Kr. 243. RbonnementS'ßedimiunsefl: VLonnementZ- Preis pränumerand. t LiertcljShrl. SgO Mt, monall. 1.10 Mk, Ivöchmllich 20 Pfg. frei WS Hau». Ewjelne Nununer S Pfg. EonnlagS- nummer mit illuftrierler Sonntags« Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. »idonnement: 1.10 Marl pro Monat. Ewgetrazen in die Post. ZeilungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz, Crtiteliit liglich außer fflontag». 28. Jahrg. Vit InltrtianZ'Ledlldt »«trägt für die iechSgelpalteue Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg.. für politiiche und gcwcrllchaftliche Bercius. imd BerfamliiiungS. Anzeigen 30 Pfg. ..Kleine Hnzngen". das scltgedruaie kSort 20 Pfg. ijuläffig 2 fettgedrustle Wortef, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellenacluche und Schlafltellenan- zeigen das erste Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über IS Buch- ftaden zähle» für zwei Worte. Jnferaie für die nächste Nummer müssen bis E> Uhr nachttiittags in der Expedition »bacgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Vevlinev Volksblakt. ZcntriAorgtm der fozialdemohratifcben parte» Deutschlands. telegramm-Adress«: .SozUldtmokrat Berll»". Redaktion s SCQ. 68, Linden Strasse 69 Fernsprecher: Amt IV, Nr. 198Z. Expedition: 8M. 68» Lindcnstrasoe 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Männer nnd Kranen des arbeitenden Ualkes! Erscheint in Massen heute in den Protestversammlungen gegen die Tenernng und die Untätigkeit der Negierung. Es gilt den Herrschenden den Willen des darbenden Volkes zn künden! Die Mung der Clnfuhrlcheine. IL Für die getreidebauenden Großgrundbesitzer und die Kornhändler im Osten ist das im vorigen Artikel geschilderte Einsuhrscheiiishstem von großem Nutzen; und es ist daher durchaus begreiflich, wenn sie von einer Aufhebung oder Be- schränkung dieses Systems nichts wissen wollen. Durch die Einsuhrscheine hat sich nicht nur der Getreideausfuhrhandel ganz enorm gehoben, es sorgt dieses System auch dafür, daß sich der inländische Getreidepreis auf den Korn- Märkten der Ostprovinzen stets auf einer gewissen Höbe über dem Niveau des Weltmarktpreises hält, und zwar um so viel, als der volle Vertragszoll(für Weizen 55 M-, für Roggen und Hafer 50 M. pro Tonne) abzüglich der Transportkosten nach den zollfreien Ostsee- und Nordseehäfen beträgt. Denn sinkt der Getreidepreis auf den östlichen Getreidemärkten unter diesen Preisstand herab, so wird sosort die Ausfuhr ein profttables Geschäft, und bald nehmen durch den Erport auf den betreffenden inländischen Märkten die Getreideangebote dermaßen ab. daß der Preis steigt und sich wieder auf seinen sogenannten„Normal- stand" stellt. Das Einfuhrscheinsystem stellt also nicht, wie verschiedentlilt, behauptet worden ist, eine gewisse Stabilität der Preise her. Im Gegenteil, es sind durch dieses System die Inlandspreise noch viel ab- hängiger vom Weltmarktpreis geworden als früher; wohl ober bewirkt die durch die Einfuhrscheine gegebene stete Aus- fuhrniöglichkeit, daß die Preise der Jnlandmärkte sich auf einer Höhe halten, die um einen gewissen Betrag höher ist, als der Preis aus den leicht erreichbaren zollfreien Getreidemärkten des Auslandes. Wie sehr auch unter dem Einfuhrscheinsystein die Getreidepreise schwanken, lehrt die Tatsache, daß z. B. in Danzia der Weizenpreis sich pro Tonne im Jahre 1905 auf 165,52 M.. 1906 aus 168,6 M.. 1907 auf 202,2 M.. 1908 ans 208,3 M.. 1909 auf 228,8 M.. 1910 auf 206,9 M. stellte. Der Preisunterschied zwischen 1905 und 1909 beträgt also nicht weniger als 63 M. Wie sich diese Preisregulation vollzieht, mag folgendes Beispiel veranschaulichen: Nehmen wir an. Weizen gleicher Oualität koste in Königs- berg 205, in Kopenhagen 160 Mark pro Tonne; dann lohnt es sich für den Königsberger Getreidegroßhändler nicht, von Königsberg Weizen nach Kopenhagen zu schicken; denn beträgt auch die Zollvergütung 55 Mark pro Tonne, so vermag er doch seine Eiufuhrscheiue zurzeit vielleicht nur mit 3 Prozent Abschlag(Disagio) an der Börse zu verkaufen, er erhält pro Tonne Weizen nicht 55 Mark, sondern nur 53,35 Mark Zoll- Vergütung; außerdem aber muß er vielleicht noch 8 M. pro Tonne für Transportkosten und sonstige Spesen rechnen. Er würde also beim Handel nichts verdienen. Anders stellt sich die Sache, wenn infolge starken An- gebots der Preis in Königsberg auf 195 M. pro Tonne sinkt. Sofort wird das Geschäft lohnend. Nehmen wir an. der Königsberger Exporteur hätte 500 Tonnen zu verkaufen. In Königsberg würde er erhalten: 500 Tonnen X 195 M. 97 500. Schickt er dagegen seinen Weizen nach Kopenhagen, ergibt sich für ihn folgende Rechnung: 550 Mark erhält, denn im ersteren Falle stellen sich seine Einkünfte um 20000 Mark höher. Aber hat auch die Arbeiterklasse, der Mittel st and, der kleine. Roggen kaufende Viehzüchter irgend ein Interesse an dieser Erhaltung hoher Weizen-, Roggen-, Hafer- und Ger st e- preise? Was der Getreide verkaufende Großgrundbesitzer »iid der Kom-Großhändler infolge des Ei»f»hrschein- systems mehr„verdienen", müssen diese Bevölkerungs- schichten aus ihrer Tasche bezahlen. Früher, als noch nicht das heutige Einfuhrscheinsystem bestand, da drückte in reichen Erntejabren die Fülle des Angebotes auf die Getrcidcpreise im Osten, so daß die Konsumenten in solchen Zeiten nur einen Teil des Zolls trugen; jetzt müssen auch im Osten die Konsumenten im Getreidepreis den ganzen oder doch fast den ganzen Zoll zahlen. Für die„notleidenden" Landwirte, die mehrere Hmidert Hektar mit Getreide be- bauen, eine recht vorteilhaste Einrichtung, denn durchschnittlich bringt ein Hektar im Osten einen Ertrag von 32 bis 36 Zeutucr Roggen oder 35 bis 50 Zentner Weizen— für die unteren, schiver um ihren Lebensunterhalt kämpfenden Volks- schichten aber eine weitere Erhöhung ihrer Ausgaben, die in der heutigen Teuerungszeit um so schiverer auf ihren Schultern lastet. als auch die Fleisch-, Gemüse-, Kartoffel- und Kaffeepreise be- trächtlich gestiegen sind. Doch werden die ärmeren Volksschichten nicht nur inso- fern durch das Einfiihrsystcm geschädigt, als es die Getreide- und damit auch die Brotpreise erhöht, sondern als es auch die Zolleiiikünste der Reichskasse verringert und die auf diese Weise entstehenden Fehlbeträge der Relchseinilahmen natürlich durch andere Steuern und Abgaben ersetzt lverden muffen. Wie schon er- wähnt, könne» dieEinfnhrscheine nichtmir zur Bezahlung desZolls für eingeführtes Getreide verivendct werden, sondern auch zur Bezahlung des Zolls für Kaffee und Petroleum. Ter Gctreideexporteur, der keine Verwendung für die erhaltenen Einfuhrscheine hat, verkauft sie daher an der Börse an einen Kaffee- oder Petroleumimporteur, natürlich nicht zum vollen Zvllbetrag, sondern meist mit 1'/, bis 3 Proz. Abschlag(je nach dem Verhältnis von An- gebot und Nachfrage), und dieser Importeur gibt sie dann bei der Entrichtung seiner Zollgefälle mit in Zahlung. Da- durch wird bewirkt, daß in Jahren starken Getreideexports ein recht beträchtlicher Teil der Zolleinkünfte nicht in bar an die Zollkassen entrichtet, sondern durch Einsuhrscheine gedeckt wird. Wie beträchtlich diese Summen sind, beweist folgend� Aufstellung: Es betrug der Bruttoertrag der deutschen Zölle(Ein-, Ausfuhr- und Durchgangszölle) im Jahre Davon wurden gedeckt durch Einsuhrscveine 1900--- 051,1 Millionen Mark 69.0 Millionen Marl 1907---- 739.2.. 55.4 1908-- 092,3„„ 102.3 1909-- 804.9„„ 100.4 1910 839.2.. 123.5 Wir sehen, es ist im Jahre 1909 ungefähr ein Achtel und im Jahre 1910 sogar mehr als ein Siebentel der gesamten Zolleinnahmen des Reiches durch Einfuhrscheine bezahlt worden. Nun behaupten zwar die Interessenten hoher Getreide- preise, und die konservative wie klerikale Presse schwätzt es gedankenlos nach, daß der Reichskasse kein Schaden durch die Einfuhrscheine entstände, denn wenn diese Scheine nicht existierten, würden nicht solche Mengen von Getreide, Kaffee, Petroleum in das Zollgebiet eingeführt werden. Eine ganz alberne Behauptung! Die Einfuhr von Kaffee und Petroleum richtet sich erstens nach dem Bedarf, zweitens nach dem Preis- stand. Auf beide sind die Einfuhrscheine ohne jeden Einfluß. Selbst dör Kaffee- oder Petroleumzollaufschlag wird dadurch nur in so bescheidenem Maße berührt, daß die kleine Ermäßigung ohne irgendwelche Rückwirkung aus die inländischen Kaffee- und Petroleumpreise bleibt. Wenn auch der Kaffec-Jmporteur die Einfuhrscheine mit einem geringen Abschlag an der Börse kauft, also für Einfuhrscheine im Zollbetrage von 1000 M. nur vielleicht 970 oder 930 M. gibt, so ist döch diese kleine Zoll- ersparnis viel zu gering, um irgend einen Einfluß auf den in- ländischen Preisstand oder gar den Bedarf auszuüben. Sie verschivindet einfach als Extraprofit in die Taschen des Kaffee- Importeurs. Wird die Bestimmung aufgehoben, daß die Einfuhrscheine auch zur Begleichung von Kaffee- und Pctroleum-Zollrechnungen verwendet werden dürfen, so wird darum durchaus nicht weniger Kaffee oder Petroleum in Deutschland eingeführt werden— der Unterschied wird nur sein, daß dann die Zoll- lassen die Zollbeträge in Geld erhalten. Aber werden nicht dann die Gctreideexporteure die Ein- fuhrscheine in um so stärkerem Maße zur Bezahlung des Zolls für eingeführtes Getreide benutzen? Sicherlich»vürdeu sie das zunächst versuchen; ob sie es aber auf die Dauer können würden, ist eine andere Frage. Die Ausfuhr von Roggen übersteigt. wie wir sehen, bereits die Ein- fuhr, und die Ausfuhr von Hafer hat nahezu die Höhe der Einfuhr erreicht, die Venvcrtungs- bezw. Verwendungs- Möglichkeit der Einfuhrscheine ist also schon heute eine zienilich begrenzte. Würde nun aber die Verwendungsmöglichkeit da- durch noch mehr eingeschränkt werden, daß nicht mehr, wie bisher, ein großer Teil der Einfuhrscheine im Kaffee- und Petroleumhandel untergebracht werden kann, wird also die Nachfrage nach solchen Scheinen und zugleich die Gelegenheit, sie jederzeit absetzen zu können, wesentlich eingeschränkt, so ist die natürliche Folge, daß die Einfuhrscheine ihren Wert teilweise verlieren. Dann sind aber auch eine ganze Reihe Getreide- exportgeschäste. die heute noch rentabel sind, nicht mehr rentabel. Sie werden aufhören, das heißt die Ausfuhr wird abnehmen. und die östlichen Getreideproduzenten werden suchen müssen, auf den Märkten Westdeutschlands ihr Ge- treibe abzusetzen. Ucbrigens— das wollen wir hier gleich hinzufiiaen— genügt es keineswegs, daß die Verwendung der Einfuhrscheine zur Begleichung von Kaffee- und Petrolenmzollaefällen auf- gehoben wird; im Interesse der ärmeren Volksschichten muß viel- mehr verlangt werden, daß auch stets für die Ausfuhr einer bestimmten Getreidegattung die gleiche Getreidegattung wieder eingeführtwerdcn mutz, daß also Einfuhrscheme. die für exportierten Hafer ausgestellt sind, auch nur für die Einfuhr von Hafer gelten, ebenso auch Einfuhrscheine für exportierten Roggen nur für die Einfuhr von Roggen. Auf diese Weise »vird zwar ermöglicht, daß je nach den verschiedenen örtlichen Bedürfnissen für ausgeführten ostelbischen Weizen nordanicri- kamscher, argentinischer oder englischer Weizen eingeführt werden kann usw.. daß aber stets für ein bestimmtes Quantum Getreide, das zur.losfuhr gelangt, an derselben oder an anderer Grenzstellc dK gleiche Quantum Getreide derselben Gattung eingeführt wird, das Gcsamtqnantum des im deutschen Zollgebiet vorhandenen Getreides der einzelnen Gattungen also dasselbe bleibt. 0 0 Eine solche Bestimmung würde zwar auch zur Folge haben. daß im Osten der Gctreidepreis etwas höher stehen bleibt, als wenn wieder der alte Identitätsnachweis hergestellt würde. sie würde aber andererseits die Versorgung der nicht genügend Getreide für den eigenen Bedarf produzierenden westlichen Gegenden mit billigerem Getreide wesentlich erleichtern und die beträchtliche Spannung, die zwischen den Getrcideprcisen im Osten und Westen besteht, etwas ermäßigen, wenn auch Von einem Ausgleich natürlich nicht die Rede sein kann. In seiner heutigen Forin ist das Einfuhrfcheinsystem jedenfalls ein Mittel zu künstlicher Hochhaltung der Getreide- preise, d. h. zur Bereicherung der großen ostelbischcn Getreide- Produzenten auf Kosten der breiten BolkSmasse, und deshalb m u ß es hinweggeräumt werden— je schneller, desto besser. Ser Zufammentritt des Reichstags. Am Dienstag tritt der Reichstag wieder zusammen. Ein reiches Maß von Arbeit wäre ihm befchiedeu, wenn die vorgesehenen Gesetz- gebungsmaterien tatsächlich durchberaten werden sollten. Ob dies der Fall sein wird? Eine offizielle Antwort ist uns aus unsere An- frage, ob daS Gerächt von der baldigen Auflösung des Reichstags zutreffe, nicht zuteil geworden. Dagegen läßt sich die„Franlfurter Zeitung" auS Verlin melden, daß die Regierung bestimmt damit rechne, daß der Reichstag die Arbeiten erledige, um derentwillen eine Hcrbstsession überhaupt einberufen worden sei. Dazu gehörten da? Schiffahrtsabgabengesetz und die Privat- b e am te» v e rsi ch e run g. Danach denkt die Regierung also angeblich nicht daran, daß auch noch die anderen Gegenstände, wie die Strafprozeßresorm und das Gerichtsverfaß'ungSgesctz, das Leim- arbeitergefetz usw. zur Verabschiedung gelangen sollen. Auch die Ma r o kk o- I nt er p e lla ti o n soll, wie eine halboffiziöse Korrespondenz meldet,„mit Rücksicht ans die noch schwebenden Aer- Handlungen" vertagt werden. Die Aeffung des Volkes soll durch diese Vertagung der AuS- spräche über die Marolko-Asfäre also ungeniert fortgesetzt werden! Roch immer soll die Oeffentlichkeit nicht erfahren, was denn eigcnt- lich die Regierung an„Kompensationen" von Frankreich fordert. Die Nation soll so lange im Dunkeln tappen, bis die Negierung sie vor die vollendete Tatsache stellen kann! DaS Kolk soll bei dem ganzen Handel nach wie vor ausgeschaltet bleiben und in Ehrfurcht entgegennehmen, waS Herr v. Kiderlen-Waechter in seiner unerforschlichen Weisheit ihm zu präsentieren für gut hält I Eine ungeheuerliche Zumutung, die aber unsere bürgerlichen Parteien, wie wir sie kennen, sich ruhig bieten lasicn dürften. Haben diese Parteien, einschließlich des Freisinns, sichS doch gefallen lassen, daß man durch den Panthersprnng nach Agadir mit der gepanzerten Faust umhcrfuchtelte, daß um Marokkos, ja nicht einmal um Marokkos, sondern sogar um elender Kompensationen im Kongo- gebiet willen eine Kriegshetze inszeniert werden konnte, die in der Geschichte der neueren Zeit nicht ihres Gleichen findet und die auf G:staltung der ganzen internationalen Verhältnisse, auf die europäische Rüstungöpolitik die verhängnisvollsten Wirkungen ausüben muß! Allein die Sozialdemokratie wird wegen der unglaublichen marokkanischen Improvisation, der Politik der gepanzerten Faust und der offiziell nicht nur ohne Widerspruch geduldeten, sondern sogar begünsügten infamen Kriegshetze unverzügliche Abrechnung fordern. Die Sozialdemokratie wird auch die sofortige Beantwortung der Notstandsinterpellation verlangen, eine unum- wundene Erklärung, ob Regierung und herrschende Parteien die skandalöse Bolköaushungcrung noch länger tatenlos mitmachen wollen! Wollen Regierung und Mehrheit die Hnngerzölle auf Lebensmittel aufrechterhalten, wollen sie die Getreide- und Vieh- zölle nicht beseitigen, wollen sie den unglaublichen Unfitg der Ein- fnhrscheine noch länger bestehen lassen— nun wohl, so mögen sie das dem Lande gegenüber verantworten! Die vor der Tür stehenden Reichstagsneuwahlen werden auf solch brutale RücksichtS- losigkeit der Herrschenden dann die gebührende Antwort geben I Ob die Regierung auch auf die L e x W a g n e r. den P r e tz- galgen, die ungeheuerliche Erhöhung der Strafen für Beleidi- gungcn durch die Presse, verzichten wird? Die Sozialdemokratie wird auf dem Posten sein, um jedem etwaigen Ueberrumpelungs- versuch zu begegnen, wie ihr überhaupt die Aufgabe zufällt, durch ihre Wachsamkeit und Energie zu verhüten, daß der blauschwarze Block nicht noch in letzter Stunde seinen politischen Schandtaten neue hinzufügt._ Der Krieg. DaS BesatzniigSkorpS. Rom, 16. Oktober. Die«Agcnzia Stefani" meldet aus Tripolis vom gestrigen Tage: Der letzte Teil der ersten Staffel der TripoliS-Erpedition, bestehend aus vier- zehn Schiffen, ist heute mittag hier vor Anker gegangen und hat sogleich mit der Ausschiffnng begonnen. Die Ausschiffung der Mannschaften aus den vorher eingetroffenen Schiffen ist beendet. Die Lage ist unverändert. Die Haltung der türkischen Negierung. Saloniki, 1a. Oktober. Das hiesige j u n g t ü r k i s ch e Komitee tvnrde von Konstantinopel dahin verständigt, daß die Regierung entschieden ihre Zustimmung zur A n- ,v e n d n n g von Gewaltmitteln gegen die Italiener verweigere. Mithin sei auch die Ausweisung nicht durchzuführen. Man solle danach trachten. die lUohannnedanischen Elemente nicht weiter aufzuregen. sondern kaltes Blut bewahren und Geduld zeigen. Dagegen wird anempfohlen, alle Geschäftsverbindungen mit Italienern abzubrechen sowie italienische An- gestellte und A r b e i t e r z u entlassen. Ter Kriegs- minister befahl, während der Dauer des Krieges mit Italien den Reservisten nicht mehr zn erlauben, sich vom Militärdienst loszukaufen. In Saloniki waren bereits 12000 Pfund Be- stciungsgeldcr von wohlhabenden Reservisten bezahlt worden. Der antiitalieuische Boykott. Rom, IS. Oktober.„Corticre d'Jtalici" veröffentlicht ein Tele- gramm ans Smyrna des Inhalt?, baß die zehntausend Personen umfaffende italienische Kolonie immer beunruhigendere Nachrichten erhalte. ZeihundertJtaliener. zum größten Teil Arbeiter, wurden von der Eisenbahngesellschaft, bei der sie arbeiteten, entlassen, wodurch der Verkehr in Unordnung ge- raten ist. Alle italienischen Arbeiter im Hafen werden boykottiert, und Segelboote neapolitanischer Fischer wurden beschlagnahmt. Zahl- reiche Familien sind in Not geraten. Die Kolonie sowie die italienischen Vereine sind bemüht, ihren Brüdern zu helfen und der dringendsten Rot zn steuern. Man fürchteBinfolge des Fanatismus der Bevölkerung für die vielen italienischen Arbeiter im Innern «natoliens. Die Türken beschlagnahmten auf dem Zollamt auch für Italiener bestimmte Waren. Rom, 16. Oktober. Der offiziöse„Popolo Romano" erklärt in einer Besprechung der türkischen Thronrede: Die Souveränität des Sultans schließt gefährliche Keime in sich, dck" sie der Pforte jeden Augenblick V o r w ä n d e liefern würde, Beschiverdcn, Streitigkeiten und Schwierigkeiten zu ver- anlassen, dergestalt, daß die tripolitanische Frage niemals erledigt sein würde. Sonach ist es ein kleineres U c b e l, den jetzigen Krieg zu verlängern, obgleich dies nicht unser Wunsch ist, als die Gefahr, ihn wieder aufnehmen zu müssen. Was die religiöse Autorität des Sultans anbetrifft, so sollte eine Verständigung nicht un- möglich sein, insoweit unsere Interessen nicht beschränkt und geschädigt werden. Es gibt keinen Grund, das Prestige des Sultans und der Türkei nicht aufrecht zu erhalten. Scharmützel bei Tripolis. Tripolis, 16. Oktober.(Meldung der Agenzia Stefani.) In der vergangenen Nacht eröffneten Türken in unbekannter Anzahl ans großer Entfernung ein Feuer in der Richtung auf die Brunnen von Vumeliana und nach Westen, in der Hauptsache mit G e- schützen. Das Feuer blieb ohne jede Wirkung. Von den Italienern wurde ei» Mann leicht verletzt. Gegen Mitternacht zogen sich die Türken zurück. Anmarsch arabischer HilfStrnpPen. Konftantinopel, 16. Oktober. Der„ S a b a h" zufolge find der Muteffaris von F e z z a n sowie Hauptmann Dschami mit d r e i ß i g t a u s e n d M a n n in Djebel el Gharb ein- getroffen, wo sie die Ankunft des Kommandanten abwarten, worauf sie gegen Tripolis marschieren werden. Der Schelk der Snuffi hat in Kufra den heiligen Krieg gegen die Italiener proklamiert. Einige Stämme, welche aus Aegypten vorrücken, sollen in der Nähe von Beug ha si eingetroffen sein. Angebliche italienische Berlnste. Koiistantinopel, 15. Oktober. Nach hier vorliegenden Meldungen haben die Italiener bei dem gestrigen nächtlichen Angriff der Türken auf italienische Vorposten große Berlnste gehabt. Die Türken zogen sich mit einem Verlust von fünf Toten und einigen Verwundeten unter heftigem Flankenfeuer zurück. Di« Italiener behaupten dagegen nur vier Verwundete gehabt zu haben. Uebergabe türkischer Offiziere? Rom, 16. Oktober.„Giornale d'Jtalia" meldet aus Tri- polis: Gestern haben sich dem italienischen Generalkommando 150 türkische Offiziere ergeben und ihre Waffen ab- geliefert. Dies hat einen tiefen Eindruck gemacht. Araber des Dschebel Ghnrian haben gegen zerstreute türkische Trupps, die sich ihres Viehes und ihrer Gerste be- mächtigen wollten, die Waffen ergriffen. In dem sich ent- spinnenden Kampfe hatten die Türken und Araber mehrere Tote und Verwundete. Die Türken ergriffen unter Znrncklassimg von zehn Toten die Flucht. Italienische FriedenSbedingungen. Rom, 15. Oktober. Wie„Giornale d'Jtalia" zu wissen glaubt, hat die italienische Regierung ihre Ver- bündeten und Freunde benachrichtigt, daß sie die u n- erschütterliche Absicht habe. zur b e d i n g n n g s- losen Annexion von Tripolis. Cyrenaica und den damit zusammenhängenden Gebieten zu schreiten. Der Türkei könne keine Art von Souveränität über diese Gebiete ge- lassen werden, nachdem man zum Krieg habe schreiten müssen. Das würde die öffentliche Meinung Italiens nicht dulden, vor allem nicht nach den Repressalien, zu denen die Türkei ge- griffen habe, nach der Aufhebung der italienischen Kapitu- lationcn, der Drohung mit der Ausweisung der Italiener, der Beschlagnahme italienischer Handelsschiffe gegen die Regeln des Völkerrechts, der Boykottierung italienischer Waren, der fanastschen Agitation der Türken gegen die italienischen Kolonien im Orient usw., Repressalien, die sogar ein noch entschiedeneres Vorgehen Italiens not- >v endig machen könnten. Der italienische Parteitag gegen den Raubzug. Modena, 16. Oktober.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Der heute hier eröffnete Parteitag begann seine Arbeiten mit der Zustimmung zu einer vom Parteivorstande ein- gebrachten Tagesordnung, in der gegen den t r i p o l i- tonischen Raubzug Protest erhoben wird. Die Resolution wurde per Akklamation angenommen. Den türkischen Soziali st en wurde der Gruß des italienischen Proletariats entboten. gas ftgebnls der IlMandsdebattei» Im bäuerlichen Landtage. Große, volksbewegende und volkserregende Fragen politischer und wirtschafilicher Art mvfien mit Feuer und Leidenschaft diskutiert tverben. Energisch und wuchtig muß der parlamentarische Vorstoß sein und— kurz. Voll packender Leidenschaft war die Notstands- disknssion der bayerischen Kammer nur in den zwei eisten Tagen. In den folgenden vier verlief sie leider immer mehr im Sumpfe persönlicher Rauferei und breiter Erörterung lokaler Kleinigkeiten. Und das Ergebnis? Zunächst die zuletzt allgemeine Anerkennung. daß eine Teuerung und ein Rot st and besteht. An- gesichtS der wachscnden Vollsnot und steigenden Empörung der VolkSmasscn hatten auch tie fanalischsten Agrnrdemagogen nicht mehr den Mut, von einem„ R o t st a n d S r u m m e l" zu sprechen. Schon über die Ursachen des Notstandes und der Teuerung war man jedoch nicht einig, und in den Mittelst zur Abhilfe gingen die Meinungen völlig auseinander. Anerkannt von allen Seiten als Ursachen der Teuernng wurden die beiden folgenden Tatsachen: 1. Ein durch die abnor nie Witterung bedingter schlechter ErnteauSfall einzelner wichtigen Rah- run gS mittel für Menschen und Futtermittel für das Vieh. 2. Eine künstliche Verteuerung der LebenS- und Futtern, ittel durch den Zwischenhandel. Die Vertreter deS AgrariertumS wehrten sich mit Händen und Füße» gegen den Borwurf, daß die Bauer u an der Verteuerung der Lebensmittel schuld wären, und eine objekiive Beurteilung muß zu dem Resultate kommen, daß wenigstens ein recht großer Teil der Schuld auf den Zwischenhandel, Groß- und Kleinhandel trifft. Die Tatsache wenigstens, daß die SpannnngSdifierenzen zwischen Vieh- und Fleischpreisen heute wesentlich höher sind als früher, beweist, daß die Metzgermeister die NolstandSzeit als Ernte- zeit betrachten. Daneben fanden nun aber die Redner der Agrar- Parteien des Zentrums und deS BanenibundeS und zum Teil auch der Rationalliberolen noch andere recht merkwürdige Erklärmigen des Notstandes. So soll durch die. gewaltige" Steigerung der Löhne eine beträchtliche Bernichnmg deS Wohlstandes und damit des Konsuins der Arbeiterschaft herbeigeführt worden sein. Da» ist wahrhaftig der blutigste Hohn! Also der Arbeiter lebt zu gut— daher zum Teile die Teuerung I Zwar wiesen unsere Redner auS der Schlachthofstatistik der großen Industriestädte unansechtbar nach, daß trotz lvachsender Bevölkerung Quantität und Qualität der Schlachttiere zurückgegangen sind. Was Half'S? Die Agrarier be- haupteten daS Gegenteil— und„bewiesen" eS ebenfalls auS der Statistik. Ueberhaupt die Statistik in dieser Notstandsdiskussion! Auch die Lasten der Sozialgesetzgebung mußten als Ursache für die Teuerung herhalten. Sie sollen im Vereine mit den hohen Löhnen für die Dienstboten die Produktion und damit die Marktpreise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wesentlich verteuert haben. Schließlich machte ein ZentrnmSredner noch die schöne Eni-- deckung, daß es im letzten Grunde Ivieder die S o z i a l d e m o- k r a t e n sind, die durch ihr Geschrei und ihre Hetzreden die Teuerung ivesentlich gefördert hätten. Der heftigste Kampf der Meinungen aber entstand erst bei der Hauptfrage, der Erörterung der Abwehr maßregeln. Ziemlich einig war man noch in dem Vorschlag einer besseren Organisation des Marktes, namentlich für Fleisch, Gemüse und Kartoffeln. Es ist ein Wunder fast, wie schnell die ganze bürger- liche Gesellschaft, vom Minister bis in die Reihen deS Agrarierlnins und Großhandels sich in die sozialistischen Gedankengänge von der Organisation der Produzenten und Konsumenten hineinlebte. In dem Bestreben, von den Bauern den Vorwurf des Lebensmittel- Wuchers abzuwehren, haben die Handwerks- und MittelstandSretter des BanernbundeS und Zentrums unbedenklich den Händler und Metzger geopfert. Sie verlangen, daß die Gemeinden ganz rück- sichtSloS eigene Schlächtereien errichten und Gemüse, Kartoffeln und Fleisch im großen beziehen und zum Selbstkostenpreise abgeben- Man war auch einig in einer Reihe kleiner, mehr lokal-bayerischer Mittel, wie Kultivierung der Moore und Oedländer, der Verhinderung der Fideikom Mißbildung und des Bauernlegens, in der Gewährung von Tarif- ermäßigu nge n und G e l d» n t e r st n tz u n g e n zum Ankauf von Futtermitteln. Dagegen schieden sich die Geister in zwei große, feindlich einander gegenüberstehenden Lager bei der Erörte- rung de» von den Sozialdemokraten gemachten Vorschlages der iv e n i g st e n s z e i t w e i f e n Aufhebung der Zölle auf Lebens- und Futtermittel. Sozialdemokraten und Freisinnige traten für die Ocffnung der Grenzen und Besei- tigung der Einfuhrscheine ein, Zentrum, Bauernbnnd und die Na- tionalliberalen waren entschieden dagegen. Aber— und das ist ein sehr bemerkenswertes Ergebnis der Diskussion � die Aktie» des bayerischen Zentrum»«st keine einheit- liche und geschlossene mehr. Dr. Heim und sein Anhang nehmen eine Ansiiahmestellmig ein. Sie haben nichts gegen die Hcreinlassung des A u s l a n d s s l e i s ch e S als vorübergehende Notstondsmaßregel. Die Haltung des Zentrums gerade in dieser Frage ist charakteristisch siir die agrarische Verbohrtheit. Es leugnet die Fleischteuenmg nicht, eine Seuchengefahr ist nicht vorhanden, die Bauer» haben nach seiner Behauptung kein« Vorteile von den hohen Fleischpreisen, das eingeführte Fleisch würde nicht einmal gegessen und trotzdem— eS darf nicht herein. Dr. Heim verlangt aber auch Aufhebung deS Zolles auf Mais und Fnttergerste. Er will die ProdukiionSkosten und damit den Fleischpreis verbilligen. Bündler und daS Gro? des Zentrums waren gegen Dr. Heim. Eine unglaubliche Stellungnahme! Die Bauern klagen über Fulternot, müssen nach ihrer Behauptung ihr Vieh zum Teil verschleudern, können aber billiges Futter haben durch Beseitigung der Zölle und trotzdem— es darf nichts herein. Geradezu eine ungeheuerliche agrarische Politik und Logik! Die Furcht bor der Wahl und die Liebe zum preußischen Junker raubt dem Zentrum jede Besinnung I Die eigentliche Entscheidung über die Anwendung von Notstands- maßregeln im großen Stil fällt nicht in Bayern, sondern im Reiche. Der Reichstag hat also jetzt das Wort! politifcbc deberlicdt. Berlin, den 16. Oktober 191l. Agrarische Scharfmacherei. Das Junkcrorgan macht in seiner Wut über den Protest deS Berliner Proletariats gegen die verbrecherische junkerliche VolkSausivuchcrung den freilich ohnmächtigen Versuch. die Behörden zn einer gesetzwidrigen Handlung, nämlich zum Verbot der 78'Versammlungen gegen den Lebens mittelwuch er aufzureizen. Das Organ der grünen Internationale keift: Sozialdemokratische Massenverhetzimg. Berlin, 16. Oktober. Morgen wird hier eine Reihe sozialdemokratischer Massenversammlungen zur Frage der Lebens- m i t t e l t e u e r u n g stallfinden, denen demnächst gleiche Bee- anstaltungen in anderen größeren Städten folge« sogen Das Flugblatt, welches Genosten und Genossinnen zu dieien Versammlungen_ einlädt, ist ein derartig ff> e- d r i g e s und hetzerisches Machwerk, daß unsere' Erachtens die Behörden es unmöglich, unbeachlet lassen können. Sie werden sich im Hinblicke auf die geplanten H.g- Versammlungen der Vorgänge in Wien erinnern und alles Inn müssen, um äfmliche AnSichreitungen für Berlin unmöglich ,,, machen. Selbst ein V e r b o t der Versammlungen würde durch den Ton dieses Flugblailes ohne weitere» gerechtferiigt sein Darüber hinan» aber wird die Regierung ernstlich zu erwänen haben, ob sie nickt ihrerseits einer so lkrupellose» Vcrbivüiia der Masten durch Aufklärung über die tatsächiiizx,, sainmenhäng» der Teuerung entgegenwirken soll. Sie kann disse Anfkläruiig auf die Dauer nicht, wie sie es b>sber in der Hauptsache gelanhat, den Parteien überlassen, weil es sichbier um eine politische Bmnnenvergiftung von ganz unübcii Lt. ne t Folgen handelt. v Sehr hübsch ist auch der dringliche Appell an die Rc- gicriliig, der sozialdeinvkratischen Masseiiaufklänuig über die agrarische Volksanspliinderiiiig e i n c amtliche Beschönigung entgegenzusetzen. Die Regierung soll also hier den volksaussaugeliden Jnnkem zuliebe die gleichen Handlanger- dienste leisten, die sie bei der blau-schivarzen Reichsfinanz. reform geleistet hat und durch allerlei Etatskünsteleien noch leisten lvild. Aus eigenem etwas triftiges gegen die sozial- demokratische Darstellung vorzubringen, trauen sich die junker- lichen Liebesgabeneiitpfänaer und Zollstipendiaten ivohl nicht zu— deshalb soll das c l d d c r S t c u�e r z a h l c r für eine staatliche Hilfsaktion für den Cchuapsblock ver- pulvert werden l Unverfrorenere Gesellen alS unsere preußischen Junker dürften auf dein weiten Erdenrund kaum aufzutreiben sein I Die Anhäufung der Ricscnvcrmögrn. Seit Jahren hat bereits der„Vorwärts" an der Hand der preußischen Sreuerstatistik nachgeiviesen. j» welch rapidem Maß: gerade die Riesenvermögen in Preußen anwachsen, während die kleinen Vermögen im Dnrckichnilt sogar eine Lermiiidernng auf» weisen. Die Sozialdemokratie hat deshalb anck von jeher ein« stärkere Heranziehung der Reicht« zu den direkten Stenern gefordert. Jetzt ist endlich auch ein freikonservativer Abgeordneter, der Land- tagSabgeordnete Landrat a. T>. v. D e w i tz aus die» Faktum aus- merksam geworden. Er gibt folgende Darstellung: tll% Es haben sich vennehrt in der Zeit von 1SOS bis 1911 i->,,« f«r„hh»« die Zensitei, das Verinögen in den Gruppen im jn um 9);Qrf 6 000 bis 100 000 555 001 52,8 11941780 000 46,8 100 000, 500 000 49 291 56,9 10 017 53S000 59,0 500 000, 1000 000 5 425 64,77 8 880 286 000 65,27 1000 000. 2 000000 2 487 72,52 3 553 898 000 72,43 2 000 000 und mehr 1 598 87,46 9 524 624 000 109,21 Die Zahl der Zensiten und das Durchschuitksvermögen pro Kopf beliefen sich .. m. 1895 1011 tu den 0!'. Uppen gensiten Vermögen Zensiten Vermögen 6 000 bis 100 000 1 052 149 24 252 1 608 050 28 205 100 000„ 500 000 86 552 106 279 135 843 198 802 500 000„ 1000000 8 375 711475 13800 713612 1000 000„ 2 000 000 3 429 1 430 700 5 916 1 430 200 2000 000 imb mebt 1827 4 762 312 8 425 5 321 400 Der Aufsatz fährt nun fort: Aus den vorstehenden Tabellen geht zweifellos hervor. dah in den oberen Vermögenssteuergruppen prozentual Zensiten und Bern, ögen rapide wachsen, und zwar um so stärker, je mehr man sich der äußersten Gruppe von zwei Millionen nähert. Ein Beispiel soll dies erläutern: 1598 Zensiten, deren Ber- mögen im Jahre 1395 die zwei Millionen nicht er- reichte, hatten im Jahre 1911 ein Dnrchschmttsvermögcn von 5 321 400 M. Sie habe» also pro Kopf in den letzten 16 Jahren mindestens 3 321400 M., das ist jährlich rund 207 587 M. a l s Ersparnisse angelegt, um damit in die Gemeinschaft ihrer 1827 gliicklichen Leidensgenossen zu gelangen, die schon seit 1395 ber Steuergruppe von zwei Millionen angehörten." Herr v. Dewitz kann schließlich auch nicht umhin, eine schärfere Steuerheranziehung für die Riesenvermögen zu fordern. Daß ein freikonservativer Abgeordneter so etwas tut, könnte ein gewisses Staunen hervorrufen. Aber die Sache ist die, daß in Preußen ja die Steuerreform vor der Tür steht und zum mindesten die Sozialdemokratie die schärfere Steuer- Heranziehung mit aller Entschiedenheit fordern und mit den Argumenten des Herrn v. Dewitz, die die sozialdemokratische Fraktion ja schon früher vorgebracht hat, unwiderleglich begründen würde. Da hält es der freikonservative Herr schon für besser, sich mit Würde ins Unvermeidliche zu fügen. Außerdem aber will Herr v. Dewitz ja keine geuerelle Er- höhung der Steuer auf die größeren Einkommen und Ber- mögen, sondern nur.eine richtig abgemessene Steuer vom Vermögens z u w a ch S Offenbar hofft er, daß diese Steuer möglichst minimal bemessen wird, eine Steuer zudem, von der man sich durch geschickte Manöver am leichtesten zu drücken vermag Die von Herrn v. Dewitz angesührten Zahlen verlieren deshalb aber nichts von ihrem Werte._ Noch mehr Flottenrüstungen. Daß von einer Masfenbegeistcrung für noch größere Flotten- rüstungen auch nicht im Entferntesten gesprochen werden kann, be- wies der Besuch der am Montagabend veranstalteten öffentlichen Versammlung des Flottenvereins. Nur langsam füllte sich der für diese in die schlimmste Teuerungsepoche fallende Versammlung viel zu große Saal der Brauerei Friedrichshain und erst eine halbe Stunde nach der angesetzten Zeit eröffnet« das Hurra auf den Kaiser, dem man es verdanke, daß Deutschland den A n f a n g einer Flotte besitze, die Versammlung. 1 Admiral a. D. Buch sei. dessen rüstigd Erscheinung seine Uederuahme auf den Pensionsfonds nicht zu reckstfertigen scheint, kqm schon bei den ersten Worten auf England, das Teutschland seine Stellung in der Welt nicht gönne. 19 Mar! im Jahr zahtt jeder Deutsche für Heer und Flotte, aber 61 Mark für alokoholische Öktränte. Aber was würde der Schatzsekretär sagen, wenn die alkoholischen Fundament« setner Wirtschaft zu zittern begännen! England habe 1889 durch die 430 Millionen des Ravy Defense Akt (Flottenvcrteidigungsgesetzl das internationale Wettrüsten ange- fangen, nur gegen Deutschlands Seerüstung protestiere eS, die gc- schehe, um den deutschen Handel gegen die neidische Konkurrenz zu schützen, friedliche Landgewinnung zu ermöglichen. Aber nicht etwa Rüstungsbeschränkung, sondern RüstungSverstär- k u n g ist die Parole. Aber bis wohin? Und warum fordern dies nur die Admirale? Welches Elend, welche Entbehrung bedeutet das Ziel des FloitenvereinS: eine so starke Schlachtflotte, daß ein Krieg auch für den s e e m ä ch t i g st e n Gegner die Gefahr ernstlicher Einbuße an Machtstellung enthalte. Zwei neue deutsche Schiffe pro Jähr bis 1917 nennt man viel zu wenig: wir müssen England und Frank reich gleich gewachsen sein und darum müßten 3 Schiffe pro Jahr gebaut werden— da» sind ,50 bis 180 Millionen Mark pro Jahr! Da dürfte der deutsche Michel, wie Herr Büchsel wünschte, hell und wach werden. Professor Adolf Wagner unterstrich noch den moralischen Tadel an England« Egoismu». An einen Redekampf, den Wagner vor 8—10 Jahren im Osten Berlins mit B e b e l hatte, vor dem er die größte Hochachtung heg«, erinnerte er. Der be- rühmte Gelehrte, er wage nicht, von feinen Studenten zu ver langen, daß sie solchen Zahlenr-iben folgen, wie damals die Arbeiter denen Bebels. Schtif nannte Wagner das damalige' Argument Bebel«: was man mit den kolossalen Mitteln, d'e heute die Rüstungen verschlingen, an Kulturzwccken erreichen könnte— aber Wider- legt hat er es nicht. Die Geschichte lehre, daß Völker nur gc dcihen. wenn sie Mach! anhäufen— aber ist es Kulturentwickclung. paß w'r nie aus den alten Gleisen herauskommen? Sparen predigt Jftolf Wagner. Er predige es den verschwenderisch Prassen- den und Prangenden. Das Volk kann cS nicht. Daß Adolf Wagner Cozialpolittker ist. bewies er. indem er die Deckung der Flottenrüstungcn durch starke Heranziehung der be- sitzenden Klassen vorschlug' Mäßiger Beifall der Versammelten zeigte, wie wenig identisch der sogenannte Patriotismus mit sozialem Mcrcchtiekcitssinn ist �entrumsintcrpestntionen. Wie bereits mitgeteilt, hat die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages Interpellationen eingebracht, die sich mit der Teue- rung. der Marokkosrage und der behördlichen Miß. Handlung d c« V e r e i n»- und Versammlungsrechts heschäfliacii. Auch das Zentrum wünscht nunmehr in einer Interpellation Auskunft, inwieweit eine außergewöhnliche Preis st eigerungderNahrungS-undFuttcr mittel eingetreten ist und welche Maßnahmen der Reichskanzler veranlassen will, um den bestehenden oder drohenden Uebelständen ohne Schädigung der einheimischen Produktion ent- aeaenzuwirken. 3n etner zweiten Interpellation wünsckt da» Zen- irum«"ökunft über den Schutz der deutschen Interessen in Marokko, über die durch das Borgehen Italiens geschaffene inienrntionale Lage und über den Stand der deutschen Interessen in China._ Volksparteiliche Phantasien. Die Volkspartei in Württemberg hat sich zur ReichsiagSwahl jnjt den Nationalliberalcn aufs engste verbündet. Die Reichstags- Wahlkreise haben dle beiden Parletell Nach dem bekannten Rezept der Verteilung des Bärenfells unter sich verteilt, wobei freilich die Volkspartei als die im Mandatshandel besser beschlagene den Bruder Nationalliberalen arg übers Ohr gehauen hat. Die Na- tionalliberalcn haben ob dieses Handels Spott und Hohn genug einheimsen müssen. Nun wird aber auch der Volkspartei schwül bei dem Bündnis. Die Lebens mittelteuerung hat das zuwege gebracht. Die schwäbischen Nationallibcralen sind nämlich mehr konservativ als liberal. In Zollfrage» stehen sie auf dem äußersten rechten Flügel der Partei. Die Erbitterung der Massen über die Teuerung richtet sich naturgemäß in erster Linie gegen die nationalliberale Partei, und damit auch gegen die Volkspartei. In einer Versammlung in Pfullingen führte letzter Tage Reichs- tagsabgeordneter v. Payer aus, in den gegenwärtigen Zeiten der Teuerung sei die Sozialdemokratie kein gering zu achtender Gcg- ner. Die Teuerung als eine Folge der verfehlten Rcichsfinanz- reform und der Zölle habe jedem, der nicht blind sein wolle, die Augen geöffnet. Wenn jetzt die Wähler sich nicht erheben gegen den schwarz-blauen Block und gegen die Führer der Nation seit 40 Jahren, im wesentlichen den preußischen Adel, dann habe das Bürgertum nur zu tragen, was es sich selbst aufgeladen. Zu diesen Ausführungen Payers bemerkt das Organ der Nationalliberalen, der„Schwöb. Merkur":„Daß die Na- tionalliberalen die Zollpolitik der Volkspartei nicht mitmachen. darf nicht vergessen werden." Damit sagt der„Schwab. Merkur" nichts Neues. Das weih auch die Volkspartei ganz genau. Wenn sie trotzdem im Bunde mit den Nationalliberalen gegen die Sozial- demokralie zu Felde zieht, kann sie sich nicht beklagen, wenn sie auch genau so behandelt wird, wie ihr Bundesbruder. Herr v. Payer ist trotzdem der frohen Hoffnung, daß es auch diesmal wieder gelingen könnte, die Sozialdemokratie vor de». Volkspartei- lichen Wahlkarren zu spannen dort, wo ihr die Nationalliberalcn nicht nützen können. Er hofft„auf den gesunden Menschenver- stand in der Arbeiterschaft, der sich mehr und niehr mit dem po° litisch Möglichen befreunde und einem Zusammengehen der ganzen Linken geneigt mache." Es ist wirklich ein starkes Stück, angesichts der Stellung der Nationalliberalen zu den Zollfragen und zur Teuerung und an- gesichls des Bündnisses der Volkspartei mit den nationalliberalen Zöllnern und Sündern der Sozialdemokratie zuzumuten, die dritte im Bunde zu sein. Der gesunde Menschenverstand in der Arbeiter- schaft wird der Volkspartei die Antwort auf dies dreiste An- sinnen nicht schuldig bleiben. Klerikale Wahlrechtsbeschränkung. Die Stadtverordnetenversammlung in Köln hatte sich am Freitag mit der Festsetzung der Stadtverordnete»wählen zu befassen. Sie sollen am 6., 7. und 8. November statlfiilden. Die Gemeinde Köln gehört räumlich zu den allergrößten Deutschlands. Sie umfaßt ein Areal von 11 733 Hektar und mißt 70 Kilometer im Umfang, sodaß ein Schnellzug eine volle Stunde gebrauchen würde, um die Gemeinde zu umkreisen. Alle in diesem Gebiet wohnenden Wähler müssen sich bei den Stadtverordneten- wählen in da? Zentrum der Altstadt begeben, weil der ganze Komplex nur einen einzigen Abstimmungsbezirk bildet. Viele Tausende von Wahlberechtigten verzichten unter diesen Umständen auf die Stimmabgabe, weil sie nicht solche Opfer an Zeit und Geld bringen können oder wollen, gunäcbst wurde von sozialdemokratischer und von liberaler Seite die Einführung von Bezirkswahlen gefordert. Aber die Zentrumsmehrheit lehnte den Autrag höhnisch ab, weil sie in den Jndustricvororten die Wahl von sozialdemokratüchen Kandidaten verhindern wollte. Dann wurde beauftragt, wenigstens Abstimmungsbezirke einzuführen, um den Bewohnern der zahlreichen Vor- und Außenorte die Reise in die Stadt zu ersparen. Auch diesen Antrag lehnte, wie schon einmal vor zwei Jahren, die ZeutrumSmehrheil ab. So müssen also auch nächstens wieder manche der 90000 Wahlberechtigten stundenweite Wege machen. Kein Wunder, daß bei der bisher höchsten Wahl« beteiligung sich nur 48 Prozent zur Abstimmung einfanden. Daß auch Köln die Stadt de» Karnevals ist, bewies man dadurch, daß man, um die Schmach des gekennzeichneten ZustandcS zu verdecken, beschloß, den Wählern freie Hin- und Rückfahrt mit der Straßenbahn zu gewähren. Die Liberalen beantragten, offen- bar zu Demonstrationszwecken, den Wählern der zweiten und dritten Klaffe freie Fahrt zu gestatten; das Zentrum beschloß, auch die Wähler der ersten Klaffe frei fahre» zu lasten. Der neue Präsident des Abgeordnetenhauses. Nachdem Herr Jordan v. Kröcher sich im Kampfe gegen de» Umsturz als Präsident des Abgeordnetenhauses unmöglich gemacht hat. will er bekanntlich fortan auf dieses Amt verzichten. Nack, dem lonservativen„Posener Tageblatt" soll der langjährige Vorsitzende der Budgetkonmiiissou, der konservative Abgeordnete Freiherr v. Elffa, nun als Kandidat für de» Präsidcntenposten aufgestellt werden. Die„Deutsche Tageszeitung" bemerkt dazu, daß feste Be- schlllsse noch nicht gefaßt feien._ Vie Revolution in China. Peking, 15. Oktober. Infolge der über die chinesische Presse verhiingten Zensur ist die Orffeutlichkeit ohne alle Nachricht über die Lage. Aber die b e st ä n d i g e n Truppen- beweg un gen rufen große Erreg iiiig hervor. Die chinesischen Banken werden gestüriilt, uiid die Einleger tragen ihr Geld in die ausländischen Banken. Alle Theater in Peking sind geschlossen. Die ganze Division der kaiserlichen Garde ist hierher zniückgekehrt. Die Truppen von Honan haben sich den Rebellen angeschlossen. I» H a n k a u liefert das in den Händen der Rebellen befindliche A r s e n a l täglich 25 000 Patronen, und l40 Feldgeschütze stehen bereit. Der Telegraph ist in den Händen der Aufständischen. Panik in Peking. Peking, 15. Oktober. Auf dem hiesige» Geldmarkt setzt eine Panik ein. Die chiiiesiichen Banken, du. unter auch die Staats« bank und die' Sparkasse, sind von Klienten, die ihre Einlagen zurück- fordern, übersülll. Viele Privatbanken stellen ihre Tätigkeit ein. Hnpeh- und Hnnan-Papicre sind stark gefallen. Der tele- graphische und der E' i �» b a h n v e r k e h r von hier»ach den Provinzen Hnpeh, Hunan, Kiangsi, Szetschuan. Kwaitichou und Juunan ist eingestellt worden. Fünf Züge mit Truppen sind nach dem Süden abgegangen. Abwehrmaßrcgeln. Peking, 16. Okiober.(Meldung des Rcnterschen Bureau».) Die Regierung hat die fremde» Banken sondieren lassen wegen G«- Währung eine» DarlehnS von fünf Millionen TaelS.— Da« Finanzministerium hat beschlossen, eine Million Taels auszugeben, um dem Maugel au barem Gelde entgegen zu arbeiten. Der Preis des R e i s e S ist um zwanzig Prozent gestiegen. Die internationalen Stteitkräfte. Berlin, 10. Oktober. Der Chef des Kreuzergeschwaderö hat von dem in Hankau befindliche» Kanonenboot.Tiger' die Nachricht er- halten, daß der Admiral der in Osiasien befindlichen ameri» konische n Seestreitkräfte den Oberbefehl über die vor Hankau versammelten inter nationalen Machtmittel übernommen hat. Der rangälteste Kommandant, ei» j a p a n i- scher Kapitän zur See, hat das Kommando über das ver- einigte L a n d u n g S k o r p S der fremden Mächte angetreten. Die von der revolutionären Bewegung eingesetzte Prodi- sorische Regierung hat den fremden Niederlassungen in Hankau Schutz zugesichert. Gefahr droht letzteren nur von seiteu des P ö b e l s bei eventuellen Kämpfen zwischen RegierungZ- trnppe» und Aüssländischen. Der Admiral Sah wird mit einem chinesischeit Kreuzer in Haukau erwartet. Er hat den Auftrag, das Haukau gegenüberliegende Wntschang— den Sitz der Regierung— zu beschießen. Der Chef deS Kreuzergeschwaders ist mit „Gnciseuau" und Torpedoboot 8 90 über Nauting nach Hankau in See gegangen. Die dort versammelten Seestreitkräfte haben funken- telegraphische Verbindung mit dem Schutzgebiet Kiautschou und dem Chef deö Kreuzergeschwaders. Aeiisierungcn SnnyatsetiS. Paris, 16. Oktober. In der.Humanitä" gibt Gen. S e m b a t verschiedene Aeußerungen des Führers der chinesischen Revolutionäre S u n y a t s e n wieder, der vor mehreren Jahren Europa bereiste und in Paris die Bekanntschaft von Politikern machte. Sunyatsen bemühte sich besonders, zu versichern, daß die republikanische Partei in China nichts von dem Fremdenhaß wissen wolle, sondern daß sie nur den Sturz der D h n a st i e und die Errichtung der Republik anstrebe. Der chinesische Revolutionär sagte damals zu den französischen Dcpu- ticrlen, China werde sich der Republik eher zuwenden als Frankreich der sozialistischen Gesellschaft. Dr. Sunyatsen hält sich vorläufig noch in den Ber- einigten Staaten aus. er hat in Chicago und St. Franzisko lebhaft in den dortigen chiuesischen Kolonien agitiert, um Gelder für die Revolution zu sammeln._ Oeltcmicb. Keine Hofgiingerei. Wien, 16. Oktober. Heute wurde da? Präsidium de» Reichs- rat» vom Kaiser in Audienz empfangeil. Genosse Peru er- st orfer blieb selbstverständlich dem Empfang fern. Ein christlich-sozialeS BektnutillS. Gelegentlich der Teuerungsdebatten im österreichischen Ab- geordnctenhausc kam in ber vorigen Woche einer der Redner, der chr i st li ch s o z i a le Abgeordnete Neun teufel, auf den Ein- fluß zu sprechen, den die sozialdemokratische Denkweise aus das öffentliche Leben ausübt. Mit selteuer Offenheit anerkannte der Redner, daß weit über die Kreise der Lozialdemotratie hinaus die Gesamtheit der Gebildeten in Oesterreich sich den sozialdemo- kratische» Theorien und ihren praktischen Schluß- folgern n gen nicht entziehen kann. Nachdem der Redner dargelegt halte, wie das von den Großgrundbesitzern geübte Bauernlegen weite Flächen Ackerlandes i» Jagdreviere ver» wandelt, fuhr er fort: In Oesterreich sei leider nicht nur ein Gegensatz zwischen arm und reich, sonder» auch ein Gegensatz zwischen der arme» Bcvölke- rung in den Städten und der armen Bevölkerung ans dem Lande zutage getreten. In den Städte» mangle es an Arbeit, auf dem Lande an Arbeitenden. Das Volk schreit nach Brot, aus der Börse werden Unsummen beim Speku- lationsspiel gewonnen; das Volk will Fleisch, aber weite Bodenflächen werden der Fleiscvprodukliou entzogen. Wird den Regicrunge» unter dem Eindruck dieser Zustände nicht bange um die Zutiiiift? Man scheint die D e in o n stt a t i o n e n' n n d ähnliche Ereignisse doch etwas zu leicht zu u e h m e». Diese Dinge mögen vielleicht gemacht sein, wenn ober die Grundlage hierfür nicht vorhanden wäre, könnte derlei nicht geschehen. Heute befindet sich die Regierung und ein großer Teil des Hauses in der Gefolgschaft der Sozialdemokraten. Die Argumentation der Sozialdemokratie ist d a S Gemeingut der Ge- bildeten in Oe st erreich geworden. Man hat ja sonst nichts. Wen» man nicht selbst eine Idee hat. die auf einem andere» Wege liegt, muß man als ehrlicher Mensch dorthin, wo dieseJdee vorhanden ist. Man kommt gegenüber dem Zeitübel nicht mehr aus; neues wird aber auf dem Boden, aus dem mir stehen, aus den Köpfen nicht geboren. Das rück- sichtslose Vorschreiten der kapitalistische» Großindustrie hat ebenso die Proletaristermig zur Endstation wie das rücksichtslose Auf- kaufen von Grundbesitz der Bauern infolge der Bauernlegung. Das Ende der heutigen Wirtschaftspolitik ist also die Prole- tarisieruug und der Sieg der Sozialdemo- kraten; denn nicht bloß das Fortschreiten der sozialdemo- kralischen Idee», sondern die wirtschaftliche Ent- Wickelung führt diese Partei zuni Siege. Man sieht, dieser christlichsoziale Bauernabgeordnete hat sich die Wahrheit zu sagen noch nicht ganz abgewöhnt. Lelgten. Lieg des liberal sozialistischen Kartells. Brüssel, lg. Oktober. Die gestrigen Kommunal- wählen ergaben für die Hauptstadt Brüssel und alle Vorstädte den Sieg dos Kartells der Liberalen und Sozialdemokraten. Die Katholiken sind hier auf der ganzen Linie geschlagen. In der Provinz zeigen sich, außer in größeren Städten, keine wesentlichen A e n d e r u n g c n in der Zusammenseßung der Stadtgeinctnderäte. Die Siege in den ProvinzstSdten. Brüssel, 15. Oktober. Die K a r t e l l i st e der Liberalen und Sozialisten ist bei den Gcmeiudcwahlen in Antwerpen. Lüttich Gent Ramur, Verviers. Charlerot, MonS. Löwen und Brügge voll- ständig durchgedrungen. Der ehemalige Ministerpräsident S ch o l l a e r t ist m Löwen unterlegen. Cngland. Rücktritt des KriegsministerS? London. 16. Oktober. Wie„Daily Chronicle" meldet, sind in pvlittschen Kreisen Gerüchte tm Umlauf, denen zufolae Winttou Churchill an Stelle von Birrcll Chefsekretär des Lord- r itnantS von Irland und der Untersiaatssekretär des Kolonial- amts Oberst Seelh an Stelle von Lord tzaldane Kriegs- minister werden soll. Haldane soll für ein hohes richter- liches Amt in Aussicht genommen sein. WlavoKho. Kämpfe zwischen Spaniern und Marokkanern. � Meli«», 15. Oktober. Die Marokkaner griffen gestern die Ipamschen SteNnuge» bei Vzhafe» an. In dem sich entspinnenden Gefecht wurde der spanische Befehlshaber. General Ordonez. von zwei Gewehrkugeln m die Brust getroffen. Außerdem wurden auf spanischer Seite ein Hauptmann, ein Leutnant und 16 Soldaten verwundet. General Ordonez ist seinen Verivtindungen erlegen. GewerhfcbaftUcbea. Das dreieckige Gewerhrcbaftsverhälttiis. Die kürzlich vollzogene Koalition zwischen den christlichen Gewerkschaften und den Hirsch-Dunckerschen erhält einen sehr pikanten Reiz durch den Kamps zwischen kohlschwarzen Fach- abteilern und den schwarz-blau-schmuddeligen christlichen Gewerkschaften. In guter Erinnerung ist noch die Romfahrt der Macher auf beiden Seiten, die München-Gladbacher hatten natürlich die Renommierführer von der anderen Couleur zu Hause gelassen. Sowohl die unverfälschten Konfessionellen als auch die Interkonfessionellen unter der christlichen Flagge kehrten mit dem Segen des Papstes beladen von der Wallfahrt zurück. Allerdings, die Berliner von den alleinseligmachenden Fachabteilungen konnten größerer Zu- Neigung des„Heiligen Vaters" sich rühmen. Der trotz des päpstlichen Segens auf beide Häupter in unverminderter Schärfe fortgesetzte Kampf zwischen den Brüdern in Christo, wobei der gute Ton strenge verpönt ward, man sich gegenseitig die liebreichsten Koseworte an den Kopf warf, die teuflischesten Absichten und Motive unterschob, unterrichtete die Oeffentlich- keit, daß der Segen für den Konfessionsmischmasch, christliche Gewerkschaften genannt, nicht aus reiner Liebe, sondern aus Opportunität gespendet worden war.— Hoffentlich war er für die Blauen trotzdem nicht wirkungslos.— Man hatte den Papst davon überzeugt, daß die politischen Verhältnisse in Deutschland, speziell die Bedeutung der nächsten Reichstags- tvahl, eine Aufrollung der konfessionellen Frage nicht gestatte. Sie hätte die Geburt des Bündnisses zwischen den Ultramon- tanen und Nationalliberalen, als den Vertretern des gottlosen Kapitals und des wütendsten Scharsmachertums gefährden können. Als notwendiges Uebel im Kampfe gegen Arbeiter- interessen erhielt die christliche Gewerkschaftsbewegung vom Papste eine Galgenfrist. Nur um eine solche handelt es sich. Das beweisen ganz unziveifelhaft Auslassungen des aus dem Vatikan inspirierten„Osservatore Romano" vom 29. September dieses Jahres. Das Blatt reproduzierte eine Abhandlung des P. Biederlack L. ll. in der„Cjvilta Catholica" über die christlicke Gewerkschaftsbewegung und bemerkt dann zu den dort aufgezählten Gründen für ein schwarz-blaues Gewerk- schaftsverhältnis in Deutschland folgendes: „Wir baden durch die VerössenUlchuno dieser ausführlichen Zusammenstellung einer Pflicht der Unpartellichteit genügt, beeilen uns aber, hiernach zu erklären, daß wir nicht beabsichtigen, für eine weitere Auseinandersetzung uniere Spalten zu öffnen und noch weniger Partei zu ergreifen in einer Frage, in der der Heilige Stuhl es bisher nicht für nötig gesunden hat. sich in kategorischer Weise zu äutzern, sondern einstweilen den Bischöfen in Deutschland es überlassen hat. ihre Stellung nach ihrem eigenen weisen Gut- dünken und in Rücksicht aus die örtlichen Verhältnisse zu nehmen. Also„einstweilen" dürfen die Bischöfe noch nach ihrem weisen Gutdünken und in Rücksicht aus örtliche Vcr- hältnifse den konfessionellen Kuddelntuddel dulden, später wird der Papst sich in„kategorischer Weise" äußern I Die Kurse der Fachabteiler sind nun wieder kräftig gestiegen; vor- läufig aber darf der durch das Bündnis mit den Hirsch- Dunckerschen um eine liberale Nuance verschönte schwarz-blau- liberale Gewerkschaftsblock unter dem Segen des Herrschers aus Petri Stuhl unter dem Beifallsgeheul aller Scharfmacher und Ausbeuter als Sturmbock gegen die freie Arbeiterbeivegiing dienen l Es gibt doch noch Ironie in der Weltgeschichte! Berlin und Umgegend. Der Streik der Kuvertmaschinrnbauer bei der Firma Bruno Pahlitzsch in der Gneisenaustraße beschäftigte am Sonntag eine Per. fammlung der in den Kuvertmaschinenfabriken Berlins beschäfiigtcn Arbeiter. Maus vom Deutschen Metallarbeiterverband gab den Bericht über die Entstehung und den Stand des Streiks, der jetzt schon in die sechste Woche geht. Die 24 Arbeitskollegen, die vor- handen sein sollen, genügen jedoch keineswegs den Anforderungen, die in diesem Betriebe an die Arbeiter sonst gestellt werden. Die Firma sucht deshalb Streikende zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, hat aber damit keinen Erfolg. In der lebhaften Tis- kussion zeigte sich.daß sich die Streikenden der vollen Sympathien ihm Kollegen erfreuen. In Betriebsversammlungen hat sich die Arbeiterschaft bereits mit dem Streit bei Pahlitzsch beschäftigt und auf die Sireitarbeit bezügliche Maßnahmen getroffen. Bis jetzt ist auch solche in den übrigen Betrieben nicht aufgetaucht und nur der fast aus allen Betrieben gemeldeten Gcschäftsflaue dürste ein Einfluß auf die Dauer des Streiks zuzuschreiben seim Kellnerstreik im Cafö Nagler am Moritzplatz. Am vergangenen Sonnabend nachts gegen 12 Uhr legten samt- liche 1ö Kellner, die im Cafe stlagler beschäftigt waren, die Arbeit nieder. Die Ursachen der Arbeitseinstellung sind kurz folgend:: Die Kellner erhielten bisher von ihrem Prinzipal keinen Pfennig Lohn, keine Beköstigung, kurz keinerlei Entschädigung irgendwelcher Art für ihre Arbeit. Sie dagegen mußten an Herrn Nagler noch jeden Tag je 35 Pfennige, monatlich also 10.50 Mk.. zu den R e i n i g u n g S- I o st e n des Lokals aus den Trinkgeldereinnahmen zahlen. Vom letzten Sonnabend ab sollte eine weitere Abgabe eingeführt werden. Herr Nagler forderte für die Zukunft von jedem Kellner für Sonnabend und Sonntag je eine Mark zur Bezahlung eines zweiten Geschäftsführers beziehentlich„Placeurs", der an diesen Tagen starken Verkehrs den zuströmenden Gästen Plätze zuzuweisen hat. Die Unzufriedenheit der Kellner herrscht in dem genannten Betriebe schon lange vor. besonders auch infolge der Behandlung. die ihnen von Herrn und Frau Nagler zuteil wurde. Die Organi. fation der Kellner ist wiederholt vorstellig geworden, um die Uebel. stände zu beseitigen. Vor einigen Wochen hatte Herr Nagler das Versprechen gegeben, die Wünsche der Angestellten zu berücksichtigen. Dieses Versprechen ist von Herrn Nagler nicht gehalten worden. Auf Wunsch der beschäftigten Kellner hatte die Organi- sationsleitung nochmals um Unterhandlungen nachgesucht, die von Herrn Nagler aber abgelehnt wurden. Erst daraufhin griffen die Kellner zum letzten Mittel und legten sämtlich die Arbeit nieder. Das anwesende Publikum ergriff unzweideutig die Parte! der Kellner, nachdem es von den Gründen der Arbeitseinstellung unterrichtet worden war. Am Sonntag begab man sich auf die suche nach Arbeits- willigen, die man recht mühevoll in der Zahl von etwa 10 schließlich zusammenfand. Es sei bemerkt, daß von den etwa 1600 Eafekellnern. die es in Berlin gibt, zirka 1200 gewerkschaftlich organisiert sind. Die Polizei hatte am Sonntag den ganzen Tag und die Nacht hindurch ein starkes Aufgebot von Schutzleuten nach dem Moritzplatz entsandt.'Im Lokal selbst tvaren ständig drei Kriminalbeamte anwesend, um Herrn Nagler zu beschützen. Selbstverständlich fanden diese Beamten gar keine Arbeit, sie konnten andererseits nicht verhindern, daß(nicht die Streikenden, wohl aber) Leute aus dem Publikum im Cafe Flugblätter an die Gäste verteilten, worin die Ursachen des Streiks auseinandergesetzt waren. Diese Aktion hatte zahl- reiche V.erhaftüngen zur Folge. Viele von den Ver- shafteten wurden, obwohl sie Legitimation bei sich hatten, öder doch ihre feste Wohnung angeben kennten, die ganze Nacht über auf der Wache behalten.__ Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tarifbrüche im Mastschuhmachergewerbe, In einer gutbesuchten Versammlung der Maßschuhmacher be- schäftigte man sich mit der Frage, wie der im Frühjahr 1909 abge- schlosiene Tarifvertrag innegehalten wird. Wie der Referent Daily ausführte und im übrigen auch die Diskussion deutlich zeigte, versuchen die Arbeitgeber in einigen Werkstätten die Löhne zu verschlechtern, was als ein grober Verstoß gegen den geltenden Tarifvertrag bezeichnet werden muß. Besonders wurde hier, neben anderen Geschäften, die Firma Prieslap, Unter den Lin- den, genannt, wo einem Arbeiter für ein Paar Herrenstiefel statt 8.75 M. nur 6.50 M., für ein Paar braune Stiesel statt 9,25 M. nur 7 M. geboten wurden. Der Arbeitgeber suchte sich damit zu recht- fertigen, daß er sagte, es seien Dienerstiefel, und die müßte er sehr billig liefern. Dergleichen Unterschiede zwischen Herrschasts- und Dienerstiefel sind aber bisher in leiner Weise gemacht worden, und es muß doch auch als selbstverständlich gelten, daß die Herrschaft. die verlangt, daß ihre Diener in eleganten Stiesel daherkommen, wie sie jene Firma liefert, auch dafür sorgen mutz, daß der übliche Preis dafür bezahlt werden kann. Fühlt sich die Firma aber im Geschäftsinteresse veranlaßt, den Dienern die Stiefel billiger zu liefern, so mutz sie das auf Geschäftsunkosten tun, darf jedoch nicht dem Schuhmacher, der die Arbeit ausführt, von den so wie so zu geringen Akkordlöhnen noch Abzüge machen. Bei derselben Firma wird jetzt verlangt, daß die Wochenlohnarbeiter sich die Berechnung nach Stundenlöhnen gefallen lassen sollen, also auf die hisher übliche Bezahlung der Feiertage verzichten sollen. Auch hiermit sind die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma selbstverständlich nicht ein- verstanden, und sie brauchen es sich auch nicht bieten zu lasten, so- lange der Tarifvertrag gilt. Es ist nun gegen die Firma bereits Beschwerde erhoben worden, und jedenfalls wird sich demnächst auch die Schlichtungskommission mit der Sache befassen müssen. Es ist klar, daß wenn die Arbeitgeber das offenbar tarifwidrige Vorgehen der Firma Prieslap für berechtigt erklären sollten— was aber wohl kaum zu erwarten ist— es zu ernsten Differenzen kommen muß. Die Versammlung ließ keinen Zweifel darüber, daß man sich irgend welche Tarifbrüche, sei es bei dieser oder jener Firma, nicht mehr ruhig gefallen lassen wird, und daß die Unternehmer, falls sie der- gleichen gutheißen, und damit den Tarif außer Kraft setzen sollten, auf die Stellung neuer Forderungen gefaßt sein müssen. Der bis in das Jahr 1914 geltende Tarif bietet ja so wie so allzu wenig, nicht nur in den Löhnen, sondern auch hinsichtlich der Arbeitszeit. Während die Reparawrsckuhmacher in ihrem Minimaltarif die neunstündige Arbeitszeit festgelegt haben, ist die tarifmäßige Ar- beitszeit der Maßschuhmacher der Friedrichsstadt, die doch die größte Kunstfertigkeit in ihrem Gewerbe entwickeln müssen und die feinste Arbeit liefern, noch 10 Stunden, und leider arbeiten manche Maß- schuhmacher noch darüber hinaus und sitzen gar bei der Heimarbeit bis in die Nacht, um bei den geringen Akkordpreisen das zum Leben Nötige zu verdienen. Zur Zigarrenarbeiterbewegung. Eines schönen Erfolges kann sich die Tarifbewegung der Zigarrenarbeiter Deutschlands rühmen. Mit der Zigarrengroß- firma W. Herbst. Berlin-Trebbin(ihre hiesige Zentrale befindet sich in Berlin. Ritterstraße 83), ist es gelungen, einen annehmbaren Tarif abzuschließen. Die erschwerten Lebensverhältnisse und die mißliche Lage der Tabakarbeiter mögen diese Firma doch bewogen haben, mehr als schöne Worte. Arbeiter, Raucher, kauft nur dort, wo die grünen Pia- kate, unterschrieben:„Alwin Schulze" aushängen. Beachtet die Veröffentlichungen. Der Firma Schachmann, Winsstraße 12, hat man seitens der Polizei das grüne Plakat, nachdem man es erst auS dem Schau- fenster verwiesen hatte, eigenhändig sogar aus dem Laden entfernt und mitgenommen_ DeutTches Reich. Die Tabakarbeiteraussperrung. Am Sonnabend ist die von den Zigarrenfabrikanten ange- drohte Aussperrung zur Tatsache gewoiden. Etwa 8000 Tabak- arbcrter in den Kreisen Herford, Minden, Lübbecke, Osnabrück und den Fürstcnlümern Lippe und Wolbeck sind von dieser Maßregel be- troffen worden. Die Aussperrung wurde vollzogen, trotzdem die Fabrikanten noch am Freitag in der Verhandlung, die sie mit den Vertretern der Tabakarbeiterorganisationen führten, wenigstens für einen Teil der Arbeiter die Notwendi gleit von Lohn- aufbesserungen anerkennen mußten. Dies ist um so ein- leuchtender, als die Tabakarbeiter nach den Berichten der Berufs- genossenschaft 1910 im Kreise Lübbecke im Durchschnitt täglich 1.75 Mark, im Kreide Herford 2,15 M. und im Kreise Minden 2,25 M. verdienten. Wae dies schon in normalen Zeiten ein Lohn zum Verhungern, so hat sich jetzt in den Tagen der Teuerung die Lage der Arbeiter erst recht trostlos gestaltet. In dieser Erkenntnis haben denn auch die drei bei der Aussperrung in Betracht kommenden Organisationen, der Deutsche Tabakarbeiterverband, der Verband der Zigarrensorlierer und Kistenbeklebcr ><>'1 der Verband christlicher Zigarren, und Tabak- aro-. iter Deutschlands in erfreulicher Solidarität ihre Vor- kchrungen getroffen. Noch am Freitag zogen die Leiter der drei genannten Organi- sationen aus der Ergebnislosigkeit der mit den Unternehmern gc- pslogenen Verhandlungen die erforderlichen Scblußfolgerungcn. Sie regelten die Unterstützungssätze gemeinsam und einigten sich dann auf folgenden Beschluß: „Unter Bcaebtung nachfolgender Bedingungen erklären die unterzeichneten Vorstände sich bereit, die Aussperrung im west- lichen Zigarrenindustriebezirk gemeinsam führen zu wollen: 1. Es wird eine Neunerkommission eingesetzt und zusammen- gesetzt aus drei Vertretern des Deutschen Tobakarbeiterverbandes, zwei Vertretern des Verbandes der Zigarrensortierer und Kisten» bekleber Teutschlands, einem Vertreter des Deutschen Holz- arbeiterverbandcs und drei Vertretern des Verbandes christhcher Zigarren- und Tabakarbeiter Deutschlands. 2. Während der Dauer der Aussperrung verpflichten�sich die vertragschließenden Vorstände der Organisationen, ihre Funktio- näre und Mitglieder streng anzuweisen, jede Feindseligkeiten gegeneinander einzustellen; insbesondere sind Uebertritte von einer Organisation in die andere während der Dawer des Kampfes nicht gestattet. 3. Die vertragschließenden Vorstände verpflichten sich, neue Mitglieder aus den von der Aussperrung betroffenen Betrieben nur bjs zum Sonntag, den 15. Okotber 1911, aufzunehmen. Ucber eventuelle Neuaufnahmen von Mitgliedern aus vorstehenden Be- trieben nach dem 15. Oktober 1911 entscheidet die Neunerkom- Mission." Jetzt ist es Sache der Gesamtarbeiterschaft Deutschlands, den ausgesperrten Tabakvrbcitern in Westfalen ihre Sympathie zuzu- wenden. Eine neue Lohnbewegung der Leipziger Bäcker. AIS die Leipziger Bäcker vor kurzem eine Lohnbewegung durch- führte», versplachen die Meister ihren Getreuen den Himmel auf Erden, wenn sie nicht den.roten Hetzern" folgen würden. So kam eS denn aueb, daß nicvt alle Bäckercibetricbe geregelte Arbeits- bedingungen erbieUen. Als dann der Kampf zu Ende war. dachten die Meister natürlich nicht daran, ihr den„getreuen Gehilfen" ge- gebenes Veripeeeben zu halten. Das bat diese nun zur Erkenntnis ihrer wirrichastliwen Lage gebracht und veranlaßt, in einer Ver- iammlung unter der Führung des Verbandes an die Meister Forde- runge» zu stellen. Eine einstimmig angenommene Reioliliiou beauftragte den GciellenauS'chuß und die VerbandSleitung, gemeinickaftlich mit der Leipziger Bäckerinnung Verhandlungen zur Neuaufnahme der Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Bäckereien Leipzigs anzubahnen, und zwar aus Grund deS für einige Hundert Bäckereien bestehenden Lohn- und SrbeitslarifS. Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Hus Induftne und Rande!. Die HandelSinteresse» Italiens in der Türkei. Aus Konstantinopel schreibt uns Genosse P a r V it s: Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, wenn dieser andauert, werden für Italien viel schwieriger sein, als es sich die italienischen Imperialisten haben träumen lassen. Die Acußerungen, die der Abgeordnete de Felice an den Korrespondenten des„Temps" gc- macht hatte, wonach die Türkei die italienische Zufuhr nicht ent- behren könne, während für Italien der Handel mit der Türkei nur eine unbedeutende Rolle spiele, beweisen nur, wie wenig man sich in Italien von den wirtschaftlichen Gefahren des Krieges Rechen- schaft abgelegt hat. De Felice verweist z. B. auf die Einfuhr von Zitronen und Apfelsinen aus Italien, die angeblich für die Türkei unentbehrlich sei. und sieht sogar schlimme Folgen für die Volksgc- sundheit voraus, wenn die Türken auf diese Zufuhr verzichren. Wie stehen aber in Wirklichkeit die Dinge? Die Türkei bezieht aus Italien 5�2 Millionen Kilogramm Zitronen und Orangen jährlich — die Türkei exportiert aber selber mehr als 25 Millionen Kilo- gramm dieser Ware. Italien ist eben nicht das einzige Land,«wo die Zitronen blühen." Der wichtigste Posten der italienischen Ausfuhr nach der Türkei sind Textilwaren. Italien hat dabei die Konkurrenz aller Industriestaaten auszuhaltcn, gegen die es auch jetzt schon nur schwer aufkommt. Tie Konkurrenten der italienischen Textil- fabrikanten werden diese, selbstverständlich, während des Zollkriegs, der ja, wie die Beispiele Serbiens und Kanadas beweisen, jahrelang dauern kann, nicht schonen. Sie werden dasselbe tun, was die italienischen Kapilalisten getan haben, als sie die Zollkämpfe zwischen Oesterreich und Serbien ausgenützt Hattcm um O-sterrcich zu ersetzen. Italien führt nach der Türkei für zirka 20 Millionen- Francs Textilwaren aus. Das ist für die junge italienische Textil- industrie nicht wenig. Sicher werden Jahrzehnte vergehen, bis das von den italienischen Imperialisten so heiß begehrte Tripolitanicn imstande sein wird, diesen Verlust zu ersetzen. Eine große Bedeutung hat für Italien die Ausfuhr von Mehl und Mehlprodukten nock der Türkei. Italien bedarf bekanntlich selbst einer Getreidezufuhr. Es benützt aber die geringe Entwick- lung der türkischen Mühlcnindustrie, um bedeutende Ouantiläten Mehl. Gries und Mehlprodukte, wie Makkaroni, Schiffszwiebock usw. nach der Türkei abzusetzen. Außerdem führt Italien nach der Türkei Reis aus. das ja ein einheimisches italienisches Produkt ist, dem aber eine stark überlegene Konkurrenz aus Indien und anderen tropischen Ländern entgegentritt. Auch diesen Markt für Mehl, Mehlprodukte und Reis wird also Italien in der Türkei verlieren. Ersetzen kann es ihn schon deshalb nicht, weil' in anderen Ländern die Zölle auf diese Produkte viel höher sind als in der Türkei. So ist z. B. in Deutschland der Zoll auf Reis doppelt, jener auf Mehl viermal so groß, als in der Türkei. Außerdem gibt es schon Dampf- müblen in Saloniki und in Konstantinopcl, die nicht verfehlen werden, die Situation auszunützen, um ihre eigene Produktion auf Kosten der italienischen Zufuhr zu erweitern. Schon eine Unterbrechung der Handelsbeziebungen zur Türkei muß schädigend auf die italienische Handelsflotte wirken. Es ist aber klar, daß wäbrend des Krieges, ob mit italieni- scher oder fremder Ladung, die italienischen Handelsschiffe die türki- schen Häfen überhaupt nicht mehr anlaufen können. Tie italienische Handelsflotte ist noch jung, sie zählt 448 Dampfer mit zirka 500 000 Tons Raumgehalt. Sie hat es aber verstanden, speziell mit Kon- stantinopel einen bedeutenden Verkehr zu entwickeln, sie unterhielt mit diesem Hafen regelmäßige Dampferverbindunaen und nahm in diesem regelmäßigen Dampferverkehr den dritten Platz unter den internationalen Reedereien ein. Das geht ihr jetzt verloren. Ebenso der Verkehr mit Salvniki, Smyrna und den Häfen der albanischen Küste. Mehr noch! Da der Eingang zum Schwarzen Meer durch die Dardanellen und den Bosporus führt, so pchen für die italienischen Schisse auch sämtliche Häfen des Schwarzen Meeres verloren. Desgleichen wird es Italien schwer falten, seinen Schiffsverkehr im Roten Meer zu unterhalten. Es wird denn auch bereit« berichtet, daß der Verkehr folgender italienischer Dampfer- linien vollständig eingestellt wurde: Genua— Bombay, Genua— Alexandrien Venedig— Alexandrien, Behrut— Konstantinopel— Bakum. Genua— Odessa. Venedig— Konstantinopel und Konstantinopcl — Braila. Das wird allerdings mit dem Bedarf der Schiffe für Truppentransporte motiviert. Aber abgesehen davon, daß dies schon jetzt eine Ucbertreibunp ist, muß doch der Truppentransport bald ein Ende nehmen. Durch die Sperrung des Schwarzen Meeres und die Verhinderung des Verkehrs im Roten Meer versetzt eben die Türkei die italienische Handelsflotte in vollständige Uniätipkeit. Das ist denn doch mehr, als die Zerstörung einiger Torpcdoschifft oder die Koperung einzelner Handelsschiffe, woran sich die ualieniiche "�fudlf'ber Handel Italiens mit den Häfen des Schwarzen Meeres leidet stark unter dem Kriege. Vorläufig laßt allerdings die Türkei die neutralen S»lffe nach neutralen Hafen durch. Da- durch ist di-- Möglichkeit gegeben, durch Fälschung der Sck'iffspapiere auch für Waren, die nach Italien bestimmt sind. d,e Passage durch den Bosporus und die Dardanellen zu erlangen. Immerhin ist das mit Risiko verbunden, weshalb die Versicherungsprämien für La- düngen guS dem Scbwarzen Meere nach Italien ganz enorm steigen müssen, wodurch offenbar der.Handel erschwert wird. Damit sind die Mittel, welche der Türkei zur Verfügung stehen, um den italienischen Handel zu schädigen, noch lange nicht erschöpft.' So ist z. B. die italieiiische S e i de n i n d u st r i e auf die Zufuhr von Kokons aus der Türkei angewiesen. Sie würde recht empfind- lich darimter leidm. wenn ihr diese Zukunft abg-'chnillen woedi-n wäre. Je länger der Krieg andauert, desto mehr wird Italien, in weiterer Linie aber ganz Europa die wirtschaftlichen Folgen dieses Krieges zu fühlen bekommen_' Letzte Nachrichten. Zur Lage in China. Peking. 16. Oktober.(Meldung des Reut. B.) Amtlich wir» bekanntgegeben, daß von morgen ab nach Abgang heg sibirischen Postznges der gesamte Perfonenzugverkehr zwischen Peking und Tientsin eingestellt wird. Viele chinesische Beamte schicken ihre Fa- Milien aus Peking weg. Der heute vormittag nach Tientsin gehende Zug war überfüllt. In amtlichen Kreisen herrscht allgemeiner OptimiSmu». nach»" dem Duanschikai den Posten des Vizekönigz angenommen hat. Man glaubt, daß sein Name allein genügen wird, um die Ausständischen einzuschüchtern.— General D i n t s ch a n � jcin �QUptguarlicr 70 Meilen nördlich von Hankau aufschlagen._ D'e Regierung hat angeordnet, daß ReiS an die Armen verteilt wird, daß die Korn- speicher von Peking geöffnet werden und daS Getreide zu billigen Preisen verkaust wird. Professor Christian Kroener gestorben. Düsseldorf. 16 Oktober(W. T. B.) Der Landschaft,, und Jagdmaler Professor Chrlstlan Kroener, Mitglied der Berliner Kunstalademie, ist heute hier gestorben. Giftmordprozess iv Chemnitz. vdemnitz. 16. Oktober.(W.T.B.) DaS Schwurger ichi verurleilte nach siebentägiger Verhandlung die verwitwete 36 Jahre alte Zimmervermieterin Martha Voigt aus Chemnitz wegen MordeS, begangen an ihrer l3jährizen Tochter Hrrtba, zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Angeklagte hatte die Tat verübt, um sich in den Besitz der hohen Versicher u n g s s u m m e zu setzen. Das Gericht erkannte außerdem wegen Brandstiftung und wegen vollständigen und versuchten Betrugs gegenüber Versicherungsgesellschaften aus zwei Jahre fünf Monate Zuchthaus._ HaulSinger a Co., Berlin L>V. Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltungSbl. St 243. 28. Zahrgttvg. 1. Kkilliye des„Nmiirls" Kerlittr NslKsIilM Aienstag, 17. Oktober tM Die Berliner Buchdrucker und der neue Tarif. In einer von ungefähr 10 000 Personen besuchten Versammlung. die am Sonntag im Sportpalast tagte, erstattete M a s s i n i Bericht über die Ergebnisse der Tarifberatung. Es habe-- sagte er— bei den Beratungen schwere Kämpfe zwischen den Vertretern der Gehilfen und den Vertretern der Prinzipale gegeben, aber es sei den Gehilfenvcrtretern gelungen, inanchen schwerwiegenden Antrag der Prinzipale zu Falle zu bringen. Das Verlangen der Prinzipale, an den Setzmaschinen weibliche Arbeitskräfte zu beschäftigen, sei abgelehnt worden. Die Setzmaschine sei den gelernten Buchdruckern erhalten geblieben. Auch das Vcr- langen, die Kündigungsfrist für Gehilfen, die 25 Prozent über dem Mindcstlohn haben, auf 4 Wochen zu verlängern, sei abgelehnt worden. Ebenso das Pcämienshstcm. Der Gehilfcnforderung, den Lohn um 12'/z Prozent zu erhöhen, setzten die Prinzipale ein An- gebot von 5—6 Prozent entgegen. Schliehlich bewilligten sie 10 Prozent unter der Voraussetzung, daß auf die anderen Forde- rungen verzichtet werde. Die Arbeitszeit ist auf 53 Stunden wöchent- Itch festgesetzt. DaS bedeutet eine Verkürzung von einer halben Stunde pro Woche. Wo die englische Arbeitszeit eingeführt wird, soll sie 52V.2 Stunden betragen. Wo bereits eine kürzere Arbeitszeit besteht,"darf sie nicht verlängert werden. Die Erhöhung des Lohnes um 10 Prozent bedeutet für Berlin, datz das Minimum von 34,35 M. auf 37.78 M. heraufgesetzt wird. Die Grundposition beim Berechnen ist um 11 Prozent erhöht worden. Bei der LchrlingSstala ist. wie der Redner sagte, nicht viel herausgekommen. Die Gehilfen- forderung zu diesem Punkt konnte nicht durchgesetzt werden, aber eS ist erreicht, daß in reinen Zeitungsbetrieben Lehrlinge nicht gehalten werden dürfen. Wo Lehrlinge in der Zeilungssetzerei beschäftigt werden, müssen sie auch in den anderen Zweigen des Berufes aus- gebildet werden. In bezug auf die Uebcrstunden wurde erreicht, daß zwischen dem Ende des einen und dem Ansang des nächsten Arbeits- tages eine Ruhezeit von mindestens 8 Stunden liegen mutz. Die Zeit, welche dadurch am Beginn des nächsten Arbeitstages verloren geht, mutz bezahlt werden. Die beiden ersten llcberstunden werden mit je 5 Pf., die folgenden mit je 10 Pf. Aufschlag bezahlt.— Das Obligatorium des Arbeitsnachweises konnte nicht erreicht werden. Die Krclsvertreler sollen dahin wirken, datz der Arbeitsnachweis mehr in Anspruch genommen wird.— Die Arbeitszeit der Maschinensetzer betrug bisher einschließlich einer halben Stunde für das Putzen 8 Stunden in Zeitnngs-, 9 Stunden in Werksetzereien. Sie ist jetzt für beide Kategorien auf 8Vz Stunden festgesetzt. Das bedeutet für die Zeilungssetzer eine halbe' Stunde mehr, für die Werksetzer eine halbe Stunde weniger.— Auch einige Verschlechterungen hat die Tarifberalung gebracht. Die Vertrauensleute, welche über Tarif- angelegenheiten mit dem Prinzipal zu verhandeln haben, müssen aus dem Drittel des am längsten im Betriebe beschäftigten Personals gewählt werden. Für Tarifschädigungen sind Bußen festgesetzt worden. Absichtliche und wiederholte Verstöße gegen den Tarif werden an Unternehmern mit 1000 M., an Gehilfen mit 50 M. Butze bestrast. Wer aus der Tarifgcmeinschaft ausgeschlossen war, zahlt bei seiner Wiederaufnahme, wenn er Unternehmer ist. 100 M., wenn er Gehilfe ist. 20 M. Eintrittsgeld.— Der Redner schlotz mit der Bemerkung: Eine ruhige und objektive Betrachtung des Gesamtergebnisses werde zu der Ansicht führen, datz dasselbe ein befriedigendes sei. Wenn keine Einigung zustande gekommen wäre, dann hätte es einen Kampf bis zum Weißbluten gegeben. Das zu vermeiden, hielten die Gehilfenvertreter für ihre Aufgabe. Unter den obwaltenden Umständen sei ihnen der Friede lieber gewesen wie der Kampf.(Beifall.) Den Ausführungen des Referenten folgte eine längere, lebhaste Diskussion. Sämtliche Redner stimmten darin überein. datz die Ergebnisse der Tarifberatung als völlig unbefriedigend bezeichnet werden mutzten. Kotte sagte, die 10prozenlige Lohnerhöhung sei der einzige Erfolg. Sie spiele ja für den Arbeiter eine grotze Rolle. Aber man müsie bedenken, datz der Tarif aus fünf Jahre abgeschlossen ist und datz sich die gegenwärtige Teuerung während dieser Zeit noch steigem werde. Während der Beratung habe man nur durch Nach- richten deS Wolff'chen Telegraphenbureaus einiges erfahren. Die kleines femUeton. Preußische Kunstreform. Eine Halbheit; selstverstäudlich. Bei keuscher Wahrung höfischer Diplomatie immerhin ein Fortschritt. Die Landeskunstlommission, diese Clique der zwanzig blinden Greise, wird künftighin nicht mehr den Direktor der Nationalgalcrie leitseilen können, wird zu einem Teil auf bequeme Vetternwirtschaft verzichten müssen. Unter geschickter Ausnutzung der Situation ist es Justi gelungen, sie durch eine wahlverwandte Hilfstruppe zu verdrängen. Des öfteren war geschehen, datz ein treffliches Stück der Galerie verloren ging, nur, weil der Apparat der Zwanzig zu schwerfällig arbeitete. Das begehrte Werk war inzwischen vom Privatbesitz gekapert worden. Die Unbeholfenheit solchen Zustandes lvar allerdings drastisch genug, und so konnte von hier aus dem Kaiser die Notloendigkeit einer schneller funktionierenden Kunst- Quarantäne klar gemacht werden. Wobei nur nicht vergessen werden darf, datz es für einen Kulturstaat arg blamabel ist: einem Laien in Dingen der Kunst definitive Entscheidungen einräumen zu uiüsseir. Gewitz. für Justi bedeutet die Abhalftcrung ddr Zwanzig und deren Ersatz durch die kleine, aus sechs Berlinern bestehende Sachverständigenkommission eine grotze Erleichterung; wir aber sind der Meinung, datz nicht mehr als ein bescheidener Anfang geleistet wurde. Als Ziel bleibt bestehen: Ausschiffung aller Söflinge und Vettern— völliger Gleichmut gegen Neigung oder Abneigung des kaiserlichen Dilettanten. Die Nationalgalerie gehört dem deutschen Volk und nicht den, Eigenwillen eines kunstsremden Fürsten. In der neuen Kommission sitzen: der Maler Artur Kampf, der Bildhauer Louis Tuaillon. der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin, der bekannte Kunstiammler Eduard Arnold, dazu als Kommissar des Kultusministers der Geheimrat Schmidt und schlietzlich der Direktor der Nationalgalerie. Die Namen sind gut; warten wir ab, wie sich die Herren hmdürchpolitijiercn. # Bei dieser Gelegenheit sei die Glattzüngigkeit eines Mannes. den wir einst einen Kenner hießen, angeheftet. Hans Rosenhagcn schämt sich nicht, im..Tag" dieses zu schreiben: „Kann es dem Kaiser verdacht werden, daß er sich ablehnend gegen die Mitglieder einer Künstlergruppe verhalt, aus deren �ager ""'""m-rijancn roiro.»ic �zesiion umu--t daran, datz der Direktor der Nationalgalerie verhindert rft, gute in ihren Ausstellungen erscheinende Werke zu erwerben---- Daraufhin bleibt nur eine Krane �u tun: Warum nutzt(der Professor) Roscnhazen nicht diese selige Zeit, um sein Schre,bhan!> werk mit dem eines Kunsthändlers zu vertauschen. Der Titel des Hoflieferanten durfte ihm gewiß sein.■B' Theater. Lessing-Theater:.Das weite Land'. Tragi- komödie von Artur Schnitzler Ein in die Jahre gekommener Anatol. der aber neben seinen Liebeleien Zeit fürs Geschäft gefunden und sich im Wechselspiel von Flirt und angespannter Arbeit doppelt behaglich fühlt, ist in dem neuen Schnitzlerstück der.Held'. Um ihn, Vertreter hätten eS gemacht wie die Diplomaten, die im Geheimen verhandeln, während das Volk seine Haut zu Markte tragen mutz. Das sei doch keine Errungenschast, datz nicht alle Forderungen der Unternehmer angenommen wurden. Wenn die Vertrauensmänner aus dem Drittel der am längsten Beschäftigten, vielleicht noch mit Zustimmung der Prinzipale gewählt werden, so sind das keine Bcr- trauciislciitc mehr für uns.(Sehr rickitig I) Die Maschinensetzer sind einfach brutal behandelt worden.(Lebhafte Zustimmung.) Die Ab- schaffung des Bcrechnens an Setzmaschinen sollte verlangt werden; die strikte Einführung haben wir bekommen. Außerdem hat man den Maschinensetzern noch die Stundenzahl verlängert. Damit können auch die Handsetzer nicht zufrieden fein. Wir müssen darauf hinarbeiten, datz wir bei den Tarifabmackmngen das Mitbestimmungsrecht bekommen. So wie eS heute gchandhabt wird, können wir nicht mitmachen. Wir danken und lehnen ab.(Beifall.) Engelmeier: Unsere Errungenschaften sind so niinder- weriig, datz man staunen mutz, wenn sie Massini in so großartiger Weise verteidigt. Der Redner wandte sich besonders gegen die auf die Maschinensetzer bezüglichen Bestimmungen und bezeichnete sie als äußerst ungünstig. Wenn die Handsetzer den Tarif amichmen, dann müssen sich die Maschinensetzer klar werden, datz e§ so nicht weiter- gehen kann.(Bravo!) Ich ersuche Sie. lehnen Sie den Tarif ab.(Beifall.) Schulze: Ich bin mit den Ergebnissen gar nicht einverstanden. Die Zugeständnisse, die uns gemacht sind, sind so minimal, datz sie durch die Zugestäuduisse, welche wir den Prinzipalen gemacht haben, zehnfach aufgewogen werden. Um diese geringen Zugeständnisse zu bekommen, hat man die 4000 Maschinensetzer geopfert. Ist denn unsere Organisation so schwach, datz sie den Prinzipalen solche Zugeständnisse machen mutz? Ich meine, eine Organisation, die 06 Proz. der Bcrufsangehöcigen umsatzl und ein Vermögen von Millionen hat. braucht sich nichts aufzwingen zu lassen. Sie kann den Unternehmen: ihre Forderungen diktieren. Wir müssen fordern, daß die Organisation in den Kampf eintritt, wenn er nicht zu der- meiden ist. Die meisten Kollegen hätten lieber den Kampf gewollt als solche Ergebnisse. Man wundert sich darüber, wenn Disziplin- brüche in unseren Reihen vorkommen. Nur ein kampfgcwohntcs Heer hält Disziplin. Ein Kamps i» unserem Gewerbe beeinflußt andere Gewerbe so stark, datz er auf Vermittelung durch diese rechnen kann. Au dem Tarif können wir jetzt nichts ändern. Aber in künftigen Fällen sollen unsere Vertreter daran denken, datz sie kampfbereite Kollegen hinter sich haben.(Beifall.) V i e r r a t wandte sich gegen die Bestimmung bezüglich der Wahl der Vertrauensleute und sagte, durch die Tarifvertrauensleute werde der Vertrauensmann der Organisation illusorisch gemacht. Die wichtigsten Fragen würden durch' den Tarifvertraucnsmamr er- ledigt, der dem Prinzipal genehm sei. Durch da» Berechnen der Maschinensetzer werde die Arbeitslosigkeit vermehrt werden. Wie ist es möglich, datz 17 Vertretern die Vollmacht gegeben wird, einen Tarif für 34000 Kollegen abzuschließen, ohne datz die Gesamtheit gefragt wird, ob sie mit den Bedingungen einverstanden ist. In der Zukunft mutz da? Mitbestimmungsrecht der Gesamtheit gewahrt werden. Wir lehnen den Tarif ab, um dadurch gegen dieses System zu protestieren.(Beifall.) Braun: Die Verschlechterungen des Tarifs sind so groß, datz man sie in zehn Minuten Redezeit gar nicht alle besprechen kann. Die Bestimmungen über die Maschinensetzer sind nicht das Papier wert, auf dem eine Resolution gegen dieselben geschrieben wird. Man hat die Notlage der großen Masse ausgenutzt, um die Maschinensetzer bluten zu lassen. Wir Maschinensetzer müssen alles daran setzen, um die Schäden, welche diese Bestimmungen bringen, für die Allgemein heit abzuschwächen. Wenn das nicht geschieht, werden wir nach fünf Jahren weitere Verschlechterunge» bekommen, so datz die Maschine für uns verloren geht und das ganze Gewerbe geschädigt wird. Körb er: ES war eine gewiegte Taktik der Unternehmer, datz sie erst 10 Proz. LohnerhShung bewilligten und dann mit Berfchlechterungen kamen. Unter diesen Umständen konnten wir nicht anders, als dem Tarif zustimmen. Hätten wir den Fabrikanten Friedrich Hofreiter, gruppieren sich leicht skizzierte Typen auS der Wiener Welt. Vielerlei Fäden geben hinüber und herüber. Man hört von einem Freunde, der der vornehmen, still resignierten Frau Genia den Hof machte und sich dann eines Tages erschoß. In der Art. wie Friedrich seine Galtin über das Geheimnis dieses Todes ausforscht, blitzt eifersüchtiger Argwohn auf. Sie zeigt ihm den letzten Brief des Freundes— ein Geständnis, datz er um ihretwillen, da seine Liebe nicht Erwiderung fand, sich töten wolle. Beruhigt fällt Friedrich aus der Stelle wieder in seinen spöttischen, frivolen Ton zurück. Es fei doch schade um den guten Burschen, dem eine solche Kleinigkeit das Leben kostete. Warum tat sie ibm denn nicht den Gefallen und nehme Dinge, die eS nicht wert sind, stets so schwer? Weshalb mutz sie so anders sein wie er? Das drückte ihn. Er möchte reisen, um wieder in das richtige Gleichgewicht zu kommen. Der dritte Akt, von drolligen Touristenepisoden eingerahmt, spielt in einem Alpenhotel. Ein kokettes, romanlisch abenteuerlustiges Fräulein, Friedrichs Weggefährtin auf einer waghalsigen Kletrer- tour, hat ihn in hellen Brand gesetzt. Ein Rausch verzehrend wilder Leidenschast steigt plötzlich in ihm auf. der bequeme Cynikcr stammelt verzückte Schwüre. Ein ehrenwetter Bräutigam erwartet sie, er selber ist gebunden. Was tutS? � Wenn sie sich ihm ergibt, will er sein Weib verlassen. Ein Komödiant, der in dem Augenblick der Rede selbst felsenfest an jedes seiner Worte glaubt. Wer keimt sich in dem weiten Land der Seelen aus, wie weiß einer, der sich haltlos treiben läßt. Ziel und Richtung seines Handelns? Frau Genta, die immerfort Zurückgewiesene, die keine Pflicht mehr nn den Gatten bindet, findet für ihr Leid Vergessen in der Liebe eines jungen Offiziers. Weöhalb sollte sie die Treue einem Manne bewahren, der nichts als lästige Gewohnheit dann zu sehen scheint. In der Nacht, als Friedrich, das Herz noch voll von seiner neuen Leidenschaft keimkehrt, sieht er den Mann in ihrem Zimmer. Er hat den besten ScheidungSgrund. Doch nun, da das. womit er in Gedanken schon lange spielte, Wirklichkeit ge- worden, faßt ihn hämisch bösartiger Groll': Der rachsüchtige Instinkt deS in seinem Herrenreckit gekränkten Männchens. Und der momentane Impuls, der ihm nach seiner ganzen Denkart als lächerlich grotesker AtaviSmuS gelten müßte, reitzt ihn wie früher die Begierde, das Mädchen zu besitzen, besinnungslos mit fort. Er zwingt den Leutnant durch eine ehrenrührige, vom Zaun gebrochene Beleidigung zum Zweikampf.— Die Gattin und die Geliebte, versöhnt in der Ge- fahr, harren zitternd aus den Ausgang des Duells. Blaß, mit zer- wühlten Mienen tritt Hofreirer ins Zimmer. Seine Kugel traf den Feind ins Herz. Nicht durch einen miglückseligen Zufall. Kalten Sinnes hat er gezielt. Ihn würgt der Avscheu vor der Tat, in der er sich selbst nicht mehr erkennt. Aus ists. Er schüttelt die Geliebte von sich. Einkam will er ins Ausland flüchten. Viel- leicht kommt da die Stunde, wo er Mut gewinnt, die Bürde der verpfuschten Existenz von sich zu werfen.— Die Schilderung ist nachdenklich und reich an ilitcressanien Ausblicken— namentlich auch in den Szenen zwischen den beiden verlassenen Frauen: Genia und der Mutler des jungen Offiziers. Eine bis in die kleinen Nebenrollen aufs feinste abgetönte Auf- führung unterstützte die Wirkung. Leistungen ersten RangeS waren MonnardS verführerisch schillernder Friedrich Hofreiter und die feinfühlige, menschlich rührende Frau Genia von Irene T r i e s ch. dt. ihn wegen der Verschlechterungen abgelehnt, dann würde die Oeffeut- lichkcit daS nicht verstanden haben. Man würde gesagt haben: Was wollen denn die Buchdrucker, wenn ihnen schon 10 Proz. bewilligt sind. Auch ich bin empört über die Ergebnisse der Beratungen. Aber wie die Situation ist, konnten unsere Vertreter nicht anders als zustimmen. Die Tarifschädlinge sollen bestraft werden. Das hat für uns eine ganz andere Bedeutung wie für die Prinzipale. Die Tarifschädlinge in den Reihen der Prinzipale sind Schmutz- koukurrenten, au deren Bekämpfung die Gesamtheit der Prinzipale ein lebhaftes Interesse hat. Die sogenannten Tarisschädlinge in unseren Reihen dagegen gehören zu den besten Kollegen, denn sie wollen ja zugunsten der Kollegen bessere Verhältuisje durchsetzen. Also wir sind von A bis Z. über den Löffel barbiert. Eine Ab- stimmung, die wir hier vomehmen würden, kann nichts ändern. Gehen wir deshalb ruhig nach Hause und denken uns unser Teil. T h o r m a n n wandte sich hauptsächlich dagegen, datz keine Vcr- kürznng der Arbeitszeit erreicht wurde. B i e l e r t sagte unter anderem, die Maschinensetzer würden mit einer Lohneinbutze einverstanden gewesen sein, wenn dieArbeitS« zeit verkürzt worden lväre. Wenn wir auch den Tarif nicht ab- lehnen können, so wollen wir doch unserer Unzufriedenheit Ausdruck geben.(Beifall.) H o f f m a n n bezeichnete den jetzigen Tarifabschlutz als den ungünstigsten, der je dagewesen ist. Man habe nicht erwartet, datz man außer einer Lohnerhöhung noch andere Verbesserungen durchsetzen werde. Datz man aber Verschlechterungen hinnehmen solle, habe niemand gedacht. Hierauf wurde ein Schlutzantrag angenonuuen. Graß mann vom Hauptvorstaud erhielt das Schlußwort. ES ist verständlich— sagte er— wenn Sie mit den Ergebnissen nicht zufrieden sind. Wir müssen uns aber fragen, warum daS Resultat so und nicht anders aussieht. Die Revision des Tarifs stellt im großen und ganzen das dar, was die Generalversammlung in Hannover von ihr erwartet hat. Danach sollte das Hauptgewicht auf die Erhöhung des materiellen Teils gelegt werden. Die General- Versammlung war sich klar darüber, daß das nur erreicht werden könne, wenn wir den Prinzipalen Konzessionen auf anderem Gebiete machen. Die Wünsche auf BeHürzung der Arbeitszeit sind trotz der zähen Kämpfe, die wir darum führten, nicht erfüllt worden. Die Prinzipale sagten, sie wären bereit, für die Setzer die Arbeitszeit zu verkürzen, aber eine Einschränkung der Produktion der Maschinell, die allein ihnen noch Gewinn abwerfe, könnten sie nicht zugestehen. Wir standen also vor der schwerwiegenden Frage, ob wir der materi- ellcn Not in den Kreisen unserer Kollegen mehr Aufmerksamkeit zu schenken haben als der mehr ideellen Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit. Hier etwas Weiteres zu erreichen loar nicht niöglich. Die Zeitnngs- und Buchvcrlcger waren es, die scharf gemacht haben gegen jede Einschränkung der Ausnutzung der Maschinen.— Wir haben die Möglichkeit eines Kampfes ins Auge gefaßt. Schwer- wiegende Gründe haben u»S aber veranlaßt, diese Möglichkeit nicht zu wählen. Mit Aussicht auf Erfolg kann ein Kampf nicht geführt werden, wenn die öffentliche Meinung dagegen ist. Die öffentliche Meinung würde es nicht verstanden haben, wenn wir den Kampf begonnen hätten, nachdem uns eine Lohnerhöhung von 10 Prozent zligestandeu war. Andere Berufe haben sich ja mit viel geringeren Zugeständnissen in der Lohnfrage begnügt. Ein Kampf auf der Basis, die uns gegeben war, kann nicht unternommen werden.— Werten Sie den Tarif nicht nach seinen einzelnen Be- stimmungen, sondern im allgemeinen und mit Rücksicht auf die Zustände in anderen Berufen, wo vieles, was bei uns als selbstverständlich gilt, noch Gegenstand des Kampfes ist. Werten Sie den Tarif nicht nur unter dein Gesichtspunkt Berlins, sondern unter dein des ganzen deutschen Vaterlandes. Eine Verwerfung des Tarifs wnrde den Interessen der Organisation nicht gerecht werden. Der Versammlung lagen zwei Resolutionen vor. Beide erklären die Ergebnisse der Tarifberatring alz un« befriedigend. Die eine, von Lampe beantragte Resolution erkennt an, daß sich die Gehilfenvertreter um die Verbesserung des Tarifs bemüht haben, mißbilligt aber das Verhalten und die illoyalen Bc- strebuligeu der Prinzipale.— In der anderen, von Kotte bean- traglc» Resolution fehlt dieser PassuS, aber die Gehilfenvertreter werden kritisiert. Musik. Franz LiSzt-Feier des Vereins für Frauen und M ä dch e n(im Blüthucrsaal). Am 22. Oktober vor 100 Jahren wurde in einem ungarischen Dorfe das grötzte Klaviergenie aller Zeiten gehören. Von Franz Liszt blotz zu sagen: er wäre für das Hammcriuftrllment gewesen, was Pagauini für die Geige war, würde beinahe nichts heißen. Nein, er war unendlich mehr: ein Herrscher im Reiche der Töne,„dem es," hat einmal Richard Wagner geschrieben,„auS allen Poren quillt wie Ströme und Quellen'und Wasserfälle." Unser Verein darf es sich zum besonderen Verdienst anrechnen, auch seinerseits für eine Anbahming de? Verständnisses für Franz LiSzt, den gewaltigen Musikschöpfer, in den Herzen der Arbeiter gesorgt zu haben. Dies erste Konzert— daS zweite folgt am 26. Noveinvcr— umfaßte zunächst solisiische Stücke für Klavier, Singstimme und Orgel. Da wurden in glücklicher Wahl die wunder- vollsten Poesien aus LiSztZ Wauderjahre'n durch die Schweiz und Italien geboten, während die sehr bekannte„Ungarische Rhapsodie 2" zu den Werken zählt, die das heimatliche Natur- und Volks« leben in originellen Klängen malen. Egon Petri, einer der fähigsten jüngeren Pianisten, gab hier Zeugnis von seiner bravourösen Technik und poesievollen klavieristischen Klangbescelung. Liszt. der großartige Liederdichter, wurde uns näher gebracht durch einige seiner 70 Gesänge mit Klavierbegleitung, die in Marie E k e b l a d von der hiesigen Hofoper eine sinnfällige Vertreterin fanden. Diese„Lieder" sind echt deutsch, ihre umnittelbar wirkende blühende Melodik erfüllt den Hörer mit Bcseligung. Gleichfalls zu LiSztscher Begleitung rezitierte Eduard v. W i n t e r st e i n Bürgers „Leonore", mehrmals herauSgejubelt. Zu LiSztS bedeutendsten Werken für die Orgel gehören bekannter« maßen sein„Präludium und Fuge über Bach", womit daS Konzert eingeleitet und noch mehr die Variationen über den Lesso oontiuuo des ersten Satzes der Kantate.Weine». Klagen— Sorgen zagen ist der Christen Thränenbrot' mit dem Schlutzchoral aus' seiner II-moU-Messe, womit das Programm feine Erledigung fand Hier namentlich trat die.Königin der Instrumente" sieghaft in ihrer Zusammenfassung von menschlicher Stimme sowie der hauptsächlichsten Streich, und Blasinstrumente hervor, und Walter Fischer erlvicS sich da als ihr vollkommener Meister. e � Nottzen. — Ein neuer Fall Bode? Der Wiener Kunstschriktsteller Ludwig Abels beschuldigt im Wiener MontagSblatt" A?Bod? über RembrandtS Gemälde„Der heilige Franziskus" sich völlig widersprechende Urteile abgegeben zu haben, und zwar ungünstiae so lange, bis es Bodes Freund, der Pariser Kmisthändler Sedel- meyer. billig in seine Hände brachte. Nachher aber habe Bode das Bild für einen ivettvollen Rembrandt erllärt. Herr Bode bestreitet die Richtigkeit der Anschuldlgungen. Da von München aus und »war von einer kompetenien stelle bereits früher ähnliche Vorwürfe der Doppelzüngigkeit gegen Bode erhoben wurden, wird er gut wn. sich nicht durch keme Amenkareis e— wie er es ankündigt- ab- halten zu lassen, gerichtliche Aufklarung zu schaffen. Bei der Ge- legenheit könnte dann auch die Flora-Affäre zur Beleuchtung Bode- scher Praktiken herangezogen werden. Der Vorstand der Berliner Sezession hat gegen e r lassen �" H�rrn Rosenhagen einen geharnischten Protest Der Vorsitzende A l b r e ch t ersuckite unter Berufung auf die Beschlüsse der Generalversammlung, keine Abstimmung über die Resolutionen vorzunehmen.— Die Versammlung lehnte diesen Bor- schlag ab. Dünn wurde die Resolution Lampe abgelehnt und die Resolution Kotte fast einstimmig angenommen. DaS Nbftimmungsresultat wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Die angenommene Resolution lautet: Die gewährte Lohnaufbesserung bei fünfjähriger Tarifdauer, der völlige Verzicht auf eine Arbeitszeitverkürzung in Verbindung mit der de» Prinzipalen zugestandenen uneingeschränkten Aus beutuug der Arbeitskraft jedes Einzelnen, sowie die auf dem Setz- Maschinengebiete beschlossenen Berschlcchterungen des seitherigen Arbeitsverhältnisses: Verläugernng der Arbeitszeit, Erhöhung der Stundenleistung und allgemeine Einführung des Berechnens, die unzweifelhaft zur Bermehrung des ohnehin schon großen Heeres der arbeitslosen Handsetzer beitragen werden, zumal alle wesent lichen Anträge ver Gehilfen auf Einschränkung der llcberstunde», Herabsetzung der Lchrlingsskala und durchgreifende Regelung der Ärbeitsvcrmittelung, sowie die Vrrtrauensmänncrfrage keine nennenswerte Berücküchligung gefunden haben, trägt den an die Tarifrevision gest.llten Erwartungen in keiner Weise Rechnung. Die uns jetzt dargebotenen, zum Teil ganz erhebliltien Ver- schlechterungen können nur darauf zurückzuführen sein, daß fick die Gehilfenvcrtreter mehr von dem Gedanken einer Gewerbe- statt einer Lohnpolitik haben leiten lassen. Die Berliner Buchdrucker lehnen deshalb die Berantwortung für die seitens der Gchilfcnvertretcr getroffenen Bereiubarungen ab in der Annahme, daß sie der in Hannover aufgestellten Richtschnur keineswegs entsprechen und geben der lleberzeugung Ausdruck, daß nur durch die Erweiterung des Mitbestimmungsrechts bei Be- schlüssen, die für die Gehilfenschaft von einschneidender Bedeutung find, eine Wandlung in der Tarifpolitik herbeigeführt werden kann. Die tariftreuen Buchdruckercibefitzer Berlin? tagten um dieselbe Zeit im Papierhaus in der Dessauer Straße. Die ebenfalls sehr stark besuchte Versammlung nahm folgende Resolution an: „Nach Kenntnisnahme des Berichtes unseres KreiSvertreterS, Herrn Franz Franke über den Verlauf der Tarifverhandlungen und die Gestaltung des neuen Tarifs, erklärt die Kreisversammlung, daß, trotz der neuen Opfer, welche der Tarif von den Buchdruckerei- besitzern verlangt, sie ihrem Kreisvcrtreter zustimmt und ihm sowie dem gesamten Tarifausschuß für die mühevolle Arbeit ihren Dank und ihr Vertrauen ausspricht." Eine sehr stark besuchte Versammlung der Leipziger Gehilfen erklärte sich nach eingehender Debatte gegen eine starke Minorität für den neuen Tarif._ Hus der Partei. Gcmeindewahlen in Baden. Man schreibt unS aus Baden: Eine Kritik des vielumstrittenen badischen Gemeindewahlgesetzes gibt der in der„Volksstimme" veröffentlichte Wahlaufruf unserer Parteigenossen� in Mannheim, wo am Sonntag die dritte Klasse um die Stadtverordnetensitze kämpft, die bisher voll- ständig in sozialdemokratischem Besitz waren: „Noch ist die Wahl eine K l a s s e n w a h l; noch ist es der Sozialdemokratie im Landtag nicht gelungen, die Macht des Geld- sacks völlig zu brechen und die Gleichheit Aller im Wahlgesetz zur Anerkennung zu bringen. Die Schioarzblauen wie die Liberalen beharrten aus dem volksfeindlichen Grundsatz, daß der besitzlose Arbeiter, und sei er noch so rechtschaffen und tüchtig, min- d e r e n R e ch t e S fei als der satte Bourgeois, gleichviel, auf welchem Wege dieser zu seinem Besitz gekommen. Je geringer aber die Rechte des Proletariats, desto energischer muß es sie handhaben." Diese Kritik trifft zu; so ist das neue Wahlrecht in Baden auf- gebaut, das in der Zweiten Kannner einstimmig(bei Enthaltung von etwa drei sozialdemokratischen Abgeordneten) angenommen worden ist. Von dem gegnerischen Aufmarsch sagt der sozialdemo- kratische Aufruf:„Sämtliche Parteien kennen am Sonntag nur die Parole: G e g e n die Sozialdemokratie!"... sie erhoffen für sich auf Grund des UmstandeS, daß durch das neue Proportional- Wahlsystem alle ihre Stimmen gezählt werden, große Erfolge; diese Hoffnungen können zu schänden gemacht iverden, wenn alle freiheit- lich denkenden Wähler ihr Wahlrecht ausüben." Somit haben unsere Maunheiiner Genossen eine ehrenvolle Stellung in ihrem Kampfe und ihr zweifellos guter Erfolg wird in einer imposanten Bermehumg der sozialdemokratischen Stimmenzahl der Urwählerschaft sich ausdrücken. '.' Ueber den Ausgang der Wahlen wird uns gemeldet: Am 15. Oktober fanden in Mannheim die Wahlen für die dritte Wählerklasse statt. Da durch Inkrafttreten der neuen Städteordnung die Gesamterneuerung des Bürgerausschusses notwendig wurde, tvaren in zwei Wahlgängcn 32 Stadt- verordnete zu wählen; 16 für eine sechsjährige Amtsdauer und 16 für eine dreijährige. Die 32 Mandate waren bisher im Besitze der sozialdemokratischen Partei. In der zweiten rmd in der ersten Klasse hatte die Partei keine Sitze. Durch die neue Klasseneinteilung und durch die Anwendung des Proportionalwahlverfahrens innerhalb der einzelnen Klassen mußte die Partei rn der 3. Klasse Mandate an die bürgerlichen Parteien abtreten, dagegen tvird sie diesen Ausfall bei der Wahl zur zweiten Klasse wieder einholen. In der dritten Wahlklasse waren die Wähler ein- gereiht, die bis zu 14 M. Umlage im Jahre bezahlen. Das waren zirka 15 200. Wer über 14 M. und bis zu 92.60 M. Umlage zahlt, wählt in der 2. Klaffe. Es find, das 10 100 Wähler. Zur ersten Klasse sind eingeteilt 50ci0 Burger. die mit einer Umlageleistimg von über 92W M. eingeschätzt sind. Kurz gesagt, habe» S/6 der Wähler in der dritten Klasse. -/, in der ziveiten und'/« in der ersten Klasse Wahlrecht. Vor drei Jahren machten nur 56 Proz. der Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Am Sonntag wurden für die sozialdemokratischen Listen 733-1 Stimmen abgegeben. Die liberale Partei brachte es auf S41 Stimmen, das Zentrum auf 1335. die Fortschrittliche Volkspartei auf 682 Stin,men. auf die Liste der Festbesoldeten fielen 251 Stimmen. Gewählt sind 26 Sozialdemokraten. 2 Fortschrittler und 4 Zentrumsleute. Die Wahlen für die zweite Klasse finden am 31. Ottober statt. Nach diesem glän- zenden Resultat in der dritten Klasse dürste die Partei ins- gesamt 6 Sitze im Stadtverordnetenkollegium und 4 im Stadt- rat gewinnen. Der Rechtsanwalt unseres Kopenhageuer Bruderorgans, Ober genchtsanwalt A. E. Möller, ist am Freitag im 66. Lebensjahre verstorben. Er hat sein Vermögen von rund 140 000 Kronen gemeinnützigen und namentlich der Arbeiterschaft zugute kommenden Zwecken vermacht. Die Partei erhält 30 000 Kronen, die zur Ausbildung begabter Kinder von Mit- gliedern des Sozialdemokratischen Verbandes dienen sollen, 50 000 Kronen sollen zur Förderung der Abstinenzbewcgung verwandt werden, und die übrigen 60 000 sind teils für die Rechtshilfe bestimmt, die die Studeutengemeinschast unbemittelten Leuten bietet, teils für eine Uiiterstützungskasie der Schneidergesellen. Der Verstorbene hatte sich bereits in seinem 20. Lebensjahre der Sozialdemokratie angeschlossen, und als in den achtziger Jahren deS vorigen Jahrhunderts kein Rechtsanwalt sich mit„Socialdemokratens" Prozessen befassen wollte, war er es, der sich dem scvwer verfolgten Blatte der verhaßten und migachteten Partei zur Verfügung stellte, dasür aber auch alle seine wohlhabenden Klienten einbüßte. Der Genosse A. E. Möller war in seinem Privat- leben envas von einen, Sonderling, der ein fast spartanisches Da- sein führte. Er hauste seit 35 Jahren in einer Mansardenwohnung, die nur ein Zinuner hatte. polizeilichtB,©erichtlichco ulrv. Wegen Beleidigung des anhaltischen Konsistoriums und der anhaltischen Geistlichkeit wurde in der Berufungsinstanz vor dem Landgericht zu Dessau der verantwortliche Redakteur unseres Desiauer Parteiblattes, Genosse Ehnert, zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde in einem Briefe gefuilden. den ein Pastor Wietzke, früher in Dröbel bei Bernburg. jetzt als Hnlss- Prediger in Bremen in Stellung, geschrieben und der leilweise im „Volksblatt" wiedergegeben worden war. In dem Briefe erhob Pastor Wietzke gegen das Konsistorium den Vorwurf, es habe ihn ans Denunziation eines nachträglich durch Selbstmord geendeten Oberaintmanns durch einen„brutalen Macblspruch" von seinem Amte entfernt, und zwar ohne Verhör. Das anhaltische Kirchengesetz lasse zwar ein solches Ver- fahren zu. was aber zur Folge haben müsse, daß der anhallischc Geistliche kein freier Mann, sondern ein„Mietling" sei, der nacv jeder beliebigen Pfeife tanzen müsse.— Gegen Wietzke wurde auf 50 M. Geldstrafe erkannt. Außerdem waren noch der Ärbeiler Kr. und unser Parleisekretär Güinder der„Beihilfe" angeklagt, die sie bei der Uebermitlelung de? Briefes an die Redaklion geleistet haben sollten. Gegen Kr. beaniragle der Staatsanwalt 30 M. Geldstrafe, gegen Günther zwei Monate Gefängnis. Beide wurden jedoch freigesprochen. Wietzke und Ebnert wollte der Staats- anwalt mit 600 bezw. 1000 M. bestraft wissen. Das„ungewöhnliche Leichenbegängnis" hat nahezu ein volles Jahr verschiedene Gerichtsinstanzen in An- halt beschäftigt. Ich November vorigen Jahres wurde in Nien- bürg beim Begräbnis einer Genossin Grabmusik gestellt. Hierauf erhielt Parteisetrelär G ü n i h e r- Bernburg wegen Ver- aiistaltung eines unerlaubten.nngewöhnlichei, LeicheiibegangmiieS" von der Kreisdireklion ein auf 30 M. laulendeS Strafmandat. Das Bernbnrger Schöffengericht erkaniile aus Freiiprechnng, da durch die Musik ein Leichenbegängnis noch nicht zu einem„ungewöhnlichen" werde. Der Staatsanwalt focht das Urteil an. doch das Desiauer Landgericht erkannte auf Einstellung des Verfahrens, weil es sich bei der aiigeblichen Straftat um ein Vergehen gehandelt habe, gegen Vergehen seien aber polizeiliche Strafmandate rcchtSunwirkiam. Nun veranlaßte die Bernbnrger Kreisdireklion eine neue Anklage, die sich u. a. mit darauf stützte, daß im Leichenzug eine„rote Kranzschleife" milgeführt worden sei. DaS Bernburger AmtSgerichl hat jedoch unterm 11. Oktober den Antrag auf Eröffnung deS Strasverfahrens abgelehnt. In dem Gerichtsbeschluß heißt es u. a., ein Leichen- begängnis mit Muiik ist kein ungewöhnliches Leichenbegängnis. Und wörtlich heißt es weiter: „Auch dos Tragen eines ÄranzeS mit roter Schleife, da« an sich bei der h e u t i g e n A u s d e h n u n g der sozial- demokratischen Partei nicht mehr wie früher als etwas Ungewöhnliches angesehen werden kann, hat den Leichenzug nicht zu einem außergewöhnlichen, der GeneHmi- gung bedürftigen gemacht,"_ 6encbt9- Zeitung. Eine wenig aufgeklärte Kindcsmordaffäre» die sich aus einem unter recht eigenartigen Umständen erfolgien Leichenfund entwickelt hatte, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Crüger das Schwurgericht des Landgerichts I. Unter der Anklage des versuchten Morde», begangen an ihrem neu- geborenen Kinde, hatte sich das 22jährige Dienstmädchen Anna Schulze vor den Geschworenen zu verantworten. Am 27. März d. I. hatten mehrere Arbeiter auf dem am Bahnhof Beuffelstraße gelegenen Müllverladeplatz den Inhalt mehrerer Müllwagen in die Eisenbahnlowrys zu schaufeln. Plötz- lich stieß der Arbeiter Peter auf einen länglichen Gegenstand, der sich zu seinem Entsetzen als die Leiche eines neugeborenen Kindes entpuppte. Es wurde sofort die zuständige Revierpolizei benach- richtigt, welche feststellte, daß der hier in Frage kommende Wagen Nr. 78 aus dem Hansaviertel gekommen war. Die recht nmständ- lichen Ermittelungen führten schließlich zu der Verhaftung der jetzigen Angeklagten, welche bei einem Konditor in der Lessing. straße als Dienstmädchen tätig war. Die Verhaftete, welche schon nach wenigen Tagen auf Antrag ihres Verteidigers auf freien Fuß gesetzt wurde, gab zu. dem Kinde bald nach der Geburt die Kehle zugedrückt zu haben. Es ergab sich dann aber die überraschende Tatsache, daß dieses Geständnis der Sch. in einem gewissen Gegen- satze zu den Gutachten des Geh. Medizinalrates Professor Dr. Strahmann und des Gerichtsarztes Dr. Strauch stand, welche die Obduktion der Leiche vorgenommen hatten. Die Befund ergab, daß keinerlei Zeichen einer gewaltsamen Einwirkung vor- Händen waren, und ferner, daß das Kind überhaupt nicht lebcns- fähig war. Diese Feststellung führte dazu, daß nur Anklage wegen versuchten Mordes erhoben wurde, da sich die Angeklagte nach ihrem eigenen Geständnis eines Versuchs mit taugliche» Mitteln„am un- tauglichen Objekt" schuldig gemacht habe. Vor Gericht beantragte Rechtsanwalt Sochaczcwer, die samt- lichen Schuldfragen zu verneinen und die Angeklagte freizusprechen. da nicht nur jeder Beweis dafür, daß die gefundene Leiche mit der des von der Angeklagten geborenen Kindes identisch sei, fehle, son- bern auch, selbst wenn man dies annehme, nach dein Gut- achten der Sachverständigen das Kind eines natürlichcii Todes ge starben sei.— Die Geschworenen verneinten auch so daß wurde. WWMWWDM. die Schuldfragen, die Angeklagte auf Kosten' der Staatskasse freigesprochen Graf Wolfs Metternich hat auf die Revision verzichtet. Dadurch rechnet vom Tage seines Verzichts ab die Untersuchungshaft als Strafhaft. Auch die Staats. anwaltschaft scheint bei dem milden Urteil sich beruhigen zu wollen. Oberleutnant v. Fetter hat. nachdem eine Strafanzeige der Frau Wertheim gegen ihn wegen FalscheidcS eingelaufen war, beantragt, die Untersuchung gegen sich selbst zu eröffnen. Die militärgerichtliche Behörde in Hanau— v. Fetter war vom zweiten Garderegimcnt nach Mainz, von dort nach Hanau versetzt— wird sich nun mit der Angelegen- heit befassen. )Zus aller(Heit. Grdbcbcnkatafti'opbe auf Sizilien. Wieder einmal ist die südlichste Spitze Italiens, die Insel Sizilien, von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Wenn die Katastrophe auch nicht den ungeheuren Umfang trägt wie das Beben, durch da-s die Stadt Messina in Trümmer gelegt wurde, so sind doch nach den bisherigen Meldungen 20 Tote und gegen 100 Verletzte zu beklagen. Besonders stark verspürt wurden die Erdstöße im Gebiete des Aetna, in der Provinz C a t a n i a. In mehreren Ortschaften, so in Guardia. Santa Venerina Rondinetta und M a r s ch i a, stürzten mehrere Hänser ein und begruben unter ihren Trümmern die Bewohner. In der Umgegend von G i a r r e sind allein 14 Personen ums Leben gekommen; viele wurden in den Straßen durch herabstürzende Balken und Mauern verletzt. Tie meisten Bewohner des Erdbebendistrikts hatten ihre Häuser, gewarnt durch einen gegen 10 Uhr vormittags einsetzenden leichteren Erdstoß, schon verlassen, ehe die stärkeren Stöße einsetzten. Da die telegraphischen Verbindungen teilweise zerstört sind, liege» genaue Nachrichten über den Gesainlschaden noch nicht vor. Ter Einwohnerschaft des ErdbebengebieteS hat sich große B e» stürzung bemächtigt, den» man befürchtet Wiederholung der Erd- stöße. Zur Hilfeleistung find Truppenabteilungen nach den vom Beben betroffenen Ortschaften beordert worden. Zwei schwere Zlntomobilnnfälle. Ein Lastauto der Vereinigten Eisenacher Brauereien fuhr bei dem Dorfe Sättel st edt gegen das eiserne Geländer der über die Hörtel führenden Brücke, durchschlug es und stürzte in die H ö r s e l. Der Wagenführer Pfeifer. Bater von vier Kindern, wurde unter den Trümmern begraben und war sofort tot. Sein Begleiter erlitt schwere Verletzungen. In der Nähe von P o s s e n d o r f in Thüringen fuhr in der Sonntagnacht ein zweisitziges Automobil in den Chausseegrabcn und überschlug sich. Dem Chauffeur S e i f f a r t h aus Weimar wurde dabei der B r u st k a st e n eingedrückt. Sciffarth war sofort t o t. Der Fahrgast kam mit leichten Verletzungen davon. Das Volk muft bluten. Wie die Belgrader Zeitung„Slampa" meldet, hat die serbische Regierung dem Staatsrate eine GesetzcSvorlage übermittelt, wonach die Prinzessin Helene eine A u s st e u e r von 2 500 000 Dinars(etwa zivei Millionen Mark) erhalten soll. Das kleine Serbien hat nach der letzten Zählung 2 853 000 Ein» wobner. Jeder serbische Untertan, die Säuglinge eingerechnet, darf es sich also zur Ehre anrechnen, einen Dinar als seinen Anteil bei- zutragen, daß eS der Prinzessin in ihrer Ehe an nichts fehlt. Damit sie in seidenen Betten schlafen und ans silbernen und goldenen Gerätichasten csien und trinken kann, mutz das Volk bluten, lind dabei ist die finanzielle Lage deS wirtschaftlich zurückgebliebenen Landes eine ganz jämmerliche; nicht weniger als 550 Millionen Mark Schulden lasten auf dem Lande. Kleine Notizen. Familiendrama. Aus Gram über den Tod ihres vor dre' Wochen verstorbenen ManneS versuchte in der Nacht zum Montag die Witwe S o r st e r e r in H a l l e a. S. sich und ihre drei Kinder dadurch zu löten, daß sie den Gashahn im Schlafzimmer öffnete. Beim Eintreffen der Polizei wurde die Frau und ein sieben Wotben alter Säugling noch lebend vorgesunden, eist sechsjähriges Mädchen und ein vierjähriger Knabe waren tot. Senchrnkrawall in Italien. Wegen Seuchcnverdachts wurden in der Orltchaft Segni mehrere Per'onen isoliert. Die erbitterte Menge zog vor das Rathaus. entwaffnete und mißhandelte die Karabinierie und legte Feuer ans Rathaus. Dieses wurde zum größten Teile zerstört. Die bestohlcne Post. Im Hauptpostamt von Toulouse sind zwei Briefsäcke gestohlen worden, von denen der eine Wertsendungen in Höhe von 100 000 Franl enthielt, der andere 6000 Frank in barem Gelde. Dir Opfer eines Sturmes. Amtlich wird mitgeteilt, daß bei dem letzten Taifun auf Formosa 675 Personen ge- töter und 677 verletzt wurden; 26 048 Häuser sind zerstört, 35 700 beschädigt und über 20 000 Hektar Felder sind verwüstet worden. «MesE«««»»»»SÄSSSA Unserem Freunde u. Kollegen Hermann Repschläner nebHt Frau senden die lirrzlichste» Glückwünsche zur Silberhochzeit llieoi'gaii.flzzetieiillellel'ei- arb. 1 Scbulbeillbr. ibll. Nu aber raus mit die Halben! Or.SimmeE Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. 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Harn-(spez. aus Go- ?°'?o«-Fäben> u. Spulum-Analyltn. nr. Homeyer 4 Co., Spezial-Ladorat.» e™Wich«r. 189, zw. K oneii- und «obre,lsti.,ße>. L§704. Pets. Nncklpr. öß3«- tt.(ojtenl. Geössnel von 8—8 --onnlagz oon 12— 1- jl.«WWW Santa Lucia Um«tcd vor Infektionskrankheiten tu schöhen, trinken die Völker des"Ut ohne Zusatz von Wete. Dass das Volksbcwass tscin richtig ist, haben mnere Oetehrten durch umfangreiche Untcrsnchnnrea bestitte» gefunden. DarA Vermischen gleicher Teile gcwölmlicbcn Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl der Infcktiouskcinie zu u vcrniditct, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so dass nach dem Bericht des Dr. Mfg Wasser durch Wciiuimt: absolut keimfrei wurde. 6e|f entliehe politische Volksversammlungen Heute Dienstag, den!?♦ Oktober 1911, 8 Uhr abends, in Berlau. 1 Kreis. Dräscis Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. A. Kreis. Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15. Nißles Festsäle, Dennewitzstr. 13. 3. Kreis. Ärinfiiliallen, Kommandantenstr. 58/59. Oewerkschaftshans, Engelufer 14/15. 4. Kreis. Südost-Säle, Waldemarstr. 75. Oraiiniann, Naunynstr. 27. Amlreas-Festsäle, Andreasstr. 21. Commeiiins-�äle(liitfin), Memeler Straße 67. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Flysium, Landsberger Allee 40/41. Volksversammlung für Taubstumme: F. Kreis. Schwelzergarten, Vor dem Königstor. 8oZ)bleii-£»äle(großer Saal), Sophienstr. 17/18. 9. Kreis. Beroltua-Festsäke, Schönhauser Allee 28. l'nlilmaims Theater, Schönhauser Allee 147. BbiZxlos Festsäle, Schwedter Straße 23/24. Borussia Festsäle, Ackerstr. 6/7. fSwiiiemüncler �esellschaftshaus, Swinemünder Straße 47. Fraukes Festsäle, Badstr. 19. Cranz, Kösliner Straße 8. Pharus-Säle(großer Saal), Müllerstr. 142. Pliarus-Säle(kleiner Saal), Müllerstr. 142. Boekbrauerel(Abt. II) Chausseestr. 64. Brauerei Patzenliofer, Turmstr. 25/26. Moabiter C*esellschaftsliaus, Wiclefstr. 24. Sophien-Säle(kl. Saal), Sophienstr. 17/18. Wcf%TÄ<0,nantt Teltow- Beeskow. Adlershof. Pcstanrani Kehmgräbener, Sislnarckstr. 66. Alt-Glieuleke. Habrecht, Frikdrichstr. 2. Bohnsdorf. Falkeurlch, Hilla Kahl. Britz. Uaddatz, llhaiissrrstr. 39. CharlottenburKx. UolksHaus, Rostneukr. 3. Köpenick. WilHelmsgarten, JuHaber Zcheer. Crünau. ReKaurnnt Duchauffonr, Küptniltier Ztr. 78/79. «ffohannisthal-�ieder-Schöneweide.|u Johannis- thal bei Koese, pardstr. 9. KöniKswusterhausen, Senzig, Zernsdorf und Nlederlehine.|u KönigswusterHausen, Altes ZchiitlraHallS. Bankwitz. Ebel, Muhleustraße. Bichtenrade. Wirtshans Lichtenrade» bei Deter, am KaHnHaf. Mariendorf- Marienfelde. Preuß, Mariendorf, Kur- strktnltraßt 44. Bixdorf. gohenstanfensäle» Kottbuser Kamm 76. Felsch, Knestbtlt'.>tr. 49. Hoppes Festsäle, Hrrmaunflr. 49. 7? 7? Rixdorf. Vastage-Festsäle, Kergltr. 151/152. „ Feldschlößchen, Elsenstr. 75. SchöneberK. Neue Rathaussäle, Meiningtt Ztr. 8. Steglitz. Kirkenwäldchen, Zchützeustraße. Teltow. Konow, öerlnitr Str. 16. Tempelhof. Wilhelmsgarten, Kerliner Str. 9. Treptow- Baumschulenweg. Sportrestanrant, Ereplom, Ellrukraße 1t6/lt7. Treptow- Baumschulenweg. Speers Festsäle, Kaum- schuleumell, Kaiimschlileultraße 78. IAH mersdorf. Gesellschaftshans, Withelmsane 112. Zossen Mäbendorf. Knrxner itt Josten, Karuther Straße. Spandau. Kranerei Pichelsdorf. Somitag, den 15. Oktober: Zehlendorf, Zur NennhaHn, MtN- strafje 56. 3 llljr nachmittags. Keferent: War KartH. Wittmsch, den t8. Oktober: A owawes, bri Schmidt, Whttmflr. 41/43. 8 ilht atirnds. Ilrferfiit: Krichstagsabgeardaeter Geck-Offruburg. Aieder» Barnim. Bernau. Sahmann. Sasdsrfer Straße. Borsigwalde. Jäschinsky» Karfigivalder Feßsale. Birken werder. Gesellschaftshaus, Kanptstr. 99. Frkner-Woltersdorf. Wärdischer Hof in Erkner. Franz.-Buchholz. Kähne, Kertiner Str. 39. Friedrichsfelde. Knbe, Pmzen-Altte 36. Bcrmsdorf. Forsthans, Angnsta-Killtoria-Straße 18. Bohen-Scbön hausen. Keyher, Lkrtiuer Str. 93. Karlshorst. Fürstenbad, Jnh. Aartkls. Kaulsdorf. Hamanns Geseltschaftshans, Frankfurter Ehanjsee. Blebtenberg. Schwarzer Adler, Fraiikfurter Ehaajsee 5/6. Mahlsdorf. Schliefe» Känomer Straße. nieder-Schön hausen. Ulitz, Ktanktllbnrgkl Str. 4. Ober-Schönewelde. WilHelminenHof» Wilhrtminenhsfstraße. Oranienburg. Waldhans Sandhansen, Schiitzrnstr. 34. Pankow. Dnm Surfiirsten, Krrliner Str. 162. Reinickendorf-Ost. Schiitzeuhans, Kefidenistr. 1/2. Rcinickcndorf-IAest. GichKorusäle, EichKornstr. 66. Rummelsburg. Eafö Kellevne, Kauptitr. 2 9tl•uc!>e um Befolgung meiner Aufforderung." Hoffmann, fortfahrend:„und bitte, die Versammlung zu bc- fragen, ob sie meine Anwesenheit wünscht."(Stürmische Zu- stimmung der Versammlung. Rufe:.Jawohl, natürlich soll er bleiben!") Vorsitzender:„Wir dürfen es nicht dulden!"(Rufe:.Quatsch! Warum denn nicht? Angstmeier!") Vorsitzender:„Meine Herren Rufer, wollen Sie die Kon- sequenzen tragen?"(Rufe:„Jawohl!") Hojfmann:„Fällt vielleicht der preußische Staat zusammen. wenn ich hierbleibe?"(Rufe: Unerhört, daß ein Abgeordneter nicht soll hier bleiben dürfen!) Vorsitzender:„Meine Herren, Sie kennen die Folgen nicht. Ich kann Herrn Hoffmann nicht reden lassen!" Hoffmann:„Ich habe gar nicht die Absicht, zu reden, nur zuhören will i ch." Vorsitzender:„Ich kann es nicht zugeben und vertage die Ver- sammlung."(Tosender Lärm.) Die Versammlung ist wildbewegt. Es herrscht eine groß« Er- regung. Von allen Seiten dringen Personen auf Hoffmann ein und verlangen, daß er dableibe, während einzelne Vorstandsmit- glieder ihn zum Verlassen des Saales zu bewegen suchen. Es bildet sich um Hoffmann ein wirrer Knäuel, und erst als die Glocke den Wiederbeginn der Versammlung verkündet, tritt etwas Ruhe ein. Vorsitzender:„Ich ersuche Herrn Landtagsabgeordneten Hoff- mann nochmals dringend, den Saal zu verlassen..."(Stürmische Unterbrechungen.)„Meine Herren, Sie wissen nicht, was morgen passiert, wenn Herr Hoffmann hierbleibt. Sie „Wissen nicht, was im Februar nachgefolgt ist, als Herr Ströbel in der Versammlung geredet... (Rufe: Schluß! Schluß!) Hoffmann:„Ich konstatiere, daß ich als Abgeordneter mir nicht einmal die Wünsche der Eisenbahner anhören soll, um sie im Parlament vertreten zu können."(Ungeheurer Lärm, allseitige Rufe: Hier bleiben! Das ist ein Skandal!) Vorsitzender:„Ich ersuche Herrn Hoffmann nochmals..." Hofsinann:„Sie brauchen sich nicht um mein Taktgefühl zu sorgen, ich weiß, was ich zu tun habe. Ich werde den Saal ver- lassen, um die Veranstaltung nicht illusorisch zu machen, kann es aber nicht verhindern., wenn die Hälfte der Anwesenden mitgeht!" (To-ende Zustimmung.) Vorsitzender:„Wem's nicht gefällt, kann Herrn Hoffmann folgen."(Rufe: Alle, alle raus!) Die Versammlung wird vertagt. ES entsteht ein wogendes Durcheinander. Die Stimmung ist sehr erregt. Ueberall fragt man: Warum soll ein Abgeordneter nicht hierbleiben? Was heißt bürgerliche? Sind wir nicht alle Bürger? Ein Vorstands- Mitglied ruft in den Saal:„Wir brauchen gar keine Abgeordneten, wir bringen unsere Wünsche selbst an!" (Stürmische Unterbrechungen. Rufe: So siehst Du aus!) Der Vorsitzende richtet an Hoffmann die Frage, w a ö ihn hergeführt habe. Hoffmann ruft: Tie Pflicht!(Händeklatschen und allseitige Zustimmung.) Vorsitzender:„Wem's nicht paßt, der soll mit raus- gehen!"(Großer Tumult.) Die Versammlung bringt ein drei- maliges Hoch auf Hoffmann aus, der den Saal verläßt. Der Saal lichtet sich; nur etwa 4— 500 Personen bleiben zurück. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung:„Ich konstatiere, daß Herr Landtagsabgeordneter Hoffmann den Saal verlassen hat. Jetzt sind nur noch Verbandsmitglieder hier.(Widerspruch.) Es ist ferner anwesend Herr Betriebsingenieur Lüders." Der Vorsitzende verliest darauf die Schreiben der ei-nge- ladenen bürgerlichen Abgeordneten, in denen sie ihr Fernbleiben entschuldigen.(Rufe: So ist'S recht: Die Eingeladenen kommen nicht, der Nichteingeladene, den die Pflicht hcrtrcibt. wird rausgeschmissen!) In der Erregung, in der die Versammlung sich immer noch befindet, gehen die Ausführungen des Vorsitzenden zum größten Teil verloren. Er bespricht die Teuerung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Verwaltung „ein Einsehen" haben werde. Von den Referaten wird auf Antrag in Anbetracht der Situation Abstand genommen und nur die sehr umfangreiche Resolution verlesen. Darin werden..ganz gehör- samst" die Wüniche der Eisenbahner aufgezählt, als da sind: Er- höhung bezw. Regelung der Löhne. Schutzkleider für die Arbeiter, die ständig im Freien arbeiten. Einführung von Arbeiteraus- schüssen. wo solck� noch nicht bestehen. Die Lohn- und Arbeits- bcdingungen der Gepäckträger, die zum Teil keinen Lohn von der Vemvltung beziehen und vielfach 18 Stunden am Tage ar- besten müssen, zu regeln,„damit sie wenigstens so viel verdienen, was zum Lebensunterhalt notig ist." Ferner sei„den Bohnunterhaltungsarbeitern der Erholungsurlaub nach Maßgabe der übrigen Arbeiter des Werkstätten-, Betriebs, und Verkehrsdiensles zu gewähren". U. a. wird in der Resolution ge- sagt: es kommt vor,„daß Handwerker, welche vollauf ihre Schul- bi.Sim*. tun und getan haben, nach Löjähriger Besämftigung noch Nicht den Höchstlahn erhalten, während jüngere häufig schon im Besitz desselben sind". Fast alle Frauen der Elsenbahn- arbeiter müßten mitarbeiten,„wenn nicht Unterernährung eintreten soll. Auch wird an die Worte„unseres erhabenen Kaisers" erinnert, wonach die Frau ins HavS" gehöre und die „Staatsbetriebe Mustcranstalten" sein sollten. Die Gepäckträger, die nur auf die Gelder vom Publikum angewiesen seien, müßten viele Arbeiten für den Betrieb der Eisenbahn leisten, wofür sie nichts erhielten. Mehr wie 10 Stunden sollte nicht mehr gearbeitet und der entstehende Lohnausfall müßte ausgeglichen werden. Den Gepäckträgern fei Urlaub zu gewähren unter Gewährung einer Lohnvergütung, was jetzt nicht der Fall sei. Ferner wurde eine Resolution des„Kartells Deutscher Reichs- und StaatSarbeiterverbände. Sitz Berlin", an den Reichskanzler zur Verlesung gebracht, die ebenfalls auf die Teuerung Bezug nimmt und in der„ihre Exzellenz in aller Ehrerbietung" gebeten wird, die zuständigen Herren Minister. Staatssekretäre und son- stigen in Betracht kommenden Stellen„Hochgeneigtest"(!!!) zu ver- anlassen, ihre Bediensteten durch Gewährung einer allgemeinen Lohnaufbesserung über die schwere Zeit hinwcgouhelfen. In tiefster Ehrerbietung usw. In der nachfolgenden Diskussion kam die tiefgehende Erbitterung und die große Not der Eisenbahner in ergreifender Weise zum Ausdruck. Durch die Ausführungen der Redner zitterte der Schrei nach Brot, nach Nahrung, nach Linderung des bedrückenden Elends, zitierte die mühiam verhaltene Empörung über die Zustände in den königlichen Staatsbetrieben. Man konnte es den Rednern ansehen, wie sie bei der Wahl ihrer Ausdrücke kämpften angesichts der Anwesenheit eines Betriebs- ingenieurs und so manch anderer Abgesandter der Verwaltung. Es herrsche in den Familien der Eisenbahner Unterernährung im wahrsten Sinne des Wortes. Der Magen knurre nicht mehr, er habe s i ch schon an das Hungern gewöhnt. Die Verwaltung habe sich bis jetzt nicht gerührt, sie werde wohl erst zulegen, wenn die Arbeiter verhungert sind. Es sei ein Skandal und blutiger Hohn, wenn ein Abgeordneter erkläre, es gebe keine Teuerung, denn die Töchter der Arbeiter gingen gekleidet wie Gräfinnen und die Arbeiterfrauen kauften das Beste vom Besten. Die Frauen der Staatsarbeiter müßten alltäglich mit blutendem Herzen ihre Kinder in fremde Hände geben und ihrer Arbeit nachgehen. Geradezu erschütternde Elendsbilder wurden in schlichter, ungekünstelter Weise entrollt. Auch wurde geklagt, daß die Betriebshandwerker nicht als Vollhandwerker be- trachtet würden, sie müßten im Monat 48 Stunden mehr arbeiten wie ihre 5lollegen und erhielten dafür zirka 20 M. weniger. Pen- sionäre bekämen 28 M. im Monat. Wohl stände ihnen das Jnva- lidenheim offen, davon könnten aber nur Junggesellen und Witwer Gebrauch machen. In einem Falle wurde dem Manne gesagt, er könne ins Heim gehen und die Frau zu ihren Kindern. 35 Jahre hätten die beiden Alten zusammen„gelebt und gehunger t", und auf ihr Lebensende sollten sie sich trennen. Löhne von 50 bis 00 M. seien an der Tagesordnung. Die beiden Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Inzwischen waren die große Menge der„Sezessionisten" nach der Hoppoldt-Brauerei" gezogen und Adolf Hoffmann schilderte den Anwesenden den Sach- verhalt. Er iei in die Versammlung gegangen, weil er eS für seine verdammte Pflickt und Schuldigkeit gehalten hätte, sich als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses über die Wünsche und Forde- rungen der Eisenbahnangestellten zu informieren, damit er im Ab- geordnetenhause auch wirksam für dieselben hätte eintreten können. Er hätte sich passiv verhalten und nur zuhören wollen. Es sei ihm auch zu Beginn der Versammlung ein Brief zugegangen, in dem er gebeten wurde, nicht zu reden, da die Verwaltung in diesem Falle dem Vor st and schlimme Folgen angedroht habe. Diese Bitte hätte er befolgt, auch wenn man ihn nicht aus dem Saal gewiesen hätte. Soziales. Was ist eine Taxsiberschreitung im Sinne de» Stellen» vermittler-GesetzeS? Diese Frage, deren Beantwortung einfacher erscheint, als sie ist, hatte das Kammergericht nachzuprüfen. Herr Jeske, der In- habcr eines großen Berliner Gesindcvcrmictungsgeschästs, hatte in seinem Betriebe durch Plakate und durch Gesck>äftskarten, die den erscheinenden Herrschaften eingehändigt wurden, bekanntgegeben, daß bis auf weiteres weibliche Personen von ihm nur vermietet würden, wenn die mietende Herrschaft die Gesamtgcbühr zahle. Er erhob also die für Berlin auf 0 M. vom Polizeipräsidenten normierte Gesamttaxe vom Arbeitgeber und glaubte sich so keiner Ge- bührenüberhcbung schuldig gemacht zu haben. Nun bestimmt aber K 5 des Stellenvermittler-GesetzeS vom 2. Juni 1010 im Absav II:„Haben beide Teile die Tätigkeit des Vermittlers in Anspruch genommen, so ist die Gebühr vom Ar- bcitnchmer und vom Arbeitgeber je zur Hälfte zu zahlen; cliio entgegenstehende Vereinbarung zuungunsten des Arbeitnehmers ist nichtig." Herr JeSke wurde wegen Uebertrctung des§ 12 des Gesetzes, welcher Gebührenüberhebung mit einer Strafe bis zu 000 M. bestraft, angeklagt. Die Anklage ging davon aus, daß mit Rücksicht auf§ 5 Absatz 2 eine Eebührenüberschreitung auch dann anzu- nehmen sei, wenn dem Arbeitgeber die Gesamtgebühr auferlegt und vom anderen Teile nichts erhoben werde, wie hier. Eine ent- sprechende Vereinbarung zuungunsten des Arbeitgebers wäre zwar durch§ 5 zugelassen, der ja nur eine solche Vereinbarung zu- Ungunsten des ArbeltnehmerS verbiete; hier läge eine derartige Vereinbarung aber nicht vor. Das Landgericht sprach den Angeklagten frei. Es nahm an, daß strafbar nach§ 12 nur sei, wer die Gesamttaxe überhebe, was hier ja nicht geschehen ist. Das Kammcrgcricht hob da» Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Entscheidung an das Landgericht zurück. Begrün- dend wurde ausgeführt: Der§ 12 des Gesetzes führe in Verbin- dung mit der Strafbestimmung über die Gebührenüberhebung in Klammern(§ 5 Absatz 1 bis 3) an. Daraus wieder sei zu ent- nehmen, daß sich der Stellenvermittler straffällig mache, wenn er vo» einem von beiden(Arbeitgeber oder Arbeitnehmer) mehr als die Hälfte der amtlichen Taxe nehme, die von der befugten Bc- Hörde an sich nur als Gesamttaxe habe festgesetzt werden können. Der Stellenvermittler dürfe von jedem Teile nur die Hälfte der Gesamttaxe nehmen. Eine Abweichung sei nur zulässig, wenn eine Vereinbarung vorliege, die den Arbeitnehmer entlaste zu- Ungunsten des Arbeitgebers. Nun werde vom Angeklagten geltend gemacht, eine solche Vereinbarung sei hier getroffen«durch kon- kludente Handlungen, indem die Herrschaften an der Kasse die volle Gebühr gezahlt hätten, nachdem sie aus den Geschäftskarten oder dem Plakat von der Absicht des Vermittlers Kenntnis genommen hätten. Ob hierin eine Vereinbarung an sich liege, könne dahin- gestellt bleiben, denn da? Gesetz meine gar keine Vereinbarung zwischen dem Stellenvermittler und dem Arbeitgeber, sondern eine solche zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. In der neuen Verhandlung müsse das Landgericht noch prüfen, ob etwa eine solche vorgelegen habe. Im anderen Falle sei I. strafbar. Gerichts- Deining. Ein Spießbürger in Wut. Am Stammtisch in HappoldtS Brauereiausschank in der Hafen- Heide saß im Kreise der Tafelrunde der Buchdruckereibesitzer Georg Klemm beim Abendschoppen. Es war zu der Zeit, als die Kellner des genannten Lokals streikten. Da betrat ein Angestellter des Gastwirtsgehilfenverbandes den Biergarten und legte Zettel auf die Tische, wodurch den Gästen Mitteilung von dem Streik der Kellner gemacht wird. Al» Herr Klemm die Zettel sah, ging eö ihm wie dem Stier, dem ein roteS Tuch vorgeholten wird. Herr Klemm geriet in Wut und mit ihm die ganze Stammtischrunde gleichge- sinnter Spießbürger. Empörung über die Handlung des„Streik- bruders" ließ die biederen Bürger von ihren Sitzen schnellen. Nur ein Gedanke beseelte die Eigentumsphilister:„Auf den Zettelver- tciler."— Gedacht getan. Die ganze Tafelrunde stürzte sich auf den Gewerkschaftsangrstellten Vehr, der ruhig seine Zettel auslegte und trieb ihn unter Stößen, Püffen und Schimpfwort«» zum Lokal hin- auK. Bei diesem„Heldenstück" tat sich der Bnchdruckereibesitzer Klemm besonders hervor. Er schlug den Gewertschaftsbeamten ins Genick, so daß dessen Kneifer zu Boden fiel und völlig zertreten wurde. Auch der Hut Vehrs wurde durch die Fäuste der braven Bürger arg beschädigt. Klemm schimpft«:„Der Lump, der Laus- bube, schmeißt ihn raus" und schob im Verein mit seinen Stamm- tischbrüdern den Zcttelverteilcr unter Püffen zum Gartcntor hinaus. Auf die von Behr eingereichte Pr.ivatklagc hatte sich der Buch- bruckereibcsitzcr Klemm gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Tempelhof zu verantworten. Hier zeigte er die Kehrseite seines Mutes. Alles stritt er ab. Er will weoer geschimpft geschlagen haben. Was man von dieser Ableugnung zu halten bat, geht schon aus der Tatsache hervor, daß Herr Klemm, als Bebr nach dem Vorfall die Feststellung der Person des Fausthelden bewirkte, eine falsche Adresse angab. Uebrigens gaben zwei einwandfreie, voll- kommen unbeteiligte Zeugen vor Gericht an, daß jeder Irrtum in bezug auf die Person des Herrn Klemm ausgeschlossen ist und er in der angegebenen Weise geschimpft und geschlagen hat. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Felix Behren», er- innerte daran, daß Streikende wegen der geringsten Ausschreitungen stets mit besonderer Härte bestraft werden. Deshalb könne der Kläger, der die Interessen der Streikenden vertrat, wohl erwarten. daß er gegen rohe Ausschreitungen von anderer Seite geschützt werde und das Gericht den wohlhabenden und sich zu den gebildeten Leuten rechnenden Angeklagten in eine angemessene Strafe nehme. Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, daß der Angeklagte sich in der angegebenen Weise schuldig gemacht hat. Herr Klemm wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 25 Mark verurteilt. Herr Klemm kann von Glück sagen, daß er so billig davon- gekommen ist. Läge der Fall umgekehrt, hätte der Streikzcttcl- Verteiler einen Gast aus gut bürgerlichen Kreisen mißhandelt, dann wäre sicher der Staatsanwalt im öffentlichen Interesse gegen den Zettclverteiler eingeschritten und kein Gericht würde eine geringe Geldstrafe für angemessen gehalten haben. Wer denkt hierbei nicht an das bekannte Wort:„Wenn zwei dasselbe tun ist cL nicht das- selbe."_ Eine sonderbare Streckbrecherbeleidigung. Bei Gelegenheit des Streiks auf Zeche Bergmann war ein Streikbrecher alltäglich von einem Polizisten begleitet von und nach der Grube gebracht worden. Ein Streikender hatte sich das Vergnügen gemacht, den sonderbaren Transport zu photographieren. Die Bilder sind dann vervielfältigt und ausgestellt worden. Die Vochumcr Strafkammer erblickte darin eine Nötigung, sowie eine unberechtigte Ausstellung photographilcher Erzeugnisse und verurteilte den Photographen in beiden Fallen zu je 25 Mk. Geldstrafe. Das Reichsgericht dürfte dieser Konstruktion sich schwerlich an- schließen._ OrdnungSmänncr. Zwei Gemeindevertreter aus Adlershof, die Herren Bach und Dr. Saling lagen sich am Sonnabend vor dem Köpcnilkcr Schösfcngcricht in den Haaren. Bach hatte gegen Dr. Saling Klage erhoben wegen beleidigender Aeußerungen, die Dr. Saling zum Gehcimrat Simmers über Bach getan haben soll. Der Sache liegt folgende Vorgeschichte zugrunde. Herr Bach besaß die Vollmacht des Fiskus, um bei Wahlen zur Gemeinde» Vertretung für den FiskuS die Stimme abzugeben. Das ärgerte den Dr. Saling; er ging flugs zum Geheimrat Simmers, dem Dezernenten bei der königlichen Eisenbahnbehörde, und bat dem Bach die fiskalische Wahlvollmacht zu entziehen, weil dieser ein unmoralischer Mensch sei, wie er selbst von sich behauptet habe. Darauf wurde die Vollmacht Bach entzogen und dem Bahnhofs- Vorsteher Herrn Huttloff in Adlershof übertragen. Bei der letzten Gemeindevertretcrwahl wählte nun dieser Bahnbeamte mit der Vollniacht des Fiskus just denselben Herrn Bach, dem der Fiskus soeben die Vollmacht entzogen hatte. Darob Enttäuschung und lange Gesichter bei den Herren. Wieder ging man zu Geheimrat Simmers und teilte mit, daß der unmoralische Bach nun doch ge- wählt worden sei. Geheimrat Simmers kam nach Adlershof und machte dem armen Bahnvorsieher darüber dienstlich ernste Vor- Haltungen, daß er unrichtig, so lautete die Aussage Huttloffs, ge. wählt habe. Beleidigt fühlte sich nun Herr Bach dadurch, daß Dr. Saling zum Geheimrat Stmmers gesagt haben soll, Bach sei unmoralisch und habe das selbst in einem Briefe anerkannt. Es waren im ganzen 17 Zeugen aufgeboten, von denen Simmers und Huttloff nur beschränkte Erlaubnis zur Aussage erhalten hatten. Unter anderem bekundete ein Zeuge Gläser» früher Journalist am„Köpcnicker Dampfboot": Er sei im Jahre 1908 zu Herrn Bach gegangen und habe 21 Beschuldigungen gegen iljn erhoben. Alle Anklagen bis auf eine einzige habe Herr Bach anerkannt. Die Serren wollten in der Ocffeiitlichkeit kein Auf. sehen erregen, weil auch dritte Herren kompromittiert waren. Sie trafen folgendes Abkommen: Bach muhte aus Gesuudheitsrück- sichten seine Aemter als Kirchenrat und Gcmcindeschöfse nieder- legen. Das geschah auch. Herr Bach damvstc flugs nach Karlsbad und teilte von dort aus dem Zeugen Gläser mit. er sei gesund- heillich zu schwach, die Bürde seiner Aemter weiter zu tragen. Nach der Aussage des Zeugen Gläser fragte der Vorsitzende, ob in eine Beweisaufnahme eingetreten werden solle. Da steckten die Herren die Köpfe zusammen und tuschelten eifrig miteinander. Die väterliche Ermahnung des Vorsitzenden:„Herr Bach, ziehen �-ie die Klage lieber zurück", brach denn schließlich alle Schranke» und das Schauspiel nahm folgendes Ende. Der Vorsitzende ver- kündete:„Herr Bach zieh» den Strafantrag zurück. Er erklärt» dies deswegen zu tun, weil durch die Wcitcrvcrfolgung der Privat- klage dritte Personen bloßgestellt werden könnten." Dr. Salin« erklärt,„daß seine Mitteilung an Geheimrat Simmers lediglich aus sachlichen Gründen im Interesse der Zusammensetzung der Ge- meindevertretung erfolgt sei". Die außergerichtlichen Kosten werden gegeneinander aufgehoben, die gerichtlichen Kosten übernimmt der Privatkläger. Noch ist Herr Bach Gemeindeverordneter und KreistaaSdelc- gierter. Ob man für diese beiden Posten weniger Gesundheit nötig hat, wie zu dem eines Schöffen und Kirchenältcsten? Ein angesehener Kaufmann als SittlichkcitSvcrbrccher. Der Kaufmann Laufköter. Inhaber des größten Göt'tinaer » � der einer sehr angesehenen' Hildesheimer katholischen Familie entstammt und mehrere Ehrenämter in der Gottlnger katholischen Gemeinde bekleidet, hat sich aegen kleine ''°ch n.cht schulpflichtige Mädchen, die er in feinen lockte, unsittlich vergangen. Er wurde am Sonnabend zu einem Jahre Gefängnis verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort ver- haftet. Die Vertreter der Presse wurden von dem Staa Sanwal gebeten, den Namen des frommen Mannes nicht zu nennen nickt einmal mit dem Anfangsbuchstaben. Weshalb?* Marktpreise von Perli« am I4.Ottober in,,„„rf. Rönlgltitirn iwlizewrasidwmS. M a r k t b a l l e n vreN� 100 Kilogramm Erblen. gelbe, zum Kochen 35(�fO rn SÄP«' w-ihe. 35.00- 50,00. Linlcn 40.00 80,00. Kartoffeln 7 00�14"O l Kilo" oramm flHtihfUtfrft nnn her Keule 1 aa. o cvJ. v«, J4.L.A �. Karvl-n 1,20—2,40. Aal- l.20-T80Zand°rl 4c�°'s�? W � Vmera-Creme 5 ff.& P. Uder, Berlin SO. 16, Bngcl-Ufer 5. Tabak-OroUliaiidlnng: und Tabakfabrik. BV Raucli-, Kau-, Scbnupitabake, Zigarren, Zigaretten."99 Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederyerkäufar. Größte Auswahl gelagerter Kignrrcu In allen Preislagen. 8 ämtlibho be- � � � 3 V E � � 6 ff � VrZNiili»fp>-«I«eQ. Kanuten Marken Amt 4, 3014. Sie waschen sieh nicht? mit L y k o( o r in- Toilette- Seife Das ist sehr schade für Sie, denn Sie bringen sich dadurch geradezu um einen Genuß I I.yuofurm- Toilctte-Selfo ist sehr mild und von zartem Duft, sie besitzt sq hohe kosmetische Eigenschaften, daß hr Gebrauch dringend empfohlen werden muß! Tel Amt Berliner Str. 40 Tel. Amt Lg. 199. Niederlage der lloiiiüonatliisclicii �Central- Apotheke Dr, Willninr Schwube-Lelpzle. Lieserunge» für fämfl. Kraiiken- f äffen Berlins u. Bormte. 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Brase.| « WWUHIimuUg Heute abend 7's, Uhr: Gala-Vorstellung. Frl. Dora Schumann, Freiheits- dressnron. Neue Sportspiele, geritten von 8 Herren. The flying boys, Trapez und Springakt. AiifSci'dein die tibrlffcn KaiiKtkfUrte. Um 9'� Uhr: Aufführung der mit so großem Beilall aufgenommenen Feerie IGOö Jahre auf dem Meeresgrunde in 5 Bilaem. Dir«Ktion; Willy Cremer. Täglich Den schwarze Anfang der Vors teil nn gen 5 Ihr.— Ende 11 Uhr. Hlcxander- jUe T« m �nter c'en platz iBifiiiinffln Linden Unter anderem; Neuzeitliche TurnUbiingen der Zentral-Tumanslall in Sloekliolm. Mutlen.Kolliers oxtra billige preise! Echte Skungs-Stolas von 125 31. an. Pelz-KütetHutstrei{cn Felle, Köpfe, Scbweiie in allen Fellarten. Eigene KyrsehBerei. Jedermann erhall die im Fenster ausgestellten Gegenstände sofort für den bezeichneten Preis. Dilta genau auf IVr. DlUC i|0 und Elle zu Welle z. achten. MolKliänser ann 200.00 M. einschl. Ausstellung an. Sttoin. g�ren-lnner Allee 00. 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Oftober, abends 8'/, Uhr: 27uL Grosse zirzensische Vorstellnngett. PASSAGE:::: ANOPTIKUM Die wilden Lebend! Heul°Derwische aus Ceylon mit ihren fanatisch. Produktionen. Merino, der lebende Amboß. AGA, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Voigt-Theater. Geiundbriuinen Badsiratzc 53. Heute: Gastspiel im Moabitcr Winter-Garte», früher �rtllLtlOt, Perle berger Str. 20. Die.Himmelsleiter. GclangSposte in 4 Alien v. W. Mann- stacdt.!l>!nsfk von G. Stessens. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Noacks Theater. Direktion: Gebert Gill. verlin N., Brunnenstrahe 16. Der Brandstifter. Melodram. Gemälde in 6 Akte» von H. Marr. Musik von Glas. Ans. 8'/, Uhr. Entree 30 Ps. bis l M. Ehren- und VorzugSkarten gültig I kSrngslSlikkasino. Holzmarktstr. 72. Ecke A exanderstr. Täglich! Emthlnsn.spe-Ialltitten Ans. wochent. 8, Sonnig. 6'/. Uhr. Ab Sonntag, d. 8. Oktober er., beginnen Familien-Nachmittags- Vorstellungen um 4 Uhr zu ermäßigten ��Preisen.(Entree 20 Ps.) Lssinu Ehesten Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr pfllmililidj der iiriif Kerliiier Meu- Schlligtr flrr srligt Kollschivsky. Sonnt. 3V> Uhr: ein«eib a. d. Volke. Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Kobi Krach. Bunter Teil. Nr. 14. AdnüiäSspalast I Am fiAhubo! Irkdridilftossc E I»- A r e n a 1 Millags von 12 Uhr bis 2 Uhr Korso bei Miiwik. i iVnclniiUtnsH: MililärkonzeFt«di Produktionen*. Sololäufern. Abends zum 818. Male: Oes grandlose Eisballett Montreal. Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: Der Ldohtertnn. und die übrig, orstklass. Kunstlaufproduktionen, Restaurant I. Ranges. Bis 6 Uhru. nach 19'/, Uhr j halbe Kassenpreise. "~------" v• i II W III Com-Varietd Frlcdrlchatr. 165. Heitere KOnstiji. Abende. 12 Attraktionen 12 U. a.; Das arkom, Zwerpnen-Duell. Entree 50 Ps. Volks-Iheatei'. RIxberf. Hermannftr. SV. Sonnlag, 22 /10.: Der jüngste Leut- nant.«esangsposse in 4 Allen Von Jacoblahn. Montag, 23. ,10: Um fremde Schuld. Schauspiel in 4 Allen von Hans Llden. MEsliäneiTTEHeT Stettiner Sänger Meyasl, Trillon, Seidel, Horst, Schräler.Schuhert GrflningA. u.R. Schräder. Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Sür de» Inhalt der Jatera übernimm» die Redaftto» de Publikum gegenüber feinen Beraittwortnng. [ Todes-Anzeigen SozialiieiiiokratischerWählvefeiD für den 4. Görlitser Viertel. (Bezirl 176.) Den Mügliedern jur Nachricht. daß unser Genosse, der Arbeiter VVilkelm Hasse (Manteusselstr. 76) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 13. Oktober, nach- mittags 3'/, Uhr. pon der Leichen- Halle des Zentral-Fricdhoses in Fr>cdrichsfelde aus statt. Um rege Beteitigung ersucht 222/16 Der Borstand. SoziaiMratiseherWahlvereiD für den 4. Herl. Reiebstags-Walilkreis. Görlitzer Biertel. sBezirl 222 I). Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Glas- arbeilcr WUKelm Schneider am Sonnabend gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Oktober, nachmittags a1/, Uhr, von der Halle des EmniauS-Äirchhoses in der Hermannftrahe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Boriiand. Zentralverbaoii der Glasarbeiter und-Arheiterinneii Deutsctilaods. Ortsverwaltung Berlin. Am 14. Oktober verstarb unser langjähriger Berbandskollege, der Slasschleiser Wilhelm Schneider. Wir werden sein Andenken stets in Ebren Halten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3'/, Uhr. aus dem Frledhos der EmmauS- Gemeinde, Rixdors, Hermann- stratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. SozialdeinokratiscberWablverein des 6. Berl Reichstags- Wahlkreises. K ach ruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Arbeiter Otto Sobota (Ackerstr. 113) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung hat am Man- tag, den 16. Oktoder, aus dem «tisabelh. Kirchhos, Prinzenallee. stattgesunden. 231/17 Der Borstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nach. richt. daß unser Kollege, der Haus- dicner Paul Nartmann am Ib. d. Mts. im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d«. Mi«.. »achmitlaa» 3 Uhr. von der Leichenhalle de» Geth�manc- Kirchholes. Nordend aus statt. vi uul'uo) l| lachininag« .'cichenhalle wchhoscs, 3 Den Mitgliedern senier zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken-Chausseur tieinrich Schul? am 14 d. Mts. im Alter von 4g Jahren vnstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. d. Mts., nach- mittag» 1 Uhr, vom Moablter Krankeith-'us nach d-m städlilchei� griedhos. Seeslraße statt. Xackicnk. Den Mitgliedein sel-ner zur Nachricht, daß unser Kolleg», der Kellerarbeller 7l/i2 .Julius Kröger am 12. b. Mt». im Astet von 58 Jahren verstorben ist. Ehr« thrrm Andeuke»! Dir vezirkSvrrwaltnng. m Danksagung. ■ M die überau« zahsrelche Teil- nähme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau unlerer guten Mutter sagen wir allen verwandten und Fremiden sowie dem Wahlverein, den Frauen des vereine, unseren ZellungSträgerinnen dem Verband der Schuhmacher' Maucherbund und Gesangverein Freier Männerchor, insbesondere sür die trostreichen Worte des Genossen Dr |K Schütte unseren innigsten Dank. Mowawe», den 16. Oltober ISU. HVilti. Juppe nebst Kindem. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigte. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Frgisor (iottkried Qrunwald am 14. d. Mts. an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen. Halle des Johannis-KirchhoseS in Ptötzensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltung. Verband der Branerei- nnd Biililenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Biersahrer August Ksther (Versuchs- und Lehrbrquerei) am 13. d. M. im Alter von 42 Jahren gestorben Ist. Ehre seinem Rndenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 17.' d. M, nach- Mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Virchow- Krankenhauses in der sniter Straße aus nach dem Sebastian-Kirchhas in der Hum- boidlstraße in Reinickendorj'statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 44/14 Die Ortsverwaltung. Am 14. Oltober, abends 7'/, Uhr, verschied»ach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Laier, Schmie- aeroaier und Großvater, der «chmalzfiederei-Besitzer August Kerner im 68. Lebensjabr. 272L Dies zeigt liejbeirübi Im Namen der tziiilerbliebene» an Aiignste Berner geb. Pfeil. Die Beerdigniig findet am Mittwoch, den 13. Okiober, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des Zeiittal-Fiiedbosed in Friedrichs- jeide au» statt. Kondolenzbesuche dankend ver- beten. Deut5Dher Holzarbeller-Verband! Den Miiglieder» zur Nachricht,• daß unser Kollege, der Maschinen-' arbeiier Otto Krause Roniiitteiier Str. 39, im Alier von 44 Jahren gestorben ist. Ehre seiuem Andeuke» k Die Beerdigung findet an, Mittwoch, den 18. Okiober,»ach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zenlralsi iedhoseS in Friedrichs, leide aus statt. Um reg» Beteiligung ersucht 96/11 Die Ortsverwaltung Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Todea-Anccig/e. Den Kollegen zur Nw daß unier Mitglied, der Näher Ulbert Kfiske verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 18. Oltober. nach- mittag« 3 Uhr, von der Halle deS Gemeindesriedhose»>n Ret» nlckenbors, Humboldlslraße. aus stall. >76/3 Der Vorstand. Verband der Demelnde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. Durch den Tod ist un» unser Wilglied, der Kollege Ernst Handtke Sektion III(Wasserwerke) cntvifjen worden. «Sir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestallung findet am Dienstag, den 17. Okiober, nach. mittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle der Golgaiha-Gemeinde st, der Barsnss'.raße aus statt. 31/16 Tie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die so zahlreiche BeieiNgnug und vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau sage ich allen BeHIi ,tcn, wshe�ndere den Kollegen der Firma Richard Weber u.(So. und den Ärbetlern und Arbeiierinnen der Firma Schneeweiß meinen innigsten Dank. Villi Beeker nebst Sohn. SomltakratisiMverein Kreis Hieder-Mm Bezirk Wilhelmsruh. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß unsere Genossin prsu Elise Buch verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Oktober,»ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhoses in Rosenlhal aus statt. 239/1 Um zahlreiche Beteiligung ersucht die Bezirksleitung d. Wahlvereins Verband der Ktaler, c>ur die vielen Beweise herzlicher tJ Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner leider zu srüh dahingeschiedenen Tochter Gertrud Hoffmann sagen wir allen denen, welche der Dahingeschiedenen die letzte Ehre er- wiesen haben, insbesondere dem 18. Bezirk, dem Sparwerei» Hosfnung und allen Freunden und Verwandien unseren herzlichsten Dans. Eltern, Geschwister. Bräutigam. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau, sag« ich allen Freunden, Belannlen, Verwandten und dem Sparverein.Rechioiet" meinen herzlichsten Dank. l*aiiK Gärtner. Sackierer» Anstreieher usw. Melchiorsiraße 28, Part. Male Zerttn. Fernsprecher Amt lV Rr. 4787. Donnerstag, den 19. Oktober 1911, abends B'/a Uhr: Mitglieder-Versammlung im„Gewerkschaftöhause", Engelufer 1s. T a g e s- O r d n u n g: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen W. Heine über:„Die Wünsche der Arbeitgeber auf Zerstörnng deS Koalitionsrechtrs". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom zlveiten und dritten Quartal 1911, 4. Verbaiidsangelegenheiteu, 130/2:S Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung erlvgrten wir vollzähliges Erscheinen der Kollegen. Mitgliedsbuch legitimiert;_ Die Orteverwnltnne. Stempel- FabrN von L» asbelt»echt, BerN» Oranienftr. I4S. lieseri schnell und billig alle Arten Stempel in bester AiwfiiHrung »autichuk-Xstpeu»Pevsett« >inn Fusammeiiietzei» einzeinor Wörie, sowie ganzer Säße po» t-liO At. an Orts-Krankenkasse der Konditoren, Pfefferknchler und verwandten Gewerbe. Orden». General-Versammlung am Dienstag, den Lt. Oktober. abends 81/, Uhr, in den AriinnhaUen. Komman- dantenstraße 67/68. T n g e s o r d n» n g: 1. Kassenbericht. 2. Wahl von 3 Vorstandsiiiitalitdern, 1 Arbeitgeber. 2 Arbeitnehmer. 3. Wahl von 3 Mitgliedern zur Prü- sünq der Lahresrechnung sür>!)U. 4. Verschiedenes. 879/8 Uer Vorstand. I. A.: Georg Torich. Vorsitzender. «Jaeksls Bettstuhl Ein Dritt, ein Bett. 1,90 Betilänge. :::: Preis 30 Bark:: Preisliste 198 gratis. Berlin, Markgrafenstr. 20. WHinchen. Dienerstr. 6. Gesundheits- u. Krankenptlege, /crbandstofle, Quinmiwaren etc. Berlin N-, Lothringer Str. 60. Lielerant für Krankenkassen Eigene Werkstatt. Oessentliche politische Versammlung des Wahlkreises Ruppin-Templin am Mittwoch, de«»8. Oktober, abend««'/. Uhr, bei Werntcke. Alterftr. IL3. Taeeß, Ordnung! „Dir politischen Parteien und die bevorstehende ReichStagSwahl.« Rejerent ist her Kandidat des Kreises, Sladtverordneter Euill Bttwke- Rixdors.— Freie Distusfion.... Zu dieser Bersn.i.iiitiiug sind alle in Berlin arbeitenden und ausäistgen RnpPin.Templiuer Loudsleute eingeladen. Erscheinen notwendig. 897/6 Der Einberuser: Richard Herbst, Leilestr. 7. ddsdi' ick jcMjanz klär Puhl doch rlie Slithd •<« underhät. In Dosen überall erhültlich. Fabrik;(Jrbail*1' 3.<>111111 Cliarlottenlmrg. Emil Wegehaupt 3 Weinbergsweg 3. 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Die Teilnahm, an den Versammlungen wird durch Stempel- vermerk im Mitgliedsbuch quittiert. Uta Ortsvorwaltamg. Verwaltnna; Beilin. Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8Ve Uhr: Vertrauensmänner Versammlung für läwtllche Branchen und Bezirke in de»„Konkordla- festHttlcn", Anbrcaöftrabe Rr. Ol. Tages-Ordnung: 1. Die neuen vctrimmuuge» in der ArbeitSvermittelung. ö. verdandsangelegenhoite«. Mitgliedsbuch und BertrauenSmännerkarle legitimiert.-MW Montag, den SS. Oktober, abends 81/, Uhr, im GewerkscIwartMliauMo, Kns/elufer 14, Saal 4i Vepsammlung fttr die Bewiebe, welche der Orts- krankeukasse der Tischler angehören. TageS. Ordnung: Stellungnahme zu tvr am 0. November stattfindenden Neuwahl der Delegierten.______ 90/10 Teilzahlung llaferi auf bequeme bei klein« top Any.ahlnnc in bekannter Güte (mit gHISter RiicksicM bei Krtnk- heil und Arbeitslosigkeit) E.Ctlin,llr.FnuikiiirMr.58. 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Welche Urwahl- bezirke und Wählerklasscn an diesen Wahlmännerersatzwahlen be- teiligt find und in welchen Wahllokalen sie zu wählen habe», das ist zu ersehen aus der Zusammenstellung der Wahlbezirke, die am Sonntag dem.Vorwärts" im Gebiet des Landtagswahlkreises Berlin V beigegeben war. Die Liberalen, die jetzt unter der Firma.Fortschrittliche Volkspartei" um die Gunst der Wähler werben, rechnen besonders in der 2. und der 1. Abteilung auf Erfolge. Ueber ihren Mißerfolg in der 3. Abteilung trösten sie sich in dem Gedanken, daß das Dreiklassensystem des Landtagswahlrechts, das in vielen UrWahlbezirken die Entscheidung über die Mandate der 2. und der 1. Abteilung in die Hand weniger wohlhabender Wähler und manchmal sogar in die Hand eines einzigen Wählers legt, den Liberalismus begünstigt. Berliner Freisinnsblälter haben am Sonntag einen Aufruf deS Wahlausschusses der.Fortschrittlichen Lolkspartei" veröffentlicht, der sich an alle liberalen Wähler be- sonders der 2. und der 1. Abteilung wendet und sie mahnt, ihr Wahl- recht auszuüben. Gegenüber dem Geldsacksvorrecht, daS den Liberalen durch das Dreiklassensystem gewährt wird, werden unsere Genossen mit um so größerer Pflichttreue am heutigen Wahltage ihre Schuldigkeit zu tun haben. Nicht allein bei den Wahl- mäunerersatzwahlen der 3. Abteilung werden sie dafür sorgen müfien, daß keiner unserer Wähler der Wahl fernbleibt, keiner seine Beteiligung für überflüssig hält, sondern Mann für Mann alle zur Wahl kommen, damit die Wahl- niänner der Sozialdemokratie mit möglichst großer Stimmen- zahl gewählt werden. Auch in der 2. und der 1. Ab- teilung, wo ja bei den früheren Wahlen in einer ganzen Reihe von Urwablbezirken gleichfalls die Wablmänner der Sozialdemo- kratie durchgedrungen waren und bei den heutigen Ersatzwahlen nicht nur unsere bisherigen Mandate behauptet, sondern auch noch neue dazugewonnen werden sollen, wird jeder unserer Wähler zur Stelle fein müssen, um für unsere Wahlmänner seine Stimme, die den Ausschlag geben kann, in die Wagschale zu werfen. Und selbst da, wo etwa ein Sieg für uns ausgeschlossen erscheint. darf keiner unserer Genossen und kein Freund der Sozialdemokratie es unterlassen, für die Sozialdemokratie zu demon» st r i e r e n. Gewählt wird in der zweiten Abteilung vormittags S— 12 Uhr. in der ersten Abteilung mittags 1—2 Uhr. in der dritten Abteilung nachmittags 3—8 Uhr. Gehe jeder m ö g- l i ch st rechtzeitig zur Wahl I Legitimation ist die vom Magistrat übersandte Wählerkarte, eventuell auch die Stcuerquiitlmg, der MielSkoulrakt, die Jnvalidenkarte. Auch die seit Ausstellung der Wählerliste aus ihrem damaligen Bezirk weggezogenen Urwähler wählen dort noch mit. Aus zur Wahl l Wer die Jnteresien des arbeitenden Volkes wahrhaft fördern will, der wähle nur sozialdemokratische Wahlmänner! DaS Zeutralwahlbureau befindet sich bei M o r i tz M i x, Skalitzer Str. 59. Tel.: Amt IV. 10383. Partei- �ngelegendeiten. Achtung, Versammlungsleiter! Die Leiter der heutigen Protestverfammlungen werden ersucht, sofort nach Schluß der Lersammluilgen einen knapp gefaßten Bericht über Zahl der Besucher, etwaige Zwischenfälle, polizeiliches Eingreifen und sonstige bemerkenswerte Vorkommnisse durch besonderen Boten an die Redaktion des„Vorwärts" zu schicken. Maricusclde. Am Mittwoch, den 18. Oktober, abends Z'/i Ubr: Mitgliederversammlung deS Wahlvereins bei Hans Hertmann. Groß- beerenstr. 73. Bericht vom Parteitag. Der Vorstand. Nieder-Schönewride. Heute Dienstag, abends Vl2 Uhr: Treffpunkt in den B-zirkSlokalen; 73/« Uhr Abmarsch zur Versammlung nach Johannisthal. Der Vorstand. Eichwalde-Schmöckwitz, Zeuthen und MicrSdorf. Arbeiter. Ar- beiterinnen. Parteigenossen! Wir verweisen aus die am heutigen Tage im Wedhornschen Lokal in Kö»igS-W»stcrhausen sta isindeiide Protestversammlimg gegen die Lebensmittelverteuerung und ersuchen um recht rege Beteiligung. Der Wahlvereinsvorstand. Lerimer I�acKricKten. Internationale AntomobilauSstellnng. Vier Jahre sind verflossen, seit die internationale Narofferiekunst sich in den weiten Hallen des„Zoo" ein Rendezvous gab. Run sind sie wieder zusammengekommen aus aller Herren Ländern, die Kraftwagenindustriellen, um ihre Erzeugnisse den kritischen und bewundernden Blicken der Interessenten und Nichtinteressenten dazubieten. Und in der Tat: wer die letzte Ausstellung besucht hat, kann bei der Besichtigung der jetztigen unverkennbar feststellen, daß in dieser kurzen Spanne Zeit auf dicsein Gebiete ganz Hervor- ragendes geleistet worden ist. Eine Unsumme von menschlicher Intelligenz. Erfindungsgabe und Tatkraft ist in diesen toten Gegenständen enthalten, und die Schilder der ausstellenden Firmen verraten nicht Name und An- teil derjenigen, die als Arbeiter des Geistes und der Hand— ungenannt und ungekannt— für karge Entlohnung ihr Bestes gaben und auch fernerhin geben werden. Wie kolossal der Aufschwung gerade dieser Industrie in der letzten Zeit Ivar. beweist allein der Umstand, daß seit 1907. die Zahl der Automobile(in der Mehrzahl Sujuswagen) in Deutschland von 27000 ans 58 000 gestiegen ist. Eine Zahl. die zu denken gibt und die bestätigt, daß Wohlstand und Lurusbedürfnis Hand in Hand miteinander in bestimmten Kreisen immer weiter um sich greifen., c r.. Der Andrang zu der Ausstellung ist andauernd sehr stark. Äm letzten Sonntag war die Besucherzahl besonders groß, nur langsam, quetschend und drängend konnten sich die Menschen in den Gängen Vonvärts'chiebe'n. Zivcifcllos bietet die Ausstellung auch dem Laien viel des Interessanten und Sehenswerten. Bon der Galerie herab gewährt die bunte quirlende Menge ein farbenfrohes fesselndes Bild. Die Ausschmückung der Räume hat diesmal die Ausstellungsleitung übernommen und für beide Säle einheitlich durchgeführt, und man muß es ihr lassen: sie ist mit viel Geschick und feinem Geschmack an ihre schwierige Aufgabe herangegangen. Die Einheitlichkeit der Dekorationen und Arrangements verleiht dem Ganzen einen ungemein vornehmen Reiz, alle schreiende Reklame, jeglicher Jahrmarktsplunder fehlt, im Gegensatz zu anderen Darstellungen, wo jeder Standinhaber seinen individuellen Geschmack— nicht selten seine Geschmack- losigkeit— zum Ausdruck brachte. Auch ist in der Beleuchtung ein verständiges Maß gehalten und die mit gelber Seide ver- blendeten Lampen verbreiten ein gedänipftes, diskretes Licht. Blendendweiße Balustraden ziehen sich an den Ständen hin und verstärken den freundlichen Eindruck noch. Blumen und Herbstlaub hat man reichlich zur Ausschmückung verwendet. Eisenträger und Strebewerk sind von wildem Wein umrankt. Viel Interesse und Beachtung wird den Tourenwagen und Kilonieterfressern entgegengebracht; aber auch die ge- schlossenen Herrschaftswagcn, die mit ihrem wohnlichen und molligen Innen: den vollendeten Ausdruck von Eleganz und Bequemlichkeit darstellen, sind ständig von Gruppen umlagert. Die Vehikel aller Systeme und Konstruktionen haben hier ihren Platz erhalten: Schwere Last- und leichtere Geschäfts- wagen. Zwei- und Dreisitzer, schlank wie ein Wespenlcib, Wagen in Eisorm, flotte„Torpedos". Feuerwehrwagen— alle. alle sind vertreten. Das Bestreben in der Automobilindustrie, den vielseitigen Wünschen des kaufkräftigen Publikums nach kleinen und doch stabilen„Autochens" entgegenzukommen, ist unverkennbar. Das zeigt sich darin, daß diese Typen reichlich ausgestellt sind. Doch auch die großen Herrschaft- licken Automobile finden ihre Liebhaber, wie die vielfachen Aufschriften:„Verkauft an..." beweisen. Sie kosten teilweise ein Vermögen, ungefähr so viel, wie ein einfacher Arbeiter insgesamt verdient, wenn er das biblische Alter erreicht und— immer Arbeit hat. Man kann's aber auch umsonst haben, wenn man es macht wie die Gräflich- Wertheimsche Tafeldekoration, Reisemarschall Metternich. Sehr reichhaltig und nicht weniger interessant ist die Teil- oder Zubehörausstellung, in der Motorteile. Reifen, Laternen, Geschwindigkeitsmesser, Pumpen usw. in Hülle und Fülle zu sehen sind. Ab und zu klingen die absonderlichsten und schauerlichsten Töne durch den Raum, Stimmen wie von vorweltlichen Ungeheuern. Es sind aber nur mehr oder weniger harmlose Signale, und auf diesem Gebiete überbieten sich die Industriellen förmlich in Ausartungen und Geschmacklosigkeiten. Das dumpfe Gebrüll der Hupen, das nerven- peitschende Heulen der Sirenen, die Fanfaren der Hörner und die Klänge der Schalmeien— alles probt wild durcheinander. Der Himmel bewahre uns vor der Zeit, wo all diese In- strumente massenhaft angewendet und auf den harmlosen Wanderer losgelassen werden— es ist nicht auszudenken! Die Luft wird in dem Riesenraum allmählich dick und schwer. Es ist um die Abendstunde. Der Strom von Menschen quillt ununterbrochen weiter herein. Eine flutende Lichtwelle leuchtet und flimmert auf das wogende Getriebe hernieder. Die Musik schmettert— oben klirren Kaffeetassen, Teller und Bestecke und elegante Gestalten mit glühenden Gesichtern rauschen durcheinander. Draußen braust der schneidende Abendwind und treibt die Menschen ins schützende, wärmende Heim. Die Droschkenkutscher, in die dicke Wintergarnitur eingemummelt, nicken auf dem Bock, und die Gäule lassen die Köpfe hängen, müde. immer tiefer, tiefer. Sie ahnen ihr mit Riesenschritten heraneilendes Schicksal nicht— noch eine Reihe von Jahren, dann wird der letzte brave Droschkengaul in Castans Panoptikum an verschwundene Zeiten erinnern. Ein internationaler Hotelbesitzcrkongreß ist gestern in Berlin zu- sammeugetreten. Auch die Hotelbesitzer sind inlernational. Ausnahmebestimmungen für offene BerkaufSftcllea im Jahre lSII. Der Polizeipräsident teüi mit: Es wird hiermit erneut zur öffent- lichen Kenntnis gebracht, daß gemäß der Bekanntmachung vom 11. März lgll für den Rest des JahreS 1911 im OrtSpolizei- bezirk Berlin die Bestimmungen des Z 139o der Gewerbe- ordiinng über die den Gehilfen. Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen und den dazu geHöngen Schreibstuben(Kontoren) und Lagerräumen zu gewährende Minde st ruhezeit und Mittagspause für folgende Tage des Jahres 1911 außer An- Wendung gesetzt sind. 1. Bei den Blumenhandlungen für den 24. und 25. November, 2. 9., 23. und 80. Dezember 1911. 2. Bei den Spielwarenhandlungen für den 3.-9., 11.-10., 18—23. Dezember 1911. 3. Be» den Buchhand- lungen für den 8. und 9., 11.— 16., 18.— 23. Dezember 1911. 4. B ei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 15. und 10., 18 bis einschließlich 23, Dezember 1911(8 Wochentage vor Weihnachten).— Abgesehen von dem für alle Sonnabende bestehenden Neunuhr-Ladenschluß dürfen außerdem im OrtS» polizeibezirk Berlin im Jahre 1911 alle offenen V e r l a u f S ft e l l c n am 15. und 18. bis einschließlich 22. Dezember für den geschäftlichen Verkehr bis 9 Uhr abends geöffnet sein. Ein Antomodiliinglück ereignete sich gestern früh 7 Uhr auf der Döberitzer Heerstraße. Um diese Zeit fuhr der Direktor Hardt der Neckarsulmer Fahrradwerke, von der AnlomobilmiSstellung kommend, in seinem Privaiautomobil mit Chauffeur die Straße entlang, um eine Fahrt nach dem Havcllande zu unternehinen. Unweit des Bahnhofs Heerstraße lies in der Fahrtrichtung des Kraftwagens ein Kind über die Straße: der Chauffeur bremste sofort, wodurch der Kraflivogen gegen die Bordiwwelle geschleudert wurde und sich in den Anlagen über'chlug. Direktor Hardt sowie sein Chanfsenr Woehrt würden bei dein Anprall in iveitein Bogen ans dem Gc- fährt auf das Straßenpflaiter geichlendert. wo beide bewußtlos liegen blieben. Im Krankeiihaufe Westend, wohin die Verletzleil gebracht worden ivaren, stellten die Aerzte bei dem Diretloi eine Sinckeiiquetscbung sowie andere schwere Verletzungen fest, auch der Chauffeur Halle erbcbliche innere Verletzungen davongetragen. Der Kraflioageii war völlig zertrümmert. Zwei Stosfnepper treiben seit einiger Zeit ihr gefährliches Unwesen in einem größeren Umfange. Zahlreich laufen die An- zeigen von den verschiedensten Leuten von Berlin und Umgegend. meistenteils aber von Gewerbetreibende», Grundbesitzern und Förstern ein. die den Gaunern in die Hände gefallen sind. Die beiden Schwindler fahren mit einem großen Fuhrwerk, das mit Stoffen scl)wer beladen ist, vor den Häusern vor. Während der eine, der sich als Chef ausgibt, auf dem Wegen bleibt, geht der andere in die Wohnungen und bietet den Leuten billige Stoffe zum Kauf an. Er versichert, daß die Stoffe von einem großen Tuchgeschäft herrühren, das in Konkurs geraten sei, und er die Ware zu einem spottbilligen Preise gekauft habe. Wenn er nun Kauflustige gefunden hat, so breitet er den Stoff nicht nur auf dem Tisch aus, sondern zeigte auch Rechnungen, nach denen die Ware sehr wertvoll ist. So legte er in einem Falle eine Rechnung über 500 M. vor. Dieselben Stoffe verkaufte er dann für 140 M. Die Käufer der Ware, die annahmen, hierbei ein Geschäft gemacht zu haben, mußten jedoch bald erfahren, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen waren. Als sie die Stoffe ihrem Schneider um Anfertigen von Anzügen übergeben wollten, erklärte ihnen äeser, daß es sich nicht lohnen würde, den Stoff erst zu verarbeiten, es sei sehr schlechte Ware und höchstens zusammen 25 M. wert. Die beiden Gauner begannen diese Schwindeleien vor einiger Zeit in Berlin. Da das Geschäft so gut ging, erweiterten sie ihren Kundenkreis auch auf die Vororte. Bisher war es der Kriminal- Polizei nicht möglich, die beiden unbekannten Schwindler zu er- Mitteln und zu verhaften. Ein internationaler Eittlichkeitsverbrecher. der seit ungefähr einem halben Jahre sein Unwesen treibt, ist von der hiesigen Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Einige Beamte be- obachteten auf einem hiesigen Bahnhof einen Knaben, der dort seit einigen Tagen herumlungerte. Sie erkundigten sich nach seiner Wohnung und erfuhren nun, daß er seinen Eltern vor kurzem entlaufen war und in der Stadt umherbummelte. Gefragt, wo er die'Nächte verbracht habe, gab der Bengel an, daß er bei einem Herrn in der Friedrichstraße gewohnt und geschlafen habe. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß dieser Herr in einem Fremdenlogis in der Friedrichstraße in der Nähe des Oranicn- burger Tores wohnte und sich dort für einen Schiffsoffizier aus- gegeben hatte. In der Behausung fanden die Kriminalbeamten noch einen zweiten ebenfalls 14 Jahre alten Burschen, der mit dem Fremden schon seit längerer Zeit zusammen wohnte. Der angeb- liche Offizier wurde festgenommen und als ein 80 Jahre alter aus Holland gebürtiger Heinrich Havinger festgestellt. Es ergab sich, daß er nicht Seeoffizier, sondern Offizier einer Privatgesellsckiaft in Ostindien ist und sich auf einer halbjährigen Urlaubsreise be- findet. Bei ihm wurden viele Photographien von Knaben be- schlagnahmt, die er auf seiner Erholungsreise an sich gelockt hatte, zuerst in Amsterdam, dann in Brüssel, London und Paris und zuletzt in Berlin. Havinger machte sich stets nur an junge Tauge- nichtse heran, die ihren Eltern davongelaufen waren. Sobald er das ermittelt hatte, fesselte er sie durch Geldgeschenke an sich, nahm sie dann zu seinen unsauberen Zwecken mit in seine Wohnung und gab einem nach dem anderen für mehrere Tage Obdach. So trieb er es auf seinem ganzen Urlaub in allen genannten Städten, bis er durch die Aufmerksamkeit der hiesigen Kriminalbeamten hinter Schloß und Riegel gebracht und dem Untersuchungsrichter vorge- führt worden. Die beiden Knaben wurden ihren Eltern wieder zugeführt. Zu einer Nevolverschießerei kam es am Sonntag abend in der Perleberger Straße. Twrt gab der Gastwirt Karow, der Inhaber einer Wirtschaft mit Damenbediernmg in der Perleberger Straße Nr. 21, auf einen Arbeiter Karl Faustmaun aus der Stendalcr Straße 3 einen Schuß ab. der den F. am Kopfe verletzte. Faust- mann befand sich, mit seiner Frau und siebenjährigem Kinde von Verwandten heimkehrend, auf der Straße und wurde Zeuge, wie Karow einen angetrunkenen Gast aus dem Lokale nach der Straße beförderte und in wenig einwandfreier Weise behandelte. Es sammelten sich viele Menschen an, die ihrer Empörung gegen den Gast- wirk Luft machten. Plötzlich zog Karow einen Revolver und feuerte einen Schuß ab, der Faustmann am Kopfe streifte. Die Kugel flog dann aus die Straße und sprang von hier aus durch die Scheiben in die gegenüberliegende Wohnung. Da die Haltung der jetzt noch größer gewordenen Zuschauermenge immer erregter wurde, flüchtete der Wirt in sein Lokal. Ein Schutzmann nahm ihn hier fest und wollte ihn zur Wache bringen. Die empörte Menge entriß dem Schutzmann aber den Wirt, der den Weg zup Woche angetreten hatte, und mißhandelte ihn. Schließlich kamen zwei weitere Beamte hinzu, wobei blank gezogen wurde. Auf der Wache wurde der Wirt nach Aufnahm» des Tatbestandes ent- lassen. Der Urheber des ganzen Vorfalles, der angetrunkene Ar- beiter, hatte sich während der Streitigkeiten aus dem Staube ge» macht und konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Ein gefährlicher Wohnungseinbrccher, der im März d. I. aus der Charilü, wohin er zur Wiederheistellung seiner Gesundheit ge- bracht worden war. entsprungen ist. konnte jetzt wieder ergriffen werden. Der 23 Jahre alte Bruno Görlich wurde nebst seinen Spießgesellen wegen eines Wohnungseinbruches verhaftet. Während diese zu längeren Strafen verurteilt wurden, gelang es Görlich zu flüchten und sich verborgen zu halten. Gestern früh ermittelte ihn die Kriminalpolizei in der Wohnung einer Frau Ella Meyer in der Wiefenstraße und nahm ihn fest. Görlich ist seit seiner Flucht wiederum an mehreren Wohnungseinbrüchen beteiligt gewesen. Schwere Brandverlevungen erlitt am Sonntag früh um B Uhr der Hausdiener Gustav Hennig bei einem Wohnungsbrande in der Swinemünder Straße 50. Dort stand bei Ankunft des Ig. Lösch- zugeS ein Zimmer völlig in Flammen. Hennig kam der Feuer- wehr fast unbekleidet laut um Hilfe rufend auf der Treppe ent- gegen. Er wurde mit Decken bedeckt und dann sofort nach dein Lazarus-Krankenhaus gebracht, wo man die Hoffnung äußerte. ihn am Leben zu erhalten. ' Der 13. Löschzug hatte nachts um 2 Uhr in der Luisenstr. 25 zu tun. wo ein Laden in Flammen stand. Es gelang, den Ar'aud auf den Laden, eine Filiale der Färberei von W. Spindler, zu be- schränken. Der Laden mit dem Inhalt an gefärbten und ge- reinigten Sachen konnte nicht mehr geschützt werden. Er brannte fast ganz aus. Die Entstehungsursache konnte nicht ermittelt werden. Betriebsunfall. In dem Betriebe der Firma W. Frese. Ruhe- platzstr. 13, ereignete sich gestern vormittag zwischen 9 und lv Uhr an einer großen Taselscheere ein Unfall, bei dem der Arbeiter Gabel vier Finger der linken Hand verlor. Derselbe erhielt auf der Unfall- ftation die erste Hilfe und wurde von dort nach dem Virchow- Krankenhause gebracht. Die Maschine ist zirka zehn Wochen im Betriebe. Bon«inigen Arbeitern ist der Firmeninhaber auf einen Konstruktionsfehler in der ersten Woche aufmerksam gemacht worden Abgeändert wurde jedoch bis heute noch nichts. Im Zirkus Busch ist am Sonnabend die neue Pantomime zum erstenmal zur Aufführung gelaugt. Sie betitelt sich„U 20" und bringt Bilder aus dem ScemannSleben, vor allem aus der Marine Patriotisch veranlagte Zuschauer können bei der Vorführung der militärischen Exerzitien der Matrosen gar nicht genug im Beifall- klatschen leisten. Die Ausstattung und Beleuchtung ist selbstverltänd« lich in diesem Etablissement glänzend.''�'�rstemv Arbeiter-Bildungsschule. Infolge einer schweren Erkrankung des Genossen Julian Borchardt muh der MittwochS-KursuS bis aus weiteres aussallen. Die Wiederaufnahme der Vorträge wird be- kanntgegeben. Arbeiter-Radfahrcrbund„Solidarität", Ortsgruppe Berlin Auf dem am Sonnabend, den 14. d. M., in der„Neuen Welt" statt- gefundenen Sporlabend hat das Los Nr. 1588 ein Fahrrad ae- Wonnen; da der Inhaber des Loses versäumt hat. seine Adresse an- zugeben, wird er hierdurch ersucht, seinen Gelvinn aeaen Rückoabe deS Loses bei Karl Prescher. Jahustr. 24. abzuholen. 8 Olympiabahn. 15. Oktober. Die für den Sonntag geplanten Radrennen konnten leider der nassen Bahn wegen w.ederum nicht stattfinden zum Bedauern der vielen Sportfreunde, die de» inter- esianten Progiamms weaen. da» ein Flieger-Match Arend, Rütt, Peter. Stabe in drei Laufen und den große» Herbstpreis, ein Dauer- rennen hinter Motoren über eine Stunde mi. der Besetzung Demke. Gunther, Miqiiel,_ Salzmann und Wallhour aufwies, gekommen waren. Es tsi ein enwhiedener Nachteil der sonst leicht zu be- fahrenden Holzbahnen, daß sie ber feuchtem Wetter der Schlüpfrigkeit weg«, nicht zu benutzen sind. Die Rennen sollen nunmehr am nächsten Sonntag zum Austrag kommen. Zeugen gesucht. Personen, welche am Montag.!>en 2. d. M, abends 6'/,- 7>/2 Uhr, zwischen Potsdamer Bahnhof und Papestrahe im elektrischen Zug einen jungen Mann. 35 Jahre alt, niitlelgrojz, mit blondem Schnurrbart, schwarzem, weichem Filzhut und blauem Schlips gesehen haben oder bemerkt haben, dag zwischen Papestrajze und Südende in einem Abteil ein Slreit entstanden ist oder gesehen haben, dast jemand aus dem Zuge stürzte, werden dringend gebeten. ihre werte Adresse bei Albrechr. SW. 47, Hagclbcrgerstr. 35, oder bei Albrecht. Lankwitz, Seydlitzstr. 25, abzugeben. Quittung. Nach Böhmen X. D. Z. Brief und Geld(100 M.) mit herz- lichem Dank erhalten und sofort an die Dresdener Hausangestelllenorgani- sation weilergeschickt. Freundl Gruß P.(Söhre. Vorort- JVacbricbten» Rsxdorf. Das neueriaute Elektrizitätswerk der Stadt Rixdorf ist am Sonntag früh dem Betrieb übergeben worden. Das inner- halb 14 Monaten erbaute Werk ist auf dem am Schiffahrtskanal be- legenen am Weigandufer, der Thiemannstraße. der projektierten Straße 33 und der Teupitzerstraße begrenzten rund 10 000 Ouadrar- nreter großem Areal mit einem Kostenaufwands von 3 Millionen Mark errichtet und macht einen stattlichen Eindruck. Es wird rechts und links von den Wohn- und Verwaltungsbauten flankiert, die in Putzbau ausgeführt sind. Zwischen-.dem östlichen Flügel, in dem sich ausschließlich Wohnräume für den technischen Direktor, den Betriebsingenieur und den Maschinenmeister befinden, und dem westlichen, der die Wohnung des Verwaltungsdirektors, im übrigen aber nur Bureauräume für die fortan gemeinsame Vcr Wallung der städtischen Werke enthält, liegt der terrasienarlige Vorhof, zu dem man vom Weigandufer auf Freitreppen emporsteigt, und der das umfangreiche unterirdische Kohlenlager vollkommen überdacht und verdeckt. Vor der Mittelachse des Werks, durch die Straße am Weigandufer von dem Borhof getrennt, erhebt sich au der Böschung des Schiffahrtskanals ein kleiner, mit dem Werk in unterirdischer Verbindung stehender Turmbau. Hier wird die aus oberschlesischen Gruben bezogene„Nußkohle durch die in dem Türmchen arbeitende Greiferanlage aus dem Schiff gehoben und nach Abwicgung durch eine automatische Wage einem Conveyorbetrieb übergeben. Diese Anlage bringt die Kohlen entweder in den vorerwähnten unterirdischen Kohlenhof oder un- mittelbar auf die über den Bedienungsgang zwischen den Keffcl» liegenden, aus Eisenbeton hergestellten Kohlenbunker von etwa 1000 Tonnen Fassungsvermögen. Die Conveyoranlage ist so kow struiert, daß das zunächst im Kohlenkeller gelagerte Material auch Von dorther auf die Bunker transportiert werden kann. auS denen eS wiederum automatisch gewogen in die Feuerung der Kessel stürzt, woselbst es auf elektrisch angetriebenen beweglichen Keltenrosten ver« feuert wird. So gelängt die Kohle ohne Staubentwickelung und ohne von Menschenhand berührt zu werden, auf unterirdischen un- fichlbaren Wegen, vom Schiff bis zur Verbrennung, lediglich mit Hilfe des vollkommen automatisch arbeitenden, elektrisch betriebenen Becherwerkes. In den Kesseln wird Dampf mit Spannung von 13 Mmw sphären und einer Temperatur von 380 bis 400 Grad erzeugt. Der Dampf wird sodann durch eine mit Absperrorganen versehene Ringleitung den im Maschinenhaus aufgestellten Dampfturbinen zu geführt. Diese Turbinen, die die neueste Errungenschaft auf dem Gebiete des niodernen Maschinenbaues darstellen, setzen die ihnen durch den Dampf zugeführte Energie dadurch in elektrische Kraft um, daß der Dampf durch scharfes Aufblasen eine mit vielen Tausenden kleiner Bronzeschaufeln besetzte Walze in die Drehung von 3000 Touren in der Minute versetzt, ohne daß an den Turbinen irgend eine Bewegung äußerlich fichtbar wird. Mit den Dampfturbinen unmittelbar verbunden sind die Dynamo Maschinen, die den elektrischen Strom letzten Endes erzeugen. Der Strom, der eine Spannung von 6000 Volt besitzt, wird der Hoch- spannungsschaltanlage zugeführt. In der nach den neuesten technischen Erfahrungen ausgestatteten Schaltanlage vereinigen sich die für Regulierung. Messung und Verteilung des Stromes erforder- lichen Apparate, mit denen das Werk reich ausgestattet ist. Um 11 Uhr wurde das Werk von den städtischen Körperschaften besichtigt. Oberbürgermeister Kaiser gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß. obwohl das Werk in allen seinen Teilen noch nicht gänzlich fertig sei. doch der Betrieb desselben habe prompt erfolgen können. Im Anschluß daran gedachte Redner anerkennend des StadtbauratS K i e h l, unter dessen Leitung daS Werk die archi- tektonische Ausgestaltung erfahren, sowie deS technischen Bauleiters Ingenieur V o ß, des nunmehrigen technischen Direktors des Werkes, der die gesamte maschinentechnische Anlage geleitet hat. Mit dem Wunsche, daß das Werk der zukünftigen Entwicklung RixdorfS dienen möge, schloß der Oberbürgermeister seine Eröffnungsrede. Hierauf traten die zahlreich erschienenen städtischen Vertreter den Rundgang zur Besichtigung der Anlagen an. Ueber die Behandlung der städtischen Arbeiter und die sonder- bare Auslegung der Arbeitsordnung führte in der letzten Stadt- verordnetenversammlung unser Redner folgendes aus:„Arbeiter, die Jahre bei der Sladt beschäftigt, aber aus Arbeitsmangel vornber- gehend entlasse» worden waren, sind veranlaß, woiden. beim Wieder- eintritt einen besonderen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen, der sie um olle in der Arbeitsordnung festgelegten Vergünstigungen jwie Sommer- Urlaub. Aniprnch'aus Zahlung der Differenz zwischen Krankengeld und Lohn. Rnheloh»' und Hiiiterbliebenenversorgung usw.» prellte. Daß dem die von Magistrat und Stadiverordnetenversammlung beschlossenen Bestimmungen für die Relikienversorgung entgegen- standen ha: die Berschlechierer der Arbeitsbediiigungen uichi beirrt Geradezu grotesk ist die Tatsache, daß Arbeiter, welche im Winter der Arbeitsordnung unterstehen, während des Sommers nach einen, anderen Betrieb versetzt werden, wo sie durch An- erlennung des Sondervertrages dann nicht bloß den Bestlmmunge» der Arbeitsordnung einzogen werden, sondern auch trotz mehrjähriger Dienstzeit Lohnkürzungen von 50 Pf. und Arbeits- zeitverlän gerungen um mehrere-stunden pro Tag über sich ergehen lassen inüssen. Wie die Hungcrpellsche geschwungen wird, beweist ein eigenartiger Fall. Ein Arbeiter, der vor 3Vjj Jahren infolge Differenzen mit einem inzwnchen wegen Trunkenheit entlassenen.Vorgesetzten" gemaßregelt wurde, trat kürz. lick in eineni anderen Betriebe wieder ein. Nach wenigen Tagen schon erhielt er wieder seine Entlassung— auf Anordnung„von oben", wie man ihm sagte. DasKoatilionSrecht wird den Arbeitern vorenthalten. So hat der Oberinspektor der Straßenreiiiigung „seinen" Arbeitern gesagt:„Wer in den Verband geht, wird raus- geschmissen"; ein andermal äußerte sich derselbe Herr über einen organisierlen Arbeiter:„Bisher habe ich ihn immer iur einen an» ständigen Kerl gehalien: jetzt hat er sich wohl durchgefressen, nun wird er frech". Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen oktroyierte man den Arbeuern durch eine Erhöbung deS Krankengeldes in der Betriebskrankenkasse auf. Dadurch ersparte der Magistrat sait voll- ständig den Lohnzuichuß zum Kranlengelde, während die Ardciler die Erhöhung des letzteren durch erhöhte Beitrage alifbringeu müssen. Die Tätigkeit der Arbeiterausichüsse scheint man systematisch zu unterbinde»; Anträge, welche im Februar und SPuii bereits ein. gereicht wurden, sind bis September respektive bis heute noch nicht beantwortet worden. Wir ivolle» abwarten, ob der Magiiirat die von unserem Redner gerügten Mißstände abstellen und für die ordnuiigsgemätze Durchführung der von vornherein für die Arveiter Das erste Bolks-Symphonle-Konzert, beranstaltet von der Stadt Rixdorf mit dem Blüthiier-Orchester unter Leitung des Hoikapell- ineisters Eduard v. Strauß, findet am Freitag, den 20. Oktober, abends S'/a Uhr, in der Neuen Welt", Hasenheide 108—114, statt. Billetts zum niedrigen Eintrittspreis von 30 und 50 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Verkaufsstellen der Neuen Well sowie an der Abendkasse zu haben. Charlottenburg. Eine Vcibeffcriing der Straßenbahnverbindnngen für Charlotten- bürg hat der hiesige Magistrat in einem Vertrage mit den Straßen- bahngesellschaften erreicht, der jetzt der Stadtverordneten- Versammlung zur Zlistimmung vorliegt. Es ist beabsichtigt, bis auf weiteres die Linie 33 mit dem jetzt an der Leibnizstraße endigenden Teil im 15 Minutenverkehr und die Linie 08, ebenfalls i» 15 Minuteiiabständen zu verlängern und sie durch die Kaiser- Friedrich-Straße zu führen. Der Einbau der neuen Gleise erfolgt gleichzeitig mit der Asphallierung der Straße. Nach Fertig- stelliing soll der Betrieb durchschnittlich in 7'/- Miiiutenabstäiiden er- folgen. Durch diese Strecke wird eine Verkehrsverbiiidung mit dem Potsdamer Platz, dem Zentrum von Berlin sowie dem Anhalter und Görlitzer Bahnhof erzielt. Weiter soll vom Sophie-Charlotte-Platz aus eine Linie auf dem Kaiserdamm zunächst bis zum Reichskanzlerplatz, später bis zum Bahn- Hof Heerstraße gebaut werden. Durch Verlängerung der Linie 17 wird so eine Verbindung zwischen Kupfergraben und dem Reichs- kanzlerplatz geschaffen. Große Strecken eigenen Bahnkörpers(Kaiser- dämm und Bismarckstraßes sowie die Führung durch den Tiergarten eruiöglichen dabei eine schnelle Fahrt. Durch Fortführung der Linie I) vom Nollendorfplatz aus über den Zoologischen Garten nach dem Reichskanzlerplatz werden weiter die westlichen Stadlviertel Char loltcnburgs mit Schöneberg verbunden. Doch will sich die Straßen bahn zu dem Bau auf dem Kaiserdamm nur unter der Voraussetzung verstehen, daß Berlin oder der Zweckverband gestalten, auf den Linien, die den Tiergarten durchqueren, einen Tarifsatz von 15 Pf einzuführen. Falls diese Zustimmung nickt erteilt wird, will Char lotienburg für die ersten zehn Jahre keinerlei Abgabe, für die späteren eine solche von 2 M. für das Meter Doppelgleis erheben Schließlich verpflichtet sich die Straßenbahn, ihre Endhalte stell am Luise n platz aufzuheben und die dort endigenden Linie» weiterzuführen. Pflcgcstelle für Kinder über sechs Jahre, jedoch nur in Char lotienburg. sucht die Charlottenburger Waiseilverwaltung. Es wird ein monalliches Pflegegeld von 13 M. gezahlt und Bekleidung, ge gebenenfalls auch ärzlliche Behandlung und Arznei gewährt. Meb dünge» werden baldigst an die Geschäftsstelle der Waifenverwaliung. Charloltenburg, Kirckbofstr. 0, erbeten: mündliche Meldungen da selbst Erdgeschoß, Zimmer 7. werktäglich von 12—2 Uhr. Der städtische ArSeitSnachweiS Charlottenburg macht zur be ginnenden Gesckäftssaison auf seinen kostenlosen Nachweis für Wasch und Reinmackfrauen, Plätterinnen. Näherinnen iowie Aufioärterinnen und hauswirtickastliche Aushilfen aufmerksam. Bei jeder der Frauen- ableilungen: Wittenbergplatz 4, Amt Charloltenburg 1487, Berliner Str. 81, Ami Charloltenburg 7673 und Kanlstr. 69, Amt Charlotten bürg 4502 kann die Anmeldung offener Stellen während der Dienst stunden von 9—12 und 3—7 Uhr erfolgen. Steglitz. Die Geschäftemacher an der Arbeit. Der Krämerfinn und Geschäftsneid läßt einen bestimmten Teil unserer Gewerbetreiben den nicht zur Rübe kommen. Mit dem verpönten Achmhr-Ladew schlutz hat man sich nun wobt oder übel abfinden müssen; der prophezeite Ruin vieler Geschäftsleute tft— wie jeder vernünftige Mensch vorher wußte— nicht eingetreten. Dasselbe Resultat wird die von den Handlungsgehilfen propagierte Sonntagsruhe haben, wenn sie einmal Gesetz geworden sein wird. Aber bis zu diesem Zeit punkte wird in Versammlung und Petitionen behauptet und..bt wiesen" werden, daß dann unbedingt der ganze Kaufmannsstand Pleite geht. Um etwas Abwechselung in die Sache zu bringen, stürzt man sich zwischendurch einmal auf den verhatzicn Wochenmarkt. den man am liebsten verboten sehen mochte; weil sich das aber vor- aussichllich doch die übrigen Mitbürger nicht gefallen lassen wür den, begnügt man sich mit Beschlüssen und Eingaben an den Ge- meindevorftand, um eine Beschränkung zu erzielen. Neuerdings hat man nun wieder ein ganz neues Angrlffsobjckt entdeckt: die Friedhofs- und Gemein degärt nerei. Wie die Lokal presse berichtet, hat kürzlich eine Sitzung von Jntcrcssemen slalt gefunden, in der über die Konkurrenz gezetert wurde, die das Gemelndeinstitut angeblich den hiesigen Handelsgärtnern und Älumenhändlecn mache. An der Sitzung nahmen neben eineln «chöffen auch mehrere Gemcindevertreter ieil; den Vorsitz führte Gemeindevertr. Jürgens, der auch im Gemcindcparlament immer den Schutzengel deS Mittelstandes mimt. Ter Referent, Hoflicfe rant Dicze, wandte sich unter anderem auch dagegen, daß die Ge meindegärtnerei Pflanzen kaufe und zu billigen Preisen wieder verkaufe und verlange, daß der Verkauf von Blumen und Bindereien auf dem Friedhof an einen Handelsgärtner zu verpachten sei Also um einem einzelnen Menschen einen risiko- und mühelosen Gewinn zuzu 'chanzen, möchten die Herren nicht nur das Monopol zur Aus Plünderung der gesamten Bürgerschaft ergattern, sondern auch nebenbei den mit beträchtlichen Gcldopfern erworbenen Gemeinde betrieb erwürgen. Wie hätten dann wieder den gleichen Zustand wie früher, als der Friedhofsauiseher dasselbe Geiehäfl als„Neben erwerb" betrieb und daraus eine Riesencinnahme bezog. Wenn es in dem Bericht heißt, daß die anwesenden Vertreter der Gemeinde ich in durchaus wohlwollendem Sinne äußericn, dann sind wir der Meinung, daß sie sich sicher in Gegensatz zu der übergroßen Mehr- heit der Bürgerschaft gestellt haben, die durchaus nicht wünschen kann, daß sich c i n Gewerbetreibender auf Kosten der Allgemein- heit die Taschen füllt. Groh-Lichterfelve. Heute Dienstag in der Zeit von 6 bis 8 Uhr abends finden im Saale des Herrn Wabrendorf. Bäkestraße 22. die Arbeitnehmer- verlreterwahten zur hiesigen OrlSkrankeiikasse statt. Als Wahl» legitimation dient Milgtieoskarte oder BelÄcinigung vom Arbeitgeber. Die Wahlzeit ist so gelegt, daß jeder, auch der außerhalb Wohnende, lein Wahlreckt ausüben kann. Es wird daher eine zahl- reicke Beteiligung der organisierten Mitglieder erwartet. Die Gewcrklchasts-Unterkommission. Mariendorf. Ein entseylicher Betriebsunfall ereignete flck gestern nackmliiag in der hiesigen Gasanstalt. Beim Inbetriebsetzen eines Ofens erfaßte die Förderkette den in der Gasanstalt beschäsligten Arbeiter Kraft aus Lankwitz so unglücklick daß ihm daS linke Bein bis zum Knie abgerissen und der Oberickenkcl gebrochen wurde. Der Ver- unglückte fand Ausnahme im Krankenhaus. Adlershof. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam hier am Sonniagabend gegen 7,/3 Ubr zum Ausbruch DaS Feuer wüiete im Dackgeickoß >es großen EckdauseS Handjery- und Radeckestroße und nahm bei dem herrsckende» Winde bald eine große Ausdehnung an Bei An- kunst der Orlswehr stand die ganze Front deS DacksliihleS an der Radeckestraße vollständig in Flammen. Auf den Feuerschein eilten auch die Feuerwehren von Alt-Elienicke. die Kahlbainnsche Fabrik- feuerwchr, von Bauiiischiilcnweg. Treptow. Nieder-Sckvneweide und Grünau zur Hilfeleistung herbei. Der Löi'ckangriff crsolgle mit mehr als zehn Rohren. Trotzdem dauerte eS t'/a Stunden, bis die Hauptgefahr als beseitigt gellen konnte. Ter Dachstuhl wurde größlenteils eingeäscherr. Auch die Wohnuiigeil im Obergeschoß baden durch Wasser stark gelitten. Die Ursache de? Feuers wird aus Brandstistiing zurückgeführt. DaS Eckhaus geHort zu einem großen Ecbäudekomplex einer Genossenschast. Die vollständige Ablöschung und die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis gegen Mitternacht hin. Unfälle sind nicht vorgekommen. Trebbin(Kreis Teltow). Der städtische Berwaltungsbcricht und kommunale Angelegenheiten. Dieses Thema beschäftigte eine am Mittwochabend im alten Schützen- Hause lagende, vom Gewerkschaftskartell einberufene öffentliche Bürgerversammlung. Zu der Versammlung waren der Bürgermeister Baudach sowie der Beigeordnete Zigarrensabrikant Schurig schristlich eingel�>en. Beide Herren halten es jedoch vorgezogen, nicht zu er» scheinen. Gegenstand der Kritik war die bereits von uns mitgeteilte Stelle des VerwaltnngsberichtS. Es waren annähernd 400 Personcn erschienen, denen an der Hand von Tabellen usw. nachgewiesen wurde, wie elend eS um die Löhne in Trebbin steht. Eine große Verblüffung riefen unter den erschienenen Bürgern die überaus traurigen Löhne der Tabakarbeiter hervor. Nackdem der vom Bürgermeister abgefaßte Bericht durch mehrere Genossen zerpflückt und von allen Seilen ins ricklige Licht gestellt worden war, gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Die heute vom GewerlschastSkartell einberufene öffentliche Bürgerversammlung protestiert ganz enlschieden gegen die Vorwürfe, die in dem vom Bürgermeister Baudach den Sradlverordneten zur Einsicht vorgelegteil Verwaltungsberickl enthalten sind. Die Vcr- sammlung richtet an die anwesendeii Stadlverordnelen den Wunsch, die in den« Bericht angegriffene Bevvllerungsklasse an gegebener Stelle in Schutz zu nehmen. Heinersdorf. Aus der Gemeindcvertretcrfitzung. TaS der Gemeinde gehörende vormals Andressche Grundstück wurde für 900 M. jährlich au Herrn Steinsetzmeister Hauschildt verpachtet. Für die Besprcngung'der Straßen soll ein Wagen der Firma Helmers zum Preise von 1005 M. angeschafft werden. Zur Aufbewahrung der Straßenreinigungsutensilien sowie der Schulturngeräte wurde der Bau eines Schuppens der Firma Schreiber, Franz. Buchholz zum Preise von 3517,15 M. übertragen. Die Pflasterkosten der Berliner Straße will die Gemeinde vorläufig selbst übernehmen, jedoch später von den Anliegern wieder einziehen. Der Anfertigung eines Be- bauungsplancs wurde zugestimmt. Die Kosten- betragen 3000 M. Eine längere Debatte entspann sich bei der Beratung über die Er- bebung von Beiträgen zum. Bau der Brauchwasierkanalisation. Der Vorschlag der Kommission, der Höhe der Beiträge die Größe der bc- baubaren Fläche des Grundstücks zugrunde zu legen, wurde von Herrn Müller, seines Zeichens Grundstückspekulant, heftig bc- kämpft, weil nach seiner Ansicht dadurch den- Besitzern von Fabriken, welche ihre Grundstücke nicht so gut ausnutzen könnten, Nachteile entstehen würden. Darauf wurde der Vorschlag der Kommission abgelehnt, und der technische Beirat beaustragt, für die nächste Sitzung einen- anderen Berechnungsvorschlag vorzulegen. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung wählte in ihrer letzten Sitzung den Stadiverordneten Gruba» und Genossen Salzmann als Beisitzer. und den Stadtverordneten Gieie und Genossen Krüger als Stell- Vertreter zu der am 16. und 17. November 1911 statlfindenden Stadiverordnetenwahl. Die Eisenbnhiiverwaltung beabsickligt, von dem städtisckeii Wasserwerk das Wasser zum Belrieb zu einnehmen. ES wurde beicklosien, den vierteljährlicken Wasserverbranck von 1001 bis 3000 Knbilmeter zu 12 Pf., von 3001 bis 5000 Kubikmeter zu 11 Ps., und von 5001 und mebr Kubikmeter zu 10 Pf. pro Kubil- meter abzugeben. Dem Landmesser Küchenmeister wurde eine Ab- schlagssumme von 5000 M. für seine Arbeilen an dem städtischen Bebauungsplan bewilligt. Zwecks Schaffung einer städtischen Kanali- salion wurde vom Stadtverordneten Dr. Wieners beantragt, eine Kommission zu wählen, welche mit den scklennigen Vorarbeiten betraut werden sollte. Der Antrag lourde jedoch inil der Molivierung, die Wahl der Kommission erst nach den siatigesiindcnen Stadl- verordnetenwahlen vorzunehmen, abgelehnt. Hierbei fand ein Jnter- mezzo zwischen dem Bürgermeister und dem Dr. Wieners statt. Der Bürgermeister kritisierte nämlich, daß Dr. Wieners den Antrag ein- gebracht habe, um wohl zeigeir zu wollen, wie tüchtig er für die Stadt ernlrete, der Magistrat habe sich jedoch schon längst mit der Materie befaßt. Dr. Wieners erwiderte hierauf, daß er sich eine derartige Kritik deS Bürgermeisters entschieden verbitte. Zum Schluß wurde der Entwurf einer neuen GeichäftSordnung beraten und angenommen. Groft-Schönebeck. Eine prächtige Versammlung unter freiem Himmel fand auf dem Maaßschen Grundstück am Sonntag statt. Trotz der kühlen Witterung halten sich über 300 Teilnehmer, darunter auch der greise Amis- Vorsteher und viele Kriegervereiiiler. eingeslinden. Genosse Stadt» bogen referierte, osl von Beifall unterbrochen, über Teuerung. 'riegsheye und Reichstags wähl. Nach ihm ergriff als Gegner ein Schriftsteller F e d o r das Wort. Er war eigens von den„Patrioten" aus Berlin verschrieben und hatte sich sogleich nach 'einer Ankunft in Groß-Schönebeck beim Amisvorstehcr gemeldet. Selten ist wohl ein Redner öffeittlich aufgetreten, der durch seine staunenswerte Unwissenheit der einfachste» Dinge gepaart mit Selbst- überhebung stürmischen Widerspruch und Gelächter so stark auslöste, wie dieser Wanderredner. Die Zwischenriife einiger Frauen und Kleinbauern waren oft so erregt, daß der Leiter der Versammlung Genosse Thurm. Mühe Halle, dem Redner Ruhe z» verschaffen' Den Gallimathias des Redners zerpflückte dann Stadthage» unler lebhafter Heilerkeit. Die Aersammluna schloß mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Die Freunde des Herrn Fedor die schon bei seinen Aussührungen recht lange Gesichier gemacht fiattcix, waren von dem unerwarteten Erfolg der Versammlung wenig «>it«eri,n>r?iji>ersi.r» vom 10. Ctiolet 1911. ttaBtna S El ts! !Se <5 2 ia B? pivm-mik-i 778 CSD ijumoirg 775 D 776 D Jr.mtt a IX 769 NO Nim che» 768 NC Kien 772 0 K Ctttn Ii 4 wolkenl 4 halb bd. 4wolkciil 3 bcitcv{ 4 Nebel| 1 wolkig c- ä II Ea M* c= ®~ i fi.• etntUnn s �=3 *= 8« £L1 Havaranoa 770 SC ■9elrr«6mq 774 NW Scillt 762 C 'tttr'-to. 775 SO «nnS 765 NO «euer B| 2 Nebel 1 bedeckt 5 a-oMg 3 heiler 2 irolkenl MS c t* Ii« 0 1 13 10 8 fcletti rurpflnoie'ür Tienetag. de» 17, cktobet 1911. Trocken und vorwiegend heiler, nactjfd leichler Frost am Taqe langsame Erwärmung bei schwachen jüdosllicheii Winden. berliner Wetterbureau. W>>iterttnii»s.?toch»,.i,ee» der Landesansialt für Gcwäslcrtunde. milgelegi vom Berliner Delterhnreau. Wayerkland R- m e t. TUM 'Kregel. Fnfterbmg L« 1 ch I e l. Tborn Oder. Natibor Kroilen � ArantiliN Warthe. Sckiimm , Janssderg Rehe, Voroamw Elbe, Ueirmeri, , Dresden , varbi, , Magdeburg WaljerUlNid K+ bedeutet Wuchs,— �aH. der städtischen Betriebe gültigen Arbeitsordnung sorgen wird._____ ' Verantwortlicher Redakteur: Richard Bartb. Berlin. Für den�Jnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. L a a l e Havel. Zdree Weser A h e i n. Neckar. Rain. Werthenn R 0 j e l. Trier —*) Nncerseiel. (Ärochlltz goanöcm*) Kardenow'l , Soremberg'j Beeilow Münde« Minden Äaxi'niliwisan ftu-.ih ftbln c-citbronn Berlin S\V.