Kr. 243. flbdnnementS'ßcdlngunsen: Abonnements- Preis pränumeranda Z Ltertcljährt. 3£0 Ml., monall. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei in 5 Hau». Einzelne Nummer k Pfg. EonnlagS» nummer mit illullrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PoslabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Äumänien, Schweden und die Schweiz, vichelilt lazllch außtr OlonUas, 88. Jahrg. Die InlcrtlonS'GebDbr Beträgt für die sechSgsspaltene kolone!» zeile oder deren Raum m Psg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versanunlungs.Anzcigcn 80 Psg. „Rlein- Hn-eig-n", das settgedrume Wort 20 Psg. szulässig 2 settgedru-lie Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche wid Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. W->"e über lSBuch- ltabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niästen bis S Uhr nachmittags in der Expedition ipgcgeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Volksklatk. �entralorgan äer fosialäemokratifcken Partei VeuttcKlanäs. Telegramm. Adreffe: „SMlaldlmsKrit R«rU»". Redaktton: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Sonntag, den 15. Oktober 1911. Expedition: 8Al. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die srauen mi die Teuerung. „So kann das nicht mehr weiter gehen!" hat wohl manche Hausfrau voll inneren Grimms geseufzt, wenn sie nachrechnete, wie sie mit dem kargen Wochenlohne ihres Mannes die Bedürfnisse der Familie bestreiten solle. Denn mehr noch als die Männer trifft die Frauen die immer noch andauernde Steigerung sämtlicher Lebensmittelpreise. Während der Mann bei seiner Arbeit, im Verlehr mit seinen Arbeitsgenossen, wenigstens für Stunden die kleinlichen Wirtschaft- lichen Sorgen vergitzt, kann sich die Frau, die Mutter während des ganzen Tages nicht der quälenden Gedanken entziehen:„Wie soll daS noch werden!" Ja, wie soll das noch werden, ruft die Hausfrau unwillkürlich auS, wenn sie einkaufen geht und zu ihrem Schrecken bemerkt, daß wieder einmal einige Lebensmittel im Preise gestiegen sind. Ist es aber der feste und unentwegte Wille der proletarischen Frauen, dast es so nicht weiter gehen könne, so müssen sie fich vor allem klar machen, worin die Ursachen der Teuerung bestehen. Sie müssen aber auch erkennen, welche Mittel der Proletarierin zur Verfügung stehen, mitzuhelfen an der Beseitigung der wirtschaftlichen Not. In ihrem Unverstand hört man manche HauS- frau sagen, die Ursachen der Teuerung lägen doch klar auf der Hand. Die obnonne Hitze deS letzten Jahres, die dadurch erzeugte Dürre habe das Wachstum schwer beeinträchtigt und eine schlechte Ernte ergeben. Gewiß hat diese Behauptung etwas für sich. Ist denn aber in allen Teilen der Welt eine mangelhafte Ernte gewesen? Haben wir denn nicht Eisenbahnen und Schiffe, die aus den von der Natur gesegneten Ländern die Produkte uns übermitteln könnten? Hier erst setzen die wahren Ursachen der Teuerung ein. Gewiß haben wir vorzügliche Transportmittel ,- aber wenn die Eisen- bahnen, die Schiffe die Grenzen des Reiches erreicht haben, kommen die Zoll- und Steuerbeamten und heischen im Auftrage des Staates reichlichen Tribut. Die schutzzöllnerische Majorität deS Deutschen Reichstage? hat es meisterhaft verstände», die Lasten der deutschen Zoll- und Steuergesetzgebung auf die Schultern des Volkes ab- zuwälzen. Und noch im Jahre 1909 hat bei der sogenannten Reichs» finanzreform der Block der Junker und Heiligen dafür gesorgt, daß zu den bisherigen Zöllen und indirekten Stenern neue hunderte Millionen Mark Steuerlasten dem Aermsten der Annen auferlegt wurden. Wie enorm die einzelnen Zoll- und Steuersätze in Deutschland sind, dafür nur einige Beispiele. Es fordert der Staat aus je ein Kilogramm Fleisch 3S Pf.. Speck 3« Pf.. Butter 20 Pf.. Käse 15 Pf.. Margarine 20 Pf.. Zucker 11 Pf., Kaffee 60 Pf. und Tee 1 M. Bei jedem Kilogramm Roggenbrot muß die Hausfrau 6,9 Pf. und bei jedem Kilogramm Weizenbrot 6,1 Pf. an das Reich als Zoll ent- richten. Ja. es ist kaum glaublich: auf jedes Pfund Salz sind 6 Pf. Steuern gelegt. Der auf daS Salz liegende Steuersatz übersteigt den Wert deS Produktes ganz beträchtlich. In noch ärgcrem Miß- Verhältnis steht bei den Zündhölzern die Besteuerung zum Werte deS Produktes; auf einer Schachtel Zündhölzer im Verkaufs- werte von 1 Pf. lasten IV, Pf- Steuern. Es würde zu weit führen, die ganze Liste der Produkte aufzuzählen, die mit reichlichen Steuern und Zöllen bedacht sind. Wenn die Proletarierin abends beim Schein ihrer Petroleumlampe näht und stopft, dann findet sie vielleicht einen Trost darin, daß für jeden Liter Petroleum, den sie verbreimt, der Staat 6 Pf. Tribut verlangt. Vielleicht wird sie dann wieder sagen:.Nein, so kann cS nicht weiter gehen!" Den Weg zur Abhilfe haben uns schon viele tausend Prole- tarierinnen gezeigt. Die Beseitigung der heutigen jammervollen Zustände kann nur erreicht werden, wenn auch die Frauen Ein- fluß ans die Gestaltung des Wirtschaft«- lebenS gewinnen; wenn sie gemeinsam mit den Männern sich in den Organisationen der Sozialdemokratie zusammenschließen. So lange die Hausfrau als einzelne jammert, daß es so nicht weiter gehen könne, wird sich die Gesetz- gebung niemals ihres erbärmlichen LoseS erinnern. Steht sie aber mit den Millionen ihrer Klassengenoffiimen da als ein Glied der proletarischen Organisation, dann wird der entstblossene Ruf:„So kann und darf es nicht weiter gehen I' hinausschallen bis zur Re- gierung. bis zur Gesetzgebung, lind der unüberwindliche Wille nach Aenderung der ausbeuterische» Wirtschaftspolitik wird die genannten Körperschaften zwingen, abzulassen von einer Politik, die auf Kosten der breiten Massen des Volkes z» einer Bereicherung weniger Privile- gierten führt. Die von der Arbeiterschaft Groß-BerlinS fiir den kommenden DienStog einberufenen Versammlungen gegen die Teuerung geben den unter der Not doppelt schwer leidenden Frauen Gelegenheit. wirksamen Protest zu erheben gegen die wucherische WirtschaftS- Politik deS Reiches. Sie geben aber auch weiter den Frauen die Möglichkeit. Anschluß zu finden bei ihren Klassengenossinnen, sie bieten Gelegenheit zum Eintritt in die proletarische Organisation. DlllllM Iiis in die Nrntkstottsnivmlnngtn! Die Wirkung der Liniuhricheine. 1. Unter den verschiedenen Forderungen, die in der letzten Zeit von der sozialdemokratischen und liberalen Presse, wie auch von verschiedenen wirtschaftlichen und kommunalen Ver- bänden zur Linderung der heutigen Lebensmittelteuerung er- hoben worden sind, befindet sich auch die in wirtschaftspoli- tischer' Hinsicht höchst wichtige Forderung einer Abschaffung oder wenigstens einer Reform des heutigen Zolleinfuhr- s ch e i n s y st e m s. Von denen, die eine Abschaffung der Ein- fuhrscheine verlangen, wird diese Forderung damit begründet, daß die Einfuhrscheine wie eine Aus- fnhrprämie wirkten, im östlichen und mittleren Teil Deutschlands die Eetreidepreise dadurch, daß sie das Gctreideangebot auf dem inländischen Markt wesentlich be- schränkten, künstlich in die Höhe trieben und ferner die Reichs- lasse um einen Teil ihrer Einkünfte brächten, da die Einfuhr- scheine ja nicht nur zur Wiedereinfuhr von Getreide, sondern auch zur zollfreien Einfuhr von Kaffee und Petroleum be- rechtigten. Die konservativen und klerikalen Blätter behaupten dagegen, die Aufrechterhaltung des Zolleinfuhrscheinsystems sei eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit, denn dieses System sei nur ein folgerichtiges Zubehör unseres Zollwesens und diene im Osten einem allgemein an- erkannten Bedürfnis. Würde dieses System abgeschafft, so lvürdc dem Landmann in den östlichen Provinzen Preußens die Möglichkeit genommen, sein Getreide nutzbringend zu ver- kaufen, die Eetreidepreise würden fallen, der Getreideanbau zurückgehen— und da solcher Rückgang natürlicherweise die Kanflraft der Landivirte beeinträchtigen müßte, würde die schließliche Folge nicht eine Verminderung, sondern eine Ver- schärsung der„angeblichen" heutigen Notlage sein. Besonders hat die Zentruinsprcfse sich in letzter Zeit angelegen sein lassen, ihren Lesern diese und ähnliche Argumente vorzutragen, um ihre arbeiterfeindliche Zollpolitik zu rechtfertigen und sich als die Vertreterin der Wirtschaft- lichen Interessen des kleinen ManneS aufzuspielen. Selbst- verständlich läßt es dabei namentlich die kleine Zentrums- Presse, die sogenannte Kaplanspresse, die nur in kleinen ganz- oder halbländlichen Bezirken gelesen wird und kaum zu be- fürchten hat. daß gegnerische Blätter sich auf eine längere Widerlegung einlassen, an allerlei unsauberen Täuschungen nicht fehlen. Als 1879 die bismarckische Wirtschaftsära begann und der neue Zolltarif die Einfuhr von ausländischem Weizen. Roggen und Hafer mit einem Zoll von 1 M., von Gerste mit einem Zoll von 1,50 M. pro Doppelzentner(100 Kilogramm) be- legte, wurde entsprechend dem alten Grundsatz des Zollrechts, daß eine eingeführte zollpflichtige ausländische Ware, wenn sie später wieder ausgeführt wird, Anspruch auf Zollfreihcit hat. auch für das aus dem Auslande in Deutschland ein- geführte und wieder ausgeführte Getreide das System der Zollrückvergütung eingeführt. Wer Getreide aus dem Aus- lande einführte und später— vielleicht über eine andere Grenze oder einen anderen Hafen— wieder ausführte, konnte die Rückvergütung des Zolls verlangen; doch mußte er nachweisen können, daß das von ihm eingeführte Getreide das gleiche sei, das er auszuführen gedenke. Man nannte diesen Nachiveis den„Identitätsnachweis". Schon damals erhoben die Kanstente der östlichen Hafen- städte, namcntlick Dauzigs, Königsbergs. Stettins, die bisher größtenteils den Einfuhr- und Ansfuhrhandel mit Korn in Händen gehabt hatten, gegen den Identitätsnachweis allerlei Einwände. Sie Ivollten ihn beseitigt wissen durch die Bestimmung, daß für jedes beliebige Ouantnm eingeführten Getreides dasselbe Ouantnm Getreide wieder ausgeführt werden dürfe, ganz gleich ob das ausgeführte Getreide anderer Herklinft und Qualität sei, als das eingeführte. Wer 100 Zentner Weizen eingeführt hatte, sollte also kurzweg berechtigt sein, den Zoll dafür zurückzuverlangen, wenn er 100 Zentner Weizen wieder ausführte, auch wenn dieser letztere Weizen irgendivo in den Oslprovinzcn gewachsen und von ganz anderer Güte wäre, als der vorher eingeführte. Be- gründet wurde diese Forderung damit, daß der in den östlichen Provinzen Preußens angebaute Weizen meist nicht genügend Klebergchalt(Stickstoffgehalt) habe, um so wie er sei, zu Brot verbacken zu werden. Er müsse, damit er eine gute marktgängige Ware abgebe,- mit kleberreichem fremden Weizen vermischt tverdeu. Der Identitätsnachweis machte nun aber eine solche notwendige Vermischung fast unmöglich. Dazu, den Identitätsnachweis einfach aufzuheben, vermochte sich jedoch damals die Regierung noch nicht zu ver- stehen. Da aber die Forderung der Äornhändlcr auch im Interesse der ostelbischen Landwirte lag, wurde schon im Zoll- gesetz von 1879 den Kornhändlern die Einrichtung von Transitlägern bewilligt, in denen daS einheimische mit dem fremden Getreide gemischt werden konnte. Bei der Aus- fuhr sollte das in der Mischung enthaltene ansläudischo Gc- treibe als zollfreie Durchfuhrmenge gelten. Das heißt, wenn der Kornhändlcr russisches, amerikanisches oder anderes fremde Getreide bezog, um es einheimischem Getreide beizu- mischen, und dieses gemischte Getreide dann nach irgend einem ausländischen Hafen auszuführen, so brauchte er für das ein- geführte fremde Getreide keinen Zoll zu zahlen. Das dauerte bis 1882. Dann wurde durch Gesetz vom 23. Juni der Identitätsnachweis für Mehl und Mühlen fabrikate aufgehoben. Wenn nun Mehl ausgeführt wurde, dann brauchte nicht mehr nachgewiesen zu werden, daß das Mehl aus eingeführtem ausländischen Ge- treibe gewonnen sei. Mochte es russisches, amerikanisches oder preußisches Korn gewesen sein, das der Müller vermählen hatte, er oder der Exporteur des Mehls bekam auf Antrag bei der Ausfuhr eine Bescheinigung, auf die hin er so viel Korn zollfrei einführen konnte, als der von ihm ausgeführten Mehlmenge entsprach. Damit war eine Bresche in den Identitätsnachweis ge- legt und die Kornhäudler wie die großen Getreideproduzeuten im Osten benutzten die Gelegenheit, erneut für die völlige Aufhebung des ganzen Identitätsnachweises zu plädieren, in- dem sie ausführten, durch die Ueberproduktion von Getreide im Osten Preußens und die Unmöglichkeit, die überschüssige Gctreidcmenge zu rentablen Preisen nach dem Westen und Südwesten Deutschlunds abzu- stoßen, werde auf den östlichen Getreidemärkten zeit- iveilig ein sehr starker Preisdruck hervorgerufen, so daß der Zoll in den Preisen nur in sehr unzulänglichem Maße zum Ll u s d r u ck k 0 m ni e. Deshalb habe die Regierung die Pflicht, durch die Aufhebung des Jdentitäts- Nachweises dafür zu sorgen, daß die Getreidemärkte im Osten von dem starken Angebot entlastet würden und d-r Getreide- preis sich auf ihnen ungefähr um den Zoll ljöln, stelle, als auf dem zollfreien Weltmarkt. Betrachtet nian als die Aufgabe des Getreidezolls, den Getreidepreis auf �dem Inlandsmarkt nur so viel zu steigern, daß er um den Zollbetrag höher steht, als auf den zollfreien Auslandsmäpkten, und hält man es ferner für die Pflicht der Regierung dann, wenn diese Wirkung infolge irgend welcher besonderen lokalen Umstände nicht eintritt, sie durch künstliche Beeinflussung der Märkte zu erzwingen, so hatten die Landwirte, die die Aufhebung des Jdentitäts- Nachweises verlangten, unzweifelhaft recht. Aber die Herren Landwirte und ihre bezahlten Agitatoren hatten bisher iiiinidr behauptet— und größtenteils behaupten sie das, wenn es ihnen in ihre verlogene Beweisführung paßt, heute noch— daß derZoll gar nicht oder doch nurin ganz geringem Maße die Inlandspreise erhöhe. denn den Zoll trage das Ausland! Wer diese Ansicht hat. der begeht ganz zweifellos einen Blödsinn, wenn er verlangt, der Zoll müsse iin Preise voll zum Ausdruck kommen, das heißt dSr Inlandspreis müsse um den Zollbetrag höher sein als der Auslandspreis, und wenn er ferner an die Rc- gierung die Forderung stellt, gefälligst durch entsprechende Maßnahmen dafür zu sorgen, daß ein solcher Preisunterschied hergestellt wird. Doch die Logik der Herren Großgrundbesitzer hat sich stets nur nach ihrem Nutzen gerichtet. Was ihren Profit steigert, gilt ihnen ohne weiteres als berechtigt und zweckniäßig. Und ebenso steht es mit den größtenteils politisch zum Freisinn gehörenden großen Kornhändlern und Korn- spekillanten in den Ostseehäfen. Ihre Logik und ihre politischen Prinzipien richten sich genau nach ihrem Handelsgewinn; haben es doch manche der Herren fertiggebracht, die Ein- führung des heutigen Einfuhrscheinsystems als eine Art Wieder- Herstellung des Freihandels hinzustellen. Betrachten wir, um die eben geschilderte Argumentation zu verstehen, die damalige Marktlage etwas näher. Bekannt- lich lieferten die sechs östlichen Provinzen Preußens, Ost- Preußen, Wcstprcußcn, Pommern, Brandenburg, Posen und Schlesien vor der Aufhebung des Identitätsnachweises(die im Jahre 1891 erfolgte) durchschnittlich mehr als ein Drittel der gesamten Getreideernte Deutschlands. Sie waren also— vor- nehmlich gilt das von Ost- und Westpreußen— gezwungen einen Teil ihres Ueberschusses nach anderen Gegenden ab- zustoßen. Wohin aber damit? Nach den anderen Ostsee- ländern konnten sie nichts ausführcn, denn dort standen die Eetreidepreise noch weit niedriger als in den preußischen Ostsee- Provinzen. Ebensolvenig lohnte sich der Export nach Oesterreich- Ungarn. Nehmen wir als Beispiel das Jahr 1892. In diesem kostete der Weizen(Mittelqualität)� in Danzig 192 M. pro Tonne(20 Zentner), der Roggen 171 M.; in Petersbura der Weizen 162 M., der Roggen 150 M.; in Budapest der Weizen 156 M.. der Roggen nur 136 M. Es blieb also als Absatzgebiet im wesentlichen nur Mittel- deutschland übrig, wo die Preise noch beträchtlich höher standen als im Osten; aber auch dieses Gebiet war ein ziemlich begrenztes, denn im rheinischen Westen und Süd- Westen stieß das preußische ostelbische Getreide auf die Kon- kurrenz des amerikanischen und südrussischen Getreides, das trotz des hohen deutschen Zolles und der See- und Rhein- frachten sich immerhin noch billiger stellte, als das ostelbische Getreide mit Einschluß der Eisenbahnfrachtcn und sonstigen Transportspesen. So kostete zwar 1892 der Weizen in Frankfurt 195, in Mannheim 205 M.; aber in Antwerpen war guter Donauweizcn für 113 M. und schöner argentinischer Weizen für 151 M. zu haben.' während in Amsterdam der Odcssa-Wcizen gar nur 121 M. pro Tonne kostete. Unter solchen Umständen war es für die Mannheimer Getreide-Großhändler in Anbetracht der verhältnismäßig geringen Zlheinfracht trotz des hohen Zolles von 50 M. pro Tonne immerhin noch vorteilhafter, �onau- oder La Plata-Wcizen aus Antwerpen zu beziehen. als ostpreußischen oder pommerschen. Betrug auch im ganzen die Preisdifferenz zwischen den Mannheimer und Danziger Notierungen 13 M., zwischen den Mannheimer und Königs- berger Notierungen sogar 21 M-, so wurden doch diese Preis- unterschiede durch die hohen Eisenbahntransportkosten und sonstigen Spesen mehr als reichlich aufgewogen. Unter diesen Verhältnissen war es nicht selten, daß in Jahren reichlicher Ernte auf den östlichen Getrcidemürkten zeit weilig ein starkes Uebcrangebot in Getreide hervortrat und auf den Getreidepreis drückte, so daß der Zoll, der damals 50 M. pro Tonne betrug, nur zum Teil in dem Preisniveau zum Ausdruck kam. Beispielsweise stand im Jahre 1892 in Königsberg guter ostprenßischcr Weizen um 31 M. höher im Preise, als feiner, weißer englischer Weizen auf dem Londoner Markt, in dem lleberflußjahr 1893 hingegen nur um 12 M. Trotz der eifrigen Agitation der Kornhändler und großen Gctrcidcproduzenteu vermochte die Ncgierung sich jedoch vor läufig noch immer nicht dazu zu verstehen, den Jdcntitäts Nachweis fallen zu lassen. Sie versuchte es zunächst 1891 init der Einführung von Staffeltarifen, die durch die Herabsetzung der Frachtsätze für weitere Entfernungen es den Landwirten im Osten ermöglichen sollte, ihr Getreide und Mehl zu verhältnismäßig billigen Preisen nach dem Westen zu werfen. Bei der Durchführnng dieser Maßregel stieß aber die Regierung auf den entschiedenen Widerspruch der Land Wirte im westlichen Deutschland, denen durch die Staffeltarife die Konkurrenz der großen Getreideproduzenten im Osten auf den Hals gehetzt ivurde. Als zu Beginn der sogenannten Caprivischen Aera neue Handelsverträge abgeschlossen'und in diesen der Zoll für Weizen und Roggen auf 33 M-, für Hafer auf 28 M. und für Gerste auf 22,30 M. pro Tonne herabgesetzt wurde, — fiel endlich zur Freude der oft elbischen Großgrundbesitzer und Kornhändler durch Gesetz vom 27. April 1894 auch der Identität s Nachweis— gewissermaßen als Entschädigung der östlichen Landtvirte für die Ermäßigung der Zölle. Nach diesem Gesetz konnten die Personen, die Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hülsenfrüchte, Raps und Rübsen oder Mühlen- und Mälzerei- fabrikate ausführten, bei der Ausfuhr die Ausstellung eines Einfuhrscheyies verlangen(vorausgesetzt, daß das Gewicht der ausgeführten Ware nündestens 10 Zentner betrug), der sie berechtigte, innerhalb 6 Monaten vom Tage der Ausstellung an gerechnet, die gleiche Menge der im Einfuhrschein bezeich- neleu Getreide- oder Hülsenfnrchtgattung vom Ausland wieder in das� deutsche Zollgebiet einzufiihren. Doch konnte der Ex- porteur auch den Schein nach einer Frist von 4 Monaten. und zwar für einen darauf folgenden Zeitraum von 6 Mo- naten(also bis zu 10 Monaten nach der Ausstellung) auf den Zoll in Anrechnung bringen, den er für die Einfuhr von Kaffee, Petroleum. Thee, Reis, Olivenöl, Fischtran, Baum- wollsamenöl, mineralische Schnneröle, Südfrüchte, Gewürze, gesalzene Heringe, Kakaobohnen und-Schalen, Kaviar. Austern, Hummern und verschiedene feinere Nutzhölzer zu zahlen �xtte. In dieser Form blieb das Einfuhrscheinsystem bestehen bis zum Inkrafttreten der neuen Bülowschen Handelsverträge (1906). Danil wurde, um die erhöhten Ggtreidezölle möglichst voll zur Geltung zu bringen, bestimnit, daß fortan der Inhaber.eines Einsuhrscheins berechtigt sein solle, nicht nur, wie 'bisher� eine dem Zollwerte der Einsührscheine entsprechende Menge der nämlichen, sondern einer beliebigen Getrcidegatwng zollfrei einzuführen. Dagegen wurde die Verivendung der Einfuhrscheine zur Bezahlung des Zolls für solche Waren, die nicht zum Getreide gehören, wesentlich eingeschränkt. Nur die Zollgebühren von Kaffee und Petroleum dürfen noch mit Einfuhrscheinen beglichen werden. Zw cebenmittelteueiMg. GetreidcprciSsteigernng. Aach einer im„Reidjs-?liizeiger" veröffentlichten Zusammenstellung der täglichen Berichte von deutschen Frnchtmärkten ist im September der Preis sämtlicher Getreides orten gegenüber den Vormonaten recht erheblich ge st regen. Weizen kostete an den 61 Marktorten, in denen er gehandelt wurde. 20,23 M. für den Doppelzentner gegen 19.7S M. im August und ig, 16 M. iin September 1910. Er stieg bis zu 22,69 M. in Bayern und ging bis 19.07 M. in Pommern herunter. Roggen hatte«inen Preis von 17,55 M. gegen nur 15,99 M. im Vor- nrouate und 14,22 M. in, Vorjahre. Er war mit 22,92 M. in Württemberg an, teuersten und mit 16,53 M. in Ostpreußen am billigsten. Gerste kostete 16,66 Dt. gegen 17,08 M. im August d. I. und 14,18 M. im September 1910. In Bayern war ihr Preis mit 20,21 M. an, höchsten und in SchleSivig-Holstein mit 14,27 M. an, niedrigsten. Die Preisschwankungen sind hier ebenso wie beim Noggen sehr groß, weit größer als in den vorhergehenden Monaten. Hafer hatte einen Preis von 17,50 M. gegen 16,61 M. im Vormonat und 14,49 M. in, September v. I. Er war mit 19,99 M. in Schwarzburg- Sondershansen am teuersten und mit 16,63 M. in Ostpreußen am billigsten. Gegen den August d. I. ist somit der Weizen um 0,43 M.. Hafer um 6,91 M., Noggen um 1,56 M., d. h. fast 10 Proz., und Gerste um 1,58 M.. das ist über 9 Proz. gestiegen. Gegenüber de», Vorjahre ist Weizen um 1,07 M.. Hafer um 3.01 M.. Noggen um 3,33 M. und Gerste sogar um 4,43 M. teurer ge- worden. •• Tie sozialdemokratische Fraktion der Stcltiucr Stadtverordnetenversammlung halle folgenden Antrag eingebracht:.Der Magistrat wird ersucht. bei den zuständigen Behörden unverzüglich Schritte zu unternehmen, um eine Milderung der gegenwärtige» Lebensmittelverteuerung berbeizuführen. Gleichzeitig wird der Magistrat ersucht, geeignete Maßnahmen z» treffen, um durch Vermittelung der Stadt selbst den billige» Bezug von Lebensmitteln, namentlich Brot. Fleisch, Kar- toffeln zu ermöglichen.« Am Donnerstag wurde hierüber verhandelt. Nach längerer ausführlicher Begriindung durch den Genoffcn Herbert und unter Zustimmung der Liberalen wurde der sozial- demokratische Antrag einer gcmischten Kommisfion überwiese», die darüber beraten soll, welche Schritte zu unternehmen sind. l»n eine Berbilligiing der Lebensmittel herbeizuführen. •• O- Maßnahme» gegeu die Teueruiig in Chemnitz. Auf Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten beschloß am Donnerstag das Stadtverordnetenkollegium in Chemnitz, 80000 M. bereit zustellen für Beschaffung billiger Lebensmittel ,n der Zeit der Teuerung. Mittelständler und Händler liefen Sturm gegen diese Maßnahme, von der sie Gefährdung ihres Profit» fiirch» leten.— Weiter gestellte sozialdemokratische Anträge anf Gewährung von Teuerungszulagen an städtische Angestellie wurden einer Koni- miision überwiesen. .' Die Stadtverordnelcnvkrsavimliiilg in Köln nahm am Freitag Stellung zur LcbenSmittelteuerung. Im Gegen- fatz zu anderen«tädten hatte es bei der zweitgrößten Stadt der preußischen Monarchie erst eines Anstoßes von außen, eines sozial- demokratischen Antrages bedurft, um die Stadt an ihre Pflicht zu erinnern. Und wie hat man sie erfüllt I Eine Eingabe an die Ne- giernng wegen Zoll- und Frachterleichterung erklärte man für über- flüssig, da der Städtetag als Gesmntvertretung der großen Städte dies bereits gefordert habe. Den Einkauf und die Wiederabgabe von Seefischen, Gemüse. Kartoffeln usw. lehnte man ab aus Rücksicht auf den Detailhandel. ES soll durch den Oberbürgermeister an den Reichskanzler eine Eingabe um Aufhebung des Zolles auf— Kohl gerichtet werden. Statt der durch' den sozialdemokratischen Antrag geforderten Tenernngs- zulage an alle städtischen Arbeiter und Angestellten mit weniger als 4000 M. bewilligte man nur den Arbeitern und Angestellten mit weniger als 220V M., sofern sie länger als ein Jahr in städtischein Dienst sind, einmalige Beträge von 10 M. für Unverheiratete und 20 M. für Verheiratete und je 5 M. für jedes Kind unter 14 Jahren. Weiter sollen die Armeiiunterstützunge», jedoch völlig nach der Will- kür der Verwaltung, in dringenden Fällen die bestehenden Sätze überschreiten dürfen. Endlich sollen die Lebensmittelpreise fort- lausend kontrolliert werden. Die Ausgabe für die Teuerungszulage beläufr sich aus nur 130000 M. Dabei hat die Stadt eben das ver- flosseue Geschäftsjahr mit einen, Reiniiberschuß von mehr als 1 500000 M. abgeschlossen. Die große, reiche Metropole Westdeutsch- lands läßt sich in ihren Maßnahmen von zahlreichen kleinere,, Städten lies beschämen. » �» Dresden, 14. Oktober. Angesichts der Verteuermrg von Lebens- Mitteln, WohnungSmieten und sonstigen Bedarfsgegenständen hat die Königl. Sächsische StaatSeisenbahnverwaltung ihren Arbeitern eine allgemeine Lohnerhöhung von 20 Pfennig für den Tag bewilligt, die bereits mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. in Kraft tritt. Luch die Bezüge der Eisenbahngehilfen haben vom gleichen Zeitpunkte ab eine Erhöhung um teils 16 M., teils 5 M, monatlich erfahren. -» Eine zroße Demonstratio« gegen die Teuerung wird die Leipziger Arbeiter s ch a f t anl Sonntag, den 22. Oktober veranstalten. Von vier Tribünen aus soll über die Teuerung gesprochen werden. Die Arbeiter werden aufgefordert, eine lebha/tc Agitation zu.ent- falten, damit den herrschenden Klaffen gezeigt tvird, daß da-Z Volk sich nicht länger dem Hunger überantwortet lassen will. Der Krieg. Der größte Teil des italienischen Expeditionskorps steht jetzt auf afrikanischem Boden, und in Italien gibt man sich dem schönen Glauben hin, daß das hcißersehnte und� nach Korsareuart Überfallene Gestade tvicdcrun, zur xrovincia tri» politaua geworden sei wie einst bor 1700 Jahren unter dem rönnscheu Kaiser Septimus Severus. Aber vorläufig haben die Italiener noch mit den türkischen Truppen zu rechnen, die sich in das Bergland südlich von Tripolis zurückgezogen und durch verschiedene Rekognoszierungen bewiesen haben, daß 'ie nicht untätig bleiben wollen. Im Laufe der nächsten Woche werden die feindlichen Streikräfte jedenfalls aneinander geraten und es wird sich zeigen, inwieweit die Türken den Italienern außer den regulären Truppen auch noch Auf- geböte der Eingeborenen eiitgegeuwerfen können. Alles was italienische Journalisten über Mutlosigkeit, Desorganisation, schlechte Bewaffnung oder Verpflegung der Türken schreiben, ist sehr vorsichtig zu beurteilen. Die Herren sind in ihrem nationalen und imperialistischen Rausche nur zu sehr geneigt, den Gegner herabzusetzen, außerdem dürfen sie aber auch nur Nachrichten bringen, die vor der überaus drakonischen Zensur, die die Regierung in bezug auf Kriegsnachrichten anzuwenden berechtigt ist, bestehen können. Deshalb braucht man auch die Nachricht, die türkischen Offiziere wollten ihre Truppen auf tunesisches Gebiet führen und dort entwaffnen lassen, vor- läufig nicht ernst zu nehmest. Daß ein solcher Schritt an- gesichts der heillosen Direktionslosigkeit. die gegenlvärtig in Konstantinopel zu herrschen scheint" und bei dem Gefühle, vollständig vom Mutterlande abgeschnitten zu sein, möglich ist, soll nicht bestritten werden. Wahrscheinlich ist aber, daß in den nächsten Tagen erst noch ein ernstes Ringen zwischen Türken und Italienern in den Bergen des Dschcbel Nefusa stattfinden wird, das auf die weitere Gestaltung der Kriegs- läge in Afrika und auch in Europa von Bedeutung werden kann. Ernste Beachtung verdient vor allem die Tatsache, daß nach Landung der italienischen Expedition die Stimmung in Italien und in der Türkei noch kriegerischer geworden ist als vorher. Die ganze bürgerliche Presse Italiens weist mit aller Entschiedenheit den Gedanken einer Anerkennung der Souve- ränität des Sultans in Tripolis oder der Zahlung einer Eni- chädigung an die Türkei zurück; man fordert kategorisch die rückhaltlose Annexion. Zum Ueberflnß wird gemeldet, daß die italienische Regierung 200000 Reservisten außer der schon einberufenen JahreSklaffe 1888 einstellen will; sie würde da- durch Wasser auf die Mühlen der Kriegshetzer liefern,� die allen Ernstes einen Angriff auf die Häfen der europäischen und asiatischen Türkei verlangen. Aber auch in Konstantinopel scheinen die kriegerischen Elemente mehr zur Geltung zu kommen. Die Verschärfung der Kriegsstimmung bleibt aber nicht ohne Rückivirkung auf die Balkanstaaten. In Bulgarien macht man aus den bisher verstohlen betriebenen MobilisierungSarbeiten schon kein Geheimnis mehr, und auch Oesterreich würde einer umfangreichen Mobilisicnmg Italiens mit entsprechenden Gegeumaßregeln antworten. Angesichts dieser Situation ist es nicht verwunderlich, wenn von der Fricdcusvcrmittclung der Großmächte kaum noch gesprochen wird. Am wenigsten beneidenswert ist dabei die deutsche Regierung, die es gründlich mit dem Dreibund- freunde und den Türken verderben wird. Immerhin haben die bürgerlichen Blätter, die bisher mit der deutschen Diplo- matie immer durch dick und dünn gegangen sind, keine Nr- fache, jetzt auf einmal die deutsche auswärtige Politik, vor allem den Dreibund zu schmähen und ein energisches Abrücken von Italien zu verlangen. Die deutsche Bourgeoisie hat die Diplomatie, die sie verdient, sie muß jetzt auch die Kon- sequeuzen dieser genialen äußeren Politik auf sich nehmen. Die Arbeiterklasse aber hat allen Grund, auf der Hut zu sein, um nicht die Opfer dieser Konsequenzen tragen zu müssen. Ein türkischer Angriff. Rom, 14. Oktober. In der letzten Nacht griffen gegen 3 Uhr ungefähr 200 Mann türkischer Infanterie italienische Vorposten westlich voni Posten bei Bumeliana mit einem lebhaften Ge wehrfeuer an. Die Italiener erividerteu mit Jnfanteriefeuer und einigen Schüssen aus den Schiffsgeschützen. Nach ungefähr einer Stunde zogen sich die Türken zurück unter Verlust eines Toten und eines Maschinengewehres mit Munition. Auf italienischer Seite wurden zwei Soldaten leicht verwundet. Ei« Torpedoboot anfgelaufe». Rom, 14. Okiober. Die„Agenzia Stefani« meldet aus Tripolis: General C a n e v a hat gestern die höchsten Zivil- und Militär- fnnktionen übernommen. Er verfügte, daß an die bedeutendsten Stämme 2000 Zentner Gerste zur Aussaat unentgeltlich verteilt werden. Die Ausschiffung des am 12. Oktober eingetroffenen Truppentransportes, die zeitweise wegen schlechten Wetters anS- gesetzt werde» mußte, geschieht nunmehr unter Zuhilfenahme von Barken der Korallenfischer von der Insel Lampedusa. Der Torpedojäger»Freccia«, der während des schlechten Wetters den Hafen verlassen hatte, ist auf einer Sandbank auf- gelaufen. Die Besatzung wurde gerettet; man hofft, auch daS Boot abzubringen. Mobilisierung der Erythraeer. Massaua, 14. Oktober.(Meldung der Agenzia Stefan!.) Die Mobilisierung i n E r y t h r a e a ist ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen. Sie zeigte die große Anhänglichkeit der Eingeborenen an Italien. Die Gesamtzahl der Streitkräfte in der Kolonie, die am 27. September»ur 3700 Mann betrug, belief sich schon am 10. Oktober anf über 10000. Türkische Beute! Konstantinopel, 13. Oktober. Wie aus S m h r n a gemeldet wird, sind in dem Hafen und der Bucht von Smyrna bisher 6 5 i t a l i e» nische Fahrzeuge mit Beschlag belegt worden. Die Eigen- tümer haben gegen die Beschlagnahme Einspruch erhoben, da sie gegen das Völkerrecht verstoße. Auch in Konstantinopel selbst sind kleinere italienische Fahrzeuge, sogar private Motorboote beschlag- nahmt worden. Bei Mytilcne wurde ein italienischer Segler mit Schwefelladung aufgebracht. Beobachtung der albanischen Küste. Koustantinopel, 14. Oktober. Nack, Blättermeldungen setzen italienische Schiffe die Beobachtung der K ü st e n von EpiruS von Prcvesa bis Parga sowie des Einganges ilt die Bucht von Va- lona fort. Bulgarien verlangt Aufklünmg. Konstantinopel, 14. Oktober. In einer Unterredung mit dem Minister des Aeußern verlangte gestern der bulgarische Ge- sandte, wie verlautet. A u f kl ä r u n g e n über die militärischen Maßnahmen der Türkei an der bulgarischen Grenze. Der Minister soll hierauf geantwortet haben, daß die angeblichen Konzentrationen nichts anderes seien als die längst begonnene turnuSweise Einberufung der Ersatzreserve zu sechswöchigen Uebungen. Mobilisierung gegeu Oesterreich? Wien, 14. Oktober. Laut einer Meldung der.Zeit« hat Italien in den nördlichen Provinzen umfangreiche Mobilisier» n- gen vorgenommen und mehrere Truppenkörpcr in der Rahe der österreichischen Grenze dislociert. Der italienische General- stob hoffe, daß die allgemeinen MobilisierungSmaßnobmen zwecks Verstärkung des Grenzgebietes, die sonst die schärfste Abwehr Oesterreich-UngarnS fand, unbeachtet bleiben. Eine ErNärnng des türkischen Kammerpräsidenten. Paris, 14. Oktober. Achmed R i s a, dessen Wiederwahl zum Präsidenten der türkischen Kammer als sicher betrachtet werden kann, erklärte dem Berichterstatter des.Malin« in Konstantinopel: Wir empfinden lebhaft daS uns angetane Unrecht. Die Bolls- e n t r ü st u n g wird morgen i» der Kammer Widerhall -inden. Wir sind ebenso überrascht wie entrüstet; denn vor laum zwei Monaten ivurde dem türkischen Thronfolger"in Italien die wärmste Aufnahme bereitet. Ich selbst traf kurz nach der Proklamation der türkischen Verfassung in Rom ein. Luzzatti, der damals Ministerpräsident war, versicherte mir ausdrücklich, Italien habe keine Absichten auf Tripolis. Seitdem schrieb mir Luzzatti häufig und er- neuerte immer dieselben Versicherungen im wärnisten und herz- lichsten Tone. Wir konnten also diesen ungerechten Angriff nicht erwarten. Wir hätten uns direkt oder durch Vermittelung einer befreundeten Macht, wie Frankreich oder Ruß- land, verständigen können. Auch halten wir in Tripolis nur soviel Truppen, um Angriffe von Räubern an den Grenzen abwehren zu können. Wir sind noch immer friedliebend, aber der Friede kann nur geschlossen werden, wenn die� Bc- dingungn, die man uns anbietet, die nationaleWürde wahren; die Bedingungen sind aber noch niemand bekannt._ politifcbc Gebcrficbt. Berlin, den 14. Ottober 1911. Neuwahlen vor Weihnächte«? Von beachtenswerter Seite erfahren wir, daß die Absicht bestehe, den Reichstag kurz nach seinem Zu» sammentritt aufzulösen, so daß die Neuwahlen noch vor Weihnachten stattfinden würden. Wie geben diese Darstellung, für die immerhin auch einige gewichtige politische Momente sprechen, mit Vorbehalt wieder. Wir er- warten aber von der Regierung eine sofortige Er» klärung darüber, ob sich die uns zugegangene Mitteilung tatsächlich mit ihren Absichten deckt. UnS könnte natürlich eine Beschleunigung der Neuwahlen nur recht sein. Je früher die Wähler zum Vcrditt über die Politik unserer Herrschenden aufgerufen, desto bester! Die Nachwahlen z«m Oldenburger Landtag haben der Sozialdemokratie noch vier Mandate gebracht und zwar siegten unsere Genossen in Oldendurg-Land(zwei Mandate) sowie in Delmenhorst und in Eutin. Die sozialdemo- kratische Fraktion wird demnach sin Landtage 12 Mann stark st'in, während sie bisher nur 4 Mandate im Besitz hatte. Das Schlußergebnis der Landtagswahlen ist demnach: 12 Sozialdemokraten. 14 Freisinnige g Nationalliberalc. 9 ZentruinSmänner, 4 Bündler. Sozialdemokraten und Frei- sinnige haben zusammen die Mazoritat. Das Zentrum als Kämpfer für Thro»„„j, Altar. Die„Köln. VolkSzig." hat mff ihrem in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" näher beleuchteten naiven Versuch, die Behauptung aufrecht zu erhalten, der Zentruinsabgeordncte Müller-Fulda habe, als er im Januar 1907 seine Briefe und Telegramme an Singer richtete, völlig„auf eigene Faust" gehandelt, recht wenig Glück. Solveit es die nichtklenkalc Preste überhaupt für nötig findet, vo» den VerlegenheitSauS- flüchten des Kölner ZentnnnSblatteS Noti,-rn nehmen, geschieht dies meist in recht spöttischer Weise. So schreibt zum Beispiel die„Freis. Ztg.": .«"ch d'eies Telegramm ist. wie die Köln. VelkSztg.' dreist und goltesunsürchtig schreibt, ein« Privatangelegenheit des Absender?. was schon daraus hervorgehe, daß es sich nur auf Wahlkreise be- ziehe, die zu dem speziellen Arbeitsgebiet de» Abgeordneten Müller-Fulda gehören.— Bon wem ist denn dem Ab» geordneten Müller dieses spezielle Arbeits» gebiet zugeteilt worden? Merkwürdig, welche D'S- ziplinlosigleit in der Zentrumspartei herrschen sollt Akgeordneter Müller- Fulda, einer der hervorragendsten Zentrumsführer, der gerade in Wahlangelegenheiten viel hervortritt, regt bei dem Abg. Singer zunächst an, daß er selbst in seinem Wahlkreise von den Sozialdemokraten unterstützt werde, und weist später auf die Not« wendigkeit eines Zusammengehens der beiden Parteien hin, weil die politische Lage, der konservativ- liberale Block eine Gefährdung der Verfassungsrechte befürchten lasse. Bebel ant- wortet darauf, dost die sozialdemokratische Partei bereits ihre Stich- Wahlbedingungen veröffentlicht habe, geht aber doch— und das gereicht der Sozialdemokratie zur größten Unehre— auf das Schreiben des Abg. Müller-Fulda ein. Und nun beschließt der StichwahlauSschuß deS Zentrums, das Stichwahlabkommen abzulehnen. Müller-Fulda teilt dies dem Abg. Bebel mit; aber selbst nachdem der StichwahlauSschuß deS Zentrums in schlauer Taktik dos Abkommen formell abgelehnt hat, bleibt Müller-Fulda doch in Verbindung mit der Sozialdemokratie und schickt daS oben wiedergegebene Telegramm. Ja, eS erweist sich hinterher, daß bei den Stichwahlen in einem Dutzend Wahl- kreisen das Zentrum die Sozialdemokratie wirklich unterstützt hat. Alle« Privatangelegenheiten des Abg. Müller? Auch die prinzipielle Ablehnung des BündnifleS, weil die Sozial- demokratie eine Partei des Umsturzes sei, mit der ein so nationales Gebilde wie das Zentrum nicht paktieren dürfe, ist ack absurdum geführt worden durch die Begründung des Abg. Müller-Fulda. die Zeit sei zu knapp und es seieil bereits anderweitig in verschiedenen Wahlkreisen Abkommen getroffen worden; aber die Stichwahl- bediugungen des Zentrums seien denen der Sozialdemokratie an- gepaßt worden. Auch Privatarbeit des Abg. Müller? Wir verstehen eS, daß das Zentrum, das gegenwärtig sich als Beschützer von Thron und Vaterland in die erste Reihe stellt, dieses Zentrum, belastet mit dem sozialdemokratischen Wahlbündnis in Bayern, belastet mit der Unterstützung von Sozialdemokraten bei den ReichStagSwahlen von 1907, alles daran setzt und setzen muß, den üblen Eindruck zu verwischen. Wir verstehen eS, wenn Abg. Müller-Fulda sich als Opfer schlachten läßt. Je mehr aber die Zcntrumspresse in dieser plumpen Weise schwindelt, um so stärker wird das ohnehin gesunkene moralische Prestige dieser Partei, der Grundsatzlosigkeit erschüttert.' Die Marokkoverhandlunge». Wie auS Paris berichtet wird, hat Herr C a m b o n seit Dienstag- morgen die Instruktionen seiner Regierung über de» Umfang der Kompensationen in Händen, die Frankreich dcni Deutschen Reiche gewähren will. Im gestrigen Rate der Minister Caillaux, de SelveS und Lcbriin wurde das Ergebnis der ersten Besprechung erörtert, die in Berlin zwischen Herrn Cambon und Herrn v. Kiderlen- Waechter über diese Frage stattgefunden hatte. Wie dem.Echo de PariS' aus guter Quelle versichert wird, ist der A b st a n d zwischen Deutschlands Forderung und Frankreichs Angebot beträchtlich. Deutschland verlangt daS mittlere Kongogebiet, wodurch Frauzösisch-Kongo in zwei Teile geteilt würde. Herrn Cambon werden neue Instruktionen gesandt werden, über die striktes Stillschweigen bewahrt wird, wie überhaupt der Gaug der Verhand- lungen geheim gehalten wird, bis ein Resultat erzielt ist. Nächsten Dienstag treten die Minister zu einem neuen Ministerrate zusammen._ Das Ende der Notstandsdebatte. München, den 13. Oktober 1911. EndloS zieht fich die Debatte über die N o t st a n d S i n t e r- pellationen hin und verliert mehr und mehr an Wirkung. Selbst unseren Genoffen Schmitt-München und Simon- Nürnberg will e» trotz lebhaften Vortrages und vortrefflichen Materials nur schwer gelingen, die Aufmerksamkeit des HauseS dauernd zu erhalten. Bei den vielen anderen Rednern aus allen Fraktionen hört zumeist ein kleines Häuflein intimer Parteifreunde zu. Recht begreiflich ist e«, daß das Zentrum da» dringende Be- dürfniS fühlte, nach der Rede des Dr. Heim dem Dr. Pichler einen Helfer zu senden in der Person eine« der schlimmsten Zöllner, deS Abg. Speck. Aber auch er konnte die eingeworfenen Fensterscheiben nicht wieder flicken. Den Freisinnigen ruft er zu:.Ohne Agrar- zölle keine Jndustriezölle. Hand wird nur von Hand gewaschen; wenn dunehmenwillst. sogib!' Den Sozialdemokraten gegenüber behauptet er, daß die Löhne koloffal, ja unerträglich gestiegen sind. Zwei Parteifreunde des Herrn Speck machen fich nun daS Ver» Lnügen. die Sozialdemokraten als.Baueriifeinde' und.Bauern- mörder' durch die bekannten im Sinne gefälschten Zitate zu ver- Nichten. Die Bemerkung der.Münchener Post' in der Donnerstag- nummer. daß die Sozialdemokratie noch nie die kleinen Bauern und Handwerker enteignen wollte, bildete für den einen der Herren den Ausgangspunkt seiner unwahrhaftigen Zitierkunst. Auch ein Spaßmacher in dieser ernsten Sache trat noch in der Person des Abgeordneten Eisenberger auf, dem eS durch seine mehr oder minder gelungenen Witze gelang, ein sehr dankbares Publikum um sich zu sammeln. Durch mancherlei Angriffe auf unsere Partei veranlaßt, nahm schließlich noch Genoffe Auer da» Wort zur energischen Abwehr. Der Herr Minister des Innern v. Brrttreich hat. auch auS den Debatten nichts gelernt, und so bleibt alles beim alten und das Volt hungert weiter. Keine ganz vereinzelte Ansnahme! Auch die.Tägliche Rundschau' widmet den E»t- hüllungen, die der Mettemich-Prozeß über daS Schürzenstipendium eines adelig«» Trägers des vornehmsten Rockes gebracht hat, recht lormoyante Betrachmngen. Durch den sträflichen Leichtsinn des jungen Mannes stj da» OffizierkorpS in seiner Gesamtheit beschimpft worden. Gewiß sei das OffizierkorpS in seiner Hauptmasse gesund— ober dam, kommt doch das intereffante Geständnis: .So weit gehe ich nicht, zu behaupten, derartiges könne sich bei uns nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen ' ereigne». Nicht jeder der über LebenSkühruiig und Geld« Wirtschaft laxe« u s f g f's»„ g»„ hegt, wird derart öksent- lick an den Pranger gestellt, wie dieser junge Offizier. Mancher rettet sich„„arstraft hindurch in geregeltere Verbalmiffe oder— geht geränschloS unter. Diese Fälle sind so selten leider nicht, daS wissen wir alle.' Darum wird dann unnachsichtige Strenge gegen Offiziere ge- fordert, die derart Heer und Marine zur llnehre gereichten. Man müffe das Uebel an der Wurzel packen. Am System der Jugend- «rziehung sei die besiernde Hand anzulegen. Dergleichen hat man ja schon öfter gehört— auch werden wir solche Klagen und Mahnungen nicht zum letzten Male gehört haben. Ob aber daS Jammern und Klogen über den das OffizierkorpS zersetzenden.Materialismus' und.MammoniSmuS' etwas fruchte» werden? Wie sollten die Söhne nicht»ach Geld und Gut und Gcnüffen jagen, deren Eltern der Liebesgaben und Zollwucher- Prämien genug ergattern können I Dem, daß im Wesen deS M i l i- tarismnS selbst ein so ideale» Moment läge, da» gegen die Materialistischen Verlockungen der entfesielten lapitalistischen Profit- und Genußgier immunisieren könnte, wird ein normaler Mensch hoch kaum zu behaupten wagen» Die Pläne des�lottenvereins charakterisiert im«Berliner Tageblatt" der ehemalige Oberst G ä d k e folgendermaßen: „lind schon werden unS immer neue.Beschleunigungen' in Aussicht gestellt; denn auch nach Ersatz aller jener Schiffe er- reicht Misere Flotte im Jahre 1917 nur etwa 80 Prozent vom vollen Kampfeswert; eS ist also klar, daß mau zu jene»» Zeit- Punkt die übrigen 20 Prozent amnclden wird. Habe ich recht mit der Schraube ohne Ende? Im Jahre 1920 sind doch selbst- verständlich unsere ersten DreadnoughtS mit ihren 28-Zeilti- metcr-Geschützen(die dann natürlich zur Mittelartillerie er- klärt werde») und der uligeschickten Aufftellimg ihrer sechs Panzertürme— ist selbstverständlich der 16 300 Tonuen-Panzer- kreuzer.Blücher' völlig veraltet und nur noch ein schwiinmender Sarg. Der letztere ist ja wahrscheinlich in der Tat eine etwas verfehlte Konstruktion, die durch falsche Nachrichten über das englische Bauprogramm hervorgerufen wurde— aber immer ein brau-pbarer Panzerkreuzer. Kurz, letzten Eudes läuft die Sache darauf hinaus, daß wir alle vier Jahre 1t oder 16 Schlachtschiffe auf Stapel legen sollen und sonnt bei ihrer Dienstzeit von zwanzig Jahren eine Flotte von 70 bis 76 anstatt der gesetzlich vorgeiehenen 68 KampseSeinheiten haben werden. Das ergibt— ohne die kleinen Kreuzer, die Torpedo-, die Unterseeboote, die Spezialschiffe zu rechnen— alljährlich eine Summe von etwa 170 Millionen Mark allein für Linienschiffe und Linienschiffskreuzer." Originell ist es übrigens, daß der gegen die Pläne des Flottenvereins eifernde Herr Gädke selbst auf eine„Lücke" unserer Flottenrüstungen hinweist: tiämlich die geringe Zahl der U n t e r s c e b o o t e. Man höre über die Zahl der kriegs- bereiten Unterseebote seltsame Dinge. Keine Frage aber sei, daß eine starke Macht von Torpedobooten und Unterseebooten die Blockierung der deutschen Küste durch eine englische lotte aufs äußerste erschweren, daß sie zugleich den englischen andel in der Nordsee völlig lahmlegen könne. Hier möge man das Reichsmarineamt zu größerer Beschleuni- gung treiben. Natürlich empfiehlt Herr Gädke die Vermehrung der Unterseebote, weil er sie für billiger als die von, Flotten- verein propagierte Schlachtschiffvermehrung hält. Regierung und Mehrheitsparteien werden nun zwar schniunzelnd die frei- sinnige Forderung der Vermehrung der Untersecbote akzeptieren, ohne aber auf die Verstärkung der Schlachtschiffe zu verzichten! Ueber das System Althoff machte auf dem Hochschullehrertag Profeffor Max Weber-Heidelberg allerhand intereffante Ausführungen, von denen wenigstens folgende Stichproben wiedergegeben seien: .Er hat die preußischen Universitäten in technischer Beziehung auf ein außerordentlich hohe? Niveau gehoben, und ich kann in persönlicher Hinsicht dem Manne gar nicht» nachsagen, als daß es einen NcpotiSniuS unter ihm nicht gab. Nur muß hinzugefügt werden, daß � er bei allen Maßnahmen von der Hypothese ausging, daß jeder Mann, mit dem er zu tun hatte, ein Schuft oder ein ganz ordinärer Streber sei. Denken Sie sich nun die Situation eines mittellosen Dozenten, der zum ersten- mal in die Lage kommt, mit Althoff zu verhandeln. Da liegt eS in der Tat sehr nahe, daß der betreffende junge Mann, wenn er andauernd dieser Einwirkung ausgesetzt ist, wirklich auf die Bahn gedrängt wird, auf der Althoff ihn ver« mutete.... Der Einfluß des Althoffschcn Systems hat direkt korrumpierend gewirkt. Man hat gesagt, daß das preußische Abgeordnetenhaus weiter nichts sei als die Patronage für die Söhne der führenden Politiker. Nun, die Regierung muß mit den politischen Parteien rechnen, und sie sucht sich daS Entgegeiikommen zu verschaffen nicht durch politische Zugeständniffe, sondern durch Vor- teile auf persönlichem Gebiet. Am meisten haben darunter die II n i v e r s i t ä t e„ gelitten. Ich bemerke, daß ich dem Geheimrat Althoff persönlich außerordentlich dankbar bin. Die Freude über das persönliche Schicksal wurde mir aber vergällt durch die sichere Beobachtung, daß meine auffällige Pro- tektion im Zusammenhang stand mit dem national» liberalen Abgeord neteilmandat meines Vaters.... Ich bedauere, daß Kollege» einen Revers unterschrieben haben. 'Dieses Reverssystem stammt vom preußischen Ministerium. Auch mir hat man seinerzeit zugemutet, einen Revers zu unterschreiben, in dein mir ein geheimer Lehrauftrag angesonnen wurde. AlS ich fragte warum, da sagte mau mir, der Lehraustrag müffe geheim bleiben, weil sonst die Professoren Brunner und Giercke gegen meine Ernennung stimmen würden. Es wurde mir also direkt eine Unanständigkeit angesonnen. Nun denken Sie sich einmal, daß ein junger Dozeilt von einem hohen preußischen Ministerialbeamten besucht wird, und daß diesem jungen Dozenten die gleiche Unanständigkeit zugemutet wird— wird man auf den jungen Mann Steine werfen können, weil er objektiv etwa« Unanständiges dann begeht? Ich meine, eS könnte jeder froh sein, der mit weißer Weste auS diesem Fuchsbau herauskommt, wie ihn die Unterrichts- Verwaltung unter Slthoff darstellte.' Die preußischen Herren Profefforen erhoben entrüsteten Einspruch gegen diese Kennzeichnung deS preußischen WiffenschaftS- betriebeS und der geradezu verächtlichen Rolle, die daS Kultus- mininisterium Hochschullehrern zuzumuten wagen darf. Da» Be« merkenswerte dabei aber war, daß diese preußischen Opponenten die von Weber behaupteten Tatsachen nicht zu bestreiten wagten! AlS Max Weber später die Versicherung abgab, daß er über die preußische Unterrichtsverwaltung nicht» gesagt habe, waS er nicht beweisen könne, daß er alles mit Briefen zu be- legen in der Lage sei, erklärten die Herren, daß«» ihnen durch- auS fern liege, die Wahrheitsliebe des Heidelberger Profeffor» an« zuzwelfeln. Dieser konnte denn auch mit der beißenden Bemerkung schließen,»daß die Menfchenverachtung AlthoffS nicht alleinseineSchuld gewesen sei.' Polnisches. In den.Nowiny RaciborSki' erläßt das polnische Wahlkomitee von Ratibor folgenden Uka«: „In den Wahlversammlungen ist jedem Teilnehmer gestattet zu reden, wenn er mindestens einen Tag vorher dem Komitee, zu Händen de» Herrn Vorsitzenden(Dr. Rostek, Ralibor), schriftlich den Inhalt der beabsichtigten Rede mitteilt und daS Komitee ihin dann das Reden erlaubt.' Jedem Teilnehmer ist cS also gestattet zn reden, wenn er um Erlaubnis gefragt und ihm das Komitee daS Rede» erkaubt hat. Nicht übel!— Die revolutionäre Bewegung in China. Hnnknu, 14. Oktober. Die hiesigen fremden Kon- s u l n hoben das diplomatische Korps in Peking ersucht, bei der chinesischen Regierung wegen des angedrohten B o m- bardements von Wn' tschang durch die chinesischen Kreuzer Vorstellungen zu machen und darum zu er- suchen, daß der das Geschwader kommandierende Admiral Sachengping angewiesen werde, die Operationen so zu leiten, dcß.Hankau und die fremden Niederlassungen durch die Be» schießung nicht gefährdet würden. Als Alternative wird vor- geschlagen, es solle eine hinlänglich frühzeitige Ankündigung des Bombardements erfolgen uitd die Regierung die Ver- Pflichtung KeA Schadenersatzes für jede N.C' schädigung fremden Eigentums übernehmen. Dem Ver- nehmen nach hat das diplomatische Korps in Peking heute nachmittag eine Besprechung über die Angelegenheit. Kleine Abteilungen loyaler Truppen kommen an und werden ausgeschifft, ohne angegriffen zu werden, Die Streitkräfte der Revolution. Hankan, 14. Oktober. Die aufständischen T r u' p- Pen fahren fort, Jagd aufMandschus zu machen, von denen 800 getötet worden sein sollen. Der revolutionäre General L iy u a n h u n g gibt die Zahl seiner Tru- Pen auf 25 660 größtenteils ausgebildete Sol« d a t e n an und erklärt, er habe Geldmitel in Hülle u n d F ü l l e. Agenten seien nach H u n a n gesandt worden, um Reis für die Armee der Aufständischen zu kaufen, die der kaiserlichen Armee entgegenziehe. Der revolutionäre Vize- könig Tanghualing erklärte dem Korrespondenten des Reuterschen Bureaus, das Ziel der Revolution sei, China in eine Republik umzuwandeln. Wenn die gegenwärtigen Steuern rechtschaffen verwaltet würden, wären sie ausreichend, um das Land in den Stand zu setzen, die Last seiner Verpflichtungen zu tragen und die Ausgaben für die öffentlichen Arbeiten zu bestreiten. Man könne die Eisenbahnen vielleicht ohne die Unterstützung durch fremde Anleihen bauen, doch könne man auch Geld durch Anleihen beschaffen, wenn es notwendig sein sollte. Auf alle Fälle sei man entschlossen, mit den Ausländern in Freundschaft zu leben. Rückberusung Nuanschikai. Peking, 13. Oktober. Uuanschikai ist durch kaiserliches Edikt zurückberufen und zum V i z e k ö n i g von H u k u a n g, das die Provinzen Hupeh und Hunan umfaßt, er- nannt worden. Er soll sich unverzüglich nach Wutschang be- geben, um dort die Staatsautorität wiederherzu- stellen. Admiral Sachengping und General Uinchang sind ihm zu diesem Zwecke unterstellt worden. Revolutionäre Stimmung in der Armee. Frankfurt a. M., 14. Oktober. Der„Frankfurter Zeitung" wird zu der Aufstandsbcwegung in China gemeldet, �aß die Truppen von Tetschili unter dem Kommando des Generals Winpinfu nach dem Aufstandsgrbiet abgerückt sind, wo sie in vier Tagen eintreffen dürften. Die Revolutionäre haben die beiden großen Prä- fekturcn von Tschetschuan, und zwar Surichensu und Kiatsing eingenommen. Sie gelangten dadurch in den ßksitz von großen Mengen Proviant und sind in der Lage soviel Munition herzustellen, wie sie brauchen. ES haben sich bis jetzt 21 000 Soldaten dem Auf st and angeschlossen. Der Rest der Truppen von Tschetschuan erscheint ebenfalls nicht mehr s i ch e r und man glaubt, daß sie sich bald den Revolutionären anschließen werden. Die Revolutionäre haben einen Teil der Brücken der Peking- Hankaulinie zerstört. Dadurch ist der U ebergang der von Peking heranrückenden Truppen über die Flüsse, die sehr breit sind, unmöglich ge- macht. Dazu kommt noch, daß die von Peking kommenden Truppen ihren Proviant mitführen müssen, während die Revolutionäre alles an Ort und Stelle finden. Auch sind keine Nachen vorhanden, um die Truppen über die Flüsse zu setzen. ES sind die w i l d e st e n Gerüchte im Umlauf. So heißt eS, die Truppen von Tschetschuan, die der Vizekönig fortgeschickt hatte, weil er sie nicht für sicher hielt, seien auf dem Rückmarsch begriffen, um sich den Revolutionären anzuschließen. Uebrigenß haben sich die Truppen von Tschetschuan, die als die zuverlässigsten zurückbehalten wurden, ebenfalls zu den Revolutionären geschlagen. Ueber Peking ist der Kriegszustand verhängt worden. Die Bestürzung in RcgierungSkreisen ist eine ganz allgemeine und man gibt offenzu, daß dies« revolutionär« Bewe- gung die s ch w i e r i g st e ist, die China seit Jahrhunderten zu erdulden hatte. Man sieht immer mehr, daß die Bewegung sich gegen die Mandschudhnastie richtet. Auch wird erwartet. daß in C an ton, wo die Revolution schnell an Boden gewinnt, heller Aufruhr entstehen könnte. Viele Familien sind bereits nach Hongkong geflüchtet. Ebenso werden Meutereien in Rang- k i n g befürchtet, wo namentlich die 9. Militärdivision wiederholt Zeichen gegeben hat. daß sie sich der Disziplin nicht fügen will Entsendung deutscher Schiffe. S. M. S. Kreuzer„Leipzig", zurzeit in Schanghai, hat Befehl erhalten, nach Hankau zu gehen. Da» Kanonenboot„Iltis" geht nach Nangking und der Kreuzer„Nürnberg" von Tsingtau nach Schanghai. Der Führer der Revolution. Peking, 14. Oktober. An der Spitze der revolutionären Be« wegung steht S u n h a t s e n, der sich bereits früher durch revolutto- näre Bestrebungen bemerkbar gemacht hat. Die chinesische Re- gicrung hat auf seinen Kopf eine Prämie bis zu 250 000 Franks ausgesetzt,«S ist ihr jedoch nicht gelungen, seiner habhaft zu werden. Bor Jahren war eS einem Chinesen in London gelungen, ihn nach der chinesischen Gesandtschaft in London zu locken, wo er mit Hilfe anderer Chinesen in Fesseln gelegt wurde und nach China heimlich transportiert werden sollte. E» gelang jedoch Sunyatsen die englische Regierung von seiner gewalttätigen Bcr- Haftung in Kenntnis zu setzen, die seine sofortig« Freilassung veranlaßt«. Rolland. Die WahlrechtSsrage und das End« der Obstruktiou. In der stürmischen Kammcrsitzung vom 20. September wurde bekanntlich das Verlangen der Sozialdemokraten, die Thronrede durch eine Adresse zu beantworten und so die WahlrechtSsrage zur Behandlung zu bringen, von der klerikalen, Mehrheit durch An- nähme eines Gegenantrags deS christlich-historischen Abgeordneten brutal niedergeschlagen. Dieser GewaltSakt rief natürlich bei der Opposition große Erregung hervor, und Genosse T r o e l st r a sagte den Herren von der Rechten in aller Deutlichkeit, daß die sozial- demokratische Fraktion von nun an Obstruktion treiben werde, und es namentlich auch zweifelhaft sei. wann die Kammer unter diesen Umständen mit dem Etat fertig werde. Inzwischen ist den K l e r i« kalen vor der Obstruktion bange geworden, und in der Kammcrsitzung vom 11. Oktober ließen sie durch den katholischen Abgeordneten NolenS erklären, daß sie damit einverstanden seien, wenn die Wahlrechtsfrage noch vor dem indischen Etat zur Behandlung komme, was denn auch von der Kammer beschlossen wurde. Die sozialdemokratische Fraktion hatte sich unter dieser Voraussetzung bereit erklärt, wieder in der gewohnten Art und Weise an den Arbeiten der Kammer teilzunehmen. Amerika. Pannmerikn. Sacramento(Kalifornien), ig. Oktober. Präsident Taft er- klärte in einer Rede, jeder müsse anerkennen, daß in der brüder- lichen V e r e i n i g u n g d e r 21 R e p u b l i k e n. die die sogenannte panamerikanische Union bilden, die Vereingten Staaten daS fuhrende Land sind. Alle müßten die Hoff- nung hegen, daß durch den Einfluß der Vereinigten Staaten und der anderen Lander. Pw im Friedenszustand sind, jene Länder, di« im Kriegszustand sind, zum Frieden gebracht werden mögen. Gew�rfefcbaftUcbee» Hn die Hrbeiterfcbaf 1 1 Wieder ist die Zeit gekommen, zu der eine große Zahl von Proletarierkindern in das Handclsgewerbe eintreten, um sich dem kaufmännischen Berufe zu widmen. Mit hoch- gespannten Erwartungen treten die jungen Leute ihre so- genannte Lehrzeit an; glauben sie doch vielfach, späterhin als selbständige Kaufleute ein besseres Leben fuhren zu können. Nur zu bald lernen sie erkennen, daß ihre Hoffnungen trügerisch und daß die Aussichten für die Zukunft nicht gerade verlockend sind. Ueberlange Arbeitszeit, schlechte Behandlung und ungenügende Bezahlung sowie mangelhafte Ausbildung sind die hervorstechendsten Mißstände, unter denen die jugend- lichen Handlungsgehilfen zu leiden haben. Da erscheint es an- gebracht, darauf hinzuweisen, wie notwendig es ist, daß die jungen Leute sich ihrer Berufsorganisation anschließen, die ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht. Die zum Schutze der Handlungsgehilfen geschaffenen Gesetze werden von den Unternehmern in einer großen Zahl von Fällen über- treten, worunter namentlich die jugendlichen Handlungsgehilfen schwer zu leiden haben. Bei den vielfach sehr schlechten Ar- bcitsräumen, die den Anforderungen der Hygiene nicht entsprechen. leidet der jugendliche, in der Entwickelnng befindliche Organismus recht empfindlich und Krankheit und vorzeitiges Siechtum sind die Folgen der überlangen Arbeitszeit in un- gesunden Geschäftsräumen. Hier setzt die Arbeit der I u g e n d s e k t i o n des Zcntralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands ein, die durch Aufklärung der Beteiligten und durch die Ueberwachuug der gesetzlichen Bestimmungen auf Abstellung der Mißstände hinwirkt. Darum sorge jeder Arbeiter dafür, daß seine im Handelsgewerbe tätigen Kinder sich- der gewerkschaftlichen Organisation, dem Zentralverband der Handlungsgehilfen, als Mit- glicder anschließen. Die Arbeiter müssen es verhindern, daß ihre Kinder Mitglieder bürgerlicher Vereine werden, die den Arbeitern bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Rücken fallen und �sie über die Schulter ansehen. Darum hinein mit Suren Söhnen und Töchtern, die im Handels- gciverbe tätig sind, in den Zentralverband der Handlungs- gchilfcn. Nähere Auskunft erteilt in Berlin die Geschäftsstelle, Neue Königstr. 36, Telephon VII. 1622. Lerlin und Qmgeg-end. Zu dem Streik der Former und Giehereiarbeitcr nahm eine Betriebsversammlung von Borsig, die am Sonnabendabend bei Trapp in Tegel stattfand, Stellung. Am Freitag wurde in einer Werkbesprechung bei Borsig die Strciklage erörtert, und Herr v. Borsig hielt selbst einen Bortrag darüber. Wie im„Bor- wärts" berichtet wurde, hatte Adolf Cohen gewünscht, zu dieser Besprechung eingeladen zu werden, um die„Mißverständnisse", von denen Herr v. Borsig vorher gesprochen hatte, klären zu helfen. Ter Wunsch Cohens wurde nicht erfüllt. Da die Arbeiter aber großen Wert darauf legten, die Ängclegenheit gerade von der Seite dargestellt zu bekommen, zu der sie volles Vertrauen haben, so luden sie Cohen zu dieser Betriebsversammlung, die außer- ordentlich stark besucht war. ein. Cohen unterzog sich der gestellten Aufgabe mit viel Gründlichkeit und gab nach seineni Akten und Be legen ein Bild der Verhandlungen und der Vorgänge, die zuletzt isii dem Streikbeschluß führte». Die Versammelten- hörten den Redner mit großer Aufmerksargkeit an und ihre Haltung ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß sie den Streik als wohlberechtigt anerkannten. Cohen besprach dann noch kurz den gegenwärtigen Stand der Bewegung. Die Mahnung an die ringfreien Betriebe, keine Streik arbeit zu übernehmen, scheine ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Zwar hätten sich die Unternehmer vielfach nach auswärts gewandt, ober die Streikleitung habe ihre Maßnahmen dagegen getroffen. Wenn in Notizen der bürgerlichen Presse davon die Rede war, daß in einer Sitzung des Verbandes der Metallindustriellen von einer Aussperrung der Arbeiter nicht die Rede war, so sei die Annahme wohl gerechtfertigt, daß der Gedanke der Aussperrung wohl Gegenstand der Erörterung gewesen, daß man aber aus guten Gründen davor zurückgeschreckt sei. Ein Schreiben des Verbandes der Metallindustriellen ist der Streikleitung zugegangen, und zwar am 13. d. Mts., als Antwort auf die Mitteilung vom 9. d. Mts. über die Beschlüsse der Arbeiter- Versammlungen. TaS Schreiben wird in der nächsten, Streikver- sammlung bekanntgegeben werden. Zur Berliner Zignrrenarbciterbewegung. Seit ö Wochen stehen in Groß-Berlin die Zigarcenarbeiter in der Tarif- reip. Lohnbewegung. Dtehr und mehr sehen sich Fabr»- kanten genötigt, dem Druck der öffentlichen Meinung weichend, den Arbeitern, wenn nicht den vollen Tarif, so doch eine bessere Entloh- nung zu bewilligen als wie vordem. Immer geringer wird die Anzahl der Fabrikanten, die den berechtigten Wünschen der Ar- beiter ein starres Nein entgegenzusetzen wagten. Alle Künste der pfiffige» Geschäftsmenschen, alle Redensarten von ungünstiger Konjunktur und dem schlecht gewählten Zeitpunkt der Bewegung haben es nicht vermocht, der gerechten Sache Einhalt zu tun, die von der Sympathie der Bevölkerung getragen, ihren Gang vor- wärtsgeht. Eines aber darf hier gesagt werden: Es glaubt manch einer, vor der Bewegung sich noch verstecken zu können, der auf Grund seiner sonst zur Schau getragenen Ueberzeugungcn die Pflicht hätte, bei dieser so pupulären Sache den Rädern in die Speichen zu greifen. Hier trifft das Wort zu: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Welche Gründe werden nicht hcrvorgesucht, um sich zu sal- vieren, um nur ja nicht in die eigene Tasche greifen zu müssen. Auch von feiten der Gastwirte wird unter allerhand nichtigen Ein- wänden versucht, einer ernsthaften Stellungnahme auszuweichen. Wer ein tüchtiger Kerl sein will, der sei es nicht bloß mit dem Munde. Auch eine Anzahl sonst bewährter Parteigenossen, selber früher Tabakarbeiter, jetzt Fabrikanten, wollen noch immer passiv bleiben. Dann aber sollen sie sich erklären. Hier ist die Rose, hier tanze. In solchen Fragen hat man seinen Mann zu stehen, auch wenn es mitunter bitter sein mag. Noch ist es Zeit und wir harren der Einkehr. Arbeiter, Raucher! Kaust nur dort, wo die grünen Plakate aushängen! Beachtet die Veröffentlichungen derjenigen Firmen, die be- willigt haben. Arbeiter, Raucher! Achtet darauf, daß die Zigarren, welche in Kantinen und Fabrikkonsumanstalten verkauft werden, ebenfalls von Betrieben bezogen werden, wo die Verhältnisse geregelt sind. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Zur Lohnbewegung der Tabakarbeiter wird unS aus Spandau geschrieben: Die hiesigen Tabakarbeitcr sahen sich infolge der teuren Lebensverhältnisse ebenfalls gezwungen, den Fabrikanten einen Lohntarif zu unterbreiten. Ter durchschnittliche Arbeitslohn be- trug bis jetzt pro Woche 16 M. oder 9,50 M. pro Mille. Gefordert wird ein Minimallohn von 11 M. pro Mille und eine neunstündige Arbeitszeit. Einige Firmen haben den Tarif bereitwilligst schon anerkannt. Wir ersuchen nun die Spandauer Arbeiterschaft, uns in unserem Kampf zu unterstützen und ihre Zigarren nicht bei Händlern zu kaufen, welche ihre Waren bekanntlich au? Gegenden bezichen, wo die Fabrikanten ihre Arbeiter zu den niedrigsten Lohnbedingungen beschäftigen. Gleichzeitig ersuchen wir die Ar- beiter der königlichen Institute, Zigarren, die ihnen in der Fabrik angeboten werden, zurückzuweisen, weil jene Arbeiter der könig- lichen Institute wohl gerechtsertigterweise für sich einen annehm- baren Lohn verlangen, damit sie und ihre Familien existieren können, im übrigen aber nicht danach fragen, ob die Gruppe der Tabakarbeiter unter den denkbar schlechtesten Lohnbedingungen ar- beiten muß. Zur Entschuldigung jener Arbeiter-Zigarrenhändler mög dienen, daß sie vielleicht so wenig Lohn in den königlichen Jnsti- tuten bekommen, daß ihre Frauen, die meistens die Inhaber von Zigarrengeschäften sind, gezwungen sind, diesen Nebenerwerb zu betreiben, um ihre Ausgaben, die ihnen der heutige Staat aus- erlegt, bestreiten zu können. Ob dies dem Herrn Kriegsministcr vielleicht bekannt ist? Noch einmal: Arbeiter, Raucher Spandau?, unterstützt unS in unserem Kämpfet Ter Vertrauensmann der Tabakarbeiter Spandaus. Ter Wert der getverkschaftlichen Organisation wurde dem Personal der Großen Berliner Straßenbahn am Frei tag, den 13. dieses Monats, von der Direktion recht drastisch vor Augen geführt. Während der Lohnbewegung der Angestellten im August wurde von der Direktion versprochen, daß die Ersatzbedicii- steten anstatt nach zwei Jahren in der Zukunft nach einjähriger Beschäftigung in ein festes Arbeitsverhältins übernommen werden sollten. Am 1. Oktober sollte die Anstellung erfolgen. Jedoch über 299 Ersatzfahrer wurden nicht angestellt, weil sie angeblich„zu viel Strom verbraucht" oder weil sie sich„nicht cinwandsfrei ge- führt" hätten. Bei mcbreren wurden auch gar keine Gründe an- gegeben. Daraufhin rief der Transportarbeiterverband zum oben genannten Tage eine Versammlung für die Straßenbahner nach dem Saale der Brauerei Friedrichshain ein. In der Vcrsamm- lung, in der zunächst der Genosse Bauer, 2. Vorsitzender der Gc- neralkommission, über das Privatbeamtengcsetz und die Ruhe- gehaltskasse der Großen Berliner«traßenbahn sprach, erklärte dann der Genosse O r t m a n n. daß die Anstellungssrage der Er- satzbediensteten eigentlich erledigt sei. Denn die Direktion habe, als ihr Mitteilung von der Ankündigung der Versammlung ge- macht wucoe, im Eiltempo verfügt, daß die Anstellung sofort vorge- nomine» werden solle. Ter Lorsitzende, Genosse Rath mann, sprach seine Freude darüber aus, daß die Ankündigung einer Ver- sammlung genügt habe, um den Ersatzbediensteten zu ihrem Rechte zu verhelfen, andererseits aber auch, daß dem Personal in recht drastischer Weise zum»Ausdruck gebracht sei, welchen Wert die ge- werkschaftliche Organisation habe. Es wurde dann noch darauf hingewiesen, daß der Abzug der Beiträge vom Lohn für den Gelben Verein nicht der Würde eines Großbetriebes, wie der der Großen Berliner Stratzendahngesell- schaft, eni spreche, um so weniger, als ein erheblicher Teil der jüngeren Eingestellten erst gar nicht gefragt wurde, ob die Leute Mitglied im Verein werden wollen oder nicht. Es wurde nach- folgende Resolulion angenommen: »Im Verein der Angestellten der Großen Berliner Straßen- bahngesellschaft werden unter Berufung darauf, daß der Verein eine Einrichtung zur Förderung der wirtschaftlichen Verhält- nisse der Angestellten sei. die Beiträge vom Lohn abgezogen. Zum Teil geschieht das, ohne d'iß man die Vereinsmitglieder um ihre Einwilligung dazu ersucht, also bei einem erheblichen Prozentsatz gegen deren Willen. Die Versammelten erklären sich mit diesem die persönliche Freiheit des einzelnen beschränkenden Zustand nicht einverstan- den und wünschen, daß in Zukunft die Beiträge nicht mehr vom Lohne abgezogen werden, sondern daß es jedem Milgliede über- lassen bleibt, seine Beiträge selbst zu bezahlen." Diese Resolurion fand cinstimmige Annahme, Achtung, Gasiwirtsgehilfen! Das Lokal..Prachffäle Alt- Berlin", Blumenstraße 19, Inhaber O. Baatz, ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt.— Ter Unternehmer weigert sich hart- näckig, den Acbe'tsnachweiS des Verbandes deutscher Gasiwirtsgehilfen anzuerkennen, um immer solche Arbeitskräsle nnsiellen zu können, die mit der Miserablen, Kost und den icklechtew Arbeits- Verhältnissen zufrieden sind. Herr Baatz hielt seine früheren wieder- holten Versprechen aus Verabreichung besserer Kost und Anerken- nung des Arbeitsnachweises nicht. Verband deutscher Gasttvirtsgehilse«. Deutfchcs Reich. Das Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe Ijat sich neu konstiluiert und den Oberregierungsrat Mayo-Mün- chen zum Vorsitzenden bestellt. Die nächste Tagung beginnt am 16. Oktober im Reichstags- gebäude. Dem Zentralschiedsgericht liegen zirka 39 Eingaben ver Vertragsparteien zur Beratung und Entscheidung vor. Tie letzte Spruchsitzung fand im März d. I. statt. Die Erledi- aung der Geschäfte des e-ch'.edsgerichts hat dadurch eine Unter- brechung erlitten, daß der bisherige Vorsitzende Geheimrat Wied» seid den Vorsitz nicht weiterfuhren lonnce und die Vertragsparteien sich recht schwer und erst nach wiederholten Verhandlungen aus einen anderen Unparteiischen einigen konnten. Die Schwierigkeit ist nun beseitigt und steht zu hofsen, daß in der kommenden Zeit die Arbeiten schneller erledigt werden. Beendete Lohnbewegung'in der Bielefelder Nahmaschinen-. Fahrrad- und Automobilindustrie. In fünf großen Versammlungen nahmen die Arbeiter am Donnerstagabend Stellung zu den zwischen den Vertretern der Parteien getroffenen Vereinbarungen In zwei Versammlungen sprach sich die Mehrheit gegen die Annahme der Vereinbarungen aus, das Eesamtresultat ergab jedoch eine mehr als Dreiviertel- Mehrheit.— Die Arbeiter haben somit erzielt: 1. eine Verkuizung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche; 2. eine Erhöhung der aufbesserungsbedürftigen Akkordsätze; 3. eine Aufbesserung der Stundenlöhne für alle über 18 Jahre alten Arbeiter um 3 Pf. für Stundenlohn unter 49 Pf., und um 2 Pf. für Löhne über 49 Pf.; 4. die Festsetzung eines Stundenlohnes für Akkordarbeiter ihren Leistungen entsprechend und 5. eine größere Stetigkeit des Arbeits- Verhältnisses. Das bedeutet einen beachtenswerten Erfolg. Eine Unbequem- lichkeit mußte mit in Kauf genommen werden: die Frühstücks- und Vesperpausen kommen in Wegfall. Da? war erne Bedingung der Firma Türkopp u. Co. Doch ist von den Direktoren jedes Betric- es zugestanden worden, daß ein Frühstücks- und Vesperbrot neben der Arbeit eingenommen weiden kann. Die Annehmlichkeit eines früheren Arbeitsschlusses um eine halbe Stunde ist nickt zu unter- schätzen. Die Gewerkschaften können mit Genugtuung auf die Le- wegung und ihren Ausgang zurückblicken. Hetzte ffochricfiten. Die revolutionäre Bewegung in China. Peking. 14. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagcntur.) Das Ministerium des Innern hat der chi- nesischen Presse verboten. Meldungen aus der Provinz Hupch zu verbreiten. Gestern ist es nur gelungen, die ersten Abteilungen der sechsten Division unter General Wulutscheng nach dem Süden zu senden. Heute ist der Verkehr der Personenzüge ein- gestellt worden, damit Truppen nach dem Süden befördert werden können. In Wutschang haben die Ausrührcr große Kriegs- Vorräte und bares Silber erbeutet. Die Arsenale und Pulver- fabriken arbeiten unter Aussicht der Ausrührcr. Aus Schang- Hai sind zwei Kreuzer und cm Kanonenboot nach Wutschang entsandt worden. Das Organ der KonstitutionSkammcr Gomingubao be- zeichnet die jetzige Meuterei als größer und gefährlicher als den Talpingaufstand, schlägt vor, Beamte mit Diktatorgewalt abzu- senden, und sagt, nur durch Abkehr von den früheren Fehlern könne die Regierung der AusbreUung der Meuterei auf daS ganze Reich vorbeugen. Hankau, 14. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die Revolutionäre beabsichtigen, die beiden durch kaiserliches Edikt entsandten Divisionen in der Provinz Honan zu erwarten. Die revolutionäre Regierung hat den Konsuln mitgeteilt, sie sei an die Stelle der früheren Regierung getreten.— Ter Telegraph befindet sich in den Händen der Revolutionäre, die chinesische Telegramme der Zensur unterwerfen, während die Tele- gramme der Fremden der Zensur nicht unterliegen. Die Europäer führen ein Lagerleben._ Eröffnung der türkischen Kammer. Konstantinoöel, 14. Oktober. Unter dem üblichen Zeremoniell hat heute nachmittag die feierliche Eröffnung der außer- ordentlichen Parlamentssession stattgefunden. Ter Sultan erschien >n Begleitung des Thronfolgers, zweier Prinzen und der Hof- Würdenträger. Gleich darauf verlas der G r o ß w e s i r die Thron- rede, die die Senatoren und Deputierten stehend anhörten. Sodann verrichtete der Scheich-ul-Jslam die üblichen Gebete, wobei auch die Vernichtung Italiens, das die Türkei verräterisch angc- griffen habe, erfleht wurde. Hierauf schritt die Kammer zur Wahl des Präsidiums. Die Thronrede besagt: Zu einer Ze,t, in der die Regierung in Anwendung der in der letzten Session genehmigten Gesetze zur Verwirklichung der Maßnahmen zur fortschreitenden Entwicklung des Landes schritt, um so nach und nach die unzähligen Irrtümer und Vernachläffi- gqngen der Vergangenheit wieder gut zu machen, erhielt sie das Ultimatum Italiens, durch das Italien sich bemühte, unter dem Schein der Gesetzmäßigkeit seine aggressiven Absichle» gegen Tripolis zu verbergen. Die Pforte antworletc innerhalb der festgesetzten Frist, indem sie ihre Bereitwilligkeit versicherte zu unterhandeln und die wirtschaftlichen Wünsche in Erwägung zu ziehen, soweit diese mit den geltenden Verträgen, den Rechten und der Würde de? Reiches entsprächen, und indem sie Italien bat, seine Forde- rungcn genau anzugeben, damit man unverzüglich in Unterhand- lungen eintreten könne, ohne einen Krieg in Betracht zu ziehen. Bor Ablauf der von Italien selbst gesetzten 24stüiidigen Frist eröffnete Italien die Feindseligkeiten. Während es Tripolis an- griff, eröffneten seine Schisse unter Berletzung der interiiationalen Regeln unvermutet daS Feuer auf die im Adriatischen Meere ihnen begegnenden türkischen Torpedoboote, die, ohne zu wissen, daß Feindseligkeiten bestanden, sich beeilten, die italienischen Schiffe gemäß dem unter Schiffen befreundeter Nationen herrschen. den Brauche zu grüßen. Infolge der fortwährenden Angriffe gegen gewisse türkische Plätze an der Adria, in Tripolitanien und in Cyrenaika und gegen Kriegsschiffe und Handelsfahrzeuge, welche vom Ausbruch de» Krieges nichts wußten, habe sich die Notwendigkeit ergeben, das Parlament vor der gewöhnlichen Zeit einzuberufen. Die Pforte habe sich alsbald an die befreundeten Mächte mit der Bitte um Lermittelung gewandt, um dem Krieg ein Ende zu mache« unter Bedingungen, die mit den legitimen und geheiligten Rechten der Türkei und ihrer nationalen Würde vereinbar sind, einen Krieg, der so in Widerspruch steht mit allen Prinzipien deS internationalen Rechtes und der Billigkeit, wie auch mit dem von allen Seiten ein- muilg zum Ausdruck gekommenen Rechten nach Aufrechterhaltung des Weliiriedens. In Erwartung der Ergebnisse der BermittelungSversuche und der Antworten der Mächte hat die Pforte nichtsdestoweniger di« not. wendigen Maßnahmen zur Verteidigung ihrer Rechte und legitimen Interessen ergriffen. Der unerwartete Angriff Italiens, der alle zivilisierten Böller in Staunen setzte und erregte, hat die fried- lichen und fortschrittlichen Bemühungen der Türkei gelähmt, die, die friedlichen Bestrebungen der Mächte teilend, sich einer zivilisato- riichen Ausgabe gewidmet hat. welche Parlament und Nation im Bereich der menschlichen Kräfte zu erfüllen demüht waren. Aus der Pflicht gegen die legitimen Rechte und Interessen ergibt fich die Notwendigkeit der brüderlichen Einigung der Ottomanen für di« Größe der Nation und zur Verteidigung gegen derartige Angriff«. Friede in der Bremer Brauinduftrie. Nach zehntägigem Streik ist der Ausstand der Bremer Braue- reiarbeitec mit Erfolg beendet worden. Nachdem eine Verjamm- lung der Brauereiarbeiler am Donnerstag, den 12. Oktober, das Angebot der Brauereien in bezug auf die Arbeitszeit akzeptierte. unter der Bedingung, daß in anderen Fragen bestimmte Zugestand. nisse gemacht werden, fanden Donnerstag nackls wieder Verhandlungen vor dem Gewerbcgcricht statt, wo es zur Einigung kam. Tie erzielten Erfolge sind: llshsirnidige Arbeilszcit, Lohnerhöhung von 1,25 bis 4 M. pro Woche während der Tarisdauer. Die sofortigen Zulagen betragen 1—3 M. pro Woche. Für die Prozenlefahrer wurde ein Lohn von 1999 M. jährlich gorantiert. Die Uebersiiin. den wurden um 0 und 19 Pf. aufgebessert, und anderes mehr. Eine Versammlung der Brauereiarbeiler am» Freitag, den 13. O!» tober. erllärte sich einstimmig mit dem Erreichten zufrieden. Am Sonnabend, den 14. Oktober erfolgte die Arbeitsaufnahlne, Tie Presse und das Parlament. Konstantinovel, 14. Oktober.(B. H.) Die Presse begrüßte die Eröffnung des Parlaments mit wenig hoffnungS« vollen Artikeln. Unklar ist man über die Stellung, die die ara« bische Fraktion einnehmen wird, die über einige 49 Sitze ver- fügt. Tie Araber erklären offen, daß sie. wenn die Türkei Tripolis fahren ließe, kein Interesse mehr daran hätten, unter dem Szepter des Sultans von Konstantinopel zu stehen. Entgleisang eine« Güterzuges. Sllenstein, 14. Okiober.«W T. 99.) Heule abend 8 Uhr find bei der Einfahrt im Bahnhof Roih fließ l? Wage» eines Güter- zugeS entgleist. Dabei ist ein Schaffner getötet und ein Lokomtztiv- sichrer leicht verletzt worden._ Aviatikers Sterbe». Bern. 14. Oktoberm �en- seits zugute kommen. Tie Folge ist. daß die indische Witwe schütz- los jeder Not und dem Hunger preisgegeben ist, ihr bleibt M der Regel nichts anderes übrig, aiz Bajadere zu iverden und den Tempeln zu tanzen. Nach den statistischen Feststellungen g'bt cS in Indien nicht weniger als 26 Millionen Witwen, darunter 10(XX)/ ftie kaum ihr fünftes Lebensjahr erreicht haben. Theater. Die Orestie im Zirkus Schumann. Von jener nackenden Gewalt, zu der sich Reinhardts borjähriae Oedipuö-Auf» führung erhob, war in der Darstellung der Orestie nicht viel zu spüren. Die Form, in der er dort das Alte bot. schuf diesem neue Resonanzen und WirkungSmöglichkeitm. Die Massen des Thebaner- Die große Mehrheit der Parteigenossen ist in Italien zweifei- los gegen den Eintritt eines Sozialisten in ein Ministerium. Obwohl nun dieser Eintritt jedem folgerichtigen Reformismus als ein erstrebenswertes Ziel erscheinen muß, finden wir trotzdem unter den Reformisten eine starke Strömung gegen den„Ministeria- bilismus", wie man der Kürze halber die Möglichkeit des Eintritts in ein Ministerium zu nennen anfängt. Dieses Bestreben des Reformismus, wohl A aber nicht B zu sagen, gereicht zwar seiner Folgerichtigkeit nicht zur Ehre, zeugt aber um so mehr für seinen oft bewährten praktischen Sinn und seine schier unbegrenzte An- Passungsfähigkeit. Je mehr die Partei sich von ihren Methoden abzuwenden beginnt, um so mehr konzentrieren sich die Reformisten nach links, wobei ihre Hauptsorge darin besteht, glauben zu machen, sie hätten keinerlei Wandlung erfahren und siegten weiter unter derselben Fahne, die sie längst mit einer anderen vertauscht haben. Auf diese Weise laufen die Reformisten der Masse, die sich von ihnen entfernt, immer nach und beeilen sich, deren jeweiligen Standpunkt sofort mit reformistischen Grenzpfählen zu umstecken. Es genügt nicht, daß die Mehrheit der Parteigenossen den Ministeriabilismus, oder selbst den MinisterialismuS verwerfe: sofort findet sich das Gros der Reformisten bereit, dies auch zu tun und die Mehrheit wieder in einer„reformistischen" Tagesordnung einzusaugen. Des- halb wird es für die italienische Partei nicht genügen, daß sie aus- drücklich gegen den Eintritt in ein Kabinett und gegen dessen Unter- stützung stimmt: sie muß, um mit der reformistischen Etikette zu brechen, ausdrücklich erklären, daß sie nicht nur antiministericll ist, denn das können die Reformisten auch, sondern daß sie a n t i- ministeriell und antireformistisch ist. Mit einem Wandel der taktischen Ueberzeugung, der sich unter dem Einfluß der Tagesereignisse schnell ausreift, ist es nicht getan. Man muß dahin kommen, zwischen reformistischem und intransigentem Anti MinisterialismuS zu scheiden, zwischen der opportunistischen und der prinzipiellen Ablehnung, zwischen zwei verschiedenen Auffassungen des Sozialismus, die verschieden bleiben, auch wenn die eine ge- legentlich das taktische Verhalten der anderen anzunehmen für gut findet. Aus diesen Gründen ist in Italien die Verdrängung der Reformisten aus ihrer numerischen Machtstellung so schwer, und es ist sehr gut denkbar, daß die Reformisten siegen, nach Preisgabe all der Forderungen, die die logische Krönung ihres Gedanken- gebäudes darstellen. Aus diesen Darlegungen ergibt sich, daß man in Modena mit vier Strömungen rechnen muß. Am weitesten nach rechts finden wir die echten Reformisten, deren Wortführer B i s s o l a ti. C a b r i n i und B o n o m i sind. Diese verteidigen mit größter Energie und ohne Rückhalt die theoretische und praktische Berechti- gung des Eintritts der Sozialisten in ein Ministerium. Tie An- Hänger dieser Gruppe sind, wie bereits gesagt, nicht eben zahlreich. Während früher die Parteiorganisationen der Emilia bedingungslos zum echten Reformismus standen, sind sie heute nicht nur dem Ministeriabilismus. sondern sogar dem systematischen Ministerialis mus abhold. Eigentlich verdanken die echten Reformisten heute ihren politischen Einfluß, außer der persönlichen Bedeutung ihrer Vertreter, einer Art beständigen Kunststücks, durch das die im Namen des gemäßigten Reformismus erzielten Stimmen durch Fernwirkung auch auf die echten Reformisten übertragen werden. wie wir dies in krassester Weise auf dem Mailänder Parteitag gesehen haben. Von diesem Kunststück abgesehen, führt dieser Reformismus sein Leben hauptsächlich im Parlament und in bürgerlichen Zeitschriften und Tagesblättern, wobei ihm die auswärtige Presse als Reklameinstitut dient. Numerisch sehr beachtenswert sind die gemäßigten Reformisten, die ihre Anhänger durch die kautschukartigc Dehnbarkeit ihrer Theorie und Praxis festhalten. Man kann sicher sein daß sie in Modena eine Tagesordnung gegen den Ministeriabilismus und gegen den systematischen MinisterialiSmus einbringen und sie von Turati verteidigen lassen werden. Bei dieser Verteidigung wird gegen die reformistischen Folgerungen so ziemlich alles gesagt werden, was die Jntransigenten sagen könnten, aber man wird diese Angriffe auf die reformistischen Folgesätze aus reformistischen Prämissen abzuleiten suchen. Jeder kann das nicht, aber Turati kann es. volles, die er in der Arena vor den Stufen des hochragenden Köiiigspalastes fluten ließ, verliehen dem Schicksal, das sich oben abspielte. machtvoll bewegten Widerhall. Die Vorstellung des EinzelleideZ verschmolz mit den, des Allgemeinen, die Dimensionen dehnten sich vor der Phantasie ins llngenicsscne. In jeder Einzel- rolle war abgetönte Eigenart, die sich, dein wechselvollen Rhythmus einer den Umkreis stolzer Zuversickt und grenzenlosen Jammer« durchschreitenden Handlung, in glücklichen, Zusammenhang fügte. So wurde der Abstand der Zeiten, der unser Denken von dem Orakelglauben der Sophokleischen Tragödie scheidet, überbrückt, der Zuschauer zu intensivem Miterleben fortgerissen. Bei der Orestie kam man indessen über die Empfindung eine? Jnszenierungs-ExpcrimentS im wesentlichen nicht heraus. Die Hem- mungen sind hier um vieles schwerer oder überhaupt nicht mehr zu überwinden. Die Leidenschaften und Affekte tosen, aber ihre Träger bleiben Gestalten einer uns fremd gewordenen Welt. In dem monotonen Pathos der Rache geht jede andere Regung unter, das Uebermaß des Gräßlichen stumpft die Empfindung ab. Klytemnestra will die Hinrichtung ihrer Tochter Jphigenia. im Bund mit ihrem Buhlen an dem heimkehrenden Agamemnon rächen. Demütig schmeichelnd empfängt sie den Gemahl, lockt ihn in den Palast. Im Bade streckt sie den Arglosen mit einem Beilhieb nieder und der- kündet ihr Verbrechen triumphierend dem Volke. Dem Gattenmorde folgt im zweiten Teil der Trilogie(daS Schlußstück winde fort' gelassen) der Muttermord. � Orestes, AgameinnonS in der Ferne aufgewachsener Sohn, schleicht unerkannt heran, das Rachewerk, das ihn, die Götter aufgetragen, zu vollziehen. Am Grab des Vaters gibt er sich der Schwester Elektro beim Totcnopfer. daS sie mit de» Mägden darbringt, zu erkennen und verschafft sich, von ihr unterstützt. Einlaß ins Schloß. Man hört den Sckrei von Klytemnestras Buhlen, den er erschlägt, man sieht den Rächer, wie er, tanb gegen alle flehenden Be- schwörungen, die Mutter mit dem Beil verfolgt, wie nach voll- brachter Tat die furchtbare Vision der rächenden Erymiien in seinem Geiste aufsteigt. Auf die malerische Gestaltung der Massenszenen lind der Chöre, bereit Strophen eine stiimnungSvolle, von Einar N i l s o n komponierte Musik begleitet, war große Kunst gewandt. Doch diese Momente ver- woben sich nicht so organisch wie in, Oedipus mit dem Gesamt- bild. Manches blieb äußerlich. Der Gesang der jungen Mädckien bei ElektraS Todesopfer spann sich für mein Gefühl zu breit inS Opern- hafte, und bei AgameinnonS Einzug wäre der, von vier ZirkuS- schimmeln gezogene KriegSwagcn gut und gern zu entbehren ge- Wesen. Daß Herr D i« g« l m a n n als Griechcnkönig seine Be- 'rüßungSrede. und ebenso Frl. Dietrich als kriegSgefangene assandra ihre Wehklagen und Prophezeiungen großenteils vom schmalen Trittbrett dieses wippenden Gefährtes deklamieren mußte, störte den Eindruck ganz erheblich. Diese Partien kommen in der einfach schmilcklosen Orestie-Aussührung, die vor mehreren Monaten im ZirkuS Busch stattfand, besser und kräftiger zur Geltimg. Frau Feldhammer bewältigte die starken Anforderungeil, die die �lytemnestrarollk an die Kraft des Organs stellt, nicht mehr. An Der Erfolg dieser Taktik wird im wesentlichen davon abhängen, ob die Parteigenossen gelernt haben, zwischen Worten und Taten zu scheiden. Haben sie das nicht, so werden sie natürlich dem zu- jubeln, der ihre Ansicht ausspricht, um so mehr zujubeln, wenn sie auf einen Konflikt mit dem bisherigen Führer, auf ein Brechen mit der bisherigen Richtung gefaßt waren und nun erfahren, daß die von ihnen vollzogene Wandlung auch von den Führern längst vollzogen ist und unter dem Namen des„Festhaltens an den be- währten Leitsätzen des Reformismus" ihnen angeboten wird. Die Prognose ist für die gemäßigten Reformisten also sehr günstig, um so günstiger, wenn ihr praktischer Widerpart und theoretischer Zwillingsbruder, der echte Reformismus, mit seinen Stimmen zu ihm stößt. Die dritte Richtung wird durch die Ueberreste der Integra« listen vertreten, die sich durch das Bestreben charakterisieren, ihrer gemäßigt reformistischen Praxis sozialistische Leitsätze zu geben und den Klassenkampfcharakter der Partei zu wahren, bei aller Be- tonung der Notwendigkeit augenblicklicher Reformen und der Be- rechtigung, um dieser Refonnen willen Zugeständnisse zu machen. Der Jntegralismus hat sich nie von dem Boden des Klassenkampfes entfernt: er steht deshalb den Reformisten viel ferner, als den Jntransigenten. Eine Verständigung zwischen diesen letzten und den Jntegralisten würde eine normale Linie der Parteispaltung be- zeichnen, insofern hüben und drüben zwei grundverschiedene Auf- sassungen blieben: bei den Reformisten die des gemeinsamen und harmonischen Erstarkens von Proletariat und Bourgeoisie, bei dem wachsende Bildung und Gesittung die Bourgeoisie zu Zugeständnissen geneigter und das Proletariat dieser Zugeständnisse würdiger machen; bei den Jntegralisten und Jntransigenten die Ueberzeugung eines unheilbaren Jntevessentonflikts von Proletariat und Bour- geoisie, die den Machtzulvachs des einen nur auf Kosten der anderen für möglich hält und in den Zugeständnissen der Bourgeoisie nur die gezwungene Anpassung an die wirtschaftliche EntWickelung und an die automatische Umgestaltung der kapitalistischen Produttion sehen. Die Jntransigenten, die seit dem Mailänder Kongreß eine große Rührigkeit an den Tag gelegt haben, sind natürlich keineswegs Gegner der Reformen. Sie streiten nur den im Par- lament erschlichenen oder erhandelten Reformen die Bedeutung ab, weil diesen der Wert des Errungenen fehlt, weil man sie keinem Kraftaufwand der Massen zu danken hat, weil die Massen durch den Kamps um sie nicht erzogen und gestählt wurden, für ihre Geltendmachung nicht reif und stark genug sind. Was den MinisterialismuS und Ministeriabilismus betrifft, so haben ihn die Jntransigenten von allem Anfang an abgelehnt, oblvohl sie es keineswegs verwerfen, unter Umständen für einen ministeriellen Gesetzentwurf zu stimmen. Seit Mailand haben die Jntransigenten zweifellos an Einfluß gewonnen, einmal weil sie gearbeitet haben, sich in der„Soffitta" ein eigenes Organ schufen und für die Propaganda sorgten, dann weil die Ereignisse den Reformisten Gelegenheit gaben, die äußersten Konsequenzen ihrer Auffassung zu ziehen, welche Gelegenheit dem Reformismus nicht eben günst-g war, sei es nun, daß die Reformisten diese Konsequenzen praktisch zu ziehen wagten, sei es. daß sie vor der Logik ihrer eigenen Prä» missen zurückschreckten und diese Konsequenzen ablehnten. Auf dem Mailänder Parteitag verteilten sich die Stimmen wie folgt: für Turati(gemäßigt reformistisch) 12 991 Stimmen, für Morgari(integralistisch) 4574, für Lazzari(intransigent) 9953, Stimmenthaltungen 932. Voraussichten über den Ausgang hex Abstimmung in Modena lassen sich nicht machen. Alles spricht dafür, daß die Mehrheit der Kongressisten sowohl den Ministeriabilismus als den Ministcrialismus ablehnen wird, was aber nicht ausschließt, daß sich Turati auch diesmal wieder an die Spitze dieser Mehrheit stellt und daß das antireformistische Votum als reformistischer Sieg gefeiert werde. Spielverderber könnten die echten Rcfonnisten werden, indem sie ihre Ansichten scharf und klar zum Ausdruck brächten und die Kluft aufdeckten, die-zwischen der Theorie und der Praxis der Teratianer besteht. Einige Anzeichen sprechen dafür. daß die Fraktion- Bissolati nicht für die Fortdauer deS bisherigen Kuddelmuddels begeistert ist. Bonomi tritt in einer demokratischen Zeitung Bolognas für die Notwendigkeit ein, über die tripolitanische Frage in Modena zu einer Auseinandersetzung zu kommen, was Tilla Durienx, die im OedipuS noch als Jokaste auftrat, durfte man nicht denken. Nur M o i s> i S Orest war eine großzügige, schau- spielerische Leistung, vor allem in dem Ausdruck deS flackernd-angst« gepeitschten Wahnsinns in den letzten Szenen. Er und Reinhardt wurden am Schlüsse in stürmischen Ovationen gefeiert. dt Humor und Satire» O, eitle Welt. Die Grafenkrone lag in seiner Wiege, Jahrhundertstaub auf Metternich zur Gracht. Doch gar zu glitschig ist de? Lebens Stiege—i In jungen Jahren eingelocht, verkracht I Sei froh, daß du kein Graf bist. Proletarier Und niemand dir zehn Dutzend S liebeln pumpt, Daß Wolf dich nicht beschenkt als Fetter-Arier, Und daß die Gnstke nicht mit dir gelumpt I Verschmerze, daß du nie ein Herz gerührt hast Wie Orden-PauliS, bieder, treu und wahr, Daß du Frau Dolly'» niemals nicht frisiert hast In stiller Nacht daS schwarze Lockenhaar l Kannst nicht da? kleinste Auto zwar verschieben: Doch sei mir dieserhalb kein netd'scher Schurk l Was ist von aller Herrlichkeit geblieben? Das Glück ist wandelbar wie Schulenbnrg. Geborgten Sekt einst. Ditto Liebesstege, Jetzt Brot und Wasser in des Kerkers Nacht.»» � Die Grafenkrone lag in seiner Wiege, Jahrhunderlstaub auf Metternich zur Gracht. - Pippo. Notizen. Theaterchronik. Für die Orestie-SuffSbruna am Montag(Anfang S Uhr) findet auch am Sonntag ein Vorverkauf und zwar im Deutschen Theater statt. Montag wird der Vorverkauf für die Vorstellungen am 16. und 29. Oktober wieder bei S Wert- Heim fortgesetzt. ei;- K ii n sta be n d Der Dichter-Abend. der heute, Sonntag. V, Uhr. im CharlottenviirgerS ch l l l e r- S a a l stattfindet, ist den beiden Lyrikern Morike und Storm gewidmet. - Die erste juryfreie Kunstausstellung ist am Sonnabend ,n Berlin eröffnet worden. Die Ausstellung die ein ganzes Hau» erfüllt(Potsdamer Straße 39. Gartenhaus), umfaßt weit über 1999 Nummern. «'T-,®'6 Reinhardts beruht auf der Bearbeitung imd Ucbertragung von Karl V o l lm ö ller, die in S. Fischers Verlag(Preis 1 Mari) erschienen ist.„Ihre End- bcstlmmung ist«lMiihruiig, ihr Charakter Konipromiß," sagt der Bearbeiter selbst. Mit der wundervolle» Verdeutschung von Wilamo. Witz läßt sich diese Theatcrausgabe schlechterdings nicht vergleiche», ein recht schlüpferiger Boden ist. Bonomi, Bissolati und Cadrrni liaben zweifellos tripolltanische Sympathien, mit denen sich der Parteitag nie und nimmer abfinden wird. Rücken sie in Modena damit heraus, so haben sie eine feierliche Dcsavouicrung des Kon- gresscs zu erwarten, die eventuell den Austritt dieser kleinen Fraktion zur Folge haben könnte. Ob dann die gemäßigten Reformisten allein die Stimmen aufbringen können, um Integra listen und Jntransigenten die Wägschale zu halten, steht dahin. Aufgabe des Parteitages wäre es, unserer Ansicht nach, die Theorie der Reformisten nach ihrer Praxis zu bewerten, nach der Praxis, die zum Fall Bissolati geführt hat, zum völligen Versagen des Parteivorstandes in der Protestaktion gegen das Kolonial abenteucr, zum chronischen MinisterialiömuS der Parlaments� fraktion, zur Lähmung aller Kampfenergie der Partei unter der Hypnose der versprochenen Wahlrechtserwciterung. Soweit die Reformisten diese Praxis verteidigen und als ihr Werk ansehen verteidigen sie den Reformismus; soweit sie diese Praxis ablehnen und sie nicht als notwendige Folge des ganzen reformistischen Standpunktes anerkennen, verteidigen sie nur ihre Machtstellung in der Partei. Die Chancen scheinen uns für die Machtstellung viel günstiger zu liegen als für den Reformismus. Im ganzen kann man sagen, das; der Kongreß von Modena nichts anderes sein kann und sein wird, als ein Aufeinandcrplatzen reformistischer und antireformistischer Kräfte der italienischen Partei. Ueber den Ministeriabilismus hat die Masse schon ge- richtet, dem MinisterialiSmus bieten nur die berühmten Rücksichten auf die Wahlrcform einen letzten Rückhalt: um die Machtstellung der Reformisten wogt der Streit. Erschüttert wurde diese durch den Fall Bissolati und durch den MinisterialiSmus der Fraktion trotz des tripolitanischen Abenteuers, also durch zwei recht augenschein- liche Tatsachen; gestärkt nur durch das Versprechen der Wahlreform. Beiden— Tatsachen und Versprechen— möge die Partei den Wert zusprechen, der ihnen zukommt. Dazu vor allem kommt sie in Modena zusammen. Sie braunichweigischen ftmStZgzumhIeit. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Die braünschweigischcn Landtagswahlen sind auf den 21. No° bcmber dieses Jahres festgesetzt worden. Sie finden dieses Mal noch nach dem alten Wahlgesetz statt, das dem preußischen Dreiklassenwahlsystem sehr ähnlich ist, aber geheime Stimmabgabe hat. Der 21. November ist der Termin der Abgeordnetenwahlen. Der Termin der Urwahlen für die Wahl- männer ist noch nicht bekanntgegeben. Da fünf Wochen vor diesem Termin mit der Auslegung der UrWählerlisten begonnen werden muß. verschiebt also die Regierung die Bekanntgabe des UrWahl- tcrmius auf den letzten Augenblick. Der neue Landtag soll nach der Erklärung des Staatsministers von Otto im Februar dieses Jahres die von der Regierung ver- sprochene Wahlreform machen und dann aufgelöst werden, damit gleich ein neuer Landtag nach dem neuen Wahlgesetz gewählt werden kann, von Otto sagte damals sogar, daß ein Landtag, der nach einem anderen Wahlverfahren, als dem, das er selbst be- schlössen liabe, gewählt sei, keine Existenzberechtigung besitze. Der jetzige Staatsminister H a r t w i e g erklärte mit seinem Kollegen Wölfs damals vor dem Landtage ausdrücklich, daß er mit allen Ausführungen des Ministers von Otto einverstan- den sei. Das gegenwärtige Ministerium hat sich also auf die Er- klärung Ottos festgelegt. Die Sache wird dennoch anders kommen. Das Dreiklassen- Wahlsystem macht die Wahl eines Sozialdemokraten im Herzogtum Braunfchtveig fast unmöglich, so daß die reichen Agrarier und Kom- '"erzienräte wieder hübsch unter sich sein werden. Da wird natür- lich die Regierung diesem Landtage nicht zuerst die Wahlreform, sondern den Etat vorlegen, zumal ihr der Etat einige Schmerzen bereitet. Ter Regent, Johann Albrecht. Herzog von Mecklenburg, ver- kangt nämlich„Lohnerhöhung". Braunschweig hat zwar im Ver- hältnis zu seiner Einwohnerzahl den teuersten Monarchen, die Zivilliste beträgt rund 3 M. auf den Kopf; aber der Regent findet ein JahreSgehalt von VA Millionen Mark z u niedrig. Er hatte schon von dem Staatsminister von Otto eine Erhöhung der Zivilliste um 300 000 M. verlangt. Otto weigerte sich aber. diese Forderung im Landtage zu vertreten und wurde deshalb auf Knall und Fall, ihm selbst ganz unerwartet, entlassen. Tie Erhöhung der Zivilliste wird, nachdem Hartwieg Ottos Nachfolger geworden, in dem neuen Etat erscheinen. Sie wird aber ans Umwegen eingeschmuggelt. Der Regent hat nämlich nach der Verfassung die Kosten für die Gebäude der Hofhaltung, also auch für das Rcsidenzschloß, aus seinen Einnahmen zu bestreiten. Nun gefällt ihm manches nicht in dem Herzogsschlosse, er mag aber auch kein Geld aus der Zivilliste für«ine Renovierung ausgeben. Des- halb wollte er die Zivilliste erhöht haben, um, ohne Aufwendung seinerseits, bauen zu können. Nachdem die geplante Erhöhung durch den„Volksfreund" an die Oeffentlichkeit gebracht und dort sehr übel aufgenommen worden war, sollen jetzt etwa 110 000 M. für Renovierung deS Schlosses in den Etat eingesetzt werden. Ist diese erste Rate gegen die Verfassung, denn der Regent hat die Kosten für das Schloß verfassungsmäßig selbst zu tra- gen. einmal bewilligt, so werden natürlich weitere Raten folgen! Neu ist ja die geplante Wahlreform. die an dem Dreiklassen- Wahlsystem festhält und nur die einzelnen Klassen die ihnen zu- kommende Abgeordnetenzahl direkt wählen läßt, nichts weniger als eine wirkliche Reform; aber sie Wird doch ein halbes Dutzend So- zialdemokraten in den Landtag bringen, die man natürlich in den mit der Liebesgabe von 110000 M. für Johann Albrecht belasteten «Etat nicht hineinreden lassen will. Deshalb wird von dem nach dem alten Wahlsystem gewählten Landtage zunächst der Etat bewilligt tverdcn. Diese Bewilligung gilt nach der braunschweigischcn Verfassung für zwei Jahre. Ja sogar ein drittes Jahr kann die Regierung rioch anhängen. Ten Landtag braucht sie nur alle zwei Jahre ein- zuberufen. Sie könnte also, wenn der jetzt zu wählende Landtag ben Etat bewilligt und die Wahlreform angenommen hat, die Volks- Vertretung bis z»m Jahre 101-1 nach Hause schicken. Hält sie dagegen ihr Versprechen und löst den Landtag nach Annahme der Wahlrcform auf. dann muh sie den neuen Landtag, der ganz sicher nicht mebr sozialistenrein sein wird, innerhalb sechs Monaten einberufen. Aber sie hat eS mir nötig, ibn zu eröffnen, sie braucht ihm keine Vorlagen zu machen; denn sie hat ja den Etat für 2— 3 Jahre in der Tasche. So könnten wir es denn er- leben, daß nach der Auflösung des jetzt zu wählenden Landtages ein neuer Landlog nach einem neuen Wahlverfahren geivählt wurde, in den auch die Sozialdemokratie ihren Einzug hielt, daß aber dieser Landtag von 1912 bis 1914 oder 1915 nur auf dem Papier stände und überhaupt nicht gefragt würde. Wirklich nette Zustände m dem VerfassungSstaaie Braunschweig! „Konferenz" der sozialdemokratischen mit den bürgerlichen mäh- rischn Abgeordneten wieder: Die parlamentarische Vereinigung„Mährischer Landtag" (diesen arroganten Namen, denn es gibt doch in Mähren auch Deutsche, trägt nämlich diese famose Allianz» hat heute Bor- mittags eine Sitzung unter dem Vorsitz des Abgeordneten Stauet abgehalten, der einleitend des verstorbenen Abgeordneten Dr. Schileny gedachte, dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Hierauf wurde über die Wasserstraßen in Mähren und besonders über die Prcrauer Erpositur verhandelt. Es wurde der Antrag gestellt, daß die Meliorationsabteilnng beim Ackerbauministerium verbleibe. Eine sehr eingehende De- batte entspann sich über eine Ucbcrbrückung in der Walachei. Eine Zuschrift des Nationalrates über die Ucbergehung und Schädigung des tschechischen Nachwuchses bei allen staatfichcn Behörden in Mähren gab Anlaß zu einer lebhaften Debatte. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß ein tschechischer Postanzeiger herausgegeben werde. Ferner wurden Beschwerden vorgebracht, daß die Post- offiziantcn nicht wie in anderen Ländern zu den Vcrkehrskurseu zugelassen werden und daß sie durch Aufnahme von Zertifita- listen unverhältnismäßig verkürzt werden. Besonders wurde auf die ungerechten nationalen Verhältnisse bei der Postdirektion in Brünn hingewiesen. Nach der Ab- trcnnung Schlesiens von der Postdirektion in Brünn ist eine Re- form um so dringlicher. Ferner wurde der Wunsch ausge- sprachen, daß bei allen Lieferungen für die Staatsbahnen die tschechischen Firmen in entsprechendem Verhältnis rc- spektiert werden. In der weiteren Debatte wurde auf die Schwierigkeiten des Straßenfonds hingewiesen, die aus der ver- päteten Auszahlung der Zuschläge durch die Postsparkasse eut- pcingen. Ebenso war die Einreihung der mährischen Städte in >ie höheren Klassen der Aktivitätszulagen, die von den Behörden lässig betrieben wird, Gegenstand von Beschwerden. Auf dem Gebiete des Schulwesens entspann sich eine Debatte über die geplante Errichtung eines chemischen Instituts an der tschechischen Technik in Brünn. Der Nationalrat wird ersucht werden, die Ausarbeitung eines Programms für die Fachschulen in Mähren vorzulegen. Die derart klassenbewußten tschechischen Sozialdemokraicn fungieren danach schon als Agenten bei der Zuweisung von Liefe- rungen an die Unternehmer! Hübsch ist auch, daß sie mit den Bürgerlichen nun ein gemeinsames Blatt begründen wollen! Hoffentlich macht der Jnnsbrncker Parteitag, soweit es an ihm liegt, der Vorspiegelung falscher Datsachen, der sich die tschechischen Separatisten durch ihre angebliche Zugehörigkeit zur intcruatia nalen Sozialdemokratie schuldig machen, ein Ende. Totenliste der Partei. In der Nacht zum Freitag verstarb plötzlich in Chemnitz am Herzschlag Genosse Emil R i e m a n n im Alter von 55 Jahren. Sein Leben stand mit der Chemnitzer Arbeiterbewegung von Jugend auf in Verbindung. In der gewerkschaftlichen Organisation und auch in der Partei stand er über 2 Jahrzehnte in den vor bersten Reihen, schon während des Sozialistengesetzes. Das Unter- nehmertum, die Schlotbarone verfolgten ihn mit glühendem Haß uns ließen ihm die Hungcrpeitsche suhlen. In Chemnitz und Um- gebung erhielt er keine Arbeit mehr, weil er als Metallarbeiter für seine Organisation, den Metallarbeitcrverband, arbeitete, wie seinerzeit wenige. Auch die Partei schuldet ihm für seine tätige Mitarbeit großen Dank. Er war Vorsitzender des Bezirksvereins Schloß-Chemnitz. Der Parteizeitung hat er bis zuletzt als Vor- sitzender der Preßkommission treu gedient. Die Partei wird seiner immer treu gedenken._ Ein wertvolles Handbuch für sozialdemokratische Gemeindever- treter ist soeben von der Buchhandlung Vorwärts heraus- gegeben worden. Es ist„Das Kommunal-Programm der Sozialdemokratie Preußens", erläutert von Paul Hirsch. Auf 207 Seiten gibt hier Genosse Hirsch an der Hand unseres preußischen Kommunalprogramms eine ausführliche Darstellung der vielartigen und oft recht komplizierten Fragen der Kommunalpolitik und der Forderunyen. die die Sozialdemokratie an Staat und Gemeinde stellt. So sind besonders die Fragen des kommunalen Strafrechts, des Finanzwesens, der Wohnungsfrage, des Bildungswesens, der Gesundheitspflege, des Regiebetriebes, des Submissionswesens, der Sozialpolitik usw. sorgfältig und klar be- handelt. Das Buch ist ein vorzügliches Hilfsmittel für unser« Stadt- verordneten und Gemeindcvcrtrcter: wir können es ihnen und den Organisationen dringend zur Auschaffung empfehlen. Das gut gebundene Exemplar kostet 3 M. Huö der Partei. Die tschechischen Separatisten. Die„Wiener Arbeiterzeitung" schreibt: „Der Bruderbund zwischen den tschechischen Separatisten und den bürgerlichen Abgeordneten steht in voller Blüte. Damit die deutsche Oeffentlichkeit erkenne, zu welcher Verleugnung des Klassenstandpunktes die tschechische Sozialdemokratie, wenigstens in ihrer Erscheinung des mährischen Separatismus, gediehen ist. geben wir den Bericht der tschechischen Blätter über diese letzte Huö Industrie und Kandel. Hausse am Käfseemarkt. An der Hamburger Börse sind die Notierungen für Kaffee jetzt biS auf 79 Pf. für � Kilogramm hinaufgeschnellt. In der ver- gangenen Woche wurden noch 57)4 Pf. notiert und im Monat vorher 55)4 Pf. Im Oktober 1910 stellte sich die Notiz auf 5894 Pf., dagegen im Oktober 1909 auf nur 49 Pf. Die letzten Preistreibereien gehen zum Teil von den Pflanzern aus. die ihre Bestände zurück- halten und der nächsten Ernte ein sehr schlechtes Prognostikon stellen. Angeblich sollte die Ernte, deren Ertrag kürzlich noch auf 11 bis 12 Mill. Sack geschätzt wurde, nur 8 bis 9 Mill. Sack bringen. Selbst wenn diese Schätzung den Tatsachen entspräche, was aber nach den bisher gemachten Erfahrungen stark bezweifelt werden darf, rechtfertigte sie die Preissteigerung nicht, denn die bekannte Kaffeevalorisation hat immer noch 5 bis 6 Mill. Sack Lagerbcstände aufstapeln lassen. Wenn auch nur ein Teil davon jetzt an den Markt gebracht würde, müßten die Preise nachgeben. Aber die mit Hilfe auch deutschen Kapitals durchgeführte Valorisation hatte ja den Zweck, die Kaffecpreise in die Höhe zu treiben. Das ist denn auch geglückt; früher schwankten die Preise zwischen 23 bis 33 Pf. So wuchert das Kapital mit wichtigen Lebensmitteln. Der Wert des deutschen Spczialhandels im reinen Warenverkehr belief sicki im September d. I. auf 770.6 Millionen Mark in der Einfuhr und auf 713,8 Millionen Mark in der Ausfuhr, im abgelaufenen Jahresteil aus 6923,2 Millionen Mark in der Einfuhr gegen 6513, o Millionen Mark, i» der Ausfuhr auf 5893,6 Millionen Mark gegen 5460,4 Millionen Mark im Vor- jähre. Außerdem erreichte die Einfuhr von Gold und Silber im September d. I. eine» Wert von 14,7 Millionen Mark, im ab- gelaufenen JahreSteil einen solche» von 210.5 gegen 308,4 Millionen Mark im Vorjahre, die gleichzeitige Ausfuhr von Gold und Silber Werte von 13,9 und 87.3 gegen 142.6 Millionen Mark im Borjahre. Soziales. Die Konsumgenossenschaft in Berlin. Im gestrigen Artikel hat der Druck- oder Schreibfehlertcufel eine kleine Entstellung hervorgebracht, die die meisten Leser wohl selbst korrigiert haben. Es muß im zioeiten Absatz des Artikels heißen: Prächtig gedeiht die KonsumvcreinSbewegung in Berlin. Zu- nächst hatte sie nicht recht aufkommen wollen, weil dem Wachstum Sondcrbündelei und die Uebertrcibunaen von gutgesinnten Eigen- brödlern entgegenstanden, die da glauben machen wollten, die Kon- sumgenossenschaftsbcwegung könne die bürgerliche-EcssrllschastS- Ordnung umwandeln, den Klassenkampf beseitigen. Diese lieber- treibungcn führten naturgemäß zu U n t e r schätzungen(nicht Ucberschätzungen) der wirtschaftlichen und kulturellen Vorteile, die eine in sozialistischem Sinne geleitete GenossenschaftSbewegung den einzelnen Arbeitern und der Arbeiterklasse bringt. Ein„Dorabo" für jugendliche Arbeiket. Bei der Firma S. Förstnrr, Inhaber Salomon Berger, Weih- Warengeschäft, Alexandriiicustrahe 95/96, ist der Steindrucker K. mit dem Bedrucken von Weißwaren mit Stickmustern beschäftigt. Weil ihm einige Arbeiten mißlungen waren, ist ihm ein Betrag von 5,45 M. für die verdorbenen Stoffe bei der letzten Lohn- zahlung am 30. September in Abzug gebracht worden. Diesen Betrag, sowie 3 M. Entschädigung für einen balben Tag, den der in Stücklohn arbeitende Kläger durch Verschulden der Firma un- tätig verbringen mußte, klagte K. gestern beim Gcwerbegericht ein. Der Vorsitzende, Magistratsassessor Dr. Maguhn, legte dar, Beklagte habe nachzuweisen, daß der Kläger unter Außeracht- lassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt den Schaden ver- schuldet habe. Der Kläger machte den häusigen Wechsel der ihm zugeteilten Arbeitsburschen, mit denen er die Arbeiten auszu- führen habe, für das Mißlingen der Arbeiten verantwortlich. Tie Beklagte habe seit Beginn des Jahres mindestens 59 Arbeits- burschcn eingestellt, die zum Teil selbst aufgehört und zum anderen Teil entlassen worden seien. Der geringe Lohn von 13 M. pro Woche veranlasse diesen Wechsel. Tic Konkurrenz zahle bedeutend höhere Löhne. Sic habe deshalb diesen Wechsel nicht zu verzeich- neu und arbeite somit mit zuverlässigeren und qualifizierteren Hilfskräften. Auch der übermäßigen Anstrengung.�die durch die Art des Betriebes bedingt werde, sei ein Teil der Schuld an dem Mißlingen der Arbeiten zuzuschreiben. Die beklagte Firma er- kannte ohne Beweisführung die Forderung an und beglich sie sofort, betoute jedoch, daß sie den Kläger am Abend entlassen werde. Hus der frauenbeweefunefs Die Frauen und die LcöenSmitteltenernng. Sechs bürgerliche Frauenvereine hatten durch große Plakate an den Litfaßsäulen die Einwohner der Reichshanptstadt zu einer öffent- lichcn Volksversammlung nach den Jndustriefestsälen in der Bcuth- straße eingeladen, um über die Stellungnahme der Frauen zur Lebensinittelteuerung Referate halten zu lassen. Ein halber Saal voll Menschen haste sich aber nur zusammengefunden, ihnen zu lauschen. Zuerst sprach Dr. v. T y S ck a. der mit langem statistischen Zahlenmaterial auiwartete,»m darzulegen, daß die Teuerung im Lande eine ernste Gefahr für die Gesamtbevölkerung bedeute. Er wies an Hand seiner Zahlen die ungeheure Steigerung der Fleisch- preise, der Brotpreisc, der Gemüsepreiie, nach und kam in seinem Schlußwort zu der von unseren sozialistischen Ver- tretcru längst geforderten Oeffnung der Grenzen für schlachtreifes Vieh, für die Einfuhr von überseeischein ge- frorcnen Fleisch, für Aufhebung der Lebensmittelzölle und ähn- lichem mebr. Im Anschluß an diesen sachlich richtigen, aber sehr trockenen Vortrag wandte sich der zweite Nefereut. Frau Schreiber. an die Frauen, denen sie auseinandersetzte, daß volkswirtschastliche Fragen und Hauswirtschafisfragen auf das engste mit einander ver- qnickl seien. Es müßten Kommissionen eingerichtet werden von den Stadtgemeinden. die die Leben-Smitlelteuerung lindern sollten und in denen vor allen Dingen auch Frauen sitzen müßten. Darauf wurde eine lange Resolution gefaßt und einstimmig angenommen, die sich im großen und ganzen mit dem von Herrn Dr. Ty-cka gezogenen Schluß i» Uebereiustiinmuug befand. In der Diskussion betätigte sich durch lautes Schreien ein christlicher Arbeiter, dem schließlich der Mund zugeklingelt werden mußte. Dem Besuch nach zu schließen scheint die Lebcusmittelnol sich in b ü r g e r li ch e n Frauenlreiscn noch nicht besonders fühlbar zu machen. Ein„geistvolles" Wahlrecht für Frauen hat der Gemeinderat der oberösterrcichischen Stadt S t e h r erdacht. Bis jetzt üben dort die sieuerzahlendcu Frauen das Gcmeindewqhj«� recht durch Vollmachten aus. um die sich regelmäßig Christlichsoziäle" und Deutschnationale raufen. Nunmehr muß über Forderung der Arbeiter diesen das Gemeindeivahlrecht gegeben werden und man gliedert einen vierten Wahlkörper an. Ueber das Fraueuwahlrccht beißt es im neuen Statut:„In bezug auf das Frnuenwahlrccht wird bcstiiuiist, daß eine in ehelicher Gemeinschaft lebende Gattin ihr Wahlrecht durch ihren Gatten auszuüben hat. Ist der Ehegatte nicht wahlberechtigt oder die Ehe geschieden, so übt die Frau ihr Wahlrecht persönlich aus." Hat also die wahlberechligte. das heißt steuerzablende Ehefrau einen wahlberechtigten Mann, dann ist dieser berufen, da« Gemeinde« Wahlrecht auch für die Gattin auszuüben. Ist der Mann aber au» irgend einem Grunde nicht wahlberechtigt oder ist die Ehe ge- schieden, dann plötzlich stellt sich bei der Frau die Fah'gkelt em. persönlich zur Wahlurne zu schreiten. Wozu nur wiche Unter- schiede � Fürchtet man irgendwelche.umstllrzlerische Gefahren. wenn Mann und Frau gemeinsam an der Wahlurne erscheinen würden? Dorf die Frau nicht als ebenso reis wie der Mann ficht. bar werden oder steigen die geistigen Potenzen der Frau erst doun. wenn der Mann kein Wahlrecht hat, die Frau aber c»,e direkte Steuer entrichtet. Uuersorschlich sind die Ralschlüsse der Gemeinde- gewaltigen._ K-ntrollenrin für die Kiudcrschiitzkommission ist in Lichtenberg nicht Frau Robst, sondern Frau Schilling, Mainzer Str. 25. Leseabende. NiimmelSburg. Der Leseabcud am Montag fällt wegen der DienStaa- versa»,», lungen aus. Dafür findet am 26. d. MtS. ,in Lese- abeud statt, auf dem der Bericht von der Frauenkonfercnz in Jena gegeben toird." Steglitz. Montag, den 16. Oktober, bei Schellhase, Ahornstraße 15». Genossin Köhler wird über.Die Ursachen der Lebensmittel- teuenina" sprechen. Groß-Lichtrrselde. Dienstag, den 17. Oktober, abends«l/. n»? b-i Fritz Wahrendorf, Bäkestr. 22. Versaiititillingen— Veranstaltungen. Bcrcin für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mo„taa den 16. Oktober, abends 8 Uhr. in Kellers Neue Philharmonie. Küpen, rfer Straße 96/97: Vortrag-Ernährung. Einkommen m.d Bestcuerung. Referent: Emauuel Wurm. Gäste. Männer und Frauen, willkommen. Zeiitralverbaiid der Hausangestellten. Sonntag, den 15. Oktober. abends 7 Uhr. in Schöneberfl.� Marlin Lulherstr 51 Vortrag von Herrn». Störiiier:.Vater Siagt unb' ztinder". Nachdem; Gemütliches Beisammen, ein. Versammlungen. Die Sektion der Gips- und Zementbranche d'eS Beniarbeiter- Verbandes hielt am Freitag im großen Saale des GewcrkschaftS- Hauses ihre Generalversammlung ab. in der Geschäftsbericht vom 3. Quartal auf der Tagesordnung stand. Ter SektionSvor- sitzende Haese hob in seinem Bericht zunächst hervor, daß die Kon- tunktur im verflossenen Quartal ,owohl für das GipS- wie für daS Detonbauaewerbe recht gunstig war, so daß«itweilia die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot überstieg-w war dies aller- dings noch nicht der Fall, denn in diesem Monat war die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im.Irbeitsnachwcis 517 die der gemeldeten Stellen 303. und die Stellen konnten alle besetzt werden. Im August wurden auf dem Nachweis 549 Arbeitskräfte verlangt. Arbeitslose meldeten sich, enischließlich der vom voriaen Monat übertragenen, 483, so daß nicht alle-stellen besetzt werden konnten. Im scp- lembcr war die Zahl der Stellenangebote 490, die der Arbeitslosen 512. Bei einzelnen Gruppen machte sich schon ein Teil ArbcitSlosig- keit bemerkbar. ES kann aber im allgemeinen darauf gerechnet werden, daß die verhältnismäßig gute ArheitSgelegenheit auch noch tm'4. Quartal anhält. Tie Mitglicderza'hl der Sektion ist im Laufe des verflossenen Quartals von 1881 auf LWo gestiegen. Zu Differenzen ist es unter anderem bei der Firma L u g i n o gekommen. die die?lkkordpreise innerhalb eines Jahres um 10 Pf. herabsetzte und auch die tarifmäßigen Löhne nicht zahlte. Im 8. Quartal wurde die Sache so gemacht, daß ein neuer Geschäftsführer der Firma statt der Akkordarbeit Zeitlohnarbeit einführte, dabei aber als Mindestleistung soviel Arbeit verlangte, daß es einer Herab- setzung des Akkordlohnes um 5 Pf. gleichkaim Daß die Firma solche Abzüge machen und im übrigen tarifwidrigc Löhne zahlen konnte, war nur dadurch möglich, daß eine Anzahl von ihren Arbeitern un- aufgeklärt und unsolidarisch genug war, sich dergleichen gefallen zu lassen, und das in einer Zeit, wo es doch wahrlich nicht an Ar- bcitsgelcgenbeit fehlte. Die Schlichtungskomniission hat sich dann mit den Verhältnissen bei Lugino befaßt und ist einstimmig zu dem Beschluß gekommen, daß die Firma die tarifmäßigen Löhne zu zahlen hat. Im übrigen kam es in drei Fällen zu Bausperrcn. Tic eine war auf dem Neubau von Werthcim in der Leipziger Straße, wo ein Bauocputierter gemaßrcgelt worden war; der Genraß- regelte wurde wieder eingestellt, so daß die Sperre nach eintägiger Tauer beendet werden konnte. Bei der Firma Hermann Redel wurden auf dem Neubau am Alexandcrplatz der Baudcputierte und 18 organisierte Arbeiter entlassen; die über den Bau verhängte Sperre dauerte anderthalb Tage und führte ebenfalls zur Wieder- cinstellung der Gcmaßregelten. Es waren bei dieser Firma Zu- stände eingerissen, wie man sie unter den Bauarbeitern Berlins nicht für möglich halten sollte. So machten Akkordschicber die Zah- lung des Nachschusses davon abhängig, daß die Einschaler und Träger auch recht„fleißig" waren, nämlich in dem Sinne, daß sie es mit der Arbeitszeit nicht so genau nahmen, während der Pausen oder auch sonst noch über die Zeit arbeiteten. IN einem Falle soll der Akkordschieber einfach erklärt haben, ihm wärm ein paar Schweine krepiert und da brauche er die paar Kröten selbst— und dabei handelte es sich um einen Nachschutz von über 100 M.! Die dritte Bausperre war bei der Firma„Komet", und es handelte sich hier um den Museumsneubau auf der Museumsinscl. Die Mehrheit der Arbeiter war unorganisiert, und man arbeitete von niorgmS 5 oder 6 Uhr bis abends 10, ja 11 und 12 Uhr. und der Stundenlohn war 50 Pf.„Komet" ist eine Stcttincr Firma, die hier die Betonarbeit ausführt. Auf demselben„königlichen" Bau kam es auch zur Arbeitsniederlegung der Maurer und Hilfsarbeiter der Firma Fränkel, die ebenfalls unier Tarif zahlte, und bei der auch sonst nicht für Ordnung gesorgt war. Beide Streiks führten zur Anerkennung der Tarife.— Der Redner machte schließlich noch daraus ausmerksam, daß mit dem 1. Oktober dieses Jahres die tarifmäßigen Lohnerhöhungen von 2 und 2lA Pf. in Kraft getreten sind und daß im übrigen auch genau darauf zu achten iffrwß die Baubuden überall in Ordnung sind und die für die jetzige Jahres- zeit geltende Lstündige Arbeitszeit nicht überschritten wird.— In der regen Diskussion, die dem Bericht folgte, wurden noch allerlei Mißstände auf Bauten besprochen, und die Ausführungen der ein- zelnen Redner ließen erkennen, daß cs noch keineswegs überall so bestellt ist, wie cs sein sollte. Gerichts-Leitung. Ein bestechlicher Börsenjournalist. In dreitägiger Verhandlung wurde vor dem hiesigen Schöffen- gcricht eine Beleidigungsklage des Herausgebers des„Plutus", Georg Bernhard, gegen den Herausgeber der„Bank- und Handels- zcitnna", Dr. Walter Manie» verhandelt. Dr. Manke hat in vier Artikeln behauptet, der Kläger nehme Trinkgelder. Deshalb klagte Bernhard wegen verleumderischer Beleidigung. Dr. Manke erhob unter der Behauptung, B.-rnhard habe ihn durch den Vorwurf, er, Manke, sei bestechlich, sowie durch eine Reihe formaler Beleidigungen schlvcr gekränkt. Widerklage. Tie Beweisaufnahme rechtfertigte das Verhalten Bernhards glänzend und legte mehrere Fälle offen, die die Bestechlichkeit Tr. Mankos erwiesen. Das Urteil ging dahin: Der Angeklagte Dr. Manke ist der Beleidigung des Privatklägers in 4 Fällen schuldig und wird zn <>vl) M. Geldstrafe event.Ct Angeklagte, er habe eigentlich auf>000 M. gerechnet. Nach SBekunbung desselben Zeugen sind unberechtigte und abfällige Kritiken über die Bank in des Angeklagten Zeitung»nterbliebcn, nachdem Inserate seitens der Bank aufgegeben waren." Auch hat An- geklagter Inserate ohne Auftrag gedruckt und deren Zahlung verlangt. Ferncrist durch da» Zeugnis des Generaldirektors der A. E. G. und �-.�J�J�eheimrat Rathenau, erwiesen. Tiesem Zeugen fiel auf, daß Dr. Manke durch unberechtigte und unerhebliche Anftihrungen die Versammlungen hinzog. Er ließ ihn deshalb kommen und sagte ihm, er würde ihm unter der Bedingung, daß er nicht mehr das Wort nehme für jede der Gesellschaften nach jeder Gencralversamm. lung Im) M. zahlen. Von da ab kam Dr. M. zwar noch öfter in die Versammlungen, die unnötigen Belästigungen hörten aber, da die 180 M. stets gezahlt wurden, auf. Der Angeklagte hat sich also nach Anncht de« Gericht» der Bestechung in dem Sinn- schuldig gemalbt, daß er ein- verwerfliche, seinen Pflichten als Journalist widersprechende Handlung bcgina Ter Privatkläger hat sich nach Ansicht de? Gerichts nur in einem seiner Artikel mit der lieber- schrift„Jnseratenbcttel" von seinem Temperament hinreißen lassen und die Schutzgrenzen de«§ zgg überschritten, der Gerichtsbof habe aber erwogen, daß er durch den Angeklagten aufs schwerste ange- griffen war und in begreiflicher Erregung zu Ivcit gegangen ist. Mordprozrß Kuhlmey. Der Staatsanwalt ersuchte die Geschworenen um Bejahung oer Fragen wegen Mordes, begangen an der Stieftochter, und wegen Mordversuchs ge�� seine Ehefrau. Der V e r t e i d i g e r. Rechtsanwalt Holpert, beantragte. da? Schuldig nur wegen vollendeten und versuchten Totschlags, begangen durch eine fortgesetzte Handlung, auszusprechen, dem Angeklagten auch mildernde Umstände zuzubilligen. Die Geschworenen bejahten die Frage nach dem Antrage der Verteidigung. Das Ge» licht erkannte auf die höchst zulässige Strafe von f ü n f I a h r e n Gefängnis. llnterschlagnnsen im Passage-KaufhauS. Gegen den früheren Prokuristen und Syndikus des Passage- AgtifhauseS, Dr. jur. M»ritz Dreyfuft hatte gestern die S. Straf- kammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Stirn- back» eine Anklage wegen Unterschlagung in Jdealkonkurrenz mit Untreue zu verhandeln. Der.Angeklagte hat im Jahre 1910 1380 M. bares Geld und ferner zwei Schecks über 840 und 12 000 M. unterschlagen. Er war vom 1. Mai 1900 ab als Syndikus und später auch als Prokurist bei der Paffagekaufhaus-Akticngesellschaft gegen ein Gehalt von 10 000 M. angestellt gewesen. In, Januar dieses Jahres wurde die Unterschlagung der 1350 M. entdeckt. Er wurde entlassen und zahlte die Summe aus den Mitteln, die er noch durch die Unterschlagung des Schecks besaß, zurück. Da er fürchten mußte, daß auch die übrigen Unterschlagungen zur Entdeckung kommen würden, ergriff er in Begleitung seiner Geliebten die Flucht nach Frankreich und von dort nach England, wo er schließlich verhaftet wurde.— Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Das Urteil lautete aus 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat auf die Untersuchuugshast. Gcheiinmittelprozeß. In dem Heilmittelschwindel-Prozcß, über dessen Inhalt wir bereits berichtet, wurde gestern aus Antrag der Staatsanwaltschaft unter Widerspruch der Verteidigung die Oefscntlichkeit wegen Gc- fährdung der Sittlichkeit anegeschlossen, da die Erörterung der Wirkungsweise einzelner von den Angeklagten vertriebener Mittel auf das sexuelle Gebiet führe. Haftung einer Brauerei für ihre Bierkutscher. Der§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches verpflichtet den Ge- schäftsherrn, bei der Auswahl seiner Angestellten die im Verkehr erforderliche Sorgfalt tvnltcn zu lassen. Aus dieser Bestimmung folgt: ändert ein bisher zuverlässiger Kutscher während der Zeit des Dienstes seine Charaklcreigcnschaften zu seinen Ungunsten, wird er untüchtig, so hat der Gcschäftshcrr die Verpflichtung, ihn des Dienstes zu entheben. Einen solchen Fall behandelt ein am Donnerstag vom Reichsgericht entschiedener Rechtsstreit mit folgen- dem Tatbestand: Der Schutzmann F. in Hamburg wurde im Jahre 1903 an einer Straßenkreuzung von einem Bierwagen der Eilbecker Brauerei um- gefahren und erheblich verletzt. Er hat daraufhin die genannte Brauerei auf Leistung von Schabenersatzbeträgen verklagt, weil sie nach Z 831 B. G.-B. sür die Fahrlässigkeit ihres Bierkutschers ein- zustehen habe. Die Brauerei»vandte ein, daß ihr Kutscher ein zuverlässiger Mensch sei, daß er bereits seit dem Jahre 1893 in ihren Diensten tätig sei; in der ganzen Zeit sei er nur einmal auf dem Bahnhofe gegen eine Sperrkette gefahren. Das Landgericht Hamburg hat den Kläger abgewiesen. Da- gegen hat das Oberlandesgericht Hamburg den Anspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. In seinen Entscheidungsgriindcn führt das OberlandcSgericht aus, daß die Beklagte den Nachweis, daß sie bei Auswahl des Vierfahrers die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet habe, nicht erbracht habe. Es sei festgestellt, daß"der betreffende Kutscher infolge einer Angctrunkcnhcit gegen eine Sperrkette auf dein Bahnhofe gefahren sei und dabei großes Unheil hätte anrichten können. Auch stehe fest, daß seit dem Jahre 1900 mchrcre Fälle von Trunkenheit bei dem betreffenden Kutscher vorgekommen seien. Einem solchen Kutscher hätte die Beklagte, wie das Oberlandesgericht weiter ausführt, fernerhin kein Fuhr- lverk anvertrauen dürfen. Deshalb könne sie auch nicht der Ein- wand entlasten, daß das Biertrinkcn bei Bierkutschern üblich sei. Auf solche Eigentümlichkeiten kann sich der Fuhrherr nickt berufen. Denn die Sicherheit des Verkehrs erfordert, daß der Wagcnverkchr nur nüchternen und zuverlässigen Menschen anvertraut wird. Die von der beklagten Brauerei gegen das Urteil des Ober- landcsgerichts Hamburg eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurückgeioiesen._ Haftet der Verband für den Tarifbrnch seiner Mitglieder? Die Aktiengesellschaft Hermann Schutt in Z. in Westpreußcn klagte gegen den Christlichen Holzarbcitervcrbnnd in Köln. Auch hier bestand zwischen den Parteien ein Tarifvertrag, dem auch der Hirsch-Tunckersche Verband angehörte. Nach schon geregelten Streitigkeiten brach am 15. Mai 1905 ein neuer Streik bei der Firma Schutt aus. Die Firma behauptet, daß dieser Streik von den Mitgliedern deS Christlichen Solzarbeiterverbandes als offen- barer Bruch deS Tarifvertrages zustande gekommen sei. Während der Hirsch-Tunckersche Verband den Fall durch einen Vertreter habe untersuchen lassen, um seinen Mitgliedern von dem Streike abzuraten, hätten die Mitglieder des Christlichen Holzarbeiter- verbände» mit Erlaubnis des Verbandes weiter gestreikt und auch Unterstützungen bezogen. Die Firma verlangt Schadloshaltung in Höhe von 2596 M., weil sie infolge des Streiks gezwungen gc- wcsen sei. hundert Arbeiter aus Galizicn kommen zu lassen. Das Landgericht und OberlandeSgcricht Köln habe» die Klage- rin mit ihrer Klage abgewiesen. Zur Begründung führt daS Oberlandesgericht an, daß der Verband sich allerdings schaden- ersatzpflichtig gemacht haben würde, wenn mit seiner Hilfe der Tarifvertrag verletzt worden wäre. TaS wäre der Fall gcivescn, wenn der Verband den unberechtigten Streik finanziell und>no- ralisch»intrrstiitzt hätte, und wenn dadurch ein Schaden entstände» wäre. DaS Gericht kommt jedoch zu der Neberzeugung, baß die Arbeiter, veranlaßt durch die Hirsch Dunckerschen VerbandSmitglie- der, auch dann gestreikt hätten, wenn ihnen der Verband keine Strcikgelder gezahlt haben würde. Der beklagte Verband habe deshalb auch telegraphiert: seine Mitglieder könnten mitstreikcn, wenn die Mitglieder des Hirsch-Dunckcrschcn Verbandes in den Ausstand getreten seien. Die Mitglieder des Hirsch-Dunckcrschen Verbandes haben aber weiter gestreikt, ohne von ihrer Verbands- leituitjj Streikunterstützung zu erhalten. Zudem sei festgestellt, daß die Mitglieder des beklagten Verbandes Streikunterstützungen erst kurz vor Beendigung des Streiks erhalten haben. Das Ober- landcsgericht sieht eS deshalb als sehr fraglich an, ob die Mit- glicder des Christlichen Verbandes dann nicht mehr gestreikt hätten, wenn ihnen der Streik von der Vcrbandsleitung verboten worden wäre. Das Gcricht meint, daß sie sich verpflichtet gefühlt hätten, den streikenden Hirsch-Dunckcrschcn Kollegen nicht als Streikbrecher zu gelten. Aus diesen Gründen verneint das Obrrlandesgericht Köln den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem eingetretenen Schaden und der Handlung des beklagten Verbandes. Die von der klagenden Firma ge�en das Urteil des OberlandeSgerichts Köln eingelegte Revision isi am Freitag vom Reichsgericht(III. Zivil- fcnatt zurlickpewiefen worden. Damit gilt das Urteil des Ober- landesgerichts Köln als bestätigt.(Aktenzeichen: III. 242/10.— Urteil vom 13. Oktober 1911.) Mus aller Alelt. Dummpfiffig. Auf recht originelle Weise beweist der„Dresdener Anzeiger". daß die von aller Welt so stark empfundene Teuerung eigentlich gar nicht vorhanden ist. DaS durch seine gehässige Bekämpfung der Arbeiterbewegung besonders bekannte Amtsblatt schreibt in seiner Ausgabe vom 13. Oktober in einer Notiz«Sozialdemokratische Uebertreidungen" u. a. folgendes: «Hier-» nämlich im Berliner Gewerkschaftsbau s e— kostet jetzt mittags das Kuvert 65 Pf., wofür Suppe, Braten mit Gemüse oder Kompott und Salat gegeben tverden. Arn Mittwoch, den 11. Oktober d. I., gab es im Gewerkschafls- hause für den genannten Preis nach Wahl des Bestellers folgende Gerichte: Kartoffelsuppe. Fr. Rinderbrust mit Rosinensauce, Kohlrüben mit Schweinebauch, Hammelkeule mit Kompott oder Salat. Ged. Wiener Rostbraten mit Kompott oder Salat. Wer nach fict Karte essen wollte, hatte zu zahlen: für Kartoffelsuppe 15 Pf., für Fr. Rinderbrust, Kohlrüben mit Schweinebauch, Haninielkeule und für Gedämpften Wiener Rostbraten je 80 Pf., für Kompott 10 Pf., für Gurkensalat 10 Pf. Wie uns auf Grund eigener Wahrnehmungen mitgeteilt wird, sind die Portionen im Gewerk- schaflshause ziemlich reichlich. Daß die vorstehenden Preise Teuerungspreise oder gar Notstandspreise seien, kau» ernsihast von niemand behauptet iverden. Die sozialdemokratischen lieber- treibungen der Teuerung Iverden also durch die Spciscnkarte des sozialdemokratischen Gewerkschaftshauses in Berlin ebenso hell beleuchtet wie durch die Tatsache, daß der A r b c i t e r w a n d e r- b u n d„Die Naturfreunde" noch im Oktober dieses Jahres (vergl. den„Vorwärts" vom 28. September d. I.) eiuen l'/ztägigen Ausflug nach dem Oberspreewald gemacht hat." Wenn man im Berliner Gewerkschaftshause für 65 Pf. eine ziemlich reichliche und schmackhafte Kost bekommt, ist das doch nur ein Veiveis für die Leistungsfähigkeit der Oekonomie trotz der Teuerung. Auf den Zusammenhang des Ausfluges des Arbeiterlv an Verbundes mit der Teuerung kann sich das Amtsblatt ein Patent geben lassen. Irtan Tchiffsbrand auf hoher See. Nach einer Meldung aus Colombo geriet der Dampfer am 2. Oktober im Indischen Ozean auf der Höhe von Snnda in Brand. Das Jener brach gleichzeitig im Vorder- und Hinterteil des Schiffes aus. Da eine Rettung immöglich war, so verließ die Mannschaft das Fahrzeug und rettete sich auf zwei Booten. Infolge heftigen Wellenganges kenterte das eine der beiden Boote mit 24 Mann, von denen sieben Europäer und die übrigen Chinesen waren. Alle ertranken. Das zweite Boot mit Schiffbrüchigen ist in Colombo eingetroffen. Der Dampfer„Jxion" ist vollständig zerstört. Kleine Notizen. Absturz eines Fördcrkorbcs. Im Schacht Heiligenroda bei Springen stürzte am Sonnabend der mit zwei Arbeitern besetzte Förderkorb, da die Brems? versagte, in die Tiefe und wurde z e r- trünimert. Die beiden Bergleute wurden getötet. Ziisxiumcnstos! zweier Stratzcnbahnwagen. An einer Straßen- kreuzung in Prag stießen am Sonnabend mittag zwei dichtbesetzte Slraßcnbahnwageu in voller Fahrt zusammen. Durch den Zusammenprall'wurden fünf Personen verletzt, drei davon sehr schwer. Selbstmord einer ganzen Familie. Aus pekuniären Sorgen be- ging in Lyon eine aus vier Personen bestehende Familie Selbstmord. Die Mutter und zwei Kinder sind tot, der Bater liegt in den letzten Zügen. Singegangene Oruckfclrnftcn. Ernst von Bergmann. Von Arend Buchholtz. Mit Bergmanns KricgSbriefcn von I8ä«, 1870/71 und 1877 sowie tagebuchartigen Briesen aus San Remo über die Krankheit Kaiser Friedrichs. Gebunden 13,75 M. F. C. W. Vogel, Leipzig. Die Drennnna der proletarischen von der bürgerlichen Demo- kratie in Deutschland.(1803—1870.) Von G. Mayer. 1,80 M. C. L. Hirschscld, Leipzig. Die nordaincrikanischcu Gesetze gegen die Vererbung von Ber- brechen und Geistesstörung. Von Dr. W. Maier.— Kastration und Sterilisation von vleisteskrankc,» i» der Schweiz. Von Dr. E. Ober- Hölzer.(Jur. pjychiatr. Grcnzsragcn.) 3,40 M. C. Maehold, Halle a. S. Universal- Bibliothek. 533>— 35. Reichsversicherungsordiiung nebst Emsühnmgsaesetz. Von Geh. Neg.-Rat Semstenberg.— 5336. Ter Tilbcrgarten. Der Stet» deS Pietro. Erzählungen von F. KiUpe.— 5337. Stich. Stroits!, Der Rosenkavalier.(Erl. zum Mcistcrw. d. Ton» lunst.)— 5338. Frau Rühczahl. Novellen von Luise Alpeiistacdt.— 5Z3v. Leander im Frack. Schwank von W. Wolters.— 5310. Eine Nacht im Mi'telolter. Bon I. Willomitzer. Einzelnummer 20 Pf. PH. ilicctorn. Leipzig. Stontsi'ürgcrliche Flngschriften. Herausgegeben von H. Dorn. Heft 1. Bon der Sekte znr Partei. Bon Ed. Bernstein. 80 Ps.— Hest 2. Landeskirche oder freie Olrmeinde? Von E. Felden. 80 Pf.— »left 3. Sozialisttiche Sluslondspolitik. Von G. Hildebrand. 60 Ps._ Heft 4. Soztole Rechte»i»d Pflichten. Von H. Poithofs. 1 M.— Hest 5. Mehr Idealismus i» der Politik. Von M. Rade. 80 Ps.— E. DicderichS Verlag, Jena. iÄtiterungsüverstcki» vom 14. Oktober 1914. — S f l 13 2 13 «Settrrprogiiole für Sonntag, de« 15. Ottober 1911. Ziemlich mild, zeitweise aufklarend, jedoch vorherrschend wolkig mit Regensällen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterburea«. B* t* *5 w, o. \o N. ünnahmeilelien für„Kleine flnzeigen" Berlin C. A. Halmilch, Sluguststr. 50, Eingang Joachimsttaße. Mr G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. R. Hackelbtisch, Petersburger Plab 4. Gustav Bogel, Koppen- ftir-fee 83. 91. tlSengels, Gr. Frankfurter Str. ISO. L. Zucht. Jniinnnuelkirchftr. lZ. F. Ne»l. Baruimsir. 42. Vau», an». Rbeinsberger Str. 67. F. Trapp. Stettiuer Str. 10. Karl Mars, GreiscnhagcncrStr.27 g. Hönisch, Nazarcthkirchstr. 49. H. Bogel. Lortzingstr. 37. tl. Dietz, Jnvalidenstr. 124. L. Tecliaud, Slubeplatzstr. 24. Karl Zluders. Ealzwcdcierstr. 8. Sawerenz. Gotzkowskhstr. 29. H. Werne». Giiciieiiaustr 72. Da eh», Hagelberger Str. 27. K. Tt. Friii, Priiizcustr. 3l. F. Gutschmidt, ztottbuser Damm S. div. Pont Böhl», Lauiiycr Pia« 14115. P. Harsch, Eugeluier IS. .Acklere-Iiot. Karl Schwarzloic, Hoffmannstr. 9. BaiiniNchuIenweg. S. Hornig, Marienihalerstr. 13. I. Nnreiiz- nnlcke. Paul kienast, Nnuschstr. 10. CharlottunburK. Gustav Scharildcrg, sesenheimer Str 1 FrlearicliKhagt-n. Ernst Wcrtmann, Köpcnicker Str. 13. t-irttnnn. Franz Klei», Friedrichstr. 10. «lolianniselinl. Pielicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Karlshortit. Richard Stüter, Rödelstr. 9, II, Küiieiiick. Emil Witzler, Kiehcritr. 6, Lade». 1-le Ilten hcfg. Otto Settel. Wartenbergstr. 1. Xlecler-Schoneneldc.<6 ehrt. Britzer Str. ü. Xon awe». Wilhelm Joppe, Friedrichstr. 7 Obcr-Schöncweldc. Alfred«oder. Wilhelmlnenhosstr. 17 II Tankow. Otto Rttz»»'»», Muhleiistt. 30. Uelnickciulorf. P- Gursch, Provuizftr. 56, Laden Uixdorf. M. Heinrich. Reckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. E. Rohr,«legfncdstr. 28/29. Rnnimeltiburs. Ol. Rosenkranz. M-Roxhagen 53. Schüneberjf.«''Helm Bäumler, Marlin-Lulher-Str. 6» in Lade». Mpaiulun. Koppen, Breiteste. 64. Htcglltx. H. Bernlee, Menstr. 5. Tcnipeihof. Front«, Berliner Str. 76, Lade» Treptow. Rodert Gramenz, Kieibolzstr. 412'Lade». WefKensce. Fuhrinann. Sedanstr. 105 Schillert. KSnig-Thaussee 39» Vt ilmersdorf. Paul Schubert. Wilhelmsaue 26. Hos parterre Zur Ucrmcidung von Verwechselungen: Die 5irma mcrtbcim unterhält in Berlin nur diese Z geschalte (IMtdhem O. LZL« 1>. H* versanäMteilung Berlin lll. 66 Ccipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. l&Mmihdw Str. leipziger Stf CIMC 132*31 Ctmiea Strohe Montag, Dienstag: Extra= Preise Montag Dienstag: Kleiderstoffe und Seidenstoffe Reinwoll. Lasting Ba0nÄfena:be?\ Mmtr. 3.25 Kammgarnstoffe 2.75 Gestreifte Stoffe 2.50 Serge mit neuen Phantaeieetpeifen....... 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Tie fol- gcnde Zusammenstellung veranschaulicht die Kohlengewinnung in den ersten 8 Monaten der aufgeführten Jahre: Steinkohlen Koks... Braunkohlen Preßkohlen. 1997 95 913 14 413 49 393 19 746 1911 1999 1919 in 1000 Tonnen 97 896 99 720 106 177 13 991 15 373 43 877 43 948 12 205 12 604 16 631 46 897 14945 Hier macht die Steigerung, und zwar nach einer Vergleichung der Ziffern von 1911 mit denen von 1997, bei Steinkohle nur 11,6 Prozent, bei Koks 15,3 Proz., und bei Braunkohlen 16 Proz. aus. Aber da» Bild verschiebt sich noch wesentlich, wenn man den Außen- Handel berücksichtigt: Im Jahre 1997 betrug der Zlusfuhrüberschuß bei Steinkohlen nur 4,399 Millionen Tonnen, bei Koks 2,111 Mil- ltonen Tonnen; im laufenden Jahre ist der Ausfuhrüberschuß bei Koks auf 2,562 Millionen Tonnen, bei Steinkohlen auf 10,359 Mil- lionen Tonnen gewachsen. Der einheimische Pcrbrauch stieg somit nur um rund 1 Millionen Tonnen oder um etwas über 1 Proz. Und nun hat da? Rhcinisch-Westfältsche Kohlcnsyndikat auch noch be- schlössen, für den November, also zum Beginn der Hochsaison im Kohlengcschäft, die Beteiligung weiter herabzusetzen, bei Kohlen von STA auf 85 Proz., bei Koks von 65 auf 60 Proz. und bei Briketts von 89 auf 77 � Proz.. weil der Abruf mit der bisherigen Pro- duktion nicht gleichen Schritt, hält. In der Verschiebung der Produktionsverhältnisse zwischen Kohle und Eisen kommt eine bedeutungsvoll« Veränderung der Fabri- kationstechnik in der Eisengewinnung und Verarbeitung zum Aus- druck. Die Ersparung mebrerer Scbmelzpkozesse sowie die Vcr- Wertung der Hoch- und Koksofcnabgase. die teilweise in elektrische Energie umgewandelt, zu einem anderen Teile als Leuchtgas a» Gemeinden und sonstige Konsumenten abgegeben werden, soweit man sie nicht in den eigenen Anlagen verbrauchen kann, hat die Gestehungskosten erheblich verringert. Das Ausfallen der Schmelz- Prozesse, die Beschtckimg der Generatoren und sonstigen Jcueruiigs- anlagen mit Gichtgasen, der Antrieb von Maschinen durch Elektri- zität an Stelle der früheren Dampfkraft ermäßigte die pro Tonne Eisen erforderlichen Brennmaterialien nicht unbedeutend. In der gleichen Richtung wirken technische Fortschritte im Gießerciver- fahren, die früher notwendige, kostspielige Schmiede- und Dreherei- arbeiten überflüssig machten. Hinzu kommt, daß der Verkauf von aus bisher wertlosen Abgasen gewonnenem Licht den Werken auch noch große Einnahmen bringt. Alle diese Veränderungen und Verbesserungen summieren sich zu einer nicht unwesentlichen Verbilligung der Fabrikation. Wird das berücksichtigt, dann kann man die Vergleichung der heutigen Eisenpreise mit den früheren als Maßstab der Rentabilität nicht als einwandfrei passieren lassen. Tarauf ist hinzuweisen, wenn die Schwerciscnindustricllen ihre Zollwünschc mit Berufung auf die gesunkenen Preise begründen. Ter absolute Preisrückgang, soweit überhaupt davon die Rede sein kann, entspricht nicht auch einer relativen Verschlechterung; die Produktionsveoingungen haben iich geändert. Die von jener Seite ausgehenden Zollfordcrungen dürfen aber auch fchon darum im Interesse der Gesamtwirtschaft keine Berücksichtigung finden, tveil der bisherige Schutzzoll bereits zu einer durchaus nicht erfreulichen Enstvickelung geführt hat. Auf Kosten der Weiterverarbeitung ist die Ausfuhr von Halbzeug ganz enorm gefördert worden. Von Eifenbahlimaterial und Formeisen, worunter sich auch noch viel nicht fertiges Material befindet, sehen wir hierbei vollständig ab. Die Zunahme des Exportes von Halb- zeug ist das Bedenkliche. Von dem Gesamtversand des Stahlwerks- Verbandes an Halbzeug entfielen nämlich auf die Ausfuhr in Prozent: 1906/97 18,43 1997/98 18,46 1998/90 36,27 1909/10 84,90 1910/11 36,92 Ein immer größerer Teil des Gesamtvcrsandcs wird exportiert. Allerdings war vorher schon einmal, im Jahre 1994/95, der Aus- fuhrantcil auf 28,14 Proz. hinaufgegangen, aber auch über diesen Satz sind wir jetzt weit hinaus. Da gleichzeitig der Gcsamtabsatz gewachsen ist, bedeuten die Anteilsteigernngcii in den letzten fünf Jahren mehr als eine Verdoppelung der Ausfuhrmenge. Daß darin eine Schädigung der Weiterverarbeitung und des einhcimi- scheu Arbeitsmarktes liegt, ist wohl unbestreitbar. Nicht nur, daß der Export von Halbzeug dem Jnlande sehr viel Arbeitsgelegenheit entzieht, da die Exportpreise meist unter die den einheimischen Konsumenten diktierten hinabgehen, erschtvcrt die Aussuhr bau Halbzeug auch in scharfer Weise die Konkurrenzfähigkeit unserer Verarbeitungsindustrie auf dem Weltmarkt. Diese Erschwerung setzt sich nm in Druck auf die Löhne und in Verminderung der Erwerbsgelcgenheit. Wäre im kapitalistischen Wirtschaftsbetriebe etwas von den moralischen Werten lebendig und wirksam, die man mit Schlag- Worten vom„Schutz der nationalen Arbeit" und von„Nationaler Ehre" im Volke auszulösen sucht, um cö für eine kraß egoistische und anarchische Wirtschaftspolitik einzufangcn, dann würde man die «kennzeichnete Politik nicht praktizieren. Wie das Vorgehen'des Fentralverbandes Deutscher Industrieller beweist, wollen die Herren von der schweren Industrie das bisherige Spstcm noch weiter aus- bauen. Damit erwächst der Gesamtwirtschaft eine schwere Gefahr, nur so mehr, als damit auch die LcbensmittelMe verquickt sind. Diese wachsen mit den Rohmatcrialzöllen! Wer sich von den Gaukeleien der industriellen Hochschutzziillner blenden läßt, lwt sich auch für die Agrarzölle einfangen lassen. Die Arbeiterschaft spürt deren Segen nun in so unzweideutiger Weise, daß sie sicherlich allen rattenfängerischen Zöllnerschalmeien die Gefolgschaft versagen wird. Säeu&sdie, engäsdieund ameükmlsdm Fonnj 1 Y. Form: 2 V, Form: 3 Y, Form: 4 V. Form: 5 V. Form: 6 V» Form: t Y» Form: 8 Y, Form: 9 Y« Form: 10 V, FcytlgO UlstGt* In unseren Klel&erwcrken hergestellt Ort«, fcrtoB melierter fijchfrlt. 1ö„ gemutterter..............* v". Kr.X Clrflo, brtun, griB gemtwWrt" 91 M. Chtrlot............... Wr.8. GMirHft, nn4 kirierte phsnlul»- 94 M Slont,,....... �* Kr'*'"»>> dunkel gemmtertef 97 U. CherJot nach englUcher Art Nr. 8. Nr.«. Nr. 7. Nr, 8, Brenn, grfln, grau geilrelfter 9A ......................... u. Karletter PbentalieetoU, neneite 00 Farbsmtellung........... Gran oder grdn melierter Chcelat 0< eehr ebte............... JU m. Klein karierter Chcrlet mit bunten Effekten....... 40 M. Nr, 6. Dunkelgran melierter Cberiot mit ferbigeu Streiten......... Nr. ICH Kehl•englircher« Cherlot, per- aBnllcber Kickaul......... Nr. 11. Gelb-braun gaetrelfter Diagonal- Cherlot.............. Nr. 12. 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Sonntag abends 8 Uhr: Oer Pf arrcr von Kirchfeld Montag, abends 8 Uhr: Oer Pfarrer von Kirchfeld Neues königl. Opern-Theater. Sonntag, den 15. Okt.; Abfchieds- Gastspicl Christian Wachner. Heute nachm. 3 Uhr: Der Ttörcnsried.(Abonn.-Vorst.) Heute ab. 8 Uhr: Der Störenfried. (?lbonnement-Vorstcllnng.) niUeues Theater. Aus. 8 Uhr. Gastspiel Hanti Nlesa: Die Näherin. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonntag nachmittag 3*1, Uhr: __ Gin Bdalzerrra» m.___ Berliner Theater. 8 Ubr: Summelstudenten. Tbeater In der Rfioi�tzer Straße 8 Uhr: Hiuidstage. Belle• AU ian ee-Theater. 3'l, Uhr: Maria Stuart. 8 Uhr: Der Sittenapostel. Novität: Der Sittenapoftel. Allabendlich 8'/. Uhr: Kesidenz-Theater. Direktion Richard SNexander. Ansang 8 Uhr. Ein Walzer vo» Chopin. Schwank in 3 Akt u. Keroul u. Larrs. Für die deutsche Bühne bearbeitet vo» Bolten-BaeckerS. Morgen und solgende Tage: Gin Walzer von Ehopin. Luisen-Dheater. Soiiiiiag. Moniag»nd solaende Tage: Die Macht der Liebe. Sonntag nachin. 3 llhr: Die Grille. lOSEaTHEATEI Große Franksurtet Str. 182. Nachmittags 3 Uhr: Richters Millioiic«. Abends 8 Uhr: Kean oder: Genie U.Leidenschaft. Montag: Kran._ Fried rieh- Wllhelmstildt. Schauspielhaus. Sonntag, 16. Okt., 31/, Uhr: Kabale und Liebe. 8 Ubr: Leiermann«nd fein Pflegekind._ Königsiarit-Kasino. Holzmarktstr. 72, EckeAlexanderstr. Täglich: Erstklass.Speztallfliten Ans. wochcnt. 8, Sonnig. S'/, Uhr. Ab Sonniag. lt. L. Oiitvtier ct., beginnen Familien-Nachmntags-Vor- Stellungen um 4 Uhr zu ermäßigten Preisen.(Entree 20 Pf.) Urania, Wissenschaftliches Theater Abends 3 Uhr: Gehelinnisse der belebten Katar. Montag 8 Uhr: Geheimnisse der belebten Katar. GARTEN a?onn,.a9 so pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: GroÜes Militär-Konzert. Donnerstag: Job. StranB. H" Cor so-Variete. Frledrlchstr. 105. Heitere Künstler- Abende. 12 jUtrakttouen 12 U. a.: Das orkom. Zwerglnnen-Daett. Entree 50 Pf. PASSAGE:::: ANOPTIKUM Die wilden Lebend! 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Programm und Liedert<-xt. „,,. V_—_ Herren zahlen Nach dem Konzert: I«i Bl Zs j,o Pf. nach. Billetts sind in den mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. Voranzeige! V olksvorstellungen veranstaltet von der GemM Genttr»»tWWr. Eintrittspreis 50 Pf., 1,—, 1,50 M. Beginn am 24. Oktober in den größten Tbeatersälen Groß-Berlins. Alles Nähere durch die Anschlagsäulen! Heute nachmittag u. abds. Vorstellnngcn. Hurra! Parade! _ Eintritt 1 M. Ab Montag, den 16., bis inkl. Freitag, den 20. d, IL; KINO CR- WOG HE. Kinder zahlep nnr 31) Pf. Grosster U',. Ä"•{ w der Welt! Anfang A'/j Ehr. CLOU BERLINER KO.VZERTH.VES MauerstraBe 82 X ZimmerstraBe 90 91. Qr. Doppel-Konzert. Musikc. d. 2. Barde siegt, zu FuB Ctrot Oberm. Uiai. Musikc. des L.-E. Artillerie sieg, fnllv Oberm JOliy. Anfang 4'/« Ehr. Arnhold Adler Elchtcnbcrg, Frankfurter Chaussee 5. Jeden Sonntag: GfOßGt* Balls Jeden Mittwoch: I-nSnwirrAf Erstklassige Herrengesellschaft L-.CipZlgCF OollJ�cr. mit nur künstlerischen Leistungen. 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Nach unseren eigenen Beobachtungen ist gerade das iIegentetl der Fall und können wir dem BUzlchen Sanalorlium das Zeugnis einer achtunggebietenden, gut geleiteten Anstalt ausstellen, in welcher die Kurgäste sich wohl fühlen und Gesundheit und Lebensmut wiederfinden. Datz diese unsere Ueberzeugung von weilen Kreisen geteilt wird, beweist ja am besten die Tatsache der von Jahr zu Jahr gesteigerten fsrequenz des Sanatoriums. ES befinden sich unter uns ein hoher Prozent- atz Kurgäste, die bereits seit Jahren das Bilzsche Sanatorium zur Erholung aussuchen, das Gedeihen desselben mit Befriedigung verfolgt haben imt mit Dankbarkeit die unausgesetzte individuelle Sorgfalt anerleimen, welche die Aerzte und die Direktion den Kurgästen stets gewidmet haben. Die nicht stichhaltigen Anfeindungen gegen dieses blühende und segensreiche Unter» nehmen müssen jeden gerecht Denkenden im höchsten Grade befremden und sollten endlich aushören. Von den vielen an uns gerichteten Zuschriften wollen wir nur diejenigen von Herrn Kaujmann I. Mager, Hamburg, kurz Erwähnung tun. Derselbe schreibt«rittet anderem: Aus die ZeitungSangrisse über angebliche Mitzstände im Bilzschen Sana- n, die meines Wiffens vo~ torium, von Aerzlen ausgegangen sind, mutz ich solgeiid�S habe ich von den Mitzstänhen in sanitärer und fittenpolizcllichcr Hinsicht te. auch nicht das Geringste wahrgenommen, im Gegenteil, das Sanatorium steht unter vorzüglicher Leitung. Von den vielen Besuchern, die ich dort ans aller Herren Lander kennen lernte nud die sich aus allen Gesellschastsklnffen rekrutierten— vom gewöhnlichen Voltsmann bis hinaus zum Fürsten—, hat keiner ie einen Grund gehabt, sich über Mitzstände im Sanatorimn zu beklagen. Alle,»i!t denen ich befreundet wurde, waren ohne Ausnahme über die dortigen Einrichtungen voll des LobcS. Besser findet ma» cS gewiß nirgends. Ich zweifle aber, ob man es anderwärts ebcnfo findet. Von Mißständen kann daher gar keine Rede fein. Wer das Bilzsche Sanatorium noch nicht kennt, möge hingehen und sich selbst überzeugen. ,1. IHager(in Fa. Hager A Co.) in Hamburg. Die Unterschristen sowie zahlreiche sonstige Sympathieschreiben werden aus Wunsch gern vorgelegt. Gill' Sanatorium, Konzesslonsentziohung betreffend. Der Beschlutz der KreiShauptmannschasi ist gesatzt worden, ohne datz Herrn Bilz Gelegenheit gegeben worden wäre, die ausgeführten Beweise über an- gcbliche.grobe Mitzstände' in seiner Anstalt zu entkräften, Gegenbeweise zu führen, sich überhaupt ordnungsgemätz gegen die schwere Anklage zu vcr» tcidigen. ES ist bedauerlich, datz nach dem bestehenden Gesetz eine so schwere Matznahme ohne ein ordenllichcs, dem jgcrichllichcn ähnliches Verfahren tfln» hängt werden kann, noch bedauerlicher aber, datz eine Veröffenllichung nur mit allen Anklagegründen, aber ohne alle Rechffertigungsgründe, veröffeut- licht werden darf, che sie dem Belrofsenen zugestellt worden ist, geschweige denn die Rechtslrast beschriltcn hat. Selbstverständlich wird Herr Bilz sich der gegebenen Nechlsmittel bedienen und Rekurs einlegen, Er bitict die Leffentlichteit, mit einem Urteil bis nach der endgültigen Eitlscheihttitg zurückzuhalteit.— Seine Verteidigung geht in kurzen Zügen dahin: Die Bilzsche Nalurheilanswli ist 18 Jahre hindurch von Herrn Geh. Mcdizinalrat Dr. Hesse bcaiisfichtlgt und revidiert worden. Er hat wescnt» liche Mängel nie feststellen lönne». Nachlässigkeit oder gar besondere Sym- pothie für Herrn Bilz wird man ihm wohl nicht zum Vorwurf machen können.— Die danach von seincni Vertreter Herrn Medizinalrat Dr. Tiersch gerügten Mängel sind sofort abgestellt worden. Bei der sür die Anstalt nach der Begründung der Krcishauptmannschast ..niederschmetternden' Aussage dcS Herrn Dr. med. Hübncr ist zu beachten, datz dieser Herr sie gemacht hat, nachdem er sechs Jahre lang in der An- stall als Arzt tätig gewesen war, einen weiteren zehnjährsgen Vertrag ver- iangt, ihn aber nicht erhalten hatte.— Seine Behaupsimgen werden durch das Zeugnis einer grotzen Anzahl von völlig eiiiwandjrcicn, teilweise tu hervorragender Lebensstellung bcsitidlicken Zeugen widerlegt werden. Das gegen Bilz besonders ins Feld geführte Urteil in einer gegen ihn gcrichteleit Zivilklage ist mit der Berusimg angefochten worden, mithin überhaupt noch nicht endgültig entschieden.— Es ist nicht Sitte und würde anderenfalls die Rechtssicherheit schwer bedrohen, ein Urteil gegen irgend- eine Person als Bciocis zu venvendesi. Wie dasselbe in die Hände der Krcishauptmannschast gelangt ist, die am Rechtsstreit nicht beteiligt war und kein Recht aus Boneguttg besitzt, wird zu untersuchen sein. Von vorgekommenen„unsittlichteileii' ist Herrn Bilz allein bekannt, daß ciiiige Herren im Fiimilicnbadc der Nalnrheilatistalt verbotswidrig in den Rcserenten dcS Kreis- ....., hnung des ersten Koitzessioiis- gesuchcs ösicnllich in den Zeitungen bekämvst worden. Wer sich dafür interessiert, kann diese Abwchrschrist von der Diretlion erhalten.— Herr Bilz betont ganz auSdrückllch, datz er alle behördlichen Vorschriften stets sofort erfüllt hat, sobald solche von dem BezirkSar-i usiv. bei der Bcsichllguiig der Anstalt bekannt gegeben worden sind. 149/2 Der Herr Oberbürgermeister der Stadt Dresden hat der Kreis- hauptmannschast sofort nach Verkündigung des Beschlusses seinen Dank aus- gesprochen. Ein Dank von öffentlicher Stelle gebührt aber der Kreis- hauptmannschast für ihr Vorgehen erst dann, wenn durch mianscchtbare Beweise in einem ordentlichen, auch dem Angeklagien Stimme verleihende» Verfahren festgestellt worden ist, datz dadurch die Oeffentlichleit vor drohendem Schaden bewahrt wird. Sonst ist er im Jnlcrcffc der Kerechtig- keit nur zu bedauern, we!I er zweifellos geeignet ist, Stimmung zu machen. Im übrigen satzt auch meiner Meinung nach eine Behörde nicht Beschlüsse, ' tz»~" 1 U»>W um Lob und Dank»u öffentlichen Bohl« za vtencn. ernten,«IN der Gcrechtigleit un Rechtsanwalt Äuto u. den, orf&G sse Bronnens trasse«� Kottboser Damm 'eSfrunii Erprobt gute Qualitäten zu besonders billigen Preisen Stoma Strumpfe schwarz, deutsch lang, Fuss ohne Naht............................. 33 Pf. Strümpfe schwarz, Wolle plattiert, gestrickt, deutsch lang..................... 42 Pf. Strumpfe schwarz, Reine Wolle, gestrickt, deutsch lang................. 65 J 95 Pf. StrÜmpfe schwarz, Reine Wolle, enzllsch lang, Fuss ohne Naht......... 68, 95 Pf. Striimpf6 hell oder dunkelgrundig, Reine Wolle, mit farbigen Mügeln, englisch lang 33 Pf. Strumpfe schwarz und moderne Farben, Reine Seide............................ 1.75 Ersatzfüsse fSr Strumpfe, Reine Wolle, stark gestrickt, Fuss ohne Naht.... 38 Ff. %■----M-—*«1B___ Trikot, mit langen Aermeln MÄk MB WpMoöaeSillCn und angewebtem Futter....... 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Mtr, 95, 1.10, 1.25 1.20, 1.45, 2.25 Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Zur den Inseratenteil verantw.: TH.Gloilr, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer n. So., Berlin LW. lt. 243. 28. Jahrgang. 3. KkilU des Jiraiirts" Knliurr lolMlott. Aonütag, 15. Oktober 1911 Bcricl)t über die tätigbelt der fozialdemoliratikben Fraktion im Berliner Ratbaufe.*) Das Wahlrecht in der Gemeinde. Die Stadtverordnetenversammlung ist auf Grund eines Drei- llafsenwahlremts zusammengesetzt, das durch die Bestimmung, wo- nach die Häls?e der Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen, für die große Mosse der Bevölkerung noch besonders verbösert ist. Im Jahre 1910 betrug die Zahl der Wahlberechtigten in Älasse I 927. in Klasse II 31 999 und in Klasse III 347 393 Wähler. Durch die bauliche Entwickelung der Stadt hatte sich mit der Zeit eine Wahlkrcisgeometrie herausgebildet, die an die ungerechte WahlkreiSeinteilung zu den Reichstagswahlen erinnerte. Ganze Stadtviertel waren neu erstanden, andere weiter ausgebaut worden. So kam es. daß in der 3. Ab- teilung Bezirke mit 24 999, 19 999, 17 999 bis herab zu 2799 Wählern vorhanden waren. Die sozialdemokratische Fraktion for- derte deshalb wiederholt eine Aenderung dieses Zustandes und hatte den Erfolg, daß die Stadtverordnetenversammlung im Mai 1996 beschloß, den Magistrat um eine Neueinteilung der Stadt- verordnetenbezirke zu ersuchen. Der Magistrat blieb aber un- tätig, so daß die sozialdemokratische Fraktion zu Beginn des Jahres 1999 durch einen dringlichen Antrag den Magistrat aus seinem Schlafe rüttelte. Der Magistrat, bei dem bekanntlich nach dem Ausspruche eines Magistratsmitgliedes„alles in Vorberelwng" ist, begnügte sich mit der Erklärung, daß er die Angelegenheit „zurzeit berate", und am 29. Juni 1999 erklärte er in einer Vor- läge zur Kenntnisnahme, daß eine Neuordnung den Ende des Jahres 1999 stattfindenden Wahlen nicht mehr zugrunde gelegt werden könne. Damit gab sich die Mehrheit zufrieden; der Magistrat wurde aber ersucht, die Neueinteilung so zu„beschleu- ttigen", daß die Wahlen 1911 auf Grund der Neueinteilung voll- zogen werden können. Endlich im März 1911 legte der Magistrat die geförderte Neueinteilung vor. Die Vertreter der 1. und 2. Ab- teilung waren aber recht unzufrieden, daß auch die 1. und 2. Ab- teilung neu eingeteilt worden war. Nach einer Ausschußberatung stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Neueinteilung der 3. Abteilung zu, beließ es aber bei dem bisherigen Zustand in der I. und 2. Abteilung. Die Gründe der Mchrheitsbertreter gegen die Aenderung in der 1. und 2. Abteilung waren lediglich lokal- patriotischer Natur.„Das Band zwischen den Wählern deS Be. zirks und der Stadtverordneten solle nicht zerrissen werden." Der Magistrat trat dem Stadtverordnetenbeschluß bei, so daß die Wahlen im November dieses Jahres endlich unter einer gerechteren Einteilung stattfinden können. Lange genug hat eS gedauert. Die letzte Einteilung erfolgte 1896 und wurde 1899 zum ersten Male angewendet. Uebrigens sind auch heute noch die Wähler der dritten Klasse insofern gegen die Wähler in der ersten und zweiten Ab- teilung im Nachteil, als für die letztgenannten Wähler nur 16 Wahlbezirke bestehen, während für die Wähler der 3. Abteilung 48 Bezirke geschaffen worden sind. Das hat de» Nachteil, daß die Wähler der 3. Abteilung nur alle 6 Jahre wählen können, während die Wähler der ersten und zweiten Abteilung alle zwei Jahre zur Wahl gehen. Anträge der sozialdemokratischen Frak- tion auf Beseitigung dieses ungerechten Zustandes sind, wie wir früher schon berichtet haben, von dex freisinnigen Mehrheit.der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden. Ten Wahltag und die Wahlzeit betraf ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der in der Sitzung vom 22. Juni 1911 verhandelt wurde. Es war beantragt worden, die Stadtverordneten Wahlen an einem Sonntage stattfinden zu lassen, ein Antrag, der im Jahre 1898 schon einmal die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung gefunden hatte. Damals hat der Magistrat dem Antrage seine Zustimmung versagt, ohne Gründe anzugeben. Unser Redner legte dar. daß das Korrelat des Wahlrechts die Wahlgelegcnheit sei. Dazu sei aber der Sonntag am geeignetsten. Das habe inzwischen auch der Reichstag anerkannt, indem er in das neue'Gesetz über da� Wahl- recht in Elsaß-Lothringen den Sonntag als Wahltag aufnahm. Tiesem Umstände scheint es zuzuschreiben- zu sein, daß diesmal der Magistrat seinen früheren ablehnenden Standpunkt aufgab und dem von der Versanunlung angenommenen Antrag der Sozialdemokraten seine Zustimmung erteilte. Infolgedessen sind die Wahlen für die 3. Abteilung auf den- Sonn tag» den November festgesetzt worden. Die Wahlen in der l. und 2. Abteilung sollen nach wie bor in der Woche stattfinden. Die große Masse der Wähler, vor allem d'e erwerbstätige Bevölkerung, hat in diesen Klassen nichts zu sagen und sie hat infolgedessen kein Interesse an dem Tage, an dem die privilegierte Wählerschaft wählt. dem Wahlrecht zum Landtage hatte sich die A�dtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 17. Februar 1919 zu beschäftigen. Tie sozialdemokratische Fraktion hatte bc° ? f x Versammlung wolle beschließen, eine Petition an das «aus der Abgeordneten abzusenden, worin vom Standpunkte der Berliner Bürgerschaft aus die sogenannte Wahlrechtsreform in '7een Wirkungen auf die politische Entrechtung der breiten Massen »es Volles dargelegt und das Haus der Abgeordneten ersucht wird, : � ohlrechtSreform abzulehnen und zweitens den Magistrat zu ersuchen, diesem Beschlüsse der Versammlung beizutreten. In- folge des Beschlusses sandte der Magistrat eine eingehend begrün- dcte Petition an das Abgeordnetenhaus. In der Stadtverordnetenversammlung kennzeichnete unser Redner die von der preußischen Reaierung dem Landtage vor- gelegte Wahlrechtsreform als eine Verhöhnung des Volkes und ersuchte um Annahme des sozialdemokratischen Antrages. Die Mehrheitsvertreter hatten sich inzwischen gleichfalls entschlossen. in der Sache einen Antrag zu stellen und so kam es, um eine ein- heitliche Kundgebung der Stadtverordnetenversammlung herbei- zuführen, daß unsere Genossen ihren Antrag zurückzogen und einem Antrage ihre Zustimmung erteilten, der zwar anders for- muliert'war, aber in der Sache auf das gleiche hinauslief. DaS Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung betraf ferner ein Antrag unserer Genossen, der in der Sitzung vom 21. September 1911 verhandelt wurde, und der sich auf die Auf- nähme in die Wählerlisten bezog. Unsere Genossen be- ontragten, alle die Personen in die Wählerliste aufzunehmen, die ..durch Krankenhauspflege unterstützt" worden sind. Unser Redner legte dar. daß es eine große Härte sei, Personen deswegen nicht in die Wählerliste aufzunehmen, weil sie oder Angehörige krank gewesen seien, zumal viele Personen ratenweise die entstandenen Kosten tilgten. Hart sei es auch, Personen des Wahlrechts zu berauben, weil sie für ihre Kinder durch Bermittelung des Armcnvörstehers Milch erhalten hätten. Beträge von 1,59 bis 2 M. seien so kleine, daß man deswegen das Wahlrecht nicht zu entziehen brauchte. Dazu komme, daß das Reich derartigen Leistungen der Gemeinde nicht mehr den armenrechtlichen Charakter beilegt und das Reichstags- Wahlrecht nicht tangiert wird. Außerdem belasse die Stadt Char- lottenburg denjenigen Personen das Wahlrecht, deren Angehörige im Krankenhause verpflegt worden sind. WaS Charlottenburg könne, könne auch Berlin. Qs half aber nichts, die. freisinnige Mehrheit lehnte den Antrag unserer Genossen ab, ohne auch nur mit einem Worte ihre ablehnende Haltung zu begründen. •) Der Bericht erstreckt sich auf die Zeil vonl f. Oktober 1909 tts 80. September 1911, Am 5. November haben die Wähler Gelegenheit, ihren Protest gegen die Rückständigkeit des Berliner Kommunalfreisinns zum Ausdruck zu bringen durch die Wahl sozialdemokratischer Kandidaten!_ Heber Mutterschutz und Mutterschaft!- Versicherung sprach Henriette Fürth- Frankfurt a. M. am Freitag in einer von der Z c nt ra lko m m i s s i o n der Kranken- lassen einberufenen Versammlung der Krankenkassenvorstände und-Verivaltungsbeamten. Die Rednerin ging davon aus, daß Millionen erwerbstätiger Frauen sich in den Zeiten der Schivangerschaft nicht genügend schonen können und daß infolgedessen das Wochenbett bei solchen Frauen Folgeerscheinungen zeitigt, die oft zu Krankheit und Siech- tum der Mutter sowie zum Niedergang und Verfall der Familie führt. Auch die nicht erwerbstätigen Ehefrauen sind schweren Schädigungsmöglichkeiten ausgesetzt, da Millionen von ihnen nicht in der Lage sind, Borsorge für Krankheit und Wochenbett zu treffen. Die Rednerin verkannte nicht, daß derjenige, welcher rationellen Mutterschutz betreiben will, nicht achtlos vorübergehen darf an den Löhnen und der Arbeitszeit der erwerbstätigen Frauen. Doch hier handelt es sich nur um die Frage des Mutterschutzes unter den ge- gebenen Verhaltnissen. In Deutschland hat sich, zum Teil infolge der gekennzeichneten Verhältnisse, eine übergroße Säuglingssterb- lichkeit herausgebildet. Im Interesse der Volksgesundheit, sowie der volklichen Arbeits- und Lebensfreudigkeit ist«S geboten, den sich ergebenden Schädignngsmöglichkeiten entgegenzutreten. Das kann bis zu einem gewissen Maße geschehen durch die Erfüllung der folgenden Mindestforderungen: 1. für die erwerbstätigen Frauen durch eine auskömmliche Arbcitsruhe von mindestens 6 Wochen vor und 6— 8 Wochen nach der Niederkunft, bei gleichzeitigem Bezug eines Wöchnerinnen- geldes in der vollen Höhe des Lohnes; 2. für alle Frauen durch Gewährung von HauSpflege zum Zwecke der Aufrechterhaltung einer geordneten HaushaltSfüh- rung; 3. durch Anstaltspflege für alle Frauen, die deren bedürfen; 4. durch freie Gewährung von Hebammendiensten, ärztlicher Hilfe und Arznei; 5. durch Gewährung von Stillprämien. Natürlich— meinte die Rednerin— würde die Durchführung dieser Forderungen Geld kosten. Etwa 299 Millionen Mark jähr- lich würden dafür erforderlich sein. Obgleich das Heer-viel mehr und die Volksschulen etwa ebensoviel kosten, würde manchem diese Ausgabe zu hoch erscheinen. Einstweilen würde man deshalb nicht erwarten können, daß diese Aufwendungen aus Staatsmitteln ge- macht werden. Die Lasten, welche den Krankenkassen aus den vor- geschlagenen Forderungen erwachsen würden, berechnet die Red- nerin auf 78 Millionen Mark, falls sich die Versicherungspflicht auf alle Personen mit einem Einkommen bis zu 3999 M. er- strecken würde. Um diese Ausgaben zu decken, brauche der Beitrag der Versicherten nur um 2-% Pf. wöchentlich erhöht werden. Die Gewährung von Stillprämien würde einen Austvand von 65 Mil- lionen erfordern. Sie könnten aufgebracht werden entweder durch Erhöhung der Einkommensteuer um 13 Proz. oder durch Zusam- Menfassung und Vereinheitlichung alles dessen, was bereits von privater Seite sowie von Kommunen in dieser Hinsicht getan' wird. — Anfänge des Mutterschutzes seien bereits vorhanden in der Reichsversicherungsordnung, in der Praxis der Krankenkassen, den Vereinen für Mutterschutz, Hauspslege und Säuglingsfürsorge. Aber es fehle noch an einer Zusammenfassung aller einschlägigen Bestrebungen an einer Stelle, die neben der planmäßigen Zentrali- Ktion der praktischen Gegenwartsarbeit die Fortbildung des Ge- nkenS des Mutterschutzes durch«ine umfassende Mutterschafts- Versicherung zu betreiben hätte..Die Red nerin empfahl die Grü» dung einer Zentralstelle, die alle für den Mutterschutz— der zugleich Säuglings- und Familienschutz sei— interessierten Vereine, Organisationen und Einzelpersonen gleichberechtigt angeschlossen sein sollen. Die Zentralstelle soll die Aufgabe haben: I. fortgesetzt Studienmaterial zu unserer Frage zu sammeln; 2. durch Vorträge die Idee zu propagieren; 3. durch Anregung und Schaffung einschlägiger Organisa- tionen, das heißt also von Hauspflege- und Fürsorge-Vercincn, von örtlichen Mutterschaftskassen, Stillfonds usw. die Frage des Mutterschutzes praktisch zu fördern und eine umfassende gesetz- liche Regelung durchMutterschaftsversicherung zweckentsprechend vorzubereiten; 4. durch theoretische und praktische Propaganda jeder Art sowie besonders auch durch die Ausarbeitung von GesetzeSvor schlägen, die den Regierungen als Material zu überweisen wären, die Frage der Mutterschaftsversicherung zu fördern. Mit einer warmen Befürwortung des Schutzes der Mütter und Säuglinge schloß die Referentin ihren beifällig aufgenomme neu Vortrag. Ohne Debatte wurde folgende Resolution/» Uhr: Große Vorstellung. Abends: Ein Jagdsest am Hose Ludwigs XIV.(Ansang?>/. Uhr.) ZtrhiS Schumann. Sonntag, nachm. 3,/s Uhr: Grope Vorstellung. Abends: l Jahre auf dem Meeresgrund.(Alisang 7>/, Uhr.) Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spczialitätcir(Ansang 7'/, Uhr.) Jutlmrs Theater. Täglich: Lou. Lüb-sabenleuer.(Anfang 8-/, Uhr.) Walhalla. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Prinz und Bcttlcrin. Allabendlich: Teufel, das hat eingeschlagen l(Anfang 8'/, Uhr) «aiser-Panorama. Reu: 2. Zyklus, Konstanttnopcl. S. Wände- rungen am Kardafee. Passage- Theater. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäien.(Ansang 8 Uhr) Wintergarten. Sonntag, nachmittags SV» Uhr: Vorstellung. Täglich: Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) ReichSbaacn-Theater. Täglich: Stettlner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Köiiigftadi-Kastno. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr) Urania- Tvcntcr, Taubenstr 48/19. Sonntag, Montag und DtenZ- tag: Geheimnisse der belebten Natur. Mittwoch: Gotthard, Lötschberg. Simpkon. Donnerstag, Freitag,' Sonnabend und Sonntag: Geheimnisse der belebten Natur.(A»sang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. b?— 62. WafferstandS-Nachrtchte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TUstt P r e g e l. Jnsterbmg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor - Krossen. , grantturt Warthe, Schrinn» , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leinnerttz , Dresden , varby , Magdeburg am! iett 1310.112 10 77 —50 14 98 34 47 -30 -57 -34 -70 -191 24 87 nn>') +4 0 +•12 0 +1 .+1 0 +2 0 0 —1 —4 -a Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau*) , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeslow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximiltanSmi , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Werthet« Mosel. Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Urllerpegel. Oeffentliche politische Volksversammlungen am Dienstag, den 17* Oktober 1911, 8 Uhr abends, in 1. Kreis. Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. 2* Kreis. Boekbranerel, Tempelhofer Berg. Kllems Festsäle, Hasenheide 13-15. Nißies Festsäle, Dennewitzstr. 13. 3. Kreis. Armlnhallen, Kommaildantenstr. 58/59. Ciewerkscliaftsliaus, Engelufer 14/15. 4. Kreis. JSttdost-Säle, Waldemarstr. 75. Crranniaim, Naunynstr. 27. Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21. Commenlns-Säle(Lttfln), Memeler Straße 67. Boekees Festsäle, Weberstr. 17. Flysinm, Landsberger Allee 40/41. Volksversammlnng für Taubstumme: 5* Kreis. Schwelzergarten, Vor dem Königstor. JSapklea-Käle(großer Saal), Sophienstr. 17/18. 6. Kreis. Berollaa-Festsäle, Schönhauser Allee 28. Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 147. Obiglos Festsäle, Schwedter Straße 23/24. Bornssia-Festsäle, Ackerstr. 6/7. tSwinemünder Cresellscliaftshans, Swinemünder Straße 47. Frankes Festsäle, Badstr. 19. Cranz, Kösliner Straße 8. Pharns-Säle(großer Saal), Müllerstr. 142. Pharns-JSäle(kleiner Saal), Müllerstr. 142. Boekbranerel(Abt. II) Chausseestr. 64. Branerel Patzenkoler, Turmstr. 25/26. Iloablter Oesellsehaftshans, Wiclefftr. 24. Sophlen-tSäle(kl. Saal), Sophienstr. 17/18. Refere»te»t Vrachmann und Mcyer, TeltoZv» Beesko w. Adlershof. Restaurant Lehmgrädener, Kisumckßr. 69. Alt-Ollenleke. Habrecht, Friedrichstr. 2. Bohnsdorf. Falkeuruh, Villa Kahl. Britz. Raddatz, Chausseestr. 39. Charlottenbnrg. Uolkshaus» Rastueustr. 3. B-Kpenlek. Milhelmsgarteu, Inhalier Scheer. Ornnan. Restaurant Gravelotte, Köpenicker Str. 79. «lohannisthal-�leder-Kehönen'elde. In Johanuls- that bei Koese, Pardstr. 9. L�änigsn�nsterhansen, Senzig, Gernsdorf und Niederlehine. In Köurgsmustechauseu, Altes Schutzenhans. I�ankivltz. Ebel» Mühleustraße. I«lehtenrade. Wirtshaus Lichtenrade, bei Deter, am Kahuhaf. Flariendorf- Hartenfelde. Kreutz, Marieudorf, Kurfürstenstraße 44. Bixdorf. Hoheustaufeusäle, Kottbuser Damm 76. Felsch, Knesebeckstr. 49. Hoppes Festsäle, Hermavnstr. 49. 7? 7? Bixdorf. Kastage-Festsale, Kergstr. 151/152. „ Feldschlötzche«, Elsenstr. 75. Sehöneberg. Ueno Rathaussäle, Memillger Str. 8. Steglitz. Kirbeuwäldchen, Schiitzenstraße. Teltow. Donom, Serliner Str. 16. Tennpelhof. Wilhelmsgarten, Kerliner Str. 9. Trepto�-Baninsehnlenneg. Sportrestaurant, Errptsm, Elsenstraße 116/117. Treptow- Banrnsehnlenweg. Speers Festfäle» Kasm- schulenmeg, Kanmschnlenstraße 78. Wilniersiiorf. GesellschastsHaus, Wilhelmsaue 112. Zossen-Dabendorf. Kurzner in Josten, Karvther Straße. Spandan. Krauerei Pichelsdorf. Sonnlag, den 15. Oktober: Zehlendorf, Zur Rennbahn, Alftu- straße 56. 3 Uhr nachmittags. Referent: Mar Karth. Mittwoch, den 18. Oktober: Xo�aives, bei Schmidt, Wilhelmstr. 11/43. 8 Uhr abends. Referent: Keichstagsabgeordneter Geck-Offendurß. Xieder- Barnii Bernan. Salzmann, Dasdorfer Straße.' Borsigwalde. Jaschiusky, Korßgwalder Festfäle. Birkenwerder. Gesell fchaftshaus, Kauvtstr. 99. Erkner-Woltersdorf. Märkischer Hof in Erkner. Franz.-Bnehholz. Kähne, Kerliner Str. 39. Friedriehsfelde. Kube, Urimeu-Aüee 30. Hermsdorf. Forsthaus, Auglllla-Viktoria-Straße 18. Hohen-Sehönhansen. Myher, Kerliner Str. 93. Karlshorst. Fürsteubad, Inh. Kartels. Kanlsdorf. Hamanns Gesellschaftshaus, Frankfurter Chanssee. Idehtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5/6. Alahlsdorf. Schliefe, Hönower Straße. �ileder-Sehönhansen. Ulitz, Klandenburger Str. 4. Ober-Sehöneweide. Milhelmiueuhof, Wilhelminenhafstraße. Oranienbnrg. Waldhaus Sandhausen, Schötzenstr. 34. Pankow. Zum Kurfürsten, Kerliner Str. 192. Reinickendorf-Ost. Schühenhaus. Refidemstr. 1/2. Reinickendorf- West. Eichbornsäle, Eichbornstr. 60. Rnmmelsbnrg. Cafe Kellevue, Hauptstr. 2 m 9U4W|7„®S,/CCH"3 Stralan. Markgrafen säte, Markgrafendamm 34. Tegel. Trapps Festsäle, Kahnhofstr. 1. Weißensee. Schloß Meitzeusee. Wilhelnnsrnh. Deutschmann, Hauptstr. L Cageeordnung: Die Teuerung, die Regierung und das Volk. Referenten: WHV =—=—= freie ViskuMon.===== Ottilie Baader. Bauer. Dr. Bernstein. Eduard Bernstein. Klara BoHm Schnch. Martha Böhm. Braun. BrunS. Brückner. Buhl. Büchner. Bühler. Getrnd David. David-Mainz. Martha Demmning. Sluna Dietz. Emma Döltz. Dupont. Düwell. Eichhorn. AgneS Vahrenwald. Richard Fischer. Theodor Fischer. Regina Friedländer. Glocke. Grauer. Groger. Haenisch. Heimann. Heine. Dr. Herzfeld. Hildenbrand. Stuttgart. Hirsch. Hoffmann. Anna Holzapfel. Martha Jeetze. Marie Juchaez. Martha Kaiser. KaliSki. Anna Kiesel, lknöschke. Knbig. Ledebour. Lehmann. Liebknecht. Gertrud Lodahl. Berta Lungwitz. Anna Matschke. Molkenbuhr. Dr. Moses. Paetzel. Margarete Philipp. Poetzsch. Minna Reichert. Ritter. Elise Röhl. Schmidt. Schubert. Frida Schulte. Siering. Stadthagen. Ströbel. Stückleu. Südeku«. Martha Tietz. Ucko. Wels. Mermuth. Klara Wehl. Dr. Meyl. Wisse«. Frida Wulff. Emanuel Wurm. Mathilde Wurm. ZubaU. �' Für die Einberufer: ZaU«» Eni»«, Liesenstr. Iflk 6. Wahlkreis. Sonntag, den 15. Ottober 1911, abends 6V2 Uhr. im Moabiter Gesellschaftshaus, Wielefstr.»4: Oeffentliehe politische Versammlung für Männer und Tranen. Tages- Ordnung: 1. Rückblicke und Ausblicke auf die deutsche Kolonialpolitik. Referent: Redakteur Genosse DSamig. 2. Diskussion. 231/16* Nach der Bersammlung: KvmiitUcI»«» Beisammensein und Tanz.——— Der Elnbernter. Heinrich Umlairf, Alt-Moabit 16. r m Verwaltnng Berlin. Montag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr: Vsnssmmlimg für die am 1. Oktober ausgelernteu Tischler, Drechsler, Stellmlicher, Drrgolder usw. im OieverksedartsbanAe, Enxelnker 14, parterre (Arbeilslosensaal). DM- Die Werlstaitvertraneiisleute loerden ersucht, die auZgelernten Kollegen aus diese Versammlung ausmerksam zu machen. Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8Vz Uhr: vettrauensmSnner- Versammlung kür sämtliche Branchen und Bezirke in de»„Konkordla- FestsiUen", Andreasstrafte Nr. 64. TageS-Ordnung: 1. Die neuen Bestimmungen in der ArbeiiSvermittelung. 2. BerbandSangelegenheiten. DM- Mitgliedsbuch und VertrouenSmZtrnerlarte legitimiert.'MD Sonntag, den 15. Oktober, vorm. 16 Uhr: Versammlung sür die Tiscli- Branche Berlins und Bororte in den Andrcas-Festbälen, Andreasstraße 21. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Vr«nchenkominission. 2. Diskussion. Z. Ver- schiedenes. .tJatr Alle in der Dischbrauche beschäftigten Tischler. Polierer. , Motchineiiarbeiter, Teilarbeitrr»nd auch die uugeleruten HilfS- arbeiter miisse» erscheine», ebenso auch die KoUegen, welche dem Trandportarbeiter-Berbandc an gebore». ZweckS Kontrolle wird der Besuch der Bersammlung im Mit- gliedsbuch durch Stempel legitimiert. SM- Die Bersammlung wird punktlich eröffnet.-W> Bautischler. Montag, den 10. Oktober, abends 6 Uhr (gleich nach Feierabend): Branche«- Versammlung bei I-itNu. Memeler Strafte«7(Tunnet). TageS- Ordnung: 1. Vortrag des Stcllegcn Karl Weiche über:„Arbeitgeber- nn«l Arbeitnehmer- Verbünde*'. und Werkstatt-Augelegeuheiten 2. Diskussion. 3. Berbauds- Modell- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Montag, den 16. Oktober, pünktlich 8 Uhr: Außniriikiiilillje Srnillhen-Nechii»»!««! i« Fez» Hioselluobaktsban», Brnnucnstrahe 1S4. TageS-Ordnung: 1- Nochmalige Stellungnahme zur Lohnerhöhung. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangelegenhetten. Branche derDrechsler. Montag, den 16. Ottober, abends 8'/, Uhr: iWf Versammlung im Lokale von Anten Beeher, Webcrstrafte 17. TageS-Ordnung: 90/9 1. Unsere«ertrage und daS«erhalten der Bereinigung der Drechslermeister Deutschlands. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Vraitchen-Angelegenheiten. Kisten- und Koffermacher. Montag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr: Branchen-Versammlnng in den Andreas-Festnäle», Andreasstrafte H» TageS-Ordnung:.. 1 Bortrag des Kollegen Eanzbainrner. 2. Bericht von der Generalversammlung, a BerdandSangelegenhette». Branche der Vergolder. Sonntag, den 15. Ottober 1911: GG'M Matinee «ter Mitwirkung der Hoffmauu-Säuger-Gesellschast tn der„Alharnbra", Wallner-Theat-r-slr. IS. ».«»fang Vt Uhr.-- Billett Sv»f.- Holzhänser von 200,00 M. einschl. Aufstellung an. Stein, Frenzlaner Alice 90. VII, 6672.• Achtung! I. Nachtrag Achtung! zu im Liste der geregclleil ßiitewti min 8.©ktobte 1911. Den Tarif anerkannt haken folgende Sackereien: «erlin. Bmnnenstr. S7, Müller. Dunckerstr. 2, SuhinSli. Gleimstr. 67. Busse. Aaaowstr. 10, Brandt. Jnsterburger Str. 13,®. Liebiastr. 31, Martin. Seneselderstr. 17, Kaulitz. Peter. TranSvaalstr. 20, Bäckerei Zukunft. Voigtstr. 32, Henning. Wolliner Str. 15, Lawerenz. Lichtenberg. Niederbarnimstr. 5, Rudoh. Oderstr. 1, Lehner. Rixdors. Friedelstr. 62. Grigat. Weisestr. 4, Bompard. Ziethenslr. 67. Ktrschsiei» Britz. Bürgerstr. 60, Fohrmcister. Boxhagen. Alt-Boxhagen 36, Manthey. Ans der Liste der geregeltev Säckereien wegen Tarifbrnchs gestrichen: Pflügerstr. lt. Frick. Reinickendork. Scharnweberstr. 26, Wernicke U. Co. Rixdors. Pflügerstr. 3, Mannigcl, Adam, Lichtenberg, Möllendorffftr. Reinickendorfer Str. 77, Kurzweg. Strausberger Str. 28, Heinrich. Tegeler Str. 32, Krause. Tilstter Str. 34, König. Berlin. Bohenstr. 11, Fiebig. Bernauerstr. 38, SaSnowZIi. Kremmener Str. 15, SaSnowZki. Pasteurftr. 23, Gerile. ProSkauer Str. 8, Fiedler. Der Bäckermeister schlicftlich in Arbeiterkreisen, bat aber noch nie die Forderungen der Gesellen anerkannt: gegen den Kontrolleur, welcher mit ihm verhandeln wollte, wurde er äuftrrst protzig und verwies ihm seine Räume. 41/14 Parteigeuoffen Z Arbeiter i Unterstützt nach wie vor die Bäckergesellen in ihre« schweren Kampfe! Hoch die Solidarität! Der Dertranensmaun der Käcker u. Konditoren Sellins ll. Umgegend. Weiftenfee. LanghanSstr. 148, Schwarz. 81. sucht seine Kundschaft aus- Deutscher Kürschner-Verband. Bureau u. Arbeitsnachweis: dCO. 43, SBcfnftr. 8. Telephon: Amt VU 6789. Mittwoch, den 18. d. M., abcudS 8 Uhr, in den„Uusiker- Sftlen", Kaifcr-Wilhclm-Straße 18m: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1911. 2.!8 ortrag der Genossin Frl. Ida Altmnna über: „Tie kulturgeschichtliche und die gegenwärtige Rolle des Freimanrertums". 3. Distuision. 4. Verschiedenes. 102/17 DM- Obne nUffUcdsbach kein Fintritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht via OrtsverwaHuni). Verband der Porzeilanarbeiter etc. AeHinna i SchMermaler. Montag, den 16. Oktober 1911, abends 8'/, Uhr, im Englischen Garte», Alcxaudcrstr. 27c: Oeffentliehe Tersaminlnng. Bortrag des Gcuoflen Kluft über:„Die 8»lidaritat der Arbeiter und«ie verbessern die Scbüderiualer ihre Lebenslage." 1084b Kein Kollege dars schien I Der Einberufer. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag» den 10. Oktober, abends 6 Nhr, im„Graphischen BcreiushauS-, Alexaudriuenstr. 44: Sf aneben-Vef kammlung derKerliner Etuisarbeiter u.-Arbeiterinnen TageS-Ordnung: eine Etnisarbeiter-Konfcrenz notwendig? wanchenangelegenheiien und Verschiedenes. i-- D a S Erscheinen a 11er ist notwendig!= 28/14 Verband der Sattler und Portefeuiller. ; Ortsrernaltuns Berlin.===== Mittwoch, den 18. Oktober, abends S'/s Uhr, im großen Saale der „Alminhallcu", Kommandantenstraße 58/59: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom 3. O,uartal. 2. Bortrag des Herr» I»r. phil. F. Borchcrt über: „Die Geschichte der Ehe und Famitie." Z. Diskussion. 4. Aufnahmegesuchc der Kollegen W ilhelm«estrleh und Faul Gerachefskl. 5. AuSschlnftantrag gegen da» Mitglied Adolk Bvrreek. 6. Verschiedene». � � Mitgliedsbuch legitimiert.- Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen, in Zlubelracht der wichtigen Tagesordnung recht johlreich, aber auch recht pünktlich»u erscheinen. 157/20_ Die OrtSverwaltung. Sonnabend, den 21. Oktober 1911: Feier des 22. Stiftnngsfestes in MörnerS Konzertsälen(vorm. Keller), Koppciistratze 29. Ii»8ti'Uiueut»l-BkOUs:eK't auSges. v. Berliner Sinfonie-Orchester(Dir. M. Fischer. 36 Künstler). Vokal-Konzert auSaeführt vom Gesangverein»Mäuuerchor Vorwärts-(M. d. Sl.-T.-B.). Lhormcister W. B u ch h o l j. Saalöffnung 8 Uhr. Billett 40 Pf. Beginn 8'/, Uhr. Nach dem Konzert: HäH« Teilnehmende Herren zahlen 60 Pf. nach. Während deS Konzerts bleiben die Saaliüren geschloffen. Rauchen während desselben im Saale nicht gestaltet. Programm am Eingang gratis. NB. Die Säle sind gänzlich renoviert und aus baS prächtigste ouS- gestailet.— BillclIS find im Bureau und bei dm WerkstaltverlrauenS- leuten erhältlich. 168/1 Um»abireichen Besuch bittet__ Das Komitee. Der Verkauf der zurückgelieferten Jttonatsgarderobe des größten Abonnementshauses für feine Herrenbekleidung J. STOCK& Co. befindet sich von jetzt ab nur Friedrichsttaße, Ecke Johannisstr., Eingang Johannisstr. Anzüge und Paletots v. 10 M. an. Verband der Capezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 18. Oktober, abend» 8 Uhr, im GewerkschafiShause. Engeluser 15(großer Saal): Quartals- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und deS Kassierers. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers zur OrlSverwaltung. 4. Wahl eines Mitgliedes zur Acht- zebner-Kommijston und Wahl von zwei Ersatzleuten hierzu. 6. Wahl eines Mitgliedes zur Hauptverwaltung. 6. Verschiedenes. 178/20 Die Tagesordnung ist sehr wichtig. Pflicht aller Mitglieder ist c», an- wesend zu sein. - Mitgliedsbuch legitimiert.—— n (Eingetragene Genossenscbalt mit besetarinkter Haitpfllcbt.) Montag, den 23. Oktober 1911, abends 8'/, Uhr. tn«eller» Fest. sälen(Jnh. V! oerner), Koppeuftr.«9: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. GelchästSbericht.— 2. Vortrag de» Revisionsbericht».— 8. Entlastung deS Vorstandes und AussichtSraiS.— 4. sBeschlußsaffung über die Verteilung deS Reingewinns.— 5. a. Wahl von 6 AussichtSratZmItgliedern. b. Wabl von 5 Erjatzpersonen für den AusfichtSrat.— 6. Anträge. 107/15 Der Vorstand: R. Junger, W. Lamm, C. Mücke, ver Auf sichtsrat: Fr. Schulze. Paul Müller, Gustav Flade.... T_. — Rur LegitimationSkaric« berechtigen»um Eintritt.> II lüf Bekanntmachung. Gemäß§ 60 des Kassenstatuts setzen wir die Wahlberechtigten sowohl auS den Kreisen der Arbeitgeber, als auch der Kaflenmitglieder hierdurch in Kenntnis, daß nach Erlöschen der GcneralversammlungS» Mandate ein Neuwahl der Delegierten stattznfinden hat. Die Wahlperiode läuft vorbehalllich der neuen, durch die Reichs- verficherungSordnung geschaffenen Rechtslage, bis zum 30. Sept. 1914. Al» Wahltermin für die Wahlen der Arbeitgeber, deren Anzahl nach Maßgabe der statutarischen Bestimmungen(§ 60 des Statuts) auf Ivl Delegierte festgesetzt ist. wird settens de» Vorstandes Freitag, der 3. November 1911, abendS 8—10 Uhr, anberaumt, wahllokokal: Bartsch' Festfäle, Hrrmannstr. 4». Wir laden die Arbeitgeber zur Vornahme dieser Wahl, welche geheim ist, hiermit ein. mit der Maßgabe, daß die Arbeitgeber be- rechtigt sind, zu Mitgliedern der Generalversammlung und deS Vor- standeS Geschäftsführer oder Betriebsbeamte mit ihrer Vertretung zu beauftragen. gM" AlS Legitimation ist die letzte veitragsquittnng oder ein andere» Ausweispapier zur Eintragung in die Präsenz» liste vorzulege«.-WM Al» Wahltermin für die Wahlen der Kafsenmitglieder, deren Anzahl auf»41 Delegierte festgesetzt ist. wird Tonntag, der 5. November 1911, vorm. 10— 1D Uhr. anberaumt. Wahllokal: Bartsch' Festfäle, Hrrmannstr. 49. Wir lade» die Kassenmitglieder. welche die Vertreter in geheimer Wahl aus ihrer Mitte zu wählen haben, zur Vornahme dieser Wahl- Handlung hierdurch ein, mit der Maßgabe, daß nur diejenigen Mit- alieder wahlberechtigt und wählbar«nd. welqe großjähria und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. BAU" Als Legitimation ist da» von der Kaffe oder von dem Arbeitgeber abgestempelte Mitgliedsbuch aber ei» andere» AuSweiSpapter zur Eintragung in die Präsenzlifte vorzulegen., Rixdors(Jdealpaffage 12). den 13. Oktober 1911, Der Kafsenvorstand. gez. Schulte, Vorsitzender. Walter, Schriftführer. Äeadltuna! die Listen für die w i. J"; Arbeitgeber mit ausgeschriebene» Vornamen und genauer WohuungSangabe zu verschen, die Listen für die Kaffenmitglieder außerdem noch mit der Mitgliedönummrr»der dem Namen de» Arbeitgebers. Hütet Eudi cor leb», Nachahmung der echten ZtoNuMHemckMet-ttlft von ItrgnuD» te.. Will. denn nur letztere beseitigt alle Arten von Lautaueschlagen und Lautiinreiniateiten. ivie Mitesser. Blütchen. Finnen.«efichtBröte. i Stück 60 Pf. Ferner mecbt der Cream, ,Dada"(Lllienniilcli-Cream) rote und»prtde Heut In einer Necht weiÄ und sammetwelch. Tube 60 Pt, übereil zu dedeg. ALEXANDERPLATZ LEIPZIGER STRASSE Diese Woche— Soweit Vorrat: FRANKFURTER ALLEE WNDERrBEDARFS-ARTIKEL auBerordentlich preiswert Schuhwaren Kinderstiefel«ww.. s»-»,»,»»»»»««o..»>—»» pi»«!« dl» 8�... 2� Kinderstiefel klnclboxl««:»� df«It« Fonn or«« 450 Cr#«»« A50 Ordtte tZ50 25— J6 V 27— SO*• 11—5«»» Kinderstiefel Boxcalf u. 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Nachdem die ungeheuren Wälder und Prärien der Nordamerika- nischen-Republik der Axt(vielleicht besser gesagt dem Dynamit) und dem Pfluge haben weichen müssen, sind in der nördlichen ge- mäßigten Zone noch die kanadischen Prärien und in der südlich gemäßigten noch die Tundren Argentiniens übriggeblieben. Beider Eroberung für die menschliche Kultur ist die gegenwärtige Gene- ration Augenzeuge. Was die Entwicklung Kanadas anbetrifft, nimmt es auf den ersten Blick wunder, daß sie so sehr hinter der der Vereinigten Staaten zurücksteht. Seine Provinzen unter- scheiden sich in ihren Boden- und klimatischen Verhältnissen durch nichts von denen der Nordstaaten der Union; derselbe Reichtum des Bodens, der gleiche kalte Winter und heiße Sommer. Und von Europa ist Kanada ebenso schnell zu erreichen wie die Republik. In seiner Ftächenausdchnung ist Kanada noch um ein Bedeutendes größer, wenn auch seine nördliche Hälfte wegen der hohen aeö- graphischen Breite wohl memals menschlicher Kultur erobert werden kann. In den Ereignissen des Jahres 1776 dürfte die Ursache der zurückgebliebenen Entwicklung Kanadas liegen. Die kanadischen Provinzen schloffen sich der amerikanischen Revolution nicht an und blieben bei England. Für die Republik war mit der Losreißung von Britannien das Zeichen zu ungehinderter Entwicklung ge- geben. Nicht mehr eingeengt durch die Zöpfe europäischer Regie- rungskunst, bildete Amerika einen mächtigen Anziehungspunkt für die Bauern des nördlichen Europas. Es mußte denen, die 365 Tage im Jahre von Königen, Fürsten, Junkern und Pfaffen ge. schunden wurden, als ein Ideal politischer und wirtschaftlicher Freiheit erscheinen. Der Einwandercrstrom wendete sich fast aus- schließlich der Republik zu. So ist es im allgemeinen geblieben bis heute. Nur sind an die Stelle der Bauern Land- und In- dustriearbeiter getreten. Dank dem Festhalten der Kanadier an England hat Kanada heute eine Bevölkerung von noch nicht 8 Mil- lionen. Hätte es sich der amerikanischen Union angeschlossen, würde es eine solche von vielleicht 26 bis 36 Millionen baben. Doch die für die weiße Rasse geeigneten und gute Existenz ver- sprechenden Kolonisationsgebiete werden kleiner, und so hat cö den Anschein, als ob die Ansiedelungslustigen sich nunmehr in größerer Zahl dem kanadischen Westen zuwendeten. Während in den letzten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts die kanadische Be- völkerung um ungefähr ii Million pro Jahrzehnt wuchs, stieg sie von 1961 bis 1916 von 5 371315 auf 7� Millionen. Die Per- mehrung beträgt also im letzten Jahrzehnt über 2 Millionen, von der durch die Einwanderung 3/, entstanden sind. Es ist bemerken»- wert, daß der größte Teil der Einwanderer aus den Weststaaten der Republik kommt. Von der im Jahre 1916 betragenden Einwände- rung von 269 666 Köpfen entfielen auf England 66 666 und auf die Vereinigten Staaten 164 666. Deutsche waren in einer Zahl von 1566 vertreten. Die Gesamteinwanderung setzt sich aus mehr als 46 Nationalitäten zusammen, die sich in der alten Welt so oft nach Herzenslust vermöbeln, hier aber friedlich zusammenleben. Tie aus den Bereinigten Staaten kommenden Einwanderer cnt- stammen in der Hauptsache der Farmerbevölkerung. Ihre große Zahl zeigt, welchen Anziehungspunkt Kanada für diese Bevölkerung bildet. Es ist ein interessantes Bild kolonialer Entwicklung, das der kanadische Westen bietet. Wir Sozialisten haben an der Art dieser 'Kolonisation sehr viel auszusetzen, aber das müssen wir zugestehen: sie ist großzügig. Deutschostafrikanische Kolonialschwärmer, die (von einer Landbesiedelung nicht das Schwarze unterm Nagel ver- stehen, könnten sehr viel lernen, wenn sie zu lernen imstande sind. Landgesellschaften, die sich rechtzeitig in den Besitz ausgedehnter Ländereien gesetzt haben, und kanadische Regierungen überbieten sich gegenseitig in der Anpreisung ihrer Ländercien. In allen Groß- städten der Republik unterhält die kanadische Regierung ihre Land- ogenten; in allen großen Zeitungen erscheinen unaufhörlich die Anpreisungen der kanadischen Ländereien; umfangreiche Literatur wirb auf Verlangen kostenfrei zugesandt; jede nur gewünschte In- Formation wird in zuvorkommender Weise erteilt.. Sobald ein Schienenstrang von einer Eisenbahngesell, chaft rn irgendeine Gegend hineingetrieben ist. wird der betreffende Bezirk für die Ansiedelung freigegeben. Den Ansiedlern werden billige Eisenbahnfahr- und Frachtpreise gewährt. Die Behandlung zoll- Pflichtiger Gegenstände an der Grenze, Hausgeräte, Maschinen, Vieh, ist eine sehr liberale. Holz zum Aufbau eines meist nur sehr bescheidenen Häuschens, für den Zaunbau, zum Brennen usw. können sich die Ansiedler umsonst schlagen, soweit solches in der Nähe ist. Polizeiliche und sonstige behördliche Schikanierungen und Reglementierungen existieren nicht. Die kanadische Regierung gewährt Ansiedlern 136 Acres(256 preußische Morgen) freies Land; dasselbe ist nach drei Jahren Eigentum derselben, wenn sie in dieser Zeit jedes Jahr mindestens sechs Monate auf demselben gewohnt und eine gewisse Fläche Landes unter Kultur gebracht haben. Eine solche Ansiedelung wird Heimstätte genannt. Die Landgesellschaften dagegen, meist Kinder der großen Eiscnbahnshsteme, verkaufen Land an Ansiedler. Diesen wird Land von der Regierung derart, natürlich zu einem Spott- preise, entlang ihren Linien abgetreten, das dazwischen immer ein Stück um das andere der Regierung für Eröffnung von Heim- stättcn verbleibt. So wird eine gleichmäßige Bcsiedelung des Landes ermöglicht. Die billige Abtretung von Land ist der Preis, den die Regierung dem Kapitalismus zahlen mutz, damit er Eisen- bahnen baut. Da die Ansiedler immer zuerst nach den Heimstätten greifen, würde, wenn die Regierung das Land in einem großen Stücke abträte, das Eisenbahnland zunächst unbesiedelt bleiben. So aber sitzen die Heimstättenansiedler zwischen den Besitzern der Bahnen. Bleibt den Ansiedlern noch etwas Geld oder wirtschaften sie solches aus ihrem Lande heraus, kaufen sie benachbartes Eisen- bahnland. Die Eisenbahngesellschaften machen den*Landkäufcrn die weitgehendsten Konzessionen. Eine ganz geringe Anzahlung genügt, während für die Abzahlung des Restes Jahresraten ge- währt werden, die sich auf zehn Jahre und mehr erstrecken. Der Kapitalismus macht dabei enorme Gewinne, und hier sehen wir wieder einmal, wie jeder Kulturfortschritt in erster Linie ihm zugute kommt. Welchen Wert hätten die weiten kanadischen Prärien ohne die menschliche Arbeit, ohne die Arbeit der Ansiedler, welche die Scholle brechen, für die Eisenbahngesell- schaftcn?! Die an den Börsen von New Aork, London, Berlin ge- handelten Aktien der kanadischen Pacificbahn wurden vor wenigen Jahren noch mit 166— 156 Proz. notiert; sie haben heute einen Kurs von ungefähr 246 Proz.! Ein Barometer für die Gewinne, welche der Kapitalismus aus der Besiedelung Kanadas zieht. Englisches Kapital hat zurzeit nahezu 8 Milliarden Mark in Kanada angelegt. Von dem gesamten auswärts angelegten englischen Kapital kommt V» auf Kanada; nur für die drei letzten Jahre be- rechnet, beträgt diese Summe jedoch>/» des nach auswärts ge- flossenen englischen Geldes; ein Zeichen des gesteigerten kanadischen Aufschwunges und gleichzeitig ein Zeichen der Tributpflicht mensch- sicher Pionierarbeit dem Kapitale gegenüber! D.ie Entwicklung Kanadas als für den Welthandel liefernder Agrarstaat kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Denn die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die so große Mengen Fleisch und Getreide über den Ozean warfen, treten als Agrarstaat mehr und mehr zurück und entwickeln sich zum Jndustriestaate. Sie führten im Jahre 1886 für 459 Millionen Dollar, 1896 für 357 Mil- lionen Dollar, 1966 für 545 Millionen Dollar und 1916 trotz be- deutend gestiegener Nahrungsmittelpreise nur noch für 369 Mil- lionen Dollar Nahrungsmittel«Als. In Prozenten ausgedrückt, betragen diese Summen 1886 1966 55,77 Proz. 39,86 Proz. 1896 1916 42,21 Proz. 21,59 Proz. der amerikanischen Gesamtausfuhr. Wir hätten mit einer weit größeren Steigerung der Weltmarktpreise für Ztahrungs mittel zu rechnen, wenn nicht Län- der wi'e Argentinien und Kanada in den letzten Jahren in ihrer agrarischen EntWickelung so wesentliche Fortschritte gemacht hätten. Im Jahre 1916 betrug in Zentralkanada und in den drei großen Westprovinzen Manitoba, Saskatschewan und Alberta die angebaute Fläche ungefähr 7 Millionen, im Jahre 1969 aber bereits 24 Millionen Acres. Von den letzteren drei Provinzen sind bis jetzt nur 12 Millionen Acres unter Kultur; ihre Gesamtfläche be- trägt jedoch 356 Millionen Acres, von denen die Hälfte überhaupt noch nicht vermessen, also für die Besiedelung überhaupt noch nicht in Betracht gezogen worden ist. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, welche Bedeutung dem kanadischen Westen in Zukunft als Lieferant von Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkte zukommt. Die kanadische Ausfuhr an Agrarprodukten bewegte sich im Jahre 1876 um 13 Millionen Dollar herum und ist bis zum Jahre 1896 nur vorübergehend über diese Summe hinausgegangen. Sie betrug jedoch im Jahre 1966 27%. Millionen und im Jahre 1916 bereits 96 Millionen Dollar. Wir sehen aus diesen Zahlen, daß Kanada mit großen Schritten auf dem Wege ist, dem Platze als Nahrungsmittellieferant zuzueilen, dem die Geschichte ihm zuweist. Zwei im Bau begriffene Verkehrswege werden dem kanadischen Export nach Europa außerordentlich förderlich sein. Die von den Prärieprovinzen nach der Hudsonbai im Bau begriffene Eisenbahn kürzt den Landtransport um mehr als die Hälfte ab, dürfte aller- dings möglicherweise wegen der Eisverhältnisse in der Hubsonbai mehrere Monate im Jahre nicht operationsfähig sein. Der andere Verkehrsweg von großer Bedeutung für Kanadas Ausfuhr ist der Panamakanal. Die Produkte aus der Provinz Alberta sowie aus der für den Früchteexport hauptsächlich in Frage kommenden Pacific-Provinz Britisch-Kolumbia werden mit ber Eisenbahn bis Vancouver gebracht unb von da nach Fertigstellung des Panama- kanals mit Schiffen ohne Umladung nach irgendeinem europäischen Hafen. Nach ihrer Vollendung bringen diese beiden Verkehrswege Kanada den europäischen Märkten um vieles näher. Als Lieferanten von Jndustrieerzeugnissen haben in der kana- bischen Einfuhr bisher nur die Vereinigten Staaten und Englaad eine wesentliche Rolle gespielt. Von der 346 Millionen Dollar be- tragenden Einfuhr an Industriewaren entfielen auf England und seine Kolonien 112, auf Amerika 187 Millionen Dollar. Deutsch- land war an der Einfuhr in Kanada mit nur 8 Millionen Dollar (32 Millionen M.) beteiligt, also einer Summe, die für Deutsch- lands Ausfuhr von nicht wesentlicher Bedeutung ist. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß Deutschland mit Kanada vom Jahre 1898 bis zum Jahre 1916 im Zollkriege gestanden hat. Wir haben aber gesehen, daß Kanada außerordentlich große Entwicklungs- Möglichkeiten hat und daß es im Begriff steht, das nachzuholen, was es durch sein Verhalten im Jahre 1776 versäumen mußte. Die in Frage kommende Bevölkerung ist pro Kopf weit konsumkräftigcr als etwa die irgendeines europäischen Landes. Wir wollen nur darauf hinweisen, daß z. B. der kanadisch-amerikanische Fleisch- unb Zuckerverbrauch pro Kopf mehr als doppelt so groß ist als in Deutschland! Aehnlich verhält es sich natürlich auch mit den Er- zeugnissen der Industrie. Es wird die Aufgabe des neuen Reichs- tages sein, den Zolltarif zunächst einmal so weit zu ermäßigen, daß dem Abschlüsse günstiger Hanbelsverträge, also auch mit Kanada, nichts im Wege steht. Wenn wir sehen, wie ein so mächtiges Wirtschaftsgebiet wie die Vereinigten Staaten die Tendenz verfolgt, nach Möglichkeit alle Jndustrieerzeugnisse im eigenen Lande her- zustellen— in neuester Zeit Stickereiprodukte—, also die Erzeug- nisse europäischer Industrie mehr und mehr auszuschalten, muß es die doppelte Aufgabe der deutschen Regierung sein, neue Absatz- gebiete für seine Industrie zu suchen. Und Kanada wird hierfür ein sehr günstiger Boden sein. Es kann natürlich gar keinem Zweifel unterliegen, daß Kanadas Hauptlieferanten Amerika als der leistungsfähige Nachbar und England als das Mutterland bleiben werben. Dabei werden allerdings auch viele deutsche In- bustrieartikel ihren Weg nach Kanada über England oder Amerika finden. Jedenfalls. kann bei verständiger Pflege der Handels- beziehungen zwischen beiden Ländern, Kanada und Deutschland, das erstere auf lange Zeit hinaus immer noch ein sehr gutes Feld für den deutschen Absatz werden. Wie Deutschland auf der anderen Seite ein guter Käufer kanadischen Weizens und FleifcheK und kanadischer Früchte sein kann. Gerickts- Leitung. Mißlungene Aktion gegen streikende Bergleute. Groben Unfug, Bedrohung usw. sollten neun streikende Berg- lcute aus Hirschfelde. Seitendorf, Turchau und Gietzmannsdorf am Abend des 1. Juli d'escs Jahres in Hirschfelde begangen haben. Sie bekamen dieserhalb einen Strafbefehl über je 46 M. und 4,46 M. Kosten. Einer von ihnen bezahlte bereitwilligst die Strafe, während die übrigen acht richterliche Entscheidung bean- tragten. Diese fand am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Zittau statt. Es sollten nach der Anklage etwa 26— 36 Mann den berühmten jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung im Gefängnis in Untersuchungshaft sitzenden Borarbeiter Knuth, dessen Konlu- bine und einen Arbeitswilligen namens Hartwig vom Bahnhof Hirschfelde aus nach dem Marktplatz zu verfolgt haben. Knuth habe sich schließlich mit seinen Begleitern in eine Restauration flüchten müssen. Von den Streikenden seien Knuth und Genossen bedrängt unb bedroht worden. Dabei sollte auf der Straße ruhe» störender Lärm und grober Unfug entstanden sein. Die Angeklagten bestritten sämtlich ihre Schuld. Der Gen- darm mutzte als Zeuge zugeben, daß er sich auch bei Anwohnern der Straße, auf der der ruhestörende Lärm verübt worden sein sollte, erkundigt hatte. Hier war ihm gesagt worden, daß man nichts gehört, sonbern geschlafen hätte. Das Gericht sprach sä int- liche acht Angeklagte frei._ Schutz des§ 193 St.-G-B. Wegen Beleidigung durch d i e P r e s s e ist am 26. April vom Landgericht Trier der ver- antwortliche Redakteur der„Merziger Voltszeitmig". Joseph Männer, zu 166 M, Geldstrafe verurteilt worden. Der Bürger- meister von Merzig hatte in der„Merziger Zeitung" einen Ausruf zu Geldsammlungen für ein BiSniarckdenkmal erlassen. Darauf erschien am 17. Februar in der„Volkszeitung" ein Artikel, in dem gesagt wurde, das Geld solle lieber für die Veteranen verwendet werden. Der Bürger- meister brachte diesen Artikel am 26. März in der Stadtverordneten- Versammlung zur Sprache und bemerkte dazu, der Artikel könne nur von einem Sozialdemokraten herrühren.(Die.Volkszeitung" ist ein Zenlruiüsblatt.) Darauf erschienen in der.Volkszeitung" am 23. und 25. Februar Artikel, durch die sich der Bürgermeister beleidigt fühlte. DaS Reichsgericht verwarf am Donnerstag die Revision, soweit der e r st e Artikel in Frage kommt. Die Absicht der Beleidigung gehe hier unzweifelhaft aus der gewählten Form hervor. Bezüglich des zweiten Artikels erkannte jedoch das Reichsgericht aus Aufhebung des Urteils und verwies die Sache insoweit an baS Landgericht zurück. In diesem Artikel habe der Angeklagte sich und seine Partergenossen gegen die An- griffe des Bürgermeisters verteidigt und er habe hier Anspruch auf den Schutz des§ 193. ftprlflfMt Ein braunes Porte- Klrlllllrlf, monnaie mit 66 Mark Freitag 7— g Uhr abends von Ouitzow- tlraße bis Noiduscr. Der ehrliche f Inder wird gebeten, dasselbe bei irttein, Norduser 13. vorn 4 Treppn. gegen Belohnung abzugeben. leHieiT CrjelFaekelfflaims Spezialinstiiut ZlmmerHtr. 78. 9—12, 3—6. Mittwochs u. Sonntags 9—12.* »KdnM totwonusirtiffe />\ Eprelkimast�me; NW Oa/ra �kltrnlM-Maiqg gratis DtfoOarö6,ffn-Ä)fr[la 50 Friröenstr-S Sieqruemff e Senate raten./ Voranzeige. Wir beehren uns mitzuteilen, daß im Laufe der nächsten Woche das Luftschiff„Schwaben" nach Berlin kommt und in unserer neuen Luftschiffhalle von folgenden Dimensionen: 160 m lang, 45 m breit, 29 m Scheitelhöhe, stationiert wird. Wir werden noch bekanntgeben, wann die Besichtigung der „Schwaben", unserer neuen Halle und unserer sonstigen großen Anlagen stattfinden kann. Die Ankunft der„Schwaben" werden wir durch Extrablätter bekanntmachen. Luftverkehrsgesellschaft m. b. H. Unter den Linden S/6a(Hotel Bristol). ilkademisehetlnterriehtskurse I1096B für Arbeiter. 8. V. Anmeldeabende; Beginn Oonnentag. Q □ Näheres unter„Lokales Moderne Konfektion zu vcrblüfTend billigen Preisen, das ist die Signatur der Konfektions-Wocbe bei Fr. Hahn, Alexanderplatz. 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Trefipunkt morgens Uhr vor dem Bahnhof Lankwitz. Die Absahrtzeiten sind die folgenden: Lankwitz 6 Uhr 27, Papestrahe ö Udr 47, Stralau- Rummelsburg 7 Uhr 27. Tagesproviant ist mitzunehmen. Der BildungsauSschuh. Boxhagen-Rummclsburg. Heute früh 3 Uhr von den bekannten Stellen auS: Flugblattverbreitung. Ober-Schöncwcide. Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr: öffentliche Versammlung im Wilhelminenhof. Tagesordnung: »Die Lebensmittelteuerung und der kommende Reichstag." Die Bezirksleitung. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen und Genossinnen werden hierdurch auf die am Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale der Witwe Wedhorn stattfindende Protest- Versammlung gegen die Teuerung aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Griß-Besten und Umgegend. Heute Sonntag, den IS. Oktober, nachmittag? 3'� Uhr, im Lokal Meinecke(Jnh. Schimmelpfennig), Groh-Besten: Generalversammlung des Wahlvereins. Teltow. Heute Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von Bonow ans. Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal von Bonow: öffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Die am Mittwoch fällige Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt auS, dieselbe findet am 25. Oktober, abends 3 Uhr, bei Bonow statt. Der Vorstand. Potsdam. Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8'/z Uhr: Zahl- abend in allen Bezirken. Wichtige Besprechung. Berliner JVaebnebten» Tie Organisation der Konsumenten. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hat in ihrem Geschäftsjahr 1910/11(1. Juli 1910 bis 30. Juni 1911), dem zwölften feit ihrer Gründung, lvseder recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Dem jetzt vorliegenden Jahresbericht entnehmen wir, daß die Mit- gliederzahl weiter sehr beträchtlich zugenommen hat und daß in den stetig sich mehrenden Verkaufsstellen der Umsatz in rascher Aufwärtsbewegung diesmal bereits über 6 Millionen Mark hinausgegangen ist. Für die Entwickelung der Konsum- genossenschaft lvar das letzte Jahr noch von besonderer Be- deutung dadurch, daß in 1910/11 ihr eigenes Heim (Lagerhaus, Bäckerei usw.) fertiggestellt und in Betrieb ge- nommen wurde. Der Bericht widmet diesem Heim eine ein- gehende Betrachtung, die durch bildliche Darstellungen unter- stützt wird. Tie Mitgliederzahl hatte bis zum Schluß des elften Geschäftsjahres 1909/10 sich auf 27 957 gemehrt. Dazu kamen dann in 1910/11 durch Neueintritt 13 369 Mit- glieder, andererseits traten wieder durch Uebertragung, Aus- tritt. Ausschluß. Tod nur 2903 aus. Das ergibt einen Zu- wachs von 10 466 Mitgliedern, durch den bis 30. Juni 1911 die Gesamtzahl der Mitglieder auf 33 423 stieg. Aus kleinen Anfängen heraus hat die Konsumgenossenschaft sich in zwölf Jahren zu dieser Höhe entwickelt, aber den Hauptanteil an ihrem Aufschwung haben die letzten drei Jahre gehabt. Nach- dem noch das Geschäftsjahr 1907/08 mit nicht mehr als 11221 Mitgliedern abgeschlossen hatte, stieg die Mitglieder- äM in den Jahren 1903/09. 1909/10, 1910/11 auf 19172, 27 957, 38 423. Inzwischen ist die Zunahme weiter fortgeschrit- teil, so daß die Konsumgenossenschaft jetzt bereits über 42000 Mitglieder zählt. . Ucber die Berufe der Mitglieder bringt der Jahres- bencht eine Statistik, deren Brauchbarkeit dadurch beein- trächtigt wird, daß sie nicht weniger �als 11285 Mitglieder, fast 30 Proz. der Gesamtzahl, lediglsch ols Ehefrauen auf- führt. Es wäre zu wünschen, daß auch hier noch eine Grup- pierung nach den Berufen ihrer Ehemänner versucht würde. Die übrigen Mitglieder, teils männliche, teils weibliche, sind auf 67 Gruppen verteilt worden. Unter ihnen fallen als die stärksten Gruppen auf: die Metallarbeiter mit 5447 Mit- gliedern, die Arbeiter ohne weitere Berufsangabe mit 4360, die Holzarbeiter mit 3169, die Schneider mit 1294. die Maurer mit 1076, die Handels- und Transportarbeiter mit 890, die Buchdrucker mit 758, die Maler und Lackierer mit 732, die Arbeiterinnen mit 604, die Monteure(einschließlich Mechaniker) nut 657, die Schuhmacher mit 502 ustv. Die Zunahme der Mitgliederzahl hat zu einer Mehrung der V e r t a u f s st e l l e n genötigt, wie andererseits die Mehrung der Verkaufsstellen immer wieder sich als ein wirk- sames Mittel zur Werbung neuer Mitglieder bewährt. Noch IN 1907/08 hatte die Genossenschaft erst 20 Verkaufsstellen. aber in den folgenden Jahren bis 1910/11 stieg ihre Zahl auf 42. 54. 60. Mit dem neuen Geschäftsjahr 1911/12 kommt übrigens ein weiterer Zuwachs durch Anschluß von Konsum- vereinen, die in einigen Vororten bisher noch als Sonder- organlsationen bestanden hatten, des Charlottenburger Ver- eins mit 4 Verkaufsstellen des Britzer Vereins mit 1 Ver- kaufsstelle, des Adlcrshofer Vereins mit 9 Verkaufsstellen. In dem gesamten Betrieb der Konsumgenossenschaft, in den Verkaufsstellen und der Zentrale mit Kontor. Lager. Bäckerei. Kaffeerösterei usw. usw.. stj� im letzten Jahr die Zahl der Angestellten auf 445(einschließlich 3 angestellte Vorstands- Mitglieder), für die an Gehältern. Löhnen und Vcrsicherungs- Beiträgen 369 090,75 M. aufgewendet wurden. Ter gesamte I a h r e s u m s a tz der Verkaufsstellen hatte fo 1907/08 mit 1 101 457,88 M. die erste Million über- schritten. In den folgenden drei Jahren wurden dann für 2 505 513.00 M.. 4 162 097,76 M.. 6 071 998,35 M. umgesetzt. so daß in 1910/11 der Jahresumsatz schon annähernd sechs- mal so groß wie vor nur drei Jahren war. Zu diesem Um- satzbetrag aus den Verkaufsstellen kommt noch der Kohlen- Umsatz mit 46 300,90 M.. so daß der Umsatz im eigenen Be- trieb sich auf 6 118 299,25 M. stellt. Rechnet man dazu weiter den Umsatz der Lieferanten mit 750 058.00 M., so er- gibt sich ein Gesamtumsatz von 6 868 357,25 M. Wie stark die einzelnen Mitglieder an dem Umsatz der Verkaufsstellen beteiligt sind, das ergeben die von ihnen zum Geschäftsabschluß abgelieferten Markenblätter. Unter 38 423 Mitgliedern, die am Schluß des Geschäftsjahres 1910/11 gezählt wurden, waren nut 22 049, die Markenblätter ablieferten. 16 374 Mitglieder hatten, sagt der Be- richt,„überhaupt nichts oder so wenig gekauft, daß sich eine Ablieferung nicht zu lohnen schien". Hierbei ist aber zu be- achten, daß allein 13 369 Mitglieder, wie schon angegeben, erst im Laufe des letzten Geschäftsjahres eingetreten waren. Ter Wertbetrag der abgelieferten Markenblätter war bis 100 M. bei 3609 Mitgliedern, über 100 bis 200 M. bei 5765. über 200 bis 300 M. bei 4607. Mit der weiteren Zunahme des Wertbetrages in Stufen von je 100 M. sinkt dann die Zahl der beteiligten Mitglieder auf 3263, 2020, 1271, 647, 357, 199, 162(über 900 bis 1000 M.). In den Stufen über 1000 M. wird die Beteiligung noch spärlicher, doch geht der Wertbetrag in einzelnen Fällen sogar über 2000 M. hinaus. Solche Beträge sind natürlich nur unter besonderen Um- ständen denkbar. Ein möglichst großer Umsatz ist die wichtigste Existenz- bedingung für die Konsumgenossenschaft, er kann aber nur erreicht werden, wenn jedes Mitglied feinen Bedarf möglichst vollständig bei der Konsumgenossenschaft deckt. Je größer der Umsatz wird, desto günstiger stellt sich der U n k o st e n- a n t e i l— und desto höher kann dann auch der Gewinn ausfallen, der in die Taschen der Konsumenten zurückfließt. Im letzten Geschäftsjahr hatte 1 Verkaufsstelle mit weniger als 50 000 M. Umsatz lOs/z Proz. Unkosten, 8 Verkaufsstellen mit 50— 75 000 M. Umsatz 8 Proz. Unkosten, 20 Verkaufsstellen mit 75—100 000 M. Umsatz 6% Proz. Unkosten. 31 Verkaufsstellen mit mehr als 100 000 M. Umsatz 6 Proz. Unkosten. Aus dem gesamten Betrieb der Konsumgenossenschast blieb diesmal ein Reinüberschuß von 385 284,85 M. Vorgeschlagen werden soll der Generalversammlung, wie in den letzten Jahren, so auch in diesem Jahre, wieder eine Ver- teilung von 1 Proz. Rückvergütung außer der festen Spar- einlage von 4 Proz., das sind für die Konsumenten zu- sammen 5 Proz. des Wertes der von ihnen ge- kauften Waren. Dies ist aber nicht der einzige Ge- winn, der dem Konsumenten aus seiner Zugehörigkeit zur Genossenschast erwächst. Die Güte der Waren, die reelle Be Messung des Preises und der selbstverständliche Verzicht auf jede Uebervorteilung des Käufers sind das festeste Band, das die Konsumenten an ihre Genossenschaft fesselt. Die Zugehörigkeit zur Konsumgenossenschast wird be sonders in der Zeit der Teuerung, die jetzt uns alle be- drückt, von immer weiteren Kreisen der Bevölkerung als wünschenswert erkannt. Der Jahresbericht hebt hervor, wie sehr die Zölle die wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel verteuert haben. Auch der Geschäftsbetrieb der Konsum genossenschaft hat die Wirkungen dieser Vcrteucrungspolitik zu spüren bekommen._ Die Wahlmänner-Ersatzwahlen im fünften Berliner Landtagswahlkreise finden am D i e n s- tag, den 17. Oktober, statt. Für die Wähler des genannten Bezirkes ist der heutigen Nummer unseres Blattes chw Uebersicht der in Betracht kommenden Bezirke mit An- gäbe der Wahllokale und der Wahlzeit beigelegt. Die Bei- läge ist in der„Neuen Welt" eingelegt und werden die Genossen besonders darauf aufmerksam gemacht. Im fünften Stadtverordneten-Wahliezirk der dritten Abteilung unterhielten sich dieser Tage die Freisinnigen über die Kandidatur. Dieser Bezirk, der früher als der siebente galt, hat durch sie Neu- einteilung der Wahlbezirke eine Aenderung erfahren. Die Frei- sinnigen wissen, dah die Sozialdemokraten drauf und dran sind, diesen Bezirk zu erobern. Der bisherige Vertreter des siebenten Bezirks. Heer Ullstein, sollte auf Vorschlag einiger ihm nahestehender Stadtverordneter kürzlich in einen Bezirk der zweiten Abteilung hinübergerettet werden. Dem stellte sich aber Widenstand ent- gegen, denn Herr Cassel erklärte. Herr Ullstein dürfe nicht von vornherein die Flucht ergreifen, sondern müsse mannhaft kämpfen. Erst wenn der Bezirk verloren ginge, lonne man weiter über die Unterbringung des Herrn Ullstein in einer anderen Abteilung reden. In der dieser Tage für den fünften Wahlbezirk stattgefuudenen Zusammenkunft freisinniger Wähler wurde überraschenderweise mitgeteilt, dah Herr Ullstein mit Rücksicht auf seine Ueberlastung mit anderen Geschäften eine neue Kandidatur ab- gelehnt habe. ES wurde ein Gastwirt Ebcling als freisinniger Kandidat aufgestellt. Hoffentlich sorgen unsere Genossen dafür, dah Herr Ebeling bei der Wahl glatt durchfällt. BrotloSmachung von Arbeitern wurde nach einer von uns gestern veröffentlichten Notiz der„Rixdorfcr Zeitung" vom �9. September dem Berliner Magistrat zur Last gelegt. Aus dem Rathause wird uns mitgeteilt, daß keine Rede davon sein könne, daß auf Berliner Arbeitgeber, die in Rixdorf wohnend e Arbeiter beschästigen, eingewirtt worden sei, diese Arbeiter zu entlassen. Wir haben von vornherein nicht an die Behauptungen des Rixdorfer Blattes glauben können. Es wäre aber doch nützlich, von dem Blatt die Beweise für seine Behauptungen zu verlangen. Das Scchstagcstrampeln soll den Berlinern auch in diesem Jahre wieder beschert werden. Der deutsche Rennfahrerverband hat nicht weniger als sechs solcher Konkurrenzen beschlossen, von denen die erste schon am 27. Oktober in Frankfurt a. M. beginnen und eine weitere auf der Berliner Oltfinpiabahn ausgefahren werden wird. Sechzig Strampelbrüder sind dazu verpflichtet worden, das Pnblilum zu amüsieren, das natürlich ebenso wie der Unternehmer auf seine Kosten kommen wird Man hat anfangs die gesundheitsschädlichen Momente dieser Schinderei hervorgehoben und betont, dah da? Zu» schaucrvublikum sich ebenso erniedrige, als ob es an wüsten Box» kämpfen seine Befriedigung findet. Mit der Zeit ist das anders geworden. Die zünftigen Sechstagerenner verstehen es ausgezeichnet, ihre Knochen zu schonen und sich ganz auf die geschäftliche Seite der Sache zu legen. So ist die Veranstaltung jetzt kaum mehr eine übermähige Anstrengung, sondern ein Spiel mit dem sensationS- lüsternen Publikum. Und iver solche Spielereien liebt, dem kann eS auch nichts schaden, dah sein koscheres Geld in die Taschen der lachenden Unternehmer und Rennfahrer wandert, denen nach ameri- kamscher Manier der Geldverdienst über edles Sportinteresse geht. Aus der Krankcnhausvcrwaltung. In der am Sonnabend abgehaltenen Sitzung der Krankenhaus- depuiation wurden zuerst die Bestimmungen über die Ausgeh- zeiten der Wärter und Wärterinnen, des Dien st- und Hauspersonals sowie die Anweisung für den Pflege- dienst in den städtischen Krankenanstailen beraten und zum Bc- schluh erhoben. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Bestim- mungen über die Urlaubszeit, mit denen sich auch die im Verband der Gemeindearbeiter organisierten Angestellten zufrieden erklär- ten. Die Wärter und Wärterinnen erhalten vom 1. November in jeder Woche einmal möglichst von 2 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts, jeden zweiten Sonntagnachmittag bis 4 Uhr nachts, mit Ausnahme der Wochen mit Toppclfeierlagen, die dienstfreien War- ter und Wärterinnen täglich nach Beendigung des Dienste» bis 11 Uhr abends Ausgehczeit. Das übrige Dienst- und Hauspersonal erhält folgende Ausgehzeiten: a) in jeder Woche einmal möglichst von 2 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts; in jeder zweiten Woche ist für diese Zeit möglichst ein Sonntag zu wählen; d) das dienst- freie Dienst- und Hauspersonal täglich nach Beendigung des Dienstes bis 11 Uhr abends. Wenn dienstliche Verhältnisse eS erforderlich machen, ist der Verwaltungsdirektor befugt, den Urlaub zu beschränken oder zu entziehen.— Die Deputation beschäftigt- sich alsdann mit dem Aufsehen erregenden Falle, der sich im Friedrichshain-Krankenhause abgespielt hatte: Ein scharlachkranker Knabe war in der Nacht au? seinem Bett aufgestanden und notdürftig bekleidet in den Garten hinaus- gegangen, wo er dann erst gegen Morgen nach mehrstündige» Suchen unter einem Strauch versteckt aufgefunden wurde. Ter „Vorwärts" hatte seinerzeit hierüber ausführlich berichtet. Es wurde festgestellt, dah eine Nachtschwester die Aufsicht über zwei voneinander getrennte Pavillons hatte, wobei noch hervorzuheben ist, dah die Nachtschwestern unablässig zwischen Krankenpflcgedienst und Reinmachearbciten hin- und hergehetzt werden. Seinerzeit hatte die Direktion aus Rücksicht auf diese Verhältnisse sechs neue Schwestern beantragt, die Deputation hatte auch diesen Antrag zum Beschluß erhoben. Ter Magistrat hatte jedoch einfach er- klärt, die Direktion solle versuchen, mit drei neuen Schwestern aus- zukommen, es werde auch s o gehen. In der Stadtverordneten- Versammlung gelegentlich der Beratung des Etats hatte Genosse Dr. Wehl auf diese Kurzsichtigkeit hingewiesen, vergeblich, die Mehrheit stimmte den sozialdemokratischen Antrag auf Bewilligung von sechs Schwestern, der mit dem Beschluh der Krankenhausdepu- tation übereinstimmte, nieder. Jetzt hieß eS in der Deputation. wenn man diese Folgen hätte ahnen können, wäre man vielleicht geneigter gewesen, in der Stadtverordneienversammlung unfern Antrag zu akzeptieren. Der„Vorwärts" hat sich, wie Genosse Dr. Wehl hervorhob, durch seine Veröffentlichung, die den Anstoß zu dieser Debatte bot, ein großes Verdienst um unser Krankenhaus- wesen erworben. Es ist leider bei uns häufig so: wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. deckt man ihn zu.— Nunmehr werden Vorkehrungen getroffen werden, um die Wiederholung solcher bc- dauerlichen Vorfälle unmöglich zu machen. Ein tödlicher Unfall ereignete sich in der vergangenen Nacht auf der Charlottenburger Chaussee. Der 80 Jahre alte Maler Karl Hannig auS der Elsterstr. 6 zu Nixdorf bog in scharfer Gangart mit seinem Zweirad aus der Klopstockstraße in die Charlottenburger Chaussee ein und fuhr gegen eine ebenfalls schnell fahrende Kraft- droschle. Der Anprall war so heftig, daß Hannig mit einem Schädel- bruch bewußtlos liegen blieb. Er wurde sofort nach dem Kranken- hause Westend gebracht, doch lvar er bei seiner Eiulieferung be- reits tot. Aiiarchisieiwcrhaftnngen. In Berlin und mehreren anderen deutschen Städten sind in den letzten Tagen Verhaftungen von Anarchisten erfolgt. In Verlin Ivurden die Anarchisten Böttcher und Kielmeher. der Schatzmeister der hiesigen Freien sozialistischen Be« wegung. festgenommen. In Hamburg traf das gleiche Schicksal die Anarchisten Bade und Sckreyer, in Düsseldorf wurden Häusler und Mohrmann und in Krefeld Brock und Hüllen verhaftet Dem Ver» nehmen nach soll eS sich bei allen diesen Festnahmen um die Ver- leitung von Soldaten zur Fahnenflucht und die Bcgünstiguiia eines Deserteurs handeln. � Ein tödlicher Straßenvahminfall hat sich gestern ftüh an der Ecke der Nürnberger und Augsburger Straße ereignet An jener Stelle, an der zurzeit durch die Firma F,a.,z Wigankow Asphalt- arbeiten ausgeführt werden, sprang gegen 7 Uhr morgen» in der Kurve infolge des ,n den SchlenenriNen lagernden Schmutzes und Sandes ein Straßenbahnwagen der Linie 67(Richtung Lichtenberg) aus den Gleisen und stieß dabei gegen den auf dem Nebengleise aus entgegengesetzter Richtung herankommenden Motorwagen 2210 der Linie CS. Hierbei wurde der bei der Firma Wigankow beschäftigte 33 jährige Arbeiter Jeraneck aus der Bcnsselstraße. der beim Heran. nahen der beiden Bahnwagen zwischen die beiden Schienenstränge getreten war. zwischen die Waggons gedrückt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er alsbald verstarb. Die Leiche des Verunglückte« wurde nach dem Schauhause übergeführt. Tragödie eines Krüppels. Gestern morgen gegen m UHr versuchte der SSjährige Arbeiter Otto Feltenau in der Hochstraße seinem Leben ein Ende zu machen. F. war vor etwa Jahresfrist überfahren und dabei so schlver verletzt worden, daß ihm beide Beine amputiert werden mutzten. Feltenau versuchte nach seiner Genejung Stellung zu bekommen, dock) wollte niemand den Krüppel engagieren. So ernährte sich der Unglückliche als Gelegenheits- arbciter und kampierte, da er keine feste Wohnung besaß, meist im Freien. Seit einigen Tagen hatte er keine Arbeit mehr gefunden und da er aller Barmittel entblößt war, irrte er hungernd in den Straßen Berlins umher. Schließlich faßte er den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. In der Hochstraße warf er sich vor eine im schnellen Tempo herannahenden Droschke, deren eines Rad dem Lebensmüden über den rechten Oberschenkel hinwegging. Man schaffte den Krüppel nach der Unfallstation in der Badstratze und von dort, da er infolge seines kraftlosen Zustandes nicht aus der Bewußtlosigkeit erwachte, nach dem Rudolf-Virchow-Krankcnhaus. . � Mit einem neuen Trick arbeiten seit einiger Zeit Berliner Pfandscheinschieber. Diese Leute, deren Trachten einzig dahin geht, sich möglichst mühelos Geld zu erwerben, verschaffen sich zu billigen Preisen Wertsachen aller Art, besonders aber Schmucksachen, versetzen sie bei sich selbst und stellen dann Pfandscheine auf irgeich- einen beliebigen Namen aus. Diese Pfandscheine verkaufen sie dann oder lassen sie durch Mittclpersoncn an Leute verkaufen, die mit der Einlösung der versetzten Pfänder etwas verdienen zu können glauben. Damit aber verrechnen sich die Käufer der Pfandscheine stets. Denn der Kniff der Schieber besteht darin, daß sie ihre eigenen Sachen weit über den Wert beleihen. Nur sie machen also ein Geschäft, während die Käufer die Pfandscheine umsonst getauft haben, oder sie müssen das Pfand, welches sie doch noch einlösen, viel zu teuer bezahlen. Es ist wahrscheinlich, daß dieses Treiben schon einen größeren Umfang angenommen hat, als bis jetzt bekannt geworden ist. Leute, die in dieser Weise geschädigt worden sind, können sich bei der Kriminalpolizei melden. Schwere Brandwunde» erlitt das fünfjährige Mädchen Frida Gumpert bei einem Brande in der Naugarder Str. 4. Dort brannte» Wäsche, Kleider u. a. Zum Glück gelang es. die Flammen schnell zu löschen und dadurch daS Kind vom Flammentod zu retten. Zwei größere Brände kamen gestern in früher Mvrgenstunde in der Dortmunder Str. 5 und in der Cuvrystr. 1 zum Ausbruch. An der ersten Stelle stand bei Ankunft der Feuerwehr im dritten Stock des Hauses eine Dreizimmerwohnung vollständig in Flammen. Auch das Dachgeschoß hatte bereits Feuer gefangen. Die Wehr griff daher sofort mit zwei Rohren ein, und zivar erfolgte der Lösch- angriff über die Treppen und über einen Hakenleitc'rgang hinweg. Nach halbstündiger Löschtätigkeit war das Feuer erstickt. Die Woh- nung brannte aber total aus.— In der Cuvrystr. 1 waren im Keller tausend Zentner Steinkohlen in Brand geraten. Auch hier mutzte die Wehr mit zwei Schlauchleitungen Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. Die Arbeiten der Feuerwehr wurden durch eine starke Rauchentwickelung sehr erschwert.— Außerdem wurde die Wehr noch nach der Revaler Straße und nach dem Zollamt in der Köthcner Str. 28/29, gerufen. In der Revaler Straße brannte eine Laube und im Keller des Zollamts Packmaterial. Die 25. billige Fahrt zum Besuche der Htsgieneausstellung in Dresden veranstaltet der BcrkehrSbund am Sonntag, den 22. Okto- ber, wofür besondere Vergünstigungen in der Bundesgeschäftsstclle, Charlotrenstr. 34, gewährt werden. Während des Sommers hat der Verkehrsbund von Berlin und Leipzig einige Tausend Personen nach Dresden geführt. In die Spree gesprungen und ertrunken ist gestern früh unter- halb der Monbijoubrücke ein»»bekannter Mann, der nicht näher beschrieben werden kann. Er ging sofort unter und kam nicht mehr zum Vorschein. Seine Leiche ist noch nickt gelandet. Auf dem Wasser trieb nur ein schwarz gebeizter Rebenstock, der dem Selbst- Mörder gehörte und aufgefischt wurde. Zeugen, die am 26. September, abends 9� Uhr, die Sistierung eines Mannes vor dem Hause Skalitzer Str. 1l)l gesehen habe», werden um Abgabe ihrer Adresse an Goebel, Görlitzer Str. 72, Seitenflügel I, gebeten. Akademische Nnterrichtskurse für Arbciter. Dieser gemeinnützige Verein setzt es sich zur Aufgabe, Männern und Frauen der arbeitenden Klassen Gelegenheit zu gründlicher Ausbildung in den Elemeutarsächern, namentlich Deutsch und Rechnen, zu bieten. Der Unterricht— der nur ans dem Boden strengster Neutralität in politischen, religiösen-c. Fragen möglich ist— wird von Berliner Studenten unentgeltlich erteilt. Zur Deckung der Unkosten werden die Hörer mit 50 Pf. für den Halbjahreskursus herangezogen. Die Kurse finden wöchentlich einmal von 8 bis 19 Uhr obends in verschiedenen Schullokale» statt. Anmeldung für das Winterhalbjahr werden entgegengenommen: Rückerstraße 9 fKantine des ZcntralarbeitSiiackiweises) am 19., 20., 21., 24. und 25. Oktober, abends von 8—10 Uhr: Langestraße 31(Schlesischer Bahnhof) am 21. und 23. Oktober, abends von 8—10 Uhr: Rixdorf, Kaiser Friedrich- stratze 203—210, am 22. Oktober, morgens von 10—12 Uhr. und am 23. Oktober, abends von 8— 10 Uhr. Am 28. Oktober, abends 8 Uhr. findet im Saale des ZentralarbeitsnachweiseS, Gormannstratze 13, eine allgemeine Hörerversammlnng statt, bei der auch noch Anmel- düngen entgegengenommen werden. Eine Tourenmaschine. Marke„Frisch Auf" Nr. 258 339, ist einem radfahrendcn Genossen in der Bülowstr. 58 am Freitag, den 13. d. M., mittags zwischen 1 und 342 Uhr gestohlen worden. Per- sonen, die bestimmte Angaben über den Verbleib des Rades machen können, werden gebeten, dies bei Prinz, Jichtestr. 25. Seitenflügel 8 Treppen, zu melden. Arbeiterbildnngsschule Berlin. Es wird daran erinnert, daß die Kurse des Genossen Grunwald heute, Sonntag t/.lo und'/„12 Uhr vorniittags beginnen. Arbciter-Tamariter-Kolonne Groß-Berlin. In dieser Woche .»den folgende Lehrabende statt: 1. Abteilung(Dresdener Str. 45, Dresdener Garten) am Montag, den 16. Oktober; 4. Abt., Lichten- bcrg(Scharnweberstr. 60, Restaurant Pieckenhagen). am Donners- Mg. den 19. Oktober; 5. Abt.(Rixdorf, Erkstr. 8. Restaurant Gültig) am Mittivoch, den 18. Oktober. In allen Abteilungen: Praktische Wundbehandlung. Beginn pünktlich 9 Uhr abends. Gäste will- kommen. Kursustoilnehmer können sich noch melden. Lehrabend in der 1. Abteilung jeden Montag. Vorort- 1>sacb richten. Lichtenberg. Stadtverordnetensißung. Welche Auffassung zuweilen bür- gerliche Stadtverordnete von ihrem Amt haben, zeigte wieder in recht drastischer Weise die letzte Sitzung.— Bei der Bc- ratung des Entwurfs eines Bebauungsplanes für das Gelände der Terraingescllschaft am Zentralvichhof ersuchte der Stadtverordnete Münchehofe den Baurat um Auskunft, wo die projektierte Straße 113, die sogenannte Verlängerte Riltergutstraße. auslaufen solle, da er ein direkt persönlichesJ nt cresse daran habe. Der Baurat gab dem um seine persönlichen Interessen so besorgten Herrn den guten Rat, sich nach dem Bauamt zu bemühen, bort werde er weitere Aufklärung erhalten können. Der Vorlage selbst wurde alsdann zugestimmt. Recht lebhaft gestaltete sich die Debatte über eine Vorlage, betreffend Schaffung eines OrtSstatuts gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen der Stadt. Die Zustände der Frankfurter Chaussee, Möllendorfstraße, Gürtclstraßc usw. müssen jeden Einsichtigen von der Notwendigkeit überzeugen. durch derartige statutarische Bestimmungen gegen solche Mißstände einzuschreiten. Daher traten auch unsere Genossen für die Vorlage ein. Anders jedoch die Bürgerlichen. Um es der Bürgerschaft nicht «lllzu offen zu zeigen, daß für sie nur die Haus- und Grundstücks- lksitzerinlcrcssen in Frage kommen, mußten für die Redner der- selben, die Herren Schachtel, Danneberg und Röder— künstlerische Interessen als Argument gegen die Vorlage herhalten. Allerdings, in ihren weiteren Ausführungen rückten die Herren mit den wirklichen Ablchnungsgründen heraus. Man fürchtete, daß durch die Vorlage die Herren Haus- und Grundbesitzer allzu sehr in ihrer Bewegungsfreiheit gehindert würden. Genosse Grauer kennzeichnete das Gebaren der Herren, außerdem lehnte er es im Namen unserer Genossen ab, sich an der im Laufe der Debatte zum Vorschein gekomnienen Hetze gegen den Bcturat zu beteiligen. Da dieser Herr verschiedentlich in Wahrung der Interessen der Stadt gezwungen war, gegen einige der tonangebenden Hausagrarier vor- zugchen, haite er sich die Ungnade dieser Herren zugezogen. Die Vorlage wurde alsdann an den Magistrat zurückverwiesen. Gegen die Richtigkeit der Wählerliste lagen 37 Einsprüche vor. Hiervon beantragt der Wahlprüfungsausschuß, 14 als berechtigt an- zuerkennen und beantragt die nachträgliche Aufnahme. Genosse Grauer beantragt auf Grund von Recherchen unserer Genossen die Aufnahme weiterer 5 Bürger, was auch beschlossen wurde. Zu- gestimmt wurde auch einein von uns eingebrachten Antrage, die- jenigen mit in die Bürgerlistc aufzunehmen, welche von der Steuer- zahluug freigestellt sind. Eine Vorlage, betreffend die Anlegung eines gemeinschaftlichen Schulgartens wurde ebenfalls genehmigt, der Garten soll eine Größe von 2 Morgen 72 Quadratruten er- halten und auf dem städtischen Grundstück hinter dem Friedhof an der Bornitzstraßc angelegt werden. Alsdann wurde einem Orts- statusi„über Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen Vcr- kaufsstellen" zugestimmt, hierdurch wird die Sonntagsarbeit genau denselben Beschränkungen wie in Berlin unterworfen. Genosse S p i e ck e r ma n n bedauerte, daß auch in diesem Ortsstatut die Nahrungs- und Genußmittelbranche ausgeschaltet ist. Redner gab der Erwartung Ausdruck, daß in absehbarer Zeit auch für diese Branchen die Wohltaten der Sonntagsruhe Platz greifen werden. Gegen die Teuerung. Eine stark besuchte Versammlung der hiesigen städtischen Arbciter nahm am Freitag Stellung zu der herrschenden Teuerung. Stadtverordneter R o e s e l e r referierte und zeigte an der Hand der Tatsachen, wie unter der außerordentlichen Steigerung der Lebensmittel die städtischen Arbeiter bei ihren völlig unzuläng- lichen Löhnen ganz besonders leiden. Abgesehen vom letzten Jahre, seien im städtischen Parlament von den bürgerlichen Vertretern die Forderungen der städtischen Arbeiter geivöhnlich abgelehnt worden, wie sich die Herren j«überhaupt nie sehr arbeitersreundlich zeigten. Mit der Ausforderung, fest zur Organisation zu halten, schloß der Redner unter dem Beifall der Versammelten. In der Diskussion sprach Stadtverordneter Grauer. Die Stadtverwaltung von Lichtenberg habe offen zugegeben, daß eine Notlage bestehe und man sei auch schon aus dem Stadium der ErNaägungen herausgc- treten. Es gebe nun schon seit Jahren eine sogenannte„soziale Kommission" in Lichtenberg, deren Ausgabe es sei, sich mit der- artigen Fragen, zu beschäftigen, und der auch, neben anderen, die Verhältnisse der städtischen Arbeiter zwecks Durchberatung über- wiesen sind. Diese Kommission sei aber bis heute noch nicht ein- mal zusammengetreten. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, der Magistrat möge untersuchen, in welchem Ilmfange die städti- scheu Arbciter eine Notzulage nötig haben. Die am 5. Oktober verstärkte Kommission für soziale Angelegenheiten ist leider bis heute noch nicht zusammengetreten. Die Hauptsache sei jedoch, daß die Arbeiter geschlossen hinter ihrer Organisation stehen. Des- gleichen müßten sie unbedingt am 19. November, wo die Stadtver- ordnetenwahlen für Lichtenberg stattfinden, Mann für Mann für die sozialdemokratischen Kandidaten stimmen und dürften sich auch nicht durch die Oeffentlichkcit der Wahl hiervon abhalten lassen.. Mit einem Ausblick auf die Reichstagswahlcn schloß Redner unter Beifall der Anwesenden. Eine auf die Teuerung bezugnehmende Resolution fand einstimmige Annahme. Hierauf nahm Polenske das Wort, um den 2. Punkt der Tagesordnung:„Unsere Anträge zum nächsten Etat", zu behan- dein. Seine Ausführungen gipfelten in nachstehender, einstimmig angenommener Resolution: „Die am 13. Oktober 1911 im„Kronprinzen-Garten" vcr- sammelten Arbeiter aller städtischen Betriebe Lichtenbergs be- dauern auf das Lcbhaficste die bestehende Verschiedenheit in den Arbeits- und Lohnverhältnissen in den einzelnen städtischen Bc- trieben. Sie fordern dringend, daß diese Verschiedenheit in der Ar- beitSzeit, im Lohn und in der Bezahlung der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit beseitigt wird. Ganz besonderes Gewicht legen die Versammelten auf die endliche Durchftihrung ihrer alten Forderung, der Bezahlung der Differenz zwischen Lohn- und Krankengeld im Krankheitsfälle. Tie Versammelten stellen ferner fest, daß Lichtenberg in der Gewährung von Sommcrurlaub in den deutschen Gemeinden nnt an letzter Stelle steht und richten deshalb das Ersuchen an die städtischen Körperschaften, auch in der Urlaubsfrage den lang- jährigen Wünschen und Anträgen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Die Verlammelten beauftragen die Ortsleitung des Ver- bandes der Genieindearbeiter, die in dieser Resolution zum Aus- druck gebrachten Wünsche und Anträge den städtischen Körper- schaftcn zu übermitteln. In der Diskussion äußerten einzelne Redner noch verschiedene Wiinlche und forderten zum Anschluß an die Organisation auf. Tie anwesenden sozialdemokratpchen Stadtverordneten versprachen, wie bisher so auch in Znki'nft nach Kräften die Interessen der städtischen Arbeiter zu vertreten. Lichtenberg flnf dem Gebiete der sozialen Fürsorge. Unsere Genossen im Stadtparlament waren schon oft genötigt, den Herren von der anderen Seite den Vorwurf sozialpolitischer Rückständigkcit zu machen. Der jetzt in Angriff genommene Krantenhausbau hat ein Jahrzehnt Kämpfe gekostet. Schließlich mußte noch der Polizeipräsident die Privilegierten mit den zu- geknöpften Taschen daran erinnern, daß die Gewährung der Stadt- rechte vor 4 Jahren u. a. auch an die Bedingung geknüpft worden war, daß die Stadt baldigst ein Krankenhaus erbaue. Jammervoll sieht es noch auf d'm Gebiete der Kinderfiirsorge und des Säug- lingsschutzes aus. Die ersten Forderungen unserer Genossen nach dieser Ricktung erregten bei den Wohlgenährten einfach nur— Heiterkeit! Das einem Stadtrat gehörige Ortsblatt schrieb böhnisch, es fehle nur noch die Errichtung einer Lutschvkropfenfabrik. dann hätten die Arbeiterfrauen es bcauem. sie könnten in ungezügelter Lust Kind.r in die Welt setzen, die Sorge dafür übernehme nach den famosen Forderungen der Genossen ja die Gemeinde. Bis heute hat Lichtenberg noch keine akzeptable Kinderspeisung, die Gemeinde zahlt dem Vaterländischen Frauenverein zu dein ge- nannten Zweck 1000 M. Alle übrige Fürsorge bleibt im Rahmen der— Armcnverwaltung! Bei den schwebenden Eingemeindungs- Verhandlungen mit Rummelsburg kehren die Lichtcnbcrger Bour- gcois gern den Patzigen heraus, die„armen" Rummclsburgcr sollen Verbeugungen machen. Da ist eS bittere Satire, daß Rummclsburg unter seinen Bedingungen auch die aufgenommen hat, daß die von ihr geschaffene Kinderpflege nach der eventuellen Eingemeindung erhalten werden müsse. Aber stolz lehnen die „Reichen" es ab. sich auf soziale Einrichtungen zu verpflichten. Dergleichen überläßt man gern dem— armen Nachbar. Tie Mangelhaftigkeit der Lichtenberger Kinderfürsorge wird grell bc- leuchtet durch folgende Tatsachen: Tie Stadt hatte nach der Etats- aufstellung für das Winterhalbjahr 1910/11 11 357 Schulkinder. Tie meisten Steuerzahler sind arme Proletarier. Aus de» Kopf der Einwohner kommen noch nicht einmal 8 M. Einkommensteuer. Daß dabei eine große Anzahl Mütter vorhanden ist, die selber dem Erwerb nachgehen, die Sorge um der Kinder Wohl fremden Personen überlassen müssen, liegt auf der Hand. Diese Verhältnisse lassen den Tod unter den Säuglingen reiche Ernte halten. Lichten- bcrg hat trotz seiner günstigen Höhenlage die größte Säuglings- sterblichkeit unter allen preußischen Städten! Nach den amtlichen Ziffern sterben von je 1000 in Preußen Lebendgeborcnen im ersten Lebensjahre 181,0. Den niedrigsten Durchschnitt hatte Aurich mit 100 Todesfällen, die höchste Sterbeziffer mit 257(!) pro 1000 weist Lichtenberg auf. Geradezu verhängnisvoll ist das Fehlen einer ausreichenden Fürsorge für die unehelich geborenen Kinder. Von je 1000 dieser Säuglinge starben im Staate 312,5, in Lichtenberg aber 408. Jedoch auch mit den ehelich Geborenen hält Lichtenberg den Rekord, dem Durchschnitt von 170,9 für ganz Preußen stellt es die hohe Sterbeziffer von 212 pro 1000 Lebcndgeborener gegenüber- Das sind erschreckende Ziffern, sie zeugen von einer empörenden Vernachlässigung sozialer Aufgaben. Seit Jahren drängen unsere Genossen vergeblich auf eine Neuorganisation des gesamten Armen- Wesens und Einbeziehung der Frauen in den Kreis der ehrenamtlich tätigen Personen. Die Herrschaften fürchten von einer solchen Reform anscheinend eine sachkundige und verschärfte Beleuchtung ihrer Rückständigkeit. Passive Resistenz läßt die schon vor drei Jahren aufgenommenen Vorarbeiten nicht vorwärts kommen. Die bevorstehenden Stadtverordnctenwahlen geben besonders den Frauen die Gelegenheit, ganz energisch gegen die unerhörte sozialpolitische Nachlässigkeit im Rathanse Protest zu erheben. Selbstverständlich müssen die Kandidaten, die um ein Mandat sich bewerben, vorher bekennen, wie sie zu dieser Frage sich stellen. Rixdorf. Tie sozialpolitischen Debatten in der Stadtverordnete»-?«- sammlung am Donnerstag standen sichtlich unter dem Zeichen der bevorstehenden Wahlen. Dafür war die Haltung der bürgerlichen Mehrheit ein schlagender Beweis; denn diese Herrschaften schwebten offenbar zwischen Tür und Angel. Das trat schon bei dem sozial- demokratischen Antrage, der die Gewährung von Teuc» rungSzulagen an städtische Arbeiter und Beamte betraf, beut- lich zutage. Genosse W u tz k y begründete den Antrag. Voraus schickte er eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Verein der städtischen Beamten, der bei der bevorstehenden Wahlbewegung ver- sucht hatte, durch einen Artikel in der Lokalpresse den Redner wegen einer Versammlungsäußerung Lügen zu strafen. Demgegenüoer stellte er fest, daß trotz aller Ableugnungsverfuche vor den Etat- beratungen Deputationen städtischer Beamter es nicht gescheut hätten, auch sozialdemokratischen Stadtverordneten ihre Wünsche persönlich vorzutragen. Wenn gcwipe Scharfmacher unter der Beamtenschaft diese Tatsache hinwcgleugnen möchten, so sei das bc- deutungslos und werde die sozialdemokratische Fraktion nicht hin- der», die berechtigten Wünsche der Beamten vor wie nach zu ver- treten. Zur Sache selbst übergehend, brandmarkte Redner die ver- verbliche Wirtichaftspolitik der Reichsregierung, die in ihrer Denk- schrift als Motiv für die Aufhebung des Identitätsnachweises offen die Steigerung der Getreidepreise zugegeben hat. Wenn dieselbe Regierung dann trotz aller sonst üblichen Redensarten über den Mittelstandsschutz, den Städten den Verkauf von Lebensmitteln in eigener Regie anrate, so sei das ein Beweis dafür, daß eben alles versucht wird, um nur ja die junkerlichen Schoßkinder zu schützen. Auch der Zwischenhandel trage zur Hochtreibung der Preise sein Teil bei. Es sei, nachdem das Reich versagt hat, Pflicht der Städte, alles zu tun, um die unbemittelten Bevölkerungsschickstcn vor den schädlichen Wirkungen der Teuerung zu schützen. Dazu gehören auch Teuerungszulagen an die städtischen Angestellten. Hatte die bürgerliche Mehrheit ihr Interesse an den Ausführungen des Red- ners durch Unaufmerksamkeit und lebhafte Privatunterhaltuugcn bekundet, so zog sie es vor, nachdem sich in Schweigen zu hüllen.� Den Antrag abzulehnen Ivagte man aber doch nicht und erklärte kurz die Zustimmung der bürgerlichen Fraktionen. Auch Ober- bürgerineistcr Kaiser stimmte namens des Magistrats zu, so daß schließlich eine Kommission eingesetzt wurde. Ob etwas Vcrnünsii- ges auS dieser herauskommen wird, bleibt abzuwarten.— Zu dem Antrage unserer Fraktion, der den Magistrat ersucht, für die strikte Durchführung der allgemeinen Arbeitsordnung in den städtischen Betrieben zu sorgen, sprach Genosse Polenske. Die Situation des Magistratsvertreters Stadtrat Dr. Mann war angesichts des erdrückenden Bcweismaterials, das der Redner auch in einer an demselben Abend stattgehabten Versammlung vorgebracht hatte, keine beneidenswerte. Alle Widerlcgungsversuche scheiterten an den vom Antragsteller und dem Genossen W u tz k h dargelegten Tat- fachen. And auch diesmal erneuerte sich das Schauipiel, daß die bürgerliche Mehrheit nicht ans noch ein wußte. Den gesinnungsver- wandten Magistrat im Stiche lassen, mochte man nicht— und ihn heraushauen konnte man nicht. Was also tun? Man hüllte sich in tiefes Schweige», handelte es sich doch„nur" um Arbeiterinteressen. Man enthielt sich aber auch fast allgemein der Stimme, so daß der Antrag mit ganzen 21 Stimmen zur Annahme gelangte. Nur einige Bürgerliche stimmten mit der sozialdemokratischen Fraktion, nach ihren Physiognomien zu schliche» offenbar aber auch, ohne sich über ihr Tun ganz klar zu sein. So forsch— lassen die bürgerlichen Stadtväter im Nixdorfcr Rathause die Arbeiter im Stich! Wilmersdorf-Halensee. Ter NotstandöauSschuß der Stadtverordnetenversammlung trat vorgestern zu einer Sitzung zusammen, die zum wesentliche» mit der Berichterstattung über die vom Magistrat getroffenen Maß- nahmen ausgefüllt wurde. Viel war hierbei nicht herausgekommen. Die Kartoffelernte im Lande ergab nach der Berich«-' erstattung 73 Proz. einer Mittelcrnte, ist also als ungenügend zu bezeichnen. Während nun im Detailhandel für zehn Liter immer noch 45 bis 70 Pf. bezahlt werden müssen, ist eS nach der Offerte eines Lieferanten möglich. Kartoffeln von der Sorte d!»g„un» bonurn zum Preise von 3,90 M. für den Zentner frei ins Haus zu liefern; ein anderer Händler wollte Dabersche Kartoffeln franko Bahnhof für 3.70 M. liefern. Da noch ungewiß ist, wie die Kartoffclpreise sich in der nächsten Zeit gestalten werden, einia«- man sich im Ausschuß dahin, daß ein Beschluß erst in der nächsten Sitzung gefaßt werden soll. Bemerkt sei noch, daß nach der Met- teilung der Magistratsvertreter keinerlei Aussicht auf eine Mit- Wirkung der K l e i n h ä n d l e r bei der Bekämpfung der Leben?- mittoltcuerung vorhanden ist; die zu einer Unterredung»ach dem Rathause geladenen Tctaillistcn erklärten sämtlich, in der Gc- schäftsverbindung mit ihren Lieferanten nichts ändern zu können. Außerordentlich knapp waren nach der amtlichen Benchtcrstatlung die Gemüseangcbote. ES kam nur eine einzige Offerte W Betracht, wonach Spei'erüben für 2.30 M., Weißkohl für 5,50 M. Wirsingkohl für 6.75 M. und Rotkohl für 6.90 M. pro Zentner �u haben sind. Auch in dieser Angelegenheit wurde eine Beschluß- fassung ausgesetzt. M i l ch a n g c b o t e von wesentlichem Um- fange lagen ebenfalls nicht vor. Bei der Erörterung hierüber wurde betont, daß es sich empfehle, kondensierte Milch der Einwohnerschaft von Gemeinde wegen zugänglich zu machen, des- gleichen wies man verschiedentlich darauf hin, daß die Stadt die Ausgabe habe. Verträge mit Produzenten ins Auge zu fassen und so. nach dein Muster anderer Städte. c,nen ständigen städt,- schcn Milchverkauf anzubahnen. Verhältnismäßig leicht läßt sich der Verkauf von R e, s durch die Gemeinde ermöglichen; doch wurde hier geltend gemacht, daß die Bevölkerung noch zu wenig mit der Verwendung dieses Nahrungsmittels vertraut ist und eine Propaganda, ähnlich wie sie zugunsten des Seefischvcr- brauch? betrieben wird, voonoten ist. Grundsätzlich erklärte sich der Ausschuß mit dem Verkauf von Reis durch die Gemeinde ein» verstauen. In der»wag beS F l e i sch y x x f � � f S machte der Magistratsdezernent geltend, daß der Mangel eines städtischen Schlachthauses ein wesentliches Hindernis sei; als von sozialdcmo. kratischer Seite darauf hingewiesen wurde, daß dies Hindernis durch ein gemeinsames Vorgehen der Groß-Berliner Gemeinden beseitigt werden könne, kam der leider den Tatsachen entsprechende Einwand, daß gerade die Fortschrittsmehrheit im Berliner Rat- hause sich den Vorschlägen zur wirksamen Bekämpfung der Lebens« Mittelteuerung mit grundsätzlicher Feindschaft entgegenstelle. Die weitere Erörterung der dem Ausschub oblicgenocn Angelegen- hciten wurde vertagt Lankwitz. Tie Notstanbsaktion. Die Kommission, welche zur Linderung der Lcbensmittelteuerung gewählt wurde, hat in ihrer ersten Sitzung den Verkauf von"Seefischen und 5lartoffeln beschlossen. I Der Verkauf von Seefischen soll der Dampffischerei-Gesellschast Nordsee übertragen werden, welcher von der Gemeinde ein Raum auf dem Pumpstationsgelände kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Verkauf soll jeden Freitag vormittag zu ermäßigten Preisen stattfinden, lieber den Kartoffclbezug gibt der Gemeinde- Vorsteher bekannt, daß die Einwohner, lvelche Kartoffeln beziehen wollen, es bis Montag, den lö. d. M., abends 7 Uhr, im Rathaus, Zimmer 42, anmelden sollen. Die Anmeldungen werden auch müiid- lich von 8—3 und von 6— 7 Uhr entgegengenommen. Der 5lauf- preis ist bei der Anmeldung zu entrichten. Mengen unter einem Zentner werden nicht abgegeben. Der Kaufpreis wird im Hockst- fall ab Bahnhof Großlichicrfelde-Ost 3,50 M., frei ins Haus 4 M., betragen. Zu wünschen wäre, daß auch der Kleinverianf einge- richtet wird, da eine beträchtliche Anzahl Einwohner in Ermange- lung der nötigen Mittel nicht zentnerweise einkaufen kann. Am Montag, den 9. Oktober, ist beim Lichtbildervortrag des Genossen Graf im Lokal Prochazka ein Herrenschirm zurückgelassen worden. Derselbe ist abzuholen bei Kakosch, Kaiser-Wilhelmstr. 39 I. Ober-Tchöneweide. Ter durch die Veränderung des GutSbczirks Köpenick-Forst in- isolge der Neubildung des Gutsbezirks Wiiblhcide auf die Gemeinde» grenzen beschränkte Amtsbezirk soll nach emer der nächsten Gemeinde- Vertretersitzung zur Beschlustfassung unterbreiteten Vorlage nunmehr auch auf den gesamten GutSbezirt Wuhlheide ausgedehnt werden. Der zu bildende AmtsauSschust soll aus sieben Vertretern der Ge- meinde Ober-Schöneweide und einem Vertreter des Gutsbezirks bestehen: die Vertreter der Gemeinde, welche auS den vier Scköffen und zwei stimmberechtigten Gemeindemitgliedern bestehen, sollen von der Gemeindevertretung gewählt werden; die Amtsdauer beträgt sechs Jahre. Ocffentliche Lesehalle. Durck den Neubau de? Realgymnasiums sind die bisher innegehabten Räume in der t. Gcmeindeschule, Frischenstraste, verfügbar geworden, was den bedrängten Raum- Verhältnissen der Gemeindeverwaltung sehr zustatten kommt. Neben der Verlegung des Einwohnermeldeamtes und des Bau- a m t e s nach dort wird die Einrichtung einer Lesehalle im Nnschlust an die Volksbibliothek geplant. Die freiwerdenden Räume des Meldeamtes sollen zu Zellen für Inhaftierte hergerichtet werden. Hohe»- Schönhausen. Aus der Gemeindevertretung. Dem Kanalisationszweckverband mit den Gemeinden Weistensee und Heinersdorf stimmte die Ver- tretung zu. Die Einführung einer Biersteuer wurde trotz heftigsten Widerspruchs unserer Genossen mit 12 gegen 6 Stinunen beschlossen. Ferner wurde die Aufnahme einer Anleihe von 12(1/, Uhr, von der Halle deS Friedhofs der Heiiig-Kreuz- Gemeinde in Mariendorj auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/14 Ter Vorstand. Oeutsolier Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der HauS- dicner «Julius Woehl am 12. Oktober Im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenkenk Die Beerdigung findet am Montag, de» 16. dS. MtS., nachmiitaaZ 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilig Kreuz- Kirchhofe», Mariendors, Eisenacher Stratz« 62, auS statt. SI/S Um rege Beteiligung ersucht Tie Bezirköverwaltung. kür den «mm.w i°snbend 7 Uhr entichltef sansl nach langem fchweren Leiden meine liebe Frau meine hcrzentgule Mutter? Cchweft« Schwägerin und Tante, gra» Eimms Hunger geb. Rückert Um stille Teilnahme bitten ver trauernde Gatte nebst Sohn. Die Beerdigung findet om Dienstag, den 17. Oktober, nach. mittags a1/, Uhr, von der Halle de» ZentralsricdhofeZ in Friedlich«. fetde auS statt. 2ösL Allen Freunden und Bc- J kannten die traurige Nachricht. dag unser lieber Dater, Schwieger- und Großvater, der srühere Gast- Wirt I3mst Teidel (Kniprodcstr. 8) am 13. Oktober, früh'/jS Uhr, nach langem, schwerem Leiden im 61. Lebensjahre sanft ent> schlafen ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Familie Emil Gaepel. Familie Otto Oaerwinkel. Karl Teidel. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Ottober, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerbause mis nach dem Georgen-Kirchhos, Landsberger Allee, statt. li)82b Danksagung. t die überaus zahlreiche Teil- „ahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Manne» nnd Vater» fagc ich hiermit allen Verwandten, Freunden, Bekannten, Kollegen und Herrn Nitfchke meinen herzlichsten Dank. IllSb Die trauernde Witwe _ Hedwig Itewter. Sozialdemokratiseher Wablverein! Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale GroB-Bcrlln. Durch den Tod ist uns unser Mitglied, der Kollege fflcttsn! Prillwilz von der 36. Revier- Inspektion entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonntag, den 15. Oktober, nachmittag« 4 Uhr, von der Lcicheilbnlle de»-st. Georgen- kirchbosc», Landsberger Allee, auS statt. 3U9 Tie Ortsverwaltuug. Petersburger Viertel. (Bezirk Söll.) MDW Den Mitgliedern zur NachAcht.| daß unser Genosse, der Bau- arbciter Hermsnn Weiske Tilsiter Strohe 87 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Wontag, den 16. Oktover. uachm 3 Uhr, von der Leichenhalle de« Aliserttehung«. ftirchhos-S in vUenfe, au» statt 222/ U Ter Vorstand. ßeutsctier HolzarbeiterVerbanil Den Mitgliedern zur Nachricht, a°bei!» Kollege, der Kamm- ferdinand Scbakowski Slrelitzer Str. 30 -w.Mer von 27 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet om Montag, den 16. Oktobe.„ach- mittag» 3'/, Uhr. vom Buchow. Krankel. bause au» nach dem Slisabeth-Kirchhos tn der Prinzen- allce statt 9tyL Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung ZeDtralverbaiirt der Glaser. Ortsverwaltung Berlin. Todes• Anzeige. Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, dafj unser treuer, braver Kollege, der Baugläser Georx Stölzel am Freitag durch Sturz von der Leiter aus dem Bau Em d» in der Leipziger Straße tödlich ouuii- glückt ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet Dienstag den 17. d Mts, nachmittag« 3 Ub> von der Leichenhalle de» Wilmers-' dorser Friedhofes in der Berüner Slraji« au« statt. Wir ersuchen. die Kollegen, sich an der Beerdigung zahlreich zu beteiligen. Tie Ortsverwaltung. vsnlcssxunx. Für die überaus zahlreiche Teil- nabine und Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter, sagen wir hiermit unseren derzlichste» Dank. Gustav Kleinke nebst Kindern. Dankfagttng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei demBcgiäbnissc meines lieben ManneS, des Brettschneiders Hiermann Qoertz sage ich allen Freunden und Be- kannten meinen herzlichsten Dank. Tie trauernde Witwe nebst Kindern. zEGHSS««» Unscrm Obmann Georg»ajorath zum Wiegenfeste ein dreimal W donnerndes Hoch! 2602$ Die Kommission des deutschen Holzarbeiter-Verbandes. � Bezirk: Oestliche Vororte.- Eeleeeee««»ssssssi Unserem Genossen Friedrieb Marks nebst leiner Braut die herzlichsten Glück- wünsche zur morgen statt-./ Albert Ollenwchlllger nebst Frau § die herzlichsten Glückwünsche zur Silborhochzett. Ä Die Genossen u. Genossinnen d. 208. Bez., II. Teil. Ihrem liebe» Genossen Karl Beck [ nebst Gemahlin zur Silber- hochzcil die herzlichsten Gluck- I wünsche. 1083b i Die Genossendes It7. Bez. 2. Kreis. fcfcWSfe«*««»»SSSSSK� Unserem Kollegen«skar lAebermann nebst Ge inuliliii zur Silberhochzeit die besten Glückwünsche. Die Kommission des deutschen Hclzarhelter-Verdandes. v» Bezirk: Oestliche Vororte. Magerkeit+ schwindet durch Haute's Nähr- palver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund äritl. kontrollierte Zunahme. Gar. unschlldl. Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Nachnahraespesen extra. H. Haufe, Berlin X, Greifenhagenerstr. 70. Depots in folgenden Apotheken: I.othringorstr uO, Elefanton-Apo- thoke, Leipzigerstr. 74, WeiDon- burgerstr. 53, Potsdaraerstr. 29, Köpenickerstr. 119, üemburger- straCe 3, Frankfurter Allee74,Ro- senthalerstr.et, Heiniokendorfer- strallel. Charlottenburg: Bismarck- str. 81. Spandau: Potsdamerstr.lO. vOUctnHOi� aowh* tHtunUßi. FamiHen- Nähmaschinen :: t: sind die vollkommensten!:::::: Man kaufe nur in unseren Läden — oder durch deren Agenten.----- Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. 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(Ohne Gewähr)(Nachdrnck verboten.) 68 419[400)' 613 769 80 861 1007 290 304 93 425 54 665 730 925[400] 86 2203[400] 356 641 03 767 3240 83 326 622 708 911 4225 450 5198 223[500] 463 712 41 824 8036 182 91 226 685 96 7074 392 440 655 839 97-963 80 8081 144 241 403 67 609 40 864 ÜB0[400] 9316 578 763 10055 62 172 329 623 11072 205 15 660 691 693 1 2115 234[400] 77 362 638 79 98 714 64 877 13127 055 88 14060 64 97 210 383 404 26 65 77 629 647 780 898 15008 404 650 16626 742[400] 17363 605 62 804[400] 18168 274 333 406 711 835 19106 303 37 70 20794 97 966 2 1037 373 732 912 2 2221 653 724 921 75 84 23024 118 336 656 85 2 4038 226 77 623 82 755 25343 659 2 6025 611 719 2 7037 130 783 871 925 28017 65 183 308 10 29 737 29100 55 262 64 344 414 77[400] 526 82 94 654 76 805 30053 156 217 502 68 773 965 3 1 062 126 2d9 883 747[400] 32013 250 398 417 675 694 33086 639 34023 185 699 858 35071 282 90 400 637 3 0210 486 612 677 756 904 37125 452[400] 586 686 860 981 38039 376 413 516(500J 624 704 98 39036 72[1000] 884 501 65 82 611 40577 608 972 81 4 1360 79 545 971 42090 740 43117 69 428 614 43 854 44138 39 61 90 578 84 626 930 4 5239 395 449 745 814 46190 464 659 77 866 913 47039 190[400] 341 79 406 683 48125 297 361 699 936 49567 76 616 23 38 50013 213 320 451 97 741 5 1 061[400] 243 305 63 520 791 52062[400] 73 223[400] 74 417 23 843 638 53162 402 635 49 856 54195 568 877 55310 681 880 89 5 8366 444 631 606 819 5 7100 441 55 63 844 58 58248 335 60 444 34 909 47 59335[400] 756 60289 582 654 898 61029 206 551 753 62358 424 899 747 63252 439 737 66[500] 882 998 6 4010 268 85250 412 66367 629 62 780 961 67316 417 86 661 67 843 99 958[10000] 68267 93 651 69062 209 672 946 70124 653 787 929 69[400] 7 1 457 7 2036 301 "444 657 710 8S1 93 73101[500] 631[400] 921 74198 234 404 37[500] 698 75071 241 485 952 76197 245 79 497[4001 825 934 63 7 7381 478 778 873 920 78039 314 31 484 640 630 7 9052 83 133 390 414 633 977 80064 77 128 42 82[400] 595[1000] 684 99 81109 25 915 8 2284 366 684 886 8 3348 69 96 84003 103 308 67 550 867 8 5017 140 358 77 652 |400] 883 916 66 88015 16 186 264 80 655[6000] 622 87052 106 272 88 618 776 955 88064 153 684 70 700 69 865 89203 62 345 99010 240 399 481 762 9 1 065[500] 366 407 639 88 998 92194[400] 285 392 417 19 744 70 870 931 93120[400] 652 94032 246 60 319 95017 36 229 331 682 943[500] 96099 191 403 683 76 642 750 858 913 9 7678 815 89 93 98370 513 4 5 745 59 897[500] 918 99069 367 698 199235 451 56 719 818 951 191048 86 270 85 331 640 59[400] 861 981 192311 482 88 646[400] 922 193289 808 30 931 194097 242 459 91 663 70 801 195034 622 196012 48 344 436 60[400] 75-763 910 197239 716 849 198266 495 761 109429 65 651 806 119043[5001 75 81 317 592 638 908 111918 265 373 401 868 112240 456 842 113241[400] 114225 95 644 115743 116100 301 97 117177 118009 331 472 778 802 80 98 119246 721 65 869 955 120217 400 49 84 600[400] 67 813 121052 128 235 402 37[400] 73 692 834 89[400] 707 122029 227 449 543 87 770 90 813 48 123028 122 325 60 99 789 973 124477 125090 1400] 288 313 622 11000] 85 126122[3000] 207 771[4001 83 916 127174 77 373 519 128344 129114 1400) 353 71 38 613 17 712 93 139025 165 07 74 225 300 607 85 1400] 944 131313[400] 806 840 958 132020 124 34 44 235 308 40 672 868 133118 35 99 500 134100 18 345 443 664 771 865 951 135026 35 73 101 248 415 680 729 931 136433 1400] 87 979 137087 426 528 697 138304 400 677 846 139378 449[400] 614 832 140386 409 1400] 32 78 860 967 141630 840 929 142157 649 67 91 094 143260 691 781 819 144027 310 464 605 42 640 145000 89 177[400] 486 680 710 19 146078 240 411 654 711 354 147063 431 72 600 148331 425 622 939 65 149219 60 76 [4001 681 781 15 0273 601 15 1 325 725 987 1 52043 59[3000] 165,385 427 608.21 776 153050 289 339 433 65 717 154126 267 515 62 601 669[400] 72 155046 11000] 90 97 346 632 40 1500] 64 89 763[400] 918 54 65 156233 543 157021 447 65 645 879 158076 337 498 547 825 32 83 1 59567 160394 499 814 712 886 1 6 1 329 79 433 1 62044 69 173[400] 200 4 22 35 445 610 84 693 734 45 163294 677 618 725 984 1 84420 624 91 741 988 165016 54 212 25 72 775 822 933 166045 483 500 769 79 167436 71 506 870 78 1 68125 93 370 489 93 14001 632 000 26 66 169159 76 401 30 505 827 49 170234 49 525 753 171070 11000] 321 827 978 172015 23 183 249 681!500! 710 173132 35 345 [10000] 477 663 862 1 74393 411 721 992 1 75301 5 600 33 636 176134 663 735 897 177011 113 833 178033 356 516 778 85 890 1 7 9610 186000 9 398 571 757 80[400] 810[400] 984 69 18 1 066 229 39 793 971 182069 84 170 288 89 615 682 1 83049 116 233 319 684 718 1 84910 1 85202 399 455 631 63 1 86016 77 134 297 694 851 187015 237 188210 85 443 62 561 752 74 886 900 6 89180 251 750 868* 2. Ziehung 4. Kl. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Zienung vom 14. Oktober 1911, naebmittags. Kur die Gewinne über 192 Mark sind den betreffenden Kummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lose beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 148 462 70 617 27 745 1027 113 713 44 2077 149 06 282 348 400[1000] 605 667 7 52 837 3 161[500] 201 62 67 600 995 4154 297 341 49 654 979 84 5228 637 70 668 789 936 6032 367 670 700 7061 181 217 608 697[400] 8507 612 8019 36 46 149 269 343 977 1O073 327 34 423[400] 508 77[400] 822 87 916 11694 882 12196 287 304 567 622 53 64 723 943 13078 250 414 37 879 85[500] 14334 400 680 823[400] 40 997 1 5104 203 418 548 623 795 935 16029 137 345 761 17211 78 317 85 540 800 1 8290 413 19105 212 13 521 671 28480 738 43 21118 309[5000] 402 98[1000] 601 63 899 2 2000 243 521 938 40 2 3036 ISO 389 403 £64 672[5001 864 023 43 2 4480 622 79 705 2 5015 94 157 370 653 919 47 26270 453 816[500] 924 99 27138 409 555[400] 739 2 8402 710 89 29161[600] 366 878 30214 76 811 974 31101 992 32555 708 33 65 33173 266 498 684 739 3 4479 563 70[400] 35120 227(400) 57 361 85 422 922 36073 246 90 798 831 45 917 3 7252 309 512 17 43 856 972 3 8069 245 345 463 510 600 814 81 39159 404 9 64 741 40117 62 80 207 410 39 902 41075 245 67[15000] 315 70 85 468 842 42142 69 244 716 806 88 4 3076 119 305 451 603 30 962 44125 230 313 726 807 62 70 939 4 5062 74 470 517 762 894 975 4 6054 179 367 469 619 743 830 65 47081 253 310 413 942 48894 974 89 49180 258 769 74 922 27 50317 23 38 637 871 998 5 1 077 247 82[400] 403 54 5 2003 74 87 255 697 5 3052 146 499 508 72 670 855 5 4003 62 650 731 880 55771 936 90 56305 669 801 57614 845 904 58035 284 323 44 554[400] 644 5 9030 60 129 249 64 315 79 478 6O109 24[400] 222 6 1 034 109 662 91 706 62185 89 337 899 6 3083 153 217 411 21 29 64169 223 415 68 567 649 775[500] 65052[400] 169 71 433 47 632 66132[400] 310 514 92 809 22 67061 199 258 69 441[500] 767 6 8335 459 60 86 94 713 833 69150 853 453 812 70075 151 206 38 60 92 364 446 906 71196 222 492 81 541 869 7 2363 552 707 28 7 3435 615 85 830[1000] 74160 582 689 823 7 5124 671 722 76481 721[1000] 839 66 77329 613 73 021 78199 364 761 93 7 9146 250 655 631 747 834 62 90 8O210 485 643 764 912 8 1028 464 82079 231 665 8 3011 337 834 62 999 8 4040 182 223 98 748 85025 320[400] 450 765[400] 69[400] 92 812 66 86117 39 600 883 8 7344 428 671 91 662 88110 . 89 302 735 805 904 61 89109 544 602 749 90229 327 636 708 20 70 918 91221[400] 339 in 927 62 9 2309 93150 214 371 661 706 94439[200001 627 608 67 747 823 9 5300 17 409 738 839[10001 79 96035 156 397 465 654 702 932 97147 278 350 471 82 683 835 47 9 8407 876 9 9007 530 763 840 934 rannt 100025 59 306 627 81 1400] 82(10001 790 101283 516 744 929 79 102189 202 3 675 7n4 S67 103503 64 90[400] 906 1 04395 598 1O5060 204 490 616 97 091 900 37 106571 609 810 21 975 invilT 212 348 739 49 805 46 63 108225 636[500] 7g losnnt 168 83 230 330 651 87 116072 662 711 809 25 111090 237 7«-7» an 112283 99 723 30 84 811 994 113018 458 849 81 774 863 937 114619 718 115079[400] 703 oa R60 1X8978 107 443 648 961[400] 11 7288 947 11«loa 411 119030 839 aaoiua 120260 79 427 511 782 825 87 978 121412 fannl 567 826 70 122084 359 679 88 706 8 38 824 B«i 123207 569 635 706 30 85 859 71 911 51 iz/A. 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Klasse Z». Künlgl. Prtus». passen- Lotterie findet statt vom S. Kovcmfcor vi« 2. Dezember 1911. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für denJnjeratenteil verantw.: TH.GlockCBerlin. Druck».Verlag: Vorwärts Auchdruckerei u. Lerlagsanstalt Paul Singer».Co., Berlin Dr. 242. 28. Jahrgang. 0. Snltßt des Jutmitfo" Kttlimr pIMIitt. Sonntag, 15. Gktobcr 1911. Soziales. Zur Angestelltenversicherung. Die»Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privataugestelltcu" hielt am 7. Oktober in Berlin eine Vertreter- sitzung ab. die sich hauptsächlich mit der Angestelltenversicherung be- schäftigte. Im Gegensatz zum Hauptausschuh hat die»Freie Ver- cinigung" von jeher die Ausfassung vertreten, daß eine gesunde Angestelltenvcrsichcrung nur auf dem Weg: des Ausbaues der all- gcmeiucn Jnvalidcnmsitherung zu erreichen sei. Da es jedoch nach der Verabschiedung der Reichsversicheruugsordnung und mit Rücksicht darauf, daß bei der Gestaltung der Angestelltcnversicherung politische Erwägungen nicht ohne Einfluß sind, ausgeschlossen erscheint, den Ausbaugcdankcn zurzeit zu verwirklichen, so wurde beschlossen, wenigstens die Hauptmängel, die der Rcgierungsentwurf nach Ansicht der„Freien Vereinigung" enthält, noch einmal hervor- zuhcbcn und in einer Eingabe an den Reichstag Verbesserungs- Vorschläge zu machen. Die beschlossene Eingabe fordert im beson- deren eine organisatarilche Verbindung der Verwaltung der An- gcjtelltcnversicherung n>it derjenigen der allgemeinen Invaliden- Versicherung, um Vcrwaltungskosten zu sparen und einer späteren Vereinheitlichung der gesamten sozialen Versicherung die Wege zu ebnen. An Stelle einer neuen Rcichsversicherungsanstalt sollen die bereits vorhandenen Versicherungsanstalten der Jnvalidenversiche- rung treten, wobei die Rentcnausschüsse nach dem Vorbilde der Vorstände der Versicherungsanstalten die Verwaltung tvahrnehmen sollen. Statt des Verwaltungsrates mit dem Verwaltungsausschuß, der nach dem Entwurf fast nur rein formelle Befugnis hat, wird ein Ausschnsi für Angestelltcnvrrsichcrung beim Rcichsversicherungsamt vorgeschlagen. Durch die Schaffung dieses AngestclltenauSschusseS. der aus 32 Vertretern der Beteiligten unter Vorsitz des Präsidenten des Reichsversicherungsamtes oder seine? Stellvertreters zusammen- gesetzt sein soll, wird die Verwirklichung einer tatsächlichen Selbst- Verwaltung angestrebt. Zur Durchführung der organisatorischen Verbindung der Spruchinstanzcn der Angcstclltenversicherung mit denen der allgemeinen Versicherung soll bei jedem OberversicherungS- amte eine Beschluß- und eine Spruchkammer für Angestelltenver- sicherung und beir» RcichSlxrsicherungSamte ein Beschluß- und ein Spruchsenat für Angestclltenversicherung errichtet werden. Neben sonstigen Vorschlägen, die eine Verbesserung der Nentcnbcrechnung, eine gerechtere Regelung der Hinterbliebencnversichcrung, eine genauere Umschreibung des Kreises der Versicherungspflichtigen u. a. bezwecken, wird besonders nachdrücklich die Beseitigung der Ersatz- lassen verlangt. Im Hinblick auf die in letzter Zeit besonders rege Tätigkeit der privaten Vcrsicherungsunternehmungcn, die vor dem Inkrafttreten des Versicherungsgesetzes noch möglichst viele An- gestellte werben wollen, beschloß die Vertretersitzung, in den Kreisen der Privatangestellten Aufklärung darüber zu verbreiten, daß trotz der Mängel des vorgeschlagenen Gesetzes eine staatliche Zwangs- Versicherung doch der privaten Bersichernng vorzuziehen sei. Nachträglich von der BernfSgenosienschast anerkannte Betriebs- Unfälle. 1 Der Backofenbauer H. erlitt am 12. Januar 1910 dadurch einen Unfall, daß er beim Gehen auf einer Rüstung mit dem Kopf gegen einen eisernen Träger stieß. Nach einigen Tagen stellten sich Besckgverden ein. H. war dann bis Ende März in ärztlicher Be- Handlung. Am 1. April entfernte er sich von Hause und wurde am 3. April im Nottekanal bei Zossen als Leiche gefunden. Die Witwe erhob bei der Sächsisch-Thüringischen Eisen-»nd Stabl-Berufsgcnossenschaft Anspruch aus EntsckHdigung. Dieser wurde abgewiesen. Die Genossenschaft bestritt, daß H. im Sinne des Gesetzes als bcrsicherungspflichtiger Arbeiter anzusehen gc- Wesen sei, da er für die Firma K. in Leipzig den Bau von Back- öfcn gegen ein Fixum ausgeführt habe. Auch für den Verkauf von Backöfen habe H. Provision erhalten. Bei einem versicherungS- Pflichtigen Arbeiter ist die Gewährung von Provision nicht üblich. Gegen den ablehnenden Bescheid wurde Berufung beim Schieds- gericht für Arbeiterversicherung in Leipzig eingelegt. Die Firma K. bestätigte durch Schreibe», daß sie den H. für versicherungspflichtig hielt. Das Schiedsgericht erhob umfaugreichrn Beweis durch Vernehmung einer Reihe Zeugen, die den Vorgang im Nottekanal beobachtet hatten. Aus dieser Beweisaufnahme ging hervor, daß H. ganz verstört nach Zossen gekommen sei und daß er am Abend des 2. April im Nottekanal stehend gesehen wurde, wobei er er- klärt habe, daß er bis Sonnenuntergang dort stehen bleiben müsse, um gesund zu werden.— Auf Grund der vom Schiedsgericht er- hobencn Beweisaufnahme erkannte die Genossenschaft, ohne es zu einem Spruch kommen zu lassen, die Versicherungspslicht des H., als auch den Zusammenhang des Todes mit dem Unfall an. 2. Der Heizer Robert N. erlitt am 24. Juni 1910 im Betriebs der Firma Borsig in Tegel durch Rauchvergiftung einen Unfall. Am genannten Tage wurden im Betriebe neue Oefen ausprobiert. das Feuer wurde durch Wasser gelöscht. N. mußte mit noch cincin Kollegen in die Feuerung steige». Hierbei zog sich R. die Rauch- Vergiftung, in weilerer Folge Lungenentzündung zu, die dann seinen Tod herbeiführte. Die Nordöstliche Eisrn- und Stahl-Be« russgenosseuschaft, bei der die Witwe nunmehr Anspruch auf Zah- lung der Hinterbliebenenrente erhob, lehnte den Antrag ab, da ein Betriebsunfall und ein ursachlicher Zufammcnahug der tödlichen Erkrankung des R. mit dem Unfall nicht erwiesen sei. Tie Witwe legte gegen diesen Bescheid Berufung beim Schicds- gericht für Arbciterversicherung, Reg.-Bcz. Potsdam, ein, und machte geltend, daß ihr Mann bereits an demselben Tage, an dem er die oben erwähnte Arbeit hat leisten müssen, über Beschwerden geklagt habe,©in anderer Arbeiter, der mit R. die gleick>en Arbeiten ge- macht hatte, habe mehrfach Erbrechen gehabt und klagte gleich über Mattigkeit im Körper. Bei diesem Arbeiter sind erhebliche Folgen nicht zurückgeblieben� Erfahrungsgemäß steht fest, daß eine Rauch- Vergiftung sehr wohl geeignet ist, Lungenentzündung hcrvorzu� rufen. Nachträglich erkannte die Genossenschaft den Borgang als Be». triebsunfall an und billigte den Hiiitcrbliebeiicn die Rente zu. In beiden Fällen sind den Hinterbliebenen unnütze Scherereien gemacht und haben die Hinterbliebenen durch die Weigerung der Genossenschaft, den Unfall anzuerkennen, monatelang auf ihre Rente warten müssen._ M arktprrise von Berlin am 13. Oktober 1911, nach Ennlttclung de? Königlichen Polizeipräsidiums. M a r t l b a II e n p r e i s e.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen iiS.OO— 50,00. Speiscbobne» weitzc, 05,00- 50,00. Linsen 40,00-80,00. Kartosscln 7,00—14,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Kenie 1,00— 2,40, Niiidflcijch, Banchfleisch 1,80 bis 1,70. Zchweinesleisch 1,30—1,80. Kalbjleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,00. Alliier 2,40—3,10. CO Stück Eier 3,80—0,40. 1 Kilogramm Karpscn 1,20—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1.40—3,00. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,10-3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück krebse 2,50—30.00. 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Derselbe hat besonders die Kaffen- und Bureaugeschäste zu jähren und muff organisatorisch und agitatorisch besähigt sein. Bewerbungen find Mit einem selbstgeschriebenen Lebenslaus bis 25. Oktober zu richten an 296/17*_____ joliann«okeid, Vorsitzender. Leipltg-R.. Lutherstr. 6 VI._ Verantwortlicher Redakteur: Richard Vurth. �Lerlw. Für den Inseratenteil vcrantw.: Tb- Blocke. Berlin. Druck u. Verlag- Vorwärts Mchvruckere, u. Be clagSanslalt Paul Singer u. Co.. Berlin SVV. Mietsxesuche. Junger Mann sucht kleines mö- bliertes Zimmer Nähe Bahnhof Orairiensiraffe. Offerten,„Vor- wäris', Lausitzerplatz 14/16.+113 Parteigenosse such! leeres Zimmer, irahe Rirrgbahnhos Hennanrrstraffe, ab 1. November. Offerten T. 1, Hauptexvedition des.Vorwärts*. Herr sucht zum 1. November kleines möbliertes Zimmer. Nähe Kü striner Platz. Schlejischen Bahnhof. Offerten O. D. Spedition Groffe Franksurterstraffe 120._+28 Junger Herr sucht möbliertes Zimmer, ungeniert, Preis nicht über 20 Stark, Gegend Südwest. 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