Mr. 340. nbonnementS'Bedlngangen: AbonnemeiilZ• Preis pränumerando] «iertcljährl. SLV SM, monoll. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitwigS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat. PoftabonncinentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Crföclnt t!gN» auDcr montags. 38. Jahrg. Verlinev VolKsblnkk» Zmtralovqnn der rozialdemokratifcbcn partet Dcutfcblands. Bit InltrfloaS'Gtbflbf >»trügt für die fcchSgefpallene Kolonet- geile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Bnzefscn", daS fettgedruckte Kort 20 Pfg. fzulüsfig 2 fettgedruckte Sorte), iedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan. »eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis fi Uhr nachmittags in der Expedition »pgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöisnet, »elegramm- Adresse: »Sozlaliikoiskrat BerM". Rtdahtion: SQL 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher- Amt IT, Nr. 1983. Freitag, de« IB. Oktober 1911. Expedition: SQL 68, Lindcnstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Neuerung und Kapitalismus. Es ist noch nicht lange her, seit der Chor derer gar laut erkliulgen, die den Kapitalismus ob der Fülle reichen Segens priesen, welche er den Arbeitern bringe; gestatte er ihnen doch, in unaufhaltsameni Aufstieg sich höhere Löhne, höhere Lebenshaltung zu erringen, räume er doch der ganzen Klasse einen stetig wachsenden Einflutz auf die Politi! ein, erleichtere er es doch durch die gewaltige Entwickclung der Produktiv- kräfte, die die Erzeugungskostcn und damit auch die Preise senkten, dem Proletariat die Erreichung seiner Wünsche. So sprachen sie, und auch in unsere Reihen drang davon ein Widerhall. Ein Märchen aus uralten Zeiten: so klingts uns heute. Stück um Stück ist in das Grab gesunken, was dieser Auf- fassung Stütze war. Festgefügte Unternehmerverbäude er- schweren den gewerkschaftlichen Kampf; ein Knecht der be- sitzenden Klassen ist der Staat, heute wie ehemals; an die Stelle der niedrigen Warenpreise ist eine Teuerung getreten, die die Erfolge der Gewerkschaften illusorisch macht, ja. breite Schichten mit Verelendung bedroht. Und diese Tatsache, die heiintückisch den Arbeitern den durch Lohnbewegungen er- rungenen Erfolg hinterher aus der Hand lvindet, läjzt beut- licher als die anderen erkennen, daß dem Ringen der Arbeiter um größeren Anteil an der Kultur innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gar enge Grenzen gesetzt sind, die nur mit dem Kapitalismus selbst beseitigt werden können. Der kapitalistischen Produktion unmittelbar entspringende und durch die staatliche Wirtschaftspolitik herbeigeführte Ursachen sind es, die die Preissteigerung der Lebensmittel und Industrieprodukte erzeugt haben. Wir»vollen zunächst jene, die geivöhnlich im gesainten Umkreis der kapitalistischen Pro- duktion gleichartig wirksam sind, untersuchen. Steigt die Nachfrage nach einer Ware schneller als ihr Angebot, so steigt auch ihr Preis; so lange bis die dadurch betvirkte Steigerung der Produktion den Preis wieder auf sein früheres Niveau hcrabdrückt. Wird aber diese Mehrerzeugung aus irgend welchen Ursachen gcheinmt oder läßt sie sich nur mit erhöhten Produktionskosten durchführen, so bleibt der Preis dauernd höher als er früher geivesen ist. Diese Vcr- Hältnisse finden wir insbesondere auf dem Getreide- markt wirksam. Getreide ist ein Welthandelsartikel gc- »vorden; eine Reihe von Produktionsgebieten beteiligt sich an der Beschickung des Marktes, eine Reihe von Ländern cnt- nimmt dem Weltmarkt die für ihren Bedarf notlvendigen Mengen und so hat sich auch ein Weltmarktpreis gebildet, der dort zu suchen ist, wo er nicht durch das Eingreifen des Staates derändert wird, also vor allein in England. Der Preis für die Tonne Weizen betrug in England im Durchschnitt tro� der Jahre 1891—1895........ 119,72 1896—1900........ 130,13 1901—1905........ 181,0 1006—1909........ 150,25 Der Weltmarktpreis ist also ziemlich schnell gestiegen. Zahlreiche Ursachen haben sich zusammengetan, um diese Wirkung hervorzurufen. Zunächst wird die Industrialisierung der alten kapitalistischen Staaten immer stärker; ein immer geringerer Teil ihres Getreidebedarfs kann von der Heimischen Landwirtschaft gedeckt»verden. So steigt ihre Nachfrage auf dem Weltgetreidemarkt. Neben den alten entstehen aber auch neue Getreidekäufer.„Europäisches Kapital, sagt Otto Bauer in seiner sehr enipfehlenstverten Schrift über „Die Teuerung",»virkt in überseeischen Ländern. Es ent- »vickelt dort neue Produktionsziveige. Es zieht gewaltige Arbeiterheere zusammen. Es hebt die Kaufkraft der Länder, die es befiuchict� Sie treten nun als Getreidekäufer auf den Weltmarkt.... Südafrika mutz heute bereits beträchtliche Mengen Weizen einführen. Brasilien»vird zum Kaffee- lieferanten der Welt; seinen Wcizenbedarf deckt es durch die Zufuhr auö dem Ausland.... Der Export des Kapitals. das die Wcltivirtschaft industrialisiert, treibt die Getreidepreise in die Höhe." Auf der anderen Seite wird das Angebot an Getreide für den Weltmarkt durch die Industrialisierung der V e r- einigten Staaten von Amerika eingeschränkt. Je mehr die Ernte im eigenen Land verzehrt»vird, desto geringer Er der Teil, den Nordamerika den alten und neuen Industrie- ländeni zur Verfügung stellen kann. So wurden wahrend der Jahre 1895/96-1899/1900 durchschnittlich 98/6 Millionen Meterzentner exportiert, in den Fiskaljahren 19w/0l—l90o, 06 65.4. im Jahre 1906/07 59.7 und 1907/08 42.1 Millionen. Eine größere Produktion in Nordamerika ist aber nur bei höheren Kosten möglich setzt also hohe Preise voraus und vermag sie nicht zu beseitigen.„. Die gesteigerte Zufuhr anderer Länder(Argentinien. Kanada) verniag diesen Ausfall nicht völlig wettzumachen. Denn die Nenbesiedelung des Bodens— die wichtigste Voraussetzung erhöhten Ertrages in jenen Ländern— kann verhältnismäßig nur langsam vor sich gehen. Die Auswanderung der Menschen kann die Getreideländer nicht so schnell entwickeln. wie das Zuströmen des Kapitals, das Wachstum der Industrie den Getreidebedarf der Einfuhrländer steigert.» So steigt der Getreidepreis auf dem Weltmarkt, damit aber auch der deutsche Getreidepreis, denn dieser wird durch jenen in seinen Schwankungen mitbestimmt. Aehnliche Ursachen verteuern heute die Rohstoffe der Industrie. Besonders deutlich zeigt sich dies auf dem B aum- w 0 l l m a r k t. Die Textilindustrie ist sehr leicht erweiterungs- fähig und auch in solchen Ländern zu betreiben, die der Kapitalismus erst zu erobern beginnt. So hat sie sich im letzten Jahrzehnt überaus rasch ausgedehnt; die Zahl der Baumwollspindeln stieg in den Jahren 1900—1909 in der ganzen Welt von 105,7 auf 133,4 Millionen. Die Erzeugung von Baumwolle ist bei weiten! nicht im gleichen Verhältnis gesteigert»vordem So stieg der Preis enorm: von 1900—1910 auf das Doppelte. Die Folge ist natürlich eine Verteuerung der Baumwollgarne und-geivebe oder,»vo es den Fabrikanten nicht möglich ist, die erhöhten Kosten ganz auf die Kon- sunicnten zu überwälzen, Einschränkung der Produktion, Ar- beitslosigkeit. Wie für die Baumwolle, so mußte aus gleichen Gründen in den letzten Jahren für Wolle, Häute, Holz, Kautschuk, die meisten Metalle mehr bezahlt werden; so stiegen auch die Preise der aus ihnen verfertigten Fabrikate. Diese Preissteigerungen aber»veisen auf ein Grund- gebrechen der kapitalistischen Wirts chafts- 0 r d n u n g hin. Denn ihre Ursache ist, daß die Produktions- ziveige sich in ungleichein Teinpo ausdehnen, dieser rascher, jener langsamer. Dies aber entspringt dem Wesen des Kapitalismus, der dem Privatkapitalisten die Entscheidung darüber zuschiebt, wo er sein Kapital anlegen will. So kann es sich hinterher herausstellen, daß dieser Produktionszweig zu rasch vergrößert, jener zu langsam ausgedehnt worden ist. Der oft irrigen Meinung Einzelner ist die Ausdehnung der Produktion ausgeliefert. Diese Anarchie der Pro- duktion ist unlösbar mit dem Privateigen- tum verbunden. Wer jene ausheben»vill,»nutz dieses beseitigen;'wer jene Ursache der Teuerung auf die Dauer ausschalten will, muß für den Sozialismus kämpfen, der die ganze Gesellschaft zur Herrin der Produktion machen wird. Die Regellosigkeit der Produktion trifft auch den Unter- nehmer; er leidet darunter, wenn der Konkurrenzkampf seine Gewinne beschränkt, wenn die Krise den Wettbewerb verschärft. So sucht er auf seine Weise, zu seinem Vorteil diesen Zustand zu beseitigen. Die Konkurrenz soll beseitigt, ein gemeinsames Vorgehen auf dem Warenmarkt hergestellt werden. Die Mittel zu diesem Zweck sind Kartelle und T r u st s. Die Unternehnier beginnen damit, die Preise gemeinsam festzusetzen, kontingentieren dann die Produktion. verteilen die Absatzgebiete untereinander, lassen endlich den Absatz sämtlicher kartellierter Unterliehnlungen von einem genleinsamen Verkaufsbureau vermitteln. In einem Trust endlich werden die Unternehmungen ihrer Selbständigkeit entkleidet und einheitlich, von einer Spitze aus geleitet. Und nun, nachdem der Preisregulator der Skoiikurrenz beseitigt ist, wenden sich die kartellierten Kapitalisten gegen den Ver- braucher. Er muß nun Kartellpreise bezahlen, höhere Preise, als er früher dem unkartellierten Unternehmer gezahlt hatte. Die Kartelle verhindern aber auch, daß die Erniedrigung der Produktionskosten, die in sehr vielen Industriezweigen rasche Fortschritte gemacht, in den Preisen zum Ausdruck kommt. Die Preise bleiben hoch, auch wenn die Kosten noch so sehr abnehmen; den Unternehmern fällt die Frucht des technischen Fortschritts zu. Je»vichtiger eine Ware für die Bedürfnisbefriedigung der Massen, desto schlverer belastet die Kartcllierung ihrer Produzenten die Verbraucher. Zu den gefährlichsten gehören die Kartelle in jenen Jndustrieziveigen, die das Rückgrat der kapitalistischen Volksivirtschaft bilden: die Montan- und Eisen- verbände. Es wurde in Düsseldorf pro Tonne in Mark gc- zahlt für. Roheisen Steinkohle 1891—1895.... 48 9.32 1896—1900.... 56 9.00 1901—1905.... 57 10,40 1906—1909.... 69 11.70 Die Preissteigerung betrug beim Roheisen 45 Proz., bei der Steinkohle 25 Proz. des zu Anfang dieser Periode ge- zahlten Preises. Und diese Erhöhung wirkt nun»veiter: Die Maschinen werden teurer, der»vichtigste Hiissstoff der In- dustrie, die Kohle,»vird verteuert, so steigen die Produktions- kosten aller anderen Fabrikate und damit auch ihre Preise. So pflanzt sich die Preiserhöhung von Kohle und Eisen fort, bis sie endlich(soiveit Kohle als Heizmaterial für städtische Wohnungen veriveudet»vird, geschieht dies direkt) beim Kon- sumenten zur Ruhe koinmt. Der Kartellgcdanke ergreift aber auch(oft von den Kartellen der„schiveren Industrien" unter- stützt) die anderen, die Fertigindustrien; es entstehen Kartelle in der Maschinenfabrikation, stl der Textilindustrie, in der chemischen, der Holzindustrie, in der Erzeugung von Mctallivaren wie Papierivarcn usw. Ihr wichtigster Zivcck ist: hohe Preise, hohe Profite. Und nicht nur Fabrikate, auch die Konsumtionsmittel des täglichen Lebens»verden durch Kartelle verteuert: Bier und Zucker, Salz und Spiritus usiv, Manchmal erhebt auch ein ausländischer Trust Tribut von fremden Nationen; so steiu'rn die Aermsten aus allen Völkern dazu�bei, die Gewinne Herrn John Rockefellers, des Herrn der Standard Oil Company, des Petrolenmkönigs, zu mehren. Das ist die Signatur des modernen industriellen Kapita- lismus. Seine Waffen sind nicht mehr wohlfeile Preise, mit denen nach Karl Marx' Worten„die Bourgeoisie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt". Er errichtet nun selbst in den Kartellen hohe Mauern, die immer schroffer die Besitzenden von den Besitzlosen scheiden. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt sind diese jener Knechte; auch auf dein Warenmarkt wird nur denen, die da haben, gegeben. Auch hier aber»nutz die Wirtschaftsordnung eine Stufe höher geführt werden, wenn man die von den Kartellen aus- gehende Teuerung beseitigen will. Soll der Organisation der Privateigentümer ein Ende geniacht werden, so muß dem Privateigentum ein Ende gemacht werden. Hier hilft kein Kartellgesetz, nur die Expropriation; kein Mittel des kapi- talistischcn Klassenstaates, nur der Sozialismus. Die Teuerung, unter der die Massen heute leiden, ist aber nicht nur durch diese überall wirksamen Tatsachen er- zeugt; sie»vird durch das Eingreifen des Staates noch außerordentlich verschärft. Auf die verschiedenste Art kann er die Höhe der Waren- und Lebensmittelpreise beeinflussen und überall tut er es zugunsten der Besitzenden. Deshalb kann die Teuerung schon heute gelindert werden, wenn die, die unter der Teuerung leiden, den Staat zwingen, nicht imnier an den Profit der Besitzenden zu denken, sondern auch an die Not der Besitzlosen. So ist der Kampf gegen die Teuerung nicht blos ein Kampf für die Sozialisiernng der Gesellschaft, sondern auch ein Kampf um eine soziale Wirtschaftspolitik des Staates. ver Krieg. DaS Expeditionskorps. Tripolis, 12. Oktober. Begleitet von einem Teil des Gcschlvaders trafen heute morgen weitere 19 Trans- p o r t d a m p f e r mit der z>v e i t e n Staffel der für Tripolis bestimmten Expeditionstruppen hier ein. Die Ausschiffung begann sofort und vollzieht sich ohne Störung. In einer Entfernung von 180 Seemeilen von Tripolis nach Italien zu ist eine Schlitzkette für die Transport- schisse bestehend aus dem Panzerkreuzer„Coatit" und einer größeren Anzahl von Torpedobooten und Torpedobootzerstörern postiert. Nach einer Meldung des„Corriere d'Jtalia" wurden die Truppen, die in Tripolis angekomnien sind, sofort nach der Landung zum Ausruhen in die vorbereiteten Quartiere geschickt, worauf sie zum Ersatz der in den vorgeschobenen Positionen verwendeten Matrosen dienen solle»». Verzweifelte Lage der türkischen Truppen? Rom, 12. Oktober. Dem„Corriere d'Jtalia" wird auS Tripolis gemeldet, von Italien freundlich gesinnten Arabern werde bestätigt, daß die Lage der türkischen Truppen sich i m ni e r verzweifelter g e st a l t e. Bei den italienischen Behörden fanden sich zahlreiche Deserteure ein. Auch eine Anzahl Kamelführer, die die türkischen Truppen begleiteten, seien unter Mitnahine von Vorräten desertiert. DaS Blatt meldet weiter, dem Vernehmen nach habe die Regierung in Konstantinopcl. da sie mit Tripolis nicht direkt verkehren könne, an die türlischcn Konsuln in Tunis und Malta telegraphiert, sie sollten dem Kommandanten der türkischen Truppen in Tripolis den Befehl zu übermitteln suchen, so viel als möglich Widerstand zu leisten. In Tripolis verlautet, daß M u n i r Pascha bereits die Absicht kundgegeben habe, sich zu ergeben, da ihm ein W i d e r st a n d hauptsächlich wegen des absoluten Mangels an Wasser und Vorräten unmöglich erscheine. Unterwcrfnilg der Araber. Tobruk, 12. Oktober.(Meldung der„Agenzia Stefani'.) Ein arabischer Häuptling kam gestern an Bord des Panzer- kmizers„Pisa", um seine Unterwerfung anzukündigen; er versprach auch bei den aitdercn Arabern für die A n e r k e»r n u n g der italienischen Herrschaft lvirken zu wollen. Die auS der Stadt geflüchteten Einwohner kehren hierher zurück. Ein türkischer Hilfernf. Saloniki, 11. Oktober. DaS Zentralkomitee hat ein Telegramm des K o in i t e e S in Tripolis erhalten in dem dringend um Hilfe ersucht und erklärt wird, die Araber hätten sich bisher nicht bewährt, während die türkischen Soldaten wacker auSgehaltei» hätten. Das Zentralkomitee hat s ch l e» n i g e H i l s e versprochen und an das Komitee in Tripolis die Auffordermig gerichtet, inzwischen dort den heiligen Krieg zu predigen. Seit Ausbruch des Krieges zwischen Italien und der Türkei hat die Bandenbewegung m Albanien und im Wilajet M o n a st l r gänzlich aufgehört. Türkische Rüstungen. Konstantinopel, 12. Oktober, lieber die militärischen Maß. nahmen un W r l a, e t A d r l a n o p e l verlautet daß 100 Kk 150 Mann pro Limenbatalllo»,—' bis m., s« cv■ lin sanzen etwa 15 000 Mann, znr Set st ar kling des F rred en s st a n d e S einbernien werden Außerdem sollen auch m e h r e r e R e d i f b a t a i ll o n e über deren Zahl genaue Angaben fehlen, m° b i l i s i e r t werde»? � Petersburg l2 Oktober. Rußland hat der Türkei den Rat erteilt, die Truppen nn Bezirk von Sldrianopcl nicht zn verstärken, um die benachbarten Staaten n cht zu reizen.».g,» Der antiitalienische Boykott. Rom» 12. Oktober. Nach Meldungen der„Agenzia. Stesani' hat der Boykott italienischer Waren in S m y r n a und Saloniki begonnen. In Konstantinopel soll ein vom PyräuS kommender bulgarischer Dampfer mit italienischen Waren an Vord am Löschen gehindert worden sein. Die FnedenSverinitteluilge». Rom, 12. Oktober.„Giornale d'Jtalia" erklärt die Meldungen iiber Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und Italien für verfrüht. Von solchen Ncr- Handlungen könne nicht eher die Rede sein, bis die Türkei auf das bestimmteste auf B e s i tz a n s p r ii ch e i n T r i p o l i S und der Cyrenaika verzichtet habe. Gegen die Zensur. Konstantiiiopeh 12. Oktober. Einige oppositionelle Deputierte haben beim Grohwesir gegen die Knebelung der Presse protestiert. Der Groszwestr hat, Ivie verlautet, geanttvortet, daß er von der Maßnahme des Kriegsgerichts, die v e r f a s s u n g S- >v i d r i g sei, keine Kenntnis gehabt habe, und daS Nötige vcr- anlassen werde. Eine sozialistische Kundgebung. Saloniki, 12. Oktober. Bei dem hier abgehaltenen großen Sozialistenmeeting hielt der Abgeordnete der türkischen Kammer W l a k o w eine Rede, in der er aussührte, daß der Zusammen- schlug der Balkan st aaten die einzige Schutz w-ehr gegen den Appetit der Großmächte und deren Gelüste auf die Balkanhalbinsel sei._ Zur cebeuzwittelteuerung. Freisinnige Schwärmer für das Einfuhrscheinsystem. Wie die.freisinnige" K aufmannschaft Königsbergs, will auch die Danziger von einer Aufhebung oder Beschränkung des Einfuhrscheinsystems nichts wissen; denn der durch dieses Shstein ermöglichte bedeutende Getrcideexporthandel trägt den Herren Kauf- leuten reiche Profite ein. und der Profit geht diesen Herren über alles in der Welt— auch über die schönsten freifinnigen Prinzipien. Am 21. September beantragte die sozialdemokratische Partei- leitung Danzigs bei den städtischen Körperschaften: „Die städtischen Körperschaften wollen aus Anlaß der zum drückenden Notstande gewordenen Teuerung der notwendigsten Lebens- mittel 1. bei der Reichsregierung die zollfreie Einfuhr aller Futter- mittel, die Beseitigung der Getreideeinfuhrscheine und die Oeffnung der Grenzen für Bieh und Fleisch beantragen' 2. den Verkauf von Fleisch, Fischen, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und sonst notwendigen Lebensmitteln zu ermäßigtem Preise durch die Stadt einrichten und 3. den in städtischen Betrieben beschäftigten Handwerkern und Arbeitern Teuerungszulagen gewähren sowie die Armengelder an- gemessen erhöhen." Gegen die Forderung der Beseitigung der Getreideeinfuhrscheine richteten die hier durchweg freisinnigen börsenfähigen Getreidcgroß- Händler durch den Vorstand des Vereins Danziger Getreide- usw. Händler an den Magistrat einen geharnischten Protest I Sie be- haupteten, dieses System sei ein Stückchen geretteten Freihandels! Weiter wurde das gröbste Geschütz gegen die Linderung der Hungersnot durch dje Aufhebung deS schändliche» Eiufuhrschein- Wuchers aufgefahren. So steht dort:„Es gehört eine ganze Portion Unverfrorenheit dazu, das gegenteilige Interesse(für Slushebuiig) als Gemeinwohl zu bezeichnen: es steht vielmehr Interesse gegen Interesse!" Weiter wird gesagt:„In diesem Sinne(plötzliche Auf- Hebung) ist die H e tz e gegen das Einfuhrscheinsystem nur als frivol > zu bezeichnen." Diesem Protest der matzgebenden kapitalistischen Kreise des Freisinns schloß sich der freisinnige Chefredakteur Dr. Herrmann in der„Danziger Zeitung" sofort an, indem er die glatte Ab» l e h n u n g des Ansinnens forderte I Als Stadtverordneter be- antragte dieser Herr zusammen mit dem ebenfalls fretfinnigcn Syndikus der Kaufmannschaft, Dr. Fehrmann, daß die Stadt lediglich die Beschaffung von Nordseefischen in Erwägung ziehen solle. In der Stadtverordnetenversammlung am 3. Oktober trafen die freisinnigen und die konservativ-klerikalen Brotwncherer das lieber- einkommen, sich gegenseitig nicht zu kritisieren, um die gegenseitige Stichwahlhilfe bei der nächsten ReichstagSwahl nicht zu gefährden! Man beschloß eine Kommission, in der alle Anträge versenkt wurde». Sehr interessant war, daß in der kurzen Debatte sogar der Ober- Bürgermeister sich gezwungen fühlte. dem freisinnigen Syndikus Dr. Fehrmann entgenziitreten, als dieser kurzweg behauptete, daß von einer Teuerung der Lebensmittel noch gar nicht gesprochen werden könne. Die unehrliche Abmachung zwischen den Freisinnigen ynd Konservativen wurde durch einen Hirsch- Dnuckerschen Stadt- verordneten festgestellt, der ärgerlich aus der Schule plauderte, daß er und seine Freunde sich in der Besprechung der NotstandSgründe zurückgehalten hätten und sich nun durch die Gegenseite getäuscht fühlten. Um daS KominIssionSdunkel einigermaßen aufzuhellen, be- antragten die Danziger Sozialdemokratie und das Gcwerkschafts- kartell die Hinzuziehung von Arbcitervertretern. Die Antwort darauf steht noch ans. � � Die Teuerung im Ruhrrcvier. Die LebeuSmittelteuerung hat im rheinisch-westfälischen Industriegebiet Wirkungen hervorgernfen, die für die Arbeiterschaft von den nachteiligsten Folgen sind. Im allgemeinen sind die Lebensmittel im Jndustriercvier schon an und für sich teurer als in anderen Gegen- den; denn da die landwirtschaftliche Bebauungsfläche nur klein ist. müssen die Lebensmittel ans entfernteren Gegenden bezogen werde». Besonders kommt Holland für die Versorgung mit Lebensmitteln in Betracht. Diese Teuerung zwingt auch die sonst recht wenig sozial empfindenden kommunalen Verwaltungen und Vertretungen, der aktuellsten Frage der Gegenwart einige Aufmerksamkeit zu schenken, zumal die zahlreichen Protestversainmlungen meist Resolutionen angenommen haben, die an Dentlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. So kam in der letzten Stadtverordnetensitznng in Gelsen- lirchen auch der Oberbürgermeister Machenz aus die herrschende Lebensmittelteuerung zu sprechen. Unter Hinweis auf den Runderlaß deS Ministers, von dem man allerdings erst durch die Presse Kenntnis erhalten habe, teilte der Ober- bürgermeifter mit, daß die Finauzkommission sich mit der allgemeinen Teuerung befaßt habe und zu dem Entschluß gclommen sei, diese Angelegenheit mit verschiedeneu Sachverständigen zu be- raten und zu prüfen. Es sei geplant, die Einfuhr von Seefische» zu fördern und den Einkauf bestimmter Lebensmittel, wie Kartoffeln und Gemüse, in die Hand zu nehmen. Nachdem die Vorarbeiten erledigt sein würden, werde die Stadtberordnetenversammlung er- sucht worden, die notwendigen Mittel zu bewilligen. Auch die Wittener Stadtverordnete n-Bersamm« lun g beschäftigte sich am vergangenen Donnerstag mit der Lebens- mitteltenerung. Nachdem der Stadtverordnetenvorsteher über die An« gelegenheit referiert hatte, glaubte Bürgermeister Laue ihr das Genick umdrehen zu können, indem er befürwortete, sie einer Kommission zu überweisen. Er stieß dabei jedoch auf Widerstand. In der Debatte handelte es sich im wesentlichen um die Frage, wer die Schuld an der LebeuSmittelteuerung trage, in deren Verlauf die Krämer die Junker, ein Zentrumsmann dagegen die Krämer für die Preis- fteigerimg verantwortlich machte. Schließlich wurde die Angelegen- heit an eine Kommission verwiesen, das heißt. begraben. * Eine Aktion gegen die LevenSniitteltcuening will auch die Stadtverwaltung Stuttgart unternehmen. Auf eine Aufrage der sozialdemokratischen GemeindcratZfraktion antwortete der Oberbürgermeister L a u t e u s ch l a g e r, daß die zuständige Kommission Auftrag erhalten habe, neben den�Maßnahiuen zur Be- schaffung billigerer Milch auch zu berate», wann und woher die Stadt über den Bedarf der cigcncir Anstalten hinaus noch größere Mengen Kartoffeln beziehen könne, die dann zu billigem Preis an die Bevölkerung abgegeben werden sollen. Eine Be- sprechung der Interpellation soll stattfinden, sobald daS BeratnngS- crgebnis der Kommission vorliegt. Der Graf vor Gericht. Graf Wolff-Metternich ist nach achttägiger Verhandlung zu neun Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von sechs Monaten auf die erlittene Untersuchungshaft, verurteilt. Das Urteil und seine Begründung geben wir an anderer Stelle ausführlich. Ei» außerordentlich mildes Urteil, selbst wenn man nur die drei Betrugssälle als erwiese» erachtet, die das Gericht für festgestellt erachtet hat. Ein Arbeiter, der ähnliche Summen durch ähnliche Schwindeleien aus Hang zur Arbeitslosigkeit erschwindeln würde, wäre schwerlich unter ein paar Jahren Gefängnis davon gekommen. Der Graf hat ein ungemeines Glück vor Gericht. Eine Reihe Betrugsfälle fallen in sich zusammen, weil nach den Aussagen von Belastungszeugen der blanke Titel auch eines Grafen von Habenichts ihnen kredit- würdig erschienen wäre; in anderen Fällen sind die Belastuugs- zeugen wegen Geisteskrankheit oder aus anderen Gründen nicht zu vernehmen; in weiteren Fällen, wie in dem des Amtsrichters von der Schulenburg, tritt die psychologisch intereffante Erscheinung zu tage, daß die Ereignisse sich in den Köpfen der Belastungszeugen vor einer Aussicht auf Befriedigung durch die jetzige Ehefrau des An- geklagten völlig anders als hernach widerspiegeln. Ein Glück auch für den Angeklagten, daß ihm von einer Reihe Zeugen bestätigt Ivurde, daß daS, was man im gewöhnlichen Leben Hoch- stapelei nennt, in dem Milieu der Kavaliere ohne Geld, Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit gang und gäbe sei. Ein netter pcstilenzialischer Sumpfboden, auf dem der Graf und seine StandeSgenofien sich bewegten. In einer Nacht verjuxte der Herr Graf mehr, als ein Dutzend Arbeiter in einem Jahre erarbeiten können. Ein Stallmeister bekundet, daß für die fünfzehnjährigen Herren ein„Taschengeld" von 300 Mark monatlich angemessen gewesen sei, ein Gehalt, das das Einkommen aller Arbeiter und der meisten Be- amten übersteigt. Für ganz selbstverständlich hält eS der Graf, Schulden zu machen, wenn der Vater nicht für ihn sorgt— ein Grat ist doch nicht zum Arbeiten da. Mitgiftjagd erscheint allein standeS- gemäß. Welche Fülle von Stützen der heutigen Gesellschaftsordnung traten da als Zeugen auk l Neben dem wie eine Kabinettsfigur aus einer Posse anmutenden königlich preußischem Major a. D., kaiserlich chinesischem Generalmajor, GeneralstabSoberst der Republik Peru und Generalmajor der Republik Honduras Pauli: Heiratsvermittler, DarlehuSschiebcr, Kokotten und aktive Offiziere in buntem Gewimmel. DaS Haus Wertheim, zu dem eine heiratsfähige, miglückliche, aber reiche junge Frau gehört, wird von hochadligen Freiern bestürmt. Der Oberleutnant von Fetter will keine Freiersabsichten gehabt haben, vielleicht habe er aber solche erweckt. Und dieser bis an die Ohren in Schulden steckende Gardeoffizier nimmt unter diesen Umständen, wie Herr Wcrtheim behauptete, monatliche Renten von 1000 Mark von der Frau Wertheim, wie er meint,„nur" Darlehen von einmal 3000 und dann ein paar Mal 1000 Mark. Herr Wolf Wert- heim veröffentlicht im gestrigen„Berliner Tageblatt" eine Erklärung, nach der zwischen Herrn v. Fetter und Frau Wcrtheim vereinbart war: er solle als Zuschuß zu den ehelichen Ausgaben u. a. monat- lich 1000 M., zu Weihnachten und Pfingsten noch 2000 M. extra er- halten, und zwar schon vom Dezember ISOS ab. Die 3000 M. „Darlehen" fei die Dezemberrate einschließlich WeihnachtSgeschenl gewesen. Mag's sich Verhalten, wie v. Fetter oder wie WertheimS angeben— in jedem Fall war daS Verhalten deS Oberleutnants kavaliermäßig und nicht minder das des Angeklagten. Auch er ist ja eine Siütze der herrschenden Gesellschaftsordnung. Wir möchten wissen, wieviel mal die höchste Ordiiungsstrafe einem Arbeiter oder einem sozialdemokratischen Preßsünder aufgebrummt worden wäre, der nur ähnlich flegelhaft— die Herren Kavaliere nennen daS standesgemäß— wie der Angeklagte sich bor Gericht benommen hätte. Milde, recht milde und nachsichtige Richter fand der An- geklagte. Sie berücksichtigten im reichsten Maße das Milieu des Angeklagten, die Tatsache, daß er das Produkt der Verhältnisse sei. Werden die Richter auch Arbeitern gegenüber ein gleiches Verständnis für das Erivachsen einer Tat ans dem Milieu, aus den Verhältnissen haben?_ politifcbc OeberHebt. Berlin, den 12. Oktober 1911. Also doch nur Wahlmache! In der„Post" veröffentlicht der bekannte Stratege des Neiä)soerbandeS gegen die Sozialdemokratie, der General- leutnant v. Liebert, einen„Das Ende vom Liede" überschriebenen Artikel, der ztvar, wie alle schriftstellerischen Leistungen! dieses großen Politikers, gröhtenteils nur aus albeniem Geschwätz besteht, insofern aber von einem gewissen Interesse ist, als er recht offen ausspricht, daß die patriotischen Kriegshetzer mit ihrem„nationalen" Trompetengeschmetter vornehmlich den Zweck verfolgt haben, für die Reickstags- wählen und die in Aussicht steheude neue FlottewHeeres- Vermehrung eine schöne patriotisck)« Hurrastiimnung zu er- zeugen. Herr Generalleutnant von Liebert schreibt nämlich: „Und nun ein Blick auf die bevorstehenden Wahlen. Schlimmer konnte es wohl nicht kommenl Anstatt durch eine politische Tat die st reitenden Par- teien zu versöhnen oder wenigstens die Gegensätze zu mildern und auszugleichen, erzeugt die Regierung durch ihr beklagenswert schwächliches Austreten nach außen eine tiefe Ver- stimmung unier den Besten des Volkes, unter den Patrioten, die bisher ihre festeste Stütze waren! Man muß nur die Ausdrücke tiefsten Schmerze? und der Niedergeschlagenheit hören und lesen, die aus jenen Kreisen aussteigen. Wer soll denn der ReichSrcgicrung das HcereS. und Flotten- Budget von 12B0 Millionen Mark bewilligen, wenn sie solche gewaltigen Machtmittel— nicht etwa zum Krieg« führen, daran denkt kein Menscht— wohl aber zum Nachdruck für eine energische Sprache bei Verkrelung der Interessen des deutschen Volkes verlvertct? Wer soll noch für die Regiernnz eintreten, die auf die wichtigsten, unschwer zu behaupten- den Rechte verzichtet und sich über die Zukunft eines 70 Millionenvolkcs leichtherzig hinwegsetzt?" Ein wertvolles Zugeständnis, das im Wahlkampfe gute Dienste zu leisten vermag. Branntwein und Staatsbudget. Unter dieser Spitzinarke inachte kürzlich eine Notiz die Runde durch die Presse, die von„kompetenter Seite" lanciert war. In dieser Notiz wurde auseinandergesetzt, daß alle Staaten die Bräunt- wcinerzeuguiig und den Braniitweingcntlß z» einer wertvollen Ein- nahmeqnelle gestaltet hätten. Rußland, so hieß es dort, erziele fast cinilndeincvicrtel Milliarde Mark aus dem Branntweinkonsum. Ans diese Feststellungen kommt jetzt der„Reichsbote" zurück und bemerkt unter anderen: dazu: „Welche Unsummen der Verkommenheit und des grenzenlose- sten Janimers aber in Rußland durch diese 1240 Millionen Mark repräsentiert werden, das ist gar nicht auszudenken und wir möchten es energisch ablehnen, unsere Reichssiuanzen aus dieser höchst bedenklichen Quelle durch irgendeine Steigerung des Kon- sums ausgebessert zu sehen. Das unbestreitbar große Ver- dienst der Sozialdemokratie ist es, den Schnap-genriß in den Reihen ihrer Bekenner eingedäniint, ja verpönt zu haben. Mau sollte also namentlich von Reichswegen lieber Hand in Hand mit der Sozialdemokratie gehen, als an dem sichtlichen Erfolge dieser unzweifelhaften K u l u t u r t a t auch nur in Gedanken zu rütteln." Zur Laudtagswahl in Oldenburg. Im Wahlkreise Oldenburg-Stadt hat am Dienstag die Liste der Fortschrittlichen Volkspartei gesiegt. Es erhielten Stimmen: Ober- bürgermeister Tappenbeck 2984, Professor Durslhoff 3ö94, Ratsherr Wessels 3499. Die beiden Sondcrbündler Gerichtsaktuar Klövcr (Bund der Festbesoldeten) und Geschäftsführer Schwenler(Bürger- verein) erhielten nur 1493 bezw. 1411 Stimmen. Stenerhinterzichnng. Auf der Versammlung deS Vereins für Sozialpolitik machte in der Diskussion über Gemeindebesteuerung Herr Bürger- meister W ei tz en b o r n- Halberstadt einige Angaben über Steuer- hinterziehungsprakiiken in Gemeinden. Er verwies darauf, daß bei der Einkommen st euervera n lagung der Gesell- s ch a f t e n m. b. H. g r o ß e Schiebungen vorgenommen werden dadurch, daß die. Versteuerung in Gemeinden mit niedrigeren Zuschlägen erfolge. Auch große Geschäfte mit vielen Filialen versuchen jetzt dadurch, daß sie einzelne Gesellschaften m. b. H. gründen, der Besteuerung aus dem Wege zu gehen. In Berlin gibt es sogar eine„S t e u e r k o n t o r- G. m. b. H.. deren Ziel eS ist, Ratschläge zur Herabminderung der Steuern zu geben. Wenn geplant ist, bei der p r e u ß i s ch e n Einkommen st euerreform nur die Zuschläge in das Gesetz hineinzuarbeiten, so mutz daS zur Schädigung der Ge- m e i n d e n führen, die schon jetzt hohe Zuschläge erheben müssen, und das muß eine Begünstigung der Gemeinden, die mit niedrigeren Zuschlägen auskommen können, zur Folge haben. Wir geben diese Mitteilungen wieder, weil immer wieder darauf verwiesen werden muß. daß sowohl der große Grundbesitz, als auch das große mobile Kapital im größten Umfang die schuldigen Steuern hinterziehen. Wir stimmen ganz mit dem Stadtrat Dr. B o l d t- Dortmund überein, der in der Versammlung ausführte: „Da e» zweifellos ist, daß noch viele Steuern durch unrichiige Sleuerdcklaraliou defraudiert werden, liegt es nicht nur im Interesse des Staate«, sondern auch in dem der Ge- meinden, daß durch Gesetz scharfe Strafen gegen S teuer» defraudante n eingeführt werden. Ein S i e u e r d e f r a u- dant handelt viel ehrloser als ein Armer, der aus N o t einen Diebstahl begeht und dafür in» Gefängnis wandern muß. Der Steuerdefraudant schädigt alle seine Mitbürger, welche die von ihm umerschiagene» Summen aufbringen müssen. Nicht nur sollten Gefängnisstrafen eingeführt, sondern auch der dolus eventualis rechtzeig angezogen werden. Die Steuerdefraudationcn müßie» durch gesetzliche Einführung der Bucheinsicht und durch Anstellung staatlicher Revisoren verhindert werden, die soloohl mit der Buchführung als mit der Gesetzgebung vertraut sind." Wirtlich wirksame Maßregeln gegen Steuerhinterziehung, wie sie hier B o l d t vorschlägt, bezeichnen aber die Besitzenden von jeher als„vexatorisch" und Agrarier und Großkapitalisten vereinigen sich sofort, um solche„unerträgliche Eingriffe in daS Privateigentum" zu hindern._ Fürst Alois von Löwenstein, der Erwählte von Dann-Prüm-Bitburg, dem dunkelsten Wahlkreis, den daS Zentrum zu vergeben hat, ist in einer Zentrums- Versammlung in Köln aufgetreten und hat hier über die aus- wältige Politik und die innerpolitische Lage in Deutschland geredet. Die„Kölnische VolkSzeitung" weiß an dem Redner besonders zu schätzen, daß in seinen Ausführungen hier und da der„Untergrund feines HumorS" durchgeschimmert habe- Offenbar zählt zu diesen Blüten„seinen Humors" auch die Stelle, wo Fürst Alois die Revisionisten in der Sozialdemokratie dadurch von den Radikalen unterschied, daß er ihnen eine höhere Bildung, feinere Umgangsformen und größeren Scifenverbrauch zu- schrieb. Sollte Fürst Lölvenstcin diese Dinge im Ernst als das Kennzeichen des Revisionismus ansehen, so liegt der Schluß nahe, daß die Wähler des Kreises Daun-Prüm-Vilburg sehr radikale Leute sein müssen. Fürst Löwenstein sieht trübe in die Zukunft. Die Nachwahlen. so meinte er, haben eine bedeutende Verschiebung nach links ge- bracht, der Löwenanteil fiel, wie daS nicht anders sein konnte, an die Sozialdemokratie. Gehe eS so weiter, so könnte man ruhig mit etwa 120 sozialdemokratischen Abgeordneten im nächsten Reichstage rechnen. Zehn Sitze würde dabei das Zentrum verlieren, vielleicht zwanzig die Rechte, dreißig der Liberalismus. Die nationalliberalc Partei würde nahezu zerrieben werden. Indes Fürst Löwcnstein will noch nicht alle« aufgeben. Die gemäßigten Liberalen könnten einen Strich durch die Rechnung machen, wenn si: sich ans ihr eigenes Interesse und ihre Pflichten gegen da« Vaterland be- sännen. Wenn sie daS wollten, sei eS die höchste Zeit, ein- z u I e n k e n. Eine revolutionäre Welle sieht Fürst Lölvenstein über Europa ziehen, wie wir sie seit 1848 nicht erlebt haben, ja er glaubt, daß die jetzige weit tiefer greift und gefährlicher wirkt als jene Märzrevolution. Beweis: In Wien zerstören die sozialistischen Massen öffentliche Ge- väude und Schulen unter Hochrufen ans die Revolution, reißen den kaiserlichen Adler herab und zerschlagen da« Bild des ehr- würdigen Monarchen. In Spanien kann die Regierimg, die mit den Männern des Umsturzes bedenklich gclicbäugelt hat. nur mit knapper Not den Ausbruch der Revolution jür diesmal noch ersticke». In Portugal allgemeine ZiigellosigkeU, brüdcrlim verbunden mit schamloser Korruption. England gar, kürzlich noch die Heimat konservativen VolkSempfinden» und maßvoller Sitten, erlebt einen MassenmiSstand, der sein WirtschaflSleben au der Wurzel bedroht unter Szenen des Aufruhrs, die an VorgZnge der französischen Revolution erinnern. Ob es dem flirstlichen Redner bei der Aufzählung dieser Greuel nicht zum Bewußtsein gekommen ist, daß drei dieser Länder erzkatholisch sind, so daß man versucht ist zu sagen: Je katho- lischer desto revolutionärer I Aber in Deutschland, so tröstet sich der ftiirst, wirds nicht so weit kommen, wenn nur der schlvarzblaue Block bestehenbleibt, lind Zentrum und Konservative, so ver- sichert Fürst Löwenstein, halten zusammen. Und namentlich daS Zentrum steht fest und unerschütterlich in seiner Einigkeit. Oppersdorfs und Hahn, Roeren und Bachem, Kopp und Fischer, Berlin und M.-Gladbach und wie mau die Richtungen und Ströinnngen, die Streitigkeiten und Auseinandersetzungen im Zentrum auch bezeichnen will, die ultramontane Durchlaucht schiebt alles das lächelnd beiseite und verkündet: das Zentrum ist einig. Mag eS sich— so sagt er— um Schutz der Arbeiter oder des Mittelstandes, um Industrie und Landwirtschaft, um KrammetSvögel und Moselwein handeln, oder mögen tiefe Probleme der Sozialpolitik in Verhandlung stehen, auf dem Boden des altbewährten ZentrumsprogranimS, ans dem Fun- dament gleicher einheitlicher Weltanschaunng ebnen sich alle Gegen- sähe, steht, wie ein einig Volk von Brüdern, die ganze Zentrums- fraktion I .Starker Beifall, der sich immer wiederholt, und Händeklatschen" verzeichnet die.Kölnische Volkszeitnng" am Schlüsse ihres Berichts — womit bewiesen wäre, daß die Kölner Zentruinsleute den Eifel- dauern in Daun-Pcüm-Bitburg an Anspruchslosigkeit nichts nach- geben._ Tie Reichstagsersatzwahl im Kreise des verstorbenen Abgeordneten Liebermann von S o n n e n b e r g ist ans den 80. November anberaumt worden. Bekanntlich soll der Reichstag nur bis zum 2., 3. Dezember zu- samnienblciben. Selbst wenn die Entscheidung im ersten Wahlgang fällt, wird also die amtliche Auszählung und damit die definitive Zuerkcnnung des Mandats nicht vor dem Auseinandergehe» des Reichstages erfolgen._ Die preußische Staatslotterie in Bayern. AuS München wird uns geschrieben: Wiederum droht der Verlust eine?„bedeutsamen" Stückes bayerischer Selbständigkeit: Die preußische Klassenlotterie wird wie die Bundesstaaten Baden und Württemberg so auch das Königreich Bayern annektieren und der bayerische Staat dann nichts anderes sein als eine Verkaufsfiliale der preußischen StaatSlotterie mit dem kgl. bayerischen Finanzminister v. Pfafs als Hauplkollckteur und Generalagent. Gar beweglich werden wieder die Klagen der echten Bajuvaren ertönen über die frivole Preisgabe eines Reservat» und Hoheits- rechtes und über die immer wachsende Gefahr der völligen Ver- preußnng Bayerns. Wenn daS der selige.VatcrlandS'-Redakteur Dr. Sigl erlebt hätte, er wäre der bayerischen Regierung nicht schlecht in die Haare gefahren. ES will dabei wenig sagen, daß man daS preußische Linsen- gericht, für das Bayern seine Erstgeburt veckaufen soll, dadurch schmackhafter zu machen sucht, daß man die Lottericfirma ent- sprechend der Erweiterung des Geschäftes in„Preußen u. Co." ab- ändert und es bleibt zu fürchten, daß selbst die schöne Bezeichnung für die Lotterie-Einnahniestellen als .Königlich Bayerische Einnahme der Preußisch-Süddeutschen Klasscnlotterie" das Kochen der partikularistischen bayerischen Volksseele nicht ver- hindern kann. Der StaatSvertrag mit Preußen und der notwendige Gesetzes- entwnrf, der zum Schutze des staatlichen Monopols aus Ans- beutnng der Dummheit und Leidenschaft fast ausschließlich aus Strafparagraphen besteht, müssen beide den Landtag passieren. Sie werden dort jedenfalls recht verschieden beurteilt werden. Bauernbund und Liberale sind leicht zu gewinnen. Das Zentrum wird wohl einige Schwierigkeiten machen. Aber sehr zahl- reich werden auch hier die Moralfexe nicht sein und so wird es schließlich, wenn auch wegen der zu befürchtenden Schädigung der Kirchenlotterien sauren Gesilbt« und schweren Herzen?, dem Vertrage mit Preußen zustimmen. Vielleicht wird man eine Zeitlang mit dem Gedanken kokettieren, eine eigene bayerische Klassenlotterie zu er- richten, vielleicht auch versuchen, die bayerische Selbständigkelt und das wichtige HoheilSrccht zu einem bökicren Preise alS 2 2lö 000 M. pro Jahr zu verkausen. Aber das Ende? Bayern wird in bezug auf die Klassenlotterie eine preußische Provinz. Ernstlichen aber voranSjtchllich vergeblichen Widerstand wird wohl nnr die sozialdemokratisch« Fraktion leisten, die auS sittlichen und wirtschaftlichen Gründen die Einführung der preußischen wie der bayerischen oder der prenßisch-boyerischen Klasienlottcrie ablehnen wird. ES will nicht in ein sozialdemokratisches Hirn, daß der in so hohem Maße christliche bayerische Staat unter der Verwaltung einer christlichen Regierung und der Herrschaft des allerchristlichsten gentrum» in so uiichnstlicher Weise die Leidenschaft und Dummheit der Menschen ausbeutet. .Geld riecht nicht", sagt die bayerische Regierung.„Geld riecht nicht", wird auch die bayerische«bgeordnelenkammer sagen und so kann bald die Bauernfängerei unter dem Protektorat der bayerischen StaatSregierung beginnen. Aus dem bayerischen Landtage. München, 10. Oktober Illll. Die Fortsetzung der NotstandSdcbatte brachte heute zwei inter- essante Reden, eine dcö frcisiimigen Abgeordneten H ä b e r l e i n und eine de» ZentrnmSabgeordneten Dr. Hei m. Vorher ergriff ein Ministerialrat das Wort, um für seinen in Berlin weilenden Chef. den Herrn Ministerpräsidenten v. PodevilS, eine BcrteidigungSrede für den Handel zu halten, die ganz gut ungehalten hätte bleiben lonnen. Der freisinnige Häbcrlein gehört derselben Fraktion an, wie der Nationalliberal« Menßdörfer. cntwickelle aber einen vollständig ent- gegeiigesetztcn Standpunkt. Er spricht in scharfen Worten von der absoluten Ratlosigkeit der Regierung und von dein Vertreter deS einseitigsten ProduzentenstandpimkteS durch Dr. Pichler und die Re- gierung. Der Fleischverbrauch sei nicht gestiegtii, loic Dr. Pichler behauptet, sondern gesunken. Die kleinen Milte! helfen nicht-;, cS müssen große zur Anivendung kommen. Der nachgciviesene Rückgang deS Viehbestandes pro Kopf der Bevölkerung belvcise. daß die nationale Landwirtschaft Deutschland allein nicht mit Fleisch genügend versorgen könne. Tie rigorose und geradezu widersinnige Absperrung der Grenzen dnrch Vichzvllc habe auch gegen Seuchen- gekahr nichts genutzt, während Dänemark. Frankreich und Schweden fast vollständig seuchenfrei seien. Häberlein bezeichnet das System der Ausfuhrscheine sn normalen Zeiten schon als einen.kompletten Unsinn", in den jetzigen Notstandszeiten als einen„Skandal". Er spricht von einer Aushungerung des eigenen Landes und verlangt als wichtigste Maß« nähme die sofortige Beseitigung dieser Ausfuhrscheine. Ebenso sei der M a i s z o l l aufzuheben, um de: Viehzüchtern billigeres Futter zu verschaffe!!. Er für seine Person sei weiterhin auch für die z e i t tv e t l r g e Aufhebung der Leben« mittelzölle. Das Volk fordere gebieterisch die Verbilligung der Lebensmittel. Nach ihm spricht Dr. H c t m. dessen Rede wir gestern schon furz skizziert haben. Politische Spielerei. In München ist endlich die seit langem geplante Gründung einer sogenannten gemäßigt-konserpativen Partei erfolgt. Das Wölfische Telcgr.-Bureau berichtet darüber: „Eine aus verschiedenen Landcsteilen und von allen Be- völkerungSteilen gut besuchte Versainnilnng unter dem Vorsitz des Freiherrn von Pechmann hat gestern abend»ach längerer AuS- spräche die Gründung einer bayerischen Reichspartei einstimmig beschlossen. Von auswärts waren erschienen: Reichstagsabgeordneter Dr. Arendt als Vertreter des Vorstandes der deulschen Reichs- Partei, Konsul Schinzinger-Freibnrg im BreiSgau und RcchlS- anwalt Dr. Vopp-Dannstadl als Vertreter der reichSparteilichcn Vclvegnng in Baden und Hessen. Die Partei will zu gemeinsamer politischer Wirksamkeit diejenigen sammeln, die eS als Bürgerpflicht erkennen, am öffentlichen Leben teilzunehmen, die aber nicht im Ranipfe gegen irgend eine der bürgerlichen Parteien, sondern in der Zusainmenfassnng aller Kräfte des Bürgertums zur Ueberlvindung seines ausgesprochenen Todfeindes, der Sozialdemokratie, die erste und wichligste Ausgabe der Gegenwart erblicken." Irgend eine politische Bedeutung hat die Gründung nicht; sie hat lediglich den Zweck, daß einige Personen die Gelegenheit �er- halten, von sich reden zu machen. Tie Kontrollversammlungen, die manchmal recht unangenehm in das Berussleben der Reservisten und Landwehrleute eingreifen, sollen nach der Mitteilung einer halb- offiziösen Korrespondenz reformiert werden. Dem Reichstage war vor einiger Zeit die Anregung gegeben worden, nach der die Herbst- kontrollversamnilungen überhaupt fortfallen sollten. Uebcr diesen Wunsch deS Reichstages hat sich aber die Heeresverwaltung hinweg- gesetzt. Sie läßt erklären, daß diese Kontrollversammlungen bei- behalten werden müßten, da sich die BczirkSkommandoS durchweg gegen diesen Antrag ausgesprochen hätten. Dafür sollen aber.Er- leichterungen" für die kontrollpflichtigen Mannschaften eingeführt werden. So wird die Versäumnis einer Konlrollversammlung nicht mehr be- straft, der Kontrollpflichtige wird aufgefordert, die Kontroll- Versammlung eines späteren Jahrganges zu besuchen. Aus häus« lichen, beruflichen und gewerblichen Gründen können auch Befreiungen von dem Besuche stattfinden, wenn der bezügliche An« trag genügend begründet wird. Hat kurz vor einer Kontroll- Versammlung der Kontrollpflichtige eine Hebung abgeleistet, so bleibt er don dem Besuche der Kontrollversammlung befreit, wenn ihm hierüber am Schlüsse der Uebung eine Mitteilung gemacht wird. Eine Vermehrung der Kontrollbezirke und der Orte, in denen Koiitrollversammluiige» stattfinden, ist ebenfalls beabsichtigt. Biel geändert wurde mit diesen.Erleichterungen" an dem gegen- wartigen Zustande nicht. Auch klingt eS nicht sehr wahrscheinlich, daß die Militärbehörde auf jede Bcstrafuiig einer Versäumnis der Kontrollversammlung verzichte. DaS entspricht nicht dem ganzen militärischen System. Auch die Bestimmung, daß die Ableistung einer Uebung von der Kontrollversammlung befreien kann, ist dazu angetan, die Reservisten einer willkürlichen Zensur der Vorgesctzlen zu unterwerfen. Erhalten bleibt aber die härteste Begleiterscheinung der Kontrollversammlungen, nämlich die, daß die Reservisten und Landwehrleute am Kontrolltage unter den Militärgesctzen stehen, eine Bestimmung, die schon manchen Reservisten und Landwehrmann ins Unglück gestürzt hat._ Obstruktion in der Rostocker Stadtverordneten» Versammlung. Die Rostocker Stadtverordneten wollten an die ihnen präsentierten Magislratskandidaten die Frage richten, ob sie sich ehrenwörtlich ver- pflichten würden, im Falle ihrer Wahl nach zehnjähriger AmtSdaucr sich einer Neuwahl zu unterziehe». Der Magistrat verbot diese Fragestellung bei Androhung einer Strafe von 300 M. Die Regie- rung trat auf die Seite des Magistrats, der die Wahl der Magistrats- Mitglieder auf Lebenszeit vornehmen lassen will. Unter Vorantritt unserer Genossen erfolgte aber Obstruktion durch Verlassen des Saales, so daß die Versammlung wegen Beschlußunfähigkeit aufgehoben werden mußte._ Die revolutionäre Bewegung in China. Peking, 12. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Meuterer aus S z e t s ch u a n haben H s u t s ch o u besetzt und marschieren auf T s ch u n g- k i n g. Ihr Zweck ist augenscheinlich, die Hauptpunkte auf dem linken Ufer des Aang-tse-kiang zu besetzen. Hankau, 12. Oktober.(Meldung des Reuterschcn Bureaus.) Wutschang und Hanyang sind in die Hände der Aufständischen gefallen, die auch die Eisenwerke und das Arsenal von Hanyang in Besitz genomnien haben. Die Re- gierungstruppen befanden sich beini Kampf in der Minderzahl. Der General Changpao ist entkommen; die Mitglieder der Lokalbehörden haben sich zerstreut. Der Führer der Auf- ständischen in H u P e h hat in einer Proklamation angekündigt, daß Bebölkernng wie Armee die M a n d s ch u- R e g i e r u n g st ü r z e n und die Rechte der Chinesen wieder h e r st e l l e n wolle. Die Bewegung gewinnt schnell ati Ausdehnung. Auch mehrere Städte der Nachbarschaft sollen in die Hände der Auftührer gefallen seilt. Die Brandstiftungen dauern an. Eine provisorische Regiernng. Hauka«», 12. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Die vorläufige Regierung in Wutschang wählte den Vorsitzenden der Provinzialkoiifercnz Tan zun» Präsidenten und den General Li zum Befehls- haber der Truppen. Die Straßen Wntschangs sind voll von M a n d s ch n l e i ch c n. Das StaatSpapicrg'cld ist außer Kurs gesetzt und dafür sind Kreditbillctte von den Revolutionären eingeführt worden. Die Frauen und Kinder der Ausländer sind an einigelt Punkten zur leichteren Beförderung auf die Dampfer konzentriert. Bewaffnete Patrouillen der Ausländer bewachen nachts die Enropäerstadt. Zweitausend Mann Re gi erun g S tr up p e n sind aus Honan eingetroffen. Masiregcln der Regierung. Peking, 12. Oktober.(Meldung deS Renlerschen Bureaus.) Durch Edikt ist besohlen worden, daß zwei Armeekorps unter dem KricgSminisler unverzüglich nach Wutschang abgehen sollen. Ferner ist die Abfahrt von Kriegsschiffen nach Wutschang angeordnet worden. Die Stärke der RegicruilgStruppeu wird auf bOOS Mann, die der Aufruhrer auf 3000 Mann geschätzt. In der Eingeborenenstadt von Hankau sollen heute früh 200 biS 300 MandschuS getötet worden sein. Der Generalgouverneur von Wutschang ist seine? Amtes enthoben lvorden. ES ist ihm jedoch vorgeschrieben, vorläufig noch auf seinem Posten zu bleiben, um Maßnahme» zur Wiederherstellung der Ruhe in Wutschang zu treffen. Wutschang selbst wird von einer chinesischen Flottille beschossen. Wie auS Hankall gemeldet wird, befindet sich das C h i n e s e n- viertel in der Hand der Aufständischen. Meuterer haben sich ChiadingfuS bemächtigt und die Mitglieder der Be- Hörden gefangen grnommen. Oesterreich. Pauli» enthaftet. Der Beamte des Holzarbeiterverbandes Paulin, der dem verrückteil Schießer aus Montenegro die Einlaßkarte ins Parlament verschafft hatte und den man zum Zwecke der Sozialistenhatz als„der Mitschuld verdächtig" eingesperrt hat, ist selbstverständlich vom Landesgericht sofort in Freiheit gesetzt worden. Gchwefcs. Der Sessionsschluß der Bnndcsversamuilung. Bern, 9. Oktober.(Eig. Ber.) Nach nur vierzehntägiger Dauer ist die Hcrbslsession der schweizerischen Bundesversammlung und damit auch ihre dreijährige Legislatniperiode geschloffen worden. Bon den behandelten und erledigten Geichästen mögen nur die wichtigsten erwähnt sein. Mit 65 gegen 14 Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der vom Bundesrat die Prüfung der Frage verlangt, ob nicht der Bund eine Mobiliarver- sicherungsanstalt mit oder ohne StaatSmonopol errichten soll. Die Antragsteller konstatierten, daß in der Schweiz gegenwärtig iiir 800 Millionen Fr. Mobiliar unversichert ist, wobei e§ sich meistens um unbemittelte Familien handelt, die im Brandfaüe völlig verornien. Während in sämtlichen Kantonen die staatliche Gebändeversicherung besteht, zum Teil sogar schon seit 100 Jahren und noch länger, besitzt erst ein einziger Kanton die staatliche Mobiliarversicherung. nämlich der Kanton Glarus und dieser machte damit die besten Erfahrungen. Die Manchester- männer und Bersichernngslapitalisten bekämpften den Antrag, blieben aber, wie das angeführte Stimmenverhältnis beweist, erfreulicher- weise in der Minderheit. Eine beachtenswerte Beleuchtung fand einmal die bekannte Phrase von der Verteuerung von Bauten be- ziehungsweise der Notwendigkeit von Nachtrags- krediten durch die Steigerung der Arbeitslöhne. Diese angebliche Lohnsteigerimg sollte die Ursache eines Nachtrags- kredites von 640 000 Fr. für einen Straßenbau im Kanton Grau- biinden sein. Da erklärte aber Bundesrat Schubrin�er, daß weniger die eingetretene Erhöhung der Arbeitslöhne als vielmehr die un« genügende Vorbereitung der Proseklpläne die Ursache der Kredit- Überschreitungen ist. Alle die teitherigen Schwierigkeiten hätten vorausgesehen werden können und darum wird der Bund in Zukunft solchen Bauten mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Mit dieser bundesrätlichen Feststellung ist die Argumentation mit der Phrase von den„verteuernden Lohnerhöhungen" für die Zukunst eüvaS erschwert. Eine parlamentarische Mnsterleistung vollbrachte der Sländerat, der ohne jede Diskussion den Kaufvertrag mit der Gotthardbahn, die 200 Millionen Frank kostet, annahm. Die Golthardbahn wird bereits seit 1909 staatlich betrieben. Zum Schlüsse gab eS im Nationalrat eine Militärdebatte wegen der Maßregelung des Obersten und KreiSinstruktorS Held in St. Gallen durch das Militärdepartement wegen intellektueller Mit- schuld an den Exzessen ihm nnteistellter jüngerer Offiziere. Der bei den Soldaten und im Volke beliebte humane Offizier war den zncht« losen Elementen im Offiziersrock gegenüber nicht gewachsen, um so weniger, als sie bei anderen hohen Osfizieren, die von preußischem Militärgcist erfüllt sind, moralische Unterstützung durch allerlei In- trigen fanden. Und dieser Militärgeist, von dem auch der Kriegs« minister, Bundesrat Müller, erfüllt ist, siegte auch im Nationalrat. Er macht die Schweiz zu einer preußischen Militärprovinz. Jetzt hat»un überall die Wahlbewcgung für die Neuwahl des Nationalratcs eingesetzt und auch unsere Partei hat die Aktion be- gönnen. frankreich. Die Teuerung. Paris, 11. Oktober. Es ist eine gerichtliche Unter- s u ch u n g über die h o h e n P r e i s e von Getreide, Zucker und Milch eröffnet worden, um festzustellen, ob sie nicht auf wucherische Auskäufe zurückzuführen sind. Eine Marokkodebatte. Paris, 12. Oktober. Der Minister des Aeußern be Selve« wohnte heute nachmittag der Sitzung der Budgetkommission bei. Der Deputierte Piou führte aus, er habe mit seinem Verlange». daß der Minister in der Budgetkommission erscheine, bezweckt, daß die Kommission deni Minister ihre Besorgnis zum Ausdruck bringe, die sie hinsichtlich der territorialen Kompensationen im K o n g o hege. Die Abtretung dieses Gebiets, eines Teiles des nationalen Besitzstandes, sei ein Alt von höchster Wichtigkeit, zumal er sich mitten im Frieden vollziehe. Die Frage berühre die nationale Würde und Ehre und alle empfindlichen Gefühle des P a t r i o t i S in n s. Piou erklärte weiter, die Regierung habe alles Interesse daran, das, waS sie als ihr konstitutionelles Recht betrachten könne. nicht zu rigoros in Anwendung zu bringen Minister des Aeußern, de S e l v e s, antwortete. Piou be- absichtige nicht, der Regierung eine Frage zu stellen. Wenn Piou eine Frage gestellt hätte, so hätte der Minister rund heraus erklärt, daß er sie nicht beantworten könne. Das Parlament habe der Regierung Kredit gewährt, und die Regierung sei zum Schweigen verpflichtet, das gerade im gegenwärtigen Augenblick so notwendig sei. Die Regierung fühle die ganze Schwere der Verantwortlichkeit, die auf ihr laste; sie werde sich nicht erlauben, ein Wort lautwerden zu lassen, das die VerHand- lungen stören könnte. Er bitte die Kommission, den Kredit, den ihm die Kammer gewährt habe, zu achten. Der Minister betonte sodann nochmals, daß Piou keine Frage gestellt habe; daß, was Piou wolle, sei eine Kundgebung von feiten der Kommission. Liegt es in der Rolle und in der Befugnis der Budgetkommission, in einer Frage der äußeren Politik eine solche Kundgebung zu unternehmen, wenn sie nicht den genauen Stand der Verhandlungen kennt? Ist es ganz sicher, daß diese Kundgebung, die anderswo man weiß nicht wie beurteilt wird, nicht eine ernste Lage schaffen würde? Die Kommission werde nicht in Unkenntnis der Dinge eine Kundgebung unternehmen wollen, die gefährlich sein könnte. In kur- zem werde man dem Parlament sagen, was man getan habe; es werde dann über das vollendete Werl und über die erzielten Ergebnisse urteilen. Im Vertrauen auf den Patriotismus der ganzen Budgetkommission wie auf den aller guten Franzosen, bitte er, der Minister, die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht noch zu vermehren. Portugal. Ter monarchistische Putschversuch. Porto, 12. Oktober. Eine amtliche Depesche aus Braganza, die gestern um 10 Uhr abends bekannt wurde. besagt, die Monarchisten hätten Portugal über Escnrqniera verlassen, seien aber über Serigci bei C h a v e s wieder zurückgekehrt. Eine Depesche ans E H a v e S von gestern 10 Uhr 35 Min. abends meldet: Die Monarchisten fahren fort, sich a n d e r G r e n z e z u e n t» wickeln, bemüht, sich den Rückzug nach der spanischen Seite zu sichern. Aber sie können nicht weiter vorrücken. Die Republikaner hoffen, sie binnen kurzem in die Flucht zu schlagen oder ausznrcibcn. GewerkfcbaftUcbee. GcwerhfcbaftUcbe Leistungen. Als der von dem Magdeburger Bürgermeistersessel au den Ministerstuhl avancierte Herr Lentze im Reichstage seine eigenartige Kenntnis der Gewerkschaftsverhältnisse der Mit und Nachwelt kund und zu wissen getan, indem er Gewer5 schaftsbeiträge mit Steuerleistungen auf eine Stufe stellte und dabei auch noch in den Zahlen sich vergriff, da war er der Held der Scharfmacher. Sie, die das Personal aus der der„Firma Regierung" sonst nicht sehr achtungsvoll behau dein, feierten nun den Minister als große Leuchte, gab er ihnen doch Gelegenheit, gegen die Gewerkschaften zu hetzen. Immer hin muß man den Blättern vom Schlage der„Post" und der „Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" zugute halten, daß sie berufs und geschäftsmäßig die Arbeiterorganisationen zu bekämpfen haben. Das kapitalistische Interesse bestimmt ihre Taktik, die Wahl der Mittel ist für sie kein Faktor der Moral Anders zu beurteilen ist das Verhalten der Zentrums und christlichen Gewerkschaftspresse. Bei ihr darf man nich" als mildernden Umstand gelten lassen, daß Unternehmerinter esse ihr Urteil trübe. Sie kennt die Gewerkschaftsbewegung sie wußte, daß Herrn Lentzes Zahlen und Argumente falsch waren. Trotzdem wollte man sich die schöne Gelegenheit, die freien Gewerkschaften zu verdächtigen, nicht entgehen lasseu In mehr oder weniger— verschämter Weise tischten die frommen Blätter ihren Lesern die ministeriellen Ansichten gegen die Gewerkschaften auf: gerade so, wie sie nun au Scharfmacherkommando Terrorismusgeschichten erfinden und verbreiten. Dabei mußten sie wissen, daß die Angriffe gerade mit Bezug auf die freien Gewerkschaften am allerwenigsten berechtigt waren. Die öffentlichen Abrechnungen der Verbände lassen da gar keinen Zweifel zu. Da gerade jetzt, aus Anlaß der Veröffentlichung der Generalkommission der Gewerk fchaften Deutschlands über die Kämpfe im Jahre 1910, wieder Betrachtungen über Vielstreikerei den Spießer graulich machen. erscheint es nützlich, die in Betracht kommenden Zahlen der verschiedenen Gewerkschaftsgruppen zusammenzustellen. Die Ziffern, nach den Abrechnungen für 1910, ergeben das fol gende Bild. Es betrugen in Mark: Freie Verbände Einnahmen.... 64 372 176 Ausgaben für Streiks 13 063 372 Unterstützungen.. 30 Ovo ODO Die Zahlen zeigen die Ueberlegenheit der freien Verbände, weiter aber auch, daß diese nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zu ihren Gesamteinnahmen die höchsten Leistungen an die Mitglieder aufweisen. Es stellt sich nämlich heraus, daß die als Streikvereine verlästerten freien Gewerk fchaften sogar mehr an Unterstützungen zahlen, als die Hirsche Dunckerschen Harmonievereine, von den Christenverbänden erst gar nicht zu reden. Die freien Verbände stehen mit den direkten Zuwendungen an die Mitglieder iveitaus an erster Stelle. Die nachfolgende Aufstellung illustriert das. Vom Hundert der Gesamteinnahmen verwenden für: Streiks und Streiks Unterstütz. Christliche Verbände ö 430 000 1239 500 I 039 519 Hirsch- Dunckersche 2 926 693 339 926 I 068 528 Die freien Gewerkschaften 29 47 , christlichen Verbände... 22 19 » Hirsch-Dunkerschen Vereine 11.6 36.4 Das sind die Resultate aus dem kampfreichsten Unterstütz zusammen 76 41 43 aller Jahre, denn es brachte den Gewerkschaften 9690 Bewegungen mit 1 025 542 beteiligten Personen, während die bisher höchsten Zahlen das Jahr 1906 mit 8130 Bewegungen und 917 748 be- teiligten Personen aufwies.Die Ergebnisse werden die braven Christen nun wahrscheinlich dazu benutzen, um die freien Ver- bände als für die wirtschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter bedeutungslose Unterstiitzungsvereine zu denunzieren, wie das früher auch schon geschehen ist. Das hindert sie natürlich nicht. bei passender Gelegenheit doch wieder über die Streikorgani- sationen sich zu entrüsten, deren Zweck lediglich der sei. die Arbeiter ins Elend zu stürzen, um sie unzufrieden und für die Sozialdemokratie reif zu machen. Gegen christliche und scharfmacherische Verdächtigung und Verleumdung ist kein Kraut gewachsen! Berlin und Qrngegend. Ter Streik der Arbeiter in den Eisengießereien. Die streikenden Former und Gießereiarbeiter ver« sammelten sich vollzählig am Donnerstagvormittag in den.Pharus« sälen", um Cohens Bericht über die Situation zu hören. Bis auf einen geringen Rest sind alle Betriebe, die zum Ring der Metall- industriellen gehören, stillgelegt worden: eS streiken 3035 Personen. die sich auf 23 Betriebe verteilen. Der Direktor eines grohen Werkes hat sich und andere damit getröstet, datz der Streik nur von kurzer Dauer sein könne, denn er sei überhaupt nicht gültig, eö fehle die Zweidriitelmajorität: er rechnete mit 6000 beschäftigten Personen. Der Herr ist im Irrtum und seine Aufrechnung ist falsch. Der Streik besteht in vollem Umfange und die Streikenden sind einig. ihre Reihen sind geschlossen. Die Firmen, die dem Ring nicht angehören, sind von der Organisation nicht angegriffen worden. aber die Arbeiter dieser Firmen stehen bereit, ebenfalls die Arbeit niederzulegen, wenn es die Situation erfordern sollte. Cohen er- klärte: Ich warne diese Firmen, den bestreikten Ringbetricben irgend- ,vie RauSreitzerdienste zu leisten, da in solchem Falle die Arbeiter nicht zögern würden, sofort die Arbeit einzustellen.— Die Ring. betriebe find mit ihrem Gütz in großer Verlegenheit und versuchen auch. Modelle außerhalb Berlin« unterzubringen, aber sie begegnen dort vielen Schwierigkeiten. Die Konjunktur ist gegenwärtig gut. und die Städte mit nennenswerter Metallindustrie haben meistens allerlei Kämpfe hinter sich. Streiks oder Aussperrungen, wodurch sich die Arbei, angehäuft hat: sie werden also kaum besondere Hilfe leisten können.- ES fehlt auch nicht an Versuchen, die Streikenden uneinig zu machen und sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Die.UnterstützungZvereine�, vor denen die Organisation stet? gewarnt hat, weil sie nur zur Unterstützung der Unternehmer da sind, rühren sich. Man kennt sie besser als gelbe Vereine, die sich die Unternehmer als Schutzlruppe gebildet haben. Bei der Firma Ludwig Loewe hat der.Werkverein' ein Flugblatt herausgegeben. das anscheinend von den Unternehmern selbst diktiert ist. Es lautet: .Kollegen I... .Wieder einmal kommt es zum Streik bei unserer Firma und wieder handelt es sich um eine Machtprobe des Metall- arbeiterverbandes. In der Gießerei legen dre Organisierten die Arbeit nieder. In unserer Gießerei wird jedoch der Betneb unter allen Umständen ausrecht erhalten. Der-streik toirb voraussiwtlich genau so enden wie im Maschinenbau, mit eurer glänzenden Niederlage des Metallarbeiterverbaiides. Kollegen, laßt Euch nicht von anderer Seite aufhetzen! Der Vorstand des Werk- Vereins erwartet, daß jedes Mitglied weiter arbeitet._, Werkverein Ludwig Loewescher Arbeiter. Der Vorstand. I. A.: B e n z. f Cohen wandte sich gegen den Inhalt dieses Flugblattes, weil von einer.Machtprobe' des Deutschen MetallarbeiterverbandeS darin die Rede ist; er zeigte, daß gerade die Unternehmer ihren Macht- düiikcl nicht überwinden konnten, darum die Ablehnung der ZZ 15, 16, 17. Materiell konnten sie spielend leicht bewilligen, waS ge« fordert wurde. Glücklicherweise ist die Zahl der gelben Getreuen viel zu gering, als daß sie einen Schaden anrichten könnten.— Neuerdings hat Herr von Borsig dem Arbeiter ausschuß seiner Fabrik erklärt, daß es sich bei diesem Formerstreik eigentlich nur um ein.Mißverständnis' handele.(Allgemeine Bewegung in der Versammlung.) Cohen trat dieser Auffassung sehr bestimmt entgegen und erklärte, daß man sich bei den letzten Kommissionsberatungen am vorigen Freitag über alle Punkte vollständig klar war, daß ein Mißverständnis auS- geschlossen sein mußte. Ein Mißverständnis der Situation bestand auf feiten der Unternehmer darin, daß sie glaubten, sie könnten ihre ablehnende Haltung bewahren, ohne daß es zum Streik kommen würde. In BorstgS Betrieb soll heute eine Versammlung der Arbeiterschaft (Dreher, Schlosser usw.), von der Betriebsleitung einberufen, stattfinden. in der die Streiklage besprochen werden soll. Cohen wünschte, daß er dazu eingeladen würde, damit er zur Klarstellung der behaupteten Mißverständnisse sein Teil beitragen könne. Im übrigen habe er zu den Arbeitern von Borsig das Vertrauen, daß sie sich nicht beirren lassen. Werde sein Wunsch, eingeladen zu werden, nicht erfüllt, so dürfe die Betriebsleitung sich nicht wundern. wenn die Arbeiter ungünstige Schlüsse für die Arbeitgeber daraus ziehen. Cohen gab der Ueberzeugung festen Ausdruck, daß die Sympathien der ganzen Kollcgenschaft in der Metallindustrie auf feiten der Streikenden seien. Diese Sympathien würden nicht ge- ringer werden, wenn auch vielleicht in den nächsten Tagen Tausende die Arbeit aussetzen müßten, weil es an dem nötigen Guß mangelt. Der Deutsche Metallarbeiterverband sei gerüstet und vorbereitet, wenn auch die Zahl der Streikenden durch Aussetzende oder AuS- gesperrte erheblich größer werde.(Großer Beifall.) Der Vorsitzende Sellrich erteilte den Streikenden die nötigen Instruktionen und machte eine genaue Uebersicht der beteiligten Kategorien von Arbeitern bekannt. Unter anderem erwähnte er, daß in den bestreikten Betrieben vor dem Streik täglich 9400 Zentner Guß hergestellt worden ist, während jetzt kaum 500 Zentner pro Woche fertiggemacht würden.— Die Polizei hat vor den bestreikten Betrieben Doppelposten aufgestellt, aber einige Firinen haben sich den Polizei- chutz verbeten, da diese Posten nur unnützes Aufsehen machten und man keine einzelnen Leute einstellen könne, sondern den Verlauf der Bewegung abwarten müßte.— Die Streikposten werden aber des« wegen nicht zurückgezogen, denn stete Wachsamkeit ist auf alle Fälle geboten._ Die Streiks in der Wäscheindustrie Berlins. Wie Eue gestern abend in der Wäschearbeiterversammlung des näheren berichtete, sind die Verhandlungen bei der Firma Wohl u. Heymann gescheitert, da die Firma zu irgendwie annehmbaren Zugeständnissen sich nicht bereit finden ließ. Dem- gemäß dauert der Streik fort, und dasselbe gilt von den Firmen Blume sowie Simon. Kauft nur dort, wo die grünen Plakate der heutigen.Vorwärts'« Arbeiter! Raucher aushängen I Beachtet die Veröffentlichungen in Nummer. Die Firma Wüstendörfer u. Senftner in der Koch- 'traße 59, im Laden, die neuerdings mit Hochdruck Reklame macht für ihre Fabrikate, kann ganz bestimmt mit den Löhnen, die rhre Arbeiter(die Firma beschäftigt nur Heimarbeiter) für ihre Sorten erhalten, keine Reklame machen. Lag es nun am Buchhalter oder lag es am Chef, Herrn H a a ck e, kurzum bis vor ganz kurzer Zeit erhielten sogar die Arbeiter für dieselbe Sorte eine» verschiedenen Lohn. Als neben verschiedenen anderen Monita auch diese Merk« Würdigkeit zur Sprache kam. geriet Herr Haacke in große Aufregung, unter deren Einfluß er sogar den üblichen IlmgangSton ganz vergaß, indem er den bei ihm vorsprechenden Beauftragten des Verbandes neben verschiedenen anderen Liebenswürdigkeiten das Wort.Hetzer' an den Kopf warf. Hetzer! Bei Löhnen von 10,50 M. pro Tausend in der Heim- arbeit hergestellter Wickel und Zigarren bedarf eS keiner Heyer! Dergleichen Löhne wirken an sich aufreizend genug. ES ist anzu- nehmen, daß Herr Haacke alle diese Dinge nur durch die Brille seines Buchhalters sieht, daher auch diese unmotivierte Aufregung. Wenn man mit solch einer Riesenreklame auswartet, so möge man auch bedenken, daß all der Lichtcrglanz der Affichen nicht inistonde ist. die düstere Lage, in der sich die Arbeiter befinden, in freund- sichere Farben zu tauchen. Tabakarbeiter-Verband. Zahlstelle Verlin. Deutsches Reich. Die Aussperrung der westfälischen und lippischen Tabakarbeiter öllte vom Donnerstag, den 12. d. M., an vor sich gehen. Der Kampf wird von den Fabrikanten gegen das Koalitionsrecht ge- 'ührt. Von den Arbeitern wird die Unterzeichnung eines Schrift- tückes verlangt, wonach sie sich verpflichten sollen, aus der Organi« ation auszutreten. Die Tabakarbeiter auf den westfälischen Dör- crn sind begeistert und weisen das Ansinnen der Arbeitgeber zurück. Ein eigenartiger Tarifkonflikt. Durch die Lohnbewegung der Lithographen und Steindrucker ist auch das Hilfspersonal in der Leipziger Stein-, Licht- und Notendruckerei in einen Kampf hineingezogen worden, der jetzt zu einem Vrozeß vor dem Landgericht Leipzig führen wird. Das Hilfsper- onal hat mit den Unternehmern einen Tarifvertrag abgeschlossen, 5er eigentlich erst am 31. Dezember d. I. abläuft. Als nun die Lithographen bei ihrer Lohnbewegung am 3. September die Kündigung einreichten, schritten die Unternehmer zu Massenkündigun- gen de� Hilfspersonals, oblvohl dieses am 6. September in einer Versammlung seine Neutralität in dem Kampfe zwischen Litho- graphen und Steindruckereibesitzcrn ausdrücklich beschloffen hatte. Einer Anrufung der Tarisinstanzen wichen die Unternehmer auS, und da somit ein offenkundiger Tarifbruch der Unternehmer vorlag, hielten sich die Hilflsarbeitcr ebenfalls nicht mehr an den Tarif gebunden und beschlossen deshalb am 27. September unter diesem wonge der Verhältnisse die Aushebung des Tarifvertrages. Ueichzeitig wurde die Einreichung neuer Forderungen beschlossen, und als auf diese bis 6. Oktober keine Antwort kam, kündigten an diesem Tage in 18 Betrieben 347 Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen. Insgesamt sind jetzt 936 Personen an der Bewegung beteiligt. Statt nun sich zu Verhandlungen zu bequemen, haben einstweilen drei Firmen gegen den Verband Klage auf Wiederherstellung des Tarif- Vertrages angestrengt, die am 21. Oktober vor der 10. Zivilkammer des Leipziger Landgerichts verhandelt werden wird. Bom Streik in der Kartonagenindustrie in Chemnitz. Von den in 40 Betrieben in Frage kommenden 520 Arbeitern und Arbeiterinnen legten 356 die Arbeit nieder, darunter sind 247 Arbeilerinnen. Von in den Betrieben Stehengebliebenen sind eine ansehnliche Anzahl jugendlichen Atters, die vielfach durch die Eltern behindert, entgegen ihrem Willen sich an der Bewegung nicht beteiligen durften. Gleich am ersten Streiktage nahm sich die Polizei der Arbeits- willigen an. sie holte die Arbeitswilligen am Abend von der Fabrik ab und geleitete sie nach Hause. Beim Streikpostenstehen müssen sich die Streikposten, besonder» die Arbeiterinnen, die gemeinsten Beschimpfungen gefallen lassen. eS ist sogar vorgekommen, daß sie von den Fabrikanten und deren Frauen und deren Anhang angespien wurden. Den Fabrikanten kann nur entschuldigend über ein solche? Ver« halten zu gute gehalten werden, daß sie bisher noch nie von der Arbeiterschaft ernstlich mit Forderungen bedacht wurden. Sie haben auch bei dieser Bewegung nicht gegluibt, daß die Schachtelmacherbetriebe zum Teil vollständig stillgelegt werden würde». Zuzug von Buchbindenr, Kartonagenarbeitern und-Arbeiterinnen ist streng fernzuhalten. In der Luxuskartonagen« und Etuisfabrik R i ch t e r u. Weih« rauch(früher Robne u. Jahn) wurde eine Verständigung erzielt durch Festlegung einer Preistabelle für Akkordarbeiter und einer Lohnzulage von 3 Pf. für Lohnarbeiter und-Arbeiterinnen. Ferner wurden 5 Pf. mehr sür lieberstunden bewilligt. Die Arbeitszeit von bisher 54 Stunden bleibt bestehen. Bei der Firma Richter u. Weihrauch kann folglich Arbeit ge- nommen werden; die Kartonagenfabrik Max Stopp, Chemnitz- Kappel, ist nach wie vor gesperrt. Teuerungszulage für städtische Arbeiter in Nürnberg. Da die vom Stadtmagistrat Nürnberg bewilligte Familienzulage die Zustimmung des Geineindekollegiums nicht fand, haben nunmehr beide Kollegien in Uebereinstiminnng beschlossen, den Arbeitern 1.40 M., den Arbeiterinnen 0.70 M. pro Woche unv Person, den Beamten 6 M. und den Beamtinnen 3 M. pro Monat als Teuerungs- zulage zu gewähren. Bei Beamten und Beamtinnen erfolgt die Zulage nur, soweit das Gehalt 1800 M. nicht übersteigt. Die Zulage wird ab 1. Januar 1912 gewährt und gilt bor- läufig auf ein Vierteljahr. Die Gesamtsumme beträgt etwa 100 000 M._ Hus Induftric und Handel. Der Kapitalbedarf der chemischen Industrie ist in diesem Jahre außerordentlich groß. In den Monaten Januar bis August 1911 wurden in Akliengesellslbaften und Gesellschaften m. b. H. 55,67 Millionen Marl neuinvestiert. Das bedeutet gegen das Vor- jähr eine Steigerung um 41.13 Mill. Mark. In den ersten acht Monaten der Jahre 1907—1911 belief sich die Summe der Reu- investierungrn auf Millionen Mark: 1907 1903 1309 1310 1911 Neuinveftie- rungen 20.10 23,00 31,20 14,54 55,67 Zu- resp. Ab- nähme+2,90+ 8,20—16,66+ 41,13 Gegen 1907 ergibt sich eine Zunahme der Ncuinvestierungen um 35,57 Mill. Mark. Der größte Teil des im laufenden Jahre dem Geldmarkte entnommenen Kapitals wurde zu Neugründungen ver- wendet. Im Vergleich zum Vorjahre haben aber auch die Kapitals- erhöbungen ganz bedeutend zugenomme». In den Monaten Januar bis August betrugen die Ncugründunge» und Kapitalserhöhungen in Millionen Mark: 1903 1909 1910 1911 9.20 22,94 10,84 32.19 13.80 3.26 3.70 23,43 Neugründungen... Kapitalserhöhungen. Im Vorjahre wurden erhöhungen vorgenommen. nur relativ sehr geringe Kapitals- Letzte Nachrichten* Die Lage der türkischen Truppe». Rom, 12. Oktober.„Giornale d'Jtalia" meldet.in einer Sonderausgabe aus Tripolis: Nachrichten der Araber zufolge wird die Lage der tlirkischcn Truppen, die sich nach dem Innern zurückgezogen haben, iuimcr verzweifelter. Zahlreiche Deserteure ergeben sich den italienischen Behörden, auch die Kamelführer, die die türkischen Truppen mit Lebensmitteln begleiteten, desertieren» indem sie die Tiere und die Lebensmittel mit sich nehmen. Nach demselben Blatte sind jetzt im ganzen 22 000 Soldaten in Tripolis gelandet; auch die früheren Minister Sonnino und Guissiardini sind dort angekommen. Dreihundert Sträflinge entwichen. Rom, 12. Oktober. Wie„Giornale d'Jtalia' au» Tripolis meldet, sind während der Beschießung 300 Sträflinge entwichen; andauernd werden Plünderer festgenommen. Es wurden Schrift« stücke des Komitees für Einheit und Fortschritt beschlagnahmt, in dewin die Araber zum Massakrc der Italiener aufgefordert werden. Die Ankunft weiterer Araberhäuptlinge des Innern gilt als be- vorstehend._ Cholera in Tripolis. Malta, 12. Oktober. Wie das Reutersche Bureau meldet, ist in Tripolis die Cholera ausgebrochen. Bier Personen sollen bereits gestorben fein._ Ein Gefangenaufseher wegen Bestechung verurteilt. Frankfurt a. Main, 12 Oktober.(B. H.) Die Strafkammer verurteilte den Gefangenaufseher Heinrich Hej. mann wegen passiver Beauitcnbestcchung und Kuppelei zu einem Jahr Gefängnis. Er hatte im Laufe mehrerer Monate einem zu Zuchthaus verurteilten UnitersuchungSgcfangenen Ware und alkoholische Getränke zugesteckt und außerdem vier- mal nachts von 12 bis 1 Uhr die Geliebte des Gefangeuen in die Zelle gelassen. Der Gefangene erhielt 8 Monate wegen aktiver Beamtenbcstechung und die Geliebte, eine Kellnerin. wegen aktiver Bestechung und Hausfriedensbruchs lechz Wochen Gefängnis. Schweres Fahrstuhlunglück. Chemnitz, 12. Oktober.(W. T. B.) In einer hiesigen Ma« schinenfabrik ereignete sich heute nachmittag beim AuS« probieren eines neuen Fahrstuhls ein schweres Unglück. Der Fahrstuhl, auf dem sich mehrere Elcktrcmonteure von der Allge« meinen Elektrizitätsgesellschaft befanden, stürzte vom vierten Stock- werk in die Tiefe. Vier Elektromonteure wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Dort ist einer der Verun« glückten bald nach der Einliefcrung gestorben. Folgenschwerer Gcrüstcinsturz. Wien, 12. Oktober.(B. H.) Heute nachmittag st ü r z t e im neunten Stadtbezirk in der Latschkagass� das G e r ü st eines Neubaues ein und riß die auf ihm arbeitenden Ar- beiter mit in die Tiefe. Zwei Personen wurden schwer verletzt aus den Trümmern gezogen, fuuf louen noch unter ihnen be- graben sein._ Sturmfluten in Mexiko. New S-rk. 12. Oktober.(W. T. B.)' Meldungen aus Mexiko beziffern den durch den mehrtägigen Orkan an der Küste von Sonora angerichteten Schaden auf mehrere Millionen Dollar». Mehrere Orte find überschwemmt bezw. völlig zerstört. Die Zahl der Umgekommenen wird auf dreißig angegeben, außer« dem werden viele Personen vermißt. Kerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantv.: Ah. Glocke, BerUn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. ,4 VerlagSanftalt PaulTingertCo..BcrlinL�V. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltung»»!. |t. 240. 28. Zllhtgiwg. I IcilODt des.lotmitls" ßftitt KüllisdlM Mag, 13. MM 1911. Graf Aoltt-Metternich vor Gericht. DaS gestern nachmittag um 4 Uhr gefällte Urteil gegen den Angeklagten ging dahin: Angeklagter wird wegen dreier Betrugsfälle zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, von denen sechs Nkonate als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet werden. Die Begründung des Urteils ging dahin: Um zu einer Beurteilung der Frage zu kommen: Hat sich der Angeklagte deS Betruges in einer Reihe von Fällen schuldig gemacht oder nicht? müssen wir prüfen, was ist in dieser Verhandlung an objektiven Tatsachen erwiesen und was ist erwiesen über den Charakter, die Lebensanschauungen des Angeklagten und ferner, wie läßt sich dann dieses alles unter die Paragraphen des Strafgesetzes subsumieren? Da müssen wir beginnen mit der Frage nach der Lebensanschauung, der Lebens- stellung und der gesellschaftlichen Stellung des Angeklagten. Wir haben da gehört, daß der Angeklagte eigent- sich vom Anfange seines Lebens an seinem Vater Sorge und Kummer bereitet hat. Auf den verschiedenen Gymnasien, auf denen er gewesen ist. hat er schon— natürlich in kleinerem Umfange— Schulden gemacht. Er mußte auch öfter die Schulen wechseln, weil er nicht recht vorwärts kam. Dann sind die Differenzen größer ge- worden, der Angeklagte hat einen Selbstmordversuch unternommen. Sein Vater hielt es für notwendig, ihn zunächst einmal nach Amerika zu schicken. Hier hielt er eS nur einige Zeit aus und kam dann wieder zurück. Da sich aber auch nach der Rückkehr ein einiger- maßen angenehmes häusliches Verhältnis mit dem Angeklagten nicht herstellen ließ, hielt es der Vater für angemessen, ihn wieder nach Amerika zu schicken, und gab ihm dieses Mal eine größere Summe Geldes mit. etwa 4000 M., welche die Grundlage für eine Existenz bilden sollten. Auch in diesem Falle ist es dem Angeklagten nicht geglückt, sich zu hallen. Nach kurzer Zeit hatte er das ganze Geld verbracht und kam wieder nach Hause. Nun wies ihm sein Vater direkt die Tür. Er ließ sich bereit finden. dem Angeklagten noch monatlich 30 Mark zu geben, aber der Angeklagte sowohl wie sein Vater mußten sich sagen, daß diese Summe nicht zum Lebensunterhalt ausreichen, sondern nur die Existenz- Möglichkeit, die Möglichkeit einer Wohnung gewähren konnte. Nach kurzem Aufenthalt in Frankfurt kam der Angeklagte nach Berlin. Das Gericht hat keinen Zweifel daran, daß der angebliche Baron v. Teplitz-Zeuner ein Schwindler war und daß der Angeklagte nickt gewußt hat, daß dies der Fall war. vielmehr geglaubt hat, daß dieser ihm eine Stellung verschaffen würde. Bald mußte der Angeklagte aber erkennen, daß eS sich um einen Schwindler handelte, nachdem er ihm selbst einen Wechsel über 5000 Mark gezeichnet hatte. Nun st and der Angeklagte wieder einem Nichts gegenüber. Jetzt setzt nun das Wer» halten des Angeklagten ein. wie es im Er- öffnungSbeschluß ihm als Straftat zur Last gelegt wird. Er hatte nichts und hatte auch einstweilen keine Aussicht, Geld zu bekommen, er hat alsdann in keiner ernstlichen Weise sich bemüht, sich Arbeit, eine Anstellung, überhaupt einen Verdien st zu ver» schaffen, sondern er hat angefangen drauflos zu leben, und dieses Leben gründete er, wie er wußte und wissen mußte, nur auf Schulden und auf eine ganz unsichere spätere Aussicht, in bessere Verhältnisse zu kommen. Erleichtert wurde ihm daS sehr, Kredit wurde ihm von allen Seiten entgegen- gebracht infolge seines Namens. Der Angeklagte hat gelebt und wie hat er gelebtl Das muß man bedenken. Da wird ein Automobil gekauft, ein teures Reitpferd, beim Schuhmacher wird eine Rechnung von 500 Mark gemacht in kaum einem Jahre, beim Schneider werden Sachen für 1000 Mark bestellt, dann muß eine goldene Uhr für 400 Mark angeschafft werden und es werden Dedikationen für über 100 Mark gemacht. 4Oer Rosen- strauß muß besonders feine Rosen haben, die erst besorgt werden müssen, weil sie sonst kaum im Handel sind. Der Angeklagte verkehrt dann mit den teuer st en Kokotten von Berlin in den Balllokalen und kleines feuiUeton. Woran man in Deutschland stirbt. Eine im kaiserlichen Gesund- heitsamte verfaßte Zusammenstellung über die Sterbefälle aus be- kannten Todesursachen im Deutschen Reiche im Jahre 1S09 zeigt, daß hier eine der häufigsten Todesursachen die Altersschwäche ist. der von insgesamt rund 1,03 Millionen Sterbefällen über 106 000 Personen erlagen. Demgegenüber starben an angeborener Lebens- schwäche fast 73 000 Kinder, während über 59 000 totgeboren wurden. Am Kindbettsieber starben noch immer mehr als 3000 Frauen und an anderen der Geburt über 3500 Frauen. Der Lungentuberkulose erlagen nicbt weniger als 91000 Personen, der Tuberkulose anderer Organe fast 14 000 und akuter Miliar- tuberkulöse 1300Pcrsoneu. Gleichfalls 90000Personcn raffte die Lungen- emzündung dahin, andere Erkrankungen der Atmungsorgane 61 000, der Influenza über 6500. Es starben an Krankheiten der Kreislauf- organe 93000, der Harn- und Geschlechtsorgane 20000 und der Verdauungsorgane fast 140000, wozu noch 3700 Todesfälle an Blinddarmentzündung treten. Ein Gehirnschlag setzte'dem Leben von fast 40 000 Menschen ein jähes Ziel, während fast 55 000 an anderen Krankheiten des Nervensystems starben. Dem Krebs der verschiedensten Organe und anderen Neubildungen erlagen 53 000, dem Typhus 2600, der Rose 2300 und anderen Wundinfektionen fast 5000. Auch die Kinderkrankheiten erforderten zahlreiche Opfer: so der Scharlach n 000, Masern und Rötel über 10 000 und Diphthe- litis und Keuchhusten je über 15 000. Eines gewaltsamen Todes starben fast 38 000 Personen, darunter nicht weniger als 14 000 durch Selbstmord und über 1300 durch Mord und Totschlag. Tic Sahara als Biiniensce. Man weiß, daß im Altertum die Sahara keineswegs in ihrer heutigen Ausdehnung Wüste war. daß sie vielmehr in ihren nördlichen Teilen, z. B. im alte» Numidie», außerordentlich fruchtbar und mit den herrlichste» Palmenwäldern bewachsen war. Aber die Vandale» und Sarazenen haben die Palmenwälder niedergebrannt; so wurde dem Lande die Feuchtigkeit entzogen; der unaufhaltsant über die Sahara streichende Nordost- Passat trug die ausgedörrte Humusschicht in Staubwolken davon, und das ehemals blühende Land wurde so zur Stein- und Sand- tollste. Es herrscht nun kein Zweifel daran, daß große �.eile der Löüste auch heute noch wieder zu fruchtbarem Nu�lande umgestaltet werden könnten, wenn es gelänge, die Sahara ausgiebig zu be- Iväffern. Mancherlei Projekte dieser Art sind schon vorgeichlagen worden: es fehlt aber zu deren Durcbführung sowohl an Geld wie an technuchcn Möglichkeiten. Jetzt ist in fraiizosiich-u Gelehrten- kreisen, wie mir einer Studie der Heitschnft.Nos Loisirs" entnehmen.«in neues Projekt dieser Art auf- geraucht. Wollte man früher die ganze Sahara mit Kanälen durchziehen, was schon wegen der hohen Lage weiter Gebiete der Wllste völlig unmöglich ist. so will sich.das ileiieste Projekt darauf beschränken die Gewäffer deS Mittelländischen Meeres durch einen einzelnen Kanal von etwa 80 Kilometer Lauge in die Teile der Sahara zu leiten die unter dem Meeresspiegel siegen. Auf diese Weise soll die Wüste in ihren niedrigsten Teilen überschwemmt und in einen Binnensee von riesenhaften Dimeiisionen umgewandelt werden. Man glaubt, daß diese große Wasserfläche rm gibt dort einer Nacht das Doppelte von dem aus, was eine Arbeiterfamilie in einem Monat zu verzehren hat. DaS ist das Bild, was wir von dem Leben des Angellagten notwendig gewinnen mußten. Er weist darauf hin, um sein be- scheidenes Leben darzutun, daß er eine Wohnung für nur 30 Mark lmd eine Pension von 90 Mark monatlich gehabt hatte. Das hat aber wohl daran gelegen, daß es wohl selten Penstons- inütter geben wird wie Fräulein Uhrmann, die den An- geklagten nahm, obwohl er ihr sagte:„An Geld ist vorläufig nicht zu denken, vorläufig muß ich alles auf Borg nehmen", und die ihm dann noch einmal 1000 M. und dann 800 M. zur Verfügung gestellt hat, ohne daß bestimmte Aussichten auf Rück- erstaitung vorhanden waren. Daß sonst das Leben des Angeklagten nicht so einfach war, sehen wir auch daraus, daß er ständiger Gast im Hotel Esplanade war, von dem wir wissen, daß es kein billiges Lokal ist. Zu diesem Leben gehörte Geld, Geld und immer wieder Geld. Wir sehen, zu welch wenig skrupellosen Mitteln der Angeklagte zum Schluß gegriffen hat, um sich Geld zu verschaffen. Mit schlimmen und berüchtigten Geldagcnten ist er vielfach zusammengekommen, um sich Darlehen von kleineren und höheren Summen zu verschaffen. Mit Leuten, die ihn, ziemlich unbekannt waren, wie Hagenow, Schlesinger usw. hat er Wechsel auf hohe Summen geschrieben, ohne sich viel darum zu kümmern, was aus den Wechseln wurde. Wir sehen, daß er ohne irgendwelche weitere Erkundigungen über die Sicherheit der Geldmänner, sogar gegen ein Darlehn von 2000 M. 50 000 M. Geswästsanteile einer Tcppichfabrik übernahm, daß er sich Lexika, Klassikerausgaben bestellte, von denen er nie Gebrauch machen wollte, nur um sich in irgend einer Weise Geld zu machen. Das ist das, was der Angeklagte getan hat. Nun fragen wir uns. welche Aussichten hatte er, die von ihm gemachten Schulden jemals bezahlen zu können? Konnte er überhaupt darauf rechnen, sie in absehbarer Zeit zu bezahlen? Da bat er ausgeführt, daß ihm eine Aussöhnung mit seiner Familie in Aussicht gestanden hätte, daß er sogar der Meinung gewesen wäre, daß nach zwei Jahren sein Vater ihm ohne weiteres eine große Zulage gewähren werde. Das Gericht ist gegen- tei liger Ansicht. Vielleicht hätte sich der Bater dazu ver- standen, ihm wieder zur Seite zu stehen, aber wenn er wußte, wie sein Sohn hier in Berlin lebt, daß er nichts geworden ist, sich um isidhts bemüht hat, daß dann ein größerer Zuschuß von seinem Vater zu erwarten war, davon kann nach Ansicht des Gerichts nicht die Rede sein. Die iolgcndcn Vorgänge haben dies ja auch bestätigt. Der Angeklagte hat dann ferner immer auf seine Heiratsprojelte hingewiesen. Es ist darüber gesprochen worden, ob seine Heiratsprojelte ihm eine An- wartschaft darauf gaben, in den Besitz großer Summen zu kommen. Auch hier kann nur betont werden: Wir haben ja den praktischen Erfolg gesehen, daß es dem Angeklagten nicht geglückt ist, eine reiche Frau zu bekommen. Er hat dann erst später eine Frau geheiratet, die ihm die Mittel zur Verfügung gestellt hat. Aber hier ist es ihm nicht geglückt und er mußte Berlin verlassen, weil er sich wegen seiner Schulden nicht balten konnte. Es soll nicht gesagt werden, er flüchtete, aber er konnte sich hier nicht halten, weil er fertig war mit seiner Kreditfähigkeit. Tatsächlich konnten ihm aber auch die Heirats- Projekte, die er hatte, absolut keinen Grund geben, sich für kredit- fähig zu halten. Denn sämtliche Projekte sind nicht weiter hinaus- gekommen, als über einen Schriftwechsel mit einem Heiratsagenten und mit Buchwald. Bei Frau Dolly Pinkus nimmt das Gericht an, daß er sich längere Zeit eingebildet zu haben scheint, daß sie ihm dereinst als Frau anheimfallen werde. Es ist dem Angeklagten geglaubt worden, daß er sich mindestens einbilden konnte, sie zu heiraten. Daß diese ganz unsicheren Heiratsprojekte ihm aber keinerlei Berechtigung geben konnten, bestimmte Versprechungen zu machen, kann keinem Zweifel unterliegen. In allen Fällen der An- klage, mit Ausnahme von einigen ganz kleinen Warenschulden, wußte er nickt, ob er sie zu dem bestimmten Termin bezahlen konnte. In allen Fällen istl also ohne weitere« gegeben, das Bewußtsein d eS Angeklagten, daß s ein e G l ä u b i g e r g e s ch ä d i g t würden. Nichts weiter ist nötig zu dem einen Tatbcstandsmerkmal des Betruges. Er braucht nicht die Absicht gehabt zu haben, seine Gläubiger zu schädigen, er brauchte nur das Bewußtsein gehabt zu haben, daß sie geschädigt würden. Dieses eine Moment, das für alle Fälle zutrifft, ergibt aber nicht allein das Tatbestandsmerkmal des Betruges, dazu gehört mehr. Daß er die Absicht hatte, sich einen rechtswidrigen VermögenSvortci! zu verschaffen, bedarf keiner Erörterung. Zu dem Tatbestand-Zmerkmal des Betruges gehört aber nocki, daß er falsche Vorspiegelungen gemacht hat, und dadurch einen Irrtum bei seinen Gläubigern erregt hat. Das Gericht geht nicht so weit, die Unterdrückung Ivahrer Tatsachen schon darin zu sehen, daß er nicht von vornherein mitteilte, daß er unvermögend sei. Das Gericht muß verlangen, um das Tatbestandsmerkmal des Betruges zu erblicken, daß der Angeklagte tatsächlich durch falsche Vorspiegelungen seine Gläubiger getäuscht hat. Weil dieses in den allermeisten Fällen nicht hat festgestellt werden können, sind die Mehrzahl der Anklagefälle in Wegfall gekommen. Dagegen bleiben drei Fälle übrig, bei denen die Vorspiegelung falscher Tatsachen erwiesen ist. Das ist erstens der Fall G u st k e- S t ö ß, dann zweitens der Fall Horch und drittens der F a l l R i e s ch. Der Gcricbtshof hat nicht den geringsten Zweifel daran, daß die Guslle tatsächlich dem Angeklagten ein Darlehn von 1000 Mark gegeben hat. Wenn die Gustke uns das allein bezeugt hätte, so würde es uns nicht einfallen, daraufhin den Angeklagten zu verurteilen, denn die Zeugin hat nach mancher Richtung hin doch Bedenken erregt. Die Aussage der Gustke toird aber außer Zweifel gestellt durch eine Unmenge anderer Tatsachen. Die Zeugin Haase hat bekundet, daß die Gustke zunächst zu Stög kam und eine Summe von weit über 1000 M. vorzeigte. Als sie nach einigen Tagen wiederkam, hatte sie das Geld nicht mehr, sondern einen Wechsel von 1200 M. und sagte, das Geld habe sie einem Grafen geborgt. Ferner kommt die Aussage des Rechtsanwalts Ballien hinzu, der auf Veranlassung der Gustke dem Angeklagten mit dürren Worten schrieb, er habe sich des Betruges schuldig gemacht nach der Be- hauptung der Gustke. Jeder andere hätte daraufhin mit Entrüstung gesagt:„Was denkt sich diese Person!" Der Angeklagte ging zu Stechtsanwalt Ballien und erhob den Einwand des Wuchers gegen die Gustke, lveil der Wechsel auf 1200 M. lautete, während er nur 1000 M. erhalten habe. Wenn der Augellagte es jetzt so darstellt, als ob er den Einwand des Wuchers nur bediugiiiigSlveise erhoben habe, so hält daS Gericht dies nur für eine leere Ausrede, die gegenüber der Aussage des Rechtsanwalts Ballien nicht standhalten kann. Hinzu kommt, daß der Angeklagte auch einer anderen Kokotte, der Zeugin de lDr gegenüber, das Ansinnen gestellt hat, ihm gegen einen Wechsel von 500 M. 300 M. zu borgen. Hinzu kommt noch der B r i e f a n d i e G u st k e. in dem er fälschlich angibt, er hätte die Braut schon getroffen. Nimmt man alle diese Punkte zusammen, so kann kein Zweifel bestehen, daß der Angeklagte das Geld von der Gustke bekommen hat und daß er es bekommen hat unzweifelhaft auf Grund falscher Vorspiegelungen. Er hat der Gustke erzählt, daß er 2000 M. monatlich zu verzehren habe. Daraufhin hat sie ihm daS Geld gegeben. Er kann sich nicht damit entschuldigen, daß er damals auf die Brautschan mit einer vielfachen Millionärin ging, denn er hatte die Dame noch nicht gesehen, sondern nur einen Brief von Buchwald bekommen. Bemerkenswert ist noch, daß der Angeklagte bei der späteren Auseinandersetzung mit Stöß noch das naive Ansinnen gerichtet hatte, ihm für 3000 M. Brillanten zu verkaufen, die er noch auf Kredit haben wollte. Es kommt der Fall Horch, wo sich der Angeklagte ein Auto- mobil gegen eine Anzahlung von 1000 M, verschafft hat. Er hat eS wenige Tage nachher, sobald sich ihm die Möglichkeit bot, versetzt. Der Angeklagte hat sich darauf berufen, daß ihm der Kredit auf seinen guten Namen hin gewährt worden sei. Der Gerichtshof nimmt an. daß er den Wagen nur zu dein Zweck gekauft hat, um sich damit aus einer großen Verlegenheit zu helfen und sich 5000 M. zu zerschaffen. Es kann nicht die Rede davon sein, daß er von dem Zeugen Bellmer die Erlaubnis erhalten habe, den Wagen zu der- setzen. Dagegen sprechen alle begleitenden Umstände und mk eidliche Aussage des Bellmer. Wenn man sich überlegt, daß Beimrer das Geschäft ausdrücklich abgelehnt hatte und nur auf direkte Anweisung aus Zwickau es gemacht hat, so muß man doch sagen er würde von Sinnen gewesen sein, wenn er sich nun in dieser Weise seiner Firma gegenüber verantwortlich gemacht hätte. Der Angeklagte war nicht berechtigt, den Wagen zu versetzen, er hat auch Herrn Bellmer ausdrücklich versichert, er wolle ihn nicht versetzen, aber er hatte doch Süden von Algerien und Tunis auch eine erhebliche Veränderung des Klimas herbeiführen würde, so daß auch die höher gelegenen Wüstengebiete, die jetzt durch die Einwirkung der außerordentlichen Trockenheit absolut unfruchtbar find, allmählich durch den Fall von Regen anbaufähig werden würden. Daß die französische Kolonial- Verwaltung solche Ziele im Auge hatte, als sie sich den größten Teil der Sahara sicherte, steht fest und ist schon häufig zum Ausdruck ge- kommen. Vorläufig ist man an solche Projekte noch nicht heran- getreten; aber die Zeit wird kommen, wo sich der kühne Ingenieur findet, der es unternimmt, die größte Wüste der Erde zu erheblichen Teilen wieder in fruchtbares Land zu verwandeln. Theater. Neues Schauspielhaus: Büxl, Komödie von Arno Holz und Oskar Jerschke. Holz und Jerschke sind unter die Schwankdichter gegangen. Ihr„Trcmmulus" verstieß schon sehr er- heblich gegen das radikal-naiuralistische Programm, nach dem Arno Holz in der Sturm- und Drangpcriode vor zwei Jahrzehnten daS Drama reformieren wollte. In dem„Büxl" ivird»nt der einst so hoch verehrten Wirklichkeit ein derart leichtfertiges Spiel getrieben, daß die inzwischen ja entschlafene Theorie sich»och in ihrem Grabe umdrehen dürste. Sonst liegt indes kein Grund zu Jeremiadcn vor. Das peinliche Befremden, daS die komödiantische Behandlung einer verzweifelten, Mitleid weckenden Situation im Anfange hervorruft, ging dann, als die Verfasser ihren Delinquenten für die ausgestandene Todesangst so überreich entschädigten, in ungemischte Heiterkeit über. Die berghoch angehäuften Un- Möglichkeiten erböhen noch die Komik, und in allen tollen Uebertreibungen sind gewisse charakteristische Grundzüge des Helden — sein unerschütlerlicher Optimismus, seine phantastische, prahl- hansige Lügenkimst und daö gelvalttätige, Verivegene Verbrecher- naturell— mit so viel epigrammatischer Schlagkraft durchgeführt, daß der Eindruck eines Typischen entsteht. Dieser dein Schafott eilt- wischte Fremdeiilegionär, der es zum bewunderten Heros der euro- päiichen Presse bringt, prägt sich ähnlich wie der Strebermcüilheld RabagaS der Sardouschen Komödie als repräsentativ gesteigertes Abbild einer ganzen Menschenipezics der Erinnerung ein. Auch die moderne Sensationssucht und der Spitzbubenkult in den» Neuigkeits- klatsch und den Prozeßberichtcn der Blätter wird dabei äußerst lustig persifliert. In einer Aufwallung der Eifersucht hat Büxl emen Unter- offizier und gemeinen Leuteschinder erstochen. Er ist als Mörder verurteilt, sei» Gnadengesuch abgelehnt. Staatsanwalt und Pfarrer bemühen sich vergeblich, ihm ein bußfertiges Geständnis abzulocken, Er flucht und tobt. Wenn die Exekution nur eiu paar Tage auf- geschoben würde, dann fände sich gewiß Gelegenheit zur Flucht. Als er erfährt, daß einer seiner Freimde, mit dem er in der Mordnacht zusammen war, sich inS Ausland sortgemacht, ersinnt er rasch das Märchen, jener sei der Täler und bringt den Rechtsanwalt im letzten Augenblick dazu, den Antrag auf ein Wiederaufnahmeverfahren ein- zureichen. Aus der beklommenen Schwüle dieser psychologisch übrigens sehr gut beobachteten Szenen geht dann die Fahrt ins blaue Land der Märchenwunder. Büxl brennt durch und logiert sich auf den Bergen in einem gut verschanzten Jagdschloß des Prinzen mit seiner Liebsten ein. Den Wächter wirft er einfach in de» Graben. Soldaten schließen den Feind ein. Im nahen Gasthaus nimmt der Staatsanwalt Quartier mit den Zeitungsmenschen, die den BclagerungSkrieg in alle Weft hinaustelcgraphieren. Auch der Prinz, der eine Kompronrittieruug durch die von Büxl im Geheimarchiv gefundenen Liebesbriefe fürchtet, findet sich ein und erhält schließlich gegen das telephonisch abgegebene Versprechen, die Begnadigung zu besiirworten, von dein Belagerten die Zusage freier Einfahrt. So wie der hohe Herr sein Automobil verläßt, schwingt Büxl sich hinein und rast der Grenze zu. In diesem ausgelassenen zweiten Akte kulminiert das Stück. Der dritte, der den Mann auf seiner Höhe in Paris zeigt— die französischen Geschworenen haben ihn unter allgemeinem Jubel frei- gesprochen— bringt dann noch einige glänzend parodistischc Ein- fälle, doch auch manche störende Breiten. Eine flotte Aufführung erhöhte die Wirkung. Glänzend war Heinz S a l f n e r s Fremdenlegionär, ebenso echt in den naturalisti- scheu Szenen des Anfangs loie in dem Possentrubel und unter den Fanfarenstößen des Schlußakts. Die Herren Ziegel, Paaschen, K a i s e r» T i tz brachten den Humor in den Figuren des Advokaten. des Staatsanwalts und der Durchlaucht diskret und eindrucksvoll zur Geltung. Das Publikum applaudierte höchst animiert. dt. Musik. Im zweiten Akt singen sie ein Tanzduett; mit ausgebreiteten Armen hängt sie an ihm und wird zuletzt von ihm hinausgetragen. Und die Melodie schlägt so durch, daß daS Publikum sogar ankängt mitzusingen. Aber die richtige Liebe kommt erst an, Schluß in einer„Finalette" swie's da heißt). Erst muß noch die Frau Rechts- anwalt auch ihre beiden Töckter gegen die bösen Männer aufhetzen und die Ponffagen ihres eigenen Mannes als ihre ersten Klientinnen bekomme». Bis endlich auch der hohe Gerichtshof sich im Walzer- takle wiegt. Das also ist der TexlinSalt der neuen Operette. D i e m o- derne Eva", nach irgendeiner französischen Vorlage. Am Mittwoch wurde sie un N e u e n O p e r e t t e n- T h e a t e r unter obligatem Entzücken zum ersten Male aufgeführt. Die Walze für den Abdruck war„Die keusche Susanne", die wir im Sommer an derselben Stätte kennen gelernt halten. Der Komponist von damals Jean Gilbert. Hai sich mit dem begnügt was sich ihm bewährt hatte. Zahlreiche munkaltiche Spaye unterbrechen die Langeweile � Man will kein Sauertopf sein und nicht abermals daran denken wie viel Interesse hier der dramatischen Kunst durch die Bühnen- wäre entzogen wird, wlll mcht einmal den Vergleich mir d?m lebhafterem Atem wirklicher Possen wagen. Man freut sich v-w allem eiuer so tüchtigen schauspielerischen Leistuiiq. wie sie Kicr von der Altistin Poldi Augustln m der Rolle der Recht-Hyäne geboten wwd. und nennt gern auch M.zzr Wirth als Vertreterin der Titel- rolle. Schließlich gerat man"och m emen Aiisstell.mgSbericht hinein: d.e rote und grüne S-zess.on au den Wänden und in den Kostümen macht Epoche und Furore.__ 1 � Notizen. Charlottenburger Schiller-Theater wird die„Antigone" von Sophokles in der Ilebersetz.ing von Wilbraudt vorbereitet Die erste Auf. führung ist auf Dienstag, den 17. Oktober, angesetzt. In der Titel» rolle wird Helene R, sicher ,hr Engagement antreten. ton Anfang an die Absicht de5 baldigen Versatzes. DaS ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, er konnte auch nicht mit der Mög lichkeit rechnen, dasz er den Wagen nicht werde einlösen können. Er bat den Wagen ja schließlich eingelöst, aber nur mit Hilfe des A m l s r i ch I e r s Grafen v. d. S ch u l e n b u r g, der ihm daS Geld mit einigem Zögern gegeben hat, weil er sich sagte, der ihm befreundete Angeklagte könnte in große Verlegenheit kommen und er ihm aus der Patsche helfen wollte. Es ist auch hier charakteristisch daß der Angeklagte 6500 M. borgt und nur einen Teil dazu verwendet, um das Automobil auszulösen, den übrigen Teil aber behalt. DaS ist eine wenig schöne Handlung, die auch dadurch nicht aus der Welt geschafft wird, daß Graf Schulenburg hier bekundete, es wäre ihm auch recht gewesen, wenn der Angeklagte ein paar hundert Mark zu anderen Zwecken verwendet hätte. Dann kommt als dritter der F a l l R i s ch. Hier hat er das Pferd im Februar 1910 gekauft, also zu einer Zeit, als er sich schon in hoher Bedrängnis befand und als von ernsten Heiratsprojektcn nicht mehr die Rede sein konnte. Nach der Ueberzeugung des Gc richts hat der Angeklagte das Pferd lediglich gekauft, um sich daran Geld zu machen. Wenige Tage nach dem Kauf stellte er es schon zum Verkauf, er hat sich überhaupt das Pferd ivenig angesehen und auf den Preis kam es ihm gar nicht an. Es handelte sich für ihn nur darum, Geld zu erhalten. Er hat dies nicht nur verschwiegen, sondern auch versprochen, den Wechsel am 1. Mai einzulösen, da er angeblich um diese Zeit Gelder bekomme. Das war eine falsche Vorspiegelung, den» er halte keinerlei Sicherheit, zu diesem Termin der Frau Misch 2500 M. zahlen zu können. In allen anderen Fällen hat derGerichtSho zu einer Verurteilung des Angeklagten nich kommen können. Es handelt sich da zumeist um Geschäfts leute, die ihm bereitwilligst Kredit gewährt haben und er hat ja auch Abschlagszahlungen gemacht. Er hat in diesen Fällen auch direkte falsche Vorspiegelungen nicht gemacht. In anderen Fällen hat das Gericht deshalb nicht angenommen, daß er sich bewußt war, eins Vermögensschädigung zu begehen, das ist namentlich in allen den Fällen nicht anzunehmen, wo noch andere Personen auf den Wechseln standen. Nun bandelt es sich noch um die Frage: find diese Fälle aus liefcrungSfähig und können sie abgeurteilt werden oder muß das Verfahren eingestellt werden. Da rann es keinem Zweifel unter liegen, daß in allen Fällen die Tatbestandsmerkmale des Betruges sowohl nach österreichischem als nach deutschem Recht gegeben sind. Wir kommen nun zum Strafmaß. Da ist im weitesten Maße berücksichtigt Angeklagte in schlimmer Lage befand. Familie einstweilen vor die Tür gesetzt und von dort nicht zu rechnen. DaS war schlimm für ihn. Er war nach feinem ganzen Bildungsgänge, nach seiner Zugehörigkeit zu einer altadligen Familie und seinein ganzen Charakter— der Gerichtshof folgt hierin ganz dem so lichtvollen Vortrage des Oberarztes Dr. F o r st e r— ein großer Optimist, der sich einbilden mochte, über kurz oder lang zu Gelde zu kommen und er war ferner ein Mann, der wenig fähig war, si-b im Leben zu halten. Es muß aber betont werden, daß das Gericht die Behauptung des einen Verteidigers: das Verhalten des VaterS fei eine Schändung des Blutes, aufs höchste gemißbilligt hat und der Meinung ist. daß von einer Berechtigung dieses Ausdrucks in keiner Weise die Rede sein kann. Aber anderseits muß zugegeben werden, daß er von der Familie hart angefaßt wurde. Der Angeklagte war dadurch, daß er nichts Rechtes konnte, nichts wußte, nicht arbeitsfähig, aber auch nicht arbeitswillig war. in eine sehr üble Lage versetzt, wenn auch nicht zu billigen ist, daß er sich in solcher Lage nickt auf das aller- äußerste beschränkte und nicht versuchte, sich eine Existenz zu schaffen. Der Sachverständige hat mit Recht gesagt, daß der Angeklagte das Produkt seiner Erziehung und der Verhältnisse tcillveise war. Es soll ihm auch im weitesten Maße angerechnet werden, daß er bei seinem Optimismus meinte darauf rechnen zu können, später einmal zahlen zu können. Die spätere Erfüllung der Verpflichlungen kann jMen Tatbestand des Betruges an sich nicht beseitigen, aber dazu bmragen, die Verfehlung miloer zu beurteilen. Schließlich war zu erwägen, daß der Angeklagte schließlich in der Tat versucht hat, den Schaden wieder gut zu machen und mit Hilfe seiner Frau, die ihm ja in uneigennützigster Weise zur Seite gestanden, versucht hat, den Schaden zu beseitigen, und ihm dies auch wohl gelungen wäre, wenn er nicht verhaftet worden wäre. Tiotz der sehr erheblichen Objekte und obgleich das ganze Verhalten des Angeklagten ein sehr leichtfertiges und verwerfliches war, hat der Gerichtshof sehr milde Strafen eingesetzt und zwar: für den Fall G u st k e 3 Monate, für den Fall H o r ch 5 Monate, für den Fall Risch i Monate und hat diese Einzelstrafen auf neun Monate Gefängnis zusammengezogen. worden, daß sich der Er war von seiner hatte auf Unterstützung Als nach Verkündung des Urteils der Vorfitzende erklärte: „Ich schließe die Sitzung," ruft der Angeklagte Graf Metternich sehr erregt: Ich mache von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch I Ungerecht I Natürlich: der Name mußte verurteilt werden, daS ist ja felbstverständlich, das habe ich schon vor vier Wochen gesagt. Den Grafen Metternich kann man nicht laufen lassen; wenn es ein Sckultze oder Müller gewesen wäre, hätten die Herren anders geurleilt. Das ist deutsche Ge- rechtigkeit! In Rußland wäre so etwas nicht möglich gewesen.— Als die Verteidiger den Angeklagten zu beruhigen suchen, ruft er mit lauter Stimme: Ick soll Horch falsche Tatsachen vorgespiegelt haben? Hahaha I Das ist klassisch I Bei solcher verdammten Un- gerecktigken soll man ruhig bleiben I Der Angeklagte wurde nack kurzer Besprechung mit seiner Gattin und den Verteidigern in das Untersuchungsgefängnis zurückgefühtt. Em der pamü Die Arlicitcrschule der dänischen Sozialdemokratie. Gemäß den Beschlüssen deS letzten dänischen Parteitages sowie deS GewerkschafrskongrejseS der dänischen Arbeiterschaft hat jetzt die Arbeiterschnle der Sozialdeniokralie in Kopenhagen ihre Tätigkeit begonnen und zwar vorläufig als Abendschule. Die Unterrichts- gegenstände sind: Nationalökonomie, Geschickte des Sozialismus, Statistik, Geschichte und Praxis der Gewerkschaftsbewegung, Ver- waltung in Staat und Kommune sowie dänische Sprache. Die Kosten werden von den politischen und gewerkschaftlichen Organi- sationen gemeinsam gelragen. Seitens der Organisationen ist eine größere Anzahl von Schülern angemeldet tvorden, als in diesem ersten Halbjahr der Schulläligkeit Aufnahme finden konnten. Die Schüler sind in zwei Abteilungen geteilt und jede Abteilung erhält on zwei Abenden der Woche Unterricht. Selbstverständlich wird darauf hingewirkt, die Schule im Laufe der Zeit immer mehr auszubauen, um sie zu einer Hochschule für die Arbeiterbewegung zu gestalten._ Jugendbewegung. Lehrer und staatliche„Jugendpflege". In einer Konserenz der Rektoren für die Provinz Hefien-Nafiau hielt der Vorsigende der Jugendfürsorgezentrale der preußischen Rcktorcnschaft, Rektor Pagel-Berlin, einen Vortrag über das Thema:„Wie gründet und leitet mau Jugendklubs an Knaben- und Mädchenschnleu im Sinne des MinistcrialerlaiseS über Jugendpflege V Pagel wies nach einem Bericht der.Frankfurter Zeitung"»ach, daß von den etwa vier Millionen Jugendlichen von konfesflonelleii. interkonfessionellen und politischen Vereinen nur etiva ein Fünftel erreicht werden, daß also noch reiche Arbeit be- stehe und von Konkurrenz unter den Trägern der Arbeit keine Rede sein könne. Der Redner empfahl den Anschluß der Klubs an die Schulen. Die Versammlung stimmte den Anregungen des im Auftrag seiner vorgesetzten Behörde handelnden Referenten selbst- verständlich zu und nahm die folgende Resolution an: „Die Besucher der Versammlung von Rektoren Hessen- Nassaus sind durchdrungen van der Notwendigkeit einer zeit- gemäßen Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Diese Aufgabe ist als eine der allerwichtigsten neuzeitlichen Erziehungsfragen nur durch ein harmonisches Zusammenwirken aller Volksschichten mit den Staats- und Gemeindebehörden zu lösen. Ueberzeugt. daß die berufsmäßigen Erzieher hierbei in den vordersten Reihen stehen müssen, gibt die Versammlung der festen Hoffnung Aus- druck, daß Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen bestrebt sein tvcrden, im Verein mit Behörden und Vertretern aller Stände durch Bildung von„Lehr st ellen nachweisen" und„Jugend- k l u b s" an der Förderung der schulentlassenen Jugend, auf der die Zukunft unseres Volkes ruht, in tatkräftiger Weise mitzu- wirken." In gleicher Weise wie hier in Hessen-Nassau stellen sich die Lehrer auch in anderen Bezirken und Bundesstaaten in den Dienst der staatlichen Bekämpfung der freien Jugendbewegung. Hus Industrie und Handel. Vorbereitungen für ein deutsches Petroleummonopol. Zu den in der jüngsten Wochenrundschau schon kurz bespräche- neu neuesten Fusionen in der Petroleumproduktion sei heute noch ein Abriß ihrer vorhergegangenen EntWickelung nachgetragen. Um die Deutsche Erdölakticngesellschaft— vor kurzem noch Deutsche Tiefbohrgesellschaft— ballen sich immer mehr die Petroleummächte Deutschlands, sie sitzen sogar schon in Oesterreich- Ungarn, Galizien und Rumänien. Aeußerlich tritt die gewaltige Machtverschiebung und Erweiterung auf diesem Gebiete dadurch in Erscheinung, daß die Deutsche Erdölaktiengesell« schaft, die zu Beginn des Jahres nur 8 Millionen Mark Aktien- kapital hatte, es vor einigen Monaten auf 13 Millionen erhöhte und jetzt dazu übergeht, eine weitere Steigerung auf 2(Pch Millionen Mark vorzunehmen. Anfangs 1911 umfaßte die Deutsche Tiefbohrgesellschaft— jetzt Deutsche Erdölaktiengesellschaft— Erdölunternchmungen im Elsaß, Elsässische Petroleumgcsellschaft in Amsterdam und Walburg, Ge- werkschaft Gute Hoffnung bei Dürrenbach, und Pechelbronner Oel- bergwerke, und die Gruppe der Vereinigten Deutschen Mineral- öltvcrke A.-G., die durch Aktienbesitz die Celle-Wietze A.-G., die Deut schen Erdölwerke Wilhelmsburg, die Hannoversche Erdölraffinerie, die Mineralölwerke Rheinau, und die Bohrgesellschaft Oldau-Süd Winsen beherrschte. Des weiteren gehörten zum Tiesbohrkonzern die Deutsche Schachtbaugesellschaft m. b. H.; dazu kamen noch er- hebliche Kali- und Erdölgcrechtsame, Beteiligungen bei der Ersten Rumänischen Bohraktiengesellschaft-Bukarest und Interessen an der Austria, Pctroleumindustrie-Aktiengesellschaft, die wieder galizische Engagements hatte. Die weiteren Transaktionen vervollständigten die Trustmacht gemäß sorgfältig vorbereiteten Plänen. Die Vereinigten Deutschen Mineralölwerke A.°G. Berlin wurden aufgelöst. Ihr Erdölbetrieb >;ing an die Deutsche Mineralölindustrie-Akticngesellschaft, ihre Raffinerie an die Deutsche Tiefbohrgesellschaft. Die Deutsche Mineralölindustrie-Aktiengesellschaft ist seinerzeit durch die Jnter nationale Bohrgesellschaft und den Schaaffhausenschen Bankverein gegründet worden. Die dritte war dabei die Deutsche Petroleum aktiengesellschaft; dies ist ein Trustunternehmen der Deutschen Bank, das deren gesamte Petroleuminteressen verwaltet. Die Deutsche Petroleumaktiengesellschaft ist auch die Vertreterin der Deutschen Bank-Jnteressen in der Europäischen Petroleumunion, der bekanntlich noch Rothschild-Paris und Gebrüder Nobel- St. Petersburg mit ihren Petroleumunternehmungen angehören. Die Europäische Union hat, wie nebenbei noch erwähnt werden gll, sehr bald den ursprünglich in die Oesfentlichkeit gebrachten plan, die Standard Oil Company zu bekämpfen, aufgegeben. Es besteht jetzt ein Bündnis mit den Amerikanern, demzufolge sie sich in Deutschland keine Konkurrenz mehr machen. Das Zusammenfügen der Interessen der Deutschen Tiefbohr- werke in der Deutschen Mineralölindustrie-Aktiengesellschaft bedeu- tete also eine Vereinigung mit den Petroleummächten der Deutschen Bank. Mit dieser Transaktion war die elsässische, die hannoversche und die norddeutsche Erdölmacht unter einem Hut. An eine Front- iellung dieses deutschen Erdöltrusts gegenüber dem amerikanischen Petroleum oder auch nur an eine völlige Unabhängigkeit von ihm ist auch dabei nicht zu denken. Einmal sind es ja nur Rohöl- betriebe, die zu einem deutschen Trust vereinigt wurden. Tie Raffinerien resp. die Verkaufsgesellschaften gehören durch die Deutsche Bank zu Europäischen Union, über deren Verbindung mit dem Standard Oil Trust schon weiter oben gesprochen worden ist. Außerdem muß aber beachtet werden, daß die Deutsche Mineral- ölindustrie-Aktiengesellschast ihre gesamte Rohölförderung noch für eine ganze Reihe Jahre an die Vacuum Oil Co.— das deutsche Tochterunternehmen des amerikanischen Petroleumtrusts— abge. 'chlossen hat. Es war also nicht das Interesse am Unabhängig- machen des deutschen Petroleummarktes von amerikanischen Ein- lüssen, sondern das Bedürfnis, die deutschen Petroleuminteressen zusammenzuschließen, welche vor einigen Monaten diese Trans- aktionen herbeiführte. Die Fusionstätigkeit ging bereits damals schon über das deutsche Gebiet hinaus. In Oesterreich-Ungarn übernahm die Deutsche Tiefbohrgesellschaft umfangreiche Unternehmungen, die 'ie sich alle mittels der üblichen Verschmelzungs-, Auflösungs- und Einordnungsmanipulationen anfügte. Jetzt ist es nun zu einer weiteren Transaktion gekommen, die wieder durch ihren methodischen Plan darauf hinweist, daß hier eifrigst an der absoluten Konzentrierung der deutschen Petroleum- kapitalien gearbeitet wird. Deutsch-rumänische Petroleuminteressen werden jetzt mit der Deutschen Erdölaktiengesellschaft verschmolzen. Es handelt sich hier um die bis jetzt wenig ertragreichen rumänischen Unternehmungen der Gruppe Diskontogesellschaft-Bleichräder. Die beiden Firmen waren seinerzeit Bankiers der rumänischen Regierung und fühlten ich deswegen wohl verpflichtet oder besser: anderen gegenüber genug im Vorteil, um sich au der im Entstehen begriffenen rumäni- schen Petroleumindustrie zu beteiligen. So wurde durch sie eine Rohölgewinnungs-, eine Raffinations- und eine Transportgesell- schaft gebildet, deren Aktienmehrheiten in die allein zu diesem Zwecke gebildete Allgemeine Petroleum industrie-Aktiengesellschaft eingebracht wurden. Dies Trustunternehmen der Diskontogesell- schaft-Bleichröder ist durch ihre drei Untergesellschasten auch noch an einer Anzahl anderer Petroleumunternehmungen interessiert. Die Allgemeine Petroleumindustric-Aktiengesellschast soll jetzt durch Aktienumtausch an die Deutsche Erdölakliengesellschaft resp. den Deutschen Petroleumtrust übergehen. Für die Diskontogesellschast und für Bleichröder ist die ganze Sache ohne weiteres ein lukra« tives Geschäft. Denn sie lassen sich nickt nur einen Teil des Kauf- Preises bar auszahlen, sondern übernehmen auch noch Aktien der Deutschen Erdölindustrie-Aktiengesellschaft. die an der Börse gc- handelt werden und wegen deren guter Dividende annehmbare Preise erzielen. Die dafür in Eintausch gegebenen Werte der All- gemeinen Petroleumindustrie-?lktiengcsell,chaft sind nicht börsen- gängig und haben überdies auch noch keine imponierenden Tibi- denden gebracht. Da so offensichtlich das materielle Geschäft auf der einen Seite liegt, muß obne weiteres angenommen werden. daß einmal bestimmte starke Machtfaktoren im Deutschen Erdöl- konzern für die Fusion sind, und daß man zum anderen hofft, in dem Erwerb der spekulativ stark ausnutzbaren rumänischen Petra- leumunternehmungen für die Zukunft gute Kapitalanlagen zu be- sitzen. Tie zudem auch Sicherstellung der Macht für den Fall eines deutschen Petrolcummonopols bedeuten können. Die Ver- träge mit den Amerikanern sind ja alle in der Art abgeschlossen daß ein Monopol aufhebend wirkt. So oder so, der Petroleum- verbrauchende Konsument wird die Rechnung, die man jetzt be» gönnen hat auszuschreiben, sicherlich zahlen müssen, Ter Einslus« deS Krieges. Während alle möglichen Gewerbe- kreise, die im Verkehr mit dem Mittelländischen Meere stehen, über Handelsbehinderungen durch den italicnijch-türkischen Krieg klagen, kommt den Waffen- u n d M u n i t i o n s f a b r i k e n der kric- gerische Konflikt sehr zu statten. Die Aktien solcher Untcrnehmun- gen sind denn auch in der letzten Zeit nicht unerheblich gestiegen, was sicherlich in der Hauptsache auf S ta a t s au f t r ä g e zurück- zuführen ist, die voß den kriegführenden Parteien ausgehen. Auch ist es klar, daß in solch unruhigen Zeiten ein jedes Land für den Fall der politischen Verwickelung Vorsorge trifft. Für die anderen Gewerbe ist das allerdings kein Trost, denn je mehr die Kriegs- Unternehmungen verdienen, um so großer wird die Gefahr für die Stetigkeit der gewerblichen Entwickelung in anderen Betrieben, Soziales. Wie ist die erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen geordnet? In den Jahresberichten der preußischen Gewerbeaufsichts- bcamten für 1919 ist unter anderem eingehender die Frage behau- delt: Wie ist die erste Hilfeleistung bei Unfällen geordnet? Es ist damit ein vielfach recht schlimmer Notstand bloßgelegt, der dringend energischer Abhilfe bedarf. Schon in den Berichten der vorher- gehenden Jahre war von einzelnen Gcwerbeaufsichtsbeamten darauf hingewiesen worden auf die Notwendigkeit besserer Bereit- Haltung der bei Unglücksfällen sofort benötigten Verband- und Transportmittel und auf die Zuverlässigkeit der Personen, denen die erste Hilfe und Versorgung der Verunglückten obliegt. Nicht nur für größere Fabrikbetriebe, sondern auch für kleinere Werk- stätten und Werkplätze hatte sich die Notwendigkeit herausgestellt, einmal festzustellen, wie weit in jedem einzelnen Betriebe diese Vorsorge getroffen ist und in welchem Zustande die betreffenden Hilfsmittel, Verbandstoffe und Gerätschaften sich befinden. Bei den vorjährigen Ermittelungen hat sich herausgestellt, daß in größeren Betrieben meist zweckmäßige und ausreichende Mittel und Utensilien in gutem Zustande für die erste Hilfe und für den Transport der Verunglückten vorhanden sind, auch genügend dazu ausgebildete Personen zur Stelle sind. Allerdings auch nicht in allen größeren Betrieben. So wird aus dem Bezirk Bromberg berichtet:„In den Kleinbetrieben, namentlich aus dem Lande, fehlen häufig selbst die einfachsten Verband- und Desinfektions- mittel. Auch fällt es nicht selten auf, daß sogar in bedeutende» Betrieben die Verbandkästen an recht ungeeigneten, dem Staub und Schmutz ausgesetzten Stellen aufbewahrt werden. Es ist erstaun- lich, wie wenig zugänglich weite Arbeiterkreise für die einfachsten Lehren der antiseptischen Wundbehandlung sind. Infolgedessen häufen sich die Fälle, wo aus den unbedeutendsten Verletzungen durch Blutvergiftung die schlimmsten Folgen entstehen." Ja, woher sollen denn die Arbeiter das wissen? In der Schule und in der Fortbildungsschule bekommen sie davon auch nicht den geringsten Hinweis. Hier wäre ein Gebiet, auf dem die Fortbildungsschule, die männliche wie die weibliche, durch verständliche schlichte Dar- lcgung der einfachsten hygienischen Grundsätze dringend nötige gemeinnützigen Kenntnisse unter der Bevölkerung verbreiten könnte. Das ist geradezu eine Notwendigkeit, die sich auch aus anderen Berichten ergibt. So schreibt der Bericht aus dem Bezirk Königs- berg:„In kleineren und ländlichen Betrieben läßt die Fürsorge für die erste Hilfeleistung, besonders die Art der Aufbewahrung vorhandener Verbandmittel, oft viel zu wünschen übrig. Bon größtem Wert aber ist eine ausreichende Fürsorge in abgelegenen Werken(Ziegeleien. Sägewerken, Wasscrtriebwerkcn. landwirt- schaftlichen Nebenbetrieben), da auf dem Lande ärztliche Hilfe oft schwer zu erhalten und der� Transport eines Verwundeten nach dem Krankcnhause oder der Stadt meist größere Ansprüche an einen sachgemäßen Notverband, an die Bettung des Verletzten und die Wahl eines geeigneten Transportmittels stellt. Auf dem Gebiete der ersten Fürsorge für Verletzte bleibt daher namentlich auf dem platten Lande noch viel zu tun übrig." Ter Bericht aus Lpvelg sagt unter anderem:„In kleineren Betrieben fehlt es häufig an jeglichem Verbandmaterial Die etwa vorhandenen Verband- kästen weisen oft unzweckmäßige Verbandstoffe auf. oder eS sind nur sogenannte Verbandpäckchen da, die in ungeeigneter Weis� aufbewahrt werden. Vielfach fand sich das Verbandmaterial bei der Besichtigung auch in losem Zustande, durch Anfassen beschmutzt oder sonst stark verunreinigt. Besonders ungünstig treten die geschil- derten Uebelstände in Ziegeleien und Holzsägcwerken aus dem Lande in Sie Erscheinung, wo Schwierigkeiten mit der Be- schaffung geeigneten Verbandmaterials bestehen." Rehnliche llebelstände werden aus den Bezirken Erfurt. Hildesheim. Münster, Wiesbaden und Koblenz berichtet. Aus dem Bezirk Trier sagt der Bericht:„Die Beschaffung des Verbandmaterials und der sonst vorhandenen Mittel zur ersten Hilfeleistung bei Un- glückssällen war nicht immer einwandsfrei und entsprach vielfach nicht den Grundsätzen der modernen Heilkunde und Hygiene." Auch der Bericht aus Berlin klagt,„daß die Einrichtungen für die erste Hilfeleistung bei Unfällen nur in Großbetrieben ,n bemerkens. werter Weise zur Entwickelung gelangt sind... In vielen Be- trieben sind die Verbandmittel in bedenklichem Matze eingetrocknet oder verdorben und nicht selten allen Grundregeln der Hygiene zuwider verstaubt, verschmutzt und unordentlich aufbewahrt." Ter Bericht aus dem Bezirk Breslau schreibt:„In zahlreichen Fällen fand sich daS Verbandmaterial in Zigarrenkisten oder Papp- schachteln untergebracht oder lose umherliegend, verschmutzt und verwahrlost vor. und oft stellte sich zugleich heraus, daß die zur ersten Hilfeleistung bestellten Personen(Werkmeister, Maschinen- Wärter. Bureauangestellte) über die Art und Weise der Benutzuna der Mittel keinen Bescheid wußten. Jusoweit liegt die Sache bedenklich im argen." Allerdings sehr im argen liegt sie,-und es ist nur gut. daß man ihr von anderer Seite wirksam beispringt was auch von unbefangenen Aufsichtsbcamten anerkannt wird' Sa schreibt der Bericht aus dem Bezirk Köln:„In letzter Zeit haben sich auch die Arbeiterorganisationen mit der Frage der Hilfeleistuna bei Unfällen befaßt. Sogenannte Arbeitersamaritervereine sind entstanden, deren Mitglieder eine gründliche Ausbildung fn- s,. Behandlung unfallverlebter Personen erhalten. In Köln aSblt dieser von den freien Gewerkschaften gegründete Verein über 150 Mitglieder, von denen schon etwa 190 ausgebildet sind. Djx leistungen durch die Vcreinsmitglieder erfolgten nach Anaab- iw Verbandes im Jahre 1910 bei 218 Betriebsunfällen, �j, zelnen Mitglieder müssen nach jeder Tätigkeit in Unfallanaeleaen. heiten an Hand einer Meldekarte Bericht über ihre Leis'una erstatten. Diese Berichte werden in geeigneten Fällen in den Aus. bildungskursen als Lehrbeispiele verwendet. Das in den Vercini- gungen großgezogene und gepflegte Gefühl der Kameradschaftlich. keit wird betätigt durch die Hilfe, die der Samariter seinen Mit- arbeitern bei Unglücksfällen im Betriebe leistet. Daruber hinaus werden die Arbeiter aber durch ihre Tätigkeit als Samariter auf den Segen des vorbeugenden Unsallschutzes hingewiesen. Dieser Vorteil ist bei der häufig beklagten Gleichgültjgjxjt der Arbeiter gegenüber der Unfallverhütung besonders hoch anzuschlagen." Aus diesem Grunde haben sich außer in Köln auch anderwärts nicht nur freie Arbeitersamariter-, sondern auch Arbciterinncnsnmaritrr- Vereine gegründet.__ Dir Unzulänglichkeit der Unfallverstcherung. Der Arbeiter Josef G. war im Betriebe de? Produktenhändlers I. N. als Kutscher beschäftigt. Außer dem Transport der Lumpen hatte er auch andere im Betriebe vorkommende Arbeiten zu ver- richten. Am 4. Januar 1910 hantierte G. mit einem Lumpen- ballen, die Sacktuchumhüllung war morsch, und als G. mit dem Haken, den man zum Hantieren benutzt, einhaken und den Ballen umdrehen wollte, riß die Sackumhüllung und G. verletzte sich das rechte Auge..„ G. stellte bei der Lagcrei-Berufsgrnossenschaft den Antrag auf Gewährung der Unfallrcntc; er wurde indessen abgewiesen. weil der Betrieb deS Herrn N. zur Zeit des Unfalles noch nicht im Handelsregister eingetragen war und somit eine wesentliche Vor» auSsetzung für die Versicherungspslicht genannten Betriebes in Ge- mäßheit des Z 1 Abs. 1 Ziffer 7 des Gewerbe-Unfallversicherungs- gesetzeS fehlte. UuH In der Berufungsinstanz, dem Schiedsgericht für Ar- teiterversichcrung für den Stadtkreis Berlin und dem Neichsver- sichcrungsamt, wurde die Klage abgewiesen. In den Gründen des Rcichsversicherungsamts heißt es u. a.:„Ter Kläger war in der Lumpenhandlung des I. N. in Berlin beschäftigt und hatte neben anderen Arbeiten besonders den Transport der Lumpen als Kutscher zu b'csorgen. In dem Betriebe des N. ist E. am 4. Ja- nuar ILIO beim Ausladen von Lumpen verunglückt. Der Betrieb des N. mutz als Lagerungsbetricb im Sinne des I 1 Abs. 1 Ziffer 7 des Gewerbe-Unsallversicherungsgesetzes angesehen werden. Die in einem solchen Betriebe beschäftigten Arbeiter sind nach der angc- zogenen Gesetzesvorschrift nur dann gegen Unfälle versichert, wenn der Betrieb mit einem Handclsgcwerbe verbunden ist, dessen In- haber im Handelsregister eingetragen steht. I. N- war zur Zeit des Unfalles nicht im Handelsregister eingetragen; ein später ge- stellter Eintragungsantrag ist vom Königlichen Amtsgericht Berlin- Mitte mit der Begründung abgelehnt worden, datz das Geschäft des N. nicht eintragungssähig sei, da es zum Kleingewerbe ge- höre. War der Kläger sonach zur Zeit des Unfalles nicht in einem in die Unfallversicherung einbezogenen Betriebe beschäftigt, so steht ihm auch kein Entschädigungsanspruch nach Matzgabe des Unfall- versicherungsgesetzes zu." Ter aus der Urteilsbegründung hervorgehende Mangel der Unfallversicherung bleibt auch nach Inkrafttreten der Llcichsver- sicherungsordnung bestehen. Wohl ist die Versichcrungspflicht dann nicht mehr von der Eintragung in das Handelsregister abhängig, vielmehr entscheidet das Reichsversicherungsamt, ob der Betrieb zu denen des„Kleingewerbes" gehört. Damit bleibt aber das Risiko für den Arbeiter dasselbe. Ein sozialdemokratischer Antrag, der diese Unbill beseitigen wollte, ist bekanntlich abgelehnt worden. ßm der frauenbe>vegung. Ein dänischer RcgicrnngSborschlag zur Nnterstiibnng armer Witwen nnd ihrer Kinder. Neben einer Reihe von Gesetzen, die dem Volke neue Lasten auferlegen, um weitere Mittel für den Militarismus aufzubringen, hat sich die dänische Regierung bei der Eröffnung des Reichstage» veranlatzt gesehen, auch einen sozialen Gcjeyenlwurs einzubringen, durch den den armen Witwen und Witwern aus öffentlichen Mitteln cm Beitrag zum Unterhalt und zur Erziehung ihrer Kinder zuteil Iverdeu soll. Wie alle sozialen Gesetzentwürfe ist auch dieser auf die Jniriative der Sozialdemokratie zurückzusühren. Auf Borschlag unserer Genossen ist eine Untersuchung veranstaltet wordeir, die er- geben hat, datz in Dänemark 14 20t) Witwen und 3100 Witwer vorhanden sind, deren Einkommen unter LOV Kronen im Jahre bc1- trägt. Für die Versorgung kommen rund 30 000 Kinder in Betracht, und die Summe, die pro Jahr für ein Kind aus öffentlichen Mitteln aufgewendet werden soll, ist auf durchschnittlich 72 Kronen berechnet, so datz eine Jchresausgabe von 2 160 000 Kronen erforderlich sein wird. Ein Drittel der Summe soll aus Staatsmitteln, und zwei Drittel sollen aus kommunalen Mitteln aufgebracht werden. Die auf Grund dcS Gesetzes gewährte Unterstützung soll natürlich nicht als Armenunterstützung gelten, wird also mit keinerlei Einbuße an den Staats- und Gcmeindebürgerrechten verbunden sein. Es handelt sich bei diesem Entwurf um die ehelich geborenen Kinder, für die außerehelich geborenen ist in ähnlicher Weise schon durch die bestehende Gesetzgebung gesorgt, und weil dies der Fall ist, kann man um so sicherer damit rechnen, datz der neue'Entwurf auch die Zustimmung des Reichstages fmden wird. Uebrigcns haben auch unsere Parteigenossen ihre Anträge zu derselben Angelegenheit von neuem eingebracht, und sie werden jedenfalls dahin wirken, datz die Unterstützungsbciträge nicht gar so niedrig bemessen werden. Ferner hat die sozialdemokratische Fraktion ihre Vorschläge zur Einführung einer Schulbespeisung von neuem eingebracht, die das Folkeihing ebenfalls schon in früheren Sessionen beschäftigten, aber bisher nicht die Zustimmung der bürgerlichen Parteien"gefunden haben.'_ Kontrolleurin der Kinderschubkonimistion für Wilmersdorf ist die Genossin E. Bahr, W. 15, Pfalzburger Str. 74, Gartenhaus 2 Treppen rechts. Versaminsttttgen— Verckttstaltunge». Verein für Franc» und Mädchen der Arbeiterklasse. Das erste LiSzt-Konzerr im Alüthuer-Saal, Lützowstr. 76, findet nicht um 4 Ilhr nachmittags, sondern 8 Uhr abends am 1ö. Oktober statt. Mitwirkende: Frl. Maria Ekeblad, Herr Emauel Reicher, Herr Egon Petri, Frau Marg. Gille, Herr Walter Fischer. Billets a 60 Pfennige sind zu haben bei Harsch, Eugcl-Ufer 1ö, Gottfried Schulz, Admiralstr. 40, Frau Klotzsch, Fichtestr. 1, Frau Jordan, Lübecker Straße 43, Frau Kulicke, Prinzenstr. 102, Frau Köhler, Schreiner- stratze 68, Frau Panzcram, Pappelallee 76, Frau Guhn, Zorndorfer Straße 39, Frau Dörig, Steinmetzstr. 23, Frau Hannemann, Rix- darf, Fontanestr. 25, Frau Jakobcy, Wiescnstr. 10, Frau Pohl, Rostocker Str. 27, falls nicht ausverkauft, an der Kasse.— Montag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpnicker Str. 96/97. Vortrag: Ernährung, Einkommen und Be- steuerung. Referent: Emanuak Wurm, Gäste willkommen. Versammlungen. Ter sechste Wahlkreis und der Parteitag. Im gestrigen Bericht sind die Ausführungen des Genossen Lcdebour sehr kurz und summarisch wiedergegeben. Wir tragen zwei Acußcruugcn nach, auf die der Redner besonderes Gewicht legte. Genosse Lcdebour verlas u. a. zum Beweis dafür, daß er mit der Behauptung recht habe, daß die französische Partei bei der Pariser Demonstration nicht eingeladen war, folgende Erklärung, die Ge- nosse Bracke, der Vertreter der sozialistischen Partei Frankreichs in Jena, in dem Parteiorgan„Lc socialisrne" veröffentlicht hat: „Infolge der großen Versammlung in Berlin hatten die deut- schen Genossen, die Einladung der srairzösischcn Syndikalisten an- nehmend, ihre Vertreter nach Paris zu dem bekannten internatio- nalen Meeting geschickt. Sie erachteten es als selbstverständlich, daß in Frankreich die französische Partei zur Mitwirkung an dieser Bersammlung eingeladen werden würde. Dies i st aber nicht geschehen; nach Unterhandlungen verstanden sich unsere braven Zlnurchos höchstens als Konzession dazu, daß ein sozialisti- scher Abgeordneter. Lavand, das Wort nehmen würde, nach einer Erklärung des Vorsitzenden, datz dies auf ausdrücklichen Wunsch der deutschen Genossen geschah. Aber in keinem Augen- blick ist die Partei als Partei eingeladen wor- d e n." Ferner verwies Genosse Lcdebour auf folgende Erklärung aus der Frantfurter„Volksstimme": „Die Frankfurter„Volksstimme" bringt in Nummer 231 (3. Oktober d. I.) in der 2. Beilage unter der Rubrik„Aus der Partei" Ausführungen des Genossen Wels, welche derselbe in einer Berliner Versammlung gemacht hat und welche sich mit den Son- derberatungen der Linken aus dem Jenaer Parteitag beschäftigen.| Ohne uns mit der von der„Volksstimme" eingenommenen Slel- lung zur Notwendigkeit von„Sonderberatungen der Linken" heute zu beschäftigen— es ist Sache der Delegierten, den Organi- sationen, welche sie mit den Mandaten betraut haben, darüber Rechenschast abzugeben— fühlen wir uns doch zur Abgabe fol- gender Erklärung veranlaßt, nachdem die„Volksstimme" nur die Wclsschen Ausführungen bringt, nicht aber die ebenfalls im„Bor- wärts" erschienenen sachlichen Richtigstellungen der Genossen Stadthagen und Lcdebour. Genosse Wels hat nach der„Volks- stimme" und bezugnehmend aus eine Besprechung der Linken vom Sonntag, 10. September, unter anderem gesagt:„Es handelte sich aber nicht um Lebensinteressen der Partei, sondern in der Haupt- fache um die Absicht, fast den ganzen Parteivorstand zu stürzen. Für solche hinterlistige Abmurksung konnte ich mich nicht erwär- meu." Als Teilnehmer an jener Besprechung der Linken haben wir zu erklären, daß diese Behauptungen Wels falsch sind. In jener Sitzung wurde die Notwendigkeit einer Erweiterung des Parteivorstandes besprochen, aber von keiner Seite ist irgend- wie befürwortet worden, um„fast den ganzen Parteivorstand zu stürzen" oder, wie sich Wels geschmackvoll auszudrücken beliebie, „hinterlistig abzumurksen". Tatsache ist, daß von einer Zu- sammenkunft der Linken ohne Widerspruch die Wiederwahl aller seitherigen Vorstandsmitglieder empfohlen wurde. H. Armbrust. H. Bender. H. Busold. N. Sitzmann. G. Hoch. Th. Mack." Redner erwähnte, er hätte diese Erklärung nicht zu verlesen brauchen, wenn der„Vorlvärts" sie gebracht hätte. Demgegenüber möchten wir zur Vermeidung von Irrtümern bemerken, datz die Erklärung lediglich deshalb im„Vorwärts" nicht wiedergegeben wurde, weil eine Reihe ähnlich lautender Darlegungen von anderen Genossen an verschiedenen Stellen erfolgt waren und die Wiedergabe all dieser Stimmen aus Raumrücksichten untunlich erschien, zumal sie sich mit den im„Vorwärts" abgegebenen Erklärungen deckten. eingegangene Dmckfdmkten. Von der„Neuen Zeit", ist soeben das 2. Heft des 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Die italienüche PmteiaNion vor dem Inpolilanischcn Kriegszug. Von Oda Olberg.— Die Aktion der Massen. Von K. Kautsky.— Marokko und der deutsche Erz- bedarf. Von Otto Hue. I.— Sind Sparkassen Wohljahrtseinrichtungen? Von Ernst Link.— Zeitschriiteiischan. Die„Reue Zeil" erscheint wöchenllich einmal und ist durdj alle Such- handluuge», Postanstalleu und Kolporteure zum Preise von 3,35 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonuiert werde». Das cinzclne Hcst tostet 85 Pf. Probenummern stehen zur Versügung. Die neuen bayerischen Tteuergesetie. Inhalt: o) Einkommen- sicucrgesctz, 8) Kapitalrentcnsteuergesetz, o) Gelvcrbeslenergesesz nebst Ein« sührungsgesetz.(Sesehvcrlag L. Schwarz u. Comp., Berlin L. 14, Dresdener Strahe bOb. 75 M. Prinzessin. Sozialer Roman von Marie Schloß. Verlag von Reutz u. JUa in Konstanz. 1911. Gebunden 4 M., gehestet 3 M. Bmfhaften der Redahtton. Die knriftische Sprechstunde findet L t n d e» st r a ts e 69, vor» vier treppen — 55 n I) r st n() l—, wochentögtich von t>,- bis"Mi Ubr adendS, Sonnabends, von 4>,h bis 6 Uhr adrnds statt. Jeder für den Brtrskaftrn brsttmmtrn Anfrage ist rin Buchstabe und eine Zahl«IS Wrrkzrtchcn briznstiarn. Briefliche Antwort» wird nicht rrtctlt. Anfrage», denen keiiie AbonnementSgutttnng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige»ragen trage man tn der Sprechstunde vor. Osten 6. Die Mögllchkeit hängt von sehr verschiedenen Bedingungen ab. Kommen Sie doch mal abends in unsere Sprechstunde.— hlarl Weihrauch. Wollen Sie sich an Herrn Hugo Tietz, Pasleurstr. 13 wenden, oder an das Ambulatorium iilr«prachstörungen, Ziegelstr. 19. Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag von 3— 4 Uhr nachmittags Sprechstunde. — B. L. 93. Unverständlich!— M. 13. v. Zentralverband der Handlunftsgehllien nnd Gehüsiimen DcuischlandS, Neue Königstr. 36.— M. O. 1009. 1. u. 2. An S. M. den Deutschen Kaiser.— R. 9. Nein! O. 190. Wir sind Ihrer Aussassung.— A. Regual 34. Gesuch an das Vormundichajlsgcricht.— R. 89 338. Die Firmen, die Einspruch erhoben haben, siud für ihre Behaupiimg beiveiskräjtig. Das zweckmäßigste ist Beratung mit einem Batent anmalt.— Frankfurter Allee 144. Warten Sie den Boscheid der Siaaisamvaltichast ab; denselben bitten wir, der Redaklion zuzustellen.— C. K. 78. Ja.— E. K. 5. Zur unent- geltlichen Nachholung der Arbeiisstunden sind Sie nicht verpüichiel.— G. P. Ja. nach vorheriger Ausjorderung. Zuständig ist das Amtsgericht, i in dessen Bezirk der Mann wohnt.— P. R. 100. Sie sind zur Ad- bolung verpjlichiet, können auch einen dritten schristlich bevollmächtigen.— O. 2. 65. Sie können beliebige Marten enlwerten.— F. K. 33. KonsessionsloS.— K. L. 4. Lb die Kinder eingesegnet werden, hängt von den kirchlichen Instanzen ab. Der Austritt ist bei dem Amts- gericht anzumelden.— Vi. 30. Wen» eine Behinderung in der Passage nicht stallstiidet. halten wir den Einspruch jür unbegründet. WniierstandS-Antvrichteu der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerburea». Wasserstand M e m e l. TUM P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tboru Oder. Ratidor , Krassen , Frankfurt Warthe. Schrnnm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leimreritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 11.10. om 73 -49 _ 2 98 32 45 -32 —58 -36 -76 -188 29 35 lest 10.10. c.ra') +4 —3 +4 -5 +3 +4 +2 +3 —1 0 ■i-2 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, svanvau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSkow Wesir, Münden , Minden Rhein, Marimlliansau , Kai.b , Köln Neckar, Heilbronn Main, Werlheim Mosel, Trier am 11.10. om 39 12 —20 88 82 76 143 378 134 91 36 85 (eil 10.10. cm1) —3 0 4-9 i-2 +6 —1 +3 +18 +6 —2 +4 —1 ')+ bedeutet Wuchs,— jtzall.—') llmerveaet. Zentral-Mco- niid Sterbe' bsseldeotsehefl Waptiaiier Bezirk 17. Am Dienstag, den 10. Oktober, verstarb nach langem Leiden unser Mitglied Mickgel Böttcher. Shre seinem Rudeiiken: Die Beerdignnq findet am Freitag, den 13. Oktober, nach» mstlasts 4 Uhr, von der Leichen- Halle res Hc ii.iliei!-,-Kirchhofes in Mariendols aus ilatt. Um rege Beteiligung ersticht Die Orisverwaltiiug. verstarb plöptich an Lui genichlag unser altes treues Mitglied kemliarä Ehrt im 37. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken in Ehren ballen t Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 15. Oktober, nachmittags 3'/, Ubr, von der Halle des neue» Jakobi-KIrchhoseS. Rirdorf. Her- »m, nstrasse, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung evjnchl •25/15 Die Ortsverv.aliung. Tantsa,)u»g. Für die rege Teilnabme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Teilnehmer» meinen herzllchfien Taut. Frau Ww Tlrppat. Wcifeenfec. Tanksagung. Allen Bekaimten iowie oem Wahl- verein des 4. Kreises(298. Bezirk) für die Teilnabme bei der Beerdigung Sit ien etfteii fiiee! emvkedlc tom voiun gedruu.«er UflaS Ba etom und mfici,(oa. Moiiawaatberode. Für jede (läiffKn£cmi) vaiicud out Lager. Tlese Sache» sind ,eUs tn(tlnsten UUcrlftauen(auch aw kr 0»erer mochabu, gsprei« dl» lÄ, M.. ich, zu tolgenvcn eiira billigen r teilen: auch neue w(auch ffitben •Ibe) gearbeitet Herr.'Paletots 8.60, 12.110, 16.00, 18.00;c Hcrren-illsier 10. 18.- 16.- 80— M. je. Jaltett-Anzüge 9.-18.-14.- 19— M.-c. Vcrlcidiing von«leg. Fra« Ziork-Anziige 12— 1«— 20- 22— fflt je. Behrock-Anzüge 16— 10— 22— 25_ hr. ic Herren-Hosen 2— 8— 6—, ».««elelltchafts-SlnzSgeu. J.(ßBüd Ä w kannten von Füllgras und den Kol- leginnen nnd Kollegen der Firma Behnke meinen herzlichsten Dank. fksu Frieda �Ner-Kel ficb._ Länksagung. Für die zahlreichen Beweise her,. licher Teilnahme bei der Beerdigung meines iiuiigstgeliebten Mannes, sage ich hiciiuit allen Fieunden. Bekannten und Kollegen meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe 105vb Anianda l-Udecke. verein des 4. Kreises(298. Bezirk) für die Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uniereS Bruders. Onkels und Schwagers Ulbert Lecker unseren herzlichsten Dank. 1058b Im Namen der Hinterbliebenen: Frau ICiiiillo Danksagung. Für die überaus zahlreiche Teil» »ahme und Kranzipeuden bei der Beerdigung uiiieres Sohnes Ernst lagen wir unseren besten Dank. 1053b LanUmann und Frau. i-o-r Handwerker, � Arbeiter kauft feine Kleidung in dem gröfttcu Tpezialgeschäft von Ifoklien& Jöring. Arbeitskleidung für jeden Beruf .r XU. ACk /*..•. ft*«*(Ä4a. C.•» rr.*«r.. öaitjjtgestäst: Alcxanbrritr. 88. Filialen'/ Rosenthaler Str. �3. Landsberger Allee 148, am Fricdrichsbain; Rixdorf: Bergstr. Ecke Weinmeistcritraße; 66, am Ringbahnhof. Todes-Anzeigen mmmmmmmmmammmmmm Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rinlorf. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Kollege Karl Graul am 10. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Zlndeuken k , Dl« Beerdigung findet ain -onmag, den l5. Okiober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neue» Jakobikirchhose» (Yermannstrasse) au« stakt. Um rege Beteiligung ersucht vi/5 Tir«-i-t.it.»waliung. Deutscher Metallarbeiter-Verband VcrwaitL.ngSS(e||e Ber|in> Todes- Anselgo. ,ur Nachricht, das, unier..i.itglieh, her Kernmacher kuderl dungl�nz am 8. Otto tr gesloiben ist. Ehre seinem Ltiidenten! Die Beerdigung si.chet an- sonnaba d. den u O'! ber.„ach- nüllags 3 Ubr, von t r Lrichcu- balle deS Nuidorser Gemeinde- Kirchhofes, M mendorfer Weg. au« statt. 124/10 Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaituiig. Todes-Anzeige. Montag nach» l>,,uhr enlschliel nach ich wei cm Leiden meine liede Frau gßjo Anna Biiimke geb. McliKfcr. In tiefer Trauer Gustav Bltimke nebst Ktudern. Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 13. Oktober, nachmittags 3 Ubr, von der Leichenhalle des Rirdorfcr Kirchhofes, Mariendorser Weg. au» stakt. Zur Vermeidung von üerwccbsclungcn: Die Si'rma K lüerlbcitn unterhalt in Berlin nurdiese3 6e$d)äfte Ü�IXkdhdm G. zn. He Oersand-JTbteilung Berlin CÜ.66 Ceipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Messe erfordernd). Äoaeatfto&r Str.£ei(föic(Cf StTCtMC 132-31 Ommm Strafe Freitag, Sonnabend: Extr abreise Freitag, Sonnabend: Herren- und Jiing'ling's-Garderobe I Tief av Srau 0cs ,|iiri»irls" Kerlim Billiclilnll. kreitaz, 13. Wober 1911 Gerichts-Zeitung» Einschränkung des BereinSrcchts. Selbst dem sächsischen Oberlandesgericht geht der Versuch der Staatsanwaltschaft, die Vereinsbetätigung durch Ausreckung des Begriffs.öffentliche Versammlung" auf dem juristischen Prokrustes- bett über das Mah des Gesetzes hinaus unter Polizeilontrolle zu stellen, zu weit. Es hat in seiner letzten Sitzung in folgendem beachtenswerten Fall dagegen Stellung genommen. Die Gutsbesitzer Götz und Reinhardt in Adorf beabsichtigten als Vertreter des Deutschen Bauernbundes im Königreich Sachsen Anfang Februar in dem fast ausschliehlich von kleinen Land« Wirten bewohnten voigtländischen Dorfe Eschenbach bei Oelsnitz Agitationsversammlungen für den Bauernbund abzuhalten. Die Einladungen zu dieser am 8. Februar im Puckeschen Gasthofe zu Eschenbach abgehaltenen Versammlung, der eine Besprechung der Voritandsmitglieder des Bauernbundes zu Adorf über die wirtschaftspolitische Lage vorangegangen war. waren durch den Gemeindediener erfolgt, der die wenigen Ortseingeseffenen durch Zirkular auf den Zweck der Versammlung hingewiesen hatte. Sämtliche Bauern von Eschen- bach— 13— IS an der Zahl— waren auch der Einladung gefolgt. Ein besonderes Zimmer stand aber der Versammlung im Gasthofe nicht zur Verfügung, und da an jenem Abend Gäste nicht anwesend waren, wurde die Versammlung im Gastzimmer abgehalten. Luch d«r Lebrer des Ortes sowie ein Einwohner, den der Polizist nicht zum Bauernstande rechnen will, weil er nur zwei Ziegen sein eigen nannte, waren anwesend. Dieser Umstand sowie die Veranstaltung der Versammlung im Gastzimmer des Gasthofes, einem öffentlichen Orte, gaben nun der Ortspolizeibehörde Anlaß, gegen die oben- genannten Einberufer der Versammlung, in der über.Einfuhr von Rindvieh auS Oesterreich", über Neugestaltung deS LandeSkulturrateS" und über.Abänderung deS Körgei'etzeS" gesprochen wurde, wegen Vergebens gegen das Reichsvereinsgesetz eine Strasverfügung zu erlaffen, weil die Versammlung durch die Anwesenheit deS OrtslehrerS sowie eines dem Bauernstande nicht angehörenden Einwohners zu einer.öffentlichen" gestempelt sei und somit hätte polizeilich angemeldet werden müffen. DaS Land- gericht Plauen sprach die beiden Gutsbesitzer kostenlos frei, indem eS ausführte, daß ungeachtet der Anwesen- heit der beiden dem Bauernstande nicht angehörenden OrtSeingeiesienen alle Anwesenden doch ein gemeinsames Zusammengehörigkeitsgefühl verbunden habe. Auch der Lehrer eines kleinen nur von Bauern be- wohnten OrteS babe das gleiche Interesse wie die übrigen Einwohner- Seine Anwesenheit gestalte eine Versammlung wie die hier in Frage kommende nicht zu einer öffentlichen. Die von der Staatsanwalt- schast gegen daS Urteil deS Landgerichts Plauen eingelegte Revision, die Verletzung der 8§ 5 und 18 des Vereinsgesetzes rügte, wurde jetzt vom OberlandeSgericht verworfen. Der oberste sächsische Gerichtshof war ebenfalls der Ansicht, daß die Versammlung als eine öffentliche nicht angesehen werden dürfe, denn der Kreis der Personen, die an derselben teilnahmen, war individuell begrenzt. Auch seien alle Vorkehrungen getroffen worden, um die Teilnahme fremder Personen an der Versammlung zu verhindern. Unzulässige Eide. Vvr dem Schwurgericht in Dortmund hatte sich am Dienstag ein Arbeiter aus eigenartigem Anlaß gegen die Anklage deS wissentlichen Meineide« zu veramworten. Der Angeklagte und ein Bekannter von ihm standen früher vor dem Schössen« gertchl in Unna, weil sie gegen ein Hau«, in dem ein Polizei- beamter wohnte, geschaffen haben sollten. JJn der ersten Verhandlung wurde der eine Angeklagte freigesprochen, der andere erhielt 6 Monate Gefängnis. Als Berufung ein- gelegt wurde, wies die Strafkammer die Sache gegen den einen, den verurteilten Angeklagten, an das Schöffengcrichl zurück. Der in der ersten Verhandlung Freigesprochene wurde dann eidlich als Zeuge vernommen. Zuerst wurde der Zeuge auf sein Recht der Zeugnisverweigerung aufmerksam gemacht. Er verweigerte darauf die Aussagen. Der Amts an Walt war aber der Ansicht, daß der Zeuge die Aussage nicht verweigern könne, da das Verfahren gegen ihn durch den Freispruch erledigt sei. Die, er Auffassung schloß sich dann auch der Vorsitzende der Schöffengerichts- Verhandlung an und der Zeuge mußte aussagen. Er sagte aus, daß er nicht geschossen habe und daß er mcht wisse, ob der andere geschossen habe. Wegen dieser Aussage, die nach der Annahme der Anklagebchörde wiffcntlich falsch ab- gegeben sein soll, kam der Arbeiter jetzt vor das Schivurgericht. Nun waren aber Amtsanwalt und Vorsitzender des Schöffengerichts fehr schlecht unterrichtet, als sie dem Zeugen das Recht der eventuellen Zeugnisverweigerung absprachen. Niemals darf ein Angeschuldigter beeidet werden. Und nach der Strafprozeßordnung kann auch gegen einen Freigesprochenen das Wiederaufnahmeverfahren angeordnet werden, wenn er die strafbare Handlung nachträglich eingesteht. Zum Glück wurde der Arbeiter von den G e s ch w o r e n e n nicht schuldig befunden, so daß er freigesprochen werden mußte. Arnie Teufel schützt Unkenntnis nicht vor Strafe, wenn sie über irgendeine Gesetzesbestimmung stolpern. Hus aller delt. Rurra, die fcrfcbtui Kommt! DaS hessische Städtchen Dorheim war jüngst der Schauplatz eines welthistorischen Ereigniffes, das von der in Friedberg er- scheinenden.Neuen Tageszeitung" folgendermaßen gewürdigt wird: Dorheim, 10. Oktober. Gestern(Montag) fand der feierliche Einzug der beiden Komtessen Anna und Berra v. Solms-Assenheim-Rödelheim statt, die fortan in dem neuhergerichteten Schlöffe ihren dauernden Wohnsitz nehmen werden. Die Feier begann schon am Mittag, wo sich die Kinder zu einem Zug versammelten und unter Vorantritt dreier Trommler den Herrschaften, die mit Wagen angefahren kamen, entgegengingen. Ein Knabe sagte beim Eintreffen ein Gedicht, woraus die Kinder mit Bretzeln beschenkt wurden. Am Abend versammelte sich der K r i e g e r v e r e i n, der G e- sangverein„Germania" und der Turnverein und zogen, die Schäferl'che Musikkapelle voran, vor daS gräfliche Schloß. Dort spielte sie erst einen Choral, dann wurde ein gemeinschaftliches Lied gesungen, worauf Herr Landtags- abgeordneter Breidenbach eine Ansprache hielt. Er hieß die Herrschaften, insbesondere die Komtessen, als neue Bürger von Dorheim willkommen. Er gedachte der verwitweten Gräfin, die sich um Dorheim u. a. durch die Errichtung der Kleinkinder- schule so verdient gemacht habe, und wie diese sich in Dorheim, wo sie lange gewohnt habe, wohl gefühlt habe, so hoffe er dies von unseren neuen Mttbürgerinnen. Er brachte zum Schluß e i n Hoch auf die ganze gräfliche Familie aus, in das alle Anwesenden lebhaft einstimmten. Der Turnverein stcllre darauf Pyramiden, die sehr gelungen ausfielen, eS wurden noch einige Lieder gesungen, und dann begaben sich die Vereine in ihre Lokale, wo bald allenthalben ein fröhliches Treiben herrschte. Leider ist in der Notiz nicht enthalten, ob die beiden jungen Mädchen noch eine andere Bedeutung haben, als daß sie die Töchter eineS reichen gräflichen VaterS find. Immerhin macht die ganze Veranstaltung einen recht erhebenden und würdigen Eindruck, be sonders auch die Betätigung des Herrn Landtagsabgeordneten als Festredner._ Eine Stadt durch Erdbeben zerstört. Der„New Jork Herald" meldet aus Porto Plata auf Domingo, daß die Stadt San Juan de la Nagri- a n a durch ein Erdbeben zerstört worden ist. Die Erd- erschütterungen auf der Insel dauern noch an. Der Katastrophe, über die Einzelheiten noch fehlen, sollen viele Personen zum Opfer gefallen sein. Generalmajor Paulis Zukunft? Mit breitem Trauerrand veröffentlicht die.Deutsche TageS- zeitung" folgendes prozentpairiotische Inserat: Aktiengesellschaft der Nohrungsmittelbranche, Lieferanten der Marine und Schutzlruppe, sucht tätige« Aussichts- ratSmitglied zwecks neuer Geschäftsanbahnungen speziell in der Armee. Höherem Offizier mit einflußreichen Konnexionen bietet sich günstige Gelegenheit zu angenehmer, hoch- lohnender Beichäftigung. Kapitalbeteiligung er- forderlich. Schade, daß Herr v. Vetter kein höherer Offizier ist. Er wird sich vielleicht bald nach einer Verwertungsgelegenheit für seine kommerziellen Kenntniffe umsehen müssen. Ein folgenschwerer Irrtum. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich, wie aus Paris ge» meldet wird, an Bord deS französischen Segelschiffes.Bougonville". Der Kapitän des Schiffes hatte einige englische Gäste zum Frühstück geladen. Durch Versehen des servierenden Schiffsjungen wurde statt einer Flasche Portwein eine mit einer säurehaltigen Flüssig« leit gefüllte Weinflasche aufgetischt. Als man ein- ander zuprostete, leerten der Kapitän und seine Gäste fast gleich- zeitig die Gläser bis zur Neige. Die Wirkung der Flüssigkeit war eine furchtbare. Innerhalb sechs Minuten verschieden der Kapitän und fünf seiner Gäste infolge der zugezogenen inneren Verbrennungen. Bei einigen Gästen war ein sofort in An- Wendung gebrachtes Gegenmittel von Erfolg begleitet, doch liegen sie noch schwer erkrankt darnieder. Zwei schwere Fliegerunfälle. Wie ein Telegramm aus Reims meldet, ist der fran- zösische Flieger Level bei einem Fluge über den dorttgen Militärflugplatz aus einer Höhe von 80 Metern abgestürzt. Er hat einen Schädelbruch und einen Bruch der Wirbel- faule erlitten. Sein Zustand ist hoffnungslos. Aus C h a r l e v i l l e wird gemeldet, daß dort der bel- gische Flieger Horta abgestürzt ist und ebenfalls lebens- gefährliche Verletzungen erlitten hat. Einbruch in eine Kirche. Von Einbrechern heimgesuchte wurde in der vorletzten Rächt die katholische Kirche in Velten. Die Diebe stiegen durch ein Fenster, das sie zertrümmerten ein. erbrachen die Sammelbüchsen und stahlen den Inhalt. Dann versuchten die Spitzbuben das Tabernakel zu sprengen, doch gelang ihnen das Vorhaben nicht, weil die schweren Panzerplatten ihren angestrengten Bemühungen erfolgreich wider- standen. Als die Einbrecher erkannten, daß sie hier vergeblich arbeiteten, rächten sie sich dadurch, daß sie zahlreiche Gegen- stände zerstörten, wodurch ein erheblicher Schaden entstanden ist. Auf demselben Wege, auf dem sie gekommen, verließen die Diebe ungehindert und ungesehen den Schauplatz ihrer Tätigkeit. Nach der ganzen Art des Vorgehens ist anzunehmen, daß eS sich um Berliner„schwere Jungen" handelt, auf deren Konto bereits mehrere schwere Einbrüche zu setzen sind. Kleine Notizen. Schwere Bluttat eineS Dragoners. In Frankfurt a. M. drang gestern früh der Dragoner Kliemeck vom 23. Dragoner- Regiment in die Wohnung der Spczereihändlerin Hinke! ein und gab auf die noch im Bette liegende Tochter der Frau einen Schuß ab, der s e h l g i n g und verletzte die herbeieilende Mutter durch drei Schüsse schwer. Darauf tötete er sich durch einen Schutz aus seinen, Karabiner. Teuerung und Zuchthaus. 600 Sträflinge deS Zuchthauses Kankratz in Böhmen haben an den Justizminister eine Ein- gäbe gerichtet, in welcher sie unier Hinweis auf die Teuerung um eine Aufbesserung ihrer Arbeits« löhne bitten. Ein Dampfer gesunken. Der Dampfer.Eastern CountieS" ist am Donnerstag auf dem H u m b e r f l u s s e in der Nähe der englischen Hafenstadt Grimsby plötzlich gesunken. Ein Passagier und ein Mann der Besatzung sind ertrunken, ein anderer Passagier und ein Obermaschinist sind, nachdem sie auS dem Wasser gezogen waren, gestorben. Elf Personen sind gerettet. Marktpreise von Verlin am».Oktober 1S11. nach Ermittelung deS Königlichen PolizeipiäsidiumS. Martlballenpretfe.(Kleindandel) 100 Kilogramm Erbie», gelbe, zum Kochen 35,00—50,00. Speisebobnen weiße. 65,00— 50,00. Linien 34,00- 80,00. Kartoffeln 7,00—14,00. 1 Kilogramm Rmdfleilch, von der Keule 1.60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch t 30 bis 1,70. Schwcincfleifch 1,30—1,80. Kalbfleilch 1,40-2.40. Hammelfleisch 1.30—2,00 Butler 2,40—3,40. 60 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2.40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebfe 2,50-30,00._ fSMttenjngsflvfrflrtii vom 18. Oktober 1911. � 0 0 £ II »-1 Swmembe'76858 Hamburg! 770 NNW Berltr! 770 NW FrankUSI 770 NO Nünche» �773 Still Wien i 772 Still CMUmn Ii Bf Haoaranba 761 N Petersburg 755 5!® Bclllj) 'lberoeen BarrS 764 50 768 W 763 SO I Bett« ** t# Mä 2 wölken!— 2 halb 66.-3 üivolkig| 12 1 Nebet 3 1 wölken! 4 Octiertiroflnofe ttir kpreitag. den 13. Oktober ,»11. Nachts etwa« kühler, am Tage wieder mild und zeitweise aufklarend vorwiegend nebelig oder wolklg bei ziemlich lebhaslcn westlichen Winden leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureaa. ■i»eM.n.nl--- r.---- rr r-»-rr--Trr------- � (-roLer a�o.™ ca. 8000 Winter-Joppen Pelz-Joppen in»seien Fell-Arlen. flule kräftige C BezSgs ,«,»»»»»»» von JL«J M. an Loden-Pelerinen fflf H• r r• o dnd D ä ni o o, Loden.... von rso M. Loden-Pelerinen 4" für Knaben and M 4 d ch e n, �imprägnierte" Loden,»,, von 50 M. s.ric i Winter- Joppen 7T. 7 i? Serie n Winter-Joppen ÜrÄ".". rr"". r�. 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Stencs Sltiuuitiirlliaus. DcS Meeres und der Liebe Wellen. Neues Operetten. Die moderne Eva. Scsling. Glaube und Heimat. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Ztöniggräster Ztrasie. Spielereien einer Kaiserin. AomischcOper.Die keusche Susanne. RencS St. Opernthcater. Geschlossen. Sustspielba»?. Der Grogfürst. Schiller. O. Der Probekandidat. Sch'Ue,-«kbarlotteuvurg. Der Geiz'ge. Der eingebildete Kranke. Ariedr.- Wilh. Schauspielhaus. Der Leiermann und sein Pflege- lind. Neues Boltstheater. Das Ver- mächtnis. Werliuer. Bummelstudenten. NeueS. Die Näherin. ivtetrovol. Die Nacht von Berlin. Kleines. Papa. Westen. Die Dame in Rot. Trianon. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Die Macht der Liebe. Rose. Das Käthchcn von Heilbronn. Casino. Der selige Hollschinsky. Wintergarten. Spezialitäten. Stpoll«. Svezialitätem lvaüage. Spezialitäten. Königliadt-Kasino. Spezialitäten. ReichSlinUen. Stettincr Sänger. Herrnfeld. Schmerzlose Behandlung. DaS Kind der Firma. Anfang 8>/. Uhr. Noack. 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Borher: Schmerzlose Behandlung Ansang 8 Uhr. vorverk. 11—2 Uhr sTheaterkassch. Sehiller-Tliealer Charlotten- burg. Freitag, abends 8 Uhr: Oer Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Plarrer von Kirchfeld Sonntag, mittags 12 Uhr: Kainniernia»lk n. Gcnang Sonntag, nachm. 3 Uhr: Daria Staart. Berliner Theater. 8 Uhr: Stttnmelsfudeniett. 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Neues Theater. Ans. 8 Uhr. Gastspiel«ans! Nieso: Die Näherin. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in»tot. Sonntag nachmittag 3'/« Uhr: Ei» Walzertraum. Nesideaz-Theater. Direktion Richard Alerander. Ansang 8 Uhr. Et» Walzer von Chopin. Schwank in 3 Ast. v Käroul u. BarrS. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-BacckerS. Morgen und folgende Tage: Ein Walz, r von Ehopin. .|ivIlL'.AJHanee-1'i»e ater Allabendlich 81/, Ubr:; Novität I Der Sitteiinpostel. Sonnabend g», Uhr: Die Räuber. Sonntag 3'/, Uhr: Maria Stuart. Lnifen- Theater. Freitag und folgende Tage: Die Macht der Kiede. Reich Limilen-TliekUer. Sfettiner Sänger Meysel, Britton, Seidel, Horst, Schrdter, Schubert Gröning A.u. R. Schräder. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Passage- Theater. IM. Abends 8 Uhr: die japan. Mimo- dramatikerin mit Ihrer Truppe i. ihr. f Mimodramen. Ali Ben Hamad-Truppe, 15 eingeb. Springer a. Agadir. Georg Kaiser) in ihren Putzi Cassanl/ Pwodien und das Oktober-Progr. ']4 Spezialitäten.'VQ gr. Covso-Variete, Frledrlchstr. 105. Heitere Kfinstier- Abende. 12 AtfraUtionen 12 U. a.: Das lirkcm. Zwerginnea-ßiiett. Entree 50 Pf. WWW« I Rurfllrstendamm Iii nahe Bahnhof Halensoe und Charlottenburg. GcttiTnet ab 10 ülir vorm. 125?oIarbei»ßhner bei Arbeit, Sport und SpieL Renntierheerde, Polarbfircn. Eintritt für Ausstellungsh. 50 Pf. Vorführungen: Wochentags U/», 6% 8 Uhr. Sonntags 12, 3, 4 /» 6. 7, 9 Uhr. Letzte Hauptvorführung abends 9 Uhr, Eintrittspreis 30 In Wroge Frankfurter Str. 132.| Abends 8 Uhr: Das Käihchen von HeUbro»». Sonnabend 4 Uhr: Prinzessin Edeltraut. 8 Uhr: Richters Millionen. Metropol-Tlieater. Abends 8 Uhr: Die Nacht von Barlin! Große JahreSrcvne in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. I» Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. _ Rauchen gestattet. Sozialdemokratiseher Wahlverein für den sechsten Berliner Heichstags-Wahlkreis. Sonnabend, den 14. Oktober, in den Germania-Sälen, Chaussecstr. 110: Kunstabend � (Internationale Weisen und Tänze) Mitwirkende: Das Stelner-HothBteln-Enscmblc. Herr Robert Wilke(Rezitation). Anfang S3/« Uhr:: Eintritt SO PI. Nachdem: TattZ. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt. Deutscher Metallarbeiler-Verbaml. _ Yerwaltong»»telle Herlin. Sonnabend, den 14. Oktober 1911, abends S1/* Uhr, im„Volksbaus", Cbarlotlenburg, RosinenstraBe 3: Fkitcrcr Hbend. Mitwirkende: Herr Fritz Richard(Deutsches Theater), Frau Frida Richard(Lustspielhaus:, Frl. Rario Farescn(Oporettensüngerin; Herr Johannes Fürst(OperottenEtoger' ü Ta i Nach dem Konzort:| sinZa Während d. Konzerts bleiben d. Saaltüren geschlossen Rauchen verboten! 121/9 1 SKXKSXSSZXSgZKSSXgSiCgSSSSgSSSZXnBagS Sänger-Chor Südost :: Gau Berlin:: M. d. D. A.-S.-B. Chormeisler: Otto Kowalski. Sonnabend, den 14. Oktober 1011: Heiterer Abend in Kappoldts Konzertsaal, Hasenheide 32—38, Einp;. Grilfostr., unt. Mitwirk d. dum. Ensembles Alfr. Bender, Berliner KUnsiler-Ensemble, Direktor Max Saehel. Anfang präs.» Uhr. Billetts im Vorverkauf 40 Pf., an der Kasse 50 Pf.— Nachdem: C-roBer Ball. ProRramme und Liedertexte am Saaleiitgang gratis. .....: ■___. PALAST Potsdamer Str. 72 AUabendlioh: llurru! Parade! Gr. militärische Revue in 6 Bildern Sport-Attrak- tloiien I. Hanges. Sololäufor u.-Läuforinnen, Schnellauf-Konkurrenzen, Hockey-Spiele usw. Zirka£00 Rltwlrkcntlc. K IWowik-Knpellen.— Foenbnfte Hel«'n"htnng. 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Sonntag, den 15. Oktober, vormittags SV« Uhr, im Potsdamer Str. 72/72»: Vereins-Versammlung. TageS-Ordnung: Knilhtnstattiing über die Tarisoerhaubluiigeii. Zu dieser Versammlung werden sämtliche tariftreuen Gehilfen hiermit eingeladen und um zahlreiches Erscheinen ersucht. Ulbert Cassini, Gchilfenvcrtreter. LS,« Deutscher D anarbetterverbaud. �weixvel-ela kerlin. Zektioa 6er putier. Mlliiig! \ Putzer. Achlunfl! Sonntag, den 15. Oktober, vorm. lO'/a Uhr, bei Dräsel, Nene Friedrichstr. S5 tgrevor himmtl i Mitglieder=V ersammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Kollegen Ott« Ilanltv. 2. Endgllltige Beschlußfassung über die in den Bezirken vorgelegene Torisvorlage. 3. Verschiedenes. 146/11» Um zablreicheS und pünNIiches Erschein«» ersucht_ Die«rtliche Verwal tone. Wer Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1'2S9. LerUialtuugsftelle Berlin Hauptbureau: Charitöstr. 3. Hos NI. Amt 3. 1937. in Sonntag, den 15. Oktober er., vormittags 19 Uhr, ii Trösels Festsälen(kl. Saal), Neue Friedrichstr. 35: Allgemeine Versammlung sauckilhtt in dtll Kesstlsllilnieden Kktlms u. Umgegend beslhiist. Kollegen) Kessttschmiede, Uieter, Vorhalter usw. TageS. Ordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kesselschmiede Berlins. S. Diskussion. Kollegen I Da in dieser Versammlung über die Lohn- und Arbeits- bedingungen sämtlicher Betriebe gesprochen wird und besonders die be- siebenden Misilländc der verschiedenen Betriebe einer Sjsenilichen Krittl unterzogen werden sollen, ist daS Erscheinen aller in Frage kommenden Kollegen notwendig. Wir ersuchen daher die Kollegen, zu dieser Verlamm- lung eine rege Propaganda zu enlsaiten. Di« Kollegen von Fr. Gebauer, Beusselslratze, Dr. Rohrbeck, Pflugslrasie, Kr-utzner, Weißensee, Sander, Tempelhoj und Scheel u. Hübner, Alt-Si geladen. Ü-CätÜÄiÄÄa. Unsere« werte» Partei- Ig Kai peften Glüikwunsche Ken I.ndn la »fser 70. Geburtstage. Die Genossen des 311. Bulrfcs. JC, JVlupiiKl-, Stralau, sind hieruiit besonders ein. Sonntag, den 15. Oktober er., vormittags 10 Uhr, im Lokal Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147: Verssnimlung. aller in de» Kuvertmaschiutufabriktu btslhastigten Kollegku. TageS-Ordnung: 1. Der Streit in der Kuoerlmaschinenfabrit von Brun» Pahlichsch, Gneisenaustraße. 2. Diskussion. Die Kollegen von den Firmen Dellfcha«, Fischer und Eckner sind ganz besonderi,' eingeladen. Sonntag, den 15. Oktober er., abends 5 Uhr, im Lokal von Wollschläger, Adalbertstr. 21: V«i»ssmmlung aller m der Drahtindustrik besiljästigtkn Zaunaufsteller und Helfer sulit Franen). TageS-Ordnnng: 1. Vortrag beS Kollegen Otto Handle. 2- Diskussion. 3. Verschiedene«. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Stach der Bersainmlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Dir Kollege» werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. 124/8 Die Detsveiwaltnii». S66€ [f. tc J Unserem Groppensührer Franz Ludwig nebst Braut senden die besten Glückwünsche zu ihrer Vor» wühlung LlW Die Genessen rem 12b. Bezirk. l raaaerae-waaaawusawaas> Bekanntmachung. Hierdurch geben wir bekanm, dnß die Herren: Tischler Mrcd Riedel zum 1. Vorsitzenden, Kausmann Otto Lübscn zum 2. Vorsitzenden. Kon- trolleur Kurt Tuckermann zum ersten Echristsührer wiedergewählt sind und Karl Schüler zum der Kellner 2. Schrlstsührer neu silmersdors»! worden ist. den 12. Ol- WilmerSdors-Berlin, tober 1311. Der Borstand der Gemeinsamen Ortskranken. lasse für De.-WilmerSdorf und Uiiigesend. 279/0 Hr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeiislr. 41,«X'"*. 10-2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Stoffe Damentuehe, Eskimo, Mir. 2.50, und 4.50 an. Kammgarne, Cheviot, Mir. 3,00, 4,50 usw. Tuchlager Koch£ Seeland B. in. b. H. GertramkeDStr. 2011 powÄ Meine Leistungensioderstkitnio Meine Reellitätlatunantaotbar Meine KuiSinZlat Tageageaprlch Meine Auswahl i»« vorbildlich Meine Preise alB Keine cogen. Bazarware Brautleuten Vorzugsofferte Schlafzimmer von 210Mk.m Herrenzimmer von 300 Mk.»n Speisezimmer von 400 Mk. an Mod. 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GroK-Berlin. jißt iinjfiiijtii fnlitiMni, die iirn folmtiinf kr HmemM» um GrchSrrlii bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenohen, Arbeiter, Interehenten, Paucher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uedt Loliäsritst! Osten. 'Otto Schirmer, Frankfurter Allee 7. 'Wilh. Klein, Am Oberbaum 1. 'Richard Schulze, Friedrlchsfelder Straße 23. M. Hannemann, BreSIauer Str. L. R. Fricke, Langeftr. 2g, IV. »Paul Wotschke, Andreasstr. 16. »Hermann David, Weidenweg 3. Helene Kolberg, Memeler Str. 34. »Paul Peterson, Wcidcnweg 83. Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Ffranz Krüger, Pofener Str. 2S. »Joh. Heiden, Weidenweg 28. »Ernst Bost, Voigtftr. 8. »Gustav Brösel, Fruchtstr. 83. Max Lerche, Tilsiter Str. 44. »Angust Körlin, Nigaer Str. 48. E. Tornow, Weidenweg 8. »Jiiimanuel Harzmann, Stralauer Allee 31b II. »Johann Liebich, Memeler Str. 7. Otto Kogliu, Schreinerstr. 58. Zlnton Fröhlich, Langeftr. 56. Fr. Marie Schubert, Nomintener Straße 30. »B. Spcnkoch, Tilsiter Str. 30. Robert Zisowski, Tilsiter Str. 78. Rudolf Pohl, Kopernikusstr. 3 L Südosten. Adolf Domaun, Lausitzer Str. 7. »August Lcfdvrc, Adalberlstr. 18. »PH. Baehr, Naunynstr. 24. Emil Gabler, Gutmjftr. 48. »Louiö Fischer, Wiener Str. 57b. »Gustav Zillich, Farster Str. 8. »Robert Kessler, Mariannenstr. 37. »Jean Brunn, Wrangelstr. 15. »Fril» Lobbes, Adatbeltstr. 58. »Wilhelm Friebel, Forster Str. 33. »Wilh. Stiibner, Eilenbahnstr. 33. »Robert Kämmler, Reichenbcrger Straße 157. »Paul Rcichelt, Wrangelstr. 62. »Adolf Künste, Grünauer Str. 4. Süden. »Wilh. Boeruer. Riltersir. 15. »August Zech. Gitschiner Str. 53. »Gustav Schmidt, Gräsestr. 63. »Gustav Lochmann, Wassertorstr.4g. Nordwesten. »Richard Kiepert, Zwinglistr. 23. Otto Bornkesscl. Waldstr. 33, III. Wilhelm Bundschuh, Birlcnstr. 48. 'Modert Kern, Stromstr. 25. Richard Schoppan, Wiclcsstr. 46,1. 'H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Bösenberg, Rostocker Str. 21. »Herm. Zimmermann, Ouitzow« straße 105. Norden. »Emil Herforth, Rügen er Str. 7, Eingang Putbuser Straße. »Frai. Luise Nüst, Soldiner Str. 68. »Wachsmuth, Frcienwald er Str. 3. »August BanSdorf, Soldiner Str. 14 im Laden. »Deglow, Hochstr. 2a. »Paul Mazanke, Pankstr. 24. »Hermann Kornestki, WollinerSt. 23 Heinrich Kempers, Febrbelliner Straße 57. A. Lindcmann, RheinZberger Str. 37. »Frist Sperber, Ruppiner Str. 44. »B. Morist, Bernaner Str. 18. Hermann Liebrecht, Weißenburger Straße 83. Julius Liilte, Saarbrücker Str. 7. Wilh. Klein, Müllerstr. 184. »Paul Opist, Lhnarstr. 2. »B. Robrah», GreifenhagenerStr.16. »Karl Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. Karl Hellmann, Schönhauser Allee 40a II. »Frau Krause, Blesenthaler Str. 3. »Oskar Klose, ReinickcndorferStr.36. H. Bongardt. Glcimstr. 40. F. 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Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen. Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten. Der Betrieb des Zigarrenfabrikanten Herren I. Stabrey dl., Gleimstr. 10, im Laden, ist für unsere Kollegen gesperrt. 188/1 Dev Per�rlMettSMlMtt. A. Schulze, Große Hamburger Str. is/tv. Verkaufe. Borwnrtslefer erbalten süni Prozmi Extrarabatt, selbst bei Ge> legenheiiSläusen. Teppich-ThomaS. Teppiche, halben Wert. sarbsehlerhaste, sür Steppdecken. Similiseide, 3,75. Gardinen, Stores, Restpartien, angeschmutzte, 50 Prozent ermäßigt. Sofastossreste. für Bezüge aus- reichend, spottbillig._ Teppich. Thomas. 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Die Anstellung erfolgt nach den Bedingungen dcS Vereins.Arbeiter« Presse» mit«wem Ansangsgehalt von 3000 Mark. Bewerbungen bis zum 20. Oktober find zu richten an 297/2»_ Gerte. Xagel, Rordstr. 293—93. Stellenangebote. Nebenverdienst sür sedermann. Herm. Wolf, Zwickau. Nordstraße 30. .Ku» stschloffer aus Konstruktion und Gstterbau verlangt Slegliv. Ahornstraße 6.___ 42611» �Sattelmacher auf Teilarbeit � sucht. Derselbe muß Cattelkiffeit, große Taschen und Sitz selbständig cinködern können. Hoher Lobu. Steinmetz, Albrechtftraße 18. l035b' Zchloffer aus Baubeschlag ver« langt Blume, Charlollenburg, Schiller- straße 94.___ 106013* Marmorschleifer verlangt Wllbelni Prieß, Oranienstraße 20. t365b Geübte Arbeiterinnen bei bohciu Lohn und Provision verlangt Stoff« Inopssabrik, Markgrafenstraße 43/44. Tändelschürzen-Arbellerin. Gaerke. Landsbeegerstraße 14.'_ flG Bluse», Arbeiterinne«, die feit« ständig bessere Genres arbeiten lön- neu, im Hause, verlangt. 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Jetziger Inhaber ist Otto Lindstadt, das Lokal führt den Namen.Luisenstadt-Kasino", und ist nach wie vor für die Arbeiter- schaft frei. I.-B. Auf vielseitige Anfragen teilen wir mit. daß in Neue Mühle-Niederlehme die Lokale Park-Restaurant, Klubhaus und Riedel für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt sind.— D i e Partei- genossen aus Motzen teilen mit, dast sie ihr Verkehrslokal von Janizewski,»Gasthans zum Deutschen Hause", verlegt haben, weil der Besitzer gewechselt hat. Der jetzige Inhaber ist Mitglied des Bundes der Landwirte und will unsere Genossen nicht mehr dulden. Das Verkehrslokal befindet sich beim Gastwirt Turann, vis-a-vis vom Bahnhof. Die L o k a l k o m m i s s i o n. Britz-Bucko». Sonntag, den 16. Oktober, mittags 2 Uhr, findet in Buckow auf dem Ackerlande des Herrn Grenzow, zwischen Rudower und Johannisihaler Chaussee, eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt. Britzer Genossen, die fich daran beteiligen, treffen fich bei Gruhn, Chausseeslr. 13. Abmarsch 1 Uhr. Der Vorstand. Niederlehme. Den Genoffen zur Kenntnisnahme, daß die Mit- gliederversammlungen jeden zweiten Sonnabend im Monat statt- finden, diesmal also ani Sonnabend, den IL Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal Jägersruh, Inhaber Gustav Koch. Der Vorstand. KöuigS-Wusterhauseu, Wildau und Deutsch-Wusterhausen. Am Sonntag, den 15. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Lokale der Frau Wcdhorn: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Genossen Scholz- Rixdorf vom Parteitag. 2. Bericht der Funk- tionäre. 3. Anträge und Verschiedenes. Da der Saal nur bis 6 Uhr frei ist, wollen die Genossen pünktlich zur Stelle sein. Desgleichen findet zu der am Dienstag stattfindenden Teuerungs- Versammlung am S ö n n t a g früh 8 Uhr von den Bezirlslokalen aus Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Lichtenrade. Sonnabend, den lt. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Butzmann am Bahnhof, früher Deter: Ge- meinsame Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Reinickendorf-West. Am Sonnabend, den lt. Oktober, veran- staltet der VildungSausschust der Partei in den„Hubertussälen", Provinzstr. 77/70, einen Volksliederabend. Das künstlerisch gediegene Programm und die mitwirkenden Kräfte sichern einen genußreichen Abend, so daß den Genossen und Genossinnen der Be- such der Veranstaltung dringend empfohlen werden kann. Billetts find bei den Bczirksfiihrern zu haben. Die Bezirksleitung des Wahlvereins. Groß-Schöneieck(Mark). Am Sonntag, den 15. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, findet in Groß-Schönebeck auf dem Grundstück des Herrn A. Maaß an der Liebenthaler Chauffee eine öffentliche Ver- fammlung unter freiem Himmel statt, in welcher Reichstagsabgeord- neter Genosse Stadthagen über„Teuerung, Kriegshetze und Reichs- tagSwahl" sprechen wird.— Geuoffen, sorgt für Massenbesuch I Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahl- verein« findet heute. Freitag, abends ß'/z Uhr, bei F. Bühle, Havel- straße 20, statt. Tagesordnung: 1. Vierteljahresbericht des Vor- standeS. 2. Aufstellung der Kandidaten zur bevorstehenden Stadt- verordnetenwahl. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Mohlsdorf fOstbahn). Am Sonnabend, den 14. Oktober, abends 8'/? Uhr. findet die Mitgliederversammlung im Lokale deS Herrn Eckler, Grimowstraße statt. Tagesordnung: 1. Vierteljahresbericht der Bezirksleitung und Neuwahl derselben. 2. Bericht vom Partei- tag in Jena; Berichterstaltcrin Genossin Buchmann. Trrdbin. Die öffentliche Versammlung am Sonnabend, den iL Oktober findet nicht statt. Lerlmer j�ackrickten. Oktober. Die Eigenheiten des verflossenen Sommers haben auch im Herbste noch ihre Fortsetzung erhalten. Es ist an sich ein Herbst, der seinen Namen verdient, mit seinem Gemisch aus Sonnenschein, Wolkendunst und Ncgcnfällen, den rasch sinkenden Temperaturen und mit dem melancholisch stimmenden Reigen, den leise Winde oder heftige Böen mit den fallenden Blättern ausführen. Aber dieser Totentanz der Blätter erscheint dies- mal in eigener Beleuchtung. Er ergreift auch sonst nicht alle Baum- und Straucharten zu gleicher Zeit. Während die Ulmen schon fast kahl sind, halten die Platanen noch zäh den Schmuck der breiten Blätter fest. In diesem Jahre ist die Ungleichheit ganz besonders auffällig. Da sind Bäume, deren Blättern die Dürre und Hitze der Hundstage früher als sonst den Rest gegeben haben. Da sind aber auch viele andere, die aus dem herbstlichen Naß neue Kräfte gesogen haben und sich förmlich neu zu beleben suchen. Das hat eine auffällige Ungleichheit der Herbstfärbung in diesem Jahre zur Folge, die durch das Verhalten der Wiesen und Grasflächen eine sehr wirksame Folie bekommt. Den ganzen Hochsommer hindurch sahen»vir keinen grünen Gras- wuchs, wo er nicht vom Gärtner mit der Wasserspritze künst- lich hochgepäppelt wurde und der Boden des Grunewaldes erreichte wohl annähernd die Vorstellung, die man bei der Annäherung an die Sahara empfinden mag. Nun aber, seit die Blätter fallen, ist der Grasboden unter dem Regen er- grünt und mächtig in die Höhe geschossen. Die Gräser sind ja bezüglich ihrer Färbung verhältnismäßig wenig von den Jahreszeiten abhängig und bleiben nicht selten unter dem Schnee grün, um beim ersten Sonnenschein wieder auf- zutauchen. Der Kontrast der vergilbenden Bäume und der ergrünenden Felder gibt dem gegenwärtigen Herbste aber seinen ganz besonderen Anstrich. Auf den Rasenplätzen der Anlagen erglühen noch immer die Beete von rotfunkelnden Pelargonien und Begonien, von den farbigen Stauden der Petunien und Chrysanthemen. Aber die Kochten aus den Ballonen haben sich in ihr Herbst- gewand geworfen, auf den Feldern ist der Flor bis auf schwache Reste geschwunden und die Sonnenblumen und ihre Verwandten lassen die letzten Köpfe hängen, in denen Spatzenschwärme eifrig den ergiebigen Samen nachstellen. Statt der verschwundenen Zugvögel zeigen die Strichvögel sich, die uns in der kalten Jahreszeit zu besuchen pflegen oder uns vom Felde her näher auf den Leib rücken, weil der Schnee sich in der Nähe menschlicher Siedlungen nicht so lange hält und die Aussicht auf Futterplätze die Scheu vor dem Menschen besiegen hilft. Auch die Möven zählen hierher, die über den Gewässern des Grunewaldes kreisen und sich vielleicht bald auch in Berlin heimischer als bisher machen werden, wie sie es in den großen Seestädten längst getan haben, wo sie regelmäßig die Straßen absuchen, wo Tierfreunde ihnen Futter bieten. Wir gehen mit raschen Schritten dem Winter entgegen und wissen nicht, was er unter seinem weißen Gewände uns enthüllen wird. Möge der grimme Mann milder mit uns verfahren, als der heiße Sommer es tat. Im Märkischen Museum wird jetzt eine Sammlung älterer Ansichten märkischer Städte, Dörfer, Schlösser und Landschaften neu ausgestellt. Die Blätter gehören der Zeit vom Ende des sechzehnten Jahrhunderts bis zur Mitte des neunzehnten an und sind der Technik nach Kupferstiche, Aquarelle, Stahlstiche und Steindrucke. Als Gegenstand der Darstellung tritt am stärksten Potsdam hervor, dessen landschaftliche Schönheiten und malerischen Bauwerke die Berliner Künstler des achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhunderts nachzuzeichnen nicht müde wurden. Auch von Rheinsberg und Oranienburg bietet die Ausstellung eine stattliche Anzahl von Blättern und zwar meist aqua- rellierte Federzeichnungen eines leider ungenannten Künstlers aus den neunziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts, der für die Wiedergabe von Architekturen wie der Landschaften eine gleich sichere Hand zeigt. Ein beliebter Vorwurf für die Berliner Kupferstecher war das Schloß Schwedt. Davon zeugen stattliche Radierungen, die das Gebäude und seine Umgebung von allen Seiten darstellen. Gut vertreten ist auch Brandenburg, ebenso L e h n i n und C h o r i n. Von Stendal und Tangermünde sieht man Stein- drucke aus der besten Zeit der Berliner Lithographie, während uns von Ortschaften der Lausitz besonders an- heimelnde kolorierte Stiche aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts begegnen. Bemerkenswert ist, daß auch die nächste Umgebung Berlins den Künstlern reiche Vorwürfe bot. Man staunt zu sehen, welche malerischen Reize sie in Orten wie Treptow und Britz, Tempel Hof und Pankow fanden. Auch Köpenick und Friedrichsfelde lieferten gern behandelte Motive. Die Ausstellung wird hoffentlich bei allen Freunden der Mark reges Interesse finden. Die Pflichtfortbildungsschulen BerljnS� haben im letzten Schuljahr eine geringere Mehrung der Schüler als im vorletzten gehabt. Der von der Fortbildungs- schuldeputation erstattete Jahresbericht über das Schuljahr 1910/11, den jetzt der Magistrat veröffentlicht hat, gibt die Schülerzahl für Sommer 1910 und für Winter 1910/11 auf 31 987 und 32 220 an. Da im Sommer 1909 und im Winter 1909/10 die Schülerzahl 31 141 und 31 504 betragen hatte, so stand sie in 1910/11 für den Sommer um nur 846, für den Winter um nur 716 höher als im Vorjahr. In 1909/10 hatte sie für den Sommer noch um 1958, für den Winter um 1112 höher als in dem vorhergehenden Jahr gestanden. In dem Jahresbericht über das Schuljahr 1909/10 war— ebenso, wie in dem über 1908/09— hingewiesen worden auf die BeeinträchtigungderForibildungsschulfrequenz durch den w i r t s ch a f t l i ch e n N i e d e r g a n g, der die Zahl der in Handel und Gewerbe beschäftigten Personen eingeschränkt habe. Der Bericht über das Schuljahr 1910/11 macht keinen Ver- such, zu erklären, warum diesmal die Zunahme der Schülerzahl sich weiter verlangsamt hat. Er hebt nur hervor, daß eine Zunahme allein in den Klaffen der ungelernten Arbeiter sowie der Kauf- leute und des zu ihnen durch die Konfektion in Beziehung stehenden Bekleidungsgewerbes eingetreten sei, während bei allen übrigen BcrUfsgruppen ein fortgesetzter und gleichmäßiger Rückgang sich bemerkbar mache. Vom Winter 1909/10 bis zum Winter 1910/11 hat die Schülerzahl weiter zugenommen bei den ungelernten Arbeitern urh 847 bis auf 12 405, bei den Kaufleuten um 385 bis auf 5396, im Bekleidungsgewerbe um 172 bis auf 1255, dagegen weiter abgenommen im Baugewerbe um 270 bis auf 1816, in der Metallindustrie um 319 bis auf 6491, im Kunstgewerbe um 142 bis auf 2508, nur geringfügig abgenommen im Nahrungs- mittelgewerbe um 8 bis auf 1304, in der Gruppe Friseure und Barbiere um 3 bis auf 497, zugenommen in der Gruppe der sonstigen Gewerbe um 54 bis auf 548. Beachtung verdient besonders die Abnahme im Baugewerbe wo in den drei Jahren voms Winter 1907/08 bis zum Winter 1910/11 die Schülerzahl sich von damals 3089 um 1273 bis auf nur noch 1816 vermindert hat. An der mäßigen Zunahme der Gesamtschülerzahl aus 1910/11 sind die drei Stufen ungefähr gleich beteiligt. Vom Winter 1909/10 bis zum Winter 1910/11 mehrten sich die Schüler, wie schon angegeben, im ganzen um nur 716 bis auf 32 220, im besonderen für die U n t e r st u f e um 283 bis auf 12 633, für die Mittel- stufe um 231 bis auf 11 024, für die Oberstufe um 202 bis auf 8563. Der Zuwachs kommt der Unterstufe aus Neuaufnahmen, der Mittel- und der Oberstufe großcnt« ils aus Versetzungen. Leider fehlt immer wieder in den Jahresber chten jede Angabe über die Zahl der Neuaufnahmen in den cinzckncn Stufen(nach Eintritt in die Fortbildungsschulpflicht oder nach Zuzug), der Entlassungen aus den einzelnen Stufen(nach Wegzug oder nach Vollendung der Fortbildungsschulpflicht) und namentlich der Versetzungen aus einer Stufe in die andere. lieber die Unterrichtserfolge sagt der Bericht, daß sie„bei dem Fortwirken der in früheren Berichten geschilderten Einflüsse auch jetzt noch nicht gleichmäßig" seien. Die Erfolge werden nicht nur durch die häufigen Umschulungen beeinträchtigt, die aus Umzügen oder Arbeitswechsel sich ergeben. Beeinträchtigend wirkt oft auch die Lage der Unterrichtsstunden. Bei der Aufstellung des Stundenplans muß ja alle nur mögliche Rücksicht genommen werden auf die Wünsche der Arbeitgeber, die hier mit- reden dürfen, und daneben auch noch auf die Unzulänglichkeit der Fortbildungsschulhäuser. Der Bericht für 1910/11 kleidet die Klage über diese störenden Einflüsse in die folgenden, sehr vorsichtig an- deutenden Worte:„Für die Festsetzung der Unterrichtszeiten konnte, wie bisher, nicht lediglich das pädagogische Interesse maßgebend sein, es mußte auch auf die Interessen des Gewerbes und auf die wirtschaftliche Ausnutzung der vorhandenen, für den Vormittag- Unterricht zum Teil nicht ausreichenden Räume Rücksicht genommen werden." Die Statistik des Schulbesuches, der ivir im borigen Jahresbericht zum ersten Mal begegneten, ist in dem Bericht über 1910/11 weitergeführt worden. Das Ergebnis ist diesmal etwas günstiger: die Besuchsziffer war im Sommer 86,6 Proz., im Winter 87,2 Proz. der Schülerzahl. Meder fallen einzelne Berufs- gruppen dadurch auf, daß sie von diesen Durchschnitten beträchtlich abweichen. Wie im Vorjahr, finden wir die günstigsten Ziffern bei den Kaufleuten, die ungünstigsten bei den ungelernten Ar- heitern. Im Winterhalbjahr mit seinem Durchschnitt von 87,2 stellte sich die Besuchsziffer bei den Kaufleuten auf 92,1 Proz. ihrer Schülerzahl, bei den ungelernten Arbeitern aber auf nur 82,3 Proz. ihrer Schülerzahl. Kinderarbeit—„zum Vergnügen"! Das Kinderschutzgesetz hat die ErwerbSarbeit schul- Pflichtiger Kinder leider nicht vollständig verboten, sondern nur ein- geschränkt. Aber selbst die wahrlich nicht zu engen Grenzen, die der KinderauSnutzung durch dieses Gesetz gezogen worden sind, werden noch lange nicht immer respektiert. Der Kinderschutzkom- Mission Groß-Berlins werden immer wieder Verstöße gegen das Kinderschutzgesetz bekannt, Verstöße mitunter so grober Art, wie man eS nicht für niöglich halten sollte. Die Kommission sucht durch ihre Kontrolleurinnen den Sachverhalt zu ermitteln und tut dann Schritte, um eine Beseitigung- deS Mißbrauchs zu er- reichen. Wie oft solche Ueberlretungen nur auf Unkenntnis der Gefetzesvorfchristen zurückzuführen sind, oder wie oft das Gesetz in bewußter Absicht verletzt wird, daS ist schwer fest» zustellen. Nicht selten wird man'bei den Eltern eine bloße Un- kcnntnis annehmen müssen, bei den Arbeitgebern aber dürfte das die Ausnahme fein. Arbeitgeber wie Eltern begründen die g e s e tz- widrige Erwerbstätigkeit der Kinder manchmal mit den sonderbarsten Erklärungen. Da erzählt ein Arbeitgeber: „Wissen Sie. die Eltern sind arm, und sie hatten so sehr darum gebeten." Da versichert eine Mutter:„Ach, der Junge tut das ja nur zum'Vergnügen, und er kommt mir dabei auch von der Straße herunter." Ein Fall von Kinderarbeit, der besondere Beachtung verdient, ist in Tegel durch die Kinderschutzkommission festgestellt worden. An ihm fällt die lange Dauer der Arbeitszeit, die dem beschäftigten Kinde zugemutet wurde, sowie die eigenartige Meinung, die der Lehrer des Kindes über die vcrineiniliche Zulässigkeit dieser Beschäftigung geäußert haben soll. Der Arbeitgeber ist ein W ä s ch e r e i b e s i tz e r Groth, der in Tegel am Babnhofsplatz sein Geschäft hat. Er läßt auf seinen GcschäftSfahrten nach Berlin oder nach den Nachbarorten Tegels sich zweimal in der Woche von einem zehn- jährigen Knaben, dem Sohn eines bei Borsig beschäftigten Arbeiters, begleiten. Der Knabe setzt sich als Mitfahrer neben Herrn Groth auf den Geschäftswagen, der den Kunden die gereinigte Wäsche bringt und die zu reinigende von ihnen abholt. Der Vorgänger deS jetzt bei Groth beschäftigten KindeS, gleichfalls ein noch schulpflichtiger Knabe, hat erklärt, daß er bei der Ablieferung der Wäsche nicht nur auf Wagen und Pferde aufpassen, sondern manchmal auch Wäsche in die Wohnungen hinauftragen mußte. Als wir ihn aufsuchten und ihn hierüber befragten, wollte er uns glauben machen, daß die Fahrten ihm ein„Vergnügen" gewesen seien. Das wird wohl auch Herr Groth gemeint haben. Anscheinend wird auch der Junge, der nach jenem andern die Stelle des Mitfahrers bei Groth erhalten hat, in derselben Weise beschäftigt. In der Regel wird um 8 Uhr nach- mittags abgefahren und die Heimkehr erfolgt dann nicht selten erst nach 10 Uhr abends. Einmal wurde beobachtet, daß dieser Knabe erst um Uhr wieder vor dem Grothschen Geschäft mit dem Wagen eintraf. Aber es kann sein, daß da nicht die Beschäf- tigung so lange gedauert, sondern aus anderen Gründen die Heim- kehr sich verzögert hatte. Sein Vorgänger erzählt, daß er selber öfters zu ähnlich später Stunde nach Hause gekommen sei. Herr Groth habe manchmal nach Erledigung seiner Geschäfte sich noch in einem Restaurant erfrischt, während der Knabe draußen ans dem Wagen zurückblieb und warten mußte. Besonders im Winter soll die späte Heimkehr dann doch kein„Vergnügen" gewesen sein. Bezahlt wurden dem Mitfahrer pro-F ahrtag 25 Pfennig, außerdem spendete Herr Groth noch 5 Pfennig extra, damit der Junge sich unterwegs etwas kaufen konnte. Man sieht, es gibt noch gute Menschen, die so einem Jungen sein„Vergnügen" obenein mit barem Gclde vergüten. Jener erste Knabe hat auf die Spazierfahrten verzichten müssen, weil seine Mutter aus Betreiben einer Verwandten sie ihm nicht mehr gestattete. Den Eltern seines Nachfolgers hat eine Konlrolleurin der Kinderschutzkommission denselben Rat gegeben. doch hat sie hier ebenso, wie bei dem Arbeilgeber, sich �ne Zurückweisung geholt. Die Familie leidet offensichtlich keine Slot, so daß hiermit die Beschäftigung des Knaben nicht begründet werden könnte. Die Mutter hat erklärt, sogar der Lehrer ihres Jungen habe diese Beschäftigung gebilligt und daS damit begründet, daß der Junge zu wenig geweckt sei. Da sollen wohl die Spazier- fahrten ein Mittel zur Steigerung der Intelligenz sein? Aber wahr- scheinlich beruht diese Angabe ans einem Mißverständnis der Mutter; denn es ist schwer zu glauben, daß ein Lehrer eine solche Beschäftigung billigen könnte. Die Errichtimg eines Obdachs für Jugendliche ist von einem zu diesem Zwecke gegründeten Verein geplant. Dieser Verein ist an den Magistrat herangetreten um Unterstützung der Gründung. In einer Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung empfahl der Magistrat finanzielle Beihilfe. Die Stadtverordneten verwiesen aber die Vorlage an einen Ausschutz zur Vorberalnng. Dort wurde dargelegt: So nützlich die Sache an sich sei. so stelle sich doch heraus, daß der Verein vorläufig noch in der Luft schwebe und daß die Stadt alle Kosten werde trägen müssen. Dann könne letztere auch selber die Errichtung und Unterhaltung des Obdachs für Jugendliche übernehmen. Es wurde festgestellt, daß der Verein zurzeit über ein Barvermögen von 3000 M. verfüge, mit dem er natür- lich nicht ein Haus für etwa 800 000 M. erbauen könne, selbst dann nickt, wenn die Stadt Berlin zu dem Zwecke ein Grundstück noch 50 Jahre hergäbe. Dabei müsse noch berücksichtigt werden, daß für den Betrieb allein 70 000 M. pro Jahr erforderlich werden. Aber selbst wenn die Baugeldcr durch private Wohltätigkeit auf- gebracht würden, so sei es auch in diesem Falle nur eine Frage der Zeit, daß die Stadt das Unternehmen übernehmen muffe. DaS könne aber auch sofort geschehen, zumal der Verein nur für jugend- liche männliche Personen sorgen wolle. Zu einer endgültigen Ve- schlußsasiung kam der Ausschuß aber nicht. Der Magistrat soll von dem Verein die Vorlegung einer Hausordnung verlangen, daß die- selbe der Stadtverordnetenvcrsanimlnng vorgelegt werde. Beschlossen wurde, daß die Stadt von dem Vertrage zurücktritt, wenn der Bau deS Obdachs innerhalb zwei Jahren nicht vollendet ist. Vermehrung der Münzgasmesscr. Den minder bemittelten Be- Völkerungsschichten, namentlich den kleinen Gewerbetreibenden ist der Bezug an Leuchtgas von den städtischen Gasanstalten durch Ein- führung der Automatgasmcsser wesentlich erleichtert worden. Diese Apparate erfuhren im Laufe der Jahre eine dauernd steigende Wer- mehrung. War schon die alljährliche Vermehrung während der letzten Jahre eine erhebliche, so ist im verflossenen Berichtsjahre 1910/11 eine Steigerung eingetreten, die besonders interessant ist. Am 1. April 1907 waren 33 361 Stück vorhanden, am I.April 1903 bereits 39 099, am 1. April 1900 43 322 und am 1. April 1910 46 411. Die Anlagen hatten sich also in jedem der drei Jahre um durchschnittlich 4350 Stück vermehrt. In der Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 ist nun eine Steigerung auf 63 617 Apparate, d. h. um 17 206 Stück erfolgt. Nach dem bisherigen Ergebnis wird diese Vermehrung im laufenden Jahre eine noch stärkere werden, den» am 1. Juli d. I. wurden bereits 71875, also gegen April d. I. 8253 AntomatgaSmesseranlagen mehr benutzt. Dementsprechend ist auch der Gasverbrauch gestiegen. Im Verwaltungsjahr 1909 wurden 19 337 684 Kubikmeter GaS. im Berichtsjahr 1910 dagegen 22 302 294 Kubikmeter Gas durch die Antomatgasmesser abgegeben. Eine An- läge verbrauchte im Durchschnitt 425 Kubikmeter, gegen 453 Kubikmeter im Vorjahre. Der Rückgang dieser Dnrchschnitlsziffer ist da- durch erklärlich, daß die Zahl der AutoinatgaSmesscr in kleinen Wohnungen(Stube und Küche) sehr erheblich zugenommen bat. Siemens u. Halske gegen Schöneberg. Vor dem Landgericht Berlin II ist soeben ein Millionenprozeß der Firma Siemens u. HalSke gegen die Stadtgcmeinde Schöncberg zugunsten der letzteren entschieden worden, dem folgender Tatbestand zugrunde liegt: Die Stadt Schöneberg hatte bei den Bergmannschen Elektrizi- tätswerfen sechs Motorwagen jux ihre Schnellbahn in Auftrag gegeben, während die Firma Siemens u. Halske die Nedertragung dieser Lieferung mit der Begründung beanspruchte, daß ihr gemäß des Untergrundbahn-Bauvertragcs alle während der Dauer der Konzession(90 Jahre) erforderlich werdenden Nachlieferungen zu- fallen müßten. Der Schöneberger Magistrat lehnt diese Forderung jedoch ab, worauf die Firnia Siemens u. Halske die Klage an- strengte. Das Landgericht II hat nun aber nach eingehender münd- licher Verhandlung die Klage kostenpflichtig abgewiesen. Diese Entscheidung ist, falls sie rechtskräftig wird.für die Stadtgemeinde Schöneberg von großer Wichtigkeit, weil sie es ermöglicht, daß die Stadt die künftig notwendig werdenden Nachlieferungen für die Untergrundbahn beliebigen Firmen übertragen kann und nicht ge- zwungen ist, die von der Firma Siemens u. Halske festgesetzten Preise zu zahlen. Durch die Uebertragung der Bestellung der sechs Waggons bei den Bergmann-Elektrizitätswerken soll eine Erspar- nis von zirka IVO 900 M. erzielt worden sein.— Die einstweilige Verfügung, durch welche den Vertretern resp. Beauftragten der Stadtgemeinde Schöneberg das ihr von der Firma Siemens u. Halske bestrittene Recht zum Betreten der Anlagen der Untergrund- bahn zuerkannt wird, ist inzwischen vor dem Kammcrgcricht be- stätigt worden und hat die Rechtskraft erlangt. Auf dem Alexanderplatz sind nunmehr die Arbeiten zur Fort- führnng der Untergrundbahn ernstlich in Angriff genommen worden. Es werden jetzt die eisernen Träger an den Straßenziigen ein- geranunt, woselbst sich komplizierte Gleisanlagen der Straßenbahn befinden. Diese Arbeiten können daher nur in der kurzen Betriebs- pause vorgenommen werden. Die umfangreichen Fundiernngs- arbeiten für die Unterfahrung des Gebäudes in der Kaiier-Wilhelm- Straße werden Mitte nächsten Monats fertiggestellt sein, danach kann die fehlende Zwischenstrccke durch die Münzstraße auf den Alexanderplatz in Angriff genommen werden. In der Schönhauser Allee sind die Mauerpfeiler für die Hochbahnstrecke errichtet worden, gegenwärtig ist man dabei, die Werkstücke, welche aus Wünschelburger Sandstein bestehen, an den Straßenunterführungen zu versetzen. Demnächst soll mit der Montage der Brückenviadukte begonnen werden. Ein schwerer Strafienbahnunfall hat sich am Mittwoch gegen ÜO Uhr abends in der Oranienstr. ereignet. Dort fuhr vor dem Sause Nr. 61 der 22jährige Schlosser Karl Rosenstock, als er einem Fuhrwerk ausbiegen wollte, mit seinem Zweirad gegen den aus entgegengesetzter Richtung kommenden Motorwaggon 1311 der Straßenbahnlinie 13. Er wurde umgestoßen und stürzte in weitem Bogen auf das Straßcnpflaster, wo er blutüberströmt und be- sinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach der Unfall- station in der Kommandantenstraße gebracht, wo ein schloerer Schädelbruch festgestellt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden wurde R. in sehr bedenklichem Zustande nach dem Urban-Kranken- Haus übergeführt. Wie Katholiken Proselyten machen. Ein 17jShrigeS Mädchen, Amanda Försterling, wurde am Mittwoch auf Veranlassung ihrer evangelischen Eltern und auf eine Verfügung des Landgerichts III aus dem katholischen Schwesiernheim in Pankow durch einen Gerichts- Vollzieher abgeholt und dem Rechtsbeistand der Eltern übergeben. Gegen die beteiligten Personen ist wegen Entziehung einer Minder- jährigen beim Staatsanwalt Anzeige erstattet. Zu dem Vorfall wird folgendes berichtet: Amanda Försterling gewann im Frühling dieses Jahre? enge Fühlung zu katholischen Familien, besuchte täglich die katholischen Andachten und verließ schließlich mich einem Streit mit ihrer Mutter heimlich das elterliche Haus, trat bedingungsweise zum katholischen Glauben über und. wurde später von dem KuratuS der katholischen Kirche in Pankow in das Heim der„Grauen Schwestern" gebracht. Da die Eltern erfuhren, daß ihr Kind in den nächsten Tagen als Nonne in ein französisches Kloster eintreten wolle, wandten sie sich um Hilfe an den Evangelischen Bund und durch diesen an einen Rechtsanwalt, der beim Landgericht III den Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung stellte, das Kind an die Eltern heraus- zugeben. Dies ist gestern geschehen. Wie wir hören, sind eine An- .zahl Vernehmungen vorgenonimen worden; doch werden die Er- Mittelungen wohl zu keinem Erfolg der Strafanzeige führen, da das Mädchen zugibt, freiwillig das Bekenntnis gewechselt zu haben und auch ohne Zwang in der Anstalt verblieben wäre. In der Futtcrdicbstahls-Affäre wurden gestern die beiden Ober- treiber Otto und Paul Heinrich, die bei der Koimnissionöfirma Siebert u. Stünkel beschäftigt waren, auf dem Viehhof durch die Kriminalpolizei verhaftet. Wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" erfährt, haben die Brüder Heinrich in 17 Monaten den Händlern 36 000 M. mehr Futter berechnet, als sie von der städtischen Ver- laufsstelle auf dem Viehhof entnommen hatten. Bestohlcner Schutzmann. Nachmittagseinbrecher, die in der letzten Zeit den Nordosten der Stadt, besonders das Gebiet an der Pankower Grenze unsicher machen, suchten am vergangenen Sonn- tag dort auch einen Schutzmann heim, der ein Haus verwaltet. Während der Beamte im Dienst und seine Frau zu Besuch bei einer Nachbarin war, drangen die Einbrecher zwischen 5 und 6 Uhr nach- mittags in die Wohnung ein und erbeuteten 2200 M. Mieten, die der Verwalter eingezogen, aber noch nicht an den Hauswirt ab- geliefert hatte. Verdächtig sind zwei Männer von 25 bis 30 Jahren, von denen der eine mittelgroß und der andere etwas kleiner ist. Ter größere, der einen blonden Schnurrbart hat, trug einen Kneifer ohne Einfassung. Der kleinere hat schwarzes Haar und einen starken hochgebürstcten schwarzen Schnurrbart. Zwei Opfer hat jetzt ein Brandunglück gefordert, über das wir vor drei Wochen aus der Auguststr. 41 berichteten. Tort hatte die 16 Jahre alte Verkäuferin Margarethe Giesow das Unglück, den Spiritusbrenner umzustoßen, als sie sich das Haar brannte. Ihre � leichte Kleidung fing Feuer, und sie stand bald in hellen Flammen.' Die Pflegeeltern des Mädchens, dev 52 Jahre alte Pförtner l Friedrich Kreczack und seine Frau, eilten auf'das Hilfegeschrei> herbei und versuchten die Flammen mit den Händen auszudrücken. Aber erst Nachbarn gelang es. durch Ueberwerfen von Kleidungs- stücken das Feuer zu ersticken. Fräulein Giesow und ihre Pflege- eltern wurden nach dem Jüdischen Krankenhause gebracht. Die! Pflegeeltern wurden wieder nach der Wohnung entlassen, nachdem i sie verbunden worden waren. Drei Tage später verschlechterte sich der Zustand des Mannes so, daß er das Krankenhaus wieder auf- suchen und jetzt auch dableiben mußte. Das Mädchen starb am< vergangenen Sonntag. Während es gestern nachmittag auf dem> Friedhof ter BartholomäuZgemeinde an der Fakkenberger Chaussee zu Weißensce beerdigt wurde, verschied im Krankcnhause auch der Pflegevater. Frau Kreczack ist zu Hause noch in ärztlicher Behand- lung, aber auf dem Wege der Besserung. Der erste Unglücksfall ereignete sich am Donnerstagnachmittag auf dem neuen Elektrizitätswerk, das die Firma Siemens u. Halske in Ruhleben errichtet hat. Zwei Schlosser waren in einer Höhe von adbt Metern mit dem Vernieten eines Eisengerüstes beschäftigt. Plötzlich brach ein eiserner Haken des Brettergerüstes, auf dem die Leute standen. Während der eine sich noch rechtzeitig festklammern konnte, stürzte der ziveite kopfüber in die Tiefe. In einem Kranken- wagen Ivnrde der Schwerverletzte nach dem Krankenhause Westend geschafft, wo die Aerzte schwere innere Verletzungen feststellten, die zwar nicht lebensgefährlich sind, jedoch ein dauerndes Siechtum des Mannes nach sich ziehen werden. An Blutvergiftung gestorben ist der 64 Jahre alte Gastwirt Anton Jaenccke aus der Rosenthaler Str. 24, ein in seinem Viertel bekannter Mann. Jaenecke, der frühev in Ober-Tchöneweide ein Geschäft betrieb, öffnete in der vergangenen Woche eine Selter- Wasserflasche, die hierbei in seinen Händen zersprang. Eine Ver- letzung am rechten Zeigefinger, die er sich zuzog, beachtete er nicht weiter, weil sie ganz unbedeutend zu fein schien. Aber schon am anderen Tage schwoll der rechte Arm an. Der Mann wurde jetzt nach der Charite gebracht, aber es war schon zu spät. Die Blut- Vergiftung war soweit vorgeschritten, daß man ihn den Arm ab- nehmen muhte. Der Verunglückte überlebte jedoch die Operation nicht mehr. Für 6000 M. Waren erbeuteten Einbrecher gestern früh auf dem Grundstück Sprengelstr. 16 in dem Posamentiergeschäft von Lettckorn, dessen Inhaber in der Torfstraße wohnt. Sie kantelten die Haustür auf, bohrten mit einem Zentrumsbohrer aus der Ladentür am Flur das Schloß heraus und verschafften sich so Ein- gang in die Geschäftsräume. Mit Sachkenntnis suchten sie für 6000 M. Stoffe und Wäsche aus, luden ihre Beute auf einen Ein- spänner, den sie mitgebracht hatten, und fuhren unbehindert davon. Eine ZeitungSausträgerin sah die Kerle bei der Arbeit, ließ sie aber gewähren, weil sie glaubte, daß das Geschäft umziehe. Schon vor einem Jahre wurden Lcttekorn, der damals noch nicht versichert war. einmal für 2000 M. Waren gestohlen. DaS Polizeipräsidium teilt mit Bezug auf eine gestrige, aucki von uns gebrachte Zeitungsnachricht über Zerfleischung eines Mädchens durch einen Hund mit, daß es sich lediglich um eine unbedeutende Haut- bczw. Flcischwunde an der rechten Wade handelt. Selbstmord verübt hat der 60 Jahre alte Lohgerber Fritz Kiesel- bach aus der Pankstraße 72. Kicseiback, der als Junggeselle bei einer Witwe in der Pankstraße in Schlafstelle wohnte, war seit zwanzig Jahren in einer Gerberei in der Prinzenallee beschäftigt. Am vergangenen Montag fiel er drei Stufen einer Treppe hinab und zog sich dabei eine Beinverletzung zu, die ihn zwang, in ärzt- licher Behandlung zu Hause zu bleibe». Jetzt bildete er sich ein, daß das Leiden nicht heilen werde, daß er deshalb dauernd arbeitS- unfähig bleiben und verhungern müsse. Als er gestern nicht zum Borschein kam und nicht öffnete, stieg man durch das Fenster in seine Stube ein und fand ihn jetzt tot an dem Türpfosten hängen. Als Leiche wurde vorgestern aus dem Spandauer SchiffahrtS- kanal am Elisabethspeicher in der Kieler Straße ein Mann gelandet, der gestern als der 41 Jahre alte Kellner Adolf Kribgensky aus der Schlegelstr. 23 festgestellt werden tonnte. Kribgensky. der kinderlos verheiratet ist, verließ vor acht Tagen seine Wohnung unter dem Vorwande, seine Arbeitsstelle in der Novalisstraße aufsuchen zu wollen. Dort erschien er auch, ging aber wieder sogleich fort, da er an dem Tage dienstfrei war. Abends gegen 10 Uhr ist er denn noch von Bekannten in der Friedrichstraße gesehen worden. Seitdem aber nicht mehr. Bei der Leiche fand man»och alle Schmucksachen, so daß nur ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vorliegen kann. Für letzteren sollen jedoch keine Gründe vorgelegen haben. Kribgensky war in seinen Kreiien allgemein beliebt und unler dein Namen»der lustige Adolf" bekannt. Der Männerchor Moabit veranstaltet am morgigen Sonnabend, den 14. Oktober im Stadttheateb Moabit sein zweites Stiftungsfest, zu dem er vor allein die parteigcnössischen Freunde einladet. Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater hat seine Mitwirkung zugesagt. Der vermißte Regenschirm hat sich angefunden und ist in unserer juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 60 IV, abzuholen. Vorort- f>sackriedten. Nixdorf. In der letzten Sitzung der GruiideigentumSdcputation gelangte eine Reihe von ErweiterungS- und VerwcrtuugSprojekleii für den städtischen Grundbesitz zur Erörterung.— ES wurde ferner be- schlösse», wegen Freilegung des östlichen Teiles des Richardplatzes in weitere Verhandlungen einzutrcle».— Der Vorsitzende mochte die Mitteilung, daß die Verkaussverhandlungen mit dem ReichSbanl- direktorium zum Abschluß gekontmc» sind und daß demnächst mit dem Neubau auf der au die Badcauslalt angrenzenden Parzelle an der neue» Straße zwischen Richard- und Doiiaustraße begonnen werden wird.— Die Pachten für die Laubenkolonie am Marien- dorfer Wege sollen versuchsweise in HalbjahreSraten eingezogen werden. Ten Kolonisten werden Spielplätze daselbst unentgeltlich überlassen. Soweit bei ihnen der Wunsch besteht, die Wasser- Versorgung der Kolonie in eigener Regie zu betreiben, soll� diesem Wunsche entsprochen werden. Die Gewährnna einer Entschädigung bei vorzeitiger Räumung von Parzelle» wird abgelehnt, jedoch solle» die Bauänitcr ersucht werden, ihre Projekte so rechtzeitig der Grund- cigentumSverwaltung mitzuteilen, daß eine Räumung von Parzellen nicht innerhalb des BestelluiigSjahrcS zu erfolgen braucht. Steglitz. Angesichts der angestrebten Stadtwcrdung von Steglitz ist es dringend erforderlich für jeden Arbeiter, der nicht die preußische Staatsangehörigkeit besitzt, diese zu erwerben. Nach der Städte- ordming steht nur demjenigen das Wahlrecht zu, der die preußische Staatsangehörigkeit besitzt, während nach der Landgemeindeordnung auch für NichtPreußen nur der einjährige Aufeinhalt in der Ge- meinde erforderlich ist. Jeder Arbeiter sollte deshalb Vorsorge i treffen, baß er nicht das Wahlrecht verliert. Die Erwerbung der ! preußischen Staatsangehörigkeil ist nur mit geringen Ausgaben für � Porto und Stempel zur Beschaffung der erforderlichen Ausweis- Papiere verbunden. Auskünfte über die einzuleitenden� Schritte zur Erlangung der Staatsangehörigkeit erteilen die Genossen Gustav > Atzmann, Düppelstr. 7, und Georg Winkelmann, Alihoff- ' straße 11. ; Lankwitz. Aus der Gemeiubevertretung. Die Erhebung von Beiträgen � für den verbesserten Ausbau der Viktoria-, Cornelius-, Siemens- � und Gärtnerstraße rief eine längere Debatte hervor. Die Straßen . haben insgesamt 280 000 M. Kosten verursacht. Die Anlieger ' können bis zu fünf Sechstel der Kosten herangezogen werden. Be- schlössen wurde, von den Anliegern der Cornelius- und Viktoria- straße, welche im Jahre 1891 15 M. für den Frontmeter Straßen- � Pflaster bezahlt haben, sieben Zwölftel der Kosten, gleich einem � Betrage von 40,04 M. für den Frontmeter zu erheben. In der SicmenSstraße sind von den Anliegern im Jahre 1893 18,50 M. er- hoben worden, jetzt sollen sie zwei Drittel der Kosten, gleich 42,61 � Mark pro Frontmeter entrichten. In der Gärtnerstraße, wo bisher � noch keine Straßenbaukosten gezahlt wurden, sind fünf Sechstel der Kosten, gleich 65,20 M. pro Meter zu entrichten. Der Gemeinde- Vorsteher wurde ermächtigt, zur Deckung der Kosten eine Anleihe von 280 000 M. aufzunehmen.— Ein Antrag auf Maßnahmen gegen die Verteuerung der Lebensmittel, welcher vom Genossen Radike gestellt worden war, rief eine längere Debatte hervor. Daß eine Teuerung vorhanden ist, wurde allgemein zugegeben, jedoch � lehnte die Mehrheit den ersten Teil des Antrages, in welchem die Regierung aufgefordert wird, die notwendigen Maßnahmen zu er- greifen, ab. Im übrigen wurde zur Steuerung des Notstandes von Gemeindewegen eine siebenglicdrige Kommission gewählt, der auch Genosse Radike angehört. Ein Antrag des Gemeindevertreters Teurig, den Ortsarmen eine einmalige Unterstützung von 20 M. und einen Zuschuß zur Unterstützung von monatlich 5 M. zu ge- währen, wurde gegen 2 Stimmen abgelehnt. Man befürchtete, die Armen könnten mit dem Gelde nicht haushalten. Von 7 bürgcr- lichen Vertretern war ein Antrag auf Einführung eines kollcgia- tischen Gemeindevorstandes und die Vermehrung der Vertretung um einen Schöffen und drei Gemeindevertreter gestellt. Gegen die Einführung eines kollegialen GemeindevorstandeS hatte der Gemeindevorsteher nichts einzuwenden. Der Antrag wurde mit 9 gegen 5 Stimmen angenommen. Anders kam es jedoch bei der Vermehrung der Gemeindevertretung. Der Antrag wurde vom Gemeindevertreter Wulff begründet. Gemeindevertreter Teurig, welcher den Antrag befürwortete, betonte, dem Antragsteller sei es anscheinend nicht darum zu tun, die Gemeindevertretung zu vermehren, sondern er rechne nur vielleicht darauf, auf diese Weise den Schöffenposten zu erhalten, da er bei den im März stattfindenden Neuwahlen bei den Wählern der dritten Klasse auf eine Wiederwahl nicht rechnen könne. Der Gemeindevorsteher wollte die Sache einer Kommission überweisen, was jedoch ab- gelehnt wurde. Bei der Abstimmung stimmte Gemeindcvertreter Hildebrandt, der den Antrag mit unterschrieben hatte, gegen den- selben, so daß derselbe mit 7 gegen 7 Stimmen abgelehnt wurde.— Dem Erlaß einer Polizeivcrordnung wegen Einführung deS RcihenhausbaueS wurde zugestimmt. Zur Entsendung von drei Mitgliedern der Gesundheitskommission und 3 Mitglredern des Bauausschusses zur Besichtigung der Hygieneausstellung in Dres- den wurden die Kosten bewilligt, Potsdam. Können die Gehaltszulagen nachträglich zur Kommunalstciier herangezogen werden? Bekanntlich hatten die Beamten 1909 eine GehatlSerhöhung erhalten, die ihnen auch für 1908 mit nachgezahlt wurde. Wie verschiedene Gemeinden so hat auch Potsdam nun 1910 die Nachzahlung für 1908 mit zur Gemeindesteuer herangezogen(bei der staatlichen Steuer war dies auf Grund einer Verfügung des Fiiianznnuisters nicht geschehen). Einige Beamte haben deshalb beim Bezirksausschuß Klage erhoben, während eine größere Anzahl Beamter sich an den Magistrat um Befteiung von der Versteuerung ihrer Nachzahlung wandten, weil sie dieselbe für nngerechtfertigc hielten. Der Magistrat hatte den letzteren geantwortet, daß er die Einziehung der Steuer bis zur verwaltungsgerichllichen Entscheidung aussetzen werde. Stochdem dann der Bezirksausschuß zugunsten des Magistrats entschieden hatte, ivurde den betreffenden Beamten mitgeteilt, daß die Steuer nunmehr ein- gezogen werden müsie. Später lag ein Urteil des Lberverwaltniigs- gerichtS vor, nach welchem die Versteuerung der Nachzahlungen für 1908 unzulässig ist. Ein Postbeamter, der seinerzeit auch den Magistrat um Befteiung von dieser Steuer ersucht hatte, hat nun von dem spätere» Urleil des ObervcrwaltungSgerichtS Kenntnis erhalte» und den Magistrat ersucht. ihm die Steuer zurückzuerstatten. Weil der Magistrat das Gesuch abgelehnt hat, ersucht er die Stadt- verordneten um Beschlußfassung über Zurückzahlung der von ihm gezahlten Steuer. Begründend fiihrt er an, daß er damals aus dem Schreiben des Magistrats gelesen habe, daß nicht nur der Bezirks- auSfchuß, sondern auch das Obcrverwaltungsgericht entschieden habe und das hätten auch die anderen Beamten augeuoimnen, sonst hätten sie es nicht bei dem magistratlichcn Bescheide belassen. Ein Teil der Stadtväler war der Ansicht, daß hier der Magistrat nicht ganz korrelt verfahren sei, er hätte bei der fraglichen Antwort deutlich erklären müssen, daß auf Grund der Entscheidung deS Bezirksausschusses die Steuer eingezogen werde. Wenn auch da« formelle Recht auf seiner Seite sei. indem die betreffenden Beamten nicht rechtzeitig gegen diesen Magistratsbescheid Klag- erhoben hätten, so wären doch die Beamten im materiellen Rechte, weil nach einer Eni- scheidung des OberverivaltungSgerichtS die Versteuerung der Nach- bewilligungen unzulässig sei und die Beamten bei dem Bescheide des Magistrats der«»sichl ,eiu mußten, daß bereits daS höchste Gericht zu ihren Ungunsten entschieden habe. Der Magistrat ließ alle die Einivendungen nicht gelten, die Beamten hätten die EinspruchSftist versäumt und könnten deshalb nichts zurückverlangen. Wenn sie irrtümlicherweise angenommen hätten, mit den Verwaltungsgericht- licken Entscheidungen sei eine Entscheidung bis zum höchsten Gericht gemeint gewesen, so sei das ihre Schuld, sie hätten sich dann eben erkundigen müssen. Die Versammlung lehnte mit großer Majorität den Anspruch der Beamten auf Zurückzahlung der zuviel gezahlten Steuer ab. 0 JKgcndveranstaltungea. Friedrichshagen. Sonntag, den 15. Oktober: Kartoffel, und SertnaS- Partie nach Erkner(Restaurant zur Postj. Abmarsch um 2'i, Uhr vom .maciidbeiur. Rrilk-tn.tiv«i, SunUcht Seife U/äsche woht! Sunllcfvt Seife wundervott! Sunlicht Seife wirkt brillant! Sunlicht Seife weltbekannt! Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin, ü'üt den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsanjtalt Payl Singer g. Co., Berlin SW»