Nr. 249. BbonnementS'Bcdingungen: Abonnements> Preis pränumerant«: Pierteljährl. 3,30 SRI, monatl. 1,10 SRI, wöchentlich 28 Ptg. frei ins Haus, Einzelne Nummer b Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags, Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 SRarl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland wid Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Nusiäniett. Schweden und die Schweiz. erlcheli» täglich außer montas». 28. Jahrg. Verlinev Volksblatk. Zentralorgan der fozialdcmokratt fehen parte» Deutfehtands. Die TnfertlonS'GebObr letrügl für die sechsgespaltene Kolonel- seile oder deren Raunt 00 Pfg, für politische und aewerllchaftliche Vereins- und Vcrlamnilungs-Anzcigen 30 Pfg, „Aleine?nreigen", das settgedruckte Wort 20 Pfg, tzuISsstg 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Wenn irgendwelche Optimisten sich der Hoffnung hin- gegeben haben sollten, daß die Regierung den Notstand des Volkes in seiner ganzen Tiefe erfassen würde, so nmß er grausam enttäuscht worden sein durch den Verlauf der Jnter- pellationsdebatte. Schon die Begründungsrede, die der Ab- geordnete S p a h n der Interpellation des Zentrums auf den Weg gab, ließ erkennen, daß die agrarischen Mächte in und außerhalb der Regierung gar keine Zugeständnisse oder doch nur Scheinkonzessionen machen würden. Er bestritt nicht, daß gewisse Uebelstände durch Teuerung einzelner Nahrungs- mittel sich herausgestellt hätten. Als er an die Begründung dieser Uebelstände heranging, wußte er aber nur von lokalen und internationalen Ursachen zu reden und versäumte es völlig, die künstliche Verteuerung aller Gebrauchsartikel durch das Schutzzollsystem als eine der dauernden Ursachen der Lebensmittelverteuerung anzumerken. Er verhielt sich denn auch rundweg ablehnend gegen alle die Maßregeln, die zur Besserung der Lage vorgeschlagen sind, und will nur einige kleine Zugeständnisse machen, die in keiner Weise ernstlich dazu beitmgM können, irgendwie der Notlage Abhilfe zu schaffen. Er will den Zoll auf Gemüse vorläufig suspendieren und die verderbliche Wirkung des Einfuhrscheinsystems da- durch mildern, daß er die Einfuhr gewisser Artikel, wie Vctroleum und Kaffee, auf Einfuhrscheine hin nicht zulassen will. Mit diesen kleinlichen Palliativmittechen wäre natür- lich so gut wie gar nichts erreicht. Es kam offenbar dem Zentrum auch nur daraus an. den Anschein zu erwecken, als ob es irgend etwas zur Linderung der Not hm wolle. Ob, wie so oft bei früheren Gelegenheiten, die christlichen Arbeiter, die jetzt auch über den Notstand Klage geführt haben, sich durch ihre parlamentarischen Vertreter einlullen lassan, wird ja die nächste Zeit erweisen. Uebrigens verfehlte Herr Spahn nicht, sich auch den agrarischen Trick zu eigen zu machen, daß der Zwischen- h a n d e l an der Verteuerung der Nahrungsmittel die Haupt- schuld trage. Dieser Ausfall nimmt sich um so vcrwunder- licher aus bei dem Wortführer einer Partei, die sich stets und ständig als den Vertreter des Mittelstandes aufzuspielen liebt. Als Herr Spahn auf diese Weise den Notstand aus der Welt geredet hatte, erfolgte nicht, wie sonst bei dem Führer der Zentrumspartei, der übliche Beifall: ein undeutliches Ge- murmel in der Mitte des Hauses legte nur Beweis davon ab, daß einige der gedrückt dasitzenden Herren sich verpflichtet fühlten, so eine Art Zustimmung zu' knurren. Als zweiter Interpellant kam dann für die Sozialdemo- kratie der Genosse Scheidemann zum Wort. Im Gegen- satz zu Herrn Spahn betonte er auf das schärfste, daß ein wirk- licher Notstand in weitesten Kreisen unseres Volkes gespürt werde. Die Klagen, die da laut geworden sind, seien so un- zweideutig und vernehmlich in die Welt hinausgeklungen, daß sie auch durch das wüste Kriegsgeheul gewissenloser Im- pcrialisten nicht übertönt werden könnten. Scheidemann be- faßte sich dann eingehend mit der Denkschrift des'Landwirt- schaftsrats, in der dem Volke durch künstliche Zahlengrup- pierung klar gemacht werden solle, daß es sich nur einer Täuschung hingäbe, wenn es Hunger zu leiden glaubte. Scheidemann stellte dem die Tatsache gegenüber, daß die Löhne der Arbeiter in vielen Fällen, z. B. bei den Bergarbei- kern in den letzten Jahren erheblich gekürzt worden seien, während die Unternehmerabschlüsse gestiegen wären und das trotz der Teuerung aller Gebrauchsartikel. Er konnte sich ja sogar auf die königlich preußischen Eisenbahnarbeiter be- rufen, die neulich in einer Versammlung ihrer Not vernehm- lichen Ausdruck gegeben haben, während gleichzeitig die Aus- Weisung des Landtagsabgeordneten Hosfmann aus dieser Versammlung den Beweis geliefert habe, daß die Verwaltung in der berüchtigten kleinlichen preußischen Art die.lufklarung der Ardeiter zu hintertreiben sucht. Die ganze Fadenscheinigkeit der Regierungsvorwande zur Bekämpfung der Seuchengefahr bewies er durch die Tatsache, daß auf den großen transatlantischen deutschen Dampfern dl« Passagiere mit argentinischem Fleisch ernährt wurden, während man dessen Genuß wegen angeblicher Seuchengefahr den darbenden Massen des deutschen Volkes vorenthalt. Schließlich formulierte Scheidemann die sozialdemokratlschen Forderungen, die in der Hauptsache auf eine Suspendierung der Lebensmittclzölle hinauskommen, und meinte, der Konz- Icr werde diese Forderungen nur verneinen, wenn er sich aus den agrarischen Fesseln nicht losmachen könne. Auch der freisinnige Abgeordnete O c s e r drang energisch auf Maßregeln gegen die Teuerung aller Lebensmittel In welchem Geiste der Reichskanzler von Bethniann Hollweg dieser wichtigen Frage gegenübertrat, verriet er geschlagen, um„die bewährte Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches abzubauen". Eine kleinlichere Auffassung einer das Lebensinteresse des Volkes tief berührenden Frage hätte auch der verflossene Herr von Podbielski oder Herr von Oldcn- burg-Januschau nicht bekunden können, wenn eine höfische Laune sie auf den Reichskanzlersessel befördert hätte. Nach diesem Stichmuster war die ganze Polemik dieses schlecht imi- tierten Staatsphilosophen gefärbt. So donnerte er die Oppo- sition mit vibrierender Stimme an: Es wolle doch wohl nie- mand bestreiten, daß die Dürre dieses Sommers zur Verteue- rung mancher Lebensmittel beigetragen habe! Als ob nicht diese Tatsache in jeder Rede, in jedem Ar- tikel über die Notlage ausdrücklich hervorgehoben sei. Denn die ganze Frage dreht sich in Wirklichkeit ja darum, daß außer der Dürre noch andere, dauernde Ursachen die Teuerung herbeigeführt haben. Ursachen, die nicht auf klimatische Ein- flllsse, sondern auf künstliche Eingriffe der Regierung in das wirtschaftliche Leben der Nation im Interesse der herrschenden Klassen zurückzuführen sind und deren Beseitigung man des- halb nicht von einer Gunst des Himmels, sondern von dem be- wußten Eingreifen der staatlichen Gewalten erwarten kann und verlangen muß. Natürlich betonte auch des Reiches Kanzler, genau so wie Herr Peter Spahn, daß von einem wirklichen Notstand gar nicht die Rede sein könne. Um so weniger sei natürlich daran zu denken, daß die Regierung irgend etwas tun würde, was die Axt an die Wurzel unseres bewährten Wirtschaftssystems legen würde. Bei seinen verzweifelten Versuchen, die Not aus der Welt zu reden, erklomm der Kanzler dann den Gipfel demagogischer Redekünsteleien mit der Behauptung, zur Ver- stärkung der Teuerung, die er vorher ja im allgemeinen be- stritten hatte, habe es wesentlich beigetragen, daß in der Presse so viel von der mangelhaften Versorgung Deutschlands mit Nahrungsmitteln die Rede gewesen sei. Nach diesem bewähr» ten Mittel werden ja überall in Deutschland von der Regie- rung und ihren Handlangern die„Hetzer" als Urheber der Mißstände verdächtigt, die sie in Rede und Schrift aufdecken. Bei all diesen agrar-demagogischen Mätzchen hatte der Kanzler tosenden Beifall bei den Agrariern auf der Rechten und in der Mitte. Schweigsam wurden die Herren dagegen, als ihr Regicrungsvertreter auf die bescheidenen Mittel zu sprechen kam, die die Regierung glaubt zur Beseitigung ein- zelner, auch von ihr zugegebener Mißstände anwenden zu können. Herrn Peter Spahn folgte der Kanzler nur insofern, als er erklärte, daß die Begrenzung der Einfuhrscheine auf die Beschaffung des Zolles für gewisse Waren diskutabel sei. Anfangs hatte er gesagt akzeptabel, reduzierte dieses Zu- geständnis aber schleunigst auf die unverbindliche Rede- Wendung„diskutahel". Dagegen wollte er nicht einmal von der Suspendierung des Geinüsezolles etwas wissen, da er da- durch das für ihn unantastbare Schutzzollsystem beeinträchtigt hätte. Er machte dann viel Rühmens von den Frachtermäßi- gungen, durch die man die Versorgung des Volkes mit Brot- korn erleichtern könne, und redete den Gemeindeveranstal- tungen zur Beschaffung von Lebensmitteln zu billigeren Preisen, als der Zwischenhandel sie gewähre, energisch das Wort. Das alles sind bezeichnenderweise aber auch Maß- regeln, die den Agrariern nicht wehe tun. In seinem Eifer ließ er sich zu dem Wunsch hinreißen, daß die Gemeindeein- richtungen zur Beschaffung von Lebensmitteln hoffentlich Be- stand haben würden. Es kam dem Kanzler offenbar nicht zum Bewußtsein, daß er damit einem Stück sozialistischer Einrich- tung das Wort redete. Sollte er einmal im stillen Kämmer- lein die Konsequenzen dieses Zugeständnisses ausdenken, so werden ihm die staatserhaltenden Haare noch mehr als ge- wöhnlich zu Berge stehen. Das völlige Gepräge einer agrar-demagogischen Wahlrede gab dann der brave Bethmann seinen Ausführungen, indem er sie in ein Loblied auf die vortrefflickien Wirkungen des herrschenden Schutzzollsystems ausklingen ließ. Beweislos schrieb er der Schutzzollpolitik die Wirtschaft- lichen Fortschritte Deutschlands zu. trotzdem eine Vorurteils- freie Prüfung der wirtschaftlichen EntWickelung Deutschlands doch erst beweisen müßte, daß der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahrzehnte in irgendeiner Weise durch die Agrar- Politik gefördert wurde. Tatsächlich ist dieser Ausschwung allen möglichen anderen Faktoren zu danken. Die künstliche Lebensmittelverteuerung konnte nur hemmend auf die Volks- gesundheit und damit auf die Gesamtentwickelunq des Volkes einwirken. Es ist bezeichnend für den Kanzler, daß er hofft, mit einem solchen plumpen demagogischen Kniff auf die Wahlbewegung einen Einfluß ausüben zu können. Eine trübe Ahnung, daß er damit ebensowenig Eindruck machen würde wie seine nicht beamteten Mitdemagogen, mußte aber doch das Kanzlergemüt durchziehen, denn er fügte hinzu, wenn es wirklich der Sozial- demokratie gelingen sollte, durch ihre Agitation einen Um- schwung in der Zusammensetzung des Reichstages herbei- zuführen, so würde das die bedenklichsten Gefahren für Volk und Reich heraufbeschwören. Was er mit dieser dunklen Andeutung sagen will, ist ja nicht völlig klar. Da aber der Umschwung im Volke, wie der Erfolg der Sozialdemokratie bei allen Nachwahlen gezeigt hat, längst auch aus anderen Ursachen herbeigeführt wurde, werden Herrn von Bcthmanns dürftige Bemühungen der wachsenden gleich in den ersten Sätzen seiner Rede. Nach ihm werden Flut keine haltbaren Dämme entgegensetzen tonnen. Wenn alle die Mittel zur Linderung der Not des Volkes nur vor- i einmal die Flut der Volksempörnng auch ihn von seinem Posten hinweggeschwemmt haben wird, wird er bei Auswahl der Denkschrift für seinen politischen Leichenstein wenigstens die Genugtuung haben, seinen Amtsvorgänger Bülow noch übertrumpfen zu können mit dem Satz:~. Hier ruht ein überagrarischer Reichs- kanzler! Die chineMche ßevolutlOD. Die Revolutionäre machen rasche Fortschritte. Schon sind die Städte Tschangtscha und I t sch a n g ihnen ohne Wider- stand zugefallen. Sie haben bei Sinjantschau die Eisenbahn zwischen Hankau und Peking besetzt und dadurch einen Teil der kaiserlichen Truppen abgeschnitten. Es ist wahrscheinlich, daß das ganze Jangtsetal sich der Revolution anschließen wird und die Sympathie des chinesischen Volkes für die Bewegung äußert sich immer offener. Auf der anderen Seite, im Lager der Regierung, herrscht offenbar völlige Desorganisation. N u a n s ch i k a i hat jetzt dem Hof endgültig seine Absage erteilt, was deutlich dafür spricht, daß er die revolutionäre Bewegung für sehr aussichtsreich hält. Der Flotte mangelt es an Munition und den Truppen an Lebensmitteln. Die ausländischen Banken aber verweigern der Regierung jede An- leihe, da dies der Neutralität widersprechen würde. Diese strenge Auffassung der Neutralittätspflichten zeigt, daß in diesen Kreisen mit der Wahrscheinlichkeit des revolutionären Sieges gerechnet wird. Haben doch die Revolutionäre aus- drücklich erklärt, daß sie Anleihen der Regierung, die nach dem Ausbruch der Revolution aufgenommen werden, nicht anerkennen würden. Was aber vielleicht am besten die Macht- losigkeit der Regierung kennzeichnet, ist die Tatsache, daß die st rengen Zensurvorschriften in Peking keine Beachtung mehr finden, daß die Befehlshaber der kaiser- lichen Streitkräfte selbst es sind, die den verzweifelten Zustand der Truppen und der Flotte in chinesischen Blättern zur Sprache gebracht haben, um ihre Niederlage zu erklären. Ein neues Gefecht. Peking, 21. Oktober. Nach hierher gelangten Berichten ist im Norden von K w a n g- f i eine Brigade kaiser- licher Truppen von Truppen der Aufständischen, die über starke Artillerie verfügten, beschossen worden. Die Kaiser- lichen hätten sich in Verwirrung nach Sinyang-chow zurückgezogen. Wie verlautet, haben die Aufständischen Tschangscha eingenommen. ,'Besetzung von Jtschaug. Hankli«, 22. Oktober. I t s ch a n g ist von den R e- b e l l e n t r u p p e n am 19. Oktober ohne Widerstand besetzt worden. Im Osten der Provinz H u p e h sind die am Jangtse gelegenen Städte ebenfalls in den Händen der Aufständischen. Von Hankau aus rücken R e» bellentruppen an der Bahnlinie nach Norden vor. Aus der Provinz Hunan stießen heute einige hundert Mann zu den Rebellen in Wutschang. Das amtliche GrstäudniS. Peking, 23. Oktober. Ein telegraphischer Bericht de» General» D i n t s ch a n g und de» AdmiralS Sah-tscheng-ping, dessen Veröffentlichung in den chinesischen Blättern zeigt, daß die Schärfe der Zensurplötzlich nachgelassen hat, enthält folgende Einzelheiten über das Gefecht am 18. d. M.: Als um 6 Uhr abends die zweite Abteilung der Truppen von Tientsin auf der Hauptstation vor Hankau eintraf, wurde sie noch vor dem Verlassen des Zuges von 2000 bis 3000 Aufständischen angegriffen. General Tschang-piao führte die Rcgierungstruppcn zuni Angriff. Die Aufständischen verloren 200 bis 300 Mann. Die Negierungstruppen nahmen sechs Geschütze großen Kalibers. Admiral Sah gab der Flotte den Befehl, durch ihr Feuer das Nachrücken von Verstärkungen der Aufständischen au? Wutschang zu verhindern. An dem Gefecht konnte er keinen Anteil nehmen, da er befürchtete, auch den RegierungStruppen Verluste zu- zufügen. Diese waren schließlich durch Verluste so ge- schwächt, daß sie die Station nicht behaupten konnten. Der Flotte fehlt es an Kohlen und Reis. Holzgeschosse. Shanghai, 23. Oktober. Während des Gefecht» bei Hank au am Mittwoch verfeuerte Geschosse, die später in der deutschen Niederlassung aufgefunden wurden, erwiesen sich al» Holz- geschosse, die mit einer Metallfarbe bemalt waren. Dies zeigt, daß die Armcrvcrwaltung noch, ebenso korrumpiert ist, wie sie während des Krieges gegen Japan war. Auf der Flotte des AdmiralS Sah soll Mangelan Munition herrschen. Die Absage YnanschikaiS. Peking, 22. Oktober. Das hiesige Amtsblatt veröffentlicht das Antwortschreiben Aua nschikais. in welchem er erklärt. fein Fuß fei noch nicht geheilt, alle anderen Beschwerden aufzählt. unter denen er leide, und sagt, die Zeit sei so kritisch, daß er den Thron nicht um Urlaub bitten dürfe. Jetzt hindere ihn sein Ge- siindheitszustand, eine Tätigkeit zu entfalten. Sobald er aber eine Möglichkeit dazu sehe, wolle er es versuchen. Ein Reskript befiehlt Auanschikai, seine Amtspflichten zu übernehmen, sobald e» ihm möglich sei. Die Reisnot. Peking, 28. Oktober. Durch eine Bekanntmachung werden R e- k r u t e n für die kaiserliche Armee gesucht. Gleichzeitig wird eine Verstärkung der Polizei um 2000 Mann angeordnet. Eine andere Bekanntmachung befiehlt, die Getreidespeicher der Re- gierung zu öffnen, die Reis enthalten, der seit undenklichen Zeiten für den Fall einer Belagerung oder eines Aufstandes auf- gespeichert worden ist. Ferner wird bei strenger Strafe verboten, Reis vom Markte zurückzuhalten und höhere Preise als die auf dem Markte geltenden zu fordern. Trotzdem sind die Reispreise noch i m S t e i g e n begriffen. Der Regent hat seit zwei Tagen an den Sitzungen des Ministerrates nicht teilgenommen. In einem amtlichen Telegramm an die britische Gesandtschaft wird die Ansicht vertreten, dag das ganze Jangtse-Tal sich der Empörung anschliefien wird, wenn es D i n t s ch a n g nicht gelingt, in wenigen Tagen einen entscheidenden Sieg zu er- ringen. Nach Konsulatsdepeschen aus T i e n t s i n ist der dort für heute geplante N u f st a n d verschoben worden. Die Nntionalvcrsammliuig. Peking, 22. Oktober. Die Nationalversammlung wurde heute im Namen de? Regenten, der nicht zugegen war, von dem Prinzen Shihto eröffnet. Die Thronrede enthält keine Anspielung auf den Aufstand und hebt den Wunsch herbor, eine konstitutionelle Negierung durchzuführen. Neutralität der Mächte. Haukau, 23. Oktober. Die Konsuln haben in chinesi- scher Sprache eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der die Neutralität der Mächte erklärt wird. Verhandlungen mit den Revolutionären. Peking, 23. Oktober. Ein Mitglied des geheimen Rats hat an den Thron eine Denkschrift gerichtet, in der diesem nahe gelegt wird, da die Fremden die Revolutionären an- erkannt hätten, sollte die Regierung mit diesen in Vcrhand- lung treten und sie nicht als Geächtete behandeln. Die amerikanische Streitmacht. London, 22. Oktober. Wie das Reutcrsche Bureau aus Washington meldet, sollen am Montag drei amerikanische Kreuzer, zwei Torpedobootszerstörer, fünf Kmiouenboote, ein Transportschiff und ein Kohlenschiff und dem Befehl deS Admirals Murdock vor der Mlindung deS I a u g t f e eintreffen. Der angebliche Straßenkampf. Berlin, 23. Oktober. Der Chef des Kreuzergcschwaders hat au Anfrage über den Verlauf des StrafzenkampfeS i n H a n k a u funkentelegraphisch über Tfingtan gemeldet: In der Nacht vom 12. zum 13. Oktober versuchte chinesischer Pöbel in die deuische Nieder- lassung einzudringen und zu plündern. Das Landungskorpö Vater- land in Gemeinschaft mit der Freiwilligen-Kompagnie drängte den Pöbel mit Kolben und Bajonett aus der Niederlassung. Von der Schubwaffe brauchte lein G e b r a n ch gemacht zu werden. ES ist niemand der- w u n d e t. In den Fremdenniederlassungen herrscht seit dieser Zeit Ruhe._ Der Krieg. Die Verschärfung der Kriegslage in Tripolis, die wir Ende der vorvorigen Woche voraussagten, scheint eingetreten hu sein. Wohl sind die Italiener dank der Ueberlegenheit ihrer Flotte auch noch die Herren der Häfen an der Küste der Kyrenäa geworden, aber die Beschießung von Benghasi, Derna usw. hat doch mehr Widerstand gefunden als die des von Truvpen entblößten Tripolis. Dabei haben die Türken in den Häsen der Kyrenäa sicher nur ganz kleine Truppen- dctachements als Besatzung gehabt, aber die Meldungen von ziemlich schweren Verlusten der Italiener beweisen, daß die Türken sich ihrer Haut zu wehren wissen. Höchst wahrschein- lich werden die in der Kyrenäa zerstreuten Garnisonen der Türken sich im Innern des Landes zu konzentrieren suchen, um gleich der Garnison von Tripolis den Italienern den Weg ins Innere zu verlegen. Damit rechnet auch das italienische Oberkommando, denn die beiden Divisionen des Expcditions- korps sollen getrennt operieren, die eine soll den Vormarsch auf Fezzan antreten, während die andere zur Unterwerfung der Kyrenäa bestimmt ist. Ehe die beiden Divisionen aber ihren Vormarsch antreten können, muß die Beschaffung der notwendigen Lasttiere(Kamele, Maultiere usw.), der Nach- 'schub von Proviant, Munition und unter Umständen auch die Nachführung von Wasser geregelt sein. Alle diese Vorberei- tungen scheinen aber noch nicht beendet zu sein, so daß der italienische Vormarsch noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Besonders beachtenswert ist. daß setzt auch italienische Korrespondenten von Angriffen durch Beduinen berichten müssen. Es geht daraus hervor, daß auch die ein- geborenen Araber und Berber sich ans dem Kriegspfade gegen die Italiener befinden. Wenn daneben italienische Blätter weitschweifig über die Unterwerfung von Araberhänptlingen auch aus der Kyrenäa berichten, so kann eS sich nur um die Kllstenstämme und die Mauren der Hafenstädte handeln, also um Leute, die, wie wir schon früher dargelegt haben, nicht mehr viel mit den freiheitsliebenden und kriegerischen Stämmen des Jnnenlandes gemein haben. Anscheinend rechnet die italienische Oberleitung auch nicht mehr mit so leichten Siegen, wie die Einnahme von Tripolis einer war, denn anders kann der Befehl des Generals Caneva, alle Kriegskorrespondenten vorn Marsche ins Innere fern- zuhalten, kaum verstanden werden. Ein unheimlicher Gast scheint mit den italiernschen Truppen nach Tripolis gekommen zu sein, nämlich die Cholera. Ob diese schon Opfer gefordert hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da die italienische Depeschen- zcnsur aus leicht begreiflichen Griinden derartige Meldungen unterdrücken wird, aber immer wieder sickern Nachrichten von Choleraerkranknngcn durch. Ein Umsichgreifen der Krankheit auf dem sonnendurchglühten afrikanischen Boden könnte dem italienischen Erpeditionskorps verhängnisvoll werden. In Italien selbst werden die Rufe nach einer kriegerischen Aktion gegen die Türkei im Aegäischen Meere immer lauter. Die italienischen Kriegshetzer scheinen sich nicht bewußt zu sein, daß der erste Kanonenschuß auf einen europäischen Hafen der Türkei das Signal für die Balkanstaaten sein würde, ihre bisher im stillen betriebene Mobilisation sofort offen zu der- vollständigen. Und vom Mobilisieren bis zum Einmarsch auf türkisches Gebiet wäre dann nur ein Schritt. Die Besetzung von Derna. Rom, 23. Oktober. Die„Agcnzia Stefani" meldet aus Tripolis: Ein Fnnkentelegramm meldet die Besetzung von Derna. Ein türkischer Kapitän und sieben Matrosen, die sich in ein Versteck geflüchtet hatten, wurden gefangen ge- nommen. Die Lage in Benghasi. Rom, 23. Oktober. Die„Agenzia Stefani' meldet aus Benghasi von heute: Die t ll r k i s ch e n T r u p p e n, die sich am 19. und am Morgen des 20. d. Mts. der Landung der italienischen Truppen widersetzt hatten, haben sich später in Un- orduung in das Innere des Landes zurückgezogen, wo sie sich gegenwärtig wieder sammeln. Wie es scheint, sind sie auch im Besitz einiger Kanonen. Truppen von Beduinen beunruhigen auch weiterhin zur Nachtzeit die vorgerückten Posten, ohne ihnen indessen Schaden zuzufügen. Die militärische Lage ist gut und bessert sich ständig, ebenso die politische Lage- Mit der Entwaffnung der Bewohner der Stadt und der Umgebung fährt man fort. Die Häupter der Grcnzstämme stellen sich jetzt ein, um sich Italien zu unterwerfen. Das Truppcnkommando trifft Vorkehrungen, um die verschiedenen Dienste in Ordnung zu bringen und die Landung des Materials zu beschleunigen, die wegen der stürmischen See und aus Mangel an geeigneten Hilfsmitteln gegen- wärtig ziemlich langsam vor sich geht. Ein neues Scharmützek. Tripolis, 23. Oktober.(Meldung der„Agenzia Stefani".) Die letzte Nacht ist ruhig verlaufen. Heute morgen hat von einigen Trupps arabischer Kavallerie und einigen regulären tür- kischen Soldaten ein Angriff auf verschiedene Punkte stattge- funden. Ter Angriff war bereits gegen �10 Uhr überall zurückgeschlagen. Zur selben Zeit jedoch begannen einige Ära- der der Oase hinterrücks auf die Vorposten zu schießen. Man hat deshalb strenge Maßnahmen zur Durch- führung der Waffenauslicfcrung ergriffen und zahlreiche Verhaf- tungen vorgenommen. Berwnndnng Envrr Behs. Konstantinopel, 22. Oktober.„Jeni Gazetta" meldet einen Kampf, der am 17. d. M. zwischen türkischen Truppen unter E n v e r B e i und Italienern stattgefunden habe. Die Italiener hätten sich unter Zurücklassung von 15 Toten zurückgezogen. Auf türkischer Seite seien, zwei Mann verwundet worden; auch E n v e r Bei sei leicht verletzt.»-. � Die Italiener in der Türkei. Rom, 22. Oktober. Wie die„Agenzia Stefani" aus Kon- stantinopcl meldet, stehen in Stambul vor einigen Geschäften von Italienern Beobachtungsposten, die die Leute am Eintritt verhindern. In Beirut und I c r u s a- l e m müssen die Italiener alle Abgaben bezahlen, wie wenn sie Eingeborene lvären, Die csistltzgMvshlev In den Reichs- landen. Am Sonntag fanden, zuin ersten Male unter dem neuen Wahlrechte, die Landtagswahlen in Elsaß-Lothringen statt. 60 Kreise waren zu besetzen, davon ist die Wahl in 35 Wahlkreisen endgültig entschieden. Von diesen 35 Kreisen fielen an das Zentrum 19. an die Sozialdemokraten 5, an die Liberalen 2, 8 an die Kandidaten des LothringerBlocks. Außerdem wurde ein unabhängiger Agrarier gewählt. Die Sozialdemokratie steht in 7 Bezirken in sehr günstiger Stichwahl, da bei den Nachwahlen die relative Mehrheit den Ausschlag gibt und die Sozialdemokraten in diesen Kreisen an erster Stelle stehen. Die Sozialdemokratie kann mit dem Wahlergebnis zufrieden sein. Ihre Stimmen- zahl ging vielfach weitüberdiebeiderReichstags- wähl abgegebene Stimmenzahl hinaus. Gewählt wurden die Genossen Emmel, Bohle, Peirotes Schilling und Fuchs. Schlecht abgeschnitten haben dagegen die Liberalen, die bis jetzt keinen einzigen ihrer Führer durchgebracht haben. Die Liberalen sind bei der Nachwahl auf die Hilfe der Sozial- demokraten oder des Zentrums angewiesen. Eine Niederlage erlitten haben auch die N a t i o n a> l i st e n. von denen B l u m c n t h a l und P r e i ß in aussichtslosen Nachwahlen stehen. Ihre Niederlage bedeutet zugleich eine Niederlage des Zentrums, da die Nationalisten ja von dem Zentrum unterstützt wurden. Das Zentrum, das in seiner Angst wiederum den bekannten Schrei ertönen ließ,„die Religion ist in Gefahr", hatte auch im Namen der Religion die Katholiken des Münstertales aufgefordert, für Herrn B l u m e n t h a l zu stimmen! Die Nachwahlen werden am nächsten Sonntag statt- finden. Wie die„Vossische Zeitung" mitteilt, werden die Sozialdemokraten von den Liberalen unterstützt werden. Wahrscheinlich wird durch die Nachwahlen die klerikale Majorität beseitigt werden. *• * An Einzelheiten wird' noch gemeldet: Straßburg. I Wolf(liberale Landespartei) 1991. Schu» lenburg(Soz.) 1011. Hillen(Zentr.) 725. Hochstätter (Wirtsch. Bg.) 235. Dr. Hügel(Nationalist) 315.(Nachwahl.) II Burger(liberal-dem.) 1304. Meier(Soz.) 1342. Dr. Di- d i o(Zentr.) 494. Hering(Nationalist) 173.(Nachwahl.) III Dr. Leoni(liberal-dem.) 1013. Jmbs(Soz.) 1806. Zentr. 1657. Dr. K a p p l e r(Nationalist) 370.(Nachwahl.) IV Dr. Dammeron(liberal-dem.) 1390. Wolfer(Soz.) 1220. Hurst(Zentr.) 580. Friedrich(unabh. Wirtsch.) 449. Sügel(Nationalist) 307.(Nachwahl.) V Bohle(Soz.) mit 2715 timmen gewählt. VI PeiroteS(Soz.) mit 2750 Stimmen gewählt.— Hagenau. H a n S(Zentr.) gewählt.—- RappoltS- weiler. Wetterl«(Nationalist) gewählt.— Schlcttstadt. Dr. Fleger(Zentr.) gewählt.-- Saargrmllnd. Hoen (Zentr.) gewählt.— Erstrin-Benfeld. Gillot(Zentr.) gewählt. — Nicderbronn. Dr. Michel(unabh.) gewählt.— Ncubreisach- AndolfSheim. K übler(Zentr.) gewählt.— Mülhausen(Land). Dr. Spahn j r.(Zentr.) gewählt.— Mülhausen(Stadt). I Emmel(Soz.) gewählt. II Schillig(Soz.) gewählt.— Ebwcilcr-Snlz. Schl um berger(lib.) gewählt.—' Boll- weiler-CmiSbeim. Rudolph(Zentr.) gewählt.— Colmar (Stadt). P r e i ß(Nationalist) 1915. K u n tz(Dem.) 1000 Hindelang(Soz.) 15 882. Engel(unabh.-klerikal) 200. (Nachwahl.)— Colmar(Land). Blumenthal(Nationalist, 2245. � I ni m e r(lib.) 2100. PeiroteS(Soz.) 2340.(Nach- Wahl.) Zur cebensmittelteuernng. Die Leipziger Arbeiter gegen die Teuerung. Mit einer mächtigen Kundgebung auf dem außerordmt- ich großen Meßplatz vor dem Frankfurter Tor leitete die Sozialdemokratie Leipzigs am Sonntag die Wahlbewegung ein. Schon in der Frühe wanderten zahlreiche Acheiter und Ärbeikermffen nach den Sammellokalen in den verschiedenen Stadtteilen, um von dort in losen Zügen durch die Stadt auf den Meßplatz zu ziehen. Drei große Demonstrationszüge, aus dem Osten und Norden kommend, vereinigten sich auf dem großen Fleischerplatz, um sich hier zu einem zu verschmelzen. Ohne jede Störung vollzog sich der Aufmarsch auf dem Platz. Aus den sieben Westvorstädten kam ein unabsehbarer Zug mit den aus anderen Richtungen kommenden Zügen gleich- zeitig auf dem Platz an. Der Aufmarsch war wahrhaft imponierend. Nun scharten sich die Zuhörer dicht um die vier Rednertribünen. Auf ein Zeichen begannen gleichzeitig die Genossen Lipinski, Cohen, Jeper und Geyer mit ihren Ansprachen. Sie brandmarkten die herrschende Klasse, weil diese nicht den mindesten Versuch mache, ernst- hafte Maßregeln zur Linderung der Not zu ergreifen, und forderten die Zuhörer auf, bis zum Wahltage für die Sozial- demokratie alle Kräfte anzustrengen, damit sie als Siegerin aus dem Kampfe hervorgehe. Nach den beifällia aufgenom- menen Ansprachen wurde einstimmig eine Resolution ange- nommen, die im Sinne der Referate gehalten ist. Mit einem Hoch auf die internationale revolutionäre Sozialdemokratie wurde die Demonstration beendet. Mit 70 l)i)v Personen, die an ihr teilgenommen, ist die Zahl nicht zu hoch gegriffen. Daß das M i l i t ä r in den Kasernen marschbereit gc- halten wurde, soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Die Demonstration verlief ohne jede Störung, so daß auch nicht ein Polizist zum Einschreiten Anlaß fand, ge- schweige denn, daß Militär nötig gewesen wäre. Der gemeinschaftliche Landtag des Herzogtums Eoburg-Gotha hat die vom Landtagsausschuß an die StaatSregierung gerichtete Teuerungsresolution angenommen. Die Regierung wird darin er- sucht, alle Maßnahmen zur Linderung der Teuerung der Lebens- mittel und Futtermittel zu ergreifen. Eine Notstandsaktion der Gelsenkirchener Stadverordnetcn. Die Gelsenkirchener Stadtverordneten haben sich mit der Lebensmittelteuerung beschäftigt und sind zu folgendem Beschluß gekommen: Es soll eine Eingabe an den Reichskanzler und an den Land- wirtschaftsminister gerichtet werden, in der die Erleichterung der Einfuhr ausländischen Viehes und frischen Fleisches durch O e f f- nung der Grenzen, besonders der holländischen, dringend empfohlen wird. Die Stadt richtet einen wöchentlichen Verkauf von Seefischen ein. Die Stadt kauft alsbald eine größere Menge Weißkohl zur Abgabe an die Bevölkerung, um das Einmachen von Sauerkohl zu ermöglichen. Die Stadt kauft Kartoffeln in größeren Mengen ein, um sie zunächst einzukellern und im Laufe des Winters an> die Bevölkerung in kleineren Men- gen abzugeben. Hierzu wird der Verwaltung ein Vorschuß- krcdit von 50 000 M. zur Verfügung gestellt. Ebenso hat die Stadtverwaltung eine Erhebung über die Preise der wichtigsten Lebensmittel im Groß- und Kleinhandel angestellt, die«in statistisches Bild von den Preisen in den letzten drei Jahren entrollt. AuS der Debatte war die Rede des ZentrumSmannes Tom- brink bemerkenswert, der eine Beseitigung der Getreidezölle und die Oesfmmg der Grenzen forderte. Ausgerechnet ein anderer Zcntrumsmann, der christliche Arbeitersekretär, der Stadtverordnete Sprenger, erklärte, daß das Geschrei von den nimmersattcn Agrariern, die die Lebensmittelverteuerung verschuldeten, allein von der Sozialdemokratie stamme. So redet ein Angc- stellter der christlichen Arbeiter. politische(lebersickt. Berlin, den 23. Oktober 1911. Tenunziatorische Beharrlichkeit des Zentrums. Seit der Düsseldorfer Nachwahl ist das Zentrum wieder» holt an die Regierung herangegangen, um von ihr die Maß- regelung von Beamten zu fordern, die in der Düffel- dorfer Stichwahl nicht gewählt haben, oder von denen das Zentrum behauptet, daß sie sozialdemokratisch ge- wählt hätten. Bisher hat die Regierung auf diese Denun- ziationen nicht reagiert, und nun kommt die„Germania" in ihrer Nummer vom 22. Oktober und wiederholt ihre Denunziationen in dieser drohenden Form: .Merkwürdige Staats stützen! Unter dieser Spitz- marke nahmen wir in Nr. 236 1. Bl. der.Germania" vom 13. d. M. Vormerkung von der Feststellung der„Köln. VolkSztg.". daß bei der letzten ReichStagSersatzwahl in Dsissel- d o r f ein dortiger kg l. preußischer Oberregierun gS- rat für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten agitiert habe, und daß.der Herr Regierungspräsident und andere hohe Veanite bei der Stichwahl von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht, also in dem Kampf gegen Sozial- demokratie der liberalen Parole auf Wahlenthaltung Folge ge- leistet" hätten. Die erste, auf den Obemgicrungsrat bczüglicke Behauptung hat, ivie auch von UNS berichtet, der Herr Regicrungs- Präsident für.völlig unwahr' erklärt, während die„Kölnische Volkszeitung" fie auftecht erhält. Dagegen hat der Herr Regierungs- Präsident zu der zweiten, seine und anderer hohen Beamten Wahlenthaltung betreffenden Behauptung nicht sich ge- äußert, so daß an der Wahrheit dieser Tatsache wohl nicht ge- zweifelt werden kann. Wir hoben diese Tatsache hervor und stellten die Frage: Iva« die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zu diesem„staatSerhalienden" Verhalten von hohen Rcgierungsbcamlcn zu sagen haben ivcrde. Seitdem sind IVTage vergangen. aber wir haben eine Antwort auf diese Frage in dem offiziösen Organ des deutschen Reichskanzlers und preußischen Minister- Präsidenten bis heute nicht gefunden. Wir wiederholen daher diese Frage, weil die Angelegenheit, um die es sich handelt, von außerordentlicher Bedeutung und Tragweite i st. Die Oeffentlichkeit hat e i n R e ch t d a r a u f, zu erfahren. w ie die Regierung zu der ungeheuerlichen, seit dem Bc- stehen des Reiches noch nicht dagewesenen Tatsache sich stellt, daß ein Regierungspräsident und ihm unterstellte Beamte bei der Stichwahl zwischen einem bürgerlichen Kandidaten und einem Sozialdemokraten der Abstimmung sich enthalten und da- durch die Wahl des Umstürzlers l ö r d e r n. Die Oeffcnt- lichkeit will wiffen, ob jene Beamte durch ihre Wahlenthaltung den Intentionen der Regierung gemäß gehandelt haben. Sollte die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hierüber nicht, zu sagen wiffen. so wird die Frage an einer Stelle wiederholt werden, an der sie beantwortet werden muß' Eine Regierung, die Rückgrat besäße, würde ans diese freche, unverschämte Denunziation eine gebührende Antwort finden; umsomehr, als dasselbe Zentrum nach den Bülow- wahlen sich nicht genug entrüsten konnte über die Eingriffe der Regierung in die Wahlfreiheit. Von Bethmann Hollwcg. dem Manne der gottgewollten Abhängigkeiten, ist allerdings nicht anzunehmen, daß er seinen schwarzen Protektoren gegen- über die Stirne in Falten zieht. Und so darf man sich schließlich noch bärauf gefaßt machen, daß aus Angst vor dem Zentrum RcgicruugSbcamte gemaßrcgelt werden, weil sie einer nicht bestehenden Wahlpflicht nicht genügt haben. Die Marokkoverhandlnngen. Der Kongo-Schacher soll nach den Mitteilungen deutscher bürgerlicher Blätter so weit gediehen sein, daß beim Zusammen- tritt der französischen Kammer am Ende der ersten November- Woche die Verhandlungen endgültig abgeschlossen sein werden. Die Regierung und ihre Organe schweigen sich natürlich über Stand und Ende der Verhandlungen noch immer gründ- lich aus. Auch in Reichstagskreisen rechnet man mit dem Abschluß der Verhandlungen zu dem oben angegebenen Zeitpunkte. Gleichzeitig wird behauptet, daß die deutsche und die französische Regierung sich dahin verständigt haben, die Marokko- Interpellationen in den beiden Parlamenten gleichzeitig zu beantworten und zwar soll das am 9. N o V e m b e r geschehen._ Was geht im Norde» Teutschsiidwestafrikas vor? Jfn den bürgerlichen Zeitungen wird das wiederholte Fallen der Otavi-Minen papiere weidlich besprochen. Aber den heikelsten Punkt, die Hauptursache hierfür, die Furcht vor Ver- Wickelungen im Ovambolande, hat die bürgerliche Presse zu verschweigen für gut befunden. Der»Vorwärts* hat schon am 17. August seine Bedenken über die Entsendung der großen Streitmacht unter Major Hirsch und v. Heydcbreck betont. Die Befürchtungen scheinen sich jetzt zu be- Wahrheiten, denn von keiner Seite, weder von dem Kolonialamte, noch von den Drahtziehern der Otavi-Z�inen wird berichtet, was die Expeditionen von Frankenberg und Hirsch bezweckt und erreicht haben. Die Eingeborenen sind durchaus friedliebend, wie der Marsch deS Hauptmanns Streitwolf und der Zug des Prospektors Einwaldt be- wiesen haben. Das Auftreten einer so großen Macht, wie sie Ende Juli nach Libebe geschickt wurde, konnte nur dazu angetan sein, die Eingeborenen stutzig zu machen und zu Widersetzlichkeiten zu reizen, wenn nicht die führenden Herren mit größter Vorsicht zu Werke gegangen sind. Es liegt nicht nur im Interesse der durch den Kurs- stürz geschädigten, vornehmlich kleineren Otavi-Minen-Aktionäre, sondern auch in dem des ganzen deutschen Volkes, daß die Regierung endlich ihr Schweigen bricht und eine offene Darlegung der ganzen Situation gibt. Durch die Vernichtung der HeroroS sind die deutschsüdwestlichen Farmer und die Unternehmer jeglicher Art der nächsten Arbeitskräfte deraubt worden. Werden noch die Ovambas hingeschlachtet, so sind Minen und andere Betriebe, auS Mangel an billigen Händen, einfach brachgelegt und ihre Aktien höchstens als Käsepapier zu verwerten. Die deutschen Steuerzahler aber hätten die Kosten des neuen Kolonialkrieges zu tragen._ Müller-Meiningen und die Saalabtreiberei. Vor wenigen Tagen hat der»verflixte* Dr. Müller, wie er sich selbst nannte, im Reichstage gelegentlich der Beratung der sozial- demokratischen Interpellation über die Verstöße gegen das Vereinsund Versammlungsrecht folgenden Satz geprägt:»Die Saal- abtreiberei ist eine politische Unanständigkeit ohnegleichen 1'(Sehr wahrf links.) Stimmt I Was sagen aber alle diejenigen, die Herrn Müller be- geistert zugestimmt Häven, dazu, wenn sie erfahren, daß im Wahl- . kreise desselben Abgeordneten in vielen Orten den Sozial- demokraten die Säle gleichfalls verweigert werden?! In den beiden gut liberalen Städten Meiningen und Hildburghausen kann der sozialdemokratische Kandidat Knauer keinen Saal zu Versammlungen erhallen; er muß deshalb in kleinen Gast- stuben sprechen. Dieser unwürdige Zustand besteht schon jähre- lang und ist Herrn Müller bekannt. Ja, viele Wähler behaupten sogar, daß er dieses eigenartige Vorgehen seiner Parteifreunde billigt. Demgegenüber betrachte man die im Reichstage mit großem Pathos und mit Entrüstung vorgetragene Kritik der Saalabtreiberei! Die sächsischen Fleischermeister gegen den preustischen Landwirtschaftsniinister. Sächsische Fleischermeister veröffentlichen gegen die Behauptung deS preußischen LandwirtschaftSministerS, die Ursache der jetzt be- stehenden Teuerung falle den Fleischermeistern zur Last, folgenden Protest:»Die Herren Landwirtschaftsminister sind wahrlich die besten Kronzeugen für die Feststellung, wo der Hase im Pfeffer liegt- Jedes Kind weiß, daß die Herren den Großagrariern, den größten Feinden des deutschen Mittel st andeS, nahe stehen, wenn sie nicht gar auS ihrer Mitte hervorgegangen find* Der Herr v. PodbielSki ist ja ein schlagender Beweis dafür. Da kommen denn die Herren und versichern, ihre Feststellungen seien auS einwandfreien statistischen Quellen geschöpft und spielen sich damit mächtig auf. Schaut man aber mal gehörig hin, so fallen alle ihre Angaben wie ein Kartenhaus zusammen. Daß wir Fleischer- meistcr nicht an der heurigen Teuerung schuld sind, das ergibt sich, wenn man die Verhältnisse einmal näher betrachtet. Wir weilen darauf hin, 1. daß z. B. in den Monaten Mai bis September diese» Jahre» Schweinefleisch zu einem Preise verkauft wurde, welcher häufig nicht höher war als die Höchstnotiz für Lebendgewicht; 2. daß sowohl die von landwirtschaftlicher Seite ins Leben gerufenen Konkurrenzfleischereien als auch die kommunalen Fleifchveckaufs- Unternehmungen sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich, ohne Unterschied unter großen Verlusten ihr Dasein aufgeben; 3. daß die Preistreibereien nicht auf die Fleischer und Händler zurückzuführen sind, kann auch mit Leichtigkeit dadurch nachgewiesen werden, daß in den meisten sogenannten amtlichen Marktpreis- NolierungS- kommissionen stets die landwirtschaftlichen KommissionSmitglieder auf eine möglichst hohe Notierung der Lebendpreise hinwirken; 4. daß im Borjahre die Landwirtschaftliche VichverkaufSzcntrale in München sich darüber beklagte, daß die Händler ihr Vieh zu billig abgäben.— Das sind wahrheitsgetreue Feststellungen, an denen kein Ministerium der Welt tippen kann, aber erst recht nicht der könig- lich preußische Landwirtschaftsminister. Ist eS nicht ein schreiendes Unrecht, daß ein hoher Beamter den Fleischern, die gewiß ebenso sehr darauf sehen müssen, die schweren Zeiten zu bestehen wie alle anderen Erwcrbsstände, die Konsumenten auf den Hais jagt! Ein Landwirtschaftsminister ist doch nicht bloß dazu da, in ein- seitigster Weise die ihm nahestehenden Großagrarier, die gepäppelten Lieblinge der Regierung in Ost- elbien, voran zu stellen und ihnen alle Dinge zum Besten zu kehren____ ES bleibt dabei: Der Mittelstand hat nur ein Mittel, der volksfeindlichen Wirtschaftspolitik, wie sie gegenwärtig besteht, ein En dezuniachei,: wir alle. Handwerker. Bauern. Beamte. Kauf- leute und Arbeiter, müssen am Tage derReichS- tagSwahl mit dem Stimmzettel in derHand für kräftige Abhilfe sorgen. Nur die größten Kälber wählen ihre Metzger selber. Parole muß sein: wählt keinen Konservativen!' Aus dem bayerischett Landtage. München, 21. Oktober 1911.(E!g. Ber.) Die sozialdemokratische Fraktion hat auch in dieser Session wieder Anträge gestellt, die den Staat zu entsprechender Fürsorge für die Arbeitslosen verpflichten wollen. ES soll einmal Arbeitsgelegenheit geschaffen und zweitens in das Budget eine Summe von 200000 M. eingesetzt werden zur Unterstützung derjenigen Städte, welche eine Arbeits- losenversicherung auf Grund des ministeriellen Musterstatuts ein- führen. Genosse Simon, der in der Frage der Arbeitslosen- Versicherung sehr gut eingearbeitet ist, begründete den sozial- demokratischen Antrag. Er konstatiert zunächst, daß die Arbeitslosigkeit zwar 1910 und 1911 etwas geringer geworden ist, aber inimer noch eine so bedeutende Hbhe erreicht, daß gegen diesen dauernden Mißstand auch dauernde Maßregeln ergriffen werden müßten. Die freien Gewerkschaften allein hätten seit 1903 bis ein- schließlich 1910 über 41 Millionen für Arbeitslosenunterstützung aus- gegeben. 1908 und 1909 waren es pro Jahr 8 Millionen, 1910 noch über 0 Millionen. lieber die Arbeitslosigkeit in Bayern gibt Genosse Simon für die einzelnen Monate der Jahre 1909 und 1910 an der Hand der Statistik der Arbeitsnachweise und Arbeitslosenzählungen ein genaues Bild. Eine ganze Reihe bayerischer Städte wären zur Einführung einer gemeindlichen Arbeitslosenversicherung bereit, wenn die Re- gierung einen Teil der Kosten übernimmt. Andere Staaten, wie Dänemark, Norwegen, Frankreich seien auf dem Wege voraus- gegangen, trotzdem dort die bürgerlichen Parteien die Herr- schast hätten. Im Auftrage der liberalen Fraktion spricht sich Abgeordneter Hübsch für den sozialdemokratischen Antrag auS. Die Liberalen sind mit der Einführung der gemeindlichen Arbeitslosen- Versicherung mit StaatSunterstützung einverstanden. Abg. Hübsch hält das für ein Uebergangsstadium. das aber in absehbarer Zeit wenigstens zu einer obligatorischen Versicherung aller Arbeiter innerhalb einer Gemeinde führen müsse. Für das Zentrum spricht Abg. Walterbach. Er gibt die Arbeitslosigkeit zu und auch die schlimmen Folgen derselben. A m Ende spricht er sich unter allerlei faulen Aus- reden gegen die Bewilligung der 200 000 Mark a u S. Die Städte müßten vorangehen.(In den Gemeinden sprechen sich die ZentrumSredner dagegen aus und sagen der Staat müsse erst Mittel bewilligen.) Jesuiten-Politik! Der Bertreter des B a u e r n b u n d e S ist prinzipiell gegen eine Aufwendung staatlicher Mittel für Arbeitslosenversicherung. Von unserer Seite spricht zu dem Antrag noch, hauptsächlich über pfälzische Angelegenheiten, Genosse Klement. Er charakte- risiert besonder? die arbeiterverrälerischc Politik deS Zentrums. Und die bayerische Regierung? Sie versichert durch den Minister des Innern, daß im kommenden Winter die Arbeitslosigkeit nach ihren Informationen wahrscheinlich keine besonders große sein wird und daß die nötigen Maßregeln getroffen sind. Bezüglich der staat- lichen Unterstützung der Gemeinden aber lehnt er vorläufig ab wegen der fortdauernden Ungunst der Finanzverhältniffe. Wie der konservative schlesische Parteitag zustande kommt, darüber gibt ein der BreSlauer»VolkSwacht' in die Redaktion ge- wehtes Schreiben Auskunft. Es heißt in demselben: »Am Sonntag, den 29. Oktober, mittags 11'/z Uhr, findet im großen Saal des.Konzerthauses' in Breslau, Garienstraße 39/41, ein konservativer Parteitag für Schlesien statt. Ich bitte, mit allen Kräften dafür Stimmung zu machen und auf zahlreichen Besuch hinzuwirken, damit sich der Parteitag zu einer gewaltigen Kundgebung der Konservativen Partei unserer Provinz gestaltet. Sollten die bei- liegenden Eintrittskarte», die ich bestimmt unter- zubringen bitte, nicht ausreichen, so sind von mir mehr zu beziehen. v. Beöczy, Vorsitzender.' Als besondere Zugnummer wird das Erscheinen deS Herzogs Ernst Günther zu SchleSwig-Holstein auf dem Parteilag angclündigt. In anderen Organisationen werden die Parteitage durch D e l e- gierte gebildet. Die Konservativen dagegen schaufeln die königS- treuen Schäfchen im Lande in die Leiterwagen und fahren sie maffen- weise zum Parteitag. Und diese Leute sollen dann eine eigene Meinung haben._ Die Wechselgeschäfte zweier Leutnants wurden am Montag vor dem Kriegsgericht der Königlichen Kom- mandantur verhandelt. Es handelte sich um die Leutnants Eggers und Schmidt. Beide Angeklagte sollen Wechsel über 1500, 1600, 3000 M. usw. arisgestellt haben, ohne jede Möglichkeit, die Papiere einlösen zu können. Sie sollen sich unter Vorspiege- lung falscher Tatsachen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil ver. schafft haben. In erster Linie machten sie Berlin zum Felde ihrer wechsclrcitcrischen Straftaten. Ihre Geldkalamitäten sind auf ihren ausschweifenden Lebenswandel zurückzuführen. Auch U r l u n d en f ä l s ch u n g spielte unter den Delikten der Angeklagten eine Rolle. Ferner machten dieselben in Berliner Nachtlokalen Logis, und Zechschulden. Eine ganze Anzahl von Kellnern ist speziell von Schmidt um beträchtliche Summen ge- bracht worden. Unter den Zeugen befanden sich auch eine Anzahl Halbweltdamen. � Nach Verlesung der Anklageschrift wurde für die ganze Dauer der Verhandlung wegen Gefährdung militärdienstlicher Interessen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Prozeß dürfte einige Tag- in Anspruch nehmen._ franfcrneb. Tie Versinftnng der Kolonialbcamten. Paris, 22. Oktober. Die gesamte Presse beschäftigt sich eifrig mit den Vorkommnissen in Udscha. Allgemein wird das lebhafteste Bedauern über die Angelegenheit ausgesprochen, durch die in jedem Falle die französische Verwaltung in den Augen der Eingeborenen arg herabgesetzt werde. Mehrere radikale Blätter greifen den General Toutee heftig an. weil er offenbar ganz eigenmächtig vorgegangen sei und seine Befugnisse in bedenklichster Weise überschritten habe. Ucber die Angelegenheit wird heute berichtet, daß die von einem Militärzahlmeister vorgenommene Prüfung der Kassen- bücher der verhafteten Beamten unzweifelhaft betrüge- rische Maßnahmen ergeben habe. Ferner sei festgestellt wor- den, daß von den in den beiden Banken in Udscha hinterlegten Summen im Betrage von 1 040 000 Frank mehr als d i e Hälfte verschwunden sei. Mehrfach wird behauptet, zwischen General Toutee und Destailleur habe eine Feindschaft bestan- den, die darauf zurückzuführen sei, daß während des letzten marokkanischen FcldzugeS aus Grund von Berichten DestailleurS dem General Toutüe zu dessen größtem Acrger der Befehl erteilt worden sei, den Mulajafluß nicht zu überschreiten. General Toutöe habe seither wiederholt auf Umtriebe DestailleurS aufmerksam gemacht und namentlich darauf hingewiesen, daß infolge der zügellosen Terrainspekulationen DestailleurS die Trazicrung der Nahnlinie Oran�-Udscha großen Schwierigkeiten begegnet sei. „H u m a n! t e" behauptet, die Verhaftelen hätten die E i n g e b�o k 6- nen in schmachvoller Weise um ihre Grund st ücke gebracht und Waffenschmuggel getrieben, indem sie den Riflcutcn aus Belgien stammende Gewehre verschasften, Cnglanck. Ministerwechsel? London, 23. Oktober. Im Zusammenklang mit einer An- zahl bevorstehender Aenderungen im Kabinett ver- lautet, der Erste Lord der Admiralität M c K e n n a sei von seinem Posten zurückgetreten und werde ein anderes Portefeuille übernehmen. Etos der parte!* Der Bezirkstag des RegiernngSbezikkS Merfekurg fand am Sonntag im Volkspark in Halle a. S. statt. An der Tagung nahmen Delegierte aus allen zu dem Bezirke gchörigeu Wablkreisen, mehrere ReichStagSIandidatcn und sonstige Partei- funktionale teil. Es herrschte Einmütigkeit über die Tätigkeit des Bezirksvorstandes und BezirkSsckretärS. Obwohl im Bezirke die Reaktion kühn da§ Haupt erhebt und die Justiz erhebliche Opfer forderte,— man schreckte nicht davor zurück, Arbeiter, die jahrelang ihre Steuern zahlten, mit Ausweisungen zu drohen, so bald sie sich als»Ausländer" in einem Streik an die Seite ihrer Klassengenosscn stellten— sind dennoch gedeihliche Fortschritte zu verzeichnen. Trotz aller Verfolgungen und Polizeimaßnahmen hat sich der Mitgliederbestand im Bezirk um 1590 vermehrt, so daß jetzt 20 364 Parteimitglieder den Organi- sationen angehören. Die Finanzen stehen gut und eS konnte nach dem Referat des Genossen Drescher über die kommenden ReichStagSwahlen konstatiert werden, daß man mit Freude der Generalabrechnung mit den Volksausbeutern und Lebensmittel- verteuerer» entgegensieht. Der Bezirkstag, der gute Arbeit geleistet hatte, wurde abends gegen 5 Uhr mit dem üblichen Hoch auf die Partei geschlossen._ Die zweite Bnlkankonfcrrnz. In Belgrad haben sich am 13. Oktober die Vertreter aller balkanländischen und südslawischen sozialdemokratischen Parteien ver- sammelt, um in einer Vorkonferenz die notwendigen Vorbereitungen für die zweite sozialdemokratische Balkankonferenz zu treffen. Die Konferenz soll Weihnachten in Sofia abgehalten werden. Jetzt in der Zeit der politischen Verwickelungen auf dem Balkan und der Aktualität der Orientfrage hat diese Konferenz eine große Be- dentung._ „Rote Spitzel.' Welche unglaublichen Dinge der»Reichsverband' aller Welt, vor allem aber seinen Mitgliedern auftischt, da? hat seine V e r l a g S a n st a l t in den letzten Tagen durch folgenden Borfall bewiesen: Am 4. Oktober bestellte, wie uns berichtet wird, unser Genosse Pagets bei dem Verlage„Teutonia" von dem jetzt neu erschienenen „Handbuch für nichtsozialdemokratische Wähler" drei Exemplare nebst Rechnung. Er war der Meinung, daß der Verlag selbst sich seines Handbuches nicht zu schämen brauche und eS jedem anständigenMenschen gegen Bezahlung in die Hand geben könne. Er gab seinen vollen Rainen und Adresse bei der Bestellung an. Anstatt der gewünschten Bücher oder eines anständigen Be- scheidcS erhielt er jedoch am 20. Oktober einen Korrekturabzug der .ReichSvcrbandS-Korrejpondenz" anonym zugesandt, in dem folgendes zu lesen war: »Abermals rite Spitzel entlarvt. Die sozialdemokratische Partei, die bei jeder Gelegenheit ihrer Entrüstung über angebliche Polizeispitzel Ausdruck gibt, hat selbst das Spitzeltum großartig organisiert. Wiederholt konnte die „Reichsvcrbands-Korrespondcnz" darüber Mitteilung machen. Be- sonderS suchten sich sozialdemokratische Genossen und Obergenossen in den Besitz deS literarischen Material! deS Reichsverbandes zu setzen. Glücklicherweise hatten die unter falscher Flagge heran- gekommenen Mitglieder der Partei»für Kultur und Gesittung' niit ihren Spitzeleien keinen Erfolg, da der Reichsverband über . die Organisationen der Sozialdemokratie gut unterrichtet ist und daher regelmäßig die Spitzel entlarvte. In den letzten Monaten konnten folgende Fälle von Spitzeleien ermittelt werden: In einein freundlichen Brief an die VerlagZanstalt des Reichs- Verbundes ersuchte ein Herr Alex PagelS in Charlottenburg, Rosinenstr. 3, um drei Exemplare des»Handbuches für nicht- sozialdemokratische Wähler" nebst Rechnung. Herr PagelS hatte wahrscheinlich die Rosinen im Kopfe, daß der ReichSverband nicht mcrlen würde,»wie sein Nam' und Art". Darin hat er sich aller- dingS getäuscht. Genosse Page.S gehört zu den sozialdemokratischen Unterführern, hält Vorträge in sozialdemokratischen Versammlungen. leitete 1908 die LandtagSwahl in Rixdorf usw. Im Hause Rosinenstr. 8 in Tharlottenburg befinden sich lauter soziäldemo- kralische BureauS: Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für Teltow- Beeslow- Storkow- Charlottenburg. Transportarbeiter- verband Groß-Berlin und Gau III. Allgemeine Ortskrankenkasse für die vereinigten Gewerbebetriebe, Porzellanarbeitervcrband, VolkShanS Charlottcnburg." Es wird also hier den Mitgliedern borgegaukelt, unser Genosse habe sich verwerflicher Spitzelmanövcr bedient, um in den Besitz deö Materials zu kommen. Es macht den Reichsverbandshelden auch gar nichts aus, daß ihre Behauptung schon dadurch widerlegt wird, daß die Bestellung unter richtiger Angabe deS Namen» und der vollen Adresse einlief. Dieser Vorgang beweist aber, wie ängstlich man im Reichs- vcrbandSlager darüber wacht, daß niemand Einblick in sein»Material' gegen die Sozialdemokratie erhält, damit eS nicht zu früh in seinem wahren Werte erkannt wird.__ Sozialdemokratische Preßsünder im Gefängnis. Unser Partei« organ in Stettin, der»Volksbote', klagt über die Behandlung deS wegen PreßvcrgehenS inhaftierte Genossen Heise. Nach diesen Klagen hat der Genosse Heise die Vergünstiglingen, die ihm in Stargard gewährt ivurden. in Stettin nicht erhalten. Die Selbstbeköstigung wurde abgeschlagen, sein Eßgeschirr muß er sich in kaltein Wasser reinigen usw. Sozialdemokratische Preßsünder können neidisch auf gewisse hochgeborene Verbrecher blicken. Personalien. Redakteur Genosse Jakob, bisher am »Nordd. Volksblatt" in Nüst ringen, ist am 23. Oktober in das Presseburcau eingetreten. poll-elll-bes, Verlebt liebes ufw, Ein empfindlicher Gemeinbeausschust. Der Verantwortliche der„Nordd. V o l k S st i M m e", Genosse B a r tz, und daö ehemalige Gemeindeausschußmitglied in Schikfdorf, Genosse Gottschalk, wurden Ende Juni diese? Jahres in Bremerhaven wegen Beleidigung des Gemeindeausschusses in Schiffdorf verurteilt, und zwar Bartz zu einem Monate Ge- fängnis und Gottschalk zu 100 M. Geldstrafe. Am Montag hatte sich die Straflammer in B r e me n als Berufungsinstanz mit dieser Sache zu beschäftigen. Nach dem Ergebnis der Verhandlungen hat Gottschalk als GemeindeauSschußkanoidat in einer Versammlung erklärt, ihm sei einmal als Ausschußmitglied von einem Vertreter der Bauern Geld angeboten worden. Der Bauer, der Gottschalk das Geld angeboten haben soll, konnte sich als Zeuge an die Sache nicht mehr erinnern, gab aber zu, daß er damals einen über den Durst getrunken hatte. Die Berufungsinstanz kam ebenfalls zur Verurteilung und erkannte gegen Bartz auf eine Geldstrafe von 300 M., eventuell 30 Tage Gefängnis. Die Strafe Gottschalks blieb bestehen. Gewerkfcbaftlicbea. Arbeitslose Cage und Streiktage. Die Gegner der Arbeiterbewegung suchen immer wieder b'en Glauben zu erwecken, daß das„ewige Streiken" die Ar- beiter durch allzu große Verluste an Arbeitslohn in Armut und Elend bringe, und daß es ihnen viel besser gehen tvürde, wenn sie, hübsch zufrieden mit dem. was ihnen der Unter- nehmer bietet, sich auf keine Arbeitseinstellung einlassen würden. Nun ist dieser Tage die amtliche dänische S t a t i st i k über die Streiks und Aussperrungen des Jahres 1310 erschienen. Danach war die Zahl der Lohnkämpfe 71. Für 11 davon fehlen die näheren Angaben, sie waren offenbar auch nur unbedeutend. An den 00 übrigen waren 120 Unter- nchmer und 2478 Arbeiter beteiligt. Davon hatten etwa Zweidrittel selbst die Arbeit eingestellt der Rest war aus- gesperrt. Die Zahl der verloren gegangenen Arbeitstage wird auf 60 700 angegeben. 1309 waren es rund 60 000 Tage. Von 1301 bis 1308 schwankt die Zahl zwischen 18535 (1303) und 438 125(1305). Im ganzen waren es im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts rund 1 638 000 durch Lohn- kämpfe verlorene Tage. Der entgangene Arbeitsverdienst läßt sich auf rund 6 Millionen Kronen(6� Millionen Mark) berechnen. Es wäre natürlich verkehrt, diesen Betrag als wirklichen Verlust der Arbeiterschaft zu buchen. Denn die Arbeiten, die während der Kämpfe liegen blieben, wurden zum weitaus größten Teil später doch ausgeführt. Dazu kommen die Millionen, die in Form von Lohnerhöhungen errungen wurden: nicht zu reden von der durch die Verkürzung der Arbeitszeit und die durch Lohnerhöhungen bewirkte Steigerung des Massenverbrauchs vermehrte Arbeitsgelegen- heit. Weit größer sind die Verluste, die die Arbeiter gegen ihren Willen, hauptsächlich infolge der mangelhaften Orga- nisation unserer Gesellschaft, durch Arbeitslosigkeit erleiden. Allein im Jahre 1310 wurden für die organisierten Arbeiter, für die allein Material vorliegt, uicht weniger als 2 101 500 arbeitslose Tage festgestellt. Der Verlust berechnet sich auf «twa 8 Millionen Kronen, ist also in einem Jahre um ein Drittel höher als der scheinbare, von den Arbeitern freiw'llig zur Verbesserung ihrer Lage übernommene eines ganzen Jahrzehnts._ Berlin und Umgegend. Der Streik der Berliner Former und Gietzereiarbeiter. Am Montag vormittag waren die streikenden Former und jGießereiarbeiter wieder in beiden Sälen des Etablissements „Pharussäle" vollzählig versammelt, um zum Stand des Streiks Stellung zu nehmen. Cohen berichtete, daß sich seit der letzten Streikversammlnng nichts Wesentliches am Stand des Streiks ge- ändert hat. Auf den Brief der Metallindustriellen, in dem als Vorbedingung für weitere Verhandlungen die Aufnahme der Arbeit gefordert wurde, ist, entsprechend dem einstimmigen Beschluß der letzten Streikversammlung, geantwortet, daß diese Vorbedingung nicht erfüllt werden könne. Man könne jetzt übrigens an den ein- zelnen Maßnahmen der Arbeitgeber sehr wohl deren Taktik er- kennen. Es wird versucht, in Berlin Arbeitswillige zu bekommen, aber bis jetzt ohne irgendwie nennenswerten Erfolg. Weiter wird versucht, Streikmodelle auswärts unterzuschmuggeln. Das geschieht in der mannigfaltigsten Art. Trotzdem aber sind bereits aus zirka 30 Orten Streikmodelle gemeldet, und täglich mehren sich die Mel- düngen. Ein Beweis, daß die Metallarbeiter außerhalb Berlins auf dem Posten sind und sich nicht täuschen lassen. Der Verfolgung von Streikarbeit müsse immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, um den Berliner Metallindustriellen möglichst jede Zufuhr von Guß abzuschneiden. Auch eine dritte Maßnahme der Arbeitgeber verdiene erwähnt zu werden. Es wird nämlich in den Betrieben, wo infolge von Gußmangel Stockungen eintreten, versucht, gegen die Streikenden Stimmung zu machen.„Bedanken Sie sich bei den streikenden Formern und Ihrer Organisation, wenn jetzt keine Arbeit ist", erklärten verschiedene Arbeitgeber. Cohen bemerkte, dieser Versuch, bei den übrigen Metallarbeitern mit solchen Be- nierkungen Stimmung gegen den Streik zu machen, sei zu durch- sichtig, als daß der beabsichtigte Zweck erreicht wird. Die Herren sollten sich doch sagen, daß jahrzehntelange Organisationsarbeit verhindert, daß solche Bemerkungen irgendwie bei den Berliner Metallarbeitern verfangen. Zum Schluß forderte Cohen auf, nach jeder Richtung hin auf dem Posten zu sein, um so durch gemeinsame Tätigkeit den Kampf zu einem guten Ende zu führen.(Beifall.) In der kurzen Diskussion kam zum Ausdruck, daß allseitig die feste Absicht zu rühriger Mitarbeit am Streik besteht. Die„Sparten" zum Bnchdruckertarif. Der Verein Berliner B u ch d r u ck- M a s ch i n e n- m e i st e r nahm am Sonntag in einer außerordentlichen General- Versammlung den Bericht über die Tarifverhandlungen entgegen. Der Referent Hoher gab zunächst eine Darstellung der allgemeinen Bestimmungen, die bereits in der großen Versammlung des Buch- druckerverbandes im Sportpalast besprochen wurde und ging dann über zu den Spezialbestimmungen der Maschinenmeister. Der Referent bemerkte zum Schluß, die Kollegen würden wohl mit den Bestimmungen für die Drucker nicht sehr zufrieden sein.— Zur Diskussion über den Bericht soll eine besondere Versammlung ein- berufen werden.„,.„,,. � Die Versammlung nahm Kenntnis von der erfolgten Ver- schmelzung des Klubs der Notationsmaschinenmeister mit dem Verein der Buchdruckmaschinenmeister, in dem die ersteren eine be- sondere Abteilung bilden.— Der aus dem Konflikt im„Lokal- anzeiger" bekannte Rotationsmaschinenmeister Huf wurde in die Zentralkommission gewählt..„« Sehr stark besucht war eine Versammlung der Berliner Ma- s ch i n e n s e tz e r, die in den..Arminhallen" stattfand. Saal und Galerie waren dicht besetzt. In der Diskussion sprachen alle Redner gegen den Tarisabschluß. Gegen eine Stimme wurde schließlich folgende Resolution Musslal-Engelmeier angc- nommen:„ „Die am 22. Oktober in den„Arminhallen nahezu voll- zahlig versammelten Maschinensetzer von Berlin und der Mark Brandenburg protestieren nachdrücklichst gegen die ihnen bei der letzten Tarifberatung zuteil gewordene Behandlung. Die Preis- gäbe der ein volles Jahrzehnt innegehabten tariflichen Rechte durch Verlängerung der Arbeitszeit um täglich �-Stunde, die ErhöhungderLei st ungenundHer- absetzung des Tausendpreises usw. erachtet die Per- sammlung als einen so unsozialen und die tatsächlichen Verhält- nisse ignorierenden Akt, daß hierdurch der Gedanke der Tarif- gemeinschaft eine schwere Einbuße erleiden muß. Tie Versamm- lung ist davon überzeugt, daß die Handsetzerkollegen es wenig angenehm empfinden, daß nian die Maschinensetzer opfert, ihnen die ein volles Jahrzehnt innegehabten Rechte brutal kassiert, um die den Maschinensetzern abgejagten Vorteile teilweise den Hand- setzern zu geben. Die Versammlung nimmt diesen in der Ar- beiterbewegung einzig dastehenden Akt der Jnteressenv c r n a ch- l ä s s i g u n g als Anlaß, mit vollster Energie dahin zu wirken, daß bei so einschneidenden Schritten das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder besser gewahrt wird, um so unfaßbare Ver- schlechterungen für die Zukunft unmöglich zu machen. Gegen das Koalitionsrecht der Berliner Omnibus- bediensteten! Bei der Allgemeinen Berliner OmnibuSgesellschaft bestehen Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche unglaublich erscheinen. Der Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Anfangslohn für Schaffner beträgt 80 M. und steigt nach 20 Jahren auf 120 M. pro Monat. Für Kutscher ist der Anfangslohn auf 10S M. festgesetzt und steigt nach 30 Jahren auf 1S0 M. pro Monat. Die Arbeitszeit beträgt täglich 15 bis 18 Stunden, d. h. die Schaff- ner und Kutscher steigen des Morgens auf den Wagen und ver- lassen denselben nur Nachts, wenn sie wieder auf das Depot fahren. Pausen zum Einnehmen der Mahlzeiten sind nicht vorgesehen. Genau so liegen die Verhältnisse für die Stalleute. Angesichts dieser Verhältnisse ist es kein Wunder, wenn die Fluktuation unter dem Personal außerordentlich groß ist. Dadurch hat allerdings die Gesellschaft einen großen Vorteil, indem sie fast ständig nur„An- fangslöhne" zu zahlen braucht. Dennoch besteht unter dem Personal das Verlangen, diese unglaublichen Zustände zu beseitigen. Sie wandten sich wiederholt an den Transportarbeiterverband. Dieser berief auch öfter schon die Angestellten zu Versammlungen ein, aber durch das Ueberwachungsshstem, welches die Omnibusdirektion ein- geführt hat, wurden die meisten Verhandlungen illusorisch gemacht. In welcher Form das Ueberwachungsshstem funktioniert, konnte man am Sonnabend an der Köpenicker Brücke beobachten. Der Transportarbeiterverband hatte wiederum eine Versammlung für das Personal des Depots in der Köpenicker Straße einberufen. Schon lange vor der angesetzten Versammlung standen an jeder Seite des Eingangs zum Lokal je ein Inspektor, um jeden Be- diensteten zu notieren, der das Versammlungslokal aufsuchte. Außerdem hatten an der Köpenicker- und der Schillingsbrücke weitere Inspektoren und Bureaupcrsonal Posten gefaßt. Eine weitere Anzahl dieser Leute patrouillierten zwischen den Brücken hin und her. Des weiteren waren auch ein Teil Schutzleute in Zivil und Uniform anwesend. Unter diesen Umständen hielt es die Verbandsleitung für geboten, die Versammlung nach einem anderen Lokal zu verlegen und die Aufpasser am Engelufer stehen zu lassen. Jedoch nach 10 Uhr mutzte wohl den Aufpassern mitgeteilt worden sein, daß die Versammlung wo anders stattsinde. Eilig verließen sie ihren Posten, um nach dem neuen Versammlungslokal am Mari- annenufcr zu gehen. Gleichzeitig sandten sie nach dem dortigen Polizeirevier und machten Mitteilung von dieser Versammlung. Ein Schutzmann, welcher wohl den Auftrag dazu erhalten, ging in das Lokal und löste kurzerhand die Versammlung auf, welche noch gar nicht eröffnet war. Die zur Ucberwachung anwesenden Inspektoren hatten in der Zwischenzeit vor der Tür des Lokals Aufstellung genommen, um jeden Omnibus- angestellten zu notieren, welcher aus dem Lokal herauskam. Der Schutzmann forderte jeden Anwesenden auf. die Räume zu ver- lassen, weil die Polizeistunde schon überschritten sei. Ehe er aber in das Lokal ging, winkte er den auf der anderen Seite der Straße stehenden Aufpassern, daß sie herüherkommen sollten. Auf diese Weise glaubt die Direktion der Omnibusgesellschaft dem Personal das Koalitionsrecht unmöglich zu machen. Ob es ihr gelingen wird, ist bei der Zähigkeit der Agitation der Funktionäre des Transport- arbeiterverbandes allerdings recht unwahrscheinlich. Andererseits ist auch hier wieder der Beweis erbracht, wie das„liberale" Per- einsgcsetz von den Unternehmern und der Polizei ausgelegt wird. Der Streik in der Wäscheindustrie Berlins. Nachdem die Firma Wohl u. Heymann mit der Wäschearbeiter- schaft nach dreiwöchentlichem Streik einen annehmbaren Tarif ab- geschlossen, haben Montag früh sämtliche Streikenden die Arbeit wieder aufgenommen. Die Firmen Blume und F. u. M. Simon hatten zu Montag früh alles aufgeboten, durch Annoncen, sowie durch die Werbearbeit ihrer Waschfrauen, neue Plätterinnen und Zuschneider zu bekommen. Beide Firmen hatten hiermit keinen Erfolg. Nachdem für Blume die Wuschfrau Schulz und für Simon die Stärkerin Fr. Günther sich Muhe gegeben Arbeitswillige aus ihrem Bekanntenkreis heran- zuholen und auch einige Personen fanden, richtete die Firma Blume an ihr früheres Personal folgendes Schreiben: „Da Ihr Platz inzwischen anderweitig besetzt ist, und ich für Verlust oder Schaden an ihren Sachen nicht aufkomme, ersuche ich Sie hierdurch, sich Ihr Eigentum abzuholen; und zwar nur Freitag und Sonnabend in der Zeit von 10—2 oder 5— 8 Uhr. Geg. nstände, welche am Montag noch nicht abgeholt sein soll- ten, gebe ich alsdann zum Speicher." Geichzeitig wandte sich auch die Firma Simon an die Strei- kenden und schrieb: „Wir fordern Sie hierdurch auf, Ihre bei unS noch befindlichen Gegenstände am Montag, 23. 10,, vormittags zwischen 9 und 11 Uhr, abzuholen, da wir den Platz benötigen. Falls Sie die Sachen nicht abholen, übergeben wir solche dem Speditionshaus Brasch, Wusterhausener Straße 16, zur Lagerung auf Ihre Kosten." Bei beiden Firmen gingen die Streikenden geschlossen hin, um sich die Sachen abzuholen; Blume gab dieselben heraus. Ein origineller Empfang wurden den Streikenden bei Simon. Als sie angelangt waren, wurde schnell der Chef Herr Caßler herbeigerufen, dieser schloß alle Eingänge ab und verriegelte sie, um dann durch ein Fenster zu verhandeln. Die Arbeiterinnen verlangten, selbst ihre Sachen zu sehen, wenn sie eingepackt würden, und da man dies nicht zuließ, wurden sie aufgefordert zu gehen. Neben den Herrn Caßler befanden sich zwei Herren, die man für Kriminalbeamte hielt. Drei weitere Herren waren herbeigeholt, dieselben fuhren sich aber mit dem Fahrstuhl fest, konnten nicht zurück nach vorwärts. Die Streikenden verharren weiter im Streik. Arbeit darf hier niemand annahmen. Verband der Schneider und Waschearbeiter. Neue Konigstr. 6. Deutlcbes Reich. Ein Streit um die Tarifgemeinschaft. Vor der 10. Zivilkammer des Landgerichts Leipzig spielt zur- zeit eine interessante Streitsache. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger, als um das Sein oder Nichtsein einer Tarif- gemeinschaft. Nicht die Arbeiter, sondern die Unternehmer sind die Kläger. Sie fordern von den Arbeitern die Respektierung der Tarifgemeinschaft. Äei dem allgemeinen Interesse, das dieser Vorgang, der unseres Wissens bisher kein Pendant aufweist, erheischt, möge die Situation ausführlich beleuchtet werden. Die Hilfsarbeiter in den Leipziger Stein-, Licht- und Notendruckereien haben mit den Unternehmern einen örtlichen Tarif abgeschlossen, dessen Ende mit dem Ablauf dieses Jahres erreicht worden wäre. Es kam aber in der letzten Zeit der Ausstand der Lithographen und Steindrucker dazwischen, und als am 8. September die Gehilsen kündigten, nahmen die Prinzipale am selben Tage Massenkündi- gungen von Hilfsarbeitern vor. Es lag natürlich für die Hilfs- arbeiter nahe, in diesen Massenkündigungen nicht nur eine Kriegs- Maßregel gegen die streikenden Lithographen und Steindrucker, son- dern auch eine Verletzung des Tarifvertrages zu erblicken, den die Hilfsarbeiter mit den Unternehmern abgeschlossen hatten. Aus dieser Auffassung heraus kündigten auch die übrigen Hilfsarbeiter, und nun beklagen sich die Unternehmer über Tarifbruch der Ar- beiter. Bemerkenswert ist die Beurteilung dieser Sachlage durch das Tarifamt der Buchdrucker, das angerufen worden ist, weil der ört- liche Tarifvertrag der Leipziger Hilfsarbeiter mit den Unterneh- mern ausdrücklich auf der Grundlage der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker basiert. Das Tarifamt entschied, daß die Prinzipale Massenkundigungen vorgenommen haben, und daß eS klüger ge- Wesen wäre, die Kündigungen nicht an demselben Tage vorzuneh- mcn, als die Kündigungen der Lithographen und Steindrucker er- folgten. Aber unberechtigt seien die Kündigungen trotzdem nicht gewesen Tic Hilfsarbeiter erklärten darauf in einer Versammlung am 27. September den Tarif für aufgehoben. Mitbestimmend für diesen einschneidenden Beschluß war die Tatsache, daß einige Tage zuvor abermals Massenkundigungen erfolgt waren. In Konsequenz ihres Beschlusses weigerten sich die Arbeiter auch, an einer Sitzung des Tarif-Schiedsgerichtcs teilzunehmen._ � Tb Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Berlagsanstalt Einige der großen Firmen hahen nun die Organisation ftrr dem Landgericht wegen Tarifbruchs verklagt und fordern Schaden- ersatz. Am Sonnabend fand Termin in der Sache statt. Die Ver- treter der lithographischen Anstalten beantragten, das Landgericht möge die Arbeiter des Tarifbruchs schuldig erklären und sie zu Schadenersatz und Rücknahme der Sperre verurteilen. Der Ver- treter der Hilfsarbeiter beantragte dagegen, die Klage abzuweisen, weil das Zivilgericht nicht zuständig und der öffentliche Rechtsweg ausgeschlossen sei. Die Unternehmer führen zu ihrer Recht- fertigung an, sie hätten die Arbeiter wegen Arbeitsmangel ent- lassen müssen, nachdem die Lithographen und Steindrucker die Ar- beit niedergelegt hatten. Es handle sich daher nicht um Tarifbruch der Unternehmer. Eine Massenkündigung sei nur dann als Tarif- bruch anzusehen, wenn sie zu einem besonderen Zwecke erfolge. Ties treffe hier nicht zu. Ter Tarifvertrag sei etwas so wichtiges, daß er einen besonderen Rechtsschutz erfordere.— Die Arbeiter hingegen stützten sich auf die Vorschrift ihres Tarifvertrages, wo- nach die allgemeinen Bestimmungen auf dem Buchdruckertarif ba- sieren und daher dessen Grundsätze Anwendung finden müssen. Hiernach aber müssen zunächst die Gehilfenkreisvertreter eingreifen, wenn Mitglieder der Schiedsgerichte sich weigern, ihre Funktion auszuüben. Dann erst habe das Tarifamt einzugreifen. Die Durchführung des Tarifs habe das Tarifamt zu besorgen. Wenn diese Instanzen erschöpft seien, müsse das Gewerbeamt angerufen werden, und erst nach Erschöpfung aller dieser Instanzen sei der ordentliche Rechtsweg zulässig. Für diese Auffassung wurde die Vernehmung der Herren Büxenstein und Giesecke vom Tarifamt der Buchdrucker in Berlin beantragt. Ein weiterer Termin wurde für den 8 November anberaumt. Zum Lohnkampfe der Staatsarbeiter i« Bremen. Am Sonntagmorgen nahmen die bremischen StaatSarbeiter in einer von über 1700 Personen besuchten Versammlung die Be- richte der Arbeiterausschüsse entgegen. Diese waren von der letzten Versammlung beauftragt worden, nochmals mit den Verwaltungs- dcputationen zu verhandeln. Die Berichte riefen in der Versamm- lung allgemeine Entrüstung hervor. Wo den Arbeitern Zugestönd- nisse gemacht waren, betrugen sie im höchsten Falle 20 Pf. pro Tag. Die Forderungen auf Verkürzung der Arbeitszeit und Bezahlung der Ueberstunden und Sonntagsarbeit waren entweder abgelehnt oder eS war versprochen worden, diese Forderungen noch„in Er- wägung zu ziehen". In einzelnen Betrieben wurde den Arbeitern gar nichts bewilligt. Die Mehrzahl der Diskussionsredner verlangte unter diesen Umständen die sofortige Arbeitsniederlegung. ES gelang aber schließlich der Verbandsleitung, die erregte Versammlung zu be- wegen, für eine Resolution zu stimmen� wonach nochmals mit den Deputationen verhandelt werden soll. Als Grundlage soll für diese Verhandlungen dienen: die sofortige Einführung des 9�stündigen Arbeitstages und die des Neunstundentages von Mitte nächsten Jahres an, eine Mindestzulage für alle Arbeiter von 30 Pf. pro Tag und bei Krankheitsfällen die Bezahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankenunterstützung. Nach Annahme dieser Resolution verließ ein Teil der Minorität unter Protestrufen den Saa� Versammlungen. Verband der Maler. In der am Donnerstag abgehaltenen Versammlung hielt Reichstagsabgeordneter Heine einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema:„Was erwarten die Unternehmer hinsichtlich des Koalitionsrechtes der Arbeiter von dem neuen Strafgesetzbuch."— Im Anschluß an den Vortrag erinnerte der Vorsitzende Mietz an die bevorstehenden Reichstags- wählen. Hier müsse jeder Arbeiter seine Pjlicht tun, damit das Zustandekommen reaktionärer Gesehe verhindert werde. Hierauf wurde der Versammlung die Abrechnung vom zweiten Quartal unterbreitet, die eine Einnahme von 143 561 M., eine Ausgabe von 33 683 M. und einen Bestand von 109 877 M. auf- weist.— Mietz bemerkte hierzu, das dritte Quartal zeige noch günstigere Verhältnisse als das zweite, namentlich hinsichtlich der Mitgliederzahl. Während im zweiten Quartal 540 Neuaufnahmen erfolgten, wurden im dritten Quartal 540 neue Mitglieder auf- genommen, Ein recht erfreulicher Erfolg. HctzU IVacbr fehten. Die LandtagSwahl in Elsaß-Lothringen. Strafiburg, 23. Oktober,(ffl. T. B.) Nachdem nunmehr aus sämtlichen Wahlkreisen die Ergebnisse der gestrigen Wahlen vorliegen, ergibt sich einstweilen folgender Besitzstand der Parteien in der neuen Kammer: Zcutrnm 18, dazu berechnet die Nationalisten Wetterlö, Pfleger und Gilliot; Liberale zwei(Wchrung und Michel); Lothringer Block neun. Sozial- demokraten fünf und ein unabhängiger Agrarier(Rudolph). Nachwahlen sind am kommenden Sonntag m 25 Wahlkreisen vorznnehmen._ Vom Kriegsschauplatz. Rom, 23. Oktober.(W. T. B.) Die„Tribuna" meldet aus Tripolis von heute: Die Lustschiffer, Kapitäne Piazza und Meize, unternahmen heute einen Erkundigungsflug bis Agezia. 12 Kilo- meter über Bumelina hinaus, und entdeckten vier türkische Lager in Abständen von 12 bis 14 Kilometern vor den Vorposten. Eines dieser Lager war sehr groß. Das 40. Jnfanteriebataillon. das eine Rekognoszierung unternahm, traf bei Boluk den Feind, der sich in beträchtlicher Entfernung hielt und zahlreiche Gewehrschüsse ab- gab. Die Türken flohen und ließen drei Tote zurück, Die Italiener hatten keine Verluste. Opfer dcö Gcbirgsfports. Reichenau, 23. Oktober.(B. H.) Der 28jährige Lehrer Josef Loidclt ist be» einer Klettertour auf den Schneeberg 79 Meter tief abgestürzt und hat sich lebensgefährlich verletzt. Ein Frachtdampfcr gescheitert. Wie aus Bordeaux gemeldet wird, ist der von Sulina in Rumänien kommende griechische Frachtdampfer„Georgias" 300 Meter von der Küste an der Girondemündung gescheitert. Von der 22 Mann zählenden Besatzung konnten sich nur 7 retten. Das Schiff ist verloren. Im Gefängnis vergiftet. Lemberg. 23. Oktober,(ffi. T. 83.) Der seinerzeit zum Tode verurteilte Mörder der Schauspielerin Oginska, der Student Lc- wicki, hat sich im Gefängnis vergiftet. An feinem Aufkommen wird gezweifelt_ l dafür noch eine Prämie. (Hört! hört! und Zuruf bei den Sozialdemokralen.) DaS ist in der Tat eine Brotwuchcrprämie. Ein Sachverständiger bat vor einigen Tagen im„Berliner Tage- blatt" die Wirsiing dieser Einfnhrscheine zahlenmäßig beleuchtet. Er stellt zum Beispiel fest, daß an der deutsch-russischen Grenze in Deutschland derselbe Roggen mit 175 M. pro Tonne bezahlt wird, den der Russe von deutschen Händlern für 125 M. kauft.(Hört! hört! bei den Sozialdemolraten.) Wir liefern den Russen sogar unsere Brotfrucht billiger, als uns russisches Schweinesiltter kostet. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wer bei uns gegen dieses Systein redet, ist natürlich ein vaterlandsloser Geselle, wird als Hetzer verschrien, die Machtmittel des Staates werden gegen ihn aufgerufen. Charakteristisch dafür war der Verlauf der Eisenbahn- Versammlung, die vor acht Tagen in Berlin als Demonstrations- verfainmlung gegen die Teuerung abgehalten wurde. Dort wurde festgestellt, daß sich Taufende von Eiscnbahnarbeitern unter- ernähren müssen, daß ihr Magen nicht mehr knurrt, weil sie sich schon an das Hungern gewöhnt haben, daß die Frauen der Eisenbahner ihre Kinder fremden Händen übergeben müssen, weil sie gezwungen sind, in i t zu ver- dienen.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das sind Aeußernngen königlich preußischer Eiienbahnarbeiter. Als Abg. H o f f m a n n in dieser Versammlung erschien, lediglich uin sich zu informieren über die Wünsche der Eisenbahirarbeiter, kam es zu tumnltuarischen Szenen. Der Vorsitzende ersuchte den Abg. Hoffmann. den Saal zu verlassen unter HinlveiS auf die Maßregelungen, die sonst von der Eisenbahnverwaltnug zu erwarten seien.(Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Als Hoffinann schließlich den Saal ver- ließ, folgten ihm Tausende der Eisenbahnarbeiter. Nach seinem Weggange verlas dann der Vorsitzende die Schreiben der ein- geladenen bürgerlichen Abgeordneten, die ihr Fern- bleiben entschuldigten. Also die Eingeladenen kommen nicht und der Abgeordnete, der seine Pflicht tun»vill, wird hinaus- geschmissen. Hier hat sich»vieder mal die ganze kleinliche preußische Art gezeigt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ebenso schlecht wie den Eisenbahnorbeitern geht es auch der übrigen arbeitenden Bevölkerung. Ich will speziell auf die Bergarbeiter und die Arbeiter bei Krupp eingehen, weil man sich immer auf diese als Kronzeugen dafür beruft, daß angeblich die Löhne der Arbeiter gaitz bedeutend gestiegen sein sollen. Davon ist garkcine Rede. Nach ganz unanfechtbaren Nachweisnngen ist festgestellt, daß seit einer Reihe von Jahren . die Löhne der Bergarbeiter ständig zurückgegangen sind. Von 1907—1911 beträgt der Lohnausfall infolge von Lohn- Verkürzungen 170 800 000 M.(Hört! hört I bei den Sozial» deinokraten.) Dabei haben sich von 1909 zu 1910 die Betriebs- Überschüsse der Bergverwaltungen von 87 auf 94 Millionen g e st e i g e r t. Ferner verweist man darauf, zu welchen Preisen Krupp Lebensmittel an die Arbeiter der Kruppschen Werke verkaust. Man übersieht aber dabei, daß es erstens bei Krupp, wie ja auch bekanntlich in mairchen Warenhäuser»», eine Anzahl R c» ilameartikel gibt, die ganz besonders billig verkauft werde»», und berücksichtigt ferner nicht die glänzende Organisation, den fest- geschlossenen Kundenkreis, die Möglichkeit, im Großen einzukaufen. Diese Preise der Lebensmittel bei Krupp können also nicht in Ler- gleich gestellt lvcrden mit den Lebensinittelpreisen iin Kleingelverbe. Wie wenig zufrieden im übrigen die Arbeiter bei Krupp mit ihren Verhällnisien sind, beloeist eine Eingabe der Ortsverwal- tung Essen deS christlichen Mctallarbeiterver» b a n d e s an das Direktorium des Kruppschen Unternehmens. Da wird geklagt über die Art, wie gearbeitet wird, die dazu führt, daß viele Arbeiter gar nicht dazu lommen, ihre Kinder über- Haupt einmal wach zu Ichcn,»veil diese noch schlafe», lvcnn sie zur Arbeit gehen und»vieder schlafen, wenn sie von der Arbeit kommen; ferner darüber, daß die Arbeitszeit seit 21 Jahren nicht verkürzt worden ist us»v. Nach einem Bericht der Handeiskammer in Essen sind die gesainten Lebensmittelpreise dort in den letzten Jahren um 18 Proz. gestiegen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Ich koüime zurück auf die Einfuhrscheine. Damit also daS AilSland das Getreide billiger bekommt als wir, müssen»vir un- geheure Summen für die Einfnhrscheine zahle»,. Es sind dafür gezahlt»vorden 1894 6.8 Millionen, 1900 22,2 Millionen, 1905 34,7 Millionen, 1910 sogar 123 Millioiren.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Ich niöchte den sehen, der die Stirn hat. noch zu bestreiten, daß der Notstand ein außerordentlich großer ist, nachdem selbst die Regierung allerlei Abivehrmaßnahmen getroffen hat aus der Erkenntnis heraus, daß man wenigstens lo tun müsse, als sei envas geschehen. So sind Fracht- er Mäßigungen zugestanden»vorden für Mais und andere Futtermittel, für Kartoffeln usw. und auch für Fische. Charakteristisch ist dabei, daß man die Konsumvereine von diesen Vergünstigungen ausgeschlossen hat und daß die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gclvisserinaßen entschuldigend bei der Mitteilung der Frachtermäßigung für Fische bemerkt, daß dabei vor allem eine Unterstützung der deutschen Hoch- s e e f i s ch e r e i bezweckt sei. Die preußische Regierung hat dann Erleichterungen für landwirtschaflliäie Brennereien durchgeführt, die aber nach dem Urteil von Sachverständigen in erster Linie ein Entgegenkommen gegenüber den Schnapsbrenncrn bedeuten. Nach der früheren Haltung der Regierung bei solchen Teuerungsdebattcn kann sie wirklich nicht verlangen, daß wir ihr mit besondere»« Vertrauen entgegenkommen. Erklärte doch der frühere Landwirtschaftsminister v. P o d b i e l s k i bei einer solchen Gelegenheit: in vier Wochen ist die ganze Fleischnot vorüber, und als er dann deshalb im preußischen Landtage zur Rede gestellt wurde, erklärte er: „waS ich im Reichstage gesagt habe, habe ich natürlich selbst nicht geglaubt." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Iin übrigen hat sich diesmal die Regierung darauf beschränkt, den Gemeinden gute Rat« swläge zu geben nach dem Worte:„Hannemann geh Du vorait, Du hast die Wasserstiefel an."(Heiterkeit.) Wir wollen sehr gern aner- kennen, daß die Regierung sich gebessert hat,»venn sie jetzt dazu über- geht, den Gemeinden dieselben Borschläge zu machen, die wir Sozialdeinokraten seit Jahren vertreten haben. Freilich sind die Regierung und die Kommunen mit diesen Ratschlägen in eine böse Zivickmühle gckonnnen, denn die empfohlene Uebernahme des Lebeusmittelvertriebes durch die Gemeinden bedeutet nichts anderes als die A n S s ch a l t>» n g d e S Z>v i s ch e n h a n d e l S also deS Mittelstandes, ailf den sich die Herren sonst mit ihrer ganzen Politik angeblich stützen. Dieser Mittelstand gehört min natürlich mit zu den Leuten, die Not leiden. Wir»vissen ja genau, daß durch den Zioischenhandcl selbstverständüch die Pro- dnktion verteuert»verde» muß; aus diese»« Grunde haben sich ja die Arbeiter seit Jahren zu K o n s u n» g e n o s s e n s ch a s t e n zu- sammengeschlossen, und eS ist nichts als verlogene Heuchelei, wenn man uns daS Eintreten für die Konsumgenossenschaften zum Vorwurf macht, zinnal.»venn man»veiß, daß z. B. in Hessen gerade die Antisemiten die ersten Gründer von Konsumvereinen»raren. (Hört! hört! bei den Sozialdemokrateil.) In Zukunft also wird man jedenfalls die Hetzerei gegen unS lvegen unseres Eintretens für die Konfuiitvqreine beiseite lassen müssen, denn man würde sich ja nur lächerlich»nacheit, nachdem man jetzt selbst ständig auf den Zivischenhandel schimpft. An die Regierung möchte ich mir die Frage erlanbeit, ob sie ctlva glaubt, damit ihre Pflicht erfüllt zu haben, daß sie anderen gute Ratschläge gibt, wie sie es machen sollen. Ich meine, die „Die Kirche mahnt ihrem König, gesetzt und der deö Volkes lenkt." das Volk. Herr Verbiindeten Negierungen hätten in aikererster Linie die Verpflich- tmig, hier helfend einzugreifen. Ob die Herren das möchten, weiß ich nicht, aber ich behaupte, es zu wissen. daß sie es nicht dürfen, weil der Bund der Landwirte eS nicht duldet. Zunächst noch einige Worte über das Verhalten der Mehrheitsparteien. Manche von denen, die 1302 den Zolltaris mitgemacht haben, scheinen inzwischen etwas G e iv i s s e n s b i s s e bekommen z» haben. Bei den Nationalliberalcn ist das allerdings nicht der Fall. Schrieb doch die„Magdeburger Zeitung", die Zeit der Teuerung dürfte viel leichter überwunden werden, wenn die Ausgabe» für V e r g n ü- gungen, den Besuch von Tanzböden und für Zigaretten eingeschränkt würden. Schlimmer kann man den Schrei des Volkes nach Brot wirklich nicht verhöhnen.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Besonders interessant ist die Haltung des Zentrums. Zwischen den Herren P i ch l e r und Heim besteht ja bekanntlich seit lange ein alter Spann sHeiterkeit); ste sind von jeher nicht die besten Freunde. Diese Gegnerschaft hat sich auch bei den TeuerungS debatten im bayerischen Landtag wieder gezeigt. Der„Bauern doktor" Heim, der zweifellos die bäuerlichen Verhältnisse genau kennt, muß hier offenbar den Mund hallen.(Zuruf im Zentrum Abwarten!) HnS können Sie keinen größeren Gefallen tun, als wenn Sie ihn reden lassen, wir werden uns freuen, wenn er sich gegen die Ausführungen des Herrn Spahn wenden wird, denn im Grunde war die Rede des Herrn Spahn nichts anderes, als eine Abschüttelung Dr. Heim 3. lieber die Rede des Dr. Heim im Bayerischen Landtage habe ich mich königlich gefreut— soweit das einem Sozialdemokraten überhaupt möglich ist.(Heiterkeit.) Herr Spahn hat aber heute all das bekäinpst, was die christlichen Gewerkschaften fordern.(Hort! hört l bei den Sozialdemokraten.) Bezeichnend war, daß die Rede dcS ZcntrumsführerS mit dem Satze schloß die Völker, untertänig zu sein den Gottes Weisheit uns v o r- in seinem Auftrage die Geschicke Das ist ein sehr schlechter Trost für > p a h n hätte auch aus Verhandlungen. die wir hier im Reichstag gehabt haben, wissen können, daß auch himmliche Instrumente unter Umständen sehr falsch ge stimmr sein können.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozial- Ich erinnere auch an das Wort des jetzigen Kaisers:„Sie können mir nicht zumuten, daß ich den Brotwucher mitmachen soll. Aber Herr Herr Spahn hat ganz im Sinne des Bischof Heule gesprochen, der sagte: „Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." (Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Diese Stellungnahme des Zentrums ist gar sehr begreiflicti. da es in innigem Bunde mit den Herren von der Rechten lebt. Schrieb doch die„Krenzzeitung" seinem zeit:„Je freier von Sorgen die Arbeiter sind und je mehr freie Zeit sie haben, desto weniger wird die Allgemeinheit einen Stutzm von ihnen haben."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten Je mehr die Arbeiterklasse geschunden und geknechtet wird, um so besser geht es uns, so kalkulieren die preußischen Junker. (Sehr'wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich fasse zusammen: ES wird allseitig zugegeben, auch von den Vertretern der Regierungen, daß das Voll jetzt unter einer schweren Rot leidet, das Volk will sich satt essen, unsere Landwirtschaft ist aber leider, wie auch Herr Spahn zu- gegeben hat, nicht imstande, soviel NahningSmiltel zu produzieren, wie wir in Deutschland brauchen. Die Einfuhr an Lebensmitteln und Vieh übersteigt die Ausfuhr dem Werte nach um rund 1723 Millionen Mark im Jahr.(Höri! hört! bei den Sozialdemo- Iraten.) Das beweist, daß wir auf Znsuhr von NahrungS- wittcln ans dem Ausland angewiesen find. Wenn wir trotzdem die absolut notwendige Einfuhr von Nahrungsmitteln uns selber künstlich verteuern, so ist daß ein ungeheuerlicher, unerträglicher Zu st and. Und warum diese Ver- teuerung? Angeblich um der Landwirtschast zu helfen, in Wirklichkeit aber um einem kleinen Häuflein von Großgrundbesitzern Vorteile zuzuschanzen auf Kosten de? städtische» Bevölkerung und der breiten Schichten der deutschen Bauer». Wir brauchen billiges Fleisch und wir können es haben, wenn wir die Zölle auf Schlachtvieh und Fleisch suspendieren und die Grenzsperre auf die unerläßlichen Vorsichtsmaßnahmen zur Abwehr von Viehseuchen beschränken. Wir brauchen billiges Brot und wir können eS haben, indem wir die Zölle aus Brotfrüchtc suspendieren und das gemeinschädliche System der Einfuhrscheine be< fettigen. Wir brauchen billige Futtermittel, damit unsere deutschen Bauern Viehzucht treiben können. Das können wir ermöglichen, wenn wir die Zölle auf maitche Futtermittel abschaffen. Ich frage den Herr» Reichskanzler, ob er bereit ist, im Sinne unserer Forderungen zu wirken. Herr Reichskanzler, Sie werden ja sagen müssen, wenn Sie dem Volke einschließlich der Landwirtschaft und Viehzucht dienen und dem Hunger begegnen wollen. Sie können nur dann nein sagen, wenn Ihnen das Wohlwollen einer kleinen, leider aber politisch mächtige» Koste, die unser Boll schröpft und knechtet, üder das Boltswohl geht.(Lebhafter Beifall bei den Sozial. demokraten.)„ �„ Die freisinnige Jnterpellatron, welche nach Maßregeln gegendieTeuerung fragt, begründet Abg. Oescr(Vp.): Nach unierem Empfinden ist diese Ver- Handlung die wichtigste der ganzen Nachsession. Die Naturgewalten hoben in diesem Sommer das Werk der schwarzblauen Wirtschaftspolitik vollendet. Die Verteidiger dieser Poltitk berufen sich auf die außergewöhnlichen Umstände. Aber gerade außer gewöhnliche Umstände sind der P.üfstein einer Polittk; die in außergewöhnliche» Zeiten eben nichts.(Sehr wahr! links.) ES spricht von wenig Gewistenhastigkett, wenn dem Notstande gegenüber von„Rummel" gesprochen wird.(Lebhafte Zu- stimmung liuls.) Es ist wahr: noch sind, weil unlere Jndustrte noch prosperiert, die Lohne nicht gefallen. Aber die Gelahrt st vor- Händen und die Erfahrung spricht dafür, daß schließlich auch die industrielle En, Wickelung durch die Teuerung der Lebensmittel ms Stocken gerät._ Gewiß hat die Dürre dieses Sommers machtig zur Teuerung heigetrageu; aber im letzten Grunde ist die Teuermig mchtS als die uaturitotweiidige und gewollte Folge der seit 3» Jahren konsequent verfolgte» agranfchcit Wirtschaftspolitik.(Lebhaftes Sehr richtig! links). Die Teuerung ist ntir zum Teil zufällig; zum Teil aber herbeigeführt durch die Gesetzgebung: soweit sie durch die Gesetzgebung herbeigeführt ist, loird sie eben mch. vornoer- gehen, wenn nicht die Gesetzgebung geändert wird. Wir verlangen eine allmähliche Aenderung der Wirtschaftspolitik, einen schrittweisen Abbau der Zolle. (Lachen und Zumfe rechts.) Wir sind selbstredend� davon über- zeugt, daß nicht mit einem Schlage die ganze Zollgelctzgebnng von 1879 an widerrufen werden kamt. Die meisten Industrien wollen gern auf ihren Zollschutz verzichten, wenn dafür die �ast der Lebens- ntittelzölle erleichtert wird.(Lachen und Widerspruch rechts,) Tie Agrarzölle liegen auch nicht im wohlverstandenen eigenen Interesse der Landwirtschaft. Sie haben zu einer kolossalen Steigerung der Gütcrprcise eine Politik, versägt, taugt geführt und diese kolossale Steigerung der Güterpreise schließt eine zukünftige Agrarkrisis in sich.(Sehr wahr! links.) Mau wirft uns vor, daß wir die Interessen dcS Ostens gegen- über denen dcS Westens zurücksetzen und sucht das an unserer Haltung in der Frage der Etiifnhischcine zu beweisen, keiner Weise vernachlässigen wir die Interessen des OstenS; aber allerdings wollen wir auch nicht die Interessen des Westens opferm Die Sinfuhrscheine haben ihre Natur völlig verändert. Die un- gesunde Entwickelung deS Einfuhrscheinwesens datiert eigentlich erst seit 1996. Früher hat auch das Zentrum ein gewisses Mißtrauen gegen das System der Einfuhrscheine an den Tag gelegt.(Hört! hört' links.) Das scheint allerdings anders geworden zu sein, obwohl ich nicht sagen kann, daß ich die heutigen Ausführungen deS Kollegen Spahn über diesen Punkt verstanden habe.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Die Maßnahmen, die er allenfalls zuzugestehen schien. kvmien jedenfalls nicht als genügend bezeichnet werden. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um das die Reichs lasse schädigende System der Einfuhrscheine unter Wahrung der für den Grenzverkehr notwendigen Rücksichten zu beseitigen und besonders die prcissteigernde Ausfuhr deutschen Roggens mindestens zu beschränken. Von der Fleischnot behauptet man auch, daß sie vor- übergehend sei; nian bleibt uns aber den Beweis schuldig, wie die deutsche Viehzucht beim jetzigen Stand der Fnttermittelzölle imstande sein soll, den Bedarf zu decken. In diesem Sinne begrüßen wir die Ausführungen, die im bayerischen Land- tag der Kollege Dr. Heim gemacktt hat.(Sehr gut! links. Die Aufhebung oder mindestens die zeitweilige Aufhebung der Lebensmittelzölle verlangen wir in erster Linie gerade im Interesse der Landwirtschaft. Im Interesse der Konsumenten verlangen wir, daß mit der mißbräuchlichen Ver- Wendung sanitärer Bestimmungen zur Verhinderung der Fleisch- einfuhr gebrochen wird. Was die Ermäßigung der Eisenbahntarife betrifft. so erkennen wir dieselbe dankbar an, besonders weil sie die Ver- pflegung der Großstädte erleichtern. Aber als ein durchgreifendes Mittel gegen die allgemeine Teuerung können wir solche Tarif erleichtcrungen nicht ansehen. Unser Volk ist reifer als daS französische und weiß, daß diese Fragen Machtfragen sind, die durch die politischen Faktoren und nicht auf der Straße entschieden werden. Millionen von Augen blicken auf die Hände des Reichskanzlers. Wenn die Hände leer sein werden. dann wird eine große Enttäuschung Platz greifen (Unruhe rechts) und diese Enttäuschung wird aus der Wahlurne auf steigen.(Lebhaftes Bravo! links.) Reichskanzler v. Bcthmann Hollweg: Der Redner der sozialdemokratischen Partei ist bei seiner Be« Handlung der Interpellation zu einer Stellungnahme ge- kommen, wie sie auch in der Presse und in Ver- sammlungcu vielfache zutage getreten ist. Die Folgen der dies- jährigen Dürre werden zum Anlaß einer allgemeinen Anklage gegen unsere Wirtschaftspolitik genommen. Die sogenannten großen Mittel. die Aufhebung der Zölle, oder ihre Suspension, die Oeffnung der Grenzen für Vieh und Fleisch werden uns doch zu kemcm anderen Endzweck angepriesen, als um die Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik zu beseitigen lSehr richtig! rechts), oder sie allmählich abzubauen.(Sehr wahr I rechts.) Diesem Angriff gegen dir Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik werden die Verbündeten Regierungen wie bisher einen cnlschirdenc» Widerstand entgegensetze». (Beifall rechts.) Wiederholt ist von dieser Stelle die Erllärung ab- gegeben worden, daß für die Verbündeten Regierungen das zähe und entschiedene Festhalten an unserer Wirtschaftspolitik wohl begründete Ucberzengung ist�(Beifall rechts), und wir können uns auch durch die Folgen der diesjährigen Dürre, so beklagenswert sie sind, nicht von einem Wirtschaftssystem abbringen lassen, von dem wir die Ueberzeugung haben, daß eS den« wirtschaftlichen Leben der Nation zum Segen ge- reicht.(Lebhafter Beifall rechts.) Die Gegner und Freunde dieser Wirtschaftspolitik müssen doch darin einer Meinung fein, daß kein llcbergang zu einem anderen Wirtschaftssystem und keine bcbvrdliche Maßregel die Folgen davon auslöschen kann, daß eS monatelang nicht geregnet hat. und daß aus den Feldern wenig oder nichts gewachsen ist.(Sehr richtig I rechts; Lachen links.) Niemand, auch Sie nicht, kann dem Landwirt sein Manko an Getreide, Heu und Kartoffeln ersetzen, und weil Sie das nicht können, so kann auch niemand den Konsumenten vor den Schäden bewahren, welche eine notwendige Folge dieses Mankos sind.(Sehr richtig! rechts; Lachen links.) Wir igüssen uns daher, so schwer es Ihnen auch wird. auf beiden Seiten bescheiden und uns auf Mittel beschränken, die faktisch geeignet sind, uns über die bestehenden Schwierigkeiten hinweg zu helfen. Gegenüber der Bedrängnis, in die viele mittlere und kleine Haushaltungen geraten sind, ist diese Beschränkung gewiß nicht bequem. Aber eS heißt bestehende Situationen in unverant- wörtlicher Weise ausbeuten(sehr richtig! rechts), wem, in sozialdemokratischen Reden, Flugblättern und Schriften dem Volke klar gemacht werden soll, nichts sei leichter, als die bestehende Not weg- ; uwischen.(Sehr richtig I rechts.) Nur die böse Regierung unter dem Druck der Agrarier wolle eS nicht.(Sehr war! bei den Soz.) Das ist nicht richtig, daS stimmt nicht mit der Wahrheit überein.(Sehr richtig I rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Gewiß. meine Herren, würden auch wir gern mehr tun(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Aber Sie dürfen eS nicht I). denn uns liegt die Sorge für die wirtschaftliche Wohlfahrt genau so am Herzen wie Ihnen.(Zuruf rechts: Näher!) Aber was ist eS den» eigentlich, was Sie vorschlagen, und wie kann daS, worauf eS doch zunächst ankommt, über die gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse unS weg- helfen? DieAufhebung der Zölle empfehlen Sie und meinen, daß Sie damit nicht mir unserem Volk billigere Nahrung verschaffen, andern auch unsere allgemeinen wirlschanlichen Verhältnisse zum mindesten ebenso günstig, wenn nicht günstiger stellen als sie gegen- wältig find— das ist der alte Streit zwischen Schutzzoll und Freihandel, über den wir uns bisher nicht geeinigt haben und wahrscheinlich auch in dieser Stunde nicht einigen werden.(Sehr richtig I) Aber selbst wenn eine Regierung zu dem Wirtschaftssystem, das Sie erstreben. übergehen wollte, glauben Sie denn im Ernste, daß diese Regierung überhaupt imstande wäre, den landwirtschaftliche»Schutz aus uiiserem Wirtschaftssystem loszulösen und von heute auf morgen z» bescingen— und das wäre doch im gegenwärtigen Zeitpunkt nötig— ohne unser gesamtes Wirtschaftsleben auf den Kopf stellen und ohne unsere Handclsbcstimmungen umzustoßen? ein. meine Herren, das könnte keine Regierung, n»d darum ist der Borschlag der Aus- Hebung der Zölle der Borschlag eines unanweudbarc» Mittels. Das hat schließlich nur agitatorischen Wert.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Weiter die Suspension der Zölle. Die Verbündeten Re- zierungen haben bisher stets den Siandpmift� vertreten, daß Zoll- iliSpension sehr leicht der Anfang der Zollau'hcbung ist und daß die Zollsnspension deshalb in einem Lande, daS den Schutzzoll für not- wendig und zweckmäßig hält, ein außerordentlich gefähr- l i ch e s Experiment ist. Aber auch wer auf anderem Staudpunlt steht, muß doch zum mindesten fragen, wie und wie weit wirkt die Suspension? Kommt sie überhaupt denjenigen zugute, für die sie berechnet ist?(Sehr richtig!) Ich erinnere Sie an die Suspension des WeizcnzollcS in Frankreich 1888, der Handelsbericht von Havre besagt, die Aushebung deö WeizcnzolleS von 7 Fr. pro 100 Kilogramm hatte nicht de» er- warteten Erfolg, die Preise fielen nicht' und sind für einige Weizen- arten sogar gestiegen.(Hört I hört!) Das Fazit scheint mir auch ganz natürlich. Eine ZollsuSpension. die nicht zur Zollanshebung werden soll, kann immer mir aus eine vorübergehende kurz- bemessene Zeit verfügt werden. Die momentane Wirlmig der SuSpeiision ergreift, wie unsere Handelsverhältnisse einmal gelagert sind, zum großen Teil nur die Großhandelspreise und den Handel überhaupt. Sowie die Wirkung iveilcr nach unten, zum Konsumenten vorzudringen beginnt, läuft entweder die Zeit ab oder die Wirkung wird durch die neue Eruie oder die Aussichten für sie wieder verwischt. Ich bin der Ueber- eugung, auch wir würden mit derartigen Suspensionen genau die- elben Ersahrungen machen.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Im einzelnen spricht man von der Suspension der Zölle auf Futtermittel, an denen wir ja leider eine ungünstige Ernte gehabt haben. Man vergißt dabei, daß die große Masse der- jenige» Futtcrmitiel, auf die der Landwirt in einem knappen Jahre, wie im letzten, in erster Linie angewiesen ist. die Kraftfuttcrmittel, in der großen Masse zollfrei eingehen.(Sehr richtig! rechts.) Bei Hafer, worin wir eine schlechte Ernte gehabt haben, würde Suspension überhaupt nicht in Frage kommen können. Bei Mais ist die ganze Weltentte nicht genügend. Da erscheint es mir doch b e d e n k l i cb. eine Suspension zu verfügen, von der eS mehr wie zweifelhaft ist, ob sie jetzt dem Viehhalter und damit dem Fleischverbraucher über- Haupt zugute kommen würde.(Sehr richtig I rechts.) Abg. Spahn der ö l l e auf Gemüse ge- erren Nachbarn vor, in der Hai von der Suspension sprochen. Ich behalte einem meiner Diskussion eventuell hierauf einzugehen. Aber von dem gesamten Gemüseimport gehen 93 Proz. zollfrei ein und nur 7 Proz. sind mit einem verhältnismäßig geringen Zoll belastet. Eine große Hilfe würde man also auch mit dieser Maßregel nicht erzielen.(Hört» hört! rechts.) Weiter ist heute ausführlich daS Thema der Einfuhrscheine verhandelt worden. In der Presse wird es zmneist so dargestellt, als ob dies ein besonders wirkungsvolles Mittel fein würde, und als ob es sich dabei um die allereinfachste Sache der Welt handle. Daß das nicht der Fall ist, das weiß der Reichstag. Aber gerode, weil eS sich um ein recht schwer zu behandelndes Thema handelt, ist es für Agitationszlvecke besonders geeignet. (Lebhafte Zustimmung rechts. Heiterkeit und Lachen links.) Bei der Einführung der Einfuhrscheine handelte eS sich um ein System, das Sie künstlich nennen mögen, das aber darauf berechnet war, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Produktionsverhältnissen im Lande zu schaffen, und es ist den Einfuhrscheinen gelungen, diesen Ausgleich tatsächlich herzustellen. Deshalb sind auch in den Landesteilen, sür die der Ausgleich bemessen war. Landwirtschaft und Handel vollkommen einig der Ansicht gewesen, daß an dein System nichts geändert werden möge.(Beifall und Widerspruch.) Wir haben trotzdem die Frage einer Aenderung des EinfuhrscheinsystemS sehr eingehend erwogen (Hört I hört!), sind aber zu dem Ergebnis gekommen, daß d i e vorgeschlagene Aenderung eine Einwirkung ans die gegenwärtigen, gesteigerten Preise nicht haben würde.(Sehr richtig I rechts.) Man hat vorgeschlagen, die bei der Ausfuhr von Hafer erteilten Scheine nur bei der Einfuhr von Hafer verwenden zu lassen. DaS würde einen überaus schweren Eingriff in unsere landwirtschaftlichen Verhältnisse zur Folge haben. Denn die Einführung deS Aussuhr- scheiusystemS hat zu einem wesentlich vermehrten Haferanbau geführt, dem nun ei» kolossal gewachsener Import an Futtergerste gegen- übeisteht. Ich wüßte nicht, wie wir in diesem Jahre der Futterknappheit die Verantwortung für eine solche Maßregel übernehmen sollten. Man verlangt weiter, daß die bei der Ausfuhr von Roggen er- teilten Scheine nur beim Import von Roggen verwendet ivcrdcn dürfen. Aber auch bei der Roggenausfuhr bandelt es sich nicht um einen Gegenstand, welcher für die Verhältnisse des gesamten Landes von Bedeutung ist.(Widerspruch links.) Und übernehmen Sie die Garantie dafür, daß wir mit solcher Beschränkung der Aus- fuhr nicht die Weizenpreise steigern? Und wollen Sie bei dem zu- nehmenden Verbrauch von Weizenbrot in diesem Jahre die Gefahr einer solchen Steigerung auf sich nehmen? Ich bin der Ansicht, daß diese Mittel, diese Acitderungen, die uns vorgeschlagen sind, die erwartete Hilfe nicht bringen werden, dafür aber andere Zustände im Gefolge haben könnten, die die Situation sehr erschweren wiir- den.(Sehr wahr! rechts.) Ich will dabei noch gar nicht daraus hinweisen, daß Sie Aenderungen am Einfuhrscheinshstem doch nicht mit sofortiger Wirkung einführen werden, sondern einen gewissen Zwischenraum bis zur Wirksamkeit verstreichen lassen müssen. Bis dahin könnten möglicherweise wieder ganz andere Verhält- n isse eintreten. ES ist dann angeregt worden, gewisse Auswüchse am Einfuhrscheinsystcm zu beschneiden. AIS solche find bezeichnck worden die Verwendbarkeit der Getreideausfuhr- cheine für die Einfuhr von Petroleum und Kaffee und die Herabsetzung der Gültigkeitsdauer der Scheine von 6 auf 3 Monaten. Ich halte diese Vorschläge für diSku- lab eh aber ich bin für meine Person im gegenwärtigen Moment noch nicht absolut von der Wirksamkeit der Matzregel überzeugt, denn es ist mit Recht vom Abg. Ocscr darauf hingewiesen worden, datz die Getreidecinstlhrscheine durch den Wcizentmport vollkommen verzehrt werden und daß die Umlaufszeit der Scheine tatsächlich nur etwa zwei Monate beträgt. Die Frage der Aufhebung der Eisenbahn-AuSfuhrtarife für Ge- treibe wird den LandeSeiscnbahnrat beschäftigen. Nun zur Frage der Einfuhr von Vieh und Fleisch. Vor einem Jahre ist hier ausgiebig über dieses Thema gesprochen und es ist vom Bundesratstisch erklärt worden, daß wir im Jnter- esse unseres Viehbestandes auf den Grenzschutz nicht ver- zichten können, datz aber die Einfuhr von Schlachtvieh und Fleisch in weitem Umfange schon jetzt zugelassen sei. Inzwischen sind für Schlachtvieh Jmporterleichterungen gegen Dänemark und Swweden eingetreten. Im vorigen Jahr haben die Verhältnisse auf dem Fleischmarkt ungünstiger gelegen als jetzt.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Die Preise, die dem Landwirt gegen- wärtig für Vieh und Schlachtvieh gezahlt werden, find boch, aber nicht übermäßig hoch. Gewiß können die Verhältnisse sich verschärfen, wenn die Futterknappheit zu einer großen Verringerung unserer Viehbestände führen sollte. Aber auch in dieser Hinsicht bitte ich Sie. sich übertriebenen Vorstellungen nicht hinzugeben. Die preußischen Landwirtschaftskammern haben im September be- richtet, daß es zwar in manchen Landstrichen schwer sein wird, das Vieh durchzuhalten, datz dafür aber in anderen Gegenden das Durchhalten des Viehes, wenn auch unter Schwierigkeiten und mo- mentanen Opfern durchaus möglich sein würde.(Sehr richtig! rechts.) Was die Erweiterung der Fleischeinfuhr anbelangt, so kämen für sie im wesentlichen nur Rußland und Amerika in Betracht, denn aus den anderen Ländern ist sie schon jetzt gestattet. Die Fleischcinfuhr aus Rutzland versagt wegen der Rinderprstgefahr. � Gegenüber Amerika besteht nur ein Einfuhrverbot von Rindfleisch wegen der Gefahr der Einschleppuna des Texasviehes. Tagegen ist die Einfuhr von Schafen und Schweinen nicht verboten, das Fleisch mutz allerdings die Kau- Fleischbeschaugesetzes erfüllen. Wir tele» des können unmöglich zetzt die im Interesse der Hygiene erlassenen Be- stimmungen des Fleischbcschaugcsetzcs abändern. Sie(nach links) beklagen sich immer über einen übermäßigen Schutz unseres Vieh- bestandes. Bedenken Sie aber, datz es unter diesem Schuh der deutschen Landwirtschaft gelungen ist, öS Proz. des gesamten Fleischbcdarfs aus dem Inland zu decken.(Hört! hört! rechts und im Zentrum.) Dabei ist in den letzten Jahrzehnten der Fletsch- konsum in Deutschland so gestiegen, datz wir hinter England kaum noch zurückstehen. Von England unterscheiden wir uns nur in- sofern, als dort nicht 95 Proz.. sondern nur die Hälfte des Fleisch- bedarf» aus eigenem gedeckt wird.(Hört! hört! rechts.) Dieser Vergleich scheint mir doch nicht zu Experimenten zu ermun- tcrn, die unsere Viehbestände schadigen und uns damit allmählich in eine größere Abhängigkeit vom Auslande bringen würden.(Sehr richtig' rechts.) Eine solche Abhängigkeit vom Auslände würde für uns außerordentlich gefährlich sein.(Zehr richtig! rechts) Eins allerdings will ich mit aller Entschiedenheit betonen, der Schutz, den die Landwirtschaft genießt, schließt Pflicktcn. große Pflichten der Landwirtschaft gegenüber der Allgemeinheit, gegenüber den Konsumenten in sich.(Lachen links.) Lachen �ie doch nicht, ich spreche ja ganz in Ihrem Sinne. Darum richte ich von dieser Stell« den dringenden Appell an die deutsche Landwirtschaft, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, datz unser Viehbestand nicht verringert wird; eine solche Verringerung würde sich nicht bloß an der Viehzucht, sondern auch an der Stellung der ganzen Landwirtschaft bitter rächen. Ich kann nach diesen Darlegungen nicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß die von Ihnen vorgeschlagenen großen Mittel über die bedrängte Lage hinweghelfen. Ich betone bei dieser Kritik noch einfftiä!, Eaü ich e'S fut'Mmögüch era'chle, fcti cTcmcnTflrcn Ereignissen gegenüber durchgreifend abzubclfsn. und ich bin weit davon entiernt, es so darzustellen, als ob die Maßnahmen, welche von den Rcaierungen ergriffen worden sind, eine solche durch- greifende Abhilfe darstellen. Aber wir haben nach Mitteln Ausschau gehalten, welche eine praktische Wirkung haben können, und ich sage dem Abgeorndeten O e s e r dafür Tank, daß er in dieser Bc- Ziehung auch ein anerkennendes Wort für die Maßnahmen der Re- gierung gefunden hat. Wie in jedem geringen Erntejahr, diesmal aber vielleicht in besonderem Maße, hat sich gezeigt, daß die De- tailpreis; für Lebensmittel den tatsächlichen Ernteergebnissen nicht entsprechen. Dem Konsu- menten, der die hohen Detailpreise zu zahlen hat, ist das kein Trost. aber an der Tatsache kann man nicht vorübergehen, man muß sie hervorheben. Am Brotgetreide ist kein Manko, die Preise dafür sind nicht überhoch, namentlich, wenn man berücksichtigt, daß die Güte des jetzigen Brotgetreides eine erhöhte und bessere Ausbeutung an Mehl liesert. Tie Preise für Fleisch sind gegenlvärtig nicht abnorm. Allerdings haben wir an Gemüse und an Kartoffeln mit Unter- ertrügen, zum Teil mit bedeutenden Untercrträgen zu rechnen. Bei den Kartoffeln hat sich aber zum Glück, je mehr wir uns dem End« der Ernte genähert haben, herausgestellt, daß die tatsächlichen Erträge über die früheren Schätzungen hinaus- gehen, daß wir in einzelnen Landesteilen mit ausgedehntem Kartoffelbau eine befriedigende und zum Teil gute Ernte haben.(Widerspruch bei den Soz.) Ich hebe das ab- sichtlich hervor, um nicht meinerseits dazu beizutragen, durch über- triebene Darstellungen auf ein Steigen der Detailpreise mit hinzu- wirken.(Sehr gut! rrchtö und im Zentrum.) Ich kann es nicht zu- geben, daß, wenn wir die Ergebnisse der Gcfamternte zusammen- fassen, die Detailpreise, die gezahlt werden, den tatsächlichen Ernteergebnissen wirklich Rech- nung tragen.(Hört! hört! rechts und im Zentrum.) Ueber die Gründe dieser Spannung ist bei den Tcuerungsdebatten im Reichs- tage hin- und hergestritten worden. Ich will auf die Einzelheiten nicht eingehen.(Zuruf bei den Soz.: Sehr schade!) Nur soviel steht fest, daß an einer übermäßigen Spannung zwischen Großhandels- und Deteilpreisen weder die Dürre noch unsere Wirtschaftspolitik, noch die Regierung die Schuld trägt.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Nicht schuldlos sind die übertriebenen Tarstellungen der Teuerung (stürmische Zustimmung rechts und im Zentrum, Lachen links), in denen sich ein großer Teil unserer Presse monate- lang gefallen hat. Die Regierungen sind bei den Mitteln, die sie an- gewendet haben, bestrebt gewesen, auf eine Hcrabminderung dieser Spannung, wo sie übermäßig oder ungerechtfertigt ist, hinzuwirken. Tie Regierungen haben dargetan, indem sie einmal die bekannten silrachtcrmüßigungcn bewilligt haben, die darauf berechnet sind, in diesem Erntejahr, das sich durch so verschiedene Erträge in den verschiedenen Landcsteilen auszeichnet, die Verteilung der Pro- dukte über das ganze Land zu erleichtern. Sic haben weiter Ein- richtungen der Kommunen angeregt und unterstützt, welche einem übermäßigen Anwachsen der Detailpreise vorbeugen sollen. Die Zrachtermäßigungcn beziffern sich für das gesamte Gebiet der Eisen- bahnverwalwngen auf viele Millionen, sie betragen aber auch im einzelnen, z. B. für die Futtergcrste soviel, daß der auf ihr liegende Zoll auf mittlere Entfernungen, wie Breslau, Hamburg, gänzlich aufgehoben oder doch sehr gemindert wird.(Hört! hört! rechts.) Man hat diese Frachtermäßigungen angefochten, indem man etwa bekrittelt hat, um wieviel sich die Fracht für 1 Pfund Kartoffeln er- mäßigt. Ich glaube, man mutz anders rechnen.(Sehr gut! rechts.) Bor einigen Wochen war der Marktpreis für Eßkartoffeln in O st- preußen 2.30 bis 2, SV M., gleichzeitig wurden hier in Berlin für dieselben Kartoffeln 5 bis K M. bezahlt.(Hört! hört! rechts.) Mit den Frachtkosten kann diese Spannung bei den ermäßigten Tarifen nicht begründet werden, denn die Fracht für Kartoffeln beträgt von Ostpreußen bis nach Berlin— 30 Pf.!(Heiterkeit.) Auch die Anregungen an die Kommunen sind angefochten worden, und der Abg. Scheide mann hat die ironische Bemerkung dar- über gemacht, wir hätten den Kommunen gesagt: Hannemann, geh Du voran! Wozu diese Jronisierung? Zahlreiche größere Stadt-- Verwaltungen haben mit Erfolg Einrichtungen getroffen oder in Aussicht genommen, um im Hinblick auf eine etwa eintretende Fleischteurung den Seefischverkauf zu erleichtern, und ich kann nur die Hoffnung aussprechen, daß diese Einrichtungen Bestand haben werden, auch über die Zeit einer Teurung hinaus. Zahl- reich« Stadtverwaltungen haben des weiteren Einrichtungen vorgesehen. um einem übermäßigen Ansteigen der Detailpreise vor- zubcugen. Neben den großen Privatunternehmungen halte ich eigentlich die Kommunen für die einzigen, die in der Lage sind, einem übermäßigen Anwachsen der Detailpreise Einhalt zu tun(Hört! hört! b. d. Soz.), weil sie geeignet sind, den örtlichen Verhältnissen die Eiiirichtru�gen anzupassen.(Sehr wahr! rechts.) Das ist not- wendig, denn ich bin weit entfernt, zu behaupten, daß derartige Einrichtungen uberall und in gleicher Weise möglich s i wd. Ich glaube, derjenige tut mehr, der dem Konsumenten beim täglichen Einkauf seiner Lebensmittel billigere Preise zu verschaffen sucht, als derjenige, der sich immer nur theoretisch über das Verkehrte unserer Wirtschaftspolitik entrüstet.(Lebh. Beifall rechts. Lachen links.).. Aber auf alles, was die Regierung tut in Vertretung ihrer Wirtschaftspolitik, wird von den Gegnern immer der Einwand cnt- gegengehalten: ja, wenn wir diese Wirtschaftspolitik nicht hätten, dann wäre leine Not entstanden, oder wir würden sie viel leichter überwinden.(Lebh. Sehr wahr! links.) Praktisch hat unsere Wirt- schaftspolitik lang genug gewirkt, um ihre Ergebnisse beurteilen zu können.(Sehr wahr! rechts und links.) Als sie eingeleitet wuroe, prophezeite man, daß sie das Grab unseres Erporthandels sein würde(Heiterkeit recht»), daß sie Industrie und Handel fessele. Aber was ist eingetreten? Das gerade Gegenteil! Handel und I n d u st r i e haben einen Ausschwung genommen, um den uns das Ausland beneidet.(Sehr wahr! rechts. Zuruf b. d. Soz.: Trotz- dem.) Die La n d w i: t s ch a st hat an Produltions- und Kauf- kraft stark zugenommen. TaS alles sind Dinge, die unbestreitbar sind und keines Beweises bedürfen. Freilich. gleichzeitig sind die Kosten der Lebenshaltung gestiegen. Diese Steigerung wird von den Gegnern unserer Wirtschaftspolitik, soweit sie bei den Lebensmitteln cing'etreten ist. eben auf diese Politik zurückgeführt. Tie Herren übersehen dabei, daß in den Zeiten des Freihandels, zum Beispiel in der Periode von 1871 bis 79, die Getreidcpreise überhaupt höher gestanden haben, als in einer der nachfolgenden Perioden.(Sehr richtig! und Hört! hört! rechts.) Die Herren übersehen, daß die Steigerung der Kosten der Lebens- Haltung sich auf die gesamte Lebenshaltung auf W o h- nung. auf Kleidung usw. erstrecken.(Sehr richtig! rechts.) Und vor allem übersehen die Herren, dafj die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung eine notwendige Begleiterin einer Gesamte ntwickelung ist. die in so kurzer Zeit so rapide Fortschritte gemacht hat. wie eS bei uns in Teutschland der„all gewesen ist.(Sehr wahr! rechts.) Und trotz des erhöhten Auf- wandeS. den der einzelne für die Lebenshaltung machen muß, ist nicht nur der nationale Wohlstand gestiegen, sondern auch die Lebenshaltung de« einzelnen verbessert worden(Sehr richtig! rechts.) bis in die Kreise der Arbeiterschaft.(Lebh. Zustimmung rechts und im Zentrum. Zurufe von den Soz.: Trotzdem!) Ich will Sie nicht zu widerlegen versuchen mit Aeutzcrungen Ihrer eigenen Parteigenossen, vielleicht würden Sie sie verleugnen. Ich will Sie auch nicht hinweisen auf das Anwachsen der kleinen und kleinsten Sparkasseneinlagen, auf das Steigen der Einkommensteuer- betröge. Ich will Sie nur eins fragen: die Berel endungS- t h e o r i e ist doch ein so kraftiges Agitationsmittel, hätten Sie diese Zhevrie so beseite geschoben, wie Sie es tatsächlich tun. wenn sie noch in ssen faktischen Verhältnissen ihre Begründung fände, ivcnnl sie nicht durch die Praxis widerlegt wäre?(Sehr gut! rechts.) Was sollen dieser gesamten Entwickelung gegenüber die alten Rcchenexempel, die Sie ausstellen, und mit denen Sie dem Volte zeigen, um wieviel Pfennige das Pfund Brot, das Liter P e t r o- l e u m, die S ch a ch t e l"S t r e i ch h ö l z e r angeblich durch die Schnaps- und Schlotjunker verteuert worden ist.(Heiterkeit und lebhafte Zustimmung rechts.) Danach bcmißt sich nicht der Wert oder Unwert eines Wirtschaftssystems, sondern danach, ob es die Kräfte eines Volkes vermehrt oder verkümmert hat.(Lebhaste Zustimmung rechts.) Darben und Hungern sind es nicht, die die Expansionskräfte und den Expansionsdrang erzeugt haben, der in unserem Volke lebt, aber der verständliche Unmut, der über die gestiegenen Preise herrscht, macht Ihnen im Hin- blick auf die bevorstehenden Wahlen neue Hoff- nung.(Lebhafte Zustimmung rechts. Gelächter und Unruhe links.) Deshalb wird agitiert und vielfach auch ohne Skrupel agi- tiert.(Erneute Zustimmung recht. Unruhe links.) Ter nächste Reichstag wird wichtige Entscheidungen über unsere Wirischafts- Politik zu fällen haben.(Sehr wahr! rechts.) Sollte es der Agitation gelingen, die Zusammensetzung des nächsten Reichstages durch Stimmungen zu beeinflussen, die eine notwendige Folge der Schäden der diesjährigen Dürre sind, dann werden wir die vorübergehende Teuerung mit einer schweren und dauernden Schädigung unseres gesamten Wirtschaftslebens bezahlen.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum. Lachen links.) Es steht hier mehr auf dem Spiele als die Debatten über diese oder jene Mittel, mit denen wir über gegenwärtige bedrängte Zeiten hinwegzukommen versuchen, erkennen lassen. Tie Hcrabminderung der Lebensmittelpreise allein kann niemals das leitende Prinzip einer verständig orientierten Wirtschaftspolitik sein. Lohnende Arbeit ist die für jeden sozialen Fortschritt notwendige Voraus- bedingung. Lohnende Arbeit hat unser Volk, das sich an Arbeitslust durch kein Volk der Erde übertreffen läßt, unter dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem gefunden. Sollen wir dieses segensreiche Ergebnis in Frage stellen durch Wirtschaft- liche Experimente, wie Sie sie wünschen? Sollen wir damit die Grundlagen unserer Volksernährung, unse- rer Wehrkraft erschüttern? Wer die Verantwortung für einen solchen Schritt fühlt, wird das nicht tun.(Beifall rechts und im Zentrum.) Für mich ist die entschlossene Festhaltung an der bisherigen Wirtschaftspolitik Pflicht gegen das Land. (Erneuter lebhafter Beifall rechts.) Und ich werde mich durch keine Angriffe in der Ueberzeugung irre machen lassen, daß ich damit auf dem rechten Wege bin.(Anhaltender Beifall rechts und im Zentrum; Zischen links; erneuter Beifall rechts.) Auf Antrag Bebel findet eine Besprechung der Jnter- pellation statt. Abg. Niedcrlöhner(k.): In meiner ländlichen Heimat ist von einer Teuerung nichts zu merken. Wenn man Auf- Hebung der Futtermittelzölle verlangt, so verweise ich darauf, daß wir einen eigentlichen Zollschutz für Futtermittel gar nicht haben, die Hauptfuttcrmittel sind zollfrei.(Hört! hörtl rechts.) In einer Notlage befindet sich nur die Landwirtschaft infolge der Dürre und der Maul- und Klauenseuche. Die Erhöhung der Lcbensmmittelpreise hängt, abgesehen von der Einwirkung des Zwischenhandels mit der erheblichen Steigerung der A r b e i t e r l ö h n e auf dem Lande zusammen.(Sehr richtig! rechts.) Ich bitte die Regierung, alles zu tun, damit die Landwirt- schaft nicht geschädigt wird, sie»st das größte Bollwerk des Staates gegen alle Umsturzbrstrebungen.(Bravo rechts.) Die weitere Besprechung wird auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Schluß 5'/- Uhr._ parlamcntarirchcsv DaS HilfSkasscngesetz in der Kommission. Sitzung vom Montag, den 23. Oktober. AlS aufsichtssührende Reichsbehörde ist das kaiserliche AussichtS- omt für Privalversicherung in Berlin errichtet worden. Es be- steht aus einem Vorsitzenden und der erforderlichen Zahl der ständigen und nichtständigen Mitglieder. Alle diese Personen werden entweder vom Kaiser ernannt oder vom Bundesrat gewählt. Zur Mitwirkung bei der Aussicht wird ein aus Sach- verständigen des Vcrciiiswesens bestehender Beirat gebildet, dessen Mitglieder vom Kaiser auf fünf Jahre ernannt werden. Die Sozialdemokraten wiesen darauf hin. daß die Aufsichts- bebörde ein sehr weitgehende« Aussichtsrecht hat, eine fast un- beschränkte MachtbesiigniS soll jetzt auch der Aufsichtsbehörde gegenüber den Hilfskasicn eingeräumt werden. Dabei können aber die Arbeiter nicht das nötige Verständnis und �die nötige Unabhängigkeit bei den Mitgliedern dieser Behörde voraussetzen. Aus diesen Gründen beantragten sie, daß gegen Anordnungen, welche die AussichtSbehöcde auf Grund des Gesetzes über die privaten VersichcrungSunternehmungen erläßt, so- wie gegen die Verweigerung der Zulasiung, Berufung auf dem im 8 20 der Gewerbeordnung gegebene» Wege zulässig sein soll, daS heißt, im Wege des BerwaltungL st reitverfahre nS. Der Antrag wurde jedoch v o n allen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Daraus wurde der Antrag der Sozialdemo- traten beraten, der eine Schädigung der Kasten au« religiösen oder politischen Gründen verhindern sollte. In dem Gesetz ist nämlich an mehreren Stellen vorgesehen, daß ein Versicherungs- verein nicht zugelasten oder gcniaßrcgelt werden könne, wenn Tat- fachen vorliegen, die beweisen, daß die Tätigkeit des Versicherungsvereins gegen die guten Sitten verstößt oder verstoßen werde oder die Interessen der Miiglieder nicht gewahrt sind. Mit Bezug hierauf beantragten die Sozialdemokraten, daß die religiöse oder politische Ueberzeugung und die Betätigung derselben, sowie der Gebrauch de« VcreinSrechtS an sich, der Kossemnilglicdcr, des Kassenvorstandes und der Kassenangeftellten. so weit dies nicht gegen die Gesetze ver- stößt, nickt als Tatsachen für die Wirksamkeit des Vereins gegen die guten Sitten vdcr als eine Gefährdung der Interessen der Ver- sicherten anerkannt werden kann. Nach langer Verhandlung wurde der Antrag der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Konservativen. der N a t i o n a l l i b e r a l e n. des antisemitischen Abgeordneten B u r k h a r d t und des ZcntruniSabgeordncten I r l angenommen. Ferner hatten die Sozialdemokraten verlangt, daß das Reick diesen VersickerungSvereincn, sowie den Mitgliedern eines solchen Vereins den Schaden zu ersetzen habe, falls die nach dem Gesetz der privaten BersichcrungSunter- nehmungen zuständige Aufsichtsbehörde oder ein Beamter dieser Be- Hörde vorsätzlich oder fahrlässig die der Behörde oder dem Beamten obliegende Amtspflicht vorletzt hat. Auch dieser Autrag wurde von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Dagegen wurde der Antrag der S o z i a l d e m o k r a l e n gegen die Stimmen der Nationalliberalen»nd der Konservativen ange- nommen, der sichern soll, daß in diesen VersicherungSvcreinen die Mitglieder die nötige Kontrolle durch die Generalversainm- lung ausüben können. Hiernach muß die Generalversammlung min- bestens 4 Wochen vorher aus dem in der Satzung festgelegten Wege ausgeschrieben werden. Sind nach der Satzung Vertreter der Versicherlen zu wählen, so muß der Tag der Wahl mindestens 4 Wochen vorher bekannt gemacht werden. Außerdem muß zwischen dem Tage der Wahl und dem Zusammentreten derGencralversammlung eine Frist von inindestenS 14 Tagen liegen. Endlich müssen den gewählten Ver- tretcrn von der Kasse die Reisekosten und sonstigen Auslagen sowie der entgangene Arbeitsverdienst erietzt werden. Schließlich wurde aus den Antrag der Sozialdemokraten fast einstimmig beschlossen, daß der Ausschluß deS Rechtsweges wegen der den Mitgliedern zustehenden Rechte unzulässig ist. In der nächsten Sitzung(Dienstag) soll die erste Beratung des HilfSkassengesetzeS beendet werden. Serickts- Leitung. Schwere Ucbcrgriffe eines Schutzmann� kamen in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern in der Berufungsinstanz die 8. Strafkammer des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgerichtsrats Pauli beschäftigte. Unsere Leser cnt- sinnen sich des Falles aus dem Bericht über die Schöffengerichts-- Verhandlung. Wegen ruhestörenden LärmS und Uebertretung der Straßen- polizeivcrordnung waren der Invalide Otto Hertel und dessen Ehefrau Paula H. angeklagt. Der Angeklagte H. ist ein bemitleidenswerter Krüppel. Ihm ist- vor mehreren Jahren auf einem Bau ein mehrere Zentner schwerer Gegenstand auf den Kopf gefallen, wodurch eine schwere Gehirnerschütterung hervor- gerufen wurde. Da gewisse Teile des Gehirns verletzt worden waren, stellte sich bei ihm ein konvulsivisches Zucken sämtlicher Gliedmaßen und gewisse Lähmungserscheinungen ein. Da er in- folge seines Leidens häufig von Straßenjungen verhöhnt worden war. war er genötigt, sich des Abends von seiner Frau ausführen zu lassen. Als beide in der Nackst zum 15. Juli dieses Jahres durch die Koppenstraße kamen, begegneten ihnen unter der Bahnunter- führung die Schutzleute Wolfs und Schlag. Wie von mehreren Zeugen bekundet wurde, äußerte der Schutzmann Wolfs zu seinem Kollegen: Da kommt ja der besoffene Opapa! Als H. dem Beamten zurief:„Lassen Sie mich doch in Ruhe, ich habe Ihnen doch nichts getan," rief Wolfs seinem Kollegen zu: „Sieh mal, der Kerl wird noch frech. Du nimmst das Aas und ich nehme das Saustück!" Als Frau H. nunmehr gegen die Festnahme protestierte» wurde sie von Wolfs mit „alte H.. e" und„freches Frauenzimmer'« tituliert. Wie die Zeugen weiter beobachteten, setzte der Schutz- mann Schlag, als die beiden Angeschuldigten in die Polizeiwache hineingeführt wurden, ein Bein vor, so daß der Krüppel zu Boden stürzte. Als ein Zeuge, der den Vorfall beobachtet hatte, der Frau H. einen Zettel mit seinem Namen übergab, wurde cr von dem Schutzmann Wolfs mit den Worten: „Du AaS, Du willst wohl Zeugnis ablegen, Du kommst zur Wache mit!" arretiert. Ein anderer Zeuge, ein Kaufmann K., der sich auf der anderen Straßenseite aufgestellt hatte, wurde von dem Schutzmann Schlag ebenfalls mit den Worten: „DaS Aas war auch dabei!" festgenommen. Ein Handlungsgehilfe S. wurde am Kragen gepackt, in die Wache hineingezogen und im Flur geschlagen. In der Wache selbst wurden die Zeugen „Schwefelbande",„Lump" und„Strolch" geschimpft. Der Schutzmann Wolfs äußerte ferner noch zu Frau H.: „Dir Aas schiebe ich den Säbel bis zum Heft in den Nachen!" Gegen die Hertelschcn Eheleute, wie auch gegen die Zeugen K. und S. wurden polizeiliche Strafbefehle erlassen. Der jetzige Zeuge K. wurde vom Schöffengericht nicht nur freigesprochen, son- dern es wurden auch die ihm erwachsenen notwendigen Auslage» «nd die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auferlegt. Ein gleiches Resultat hatte bekanntlich die Verhandlung gegen die H.sschen Eheleute vor dem Schöffengericht. In dieser Verhandlung beschworen mehrere Zeugen, daß die Schutzleute jene Schimpfworte gebraucht hatten. Da diese bestritten, überhaupt geschimpft zu haben, wurde gegen sie— ein Meincidsverfahren eingeleitet, welches noch schwebt. Gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts bezüglich der Hertelschcn Eheleute hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, so daß sich nun die Strafkammer mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen hatte.— In der erneuten Beweisaufnahme be- stritten die Schutzleute Wolfs und Schlag wiederum, geschimpft zu haben, während der Zeuge K. und die übrigen Zeugen bekundeten, jene Schimpfworte deutlich gehört zu habem Als der Vorsitzende den Schutzmann Wolfs auf diesen Gegensatz aufmerksam machte und ihn aufforderte, sich hierauf zu äußern, trat Wölfs vor und erklärte:„DaS ist eine geineine»nd niederträchtige Lüge deS Zeugen!" Der Vorsitzende wies ihn auf daS Ungehörige seines Verhalten» hin.— Die Verhandlung endete damit, daß der Ver- treter der Anklage. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schwickerath, selbst die Berwerfung der von der Staatsanwaltschaft eingelegten Be- rufung beantragte, nachdem schon vorher bei Beginn der VerHand- lung die Berufung bezüglich des Ehemanns H. zurückgenommen worden war.— Das Gericht kam nach kurzer Beratung z« einer Freisprechung der Ehefrau, da sich bei den diametral gegenüber- stehenden Zeugenaussagen eine sichere Feststellung überhaupt nicht treffen lasse. Wird nun gegen die Schutzleute daS Strafverfahren eingeleitet werden? Weiber und Wetten haben den Bankbeamten Felix Goldbcck, der gestern unter der An- klage der Unterschlagung der 3. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, ins Verderben gestürzt. Der Angeklagte war in der Filiale einer hiesigen Bank als Effektenkassierer angestellt. Er lebte weit über seine Verhältnisse hinaus und sein Gehalt reichte nicht aus, um damit seine Ansprüche, die er an das Leben stellte, befriedigen zu können. So vergriff er sich denn an fremdem Eigen- tum: er entnahm den ihn anvertrauten Effektenbeständen der Kun- den nach und nach Wertpapiere in der Gcsamthöhe von zirka 42 000 Mark und ließ dieselben durch eine Mittelsperson bei einem Bank- institut in Höhe von über 29 000 M. beleihen. Der von ibm mit diesem Beleihungsgeschäft Beauftragte hatte keine Ahnung davon, daß es sich um eine verbrecherische Tat handelt. Ihm hatte der Angeklagte vorgeredet, daß die Papiere sein Eigentum seien, es ihm aber verboten sei, Spekulationsgeschäfte zu machen, so daß er behufs Bcleihung der Papiere ein anderes Bankinstitut angehen und sich einer Mittelsperson bedienen müsse. Als dem Angeklagten der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, verschwand er von der Bildflächc. Es wurde ein Steckbrief hinter ihm erlassen. Schließ- lich{tdlte sich der Angeklagte in Leipzig selbst der Polizei. Das Gericht verurteilte ihn nach dem Antrage des Staatsanwalts au 1 Jahr V Monaten Gefängnis._ Jener Kampf zwischen Schutzleuten und jungen Leuten, der sich am 17. August d. I. an der Oberbaumbrücke abgespielt hatte und damit geendet hatte, daß der Fürsorgezögling Treptow von einem Schutzmann niedergeschossen wurde, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Karsten die 11. Strafkammer des Landgerichts l. Aus der Untersuchungshaft wurden der zwanzig- lährigc Fürsorgezögling Bruno Treptow und dessen Bruder, der Arbeiter 3Iei»hold Treptow vorgeführt, um sich wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt bczw. versuchter Gcfangcnciibefrciung zu verantworten. Der An- geklagte Bruno Treptow ist wegen wiederholten Konflikts mit dem Strafgesetz in Fürsorgeerziehung gebracht. Da er sich in der Straußberger Erzichungsanstalt gut führte, wurde er mit der sog. Außenarbcit beschäftigt. Er benutzte die erste sich bietende Gelegenheit zur Flucht und kam nach Berlin zurück, wo er sich Hupte Zeit verborgen Jjtelf. Sein eigener Vater teilte der Polizei mit, daß sein Sohn sich in einer Kartoffclpufferbude an der Ober- baumbrücke aufhalte. Die Schutzleute Günterbcrg und Korn begaben sich daraufhin am 17. August dorthin, um den Flüchtling wieder einzusaugen. Treptow nannte erst einen falschen Namen, ergriff dann aber, als ihn der Schutzmann Korn für verhaftet erklärte, die Flucht. Er lief in die Kartoffelpufferbude hinein, wo es zu einer wüsten Szene kam, da T. von anderen Hilfe erhielt. Dem Schutzmann Günterberg wurde der Säbel entrissen, er selbst wurde zu Boden geworfen und erlitt verschiedene Verletzungen, darunter mehrere Münden, die von Messerstichen herrührten. Als sich die beiden Beamten kaum noch der Uebermacht gegenüber halten konnten, kam der Schutzmann Schulze hinzu, der von Passanten benachrichtigt worden war. Als Treptow mit einem blitzenden Gegenstand auf ihn losstürzte, gab der Beamte einen Schuh aus seiner Browning- Pistole ab, der T. zu Boden streckte. Die Kugel war ihm in die Brust gedrungen und hatte eine lebensgefährliche Verletzung ver- ursacht, so daß T. längere Zeit im Krankenhause mit dem Tode kämpfte.— Bei dem Exzeß versuchte der Mitangeklagte Neinhold T. seinen Bruder den Schutzleuten zu entreißen.— Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt gegen Bruno T. 1 Jahr 6 Monate und gegen Reinhold T. 3 Monate Gefängnis. Mit Rücksicht darauf, daß es sich bei Bruno T. um einen äußerst gewalttätigen Angriff gegen die Schutzleute handelte, ging das Gericht bei ihm noch über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. Das Urteil lautete gegen ihn auf 1 Jahr und 8 Monate Gefängnis und 3 Wochen Haft und gegen Reinhold T. auf 3 Monate Gefängnis. )Ziis aller Melt. Probinzstadt der mit ver» Köpenick in der Republik. Aus Paris wird uns geschrieben: In der G r a n v i I l e sitzt jetzt ein Hochstapler in Haft, blüffender Dreistigkeit die Ehrfurcht ausgebeutet hat, die der Anblick einer Uniform auch in der Bourgeoisrepublik erweckt. Louis C o g n e l hat mit seinen 3o Jahren schon eine stattliche Reihe groß- artiger Schwindelunternehmungen hinter sich. Ursprünglich Hilfs- beamtet der Seinepräfektur, ließ er sich bald auf einträglichere Ge- schäfte ein, die ihn jedoch mit den Gerichten in Konflikt brachten. Er verschwand plötzlich und tauchte dann unter dem Namen Corbineau in Le Maus auf, wo er ein Bankgeschäft eröffnete, das riesigen Zulauf bekam, besonders als er die russische Rente von 1906 unter dem Emissionskurs verkaufte. In einem einzigen Jahr machte er einen Umsatz von mehr als hundert Millionen. Dabei gingen von dem anvertrauten Geld etliche hunderttausend Franks in seine Taschen. Nach einer abenteuerlichen Flucht und merkwürdigen Erlebnissen in den Balkanstaaten— in Athen lebte er als„Graf Fronsac, Konsul der Republik Liberia" und trug eine prachtvolle Diplomatenuniform— wurde er verhaftet und 1908 vom Gericht in Le Mans zu zwei Jahren Gefängnis ver- urteilt. Nach Abbüßung dieser Strafe gründete er zunächst unter seinem wahren Name» in Paris eine Bank dem tönenden Titel„Credit colonial und agricole" verdufte dann unter Mitnahme der Depots. Eine Unternehmung war die am Anfang dieses Jahres gründete„Französisch- italienische Gesellschaft der afrikanischen und südamerikanischen Staaten. Cognel suchte seine Opfer hauptsächlich auf dem Weg der Annonce. Jungen Leuten, die 10000 Fr. einzuzahlen hätten, bot er glänzende Situationen in Peru an. Zunäckist aber übergab unter und neue ge� er den Einzahlern ein Diplom, das ihnen da? Recht auf daS Tragen einer glänzenden Uniform erteilte. Er selbst nannte sich„Eeneralkontrolleur der Kolonien" und trug eine Art Generalsuniform. In dieser unternahm er, von einem uniformierten Generalstab begleitet, eine Rundreise durch Italien, wo er von vielen Munizipalbehörden ehrfurchtsvoll empfangen wurde. In Turin erschien er in vollem Pomp auf der Ausstellung und trat von dort an die italienische Regierung heran, um Zöglinge für eine„Kolonialschule" zu rekrutieren. Ein naiver Doktor der Rechte in Brescia gab ihm 10000 Lire und bekam dasür den Titel„Kommissär-Adjunkt" sowie natürlich auch eine Uniform. Im Juli kaufte Cognel e i n S ch l o ß in DelleS bei Granville— mit dem Geld, das er hauptsächlich einem pensionierten Gen- d a r m e n abgeknöpft hatte. Er nannte sich jetzt Graf Durand de Bellefond de Gournet und verkehrte in der konservativen aristokratischen Gesellschaft, mit Vorliebe mit Offizieren. In seiner Uniform wohnte er auch, von niemand beanstandet, den Manövern beil Dann gründete er die Schule. In der Zwischenzeit hatte er in Paris die Bekanntschaft einer blutjungen Putzmacherin gemacht. Er nahm diese„Braut"— er ist übrigens schon zweimal verheiratet— samt ihrer Mutter und deren Liebhaber, der als ausgedienter Kavallerist Reitlehrer werden sollte, nach Delles mit. Der brave Pfarrer von Delles fühlte sich hochgeehrt, in dieser vornehmen Gesellschaft verkehren zu dürfen. In seinen Tischgesprächen liebte der„Graf" besonders gegen die Gottlosigkeit der modernen Erziehung loszuziehen. Der Pfarrer mußte dann auch noch die neue Anstalt einsegnen. ES ging dabei ungemein feierlich zu. Die Angestellten waren in Reih und Glied aufgestellt, auf dem Giebel wurde unter Fanfaren- klängen die Trikolore gehißt und tiefgerührt versprach der Pfarrer dem Grafen und den künftigen Kulturmissionären von Peru Ehrenplätze in der Kirche. Die Feier aber war kaum zu Ende, als die Gendannen den „Grafen" abholten. Er verweigerte zuerst jede Aussage, entschloß sich aber nach einigen Tagen, seine Identität aufzuhellen.„Ich habe mich wie ein Rekrut benomnien", meinte er beschämt, weil er sich hatte erwischen lassen und niedergeschlagen war wegen dieses Ver- falls seines Talents._ auS dem Grubenschacht herausgeschleudert. Etwa dreißig Bergleute sind in der Grube ein- geschlossen. Ueber das Schicksal dieser Verunglückten liegen noch keine Nachrichten vor. m Riesenbrand in Konstantinopel. Am Sonnabendabend kamen in den fast ausschließlich von Türken bewohnten Stadtvierteln B a j a z e t und K u m- K a p u gleichzeitig Brände aus, die einen riesigen Umfang annahmen und die Stadt» teile fast völlig zerstörten. Erst gegen zwei Uhr nachts konnte man des Feuers Herr werden. Schuld an der Ausdehnung des Brande? trug Wassermangel, der eine wirksame Be- kämpfung des Brandherdes fast unmöglich machte. Neben mehreren hundert Wohnhäusern sind eine Moschee, eine per- fische Schule und verschiedene Paläste vernichtet worden. Die Schätzungen des Materialschadens schwanken zwischen 200 000 und 400 000 Pfund. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu be» klagen. Während deS Brandes wurden über fünfzig Diebe verhaftet. Der Brand rief in Stambul große Aufregung hervor. da ein Uebergreifen auf die angrenzenden dicht bevölkerten Stadt- viertel befürchtet wurde._ Der Alkohol. Böse Folgen hatte eine Bierreise, die in Luckenwalde der Tischler Hinze und der Schornsteinfegermeister Schicke am Sonntagabend unternommen hatten. Nachdem die beiden verschiedene Lokale besucht halten, begaben sie sich in ziemlich angeheitertem Zustande in die Wohnung des Hinze. Hier zog Hinze im Scherz einen Revolver. Schicke glaubte sich bedroht, entriß seinem Kumpan die Waffe und gab auf ihn drei Schüsse ab. Während zwei Kugeln fehl- gingen, drang die dritte dem Hinze in den Mund, durchbohrte Zunge und Hals und blieb im Rücken stecken. Den Ver- letzten brachte man nach einer Berliner Klinik; der Täter wurde ver- haftet._ Grubenkatastrophe in Nordamerika. Wie ein Telegramm aus New Aork meldet, hat am Mon- tag in dem Kohlenbergwerk Orzara im Staate Illinois eine furchtbare Explosion stattgefunden. Durch den Luftdruck wurden die Leichen von zwei Bergleuten Kleine Notizen. Dreister Ueberfall. Am Montag mittag wurde der in der Taborstraße in Wien etablierte Juwelenhändler Stock in seinem Laden von zwei„schweren Jungen" überfallen. Der Geschäfts- inhaber wurde durch zwei Revolverschüsse schwer ver- letzt, dann raubten die Spitzbuben«ine Menge wertvoller Schmucksachen und 800 Kronen bares Geld. Von den Tätern hat man ein genaues Signalement, doch ist man ihrer noch nicht habhaft geworden. Sturm auf dem Atlantischen Ozean. Während eine? Sturme?, der den ganzen Sonntag dauerte, ist an der Küste Portugals der portugiesische Kreuzer„Raffael" gestrandet. Das Schiff gilt als verloren. Die Mannschaft konnte gerettet werden.— Derselbe Sturm verursachte an der englischen K ü st e den Schiff- bruch von etwa 60 Jachten und kleineren Booten. Auch in mehreren englischen Hafenstädten hat das Unwetter großen Materialschaden angerichtet. Eine Pulverfabrik in die Luft geflogen. Die staatliche Pulver» fabrik in Tokio ist einer Explosion zum Opfer gefallen. Etwa 4000 Kilogramm Pulver explodierten; zwölf Personen wurden dadurch getötet, neun verwundet. Ucderfall auf eine türkische Post. Am Montag wurde die von Mona st ir nach S kuta ri fahrende Post in der Nähe von E l b a s s a n durch eine Räuberbande überfallen. Den Banditen fielen gegen 30 000 türkische Pfund in die Hände. Schwerer Eiscnbahnunfall. Auf dem Bahnhof Trzebinia an der galizisch-russischen Grenze fuhr am Sonnlag ein Güterzug, der daS Haltesignal überfahren hatte, auf einen anderen auf. Ein Beamter wurde getötet, v i e r w ur d en s ch w er v er- letzt, dreißig Wagen zertrümmert. ßriefkafteii der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstitten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats tn der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- eremplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. E Todes-Anzeigen Sozi&Ideinokratisciier WaiilvereiD für den jur uuu l.BerlioerReiebstapalreis. Köpcnicter Viertel. (Bezirk 20« I.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Leder- arbeitcr ftnil Korpion Wrangelstraße 58 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Nittwoch, den 25. Oktober, nach- nitlags 4 Uhr, von der Leichen. lalle des Zentral-Friedhoses in friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Mand der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Portefeuiller Emil Korpion Werkstatt I. Köper verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. MtS, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofs tn FriedrichSselde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 158/5 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer WablverelD für den L Berl. leictotags-IaWb'cIs. Görlitzer Viertel. (Bezirk 217 II). Den Mitgliedern zur Nachrichi, daß unser Genosse, der Arbeiter Heinrick Gutsche Wiener Str. 57 gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Oktober, nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des ZcntrnI-FricdhoseS in FriedrichSfcldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Ziiiialijeiiioki'alisckNaMei'eiii des i Berl. ReiebstapabMes, Todes- Anzeige. Am 22. Oktober verstarb unser Genosse, der Gastwirt Otto Lehmann Seestraße 25. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Oktober, nach, mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoses. >t-eestraße. Ecke Müllerstraße, aus statt.— Um rege Beteiligung ersucht ver Voi-stnnd Sozialdemokratischer Wablverein ISrltz. Am 21. Oktober verstarb unser Genosse, der Buchdrucker Riehard Greischei an Kehlkopsschwindsucht. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. M.. nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Britzer Gcmeinde-Fricd- Hajes auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 204/2 Der Borstand. Oentisetier Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen. arbeilcr »einrieb Heidenreicb Grimmstraße 8, im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 24. Oktober, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des alten LuisenkirchboseS in der Berg mannstraße aus statt. 91/3 Die OrtSverwaltunq. Oeutsclier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes•Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unier Mitglied, der Metallarbeiter Hicbard Stolzenburg am 21. Oktober an Nervenleiden gestorben ist. 124/20 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet den 25. Okiober, am Mittwoch, den 25. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des St. George»-tkirchhoss in Weißensee, Rvlckestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet vie Ortsverwaltnng. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau I-nis« Wienbrak sage allen Freunden, Bekannten und Kollegen meinen herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte. Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., Brunnenstraße 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, killte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Wand der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend. Am Freitag, den 20. Oktober, verstarb unser Mitglied ksrl TannkSuser vom Pslanzeroercin.NamcnloS". Wir werden dem Toten«in ehrendes Andenken bewahren. 12226 Der Borstaud. Die Beerdigung findet Dien«. tag. 24. d. M.. nachm. 2 Uhr. von der Halle deS Rixdorfer Gemeinde- nstedhoss aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdi- gung unterer zu srüh dahin- geschiedenen lieben Tochter. I Schwester, Schwägerin und Braut I Berta Hanschke sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, ins- besondere den Stammgästen von P. Dänst, den Kolleginnen der A. E.-G., Abt. NE u. Ms. Dr.. den beteiligten Kollegen der F. Weber u. Hampel, sowie den Mietern des Hauses Hochstr. 34 Str. 29 unseren und Schönwaldcr herzlichsten Dank. 123IB Familie Georg Hanschke Max Betge. Danksagung. Für die vielen Beweise heizlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben lieben unvergeßlichen Vaters, des Steindrucke- s Ott« Kanitz Seal von 9,50 an, Persianer, imit., von 6,59 an für cleg.Dainen-Palciots. Tuchlager Koch& Seeland G. rn. b H. Gertraudlenstr. 20-21, Ä'S: sagen wir allen VerwandtenDreunden und Bekannten, inSbe/ondere der Direktion der Firma Karl Ernst u. Ko. sowie den Kollegen und Kolleginnen, dem Verband der Lithographen und steindrucker und den Sängern unseren innigsten Dank. vie trauernden»interdliedenen Kranken-Keiik issen, jedeHöhe stellb. Gr. Hilfe f.Asthrna.Herz leid. n. Wochenbett. Preis 20 M. Fahr- u. Ruhestühle. Preisl. 98b ffrat. u. franko. R. JAEKEL-, Berlin, Markgrafenstraße 20. München, Dionerstr. 6 Spezialhans Stnil Lefevre Berlin, Oranieustr. 158 AbgcpaBte Fenster, p.Fenslei2ss,3M!S-60M Imit. Point-Iace-Gardinen, 050 p. Fenster M. 9 Elegante Sezessions-TBII- Stores...... M. Gestickte echte Spachtel- Stores...... M. 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Wie das Scharfmachertum gewissenlos Existenzen vernichtet, dafür bringt die„Deutsche Jndustriebcamten-Zeitung" in ihrer Nr. 21 wieder einmal ein charakteristisches Beispiel: Als jüngst bei der Firma Tcichert u. Sohn, Liegnitz, drei Techniker ihre ä�stündige Arbeitszeit gekürzt und einige andere Mißstände abgestellt haben wollten, wurde ihnen diese Bitte nicht nur rundweg abgeschlagen, sondern auch noch gleichzeitig ihre Stellung gekündigt, wobei es an Beleidigungen durch den Chef nicht fehlte. Trotzdem blieben die Angestellten fest uird beharrten auf ihren Forderungen. Als nun die Firma den gewünschten Erfolg ihrer brutalen Matzregel aus- bleiben sah, gab sie ihrem Aerger über die Standhaftigkeit ihrer Angestellten dadurch Ausdruck, datz sie den Gesamtverband Deut- scher Metallindustrieller beranlaßte, die gekündigten Angestellten obendrein noch auf die schwarze Liste zu setzen. Das Rundschreiben des Gesamtverbandes, in dem die drei Techniker in Acht und Bann erklärt werden, enthält als Begründung dieser Maßnahme eine Darstellung, wonach sich die Genannten vorher mit dem bei der Firma Teichert bestehenden Arbeiterausschutz in Verbindung ge- setzt hätten, um sich im Falle einer Nichtbewill'gung der gestellten Forderungen seine Unterstützung durch einen eventuellen Streik der Arbeiter zu sichern. Diese Behauptung aber ist, wie die „Deutsche Jndustriebeamtenzeitung" nachweist, einfach aus der Luft gegriffen. In Wirklichkeit ist vielmehr ein Mitglied des Arbeiter- ausschusses, ein Monteur, an einen der Techniker herangetreten und hat ihm in Aussicht gestellt, datz, wenn die Firma die jetzigen Angestellten entlasse, die Arbeiter konsequent anständige Zeichuun- gen verlangen würden. Zur Abgabe dieser Erklärung ist er aber weder ermuntert worden, noch wurde er aufgefordert, dafür zu sorgen, datz die Arbeiter sich dementsprechend verhielten. An einen Streik der Arbeiter dachte überhaupt kein Mensch. Charakteristisch für den Gcsamtverband Deutscher Metallindustrieller ist die Tat- fache, datz der Verband die Proskription der Angestellten auf die einseitigen durch und durch unwahren Informationen der Firma gründete und es nicht für nötig erachtete, den wahren Sachverhalt zu erforschen. Vor Gericht kann sich jeder Angeklagte auch bei der geringsten Bagatellsache ausgiebig verteidigen. Hier fällt eine private Instanz Urteile über Sein und Nichtsein, ohne den Beschul- fcigten überhaupt gehört zu haben. Hoffentlich strengen die aus die„schwarze Liste' gesetzten eine Schadensersatzklage an.__ Wie eS in einer Betrirbskrankenkaffe zugeht.' In einer sehr zahlreich besuchten Betriebsversammlung beschäf- iigten sich die Arbeiter der Firma Seifert, Heegermühle, mit der Behandlung, die erkrankten Arbeitern der Firma in der Betriebs- Irankenkassc zuteil wird. Seit langer Zeit ilagen die Arbeiter des genannten Betriebes über eine sehr rigorose Behandlung durch den Vorsitzenden der Kasse. Durch den Referenten wurden eine Anzahl Fälle zum Vortrag gebracht. Man hat es danach mit einer Be- triebskasse zu tun, die die Schädlichkeit dieser Kassenart in Rein- kultur zeigt.„Man kann uns doch nicht zumuten, kranke Arbeiter einzustellen und zu beschäftigen," sagte Herr Seifert kürzlich vor Gericht, und nach diesem Grundsatz wird auch die Behandlung in der Kasse ausgeübt. Kranke Arbeiter bekommen die Entlassung ins Haus geschickt. Einem Arbeiter, der sich einer Blinddarm- operation unterziehen mutzte, wurde zugemutet, einen Teil der Kosten zu tragen, weil der Arzt ihn nicht nach dem Augufta Viktoria- Krankenhaus, sondern nach dem Sanatorium Drachenkopf zur Operation geschickt hatte. Der Arzt hatte dies getan, weil nach seiner Meinung der Operateur im Sanatorium die größere Gewähr für das Gelingen der Operation bot. Natürlich weigerte sich der Arbeiter, etwas zu den Kosten beizutragen; ja, er war sogar so frei, das ihm durch das Statut gewährleistete Recht, die ersten drei Tage der Krankheit ebenfalls entschädigt zu verlangen, weil er mehr als vier Wochen krank war, in Anspruch zu nehmen. Sie sollten ihm zunächst nur gewährt werden, wenn er pro Tag 1 M. zu den oben erwähnten Kosten beitragen würde, die man ihm eventuell vom Lohn abziehen würde. Man hat dann allerdings davon Abstand genommen, vermutlich, weil man sich inzwischen überzeugt hatte, datz«in solcher Abzug unzulässig ist. Ein anderer Arbeiter beauf- tragte eincu Kollegen, ihm das Krankengeld mitzubringen;' die Auszahlung wurde diesem verweigert, der Kranke sollte selber kleines feuilleton. 25 Jahre BcrlagStätigkeit. Der Verlag von S. Fischer in Berlin blickt in diesen Tagen auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Wirk- samkeit zurück. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit der des deutschen Naturalismus/.U. Ehren- und Vorzug«karten gültig l Relekslralleii-Theslek'. Stetflner Sänger Heute: Erste« Gastspiel Peheli Steidl. i IQ Kurf ürsten(lamm 151 nahe Bahnhof Charlottenburg und Halensee. Vorlflhrungen: Wochentags 4Vu 61/» und 9 Uhr. Letzte HauptvoriOhrungabtndiO Uhr. Eintrittspreise: Ausstellungshalle 50 Pf. Vorführungehalle 80 Pt Vorverkauf bei A. Werthelm und Invalldandank. vöii�chÄT Rixdorf, Hermanustr. 80. Sonntag. 89./10.: Der tolle Rittmeister. Milstärische« Drama in 3 Akten von Dr. E. Stllgebauer. Montag, 30./10: Jugend. Drama in 3 Akten von Max Halbe. Cssina-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Allabtudlich der neue Kerliner Nossen-Schlagkr Der selige Hollschinsky. Sonnt. 3'/, Uhr: ein Weib a. d. Volke. jZirkus �+ L jA. �chnmann Heute abend 71/, Uhr; Gala-Vorstellung. I Frl. Dora Schumann, Frei- | heitsdressoren. The 4 flying- boYS. 3 Geschwister Canales. Neue interessante Sportsniele geritten v. 8 Herren. AuBer- dem die übrigen Kunstkräfte. 19'/. 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Hacker, Auguststrabe 89. 24. KmmmlnDeD. Dienstag, den 24. Oktober, abends 8'/, Uhr, in den Union-Jälen, Greifswalder Str. 22: Oeffentliche Wählerversammlung. Tageä. Ordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. Referent: Stadtverordneter fers. Lwsls. 2. Diskussion. s. Aufstellung des Kandidaten. Zahlreiches Erscheinen erwartet L23/1S Der Einberufer: E. Rosemann, SBinäfir. 64. Donntag, den 29. Oktober. abeudS 7 llhr, tn„M«er»er» Ee>t- «Nlen", tloppenstr. 2va. Zur Aufführung gelangt:„Der Vr»t von iinxenibarff". Billett 50 Pf. Bodenleger. DienStag,»«« 84. Oktober, abends 0 Mir. im GewerkfchaftShauS, Engel llfer»5, Saal l: Braucken'Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Branchenangelegenheiten. KautWer, Möbeltisliiler, Polirrer, Maslhinevarbtittr, Äktch�itk Uklll. Bemlrk Korden. (Ro.enthalor and Schttnhaaser Vorstadt.) Mittwoch, den SS. Oktober, abendS 8 Uhr. bei Obtgl», Schwedter Str. SS: Gemeinsame Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Eenoffen Liebknecht. L. Verbands« angelegenheiten._ Schirmmacher. 15. Oktober, abendS 71/, llhr, bi A» der Stralauer Brücke S: Versammlung Mittwoch, den SS. Oktober. abendS 7'/, Uhr. bei Lehmann. A» der Stralauer Brücke S: Mittwoch, den 28. Oktober, abends 8'/, Uhr, im«ewerkschaftS- hau«, Eugelnfer IS, Arbritalosensaal Korbmacher. 5. bau«, WDW Versammlung v.« Tagesordnung: J. Bortrag deS Kollegen Redakteur Kistncr. 2. Bericht der Kommiffion. Kranche der Sürßen- und plnstlmncher Serlins und Nwg. Mittwoch, den 2S. Oktober, abends 8'/, Uhr. im Lokal Drenv, Holzmarktstr.«3; Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Fortschritt, in der Burstenmacherbewegung. Referent: Kollege Schmalbach. 2. Lranchenangelcgenheiten.— Mitgliedsbücher sind mit« zubringen. Branche der Jalonstearbeiter. Mittwoch, den 23. Oktober. abendS«'/, Uhr. bei B o e k e r. Weberftrafte 17: Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen ThomalSke über:.Bau- gewerbliche Fragen'. 2. Bcriql von der Äcmralvtrfammlung. 3. Lranchm- angelegenheiten. Perlmutt- und Knopfarbeiter. Mittwoch, den SS. Oktober. abendS 6 Uhr. im SewerkschaftShan». . Engeluser 13(Saal S): Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Dortrag des Kollegen W. Güth über.Arbeitsnachweis'. 2. Cc» "cht von der Generalverfamnilung. d. Wahl der Kommiffion. Achtung! Jugendliche Holzarbeiter! � Versammlung Mittwoch, den 25. Ottober, für dle«ezlrke Osten l. II und HI bei Derxemanu, Boxhagener Str. 26? für den SSde«, Südweste». Südosten I und H bei Eteke, Schönleiiistr. S Tagesordnung: t. Dortrag. 2. DiSkuffion. 3. BerlchicdeneS. Die Versammlungen werden pünktlich um 8 Uhr eröffnet. Unser« Kollegen werde» gebeten, die Jugendlichen auf diese Versammlungen aufmerksam zu machen. 91/8 Die Jagendkonmitnloa. Sozialdeutokratiseber Wahlverein des vierten Berliner fteiebstags-Wahihreises. Dienstag, den 24. Oktober 1911, abends S% Uhr: Oeffentliche Versammlung in den Konkordia-Festfälen, Andreasstr. 64. Tagesordnung: l. Die Sozialdemokratie im Rathaufe. Referent: Stadtverordneter w. smnasse. 2. Diskussion. 3 Aufstellung der Kandidaten zur Stadt- verordnetenwahl. Zahlreichen Besuch erwartet 222/18' Der Einberufer. Baal HolTmann, Königsberger Str. 28 "ü Sozialdemokratiseher Vahiverem des Kl. Berliner Reiehstags-Wahlkreises. DM Dienstag, den 24. Oktober 1911, abends 8'/- Uhr,"�61 in den yharus- Sälen, Müllerstr. 142: General-Uersammlung. TageS-Ordnung: i. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. Referent: Stadtv. Genosse Dr. Weyl. 2. Aufstellung der Kandidaten. Mitgliedsbuch legitimiert! 232/2' Der Vorstand. Orts-Krankenkafse für da» röpfergeiverbe zu Berlin. Zur Vornahme der Wahlen der Vertreter zur Gcncralverfammiung laden wir in GemSsiheit der§§ 48 und 63 des Kassenstatuts die Herren Arbeitgeber zur Neuwahl von 14 Vcr- tretern und die großjährigen Kassen» Mitglieder zur Neuwahl von 28 Vor- tretcrn und 28 Erlatzvertretern aus Mittwoch. 1. November 1011, abeuoS von 7—9 Uhr. nach dem Lokal.Königftadt-Kasino'. Holzmartstr. 72, hiermit ergebensl ein. Die Wahlen finden in getrennten Wahlgängen(Arbeitgeber und Arbeit- nebmer) statt. Für die Kasienmitglieder dient als Leginmation eine vom Arbeitgeber auszustellende Bescheinigung über das Arbeitsverhältnis. Gleichzeitig beraumen wir die D r d e n t II che General-Versammlung auf Montag. 13. November 1911. abendS 8 llhr, in demselben Lokal an. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mitteilnngen. 2. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Jahresabrechnung für 1911. 3. Wahl von 6 VorstandSmit- gliedern(2 Arbeitgebern, 4 Arbeit- nehinern). 4. Beschlußfassung betreff» Ein« sührung freier ärztlicher Be- Handlung der Familicnangehö» rige» der Kassenmitglteder. 5. Berschiedencs. AlS Legitimation ist die schriftliche Einladung mitzubriilgen. 279/14 Der Vorstand. Alboei Gotisch, Max Markmann, Schristsührer. 1 Vorsitzender. Klnmen- und Kcnnfliindmi von Robert Meyer,* mir Momittitn-Stroße 2. Sektion der Gips- n-Iementbiomhe Mlttaoeb, den LS. Oktober 1911, abends O Uhr, gleich nach Feierabend, bei Jannasctak, Jnsclstr. 10: Firmen- Versammlung für alle bei der Firma Herm. Nimz, Nachfolger Adolf Wildhagen beschäftigten Putzer, Träger und Rabitz- spanner. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Wir ersuchen alle bei der Firma Wildhagen beschäftigten Kollege» für einen guten Besuch der Versammlung zu agitieren. 140/14 Der Sektionsvorstand. ». » MM Filiale Berlin I. Uni- nnl MnsMiir und nen Die nStag, den SS. Oktober»Sil, abcnbS 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung w den Rrminhallen. Kommandantenstr. S8/öS. Tagesordnung: 1.»Der Kampf umS Recht.« Neserentin: Frau Friedländer. 2. Mitteilungen auS der Branche....... Wir fordern unsere Kollegen und Kolleginnen aus, zahlreich und pünktlich in dieser Bersammlung zu erscheinen. Niemand darf fehle«! 184/9 Die Kommission. Zentralverband der Schmiede Zahlstelle Derlln. Bureau und Arbeitsnachweis- Linienstr. 73.— Telephon: Amt IN, 9714. DonnerStag. den 20. Oktober 1911. abends 8'/, Uhr. bei Doekcr, Weberstraße 17: Ordkiltlilhe Gciicliil-Ncrsnmmlnng. Tagesordnung: 1 Abrechnung vom dritten Quartal lSll und Bericht de» Vergnügung», komtieeS. L. Aiitrag der Revisoren aus Gehaltserhöhung der Angestellten. 3. Anträge und Verschiedenes. 176/13 e« ist Pflicht aller Kollegen, zu dieser wichtigen Versammlung zu er- scheinen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne Mitgliedsbuch kein Zu. tritt. IHe Ortsverwaltnng. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. BerwattnugSstelle Berlin Hauptbureau: Charitöstr. 3. Hos III. Amt 3. 1937. H.& P. Uder, irÄ'l: Tabak-Großhaudlnug und Tahaktabrik. Spezialitat: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Manewacker, grimm a Tviepel ' Stets Irisch zu den äußersten Engrospreisen.- - Amt IV, 3014.===== MM f. Teilzahlung liefert auf bequem bei kleinster Ansahinns In bekannter QOte (mit griSter Rflcksleht bei Krankheit and Arboitslasigkeit) E.Cohn)Cr.Fraiikfurterstr.58. Mittwoch, den 25. Oktober er., abends S'/z Uhr: MgUeüer-Versammlung der Klempner in den„Alnsiker- k'vstsillen", Kaiscr-Wilhelm-Straße 18m. Tagesordnung: 1. Dortrag des Reichstagsabg. Genosse Deine über:„Die gcwerk» schaftlichc» Tarifverträge und ihre juristische Bedeutung'. 2. Diskussion. 3. Branchen, und BerbandZnngclcgenhcitcn. In Anbetracht des besonders wichtige» Vortrag» für unsere Kollegen ist unbedingt notwendig, daß ein Jeder erscheint. Die Kollegen von solgendc» Finnen sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen: Gärtner- Bcussclstr., Gelster-Stutmftr., Hirson-Ltchlenbcrg, Sohrötor-Rixdors, Pokora- Rixdors, Stohenderg-Schöneberg, Oennecko-giii beitnu u. lZioringer-Südende. nitslledsbuch lesitlmlert. Mittwoch, den 25. Oktober er.» abends O'/z Uhr: VersammBung aller w letallfchleifereien«. galvanisch. flnitalteN tefebäf tigten Kollegen u.RoUeginnen in den Armiuhallcn(gr. Saal), Kommandantenstr. 58/59. Tagesordnung: 1. Vortr-ag des Arbetlcrsckrctärs Genossen A. Ditter über:»De» Arbettsvertrag im modernen Erwerbsleben-. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhetten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir zahlreichen Besuch. Kltgllcdsbuch lesitlmlert. Mittwoch, den 25. Oktober er., abends 6 Uhr: Versammlung der chirurnifchen Branche im„ItosentlKalsr Hok", Roscnthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Berichierstattung über die diesjährige Tar-isbewegung der Hartgummi» arbeiter. 2. Branchenangelegcnhciten. 3. Verschiedenes. Kollegen k In dieser Versammlung werden s e b r wichtige Branchen- angelegenheiten besprochen. Es ist deshalb notwendig, daß jeder Kollege für einen Massenbesuch agitiert. Mittwoch, den 25. Oktober ct., abends S'/z Uhr: Mgliecker.yeriammliing der Gold- und Silberarbeiter u. verw. Berufsgenoffen im„Vrvadvner IZartoa", Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Keiiossen»avldsohn über:»Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung'. 2. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünttliches Erscheinen wird erwartet. Mittwoch, den 25. Oktober er., abends 8-/, Uhr: MM" Versammlung-Tü der Graveure«nd Ziseleure in den„Korona- l'rnchtsttlen", Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herr» Dr. Plefincr über:»Soziale Ursachen der Nervenerkrankungen'. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 124/9 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Ortsverwaltnns. früMfn Qxifljehm.'Drogcrien u, MmngsmMLesÄÄW Jedes Wort 10 Pfennig. Das leHfedruckte Wort 20 Pf«,(zulässig 2 lettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als 15 Buchttaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen( ANZEIGEN fflr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition. Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt. Vorwärts' etern. Teppiche, Farbcnjcbler, jetzt jabcl- bnjt billig. 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Tagesordnung: t. Vortrag deS Reichstags- abgeordneten Genossen Dr. S ü d e l u m. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten für die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen. S. Verschiedenes. Wir machen die Parteigenossen darauf aufinerksam, dasz der Vortrag pünktlich um V29 Uhr beginnt, und bitten um rechtzeitiges Erscheinen. Der Vorstand. Schöneberg. Heute, Dienstag, dm 24. Oktober, abends 8 Uhr: Wahlvereinsversammlung in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8. Tagesordnung: Bericht der sozialdemokratischen Fraktion. Diskussion. Aufstellung der Kandidaten. Verschiedenes. Berliner Nachrichten. Aus der Arbeiter-Krankenversicherung Berlins bringt die Gewerbedeputation des Magistrats alljährlich tu ihren Verwaltungsberichtcn einige Hauptzahlen. Sie geben eine statistische Uebersicht über die vom Magistrat zu beaufsichtigenden Krankenkassen, das heißt über die Orts-, die Betriebs-, die Jnnungskrankenkassen und über die Gemeinde- Krankenversicherung. Den neuesten Verwaltungsbericht der Gewerbedeputation, der das Etatsjahr 1910(1. April 1910 bis 31. März 1911) behandelt, hat der Magistrat jetzt veröffentlicht. Der Bericht zeigt, wie sehr die Mehrung der Kassen Mitglieder, die nach einer Periode des Rückganges im vorletzten Jahr wieder ein- gesetzt hatte, im letzten Jahr fortgeschritten ist. Bei Schluß des Etatsjahres 1910, am 31. März 1911, standen' außer der Gemeinde-Krankenversicherung 140 Krankenkassen unter der Aufsicht des Berliner Magistrats. nämlich 54 Ortskrankenkasien, 67 Betriebskrankenkassen, 19 Jnnungskrankenkassen. Im Laufe des Jahres hatten sich die Betriebskrankenkassen wieder um 2 und die Jnnungskranken- lassen um 1 vermehrt, dagegen war die Zahl der Ortskranken- lassen unverändert geblieben. Die durchschnittliche Mit- g l i e d e r z a h l für das Etatsjahr 1910 war bei allen hier in Frage kommenden Krankenkassen zusanmien 786 138, gegenüber 738 955 im vorhergehenden Jahr. Die Zunahme betrug diesmal 47183, das sind 6,39 Prozent des durch- schnittlichen Mitgliederzahl des vorhergehenden Jahres, während in 1909 die Zunahme sich auf nur 1,83 Proz. ge- stellt hatte. Wieder ist über eine besonders starke Mehrung der weiblichen Kassenmitglieder zu berichten. Von 1909 zu 1910 stieg die Durchschnittszahl der männlichen Mitglieder von 447 327 um 24410 auf 471737, d. h. um 5.46 Proz., die der weiblichen Mitglieder von 291 628 um 22 773 auf 314 401, d. h. um 7,81 Proz. Sehr ungleich sind auch wieder die verschiedenen Kassengruppen an der Gesamtzunahme beteiligt. Die Mitgliederzahl hat sich gegenüber dem vorhergehenden Jahr ge- mehrt bei den Ortskrankenkassen von 541 421 um 28 255 auf 569 676. um nur 5,22 Proz., bei den Betriebskrankenkassen von 143 160 um 17 848 auf 161 008, um 12,47 Prozent, bei den Jnnungskrankenkassen von 54 298 um 1061 auf 55 359, um 1,95 Prozent, bei der Gemeinde krankenversicherung von 76 um 18 auf 94. Immer wieder haben die Betriebskrankenkassen die stärk st e Mitgliedervermehrung, diesmal 12,47 Prozent. gegenüber nur 5,22 Prozent bei den Ortskrankenkassen. Bezüglich der I n an sp ru ch n a h m e der Kranken- lassen ergaben sich im letzten Jahre bei den männlichen Mitgliedern etlvas günstigere Ziffern, bei den weiblichen noch ungünstigere als im vorletzten Jahr. Erkrankung» fälle, die mit Erwerbsunfähigkeit verbunden waren, wurden bei den Kassen zusammen in 1910(bezw. in 1909) gezählt: unter den männlichen Mitgliedern 200 054(195 891), unter den weiblichen 139 553(125567), das heißt 42,4 (43,8) Fälle auf je 100 männliche und 44,4(43,1) auf je 100 iveibliche Mitglieder. Krankhcitstage ivurdei: gezählt: bei den männlichen Mitgliedern 5017 196 (5 039 536), bei den weiblichen Mitgliedern 4 093 283 (3 556 982). Die durchschnittliche Krankheitsdauer stellte sich hiernach bei den niännlichen Mitgliedern auf 25.08(25,73) Tage, bei den weiblichen auf 29.33(28,33) Tage. Wie man sieht, hat gegenüber dem vorhergehenden Jahre die Zahl der Erkranüingsfälle pro 100 Mitglieder und auch die Zahl der Krankheitstage pro Erkrankungsfall sich gemindert bei den männlichen Mitgliedern, gemehrt bei den weiblichen Mitgliedern. Günstkger als im Vorjahre stellt sich bei beidön Geschlechtern die Sterblichkeits Ziffer. In 1910(bezw. 1909) starben 3911(4044) männ liche und 1814(1748) weibliche Mitglieder, das sind 0.83 (0,90) Prozent aller mäimlichen Versicherten und 0,59(0,60) Prozent aller weiblichen.__ Freisinnige ReichstngSkandidatar im 2. Wahlkreise. In einer Vertrauensniännerversammlling der Fortschrittlichen Volks Partei wurde am Sonntag der Stadtverordnete Mommsen. der jetzt die Stadt Danzig im Reichstage vertritt, als Kandidat aufgestellt.„ Unsere Genossen werden schon dafür sorgen, daß Herr Mommsen von der Bürde des Reichstagsmandats verschont wird. Die Gründung einer HauSbesitzerfraktion im Rathause ver langte ein Antrag, der in einer Versammlung des Verbandes Der liner Grundbesitzer gestellt wurde. Es lag folgender Antrag zur Beschlußfassung vor:,. „Der Bund wolle auf die Bundesmitglieder durch geeignete Mittel(wiederholte amtliche Bekanntmachung im„Grundcigen- tum" usw.) dahin einwirken, daß jedes BundcSmitglied bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen seiner Wahlpflicht ge- nüge, und daß es nur solchen Kandidaten seine Stimme gebe, die sich verpflichten, gegen jede neue Sondcrbelastung des Grund- besitzcs Stellung zu nehmen und für eine gerechte Verteilung des Steuerbedarfs auf alle Bürger Berlins einzutreten. Um dem Hausbcsitzerstande die ihm kraft seiner steuerlichen Leistungen zukommende Beachtung zu verschaffen, ist die B i l- dung einer Hausbesitzcrfraktion anzustreben, der die von den Hausbesitzern gewählten Stadtverordneten beizutreten hätten.' Die Begründung des Antrages und die darüber geführte De- batte ist für die Naturgeschichte unseres Hausagrariertums so cha- rakteriftisch, daß wir sie hier wiedergeben möchten. Nach dem „Grundeigentum" verlief die Debatte wie folgt: „Herr Schallert führte zu diesem seinem Antrage aus, daß auf feiten der Hausbesitzer gelegentlich der im Anfang dieses Jahres erfolgten Erhöhung der Grundsteuer wiederholt der Ruf ertönt sei:„Bei Philippi sehen wir uns wieder!" Jetzt sei die Zeit gekommen, diese Worte zu verwirklichen. Es sei Pflicht der Hausbesitzer, sich diejenigen Kandidaten, die sie durch ihre Wahl zur Vertretung ihrer berechtigten Interessen ermächtigen wollen, genauer anzusehen, um vor ähnlichen Enttäuschungen in Zukunft bewahrt zu bleiben. Herr Stadtverordneter Iben, der als erster Debatteredner nach bei» Referenten sprach, vertrat ebenfalls den Standpunkt, daß nur solche Kandidaten, die sich in jeder Weise der Interessen der Hausbesitzer annehmen, gewählt werden dürften. Indessen dürften sich die Berliner Hausbesitzer nicht verhehlen, daß sie zum Teil selbst an den hohen städtischen Ausgaben und somit an ihrer schweren Belastung schuld seien, indem sie häufig eine allzu- schnelle Erledigung vieler kostspieliger Arbeiten, wie z. B. Ver- breiterung von Straßen usw., verlangten, wodurch der städtische Etat gewaltig belastet würde. Zum Schlüsse seiner Ausführun- gen empfahl Herr Stadtverordneter Jden, zwecks Entlastung der Hausbesitzer die Mieter, deren Mietzins eine gewisse Minimal- höhe(etwa 300 M.) überschritte, zu den Kanalisations- beitrügen heranzuziehen, eine Maßregel, die nach dem Kommunalabgabengesetz durchaus zulässig fei. Herr Apotheker Schieber empfahl eine Verpachtung sämtlicher städti- scher Betriebe, um aus der Finanzmisere herauszukommen, da es eine bekannte Tatsache sei, daß private Erwerbsgesellschaf- ten rentabler arbeiten als städtische Verwaltungen. Herr Mönch ist ebenfalls der Meinung, daß die Stadtverwaltung einen wenig kaufmännischen Geist verrate, hält jedoch die Bildung einer Haus- besitzerfraktion aus dem Grunde für bedenklich, weil schon ge- nügcnd zahlreiche Fraktionen vorhanden seien. Auch Herr Stadt- verordneter Landsberg hält, so freudig er den Antrag des Herrn Schallert auch im übrigen begrüßt, den Zusammenschluß der Hausbesitzer zu einer Fraktion für nicht empfehlenswert. Gleich- wohl sollten sich die Hausbesitzer endlich einmal der Macht bewußt werden, die sie in der Stadtverordnetenversammlung besitzen. Herr Oberapotheker Linke führt aus, daß es unbedingt notwendig fei, zunächst ein detailliertes Kommunalprogramm auszuarbeiten, auf das die zu wählenden Kandidaten verpflichtet werden müßten. Käme ein Kandidat dieser seiner Verpflichtung nicht nach, so dürfe er eben auf keinen Fall wieder gewählt werden. Die Grund- besitzerinteressen seien sehr wohl im Nahmen der allgemeinen In- teressen zu vertreten; denn drücke man die Grundbesitzer, so müßten dieselben notwendigerweise den Druck an die Mieter weiter geben. Nachdem zur Sache noch die verschiedensten Herren ge- sprachen haben und Herr Subdirektor Schallert den zweiten Ab- satz des von ihm beantragten Beschlusses zurückgezogen hatte, wird dieser in der gekürzten Form einstimmig angenommen." Der Verlauf der Debatte zeigt, daß die Hausbesitzer bestrebt sind, die Stadtverordnetenversammlung ihren Wünschen dienstbar zu machen. Dazu gibt ihnen das Privileg, nach dem die Hälfte der Stadtverordnetenversammlung Hausbesitzer sein müssen, eine besondere Handhabe. Es ist die höchste Zeit, daß diesem Hausbesitzer� Privileg und dem Dreiklassenwahlrecht ein Ende gemacht wird. Im Bcrkehrsmuseum ist seit kurzem ein hochinteressantes Modell aufgestellt, in fünffacher Verkleinerung eine Dampfkreisel' schneeschaufel, die erst vor ein paar Jahren für den Eisenbahn' bezirk Breslau gebaut wurde und einer starken Lokomotwe vorge kuppelt wird. Das mächtige Schleuderrad macht in der Minute 150 Umdrehungen und schleudert den Schnee von den Schienen 20 Meter hoch und bis zu 100 Meter seitwärts. Die Schaufel erhält von der schiebenden Maschine ihren Dampf, der nach Kraft verbrauch durch den Schornstein der Lokomotive entweicht, also zurückgeht. Im Museum ist durch eine mit Papierschnitzeln ge- füllte, um die Schaufel herumgebaute Glasvitrine noch besonders kenntlich auf die Bedeutung des Modells hingewiesen. Besucher mögen sich jetzt auch den in der westlichen Seitenhalle ebenfalls im Maßstäbe 1: 5 aufgestellten Fisch-Eisenbahnwagen betrachten, der genau erkennen läßt, wie Seesische in luftdicht verschlossenen Wagen und in Eisbchältern auf weite Strecken transportiert werden. DaS Verkehrsmuseum, dessen dem ehemaligen Hamburger Bahnhof vorgelagerter Erweiterungsbau demnächst der Benutzung übergeben wird, ist übrigens nicht mehr Mittwochs und Sonn- abends von 2—8, sondern wie folgt geöffnet: vom 1. April bis 30. September am Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Freitag von 10— 4, vom 1. Oktober bis 81. März an denselben Tagen von 10— 3, ferner jeden Sonnabend von 2— 7, Sonntags von 11— 3, Montags geschlossen. Eintritt und Garderobe ist frei. Bei dem großen Interesse, daS diese Sammlungen für jedermann haben sollte der Besuch reger werden. Ein seltsamer Selbstmord beschäftigt die Kriminalpolizei. In der Kastanienallee 04 hat sich am Sonntag morgen eine unbe- kannte Frauensperson mit der Schnur ihres Pompadours erhängt. Ein Bäckerjunge aus der Nachbarschaft sah morgens gegen 614 Uhr, als er Frühstück austrug, vor dem bezeichneten Hause ein Paar mehrmals auf und abgehen. Eine besondere Erregung merkte er weder an dem Manne, noch an seiner Begleiterin. Er kümmerte sich deshalb auch nicht weiter um sie. Eine Stunde später fand ein Hausbewohner die Unbekannte auf dem Flur des HauseS er- hängt und tot auf. Das Grundstück ist nur mit einem Vorder» hause bebaut, neben der Treppe führt ein Gang nach dem unbebauten Hofe. Hinter dem Treppenverschlag liegt vor dem Hof ausgang ein Klosett für die Mieter des Erdgeschosses. Als um 714 Uhr ein Schlafbursche eines Mieters austreten wollte, sah er zu seinem Schrecken die Leiche an der Angel der Klosetttür hängen. Die Selbstmörderin hatte sich mit der Schnur ihrer Handtasche aufgeknüpft. Der Hausverwalter, den der Schlafbursche benach- richtigte, schnitt sie ab. Die Leiche war noch warm. Wieder- belebungsversuche jedoch, die ein Schutzmann und ein Arzt machten, blieben erfolglos. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Ermittelungen nach dem Be- gleiter der Toten führten bisher zu keinem Ergebnis. Die Tote ist etwa 25 Jahre alt und hat volles, dunkelblondes Haar und ein volles Gesicht und trug einen blauen Faltenrock, eine weiße seidene Bluse, weiße Wäsche ohne Zeichen und schwarze Schnürstiefel mit Lackspitzen. In ihrem hellen Pompadour mit schwarzen Schnüren befanden sich zwei Schlüssel. Die Unbekannte macht einen guten Eindruck und scheint bessergestellten Kreisen anzugehören. Zur Liquidation der Allgemeinen Treimportgesellschaft, über die wir am Sonntag berichteten, werden wir um Wiedergabe folgender Mitteilung ersucht:„Herr Siesried Hirsch war nicht Geschäftsführer der Gc'ell'chast. Es sind zwar Krankenkassenbeilräge rückständig und zwar deshalb, weil die Beiträge am 30. August d. I. gezahlt werden sollten, was durch die am 24. August erfolgte Liquidation und durch die Entziehung deS Bankkredits verhindert tvurde. Aber es ist unrichtig, daß wegen der Nichtzahlung der Beiträge ein Straf- verfahren schwebt." Wir bemerken hierzu, daß wegen Nichtabkühnmg der abgezogenen Krankenkasienbeiträge an die Ortskranlcnkasse bereits polizeiliche Vernehmungen stattgefunden habe». Ein heftiger Zusammenstoß ereignete sich gestern vormittag an der Ecke der Alfen- und Bismarckstraße. Tort kollidierte ein Straßenbahnwagen der Linie 23 mit einem Automobilomnibus der Linie 11. Der Anprall war derart, daß der Schaffner Draeger von dem Automobilomnibus auf den Straßcndamm geschleudert wurde. Außerdem wurden zwei Fahrgäste verletzt Der Schaffner Draeger blieb besinnungslos liegen und mußte nach der Charitö gebracht werden. Dort erhielt auch Gerichtsaktuar Heine die erste Hilfe, während der Kaufmann Böhnke seine Wohnung aufsuchen konnte Kcsselezplosion im Neuen Theater. Im Keller des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm erfolgte Sonntagabend kurz vor Beginn der Vorstellung eine Explosion in der Feuerung deS Heizungskessels. Durch die ausströmenden Dämpfe erlitt der Heizer Otto Müller Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Die anwesende Sicherheitswache der Feuerwehr beseitigte sofort die Gefahr, so daß die Vorstellung stattfinden konnte. Mißstände auf der Hochbahn. Uns wird geschrieben: Der Massenandrang des Morgens(7 Uhr) veranlaßt die Gesellschaft absolut nicht, mehr Wagen einzustellen; fährt wirklich mal ein 4°Wagenzug, so sind davon 1% 2. Klasse, obwohl auf der Strecke Warschauerbrücke— Hallesches Tor um diese Zeit selten Passagiere hierfür vorhanden find. Die Folge ist, daß die im Gang cinge- pferchten Personen durch die hinzusteigenden Fahrgäste in das leere Abteil 2. Klasse gedrängt werden. So ging es auch mir und vielen Arbeitern. Da auf einmal nahte das Verhängnis in Ge- stalt zweier Beamten der Gesellschaft. Rigoros wurden sämtliche im Abteil 2. Klasse befindlichen Fahrgäste fistiert und warten nun ihrerseits, daß ihnen die Gesellschaft die obligaten 3 M. abknöpft. Ein entsetzlicher Straßcnbahnunfall ereignete sich gestern abend VzS Uhr in der Stralauer Allee an der Hohenlohestraße. Dort fiel ein Fahrgast so unglücklich von dem Trittbrett eines Motorwagens der Untergrundbahn, daß derselbe mit dem Kopf unter den Wagen kam und auf der Stelle getötet wurde. Auf welche Weise der Sturz deS tätlich Verunglückten, dessen Name noch nicht festgestellt werden konnte, herbeigeführt wurde, ist noch unbekannt. Teuerungszulage bei der Hochbahngescllschaft. Die Gesellschaft hat beschlossen, ihren sämtlichen Beamten und Arbeitern, soweit sie vor dem 1. Juli d. I. in ihren Diensten standen, Teuerungszulagen zu gewähren, und zwar erhalten die Verheirateten ein halbes Mo- natsgehalt und, sofern von den Betreffenden mehr als drei Kinder zu unterhalten sind, dreiviertel; Unverheiratete erhalten ein Drittel des Monatsgehalts. Bei d«n in Wochenlohn stehenden Arbeitern ist der Berechnung ihr monatliches Einkommen zugrunde gelegt. Tödlicher Absturz mit dem Fahrstuhl. Ein schrecklicher Un» glücksfall, wobei eine Person den Tod fand, hat sich gestern abend in der achten Stunde in der Großen Frankfurter Straße 10 zu- getragen. Dort waren zwei Arbeiter und der 45 Jahre alte Polier Rudolf Brühning damit beschäftigt, für die Fabrik von Lehmann Holzvorräte nach den oberen Stockwerken zu schaffen. Sie bedienten sich hierzu eines Lastenfahrstuhls. Als der Fahrstuhl in der Höhe des zweiten Stockwerks stand, riß plötzlich das Förderseil und krachend stürzte der Tragekorb in die Tiefe. Während die beiden Arbeiter ohne Schaden davonkamen, wurde Brühning der Schädel fast vollständig zerschmettert. Auch innere Verletzungen trug der Verunglückte davon. Er wurde schleunigst nach der Rettungswache in der Koppenstraße gebracht, starb jedoch unter den Händen eines ArztcS. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Ueber die Ur» fache des Unglücksfalles ist eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet worden. Hilflos aufgefunden wurde Sonntagmorgen in der Pallas- straße ein unbekannter Mann von 45 Jahren. Er starb auf dem Wege nach der Unfallstation in der Steglitzerstraße in einer Droschke. Der Tote scheint den bessergestellten Kreisen angehört zu haben. Man fand bei ihm etwas über 400 M. Er ist mittel- groß und trug einen dunklen Jackcttanzug und einen grauen Filzhut. Freie Fortbildungskurse für Arbeiter werden wiederum von der sozialwissenschaftlichen Abteilung der Wildenschaft der König!. Tech. nischen Hochschule zu Berlin veranstaltet. Im Winterhalb. jähr 1911/12 werden die Studenten in folgenden Elementar» fächern unterrichten: Deutsch. Rechnen, Algebra, Geometrie, Zeich- nen, Mechanik, Erdkunde und Schönschreiben, und zwar am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag abends 8— 10 Uhr in der Char. lottenburger Gemeindeschule III, Sckloßstr. 2. Jeder Kursus findet einmal wöchentlich statt vom 80. Oktober 1911 bis Mitte März 1912; die Teilnehmergebühr beträgt für jeden Kursus 0,50 M Anmeldungen werden am 26., 27. und 28. Oktober abends 8— 9 Uhr im Unterrichtslokal entgegengenommen. Aus, kunft erteilt Dipl.-Jng. Schimpf, W. 50, Achenbachstr. 22 III. Vermißt wird seit Dienstag ein junger Mann von 19 Jahren, der mit grauem Ulster, dunkelblauem Cheviotanzug bekleidet war und einen weichen, graubraunen Hut trug. Der junge Mann ent- fernte sich mit Freunden in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch aus der elterlichen Wohnung und ist seit der Zeit verschwunden. Wer nähere Mitteilungen machen kann, wird gebeten, diese an Hoppe. Görlitzerstratze 67, gelangen zu lassen. Verloren gegangen ist am Sonntag vormittag ein Mitglieds- buch mit Verbandsmarken, das für 36 Mark Marken enthielt, auf dem Wege von der Vogtstraße bis zur Schreinerstraßenecke. Abzii» geben bei Viktor Wellsand, Simplonstraße 33, vorn 1 Treppe, Vororl- flacbrichtcn. Lichtenberg. Keine RotstandSaktion in Lichtenberg? Aus einer großen Reihe Städte wird über kommunale Maßnahmen zur Linderung der durch die schreckliche LcbenSmittelteuerung hervorgerufenen Not berichtet. Was aber geschieht und geschah in Lichtenberg? Nichts hört man von Aktionen des Magistrats! Daß unsere sozialen Verhältnisse geradezu nach Notstandsaktionen schreien, haben die Mitteilungen über die unheimliche Säuglingssterblichkeit in Lichtenberg— siehe „Vorwärts" vom 15. Oktober— doch in einer Weise beleuchtet, die zu schleunigen Matznahmen hätte provozieren sollen. Umsomehr, als Berlin mit dem Bezüge von Seefischen doch wenigstens einen Anfang nach dieser Richtung gemacht hat. Warum versucht man nicht, mit oder durch Berlin auch für unsere arme Bevölkerung See- fische zu beziehen? Steht da auch wieder Hausagrvrierinteresse ent- gegen? Das von unseren Protzen immer über die Achsel angesehene Rummelsburg darf sich doch einer weit fortgeschritteneren sozial- politischen Initiative rühmen. Die Stadtverwaltung von Runimels- bürg hat sich an Berlin gewandt zwecks gemeinschaftlichen Einkaufs von Seefischen. In Lichtenberg will man sich mit solchen Kleinig- leiten nicht abgeben. Hier wird die Sache gründlich vorbereitet. Di« berühmte, sagenhafte, seit Jahren bestehende, aber noch nie in Aktion getret»»c soziale Kommission soll der Teuerung auf den Leib rücken. Das ist keine leichte Aufgabe! Sie bedarf gründlicher Vor- bcreitungen, damit man nach gemessener Frist in das Vorstadium der aufzunehmenden Verhandlungen treten kann. Die diesjährige» Säuglinge, soweit unsere erbärmlichen sozialen Verhältnisse sie nicht zu Engelein machen, sie vielmehr das Schwabenalter erreichen. werden vielleicht dann das Vergnügen haben, etwas von den be- rühmten Beschlüssen der sozialen Kommission zur Steuer der Ten«, rungsnot im Jahre 1911 zu hören. Und dann wird sicher auch die Stadtverwaltung, in absehbarer Zeit entsprechende Maßnahmen zu beschliehen, in wohwollcnde Erwägung ziehen. Nur Geduld! Die Wähler werden ganz gewiß nicht verfehlen, bei den bevorstehenden Stadtvcrordnetenwahlen der segensreichen Arbeit Ht sozialen KvW, Mission dankbar zu gedcnkenl Auf einen Racheakt Ist die Anzeige gegen den Zimmermann Emil LewandoivSky zurückzuführen, der am Freitagabend in dem Hause Wartenbergstr, 33 den Händler Karl Raasch durch einen Re volverschusj schwer verletzt haben sollte. Aus Grund polizeilicher Ermittelungen hat sich herausgestellt, dafe L. überhaupt nicht auf R, geschossen hat. Der Händler ist vielmehr nur durch einen heftigen Schlag mit einer Handlaterne an der rechten Kopfseite erheblich ver letzt worden, L. lvill in der Notwehr gehandelt haben und ist am Sonntag aus der Hast entlassen lvorden. DaS Befinden deS Händlers gibt zu keinen Besorgnissen Anlaß. Ripdorf. Ein schwerer Vauiinfall ereignete sich gestern nachmittag auf dem Neubau Stuttgarter Straße S4. Aus der dritten Etage stürzte der dort beschäftigte. Neinickendorfer Straße 39 wohnhafte Arbeiter Arbeiter Achilles während der Arbeit ab und fiel auf die Straße, wo er bewußtlos liegen blieb. Der Verunglückte erlitt eine Gehirn- erschütterung und innere Verletzungen, die seine lleberführunz nach dem Krankenhause in Buckow notwendig machten. Vom Automobil überfahren. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag gegen 6 Uhr an der Ecke der Hermann- und Wanslickstraße. Dort wollte der fünfjährige Knabe Walter Schmidt, Sohn eines in der Münchenerstr. 26 wohnhaften Arbeiters die Gleise überschreiten, als ein Straßenbahnwagen herannahte. Um diesem Geführt auszuweichen, trat das Kind zurück und geriet vor das in diesem Augenblick in langsamem Tempo herannahende Droschken- automobil. Obwohl der Kraflwagenführer sofort bremste, gelang cS ihm nicht mehr den Unfall zu verhüten und das bedauernswerte Kind geriet unten Wagen, dessen Räder ihm über den Unterleib hinweggingen. In schwerverletztem Zustande wurde der Kleine nach dem Britzer Krankcnhause übergeführt. Das neugeborene Mädchen, das am Sonnabendabend auf dem unbebauten Grundstück an der Nansen- und Pflügerstraße auf- gefunden und nach dem Waisenhause gebracht wurde, ist jetzt gestorben. Wie die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergeben haben, hat die noch unbekannte Mutter das Kind auf der Straße geboren, dasselbe in Papier eingewickelt und über den Zaun des Grundstücks geworfen. Eine Stunde' später wurde es gesunden. Die Verletzungen, die es durch das Werfen erlitten hatte, führten zum Tode. Steglitz. Großfeuer kam vermutlich infolge von Brandstiftung am Sonn- tagabend gegen 7 Uhr in der Hubertusstr. 12 zum Ausbruch. Als man die Gefahr bemerkte, Ivar das Feuer schon längst über seinen Herd hinaus, so daß bei Ankunft der Ortswebr der gesamte Dach- stuhl schon in Flammen stand. Auf den Feuerschein eilten auch noch einige andere Feuerwehren aus der Umgegend zu Hilfe. Der Lösch- angriff erfolgte sofort mit mehreren Rohren, doch konnte nicht ver- hütet werden, daß der Dachstuhl deS Vorderhauses vollständig niederbrannte. Die Aufräumungsarbeiten hielten die Wehren dann noch bis gegen Mitternacht am Brandplatze fest. Unfälle waren bei den Lösch arbeiten nicht zu verzeichnen. Schöneberg. Wen» liberale Stadtväter untereinander in die Haare ge- raten, geht mitunter das bischen positiver Liberalismus flöten. Im Berliner Ortsteil steht der liberale Stadtv. K u z n i tz k i in der 1. Abteilung zur Wiederwahl. Da der Herr bei seinen Fraktions- genossen unbequem geworden ist, weil er eine eigene Meinung sein eigen nennt, so mußte der Mann möglichst geräuschlos beseitigt werden. Herr Kuznitzki hatte das Vergehen begangen gegen die Wahl des Oberbürgermeisters Dominicus zu sprechen und zu stimmen; ferner war er nicht gewillt den Stadtbaurat E g e l i n g stürzen zu helfen. Das liberale Oberhaupt Zobel und der Hansabruder Bamberg er- schienen auf der Bildfläche um an dem Partei- und Glaubensbruder Kuznitzki das Henleramt zu verrichten. In der Redeschlacht wurde K. der Vorwurf gemacht, seine Interessen mit denen der Stadt verquickt zu haben. Der Gegenbeweis wurde nicht erbracht. Die Abstimmung ergab für die Wiederwahl 14 Stimmen, während seine Gegner es auf 29 Stimmen brachten. ES werden nunmehr zwei sogenannte entschiedene Liberale gegen einander kandidieren. Diese Liberalen, die vorbildlich sein wollten, haben die größte Mühe aufzuwenden, damit ihr FraktionSturm nicht aus dem Leim geht. Für die Arbeiterschaft besteht die Pflicht mit diesen Liberalen, die die Sozial- demokratie bei der letzten Wahl mit den verwerflichsten Mitteln be- kämpft haben, bei der Wahl am 12. November gehörig abzurechnen Da der Verkehr auf der Schönebcrger Untergrundbahn sich ganz er- heblich gesteigert hat, und in den Hauplverkehrsstunden die Wagen häufig überfüllt sind, werden in den verkehrsstarken Stunden zwischen die Zwciwagenziige Züge mit drei Wagen eingeschoben werden. Es ist kein Zweifel, daß die Benutzung der Schöneberger Unter- grtmdbahn durch diese Verkehrsverbesserung eine weitere Belebung erfahren wird. Zehlendorf(Wannseebahn). Kartoffclbczug. Der Vorstand des Wahlvereins sowie die am Orte tätigen Eewerkschaflsleiier machen Partei- und Gewerkschafts- genossen daraus aufmerksam, daß Kartoffeln den Zentner zu 3.90 M. frei Haus beschafft werden können. Diejenige», die auf Lieferung rcfieklieren, werden gebeten, sich sofort an die Funktionäre oder an de» Kassierer des Wahlvereins zu wenden, die heute abend sämtlich bei Mickley in der Wahlvereinsversammlung anwesend find. erklärte Herr Bürgermeister Ungewitter, daß der Gemeindeborstand durchaus nicht die herrschende Notlage verkenne und auch bereits Schritte unternommen habe, die den Zweck verfolgen, gemeinsam mit Berlin und anderen Vororten in Aktion zu treten, aber— und das kennzeichnet den Geist in unserer Gemeindeverwaltung und läßt ahnen, was wir zu erwarten haben— man solle bedenken, daß unfer Ort viel ländliche Bevölkerung habe und im Ort selbst zurzeit gewaltige Mengen Gemüse angebaut würden. Wenn die Gemeinde nun Kartoffeln nsw. zu wohlseilen Preisen an die Gemeindemitglieder abgeben würde, nähme man den ort- lichcn Produzenten dieser Waren sowie den kleinen Händlern den Verdienst und werde diese gegen die Verwaltung aufbringen. Dazu aber möchte man es um keinen Preis kommen lassen, mag auch mit der ärmeren Bevölkerung geschehen was da wolle. Dieses schmähliche Kapitulieren bor einer verhältnismäßig kleinen Gruppe der Einwohnerschaft versteht man zwar recht gut, wenn man sich des Beschlusses der vorangegangenen Sitzung erinnert, der die Ver- gcbung von Arbeiten und Lieferungen von Gemeindcvcrtretern für die Gemeinde unmöglich macht und der den Handwerkervercin ganz außer Rand und Band gebracht hat; aber vor der Oeffentlichkeil zu rechtfertigen ist es nicht. Wie vorauszusehen war. fand der Gemeindevorstand vollste Rückendeckung durch die Gemeindevcr- tretuug, die sich damit als eine der rückständigsten in Groß-Berlin gezeigt hat. Nachdem so schon der erste Punkt der Anträge auf ein Nichts herabgedrückt wurde, ließ natürlich die weitere VerHand- lung erst recht nichts erwarten. Und so kam es auch. Armen- Unterstützungen sind ohnehin erhöht im Hinblick auf die Teuerung, so erklärte Herr Cassebaum; er unterließ es aber, die einzelnen Unterstützungssätze anzugeben, die das hätten erweisen können. Matznahmen von der Regierung zu ver- langen? Darüber wollen wir gar nicht erst diskutieren, er- klärte Herr Schäfer; dann wäre ja mancher der Herren, die sich gern von Zeit zu Zeit radikal gebärden, gezwungen, öffentlich Farbe zu bekennen, und das mag für manchen dieser„Rückgrat- festen" unangenehm sein; außerdem saß der Großgrundbesitzer, Gemeindevertreter Landrat a. D. Herr v. Trcskow, in ihrer Mitte. So hat es also zunächst sein Bewenden bei den Schritten des Ge- meiiidevorstandes. Was dabei herauskommen wird, ist kaum noch zweifelhaft, aber warten wirs ab. Von den übrigen Punkten der Tagesordnung, die meist ohne Debatte angenommen wurden, sei nock) die Regelung der Rosen- felder Straße hervorgehoben. Endlich ist nach langen Vcrhand- lungen und, nachdem von Lichtenberg immer neue Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, eine Vereinbarung getroffen worden, wonach unsere Gemeinde zu der Regulierung 33 762,59 M. Kosten- beitrag leistet und sich verpflichtet, ein Ortsstatut zu schaffen, wel- che» eine Verunzierung der Rosenfeldcr Straße durch die Hinter- fronten der Häuser, die an der jetzt noch unbebauten Seite der Eapriviallee später errichtet werden, verhindern soll. Dem Wunsch kam man.auch nach, so daß also einer sofortigen Inangriffnahme der Regulierungsarbeiten, die wirklich nicht länger aufschiebbar sind, nichts mehr entgegensteht. Erwähnenswert ist nock), daß vom April nächsten Jahres ab sowohl eine besondere Klasse für schwachbefähigte Kinder, als auch ein orthopädischer Turnunterricht eingerichtet werden soll. Karlshorst. Bon Unbekannten überfallen und seiner Barschaft beraubt wurde in der vergangenen Nacht ans der Ebausiee zivischen Nassenheide und Freienhagen ein Reisender, der in Karlshorst ansässig ist und die Dörfer in der Umgebung Berlins zu besuchen pflegt. Der Ueberfall geschah in dem Moment, als der Reisende von seinem Rade ab- gestiegen war, um eine kleine Reparatur vorzunehmen. Als man ibn gestern morgen auffand, war er bereits besinnungslos. Man brachte ihn nach einem Krankenhause, wo der Arzt fchivere Ver- letzungen am Kopfe feststellte, die anscheinend von einem Stein her- rührten, mit dem er geschlagen worden war. Friedrichsfelde. Die Interpellation über Maßnahmen gegenüber der Teuerung und die hierzu gestellten Anträge unserer Genossen bildeten den wichtigsten Beratungsgegenstand der letzten Gemeindevertreter- sitzung. Die Anträge verlangten: 1. Die heutige Gemeindever- trctersitzung erkennt an, daß gegen die zurzeit bestehende und stetig wachsende Teuerung der Lebensmittel Maßnahmen getroffen wer- den müssen und ersucht den Gemeindevorstand, in Gemeinschaft mit einer zu wählenden Kommission umgehend Vorkehrungen zwecks Beschaffung billiger Nahrungsmittel, wie Kartoffeln, See- fische. Fleisch eventuell auch Kohlen, zu treffen. 2. Es wird be- schlössen, zu den zurzeit gezahlten Armen- und sonstigen von der Gemeinde gezahlten Unterstützungen bis auf weiteres einen Auf- schlag von 29 Proz. zu gewähren. 3. Ersuchen die Gemeindever- trcter die Regierung..Maßnahmen zu treffen behufs Aufhebung der Einfuhrzölle auf Nahrungsmittel und Beseitigung der Einfuhr- scheine. 4. Der Gemeindevorstand wird ermächtigt, bei Eintritt größerer Arbeitslosigkeit Notstandsarbeiten vornehmen zu lassen. Laus und Ausgang der Verhandlung hierüber sind charakteristisch. Nachdem Genosse Oehlert eine kurze Begründung gegeben hatte. Friedrichshagen. Die letzte Kartellsitzung nahm u. a. auch Stellung zu der am 2. und 3. November stattfindenden Neuwahl der Delegierten zur hiesigen Ortskrankenkasse. Die zu wählenden Vertreter verteilen sich auf die einzelnen Betriebe wie folgt: Fabrikbetriebe 23, Baubetriebe 6, Handelsbetriebe 2, sonstige Betriebe 26, Kommunalbetriebe 2, Dampf- betriebe 12,Anwallbeiriebe 1, Freiwillige 13, Transportbetriebe 2; insgesamt 87 Arbeitnehmer und 43 Arbeitgeber. Die Vertrauensleute der in Frage lommenden Betriebe werden ersucht, die Kandidaten- liste bis spätestens Montag, den 39. d. MtS., dem Obmann Genossen August Breunig, Linden-Allee 3 zuzustellen. Spandau. Die Stadtverordnetenwahl für die 3. Wählerabteilung findet am Dienstag, den 7. November, vormittags von 19—1 Ubr und nach- mittags von 4— 8>/� Uhr, statt. Es wählen die Wähler des 1. Wahlbezirks Im Restaurant Stern, Potsdamer Str. 35; die Wähler des 3. W a h l b e z i r k s im Niestaurant Koch. Feld- straße 52; die Wähler des 4. Wahlbeziris im Restaurant S a w a d e, Schönwalder Str. 98/99; die Wähler des 5. Wahl- b e z i r k s im Restaurant A u r m e i st e r, Schönwalder Str. 89; die Wähler des 7. Wahlbezirks im Restaurant Thunert, Pichelsdorfer Str. 33. Die Wablbczirle umfassen folgende Sir.rßen: 1. Wahlbezirk: Charloltcnstratzc, Fischcrstraße, Lindenuser, Mauerstrage. Artillcriestraße, Arlilleriewerkstatt, Lakinbosstraße. Brückensirage, Freiheit, Gcschichgicgerei, Schiffbauerdaiiim, Schürstrage, Spreestrabe, Wiescnstrage, Buigwallichanze, Grunewald strage, Ruhlebeucr Straße, Plantage, Stresowplatz, Tcltower Straße, Tieswerderweg, Baumgartcnsteg, Heidcrciilcrstraße, Pichclswecder Straße, Breite Straße, Havclstraße, Scimichsplatz, IoachimSPlatz, Kammer- straße, Kirchstratze. Marktplatz, Marktslraße, Mönchstraße, Potsdamer Straße, Wasserstraße. 3. Wahlbezirk.- Bchnitz, Berliner Ebaussee, Berliner Strage, Damm, Gewehrsabrik, Hoher slemweg, Kolk, Mädchenheim, Muuittonssabrik, Pulverfabrik, Achenbachstraße, Augustaujer, Friedrich- straße. Hasenmarkt, Judenstraße, Moritzstraße, Neue Kaserne, Ritlerstraße, Spcktewiesen, Viktoriauscr, Brieftailbenslalion, Bismarckslrage,'Blumen- stiaße, Feldslraße, Frobenslraße, Garlenslraße, Kurze Straße, Mollkestraße. 4. Wahlbezirk: Falkenhagener Straße, Pionicrslraße, Slädtischer Friedhof. Wasserwerk, Ackerstrage, Birkenstraßc, Miltelstraße, Kleine Millcl- straße, Bergstrage, Neue Bergstraße, Fchrbellincr Strage, Hcdwigftraße, Heidestraße, Llitherpkatz, Schülerbcrgstraße, Schülerberge> Waldilratze, Köruerstraße, Neucndorser Str. 1—37, Eiswcrder, Trijtslraße, Wrähmänner- straße. 5. Wahlbezirk: Ghamissostrage, Neuendorscr Str. 38—196, Koltzslraße, Großer Wall, Halensclde, Kliiikeflraßc.ZMerteiiSstraße, Parkstraße, Rauchstraße, Nustwiesen, Schanzenstraße, Schafcrstraße. Schützenstraße, Streitstraße. Nieder. Ncuendorfer Allee, Maselate, JohanneSstlst, Bahnhos JohanneSstlst, Kleiner Wall, Valeatinswerder. Kirchhos. ltraße, Müllcrslrage, Prcdigergartenstraße, Kaiserstraße, Kronprinzen- straise, Fürstenweg, Hubertus strage, Markgrafenslraße, Prinz- Eitel- Weg. Prinz- Adalbert- Weg, Radelandstiage, Schönwalder Straße, Schönwalder Allee, Jagowslraße, Neumeisterstraße, An der Oberhavel. 7. Wahlbezirk: Brüderstraße, Jägerstraße, Konkordiastraße, PichelZ- dorser Straße 11— llk, Ulmenslraße. Weißcnburger Straße, Zimmerstrage, Franzstraße, Göteistraße, Götclwiesen, Wörther Straße. Wörther Platz, Forbachitraße,«pichernsiraßc. Amisweinberge, Bchersiraße. Boxicldc, Krimnitzstraße. Hornstraße, Jordanstrage, Kuncristraße. Mclanchihonslraße, Schaffe Lemke, Weoerstraße. Jaczoslrage, Gaiower Slroße, Schmidt- Knobel-Zdorj-Slraßc, Weinberge, Wilhelmstraße. Burgwall. Börnickerstraße, Földcrichsiraße. Kloster straße, Krau an der Havel, Lehrter Bahnhos, Sedan- straße Borkumec Straße. Die Sozialdemokraten nahmen am Freitag in einer gut be- suchten öffentlichen Versammlung Stellung zur Stadtverordneten- tvahl. Nach einem einleitenden Ncserat des Genossen Stadtv. G r au e r t- Lichtenberg über sozialdemokratische Sozialpolitik, der rnir Beifall ausgenommen wurde, erstattete der Stadtverordnete Ge- nosse Pieper den Tätigkeitsbericht der sozialdemokratischen Stadt- verordneteiiirallion. die leider nur ans drei Stadlverordneten besteht. Der Genosse Pieper rechnete ganz gehörig mit den bürgerlichen Stadtverordneten und deren einseiliger Kommunalpolitik ab. Ihm sekundierten in der anschließenden Diskussion die Genoffen A p p o l d t, Schubert und Stahl. Es wurden sodann die folgenden sozialdemokratischen Stadt- verordnetenkandidaten einstimmig proklamiert: Für den I.Bezirk Spediteur Genosse Emil Koeppen (Nichihausbesitzer); für den 3. Bezirk Genosse Paul Schmidt IHausbesitzer); für den 4. Bezirk die Genossen Paul Schmidt sHausbesitzerj und Robert Pieser sNichlhauSbcsitzer): für den 5. Bezirk Genosse Emil Schubert(NichtHaus- besitzet); für den 7, Bezirk Genosse Hermann Pieck. Die Wahl der 2. Abteilung findet am Montag, d e n 1 3. N o v e m- b c r, vormittags von 9— 1 Uhr und nachmittags von 5— 8 Uhr statt. ES wählen die Wähler mit den Anfangsbuchstaben A bis einschließlich K im„ A l t st ä d t i s ch e n Kasino", Ritter- st r a ß e 1 2; die Wähler mit den Anfangsbuchstaben L bis 2 im Restaurant Stern, Potsdamer Str. 35. Für die 2. Abteilung wurden von der Versammlung folgende Genossen als Kandidaten aufgestellt: Ernst Hornig, Albert K o n i tz e r, Emil Stahl, Karl M a r z i l g e r, Karl Ganzer und Emil S ch u- b e r t. Jeder Wähler erhält eine schriftliche Einladunz zur Wahl, die als Legitimation gilt._ Ober- Schöncivcide. Dienstag, den 24. Oktober, abends 8'/z Uhr. bält Herr Dr. Moock kpraltischer Augenarzt) in der Arbeiter. Samariter- Kolonne für Ober- Schöneweide und Umgegend im Samariterheim im Lokal„Hackepeter", Siemensstr. 12, einen Vortrag über:„Hygiene und Pflege der Augen" Genossinnen und Genossen sind bei sreiem Eintritt willkommen. Spandau. Am Mittwoch, den 25. Ollober, abends 8'/; Uhr, findet im Lokale von Fritz Pcczilcs, Pichelsdorser Sir. 5, ein Uebungsabend der Arbciter-Samanler statt, in welchem ein hiesiger Arzt einen Vortrag über Physiologie halten wird._ Singegangene Dfuchfchnftcn. Vom„Wahren Jacob" ist soeben die 22. Nummer dcZ 23. Jahr» gangs 16 Seiten stark erschienen. Der Preis der 16 Seilen starken Nummer ist 19 Pf. Prohenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W.? ietz Nachf. G. m. b. H. in Stutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Bon der„Gleichheit", Zellschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 2 des 22. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Dringende Ausgabe.— Johanna Greie-Cramer.— Aus der Geschichte der menschlichen Unwissenheit. II. Von B. Sommer.— Bebels LebenSerinncrungcn.(Fortsetzung.)— Die vierie Generalversammlung de§ Deuischen Verbandes sür Fraucnstimm- recht. Von a. n.— Die proletarische Frauenbewegung im GeschästSjahre 1310/11. Issw. Die„Gleichheit- erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post bezogen beträgt der AbomiemeniSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 35 Ps. Jahresabonne« ment 2,60 M._ Marktpreise von Berlin am St. Oktober 1S1», nach Ermittelung de» Königlichen PoltzcipräsidiumS. Marttballenpreise.(Kleinhandel). 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35.00—50.00. Speiscbohncn weiße. 35.00-50.00. Linsen 40,00-80.00. Kartoffeln 7,00-14,00. 1 Kilo. aramm Rüidfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Baitchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1.30-1.30. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelflcflch 1.30—2.00. Butter 2.40—3.40. 60 Stück Eier 3.80—6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,60. 00 Stück Krebst 2,40—24,00._ WaflcrstandS'Nachrtchte« der LandeSanstalt sllr Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vasserstand Saale, Grochlih Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svrcmberg') , BeeSlow Weser, Münden , Minden N H« i o, MapNiIianSan « Kaub , Köln Neckar, Heiwrorm Main, Wcrtheim Mosel. Trier ')+ bedeutet Such»,- Fall.—») Unterpeget. WitterungSiiberllche vom 28. Oktober 1911. CtatUMv ißl ei 'S jjje Swlnembe 744 JA Samdurg 1 743 SB Serlir,>747 SA Frants a M 754 SB VlilTlffi München Wien 1 759 SW 1758 Still Setter 6 wolkig 4 bedeckt 7 wolkig 7 bedeckt 4 heiter — wolkig »« et» nll i- w* «lntione» rft c« fr Hk Haparanda 741 ONO Petersburg 746 SSO i 2 Regen Sctllh 'llberdeev Baris 4 Schnee—3 ...„— i 2 Regen 1 7 ! s wolkig I 19 743 WsW 1 bedeckt i 7 752*2®: 4ttoIkenl 11 [ Wettervrognose kür Dienstag, den L4. Oktober 1911. Etwas kühler, vielfach heiter, aber noch sehr unbeständig mit einzeln« Regenschauern mit sturleu, später nachlasseiiüeii südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «o» Lpitien.Ltoffe und Gewebe, Die empflndUch oder zarfc, Nurafleln die Sunlichtseife Gründlich reinigt und bewahrt! Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Lnseratenieil verantw.: TH.Gl-cke.Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer».Co.. Berlin SÄ--