interessen, als er sagte, er sei unverletzt und hoffe, auch so wieder herunter zu kommen. Der Angeklagte müsse daher auch wegen dieses Delikts freigesprochen werden. DaS Gericht folgte dem Antrage deS Verteidigers, sprach den Angeklagten frei. In der Begründung wurde u. a. ge- sagt: ES sei nicht erwiesen, ob die Aeußerung des Angellagtcn, er werde daS Verhalten der Beamten in die Oeffentlichkeit oder in die Zeitung bringen, vor oder nach der Anordnung der Sistierung gemacht wurde. Das Gericht habe deshalb das Vor- liegen einer Nötigung verneint, zumal der Angeklagte durch seine Aeußerung offenbar nicht auf die Handlung der Beamten habe einwirken, sondern wie es oft in solchen Fällen geschehe, nur seiner Erregung über das seiner Meinung nach vorliegende Unrecht habe Ausdruck geben wollen. Darüber hinaus sei nichts festgestellt worden. WaS die Beleidigung anbetreffe, so seien leider öfter Ge- richtsvcrhandlungen in die Oeffentlichkeit gelangt, in denen aus der einen Seite Polizeibcamte unter ihrem Eid ausfagten, daß sie auf der Polizeiwache nicht geschlagen hätten, während aus der anderen Seite die eidlichen Aussagen zahlreicher Zivilpersonen ständen, die von denselben Beamten geschlagen sein wollen. Insbesondere seidieSerstin den letzten Tagen in einem Prozeß geschehen, in dem es sich darum handelte, ob Kriminalbeamte durch den Ausdruck„Knüppelgardifteu" beleidigt seien. Derartige Fälle hätten einen großen Teil der Be« völkerung in die Annahme versetzt, sie könnten auf der Polizeiwache mißhandelt werden. In diesem Sinne hat der Angellagce seine Aeußerung gebraucht. Sie sei berechtigt vom Standpunkt dessen, der an die Richtigkeit der Nachrichten über Mißhandlungen auf der Polizeiwache glaubt. Der Angeklagte habe also in Wahr- nehmung berechtigter Interessen gehandelt. Das Interesse des einzelnen am Schutz seiner körperlichen Integrität gehe dem Interesse am Schutz gegen Beleidigungen vor. Auch die Form der Aeußerung lasse nicht die Absicht der Beleidigung erlennen. Uebrigens ist dies umfangreiche Polizeiaufgebot zur Feststellung der Ueberschreitung der Polizeistunde auch gegen den Gastwirt erfolglos geblieben. Durch ein unerforschlicheS Bersehen der Polizei erhielt nicht der Gastwirt, sondern sein unbeteiligter Bruder, ein Strafmandat. Dieser wurde natürlich frei- gesprochen, ohne daß erst festzustellen war. ob überhaupt eine Uebertretung vorlag. Ein Verfahren, in dem der Gastwirt sein« Verteidigung hätte führen können, unterblieb, weil bei Entdeckung der polizeilichen Verwechselung der Brüder Verjährung ein- getreten war._ Freier der Dolly Landsberger. Wolf Werthcini veröffentlicht im„Kleinen Journal� von Meran aus eine längere Erklärung, der wir folgende tnter- essante Angaben über Freier der Frau Dolly Landsberger ent- nehmen. Der Schriftsteller Dr. Artur Landsberger, der das noch nicht 16 Jahre alte Fräulein Dolly Pinkus in England heiratete, sei auf seiner Brautreise von seiner Ge- liebten begleitet gewesen und habe später 70 000 Mark Spesen für Entführung und Heirat gegen ein Schweige- versprechen erhalten. Der Oberleutnant v. Vetter habe häusig sehr wertvolle Geschenke von Frau Wcrtheim er- halten, sei als Freier der Frau Dolly betrachtet, es sei in Aussicht genommen gewesen, daß cr den Ofsizicrsrock ausziehe und eine gut bezahlte Stellung annehme. Es habe Herr v. Vetter von Frau Wert heim monatlich 1000 Mark erhalten; um Kapitalisierung dieser Summe habe er später gebeten. Wolff Metternich habe in dem Wert- heimschcn Hause eine nebenfächlichc Rolle gespielt. Zu Silvester habe cr Frau Dolly zu Tisch geführt weil Frau Werthcim erkrankt war. Deshalb sei auch das Essen so schlecht gewesen. Das Holen der Pfannkuchen aus Hotel Esplanade hätte die Entdeckung zur Folge gehabt, daß Metternich auf Dollys Ha� schon mit Schulden spekulierte, und zum Abbruch jeder Bc- ziehung zu ihm geführt.— Nette Kavaliere, wenn die Wert- heimsche Darlegung zutrifft._ ZurechnungZunfähls. Ein Meineidsprozeß von großem psychologischem Interesse bc- schäftigte das Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des LandgerichtsdircktorZ Dr. K a r st e n. Unter der Anklage des Mein- cides stand die Diensimagd Hedwig Krüger, verteidigt du�ch Justizrat M a r g o n i n S k i. außerdem halten sich der Gesinde- Vermieter Robert Lipski und dessen Ehefrau, beide durch Rechts- anwalt Dr. W e r t h a u e r verteidigt, wegen Verleitunz zum Mein- eide zu vcrantlvortcn. Lipski saß seit lieim Monate» j» umer- iuchuugShoft. Die Krüger war im Jahre 1909 etwa fünfmal durch daS LipSkische Bureau auf das Land vermietet worden gcrcn eine Vermietungsgebühr, die bis zu 40 M. betrug. Dabei hatten d-e bc- treffenden Landwirte nichts davon gewußt, daß das Mädchen welches im November 1909 einem kräfligen Jungen das Leben schenkte, schon bei der Vermietung in anderen Umständen war" Auf die Beschwerde der Landwirte war gegen ihn ein Strafmandat er- lassen worden, weil er die Vermictimg bcwcrlslelligt halle ohne vorher die vorgeschriebenen sorgfältigen Erkundiguugen über die Brauchbarkeit des Mädchen-?, dessen Schwangerschaft ihm bekannt sein mußte, eingezogen zu haben. Er wurde vom Schöffengericht wegen Uebertretung zu 25 M. Geldstrafe veruneili. von der Strafkammer ober freigesprochen, weil es sich hrrausstcllle. daß nicht er. sondern seine ihn vertretende Ehefrau das Mädchen vermietet hatte. Es entwickelte sich sodann aber ein Strafverfahren wegen Betruges gegen L. und es kam zu einer nochmaligen Ver- nehmung des Mädchens, welches seinerzeit eidlich bestritten hatte, überhaupt schwanger gewesen zu sein. Bei dieser nochmaligen Ver» »ehmung. die in Ralhenow stattfand erklärte die zuilger plötzlich. sie habe in Berlin falsch geschworen; die Eheleute L. hällen aus dem Gerichiskorridor ans sie eingewirkt und ihr auch Kuchen gegeben, damit sie falsch aussage. ES wurden»ach dieser Aichluug'hin Er- niittelungen angestellt und die jetzige Anklage gegen die drei cr- hoben. Ein iin Juli angesetzter vermin mußte vertagt werden, weil Zcngcn über die Glaubwürdigkeit der ft. gehört, auf Antrag der Verteidigung L.s ein Gerichtsarzt geladen werden sollte. In der Verhandlung ergab sich nun, daß die Aussage der K. im Januar 1910 nicht protokolliert war. L. auS formalem Grunde freigesprochen worden war und die zwei Beisitzer des damaligen Gerichtshofes sich nicht mehr der Aussage deS Mädchens elilmerten. Trotz aller er- mahnenden Vorhaltungen des Vorsitzenden verblieb die K. dabei, sie sei damals vom Gericht über ihre Schwangerschaft befragt worden, habe sie wider besseres Wissen abgeleugnet und sei von den beiden Mitangellagten dazu angestiftet worden. Letztere bestritten iminor wieder diese Behauptung unter dein Hinweise darauf, daß sie gor lein Interesse daran gehabt hätten, daß das Mädchen ihren Zustand Iciißucte. Die Zengenhmleh'mmg zog sich viele Stunden hin. ohne tir.fc wesentliches zutage trat. Da kamen plötzlich eine Reihe sriiherer Diensthcrrichaften der K. an die Reihe, welche durch die Polizei er« rniltelt waren und scbr ungünstiges zu berichten wußten. AIS der Vorsitzende die K. ausfordertc, sich zu äußer», erklärte diese, s i e kenne die Leute nicht! Allgemeines Erstaunen. Als weitere Zeugen gegen sie austraten, wiederholte sich dieselbe Szene. Die Angeklagte blieb auch dabei, obgleich aui Antrag des Rechtsanwalts Dr. Wcrthaner die polizeilichen Anmeldungen herbeigeschafft wurden, die bewiesen, daß sie bei den betr. Personen gedient batte. Die Sache wurde immer rätselhafter. Da erhob sich der Sach- verständige Kreisarzt Dr. Wilhelm aus Khritz und erklärte: er sei zunächst der Ansicht gewesen, daß die K. die Wahrheit gesagt und in pi'lzchologischcr Abhängigkeit in der Tat Werkzeug des Angeklagten gewesen sei. Nachdem er aber nun den ganzen Gang der Ver- Handlung vcrsolgt und aus Grund seiner eingehenden Untersuchung die Persönlichkeit der K. beobachtet habe, komme er zu der llcberzcugung, daß hier der seltene Fall der patho- logischen Unwahrheit vorliege. Die K. sei erblich be- l a st e t. in der Entwickelung stehen geblieben, sage aus wie ein Kind, ohne VerantwortlichkeitSgefühl, wie sie ja auch in sexueller Beziehung den Dienstherren alles mögliche nachsage. ES sei daher wohl mögilch, daß sie Dichtung und Wahrheit mische.— Der Staatsanwalt beantragte gegen alle drei Angeklagte das Schuldig im Sinne der Anklage, unter Zubilligung mildernder Umstände. Die Geschworenen aber folgten den Anträgen des Justizrats M a r g o n i n s k i und Rechtsanwalts Dr. Werthauer und verneinten sämtliche Schuldfragen auch die gegen die Krüger, die sich selbst beschuldigt halte. Der Gerichtshof erkannte demgemäß auf Freisprechung._ Pom Spandauer Schöffengericht. Einer besonderen polizeilichen Fürsorge erfreut sich seit einiger Zeit der Vorsitzende des Kreis wahlvereinS Spandau- Potsdam-Ost Havelland Genosse E. Schubert, der in Spandau eine Schankwirtschast betreibt. Fast keine Woche ver- geht, in der er nicht wegen angeblicher Uebertretung der Polizei- stunde einen polizeilichen Strafbefchl erhält. Da das Schubertfche Lokal fast ausschließlich von geschlossenen Gesellschastcn frequentiert wird, die ihre Sitzungen und Be- sprechungcn dort abhalten, so kommt die Polizei sehr oft in die Lage, feststellen zu können, daß nach 11 Uhr noch Betrieb im Lokale ist, und ebenso oft kommt dann jedes- mal der Strafbefehl, der in den letzten Fällen schon über 60 Mark lautete. Auf einen Einspruch des Genossen Schubert hat das Schöffengericht schon einmal auf Frei- svrechung erkannt, da festgestellt werden konnte, daß um 11 Uhr das Lokal für den öffentlichen Verkehr geschloffen wurde. Jetzt hatte sich da? Gericht wieder in z w e i Fä l l e n mit Schubert zu beschäftigen, in denen der Beschuldigte Einspruch erhoben hatte. Besonders stützte sich die Anklage in dem einen Fall darauf, daß die Tür zum Lokal, in welchem sich Gäste befanden, nach 11 Uhr noch aufstand, das Lokal also jedem zugänglich war. DnS bestritt der Beschuldigte auch gar nicht, gab dafür aber eine einfache Erklärung. Der Tbeater- verein„Spandauer Volksbühne" kam an dem betreffenden Tage von einer Krcmserpariie zurück und lud die von dem Beschuldigten entliehenen Gegenstände bei ihm ab. Der Kutscher de? Kremsers tränkte dabei seine Pferde und ließ währenddem die Tür offen. Der Amts an w alt hielt dennoch die Bestrafung für zu Recht.erfolgt. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht beantragte in beiden Fällen Freisprechung. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an und erkannte in beiden Fällen auf Freisprechung. /Zus der fraucnbcwe�unöf. Auf dem Wege zum staatsbürgerlichen Fraucnwahlrecht in Schweden. Die nun abgeschlossene Neuwahl der Zweiten Kammer des Schwedischen Reichstags bedeutet offenbar einen Fortschritt auf dein Wege zur Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts. Die Sozialdemokratie hat die Zahl ihrer Abgeordneten von 35 auf 61 erhöht, während die Liberalen in ihrer alten Stärke mit 102 Mann in die Kammer zurückkehren, die Zahl der konservativen Abgeord- rieten aber von 93 auf 64 zurückgegangen ist. Die konservative Partei ist im Grunde genommen eine Partei von Gegnern des allgemeinen Frauenwahlrechts und ihre Regierung, das Mini- sterium Lindman, das nun infolge des Wahlergebnisses seinen Abschied genommen hat, stand der Forderung des Frauenwahl- rechts stets ablehnend gegenüber. Die liberale Partei aber, die jetzt zur Regierungspartei geworden ist. hat die Forderung des Frauenwahlrechts auf ihrem Programm und wird sich sicherlich auch?er Pflicht nicht entziehen können, fie durchzuführen, zumal die Wahlrcchtsbcwegung der schwedischen Frauen eine autzerordent- liche Stärke erreicht bat und noch immer mehr anwächst. Vor allem wird selbstverständlich auch die sozialdemokratische Partei und ihre Fraktion dafür sorgen, daß die Frauen nun endlich einmal auch auf dem Gebiete des Wahlrechts zu gleichberechtigten Staats- bürgern gemacht werden. Für die liberalen Kandidaten wurden bei den Wahlen 242 127 Stimmen abgegeben, für die sozialdcmo- kratischen 172 780, es sind somit 414 907 der wahlberechtigten Männer Schwedens, die für die beiden Parteien stimmten, welche das Frauenwahlrecht fordern. Dem gegenüber stehen 188 247 konser- vative Stimmen. Es hat sich also die männliche Hälfte des schwedi- scheu Volkes bei diesen Wahlen mit einer außerordentlich starken Majorität für das Frauenwahlrecht ausgesprochen. Eine Vorlage zur Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts wird, wenn der Schwedische Reichstag Anfang nächsten Jahres zusammentritt, um so mehr Aussicht aus Annahme haben, als auch eine Neuwahl der Ersten Kammer bevorsteht, bei der die Konservativen voraussichtlich 30 Mandate teils an die Liberalen, teils an die Sozialdemokraten verlieren werden. Durch diese bevorstehenden Wahlen wird die liberale Partei zur stärksten Partei des gesamten Reichstags wer- den, und die Zahl der sozialdemokratischen Rcichstagsabgeordneten, beide Kammern zusammengenommen, wird sich auf ungefähr 77 erhöhen. Die schwedischen Frauen haben übrigens bei den verflossenen Wählen auch selbst eine sehr eifrige Agitation entfaltet und so ihr gut Teil dazu beigetragen, daß die Konservativen eine solche schwere Niederlage erlitten. Die Landesvereinigung für politisches Frauen- Wahlrecht hatte in allen Provinzen des Landes besondere Wahl- leitungen eingesetzt, um die Forderung zu propagieren, und sowohl in Verbindung mit den liberalen wie mit den sozialdemokratischen Wahlausschüssen für die Abhaltung von Frauenversammlungcn wie für die Vermittelung weiblicher Referenten zu sorgen. Nach den Mitteilungen des Zentralvorstandes der Landesvereinigung haben während der Wahlbcwcgung in 217 Versammlungen Frauen als Referenten gesprochen und die Zahl der Besucher wird auf rund 80 000 angegeben. Außerdem ober wurden die Frauen auch zu einer großen Anzahl der von den � Männern veranstalteten Wählervcrsammlungen als Redncrinnen eingeladen. Selbstver- ständlich haben unsere Parteigenossen ebenfalls alle Kraft auf- geboten und keine Mühe gescheut, um Seite an Seite mit den männ- lichen Genossen für den glücklichen Ausgang des Wahlkampfcs zu sorgen und damit auch die Forderung des Frauenwahlrechts ihrem Ziele näher zu bringen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Potsdam. Die Fraucnabteilung des WahlvereinS hält am Diens- tagabend im Lokal Kaiser-Wilhelm-Straße 38 ihren Lese- abend ab. Wichtige Besprechung. Hus aller Melt. Cm frdwtUigeo Lwbcswcrfe. Der Erfolg der Kornblumen- und Margcritentage hat zur Nach- eiferung angespornt. Während sich aber früher die Komitees an einen unbestimmte» Geberkreis gewandt habe», soll bei dein neuen Blumentage, der von den Veranstaltern„Chrislianenheiin-Tag" gc- tauft worden ist. ein en g b e g r e n z t e r PersonenkrciS angebettelt werden, nämlich die Beamten und Arbeiter der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft und der Reichs- eisenbahne n. Der Fcldzug auf die Tasche» der Eisenbahner soll in den Tagen vom 16. bis 18. Oktober d. I. durch Verkauf von Christblumen vorgenommen werden. ES besteht die Notwendigkeit, daS in Erfurt errichtete Eiscnbahm-Töchtcrhcim auszubauen, wofür 200 000 Mark notwendig find.' Für diesen Zweck soll gesammel werden. Da der Vlumeutagbcttcl vom E i i e n b a h u m i n i st e r v. Brejtonbach genehmigt ist und«ine ganze Reihe hoher Eisenbahnbeamten einen Ausruf alS HauptauS- s ch u ß unterzeichnet hat, dürfte der klingende Erfolg nicht ausbleiben. Wenigstens heißt eS in dem Aufruf: Erbt Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Ideilzahlung-dneAnzahlung. Keine Kassierer. Lhissce S. 100..Bor� wärts�-�peditiov, Auguslslr. 5(1. r.' Teilzahlung liefert deiiuM bei klelnntcr Anzahlnng in bekannter Güta (mit größter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E-Coliu.lJr.FraiiklurterstP.GG. Sie sieh nielit auch stets, daß die Abfalleimer in der Küche so unangenehm riechen? Sie können dieselben leicht go- mcnlos machen, wenn Sie einige Tropken JLj osfortn- liftuung darüber sprengen. 133/1 plaÄnon Qusao l|P.|niiiuiiiuiiiiuuiuniniiiuiiiiiiiiiiiniiiiHiiuiiniiiiuiiiiiniiiiiiiiimiiiiiiiiiuiiiiHiiiiiiniiiiiiii{|{||||n mtomwmmto serweW £rt]dJül.m Qpoöiehen/Drogerien u. MnlNMMeigescyäflen. Herren-Moden Monatszahlung 10 Mk. oder Woche 3 Mk. Alle Größen am Lager vorrätig. Anerkannt verzrjgiiche AuSsührung. Auch erslllassige Maß. Ansertlgung. Großes Stosjlager.- Goldstein, Yorkstr.SI. Gegr. 1892 £ Pollmanns Sandasen- öefcbäft, nebft Hrtihel zur Gesundheits- u. Krankenpflege, /erbandstolfe, Gummiwaren etc. Berlin AT., Lothringer Str. qo. Lielerant liir Menkasseo Eigene Acrkslalt. Eine MarK wöchentliche Teilzahlung elegante tertlg und nach Mass, feinste Verarbeitung. S.Boltuch Frankfurter Allee 75, I Eingang Tllüter Straiee. Seal Meter 9,50 an; Persianer, Imitiert, Meter 6,50 an; Breitschwar.z, Meter 2,60 an, für Jackett und Paletot. Tuchlager Kcch& Seeland, G.m.b.H. 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Wolter und seiner\l> BefienSraut Martha Arlt W zu ihrer am Montag gewesenen<»> <1/ Hochzeitsfeier vl> iv die herzlichsten Glückwünsche.» ttermsnn ülöser nedst Frau � > � llio Konosoen unü lZenossinnou A dos 76. u. 77. Bezirks. ,Yf Die Geburt eiileS kräftigen Töchterchen zeigen hochersrcut an Friedenau, den 8. Oltober 1911. 10236 Moritz Kohn und Frau Elvira geb. Oragert. -SSSSNAK W Unscrm Genossen A ITerinan» Mnaieh und B feiner Gattin, Genossin Anna W Maa»»oh zu ihrer Silber- {Hochzeit 183L die herzlichsten GIBckwOnsche. W Die Funktionäre der I % 30. Abteilung. F »sSSsZsi Unserem Genossen 5.. tiugust Lolimidt und Frau die r. besten Gluckivunschc zur E Achtung! GrtslilunKeuKasse der Tischler, Zpunduu! Anlloronlentliehe lZe»ers!-Versirmm!uvg am Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal von F. Böhls, Havelstr. 20. T a g e S»O r d n u n g: 1. Stcllungnahine zum Ucberlritt der im eingemeindeten Gutsbczirk Hasclhorst beschäftigten versichcrungs- hslichtigen Mitglieder aus der Orts- krankcnkasse Spandan-Land und Um. gegcnd in die Ortskrankenkasscn in Spandau.(Vcrsügung deS Herrn Regierungspräsidenten.) 2. Anstellung der Herren Dr. Dr. Gontermann und Buttermann als Kassenärzte. 279/4 Der Vorstand. Silberhochzeit. Die Genossen d. 657. Bez. 8.|Kr. SK Ob he sich wol wat merken H IM. �SECEsSsEEEEHEE Syphilis- Nachweis in allen Irisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wisjenschastl. Untersuchung. sosort i desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Sputum-Analysen. or. Itoniexer& Co., Spezial-Laborat., Fricdrichstr. 189, zw. Kronen- und Mohrcustrage), I. 8724. Pcrs. Rückspr. diskr. u. kostenl. Geässuct von 8—8 Sonntags von 12—1.* TMS wiin irr m>�»»i mnarmunT Am Sonnabend, den 7. Oktober, nachmittags 31/, Uhr, entschlief sanft nach längerem, schwerem Leiden, mein inniggeliebtor Mann, unser unvergeßlicher Vater, Schwieger- und Großvater, der Gastwirt Wilhelm Uckel im bald vollendeten 68. Lebensjahre. Dies zeigt schmerzcrfüllt an im Namen der Hinterbliebenen Emilie Eckel geb. Qoile, Berlin SW. 30, Forsterstr. 19. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den II. d. Mts., nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle dos Emmans-ICirch- hofes, Hermannstraße, aus statt. 1025b SozlaldenokriitiseiierWalilifereiD für den 4. Herl. Reiehstags-Wahlkreis. Görlihcr Viertel. lBszirk 223). Den Mftgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Wilhelm Uckel Forster Str. 19 am Sonnabend gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Oktober, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Emmaüs-Kirchhoscs in der Hermannstrahe auS statt. _ Der Vorktand. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzcigen. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglted, der Metallarbeiter VViHieim Müller am 6. Oktober an Leb erleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des SlndreaS-KirchhojeS in WUHelmSberg aus statt. Femer starb unser Mitglied, der Schlosser Paul Merke! am 6. Oktober. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. Oktober, nach- mittags 47, Uhr, von der Leichen- balle des Golgatha-Kirchhoses in der BarfuSstratze aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �taedruk. ?ur wneren Nachricht, dost! unser Mitglied, der Metallarbeiter' Karl Kleist gestorben ist. «hre ihrem Andenken! 124/4 Die Ortsverwaltung. Zeiitrai-Verband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Am 7. Oktober starb unser Kollege Georx Franzky im Alter von 47 Jahren an der BcrusSkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 47, Uhr von der Leichenhalle dcs Sophien-Kirch. hosS, Freienwalder Str., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 172/11 Die Ortsverwaltung. Nach kurzem Leiden verschied I am 0. d. M. unser lieber Kollege, der Schlosser Paial Merkel. Ein ehrendes Andenken be- wahren ihm 184L Die Kollege» der Firma „Topograph", Hutteustraste. Die Beerdigung findet am 10. Oktober, nachm. 47, Uhr, von der Leichenhalle des Golgatha- D Kirch hoss, Barsusstrage, aus statt Für dt- so herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen ManneS sage ich allen Verwandten und Bekannten sowie den Kollegen der A. E.- G. meinen herzlichsten Dank. Wwe. Emma Schatz. Badstr. 62-63. Danksagung. Innigen Dank allen Freunden und Bekannten, die meinem lieben Mann bei seinem so Plötzlichen Hinscheiden die letzte Ehre erwiesen haben, WS- besondere dem Ches sowie dem ge- samten Personal der Firma O. ElSncr, ferner dem Rixdorjer Männerchor für den erhebenden Gesang, demRirdorscr Wahlvercin, dem Pflanzerverem von der Kolonie.Morgenrot- und dem Verband dcrBuch- und Steindruckerei« Hiljsarbeitcr und«Arbeiterinnen Deutschlands. Im Namen der Hwterblicbmm Dle tiefbetrübte Witwe �nns ttüstermsnn. Danksagttug. Für die mir anläßlich des Hin- jchcidens meiner lieben Frau be- wicscne Teilnahme sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Besonders danke ich dem Genossen Waldeck Manasse sür die am Grabe gesprochenen trost- reichen Worte, sowie dem Männer- gesangvercin. Sangeslust--Tempelhos. Im Namen der trauernden Hinter- blicbcnen Ferdinand Ewald Schönleinstr. 6. Kttliiier MpchigeiiiOllfW ____(Eingetragene Geuossenschast mit beschränkter Haftpflicht) Aktiva. Erste Bilanz nrn 30. Juni 1911. Passiv». Konto Swschreibegelder.. ,5,50 „ Pacht...... 469,75 » Auhenstände.... 41,— . Utensilien..... 40,05 Zehlbetrag....... 108,09 Sa. M. 674.99 Mitgliedergulhaben Unloslen. 3l0,— 364,99 Ber Sa. M. 674,99 Mtallederdewegung: Mitglicdcrstanb am 1. Infi 1911: 31 Personen. Hasisumme der Genossen 620 M. kliner Landpachtgenossenschaft /Eingetragene Genossenschast mit be- schräntter Haftpflicht.) Der SlussichtSrat. llmil Maetzhe. 10226 Seffentliebe Wählerversarnrnlung des 5. Sandtagstnablkreises DienZtag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 27. Tages-Ordnung: i. Der preußische Landtag. Referent ist der Kandidat des Kreises, Genosse«Itlllail Borchardt» 2. Freie Diskussion. 222/10* Zahlreichen Besuch erwartet D 3 S W ahlkOftliteC. I. St.: Panl Holfmann, Königsberger Strafte 28. Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Berliner Reichstags-Wahlkreises. ÜST Dienstag, den 10. Oktober 1911, abends 8'/, Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclesstr. 24: Lonvrsl»Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Debatte über den Parteitag in Jena. 2. Berichterstattung von der Brandenburger Provinzial-Konferenz. Mitgliedsbuch legitimiert l_ 231/12*_ Der Torstand. Dentscher K auarbeiterverb and. Bureau: Engelufer 15, Zimm. KZ. ZweigVCrCIll ßCflill. Telephon: Amt IV, 4097. Sektion der Oips- nnd Zemeiitbranche. Freitag, den IS. Oktober, abends 8'/z Uhr, i», Gcwerkschaftshaus, Engelufer 15 (sroBcr Saal): General s Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht vom 3. Quartal. 2. SektionSangclegenheiten. ülitgliedsbach legitimiert. Spezialhans Smit Leftvre Berlin, Oranienslr. 158 Abgepaßte Fenster, weiß and crßme p.Fen8ler265,85O,425-80M. ImiL Point-Iace-Gardinen, eso p. Fenster M. 0 Elegante Sezeteions-TOII- ODO Stares...... H. 6 Gestickte echte Spachtel- 775 Stores...... M.■ Goldfarbige relehgestlckte 085 Band-Stores.... M.« TUllbettdecken, OSO 900 Größe 180/220 cm• j O Reichgest. ErbstQII-Bett- 075 lecken...... N. D Elegante TBII-BettrDck- 075 wände...... M. 0 Brise-Bise(Scheibenschleier) 0,30 M.,(Wert 0,50 M.) Nach auswärts p. Nachnahme. Spezial-Katalog 650 ibbildungeDptlsD. tränke. Zahlreichen Besuch erwartet Sektion Der Sektionsvorstand. der Knnststelitversetzep. Donnerstag, den IS. Oktober, abends 87, Uhr, im Taal v des Berliner GeWerk- schaftshauses, Engelufer 13: Mitglieder-V ersammlung. 140/10*'----------* Der GeUtionsvorstand. Dr. Simmel Spczial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 1 Sie hat etwas sehr Reizvolles, die Mode von 1911-12. Entzückende, für jeden Geschmack passende Modelle ent- hält das reich ausgestattete Favorit- Modcnalbum(nur 60 Pf.), franko 70 PL, Jugend• Madenalbum 50 Pf., franko 60 Pf., bei C. Müller, Berlin, Spittelmarkt 5._* Ziclmng vom 13.-16. Oktober 1911.' Msseldorfer Lotterie. 12158 Gewinne, Gesamtwert Mk. Konsumverein für Gharlottenburg u. Umgegend eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftptlichl zu Charlottenburg in Liquidation. Mittwoch den 18. Oktober 1011, abendS 7,S Uhr, im BoNSHauS, Charlottenburg. Rofinenftr. S: Ordentliche Generalversammlung. 1. Bericht über Liquidationsbilanz. 107/13 TageS-Ordnung: daS verflossene Geschäftsjahr. Der AusstchtSrat. L. Genehmigung der Ott# Storch, Vorsitzender. Los« 50 Pfg."ÄÄ N* FenB. Schäfer, Oeneral-Dobit. Düsseldorf, Königsallee 52. j 1 Lose auch zn haben in allen kenntlich gemachten Verkaufsstellen. Hauptvertrieb für I Berlin: Kuno von Holvrede. Wallstraße I, I am Spittelmarkt. 185/14*| wöclientllche Teilzahlung liefere elegante Tcrwaltans Borlln. Dienstag, den 10. Oktober 1911, abends 6'/« Uhr, BW gleich nach Feierabend:"VB Versammlung für die Tischlerelen, in denen Theaterdekorationen hergestellt werden im Lokale von Meyer. Oranienstr. 103. Rra/1o«vlW Oktober ab ans dem paritätisch eu A r b e i tö n'a ch". w e t S, Eingang Siückerftr. S. von 17,-37, Uhr nachmittags statt. AI» lLegltlmatfon gilt die Invalldcnkarte. 90/3 fertig und nach Mas« Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung. J. Kurzberg RlaS-Sebnetderel Rosenthaler Str. 48-41 Ii Frankfurter Allee 1 04 direkt am Hackeschen Markt(| part.— Ecke Friedenstraße Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle BcrUu Hauptbureau: Hosl. Amt 3, 1239._ EhaAtsstr. 3. Hos HI. Amt 3. 1937. Donnerstag. 18. Cftobcr, abendS 87, Uhr. im Gcwerkschaftshause» Engeluser 15, Saal 1: Infotnmltiiig der Kniilinschliign. TageS-Ordnung: 1. Verbands- und Branchcnangelegenhcilen. 2. DerschiedcncS. -• nttglicdsbnch legitimiert I■— Zahlreicher Besuch wird erwartet._ Unsere» Mitglieder» zur Kenntnis, dah die Protokolle der 10. ordentlichen Generalversammlung unseres Verbandes erschienen und zum Preise von S« Pf. im Bureau und bei den Bezirkskasfierern zu haben sind. Desgleichen sind noch Jubiläumsnumntern„kvv 000" zum Preise von 30 Pf. im Bnrean zu haben. 214/5_ Die Ort»TCitvaltnne. H.& P. Uder, TobaU-Großhnndlnn g und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak.°» ß. Fl. Kanewacker, ßrimm» Triepel. ;■- Stets frisch au den äußersten Engrospreisen.--------- Amt 1Y, 3014. Verantwortlicher Kedakteur: Slichard Barth, Berlin. Aür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: vorwärts vuchdruckerei u. Be clagSanstalt Paul Singer« To� Berlin SW- Kr. 237. 28.?ahrMg. 2. Keilmk des JotnM" fftlinrt AIIlsdlM Dievstag. 10. Oktober 1911 partci- Hngclegenbcitcn. Dritter Wahlkreis. Für die Bezirke 2S8 bis 273 findet am Mittwoch im Gewerkschaftshause sitzen, ein ständiger Aufschwung zu konstatieren. Der Transport der Seefische wird in besonders eingc richteten Waggons erfolgen, die mit Eis ausgefüllt sind und außerdem eine Luftventilatorenkühlung enthalten. Im Auf- trag der Stadt Berlin weilen gegenwärtig Stadtverordneter Giese und der städtische Vermittler Melzer in Geestemünde. Der Verkauf findet in folgenden Markthallen statt: Dres- denerstraße, Andreas st raßc, Pücklerstraße, Arminplad. M a r h e i n i ckep la tz. Wörther. straße und Reinickendorfer st raße. Die Armendirektion hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlofien. beim Magistrat die Hergäbe geeigneter Räume für ein neu zu er- richtendes Armenamt lNr. IV) zu beantragen. Da« neue Annenamt soll auf dem Neubau der StraßcnreinigungSdeputation, Urban- straße 12Z� untergebracht werden. Nach der Anweisung für die Verwaltung der' offenen Armen- pflege sollen Mitglieder einer Armenkommisfion zur Lieferung von Naturalien an Unlerstützungsempfänger des Bezirks nicht herangezogen werden. Ungeachtet dieser Vorschrift ist dies doch häufig der Fall; namentlich hej der Lieferung von Milch ist dies in letzter Zeit mehr- fach vorgekommen. Die Armendirektion beschäftigte sich gestern mit dieser Angelegenheit und beschloß, durch eine Umfrage bei den Armenkommissionen zunächst festzustellen, in welchem Umfange solche Lieferungen geschehen.— In vielen Armenkommissionen im Innern der Stadt hat fich durch die bauliche Entwickelung die Zahl der Armen erheblich vermindert. Es ist deshalb eine anderweite Einteilung dieser Bezirke erforderlich. Nack, dem von einem Ausschuß vorberatenen Plane sollen zirka 40 Kommisfionen mit anderen Kommissionen zusammengelegt'werden. Zur Milchpreissteigerung schreibt unS der Gemeitknützige Verein für MildiauGichank: Wählend die Großmolkereien und die Milch- Händler Berlins und der Vororte den PrciS der Milch auf 24 Pf. sab Wagen oder Laden), auf 20 Pf.{frei Haus) erhöht haben, liefert der G e m e i n n N tz i g e Verein s ü r M i l ch a u S s ch a n k nach wie vor beste Vollmilch in«/,„ Liter-Flaschen zu 9 Pf., das Liter also zu 22'/, Pl- In seinen 12 Mil»häusern kostet das Glas warme und kalte Rill», die Tasse Kakao noch inuncr 5 Pf., ohne daß das Maß verlleiner: worden wäre. Dieselbe ausgezeichnete Vollmilch zu denselben niedrigen Preisen verkaust in seinen Erfrischungshallen und an seinen Erfrischungstarren der Berliner Fraucnverein gegen den Alk ob 0 l i s n, u S. Die Geschäftsstelle beider Vereine befindet sich Berlin-Wtl., Tübinger Str. 1. Der Berliner Viehhof auf's„euc für die BichauSfuhr gesperrt. Nachdem erst am Sonnabendvormittag die VichauSfuhrsperre auf dem Berliner Viehhof aufgehoben worden war, mußte, wie die ,Allgeni. Fleischer-Ztg." berichtet, am Sonnabendnachmittag der Viehhof auf's neue gesperrt werden, da unter dem Vieh des Engrosfleischer- meisters Paul Föge aus Weißensce bei einem Rind die Maul- und Klauenseuche festgestellt wurde. Ter Viehtransport von 7 Rindern, unter denen das verseuchte Tier sich befunden hatte, war der Firma Wagner u. Ko., Berlin, auS der Gegend von Elbing zugegangen. Riesenfallifiement in der Berliner Pappenbranche. In der Berliner Papier- und Pappenbranche bat sich ein aufsehenerregendes Fallissement eines bekannten Geschästshauses vollzogen, das durch seinen Sturz noch einige andere Firmen mit sich reißen dürfte. Vor etwa einer Woche ist die Papier- und Pappenfabrik von Oskar Sasse, Magazinstr. 15/16, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Passiven betragen etwa 670 000 M., denen annähernd 80 000 Mark Aktiven gegenüberstehen. Ter Inhaber der Firma, der Kaufmann Max Bertholdt, ist feit einigen Tagen spurlos verschwunden. Ter paritätische Arbeitsnachweis für das Gastwirtsgcwerbe ist nunmehr als gesichert anzusehen. Tas Grundstück in der Gor- mannstraße, wo das allgemeine Arbeitsnachweisgebaude sich be- findet, bietet genügend Raum für ein zweites Gebäude, dessen Front nach der Rückerstraße gehen und worin neben dem Gast- Wirtsgewerbe noch das Holzgewerbe untergebracht. werden soll. Die notwendigen Gelder für den Bau, der in Bälde begonnen werden soll, sireckt die Landesversicherungsanstalt Berlin vor; die Zinsgarantie übernimmt der Magistrat der Stadt Berlin. Für das Gast Wirtsgewerbe sind umfangreiche Räume in zwei Stockwerken vorgesehen; die Vernnttelung findet, nach den verschiedenen Branchen geordnet, statt. Tie angeschlossenen Per- bände der Unternehmer und der Arbeiter werden einen Teil der Kosten für die anzustellenden Beamten aufzubringen haben.— Es steht zu hoffen, daß die Zentralisierung des gastwirtschaftlichen Nachweises mit dazu beitragen wird, die gewerbsmäßige Stellen- vermittelung verschwinden zu machen. Der taubstumine Messerstecher, der bor einiger Zeit ein Attentat auf die Prostituierte Wmida Scknibert aus der Brandenburgstraße verübt hat und nach dem die Kriminalpolizei mehrere Tage fahndete, ist gestern sestgenommen worden. Die angestelllen Ermittelungen hatten zu dem Resultat geführt, daß für die Täterschaft ein wohuungs- loser taubstummer Schneidergeselle Tienert, der sich auch Dichtner iianilte, in Frage kommen könne. Gestern erfuhr die Kriminalpolizei daß Tienert in einem Lokal der Landsberger Straße an einer Zusammenkunft von Taubstummen teilnehme. Mehrere Beamte be- gaben sich dorthin, fanden den Gesuchten und schritten zu seiner Verhaftung. Anfänglich benahm sich Tienert renitent und wollte von einer Messerstecherei nichrs wissen. Schließlich bequemte er sich aber doch zu einem vollen Geständnis. Er fei, so gab er in der bei den Taubstummen üblichen Zeichensprache zu verstehen, in Wut ge- raten, weil sich das Mädchen seinen Anträgen gegenüber abweisend verhalten habe, und da habe er zum Messer gegriffen. Ein Unglück im Familienbad Wannser, das seinerzeit in der Oeffentlichleit lebhaft besprochen wurde, hat jetzt zu einer Leichen- ausgrabung geführt. Am 14. August d. I. ertrank im Familienbad der 32 Jahre alte Fremdenführer Johann Schlasze aus der Lands- berger Allee 3, der an einer tiefen Stelle plötzlich unterging. Nach ttwa ß Minuten holten Milbadende und Angestellte des BadeS den Mann aus dem Wasser heraus. Er war aber s.bon tot und Wieder» belebungsversiiche blieben erfolglos. Da« Publikum war empört. daß der Badepäckter keine Rettungsmittel zur Stelle hatte und die Entrüstung kam auch in den Zeilungen lebhast zum Ausdruck. Die Leiche wurde von dem Amtsvorsteher in Gruneivald beschlagnahmt, am nächsten Tag« aber zur Beerdigung freigegeben. Der ärztliche Toten- schein lautete: Tod durch Herzschlag beim Ertrinken. Am 17. August lvurde der Verunglückte auf dem Petrilirchhof an der Friedeustraße beerdigt. AIS' die Witwe dann von den Mängeln im Rcttungö- wesen deS Familienbades erfuhr, schrieb sie an den Pächter, er möge sich ivegen eines Schadenersatzes für sie und ihre beiden Kinder im Alter von drei Jahren und vier Monaten gütlich mit ihr auseinandersetzen. Der Pächter Krüger antwortete daraus nicht. Deshalb wandte sich Frau Schlasze vor vier Wochen an die Staats- anwaltschaft beim Landgericht III und brachte in ihrem Schreiben auch zum Ausdruck, daß sie an den Herzschlag nicht glaube. Einen Bescheid hat sie- darauf»och nicht erhalten. Gestern morgen aber ordnete das Amtsgericht Berlin-Mitte bei der Friedhyssverwaltung an, die Leiche des Ertrmikenen auszugraben und zur Obduktion nach dem Schalchause zu bringen. Ein aufregender Borgang spielte sich Sonntagabend in dem Hause Tieckstr. 19 ab, wo es im zweiten Stockwerl zwischen einem fremden Manne und einer Frauensperson, die beide nicht inö Haus gehörten, zu einem erregten Streit gekommen war. Plötzlich rannte die Fremde ans Korridorfenster und stürzte sich, ehe sie daran ge- hindert werde» konnte, auf die Straße hinab. Mit zerschmettcrien Gliedern blieb die Lebensmüde auf dem Bürgersteig liegen. Ein Schutzmann brachte sie in einer Droschke nach der Unfallstation und von dort wurde die Schwerverletzte nach der Charilü übergesührt. ES handelt sich um eine etwa zwanzigjährige Person. Da sie bisher noch nickt die Besinnung wieder erlangt hat, vermochte über die Persönlichkeit der Lebensmüden nichts ermittelt zu werden. Beim Absteigen vom Stras/cnbahnwagen verunglückt Ist Sonntag abend die 66 Jahre alte Hoipitalitm Wilwe Marie Zierrat aus der Palisadenstraße. Die alte Frau hatte mit einer Stubengenosjin eine Verwandte besucht. Bei der Rückkehr nach ihrem Heim wollte sie an der Ecke der Koppen- und Gr. Frankfurter Straße absteigen, dabei fiel fie hin und brach sich den rechten Oberschenkel. Die Ver- unglückte ivurde.von der Rettungswache in der Koppenstraße nach dem Krankcnhause am Friedrichshain gebracht. Bon einem Kraftdrcirad überfahren und getötet wurde Sonnabend- abend um 7 Uhr der 7 Jahre alte Sohn Paul der Postboten Kohr aus der Soldiner Slraße 70. Der Knabe halte sich an einen Bier- wagen, der die Soldiner Straße emlang fuhr, hinten angehängt, wie es Kinder oft tun. Als nun auS der entgegengesetzten Richtung der Fabrikant Fisckcr auS der Simplonftraße zu Boxhagen-Rummels- bürg mit seinem Kraftdrcirad gefahren kam und ein Hupenzeichen gab, ließ er los und sprang nach der linken Seite zu. fiel hin, wurde von dem Rad überfahren und erlitt einen Sckndelbruch. Fischer brachte den Verunglückten gleich zu einem Heilgehilfen in der Nachbarschaft und ließ einen Arzt holen. Dieser" lomite nur noch feststellen, daß der Kleine schon gestorben war.— Umer eine Kraftdroschke geriet um dieselbe Zeit, gerade an seinem 44. Geburtslage, der Geschäftsreisende Rickard Ranst au« der Gudrunstraße 40 zu Lichtenberg, al« er an der Ecke der Großen Frankfurter und Andreas- straße den Damm überschreikcn wollte. Er hatte den Wagen über- sehen, wurde Übersahren und zog sich schwere Verletzungen an den Armen und Beinen zu. Die RetlungSwache in der Koppenstraße verband ihn und brockte ihn auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung. Im städtischen Obdach vom Tode überrascht wurde Sonntag vor- mittag ein älterer Mann von etwa 50—60 Jahren. Nach Papieren. die man bei ihm fand, handelt es sich um einen früheren Lokomotiv- sührer Adolf Klappert, der im Jahre 1865 zu Franlfurt a. O. ge- boren ist. ES steht aber noch nicht fest, ob die Papiere auch dem Verstorbenen gehörten. Der Mann ist 1,70 Meter groß und kräftig gebaut und hat graugemischtes Kopfhaar und einen grapen Bart. - Ter Selbstmord einer geisteskranken Fra» wird vom Gvrlitzer Ufer gemeldel. Die 36 Jahre alte Ehefrau Berta des Gastwirts Gärtner vom Görlitzer Ufer 11 war schon seit zehn Jahren geistig nicht mehr gesund. Das Leide» steigerte sich in der letzten Zeit so, daß der Mann sie vor 14 Tagen in eine Privatheilanstalt bringen mußte. Al««r sie dort am vergangenen Mittwoch besuchte, bat sie ihn, sie wieder mit nach Hause zu nehmen. Gärtner tat dies auch, weil es mit ihr bester geworden zu sein schien, hielt aber die Kranke ständig in Obhut. Vorgestern morgen aber ließ seine kleine Tochler, die der Mutter Kaffee brachte, aus Versehen die Tür auf. Diese Gelegenheil benutzte die Kranke, die sich früher schon einmal aus dem Fenster halte stürzen wollen, sich heimlich zu entfernen. Sie ging geradenwegs nach dem Landwehrkanal und sprang ins Wasser. Gestern nachmittag landete man ihre Leiche an der Ecke der Reichenberger Slraße. Reiche Beute machten WohnungSeinbrecher, die den Gerberei« besitzet Schneider in der Prinzenallee 59 heimsuchten, während er sich mit seiner Familie in Tegelort aushielt. Bei ihrer Rückkehr fand die Familie die Hintertür und alle Behältnisse in der Wohnung erbrochen und durchwühlt. Das bare Geld, das im Kontor lag, hatten die Einbrecher nicht gefunden, dagegen hatten sie für 8009 M. goldene Schmucksachen. Silberzeug. Kleidungsstücke, Hau?- und Leib- Wäsche. Straußenfedern, einen Persianerkragen, einen Persianermuff und einen Wandleppich weggeschleppt. Nicht genug damit, hatten sie auch noch die Polstermöbel zerschnitten' und Teppiche, Läuser und Figuren mit Oelfarbe beschmiert. Niemand im Hause hatte von dem Treiben der Vandalen etwas gehört. Eine teure Nacht. Um 670 Mark wurde ein Kaufmann B. aus der Charlottenstraße beftohlen. B. hatte in der Nacht zum Sonntag eine stdele Bierreise unternommen und in der Friedrichstadt die Be- kanntschaft eines hübschen jungen Mädchens gemacht. Er fuhr später mit ihm nach dem Kottbuser Damm und als fich die holde Begleiterin von ihm verabschiedet hatte, mußte er die unangenehme Entdeckung machen, daß sie seine Brieftasche und das Portemonnaie mitgenommen hatte. Die Diebin hatte 500 Mark, vier Zehnmarkscheine sowie 30 Marl in Silber erbeutet. Zwei hohe Beamte des japanischen Justizministeriums haben das Berliner Gcwerbcgcricht und Kaufmanusgericht besichtigt und vielen Sitzungen beigewohnt. Die Herren interessierten sich auch nament- lich für das Einigmigsamt. Sie hatten bei der gegenwärtig starken Inanspruchnahme deS Einigungsamts Gelegenheit, Schlichtungs- kommissionen usw. verschiedener Gewerbe kennen zu lernen. Im An» schluß an diese Besichtigung wurden unter Führung des ersten Vor- sitzenden des Gewerbe- und KaufmannSgerichts das Berliner Ge- werkschaftShauS sowie das GewerkvereinshauS besucht. Dachstuhlbrand in Berlin- Südost. Ein großer Dachstuhlbrand wütete gestern nachmittag in der C u v r y st r a ß e 3 6 im Südosten Berlins. Das Feuer hatte seinen Herd im Dachgeschoß deS Ouer- gebäudeS und war schon außerordentlich weit vorgeschritten,! als man die Gefahr bemerkte. Die Feuerwehr rückte mit zwei Zügen an und ging sofort mit drei Schlauchleitungen gegen die Flammen vor. Trotzdem dauerte es fast zwei Stunden, bis.Feuer aus" ge» meldet werden konnte. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Ueber die Brandursache ist nichls ermittelt. Die Aufräumungs» arbeiten zogen sich bis. in die siebente Abendstunde hin. Großfeuer in einem Asphaltwerk. Ein großer Brand, der der Charlottenburger Feuerwehr viel zu schaffen machte, brach gestern früh kurz nach 8 Uhr in dem Asphaltwerk der Straßenbaugesellschaft Zoeller, Wolfers u. Droege in der Straße 74» am Spat?) dauer Schiffahrtskanal aus Das Feuer entstand in der Darrmühlc,' wo der Asphalt gedarrt wird und sprang sofort auf das in einem turmartigen Aufbau untergebrachte Teerpappcnlager über. Als der erste Löschzug der Charlottenburger Wehr anrückte, schlugen die hellen Flammen aus dem Fabrikgebäude hervor und gewaltige Rauchschwaden verdunkelten das Gelände. Es wurde daher sofort noch ein zweiter Löschzug zu Hilfe geholt. Zwei Dampfspritzen legten direkt am Spandauer Schiffahrtskanal an und gaben mit mehreren Rohren Wasser. Die Maschinen des AsphaltwerkcS konnten noch geschützt werden, doch brannte das Lager größtenteils aus. Da das Fabrikgebäude isoliert steht, waren die übrigen Bau- lichkeiten des Werkes nicht gefährdet. Nach einstündiger Lösch- tätigkcit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Eine Betriebs- störung wird durch den Brand nicht verursacht, da genügend Reserve- räume vorhanden sind. Wodurch das Feuer entstanden ist, konnte mit Bestimnitheit noch nicht festgestellt werden, doch wird vermutet, daß beim Darren eine Flamme i» den Asphalt geschlagen ist. Erst um die Mittagszeit konnte die Charlottenburger Wehr wieder ad- rücken. Arbeiter-BildungSschule. In der Notiz in der SonntagSnummer des„Vorwärts" ist ein Irrtum enthalten. Der Sonnabend- Unterricht in der neuesten deutschen Geschichte(Vortragender: Konrad Haenisch fällt nicht am kommenden Sonnabend, den 14. d. M. aus, sondern erst am Sonnabend, den 21. d. M. Dieser ausfallende UnterrichlSabend wird vorweggenommen am Donnerstag. den 19. d. M. Der nächste Unterrichtsabend findet also ordnungsgemäß statt am Sonnabend, den 14. Oktober._ Vorort- JVacb richten. WilmerSdorf-Halcnsee. Zu den Stadtvcrordnctcnwnhlen. Am Mittwoch hat die dritte Abteilung im 9. und 10. Wahlbezirk drei Stadtverordnete zu wählen. Im 9. Bezirk, wo rmS kein Hausbesitzerkandidat zur Verfügung steht, unterstützen wir den Kan- didaten der Demokratischen Vereinigung, Hausbesitzer Adolf PincuS, Ringbahnstr. 126. Im 10. Bezirk hingegen sind als fozialdemo- kratische Mieterkandidatcn aufgestellt Tischler Alfred Riedel, Kaiserallce 172, und Kaufmann Siegfried M a r cu S s on, Nachod« straße 24. Man beachte wohl, daß im 10. Bezirk jeder Wähler zwei Kandidaien zu wählen hat. Das Wahllokal für den S. Bezirk ist der Viktoria garten, WilhelmSaue 115, für den 10. Bezirk die Restauration von G r a m k a u. Kaifcrplatz 14. Die Wahlzeit dauert von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und von 4 Uhr nach- mittags bis 9 Uhr abends. Da� Wahlresultat wird Mittwochabend g Uhr im W'lmerS- dorfer Stadsipark, Kaiserallee 51/52, verkündet werden. Die Parteigenossen und Genossinnen werden ersucht, sich dort zaßlru� einzufinden.,_ Steglitz. Mit einer Farce begann die letzte Sitzung der Gemeindeder- treter, namllch mit der„Wahl" zweier Vertreter und deren Er- satzmanncr für die Versammlung dos Zweckvcrbande» Groß- Berlm. Die Versammlung sollte dazu mißbraucht werden, die von der Hausbcsitzermchrhcrt bestimmten Herren zu wählen. Auf diese .Komödie, die nach dem zeremoniell der Landgemeindeordnung aus- gefuhrt wurde, verzichteten unsere beiden Vertreter ausdrücklich eine weitere Anzahl der Herren von der Linken stillschweigend. einige gaben weiße Zettel ab oder wählten„Outsider" damit man nicht behaupten kann, daß dre Kandidaten einstimmig„gewählt" worden seien. Die Besprechung des Antrages auf Erweite. d a* an st a l t zeitigte das einhellige Ergebnis, daß die listalt dem Bedur�iris nicht mehr genügt. Die Vergrößerung du/K Ankauf deS Nachbargruudstückcs dürfte an dem unverhaltnis- manig hohen Kaufpreis scheitern. Der Gemcindevorstand plant deshalb nur einen Ausbau zur Vermehrung der medizinischen Bäder und den Ba» eines Freibades am Teltowkanal, das mit einem Licht- und Luftbad verbunden werden soll. Da auf'dem Grundstück des Gemeinde-Elektrizitätswerkes der erforderliche Raum vorhanden ist. dürften die Kosten nicht erheblich sein. Eine Anfrage über den Stand der Angelegenheit betr. Anlegung einer gleislosen Bahn fand ihre Beantwortung dahin, daß die Arbeiten der Firma Daimler übertragen worden sind nach dem System„Mercedes-Electric". Am 1. März, spätestens am 1. April 1912, soll der Betrieb aufgenommen werden, womit dann endlich der neue Schöneberger Ortsteil eine Fahrverbindung von der Schoneberger Grenze durch die Bismarck-, Berg-, Klixstratze nach dem Steglitzer Bahnhof erhält. Ferner steht der Gemeindevorstand mit dem Magistrat von Schöneberg in Unterhandlung wegen der eventuellen Heranführung der Untergrundbahn an die Steglitzer Grenze. Ebenso glaubt der Gemeindevorstand die baldige Weiter führung der Grunewaldbahn durch die Birkbuschstraße nach dem Steglitzer Hafen in Aussicht stellen zu können. Zur Einrichtung von S ch u l sp a r k a s s e n für sämtliche Gemeindeschulcn wurden die geforderten Mittel bewilligt. Die Vorlage betr. Regelung der Lohnverhältnisse der Gemeindevertreter wurde nach längerer Diskussion, die von unserem Vertreter Aßmann ein- geleitet wurde, einstimmig angenommen, jedoch nur als Abschlags- zahlung, wie Genosse Aßmann ausführte. Seine weitergehenden Wünsche in bezug auf schnellere Steigerung der Lohnsätze, Be� zahlung der Feiertage, Urlaubsbewilligung schon nach zweijähriger Beschäftigungsdauer, Erhöhung der Familienzulage, Differenz- zahlung in Krankheitsfällen usw. habe er, wie schon in der Kom- niissionsberatung bemerkt, nur deshalb zurückgestellt, um die Er- höhung der Löhne nicht hinauszuschieben. Er sei mit dem bis- herigen Erfolg seiner Anträge zufrieden und werde mit seinem Freunde Hamburg für die Vorlage stimmen, zumal ja der Bürger meister auch heute ausdrücklich erklärt habe, daß der Gemeindevor stand die angeführten Punkte in wohlwollender Weise prüfen und zur nächstzährigen Etatsberatung eine entsprechende Vorlage machen werde. Der Bürgermeister glaubte ausdrücklich feststellen zu müssen, daß die Anregungen zu der Vorlage„nicht nur von einer Seite, sondern von verschiedenen Seiten gemacht worden seien". Genosse Aßmann behauptete dagegen mit Recht, daß nur er allein diesbezügliche Anträge sowohl bei der Etatsberatung als auch in der vorigen Sitzung gestellt habe. Auf die Frage nach dem zweiten Antrag Aßmann aus der vorigen Sitzung betr. Teuerungs- zulage an die unteren Beamten antwortete der Bürgermeister, daß diese Frage noch weiter beraten werde. Ueber die bisherige Tätig- keit des Marktausschusses wurde berichtet, daß er sich in zwei Sitzungen mit der Teuerungsfrage beschäftigt und beschlossen habe, Kartoffeln durch die Gemeinde aufzukaufen und an die Ge- schäftsleute zum Weiterverkauf zu von der Gemeinde bestimmten Preisen abzugeben. Auch sei für billigen Bezug von Seefischen vorgesorgt. Die Filiale der Noröseefischerei in der Schloßstraße habe schon am gestrigen Donnerstag einen billigen Fischtag veran- staltet, den sie jeden Donnerstag iviederholen wolle; ebenso habe der Fischhändler Studier in der Albrechtstraße sich bereit erklärt, jede Woche einen billigen Tag abzuhalten. Die Bevölkerung habe also schon jetzt an zwei Tagen der Woche Gelegenheit, Fische gut und billig zu kaufen, sogar billiger, als in Charlottenburg. Ob und welche weiteren Maßnahmen noch zu treffen seien, müsse weiterer Beratung vorbehalten bleiben. Rixdorf. Teuerungszulagen an die städtischen Beamten, Bediensteten und Arbeiter fordert ein sozialdemokratischer Antrag, mit dem sich am nächsten Donnerstag die hiesige Stadtverordnetenversammlung be- schäftigen wird. Ebenso liegt ein Antrag unserer Genossen auf Ein« führung der SonntagSwohlen für die zweite Wählerabteilung vor. Auch soll über die Einsprüche gegen die Nichtigkeit der Wählerlisten Beschluß gefaßt werden. Lichtenberg. Sonntagswahlen für die dritte WählerNaffe. Der Magistrat ist in seiner letzten Sitzung dem Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung, die Wahlen der dritten Wählerabteilung an einem Sonntage stattfinden zu lassen, beigetreten. Die nächsten Stadt» verordnetenwahlen sollen wie folgt stattfinden: III. Abteilung am Sonntag, den 19. November, von 12 bis 7 Uhr nachmittags; II. Abteilung am Montag, den 29. November, von 2— S Uhr nachmittags; I. Abteilung am Dienstag, den 21. No vember, von 10—12 Uhr vormittags. Storkow. Eine liberale Leistung. Der Wahlverein der Liberalen hatte zu Sonnabend, den 7. Oktober er., die Wähler zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen. Referent war der liberale Kan- didat Professor Dr. Spiegel-Charlottenburg. der in nüchterner und trockener Weise das Programm der Freisinnigen zum größten Teil aus einer Broschüre vorlas. Einige seiner Ans- führungen verdienen festgehalten zu werden, da sie zeigen, wie auch ein Mann der Wissenschaft mit platten, abgedroschenen Phrasen gegen die Sozialdemokratie zu operieren weiß, die allerdings ihre Wirkung völlig verfehlten. Sein Hanptargument war:»Die Sozialdemokratie will das Bestehende niederreißen, so hätten die Führer erklär: I" Wie sich der Professor dieses.Niederreißen" eigenb sich vorstellt, darauf blieb er allerdings trotz derfansdrücklich an ihn g* richteten Frage die Antwort schuldig. Einer der Schlimmsten der bösen Sozialdemokraten ist aber der jetzige Vertreter des Wahlkreises Tcltow-BeeZkow-Storkow-Charlottenburg im Reichstage, der Genosse Zu beil. War er e-Z doch, der auf dem Magdeburger Parteitag die Budgetbewilliger mit Schimpf und Schande aus der Partei jagen wollte. Die süddeutschen Genossen sind noch in den Augen deS Herrn Spiegel passabel, aber ein Vertreter der Sozialdemokratie vom Schlage Znbeils verdiene nicht in den Reichs- tag entsandt zu werden. Auch bei einer event. Stichwahl, mit der er sicher rechne, lehne er— wie die Konservativen schon drohten— die unerbetene.Hilfe der Konservativen ab.(Sollten dem liberalen Herrit die Trauben zu hoch hängen?) In sozialer Beziehung ver- lange er die Ausgestaltung des KoalitionZrechtes, auch den Schutz der Arbeitswilligen. Arbeitslosenversicherung u. a. mehr. Entsprechend der Geschäftsordnung des Liberalen Verein? setzte der Vorfitzende die Redezeit auf eine Viertelstunde fest, trotz des Einspruchs einzelner Versammlungsteilnehmer. Es wäre für unsere Genossen ein leichtes gewesen, eine unbeschränkte Redefreiheit durchzusetzen, da eS eine öffentliche Versammlung war, in der unsere Genossen zwei Drittel der Versammelten repräsentierten. Gen. G r o g e r ging besonders auf die Theorie und Praxis der Liberalen ein. Einen besonders charakte- ristischen Fall dieser Gegensätzlichkeit, der ntehr als lokale« Interesse hat, konnte er zur Jllustrierung dieser Tatsache der Versammlung vor Augen führen. Der Kandidat der Liberalen tritt für unbeschränktes Koalitionsrecht ein und der Vorfitzende der Versammlung. Herr Schuhwarenfabrikant Bulla, entließ vor einigen Jahren die Arbeiter seiner Fabrik. die sich gewerkschaftlich zu organisieren wagten! Herr Prof. Dr. Spiegel. sowie der freisinnige Parteisekretär Herr Elbel hatten für diese mit dem Programm der Liberalen und den Aus- führungen des Referenten in so schreiendem Gegensatze stehenden Handlungen kein Wort der Kritik. Statt dessen behauptete der letztere kühn, um die anwesenden Kleinbürger in die nötige Stimmung zu versetzen, daß die Sozialdemokratie den.g e- w a l t s a m e n Umsturz" wolle, stehe ja in deren Programm I WaS bei einiger Gewissenhaftigkeit jeder politische ABC-Schütze wissen muß. daß diese Behauptung platter Unsinn ist, braucht ein freisinniger Parteisekretär noch lange nicht zu wissen. Wie wenig der liberale Kandidat geeignet ist, die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen oder zu vertreten erhellt die Behauptung: daß die eigentlichen Arbeiter fich äugen- blicklich nicht in einer so schlechten Lage befinden; welcher Ausspruch auch mit dem entsprechenden Respekt seitens der versammelten Arbeiter aufgenommen wurde, da Löhne von 12—16 M. wirklich in Storkow keine Seltenheiten find und zwar gerade in den Fabriken, deren Inhaber dem liberalen Verein sehr nahe stehen. Das Debüt des freisinnigen Kandidaten stand unter keinem günstigen Stern. Teltow. Der im Februar hier neugewählte Bürgermeister PalleSke scheint unseren Genossen grimmige Fehde angesagt zu haben. Diese Mit teilung mutz alle diejenigen überraschen, die die unmittelbar nach seinem Amtsantritt aufgestellten und auch von uns veröffentlichten Leitsätze ernst nahmen. Es waren das Versprechungen, die, in die Tat umgesetzt, jedem Verwaltungsbeamten als nachahmenswert empfohlen werden konnten. Unsere in der Gemeindevertretung sitzenden vier Genossen empfingen den Bürgermeister trotz seiner vielverheißenden Amtsgrundsätze mit dem größten Mißtrauen, und hierzu hatten sie alle Ursache. Denn noch ehe die Wahl des Herrn Palleske, des ehemaligen Bürgermeisters von Höchst a. M., vor� genommen wurde, hatten sie sich über seine zwölfjährige Tätigkeit von dortigen Kommunalvertretern Auskunft geholt. Die Urteile, die unsere Genossen selbst von dortigen bürgerlichen Vertretern erhielten, ließen in ihnen die Meinung entstehen, daß Herr Palleske für Teltow völlig ungeeignet sei. Als nämlich in Höchst die Neu wähl eines Bürgermeisters vorgenommen wurde, erhielt Herr Palleske von den 39 Stadtverordneten und 6 Magistratsmitgliedern, die nach der Städteordnung für Hessen-Nassau den Wahlkörper bilden, ganze vier Stimmen. Daraus geht hervor, wie wenig es Herr Palleske verstanden hatte, sich bei der Bürgerschaft in den zwölf Jahren seiner Amtstätigkeit beliebt zu machen. Es wird dem ehemaligen Bürgermeister von Höchst a. M., der zugleich Chef der dortigen Polizei war, nachgesagt, daß er seine Polizeigewalt nicht selten mit einer Schärfe handhabte, die in der Bürgerschaft als Härte empfunden wurde. Herr Palleske bekam außer seiner gesetzlichen Pension von 6399 M. noch 1999 M. hinzu be- willigt, um ihm den Abgang von seinem Amt etwas weniger schmerzlich zu machen. Als nun für Teltow die Bürgermeisterstelle ausgeschrieben wurde, meldete sich neben 299 Bewerbern auch Herr Palleske. Die Wahlkommission hatte zuerst sein Gesuch gar nicht berücksichtigt. Dies änderte sich, als Herr Palleske sich erbot, auf Pension sowie freie Wohnung verzichten zu wollen, und als er gar das von der Regierung festgesetzte Gehalt von 4599— 6299 M. mit 3290 M. unterbot. Nebenbei soll Herr Palleske sich sogar beim LandratSamte noch besonders in empfehlende Erinnerung gebracht haben. Jetzt wurde nun für den neuen Mann Stimmung in der Bevölkerung gemacht. Das Amtsblatt, die„Teltower Zeitung", brachte in seiner Nummer vom 11. Februar d. I. bereits eine Notiz, worin es mit- teilte, daß die bürgerlichen Stadtverordneten beschlossen hätten, den bisherigen Bürgermeister von Höchst a. M. zu wählen.„Wie die Dinge zurzeit bei uns liegen," so schrieb das Blatt,„kann nur eine starke und energische Hand das zur Tat reifen lassen, was mit weit über die LeistungSfähiigkeit Teltows hinausgehenden Mitteln geplant worden ist. Wollen wir nicht unter der jetzigen Steuerlast, die namentlich dem Grundbesitz auferlegt worden i st, e r st i ck e n, so müssen wir neue Wege gehen. Am Schluß wird gegen unseren Genossen Röder zu Felde gezogen, der auf Grund der von Höchst über Herrn Palleske er- langten ungünstigen Auskünfte gegen dessen Wahl als Bürger- meister aufgetreten war. Gleichwohl suchte sich auch Herr PalleSke unseren Genossen so darzustellen, als werde er sich später mit ihnen zum größten Teil in Uebereinstimmung definden. Nach dem, was unsere Genossen auf Grund der praktischen Tätigkeit des Herrn Palleske erfahren haben, sind sie in ihrem Urteil, das sie anfangs über denselben hatten, nur bestärkt worden. Doch Herr Palleske gibt sich einer gründlichen Täuschung hin, wenn er glaubt, das System von Höchst mit Erfolg auf Teltow übertragen zu können. Die Bürgerlichen gehen mit ihm durch Dick und Dünn, und als besondere Anerkennung dafür, daß er sich ö recht als ihr Mann zeigt, haben sie sich eine Aufmachung seiner Umzugskosten von Höcksst nach Eberswalde sowie von Ebcrswalde nach Teltow vorlegen lassen. Auch eine in Eberswalde gemietete Wohnung mit 1199 M. wurde in Rechnung gestellt. Unsere Ge- nassen widersprachen einem solchen Beschluß. Vom Magistrat er- hielten sie den Bescheid— daß man dem Bürgermeister das ganze Gehalt zuwenden wolle. Sollte dies abgelehnt werden, so würde der Magistrat diese Forderung auf andere Art einbringen. Unsere Genossen haben sich jetzt beschwerdeführend an den Regierung� Präsidenten gewandt. Schon zweimal haben sie bereits eine Zurechl Weisung des Stadtverordnetenvorstehers sowie der Stadtverordneten- Versammlung wegen rechtswidrigen Vorgehens herbeigeführt. Dem Herrn Palleske wird mit der Zeit zum Bewußtsein kommen, daß mit den Vertretern der Arbeiterschaft nicht so leicht umzuspringen ist, wie mit den zwei„Aucharbeitervertrctern" des Höchster Stadtverordnetenparlaments. In dem Kampf um ihr Recht werden unsere Genossen natürlich von den bürgerlichen Vertretern sowohl wie auch vom hiesigen Amtsblatt(letzteres leistet sich in Nnpöbelungen gegen den Genossen Röder ganz besonderes) begeifert, doch das wird sie nicht hindern, mannhaft ihr Pflicht zu erfüllen. Reinickeudors. Ueber Theorie und Praxis des KoaliiionSrechtS in Gemeinde betrieben referierte in einer Versammlung der hiesigen Gemeinde arbeitet und KrankenhanSangestellten Kollege S t a in e r. Redner kam zu dem Schlüsse, daß die Gemeindearbeiter und Angestellten zwar vaS Koalitionsrecht haben, daß es aber höchst ungern gesehen wird, wenn sie davon Gebraiich machen. In der Diskusfion wies der Gemeindevertreter Genosse Ohl darauf hin, daß die Arbeiter usw. nicht lediglich alles von unseren Gemeindevertreter» allein erwarten. sondern dieselben durch einmütiges Zusammenstehen im Verbände unterstützen müßten. Unter„Verschiedenes" kamen wieder lebhaste Klagen der Krailke»hauSangestellten über Beköstigung, schroffe Be Handlung und Rigorosität bei der Urlaubserteiluiig zutage. Außer der Regelung der Besoldungsverhältnisse ist alles beim alten ge- blieben, ausgenommen, daß man die AuSgehezeit um eine Stunde verkürzt hat. Vielleicht soll dei« Angestellten dadurch das noch fehlende Vertrauen zu dem VerbandSaltsichusse beigebracht werden. Hier haben die Angestellten nur alle 14 Tage einen freien Halbtag, während ein solcher für Berlin und auswärts alle 8 Tage zugebilligt wird. Zur Abstellung all dieser Uebelstände kann daS Personal selbst am besten beiträgen, wenn eS geschlossen und einig zu- sammensteht. Potsdam. Stadtoerordnctcnversammlung. Der Stadtv. Winzler fragt den Magistrat, ob ihm bekannt sei, daß die Eiitwohnerzahl Pols- damS im letzten Vierteljahr um über dreihundert zurück- gegangen sei und WaS er zu tun gedenke, um einen weiteren Rückgang zu vermeiden. Die Zahl der leer stehenden Wohnungen sei erschreckend groß. Der Magistrat schob die Schuld aus den Ouartalswechsel und den Abgang des Militärs. Diese Antwort ist jedoch nicht zutreffend. Schuld ist vielmehr der Umstand, daß man in Potsdam keine Industrie aufkommen läßt und daß die Hausagrarier die Dreistigkeit besitzen, die WohnungSmieten fast Jahr für Jahr um über 19 Proz. und mehr zu erhöhen, so daß Haupt- sächlich der Arbeiter und kleine Beamte die Miete nicht mehr er- schwingen kann und er in der Nachbarschaft sein Heim ausschlägt. Die Synagogengemeinde hat den Anschluß der am Wege nach dem Pfingst- berge neu errichteten Friedhofskapelle an die Kanalisation beantragt. Die Kosten in Höhe von 4609 M. werden bewilligt mit der Bedingung, daß diese Summe von der Synagogengemeinde mit 6 Proz. solange zu verzinsen ist. bis sich die Anlage dnrch Bebauung der Gegend rentiert,— Dem Magistrat wird die Ermächtigung erteilt, nicht nur wie bisher den Volksschullehrern, sondern auch den Lehrern höherer Schulen selbständig Umzugskosten in Höhe der vom Staat fest- gesetzten Entschädigungen zu gewähren, dieselben jedoch wieder ein- zuziehen, wenn der Lehrer nicht mindestens fünf Jahre an einer hiesigen städtischen Schule wirkt,— Zur Anlegung von einer Straße nebst den dazu gehörigen Plätzen in der Berliner Vorstadt werden 54 499 M, bewilligt, welche bis auf die Kosten für die Anlegung der Schinutzwasserleilung von den Anliegern wieder eingezogen werden. — Einige neue Straßen sollen Namen erhalten, und zwar find eS die Straßen 76 und 77 in der Teltower Vorstadt, die Trebbiner und Drewitzer Straße beißen sollen, serner zwei Straßen auf dem Küsselgelände, die Küsselstraße und die Tornowstraße. Die Ver- läiigerung der Kasianienallee erhält den gleichen Namen. Zur Bornimer Mordaffäre. Der Invalide Ahle, der sich, seinen eigenen Sohn und den Dienstknecht van Schalten, wie gemeldet, des Mordes an den, Milchhändler Pränke beschuldigte, ist gestern nacht im hiesigen städtischen Krankenhaus, wohin er vor mehreren Tagen aus dem Bornimer Armenhaus gebracht worden war, gestorben. Noch am Sonnabend war der Untersuchungsrichter im Krankenhaus, um Ahle zu verhören, doch war der Alte bereits zu schwach. Die Untersuchung Ahles auf seinen Geisteszustand ergab die tückischen Symptome einer veralteten Geisteslrankheit, die sich auch in Hallu- zinationen äußerte. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, daß Ahle, wie viele Patienten seines Schlages, Vorgänge, die auf ihr Leben mit Nachdruck eingewirkt haben, während ihrer Krankheit reproduzieren, ohne dabei die Tragweite ihrer Reden beurteilen zu kölineii, ähnlich solche Vorgänge selbst erlebt zu haben glaubte. Ahle starb infolge Eulkräftung und Unteren, ährung. Bezeichnend für die augenblickliche Beurteilmig der Situation ist ein Fund, den man im Armenhaus zu Bornim unter dem Bett des Ahle gemacht hat. Man holte dort einen Stiel, der dunkle Flecken zeigte, und ein Beil hervor, das schon lange dort gelegen haben muß. Die chemische Untersuchimg wird über die Beschaffenheit dieses Fundes Aufschluß geben. ES ist seinerzeit im ärztlichen Obduktionsgutachten in der Mordsache behauptet worden, daß Pränke mit einem stumpfen Werk- zeug erschlagen worden ist, man nahm damals an, mit einem Messer oder einem Beil._ eingegangene Druckfchnften. Von der ,, Gleichheit«, Zeitschrist sür die Interessen der Nrvelterwnen, ist uns soeben Nr. 1 des 22 Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor- Einladung zum Abonnement.— Not,— Bebels Lebenserinncrungcn.— Der Kamps der französischen Arbeitersraucn gegen die Lebensmiltelteuerung. Von Alexandra Kollontay. — Ans der Geschichte der menschlichen Unwissenheit, I. Von B, Sommer. — Die Bewegung gegen die Teuerung in Oesterreich und der Blutsonntag in Wien. Von Adelheid Popp.— Aus der Bewegung: Von der Agitation. Jahresberichte der Genossinnen in Potsdam und Mannheim.— Politische Rundschau. Von H. B.— Geweikschastliche Rundschau.— Hungeiude Tcxtiljllaven. Von K. j.— Die Bildung von FranenagitattonSkommijsionen in Hamburg. Von eg.— Notizentcil: Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Fraucnjlimmrecht.— Frauenbewegung.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Die Ewigblinden. Von Ernst Almsloh.— Bilder vom proletarischen Frauenlcben und Haus» halt in Japan. I. Von Frttz Kummer.— Hygiene.— Für die Haussrau. 'euilleton: Der Stcuerinann. Von A. Niemojewsli.— Zwei Welten. ton I. P. Jacobsen. Für unsere Kin der: Herbstmorgen. Von Eduard Mörike.(Ge- dicht.)—.Deutschland, Deutschland über alleS." Von Roland.— Die sieben Züchten. Von Ludwig Aurbacher.— Allerlei Kinderspiel und Kurz- weil in alter Zeit, Von E. Hoernle.— Wundersame Reise einer Mühlen- maus und ihr trauriges Ende. Bon Pr. Pritschow. Die.Gleichheit" crichcint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer ll> Psennig, durch die Post bezogen beträgt der AbonnemenlSpreis viertel» Kreuzband SS Ps. JahreSabonne- soeben bte 21. Rummer de» 28. Jahr» Aus ihrem Inhalt erwähnen wir solgende jährlich ohne Bestellgeld SS Ps.; unter mcnr 2,60 M. Vom„Wahren Jacob«' fft gang« 16 Settel, stark erschienen. Beiträge: Bilder: Der Polizeipräsident ist loS I Von M. Engert.— Die Ge» belmnisse der russischen Polizei. Von H. G. Jentzsch,— Russische Spitzel. Von E. Erl.— Aus der Höhe von Jena. Von S. Erl.— Deutscher Herbst 1911. Von H. G. Jentzsch.— Michels Martyrium. Von E. Erl.— Hofs- nungcn und Entwürfe. Von M. Vanselow.— Ein Mißverständnis. Von E. Erl.— Erschütterter Junkerglaube. Von E. Schilling.— Im Klub der ' armlosen. Von E. Erl.— AuS Wien. Bon O. Delling.— Der besorgte onstabler. Von E. Erl. Text: Deutscher Herbst. Von P. E.— Düsseldorf.— Im Dom zu Speyer.— Eulenburg. Bon Kl.— Oktober-Bild. Von P. E.— Unsere Diplomaten.— Lieber Jacob I Von Jolthils Rauke.— Werte Redakschon I Von Claus Swartmuul.— Das Zcntrumsblatt.— DaS Winter-Gespenst. Von Fritz Sänger.— AlldeuticheS Stimmungsbild. Bon Balduin— Reingefallen!— Stolypin.— Teuerunaskrawalle in Wien. Von Roller- Berg.— Studiosus Bummel auf dem KriegSvsad gegen die Sozialdemo» kratie(illustriert).— Das Algäuer Original. Humoreske von Roller-Berg. — Hohe Politik. Von Fritz Sänger.— Usw. usw. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Tietz Nachs. G. m. b. H. in Stutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Am lciitc» Punkt. Roman von R. Artzibaschew. 349 S.— DaS Granatarmband. Novellen von A. Kuprtn. 319 S.— G. Müller in München. Geographisch.statistische Tabellen 1911. Von O. Hübner. 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Mittwoch, abend» 8 Uhr: Der Plarrorvon Kirchfeld Donnerstag, abend» g Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Berliner Theater. 8 Uhr: Summelstudenten. Mer in ilerlöDiggrätzer Straße Ansang 8 Uhr. AUnitÄstaK«. Königsiadt- ilzmarktstr. 72, Eck« Kasino. ©oljmarttstr.72, EckeAlexanderstr. Täglich: Erstklass.Spesialltttten Ans. wochent. 8, Sonnig. 61/, Uhr. Ab Sonntag, d. 8. Oktober er., be. ginnen Familien- Nachniittagt- Vor- (tellungen um 4 Uhr zu ermäßigten ��vreisen�EMrc��Pst��� Neues Theater. Ans. 8 Uhr. Gastspiel Hans! Niese: Die Näherin. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Ein Walzertraiim. Belle- Kiliane«-Theater. Allabendlich S'/.'lchr: Novität! Der Sittenapostel. Sonnabend 3'/, Uhr: Tie Räuber. Sonntag 3'/a Uhr: Maria Stuart. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 10. Oktbr., abend» 8 Uhr: Moral. Mittwoch nachm. 3'/, Uhr lzum Ein- heilsprci» von 50 Pi.): Kabale und Liebe. AbcndS 8 Ubr: Koral. Nesideuz-Theater. 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