Zlr. Z44. mwnnfmentS'Bedlngnngfn: Abonnements. Breis pränumerando i »ierteljährl. 3&t Mk, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg, frei WS HauS. Ewt-Inc Nummer 5 Pfg, Sonntags. »ummer mit illusirierler Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfm Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post.ZeitungS. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dnncmarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. eNttliil täglich aaStr Montag». Vevlinev Volksblalk. 2entralorgan Äer fo2iAläemokratifcken Partei veuttcklanäs. vi« Intertlons.Gebfllif beträgt für die sechSgespaltene Kolonet« zeile oder deren Raum SO Pfg,, für politische und gcwerlschafUichc Bercins- und Bersainnilungs.Anzeigen SO Pfg, „Aleine Anreigen", daS fettgedruckie Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche und Schlafsiellenan- seigcn das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über ISBuch» stabeu zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mbsicn bis S Uhr nachmittags in der Expedition «pgegeden werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends gcöjfnet. Delegramm- Ameise. .S»»laliltl»o>tnt Kerl»-. lUlUKrioti: 8 LI. 68, Ltndenstrasae 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. 6xpedit!on: 8Ll. 68, Lindcnetraeec 69» Fernsprecher: Amt KV. Nr. 1984. Da; neue kirchenpoliMche Urogramm tie; Liberalismus unck die Sozialdemokratie. In vcrganciener Woche hat in Berlin der 25. Protestantentag unter Umständen stattgefunden, die diese Versammlung weit über das Interesse engerer kirchlicher Kreise hinausheben. Die Tagung stand ausschließlich unter dem Eindruck der Fälle Jatho, Kraatz, Traub. Ihr Gesamtergebnis aber war eine sehr energische Kampfcsansage an die kirch- lich-prote st antische Orthodoxie sowie die Vor- bereitung zu diesem Kampfe durch Bereit- stellung neuer, bisher so nicht angewandter Kampfmittel. Auch die Sozialdemokratie, erst recht sie. hat das aller- größte Interesse an einer erfolgreichen Bekämpfung der kirchlichen Reaktion, die ja nichts weiter wie ein Teil der gesamtreaktionären Mächte unserer Zeit ist. Gerade auf kirch- lichem Boden sind diese gegenwärtig noch stärker und ein- flußrcichcr als kaum sonstwo. In allen Kirchenregicrungen hat die Orthodoxie heute die absolute Majorität; einige Scheinliberale, die etwa noch in ihnen sitzen, sind nur schwäch- liche Dekorationsstücke. Das gleiche gilt von den synodalen Körperschaften: je höher sie stehen, je entscheidendere Be- schlüsse sie zu fassen haben, desto erdrückender überiviegt die Orthodoxie auch hier. Das Wahlrecht zu ihnen ist eine Karikatur der Karikatur des preußischen Drciklassenwahlrechts. Auch die Zahl der orthodoxen Kirchengemeindekörpcrschaften ist unseres Wissens bei weitem größer als die der liberaler gerichteten. Daneben verfügt die kirchliche Orthodoxie auch noch über den gesamten Staatsapparat, wie dieser über sie. Sie hat den Schulunterricht, insbesondere den religiösen genau so in der Hand wie die Erziehung der Schullchrer. Selbst den Einfluß der„liberalen Theologie" an den Univer- sitätsn auf den theologischen Nachwuchs hat sie noch immer stets insoweit abzuschwächen gewußt, daß die erdrückende Mehrzahl der liberal erzogenen Geistlichen, soweit sie und je länger sie im Amte sind, nicht ernstlich gegen den Stachel des strammorthodoxen Kirchenregiments zu löken wagt. Wo immer es also auf die Hauptsache auch in der Kirche, das heißt auf Herrschaftsausübung ankommt, hat die Orthodoxie diese heute noch ausschließlich in der Hand, Es kann daher von vornherein auch von sozialdemokratischer Seite nur be- grüßt werden, wenn auch der kirchliche Liberalismus seiner- seits zu einem neuen und starken Schlage gegen jene über- mächtige Gesellschaft ausholt. Aber fteilich, unsere Sympathie dafür erfährt sofort eine starke Abschwächung, wenn man sich das Z i e l ansieht, das sich der Liberalismus für diesen Kanipf gesteckt hat, und die Waffen, mit denen er zu fechten gedenkt. Was zunächst das Ziel anlangt, so hat das der Vor sitzende des Protestantentags, der Reichstagsabgcordnete Schräder, in seiner prograinmatischen Eröffnungsrede deutlich genug und unter dem starken Beifall aller Anwesenden formuliert: das Ziel des Kampfes ist, innerhalb der Prote st antischen Kirche für den Liberalis- musdieGleichberechtigungmitder Orthodoxie zu erkämpfen.„Die materiellen Interessen, so sagte Schräder, haben lange genug im Vordergrund gestanden. Jetzt wollen wir uns darauf besinnen, daß das Leben nichts wert ist ohne Religion. Daher wollen wir religiös sein, aber im Sinne der heutigen Zeit und Kultur... Geivitz gibt es auch viele fromme Leute, die mit vollkommener Wahrhaftigkeit auf dem alten Weltanschauungsboden stehen. Wir wollen ihnen das Christentum nicht absprechen; aber gerade jene Richtung ist es. die mit Unterstützung der Kirchenbchörden andere nicht allein beschränken, sondern sogar aus der Kirche herausdrängen will. Aber wir sind fest entschlossen, in der Kirche zu bleiben (Stürmische Zustimmung). Man hat uns ja höflich und auch grob die Tür gewiesen, aber das alles wird nicht helfen. Wir wollen in der Kirche das erreichen, was wir erreichen müssen, nämlich freie Bewegung für alle die, die auf dem Boden des freien Evangeliums stehen". Damit ist in der Tat ganz unverblümt daS neue Ziel bezeichnet. Und das heißt eben: Kampf mit der Orthodoxie nur so lange, bis der Liberalismus in der Kirche mit ihr gleichberechtigt geworden ist und die Herrschaft über die Geister in ihr mit ihr teilt I Es beginnt also hier auf tirchlichem Boden derselbe Vorgang und dasselbe Schauspiel, das wir in der inneren Polisik Deutschlands schon seit Jahrzehnten von Akt zu Akt erleben: das liberale Bürgertum, auch das sogenannte„entschiedenere", erst recht aber das„nationale", kämpft gegen die Reaktion nicht, um diese zu beseitigen. fonbem nur um sich neben jener seinen Anteil NN oer Herr- schaft zu sichern. Daß wir mit dieser Parallele den kirchlichen Liberalismus richtig einschätzen, wird durch das neue kirchenpolitische Programm erwiesen, das vor dem Protestantentag von Traub. Förster und anderen vorbereitet und auf dem Protestantentag wenigstens in seinen Grundzügen beschloffen wurde. Es lautet: Verwandlung der heutigen Landeskirchen in Volkskirchen; Entstaat- lichung der Kirche. E n t ki rch l i ch ung des Staates; für den religiösen Betrieb ist die Einzelgemeinde allein zu ständig; die Gesatntkirche hat ihre Tätigkeit auf äußere Kirchenverwaltung und Kirchen pflege z u beschränken." In dieser kürzesten Formulierung klingt das Programm freilich äußerst radikal. Zieht man aber die Erklärungen und Auslegungen zu Rate, die seine Schöpfer vor und auf dem Protestantentag diesen Grundsätzen gegeben haben, so ertveisen sie sich eben nur als Grundriß einer Kirchenverfassung, die, durchgeführt, der Orthodoxie die un- bedingt nötigen Fesseln zur Verhinderung der Beibehaltung ihrer bisherigen Monopolstellung in der Kirche anlegen und dem Liberalismus dieselbe Bewegungsfreiheit in ihr gewähren soll wie der Orthodoxie. Denn, im Gegensatz zu seinen französischen und auch portugiesischen Bruderparteien denkt unser deutscher kirchlicher Liberalismus nicht entfernt daran, eine Trennung von Staat und Kirche zu erstreben: nicht Trennung, nur Neuordnung des Verhältnisses zwischen beiden zugunsten des Liberalismus ist beabsichtigt I Der Staat, der Klassenstaat, soll nicht bloß im amerikanischen Sinne die polizeiliche Kontrolle über die protestansische Kirche, sondern auch weiter den stärksten Einflliß auf sie behalten.„Der Staat", so sagte der eine Referent, Pfarrer Pfannkuche,„hat bis jetzt noch ein Monopol der evangelischen Kirchenbildung. In seiner Hand ruht die Entscheidung, und ich bin der Meinung, sie soll auch dort bleibe n." Demgemäß soll der Staat auch den Religionsunterricht in den Schulen künftig in der Hand behalten; selbst die Staatsbeiträge für die Kirchen sollen bleiben. Nur das „landesherrliche Kirchcnregiment" soll wegfallen, die Kirchen- behörden zu reinen äußeren Verwaltungsorganen herabgedrückt, die Entscheidung über Lehre und Glauben den einzelnen Ge- meinden übertragen werden. Ausdrücklich aber ivurde noch das„Ideal der Vereinskirche", wie es in den Vereinigten Staaten herrscht, abgelehnt. Der neuen protestantischen Volks' kirche sollen alle nichtkatholischen und uichtjüdischen Siaats' bürger angehören; mit Staatsbürgern, die ohne alle Religion sein wollen und sind, rechnet man offenbar nicht oder nur sehr nebensächlich und in geringer Zahl. Auch das Mittel, mit dem man diese neue Kirchen Verfassung zu erkänipfen gedenkt und das man ebenfalls auf dem Protestantentag geschmiedet hat, scheint uns unzu reichend zu sein: es besteht im Zusammenschluß aller kirchlich- liberalen V e r e i n i g u n g e n Deutschlands z u einer einzigen Arbeits und Kampfgemeinschaft. Wie Schräder eben falls mitteilte, stehen 4t)- bis oOOOO Männer und Frauen hinter dieser Gemeinschaft. Das ist für kirchliche Vor Hältnisse gewiß schon eine recht stattliche Zahl, aber schwerlich schon imstande, die Orthodoxie in der Kirche niederzuringen. Auch eine zehnmal so starke Organisation vermag das noch nicht angesichts der wurzelartig vielfachen und starken Vor ankerung der Macht der Reaktion über die Kirche. Ein Go fühl davon war offenbar auch auf dem Protestantcntag vor- Händen; darum wiederholte sich des öfteren die Versicherung, daß man auf den Sieg seines kirchenpolitischen Programms und seiner religiösen Ziele nur werde rechnen können, wenn eine preußische Wahlrechtsreform neue Machtkonstellationen zugunsten des Liberalismus im preußischen Abgeordnctcnhause geschaffen haben werde! Uebrigcns bietet dieser Zusammen- schluß allen kirchlich-liberalen Vereinigungen noch in einer besonderen Beziehung ein Interesse: es vollzieht sich hier, auf kirchlich-protestantischem Boden, sichtlich ein gleicher Vorgang wie in den letzten Jahren auf rein parteipolitischem. Wie auf diesem die verschiedenen linkslibcralen Parteien sich zur Fort- schrittlichcn Volkspartci zusammenschlössen, so hier die ver- schiedencn kirchlich-libcralen Gruppen zu einem allgemeinen Protestantcnverein. Auf dem Protestantentag ist schließlich auch der Wunsch gehegt, mehrfach auch mehr oder weniger deutlich, mehr oder weniger direkt ausgesprochen worden, daß auch die Arbeiter- klaffe sich an der neuen tirchenpolitischen Aktion, die dort pro- klamiert wurde, beteiligen möge. Dann sei deren rascher Sieg sicher. Tann, so führte der schon genannte Pfannkuche etwa aus, wäre ein neuer Fall Jatho schlechterdings unmög- lich; ja es wäre möglich. Jatho selbst anstatt v 0 r das Spruch- geeicht, als Mitglied desselben in dieses hineinzubringen I Diese Wünsche und Hofsnungen geben zum Schluß noch Ver- anlassung, den Versuch zu machen, einige Grund- linien für das kirch enpolirische Verhalten der Sozialdemokratie zu ziehen. Diese sind nun notivendigerweise völlig andere, als sie das neue kirchlich. liberale Programm enthält. Wir fordern, laut unserem Parteiprogramm, nicht wie jenes Neuordnung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, sondern Trennung derselben, und zwar völlige und reinliche. Das Prinzip des amerikanischen freien Ver- einskirchenwcsens, das der geeinte kirchliche Liberalismus ausdrücklich verwirft, erstfcint uns auch für Deutschland gerade als das allein richtige; ja wir sind der Ansicht, daß sich jetzt schon, unter der starren Decke des Landeskirchentums, die Entwickclung daraufhin auch in Teutschland längst vollzieht. Nur auf diesem Wege halten wir es auch für möglich, daß die Herrschaft der Reaktion auch auf religiösem Gebiete über die Gemüter unzähliger Menschen dauernd und zu deren eigenem Wohle gebrochen wird. Denn dies, der Zusammenbruch der wirtschaftlichen, politischen, geistigen und religiösen Reaktion, ist unser, der Sozialdemokratie Ziel, nicht bloß ihre Zurück- drängung zum Zwecke der Teilung der Herrschaft mit ihr. Auch die Mittel, die wir als Einzelne auf kirchenpolitischem Boden zur Erreichung dieses unseres letzten Zieles anzuwenden haben, sind andere als die, deren sich der Liberalismus zu be- dienen sucht. Wir gehen, im Gegensatz zu ihm, aus von der Tatsache, die unbestreitbar, die aber nicht das Produkt der I ozialdcmokratie, sondern der gesamtgeistigen Entwickelung unserer Zeit ist, daß es Millionen von Staatsbürgern gibt, die dauernd und völlig mit jeder Form von Kirche und Re- ligion gebrochen haben: soweit diese unsere Parteigenossen sind, haben sie sich— schon um der Wahrhaftigkeit willen— ernstlich die Pflicht aufzuerlegen, ihre innerliche Scheidung von Religion und Kirche auch äußerlich durch Austritt aus den Kirchen zu vollziehen. Es gibt neben diesen aber auch zahl- reiche andere, die zwar mit den heutigen.Kirchen und deren religiösem Betriebe ebenfalls längst völlig fertig sind, da- neben aber ein unausrottbares religiöses Bedürfnis in sich tragen, das sie befriedigen müssen. Auch diese, soweit sie unsere Parteigenossen sind, haben nach unserer Meinung in den Kirchen nichts mehr zu suchen: sie haben die freilich nicht leichte Aufgabe, die aber stets die Aufgabe jedes lebendig und selbständig Religiösen gewesen ist, außerhalb des Schattens der Kirche ihre eigenen religiösen Wege zu suchen und zu gehen. Und endlich gibt es noch heute auch unter unseren Parteigenossen viele, die innerlich mit der Religion der christ- lichen Kirchen im Zusammenhang geblieben sind und zu bleiben den Wunsch und das Bedürfnis haben: auch für die gibt es ein von dem liberalen abweichendes kirchenpolitisches Programm, das sie in Zukunft nach unserer Meinung immer energischer in Angriff nehmen müssen: sie haben sich, wie die Liberalen, am kirchlichen Leben zu beteiligen und zu betätigen» aber eben vom Standpunkt der Sozialdemokraten aus, der hier rasch dazu führen muß, dafür zu kämpfen, daß die alten kommunistischen Ideale des ersten Christentums auch in den heutigen Kirchgemeinden wieder zur Geltung gebracht werden. Ob das gelingt, ist ja freilich eine andere Frage; jedenfalls aber bleibt für die religiös und kirchlich gebliebenen Sozial- demokraten ein anderer Weg nicht übrig. Und wie immer er ausläuft, zu der einen, mehr oder weniger tiefgehenden Wir- kung würde er führen, daß er mithülfe, den jetzigen Zustand der Klassenkirche im Lilassenstaate zu revolutionieren. Im übrigen aber besteht wohl auch darüber keine Meinungsver- schiedenheit in der Partei, daß der Hauptkampf der Sozial- demokratie auch gegen die kirchliche Reaktion außerhalb der Kirche, auf wirtschaftlichem und politischem Boden zu führen ist. Und dabei spielt die Erringung des allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahlrechts für Preußen in der Tat keine geringe Rolle. In Verbindung damit wird auch für die Zukunft eine unablässige, immer tiefer grabende Wirtschaft- liche und geistige Aufklärung der Massen eine beste Waffe auch gegen die kirchliche Orthodoxie sein und bleiben. PaulGöhre. Ztif Ledenzinitteltelierung. Die Reltcsicn der Berliner Kaufmannschaft haben eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in der sie Vor- schlage für eine Milderung der Lebensmittelteucrung machen. Die Vorschläge der Acltesten beziehen sich auf die Erleichterung der Einfuhr von lebendem Vieh aus unseren Nachbarländern Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Ferner wird eine Erleichterung der Einfuhr von ausländischem Fleisch und von Fett- waren durch Milderung der heutigen rigorosen Bestimmungen dcS FleischbeschaugesetzeS und durch Herabsetzung der teilweise geradezu als Einfuhrverbot wirkenden Zölle erstrebt; insbesondere soll der deutsche Fleischmarkt durch die Einfuhr von gefrorenem Fleisch aus Argentinien und von Butter, Schmalz und geräuchertem Schweinespeck entlastet werden. Weitere Vorschläge der Acltesten beziehen sich auf die Förde- rung der heimischen Viehzucht, durch Ausbau der Viehsiatistik, durch Verbreitung der Kenntnisse rationeller Viehzucht und durch sofortige Aufhebung der Zölle auf Futtermittel. Endlich wird um eine Linderung der Gcmüsetcuerung durch Erlaß oder Ermäßigung der Gemüsezölle ersucht. .' Protcsivcrsammliing in Stuttgart. Eine Versammlung gegen die Teuerung fand am Montag- abend in Winkelackers Saalbau in Stuttgart statt. Die Ver- sammlung war überfüllt. Etwa 3900 Personen, darunter viele Frauen, waren anwesend. Nach dem Referat des Genossen West- meyer nähm in der Diskussion ein Mitglied der Volkspartei vaS Wort, das sich für ein Zusammenarbeiten der Sozialdemokratie und der Volkspartei aussprach. Die übrigen Diskussionsredner kennzeichneten scharf die Helfersdienste, welche die Volkspartei der Reaktion in Württemberg bisher geleistet hat und noch leistet. Zum Schluß wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die von der Reichsregierung, dem Staat und der Gemeindeverwaltung ein sofortiges Eingreifen(Aufheoung der Lebensmittel- und Futterzölle. Herabsetzung der Frachttarife, kommunale Maßnahmen) zur Linderung der Not verlangt. * Prvtrstvcrsammlungen in Hannover. Eine überaus eindrucksvolle Demonstration gegen die Teuerung veranstalteten die Genossen in Hannover am Montagabend. ES fanden 13 Versammlungen statt, die alle sejc stark besucht waren vnv in denen eine Resolution, ine energische Abhilssmittel fordert, einstimmig angenommen wurde. Die Ver- sammlungen dienten gleichzeitig als Einleitung der � Wahl- bewegung. ,* Die LebenSmittelteuerung in Bayern, Das Gemeindekollegium in Kempten im Algau beschloß, den Magistrat aufzufordern, im Hinblick auf die bestehende Teue- rung aller Lebensmittel den Einkauf von Kartoffeln in die Hand zu nehmen und solche zu billigen Preisen an die Konsumenlen ab- zugeben. In Augsburg hat das Gemeindekollegium wiederholt ein- stimmig den Magistrat ersucht. Maßnahmen gegen die Teuerung zu ergreifen. Der Magistrat fürchtet aber den Zorn der Händler und sucht jede Aktion zu verschleppen. Jetzt hat er gebührenfreie Kartoffelmärkte auf den 24. Oktober und 14. November angesetzt, wobei aber die Händler den Verkauf selbst besorgen. Die Maß- nähme nimmt sich wie eine Verhöhnung der unter der Teuerung Leidenden aus. Sie chinesische Revolution. Die gewaltigen Zuckungen, von denen das riesige Reich der Mitte geschüttelt wird, haben ungeahnt schnell für Deutschland ernsteste Bedeutung gewonnen. Amtlich wird gemeldet: Bon den vor Hankau befindlichen deutschen See- fireitkrSftrn ist funkentelegraphisch nach Tsingtau gemeldet: Die Landungskorp«„Leipzig",„Tiger",„Saterland" zu- sammen mit der aus Deutschen Hankaus bestehenden Frei- willige nkompag nie stehe» im Straßenkawpf mit chinesischem Pöbel. Der Handel liegt stark danieder. Die unliebsame Nachricht kommt überraschend. Stimmten doch bisher alle Nachrichten darin überein. daß die Revolutio- näre gute Ordnung halten und die fremden Niederlassungen selbst schützen wollen. Allerdings besagen die neuesten De- peschcn. daß die Feuersbrünste andauern und auch die deutsche Niederlassung bedrohen. Man muß also bis auf weiteres an- nehmen. daß die deutschen Truppen in einem Akt der Notwehr eingegriffen haben und darf hoffen, daß ihre Aktion in den dadurch ge st eckten Grenzen bleiben wird. Denn es Ware daS Unsinnig st e. was unsere auswärtige Politik tun könnte, wenn sie sich auch noch im fernen Osten in ein kriegerisches Abenteuer einlassen würde, dessen Folgen ganz unabsehbar wären. Die Politik streng st er Nichtintervention und Neutralität gegenüber den revolutionären Ereignissen ist die einzige, die den Interessen Teutschlands entspricht. Jede andere Politik wäre Wahnwitz und um so größerer Wahn- lvitz. als noch niemand die Kräfte abzuschätzen vermag, die bie nationale Erhebung in China entfesseln kann. Denn man muß sich hüten, mit den uns geläufigen Maß- stäben zu messen. Das chinesische Reich hat eine Million Quadratkilometer mehr als ganz Europa samt Rußland, und selbst die 18 Provinzen des eigentlichen China sind noch siebenmal so groß wie das Deutsche Reich und zählen etwa sechsmal soviel Einwohner ldie Schätzungen schwanken, da eine richtige Volkszählung erst in diesem Jahre stattfinden sollte, zwischen 820 und 430 Millionen). Dazu die Fremdheit der Sprache und der Sitten, der Mangel an ausreichendem Material über die inneren Triebkräfte der Volksbewegungen: so muß schon die Feststellung der Tatsachen mit Vorsicht erfolgen und jedes Urteil über Wert und Aussichten mit dem Vorbehalt weiterer Nachprüfung abgegeben werden. Immerhin ist klar zu ersehen, daß hier eine starke nationale Unab- hängigkeitsbewegung Hand in Hand geht mit politischen Reformbestrebungen und mannigfachen sozialen Beschwerden, nicht minder, daß sie mit großer Energie und nicht geringer Zielklarheit ein politisches Ziel von größter geschichtlicher Be- beutung verfolgt. Die nationale Bewegung, die vor etwa zehn Jahren im Boxeraufstand und seitdem in manchen Krawallen und Boykotts sich gegen die Ausländer gewandt hat, richtet sich diesmal gegen den inneren Feind des chinesischen Volkes: die abgesonderte Herrcnkaste des M a n d s ch u» Volkes. dem auch das Kaiserhaus angehört. Ein Tropfen ini Meere des ChinesenvolkeS, etwa ein Prozent der Bevölkerung. haben die Mandfchus seit ihrer um 1644 erfolgten Eroberung des Landes die wichtigsten militärischen und einen Teil der bedeutenden Zivilposten im Besitz und üben so, trotzdem sie kulturell und geistig den Chinesen nachstehen, die Herrschaft im Lande auS. Zugleich sind sie der Hort aller Reaktion. dem jeder Fortschritt nur mühsam abgekämpft werden muß. Daß daneben auch die Unfähigkeit des herrschenden Regiments. das doch aus seiner militärischen Ueberlegenheit den Anspruch aus Beherrschung der friedlich gesinnten Chinesen herleitet, das Land vor den Räubereien der fremden Mächte, in neuester Zeit namentlich den frechen Eingriffen Japans und Rußlands -n schützen, die Empörung genährt und dieser so auch den Zug der nationalen Verteidigimg gegeben hat, steht wohl außer Zweifel. Doch beweist der peinlich durchgeführte Schutz von Leben und Eigentum der Ausländer, wie weit man von deni wilden Wüten gegen die„fremden Teufel", das frühere Volksbewegungen kennzeichnete, entfernt ist. Ein guter Teil der treibenden Elemente hat seine Bildung im Ausland, in letzter Zeit nanuntlich in Japan geholt. Die Massen der in Japan studierenden Chinesen haben, dank dem großen Ansehen, das die studierende Schicht in China genießt, mit ihren..Umsturzpredigten" dem Aufstand schon lange vor- gearbeitet. Dabei ist zu beachten, daß das Studium in China kein Vorrecht der Besitzenden ist, daß vielmehr die befähigten Kinder mit Unterstützung ihrer Gemeindeangehörigen ausgebildet werden. Ueber die Beförderung wird dann in an sich demokratischer Weise, wenngleich oft recht unzweckmäßig. nach dem Ergebnis der Prüfungen entschieden. Doch soll es bei den niederen Prüfungen in den Provinzen ojt genug nicht mit rechten Dinge» zugehen, so daß auch hier der väterliche Geldsack zu Ehren käme. Zweifellos ist die R e f o r m a r b e i t der letzten Jahre nicht gering anzuschlagen. Die Erfahrungen mit den fremden Mächten und der Krieg mit Japan, die Beobach- tungen im Ausland und nicht zuletzt das unaus- haltsame Eindringen dcS westlichen Kapitalismus haben eine Reihe wirtschaltlicher und politischer Fortschritte— zumeist nach hartem Kampfe mit der Mandschu-Clique— gezeitigt. die den überlieferten fortschrittsfeindlichen Chinesengeisl viel- fach durch völlig modernes Wesen und Streben ersetzt haben. Der Kapitalismus, der von Europa und Amerika her ins Land kam. fand bei den günstigsten Bedingungen: der geschästlichcn Tüchtigkeit und guten genossenschaftlichen Orga- nisation der Lkaufleute, der Bedürfnislosigkeit und Arbeits- zähigkeit der Arbeiter und dem Lerneifer der Jugend, bald gute Entwickelung im Lande selbst. Gab es Ende 1890 erst 200 Kilometer Eisenbahnen, so waren es 1909 schon 8500. Immer noch ein winziges Maß für das Riesenreich. aber doch ein Fortschritt, dem weitere immer folgen. Und waren die ersten Bahnen das Werk fremder Techniker, die auch den Betrieb leiten mußten, so hat die Regierung heute die Eisenbahnverwaltung großenteils in eigener Leitung, und die 220 Kilometer der vor zwei Jahren eröffneten Bahn Peking- Kalgan sind unter der Leitung einheimischer Ingenieure erbaut worden. An Stelle des MohnanbaueS, der durch den mustergültigen Feldzug von Staat und Gesellschaft gegen das Opiumlaster fast gänzlich verschwunden ist, ist mit Unterstützung der Regierung eine starke Förderung des An- baues von Tee und Baumwolle getreten. Bereits ist eine beachtenswerte Textilgroßinduslrie entstanden. Und in Hanyang, im Mittelpunkt des jetzigen Aufslandes, gibt es Eisenwerte. die schon vor einigen Jahren 3200 Mann brschästigten, deren Erzengnisse denen des hochzollgeschütztcn amerikanischen Stahl- trusles auf dem amerikanischen Markt Konkurrenz machen konnten. Viel Gewaltigeres aber ist im Werden. Im Nord- Westen hat man ergiebige Minerallager gefunden. In der nordöstlichen Provinz Shantung hat der Stahltrust Morgans das Ausbeuterecht der zahlreichen Erzlager erworben. Und die noch wenig ausgebeuteten Steinkoylenschätze, die als die reichsten der Welt gelten und ein Gebiet fast von der AuS- dehnung des Deutschen Reiches bedecken, machen eine weitere gewaltige Entwickelung in naher Zukunft zur Geioißheit. Der Straßenkampf in Hanka». London, 17. Oktober. Den Führern der Republikaner. die unbedingte Schonung aller Fremden fordern, ist es nicht geglückt, den gefürchteten chinesischen Pöbel HankauS von Ausschreitungen zurückzuhalten. Er rottete sich gerade in der Nähe der deutschen Ansiedelung zusammen. Die von den deutschen Kriegsschiffen gelandeten Mannschaften vereinigten sich mit der von den deutschen Kolonisten gebildeten Freiwilligentruppe, und eS gelang ihnen schnell, die Angriffe des un- organisierten Pöbels zurückzuweisen. Der Pöbel rächt sich für den erfolgreichen Widerstand der Fremden durch Brandstiftungen. An verschiedenen Stellen der Stadt loderen die Flammen empor, um deren Bekämpfung sich niemand kümmert. Ankunft der RegierrnigStrnppen. Hankau, 17. Ollober. Admiral Sah ist in einem Kanonenboot hier eingetroffen und hat den fremden Konsuln die Ver- ncherung gegeben, daß er die fremden Niederlassungen nicht ge« fährdcn werde. Von Norden ist ein E i s e n b a h n z u g mit RegierungStruppen eingeiroffen und Hot nördlich von Hankau ein Loger bezogen. Eine Abteilung von 1000— 2000 Mann Truppe» der Aufständischen in Wutschong hat mit Artillerie den Iangtse überschritten und ist den Hanflutz aufwärts abmarschiert. Di« Gesellschaft vom Roten Kreuz bringt die Gefallenen aus Wutschang weg. Ein Revolutionär, der ubersührt wurde, Fondö unierschlagen zu haben, wurde hingerichtet. Das Verhalten der Revolutionäre. Hankau, 17. Oktober. Die Aufständischen haben be- schlössen. die MaudschuS nicht zu töten, wenn ste freiwillig die neue Regierung anerkennen. Man erwartet ein Gefecht zwischen MondschuS und Ausständifchen. Letztere gründeten einen Verband für Krankenpflege, der von einem Missionar geleitet wird. Frauen und Kinder reisen heute nacb S h a n g h a i ab. Der Befehlshaber der Aufständischen crllärte, ste fürchteten die Nordtruppen nicht. Die Pekingbahn würden sie s e l b st benutzen. Die Bahn ist in voller Ordnung, der Verkehr aber eingestellt. Heute ist ein neue« revolutionäres Blatt erschienen; die früheren Zeitungen erscheinen nicht. Ein Gefecht bevorstehend. Berlin, 17. Oktober. Eine weitere Meldung des deutschen Seebefehlshabers aus Hanka u be- sagt: H a n k a u ist ruhig. Admiral Sah und 4000 Mann regulärer Truppen sind eingetroffen. Ein Gefecht nahe der deutschen Niederlassung ist bevorstehend. Ein deutscher Dampfer mit Nichtkombattanten ist ausgelaufen. Die Haltung Japans. Peking, 16. Oktober. Gegenüber den Behauptungen der ch i n e- fischen offiziösen Presse, daß Japan an der Revo- l u t i o n in Wutschang nicht unbeteiligt sei, worauf die auffällige augenblickliche Anwesenheit des AdmiralS Kawaschima und deS Militärattaches Obersten Soito in Wutschang hindeute, hat der japanische Gesandte in Peking den Korrespondenten deS Reuterschen Bureaus zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Behauptungen jeder Grundlage entbehrten. Die Unruhen inSzetschuan dauern unverändert fort. Die chinesische Regierung ist geneigt, die Lage im Westen sür g e f ä h r l i ch e r zu halten als in Wutschang. da eS dort an Mitteln zur schnellen Beförderung fehlt. In Nanking und Kanton sind verschiedene Truppen- gattungen entwaffnet. Die Stadtbewachung ist der Gendarmerie anvertraut worden. Ruhe in Schantung. Berlin, 17. Oktober. Nach einer Depesche der Betriebsdirektion der Schantung-Eilenbahngesellschaft in Tsingtau ist die Schantung-Eiscnbahn von der revolutionären Bewegung nicht berührt; in der Provinz Schantung herrsch« völlige Ruhe; auch im Süden von China trage die Bewegung anscheinend keinen fremden fei»»blichen Charakter. Der Krieg. Keine FriedenSauSfichteu. Köln, 17. Okiober. Ter..Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin telegraphiert: Die Nachrichten ans Konstantinopel Weisenaus eine Verschärfung der Lage hin. Die türkischen Staatsmänner ivaren bis vor wenigen Tagen ge- neigt, zu sofortigen Unterhandlungen mit Italien zunächst wegen der Einstellung dex Feindseligketten, dann aber auch wegen der Feststellung der endgültigen Friedensbedingungen die Hand zu bieten. Sie waren dazu bereit, obwohl sie beim Volke, bei der Presse und beiin Parlamente mit ernstem Widerstande gegen diese Politik rechnen mußten. Seitdem aber die itaUenischen Preßstimmcn bekannt geworden sind, wonach die italienische Regierung vor der An- knüpfung von Verhandlungen die Anerkennung der bedingungslosen Annexion von Tripolis und der Cyrcnaika durch die türkische Regieruug fordern will, ist ein Umschlag eingetreten. Die Mitglieder des Kabinetts Said dürften voraussichtlich der Kammer die Fortsetzung des Krieges vorschlagen und würden hierfür eine sehr starke Mehrheit finden. Es hat daher zurzeit nicht den Anschein, als ob der dringende Wunsch Europas nach baldiger Wiederherstellung des Friedens Erfüllung finden sollte. Auslaufe« der türkischen Flotte. London, 17. Oktober. Nach Blättermeldungen aus Gallipoli ist gestern früh eine türkische Schiffs- d i v i s i o n vom Goldenen Horn mit unbekanntem Ziel a b- gegangen. Die türkischen Angriffe. Konstantinopel, 16. Oktober. Wie daS Kriegsministerium auf Grund seiner Informationen aus Tripolis der Presse mitleil:. hauen die wiederholten türkischen Angriffe keine er- wähnenswerten Erfolge, da die italienischen Truppen durch die Artillerie der Kriegsschiffe geschützt wurden; doch erlitten die Jtatiener mehrfache V e r l u st e. Die Italiener landeten in T o b r u k 500 Mann Marineinfanterie. Aus A l V a l i k wird gemeldet, daß am 14. Oktober drei italienische Torpedoboote im Archipel einige Schüsse abfeuerten. Ein Torpedoboot schlepp-e emen Segler in der Richtung auf Mytilene. Die übrigen beobachten die Küste. Der Boykott. Saloniki, 16. Oktober. Wie an anderen Orten hat sich auch hier ein Komitee aus Privatpersonen zur Organisierung des wirtschaftlichen Kampfes gegen Italien gebildet. Das Komilee fordert die ottomanische Bevölkerung zum Beitritt auf. ES bezweckt, die Ottomanen zu veraulaffe», keine GeschästSverbinduugen mit den Italienern zu unterhalten und ihre Kinder nicht in italienische Schulen zu schicken. Die Deputierten von Tripolis haben in der Kammer einen Antrag eingebracht, in dem verlangt wird, daß gegen das frühere Kabinett A n k l a g e erhohen wird. Der Antrag wurde einer Spezialkommission überwiesen. Italienische Repressalien. Rom, 17. Oktober. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet. beabsichtigt Italien, bei längerem Widerstande der Türkei drei Inseln im Aegäischen Meere, darunter Mytilene, zu besetzen, um auf die Türkei einen Druck auszuüben. flgrarifche Bekenntnisse. Die..Deutsch« Tageszeitung" gibt in einem zwei Spalicn langen Leltartikel ihren Anhängern allerhand Fingerzeige und Ratschläge für den Wahlkampf. Dabei cm- schlüpfen dem Oertelblatte allerhand reizende Selbstbekenntnisse. So. wenn eS sich eingangs gegen die„häßlichen Auswüchse" des politischen Kampfes wendet. Der Kampf sei mit der„erforder- lichen männlichen Entschiedenheit" zu führen. Er habe aber im Deutschen Reiche leider„etwas Weibisches" angenommen. Statt die gegnerische Auffassung sachlich scharf zu bekämpfen, spiele man die Polemik vielfach auf daS persönliche Gebiet und arbeite „mit den weibischen Mitteln des Klatsches und der Ge- h ä s s i g k e i t". Beiläufig ein nettes Kompliment für die Frauen, denen doch nach der„altgcrmanischen Auffassung", in der auch noch unsere Junker zu leben vorgeben, etwas„Heiliges" innewohnen sollte. Aber darüber hinaus auch eine beißende Kennzeichnung der agrarischen, überhaupt ordnungsparteilichen Kampfeswelse. Oder ist es nicht gerade die Kampfesweise des Reichsverbandes gewesen, jener Organisation, die gerade den Junkern und den ihnen nahestehenden Reaktiv« n ä r e n am meisten zugute gekommen ist, die die Mittel des Klat- scheS und der Gehässigkeit geradezu in ein System gebracht Hai? Wenn jetzt das Oertelblatt darüber wehklagt, daß durch solch er- bärmliche Kampfcsweise„feinere Seelen zurückgeschreckt" würden, daß man„den Ekel nachempfinden" könne, der anständige Men- schen packe, wenn er in einen solchen Sumpf hinabtauchen solle so mögen sich die Junker sagen: nostr» culpa, nostra ipsissima culpa, unsere ureigenste Schuld I Schon der schließlich bei den Konservativen angelangte Sozialistentöter Max Lorenz hatte sich schließlich voller Ekel von dieser ordnungsparteilichen Manier des politischen Kampfes abgewendet. Max Lorenz ist nun schon seit etlichen Jahren tot. ES hat also wirklich lange ge- dauert, bis unsere Junker von seinem Ekel angesteckt wurden! Daß unsere Junker und gar erst daS mit ihnen verbündete Zentrum diesmal während dcS Wahlkampfes sich sauberer Waffen bedienen würden, möchten wir trotz der Ermahnungen der „Deutschen Tageszeitung" freilich noch sehr bezweifeln. Wie daS„Rüstzeug". daS daS Oertelblatt„jedem Kampfgenossen zur Verfügung stellen" will, aussehen wird, werden wir ,a bald genug erleben. Immerhin, je niedrigerer Mittel sich unsere Junker im Kampfe bedienen und mit-je er b ä r m l ich e re r e m Klatsche sie hausieren gehen, d e st o besser f ü r u n» k Und wenn sich unsere Junker die Auffassung der„Deutschen Tages- zeitung" zu eigen machen sollten, daß das„Gespenst der Teuerung" nur noch auf„politische Kinder" wirke, und sich von der Behaup- tung, daß«unter der Not der Zeit die Landwirte weit mehr leiden als alle übrigen Stände". Wun- der versprächen, so könnten unsere Agrarier bei der Wahl in der Tat ihr blaues Wunder erleben. Sehr hübsch macht es sich auch, daß das Junkerorgan emp- fiehlt, in Versammlungen mehr durch die„Ehrlichkeit der Ueber- zeugung" als durch die„Kunst der Rede" zu wirken.„Geschäfts- r e d n e r" seien zwar„durchaus notwendig", aber man dürfe ihnen nicht die Arbeit allein überlassen. Das„Gewicht einer angesehenen Persönlichkeit" wirke oft weit mehr als die noch so schöne Rede eines„gewerbsmäßigen Redners". Mit welcher Offenherzigkeit da das Vündlerblatt seine red- nerischen Kulis als das charakterisiert, was sie find: als„Geschäfts- redner", als„gewerbsmäßige Redner". Tie Agitatoren unsere: Junker gelten ihnen also selbst nur als Menschen, die aus der Agitation ein Geschäft machen, die gegen bare Bezahlung ihren Speech vom Stapel lassen, ohne mit dem Herzen bei der Sache zu sein. Denn daß die„Deutsche Tageszeitung" das tatsächlich meint, geht ja auS dem �ntze hervor, daß eine an sich gute Rede eincS Geschäftsredners nur geringen Eindruck mache, wenn der Redner von dem. was er sage,„nicht völlig durch- drungen und überzeugt" sei. Solche Geschäftsredner er» klärt das Blatt aber gleichwohl für durchaus notwendig? Eine netie politische Moral. Ein wundersames Armutszeugnis für uiisere blauschwarze Reaktioni Kein Wunder, daß unsere �unkex solchen Rednern gegenüber die Diskussion mit a»deren Parteien scheuen. Die„Deutsche Tageszeitung" empfiehlt nämlich, Vorsorge zu treffen, daß die Versammlungen nicht„unliebsame Störungen" erlitten. Stören- friede müßten kurzerhand unschädlich gemacht werden. Gegen sie böten die Bestimmungen über das HauSrecht und den Hausfriedensbruch genügende Handhaben. Und dann wird auch gleich täppisch genug verraten, worauf man damit zielt. Man w'll nämlich den Anhängern der Sozialdemokratie schlechthin den Zutritt wehren. Zwar, so versichert man in durch- sichtiger Heuchelei, scheue man selbstverständlich die Auseinander- setzung auch mit der Sozialdemokratie nicht, aber solche AuSem- anbersetzungen seien unmSglich,»Senn die Waffen der Sozial- demotratie Lärm, ungeduldige Zwischenrufe und tierische Laute" seien. Dabei ist aber dem Oertelblatt wohl das vielstimmige Tierkonzert eingefallen, das seine Freunde dem greisen konservativen Gelehrten Adolf Wagner seinerzeit dar- gebracht haben I Wahrscheinlich auch das Junkergeheul, das bei sozialdemokratischen Ausführungen so oft die Räume des Reichstages und des preutzischen Landtages durch- tobt hat! Darum richtet es auch an die„eigenen Freunde" die Mahnung, nicht, wie bisher zuweilen, in gegnerischen Ver- sammlungen ihrem Unmute„recht laut und bisweilen sogar stürmisch" Ausdruck zu geben. Dieser Unmut muffe unter allen Umständen gezügelt wevden, damit der Ausschluh der Gegner aus agrarischen Versammlungen nicht allzuleicht als politische Heuchelei und schlotternde Angst erkannt wird! Zum Schluß wird angelegentlich die Kleinarbeit von Hof zu Hof. von Haus zu Haus, von Werkstatt zu Werkstatt, von Mund zu Mund empfohlen. Diese Kleinarbeit erfordere allerdings einen„gewissen feinen Takt und etwas Menschenkenntnis". Un- bedingt vermieden werden müsse der Eindruck einer unmittel» baren oder äußerlichen Beeinflussung. Auch hier wollen wir uns auf die Wirkung dieses schlangenklugen Rates nicht allzusehr verlassen, sondern den Junkern während des Wahlkampfes und besonders auch während des Wahlaktes selbst r e ch t a u f d i e Finger sehen! Aber noch eine Stelle des Artikels verdient niedriger gehängt zu werden. Der Satz nämlich, daß„alle, hoch und niedrig, vor» nehm und gering", an der Aufklärung deS Volkes arbeiten müßten —„solange wir uns des zweifelhaften Segens deS allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrecht? erfreuen". Also selbst in dieser Epistel vermag das Junkerorgan seinen giftigen Haß und seine glühende Feindschaft gegen das gleiche Reichstagbwahlrecht nicht zu unterdrücken! Es ist denn auch kein Zweifel, daß das Reichstagswahlrecht aufs schwerste bedroht tvärc, wenn den Junkern und ihren Verbündeten diesmal die tausendfach verdiente Vergeltung erspart bliebe! Nieder darum mit den Junkern und Junkergenosscn! Nieder mit den VolkSauSwucherern und Wahlrechts feinden! Politische Clcbcrlicht. Berlin, den 17. Oktober 1911. Die Marokkofrage im Seuiorenkonvent. Der Seniorenkonvent des Reichstages trat am Dienstag zu- sammen, um über die Geschäfte deS Reichstages in allernächster Zeit zu disponieren. Zunächst gab der Präsident eine Erklärung ab, warum er den Reichstag statt am 10. Oktober erst am 17. Oktober einberufen habe. Das sei auf Wunsch des Reichskanzlers geschehen, der angegeben habe, er wolle bei Beginn des Reichstages über die auswärtige Lage Aufschluß geben, wenn die Verhandlungen über Marokko bis dahin zu Ende gegangen seien. Nun hätten sich aber die Verhandlungen hinausgeschoben und darum habe der Reichs- kanzler dem Präsidenten ein Schreiben zugehen lassen des Inhalts, daß die Diskussion über die auswärtigen Verhältnisse verschoben werden möchte. Der Präsident habe für die spätere Einberufung des Reichstages der Vorbehalt gemacht, daß dann jedenfalls die Strafprozeßordnung nicht zur Erledigung kommen würde. Der Staatssekretär der Justiz drängt denn auch, daß sie erledigt werde. allein der Seniorenkonvent entscheidet sich dahin, daß der Ge» setzentwurf über die Strafprozeßordnung in dem letzten Abschnitt nicht mehr zur Beratung gestellt wird. Der Präsident berichtet weiter, die Regierung habe erklärt, daß Lie Interpellationen über das Bereinsgesetz und über die Teue- rungsverhältnisse beantwortet werden würden. Daraufhin wird festgestellt, daß am IS. Oktober die Interpellation über das Vereins- gesetz auf die Tagesordnung kommt Nach der Beratung über diese Jnterpellatwn soll zunächst die erste Lesung deS Beamtenversichc- rungSgesetzez vorgenommen werden, und daraufhin erst die Be- ratung der Teuerungsinterpellation erfolgen. Ueber weitere DiS- Positionen soll später der Seniorenkonvent befinden. Der Präsident verlas darauf das nachfolgende Schreiben des KeichSlanzlerS: Wie ich höre, ist von verschiedenen Parteien beabsichtigt, Interpellationen über Fragen der auswärtigen Politik, insbesondere über die tripolitanische Frage und unsere Verhandlungen mit Frankreich, im Reichstag einzubringen. Ich verstehe und teile den Wunsch der Parteien, eine parlamentarische Erörterung dieser Fragen herbeizuführen. Im gegenwärtigen Augenblick jedoch wird sich die Regierung an einer Debatte über die auswärtige Politik nicht beteiligen können. Von einer all- gemeinen Besprechung der auswärtigen Politik würde sich die Frage der Haltung der Regierung in der marokkanischen An- gelegenheit nicht trennen lassen. Ueber diese aber könnte sich die Regierung in Anbetracht der noch schwebenden Verhandlung gen ohne die Gefahr einer schweren Schädigung deutscher Jnter eisen nicht äußern. Dasselbe würde auch von einer Hineinziehung ?er Tripolissrage gelten. Wegen der Beilegung des türkisch- nalienischen Krieges findet ein andauernder Meinungsaustausch unter den Mächten statt, der jede öffentliche Stellungnahme der «ciserlichen Regierung in dieser Frage unmöglich macht. Einer Debatte des Reichstages aber ohne Beteiligung der Regierung steht das Bedenken entgegen, daß sie nach der einen oder anderen Richtung hin die Stellung der deutschen Politik erschiveren und ihre Aktion beeinträchtigen könnte. sobald die politische Situation eine Beteiligung»der Re Sprung gestattet, werde ich Eure Exzellenz davon benachrichtigen und ich werde dann gern bereit sein, dem Reichstag Aufklärungen über die, auswärtige Politik zu geben und mit ihm in eine Debatte einzutreten. Von dem Vorstehenden setze ich Euere Exzellenz mit dem er- gcbenen Anheimstellen in Kenntnis, bei Ihren Besprechungen über dm Gestaltung der Geschäfte deS Reichstages davon Gebrauch zu machen. Von den> Vertretern aller Parteien wird darauf die Besorgnis ausgesprochen, daß eventuell der Reichstag zu Ende gehen könne, ohne daß überhaupt die auswärtige Politik besprochen worden sei. Schließlich kommt man über- ein. daß dem Reichstag die' Möglichkeit vorbehalten bleiben nn. i, ein« Besprechung der auswärtigen Politik durch Stellung eines dahingehenden Initiativantrags vorzunehmen, wenn die Re- giernng diese Interpellation nicht beantwortet dann den Parteien freistehe, dieses Mittel in Anwendung zu bringen. Die Vertreter der Parteien ersuchen den Präsidenten, bei dem Reichskanzler keinen Zweifel darüber zu lassen, daß der Reichstag einig sei in der Auf. fassung, eine Besprechung der auswärtigen Politik müsse unter allen Umständen erfolgen. Ter Präsident wird den Reichskanzler dahingehend verständigen. Ferner wurde der Wunsch ausgedrückt, daß der Rcichskanzlcr in seiner Erklärung vor dem Reichstag, in der er eine Hinausschiebung der Besprechung der Interpellation ver- langt, gleichzeitig eine Garantie bietet daß dem Wunsche des Reichs- tagcs entsprochen wird. Besonders von sozialdemokratischer Seite wird betont, daß eZ eine ganz unhaltbare und unmögliche Situation fem wurde, wenn dieser Reichstag ohne jede Besprechung der aus- wärtigen Angelegenheit auseinanderginge. Arbeiterschntz-Pkti�ione». Aus dem Reichstage. 17. Lllober. Als der Reichstag heute wieder zusammentrat, hatte man den Eindruck, als ob eine Schar Mühseliger und Beladener sich zu einer stillen Trauerandacht versammelt hätte; wenigstens gab die Haltung der Mehrheitsparteien dem sterbenden Reichstag dieses Gepräge. So mancher von den Edlen und Besten der Nation saß da mit wehmütigem Lächeln auf dem wohlgenährten Antlitz, als durchzöge der trübe Gedanke sein Gemüt: Ueber ein Kleines und ich werde- nicht mehr unter euch sein; die Neuwahl wird uns dezimieren! Auf die Tagesordnung waren Petitionen gesetzt. Die Mehrzahl wurde ohne irgend welche Debatte nach dem An- trage der Petitionskommission erledigt. Nur bei einigen das Arbeiterinteresse berührenden Fragen kam es zu Auseinander- setzungen. Eine Petition, die den„Schutz der Arbeitswilligen vor Bedrohung und Mißhandlung" fordert, gab dem Anti- semiten Raab den Anlaß, Sine Scharfmacherrcde gegen die Sozialdemokratie zu halten. Dabei hatte er es darauf be- sonders abgesehen, nachzuweisen, wie schädigend auf den Mittelstand der Boykott einwirke. Das ganze schöne Konzept wurde ihm aber verdorben, als unter großer Heiter» keit des Hauses ihm nach Schluß seiner Rede von den Sozialdemokraten die antisemitische Boykott-Parole„Kauft nicht bei Juden!" zugerufen wurde. Genosse Robert Schmidt wies dann mit einigen kräftigen Worten den Raabschen Angriff zurück. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag auf Uebergaug zur Tagesordnung abgelehnt und dann gegen die Sozialdemokraten der Antrag auf Ueberweisung als Material angenommen. Zwei Petitionen, die eine weczen Errichtung pari« tätischer Arbeitsnachweise, die andere wegen Schaffung eines Hüttcnarbciterschutzgesctzes führten zu einer Darlegung der Übeln Zustände im Bergwerksund Hüttenbctricb durch den Genossen H u e. Dabei konnte er darauf hinweisen, daß jetzt auch die Zentrunispartei unter Herrn G i e S b e r t s in die Klagen über die völlige Unwirksamkeit der Bundesratsverordnung von 19W zur Regelung der Hüttenbetriebe eingestinimt habe. Als es nachher zur Abstimmung kam, lehnte dennoch die Zentrums- Partei mitsamt den bürgerlichen Parteien den sozialdemokratischen Antrag auf Berück- sichtigung der Forderung auf Erlaß eines Hütten» arbeiterschutzgesetzes ab. Nur vereinzelte Freisinnige stimmten mit der Sozialdemokratie. Im Wahlkampf wird diese Abstimmung sehr aufklärend wirken können. Zur Landtagsersatzwahl in Berlin V. Bei den gestern stattgefundenen 129 Wahlmännerersatz- Wahlen im fünften Landtagswahlkreis gelang es unseren Ge- nassen, die Mandate in der dritten Abteilung sämtlich wieder zu gewinnen und in der ersten und zweiten Abteilung noch je drei Wahlmännermandate neu zu erobern, während in der ersten Abteilung einsverlorenging. Es standen zur Wahl in der dritten Abteilung 52 Wahlmänner, in der zweiten Abteilung 36; davon wurden gewählt Sozialdemo- kraten 2 3, Freisinnige 19, ferner hat eine Stichwahl statt- zufinden. In der ersten Abteilung waren 41 Wahlmänner neu zu wählen. Es wurden gewählt bisher 12 Sozialdemo- kraten. 22 Freisinnige: ferner hat eine Stichwahl stattzu- finden, während eine Wahl nicht zustande kam. Mäxchen macht sich wieder mausig. Der von den Aestheten als Politiker und den Politikern als Aesthet bewunderte Schmock, der aus seinen Zettelkastennotizen schwülstige Artikel zu fabrizieren weiß. Herr Maximilian Horden, hat sich wieder einmal über den Marokko-Rummel vernehmen lassen. Und zwar in Dresden. Mit Hilfe seines wohlassortierten Zettel- kästen» fiel es ihm natürlich nicht schwer, über die unglaubliche Zer- fahrenheit und Sinnlosigkeit der offiziellen deutschen AuölandSpolitik allerlei Bissiges vorzubringen. Er predigte Frieden mit Frankreich, um„das hochmütige Albion zu demütigen", also eine Kriegsrauferei mit England zu entfallen. Italiens Brigantenzug fand natürlich feine Billigung. Die italienische Politik sei zwar Räuberpolitik. aber die einzig richtige I Da« dclirante Geschwätz klang in der Hetze aus, daß möglich st bald ein Krieg angezettelt werden müsse, weil sich das Volk bei der mit der fortschreitenden Industrialisierung verbundenen Demokratisierung bald nicht mehr geduldig in einen Krieg hineinpeitschen lassen werde. Unser übergeschnapptes Schmöckchen sollte seine Nase statt in Politik lieber wieder in die Nachtröpfe hochgeborener Zeitgenossen stecken— die ckromgus scwaclalsuss verliert mehr an ihm, als die Weltgeschichte!_ Landtagsersatzwahl in Hanau. Bei der heutigen LandtagSersatzwahl erhielt von den 301 ab gegebenen Stimmen der nationalliberale Kandidat Baurat Hermann Wohlfarth-Hanau 154, der sozialdemokratische Kandidat Genosse DieSmann 75, der konservative Kandidat Hauptlehrer Schuhmann 72 Stimmen. Wohlfarth ist somit gewählt. Nationalliberale Sehnsucht. In ihren Betrachtungen über die Düsseldorfer Reichstags- Ersatzwahl hat die„ R h e i n.- W e st f. Zeitung", das führende Organ der rheinisch-westfälischen Großindustrie, unverhohlen zu ver- stehen gegeben, daß die Nationalliberalen geneigt sind, bei den kommenden Wahlen mit dem Zentrum einen umiassenden Mandat- Handel abzuschließen. Den Faden spinnt das Blatt jetzt weiter. In einen Artikel„Die Stadtverordnete«wählen im Industriegebiet" stellt das Scharfmacherblatt folgende Betrachtungen an: Als Auftakt zu den kommenden ReichZtagSwaHlc» werden sich die im November und Dezember ftattsiiidcndcn Stadtverordneten- Wahlen im Industriegebiet vollziehen... In Dortmund, Duisburg. Hagen und Recklinghausen wird unter diesen Umständen auch die Wabllage ganz anders sein, als bei den städtischen Wahlen im vorvergangenen und letzten Jahre. Da- malS galt es, dem Zentrum für seine allzu selbstsüchtige Partei- Politik auf den Stadthäusern einen Denkzettel zu geben und dieser rst denn anck, derbe genug ausgefallen. Diesmal wird sich also auch der Wahlkampf cnlsprechcnd der veränderten Lage bei der bevorstehenden RcichStagSwahl wefentlick, anders gestalten. Der'Verlauf de? Kampfes wird beachtenswerte Rückschlüsse gestatten auf die Stellung der Parteien im nächsten Januar. Die„Rhcinisch-Wcstf. Zeitung" bespricht dann die Situation in den einzelnen Kreisen von ihrem Standpunkt und kommt zu dem Schluß, daß die Verhältnisse für das Zentrum und«amtlich in Dortmund sehr prekäre seien, mich in Duisburg stände cS ähnlich. In Necklinghausen soll eS um die Zukunft deS Liberalismus glänzend stehen, wohingegen die Verhältnisse in Hagen sehr eigenartig lägen. Die Ausführungen über die Hagener Wahlaussichten schließt das Blatt mit den Worten: »Zu wünschen bleibt übrigens, daß eZ wie 1909 gelingen werde, den Ansturm der„Genossen" auf das Hagener Rathaus abzuschlagen. Dazu niüsscn sich eben in etwaigen Stichwahlen d i e b ü r g c r l i ch e n Parteien zusammenfinden. Die Hoffnung muß ntan überhaupt für die Stadtverordnetenwahlen in allen erwähnten Städten aussprechen.". Die bürgerlichen Parteien, die hier— mit Ausnahme' der Stadt Hagen— im wesentlichen in Betracht kommen, sind da? Zentrum und die Nationalliberalen. Daß vle Herren vom Zentrum für die zarten Anregungen der Rationalliberalen volles Verständnis bezeugen, steht außer Frage. Ter mecklenburgische Landtag ist zum 14. November einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Weiterberatung der VerfassungSvorlaac. Das bedeutet einen vollendeten Sieg der Junker. Denn im Frühjahr, als der Junkerlandlag die Verfassungsvorlage der Regierung abgelehnt chatte, sprach der Schweriner Großherzog daS große Wort, er werde nun- mehr aus freie st er Entschließung handeln. Statt dessen aber soll jetzt der Landtag weiterberaten. Sinkender Einflusi der Arbeiter im Zentrum. Die Vertraucnsmänuerversammlung der Zentrumspartei im Wahlkreise Bochum-Gelsenkirchen hat den Professor Weskamp- Dorsten zum Reichstagskandidaten ernannt. Deutlich zeigt diese Kandidatur, wie der Einfluß der Arbeiter innerhalb der Zentrumü- Partei schwindet. Bei der letzten Wahl kandidierte der christliche Ge- werkschaitssekretär Kloft, der aber den„besseren" Katholiken nicht mehr zusagte. Professor WeSkainp ist im Kreise total unbelanut. DaS Zenlrum spekuliert aber mit dieser Akqunition auf die Stimmen in den Bürger- und Beamtcnkreisen, denen die„Arbeiterkandidatur" Heckmann auch nicht zusagt. Bezeichnend ist es, daß auch in Dort- »miid der frühere Kandidat des Zentrums, GewerlschaftSselretür Effert, durch einen Kaufmann ersetzt worden ist. Wahlmanöver. Einen eigenartigen Trick probieren die Nationalliberaken im Wahlkreise Hannover-Linden. um die Wähler zu täuschen. Diese bisher stärkste bürgerliche Partei im Kreise, die stets im Vorder- gründe des Kampfes stand, hat diesmal auf einen eigenen Kandi- baten verzichtet, und zwar aussälligerwcise zugunsten der Fortschritt- lichen Volkspartei, die es seit 1881 auf Ute mehr als 500 bis 900 Stimmen brachte und 1907 überhaupt keinen Kandidaten mehr auf- stellte, während die Rationalliberalen doch immerhin noch 12 000 bis IS 000 Stimmen oufbrachicn. Der fortschrittliche Kandidat ist Justizrat Senzberg, der einst als demokratisch galt, sich aber in- solge seiner finanziell-industtiellen Beziehungen politisch immer mehr nach rechts hinübergemausert bat. Der auffällige Kandidatenverzicht der Nationalliberalen zugunsten der absolut bedeutungslosen Fortschrittler ist nicht anders zu erklären, als daß zwischen Herrn Senzberg und den Nationalliberalen ganz bestimmte Abmachungen getroffen worden sind; Scnzbcrß, der bisher politisch nie hervorgetreten ist, soll in Wahrheit der nattonalliberale und Hansa-Kandidot sein, der nur unter dem Fortschrittsbanner kämpft,' weil man glaubt, bei der gegenwärtigen politischen Stimmung damit bessere Geschäfte zu machen. Hnnsabundpräfident Ricsier als Reichstagskandidat. . Der Volksparteilcr Starz, der gegenwärtig den Wahlkreis Ulm im Reichstag vertritt, hat eine weitere Kandidatur abgelehnt. Die Volk-?vartei hat nun erklärt, auf eine eigene Kandidatur verzichten zu wollen, wenn die Nationalliberalen den Präsidenten des i&ama- bundeS, Geheimrat Nießer, ausstellen. Oeftemich. Die TcucruugSdebatte. Wien, 17. Okiober. DaS Abgeordnetenhaus hat heute die erste Lesung der T e u e r u n g S a n t r ä g e beendet, worauf diese mit vierzehntägiger' Berichter st attungsfri st den betreffenden A u s s ch ü s s e n zugewiesen wurden. Hieraus begann das HauS die erste Lesung der B e a m t e n v o r l a g e n. Vanemark. Ncneinteilung der Wahlkreise. Aehnlich wie beim deutschen ReichStagSwahlrecht ist auch beim FolkethingSwahlrecht die städtische Bevölkerung und namentlich die der Hauptstadt durch eine höchst ungerechte WahlkreiSeinteilung benachteiligt. Die Regierung bat nun einen Gesetzentwurf zur Neu- cinteilung der Wahlkreise eingebracht. Der Entwurf stimmt im wesentlichen mit dem in der vorigen Session vom Folkething, jedoch nicht vom Landsthing, der Zweiten Kammer, an- genommenen überein, jedoch sind dabei die Ergebnisse der letzte» Volkszählung berücksichtigt worden, wenn auch nicht so. wie es eine wirklich gerechte WahlkreiSordnung erfordern würde. Kopenhagen soll zwar 19 statt bisher IS FolkethingSabgeordnetc erhalte», aber es würde dabei immer nur ein Abgeordneter auf rund 25 000 Köpfe der Bevölkerung kommen, während in den anderen Wahlkreisen 10 000 bis 20 000 Köpfe schon einen Abgeordneten erhalten sollen. Die Zahl der FolkethingSmänner soll von 114 auf 129 erhöht werden, und außerdem wird die Eiilführung eines Stichwahlsystems vorgeschlagen. Die Reform würde trotz ihrer Mängel einen guten Schritt-vorwärts bedeuten. Portugal. Eröffnung des Parlaments. London, 17. Oktober. Der„Daily Telegraph" meldet aus Lissabon: Das Parlament wurde gestern nachmittag durch RegimmgS- Mitglieder eröffnet. Räch Verlesung deS Dekrets betreffend die Aufhebung der konstitutionellen Garantien griff der radikale Führer Costa die Regierung heftig an, bezichtigte sie der Nachlässigkeit und ll n k e n n t» i S über die royalistischen Pläne und verteidigte die provisorische Regierung. Des weiteren verlangte er die Verhäng ung exemplarischer Strafen über die Verschwörer. perNen. Der flüchtige Schah. London, 17. Oktober. Der„Mvrning Post" wird aus Teheran gemeldet: Der frühere Schah hat sich über die Grenze nach Aickabad in R u s s i s ch. T u r k e st a n begeben. Unter seinem Ge- pack, daS in Firuökuh in die Hände der Regierungstnwpsn siel. befand sich ein vollsläudiges Tagebuch über den von ihn, unter- nommenen Versuch, wieder zur Herrschaft zu gelangen. J« dem Tagebuch finden sich Angabe» darüber, woher er seine Unter- stütz»ngen finanzieller und anderer Art bezogen hatte- da- durch werden verschiedene h o ch g e st c l l t e P e r s ö n l i ch k e i t e n bloßgestellt, deren Anhänglichkeit an das jetzige Mgime bisher .._____ Anhängb» nicht in Zweifel gezogen worden ist. Marokko. Spanische Okkupationsgelüste an der uiorakkanischen Nordlüstc. ganger, 17. Oktober,-i-ie Spanier beabsichtiaen in A l h u c e m a s estie Abteilung von 7000 Mann zu landen die bestimmt ist. das Gebiet von Beggovia und das der Bc»i Uriagel zu besetzten und diese Gebiete mit dem von Melilla m Verbindung zu bringen. Amerika. Der Präsidentschaftskandidat der„Insurgenten". Chicago, 17. Oktober. Der Konvent der f o r t s ch r i t t. lichen r e p u b l, k a n i s ch c n Partei bat sich für die Kandidatur deS Senators ß aFollette alsPräsidenten der Republik ausgesprochen. . Eia angebliches Attentat auf den Präsidenten. Santa Barbara(Kalifornien). 10. Oktober.(Meldung der Asso- riated Press.) Unter der Stahlbrücke der Southern Pacisic-Eisenbahn zwischen El Capitan und Gaviota wurden heute 36 D y n a m i t- Patronen entdeckt, kurz bevor der Zug. in dem sich Präsi- denk Taft befand, die Brücke passierte. Die Teuerung, die Regierung und das Voll von Berlin. Kein Mensch wagt, die ungeheure Teuerung, die als Folge der agrarischen Grenzzollpolitik über uns hereinge- krochen ist, zu leugnen. Man versucht, diese Teuerung der ganz besonders anormalen Witterung dieses Jahres zuzu- schreiben, um die Politik unserer herrschenden Klassen weniger zu diskreditieren! die Tatsache der Verteuerung aller Lebens- mittel in einem Maße, wie das nie früher der Fall war, kann mau aber nicht aus der Welt reden. Das Schlimme ist, daß die Regierung dieser Kalamität gegenüber Gewehr bei Fuß steht. Tut sie etwas, dann nur, um allzu üble Folgen der jetzigen Entwickelung der Tinge vom Agrariertum fernzu- halten, das diese doch verschuldet hat. Man interessiert sich für die Verbilligung der Futtermittel, für die Verschaffung von Rohmaterial für die Spiritusbrenner: für die Verbilli- gung der Volksnahrungsmittel interessiert man sich nicht. Das hätte ja zur notwendigen Folge, daß man in Deutschland die Zollschranken einmal nach innen aufschlagen müßte: aber der Getreidetransport an unseren Grenzen funktioniert nur glatt, wenn man Brotgetreide über die Zollschranken nach draußen, nicht, wenn man solches nach innen führen will. Die Liebesgabenpolitik der Junker und der ihnen gehorsamen Regierung duldet auch in Hungerjahren keine Einfuhr von Fleisch und Brot. Am gestrigen Abend, am Abend desselben Tages, an dem der Jammer-Reichstag noch einmal zum Ster- den zusammentrat, der dem deutschen Volke den Zollschmacht- riemen noch enger gezogen hat, als je einer vor ihm, trat des- wegen das Volk auf den Plan, um die Stellung zu nehmen, die Reichstag und Regierung vermissen ließen. 78 Volks- Versammlungen tagten in Berlin. Und wir fanden nicht eine, in der das Lokal zu groß gewesen wäre für die Masse der Andringenden. Zirka 80 000 Männer und Frauen hatte der Ruf der sozialdemokratischen Partei in Groß-Berlin auf die Beine gebracht zum Protest gegen Zollwucher und Re- gierungsuntätigkeit den Folgen dieses Wuchers gegenüber. Besonders großen Massenbesuch wiesen, wie immer, die Versammlungen in Rixdorf und der Hasenheide auf. Klrems Festsäle hatten unsere Genossen schon zeitig selbst abgesperrt, um ein Tagen überhaupt möglich zu machen. Die später hinzukommenden Ueberzähligen mußten sich mit einem Auf- enthalt auf der Straße vor dem Versammlungslokal begnügen. Besonders überfüllt war das Lokal von Graumann in der Naunynstraße. Hier versuchte man sich zu helfen. indem eine zweite Versammlung in einem benachbarten Lokale eröffnet wurde; aber auch dieser Ausweg schaffte nur unzulänglich Unterkommen für die Er- schtenenen. Ueberfüllt war auch das Gewerkschaftshaus. Por den„Andreassälen" in der Andreasstraße wogten große Mcnschenmassen auf und ab. Der„Schweizergarten" am Friedrichshain wurde schon sehr zeittg polizeilich ab- gesperrt. Auch dort fanden Ansammlungen vor dem Lokale statt, das übrigens von mehreren Polizei- offizieren mit diversen Mannschaften und„Geheimen" sorg- fältig bewacht wurde. Ganz eigenartig war der Anblick der Schönhauser Allee. Dort ist man mitten im Bau der Hoch- bahn begriffen. Und zwischen den ragenden Pfeilern, auf dem breiten Trottoir, auf dem Damm, soweit der Verkehr von Straßenbahnen und Fuhrwerken dies zuließ, überall bewegten sich Männer und Frauen, bewegten sich in dichten Massen Versammlungsbesucher, die wegen Ueberfüllung keinen Zutritt mehr gefunden hatten. Wohin auch unser flinker Vierzylinder uns führte, ob weiter nach dem Gesundbrunnen, nach dem Wedding, nach Moabit: überall dasselbe Bild eines Massenaufgebotes von Männern und Frauen der Arbeiterklasse, die ihre Stimme erheben wollten gegen die Politik, die das Volk dem Hungertum entgegenführt um einiger weniger Besitzenden willen. In den„Pharussälen" auf dem Wedding glaubte man vorbeugend alles getan zu haben, einer Ueberfüllung ent- gegenzutteten, wenn man von vornherein mehrere Säle des Lokals für die Versammlungen vorsah. Auch das nutzte nichts. Straße und Garten waren dennoch von Menschen überfüllt. Ein besonderes Gepräge gewannen die Versammlungen dadurch, daß unter den Referierenden die Zahl der Frauen eine ungewöhnlich große war. Das Thema hatte aber auf der anderen Seite auch viele Frauen als ZuHörerinnen angelockt. Kein Wunder, sind es doch die Arbeiterfrauen in allererster Linie, die als Hausmütter die Folgen der Teuerung zu spüren bekommen. So stießen die Redner denn bei ihrer Kritik auf ein gern zur Zustimmung geneigtes Publikum und einstimmig fand überall die nachstehende Protestresolution Annahme: „Die ungeheuerliche Verteuerung aller Lebensmittel und Be- dürfnisse des arbeitenden Volkes ist eine Folge der durch die Re- gierungen und die herrschenden Klassen betriebenen Politik in Reich. Staat und Gemeinde. Die ins Maßlose gesteigerten Anforderungen für Militaris- mus, Marinismus und Kolonialpolitik drängen mit unfehlbarer Sicherheit nicht nur zum Weltkriege, sie führen auch zur Ver- elendung der breiten Massen der arbeitenden und minderbe- mittelten Bevölkerung. Die heutigen 73 Volksversammlungen verlangen daher ge- bieterisch t. die Beseitigung und sofortige Aufl,tbung aller Zölle auf Lebensmittel; L. die Aufhebung der nur dem Nutzen des raffgierigen Agrariertums dienenden Einfuhrschcine; L. die Aushebung der Grenzsperren für Fleisch und Lieh; 4. die Organisation des Massenbezuges unentbehrlicher Nah- rungsmittel. wie Kartoffeln, Seesische und Nährgemüse durch die Kommunen. Die heutigen Volksversammlungen versprechen chrerseits, durch Eintritt in die Konsumvereine die auf wirtschaftliche Be- freiung vom kapitalistischen Joch gerichteten Bestrebungen der Konsumenten zu unterstützen, sie geloben aber auch, mit den Ver- teucrern der unentbehrlichsten Volksbedürfnisse gründliche Ab- rechnung zu halten und bei den nächsten Reichstagswahlen durch die Wahl sozialdemokratischer Abgeordneter den volksverräterischen schwarzblauen Block aus der Gesetzgebung zu entfernen. Die Anwesenden verpflichten sich den nächsten Wahltag zu einem Siegestage des Volkes über all seine Dränger zu gestalten und werden in diesem Sinne unckblässig wirken und agitieren. der sozialdemokratischen Presse neue Leser, der Organisation der Arbeiterschaft in Partei und Gewerlschaft neue Anhänger zu werben." Ueber den Verlauf der einzelnen Versammlungen erhalten wir folgende Berichte: Erster Wahlkreis. zfn der sehr gut besuchten Versammlung in D r ä s e l s Festsälen referierte der Kandidat des Kreises, Genosse Düwell, der mit seinen Ausführungen stürmischen Beifall erntete. Die Resolution wurde von den(300—700 Bersammlungsbcsuchern mit einstimmiger Begeisterung angenommen. Zweiter Wahlkreis. Im„Urbock"-Etablissement auf dem Tempelhofer Berg zählte man 2000 Besucher. Dort sprach der Abgeordnete des Kreises, Genosse Richard Fischer. Die Versammlung bei Kliem in der Hasenheide wurde schon vor der Eröffnung abgesperrt. Die Polizei überließ die Aufsicht vor dem Lokal wie schon öfter unseren Genossen. Die Besucherzahl betrug etwa 2200. Referent war Genosse Dr. Moses. lleber 1000 Personen waren in der überfüllten Versammlung anwesend, die in Nißles Festsälen in der Dennewitzstraße stattfand. Dort sprach Genosse Eugen Brückner. Dritter Wahlkreis. In den A r m i n h a l l e n referierte Genosse O t t o W e l S bor über 1200 Personen. Die total überfüllte Versammlung unterbrach den Redner oft mit tosendem Beifall. Im Gewerkschaftshaus sprach vor 1600 Personen Genosse D ä u m i g. Saal und Galerie sowie die Treppenaufgänge waren überfüllt. Hunderte mußten umkehren- Vierter Wahlkreis. Im Lokal S ü d- O st in der Waldemarstraße zählte man 800 Personen, darunter 360 Frauen. Referent war Genosse Grauer. Die Stimmung der Versammlung war die denkbar beste. Die Versammlung bei Graumann war derart überfüllt, daß die organisierten Genossen und Genossinnen aufgefordert wurden, das Lokal zu verlassen. Sie begaben sich nach den Naunhn-Fest sälen, wo Genosse Reese ein Referat hielt. Bei Graumann selbst sprach Genosse-Theodor Fischer. Die Versammlung in den A n d r e a s- F est s ä l e n war über füllt. Sämtliche Tische waren entfernt worden, obgleich die Ver- sammlung schon lange vor der Eröffnung polizeilich gesperrt worden war. Die Frauen wurden bis zuletzt von der Polizei durchgelassen. während die Männer zurückgewiesen wurden. Zahl der Versamm lungsbesucher zirka 1800— 2000. Referent war Genosse Hugo Hei mann. Die Versammlung bei Litfin, Memeler Straße, war so überfüllt, daß erst die Tische aus dem Saale entfernt wurden. Dann gingen die Parteigenossen noch nach dem Tunnel, damit die Frauen Platz bekamen. Anwesend waren zirka 1000 Personen bei 400 Fassungsgehalt des Saales. Ebensoviel kehrten wohl wieder um, weil kein Platz mehr vorhanden. Referent war Genosse K a l i s k i. Im unteren Saale sprach Genosse Rufs. Im Tunnel wurde eine weitere Versammlung abgehalten, welche ebenfalls überfüllt war. Die Polizei sperrte schon vor 8 Uhr ab. Eine Ueberwachung der Versammlungen fand jedoch nicht statt. Auch die Versammlung bei Boeker, Weberstraße, war über füllt. Referent war Genosse Büchner. Im E l y s i u m, Landsberger Allee, mußte schon vor 8 Uhr der große Saal abgesperrt werden. Auch wurden, die Männer auf- gefordert, den Saal zu verlassen. Genosse P o e tz s ch referierte vor zirka 2600 Besuchern, fast nur Frauen. Im Garten wurde noch rasch eine zweite Versammlung für die immer noch nachströmenden Massen abgehalten. Hier referierte Genosse Melle vor zirka 2000 Personen. Auf der Straße wogten noch Hunderte von Personen auf und ab, welche auch im Garten, keinen Platz mehr fanden. Die Polizei verhielt sich den riesigen Menschenmassen gegenüber reserviert. Fünfter WahlkreiH Die Versammlung im„S ch w e i z e r g a r t e n" war von 1200 Personen besucht. Der Saal wurde von der Polizei wegen Ueber- füllung geschlossen. Referent war der Abgeordnete des Kreises, Genosse Robert Schmidt. Auch die Versammlung in den Sophiensälen, wo Genosse Wurm referierte, war überfüllt. Anwesend waren 1600 Personen. Sechster Wahlkreis. � Zu der Versammlung im früheren Puhlmannschcn Lokale war der Andrang so groß, daß unsere Genossen um'AS Uhr bereits den Saal absperren mußten. Zu Beginn und am Ende der Ver- sammlung trug der Gesangverein der Bauarbeiter Lieder vor. Ge- nosse Heine referierte. Seine Ausführungen wurden oft von lebhaftem Beifall unterbrochen. Vor dem Versammlungslokal wogte unterdessen eine große Menge auf und ab, die keinen Einlaß mehr gefunden hatte und deren Personenzahl aus über 2000 geschätzt wird. Die Versammlung bei Obiglo in der Schwedter Straße war überfüllt. Sämtliche Tische mußten entfernt werden, um den An- strömenden nur einigermaßen Platz zu schaffen. Hunderte mußten wieder umkehren oder draußen bleiben. Polizei war nicht anwesend. Genossin Fahrenwald hatte das Referat übernommen. Die Versammlung im Swinemünder Gcsellschafts- Haus war von 1600 Personen besucht. Ilm 7% Uhr mutzten unsere Genossen selber absperren, weil der Andrang zu groß war. Referent war Genosse Stück len. Auch auf der Straße war eine große Mcnschenmassc anwesend. In den Pharus-Sälen in der Müllerstraße fanden drei Versammlungen statt. Alle waren polizeilich abgesperrt. Referenten waren die Genossen Fr. Friedländer und Dr. Wehl. Der Garten war voll, die Straße stark bevölkert. Mindest 10 000 Personen waren anwesend. Die beiden großen Säle waren schon um TA Uhr abgesperrt. In der Bockbrauerei, Chausseestraße, war der Besuch sehr stark. Ter Saal mußte bereits um 7% Uhr abgesperrt werden. Jeder Platz war besetzt. Sogar die Bühne wurde mit zu Hilfe ge- nommen. Referent war Genosse Ledebour. Die Versammlung in der P atzenhofer Brauerei, Turmstr. 26/27, war von über 1200 Personen besucht. Der Saal war überfüllt. Hier sprach Genossin Martha T i e tz. In dem Etablissement Moabitcr Gesell schaftshaus waren in zwei Sälen 4000 Personen versammelt. Wegen Ueber- füllung mußten Viele der Versammlung den Rücken kehren. Im oberen Saal referierte Genosse Eduard Bern st ein und im unteren Genosse Lüpnitz. Beide Referate wurden mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung der taubstummen Genosse«. In der Versammlung waren 300 Personen anwesend. Genosse Brachmann führte in leidenschaftlicher Rede die Ausbeutung und Teuerung an Beispielen an und forderte die Anwesenden aus, nur sozialdemokratisch zu wählen, damit bessere Zeiten kommen. Der spontan ausbrechende Beifall bewies, daß der Redner allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen hatte und begeistert flogen alle Hände hoch wie zum Schwur. Genosse Bracke, der danach zum Worte kam, ergänzte die Ausführungen des Vorredners und fordorte die Anwesenden aus, in die A r b e i t e r g e n o s s e n- s ch a f t einzutreten und nur in den Konsumvereinen ihre Einkäufe zu machen. Auch die folgenden Redner waren alle derselben Mei- nung. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Adlershof. Vor einer total überfüllten Versammlung im Saal des Lehmgrübnerschen Lokals hielt PJenossin D i e tz e ein mit großem Beifall aufgenommenes Referat. Etiva 900 Personen beiverlei Ge- schlccht�jauschten gespannt den Ausführungen der Rcdnerin. In der Diskussion beleuchtete Genosse Neumann die von der Gemeinde- Vertretung getroffenen Maßnahmen zur Linderung der Not. Britz. Vor einer von über 800 Personen besuchten Versamm- lung in Raddatz Festsälen sprach Genosse U ck o. Der Gesangverein Britz trug am Anfang und am Ende der Versammlung ein stim- mungsvollcs Lied vor. Eharlottcnburg. Schon vor 8 Uhr war der große Saal des Volkshauses überfüllt, so daß im Partcrresaal eine z w e i t e V e r- sammlung anberaumt wurde. Trotz der Kälte harrten im Garten noch Hunderte geduldig bis zum Schluß der Versammlung ' aus. Im großen Saal referierte Genossin I u ch a cz, im zweiten Saal Genosse Zetsipelbuez. Die AuSfühikungSn ver Referentfll wurden von häufigem begeistertem Beifall unterbrochen �'- Köpenick. Beide Säle im Restaurant Wilhelmsgarten waren überfüllt. Das Referat des Genossen Hirsch wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Besonders zahlreich waren die Frauen vertreten. Rixdorf. In den P a s sa g e- F e st s ä l e n sprach vor einer überfüllten Versammlung Genosse David-Mainz, dessen Referat reichen Beifall fand. Der Saal war bereits um?�8 Uhr polizeilich abgesperrt worden. Die Hälfte der Anwesenden waren Frauen. Im Saal waren etwa 700 Personen versammelt, während noch viele Hunderte lnfolge der Absperrung vor dem Lokale au; und ab spazierten. Die nach den Hohen st aufen-Sälen einberufene Ver- sammlung war von über 2000 Personen besucht. Viele Hunderte fanden infolge Ueberfüllung des Lokals keinen Einlaß und muhten wieder umkehren. Nach einem mit Beifall ausgenommenen Referate des Genossen M o l k e n b u h r fand die Resolution einstimmige An- nähme. Auch die im Feldschlößchen tagende Versammlung war sehr gut besucht. Etwa 800 Personen gaben dem Vortrage des Genossen B ö s k e reichen Beifall. Schon gegen 7 Uhr füllte sich der große Saal von Hoppe, Hermannstraße. Immer mehr und mehr strömten die Versamm- lungsbesucher herbei, und trotzdem die Tische entfernt und die Be- sucher eng zusammengerückt waren, drängten die Massen nach, so daß kurz nach'AS Uhr der Saal polizeilich abgesperrt wurde. Hunderte von Männern und Frauen warteten auf der Straße aus- und abgehend den Schluß der Versammlung ab. Vor ungefähr 2000 Personen, fast die Hälfte Frauen, geißelte Fritz Zubeil das Verhalten der Regierung und deren Vertreter zu der Teuerung, auch ging er scharf mit den Kraut- und Schlot- junkern ins Gericht, vielfach von stürmischen Zustimmungsbezeu- gungen unterbrochen. Schöneberg. 1500 Personen, zur Hälfte Frauen, hatten sich in den„Neuen Rathaussälen" eingefunden. Mit lebhaftem Beifall wurden die instruktiven Ausführungen des Genossen Braun. Parteisekretär, aufgenommen. Genossin Wickert richtete an- feuernde Worte an die Frauen und Mädchen, sich im politischen Kampf an die Seite der Männer zu stellen.— Eine von den städti- sehen Arbeitern eingebrachte Resolution wurde angenommen. Ge- nosse K ü t e r wies auf die bevorstehenden Stadtverordneten- wählen hin, deren erfolgreicher Ausfall ein gutes Vorspiel für die Reichstagswahlen bedeuten müsse. Die Resolution der städti- schen Arbeiter drückt ihr Bedauern aus, daß der Magistrat den Forderungen der Arbeiter auf Regelung der Löhne noch nicht nach- gekommen ist, nicht einmal eine Antwort für nötig befunden hat. Steglitz. Im Birkenwäldchen ernteten die vorzüglichen Aus- führungen des Genossen S ü d e k u m reichen Beifall. Die Ver- sammlung war wider Erwarten sehr gut besucht. Ueber 1200 Per- sonen füllten den Saal. Tcmpelbof. Die Volksversammlung im Wilhelmsgarten war überfüllt. Die Tische mutzten aus dem Saale entfernt werden. Tempelhof hat solche gut besuchte Versammlung noch nicht erlebt; ein Zeichen der Erbitterung in den Massen. Frau Dr. David referierte unter lebhaftem Beifall. Anwesend waren zirka 600 Personen. Treptow. Im Sp o r t-R e st a u r a n t referierte vor einer überfüllten Versammlung Genosse Karl Liebknecht, dessen Vor- trag bei den etwa 600 Besuchern stürmischen Beifall auslöste. Wilmersdorf. Die im Gescllschaftshause abgehalten« Versamm- lung hatte einen derartigen Zustrom der Bevölkerung aufzuweisen. daß Hunderte Besucher umkehren mußten, obgleich durch Hinaus- schaffen der Tische nach Möglichkeit für Platz gesorgt worden war. Das packende Referat des Genossen Konrad Hönisch wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen; die Resolution fand einstimmige Annahme. Borsigwalde. In einer von zirka 800 Personen besuchten Ver- sammlung wurde nach einem Referat des Genossen Lehmann die vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen. Boxhageii-Rummelsburg. Im Restaurant Bellcvue reichte der große Saal für die über 1000 Personen zählende Besucherzahl nicht aus und mußte daher der kleine Saal zu Hilfe genommen werdcit. Im großen Saale referierte Genosse Adolf Hoffmann, dessen Ausführungen lebhaften Beifall ernteten. Der Rummelsburger Männerchor trug zu Anfang das Lied„Dem Lenz entgegen" vor. Im kleinen Saal sprach Genosse Keppler, dem die Teilnehmer der Versammlung ebenfalls reichen Beifall spendeten. Viele Hunderte fanden in dem überfüllten Lokale keinen Einlaß mehr und mußten infolgedessen umkehren. Lichtenberg. Einen riesigen Besuch hatt die Versammlung ,m „Schwarzen Adler", in der Genosse Stadt Hagen sprach, auszu- weisen, so daß lange vor Beginn der Versammlung große Massen draußen bleiben mußten.— Die nachdrängenden Massen fanden sich in einem anderen am Orte bestehenden Saale ein, wobei sich bald herausstellte, daß auch dieser überfüllt war.— Di« Resolution wurde in beiden Lokalen von 4500 bis 5000 Versammlungsbesuchern ein- stimmig angenommen. Nieder-Schönliausen-Nordend. In einem ubcrsplltcn Saale referierte Genosse Fendel im„Schwarzen Adler". Ter Redner verstand es. die wahren Ursachen der vorhandenen Teuerung heraus- zusckiälen und stellte die Nutznießer der Not des Volkes gebührend an den Pranger. Rauschender Beifall erschallte, als der Redner geschlossen hatte. Der Vorsitzende forderte aus, durch die Tat zu beweisen, daß der Beifall ernst gemeint sei und sich den Organi- sationen anschließen und die Arbeiterpresse zu abonnieren. Ober-S»öneweide. Zirka 2000 Personen lauschten hier dem Referat der Genossin Bohm-Schuch. Die Resolution fand ein- stimmige Annahme. Der Gesangverein„Liedertafel" trug bei Be- ginn und am Ende der Versammlung Lieder vor. Pankow. Von über 1300 Personen war die Versammlung im „Kurfürsten" besucht. Im überfüllten Saal referierte Genosse Dr. B e r n st e i n. Reinickendorf-Ost. Die Versammlung im„SchützenhauS" wie» sehr starken Besuch auf. Anwesend waren zirka 1000 Personen' Re- fcrent Genosse Ritter.. � Reinickendorf-West. Die Versammlung war von über 1000 Personen, wovon die Hälfte Frauen waren, besucht. Ez n>ar die größte Versammlung, die bisher hier stattgefunden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Vor und nach der Versammlung trug der Gesangverein„Einigkeit ll" einige stimmungsvolle Lieder vor.___ Hetzte pkackricttten. Zur Lage in Peking. Peking, 17. Oktober.(Meld. d. Reut. Äiu.) Der amerikanische Konsul in Nanking hat telegraphiert, der Fall der Stadt stehe un- mittelbar bevor. Ter Konsul bittet um Entsendung eines Kriegs» schisfes. Die französische Gesandtschaft hat die Meldung erhalten, daß der Aufenthalt des Vizekonigz„�n Nanking unbe- kannt sei._ Selbstmord. Serben a. Aller, 17. Oktober.ngerä!Co..BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen».UnterhaltungSbl. Nr. 244. 28. Jahrgang. 1. Mst ko.Amrls" Kerlim KIKsdlM Uitt«il>ch> 18. Sdl-b-r ISt!. l�cickstag. 1S0. Sitzung. Dienstag, den 17. Oktober 1S11, nachmittags 2 Uhr. Am BundcSratstische: Niemand. Präsident Graf Schwerin- Löwid: Ich heiße Sie herzlich will- kommen mit dem Wunsche, daß Sie sich nach der viermonatlichen Unterbrechung der Beratungen recht erfrischt und gestärkt haben, so daß wir einen möglichst großen Teil des Restes unserer Aufgaben erledigen können. Hierauf ehrt der Reichstag das Andenken der verstorbenen Ab- geordneten H u g lZ.), Frank- Ratiborahit nach Spitzbergen, worüber dann zunächst ein großes Buch gc- schrieben wurde. Gegen diese Art Wiffenschakt, die ganz zu nnserm neudeutschen. imperalistischeu, unternehmungssüchtigeii Wesen Paßt, erhebt jetzt ein Fachmann, Prof. Wilhelm Sievers in Gießen, in„PetermannS Mitteilungen", dem führenden geographischen Blatt, begründeten Einspruch. Freilich Prof. Stcvers ist nur Fackmann, er hat nicht die kaiserlichen und monakolichen Konnexionen und nicht das Talent, die Presse zu inspirieren wie Prof Hergescll. Dafür hat er den Vor- ziig, etwas von der Sache zu verstehen. Prof. Sievers faßt seine Einwände dahin zusammen: Erstens ist der gegenwärtige Stand der Luftschiffahrt überhaupt noch nicht geeignet, die Durchführung solcher Probleme auch nur halbwegs zu verbürgen, sondern sie sollte zunächst Erfahrungen im eigenen Lapde sammeln, um Katastrophen abzuwenden, bevor sie sich an derat.ig utopistische Ausgaben wagt. Zweitens sind die bei dieser Expedition zu holenden wissenschaftlichen Lorbeeren so gering- fügig, daß sie eine so kostspielige und gesährliche Unternehmung unter keinen Umständen rechtfertigen.„ �„ Die sehr bedenkliche Seite der ganzen Affäre aber steht Professor SievcrS in folgendem:„Bisher galt die deutsche Wissenschaft als solide und zuverlässig: die auf der ganzen Erde vor ihr herrschende Achtung beruyte darauf, daß sie streng sachlich urteilte, vorsichtig vorging, langsam, aber sicher aufbaute und alles, was nach Rellaine aussah, aus das schärfste zurückwies. Die in Aussicht stehende Polarfahrt ist nun geeignet, im Ausland die Ansicht her- vorzurufen, daß wir den soliden Boden unserer wissen- schastlichen Tätigkeit zu verlassen begännen und damit wäre die deutsche Wissenschast kompromittiert, zugleich aber auch der deutsche Name überhaupt,«nd endlich wäre zu befürchten, daß sowohl die sehr hochstehenden wie auch die finanziell sehr leistungsfähigen Kreise in Deutschland, die dieser Expedition, wohl ohne Kenntnis von deren innerem Unwert, ihre Fürsorge baben angedeihen lassen, in Zukunft bei wirklich wissenschaftlichen Unter- . Hne(Soz.): Die Petition verlangt die Einrichtung paritätischer Arbeitsnachweise oder die Einrichtung gesetzlicher Kontrolle über die ein- seiligen Arbeitsnachweise der Unternehmer. Wie notwendig das ist, beweisen die Verhandlungen, die wir über die Zechen- arbeitsnach weise im Ruhrgebict hier mehrfach gehabt haben. Auch die Generalversammlungen der Zechcnvereiue, Ivo die Herren ihr scharfmacherisches Herz enthüllten, zeigen, daß die Arbeits- nachweise im Ruhrrevier nicht so verwaltet werden, wie man es verlangen muß. Aber selbst, wenn die Handhabung der einseitigen Unternehmernachweise eine andere wäre, so verlangt doch die öffentliche Meinung paritätische Arbeitsnachweise. So, wie die Zechenarbeitsnachweiie gehandbabt werden, sind die Unternehmer Ankläger, Richter n»d Strafvoll st recker in ein und d e r s e I b e n P e r s o n i'cs ist das ein Rechtsgang, der jedem ordentlichen Verfahren direkt ins Gesicht schlägt. Die Arbeitsnachweise führen nicht nur eine Kontrolle über angeblich Vertragsbrüchige Arbeiter, eine völlig unkontrollierbare Kontrolle, sondern darüber hinaus bestehen geheime Abmachungen tn einzelnen Revieren, die auf v o l l st ä n d i g e Verrufs- erklärungen bestimmter Arbeiter wegen ihrer politischen Gesinnung hinausgehen. Ferner werden auch solche Leute vom Arbeitsnachweis guSgeschlossen, die durch irgend einen Unfall einen Teil ihrer Erwcrbsfähigkcit eingebüßt haben. Solche Leute überhaupt nicht niehr in Arbeit zu nehmen, ist eine Barbarei und Brutalität ohnegleichen(Lebhasle Zustimmung bei den Sozial- demokraten), darin wird das Hans sich wohl einig sein, und es wäre wohl an der Zeit, daß die Regierung hier eingreift. Man will auch durch die Arbeitsnachweise die Leute zwingen, auf einer bestimmten Zeche zu bleiben. Ein Steiger, der einen Arbeiter von einer anderen Zeche eingestellt hatte, erhielt einen Brief, worin ihm gedroht wurde, wenn er das noch einmal täte, würden weitere Schritte gegen ihn unternommen werden. Hier liegt der klare Tatbestand der Erpressung vor, für den Fall, daß der Steiger sich nicht bereit erklärt, das Frei- zügigkeitsrecht der Arbeiter zu beschneiden, Neuerdings ging eine Mitteilung durch die Presse, daß die Werksbesitzer die Liste der Mitglieder des Berufsbeamteuvereins in die Hände bekommen»nd daraufhin die einzelnen betreffenden Steiger zu sich berufen und ihnen erklärt haben, sie hätten aus dem Bernfsbeamtenverein auszutreten oder würden ihre Stelle verlieren.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine unerhörte Vergewaltigung der Leute. Das Ver- sprechen niit dem System der schwarzen Listen zu brechen, ist nickt erfüllt worden. Dieses gesetz- und sittenlose Treiben wird weiter fortgesetzt. Die Notwendigkeit des einseitigen Arbeitsnach- weises wurde seinerzeit damit begründet, daß man dem starken Kontrakibruch der Arbeiter entgegentreten müsse. 1902 betrug der Arbeiterwechsel 1,92 Proz., 1919 betrug er trotz Bestehens des Arbeits- Nachweises 98 Proz. Dieser starke Wechsel, der auch keineswegs für die Arbeiter vorteilhaft ist, beruht also nicht auf dem Koutraklbrnch der Arbeiter, sondern auf ganz anderen Ursachen. Auf der Zeche Borussia, die sich in den Händen eines Konsortiums befindet, war die Minderheit mit den Beschlüssen der Mehrheit nicht zufrieden und bestellte sich einen Gutachter, der in seinem Gutachten sich auch mit dem Arbeiterwechsel beschäftigte und zu dem Resultat kommt. daß die schlechte Behandlung und die schlechten Löhne an diesem starken Wechsel schuld sind.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Bessere Behandlung, gerechtere Festsetzung des Gedinges— dann wird der Belegschaftswechsel nicht so stark sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man behandele die Arbeiter a n st ä n d i g und gerecht, man behandele sie, wenn auch strenge, so doch mensch sich, man gebe ihnen einen Lohn, mit dem sie eine Familie er- nähren können, daim wird dieser für beide Teile nachteilige Be legschaftsivechsel wenn nicht ganz aufhören, so doch zum mindesten stark zurückgehen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemo kraten.) Dann würde man auch einen solchen Arbeitsnachweis, wie den im Ruhrbeckcn, der immer mehr und mehr zu einem Zwangs- institul ausartet, nicht nötig haben, und dann würde man auch eine ständigere Belegschaft bekommeii. Statt dessen aber sehen wir trotz der riesigen Teuerung und trotz der angestrengten Arbeit ein fast ständiges Zurückgehen der Löhne: seit 1997 sind in Oberschlesien, in Niederschlesien, im Nuhrgcbiet, im Saarrevicr die Löhne andauernd gesunken, die preußischen Bergarbeiter allein haben seit 1997 eine Lohneinbuße von nehmungen von Bedeutung ihre Protektion und ihre Mittel zurück- halten werden." In letzterem irrt sich allerdings Professor SicverS: den be- wußten Kreisen ist es nicht um die ernste Wissenschaft zu tun, für sie handelt es sich, wie für die Entreprencure solcher Unternehmungen um dasselbe: um Reklame und Sport. Theater. Münchener Theater. Von Karl Ettlinger(Karl- chen aus der Jugend) fand am Sonnabend im Müuchener Schau- spielhauie die Uraufführung des dreiakligen Lustspiels ohne Ehebruch und Situationskomik:„Die Hydra" einen einmütigen Heilcrkcits- erfolg. Die Heiterkeit basierte auf einem Sprühfeuer von anzüg« licken Witzen auf Theaterbetricb und Theatcrdingc, aber neben dem Witz, der liebenswürdig auf der Versöhnungslinie bleibt, reihen sich ernste Nachdenklichkeiten zu einem hübschen Dialog, so daß ein unter- haltsames, gefälliges Stück aus der traurigen Wahrheit unserer Zeit geworden ist, daß die ideale Kunst hiingern muß, Blech aber Gold einbringt. So halten es auch die Theaterdirektoren mit dem Blech, wenn sie Geschäfte machen wollen, denn die Hydra, das Publikum, treibt sie dazu. Das ungefähr hat Karl Ettlinger mit dem ver- siebenden Lächeln eines Zcitglosseurs am Beispiel eines anfangs idealen, später von der Hydra zum Geldmacher umgemodelten Tbeaterdireklors zu einem flott iiieiiiaiidergeheiiden Episodenreigen ziisammengefaßl und mit ironischen Randbemerlungen versehen. Leider operierte der letzte Akt mit einigen Dagewcsenheiten. m. Humor und Satire. „Briganten gegen Brigante n." Wir lesen im„Gaulois":„Mit gewichtiger Sachlichkeit, durch die nationale Genugtuung und vaterländische Begeisterung durch- klingen, veröffentlichen die türkischen Zeitungen folgende lvicklige Nachricht:„Der Näitberhauptmann Salih, der in der letzten Zeit in den Berzc? von Guniblek in Bithynien. nicht allzu f:ru von Konstantinopel, operierte(!) und den die türkische Gendarmerie ver- geblich zu ergreifen oder zu töten suchte, hat sich erboten, gegen die Italiener in« Feld zu ziehen." Das Schreiben, mit dem der famose Brigant seinen patriotischen Entschluß kundgibt, ist höchst amüsant. Salih beginnt seinen Brief niit der Versicherung, daß er in den letzten zwei Jahren nur der Not geho-cheud, nicht den, inneren Triebe, Räuberei getrieben habe. Jetzt aber, angesichts der Kühnheit „dieser ttalieuischen Briganten". will er gegen die ungläubigen Kollegen vom Leder ziehen.„Diese Briganten haben dem olto- manischen Reiche Fehde angesagt und brutal eine islamitische Provinz geraubt und daher stelle ich mich mit meine» hundert Parteigängern dem Kriegsmiiiisteritun zur Verfügung, um die nationale Ehre zu rächen und diese ungläubigen Räuber zu züchtigen.",.._ Notizen. — Glaube und Heimat mitTanz. In einem Vorort im Rorden Berlins wird zurzeit, wie der„Kunstwart" erfahren hat. t79 Millionen Mark erlitten.(Lebhaftes Hört! bört I bei den Soziatdeniokraten,) Auf allen Zechen wird hierin tn der gleichen Weise gesündigt. Was der Arbeiter auf der einen Zeche verläßt, findet er auf der anderen wieder. Wir finden eine Menge von Koutrakibritchen, die wir geradezu als Notwehr bezeichnen müssen, weil die Leute sich mit Recht sagen � wir müssen verhungern, wenn wir diese Verhältnisse weiter ertragen. Die Verarmung und das Elend der Leute steigt andauernd. In der vergangenen Woche sind die vier Bergarbeiter- verbände zusammengekommen, um sich über die Lohnfrage zu ver- ständigen. Das ist ebenfalls ein Beweis dafür, daß die Lohn- uerhältiiisse.der Bergarbeiter sich trotz aller schönen Reden ver- schlcchtert haben. Die Forderimgen der Petition sind verständlich und gerecht, auch deshalb, iveil die Arbeitsnachweise sich nicht nur als hindernd für die Ausübung des freien Koalittoltsrechts erweisen, sondern sie sollen auch dazu dienen, eine willfährige Reservearmee zu schaffen. Durch die massenhafte Heranziehung von Arbeitern auS O st e l b i e n und ans auswärtigen Gebieten will man sich eine Reservearmee schaffen, durch die man die Löhne niedrig und die Arbeiter fügsam halten will. Weit entfernt, diese Eni- Wickelung zu hemme», fördern die Uitternchnierarbeitsiiachweise sie. Wird diese Entwickeltmg nicht gehemmt, so wird es mit Natur- Notwendigkeit zu einer Katastrophe von unübersehbaren Folgen kommen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Zum Schluß noch ein paar Worte über die schwarzen L i st e n. Vor mir liegt ein Urteil des Essener Landgerichts vom 11. Mai 1919. In diesem Urteil wird ßo ziemlich alles gut- geheißen, was sich die Zechenherren an Ver- gewaltigung der Arbeiter leisten.(Hört I hört! bei den Sozialdem.) Mit liebevoller Verstäudnisinuigkeit geht das Gericht in den Motiven dieses Urteils auf alle die Gedankeitgänge ein, die die Unternchiner zur„Rechtfertigung" der schwarzen Listen anführen. Und das ist ein weiteres hochbedenkliches Moment, daß die öffeitt- lichen Gewalten vollständig vom Geiste des Bergkapitals ergriffen werden. Die Verhältnisse im Ruhrrevier sind nachgerade wieder gen an so wie im Jahre 1994, vor dem großen Bergarbeiterstreik von 199S. Wie ich damals hier ausgetreten bin und gewarnt habe vor den Folgen der Gewaltherrschaft der Zechen, so will ich auch jetzt wieder meine warnende Stimme er- heben. Wird der Willkür nicht endlich Einhalt geboten, so werden der Druck des Unternebmertums und die intmer mehr und mehr sich geltend machenden Folgen der Teuerung zu einer Katastrophe führen, die an Jiitcnsitnt und Umfang selbst den großen Streik weit hinter sich lassen wird, dessen Schauplatz das Ruhrrevicr vor sechs Jahren war.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Behrens(wirlsch. Vg.>: Die Regierung scheint das Arbeitskammergesetz nach einer Mitteilung der„Arbeit- geber-Zeitimg" an Formalitäten scheitern lassen zu wollen. Da- durch würden die Arbeiter um eine Hoffnung ärmer, daß daS Arbeitsnachweiswesen durch wirklich paritätische Körperschaften geregelt werden könnte. Freilich können auch paritätische Arbeits- nachweise gemißbraucht werde», wenn z. B. durch einen Tarifvertrag bestiinmt lvird, daß nicht einem bestimmten Verbände angehörige Arbeiter nicht vermittelt werden dürfen. So haben die Vorgänge beim Abschluß des Buchdruckertorifs in dcn nichtsozial« demokratischen Arbeiterkreisen die größte Mißstimmung hervorgerufen. Wir legen den Hanpiwert auf Schaffung öffentlich-rechtlicher Arbeits- nachweise. Daß die Stimmung im Ruhrrevier leine günstige ist, gebe ich zu. Man sollte aber alles tun, um die Lust der Gruben- ärbeiter nach einem allgemeinen Streik nicht zu fördern. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Eine Petition des Deutschen Metallarbeiterver« b a n d e s betr. den H ü t t e n a r b e i t e r s ch u tz beantragt die Kam- Mission z u r B e r ü ck s i ch t i g u n g zu überweisen, soweit sie eine Verkürzung der Arbeitszeit, Verschärfung der Betriebskontrolle, größeren Gesundheitsschutz und Beseitigung der Unsicherheit in der Entlohnung verlangt? und als Material, soweit die Schaffung eines Hüttenarbeiterschutzgesetzes verlangt wird. Abg. Giesberts(Z.): Die BundcSratsverordnung zum Schutze der Hüttenarbeiter hat ein völliges Fiasko erlitten.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Die große Uiifallhäufigkeit unter diesen Arbeitern bedingt aber, daß mit' dem gesetzlichen Schutz für diese Arbeiterkategorie endlich Ernst gemacht wird. Angesichts der glänzenden Dividenden derGroßeisenin dustrie müssen auch die Arbeitervcrhältnisse in dieser Industrie verbessert Schönherrs kündet: „Glaube und Heimat" gespielt. Der Theaterzettel ver- Hubertussäle. Heut und die folgenden Tage „Glaube und Heimat" Die Tragödie eines Volkes in fünf Akten. Während der Pausen: Tanz im kleinen Saal. (DaS einzig bemerkenswerte an der Sache ist, daß sich Berliner Theater von einem Vorort dermaßen überholen lassen.) — Die Bolksvorstellungen der engogementS- l o f e n B ü h n e n k ü n st l e r. Die von der Genosienslyaft Deutscher Bühnenangehörigeit geplanten Volksvorstellungen nehmen am 24. diefeS Monats mit sechs Ensembles zugleich ihren Anfang. Die Auf- führungen finden statt im Lehrervereinshans, Alexanderplatz; Möruers Festsäle, Koppenstratze: Marinehaus; KriegervereinShaus; Moabiter GesellschaftShanS, Wiclcsstraße; in der' Hochschule für Musik und eventuell in den Prachtsälen des Westens.(Auf die Arbeiterschaft scheint man bei drei von diesen Lokalen verzichlcn zu wollen.) Zur Aufführung gelangen vorerst:„Minna von Barnhelm", „Kabale und Liebe",„Flachsmann als Erzieher".„Glück im Winkel". „Der Hütteiibesitzer" und„Der Raub der Sabinerinncn" Die Preise der Plätze sind ans K9 Pf.. 1 M. und 1,59 M. bemessen. — Adele S a n d r o ck wird im Neuen K g l. Opern- theater in den ersten Tagen des November drei Abende alS Hamlet auftreten.(Dieses Experiment wurde— frei nach Sarah Bernhardt— bereits in Wien von ihr erprobt.) — Die O r e st i e mit Hindernissen. Die Orestre- Auf- führung im Zirkus Schumann wurde am Montag en't in letzter Stunde freigegeben, nachdem Reinhardts die Befürchtungen der Polizei (die Chöre besetzten zeitweise alle Ausgänge) durch andere Anordnuiig beschwichtigt hatte. Weitere Aufführungen(abgesehen von der am Freitag) will die Polizei nur nach Durchführung weiterer Vorsichts- matzregeln gestatten. — Vorträge. Farbenprächtige Landschaftsbitder aus der Mark Brandenburg gckaiigcii Mittwocti, abends S'/j'Mir, zur Vorführung in eiileui Vortragesvon G.E.Kitzler über„Märkische Felsen" und „Stimmung und Eigenart märkischer Landschaft" im Berliner Klub- hau», Ohmstr. 2. — Deutscher Adel und mesopotamisches Geld. lieber dieses aktuelle Thema schreibt Kerr in einer Behandlung des Falles Metternich-Wertheim im„Pan": Die Zeitungen, auch linke (linksliberale)... reichen Standesamtliches ans der Adclswclt; aber mit Takt, ohne genteine Kritik, und behaglich«mgewcht, falls eine mefopotamische Mitgift an einen Kavallerietrottel gelangt,— welcher' der Eigncrin ihren ernst beseelten, fragenden, stillen Popo mit der Reitpeitsche bollhaut. Das fördert solche Sitten von Kohlenjuden» Börsenjuden, Aeroplanjuden— und von Stahlprotestanten. Vierden. Die Regierung muß zum mindesten für Durchführung ihrer Verordnung sorgen.(Bravo!) Wg. Hue(Soz.): MS ich zuerst für den Hüitenarbeiterschutz im Jahre 1907 eintrat, begegnete ich in diesem Hause noch lebhaftem Widerspruch. Er freulicherweise hat sich inzwischen die große Mehrheit des Reichstags von der Notwendigkeit eines solchen Schutzes über- z e u gt. Herr Giesberts hat heute bestätigen müssen, was ich seiner Zeit über die BundesratSvcrordmmg gesagt habe. Sie hat ein völliges Fiasko erlitten. Dabei ändert sie an den 12-16- siündigen Schichten nichts, aber selbst die geringfügigen Be stimmungen über die Pausen werden nicht eingehalten. E* kommen noch heute bis Llstündige Schichten vor, wie eine Aeußernng des Kölner Gewerberats beweist. (Hört! Hört! Kei den Sozialdemokraten.) Die Sonntagsarbeit hat sogar zugenommen- Dabei hat die Praxis bewiesen, datz auch in Feuerberrieben die Lchtstnndenschicht durchführbar ist- Die Petition geht ans von einem schrecklichen Unglück vom 10. Dezember 19 lv i» der Stahlgußsormerei des Bochumer Vereins, wobei vier Ä r« beiter in gräßlicher Weise verbrannten. Solche Fälle ereignen sich in der Großeiseiiindnstrie säst jede Woche. Wir beantragen daher auch die Forderung aus Schaffung eines Hütten- arbeitergesetzcs dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Die Arbeiter müssen durch ein solches Gesetz Recht erhalten, aus ihren Kreisen Leute zu wählen, die das die Betriebe kontrollieren und Schäden aufweisen. Auch in der Unsiwerheit der Entlohnung, die ich schon seit Jahren immer wieder beleuchtet habe, mutz endlicb Wandel geschaffen werden. Die Petenten verlangen auch größerenGesundheits- schütz. Auf diesem Gebiet haben die Unternehmer sich schwerer sozialer Sünden sckmldig gemacht. Sie klagen beständig, die In- dustrie könne die sozialen Lasten nicht tragen— als ob durch die Vermehrung der Unfälle die Industrie nicht auch belastet würde. Uebrigens sind die Ueberschüjse der Hüttenindustrie beständig f e stiegen— da sollte man endlich mit dem Gerede aufhören, aß die Industrie die sozialen Lasten nicht tragen könne. Es ist eine Bersündignng der Rcgienmg, eine Verbeugung der Regierung vor den Unternehmern, daß sie noch nichts für den Schutz der Arbeiter in den Hütten getan hat.(Zu stimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir haben so viel Material beigebracht, daß, wenn die Regierung wollte und vor der Macht der Untkrnehmer nicht zurückschreckte, sie längst ein Hllttenarbeiterichutz- geiey hätte einbringen können. Wir werden die Arbeiter darüber aufklären, welche Mächte und welche Parteien daran schuld sind, daß diese Forderung noch immer nicht ersüllt ist.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags beschließt der Reichstag gemäß dem Antrag der Kommission. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Der Präsident teilt mit, daß von den Konservativen, National- liberalen und der Fortschrittlichen BolkSpartei noch Interpellationen über die auswärtige Lage ein« gegangen sind. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr.(Interpellationen über die auswärtige Lage und über die Teuerung, Privatbeaintenversicherung.) Schluß 4Va Uhr._ Der Parteitiig der Sozialdemokratie Oltprenfzeas fand am Sonntag, den 15. Oktober, in Königsberg statt. Aus 12 Wahlkreisen waren Üb Delegierte erschienen; ferner waren an- wesend 11 Mitglieder deS Bezirksvorstandes und der Kontrollkom- Mission, 2 Vertreter der Redaktion und Expedition der.Volkszeitung". I Reirbstagslaudidaten, 1 Vertreter des ParieivorstandeS und als Gäste Genosse Crispien-Danzig und Trilse-Glbing. Genosse Braun führte als Vertreter des Parteivorstandes in seiner Begrüßungsansprache an, daß mit dem Wachsen der Organü sationen die Bezirksparleitage an Bedeutung gewonnen hätten. In den kommenden Wahlkämpfen werde der Parteivorstand den oft preußischen Genoffen, soweit eS ohne Beeiiiträchtiguug der berechtigten Forderungen anderer Bezirke möglich sei, nach Kräften zur Seite stehen. Der Parteivorstand verkenne nicht, daß die ostpreußischen Genossen einen steinigen Boden zu beackern hätten. Genosse H a a s e beleuchtete in seinem vortrefflichen Referate Lber die bevorstehenden Reichstagswahlen die innere und äußere Politik. Er' brandmarkte besonders die Raubpolitik des Kapitalismus und die Raffgier der Junker. Wie brutal diese ihre Macht gegen über den Arbeitern, Handwerkern und Bauern ausübten, beweise, datz allein im Jahre 1969 über 4lX>0 Arbeiter aus den östlichen Prov-itzen nach dem Westen gezogen seien. Bon Ostpreußen allein seien in diesem Jahre nach Westfalen 11 403 und nach dem Rhein- land II 408 Arbeiter �gezogen. Diese Zahlen bedeuten eine furcht bare Anklage gegen die ostelbischen Junker. Dann beleuchtete der Referent die agrarsreundliche Haltung des.Fortschritts" und sagte: So weit die Fortschriitler es mit der Bekämpfung der Reaktion ernst nehmen, werden sie bei der Stichwahl aus unsere Unterstützung rechnen köiiuen. Vorausgesetzt wird dabei, daß die Forischrittler die Konservativen in derStichwahl ebestsalls bekämpfen. Die Diskussion drehte sich unter anderem auch um die Stich- Wahlparole. Genosse Goitschalk erklärte, die Resolutionen, die der Parteitag in dieser Angelegenheit angcnoinuien habe, seien von zahlreichen Parteigenossen und auch von bürgerlicher Seile so ver- standen worden, als ob die Stellung der Partei zu den Stichwahlen damit schon festgelegt sei. Das sei jedoch ganz irrig. Es seien nur Mindestforderungen festgelegt worden. Reduer schlug folgende Resolution vor: .Für den Fall, daß die Reichstagswahlen in Ostpreußen sowohl zu Stichwahlen führen sollten, in denen gegenüber Kon- servativen die Unterstützung fortschrittlicher Kandidaten durch sozial- demokratische Wähler in Frage kommt, als auch zu solchen Stich. wählen, in denen sozialdentokratische Wähler für den forlsckritllicben Kandidatin zu stimmen Gelegenheit haben, erwartet der Prnteitag. datz der Bezirksvorstand die Unterstützung fort- schrittlicher Stichwahlkandidaten durch die sozial- demokratischen Wühler nur d a n n für zulässig er- klären wird, wenn die Fortschrittliche Volkspartei unzweideulig gleichfalls die Wahl der sozialdemokratischen Slichwahlkandidaten den fortschrittlichen Wählern empfiehlt. Der Parteitag erwartet serner, datz der Bezirksvorstand bei etwaigen Stichwahlen zwischen Nationalliberalen und Konservativen den sozialdemokratischen Wählern Wahlenthaltung empfehlen wird, da die vsipreußiichen Nationalliberalen ebenso arbeiterfeindlich sind, wie die Konservativen." Fast alle Diskussionsredner wandten sich gegen diese Resolution. Genosse H o a s e erklärte, er halte es für untaktisch, heute schon über diese Re'olution zu emicheiden. Man müsse sich nach den Haupt- wählen die Persönlichkeiten der bürgerlichen Kandidaten sehr genau an'ehen. Die Frage sei, si� aus ihre politische Vergangenheit hin zu prüfen und zu fragen: Bist Du ein Mensch, dem man zutrauen darf, daß er das. was er verspricht, auck nachher hält. Mehr zu sagen, sei vorläufig taktisch nicht richtig. Die Resolution Gottichalk wurde auch zurückgezogen und darauf folgender Antrag an- genommen: .Der Bezirksvorstand wolle im Hinblick auf die bevorstehenden ReichstagSwahlen beschließen, daß die ostpreußischen Kreisvereine bei engeren Wahlen etwa erforderliche Entscheidungen zwischen gegnerischen Kandidaten nur im Einverständnis mit dem Bezirks- vorstand treffen dürfen." Beim Tätigkeitsbericht deS Bezirksvorstandes konnte Parteisekretär Genosse Linde über die erfreuliche Fortentwickelung der Bewegung sn Ostpreußen berichten. Im letzten Geschäftsjahr haben 271 Mit- glieder- und 121 öffentliche Versammlungen stattgefunden. SS find 924 430 Flugblätter und 118130 Kalender und Broschüren verbreitet worden. Schwierigkeiten bei der Verbreitung von Kalendern und Flugschriften sind uns von den Behörden nicht mehr gemacht worden. Dagegen wird das Reichsvereinsgesetz ungesetzlich ge- handhabt. Es schwebt bereits die fünfte Klage beim Oberverwaltungsgericht gegen den Regie- rungspräsidenten von Königsberg. Zwei Klagen sind zu unseren Gunsten erledigt. Die Zahl der Mitglieder der Kreis- vereine hat sich gegen das Jahr 1909 um 2727 vermehrt. Davon entfallen auf die Stadt Königsberg 1470, auf die Provinz 1237 Mib glieder. Die Zahl der weiblichen Mitglieder hat un, 292 zugenommen. Von 17 Wahlkreisen bestehen in 11 Organisationen. Am 1. April 1910 ist der Mindestbeitrag von 20 auf 30 Pf. erhöht worden, was durchaus günstige Folgen gehabt hat. Unter den Eisenbahnern ist lebhafte Agitation getrieben worden. Rekrulenabschiedsfeier» haben nur in Königsberg stattgefunden. Die Agitation unter den Frauen hat in der Provinz recht günstige Fortschritte erzielt. Die Zahl der politisch organisierten Landarbeiter beträgt 2010; sie hat sich seit 1909 verdoppelt. Anßerdem sind eine Anzahl Landarbeiter im Verband der Land- und Waldarbeiter organisiert. Die ,V o l k s z e i l u n g" hat sehr beträchtliche Erfolge erzielt. Sie ist in der Lage gewesen, im letzten Jahre kaum die Hälfte des Zuschusses gegenüber den Borjahren zu benötigen. Der„Landbote" bat im Jahre 1909 bei seinem einmal monatlilben Erscheinen noch 3000 M.. im letzten Jahre aber bei zweimal monatlichem Erscheinen nur 1000 M. Zuschuß gebraucht. Die TiskliisionZ über den Bericht drehte sich hauptsächlich um das öftere Erscheinen des.Landboten" und um den Wunsch, diesem eine Unlerholiungebeilage beizulegen. Es wurde folgender Antrag angenommen:„Der Parteilag erwartet, datz der Bezirksvorstand während der Wablbewegung den.Landboten" so häufig wie nur irgend möglich erscheinen lassen wird." Auch der Antrag, verwünscht, daß der.Landbote" mit mehr Uuierhaltungsliteraiur ausgestaltet wird, fand Annahme. Dann drehte sich die Debatte um das Ver hälluis der Partei zum Land- und Waldarbeiter-Verband. An die Landarbeiter müsse mit Politik, mit Arbeiterpolitik herangetreten werden. Rein gewerkschaftlich dürfe der Landarbeiter-Verdand nicht sein. Ein sehr wirkungsvolles und anfeuerndes Referat hielt Genoffe Braun- Berlin über das Thema:.DerKampf gegen den Schnapsgenuß". Er empfahl folgende Resolution, die auch an- genommen wurde: „Der am 13. Oktober 1911 in Königsberg tagende Parteitag der Sozialdemokratie Ostpreußens bringt erneut den Partei- genossen den Beschluß des Parteitages der deutsche» Sozial- dcmokratie Leipzig 1909 in Ermnerung, der alle Parteigenossen und Arbeiter auffordert, den Schuapsgenuß vollständig zu meiden Dieser Beschluß, der dem Kampfe gegen die infame Wirtschaft des preußischen Junkeriums und gegen dessen verbrecherische Volks- ausbeutung dient, auch zugleich dazu bestimmt ist, dem durch den Schuapegenuß verur'achten und geförderten Elend weiter Volks- schichten eulgegeuzuwirken, muß noch mehr als bisher beachtet lv erden. Deshalb richtet der Parteitag an alle organisierten Arbeiter den dringenden Appell, den Schnapsboykott hochzuhalten und für strikte Durchführung in den weitesten Volks- kreisen unablässig zu wirken." Beschlossen wurde, das Referat deS Genoffen Braun als Flug- blatt herauszugeben. Angenoinmen wurde weiter der Antrag;„Der Parteitag beauftragt den Bezirksvorstand, durch eine Uniirage fest- zustellen, in welchen ostpreußischen Gemeinden noch Bürger- r e ch l s g e l d erhoben wird, und ermcht die zuständigen Kreis- vereine, für Abschaffung dieser arbeiterfeindlichen Bestimmung zu wirken." Mitgeteilt wurde, daß allein über 30 Städt« in Oftpreußen Bürgerrechtsgeld erheben. Damit hatte der Parteitag sein Ende erreicht. Hus der parteu Parteitag für dir obere Rheinprovinz. Am 15. Oktober fand in Kreuznach der Parteitag für den Agitationsbezirk obere Rheinprovinz statt. Er war au» 17 Reichstags Wahlkreisen beschickt. Als Vertreterin des Parteivorstandes war Gcnosfiii Z i e tz- Berlin erschiene». Der vom Bezirksselretär Hos- r i ch t e r- Köln erstattete Bericht des Agitatioliskomiiees umfaßt die Zeit vom 1. Januar 1910 bis 30. Juili 1911. also 18 Monate. Die Zahl der Parleimitglieder belief sich auf 11 366 gegen 10 826 zu Anfang der Berichtszelt. Darnnter befanden sich 1021(gegen 808 am l. Januar 1910) weibliche Miiglieder. Die Einnahmen betrugen 20 367 M., die Ausgaben 19 377 M. Im Agitationsgebiet gingen in der BerichtSzeit 79 734 M. an Parteibeiträge» ein. Es wurden 326 000 Wahlreckitsfliigblälter, 223 lXX) Agitationsschriften verschiedener Art, 260 000 Wnhiflugbtätter. 203 000 Flugblätter verschiedener Art, sowie 120 000 Agitationskalender verbreitet. Genossin Zieh gab der Anerkennung deS Parteivorstandes Ausdruck über die iiiteilsive, systematische Arbeit der Genossen in diesem völlig vom Zentrum beherrschten Bezirk. Sprunghafte Forischritte seien hier ausgeschloffen; jeder Zoll muffe dem Kleri- kalismus, der mit den verwerflichen Mitteln des Gewissenszwanges arbeitet, abgerungen werden. In der Debatte befaßte man sich eingehend mit der Frauen- agitaiion. Vielfach wurde dargelegt, daß der Wochenbeitrag von 10 Ps. zu hoch für die Frauen sei; man'möge ihn herabsetze» und die obli- gatoriiche Lieferung der„Gleichheit", die von vielen organisierlen Frauen nicht gelesen werde, abschaffen. Gegen de» letzten Antrag sprachen insbesondere die Mitglieder des Bezirkskomitees. Genossin Zietz enipfahl die Genossinnen so zu scdulen, daß sie der Lektüre der „Gleichheit" geivawsen seien Der Parteitag beschloß, den Frauen- beitrog in der bisherigen Weise bestehen zu lassen und die.Gleich- heit" weiter obligatorisch zu liefern. Dem Agitatioirskomitee wurde ein Antrag überwiesen, ivonach ein Flngblatt herausgegeben werden soll, daS in leicht verständlicher Weise über die Liebesgabenpolitik und die Einfuhrscheine Aufklärung in die breiten Massen trägt. Ueber die bevoi stehenden ReichstagSwahlen sprach Meerfeld(Köln). Er forderte schärfste Belänrpfung des Zentrums, deffen Einfluß verderblich aus dem gesamten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Leben Deutschlands laste. Bezirksparteitag für Magdeburg. Der sozialdemokratische Bezirksverband Magdeburg hielt am Sonntag seinen sechsten Bezirkstag ab. Der Parteivorsland war durcd den Genossen Müller vertreten. Dem gedruckt vorliegeuden Bericht des Bezirksvorstandes ist zu entnehmen, daß seit 1906 die Beirraaseinnahmen von 2l 733,21 auf 97 036,03 M. gestiegen sind. Die Mitgliederzahl erhöhte sich von 8772 auf 21 313. J»r Berichtsjahre wuchs die Mitgliederzahl um 2324. Den 21 318 in der Partei Organisierten, darunter 3736 Genossinnen, stehen im Bezirk 49 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter gegen- über. Im verfloiieireir Jahre standen einer Einnahme von 18 373,35 M. an AnSgabeir 19 096.15 M. gegenüber. An Flug- iwriften und Broswüren wurden 1239 700 sowie 308 000 Exemplare des Landarbeiteragiiationsblattes„Landpost" verbreitet. In dem Bericht werden unter anderem auch die polizeilichen und gerichtlichen Verfolgungen im letzten Jahre geschildert, wobei vornehrnlrch die Veriuckie der AmlSvorsieher, den Sozialdemokraten die Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel unmöglich zu machen. dargelegt worden. Manche« davon ist ja schon in der weiteren Oeffentlickkeit bekannt geworden. Der Amtsvorsteher Kevel von Preuß. Börnecke versagte die Genehmigung zu einer Ver- iammlung unter freiem Himmel unter anderem mit der Begründung, „daß in unmittelbarer Nähe des VersammlnngSplatzes ein öffent- li ch e s Lokal liegt, wo die Versammlungsteilnehmer vor der Ver- sammlung bereits Gelegenheit zum Einnehmen von g eistigen Getränken haben und in Erwartung der öffentlichen Ver- sammlung sich erfahrungsgemäß de» nötigen Mut' antrinken.� In dielen Fällen wird berichtet, daß die behörde lichen Organe auch nicht das geringste Maß von Kenntnis des Reichs-' vereinsgesetzes besaßen. Der Bericht über den Stand der.Volksstimme" zeigt einen er- frenlickien Ausstieg. Ihre Auslage beträgt gegenwärtig über 30 000. Die Einnahmen für Abonnements betrugen im Berichtsjahrs 167 777.53 M., die für Inserate 137 338,63 M. Die Druckerei der .Volksstimme" ist im letzten Jahre auch in technischer Beziehung weiter erbeblich Verbeffert worden. So wurde beispielsweise eine neue 32settrge Rotationsmaschine angeschafft, mit der eine Bilderdruckmascbine ver- bunden ist, die es der.Volksstimme" ermöglicht hat, als erstes Parleiblatt ein neues Bilderdruckverfahren in Anwendung zubringen, das hoffentlich in der Agitation gute Dienste leisten wird. In der Diskussion wurden wenig Einwendungen gegen die Tätigkeit der Bezirksleitung erhoben. Der Reichsiagskandidat für Magdeburg, Genosse Landsberg, hielt dann einen Vortrag über die kommenden ReichstagSwahlen. wobei er die Wahlarrssichten der acht Kreise des Bezirks einer Betrachtung unterzog. Zum Vorsitzenden wurde Fabian- Magdeburg wiedergewählt. Der Bericht der deutschösterreichischen Parteileitung an de» Jnnsbrucker Parteitag enthält Daten, die nicht nur ein äußerliches Wachstum, sondern auch eine innere Konsolidierung der Partei erkennen lassen. Bon 1910 auf 1911 ist die Zahl der Parteinritglieder, die schon zu 83 Proz. in Vereinen organisiert sind, von 114 316 auf 146 623 gestiegen— um mehr als ein Viertel. Die Frauenorgamsation steigerte ihre Mitgliederzahl von 6412 vor zwei Jahren auf 16 335, die Jugend- organrsatiou auf 9142. Vor zwei Jahren erschien außer der Wiener ..Arbeiterzeitung" nur der Grazer.Arbeiterwille" täglich— heute außerdem der Reichenberger„Vorwärts", die Linzer„Wahrheit", die. Solzburger Wacht" und die Jnnsbrucker„Volks-Zeitung". Immerhin nur ein sozialdemokraniches Tageblatt in dem Haupt- induitnegebiet— in den deutschen Teilen von Böhmen, Mähren und Schlesien. Die Siimmenzohl bei den ReichstagSwahlen stieg 1911 auf 541 989 gegen 313 219 in dem viel günstigeren Wahljahr 1907. 1337 Gemeindeverireter gehören der Partei an. In 312 dem Zentralverband angeschloffenen Konsumvereinen find 300 00V Kon- iumenten organisiert. Tue Reichsparteisteuer brachte in den zwei Jahren seit dem Reichenberger Parteitag 131 269 Kronen ein, um 30 000 Kronen mehr als in der vorangegangenen enisprechenden Periode. Die Zentral st ekle für das Bildungswesen berichtet über die Veranstaltung von 72 Vortragszyklen, 1345 Einzel- vortrügen und 1856 Unlernchtsabenden; von all dem entsälll der größte Teil aus Wien. In der Provinz hat die BildungSarbeit seit der Abhaltung der Parteischule in Bodenbach im Sommer 1910 intensiv eingesetzt. Sehr erfreulich ist der Bericht der Wiener Partei- bnchhandlung, vormals Jan. Brand. 1370 000 in ihrem Berlage erschienene Schnsien und Bücher wurden abgesetzt. Die zum ver- wichenen Wadllampf ausgegebenen„Sozialdemokratischen Werbe- ichristen' wurden in 850 000 Exemplaren abgesetzt. •.• In der deutsch-österreichischen Parteipresse, nicht nur im.Kampf", wird jetzt die in Innsbruck zu löiend« Frage des Verhältmsies der deutsch- ösierreichiichen Partei zu den zwei tschechischen sozialistischen Parteien lebhaft diskutiert. Die vom Reichenberger„Vorwärts" am schärfsten betonte Stellungnahme: Bolle Anerkennung der„tschechischen" Sozialdemokratie(Zentralisten), völlige Los» 'agung von der.tschecho-slavischen' Sozialdemokratie, den Separatisten(Gewerkschaftszersplstterer) erhält eine starke Unter- tüyung durch die Gewerkschaften. In einem Leitartikel des Korrespondenzblattes der Wiener GewerkschastSkommission, der Gewerkschaft", erklärt Genosse•*__ 1 Loden, Marke:„Kern und Kraft", extra schwer,"IQ.. Sene V WiniCr-jOppCn in vieien parben, mit warmem fmtter..... Aö Knaben-Loden-Joppen Serie VI Grau oder grünliche Loden,.. 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KkilW i>ts Jotmärtö" Knlim KIKsdlR Miwch. 18. GKtobtt m. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! I» Groß-Lichterfelde- Steglitz hat das Lokal.Birkenwaldchen" dm Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber, Herr Mertin, stellt UNS sein Lokal zu den üblichen Bedingungen zur Bersügung. Außerdem weisen wir daraus hin. daß das Lokal.Schützenrast" am Botanischen Garten trotz mehrfacher Verhandlungen un« ver» weigert wird; speziell werden die Bauhandwerker auf diese Ber- Weigerung aufmerksam gemacht. Die Lolalkommisfion. FriedrichShageu. Morgen Donnerstag, den 19. Oktober, abends S8/. Uhr. beginnt im.Lindengarten", Friediickstr. 7t, der Vortrag«- kurfus des Genosten Fritz Tornow über:.Die sozialdemokratischen Forderungen an den GegenwartSstaat". Der Kursus umsaßt vier Abende. DaS Eintrittsgeld für alle vier Borträge beträgt 2li Pf. Der BildungSausschuß. Biesdorf. Heute abend 8>/, Uhr: Zahlabend bei Gustav Berlin. Marzahner Str. 24. Die Bezirksleitung. Rehfelde, Bezirk Stralau. Am Sonntag, den 22. Okiober, nach- mittags 2 Uhr. findet auf dem Vogtschen Grundstück am Bahnhof eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt. Referent: ReichSlagSabgeordneter Stadthagen. Diejenigen, welche an der von einer Anzahl Genosten am gleichen Tage veranstalteten Herren- Partie teilnehmen, werden ersucht, fich vormittags 8 Uhr bei Schmidt. Markgrafendamm S, einzufinden. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof bis Strausberg durch Wonnetal, Schlagmühle zur Versammlung. WilhelmSruh-Rieder-SchSuhausen-West. Die Teilnehmer an der heute stattfindenden Beerdigung der Genossin Buch treffen fich im Lokal»Zur Mühle". Abmarsch von dort Punkt 3l/2 Uhr. Die Bezirksleitung. Spandau. Heute Mittwoch, den 18. Oktober, abends 7 Uhr, von allen Bezirken eine wichtige Flugblatwerbreitung zu den Stadt- verordnetenwahlen. Der Borstand. Für den Wahlkreis Ruppin-Templin findet am Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Wernicke. Ackerstr. 123. eine öffeiiiliche politische Versammlung statt. Tagcs-Ordnung:»Die polilischen Parteien und die bevorstehende ReichSlagswahl." Referent ist der Kandidat des KreiseS, Stadtverordneter Emil Böske- Rixdorf.— Freie DiSkufsion.— Zu dieser Versammlung find alle in Berlin arbeitenden und ansäsfigea Ruppin-Templiner Landsleute eingeladen. Berliner JVacbricbten. Die Anfschließung Treptows beschäftigt zurzeit die Behörden der Stadt Berlin und der Gemeinde Treptow. Berlin hat bekanntlich in Treptow großen Grundbesitz. Nach dem Scheitern der Eingemeindungs- Verhandlungen ist der Gemeinde Treptolo von einigen Stellen im Berliner Magistrat zugesichert worden, das in Treptow gelegene Gelände der Stadt Berlin der Bebauung zu erschließen. Es sollen auch schon Verhandlungen im Gange sein, die aber in ihrem Endergebnis darauf hinauslaufen, das baureife Land Spekulationszwecken dienstbar zu machen. Dazu sollte sich aber eine Gemeinde wie Berlin nicht hergeben. Mit der Stadtverordnetenversammlung hat sich der Magistrat noch nicht ins Benehmen gesetzt, ob dieselbe geneigt ist, Grund besitz zu veräußern und unter welchen Bedingungen das ge- schehen kann. Aus diesem Grunde hat die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten beschlossen, folgenden Antrag an die Stadtverordnetenversammlung zu stellen: »Die Versammlung ersucht den Magistrat, in einer ge- mischten Deputation ncit ihr über Mittel und Wege zu beraten, den städtischen Grundbesitz der Bebauung zu erschließen, ohne daß der Stadtgemeinde der Wertzuwach» entgeht, zum Beispiel im Wege der Vergebung in E r b b a u p a ch t. sei eZ mit dem Vorbehalt de? Wiederkaufö nach dem Vorgang von Ulm." Der Antrag setzt die Stadtverordneten in den Stand. auch ihrerseits sich über die Bedingungen klar zu werden. unter welchen Gemeindebesitz veräußert werden darf. Die Frage des Erbbaurechts ist auch für Berlin nicht neu. In den letzten Jahren hat die Stadt Berlin in einigen Fällen städtisches Gelände in Erbbaupacht gegeben. Die Frage des Prinzips ist also schon im bejahenden Sinne beantwortet. Der sozialdemokratische Antrag dürste die städttschen Behörden deranlassen. sich ernsthaft mit der Frage deS ErbbaurechtS und des Städtebaues zu beschäftigen.. G Der Ausschuß für Groß-Berlin, den die Vereinigung Berliner Architekten zur Mithilfe an der städtebaulichen Gestaltung Groß-Berlins geschaffen hat, setzte in seiner letzten Sitzung Unterausschüsse ein. die die verschiedenen Fragen der rationellen und verkehrstechnischen Anlage von Straßen und Plätzen eingehend vorberaten sollen. Eine der nächstliegenden Ailfgaben dcö zuständigen Ausschusses dreht sich um die Bebauung des Teinpelhospr Feldes. Soweit dabei die Reichshanptstadt selbst beteiligt ist, handelt es sich zunächst um die keineswegs leichte Aufgabe der Her- stellung einer Verbindungsstraße zwischen dem Kreuzberg- viertel und der neuen Tempelhofer Villenstadt. Wie der Hauptausschutz schon feststellte, ist die Tempelhofer Chaussee hierzu allein nicht ausreichend, auch wenn sie. wie geplant, entsprechend� verbreitert werden würde. Die Grtmdbesitzervereine des Südwestens hatten vor- geschlagen, die Möckernstraße geradlinig über das Aufmarsch- terrain zu verlängern, und zwar dergestalt, daß sie als Ein- schnitt durch das Gelände des Viktoriaparks führt; die Park- und sonstigen Querstraßen würden zu überbrücken sein, wovon man sich eine vorzügliche künstlerische Wirkung verspricht. Diesem Vorschlag hat sich auch der Ausschuß Groß Berlin angeschlossen. Im Berliner Rathaus wird ein anderes Projekt verfolgt, das die Verlängerung der Großbeerenstraße zur Voraussetzung hat. Diese Strckße soll den Park hinter dem Verwaltungshänschen durchschneiden und lst einer schleife um da» Aufmarschterrain herumführen. wo ein großer Schmuckplatz gedacht ist. Von diesem soll die Straße direkt nach dem Tempelhofer Villenviertel führen. Die städttsche Gattenverwaltung empfiehlt diesen Plan namentlich deshalb. weil dunfi die Verlängerung der Möckernstraße der neu zu schaffende Teil des Viktoriaparks gestött und weil ferner eine Steigung von etwa zehn Metern zu überwinden sein würde. Im Unterausschuß gibt man jedoch der Möckernstraßen. Verlängerung den Vorzug,(fs wird hervorgehoben, daß durch dte Einschnitljiraße der künftigen Partanlage keineswegs Ab- bruch getan würde. Die gewundene Verlängerung der Groß- beerenstraße würde dagegen der wünschenswerten Verkehrs- enttaslung nicht gewachsen sein. Die Berliner Feuerwehr auf der Automobil-Ausstellung. Auf der zurzeit in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten stattfindenden Internationalen Automobil-Ausstellung ist auch die Berliner Feuerwehr vertreten. Der Stand liegt auf der linken Seite neben dem Podium. Hier sieht der Besä>auer die Modelle eines kompletten Berliner Feuerwehrzuges, bestehend aus Gasspritze, Tender, Leiter und Dampfspritze. An diesen ungemein ansprechenden Modellen sind alle Einzelheiten der automobilen Feuerlöschzüge deutlich zu erkennen. Tie von der Berliner Feuer- wehr in ihren eigenen Werkstätten hergestellten kleinen Kunst- lcistungen lassen auch die zweckmäßige Unterbringung der mannig- fachen Ecräie sowie die Durchbildung der Konstruktionsclemente erkennen. Ter Stand der Berliner Feuerwehr findet benn auch sowohl bei Fachleuten als bei den Laien ganz besondere Peachtung.! Automobile Feuerlöschgüge, wie auf der Ausstellung im Modell dargestellt, hat Berlin zurzeit sechs im Betriebe, während im kom-• Menden Jahr drei weitere Löschzüge dieser Art eingestellt werden, so daß dann neun Auto-Löschzüge mit 89 Motorwagen im Betriebe sein werden. Die vielfach austauchende Frage, warum bei den Ber- liner Automobil-Löschzügen ausschließlich der elektrische An- trieb zur Verwendung gekommen ist und auch weiter kommen wird, findet ihre Erklärung darin, daß für die Feuerwehr die Frage der sogenannten Betriebsbereitschaft neben der der Betriebssick>crheit ausschlaggebend ist. Es liegt auf der Hand, daß für den Feuer- wehrbetrieb der Gesichtspunkt der Billigkeit gegenüber den oben- genannten Faktoren zurückstehen mutz. Immerhin wird eö noch einige Zeit dauern, bis alle Berliner Feuerlöschzüge den automo- bilen Betrieb erhalten haben. Selbst nach der erwähnten Um- Wandlung von drei weiteren Löschzügen bleiben für Berlin noch elf Löschzügc mit 44 Wagen mit Pfcrdebetrieb vorläufig in Be- wutzung. Da aber nachweislich die Leistungsfähigkeit der Berliner Feuerwehr durch die Umwandlung des Pferde- in den automobilen Betrieb wesentlich gewonnen hat, so dürfte die Hoffnung berechtigt sein, daß der verbleibende Rest von alten Betriebsmitteln in be- schlcunigtem Tempo nach den Anforderungen der modernen Technik umgewandelt werden wird. In Berlin hat man ja überhaupt erst unter dem jetzigen Branddirektor- im Jahre 1909 damit begonnen. elektrische Automobil-Fahrzeuge einzustellen. Damals wurden zwei Fahrzeuge in Benutzung genommen, die 1893 zu einem kompletten Auto-Löschztig ergänzt wurden. In dieser Hinsicht ist die Berliner Feuerwehr erst langsam anderen Orten mit der Vervollkommnung der Feuerlösch-Fahrzeuge gefolgt. In Hannover hatte man schon. 1902 den AutomobilismuS in den Dienst der Feuerwehr gestellt. Auf dem Stande der Berliner Feuerwehr-AuSstellung am Zoo ist außer den erwähnten Feuerlösch-Automobilen noch das Bronze- modell eines Feuerwehr-Autos ausgestellt, welches am Führersitz einen stehenden Genius mit flammender Fackel aufweist und so den Gedanken des Fortschritts auf diesem Gebiete zum Ausdruck bringen soll._ Steuer wesea und Gemeinden. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung hat folgenden Antrag gestellt: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Den Magistrat zu ersuchen, bei der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig zu werden, das Kommunalabgabengesetz dahin abzuändern, daß den Gemeinden gestattet wird, 1. die Einkommen bis 1800 M. steuerfrei zu lasten; 2. progressive Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer für Ein- kommen von 8000 M. an. 8. progressive Zuschläge zur staatlichen Ergänzungssteuer für Vermögen von 29000 M. an zu erheben. Vom GcldsackSvorrecht bei den Kommunalwahlen. Für die Wahlen zur Stadtverordnetenverfamm- k u n g B e r l i n s, die im November stattfinden, war im Juli die Wählerliste aufgestellt worden. Der Magistrat teilt jetzt den Stadt- verordneten in einer die Zusammensetzung der Wahlvorstände be- treffenden Vorlage die Zahlen der Wähler mit, die bei der Listen» aufstellung und der danach vorgenommenen Abteilungsabgrenzung fich für die drei W ä h l e r k l a s s e n ergeben haben. Die liberalen Freunde de? Geldsacksvorrechts, das durch da? Dreiklasten- shstem deS Kommunalwahlrechts den Besitzenden gewährt wird, werden an dem Ergebnis ihre helle Freude haben. Wieder hat in Berlin der Gegensatz zwischen dem Häuflein wohlhabender Wähler und der gewaltigen Wählermasse auS der unbemittelten Bevölkerung sich noch verschärft. Die Liste für 1911 enthält nach der vom Magistrat gemachten Zusammenstellung, in der die auf ihren Einspruch nachträglich auf- genommenen' Wähler noch nicht mitgezählt sind, überhaupt 387 409 Kommunalwähler. Gegenüber dem Jahre 1910, wo 330319 Wähler in der Liste standen, ist eine Vermehrung um reichlich 7000 eingetreten. Zugenommen hat indes nur die dritte Abteilung, während die zweite fast unverändert geblieben. die erste aber wieder noch weiter zusammengeschrumpft ist. Im vorigen Jahr hatte die erste Abteilung 927 Wähler, die zweite 31 999, die dritte 347 393. In diesem Jahre hat die Wählerzahl in der ersten Abteilung sich vermindert bis auf nur noch 832, in der zweiten Abteilung sich ii? kaum nennenswerter Weise vermehrt auf 82 078, in der dritten Abteilung aber sich beträchtlich gesteigert auf jetzt 3S4b4ö. Die dritte Wählerklasse, in die die Masse der unbemittelten Bevölkerung hineing�pfercht wird, ist jetzt bereit» 429 m a l s o g r o ß wie die erste Wählerklasse! So ungleich ist im Laufe der Jahre die Größe der Wähler« klaffen geworden, gleich geblieben ist aber für alle drei Klaffen ihr Anteil an der Gesamtzahl der Stadtverordnetenmandate. Nach der Städteordnung hat jede der drei Wäblerklaffen ein Drittel der Stadtverordneten zu wählen, das sind in Berlin bei überhaupt 144 Stadwerordneten 48�ür jede Wählerklasse. Vertreten werden hiernach 324 949 Wähler dritter Klasse durch nur 48 Stadtverordnete. 32078 Wähler zweiter Klaffe durch 48 Stadlverordnete. 332 Wähler erster Klaffe gleichfalls durch 48 Stadtverordnete. Ein Wähler erster Klasse bat im Durchschnitt 426 mal soviel Wahl- reckt, wie ein Wähler dritter Klaffe. Einer Handvoll GeldsackS- besitze? sichert daS Dreiklaffeniystem deS Kommuualwahlrechts weitestgehenden Einfluß ans die Stadtverwaltung--- und die breite Masse deS werktätigen Voltes wird brutal entrechtet. Die Ungleichheit der W a h l b e, i r k e. die lange genug dem in den kleinen Bezirken der Innenstadt fich haltenden Kommunal- frcisinn ein weiteres Stützmittel gewesen war. ist durch die auf Drängen der sozialdemokratischen Sladtvcrordnetenfraktion zustande gekommene Neueinteilung sehr gemildert worden. Gegenüber dem vorigen Fahr, deffen Wäblerzahlen der Neueinteilnng zugrunde gelegt worden waren, sind allerdings—- wie zu erwarten war— schon wieder Verschiebungen eingetreten, eine weitere Abnahme im Stadtinnern und eine weitere Zunahme in Außenvierteln. In den 19 Bezirken dritter Klasse, die diesmal an den ErgänzungSwahlen teilnehmen, sind die Wählerzahlen söhne Nach- träge) die folgenden: 7929 im 1. Bezirk, 8002 im 2. Bezirk 7249 im L. Bezirk, 6642 im v. Bezirk, 7607 im 10. Bezirk. 8321 im 13. Bezirk. 7935 im 14. Bezirk. 8470 im 15. Bezirk. 7252 in, 21. Bezirk. 6204 im 23. Bezirk. 7481 im 24. Bezirk, 8932 im 25. Bezirk, 7712 im 23. Bezirk, 7623 im 35. Bezirk. 6725 im 42. Bezirk, 8984 im 46. Bezirk. Die Wählerzahl schwankt bei diesen 16 Bezirken der dritten W- teilung zwischen 6504 und 8932. Für die zweite und die erste Abteilung ist die Neueinteilung noch nicht zustande ge- kommen, darum schwankt die Wählerzahl in den Bezirken der zweiten Abteilung noch zwischen 5369 und 703. in den Bezirken der ersten Abteilung zwischen 110 und 16. In der zweiien und der ersten Abteilung wählt, da fie in je 18 BezlN,- eingeteilt sind, jeder Bezirk in sechs Jahren 3 Stadtverordnete. Ivährend in der dritten Abteilung jeder Bezirk in sechs Jahren nur einen Stadtverordneten wählen darf. Die 16 Wähler jenes kleinsten Bezirks erster Klasse sind hiernach durch drei Sladloerordiiece ver- treten, so daß ans jeden dieser Stadtverordneten 5'/« Wähler kommen. In dem größten Bezirk dritter Klaffe aber vertritt ein Stadtverordneter 8932 Wähler. Das heißt: jeder jener 16 E r st- k l a s s i g e n hat ein 1675 mal so großes Wahlrecht wie jeder jener 3932Drittllassigen. Was sagt zu solche» Blüten deS DreiklaffensystemS unseres KommunalwahlrechtS der Berliner Freisinn? Er läßt schmunzelnd sich das GeldsackSvorrecht gefallen, weil die schmähliche Eni- rechtung deS werktätigen Volkes die Grundlage und Stütze aller Macht des KommunalliberaliSmu» ist. Zu dem Drama in Grünheide, wo, wie berichtet, die Witwe Hintze ihr Kind durch Leuchtgas vergiftete und sich selbst das Leben nehmen wollte, erfahren wir, daß nun auch Frau H. den Wirkun- gen der giftigen Gase erlegen ist. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ist die Lebensmüde im Krankenhause gestern nachmittag gestorben. Ein kostspieliges Abenteuer erlebte ein älterer Provinzler, der in der Trunkenheit einer Barmaid, der 20 Jahre alten Frieda Schmidt aus der Kurfürstenstraße, in dte Hände fiel. Als er morgens erwachte, beklagte er den Verlust von 4000 Mark und sah sich in seinem Zimmer eingesperrt, während seine Begleiterin bcr- schwunden war. Der Beswhlen«, der auch morgens noch nicht ganz nüchtern war, schlug vor Aerger in seinem„Gefängnis" einiges kurz und klein, aber sein Geld bekam er damit nicht wieder. Die Diebin ist 1,60 Meter groß, hat ein rundes Gesicht und blondes Haar, und trug einen langen schwarzen Sammctmantel und einen großen Sammethut mit einer großen gelben Pleureuse. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag 3»/« Uhr in dem Reinickendorfer Hammerwerke Muffel u. Co., Holländerstr. III. Genannte Firma hatte eine neue Presse zur An- fertignng größerer Schmiedearbeiten errichten lassen. Als der Meister mit mehreren Gesellen die Preffe probieren wollte, brach daS große 35—40 Zentner schwere Schwungrad und stürzte zum Teil herab. Dabei traf ein Stück den Schmiedegesellen Oswald Albert, welcher unter der Last zusammenbrach. Die Kollegen befreiten den Ver- unglücklen und schafften ihn nach dem Kontor. Ein sofort herbei- geholter Arzt leistete die erste Hilfe. Ein Krankenwagen brachte den Verletzten nach dem Virchow-Krankenhaus. Von einem Ringbahnzuge überfahren und schwer verletzt wurde in der verfloffenen Nacht der in der Kirchbachstr. 2 wohnhafte Arbeiter Albert Schulz. Sch. hatte, um sich den Nachhauseweg abzukürzen, versucht, den Bahnkörper in der Nähe der Station Groß-Görlchen- straße zu überschreiten, kam auf dem Ringbahnglei« I zu Fall und wurde von dem in diesem Augenblick herannahenden Zug überfahren, wobei ihm der rechte Unterschenkel glatt vom Körper getrennt wurde. Gegen 12 Uhr wurde der Bedauernswerte von einem Bahnbeamten ansgefunden, der die Uebersührung des Verunglückten nach dem Schöneberger Krankcnhause veranlaßte. Selbstmord eines Btcrzehnjährigc». Der kaum der Schule ent» wachscne Sohn Paul des Bäckers Beyer aus der Kopenhagener Straße 26 hat sich in der elterlichen Wohnung mit seinem Halstuch an einem Fensterriegel erhängt. Berstorden ist Montagabend ein unbekannter, etwa 60jährigcr Mann, der allem Anscheine nach dem Arbeiterstande angehört. Gegen 8 Uhr fand auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg der dort postierte Schutzmann auf einer Bank einen Mann liegend, der be- wußlloS war und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der Beamte versuchte den Erkrankten nach der Unfallstation in der Borbergstratze zu transportieren, doch verstarb der Unbekannte unter- wegS. Die Leiche deS Mannes, der keinerlei Legitimalionspapiere noch irgendwelche Werlsachen bei fich trug, wurde nach der Leichen- halle in der Maxstraße gebracht. Berliner Geldschrankknacker statteten in der letzten Nacht der Dampfwäscherei von Lasamnick in der GreifSwaldcr Str. 201 einen unwillkommenen Besuch ab, bei dem ihnen erheblich« Beute in die Hände fiel. Die Verbrecher drangen mittels Nachschlüssels vom Hofe aus in die Kontorräume ein und machten sich sofort an die Sprengung des Geldschrankes, den sie nach angestrengter Arbeit mit den modernsten Werkzeugen erbrachen. Den Dieben fielen über 800 M. bares Geld in die Hände; mehrere Wertpapiere ließen sie unberührt liegen. Sie erbrachen dam, noch die sämtlichen Behälter in den BnreauS und eigneten sich kleine Beträge und Briefmarken an. Nach der Ausführung der.Arbeit" zu urteilen, handelt cS sich um ganz gewiegte Berliner Geldschrankknacker, die mit äußerster Naffinierthett zu Werke gegangen sind. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Wer ist der Ertrunkene? Zu dem Selbstmord an der Man- bijoubrücke. über den wir dieser Tage berichtet, teilt das Polizeipräsidium mit, daß es sich um einen etwa 25—30 Jahre alten Mann handelt. Die Leiche ist noch nicht gelandet. Personen, die über den Ertrunkenen Auskunft geben können, etwaige Augeitzeugen usw., wollen sich auf dem Polizeipräsidium. Zimmer 330, melden und können dort auch in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags den Spazierstock ansehen, um dadurch vielleicht zur Ermittelung der Persönlichkeit beizutragen. Deutscher Arbeitcr-Säiigertund, Gau Berlin und Umgegend. In der am Sonntag stattgefniidenen AuSkchußsitzung wurden zunächst die Vereine.Harmoiiie"«Hobeiischönhauscn und„Sangeslust'.Petcrshagen aufgenommen. Sodann gab der zweite Kassierer den Bericht vom Sängerfest. Im Anschluß hieran wurden dem Arbeiter- Samariter- bund 150 M. und dem Arbeilcr-Schwimmerbund 75 M. für ihre aufopfernde Tätigkeit beim Sängerfest bewilligt. Das StislungSfest wird am 2. Dezember in der Brauerei Friedrichshain in derselben Wetse wie im Vorjahre, und zwar dnrch Gesang(sechs Vereine) unter Mitwirkung eines Künstler-TrioS und einer Sängerin gefeiert. Der Vorsitzende mochte bekannt, daß die nächste UebungSstunde dcö Bezirks I wegen der am 5. November in Berlin und in Charlotten- bürg stattfindenden Stadtvcrordnetenivahlcn erst am 12. November stattfindet. Die Vereine wurden aufgefordert, bei Bezug ibrcö Noienmaterials mehr wie bisher den eigenen Verlag zu berück- sichtigen. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch dte erfreuliche Mitteilung, daß sich wtedcrnm zwei Vereine verschmolzen haben und zwar in Potsdam die Vereme..Mäimerchor" und„Solidarität" und daß sich serner auch in Rathenow die feindlichen Brüder wieder zu- saminengefunden haben. Einen Goethe- Becthovcn-Abcnd veranstaltet die Ortsgruppe Berlin des Deulichen Arbeiter-AbstinentenbundeS am Sonntag, den 22. d. MlS„ abend» 6 Uhr. w den OrpheuS-Festsäleu. Brückenstr. 2. ZMtw?rkende find: Frau GIna-Goetz-Lebh sGesang). Frau Flora Joutard lKlavier), Frau Elia Kühne(aie�itaHonei,), Herr Louis van Laar tBioline), Herr Marx Lövensohn(Violoncello), Genosse Simon Katzenstein(Vortrag) und Herr Kapellmeister Eduard Levy. Nach Beendigung des Programms: Geselliges Beisammensein und Tanz.— Zum Ausschank gelangen nur olkobolsreie Gerränke.— Einirittskarlen a 30 Pf. sind zu haben bei E. Geisler, Kuglerstr. 4l, Hähuisch. Cboriner Str.<8, Hof part., H. Esser, Rirdorf, Pflüger- slratze 17, Hos III, und in der Geschäftsstelle Eugeluser 19. Die Dachstuhlbrände in Groß-Berlin wollen lein Ende nehmen. Gestern früh um S Uhr stand der Dachstuhl des Hauses Aachener Straße 42 in Wilmersdorf, nahe der Ringbahn, in großer Aus- dehnung in Flammen Diese hatten, als sie von Hausbewohnern bemerkt wurden, schon reiche Nahrung gefunden, so daß die Wilmers- dorfer Feuerwehr gleich mit vier Schlauchleitungen von Dampf- spritzen vorgehen mußte. Ueber die schon verqualmten Aufgänge und über eine mechanische Leiter wurde der Angriff wirksam durch- geführt. Nach einstündiger energischer Wassergabe war die Macht des Feuers gebrochen, Langsani gingen die Flammen zurück. Der Dachstuhl des Hauses ist zu einem großen Teil eingeäschert. Der Schaden ist recht erheblich, denn auch ein Teil der oberen Etagen ist durch Wasser etwas geschädigt. Die Entstehung konnte wegen der Ausdehnung des Brandes nicht mehr festgestellt werden. Die Aufräumungsarbeiten nahmen längere Zeit in Anspruch. Vorort- Nacbricbtem Wilmersdorf-Halensee. Eine Stimmenauszählung mit Hindernissen. Nach der Anschau- ung verschiedener Stadtverordneter von staatserhaltender Gesinnung hat Wilmersdorf seine„individuelle Färbung" und braucht sich in den Grotz-Berliner Rahmen nicht einzufügen. Welche Fortschritte diese Individualisierung gemacht hat, zeigte ein Vorgang, der sich am Tage der Stadtverordneten wähl in der vorigen Woche im Wahllokal am Äaiserplatz 14 abspielte. Nachdem abends um halb zehn Uhr der Rest der Wähler seine Stimmen abgegeben hatte, glaubte der Leiter der Wahlhandlung alle im Lokal anwesenden Personen mit Ausnahme der Mitglieder des Wahlvorstandes zum Verlassen des Lokales auffordern zu müssen. Gegen diese.Handlung protestierten sofort einige unserer Parteigenossen, die nach üblichem Brauche tagsüber an einem Seitcntische die abgegebenen Stimmen kontrolliert hatten. Sie bedeuteten dem Wahlvorsteher, daß die Oeffentlichkeit der Wahl- Handlung ganz besonders für die Stimmenauszählung gelte und ihm kein Recht zustehe, diese Oeffentlichkeit einzuschränken. Als unsere Parteigenossen weiter noch den Wahlvorsteher um Ver- ksung der gesetzlichen Bestimmungen ersuchten, die sein Verhalten rechtfertigen könnten, mußte der Herr selber zugeben, daß die Wahl- Vorschriften hierüber nichts enthielten. Ein anderes Mitglied des Wahlvorstandes, Sellmer mit Namen und Hausbesitzer seines Zeichens, hielt es nunmehr dennoch für an- gebracht, ziemlich schroff dreimal hintereinander unsere Partei- genossen zum Verlassen des Lokals aufzufordern. Natürlich kamen die drei Vertreter unserer Partei dieser Aufforderung um so weniger nach, als sie Herrn Sellmer erstens keinerlei Beruf für solche Handlung zubilligen und überdies auch Wähler aus dem bürger- lichen Lager zugegen waren. Als Herr Sellmer davon in Kenntnis gesetzt worden war, daß man keine Ursache fühle, auch von seiner Aufforderung Notiz zu nehmen, entfernte er sich mit den Worten: »Das werde ich Ihnen zeigen!" Kaum hatte inzwischen die Auszählung der Stimmen begonnen, als Herr Sellmer in Begleitung eines Schutzmannes zurück- kehrte. Der Polizeibcamte hatte natürlich keinen Anlaß, dem Ver- langen des Herrn Sellmer Nachdruck zu geben; wohl aber glaubte jetzt der Wahlvorsteher unsere Parteigenossen gleichfalls dreimal zum Verlassen des Lokals auffordern zu müssen. War nun auch für diese Aufforderung keine gesetzliche Unterlage gegeben, so er- klärten sich dennoch unsere Genossen unter der Bedingung zum Ver. lassen des Lokals bereit, daß'der Wahlvorstand ihren gegen die Auf- forderung gerichteten Protest zu Protokoll nehme. TaS wollte aber wiederum der Wahlvorsteher nicht, und so blieben denn unsere Parteigenossen, wo sie waren. Nachdem nun Herr Sellmer mit dem Polizeibeamten davongegangen war und auch einige Mit- glieder des Wahlvorstandcs zugegeben hatten, daß frühere Wahl- Handlungen sich bis zum Schluß in der Oeffentlichkeit abspielten, konnte das Auszählen der Stimmen von neuem beginnen. Aber die Hoffnung, daß nun endlich in Ruhe das Wahlresultat festgestellt werden könnte, wurde abermals zuschanden, als unter Führung des Stadtverordneten Fischer eine Anzahl bürgerlicher Wähler ins Lokal kamen und die Entfernung der«ozialdcmo- kraten verlangten. Es schien fast, als ob eine Rauferei ins Wert gesetzt werden sollte. Unsere Parteigenossen überlegten sich die Sache. Hatten sie auch keinerlei Grund, das Wahllokal zu ver- lassen, so nahmen sie doch Rücksicht auf den unausgesetzt an der Aus- Zählung gehinderten Wahlvorstand. Um endlich das Auszählen der Stimmen zu ermöglichen, entsernten sie sich. Welche Beurteilung das Auftreten der bürgerlichen Herren in der Oeffentlichkeit fand, braucht hier nicht weiter geschildert zu werden. Nixdorf. Ueber den Selbstmord einer Vierzehnjährigen wird folgendes mit- geteiltj: Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern an der Treptower Brücke ab: Ein junges Mädcheri, das sich dort kurze Zeit in großer Aufregung aufgehalten hatte, sprang plötzlich in den Rixdorfer SchiffahrlSkanal. um sich das Leben zu nehmen. Zwei Zimnierleute, die das sahen, sprangen dem Mädchen sofort mit dem Rettungsringe nach und holten eS aus dem Wasser heraus. Die Lebensmüde kam bald wieder zum Bewußtsein, und wurde jetzt festgestellt als die 14 Jahre alte Anna Schulz aus der Treptower Straße. Ein Abbruchunglück ereignet sich gestern nachmittag auf dem Grundstück Berliner Str. 83. Hier brach ein Holzschuppen zusammen und riß zwei Arbeiter, den 32 Jahre alten Georg Blobig aus der ,Ziethenstr. 44 und den 46 Jahre alten Richard Oberthür aus der Fonlanestr. 26 mit in die Tiefe. Beide wurden so schwer verletzt. daß sie nach der llnsallstalion in der Steinmetzstraße gebracht werden mußten. Oberthür, der sich eine schwere Brustqueischung zugezogen hatte, wurde von dort dem Ärankenhause zugeführt. Blobig. der mit Hautabschürfungen davongekommen war, konnte nach Hauke entlassen werden. Wen die Schuld trifft, steht noch nicht fest. Die Polizei hat die Fortsetzung der Arbeilen einstweilen untersagt. Britz-Buikow. Teuerung und neue Steuern lautete das Thema, über das in einer in Buckow im Lokal von Klein tagenden öffentlichen Ver- sammlung Genosse W u s ch i ck referierte. Die Versammlung folgte mit regem Interesse den treffenden Darlegungen des Redners und zollte ihm am Schlüsse seines Vortrages lebhaften Beifall. Hieraus gelangte einstimmig die allgemeine Protestresolution gegen die Teuerung zur Annahme. Weihensee. Mit der bestehenden Teuerung wird sich die nächste Gemeinde- Vertretersitzung in der kommenden Woche beschäftigen. Die sozial- demokratische Fraktion hat u. a. beantragt, außer den Teuerungs, zulagen an die Arbeiter und Beamten noch den Ankauf und Ver- trieb von Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Seefischen und Kohlen von Gemeinde wegen vorzunehmen. Auch die neue bürgerliche Fraktion will Anträge stellen, die noch nicht bekannt sind. Die Teuerung wirkt besonders stark auch auf ttze von der Gemeinde betriebene Volksspeiscanstalt. jedoch soll in der Preislage wie der guten Her- richrung des Essens keine Acnderung eintreten, da die Gemeinde den Betrag der Unterbilanz übernehmen wird, so daß eine Frc- quenzzunahme zu erwarten ist. Die Volksspeiseanstalt befindet sich in der Göbenslraße und ist täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage von%12 bis%2 Uhr geöffnet. Die Preise für eine gute Portion Suppe. Fleisch mit Gemüse oder Kartoffeln beträgt 30 Pf., für Fleisch mit Gemüse und Kartoffeln 26 Pf., für Gemüse mit Kartoffeln 15 Pf., für Suppe oder Mehlspeise 16 Pf., für Kakao, Kaffee oder Kaltschale 5 Pf. Das Essen kann auch mit eigenem Geschirr abgeholt werden. Die Volksspeiseanstalt steht unter stän- diger Kontrolle des Wohlfahrtsamtes. Auch sind getrennte Speise- räume für Männer und Frauen eingerichtet. In der Nähe der Speiseanstalt befinden sich eine Anzahl Fabriken, so daß den dort beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen Gelegenheit gegeben ist, ein billiges und gut hergerichtetes Mittagessen zu erhalten. Zehlendorf(Wannseebahn). Die am Sonntag hier im Lokale von P. Schwarz stattgefundene öffentliche Versammlung hörte ein Referat des Genossen Max Barlh über die Teuerung. Regierung und das Volk. Leider war die Ver- sammlung nicht so gut besucht, wie es erwünicht gewesen wäre. Der Referent geißelte in scharfen Worten daS Verhalten der Re- gieruilg und der herrschenden Parteien, welche tatenlos der skandalöse» VolksauShnngerung zusieht. Die verlesene Resolution wurde einstimmig angenöminen. In den Wahlverein wurden vier neue Mitglieder aufgenommen. Zossen. Als einen großen Erfolg der Fortschrittlichen Volkspartei bucht der Herausgeber und Redakteur des.Zossener Stadt- und Land- boten", Herr Otte, seinen Lesern die Versammlung, in welcher sich der Kandidat der Liberalen, Herr Prof. Dr. Spiegel-Charlottenburg. den Zossener Wählern vorstellte. Abgesehen davon, daß der Heraus- geber des BlättchenS die Sozialdemokratie in einer völlig weit- fremden Art daznstellen sucht, behauptet er auch, daß der sozial- demokratische Redner von Prof. Dr. Spiegel in bestimmter Art ab- geführt worden sei. Herr Oite wird nicht glauben wollen, daß seine Behauptungen von Besuchern der Versammlung ernst genommen werden, er kann mit seiner völlig unzutreffenden Darstellung doch nur den Zweck verfolgen, unter seinen politisch indifferenten Lesern Proseltzten für den fortschrittlichen Kandidaten zu werben. Aber auch damit wird er wenig Glück haben. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft wird ihr Teil dazu beilragen, daß die ihr bisher noch sernstebenden Schickten der werktätigen Bevölkerung von der sozia- listischen Idee erfüllt werden. Mahlsdorf an der Ostbahn. Aus der Organisation. Die VierteljahreSversammlnng des Wahlvereins nahm nach dem Bericht der Bezirksleitung über die Tätigkeit im verflossenen Quartal die Neuwahl derselben vor. Mit den Be- schlnssen des Parteitages erklärten sich die Versammelten, nachdem die Genossin Buch Bericht hierüber erstattet hatte, einverstanden. Hierauf wurde auf den Arbeitergesangverein sowie auf den Arbeiter- turnvcrcin aufmerksam gewacht und Sanges- und Turnfreunde er- sucht, sich den betreffenden Vereinen anzuschließen. Am ersten Weih- nacktStage soll eine Feier veranstaltet werden. Sodann verwies der Vorsitzende auf die hiesige Volksbücherei, die im SckulhauS unter- gebracht und Dienstags und Freitags von 6'/z— 3'/zUhr abends geöffnet sei. Es werden Lesekarten für 16 Pf. verabfolgt, welche zur Entleihnng von sechs Büchern berechtigen. Auch sei der Lesesaal im Schulhause Werktags abends von 7—9 Uhr und Sonntag» vor- mittags von 11—1 Uhr geöffnet. Desgleichen empfahl der Vor- sitzende, von der Wahlvereinsbibliothek regen Gebrauch zu machen. NowaiveS. Den Bau eines FeicrabcndhauseS plant der Oberlinverein. Als Bauplatz ist das etwa 985 Quadratmeter große Hinterland des früheren Jordanschen kleinen Hauses in der Lindenstraße 52 in Aussicht genommen. Ob dieses Projekt zur Verwirklichung kom- men wird, bleibt jedoch abzuwarten, da auch die Gemeinde an dem Erwerb des Geländes, das später zur besieren Ausnutzung des Rathausgrundstückes geradezu unentbehrlich wäre, ein erhebliches Interesse hat. Erwähnt mag hierbei werden, daß beide Jor- danschen Häuser einschließlich Stcmpelkosten usw. dem Oberlin- verein rund 163 566 M. getostet haben. Potsdam. Gesetzwidrig hatte seit dem Jahre 1961 die Potsdamer Tischler- innung gehandelt, indem sie zur Gesellenprüfung die dem PrüfungZ- auSi'ckuß angehörenden Gesellen nicht mit binzuzog, wie dies der § 131a Absatz 2 der Gewerbeordnung und das Jimmigöstatut vor- schreibt. 196! hatten nämlich die Gesellen eine» Prüfling wegen mangelnder Kenntnisse abgewiesen und das war den Meistern über die Hutschnur gegangen. Seit dieser Zeit prüften sie unter sich und es ist ja bekannt, daß eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Im vorigen Jahre kam nun wieder etwas Leben unter die Gesellen und sie beanspruchten ihre alten Reckle. Weil die Innung nicht freiwillig wollte, wandten sie sich beschwerdeführend an den Magistrat als Aufsichtsbehörde. Dieser wies die Innung an. den GesellenauSschuß seine ihm zustehenden Funk- tionen aussübren zu lasten. Als dann im April dieses Jahres die Gesellenprüfungen herankamen, mußten es die Gesellen erleben. daß sie wieder nicht hinzugezogen wurden. Abermols wandten sie sich beschwerdeführend an den Magistrat und dieser erwiderte, daß er die Innung angewiesen habe, i» Zukunft den Gesellenausschuß zu den ihm zusiehenden Funktionen hinzuzuziehen. Am 13. September erhielt nun der Gesellenausschuß Mitteilung, daß er zur Prüfung hinzugezogen werden solle. Dock, wie das Geschick eS nun einmal will, die Prüflingen halten bereits am!2. Sepumber, also einen Tag vorher, stattgefunden l Wegen diei'eS hoffentlich nicht absicht- liwen Irrtums erhielt dann am 86. September der Vorsitzende des Gcsellennusschlisses folgenden Brief: „Nach längeren Verhandluiigen mit dem Magistrat haben wir uns bereit erklärt, bis zur Erledigung»»serer Beschwerde durch den Herrn Minister die Gesellenbeisitzer zu den LehrlingSprüt'ungen heranzuziehen und wir haben den PrüfimgSauSscbuß am 13. Seplember hiervon Mitteilung gemacht. Wir erfuhren jedoch, daß die Prüfung schon früher, am 12. September stattgefunden hat. ohne Mitwirkung der Gesellenbeisitzer. ES liegt uns vollkommen fern, die Geiellenschott bei der Milwirkung der Prüfung auszuschließen, nur durch ein Mißverständnis ist diesmal die Einladung urner- blieben. Ilm jedoch den Beisitzern Gelegenheit zu geben, sich von der ordnungsmäßigen Prüfung zu überzeugen, stellen wir anheim, bei dem Ausschreiben der Lehrlinge am 4. Oktober, nachmittags 4 Ubr, im Lokale von Donath zugegen z» sein. Nach den Ent- scheidungen der AtlfsichlSbehörde ist sonst bei dem Ein- und AnS- schreiben der Lehrlinge die Anwesenheit der Beisitzer nicht erforder- lich. Der Vorstand der Tischlcrinnung zu Potsdam. Ed. Schulz, Obermeister.» Der Eingang des Schreiben? spricht von einer Beschwerde an den Minister. Worin diese Beschwerde besteht, ist vorläufig un- bekannt, doch soll sie darin gipfeln, daß in Potsdam lmr sechs Tischlergesellen die Befähigung haben, die Gesellenpuliung vorzunehmen. Als ob diese Auswahl nickt groß genug wäre. Geradezu hnmor.stisch klingt es, wenn der Obermeister der Innung nicht gewußt haben will, daß die Prüfling der Gesellen schon am Tage vorher stattgefunden hat, als man dein PtüflingSausschuß Mit« teilung machte. Die Gesellen werden sich dieS Verhalte» der Juiiung selbstverständlich nicht gefallen lassen. SericKts-Leitung. Autorschmerzen. Eine ungewöhnliche Anklage wegen Beleidigung des Geheimen Medizinalrais Professor Dr. Bier führte gestern den praltlschen Arzt Dr. Anton Hengesbach zu Neuensclde, Amlsgerichtsbezirk Jork, und den Buchdruckcreibesitzer Amandus Möhlmann zu Finkeuwerder bei Hamburg vor die 16. Strafkammer des Landgerichts I.— Der Universitätsprofessor Geh. Rat Bier ist Verfasser des Werkes „Hyperämie als Heilmittel". Der Angeklagte Dr. Hengesbach ver- tritt seit längerer Zeit die Ansicht, daß das Biersche Werk ein be- wüßtes Plagiat einer Abhandlung sei, die er unter dem Titel„Ueber Heilung der Infektionskrankheiten" im Jahre 1894 in der„Aerzt- lichen Rundschau" veröffentlicht hat. Er hatte im Oktober 1963 Strafantrag gegen Pros. Dr. Bier geflellt, ist aber abgeiviefek» worden mit der Begründung, daß der Sirafantrag verspätet sei und der Verdacht des Nachdruckes nicht vorliege. Im Anfange des Jahres 1963 ließ Dr. Hengcsbach in seinem Selbstverlage eine Broschüre„Vademecum für Professor Dr. Bier als Pfadfinder erscheinen. Darin wird in längeren Ausführungen und unter hef- tigen Angriffen gegen Prof. Dr. Bier der Vorwurf des Plagiats erhöben und zu begründen versucht. Prof. Dr. Bier stellte Slra?» antrag wegen der Schrift, wurde aber von der Staatsanwaltschaft Leipzig, an welche die Anzeige zuständigkeitshalber abgegeben, worden war, auf den Weg der Privatklage verwiesen. Professor Dr. Bier sah von einer Privatklage ab, stellte aber bei dem Ehren- gericht der Aerztekammer Hannover, welcher der Angeklagte Dr. H. untersteht, Antrag auf Einleitung eines ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Dr. tz. Diesem Antrage wurde stattgegeben. Dr. H. wurde wegen Verletzung der Standcsehre zu 566 M. Geld- strafe. Entziehung des aktiven und passiven Wahlrechts zur Aerzte- tammer für die nächsten zwei Wahlperioden und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Das Urteil nahm als erwiesen am daß der Vorwurf des Plagiats gegen Prof. Dr. Bier völlig unbegründet sei. Auf die Berufung des Dr. H. hat der Aerztliche Ehrengerichtshof in Berlin das erste Urteil aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen. In dem Urteil ist ausgeführt,'daß Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Dr. H. entstanden seien. Der ärztliche Ehrengerichtshof in Hannover er- klärte sich für befangen, da Dr. H. auch gegen dessen Mitglieder Angriffe gerichtet hatte. Die Sache wurde nunmehr dem ärztlichen Ehrengericht für die Provinz Schleswig-Holstein übertragen. Dort ist das Verfahren noch jetzt anhängig. Zwischendurch erhob Dr. Hen- gesbach gegen Prof. Dr. Bier PrivatNage, die durch Beschlutz vom 15. Mai 1969 zurückgewiesen wurde, weil Prof. Dr. Bier in Wahr- nchmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Ferner richtete Dr. H. an Prof. Dr. Bier in den Jahren 1968 und 1969 noch eine Reihe beleidigender Schriftstücke, wegen deren Prof. Dr. Bier gleich- falls Bestrafung beim Ehrengericht beantragte. In den letzten Monaten des Jahres 1916 erhielt Prof. Dr. Orth von dem Dr. H. ein Zeitungsblatt mit einem Artikel„Trauerfeier für Ernst von Lehden" zugeschickt. Darin war als anwesend auch der Professor Dr. Bier aufgeführt. Dieser Name war unterstrichen und am Rande stand mit Rotstift geschrieben:„Er geht vielleicht mit frechem Schritte jetzt eben durch der Gelehrten Mitte." Ferner erhielt Prof. Dr. Orth Druckzettel, überschrieben:„Der Dieb auf dem Lehrstuhl", in welchen Dr. Hengesbach den Vorwurf des Plagiats gegen Prof. Bier wiederholt und schwere Angriffe gegen diesen erhebt. Ferner ging dem Prof. Dr. Bier am 2. Februar d. I. ein Extrablatt der„Unter- elbischen Zeitung" zu mit einem Artikel:„Der Spitzbube beim' Kaiser Wilhelm ll". In diesem Artikel, der auch von Dr. H. zu- gesandt worden war, wurde cm die Tatsache angeknüpft, daß Pro- fessor Dr. Bier einmal zur Behandlung des Kaisers zugezogen war und Prof. Dr. Bier dann mit beleidigenden Bezeichnungen, wie „Fuchs im Eisen" usw. belegt. Dieses Extrablatt hat Dr. Henges- bach verfaßt. Der Angeklagte Möhlmann hat es gedruckt. Professor Bier hat rechtzeitig den Strafantrag gegen beide Angeklagte gestellt» er ist als Nebenkläger zugelassen worden. Als Sachierständiger war der Prof. Dr. Schlange aus Hau- nover geladen, der im Ehrcngerichtsverfahren in eingehendem Gut- achten zu dem Schluß gekommen war, daß jeder Vorwurf des Nach- druckes gegen Pros. Dr. Bier jeden Scheines einer Berechtigung entbehre.— Nach Verlesung der in Frage kommenden Schriftstücke erklärt Staatsanwalt Bogel: Nach dem Inhalt dieser Schriftstücke und der ganzen Verteidigungsweise des Angeklagten habe er doch Zweifel, ob man es mit einem geistig normalen Menschen zu tun babe. Er stelle deshalb den Antrag, den Angeklagten durch einen Psychiater auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der Angeklagte Dr. H. erklärte hierzu: Die Sache erscheine ihm zu ab- furo, als daß er sich darauf irgendwie äußern wolle. Der Staats- anwalt habe keinerlei Gründe, sondern nur Redensarten vorge- bracht. In der schriftlichen Anklage sei im Gegenteil besonders hervorgehoben, daß an der Zurechnungsfähigkeit kein Zweifel be- stehe.— Prof. Dr. Schlange: Er könne nur sagen: er habe per» sönlich Zweifel an der geistigen Gesundheit, im übrigen aber würde es sich doch empfehlen, einen Psychiater hinzuzuziehen.— Das Gericht unter Vorsitz des Landgerichtsrat Haffelbach beschloß, die Sache zu vertagen, auch das Gericht habe Zweifel an der vollen Verantwortlichkeit des Angeklagten. Es soll ein Psychiater beauftragt werden, den Geisteszustand des Angeklagten zu untersuchen und ein Gutachten abzugeben._ HU9 der frauenbewegung. Eine von den Alten. In B r e s l a v ist am Sonnabendnachmittag Genossin Ida Kaiser im 64. Lebensjahre nach nur kurzer Krankheit am Herz- schlafe verschieden. Ida Kaiser gehörte mit zu den ältesten Partei- genossinnen, die am Parteileben den lebhaftesten Anteil nahmen. Schon in ihrer frühesten Jugend stellte sie sich, da sie Armut und Entbehrung aus eigener Anschauung kennen lernte, in den Dienst der Partei. Selbst unter dem Ausnahmegesetz war sie an der Seite ihres Mannes bei jeder Wichligen Parteiarbeit zu finden. Und als dann endlich daS Schandgesetz zu Ende war, widmete sie sich mit Eifer der Frauenorganisation. Wiederholt bekleidete sie. als noch das preußische Vcreinsrecht den Frauen den Anschluß an die sozialdemokratischen Vereine verbot, das Amt der Vertrauens- person der sozialdemokratischen Frauen Breslaus. Bei keiner Ver- sammlung oder Flugblattverbreitung fehlte„Muttel Kaiser", über- all ging sie den Jüngeren mit gutem Beispiel voran. Zu den Zeiten, wo die Mittel der Partei noch spärlicher waren als heute. da war es wiederum Muttel Kaiser, die durch unermüdliche Tätig- keit Groschen um Groschen für die Partei der Unterdrückten und Ausgebeuteten sammelte. Und als das neue ReichsvereinSgcsctz endlich den Frauen die politische Gleichberechtigung brachte, da ging Ida Kaiser von Haus zu Haus, treppauf treppab, um neue Kämpferinnen aus dem weiblichen Proletariat zu werben. Aber auch sonst war die Verstorbene immer da an erster Stelle zu finden, wo es galt. Menschenrechte zu fordern und zu vertreten. Ehre ihrem Andenken! Sozialdemokratischer Zentralwablvereiu für den Reichstags- Wahlkreis Ziillichau-Schwiebus- Krossc»- Sommerfeld.(OrtSoereiu Berlin.) Mittwoch, 18. Oktober, abends L'/, Uhr, MtgliederversamM- lung bei Geßner, Koppenstraße 47. Lese» und Tistiitiertiub»Paul Singer«. Heute Mittwoch im Lokale von Karl Beck. Samattterstr. 17; Sitzung. Tagesordnung: 1. Der Parteitag zu Jena. 2. Diskussion. Gaste willkommen. Lese- und Tiskutierkliib»Süd> Oft«. Heute Mittwoch, abend» 8'l, Uhr, bei Neidhardt, Göclitzcr Straße 58: Bottrag. Gäste willkommen WoileellandS-otachrtedle» der Landesanstalt für Gewäiierklyide. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. 1+ bedeute, Such»,— Fall.—•) Unterpeget. vasserst-ud«a 15. nicht 113, sondern 76 cm. ßnefftaftcn der Rcdahtion. Die juriftilche epttdinuunt findet LtndenstrafteKI, dorn vier Treddea <— Fadrftnhl—, wochrniältlich von bis 7'�. Hfir abends, Sonnabends, von 4>4 bis ö Uhr abends flalt Jeder für den Bricslaftcn beiiiminien Ansrllge ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beijufUgc», Briefliche Butwort wird nicht erteilt Anfragen, denen keine AbonnemcntSquittnng beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. K. Berlin �l und M.$. 100. Die Lohnbeschlagnahlne ist zu- lässig, soweit die Lohnsoidmnig 125 M. monatlich oder 28,85 M wöchent- lich' übersteigt.— G. K. LÄ. Setzen Sie eine Frist zur sachgemäßen Aenderung Noch crsolglosem Ablaus der Frist lönnen Sie die Aenderiiiig auf Kosten der Schneiderin voinetzmen lassen.— W. B> 58. 1. Das kann als rubeftörender Lärm ausgelegt und Sic könnten 2. wegen Schaden- ersah in Anspruch genommen werden.— B. 15). 56. 1. Ja. 2 Sie nicht, wodl aber die Uuterreisenden.— P. H. 160. 1. und 3. Ja. 2 I ner- halb Jahressrisi, von der Ausbebung gerechnet. 4 Nein.— E. W. 7. Nein. Namens Ihres Mannes kann aber Antrag aus Invalidenrente ge- stellt werden.— H. W. 25. Unter Vorbehalt aus Zahsung des Restes können Sie den Betrag annehmen. Ein Klage erscheint durchiührbar.— M. B. 166. 1. Ja. 2. Aussichtslos. 3. Gehen Lasten der Nachlah- masse.— Fr. Zl. 21. 50. Ein Vorhalt aus dem Standesamt ist nicht zu erwarten Der Mann könnte aber ipäter, wenn er Kenntnis erhält, die Ehe anfechten.— vi. S. 100. New.— W. W. 38. Ja, sofern Aufnahme mit hu- slimmung der Kaffe ersolgt.— P. 8. 101. Nein.— S. Str. 65. 1. Das hängt vom Ermessen dcS Gerichts ab. 2. Aus Besragen nach der Konfession müssen Sie Mitteilung von dem Austritt machen. Eine besondere Formel jür die aus der Landeskirche Ausgeschiedenen besiegt nicht. 3. und 4. Ja 5. Nein— F. D. LO. I. Amtsgericht. 2. Tausschein. 3. Nein 4 3,50 M.— 21. D. Strausberger Str. 41. Wenn Sie eine Vorladung nicht erhalten, so melden Sie sich srüdeslenS nach Ablaus von vier, spätestens iinicrhalb iechS Wochen, vom Tage des Eingangs der Anmeldung bei dem Amtsgericht gerechnet.—<£. H. 1000. Läßt sich nur an Hand des Miels- Vertrages beantworten— O. P. 1. Keine bestimmte Anzahl vorgeschrieben. 2 Au den Magislratskommissar sür Jnvaldenvcrsicherung, Am Köllnijchen Park 8, unter cntiprcchendcr Bcgründnng. 3. Nur, wenn im Statut vor- gcicbcn und wenn der Kajscnar-t verordnet.— P. 100. Der Mann ist tlageberechiigt nach Z 195 dcS Reichsstrasgcsetzsbuchs.— B. 3, Die Kündigung ist unwirksam._ Marktpreise vo» Berlin am 10. Oktober 1011. nach Ermitkclung des Königlichen Polizcipräsidinms. M a r k l h a l l e n v r e i s c.(KleinbaiiScl), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35.00—50.00. Speisebobnen weif, e, 35,00- 50,00. Linien 40,00 80.00. Kartosieln 7,00-14,00. 1 Kilo- gramm Rindsieisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindsleiich. Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40 Hammelfleisch 1,30—2,00. Butter 2.40—3,40. 60 Stink Eier 3,80—6,40 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40. Aale 1,20-2,80 Zander 1,40-3,60, Hechte 1,20 6i« 2,80 Barsche 0,80-2,00. Schitie 1,40-3,00. Bleie 0,80-1,60. 60»M Krebse 2,40-30,00. SSitternngSüderfleli» vom 17. Oktober Mtl. •SSI« Ä � E» 5'2 E» Ss& s= sS= eO; 1= lB «eller ännnrtr.dt 77LO damdurg 17750 Berlii 776 0 Frankl.o V! 769 NO München �769 0 Wien l 774 SO 2 heiter 4 wolkenl Zwollenl 3 betlcr 4 bedeckt 1 bedeckt -t-. Z* l»| fe; »§ c H Bf Haparanda 764 92© Petersburg 767 W Scrllh 76 l O flberveeu 1772 SO PnrrS 763 ONO 2 wolkenl 2 bedeckt 4 Nebel 3 bedeckt 2 wollen! >-r« S *1 4 13 ■5! «Settervrognoie tut Mittwoch, den 18. Oktober 1911. Trocken und vorwiegend heiter, nachts leichter Frost, auch am Tag! kühl bei Irischen östlichen Winden. verllner Wetterbureaa. Todes-Anzeigen i3 ............................. Nach kurzem schweren Leide» verschied am Montag, den>6. d MIs., nachmittags 31/. Uhr, mein inniggeliebter Mann. Vater, Gr osi, oaier. Bruder und Schwager, dei! Tischler 113öb' Gustav Schäfer. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Friedhojs der Frei- religiöicn Gemeinde aus statt. SoziaMeinokratiscberWalilyereiD des 6. Bert. Beiebstags-Wahlkreises. Todex- Anzeige. Am 16. Oktober verstarb.unser Genosse.der Tischler Gustav Schäfer Fürftenberger« kratze 13, Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung finde» am Donnerstag, den»9. Oktober, nachmittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allce, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ADsi» Vorstand. SozialdemoMch.WalilverEiD Kreis Hieöep-Barnini Bezirk Reinickendorf-Ost Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosse, der Schuhmacher 239/2 Xlbei-t Kuske verstorben ist. Ehre seinem Andenke»; Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18 Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Gemcinde-Friedhoscs in der Humboldtslratze aus statt. Um rege BeteUlgung ersucht Di« Bezirksleitung d. Wahlvereins. Oeutscbei Metallarbeiter-Verband Verwaltungsslelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, datz unier Mitglied, der Rohrleger Karl Gregor am 15. b. MtS. an Magenleiden gestorben ist. 124/13 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 19. Oktober. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Auserstehungs- Kirchhofes in Weitzcnsee aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Mechaniker Heinrich Hindemith am 14. d. Mis. durch linsall. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Oktober, nach- mittags 2'l, Uhr, von der Leichenhalle deS PbilippuS.Apostcl- Kirchdose», Müllcrstratze 44/45. aus statt. Ehre ihrem Andenken:' Rege Beteiligung erwartet Die Orisverwalkuna. Verband der Lemeinde- u.| Staatsarbeiter. Filiale CiroU-Bcriln. Durch den Tod ist un» unfer Mitkämpfer, der Kollege Wilhelm Werner Sektion VII lSchtachthof) entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Mittwoch, den>3. Oktober, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle der Auscrstevungsgcmcmdc in Weitzcnsee, Lichtcnbcrgerslr.>10. aus statt. 3t/ll Die OrtSverwaltung. Veiiiami der Lithoppiieii. Sleisdrueker u. verw. Berufe. (Deatschei Senefelder-Band.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lithograph krita Kolbe Wühlischstr. 23 am 15. Oktober im Alter von 23 Jahren an Herzschlag gestorben ist. 297/9 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 13. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Rummelsburg, Wühlischstraxe 23, auS statt. Die Verwaltung der Filiale III. Deutscher Buchbinder'Verband. Zahlstelle Berlin. Am Sonntag, den l5. Oktober. verstarb unser Kollege, der Präger Osluir Itemke Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Oktober. nachmittags 3 Uhr, aus dem Bartbolomäus-Kirchhos, Weitzen- see, Falkenbergerslratze statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 25/17 Die Ortsverwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Am Sonntag, den IS. Oktober, ist unser Mstgllcd (ieorx Ktettke verstorben. Ehre seinem Andenke«: Die Bcerkflgung findet am Miitwoch, den 18. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Wcitzcnsecr Gcmcinde-Fried- hoscs, Rölleslratze, aus statt. 64/7 Die Ortsverwaltung. Verband der Itranerei- nnd ülUhlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedeim zur Nachricht, datz am 12. d. MIS. der Flaschen- leller-Arbctter, Kollege tlulms Bohne kSchlotzbraucrei Schöneberg) nach schweremLciden verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung sindet am Domicrslag, den 19. d. M. nach- mittags 4'/. Uhr. von der Leichen- Holle des Schönebcrgcr Gemeinde- Friedhoses, Blanke Hölle, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 44/15 Die Ortsverwaltung. Verband der Buch- und Zteindruekerei-HilWeiler u. Deutsebiauds. - Ortsvcrwallung Berlin- Am Sonnabend, den 14 Oktober, starb nach kurzem Krankenlager unser Kollege Hichard Urban im Alter von 20 Jahren. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung sindel heute Mittwoch, den>8. Ollober,»ach. mittags 3'/, Uhr. aus dem Im- manucl- Fricdhos in Weitzensee, Faikenbcrgcr Cdaussee. stati. 28/7 nie nrlsverwallung. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes und gute» Vaters, dcS Buchbinder» BernKarti Ehrt sage ich allen Tcitnchmern. dem Wahl» verein Bezirk Pankow, sow e dem Ge- sangverciii Liberia sür die zahlreichen Kranzspmden meinen herzlichen Dank. iDargarete Ehrt nebst Tochter. Oanksagang. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres Vater» sagen wir hier- mit allen Beteiligten unseren herz- lichften Dank. Wwe. Marie Siering 2862 nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, lagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Männergesangverein Ripdorf, dem Wahiverein Rixdors, den Kollegen der Firmen Ludwig Löwe und Buhle, unseren innigsten Dank. Witwe Berta JnnKbans nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaierS, sagen allen Freunden und Bekannten, insbewndere dem Wahlvercin Rixdorf, dem Verband der freien Gastwirte, dem Sparverein Vergitzmeinntcht so- wie dem Männergesangvercin Rixdors unseren innigsten Dank. Witwe /Hartha Granl nebst Kindern. |__________ BH I. Gesch.; BerlinW., Mahren- 1 Straße 37a(2. Haus von der| Jerusalemer StraSe). II. Gesch.; Berlin NO., GroBe| Frankkurt. Str. 1 1S(2. Haus| von der AndreasstraOe). Selirg/r. Ausw.fert. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schieler| etc. v. einfachsten bis zum I hochelegant Genrez.äußerst{ niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: IHaliaarcrtlgung in 10 bis 12 Stunden. 4 H S 3 Z ß 5 a 1 c i 2 6 WESTMANN M. Mobreastruae 37■(nahe Jcrm-alcmer Strasse). Oroase frankfurter Strasse HS(nahe Andreass(raase) fUr IS-. SS.—. 30._,-4S.-. OO- dle elegantesten Flausch-Mäntel foras.-. 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Verbandsangelegenheiten. lso/s» Segen der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir vollzählige» Erscheinen der Kollegen. Mitgliedsbuch legitimiert!_ Die OrtaYcrwnltnng. Deutseher Kürschner-Verband. - Filiale Berlin.—— Bureau und Arbeitsnachweis: NO. 43, Weinstr. 8.— Fernsprecher Amt VII, Nr. 8789. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die heutige General-Versammlung in den Prachtsälen Alt-Berlin, Blnmenstr. Iv, abds. 8 Uhr, und nicht in den Mufitcrsäle» stattfindet. TageS-Ordnung: . 1. Abrechnung»am HL Quartal 1911. 2.„Die kulturgeschichtliche uub die gegen- Württge Rolle des Freimanrertums." 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Stutritt. V>> 102, is Zahlreichen Besuch erwartet Tie Ortsverwaltung. Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8'/, Uhr: vettsauenzmänner- Versammlung löt sSmtilche Kesochen unck Bczirbc in den MKaBk«rdla t'estoklen", ZlndrraSstrahe Nr. 64. TageS-Ordnung: 90/12 1. Die. neuen Beftimmunge» tu der ArdeitSvermitteluog. 2. NrrbandZangelegenheileu._ jy Mitgliedsbuch uns VerttZuenSmännerkarie legitimiert. �WW » Telephon i Amt IV 6737. Tebasttanftr. S7/S6. Der Bortrag am Donnerstag, den IS. Oktober, im Gewerkschaftshause findet infolge Erkrankung des Genossen Borcharbt Nicht statt. 104/7_ Die Ortoverwaltnng. Zweig/verein Berlin. am Konsumba« in Lichtenberg arbeitenden Maurer, Hilfsarbeiter, Einschaler u.Zcuientierer werden hierdurch zu einer Besprechung heute am Mittwoch, den 18. Oktober, nachmittags 3'/, Uhr, nach dem Baal 1 des Gewerkschaftshanses, Engelufer 1». ringelnden.— Da es sich»m eine sehr wichtige Angelegenheit handelt» ersuchen wir die Kollegen, pünktlich»u erscheine«. IH« Zweieverelniileitnng. 15 Gm Snlill Ml Sie ötieskl M Senilis Denn es WM BetgoOsen,(einen NM sttliale Berlin II», Reu»«önigftr. 6. Am Donuerstag. den lv. Oktober, abend» 8'/, Uhr, bei Schulz, Königsgraben: Öffentliche Versammlung lllltt in der KriiwlitttilbrllNlhe btschäftigten Arbrtttrinntll ü«d Arbeiter, gan; besonders heimarbtiterillskn. x«g»»»Ordnung: t. vortrug,«Der wirtichuftlich» Kampf,«dt«»erbessera Wir uuscre Lage f* 2. Dlskusfion. 3. Verschiedenes. S» ist notwendig, dah«In jeder, der Jnterefi« an unserer jetztgen Teuerung hat, auch in dieser Beriammiung erscheint 252/14 Dt» BerdandSlettnng der Krawatteu-Settt»». ltessellliieke Verssmmluvg «m Freitag, den SS. Oktober 1S11, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshanse, Saal 5: 1. Vortrag; Dr. med. Edwin Bab: Heilkuoile und ilkoboL 2. Diskussion. «ein«»»schaut.- Eintritt 16 Pf. 1131» Der Einberuser, 31. Boldt, Rixdors, Steinmetzstr. 7». V ortragszy klus. BeatseherBand»rMuUerschaiz,OrlsgruppeBerIin nSexualprobieme ubserer Zeit". Referent: Dr. med. Magnus Hirschfeld. affin» Doppelstunden««!t» Oktober. 1.» 16.» S6. Novemder, abends S Uh», in der Vula der S. Realschule, Steglitzer Str. Sa. Th emen! Zweck«nd Beben tnng»es Liebeslebens.- Die Gesetze da» «„»«ehnng.— Pse Lehre der Verdrängung and Gnblimiern«, de« Geschlechtstriebes.— Dir Frage der sexuellen Abstinenz.- Di« sexuelle Auslese und dir Eugenik.- Wen und wann soll man heiraten?- Fortpstanzung, lirzenguu». Elternzeugung.- Frucht- darkeit«nd Unsruchtbarkrit. ianisuius>.- Tie«tchtigste« seelischen Trrnalk.sden. Dir wichtigsten körperlichen Srxualletdru /ihre Ursachen und Folgen. Wesen. Verhütung und Belümpsung). Hörrrkarten zu S M sür den ganzen ZdNus sür die Mitglieder der freien Gewerk!ch.chen bei Herrn Paul Hm-soh, Sngeluser 15,___ 297/10 Orts-Krankenkasse Meitze,» see. Bekanntmachung. ?Im l. Oktober cr. Ist die Gahlzeit sämtlicher Vertreter abgetauje» und sind daher Neuwahle» erjorderlich, ES sind zu wählen: 194 ArbeiiNehmervertret« 65 Ersatzmänner(Arbeitnehmer) 87 Arbeitgeberoertreter 29 Ersatzmänner(Arbeitgeber). Die Wahlen finden 279/10 am Donnerstag, den 86. Ct> tober er., von 5 bis 10 Uhr abends, im Rcstaurani»Prä- taten«, hier, Lehderstratze 122 statt und zwar wählen die Arbeitnehmer von 6 bt» 8 Uhr abendS, die Arbettgeber von S dtS 10 Uhr abendS. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder und Arbeitgeber, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehren« rechte find. Die Arbeitnebmex haben da» Mit- gliedSbuch bei der Wahl vorzulegen. Die Arbeitgeber ivolleu sich mit einem Ausweis ve> sehen. «ellmee, den 16. Oktober 1911. Der Borstand der OrtS-Kraukenkaffe für den Gemeiudebezirk Weißeusee. Fuhrmann, Vorsitzender. Orts-Krankeukaffd Koheiislköchaliskli. Infolge eingelegten Protestes der Arbeitgeber: Herren A, Brahn, H. Preutz und Fr, Telchk«, find die am 31, Oktober 1910 leiten» der Arbeit. geber vollzogenen Delegiertenwahlen durch die AussichtSbehörde sür uu« gültig«rklärl worden, Zur anderwciten Wahl von 40 De« legierten ist Termin aus Moutag, dkll 39. Gktobtt INI. nachm. vov 6-7 Uhr, anberaumt worden, zu welchem die Herren Arbeitgeber hiermtt ergebenst eingeladen werden, Die Wahl findel Im Jahnschen Restaurant, Oranlestrabe 1, hierseldft statt. Bezüglich der Wahl selbst verweisen wir aus die§§ 51 und 61a und des 4. Nachtrages unserer Kassensatzungeu. Legitimation Ist ersorderlich. Hohenschönhausen, 16. Oltober 1911. I>er Vorstund. Arthur Schäfer. Vorsitzender. Max Quast, Schristsührer. Zwecks Vorbesvrechung bezw. Auf. stellung von Kandidaten findel am Moutag, de» LS. Oktober 1S11, abends 7'/, Uhr. eine Vsnssmminng im Jahnschen Restaurant, Oranke« stratze 1. statt. 279/9 Die Herren Arbeitgeber werden um vollzählige» Erscheinen dringend gebeten, Kreb».«Sitte. vi». Simntel Spezial-Arzi für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2. S— 7. Sonntags 10—12. 2—4. Flauscb- Stoffe, angewebten Futter, f, Herren- und Damcn-Ulster, Mir, 4,50, 5,50 VI. Dnchlager Koch d Seeland, G m bH. 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