Kr- WS. 28. Jahrg. Bbonntmenfs-Bedingungen: Hl As Av�HI Die InterflonS'Gebflbr «SonnementS. Preis pränumerando i DW DU I HW HkDd�K�Mck«?�,.»eträgt für die I-chsgespaltene Colone?. Viertel, Shrl. S�o Mt, monail. l.lv Mk.. WW W» I W» BW // MI W» WW wBf WBf|»eile oder deren Raum 60 Pig., für wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. WW. �WU I W> W> WW f< UW WW VW»W WW WW f/ WV—J politische und gewerkschaftliche Vereins» EiNjelne Rümmer S Pfg. Sonntags- I fpTKfl I WW WW WW) gWl WW WW WH WW f/ WU WW----- und Bersammlungs-Anzeigen SO Ptg. immmct mit illustrierter Sonntags- MMW L�JSm l B WW WW � WW WWW WW WW WW»M> B WW //„Kleine Hnzeigen", das leNgedruriie Beilage.Die Neue Well» 10 Pfg. Post- WBI f WW B B B B B Iw3 B B B v�/ Et] WW ÄC Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte klbonnemcnl: 1,10 Marl pro Monat. W.WJW MW B MW B B!»» Mi W> WW B WW mSLK�Sm�-. Wortef, jedes weitere Wort 10 Psg. 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Also der Zwischenfall scheint erledigt zu sein: Stolhpin einbalsamiert und begraben� Bagrow aufgehängt, Kokowzelu zum Ministerpräsidenten ernannt. Nun sckzwilzt die gut- gesinnte Presse unter den Bemühungen, die politische Erbschaft des großen Staatsmannes in ihrem ganzen'Umfange zu schildern. Und die liberalen Zeitungen wagen es kaum, mit der von Furcht gelähmten Zunge ihre kritischen Glossen zu srammeln. Sie haßten und fürchteten ihn, aber vor seinem „geöffneten" Grabe haben« die Liberalen sich tief und devot verbeugt. Mit einer Wollust der Selbsterniedrigung wieder- holen' sie die lichten Worte und Gebärden des großen Mannes, in dem sie den Gentleman, den mutigen und selbstlosen Ritter bewundern. Tas ist kein bloßes Pharisäertum der„loyalen" 'Opposition: wer zu lesen versteht, der wird aus den liberalen Nekrologcn herauslesen können, daß etwas Größeres die Liberalen mit dem Verstorbenen vereinigt als das, was sie voneinander trennte. Zwar hat Stolypin im Jahre 1906 mit rauher Hand die Liberalen vom Staatsruder weg- geschoben, an das sie sich schon geklammert hatten: zwar hat er ihre Partei politisch verfolgt und sogar polizeilich schika- viert,— aber im letzten Grunde kämpfte er doch— natürlich in seiner Art— um die Grundlagen desjenigen sozialen Gc- bäudes, das zu verteidigen auch sie sich für berufen erachten. Die gesellschaftliche Ordnung zu wahren, die auf den Privilegien und der Ausbeutung, auf dem Kapital- und Grundbesitz, auf der ökonomischen Unterjochung, auf den Vor- ziigen des Standes, auf den vererbten und erworbenen Rechten besteht, dies war das ganze Programm Stolypins. Nun per- fügte seine Natur über genügende Hilfsquellen von Heuchelei und von Begabung, um seine im Grunde rein polizeiliche Tätigkeit von Zeit zg Zeit durch die dramatische Geste, durch die theatralische Herausforderung, durch den Brustton der nationalen Begeisterung zu„veredeln" und zu drapieren. Einen Posleur und Phraseur hatte ihn einst der selige Plehwe genannt, als Stolypin noch ein einfacher Gouverneur gewesen war. Aber das war bei ihm eigentlich das rein Aeußerliche. In seinem Innern blieb er ein Barbar mit dem scharfen Spürsinn des Wilden, den er auch in die Politik übertrug. Er schätzte nach dem Augenmaß jede politische Partei vom Standpunkt ihrer augenblicklichen Kraft ein.— ihre Prin- zipien waren ihm vollkommen gleichgültig. Und wenn er im Laufe der fünf Jahre seiner Herrschaft immer in derselben Richtung nach rechts vorrückte, so spiegelte er darin nur den Stimmungswechsel der gesamten besitzenden und Privilegierten Gesellschaft, die desto reaktionärer, unversöhnlicher, dreister nnd unverschämter auftrat, je mehr sie sich von der Revo- lutionsfurcht befreit fühlte. In der akuten Periode des Kampfes, wo die adeligen Schlösser flammten und die Städte von dem eisernen Auf- treter des Proletariats erzitterten, waren die Herrschenden für alle Mittel empfänglich: in den Polizeidruckereien ver- fertigte nun Pogromaufrufe, und die Hofpogromisten Pflegten zur selben Zeit Unterhandlungen mit den Kadetten über Bildung eines liberalen Ministeriums. Stolypin, der ritterliche Staatsmann, verabsäumte damals nicht, die„echt- russischen" Räuber für ihre Zwecke mit Staatsgeldern zu ver- sehen und sich dem Kadcttenführer Muromzew als Minister des Innern anzubieten. Bald überzeugte er sich aber, daß die rein politische Vereinbarung mit den Kadetten noch bei weitem nicht die Beruhigung bedeutet, denn die-Massen mit ihren tiefen sozialen Interessen wurden von ganz anderen Parteien geführt. Und die Revolution zu zertrümmern, die Feinde zu hängen und zu erschießen, diese Arbeit war für ihn ohne das Kadettenanhängsel viel bequemer zu verrichten. Die feldgerichtliche Politik sei nicht rechtmäßig? sagte er höhnisch der liberalen Opposition. Aber sie ist zweck- mäßig!— und er löste die erste und die zweite Duma auf. Tie Revolution strebte die Erweiterung des bäuerlichen Landbesitzes auf Kosten des adeligen an. Demgegenüber hat Stolypin durch den Ukas vom 9.(22.) November 1906 den reicheren Bauern die Möglichkeit verschafft, sich auf Kosten der Gemeindeländereien zu bereichern. Er stellte seine Sache auf die„Starken"! Durch den Staatsstreich vom 3.(17.) Jum 1907 hat er die Duma der„Starken" geschaffen. An der Spitze der um ihn gesammelten Oktobristeu machte er die kurze Periode der subalternen Reformversuche durch: diese zertrümmerten alle an dem hartnäckigen Widerstand des übermächtigen Adels. Dann machte er insgesamt mit seinem oktobristischen Anhang deit raschen Uebergang zur Politik der imperialiststchen Schwindeleien, die seinen reformatorischev Bankrott decken sollten. Die aggressive auswärtige Politik auf Grund der zer- rütteten Armee führte aber zu den schändlichsten diplomatischen Niederlagen und Rückzügen. Die Senatorenrevisionen deckten nur die eiternden Wunden des Armee- und Staatsapparates auf, zu deren Heilung trugen sie nichts bei. Auch seine Agrarreform zeitigte einstweilen sehr kärgliche Erfolge. Dann sagte sich Stolypin von jedweder Politik los, die mit dem kommenden Tage rechnet. Nachdem er die Hoffnung auf die Erweiterung der Basis der kapitalistischen Entwicklung — sei es durch innere Reformen oder durch imperialistische Erfolge— hatte aufgeben müssen, verengerte Stolypin noch mehr die soziale Grundlage seiner Politik. Jetzt heißt es:* Donnerstag, den 13. Oktober 1911. die besitzenden Klassen national spalten und die„baden- stämmigen" auf Kosten der„freniden" bevorzugen. Er bricht mit den Oktobristen. Die parasitärsten Elemente scharen sich um die Fahne des ebenso reaktionären wie lügnerischen Na- t i o n a l i s m u s. Die Finnländer, die Juden, die Polen werden auf die infamste Weise verfolgt. In seinen letzten Wochen ließ Stolypin noch die Gesetz- entwürfe ausarbeiten über die partielle Aufteilung Finnlands und die„Nationalisierung" des Getreidehandels und des Kreditwesens. Der große Staatsmann eines kapitalistischen Landes, dessen Staatsschuld an 9 Milliarden Rubel heran- gewachsen ist, hegte nämlich den genialen Plan, die Juden aus dem Getreidehandel und aus den Operationen der Staats- bauk durch Ausnahmegesetze auszuschalten. Mit der russischen Kaiserin Elisabeth, von der wir jedenfalls durch die Kleinigkeit von anderthalbhundert Jahren getrennt sind, versuchte Stolypin zum Gesetz das fromme Prinzip zu erheben:„Von den Feinden des christlichen Glaubens will ich keinen irdischen Profit haben." Gegen diesen nationalistischen Idiotismus lehnte sich sogar Kokowzew auf, der es als alter Finanz- minister wohl versteht, daß der irdische Profit, wenn er auch vom satan selbst.herstammt, immer doch sehr nützlich und an- genehm bleibt. Ter Stolypinsche Nationalismus befriedigte die„boden- stämmigen" Schmarotzer nicht, er reizte nur ihren Appetit. Zugleich wiegelte er wieder ganz Finnland auf, erbitterte die Polen und die Juden. Die Arbeitermassen fingen an, sich von der Erstarrung loszumachen. Ausstände verbreiteten sich, die Unzufriedenheit bemächtigte sich der Volksmassen, die Sozial- demokratie gewann an Boden. So stand Stolypin angesichts der Wahlen zu der vierten Duma da, ohne Eroberungen oder Erfolge, ohne Programm, ohne bestimmtes Ziel, sogar ohne effektvolle Geste,— als vollkommener Bankrotteur. Aber das Schicksal blieb noch immer seinem Günstling hold: gerade in diesem Moment kam die gefällige Kugel des Terroristen aus der Ochrana und enthob den Gewalthaber der Aufgaben, denen er auch entfernt nicht gewachsen war. Und somit hatte er noch das Glück, nicht als pensionierter Geheimrat, sondern als Märtyrer der'Staatsidee zu"skerben. Kokowzew löst ihn jetzt ah. Auf«seine schwachen Beamten- schultern übernimmt er Stolypins Erbschaft. Ein trockener und langweiliger Finanzmensch, die Mittelmäßigkeit-selbst, wird Kokowzew gewiß keine Sterne vom Himmel herunter- reißen und keine neue Wege bahnen. Auf manche„Exzesse" des Nationalismus wird er gewiß verzichten müssen, denn er ist zu nahe mit der Börse verbunden, um die Möglickjkeit zu haben, jeden Rubel nach seiner Konfession und nach dem Kom- munionsschein zu befragen. Aber in allem, was das Wohl und Wehe der Massen angeht, wird er der Vertreter derselben wildesten sozialen Reaktion bleiben, wie es sein Vorgänger war. Wenn er den Schwarzhundertlern in Kiew auch den Pogrom aus Anlaß des Attentats untersagt hat, womit er übrigens ganz offen bestätigte, daß die Pogroms nur mit Bewilligung der Regierung zustande kommen können, so wird er in seiner polizeilichen Borniertheit versuchen, ebenso die Arbeiterstreiks zu„untersagen". Die Galgen, die Zuchthäuser und die Ketten werden unter Kokowzew ebenso wichtige Werk- zeuge der Regierungskunst bleiben wie unter Stolypin. Und Kokowzew wird sicher nicht weniger hilflos wie sein Vorgänger den elementarsten Aufgaben der historischen Entwicklung gegenüberstehen, nur daß seine Hilflosigkeit mehr prosaisch und weniger theatralisch zum Ausdruck gelangen wird. Wie der Mvnn am Ruder aber auch heißen mag, das große Wrack steuert mit Sicherheit einer neuen Katastrophe entgegen. Der Krieg. DaS italienische Expeditionskorps hat die Stärke eines kriegsstarken Armeekorps. Es umfaßt zlvci Divisionen Infanterie zu je zivci Brigaden. Die Brigade hat zwei Regimenter. Außerdem sind jeder Division drei Schwadronen Kavallerie zugeteilt. Weiter stehen dem Oberkommando noch zwei Bersaglien-(Schützcn-)Reginienter, ein Regiment Feldartillerie zu sechs mit Kruppschen Geschützen ausgerüsteten Batterien, ferner einige Batterien Gebirgs- artillerie, eine Anzahl Maschinengcivehrabtcilungcn sowie eine Abteilung Festungsartillcrie zur Verfügung. An technischen Truppen werden dem Expeditionskorps mitgegeben ein Bataillon Pioniere, eine Tclegraphenkompagnie und Personal zur An- legung von Feldtelefunkenstationcn. Der Oberbefehlshaber ist der General Cancva. Die acht Jnfantericrcgimenter haben auf Kriegsfuß je 3000 Mann, d. h. jede Kompagnie zählt 230 Mann. Die gesamte Stärke des Expeditionskorps wird sich auf 40000 Mann belaufen. Es ist das im Verhältnis zu den schwachen türkischen Streitkräften in Tripolis eine stattliche Macht. Ob sie aber für einen etwaigen Guerillakrieg im Inneren genügen wird, sei aus den schon früher von uns dargelegten Gründen dahingestellt. Jedenfalls sind die Nachrichten, die Phantasie- begabte italienische Berichterstatter über die Ilnlcrwcrfung von Arabern in die Welt setzen, mit größter Vorsicht auf- zunehmen. Das Verhalten der Küstouarabcr, die im Banne der großen italienischen Schiffsgeschütze stehen, ist noch lange nicht maßgebend für die Araber- und Berberstämme von i Fessan und im Innern der Kyrenaia. Expedition: 8Rl. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Vorläufig setzen die italienischen Kriegsschisse ihre gefahr- losen Schießübungen auf verschiedene Punkte der tripoli- tanischen Küste fort. Ob sie damit die Eingeborenen ein- schüchtern oder nur ihrem eigenen Heldendrange auf echt süd- ländisch laute Weise Luft machen»vollen, ist schwer zu entscheiden. Auch von Scharmützeln zwischen Landungstruppen der Italiener und türkischen Rckognoszierungsabteilungeu wird berichtet, bei denen sich, natürlich immer nach italienischen Berichten, die Türken zu Dutzenden totschießen und zu Hunderten verwunden lassen, ohne den Italienern nur ein Haar zu krüminen. Auch die Meldungen von einer Des- Organisation der türkischen Truppen und von zahlreichen Desertionen sind vorläufig nicht ernst zu nehmen. Wenn die Regimenter des Generals Caueva erst in das Bergland süd- lich von Tripolis vorgerückt sein werden, tvird sich wohl zeigen, ob die Türken sich einfach abschießen lassen oder in hellen Haufen zum Feinde übergehen. Scharmützel in Tripolis. Rom. 11. Oktober. Ueber den Angriff der türkischen Truppen auf Tripolis in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober bringt die„Agenzia Stefani" folgende ausführliche Mitteilung: Gegen l8/4 Uhr morgens wurde der italienische Posten bei dem Bumiliana-Brunnen von Türken angegriffen. Nach einem etwa eine halbe Stunde währenden Gefecht zogen sich die Angreifer unter Verlusten zurück und ließen auf dem Kampfplatz Tote. Verwundete und mehrere Gewehre. Ein verwundeter Türke, der gefangen genommen wurde, erklärte, daß die angreifende Streitmacht aus zwei Abteilungen Infanterie, einer Ab- teilung Kavallerie, im ganzen 300 Mann, bestanden habe. An dem Kampfe nahmen auch die Schiffsgeschütze der„Sar- degna" und deS„Carlo Alberto" teil, die nach vorher verabredeten Signalen feuerten. Die italienischen Matrosen legten Proben von großem Mute und von Kaltblütigkeit ab. Eine im Morgengrauen ausgeführte Rekognoszierung ergab, daß in dem Gelände vor der ganzen italienischen Front vom Feinde nichts zu sehen war. Mailand, 11. Oktober.„Corriere della Sera" meldet aus Tripolis vom 7. Oktober: Der Rückzug der türkischen Truppen glich einer planlosen Flucht, s?) Der Oberkommandierende, General Munir Pascha hat mit dem Generalstabschef Obersten Kiemal und dem Befehlshaber der Artillerie mit einigen hundert Mann zunächst den Weg nach Santa an der tunesischen Grenze eingeschlagen, sich dann aber nach Süden gewandt. Es hat den Anschein, als ob die Türken beabsichtigen, sich in die die Ebene von Tripolis umgebenden Gebirge zurückzuziehen. Wagen und Kanonen wurden in den Oasen zurückgelassen. Ihre Proviantvorräte reichen höchstens noch zwanzig Tage auS. ihre Ergänzung ist wegen des Mangel? an Zufuhrstraßen sehr schwierig. Der erste Anschein, als ob die Türken nach einem bestimmten Kriegsplan handelten, bestätigt sich angesichts der völligen Zerstreuung der Truppen augenscheinlich nicht. Eine italienische Kundmachnng. Rom, 11. Oktober.„Messagero" veröffentlicht eine Proklamation des Admirals F a r a v e l l i an die Einwohnerschaft von Tri» p 0 l i s, in der er bekannt gibt, daß die durch das Bombardement entstandenen Schäden ersetzt werden sollen. Die Aus» Hebung von Rekruten wird abgeschafft und Wirt» schaftliche Verbesserungen werden durchgeführt werden. die freie Ausübung der Religion sowie die Frauen und das Eigen- tum werden respeltiert werden. Auflösung der Kammer und Staatsstreich f Konstantinopcl, 11. Ottobor. In politischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß die Regierung die Kammer gleich nach Eröffnung auflösen und Neuwahlen auf Grund einer neuen Wahlordnung durchführen»verde. Da die Aushebung von Freiwilligen, be- sonders in Saloniki, Aufregung hervorgerufen hat. hat sich die Regierung entschlossen, die Aushebung zu ver- bieten. Italien und die VermittelungSakdon. Wien, 11. Oktober. Der italienische Korrespondent der„Neuen Freien Presse" erhielt von maßgebender Seite die bündige Versicherung. daß I t a l i e n einem Vergleich, der die Annexion von Tri- polis nicht ausdrücklich anerkenne, auf keinen Fall seine Z u st i m m u n g geben werde, da der Versuch, die beiderseitigen Interessen aus freundschaftlichem Wege festzulegen, an der Hartnäckigkeit der Türkei gescheitert sei. Die Türkei müsse jetzt die Folgen dieser Hartnäckigkeit tragen. Der Vatikan und der Raubzug. Der römische Korrespondent der„Neuen Züricher Zeitung' weist neuerdings darauf hin. daß die B a n c a d i Roma, eine Bank, die ganz vom Vatikan abhängig ist, dank ihrer mächtigen Ein- fliisse seit Jahren in Tripolitanien ungeheure Ländereicn „ausgekauft". Kornmühlcn und andere industrielle Unter- nehmungen gegründet und finanziert, ja sogar eine Zweigstelle der Bank errichtet hat. Man hat also deshalb in Rom alle Ursache, für den Untergang der Türken zu beten und das deutsche Jen- t r u m. daS im Widerspruch zu Rom für die Türken betet, hat vielleicht von dieser profitablen Gründerei der frommen Bank nichts gewußt. Dazu kommt noch, daß der Vatikan bedeutende kirchliche Interessen in Tripolitanien schützen muß. Mit auffallendem Eifer hat er in aller Stille seit einigen Jahren, vom Augenblicke an, da man im Ouirinal die Augen auf Tripolitanien warf, überaus zahlreiche Missionsschulen und Missionskirchen. Missionshospitälcr und andere frommen Institute aller Art errichten lassen, lind foflor die drei französischen Missionen wollen sich linier dem Schutz Italiens stellen und die Präfekiur in eine Apostolische Delegation verwandeln, deren Inhaber bischöflichen Rang haben.— Ferner hat der General der K a p n z i n e r— um den Vatikan im Ouirinal iir gnteö Licht zu bringen— den in Tripolis weilenden Missionaren des OrdcnS die Weisung gegeben, das Land nicht zu verlassen, um Italiens Soldaten helfen zu können. Ebenso hat der Franziskanerabt Rossetti, Apostolischer Präsekt in Tripolis, ini Rainen seiner kirchlichen Behörde dem Minister erklärt, dab die gesanite M i s s i o n der italienischen Armee und Regierung in allem, was sie ihr nützen könnte, zur V e r s n g n n g st e h e. An dem Raub- und Banditenkriege ist also daZ päpstliche Rani ganz hervorragend direkt beteiligt und inter- c s s i e r t I Es betet aus reiner Profitgier für die Fahnen Italiens und vergißt sogar bei dem Verfolgen dieser Prositintcressen die sonst so laut auSposaunte„Feindschaft" zwischen Ouirinal und Vatikan. Auf dem Ilmwege der wirtschaftlichen Interessen findet so- gar eine freundliche AnSsöhiiung der Gegensätze zwischen weltlicher und kirchlicher Macht statt, wovon aber die deutschen Katholiken nichts erfahren dürfen, weil bei ihnen die Fiktion von der„Gefangen Haltung des P a p st e S* k ii ii st l i ch gepflegt werden muh. schon damit der einträgliche„PeterSpfennig" nicht ausbleibe. In Deutschland nährt eifrig daS Zentrum den Aberglauben von„Gegen- sätzen" zwischen Vatikan und Ouirinal, in Wirklichkeit gehen beide Hand in Hand in Tripolitanien gegen die Türken vor, um ihre un- crsättliche Habgier zu stillen! Eine prächtige Komödie, die da den Frommen vorgespielt tvird. ES fragt sich nur, wie lange sich die deutschen ZentrumSiiachlänfcr diesen Unfug noch gefallen lassen werden. Eine TripoliSiuterPellation im ungarischen Abgeordnetenhause. Budapest, 11. Oktober. Abgeordnetenhaus. Graf A p p o n h i interpellierte die Regierung, ob sie oder andere neutrale Mächte im Sinne der H a a g e r Konvention vom Jahre 1899 und 1997 vor dem Ausbruch des Krieges oder später bei Italien und der Türkei Schritte zur V e r m e i d u n g von Feindseligkeiten unternommen Härten. Falls nicht, ob der Minister des Aenhcrn nicht jetzt eine freundschaftliche V e rm i t t e l n n g beabsichtige. Endlich fragte der Redner, ob die Monarchie Garantien empfangen habe, dast der Krieg nicht auf Territorien und Meere übergreifen werde, welche die österreichisch- ungarische Interessensphäre berührten. Truppenlandung. Rom, 11. Oktober. Wie die„Agenzia Stefans" mitteilt, ist die erste Abteilung der nach Tripolis gesandten Truppen heute nuttag dort eingetroffen und glücklich gelandet. Zw cebensmittelteuerung. Ttiierung und Großhandelspreise. Während die-Kommunen über Maßregeln zur Linderung des auS den hohen Detailpreisen sich ergebenden Notstandes beraten, sich aber ängstlich hüten, dem Kleinhandel ernsthaften Wettbewerb zu machen, stellt sich immer mehr heraus, dafc im Detailvcrkchr die Preise viel rascher und allgemeiner in die Höhe gegangen sind als im Großhandel. Der August 1911 hat eine weitere Steigerung der Haushalt u ngSko st e n gegen Juli gebracht. Auch daS WarenpreiSniveau im Großhandel hat sich gehoben, aber doch wesenl- ?"Uch' weniger als das im Kteinverkehr. Nach den'' ofstzteweii Notierungen des kaiserlichen statistischen Amtes ist im August da» Preisniveau der vegetabilischen RahrimgSmittcl im Großhandel "�irückgegangen. Der Rückgang ist.allerdings nicht groß, und es besteht auch noch eine erhebliche Steigerung gegeiiüber dem Vorjahr; endlich handelt eS sich vielleicht auch nur um eine vorübergehende Bewegung, aber jedenfalls drückte sich diese Ab- fchwächung in den Detailpreisen nicht aus. Die Senkung deS Preisniveaus ist durch den Weizenpreis veranlaßt, der gegen Juli ziemlich merklich zurückgegangen ist. Roggen ist etwas leurer geworden, während der Kartoffelpreis sich auf der Höhe des Juli gehalten hat. Die Preise von Schlachtvieh haben nach den Großhandels- Notierungen im August angezogen. Und zwar kommen die Er- höhungen deS Preise? für Schweine und Kälber für den Volkshauöhalt stärker in Betracht, als die Ermäßigung des Rinder- und HammelpreiseS. Wieder ist besonders auffallend, daß die Preise des Schlachtviehes niedriger stehen als im Vorjahre, was für den Detailverkehr abermals nicht zutrifft. Merklich höher als im Vorjahr und im Vormonat standen im August die Preise von Kaffee und Tabak, während die Steigerung der Znckerpreise sich erst im September durchsetzte. Gerade hier konnte man deutlich beobachten, wie im Kleinvcrkehr die Z u ck e r p r e i s e schon anzogen, bevor noch ent- schieden ist, ob sich denn der hohe Preisstand für Zucker überhaupt halten läßt. Von den anderen Waren des Großhandels, die für den Volköhaushalt besonders wichtig sind, zeigten die T e x t i l r o h- st o f f e eine weichende Richtung. waS hauptsächlich auf daS Sinken des Banniwollpreiscs zurückzuführen ist. Aber auch Jute und Seide haben im Vergleich zuni Juli einen Abschlag erfahren. Die Preise von Steinkohlen, Petroleum und Roheisen sind stabil geblieben, er- geben dagegen im Vergleich zum Borjahr einen kleinen Rückgang. .' Freisinn und Tencruiig. DaS Frankfurter Stadtparlament beschäftigte sich am Dienstagabend erneut mit der Teuerung. Der Magistrat be- antragte— angeregt durch eine sozialdemokratische Interpellation in einer früheren Sitzung— die Einsetzmig einer gemifchtcn Kommission „zur Beratung der mit der Lebens mittelteuemng ziisammen- bängenden Fragen". Die sozialdemokratische Stadtverordneten fraltion stellte hierzu— wie bereits kurz tclegraphisch gemeldet— den Antrag, der Kommission einen Kredit von 190 9 99 M. zur Verfügung zu stellen. In der ersten Sitzung der Stadtverordneten, in der die Teuerung und Abwehrmaßregel besprochen wurde, hatten unsere Genossen be- antragt, den Magistrat zu ersuchen, eine Hilfsaktion vorzubereiten durch Bezug von guten und billigen LcbeiiSmittclii sBrot, Kartoffeln, Erbsen, Linsen usw.) und Abgabe an die ärmere Bevölkerung, ohne daß die? als Armciiuntcrstütziiiig angesehen wird. Dieser Antrag ging den Fortschiittjern und übrigen bürgerlichen Stadtverordneten zu weit. Der Vorsitzende der Fortschritllichen BolkSpartei, Herr F u n ck, erklärte, Staat und Reich müßten ein- greifen, die Gemeinde könnte da nicht viel tun. Er sagte wörtlich: „Wir bezweifeln, ob es möglich sein wird, mit einem immer- hin schwerfälligen Bcamtenapparat Lebensmittel billiger zu be- schaffen, als das den dazu berufenen Faktoren möglich sein wird. ES müßie mit einem Defizit gerechnet werden, das bei den in Betracht kommenden Mengen lehr groß sein würde. Ob eS am Platz ist, auf Kosten der Steuerzahler einen solchen Versuch zu machen, muß bezweifelt werden." Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen alle bürgerlichen Stimmen abgelehnt. Da? war am 19. September. Nnterdeffen kamen von zahlreichen Städten im Lande die Meldungen, daß diese daS, was der sozial- demokratiiche Autrag verlangte, durchführen. Das zeigte wohl den Fortschritllern, wie erbärmlich ihre Haltung im Frankfurter Rat- hause war. ttud die„Frankfurter Zeitung' klagte nun, wie wenig die Fraiikfurler Stadtverwaltung bis jetzt zur Bekänipfung der TeueriingSnot getan hat. Also ein Umschwung gegen die Haltung der freisinnigen Stadtverordneten. Wer aber min geglaubt hätte, die Fortschrittler würden jetzt auch für den sozialdemokratischen Antrag auf Kreditgewährung von 199 999 M. für die Kommission stimmen, der wurde gründlich ge- täuscht. In der Praxis und Theorie ist bei den Freisinnigen ein so großer Unterschied, und einen sozialdemokratischen Antrag aufnehmen, ist für diese Herren zu schwer. Wohl schickten sie an Stelle von zwei interessierten Mctzgermeistern und deS Herrn Funck Redner vor, die mehr sozialpolitische? Verständnis halten und ohne weiteres zugaben, daß etwa« getan werden muß. und auch sonst schöne Worte fanden.(ES wurde nun dasselbe ver- langt, was der erste sozialdemokratische Antrag lvollte.) Die 5!redit- gcivähruug wurde aber von ihnen abgelehnt. Mit der Vegriindiiiig, man müsse erst abwarten, welche Maßnahmen die Konimission er- greifen wolle. Umsonst betonten die sozialdemokratischen Redner. daß die 199 999 M. doch nur ein Betriebskapital sein sollen, daS zum größten Teile wieder eingeht. ES müsse schnell gehandelt, der Einkauf von LebenSniitleln schon jetzt vorgenommen und die Sache nicht durch Wochen- und monatelang sich hinziehende Be- ratungcn hinausgeschoben werden. Alle Begründung half nichts. Die Herren klagten, init dem sozialdemokratischen Antrag werde„die Einigkeit" gestört, man solle ihn zurückziehen. DaS taten unsere Genossen selbstverständlich nicht und so wurde er einmütig von den Bürgerlichen abgelehnt. Rur die Sozialdemokraten stimmten für ihn. Die Einsetzung der Konimission wurde einstimmig be- schlössen. Das war mal wieder eine echt„freifinnige" Tat, wie man sie in Frankfurt a. M. gewöhnt ist. Oberbürgermeister A d i ck e S hatte sich natürlich vorher auch gegen den sozialdemokratischen Antrag gewandt. Er erinnerte die freisinnige Mehrheit daran, daß sie neulich den sozialdemokratischen Antrag auf Beschaffung von billigen Lebensmitteln abgelehnt. Die Herren würden doch wohl konsequent bleiben nnd den neuen Antrag der Sozialdemokraten, der eine Verschärfung des elfteren sei, auch ablebiieu. Er glaube nicht, daß der Magistrat der Bewilligung einer Geldsumine zustimmt. Daß jetzt schon eine U n t e r st ii tz u n g S- a k t i o n eingeleitet werde, dafür fehlen alle VorauSsetzuiigen. UcbrigenS beziehe der Magistrat in Verbindung mit dem Institut für Gemeinwohl 39 Waggon Kartoffeln, die zum Selbstkostenpreis abgegeben werde» sollen. Der Oberbürgermeister hatte die Freisinnigen richtig ein- geschätzt. Sie zeigten sich als treue MagiftratStruppe. Was nun auS den Beratungen der Kommission herauskommen wird— darauf kann man gespannt sein. Vielleicht ebenso viel wie aus denen der Milch kominission, die vor vielen Monaten eingesetzt wurde, und auf deren Vorschläge man vergeblich wartet. Maßnahmen in Gera gegen die LebenSmitteltcuerung. Wie wir bereits mitteilten, haben Gcmeinderat und Stadtrat von Gera iRenß) nicht nur eine Eingabe an den Bundesrat und die StaatSrcgierung gerichtet, sondern auch eine gemischte Deputation eingesetzt, die darüber beraten sollte, waS die Stadt selbst gegen die Tcueriuig tun könne und müsse. Diese Deputation hat folgendes beschlossen: Die Fleischerinnung zu fragen, ob sie den Verkauf guten anS- ländischen Fleisches zu angemessenen Preisen übernehmen wolle, und mit Grfchästsleuten wegen deS BerkairfcS billiger Seefische und Kartoffeln in Verbindung zu treten. Für den Fall, daß sich die Berhandlmigen zerschlagen sollten, soll die Stadt selbst den B e z u g und Verkauf der genannten Nahrungsmittel übernehmen. Hinzugefügt sei, daß die Stadt Gera schon im vorigen Jahre bestes dänisches Ochsenfleisch für eigene Rechnung an die Bevölkerung verkauft hat. ... Die Bcamkcii und die Teuerung. Der„Bund der Festbesoldeten', eine Beamtenorganisation, nahm Stellung zur Teuerung und beschloß, von der Regierung wie von den Gemeinden Teuerungszulagen für die Beamten für die Dauer der Teuerung zu verlangen. Falls die erbetene Hilfe versagt wird, oll der Bund die Selbsthilfe organisieren. Es soll mit allen Mitteln auf die Schaffung von Konsumvereinen, Einkaufsgenossenschaften usw. hingewirkt werden. Li» reiKkircuttell. Eine Anklage gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Genossen Barth, die schon einmal das Gericht beschäftigte, aber vertagt wurde, kam gestern zur erneuten Verhandlung vor der e r st e n S t r a s k a m m c r. Barth ist wegen Beleidigung des Sergeanten Sch mannS vom »2. Garderegiment zu Fuß angeklagt. Den Strafantrag hat der Regimentskommandeur gestelll. Die Beleidigung soll begangen sein durch die angeblich unwahre Mitteilung in einer am 18. Januar veröffentlichten Lokalnotiz, worin gesagt wird, ein Fahnenträger(das ist der Sergeant SchniannS) habe einen vor einer iiiarschiercudcn Truppe tänzelnden 9— 19jährigen Knaben dermaßen geohrseigt, daß sich der Knabe mehrere Male überschlug. Die Beweisaufnahme in der gestrigen Verhaudlmig drehte sich hauptsächlich darum, ob der Sergeant den Knaben gc- schlagen hat und od dieser infolge deS Schlage? oder flu? anderer Ursache gefallen ist. Die drei Soldaten(jetzige Reservisten), welche zur Zeit de? fraglichen Vorganges mit dem Sergeanten marschierten, sagten, der Sergeant habe den Jungen, der vor ihnen hermntnnzelte, fortbringen wollen und ihn durch eine Haiidbewegung zur Seite geschoben. Der Junge sei hin- gefallen, aber weniger infolge der Berührung durch den Sergeanten, als infolge seiner eigenen Bewegimg. Sergeant S ch m a n n S behauptet, er habe mit der Hand eine Bewegung nach dem Jungen gemacht, ihn aber nur mit den Fingerspitzen am Schultoruisier berührt. Gefallen sei der Junge über seine eigenen Beine. Daß er den Jungen geschlagen habe oder auch mir habe schlagen wollen, bestreitet Sergeant SchmannS ganz entschieden. Schließlich gab er auf Vorhaltungen deS Verteidigers, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld zu. daß die Armbewegung. die er nach dem Knaben machte. nicht allzu sanft gewesen sei. Vier Zivilzeugen, die dem Vorgange als Augenzeugen beiwohnten, hatten einen anderen Eindruck von der Hand- und Armbewegung des Sergeanten SchmannS. Der erste dieser Zeugen. ein pensionierter Uutcrbeamtcr. machte die Bewegung vor. Sie muß demnach eine ziemlich kräftige gewesen sein. Der Zeuge ist auch der Meinung, daß der Junge infolge des Schlages gefallen ist. Der zweite Zeuge, ein Zimmerer, sagte, der Junge bekam von dem Ser- geanten einen Stoß ins Genick und flog infolgedessen drei bis vier Meter weit auf den Straßendamm, wo er drei- bis viermal herum- trudelte und dann aufsprang und davonlief.— Ans Vorhaltnngen des Vorsitzenden und des Ersten Staatsanwalts sagte der Zeuge schließ- lich, er könne zwar nicht mit Sicherheit behaupten, daß der Junge mehrmals hcrumtrudelte, aber er habe heute noch die Vorstellung, daß es so gewesen sei. � Der dritte Zeuge, ein bejahrter Drechsler- mcister hat gesehen, baß der Junge von dem Sergeanten einen wuchtigen Schlag bekam und infolge dcS Schlages hinstürzle. Neber- schlagen habe sich der Junge nicht.— Uebereinsiimmend gaben diese drei Zeugen an, daß die Handlungsweise des Sergeanten leb- hafte Entrüstung im Publikum hervorgerufen habe. Der Erste Staatsanwalt Stein brecht vertrat die Ansicht, der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht und beantragte eine Gefängnis st rase von 14 Tagen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld kam nach eingehender Würdigung der Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, der Wahrheiiö» beweis sei vollkommen gelungen mit Ausnahme des einzigen Punktes, daß sich der geschlagene Knabe mehrmals überschlug. Auch dieser Punkt würde erwiesen werden können, wenn nicht der Angeklagte als Redakteur sich verpstichlst fühlte, seine Gewährsmänner, die den Vorgang am genauesten gesehen haben, nicht als Zeugen anzugeben. Diese Gclvährsmäiiiier hätten als Beauftragte des Publikums. welches sich über den Vorgang entrüstete, den Angeklagten mit der Veröffentlichung beauftragt. Demnach habe der Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gc- handelt und müsse freigesprochen werden, selbst wenn der WahrheitS- beweis nicht völlig geliingeu iväre. DaS beantragte Straf- maß sei in keiner Weise zu rechtfertigen, auch wenn man mit dem Staatsanwalt annehmen wollte, der Wahrheitsbeweis sei nicht er- bracht. Der vom Angeklagten besprochene Vorgang sei an sich höchst gleichgültig und wenn bei einer derartigen Mitteilung ein un- wesentlicher Irrtum unterlaufe, so sei das etwas, was jeder Zeitung, gleichviel welcher Richtung, fast täglich passiere ohne daß deshalb Anklage erhoben werde. Barth beantragte ebenfalls seine Freisprechung: Der Staatsanwalt glaubte besonders feststellen zu müssen, daß der Strafantrag vom Regimentskommandeur— nicht von der Staats- anwaltfchnst— gestellt fei. Das bestreitet niemand, aber der Ver- a n l a f f e r derartiger Strafanträge ist, wie wiederholt gerichtlich festgestellt wurde, die Staatsanwaltschaft. B. illustrierte weiter das keineswegs objektive Verhalten der Staatsanwalt- fchaft. In dieser Sache sei sein Antrag, eine Darunter- suchung zu veranstalten, abgelehnt worden. So seien nur die Aussagen der Soldaten, nicht aber die Aussagen der von ihm benannten Zeugen in die Akten gekommen. Auch in der Haiiptverhandlimg sei der Staatsanwalt den Zeugen des Angeklagten von vornherein mit Mißtrauen entgegengetreten. So sei das vorige Mal ein 62jährigcr Zeuge, als er die Stunde de» Vorgangs nicht angeben konnte, gefragt worden, ob er an jencmTage einen Frühschoppcngctrimken habe, und der Zeuge, der heute sagte, der Junge sei insolge de» Schlages gefallen und getrudelt, sei vom Staatsanwalt gefragt worden, ob er damals etwas getrunken hatte. Trotz des Mißtrauens gegen die Zeugen des Angeklagten sei die Führung dcS WahrheitS- beweiseS in vollem Umfange gelungen. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Schmidt der- kündete das Urteil des Gerichts dahin: Die Behauptung, der Sergeant SchmannS habe den Knaben geohrseigt, daß er sich mehrmals überschlug, sei nicht erwiesen. Dadurch sei der Sergeant be- leidigt. Berechtigte Interessen habe der Angcllagte nicht wahrzunehmen gehabt. ES frage sich, ob auf Geld- oder Gefängnisstrafe zu er- kennen sei. Hierbei sei zu berücksichtigen, daß der Vorgang im großen und ganzen im„Vorwärts" richtig ge- s ch i l d e r t s e i. Da aber in der Notiz eine Tendenz zum Aus» druck komme, die gegen das Militär gerichtet sei, so habe sich daS Gericht nicht zu einer Geldstrafe entschließen können, sondern den Angeklagten auch mit Rücksicht auf seine vielen Gefängnisstrafen zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. »." Also Verurteilung, wiewohl der Dorfall selbst auch nach Ansicht deS Gerichts„im großen und ganzen" richtig geschildert ist nnd Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe wegen der vermeint- lichen Tendenz des Angeklagten. Eine gerechte Justiz soll ohne Rücksicht auf die P e r s o n des Angeklagten lediglich mit Rücksicht aus die zur Anklage gestellte Tat urteilen und ein gerechter Richter soll sich, wie sich wohl einer der trefflichsten der altpreußischcn Richter Grolmann ausdrückte, insbesondere in politischen Prozessen davor hüten, seine der deS Angeklagten entgegenstehende, politische Ansicht zum Ratgeber zu machen. Tendenzprozesse. Prozesse und Urteile, in denen mehr die politische Tendenz de« Angeklagten als die vermeintliche Verletzung der Rechtsordnung verfolgt wird, wider- sprechen den elementarsten Grundsätzen gesunden Rechtsempfinden?. Sie sind ein Zeichen für die Dekadenz der herrschenden GescllschastS- ordnung. Von diesem Standpunkt anS begrüßen wir die offene Anerkennung deS Gerichts, daß die Tendenz des Angeklagten da? Objekt für die Strafverfolgung und Strashöhe gebildet hat. Und das wiewohl die wirkliche Tendenz des Angeklagten und dcö „Vorwärts'artikels gründlich verkannt ist. Unsere Tendenz ist nicht gegen das Militär, sondern gegen die Mißstände im Militär, gegen die Mißstände gerichtet, die daS herrschende Militärsystem nach sich zieht._ politifcbe Qeb er ficht. Berlin, den 11. Ottober 1911. Tie Mnrokkoverhandlnngen. Die beiden Regierungen sind also doch mit den „redaktionellen Aciidcrungen" fertig geworden und die„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht heute folgende Note: Der auf Marokko bezügliche Teil des deutsch-französischcn Abkommens ist heute hier paraphiert worden. Die damit zu- sammenhängcnden Kompensationsverhandlungen sind wieder aufgenommen worden. Hoffentlich dauert der Schacher um die..Fiebersümpfe" des Kongo etivas weniger lange als der um die Minenintcressen der Herren Mannesmann._ Ehrengerichtliches Verfahren gegen Dr. Karl Liebknecht. Das Ehrengericht der Anwaltskammer für die Provinz Brandenburg trat gestern unter dem Vorsitz des Geh. Justiz- rats Dr. Krause zusammen, um gegen unseren Genossen Dr. Karl Liebknecht über die. eigenartige Anklage zu verhandeln, deren Erhebung das Ehrengericht bekanntlich ab- gelehnt hatte. Als Beisitzer fungierten Geh. Justizrat Jacob söhn und die Justizräte Stubenrauch. I r m l c r und L i s c o. Die Anklage vertrat der General- staatSanivalt S u p p e r und der Oberstaatsanwalt Kämpfer. Die Anklagebehörde verlangte eine Bestrafung mit 3000 Mark Geldstrafe und einen Ver- weis. Das Ehrengericht erklärte: Zu den Beleidigungen und scharfen Ausdrücken gegen den Zaren mag der Augeklagte gute Veranlassung gehabt haben und könne deshalb nicht bestraft werden. Anders liege cs mit den Vorwürfen gegen die preußische und hessische Regierung. Für diese habe er keine gc- nügcildc Unterlagen gehabt. Deshalb müsse auf einen Verweis erkannt werden. Diese Vorwürfe Liebknechts gegen die preußische und Heffische Regierung bestehen in der Vertretung des Antrages ans dem Magdeburger Parteitag: »Der Parteitag vrandmarkt die preußische und hessische Regierung, die den Repräsentanten einer barbarischen, gesetzlosen und hochverräterischen Willknrherrschaft gegen die Empörung des deutschen Volkes durch Maßnahmen zu schützen versuchen, durch die die deutschen Gesetze rücksichtslos mit Füßen getreten werden und so auch in Deutschland eine barbarische ÄZilllürherrschaft etablieren wird.' Die Verurteilung ist eine überraschende. Dasselbe Ehrengericht, das allerdings in anderer Besetzung die Er- Hebung der Anklage abgelehnt hatte, hat aus einen Verweis erkannt, weil es die Ansicktcn des Genossen Liebknecht über die deutsche und russische Rcgienmg nicht teilt. Was hat die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Ansicht eines Nechtsanivalts über die preußische oder hessische Regierung mit den Pflichten des Rechtsanwalts zu tun. Eine Kon- trolle hierüber darf dem Ehrengericht nicht zustehen und steht ihm auch nicht zu. Die unablässigen Bemühungen der An- klagebehörde haben es also dahin gebracht, das außer- amtliche Verhalten des Anwalts unter ehrenamtliche Zensur zu stellen. Einer solchen Auffassung steht das Gesetz und das Ansehen der Anwaltschaft selbst durchaus entgegen. Glaubt die Oberstaatsanwaltschaft oder glauben Anwälte, die politische Ansicht eines Anwalts bekämpfen zu müssen, so steht ihnen das an den Orten, die allgemein zur Austragung von Meinungs- Verschiedenheiten unter gesitteten Leuten gewählt werden, frei. Ein solcher Kampf darf aber nicht in einem Ehrengerichts- verfahren geführt werden. Glaubte die preußische oder hessische Regierung, beleidigt zu sein, so stand es ihr frei, Straf- antrag gegen den Genossen Liebknecht zu stellen. Wäre Genosse Liebknecht dann in einem ordentlichen Straf- Verfahren etwa verurteilt worden, so durfte nach dem Gesetz ein Ehrengerichtsverfahren nur eingeleitet werden, wenn eine Verletzung der Pflichten des Anwalts in Tatsachen erblickt Iväre, die außerhalb der Beleidigung selbst stehen. Man hat der öffentlichen Anklage im ordentlichen Verfahren das geheime ehrengerichtliche Verfahren vorgezogen. Das Ehrengericht hat durch seine Verurteilung die Rechtsanwälte zu Bürgern zweiter Klasse gestempelt, die ihre Meinungen nur mit oberstaatSanwaltschaftlicher Genehmigung betätigen dürfen. Bezeichnend für den Charakter der Anklage selbst ist der ober- staatsanwaltschaftlichc Versuch, durch hohe Geldstrafen die Aeußerungen der Ansicht des sozialdemokratischen Gegners zu verhindern. Wie tief steckt Deutschland doch noch in russischer Barbarei l_ Ter bayerische Banerndottor Heim gegen das agrarische Zentrum. Im bayerischen Landtag wird bekanntlich seit einigen Tagen über die herrschende Teuerung verhandelt. Den Be- schluß der Dienstag-Abendsitzung bildete eine sensationelle zweistündige Rede des Zentrumsabgeordncten Dr. Heim. So sehr er sich bemühte, durch demagogische Polemik gegen die Sozialdemokratie und durch Wiederholung bekannter schütz- zöllnerischer Argumente die Schärfe seines Angriffs gegen die bisherige konservativ- klerikale Agrarpolitik zu verhüllen, so unzweideutig war das Geständnis, daß diese Politik durch Verteuerung der Produktionsmittel dauern- feindlich gewirkt habe. Als Ketzer und Bekehrter bc- kannte er sich selbst. Mit ätzendem Hohn geißelte er die „allgemeinen Mätzchen' seines Fraktions- kollegen Pichler und der Regierung. Noch sei kein Notstand da, aber im Frühjahr werde eine wirklich gefährliche Not in Vieh und Fleisch eintreten. Außerordentliche Maßnahmen feien geboten; sonst würde sich die allgemeine Empörung gegen die Bauern erheben. Gegen die Einfuhr von argentinischem Fleisch sei nichts einzuwenden, aber größere, dauernd wirkende Mittel seien notwendig: Verbilligung der bäuerlichen Produktionskosten durch Aufhebung der Mais- und Futter- Mittelzölle, durch Einführung eines tiefgreifenden Systems gemeindlicher Fleischversorgung, durch umfassende Landeskultur und vernünftige Produzentenorganisation. Mit leidenschaft- lichem Hohn griff er die Regierung an, die die dauern- legenden und baucrnvernichtenden Junker noch mit Orden und Berufungen in den Reichsrat auszeichne. Mit Kaninchen sei es nicht getan, Ratten seien ja noch fruchtbarer; auch nicht mit dem Schwindel landwirtschaftlicher Aus- stcllungen und Viehprämiieningen(„Diplomatcnviechern"). Großes Aussehen machte die Bemerkung Heims, daß er alle diese Ansichten schon im Reichstag habe vortragen wollen, aber nicht vortragen habe können. Er erhob also die Be- schuldigung gegen die Zentrnmsfraktion des Reichstags, daß sie ihn verhindert habe, bäuerliche Agrarpolitik im Reichstage zu treiben._ Gegen Tencrnng und Lebensmittelwucher nahmen am Dienstagabend im Städtekomplex Hamburg- Altona- Wandsbeck neunzehn zahlreich besuchte Frauen Versammlungen Stellung. Neberall gelangte eine Resolution zur Annahme, in der vom Reich, Staat und Gemeinde gefordert wird: t Die Beseitigung oder wenigstens die zeitweilige Aufhebung der Zolle auf L-beuSmittel jeder Art; 2. die Aushebung der Einfuhrscheine; die Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch; 4. die Organisation deS Massenbezugs von unentbehrlichen RohrungSinitteln(Kartoffeln, Seefische usw.) durch die Gemeinden, um sie im Kleinverkous an die ärmere Bevölkerung abzugeben. Ferner wurde Propaganda gemacht für die politischen, gewerkschaftlichen und Konsumorganisationen der Arbeiter. Anweisnng zur Stcucrdefrandation. Die«Post' jammert darüber, daß die Kapitalisten, die ihre Kapitalien in das Reichs- oder Staatsschuldbuch eintragen lassen, nichr genug vor den Steuerbehörden geschützt seien; daS Blatt schreibt in Nr. 477 vom il. Oktober unter der Ucbcrschrift: Gehei in Haltung peZ StaatSschuldbucheS: .Wenn seitens der Staats- und ReichSregienmg immer wieder angeregt wird, Kapitalien in das Reichs- oder Staatsschuldbuch eintragen zu lasicu. indem ausdrücklich hervorgehoben wird, daß den Amissielle» in steuerlicher Beziehung keinerlei Auskunft erteilt wird, so erwartet der Staatsbürger auf Grund solcher Erklärungen unbedingte Geheim- Haltung. In Wirklichkeit ist es hiermit jedoch sehr lückenhaft be- stellt. Sofern nämlich die Konteninhaber sich die halbjährlichen Zinsen durch Vermittelmig der königl. RrciSkassen zahlen lasien. erhält in jedem Falle der K a s s e n r e v i s o r. der in den weit- aus meisten Fällen der königliche Steuersekretär ist, � bei seiner monotiichen RcvisiouSläligkeit Einsicht in die Kassenbücher und somit Kenntnis von Zinszahlimgen an Schuldbiichgläubiger. Falls auf die Tätigkeit der Kasienrevisoren einstweilen noch nicht verzichtet werden sollte, obwohl deren Nolweudigkeit in Fachkreisen der königlichen Nenimeister, der Verwalter der köuig- lichen KreiSkaffen, nicht anerkanilt wird, so müßte hier nnbediiigt Wandel geschaffen werden, indem man anderen Beamten am Kassenorte, wie z- B. Katasterkontrolleuren oder Kreissekrclärcn dieses Nebenamt überträgt. Der königliche Steuersekretär ist interessiert und wird, auch wenn zwei Seelen in seiner Brust wohnen, kaum diese AuSgabeposten. die ihm! für seine Einkomuiensteuerveranlagung wert- volle Auskunft geben, ohne Sondergedanken und ohne denniächstige amtliche Verwerlung übergehen können. Die geringe Beteiligung der Schuldbuch- e i>i t r a g u>i g e n aus ländlichen und kleinbürger» l i ch e n Kreisen ist Beweis dasiir, daß man die amtlich geäußerte Geheimhaltung beargwöhnt. Der vorsichtige Staatsbürger, der die vcrsckli», geiien Wege der Bureau- kratie keimt, läßt_ sich als Schiildbuchgläubiger die Zinse n d u r ch d i e P o st s e n d e n. Er trägt hierbei das UeberscndmigS- Porto, das der andere weniger beschlagene Staatsbürger bei Ab- Hebung durch die Kreiskasse erspart, bat aber nun die Geivähr, daß keine Steuerbehörde die Anlegung seiner Gelder im Staatsschuldbuch erfährt. lind letzteres ist vielen, wenn nicht allen, das eutscheidende Moment.' Die Klage deS kapitalistischen ScharsmacherorganS ist charakte- ristifch für das stcilerliche Pflichtgefühl der besitzenden Klasse. Weiin man sich die tönenden Worte über die patriotische Steucrpflicht des Volkes vergegenwärtigt, die im preußischen Jmikerparlameut fielen, als die Bestimmung in daS Einkommensteuergesetz aufgenommen wurde, daß zum Zwecke einer genauen Erfassung des Ein- k o m m e n S der Arbeiter die Lohnlisten einzureichen sind, so könnte cS scheinen, als wenn cS für die Besitzenden gar kein höheres Ziel gäbe, als jeden Pfemiig Vermögen und Einkommen ehrlich zn verstellern. Dagegen wird in der„Post' geklagt, daß der s y st e- matische Steuerbetrug, daß die Steuerdefraudation in großem Stile nicht genug von der Regierung begünstigt wird. Und die„Post" springt mit Ratschlägen zu Hilfe, wie der Stenerbeamte am besten hiiitergaiigen werden kau». In der Tat ein prächtiges Dokument zur Kemizeichmmg unserer„ S t a a t S st ü tz e n'. Man wird sich diese Jeremiade im Wahlkampfe nicht entgehen lassen dürfen._ „Fortschrittliche" Politik. Am Sonnabend und Sonntag hat in Königsberg der Parteitag der ostpreußische» Fortschrittspartei stattgefimden, auf dem die Herren Dr. W i e m e r, Dr. P a ch n i ck e und G Y ß l i n g Referate gehalten haben. Von den Verhandlungen ist nicht viel zu berichten. Es wurde, wie immer, bor allem die Kunst der Schaumschlägerci geübt. Herr Dr. Wicmer sagte unter anderem, falls neue Heeres- und Marineforderungen kommen sollten, so werde es un- abweisbare Pflicht sein, dafür zu sorgen, daß die Deckung durch den Ausbau der direkten Stenern für das Reich, durch eine Reichs- erbschaftSsteuer oder eine ReichsvcrmögenSsteuer erfolge. Herr Wiemer denkt offenbar gar nicht daran, die netten Heeres- und Marineforderungen strikt abzulehnen und zu fordern, daß die direkten ReichSsicuern zur Entlastung des mit Steuern über- bürdeten arbeitenden Volkes eingeführt iv erden. Er scheint die neuen Militärlasten bewilligen und nur zu deren Deckung direkte Reichssteuern fordern zu wollen. Eine derartige Politik ist volksfeindlich, und es ist ganz gut, daß die Fortschritts- leute die Karten ein wenig aufgedeckt haben. Weiß doch das Volk, was es von ihnen zu erwarten hat. Herr Wiemer hat auch auf dem Parteitage mitgeteilt, daß die Fortschrittliche Volkspartei in l SO K r e i s e n K a n d i d a t e n aufgestellt habe und daß ein Erfolg in Sl) bis IOV Krriscn möglich sei! Große Hoffnuiigen I Wenn die Herren nur nicht bittere Eni- tänschungen erleben. 1903 errangen sie in der Hauplwahl nicht ein Mandat und 1907 war eS ihncii nur mit Hilfe der rechtsstehenden Parteien ntöglich, einige.Siege' zu feierü. Herr Wiemer erklärte weiter, die Fortschrittler wollten eine warmherzige Arbeiterpolitill Dabei haben noch in vergangener Woche die Kommuiialfrcisinuigeu in Königsberg den sozialdemokrarischen Antrag abgelehnt, alle Personen mit 600 bis 900 M. von der Gemeindesteuer zu befreien. Um die Frauen für die Wahlarbeit zu gewinnen, hatten die Fortschrittler, die vom Frauenstimmrecht nichts wissen wollen, eine bürgerliche Dame einen Bortrag über das Reichstagswahlrecht halten lassen. Die Redneriu bekam eS auch wirklich fertig, an die Frauen den Appell zu richten, durch ihre Mithilfe und ihre Begeisterung dem Liberalismus zum Sieg bei den Wahlen zu verhelfen._ Knnst und Hurrapatriotismus. In Düsseldorf ist dieser Tage die diesjährige KunstauZstellung geschloffen worden. So etwas geht natürlich nicht ohne Reden und Aufwand offizieller Feierlichkeit ab. Obcrpräsident Freiherr von R Heinbaben stellte der AnSstelllnig daS Zeugnis vollen Ge- lingenS aus. Der zahlreiche Besuch beweise, wie auch heute noch unser deutsches Publikum volles Verständnis für die Darbietungen echter und wahrer Kunst habe und wie es auch heute noch zu den Quellen ströme, aus denen ihm Erquicklilig komme, weiin nur diese Ouellen reines Wasser sprudelten. Der Erfolg der Ausstellung möge ein Anspor» sein, dem alten Idealismus der Kunst treu zu bleiben und die Düsseldorfer Kunst ans ihrer alten Höhe zu halten, auf der Höhe ihres Könnens. ihrcS Schaffens. Professor Pohle wie» auf die politischen Sorgen der Aus- stelluiigöleituiig hin. Wiederholt habe sich im Laufe des Sommers der politische Horizont geradezu bedenklich verdiiiikelt und die Aus- stellnngSlcituiig könne von Glück sagen, daß sie ohne Krieg und Kriegsnot die Ausstellung habe zun» Schluß führen dürfen. Das haben wir— so fuhr der Redner fort— der Weisheit einer hohen StaatSregicrung. in erster Linie aber wohl der Herzensgüte und Friedensliebe des Staats- oberhauptes. unseres allcrgnädigsten Kaisers, Königs und Herrn zu verdanken. Mö-bte auch ferner Seiner Majestät beschieden sein, imS de» Frieden so lang als möglich zu erhalten, zu Nutz und Frommen aller Kultlirarbeit, also auch besonders unserer schönen Künste, deren Förderer und Beschützer nnscc Kaiser allzeit war und ist. Wenn eS aber einmal anders kommen muß, dann folge Alldcnischland dem Rufe seine« heißgeliebten Kaisers, wie vor 41 Jahren dem Rufe weiland König Wilhelms I. freudig und be- geistert Folge gegeben wurde. Dam, iverden Hoch und Niedrig. Reich und Arm sich Schulter an Schulter um das deutsche Banner scharen und geführt von unserem Kaiser ailsziehen, um den Ehrenschild vor jedweder Besudelung zu schützen, zum Ruhme unseres hochverehrten und geliebten Kaiserlichen Herrn und unserem lieben Vater- lande zur Ehre und zum Segen.' WaS ist lächerlicher: die ästhetischen Plattheiten deS ExministerS Rheinbaben oder die hnrrapairiolischen Verzückungen des Maler- Professors?_ Disziplinarverfahren gegen Pfarrer Traub. Wie der„Dortmunder Zeitung' aus sicherer Quelle mitgeteilt wird, ist gestern vom Koiifistoriuin in Münster das Disziplinar- verfahren gegen Pfarrer Traub eingeleitet worden. Gleichzeitig ist ein Verfahren nach dem neuen Jrrlehregesetz vor dem Spruchkollegiinn in Aussicht genommen._ Der Streit im Zentrum. Am Dienstag fand eine ZentriunSvertraueiiSmänner-VersammIung für Schlesien unler dem Vorsitz des Abg. Dr. Porsch statt. Die Versammlung nahm zu der Angelegenheit OpperSdorff Stellung. Es wurde eine Resolution angenommen, in der sich die Versammlung gegen alle Sonberbestrebungen erklärt, durch welche die in der jetzigen Zeit so notwendige Einheit der Partei gefährdet, das Vertrauen zur Parteileitimg erschüttert und die Parteidisziplin gelockert wird. Die Resolution bedeutet eine Verurteilung des Grafen OpperSdorff. Diesem Votuni der VertraiicnSmämicr steht die„programmatische Erklärung' ciilgegen, die eine von Laien und Klerikern besuchte Ver- iammlung am 25. September in R a t i b o r beschloß und die Bei- behaltung des katholische» Charakters der Zeiitrnmspartei forderte. Die Erklärung erhielt bis jetzt 1300 Unterschrifren. Scharfmacherisches Gerede. Eine Anzahl Scharfmacherblätter berichten, daß die Schuhfabrik des NeichStagSabgeordneten Genossen F a b e r in Frankfurt a. O. in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei und daß die Arbeiter, deren Zahl ans 30 angegeben wird, am letzten DienStag plötzlich entlassen wurden. Die Arbeiter hätten eS in der Fabrik niemals besonders gut gehabt und F a b e r wolle nun den Arbeitern auch noch den ihnen zusteheildeil Lohn nicht bezahlen. Wir erfahren hierzu folgendes: Faber hat sich allerdings mit seinen Gläubigern aus- cinaiidergesetzt— ein Vorgang, der im geschäftlichen Leben als etwas Alltägliches bezeichnet werden muß. Der Betrieb wird inbe- schränkte»» Maße weiter geführt und die Arbeiter werden der Anciennität nach wieder eingestellt. Am Tage der Betriebs- eiiistcllmig mußte» die Arbeiter allerdings ihre Tätigkeit eiilstellen, doch ist über die Entschädigung zwischen beiden Teilen vollständiges EiuvcrsiändiiiS erzielt worden._ Die revolutionäre Gärung in China. Schon seit mehreren Wochen herrschten in einem großen Teil Südchinas revolutionäre Unruhen, gegen die die Rc- gierung Militär ciufbicten mußte. Nach blutigen Kämpfen scheint es der Regierung gelungen zu sein, der Bewegung Herr zu werden. Dagegen berichten heute Telegramme über revolutionäre Erfolge im Zentrum des Reichs. Die Aufständischen haben die Provinzialhanptstadt W u t s ch a n g erobert. Es liegen folgende Depeschen vor: Peking, 11. Oktober. Die Revolutionäre haben sich WutschangS bemächtigt. Der V i z e k ö n i g ist e n t- flohen. Der Kommandant der Truppe» ivnrde durch eine Bombe getötet. Fünf ausländische Kanonenboote haben dcn Schutz von H a n k a u übernommeii. Die Truppen haben mit den Revolutionären ge- m e i n s ch a f t l i ch e Sache gemacht. In den europäischen Niederlassungen stehen alle unter Waffen. Ein amerikanischer. ein japanischer und zwei englische Dampjcr liegen bereit, Frauen und Kinder aufzunehmen. Fortdauer der Kämpfe. Wutschang, 11. Oktober. Innerhalb der Stadt ist Feuer ans- gebrochen. DaS Damen deS VizeköiiigS ist zerstört, der Vizckönig begab sich an Bord einer Privatjacht. Die Kämpfe zwischen A u f r ii h r e r n und Regieruligstr Uppen dauern an. Die Ausländer sind wohlbehalten. Die Führer der Austtändischen haben eine Proklamation erlassen, in welcher ihre Anhänger aufgefordert werden, die Ausländer nicht anzugreifen- Die ausländischen Konsuln haben telcgraphisch um U n t e r st ü tz u n g durch Kriegsschiffe gebeten. Es werden japanische und ameri- konische Kreuzer erwartet. Heute nacht sind verschiedene Kanoneu- boote nach Hankau und Wutschang abgegangen. Die Handelsschiffe im Hafen liegen alle unter Dampf, und auS Vorsicht haben sich Frauen und Kinder heute nacht an Bord der Kauffahrteischiffe begeben. Gegen die Dynastie. Haukau, 11. Oktober. Der Oberbefehlshaber der RegiernngZ- i nippen hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem erklärt wird, daß van Chinesen die V e r j a g n n g d e r M a» d s ch u d y n a st i e ge- plant werde, deSivegen der K r i e g S z u st a n d verhängt wird und Todesstrafe angedroht wird für die Uliterstützmig von ivkan- dschuren, die die Ausländer schädigen, sowie für LuSschreitimgeil und Ordnungsstörungen. Vor der Reede kreuzen drei chinesische Kriegsschiffe._ Oesterreich. Die Tenernugsdcbatte. Wien, 11. Oktober. Abgeordnetenhaus. Die Debatte über die TeuerungSaiiträge wurde heute fortgesetzt. Der Deutschnationale W a b e r polemisierte gegen die gestrige Rede deS Ministerpräsidenten, der sich auf einen r e i n k a p i t a l i st i s ch e n Standpunkt ge- stellt habe. Er, Redner, müsse bcdanern, daß gerade in einer so kritischen Zeit Freiherr v. Gantsch als Ministerpräsident in Oesterreich fungiere.(Zustimmung.) Der Redner ivarf der Regierung un« aufrichtiges Vorgehen und Schwäche gegenüber Ungarn in der Fleischfrage vor und erliärte, der Ministerpräsident möge nicht warten, bis die revolutioiiärc Stimmung auch daS Pürger- tuiii erfasse. Die Dentschfrciheillichen Fried maiilr, Denk und Zenker begründeten ihre Anträge gegen die LebenSmitteltcuernng und WohmingSiiot. Der Christlichsoziale Jerschabek erklärte, die Negierung möge endlich dem bedrängten Volke die ersehnte Hilfe bringen, sonst würden die C h r i st l i ch i o z i a l e n nicht länger die Stütze einer Regierung bilden, welche die eingeborene christliche Bevölkernng von asiatischen Ausländern ausbeuten und geradezu verhungern laste.(Beifall bei den Christlich- sozialen.) frankmch. Der Zusammentritt der Kammer. Paris, 10. Oktober. Wie verlautet, soll der Zusammen» tritt d e S Parlaments, da die Berhandlnngcn über die n, arokka irische Angelegenheit noch nicht ganz abgeschlossen sind, und die Negierung wünscht, daß sie vor dem Beginn der parlamentarischen Session beendet seien, vom 24. Oktober auf den 31., oder wenn nötig, auf den 7. November verschoben werden. Snglanck. Genossenschaften gegen die Gewerkschaften. Im„Labour Leader', dem Organ der Unabhängigen Arbeiter» Partei, das dem GcnosseiiickiaftSwesen aufs freundlichste gegenüber» steht, wird in einer Zuschrift Klage geführt über die ablehnende Haltimg, die eine Reihe Genossenschaften den Gewerkschaften gegen- über einnehme.„Viele weigern sich, auf dem Gebiete deS Waren- verlricbs Gewerkschaften anzuerkennen. ES ist eine Schande für die GenosieiischaftSbewegiiiig, daß viele Vereine sich weigern, einen Mindestwochenlohn von 24 Shilling an männliche Personen von 21 Jahren zu zahlen. Man wundert sich, da doch beide Bewegungen dasselbe haben, wie dieser Gegensatz entstehen konnte. Die Antwort liegt nahe: Infolge der Bernachlässignng durch die sozialistische und die GewerlschaftSbewcgung ist die genossenschaftliche in die Hände von Reaktionären gefallen. Auch das Hcimittel liegt nahe: Laßt Sozialisten und Gewerkschafter auf dem Platze sein l Sie müssen dafür sorgen, daß nur fortschrittlich gesinnte Personen in die Ver- waltmigen kommen. Es hat keinen Wert, den Nutzen der Genossen- schast zu leugnen. Ricklig geleitet, kann sie ein machtvoller Faktor im Ausstieg der Menschheit sein.' perlten. DaS englische Vorgehen in Südpersie«. London, 11. Oktober. Wie einem hiesigen Blatte aus Teheran gemeldet wird, hat der britische Gesandte der persischen Regierung gestern die Mitteilung gemacht, daß die britische Regierung beabsichtige, die Konsular wachen in SchiraS und möglicherweise auch an anderen Orten zu verstärken. GewerkfcbaftUcbes. Berlin und Qmgegend« Arbeiter, Raucher 1 Kauft«ur dort, wo die grünen Bewilllgungsplakate aushängen! Beachtet die Veröffentlichungen! Vielen Leuten will es durchaus nichr in den Kopf, datz man bei geschäftlichen Kalkulationen, bei denen man doch sonst alle Faktoren möglichst genau in Rechnung stellt, auch die Arbeitskraft und die Entlobnung deS Arbeiters den veränderten Verhällmsfen entsprechend einschätzt. Es könnte sonst nicht vorkommen, daß den Verbands- sunltionären, die mit den Zigarrenfabrikanten zu verhandeln haben, immer mit der Rede begegnet wird der Verkaufspreis der Zigarre sei zu niedrig Soll deshalb, weil man in schrankenlosem Drauflos- konkurrieren den Arbeiter und seine verteuerte Lebenshaltung über- sah. der Arbeiter nicht auch sein Recht auf ein Lebensminimum geltend machen? Es werden in Berlin noch Löhne gezahlt für Zigarrenarbeiter, die in anderen Branchen so leicht kein Seiten- stück finden dürften. Eine Firma Beyer in der Palisaden- strafie SS zahlt immer noch nach alter Väter Weise sechs Mark für das Rollen von tausend Zigarren; ein Verwandter von ihm gleichen Namens in der Elbingec Straße 14 gar nur S.SO M. Neuerdings sollen diese Zigarren ja nicht mehr angefertigt werden, jedoch kann man sich ja auch wieder anders besinnen. Aber für den Arbeiter, der täglich mit angestrengter Arbeit 3 M. bei solcher Tätigkeit verdient, muß ein solches Leben wirklich zur Hölle werden. Ihn kann man nicht ausbessern; da hängt es an tausend Ketten. Was soll man aber erst über die Art sagen, der sich ein Herr Schröter, Gubener Str. 1 IV, bedient, der sich brüstet, die Verbands- funklionäre. ältere Leute, schon an der Treppe abgefertigt zu haben. Ein Kleinfabrikant, der selber Arbeiter war, ja in gewisser Be- zichung jetzt noch ist I ES ist höchste Zeit, daß diesen und ähnlichen Leuten das Augenmatz für gerechte Forderungen der Arbeiter ge- schärft wird, zum mindesten aber daß sie sich im Umgange mit den Beauftragten einer Arbeiterorganisation der elementarsten Anstands- regeln befleißigen. "•* Achtung, Zigarrenarbeiter k Die Firma D. Schachmann � Winsstraße 12. Laden, hat sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt. Die alten Arbeiter wurden wieder eingestellt. Die Sperre bei der Firma Schachmann ist aufgehoben. Deutscher Tabakarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Zum Tarifvertrag in der Stapelkonfektion. Die bei den Zwischcnmeistern der Stapelkonfektion beschäftig- tcn jungen Leute hatten sich am Dienstag bei Schulz in der Münz- straße versammelt, um über ihre Stellung zur Lohnbewegung zu beraten. Die Dinge liegen nun in der Stapelkonfektion bekannt- lich so, daß die ZwisdHenmeister durch den Tarifabschlutz Vorteile von den Konfektionären erreicht, damit aber auch die Verpflichtung übernommen haben, nun ihrerseits den bei ihnen beschäftigten Ar- heitern und Arbeiterinnen Verbesserungen zukommen zu lassen. Es handelt sich dabei vor allem um die Einführung einer geregcl- ten Arbeitszeit und einer geordneten Arbeitsmethode, und dann, soweit es erforderlich ist, auch um die Regelung der Lohnverhälb- nisse. Dies ist bereits in den vorhergegangenen� Versammlungen hervorgehoben worden und fand auch wiederum allgemeine Zu- slimmung, als der Referent Kunze nun die Taktik und die Grund- sähe der Bewegung darlegte. Das bisherige System, daß die Zwischenmeister ihren Arbeitern cm bestimmtes Pensum Arbeit aufgeben, und die jungen Leute bis 10, 11 Uhr oder noch später bis in die Nacht hinein darauf losarbeiten, während man es mit dem Beginn der Arbeitszeit nicht genau nimmt, muß aufhören, und statt dessen ist eine bestimmte Arbeitszeit einzuführen, die pünktlich beginnt und pünktlich schließt, wie das in allen anderen Gewerben üblich ist. Die Arbeitszeit, in der jeder selbstverständlich seine Pflicht zu erfüllen hat. und nicht das Pensum, muß das Maß- gebende sein, und daneben sind, soweit es erforderlich ist, die Lohn- Verhältnisse der jungen Leute zu regeln. Solange die Zwischen- ineister einander gegenseitig unterboten bei der Uebernahme der Arbeit, sahen sie sich gewissermaßen zu grenzenloser Ausbeutung der jungen Leute veranlaßt, um konkurrieren zu können; durch die tarifliche Regelung der Preise aber ist dem gegenseitigen Unter- hicten ein Riegel vorgeschoben, da jeder den Preis zu fordern hat, den der Tarif ergibt, und dadurch ist es den Zwlschenmeistern leicht gemacht, auch in ihren Werkstätten für geregelte Verhältnisse zu sorgen. Insofern haben beide Gruppen von Arbeitnehmern, die Zwischenmeister wie die jungen Leute, den Konfektionären gegen über gemeinsame Interessen, und wenn es in dieser Hinsicht ge� lingen sollte. Zwiespalt unter die beiden Gruppen zu bringen, so wäre das Unternehmertum nur der lachende Dritte. Schon allein aus diesem Grunde soll danach getrachtet werden, soweit es irgend möglich ist. die Verhältnisse in den Werkstätten auf friedlichem Wege zu rsgeln. Man ist sich aber auch klar darüber, daß es unter den Zwischenmeistern Leute gibt, die nur ihren eigenen augenblick- lichen Vorteil im Auge haben und auch gegenüber ihren nächsten Kollegen unsolidarisch handeln, und solchen Leuten gegenüber muß dann natürlich ein ernstes Wort gesprochen werden. Die Arbeiter- schaft der Stapelkonfektion darf sich natürlich nicht einbilden, daß ihr die Vorteile der Lohnbewegung mühelos in den Schoß fallen. sondern muß sich bewußt sein, daß dazu einmütiges Zusammenhalten in der Organisation und einmütiges Handeln notwendig rst. Wie die Zwischenmeister bereits am Montag eine vicrgliedrige Kom- Mission zur Beratung über die zu treffenden Vereinbarungen wähl- ten, so wird den jungen Leuten empfohlen, nun ihrerseits auch eine folche Kommission zu wählen, um eine gegenseitige Verständi- gung herbeizuführen. Die Vorschläge, die aus den KommissionS- Beratungen hervorgehen, lverden sodann einer weiteren Versamm- lung zur Beschlußfassung vorgelegt.— In der Diskussion erklärte man sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, und es wurde dann auch, dem Vorschlage gemäß, eine Kommission von vier Mitgliedern gewählt.__ Achtung, Tupfer! Wegen Lohnausfall verhängen wir hiermit über die Firma'H. H e i n r i tz. Reinickendorf, Sommerstr. 47, die Sperre. In Frage kommt der Bau Reinickendorf-West, Scharnweber-, Ecke Hechelstratze, Bauherr Völker. Desgleichen über die Firma Kasimir Kowalski. Schönhauser Allee 69, Bau Wilmersdorf, Pfalz- burger Str. 22, Bauherr Hermann Pflaum, Bornholmer Str. 3. _ Die Verbandsleitung. Lohndifferenzen in der Ballschuhindustrie kamen in einer sehr gut besuchten Versammlung der Ballschuh- macher zur Erörterung. Wie der Bezirkslertcr Hamann bc- richtete, wird der im vorigen Jahre mit den einzelnen Ballschuh- fabrikanten abgeschlossene Tarifvertrag von verschiedenen Firmen zu ulngehen versucht. Insbesondere wird in dieser Hinsicht über die Firmen Georg Beck, Jungmartin und Leiser u. Co. gellagt. Die letztere Firma hat auf Vorstelligwerdeu der Verbandsleitung hin. die den Arbeitern zu wenig gezahlten Lohnbetröge nachgezahlt und sich damit entichuldigt, sich nur verrechnet zu haben. In fast allen Betrieben fühlen'sich jedoch die Arbeiter durch die neue Mod» benachteiligt. Die neue amerikanische Leistenform mit hoher Spitze und weiter Spannung verursacht eine beträchtliche Mehr- arbeit, ohne daß ein Lohnausgleich dafür gewährt wird. Die Ver- trauensleute haben sich bereits mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigt und sind zu dem Ergebnis gekommen daß in allen Fa- briken. die diese neuen. Formen anfertigen, ein Aufschlag verlangt werden soll, und zwar bei Lackschuhen von 20 Pf., und bei den sich besser verarbeitenden Ledern von 10 Pf. das Paar. In der Diskussion wurde e» als eine Zurückgebliebenheit gegen über anderen Gewerben bezeichnet, daß die Arbeiterschaft bei jeder Neuerung, die die Industrie hervorbringt, erst immer um eine an- gemessene Bezahlung der neuen Erzeugnisse kämpfen muß. während in anderen Gewerben die Schiedsgerichie einen angemessenen Preis in solchen Fällen ohne weiteres festzusetzen haben. Mit dem Hin- weis auf die immense Lebensmittelteuerung appellierten alle Red- ncr an das Solidar-tätsgefuhl der Anwesenden und forderten strikte Durchführung Liese- PreiSauf'chlages Schließlich nahm die Vcr- sammlung einen dahingehenden Beschluß an. Gewährung einer Teuerungszulage fordern auch die in den städtischen Betrieben Char- lottenburgs beschäftigten Arbeiter und Handwerker. Die Forde- rung wurde erhoben und begründet in einer sehr stark besuchten Bersammlung, die am Dienstag im Charlottenburger Volkshause tagte Der Referent war Stadtverordneter Gebert. Daß die Löhne der städtischen Arbeiter schon unter normalen Verhältnissen unzureichend sind, das wurde in der Diskussion zahlenmäßig illustriert. Otto Schulze verwies darauf, daß Löhne von 3,60—4,50 M. an der Tagesordnung feien. Für diejenigen Arbeiter, die im Winter eins verkürzte Arbeitszeit haben, sinkt der Tagelohn in dieser Zeit bis auf 2,80 M. herab. Wie soll ein Arbeiter mit solchem Lohn iin Winter und bei der herrschenden Teuerung aus- kommen. Angesichts solcher Verhältnisse ist die Gewährung einer Lohnzulage eine dringende Notwendigkeit, eine Pflicht, der sich die städiischen Körperschafleu nicht entziehen können.— Nachdem noch einige Redner diesem Gedanken Ausdruck gegeben hatten, wurde eilistimmig eine Resolution angenommen, in der die Gewährung einer Teuerungszulage als dringend notwendig gefordert wird. veutkcbes Keicb. Sächsische Justiz. Aus Sachsen kommt wieder die Nachricht von einem Lra- konischen Streikurteil. Bei dem Bergarbeiterstreik in der Ober- lausitz sollte der Bergarbeiter Brodda aus Seitendorf einen Arbeits- willigen beleidigt haben. Das Schöffengericht Zittau verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Die Strafkammer bestätigte das Urteil. Die Zeugen Broddas, die beweisen sollten, daß d:e Denunziation auf einen Racheakt zurückzuführen ist, wurden vom Gericht abgelehnt Aus Aerger über seine Verurteilung ver- griif sich Brodda kurz nach dein Gerichtstermin an dem Gendarmen Kothen aus Hirschseide, der in dem Prozeß als Zeuge aufgetreten war und bei dem Streik eine eigentümliche Rolle gespielt hatte. Gefährlich waren die Schläge, die Brodda dem Gendarmen versetzt hatte, nicht, denn am anderen Tage lief dieser schon auf der Straße herum, als ob nicht das geringste vorgefallen sei. Trotzdem ver- urteilte die Strafkammer in Bautzen den Bergarbeiter für seine unbesonnene Handlung zu 2Jahren 2 Wochen Gefängnis! Ein anderer Bergarbeiter aus Hirschfelde erhielt für eine harmlose Geschichte aus dem Jahre 1903, bei der er sich auch an einem Polizisten vergriffen haben sollte, 4 Monate Gefäng- nis vom Schöffengericht O st r i tz zudikliert. Drei Jahre hindurch hatte er von dieser Sache nichts mehr gehört, jetzt, nachdem er ge- itreikt hatte und eifrig im Streikbureau tätig gewesen war, fand man, daß die Tat noch gesühnt werden müsse. Achtung, Schiffszimuiercr! In G e n t h i n haben aus dem Schiff- bauplatz von Marwitz sämtliche organisierten Schiffszimmcrer wegen Lohitredliktion die Arbeit eingestellt. Zuzug von Schiffs- Zimmerern und Hilfsarbeitern»ach Gemhin ist fernzuhalten. Die BreSlauer Isolierer stehen bekanntlich in einer für sie aussichtsreichen Lohnbewegung. Ten Unleriiehmerii gelang e- bisher trotz der rosigste» Versprechungen nicht Streikbrecher in neiinenS» werter Zahl heranzuziehen. Erst in letzter Zeil haben sich einige Exemplare aus dem norddeutichen Gebiete nach Breslau verirrt. Da das jedenfalls auf Unkenntnis derchiesigen Verhältnisse zürückzusühren ist, machen wir an dieser Stelle wiederholt darauf aufmerksam. Der Verband süddeutscher Gcmcindearbeiter in Nürnberg, eine L o ka lo rga n i s a ti o ii. die im Jahre 1906 sich vom Verband der Gemeinde- und Siaatsarbeiter absplitterte, hat sich nunmehr dem Verbände wieder angeschlossen, so daß der leidige Bruderkrieg damit zu Ende ist. ZZusland, Der Ausstand de? Personals der Dampffischcreibetriebe in Dmutden hat eine Unterbrechung erfahren. Die Reeder werden in ungefähr acht Tagen auf die Forderungen der Schleppnetzfischer and warten. Einige Reeder bewilligen schon die Forderungen und er- warten nunmehr die endgültige Antwort. Die Schleppnetzfischer werden heute wieder auf Fang ausgehen. Ein Umschwung in der britischen Bergarbeiter- föderation. Southport, 6. Oktober 1911.(Eig. Ber.) Der allgemeine Streik der britischen Bergarbeiter, der bis vor kurzem nur als möglich oder wahrscheinlich geschildert wurde, kann nach der Generalversammlung der Bergarbeiterfödcration, die heute in dieser Stadt zu Ende kam. als fast sicher bezeichnet werden. Die jüngeren, aggressiven, sozialistlichen Elemente haben in dieser ge ivaltigen Ärbeilerorganiialion die Oberhand gewonnen und ihre Taktik durchgesetzt. AuS der Organlsanon. die bisher nur der Ver lerdigung galt, die bisher gemäß ihren Statuten nur den von den Unternehinern angegriffenen Distriklsverbänden zu Hilfe eilen konnte ist eine aggressive Organisation geworden, die gleich nach der Um- gestaltung beschloß, die neue Waffe zu probieren. Dies ist sür die Entwickelung der englischen Arbeiterklasse von unabsehbarer Bedeutung. Mit ihren über 600 000 Mitgliedern ist die Bergarbeiterkonföderation Großbritanniens wohl die größte Gewerkschaft der Welt. Zwar ist sie nicht io festgesügt, wie manche der großen gewerkschaftlichen Gebilde Deutschlands, ihre Teile erfreuen sich einer bedeuieiideii Selbständigkeit, aber in bezug ans numerlsche und repräsenlalive Stärke steht sie wohl unerreicht da. Man kann ohne Ueberlreibung behaupten, daß in ganz Groß- britannien keine Tonne Kohle gefördert werden wird, wenn die Föderalion den Generalstreik erklärt. Auch innerhalb der Gewerk- schastSbeweguiig spielt die Bergarbeiterfödcration eine große Rolle. Auf dem Gewerkschaftskongreß bildet sie das Zentrum und eni- scheidet das Schicksal fast aller eingereichten Resolutionen. De Ruck nach links, den diese Generalversammlung vollzog, ist daher ein historisches Ereignis von erster Bedeutung. Bon Anfang an war eö klar, daß die Delegierten unter dem Eindruck des kommenden Generalstreiks standen. In den ersten Sitzungen, zu denen die Presse zugelassen war. wurde» Anträge verhandelt und angenommen, die sich mit der Vereinheitllchung der Organisation befaßte. Ein Antrag verlangte, daß alle Arbeiter auf einer Grube derselben Organisation angehören sollten; ein anderer forderte, die Küiidiglingsfrist im ganzen Lande zu vereinheit- lichen; in einem drillen wurde der Grundsatz festgelegt. daß alle Lohnverträge an einem und demselben Tage in Kraft treten und auch zur selben Zeit ablausen müssen. Begründet wurden alle diese Anträge durch den Hinweis darauf, daß die Föderation zur wirksamen Durchfübrung einer allgemeinen Aktion eiiihsillich und schlagfertig sein müsse. Auch die anregende Diskussion, die über die Verslaallichung der Gruben, des Grund und Lodens und der Eisen- bahnen gesiibrt wurde, zeigte, ivoher der Wind wehte. Bisher wurden dieser und ähnliche Anträge meist ohne viele Worte als fromme Wünsche angenommen. Die'eS Mal brachte der Antrag die Sozialisten auf die Beine, der Vorstand wurde wegen seiner Untätigkeit in der Propagierung sozialistischer Forderung kritisiert und es wurde beschlossen, Massenversammlungen abzuhalten, um die Idee der Verstaatlichiuig volkstümlich zu machen. Am zweiten Tage lief die Nachricht ein, daß der siidwalisische Bergarbeilervcrband, das weitaus stärkste Glied der Föderation, ivas die Zahl der Mitglieder anlangt, feine alten Vertreter im Hauptvorstand, Brace, Parlamentsmitglied und Vorsitzender des südwalisischen Verbandes. Richards. Parlamentsmitglied und Sekretär deS südwalisischen Verbandes und OnionS. Schatzmeister de? südwalisischen Verbandes, fallen gelassen und an ihre Stelle die Sozialisten Stanton, Harthorn und Barler gewählt hatte. Süd- Wales ist der einzige Distrikt, der seine Vertreter im Hauptvorftaiid durch Urabstimmung wählt. Auch von einigen anderen Revieren wurden ausgesprochene SoziaUslen in den Hauptvorstand geschickt, so daß sich in dem neuen Hauptvorstand mindestens 8 von den 18 Mitgliedern öffentlich zum Sozialismus bekennen und eut- schiedcne Angänger einer aggressiven/ Taktik sind. Dieses Ereignis, das deutlich die Slimmung der Massen zum Ausdruck brachte, konnte nicht verfehlen, den Gang der nun folgen- den in vertraulichen Sitzungen geführten Verhandlungen entscheidend zu beeinssussen. Zuerst beschloß man, die Bergarbeiter NorthumbcrlandZ in einem Kampfe um einen Minimalloön von 6 Schilling und 8 Penee und die Abschaffung des Dreischichteu- systems mit allen Mitteln und wenn notwendig auch mit dein General st reik zu unterstützen. Aber dieser Beschluß wurde vollständig in den Schatten gestellt durch die einstimmige Annahme einer Resolution, in der für alle Bergarbeiter des Landes ein den geographischen und geologischen Verhältnissen jedes eiitzelnen Reviers angepaßter Minimallohn ohne Rücksicht auf normale oder abnorme Arbeitsstellen unmittelbar ver- langt wurde. Der Beschluß bestimmte ferner, daß alle Distrikte mit den Unternehmern über diese Forderung verbandeln lund auf der am 14. November staltfindenden Konferenz berichten sollten. Auf dieser Konferenz soll, wenn nötig, der G e n e r a l st r e i k b e s ch l u ß gefaßt werden. Ehe man aber zu dieser wichtigen Enlscheidung lam. veränderte man die Statuten der Föderation. Auf Antrag der Verbände von Durham und Südivales machte man den§ 21 (früher 20) von einem Verteidigungsmiltel zu einem Angriffsmitlel. Der Paragraph, der von der Erklärung des Generalstreiks handelt, kann in Zukunft nicht allein zur Verteidigung der Löhne, sondern auch zur Verteidigung und zum Angriff in Lohnfragen und Fragen der Arbeitsbedingungen(wie Dreischichlenshstem) angewandt werden. Die älteren und vorsichtigeren Führer halten versucht, die Bewegung aus die Frage der abnormen Arbeitsstellen zu konzentrieren, da sie der Ansicht waren, daß die Unlernehmer viel eher in dieser Frage mit sich reden lassen würden als in der Frage des Miiiiiiiallohnes, der praktisch die Abschaffung der Akkordarbeit in der Bergloerksindustrie bedeutet. Die Erfahrung hat sie eines Besseren belehrt. Am 29. Sep- Icmber fand zum ersten Male eine Konferenz zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und den Vertretern aller Werksbesitzer des Landes statt, die sich mit der Frage der abnorinen Arbeitsstellen befaßte und, wie schon der Telegraph berichtet, ergebnislos verlief. Die Verhandlungen scheiterten an dem Widerstände der Unlernehmer gegen eine Forderung, die jeder ehrliche Mensch als recht und billig anerkennen muß. Denn kann etwas gerechter sein als das Verlangen des Bergarbeiters, nach einer Woche saurer Arbeit an einer schwierigen und gesährlichcn Arbeitsstelle auch eilten ausköiniiilichcn Lohn zu erhalten? Das Scheitern dieser Verhaud- lungen rückte sofort die Frage des MinimallohiiS in den Vorder» grund der Diskussion. In der kapilalistischen Presse ist die Rede davon, daß ein Generalstreik der Bergarbeiter nicht vor dem Jahre 1914 beim Ablauf des südwalisischen Lohnvertrags stattfinden könne. Der Wunsch ist der Vater des Gedaiileiis. Nach der Stimmung der Delegierten in Southport zu urteilen, ist es nicht wahrscheinlich, daß sich die Bergarbeiter um die geiiaue Beobachtung der bestekeiideii Tarifverträge kümmern werde». Sicher lverden sie aber die Kündigungsfrist des Arbeitsvertrages einhalten, so daß der Generalstreik frühestens am 1. Januar 1912 ausbrechen wird. Niemand glalibt, daß die Verhandlnugen bis zum 14. November ciue Verständigung bringen werden, niemand wenigstens, der sich zwei und zwei zusamnienrechnen kann. Soziales. Widerlegte Anwürfe gegen die Rcmschcidcr OrtSkrankenkasse. Die Verwürfe gegen die Remscheider Ortskrankenkassc, die im Jahre 1906 erhoben ivurden, und zu deren Fürsprech sich auch der Abg. Eicklwss im?ieichslag gemacht halte, sind bekanntlich im gerichllichcn Verfahren auf ihr Nichts zurückgeführt. Trotzdem rissen neue Verdächtigungen gegen die Kasse nicht ab. So erzählte der Stadtverordnete Krumm>n einer Versammlung am 10. Juni 1910:„Ich wohne gegenüber unserer hiesigen Ortskrankenkasse und habe beobachtet, wie dieselbe die Zentrale der ganzen Partei am Orte ist. Hier kommt olles zusammen, hier laufen die Depeschen ein. von hier aus wird alles geleitet. Wie oft habe ich gesehen, daß bis in die späte Nacht hinein Licht ,st und da wird an Parteisachen gearbeitet. Wenn das keine Ausnutzung der Kasse zu politischen Zwecken ist, dann weiß ich es nicht." Vor dem Sckiösfengericht wurde Krumm vom Genossen Braß wegen dieser Verdächtigung belangt. Er konnte nicht die Spur eines Beweises vorbringen und wurde zu 50 M. verurteilt, nachdem Kläger erklärt hatte, es käme ihm nicht auf die Höhe der Strafe an. Der Beklagte legte Berufung ein. Vor dem Landgericht Elberfeld gab er dann folgende Erklärung ab.' auf Grund deren ein Vergleich geschlossen wurde:„Ich erkläre, daß ich die in der Versammlung von, 10. Juni 1910 erhobenen Borwürfe gegen die Allgemeine Ortskranken lasse, soweit sie sich auf die Zeit ab 1907 beziehen, nicht aufrecht erhalten kann, ebenso auch für die frühere Zeit, soweit die Amtstätigkeit des Herrn Braß in Frage kommt, und nehme die erhobenen Vorwürfe hiermit zurück." Letzte Nachrichten« Aufstand in Wutschang(China). London, 11. Oktober. Wie dem Reutcrschen Bureau aus Schanghai gemeldet wird, ist der Ausstand in Wutschang gestern früh ausgebrochen, nachdem drei den modern ausgc- bildeten Truppen angchörigc Soldaten hingerichtet worden waren._ Zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ratibvr, 11. Oktobe�.(W. T. B.) Das hiesige Schwurgericht verurteilte den Hausbesitzer August Dlugosch. der am 13. August seine Schwägerin Anna Dlugosch erstochen und darauf die Besitzung seines Bruders Alfred angezündet hatte, zu 15 Jahren Zuchthaus._ Eiscnbahnunfall in Obcrbayern. München. 11. Oktober.(W. T. B.) Heute nachmittag geriet ein Sonderzug. der Remonteii beförderte, infolge falscher Wetchenstellung einem in Bichl einfahrenden Zuge der Isar- talbahn in die Flanke. Hierbei wurden vom Zugpersonal drei Personen, außerdem elf Soldaten und ein Rechtspraktikaut leicht verletzt. Vom Remontcnzug wurden die Lokomotive, der Packwagen sowie zwei Güterwagen, vom Zug der Isar- talbahn der Packwagen beschädigt� während die Lokomotive und der Güterwagen entgleisten. Cholcraepidemie in Venedig. Mailand. 11. Oktober.„Avanti" meldet, daß in V c sied ig zehn Cholerafällc vorgekommen sind, von denen vier tödlich vcr. liefen. Die venetiani,chen Behörden haben Vorkehrungen getroffen. um ein weiteres Ausbreiten der Seuche-u Verbindern; so wurde der Verkauf von Weich, und �ltieren v�boten Tie revolutionäre Gärung in China. Hankau, lt. Oktober.(W. T. B.) Tie Konsuln haben daZ Ersuchen der Chinesen, den Fluß abpatrouillicrcn zu lassen» abgelehnt. Tie Revolutionäre haben die Konsuln ersucht, sich neutral zu verhalten, sie haben eine Proklamation erlassen- in der sie androhen, jeden zu enthaupten, der Ausländer an- greift oder den Handel stört. V>- a-.Wf.; Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; TH> Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt Paul Singer a Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsöl. Nr. 239. 28. Jahrgang. 1. KW des Jotniitls" Kerl« KlWliilf. Donnerstag, t2. Oktober M. Quittung. Im Monat September gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Argentinien. Hennig S,—. Berlin, Groß«, a konto seiner acht Wahllreise 20 000,—.(Darunter: Alexander Fr. 6,—. Arb. d. Möbelfabr. Gerson 10.—. V. d. Schlossern d.„Lokal-Anziiger" 8,30. P. B.. Lausitzer Platz 14/15 3.—. Radfahrv. Freiheit 20,—. Röder 5,—. Amer. Auktion, 5. Abt. 2,50. Bierproz. d. Argus- motoren 60,—. Referat M. 3,—. Frauen d. 8. Abt. 4,45. Groschen!. Turbine Abt. Pablow 5,—. Laaß Bezk. 653,9 15,—. Kranzübersch. (Borgmann) v. d. Koll. d. Thpograph 13,35. Kranzübersch. v. Gen. Filbter v. d. Koll. d. Fa. Göde 7,50. Kranzübersch. v. d. Arb. d. Berl. Werkzeugm.-Fabr. vorm. Sentker, Abt. Zieherei 5,95. Wald- fest d. Gen. Buäiholz 145,—. Kranzübersch.(Borgmann) v. d. Arb. d. A. E.-G. Ackerstr. und Grünthalerstr. 434,70. A. B. Mister 1,—. W. K., Postschaffner 1,—. Patzenhofer Brauerei, Abt. II 8,50. Bleisteg 1,—. Höppner 2,—. Nickt zurückgezahltes Geld von A. H. d. E. U. 1,50. Z. Wahlfonds für zwei verrostete Kaffeesiebe(Ziegenhals) 9.—. Nutz d. Harte 10,—. V. Kaffeekochen d. Genossinnen d. 9., 10., 11. und 12. Abt. 30,—. Uebersch. d. Bezirke 711 u. 711b 12,45. Phönix-Brauerei d. Donath 10,—. John Kirste, Berlin VI 25,—. Dr. K. R. 25,—. Norddeutsche Motor- Aktien-Gesellschast, Wahlfonds 12,50. Gutenberg 28,80. Hildebrandt, Rixdorf 3,—). Berlin diverse Beiträge: Uebersch. Mondscheinfahrt d. Arb. d. Papierrohrfabrik d. Kabelwerks Oberspree 25.—. Bierproz. v. d. Feinschlosserei Krüger, Rixdorf. Glasowstr. 30,—. P. W. 5k. 10,—. G. SB. 3,—. M. M. 2,15. Ph. Bernstein, Berlin I 13,25. K. T. 12,—. Koll. d. Schuhs. S. Rosenberg, Kranzübersch. 14,60. Koll. der Firma Bergmann u. Westpfahl, Uebersch. v. d. Dampferpartie 15,—. Arb. d. Fa. Gebr. Wienicke Nacks., Karofferiefabrik, Pankow, Bierkaffe 50,—. Abt. Falzerei der«Berliner Morgenpost" 19,25. Arbeiter der Firma Dr. Gerard, Charlottenburg 5,—. Dr. L. A. für Sept. 100,—. Kontobuchorbeiter v. Wedding 5,—. MacketcS August u. Septeniber 20.—. SB., Stuttgart 8,—. G. u. A., Uebersckutz d. Motorboolfahrt am 27./8. 25,—. Knabe 3,—. P. H. Medgycs 1,—. Bon d. Polierern v. Nürnberg 8,—. Sechserkasfe Bezirk NummelSburg 10,—. Rotationsarbeiter d. Berl. Tageblattes 10,—. A. B. 50,—. 2)1. SB. 4,—. Bez. Borst. Brandenburg, Binnenichifferbeiträge 17,40. Beckum- Lüdinghausen, 1. u. 2. Ou. 11 161,20. Bern, P. L. 50.—. Cöln, Reg. SB. 20,—. Cöln. Bez.-Borst. Binnenichifferbeiträge 22,30. Falkenberg. O. S. A. L. 3.—. Hamburg I 4000. Hainburg II 5000,—. Hamburg III 16 000,—. Halberstadt-OscherSleben, 2. Ou. 11 472.09. Kempen. 1. u. 2. Ou. 11 62.40. Leipzig. 12. sächs. R.-W.-K. 500,—. LudwigShafcn, Gau Pfalz 2. Ou. 11. Wahlkreise: LudwigShasen-Speyer 860,88, Landau 208,70, Gerinersheim 57,24, Pirmaiens-Zweibrücken 165,72, Homburg 46.26, Kaiserslautern 131,96, Sa. 1470,76. Nürnberg, Gau Nordbayern 1. Ou. 11. Wahlkr.: Neu- markt 11,70, Nürnberg 3557,31, Bamberg 121,50, Hof 369,44, Bayreuth 394,54, Schweinfurt 135,36, Aschaffcnburg 133.22, Kitziiigen 39,24, Forchheim-Kulmbach 94,—. AnSback-Schwabach 268.78, Amberg 24,90, Dinkelsbnhl 48,96, Lohr 33,72, Rothenburg 20,52, Erlangen-Fürth 974,18, Kronach-Licktenfels 93,42, Würzburg 338,52, Neustadt a. W. 56,70, Eichstätt 24,54, Neustadt a. S. 40,14, Neunburg v. W. 1,80, Sa. 6837,49. Ravensburg. 17. lvürtt. R.-W.-K. 40,40. Stettin, Slg.-Bez. Pommern 2. Ou. 11, Wahlkreise: Stettin 43l,18, Randow- Greifenhagen 526,83. Ueckermünde-Usedom-Wolliu 174,30, Greifs- wald-Grimmen 91,62, Stralsund-Rügen 178,03, Anklam-Demmiu 13,78, Kolberg-Köslin 64,83, Stolp-Lauenburg 15,48, Naugard- Negenwalde 26,88, Pyritz-Saatzig 8,04, Greifenberg-Kammin 8,67, Neustettin 7,14, Dramburg-Belgard-Schivelb. 9,—, Bütow-Schlawe- Rummelsburg 6,60, Sa. 1567,43. Toluca(Mexiko) zur Reichstags- Wahl v. d. Lokalunion der Glasarbeiter 500,—. Zu der Quittung für August ist nachzutragen: Görlitz, Bez.- Borst.. Wahlkreis Löwcnberg 13.—. Die Endsumme war richtig angegeben. Berlin, den 10. Oktober 1911. Für den Parteivorstand: I. V.: Fr. Ebert, Lindenstr. 3. kleines feuilleton. Reinhardt am Scheidewege. Daff Reinhardt vor einer Eni- scheidung steht, die je eher je besser zu fällen ist. dürfte auch seinen enragiertesten Mitläufern klar sein. Die Regiffeurtätigkeit im Um- herziehen hat ihre schlimmen Folgen längst zutage gefördert. So wie bisher geht's nicht weiter. DaL Gefühl ist allgemein unter allen. denen unsere Theaterverhältniste wichtiger sind als die Person, sei es selbst eines Reinhardt. Ob die Londoner Pantomime, die das Ende deS englischen Theaters bedeutet, wie sie bas Ende der Reinhardtschen Entwickelnng sein dürfte, unter seinen Händen neue Effekte erhält oder nickt, kann unS in Berlin gleichgültig sein. Ob die Utopie des reitenden Zirkustheaters(der nationale und volkS- tümliche Nimbus ist glücklich vorbei) noch weitere Etappen aufweisen wird? Jedenfalls find die Berliner Reinhardttheater um ihr Prestige und um ihre Bedeutung, wenn der bisherige Zustand an- dauert. Der Schaubühnen-Jacobiohn schildert die Dinge also: .Seit dem Erfolg des..Oedipns" ist Europa Reinhardts Vaterland. die Welt sein Garten und Berlin irgend ein Nest, durch das er ein paar Mal im Jabre ziemlich widerwillig durchfährt. Seitdem erst läht er zu oder hält es gar für nötig, dah das kanakifche Geschmeiß. das er aus einer Gosse des Wiener Salzgries aufgelesen hat. miff- tönenden Ausruferlärm für ihn vollführt und ihn daknit zum Jahr- marklSbudenbesitzer erniedrigt." Man sollte denken. Reinhardt hatte ,n Berlin genug zu tun. Jacobsohn, der sicher Reinhardts Hintergründe kennt und sich.in seine Seele und Situation zu versetzen" weih, sieht den Fall so: .Reinhardt hat die Wahl. Hier winken Prügel, Direktions- sorgen unp ein L u in p e n g e h a l t von s e ch z i g t a u s e n d Mark; dort winken Applänse. Sorgenlos, gkeit und an die drei- malhunderttausend Mark im Jahr. Vergessen ivir doch nicht, daß dieser Reinhardt kein Asket, sondern ein epck.umsches Weltkind, kein bescheidener Literat, sondern ein rauschsiichtigeö Schau- spielergeblüt und. vor allem, ein prnnkliebender Regisseur wahrhaft von Gottes Gnaden und nicht bloß von Metier ist. Seien wir also nicht so töricht, einem Künstler das Naturell, aus dem feine ganze Künstlerschaft stammt, zum Vorwurf zu machen. Aber wenn ihn trotzdem,»ach der Meinung unserer Catonen, die.lugenblicksüppig- keit einer solchen Existenz durchaus nickt verlocken darf: ist ihm auch das zu verargen, daß er als kluger Mann vorbaut, dah er an sein Aller denkt und die Gelegenheit einer beispiellosen Konjunktur beim Schöpfe saht, um dieses Alter so früh wie möglich sicherzustellen?" Die Privatinteressen des Direktors deS Deutschen Theaters interessieren die Oeffentlichkeit Ntchl. Aber wenn sie von einem freunde Reinhardts so ungeniert ausgeplaudert werden, dann wird sie sich damit beschäsiigen müssen. Mag Reinhardt zu teiner Ver- gangendeit zurückkebren.vollen- eS würde seine beste Zulunft sein— oder die Goldbahn weiter veriolgen, auf olle Falle ist eine Klärung, eine Entscheidung vonnölen. beides verträgt sich nicht. Der verpönte Atheismus. Ein reicher in Holland lebender beut- scher Monist beabsichtigte. im Anschlüsse an eine Universität oder wissenschaftliche Gesellschaft eine mit mehreren Millionen dotierte Stiftung in? Leben zu rufen, die der Pflege des Atheismus dtenen sollte. Die Universität Leipzig lehnte jedoch das Anerbieten av. So verkündete eS der Leipziger Prof. Heinrici in einer Sitzung rcr evangelischen Landessynode Sachsen. ver Candtagsivahlltreb Berlin T. muß, ehe zu der durch BorgmannS Tod notwendig gewordenen Abgeordnetenersatzwahl geschritten wird, zunächst eine Reihe von Wahlmännerersatzwahlen vornehmen. Die Urwähler, die am 17. Oktober die Wahlmännerersatzwahlen zu vollziehen haben, waren am Dienstag zu einer öffentlichen Wählerversamm- l u n g zusammenberufen worden, um den für die Abgeordneten- ersatzwahl aufgestellten Kandidaten, der Sozialdemo- kratie, Genossen Julian Borchardt, zu höre». Vor einer dichten Zuhörerschar, die den Graumannschen Saal(Raunhn- straße) bis zur Galerie hinauf besetzt hatte, sprach Genosse Borchardt über Aufgaben der Sozialdemokratie in Preußens Landtag. In einleitenden Betrachtungen zeigte der Referent, daß bei der einflußreichen Stellung Preußens im Reich ein enger Zu- sammenhang zwischen dem Treiben der in Preußen herrschenden Parteien und der Reichspolitik besteht. Das schlagendste Beispiel habe man in der matzlosen Verteuerung aller Lebens- mittel, die dem deutschen Volk durch eine gerade die ärmsten Schichten belastende indirekte Besteuerung auferlegt werde, weil Preußen mit seinem Junkertum in Dseutsch- land voran sei. Selbstverständlich könne einem Konservativen, einem Förderer der Junkerinteressen, kein Wähler aus der minder- bemittelten Bevölkerung seine Stimme geben. Borchardt legte dann dar, warum das arbeitende Volk auch nicht durch einen Freisinnsmann, sondern durch einen Sozialdemokraten im Landtag vertreten sein will. In Berlin haben wir, führte er aus, im Wahlkampf es mit den Freisinnigen zu tun, die jetzt mit der neuen Firma«Fortschrittliche Volks- Partei" sich schmücken, weil sie durch die ganze Freisinnspolitik den Namen„Freisinn" geradezu verhaßt gemacht haben. Gegen sie müssen wir kämpfen, unbekümmert um das Gerede der Frei- sinnigen, daß die Sozialdemokratie in ihnen Gegner des preußischen Junkertums zu sehen habe und ihnen daher nicht wehe tun dürfe. Die konservativen Junker besorgen ja, bei Lichte besehen, nur die Geschäfte der liberalen Bourgeoisie, wobei freilich auch sie selber nicht zu kurz kommen. Die Politik, die sie treiben, liegt i m Interesse des Besitzes und dient der Bourgeoisie nicht minder als dem Junkcrtu m. Ter Redner wies das nach aus der Steuerpolitik Preußens. Die Liberalen sagen, das preußische Finanzwesen beruhe auf direkten Steuern, womit doch auch die Sozialdemo- kratie einverstanden sein müßte. In Wirklichkeit beruht es zum größeren Teil auf Eiscnbahnüberschüssen, die praktisch dasselbe wie eine Verbrauchsabgabe darstellen und tatsächlich nur aus den von der minderbemittelten Bevölkerung benutzten Wagenklassen herausgewirtschaftet iverden. Slber auch die direkten Steuern sind in Preußen so geordnet, daß sie minderbemittelte Fa- Milien, deren Existenzminimum infolge der allgemeinen Vex- teuerung durch Zolltarif und„Finanzreform" längst nicht mehr bei den steuerfrei bleibenden Einkommen bis 900 M. angenommen werden kann, schwer b e l a st e n. Gegen die Forderung einer Steuerfreiheit für Einkommen bis zu 2000 M. wird eingewendet, daß dann aus Steuern nicht genug zusammenkäme. Eine wirk- samere Besteuerung der Wohlhabenden, durch die der Ausfall wett- gemacht werden könnte, gilt der liberalen Bourgeoisie ebenso wie dem konservativen Junkertum als„ungerecht". Die Liberalen rühmen der preußischen Einkommensteuer nach, daß sie schon jetzt progressiv sei und die größeren Einkommen verhältnismäßig stärker als die kleinen besteuere. In Wirklichkeit ist die Progression nur gering, und sie kommt zum Stillstand vor den ganz großen Ein- kommen, die besonders scharf zu besteuern wären. Die direkten Steuern Preußens sind eben durchaus auf das Interesse des Besitzes zugeschnitten. Vertreter des Besitzes waren einst die Junker, gegen deren überkommene Vorrechte das aufstrebende Bürgertum Sturm lief. Heute aber gibt es keine nennenswerten Vorrechte außer denen des Besitzes, und seine Bevorrechtung durch das Steuersystem kommt der Bourgeoisie wie dem Junkertum zugute. Darum ist auch von dem Liberalismus keine ernsthafte Opposition zu er- warten. Ganz so wird ja wohl die Sache nicht gewesen sein, denn so naiv ist doch wohl kein Monist, einer deutschen Universität«Pflege des Atheismus" zuzumuten. Der besagte reiche Mann hat wohl an einen wissenschaftlichen Betrieb der Philosophie auf Grundlage der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse gedacht. Dabei kommt natürlich der liebe Gott der Landeskirche zu kurz, und das wider- spricht schließlich den Stistungszwecken der Leipziger Universität. Hätte der reiche Mann die orthodoxe theologische Fakultät, die auf einer wissenschaftlichen Anstalt nichts zu suchen hat, bedacht, so hätte er ruhig als StiftungSzweck den Nachweis der Engel(wir meinen nicht die des Hieronymus Jobs) und ähnliches angeben können, daS Geld hätte gar lieblich im Universitätskasten geklungen. Gleichsalls wäre diese historische Professur für irgend einen nationalen Humbug oder staatSwissenschaftliche Veranstaltungen gegen die Arbeiterklasse (sagen ivir nial: zur Widerlegung des Marxismus oder noch besser zur Glorifizierung des Unternehmertuins) genehm gewesen._ Aber eine Wissenschaft, die die Dogmen der königlich sächsischen Landeskirche nicht unbesehenS anerkennt, ja so etwas gibt'S in Leipzig nicht. Goethes Faust für 8 Pfennige ist vor wenigen Tagen in der im„Vorwärts" bereits erwähnten Sammlung„La. Feuille Litte» raire" erschienen; allerdings im Zcitungssormat und in französi- scher Sprache. Ein Hinweis zu rechter Zeit auf das Gebiet, auf dem ein edlerer Wettstreit stattfinden kann und soll, ist um so mehr am Platze, als er unseren Panzerplattenschwärmern wenig zu- sagen mag. Die wohlfeilste Ausgabe in deutscher Sprache kostet 20 Pf., so daß also die westlichen Nachbarn den Beweis geliefert haben, daß man für 40 Proz. dieses Preises den Faust nicht nur herstellen, sondern auch liefern kann; Annoncen sind nämlich nicht in dem Blatt enthalten, das im übrigen ganz einer Zeitung nach- gebildet, aber auf gutem Papier gedruckt ist. Berücksichtigt man, daß der Betrag, der für das Slusleihen eines Buches aus einer öffentlichen Bibliothek im Durchschnitt aufgewendet werden muß. ctiva 4 Pf. beträgt, und daß dabei immerhin eine, wenn auch nach den seitherigen Erfahrungen glücklicherweise geringe Gefahr der Kranlheitsübertragung besteht, so weist diese Entwickelung der Technik vielleicht einen neuen Weg. In der Großstadt muß ja der Leser auch seinerseits Zeit opscrn und vielleicht für die Straßen- bahn 10—20 Pf. ausgeben, wenn er sich ein Buch holt, und in kleinen und ganz kleinen Ortschafteir, wo keine öffentliche, keine Leihbibliothek und vielleicht noch nicht einmal eine Buchhandlung sich befindet und wo man sich sehr schwer dazu entschließen würde. sich ein Buch zu kaufen, kann der geringe Preis einen starken An- reiz zur Anschaffung guter Werte bilden. Würde ein solches Unternehmen in Deutschland begründet und von unseren Schul- Verwaltungen genügend unterstützt, indem sie in den Schülern die Lust zu wirklich guter Lektüre wecken, so würde der Kampf gegen die Schundliteratur mit mehr Erfolg geführt werden können. Die„weiße Kohle" in Skandinavien. Welchem wirtschaftlichen Aufichwung Schweden und Norwegen infolge ihres Reichtums an «weißer Kohle", d. h. an Wasserkräften, entgegengehen, zeigen die neuen zu ihrer Ausnutzung bestimmten Anlagen, über die die„Deutsche Rundschau für Geographie" einige Notizen bringt. Es sind besonders zwei Krastzentralen, die vorläufig dcit Süden Schwedens versorgen sollen, die eine an den Fällen des in das Kattegatt mündenden LerganflujjeS. die andere bei den berühmten Trollhättanfällen, die Von hier auS versteht man auch das Verhalten der Liberalen zur Wahl rechts frage. Sie nennen sich Freunde des gleichen Wahlrechts für Preußen und haben diesbezügliche Anträge gestellt, aber das liberale Bürgertum kann die innere Ab-. neigung gegen das gleiche Wahlrecht nicht ver- bergen. Ein so waschecht freisinniges Blatt wie die„Posener Zei- tung" plauderte 1903 aus, jeder Liberale werde dieses Ideal in seinem Herzen tragen, doch leider sei Preußen dafür noch nicht reif. Daß die Liberalen für die Gemeinden das gleiche Wahlrecht nicht wollen, geben sie sogar ganz offen zu. Die Geschichte der frei- sinnigen Parteien zeigt, daß ihre Liebe zum gleichen Wahlrecht nur platonisch ist. Slls vor jetzt 50 Jahren in Preußen die alte Fortschrittspartei gegründet wurde, fehlte in ihrem Programm das gleiche Wahlrecht. Und als im Landtag die Fortschrittler für einige Jahre eine ausschlaggebende Stellung erlangten, kam aus ihrer Mitte kein Slntrag auf Einführung des gleichen Wahlrechts. Ein Jahrzehnt später, in der Zeit des Kulturkampfes, versuchte das Zentrum, der Regierung mit einem solchen Antrag unbequem zu werden. Aber zusammen mit den Nationalliberalen setzten die Fortschrittler durch, daß die Sache„auf 6 Monate" vertagt wurde. 36 Jahre hat es dann gedauert, bis die preußische Ne- gierung durch ihre„Wahlrechtsreform" dem Freisinn Gelegenheit gab, sein„Ideal" aus dem Herzen hervorzuholen. Dah der Liberalismus nie etwas Ernstes für das Wahl- recht getan hat, entspricht seiner inneren Natur. Das Drei- klassenwahlsystem, das das Wahlrecht nach dem Geldsack abstuft, gibt dem Besitzenden das Vorrecht. Darum kann der Liberalismus, der eine Schutztruppe der besitzenden Bourgeoisie ist, nicht ernstlich gegen das Dreiklaffenwahlsystem auftreten. Wenn wir, schloß Genoffe Borchardt, uns so über das Wesen des Liberalismus und über seine Stellung im Kampf zwischen der besitzenden und der besitzlosen Masse klar werden, dann er- kennen wir, daß wir die Liberalen wie die Konservativen zu be- kämpfen haben. Im Landtagswahlkrcis Berlin V mutz die Sozialdemokratie den Platz, den sie sich i m Kampf gegen den Liberalismus erobert hat, bei dieser Ersatzwahl zu behaupten suchen. An das mit lebhaftem Beifall aufgenommene Referat knüpfte sich keine Debatte. Im Anschluß an Borchardts Ausführungen über die Verteuerungspolitik des Junkertums forderten Genossin Quolke und Genossin Bien zum Besuch der Teuerungs- Protest Versammlungen auf, die am 17. Oktober— bem Tage der Wahlmännerersatzwahlen im LandtagswahlkreiS V— stattfinden. Der Vorsitzende Genosse Paul Hoffmann schloß die Versammlung mit einem Aufruf zu reger Wahlagi- t a t i o n._ Der sechste filahlkreis und der Parteitag. Der Wahlverein setzte am DienStaa seine außerordentliche Generalversammlung im«Moabiter Gesellschaftshause" in der Wiclefftraße fort, um den Rest der Tagesordnung zu erledigen. Mit der Fortsetzung der Debatte über den Bericht vom Parteitag in Jena begann Genosse Schleußner. Viele Genossen sind der Meinung, daß anläßlich der Marokkofrage mehr geschehen konnte. Die deshalb gegen den Parteivorstand zu richtende Kritik wurde auf die Genossi» Luxemburg abgelenkt.� Erfreulich sei der Beschluß, der auf eine energische Beitreibung der Maifeierbeiträge abzielt. Nn- begreiflich ist eS, daß der Ausschluß Hoppes mit Rücksicht auf daS Alter nicht vollzogen wurde. Die vom Parteitag ausgegebene Stich- tvahlparole erscheine ihm unangebracht, angesichts der Tatsache, daß selbst die linksstehenden Führer der Fortschrittspartei zum ent» schiedenen Kampfe gegen die Sozialdemokratie aufrufen. Genosse Bittorf wendet sich gegen die Ausführungen deS Genossen John. Wenn John selbst auf dem Parteitage gewesen und auch alle vorhergehenden Parteitage besucht hätte, so hätte er doch nicht verhindern können, daß Göhre die Groß-Berliner Resolution zurückzog. Die Genossin Luxeinburg hatte nicht nötig, den Brief MolkenbuhrS zu veröffentlichen, bei ihren Fähigkeiten hätte sie dje Sache auf andere Weife mit Erfolg anfassen können. Die Aktion wäre so wie so gekommen; er könne nicht zugeben, daß es nur aber erst in den nächsten Jahren voll ausgenützt werden können Am Lergan hat man vier ausgedehnte Kraftstationen angelegt, die bis in die südlichsten Teile von Schonen, also auf eine Entfernung bis zu 150 Kilometer die Elektrizität leiten. Die Anlage ist von einem Deutschen, dem Aachener Professor v. Holtz, ausgearbeitet worden und erforderte einen Kostenaufwand von etwa 14 Millionen Mark, an dem hauptsächlich die Städte Heisingborg, Halmstad, Landskrona, Malmö, Lund, Trclleborg beteiligt sind. Trotz der großen Kosten steht das Unternehmen auf durchaus sicherer Grundlage, da es nicht weniger als 20 000 Pferdekräste zu liefen, imstande ist und genug industrielle und kommunale Abnehmer hat. Roch bedeutender ist das Kraftwerk der Trollhättanfälle. daS bei gegen 12 Millionen Mark Gesamtkosten für 80 000 Pferdekräfte be» rechnet ist und damit in Europa überhaupt nicht, auf der ganzen Erde nur vom Niagara übcrtroffen wird. Noch bedeutender wird allerdings das Werk an den Rjukanfällen in der norwegischen Provinz Telcinarken sein, dessen Fertigstellung in einigen Jahren zu erwarten ist. Nach Inbetriebnahme der Trollhättanzentrale verfügt Schweden über 450 000 auS Wasserfällen gewonnene Pferdekräste, denen nur 260 000 von festen Dampfmaschinen gegenüberstehen. Dabei wird die Gesamtmenge der verfügbaren Wasserkräfte auf über vier Millionen Pferdekräfte geschätzt. Noch etwa eine Million mehr davon besitzt Norwegen; davon werden aber in der nächsten Zeit nur etwa 500 000 Pferdekräfte voll ausgenützt werden. Bei den reichen Boden- und Naturschätzen, die in Skandinavien noch der Hebung und Verarbeitung harren, haben diese gewalttgen Energiemengen eine ungeheure Bedeutung schon in der allernächsten Zukunft. Die Stickstoff-, Sägewerk- und Eisenindusttie werden vor allen Dingen ihren Vorteil davon haben, zumal wenn das Verfahren, direkt mit Hilfe der Elektrizität das Eisen aus dem Erz zu ge- Winnen und Stahl zu erzeugen, erst einmal rationell ausgebaut worden ist. Vor allein wird die Elektrisierung der Eisen- bahnen Skandinavien von dem Kohlenimport aus dem Ausland un- abhängig machen; bezieht doch allein Schweden alljährlich für feine Staatsbahnen für 70 Millionen Mark Steinkohlen aus England. Notizen. — Theaterchronik. Im Friedrich»Wilhelm« städtischen Schauspielhause finden jetzt auch billige Abendvorstellungen statt. Donnerstag wird mit dem Volksstuck „Der Leiermann und sein Pflegekind" von Charlotte B i r ch- Pfeiffer begonnen. Die Preise bewegen sich zwischen 2 M.(Loge) und 30 Pf.(Galerie).(Mußte gerade die Birch-Pfeiffer den Reigen eröffnen?) — Musikchronik. Das erste SonntagSkonzert de» S ch i l l e r t h e a t e r S m Charlottenburg findet Sonntag.' den 15. Oktober, mittags 12 Uhr statt. Es ist, wie alljährlich, das erste eines Zyklus von fünf Konzerten. � Eine billige HofmannSthal-AuSgabe. Im Oktober g,bt Hugo von Hofmannsthal im Jnselverlag einen Band gesammelter Werke heraus, der seine gesamte Lyrik, die Vorspiele und die kleinen Dramen, darunter„Tor und Tod".«Die Frau im Fensicr".«Der w°iße Fächer" usw., enthalten wird. DaS Buch kostet 2 M. geheftet und 3 M. gebunden. infolge der Veröffentlichung des Briefes zur Aktion gekommen sei. Zur Einbringnng der Resolution Leids lag nicht die geringste Ursache vor. Auch er sei nicht erbaut von den Debatten in Jena. Aber den einen oder anderen deshalb jetzt zn rügen ist nicht an- gängig. Im übrigen sei die Resolution sehr zweideutig; sie kann auch gegen Ledebour und den Kreis ausgeschlachtet > verden. Wenn Leid meint, man_ suche vergeblich nach solchen persönlich gehässigen Angriffen nach � der Rechten der Partei, so darf nicht übersehen werden, daß die Rechte eben schlau genug war und keinen Anlaß zu solchen Angriffen gegeben hat. Es sei auch nicht angebracht, jetzt noch lange über den Ton zu reden. Niemand kann auf Grund der Debatten in Jena ein Mißtrauen gegen Ledebour haben. Deshalb sei auch die Resolution überflüssig. Und schließlich ist Ledebour auch noch Manns genug. mn allein mit seinen Meinungsgegneru fertig zu werden. Uns sollte es erfreuen, daß von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten des Parteitages Einigkeit herrschte in der Frage der Reorgani- sation und Erweiterung des Parteivorstandes. Wir wollen unS deshalb auch nicht darum streiten, welche der beiden Richtungen den größer?» oder den kleineren Teil des Verdienstes daran hat, sondern jedem das Seine lassen. Wenn bemängelt worden ist, daß bei der Behandlung der Marokkoangelegenheit der Massenstreik zu kurz gekommen ist, so sage er, daß sich Bebel das größte Verdienst erworben habe, als er in überaus wirksamer Weise dartat, wie sich die bürger- liche Gesellschaft selbst das Grab graben würde, wenn sie einen Krieg heraufbeschwören würde. Es sei viel besser, wenn wir das, waS Bebel gesagt hat, propagieren als den Massenstreik. Dieser könnte unter Umständen gegen uns ausgenutzt werden, als uns die Schuld an der durch den Krieg bedingten Not und dem Elend zugeschoben werden würde. Der Parteitag habe gute Beschlüsse gezeitigt. Und wenn wir alle unsere Schuldigkeit tun und beim nächsten Wahl- kämpfe die möglichst größte Stimmenzahl auf unseren Kandidaten zu vereinigen,'dann wird das ein weit besseres Vertrauensvotum für Ledebour sein, als die Annahme der Leidschen Resolution. Genosse Meyer würde lebhaft bedauern, wenn der Parteitag darin eine Ehre finden sollte, daß hier im sechsten Kreise der Reso- lution Leid den Niederschlag geben sollte der Verärgerung über den To». Die Resolution ist aber nur deshalb entstanden, weil unser Abgeordneter in sehr harter Weise mitgenonunen worden ist. Aber wie ist es gekommen, daß Ledebour insbesondere von Bebel so hart mitgenommen worden ist? Bei dem Temperament LedebourS, das wir alle schätzen, war zu erwarten, daß es in den Debatten etwas scharf hergehen wird. Der Parteivorstand habe nach seinem Empfinden mit Recht seinen Kritikern entgegen- gehalten, daß die Situation nicht dazu angetan war, früher mit der Aktion vorzugehen. Was hat Ledebour getan, um den Krieg ab- zuwenden? Er hat sich weder an den Parte'vorstand, der hier seinen Sitz hat, noch an den Zeulralvorstand von Groß- Berlin geivendet. Ja, er hat nicht mal in der General- Versammlung das ihm angetragene Referat gehalten, obwohl er doch hätte ordentlich daraus brennen müssen, uns bei dieser Ge- legenheit zu sagen, das und das nmß gemacht werden. ES wäre seine verdammte Pflicht gewesen, seine Ansicht zum Ausdruck zu bringen und nicht kleinliche Bedenken ausschlaggebend sein zu lassen. Wie komnrt aber Ledebour dazu, dem Parteivorstande Vor- ivürfe zu machen, wo er selbst in dieser Situation so versagt hat. Mit Recht ist der Genossin Luxemburgs der Borwurf der Indiskretion gemacht worden. Wir dürfen uns nicht gefalle« lassen, daß die Aktion durch die Kritik führender Genossen verkleinert wird. sSehr gut! Zurufe: Heine.) Redner bedauert alsdann, daß es leider unter Genossen zur Unsitte geworden ist, sich mit geschmacklose» Schlagworten gegenseitig lächerlich zu machen und herabzusetzen. Er würde sich freuen, wenn die Dis- kussion über den Parteitag den Erfolg zeitigen würde, daß in der Ast der Diskussion ein Wandel zum Besseren eintritt. Genosse Weber ist nicht der Ansicht, daß in der Marokko- angelegsnheit etwas versäumt worden ist. Am 2. Juli erschien der «Panther" vor Agadir und in der nächsten Woche fanden Versamm- lungen statt, in denen gegen das Marottoabcnteuer protestiert wurde. Wenn ausgesprochen wurde, daß das Mindeste was unser Abgeord- netcr von uns verlangen kann, die Annahme der Resolution Leid sei, so sei seine(Redners) Meinung, daß sich die Versammlung mit der Annahme derselben lächerlich machen würde.(Sehr richtig? Vereinzelter Widerspruch.) Denn die Behandlung LedebourS auf dem Parteitage ist sehr nebensächlich. Den Parteitag haben viel wichtigere Angelegenheiten beschäftigt. Nach der Begründung, die Leid seiner Resolution ge- geben, ist sie übrigens an die falsche Adresse gerichtet. Sie müßte sich gegen Bebel richten, nicht aber gegen Wels. Aus den Worten Wels', die Redner zitiert, ist eine maßlose Ueberhebung nicht zu ersehen; denn das Recht steht einem jeden Parteigenossen zu, aus- zusprechen, was er über die Kritik dentl. Auch Ledebour hat ja eine ganze Menge gesagt. Was würden wir wohl darüber denken, wenn der fünfte Kreis, in dem der Genosse Wels seit langen Jahren ja auch eine sührende Rolle innehat, Protest erhoben hätte gegen die Angriffe des Genossen Lauffenberg? Nun wurde die Annahme der Resolution noch ixrmit begründet, daß der Wahlkampf vor der Türe steht, und dem Genossen Ledebour die Worte Wels' um die Ohren geschlagen werden können. Das ist aber weniger zu fürchten, denn wenn es gilt, den Kampf mit dem Gegner zu führen, werden wir alle zu unscrm Abgeordneten stehen. Die Resolution Leid kann aber gegen Wels in der Provinz, wo er die Parteiinteressen zu vertreten hat, vielmehr von den Gegnern verwendet werden. Woher kommt es. daß sich innerhalb der radi- kalcn Parteikreise eine solche Zerfahrenheit bemerkbar machen konnte? Weil man selbst in den radikalen Parteikreisen mit der Art der Kritik nicht mehr einverstanden sein kann. Ein großes Teil der Schuld hieran hat die„Leipziger Volkszeitung". Will sie doch Kautslv und Mehring zum alten Eisen geworfen sehen. Auch Ledebour ist gelegentlich der Behandlung der Abrüstungsfrage im Reichstag aufs schärfste von ihr angegriffen worden. Genosse Lcde- bour hatte im Auftrage der Fraktion zu dem von ihr eingebrachten Abrüstungsantrag zu sprechen. Diese Rede gefiel der«Leipziger Volkszeitung" nicht und sie schrieb darauf:„Ledebour hat durchaus nicht im Sinne der Partei gesprochen.'Es war nur seine Person- liche Ansicht, die in gerader Linie zum Revisionismus führt." Man bedenke, der Abrüstungsantrag war eine Aktion der Partei und nibt es etwas Schlimmeres, als wenn der Redner der Partei in solcher Weise kritisiert wird? Während der Marokkoaktion brachte dann die„Leipziger Volkszeitung" die Angriffe der Genossin Luxem- bürg. Im Gegensatz zu John ist Redner der Ansicht, entweder übt man sachliche Kritik oder nian unterläßt die Kritik überhaupt, aber nicht aus persönlichen Gründen, wie sie die Genossin Luxemburg vorgab. All die Kritiker, die jetzt hinterhergekommcn sind, wo waren . sie hier in Berlin. Sie sind med« an den Zentralvorstand noch an den Parteivorstand heran- » getreten. Nach seiner Meinung ist die machtvolle Demonstration in Trepmw, die machtvollste, die wir hatten, zur rechten Zeit gekommen. Lede- bour hat wegen seiner Haltung auf dem Parteitag niemand einen Borwurf gemacht. Er kann also auch nicht verlangen, daß die Resolution Leid ange- iwmmen wird. Haben wir den, einen Temperament zugesprochen, so können wir es dcm�andcrn nicht absprechen. Wels hat seit 1890 ununterbrochen seine Schuldigkeit für die Partei getan. Wir haben auch viel wichtigere Tinge zu tun, als Ledebour hier ein Per- träuensvotum auszustellen. Das können wir bei den künftigen Reichstagswahlen viel besser tun. Wir wollen uns nicht als Konzil von alten Kämpfern aufspielen, um über den Ton zu klagen. Wir sollten uns vorbereiten, um bei den Reichstagswahlen unfern Mann zu stehen.(Beifall.) Genosse Moses hat das Gefühl, als ob die Genossen von der letzten' Generalversammlung nach Hause gegangen sind. DaS habe in der bollständig berkehrten Art der Berichierstattufig seinen Grund. Ein Parteitag ist nicht dazu da, um persönliche Streitig- keilen zum Austrag zu bringen. Niemand denkt daran, auch nicht der Parteivorstand, die Kritik als solche zn unterbinden. Aber wenn der Parteitag in so schicksalsschwerer Stunde zusammentritt wie in Jena, darf die Debatte nicht in so verletzender Weise ge- führt werden, als es geschehen ist. Es wird behauptet, mit der Wahl Haases habe der Parteitag einen glücklichen Griff gemacht. Er� hofft das auch. Doch erst müsse man abwarten, was Haase leistet, aber ihm leine Vorschußlorbeeren erteilen. Wenn die Revi- sionisten Klamauk machen, werden sie in Grund und Boden ge- schmettert, und wenn sie es, wie diesmal, nicht tun, dann wird erst recht auf sie geschimpft. Es fehlte nicht viel, so wäre auch Bebel in die revisionistische Wolfsschlucht geworfen worden. Auch in unseren Versammlungen müssen wir uns mäßigen, damit die gegnerische Presse nicht wieder so gegen uns auftreten kann, wie sie es diesmal getan hat und auch konnte. Wir haben dafür zu sorgen, daß nicht eine derartige Partei, wie die unserige, und vor allem die Arbeiterschaft, den schwersten Schaden leidet. Genosse Leid ist mit seinen Vorrednern insofern einer Mei- nung, als auch er der Ansicht ist, daß die Vorgänge, die zur Ein- bringung seiner Resolution geführt haben, nicht die bedeutendsten auf dem Parteitag gewesen sind. Auch ihm würde es gleichgültig sein, ob sich solche Angriffe gegen Müller oder Lehmann richten, Aber anders denkt er, wenn es sich dabei um einen Riann handelt, der an der Spitze des Kreises steht. Deshalb habe er geglaubt, die Sache zur Sprache bringen zu müssen, und die Genossen aufzufor- dern, sich dazu zu äußern. Den besten Weg dazu sah er in' oer Einbringung der Resolution. Er könne sich von der Empfindung nicht freimachen, daß gegen Ledebour eine wahre Hetze inszeniert worden ist. Durch sie werden in ihm die Erinnerungen geweckt an den vor 20 Jahren tobenden Streit zwischen den Fraktionellen und den Oppositionellen. Damals ging man gegen die Kritiker des Parteivorstandes mit dem Ausschluß vor. Er, Redner, habe da- mals gegen den Ausschluß von Werner und Wildberger gestimmt und auch der ganze sechste Kreis hat sich nicht das Maul verbieten lassen. Heute versucht man es mit dem Ausschluß zwar nicht, man sucht aber die Kritiker des Parteivorstandes auf andere Weise un- möglich zu machen. Ein Abgeordneter bedarf mehr als ein anderer des allgemeinen Vertrauens.(Zurufe: Hat er ja!) Ja, dann müßten Sie erst recht für die Resolution stimmen.(Zurufe: Nein!) Die Ablehnung der Resolution würde außerhalb unseres Kreises von anderen Parteigenossen anders ausgelegt werden.(Zurufe: Zieh sie doch zurück! Vereinzelte: Nein!) Ich weiß wohl, daß Lede- hour ein besonderes Vertrauensvotum nicht braucht. Es ist aber Anstandspslicht, die Resolution anzunehmen.(Teilweiser Beifall.) Ledebour: Meyer hat gegen mich den Vorwurf erhoben, ich hätte in der Marokkofrage versagt und ihn begründet mit Be- zugnahme auf den Brief, den ich an Licpmann geschrieben habe. Um endlich den elenden Treibereien, die außerhalb Berlins gegen ihn im Gange seien, entgegenzuwirken, will er. obwohl er nicht die Absicht hatte, auf die Entstehung des Briefes eingehen. Redner schildert nun seine Pariser Reise. Nach seiner Rückkehr nach Berlin habe er eine Aussprache mit dem Parteivorstand für notwendig gehalten. Er sei aber dabei in beinahe brutaler Weise unterbrochen worden. Er solle nur Bericht erstatten. Wenn er Beschwerden gegen den Parteivorstand habe, so soll er sie dem Parteitag vor- legen. Wenige Tage darauf kam der Brief von L i e p m a n n, in dem ihm das Referat für die Verbandsgeneralversammlung angetragen wurde. Er erklärte sich bereit, als Lückenbüßer einzuspringen, erklärte aber weiter, daß er auch den Parteivorstand dabei kritisieren werde. Auch in der Wahl- rechtsversammlung habe er ja bereits gesagt, es ist notwendig. etwas in der Sache zu tun. Und seine Darlegungen wollte er ja in der Verbandsgeneralversammlung machen, zumal da Ströbel im 4. Kreise die Sache auf ein ganz falsches Gebiet zu schieben ver- sucht habe, indem er die Verfehlungen der Genossin Luxemburg hervorhob. Er, Redner, habe also nicht„vollständig versagt". Auch der Vorwurf Wels, daß Redner den ganzen Parteivorstand habe abmurksen wollen, ist unhaltbar, wie er bereits durchs seine Erklärung im„Vorwärts" festgestellt habe. Moses habe den Stand- Punkt des allgemeinen Moralpredigers eingeilommen. Was er will, ist unmöglich, weil es keine abgeschlossene Meinung in der Partei gibt. Im übrigen freut sich Redner, daß die Anschauungen der Radikalen noch die Oberhand in der Partei behalten haben. Es ist eine falsche Auffassung, wenn gesagt wird, daß der Revisionis- mus diesmal gesiegt hat. Genosse E r n st: Die Resolution Leid muß die Kritik einfach tot machen und wird sich somit eventuell gegen Ledebour richten. Er gebe rückhaltlos zu, daß der Parteivorstand mit dem Geheim- zirkulär einen Fehler gemacht habe. Bei der Marokkoangelegen- heit ist nichts versäumt worden. Es ist lebhaft zu bedauern, daß mit dem Worte Revisionismus Handel getrieben wird. Die harten Worte des Genossen Wels sind nicht so schlimm. Ledebour ist doch schließlich auch nicht heilig, so daß ihm kein Wort gesagt werden darf. Und hat denn Ledebour niemals härtere Worte gebraucht? Ledebour könnte bei seinem Bildungsstand besser die Zunge zügeln als die Genossen aus den Arbeiterkreisen, und Wels ist aus diesen Kreisen hervorgegangen. Das Auftreten Leids erinnert gar zu sehr ans Weiberhafte. Wenn auch die Worte Wels sich gegen Lede- bour richten, der Abgeordnete ist nicht mehr wie jeder andere. Welche Resolution würde Leid wohl fassen, wenn er auf der an- deren Seite stände, wenn er die Worte Ledebours wägt, der da sagte, die Vorstandsmitglieder hatten kein Gefühl für die Ehre der Partei. Ihm, Redner, stehe Ledebour zu hoch, als daß er eine solche Resolution eingebracht haben würde. Er würde auch gern die Anregung Ledebours zur Aktion gesehen haben. Er, Redner, hätte im Aktionsausschutz von einer Anregung abgesehen, weil in Anbetracht der Hitze gar keine Stimmung dafür war. Die un- angenehmen Dinge bei der Pariser Demonstration beruhen auf einen Irrtum. Es ist aber alles getan worden, um die Beteiligung der französischen Partei noch zu ermöglichen. Daß Ledebour dort nicht zu Worte kam, ist keine beabsichtigte Kränkung. Auch die Darstellung, die Ledebour über die Aussprache mit dem Parteivor- stand gab, ist nicht ganz richtig. Ebert sagte zu Ledebour nur: Sie gehen ja doch mit Ihren Beschwerden über den Borstand an den Parteitag. Es war also die Aussichtslosigkeit, die sich für die Vorstandsmitglieder nach dem Verhalten Ledebours für eine Ver- ständigung ergab, die den Abbruch der Aussprache zur Folge hatte. Die Art der Diskussion in der Extrasitzung des linken Flügels des Parteitages war wirklich nicht einladend. Insbesondere gefiel dein Redner nicht die Charakterisierung von Vorstandsmitgliedern, die stets ihre Pflicht getan haben. Wenn solche Zusammenkünfte nötig sind, so muß es sich schon um Sein oder Nichtsein der Partes handeln, sonst wird nur lähmende Spannung vorbereitet. Der Parteitag ist nun vorüber. Jetzt gilts, sich gegen den gemeinsamen Feind wieder zusammenzufinden. Die Resolution Leid ist eines Abgeordneten unwürdig und gibt der Sache eine Bedeutung, die sie nicht hat. Kein Mensch habe Ledebour das Vertrauen abgc- sprachen. Wenn nur die Hälfte all der Kraft und Energie im Kampfe mit unseren Gegnern verwandt wird, dann stände es besser um die Organisation, die Aufklärung der Massen und viele anderen Fragen.(Starker Beifall.) Ein Antrag auf Schlusi der Debatte gelangte hierauf zur Annahme. Die Resolution Leid wurde mit erheblicher Mehrheit abge- lehnt und folgende Resolution gegen 2 Stimmen angenommen: Die Generalversammlung des ö. Wahlkreises erklärt sich mit der Haltung der Delegierten auf dem Parteitage in Jena und mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Dem- gemäß halten es die Parteigenossen für ihre volle Pflicht, mit aller Kraft in den Wahlkampf einzutreten, um mit gewaltiger Stimmenzahl den sozialdemokratischen Vertreter in den Reichs- tag zn entsenden. Ferner verpflichten sich die Parteigenossen, für die weiteste Verbreitung der Presse und Stärkung der Or- ganisalion Sorge zu trage». Die Berichterstattung von der Provinzialkonferenz wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Mit einem Appell des Vorsitzenden zu eifriger Parteiarbeit und dem Hoch auf die Partei wurde die Versammlung geschlossen. Lraf VolN-MeNerolch vor Serlcht. Siebenter Tag. Die gestrige Sitzung wurde durch lange Plaidohers des Staats- anwalts-Rats Porzelt und der Verteidiger Rechtsanwälte Dr. Joffe und Dr. Alsberg ausgefüllt. In den Plaidoyers nahm die Frage, ob die Heranziehung der privaten, Verhältnisse der Familie Wert- heim ein Mißbrauch sei. einen großen Raum ein. Dem Staats- anwalt erschien das Hineinziehen als ein geschickter, aber verwcrf- lichcr Theatercoup. Ter Angeklagte habe gewußt. Frau Wertheinr sei die bestgehaßte Frau in Berlin W., und daß, wenn er den Spieß umdrehe und diese Frau an den Pranger stelle, die Aufmerksamkeit von sich abgelenkt und ein Streit unter dem Schlachtruf entfacht würde: Hie Wolff-Metternich, hie Wolf Wertheim! Die widerlichen und schmutzigen Szenen, die dem Gericht vorgeführt seien, hätten mit der Sachlage nichts zu tun. Die Staatsanwaltschaft habe, wiewohl sie reichl'ches Material in der Hand habe, in das Privat- leben einiger Zeugen hineinzuleuchten, das nicht getan. Die Eru- icrung der Verhältnisse des Zeugen Pauli sei erforderlich gewesen. Die Verteidigung weist umgekehrt zurück, daß ohne dringelibe Veranlassung von ihrer Seite Dinge in die Verhandlung hineingezogen seien, die mit der Sache nicht streng zusammenhingen. Der Staats- anwalt habe gav in das Eheleben des Angeklagten hineinleuchten und die internsten Dinge aus den Privatverhältnissen der Ehefrau aufdecken wollen. In dem sachlichen Plaidoher führt die Staats- anwaltschaft aus: Der Fall Gustke sei ein typischer Fall des Be- truges, wie er im Buche steht. Er zeige, wie moralisch minderwertig, verwerflich und gemütsroh der Angeklagte vorgegangen ist. Der Brief aus Vaden-Baden sei für ihn bezeichnend. Der Staats- anwalt glaubt die Ansicht zurückweisen zu müssen, die in der Presse geäußert ist, daß es nichts Außergewöhnliches sei, wenn sich Ka- valiere in der vom Angeklagten beliebten Weise Geld mit Rücksicht und Aussicht ans eine reiche Heirat verschaffen. Auch im Fall des Amtsrichters von der Schulenburg liege Betrug vor, wenn auch sich der Amtsrichter nachträglich, nachdem die Aussicht auf Zahlung seiner Forderung vorliegt, nicht geschädigt fühlt. Auf denselben Ilmstand sei der UmfaN von Zeugen zurückzuführen, die sich zuerst an die Polizei gewendet hatten. Glaubte und wollte der Angeklagte eine Heirat mit der Frau Dolly, so sei unerfindlich, weshalb bei der intimen Beziehung, in der er angeblich zu dieser Frau ge- standen habe, er sich nicht durch das Wort der Werbung aus der Situation befreit habe. Der Angeklagte habe insofern sehr viel Glück gehabt, als Belastungszeugen zum Teil wegen Erkrankung und teilweise wegen Geisteskrankheit und aus anderen Gründen nicht erscheinen konnten. Im Fall Frey habe sich die Unschuld des Angeklagten herausgestellt. In einer Reihe anderer Fälle bestehe> ein dringender Verdacht, aber kein hinlänglicher Beweis. Das\ seien die Fälle Brehm, Schlesinger. Hälsen, Fuchs. Winzer, Uhr- mann, Röder, Schönebeck, Wohlbrück, Schwarz. Braun und Tcmuth. Alle andere» Fälle seien typische Hochstapeleien; so die Fälle Horch, Riesch. Noack, Gustke. Kielholz, Thielow, Felsing und Werner. Es handelt sich um erhebliche Beträge. Zugunsten des Angeklagten sei zu berücksichtigen: seine moralische Minderwertigkeit, seine Ju- gend, der Umstand, daß er von seiner Familie verlassen, mit einem Monatswechsel von 30 M. auskommen sollte, und daß er schon vor seiner Heirat den Willen bekundet hat. den Schaden einigermaßen- wieder gut zu machen. Der Antrag des Staatsanwalts geht auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Die Berteidigung sucht darzulegen, daß dem Angeklagten keinerlei strafbare Handlungen nachgewiesen seien; er habe die Ab- ficht der Vermögensschädigung nicht gehabt, die Absicht eines Ver- mögensvorteils ebenfalls nicht, keinerlei falsche Vorspiegelungen ge, macht oder wahre Tatsachen unterdrückt. Er habe vom Schulden- machen und Kredit leben iiiüssen, er sei das Produkt seiner Vcran- lagung und Erziehung. Wenn man alle solche Kavaliere, die ebenso handeln, wie der Angeklagte, ein'perren wolle, würde ganz Berlin, ja das ganze Deutsche Reich mit einem Dache überdeckt, nicht ausreichen, diese Leute in sich aufzunehmen. Der Verteidiger Dr. Alsberg sucht insbesondere nachzuweisen, daß ein Betrug nach dem österreichischen'Gesetzbuch nicht vorliege, daß man aber zu einer Verurteilung des Angeklagten nur kommen dürfe, wenn sowohl nach deutschem wie nach österreichischem Gesetz ein Betrug vorliege, Heute um 9 Uhr sollen die Plaidoyers fortgesetzt werden, Hus der Partei. Zur sozialistischen EiiiigungSkonfcrenz in Gros-britannkm. Londo», S. Oktober.(Eig. Ber.) Eine Londoner Korrespondenz, die von der deutschen Parteipresse benutzt wird, enthält in ihrem Berichte über die kürzlich in Manchester abgehaltene Sozialistische Eiiiigiiiigskonfereiiz die inhalilich falsche Wiedergabe der wichtigsten Resolution, wie sie die meisten der bürgerlichen Blätter Groß- britaiiiiienS auch brachten. Der Verfasser d'cS Berichts, der offenbar auf der Kouferenz nicht anwesend war, verfällt in denselben Ton. in den, sich die englischen bürgerlichen Blätter über die Konfercuz mokierten.. Nichts ist irreführender als die Behauptung, daß die Spitze der EiiiiaungSbestrebuilgeii gegen die I. L. P. gerichtet sei. Auf der zronfereiiz war absolut nichis von einem bitteren Ton gegen die I. L. P. z» merken. Im Gegenteil; von allen Seiten hörte inan nur den offenen und aufrichtige» Wunsch, daß die I. L. P. Mittel und Wege finden würde, das Werk der Einigling zu vollenden. Auch der Brief, in dem der Sekretär der I. L. P. die offizielle Beteiligung ablehnte, war in freiiiidsckiafllichem Tone gehalten. Was man auch immer der S. D. P. vorwerfen mag, j» den Bestrebungen, die sozialistische Einigkeit in Großbritannien her- zustellen, hat fie stets die führende Rolle gespielt. Wie sie seit 14 Jahren an dem Werke gearbeitet hat, wird in einer vom Ge- nosien Lee herausgegebenen Broschüre dokumentarisch daraestcüt. Die I. L. P. gab auf die Eiiligungsvorschläge ihrer Bruderparlei stets die stereotype Antwort, die S. D. P. brauche sich nur der Arbeiterpartei anznschlleßeii und das Werk der sozialistischen Einigung ici vollbracht. Die S. D. P. hingegen bestand daraus, daß die iozialistiiche Einigiing im Rahmen einer nichtsozialistischen Partei unmöglich sei. Wer von ihnen recht hatte sei dahiil- gestellt. Jedenfalls aber war eine Spannung entstanden, die gelöst werden mutzte. Dazu trieben schon die jüngeren Elemente. die sich in immer größerer Zahl dem„Jndustrial Unionism" zu- wandten und neben einer einheitlichen wirtschaftlichen Organisalion auch eine einheitliche sozialistische Partei zu sehen wünschte». Die sozialistischen Jliiigmaniischaften streben nach einer großen sozialistischen Partei, die die Gegensätze zwischen den be- sitzenden und den besitzlosen Klassen klar zu», Ausdriick bringen soll. Und die jüngsten sozialen E'icheimingeii sind diesen Kräften günstig. Man glaubt gar nicht, wie populär heut- soziahslUche Fordernilgen. wie die Verstaatlichnng der Gruben, der Eisenbahnen, des Bodens i» den indiistrielleii Gegenden Grotzbr>la>uliei,s sind.' Nicht etwa als froniiiie Wünsche betrachtet man sie, sondern al» praktisch durch- fühlbare Maßnahmen, die den Kern der Sache treffen. Uiirichlig ist die Behcniptiing. daß das Fazit der Einigung darin bestehen werde, daß der S. D. P. einige Hundert unzufriedene Mitglieder der I. L. P. ziigetrieben werden würden. Die S. D. P. halte weder die Mehrheit ans der Konferenz,»och gehören ihr die Mehrzahl der Ansschußniitglieder an. Wer die volkreichen Industrie» gebiete Englands in letzter Zeit durchreist hat und mit den Ge- nosien in Berührung gekommen ist. weiß, daß ein radikaler Zug durchs Land geht, der die schlummeniden Kräfte de« S�yk»Sinu« zu kräftigem Leben erwecken wird. Personalien. Zum Parteisekretär für den Wahlkreis Görlitz- L a u b a u wurde der Genosse Hermann Feller-Hannover gewählt. Ei» Aussehen erregender Uebcrtritt zur sozialdemokratischc» Partei. Der Chef des GutteinplerordenS in Schweden, Direktor Wavrinsky, ist der Arbeiterlanimcr Stockholms und damit der sozialdemokratische» Partei als Mitglied beigetreten. Ans dem letzten Kongreß des Gnt- templerordeus, der mit seinen ILO 000 Mitgliedern die größte Ab» stinentenorganisation bildet, hatte WavrinSkli sich zur Wiederannahme des ChefpostenS nur unter der Bedingung bereit erklärt, daß er un- gehindert seiner politische» Ueberzeugung folgen konnte. Man hegte in den Kreisen der Guttcmpler Bedenken, daß die sozialdemokratischc Gesinnung des OrdenSchefS, weniger in Schivedeu als vielmehr im Ausland Anstoß erregen könnte, aber Wavrinsky wurde gleichwohl wiedergewählt._ Soziales» Dürfen in Landgemeinden Ersatz- und Ergäiiznngswahlen vereinigt werden? Diese Frage hat jetzt im Gegensatz zu früheren Entscheidungen das preußische Oberverwaltungsgericht bejaht. In der Landgemeinde Altenessen waren im November IVOS in der dritten Wählerabteilung sechs Gemeindevertreler zu wählen, darunter sünf zur Ergänzung an Stelle der im regelmäßigen Turnus ausgeschiedenen Gemeinde- Vertreter und einer als Ersatzmann für einen Vertreter, der im Laufe der Wahlzeit ausgeschieden war. Die Ergänzungslvahlen und die Ersatzwahlen wurden in einem Wahlakt vereinigt und zwar wurde so gewählt, daß jeder Wähler erst die fünf Namen nennen sollte, die er als ErgänzungSmänner ausersehen habe, und dann den Namen des Ersatzmannes. Bei der Feststellung des Nc- snltat« wurde dementsprechend auch geschieden zwischen den Er- gänzungsmäimern und dem Ersatzmann. Die Wahlen wurden angefochten, und der Bezirksausschuß als Berufungsinstanz erklärte die Wahlen der dritten Abteilung für ungültig, weil die Verbindung von Ergänzungs- und Ersatzwahlen bei den Landgemeindewahlen inangels einer sie ausdrücklich zulassenden Ge- setzesbestimmung unzulässig sei. Der Bezirksausschuß stützte sich dabei auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts. DaS Oberverwaltungsgericht hob jedoch im jetzigen Rechtsstreit das Urteil des BezirksauSschnsses auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an den Bezirks- auSschuß zurück, indem es ausdrücklich seinen früheren Standpunkt aufgab. Begründend wurde auf das allerdings nur für Stadt- gemeinden ergangene Gesetz vom I.März l8gl hin- gewiesen, welches die Verbindung von Ersatz» und Ergänzuugs- ivahlen in einem Akt zuläßt und bestimmt, daß dann jeder Wähler gelrennt zunächst soviel Personen zu bezeichnen habe, als zur regel- mäßigen Ergänzung der Stadtverordnetenversaininlung, und sodann so viel Personen, als zum Ersatz der innerhalb der Wahlperiode ausgeschiedenen Mitglieder zu wählen seien. Gerichts-Zeitung. Mainzer Unsittlichkeitsschnüsfeleien. Ueber den Prozeh, in dessen Mittelpunkt die Polizeiassistentin Frau Dr. Schapiro stand, wurden auf Grund eines sensationell aufgeputzten Berichts der Korrespondenz„Schwcder u, tzertzsch" im„Lokal-Anzciger". der..Morgenpost" und im„Berliner Tage- blatt" spaltenlange Berichte gebracht, die die wirkliche VerHand- lung in der gräßlichsten Weise entstellten. Insbesondere wurde von der Korrespondenz Schweder u. Hertzsch in der ausführlichsten Weise berichtet, daß mit Namen genannte Mädchen, die keines- wegs gewerbsmäßig Unzucht trieben, auf Denunziationen hin wegen unschuldiger Liebeleien vor die Polizeiassistentin geladen und dort einer ärztlichen Untersuchung unterworfen seien. Wir selbst hatten aus derselben Korrespondenz diese Behauptung kurz registriert. Dabei hatten wir bedauert, daß die so trefflich wir- kcnde Polizeiassistentin, die in keinem dieser Fälle selbständig vor- gegangen zu sein schien, solche Fälle nicht vermieden habe. Von einem Leser wurde uns unter Hinweis auf die ausführlichen Berichte in den genannten Zeitungen sogar der Vorwurf gemacht, dah wir jene angeblich empörenden Beleidigungen einer Reihe von Mädchen nicht ausführlicher gebracht hatten. Wir freuen unS, nachdem wir zuverlässige Informationen über die GerichtSver- Handlung eingezogen haben, konstatieren zu können, daß die angc- führten Behauptungen der Korrespondenz Schweder u. Hertzsch aus der Luft gegriffen sind. In der Gerichtsverhandlung wurde konstatiert, baß die Polizeiassistentin auch nicht in einem einzigen Falle eine solche Untersuchung hat vornehmen lasten. Besonder? empörend klang in der Korrespondenz ein Fall, nach dem ein Mäd- chcn erklärt habe, sie habe schließlich einer ärztlichen Untersuchung zugestimmt. Diese Behauptung in der von uns zitierten Korre- spondenz und in den Blättern, die sie kritiklos übernahmen, cnt- spricht durchaus nicht der Wahrheit. Der Fall hatte vielmehr so gelegen: DaS Mädchen, über das polizeiliche Akten bereits vor- lagen, hatte die Polizeiassistentin gebeten, um den gegen sie in Berlin und Mainz ausgestreuten Verdächtigungen entgegen zu treten, möge sie doch eine Untersuchung veranlassen. Tie Polizei- assistentin lehnte dies ab. Darauf wendete sich das Mädchen an den Polizeirat mit der Bitte, die ärztliche Untersuchung zu ge- statten. Diese erfolgte dann. Das Mädchen selbst hat später mit ihrer Mutter wiederholt ohne Einladung die Polizeiassistentin besucht, bei ihr Rat geholt und sich für die Fürsorge, die sie ihr angedeihe» ließ, bedankt. Die Polizeiassistentin hat, wie die Ge- richtSverhandlung ergeben hat, in anerkennenswerter Weise mit dem Brauch, wie er früher in Mainz geübt wurde, gebrochen, jedes von der Sittenpolizei vorgeführte Mädchen untersuchen zu lassen. Von 440(ohne besonderen Austrag der Polizeiassistentin) Aufgegriffenen sind etwa nur 300 Mädchen untersucht; von diesen baten die incistc» selbst darum, weil sie krank waren. In keinem einzigen Falle hat die Polizeiassistentin eine Untersuchung ver- anlaßt, weil die Mädchen Verkehr mit Prostituierten hatten, oder hat zwangsweise Untersuchung veranlaßt. In einigen Fällen sind die Mädchen auf Bitten der Eltern untersucht worden; in einem solchen Fall ergab sich, daß von drei Töchtern zwei ge- schlechtskrank waren. Mit den beiden als Lockspitzcleien bezeich- ncten Fällen verhielt es sich folgendermaßen: Von einem vielfach auch mit Zuchthaus vorbestraften„Kaufmann" waren Frauen- tropfen zur Abtreibung angeboten. Die Tropfen können den im Inserat verheißenen Zweck nicht erfüllen, werden aber zu außer- ordentlich hohen Preisen hauptsächlich an arme Mädchen und Frauen verkauft. Auf Veranlassung der Vorgesetzten hat die Polizeiassistentin auf einer Postkarte solche Tropfen verlangt. In dem zweiten Falle handelte es sich um eine Frau, die gcwerbs- mäßig gegen Summen von SO bis 200 M. Abtreibungen versprach. Infolge einer Requisition der Staatsanwaltschaft sollte sestgestcllt werden, in welcher Weise die AbtreioungSversuche vorgenommen würden. Um dies zu erfahren, ist ein Dienstmädchen zu der Frau gesendet. In den von uns zitierten Blättern ist auf Grund der Korre- spondenz ferr�pr behauptet worden, es sei die Polizeiassistentin beim Verlosten des Gerichts von einer Menge bedroht worden. Auch das ist nicht wahr. Die in unverantwortlicher Weise erfolgte falsche Bericht- erstattung hat zur Folge gehabt, daß der Polizeiassistentin gemeine Briefe und Drohungen— allein aus Berlin ein halbes Dutzend— zugingen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man an- nimmt, daß diese traurigen Zeichen gemeiner Gesinnung der um die Hebung der Prostituierten und um den Schutz junger Mädchen vor der Prostitution hochverdienten Frau von Leuten zugegangen sind, die darüber empört sind, daß diese Frau durch Energie, Umsicht und Güte in vielen Fällen Mädchen davor be- wahrt hat, der Prostitution zu verfallen und andere aus dem Sumpf in eine andere Lebensstellung gebracht hat. Wie Strcikanklagen zustande kommen. Volle 20 Wochen kämpften die Arbeiter der Danziger Schichau- werft in fast beispielloser Solidarität gegen den vaterländischen Millionär Zicse, um einen Stundenlohn von 30 Pf. Ungebeugt nahmen sie die Arbeit auf, ohne sofort einen sichtbaren Erfolg er- ringen zu können. Sie erreichten jedoch die Zusicherung, daß von dem Wcrftbesitzcr Maßregelungen nicht erfolgen sollten. Trotzdem kamen dann auffällig viel Strciknachspiele vor Gericht. Das Ltätsel, wie das kam, wurde am ö. Oktober vor dem Danziger Schöffen- gericht gelöst. Ein etwa KOjäHriger Arbeitswilliger sollte von einem Streikenden, dessen Freund er 20 Jahre lang war, durch ein Gc- spräch unter vier Augen beleidigt sein. Der Arbeitswillige erklärte jedoch, daß er sich gar nicht beleidigt gefühlt und auch keinen Straf- atnrag gestellt habe. Er versicherte, das auch nicht mehr tun zu wollen. Auf die Frage des Richters, wie es denn überhaupt zur Anklage gekommen sei, erwiderte Rechtsanwalt Hctzmann als Ber- tcidiger, daß von der Werftleitung ein Bureau errichtet sei, um alle Belästigungen Arbeitswilliger zur gerichtlichen Sühne zu bringen! Der angeblich Beleidigte teilte dazu mit, daß er dreimal hinterelnander aufgefordert worden sei, den Strafankrag zu stellen. Aus den Akten stellte nun der Richter fest, daß sich darin zwar eine detaillierte Schilderung des Sachverhalts, aber gar kein Straf- antrag befand. Des Millionärs Sühneburcau hatte in feinem AmtScifcr die Hauptsache ganz vergessen. Der Staatsanwalt bc- antragtc selbst die Freisprechung. Das Gericht sprach den Ange- tlagte» frei und legte sniiiNichc Kosten, auch die der Verteidigung und der dem Angeklagten verursachten persönlichen Aiiswendniigen, der Staatskasse auf. )Zus aller Melt. Ter Tod im Auto. Eine schwere Automobilkatastrophe ereignete sich am Dienstag in der Nähe der hannoverscheu Stadt Celle. Ein Automobil, das mit fünf Personen besetzt, aus Bremen kam, benutzte die Landstraße von Wimsen nach Celle. Die Insassen waren der Dampfmühleu- besitzcr Behrendt auS Rottmühlcn bei Bremen und dessen Frau, sowie der Privatmann Brünning mit Frau aus Amerika und der Chauffeur Huhu. Bei Boye fuhr der Chauffeur zu weit nach rechts und gegen das rechte Brückengeländer eines BacheS. Der Wagen st ü r z t e in den Bach und ii b e r s ch l n g sich. Die beiden Damen wurden herausgeschleudert. Brünning und Behieudt kamen unter den Wagen zu liegen. Der Chauffeur war sofort tot. Behrendt kam mit leichten Verletzungen davon, während Brünning schwere Rippenquetschungen erlitt. Ein Gelber auf Licbesfahrten. In der Mülhauser Gegend im Elsaß machte sich schon seit längerer Zeit ein gewisser Herr Gieße in der Bekämpfmig der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung sehr bemerkbar. Gieße, ein Bäckergeselle, hat eine führende Rolle in der„gelben" Bäcker- organisation in Elsaß-Lothringen inne. Vor einiger Zeit ergalterte sich nun dieser Gelbe in einer Mülhauser HilfSkrankentasse auch den Posten als Einkassierer und Krankenkontrolleur. Seine Tätigkeit beschränkte aber Herr Gieße nicht etwa auf die Konirollierung der kranken Mitglieder, sondern er suhlte sich auch verpflichtet, bei den Frauen der erkrankten Mitglieder sich als Stellvertreter ihrer— kranken Männer anzu- bieten. Bei einer solchen Frau wurde Herr Gieße bei seinem Liebeswerben dann sogar tätlich, so daß sich die Frau ganz energisch zur Wehr setzen mußte. Natürlich wurde Herr Gieße von dem Vorstand der betreffenden Kasse seines Posten enthoben. Ein Opfer der Schreckensjustiz. Unter dem Eindruck der vom Wiener Landesgericht gegen die Angeklagten vom 17. September gefällten Schrcckensnrtcile hat sich der Arbeiter Kr i zenezk y, der von Soldaten beschuldigt wurde, ein Messer gezückt zu haben, erhängt. Welch eine moralische Genugtuung für die Rachefauatiker im grauen Hause, dem Wiener Kriminalgericht._ Kleine Notizen. Explosion im Bergwerke. Auf der Grube„Storch und Schöm- berg" bei Gosenbach im Rheinland erfolgte am Freitag eine Dynamitexplosion. Mehrere Bergarbeiter wurden schwer verletzt. Bereint in den Tod. Während eines Tanzvergnügens in G r o ß- leinungen bei Halle a. S. erschoß im Ballsaal der 19 jährige Sohn deö Steuersekretärs Lorenz die 17jährige Tochter des Landwirts Günther und dann sich selbst. Die beiden Liebenden handelten im Einverständnis, weil die Mutter des Mädchens die Liebschaft nicht dulden wollte. Tie giftige GnnS. Nach dem Genuffe einer GanS erkrankte in B e u l h e n die stchsköpfige Familie des Kaufmanns Hamburger unter VergiftungScrscheiuungen. Während Frau und Kinder noch mit dem Tode ringen, ist Hamburger selbst bereits ge- st o r b e n. Eine Untersuchung ist im Gange. Pastor n»d Bigamist. In dem nordamerikanischen Orte J o liet wurde der Pastor Harbin wegen Bigamie verhaftet. Der Pastor gab zu, daß er eine Frau und Kinder in England zurückgelassen habe und daß er sich in Joliet mit einem jungen Mädcve» von neuem verheiratete. Opfer dcS Sturmes. Während der letzten Stürme in der Nord- see ist die Fiswerbarke Nr. ü mit Hann und Maus ge- funken. Die Umgekommenen sind sämtlich auS Ostende. Ein anderes Telegramm berichtet von dem Untergange deS schwedischen DanipterS„Senostlnnd" in der Nordsee. An Bord befanden sich 18 Mann, die sämtlich umgekommen sein sollen. Heule begeht der Swckarbeiter Robert Popig lein 85 jäbrlgeS Jubiläum bei der Firnis H. 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Todes-Anzeigen| Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dag mein lieber Mann, unser Vater, Schwieger- und Großvater, der Möbelpolierer (iusisv Reuter verschieden ist, Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Fricdhofes aus statt. 1051 b kür«Zeil OerliDerReieiistasswalreis. Petersburger Biertel. (Bezirk 373a, V.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Möbel- poliercr (Zustav Reuter Rigaer Straße 39, gestorben ist. Ehre sein ein Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des izentral-Friedboses in Friedrichs- sclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/13 Der Borstand. Hiermit die traurige Mitteilung, daß unser langjähriges Vorstands- Mitglied 279/ö j Gustav Reuter verstorben ist. Die Beerdigung findet am j Freitag, den 13. Oktober,' nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des| Zentral-Fnedboses in Friedrichs- jclde aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Porstaud der Orts-Krankenkasse der j Möbclpolicrcr. Leulselier Htordeitel'-Vei'M Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser ilollege, der Möbel- Polierer Gustav Reuter Nigaerstr. 39 im Aller von 61 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 90/5 Um rege Beteiligung ersucht Die Drtzvenvaltung des 6. Beri. Reiehstags-Wahlkreises. Totles- Anzeige. Ain 9. Oktober verstarb unser Genosse, der Gerüstbauer WilKelm klein Buttmannstr. 12. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 12. Okiobcr, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- kirchhoscs, Secstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der B> Porstaud. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger Gustav Halbig am 8. Oktober an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Ülnsialts-Kirch- hose» in Buch auS statt. Rege Beteiligung erwartet 124/7 Tie Ortsverwaltnng. Verein der 8tereetMure und! Galvanoplastiker Berlins und Umgegend.; Den Mitgliedern die traurige] Nachricht, daß nach langen, schwc- ren Leiden am Montag, dc» 9. Oktober, unser Kollege Gustav kraust sonst enlschlasen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Donnerstag, den 12. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Halle der Paul- Gerhardt- Gemeinde, Nordeud, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung biitci Bor Vorstnnd. Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein innigstgeliebter Mann,| unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt liart Granl am Dienstag früh nach kurzem Leiden plötzlich verschieden ist. Um stille Teilnahme bitten Bie trauernden Hinterbliebenen Hartha Granl geb. Kiesel nebst Töchtern und Geschwistern. Die Beerdigung findet am Sonniag, den 15. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses j in der Hermannstraßc aus statt. tierdurch die traurige Nachricht, mein lieber Mann, unser guter Vater, der Brettschneider Hermann Goertz am Montag verstorben ist. Die zeigen an Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Oktober, nach- mittags 5 Uhr. vom Kranken- pause Westend am Fürstenbrunner Weg aus statt nach dem neuen Lnisen-Kirchhof. 206L SozialdemokratiselierWaMvereliil Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß unser Genosse Hermann Goertz am Montag verstorben ist. Die Beerdigung findet am| Freitag, den 13. Oktober, nachmittags 5 Uhr, vom Kranken- hnuse Westend am Fürstenbrunner i Weg aus statt nach dem neuen Lnisen-Kirchhof. 249/201 Um rege Beteiligung ersucht Bor Vorstand. Beiilzebef Transportarbeiter-VeHiaBil. Verwaltung Groß- Berlin. Distrikt 9, Charloftenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Kollege, der Brctterträgcr Hermann Goertz am 9. d. MiS. im Aller von> 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinein Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, vom Krankenhause Westend ans nach dem neuen Luiien- Kirch hos, Fürstenbrunner Weg statt. 71/19 Um rege Beteiligung ersucht Die Berirksverwaltung. Deutscher I Transportarbeiter-Verband. Bczlrksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeiter der St. E.-G. Julius Pohl am 9, d. Mts. im Sllter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. d. Ms., nachmittags 3 Uhr, von der Pütt- buier Straße 33 aus nach dem Städtischen Friedhose, Scesiraße statt. 71/19 Den Mitgliedern ferner zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Fenster- Putzer Prich Kuhlhorn am 6. Oktober im SUter von 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Britzer Gemeinde- sricdhoscs, Chausseestraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Pezirksverwaltung. Slllcn Verwandten, Freunden ! und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, > unser guter Vater, Schwieger- s und Großvater Herrmann l im Alter von 67 jtorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. ( Die Beerdigung findet am Freitag, dcir 13. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Kirchhofes der Slndreasgemeinde in Wilbelmsbcrg aus Natt. Baeäelt Jahren ver- | rc-ui--- Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim Hin'chciden meines lieben Mannes, meines Kindes treu- sorgenden Vaters sagen wir allen Verwandten. Bekannten sowie den Kollegen der Konstruktionswerk- itätte der Firma Ravenö Uweren herzlichsten Dank. 146/14 >Vvve. ITh. ßaethge liebst Sohn. Am Montagabend'l29 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Ida Jappe im 53. Lebensjahre. 2052 Um stille Teilnahme bitten Der trauernde Gatte nebstkindern. Nowawes, 11. Oktober 1911. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle, Goethestraße, aus statt. II U UM UM» III MW». Sonntag, den IS. Oktober, vormittags NVl Uhr, im„Sport-Palast66, Potsdamer Str. 72/72a: Vsrvins-lksrsammlimfi. Tages-Ordnung: KnichtttliMing iilm die Turifuerhuiidliinze». sämtliche tariftreuen Gehilfen Zu dieser Versammlung werden und um zahlreiches Erscheinen ersucht. Ulbert Massini, hiermit eingeladen 28/6 Gehilfenvertreter. ISozialdertratiseh.ffahlyerßiii Nowawes. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau Icla«läppe am Montag, den 9. Oktober, ge- florbcn ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Friedhofes in der Goethcstraße aus statt. Die Mitglieder des Wahlvereins versammeln sich um 3'/, Uhr bei Hiemke, Wallstraße 55. " Ziege Beteiligung erwartet 294/1 B«m- Vorstand. Deutscher K anarbeiterverb and. Bureau: Engelufer 15, Zimm. 53. ZWßigVGrcin ßGrÜH. Telephon: Amt IV, 4037. Sektion der 6rlps- nnd Zementbranclie. Freitag, den 13. Ottober, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS tgroüer Saal): General= Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht vom 3. Quartal. 2. Sekiionsangelegenheiten. —— ülitgliedsbnch legitimiert Zahlreichen Besuch erwartet_ Sektion Tonnerstag» Bcr Sektlonsvorstand. den 49/10* der Kimststeinver setzer. 1Ä. Oktober, abends S'/z Uhr, im Saal 0 des Berliner Gewerk- schaftshauses, Engclufcr IS: AHlglleder-Versammlung. Der Sektionsvorstand. Todes-Anzrige. Montag nacht I'/, Uhr entschlies nach schwerem Leiden meine liebe Frau 2032 Anna Blumke geb. Schäfer. Lsn tiefer Trauer Gustav Blumko nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 13. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Kirchhoscs, Mariendorser Weg, aus statt. UnterKalttings- u Etablissement Bendix Dir. Martin u. Paul Bendix. Oranlcnstr. 08. —— Eröffnung- Sonnabend, d. 14. Oktober. Verwaltung Berlin. !£(Dcffcutl. pMsthe UtchiniilllW. 32 Freitag» den 13. Oktober 1011, abends 8'/, Uhr, bei Boeker, Webcrstr. 17: OelTeatiieke Versammlung. Soges- Ordnung: 1. Francesco Fcrrer. sein Leben n. seine Bedentnng für die Arbeiterklasse.— 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 1946b Die �xitgtionslcommission der Anarchisten Berlins. Der Einberufer: Ernst Decker, Burgsdorsstr. 13. SolisIiÄtn! Achtung? Anarchisten! Heute, Donnerstag, d. 12. Oktober 101 1» abends S'/z Uhr in den Moabiter Biirgersälen, Beusselstr. 9: Oefrentliche Volksversammlung. Tages-Ordnung: A. Francesco Ferrer— sein Leben— sein Wirken— die freie Schule— der Krieg.— 2. Diskussion. ===== Referent: Pauk Nicolaus.- Zahlreichen Besuch erwartet 296/19 Der Einberuser: Schakohl, Beusselstr. 59. Hv eus öin Cabak Fabriken I. Goiösarb prmss.Sta8(nrfc ■»■q gegründet 1839. COQ«! Tsbac russe ä priser. oout de Kowno. o.i>a-n�c>n.n.D.n-n-n'Oci-o-cm-o Ppawdziwa tabaka do zazywania„Kownoer" Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Bonncrstng: CanzhräDzclxn bei freiem Eni'.ce. C.\iBIo. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzenslr. 41, Mdl.cr«Ä. 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Montag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr: Versammlung für die am 1. Oktober ausgekernten Tischltt, Drechsler, Stellmocher, Uergolder vsw. im tZeferksckaftsbanse, FngelnferlT, pariert« (Arbeitslosensaal). gy Die Werkstattvertrauensleute werden ersucht, die auSgelernteu Kollegen aus diese Versammlung aufmerksam zu machen. Sonntag, den 13. Oktober, vorm. 16 Uhr: == Versammlung■ für die Tisch-Branche Berlins und Vororte in den Andreas-Festsitlon, Andreasstraße 21. Tages-Ordnung: I. Bericht der Branchenkommission. 2. Diöknsstou. 8. Ber> schiedeneS. DStzf Alle in der Dischbranche beschäftigten Tischler. Polierer. Maichrnenarbeiier, Teilarbeiter und auch die ungelernten Hilfs- arbeiter müsse» erscheinen, ebenso auch die Kollegen, welche dem Transportarbeiier-Berdande angehören. Zwecks Kontrolle wird der Besuch der Versammlung im Mit» gltedsbuch durch Stempel legitimiert. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet.-MG dcr�ergoMer. Sonntag, den 15. Oktober 1911: SMM Matinee unter Mitwirkung der Hoffmaun-Sänger-Gesellschast in der..Alhainbra", Wallner-Theater-Stt. 13. Anfang 13 Uhr.—_— Billett 30 Ps._ Verband der Schneider und Wäscbearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin III. Bleue KönlgstraBe 6. Achtung! Wäschearbeiter und-Arbeiieriien! Donnerstag, den 12. Oktober, abends 8>/z Hhx a im„Schweizergarte»", am Königstor: Öffentliche Bersammlnng. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Tarifniedcrlegnug nnd welche Vorteile haben wir durch die Lohnbewegung errungen? Referent' V/. Eue. 2. Der Streik bei Blume, Wohl n. Hrymann und F. n, R. Simon. Kolleginnen und Kollegen l Die Festsetzung der Akkordlöbne ist bi» auf sechs Firmen erfolgt. Zur Erledigung steht noch die Lohnausbesserung der Lohnarbeiter und-Arbeiterinnen, welche bis zur iiächst-n«oche erfolgen muß. Kollegen und Kolleginnen 1 Prüfen wir gemeiniam die neuen Tarif. Verträge und deren Vorteile für die Arbeiter und?lrbciterinncn. Es ist desbolb Pflicht, daß alle. Mann für Mann, auch alle Scimarbciterinneu erscheinen.___ 252/13_ Ble Ortsverwaltnng. Zentralverband der Töpfer u. Berufsgenossen Deutschlands. W° CroC-Bedln, Lauverlrauensmänner- Versammlung. TageS-Ordnun«' 1. Unser diesjähriger Fciisterstrcik. 2. Die Situation aus den Baute» und im Gewerbe im allgcmciiien. 3. Verschiedenes ßST«ein Bau d a r f u n v« r tr e t e n fei«:"Mg Die Bezirksleiter werden ganz besonders niliaesordert, zu erscheinen, da sie die Billetts zu dem Bergnügen des Geianavercins der Töpfer ia Empfang nehmen sollen I 193/3____ Bcr Vorstand� «eramwormcher Redakteur Richard Barth, Berlin. Lür den Inseratenteil verantw:?h Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanltalt Paul Singer u.Lo.. Berlin SWi" Nr. 239. 28. Zahrgavg. 2. KeilU des Jotiüiiito" Kerlim Bollistlolt. Do«l!trstltg, 12. Moder 1911 Huö Induftrie und F)andeU Die Montanproduktion der Welt. In dem soeben erschienenen statistischen Teil des Jahresberichts deS Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamts- bezirk Dortmund für das Jahr 1910 sind zahlenmäßige Angaben über die Montanförderung der Welt enthalten. Der Verein der- anschlagt die gesamte Kohlengewinnung der Erde für 1910 auf 1,152 Millionen Tonnen. Das bedeutet gegenüber dem Jahre 1909 eine Fördcrungszunahme um 42 Millionen Tonnen. An dieser Kohlengewinnung sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit 39,5 Proz., Großbritannien mit 23,3 Proz. und Deutschland mit 19,3 Proz. beteiligt. Auf die anderen Teile der Erde entfallen damit nur 18 Proz. der gesamten Kohlengewinnung. Die Koks- erzeugung der Welt ist für das Jahr 1909 angegeben. Sie beträgt 91 Millionen Tonnen gegen 77 Millionen Tonnen im Jahre 1908. Daran waren beteiligt die Vereinigten Staaten von Amerika mit 35Z4 Millionen, Teutschland mit 21� Millionen und Großbritannien mit 19 Millionen Tonnen. Nach den bisher vorliegenden Mitteilungen'st für das Jahr 1910 wieder eine Zunahme der Koks- erzeugung zu verzeichnen, die nach der Veranschlagung des Vereins für Amerika und Deutschland je 2,2 Millionen Tonnen ausmacht. Interessant ist die Angabe, daß der Wert der gesamten deutschen Bergwerksproduktion im Berichtsjahre zum erstenmale 2 Milliarden Mark überstieg. Genau betrug der Gesamtwert 2008,6 Millionen Mark. Daran partizipierte die Steinkohle mit 1% Milliarden Mark, die Braunkohle mit 178� Millionen Mark und das Eisenerz mit 107 Millionen Mark. Insgesamt waren diese 3 Mineralien mit 90L Proz. an dem Gesamtwert der deutschen Bergwerks- Produktion beteiligt. Die Roheisenerzeugung der Welt, die 67 Millionen Tonnen betrug, zeigt gegen das Jahr 1909 eine Zunahme um 6 Millionen Tonnen. An der Roheisenwelterzeugung waren die Vereinigten Staaten von Amerika mit 27,7 Millionen, Deutschland mit 14,8 Millionen und Großbritannien mit 10,4 Millionen Tonnen beteiligt. Bemerkenswert sind die Angaben, die der Bericht über den Wettbewerb fremder und einheimischer Kohle auf dem inneren Markte macht. Nach Hamburg gelangten im Berichtsjahre 8,4 Millionen Tonnen, von denen 38,1 Proz. auf rheinisch-westfälische und 61,9 Proz auf englische Kohle entfielen. Im Jahre 1909 war das entsprechende Verhältnis 34,1 und 65,9 Proz. Man ersieht daraus, wie stark der englische Wettbewerb ist, was auch aus der Kohlenverbrauchsstatistik für Groß-Berlin hervorgeht. Von dem Kohlenverbrauch Groß-Berlins entfielen nämlich im Jahre 1909 24,7 Proz. auf Großbritannien und 44,8 Proz. auf deutsche Stein- kohle. Berlin verbrauchte in demselben Jahre 30 Proz. des Gesamt- kohlenquantums in Gestalt von Braunkohle. Huq der Frauenbewegung. Noch ein Damentag. Aus Braun schweig wird uns geschrieben: Ende der vergangenen Woche hatten sich die bürgerlichen „Frauenrechtlerinnen" hier niedergelassen. Der Allgemeine Deulsche Frauenverein, wohl der älteste derartige Verein, hielt seine 26. Gc- neralversammlung ab. Die Stadt hatte ihm den Saal des Altstadt- rathauses eingeräumt. Dem Frauenverein wurde der Rathaussaal, der ja keinem städtischen Zweck mehr dient, mit Recht, wie jedem patriotischen Klimbimverein, unbedenklich überlassen. Zu derselben Zeit erhielt jedoch der Freidenkerverein vom Magistrat den Bc- scheid, daß ihm der Saal zu dem am 21. November beabsichtigten Lichtbildervortrage nicht überlassen werden könne, da man„ange- sichts der für die Benutzung des Altstadtrathauses stadtseitig auf- gestellten Grundsätze Bedenken trage." Man muß sich deshalb wun- dern, daß man die Frauenrechtlerinnen durch den Rersbreiwall des braunschweigischen Schlaraffenlandes hindurch und in die Eulen- spiegelstadt hineinließ. Aber sie sind ja so zahm, so unendlich' zahm und anspruchslos, diese bürgerlichen Damenrechtsdamen, daß sie die Herzogin, die Frau eines Obotritenfürsten, mit ihrem Besuch„bc- ehrte" und der braunschweigische Staats- und Polizeiministcr Hart- wieg, derselbe, dessen Polizei am 26. Januar 1910 die Arbeiter niedersäbelte, ihnen eine Begrüßungsrede hielt. Auch derselbe Bürgermeister Meyer, der den ablehnenden Bescheid an den Frei- denkerverein geschrieben hatte, hielt den Frauenrechtlerinnen eine Begrüßungsrede.— Die bürgerliche Frauenbewegung hätte sich gar nicht schwerer kompromittieren können, als dadurch, daß sie sich von solchen Finsterlingen und Volksfeinden bewillkommnen ließ. Das Milieu färbte denn auch stark auf den Kongreß ab. Fräu- lein Dr. Gertrud Bäum er, die über die staatsbürgerliche Er- ziehung des Mädchens sprach, forderte zwar staatsbürgerliche Er- ziehung der Mädchen, wobei die Teilnahme an der praktischen sozialen Arbeit unentbehrlich sei, aber die Frau solle nicht neue Rechte beanspruchen, auch nicht solche laut fordern oder gar dafür demon- strieren; die stille Arbeit für die Frauenbewegung, die praktische soziale Betätigung sei ihr Arbeitsfeld. In der Hauptsache ver- langte Fräulein Bäumer eigentlich nur die Abschaffung der aller- ältesten Ladenhüter, der heroischen Kriegsgeschichte usw., aus dem Unterricht und dafür etwas staatsrechtliche Belehrung. Bescheidener können die Damen kaum sein. Am besten charakterisiert sich die Auffassung Fräulein Bäumers von der Frauenbewegung in dem Satze, daß im Religionsunterricht„die gewaltigen Imperative des Christentums nicht nur gelehrt, sondern auch innerlich begriffen werden" müßten. Die Religion müsse das Fundament der Er- ziehung bleiben. Praktisch soll die staatsbürgerliche Erziehung der Mädchen durch staatsrechtliche Kurse, Anschluß an andere staats- bürgerliche Bildungsvereine, gemeinsame Arbeit mit den Lehre- rinnenvereinen und Gründung von Jugendgruppen gefördert wer- den. Vom Frauenstimmrecht war nicht die Rede. Weniger durch das Milieu beeinflußt war ein Vortrag, den Fräulein Helene Lange über das Thema„Was verstehen wir unter der Gleichberechtigung beider Geschlechter" hielt. Fräulein Lange kam ganz richtig zu dem Schluß, daß Freiheit und Selbst- bestimmung, die die Frau, wie der Mann, zu beanspruchen hätten, nicht mehr persönliche, sondern kollektive Faktoren seien, weshalb die Frauen das Mitbestimmungsrecht in Staat und Gemeinde for- dern müßten. Diese Forderung war sehr vorsichtig umschrieben. Auch Fräulein Lange scheute davor zurück klipp und klar das Frauenstimmrecht zu verlangen. Frau Dr. A l t m a n n- G o t t h e i n e r. die über die Er- ziehung der Mädchen für das Berufsleben sprach, verlangte für die Mädchen den gleichen Fachunterricht, wie für die qualifizierten Industriearbeiter. In diesem Sinne forderte sie Pflichtfortbildungs- schulen auch für die Mädchen. Sie ist jedoch nicht für unbeschränkte Berufsfreihcit. Die Gesetze sollten bestimmen, daß die weibliche Berussarbeit nur dort zugelassen ivcrde, wo Frauenarbeit ohne Gefährdung der Gdsundheit möglich sei. Eine Resolution, die die Ausgestaltung der weiblichen Berufs- bildung im Sinne der Gleichstellung der Mädchen mit den Knaben und die obligatorische Fortbildungsschule als reine Fachschule für alle gelernten Berufe verlangt, wurde angenommen. In die De- batte griff mit schmeichelnden Umwerbungen der Damen ein Rechtsanwalt A r o n h e i m ein, der Syndikus der überaus ar- beiterfeindlichen Siraßenbahndirektion, der von dem Straßenbahn- direktor Vollmacht hat, den„Volksfreund" bei jeder Aeußerung zu verklagen, aus der sich ein Prozeß machen läßt. Man sieht: die Damen hatten wenig Glück mit ihren männlichen Protektoren. Um die private Wohltätigkeit zu rc-formieren, wurde beschlossen, sich allen Aufrufen für Blumentage, Bazare und Wohltätigkeits- feste gegenüber ablehnend zu verhalten. Ein Vortrag für den Kul- tureinfluß der Frau als Konsumentin hielt sich zunächst in einein östhetisierenden Rahmen, beleuchtete �äbcr dann auch die Schäden der Heimarbeit. Der letzte Tag des Kongresses war der weiblichen Jugend ge- widmet. Es wurde in einem Vortrage von Fräulein Lilly D r ö s ch e r ein staatliches Jugcndpflegeamt, als Zentralstelle, mit städtischen Klubhäusern für Mädchen verlangt. Alle Bestre- bungen müßten von politischen Einflüssen frei. bleiben. Das heißt: der Arbeiterjugendbewegnng soll ein Bein gestellt werden. Man will sie für politisch erklären, die jungen Arbeiterinnen in die städtischen Klubhäuser einfangen und dort „bürgerlich" erziehen. Eine Jugendversammlung, zu der die ehemaligen Schülerinnen der höheren Mädchenschulen eingeladen waren, war nur von höch- stens 50 jungen Mädchen besucht. Es wurde von Fräulein v. Fels, b e r g- Leipzig die Gründung einer Jugendgruppe vorgeschlagen» in der die Angehörigen der besseren Stände sich mit sozialer Hilfs- tätigkeit vertraut machen sollen. Die Jugendgruppe soll junge Mädchen bis zu— 30 Jahren umfassen. Zur Gewinnung der Kon- firmandinnen soll eine Agitationskommission eingesetzt werden. Alles in allem könnte man das Resultat dieses Damentages dahin zusammenfassen: Die Damen haben die Ueberzeugung ge- Wonnen, daß die Erziehung der„besseren" weiblichen Jugend ein- seitig ist, was sich dadurch rächt, daß die Frauen der„besseren" Stände jeden Einfluß auf die Proletarierfrauen verlieren. Des- halb sollen der„besseren" weiblichen Jugend einige staatsrechtliche Begriffe beigebracht und ihr eine soziale Betätigung empfohlen werden, die nicht, wie Blumentage und Wohltätigkeitsbazare, den Stempel der Lächerlichkeit und der Heuchelei offen zeigt, sondern, ohne nur im geringsten die sozialen Verhältnisse selbst zu ändern, der„besseren" Frau das Vertrauen der Proletarierfrau wieder- gewinnt. Die Damen sehen auch ein, daß es eigentlich ein Unrecht ist, ihnen das Stimmrecht vorzuenthalten, aber sie wissen sehr wohl, daß wenn sie es bekommen, es auch die Proletarierfrauen bekommen müssen, was der Anfang vom Ende der bestehenden Cjesellschafts- vrdnung sein könnte. Deshalb wollen sie das Stimmrecht doch lieber ihren Männern allein lassen; denn diese sorgen doch schließlich mit ihrer Jagd nach Profit oder in ihren gut besoldeten Stellen so reichlich für Frau und Tochter, daß man über den Mangel der poli- tischen Gleichberechtigung schon ein Auge zudrücken kann und sich nur mit schönen, aber sehr vorsichtigen Phrasen der Stimmrechts- frage naht. Ueberhaupt, nur nicht laut fordern, nicht protestieren, nicht demonstrieren! Die kapitalistische Gegenwart ist doch schließ- lich auch für die kapitalistische Frau trotz aller Schönheitsfehler gar zu süß. Deshalb still und sachte die Schönheitsfehler überschmin- kcn und still und sachte die Prolctarierfrau in seine Garne locken! Die Dame die Gebieterin und Beglückerin, die Proletarierin das dankbare, gehorsame, vertrauende und leicht zu lenkende Objekt der sozialen Betätigung der Dame! Nur ja nicht zu fest zugreifen, damit das Kartenhaus der kapitalistischen Gesellschaft nicht inS Wanken kommt oder gar zusammenpurzelt! Daß mit einer solchen Frauenbewegung der Arbeiterfrau nicht gedient ist, im Gegenteil, daß die Frauenbewegung der Damen schließlich nur den Zweck hat. die proletarische Frauenbewegung lahm zu legen, das werden die Arbeiterfrauen schon von selbst herausfinden. Leseabende. Maricndorf. Donnerstag, abends 8 Uhr, bei Lucas, Nachfk. Paul, Königstr. 14. INTERNATIONALE HYGIENE-AUSSTELLUNG DRESDEN 1911. wird endgültig am.�i. Oktober geschlossen Besucherzahl bis 6. Oktober 4767593 Personen. T. Teilzahlung liefert auf bequemi bei kleinster Anznltlnng in bekannter Güte (mit grSEter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Cohn,(lr.FraDklMrtfirstr.58. Sie hal etwas sehr Reizvolles, die Mode von 1911-12. 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Spezialitäten. 9'/« Uhr die praohtvoUe Feerio 1000 Jahre auf dem Meeresgrunde Morgen, Freitag keine Zirkusvorstellung, sondern z. 1. Male: IMe Orestle. Auftreten d. Deutschen Thealers im Zirkus Schumann. Thalia-Theater | John Galsworthv: Oer Ab 8 Uhr: 10 sensationelle Novitäten. Ezperimental-Psycliologo Leo Erichsen. Ein Abend in einem nmerifanlsche» Tin gel Tangel. New Norfer Burleske Gefellschaft usw. Aheuäahteüuugeu Hermann Bahr: Josephine. Jlesidenz-Theater Emil Angler: Oie arme Löwin. Jtermfeld-Theater Wied: tex2-5. Ordnei-sltznngDoX™r«;"i,?,t',i Saal III des Qewerkschaftshauses. Menc Mitglieder kUnnen sich in allen Zahlstellen melden für die Aachmittags- nnd Abendabteilungen. 241/15 Der Torstand. I. V.: G. Winkler. Baumschulenweg Mitgl. d. D. A.-S.-B.— Chormeister: R. Bähring. Sonnabend, den 14. Oktober 19t1, im Etablissement„Spree- garten" in Treptow, Alt-Treptow Nr. 10—t3: Kunst- Aben Mitwirkende: Frau Marg. Walkotte, Gesangs- u. Vortragskünstlerin. Herr Berthold Pusch, Bariton. Frl. Amalie Birnbaum, = Violine. Frl. Jacoba HeuBler, Eozitation.------- Tanz. Nach dem Konzort: Anfang 8 Uhr. [104Sb] Eintritt 50 Pf. Allabendlich: Hurra! Parade! Gr. raili- 1 tärisohe Revue in 6 Bildern. Sport-Attrak-[ tionen I. Ranges. Sololäufer u.-Läuferinnen, I Scbnellauf-Kotttturrenzen, Hockey-Spiele usw. Zirka 200 Mitwirkende. L Musik-Kapellen.— Feenhafte Iteteue litnng. Grösster Eispalast der Welt! CLOU BEBEIMER KO.VüdERTHAES MauerslraBe 82 X ZimmerstraSe 90 91. Qr. Doppel-Konzert, Musikc. d.5. G«rdB-.Rog. XSCilälSCh. Maasberg. Anfang 8 Uhr I Direktion: Willi Cremer. Morgen: Letzter Tag des dieswSchentlich. glänzend. Elite-Programms. Sonnabend: Premiere! ßff Moritzplatzj | Hasenheide j Tranm. In der Ästa Nielsen. Hauptrolle: Alexanderplatz| Unter d. Linden Interessante Ncnhelt: Wie Frieda Hempel ins Grammophon sang! Ton und Bild der gefeierten Künstlerin. Zlrkas Bäsch Heute abend 7'/, Ehr: Gr. Gala-Torstcllang. 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Oktober. abends 8 Uhr. 78 Versammlungen abgehalten, in denen die Tenerungsfrage. das Verhalten der Regierung und des Volkes erörtert werden soll. Wir erwarten, daß keiner unserer Anhänger fehlt und eine intensive Agitation für Massenbesuch entfaltet wird._ Der Zeutralvorstand. Köpenick. Der Bildungsausschuß veranstaltet am Donnerstag, den 12., im Stadttheater seinen ersten diesjährigen Theaterabend, an welchem»Der Pfarrer von Kirchfcld" zur Aufführung gelangt. Schönerlinde(Bezirk Pankow). Sonntag, den IS. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Gasthof des Genossen Czerlinski: Oeffentliche Versamnilung. Stadtverordneter Genosse Paul Dupont-Berlin wird über die LebenZniit elteuernng und die nächsten Reichstagswahlen sprechen. Die Parteigenossen von Pankolv wollen sich zahlreich an der Versammlung beteiligen. Die Agitationskommission. Röntgental. Der heutige Zahlabend fällt aus; dafür abends S'/z Uhr: Mitgliederversammlung in Bernau bei Salzmann, Bas- dorfer Strohe. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Schwenk. Trebbin. Am Sonnabend, den 14. Oktober, abends SVa Uhr, im GeiellschaftshauS(Emil Schulze) t Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung:.Die Teuerung und die politische Situation." Rc ferent Genoffe Gehricke-Charlottenburg. Zernsdorf. Am Sonnabend, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale von I. Knorr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Bericht vom Partei- tag. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Unsere dies- jährige Hcrrenpartie verbunden mit Agitationstour findet am Sonn- rag. den 22. Oktober, statt. Sämtliche freien Vereine der Umgegend sind hierzu eingeladen. LerUner l�acdricbten. Nochmals: Die Krankenpflege in den Ferienkolonien. In unseren wiederholten Betrachtungen über die in Ferien- kolonien vorgekommenen Scharlacherkrankungen erwähnten wir neben der Ferienkolonie Uebigau auch die Ferienkolonie Bad Sulza. Wir teilten mit, daß auch in Sulza im Monat August unter den Ferienkolonisten eine Scharlachepidemie ausgc- brachen war. Wenige Tage nach der Rückkehr eines der nicht er- krankten Ferienkolonisten sei dann im Elternhaus seine jüngere Schwester an Scharlach erkrankt. In einer anderen Familie liege ein in Sulza gewesener Ferienkolonist infolge Scharlachevkrankung schwer danieder. Einer dritten Familie sei ein in der Ferienkolonie Sulza an Scharlach erkrankter Sohn nach langem Krankenlager durch den Tod entrissen worden. Diese drei Ferienkolonisten hatten zu einer Gruppe von Kindern gehört, die erst am 11. August von Berlin abgefahren war. Der letzterwähnte Knabe war Ende August in Sulza an Scharlach erkrankt und starb dort am 25. September. In dem dortigen Krankenhaus sollen acht Kinder dieser Gruppe gelegen haben, die sämtlich an Scharlach litten. Jetzt ist uns— leider erst sehr spät— gemeldet worden, daß in Bad Sulza auch schon im Juli unter einer anderen Gruppe von Ferienkolonisten eine Scharlachepidemie geherrscht hat und auch damals schon ein Knabe gestorben ist. Nachdem die Gruppe am 11. Juli von Berlin abgefahren war. hatte sie in Sulza am IS. Juli die erste Scharlacherkrankung. Der erkrankte Knabe wurde sofort in das Krankenhaus gebracht und starb da am 18. Juli. Gegenüber der Mutter hat der Berliner Verein für Ferienkolonien durch eine vom 28. Juli datierte Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Medizinalrat Dr. Rüge sich dagegen verwahrh daß„der Aufenthalt in der Kolonie an der Erkrankung und dem Tode des Kindes schuld sein" solle. Es gebe„gegen Ansteckung leider kein Mitte l", meint der Herr Mcdizinalrat. Nach jener ersten Schar- lacherkrankung sollen in derselben, Gruppe, so wird uns auf das bestimmteste versichert, noch weitere Fälle von Scharlach vorgc- kommen sein. Etwa am ll. August trat in dieser Gruppe die letzte Scharlachcrkrankung auf. Am 7. August kehrten die gesunden Binder heim nach Berlin, während die kranken noch im Kranken- haus zurückblicken. Am 11. August traf aus Berlin eine neue Gruppe ein, von der oben schon die Rede war. Sie wurde i n dasselbe Hotel gelegt, in dem die erste Gruppe einquartiert gewesen war. Auch in der neuen Gruppe traten dann, wie schon gesagt, Scharlacherkrankungen auf— und auch hier holte dcr Tod sich'sein Opfer. llebigau und Sulza sind leider nicht die einzigen Ferien kolonien/ die in dem diesjährigen Sommer von Scharlach heim- gesucht wurden. Eine uns zugegangene Nachricht meldet, daß auch in K o l h e r g in dem dort befindlichen Berliner Sommerheim unter den Ferienkolonisten mehrere Scharlacherkrankungen vorgekommen sind. Noch Ende September lagen in dem Kolbcrger Krankenhaus einige Kinder aus Berlin, die in der Ferienkolonie an Scharlack erkrankt waren. Hier scheinen die Erkrankungen er- freulicherweise sämtlich nicht schwer gewesen zu sein, uns ist wenig- ftens kein Todesfall bekannt geworden. Die Banmfallsncht. Nun hat auch der Alexanderplatz fast seilten gesamten Baumschmuck verloren. Es stehen hier nur uoch etwa ein Dutzend der alten Bäume am östlichen und westlichen Bürgersteig. Die inneren Schmnckanlagcn ein- schließlich des Springbrunners sind dem Untergruudbahubau zum Opfer gefallen. Die aus dem Boden gehobenen Bäume wurden nicht verpflanzt, sondern vernichtet, was wegen des umfangreichen Wurzelwerkes nötig gclvesen sein soll. Man muß sich damit trösten, daß die Schmuckanlagen, die nicht besonders hervorragend' waren, in schönerer Form wieder- erstehen. Wie es heißt, soll später ein ziveiter Diagonaliveg von der Kömgstraße nach der Grunerstraße hinüber augelegt und die bisherige Steigung nach der Platzmilte vermieden »verden. Man vergesse aber nicht den Wiederaufbau des Springbrunnens. Bon solchen Wasserkünsten haben wir so schon in Berlin, abgesehen vom Schloßviertel und Westen. nicht allzuviel. Ein schwerer Unfall eines Eisenbahnbeamten trug sick in der Nacht von Montag zu Dienstag aus dem Anhalter Güterbahnhof zu. Gegen 1 Hfyr morgenA wollte der Lokomotivführer Noüert Maiauch. Eberöstratze in Schöiiebcrg wohnhaft, sich nach beendetem Dienst nach Hauie begeben. Ilm einen näheren Weg nach Schönebcrg zu nehmen, überschritt er die Schienengleiie und übersah bei der Dirnlel- heit, daß eine Rangierlokomotive in langsamer Fahrt herannahte. M. wurde durch den Anprall zu Boden geworfen nnd ihm das rechte Bein vollständig abgefahren. Der Schwerverletzte wurde nach dem Klisabeth-Krankenhciuse übergeführt. Tödlicher NnglückSfall auf der Hochbahn. Am DienStagvor- mittag nach IV Uhr verunglückte der bei der Hoch- und Untergrund- bahn beschäftigte Tischler Welk, Lichtenberg. Kronprinzenstraße 4, wohnhaft, beim Ucberschreiten der Gleise am Bahnhof Zoologischer Garten. W. war im Begriff seinen Meister zu suchen und hatte wohl nicht damit gerechnet, daß der rangierende Zug auf dem Gleise ankam. Er wurde umgestoßen und überfahren. Wie mitgeteilt wird, kommt dort eine stromlose Stelle in Frage; die Beleuchtung ivar, weil nur die Hälfte der Birnen brannten, mangelhaft. Der Verunglückte trug Knochenbrüche der Beine, Arme und Kopf- quetsckmtgen davon und starb abends um 9 Uhr bei vollem Bewußtsein. Es wird darüber Klage geführt, daß kein Verbandzeug zur Stelle war. Jetzt nachdem der Unfall passiert ist, brennen an der Unglücksstelle sämtliche Lampen. Das Metropol-Thcatcr wirft recht fette Dividenden ab. In der letzten Sitzung des Anfsichtsrats der Metropollheater-Aktiengesellschaft wurden 2v Proz. Dividende in Vorschlag gebracht, das bedeutet eine Verzinsung von 200 M. für 1000 M. Gustav Reuter, ein unter dem Sozialistengesetz eifrig tätiger Genosse, ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 02 Jahren nach längcrem Krankenlager einem Herzleiden erlegen. Neuler, von Beruf Möbelpolierer, war namentlich in der Organisation seines Berufes, dem Möbelpolierer-Verbande, noch ehe derselbe dem Deutschen Holzarbeitcr-Verband einverleibt wurde, eine markante Persönlichkeit. Seiner unermüdlichen Tätigkeit war eS zuzuschreiben, daß immer weitere Kreise seiner Berufskollegen von der damals be- stehenden Fachorganisation erfaßt und zu treuen Mitkämpfern für die Sache der Arbeiterschaft erzogen wurden. Oftmals mahnte Gustav Reuter am Schlüsse gut besuchter Generalversammlungen des Verbandes in begeistcrungsvollen Worten nicht nur mit allem Eifer die Bestrebungen der gewerkschaftlichen, sondern auch die der poli- tischen Organisation zu fördern. Mit ihm ist daher einer jener braven Alten dahingegangen, die die Arbeiterbewegung voll erfaßt und im richtigen Sinne gewirkt hatten. Bon Kraftdroschken überfahren wurden vorgestern beim Ueberschreiten des DanimeS mehrere Personen. Auf dem Wege zur Arbeit geriet in den Mittagsstunden die 20 Jahre alte Stenotypistin Amalie Katz aus der Diedenhofener Str. 2 in der Kaiser-Wilhelm-Straße unter einen Wagen. Mit Brüchen beider Oberschenkel und schweren inneren Verletzungen wurde sie zur Unfallstation in der Keibelstraße und von dort nach dem Krankeuhause am Friedrichshain gebracht. Gegen 5 Uhr nachmittags ereigneten sich zwei Unfälle. In der Alexanderstraße wurde der 26 Jahre alte Zeichner Otto Zeich aus der Schlieperstr. 68 zu Tegel überfahren, während vor dem Hause Slralauer Str. 17 die 19 Jahre alte Verkäuferin Elisabeth Radecke aus der Stralauer Str. 8 unter einen Wagen geriet. Beide erlitten Quetschungen und schwer� innere Verletzungen. Auf ihren Wunsch wurden sie von der Unfallstation Keibelstraße, nachdem ihnen dort die erste Hilfe geleistet worden war, nach ihren Wohnungen ge- bracht. Von einem Kraftwagen totgefahren wurde vorgestern an der Ecke der Linden- und Markgrafenstraße ein junger Mann, der am Nachmittag als dcr 18 Jahre alte Schiniedegeselle Anton Schwarz aus der Grünthaler Straße 78 festgestellt werden konnte. Schwarz war in der Eile von einem noch in der Fahrt befindlichen Straßen- bahnwagen der Linie 99 gesprungen und ivollte, nachdem er diesen hatte vorbeifahren lassen, auf die andere Seite der Straße gehen. Hierbei übersah er den herankommenden Kraftomnibus der Linie 14. Ehe der Führer des Kraftwagens bremsen konnte, waren dem Uit- glücklichen die Räder über die Brust gegangen und hatten seinen sofortigen Tod herbeigeführt. Die Leiche wurdx dem Schauhause überlviesen. Ein Klingelleitunzsrcvisor ist in der Person des Monteurs Paul Wichmann festgenommen worden. Wichmann trat unter den der- fcknedensten Namen auf. führte sich als LeitungSrevifor ein und be- nutzte jede Gelegenheit, die sich ihm so bot, kostbare Schmucksackien zu stehlen. Nicht weniger als 27 schwere und einfache Diebstähle, die er einräumt, brachten ihm für etwa 20 000 M. Beute. Wicknnann hatte die Gepflogenheit, die gestohlenen Schmucksachen sofort nach jedem Diebstahl zu versetzen und die Pfandscheine zu vernichten. Trotzdem gelang es schon, einen erheblichen Teil seiner Beute wieder herbeizuschaffen. Viele Sachen aber konnten noch nicht wieder ermittelt werden, weil der gefährliche Dieb und Schwindler die Namen derjenigen Händler und Verläufer, denen er Schinucksachen angeboten und veräußert hat, nicht alle mehr kennt. Er weiß aber ungefähr, wo sie wohnen. Im Einverständnis mit der Slaatsauwaltschaft fuhren deshalb zwei Kriminalbeamte in einer Kraftdroschke mit ihm umher, um so die Leute, die die ge- stohlenen Schmucksachen jetzt besitzen, zu ermitieln. Auch gestern ge- laug eS auf diese Weise wieder, eine ganze Anzahl ivertvoller Beutestücke herbeizuschaffen. Nach Eintritt der Dunkelheit aber befreite sich Wichmann während der Fahrt durch einen gewaltigen Stoß und Ruck plötzlich von dem einen Transporteur, der ihn an der Kette Halle, sprang aus dem Wagen, schlug sofort die Tür zu, so daß ihm auch der andere Beamte nicht nachspringen konnte, und verschwand in der Menge. Dcr eine Bcamte wurde durch den Stoß erheblich verletzt. Wichmann wurde bald darauf in der Wohnung einer Freundin seiner Frau ermittelt und von neuem verhaftet. Infolge eines schweren Bauunfalls wurden gestern abend die Berliner und Rixdorfer Feuerwehren nach der Hobrechtbrücke alarmiert. Dort wird an der Bürkner- und Friedelstraße gegenüber der Brücke ein großer Neubau aufgeführt. Kurz bor Feierabend stürzte ein Teil des Bürgersteiges in die 4 Meter tiefe Baugrube und begrub vier Arbeiter unter sich. Die Wehren holten sämtliche Verschütteten heraus. Von der Rixdorfer Feuerwehr wurden sie dann nach der nächsten Unfallstation gebracht und dort verbunden. Schivcre Verletzungen erlitten anscheinend die Bau- arbeiter Kleincrt, Mauteuffelstr. 12, und K. Geubrasch, Wrangel- straße 14; leichtere Verletzungen Kandala, Wrangelstr. 45, sowie Rumland, Lachmamistr. 10. Sie wurden teils nach dem Urban- lrankenhause, teils nach ihren Wohnungen gebracht. Dem Gatten in den Tod gefolgt. Wie nachträglich bekannt wird. bat sich am Mittwoch der vorigen Woche in dem Hause Holzmarkt- straße 10 eine erschütternde Tragödie abgespielt. Aus Gram über den nahenden Tod ihre? Mannes hat sich die 26 jährige Frau Elsa Kant im Sterbeziutmcr ihres Gatten mit Morphium vergiftet, lieber das Drania gehen folgende Mitteilungen zu. Der 45 jährige Kauf- mann Bernhardt Kant, der früher Direktor einer Versichcrungsgesell- schaft war, hatte vor drei Jahren seine Gattin kennen gelernt, und >var Vater eines anderthalbjährigen Mädchens. Die Ehe der beiden Gatten ivar die denkbar glücklichste, die nur durch die Krankheit des Kaufmanns, dcr seit Jabren von einem Nierenleiden befallen war, getrübt wurde. Vor etwa einem Jahre übernahm Kant, der sich in lehr guten finanziellen Verhältnisjen befand, das Haus Holzmarkt- straße 10 von seinem Schwager und bezog im Mai eine in der ersten Etage belegene Wodmmg. DaS Leiden Ks. verschlimmerte sich jedoch, sodaß der Kaufmann in diesem Sommer ein Bad ans- suchen mußte. Von dieser Reise kehrte er so krank Iviedcr, daß er schon seit Wochen sein Lager nicht mehr verlassen konnte. Die Acrzte machten Frau Kaut auf die Gefahr, in der ihr Gatte schwebte, auf- »lerksam und verhehlten auch nicht, daß der Ausgang dcr Ärankheit tödlich sein werde. Auf diese Nachricht hin verfiel die Frauen eine Schwermut, ans dcr sie sich trotz aller Beimthuttgen ihrer Verwandten nicht mehr attfzuraffen vermochte. Am Mittwoch voriger Woche verschlimmerte sich der Zustand Kants derartig, daß die Aerzte jede Rettung aufgaben. Da reifte in der Gattin, die ihren Mann über alles liebte, der Entschluß, gleichfalls aus dem Leben zu scheiden. Sie eutferitte alle Verwandte aus der Wöhntmg, nur eine Nichte ihres Mannes, die bei den Konischen Eheleuten lebte, blieb da. Ihr Töchterchen hatte die junge Frau ihrer Mutier übergeben, mit dem Bemerken, daß da? Kind die Ruhe des Kranken störe. Da Kant von de» Aerzten zur Linderung seiner Schmerzen Morphium erhalten hatte, gelang es dcr Lebensmüden leicht, sich einer größeren Dosis dieses Giftes zu bemächtigen. Sie nahm neben dem Sterbelager ihres Gatten Platz und trank ein Fläschcheu des gefährlichen Beiäubnitgsmittels aus. Als gegen 6 Uhr utachinittags die Nichte Kants das Krankenzimmer betrat und an ihre Tante eine Frage richtete, erhielt sie leine Ant- wort. Dem jungen Mädchen fiel die eigenartige starre Haltung der Frau auf und sie schlug sofort Lärm. Einige hinztigerttfeite Aerzte versuchten die Unglückliche ins Leben ziirückznrusen, doch waren ihre Bemühungen umsonst. Mehrere Stunden später verstarb auch der Kaufmann, der den Selbstmord seiner Gattin mit angesehen hatte, ohne, infolge seiner Krasilosigkeit, ihn verhindern zu können. Die Leichen des Ehepaares wurden nach Hamburg übergeführt und dort eingeäschert. Ein falscher Hundesönger. Auf den sogenannten„Freilassungs- taler" hat es ein dreister Schwindler, der als Hundesönger auftritt, abgesehen. Der Gauner, der einen buschigen braunroten Sclmurr- bart trägt, fängt Hunde von der Straße fort und sobald die Eigen- tümer hinzukommen, fordert er den üblichen Taler, bevor er den Hund frei läßt. Leider werden dem Unbekannten auch die Taler verabfolgt, obwohl er keine Erkenmutgsinarke an der Brust trägt. Hat er erst das Fanggeld bekommen, so macht er sich schleunigst aus dem Staube. In der Brehmestraße wurde dcr falsche Hiindefäuger gestern als solcher erkannt, doch als man ihn festnehmen wollte, er- griff er die Flucht und entkam auch über ein unbebautes Grundstück hinweg. Von einem Hund zerfleischt. In der Stallschreiberstraße wurde gestern ein zwölfjähriges Mädchen Käthe Prahl von einem großen Hund angefallen und am rechten Unterschenkel förmlich zer- fletscht. Der Hund konnte nur mit Mühe von dem Kind entfernt werden. Das Mädchen wurde schwerverletzt nach der Unfallstation in dcr Koinmandantenstraße gebracht und mußte von hier nach dem Krankenhaus am Urban transportiert werden. Vertauscht wurde am 3. Oktober in einem früh 8 Uhr vom Bahnhof Putlitzstraße über Westend fahrenden Vollringzuge eine Frühstückstasche, in der sich niehrere Bücher, u. a. eine Monats- abrechnung vom Metallarbeiterverband, ein Verbandsbuch auf den Namen Willmann lautend, eine Sammelliste vom Parteitag zu Jena, Beitragsmarken vom Metallarbciterverband u. a. befanden. In der dafür zurückgebliebenen Tasche ist der Name Grete Schröter mit Tinte enthalten. Es wird um Rückgabe an Karl Ternc, Kameruner Str. 17, Seitenflügel II gebeten. Dcr Sängcr-Ehor„Süd-Ost"(M. d. A.-S.-B.. Chormeister Otto Kowalsky) veranstaltet am Sonnabend, den 14. Oktober, in Happoldts Konzertsaal, Hasenheide 32—38, Eingang Gräfestraße. einen Heiteren Abend unter Mitwirkung des Humor. Ensembles Alfred Brandes und des Berliner Orchesters(Dir. Max Sachse). Billetts im Vor- verkauf 40 Pf., an der Kasie 50 Pf. Programme und Liedertexte m der Kasse gratis. Anfang 9 Uhr. Für de« Berel« Arbeiter-Jngendhcim gingen bei dem Nnier- zeichneten ein: 5,95 von den Kollegen der Firma Panzer. 1,129 Kranz- uberschuh von den Kollegen dcr Abt. Peitz, A. E.-G. 7,19 vom Personal der Buchdruckerei Billig Nachsg.»5,95 von den Kollegen der Schlosserei A. Siimming. 16,59 von den Kollegen und Kolleginnen dcr Abteilungen Schijfmann und Victzke, Eichstation A. E.-G.«Werke, Ackcrstrahe. 19.— von Dr. 21. 33. 37,25 Ueberschnh vom Kafscckochcn der Genossinnen itv.ü,, 19., 11. und 12. Abteilung des 6. Wahlkreises. 3,— von der Fraucn-Land- partie der 11., 12. und 13. Abteilung des 6. Kreises. 2,— vom Genosse» Kohl. 6,25 vom Torpedobau Schwartzkopsj, Slckcrstrahe(durch Genossen Brückner). 9,29 Uebcrschuh einer Gcburtstagskarte. 2,55 Kranzüberlchuh Bez. 469, IV. Abt., VI. Kreis. 17,— Rabitzer: Bohleit u. Ochlring, Bat» Werthelm. 25,— John Kirne, Berlin VI. 9,55 durch Herrn Karl Kasscbeer ans der Sechserkasse A. E.-G., Poltastraße. K. R o s e n s e l d, An der Spandaucr Brücke 1». Vorort- I�admcdten. Groß-Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Die Parkanlagen zwischen der Giesensdorfer und der Baekcstraße, deren Erweiterung um tausend Quadratruten bereits im Sommer erfolgt ist, sollen nunmehr voll- ständig hergestellt werden. Die Kosten mit 40 900 M. werden bewilligt. Bei günstiger Witterung werden die Arbeiten bis zum Frühjahr des nächsten Jahres beendigt sein. Das in Aussicht ge« nommene Lilienthal-Denkinal soll in dem Park unweit der Backe- straße zur Aufstellung gelangen. Die erforderlichen Arbeiten werden durch die Gemeinde selbst ausgeführt, was den Gemcindevertreter E n g e l m a n n zu der Forderung veranlaßt. einen Privatunternehmer mit dcr Ausführung des ganzen Projekts zu betrauen, da die Gemeinde viel teurer arbeite alS private Unternehmer. Schöffe Lange wies die letzte Behauptung als jeder Begründung entbehrend zurück und fand die llebernahme der Arbeiten in eigener Regie um so mehr am Platze, als dann die Park- und Gartenarbeiter der Gemeinde auch während des Winters beschäftigt werden könnten, was bei der jetzigen Zeit der Teuerung durchaus wünschenswert sei. Gemeinde- Vertreter Engelmann zog daraufhin seinen Antrag zurück. Der Bericht über die Kassenrevisioncn vom 22. Juni und vom 25. Sep- tember, bei welchen sich eine Differenz von 2900 Mark heraus- stellte, die sich jedoch nach Eingang dcr Bank-Abrechnungen auf« klärte, gab Veraitlaffting zu einer Aussprache über die geeignetste Form der Kasscnrevisionen. Auf eine Anfrage teilte Gemeinde- Vorsteher Schulz mit. daß solche Revisionen regelmäßig einmal monat- lich uiid außerdem halbjährlich einmal unvernmtet vorgenommen würden. Der Umgemeindung einer Grundstücksparzelle von Dahlein nach Groß-Lichterfclde wurde zugestimmt, wobei Schöffe Dr. Domino auf die schwierigen Verhnlinisie in Groß-Lichlecfclde hinwies, wo die Grenzen der einzelnen Gemeinden im Zickzack durch die Grund« stücke und Straßen gingen, so daß infolgedessen Eigentümer häufig zu zwei Gemeinden gehörten. Einer Anregung der Regierung folgend, wurden zur Waisenpflege auch Frauen als Pflegerinnen zugezogen. Es wurden dann die in einer schriftlichen Umlagr benannten nachstehenden Damen einstimmig gewählt ES braucht wohl nicht bemerkt zu werden, daß Frauen aus dem Volke zu dem Amt als Waisenpflegerinnen nicht betufen wurden, sondern nur~ wie CS in der Vorlage ganz treffend zu lesen war— Damen"— Damen auS der Gesellschaft. Ob sie Verständnis für ihr Amt haben, ist ja Nebensache; die Form is weniastenZ gewahrt. Die Wahl emcS Vertreters" und eines Ersatz- manneS für die Verbandsversammlung deS Kweckverba, deS Groß-Berlin erfolgte nach dem feierlichen Zeremoniell der Lmtd- gcmetnde-Ord.mng. Als Vertreter wurde Gemeindevorsteher Bürger- metster Schulz, als Ersatzmann Gemcindevertreter Rentier M e n e r gewählt. Es is. an sich ja gleichgültig, wer aus der jetzigen G�t i�d" Vertretung zur Verbandsversammlung nach Berlin dcleaiert wird- die Interessen des Grundbesitzes werden vollauf ge.vaN w«den' gleichviel ob die Vertreter so oder anders heißen. Außerhalb der Tagesordnung brachte Gemeindevertretcr S o u ch o n einen dringlichen Antrag em. der die Versicheruna der in den der°�m5"'o"e�u Dieb0�t Unterrichts aufbewaAten Fahrräder der Schüler(legen Diebstahl verlangte. Der Antragsteller bc- gründete»einen. n*; des KammergerichlS, bei dem Landgericht an, welcher Anwalt Ihnen bei» geordnet ist.— Luxeniburg l. Die Gefahr der Ausweisung bcllcbt, ins- besondere, wenn Sic Ihren Wohujitz in Preußen nehmen— P. H. 20. 1. Ja. 2. Der Pflichtteil— Hällle deS gcfeylichen Erbteils— darf Ihnen nicht entzogen werde». Bi» zur Deckung Ihres PflichlteilSansPruairs töimen Sie auch Schenkungen anfechten.— H. C. Z. 1. Ja. 2. Nein— H. T. 50. Verlangen Sie Rückzahlung. Falls Ausiorderimg erfolglos, erstatten Sie Strafanzeige.— I. fit, II. Mit dem Tage der Patent« eitcilung.— M. H. 10. Für die nach dem 1. Januar 1999 geschloslcuen Ehen besteht die allgemeine Gülergcmeiiischajt, wie sie nach allem Recht in einzelnen Landcstcilen bestand, nicht mehr. Der Mann hat nur an dem eingebrachten Gut der Frau ein Vcrwaltuugs- und NiitzuießungSrecht. Dieses Recht des ManncS— dazu gehört z. Ä. auch der Zlits» genug— läßt sich durch Ehcvcrtrag beseitigen. Die Konen eines solchen Vertrages richten sich nach dem Objekt.— X. Nein. — AU R. 80« Die RäuniungSfrltt lief mit dem Abend ab.— A. Z. — P. Z. 28. 1. Bei der Polizeibehörde. 2 Nein. 3. Ja. 4. Auf 50 M. 5. Aus technischen Gründen(Raummangel). 6. DaS Verzeichnis wird von einer Firma geliefert, die mit den Interessenten abschließt. Wir haben da- her keine» uumittclbaren Einfluß.— I. 11. Ja.— A. E. flfl. O. Ohne Ihr Einverständnis nicht.— Papciifnft. Jbrc Weigerrmg lann als Haus- sriedensbruch aiigeschcn werden.— H. Zdricdrlchsiiagc». Die Jnme ist durch die ReichsversichcrungSordmmg noch nicht entschieden. ES steht ein Sondergesctz in Ausficht.- Knobloch. Emscr 2tr. 2.59 M. osern es sich nur um Wohnraum bandelt.— P. 2. 10. 1. Nein. 2. Nur dann, wenn er sich nicht einverstanden erklärt und die dreimonatliche Beschwerde- srist noch nicht verstrichen ist. 3. Stein. 4. Eine V e r p s l i ch t ri» g besteht überhaupt nicht. 5- Kein Grund zur Zurückbebaltnng.— Paul 08. An, zweckmäßigsten schriftlich.— W. F.«0. 1. Nach Ihrer Darstellung nicht. 2. und 3 Ter Sohn ist bcwciSpflichtig. Zur Prozeßführung muß cit, Anwalt bestellt werden._ Marktpreise von Berlin am 10. Oktober 1911. nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. M a r t t b a l l c n v r e i f e.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35.99—59.99. Speiseboh,,-,, weiße. 35.99— 59.99. Linien 34,99- 89.99. Kartoffeln 7,99— 14,99. t Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,99— 2,40. Rindfleisch, Banchflessch j an bis 1,70. Schweinefleisch l.SO— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hamnielfl-ssia 1.30-2.00. Butler 2,40—3,40. 60 Stück Eier 3,80-6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40. Aale 1.20- 2,80. Zander 1.49-3,60. Hechte 1.20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,60-1,60. 60 stück Krebst 2,50-30,00. w"a «zlttrrniigsüderiini! vom II. Oktober 1911, fetattMtn LS I6 Ii «=1 L«| 2: � QetSn ei Snmjtnrfte Hamburg Fr, mfl a 18 Nun che» Sien 769© 772 SN© 772 W 775 NO 776 SO 775 NNW 3 bedeckt 3 bedeckt 1 bedeckt 1 wvllenl 2 heiter 1 wölken! e» tll «taltemn E: ö f 5 !Ni i«' »�1 atttR KS c« i* Havaranva 746< Petersburg— 2 Schnee—2 Actlld 'tierveoi PariS ■771030 774 WNA 773 NO 6 wolkig 1 heiter 2wolkenl 12 3 4 Wetterprognose«it Donnerstag, den 13. Oktober 1911. Zunächst etwa» wärmer, vorwiegend trübe mit leichten Regensällen und ziemlich starken westlichen Winden; spater langsam anillarend, aber lühler. Berliner W e t ter b ur e a u. WasseritaudS-NaebrickitrA der LandeSanstalt für Gewäslerlunde. mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Basserüand Kemel. TUM Brezel. Jnfterbmg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor » Kronen , Frantiurt Warthe, Sckirtmm LandSberg Netze, Vordamm Elbe. Leinneritz , Dresden , varbo , Magdeburg am 'eil 10 10. 9. 10. am l) 69 —46 -6 103 29 41 —3t —61 —35 -67 —184 29 33 0 +6 +2 0 +2 _ 2 + 1 — 1 -i-1 —6 — 1 t3 �alferfland f o«'«,«rochlttz Havel, Spandau') » Aatbenow') ® P 1 1'. Sprernberg') • BeeStow »'(er. Mümwn « i*« Kindcn "lein, MmfiatuumSan » Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Wercheu» Tria K 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) llnierpegel.