Nr. 346* flbonncmentS'Bedingungen: WonnemenIK. Preis tjränumctania s «ierteljährl. 330 SKf., monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pig, frei ins Hau». Einjelne Slunimer 6 Pfg. Sonntags» nummer mit illuilricrler SomttagS- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, PostabonnementS nehmen an: Belgien, Däneniarl, Holland, Italien. Luxcuiburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, erfödut IszIIch außer montasi. 38. Jahrg. VIe TnferHonS'Gcbflbr Beträgt für die lechSgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 00 Psg„ für Volitische und gewcrlschaftliche BereinS- und VersanlinIllngs.Anzetgcn 30 Pfg, „Kleine Bnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, fzuISssig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- >eigcn daS erste Wort 10 Pjg„ jedes wettere Wort B Pfg, Worte über 15 Buch- fiden zählen für zwei Worte, Inserate r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition �gegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 Uhr abendS geöffnet, Berliner Volksdlnkk* Zentralorgan der lozialdemokrati feben partei Deutfcblands. »elegramm• Adresse: ,S«ilaiacnitltrat Rerllo" Redaktion: SA. 68. Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Schiffahttsabgaben. Die Kommission, die den Entwurf eines Gesetzes über den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die Erhebung von Schiffahrtsabgabcn beriet, vollendete vor einigen Tagen ihre Arbeiten. Der konservative Vorsitzende, der Abgeordnete W,i n k l e r, hatte schon eine Woche vor dem Zusanimentritt des Reichstags für nötig gehalten, die Kommission zusammen zubenifen. In seinem Bestreben, die Erledigung der Vorlage zu beschleunigen, wurde er unterstützt durch den Zentrums� abgeordneten Am Zehnhoff, den vom Ministerial direktor Peters beratenen Berichterstatter. In einer Zeit unerhörter Teuerung kennen diese Herren keine dringlichere parlamentarische Aufgabe, als die überstürzte Annahme eines Gesetzes, das eine Er schwerung des Verkehrs und somit eine Erhöhung der Lebensmittelpreise herbeiführt. Der Abschluß dieser agrarischen Aktion reiht sich würdig dem Anfang an. Die Junker jammerten schon seit Jahren darüber, daß auf dem Rhein ausländisches Getreide zu billigen Frachten ins Land geführt werde. Gleichzeitig empfand der preußische Eisenbahnfiskus die billige Konkurrenz der Wassertransporte als störend. Bureaukratie und Großgrundbesitz arbeiteten, wie immer, in einer Richtung, und so entstand der§ 19 des preußischen Kanal- gesetzes, der die Erhebung von Schiffahrtsabgaben vorsah. Die Bestimmung war eine offenbare grobe Ver- l c tz u n g von§ 54 der Reichsverfassung, die auf den natürlichen Wasserstraßen Abgabenfreiheit fest- setzte. Einzelne süddeutschen Bundesstaaten und die bedrohten Handelsinteressenten protestierten gegen diesen R e ch t s b r u ch. Die preußische Regierung versuchte zunächst, durch verzweifelte Künste der Interpretation den Sinn des Artikels 54 in das Gegenteil umzudeuten. Als dies mißlang, wurde ein Gutachten des Reichsjustizamts über diese künstlich geschaffene„Streitfrage" eingefordert. Es fiel zuungunsten Preußens aus. Es•bestätigte,* daß das Kanalgesetz in seinem§ 19 in unlöslichem Widerspruch zur Reichsverfassung steht. Nach dieser Blamage mußte sich die preußische Regierung dazu ver- stehen, eine Aenderung der Reichsverfassung zu beantragen. Um die nötige Mehrheit im Bundesrat zu erreichen, wurden die alt- bewährten Mittel der Korruption angewandt. Den süd- deutschen Bundesstaaten. die als Oberlieger der Ströme natürliche Gegner der Abgaben waren, wurde Geld für ihre Zustimmung angeboten. Den Bayern wurde ein Zuschuß zur Kanalisierung des Mains zivischen Aschaffenburg und Offenbacb. den Württembergern ein Beitrag für die Regu- licrung des Neckars von Heilbronn bis zur Rheinniündung versprochen. Und zuletzt gelang es auch noch. Baden und Sachsen, die am längsten widerstanden, zu gewinnen durch die Zusage, zur Herstellung von größeren Fahrwassertiefen im Rhein und in der Elbe Mittel zu gewähren. So kommt es, daß diese verkehrsfeindliche Vorlage not- gedrungen in einzelnen Paragraphen wirtschaftliche Vorteile bringt. Durch den Artikel I wird die Abgabenfreiheit, die bisher in der Reichsverfassung garantiert war. beseitigt. Es dürfen künftig auf allen natürlichen Wasserstraßen Abgaben erhoben werden, allerdings nur für solche Werke und Einrichtungen. die zur Erleichterung des Verkehrs bestimmt sind.' Die Ent- fernung der reichsgesctzlichen Schranke kann besonders für einen Teil Preußens eine bedenkliche Folge haben. Bei den deutschen Hauptströmen ist durch die Annahme der Vorlage die Erhebung von Befahrungsabgaben noch nicht gc- sichert. Nach der Rheinschiffahrtsakte kann nur mit Zustimmung der Niederlande die Freiheit der Schiffahrt aus dem Rhein beseitigt werden und der E l b s ch i f f a h r t s- vertrag gibt LUsterreich das Recht, die Erhebung von Abgaben auf der Elbe zu verbieten. Es können vielleicht Jahre vergehen, bis die genannten Aus- landsftaaten sich zur Höhe unserer neuen Verkehrspolitik auf- schwingen und ihre Zustimmung zur Wiedereinführung der alten Stromzölle erteilen. Inzwischen aber kann Preußen auf seinen eigenen Flüssen, auf der Ems. der Oder, der Memel, der Weichsel usw. ungehindert Befahrungsabgaben einfordern. Eine Schutz bcstim- m n n g. die diese verschiedene Behandlung der Stromgebiete verhindern wollte, ivurde von der Kommission in der zweiten Lesung wieder gestrichen. In Artikel II des Entwurfes wird die Erhebung und Verteilung der Abgaben geregelt. Für den Rhein, die Elbe und die Weser werden Strom bau verbände geschaffen, in deren Kassen die Befahrungsabgaben fließen. Mitglieder dieser Verbände sind die beteiligten Bundesstaaten, also für den Rhein verband Preußen. Bayern. Württemberg, Baden. Hessen und Elsaß-Lothringen. für den Weser- verband Preußen, Oldenburg. Brauuschweig Lippe und Bremen, für den Elbeverband Preußen, Sachsen. Mecklenburg-Schwerin, Anhalt und Hamburg. Aus den Einnahmen werden zunächst die Verivaltungs- und Erhebnngs- kosten bestritten, dann sollen die Abgaben zur Herstellung und Unterhaltung der in dem Gesetz benannten Anstalten ver- i Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. wendet werden. Die wichtigsten sind die Herstellung eine Fahrwassertiefe von zwei Metern zwischen Straßburg und Sonderheim und von 2,50 Metern zwischen Mann- heim und St. Goar, ebenso von 2,50 Metern zwischen Aschaffenburg und Offenbach auf dem Main und von 2,20 Metern auf dem Neckar von Heilbronn bis Mannheim. Auf der Elbe soll eine Fahrwassertiefe von 1,10 Meter ober- halb und mindestens 1,25 Meter unterhalb der Saalemündung erreicht werden, auch sollen Mittel zum Ausbau der Saale von der Einmündung des geplanten Verbindungskanals mit Leipzig bis Halle und zur Verbesserung des Fahrwassers von Halle bis zur Elbmündung gewährt werden. Dagegen hat bezeichnenderweise die Kommission ihren früheren Beschluß wieder aufgehoben, der auch zur K a n a l i s i e r u n g der Lahn, der Mosel und der Saar Mittel bereit stellen wollte. Der preußische Eisenbahnminister hatte sich leiden- fchastlich gegen diesen Plan gewendet. Weil die rheinifch-west- fälischen Großindustriellen befürchten, die lothringische Industrie könne ihnen einen gefährlichen Wettbewerb machen, wird dieser Verkehrsfortschritt gehindert. Niemand kann bestreiten, daß eine Wasserstraße zwischen den gewaltigen Erzlagern in Lothringen, Luxemburg und Frankreich und dem größten deutschen Kohlenbecken in Westfalen für die Ent Wickelung unserer Eisenindustrie eine Lebensfrage ist. Aber der Widerspruch der westdeutschen Scharfmacher, die sich mit den ostdeutschen Grundbesitzern in die Herrschaft Deutschlands teilen, genügt, um die Ausführung zu hemmen. Uebrigens hatte sich Deutschland durch Artikel 14 des Frankfurter Friedensvertrages vom 10. Mai 1871 verpflichtet, dieses Kulturwerk zu vollbringen. Es heißt dort:„Jeder der vertragschließenden Teile wird auf seinem Gebiete die zur Kanalisierung der Mosel unternommenen Arbeiten fort- führen." Jetzt besitzt Elsaß-Lothringen und das Saargebiet zwar eine Kanalverbindung mit Frank- reich, nicht aber mit dem Rhein und Deutschland. So sieht die„nationale Politik" Preußens auS. Die Angelegenheiten der Verbände werden durch Aus- s ch ü s s e verwaltet, die aus den Vertretern der beteiligten Staaten zusammengesetzt sind. Den Vorsitz führt Preußen. Daneben werden Strombeiräte gebildet, die von den Vertretungen des Handels, der Industrie und der Landwirt- schaft zu wählen sind. Ihre Mitgliederzahl wurde von der Komniission verdoppelt, auf 92 für den Rheinverband, auf 56 für den Elbverband, Sie verhandeln und beschließen in öffentlicher Sitzung, eine erfreuliche Verbesserung gegen den Entwurf. Allerdings darf der Einfluß dieser Schiffahrtsparlamente nicht zu hoch eingeschätzt werden. In den meisten Fragen haben sie nur beratende Stimme. Sie dürfen beschließend mitwirken, wenn die Mittel der Verbände für solche Anstalten verwendet werden sollen, die im Gesetz nicht aufgezählt sind, ferner wenn die Einheitssätze des Gütertarifs überschritten oder Güter in eine höhere(teuerere) Klasse versetzt werden sollen. Die Abgaben werden in fünf Tarifklassen mit tonnen- kilometrischen Einheitssätzen erhoben; sie betragen 0,02 bis 0,1 Pf. Kohlen und Erze gehören stets in die niedrigste Tarifklasse. Dagegen ist beabsichtigt, das Ge- treibe in die höchste Tarifklasse zu versetzen. Personenverkehr, Reisegepäck und Flößerei sind abgaben- frei geblieben. Aber die schönen Versprechungen, den Schiffermittel st and zu schonen, wurden nicht gehalten. Der sozialdemokratische Antrag, auf dem Rheinstromgebiet Fahrzeuge bis zu 1000 Tonnen Tragfähigkeit, aus den übrigen Flüssen solche bis zu 600 Tonnen nicht zu Befahrungsabgaben heranzuziehen, wurde von den bürgerlichen Mittel- standsrettern abgelehnt. Jetzt sollen Güter in Schiffen mit eigner Triebkraft bis zu einer Tragfähigkeit von 50 Tonnen(l) sreiblciben. Schiffe ohne eigene Triebkraft bleiben auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen frei bis zu 200 Tonnen Tragfähigkeit, auf der Weser und Elbe bis zu 150 Tonnen, auf den übrigen Verbandsflüssen bis zu 100 Tonnen. Die Bestimmung kommt überwiegend den holländischen und belgischen Schiffsbesitzern zustatten, da bei ihnen verhältnismäßig wenige große Rhein- schiffe im Betrieb sind. Es wiederholt sich das aus der Zeit der Finanzreform bekannte Schauspiel, daß wir den Mittel- stand gegen seine großkapitalistischen Freunde schützen müssen. Die Entscheidung steht nahe bevor. Voraussichtlich wird sich der Reichstag in der letzten Oktoberivoche mit der zweiten Lesung befassen müssen. Die Sozialdemokratie wird die einzige Partei sein, die geschlossen gegen den drohenden Angriff auf die Verkehrs- freihcitihreAbwehrpslichttut. Sie chinesische llevolutioa. lieber das Gefecht in Hankau liegen zuverlässige Nach- richten nicht vor. Jedenfalls kann von einem entscheidenden Sieg der Negierung nicht die Rede sein. Im übrigen Reich greift die Unzufriedenheit immer weiter um sich und eine leb- hafte Agitation macht für deiijSturz der Dynastie Propaganda.?) u a n s ch i k a i, der Führer der gemäßigten Libe- raten, auf den die Regierung alle Hoffnungen setzt, scheint sich jetzt nach langem Zögern entschlossen- zu haben, das Ober- konimando über die kaiserlichen Truppen zu übernehmen. Keine telegraphische Verbindung. Peking, 19. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt, daß seit gestern abend 6 Uhr keine telegraphifche Verbiu- dungmitHankau besteht. Die Ursache dieser Störung ist unbekannt. Die wildesten Gerüchte gehen um. Offiziell wird nichts darüber gemeldet, daß die Regierung gestern e i n e n S i e g errungen hat. Man glaubt allgemein, daß die Lage sich nicht wesentlich gebessert hat. Die Zahl der kaiserlichen Truppen wird auf 21 000 Mann ge- schätzt. 70 Geschütze sind nach Hankau abgesandt« Das Gefecht bei Hankau. Hankau, 19. Oktober. Die Verstärkung der Revolu- t i 0 n ä r e wurden beim Ueberschreiten des Flusses etwas in U n» 0 r d n u n g gebracht. Die Leute zeigen meist eine gute Hai- tun g, beklagen sich aber über ihre Führer. Ein Eisenbahnzug Regierungstruppen ist heute früh angekommen. Es wird behauptet, daß Lihuantscheng die Rcgierungstruppen zum Abfall aufgefordert habe, aber ohne Erfolg. Das plan- lose Schießen unmittelbar hinter Hankau setzte sich bis zum Nachmittag fort. Angeblich sind 209 b i s 399 Revolutionäre getötet worden, während die Negierungstruppen geringere Ver- luste erlitten haben sollen. Während des Gefechts wurde die Eisenbahn st ation von Hankau in stetem Wechsel bald von den Aufständischen und bald von den Regierungstruppen besetzt. Die offizielle Darstellung. Peking, 19. Oktgber. Das offizielle Regierung S- b l a t t kündigt an, daß die Aufständischen in Hankau gestern nach einem Gefecht, das den ganzen Tag über gedauert hat, ge- schlagen worden sind. Fünf mit Truppen aus dem Norden besetzte Eisenbahnzüge sind in Hankau eingetroffen. Kaiserliche Edikte befehlen, daß die Anführer der Auf- ständischen streng bc straft werden sollen, fordern die Miß- leiteten und diejenigen, die sich dem Aufstande nur gezwungen an- geschlossen haben, auf, zur Botmäßigkeit zurückzukehren, und warneu die Bevölkerung wie die Soldaten, an dem Aufstande teilzunehmen. Alle See- und Landstreitkräfte im Dangtsegebiet werden I u a n s ch i- k a i unterstellt. Die Auflösung der alten sogenannten Truppen des Grünen Banners soll vorläufig noch unter- bleiben. Mobilisierung in der Mandschurei. Mulden, 19. Oktober. Der Truppen sind auf Kriegsfuß gesetzt worden. Die Absendung der ersten Division ist fast be- endet. Neue Truppenteile werden durch Mandschuren ergänzt, Die Chunchusen für die Revolution. Kwang-tschöng-tsze jMandschurei), 19. Oktober. Die Revo- l u t i 0 n rief an der hiesigen chinesischen Börse eine Panik hervor; die Noten der Privatbanken fallen alle zwei bis drei Stunden. Die Bevölkerung ist erregt. Die Polizei riß Maueranschläge ab, die zum Aufstand aufriefen. Aus japani- schen Quellen wird gemeldet, daß die Führer der C h u n ch u s e n in der Mandschurei den Revolutionären zugesagt hätten, die RevolutioninderMandschureizuorganissiereg, Der Krieg. Trotz des großen Geschreis der italienischen Presse, rückt die Tripolisaktion nur langsani vom Fleck. Die kleinen Schar- mützel in der Nähe von Tripolis sind ohne Bedeutung und der Marsch der italienischen Truppen in's Innere hat noch nicht begonnen. Ebensowenig läßt sich zur Stunde etwas Sicheres über Stärke und Kampfbereitschaft der türkischen Truppen im Innern und ihrer freiwilligen Hilfstruppcn sagen. Die italienische Regierung scheint immerhin mit einem be- deutendcren Widerstände zu rechnen und der Gedanke liegt da nahe, von der Türkei durch Angriffe auf ihre H a f e n p l ä tz e den Verzicht auf Tripolitanien zu erzwingen, den man sonst nur durch langivierige, in ihrem Erfolg zudem zlveifelhafte Operationen im Innern erlangen könnte. Auch die Gefahren des wirtschaftlichen Krieges drängen Italien immer wieder zu einer Ausdehnung des Kriegsschauplatzes. Damit verstößt aber Italien gegen die Interessen der anderen Mächte, namentlich Oester- r e i ch- U n g a r n s, das jetzt wiederum in Rom Vorstellungen erhoben und die italienische Regierung ersucht haben soll, Flottcndcmonstrationen an der europäischen Küste zu unter- lassen, da dadurch österreichische Interessen auf dem Balkan empfindlich berührt»vürden. Diese Vorstellungen erfolgten, Iveil die italienische Regierung, wie bereits gemeldet, die Ab- ficht hat, den Kriegsschauplatz auf die Inseln und Küsten des Aegäischen Meeres auszudehnen. In diesem Zusammenhang ist eine Auslassung des„Pester Lloyd" beachtenswert, der oft dem österreichischen Auswärtigen Amt zum Sprachrohr dient. Das Blatt gibt folgende Kennzeichnung der Lage: Auf dem Balkan bestehen friedensgefährliche Tendenzen, diese werden jedoch durch die von den Groß- mächten beeinflußten Balkanregicrungen eingedämmt, so daß vorläufig kein Grund zur Schwarzseherci besteht; die Lage könnte sich jedoch v e r s ch t i m m e r n, wenn der italienisch- türkische Konflikt länger dauern oder sich räumlich ausdehnen würde; eS könnten hieraus Folgen entstehen, die für die Ruhe Europas bedrohlich sein würden. Es charakterisiert die Ohnmacht der europäischen Diplomatie, daß sie diesen Gefahren untätig zusieht, obivohl sie deren Größe kennt. Türkische Angriffe. Konstantiiiopel, 19. Oktober. Der tripolitanische Korrespondent des„Jkdam" telegraphiert über Dehibat a» der tunesischen Grenze, daß die türkischen Truppen drei?lngriffe gegen die Italiener unternommen hätten, wobei die Italiener zahl- reiche, die Türken aber nur zwei Tote gehabt hatten. Die Disziplin der Truppen wie der Stämme sei vorzüglich. Sabah erführt, daß der Militärattache in Berlin E n v e r- B e i in Tripolis eingetroffen ist und sich den Truppen, die unter dem Kommando des Pariser Militärattaches Fethi-Bei stehen, angeschlossen hat.-*. Der hiesige Vertreter AeghptenS meldete dem Groß- wesir, daß in einer Volksversammlung in Aegypten 20 000 Pfund Sterling für die Fortsetzung des Krieges gegen Italien gezeichnet worden seien. Keine Landung in Derua. Konstantiiiopel, 19. Oktober. Nach einer Mitteilung des Kriegs Ministeriums ist es den Italienern, trotzdem sie D e r n a und B e n g h a s i beschaffen hätten, nicht gelnugen, dort zu landen. DaS italienische Archipelgeschwader, dessen Basis der Hafen von Tobruk ist, soll in der Nähe von Nhodns kreuzen. Die j n n g t ü r k i s ch e P a r t e i hat in ihrer gestrigen Abend sitzung beschlossen, dem Kabinett unter der Bedingung, daß den, Wunsche der Nation entsprechend der W i d e r st a n d gegen Italien fortgesetzt wird, ein V e r t r a u e n s v o t u m zu er- teilen. Die Partei hat eine Koinmission gewählt, die versuchen soll, ein Einvernehmen niit der Opposition herzustellen. Türkische Beute. Konstantiiiopel, 18. Oktober. Wie verlautet, haben die türki- schen Behörden im Archipel ein italienisches Segel- schiff mit einer Ladung von Explosivstoffen und zwei Fischer- boote beschlagnahmt. Die klerikale Kriegöhehe. Rom, 13. Oktober. Wie die Blätter melden, hielt Kardinal V i n c e n t V a n n u t e l l i bei der Hochzeitsfeier der Prinzessin OdeScalchi mit dem Margiiis Patrizi eine Rede, in der er auf daS llnternehmen Italiens in Tripolis hinwies und an die rühm- reichen Kämpfe gegen die Türken erinnerte, die durch die Initiative des Papstes Jnnocenz XI. o»Z dem Hause OdeScalchi geführt ivurden. Italien vollbringe ein Werk der Zivilisation. indem eS in Tripolis den Halbmond durch daS Kreuz ersetze. Er erinnerte ferner an den Sieg der Christen bei Lepanto, der ebenfalls im Oktober errungen wurde, und schloß mit dem Wunsche, Italien möge die Mission der Zivilisation, die es mit der Besetzung von Tripolis unternommen, glücklich zu Ende führen.„Giornale d'Jialia' schreibt hierzu: Diese Rede, in der zum ersten Male ein Kurien- kardinal sich vollkommen ans den patriotischen Standpunkt stellte, machte auf die Zuhörer großen Eindruck. ltiischnldtge Opfer des Krieges. Belgrad, 13. Oktober.'(Privattelegramm des„Vorwärts"). Die .aus der Türkei ausgewiesenen, italienischen Arbeiter, werden ans der; Grenze Serbiens in Nistoione und Wrrnija, da sie ohne Fahrkarten sind und ohne Geld um die Karten kaufcn zu können, aus den Zügen herausgeworfen. Sie befinden sich in der traurigsten Lage. Ganze Familien schlafen sisi Freien' in der Kälte und Nässe, und betteln bei Grenzbewohnern um nicht zu verhungern. Die. Ivö.ch entliche Normalernährung einer Familie von, fünf Köpfen kostete, wenn als NahrugSaufwand 3�2 Marinesoldatenrationen zugrunde gelegt werden: Zahr Mark mehr als 1000 Proz. •— 5,9 10,9 20,1 36 7 die alte Tatsache, Der lirbelterhsushslt und die Teuerung. Wie der deutsche Arbeiter heute in Wirklichkeit lebt, was er ißt, wieviel er für Nahrung und Kleidung, für Wohnung und Heizung ausgibt, das ist heute beinahe noch ein Geheimnis. Nur geringe Ansänge einer wirklichen Volksstatistik-sind vorlsanden. l'.nd diese— es fei fiietf im besonderen auf die 900 Familien um- fassende Erhebung über die Wirtschaftsrechnungen minderbeinittel- tcr Familien hingewiesen, die vom NeichSamt des Innern durch- geführt wurde— zeigen nicht, um wieviel der LebenSmittclanfwand des Proletariers innerhalb der letztvergangenen Jahre und ins- besondere in den jüngsten Monaten teurer geworden ist, um wie- viel er sich verschlechtert hat. Gehen wir einmal an die Frage:„Wie lebt heute der Ar- beiter?" auf die Art heran, daß wir feststellen, was er essen müßte. um als normal ernährt zu gelten, und welche tatsächlichen AuS- gaben damit verbunden sind.' Wenn die wöchentliche NahrungSmittelration des deutschen Marinesoldaten als Normalaufwand zur Ernährung eines er- ivachsenen Menschen angesehen wird, so kann sicher nicht behauptet werden, der Arbeiter bekomme mehr zugebilligt, als ihm eigentlich „gebühre". In den Speiserolle» der deutschen Kriegsmarine wird nun als Nahr u ngSm i t tc lau fwa nd in heimischen Häfen pro Wpche und Kopf angegeben: 800 Gramm Nindsieisch,.. 750„ Schweinefleisch, „ Hammelfleisch. 150{RciS, 300„ Bohnen, :?00„ Weizenmehl, 200„ Backpflaumen, 8 000 Gramm Kartoffeli,, 340„ Zucker, 5 250„ Brot, 455„ Butter, 800„ Erbsen, 21 Tee 0,11 Liter Essig. Wieviel muß ein Arbeiter ausgeben, uni diese Nahrungsmittel zu erhalten? Es kommt hierbei selbstverständlich darauf an. die wirklichen Detailpreise aller Nahrungsmittel, so wie sie durch die Arbeiterfrau in den Proletaricrviertcln gezahlt werden müssen, als Unterlage zu benutzen. EintvandfreieS, auf gleicher statistischer Basis fortlaufendes Material bieten die DnrchschnittsverkaufS- preise der wichtigeren Lebensmittel bei der großen Krupp- schen Konsumanstalt in Essen, die von 1870 bis 1910 vorliegen. Ein genauer Vergleich mit den Berliner Markthallcndetailpreisen des Jahres 1910"ergibt, daß sie um rund 8 Proz. niedriger als diese sind. Der wirkliche Detailpreis, wie er in den Arbeiter- guartieren gezahlt werden muß, ist also im aligemeinen noch etwa» böher, als er bei unseren Berechnungen angenommen worden ist. Für September 1911 ist selbstverständlich auch der Markthallen- dctailpreis angenommen worden. Mittels der so zusammengestellten PrcisbasiS wurde nun er- rechnet, welch Geldaufwand die Marinesoldaten-Wochenration im Jahre 1900, 1905, 1907, 1910 und dann im September 1911 vcr- ursachte... �. Da eine Durchschnitts-Arbeiterfamilie von zwei Erwachienen und drei Kindern den normalen Verhältnissen entspricht— der Rcichsdurchschnitt ist pro Familie 4,70 Köpfe—, so muß der wöchent- liche Nahrungsmittelaufwand zweimal für die Erwachsenen und eineinhalbmal für die drei Kinder gerechnet werden. Auf diese Weise ergibt sich folgender wöchentlicher Nahrungs- mtttelaufwand: 1900... 22.20 1905... 23.51 1907... 24,64 1910... 26.66 September 191 l... 39,34 Die Zusammenstellung beweist von neuem daß wir seit der Jahrhundertwende in einer andauernden Lebens- Mittelteuerung leben, die nur zeitweilig durch schnell vorübergehende günstigere Perioden unterbrochen wird. Der Nahrungsmittelauf- wand einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie ist innerhalb des letzten Jahrzehnts u m 20,1 Proz. gcstiegenl So viel Lohnerhöhung haben jedenfalls nur wenige Arbeiter erhalten. Und von 1910 l Jahresdurchschnitt) bis zum September 1911(Monatsdurch- schnitt) also in neun Monaten, ist die Lcbcnsmittelverteue rung, resp. sind die Kosten des Normalernährungsaufwandes u m weitere 16,6 Proz. g e st i eg e n I Die Goldströme der Lebensmittelteuerung fließen unaufhörlich in die Tafeben des Eroßagrariertums und die Beutel des Handels jeder Art; die Arbeiter, die große Masse deS deutschen Volkes, müssen darben. Die schon genannte Erhebung des ReichSamtcS deS Innern stellt fest, daß der tzlahrungsmittelaufwand im Durchschnitt rund 50 Proz. der Einnähmen kostet. Nehmen wir beim Arbeiter, der für Wohnung und Kleidung, an geistigen und sonstigen Genüssen viel weniger ausgibt, 60 Proz. des GesamtverdicnstcS als Ausgabe für reine Erpiährtliig an, so hätte schon 1900 jeder Familienvater, der Frau und drei Kinder zu ernähren hatte, bei 1154,40 M. Normalnahrungömittelaufwand rund 2000 M. verdienen müssen I Wie viele gab es wohl damals, die weniger erarbeiteten und doch eine fünfköpfige Familie ernähren mußten? Sie alle lebten schon damals schlechter als der deutsche Marine soldat I Für September 1911 ist aber der normale Lebcnsmittelauf- lvand. auf ein Jahr umgerechnet, bis zu der Summe von 1577,68 Mark hinaufgcpcitscht worden. Der Familienvater müßte also heute eigentlich rund 3200 M. verdienen, wenn er so leben wollte wie der Soldat der Marineil In Wirklichkeit liegen die Tinge so, daß alle die Familien- Väter, die heute,— wenn sie das ganze Jahr über Arbeit haben I — 1500, 1200, ja noch viel weniger verdiene», mit ihrer Familie nicht mehr menschlich leben, sondern vegetieren! Und die Regierung? Sie behilft sich mit etlichen Frachtermäßi- gungen, und die Gemeinden, die Städte, sie verstehen sich höchstens zur Errichtung etlicher FischverkaufSstände und zum Ankauf einiger Tonnen!wrtoffeln.__ Politische Gebeniebt. Berlin, den 19. Oktober 1911. Reichsvereinsgesetz und Privatbeamtenverfichernng. Aus dem Reichstag. IL. Oktober. Die Debatte über die Interpellation lvegcn mißbräuchlickicr Handhabung des Vereü'Sgesetzes wurde durch Mciningcii fortgesetzt. Er war in den Dr. �Müller _________........... der unbequemen Lage, zwar die Behörden wegen der Anwendung deS Gesetzes an- greifen, aber doch dabei daS Gesetz selbst verteidigen zu müssen,' da die freisinnige Partei mitverantwortlich für daS Gesetz ist. Er zog sich dadurch aus der Klemme, daß er behauptete, das"Gesetz selbst sei unanfechtbar und klar; die Uebergriffe der Behörden seien ausschließlich auf irrtümliche Auslegungen zuriickznführen. Dann aber benutzte er die Gelegenheit, eine Wahlrede gegen daS Zentrum zu halten. Er konnte den Zcntruinsleutcn zwar manche Sünden vor- halten, mit dem eigentlichen Gegenstand der Debatte hatte das aber blitzwenig zu tun. Zur Verteidigung der Regierung war wieber Herr Delbrück angetreten. Herr v. Bethmann Hollweg. der als Staatssekretär der eigentliche Vater des Gesetzes gewesen ist und der deshalb vor allem berufen gewesen wäre, sich dar- über auszusprechen, ob die Auslegungen der Behörden denn eigentlich den Absichten der Regierung bei Abfassung deS Gesetzes entsprechen, zog es wiederum vor, dem Hause fern zu bleiben. Dieser„langgezogene Paragraph", wie ihn später der freisinnige Abg. D o v e nannte, scheint sich einzubilden. daß es seiner Amtsivürde entspricht, sich den Reichtagö- Verhandlungen möglichst zil entziehen, um den Glanz seiner Erscheinung für Hoffestlichkeiten aufzusparen. Genosse Legten trat treffend den Müllerschen Eni- schuldignngsvcrsnchen mit dem Hinweis darauf entgegen, baß die Sozialdemokratie bei Beratung des Gesetzes sowohl in der Koinmission ivic im Plenum scharf betont habe, daß die Un- klarhcitcn des Gesetzes notwendigerweise zu Mißbränchen führen müßten. Die Hauptschuld daran, daß den Miß» brauchen ans diese Weise Tür und Tor geöffnet wurde, trage allerdings die Regierung, die die Liberalen mit der Ber- sicherung, ohne die Unklarheiten und Mängel sei das Gesetz für sie unannehmbar, in die Zustimmung zu jenen Mängeln hineingeschcucht habe. Dann führte Legten durch eine eingehende kritische Er- örternng cinzclner Vorkommnisse de» Nachwels über die Ge- setzwidrigkeit deS Vorgcheüs der Behörden, insbesondere nahm er sich dabei den Erlaß des preußischen Ministers v. D a l l- w i tz vom 6. April 1910 qufs Korn, der geradezu auf eine Anleitung zu Mißbrauchen herauskomme. Schließlich vcr- langte er eine strikte Anweisung für die Behörden, daß sie daS VcrcinSgcsetz auch gegenüber den Sozialdemokraten siiln- gemäß auszuführen haben; dann aber auch, daß wirkliche vorhandene Unklarheiten und Mängel auf gesetzlichem Wege beseitigt werden. Nachdem noch Genosse Leber das ungerechtfertigte Verbot einer VercinSauffühning der..Jesus".Feslspicle in Eisenach gerügt hatte, ging die Debatte zu Ende. �...... r'""........ eines Gesetzentwurfes betreffend die wurde durch den t. m„—..... Er umschrieb in langer Rede die Begründung, die regierungsseitig dem Gesetz- entwnrf gegeben wurde und betonte. daß die Sicherstellung der Privawoamten gegen Krankheiten eine soziale Pflicht sei, der das Deutsche Reich sich nicht entziehen dürfe. Nach seinen Ausführungen vertagte sich das Haus. Die Debatte über den Gesetzentwurf wird morgen fortgehen. Ein Jubiläum des Wahlreformversprechcns. Am 20. Oktober sind eS genau drei Jahre, daß durch die Thronrede deS Königs im preußsichen Landtage die feier- liche Erklärung abgegeben wurde, daß das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine.organische Fortentwickelung" er- Die erste Lesung_ � Versicherung der Privatb c a m t e'n Staatssekretär Delbrück eingeleitet. fahren solle.„Ich erblicke darin eine der wichtigsten Auf- gaben der Gegenwart", hieß es darin wörtlich in der Thronrede. Die„umfassenden Vorarbeiten für die Wahlrcform" sollte», so wurde weiter versprochen,„von der Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden". Ueber ein Jahr währten denn auch die Vorbereitungen. Als dann aber die Vorlage herauskam, die freilich das schliinmste Zerr- bild auf jene„organische Fortentwickelung" darstellte,„welche der wirtschaftlichen Entwickelung, der Ausbreitung der Bildung und des poliiischen Verständnisses" entsprechen sollte, da zeigte sich der Geld- sackklüngel des DreiklassenparlamentS total unfähig, seinerseits ein vernünftiges Wahlrecht zu stände zu bringen. Gar zu bald stellte sich heraus, daß die Wahlreform nicht für die entrechteten Massen gemacht werden sollte, sondern gegen das Volk! Nicht verjährte Wahlrechlsschmach und empörendes Unrecht wollte man beseitigen, sondern den Rechtlosen unter der Vorspiegelung einer Wahlrcform womöglich noch empörenderes Un- recht zufügen. Und die geplante Schandreform, diese brutalste Verhöhnung der ihr Recht Fordernden, die nur ausgeheckt werde» konnte, wäre auch wirklich zustande gekommen, wenn sich nicht die Nutznießer des Gcldsackwahlrechts schließlich selbst noch gegenseitig perfid überS Ohr hätten hauen wollen. Nur diese Rauferei um daS größere Stück der Leute brachte schließlich die ganze Spott- reform zu Fall. Seitdem find abermals fünfviertel Jahre ins Land gegange nl Aber von der Lösung der einen der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart, deren Vorarbeiten doch von der Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden sollten, hat man nichts mehr gehört! Ja eS wird sogar die ungeheuerliche Behauptung aufgestellt, daß der preußische Landtag auch in den beiden ihm noch verbleibenden Sessionen sich überhaupt nicht mehr mit einer Wahlrechts- vorläge befassen solle! Wie man angesichts der Thron» rede vom 20. Oktober 1908 von„monarchischer" Seite eine solche Darstellung zu verbreiten vermag, ist uns schier un- begreiflich! In Prcußen-Deutschland darf man freilich stets auf das unglaublichste gefaßt sein, und deshalb gibt eS kein besseres Mittel, auch die versumpfte prcußisckie Wahlrefonn wieder in Fluß zu bringen, als bei den ReichStagSwahlen unserer Regierung den eindringlichsten Beweis vor der Ausbreitung der Bildung und deS politischen Verständnisses bei- zubringen! Fällt der Schlag gegen die blauschwarze Reaktion und die mit ihr verbündeten Schlotbarone so wuchtig aus, wie das vom politischen Verständnis der Massen erwartet werden muß, so wird daS sicherlich nicht ohne heilsamen Einfliiß auf die„Erstarkung staatlicher Verantwortlichkeitsgefühle" bleiben und zur Be» schleunigung der preußischen Wahlreform beitragen I Eine Stichprobe aus dem elendesten aller Wahlsysteme. Unter welch wahnwitzigem Wahlsystem bei den preußischen Landtagswahlen gewählt wird, mögen auch folgende Ziffern auS dem 5. Berliner Landtagswahlkreisc beweisen, in dem unlängst die Ersatzwahlen der ausgeschiedenen Wahlmänner stattgefunden haben. In den betreffenden Wahlbezirken verteilten sich die Wähler folgendermaßen auf die einzclnen Klassen: Eingeschriebene Wähler Wahlbeteiligung Klasse I... 311 157 , II... 1 709 837 . III... 11 755 6182 13 775 7176\ Die 7176 abgegebenen Stimmen verteilten sich wie folgt. gegnerische sozialdemokratische Stimmen 93 64 Klasse I . II . m 119 18 W 718 6164 6946 Und daS Ergebnis dieser Stimmenabgabe? Die Sozialdemokratie erhielt mit ihren annähernd 7000 Stimmen 87 Wahlmännermandate, während es der Freisinn nlit seinen 230 Stimmen ans 33 Wahlmänncr brachte 1 Ein solch himmelschreiendes Mißverhältnis muß sich ja bei einem Wahlrecht ergeben, wo. wie speziell in diesem Falle, ein Wähler zweiter Klasse sechsmal so viel Wahlrecht besitzt wie ein Wähler dritter Klasse, und wo gar die Wähler e r st e r Klasse vierzigmal so viel Wahlrecht auszuüben haben. als die in der dritten Klasse zusammengepferchten Wahlrechts- Heloten! Nieder mit diesem nichtswürdigen Wahlsystem! Nieder mit der ganzen reaktionären Gesellschaft, die dem Volle das gleiche Wahlrecht verweigert! Tie Lcbcnsmittelteuernng. Der Görlitzer Magistrat schlägt der Stadtverordneten- Versammlung folgende Maßnahmen zur Milderung der Lebensmittel- teuerung vor: t an Personen, welche mindestens ein Jahr in Görlitz wohnen und ein Einkommen bis zu 1200 M- versteuern, sollen zu möglichst billigen Preisen Seefische. Wildssettch ans den städtischen Forsten und Briketts aus dein städtischen Braunkohlenbergwerke abgegeben werden; 2. der Speiseberein wird ersucht, neben den bisherigen Speisen auch Seefischportionen zum Preise von etwa 15 Ps. zu verkaufe» gegen Erstattung der etwa erwachsenden Mehrkosten durch die Stadt; 3. für den Frühstiicksionds der Geuiemdeschuleu werden 500 M. zur Vermehrung der Frühstücksportioneii bewilligt; 4. sollen Kochkurse veranstaltet werden, q« Frauen und Mädchen aus dein Volte insbesondere in der Zuber�ing von Sccfischkost, Wild. Hülsenfrüchie» usw. zu rmternchici,; B, an städtische Arbeiter und llnterbcamte werden Eßkartoffeln zum Selbstkosteilpreise abgegeben; 6. die ReichSregienliig toll um gesetzliche Maßnahmen wegen Einführung argeiiliilttchen FlencheS rmd Ecleichlerung der Einfuhr von Filttcriiiitielir ersucht werden. Zur Bestreitung der durch die Maßnahmen entstandenen Unkosten sind 10000 M. auszuwerfen. ••• Der Münchener Magistrat hat folgende Maßnahmen getroffen: Die Aufhebung deS stadtilchell Zolles für Kartoffel und Gemüse, die vcreitstellling von 15 000 3)1. zum Ankauf von Kartoffeln und Ab» gäbe an das Publikum und zwar so, daß keiner weniger als 5 Pfund und keiner mehr als fünfzig beziehen kann, ferner die BewiLigling von 113 000 M ziun Ausbau einer Kühlanlage für orgentinsicheS Fleisch und Gecnsche. Fall» dieses eingeführt würde, wird die Stadt den vcrkai» iibcrnehme». Mit best Metzgern sind VerHand. lungen gepflogen worden zur Herabsetzung der Schweineflcischpmse. Sollte» die Metzger sich weigern, die Preise herabzusetzen, würde die Stadt alsbald mit der Errichtung eigener Vcrka»issstände be» ginnen._ Weg mit den Einfuhrscheine»! Dem Zentrum wird vor den Folgen seiner agrarischen Wirtschaftspolitik bange, zumal da die H u n g e r w a h l e n vor der Tür stehen. Etwas Ernsthaftes gegen die Volksfeind» licfje Teuerungspolitik will es katürliH nicht uniernehmen. ob- wohl, wie die Rede Dr. H e i m s im bayrischen Landtag be- wiesen hat. selbst seine Kleinbauern rebellisch werden. Aber die„schlimmsten Mißstände" will es Preisgeben, denn es weiß aus alter Erfahrung, daß ein«ystem nur noch mehr befestigt wird, wenn die ärgsten Auswüchse beseitigt sind. Deshalb er- klärt sich heute die klerikale„Mark. Volksz." für eine Reform des Einfuhrscheinsystems und behauptet sogar, daß bei der R e- g i e r u n g Erwägungen über SHtibringung einessolchenGesebentwurss schweben. Das kleri- kale Blatt befürwortet, daß der Bundesrat die Verwendung von Einfuhrscheinen einengt und daß der Z o l l auf Kaffee und Petroleum nicht mehr damit bc- zahlt werd e-n kann. Dann aber wendet sich das Blatt gegen uns und meint: „Soweit wird man nicht gehen, daß man für ausgeführten Roggen nur Roggen einführen darf; man müßte mindestens be- stimmen, daß für ausgeführtes Brotgetreide wieder Brotgetreide eingeführt werden muß: damit würden schon die schlimmsten, nicht zu leugnenden Mißstände beseitigt werden." Wenn sich dann aber das Zentrumsblatt damit bei seinen Lesern zu empfehlen sucht, daß es behauptet, auch wir hätten nicht die Abschaffung des Einfuhrscheinsystems verlangt. so schwindelt es. Wir hatten in der Dienstagnummer ausdrücklich gesagt: „In seiner heutigen Form ist das Einfuhrscheinsystem jedenfalls ein Mittel zu künstlicher Hochhaltung der Getreidepreise, d. h. zur Bereicherung der großen ostelbischen Getrcideproduzentcn auf Kosten der breiten Volksmassc, und d e s b a l b mutz es hinweggeräumt werden— je schneller, desto besser." In der Tat ist der klerikale Vorschlag, die Verwendung der Einfuhrschcine nur einzuengen, durchaus ungenügend, da er die Erhöhung der Getreidepreise um den Zollbetrag nicht verhindern würde._ Junker und Schlorvarone. Wie sehr die nationalliberalcn Schlotbarone, die ihrem politischen Charalter nach ja auch eben so gut zu den Frcikonscrvativcn ge- hören könnten, sich nach einem Zusammengehen mit den Junkern sehnen, und wie starke Sympathien umgekehrt die« LiebeSgirren auch bei den Konservativen auslöst, beweist die Zuschrift, die ein Korrespondenzburcau auS„parlamentarischen Kreisen" erhalten hat. Es heißt darin: „Wenn nicht alle Anzeichen trügen, besieht sowohl in der n a t i o n a l l i b e r a l e n als in der k o n s e r t> a t i v e» Fraktion des Reichstags die Absicht, die in den letzten Monaten zwischen beiden Parteien zutage getretenen Gegensätze zu über- brücken, uin b e i d e» W a h l e n H a n d in Hand arbeiten zu können. Berschiedene Mitglieder beider Fraktionen sind in diesem Sinne tätig. Die Aufgabe wird allerdings nicht leicht zu lösen fein, da die extreme» Elemente beider Richtungen dieser Ab- ficht vorläusig noch abhold sind und die Aussichten für eine An- Näherung durch die Plänkeleien in den lepien Monaten und die Agitation einiger Heißsporne auf beiden Seiten keine guten sind. Die größte Schwierigkeit liegt aber in der offenen Gegnerschaft der Führer beider Parteien. Man hofft jedoch, die gemäßigten Elemente beider Parteien zu einer Aussöhnung führen zu können, da die gemeinsamen Berühr ungspunkre beider Parteien trotz aller Gegnerschaft sehr starke sind. Zunächst wird ver'ucht werden, in den Fragen der auswärtigen Politik»nid bei den Arbeiten am Privatbeamten- Versicherungsgesetz Hand in Hand zu gehen. Ob die Annäherung festere Gestalt annehmen ivird, steht noch dahin. ES wird auch nicht dahin gestrebt, strikte Wahlablomnie» zti lress?n„ sondern der Wille der einsichtigen Politikcx beider Richtungen geht. dahin, angesicht« der Wahlen, die turter reckt ungikustigen Är- dingungen für die bürgerlichen Parteien stoltsiiiden werden, zwei sich befehdende nationale Parteien versöhnlicher in ihren Gegensätzen zueinander zu stimmen." Auch die rechtSnationalliberale„Berliner Börsenzeitung" läßt sich von„parlamentarischer Seite" per- sichern, daß eS sowohl bei den Nationalliberalen wie bei den Kon- scrvativen weite Kreise gibt, die ein„Znsammenarbeiten aller gc- mäßigten Elemente auf der Linken wie auf der Rechten" im „vaterländischen Interesse" für„dringend geboten" halten. Schon während der jetzigen Tagung deS Reichstags sei möglichst jede Reibung zu vermeiden und zu erkennen zu geben, daß eine „Wiederannäherung der beiden großen Parteien alö erstrcbensivcrtes Ziel zu erachten" sei. Gelinge eS, die vorhandenen Gegensätze zu mildern, so werde damit„die Möglichkeit eines Zusammen- gehenS auch bei den kommenden Wahlen offen gc- lassen." Da ja das Zentrum in Rheinland-Wcstfalen gleichfalls ein Wahlbündnis mit den Nationalliberalen erstrebt, hätte es sicherlich auch gegen die konservativ-nationallibcrale Wahlverbrüdenmg nichts einzuwenden!_ Kapital und Kirche. AuS Anlaß einer Notiz in der nationalliberalen„Dortmunder Zeitung", daß die Pfarrer einer dortigen Gemeinde sich gegenseitig verpflichtet hätte», bei Amtshandlungen einschließlich Konsirmationen von Ostern ISN ab keine Geldgeschenke zu persönlichen Zwecken an- -zunehmen, hat daS„Bochumcr Volksblatt" an ein Gegenstück politischen Charakters erinnert. Eine Zeckenvcrwaltung in Gchrte bei Bochum habe evangelischen sowie katholischcv Geistlichen je 600 M. gegeben. Dem katholischen Geistlichen, der bei der Ge- mcinderatSwahl nicht im Sinne der Zcchenpartei gewählt, seien die 600 M. entzogen worden. Auf Antrag deS evangelischen Geistlichen erhob der Staatsanwalt wegen Beleidigung.Anllage. Der Geist« liche trat als Nebenkläger bei. In der Verhandlung vor der Bochuiner Strafkammer bezeugte der Nebenkläger als Zeuge, daß auf Ersuchen d e S K o» s i st o r i u in s u in einen Zuschuß die Zechenverwaltung jährlich 13 S0 M. zur Verfügung ge« stellt habe, wodurch die evangelischrn Kirchensteuern nn, 6 Proz niedriger gehalten werde» löinicn. Der latbolische Geiftliche sagte als Zeuge aus, er vetoinme 600 M. jährlich als persönliche Zulage zu seinem Gehalt in monatlichen Raten von 50 M Bei der Geinein deratSwahl. bei der er einen katholischen Kandidaten gewählt halte, während von nationalliberaler Seile der Zechendirektor aufgestellt war, sei ihm die Zulage sofort entzogen worden. Der Grund sei ihm nicht mitgeteilt worden, er habe auch nicht danach gefragt; er habe aber seiner Vermutung Ausdruck gegeben, daß die Entziehimg der Zulage auf sein Verhalten bei der Wahl zurückzuführen sein dürfte. Nach sechs Monaten habe er die inonallichcn Raten wieder weiter bekommen. Der Staatsanwalt beantragte S00 M. Geldstrafe, da die Aussage deS katholischen Geistliche» kein Beweis für den Vorwurf sei, der dem evangelischen Geistlichen gemacht worden ist. Das Gericht er- kannte auf 300 M. Geldstrafe._ Jolgen der Zündholzsteuer. Die Aktiengcsellickast für Zündwarenfabrikatioii Stahl U- Nolle in Kassel, eines der größten Uineniehiuen der Branche, wird für das abgelaufene GefchäfiSjahr 1910/11 eine Dividende uicht verteilen: Verminderung des llmintzeS und starke Einschränkung der Produktion an Zündhölzern hatten zur Folge, daß nicht nur kein Gewinn er- zieli wnide, sondern noch cm Fehlbetrag von SV 000 M. entstand. In früheren Jahre» hatte die Firma stets 8 Proz. verteilt. l Aus dem Reiche deS ungekrönten Königs von Preusten. Im Wahlkreise Militich-Trebnitz halten die Konservativen daS Mandat ihres Abgeordneten für so gefährdet, daß sie einen eigenen Parteisekretär, der ausschließlich nur diesen KreiS zu bearbeiten hat. angestellt haben. Die Wogen deS WahlkampfsS beginnen jetzt nach beendeter Ernte wieder höher zu jchlaczen. Konservative. National- liberale und Sozialdemokrareu halten in den verschiedensten Orte» Versammlungen ab. Die Sozialdemokraten muffen meistens unter freiem Himmel tagen, weil alle Säle konsequent abgetrieben werden. Zum Teil haben auch die Nationalliberalen unter denselben Ver- hällnissen zu leiden und lernen bei dem kalte» Wetter die liberalen Errungenschaften deS ReichSvereinSgesetzes kennen. Aber mit noch andere» Mitteln wird der Kamps gegen den nationalliberalen Kandidaten geführt. So sieht sich dieser jetzt veranlaßt, eine konservative A g» r a t i o n s l ü g e durch folgende Erklärung n den Blättern des Wahlkreises zu enlkräfteil: Herr Viehhändler Heinrich I ä n s ch aus den Vierhäusern bat kürzlich in Militsch erzählt, daß ich süc ineine Agitation 50 000 Mark bekommen habe und falls ich gewählt werde, noch 70000 Mark bckoiliuien werde. Die Erzähl, mz ist von A bis Z erlogen. Ich habe weder einen Pfennig bekoiunien, noch werde ich einen Pfennig bekommen. Ich warne jeden vor Weiter- Verbreitung deS Gerüchtes, da ich von nun an jeden, der dieses Gerücht weiicr verbreitet, wegen'Verleumdiing verklagen werde. Groß-Tschunkawe, den 16. Oktober ISU� Schmidthals. Die„Schlesnche Zeitung" hat kürzlich ohne Scham zugestanden, sie»echiie bis zum Wahllage noch mit einer N e r V e n k r a n k h e i t deS nationalliberalen Na»didalcit! Portugal. Ein angeblicher Erfolg der Monarchisten. Big», 19. Oktober. Wie hier versichert wlrd, besetzten die portn- giesischen Monarchisten die Stadt Montalegre nach einem Kampfe zwischen de» Anhängern Concerros und republikani- scher Kavallerie. Von hcn Republikanern, die zahlreiche Gefangene im Stich ließen, wurden 16 Mann kampfunfähig gemacht. Die Truppen Concei ras sollen nur einige Vcrlvnndete habe». Sie sind Mittwoch morgen aufgebrochen, um den republikanischen Verstärkungen entgegenzugehen, die in aller Eile abgesandt worden sind. Englancl. Genosseilschastsaligestellte und Arbeiterparter. In einer von 180 Vertretern besuchten Konferenz der nord- englischen und schottischen Genosseilschastsaligestellte» wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, der Arbeiterpartei beizutreten. Ein Parlameiltskandidat soll vom Verbände auf- gestellt und die Wahlkoslen für ihn ausgebracht werden. Weiter wurden Beschlüsse gefaßt zugunsten der 48 SlundeinArbeitSivochc, eines MiiidesllohiieS von 30 Shilling und eiue-s bezahlte» Jahres- Urlaubs. Einstimmlg wurde eine Resolution angenonunen, die die Beschäftigung von der Zugehörigkeit zur Organisation abhängig gemacht sehen will. Schließlich Ivurde einstimmig die Eiiisetzuilg eines gemischten Komitees gefordert, daS die Verschmelzung der verwandten Organisationen vorbereiten soll. Tie englische Vcrsicherungsvorlage. AuS London wird uns geschrieben: Herr Lloyd George befindet sich augenblicklich in einer wenig bcucidciiswcrtcn Lage,«eine.Versicherungsvorlage scheint mehr- Feruds älß Fr Sünde"zip hab'eiy einzigen Personen, die der Schatzkanzler befriedigt.hat, sind die Aerzte, die jctzt mit Eifer- sucht darüber wachen, daß'auch nicht das geringste von den Kon- zessioncn, die fit ergattert ßabnt. rückgängig gemacht wird. Zu den Kritikern der Vorlage gehören Sozialisten, Unternehmer und die freien Hitfstassen. In, sozialistischen Kreisen ist man teil- weise gegen daS Prinzip der Beitragspflicht, teilweise verurteilt man die Borlagc wegen ihrer Unzulänglichkeit. Viele Genossen weisen darauf hin, daß nach der Vorlage gerade die Arbeiter, die der Hilfe am rncisic» bedürfen, die geringsten oder überhaupt keine Uuterstühungcn erhalten werden. Die Handelskammern ver- langen, daß die Vorlange zwecks gründlicherer Beratung bis zum nächsten Jahre verschoben werden soll. Hinter dieser Forderung stecken alvr wohl mehr politische Motive; denn nichts würde der konservativen Opposition angenehmer sein, als daß die Versiche- ruiigsvorlage im nächsten Jahre mit der versprochenen Home Rulebill in Konflikt geriete. Der heftigste Widerstand kommt jedoch von den freien HilfSkasfin, die der Schatzkanzler durch die Art und Weise, in der er den Aerztcn ein Vorrecht nach dem andercii eingeräumt und den anerkannten Kassen ein Stück Selbst- verwaltungSrccht nach dem anderen genommen hat, tief verletzt hat. Die Generalversammlung der vereinigten freien H i l f S k a s s e n, die am Ende dieser Woche in Edinburgh stattfand und auf der über vier Millionen Mitglieder der ver- ichiedenen Kassen vertreten waren, nahm gestern einen Beschluß an. der die Kassen auffordert, das Gesetz zu boykottieren, d. h. sich zu weigern, die Bestimmungen deS Gesetze? durchzu- führen, sollte sich das Parlament nicht dazu verstehen, die Mindest- sorderungen der freien Hilfskassen anzuerkennen. Folgendes sind die' Mindestfordernngen der Kassen, wie sie auf der Gcneralvcr- sammlung formuliert wurden. Tic anerkannten Kassen müssen daS vollständige Selbsiverwaltungsrecht haben. Die Verwaltung der ärztlichen Unterstützung muß in den Händen der anerkannten Kassen liegen, Ivcnn sie von diesen nicht den lokalen Gcsundheits- ausschüssen übertragen wird. Alle jetzigen Mitglieder der freien HilfSkasseii, die von der Beteiligung an der staatlickien Versicherung ausgeschlossen werden, müssen dieselbe ärztliche Verpflegung ge- nießen wie die Mitglieder der anerkannten Kassen, und zwar zu denselben Bedingungen. Die anerkannten Kassen müssen in den lokalen GcsundhcitSausschüssen die Mehrheit haben. Die Kranken- Unterstützung muß vom ersten und nicht vom vierten Tage der Krankheit ab bezahlt werden. Die Beiträge der Mitglieder müssen den anerkannten Kassen überwiesen und von diesen angelegt werden. Tic in der Postkasse Versicherten ldie von den anerkannten Kassen nicht aufgenommen werden) müssen aus der Staatskasse und nicht auS den Fonds der ancrkaunten Kassen Zuschüsse erhgl- tcn. Die lokalen ärztlickxn Ausschüsse dürfen nur eine beratende Funktion haben. Die Rechte der lokalen Gesundheitsausschüsse dürfen nicht den bestehenden Grasschafisbchörden übertragen werden. Personen, die ein jährliches Einkommen von über 160 Pfund Sterling haben, dürfen Mitglieder anerkannter Kassen werden. Diese kreiwillig Versicherten müssen an der Verwaltung der Kassen teilnehmen, beziehen aber nicht den Staaiszuschuß. üaum ist der Schatzkanzlcr der Scylla der Aerzte entronnen, so befindet er sich auch schon in der EharybdiS der freien Hilfs- kassen. Zwischen dem, was die Kassen verlangen und nach den Worten des Schatzkanzlcrs bei der zweiten Lesung der Vorlage mit Recht beanspruchen können, und dem. was ihnen der Sckmtzkanzlcr geben will, besteht eine unüberbrückbar scheinende Kluft. Die Arbeiterpartei wird, wie ihr Vorsitzender vor einigen Togen erklärt hat, die Vorlage mit einer oder zwei Abänderungen a n. nehmen. Einige der energischsten Mitglieder der Arbeiterpartei, tirie die Genossen K e i r Hardie, Snowden, LanSbury. gehören jedoch zu den schärfsten Kritikern der Vorlage. Die Arbe-terpartei hat sich von einem angesehenen Aktuar einen Bericht über die Frage anfertigen lassen, in welcher Weise, die Vcrsichcrungs- vorläge die Gewerkschaften finanziell berühren wird. Der Fach. mann ist zur Uebcrzcugung gelangt, daß die Vortage auf die Dauer die finanzielle Lage der Gewerkschaften nur be- deutend st ä r k e n kann und die UnterstützungSsoNdk besser stellen wird, die wie die Streikunterstützung von der Regierungsvorlage nicht betroffen werden. Augenblicklich scheint jedoch das Sprichwort angebracht: So viel Köpfe, so viel Meinungen. Daß die Regierung ihre Vorlage gegen den Willen' der freien Hilfskasscn durchdrücken wird, ist jedoch kaum anzunehmen. Scktveäen. Auflösung der Ersten Kammer. Stockholm, 19. Oktober. Die Erste Kammer ist heute a u f g e l ö st worden. Die Neuwahlen sind ausgeschrieben worden. Huö der Partei. Bezirkstag für den Regierungsbezirk Erfurt. Am Sonntag fand in Langensalza der Bezirksparteitag deS Rcgierungsbezirts Erfurt statt. Anwesend sind 32 Delegierte. Außerdem sind anwesend vom Bezirksvorsland die Genossen Apel, Nietzsche, N e i ß h a u s und Stange, vom Parleivorstandc Genosse L r e p m a n n und als Reichstagskandidaten die Genossen Schäfer und Schulz. Genosse L i e p m a n n wünscht den Verhandlungen des Bezirks- tageS den besten Erfolg. Er weist auf die großen Schwierigreiten des bevorstehenden Wahlkampfcs hin. Mit einer gefestigten Organisation treten wir in den Kampf, aber wir wollen uns vor einem allzu großen Optimismus hüten. Er verspricht, daß der Parteivorstand nach Möglichkeit weitgehendste Unterstützung den ciiizelnen Kreisen gewähren werde. Den Recheiischastsbericht des Vorstandes erstattet der Bezirks- sekretär Genosse Apel. Er verweist einleitend auf den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht und führt aus, daß sich die Organi- sation ganz erfreulich entwickelt habe. Wir haben jetzt einen Mit- gliederbestand von 5762 Mitgliedern. Nicht nur Stärkung der Ortövereine habe stattgesunden, es sei auch Neuland erobert worden. Oeffentliche Versammlungen wurden 134 und Mitglieder- Versammlungen 343 abgehalten. Es stehen uns aber die größten Agitationsschwierigkeitcn entgegen. Außerdem sind mit unseren Gegnern und den Behörden manche Kämpfe zu bestehen. Bc- sondere Schwierigkeiten sind im Heiligenstädter Kreise zu be- wältige». Eine sehr günstige EntWickelung hat die Parteipresse im Bezirk genommen. Ein Regulativ zum Bezirksmaifonds ist den Beschlüssen gemäß vom Bezirksvorstand ausgearbeitet worden. Das Bildungswescn ist neu organisiert worden. Es hat auch im verflossenen Jahre nicht an Veranstaltungen der einzelnen Bildungsousschüsse gefehlt. Sehr viel kann und muß noch getan werden auf dem Gebiete der Agitation unter dem jugendlichen Proletariat. Hierauf macht Genosse Stange einige erläuternde AuZ- führungcn zum Kassenbericht. Die Einnahmen und Ausgaben decken sich mit 2586,03 M. Nach längerer Debatte über den Vorstandsbericht wurde mit 19 gegen 12 Stimnien die gemeinsame Herausgabe eines Kalenders beschlossen. Ferner wurde die Einberufung einer Gemeinde- vcrtreterkonferenz für den 18. Februar 1912 beschlossen. Der An- trag des Ortsoereins Erfurt: „Ter Bezirkstag ersucht den Bezirksvorstand, die Ein- führung eines einheitlichen Beitrags für alle Kreisorganisationen in Erwägung zu ziehen". wurde nach einer kurzen Diskussion mit 18 gegen 10 Stimmen an- genommen. Als Vorsitzender des Bezirks wird wieder Genosse Paul R c i ß h a u s- Erfurt gewählt. Der nächste Bezirkstag soll in Erfurt abgehalten werden. Ein sozinlistischrS Tageblatt in Milwankce. Die planmäßige VerleiundiingSallion. mit der die Gegner die neue Siadtverwaliimg verfolgen, hat den Milwaukeer Genossen die Notwendigkeit gezeigt, durch ein Tageblatt zu sofortiger Widerlegmig e>rr Lüge» gerüstet zu sein. Da das Geschäftshaus der bcstcheckdcn Wocheublätier bereits für eine TageSzeituiig eingerichtet ist, auch schon Maschinerie vorhanden ist, galt eS jetzt, das Betriebskapital auszzibringeii. Sobald 100 000 Dollar in.Anteilscheinen zu 10 Doll. gez«>ch»el sind, sollte der Betrieb) des Tageblattes eröffnet werden. Die ständige Zunahme dieses Kapitals wurde sehr hübsch im Partei- organ durch eine Arbeitcrfaust dargestellt, die ein Thermometer hält und durch die Erhöhung der Auteilzahteli die Wärme des Arbeiter- blutes ausdrückt. Meist waren es zwischen 1500 und 2000 Doll., die jede Woche aufkamen. Jetzt aber wurde dank einer Riesen- Versammlung eine mächtige Erhöhung der ZeichnungSliste erzielt, die in einer Woche von 57 490 auf 72 2t0 Dvll., also um mehr alS ein Viertel stieg. Damit ist die Herausgabe der Tageszeitung schon vom 1. Dezember an sichergestellt. Sie wird den Namen „Milwaukee Leader"I in Konstanz-Oeberlingen. Stichwahl zwischen Zentrum und Liberalen. Konstanz, 19. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- warts".) Bei der heute im Wahlkreise Konstanz-Ueber- lingeu stattgesundcnen Neichstagsersatzwahl erhielten der Zentrumskandidat Freiherr von Nüpplin 13457, der libe- rale Kandidat Gärtner Schmid 12 379 und der sozialdemo- kratische Kandidat Schriftsetzer Großhans 3384 Stimmen. Es hat mithin Stichwahl stattzufinden zwischen dem Kandidaten des Zentrums und dem der Liberalen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1997 wurden für das Zentrum 14 327, die Liberalen 8596 und die So- zialdemokraten 2565 Stimmen abgegeben. Die Stimmen des Zentrums sind demnach gegen 1997 um 879 Stimmen zurückgegangen, während die Liberalen 3774 und die Sozialdemokratie 819 Stimmen ge- wannen. Die Wahlbeteiligung war eine außerordentlich starke; sie betrug 99 Proz.» während im Jahre 1997 nur 8 6 Proz. der Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Die Wahlbeteiligung war dermaßen stark, daß nieman!» geschleppt zu werden brauchte. Von 19 Uhr früh ab ging be- reits alles zur Wahl. Auf dem Lande ist noch nie so zahlreich gewählt worden wie diesmal. Der Umstand, daß man mit der Stichwahl rechnete, hat anscheinend viele Wähler veran- laßt, gleich in der Hauptwahl für den liberalen Kandidaten zu stimmen. In Konstanz hat die Sozialdemokratie 399 Stimmen gewonnen, in anderen Jndustrieorten ist eben- falls ein verhältnismäßig starker Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die Erbitterung gegen die verräterische Politik des Zen- trums hat gleich einer Granate auch in diesen Zcntrumsturm eingeschlagen und die Wähler in großen Massen nach links getrieben. Konstanz war seit 1899 unumstrittener Besitz des Zentrums. Herr Matthias Erzbcrger, der die größten An- strengungen gemacht hat, den Kreis im ersten Wahlgange dem Zeitrum zu erhalten, hat mitsamt seinen Getreuen ein klägliches Fiasko erlitten. Was bei der Hauptwahl so glän- zend begonnen, muß bei der Stichwahl— die bereits auf den 27. Oktober festgesetzt ist— vollendet werden: Hiuweg mit dem verräterischen Junker- und Pfaffentum! Letzte Nacbricbtcn« Bei einem Kellerbrande. der Donnerstag abends am Bethanicnufer aus noch nicht ermittelter Ursache auskam, sind zwei Feuerwehrleute zu Schaden gekommen. Dort brannten größere Kohleiivvrräte unter großer Oualmentwicke- lung. Der Angriff war infolgedessen sehr erschwert. Bei den Lösch- arbeiten, Fortschaffen und Umschauseln der Kohlen erkrankten die beiden Feuerwehrmänner Frank und Hein von der 2. Kompagnie der Feuerwehr unter Anzeichen von Rauchvergiftung schwer. Sie mußten nach ihrer Wohnung entlassen werden, wo sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mutzten. Der Feuerwehr gelang es dann, den Brand auf den Keller zu beschränken. Die Verhandlungen über die Kabinettsbildung gescheitert. Konstantinopel, 19. Oktober.(W. T. B.) Die seit heute früh andauernden Verhandlungen zwischen der Majorität und der Oppo- sition zum Zweck eines Einvernehmens über die Kabinettsfrage scheiterten angesichts des Verhaltens der Opposition, welche hart- näckig forderte, daß die Mitglieder des Kabinetts, die Minister deS Krieges, der Finanzen, des Unterrichts, der Justiz und der öffent- lichen Bauten auS dem jetzigen Kabinett ausscheide» und daß der Schcik ul Islam zurücktrete, während der Großwcsir dies rundweg ablehnte. Gegen 4 Uhr begann die Kammersitzung, die ziemlich bewegt verlief. Die Redner der Opposition hoben hervor, das Kabinett sei nicht ein Minsterhim, wie es das Land unter den heutigen außerordentlichen Umständen brauche. Rizainwfik wies die Be- hauptungen zurück, daß Europa die Türkei vernichten wolle, weil sie ein Verfassungsstaat geworden sei. Die Verfassung der Türkei sei zur Komödie geworden. DaS Land brauche ein Kabinett, welches nicht nur das Vertrauen der Kammer und der Nation, sondern auch daS der Großmächte genieße. Niemand werde einem Kabinett vertrauen, dem die Minister des früheren Kabinetts angehörten. Die Redner der Majorität betonten, der Augenblick sei nicht geeignet für Personcnfragen, cS handle sich um Leben und Tod der Nation» man müsse an die Vertcidigyng gegen den feigen Angriff Italiens denken. Eidki, ein Mitglied der Opposition, warf dem Kabinett vor. nur an die Mächte appelliert zu haben. Die Regierung müsse die Italiener ausweisen und die italienischen Etablissements schließen. Ter Großwrsir erwiderte einzelnen Rednern der Oppo- sition. PäülS inger a Co.. Berlin LVVT'Hierzü 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl Kr. 246. 28. ZahtMz. L KnlW b Jonnättf Knlim DlksM. treltilg, 2V. Oktober lM R.eickstag. 192. Sitzung. Donnerstag, den 19. Oktoder 1911, nachmittags 1 Uhr. 8m BundesratStische: Delbrück. Die Besvrechung der Interpellation A I b r e ch t und Ten.(Soz.) betr. Verstöße gegen das Vereins- und Versammlungsgesetz wird fortgesetzt. Abg. Dr. Müllcr-Meininaen(Vp.): Der Staatssekretär erklärte gestern, eine Handhabe zum Eingreifen seitens der Reichsregierung auf dem Gebiet des Vereinsgesetzes sei nur dann gegeben, wenn zwischen ihr und dem betreffenden Staat eine grundsätzliche Meinungs- Verschiedenheit bestehe. Das ist nicht erschöpfend und irreführend. Die ReichSregierrmg ist auch zu einem Ein- greifen zuständig, wenn in einem Bundesstaat tatsächlich ein systematischer Mißbrauch mit dem Vereinsgesetz getrieben wird(Lebhafte Zustimmung links), und wenn über solchen Mißbrauch geklagt wird, hätte man erwarten sollen, daß der Ver- treler des betreffenden Bundesstaates hier erscheint.(Lebhafte Zustimmung links.) Der Staatssekretär sagte gestern, ein einzel- staatlicher Minister könne hier als Vertreter des Reichskanzlers und Mitglied des Bundesrates erscheinen, habe sich aber für seine bundessloatliche Tätigkeit nicht zu verantworten, und da verzeichnet der Bericht(Sehr richtig! rechts.) Das steht im Widerspruch zum Artikel 9 der Reichsverfassung, wonach ein Vertreter einer Bundesregierung hier gehört werden muß, um die Ansichten seiner Regierung hier zu der- treten, auch wenn die Mehrheit des Bundesrates sie nicht teilt.(Zuruf des Staatssekretär» Delbrück). Der Staatssekretär sagt, der Bericht sei unrichtig. Dann ist er aber wohl damit ein- verstanden, daß der betreffende Vertreter des betreffenden Bundes- staateS hier anwesend ist und sich verantwortet.(Lebhafte Zustimmung links.) Dos ist der springende Punkt und hundertmal ist es auch geschehen. Es ist ja die größte Errungenschast des ReichSvereinsgesetzeS, daß Mißbräuche deS Vereinsgesetzes hier zur kompetenten Beurteilung kommen(Sehr richtig I links), und wir lassen uns diese Kompetenz nicht nehmen und die Zuständigkeit des Reichstages aus Umwegen eskamotieren.(Sehr richtig l links.) Herr Gröber hat über das Gesetz als ein unklares gespöttelt. Aber so lange das Zentrum hier ausschlaggebende Partei war, hat sie auf dem Gebiet des Vereinsrechtes über- Haupt nichts geleistet. Und was leistet denn das Zentrum in Preußen gegenüber der dort herrschenden Land ratokratie.(Große Heiterkeit.) Was hat das Zentrum denn in Bayern geleistet. Fragen Sie doch Ihre AntiblockvcreinSbrüder von der äußersten Linken.(Erneute Heiterkeit.) Weder infReiche noch in den Einzellandtagen hat das Zentrum etwas für ein Vereinsgesetz getan. Wir sind stolz darauf, daß wir das Reichsvereinsgesetz erreicht haben, und daß wir nicht mehr erreicht habe», daran ist die taltische Haltung des Zentrums schuld. Der beste Beweis dasür, daß das Gesetz gut ist, liegt doch darin, daß in den anderen Bundesstaaten bei seiner Anwendung Schwierigkeiten sich nicht ergeben. Herrn Gröber erinnere ich an seine eigene Fähigkeit zur Geietzesmacherei, die sich in der Lex Gröber zeigte, dein Diäten- gesetz, dem unsinnigsten Gesetz, das jemals ein Parlament be- fchäftigt hat. Zwei Mängel wirft man dem ReichSvcreinSgesetz vor, die Bestimmungen über die Polizeistunde und daß man nicht wiffe, welche Versammlungen zu überwachen sind. Nur die ö f f e n t- lichen sind zu überwachen, und wir haben unS bemüht, den Begriff der öffentlichen Bersammlung festzustellen. Bezüglich der Polizeistunde wird darüber geklagt, daß die preußische Verwaltungs- behöcde in einzelnen Gegenden prinzipiell keine Verlängerung der Polizeistunde für liberale und sozialdemokratische Ver- fammlungen oder solche des Deutschen Bauernbundes ge- währt. Ich glaube, daß auch der Staatssekretär sich mit leinen Ausführungen über schikanöse Anwendung deS Gesetzes dagegen gerichtet hat. Weiter klagt man, daß tatsächliche Aus- l ö s u n g c n von Versammlungen nach dem Eintritt der Polizei- stunde stattfinden. Das verstößt gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes. Bei der Beratung haben die Sozialdemokraten den Antrag gestellt, die Polizeistunde dürfe keine Anwendung auf kleines fcuilUton» Caruso. »Hei lebet noch Hei levet noch.. Und ob er lebt!— Mitttvoch standen die Leute zu Hunderten in langen Reihen um das Opernhaus herum, von Schutzleuten be- wacht(zu zweien angetreten!), stundenlang in der Kälte, um Billetts! Billetts!— Händler. Mesieuger-Boys. Dienstmänner, um Billetts! Dieser Caruso ist ein Symbol. Ob er so viel kann, daß dieser Spektakel berechtigt ist, sei dahin- gestellt, nein, es ist ganz gleichgültig, denn die Leute gehen nur deS Spektakels halber hin. Diese Begeisterung hat mit Kunst so viel zu tun,' wie ein Landrat mit liberaler Politik. Da leben in Deutschland, sagen wir, 199 Künstler. Musiker, Maler. Literaten, die ungeheures leisten und noch mehr leisten würden, wenn sie anerkannt, also bezahlt würden. Wer kennt sie?— Die Kollegen, die kleinen Fachkreise, eine Zeitschrift nennt ihren Namen— ans. Ja. aber Caruso. Das ist nicht der Sänger, der Künstler, der Musiker,— das ist das Phänomen, der Mann mit dem hohen tstz. das Kalb mit drei Beinen, der Kerl mit dem Millioneneinkommen. Speziell das letzte zieht immer: dasür bekommt er nun 100Ö0 Mark!!— Es imponiert, und das ist schließlich die Hauptsache. Dieser Mann schluckt Millionen— niemand mache ihm einen Vorwurf, denn er nutzt berechtigterweise die Konjunklur aus— und bei uns zerguälen sich starke Talente(und vielleicht größere) die Köpfe mit der intensiven Frage: wann effcn wir heute Mittag?— Dieser Artikel erscheint alljährlich, wenn der Göttliche schmettert. ES ist immerhin möglich, daß nach seinem Tode die Begeisterung nachlassen wird._ K. T. Eine slawische Rundburg in Potsdam. ES ist den Beauftragten deS Potsdamer MnseumvereinS vor einiger Zeit gelungen, in Potsdam die Reste einer slawischen Burg aufzudecken. Damit ist eine kulturgeschichtlich interessante Tatsache festgestellt. Unterhalb der Heiligengeistkirche, hart am Haveluser, fanden im Soininer bei dem niedrigen Wasserstand spielende Kinder llrnenscherben. Dieser Fund vcranlaj-te zu Nachgrabungen, die ein überraschendes Resultat zeitigten. In geringer Tiefe stieß man auf eine Balkengliederung. die sich später als architektonisch ausgebildete Wallkonstruktion ergab und sich gleichlaufend mit denr User inr Halbkreis ausdehnte. Dieser Pfahlrost, der einer dreifachen Balkenlage gleicht, zeigt symmetrische Maße und ist aus Kiefernnämmcn gefertigt, die übereinandergeschichtet lagen. Eine Lage Steine bedeckte diese Holzrllstung. Als Baumaterial hatten die ersten Burginsassen— wie festgestellt Slawen— Fichten und teilweise Eichen verwendet. Die bloßgelegte Anlage ist offenbar der Teil der Rundburg, der sich am Wasser hinzog. Mehrere Kubik- meter Urnen- und Gefäßreste au» slawischer Herkunft und Ornamentik wurden gefunden. Nicht weniger als 169 verschiedene Verzierungen waren auf den alten Kulturresten vorhanden. Man hat eS bei der neuentdeckten Wallburg mit den Anfängen der Pots- »am« Geschichte zu tun, die bis ins vierte nachchristliche Jahrhundert Versammlungen und Vereine finden. Wir haben diesen Antrag als völlig überflüssig abgelehnt, weil dadurch die Frage des Aus- schankes von Getränken mit dem Versammlungsrecht verquickt wird. Hier liegt kein Mangel des Gesetzes vor und wir müffen verlangen, daß von den Landeszentralbebörden noch vor den Wahlen Be- stimmungen getroffen werden, die dem Unfug, der hier mit der An- Wendung des Gesetzes getrieben wird, ein Ende machen.(Lebhaste Zustimmung links.) Durch solche Anwendung kann das Gesetz völlig illusorisch gemacht werden. Aber wie gesagt, das ist kein Mangel des Gesetzes und die sozialdemokratische Jnter- pellation spricht mit vollem Recht von groben Ver- stoßen gegen das Gesetz. Mit den Versammlungen unter freiemHimmel ist eS in den Städten zwar etwas besser geworden, auf dem Lande aber v i e l s ch l i m m e r. Ach ich könnte aus meiner Mappe manch belustigendes Beispiel vortragen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Auch empörende.) Gewiß, auch empörende, doch will ich die Zahl der Beispiele nicht noch vermehren. Dem systematische» Mißbrauch muß die Zentralinstanz entgegentreten. Das Saalabtreiben, bei dem Hinterpommern in erster Linie steht, ist eine politische Un- aiistäudigkcit, ein Mangel an politischer Reife, etwas vor dem Auslande geradezu Deprimierendes. Der Staatssekretär sagte, wenn es bisher nicht gelungen ist, das Gesetz überall richtig an- zuwenden, so würde es wohl auch weiter nicht gelingen. Das ist ja die Proklamierung einer vollständigen Ressortanarchie, ein offenes sich beugen vor der Landratokratie. Wenn von der Polizei offen gesagt wird, ein Gastwirt, der seinen Saal für eine sozialdemokratische Versammlung hergibt und mit der Sozialdcmo- kratie paktiert, ist selbst Sozialdemokrat, und wenn ein solcher in jeder Weise schikaniert wird, so muß das ja geradezu die Gastwirte zu Sozialdemokraten züchten. Derartige Schikanen gegen das Gast- Wirtgewerbe können zu keinem guten Ende führen. Dagegen müßte auch' die Staatsregierung vorgehen. Bei der Beratung des Gesetzes hat der gegenwärtige Reichskanzler erklärt, den Gastwirten dürften aus dem Hergeben ihrer Säle wirtschaftliche Nachteile nicht er- wachsen. Was machen aber die Landräte und Amtsvorsteher aus diesem Versprechen? Das Zentrum macht zurzeit ja sehr in Monarchismus. DaS Blatt des Abg. P i ch l e r fordert die Gastwirte auf, den„Verächtern des Staates, der Krone und der Auto- rität" ihre Säle z u verweigern. Das verlangt dieselbe Partei, die zehn Jahre hindurch mit den„Verächtern der Autoritäl" im politischen Konkubinat gelebt hat.(Stürmische Heiterkeit.) Und jetzt überbieten Sie(zuur Zentrum) die Ostelbier. O über diese Pharisäer.(Stürmische Zustimmung links.) Mit Recht sagt der„Vorwärts" in einer Polemik gegen seine ehemaligen Antiblockbrüder, daß die schwarze Polizei die Saalabtreibereien noch besser versteht, als die b l a u e P o l i z e i. Und dann denke man an die Brutalität, mit der das bayerische Zentrum die Koalitionsfreiheit der Eisenbahner vergewaltigt! Das stellt wahrhaftig alle konservativen Leistungen in den Schatten.(Lebhafte Zustimmung links.) Uns Freisinnigen hat man unsere notgedrungene Zustimmung zum Spracheupara- graphen zum schweren Verbrechen angerechnet. Jetzt bekommt das Zentrum wegen seiner Haltung in der elsaß-lothringischen Frage dieselben Vorwürfe von den OpperSdorff-Schwadroneuren zu hören.(Stürmische Heiterkeit.) Danials warf uns das Zentrum Polenfeindschaft vor. Jetzt aber schweigt eS dazu, daß die polnischen Gei st lichen geradezu unter Polizei» a u f s i ch t g e st e l l t werden.(Hört I hört! links.) Die polnischen Geistlichen sollen nicht agitieren, weil ihre Agitation dem Zentrum unbequem wird; aber die Zentrumsgeistlichen, die dürfen natürlich agitieren! Ich ivill aber meine Ausführungen mit einer heiteren Note schließen.(Heiterkeit im Zentrum.) Das Organ der sächsischen Re- gierung hat festgestellt, daß trotz der ohne Dr. O e r t e l S hoher Erlaubnis von der sächsischen Regierung genehmigten sozialdemo- kratischen Umzüge der Staat Sachsen und die Stadt Dresden un- versehrl dastehen.(Sehr gut I links.) Eine solche Haltung lobe ich nur.(Zuruf bei den Antisemiten: Sie loben also die konservative sächsische Regierung?) Warum nicht? Ich kann die Rechte nur auffordern, sich diese oernüustige Haltung konservativer sächsischer Minister, eines konservativen Dresdener Oberbürgermeisters zu eigen zu machen.(Sehr gut! links.) Und besonders zu zurückreichen. Die Potsdamer Slawenburg, aus der noch wertvolle geschichiliche Folgerungen zu ziehen sind, wurden vom Direktor des Museums für Völkerkunde Prof. Schuchardt und von Prof. Götze besichtigt und als slawische Knlturanlage begutachtet, die bis in die Karolingerzeit hinein ihre Bedeutung besessen hat. Die Unter- suchungcn werden im Interesse der Geschichte Potsdam? fortgesetzt, man erwartet vom Stadtparlament die Bewilligung eine« Aus- grabungsfonds. Am Mitttvoch wurde an der AusgrabungSstelle ein vorgeschichtlicher Knochcupfriem gefunden. Der Krieg im Sande.„Der erste Tag des tripolitanischen Fcldzugcs wird niemals von den jungen Soldaten vergeffen wer- den, die am Donnerstag zum erstenmal in die Wüste hinaus- geschickt wurden und hier die Hindernisse und Entbehrungen kennen lernten, die ihrer noch harren." Mit diesen Worten beginnt der in Tripolis weilende englische Korrespondent Pcrcival Phillips eine fesselnde Schilderung der ungewöhnlichen Verhältnisse, unter denen die italienischen Soldaten im Wüstensande ihre Pflicht er- füllen sollen.„Die ersten, die die Eigenart dieses Krieges kosten sollten, waren die Ptannschaften des 84. Regiments au» Florenz, kräftige, prächtig gewachsene Soldaten, die ausgesandt wurden, um die am äußersten Südrand der Oaie bedrängten Matrosen zu unterstützen. Guten Mutes stapften sie bis über die Knöck�el tief durch den Staub der weißen Straße, die von der Stadt durch den Hamenji-Vorort führt, wo die Türken unter freiem Himmel ihr Hausgerät versteigern und sich zur Rückkehr in ihr Vaterland rüsten. Vorbei an dem großen mohammedanischen Friedhof mit seinen verwahrlosten Gräbern führt der Weg durch einen Palmen- Hain hinaus an die Grenze de» bewohnbaren Landes. Mit dem Morgengrauen begannen die Truppen sich in unregelmäßigen Schlangenlinien längs der ersten Sanddüncn vorwärts zu arbeiten. Hier fand ich sie dann eifrig grabend, immer noch in ihren schweren Tuchuniformcn. ohne Schutz vor der glühend hcrniederbrennenden Sonne und von Myriaden zudringlicher Fliegen eingehüllt. Un- ausgesetzt füllten sie lächerlich kleine Feldflaschen aus den großen Plechgefäßen. die geduldige Ochsen von der nächsten Wasserstelle herbeischleppten. Im Regimcntc von Florenz wütete der wildeste Durst und stete Wasscrnot. Mit bangen Befürchtungen muß man an die künftige SterblichkcitSziffer denken, wenn diese Soldaten einige Wockien lang unter solchen Bedingungen diesem Klima preis- gegeben werden. Ich sah Ossizicre, die aus den öffentlichen Brunnen inmitten einer arabischen Menge gierig Wasser tränten, ich sah Soldaten sofort nach der Landung rohes Obst essen und eis- gekühltes Bier trinken, ohne daß der sanitäre Stab die Leute warnte. Die prächtige Manneszucht und Marschdisziplin ist kein Abwehrmittel gegen Krankheitskeime, die überall an dieser ungc- sunden Küste lauern. Einige der Leute lagen vollkommen erschöpft im Schatten der Palmen. Die Mehrzahl suchte, als die 4 Fuß hohen Gräben mit Sandsäckcn fertiggestellt waren, diesen Standort durch Palmblätter und durch ihre eigenen Uniformröcke vor der tropischen Sonnenglut zu schützen. Sechs Schritte weiter und ich stehe in der Wüste. Einige 899 Meter vor mir haben inmitten des brennenden Sandes acht Mann mit einem Sergeanten als Vorposten einen kleinen Hügel besetzt, von dem aus der Blick meilenweit nach Süden schweiien lgnn. Ein Offizier erlaubt mir, den Posten zu besuchen. Tic wünschen ist. daß der preußische Vorstaat diesem verständigen säch- fischen Beispiel folgt(Lebhaffer anhaltender Beifall links.) Abg. Schwabach(nall.) ersucht um Abstellung der berechtigten Beschwerden der loyalen Litauer. Masuren und Wenden. Staatssekretär Dr. Delbrück: Es stimmt nicht, daß die Bunde»- ratsmitglieder verpflichtet sind. Rede und Antwort über die Hand- lungen ihrer betr. Regierungen hier im Reichstag zu stehen. Die Verfassung schreibt nur vor. daß sie gehört werden müssen — auch, wenn die betr. Regierung im Bundesrat i» der Minorität geblieben ist und eine andere Stellung al» der Bundesrat einnimmt— die Verfassung kennt also nur ein Rederecht, keine Redepflicht der einzclstaatlichen BundeSralsverlreter.— Der Reichskanzler als solcher kann keinem cinzelstaatlichen Minister irgendlvelche Anweisungen geben.(Zuruf: Er ist doch gleichzeitig preußischer Ministerpräsident!) DaS ist nur eine zufällige Personalunion.(Große Heiter- keit.)— Redner macht sodann lange juristische Ausführungen über die Frage der Polizeistunde. Die Aulvendung der Polizeistunde auf politische Versanimlungen sei nicht gesetzwidrig, aber allerdings denr Gei st und Willen des Gesetze? zu- w i d e r l a u f e n d.(Heiterkeit und Zuruf link».) Abg. Legien(Soz.): Die theoretischen Ausführungen des Staatssekretärs find ja ganz schön, nur wäre es wünschenswert, sie auch in die Praxis zu übersetzen. Herr Dr. Mllller-Meiningen hat ein großes Loblied auf das Reichsvereinsgesetz gesungen und unS erklärt, er fei be- sonders stolz darauf, dabei mitgewirkt zu haben. Daß in ihm ein Fortschritt enthalten sei, haben auch wir bei der Schaffung deS Gesetzes anerkannt, wir wandten uns dagegen, daß Bestimmungen hineingekommen sind, die noch reaktionärer sind als die im preußischen Berein Sgesetz, nämlich der Sprachenparagraph und das Verbot der Mitgliedschast von jugendlichen Personen unter achtzehn Jahren in politischen Vereinen. Diese beiden Dinge kannte selbst daS preußische VereinSgesetz nicht, und diese Dinge sind von der liberalen Partei in daS angeblich liberale ReichSvcreinSaesetz hineingebracht worden. Herr Müller-Meiningen hat ja selbst gezeigt, daß das Gesetz Mängel hat. Er hat sich über den Mißbrauch der Bcstimmun- gen über die Polizeistunde beschwert. Wir hatten beantragt, gesetz- lich festznlegen, daß diese Bestimmungen auf Versammlungen und Vereine nicht anwendbar seien. Er beklagt sich, das über- wachende Beamte polemisch in die Verhandlungen eingegriffen haben; wir hatten beantragt, dies durch eine ausdrückliche Bestimmung im Gesetz auszuschließen. Herr Müller-Meiningen schiebt alles auf die Mängel in der Ausführung, aber in dem Gesetz selbst sind Bestim- mungen enthalten, welche die Möglichkeit der reaktionären Auslegung seitens der Verwaltungsbehörde geben. Wir haben dringend ge- warnt, ein Gesetz zu schaffen, welches der preußischen Regierung die Möglichkeit solcher reaktionären Auslegung gibt und heute sehen wir. daß gerade in dem Bezirk der preußischen Regierung die Vor- gänge sich vollziehen, über die wir zu klagen haben. DaS ist doppelt auffallend, weil der Reichskanzler gleichzeitig preußischer Ministerpräsident ist, es also sehr einfach hätte, mit dem preußischen Ministerpräsidenten ernsthafte Rück- spräche zu nehmen über die Handhabung des ReichSvereinSgesetze». Die Vertreter der konservativen Parteien erklärten es für wünschenswert, daß der Reichstag i»it solchen Jnterpellatioiieu verschont bliebe. Auch wir haben diesen Wunsch; daß eS nicht geschieht, ist nicht unsere Schuld, sondern die der Polizei« beamten, die daS Gesetz nicht keimen oder nicht kennen wollen, (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) und deS preußischen Ministers des Innern, der Anweisungen gibt, die notwendig zu mißbräuchlicher Anwendwig des Gesetzes führen müssen. Dahin gehört auch der Erlaß vom 16. April 1919. Der Staatssekretär hat es allerdings fertig gebracht, auch diesen Erlaß zu verteidigen. Freilich schränkte er das ein, indem er aussührte, daß auf feine Anfrage hin der preußische Minister des Innern die Behörden so informiert hat, daß eine»iißbräiichliche Anwendung nicht mehr eintreten solle. Der Staatssekretär sagte, auch nach diesem Erlaß sei es möglich, Einzelfälle zu prüfen und zu entscheiden. Darauf aber kommt es nicht an. sondem daraus, ob dieser Erlaß überhaupt gesetzlich zulässig war, und dieser Erlaß war ungesetzlich(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten), weil seine Aniveisungen dem§ 7 des Reichs- vereinsgcsetzeS widersprechen. Denn dieser Paragraph macht die Reise geht durch losen, heißen Sand, es ist, als wären die Füße bleischwer geworden. Leere türkische Patronentaschen ringsum er- zählen von dem jüngsten Angriff der Türken, und hier liegen auch Kochgeschirre und manche anderen Erinnerungen an das türkische Lager, das hier aufgeschlagen wurde, nachdem die Garnison die Stadt geräumt hatte. Der Anblick dieser öden toten Wüste genügt, um jede Begeisterung in einein menschlichen Herzen zu erdrosseln. So weit das Auge reicht, nur kahle weißlich schimmernde Sand- dünen, die hier und da vom Winde erhöht und erniedrigt werden. Fern am Horizont ein kleiner purpurner Fleck, der fast wie eine Wolke aussieht: das sind die fernen Garianiberge, die Felsenbarriere» hinter der die größere, die große Wüste liegt. In einer Sand- furche auf dem Hügelkamm kauern in ihren schweren zugeknöpften Uniformröcken die Außenposten und starren auf dies Bild der Trostlosigkeit hinaus. Nirgends ist ein Baum sichtbar, nirgends ein grüner Fleck. Nur im Südosten gewahrt man ein großes» weißes Gebäude, das Haus, in dem die Türken eine landwirtschaft- liche Schule zu errichten versuchten, um die Araber zu erziehen. Aber alles war abhängig von einem artesischen Brunnen, und der trocknete aus. Irgendwo an der Grenzlinie dieses toten Horizonte» sind die Türken, die lieber der erbarmungslos glühenden Sonne trotzen wollen, als sich ergeben.... Notizen. �— Zu Adele SandrockS Gastspiel lm Neuen König, lichen Opcruthcatcr am 1., 2. und 3. November(als Hamlet) er» halten die Gewerkschafter und Mitglieder der Freien und Neuen Freien Volksbühne Eintrittskarten zu besonders ermäßigten Preisen von Freitag, den 29. Oktober, vormittags 9 Uhr, ab ber Paul Harsch im Gcwcrkschaftshans. — Thcaterchronik. Im Theater der königlichen Hoch, schule wird Sonntag, den 22. Oktober, abends 7� Uhr, als Gast- spiel Berliner Künstler unter Leitung von I. Türk, der«Zapfen- streich" gegeben. — Musikchronik. Der Zentenartag Franz LisztS kvird Sonntag, den 22. Oktober, abend» 8V2 Uhr, im Charlottenburger Schillersaal durch einen Liszt-Abend begangen. — Ein neuer U r ni e u s ch. In der Pariser Akademie der Wissenschaften legte Dr. Henri Martin einen neuen, im Departement der Charcute gefuiidenen Mcnschenschädcl vor, der an Alter alle andern bisher aufgefundenen Schädel übertreffen soll. Martin stützt sich für diese Schätzung auf die alle anderen Schädel an Stärk« übertreffende Ausbildung des Gebisse» und der Augenwölbung. Auch das Skelett scheint gut erhalten. Daneben wurden auch ganz primi- live Sleimveikzeuge aufgedeckt. — D i e Zahl der drahtlosen Depeschen, die vom 1. Oktober 1919 bis zum 1. Oktober 1911 von der britischen Rcichspost befördert sind, zeigt das rasche Anwachsen dieses Ver- kehrsmittelö. Von der englischen Küste nach Schissen hin wurden 5649, von Schiffen auf das Land 34 161 Telegramme geschickt, fast 9999 mehr als im vorausgegangenen Jahr. Im ganzen wurde die Genehmigung für 197 Landstationen erteilt. Eine interessante Erweiterung des von der drahtlosen Telegraphie umspannten Erd- gcbietes ist jetzt durch Errichtung einer Station auf der Insel Spitz- bergen geschaffen worden, Genehmigung etnc-5 SlufziigeZ von der Prüfung der lokalen Ver- Hältnisse durch die Polizeibehörde abhängig. Nicht der Minister des Innern hat sie zu prüfen, er kann sie auch gar nicht prüfen. Trotz- dem sagt er, das; Aufzüge auf öffentlichen Strätzen und Plätzen in der Siegel nicht zu genehmigen sind. weil, abgesehen davon, das; sie den Verlehr beeinträchtigen und beunruhigend wirken, das unbotinnszige Auftreten der Teilnehmer die öffentliche Sicherheil u gefährden scheine. Also ohne eine Ahnung davon zu haben, ob jemals ei einem polizeilich genehmigten Aufzug derartiges vorgekomnieu ist, stellt der prcuszische Miuister des Jiiuern Behauptungen auf, für die ihm jeder Beweis fehlt und die natürlich auf die nach- geordneten Behörden wirken. Vielleicht gibt unS der Kollege C u n o Auskunft darüber, ob der ursprünglich in Hagen von ihm genehmigte Maiumzua von ihm auch verboten ivorden wäre, wenn dieser Erlag nicht gekommen iväre. Zu den zahlreichen augeführien Fällen will ich nicht»och viele hinzufügen. Nur einen will ich erwähnen, in welchem eine eklatante Nechtsverlctzuilg vorliegt, die unter Miiwisse» deS NegierungSpräsidenten und des Oberpräsidentcn, also der höheren Juftmize», erfolgt ist, an die unS der Staatssekretär rät, uns mit Beschivcrden zu wenden. Die Polizeibehörde von B i t t e r f e l d verlangte am 3. März d. I. von dem Bevollmächtigten des Fabrikarbeiterverbandes, er solle binnen acht Tagen ein Mitglicderverzeichnis einreichen, widrigenfalls eine Strafe von 10 M. eingesetzt werde. Das Verlange» der Polizeibehörde war ungesetzlich, denn das Reicks- vereinsgesetz kennt die Einreichung eines Mitgliederverzeichiiisses nicht mehr. Der Regierungspräsident wies die Beschwerde zurück mit der Begründung, dah der Verein ein politischer sei, der eine Ein- tvirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Auch eine weitere Beschwerde an de» Oberpräsidcnten ivurde abschlägig be- schieden, wobei der Oberpräsident sich auf ein Urteil des Ober- Verwaltungsgerichts berief, das in» Jahre 1900, also acht Jahre vor dem Erlas; des Reichsvereinsgesetzes, gefällt wurde. Der Oberpräsident erklärte den Fabrikarbeiterverbond in seinem Bescheid auch deswegen für politisch, iveil er seine Bersanrm- lungen in einciu Lokal abholte, das auch de»» sozialdemokratischen Wahlvcrein zur Verfügung stände. sLebhaftes Hör»! hört! links.) Das war ein Oberpräsident und nicht ei» Amts- Vorsteher. Am 3. August schrieb die Polizeibehörde, nack Erledigung der Beschwerde würde die festgesetzte Strafe von zehn Mark eingetrieben werden, weil das Mitglieder- Verzeichnis nicht binnen acht Tagen eingereicht sei. Hiergegen wurde Beschwerde beim Aintsgericht eingelegt, aber die Polizeibehörde er- klärte den Antrag auf gerichtliche Entscheidung für unzulässig. weil die Strasfestsetzung auf Grund des Z 132 des Landesverwal- tungSgesetzeö erfolgt sei und tatsächlich wurde am 2S. September die Strafe zwangsweise eingetrieben. Die Polizeibehörde stellt also eine ungesetzliche Forderung an den Bevollmächtigten deS Fabrikarbeiterverbandes und zwingt ihn als er ihr nickt Folge leistet, eine Strafe zu zahlen. Wir haben diese Dinge bei Beratung des ReichsvereinSgesetzeS vorausgesehen und den damaligen Staats- sekretär und jetzigen Reichskanzler interpelliert, wie es mit der Ber- waltungSproxis und der Anwendung deSLandcSverwaltuiigsgeietzcS sein würde, und in sehr klarer Weise hat der gegenwärtige Reichskanzler damals erklärt, daj; jedes schikanöse Eingreisen der Polizeibehörde vermieden werden solle und dntz die Beiummungen der Landesgesetzgcbung beseitigt seien, soweit sie i>»v ReichsvereinSgesetz selbst nicht ausdrücklich aufrechterhalten werden. Trotzdem wird jetzt eine derartige Strafe auf Grund des ß 132 des prcutzischen Landesvcrivaltungögesctzes zwangsweise ein- getrieben, lediglich deswegen, weil der Betreffende eine un gesetzliche Forderung der Polizei nicht erfüllt hat. Mit diesem Vorgang sollte sich der S t a a t S a n w a l t bc- schäftigen.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Unter Anwendung von Ge- Walt und Drohung hat die Polizeibehörde einem Dritten, der Staatskasse eine» widerrechtlichen Verinögensvorteil verschafft; das ist der Tatbestand der Erpressung, und es wäre wünschenswert, dost der preußische Justizminister, der die Staatsanwälte anweist, gegen Arbeiter, die einen Arbeitskollegen ihrer Organisation zuführen wollen, wegen Erpressung vorzugehen, auch hier die Stoatsanwaltschaft zum Vorgehen veranlaßt. sLcbhafre Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube aber nicht, daß er dieser Anregung folgen wird; vielleicht aber kann der Reichs- kanzler den preußischen Ministerpräsidenten veranlassen, dafür zu sorgen, daß dein Mann, dem widerrechtlich die 10 Mark abgenominen sind, dieselben zurückgezahlt werden. Das könnte auf dem Ber- waltungsivege sehr einfach geschehen. Der Staatssekretär sagte, ein Teil der vorgetragenen Fälle sei erledigt, weil keine Beschwerde geführt sei. Auch ich bin der Meinung, daß in jeden» Fall Beschiverde geführt werden soll. Aber es ist erklärlich, daß das oft nnterbleibt. Man»nuß damit rechnen, daß mit dem»viderrechtlichen Eingreifen der Polizeibehörde in vielen Fällen der Ztvcck der Versammlung vereitelt»st und daß die Ar- heiter, die»äglich ihren Lebeirsunterhalt erwerben müssen, sich»ich» leicht in langdaucrnde Beschwerden einlassen, wenn der Zweck der Versammlung doch eimnal vereitelt ist. Weiter koinmt hinzu, daß die Beschwerden nichts nutzen. So sollte in der Nähe von Rendsburg am vorigen Sonnabend eine Veriomnilung statt- finden. Da ein Lokal für die Sozinldeinokratie nicht zu haben »vor, wurde m dein Ort auf einen, eingefriedigten Grundstück ein Zelt aufgeschlagen. Der Amtsvorsteher gah statt der Bescheinigung über die Amiieldung ein V e r b o t- d e r Versammlung. Der Anmelder wurde vorstellig bei den» Landrat und dieser erklärte, er sollte die Beschlvcrde»christlich einreichen. Darauf wurde tele» graphisch Beschwerde beim Minister des Juiiern eingelegt und tele» graphisch kam die Antwort, der Regierungspräsident würde einen Bescheid erteilen und dieser Bescheid ging dahin, die Beschwerde würde an den Landrat abgegeben. tGroße Heiterkeit.) Da hat der Staatssekretär das Bcschwerdeverfahren, das er uns empfiehlt. Es läßt der Willkür der Polizei völlig freie Hand. Die oberen Instanzen versagen und ivochen- und monatelang bleibt eS bei dein Bescheid der uiiteren Behörden. Ein anderer Fall aus dc>n Kreise Labia»»: Eine Bersaminlung wird verboten nnd auf die eingelegte Beschwcidc entschcider in letzter Instanz das Over- verivalningsgericht, daß sie zu Unrecht verboten ist. Nu» wird eine neue Bersaminlung unter deiiselbei» Umstände»» angemeldet. der AmtSvorstehcr verbietet sie iviederinn und wieder, nn cnlscheid'et das Oberverwalningsgericht in letzter Instanz, daß das Verbot zu Unrecht erfolgt sei. Nunmehr wird unter den gleichen Umständen die Bersannnlung zum dritten- mal angemeldet und wiederum wird sie vo» demselben Anns- Vorsteher verboten. Da hat der Herr Staatssekretär das Bcschwerdeverfahren. Er soll dafür sorgen, daß der Ministerpräsident die Behörden in Preußen anwcist, gesetzlich z» verfahre», da»» brauchen wir das Beilvwcldeverfahren nicht.(Lebhafte Zustimniung bei den Sozialdemokraten.) Weiter sagte der Staatssekretär, die Bestimmungen des Gesetzes seien nicht so einfach, aber hoffentlich werde die Judikatur Klarheit schassen. An den unklaren Bestiinnrungei» ist ausschließlich die Regierung schuld, vor allem der gegen- w artige Reichskanzler, der durch seinen Wider- stand die Liberalen nnd Nationallibeialen zwang, diesen Bestiinmungen zuzust.mmen.(Lebhafte Zustiinniung links.) Wollten wir warten, bis die Judikatur Klarheit geschaffen hat, so könnten wir es erleben, daß wir so viele Auslegungen des Rcichsvereins- gesetzcs erhalten, als wir OberlandeSgerichie habe». Ter Staats- sekretär wies eine Bceiiiflnssniig der Gerichte von sich. Die ber- langen wir auch»»ichr vo» ihm. Wohl aber können wir verlangen. daß. wenn das Vereinsgesetz von den Gerichten falsch ausgelegt wird, er vor den Reichstag tritt und eine andere Fassung des Gesetzes beantragt.(Lebhafte Zustimmung bei de», Sozialdemokraten.) Und solche Aenderungen sind vor allem not- wendig bei den Bestimmungen von der Ueberwachung der Versamm- lungen. Dr. I u n ck meinte, daZ Gesetz kennt nicht cme Ueberwachung. sondern nur die Anwesenheit von Beamten. DaS ist ein Streit um Worte. Intelligente Beamte lernen ja in den gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Bersainmlunge«(Sehr richtig! bei den Sozial- demolraten). aber hingeschickt werden sie zum Zweck der lieber- wachung. Der Staatssekretär erklärte, es müsse der Polizei- behörde vorbehalten bleiben, zu entscheiden, ob es sich un» eine ösfentlichc oder»nn eine geschlossene Versaininlung handelt. Aber das Vereinsgesetz bestimmt ausdrücklich, daß die Polizei nur in an- z e i g ep f l i ch lig e V e r s a in n» l u n g e n Beamte entsenden dürfe. Da ist von einer geschlosienen Versainmlung gar nicht die RSde. In eine solche darf die Polizei Beamte nickt entsenden. Charalteristiich für des Staatssekretärs Auffassung von den Reichsgesetzen ist seine Erklärung, daß die P o l i z e i zu beurteilen hat. lims eine öffentliche Versammlung ist. Die Auslegung des Z 6, 3 durch den Staatsiekrelär ist auch falsch. Es komint bei den Gewerkschaflsversaiuinluiigcl» laut§ 6, 3 nicht aus die Teilnehmer, sondern auf de», Zweck der Versammlung an. Die Kommission hat in» guten Glauben und infolge der Erklär», ng des danialigei» Staatssekretärs v. Bethmann Hollweg. daß Geiverkschaftsversammlungen nicht überwacht»verde»», von einer Festlegung dieser Zusicherung durch Gesetz Abstand genonnnen. Jetzt wird das»»„gedreht; llnter Assistenz des Staatssekretärs»Verden die GewerkichastS- Versammlungen als öffentlich erklärt und überwacht I(Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Die Darlegung des Staatssekretärs über die Frage der Polizeistunde ist falsch. Landes- gesetzliche Vorschriften können nicht dadurch, daß das Strafgesetzbuch Bestrafung für ihre Verletzung festsetzt, reichSgeietzliche Kraft erlangen!(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Nach der Er- klärung des Staatssekretärs, daß zwar nicht»vegen der Polizeistunde eine Versammlung ausgelöst werden kann, aber nach§ 335 des Strafgesetzbuchs die Veriainmelte» bestraft und sogar hinaus- geworfen werde» können,»veil die Polizeistunde überschritten ist, ist die ganze Frage ja ein Streit um Worte. Wenn die Leute hinauSgelvorfeil werden, i st doch die Versamm- l n n g zu Ende— oder soll vielleicht der hinauswerfende Polizei- bcainle die Versammlung darstellen?(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Aber so liegen die Dinge gar nickt, denn ß 365 deS Strafgesetzbuches spricht nur von Schank- oder Vergnügungslokalen, wer aber eine Versammlung ab- hält, Hai das Hansrecht im Saal, der dann kein Schanklokal mehr ist, sondern ein Versammlungslokal. Die Rechtslage ist absolut einfach, der Staatssekretär brauchte gar nicht die Judikatur ab- zuwarten. Aber wir niüsieu nach den Erlläninge» des Staatssekretärs schon annehmen, daß man der Polizei gar nicht die Finger beschneide» will. Die Polizei könnte höchstens dem Gastwirt ver- bieten, nach der Polizeistnude noch etwas auszuschänken.(Sehr »vahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß, nach Dr. Höffel. die sozial- demokratischen Jugendvereine die Jugend von der bürgerlichen Gesellschaft fernbalien, ist doch keine Verletzung des ReichsvereiiiS- geietzcS, abgesehen davon, daß er keinerlei Beweis dafür hat vor- bringen können. Vorläufig steht die Sozialdemokratie noch auf dem Boden des allgemeinen Rechts, daher ist der Erlaß des preußische» Ministers de? Inner», der sich lediglich gegen die sozialdemokratischen Jugendvereine wendet, völlig uimcictzlich. JnSbeiondere ungesetzlich ist. nach Auffordening deS Ministers des Innern in diese»» Erlaß. die Fugendkommissioncn allgem«»»» als Vereine anzusehen. Der Reichskanzler darf insbesondere als prcnkischer Ministerpräside»»! solche Ungesetzlichkeiten nicht dulden. Neber die kulturelle Bedeutung unserer Jngcudbcwcgung Ivill ich hier nicht sprechen, ich ivürde doch nur tauben Ohren predigen. Aber»vir müssen verlangen, daß bei Bekämpfung sunserer Jugend- beivegung nicht die gesetzlichen Bahnen verlasse» toerdci». Geschieht da« doch,»vie bei diesem Erlaß deS preußischen Ministers des Innern. so köiinen Sie sich nicht wunder», wenn auf der Gegenseite das ungesetzliche Beispiel Nachahmung findet.— Herr Delbrück»»einte, der Reichskanzler töiiiie nur eine» moralischen Druck auf die Bundesstaaten ausüben. Ja»venn dieser moralische Druck nur aus- geübt wurde. Wenn der Miiiisterprändeiit in Preußen nur das ans- sühreu würde, was er hier im Reichstag vertritt. Oder sollte »virklich das preußische VertvalUlngSsystein io jammervoll sein, daß der höchste preußische Beainte iiichl»n der Lage wäre auf die untersten Beamten einznwirlen. Dann lassen Sie sich be- graben mit diesen» viclgerühmten preußi'che» Verivaltinigssysiem. (Sehr tvahr l bei den Sozialdemokralen.) Wir hoffen, daß diese fort- gesetzten Interpellationen schließlich doch den Erfolg haben»verden, daß dieser moralische Druck in Preußen ausgeübt»vird, dem» auch wir können nur wünschen, daß wir von solchen Verhandlungen in Zukunft verschont bleiben können.(Lebhafter Beifall! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gröber(Z.): ES ist ein Irrtum deS Herrn Staatssekretärs, daß die laiidesrechtl-chen Bestimmungen über die Polizeistunde auf Grund des§ 805 des Reichsstrasgesetzbuchs erlassen»verde»». Das geschieht vielmehr aus Grund von Landesgesetzeii.(Sehr richtig!) Die feine Unterscheidung des Staatssekretärs zwischen vereinspolizeilichen und schankpolizeilichen Rücksichten haben die Sache nur uuklar gemacht. Wie soll sich ein Gendarm, wie soll sich die Bevölkerung darin zurechtfinden! Wir müssen verlangen, daß die Regieriingen sich darüber verständigen, daß für Wahlversammlungen die Bestimmungen über die Polizeistunde nicht in Betracht kommen dürfen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Dave(fortsch. Vp.): Der Staatssekretär hat den Reichs- kanzler heute gewisierinaßen nur hingestellt als langgezogenen Paragraphen.(Große Heiterkeit.) Das ist er aber nicht, sondern er hat die Aufgabe, den ReichSgedankei» zu vertrete» gegenüber den BlindeSstaalen.(Sehr richtig I links.) Wir müssen verlangen, daß die Reichsge'etze ausgeführt werden in dem Sinne, wie sie er- lassen worden sind.(Bravo! links.) Abg. Leber(Soz.): Ich muß noch einmal auf das Verbot der Aufführung des Weiseri'chen»Jesus" durch einen zu diesem Zivecke gebildeten Verein in Eisenach zurückkommen, da der Herr Staatssekretär darauf nicht eingegangen ist. Man hat bei dielen, Verbot zurückgegriffen auf eine Verordnung aus dem Jahre 1854, die schon Professor Abbe als eine Rechtsbeugung deS Gesetzes bezeichnet hat, ohne daß er dafür bestraft ivorden ist.(Hört! hört! bei den Sozialdc»»okrateii.) Wir haben natürlich im Sachsen- Weimarischen Landtage die Regierung über dieses Verbot inier- pelliert. Ma» rühmt dem Deporlcnientch.f dcS Inner» nach, daß er ei» liberaler Mann sei und erwartete vo» ihm eine Anfbebiing des Verbots. Aber als die Laudessyiiude nnd der-erweiterte Kircheural sich dagegen wandten, daß Jesus auf die Bühne gezerrt werde, erklärte auch das Ministerium des Juuern das Verbot für gerechtfertigt, und trotz deS darauf einsetzenden einmütigen Protestes der geianiteii Bevötkerimg wurde da» Verbot aufrecht er- halten. Auch ein uaiionaltiberaleS Blatt betonte damals, daß das ReichsvereinSgesetz Vereinen hinsichtlich ihrer Veraiistaltuiigeu volle Freiheit gewähre. Aber mau ging so iveit, zu drohen, daß, wenn die Ausführung doch statlsände, man Polizei vor dem Theater auf- stellen und die Pcrcinsmitglicder mit Gewalt an dem Besuch der Vorstellung hindern werde. (Hört! hört!) Dieser Fall beweist, wie einzelne Btmdesstaaten sich über das Reichsvereinsgesetz hinwegsetzen, er zeigt, daß in einem Staate lvie Sachsen�Weimar. wo einst Goethe Minister tvar. sich beute die Reaktion genau so breit»nacht, wie in Preußen. Daher muß durch das Reich klar festgelegt werden, was eigentlich Rechtens ist.(Bravo! bei den Sozialdcmokroleu.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Meine jllristischen Darlegungen hat Herr Dave nicht»viderlcgt. Er wird auch nicht naMweiien könne», daß der Reichskanzler nicht versucht hätte, von seinen Be- fugnisien Gebrauch zu machen. Abg. Dove: Gewiß nicht, aber ich wünsche mir eben einen Reichskanzler, der das mit Erfolg tut.(Sehr gut! links.) Dainit schließt die Besprechung. Zu den Interpellationen über die Maul- nnd Klauenseuche er- klärt Staatssekretär Dr. Delbrück, daß er dtn Zeitpunkt der Bcant- Wartung noch mit dem Reichskanzler vereinbaren müfie. Es folgt die erste Lesung des Gesetzes betreffend dw Versicherung der Privatangestellten. Staatssekretär Delbrück: Die Vorlegung diese? bedeutungsvollen Gesetzes noch kurz vor dem Schluß der Legislaturperiode entspricht einem einhelligen Wunsche des Reichstags. Ich hoffe, daß es mög- lich sein wird, es noch zu verabschieden. Die Schwierigkeit des Gesetzes liegt darin, daß»vir hier Gruppen der erwerbstätigen Bevölkerung der Versicherungöpflicht unterwerfen wollen, die bisher der Versicheriingspflicht grundsätzlich nicht unterworfen waren. Die ganzen Versicherungsgesetze sind lediglich auf die Lohnarbeiter zu- geschnitten. Nunmehr tritt die Aufgabe an uns heran, für die große Schicht derjenigen Angestellten eine Ver- sicherung zu schaffen, die»m privaten Erwerbsleben eine beamteiiähnliche Stellung einnehmen und die»vir uns in den letzten Jahrzehnten als Privalbeamte zu bezeichnen gewöhnt dabei». Einzelne verständige, weitblickende Prinzivale haben bereits Versicherungsanstalten für diese Kategorie geschaffen. Der Gesetz- gebung lieg» eS nun ob, die aus privater Initiative hervor- gegaugencil Anstalten zu verallgemeinern, gerade so, wie vor einem Menschenalter dieArbeiterversicherungSgesetzgebung an die Schöpfungen der Privatinitiative anknüpfte. Es handelt sich hier um eine Kategorie, deren Mitgliederzahl auf ungefähr zwei Millionen zu veranschlagen ist. Etwa 500 000 Privatangestellte entbehren zurzeit noch jeder staat- lichen Versicherung, währeird die übrigen nrehr oder minder an der bestehenden Versicherung partizipieren, aber doch ebenfalls bei der jetzigen Regelung in Betracht kommen. Nun erhob sich als erste Frage, ob die Versicherung eine Zwangsversicherung sein soll oder nicht. Nach sorgfaltigen Erwägungen sind die Verbündeten Negierungen zu einer Bejahung dieser' Frage gelangt. Einmal ist bei dieser Frage zu bedenken, daß die Zahl der Unselbständigen gegenüber der Zahl der Selb- ständigen in ständigem Steigen begriffen ist.(Hört! hört! b. d. Sozial- deniokrvten.) Weitaus der größte Teil der Privatangcstellten besteht aus dauernd Unselbstäildigen.(Hört! hört I> Ferner ist zu beachten, daß die jungen und die günstig gestellten Privatangestellten iin all- gemeinen geringe Neigung zeigen, sich zu versichern, so daß eine freiwillige Versicherung Gefahr läuft, auf die älteren und die un- günstiger gestellte» Mitglieder dieser Schicht beschränkt zu werden. Wir haben weiter erwogen, ob eS sich empfehle, den Zwang auf alle Kategorien auszudehnen. Auch hier sind wir im allgemeinen zu einer Bejahung gelangt. Allerdings ist zu bedenken, daß die Privatbeaintcnichast vom Werkmeister bis zum Generaldirektor reicht. Die oberen Zehntausend, sozusagen, der Privatbeamtenschaft, die Leute mit Einkommen von über 5000 M., halten wir für zweckmäßig, von der VersicderungSpflicht zu befreien. Wer ein Einkommen in dieser Höhe besitzt, wird im ollgemeinen imstande sein, gegen Krankheilen usw. selbständig Borkehrungen zu treffen. Redner erörtert sodann ausführlich die Frage, ob eS sich empfehlen könne, zwar einen staatlichen Zwang zur Versicherling festzulegen, aber die Versicherung selbst Privatgesellschaften zu über- lassen, etwa in der Foim, daß generell bestimmt wird:»Jeder Privatbcamte hat einer Versicherung anzugehören", dem Einzelnen jedoch die Wahl dieser Versicherung übe» lassen bleibt. Redner er- klärt schließlich, daß die Frage entschieden verneint werden müfie. Eine allgemeine, staatliche Versicherung der Privatbemnten »nit auögiebiger Beteiligung der Versicherten an der Selbstverwaltung erschien als die gebotene Form.— Der Gedanke, die Landes- versichcruiigSanstallcn zu Trägern der Privatbeamtenversicherung zu machen, hatte zunächst etwas Verlockendes; die Schwierigleiten aber, die sich ihm entgegenstellten, waren so groß, daß er aufgegeben werde»» mußte. Wir schlagen Ihnen eine besondere Reicks- lasse mit möglichst kleinem b u r e a u k r a ti s ch e n Apparat vor. Die Frage, ob unsere wirtschaftlichen Verhältnisse es uns gestatten, derartige LeisUmgen, wie sie dies Gesetz mit sich bringt, der Produltion des deutschen Volkes aufzuerlegen, in dein Äugenblick, wo die ReichSversichcruirgSordnung mit ihren er- heblichcn Mehraufwendungen in Kraft tritt, hat der Reichstag ein- itiminig bejaht. Und auch ich glaube, daß wir diesen Schritt tun können, da unsere wirtschaftliche EntWickelung seit Jahren nicht rück- wärts. sondern vorwärts schreitet,»»nd da erfahrungsgemäß die moralische und wirtschaftliche, die sittliche und technische Leistungs- fähigkeit der erlverbölätigen Bevölkerung sich um so mehr steigert, als sie eine gesiiverte und gute soziale Position hat.(Bravo!) Die Weiterberatung wird auf Freitag 1 Uhr vertagt. Eine inzwischen eingegangene Interpellation Ablaß(Fortschr, Vp.) über die T e u e r u n g und den Futtermangel wird für Montag zurückgestellt. Schluß(r/t Uhr._ Zur englische» Cinlgungsalillon. I Genosse Sachs e- London, der über die Einig, mgSaktion in der englischen Sozialdemokratie eine andere Auffasslnrg hat als unser Londoner Korrespondent, ersucht uns um Aufnahme folgen- der Ausführungen: Die Donnerstag-Nummer des„Vorwärts" enthält einen An- griff seines Lortdoner Berichterstatters gegen einen von mir her- rührenden und in mehreren Parteiblättern erschienenen Artikel über die sogenannte sozialistische Einigungskonferenz von Mau- chester. Da die internationale Bewegung ein Interesse daran hat, über die wirkliche Sachlage unterrichtet zu sein, möchte ich im folgenden»neincn Standpunkt rechtfertigen. Hätte die S. D. P. offen und ehrlich erklärt, daß sie mit ihrer Aktion keinen anderen Zweck verfolgt, als sich mit den zerstreuten Anhängern von Grayson und Blatchford zu vereinigen, dann hätte man gegen ein so bescheidenes Unternehmen an sich wenig ein- wenden können, wenn, man auch sowohl im Interesse der S. D P. wie der Gcsamtbewegung seine Bedenken dagegen haben konnte. Denn woran es der S. D. P. gebricht, um sie vor der Erstarrung in unfruchtbarem Sektcntum zu bewahren, ist nicht die Gesellschaft von imperialistischen Wirrköpfen und iinpossibilistischen Eigen- brödlern, sondern die enge, lebendige Berührung mit den Wirtschaft. lich»»nd politisch organisierten Arbeitermassen. Unter der sozio- listischen Vereinigung in England versteht man und hat man stets verstanden die Vereinigung der S. D. P. mit der I. L. P. Das ist das Problem, und ein anderes gibt es nicht. Diese beiden sozio- listischen Organisationen vereinigt gäben die Geeinigte Sozialistische Partei Englands. Was die zersplitterten, keineswegs zahl- oder »»»itgliederreichen„unabhängigen" lokalen Organisationen tun odev lassen, spielt dabei eine ganz untergeordnete Rolle, und alle Per- Mutationen, Kombinationen und Variationen dieser verschieden- artigen Elemente, sei es mit der S. D. P., sei es mit der I. L. P.» machen noch keine Geeinigte Sozialistische Partei. Das Vorgehen der S. D. P. erscheint aber in einem noch viel ungünstigeren Lichte, wenn»nan weiß, daß sie unter dem Vor- wand einer Einigungsaktion den Versl:ch unternahm, die I. L. P.. d. i. die einzige sozialistische Partei, die bei einer Vereinigung wirk- lich in Betracht käme, zu sprengen. Das ist eine schwere Anschuldi- gung. Allein die Tatsachen reden eine deutlich« Sprache. Wenn eine Partei einen ehrlichen Versuch machen will, sich mit einer Bruderpartei zu vereinigen, dann ivendct sie sich einfach an den Vorstand dieser Partei und überläßt es ihm und den regulären Parteiinstanzen, korporativ, als Partei, zum Vorschlag Stellung zu nehmen. So hat auch die S. D. P. bei ihren früheren Versuchen zur Herstellung der Einigkeit gehandelt. Erst als sie einsehen mußte, daß' die Frage des Verhältnisses der beiden Parteien und der eventuellen neuen Partei zur Arbeiterpartei der Vereinigung mit der I. L. P. ein unüberwindliches Hindernis entgegenstellte, entschloß sie sich zu dem in der Parteigeschichte beispiellosen Schritt, alle Ortsgruppen der I. L. P. separat zur Einigungskonferenz einzuladen. Da die S. D. P. genau wußte und wissen mußte, daß die Vereinigung mit der I. L. P. als solcher jetzt ebenso hoffnungs. los war wie früher, so hatte dieses Vorgehen nur den einen Zweck, getolTfe Ortsgruppen der I. L. P., die in der Frage der Arbeiter- Partei dem Standpunkt der S. D. P. zuneigen, zu il?rcr Partei in Gegensatz zu bringen, sie zum Ausscheiden aus der I. L. P. und zum Anschluß an die S. T. P. oder die neue ,, geeinigte" Partei zu veranlassen. Das scheint mir ein Vorgehen, das einer sozialistischen Partei unwürdig ist. Wenn die I. L. P. gegen dieses Manöver keinen Protest erhoben hat, so zeigt das ihre große Toleranz gegen- über der schwersten Provokation, Vermutlich wollte sie auch den Schein vermeiden, als zweifle sie an der Lohalität ihrer Ortsgruppen. Wäre das Manöver der S. D. P. erfolgreich gewesen, dann wäre die sozialistische Bewegung in England schwer geschädigt worden. Wäre eS ihr gelungen, der I. L. P. jene Elemente zu ent- ziehen, die sich Tag und Nacht abmühen, die Arbeiterpartei in tlassenbcwußtere Bahnen zu lenken, dann hätte sie damit die Arbeiterpartei der ungehinderten Kontrolle der Opportunisten ausge- liefert, einen Brudcrkampf zwischen ohnmächtigen Sozialisten auf der einen Se>te und zurückgebliebenen Arbeitermassen auf der anderen Seite entfesselt, sie hätle die politische EntWickelung des englischen Proletariats um viele Jahre zurückgeworfen. Zum Glück ist der Versuch der S. D. P. mißlungen. Von den nahezu 800 Ortsgruppen der I. L. P. haben sich ganze 41 an der„Einigungskonferenz" vertreten lassen, und die Debatten haben den deutlichen Beweis erbracht, daß dies Elemente sind, die die I. L. P. und die Arbeiterpartei ohne Schaden für die Sache des Sozialismus ent- behren können. Es sind Elemente, die, wenn, was ja gar nicht sicher ist, die„Einigung" wirklich zustande kommt, der„neuen Partei" sehr bald unangenehm zu schaffen machen werden, Leute, die von Sozialreform nichts wissen wollen und die parlamentarische Aktion des Proletariats in der„furchtlosen Obstruktion" erschöpft sehen. Noch nie hat sich den englischen Sozialisten eine so herrliche Gelegenheit geboten, die Arbeiterschaft in sozialistische Bahnen zu drängen, wie gerade jetzt. Ein neuer Geist sck>eint die ganze eng- lische Arbeiterklasse ergriffen zu haben, die Indifferenz, die Saum- seligkeit von Jahrzehnten wird mit einem Male abgeschüttelt, Gewerkschaften, die in sozialen Friedensillusionen aufgewachcsn sind, unternehmen gewaltige revolutionäre Klassenkämpfe, die die ganze bürgerliche Gesellschaft erzittern lassen. Diese Tatsachen des sozialen Lebens drängen mit elementarer Gewalt zur Hervor- kehrung auch des politischen Gegensatzes ztvischcn Bourgeoisie und Proletariat. Schon äußert sich die größere Spannung zwischen der Regierung und der Arbeiterpartei in den heftigsten Angriffen von Arbeiterabgeordneten und des„Labour Lcader", in den Ztachtvahl- kämpfen der Arbeiterpartei gegen Liberale, in den gereizten Reden der Minister. Das wäre für die S. D. P. der rechte Augenblick gewesen, sich, wenn auck» sehr verspätet, den revolutionären sozia- listischen Elementen der Arbeiterpartei anzuschließen und in loyaler Zusammenarbeit mit ihnen die Arbeiterpartei ein für allemal unter eine entschieden sozialistische Kontrolle zu bringen. Statt dessen gibt sie sich unter dem Deckmantel von Einigungsbestrcbungcn mit kleinlichen Zersplitterungsversuchen ab, anstatt die Einheit des politisch organisierten Proletariats unter sozialistischer Leitung ber- beizuführcn, stärkt und verewigt sie den Sektencharakter der Bewegung. Die Arbeiterpartei ist der S. D. P. nicht gut genug; sie will nicht in einer„nichtsozialistisckcn" Partei„aufgehen". Diese Aus- rede wird mit jeder Wiederholung nur sinnloser. Die Arbeiter- Partei besteht Mann für Mann aus denselben organisierten Ar- beitern, Glied für Glied aus denselben Gewerkschaften, die in den letzten Monaten die Freude und der Stolz der internationalen Arbeiterbewegung geworden sind, nur daß sie außerdem noch die so- zialistischen Organisationen, die ihr beitreten wollen, unter statuta- rischem Ausschluß jeder bürgerlichen Organisation und jeder nicht- sozialistiscken politischen Arbeiterorganisation, umfaßt. Bei einer sozialistischen Partei, für die der Klassenkampf nicht eine bloße Redensart ist, die vpm Marrismus mehr gelernt hat als ein paar Phrasen, die man gedankenlos herunterleiert, darf hier die Frage gar nicht aufkommen, ob sie sich einem solchen Verbände anschließen soll. Sie gehört sozusagen von Geburt hinein. Hie libockus, bic ealu! Hier hat eine sozialdemokratische Organisation ihre Kunst zu zeigen, nicht in der begeisterten Annahme herzerfreuender Re- solutionen in rcklamehaft angepriesenen Sonderzusammcnkünften. Wer die Hoffnung aufgibt, eine Organisation wie die heutige eng- lische Arbeiterpartei von innen heraus in sozialistische Bahnen zu leiten, der verkündet seinen eigenen Bankerott, der verzweifelt am Sozialismus selber. Die S. D. P. hat sich wieder einmal unfähig erwiesen, von ihren besseren theoretischen Traditionen zu profitieren, sie hat die in ihr enthaltenen prächtigen sozialistischen Elemente von der lebendigen organischen Bewegung des englischen Proletariats ausgeschaltet und sich für weitere Jahre zu einer negativen, wenn nicht destruktiven Rolle in der Arbeiterbewegung verurteilt. So bleibt die Hoffnung für die Zukunft der Arbeiterbewegung, die Zukunft des Sozialismus in England bei den vorwärtsstrebenden Elementen der I. L. P., die behindert durch mangelhafte theoretische Schulung. durch die verkehrten Seitensprünge der außenstehenden Sozialisten und durch den verzweifelten Widerstand der Opportunisten in� den eigenen Reihen, die Arbeiterpartei zu einer definitiven sozialistischen Partei zu machen suchen. Eine schwere Aufgabe, die die S. D. P. hätte zu einer leichten machen können. Aber sie saugen immer neue Nahrung aus dem fruchtbaren Boden der organisierten Ar- beiterklasse selber, an der sie festhalten, und ihr gesunder Klassen- instinkt hilft ihnen über alle Klippen fort. Schon sind sie nahe daran, die I. L. P. und ihre parlamentarischen Vertreter zu beherrschen, und loenn das erreicht ist, dann werden sie mit unwider- stehlicher Wucht die ganze Arbeiterpartei mit sich reißen. Marktpreise von Berlin am 18. Oktober IS11. nach Ermittelung deZ Königlichen Polizeipräsidiums. Marktballen preis«.(Kleinbandcl), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35,00— 50,00. Speisebobneil wcisie, 35,00—50,00. Linien 40,00—80,00. Kartoffeln 7,00— 14,00. � 1 Kilogramm Nindflcisch, von der Keule 1,00— 2,40. Rindfleisch. Bauchflcisch 1,30 bis 1,70. Lchweilieflcisch 1,30— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40, Hammelfleisch 1,30—2,60. Butter 2,40—3,40. 60 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,40— 3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,10—3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,40-30,00._ Wasserstandö-Rackirtchte» der LandeSanstalt sflr Gemäslerkunde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Lafferttand M c m e l. TtlftI kregel, Jmtcrburg Weichsel, Tbar» Oder. Rattbor , Kronen , Kranffiiri Warthe, Schrimm , Landsberg Rehe, Vordamm Elbe, Letlmerch , Dresden , Barby . Magdeburg am 18 10. °73 -HO 2 94 29 44 -33 55 -37 -70 —196 18 27 'CU 17.10 nro') +1 —4 —4 0 —1 —1 +1 +1 —1 -f 6 — 5 _ o -1 Wafferfland Saale, Grochlttz Havel, SvandauK , Ratbenow») Spree, Svremberg') , BeeStow Weser, Münden . Rinden Rhein, Maximlliansau , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Mai», Werthemi Mosel, Trier am 18.10. am 40 12 —3 86 86 71 140 380 164 134 20 82 IV feit 17.10. cm1) —2 _2 —3 0 0 —6 —3 —16 —-6 —7 -1 -2 +1 ')+ bedeutet Wuchs,— gall.—•) Uniervegel. Unsere Leistiinssfliliiskeit ist sOTicMtlicii! Zum Herbst bieten wir wieder Hervorragendes! S8SS HARK* WKsxWWKMy •• f Mich' i r liif Iii WM FÜR DAMEN Feine Chromleder- Schnürstiefel Lackkappen, moderne breite Form.......... vy Boxcalfled.- Schnür- u. Knopfstiefel ygQ unerreicht in QuxliUt und PreiswOrdigkeit..... J Feine Boxcalf- oder Chevreau- Schnürstiefel Derbyschnitt, Lickktppe, elegante Modefortn........................... Unser„ O r ig. G 0 0 dy ea r- Welt"- Fabrik« In Boxcslf, Lsck oder Chevreau, mit modernen Wildledereinsltzen................ 18.50 14.50 1050 1250 HERREN Schnürstiefel, Chromleder mit Ltckkippem elegante Form, extra preiswert................ 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Weisskohl.... prd. 5 pr. Kohlrüben.... prd. 4 pr. BianenkoU prd.38, 43 pr. Oporto-Zwiebelnpfd.10 rt. Mohrrübe«... prd. K pr Sellerie.. Kopr 8, 10 rt. Schwarzwurzeln prd. 25 pr. fakefm Simch Pa. Schmorfleisch....... prd. 90 pr. Pa. Roastbeef Pfd. 95, b«i 10 prd. 90 pr. Fehlrippe u. Brust prd. 75, 5 ptd. 70 pt Kamm u. Querrippe 65,$ m 60 pr. Gulasch pa 70 Pt Gehacktes 60 pt Pökelzungen.......... ptund 1.50 Frischer Schinken"n•"""itd 65 Pt Schweinefilet......... Pfund 1.10 Schweinekotelette prund 75, smf""" 70 pt Kamm u. Schuft prd. 65, gatam 70 pt Eisbein u. Pökelkamm"n s"und 65 rt. Kalbskamm u. Bug prd. 75» gataut 80 pt Kalbsbrust.. rt± 85 rt.-Spitze 1.00 Hammelkeule im guura.. pfuad 75 pt Dicke Rippe 65, Dünnung 55 pt Kasseler Rippespeer prd. 60 bu 75 rr. Hirsch u. Wildschwein Keule Rücken Blatt Ragout pfd. 80 65 55 25 pr, Hasen gattreir«..... 3.25» 3.50 Wilde Kaninchen gaatmin 70, 80, 90 n. CaaeBbert.«ück 23 pt Briekäse.. ptund 75 pt Lnnborger Käse prd. 60 pr. 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Juni einem Ausschuß überwiesen worden, der die Annahme des Magistratsantrages mit der Matzgabe empfohlen hat, daß in dem Amt auch eine journalistisch befähigte Persönlich- Zeit beschäftigt werden soll. Mit der weiteren Ausbildung des Amtes soll das Einverständnis erklärt werden.— Die Versammlung genehmigt die AuSschutzvorschläge ohne Debatte. Ueber die Petition der Pförtner, Kassendiener und Leichendiener bei den städtischen Irrenanstalten und bei der Anstalt für Epileptische Wuhlgartrn um Festsetzung einer anderen Lohnordnung berichtet Stadtv. Bruns(Soz.). Der PetitionsauS- schütz empfiehlt einstimmig, die Petition dem Magistrat zur Be- rüeksichtigung zu überweisen. Ohne Diskussion wird dem- gemäß beschlossen. In der Ausschutzberatung find die Vorentwürfe zu« Neubau von Gemeiudedoppelschulen in der Malplaquet-, Schönflietzer und F i n n l ä n d i- s ch e n Stratze sowie einer einfachen Gemeindeschule in der Gothenburger Stratze, ferner die speziellen Entwürfe für den Neubau von Gemeindcdoppclschulen in der Ofener, Duncker- und Lütt ich er Stratze genehmigt und die Anschlagsüberschrei. tungen bei 11 städtischen Bauten(Friedrichswerdersches Gym- uasium in der Bochumer Stratze, 6 Eemeindeschulen, Volksbade- anstalt Gerichtsstratze, Torgebäude des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde, Postgcbäude in Buch, UntersuchungSamt An der Fischcrbrücke) mit zusammen rund 200 009 M. zur nachträglichen Genehmigung empfohlen worden. Sämtliche Entwürfe werden gutgcheitzen und die Anschlags- Lberschreitungen nachträglich genehmigt. Am 3. Oktober hat die sozialdemokratische Fraktion den fol- genden Antrag Dr. Brons eingebracht: „Die Versammlung beschließt, durch einen Ausschuh von 10 Mitgliedern Maßregeln erwägen zu lassen, um den Miß- ständen abzuhelfen, die sich bei der bisher üblichen Ferienfest- setzung bemerkbar machen." Stadtv. Dr. Arons: Alljährlich, wenn wir aus den Ferien zurückkommen, bekommen wir eine Reihe von Vorlagen, die die nachträgliche Genehmigung der Versammlung erbitten. Das ist auch in diesem Jahre der Fall gewesen. Es hat sich dabei nicht bloß um Annahme von Vermächtnissen gehandelt, die uns ja nur sehr angenehm sein können; es ist diesmal z. B. auch die Veraus- gabung von 4000 M. für die Jnstandfehung eines Försterhauses in der Wuhlheide uns erst nachträglich zur Genehmigung unterbreitet worden. ES kann sich aber auch um ernste Dinge handeln: beim ersten Schießertaß des Herrn von Jagow tvaren wir gerade im Begriff, auseinanderzugehen, beim zweiten waren wir überhaupt nicht da. Ueber die Wichtigkeit dieser Er- lasse kann man ja schlietzlich verschiedener Meinung sein; aber ich rechne auf die ungeteilte Zustimmung sämtlicher Kollegen, wenn ich daran erinnere, datz der Magistrat sich im vorigen Jahre dem Kriegsminister gegenüber betreffs der Verhandlungen über den Berkauf des Tempelhofer Feldes wiederholt direkt auf die Ferien bezog und darauf, datz deswegen die Verhandlungen zurzeit nicht weiter gefördert werden könnten. Das Kriegsministerium bekam dadurch die höchst bedenkliche Möglichkeit, zu sagen: mit einer Körperschaft, die uns aus derartigen Gründen im Stich lätzt, konnten wir zu einem gedeihlichen Abschluß nicht gelangen. Nach unserer Geschäftsordnung sind Sitzungen innerhalb der Ferien durchaus zulässig und möglich; Tatsache aber istz datz der Magistrat davon auch bei einer so wichtigen Sache keinen Ge- brauch gemacht hat. Unter diesen Umständen haben wir Aus- schutzberatung zur Prüfung der Sache vorgeschlagen. Man könnte ja von den Ferien ganz absehen und Anfang Juli durch den Vorsteher erklären lassen, datz voraussichtlich in den beiden nächsten Monaten keine Sitzungen stattfinden oder nur Gegenstände von besonderer Bedeutung verhandelt werden würden. Die Ferren abschaffen, hat an sich kein Bedenken, da heute Ferien- reisen zu jeder Jahreszeit vorgenommen werden; aber da man zu einem solchen Beschluß heute nicht kommen wird, ist A u s s ch u tz- beratung vorgeschlagen. Stadtv. Cassel(A. L.) ist mit letzterem Antrage einverstanden, spricht sich aber gegen die Abschaffung der Ferien aus. Dagegen werde zu erwägen sein, ob nicht die Bestimmung der Geschäfts- ordnung. daß schon der Widerspruch von 10 Mitgliedern gegen die Abhaltung einer Fenensitzung genügt, zu ändern sein werde. Stadtv. Mommscn sFr. Fr.) hat nichts gegen Ausschuß- beratung. hält aber die Nachteile einer Veränderung oder Auf- Hebung der Ferien für schwerwiegender als die Vorteile. Vorsteher Michelet: Die Möglichkeit einer außerordentlichen Sitzung in den Ferien hat immer bestanden. Antragsteller Dr. Arons: Ich habe ja selbst auf diese Möglich. keit hingewiesen; aber gerade der Vorfall mit dem Tempel- hofer Feld gibt mir zu meinem Antrage Veranlassung. ES ist gleichgültig, ob das KriegSministerium nur Scheinmanöver gegen uns gemacht hat oder nicht, wir durften diesem Kontrahenten auch nicht den Schein der Berechtigung zu seiner Behauptung geben Die Einsetzung eines Ausschusses von 10 Mit» gliedern wird beschlossen. Mit dem„Ausschuß der Berliner Turngaue E. V." soll ein Vertrag abgeschlossen werden, wonach das dem Ausschutz gcbörige Spielgelände im Grunewald bei Eichkamp auf 10 Jahre gegen eine jährliche Enlschüdigung von IbOO M. für die S ch u l j u g e u d vo» April bis September wochcntäglich bis 7 Uhr abends zur Ver- fügung gestellt wird. Die Versammlung stimmt dem Vertragsabschluß zir. Die Bestimmungen über den Unterricht in den Berliner Hilfsschulen sollen in einigen Punkten auf Verlangen des UnterrichtSministerS abgeändert werden. Der Satz in§ 1. datz die Hilfsschulen für Kinder aller ReligionSgcmcinsckmftcn bestimmt sind, hat das be- sondere Mißfallen des Ministers erregt, der entgegen der Magi- stratsauffassil'-g die Berliner Gemeiudeschulcn für durchweg konfessionell erklärt. Nach den Beschlüssen auS dem Dezember 1910 sollte die Pflicht- stundcnzahl der Lehrer an den Hilfsschulen derjenigen der Volks- fchullehrer gleichstehen: ein Antrag, sie für die Hilfsschullehrer um wöchentlich zwei zu verringern, war abgelehnt worden. Der Minister verlangt jetzt diese Ermäßigung; der Magistrat will sie nunmehr zugestehen. Tagegen lehnt er nach wie vor ab. die Funk- tionSzulagen während der Probezeit dem Hilfsschul'chrcr zu zahlen, wenn dieser den Hilfsschulunterricht zu erteile» ver. hindert ist. Stadtv. Dr. Mosenfcld(Soz.): Wir wollen die un» hier ge- hotene Gelegenheit benutzen. Fehler in der Vorloge zu beseitigen. deren Beseitigung uns in der ersten Beratung nicht gelungen ist. An unseren Beschlüssen 3»§ 1 will der Kultusminister den Irrtum vermieden sehen, als ob die Berliner Eemeindeschulen etwa simultan seien. Er möchte am liebsten auch die schwach be- gabtcn Kinder in konfessionelle Schulen bringen, und dagegen müssen wir uns wenden. Man sagt sich in pädagogischen Kreisen allgemein, datz die Hervorhebung des konfessionellen Charakters der Schulen bei den Schwachbegabten ganz besonders schlecht angebracht ist. Bemerkenswert ist in der Erklärung des Unterrichtsministers, datz die Berliner Volksschulen konfessionellen Charak- tcr haben; er spricht damit etwas aus, was wir immer be- hauptet. die Liberalen aber immer bestritten haben. Wir haben in Preußen überhaupt nur noch 2 oder 3 Proz. Simultanschulen. Ter Magistrat scheint ja selbst an dem simul- tanen Charakter zu zweifeln. Weiter stellt der Unterrichtsminister zu den Bestimmungen über die Lehrkräfte zwei Forderungen auf, die wir schon bei der früheren Gelegenheit erhoben haben; wir be- finden uns also hier in der besten Gesellschaft. Nach unseren früheren Beschlüssen sollen die Lehrer dieselbe Pflichtstundcnzahl haben wie die Gemcindeschullehrer; wir haben uns damals dagegen gewehrt und erreichten auch im Ausschutz unser Ziel, aber im Plenum kam es nach einer zweifelhaften Abstimmung, wobei wir vergeblich die Wiederholung verlangten, zur Ablehnung. Jetzt koinmt uns hier der Kultusminister zu Hilfe. Die Tätigkeit dieser Lehrer ist schon an sich eine andere als die der Gemeindeschullehrer; andererseits aber haben viele dieser Herren wohlerworbene Rechte, die ihnen genommen werden würden, wenn der damalige Beschlutz in Kraft treten sollte. Das Amt des Lehrers an den Hilfsschulen ist anstrengend und aufreibend, weit mehr als der Unterricht an den Normalschulen; er ist auch nicht mit dem Glockenschlage des Unterrichts selbst zu Ende, denn diese Lehrer sollen auch in den Kinderhorten mithelfen. Bedauerlich ist es, datz cS erst des UnterrichtSministerS bedurfte, um den Magistrat von der Richt-gkeit unserer Auffassung zu überzeugen. In dem anderen Punkte, in der Entziehung der Amtszulage der Lehrer für den Fall ihrer Behinderung will der Magistrat nicht nachgeben. Wir stimmen auch hier durchaus mit dem Unterrichtsminister über- ein. Es ist doch nicht gerechtfertigt, datz diesen Lehrern innerhalb der Probezeit die Funktionszulage etwa im Falle einer Krankheit entzogen wird; das ist eine durchaus unbillige Härte. Mit der Annahme beider Anträge sind aber natürlich noch keineswegs alle berechtigten Wünsche erfüllt. So sind bezüglich der Pensionsfähigkcit der Zulage andere Kommunen viel weiter ge- gangen; von 171 preußischen Orten, die solche Schulen haben, haben 94 diese Pensionsberechtigung anerkannt. Stadtschulrat Dr. Fischer: Bis 1875 galten unsere Gemeinde- schulen als konfessionelle. Später wurden auf Verwendung des Stadtschulrats Bertram in dieser Beziehung von der Schul- aufsichtsbehörde Zugeständnisse gemacht und ein Teil der Schulen als S i m u l t a n s ch u l e n anerkannt; 1895 wurden diese Zugeständnisse gewissermaßen zurückgezogen. Die Frage ist niemals zum Austrag gebracht worden. Man könnte ja selbst in einem Verwaltungsstreitverfahren auf Grund des Schulunterhaltungs- gesetzes die Sache klären, aber der Ausgang ist zweifelhaft und wir befinden uns bei den gegenwärtigen Verhältnissen immerhin wohl. Ter Minister will ja auch seinerseits die Frage nicht zum Austrag bringen. Im Punkte der besonderen Belastung der Lehrer sind die Meinungen in der Schulverwaltung sehr geteilt; der Magistrat hat aber geglaubt, entgegenkommen zu sollen. In der Remunerationsfrage glaubt er aber den Wunsch des Ministers ab- lehnen zu müssen. Stadtv. Dr. Knaucr(A. L.) bedauert die Stellungnahme des Ministers zu tz 1, die sich unzweifelhaft auf ultramontane Ein flüsse zurückführe. Oberbürgermeister Kirschner bleibt dabei, datz die Belastung der Hil'sschullehrer nicht größer sei als die der Normalschullehrer. Die Hilfsklassen seien doch schwächer besetzt. Diese Lehrer er- hielten ja für ihre Leistung ohnehin die Zulage von 300 M. Wenn sie verhindert seien, die Leistung zu prästieren, könnten sie in diesem Fall während der Probezeit doch nicht die Zulage beziehen, da man doch den Vertreter bezahlen müsse. Stadtv. Dr. Rosenfeld: Ter Stadtschulrat hat lediglich be- stätigt, daß zurzeit in Berlin keine Simultanschule be- st e h t. Die Liberalen aber behaupten nach wie vor, datz wir in Berlin die Simultanschule hätten, und nur das habe ich bestritten. An die H i l f s s ch u l l e h r e r wird tatsächlich die Anforderung gestellt, sich auch außerhalb des Unterrichts um diese Kinder zu bekümmern; siehe tz 6, Ziffer 3. Damit rechtfertigt sich unser Antrag. Wenn der Wegfall der Funktionen den Wegfall der Funktionszulagen notwendig zur Folge haben sollen, mutz auch das Gehalt fortfallen, wenn der Beamte leinen Dienst tut.(Leb- hafter Widerspruch.) Stadtv. Dr. Knaurr sieht in der Konfessionalitätsfrage einen baldigen Konflikt zwischen Berlin und dem Kultusministerium vor- aus. Dem Magistrat springt dann unter Polemik gegen seinen Fraktionsgcnosscn der Stadtv. Cassel bei. Damit schließt die Beratung. Nach einer nochmaligen Auseinandersetzung zwischen Dr. Ritter und Dr. R o s c n f c l d legt Stadtv. Cassel da- gegen Verwahrung ein, datz diese beiden Redner das Wort nach Schluß der Debatte als Antragsteller erhalten hätten, was nach der Geschäftsordnung nur bei selbständigen Anträgen zulässig sei. In der sich entwickelnden GeschäftSordnungSdevatte stellen sich Stadtv. Rosen ow(N. L.) und Bruns auf die Seite Cassels, während der Vorsteher und Stadtv. Körte(Fr. Fr.) ent- gegengesetzter Meinung sind. Die Vorlage wird angenommen. Schluß W Uhr._ eine noli(ands>nWion der Victoria zu Berlin. Die Victoria zur Berlin macht wieder einmal in B e a m t e n- für sorge oder, wie sie es nennt, WohlfahriSeinrichtungen für ibre Beamten. Die LebenSmittelteuerung hatte in einigen der Direktion ergebenen Angestellten die angenehme Hoffnung erweckt, sich auf billige Weise eine gewisse Popularität unter den Beamten zu' verschaffen. Indem sie die Direktion— natürlich unter Wahrung allcruntertänlgster Formen— zur Gewährung einer Teuerungs- zulagc zu veranlassen suchten. Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation ist ja so traurig, datz selbst diese treuergebenen Seelen einen Erfolg ihrer Aktion für unzweifelhaft hielten, besonders da die Victoria eins der wenigen deutschen Grotzinstitute ist. das bei der seit Jahren anhaltenden Steigerung sämtlicher LebenZbedürf» nisse nock, keine Teuerungszulage gewährt hat. Aber Seine Majestät von Kapitals Gnaden beliebten auch jetzt noch, hartleibig zu sein. Solche TeuerungSzulagc» führten,— so meinte der Herr General- direktor— nur zu einer Steigerung der Ansprüche, auf welche die Angestellten auch nach Beseitigung der Teuerung nicht wieder ver- zichtcn würden. Statt dessen erbot er sich in außerordentlich hoch. herziger Weise, den Anzestellten den Bezug von Naturalien zu er- leichtern. Und so geschah's. Folgende drei Verfügungen er. blickten das Licht der Welt: Generalverfügungen. I. Wie im Vorjahre, so können auch in diesem Jahre Kar- toffeln durch unsere Konsumvereinigungcn bezogen werden. Ter Preis stellt sich auf 4,15 M. für den Zentner frei Haus. Be- ftellungcn, die nicht unter IVj Zentner betragen dürfen, sind auf den bekannten selben Bestellzetteln durch die Listenführer einzureichen, Aus besonderem Entgegenkommen wollen wir für diejenigen verheirateten Beamten, welche ein Gehalt bis zu 2000 M. be- ziehen, einen Teil der Kosten selbst übernehmen; über den Um- fang, in welchem wir das in jedem einzelnen Falle tun wollen, behalten wir unL. nach Eingang der Bestellungen, die Entscheidung vor. Wir erwarten aber als ganz selbstverständlich, datz mit der von uns gebotenen Vergünstigung keinerlei Mißbrauch getrieben wird; insbesondere warnen wir dringend vor dem Weiterverkauf dieser wie jeder anderen durch uns bezogenen Ware; denn wir müssen im allgemeinen Geschäftsinteresse gerade als Versicherungsgesellschaft unbedingt dafür sorgen, datz durch unsere Be- amten den Kleinhändlern nicht Konkurrenz gemackt wird. Wir würden in jedem uns zur Kenntnis kommenden Falle unbedingt die Entlassung des Schuldigen aussprechen müssen, Berlin, den 23. Söptember 1911. Victoria zu Berlin. gez. O. Gerstenberg. II. Im Anschluß an die Generalverfügung vom 23. Scp- tember 1911 betr. Kartoffelbestellung wird bekannt gegeben, datz die Bestellungen bis Montag, den 2. Oktober cr., eingereicht werden müssen. Geliefert werden folgende Winterkartosfelsortcn: Rote Dabrr und dlaxnum dornim. Die Bezahlung kann in vier Raten stattfinden, die bom Gehalt in Abzug gebracht werden. Berlin, den 29. September 1911. Victoria zu Berlin. gez. Gcrstenberg. III. Hiermit geben wir bekannt, datz wir denjenigen ver- heirateten Beamten, die einschließlich Wohnungsgeldzuschutz ein Gehalt bis zu 3000 M. beziehen und sich nicht im Kündignngs- Verhältnis befinden, die von ihnen bestellten Kartoffeln unent geltlich liefern werden. Dasselbe gilt für die unverheirateten Beamten, welche mit Eltern und Geschwistern einen gemeinsamen Haushalt führen und zu dessen Unterhalt in der Hauptsache durch ihr Gehalt beitragen. Berlin, den 9. Oktober 1911. Victoria zu Berlin. gez. O. Gerstenbcrg. Zur Erläuterung sei gesagt, datz bekanntlich der Preis von 4.15 M. pro Zentner Kartoffeln selbst für die Zeit hoher Kartoffel- preise kein allzu billiger war. Daher konnte dieser Preis keinen Angestellten verführen, Kartoffeln aus dieser Quelle zu bestellen. wenn er nicht gerade auf unentgeltliche Lieferung rechnen konnte. Es liefen auch nur sehr wenig Bestellungen ein: bei 8009 Beamten nur 2000 Zentner. In diesen geringen Bestellungen sah Herr Direktor Gerstenberg einen Mangel an Vertrauen zur hohen Direk- tion und verfügte, datz die artigen Kinder, die schon bestellt hatten, die Kartoffeln jetzt sogar umsonst haben sollten. Die anderen An- gestellten wurden dadurch bestraft, datz nun Bestellungen nicht mehr entgegengenommen wurden. Das war die Nolstandsaktion der Victoria. Nun eine Frage an die Angestellten: Soll die Spekulation der Direktion auf die mangelnde Einsicht ihrer Angestellten wirk- lich Erfolg haben? Wollen sich die Angestellten wirklich mit einem Linsen-— Pardon—„Kartoffelgericht" abspeisen lassen, während andere Versicherungsgesellschaften längst Teuerungszulagen gewährt haben? Wir hoffen, daß ihre Antwort ein lautes und klares „Nein!" sein wird. Sie müssen diese Art Wohlfahrtseinrich- tungen als ungeeignet einmütig ablehnen. Die patriarchalischen Zeiten bei der Victoria sind vorbei. Heute finden selbst die wohl- gelittensten Beamten, wenn sie mit Wünschen für die gesamte Kollegenschaft an die Direktion herantreten, kein Gehör mehr. Wer bettelt, darf sich über da» Almosen nicht beklagen. Die An- gestellten mögen endlich fordern lernen. Darum hinein>» die Gewerkschaft: den Zentralverband der Handlungsgehilfen. � Während wir dies geschrieben haben, ist uns eine neue Ver- fügung auf den Tisch geflogen, die das Kartoffelgeschenk recht wirkungsvoll ergänzt. Die neueste soziale Tat wird folgendermaßen verkündet: Jedem nicht gekündigten, verheirateten Beamten, der ein» schließlich Wcchnungsgeldzusckmß ein Gehalt bis zu 3000 M. be- zieht, liefern wir auf Wunsch im Mionat Oktober cr. 1 Pfund Kaffee und 2 Pfund Zucker, und in den Monaten Zlo- vember und Dezember cr. je 2 Pfund Kaffee und 4 Pfund Zucker unentgeltlich, jedoch nur für den eigenen Bedarf. Berlin, den 13. Oktober 1911. Victoria zu Berlin. gez. Gerstenberg. Wir raten der Direktion, auf dem nun einmal so erfolgreich beschrittcnen Wege fortzufahren und den Angestellten das Gehalt nur noch in Naturalien, vielleicht auch in Suppenmarken. Stiefel- wichse. Limonaden usw. zu verabfolgen. Freilich darf dabei auch nicht übersehen werden, für die notwendige Schlafgelegenheit zu sorgen. Es eröffnen sich ungeahnte Perspektiven nach dieser Aich- tung hin. Wir hoffen aber, daß die Angestellten diese eigenartigen Matz- nahmen der Direktion als das erkennen, was sie sind: eine Vcr- höhnung ihrer Menschenwürde. von dem Meitswiliigen-Pnptling yintze. Zur Zeit der Moabiter Unruhen teilte der ZigarrenHnbkr Strebnv als Redner in einer Versammlung der Demokratischen Vereinigung in Verlin Anfang Oktober 1910 mit, er habe der Polizei Mitteilung gemacht, wo sich der wegen Entziehung der Militärpflicht verfolgte Hinhe nuflmltc. Der Polizeiivachtmeister, dem diese Anzeige gemacht wurde, habe den?-ttel, auf dem er sie notierte, zerrissen, als er hörte, daß es sich um den berüchtigten ArbeitSwilligenhäuptling von Moabit handelte. Diese Mitteilung wiederholte der Genosse Weber auS Königsberg in einem Referat. das er am S. November 1910 in Dauzig über:„Tie Blutnächtc in Moabit" hielt. Außer wegen einiger anderer Stellen dieser Rede stellte der Berliner Polizeipräsident gegen Weber auch Straf- antrag wegen Veleidlguug de? Pvlizcibcamten durch die angeführte Stelle. Durch sie sollte dem Polizciwachtmcister Kllnnig der Vorwurf schwerster Pslichtvernachlässignng zugunsten des Hintze gc- macht sein. Die Anklage kam am Dienstag vor der Tanziger Strafkammer zur Verhandlung. Der Wachtmeister Ksinnig erklärte als Zeuge, auf alle Einzel- heften des Besuches, bei dem Strebnh an einem Sonntag im Scp- tember ihm über Hintze Mitteilungen machte, könne er sich nicht mehr genau erincrn. Strebny habe einen Mann namens Hintze festnehmen lassen wollen.� Dessen Wohnung gab cr aber nicht an, sondern sagte:»Die wissen Sit besser als ich, der wird doch gc- sucht." K. will erwidert haben, datz er das nicht wisse. Er Hab- sich aber einige Notizen gemacht, um die Sache im Auge zu be- halten. Strebnh habe eine Adresse angegeben, die der Beamte später als nicht richtig festgestellt hat. Strebny habe gemeint, der Hintze solle sich in Moabit aufhalten. K. will ihm darauf erwidert !ja5ett, BTeHn et feine bestimmten Angaben machen könne, solle ti sich an das zuständigle Revier wenden. Beim Hinausgehen sagte er dann:„Das ist ein Streikbrecher, er ist bei Kupfer u. Co." .Künnig fährt dann fort: Hintze chat sich nicht der Militärpflicht entzogen, wie ich später feststellte. Es lag kein Grund vor, ihn zu verhaften. Er ist übrigens, wie ich feststellte, mit Strebnt, sehr eng befreundet. Nach etwa acht Tagen verhandelte ich mit Hinbe in meinem Bureau wegen einer Militärsache. Da sagte er mir, daß er sich lange bei Strebny aufhielt.— Ein Richter fragte den Zeugen, ob Hintze der Polizei Dienste geleistet hat?— Künnig: Darüber kann ich nichts sagen! Ich habe festgestellt, daß Hintze tatsächlich in unserem Revier gewohnt hat und sich ordnungsgemäß zur Stammrolle meldete. Der Gestellungsbefehl sollte ihm wohl nicht ordnungsgemäß zugestellt sein. Auf eine Frage des Vorsitzen- den erklärt der Zeuge noch: Ten Zettel mit den Notizen habe er zusammengeknüllt und in den Papierkorb geworfen. Das tat er deshalb, weil er bei Kupfer keine Amtshandlungen vornehmen durfte. Hätte er bestimmtere Angaben gehabt, so hätte er die Sache an das zuständige Revier weiter gegeben.— Rechtsanwalt Hanse richtet an Künnig die Anfrage, wie er festgestellt habe, daß dem Hintze der Gestellungsbefehl nicht richtig zugestellt wurde.— Künnig: Darüber verweigere ich die Aussage.— Rechtsanwalt Haase: Woher wissen Sie dann, daß er, als Strebny bei Ihnen war, nicht von der Militärbehörde verfolgt wurde.— Künnig: Darüber kann die Militärbehörde aussagen, ich weiß darüber nichts. Zeuge Zigarrenhändler Strebny: Hintze ist mir bor mehreren Jahren bekannt geworden. Er war mir Geld schuldig und ging dann längere Zeit aus Berlin fort. Aus den Zeitungen las ich, daß er sich mit der Vermittelung von Arbeitswilligen beschäftigte. Er kam dann auch in'mein Geschäft und rühmte sich, daß die Militärbehörde und die Polizei ihn suchten. Die Polizei könne ihm jetzt aber doch nichts anhaben. Etwas später traf ich H. auf der Straße und ersuchte ihn um mein Geld. Er antwortete mir mit der berühmten Antwort Götz von Berlichingens. Am nächsten Sonntag, am 2. Oktober, ging ich auf das Polizeibureau und jfragte den Beamten, ob ein gewisser Friedrich Hintze wegen Ver- Setzung der Militärpflicht gesucht würde. Die Wohnung konnte ich nicht angeben. Wohl aber sagte ich, daß er bei seinem Stiefvater in der Auguststraße gemeldet gewesen sei. Aust meine Frage, ob ich Bescheid erhalte, verneinte der Beamte und erklärte: Sie haben ja gesagt, wo er wohnt. Ich erwiderte, das sei nicht der Fall. Ich habe nur gesagt, wo Hintze gemeldet war. Tann fuhr ich fort: Finden tun Sie ihn auf dem Kohlenhof bei Kupfer u. Co. in Moabit. Darauf zerriß der Beamte de» Zettel, auf dem er meine Angaben notiert hatte und warf ihn in den Papierkorb. Mich ärgerte dieses Verhalten. Sonst wird doch Wert darauf gelegt, daß der Bürger die Polizei unterstützt. Deshalb brachte ich den Vorfall in der demokratischen Versammlung zur Sprache. Meine Angaben gingen wörtlich in die Berliner Presse über. Der Zeuge bestreitet entschieden, ein Freund Hinbes zu sein. Den Wortlaut seiner Unterhaltung auf der Polizei hat er noch am Nachmittag des gleichen Tages notiert. Die Notizen überreicht er dem Gericht das sie verlesen ließ. Zeuge beruft sich für die Wahrheit seine: Angaben darauf, daß das Berliner Polizeipräsidium gegen ihn trotz ihrer großen Verbreitung durch die Presse nicht vor- gegangen ist. Der CtaatsanwaltschaftSrat Kudicke fand trotz dieses Beweis- ergebnisses in der Wiedergabe der Mitteilung über den Vorgang im Polizeibureau eine so schwere Beleidigung des Wachtmeisters, daß er dafür allein zwei Wochen Gefängnis förderte. Weber sollte ferner Berliner Polizeibeamte als verworfene Elemente bezeichnet und gesagt haben, daß schon Meineide von Beamten geschworen seien. Deshalb verlangte der Staatsanwalt drei Monate Ge- fängnis Gesamtstrafe. Das Gericht erkannte auf 300 M. Geld- strafe oder 3(1 Tage Gefängnis. Bekanntlich hatte das Leipziger Gericht wegen Unauffindbarkeit desselben Hintze, dessen Aufenthalt im Streikbrecherlager von Kupfer u. Co. von. Strebny der Polizei gemeldet war und der nach Aussage des Wachtmeisters auf der Polizei eine Unterredung hatte, einen Steckbrief gegen Hintze erlassen. Em Induftne und Kandel. Zum Handelsvertrag mit Japan. In der Zollbelastung der Lebensmittel und der sonstigen not- wendigen Bedürfnisse des Arbeiters haben die bürgerlichen Parteien niemals Grenzen gekannt und daß man sich nicht scheut, alle Steuer» lasten den breiten Massen des Volkes aufzubürden, hat der schwarz- blaue Block durch die Reichsfinanzreform wieder beiviesen. Wenn es sich aber nun schon einmal um einen Zoll handelt, der allein von den Reichen zu tragen ist, da sind die Herren vorsichtiger. Da in dem deutsch-japanischen Handelsverträge, der demnächst den Reichstag beschäftigen wird, der Zoll auf japanische Seidengewebe(sogenannte Pongss oder Habulaiss eine große Rolle spielt, haben wir einmal auf Grund der amtlichen Weriaugaben berechnet, wie hoch die Zoll- belastung der einzeln en Textilprodukte ist; da zeigt sich: denn folgendes:. Banmlvollgewebe.... l6— 26 Proz. Wollene Gewebe.... 14—18, Leinene Gewebe...... 15—16„ Halbseidene Gewebe... 11,7„ Ganzseidene Gewebe... 9,1„ Japanische seidene Geivebe. 6,2„ Also gerade die Banmwollgeivebe, die die V o I k S m a s s e» für ihre Bekleidung brauchen, sind am allerstärksten belastet, während der Luxusartikel Seide mit viel geringeren Zöllen wegkomnu und die japanischen Gewebe nur mit 300 M per 100 Kilo d. h. 6.2 Proz. vom Wert belastet sind. ES handelt sich hier übrigens um Waren, die zu Schuudlöhnen hergestellt werden. Nach den amtlichen javanischen Mitteilungen betrug im Jahre 1908 der durchschmtiUche T a g e S 1 o h n eine« W c b e r S 0,44 Den = 0,89 Marl, einer Weberin, die hauptsächlich in Frage kommen, sogar nur 0,24 Yen— 0.49 Mar! bei einer Arbeits- zeit von 14 Stunden ohne Pansen, so daß ein Stunden- lohn von sage und schreibe 0,4 und 3,5 Pfennigen heranS- kommt I Soziales. Ter Kranfenkassenschwindel bor dem Reichsgericht. Der Rechtsstreit der Ortskrankenkasse Koblenz mit ihrem Rendaiiteu Werter beschäftigte gestern das NeiclBgericht. W. soll im Jahre 1904 bei den Vorstaudswahlcn Wahlagitationen betrieben haben. Im Januar 1905 wurde von dem Vorstand der Ortskrankcnkässe beschlossen, daß Dienstentlassung statt- finden könnte, wenn ein Angestellter bei den Mitgliederwahlen Agitation betreibe und wenn dies gerichtlich festgestellt sei. Auf Grund dieser Bestimmung war W. durch Mitteilung eines Beschlusses am 28. April 1908 entlassen worden. Die Auf- fichtsbehörde hob diesen Beschluß auf. Alsdann hat die Orts- Krankenkasse Koblenz Klage auf Aufhebung des BeWusses Her� Aufsichtsbehörde erhoben. Das Landgericht Koblenz wies die Klage ab, weil überhaupt nicht gerichtlich festgestellt war- ben sei, daß W. Wahlagitationen betrieben habe. Das Ober- IandcSger,cht Köln erfa.nnls� gleichfalls an? Abcheisung der Ortskrankenkasse. Das Gericht hat verneint, daß die von W. vorgenommenen Handlungen einer Agitation gleichkämen.— Tie von der Ortskrankenkasse gegen das Urteil des Ober- lanbesgerichts Köln eingelegte Revision hatte keinen Erfolg. Der III. Zivilsenat des Reichsgerichts hat die Revision zu- rückgewicsen.(Aktenzeichen: III. 528/10.) Unberechtigte Entlassung aus einer Kochschule. Die Witwe Luise Behrendt unterhält in der Lindenstr. 102 eine Koch- und Haushaltungsschule, worin Damen jeden Alters für ein Lehrgeld von 100 M. in zwei bis drei Monaten in der Kunst des Kochens unterwiesen werden. Die Schülerinnen haben neben dem Lehrgeld die Pension(Wohnung und Beköstigung) mit 2 M. pro Tag zu bezahlen. Eine Schülerin R. klagte nun gestern gegen die Inhaberin dieses Instituts vor dein Gewerbegericht. Sie war am 1. August zur Erlernung der feinen Küche zu der Beklagten gekommen. Der Lehrkurlus sollte zwei Monate, also bis zum 30. September, währen. Doch am 16. Seplember wurde der Lehr- kursus dadurch plötzlich beendet, daß Beklagte die Klägerin und noch eine andere der Damen entließ. Die Klägerin forderte deshalb von der bereits gezahlten Pension für die letzten 14 Tage ihrer Lehr- zeit, die sie nicht absolvieren durfte, den entsprechenden Betrag mit 28 M. sowie die Hälfte des Lehrgeldes(50 M.) zurück. In! gestrigen Termin begründete der Vertreter der Beklagten die vor- zeitige Lösung damit, daß gegen letztere e,ne'Anzeige bei der Staatsanwaltschaft mit der Behauptung erstattet worden sei, daß verdorbenes Fleisch und andere Waren verarbeitet und verkauft worden seien. In dem Verfahren wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz gegen die Beklagte habe sich die Anklage aus die Klägerin und die andere mit ihr entlassene Schülerin als Zeugen berufen. Die Beklagte habe somit annehmen müssen, daß die Anzeige von diesen beiden ausgegangen sei. Es könne ihr deshalb nicht zugemutet werden, die beiden Damen noch weiter in ihrem Betriebe zu behalten. Zur Rückzahlung der von der Klägerin geforderten Beträge halte sich die Beklagte unter diesen Umständen nicht für verpflichtet. Die Klägerin bestritt, die Anzeige erstattet zu haben. Sie benannte cruch die Urheberin der Anzeige. Das Gcwerbegericht unter Vorsitz des Magistratsassessors Dreyer erklärte, daraus, daß die Klägerin als Zeugin gegen ihren Arbeitgeber aussagen muß, kann kein Grund zur vorzeitigen Beendi- gung des Lehrverhältnisses hergeleitet werden. Die Beklagte ist somit schuld, daß der Lehrkursus nicht beendet werden konnte. Da der Hauptwert bei einem Lehrverhältnis stets auf die letzte Zeit gelegt werden muß, denn in der ersten Zeit werden doch die Schüle- rinnen nur. mit Nebenarbeiten beschäftigt, so kann die Summe des Lehrgeldes nicht entsprechend der Dauer des Lehrverhältnisses ge- teilt werden, sondern es mutz ein etwas höherer Betrag auf die letzten 14 Tage gerechnet werden. 30 M. hat das Gericht für angemessen gehalten, dazu kommt die Pensionsvergütung mit 28 M., so daß der Klägerin 58 M. zustehen würden. Die Parteien verglichen sich daraufhin auf diese Summe. Der soziale Aufstieg des Proletariat». Zu den blödesten Bluffs der Volksfeinde gehört die Behaup- tung, die soziale Lage der Arbeiter habe sich unter der Herrsckmst der kapitalistischen Wirtschaftsweise unverkennbar gehoben. Die Logik solcher Tatsachenkonstatierung soll sein, daß die Arbeiterschaft der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie gar nicht bedürfe, um vorwärts zu kommen. Daß die Arbeiter heute ein etwas bessere? Leben führen als wie früher, glaubt man mit dem Hinweis auf die gestiegenen Löhne genügend dargetan zu haben. Tagegen ist zunächst einzuwenden, daß der absolute Lohn nicht bestimmend ist für die Konsumkraft ihrer Empfänger. Die fortgesetzte Verteuerung der Lebenshaltung, in der Hauptsache eine �Wirkung unserer volksfeindlichen agrarischen Wirtschaftspolitik, hat'die Kaufkraft des Geldes erheblich ver- mindert: Wir wollen jedoch einmal unterstellen, die Verteuerung der Lebenshaltung bleibe hinter der Lohnsteigerung zurück, so daß tatsächlich. im allgemeinen die Konsumkraft der breiten Masse sich gehoben habe. Dann ist doch klar: diese Hebung ist aber nur durch die moderne Arbeiterbewegung erzielt worden; die Gewerkschaften mutzten in heißen, langen, opferreichen Kämpfen dem Kapital Lohnerhöhungen abtrotzen. Der Aufstieg beweist jedoch an sich nichts für und nichts gegen den Sozialismus. Das langsame und sehr bescheidene Aufwärts auf der sozialen Leiter schließt eine relative Verschlechterung nicht aus. Nicht die absolute Konsumkraft, sondern das Verhältnis dieser zur Produktivität der Arbeit ist das Ent- scheidende. Wächst det Anteil des Kapitals am Arbeitsertrage stärker als die Konsumkraft der Arbeiter, so hat deren soziale Position sich verschlechtert und der Ausbeutungsgrad ist gewachsen. Daß tatsächlich die Ausbeutung zugenommen hat, der Anteil des Kapitals am Arbeitserträge größer geworden ist, lehrt schon ein flüchtiger Blick auf die Bewegung der Zinsrate für Leibgeld. Trotz der Masse des zuströmenden Kapitals tritt in den Diskontsätzen eher die Tendenz der Steigerung als die der Senkung in die Er- scheinung. Die Erklärung für diese Erscheinungen liegt in der rapid steigenden Produktivität der Arbeit. In der Eisen- und Stahlindustrie hat die Einführung mannig- faltiger Maschinen und neuer Betriebsmetboden die Erzeugung ganz gewaltig gesteigert. Der Puddelofen ähnelt in seiner Be- schicknng am ehesten dem Handbetrieb. Bei der Stahlerzeugung in, der Bessemerbirne gelangt in steigendem Maße maschinelle Kraft zur Verwendung. Nach Berechnungen von Kämmerer, in einer Ab- Handlung im 132. Bande der Schriften des Vereins für Sozial- Politik, stellen sich die Kohlen- und Lohnkosten für Birnenstahl auf 4,70 M. pro Tonne gegen 13 M. für Puddelstab.l. Nachdem im Siemens-Martin-Ofenbetrieb Lademaschinen eingeführt waren, sielen die Lohnkosten um 50 Proz. Eine ganze Kategorie von Ar- beitern(Ladern) war überflüssig.— Eine Hochofenanlage bedurfte ursprünglich 228 Arbeiter mit einem Lohnaufwand von 0.91 M. pro Tonne Roheisen. Als man schräge Auszüge zur Beförderung der Erze und Brennstoffe in den Ofen eingebaut hatte, gebrauchte man nur noch 82 Arbeiter; der Lohnaufwand pro Tonne fiel von 1.29 M. auf 0,82 M. Für den Blocktransport in einem Eisen- und Stahlwerk waren früher 23 Arbeiter erforderlich; nach Einführung von sinnvoll konstruierten Hebemaschinen waren 16 Mann über- flüssig. Die Lohnkosten fielen von 0,73 M. auf 0,24 M. für dieselbe Leistung. Aehnliche Veränderungen kann man auf fast allen Gebieten der Industrie konstatieren. Was die Umwälzungen in der Eisengroßindustrie bedeuten, wie stark sie hier die Produktionskosten er- mähigten, dafür fehlen allerdings genaue Berechnungen und An- gaben, aber die Verschiebung des Verhältnisses zwischen Arbeiter- zahl und Erzeugung gibt davon doch eine ganz gute Vorstellung. Auf dem in Düsseldorf abgehaltenen 100. Eisenhüttentag berechnete ein Fachmann, daß die Erzeugung der rheinisch-westfälischen Hüttenwerke in den letzten zehn Jahren um das Doppelte gestiegen sei, obwohl die Zahl der beschäftigten Arbeiter nur um 33 Proz. zugenommen habe. Dabei müsse jedoch noch berücksichtigt werden, daß die Arbeiterzunahme zum größten Teil auf die Ausdehnung der Weiterverarbeitung entfalle. Die Steigerung der Produktivität ist demnach viel bedeutender, als sie in den angeführten Zahlen meßbar wird. Ilnd besonders in den letzten Jahren haben neue Betriebskombinationen die sachlichen und manuellen Gestehungs- kosten ganz enorm ermäßigt. Dazu gehört die Ersparung zweier Schmelzprozesse, indem das flüssige Eisen aus dem Hochofen sofort in die Weiterverarbeitung übergeführt wird, zunächst in den Mischer, der als Reservoir dient. Die Nutzbarmachung der Gichtgase und der Fortschritt im Gießereiverfahren haben ebenfalls enorme Ersparungen möglich gemacht. Das sehr komplizierte und kostspielige Schmieden von Eisenbahnspeichenrädern ist z. B. vollständig überflüssig geworden. Die Räder werden nun gegossen und sind leichter wie die geschmie- deten zu verarbeiten. Zu diesem Kapitel gehört auch die Gewinnung von Nebenerzeugnissen bei der Koksgewinrning usw. Einen weiteren gelvaltigsn Fortschrill im Fütkenberfahren bedeuket die ZkuSdeukung der billigen Minetteerze, die man früher wegen ihres hohen Schwcfclgehaltes nicht verhütten konnte. Alle diese Veränderungen und Verbesserungen haben die Selbstkosten für Eisen und Stahl ganz gewaltig sinken lassen. Es ist daher erklärlich, daß auch die Verkaufspreise nachgeben. Trotz gesunkener Verkaufspreise kann daher die Gewinnrate für das Kapital gestiegen sein. Daß sie ge- stiegen ist, ergibt sich auch unzweideutig aus der größeren Kapital- summe, die auf den Kopf der Arbeiter entfällt, bei Stabilisierung und Erhöhung der Dividendensätze. Das geradezu sprunghafte Wachsen des Kapitals sei an einem Beispiel aus der Großindustrie illustriert. Vor zehn Jahren hatte die Gelsenkirchener Bergwerks- gesellschaft an Aktienkapital und Obligationen rund 70 Millionen Mark investiert. Nachdem sie sich dem Aachener Hüttenverein ,'itd dem Schalker Gruben- und Hüttenverein angegliedert hatte, war das Kapital auf 332 Millionen Mark gewachsen. In derselben Zeit stieg die Zahl der Arbeiter des Gesamtunternehmens von rund 19 000 auf rund 44 600. Die auf den einzelnen Arbeiter entfallende Kapitalssumme war von 3700 auf 7500 M. gestiegen. Der Arbeiter muß jetzt für eine doppelt so hohe Summe Profit erarbeiten als wie damals. Ter Anteil des Kapitals am Arbeitsertrage ist zweifellos gestiegen. Trotz Lohnsteigerung hat sich relativ die Lage der Arbeiter Verschlechtertl Hue der f rauenbeweefun� Pionierarbeit für Frauen. Aus hohem, höherem und höchstem Munde hat man in bei! letzten Zeit oft die Mahnung gehört, die Frauen sollten sich um den Kochtopf bekümmern. Nun hat man die Bescherung. Kochtopf- betrachtungen, Küchenphilosophie hat das Volk rebellisch gemacht. Auf dem Umwege über die Küche sind nun Millionen Menschen, vor allem auch die Frauen, zur Politik gekommen. Die von der Geißel der Teuerung Mißhandelten haben beim Forschen nach der Uebel Ursachen die agrarische Wirtschaftspolitik als den bösen Feind er- kannt. Mancher träge Kopf, mancher bisher Harmonieduselige mag wohl erst durch die Klagen seiner Frau, die mit dem Haushaltungs- gell? nicht mehr zurechtkommen konnte, gewissermaßen mit der Nase auf die Schädenquelle gestoßen worden sein. Nun haben die denken- den Menschen erkannt, daß ihnen die fluchwürdige Zoll- und Steuer- Politik von der Kumpanei: Junker, Pfaffen und Scharfmacher be- scbert wurde, daß sie in der Hauptsache den furchtbar schmerzenden Lebensmittelwucher verschuldet. Es liegt bittere Ironie darin: gerade aus der Küche, vom Kochtopf kommen die stärksten Impulse zu dem jetzt überall bemerkbaren Aufbäumen des Volkes gegen die verbrecherische Wirtschaftspolitik der herrschenden Sippen. Erst durch eine solche Belastungsprobe, wie die nun so unerbittlich Herr- schendc Teuerung, kam endlich auch der größeren Masse die Er- kenntnis von der Gemeinschädlichkeit unserer Zoll- und Steuer- Politik. Die jetzige Gelegenheit zur Aufklärung dürfen besonders die Frauen nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Sie leiden als Hausfrauen, Mutter und gewerbliche Arbeiterinnen doppelt und dreifach unter der Fuchtel des Lebensmittelwuchers. Aber sie können nicht als Gesetzesmacher dem Unheil steuern, sie können ja nicht einmal als Wählerinnen auf die Zusammensetzung der gesetz- gebenden Körperschaft einwirken. Aber die Mütter darbender Kinder, die von Sorgen gequälten Hausfrauen, und alle denkenden Frauen können doch Pionierarbeit leisten. Und das zu tun, ist ihre unabwendbare Pflicht. Sie sollen und müssen selbstverständlich zunächst dafür sorgen, daß ihre eigenen Männer, Söhne und Brüder bei den nächsten Wahlen keine falschen Stimmzettel abgeben. Aber sie können noch viel mehr tun! Es gibt noch so viele dumme, indifferente Männer, die auch heute noch nicht wissen, daß die furcht- bare Teuerung eine Folge der Wirtschaftspolitik der von ihnen ge» wählten Abgeordneten ist. Und die Frauen dieser Männer, der kleinen Beamten. Gewerbetreibenden, und leider noch vieler Ar- beiter, sind im allgemeinen ebenso, wenn nicht noch einsichtsloser als � wie ihre konservativ, nationall iveral und ultramontan wählenden Herren der Schöpfung. Diese Frauen müssen unsere Genossinnen bearbeiten: im Hause, beim Einholen, auf der Arbeitsstelle, kurzum überall, wo sich Gelegenheit dazu bietet. Diesen Leidensgenossinnen müssen sie erzählen, daß sie bei jedem Pfund Zucker 7 Pf., bei jedem Pfund Butter 20 Pf., bei jedem Liter Petroleum 6 Pf., bei jedem Pfund Kaffee 40 Pf., bei jedem 6-Pfund-Brot 15— 20 Pf. indirelter Steuern entrichten müssen, daß in dem Preise fast eines jeden Nahrungs- und Genußmittels eine Steuer enthalten ist. Und darauf müssen sie aufmerksam machen, daß reiche Leute systematisch dcn Staat um Steuern betrügen, auf der einen Seite unermeßliche Reichtümer aufgespeichert werden kqnnen, während die große Ma�e Not leidet, Unterernährung ein gewaltiges Kindermorden zu ver- Ursachen droht. Das wird die bisher Indifferenten aufpeitschen, und sie können dort, wohin unsere Presse bisher noch nicht vor- dringen konnte, bei ihren Männern mit ihrer..ufklarungsarbeit einsetzen. So kann gerade jetzt eine hervorragend wichtige Agitation außerhalb der Oefsentlichkeit. in aller Stille betrieben werden. Die Früchte davon kö»i>en sich schon bei der nächsten Wahl zeigen, Ge» nossinnen, nützet die Stunde!__ Die Forderung dcS FrauenwahlrechtS in Holland. Zu der Petition, die am 19. September, dem roten Dienstag. durch die große WohlrechtSdemonstration im Haag der holländischen Regierung überbracht wurde, sind nachträglich noch mehrere Listen eingegangen, und dadurch ist die Gesamtzahl der Unterschriften auf 317 520 gestiegen. Der Parteisekretär hat nun festzustellen versucht wie viele Unterschristen von Männern und wie viele von Frauen herstammen. Das ist für 311317 Unterschriften gelungen, und unter diesen waren 114 810 weibliche Namen. Ueber ein Drittel aller Unterschriften sind also von den Frauen gekommen, ein Zeichen dafür >oie weit die holländischen Frauen bereits den Wert des allgemeinen Wahlrechts, bei dem kein Unterschied zwischen den Geschlechtern ge- macht werden darf, erkannt haben. Wenn die gesetzgebenden Körper- schaften endlich einmal die Reform deS Wahlrechts vornehmen werden sie eingedenk sein müssen, daß es nicht nur die Männer' sondern auch die Frauen sind, die das allgemeine gleiche Wahlrecht fordern.___ Leseabende. OberschSneweide. Am Montag, den 23. Oktober, wird für unseren Ort kein Frauenleseabend abgehalten. Der Tag des nächsten Leseabends wird noch an dieser Stelle bekannt gemacht. __ Die Bezirksleitung. Versammlungen. Verband der Tapezierer. Die VierteljahreSversammkung der Filiale Berlin fand am Mittwochabend im Gewerkschaftshause statt. Den Bericht des Vorstandes erstattete Z i tz e w i tz. Das dritte Quartal sei im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern Wirtschaft- lich günstiger für die Verhältnisse im Beruf gewesen und brachte ziemlich reiche Arbeitsgelegenheit. Fraglich sei es aber, wie es im Winter aussehen wird, besonders im Hinblick auf die allgemeine Lage und die wachsende Teuerung.— Die Fluktuation im Mit» gliederbestand war im dritten Quartal außerordentlich groß; der Bestand von 1923(darunter 81 Näherinnen) ist aber ziemlich unverändert geblieben und nur eine geringe Erhöhung ist zu verzeich- neu. Ter Vorfitzende betonte, daß das Vertrauensmännersystem besser ausgebildet und die Verbindung der Gehilfenschaft der ein- zelnen Betriebe mit der Ortsverwaltung dürch tüchtige Vertrauens- leute gefestigt werden müßte; die Vertrauensmänner dürften nie versäumen, die anberaumten Sitzungen zu besuchen. In der Be- richtSzeit fanden 3 Mitgliederversammlungen, 2 Versammlungen der Magazinpolsterer, eine Näherinnenversammlung, 3 Vertrauens- männersitzungen. 5 Sitzungen der Schlichtungskommission und elf Sitzungen der Ortsverwaltung statt. In der Achtzehnerkommission gab eS reiche Arbeit, manche Differenz zwischen Gehilfen und Unternehmern bot große Schwierigleiten; erledigt wurden für die ÄleBerBranaje 22, für We Polstererbranche 18 Differenzen.— Der Vorsitzende machte zum Schluß seines Berichts auf die Notwendigkeit einer regeren Agitation unter den Näherinnen aufmerksam. Ten Kassenbericht für das dritte Quartal erstattete der Kas- sierer Szilinski. Die Lokalkasse hatte einen Bestand von 23 890.48 M. am Schlüsse des zweiten Quartals. Die Einnahmen im dritten Quartal betrugen(3Köl.46 M., die Ausgaben 3467, 9l M., mithin ist ein Bestand von 27 974,63 M. vorhanden. An Unter- stützungen wurden aus der Lokalkasse gezahlt: An Reisende 61,59 Mark, an zwei Gemaßrcgelte 4,59 M., für Lohnbewegungen 36,79 «Karl, in Notfällen 45 M.— Die Hauptkasse zeigt in Einnahmen l Ersatzleute für diese Kommission Janß und Paska k, as» Mb und Ausgaben eine Bilanz von 12 645,59 M. Aus der Hauptkasie—----------""" � � wurden an Unterstützungen gezahlt: An Reisende 189 M., an Arbeitslose 1556,59 M.. an Kranke 918,75 M.. in Sterbefällen 299 M., bei Lohnbewegungen 75 M.. an Gemaßregelte 23.59 M. Eine Diskussion über die Berichte wurde nicht beliebt, und die Versammlung schritt zum nächsten Punkt der Tagesordnung, die Wahlen für verschiedene Posten betreffend. Zum Beisitzer der Ortsverwaltung wurde Ernst Neumann gewählt, als ordent- liches Mitglied der Achtzehnerkommission Karl Baltosee, als glied zur Hauptverwaltung Richard B o n n i ck e. Eingegangene Druchrdmfwn. Etnsukirtchetnivltcme. Kritische Betrachtung mit besonderer Berück- stchtigung der Getrcidecinsuhrschctne. Von Dr. Friedrich Beckmann. KarlS- ruhe t91l®. Braunsche Hosbuchdruckerei und Verlag. 2.29 M. Heinrich Hau Klciit in seinen Briefen. Eine Charakteristik seines Lebens und SchassenS Herausgegeben von Enist Schur. Schillerbuchhand- lung. Charlollenburg. 2 M., geb. 3 M. veutsever LAvsrbeitei'-Verdsnl! Zweigverein Berlin. Sclrtlon der Patzer. Den Mtgliedern sowie dem Kcsangvercin der Putzer zur Nach- richt, oatz das Mitglied .Auxust Imm am 18. d. Mts. im Alter von 72 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. Mts.. nachm. 4 Uhr, von der Halle der Stons-Gememde in Nordend aus att. 140/13 Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. f ierdurch die traurige Nachricht.| meine liebe Frau, unsere? gute Mutter. Schwester, Schwä-B gerin und Tante Marie Kuhn geb. Bänke nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. DieS zeigen tics. betrübt an der traue, mde Gatte Herniglm Kuhn und Kinder. Die Beerdigung findet heute, Freitag. 20. Oktober, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Luisen- Kirchhofes ani Fürsten- bruuner Weg auS statt. 394L Verband der Fabrikarbeiter! Deutschlands. Arn Mittwoch, den 18. Oktober, ist unser Mitglied August Boffmann verstorben. Ehre seinem«udenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. Oktober. nachmittags 4'/, Ubr, von der Halle des Emmaus- Friedhofes. Nixdorf, Hermaunstratze', aus statt 64 8 vie 9rtsven»3ltung. Verband der Sattler und Porleteuiüer. 0r,sS,un3 Seit Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Porte- seuillcr Blax Prescher (Wnl, mit E.©• Grosse) oerltorbcn ist. E.'rre seinem Audenkeu! � Die Peerdiginig findet heute Frciiag. nachniillags 3 Uhr, von de, Leitkiiballe des allen Bäh. miicheii Kirchboss, Hohenzollern- Plav. iilis fiatt. 158,2 Cie Orisverwaltun H Stati jeder besonderen Meldung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, datz unsere liebe! Mutter, Schwieger- und Groß- mutter Luise Müller geb. Banmann am 18., srüh 7 Uhr, plötzlich und imerwartet an Herzlähmung sanft entschlafen ist. 1161b Im Namen der Hinterbliebenen Paal Weber, Mariendorf. Die Beeidigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nachmittags 4 Uhr, aus dem Frieddos der Heilig-Krcuz-Gemeinde vom Trauerhause, Mariendorf, Kur- sürstcnstr. 45. III, auS statt. Hiermit die traurige Nachricht, dag am Montag meine liebe Frau, unsere gute Tochter llSSb Betone Sucker Är nach schwerem Leiden sanft ent- schlascn ist. Um stilles Beileid bitten Itiehard Sucsccr, Max Gilnthcr nebst Frau Beerdigung: Sonnabend, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Zentral- Friedoose in Friedrichsjclde. rrur: ?(!» T iit'.Stag rerslarb nach\ | schwerei, Leiden mein lieber Mann. linier Beter, Onkel, Schwager. Großvater und Schwiegerualer.! der Schiistsctzcr libllbf EmU Bugdrowitz im Ailcr von 56 Jahren. I W»,e. Bugdrowiti nebst Söhnen. Beerdigung: Som abend, nach- ! mittags h Uhr, von der Halle des I St. �ebaslion-Kirchhoseö' in Ret- | nickendorf. Humboldlstratze. ans. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meüie tiebeFrau l.uise Wienbrak g°b. Leber au Lungcnlcidcn gestorben ist Dicö zeigt tiesbetrübt an Der tralicriidc Gatte Wilbeln» Wienbrak. Bccrbiguiig, Sonntag, nach- mittags!'/, Uhr, von der Leichen- halle des Rixdotser Genieinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus. 1153b Nach langem schweren Leide» verfchicd am Mittwoch, d. 18. d. M.. unsere liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Braut öerts Hansekke Hochstr. 34. Ol* trauernden Hinte, bllebenen. Die Beerdigung findet am 21. Oktober, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen FAed- Hosts, Müllerstratze, Ecke Scc> ftratze. aus statt. 1156b Hiermit die traurige Nachricht, dag meine liebe Braut Kerts Hsnsekke am Mittwoch, den 18. Oktober last" sanft enlfchlafen ist Dies zeigt ttcfbctrllbt an 1157b Der trauernde Bräutigam Max Berlin N., Schönwalder Str. 8. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme und zahlreichen Kranzspeudsn ccr Verwandten und Bekannten bei der Beerdigung unseres lieben Vaters und Galten lt58b �uxust Berner sowie für die eindrucksvollen Worte des Herrn Stadtverordneten Manalst lagen wir unseren ilinigsten Dank. Auguste Berner und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meine« liebe» Manne» sage ich allen Freunden und Bc. kannten, insbesondere dem Gesang- OuaAclt meinen innigen Dank 3032 Frida Plcttke. Hermann Fischers billi{r»te SUrso UrUanftr. III, früher Rtxdorf. Tel. Zeppelins ,.8eln»alien" Rationiert in äer neuen großen Voppei-SaUonbaUt In Johannisthal Die Beobachtung der HufTtiega- und Landunge-JVIanover, sowie die Bcllchtigung dco LuftFchiffea in der Ralle täglich von 9—5 Ohr. prelle der pllttc» stlh. 0,3©; stlh. 0,50; Mit-«»—; Mit- 2. Letzterer platz(ft r©n dem 50 pf. und 1 Mit-'pUtz gegen entsprechende Zuzahtung zugängig. Suft-Verkehrs-Qesellsehaft m. b. X. Unter den Linden 5/Ga(Bristol). Tel.; Amt I, 11878/79. Jtafenzahlung ohne?retsanfsehlag! Von Unten Auf Ein neues Buch der Freiheit Gesammelt und gestaltet von Dr. Franz Diederich Mit 26 künstlerisch bedeutenden sozialen revolutionären Bildern und Bildwerken Preis: 2 Bände gebunden 6 M. 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Sonne und Planeten. Neues tt. Operntheater. Im AuStragstüberl. Kammerspiele. Gawän. Lessing. Glaub« und Heimat. «ruea Schau, pieihau». vürl. Siene» Operetten. Die moderne Eva. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Königgriitaer IStrafte. Spielereien einer Kaiserin. Uomis«tic Oper. Die keusche Susanne. LnfilpielhauS. Der Grotzsürft. Schiller. O. Zopf und Schwert.! Schuir»- Chariottenburg. Der Pfarrer von Klrchfeld. Neues Bolkstheater. Ja Be> Handlung. Berliner. Bummelstudenten. NeneS. Di« Näherin. «ietrovol. Die Nacht von verlw. Kleines. Papa. Westen. Die Dam« in Rot. Drianon. Mein Babv. Thalia. Polnllche Wirtschast. Luisen. Die Macht der Liebe. Rose. Kcan. Caftno. Der selige HollschinSky. Wintergarten. Spezialitäim. Apollo. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Soigt. Die Himmellleiter. Uolies(kapricr. Kobt Krach. Nr. 14. Walhalla. Teusel, das hat etnge. schlagen! Anfang 8'/a Uhr. «elle.«lliance. Der Sillenapostei.. Intimes. Schön Heienchen.— Liebesabenteuer. •,• Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—82. Uaifer Panorama. Neu: Wanderungen im Harz. Letzte Woche: Konftanttnopei. SchillerTIiealerO.lÄ1; Freitag, abends 8 Uhr: Zopf und Schwert. Soniiabend, abend» 8 Uhr: Es lebe das I-eben. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild dos TartUIT. Sonntag, abends 8 Uhr: Es lebe das I-eben. Schiller-Thealer ChbräS.9n* Freitag, abend» 8 Uhr: Der Pfarrer von Klrchfeld Sonnabend, abends 8 Uhr: Antlgone. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abend» 8 Uhr: Antlgoae. Berliner Theater. 8 Uhr: Summelstudenten. Theater yerKfliiirälzer Straße 8 Uhr? Spielerelen einer Kaiserin. Neues Theater. Nur noch 8 Vorstellungen. Gastspiel Hansi Niete: Ans. 8 Uhr. Die Näherin. Ibester des Westens. 8 Uhr: Di« Dame in Rot. Sonntag nachmittag 3'/. Uhr: Gin Walzeriran«. Luisen-Theater. Heute und folgende Tage: Die Macht»er Liebe. Sonnabend 4 Uhr: Was Hi u. Lisel im Zauberwald rrle ans ten. Frledrleb- IVilbeimstUdt. Scbauspieibaus. Zum ersten Mal«: Die Wifit von Halrni. OSE-THEATE Gtoije sranfftuiti Sit. 132. Abend« 8 Uhr: flenn oder: Genie und Leidenschaft. Konnabend 4 Uhr: IV6I Nacht. 8 Uhr: Das(Olüd des Leben». Sonntag 3 Uhr� flasernenlnft. Urania. Wisseneohaftliches Theator Abends 8 Uhr; Geheimnisse der belebten Fatnr. Invalidenstraße 57— 62 Prof. Sohwahn 8 Uhr: Sonne and Planeten. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Anfang 3 Uhr. Ein Walzer von Ehopin. Schwank in 3 Akt. v. Ksroul u. Barr». Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baecker». Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Chopin. Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! ©roste JahreSrevue In 7 Bildern von Jul. Freund. Mustk von B. Holländer. In Szene geletzt vom Dir. Zt. Schultz. Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8 Uhr: Das Weltstad».Programm. Experlweatal-Peyckologe Leo Erichsen. Ein ildend in einem amerikanischen Tiiigel Tangel. New Borker Bari es te Gesellschaft nsw. ß MM« Noch nie dagewesener Lacherfolg! Das Kind der Firma mit litten und llonat iieernielil in den Hauptrollen Borher: Sciimerzlose Behandlung Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr(Theaterkasse). Lorso-Varistö. Frledrlchstr. 165. Heitere Künstler- Abende. 12 Attraktionen 12 ü. a.: Das orkom. Zwerginnen-Daett. Entree 50 Pf. l PMK :::: ANOPTIKUM Die wilden lebend I Heul-Derwlsche ans Ceylon mit ihren fanatisch. Produktionen. Iderioo, dar lebende AmboB. AGA, die schwebende Jungfrau. Alles ebne Eitra- Entree. Noacks Theater. Direktion: stöbert Dill. Berlin N.. Brunneilstraste 16. Der Brandstifter. Anfang 8'/, Uhr. Ehren- und BoraugSkarten gültig l Sonnabend: Die Räuber. Statisten werden hierzu verlangt l Meldezeit abend« von« Uhr ab. folies cspriee. Anfang 8'/, Uhr. S0.Z«Ule: HO- W. Kobi Krach. Ts ! □ Üagt Sozialdemokratischer Wahlverein für den sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 22. Oktober, in den Pharus-Sälen(großer Saal), Mullerstr. 142: � Gr. Konzertabend%(, ausgekühlt vom Berliner Sinfonie-Orchester. Maximilian Fischer. Konzerfsängerin Elsa Burtnester. Cello— Harmonium. Vnrh dem � n_ 1 1 Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen Konsort: IZPOM0P RSails 5t Pf nr-h Anfang 6 Uhr n Eintritt 50 Pf. Kinder zahlen 25 Pfennig und werden Eintrittskarten für diese an der Kontrolle verausgabt. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt Programm am Eingang gratis. Komitee. Sonnabend, den 21. Oktober, abends 8 Uhr des Winzerfestes in den feenhaft ausgeschmückten Qesam träumen Premiere der Original-Revue mit Gesang nnd Tanz Wän zerträume" Im Saaf der Winzep: Die Inntne se — Sport und Humor. »»W'MPMW'MW'W'MHWMMV Ki Bunter Teil— Sport und Humor. Im Saal der Winzer: Die Instngen DorfmusikantenT Cafä, Bar. Im ganzen Haute: Frischer Most, Stimmung, Humor, Behaglichkeit. Eintritt 1 M., Sperr- «Ita(I.Reihe) S 51. Bestellte Tische können nur bis 81/, Uhr reserviert werden. Sonfrtng und folgende Tage: Winzerfest.— Heute findet wegen der Probon zum Winterfest keine Vorstellun/,4 Uhr: ssamlllen. voritellung, Thealer und Spezialitäten.— Sntree 20 Ps. uiy nuiiiimii Korlllrsleudainin 151 nahe Bahnhof Halensee und Charlottenburg. Gettirktot ab i« Uhr vorm. t28 folarbewskner hei Arbeit, Sport und Spiel. Renntierherde. Polarhären. Eintritt für Ausstellnngsb. 50 Pf. VerfDhrucgon: Wochentags 4l/„ 6'/* 0 Uhr. Sonntags 12, 3, V/v 6. 7. 9 Uhr. Letzte Haupfvorlüh'Ur� abend» 9 Uhr Eintrittspreis 50 Pk Voigt-Theater. Gesimdbrumten vadstratze 58. Frellag. den 20. Oktober 1911: Die Himmelsleiter. GksanaSpost« tn 4 Akten v./s. Mann. (lacht. M. sik von Raffenrtistn. 7 Uhr. Stiften». Ans. 8',. Ubr. Kreu7dorg-5estsSIe. ZW., lereuzhsrgotr. 49. Jeden F.eitag: Koffinsnns SSnger. Itnt. 8 Uhr. Entre« 20 Pf. HasfepartouIS u. Vorzugs. karten gültig.' Nach der Dorftellung: Fret-Danzkränzchen. Feden Mittwoch: Gr.Frel-Tanz. Ans. 8'/, Uhr. Heute abend 8 Uhr: EetztC Aufführung des Dentachen Theators Die Orestie. Morgen Sonnabend s Soir6e High-Life. Aancrwäblt. Programm. Aufführung der großen Feerie ilhrnng der grollen rei 1000 Jahre auf dem Meeresgrunde Zirkus Busch Heute abend 71/» Uhr: Gr. Gala-Vorntollnng. Prolongiert! Prolongiert! D. bola. AfTenmenectacn „Hax und äloritu". Der sensationelle Bärenringkampf (Dresseur M. Ganzer.) Herr E. Schumann Orig.-Dress. Gebr. HarianU, Clowns Quadrille Internationale. m 9'/, Uhr ca. zum 7 Male: Oft Origin.-Ausstattungs- Zü stück des — Zirkus Hasch in 5 Bildern. Vorher das gr. Galaprogramm I Volks-Theater. Ritzdorf. Hermai», str. SV. Sonntag, 22�/19.: Dcr iaugfte Le.it» nant. Gcsangsposse in 4 Allen von Jacodlohn. Montag. 23./10: Um fremde Schuld. Schauspiel in 4 Akten von Hans Llden. I 0 Passage-Theater. Abends 8 Uhr: die Japan. Mime- drnmntikerin mit ihrer Truppe i. ihr. Mimodramen. Ali Ben Hamad-Truppe, 15 eingeh. Springer a. Agadir. Georg Kaiseriin ihren Putzi Cassanii Parodien und das gr. Oktober-Progr. W 14 Spezialitäten,-rä Arlmh�dspatast Aa IkJiahctf frieofdilUaasc, E i«• A r e n Mltlngs von 12 Uhr bis 2 Uhr Korso bei Hneih. AlnrlimlttagH; Mililärkonzert nnd i Produktionen v. Sololäufern. Abends zum 216. Male: 0« grandiose Eisballett ■uontneal. Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: Der Elcbtertana nnd die übrig, erstklass. Kunstlautproduktionen, Restaurant I Ranges, Bis 6 Uhr u. nach 10'/, Uhr| hnthe Kassen.preise FNe nen gntialt»et Juieraee itcrnlmmt dt« Redaktton dem vnbtttnm gegenüber tetnerlcl Berantmortnug. Nr. 246. 28. Jahrgang. 3. KtilM ks.Awiirls" Krlim Wlkblalt. lreitag. 20. Oktober lM. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Der Rauckiklub„Gemütlichkeit' veranstaltet am Sonnakiend, den 28. d. M., in Herolds FestsSlen, Mariendorf, Chaussccstr. 283, ein Herbstvergnügen. Da das Lokal der organisierten Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir, eventuell angebotene Billetts zurückzuweisen. In Rudow bei Johannisthal werden uns trotz langjährigen Bemühungen alle Saallokale verweigert und stehen uns nur die Lokale von Rolle und Palm zur Verfügung, alle anderen Lokale sind daher streng zu meiden. In Köpenick hat das Lokal Gesellschaftshaus, Grünauer Str. 31, den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber H. Wehle stellt uns sein Lokal zu den altbekannten Bedingungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Urania-Vorstellung, Sonntag, den 22. Oktober:„Lebende Tierbilder von nah und fern'. Eröffnung des Physiksaales nachmittags 1 Uhr, Beginn der Vorstellung nach- mittags 2 Uhr. BilletS a 60 Pf. einichliehlich Garderobe sind noch in geringer Anzahl beim Kassierer Gustav Schniidt. Kirchbachstr. 14, zu haben. Die Besucher werden gebeten, recht pünktlich zu kommen. Rummelsburg. Am Sonnabend, den 21. Oktober, findet im Cofs Bellevue(grofeer Saal) an Stelle des diesjährigen StiftungS- festes eine Familienfestlichkeit für die Wahlvereinsmitglieder, be« stehend in Tanz, Borträgen und unter Mitwirkung eines Zitherklubs statt. Anfang 9 Uhr. Eintritt inkl. Tanz 25 Pf. Da der Ueber- schütz einer guten Sache dient und gleichzeitig ein recht vergnügtes Beisammensein zu erwarten steht, so wird um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht. Das Komitee. FriedrichShagen. Morgen, Sonnabend, den 21. Oktober, abends SV» Uhr. in Ler-Ves Fcstsälen, Friedrichstr. 112: 21. Stistungs« fest, bestehend in Kllnstler-Konzert, Gesang und Rezitationen(Herr Fritz Alten vom Neuen Schauspielhaus). Hieran anschlietzend Ball. Billetts a 30 Pf. sind in den Bezirkslokalen zu haben. Friedrichsfeldr. Heute. Freitagabend: Wichtige Flugblattver vreiwng. Am Sonntagvormittag 8 Uhr soll eine ollgemeine H a u S- a g i t a t i o n vorgenommen werden, wozu die Genossen die noch ausstehenden HauSlisten unbedingt mitbringen wollen. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 21. Oktober, abends S'/z Uhr, im Lokale des Genossen Petermann, Terassenrestaurant, Rudower Str. 54: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mit- glreder. 4. Bericht der Parteifunktionäre und Gemeindevertreter. S. Vereinsangelegenheiten— Verschiedenes. Der Vorstand. Staaken. Am Sonnabend, den 21. Oktober, abends SV« Uhr Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Kassen- bericht vom dritten Quartal; Bericht vom Jenaer Parteitag; VeremSangelegenheiten._ Berliner Nachrichten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine Schuldebatte war in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten das Hauptstück der Verhandlungen. Die Organisation der Hilfsschulen für schwachbesähigte Go mcmdeschultinder, die im vorigen Winter von den Gemeinde vchördcn besckilossen wurde, hat nicht in allen Punkten den Ben fall der staatlichen Aufsichtsbehörde gefunden. Der Unter- rlchts minister meint, daß die Gemeindeschulen Berlins nicht als limultan anzusehen seien, und daß daher auch die H i l f s- schulen nicht simultan sein könnten. Außerdem be- mangelt er, daß die Interessen der H i l f s s ch u l l e h r e r. deren Tätigkeit besonders schwierig ist, nicht genügend gewahrt worden sind. Auf eine formelle Betonung des S j m u l t a n- ch a r a kt e rs der Hilfsschulen will der Magistrat verzichten. aber er erklärt mit erforderlicher Bestimmtheit, daß er sich zur Einrichtung tatsächlich konfessioneller Hilfsschulen nicht herbei- lassen werde. Bezüglich der Beschränkung der Pflicht» st u n d e n z a h l der Hilfsschullehrer will er sich der besseren Elnucht des Ministers fügen, dagegen lehnt er ab, den probe- weise beschäftigten Hilfsschullehrern ihre Amtszulage auch bei Krankheit zu gewähren. Gestern wurde dem Magi- streu und der freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit von unserem Genossen Ro s e n f e l d vorgehalten, daß die Benach- teiligung der Hilfsschullehrer damals gegen die sozialdemo- kratische Fraltlon beschlossen worden ist, deren Forderung von � Vr!»!/ � � � � uU wurde. Wieder- sual. hat es erst emes Eingreifens der staatlichen Aufsichts- fiehorde bedurft, den Magistrat auch nur teilweise zur Ein- licht zu bringen. Dabei lst es von besonderem Reiz, daß dies- mal der Minister m die �age gekommen ist, gegenüber dem Berliner stadtfreisinn den Sozialdemokraten Recht zu geben. Unser Redner unterstrich das Pikante dieser Situa- tion nach Gebühr, im übrigen aber wandte er sich scharf gegen den Versuch der Regierung, die Volksschule Berlins' zu einer konfessionellen zu stempeln. Für den Magistrat sprachen Stadtichulrat Fischer und dann noch der Oberbürgernieistcr. Gegen die Zumutung, den auf Probe beschäftigten Hilfsschul- lehrern auch bei Erkrankung die Amtszulage zu zahlen, wehrte Oberbürgermeister K i r s ch n e r sich mit all der Hartnäckig- keit, die auch in kleinen Dingen ihn nicht verläßt. Stadtschul- rat Fischer fiel auf durch die Erklärung, daß der Unter- richtsmin ister m der Betonung der K o n f e s s i o n a l i t ä t der Volksschule gegenüber der Stadt Berlin„eine milde Praxis walten lasse". In die Debatte griff zuletzt auch noch Stadtverordneter Cassel ein. um des Magistrats ab- lehnende Haltung in der Frage der Amtszulage zu verteidi- oen Den Schluß machte ein Geschäftsordnungstreit zwischen dem Vorsteher Michclet und seinem Stellvertreter Cassel. Dann wurden nach der Vorlage des Magistrats die von ihm beantragten Aenderungen angenommen, aber ein Antrag des Dr. Ritter bezüglich der Weiterzahlung der Amtszulage und ebenso ein gleichartiger Antrag der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt. frische Fische, gute Fische. Der Spittelmarkt seligen Angedenkens ist aus der alt- berliner Versenkung zu neuem Leben emporgestiegen. Nur die ältere lebende Generation kann sich noch erinnern, daß hier — in der Nähe des Bereichs der heute ziemlich bedeutungs- losen Fischerinnung— die durch ihre böse Zunge berühmten Berliner Fischweiber an zwei Wochentagen ihre Netze aus- warfen— in hölzerne Bottiche und Wannen hinein, wo d:e Kaltblüter unter freiem Himmel auf ebener Erde lustig ihrem ruhmlosen Ende entgegenschwammen. Ter tote Handelsfisch var Anno dazumal, als die Spree noch reichen Fisckigehall auf- wies, in Verlin etwas Unbekanntes, und gar Seefische fanden sich nur in Delikatessenläden. Nun spannen sich über dem modernen Berliner Fischmarkt sieben hochgewölbte Dächer, Frau Berolina höchstselbst hat das Protektorat übernommen und tausende, bei denen Schmalhans Küchenmeister ist, strömen nach den weiten Verkaufshallen. Selten genug bietet sich der Anlaß, der Berliner Stadtverwaltung zu einem vollen Erfolg zu gratulieren. Hier kann man es wohl ohne Optimismus tun. Und nur der ekle Beigeschmack, daß die guten bürger- lichen Fische erst durch die„faulen agrarischen Fische" den Weg zum Massentransport nach der Weltstadt gesunden haben, ist nicht zu verwinden. Man muß beinahe Sieben- meilenstiefel anziehen, um das neuartige Bild des Fischver- kaufs an verschiedenen Stellen hintereinander in sich aufzu- nehmen und beim Beobachten des hungrigen Großstadtmagens nicht zu spät zu kommen. Schon vor 8 Uhr standen gestern die Käufer in der Wedding-Markthalle in drei und vier Reihen. Mit dem Glockenschlag kam Zuzug von allen Seiten. Man steht früh auf, um nicht das Nachsehen zu haben. Der Stand könnte in dieser ausgesprock�nen Arbeitergegend etwas größer sein. Auch die Fischvorräte waren hier bedeutend kleiner als in der Wörtherstraße, wo schon um halb neun Uhr der Handel äußerst flott ging. Da diese Markthalle sonst außer Betrieb gesetzt ist, steht genügend Raum zur Verfügung. Den größten Andrang konnten wir im Osten, in der Andreasstraße in zehnter Stunde beobachten. Hier findet der Verkauf bei gutem Wetter auf dem ausgedehnten Markthallenhofe statt, nur bei schlechter Witterung im Innern der Halle. Die Men- schen standen in Reihen von 8 bis 1l) Personen, darunter wohl auch manche Neugierige. Das planlose Gedränge erschwert den Verkauf. Viele gingen wieder fort, weil sie keine Zeit hatten, eine halbe Stunde und mehr zu warten. Vielleicht ist es möglich, drinnen und draußen gleichzeitig Verkaufsplätze einzurichten oder bei gutem Wetter, das ja den Besuch erhöht, noch einen zweiten Stand auf dem Hofe. Was der Schutz mannsposten hinter dem Verkaufsstand zu suchen hatte, war etwas unklar. Der Markthallenaufseher genügt vollkommen. Die Ware war allseits tadellos, ließ nicht den geringsten üblen Geruch merken. Die Käufer setzten sich fast durchweg aus den untersten Ständen zusammen. Auch zahlreiche Männer kauften mit Kennerblick. Selten sah man„behütete" Damen. Diese glauben sich noch etwas zu vergeben, wenn sie sich unter das hungernde Volk mischen. Sehr angenehm berührt der Ton der Händler dem Publikum gegenüber. Vom altberliner Jargon a la Spittelmarkt ist nichts zu spüren. Noch mehr fiel uns die ruhige, gedrückte Haltung der Kaufenden auf. Der Berliner Witz, der sich sonst so gern an derartige Neuerschel nungen heranmacht, scheint ausgestorben zu sein, ein sicherer Beweis, wie ernst die Teuerungslage ist. In der elften Stunde, als sich die Vorräte bedenklich gelichtet hatten, rückten die Allerärmsten an. Sie erwarben für wenige Pfennige die übriggebliebenen Fischköpfe, die, mit Kartoffeln und Grün zeug zusammengekocht, eine wenigstens den Magen füllende „Fischsuppe" ergeben. Küchenrezepte, die es gratis gibt, wurden so gut wie gar nicht verlangt. Die lieben Hausfrauen wollen ihre Unkenntnis im Fischkochen nicht verraten. Manches Kopfzerbrechen macht noch die Pfennigrechnung, aber man paßt höllisch auf und läßt sich keinen Kupferling zu viel ab nehmen. Die Hinzunahme der Markthalle am Magdeburger Platz für den städtischen Fischverkaus hat etwas überrascht. In dieser Gegend wohnen doch nur sehr wenige kleine Leute. � Viel nöti- ger ist die Ausdehnung des Fisckchandels auf die ständig stark besuchte Halle in der Ackerstraße. Von hier nach dem Wedding oder nach dem Schönhauser Viertel ist es für die Interessenten zu weit. Alles in allem will die Geschichte doch noch nicht so gut klappen, wie es wünschenswert ist, aber man soll zunächst nicht zu sehr kritisieren und hoffen, daß die bestehenden kleinen Mängel baldigst beseitigt werden. Ter Termin zu den Stadtverordnetenwahkcn der 3. Ab- teilung ist bekanntlich auf Sonntag, den 5. November, fest- gesetzt. Die ursprünglich in Aussicht genommene Wahlzeit von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr nachmittags hat eine Aende- rung erfahren. Es wird jetzt von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachtnittags gewählt. Benzolwagenbetrieb. In der Nummer vom 6. Oktober brachten wir«ine Notiz über die Versuche mit benzolelektrischen Trieb- wagen auf der Kleinbahn Reinickendorf-Liebcnwaldc-Groß-Schone- beck. Hierzu schreibt uns die Firma Bergmann: „Der Benzoltriebwagen ist nicht infolge von Betriebs- störungen aus dem Betrieb genommen, vielmehr war er laut Vertrag überhaupt nur bis zum 1. Oktober in den Betrieb ein- gestellt, weil das Fahrzeug zum Betrieb mit Anhänger nicht ge- baut war und die am 1. Oktober notwendige Heizung des An- Hängers daher Schwierigkeiten macht. Auch die Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges war nach jeder Richtung hin zufriedenstellend, da dasselbe durchaus das leistete, was von ihm erwartet war. Störungen sind bei den ersten Versuchen mit derartig neuen Be- triebsarten schlechterdings nicht ganz zu vermeiden und die wenigen auftretenden Störungen ließen sich mit leichter Mühe und für dauernd beheben, so daß bei Einführung eines bcnzolelektrischcn Betriebes auf Grund der bisherigen Erfahrungen schon jede be- l'ebige Garantie für Betriebssicherheit gegeben werden kann. An eine endgültige Einführung des benzolelektrischen Betriebes auf obiger Bahnlinie hat die Betriebsverwaltung, soweit uns bekannt. niemals gedacht, da der Betneb dort für diese Betriebsart längst zu umfangreich geworden ist." Der„Spaziergang im Grunewald", bei dem ein Herr und eine Dame von einem Gendarm angehalten wurden, hat niwt(wie im Vorwärts" Nr. 245 zu lesen stand) am Dienstag stattgefunden. iondern am Montag. Das Opfer eines Bootsunfasss, der 25 Jahre alte HandlungS- gehilse August Barzel aus der Choriner Straße 68. wurde gestern nackiinittag 2 Uhr an der Belkvnebrncke gelandet. Sonntag vor acht Tagen hatte Barzel in de» Abendstunden mit seiner Braut, der 18 Jahre alten Arbeiterin Ella Kühn und deren 20 Jahre alten Bruder Ernst, auf der Spree eine Kahnfahrt unternommen. Dem zu dieser Fahrt gemieteten Boot fehlte trotz der Dunkelheit jede Beleuchtung. Diese Unterlassung und der Umstand, daß die drei nngen Leute des Ruderns nicht kundig genug waren, führte am Bellevneufer in der Nähe des Cafö Gärtner zu einer K�iastrophe. Als der Führer des aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Schleppdampfers„AgneS" aus Charlottenbnrg das Boot sah. gab er. da eS in seinem Fahrwasser ivar, drei kurze Signale. Da das Boot nicht von der Stelle fuhr, versuchte der Führer an diesem vorbeizukommen. DieS wäre ihin auch gelungen, wenn nicht plötzlich das Boot direkt auf den Dampfer zu gefahren wäre. Bei dem hierauf erkolgten Znsammenstotz kippte da? Boot um und warf alle drei Insassen ins Wasser. Sofort wurden vom Ufer, wo der Vorfall bemerkt worden war und großes Aufsehen erregt hatte, sowie von dem Dampfer auS Rettungsversuche angestellt. ES gelang auch die Geschwister 'Kühn in bewußtlosem Zustande auS dem Wasser zu ziehen. Wieder- ' belebungsversuche, die sofort von einem hinzngernfenen Arzt an- gestellt imirden, waren erfolgreich. Die Geschwister erholten sich bald und haben keinen körperlichen Schaden von dem Unfall davon- getragen. Der Bräutigam des Mädchens aber war sofort unter« gegangen und kam nicht wieder zum Vorschein. Alle Bemühungen, seine Leiche zu bergen, blieben ohne Erfolg. Gestern nachmittag landete man sie endlich nicht weit von der UnglückSstätte entfernt. Tie zweite Fahrt der„Schwaben" nach Berlin. Zum zweitenmal hat am gestrigen Donnerstag der Zeppelin- ballon„Schwaben" Berlin einen Besuch abgestattet. Gestern früh 4�1 Uhr stieg derselbe mit fünf Passagieren zum Flug nach Berlin auf. Um 8 Uhr wurde der Ballon bereits in Hoerstel bei Rheine gesichtet. 9.49 Uhr überflog er die öffentlichen Gebäude im Zentrum der Stadt Bremen sowie das Verwaltungsgebäude des Norddeut- schen Lloyd und fuhr um 9.59 Uhr in der Richtung nach Hamburg längs der Bahnlinie weiter. 11.30 Uhr erschien das Luftschiff über dem Hamburger Hafen, wo es von den Dampfpfeifen der im Hafen liegenden Schiffe begrüßt wurde. Der Ballon passierte alsdann 12.05 Uhr Bergedorf, 1.45 Uhr Wittenberge, 3.05 Uhr Nauen und traf gegen 3.35 Uhr über Berlin ein. Er flog über Charlottenburg, das Brandenburger Tor, die Straße Unter den Linden nach dem königlichen Schloß und wendete etwa über dem Alexanderplatz in der Richtung nach Johannisthal. Dort traf das Luftschiff, von einer Etrich-Rumpler-Taube und einem Harlan-Eindecker umkreist» um 4 Uhr über dem Flugplatz ein. Um 4.40 Uhr erfolgte etwa 100 Meter vor der Halle die Landung, nachdem zwei Landungs- versuche mißlungen waren, weil das Luftschiff wegen der hohen Zuschauertribünen nicht tief genug herabgehen konnte, so daß es gezwungen war, den Flugplatz und seine Umgebung wiederholt zu umkreisen._ Aus dem Fenster gestürzt ist am DonnerStagnackmsittag 2'/� Uhr der neun Jahre alte Sohn Gustav des Arbeiters Fechner aus der Koppenstr. 63. Während der Abwesenheit der Mutter, die �ihrem Manne Essen zur Arbeitsstätte trug, öffnete der Knabe daS Küchen- scnster der im dritten Stock belegenen elterlichen Wohnung und sah hinaus. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den Hof hinab, wo er bewußtlos liegen blieb. Hausbewohner brachren den Verunglückten zunächst nach der Unfallstation in der Koppenstraße-, von wo er mittels Krankenwagens nach dem Krankenba ns am Friedrichshain übergeführt. ivurde. Der Knabe hat durch den Slurz einen Schädelbruch und Armbruch sowie schwere iuuere Ver- letzungen erlitten; sein Zustand soll hoffnungslos sein. Eine Gasexplosion erfolgte gestern nachmittag gegen 4 Uhr auf dem Grundstück Große Frankfurter Straße 77. Der Explosionsherd lag in einer Wohnung im'Hochparterre des zweiten Quergebäudes. Die Wohnung gehört einer Familie Thews und besteht aus mehreren Zimmern. Gestern nachmittag war dort der 35jährige Schlosser Martin Buske ans der Emdener Straße 33 damit beschäftigt, eine neue Gaskrone anzuschrauben. Als er die Arbeit beendet hatte, wollte er die Leitung mit einem Streichholz ableuchten. Kaum hatte er aber das Streichholz entzündet, als eine heftige Explosion erfolgte. Buske und eine andere Person, die sich noch in dem Raum aufhielt, wurden durch den Luftdruck zur Seile geschleudert. Die Hauptwirkung der Explosion verbreitete sich nach der Decke. Hier wurde der ganze Putz ausgerissen; in der darüber- liegenden Wohnung wurden mehrere Dielen des Fußbodens hoch- gehoben und Möbelstücke umgeworfen. In der Wohnung der Familie Thews stürzten gleichfalls die Möbelstücke durcheinander und alle Fensterscheiben gingen in Trümmer. Auch zwei Türen wurden durch den Luftdruck eingedrückt. Die sich bei der Explosion entwickelte Stichflamme hatte außerdem Gardinen und Decken m Brand gesetzt und dem Schlosser BuSke schmerzhafte Brandwunden dritten Grades im Gesicht und an beiden Armen zugefügt. Der Verunglückte wurde von der inzwischen eingetroffenen Feuerwehr verbunden und nach der nächsten Unfallstation geschafft. Die Unfallstelle selbst wurde von der Feuerwehr aufgeräumt. Wenn man einen Schuhmann braucht... Ein Leser schreibt unS:„Am Dienstag, den 17. Oktober(an welchem die Massen- Versammlungen gegen die Teuerung stattfanden),.beobachtete ich des Nachts um Z�ll Uhr an der Ecke der Prenzlauer Allee und Fröbel- straße, wie ein alter, anscheinend obdachloser älterer Mann mit weißem Haar sich zunächst an einem Leitungsmast der elektrischen Straßenbahn auf den Erdboden setzte. Als er einige Zeit dort ge- sessen hatte, kam eine Straßenbahn angefahren, vor die sich der alte Mann plötzlich auf die Schienen warf. Nur der Aufinert- samkeit des Wagenführers war es zu danken, daß der Mann nicht überfahren wurde. Der Führer hatte den Wagen durch schnelles kräftiges Bremsen noch rechtzeitig zum Stehen bringen können. Ein Herr aus Weißensee und ich versuchten nunmehr, den Mann von den Schienen zu entfernen, was unS auch trotz heftigen Sträubens des Mannes gelang. Der Mann legte sich aber wicocr auf die Schienen. Wir beide begaben uns nun auf die Suche nach einem Schutzmann, um die Wegschaffung des alten Mannes be- Werkstelligen zu laffen. Trotzdem wir aber mehrere Straßen ab- suchten, war kein Schutzmann zu sehen, selbst auch an der Kreuzung der Danziger Straße und Prenzlauer Allee nicht, wo, wie mir be- kannt, immer ein SchutzmannSposten steht. Als wir beide zu dem alten Manne zurückkehrten, wurde uns aus dem sich inzwischen gebildeten Auflauf zugerufen:„Heute werden Sie wohl die Schutz- leute bloß in der Nähe der sozialdemokratischen Versammlungen finden." Wir schafften nunmehr den Alten, der sich immer wieder sträubte, nach dem Obdachlosenasyl. Die Suche nach einem Schutz- mann hatte, trotzdem wir beide Fahrräder benutzten, eine geraume Zeit in Anspruch genommen. Es war mir auffällig, daß gerade m der Gegend des Asyls, wo immer Schutzleute Patrouillieren, kein einziger zu finden war." Die hatten auch wichtigeres zu tun. Es ist aber immer so: wenn man einen Schutzmann braucht, ist meistens keiner zu finden. Der Kriminalschutzmann Behr vom Berliner Polizeipräsidium, dessen Leiche, wie bereits gemeldet, auf dem Bahnhof Spandau in einem Abteil dritter Klasse eines nach Hamburg gehenden Per- sonenzugcs vorgestern abend aufgefunden wurde, ist eines natür- lichen Todes gestorben. Tie ärztliche Untersuchung hat einwand- frei ergeben, daß der Beamte einem Herzschlage erlegen ist. Be- fremdlich bleibt aber noch immer der Umstand, daß bei dem Ver- storbenen weder eine Fahrkarte, noch irgendwelche Barmittel vor- gefunden wurden. Es ist aber wohl möglich, daß der Kriminal- schutzmann während der Fahrt vor der Station Spandau verstorben und daß ihm von einem Passagier dann die Fahrkarte und das Portemonnaie entwendet worden ist. Bon einem Krankcnautomobil überfahren wurde gestern nach- mittag 6 Uhr zwischen Flottwellstraße und Tempelhofer Ufer ein von der Arbeit heimkehrender Bauarbeiter. Der Mann hatte anscheinend infolge des dort herrsckenden Getöses die Hupe des Krankenwagens nicht gehört, er wurde von dem Auto erfaßt und mehrere Meter fortgeicbleist. Schwer verletzt wurde der Ueberfahrene nach der Unfallstation und von da.nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Gefährlicher Sturz aus dem Fenster. Ein schwerer Unfall hat sich gestern vormittag gegen 9 Uhr auf dem fiskalischen Grund- stück Wilhelmstr. 89 zugetragen. Beim Fcnsterputzen stürzte dort eine Frau, deren Personalien noch nicht feststehen, auS einem Fcnstcr deS zweiten Stockes auf die Strafe hinab. Die Ver- unHlückte blieb bewußtlos mit einer stark blutenden Kopfwunde liegen und wurde nach der Unfallstation in der Kroncnstraße ge- schafft. Hier stellte der Arzt einen schweren Schädelbruch fest, so daß die Frau sofort nach dem Urban-Krankenhause transportiert werden mußte. Wegen KindeSmorbeS wurde Mittwoch abend das frübere Dienst- Mädchen Martha Güntzel pon der Kriminalpolizei verhaftet. Das Mädchen wohnte seit dem 1. Oktober in der öiathenowcr Str. 35 und war außerhalb des Hauses beschäftigt. ES hatte viel Umgang mit Soldaten, aber weder die frühere Dienstherrschaft noch die jetzigen Wirtsleute merkten etwas von der Veränderung ihres Zu- standeS. Mittwoch früh erregten Blntspuren auf der Treppe und auf dem Hofe den Verdacht des Pförtners, und die Ermittelungen der Kriminalpolizei, der er Anzeige machte, ergaben, daß die Güntzel ein Kind geboren, in einem Ascbeimer erstickt und die Leiche mit der Asche in den Müllkasten geschi'u.et hatte. Bei ihrer Rückkehr von Arbeit wurde das Mädchen festgenommen und vorläufig alö Polizeigefangene nach der Charitö gebracht. Die Verhastele ist 25 Jahre alt. __ Aufgeklärt ist ein Kleiderfund, den gestern ein Arveiter an der Böschung des Landwehrkairals in der Nähe deS SchlvcizerhanseS im Tiergarten niachte. Dort lag ein dunkelbraunes Jakett und da- neben eine Handtasche, die unter anderem Papiere auf den Namen des 18 Jahre alten Dienstmädchens Agnes Jäger enthielt. Eine Schwester dieses Mädchens wurde ermittelt und erkannte die Sachen. Wie sie mitteilt, war Agnes Jäger bis vor einiger Zeit Verkäuferin in einer Konditorei in Pankow. Eines Lungen- leidcns tvegen hielt sie sich dann Iii Tage bei ihren Eltern in Benneckenstein am Harz auf. Hierauf nahm sie vor 1l> Tagen bei einer Rentnerin in Steglitz wieder einen Dienst an. Dieser gefiel ihr aber nicht. Vorgestern schrieb sie ihrer Schwester in der Oranien- straße, daß sie sich das Leben nehmen wolle. Ohne Zweifel ist sie dann im Tiergarten in den Laudwehrkanal gegangen. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Ein. Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei welchem drei Personen verletzt wurden, ereignete sich am gestrigen Donnerstagnachmittag gegen«/i3 Uhr in der Brückenstraße. Dort stieß vor dem Hause Nr. ö ein Zug der Straßenbahnlinie 9, 6. November, ihr Wahlrecht zur Stadtverordneten- wähl ausüben zu können." Genosse Will begründete den Anlrag, der deshalb notwendig sei, weil in den stadtischen Be- trieben eine Anzahl Arbeiter auch des Sonntags b,s 6 Uhr beschäftigt seien, also das Wahlrecht, da die Wahlzett um 6 Uhr schließt, nicht ausüben könnten. Bürgermeister M a t t» n g wies auf die AuSführuugsbestinnnungen zu den Bestimmungen»b er die Lohnverhällniffe der städtischen Arbeiter hin, wonach in Fallen vorübergehender Bchinderung, insbesondere durch Kontroll« Versammlungen oder Wahlen, in der Regel auf ordmmgsmatzig gestelllen Antrag Urlaub unter Forlbezug des unvcrklirzten Lohnes erteilt werden soll, und meinte, danach«» der An- trag eigentlich überflüssig, da die Dezernenten.wohl m allen solchen Fällen Urlaub erteilen würden, wenn der Betrestende nicht gerade absolut uiiobküinmlich sei, in welche», Falle koroo ms�onro (höhere Gewalt) vorliege, die den Betreffenden an der Juc-ubung des Wahlrechts hindere. Genosse Dr. B o r ch a r d t betonte, datz es doch recht gut wäre, wenn die Versammlung durch de» Antrages deutlich zum Ausdruck bringe, sie wünsche, daß am Wahl- age dte Dezernenten der städtischen Betriebe in tve, testgehendem Maße den Arbeitern den kurzen Urlaub zur Ausübung ihres Wahb rechts gewähren. Der Antrag wurde auch mit sehr großer Mehrheit aiigeuoiiimen. J» der Nacht zum Sonntag ist im Volkshause, Rosinenstraße 3, von, Garderobentisch eine schwarze Ledertasche, enthaltend 4.50 M. Bargeld, ein Bund Schlüssel, ein Aboimement der Straßenbahn- linie 64, auf den Namen Else Bunge lautend, abhanden gekommen. ES wird angenommen, daß eS sich hier um eine Verwechselimg bandelt. Die Inhaberin der Tasche wird gebeten, dieselbe bei Fra» Bunge, Rosinenstraße 3 abzugeben. «chöncberg. Ein schwerer Bammfall ereignete sich vorgestern nachmittag in der Eiscnzahustraße. Dort wird gegenwärtig ein Schulneubau auf- geführt, auf dem auch der Arbeiter Ignatz Lukowiak aus der Langestraße 91 in Berlin beschäftigt war. Beim Abladen eine« Quantums Steine in der Höhe der dritten Etage fiel ein Mauer- stein herab und traf den untenstehenden L. mit solcher Wucht am Kopf, daß er blutüberströmt und besiminngSloS zu Boden stürzte. Der Verunglückte, der einen Schädelbruch erlitten hatte, wurde„ach dem Schöueberger Krankenhause geschafft. Wilmersdorf-Halensee. Ein schweres Bauunglück ereignete sich gestern gegen Mittag auf eine», Neubau in der Hildegardstr. 2. Bei Maurerarbeiten stürzten dort die beiden Maurer Ludwig Cahn aus der Hcrderstr. 13 in Steglitz und Otto Klaar ans der WilhelmSaue 77 in Wilmersdorf von einem Gerüst aus der Höhe des 2. Stocks ab. Beide Verunglückte blieben bewußtlos unten liegen. Sie hatten schwere Kopfverletzungen davongetragen und mußten mit einem Krankenwagen der Wilmersdorfer Feuerwehr nach der Charita gebracht werden. Besonders das Befinden des Maurers Cahn gibt zu Beoenken Anlaß. Wodurch der Unfall verursacht wurde, konnte noch nicht festgestellt werden., Nixdorf. Eine Gaunerin, die Kindern ans der Straße auflauert und ihnen Geld und Waren ablockt, indem sie sie gegen ein kleines Geld- geschcuk zu einer erdichteten Bestellung wegschickt, ist in Nixdors wieder aufgetreten. Die Gaunerin ist etwa 17 bis 19 Jahre alt und trug bisher ein ichivarzes Jackett, einen schwarzen Rock, schwarze Handschuhe und abwechselnd einen roten Filzhut mit schwarzer Schleife»nd einen schwarzen Hut mit rotem Samtband. Lankwitz. Der von der Gemeinde vcranlaßte Sccfischverkauf findet jeden Freitag, vormittags von 8—1 Uhr, auf dem Gemeiiidegrundslück in der Marienstraße zu besonders billigen Preisen statt.— Der Klein- verkauf von Eßkartoffeln wird bei den Kaufleuten I. Freilinger, Vittoriastr. ll, und K. Schmelzer, Kurfürstenstr. 31, eingerichtet, wo- selbst die Kartoffeln von Soimabend, den 21. d. M. ab. in Menge» von mindestens 10 Pfund zum Preise von 41 Pf. abgegeben werden. Bei dem Seefischverkauf wird mit einem Umsatz von mindestens 15 Zentnern gerechnet. Ober-Schöncweide. Aus der Gemciudcvertretnng. Der Vertretung lag ein Antrag deS Gemeindevorstandes vor, ivelcher die Angliederung des neu- gebildeten Amtsbezirks Wuhlheide an den Amtsbezirk Ober-Schöneweide vorsieht uiiter Zugrundelegung eines OrtLstatutS über die Bildung eines AmtSauüichuffeö. Die Frage des Amts- bezirke« beschättigt schon seit Jahren die Gemeindevertretung; ihr Mehrheitsbeschluß auf Schaffung eines selbstständigen Bezirke« unter Aushebung der Konibinalion mit dem Gulsbezirk Köpenick-Forst ist von den Aufsichtsbehörden nicht beachtet worden. So war von vornherein zu erwarten, daß die Vorloge auf Widerstand stoßen würde. Den ablehnenden Standpunkt unserer Vertreter begründete Genoffe G r u n o w. welcher daraus hinwies, daß wohl generell gegen die Bildung größerer Körperschaften nicht« einzuwenden sei; wenn aber wiechier die Gemeinde sich ihre» SelbstbestimmungS- rechtes über die Polizeiangclegenheiten begeben solle, so könne kein Vertreter dem zustimmen, zumal der Gemeindevertretung bei der Zusammensetzung deS Ausschusses nur die Wahl von zwei Mitgliedern zugestanden wird. Die Verwirklichung icheitere übrigens am Kosten- Punkt, da die Zustände in der Wuhlheide eine wesentliche Ver- besserung des SlcherheitsdicnstcS erheischten. Nach längerer Debatte. in welcher sich noch Herr Nollenberg gegen den Entwurf und Herr Schöffe Herwig dafür auSiprache», wurde derselbe in namentlicher Abstimmung mit 11 gegen 8 Stimme» abgelehnt und ein Antrag unserer Genossen angenommen, welcher die Bildung eines kombinierten Amtsbezirks ausschließt. Auf Antrag der Bibliothekskommission soll in der ersten Ge- meindesckiule in der Friilbenstraßc eine ösientliche Lesehalle im Anschluß an die VolkSbibliothek errichtet werden. Herr Schöffe Herwig hielt den Zeitpunkt für eine solche Einrichtung als ver- frübt, mußte sich aber vom Genossen Muth darüber belehren lassen, wie nutzbringend gerade in dieser Beziehung die Auf- Wendlingen der Gemeinde angelegt würden, so daß von einem »zu früh" keine Rede sein könne. Der Antrag fand Annahme mit der Maßgabe, daß die Eröffnung am 1. November statt- finden soll; vorläufig ist geplant, die Lesehalle dreimal wöchentlich 2 Stunden zu öffnen. Die Auswahl der Zeitmig-n und Zeilschristen wird der Bibliothekskommission überlassen, welche auf Antrag Muth um 1 Mitglied verstärkt wird. Die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 576 000 M. zur Ab- lösung der auf dem erworbenen Geineindegrniidftück be» Nobelshof ruhenden Hypotheken wurde beschlossen. Zum Schluß der Sitzung wurde ein Dringlichkeitsantrag unserer Genoffen verhandelt, welcher die Schaffung einer Kommission fordert, die über Mittel zur Linde- rung de« durch die herrschendeTeuerung heraukbeschworenen Notmstande« beraten soll; die Vertretung beschloß einstimmig dem- gemäß. Nach den Aiiifübrungen der Herren Feldmann und Herweg zu schließen, welche dieselben in beziig auf die Teiienmg und ihre Bekämpfung machten, wird man keine großen Hoffnungen ans das Ergebnis fetzen dürfen. Fredersdorf a. d. Ostbahn. Unhaltdare Zustünde herrschen, wie man uns schreibt, zurzeit am Bahnhoi Fredersdorf. Infolge der großen Trockenheil dieses Sommers war auf der nach Petershägen führenden Chaussee eine Staub- einivickelimg. die durch den starke» Wagenverkehr ungemein be- lästig«. Die Ursache diese« ZustandeS liegt darin, daß wahrschein- lich aus SparsainkeitSrücksichtcn. statt eines harten Echüttungs» maierialS, bei der Instandsetzung der Chanffee, weicher Kalkstein- ichiitl verwendet wurde. Tritt Regenwetter ein» dann ist der größte Teil der Straße mit Schlamin bedeckt. Schon in» vergangenen Winter haben die Passanten mitunter unliebsame Bekanntschaft mit dem Schlamm gemacht, welcher von der Chaussee herabgezogen und in Haufen an der Seile der Straße fast den ganzen Winter hindurch gelegen hat. Die Abortanlagcn verbreiten einen unerträglichen Dust. Scheinbar wird es mit der Entleerung der Gruben und Desnifizieruiig der Anlagen nicht so genau genommen, sonst dürfte eS nicht vorkommen, daß aus dem vor dem Abort für Mämier an der Erde angebrachten Verschkußdeckel zu- weilen die Jauche hervorquillt und über die ganze Breite der Straße fließt, wie dies am Abend des 8. und 15. d. M. erst wieder der Fall war. Obwohl diese, wie auch andere unballbaren gi, stände vor einiger Zeit der Ei'eiibahndirektioil Berlin schriftlich mitgeteilt wurden. ist scheinbar bisher nichts unlernonimei'. um Abdille zu schaffen. Derartig skandalöse Zustände dürften aucki nur im proletarischen Osten zu verzeichi«» sein, weil der reiche Westen sich so etwas sicher nicht gefallen lasten würde. Ebenso ist eS mit dem Heizen der Züge. Während die westlichen Vorortzüge sowie die Stadlbahn schon langst geheizt werden, sind die Züge von und nach Strausberg meistens fahrende Gefrieranlagen, vielleicht sorgt die SisenbahndUektion Berlin für Abhilfe der hier gerügten und vom Publikum als unerträglich empfundenen Mißstände. Köpenick. Der Gesangverein Männerchor Köpenick veranstaltet morgen, Sonnabendabend sein diesjähriges Herbstkonzert im Stadttheater unter Mitwirkung der Konzert- und Oratorieniängerin Frau Panknin- Adcrhold. Der Eintrittspreis ist auf 50 Pf. festgesetzt. Tie Arbeiter« schast wird gebeten, durch regen Besuch daS Arrangement zu unterstützen. Friedrichsfelde. Die in dem gestrigen Bericht über die TeuerungSbersammlung angegebene Besucherzahl 2500 beruht, wie unsere Leier gleich be- merkt haben werden, auf einem Irrtum. Mit den örtlichen Ver- hältniffen Vertraute werden wissen, daß unS am Orte kein Lokal zur Verfügung steht, das eine solche Besucherzahl zu fassen vermag. Die Zahl der Versammlungsteilnehmer mag ellva 600—700 be- irageu haben und auch diese vermochte daS VersammlungSlolal nur knapp aufzuilehmen. Teltow. In der am DienStag hier gefundenen, besonders von Frauen gut besuchten Protestversammlnitg gegen die herrschende Teuerung referierte die Genoisin Böhm. In der Di-Ikussioil, die dem mit leb- haftem Interesse aufgenommenen Referat folgte, wurde ein Em- gesandt der„Tellower Zeitung", worin die Teuerung abgeleugnet wird, verlesen und vom Stadtverordneten Genoffen Franke einer ge- hörigen Kritik unterzogen. Alt-Landsberg. Ncbcr Kriegshetze, LcvciiZmittektelierung und ReichStagSwahl referierte in einer in Radebrück lagenden, gut besuchten öffentlichen Versammlung Genosse Mohanpt. DaS eingehende, scharf pointierte Referat wurde von den Versammelten mit regem Jntereffe verfolgt und am Schluß mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Nowawes. Eine außerordentlich stark besuchte BolkSversammlung fand am Mittwochabend in den.Deutschen Festiäleu" statt. ReichStags- abgeordneter Genosse Adolf Geck(Offenburg) sprach über das Thema „Rückblick und Ausblick am Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht". Redner stellte da« furchtbare Ringe» in den Tagen deS 18., 19. und 20. Oktober 1313, wo dem korsischen Welteroberer ein Ziel gesetzt wurde, in Vergleich mit dem heutigen Besreiungslamps des deutschen Proletariats. Der wiederholte Raubzug von Regierung und Junkern auf die Taicheu des Volkes, ihre Versuche zur weiteren Knebelung der Arbeiterklaffe sowie die gegenwärtige Teuerung und ihre Ursachen fanden eine vernichtende Kritik. Die vorgelegte, sich gegen die Un- tätigkeit der Regierung wendende Resolution fand einstimmige An- »ahme. Nach einer kurzen Aufforderung an die Anwesenden zum Beitritt in den Wahlverein und zum Aboimement ans die Arbeiter- presse schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Ein Umgehen der gesetzlichen Bestimmungen bedeutet eS. wenn Personen unter 15 Jahren mit der Leitung eines Fuhrwerks betraut werden. Dem hiesigen Fuhrherrn Brau», der für die Gemeinde einen Sprengwagen fährt, wird zum Vorwurf gemacht, daß er seinen etwa 12 Jahre alten Sohn den Sprengwagen durch die Straßen fahren läßt. Die Organisation deS TranSportarbeiter- verbandeS will wcgei, dieses Mißstandes bereits einmal beim Herrn Bürgermeister vorstellig geworden sein, da es eine Gefahr bedeutet, weim jugendliche Perionen mit Fuhrwerk die E»'enbahitübergä>lge passieren. Wie man uns versichert, hat der Bürgermeister auch versprochen, die nötigen Maßnabmen zu treffen. Gleichwohl kann auch jetzt noch beobachtet werden, daß der Knabe den Spreng- wagen fährt. Der Bürgermeister dürfte vielleicht jetzt von der Gemeindevertretung einmal zum energischen Eiuschrcite» ersucht werden._ Jugendveranstaltungen« Die Ardeiterjugend von Lanvvitz beteiligt sich am Sonntag, den 22. Oktober, an dem vom(lugendauSschuß velaiistalieten ivisseiischafilichcii AuSstug nach Rüdertvorf. Abfahrt Bahnhos Lankwitz morgcnS S.L7. Proviant und Liederbucher nicht vergessen. ' Sericbts- Leitung. Ter gerichtlich verfolgte Herwegh. T-aS allbekannte Gedicht von Georg Herwegh:„«et' und arbeit' ruft die Welt", welches seit 1848 unbeanstandet vcröffcnt- licht und verbreitet werden konnte, ist bekanntlich in neuester Zeit öfter Gegenstand gerichtlicher Verfolgung gewesen. Das poetische Erzeugnis des Dichters Herwegh soll nach staatsanwaltschaftlichcr Ansicht geeignet sein, verschiedene Klaffen der Bevölkerung in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Gewalttätigkeiten gegeneinander aufzureizen. Dieselben Bedenken werden gegen das bekannte Mostsche Lied:„Wer schafft das Gold zutage?" gelteud gemacht. Wegen Verbreitung dieser beiden Lieder tvar Genosse Robert Umbreit. Geschäftsführer des Verlage» der.Dortmunder Arbeiter- zeitung" am 12. August 1910 angeklagt. Das Urteil der Tort- munder Strafkammer ging dahin: Da» Herweghsche Gedicht sei nicht aufreizend und könne deshalb nicht beanstandet werden. Von dem Liede:„Wer schafft das Gold zutage?" seien nur die beiden letzten Strophen aufreizend. DaS Dortmunder Gericht erkannte aber an. das; sich Umbreit des aufreizenden Charakters deS Liedes nicht bewußt gewesen sei und sprach ihn deshalb frei. Darauf liest Umbreit als Herausgeber eines„ArbeiterliederbucheS für Massen- gcsang" daS Herweghsche Lied:.Bei' und arbeit", sowie die ersten drei Strophen des Mostschen LiedeS:„Wer schafft das Gold zu- tage?" unter Weglassung der beiden letzten vom Gericht beanstan- deten Strophen abdrucken. Aber die Freisprechung durch das Dort- munder Gerichtsurteil schützt« den Genossen Umbreit nicht vor einer abermaligen Anklage. Es gibt ja noch Richter und auch Staatsanwälte sowie Kriminalpolizisten in Berlin. Einer der letzteren kaufte am 18. März vor dem Iriedrichshain von dem Händler Lobes ein Exemplar des von Umbreit verlegten Lieder- buchcs. Tie Folge davon war eine Anklage wegen Aufreizung gegen Lobes und Umbreit, die gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II verhandelt wurde. LobeS war außerdem wegen Verbreilung einer unzüchtigen Schrift, nämlich des wertlosen Machwerks„Tie Buße" angeklagt. Ter Staatsanwalt verfocht die Ansicht, beide Lieder seien ge- eignet, zu Gewalttätigkeiten anzureizen, namentlich wenn sie was ja die Bestimmung des Liederbuches sei— in politisch be- wegtcn Zeiten von den Massen gesungen werden. Auf das Tort- munder Urteil könne sich Umbreit nicht berufen, denn nach dem- selben sei ja in Berlin am 17. Oktober 1910 in dem Prozeß gegen BöSte und noch in einem anderen Falle Verurteilung erfolgt, weil das Berliner Gericht sowohl das Herweghsche als auch das ganze Mostsche Lied als aufreizend erachtete. Umbreit werde doch sicher den„Vorwärts" lesen, und durch diesen müsse er Kenntnis er- halten haben von den Berliner Urteilen. An seinem subjektiven Verschulden könne also nicht gezweifelt werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen LobeS 30 M., gegen Umbreit 100 M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Dr. Heinemann führte als Verteidiger Umbreits auS, dieser müsse schon aus subjektiven Gründen freigesprochen werden, da er nicht habe wissen können, daß die beiden Lieder als aufreizend angesehen SJerSen könnten. Ter Verteidiger legte einen ganzen Stoß von Gedichtsammlungen und Liederbüchern vor. in denen das Herwcghsche Gedicht unbeanstandet veröffentlicht wird. Er berief sich auch darauf, daß die„Dortmunder Arbeiterzeitung" vor Herausgabe des Liederbuches das Moftsche Lied unbeanstandet veröffentlichen konnte. Gestützt auf das Dortmunder Gerichtsurteil habe Umbreit in gutem Mauben die Lieder veröffentlicht. Von den entgegenstehenden Berliner Urteilen habe er nichts gewußt, was erforderlichenfalls erwiesen werden könne.— Aber auch aus objektiven Gründen' müsie Freisprechung erfolgen. Denn beide Gedichte enthielten nichts Aufreizendes, überhaupt nichts Straf- bares. Es sei doch sehr bedenklich, wenn man von einem Klassiker, wie es Herwegh sei, annehmen wollte, er habe zu physischen Ge- Walttätigkeiten aufreizen wollen. Wollte man so unsere klassischen Dichter beurteilen, dann könnte man beispielsweise in Schillers „Tell" manche aufreizende Stelle finden. Aber kein verständiger Mensch werde daran denken. In der Beurteilung des Dichters, der durch Bilder aus dem physischen Leben psychische Vorgänge veranschauliche, habe sich die Dortmunder Strafkammer zweifellos auf einen höheren Standpunkt gestellt wie die Berliner Straf- kammer in dem Urteil gegen Böske. Wenn der Staatsanwalt meinte, die ungebildeten Leser könnten aus den Gedichten eine Aufforderung zu physischer Gewalttätigkeit herauslesen, dann unterschätze er den Bildungsgrad der organisierten Arbeiter ganz bedeutend. Jeder gebildete Mensch wisse doch, daß die Sprache der Dichter bildlich sei und nicht wörtlich genommen werden dürfe. Das Gericht verurteilte Nmbreit wegen Aufreizung zu bl> M., LobeS wegen Aufreizung und Verbreitung einer unzüchtigen Schrift zu Zl> M. Geldstrafe. Das Gericht hat sich— wie der Vorsitzende in der Urteilsbegründung sagte nicht auf den Standpunkt der Dortmunder Strafkammer'gestellt. Beide Lieder seien aufreizend. Das Lied„Wer schafft das Gold zutage?" müsse als Ganzes be- trachtet werden. Tann aber seien auch die ersten drei Strophen aufreizend. Besonders komme es darauf an, daß die Liederbücher zum Massengesang in großen Versammlungen bestimmt seien. Man müsse sich den Geist vergegenwärtigen, der in solchen Versamm- lungen herrsche. Da genüge ein Tropfen, um das Faß zum Ueber- laufen zu bringen. In dieser Weise könnten die bezeichneten Lieder unter den Massen wirken. Umbreit berufe sich auf das Dortmunder Urteil, weil ihm das zustatten komme. Sonst sei man nicht ge- wohnt, daß sich Angeklagte in ähnlichen Fällen auf Gerichtsurteile berufen. Als Parteiführer und als Mann, der im gewerblichen Leben stehe, sei Umbreit in der Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ebenso wie wir(die Richter) müsse Umbrcit den auf- reizenden Charakter der Gedichte erkannt haben, um so mehr, da er als sozialdemokratischer Führer die Psyche der Massen kennen müsse. Umbreit werde auch das Berliner Urteil gekannt haben, denn als sozialdemokratischer Führer lese er doch sicher den„Vor- wärts". Er sei sich also bewußt gewesen, daß die Lieder aufreizend seien und müsse deshalb bestraft werden. » �« Krasser als in dieser Verurteilung kann sich die Weltftemdheii der Richter und das Recht auf Mißtrauen gegen richterliche Urteile schwerlich offenbaren. Wer durch politische Voreingenommenheit und Unkenntnis der Massenpsyche nicht beirrt ist. wird ebensowenig wie der Dichter auf den Gedanken kommen, wer seine Lieder singt, wolle unsere aller Gerechtigkeit Hohn sprechenden Zustände durch physische Geivalt beseitigen. Derselben Ansicht war das Dortmunder Gericht. Weil aber daS Berliner Gericht inzwischen ein irriges Urteil in demselben Falle gefällt hätte, muten die Staatsanwalt- fchaft und da? Gericht dem Angeklagten zu, er dürfe das Vertrauen zu dem Berliner Gericht nicht haben, daß es zu einer richtigen, mit der Ansicht des Angeklagten und des Dortmunder Gerichts übereinstimmenden anderen Entscheidung kommen würde. Kann etwa« den Autoritätsglauben besser untergraben als diese Bestrafung dcS Genossen Umbrdit. So wenig das Berliner Gericht den Geist des Gedichtes erfaßt hat, so wenig ist ihm das mit dem Geist gelungen, der in Versammlungen herrscht. In Arbeiterversammlungen herrscht der vom Gericht ohne Kenntnis der Wirklichkeit an- genommene Drang nach Betätigung physischer Gclvalt nicht. In Richtervcrsammlungen wird'daS Lied„Bef und arbeit'" wohl selten verlesen werden. Sollte es in einer solchen Versammlung aber durch die Verlesung des Gedichts.Bet' und arbeit'" zu Gewalt- tätigkeiten kommen, so würde das einen so tiefen Niedergang des Richterstandcs beweisen, daß man seine Kenntnis unmöglich beim Angeklagten und bei anderen Bürgern, die nicht zugleich Richter find, annehmen darf. Nicht die Gedichte, sondern Urteile wie das gestern gesprochene wirken aufreizend. Und trotzalledem wird auch ungedruckt„Bet' und arbeit'" und„Wer schafft das Gold zutage?" ohne Aufreizung zu Gewalttätigkeiten gesungen werdew 2000 Prozent Zinsen. Ein Niesen- BetrugSprozeß, zu welchem nicht weniger als yZK Zeugen geladen sind, begann gestern vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt wegen sortgesrhten vollendeten und 5"I"(¥cn Betruges, versuchter Bestechung und Wuchers ist der erst 2öiahr>ye Tchneidergesellc und Direktor einer TarlehnSbank Otto KlonuS. Wegen Beihilfe sind ferner der Schlosser und Rechercheur Karl Geppert, der Rechercheur Johannes Max Buchholz aus Rummelsburg und der Auskunfteiinhaber Otto.Schaarschmidt an- geklagt. Ten Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsrat Bries- tow. die Anklage vertritt Staatsanwalts Assessor Dr. Zehn, als Verteidiger fungieren die Rechtsanwälte Bahn, Willi Beyer und Dr. v. Moers. Infolge des aufgebotenen großen Zeugenapparates find für die Verhandlung vorläufig 4 Sitzungstage in Aussicht ge- nommen. Der 23jährige Angeklagte KlonnS betrieb bis zum Jahre 1907 das ehrsame Schncidcrhandwerk. EineS Tages hängte der danials 18jährige Schnciderlchrling Schere und Elle an den Nagel, da er sich zu etwas Höherem geboren glaubte und wurde.Bankdirektor". Er mietete von einer W.twe Sucrow in der Landsberger Str. 42 für 70 M. zwei kleine Zimmer, denen er die Namen»Empfangs» zimmer" und..Privatkontor" gab und nannte dann das ganze Dar. lehusbank. Er erließ in mehreren Zeitungen Inserate folgenden Inhalts: Privatbarlehen an jcdcriiianu, sofortige Auszahlung, auch außerhalb. Auf diese Inserate hin meldeten sich aus allen Ge- gcndcn geldbedürftige Leute. Wie die Anklage behauptet, soll der Angeklagte in der Mehrzahl der Fälle gar nicht in der Lage ge- Wesen sein, überhaupt Darlehen beschaffen zu können, sondern es nur auf die Zahlung der Kostenvorschüsse für die einzuholenden Auskünfte abgesehen haben. Wie die Anklage weiter behauptet, soll Klonus diese Auskünfte, die stets schlecht lauteten, nicht von bewährten Auskunfteien, sondern von kleineren Winkcl-Austunfts- bureaus bezogen haben, deren Inhaber, wie behauptet wird, mit ihm unter einer Deck« steckten und instruiert waren, nur ungünstige Auskünfte über die Tarlchnssucher zu erstatten, damit er die Ge- suche ablehnen konnte. Für die Auskünfte soll Klonus bis zu ö M. gefordert haben, während er an die Mitangeklagten nur 1,10 bis 1.40 M. zahlte und die Differenz als mühelosen Verdienst in die Ta'che steckte. Die Anklage wirft den Angeklagten Buchholz, dessen Ehefrau Inhaberin der Äuskunstei„Columbia" ist, und Schaar- schmidk, der Inhaber der„Weltaiislunftei Union" ist, vor, von dem betrügerischen Vorgehen des Klonus Kenntnis gelabt und ihm durch die Lieferung der falschen ungünstigen Auskünfte Beihilfe geleistet zu haben.— Außerdem wird dem Angeklagten Klonus noch ein Fall von Wucher zur Last gelegt. Einer Waschfrau T., die sich in Not befand, gab K. ein Darlchn von 30 M., für das sie einen in zwei Wochen fälligen Wechsel über 45 M. ausstellen mußte. DaS entspricht einem Zinssatz von 1300 Prozent. Für ein Iveiteres Darlehen von 60 M. mußte sie nach 14 Tagen 95 M. zurückzahlen, was einem Zinssatze von 3000 Prozent entspricht. Schließlich soll KlonuS dem Kriminalkommissar Dr. Textor gegenüber geäußert haben, es käme ihm auf 100 bis 200 M. nicht an, wenn eine Haus- suchung nicht vorgenommen wÄde. Hierin erblickt die Anklage einen Bestechungsversuch.— Die Angeklagten bestreiten jede Schuld. Wir werden über den Ausfall des Prozesses berichten, Hiis aller Alelt. Sin fcldtnarfcball Uber die JSbt der Zeit. Aus London wird uns geschrieben: Unter den vielen Briefen, die die englische Presse in der letzten Zeit über die allgemein Herr- schende Gärung im Volk veröffentlicht hat, ist wohl keiner so inter- essant, als ein Schreiben Lord Roberts, des alten englischen Feld- Marschalls. Lord Roberts ist bekanntlich der Hauptbesürworter der allgemeinen Wehrpflicht in Großbritannien, der sich bei allen Ge- lcgenheiten bemüht, die Oeffcntlichkeit an seine militärischen For- derungen zu erinnern. Auch in dem vorliegenden Schreiben versteht er es, die gerade lebhaft diskutierte soziale Frage mit seinem Lieb- lingsgedanken in Verbindung zu bringen. Lord Roberts bezeichnet die Sozialreform und die nationale Verteidigung als die zwei wichtigsten Fragen, die gelöst werden müßten. Die liberale Partei komme nicht mehr in Betracht; sie habe ihre Aufgabe gelöst. Mit der Besoldung der Parlamentsmit- glieder sei nun der fünfte Punkt der„Charter" erfüllt und ein Ge- schichtsabschnitt zu Ende gekommen, dessen Anfang er selbst mit- erlebt habe. Jetzt müsse sich seine eigene, die konservative Partei aufraffen und dem Volke einen neuen Weg weisen. Soziale Reformen und die nationale Verteidigung seien eng mit- einander verknüpft. Ehe man mit Anstand vom Volke die Opfer der allgemeinen Wehrpflicht verlangen könne, müsse ein Werk der sozialen Gerechtigkeit in Angriff genommen werden. Der Feld- Marschall schreibt:„Die Verhältnisse, in denen Millionen unseres Volkes leben, lassen es mir ganz natürlich erscheinen, wenn sie sich keinen Pfifferling darum kümmern, unter welcher Herrschaft sie zu leben berufen werden, und ich kann ihren Mangel an pa- triotischem Gefühl sehr wohl verstehe n." Wenn das ein„vatcrlandsloser" Sozialdemokrat geschrieben hätte! Auch sonst findet sich in dem Briefe neben manchen Schlacken auch manche gediegene Ansicht. So heißt es in dem Briefe:„Mit wieviel mehr Vertrauen würden wir die jungen Leute dieser Nation und des Reiches auffordern können, ihre Pflicht als Bürgersoldaten zu tun, wenn wir die Gewißheit hätten, daß sie England nicht als ein hartes Stiefmutter-, sondern als ihr wahres Mutter- land betrachteten, das sie in der Jugend emsig erzieht und auch ihr Wohlergehen im Mannes- und Greisenalter nicht außer acht läßt? Und wenn wir sie weiter auffordern könnten, die Nation und das Reich zu verteidigen, weil sie innerhalb seiner Grenzen ein edleres und reicheres Leben führen können als an irgendeiner anderen Stelle der Welt? Doch haben eS die jüngsten, nicht hinwegzulcugnenden Ereignisse klar gemacht, daß für Taufende und Abertausende Engländer, die der täglichen Arbeit nachgehen, die Aufforderung, sich für ihr Vaterland aufzuopfern, wie eine Beleidigung der gesunden Vernunft klin- gen muß; denn die Verhältnisse, in denen sie leben, machen ihr Leben allein schon zu einem nie endcndenOpfer." Ob man wohl weit am Ziele vorbeischießen würde, wenn man statt Engländer Deutsch«. Oesterrcicher, Franzosen, Italiener oder Amerikaner setzte?__ Grubenhataltropbe in �ordfranbreieb. Durch eine Schlagwetterexplosion sind am Mittwochabend in einem Kohlenbergwerk bei St. Etienne 39 Bergleute getötet worden. Vor der Grube spielten sich»ach Bekannt« werden des schweren Unglück« herzzerreißende Szenen ab. In banger Erwartung standen die Angehörigen vor dein Grubencingang und jedesmal, wenn die ReltungSmannschaften eines der Opfer an das Tageslicht förderten, kündete jammerndes Klagen, daß eine Familie ihres Ernährers, eine Mutter ihres Sohnes beraubt war. # ♦* Ueber die Ursachen der Katastrophe berichtet der.Matin" folgendes: Am 16. Oktober war ein Brand im Schachte Des FlacbeS entstanden. Sofort verließen die 220 Arbeiter, die in der Mine beschäftigt waren, den Schacht. Es gab dabei keinen Zwischenfall, aber die Arbeiten mußten unterbrochen werden. Am 18. Oktober ging die Direktion daran, eine Eindämmung des FcuerS vor- zunehmen, mit der Absicht, den Brandherd zu isolieren. Eine Anzahl von K7 Arbeitern unter der Leitung eines„Gouverneurs" und eines Ingenieurs stieg in den Schacht Des Flaches ein und rückte gegen das Feuer vor. Man beabsichtigte, einen Damin ans Ziegeln aufzurichten, und alles schien im besten Gange zu km, als gegen 2 Uhr nachmittags einige von den Arbeitern in größter Hast und Verwirrung aus dem Schacht Gardotte hervorstürzten, der als Lnftfchacht mit dein Schacht DcS Flaches in Verbindung stand. Der„Gouverneur" erzählt, wie folgt, waS geschehen:„Es war um �/zl Uhr nachmittags. Der Vau der Ziegelwalles, der das Feuer isolieren sollte, war beinahe beendet, als der Ingenieur Baup mir auftrug, ein totes Pferd herbeizuholen, das ungefähr 000 Meter entfernt sich im Schacht befand. Ich folgte dieser Aufforderung und war mitten auf dem Wege, als ich eine Detonation hörte. Ich fühlte eine Erschütterung und be- merkte Rauch, der mir verdächrig erschien. Als alter Mincnarbcitcr war ich mir keinen Augenblick im Zweifel darüber, daß eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden hatte. Ich gab sofort daS Alarinzeichen und ergriff die Flucht zusammen mit einem Arbeiter, der mich begleitet hatte. Wir kehrten auf dem Wege in den Schacht Des Flaches zurück, der übrigens wegen seiner Explosionsgefahr gefürchtet ist, und retteten uns durch den Lufiichacht ins Freie." Unterwegs trafen die beiden Männer einige Arbeiter, die von der Explosion überrascht worden waren, und die sich mit schweren Verletzungen am Boden wälzten. Der„Gouverneur" ergriff einen von ihnen und transportierte ihn auf feine» Schultern ins Freie. Die Direktion wurde sofort benachrichtigt und die Ingenieure wurden herbeigerufen. Ein Rettungsdienst wurde organisiert, und unter der Leitung des Chefingenieurs und einiger Arbeiter, die man mit Schutzhelmen ausrüstete, stieg eine Rettungslolonne in die brennende Mine hmab._ Fernflug mit sechs Paflagiercn an Bord. Eine beachtenswerte aviatische Leistung hat am Mittwoch der bekannte französijche Flieger Roger Sommer vollführt. Mit sechs Passagieren im Gesamtgewichte von 440 Kilogramm an Bord flog er mit seinem Zweidecker von RheiniS nach ChalonS-fur-Marne und zurück. Der Flieger legte die 60 Kilometer lange Strecke in 55 Minuten zurück. Kleine Notizen. Drei Kinder verbrannt. Nach einer Meldung aus Marienwerder sind bei dem Brande einer Arbeiterwohnung in Lindau im Kreise Kulm drei Kinder in den Flammen n in g e k o>n m e n. Bei der Rertung des Paters verunglückt. Beim Traubenprcssen sind in der französischen Orrschaft St. Julien drei Personen, Vater und Söhne, tödlich verunglückt. Der Vater war in der Kelter durch giilige Gase betäubt ziifanimengebrochen. Bei dem Versuch, den Vater zu retten, verloren die Söhne ebenfalls die Besinnung und erstickten. Die Cholera in Serbien. Nach amtlicher Mitteilung sind vom 3. bis 15. Oktober in fünf Landesbezirken 23 Cholera- erkrankungcn vorgekommen, von denen 11 tödlich verliefen. Arbeitcr-Wniiderverein Berlin. Wanderfahrten am Sonntag, den 22. Oktober. I. Königs Äufterhaulen-Erkner. Abfahrt 6,40 Görlitz er Bahn- hos. II. Beniau.Liepnitzlee, Abfahrt 6,40 Etettinrr Vorortbahnhoj. Gälte willkommen._ Bingegangene Druchrcbnften. Von der„Renen Zeit", Ist soeben das 3. Heft des 30. Iahrgnilges erschienen. Aus dem Inhalt de« HesleS beben wir hervor: Der'türkisch- italienische Krieg. Von Hermann Wendel.— Bebels Dcnkwlirdlgkeitcn. Zivcitcr Band. Von F. Mehring. II.— Die Aklio» der Masse. Von K. Kautsky.(Fortsetzung.)— Marokko und der deutlche Erzbedars. Von Otto Hue. II.— Literarische Rundschau: Robeit Michel», Die Grenzen der Geschlkchlsmoral. Von Oda Olbcra. August Winnig, Der große Kamps. Von I. KUche.— Notizen: Mehr Eiser für die frele Jugendbewegung. Von.1 B. Die sozialdemokratische Bewegung in Bosnien und Herzegowina. Bon Z. TopaluwitS. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal«nd ist durch alle Buch- Handlungen, Poslanstaklen und Kolporieure zum Preise von 3,25 M. pro Luiartal zu beziehe»; jedoch laim dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen zur Verfügung. Im Verlage von I. H. W. D i e tz N a ch f. in Stuttgart ist soeben erschienen: Die Geschichte der Erde. I. Wie Berg«ud Tal entstehe». Kurzer tzlbiih der dynaiuischcn Geologie. Von R. B o m m e l i. Fünszehntes Ländchen der Kleinen Biblioihek. 12k Seiten. Illustriert. AuS dem Jubalt heben wir hervor: Ein orientierender Ausflug.— Die umgcslall.iide» Wirlungen des Wassers und der Lust.— Die geologische Wirksamkeit der Organismen.— Vulkane.— Erdbeben.— Er- birgsiitdung. Ferner ist erschienen und gelangt gleichzeitig zur Ausgabe: Aus alte» Tagen. Soziale Bilder au« der deutschen Vergangenheit. Von Julius Deutsch. Sechzehntes Läudcheu der Kleinen Bibliothek. 0« S-iic». Illustriert. Der Beriosier schreibt in der Vorrede: Die dcnlsche Witt. schasts- und Kuiiurgcichichte pflegt in dickittbigcn Büchern behandelt zu werden. Die Folge davon ist, daa dieses Wissensgebiet dem Volle sremd bleibt, habe» doch die meisten arbeitenden Mensche» nicht Zeit z» craftem Studium. Ich Hab- nun aus der Fülle der geschichllichen Neberlielermig einige Kapitel herausgegriffen nnd trage sie in anderer Form als gewöhn- hch vor. Nicht im Kleide ernster Gelehrsamkeit, sondern in der losen Hüll- leichtverständlicher Stizzen versuche ich soziale Ziistände vergangener Tage zu lchiidern.— Mögen diese anspruchsloscii Bilder dazu beitragen, deutschen Arbeilern die deutsche Vergangenheit lebendiger zu gestalten. preis 50 Pf lWCJ vSvdchcus broschiert 75 Pf, ll-bnndcn 1 M. VertinS- «Sttternngsüderst«», vom IS. Oktober»Sil. «tattoven »iviiiemde f 767 SO Hambm g f 767 SO ß-rlw.767 SO Iranki a VI 767 NO lllüuche».768 353 Wien 1 769 SO 2 wolkenl 2 wolteul 1 ivolkeiil 1 Nebel 1 woltcnl 1 wollenl »K «f» s" ß? m« «tattonen S Haoarailda 765 NO Petersburg 765 W Heilly lber�eev «.irrS 767 OSO 766 S 764 OSO Seite: 2 wolkig 1 heiter 5 halb bd 1 bedeckt 3 wollig r-» f- 2 4 13 11 15 «>e»tervrog»ose fttr Freitag,»e« 20. Oktober ioi». Zeitweise nebelig, vorwiegend heiter und trocken, am Taae ni-td fi« meist schwachen südöstlichen Winden. 8 100 cc Berliner W e t t e r b ur e a u. unlicht "Oft wird Seife angepriesen, Die als scfiädlicfisiciierariesen! Vorsicht ist der Hausfraa Pflicht! Suntichtselfe schadet nicht!' Zentralverband Mdeeber - Verwaltangsstelle Berlin., Tonntag, den SS. Oktober, vorm. 8 Uhr. im«Sewektschaftshause. Engelufer 15(Saal I): Kenersl- Versammlung der Dachdecker und Dachdeckerhilfsarbeiter. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deZ Arbeiterfekretärs Genossen Wissel über„Die Reichs- versicherungSordnung". 2. Kassenbericht vom 3. Quartal 1911. 3. SB et» bandsangelegenheiten. 53/1 Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Borstand. MM 'Arbeitsnachweis; Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin Charitestr. 3. iiauotboreau: Hos III. Amt 3. 1987. Sonntag, den 22. Oktober 1911, vormittags 9 Uhr: Krimchen-Nersammlimg der Eisen-, Metall- u. Revolverdreher sowie Rundschleiser in den Musiker-Festsälen sgr. Saal), Kaiser-Wilhelm-Str. 18m. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen M. H. B a e g e:„Die philosophischen Grund agen deS Monismus". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Die Kollegen der Firma Ditimann, MarkuSstraße, sind besonders ein- geladen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den SS. Oktober ISll. vormittags 10 Uhr, findet im Lokal R. Kaul. Adlershof, Bismarckstr. IS, eine Mitglieder- Versammlung für Adlersbot statt. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Einführung der Hauskalsierung. 2. Wahl der HanSkassiercr. 3. Ausstellung von Gcwcrbeuerichlsbeisid-rn. 4. Verschiedenes ' Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. � Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 124/14 Die OrtSverwaltung. Vcrwaltang Berlin. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, im GewcrkschaftShanse, Engel- ufcr 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): 90/14 der Ortsverwaltung. Montag, den 83. Oktober, abends 8'/, Uhr. im GewerkfchaftshauS. Engelufer IS, groster Saal: Mitglieder-Versammlnng für alle der Orts-Krankeulmfle fnr das Gewerbe ber Tischler«ud Pianoforte- Arbeiter . angehöngeu Derbandsmitglieder. oe TageS-Ordnung: 1. Die am 6. November stattfindenden Delegiertenwahlen. 2. Aufstellung der Kandidatenliste. Mitgliedsbuch des Holzarbeitcr-VerbandeS legitimiert. Die Ortsversrnl tn n g. KM MD M *£$0$ <3lSm: ■■ml-' DM WU wm • M i Besichtigung meiner Läger ohne Kaufzwang erbeten! M den rtftn Sünee! empfehle grore Posten gedrauailer Mad-Pa ewis und»ister. sog. Monaisgaroerooe. Aitr tede stigu»(auch für den stäitsten Herrn) pastend auf Lager. Tiefe Lachen sind leiis m feinste» Werkstäuen tauch auf S'" tilltierer Anfchostuiigspreie vis J2u M.. legi zu folgenden exira billigen greifen! auch neue �err.»Paletots 8.1)0, 1 2.00, 1 6.00, 18.00::"" >«ren-UIftec 10.. IL- 16- Sv- M..c Jackett-Anzüge 9.-12.-14— 19— M.-e. i.(ßanfl eide) gearbetlet. !Üock-Anziige 12- 16- 20- 22- M.:e. Gehrock-Anzüge 16— 19— 22— 25— M.:c. Herren-Hosen 2.— 3— bis 6— iDcrleibung von des. Frach- n.«vefcUichatrS-jiUiUgen. drea.st?.. IL Gesob&ft: LlsZilZZkSZik 89 III. Geschäft: Ja�elSlk. II. I!■ I II■null IM I■ fl»Ii II« II-- � GÄt: Gr Frankfurler Str. 116," d' Ad *** Handwerker, � Arbeiter kaust feine Kleidung in dem grösiten Spezialgeschäft von ItnlAnSn& Jöring� Arbeitskleidung für jeden Beruf. Haudtgeschäst: Atexanderitr. 28. Filialen: Rosenthaler Str. 83. Eck- Weinmeisterstraß«; Landsberger Allee 148. am FriedrichSbain: Rixdorf: Bergstr. 66. am Ringdahnhos. I'elner Dänischer Kapitän-Kautabak in Bollen, Bündel und Enden. General- Vertrieb: Karl Röcker, Berlin O. Grüner Weg 119(Amt VII, 3861). Seal von 9,50 an, Persianer inlit. von 6,50 an, für eleg. Damcn- Palctots. 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So n n t a g. den S2. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Lokale Ri'terstrasjc Nr. 75: Lellei'Al-Vel'LSmmIuos. Tages-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Arbeiter jede» Berufes, welche das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben und Mitglied des Vereins werden wollen, können sich in der Versammlung melden. Ber Vortttand. 37/7 I. A.: K. A. Gadegast, Soldiner Str. 7S. Haol beste flüssige Metall- Politur. überall z» haben in Flaschen von 10 Pf. an. Fabrik: LubSzynski& Co., Berlin- Lichtenberg. I'isckiel'-Verein (E. II. 80). Sonnabend, den Sl. Oktober, abends 8-/, Nhr. Mclchiorstr. 15: LeuersI'Verssmmlung. Tages-Ordnung: Stalutcnbcralung. Bericht vom 3. Quartal. Verschiedenes. gMP Ausgabe der Billetts zu« Siif!u»asfeft am S8. Oktober t» K l i e in s Fcftsalen. - Mitgliedsbuch legitimiert.= 199/5 Der Vorstand. ilrlieiter-RatllaiirEr- Bund SolidarisäL Ortsgruppe Berlin. Tonren zum Sonntag, den SS. Oktober. 1. Abt.: 1 Uhr: Mönchsmühle. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: l Uhr: Papenberge. Start: Schönlrinstr. 6. 3. Abt.: 7 Uhr: Wol'ersdors (Dampsboot). 1 Ubr: Fricdrichshagcn (Lerche). Slart: Lausitzer Platz l2 4. Abt.: VI, Ubr: Adlershos(Söll. stein). Slart: Rüdersdorser Str 50. l'/' Uhr: Steglitz(Birken- waldchen). Slart: OderbcrgerStr.LS. �bt.: 2 Uhr: Weidmannslust (Kartossel, und Heringtour). Start: Koslincr Str. 8. 8.?lbt.: 8 Uhr: Grabowsee. I lthr: Glienicke(Nordbahn). Altermann. Start: Bcussclstratze 22 9- �bt: 1>/, Ubr: Adlershos(Wöllstein). Slart: Schillingstr. 22. �amaritcr-Ncbunnsabeud Donnerstag. 26. Oktober. 8'lt Uhr. be: Lehmann. Stralauer Brücke 3. sf.UA�nen eines jeden Samariters -st Pflicht._ Lichtenberg und Umgegend. 1 Uhr: Tour wirb am slart be- kann! gegeben. Pfarrstrahe 74. 10 i'ibt: t'/, llhr: Sieglitz(Birten- Wäldchen). Start: Bezirl-Uokale.[13/1 Oneriere in nur srischer. schöner Ware: ein Pr-cli,! S Gänse 0,68 7—12 Pfund schwer. 11212* Nur allererste Onalitat Gäitskrümpfe, Halde Käufe. Feile Suppenhühner, jg. Brathühner. P. IVegner, SO. Mariannenstr. 34. Or. Bimmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstp. 41, Morias#. 10—2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4- . verastwortlicher Redakteur: Rtcharb Barth, Berlin. Für den Jnseratenttilveraiitw.: TH.Glolke, Berlin. Druck». Perlag: Vorwärts Buchdruckere, u. Berlagsanstalt Pau' Smger u. Co., Berlin SW,