S-. 25L RbonnrmentS'ßedlngfinstfl: SkonnemenIS• PreiZ pränumerand« S «irrteljShrl. 330 aXct, monatl. 1,10 Mk,. Ivöchcmlich 2S Pfg, frei WS HauS. ewjflnt Nummer 8 Pjg Sonntags- nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pw Post- Äbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS- VretSlisle. Unter Kreuzband für Dcuttchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da- übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS ncbmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, " nänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. Sie InsksNonz-Lebi»,? detrigt für die sech-gespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins, und BerlainmluiigS.Anzeigen 30 Pfg, „Kleine anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig,(zulässig 2 sctlgrdntckle Worte), jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- >cigcn daS erste Wort 10 Pfg,, jedeS weitere Wort ä Pfg, Worte über lö Buch- ltaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nuiiuner münen bis b Uhr nachmittags in der Expedition «dgegeben werden. Die Expedition ist diS 7 Uhr abends gevssiiet, vlchtlit lizl!» auScr[Qontaat. Vevlincv Volksblnlt. Zentralorgan der fozialdemokratifcben partei Deutfchlande. Telegramm• Adresse: «SoalaUemolirit Bcrlla'*. Redaktion: 8�3. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Donnerstag, den Äl». Oktober Expedition: 8AI. 68, Lindenstrassc 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Line IMterklftung ultramontaner Hrbeiterpolitih. DaS Zentrum verdankt seinen Einfluß auf die katholische Arbeiterschaft nicht zuletzt seiner Politik, sich als den„eigent- lichen Vater" der sozialen Gesetztzebung und als ständigen Antreiber auf sozialpolitischem Gebiete aufzuspielen. Jene Arbeiterkreise können den Werdegang der Gesetze nickt bis ins einzelne verfolgen, zumal ihnen direkt das Lesen„akatholischer" Blätter verboten ist. Sie erfahren also nicht, daß das Zentrum seine Sozialpolitik nach dem Grundsatz betreibt: „Wasch dem Kapitalismus den Pelz, aber mache ihn nicht naß". Nach diesem Satz hat die Zentrumsfraktion'auch wieder bei der Beratung der Petitionen in der Neichstagssitzung vom 17, Oktober gehandelt. Und es war wieder der„verdienst- volle Sozialpolitiker", Herr G i e s b e r t s, der die Schiebung übernommen halle. Diesmal aber hat dieser ullramontane Arbeiterabgeordnete mit einer so dileltantenhaften Ungeschick- lichkeit„gearbeitet", daß das systematische Vertrödeln not- wendiger(sozialreformen durch die Zentrnmspartei geradezu mit cken Händen zu greifen ist. Es handelt sich um die schon vor einem Jahrfünft von sozial- demokratischer Seite ausführlich begründete Forderung eines Hütte uarbeiterschutzge setze s. Bc kannt ist. daß trotz wiederholter Reichslagsbeschlüsse die Regierung sich nur mit Ach und Krach zu einer vom 19. Dezember 1998 datierten, durchaus unzulänglichen Bnndesratsverordnilng bezüglich der Arbeiterverhältnisse in den Hütten- und Walzivcrken belvegen ließ. Mehr zu geben verboten die mächtigen Großeisen- industriellen. Eine Hüttenarbeiterschntzgesetzvorlnge will die Regierung nicht machen, weil sie es mit den Hüttenbarouen nicht verderben möchte. Um es nicht bei der kläglichen Bnndesratsverordnnng zu belassen, betrieb die sozialdemo- kratische Fraktion eine zeitgemäße Ergänzung dieser Vcr- ordnung. Im April 1911 stellte die sozialdemokratische Fraklion zur dritten Etatsberatung folgende Resolution: »Der Neiazslag welle besctiltetzen, die Verbündeten Negierungen zu ersuchen, alsbald eine Ergniizuug der Bundesralsverardnung vom 13. Dezember 1908, betreffend den Betrieb der Anlagen der Grotzeiscumdusirie, vorzunehmen, in der vorge'chiieben wird: I. die Tauer der täglichen Arbeitszeit im allgenieinen; 2. die Einführung der achtstündigen Schicht für die in den Feuer- betrieben beschäftigten Arbeiter; 3. die innerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit einzuhaltenden Pansen; 4. die Vinschränknug der Uebcrzeitarbeit; ö. die strengste Durchfübrnng der ztlm Schutze der Arbeiter er- lassenen gesetzlichen Beslinnunngen; 6. die sanitäre Einrichtiing der ArbeitSränme, die Errichtung von Wasch- und Badeanstalten. Anlleide- und Speiseräumcn." Genosse Hengsbach begründete diese Resolution. Seine Rede stützte sich teils ans Mitteilungen von Hüttenarbeitern, teils ans die Berichte der amtlichen Fabrikiuspektoren, und zwar benutzte er bereits die preußischen Fabrikinspektoren- berichte für 1919. Auf Seite 6199 des Ncichstagsstenogramms vom 3. April 1911 findet sich der Beleg dafür, daß Genosse Hengsbach auch diese Berichte schon zu seiner Belveissührung verwendete und aus ihnen speziell den Nachweis der unter der Geltung der Buudesratsverordnling zugenommenen Uebcrarbeit in den Hüttenwerken führte I Auf Grund dieses Materials kam er zu dem Schluß, daß die Bundesratsverordnung keine Verbesserung der Arbeiterverhältnisse zustande gebracht habe. In derselben Sitzung gab auch Herr Giesberts sein Urteil über die Wirkimg der Bundesratsverordnung ab. und zwar nachdem Genosse Hengsbach gesprochen hatte. Herr Giesberts war ganz anderer Meinung. Natürlich gab Herr Giesberts zu. daß die Verordnung verbesserungsfähig fei, aber, so meinte er: „Im allgemeinen muß ich aber feststellen, daß bei oller Mangel- haftigkeit. die dieser Bundesratsverordnung anhaftet, sie doch gut gewirkt hat". lSeile 6180 des Stenogramms). In derselben Rede gab Herr Giesberts nochmals sein Urteil dahin ab, daß, wenn einmal das Material in einer (vom Zentrum beantragten)„Denkschrift" vorläge, so würde sich zeigen, daß„zwar die Bundesratsverordnung in bezug auf den Schutz der Hüttenarbeiter Erfolge gehabt hat", daß sie aber erweitert werden müsse. Der als„sozialpolitische Autorität" gepriesene Herr Gies- berts„stellte" also am 3. April 1911 im Reichstage„fest", daß die Bundesratsverordnung„doch gut gewirkt hat". Er verlangte zlvar„Erweiterung", aber— das Zentrum stimmte unter Giesberts Führimg die sozialdemokratische Resolution, die auf eine energische Erweiterung der Ver- ordnung drang, nieder! Dafür wurde die Zentrums- resolution angenommen, die wieder durch das Verlangen nach einer„Denkjchrlst" die Sache auf die lange Bank schob. � s An'-lff' gleich am Tage des neuen Zu- sammentritts des Reichstages wieder die H ü t t e n a r b e i t e r- schütz frage zur Debatte kam. Veranlaßt durch ein großes Unglück auf dem Bochumer Gußstahlwerk am 19. Dezember 1919 haste die dortige Verwaltungsstelle des Metall- arbeiterverbandes eine Petition an den Reichstag gesandt mit der Bitte, baldmöglichst ein Hüttenarbeiter- s ch u tz g e s e tz zu schaffen. Genosse H u e, Abgeordneter für Bochum, empfahl dringend die Erfüllung dieser Bitte. Auch Herr Giesberts sprach zu der Petition und kam auf die vielgenannte Bundesratsverordnung zu sprechen. Was aber erklärte Herr Giesberts nun am 17. Oktober 1911 im Reichs- tag. Nach einigen Vorbemerkungen findet man im Steno- gramm(Seite 73t1) folgende Erklärung des Herrn Giesberts: .Es ist nicht bloß die Unzulänglichkeit der Bundesratsverordnung erwiesen, sondern auch, daß die eigenartigen Verhältnisse der Großcisenindnstrie der Dinch- führiing dieser Bundcsralsvetordnung selbst große Sänvierig- leiten enigegenslellen. Wenn man die Berichte der G e- werbet 11 spektoren durchsieht, die firti über 1� Jahre erstrecken, dann gewinnt man den Eindruck, daß diese Bundesrats« Verordnung glatt ein Fiasko gemacht hat(Hört! hörtl bei den Sozialdemokrate»), ein Fiasko, das nicht bloß bedauerlich ist mit Rücksicht auf die Arbeiter, sondern auch mit Niicksichl ans die Gesetzgebung selbst. Wenn ein Gesetz geschaffen oder eine Verordnung erlassen wird zum Schutze einer Arbeiter- kategorie, so ist doch das erste, was man voraussetzt, daß ein Er- folg zu vei zeichnen ist, daß, wenn die BniideSrolSverordnimg l'/s Jahre in Kraft ist, dann die Gewerdeinspektionsbeiichte lediglich sagen köinien: es hat sich in den Haupt- und wichtigsten Punkten: Regelung der Arbeitszeit und der Ueber- st lt n d e n— das»nd das verbessert. Aber das Gegenteil ist hier der Fall!" Derselbe Herr Giesberts, der am 3. April 1911„feststellte", daß die Bundesratsverordnung„doch gut gewirkt" habe, er- klärte also am 17. Oktober 1911, die Verordnung habe „glatt ein Fiasko gemacht"! Man könnte ein- wenden, der große Sozialpolitiker habe sich vom April bis Oktober über die von ihm am 17. Oktober d. I. angezogenen Geioerbeinspektorenberichte pro 1919 informiert. Aber diese Berichte lagen nicht nur bereits Ende März 191 1 vor. sondern unser Genosse Hengsbach hat gerade diese selben Berichte in seiner Reichstagsrede vom 3. April d. I. behandelt und kam gerade auf Grund der dortige» Mitteilungen zu seinem abfälligen Urteil über die Bmidesratsverordming 1 Herr Giesberts hörte das, ihm standen auch dieselben Berichte so früh wie Hengsbach zu Veifügnng, und selbst wenn der „große Sozialpolitiker" Giesberts es noch nicht der Mühe wen gesunden hatte, seine Nase in die Geiverbeiiispektions- berichte zu stecken, vernahm er doch aus der Rede Hengsbachs, wie traurig die Bmidesratsverordnung nach amtlicher Bekundung„ivirkte". Aber Herr Giesberts polemisierte un- geniert gegen den Genossen Hengsbach,„stellte" in selbst- bewußter Würdigung als große sozialpolitische Autorität des Zentrums„fest", daß die Verordnung„gut wirke"— und kommt nun hinterher am 17. Oktober mit dem von Hengsbach be- reits im April vorgetragenen amtlichen Material heran- gezogen, um genau ebenso selbstbeivußt das„völlige Fiasko" der Verordnung zu verkünden. Doch ist damit die für die schntzbedürftigen Hüttenarbeiter sehr traurige Geschichte leider noch nicht zu Ende. Im April sorgte Herr Giesberts durch feine Rede dafür, daß die auf sofortige Erweiterung der kläglichen Bundesratsverord» uung dringende sozialdemokratische Resolution abgelehnt, und die Ausarbeitmig einer„Denkschrift" beschlossen Ivurde. Nun forderten die Hüttenarbeiter in ihrer Petition den bald- möglichsten Erlaß eines Schutzgesetzes. Die Petitionskommission, deren Berichterstatter Herr Giesberts war, schlug aber die Forderung nach Schasfung eines Gesetzes nicht einmal„zur Berücksichtigung", sondern nur„als Material" vor! Des- wegen beantragte die sozialdemokratische Fraktion die Ueber- Weisung der ganzen Petition au die Regierung„zur Berück- sichtiguug". Genosse Hue begründete diesen Antrag mit Hinweis auf die iiachgewiesene Unzulänglichkeit des Ver- orduungsweges. Da war es abermals Herr Giesberts, welcher nach dem Stenogramm, Seite 7371, Neichstagssitzung vom 17. Oktober 1911 erklärte: .Die PctilionSkominiision hat die sachlichen Punkte der Petition zur Berücksichligiaig empfohlen, während sie das Per- langen nach einem eigenen Hüttenarheilcrgcsetz der Regierung nur als Material überwiesen hat, und zwar mit Rücksicht darauf, daß wir glauben, nachdem der Buudesrat eine Verordmiug zum Schutze der Arbeiter in der Großeisenindustrie erlaffcn hat, besser oder wen ig st ens schneller durch deuAnS- bau dieser Bundesratsverordnung zum Ziele zu komme n." Auf diese„Sozialpolitik" mache sich einer einen Vers I Im April beantragt die sozialdemokratische Fraktion die Erweiterung der Bilndesratsvcrordnnng— da tritt Herr Giesberts auf und sorgt dafür, daß die Forderung der Ber- besserung der Bundesratsverordnung abgelehnt wird. ! Wenige Monate später wird der Reichstag abermals auf- �gefordert, bei der Regierung auf die Vorlage eines Hütten- arbeitcrschntzgesetzes zu dringen. Nun tritt wieder Herr Giesberts aiif— und jetzt„glaubt" er,„besser oder wenigstens schneller durch den Ausbau dieser Bundesratsverordnung zum Ziele zu kommen". Die Nähe der Neuwahlen wird ja dem Herrn Giesberts am 17. Ottober im Gedächtnis gewesen sein, als er„ein Fiasko nannte, was er am Z.April als„doch gut wirkend" bezeichnete. Aber der begreifliche Wunsch des Herrn, im Wahlkampf mit seinem„energischen Eintreten für die Arbeiter" prunken zu können, ändert nichts an der Tat- fache, daß er im April d. I. durch seine Rede die Forderungen der Hüttenarbeiter zu Fall gebracht hat. Die getäuschten Arbeiter werden am Wahltage über diese sozialpolitische Leistung quittieren._ flm 12. pimar Kclcbslagswal)!! Endlich hat nunmehr die Regierung den Termin d»» Neichstagsivahlen bekannt gegeben. Die Hauptwahlen werden am 12. Januar stattfinden. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" bringt die Bekanntgabe des Wahl- termins in folgender Form: .AIS Tag der allgemeinen Wahlen für den Reichstag ist, wie wir elfahren, der 12. Januar 1912 in Aussicht genomnien. Da dieicr Tag in die Legislotuiperiode deS gcgeulvärtigeu Reichstages fällt, wird zuvor desicn Auflöiung zu erfolgen haben; der Termin hierfür steht noch nicht fest, dürste vielmehr iin wesentlichen von dem Fortgange der parlamentarischen Arbeiten t-i"" Durch diese Festsetzung des WahlterminS ist der eigent- liche Wahlkampf auf eine recht kurze Spanne Zeit zusammen- gedrängt, da ja durch Weihnachten und Neujahr die Agitation eine Unterbrechung erfährt. Im Jahre 1997 fand die Wahl zwar auch im Januar statt, aber erst am 23. Januar, so daß damals weit ausgiebigere Wahlagitation möglich war. Der Kampf wird deshalb schon vor Weihnachten mit aller Leb- haftigkeit entbrennen. Reichstagsdispositionen. Die Dispositionen über die Geschäfte des Reichstages wurden am Mittwoch im S eniorenkonveut in folgender Weise getroffen: Der Präsident äußerte den Wunsch, den Reichstag aus. zirka zehn Tage zu vertagen, damit in- zwischen die Kommissionen arbeite» können. Man stimmte im allgemeinen zu; die Debatte über die T e u e r u n g s- interpellation werde voraussichtlich bis Donnerstag zu Ende gehen. Am Freitag soll dann die Interpellation über die Maul- und Klauenseuche zur Beratung kommen. Dann tritt die Vertagung bis 7. November ein. Der Präsident gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ab- machungen über den Marokkovertrag dann perfekt sein iverden und daß dann nach der Vertagung sofort über die auswärtigen Angelegenheiten resp. über die Interpellation über Marokko und die auswärtige Lage die Vcrhand- lutigen beginnen können. Am 7. November tvill der Präsident die Vorlage über die Ausgabe kleiner Aktien, ferner den Handelsvertrag mitJapau, den Auslieferungsverlrag mit Groß- britannien und eventuell Rechnungssacheu auf die Tagesordnung setzen. Dann wird am 3. und 9. November die Beratung über die Marokkointerpellation und die auswärtige Lage stattfinden. Am 19. und 11. November soll der Gesetzentwurf über die Schiffahrts» abgaben zur Beratung kommen; am 13.. 14. und 15. No- vemder wird auf die Tagesordnung gesetzt: Gewerbe- ordnung(8 Iiis), Hilfskasscngesetz, Rech- u u n g s s a ch e n. Am 16., 17� und 18. November soll dann die dritte Beratung dieser Vorlagen erfolgen. Außerdem soll die dritte Beratung der Strafgesetznovelle (Lex Wagner) vollendet werden, cvent. das Arbeitskammcr- gesetz zur Beratung kommen, wenn es in der Kommission so weit fertig gestellt ist. Der 29. und 21. November wird wegen deS Bußtages sitzungssrei sein. Am 23. November soll dann die ziveite Lesung des Privatbeamtenversiche- rungs-Gesetzcs stattfinden, und dann im übrigen die kleinen Gesetze bis Ende November fertig beraten werden. Von nationalliberaler Seite wurde angeregt, ob nicht eine gemeinsame Aktion der Parteien vor Abschluß des Marokkovertrages seitens der Parteien im Reichstag zu unter- nehmen sei, damit der Reichstag nicht vor ein fcüt accompli gestellt werde. Von verschiedenen Seiten, speziell den Kon- scrvativcn und der Zentrumspartei wird dagegen eingewendet, daß ohne Beratung der Fraktionen eine solche Vereinbarung nicht zu schaffen sei. Außerdem wurden Zweifel an dem prak- tischen Ausgang dieser Sache ausgesprochen. Da es zu keiner Verständigung über eine gemeinsame Aktion kommen konnte, blieb die Anregung auf sich beruhen. » Der Abschluß der Marokkovcrhandlungen dürfte mtnmchr in allernächster Zeit zu erwarten sein, so daß einer Be» sprechung ihres Ergebnisses am 8. November in der Tat kein Hindernis mehr im Wege stehen dürfte. Ueber die Kam- Pensationen soll volle Einigkeit erzielt sein, eS wird sogar be- hauptct, daß die anderen Mächte bereits von den Einigungs» bcdingungen unterrichtet worden seien. Der formale Abschluß wird von dem nächsten fran- zösischcn Ministerrate erwartet jedenfalls wird die Affäre auch der Form nach in wenigen Tagen abgewickelt sein. Dann darf auch das deutsche Volk erfahren, mit welch glorreicher kolonialen Neuerwerbung unsere geniale Diplomatie die Nation beglückt hat, die Nation, die dann das k 0 st- spielige Vergnügen teuer berappen wird! Denn zu den direkten kolonialen Mehrausgaben werden auch enorme neue martntstisch« Lasten hinzutreten l Geldvergendung und cebeusinlttel- teuerung. Am dritten Tage der Teurungsdedatte im Reichstage Wurde zunächst über zwei Kolonialrechnungen aus früheren Jahren debattiert. Die Verhältnisse bringen, eS allerdings mit sich, daß die Abrechnungen der Kolonialverwaltung erst nach mehreren Jahren der Oberrechnungskammer und dann dem Reichstage zur Prüfung unterbreitet werden können; daß aber die eine dieser Jahresrechnungen, die jetzt dem Hause vorliegen, die für Kiautschou, noch auf das Jahr 1S04 zurückgeht, ist jedenfalls ein Beweis dafür, daß manche Sachen in übermäßiger Weise der- schleppt werden. Als die beiden Abrechnungen zur Debatte kamen, rügten die Redner der verschiedensten Parteien abermals, daß die Verwaltung sich nur notdürftig an den Etat gehalten hatte, und es deshalb in verschiedenen Fällen zu Etatüberschreitungen gekommen war. Diese Etatüberschreitungen beliefen sich z. B. für Südwestafrika im Jahre 19(18 auf mehr als eine Mil- lion Mark. Es wurde der dringende Wunsch ausgesprochen, daß die Rechnungskommission des Reichstages sich nicht mit platonischen Beschwerde» begnügen solle. Genosse N o s k e nahm einen besonders skandalösen Fall zum Anlaß, um weitergehende Forderungen zu stellen. Es hat sich näm- lich herausgestellt, daß die M a r i n e v e r w a l t u n g, der bekannt- lich auch die Verwaltung von Kiautschou unterstellt ist, Mittel, die für Kiautschou bewilligt waren, zur Entlohnung von Beamten im Marineamt selbst verwendet. Das war schon vom Oberrechnungshof und vom Reichsschatzamt gerügt worden. Noske meinte, es sei doch zu erwägen, ob der Reichstag nicht hier einmal ein Excmpel statuieren solle durch einen Beschluß, der den Marineminister nötigt, diese zu unrecht verwandten Beträge aus der eigenen Tasche zu ersetzen. Die beiden Rechnungen wurden dann, wie üblich, der Rechnungskommission zur näheren Prüfung über- wiesen. Nach diesem Einblick in die Art und Weise, wie die hochgeschätzte Reichsregierung die Reichsgelder verplempert, wandte sich das Haus dann wieder in der T e u e r u n g s d e b a t t e der Frage zu, mit welcher Not die Aufbringung dieser Reichsgeldev für die breiten Massen des Volkes verknüpft ist. Wieder eröffnete ein Agrarier den Reigen, und zwar der Graf Kanitz, der Theoretiker des preußischen Großgrundbesitzes. Mit aller Lungenkraft, die er auf- zubringen vermochte, erstattete er dem Reichskanzler den Dank der konservativen Partei dafür, daß er„nicht rütteln lassen will an unserer bewährten Wirtschaftspolitik". Dann wandte er sich gegen seinen nationalliberalen Vorredner Fuhrmann, dessen ge- mäßigtes Agrariertum natürlich den hochgespannten Ansprüchen der 'Edelsten und Besten nicht entspricht. So geht eS aber den Künstlern der mittleren Linie, daß sie meist von beiden Seiten Schläge be- kommen. Graf Kanitz nahm es dem Herrn Fuhrmann übel, daß er überhaupt das Bestehen einer Teuerung anerkannt hatte und spielte gegen ihn den nationalliberalen Stadtdirektor Tramm in Han- nover aus, der die Teuerung einfach bestritten hatte. Auch der The- oretiker Kanitz operierte dann wie vorher die agrarischen Praktiker von Bcthmann Hollweg bis Niederlöhner mit der Aufzählung un- bestrittener Wahrheiten, daß nämlich die Getreidepreise bald hoch und bald niedrig seien, daß auch der Zwischenhandel zur Verteuerung mitwirke, und daß die Landwirtschaft große Lasten zu tragen habe. Gegen die Sozialdemokratie ließ Kanitz dann gleichfalls die Mitarbeiter der„Sozialistischen Monatshefte", Schippet, C a l w e r und Arthur Schulz, aufmarschieren. Er fügte sinn- reich noch den ehemaligen französischen Minister B r i a n d hinzu, dem er die unverdiente Ehre antat, ihn einen Sozialdemokraten zu nennen. Unter den freisinnigen Abgeordneten hatte er sich Herrn G h ß I i n g als Gewährsmann ausgesucht, der ihm sympathischer ist als Herr O e s e r. Graf Kanitz verlangte von der freisinnigen Partei, daß sie genau definieren solle, was denn eigentlich unter dem„Abbau des Schutzzollsystems" zu verstehen sei. Von irgendwelchem Zugeständnissen zur Milderung der Not war bei Kanitz überhaupt nichts zu spüren. Vor allen Tingen will er nichts von der Einschränkung des Ausfuhrscheinshstems wissen, im angeblichen Interesse der ostpreußischen Landwirtschaft. Als dritter Minister nahm dann an dieser Debatte der Staats- sekretär des Innern, Herr Delbrück, das Wort. Er hatte es sich zur Aufgabe gestellt, durch endlose statistische Tabellen etwas zu beweisen, was niemand bestritten hatte, daß nämlich Deutschland in den letzten Jahrzehnten einen enormen wirtschaftlichen Auf- schwung genommen hat. Der Trugschluß, mit dem er selbst wie die sämtlichen Vertreter der herrschenden Parteien operierten, ist nur der, daß dieser Aufschwung zurückzuführen sei auf das Hoch- schutzzollsystem, das nach unserer Auffassung nur den Hemmschuh für den Aufschwung bildet. Herr Delbrück tat aber noch ein Uebrigcs, denn er suchte, wie schon Graf Kanitz. die Teue- rung selbst aus der Welt zu reden oder doch als ganz unbedeutend hinzustellen. Auch gegen die Vorschläge zur Einführung von G e- f r i e r f l e i s ch führte er das schwere Geschütz statistischen Ma- terials ins Feuer. Er tischte sogar das Märchen auf, daß in Oesterreich der Versuch, Gefrierfleisch einzuführen, an der Ab- Neigung der Bevölkerung gescheitert sei. und daß in Bern zwar bürgerliche Familien, nicht aber die Arbeiter Gefrierfleisch abge- Nammen hätten. Als Herr Delbrück seine lange Rede mit weitschweifigen Ein- leitungen begann, wurde ihm von sozialdemokratischer Seite zuge- rufen, er möchte doch endlich zur Sache kommen. Da ereiferte sich der freikonscrvative Dr. Arendt für den Minister mit dem her- ausgepoltertcn Zwischenruf:„Das ist die erste Rede zur Sache!" Der Unglückliche merkte zu spät, daß er damit ein ver- nichtendes Urteil über die lange Reihe der agrarischen Vorredner, einschließlich den Reichskanzler von Bethmann Hollweg gefällt hatte. Der Minister von Breitenbach bemühte sich, kurz die Maß- regeln der preußischen Eisenbahnverwallung zur Verbilligung der Tarife darzulegen. Dann kam für die Sozialdemokraten als zweiter Redner Genosse Südekum zum Wort. Er wandte sich mit großer Entschiedenheit gegen die Versuche der verschiedenen Minister einschließlich des Reichskanzlers, die Debatte von der Frage einer Linderung der Volksnot hinübcrzuspielen auf das weitere Gebiet einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über das herrschende Wirt- schaftssystem. Dadurch werde einerseits d'.e Wichtigkeit der Not- lindcrung verschleiert, andererseits springe daraus mit großer Deutlichkeit doch nur hervor, daß die Regierung in ihrer peinlichen Verlegenheit die krampfhaftesten Anstrengungen macht, eine zug- kräftige Wohlparole an den Haaren herbeizuziehen. Alle Versuche, die Not des Volkes aus der Welt zu reden oder in Berge statistischer Zahlen zu verstecken, scheitern aber in den nackten Tatsachen, die uns tzberall ins Gesicht starren. So sei es völlig irreführend, wenn von einer Besserung der Wohnungsverhältnisse gesprochen würde, das Gegenteil sei der Fall, in den großen Städten herrsche ein grauenhaftes Wohnungselend. Eiü Staat und Volk, die nichts dagegen ernstlich unternehmen, verdienen nicht den Namen eines Kulturvolkes. Daß di« Arbeiter in ihrer Lebens- Haltung zurückgedrängt werden, geben selbst Zentrumsarbeiter zu. Es macht den Eindruck einer ungewollten Brutalität, daß der Reichs- kanzler in seinen Ausführungen vollständig das Mitgefühl sür die Not deS Volkes vermissen lasse. Wenn er den Kommunen die Auf- gäbe zuweist, durch Wareneinkauf der Bevölkerung zu Hilfe zu kommen, so habe er offenbar ganz übersehen, daß die Kommunen durch das elende Drciklassenwahlsystem in den Händen derjenigen Bevölkerungsschichten, der Hausbesitzer und Geschäftsleute, seien. die gar kein Interesse daran hätten, den Zwischenhandel auszu- schalten, und die Regierung habe durch Aufrcchterhaltung deS Drei- klassenwahlunrechts in Preußen wie in den Kommunen das Recht verwirkt, die Kommunen vorzuschieben. Südekum hatte im Laufe seiner kräftigen Ausführungen ironisch darauf hingewiesen, daß der Reichskanzler den V-erhand- lungen ferngeblieben sei. So mußte denn zu dessen Verteidigung Herr Delbrück in die Bresche springen, indem er durch Zitat aus Bekhmanns Rede zu beweisen suchte, daß man ihm keine Brutalität, auch leine ungewollte, vorwerfen könne. Südekum er- widerte darauf, auf den Ausdruck komme es ihm gar nicht an, sachlich halte er seine Kritik aufrecht; die unverbindlichen Rede- Wendungen, die Delbrück zitiert hatte, würden in der Kirchensprache als L i p p e n d i e n st gekennzeichnet. Ter Präsident Graf Schwerin bewies durch einen Ordnungsruf, daß er den herben Sinn dieser Worte verstanden hatte. . Morgen geht die Debatte weiter. Sie chinesische Revolution. Uesier London kommt eine Nachricht, die, wenn sie sich bestätigen würde, die Situation in China noch viel kritischer gestalten würde. Nach dieser Meldung sollen Ist st st Mann japanischer Truppen in Mukden eingerückt sein. In Mukden, der Hauptstadt der südlichen Mandschurei, die an Korea grenzt, haben die Japaner schon lange Wirtschaft- lich festen Fuß gefaßt und an sich wäre der Versuch nicht unwahrscheinlich, der wirtschaftlichen die p o l i t i s ch e Er- o b e r u n g nachfolgen zu lassen. In der Tat fürchteten die chinesischen Revolutionäre von Anfang an das Eingreifen Japans in ihre Auseinandersetzung nnt der Mandschudynastie. Es heißt auch, daß die Japaner auf Wunsch der chine- fischen Regierung, die sich selbst nicht mehr zu helfen weiß, eingerückt seien. Wäre dies zutreffend, so würde die nationale Bewegung, die sich gegen den Landes- verrat der Dynastie erheben würde, die Revolution aufs stärkste unterstützen. Andererseits erwüchse ihr aber ein über- mächtiger Gegner in der japanischen Armee. Auch müßte damit gerechnet werden, daß Rußland im Norden der Mandschurei dasselbe täte, was Japan im Süden, während die übrigen Mächte und vor allein die Vereinigten Staaten von Amerika dieser Zerstückelung Chinas nicht untätig zu- sehen würden. Man muß also hoffen, daß die Nachricht un- bestätigt bleibt und die Mächte der chinesischen Revolution die versprochene Neutralität auch wirklich halten. Im übrigen stimmen alle Nachrichten übcrein, daß die Revolution unaufhaltsam fortschreitet. In Peking herrscht Panik, die Regierung leidet an äußerster Geldnot und ist nicht mehr imstande, die Ratenzahlungen für die Kriegsentschädigung an die freniden Mächte zu leisten. Die kaiserliche Armee ist unbeweglich, da es ihr an Geld, Munition und Geschützen mangelt. Die Führer zaudern, da sie der Treue ihrer Trupven nicht gewiß sind und zum Teil selbst lieber mit den Rebellen, als gegen sie marschieren würden. Bombenattcntat gegen einen kaiserlichen General. Canton, 25. Oktober.(Meldung des Neuterschen BureanS.) Während der neue Mandschngencral F u n g s e n, der ani Morgen gelandet war, in der Tschongtschingstraße am Admira- litätsgebäude vorüberging, wurden von den Dächern benach- barter Häuser Bomben herabgeworfen, durch die 30 Sol- baten getötet wurden. Infolge der Explosion brach in mehreren Häusern Feuer aus, das jedoch bereits gelöscht ist. Die Stadt ist ruhig. Der General selbst wurde so schwer verwundet, daß er bald darauf seinen Verletzungen erlag. Fortschritte deS Aufstandes. Peking, 2ö. Oktober. Heber den Fall von Kiukiang liegen jetzt Konsulatsberichte vor, in denen die Einäscherung deS dortigen Jamen bestätigt wird. Die kaiserlichen Truppen hätten den Ausstän- dischen keinen ernstlichen Wider st and entgegengesetzt. Aus I t s ch a n g sei ein Dampfer mit chinesischen Truppen, die unter weißer Flagge fuhren, in Wutschang angekoinincn. Nach einer Meldung aus S i a n f u hätten die dortigen Auf- ständischen den Mobamniedaucrn von K a n s u, die sich seit August im offenen Aufruhr befänden, Vorschläge unterbreitet. Beide Teile würden sich wahrscheinlich den Streitlräften der Auf- ständischen anschließen.— Wie au« S u t s ch o u. T s i n a n f u und anderen Städten berichtet wird, ist eine Anzahl chinesischer Seeleute von den Kanonenbooten desertiert. Ei» Brief deS revollitioit irren Generals. Schanghai, 24. Oktober. Die einbeimische Zeitimg„China Times" veröffentlicht einen Brief des Führers der An'släudischen L i y u a n h u>i g an den Admiral Sah, in dem Liyuaiihung seinen Anschluß an die Aufständischen mit der Bcgi ündiing rechtfertigt, daß, als der Aufstand ausbrach, seine eigenen Truppen nicht zur Stelle gewesen seien. Er habe versucht, zu entkommen, sei aber festgehalten und gezwungen worden, den Oberbefehl zu libernehineii. Nunmehr habe er erkannt, daß alle Menschen, vom höchst ei« angefangen bis zum nie- drigsten, von einer Sinnesart seien und halte eS für besser, einer geeinigten als einer uneinigen Partei anzugehören. Hukou am Poyang-See ist, wie berichtet wird, in die Hände der Auf ständischen gefallen. Ein deutsches Kailonenboot in Tschangscha. Berlin, 25. Lkiober. Der Cbef des KreuzergeschwaderS hat gemeldet: Das � Flußkanonenboot„Vaterland" ist noch Tschangscha(Hanplstadt� der P uvinz Hnnan am Siang Fluß) entsandt, das die An s ständischen ohne Kampf beietzl haben. In Haukau ist alles ruhig. Der Krieg. Die offziellen Nachrichten, die die italienische Rcgieruna heute verbreiten läßt, lassen trotz aller Schönfärberei deutlich erkennen, daß den Italienern ihr Raubzug teuer zu stehen kommt. Nur daß wieder die Opfer dieser kapitalistischen Politik die unglücklichen Proletarier sind, die man ge- zwangen hat, mit den Waffen in der Hand den Ausbeutungs- gelüsten des Kapitals zu dienen, wie sonst ihre Klassen- genossen ihr ganzes Leben lang in Werkstätten und Fabriken sür den kapitalistischen Profit frondcn müssen. Hunderte armer Soldaten sind bereits gefallen.... Die Italiener haben in der Nähe von Tripolis schwere Kämpfe zu bestehen und in der Stadt selbst scheinen sich die Eingeborenen erhoben zu haben und im Straßenkain Pf den italienischen Truppen entgegengetreten zu sein. Die Araber, von deren Unterwerfungen immer�wieder erzählt wurde, haben sich als gesährliche und tavfere Feinde erwiesen. Die Italiener stoßen auf erbitterten Widerstands und gleich zu Anfang des wirklichen Krieges zeigt es sich, daß die italie- nische Heeresleitung ihrer Aufgabe nur wenig gewachsen ist. Tie Lage in Tripolis. Tripolis, 23. Oktober.(Meldung der Agenzia Stefani.) Da an dem gestrigen Zusammenstoß auch aufrührerische Araber teilgenommen hatten, die sich in der Oase im Rücken; der von den Italienern eingenommenen Linie befanden, hat General Caneva die Entwaffnung der Bewohner der Stadt und der Oase streng durchführen lassen. Man hat viele allenthalben versteckte Waffen und mit� Vorräten und Munition gefüllte Hütten entdeckt. Tie Waffen wurden be- schtagnahmt und die Hütten in Brand gesteckt, da es unmöglich war, die Patronen rechtzeitig fortzuschaffen. Viele A r a b e r wurden f e st g e n o m m e n. Diejenigen, die Widerstand leisteten und auf die Italiener schössen, wurden auf der Stelle erschossen. Ter Kawaß des deutschen Konsuls, der einen verwundeten Italiener erdolcht hatte, wurde von dem Konsul selbst den italienischen Behörden ausgeliefert. Diese stellten ihn sofort vor das Kriegsgericht und ließen ihn gemäß dem Gerichtsurteil erschießen. Unter den Arabern, die augenscheinlich im Einver- ständnis mit den Angreifern standen, brach auf dem ita- lienischen linken Flügel h i n t e r d e m 1 1. B e r s a g l i e r i» Regiment eine Rebellion aus, während die Ber- saglieri damit beschäftigt waren, den Angriff der türkischen Infanterie zurückzuweisen, die, gedeckt durch kleine Garten» mauern, vorrückte. Ten von dem hügeligen Terrain be- günstigten Arabern gelang es, den Bersaglieri nicht nnbedeu- tendc Verluste beizubringen, aber die Italiener machten, ohne die Kaltblütigkeit zu verlieren, auf der Stelle gegen beide Seiten Front, machten zahlreiche Araber nieder und nahmen viele gefangen. Der Kanrpf dauerte mit wechselnder Starke gegen acht Stunden und verursachte infolge des unebenen Ge- liindes viele Seliwierigkeiten, da es zu großer Truppenzer- splitterung zwang. An der letzten Phase des Kampfes nahmen Verstärkungen teil, die vom 82. Infanterieregiment gekommen waren, und endlich gelang es den Truppen, die A r a b e r und Türken von allen Punkten zu vertreiben und das Gelände vor ihnen zu säubern. Tie Verluste des Feindes waren außerordentlich groß. Ueber die Verluste der Jraliener, die verhältnismäßig nicht sehr schwer(?) waren, leiben sich noch keine genauen Taten er- Mitteln lassen, da die Truppen noch mit der E n t w a f f- n u n g der Bevölkerung zu tun hatten. Auf dem linken Flügel rekognoszierende Patrouillen fanden zwischen Harne und Mersi hunderte von türkischen und arabischen Toten. Während man längs der vorge- schobenen Positionslinien, besonders aus der linken Seite. kämpfte, begann in der Stadt eine Panik, die sehr ernst- hast hätte werden können. Der Ursprung der Panik war folgender: Ein Militärarzt, der einen verwundeten Offizier begleitete, gab, um eine Ansammlung der Volksmenge um den Wagen zu vermeiden, dem Unteroffizier, der den Wagen geleitete, den Befehl, die Arbeiter zu entfernen. Der Unter- offizier gehorchte und die zurückweichende Menge bot das verwirrende Bild einer Flucht; infolgedessen kam es zu einigen Tumulten. Läden, Cafcks und Hänser wurden geschlossen, einige Einwohner, die sich auf den Terrassen anihiellen, be- gannen R e v o l v e r s ch ll s s e abzugeben. Der Alarm pflanzte sich nach den Kasernen fort und besonders nach ver- einzelten Wachposten, von wo einige Flintenschüsse fielen. Jedoch wurde das Feuer sofort auf Veranlassung der herbeigeeilten Offiziere eingestellt. Ein junger Araber in Diensten von Offizieren des Bersaglieri-Regiments, von denen er Wohltaten empfangen hatte, versetzte einem Hauptmann dieses Regiments, während er das Feuer gegen den Feind leitete, einen Dolchstich. Ter Angreiser wurde er- schössen. Gefangeneiitrupps kommen fortwährend; sie werden, geleitet von Karabinieri, nach den Kasernen und anderen sicheren Orten geführt. Ties hat auf die arabische und türkische Bevölkerung großen Eindruck gemacht. Bis jetzt sind 31 Todesurteile ver hangt und sofort vollstreckt w o-r d e n. Sie betrafen Araber, die mit dxr Waffe in der Hand, gegen die Italiener gerichtet, über- rascht wurden.— Gestern früh erkundeten Flugzeuge das Gelände vor der Front der Italiener und entlang der Karawancnstraße von Tripolis nach Cafr Gariar. Hier entdeckte man ein ausgedehntes Lager der Türken und Ära- der. Im Laufe des Tages sah man in mehreren Orten Gruppen von Arabern und Türken von verschiedener Stärke, ohne daß aber ein Angriff erfolgte. Das 8. lLersaglieri-Regiment, das HomS besetzt hält, ging vorgestern gegen feindliche Scharen vor. die sich vor seiner Front zeigten, und zwang sie, sich unter bedeutenden Verlusten nach Margbele zurückzuziehen. Die in Tripo- Iis vorgenommenen Verhaftunaen belaufen sich aus ungefähr zweitausend. Tie Italiener gegen den Frieden. Rom, 24. Otlober. Die.Tribuna' dinckt heute einen ihr von einer ausländischen Persönlichkeit zngegnugeiieii Brief ab. in dem Italien geraten wird, dem Beispiel Englands in Aegypten tmd Frankreichs in Tunis folgend, in T r i p o l i s wenigstens vor der Hand die nominelle Souveräniiät des Sultans bc» sieben zu lassen. Das Blatt bemerkt z» dickem Schreiben. Italien könne sich mit einer derartigen Stellung in Tripolis nicht abfinden. Die öffentliche Meinung habe sich dem zu entschieden widersetzt, und die Regierung bade keinen Anlaß, der öffentlichen Meinung in dieser Frage entgegenzutreten. �Dir Verbäliuisi« in Aegypten und Tunis ließen sich mit denen in Tripolis nicht auf eine Stufe stellen. Anstatt sich der Gefahr auszusetzen, daß die ganze Frage in einem weniger günstigen Augenblicke wieder aufgerollt werde und alsdami eine neue Drohung für den e n r o p ä i s ch e n Frieden bilde, sei es besser, wenn die politische Slcllung Italiens in Tripolis ein für allemal endgültig geregelt sei. pditilcde CfcbcrHcht. Berlin, den 25. Oktober 191L Stichwahlabkommcn für Elsast-Lothringe«. In Elsaß-Lothringen ist nunmehr zwischen Liberalen und Demo» kratcn einerseits und den Soziaidemolraten anderericils ein Stich» w a h l a b k o m m e n abgeschloffe» worden. Da bei den Wablen am künftigen Sonntag die einfache Mehrheit entscheidet, wäre eS möglich, daß der ZentrumSkandidat den Sieg davontrüge, obwohl die für die liberalen und sozialdemolratischen Kandidaten gesondert avgegedene Stimmenzahl vedeutend gröber wäre. Da nun in allen Kreisen daS Zenirum als gemeinsamer Gegner in Frage kommt, ergab eS sich von selbst, daß Liberale und Sozidlde m 0 I r a 4 c it ein Abkommen auf gegen- seitige Unterstützung trascn. Das Wahlbündnis ist auf folgender Grundlage zustande gelomnieu: 1. Die Beseitigung der Gemeindewohnsitz- klausel und Einschränkung der Lau desWohnsitz- k l a u s e l. 2. Einführung der progressiven Einkommen- und Vcr- mögenssteuer; Abschaffung der indircklen Stenern auf Lebens- und Genubmittel. 3. Ausbau der Gcivcrbeinspektioncn, ins- besondere gesetzliche Regelung des Bau-, Berg- und Hnltenaibciter- schutzes; Einführung des deutschen Gewerbegerichlsgcsetzes, Ber- mehrnug der Gewerbegerichte. 4. Sicherung des Koalitionsrechtes für alle Arbeiter und Angestellten der Privatindustrie, dcö Staates und der Gemeinden. 5. Bekämpfung aller auf die Klerikalisterung des Staate« und seiner Einüchmngen, besonders der Schulen ge- richteten Bestrebungen.(Punkt o wird unter Vorbehalt der Ab- ändernng wiedergegeben.) Auf der Grundlage dieses Abkommens wurde vereinbart, das; die sozialdemokratische Partei itt 17 Wahlkreisen ihre Kandidaten zurückziehen, darunter zwei, in denen ihre Stimmenzahl gröszer ist als die der Liberalen. In zwei weiteren Wahlkreisen übt die Sozialdemokratie Stimmenthaltung, da die Liberalen stark genug find, um Zentrum und Block zu schlagen. In den restlichen a ch l Wahlkreisen ziehen die Liberal-Demokraten ihre Kandidatur zurück und stimmen für den Sozialdemokraten. Wie im einzelnen die Verhältnisse liegen, zeigen folgende Tabellen, die wir der«Frank- surter Zeitung" entnehmen: I. Sozialdeviokratie für Liberale und Demokraten: ') Wirischastl. St., �) Agrarier, � Zuzüglich der»nabh. Stimmen, Ilnabh.-Lib, s) Ilnabh. Agrarier, 6J KlerikaUibcralcr,') Unabh., 8) Loih. Block. II Liderale bei sozialdemokratischer Stinniienthaltung: ') Wirlschastk.,-) Unab. Lib.,») Unabh.,«) Wirtsch. Zur Stickiwahl in Konstanz. Das sozialdemokratische Wahlkomitee hat die Parole natürlich f ü r den N a t i o n a l l i b e r a l e u S ch ui i d gegcn�den Zeutrilinskandidaten v. Nüpplin ausgegeben, nach- deni Herr Stchmid und mit ihm die nativnalliberale Partei- leitnng für den ersten badischen Wahl!, eis die Jenaer Stich wahlbedingutigen akzeptiert hat. In dem Wahlaufruf unserer Genossen heißt es: Unbeichadel unserer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die Raiionolliberalen, die ivir auch im ver- flossencn Hauptwohlkampf anf« nachdrücklichste betont haben, fordern wir unsere Wähler deshalb auf. am 27. Oktober vollzählig zur Urne zu gehe». Manu für Mann dem Kandidaie» des liberalen Blocks, Herrn Gärtnermeister Georg Schmid die Stimme zu geben und in ihren Kreisen nach Kräften in diesem Sinne tätig zu sein. Unsere Parole miis; lauten: Nieder mit dem Volks- Verräterischen Zentru'.nl Hoffentlich gelingt es, am Freitag die Niederlage des Zentrums zu einer endgültigen zu niachen. Tie„berichtigte" Wahrheit. Daß die«Märkische Volksztg.' und ihre Nährmutter, die «Gerniania". zu den sonderbarsten Heiligen gebären, ist ja seil langem bbkaimt. Jinmerhin ist es eine nngehriicrliche Leistung. ivcnn das Blatt linter dem 24. d. M. folgende Berichtigung bringt: In dem Bericht über die V e r s a m in l u n g der Eisenbahner in der Renen Welt, die znni letzten Soinitag zur Besprechung der Teuerung einberufen war. bies; es. mit dem soziat- demokratischen Abgeordneten H o s s m a n n(der ans dem Saal gewiesen wurde) hätten sich über lausend Eiienbahner er- hoben, um dein Sozialdemokraten zu folgen. Diele Metdung eiit- spricht nicht den Tatsachen. Diejenigen Personen, die sich um Hoff», am, ich-,,, vor Beginn der Versammlung geschart battcii. waren Nichran gehörige des Verband e S d e u t t ch e r E i i e i, b a h» h a n v wecker und Arbeiter Sitz Berlin, früherTrier. Wer locht da? Neun volle Tage waren seit der Ver- saininlung verslossen, che die Berichtigung zur Redaktion des Blattes für«Wahrheit und Rechl" gelangtes Ist sie über Trier oder über da« Eisenbahn mini st erium gewandert? Beiden hat die Solidarität, welche die Eisenbahnarbeiter dem Abgeordneten Hoff- mann gegenüber üblen, gleich weh getan. Aber das ist doch»och kein Grund, jede Logik fahren zu laffcn und sich als Organ für«Wahrheit und Recht" selbst der Lächerlichkeit preis- zugeben. Erst hat man die Zabl der Besucher ans drei- bis sünftausend in der bürgerlichen Presse angegeben, von denen»ach HoffmannS Fortgang nach den übereinstimmenden Berichten höchstens p-WO zurückgeblieben waren; und von diesen ergriffen noch über die Hälfte die Partei HoffmannS. Wenn daS etwa auch keine Eisen- bahnarbeiter und-Handwerker gewesen sein sollen, dann wären ja überhaupt nur 200 wirkliche Eisenbahner zu der Versamm- lung geeilt. Wem will denn daS die„Mark. Volksztg." einreden, zumal auch die Kontrolle sehr streng gehandhabt wurde. Daß den Vorgesetzten und den Blättern vom Schlage der«Mark. Volks- zeilung" die Tausende Einsenbahnern, die mit Hoffmann den Saal ver- ließen, stark ans die Nerven gefallen sind, glauben wir sehr gern. Die ..Märk. Volksztg." wird noch oft genug erfahren, daß sich auch die Eisenbahner nicht mehr vom Trierichen Verband gängeln und vom Ministerium ihre Gesinnung vorschreiben lassen. Die Zeiten sind dahin und kehren nicht wieder._ Tie bayerische Marokkointerpellatio«. Die„Münchener Post" schreibt in einer Erwiderung anf unsere Ansführimgeii, daß, abgesehen davon, daß die Unterstützung von 25 Abgeordneten, die zur Herbeiführung einer Besprechung der Jnter- pellalio» erforderlich ist, nicht zu erhallen war, die Verschiebung der Interpellation keineswegs ihre Vereitelung bedeute. Denn, wenn die Regierung die Frist für ihre Antivort zu weit steckt, so wird sie eben bei der in nächster Zeit beginnenden Debatte zum Etat des Ministeriums des Aenßeren ans die den Text der Interpellation bildende Frage Rede stehen müssen. Die„Münch. Post" wendet sich da gegen Dinge, die wir gar nicht bestritten haben. Der springende Punkt ist der: Unserer Meinung nach hätte die Fraktion nicht ihre Zustimmung zu bei Verschiebung kundgebe» sollen, sondern umgekehrt daS Bedauern feststellen müssen, daß die Geschäflsordiiinig und das Versagen der bürgerlichen Parteien es der Volksvcrtrctiing unmöglich gemacht hat, in dieser wichtigen Frage rechtzeitig Stellung zu nehmen. Das Ende eines Polizeibureaukraten. Der zweite Bürgermeister der Residenz Stuttgart quittiert den Dienst. Seit einein halben Jahre weilt Bürgermeister Dr. Rettich bereits in Kraiikeniirlanb. Nun hat er sein Pensions- gesuch eingereicht, dem zweifellos stattgegeben wird. Herrn Dr. Rettich unterstand die Polizeiverwaltung der Stadt. Sehr fronunen und sehr einflußreichen Kreisen der Residenz wurde die Tätigkeit der städtischen Polizeiassistentin Arendt unbequem. Es setzte eine Hetze ein. ganz ähnlich der gegen die Mainzer Polizei« assistentln Frau Schapiro. Nur mit dem Unterschied, daß Fräulein Arendt weniger vorsichtig gewesen und ihr Vorgesetzter Dr. Rettich kein so unzugänglicher Malin war als der Mainzer Polizeivorstand. Eine Epiiode aus dein Kampfe gegen die Polizeiassistentin Arendt mag das beweisen: Die Beamtin vermutete, daß der Kinderhandel zu unsittlichen Zwecken vorzngSweise durch den Inseratenteil der bürgerlichen Presse geübt werde. Sie ging den Adoptionsannoncen nach. Die Folge war folgende Weisung des Bürgermeisters Dr. Rettich an das Stadt- poliz-iamt: «Es wäre dringend erwünscht, daß die Arendt mit laufenden Geschäfien so bedacht lvürde, daß sie keine Zeit dazu findet,«lange Zeit hindkirch den Annoncen in den Tageszeilnngeu nachzugeben". Dafür hat sie der Geiueinderat nicht aiig.stellr. ganz abgesehen davon, daß diese Adoplionsgescl'icvlen eine allbekainile Misere sind. Das Miß- lilve bei der Seiisalionsschriftstellerei ver Arendt ist das, daß sie regel- mäßig dabei uiil ihrer amtlichen Eigenschaft als«Polizeiassistentin in Sumgart" krebsen gehl und so die Stadl Stuttgart in den Verruf bringt, als ob alles. w.iS sie findet, spezifisch stiittgarterisch ist.— Mir persönlich vollständig gleichgüllig, aber tu weiten Kreisen mißsällig bemerkt ist auch das. daß sie, wie keine ander- irgendwo uiid irgeiidwie beamtete Peifon fortgesetzt Material zur Sctilechtmaäimig der bestehenden Geiellichast liefert. Jeder andere Poliieibeamle usw. lönnte das ebenso gut, alle anderen sind aber zu taktvoll dazu und— zu gut dievslltch gezogen." Eine Polizeibeamtin, die fortgesetzt Material zur Scble-btmachung der bestebeiiden Gesellschaft liefert, ist natürlich unmöglich. Jeder andere Polizeibeanite könnte das zwar ebenso gut, aber Aufgabe der Polizei ist doch nicht, einer«alten Misere" zu Leibe zu gehen, sondern die bestehende GeiellschaflSordmiiig zu stützen. Die Polizeiassistentin schied aiis dem städtischen Dienst aus. Nun folgt ihr auch der Vorgesetzte. Selbst die Verleihung des Bürgcrmcisteitircls durch de» König an den verdienten Man», der die bestehende Gesellschaft nicht schlecht machen läßt, hat ihm die politische Gesundheit wiedergeben fömien. Ein Zentrmnsrcdakteur, der einen katholischen Priester beleidigt. Im März d. F. veröffentlichte der katholische Priester»nd Schristsleller Dr. Jvieph Müller in der in Pasiau erscheinenden «Theologischen prakliichen Monalsschrist", die von zwei katholi- s ch e n P s a r r e r ii redigiert resp. herausgegeben wird, einen Aussatz über die Nervosität in der Presse. Der Aussatz ent- hielt unter anderem folgenden Satz:„Man sehe nur daS Rohe, ratfiniert Verletzende in der Preßpolemik, die schamlose Lüge und daS Totschweigen gelehrter Werke und Personen, die niwt zur Partei ge hören, anderseits das Hiiiausloben kläglicher Machwerke von Freunden. Die katholische Presse ist hier nicht besser, vielmehr noch schofler als d i e g e g n e r i s ch e." In den Aufsatz waren diese Behauptniigen näher begründet und durch Beispiele illustriert. Vier Wochen nach Erscheinen dieses Anfi'atzes erichieir darüber im. Haupiorgan des bayerischen Zenirnms, in dem in München erscheinenden«Bayerischen Kurier" ein klobiger Artikel, in dem Dr. Joseph Müller gehörig herunter- aerissen war und der in dem Satz gipfelte, daß dieser Priester ein Querulant sei, der sich in eine Wasierheilanstalt begeben sollte. Der Artikel war so beleidigend gehalten, daß Dr. Müller gegen den ver- antivorllichcn Redakteur deS«Bayerischen Kurier" Osterhuber Bc- leidigungsklage ansli engte. In der Verhandlung vor dem Nürnberger Schöffengericht war Oster- bnber durch den Zeiitrumsabgeordneteii Graf Pestalozza vertreten, der den Beweis zu führen suchte, daß Dr. Müller OuemlaiU sei. Der ZentrilinSgras bezeichnete Dr. Müller u. a. desivegen als Oueru- kanten, weil er daS Verhalte» der in de» scinerzeitigsn Würzburger Profesioreustreik verwickelte» katholischen Professoren abfällig krili- si'-rtc und weil er einmal schrieb, daß der verstoibene Bischof von RcgenSburg Seuestrey c« als Priester mit den, Zölibat nicht genau genommen hätte. Der Verteidiger de« Dr. Miiller. Dr. Stander, ivar aber in der Lage nachziuveiten, daß das, was Dr. Müller über die Würzburger Professoren und über Bischof Scnestrch schrieb, den Tatsachen entsprach. Der ZentrmnSredalleur Osterhuber wurde alsdann zu 70 M. Geldstrafe verurteilt._ Typhusepidemie im rheittisch-westfälischen Jiidnstriebezivk. Trotz aller Heimlichtuerei läßt sich die Tatsache nicht mehr ab- leugnen, daß der nordwestliche Teil de? rheinisch-wcstfälischen In- dustricbezirkS von einer Typhusepidemie von erschreckendem Um- fange heimgesucht ist. Tie Seuche erstreckt sich auf die Kreijc Tuisburg und Rellinghausen und hat allein Anschein nach ihre Ursache in der Beschaffenheit deö Leitungswassers. Es steht näm- lich fest, daß nur diejenigen Ortschaften von der Seuche befallen sind, welche Thysscnsches Leitungswasser erhalten, und zwar haben diejenigen Gemeinden, in denen die ersten Abzweigungen des HauptrohrcS liegen, die meisten Erkrankungen aufzuweisen. Die größte Ausdehnung hat die Krankheit im Revier Duisburg-Mül» heim. Dort sind zurzeit etwa 700 Fälle zu verzeichnen. Im Hamborner Krankenhause befinden sich 170 Kranke. In Mülheim ist die Zahl so gewachsen, daß die Krankenhäuser den Anforde- rungen nicht mehr zu genügen vermögen. Dort, wie auch ,n Heissen, Horst(Emscher) und Gladbeck sind Baracken angeliefert worden. Im Gladbecker Krankenhause sind allein 130 Personen, die an der Seuche erkrankt sind, untergebracht. In den nördlich gelegenen Orten Kirchhellen und Dorsten tritt dagegen die Krank- heit weniger stark aus. Es ist seit einiger Zeit eine Untersuchungskommission aus Berlin im Revier anwesend, die auch der Ansicht zu sein scheint, daß das Thysseusche Leitungswasser hochverdächtig ist, so daß vor dem Genuß in unabgckochtem Zustande gewarnt wird, Junggesellensteuer. Der Landtag des Fnrstentnins R e u ß ältere Linie nahm heute mit 7 gegen 5 Stimmen einen Antrag an, wonach iolchcn stenerpflichtigen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts, die das 30. Lebensjahr überschritten haben, ohne verheiratet zu sein, bei einem Einkommen von 3000 bis 6000 M. einen Steuerzuschlag von 5 Proz. und bei einem Einkominen über 6000 M. einen Zuschlag von 10 Proz. zu zahlen haben._ Graf Oppersdorfs. Die von den eigenen Glaubens» und Parteigenossen gegen den Zentrumsabgeordneten Grafen Oppersdorfs seit langer Zeit betriebene Hetze hat den ersten Erfolg gezeitigt. Wie die klerikale„Reißer Zeitung" schreibt, ist Graf Oppersdorfs aus dem katholischen Preßverein(Augustinusverein) a u s g e» schlössen worden. Es heißt in der kurzen Notiz: „Wie wir zuverlässig erfahren, hat der Vorstand des Au- gustinusvereins iu einer Sitzung, die Anfang Oktober stattfand, beschlossen, den Grafen Oppersdorfs aus der Liste seiner Mit- glieder zu streichen. Anlaß dazu bot eine Erklärung, die Graf Oppersdorfs in der„Oberschlesischen Volkszeitung" CNr. 206 vom 8. September) veröffentlichte— der„Germania" war diese Er- - klärung auch zugegangen, wurde von ihr aber nicht aufge- nomine»— in der er dem Vorsitzenden des Vereins den Vor- Wurf politischer Unaufrichtigkcit machte. Daß der angesehene Verein, dem fast die gesamte deutsche Zcntrumspresse angehört, sich gezwungen gesehen hat, ein Mitglied des Reichstages und preußischen Herrenhauses aus seinen Reihen zu entfernen, dürzie wohl in den Annalen der Zentrumsgeschichte einzig dastehen.' Dieser Vorgang ist nur ein Glied in der Kette des Kessel- treibens gegen den Grafen Oppersdorf. Erst kürzl'ch wurde in einer Zentrumsversammlung in Breslau vom Grafer Hcnckel von Donnersmarck mit ziemlich deutlichem Hinweis anf den verfemten Grafen Oppersdorfs von„albernen F a tz k e r e i e n" gesprochen. Im Wahlkreise Glatz-Habclschwerdt, den Oppersdorfs im ReichJtage vertritt, hat die Verhetzung der Zentruinswählcr bereits einen solchen Grad erreicht, daß fast alle Versammlungen, in denen Graf Oppersdorfs seinen parlamentarischen Bericht gab. im Gegensatz zu früher, sehr schlecht besucht waren. Bei dem rn Zentrumsversammlungen üblichen Hoch auf den Wahlkreisabge- ordneten blieben drei Viertel aller Anwesenden offentat iv sitzen und bekundeten damit öffentlich, daß die von den Kanzeln geschürte Hetze gegen den Grafen Oppersdorfs Erfolg gehabt hat. Inzwischen ist. wie der„Schlesischen Zeitung" aus Glatz tele- graphisch gemeldet wird Graf Oppersdorfs gänzlich kalt ge- stellt worden, bem, das Kreiswahlkomitee seines Wahlkreises hsl beschloß,», i h n wicht wieder aufzustellen, Vernvteilung betrügerischer Offiziere. In dem'degen Gefährdung deZ dienstlichen Jntmffes unter A». s s ch l u ß der O e f f c n t l i ch k e i t vor dem Kriegsgericht der Berliner Konimandantur geführten Prozeß gegen die Leutiiants Eivald Eggers und Günther Schmidt, beide vom 41. Jiifanteriereginlent in Tilsit wurde ani Mitttvoch in öffentlicher Sitziing das Urteil verkündet und begründet. Lentiiant E g g c r s ivurde wegen Urkulidenfälschung in einem Falle und Betruges in elf Fällen zu einem Jahre sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der Untersuchungshaft verurteilt. Günther Schmidt erhielt wegen Betruges in 15 Fällen, erschwerter Entfexnnug vom Regiment, Ungehorsam in zwei Fällen und Falschmeldung in zwei Mllcn zwei Jahre Gefängnis. Gleichzeitig wurde gegen beide Offiziere auf Entfernung aus dem Heere erkannt. In seiner Urteilsbegründung führte der Vcrhandliingsleiter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt ans, die Straftaten der Angeklagten grenzen hart an Hochstapeleien und seien von den Angeklagten begangen worden, damit sie ein leichtsinniges, schwelgerisches Leben führen könnten._ Ocrtemtcb. Kritische Lage des Ministeriums. Wien, 25. Oktober. Nach einer Meldung der«Neuen Freien Presse" hat der Deutsche N a t i o n a l v e r b a n d dem Minister- Präsidenten erklärt, daß sich der Verband gegen die Re- k o n st r u k t i o n des Kabinetts mit zwei tschechischen V e a m t e n m i n i st e r n aussprechen müsse. Im Parlament sind Gerüchte verbreitet, der Ministerpräsident werde die Frage erwägen, ob er Veranlassung habe, Über die Lage deS Kabinetts an die Krone zu berichten. fraukrdeb. Tie Marokkofrage. Paris, 25. Oktober.„Matin" meldet aus Madrid: Die Nachricht von dem Abschluß des deutsch- französischen Marokkoabkommens hat in Madrid lebhafte Seusation hervorgerufen. Sämtliche Blätter beschäftigen sich mit den zwischen Frankreich und Spanien bestehenden Beziehnugen und erheben Einspruch gegen die Behauptung, wonach Spanien im Ein- vernehmen mit Deutschland handle. Die liberale und konservative Partei wollen nichts von einer R ä n m u n g E l k s a r s und L e r r a s ch wissen, sie wünschen jedoch mit Frankreich im Einvernehmen zu leben. Sie verlangen, daß die Spanien zuerkannten Rechte ausrecht- erhalten werden. Die Haltung dieser beiden großen Parteien läßt befürchten, daß die f r a n z ö's i s ch. s p a n i- scheu Unterhandlungen sehr s ch tv i e r i g sein werden und daß Spanien bezüglich gewisser Punkte nicht nachgeben wird. Spanien wird sich ans den Wortlaut der Verträge stützen, daß die Lage in Marokko keine Aenderung erfahren hätte. Snglanck. Aufrüstung. London, 25. Oktober. Kriegsminister Lord Haidane hielt in Vinninghain eine Rede, in der er betonte, er und seine Amts« genossen hätten das stärkste Empfinden für die vitale Bedeutung der Aiifrechterhaltung der großen Flotte Englands. Er denke nicht, daß man finden tverde, Churchill.habe irgend einen anderen Wunsch als den, die Politik McKennas mit der äußersten Kraft fortzusetzen. GewerfefcbaftHcbea» Sin ötrdhbrecberburcau. Die Verittittelung von sogenannten Arbeitsivilligen hat sich zu einem aufblühenden Eriverbszlveig entwickelt, der den Vermittlern große Reichtümer verspricht. Infolge der ertrag- reichen Geschäfte wachsen denn auch derartige Institute wie Pilze aus der Erde. Wie derartige Firmen arbeiten, ersieht man aus folgendem Rundschreiben: Kostenloser Arbeitsnachweis und Detektivbureau Jnh. Ludwig Kuolh, Hamburg 5, Koppel 108. Fernspr. Gruppe 4. 3693. Bankkonto: Deutsche Bank. Größtes Bureau Deundilands für Streikangelegenheiten. Gegründet 1910. Bureaustunden von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Sonntags von 9 bis 2 Uhr. Bermittelung nicht organisierter Handwerker jeder Art sowie industrieller Arbeiter. Die heutige politische sowie wirtschaftliche Lage und daS Borgehen der organisierten Arbeiterschaft sowie deren Organe, wodurch permanent, bald hier, bald dort Streiks und Aussperrungen enr- stehen, hat es mit sich gebracht und zur Notwendigkeit gemacht, daß oben'bezeichnetes Bureau errichtet wurde, welches den Arbeit- gebern bei entstehenden Streiks und Aussperrungen genügendes Personal in jeder geivünschten Anzahl und in kürzester Zeil stellen kann— ob Handwerker oder industrielle Arbeiter, alle unorganisiert, also Nichtverbändler. Durch die ausgedehntesten Verbindungen ist das Bureau in der Lage, in zirka acht Tagen bis 6000 Leute nach dem In» und Ausland zu stellen! ferner hat das Bureau stets viele Hand werker, als Schlosser, Tischler, Stellmacher, Schmiede usw. ständig an derHand und können dieselben auf Wunsch sofort abgesandtwerden. In kurzem Zeitraum ist es uns gelungen, viele Streiks zur Zufriedenheit der Herren Arbeitgeber zu besetzen und stehen aus Wunsch pa Referenzen und Anerkennungsschreiben zu Diensten. Wo auch Lohnbewegungen und Streiks ausgebrochen sein mögen, wird obiges Bureau stets gute Dienste leisten, und die Herreu Arbeitgeber werden dadurch in ihren Betrieben wenig oder gar keine Störung haben. Den Herren Arbeitgebern steht ein mit den Verhältnissen voll- ständig vertrauter Beamter zur näheren mündlichen Besprechung ?ur Verfügung, der auf eventuelles telegraphisches Verlangen so- ort abgesandt wird. Sämiliche Leute, welche durch oben bezeichnetes Bureau den Herren Arbeitgebern geliefert oder zur Bersügung gestellt werden. sind„Nichtverbändler" und bleiben auf Wunsch auch dauernd in Arbeit. Für alle übernommenen Streiks und Sperren übernehmen wir Garantie. Bei Stellung der Arbeitswilligen wird in jedem Falle auf 30 bis 40 Mann ein geschäflsgcwandter Kontrolleur gestellt, welcher die Arbeit, den Schutz und die Verpflegung der Leute- überwacht und ordert. Briefliche Anskunft über Streikangelegenheiten sowie Kosten� anschlage zu jeder Zeit sofort und kostenlos. Durch die weitverziveigten Verbindungen des Bureaus kommen Entfernungen nicht in Betracht, da jede gewünschte Zahl der Leute, gleichwohl welcher Branche, nach dem In» und Auslände ver- mittel! werden. Indem wir im gegebenen Falle Ihren geschätzten Auströgen entgegensehen, empfehlen wir uns und zeichnen Hochachtungsvoll Kostenloser Arbeitsnachweis und Delektivbureau. L. Knoth. Berltn und vmg-egend. Der Streik der Berliner Eisenformer und Gieftereiarbciter. Fn immer stärkerem Maße versuchen die Berliner Metall- industriellen, ihre Modelle außerhalb Berlins unterzubringen, und macht sich deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit allerorts notwendig. Aus über 30 Orten rn Deutschland sind bereits Streikmodelle signalisiert, und ist es an einigen Stellen auch bereits wegen Ver- Weigerung der Strcikarbeit zu Disterenzen gekommen. In den meisten Orten ist es ohne Arbeitsniederlegung ganz glatt möglich gewesen, d,e Anfertigung der Streikmodelle zurückzuweisen. Zur Erleichterung der Feststellung möchten wir hier die Namen der in Betracht kommenden Berliner Eisengießereien, wo unsere Kol- legen streiken, verösfcntiichen. Es sind die Firmen: Allgemeine Elektrizitätsgescllsckiaft, Aichele u. Bachmann, Gebrüder Arndt, Borsig, Beermann, Cpklop, Eckert A.-G., Freund u. Co., Gebauer, Gehrs u. Co.. Hugo Härtung, Härtung A.-G., Hartmann, Otto Fachmann, Keyling u. Thomas, L. Löwe A.-G., Norddeutsche Eisengießerei, Niles-Werke, Nösse- mann u. Kühnemann, Salinger, Schöning A.-G., SckMartzkopfs, Sentker A,-G. und Siemens u. Halske. Um die Sinnlosigkeit der Taktik der Unternehmer in ihrem ganzen Umfange zu illustrieren, sei darauf hingewiesen, daß zirka die Hälfte obiger Gießereien reine Handelsgießereien sind. Die andere Hälfte sind Gießereien, die in den Händen großer Werke der Elektroindustrie und Maschinenindustrie sich befinden. Aus der Konstatierung dieser Tatsache ersieht jeder Kenner der Ver- Hältnisse die Sinnlosigkeit der Unternehmertaktik. Doch mögen die Herren sich damit abfinden wie sie wollen, unsere Aufgabe ist. die Herstellung von Streikmodellcn nach Möglichkeit zu verhindern, und ersuchen wir die Kollegen, wo immer Modelle aus Berlin auf- tauchen, um sofortige Nachricht. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsvcrwaltung Berlin. gereichten Lohntarif wurden als Tinheitslohn für Kutscher M W-» für Mitfahrer 31 M, pro Woche und für Aushilfsarberter 6 M, pro Tag gefordert. Die tägliche Tourenzahl soll zwei betragen, muß eine dritte Tour gefahren werden, so wird sie mit 3 M. extra ver» gütigt. Da die Unternehmer nicht antworteten, lud der Transportarbeiter- Verband die Fuhrherren zu einer Zu- sammenkunst, zu der auch 21 Unternehmer erschienen waren. Während in verschiedenen Punkten des Tarifs an Einvernehmen erzielt wurde, gelang dies in der Lohnfroge nicht. Eine Versammlung der Arbeiter beschloß daher, die Arbeit ein» zustelleu Dieser'Beschluß wurde mit voller Einmütigkeit durch- geführt Die meisten Arbeitgeber bewilligten darauf i.'ort. �n einigen Betrieben kam es zur kurzen Arbeilseinstellung. Fn kurzer Zeil halten sämtliche Uiliernebmer die geforderten Löhne bewilligt; die Arbeit wurde sofort wieder aufgenomnien. Der Tarif soll UN Laufe dieser Woche ausgefertigt und unterschrieben werden. Oeurkcbes Reich. Gegen das Koalitionsrecht der Techniker. Sterkrade, 25. Oktober.(Privattelegramm de?.Vok» wärts".) Die„Gute Hoffnungs"-Hütte hat heute die technischen Angestellten zum Teil mit eineinhaibslündiger Frist zu zwingen versucht, sich durch Unterschrift zu verpflichten, aus dem Deutschen Tcchnikervcrband und dem Bund technisch-indusirieller Beamten auszutreten, widrigenfalls die sofortige Kündigung ausgesprochen wird. Die organisierten Techniker haben in einer Mittagsver» sammlung dieses Ansinnen energisch zurückgewiesen und in ge» heimer Abstimmung mit'/lo-Majorität beschlossen, den Organisationen die Treue zu halten. In dem Arbeitsvertrag, wie er von den„nützlichen Ele menten" mit dem Unternehmer geschlossen wird, heißt es unter anderem: § 4. Ich bin bei meiner Annahme genau darüber unter- richtet worden, daß bei obiger Firma gestreikt respektive aus- gesperrt wird. § S. Ich erhalte Logis und Beköstigung auf der Fabrik, und zwar morgens Koste? mit Brötchen. Frübstück: belegtes Brot— Kaffee— Bier. Mittags: Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Bier. Abends: belegtes Brot oder sonstige Speisen— Bier. § 6. Sollte der Streik refp. die Aussperrung innerhalb acht Tagen beendet sein, so gewährt die Firma»ilr freie Rückreise. § 7. Zuständige GecichtSstelle ist für beide Teile....... Hamburg, den.... 131 Ein Vertrag, wie ihn die Streikbrecherfirma mit den Unternehmern abschließt, hat folgenden Wortlaut: Vertrag. Zwischen dem kostenlosen Arbeitsnachweis, Inhaber Ludwig Knoth, Hamburg 5, Koppel 108, einerseits und de......... andererseits ist heute folgender Vertrag wohlbedächtig beredet, ge- fchlosien und uilterschriftlich pollzogcn worden. K 1. Der kostenlose Arbeitsnachweis vermittelt der Firma... Arbeiter—..... Handwerker, und zwar........... als Arbeitswillige zu nochfvlgendcn Bedingungen. § 2. Die Firma....... zahlt für die gelieferten Arbeits- willigen eine Gebühr von... Marl für Arbeiter, von... Mark für Handwerker, frei Fabrik. § 3. Die halbe Gebühr wird sofort beim Abschluß dieses Vertrages gezahlt, die andere halbe Gebühr sowie sonstige Speien usw. beim Eintreffen der Leute. s 4. Die zu liefernden Arbeitswilligen werden von der Firma .......... auf der Arbeitsstelle bezüglich....... untergebracht und' auch beköstigt: die Arbeitswilligen erhalten einen Wochen-, Tage- und Slnndenlohn von Mark....; die Kiindi- gungssrist zwischen Arbeitgeber und Ärbeilsioillige» beträgt... Tage. § 5. Die Arbeitszeit für die Arbeitswilligen beträgt pro Tag — Woche.... Stunden. § 6. Für je 30 bis 40 Arbeitswillige stellt der Arbeitsnach- weis einen Kontrolleur. Dieser erhält vom Arbeitgeber einen Tagelohn von Mark.... und freie Veköstigung, oder weitere Mark.... pro Tag gezahlt. 8 7. Der Nrbei'tsilnchnicis übernimmt die Licfcriing von.... Stück Matratzen a Mark........- Stück Strohsäcken a Marl ......... Stück T ecken a Mark......... S'ück Handtüchern a Mark..... Stück Eßgeschirr a Mark.... § 8. Die vom Arbeitsnachweis gelieferten Arbeitswilligen sind sämtlich„Nichtverbändler". ß 3. Der Arbeitsnachweis verpflichtet sich, möglichst nur tüchtige bezügl. passende Leute zu liefern: sollten etwa eiilige Leute die Arbeit verlassen oder nicht antreten wollen, so wird nach er- hallener Mitteilung so schnell als möglich gebührenfreier Ersatz geliefert. § 10. Für alle sich aus diesem Vertrage ergebenden Streitig- leiten ist als zuständige Gerichtsbarkeit das Amts- bez. Landgericht Hamburg von beiden Parteien anerkannt. § li. Vorstehender Vertrag ist in 2 gleichlautenden Exem- plaren ausgefertigt, von beiden Parteien gelesen, genehmigt und unter Begehung aller dawider zu erdenkenden Einreden, sie möge» Namen haben, welchen immer sie wollen, eigenhändig unter- schrieben worden. So geschehen zu Hamburg, den..... I?1... Unterschrift: Untericbnft: Wie ein Transport Vieh werden die Streikbrecher ver- schachert, zu dem und dem Preise, frei Fabrik, wie eine Ware, wie Strohsäcke und Matratzen, die ebenfalls mitgeliefert werden! Menschen, die sich auf solche Weise verkaufen lassen, verdienen wahrlich nicht mehr zur Gemeinschaft ges:tteter Menschen gezählt zu werden.?lber solche Leute genießen den weitesten Schutz der Gesetze. Zu ihrem Vorteile werden neue Gesetze ausgeheckt! Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Betriebswerkftätten der Gräften Berliner Straftcnbahn in der Ufer, und Badstraße wurden beleuchtet in einer stark be suchten Versammlung der in diesen Werkstätten Beschäftigten, die am Dienstag in Frankes Saal in der Badstraße tagte. Der Referent Handle vom Deutschen Metallarbeiterverband führte unter an- verein aus: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den genannten Werkstätten stehen in einem sehr schlechten Verhältnis zu den hohen Gewinnen, welche die Große Berliner Straßenbahn erzielt. Die Löhne sind wesentlich niedriger und die Arbeitszeit ist länger als in anderen Betrieben der Metallindustrie. Begreiflicherweise herrscht deshalb Unzufriedenheit unter den Werkstattarbeitern der Straßen- bahn. Das mag wohl die Ursache sein, daß vor einigen Wochen eine Erhöhung der Stundenlöhne versiigt worden ist. Aber trotz die-cr Erhöhung sind die Löhne immer noch niedriger als in anderen Be trieben. Handwerker bekommen einen Anfangslohn von 4,25 M pro Tag, der nach einer Besck'äftigungsdauer von 10 Jahren auf 5,75 M. steigt. Ungelernte„bessere Arbeiter"— wie es in der Ver- fügung der Betriebsleitung heißt— erhalten einen Anfangslohn von 3,75 M., der nach 8 Jahren die Höchstgrenze von 4,75 M. er- reicht. Arbeiter— denen die Direktion nicht die Bezeichnung „bessere" beilegt— bezichen einen Anfangslohn von 3,50 M., der nach 8 Jahren den höchsten Satz von 4,50 M. erreicht. Die Arbeits- zeit in den Werkstätten der Straßenbahn beträgt 10 Stunden, während in der Berliner Metallindustrie seit lOOO�fast ohne Ausnahme die gstündige Arbeitszeit üblich ist. Betrachtet man die Dinge genau, dann ist die kürzlich gewährte Lohnerhöhung überhaupt keine Verbesserung, sondern für viele sogar eine Verschlechterung, denn erstens erhöhen sich mit den Löhnen die Beiträge zur Ruhegehalts- kasse, und zweitens kommen die Stundenlöhne weniger in Betracht, weil meistens in Akkord gearbeitet wird. Das Akkordsystem ist so ausgedehnt, daß selbst Hosarbeiten wie Fegen und Putzen in Akkord ausgeführt werden. In vielen Fällen sind neuerdings die Akkord- preise herabgesetzt worden. In gewiffen Einzelfällen von 4 M. auf 3,75 M.. von 2,30 M. auf 2,— M.. von 3,50 M. auf 3,— M. usw. Auf die-'e Weise kommt es vor. daß trotz Erböhung der Stunden- löhne der Wochenverdienst der Akkordarbeiter geringer geworden ist. In vielen Fällen wissen die Arbeiter nicht, wie hoch der Akkordpreis für die angefangene Arbeit ist. Erst nach Fertigstellung der Arbeit erfahren sie es. Besonders nachteilig ist ter Kvlonnenakkord. Da wird beispielsweise mit dem Kolonncnführer für die Reparatur eines Wagens der Preis und der Termin der Fertigstellung der Arbeit vereinbart. Um den Termin innezuhalten, müssen oft Ueberstunden gemacht werden. Nach den Bestimmungen der Arbeits- ordnung dürfen angeordnete Ueberstunden nicht verweigert werden. Es ist vorgekommen, daß an den heißen Tagen des vergangenen Svmmers in einer Abteilung 12 bis 13 Stunden gearbeitet wurde. Das ist schon an sich eine bedenkliche Gefährdung der Gesundheit der Arbeiter. Noch bedenklicher aber ist es, wenn man erfährt, daß in manchen Abteilungen des Betriebes große Mängel in hygienischer Hinsicht herrschen, worüber der Referent eine Reihe von Einzel- Heiken anführte. Auch über mangelhafte Beschaffenheit von Werk- zeugen, Ueberlaswng von Kränen und Böcken wird geklagt. Die Behandlung der Arbeiter durck Vorgesetzte läßt viel zu wünschen übrig. Als lästiger Druck, als Beeinträchtigung der Koalitionsfrei- heit"wird es empfunden, daß man die Arbeiter mit mehr oder weniger erkennbarem Zwang dem direktivnsfreundlichen Betriebs- verein, dem sogenannten Ascherverein, zuzuführen sucht. Der Sie- sereut betonte zum Schluß, die öffentlichc Kritik der Lohn- und Arbeitsverhältnisse war notwendig. Die Direktion soll dadurch gewarnt werden. Die Arbeiter erwarten, daß die Direktion den sozialen Verpflichtungen nachkommt, die man heutzutage von einem Arbeitgeber verlangen kann. In der regen Diskussion wurden dem vom Referenten ent» worfenen Bilde noch manche markanten Züge hinzugefügt und manche dahingehörende Einzelheiten aus dem Betriebe zur Sprache gehracht. Der Appell, durch vollzähligen Anschluß an den Deutschen Metallarbeiterverband die Verbeffcrung der Lohn- und Arbeitsver- hältniffe vorzubereiten, fand lebhaften Beifall. Sichtung, Friseurgehilfen! Für Verbaudsmitglieder gesperrt: Schramm, Droutheimcr Str. 5, Jacob, Wübi'schstr. 24. Bewilligt haben: Lau. Belfonerstr. 8, N e s s e n. Lübbeuer Str. 14, Nütz, Wraiigelstr. 21, Jud kat, Cadiner Sir. 21. Knop, Hussitenstr. 18 Verband der Friscnrgehilfen. Achtung, Schuhmacher! Etwaige Arbeitsangebote nach Hirsch- berg i. Schl. sind zurückzuweisen, da in den dortigen Betrieben Differenzen ausgebrochen sind. Zeniralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Erfolgreiche Lohnbewegung in den Rixdorfer Müll- abfuhrbctriebcn. Die Kutscher und Mitfabrer in den Rixdorfer Müllabfuhr- betrieben haben eine in aller Stille vorbereitete Lohnbewegung mit vollem Erfolg durchgeführt. Am Orte befindeit sich nngesäbr 25 Fuhrunternehmer. die leilweise neben ihrem Bau- und Arbeitsfuhrwerk auch die Abfuhr des Hausmülls in Rixdorf, Britz und verscbiedcnt- sich rnicb noch in Berlin besorgen. Die Löhne betrugen 25 M. bis 30 M., im Durchschnitt 23 M., während in Berlin der durchschnittliche Lohn für Kutscher seit Jahren 33 M. und für Miiiabrer 36 M. beträgt. Die Arbeitsverrichtung in den Rixdorfer Müllabsuhrbetrieben ist im Gegensatz zu den Berliner und Ckarlollendurger Betrieben für die Arbeiter bedeutend unsauberer und auch schwerer. Wäbreud bei den letztgenannten Betrieben das Verladen des Mülls in die Bahnwaggous durch maschinelle Ein- richiiiiig bewerkstelligt wird, müssen die Kutscher iiud Mitfahrer in Rixdorf jeden eiiizeiiien Kasten vom Wagen hochhebe», um sie in die Waggons misschülten zu können. Hierbei ivirbell das Müll respektive die Asche derart auf, daß' die Arbeiter vollständig in Staub und Schmutz eingehüllt sind. Die bisherige Entlohnung stand daher mit der zu leistenden Arbeit!..., lauesivegS im Einklang. In einem durch die Organisation ein-' malmt letzte rtachrtchtcii* Die Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage. Wien, 25. Oktober.(W. T. B.) Heute abend versammelten sich beim Präsidenten des Abgeordnetenhauses Dr. Sylvester die Vertreter des Polenklubs, des einheitliche» Tschcchenklubs und des Deutschnationalen Verbandes. Der Präsident erklärte, daß nur durch Zusammenwirten der großen Parteien die Arbeits- sähigkeit des Hauses hergestellt werden könnte. Gautsch be- grüßte die Aktion, bezeichnete die Arbeiten, welche bis Weihnachten erledigt werden sollten und machte Mitteilung von seinen Bestrebungen, eine Klärung der Lage herbeizuführen. Allgemein wurde die Schwierigkeit der parlamentarischen Lage an- erkannt und der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine wirkliche Besserung der Vcrhältniffe nur durch die Ermöglichaug des Zu- sammenwirkens der großen Parteien erreicht werden könnte. Nach eingehender Besprechung wurde schließlich die Notwendigkeit weiterer Beratungen ausgesprochen. Maßnahmen gegen die Teucrüng. Wien, 25. Okiober.(W. T. B.) Der TeuerungSauS« schuß des Abgeordnetenhauses nahm mit 23 gegen 22 Stimmen einen Antrag Jerzabek an, worin die Regierung auf- gefordert wird, die Einfuhr gekühlten argentinischen Fleische» sofort zu bewilligen. Da Ungarn kein vertragsmäßiges Recht auf Ein- spruch geltend machen könne, weiter auf Erhöhung des Mager- sleischkontingents hinzuwirken und die veterinärpolizeilichen Maß- regeln streng einzuhalten. Der Marokkoschacher und das englische Oberhaus. London, 25. Oktober.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Oberhauses ersuchte Lord Courtneh die Regierung, bgjd� eine Gelcgcnbeit zur Erörterung der deutsch-französtschen Marokko- Verhandlungen und namentlich der Stellungnahme England» dazp.� herbeizuführen. Jedermann begrüße es, daß ein Uebereinkommen erzielt worden sei. Ter Lordpräsident des Geheimen Rats, Bis- count Morleh, erklärte:? Es wird allgemein mit Genugtuung aufgenommen, daß die Besprechungen in Berlin, auf welche die Augen der ganzen Welt gerichtet waren, schließlich zu einen. Ab- s ch l u ß gekommen sind, der wie man an maßgebenden Stellen in Berlin und Paris hofft, für die Bevölkerung beider Länder annehmbar ist. Mein Vorredner Courtney hat davon gesprochen, daß über unseren Anteil an jenen Verhandlungen bald eine Debatte stattfinden möge. Ich bin nicht davon überzeugt, daß eine solche Erörterung oder Prüfung billigcrweise bald er» folgen kann, denn ich glaube bestimmt, daß er und das ganze Haus einsehen werden, daß es kaum sehr höflich von uns wäre, über jene wichtigen Verhandlungen zu debattieren— von welchen unsere Interessen, wenn sie auch groß und gewichtig sind, verhält» nismätzig nur mittelbar berührt werden—, bevor nicht im Reichstag sowohl wie in der französischen Kammer darüber ge- sprachen worden ist. Im Reichstage hat der Reichskanzler«»ab- ig«lehnt, diese Verhandlungen vor ihrem Abschluß zu erörtern, 1 die französische Kammer tagt gegenwärtig nicht. Auf jeden Fall wäre es für uns, deren Interessen nur mittelbar betroffen werden, nicht angezeigt, jene schwierigen Verhandlungen ohne Dokumente zu prüfen, bevor wir nicht wissen, wie si« von den großen Körper- schaften beurteilt werden, die am unmittelbarsten betei» l i g t sind. Die Revolution in China. Peltng, 25. Oktober.(W. T. B.) In der RShe von Han kau kam es heute beim Siebenmeilencreek, das unterhalb der Stadt in nordöstlicher Richtung gelegen ist. zu einem Gefecht. Die Aufständischen griffen ihre Gegner in wiederholten Scharmützeln an, aber, obwohl sie Verstärkungen erhielten, zogen sie sich schließlich etwas zurück. Das Gefecht scheint nicht be» deutend gewesen zu sein, da nur ein kleiner Teil der kaiserlichen und aufftändischen Truppen beteiligt war. Ueber 5300 Mann der kaiserlichen Truppen sind von Peki ng nach S i n j a n g t s ch a u an der Grenze von Hongu und Hup«» abgegangen. Die E n t s e n d u nig eines britischen Bl«» t a i l l o n S aus Indien, das als GesandtschaftSwoch« diene« sollte, ist wieder aufgegeben worden, da di« Wachen der an» deren Gesandtschaften beträchtlich verstärkt worden sind. Der Herr Kommerzienrat hat Schwein! Posen, 25. Oktober. Ein Prozeß gegen den Kommerzienrat Josef Hugg er-Posen, der vom Schöffengericht in Posen wegen Beleidigung und übler Nachrede zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden war, wurde heute infolge Berufung vor der dritten Strafkammer erneut verhandelt. Das U r t e i l. das erst in später Abendstunde gefällt' wurde, lautete auf Freisprechung. Sämtliche Kosten wurden dem Privatklager..Brauereibesitzer KtSlinger-Posen. auferlegt. ES wäre aber auch geradezu unverantwortltch gewesen, wenn der hohe Herr Kommerzienrat sechs Wochen bei Rumfordsch, Wasser und Brot im Gefängnis hätte schmachten müssen. Unter Eisenmassen begraben. Oberhausen. 25. Oktober.(B. H.) Auf der„Gute HoffnungS- Hütte" im neuen MarttnSwerk wurde ein Zimmermann durch einen 2500 Kilogramm lchweren Eisenblock begraben ttn� zer« Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u �erlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 vrilair«».UnterhaltuagSbl- Kr. 251. 28. ZahrMg. t Keilage des.WmSrls" Kttlinn ÄlkdlM 26. QMtt 1911. Reichstag 137. Sitzung vom Mittwoch, den 2o. Oltobet, nachmittags 1 U h r. Hm BundeSratstisch: Delbrück, Mermuth, v. B r e i t e n- b a ch, v. S ch o r l e m e r, v. L i n d e q u i st. Aus der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben verschiedener Schutzgebiete. Abg. Erzbcrger(Z.) rügt die horrende Etatsüber- s ch r e i t u n g in den Kolonien, die sich auS der Uebersicht ergebe. Besonders groß sind die Ueberschreitnngen bei den Pensionen der Mililärvcrwnllmig. Das spricht am meisten für die Verringerung der Schutztruppcn. Abg. Noske sSoz.): Der Kritik des Vorredners kann ich mich anschliehen. Ein Mangel ist auch, daß uns zwar Gründe für Etatsüberschreitungen angegeben werden, dost wir aber niemals erfahren, aus welchen Gründen die recht erbeblichen M i n d e r a n s g a b e n zu verzeichnen sind. Wir baden alles Interesse daran, diese Gründe zu erfahren, damit wir bei der nächsten EtatSaufstellung die nötigen Schlüsse daraus ziehen können. Im übrigen habe ich den Eindruck, daß bei einer Reihe Etalepositionen, wo Minderausgaben zu finden sind, man gar lernen Anlast hat, dieser Sparsamkeit besonderes Lob z» spenden. Wenn im allgemeinen in bczug auf die Etats- Überschreitungen eine Besserung zu verzeichnen ist, so ist daS wohl einesteils auf die inzwischen gemachteii Erfahrungen, zu einem nicht geringen Teil aber auch auf die scharfe Kontrolle des Reichstags zurückzuführen. Fondsverwechielimg solchen Beamten Kiautschonzulagen gewährt habe, die mit Kiautschou nichis zu tun hatten. Der Reichstag müsse sich hier auf den Standpunkt des Rechnungshöfe« stellen und die nachträgliche Vorlegung dieser Ausgaben zur Genehmigung vcr- langen. Ebenso must der ganze Reichstag dagegen Front machen, dast die graste Ueberschrcitung bei dem Lupusbau für den Gouverneur dem Reichstag dadurch verschleiert werden sollte, dast man ihre Verteilung aus zwei Jahre verteilt hat. Abg. NoSke(Soz.): Ich halte e? für selbstverständlich, dast die SiechnnngSkommission sich gründlich mit der Sache der Kiautschon-Zulagen beschäftigt, weil der SlaatSiekreiär des ReichSnmrineainl» seinen wial falschen Stand- Punkt mit erstaunlicher Hartnäckigkeit aufrecht erhalten hat. AuS Mitteln der Kiauischvu-Verwallung sind unteren Beamten Dienern und Portiers. Beträge gezahlt worden, obwohl eine Mehricistung irgendwelcher Art nicht vorlag. Die blvste Uebertragmig der Per waliung von K'nutichou an da? Reichsmarineoml hat'dein Staatssekretär Beranlassung gegeben, einer ganzen Anzahl von Personen solche Exlrabezahlungen zu gewähren. Gewist sollen diese Personen diese Beträge jetzt nicht zurückzahlen. Ich würde aber die nachträgliche Gencbmignng ohne weiteres verweigern, wenn dadurch der Staatssekretär gezwungen werden könnte, diese Beträge von im ganzen 1469 M. aus seiner Tasche znrückznzahlen. DaS wäre für ihn eine i'ehr heilsame Leknon. Ebenso ist ent- schiedener Protest dagegen einzulegen, dast durch solche Etats- Verschiebungen, wie sie bei dem Gouvernemenls-Dlenstg<-bä!ide vor- gekommen sind, der Reichstag über die wirklichen Ausgaben geradezu düpierl wird(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Goercke(natl.): ES handelt sich gor nichi um daS Gou- verneurwobnhaus, sondern um das GouvernemcntSdienstgebaude. und bei diesem ist kein Lupus entfaltet worden. z.a§ tangiert na- türlich nicht die Frage der Eiatsverschiebuugen, auch nach meiner Anficht nicht vorkommen dürfen. Ein Kominiffar des RcichSmarineiimts: Ueber die erhobenen Beanfiandungen iverden wir in der Rechnungkommission unS ja noch auSiührlich umerbalten. Dast bei dem Golivernementsdieiisigebände weirergebaut ist. bevor eine Genehmigung vorlag, hat das Reichs- marmeumi ebenso scharf gerügt, wie der Reichstag; die Abpcht irgendeiner Irreführung oder gar der Düpierung des Reichstages hat nicht besianden. Damit schliefet die Debatte. Die Rechnung geht an die Rechnungstommissio». Es folgt die Fortsetzung der 1 Besprechung der teuerungs- Merpellationen. Abg. Graf Kanitz(k.j: Wir sind dem Reichskanzler dankbar, dast er erklärt bat, an den Grundlagen unserer WirtschastSpalitik soll nicht gerüttelt Iverden.(Zuruf links: Selbstverständlich!) Wird die Frage der landwirtschastlichen Zölle einmal airgcschuil!eu und wird au den landwirtschaftlicheir Zöllen gerüttelt, so werden auch die I» d u st r i e z ö l l e nicht unberührt bleiben. Der Frcisiu» und die Sozialdemokratie ziehen in den Wahlkampf mit der Parole des Freihandels, liniere Wahlparole ist: Schutz der uatiouale» Arbeit, Schutz jeder ehrlichen Arbeit in Stadt und Land!(Zuruf links: Darum sühreu Sie Polen und G a l i z i c r ins Land.)— Herr Fuhr in a n n hat gestern mit einem Porstost gegen uns geschlossen. Uns ist die Frage der Volks- eniährung viel zu ernst, als dast wir sie zum Gegenstand parlei- politischer Agitatioiisu machen.(Lachen links.) Die beste Antwort an Herrn Fuhrmaun sind die Worte des uatioualiiberaleu Stadt- direltors Tram m von Hauuover, dast das Geschrei über Misternte litid Teuerung übertrieben ist und dast das Volk in eine Teuerungs- siiminnlig hineingeredet ist mit Rücksicht auf die Wahlen.(Sehr richtig I rechts.) Von übertriebe» hoben Preisen kann keine Rede sein. DaS haben ja auch die Sozialdemokraten anerkannt, als sie bc- antragten, die Zölle zu suspendieren, wenn der Weizenpreis auf über 210 M., der Roggenpreis auf über 160 M. steigen lallte. Zurzeit sind die Preise in Berlin 204 resp. 183 M. lHört I hört! rechts.) Was die Fi eisiiinigen mit dem„allmählichen Abbau" der Getreide- zölle eigentlich wollen, ist unklar. Herr Gystling hat sich ganz anders geäusterl als Herr Oeser. Er memte: An eine Anfhebmig der Zölle denken wir nicht.„Durch unser Programm wird eine schrutiveiie Herabsetzung der Zölle gefordert. Wann wir dies tun werden, hängt von der wirtschastlichen Lage ab."(Heiterkeit rechts. Zuruf links: Notlage I) Die Sozialdemokraten er- innere ich daran, dast I a n r s S in Frankreich einen Weizen- preis von 250 Fr. als unbedingt nouveiidig für das Be- stehen der Laiidivirtichaft erklärt.(Hörl I hört I rechts.) Und iiir Deutschland hat der Sozialdemokrat S ch i p p e l in einer grasten LolkSveriammlniig in Berlin gesagt:„ES ist nicht wahr, dast die Preise insvige der Zölle gestiegen sind. Die Agrarzölle sind Zölle, welche mit Mühe und Not die alten Preise der laudwirtichafrlichen Eizengnissc gehalten und die Landivirlschafl vor völligem Zusainnien- bruch bewahrt haben. Niemand ist durch die Agrarzölle bereichert. Wenn miscre Landwirtschaft nicht wäre, Ivo bliebe dann die In- dnstrie; für diese sind doch die ländlichen Bezirke ein gutes Absatz- gebiet."(Hört! hört! rechts.) Aehnlich hat sich Calw er geänstert. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Er ist ke in Sozialdemokrat mehr!) Cnlwer hat bei 53 grasten denliche» Städten die Bewegung der Nadrniigsniittelpreise genau veriolgt und hat festgestellt: Seit dem Inkrafttreten des Zolltarifs sind die EngroS-Preiie der Nahrungsmittel um etwa 3 Proz. gestiegen, die Detailpreise aber um 10 bis 30 Proz.(Hört! hört I rechts.) Das ist keine parteipolitiiche Kniidgcbung, sondern eine einfache Anführung von Tatsachen.— Tie Einfuhrscheine sind für die östlichen prensti'chen Provinzen ge- radezu eine Lebensfrage.(Bravo! recht-?.) Herr S ch e i d e in a n n führte ans. das Volk habe 1910 122 Millionen für Einfuhrscheine bezahlt. Er hat dabei vergeisen, dast in demselben Jahre an Ge- treidezöllen vereinnahmt wurden•ZU Millionen, also das Doppelte Die Rcichskaiie hätte keinen Gewinn, lvciin an dem System der Ein- fnhrscheiiie gerüttelt werde und die grasten Seestädte wie Königs- bcrg, Danzig, Stettin halten nur Schaden davon. Die Steigerung aller Preise znsolge deS Sinkens des Geldwertes ist eine ganz all gemeine Ericheimincj; aber gar nicht nachdrücklich genug kann auf sie Spamiling zivil chen den Viehprcisen und den Fleischpreisen im Detailhandel hingewicsen werden. Auch das argentinische Fleisch wäre bei uns, wenn es zugelassen würde, nicht sür OO/Ps. pro Pfund zu haben, wie man gester» hier meinte, sondern mindestens zu 70 Pf. V o n e i n e r Fleischnot kann übrigens bei uns gar nicht die Rede sein; eine Flcischnot würde erst eiilstehen, weiin wir die Grenzen öffnen und unseren Viehstand dadurch in Gefahr biingen. (Lebhafte Zustimmung rcchlS.)— Herr Heim ninimt sich der Vieh zn»i besonders an, der Getreidebau kommt für ihn erst in zweiter Linie. Das ist verständlich; denn in keinem Vundesitaat ist daS Rindvieh so stark verlrelcii wie in Bayern.(Graste Heiterkeit.) Aber auch der Getreidebau ist für die Volksernährung sehr ivichtig. Würde der Grostgrundbesitz sich auf die Vichproduktion, statt des Getreidebaues werfen, so würde eine Ueberproduklion an Vieh eiilstehen, und mit unserer Gctreidevcrsorgimg würden wir vom AilSland abhängig werden. An den Futtermittel- zollen sind keineswegs mir die Grostgrundbesitzer interessiert, sondern auch die mittleren und selbst die kleinen Besitzer� verkaufen etwas Hafer. Herr Heim kennt augenscheinlich die Verhällnisse bei uns im Osten nicht, ich lade ihn ein, im Sommer, wenn das Ge- treide grün ist, zu mir zukommen. Würden wir nach den Wünschen des Freisinns nnd der Sozialdemokratie zum Freihandel übergehen, so würden dieJndnstrlearbciter beschäftigu n g s- loS werden und die Land iv irr schaft ivürde ruiniert werden wie in England, daS würde sich besonders gefahrvoll zeigen im Fall eineS Krieges Der Sozialdemokral C a l lv e r hat mit vollem Recht gesagt: Geben wir den Körnerbau preis, so opfern wir unsere polnffche Selbständigkeit.(Lebhaftes Bravo! rcchis.) Staatssekretär Delbrück: Die Debatte beweist, dast durch solche Erörterungen die Frage nicht wesentlich geklärt wird. Ueber das Bestehen gewisser Miststände besteht Einigkeit und sie werden von niemand'mehr bedauert, als von den Verbündeten Rcgicruugeu. Aber zur Abstellung dieser Miststände stehe» unö mir wenige Mast- regeln zu Gebote und durch Erörternngc» über solche Mastnahmen ist unsere Tnligtcit im ReichSaml des Innern in den letzicn Monaten fast ganz absoibiert worden. Was die geforderte Einsuhr von Fleisch anlangt, so beruht daS Verbot der Einfuhr von Büchsen- fleisch auf Gesetz und ist zustande gekommen, weil der Betrieb in den betreffenden ainerikanischen Schlächtereien und die Art der Verpackung eS Nils unmöglich macht an» sanitären Gründen eine solche Einfuhr zu gestalten. Die Einfuhr argentinischen Viehes und Fleisches ist unmöglich im Hin- blick auf die Gefahr der Einschlepvmig des TexaS-FieberS. Eine vorübergehende« u f h e b n n g dieses Verbotes ist praktisch undurchführbar, weil für den Import so viel Einrichtnngen nöiig sind, dast sich für kurze Zeit kein Jmporleur darauf cinlasien würde. Die Einfuhr von Gefrierfleisch würde auch»ichi sehr grast iverden, weil cS nicht erheblich billiger verkauft werden könnte als inländisches Fleisch. In Oesterreich, wo 4000 Tonnen zngclasie» waren, sind nur 1650 Tonnen i» Wien eingesührl und 950 konsumiert worden.(Hört! börl!) In der Schweiz haben gerade die Arbeiter das Gefrierfleisch abgelehnt, weil es für den Älbeilerhanshait nicht pastt. Dieselbe Erfahrung zeigt sich in Englands— Ansschlaggebend bei den ganzen Debatten ist der Streit über die Ursache» der Tenerinig. Man schiebt aus der Linken die Schuld auf tinscre Wirischofts- Politik und fordert einen allmählichen Abbau der Zölle. Ich must darauf eingeben auf die Gefahr, dast das „Berliner Tageblatt" mir den Vorwurf macht, ich hätte eine Wahlrede gekalten.(Heiterkeit nnd Sehr gut I rechts.)— Redner siichr an der Hand langer Tabellen nachzniveisen, dast die Zollgesetz- gebung durchaus keine überm ästige Verteuerung der Getreidepreise herbeigeführt habe.— WaS die Kartoffelpreise betrifft, so sind die Engrospreise hoch, aber längst nicht so hoch wie die Detailpreise.(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.)_ Die Maisernte ist überall schlecht ausgefallen; speziell in Amerika' cinigermastcn erträglich nur in den Douanländern. Dagegen ist die Weizenernte nur wenig unter dem Durchschnitt ausgefallen; die Roggenern tc war— namentlich bei uns in Deutschland — gut. Ganz geivist ist die Situation in bczug auf die Futter- mittel schwierig; sie wird verschärft durch den Ausfall des wichtigsten Ersatzmittels, des Mais; aber dieser Ausfall stammt nicht von unserer Zollpolitik, sondern von der schlechten Ernte. Die Futtermittelnot kann also nicht in ursächlichen Zusammenhang mit unserer Zollpolitik gebracht werden.(Zustimniuna rechts.) Gegen eine Misternte im eigenen Lande, gegen eine Misternte in den übrigen ProdilktioiiSgebieten ist eben kein Kraut gewachsen. In Kopenhagen und in London, Hauptstädten freihändlerischer Länder, in Wien, in Budapest, überall im Auslaiide sind die Preise gestiegen und das Mast der Steigerung ist im wesentlichen dasselbe ivie bei uns, teilweise ein höheres. Die Preissteigermig ist also eine ililernationale, kann also nicht in unserem Wirtschafts« system begründet sein. Vielmehr haben andere Momente allgemeiner Natur dabei mitgewirkt. An der Teuerung trägt unser Wirtschaftssystem keine Schuld. Gibt cS iiuu vielleicht andere Momente, die die Vehnuptiiug des Rbgeorouetc» O e s e r rechtfertigen, dast unser Wirtschaft;- iystem kritischeil Zeiten nicht standhalten kann? Ich glaube nicht, dast solche Momente vorhanden sind. Die Statistik (llieduer verliest lange Tabellen) spricht von einer erfreulichen Ent» Wickelung dos Wiruchailslebeiis unter dem Schutz der Zollgesetz- gebung. llnserc Wirtschaftspolitik hat für eine jährlich um 900 030 Köpfe wachsende Bevölkerung Brat und Arbeit geschaffen; wahrlich, kein geringer Ruhm und keine kleine Leistung. Unser WirtschafiS- leben bewegt sich, das kann nicht geleugnet werde», in aufsteigender Linie. Ganz besonders gehoben hat sich das Lohn- Niveau der Industriearbeiter.(Zuruf bei den Sozial- demokraten. Dr. Südekum ruft: Die glänzenden Arbeiter- ivohnungen.) Ich erinnere au die Aussükiruiigen CalwerS. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Nur unsere Wirt- schastspolitik hat uns die Möglichkeit gegeben Sozialpolitik zu treiben. Verschiebung der Grundlage» unserer Wirt« schnftspolitik bedeutet auch Gefährdung der Sozialpolitik.— Unser Wirtschaftsleben bat entgegen der neuiichen Behauptiing dcS Abg. O e s e r eine groste Elastizität und Widerstandsfähigkeit be- wiesen. Sie beweist gerade auch jetzt zur Zeit der vielbeklagten Teuerung diese ihre Widersiaudstähigkeit; sie setzt unseren <»>eldmarkt in den Stand, allen Stösten zu widerstehen.— Mit Hilfe der Schutzzölle habe,, wir unserer Jndufine den heimischen Markt erobert und gesichert. Gewist bat die Konkurrenz auf dem Weltmarkt, die Notiveudigkeit des Exports, neue Schwierigkeiten ge- schaffen. Aber diese Schwierigkeiten liegen viel weniger, als man gemeinhin denkt, aus dem Gebiete des Zollwcscus. Der Herr Reichskanzler hat neulich daraus hingewiesen und ich hoffe seinen Hinweis ergänzl zu haben, dast das Rütteln an unserem be- währten WirtschastSsystem gerade die Volkskreise empfindlich verletzen würde, zu deren Guusien in erster Linie jetzt Mastnahmen gegen die Teuerung gefordert Iverden.(Bravo I rechts.) Preustisch« Eisenbahiiininister v. Breitenbach: Man hat be» hmit'tct, die Erniästigung der Ei'enbahntarife hat keinen merkbaren Einflnst auf die PreiSbilduiig. Diese Behauptung ist irrig. Redner sucht dies an der Hand eines graste» Zahlemnaterinls nachzuweisen. Die dauernde Taiisermästiguna würde auf die Kasse der Eisenbahn» Verwaltung einen sehr starke» Einflust haben. Der Hauptwerk der Tarife! niästiguug liegt in der AnSichaltniig der Entfernung. Ein Antrag Bebel(Soz.) auf Vertagung wird ab- gelehnt. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Ich bedauere, dast der Staatssekretär dcS Innern nicht der nnS überreichten statistischen Uebersicht auch dm Tex: augehängt hat, dm er vorher vortrug, denn cS war absolut liumöglich, allen einzelnen Darlegiingen nnd de» Konsequenzei,. die er daraus zog, zu folgen. Er hat uns ein Bild der wiitschaftlichen Entwickelnng DeuischlaiidS in den letzten Jahren gegeben, hat Zahlen ans Zahlen auf« marschieren lassen. Die Ergebnisse unseres Ausfuhrhandels wie die Umsatzzisfern der Reichsbank spielten dabei eine Rolle und mich manches andere. Vieles mögen diese Zahlen beweisen. DaS Eine, was der Staatssekretär damit in der Hauplsache beweisen wollte, kam, er damit nichi beweisen, nämlich dast die jetzige Wirischaftspolilik des Reiches besser sei, als eine andere Wirtschafls- Politik. Wir wissen nicht, wie die Entwickelung sich bei einer anderen WirtichaflSpolitik gestaltet haben würde, denn es fehlt jeder Vsr- gleichsmastslab. Zu bestreiten, dast die deutsche Voltsivirtschast alS Ganzes betrachtet in den letzten Jahrzehnten eine gewisse Zeit der Blüte durchgemacht hat, wäre sinnlos; gewist lassen sich Zustände denken, die viel schlechte, sind als die jetzigen. Aber zu dem vor- liegenden Thema trägt das Lob der heutigen Wirtschaftspolitik nicht das mindeste bei. Dadurch, dast behauptet wird, die Blüte der wirtschastlichen Entivickelung sei dem Schutzzollsystem und der Stcuerpaliiik des schwarz-bkauen Blocks zu verdanken, wird die Not deS Volkes, unter der es jetzt leidet, nicht im allermiudestcu behöbe».(Sehr richiig! bei den Sozialdemokraten.) Lasie ich die Fülle der Gesichte an meinem geistigen Auge vorüberziehe», die in den letzten Tngen hier vor uns auftraten, so glaube ich. kann man die Redner nach dem Prinzip einteilen, ob sie mehr oder weniger Verständnis für die Not des Volkes bewiesen haben. Die Linie geht von der änstersten Linken bis hinauf zu den Herren am Bnndcsralstiiche. Ausgenommen ist das Z e n t r u m dabei. ES hat zwei Redner vorgeschickt?- von denen der eine zur Bernhiguug der Latifundicnbcsitzer in der Partei und ihrer junkerlichen BnndeStnippen dienen mustte, während der andere Redner das mehr Populäre besorgte. nämlich Mastnabmen vorschlug, die wir durchaus billigen, von denen er aber wahrscheinlich nach den Worten deS Herrn Spahn schon vorher überzeugt war, dast sie nicht durch- geführt würden(Sehr riwlig I bei den Sozialdemokraten). soivie ja auch der Herr Landwirlichasisininister gern bereit ist, alles zu tu», was keine Wirkung hat auf die jetzige Notlage.(Sehr gut l uno Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das Mindestmast de« Verständnisses für die Notlage des Volkes war, wie gesagt, bei den Männern der Ncgiernng zu finden. Mit dem Kanzler werde ich mich eist später befassen— das beste spart man sich ans.(Heiterkeit.) Man hat immer wieder gesagt, die Misternte sei gar nicht so schlimm. cS seien Erträgnisse der Landivirtschast und Gärtnerei genug vorhanden, und man hat weiter betont, dast jedenfalls die Zollpolitik völlig anster Beziehung zur Teuerung stehe und dast daher auch eine zeitweilige Oesfinmg der Grenzen keine Erleichterung bringen könnte. Diejenigen aber, die beweisen, dast Nahrungsmittel in unseren Grenzen vorhanden seien, rennen doch nur offene Türen ein. Gcwist sind Lebensinittel vorhanden, nur können mehr als SV Proz. der Bevölkerung sie nicht bezahlen. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.— Na I na I und Zurufe rechts.) Natürlich, wir leben ja im Jahre 1911 und nicht 9111 Wenn in früheren Jahl-hnuderten eine Dürre über das Land kam so mustte die Bevölkerung mit der Unmöglichkeit rechnen über- bniipl NahrungSiiiiltel zu bekomme». Dieser Znstand isi beute durch die Entwickelung deS Verkehrs überwunden Aber cS nützt nichis. dast Fleisch und Gemüse überhaupt vorhanden ist cS must zu Preisen vorhanden sein, dast auch die Minder- b e m i t t e l t e n e S k a u f e„ k o n>, e n. Wie Renter sagt:„Rind- fleuch und Backplumen sind'ne gute Sache, man must sie blost hewen".(Heiterkeit nnd Sehr richtig! links.) Der Landivinschafts- »»nister hat behauptet. eS seien Kartoffeln zu 2.60 M. zu haben. Nach meinen Erkuildigimgen ist der Stadtgcmcinde F r a n k f n r t a. O. z. B. unmöglich gewesen, Kartoffeln zu solchen Preisen zu beziehen. Dieser Preis bezieht stch wohl auf unsortierte Kartoffeln aus dem Felde.(Widerspruch rechts.) Wenn der Herr Land» WlrlschastZininisicr Kartoffel» zu 2, SO M. hat. so solle er das nur hier von der Tribüne bekanntgeben, damit die städtischen B e r w a l t u n g e n Gelegen- b e i t haben, sie zu beziehe«.(Heiterkeit.) Vielfach ist von den Zahlen der Statistik Gebrauch gemacht ivorden. Aber eins dürfen wir dabei nicht übersehen. Die Statistik— das ist ihr Schicksal— kommt immer zu spät. Wir werden erst in einem späteren Zeitraum imstande sei», zu erkennen, wie die TeuernngSvcrhältnisse auf unser Volk gewirkt haben. Selbst die GrohhandelSpicisc, die einzigen, die jetzt für die Lebensmittel der Stalistit zur Verfügung stehen, beweisen ja nichts, denn Sie sagen ja selbst, dajz die Spannung zwischen den Groizha»del«> und den KleiithandekSpreiscn anormal hoch i st und jedenfalls anszer jeder Kontrolle steht. Jedemalls liegt die Talsache vor, das; die Detailpreise auf den Märkten der industriellen Siedelimgen und Groststädle eine Hohe erreicht haben, die namentlich den Genug von G e in ii s e für die minderüemittelie Bevölkerung schlechihiii verhindert.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraien.) I» den ganzen Erörtcnmgen über die Tcnenmg vümisse ich das Eingreifen derjenigen Behörde, die nach meiner Ansicht am ehesten und nnmitlclbarstcil berufen wäre, über diese Frage LluSbiust Zi erteilen, nämlich da? Rcichsgesimdheit-Sniiit. Wir haben in den letzten Jahren von verschiedenen Gelehrten Untersuchungen bekommen, wie sich die Eriiährimgsverhältnisse niiscrcr Bevölkerung bei der Umschichtung der Bevölkerimg vom Agrar« staai zum Industriestaat gcstaitri haben, speziell über die Er- uährmigSverhälmisse der Schulkinder sind Untersuchungen angeslelll. Datz aber eine regelmäßige Beobachtung dieser Verhält- nisse vom ReichsgesuudheitSmnt bis zur Sinnde zu vermissen ist. ist lief beklagenswert, denn cZ gibt keine Ängelegenheit, die Wehrhastig- keil der Nation nicht anSgenoinmen, die so sehr der�leberwachimg bedürfe, wie dic Ernäbruttg der Bevölkerung.(Zuruf rechts: Auch mit Fleisch!) Gewiß, doch spreche ich nicht von der unmittelbaren NahningSmiiielkontrolle, sondern von den Vorgängen auf den Märkten, von den Vor- gäiige, der NahruiigSmittelversorgimg. Die Beobachtungen, die sich auf die Einwirkung der Umschichtung und Umsetzung unserer Bevölkerung von Agrar- zu Jndustriebevölkernng beziehen, sind so bedeutungsvoll und mflss«, mit der Zeit namciillich für die zollpolitische Haltung eine solche Bcdentmig gewinnen, daß wir daraus dringen müssen, daß das Ncichsgcsuudheilsamt diesen Zweig seiner Tätigkeit ausbildet.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten> Die daueiudr Beobachtung der NahruugSmittolversorgung des Belkes muß die Hauptaufgabe des RcilliSgefundheiiSamtes sei». Wenn namentlich die Herren von der Negiernng gesagt haben, die Aushebung der Zölle auf Futlermiliel. auf Brotgetreide, auf Fleisch und andere Nahrungsmittel würde keine Wirkung haben, fei nicht einmal eine momentane Wirkung, so vertraue ich doch mehr auf Männer, wie Herrn Heim. Sie können nicht behaupten, daß die Forderung der Aufhebung der Zölle eine Vartciforderung sei. Sie wird bis in die Milte des Hauses hinein vertreten. Man muß fragen, ob es sich um Schutzzölle oder um Finanzzölle handelt. Herr Heim betrachtet die Agrarzölle als Schutzzölle und fordert dem- gemäß, wenn die Verhältnisse sich geändert haben, daß dem Rechnung getragen loird. Der ReichSschatziekretär sagt, die Agrarzülle sind Finanzzölle.(Zuruf rcchtS: Auch!) Schön, ich behaupte, sie sind sogar Prohibitivzölle, denn sie sollen in Verbindung mit den psendosanirären Bestiimmuigxn des Fleischbcschaiigesctzes die Ein- fuhr verhindern.(Zustimmiuig bei den Sozialdepnolraten.) Graf st a n i y wies darauf hin, daß die französischen Sozialisten für die Agrarzölle gestimmt haben. Aber in Frankreich bat der Agrar- zoll eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Frank- reich ist lein Gelrcide einführendes Land, eS muß nicht, wie wir, ein Fünftel seines Brotgetreides vom Ausland beziehen. Such sind die EigentumSverhäUnisse in Frankreich ganz andere. Frankreich bat keine Junker.(Zulms rechts: Unrichtig!) Nur wo der. Zuckerrübenbau größeren Umfang hat, gibt es in Frankreich Großgrundbesitz, var allem aber hat Frankreich keine Jimker- Herrschaft imd da? ist cntschcidciid.(Lebhafte Zustimmung links.) Unsere Zoll- und Steucegesctzgebnng ist doch nach dem Eingeständnis Ihrer Führer bestimmt zur Alimoutiening der Janker. Wissen Sie das nicht? Und daß Graf PosadowSkh selbst gesagt bat. daß die SchnapsliebeSgaben die Großgrundbesitzer in die Lage setzen mufien, den Sohn Leutnant und Referendar werden zu lassen. In Frankreich ist Ngrarschuu nicht Junker-, sondern Bauernschntz!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Ziwuf von den Kons.: In Frankreich gibt eS auch keine Einkommen« si e ii e r!) Folglich können sie die rciibrn Leute nicht hiiitcrziehen! (Schallende Heiierkeit der Linken.) In j e de ni Lande sind immer die Sozialdemokraten des Auslandes die besseren Sozialdemo» traten! lTehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Daß Sie so an dem Zollsystem festhalten, wäre unverständlich. wenn es keine Wirstmg hätte. Allein durch die Zollerhvhung von 190a ist die Belastung des Volkes für Brot mit II Mark pro Kopf zu berechnen. Darum ist es richtig, was seinerzeit der deutsche Kaiser gesagt hat, daß die deutsche Ägrarzollgesetzgeoung eine BroiwucherFesetzgebung ist.(Widerspruch rechts und im Zentrum.) Da? wird erreicht durch die Verbindung der Zölle mit dem Einstihrscheiusystem. Um den Groll de« Volkes darüber" zu beschwichtigen, schlug da? Zentrum vor. daS Geld, das dadurch mehr siinkommt, für eine Witwen- und Waiseiiversichernng aufzusparen. Angesammelt wurden 40 Millionen Mark. Wo ist da? Geld geblieben? ES ist durch die Anzapfung derRdchSkaffe miitels derEinstthrscheine in die unergründlichen Taschen der Großgrund- b e s i tz e r geflossen! Bor der fraiizöslsche» Revolution, alS eS »och Junker gab, entblößten auch sie das Land vom Brotgetreide und ließen sich vom Staat dabei begünsiigen. Die Folgen Ihres Systems werden Sie am 12. Januar sehen. Möge der RdchSkanzler doch nachschlagen, was Herr v. Bethmann am 22. April 19t)g sagie:„Wenn die Nusstihr an Roggen und Hafer einen solchen Um- sang erreicht hat wie den danmls beklagten, so sei daS nur eine vorübergehende Ericheimmz. Wder wenn sich herausstellt, daß eine so hohe AnSstihr dauernd bedenklich wirke, dann liegt die Ver« aiilasiung vor, dazu!Z't!k»ng zn nthn-cn mld daS System zu aiidern." (Hört! hört! lim».) So ver Bethmann Hollweg von lbvö! Inzwischen hat sich die Anssnhr von Roggen und Hafer noch ver- in ehrt und trotzdem sagt der Reichskanzler jetzt, es darf an diesem System nichts geändert werde». Er hat sich' verändert I Er hat sich verhärtet, er ist noch mehr rin Gefangener der Junker geworden, als er eZ vorher war!(Sehr wahr l hei den Sozial- demokeateu.) Aber das Volk klagt nickst nur über die hohen Lebens- niitlclpreise. Es leidet auch unter den.Liebesgaben.(Zuruf reckst»: Unsinn.) Sie sind ja selbst ein LiebeSgabenempsänger.(Sehr richtig! dci den Sozialdemokraten, Unruhe rcchlS.) Die Z u ck e r- und V r a n n: w c i u l i e b e S g a b e n allein machen mehr au?, wie die gesanstcn ReichSjchulde,,. Mau sagt, die Oeffuuug der Grenzen und die vorübergehende Herabsetzung der Zölle lohne sich nicht. Nu», dami machen Sie doch einmal daS Ermirneut; setz«« Sjo uns doch durch die Tat in? Unrecht, setzen Sie die Zölle herab und belveisen Die miS dann, daß dadurch nicht eine wesentliche Herabsetzung der Lebensmittelpreise erreicht wird. Herr Heim hat Ihnen gestern sehr treffend gesagt: alle Schutzzölle sind restie Zweck- Mäßigkeitsmaßnahmen. Wir Sozialdemokraten— das möchte ich dem Grafen«aitifc sagen— sind Buchaus keine enragierte» Frei- Händler. Dazu haken wir mit dem Grundsatz des lawssr fairo laiasor aller(gehen lassen, wie eZ will) auf anderen Gebieten zu schlimme Erfahrungen gemacht. Aber die Herren Schutzzöllner haben doch selbst immer gesagt. diese Maßiiahmen könnten nur vorübergehend sei».(Sehr richtig! rechts.) Dan» darf man mich nicht sagen, man dürfe des Prinzips wegen auch nicht einen einzigen Siciu lind auch auf kurze Zeit nicht aus dem Schutzzollwall hiriausnehincn. Der ominöse K 12 des FleischbcschaugesetzeS ist seinerzeit ausdrücklich als vorüber- gehende Maßnahme bezeichnet morden.(Sehr richtig! bei den Soz.) Wenn mau sich henw gegen gjne auch nur vorübergehende Herabsetzimg der Zölle und auch gegen die Einfahr von Büchsen- fleisiti wendet, so setzt man sich dem Verdachr an?, das? mau eut- schlesscii ist, anZ der Rot des Volkes eiirra Sorrcil xn ziehen.(Sehr wahr! bei den SozialdemokrtAeu.) Hat doch sogar die Denkschrift des Laildwft lschastSratS das Dorr geprägt, die Teuerung sei ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit. DaS ist ein bitteres Wort. Wer das geschrieben hat und die Verantwortung dafür übernimmt— der mag ein gläubiger Ekirist fein, aber ich kann mir vom Standpimkt eines Chrsiten keine größere Blasphemie als diese Behauptung denken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Wir haben in imscrer Jnlcrpellalion uns auf das mnniitelbar notwendige bcschräiikr, und amv kein Wort in der Rede de-S Genossen S ch e i d e m a ii n berechtigte den Reichskanzler dazu, wie er eS getan hat, die Frage der allgemeinen MrtlchaitSpolitik hier aufzu- rollen und eS so darzm'tellen. alS ob ausgerechnet jetzt eine große Veränderung unsere« WirtichastSsystcms beabsichtigt sei. So töricht sind wir nicht, zn glauben, wir könnten die agrarische Mehrheit dieses Reichstags erschüttern. Aber wir hegen allerdingZ die Hoffnung. daß iv i r diese M e hft h e i t dezimieren werden bei den nächsten Wahlen, diese Mehrheit, die da überhaupt nur zn- stände gckoinmeii ist, weil wir eine v e r a l t e t e W a h l kr e i s- eiiiteilvng habe», die dein Lemde das Ucbcrgewicht gewährt. (Sehr wahr! links.) Nun sagen d-ie Herren, die Landwirtschaft habe eigentlich gar nicht Vorteil von den hohen Zöllen, sondern der Zwischen- Handel zöge einen illegitimen Nutzen aus den Verhältniffm. Ich fühle nicht das Bedürfnis, die Kräm'er und Händler zu verteidigen. Wir verkennen gewiß nicht die Schäden der heutigen Giitervcr- tcilung, aber wenn wir uns bemühen, diese Schad«, der Dis- tribution auszubessern, den Konsum zu organisieren und dadurch ein zum Teil parasitisches Zwischenbändlertum aus- zuschalten, dann stoßen wür- gerade auf den Wider spruchder Konservativen und des Zentrums.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie sind es, die die Konsumvereine durch schikanöse Gesetze und Berwaltungsmaßnahinen in ihrer Eni- Wickelung stören. Ter E>i s e n b a h n m i n i st e r ist eS, der jedem Arbeiter in den Eisenbahnbetrieben die Maßregcltzug androht, wenn er«der seine Frau Mitglied eine? Konsunwercins sein will. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sind es, die es be- grüßten, daß der Rat von Dresden sich von ß:dem Straßenfeger die eidesstattliche Versicherung geben ließ, daß er nicht Mitglied eines Konsumvereins sei oder werden wolle.(Hört! hört! bei dvn SoziÄdcmokratcm) Man kann nicht auf den Zwischenhandel schimpfen und auf der anderen Seite aus der Tagung der Zentralvcreinigung der Deutschen Bcroine für Handel und Gcwsrbe, wie in den letzten Tagen Herr K r e t h. eine Lanze für das Krämertum einlegen. Bei den Wahlen werden wir ja die Herren von der Rechten und vflp der Mibe wieder an der Seite der Händler finden, sie werden sich wieder als alleinige Ver- treter des Mittelstandes hinstellen. Ter Handel hat zweifellos an der setzigen Teuerung nicht allein schuld. Er ist außerordentliH beweglich. Wenn eine örtliche Gruppe von Händlern die Preise über das normale Maß hinaus- treibt, so kommen andere und senken durch vermehrte Zufuhr die Preise wieder. Mso wer behaupset, die Händler tragen allein Schuld, setzt doch ein zu großes Mißtrauen in die Intelligenz seiner Zuhörer.(Heiterkeit und sehr gut! links.) Viel mehr Recht hatte Herr Heim, als er die falsche B e s i tz v e r t e i l u n g als Grund der Mißstände anführte. Per Latifundienbesch bat Rom zerstört, und er wird Deutschland zerstöre!» wenn er nicht verteilt wird. Freilich, der Forderung Dr. Heims, an Stelle der großen Fideikommiffc Vauernfideikommisse zu setzen, kann ich nicht folgen. Tie Bindung großer Landslächen muß auf die Dauev verhängnisvolle nckrtschafkliche Folgen haben.(Zuruf rechts.) Die Ausrottung der Wälder kann man auch durch andere Mittel verhindern, als durch die frdeikommissa- rische Bindung. Unsere Gemciudewälder werden ohne diese Bin- dung auch forstlich einwandfrei behandelt. Im übrigen ist es wahrhaftig kein Geheimnis, wie in manchen Fidcikommissen mit den Eigcnbeständen gehaust worden ist, daß die überwachenden Staatskommissare da manchmal beide Augen zuge- drückt haben.(Sehr wahr! links.) Ich bin ein Bewunderer der Heimschen Kunst, zu organisieren. Man muß den Mann in seinem ureigensten Betätigungsgebiet im nördliche? Bauern jahrelang bei der Arbeit gesehen haben, wie ich. Aber er stellt dieses sein hohes Talent rücksichtslos in den Dienst ein« bestimmten Klasse, er sieht nicht die Bedürfnisse der Allgemeinheit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)� Tic Reorganisation der Eigen- tumSverhältnisse des für die Ernährung so wichtigen BodenS muß auf einem anderen Wege vor sich gehen als durch die Bildung von Bauernfideikommisscn. Tie Schaffung der fütz die Ernährung des Volkes notwendigen Stoffe ist eine hervorragende nationale An- gelegcnheit, die nicht abhängpg sein darf von dem xuscklligen Besitz« Verhältnis. Wir haben Zeiten gehabt, wo das Land den G e- m e i n d c n gehörte. Die Sniwickelung hat dann mit Notwendigkeit zum llebergang des Grund und BodenS in Poivateigcntnm geführt. Aber es kommen auch Zeiten, in denen daS Privateigentum an diesem Boden überflüssig und danr'kt schädlich wird. Eigentum und Besitz sind keine ewigen Kategorien, sie wan- dein sich mit unserer VoltSwixtschaf�. ES ist etwas ganz anderes, ob LS OOO Adelsfamilien einen erheblichen Teil des Grund und BodenS in einem Staat mit 00 Millionen Einwohnern oder in dein- selben Staat mit SS— 70 Millionen Einwohnern haben.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokrats».) Denn in dem Maße, wie sich die ländliche SciflHierniig vermehrt, steigert sich der Wert, unter Nmstänkieri die Gefahr und die Schädlichkeit»cS Bvdemnonopvls. DaS bestrmten zu wollen, würde Ihnen schwer fallen!(Zehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und mit jetiem landlos Geborenen kommt ein neues Argument e,sgen den monopolistischen Boden. sowohl deSjenwen, der zur Ernähruna, wie desjenigen, der zur Be- narrsung des Volke? notweudia ist. Nirgends steht geschrieben, daß die Masse der Bevölkerung, dckß die Millionen in schwerster Arbeit ihren Lebensunterhalt erwerben miftüm, mir einer kleinen Minderheit eine drhagliche Existenz zu verschnffcn.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten', L a ch e n r c ch t L.). Sie werden vielleicht wieder mit angeblich zugunsten der Groß- grundbesitzer'sprechenden betriebstechnische� Eigeicheiten kommen. Aber Großbetrieb als Musterbetrieb ist keineswegs gebunden an Lalifundicnbcsib.(Sehr gut! links.) Eine andere Bedeutung hat heute der Grosigrnndbesitz nicht, als die, die Bodenrente in die Taschen verschwindender Mindevlicitcn bincinziilrtten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Eine Kr schlimmsten«eilen der Döuenmg ist die Teucniyg der WöhntingSmieten. die sich aufbaut auf den Privatbesitz an dein� für die Behausung der Bevölkerung notwendigen Boden. ES ist nicht wahr, daß. wie der Staatssekretär de» Innern sagte, sich die Wohnungiver- hältnissc verbessert haben. Manche WckhnungSverhältnisse haben sich verbessert, aber die. Wohnungsnot unseres Volke? in den Groß st ädten wie in den kleineren schreit zum Himmel!(Lebhaft: Zustimmvng bei den Sozialdemo- kraten.) Tie Gesundheit unseres Volkes muß untergraben werden, wenn wir sehenden Auges weiterhin an diesen Zuständen vorüber- gehen, wenn ein erheblicher Teil der Bevölkerung dieser immens reichen Stadt(Berlin) genötigt ist, i« Kellerwohnungen zu hausen, wenn eS hier noch 13 000 Wehniinge» gibt, d i e aus einem e i n z i g e n, n i ch t h e i z b a r k n R a u m b e st oh e n und die mit bis zu 10 Perlenen belegt sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Volk, das di�se Zustände bestehen läßt, hältc nicht den Anspruch auf den ksttel eines Kulturvolkes! Die herrschenden Klassen, die die Mitarbeit der großen Massen dauernd zurückweisen und die Verantwortung für die Regierung auf sich nehmen, haben ihren Beruf nicht er- füllt, sie sind schuldig zu sprechen der Vernachlässigung ihrer Pflicht. und müssen abtreten von dem Platz, den sie bisher innegehabt haben!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir bestreiten am allerwenigsten, baß eine gesunde Landwirt- schaft notwendig ist für die Nahrungsversorgung unserer Bwölke- rung. Die Besserung der Zustände suchen wir nicht nur in der zukünftigen Aenderuug der Besitzvorhälinisse, sondern, wo immer nur Eelogenhcir geboten war, in den EinzcUandtagen für eine unmittelbare Bessxrung des Loses der Bauern einzutreten, haben wir das getan.(Schx wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich will nicht weiter über die Agrarfrage sprechen und wende mich nun dem— Stuhl zu, auf dem der Reichskanzler m auch m a l fitzt.(Große Heiterkeit.) Ter Kanzler hat vor- gestern siier eine Wahlrede gehalten. Ter Staatssekretär des Innern hat ihn dagegen zu l�rteidigen gesucht, daß in seinen Warten eine gewisse unbarmherzige Brutalität gelegen hat. Vizepräsident Schultz: Das jicht zu weit. Ich bitte, sich zu mäßigen.(Widerspruch beiden Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Südckum(Soz.): Ich kann nicht sagen, daß jemand, der auf die Frage: Was willst Du tun? Herabsetzung der Zölle antwortet: Nein! Oeff- nung der Grenzen für auswärtiges Fleisch— nein, nein, nein, ich kann nicht finden, daß jemand das Wort der Stunde findet, der jede auch die gering st e Gefährdungograri- scher Interessen mit der Schärfe, die ihm zu Gebote steht, .zurückweist und dabei gleichzeitig die Interessen anderer Berufs- schichten, z. B. der Zwischenhändler, so behandelt, als ob sie gar nichts bedeuten, oder gar für die Not der Minderbemittelten nicht ein einziges Wort bes Mitleids gehabt hat. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Soziakdcmokraten.) Es klingt ja im« Höh«, wenn der Reichskanzler sagt, die Press: sei schuld, die Versammlungsreden seien schuld. Als ob die ganze Not nur ein- gebildet und nicht wirklich vorhanden wäre. Wenn der Reichs- kanzler sagt: es gibt keine Teuerung, die Lebenshaltung des Volkes ist nicht so ungünstig, wie sie dargestellt wird, im Gegenteil, die Löbne sind gestiegen und dadurch hat sich die Lebenshaltung ver- bessert, so ist es unsere Pflicht, loenigstens an dem einen oder anderen Bcitojcl nachzuweisen, daß das Gegenteil richtig i st. Ich will mich auf die Aeußcrung von Zentrumsredncrn be- rufen. Herr I m b u s ch führte im Abgcordnctcnhausc am 20. März d. I. aus, daß am 1. Januar 1900 in 15 größeren Orten des Saar- gcbieteL 5811 Bergleute in 119 Geschäften nicht weniger als 280 000 M. Warensckiiildrn hatten.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Und bis zum 1. November 1910 hatten an denselben Orten 4500 Bergleute in 200 Geschäften 445 000 M. Warcnschuldcn. Daraus zog Herr Jmbusch die Folgerung: Also der Lohn ist gc- stiegen, aber die Kaufkraft des Lohnes ist nicht entsprechend gc- stiegen. Das bedeutpt also, die Lage der Arbeiter hat sich erheb- lich verschlechtert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zehn Tage später erklärte Herr Rocren nach einer ihm vorliegenden Lohnliste, der Schichtlohn für Hauer betrüge 4,14 bis 4,41 M., daS Jahreseinkommen demnach 1200 M. Aus dem H a u L h a l t u u g S b u ch eines katholischen Arbeiters mit fünf- !Lp>figcr Familie, der sogar ein außergewöhnlich hohes Jahresein« kommen hatte, nämlkch von 1400 M., ginge hervor, daß ex Ausgaben von 1884 M. jährlich zu leisten habe. Daß diese Ausgaben sehr sparsam aufgestellt waren, stellte Herr Roeren ausdrücklich fest. Herr Rocren sagte, rn allen 52 Wochen dcS Jahres hat der Mann nicht einen Pfennig für Vergnügen ausgegeben. Ich meine, so fuhr Herr Roeren fort, das Herz müßte einem bluten, wenn man dies Bild der drückendsten Einschränkung sieht. Herr Roeren teilte auch eine VevschutdungSstatistik mit, wonach in sechs Zechengcbtcten die Hypothekenschnldcn der Bergarbeiter sich auf 1)4 Millionen Mark belisfeei. Das ist„da? eigen: Heim" der Saarberglcute! Herr Rocren fügte hinzu,„das sind doch Zahlen, die mit erschrecken» der Deutlichkeit aus einen wirtschaftlichen Zusammenbruch hin- weisen".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im 4. Heft des Jahrgangs 1911 der inksiisteriellen Zeitschrift für Berg- und Hütienwesen findet sich auf Seite 107 eine lobende Erwähnung der Bemühungen der Werke, billige Lebensmittel den Bergleuten zuzuführen inid ihnen Wohnungen bereit zu stellen. Dann heißt eS:„Die wirtschaftliche Lage hat sich gegen das Vor- jähr nicht wesentlich gebessert. Die Löhne sind zwar gestiegen, aber durch die Preiserhöhung mancher Lebensmittel, vor allem des Brotes und Fleisches ist daS mehr al» weit gc- macht." Rechnen Sie jetzt die Steigerung der Gemüse- und Kar- toffelpreise hinzu, so sehen Sie eine beträchtlich: Verschlechterung der Lage der Arbeiter festgestollt. und zwar durch ein Organ eines preußischen Ministe- riumZ. Die Berhandlungen bei dein neuen Buchdruckertarif haben gelehrt, daß die Buchdrucker nicht imstande waren, dasjenige Mass von Lobnerhvlmng zu erzielen, das ihnen eine Aufrechvcrhol- tnng ihrer Lebenshaltung ermöglicht. Wenn man Zahlen gibt, wie es der Staatssekretär Delbrück vor etwa einer Stunde tat. so der- wechselt man gar zu leicht die Lichtseiten der technischen Enüvickc- lung mit der Hebung der Lage der arbeitenden Klassen. Fortschritt der technischen Entwickelmig und soziale Hebung der arbeitenden Klassen sind durchaus nicht identisch."(Seht richtig! b. d. Soz.) Als Gladstone im englischen Parlament von der„berauschenden Ver- mchrung des Reichtums" sprach, stand die arbeitende Klasse Eng- lands nahe vor dem Zusammenbruch. Irland war in Flain- mcn, Hungerrevolten waren dort ausgebrochen. Die Technik hat in ihren Anfängen nicht"zu einer Verbesserung, sondern zu einer grausamen Verschlechterung der Lage der arbei- t e n d e n Klassen geführt und es hat langer GesetzgebungS- arbait bedurft, um diese Verhältnisse abzuändern. Mit dieser Ar- beit sind wir noch lange nicht fertig.(Lebbafte Zustimmung b. d. Soz.) Was will es besagen, wenn man Zahlen angibt für die ge- steigerte Ausfuhr. Das bewvist nicbtö für die Lage der in den be» treffenden Industrien besckiäftioten Arbeiter. Man jflgt uns. Ihr habt ja. selbst die VerelendungS« t h e o r i e sallsn lassen. Es wäre ja noch schöner, wenn eS unserer zähen und opferreichen Arbeit nicht gelungen wäre, die Lage der Arbeiter in 30 Jahren zu bessern. Aber was wir errungen haben, haben wir gegen Tic erringe» müssen. Nie sind Wir von Ihnen unterstützt worden(Wweripruch rechts) und nie hatten wir ein deutlicheres Gefühl dessen, wie unzureichend daS ist. was wir erreicht haben, als in dieser Zeit.(Lebhafte Zustim- mung b. d. Soz.) Das eine zoll man doch nicht vergessen, wenn man von der Verelendung spricht, daß es dabei auf daö V e r h ä l l. nis zwischen der Produktivität und dem Ein» kommen ankommt. Dank der technischen Eniwickclung schafft ja der einzelne heute viel mehr als früher, aber der Ucbcrschuß kommt N i ch t i h m. s o u d er n an d e r e n zu g ute. Der Aufstieg reicht nicht auS und keine Sophisterei der Welt bringt uns darüber hin- weg. daß es den breiten Massen des Volkes nicht gut geht, daß ein am Rande dcS Abgrunde» steht und daß ein erheblicher Teil der Bevölkerung dauerndder Armenpflege v e r sin l l t.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Nun sagen der Reichskanzler und ,eine Nachbeter freilich: wir müssen die Gemeinden ausfordern«was zu tun, wo wir nichts tun können. Wir sind bereit, ihm auf diesem Wege ztz folgan. denn wir sehen deirin eine Anerkennung von uf« g vertretener programmatischer Forderungen. Wir begrüßen diese Aus- oehrnmg dcö PflichtcnkreiseS der Gemeinden, denen wir schon lange die Regelung der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zugewiesen haben. Aher ich frage den Herrn Reichskanzler: Wa» ist denn daS, d!e Gemeinde? Weist er nicht, dost die Gemeinden. auf die er am unmittelbarsten Einslust hat, nainlich die Stadtge- mcinden in Prcusten, unter genau denselben Schäden der Verfassung leiden wie der preustl sche Staat? Dast Dan! der veralteten Städteordnung die Bevölkerung, die ei eigentlich angeht, von der Einwirkung auf die Geschicke der Ge- uieinde ausgeschlossen ist?(Sehr wahr! b. d. Soz.) Ähnt er nicht. dast er damit den Wählern der ersten und zweiten Abteilung, die ja meist Hausbesitzer und Händler sind, zumutet, dast sie den Ast absägen, aüf dein sie sitzen? Ist er so weltenfern, dast er sich nicht gesagt hat, man darf nicht schlechthin von der Gc- meinde sprechen? Freilich, ein Staatsmann, der ein verpfändetes Königstvort alt und schimmelig werden läßt, lschr gut! links), ein Staatsmann, der eine Frag« von der elemcn- taren Bedeutung der Nesorm des LandtagsivahlrechtS, die die Bor- oussetzung der Reform der Gemeindeversassung ist, liegen lästt, ein Staatsmann, der vor dem Stirnrunzeln des Herrn von H eh s c- brandt zusammenklappt wie ein Taschenmesser llebhafics sehr gut! b. d. Soz.)— drei Jahre hat er ins Land gehen lassen. denn drei Jahre ist es her, dast der preustische König gesagt hat: „Es ist mein Wille, dast das preustische Wahlrecht geändert wird — ein solcher Staatsmann hat nicht das Recht, die Verant- Wartung von sich abzulehnen und auf andere Schultern ab- znwälzen, ein solcher Staatsmann hat nicht das Recht, die Ge- meinde zur Hilfe aufzurujen, die Gemeinde, deren Bertretung so zusammengesetzt ist, dast sie unmöglich wirksame Mast- regeln treffen kann.(Lebhaftes sehr wahr! b. d. Soz.) Ter Rcichskanzler sieht in der Erhöhung des Fleischtonsums eine Verbesserung der Vollsernährung. Aber zunächst beweist sie nur eine Veränderung der Ernährung, denn dast die städtische Ar- beiterbcbölkcrung mit ihrer Ernährung nicht den ThpuS der Ernährung einer ländlichen Bevölkerung beibehalten kann, ist physio- logisch ohne weiteres einleuchtend. Tie Ernährung der städtischen Arbeiter wird ohne ivcitcres nicht besser, aber anders, als die der Landbevölkerung. In unseren Militärbäckereien wird ein ausze- zeichneteS ÄoramiSbrot gebacken. Aber für die in den Fabriken arbeitende Bevölkerung ist d-eses Brot ungeeignet. So beweist also auch der gesteigerte Fleischkonsiim nicht, ivas der Reichskanzler damit beweisen will. Der Fleischkonsum ist auch lange nicht so gestiegen, wie die Umschichtung der Bevöllcrung es hätte crwarien lassen. Ter Ncichskawzlcr. dem es ganz gewist eng ums Herz ist, wenn er an die kommenden Wahlen denkt, sagte in seiner Wahl- rcde zum Schlust, cS komme ihm darauf an, den Schutz der natio- nalen Arbeit ausrecht zu erhalten. Schutz der nationalen Arbeit, das soll der Saminlungsrns für den 12. Januar werde». Es ist ihm jchci» von verschiedenen Seiten dieses Hauses einiges Wasser in diese» Wein getan ivordcn. Wir sind gewist nicht gegen den Schutz der nationalen Arbeit, denn sitilicplich sind es unsere Anhänger, die in dieser Arbeit stehen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Aber wir wollen nicht durch ein' gefährliches Schlagwort unser Volk irre- führen lassen(lebhafies sehr richtig! b. d. Soz.) und es ab- fuhren lassen von den Problemen, die für die Zukunft entscheidend sind. Schutz der nationalen Arbeit, gewist. aber auch Schutz der»ationnlcn Arbeiter gegen junkerliche (Sewalttätigkeit und Anobeutung. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Den Vorwurf der ungewollten Hartherzigkeit und Brutalität, den der Borredner gegen den Reichs- kanzler erhoben hat,»iiist ich aus das eiUschiedeiists zurückweisen. Ter Reichskanzler l>at die Folgen der Dürre als beklagenswert er- klärt und hat betont, dast die Sorge um die arbeitenden Klassen ihm genau so am Herzen liege, wie Ihnen, wobei aus dem Hause der Zurufe ertönte, sogar»och mehr. Hierauf wird die Debatte vertagt. Abg. Dr. Südckuu»(zur persönlichen Bemerkung): Den Ans- druck kann ich leicht preisgeben. In der Sache selbst habe ich nichts zurückzunehmen. Das. was der Reichskanzler hie: gesagt hat, pflegt man i» der kirchlichen Sprache mit dem Worte „L i p p e n d i e n st" zu bezeichnen. Vizepräsident Schulz: Ich rufe Sie für diesen Ausdruck zur Ordnung.(Jroni'che Rufe links: Ausfchliestcn!) Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. Fortsetzung der Debatte. Parlamentär: lcbes. DaS HilfSkaffengesetz in der Kommission. Am Mittwoch wurde die zweite Lesung dcS Entwurfs eines Gesetzes bclrcsscnd die Aufhebung der Hilfskasscn erledigt. Der Entwurf wurde im wesentlichen nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen. Ein Zusatz wurde auf Antrag der Sozialdemokraten zu der Bestimmung gemacht, dast be- den UnterstützungSvcrcincn, die Krankenunterstützung gewähren, der Rechtsweg wegen der den Mitgliedern zustehenden Ansprüche nicht ausgeschlossen werden dürfe. Ter Znsatz lautet: Ten Rechts- weg kann das Mitglied innerhalb eines Monats nach Mitteilung einer etwaigen schiedsgerichtlichen Enlscheidung betreten. Eine längere Tchatte entspann sich nur über die Bestimmung, die i» der Sitzung voin Dienstag aus Antrag der Abgeordneten Becker (Arnsberg) und Behrens in das Gesetz eingefügt worden ist. angeblich um zu verhindern, dast eine freie Hilsskasse sich auflöse und ihr Vermögen einer freien Gewerkschaft überweise. Der am Dienstag gefastie Beschlust mnsttc, wie die Sozialdemokraten dar- legten, zur schivcrcn Schädigung namentlich der älteren Mitglieder der jetzigen Hiljskajscn führen. Trotzdem ivurdc der Antrag am Ticustag angenommen, weil die Antragsteller unfähig waren, das was sie wollten, in einwandfreier Form festzustellen. Mit Hilfe der Regierung brachten sie von Dienstag aus Mittwoch einen anderen Antrag fertig. Räch demselben unterliegt der Bcschl.ist einer cingeschrjebenen Hilfskassc über die Auflösung- oder die Ver- einigung mit einem anderen Unternehmen der Genehmigung der Behörde, die zuständig sein würde, wenn die einge- schriebenc Hilsskasse dem Gesetz der privaten VersichmingSniucr. nchmungen unterstündc. Tie Behörde entscheidet aus Grund der Vorschriften des Gesetzes über die privaten Versichernngsnntcr- nchnilingcn. Danach richtet sick auch die Aufsicht über die Ligi»- dation. Diese Bestimmung tritt sofort in Kraft. Nach dieser Be- st, ininung Ist es der Aufsichtsbehörde gestattet, schon vom Tage der Lcrkündnng de» Gesetzes an Einspruch gegen alle Mastnahmen zu erheben, die»ach ihrer Ansicht die Interessen der Versicherten verletzen oder mit den guten Titten im Widerspruch stehen. Diese Befugnis sollte nach dem Regicrungscntwurf die Aufsichtsbehörde erst mit Inkrafttreten des Gesetzes habe». Tie Herren Becke: und Behrens und mit ihnen alle bürgerlichen Parteien konnten aber gar nicht schnell genug die HilsSkassen unter Vormundschaft der AussichtSbehördc bringen und so w'>rdc dann der Antrag v.i! allen bürgerlichen Parteien a n g e» o ui m c n, dast sofort nach Verkündung des Gesetzes die Hilfskassen unter diese Hanptvor- mundschaft der Behörde kommen. Dem Zcnlrumsabgeordncten Irl ging aber auch diese Bejtimmnng noch nicht weit genug, er I'Cschw�- sich darüber, dast trotzdem Versicherte gezwlingcn werden können, einer Hilfskav- beizutreten, die zivar keine» politisch?!' Mistbrauch treibe, in � sich aber auch Sozialdcmokratcn be. fanden. Was eigentlich Vlrricht wordeii»liistle. das sei. so plan- dcrte der ZentrumSabgeordnctc Irl aus. dast kein Versicherter gezwungen werde» dürfte,-.n eine Kaste einzutreten.>» der am., Sozia lde m o kr a t e n sind. Ihm wurde von den Sozialdemo. kraten geantwortet, daft er das nur damit erreichen könnte, dast ücn>L5oz l a l d c m o. rate n eine Beteiligung an einer freien Hiifsknsie verboten wnrde. Der Abgeordnete J?l verzichtete natürlich dar- ans. einen solchen Antrag stellen. Damit hat die Beratung de? HilfskassengcscheS ihr Ende erreicht. ES ist wohl kein Zweifel, v«�men Wird � H�sskaMngesctz in dieser Form an- LersichertingSgesetz für Angestellte. Der ReichStagskommission lagen am Mittwoch die Verband- lungcn über den Entwurf eines Vcrsicherungsgesetzes für Auges....te vor. Vom Zentrumsabgeordiictcii S i r t a r l imirde eine Erklärung der Regierung provoziert über die finanziellen Berechnungen, die der Versicherung zugrunde gelegt sind. Gcheimrat Beck m a n n verteidigte die Grundlage der Berechnung, er gibt zu, dast die Amiahmen auf unsicheren Vornussetziingen beruhen, aber er glaubt, dast die Schätzungen der Regierung eher zu hoch als zu niedrig sind. Die Renten können nicht erhöht werden bei den Beiträgen, da man die Leistungen sehr vorsichtig in Ansatz bringen inust. Ueber 150 Millionen Marl dürfte die jährliche Belastiiilg nicht hinausgehen Bon unserem Parleigenossen wurde bervorgehvben, dast wir sicherlich recht haisen mit der Be- sürworwiig der Angliederung der Bersichmmg der Angestellten an die Invalidenversicherung. Jetzt kommen die Bedenken doch so stark zum Ausdruck, dast in den Kreisen der bürgerlichen Parteien auch Ziveisel �ausgestiegen sind, ob ihre bisherige Stellung richtig Isar. Von unserem Redner wird an mehreren Beispielen dargelegt, wie schwer es ist, die richtige Abgrenzung für den Kreis der Versicherten nach§ 1 zu finden. Nach den Erklärungen der Regierung wird z.B. der Schreiber in einem Bureau nicht als Angestcllier gelten und da- init aus der Versicherung ausscheiden. Wer ist aber Schreiber in einem Bureau und wer Handlungsangestellter? Die Grenze ist sehr ver- schwömmen und wird zu nutzlosen Streitigkeiten Anlast geben. Diese Schwierigkeiten Ivürdcn Verschtvinden, wenn alle diese Angestellten der Invalidenversicherung in höheren Gehaltsstufe» angeschlossen würden. Die Frage, ob nach dein Gesetz zum Beispiel Ängeslellte der sozialdemokratischen Partei. Arbeitcriekrcläre und Gewerkjchaft«- angestellte versichert werden sollen. Ivird bejaht. Zu§ 1 wird von unserem Parteigenossen beantragt, die„Burcaiiangeftelllen" be- sonders auszuführen als Gruppe der Versicherniigspflicbtigen. Von einer Seite wird angeregt, jetzt schon zum Ausdruck zu bringen, dast der Abschluß von Lcbensversicheruiigspolicen in der Zeit nach Bekanntwerden des Gesetzes nicht mehr die Ver- günsttgungen zu erwarten hat, die die Vorlage enthält. ES soll damit dein Werben der privaten Gesellschaften, noch möglichst viele Versicherungen hereinzubringen, unter dem Hinweis, dast der An- gestellte dann von der staatlichen Versicherung befreit wird, Einhalt geboten werden. Vom Zentrum erhebt der Abgeordnete I r l eine Reihe von Bedenken gegen die Vorlage und er bemerkt im An schlust daran, dast er noch nicht sicher ist, ob er dieser Versicherung der Privatangestellten zustimmen könne. Die Debatte lvird am Donnerstag sorlgesctzt. Cin fiachwort zum Parteitag von liiodena. Rom, den 22. Oktober. Ter italienische Parteitag hat über die ministerielle Taktik den Stab gebrochen: das ist sein wichtigst ä Ergebnis für die italienische und für die internationale Partei. Dein Minislcrialismus und der Teilnahme an der Regierung haben zwar die Reden einiger Tele- gicrlcn eine lheorclische Begründung unlerzuschcben gesucht, aber sie haben in keiner der dem Kongreh untcrbreilelen Tagesordnungen Vertretung gefunden. Das höchste, wozu sich die äusterste Rechte verfliegen hat, war die Forderung, dem heutigen Ministerium die Unterjtützung der sozialistischen Fraktion zu erhalten, um die Ver- wirtlichnng der Wahlresorm dadurch sicherzustellen. Und selbst für diese von jedem Versuch allgemeiner Begründung losgelöste For- dcrung haben sich nur 1954 Slirmncn gefunden. Ten ReforiniSmus wären wir los— die Rcformistcir sind geblieben. ES ist einleuchtend, dast das Ausgeben der Kollaborationspolitik durch die Reformisten eine viel liefere und weitcrtrngendc Vcdculung hat, als einer numerischen Ucberivältigung der Resormislen durch die Revolutionären zugekommen wäre. Ter Reformismus ist an sich selbst zugrunde gegangen, er hat den Kontalt mit der Praxis nicht zu überleben vermocht. N'cht die revolutionäre Fraktion hat das Verdienst, ihn überwältigt, ihn aus seiner Machtstellung verdrängt zu haben: die Erfahrung hat die reformistisch� Taktik in den Köpfen ihrer Vertreter widerlegt. Fre'lich halten Bissolati und die Seinen an ihr fest, aber Turati selbst hat diese Fraktion als zum bürgcr- lichcn Radikalismus abirrend bezeichnet. Was die Revolutionären mcht vermocht hatten, die Resormisten zu überzeugen, dast sie die Partei in eine Sackgasse führten, das hat die Erfahrung fertig gc- bracht. Eine um diesen Preis errungene Uebcrzengung ist freilich wesentlich kostspicl'ger als eine solche, die von allgcineinen Voraus- sctznngen deduziert, aber wer will verkennen, dast ihr ein höherer Wert zukommt, schon deshalb, weil auf diese Weise erperiinciilell zcne allgemeinen Voraussetzungen erhärtet ivcrdcn. Allerdings wollen die gcmäst-gtcn Reformisten gerade von diesem Wert ihrer Wandlungen nichts wissen. Sie wehren sich eifrig da- gegen, ihre Abschwentung von ihrer bisherigen Taktik als eine Be- stäligung der revolutionären Voraussetzungen gelten zu lassen. Gerade darum mustte ihre Tagesordnnng jene phantastische Aus- dchnung erlangen, die ihre Wiedergabe in einer Tagcszeilung un- möglich macht, weil in ihr mit den Revolutionären und mit Fcrri polemisiert werden sollte, und weil sie eine Anzahl reformistischer Notausgänge cnihallen mustte. So wird der Eintritt in ein Kabinett nur„für die gegenwärtige hijtorisckte Phase in Italien" abgelehnt; die Schädlichkeit der Mitarbeit wird„angesichls des heutigen Standes der pstzchologischen Entwicklung der Massen" zugestanden, kurz, man sucht die prinzipielle Bedeutung der Zugeständnisse ein- zuschränken. Nun steht eS aber leider nicht bei dem Willen des Indib:duums, seinem bcwnsttcn Verhalten allgemeinen Wert zu nehmen oder zu geben. Ob es sich durch sein Verhalten einer gegebenen größeren Linie einordnet oder nicht, da» hängt von objektiven Verhältnissen, eben von dem Verlauf dieser gröstcrcn Linie ab. Und in unscrm konkreten Falle mögen die Resormisten Inn und lassen, reden und verschweigen, was sie wollen, sie werden die Talsackje nicht aus der Welt schassen, dast sie durch ihr Votum in Moden« die Partciaktion in jene Bahnen gelenkt haben, in die die revolutionäre Fraktion sie seit Jähren, und unabhängig von den Erfahrungen der letzten Zeit zu drängen suchten.„ � � �' Warum baben sie das getan? Otienbar. weil sie den Masten folgen mustte,,. um nicht allein zu bleiben. Ganz folgerichtig haben die Bissolatianer. die diese Wandlung mitzumachen ver- schmähten, durch Bonomi den Standpunkt vertreten, dast der Rc? formismuS des Verständnisses und der Sanktion der grasten Masse cntralen kann und sich nicht ihrem Reifegrade anzupassen brauche. um ihre Interessen zu vertreten. Dieser Reformismus fürchtet sich nicht, allein zu bleiben, aber er erkennt durch dies« Erklärung auch die llnvermeidlichkeit der Vereinsamung an. Tie gemäßigten Resormisten dagegen sahen in der Entfremdung der Mafien eine Gefahr und folgten ihnen dahin, wo sie gegangen waren, ohne sich daran zu stosten, dast sie austerhalb der Gehege des Reformio- muS waren. Platter Opportunismus, wird man sagen. Teilweise gewist, aber doch nicht nur Opportunismus. Wer kann es denen, die sich S» Führern einer Massenbewegung berufen glauben, verargen. wen» sie unter alle» llmsländen den Kontakt mit den Massen zu bewahren suchen? Wenn sie das Verhalten, das sie auS diesem Koniakt löst, ablegen, möge cö ihnen an sich noch so klar. noch so logisch, noch so rationell erscheinen? Daher auch die immer wiederkehrende Klage über die Unreife der Massen. Das Auseinanderklafscn von Reformisten und Massenbewegung ist eine Tatsache. Für die Bissolatianer ist es kein Gegenargument, für die gcmästigtcn Neformistcn ist es ein solches: je fester in diesen die Ueberzeugung von der Richtigkeit des Reformismus ist, um so mehr müssen sie die Entsrcmdnng der Massen auf deren Rück- ständigkeit und geringe intellektuelle Entwicklung zurückführen. Deshalb spiegelt sich in den Köpfen der' meisten Turatianer ihre neueste Wandlung als ein Herabsteigen zu den Massen, als ei» Stehenbleiben, um die Nachkömmlinge, die Verspäteten und Zu- rückgcbliebcncn zu crlvarsen, Sie glauben nicht. Last die Tatsachen den Reformismus widerlegt haben und die Massen ihn deshalb in Stich lassen; sie meinen vielmehr, daß das mangelnde Verständ- nis der Arbeiterichaft, wie jede andere Milieuerscheinung. Berück- sichtigung heische. Daß sie die Arbeilerschasl nicht die Wege des Reformismus zu sübrcn vermochten, beweist thnen nicht, dast diese Wege falsch sind, sondern lästt sie auf dw Unreife der Masse» schließe». Aber neben jenen Reformisten, die in der Ablehnung der refor- mistischcn Tallik nur eine Anpassungsphase des Reformismus sehen, gibt es auch solche, die rein opportunistischen Erwägungen folgten, indem sie eine Tagesordnung gegen Ministerialismus und Ministe- riabilismus annahmen. Es sind das alle, die meinen, die heutige Situation hätte die Aktien des Revolutionarismus gehoben, der Fall Bissolati und die tripolitanische Affäre hätten gezeigt, bis z>' welchen Verantwortungen der Reformismus führen kann, und d«� deshalb eine Wendung nach links für nötig halten, um die Mehrheli nicht zu verlieren. Für diese dreht es sich gar nicht um den Kontakt mit den Massen und um diesem zu Liebe veränderte Taktik, so»- dern lediglich um Parteitagsmehrheit und ihr zu Liebe veränderte Worte. Die Zahl derer, die so denken, wird sich ziemlich genau abschätzen lassen, wenn die Zeit zur Anwendung der Par- teitagsbeschlüsse gekommen sein wird. Wer es dann bei»? alten lassen will, für den war die Ablehnung des Ministerialismus nur eine während des Kongresses angenommene Schutzfärbung. Schließlich befinden sich unter den Reformisten auch solche, denen es nur an der nötigen logischen Klarheit oder an dem mora- lijchen Mut fehlt, mit ihrer bisherigen Auffassung offiziell zu brechen. Was hat z. B. Genosse Rigola gesagt, das nicht jeder Revolutionär unterschreiben würde? Was ist noch reformistisch an einer Auffassung, die jeden Ministerialismus verwirft und die Schutzfunklion der Partei dem Proletariat gegenüber, auf die der Reformismus so hohen Wert legt, als eine Beeinträchtigung der Massen und ihrer sozialisiischen Erziehung mistbilligt und abweist? Hier ist die unllare theoretische Umgrenzung des Reformisnius schuld, wenn sich noch Leute zu ihm bekennen, die alle seine charakte- ristischen Voraussetzungen und Forderungen ausgegeben haben. So hat der reformistische Block, der nicht nur aus der Ver- schmclzung von drei Tagesordnungen, sondern auch aus dem tak- tischen Zusaminenschlust verschiedener Formen und Grade des Opportunismus entstanden ist, in Modena Ministerialismus und Ministeriabilisinns preisgegeben, nachdem beide längst von den Massen preisgegeben worden waren, aber er ist noch einmal als Mehrheit aus deiI Abstimmung hervorgegangen. •• • Tie numerischen Ergebnisse dieser Abstimmung verdienen eine kurze Illustration. Zunächst ist der Zuwachs der Revolutionäre bemerkenswert. In Mailand erzielte ihre Tagesordnung Lazzari 9958 Stimmen und in Modena sielen auf die Tagesordnung Serba 8634, obwohl 70 Partciseltionen der Provinz Forli als Protest gegen den Fall Bissolati aus der Partei ausgetreten� ivaren, was der rcvoluiionären Fraliion eine Einbuße von rund 1700 Stimmen eintrug. Was die Revolutionären gewonnen haben, das haben sie weniger den Reformisten als den Intcgralistcn abgenommen. Disse waren 4574 in Mailand und sind in Modena aus 1073 zusammengeschmolzen. Aus dem vorigen Parteitag, wo die diesmal inist- lungcne reformistische Konzentralion zustande kam, erhielt die Tagesordnung Turati 12 991 Stimmen, während diesmal die drei reformistischen Tagesordnungen zusammen 11 508 aufbrachten. Die einzige Fraktion, die einen Zuwachs erzielt hat, ist somit die revolutionäre, was Turati sicher als einen Beweis der wachsenden Verblödung der Massen ansehen und beklagen wird. In Mailand erhielt sie 24 Proz., in Modena 40 Proz. aller Stimmen. .tzenn die Verstärkung der revolutionären Fraktion keinem Zweifel unterliegt, so läßt sich leider nickst dasselbe von der politi- sckstn Tragweite dex angenommenen Resolution sagen. Dost sie die Teilnahme an der Regierung ausschließt, ist unbestritten und hierin liegt ein großer Fortschritt gegenüber der zweideutigen in Mailand geschaffenen Lage. Wie steht es aber mit dem Votum für das Ka- binett Giolitti? Die Stimmen der Tagesordnungen Lerda, PcS» cetti und Modigliani hatten sich gegen jede weitere Unterstützung des Ministeriums ausgesprochen, während die Tagesordnung Trevcs nur jede systematische Unterstützung ablehnte. Hat nun der Parteitag gegen jede oder nur gegen die systematische Unterstützung entschieden? Vermögen die 7813 Stimmen der Tagesordnung Trcves die 11444 antiministeriellen Stimmen(Lerda, Pescetti und Modigliani) auszuheben? Derartige Fragen ergeben sich eben aus der Koalitionö- und Konzentrationspolitik der Mehrheit. Nonn- nell ist die Tagesordnung Trevcs die siegreiche, und diese schließt nur die systematische Unterstützung aus. Dessenungeachtet war die Kongrestmehrheit gegen jede weitere Unterstützung des Ministe- riums. Allznklar ist also die durch das Votum geschaffene Situa, tion durchaus nicht. Nimmt man die Formel der Tagesordnung Treves zur Nicht» schnür, was formell nicht der Berechtigung entbehrt, so können tvir es erleben, daß alles so weiter geht wie bisher. Man kann bestän- dig für das Ministerium stimmen und die systematische„Berjäh- rung" durch cin gelegentliches antiministeriellcs Votum in einer belanglosen Sache unterbrechen. Auf dies« Weise könnte das Mini- slerium von der Fraktion alles haben, was es brauchen kann, ohne daß diese sich der systematischen Unterstützung schuldig machte. Dieser Ausgang ist um so mehr zu befürchten, als es ja derselbe Partcivorstand ist. der jetzt über die antiministcrielle Taktik lvachen soll, nachdem er bisher über die ministerielle gewacht hat. Eine derartige praktische Wertlosigkeit des Parteitages wäre übrigens auch ohne einen eigentlichen Vertrauensbruch der Herr- schcnden Fraktion möglich. So bedauerlich seine Folgen für die innere Einheit und.Kampftüchtigkeit der Partei sein würden, so bestätigte er doch die Auffassung, dast mit rein opportunistischen Zu- geständnissen an die proletarischen und revolutionären Forderungen der' Sache nicht gedient ist. Das Wesen des Opportunismus ist cS eben, jedem jeweiligen äußeren Druck Rechnung zu tragen: vor dem Parteitag trug man dem Druck der Massen Rechnung. Wer bürgt aber dafür, dast dieselben Rechnringsträger sich nickt nach dem Kongreß wieder den Forderungen der bürgerlich radikalen Parla- mentspolitik anpassen, auch ohne das Bewußtsein und die Absicht des Verrats zu haben? Sollte wirklich der Parteitag von Modena praktisch alles beim alten lassen, so müßte offenbar der jüngstvcrflossenen Periode, die die Widerlegung des Reformismus durch die Praxis brachte, eine solche folgen, die den Revolutionarismus der Reformisten als eine praktische und psychologische Unmöglichkeit dartäte. Die Wirklich- kcit ist nicht so unlogisch, widerspruchsvoll und sprunghaft, wie Turati meint, wenn auch die Einheitlichkeit ihrer Linie erst bei der Umfassung größerer Zeiträume zutage tritt. .''*. Noch ein Wort zu der Stellung, die der Parteitag dem tripolitanischen Abenteuer gegenüber eingenommen hat. Die übergroße Mehrheit hat durch Akklamation der TageS- Ordnung des Parteivorstandes jede Solidarität mit dem Anschlag zurückgewiesen, wie dies auch ausdrücklich in der konkordierten Tagesordnung der Reformisten geschehen ist. Wer nach den Ver- Handlungen von Modena noch von Sympathien der italienischen Partei für den Krieg zu sprechen wagt, der kann dadurch nichts anderes an den Tag legen, als eine Befähigung zum Fälschen offen darliegender Tatsachen. Immerhin hat eine Fronde nicht gefehlt, und die lärmendsten Auftritte des Kongresses schlössen sich gerade an ihre Erklärungen an. Bonomi hat sich jeder Billigung des Unternehmens enthalten und sich begnügt, es als eine unausbleibliche Frucht des kapitalisti- scheu Regimes hinzustellen. Die Entrüstung des Kongresses be- schwor er nur dadurch herauf, dast er gegenüber der vollendeten Tatsache den Wunsch aussprach, der Krieg möge nicht zur Unehre der italienischen Soldaten gereichen. Cabrini hat schon etwas stärker aufgetragen. Er sagte, daß, wenn schon einmal die Soldaten des eigenen Landes vor dem Feinde stünden, jeder sie mit dem Wunsche begleiten müsse, sie siegreich zurückkehren zu sehen. Als diese Erklärung höhnische Zwischenrufe über den tfnremcfnonaliämuS beantworteten, fuhr Cabrini fort, niemand wünsche sehnlicher als er den Geist der internationalen Solidarität gestärkt zu sehen, auf daß die Arbeiter des einen Landes die ihren ausländischen Älassengenossen zugefügte Unbill wie die eigene empfänden und abwehrten. Er wünsche den Tag herbei, an dem das deutsche Proletariat die Abschaffung der Legilimationskarte für ausländische Proletarier als eine Ehrensache verträte. Von der Notlage der italienischen Auswanderer sprechend, meinte er weiter, daß die Schandtaten gewisser südamerikanischer Sie- publiken gegen italienische Proletarier in ihm den Wunsch auf- flammen ließen, dieses Ausbeutcrpack mit Panzerschiffen und Kanonen zurechtzuweisen. Diese Worte veranlaßten einen derartigen Tumult, daß die Sitzung aufgehoben werden mußte Tie Revolutionäre stimmten die„Internationale" an und der hinderten den Redner minutenlang am Weitersprechen. Als die Präsidentschaft ihre Sitze wieder einnahm, wandle sich Genosse Bussi(Res.) an Cabrini mit den Worten:„Ich habe die Pflicht Deine Redefreiheit zu schützen, aber ich bitte Dich, nicht zu der gcssen, daß Tu zu einem sozialistischen Parteitag sprichst." Bissolatis Einwände gegen den Krieg trugen vor allem einen politischen Charakter. Er wies auf die Gefahr hin, die italienische Aufmerksamkeit und die italienischen Kräfte vom Adriatischen Rlecr abzuziehen. Andererseits aber meinte er, daß der heutige Krieg vielleicht einen wesentlich furchtbareren verhütet hätte, den die Besetzung Tripolitaniens durch Frankreich oder Deutschland heraufbeschwören konnte. Tie Genossen, die wie die Sizilianer und Podrccea die Besetzung Tripolitaniens im Hinblick auf angeb- lidhe wirtschaftliche Vorteile für berechtigt und wünschenswert halten, kamen in Modena nicht zum Wort und wurden auch in keiner Weise in die Diskussion hineingezogen, wahrscheinlich, weil man in Italien nicht umhin kann, sie weniger ernst zu nehmen als dies die bürgerlichen Blätter des Auslandes tun. »• Alles in allem schließt der Sozialismus auf dem Parteitag gut ab. Die revolutionäre Fraktion, die darauf vorbereitet war, aus der Pl.r-tei auszutreten, falls diese durch ein Votum für den Ein tritt in''N Kabinett sich außerhalb der sozialistischen Jnter nationale gestellt hätte, hat natürlich nach dem Abstimmungsergeb nis jeden Gedanken an Spaltung aufgegeben. Ter MinistcriaNs mus ist besiegt worden, nicht durch die llebcrmacht revolutionärer Stimmen, sondern durch die bessere Ueberzeugung der Reformisten selbst. Mehr hat niemand erwartet, und meh� durfte man nicht erwarten. Hebers Jahr werden die Sieger von heute der Partei darüber Rechenschaft geben, wie sie in der neuen Richtung der oppositionellen Taktik gewirkt haben. Dann mag auch die Partei darüber klar werden, ob sie die Vollstreckung ihres in Modena klar ausgesprochenen Willens in die rechten Hände gelegt hat. )Ziis der partei. Ter mecklenburgische Parteitag. Am Sonntag und Montag fand in Güstrow in der„Fried- richshalle" der diesjährige mecklenburgische Parteitag statt. Ver- treten waren 46 Orte mit 64 Delegierten. Als Vertreter des Partcivorstandes war Genosse Wenge! s-Berlin erschiene». Parteisekretär K r ö g c r-Rostock kennzeichnete in markanter Weise die politische Situation. Im Anschluß daran erstattete er den Geschäfts- und Kassenbericht des LandesvocstandcS, wobei er einen erfreulichen Fortschritt auf der ganzen Linie konstatieren konnte. Nach ihm nahm Genosse Wengels das Wort zu einer Begrüßung. Er legte den Delegierten an? Herz, im Sinne der Ausführungen des Vorredners zu arbeiten, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben. Nach einem Referat des Arbcitersckrctärs He n ck-Stostock über die R c i ch s v e r si ch e- rungsordnung gab Genosse D i t t r i ch- Rostock den Be- richt über die Pres s e. Auch er konnte einen guten Fortschritt feststellen. In der sich daran anknüpfenden Dis- lussion zeigte sich ein allseitiges reges Interesse für die weitere Verbreitung unseres mecklenburgischen Parteiblattes. Hierauf folgte ein Referat des Genossen Kröger über die bevor- stehende Reichstags wähl. Der Redner legte die un- geheuren Schwindelmanöver der gegnerischen Parteien bloß. Von den Liberalen müßte strikte Jnnehalrung der Jenaer Forderungen verlangt werden; wir wollen uns von den Liberalen nicht wieder narren lassen. Redner schloß sein beifällig aufgenommenes Re- fcrat mit einem Aufruf zur unablässigen Tätigkeit für die Reichs- tagswahlen. Auch dieser Rede folgte eine lebhaste Diskussion, in der unter anderem die Genossin S e e m a n n-Rostock die Frauen zur Mitarbeit in dem Wahlkampf aufrief, lieber die Organi. sation der Landarbeiter referierte Genosse Bötzen- h a r d t-Neubrandenburg, der in seinen Ausführungen ein anschau- liches Bild von dem freudlosen Landarbeiterdasein gab. Aufgabe des Landarbeiterverbandes sei es, Besserung der elenden Land- arbeiterverhältniss« herbeizuführen. Genosse Redakteur S t a» r o s s o n sprach über die mecklenburgische Verfassungs- frage. Er legte im einzelnen dar, wie unendlich wichtig die Verfassungsfrage für die Wahlagitation ist. Hilfe in der Recht- losigkeit des mecklenburgischen Volkes könne allein vom Reiche kommen. Zum Schluß der Verhandlungen gab der Parteisekretär Genosse Kröger noch eine zusammenfassende Uebersicht über die Tätigkeit des Parteitages. Unter den begeisternden Klängen der Arbeitermarseillaise wurde die Tagung geschlossen. Ein neuer Mitstreiter. Am 1. Dezember wird als Kopfblatt des„Stettiner Volks- boten" ein neues Parteiblatt für den Wahlkreis Stralsund- Franzburg'- Rügen unter dem Titel„Stralsunder V o l k s z e i t u n g" ms Leben treten. Tie politische Organisation hat in diesem Wahlkreis in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, indem die Mitgliederzahl, die noch vor einigen Jahren kaum 166 betrug, heute bereits auf 1266 gestiegen ist. Es ist deshalb zu hoffen, daß durch die Herausgabe des eigenen Blattes die Bewegung weitere Fortschritte macht und der Wahlkreis desto schneller für uns heranreift. Wir wünschen dem Blatt als neuem Kämpfer den. besten Erfolg._ poUzcUichcft, Gerichtliches ufw. Preßprozeß. Wegen einer seinerzeit in der„Schwäbischen Volks- zeitung" erschienenen Kritik eines Urteils fühlte sich der Vor- sitzende der betreffenden Schöffengerichtssitzung, Amtsrichter Emminger in Augsburg, beleidigt und stellte Strafantrag. Das Sckiöffengericht gab der Klage statt und verurteilte den ver- antwortlichen Redakteur, Genossen Simon, zu 14 Tagen Gefängnis. Die hiergegen sowohl vom Amtsrichter Eni- minger als auch vom Genossen Simon eingelegte Berufung wurde vom Landgericht verworfen. Amtsrichter Emminger war bei der lebten Reichstagswahl im Wahlkreise Jmmenstadl Zcntrumskandidat. Fadales. Erdrosselung der Konsumvereine. Zu derselben Zeit, wo die Konservativen sich abmühen, durch chimpfereien auf den Zwischenhandel die Aufmerksamkeit der notleidenden Bevölkerung davon abzulenken, daß in allererster Linie die Zoll- und Steuerpolitik des schwarzblauen Blocks die drückende Verteuerung verschuldet, fordern die Anhänger dieses Blocks Erdrosselungsmaßregeln gegen die Konsumvereine, die den Zivischenhandel ausschalten könnten. An der Tagung der Generalversammlung der Zentralvereini- gung deutscher Vereine für Handel und Gewerbe nahmen auch die Führer der Deutschkonservativen und der Reichspartei, die Ab- geordneten von Hcydebrand und der Läse und Freiherr von Zedliti-Neulirch teil. Ter konservative Landtagsabgeordncte Hammer-Zchlcndorf legte sich mit aller Wucht für Bekämpfung der Konsumvereine ins Zeug. Er protestierte dagegen, daß er und seine Freunde die Konsumvereine einer Sonderbesteuerung unter- werfen wollten. Sie wollten die Konsumvereine nur„ebenso be- steuern wie jeden Gewerbetreibenden". Er meinte, dieser Protest würde schwerlich in sozialdemokratischen Blättern Aufnahme finden. Der Herr irrt gewaltig. Wir haben alles Interesse daran, diesen köstlichen Verschleierungsversuch niedriger zu hängen. Tie 5l'on- sumvereine betreiben kein Gewerbe, sondern sind ein Zusammen- chluß der Konsumenten, um gemeinsam billiger und besser ein- zukaufen. Sie machen aus dem Einkauf kein Gewerbe. Der kon- servative Abgeordnete muß seine Zuhörer recht tief einschätzen, wenn er glaubt, daß sein Protest Wirkung haben könnte. Die Konsumvereine treiben ebensowenig ein Gewerbe, als Herr Hammer ein Gewerbe betreibt, wenn er sich z. B. eine Zigarre kauft. Geht die Begriffsstutzigkeit des konservativen Abgeordneten aber so weit, das nicht einzusehen, so sollte er konsequent auch beantragen, daß jeder Kauf, den er vornimmt, mit einer Gewerbesteuer belegt werde. Vielleicht begreift er dann, daß der Einkauf zum eigenen Verbrauch kein Gewerbe ist. Die konservative Partei hat im Ab- geordnetenhause, wie Herr Hammer in der Generalversammlung auch hervorhob, nicht nur die Besteuerung der 5lonsumvcreine beschlossen, sondern auch beantragt, daß auch die feste rabattmäßige Rückgewähr— also der Teil des Kaufgeldcs, den die Käufer zu- rückerhalten, ihre Spargroschen— von der Steuer betroffen werde. In demselben Sinne beschloß auch die Generalvrrtammlung deS reaktionären Vereins folgende Resolution einstimmig: „Der Vorstand der Zcntralvereinigung Deutscher Vereine für Sandel und Gewerbe wird beauf:ragt, an die preußische Staatsrcgicrung und an das Abgeordnetenhaus eine Petition zu richten auf baldige Abänderung des§ 15 des Einkommensteuergesetzes entsprechend dem Antrag Hammer, wonach bei den nicht physischen Personen jede an ihre Mitglieder in Form von Rabatt oder i n sonstiger Art gewährte Rückvergütung als Dividende gilt. Aerner wird verlangt, an den Bundesrat die Bitte zu richten, gesctzgete- tische Maßnahmen zu treffen um Beseitigung der Steuerfrei- heit der Produktivgenossenschasten. Vom Landtage wird ein Gesetz gefordert, wonach die steuerliche Begünstigung, der staa:- lichcn, kommunalen und privaten Wohlfahrtscinrichtungen, wie Werkkantinen. Einkaussvcrcine usw. beseitigt wird." Die sckwarzblauen Blockbrüder müssen den Mittelstand und die Arbeiterklasse für geistig recht schwerfällig halten, wenn sie glauben, durch die Hetze gegen die Lionsumvercine und durch Expropriierung des Privateigentums der Konsumvereinsinitglieder noch Mittel- standslcute oder Arbeiter für sich einsangen zu können. Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber. Hus Industrie und f)andel. Kriegsfolgen. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Kon- stantinopcl gemeldet: Auf die Bank von Saloniki hat ein Run stattgefunden. Die Bank versuchte ihm jedoch im letzten Augenblick zu begegnen, da eine telegraphische Zahlungsorder von London an die hiesige Banquc Ottomane ihr 50 000' Pfund zuführte. Damit und mit dem eigenen Goldbestände konnte das Institut im wesentlichen die Ansprüche befriedigen. Der Handels- minister und der Ministerrat haben ausnahmsweise die Bewilligung eines vierzehntägigen Moratoriums(Zahlungsauf- schub) für die Bank von M y t i l e n e befürwortet, da diese nach Vorlegung der Bilanzen erklärte, dann die Zahlungen wieder auf- nehmen zu können. Auf dem ReiSmarkt sind in letzter Zeit recht erhebliche Preis- steigerungcn erfolgt. Von August auf September 1911 gingen die Großhandelspreise durchichnilltich um 1,15— 3,20 M. pro Doppel- zcntuer in die Höhe. Im Monat September der nachstehenden Jahre kostete ein Doppelzentner Reis an den wichtigsten GroßhandelSplätzcn durchschnittlich in Mark: 1903 23,25 24,00 17,50 Mithin sind die Preise in diesem Fahre höher als in den vier letzten Jahren. Die Einfuhr von unpoliertcm Sieis ist im lausenden Jahre bereits sehr stark zurückgegangen. In den Monaten Januar bis September 1911 wurden nämlich 1 286 445 Doppelzeniner ent- vülster Reis und Bruchreis eingeführt gegen 2 291 623 Doppel- zentner im Borjahre. Dem Werte nach ergibt sich ein Rückgang von 33,41 auf 21,56 Millionen Mark. Die stärkste Abnahme weisen die Zufuhren aus Britisch-Jndien und Slam auf. Die Einfuhr von Reis in der Hülse ist von 148 256 Doppelzentner auf 569 Doppel- zentner gesunken. Der Import von poliertem ReiS ist gegen das Vorjahr um 1 153 546 Doppelzentner gestiegen. Er belres sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf 2 308 627 Doppelzentner. Die Einfuhr aus Britisch-Jndien bat sich ungesähi verdreifacht, während die Zufuhren anS Siain, Niederländisch-Jndien und den anderen niederländischen Kolonien etwas nachgelasien haben. Dein Werte nach ergibt sich eine Steigerung deS Imports von 23.58 auf 47,33 Millionen Mark. Die Ausfuhr von polieriem ReiS stellte sich in den Monaten Januar bis September auf 1 514 233 Doppelzentner gegen 1 250 565 Doppelzentner im Vorjahre. 1907 Bremen, Rangoon 23.50 Hamburg, Rangoon 24,00 Bruch 19,00 1909 22,50 25,50 15,00 1910 22,00 24,00 16,00 1911 26 38 26,20 18,80 eingegangene Dpuchrdmfren. Ludwig Emil Grimm. Erinnerungen au5 meinem Leben. HerauSg von Ad. Stoll.(Äeb. 3 M.— Wilhelm v. 5»ügelgen. Jugenderinne- rungen eines alten ManneS. HerauSg. von A. Stern. Geb. 2.50 M.— Ludwig Richter. LebenSerirmerungen eines deutschen Malers. Bolls- ausgäbe. Geb. 3 M. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Graf Kunz. Eine Kavaliersgeschichte von W. Struensee. L M., geb. 3 M. Claudius Verlag. WandSbeck i. H. Heber Ruheübungcn und RnheubungSapParate. Zwei Vorträge von Dr. med. L. Hirichiasf. 1 M. I. Springer. Berlin>V. 9. Jena oder Sedan? Roman von F. A. Beyerlein. 737 S. vtta Deutsches Verlags haus, Berlin-Charlotten bürg. Welche Rechte hat das nneheliche Kind und feine Mutter? Von Richard Burgemeister. 1,10 M. Gcsetzverlag L. Schwarz u. Comp., Berlin 8. 14. *••••••* I* l# • h Ich l# I» !• I# I« I» U# I* I» I» IG |# IG |g Gegr. 1867 Gegr. 1867 Großer Umzugs- Ausverkauf Jerusalemer Strasse 33-39, am Dönholiplatz Neue grosse Preis-Ermässigungen nur noch, bis Sonnabend Sir. 251. 28. Zahrgevg. filoje des Jonrirtf{iftlintt Nomerslxg, 26.©Iilutn 1911. Bericht übe? die tätigkcit der iszisldemokrstiichen frakliCD im ßerliner Kathaufe.*) •4. Nrbciterfragen. Die CnlioTjniirsg der in städtischen Betrieben und Anstalten beschäftigten?irbeiter und Angestellten läht recht viel zu Wunsche» übrig. Tie Stadt Berlin zahlt vielfach geringere Löhne an ihre Arbeiter als verschiedene Borort« Berlins. Ausnahmslos fiel der sozialdemokratischen Fraktion die Aufgabe zu, für Verbesserung der Lage der städtischen Arbeiter zu wirken, kommt doch für Berlin ein Heer von 16 000 Arbeitern und Angestellten in Frage, die im Dienste der Eiadtgemeinde beschäftigt sind. Unsere Vertreter in den einzelnen VcrwalkungSdcputationen und Kuratorien bemühten sich, in den Si�ungen dieser Körperschaften um Berücksichtigung der berechtigten Wünsche der Arbeiter. Diese Bemühungen waren auch teilweise von Erfolg gekrönt. In den letzten Jahren aber fanden die Arbciterwüusche so gut wie gar keine Berücksichtigung. Unsere Genossen stetlien daraufhin im Plenum der Stadtverord- netenversammlung ihr« Anträge, leider erfolglos. Hier wurde eingewendet, man könne die Wirkung und die Berechtigung der Lohnanträge nicht übersehen und verwies auf die Deputationen. Deren Austobe sei es, die Angelegenheiten der Arbeiter zu prüfen. Folgten un.ere Olcnossen diesem„guten Rate", so erklärte man vielfach H den Deputationen, man könne nicht gut über die An- träge beschi.esten, weil man nicht wisse, ob auch andere Deputationen Lohn Verbesserungen bcschliegen würden, und allein solche Beschlüsse nur für eine Kategorie van Arbeitern zu fassen, wäre ungerecht. DaS Ende vom Liebe war, hast man unsere Genossen wiederum an das Plenum verwies und das; die städtischen Arbeiter in vielen Fällen das Nachsehen hatten und gar nichts erhielten. Die fort- gefetzte Hriti! unserer Genossen führte aber doch dazu, daß die aus Lohnerhöhung zielenden Anträge von den Deputationen an eine ein- gesetzte MagislratSlommission gingen, die ihrerseits eine Sichtung vornahm....'zuviel kam aber auch in diesem Falle für die Ar- beitcr nicht heraus. Trotz aller dirscr Schwierigkeiten betrachtete die sozialdemo- kratische Fraktion es für ihre Pflicht, immer wieder bei passenden Gelcaeuheiten sich der Wünsche und Beschwerden der städtischen Arbc.er und Augestel.ten anzunehmen. Dazu boten die Bera- tunaen der Etats erwünschte Gelegenheit. - ei der(State- Beratung im Jahre 1910 trat die Arbeiterfrage i» besonderer Weise in den Lordergrund der Vor- Handlungen in der Siadlverordnctenversammluug. Der Anlaß war, daß der Etat für ILIO infolge der Finanznot die städtischen Arbeiter ganz besonders stiefmütterlich behandelte. Da verdient c-s festgehalten zu werben, in welch reaktionärer Weise der städtische Finanzmin-ster, Kämmerer Steiniger, am 24. Februar 1610. über die von unserem Etal.rcdner behandelte Lohnfrage der Arbeiter sich ausließ. Ilm die Etadträter graulich zu machen, malte Herr Dr. Steiniger ein trübes Bild über die Nentabilität städtischer Bc- triebe, insbesondere der Gaswerke, an die Wand. Die Verzinsung des in de» mit Ucberschuß arbeitenden Werken investierten Kapitals sei van 5 auf 3% Proz. gesunken, während die Löhne der BetricbZarbciter in den letzten Jahren um läO Proz. ge- stiegen seien. Ten Höhepunkt crtlonim der itädtische Finanzvcr- weser, als er ausrief:„D i e st ä dtischen Werke sind doch keine Bersorqungsan st alten für Angestellte und Ärbetter!" In der Stadtverordnetcnvcrsammiung fand sich außer den Sozjaldemokvaton kein bnrgerticher Stadtverordneter, chev lern reu., onaeeu Herrn widerjpsach. Angesichts der uncrhör- teu Behandlung der Wünsche der städtischen Arbeiter durch den Kämme: er I ud angesichts de» UmstandcS, daß auch im Etatsaus- schuß alle auf eine Verbesserung der Verhältnisse der Arbeiter hin. zielenden Anträge abgelehnt worden waren, unternahmen es un- serc Genossen in der Sitzung vom 2 3. März 16 10, bei Be- ratung des G a s c t a t s mit dem Kämmerer eine General- abrcchnung herbcizri führen. Tic Argumente des Herrn wurden erbarmungslos zerpflückt. Es wurde nachgewiesen, daß Herr Steiniger nicht die geringste Kenntnis von der Nentabilität der Gaswerke habe. Es wurde festgestellt, daß die gesamte Lohn- summe gestiegen war, nicht aber die Bctricbsarbeiterköhnc. Die 150 Prez. hatte der große Finanzmann dadurch herausgerechnet, Sirhe auch Nr. 242. 245. 250 deZ..Vorwärts'. Kleines fcuilkton» Die englische Theatcrindnstrie. Die typische Entwickelung des kapitalistischen Theaters geht in Amerika und England vor sich, wahrend sie-sich in Deutschland noch nicht in gleichem Maße vertrieb Arbeit und Unterhalt finden, hat sich den" letzten 80 �oijren sqft verzehnfacht; tn einem umfassenden- Aufsätze der kic Fahl der an den britischen Schaubühnen be- fchastigten Menichcn auf 40 000 angegeben. J», Jahre 1010 sind in cngland nicht weniger als 541 verschiedene Werke und Sckmu- stücke zur Ausführung gekommen, mehr als fünfmal ja viel als 80 I. re frü er. Andererseits bat die künstlerische Eniwickekung mit dem ge- schäftii.len Aufschwung nicht gleichen Schritt gehalten und da-'- künstlerische Niveau ist nicht allzu hoch. ES ist bezeichnend, daß die niedere Komit und das Schaustück die besten geschäftlichen Ergebnisse zeitigen. Die Folge davon ist, daß der Komiker in England der aiti meisten gesuchte und am höchsten bezahlte Bühnenkünstler ist. Hand in".Hand damit ging die wachsende Bor- liebe für die£pcrc!te, die in früheren Zeiten nicht entfernt die Bedeutung hatte, die sie heute für den englischen Theatcrbetrieb gewonnen l.it. Die in fast allen Tl eaiernationcn ist auch in England in den letzten Jahren der Ausstatiungsprunk immer mehr in den Bordergrund getreten. Während man noch vor zehn Jahren für die Inszenierung einer Operette OEOOO M. als dne stattliche Summe betrachtete, wendet der moderne englische Theaterunler- nehmer wenigstens 200009 M. auf, wenn er die Konkurrenz indem er die Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 und von 12 auf 8 Stunden beim Schichtbetrieb zu einer Lohnerhöhung ein- rechnete und daß er seinen gläubigen Zuhörern verschwieg, daß die Arbeilerzahl in den 10 Jahren, auf die er sich bezog, sich verdoppelt Fatte. Dazu kam, daß die Arbeiter beim Dreischichtsystcm genau so viel leisten müssen wie beim Zweischichtsystem. Bei Einführung der Achtsiundenschicht war den Arbeitern sogar zur Bedingung ge- macht worden, in acht Stunden so viel Arbeit zu schaffen, als früher in 12 Stunden, eine Bedingung, die ziemlich erfüllt worden ist. In Wirklichkeit hatten die Arbeiter durch diese Einrichtung keinen Pfennig Lohn mehr bekommen als bisher. Auch die son- stige Berechnung der Rentabilität der Gaswerke wurde als eine vollkommen falsche nachgewiesen; für einen Finanzmann eine un- erhörte Blamage! In dieser denkwürdigen Sitzung fand sich kein Magistratsmit- glied, selbst die bürgerlichen Stadtverordneten waren vorsichtig genug, Herrn Steiniger in diesem Falle aus der Patsche zu helfen. Ter 23. März 1910 war, wie das Organ der städtischen Arbeiter,„Die Gewerkschaft", schrieb, ein„Jena für den Stadtkämmere r". Die städtischen Arbeiter waren empört ob dieser Behandlung und trat—, in eine lebhafte Bewegung für ihre Forderungen ein. Einige Wochen nach der großen Debatte im Rathaus wurde bc- tannt, daß verschiedenen Kategorien städtischer Arbeiter kleine Lohnerhöhungen zuteil geworden waren. Die sozialdemokratische Fraktion stellte am 2. Juni 1910 in der Stadtverordnetenver- sammlung den Antrag, eine Nachweisung vorzulegen über den Umfang der„L o h n r e g e l u n g". Der Antrag gelangte zur Annahme. In Ausführung dieses Stadtverordneten- veschlusscs legte der Magistrat die geforderte Nachweisung vor, und in der Sitzung vom 8. September 1910 beschäftigte sich die Stadt- vcrordnetcnversammlung von neuem mit der Lohnfrage. Die sozialdemokratischen Vertreter wiesen aus die Unzulänglichkeit der Löhne hin. Von den eiwa 16 000 Arbeitern seien nur 3000 mit einer Zulage bedacht worden, die übrigen Arbeiter seien leer aus- gegangen. Es müsse nun auch die Stadtverordnetenversammlung in die Lage gebracht werden, eine Prüfung der magistratlichcn Be- schlüsse vorzunehmen. Ein Ausschuß sollte das tun; das geschah. In monatelangen Verhandlungen beriet der Ausschuß. Konsequent lehnten die bürgerlichen Vertreter alle von sozialdemokratischer Seite gestellten Anträge auf Lohnerhöhung ab, und als nach sechs- monatlicher Beratung der Zlusschuß seine Arbeiten be- endet hatte, war folgendes magere Ergebnis zu verzeichnen: n) Die U r l a u b s o r d n u n g für die städtischen Arbeiter dahin abzuändern, daß nach dreijähriger Dienstzeit drei Tage, nach fünf- jähriger sieben und nach zehnjähriger Dienstzeit zehn Tage Urlaub gewährt werden; b) gelernte Arbeiter, welche vorübergehend in städtischen Betrieben beschäftigt werden, nach den in dem be- treffenden Gewerbe laut Tarif üblichen Stundenlöhnen zu be- zahlen; cj die VerwaltungSdcputationen anzuweisen, bei allen, die Arbeitsverhälinisse angehenden Maßnahmen vorher den bc- treffenden Arbeiterausschnß zu hören. In der Sitzung vom 3 0. März 1911 hatte die Stadtver- ordnctenversammlung sich mit dem Ergebnis der Ausschutz- bcratungcn zu beschäftigen. Die Sozialdemokraten bc- antragten: 1. Ten ungelernten Arbeitern soll ein Tagclohn von min- destens 4,25 M., von 2 zu 2 Jahren um 15 Pf. steigend bis zu 5 M. gewährt werden. 2. Ten gelernten Handwerkern Tagclöhnc von mindestens 5 M., von 2 zu 2 Jahren um 25 Pf. steigend bis zu 6,25 M. 3. Den Bctricvsarbcitern und Kohlcnkarrcrn in den Re- tortenhäusern der Gaswerke Schichtlöhne von 5,75 M. 4. Tie Wochenfeiertage sollen mit vollem Tagelohn bezahlt werden; Ardeitcr, die an solchen Feiertagen arbeiten müssen, erhalten außerdem ihren Tagelohn. 5. Tie normalen Tagelöhne gelten für 6 Arbeitstage bezw. Schichten in der Woche. Ueberzeitarbeit zwischen 6 Uhr früh und 9 Uhr abends ist mit 25 Proz., in der Nacht mit 50 Proz. Auf- schlag zu vergüten, ebenso sind 50 Proz. für den 7. Arbeitstag oder die 7. Schicht in der Woche zu zahlen. Bestehende höhere Löhne für kleine Gruppen oder einzelne Arbeiter sollen unberührt bleiben. Für den Fall die Stadtverordnetenversammlung nicht selbst Beschlüsse über die Lohnhöhe fassen wolle, stellten unsere Genossen folgenden Eventualantrag: ..Tie Versammlung ersucht den Magistrat, die ArbeitSver- bältnisse der städtischen Arbeiter und Angestellten nach einheit- lichen Gesichtspunkten zu regeln auf der Grundlage einer Ver- einbarung mit den Organisationen der städtischen Arbeiter." spielreiseu kennen, die� die Londoner Thcaterdirektorcn mit be- sonders erfolgreichen Stücken unternehmen und oft aus alle Pro- vinzstädte ausdehnen. J» gewissen größeren Londoner Theater» Unternehmungen muß der Direktor mit einem wöchentlichen Gagenetar von bisweilen 25 000 bjz LOOOO M. rechnen. Das können mit einer Tageseinnahme oon 4000 bis 6000 M. rechnen. So ist in England trotz der gewaltig angewachsenen Kosten der Beruf eines TbcaterunternchmcrS noch immer ein ausgezeichnetes Geschäft, und allein London zählt eine ganze Reihe von Direktoren, die in normalen Geschäftsjahren Reingewinne von einer halben Million oder gar einer ganzen erzielen. Rcmbranbt mit Tabaksaft. In-der Budgetkommission! der französischn Tepuiierlcnkammer erzählte der sozialistische Abgeord- ncte Marcel Sem bat folgende erstaunliche Ancldote zur Cha- rakteristik der Verwaltung des Louvre-Muscums: Einst hörte ein Saaldiencr, wie zwei Zituscumsbeamte über die Nackidunkclung sprachen, die das berühmte Rcmbrandtsche Bild„Die Pilger von Emmaus" infolge einer schleckten Reduzierung erlitten hatte. Schnell entschlossen ging der brave Mann noch am selben Tage daran, den Schaden zu reparieren. Nach Schließung der Galerie schraubte er daö Bild von der Wand los, trug cS nach Hause und unterzog eS dort einer gründlichen Waschoperation. Am nächsten Morgen hing das Bild wieder an seinem Platz. Zufällig kam ein Konservator vorüber, dem die Veränderung ins Auge fiel, und stellte verwunderte Fragen an den Diener, die dieser selbstbewußt mit dem Bericht über seine Bemühung im Dienst der Kunst beantwortete. Statt des erwarteten Lobes ging aber ein furchtbares Donnerwetter über sein Haupt nieder. Der Mann, der derart erfuhr, daß er etwas Ungehöriges angestellt hatte, nahm sich reuevoll vor, den Schade» zu reparieren. Am ÜllKnd schraubte er wieder das Bild los und stellte daheim die wcggcwaschene Palina wieder her, indem er das Bild mit— Tabatsast bestrick.— Der llntcrstaatSsckrctär der scköncn Künste bcsläügtc in der Kommission die Erzählung ScmbatS. Die Geschichte ist 1904 passiert, nicht etwa anno Toback. Zahnpflege in den schwedischen Schulen. Die große Ausmerk- samkeit, die man der Zahnpflege der sckwcdischen Kinder zuwendet. bat bereits schöne Frücdte geiragen. Wie aus Stockholm berichtet wird, besitzt Schweden mit seinen 5'/, Millionen Einwohnern etwa 30 ausgezeichnet eiiigcrichtele zahnärzlliche Institute für Schulkinder. während Deutschland mit feilten 65 Millionen nur 100 hat. lieber jedes in Behandlung befindliche Kind werden genaue Aufzeichnungen gemacht, so daß ma» über den GesnndbeitSziistand der Zähne genau unterrichtet ist. Die Institute sind jeden Tag geöffnet. Früher geichnh die Behandlung ganz unentgeltlich, aber nun ist man dazu gekommeii. bei Kindern nicht unvermögender Eltern eine kleine Summe jährlich für die fortgesetzte Behandlung der Zähne zu er- heben. Die Erfabrung bat gezeigt, daß Kinder sowohl wie Eltern größeren Wert auf die Zabupstege lege», wenn sie nicht nnentgeltlich bebandelt werden. Durch Umfragen unter den Lehrern in einer der größten Schulen Stockhalms ist festgestellt worden, daß seit der Ein- richiung dieier zahnärztlichen Institute ein Fehlen in der Schule wegen Zahnschmerzen nicht mehr vorkam. In den Antworten der Lebrer wird ebenso hervorgehoben, daß die Kinder ruhiger und auf- merlsamer geivorden sind, seit ihre Zähne ordentlich behandelt werden, und ihr allgemeines Gcitindheusbcsiiiden sich erheblich gebessert hat. Unsere Anträge wurden abgelehnt und nur die Ausschuß- antrage angenommen. Bezeichnend war die Haltung des Hirsch- Dunckerschen Stadtverordneten G o l d s ch m i d t. Er rühmte sich» seit vielen Jahren den Grundsatz tariflicher Abmachungen ver- treten zu haben; im vorliegenden Falle könne er aber nicht zu- stimmen. Eine Gemeinde sei etwas anderes als ein Privatunter- nehmer. Die Gemeinde müsse selber die Lohnfragen regeln und könne keine Abmachungen mit Arbeiterorganisationen treffen. Unsere Genossen nagelten diesen Standpunkt fest als den„Herrn- im-Hause-Siandpuntt", nach welchem die Gemeinde einseitig ohne Mitwirkung der Arbeiter die Löhne festsetze. Auch die B e h a n d- lung der Arbeiter wurde bei dieser Gelegenheit einer Kritik unterzogen; insbesondere wurde die einer städtischen Ver- waltung unwürdige, an den Kasernenhof erinnernde Behandlung der Arbeiter der städtischen Straßenreinigung lebhaft verurteilt. Bis heute sind aber selbst die kleinen Verbcsserungen, die die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat, noch nicht in die Tat umgesetzt. Aus die städtischen Arbeiter bezog sich ferner ein sozialdemo- kratischcr Antrag, der in der Sitzung vom 28. September 1911 ver- handelt wurde. Er verlangt eine Aufbesserung der Ge- hälter und Löhne für Kategorien von st ä dtischen Beamten, für Hilfskräfte und Arbeiter infolge der Teuerung der Lebensmittel und Gewährung von vorübergehenden Teuerungszulagen. Die Stellungnahme der Wortführer der Mehrheit zu diesem Antrage läßt günstiges für die Arbeiter kaum erwarten. Herr Eassel er- klärte, daß im Jahre 1909 eine Aufbesserung der Gehälter und Löhne stattgefunden habe.„Es wird zu erwägen sein," so meinte Herr Cassel,„ob in der Tat eine weitere Erhöhung geboten ist; denn diezenig« Verteuerung aller Lebensmittel, die unstreitig in den letzten Dezennien eingetreten war, haben wir bei der 1909 vorgenommenen Gehaltserhöhung schon berücksichtigt." Soweit es sich um die städtischen Arbeiter handelt, trifft die Behauptung des Herrn Cassel von einer allgemeinen Lohnerhöhung im Jahre 1909 nicht zu, er hat nur die Beamten im Auge. Aber auch seit 1909 sind erst die Folgen der Reichsfinanzreform nach diesem Zeitpunkte augenfällig in Erscheinung getreten. Die An- gelegenhcit ruht zurzeit in einem Ausschuß. Es ergibt sich aus dem Gesagten, daß immer und immer die sozialdemokratischen Stadtverordneten es waren, die einzig und allein sich der städtischen Arbeiter und Angestellten ansS angelegentlichste angenommen haben. Wer will, daß auch ferner die Interessen der Arbeiter im Rathause mit allem Nachdruck vertreten werden, muß am Sonntag, den 5. November, den Kandidaten der Sozialdemokratie seine Stimme geben! Sie Hgitatlon für die Stadtverordneten- wählen eröffneten unsere Berliner Genossen am Dienstag mit einer Reihe von Versammlungen, die in der Hauptsache der Aufstellung der Kandidaten gewidmet waren. Im ersten jtommnnalwahlbezirk halten unsere Genossen eine öffentliche Wählerversammlung nach den Sophicnsälcn in der Sophienstraße einberufen. Der Genosse Ziosenfeld sprach über die Bedeutung der diesmaligen Stadiverordnctcnwablcn, die mitten hinein in die Vorbereitungen zu der großen Abrechnung mit der Regierung und den reaktionären Parteien, den Vorbereitungen für die' kommende Reichstagswahl fällt. Der kräftige Applaus, den die Versammelten dem Referenten zollte, bewies, daß er ihnen aus dem Herzen gesprochen hatte. Nach kurzer Diskussion, die sich im Sinne des Referats bewegte, schritt die Versammlung zur Ausstellung des Kandidaten. Einstimmig wurde der Genosse Robert Drescher als solcher erwählt, der in einer kurzen Anspracke der Versamm- lung für das ihm entgegengebrachte Vertraven dankte und versprach, für den Fall seiner Wahl durch eifrige Betätigung in seinem Amte, und zwar in dem Sinne, wie es die Versammelten van ihm erwar- tcten, das Vertrauen auck zu rechtfertigen. Zum Schlüsse richtete der Vorsitzende noch einen kräftigen Appell an die Versammelten, nun auch mit aller Energie und Ausdauer für die Wahl des Ge- nossen Drescher zu agitieren. Im zweiten Kommiinalivahlbezirk sprach Stadtverordneter Ge- nosse Sassenbach, der auch als Kandidat aufgestellt wurde. Im dritten und vierten Bezirk, wo eine gemeinsame Vcranstal- tung arrangiert war, referierte Stadtverordneter Genesse G r u n- TT Notizen. — Der neue Komet Brooks ist Mittwochmorgen um 4Vj Uhr von Direktor Archenhold auf der Treptow-Sternwarte photographicrt worden. Er zeigt jetzt einen 5lopf, der so hell ist wie ein Stern erster Größe, und einen Schlveif, der 15 Grad Länge hat. Der Anblick der Gesamterscheinung ist ein prachtvoller. Neben dem Kometen sehen wir die Venns in ihrem größten Glanz«. Die Treptow-Sternwarte wird Freitag, von 4 Uhr früh an, ge- öffnet sein. Die Besucher werden gebeten. Operngläser mitzu- bringen. T-ircktor Archenhold wird um 6 Uhr morgens einen Vor- trag über:„Kometen" halten. Vom Spittclmartt gehen um 3, 3� und um 4 Uhr Extrnwagen zur Sternivarte. — Wandernde Kunstausstellungen, tri« st« jg der' staatlichen K-unstpflcge Frankreichs längst üblich sind, will nun auch das preußische Kultusministerium in Angriff nehmen. Es sollen auch in der Provinz aus dem staatlichen Besitz Kunstwerke ausgestellt werden. In Hannover findet z. B. eine Mcnzel-Ausstellung statt, die auch in andere Städte wandern wird. — Militärische K u n st e r z i e h u n g. Aus Halle wird berichtet: Schönherrs Sckauspiel„Glaube und Heimat" wurde auf Betreiben der Militärgeistlichkeit im Stadt- tbcater als Sondervorstellung für einen Teil der evangelischen Mannschaften der Garnison gegeben und erzielte einen derartigen Erfolg, daß das Werk auch für den übrigen Teil der Garnison aufgesührt werden soll. Auch in anderen Städten soll„Glaube und Heimat" für die evangelischen Mmtnschaftcn der Garnisonen in Szene geben. Die Militärbehörde erfüllt damit— natürlich rinbewußt— eine alte Forderung von uns: nämlich den zum Zwangsdrill ein- berufenen Söhnen des Volkes neben der erhabenen Erziehung zum Kadavergehorsam und dem Unterricht in der Mordteckni'. auck) wirkliche Kulturgüter zugänglich zu macken. Dieser erste Schritt ist sehr begrüßenswert— wenn er zunächst auch nicht frei von Nebenabsichten ist. Uns will nämlick bcdünken, als ob die Tendenz des Stückes und das Lob S. M. ausschlaggebend gewesen sind. Aber sollen die katholischen Soldaten und alle jene, die im Privatleben Sozialdemokraten sind, nicht auch an dieser Kulturerrungenschaft teilnehmen? Die„Freie Volksbühne" üvird sicherlich die Militär- behörden gern beraten, wenn sie— was ja verzeihlich ist— nicht wissen, was den„gemeinen Mann" auf der Bühne interessiert. Und wie wäds mit Volkshochschulkurscn für Soldaten und anderen nützlichen Dingen? — Elektrische Backöfen. Ein sehr interessantes Ex. periment wollen die Wiener Städtischen Elektrizitätswerke an- stellen; sie haben kürzlich der Bäckergenossenschaft das Angebot ge- macht, in verschiedenen Backereibetrieben elektrische Backöfen auf» stellen zu lassen, um die Nentabilität dieser Einrichtung zu demon- strieren. Die Stromkosten sollen die des bisherigen Betriebes nicht überschreiten, Tie Bückcrgenosscnschaft hat ihr Einverständnis erklärt. vald, wihrend ö!» Äänbftrfeft Me Genossen BurgerbepuNerker WolderSkh(4. Bezirk) und Redakteur P ö tz s ch(3. Bezirk) zur Aufstellung gelangten. Im fünften Bezirk hatte da» Referat ReichStagSabgeordneter und Stadtverordneter Genosse Stadthagen übernommen: auf- gestellt wurde Genosse Jul. Meyer. Tischler, zurzeit Gastwirt. Im 13. Kommnnalwahlbezirk sprach Genosse Dr. Z a d e k vor einer Wählerversammlung, die in den..Rittersälen", Ritterstratze, stattfand. Die Versammlung stellte nach kurzer Diskussion Dr. Zadel als Kandidaten für den 13. Bezirk auf. Im 14. Kommunalwahlbezirk fand in WilkeS Festsälen, Se- bastianstratze, eine Versammlung von Wählern statt, denen Genosse Leid einen Vortrag' über die Politik im„Roten Hause" hielt.(Der als Redner angekündigte Genosse Wurm war verhindert.) Die Versammlung stellte als Kandidaten für den 14. Bezirk den Kauf- mann Alexander Fröhlich auf. Auch im 24. Kommunalwahlbezirk fand eine öffentliche Ver» sammlung statt, die in den Unionsälen in der Greifswalder Stratze tagte. Hier schilderte der Genosse Ewald unter dem Beifall der Versammelten die Tätigkeit unserer Genossen im Roten Hause und forderte die Erschienenen auf, dafür zu sorgen, datz auch dieser Ae- zirk einen sozialdemokratischen Vertreter in das Rathaus entsende. In der Diskussion wurde insbesondere auf den großen Einfluß, den die Hausbesitzer infolge der Privilegien, die ihnen das Kommunal- Wahlrecht gewährt, hingewiesen. Diesem Einfluß des Hausagrarier- tums seien auch die überaus mangelhaften Zustände im Schul- sowie im Verkehrswesen zuzuschreiben. Gewürzt wurde noch die Debatte mit den Erfahrungen, die die Genossen in den kleineren kommu- nalen Ehrenämtern, insbesondere in den Armenkommissionen, zu machen Gelegenheit hatten. Gegner waren nicht erschienen. Auch hier gelobten sich die Versammelten, für die Wahl eines sozialdemo- kratischen Vertreters einzutreten. Leider konnte die Aufstellung des Kandidaten nicht erfolgen, da der Genosse, der hierfür in Aus- ficht genommen war, in letzter Stunde von der Kandidatur zurück- getreten ist. Eine Kommission wird sich nach einer geeigneten Per- sönlichkeit umsehen und den Wählern in den nächsten Tagen einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Zum Schluß konnte der Vorsitzende Genosse Friedländer einige Mitteilungen von den Wahlvorbereitungen der Gegner machen. Die öffentliche Versammlung für den vierten Reichstagswahl- kreis, die sich mit dem Thema Die Sozialdemokratie im N a t h a u f e sowie mit der Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl befaßte, füllte den großen Konkordia-Festsaal. Auch die Frauen waren ziemlich zahlreich ver- treten. Mit größtem Interesse folgten die Versammelten den Aus- führungen des Stadtverordneten Ma nasse. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall, und ebenso wurde die darauf folgende Ansprache des Stadtverordneten T o l k s d o r f aufgenommen, der vor nunmehr 18 Jahren zum ersten Male in das Rote Haus einzog und nun aus seiner reichen Erfahrung in kurzen Worten das Wir- ken und Streben der sozialdemokratischen Fraktion schilderte, die ja inzwischen, soweit es die widrigen Verhaltnisse zuließen, groß geworden ist und Einfluß gewonnen hat.— Da zu weiterer Dis- kussion niemand das Wort wünschte, schritt man zur Aufstellung der Kandidaten. Einstimmig wurden die bisherigen Vertreter wieder aufgestellt, und zwar die Genossen Tolksdorf im 10. Bezirk, Manasse im IS., W i l k e im 21., H e y m a n n im 23. und Adolf H o f f m a n n im 2S. Bezirk. Der Wahlverein für den sechsten KreiS hatte zur Aufftellung der Stadtverordnetenkandidaten eine außerordentliche Ge- neralversammlung nach den Pharussälen einberufen, die sehr stark besucht war. Dr. Wehl beleuchtete in einem beifällig aufgenommenen Vortrage die Tätigkeit, welche unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung ausgeübt haben. Hierauf empfahl der Vorsitzende H e nt sche l namens des Vor- standes die Wiederaufstellung der bisherigen Vertreter: Koblen- z e r für den 28., Mars für den 35., Dr. A r o n s für den 42., H i n tz e für den 46. Bezirk. Gegen die Wiederaufftellung des Genossen K o ble n z er erhob Burghardt namens der ersten Abteilung Einspruch und machte dafür folgende Gründe geltend: Bei der Abstimmung über die Wahl- rechtspetition in der Stadtverordnetenversammlung habe Koblenzer gefehlt. Die Genossen der ersten Abteilung hätten im Auftrage des Vorstandes Koblenzer gefragt, warum er in einer so wichtigen Sache gefehlt habe. Er habe aber weder der ersten Abteilung noch dem Vorstande eine befriedigende Auskunft erteilt. Wenn der Vor- stand trotzdem die Wiederwahl Koblenzers empfehle, so sehen die Genossen der ersten Abteilimg darin eine Verletzung des Rechts, den Kandidaten von den Genossen des betreffenden Wahlbezirks vorschlagen zu lassen. Sie würden sich keinen Kandidaten auf- oktroyieren lassen. Aus den weiteren Ausführungen des Redners ging hervor, daß die Funktionäre der ersten Abteilung, weil sie mit dem Beschluß der Kreiskonferenz in der Kandidatenfrage nicht einverstanden waren und ihn nicht vertreten konnten, ihre Aemter niedergelegt haben, damit die Angelegenheit in einer Generalver- sammlung zum Austrag gebracht werde. Theodor Fischer führte demgegenüber aus: der Vorstand wolle das Vorschlagsrecht der Parteigenossen durchaus nicht beschnei- den. Es handle sich nicht um einen Gegensatz zwischen Koblenzer und seinen Wählern und auch nicht um eine Angelegenheit von prin- zipieller Bedeutung. Es liege nichts weiter vor, als daß die Funk- tionäre der ersten Abteilung nicht zufrieden seien mit der Auskunst, die ihnen Koblenzer erteilte. Die Funktionäre hätten die Mitglie- der der ersten Abteilung einseitig und unrichtig informiert. In der Krciskonferenz habe Koblenzer eine Erklärung abgegeben, womit die Konferenz mit Ausnahme der Vertreter der ersten Abteilung zu- frieden gewesen sei. Die Mehrheit der Wähler teile nicht den Standpunkt der Funktionäre der ersten Abteilung. ES liege kein Grund vor, der geeignet wäre, dem Genossen Koblenzer das Ver- trauen der Wähler zu entziehen. An der Diskussion beteiligten sich noch verschiedene Redner, die teils im Sinne Burghardts, teils im Sinne Fischers sprachen. Ko- blenzer war in der Versammlung nicht anwesend, weil er an einem auswärtigen Kongreß teilnahm. Es wurde auch behauptet. Koblen- zer habe sich ein ganzes Jahr nicht an den Sitzungen der Stadtver- ordnctenvcrsammlung beteiligt. Dazu bemerkte Dr. Wehl auf Verlangen aus der Versammlung: Daß Koblenzer ein ganzes Jahr gefehlt habe, treffe nicht zu. Seit Januar dieses Jahres arbeite Koblenzer mit ihm(Wehl) zusammen in der Krankeuhausdeputa- tion. Da habe er sich als ein brauchbarer und zuverlässiger Mit- arbeiter erwiesen. Das Resultat der ersten über die Kandidatur Koblenzer borge- nommenen- Abstimmung wurde angezweifelt. Die zweite Abstim- mung, die unter Kontrolle einiger Genossen aus der Versammlung, auch solcher der ersten Abteilung stattfand, ergab eine zweifellose Mehrheit für die Kandidatur Koblenzer. Doch war auch die Min- derheit nicht unbeträchtlich.— Die Genossen Mars, A r o n s und H i n tz e wurden e i n st i m m i g und ohne jeden Widerspruch aufs neue guit der Kandidatur und ihren Bezirken betrau� Die englischen eilenbahner und ihre Forderungen. London, 21. Oktober 1911.(Eig. Ver.) Soeben ist der Bericht'der Eiscnbahnkommission erschienen, die von der englischen Regierung nach dem großen Eisenbahner- streik eingesetzt wurde, um die Frage der Einigungsämtcr zu unter- suchen. Für die Arbeiter ist dies ein trauriges Dokument. Die Eisenbahner, die gehofft hatten, daß die Kommission die An- erkennung ihrer Gewerkschaften befürworten werde, sehen sich wieder einmal betrogen. An Stelle der Anerkennung der Gewerk- schaffen, die den Hebel zur Durchsetzung längst fälliger Lohn- krhöhungen bieten soll, bringt der Bericht ein elendes Flickwcrk M den bestehenden Einiaunasämtern, die von den Arbeitern als da» größte �indernt» auf dem Wege einer Verbesserung ihrer«itk- schaftlichen Lage betrachtet werden. DaS schlimmste dabei ist, daß der Bericht von allen Kommissionsmitgliedern, auch vo» dem Ar- beiterparteiler Henderson, unterzeichnet ist. Unter den Umständen hätte man wenigstens einen Minoritätsbericht erwarten sollen. Das einzige Zugeständnis, das den Arbeitern gemacht wird, ist die Bestimmung, daß die Arbeitervertreter in den Einigungs- ämtern(die in Wirklichkeit nur Arbeiterausschüsse sind) einen Gewerkschaftsbeamten, der nicht im Dienste der Eisenbahngesell- schaff steht, zum Sekretär ernennen können. Das Einigungsver- fahren vom Jahre 1997 soll durch ein verbessertes ersetzt werden, das am 1. Juli des nächsten Jahres in Kraft treten und bis zum 6. November 1914 in Kraft bleiben soll. Die sogenannte Verbesse- rung besteht in einer Vereinfachung des Verfahrens. Nur die Sektionsausschüsse sollen bestehen bleiben; die Zentralömter, die bisher von den Eisenbahndirektoren vielfach benützt wurden, um die Forderungen der Arbeiter zu verschleppen, sollen abgeschafft wer- dem. Ihre Stelle wird in Zukunft von dem„unabhängigen Vor- sitzenden"(Schiedsrichter) eingenommen werden, dessen Entscheid bindend sein soll. Es bleibt also bei der alten Geschichte, daß nach dem Grundsatz:„Teile und herrsche!" die einzelnen Arbeiter- kategorien(Lokomotivführer, Schaffner usw.) ihre Vertreter in den lokalen Sektionsausschuß ihres Berufs schicken, wo sie mit den Beamten der Eisenbahngesellschaft, in deren Dienst sie stehen, ver- handeln müssen. Eigentliche Einigungsämtcr, wie sie in der Berg- wcrksindustrie bestehen, wo sich die Arbeitgeber mit erfahrenen und unabhängigen Gewerkschaftsbeamten abfinden müssen, sind diese Arbeiterausschüsse nicht. Der Sekretär der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten erklärt, daß die Vorschläge der Kommission nicht die Zustimmung der Arbeiter finden würden. In einigen Einzelheiten biete das neue Verfahren einige geringe Verbesse- rungen, aber in anderer Hinsicht sei es um vieles schlechter als das bestehende. Die Abschaffung der Zentralämter sei ein reaktionärer Schritt; in allen übrigen Berufen dränge man nach Zentralisation und nicht nach Zersplitterung. Die Ernennung eines GeWerk- schaftsbeamten zum Sekretär der Arbeitervertreter in den Sektionsausschüssen habe die Frage der Anerkennung der GeWerk- schaften ihrer Lösung um kein Jota näher gebracht. Recht sonderbar klingen einzelne Stellen in dem Bericht— sonderbar, weil sie auch ein Arbeitervertreter, der dazu noch Vor- sitzender der Arbeiterpartei gewesen ist, unterzeichnet hat. So heißt es in dem Bericht: „Zeugen befürworteten die Anwendbarkeit auf Eisenbahn- angestellte des Absatzes 4 des Gesetzes über Verschwörung und Schutz des Eigentums, des kanadischen Gesetzes über die Unier- suchung wirtschaftlicher Streitigkeiten und der Bestimmungen der Vorlage, die Herr Crooks, M. P., und andere dem Parla- ment unterbreitet haben. Es ist nicht unsere Sache, vorzu- schreiben, wie das Halten der Verträge gefördert und wie der Vertragsbruch bestraft werden kann. Die Leute haben das Recht, ihr Engagement zu Ende zu bringen, indem sie die gesetzlich be- stimmte Kündigungsfrist einhalten; aber in der Ausübung dieser ihrer Freiheit sollte ihnen nach unserer Ansicht nicht erlaubt werden, andere Leute, die zu arbeiten wünschen, durch Drohungen oder irgendeine andere Art der Einschüchterung zu nötigen." Das klingt wie eine Unterstützung der heftigen Agitation, die augenblicklich von allen Arbeitgeberverbänden Großbritanniens gegen das Recht des Streikpostenstehens gefiibrt wird. Geradezu grotesk nimmt sich der Schluhparagraph deS Be- richtes aus. Er lautet: „Indem wir Ihnen untertänigst diese unsere Anschauungen unterbreiten, bitten wir Eure Majestät, uns zu gestatten, einen Augenblick den Nahmen unserer Untersuchung zu überschreiten. Das Eisenbahnsystem Großbritanniens wird von keinem anderen übertroffen(II). Das Publikum betrachtet sein Eisenbahnsystem mit Stolz und Vertrauen. Das System ist gebaut auf großen Ucberliefcrungen und hohen Idealen, und es ist das Privileg jedes Eisenbahners, welcher Klasse und Kategorie er auch an- gehören möge, teilzunehmen und mitzuwirken an dem großen Pfände, das ihm anvertraut worden ist. Wir glauben, daß wir die Ansicht der Allgemeinheit ausdrücken, wenn wir sagen, datz die Eisenbahner mit Vertrauen auf die Unterstützung des briii- schen Publikums in allen gerechten in billiger Weise vorgelwach- ten Forderungen rechnen können, wenn sie nur das Pflicht- bewußtscin über alles andere setzen." Mit solchem dünnen und dazu noch grob verfälschten Leim wird man die Eisenbahner kaum sangen. Jedermann weiß, daß die britischen Eisenbahnen zu den schlechtesten der ganzen Welt gehören. Die Lotterwirtschaft dieser Privatbahnen ist unglaublich. Und dank dieser Lotterwirtschaft kostet die Personen- und Güter- beförderung in Großbritannien etwa zweimal so viel als aus den preußischen Staatsvahnen. Ihre Finairzwirtschaft gleicht der eines verzweifelten Spekulanten. Sie haben ein Kapital angehäuft, das dreimal so groß ist als die Summe, die in den Büchern der preußischen Eisenbahnbehörde als der Wert der preußischen Staats- bahnen, deren Netz dem britischen gleichkommt, angegeben ist. Riesige Kapitalsvcrwässerungen, ungeheure Schmiergelder und zweifelhafte Buchführung sind in erster Linie für den wackeligen finanziellen Ueberbau verantwortlich. Wo es eben möglich ist, be- zahlen sie Verbesserungen und Neuanschaffungen nicht aus dem Gewinn, sondern mit frischem Kapital, nur um den Profit zu schonen. Jemand hat diese geniale Pumpwirtschaft einmal mit der Rechenkunst eines Mannes verglichen, der den Wert seiner ge- flickten Schuhe in der Weise feststellte, daß er die Anschaffungs- kosten zu den Reparaturkosten rechnete. Daß diese durch und durch faule Frucht am Baume des Kapi- talismus nur geringe Dividenden und erbärmliche Löhne zahlen kann, liegt klar auf der Hand. Die prekäre finanzielle Lage der britischen Privatbahnen erklärt auch, weshalb sich die Direktoren so grimmig gegen� die Anerkennung der Gewerkscbaften wehren. Die fabelhafte Mißwirtschaft kann keine höheren Löhne vertragen. Die Eisenbahner verlangen in ihrem nationalen Programm vor allen Dingen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit. Besteht unter dem gekennzeichneten System der Privatbahnen Aussicht, daß sie ihre Forderungen durchsetzen werden? Leider wenig. Der Sckneds- richter, der nach dem neuen Einigringsverfahren diese Fragen wohl in den meisten Fällen zu entscheiden haben wird, wird sich, wie es in anderen Berufen Brauch ist, nach dem Stande der Industrie richten, und der ist in der Eisenbahnindustrie, an den Dividenden gemessen, zu keiner Zeit recht gut. Die Regierung könnte aller- dings, wie sie es ja auch versprochen, den Gesellschaften gestatten, die Tarife zu erhöben. Aber was werden die so wie so sckwn ge- nügend von den Eisenbahngescllschaften gerupften Industriellen dazu sagen? Wer die Frage tiefer studiert hat, kann keinen Ausweg sehen als die Verstaatlichung der Eisenbahnen. Welche bürgerliche Partei wird es jedoch wagen, das Problem anzufassen und dem Volke vor- zuschlagen, etwa 13 Millionen Pfund Sterling für ein Unter- nehmen zu zahlen, das zum größten Teil aus verlorenem Kapital und Luft besteht? Und umgekehrt, welche bürgerliche Partei würde den Entrüstungssturm überleben, der sich in den Reihen der be- sitzenden Klassen erheben würde, wenn sie es wagen sollte, den 189 909 Aktienbesitzern der Eisenbahnen einen fairen Preis, sagen wir den Preis der preußischen Staatsbahnen, anzubieten? Man soll den schlafenden Hund nicht wecken(let«leeving ckogs lie), sagt ein englisches Sprichwort. Und dennoch werden sich die bürger- lichen Parteien mit der Frage befassen müssen, wenn sich nicht in- zwischen die Arbeiterschaft aufrafft und dieser unfähigen Gesell- schaft das Heft aus den Händen reißt. Unter den Eisenbahnern, die unter dem bestehenden schändlichen System am schwersten zu leiden haben, wird es weiter gären. Man wird sich des Satzes erinnern, mit dem das Streikkomitee nach dem großen Streik die Wiederaufnahme der Arbeit befürwortete:„Wir können ja jeder- zeit wieder in den Streik treten." Dieser neueste Beschwichtigungs- Bericht der Kommission wird der englischen Regierung wenig nützeq, � Öenchts-Zcitunge Eine Bedrohung mit der Kioderpistole. Eine tragikomische Episode spielte sich am Dienskqg in Hall» an der Saale vor dem Schöffengericht ab. Der 38jährige Bauarbeiter Hermann Christian sollte gelegent« lich des Kohlenarbciterstreiks in Halle im August Arbeitswillige durch den Zuruf Streikbrecher beleidigt und einen Unternehmer mit der„Schußwaffe" bedroht haben. Der Unternehmer malte die Sache grau in grau, meinte, die Arbeitgeber hätten jetzt gar keine Nummer mehr usw. Da die Sache sehr gefährlich klang, ließ man das Asservat— die aufbewahrte Pistole— in den Gerichtssaal holen. Sonstige Munitionen dazu waren nicht aufzutreiben. Der Angeklagte hatte aber das nötige Beweismaterial— Zündplättchen — mit zur Stelle gebracht. Er lud das Instrument; es gab einen Knall und dann fröhliche Heiterkeit. Da es aber bekanntlich Be-> drohung mit untauglichen Mitteln gibt, wurde der Angeklagte. der sich nur einen Spaß gemacht hatte, zur Zahlung einer Geld- strafe von 19 M. verurteilt. 3999 Prozent Zinse«. Der große DarlchnSschwindelprozeß, welcher, wie wir am 20- mitteilten, mehrere Tage die 19. Strafkammer des Landgerichts 1 beschäftigte, ist gestern zu Ende gegangen. Verurteilt wurden der Schneidergeselle und Kaufmann Otto Klonus zu 2 Jahre« Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, der Schlosser und Rechercheur Karl Gcppert zu 6 Monaten Gefängnis, der Inhaber der Auskunftei „Kolumbia", Max Buchholz aus Rummelsburg, zu 9 Monaten Ge- fängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Der Mitangeklagte. Auskunftei- inhaber der„Internationalen Auskunftei Union", Otto Schaar» schmidt, wurde freigesprochen._ Ein Prozeß um 26 M. vor dem Reichsgericht. Zu den Prozessen, die an das Vorhandensein der RevifionS- summe(4999 M.) nicht gebunden sind, gehören alle Streitigkeiten gegen den Staat und dessen Beamte, sobald sie Verletzung der Amts- Pflicht als Klagegrund haben. Der vorliegende Streitfall ist seines prinzipiellen Interesses halber bis vor das Reichsgericht gebracht worden. Er beruht auf der folgenden fatalen Geschichte: Am 9. Mai 1999 fuhr ein herrschaftliches Automobil durch den kleinen Ort Gcorgeuborn bei Wiesbaden. Am Abend erstattete der Gendarm von Georgenborn dem Bürgermeister, einem Landmann. der das Ehrenamt des Bürgermeisters nur nebenbei verwaltete, Rapport �und meldete ihm auch, daß das herrschaftliche Automobil den Ort durchfahren habe, ohne die vom Herrn Bürgermeister er- lasseue polizeiliche Verfügung zu beachten, die vorschreibt, daß an Straßenkrümmunge» Hupensignale zu geben sind. Nach der vom Gendarm angegebenen Nummer wurde der Prinz Friedrich Karl zu Hohenlohe als Inhaber des Autos ermittelt. Der Bürgermeister von G. fragte nunmehr bei seinem Kollegen an, wo der hohe Herr wohne, und dieser teilte ihm den Wohnsitz des Fürsten zu Hohenlohe- Oel?ringcn mit. Daraufhin erließ der Bürgermeister R. gegen den Fürsten zu Hohcnlohe-Tehringen eine polizeiliche Strafvcrfügung. Der Fürst beantragte gerichtliche Entscheidung und erzielte auf seinen Nachweis hin, daß er ein Kraftfahrzeug mit der angegebenen Nummer gar nicht besitze/ die Zurücknahme des Strafbesehls. Als- dann aber erhob der Fürst Klage gegen den Bürgermeister von Ge- orgenborn und begehrte von ihm Erstattung der ihm durch das Engagement eines Rechtsanwalts und die erlassene Beschwerde ent- standcnen Kosten im Betrage von 26 M. Seinen Anspruch suchte er durch den§ 839 des Bürgerlick�en Gesetzbuches zu beweisen, da nach dieser Gesctzesvorschrift der Beamte haftpflichtig ist, der vorsätzlich oder fahrlässig einem anderen gegenüber die Amtspflicht verletzt. Die Pfl'chtvcrlctzung erblickt der Fürst in der falschen Zustellung des Strafbefehls durch das Notieren einer unzutreffenden Automobil- nummer und auch darin, daß die Strafvcrfügung an ihn selbst zugestellt worden ist, während nach dem Gesetz nur der Leiter des�, Kraftwagens für Uebcrtretuugen haftbar ist. Das Landgericht Wiesbaden erklärte, daß der Beamte allerdings seine Aintspfl'cht fahrlässig verletzt habe.'denit er hätte die Straf»!! Verfügung erst nach näheren Erkundigungen gegen den wirklichen Leiter des Automobils erlassen dürfen. Aber— so meint das Land- gericht weiter— der Schaden ist nicht kausal mit der Verletzung der Amtspflicht. Denn der 5lläger habe nicht nötig gehabt, sich wegen der Beschwerde einen Rechtsanwalt zu nehmen, da er offenbar im Recht gewesen sei und sich vor Gericht selbst verteidigen konnte. Das Landgericht sprach dem Kläger deshalb zweimal 19 Pfennige für Vricsporto und 1 M. als Gcrichtskostcn zu. Die vom Kläger gegen das Urteil des Landgerichts eingelegte Berufung ist vom Lberlandesgcricht Frankfurt a. M. zurückgewiesen worden. DaS Oberlandcsgcricht verneint ein Verschulden des Beklagten über» Haupt. Der Irrtum über die Nummer des Fahrzeugs und die Person des Klägers ist nach den Ausführungen des Oberlandes- gcrichts kein fahrlässiges Verschulden. Die Zustellung der Straf- Verfügung an den Kläger selbst enthalte kein Verschuloen, weil die Polizei nur auf diese Art den Chauffeur hätte ermitteln können. Die vom Kläger gegen das Ilrteil des Oberlandesgerichts Frankfurt a. M. eingelegte Revision ist vom Reichsgericht am Diens» tag zurückgewiesen worden._ Ein fixer Berichterstatter. Die Korrespondenz„Schwedcr u. Hertzsch" ersucht un» unter Bezugnahme auf§ 11 des Prcßgesetzes um Aufnahme folgender von ihr Berichtigung genannten Erklärung: „Unter der lleberschrift„Ein fixer Berichterstatter' haben Sie von unserer Korrespondenz behauptet, sie habe gelegentlich des Weltkongresses der Hoteliers Reden, die erst am Donnerstag gehalten worden seien, bereits am Montag veröffentlicht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist dagegen, daß wir unseren Bericht am Montag ausdrücklich mit dem Bemerken geschlossen haben, daß die geschäftlichen Verhandlungen des Kongresses erst in dennächstenTagen stattfinden würden, und haben dann aus den bereits in französischer Sprache vorliegenden Referaten die Wünsche, Anregungen und Beschwerden der Referenten in- formatorisch mitgeteilt. Unwahr ist ferner die wiederholt von Ihnen veröffentlichte Behauptung, daß unsere Berichterstattung über den Schapiro» Prozeß unzuverlässig gewesen sei. Unwahr ist schließlich, daß wir in unserem Bericht über den Jenaer Parteitag Bebel Aeußerungen in den Mund gelegt hätten, die er auch nicht dem Sinne nach gemacht habe. Vor allem ist es unrichtig, daß unser Bericht über die Frauen- konfercnz in Jena den Satz enthalten habe:„Selbstverständlich trugen alle Frauen knallrote Blusen." Dieser„Berichtigung" muß ja nach dem Preßgesetz Raum ge- geben werden, wiewohl sie keine Tatsachen berichtigt, sondern un- richtige Behauptungen aufstellt. Alles das, was wir über die Korrespondenz darlegten, ist zutreffend und wird von unA in vollstem Umfange aufrechterhalten. Buq der frauenbemgung. Zur vierten sozialdemokratischen Fravenkonferenz in Oesterreich. Vor dem Parteitag werden sich in Innsbruck die Delegierten der österreichischen Genossinnen versammeln, um über jene Frage zu verhandeln, die vor allein die Interessen der Frauen berühren. Stolz können die Delegierten auf die Arbeit zurückblicken, die in den letzten Jahren geleistet wurde. Als sich die österreichischen Ge- nossinnen das letztemal versammelt haben, waren es nur die Ver» trctcrinncn von nicht einmal 8999 politisch organisierter Frauen. Diesmal vertrete� sie 18 990 Frauen, den achte» Teil hex ges�stea Varselm�gNedschafl. DoH nkcht ttUt kn der Zahl der ettvonneflen Mitglieder kommt die grotze agitawrische und organisatorische Lei» stung der Frauen zum Ausdruck, noch mehr ist getan worden, um die Organisation enger mit der gesamten Partei zu verankern und um die Schulung und die Erkenntnis der Genossinnen zu fördern. WaS man bei der letzten Konferenz nur als Anfang vorfand, der Ausbau der Landesorganisation und die Einführung der Bezirks- organisationen, hat sich nun gefestigt und die österreichische Frauen- organisation ist heute leistungsfähig in jedem Kampf. So eng aber auch das gemeinsame Arbeiten zwischen Genossen und Genossinnen ist, ein Hindernis trennt sie noch immer und ver- hindert, datz Männer und Frauen einer Organisation angehören. Die politische Rechtlosigkeit der Frauen geht ja in Oesterreich so weit, daß sie noch immer nicht politischen Vereinen angehören dürfen. Wohl sind die Genossinnen zum größten Teil Förderer in den politischen Wahlvereinen der Männer, aber sie können da- durch keine Funktion in diesen Vereinen übernehmen. Das alte Parlament hatte schon beschlossen, den Frauen dieses Recht zu er- teilen und aller Voraussicht nach wird es auch im neuen Parlament zur Annahme dieser Forderungen kommen. Deshalb mutz sich die Frauenkonferenz vor allem mit der Frage befassen, wie soll die Organisation geregelt werden, wenn die Frauen in die politischen Vereine aufgenommen werden können. Es ist zweierlei möglich. Entweder sie können, wie in Deutschland, ihre selbständigen Orga- nisationen ganz aufgeben und nur den allgemeinen Vereinen ange- hören, oder sie können ihre selbständigen Organisationen beibehal- ten und nur nebenbei auch Mitglieder der politischen Vereine sein. Der Konferenz wird ein Vorschlag unterbreitet werden, der ein Kompromiß zwischen beiden Möglichkeiten anstrebt. Es sollen zwar alle Frauen, welche heute in den freien politischen Frauenorgani- sationen organisiert sind, Mitglieder der politischen Vereine wer- den, aber es soll trotzdem in jedem Orte ein besonderes Agitations- komitee bestehen, welches die Agitation unter den Frauen, die ja vielfach eine andere fein mutz, als die der Männer, zu leiten hat. Die Vorsitzende dieses Komitees ist gleichzeitig Mitglied des Lokal- ausschusses. Das gleiche Verhältnis tritt auch in der Bezirks, und Landesorganisation ein. Dadurch würden die Frauen den An- spruch auf selbständige Arbeit nicht verlieren, sie würden aber doch auch in erhöhtem Matze zur gemeinsamen Arbeit herangezogen werden. Die Kassengebarung soll so geregelt werden, daß ein Teil der Beiträge, wie bisher den verschiedenen Frauenkomitees zugeführt werden soll. Reben dieser Neuregelung des Organisationsstatuts stehen noch andere wichtige Punkte auf der Tagesordnung. So wird die Kon- ferenz die Interessen der Frauen an der Gemeindepolitik erörtern und auch der neugegründetcn Dienstboienorganisation ihre Auf- merksamkeit widmen. Die brennende Frage der Lebensmittelteile- rung und die Sorge, welche alle arbeitenden Frauen wegen der steten Verschleppung der Sozialversicherung erfüllt, werden zur De- batte stehen und zu energischen Beschlüssen führen. Den Kampf gegen den Alkohol wird die Konferenz gleichfalls fördern, indem sie es allen aufgeklärten Frauen zur Pflicht machen wird, gegen den Alkoholgenutz namentlich bei Kindern anzukämpfen. Reiche Arbeit erwartet die Delegierten, die aus allen Teilen der Monarchie in Innsbruck kommen werden, und die Zeit wird gut genützt werden müssen, wenn die reiche Tagesordnung durch- gearbeitet werden soll. Auch diese Konferenz wird ein neuer Ansporn für alle Ge- nossinnen der österreichischen Monarchie sein, rastlos und uner- müdlich an dem Ausbau der Organisation zu arbeiten, damit die großen Kämpfe, denen die Arbeiterschaft Oesterreichs entgegengeht, auch die Frauen aufgeklärt und gerüstet findet. LrUfftaltai der Redabtfoii* «le tatintlflie eprechstuod« findet«tndenftraSeLS, vorn UUt SrcWrt» — F a h rft» h l—, wochentSglich von 4H bis Uhr abcndS, EonnabendS, von 4Mi bis 6 Uhr abends statt. Jeder fbr den Briesiastc» bestimmten Aitsrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merizeichen beijusügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauittung beigcsiigt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstmide bor, G. M.. Steglitz. Im Rahmen deZ> BrieskastenS nicht zu beantworten. Den Geletzeniwurs erhalten Sie im Verlag der„Nordd. Allgem. Zeitung'. Wilhflnistr. 32— T. 4. Wiederholen Sie die Ansrage sunter Angabe der Art des Betriebes und der Anzahl der in demielben beschäjtigten Personen. — G. H. 10. Die Unterzeichnung durch Ihren Sohn ist rechtsunwirtsam. — K. S. R. Wenn mit erheblicher Ruhestörung verlnüstst, Klage aus Vertragslölung.— H. S., Sonntagstr. II. Fordern Sie den Vermieter unter Setzung einer etwa lltägigen Frist zur Beseitigung des Ungeziefers aus. Nach Ablaus der Frist lönncn Sie klagen.— Li. 82. Das zweck« mähigste ist. sie beantragen in Eemeinschast mit der Mutter bei der Armen- Verwaltung Unterstützung und machen von dem Verhalten des Erzeugers Mitteilung. Die Arincnverivallung lann alsdann die Beslrasung desselben wegen böswilliger Entziehung dcS Unterhalts beantragen. — K. Z.&0. Ja.— M Koppe 71. Leider ja.— A. D. 39. Nein. — Abonnentin. Wegen derart barmloser Vorgänge veranlagt man leinen Streit.— Tonaustr. 24. Juvalidcmnarken sind zu kleben. Die Au- Meldepflicht zur Krankcnlasse besteht bis zum Inkrafttreten der Rcichs- versicherüngSordnimg nur dann, wenn die Frau in Ihren MietSräumen arbeitet. H. Bö. 999. Fragen, die auf Entziehung des Unterhalts ab- zielen, beantworten wir nicht.— W. I. 9. Derjenige hastet, den ein Ver- schulden trifft. Ob und aus wen dieses zutrisit, lägt Ihr Schreiben nicht erkennen.— E. L. 200. In 30 Jahren, wenn es sich nicht um wieder» lehrende Leistungen(Alimenten-, Zinssordcrungcn) handelt.— B. 100. Ihr Mann ist zabluiigspslichtig. Verjährung liegt nicht vor.— F. R. 4. Die Herrichast lann das Mädchen entlassen, sobald sie von der Schwanger- schast'Kenntnis erhält. Das Mädchen hat. josern eS nicht entlassen wird, Anspruch aus besondere Rücksichtnahme und kann auskören, wenn der Zustand. soweit vorgclchriltcn ist, daß eine Erledigung der Arbeiten nicht mehr möglich ist. i Todes-Anzeigen SoziaidEmo.kratiscl]erWalüYemn I des 6, Berl. Reicfislags-Wahlkreises,] Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den tS. Ol- j lober verstarb unser Genosse �uxust kariel Choriner Str. 58. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, nachmittags 3 Uhr. von der ucichenhalle des städti- l schcn FriedhoseS in FriedrichSscldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/4 ltei- Vorstand.| SozialiieiDQkratiseiiJaiiiyeretD des 8. Berl. Beiehsiagswahlfam Todes- A„zeige. Am Montag, den 23. Oktober. verstarb unser Genosse, der Steinmetz Ilieodor Winter Bcrlichingenstr. 3. . Ehre seinem Studenkcn l Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- hallo des HcilaiidS-Fricdhoscs in Plötzensee aus statt. 232/5 Um rege Bcleiligung ertlich/ 1 Oer Vorstand Ebb /ÄckSW£! Deutscher Bauarbeiter-Verband! Ztvcigverein Berlin. Am tS. Oktober verstarb unser � langjähriges Mitglied Bermanu Ibscber (Bezirk Schöneberg.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Freitag, den 27. d. Mts.. nachm. 4 Uhr, von der Halle des Schöne. berger Kirchhofes, an der blanken Hölle aus slait. 140/15, Um rege Beteiligung ersucht Der Borstond. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband! VerwEltungsstelle Berlin. Todes• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht.| datz unser Mitglied, der Kern- machcr IBrnst Hannuschke am 22. Oktober gestorben ist. Ehre setnem Andenken: Die Beerdigung findet ani Soiniabcnd, den 23. Oktober, nachmiltags 4'/, Uhr, von der Leichenballe dcS neuen Sophien. Kirchhoss, Freienwalder Strasse, aus statt. 125/4 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltang. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. Wäsche- Arbeiier Deutschlands. Filiale Bertin 1. Den Mitgliedern geben wir bekannt, dass der Kollege Otto Oro�ius im Silier von 32 Jahren ver. ttoiben ist. Ehre seinem Andrnkcn i Die Beerdigung findet heute Doiiiicrslag, den 25. Oktober, lachmittags 3 Uhr, in ArnSjelde statt, ltZ4/>2 vis Ortsveneeltunp. Taiikiagling. Allen lieben Verwandten, Freun- den und Belaiiuten, den Genossen und Gciiossiniicn, sowie scincii Kollegen, weiche mir bei der langen Kinntbeit meines MaiiiicS hilfreich zur Seite gestanden, sowie für die überaus zahlreiche Beteiligmig bei der Beerdigung und die herrlichen Kranzspenden, cbcnsalls sür die teil- nehmenden Worte de- Genossen Ticlemaiin am Sarge sage ich hier- mit nieinen aufrichtigen Dnnl. 1253b Anna Pankow. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlrcichci! Kranzspenden bei der Be- erdigung unserer lieben Tochter und Schweiler Fimna Koschmicder sagen wir allen Frtimden und Be- laniitcii. sowie dem Personal der Firma Seluiar Beyer, dem Deutschen Buchbinder-Vcrband und der 6. M- Abt. d. Tnri.verciilS.Fichte' unsere» innigsten Dank. t245b Frau Äoschiuicder nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme, die mir und meinem ver- stoibencii Manne ciivicscu wurde», jagen wir allen unseren herzlichsten Dank. t/Isne Gutsche nebst Kindern. Zentralkranken- und Sterbe- kasse der deutsclien Wagenbauer. Berlin VI. 257/8 Am Sonntag, den 22. Oktober, verstarb an Herzleiden unser Mit- glied, der Arbeiter Hennaim Siegfried. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2K. Oktober, nach, mittags 4 Uhr, vom Paul-Gerhardt- Still, Müllcrstrasse, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvcrwaltung. Sumatra-ümblatt Dritte ur.d vierte Länge, Stück und Vollblalt per Pfund M. 1,45 bis 2,20. I Hamburger ßdilabak-Hags Filiale: Berlin X., Brunnenstr. 25. 295/ l 3�1 Wies Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag: Canzhranzcljcn bei freiem Entree. O, ÄilBle. Glücklich w'fer in bitt'ren Stunden, Rechtzeitig; den Humor gefunden. Humor Putzt alle Metalle sauber und geruchlos. üeberall zu haben in FlclSClldl von 10 Pf. an. 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Fernsprecher: Amt 3, 4518. Tonntag, den 29. Oktober, nachmittags VI, Uhr, in BoekerS Festsäle». Webcrstr. 17: General-Versammlung. I Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom III. Quartal 1911. 2. Tie Bicrablösungsfrage. 3. Perbandtangelegenheiten. 44/1S Kollegen! Erscheint Mann sür Mann in dieser Versammlung. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert, ohne diese kein Eintrilt. Die Ortsvcrw altnng. Zwclgvorcin Berlin. Sonntag, den 29. Oktober 1911, vormittags 10 Uhr» finden in den angegebenen Lokalen sür die betressenden Bezirke Mitglieder- Versammlungen statt. ES muss erwartet werden, daß alle in Frage kommenden Kollegen bestimmt und pünktlich erscheinen. Oranienburger Voestavt in den.,Vonlssia-Sälen",Ackerstr.6/7. Norden 1 und 2 bei Obiglo. Schwedter Str. 23/L4. Nordosten in den„Luna-Sälcn". Neue Königstr. 7. Südosten bei Wellenberg, Naunynstr. 6.' Südwesten bei Maaß, Bcrginannstr. 97. Wedding in den„Prachtjälen des NordenS", Gerichtstr. 31, am Nettelbeckplatz. o-D�>D-D'n»0'nri>D»o-pjgc> 9 Pp'awdziwa tabaka do T|9 i n. 11 wii\ zazywama„Ixownoer. □•□•□•□•□•a-a-o-ü-a-o'a'ooa-c-o-b Möbel Teilzahlung liefert auf bequeme bei kleinster Anxahiung in bekannter Güte (mit gröBter Rücksicht bei Krankheit and Arbeitslosigkeit) E.Cohn, Gr. Franktotr. 58. Spezialhaus Einil Lefevre Berlin, Oranlgnstr.{53 [jöGlisls[sistungsfaiiigkeit durch Setbstfabrikation aller besseren Qualitäten.• Steppd. ä 2 50, 4, 6, bis 250 M. Schlafdecken ä 3, 4, 10 bis 50 ,, Echt. Kamelhaar ä 10 bis 3ö Speziaikalalcg Mllip graiis».Mg. Molzliäii�es* non 200.00 äS. cin>cf)l. Auhirllung an Stein, t'feiiziauer Allee i)0. VII, 6ö72.• H.Pfau, tesfesist sc.'." Dircksenslraße 20 jiBtirfiEii HnKnbos(Ue�anöftolnS und Pollzeipräftdium.— Amt VTI,?20Z. Eilr Damen rrauen-Sedieliung�..* iM- __ Sirfn�ant hir«Uc Straufcntaii süMAM 6. Birk n. Co., lü. 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Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei n. Vertagsanftd: Paul Singer u. Co., u'riUnSW. fr. 251. 28. IahiMz. 3. KeilM il».Amiills" Knlixtl KldsdlM Nollmstllg. 26. Vktober lM Partei-?Zngelegendeiten. Lritz-Nuckow. ilm Sonnabend, den 28. Oktober, abends 8 llhr, findet in Raddatz' Festsälen, Britz, Cbausseestr. 3S. das zwanzigste Stiftungsfest des hiesigen Wahlvereins statt. Der Britzer Arbeiter-Geiangverein sowie die.Berliner Rangen" werden durch ihre Mitwirkung dazu beitragen, den Festteilnehmern einige genusj- reiche Stunden zn verschaffen. Programmkarten sind nur im Bor- Verlauf bei den Mitgliedern zum Preise von 30 Pf. zu haben. Alle Freunde und Anhänger unserer Organisation sind bei diesem Fest willkommen. Der Ausschub. Zossen. Unsere statutengemäße Wahlvereinsversammlung am Donnerstag fällt aus. Der Vorstand. Friedrichshagen. Der für vergangenen Donnerstag angesetzte Vortragsabend mußte besonderer Umstände wegen ausfallen. Der VortragSIurius beginnt aus diesem Grunde heute abend im »Lindengarten", Friedrichstraße 74. Genosse Fritz Tornow spricht über.Die sozialdemokratiiiben Forderungen an den Gegenwarts- staat". Der Kursus umfaßt vier Abende. Das Eintrittsgeld beträgt für alle vier Vorträge 20 Pf. Der BildungsauSschuß. Herzfelde. Am 29. Oktober: Volksversammlung im Henzeschen Lokal(Inhaber JabS), Hauplstr. 57. Parteisekretär Genosse Rudolf B ü h l e r spricht über.Teuerung, Kriegsgefahr und die nächsten Rcichstagswahlen". Genossen l Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlung. Nicdcr-Schüiihaiiscii-Nordciid. Freitag, den 27. Oktober, abends 8 Vj Uhr, im Restaurant Karl Liedeinit(lleiner Saal): 2. Vortragsabend des BilduugsausschusscS. Thema: Tie Theorien und Pro- gramme der bürgerlichen Parteien in Deutschland. Vortragender: Reichstagsabgeordiietcr Emil Eichhorn. Einlriuslarten sind noch am Eingang des Saales zu haben. Berliner JVaebnebten. Bom Guckkasten zum Film. Unsere Zeit lebt schnell. Doch nickt so schnell, um zu vergessen, was gar nicht so furchtbar weit bintcr uns liegt und der älteren Generation noch wohl im Gedächtnis steht. Der Film, der heute alle Welt beherrscht und noch lange nicht am lrndc seiner Entwicklung angelangt ist. hat vor einem knappen halben Jahrhundert einen Vorläufer denkbar einfachster Art gehabt. Gemeint� ist nicht die drehbare, mit Längseinschnitten ver- sehene Pappschachtel, an deren Innenseite ein Figurenbogen klebt, so daß bei Umdrehungen der Schachtel die Figuren sich gu bewegen scheinen. Das war Anno dazumal ein beliebtes Kinderspielzeug, niit dem man jetzt unserer vorgeschrittenen, anspruchsoolleren Kinderwelt nicht mehr kommen darf. Was heute für Klein und Groß der Kientopp ist, war vielmehr damals der Guckkasten. Er war sogar„hoffähig", wurde neben Puppcnleicrkastcn, Tanzbären, dressierten Assen, Bleckmusik, gemalten Moritaten und Tudeisäckcn auf den Söfcn der alten Berliner Grundstücke unter dem Jubel der Kinder vorgeführt. Gehörte doch nur ein Anlagekapital von wenigen alt- preußischen Groschen dazu, um einen mit Oberlicht versehenen Kasten zurechtzuzimmern, durch dessen ochsenaugengrosze Guck- senslerchen man eine Reihe beweglicher Bilder sehen konnte. Die Beweglichkeit wurde durch einen am Kasten angebrachten Drehmechanismus hergestellt, die Bilder, landschaftlicher und grob szenischer Natur, waren miserabel, aber das tat der Kinderfreude nicht den geringsten Abbruch, und selbst Er- wachscne opferten gelegentlich eiileu„Sechser", um ihre Neu- gier zu befriedigen und dem„Guckkasteninann" auf die Beine zu helfen. Einige Zeit später machten sich diese Schausitte, die etwa nicht spezifisch berlinischen Ursprungs, sondern aus fremden Ländern, besonders aus Italien und Oesterreich, im- portiert war, wo man in solcher Art gern durch Heiligen- bildcr Reklame für die katholische Kirche machte, verschiedene Berliner Budiker zunutze. In einem Keller der Königstraße alten Gepräges hat noch bis in die sechziger s>ahre hinein unter dem volkstümlichen Namen„der Guckkasten" eine außer- ordentlich flott gehende Gastlvirtschaft bestanden. Hier waren ringsum an den Holzwänden eine große Anzahl von Guck- löchern mit Vergrößerungsgläsern angebracht, durch die man roh gemaUc Bilder aus allen möglichen Gebieten bewundern 7� an wurden von Zeit zu Zeit ausgewechselt, und nach ledem Wechiel hatte das Lokal erneut großen Zulauf. Natür- ltch hatten die obligaten Darstellungen von Folterkammern und ähnlichen«chauertaten nicht dem geringsten erzieherischen Wert peitichten. i,m die Nerven auf. Vor den Gucklöchern Befanden sich fortlaufende Bänke. Ter Eintritt war für ver- zehrende Gäste frei, so daß der spekulative Kellcrbudiker ein Bombengeschäft machte. Später haben andere Bierschänker das nachgemacht, aber keiner hatte solchen Erfolg wie der „Guckkasten" in der Königstraße, der von der Bildfläche Alt- berliner Lebens verschwand, als durch die großen kriegerischen Ereignisse eine ganz neue Zeit für die werdende Weltstadt Berlin anbrach. Tie Idee selbst lebte aber fort und findet noch heute in verfeinerter und wirklich lehrreicher Form ihre Darstellung beispielsweise in dem Kaiser-Panorama in der Berliner Passage. Auch hier bewährt das Guckkastenloch seine alte Anziehungskraft, die trotz aller Kientöppe wohl noch »nanches Jahr erhalten bleiben wird. Tenerungskonferenz im Rathanse. gestern fand im Rathaus abermals eine Konferenz von Vertretern Groß-Berlins zur Beratung von Maßnahmen gegen die Teuerung statt. Es wird darüber berichtet: „Ten Vorsitz führte Oberbürgermeister Kirfchner. Berlin war außerdem noch durch die Stadträte Fischbeck. Venzky und Jacoby vertreten. Für Charlottenburg war erschienen Stadtrat Gottstein, für Schöneberg Oberbürgermeister Tominicus, Stadtsyndikus Bergmann und Stadtrat Kaufmann, für Wik- mersdorf Bürgermeister Peters und Stadtrat Steinborn, für Rixdorf Bürgermeister Dr. Weinrcich, für Groß-Lichterfelde Bürgermeister Schulz, für Lichtenberg Bürgermeister Dr. kluger und für Friedenau Bürgermeister Walger und Schöffe Lichthein. Diese Gemeinden hatten sich bereits an der ersten Beratung beteiligt. Gestern nahmen noch die Gemein» den Treptow, vertreten durch den Schöffen Niese. Relnicken- darf, vertreten durch den Beigeordneten Reichhelm, und Friedrichsfclde, vertreten durch den Bürgermeister klngewltter an der Konferenz teil. Es wurde zunächst der Wortlaut der an den Reichskanzler zu richtenden Petition betr. Maßnahmen zur Behebung der Lebensmittelteuerung festgesetzt. Ferner wurde Bericht er- holtet über den Erfolg des Verkaufs frischer Seefische seitens der Stadt Berlin und über die Tatsache, daß sich bereits ein- zelne Vorortgemeinden der Aktion Berlins angeschlossen haben. Weitere Maßregeln zur Behebung der Lebensmittel- teuerung wurden nicht beschlossen." AußerdemSeefischverkaufsollalso durch dieGemeinde nichts geschehen, um Milderungen der Teuerung herbeizuführen. Das ist nicht zu billigen. So richtig es ist, daß in erster Linie das Reich wirksame Abhilfemaßregeln treffen muß und nicht den Gemeinden diese Aufgaben zuschieben darf, so nötig ist, daß auch die Gemeinden diesen Zuständen nicht untätig zusehen können. Und sie können manches tun. Erst kürzlich ist in der Markthallendeputation erklärt worden, die Verwaltung wäre mit Leichtigkeit in der Lage, innerhalb kurzer Zeit Hunderte von Zentnern Kartoffeln nach Berlin zu schaffen, die zum Preise von 3 Mk. pro Zentner abgegeben werden könnten: in gleicher Weise könnten große Mengen Gemüse, insbesondere Kohl aus Rußland, herbeigeschafft werden, das ebenfalls zu billigen Preisen verkauft werden könne. Warum zögert also die städtische Verwaltung, etwas zu tun, was sie ohne Mühe und Kosten leicht erfüllen kann? Die Folgen der Teuerung, die der lange Mann aus der Wil- Helmstraße in gottgewollter Abhängigkeit von der Schutzzöllner- clique obendrein zu begünstigen wagt, machen sich bereits weit über das eigentliche Wirtschaftsleben hinaus bemerkbar. Die gezwungene andauernde Unterernährung bringt Krankheiten aller Art zum Ausbruch und füllt die Krankenhäuser, belastet auch die Kranlenlajfcn, bei denen seit Wochen der Ansturm immer mehr zunimmt. Zahlreiche Armenkommissionen werden, obwohl der Winter, der ja stets erhöhte Not bringt, noch nicht hereingebrochen ist, auffällig stärker in Anspruch genommen. Ebenso ist bei vielen private-- Unterstützung�-rbänden eine Vermehrung d-r Unter- stützungsgcsuche beobachtet worden, besonders da, wo die Unter- stützung hauptsächlich in Naturalien besteht. Die Pfandleihen werden stärker besucht als sonst um diese Zeit. Man versetzt Entbehrliches, um Schulden oder gar die öffentliche Fürsorge zu vermeiden. Andererseits verfallen jetzt viele Pfänder, weil die Einnahmen kaum zum Lebensunterhalt reichen wollen. In Lo- kalitäten mit gewohntem Besuch aus den unteren Ständen ist ein immer empfindlicher werdender Rückgang zu spüren. Selbst die kleinen Volkstheater, die sich in der Zeit der langen Abende sonst zu füllen pflegen, klagen über mangelnden Zuspruch. Viele Ver- einsbälle, die regelmäßig im Herbst stattfinden, sind abbestellt oder verschoben worden, weil man nicht auf stärkere Beteiligung rechnen kann. Charakteristisch ist die Beobachtung, wie das Volk mit den Pfennigen geizt. Um kleinste Beträge wird zu handeln gesucht. Der Pfennig hat mit einem Male Markwert. Ungezügeltes Genußlcben herrscht nach wie vor nur in den Kreisen, die auf Kosten der Volkönot sich bereichern. Die Stamm lokale der Mcttcrniche, die Stätten bacchantischen Vergnügens sind mit wohllebendcn Nichtstuern gefüllt, und das Geld, daS hier sowie anderwärts leicht verdient wird, fällt denen in den Schoß. die mit dem Begriff Volk nichts zu tun haben. Eine Verhöhnung der Arbeiter, die unter der herrschenden Teuruny am meisten zu leiden haben, leiitct sich die„Tentsche Tageszeitung" in ihrer Abendausgabe vom Mittwoch durch folgende Notiz: „In der Reichöbauptstadt ist eS vor Hunger kaum nach aus zuhalten. Wenn man dem..Vorwärts" glauben will, so wüßte das arme, ausgepowerte Volk weder ein noch aus, und die Hunger- revolte stände vor der Tür. Ganz so schlimm ist es nun nicht. Gewiß werden von der Vcrteurung aller Lebensmittel viele Fa- Milien betroffen, nicht nur im sogenannten vierten Stande, allein gerade in der Arbciterbcvölkerung, soweit sie guten Verdienst hat, läßt man sich auch jetzt nichts abgehen. Man schimpft, lebt aber nicht etwa schlecht. Beweise dafür geben die vielen Vereinsver- gnügungen und Fest'vitäten, deren Ankündigungen zu Ende der Woche nicht selten einige Seiten im Anzeigenteil deS„Vorwärts" einnehmen;— Beweis dafür ist aber gerade jetzt zur„Saison" das in den Arbeitervierteln allgemein mit großem Interesse ge pflegte Ausspielen von Gänsen auf dem Billard oder der Kegel bahn, auch wohl mit dem Knobelbecher. Plakate mit der Auf- schrist:„Heute großes Gänfcausfpiclen!" findet man jetzt allent halben an den Fenstern der Lokale, insbesondere in den Vorstadt hegenden. Die Einsätze betragen nur wenige Nickel, so daß für jede„Ziehung" eine größere Zahl von Losen ausgegeben wird. DaS„große Los" zu gewinnen, ist nicht leicht, da zu dem Aus- spielen immerhin eine gewisse Gesch'cklichkeit gehört. In manchen Lokalen werden oft zehn und mehr Gänse ausgespielt. Die Fa- milienvätcr, die einen Martinsvogel erkämpft haben, müssen denen, die beim Spiel leer ausgegangen sind, einen„Landwehr- topp", ein mit bayerischem Bier gefülltes großes Wcißbierglas zum besten geben. Ander« Gewinner, etwa Junggesellen, die nicht wissen, was sie mit dem Tiere anfangen sollen, finden in- den meisten Fällen Abnehmer in solchen Gästen, denen das Glück nicht hold war, die abcp zu Hause mit einer Gans antreten müssen, weil andernfalls die„hungernde" Hausfrau gehörig aufbegehren würde. Denn manche Arbeiterfrau hält es für ungehörig, wenn man ihr zumuten würde, etwa Schellfisch oder Bauchsleisch in den Topf zu tun. Koteletts. LendenstUck oder eine gute Gans sind bequemer zu behandeln, schmecken besser und gehören sich nun einmal so' Wer jemals dem Einkauf von Arbeiterfrauen in der Markt- halle oder im Fleischerladen zugesehen hat. der wird das bestäti- gen. Solange Geld da ist. wird gut gelebt; zu Zeiten der Arbeits losigkeit schimpft man über die begehrlichen- Agrarier und sonst noch wen. pumpt den Kleinhändler in der Nachbarschaft an, daß ihm die Haare zu Berge stehen,�— aber hungert nicht etwa. Je- doch man nennt es Hungersnot! Der Schmiersink, der die ob:gen Zeilen geschrieben hat. hat nicht die geringste Kenntnis von der Lage der arbeitenden Be- völkerung. Was die Bemerkungen über das GänseauSspielen be- trifft, so ist heute von einem solchen Ausspielen fast nirgends etwas zu bemerken. Zahlreiche Gastwirte haben uns übrigens erklärt. daß sie dabei kaum aus ihre Kosten kämen und unterlassen es daher ganz. Es kommt deshalb auch kaum noch vor. daß Arbeiter ihrer Frau eine durch Spiel erworbene Gans nach Haufe bringen. Scheidet man die Schilderung des Gänseausspiclcns aus der Notiz aus. so bieibt nur noch eine brutale Verhöhnung der Notlage der arbeiten- den Klasse und ins-besondcre der Arbeiterfrauen übrig, die vor Angst nicht wissen, wie sie die hohen Kosten für Gemüse. Kartoffeln und andere Nahrungsmittel aufbringen sollen, um die hungernden Mäuler sattmachen zu können. ES gibt im Augenblick kaum eine schwerere Aufgabe für die Arbeiterfrauen, als die. mit den geringen ihnen zur Bestreitung deS Haushalts zur Verfügung stehenden Mitteln bei der jetzt herrschenden Tcurung einzukaufen. Daß sich das anders abspielt, als der Tintenkuli der„Deutschen Tages- zeitung" seinen Lesern vorschwindelt, wissen unsere Arbeiterfrauen sehr genau._ verkauf einer Markthalle. Die Markthalle 4 in der Dorotheen- straße soll, wie bekannt, am 1. Apül 1013 geschlossen werden. Die Markhallendeputalion hat wegen Verkaufs dieser Markthalle seit längerer Zeit Unterhandlungen gepflogen. In der gestrigen Sitzung der Deputation wurde berichtet, daß die Verhandlungen zu emem Abschluß gelangt seien und eS wurde beschlossen, den Gemeinde- behörden den Verkauf der Markthalle unter den vereinbarten Be» dingungen zu empfehlen. Der Werdersche Obstmarkt der sich Haupt- sächlich vor der Marithalle am ReichStagsufer abspielt, wird für die nächsten Jahre durch den Uebergang deS MarkthallengebäudeS in andere Hände nicht berührt. Der städtische Fischverkauf findet jetzt, tvie in AuSsichr ge» nommen, nicht mehr Dienstags und DonnerStagS, sondern Miü- wochs und Donnerstags statt. Zu den bisherigen sieben Markt- hallen sind noch zwei weitere, nämlich die am Magdeburger Platz und in der Dorotheenstraße 29, letztere in unmittelbarer Nähe deS Lindenviertcls, hinzugenommen worden, obwohl doch in der Umgebung dieser beiden Hallen nur sehr wenig kleine Leute wohnen. Da werden also von der Einrichtung solche Kreise pro- fitieren, denen die Teuerung durchaus nicht so fühlbar wird. Wir wiederholen den Hinweis auf die Notwendigkeit, auch in der Ackerstraßen-Markthall« den städtischen Fischvcrkauf einzurichten. Wie es heißt ist hier kein geeigneter größerer Stand verfügbar. Dann soll man auf dem benachbarten Pappclplatz Verkaufsstände aufschlagen, was den öffentlichen Verkehr nicht im mindesten stört. Spanische Schavschwindler machen wieder von sich reden. Natürlich spekulieren sie aus diejenigen, die nicht alle werden. Es werden Schreiben folgenden Inhalts versandt: Madrid, den 19. 10. 1911. Sehr geebrter Herr! Wegen Bankroll als Gefangener in hier bitte ich Sie mir zur Zurückziehung von Franken 800 909 zu verhelfen, welche Summe ich in Banknoten in meinem auf einem französischen Bahnbosc lagernden Koffer besitze! Um dies zu ermöglichen ist es unbedingt nötig daß Sie hier- her kommen um durch Bezablung der Prozeßkosten mein hier mit Beschlag belegtes Handgepäck auszulösen uin auf diese Weise in den Besitz meiner Rciselaichen zu gelangen worin sich in einem Geheimfache der Gepäckschein der zur Zurückziehung deS obigen Koffers absolut erforderlich ist, befindet. Als Belohnung gebe ich Ihnen den dritten Teil obiger Summe. In der Befürchtung daß Sic meinem Brief nicht erhalten könnten, will ich erst Ihre gülige Rückaiitwort abwarten worauf ich meinem vollständigen Namen unterzeichnen und Ihnen mein ganzes Geheimnis anvertrauen lrerde. Da ich Jbre Antwort nicht direkte im GefänunlS empfangen kan bitte ich Sie nachfolgendes Telegramm an meinem Ver» trauciisperson welche Sie nachher kennen werden zu seuden die mir solches mit aller Znverlässigleit überbringen wird. Ich anempfehle Ihnen strengste Verichiviegenheit und bitte Sie wiedcrbolt mir nur durch Telegramm aber aus keinen Fall brieflich zu antworten. Adresse und Text des TelegrameS welches Sie mir sende» werden: Antonio SalaS-- P a y 13— Madrid Acepto: Psuetzer. Ihrer sofortigen Rückantwort gerne entgegensehend veibleibe biS auf Weiteres ergebenst N. de S. ES muß einer schon über eine gehörige Portion Dummheit ver» fügen, um auf diese» Schwindel hineinzlisollen. Aber mehr wie einer ist schon nach Madrid gefahren, um„das Drittel" sich zu verschassen. Natürlich merkten die Leute zu spät, daß sie dort von der»Ver» lranenSpcrson" ganz gehörig gerupft worden waren. Großes Heil ist dem Weinbause Kempinski in der Leipziger Straße wider'ähren. Die Inhaber der Firma sind nämlich Knuden der kacserlicden Tonsabrik in Cadmen geworden. Sie haben einen ihrer neuervauten Säle mit Cadiner Majoliken ausstatten lassen. Gestern erschien der Kaiser mit großem Gefolge in dem bekannten Weinbause. um sich von der Wirkung der in seinem Betriebe her- gestellten Kacheln zn überzeugen. Nach einem osfiziösen Bericht soll er sich über die künstlerische Wirkung der Cadiner Fabrikate sehr befriedigt geäußert baben. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß der Leiter der Firma Kempinsli. Herr Stadtverordneter Unger, kürzlich zum Kommerzrenrat ernannt worden ist. Eine originelle Szene spielte sich gestern am Eingang des Reichs» tagsgebäudes bei Ausgabe der Billetts ab. Schon früh um 19 Uhr hatten sich bereit? zirla lö9 Personen vor der Tür aufgestellt, um die Ausgabe der Karten abzuwarten.' Zum größten Teil bestanden die Personen ans Arbeitern, znin Teil waren es Arbeitsloie oder solche, die wegen Aussperrung und Streik augenblicklich ohne Arbeit waren. Um l/zt2 Uhr, nachdem die Leute schon etwa drei Stunden dort ge- wartet' hatten, kam ein junges Herrchen, elegant gekleidet und wollte sich zu den ganz Vorderen stellen. Als dagegen Protest erhoben wurde, ging er fort, kam nach fünf Minuten wieder, und nachdem er die Umslebenden gemustert hatte, fragte er:»Wer von Ihnen ist bereit, mir den Platz zu verkaufen, damit ich auch noch ein Billett bekomme?" Einer, der eS vielleicht sehr notwendig hatte, trat au» den vorderen Reihen heraus und sagte:„Geben Sie mir 8 M. und Sie können memen Play einnehmen." Der Arbeiter empfing die 8 M. und entfernte sich. Als der Käufer den eben erstandenen Platz ein- nehmen wollte, trat der dort postierte Schutzmann auf ihn zu und tagte:»Lieber Freund, so etwas gibt's nicht, hier werden weder Plätze noch Billetts verkauft. Sie haben sich hier zu entfernen, und wenn Sie ein Billett zum Reichstag haben wollen, dann müssen Sie selbst zeitiger aufstehen." Alles Protestieren half nichts; er war seine 3 M. los und kam doch nicht in den Reichstag. Der seltsame Selbstmord, über den wir aus der Kastanien- Allee berichteten, ist jetzt aufgeklärt. Das Mädchen, daz sich dort am Sonntagmorgen mit der Schnur ibreS Pompadours auf dem Flur des Hauses Nr. 94 erhängte, ist jetzt festgestellt als die 19 Jahre alte Buchhalterin Frida H. aus der Swinemünder Straße. Das Mädchen war stellungslos. Am Sonnabend sagte eS dem Vater, daß es sich in einem Geschäft beworben habe und dort persönlich erscheinen müsse. Von diesem Ausgang kam sie nicht zurück. Daß sie sich gerade in dem bezeichneten Hause erhä«gte. ist wohl darauf zurückzuführn. daß sie dort zu einem jungen Manns in Beziehungen stand, mit dem sie sich aber überworfen hatte, Ein dreister Erpresser wurde vorgestern von einer entschlossenen Frau unschädlich gemacht. Ein 3b Jahre alter stellungs- und ivohnungSloser Kaufmann Karl Grundke, der wem-', Diebstahls schon bestrast ist. sah vorgestern in der Leipziger Straße ehie Frau in einer Lage, die er für verfänglich hielt und kam auf den Ge» danken, die Gelegenheit zu einer Erpressung auszunützen. Die izrau, die einen Trauring trug, traf einen Mann ohne Trauring begrüßte ihn sehr freundlich und ging mit ihm in eine Konditorei! Grundke schloß daraus, daß er es mit einem Liebespärchen zu tun habe, folgte der Frau, als sie die Konditorei verließ und sich von ihrem Begleiter verabschiedete, unauffällig nach verschiedenen Warenhäusern und Läden,»n denen sie Einkäufe machte, bis nach 'hm Wohnung in der Emser Straße zu Rixdorf. Nachdem er I'ch dann im Hause nach rhren Verhältnissen erkundigt batte. klingelte er dreist an. Die czrau war allein zu Hause und öffnete ihm. Sofort verlangte er von ihr 229 M.. wenn sie nicht wolle, daß er ihrem Manne über ihr Stelldichein in der Leivziger Straß: berichten solle. Die Frau aber, die sich lediglich zufällig mit einem nahen Verwandten getroffen und mit ihm eine Tasse Kaffee ge« trunken hatte, rief die Nachbarn herbei und ließ den Kerl seih» nehmea, du elgeiiartlger„Sammler" wurde gestern in der Ackerstraste festgenommen. Er war„Spezialist" für Teppiche und Treppen- läufer. Diese ivurden seit einiger Zeit aus den herrschaftlichen Häusern in Berlin W. und in Landhäusern der westlichen Bororte in großer Menge gestohlen. Kein Wirt war vor den Dieben mehr sicher, niemano wußte, wo die Sachen blieben. Nach langen Bc- obachtungen gelang es der Kriminalpolizei endlich, einen der Diebe zu erwischen. Es ist ein Arbeiter Richard Meyer, der mit anderen zusammen lediglich von Tiebltählen dieser Art sein Dasein fristete. Der Abnehmer dieser Leute war deren„Schlummervater", ein schon mehrfach bestrafter Händler Albert Grabow aus der Ackerstr. 89, der den anmutigen Spitznamen„Beilchenmarie" führt. Grabow stellte der Dicbesgesellschaft seinen Keller gastlich zur Verfügung, und besonders weit öffnete er die Pforte, wenn sie mit schönen Teppichen und Läufern kamen. Nach der Festnahme Meyers kam ihm die Kriminalpolizei auf die Spur. Gestern überraschten ihn Beamte in seiner Behausung und nahmen ihn fest. In einem Räume, der von der Wohnung ganz getrennt ist, entdeckte und beschlagnahmte sie nicht weniger als SV Treppenläufer und Plüschteppiche, deren Eigentümer zum Teil noch nicht bekannt sind. Grabolv behauptet, daß er alle von einem unbekannten Manne gekauft habe, lediglich aus Samnilcrinteresse. Das sieht ihm ähn- lich. Der Ertappte wurde nach Moabit gebracht. Frncr in einer chemische» Fabrik. Gestern abend kurz nach 6 Uhr kam in der Liudenstr. 78 in der chemiichcn Fabrik und Drogen- großhandlung von Otto H o f f m a n n ein gefährlicher Brand zun, Ausbruch. Die Fabrikrämne der Firma Hoffuiann liegen im Obergeschoß des zweiten OnergebäudeS. Das Feuer fand an leicht brennbaren Stoffen reickiliche Nahrung und dehnte sich in kurzer Zeit auch auf den Dachstuhl aus. Die Feuerwehr fand daher bei ihrer Ankunft schon einen weit vorgeschritten Brandherd vor. Ter leitende Brandmeister ließ sofort mit zwei Schlauchleitungen Wasser geben und es gelaug auch, die Flammen nach kurzer Lösch- tätigkeit zu ersticken. Der Schaden ist ganz beträchtlich. Dienstagabend gegen 9 Ilhr brach in der Nähe des Rastatter Platzes, au der Grenze von Wilmersdorf, Steglitz und Schmargen- dorf, ein großer Scheunenbrand ans. Das Feuer cnt- wickelte einen hellen Schein und sah anfangs sehr gefährlich aus, weshalb auch aus der ganzen Umgegend die Feucrivehren herbei- eilten. Tic Wilmersdorfer Berusswchr traf zuerst auf der Brand- stelle ein und crstickic die Flammen unter Benutzung einer Schlauchleitung. Die Scheune, die auf freiem Felde stand, brannte aber fast vollständig nieder. Tie Ursache des Feuers ist nicht er- mittelt. Wcr ist der Tote? Aus dem Spandauer Schiffahrtskanal ge- landet wurde gestern an der Föhrer Brücke die Leiche eines un- bekannten Mannes, der dem Acußercn nach dem Arbeiierstande an- gehört hat. Sic hat, nach dem Bcrwesungszustande zu urteilen, schon längere Zeit im Wasser gelegen.. Vorort- Nadmcbtcn. Nixdorf. Ftsluahme cinrs falschen Kriminalbeamten. Bei Verübnng einer dreisten Erv. essung wurde vor gestern abend der 35 Jahre alle woh- nmigSlose Kaufmann Karl Grnndke verhaftet. G. batie durch einen auf der Straße gcfniideneu Brief Kenntnis von einem Liebes» Verhältnis erhallen, das ein Berliner Kaufmann mit einer Frau aus der Emier Straße unterhielt. Grnndke erkundigte sich nun»mer der Maske eines Berliner Krimiiialbeainten uacv den Verbäliiiisfen der Frau und drohte ihr w'.ederh. lt mit Ail.cigc. AIS er vorgestern die Frau mit ihrem Freunde in einem Caiö in der Leipziger Straße wiedersah, eilte er ihr»ach Nixdorf voraus. lvo er sie vor ihrer Wohnungsiiir erivarlele, und verlangte L9 Mark Schweigegeld, widrigenfalls er Anzeige erstatten iniisje. Ter Elptester trat so dieist auf. daß er der Frau bis zu eiuem Schutzmann folgte und auch hier noch d>.,i Berliner Beamten zn spirleu versuchte. Ter SchNtzmann ließ sich jedoch nicht länkchen, sondern nahm Grundke fest, der gestern dem Rixdorfer Amtsgericht vorgeführt wurde. Schöneberg. Ter öffeutlichc Fischvcrkanf a» die Schöneberger Bevölkerung wird am hcuiigeu Donnerstag, de» 23. Oktober, vormittags 8'/, Ubr, in der von der Sradtgemeinse Feürigstr. 4 gemieteten und von>hr sachgemäß cingenchtelen Verkaufsstelle bcgimien. klöpenick. In der lctztcn Stadtverordnctenstyling berichtete die in Per- folg des Magistralsaiitrages aus Verpachtung des Marktplatzes eingesetzte gemischt Kommission. Diejelve schlägt vor, von der Verpachtung Abstand zu nehmen, da die Gewerbetreibenden durch die Verpachtung nur Nachteile haben würden. Gleichzeitig empfiehlt die Kommission, vom 1. April ab eine ständige Markt- lommission einzusetzen, die das Vermieten der einzelnen Stände sctvie das Einziehen des Marltstcmdgeldes zu überwachen und zu verwalten hätte. Ter Magistrat schloß sich unter Verzicht auf seine Vorlage dem Antrage der Kommisston an. Tie Versamm- lung beschloß demgemäß. Dem Antrage des Magistrats auf Be- williguug voll 9528,01 M. zum Ausbau der Charlottcnjtraße von der Marien- bis zur Elisabethstraße und von 8349,53 M. zum Ausbau der Elisabethstraße von der Charlotten- bis zur Dorothcen- straße wurde ahne Debatte zugestimmt. Nunmehr erstattete die T e u e r u ii g s k o m m i s s i o n ihren Bericht. Aus demselben geht hervor, daß für die Kommission nur drei Möglichkeiten bestehen, um der Teuerung praktisch entgegenzuwirken, und zwar der Ver- (auf von Seefischen, der Bezug billiger Lebensmittel, wie Kar- tosfeln und Gemüse, und drittens Gewährung von Teuerungs- zulasen an kleine Beamte, städtische Arbeiter u. a. Zunächst soll am heutigen Donnerstag, den 26. Oktober, mit dem Verkauf von Seesischen begonnen werden. Die Lieferung und den Verkauf hat die Hochscefischerei-Gcsclls Haft„Nordsee" übernommen, so daß der Stadt bierbei keinerlei Unkosten entstehen. Die Gesell- scbaft verpflichtet sich, zu den Einkaufspreisen, welche in Geeste- münde, gezahlt werden, nur noch die Fracht- und Emballagekosten hinzuzujchlagc». so daß der Verkaufspreis sich wahrscheinlich noch hilliger als in Berlin gestalten werde. Ucber den Bezug von Kar- tosfeln und den Verkauf derselben ist die Kommission noch nicht einig; cö werden zurzeit erst Preisoffertcn eingeholt; doch scheint die Mehrheit der Kommission der Ansicht zu sein, daß mit dem Verkauf von Kartoffeln erst später, wenn die Teuerung sich noch fühlbarer mächen sollte, zu beginnen sei. Die Teueruugszulagen scheiden vorläufig noch aus. da hierüber erst noch Erhebungen notwendig seien. Die Versammlung nahm von dem Bericht Kenntnis und bewilligte der Kommission S800 M. als Betriebs- kapital. Ein weiterer Antrag des Magistrats auf Errichtung eines Versichcrungsamtes und Bewilligung der entstehenden Kosten in Höhe von 500 M. wurde einstimmig angenommen. Charlottenbnrg. Ein Vortrags- und Kunstabcnd findet am Sonnabend, den 2 8. Oktober, abends 8M. Uhr. im„B o l k S h a u s e". Rosinenstraße, statt. Mitwirkende: Robert Breuer. Vortrag mit Lichtbildern:„Das Volk in der bildenden Kunst." T i l l y Else P i e s ch e l, Lieder zur Laute. Wallt Kussel. Rezitation. Später zwangloses Zusammensein. Tanz. Eintritts- karten zu 39 Pf. bei Scharnbcrg, Sesenheimer Str. 1, im„Volts- Hause" und an anderen bekannten Stellen. �_ Ter VildungSausschuß. KarlShorst. Der Doppclselbstmord de? Reeberschen Ehepaares hat noch keine Aufklärung gefunden. Aus den vorgefnndcnen Briefschaften war nicht ersichilich, waS die jungen Leute in den Tod getrieben hat. Der Main', ist seit mehreren Jahren in Stellung bei der A. E.-G. in Berlin und lebte in geordneten Verhällniffen. Er Harle auch Er- sparnisse, so daß materielle Sorgen ihm nicht drohten. Seine Eltern lebten in Speyer, die Eltern der jungen Frau in Spandau. Die Angehörigen wissen sich den so kurz nach der Eheschließung gefaßten Plan des Paares, gemeinsain aus dem Leben zu scheide», nicht zu erklären. Daß die Reeberschen Eheleute, wie gerüchtweise verlautet, einem Verbreche» zum Opfer gefallen find, ist nach dem Ergebnis der amtlichen Unlerilichimg völlig ausgeschlossen. Möglich wäre, daß Reeder aus eifersüchtigen Motiven seiner Frau gegen ihren Willen das Gift eingeflößt und sich daim selbst das Leben genommen hat. Tie Obduklion der Leichen findet erst heute statt. Weifteusee. Zwei wichtige Vorlagen hat die letzte Gemeindevertreter sitzuug erledigt. Maßnahmen gegen die Lebens- mitteltteuerung und Einschränkung der Sonn- tagsarbeit. Ter von unseren Genossen eingereichte Antrag, Maßnahmen gegen die Lebensinittelteuerung zu treffen, wurde in der Finanz- und Wohlfahrtskommission vorbcraten. Den von der Kommission gefaßten Beschlüssen stimmte das Plenum zu. Da nach wird den verheirateten Gemeindcarbeitern und Beamten bis zu einem Jahreseinkommen von 2199 M. bis zum 1. April 1912 pro Woche 2 M. als Teuerungszulage gewährt. Des weiteren wird ein Verkauf von Kartoffeln zum Preise von 3,35 M. pro Zentner eingerichtet, und ztvar an diejenigen Einwohner, welche bis 2199 M. Einkommen versteuern. Der Verkauf erfolgt jeden Sonnabend von 5 bis 3 Uhr nachmittags, Sonntags von 8 bis 19 Uhr vormittags und Montags von 5 bis 3 Uhr nachmittags am Jndustriebahnhof in Nationen von 59 bis 199 Pfund. Derselbe soll solange anhalten, bis die ansässigen Händler die Kartoffeln zum Preise von 35 Pf. je 19 Pfund verkaufen. Ein Seefischverkaus ivird in einem Laden des neuen Verwaltungsgebäudes an der Pistoriusstraße eingerichtet. Die Preise der Fische werden jedes- mal öffentlich bekannt gemacht. Außer den zur Verteilung kommenden Kochrezepten soll noch in der Schulküche in der Falken- bcrger Straße ein Fischkochkursus eingerichtet werden, und zwar in vier Abteilungen, an welchem zirka 199 Frauen unentgeltlich teilnehmen können. Diese Beschlüsse verursachten eine aus- gedehnte Debatte, weil einige Herren diese Maßnahmen für zu weitgehend betrachteten. Herr Fechncr wollte die Unterstützung nur bei Jahreseinkommen bis 1599 M. ausgedehnt wissen; von da ab könne jeder die Teuerung vertragen. Kartoffeln dürfe die Gemeinde nicht verkaufen; die Hausloirte müssen den not- leidenden Geschäftsmann in Schutz nehmen. Herr Jung zeigte sich ganz besonders als protziger Hausbesitzer und bcnützte als rück- ständiger Jnnungsmeister die Gelegenheit, weidlich auf die bc- gehrlichen Arbeiter loSzuhauen. Um 75 Proz., so betonte der Herr, sind die Arbeitslöhne gestiegen, die Lebensmittelpreise dagegen höchstens um 25 Proz. Tie von der Gemeinde besck'äftigten Regie- arvciler bewegten fch bei der Arbeit wie die Schnecken; das spottet jeder Beschreibung. Die Regicarbeiter müßten von der Teuerungs- zutage ausgeschlossen werden. Im übrigen kaufe er jeden Tag 19 Pfund Kartoffeln zu 35 Pf.; man liefert ihm dieselben sogar frei ins Haus. Als Genosse Taubmann ihm erwiderte, daß es so billige gute Kartoffeln nicht gebe, warf Herr Jung dazwischen: „Bei mir können Sie soviel billige Kartoffeln essen, bis Sie platzen!" Als dem Herrn für diese Ungehörigkeit die passende Antioort zuteil wurde, erteilte der Bürgermeister unserem Gc- nassen eine Rüge. Nach diesem Zwischenfall bekam der pommcrschc Jnuuiigsbruder noch manche moralische Zurechtweisungen von dem Genossen Fuhrmann. Anerkannt muß werden, daß die übrigen bürgerlichen Redner eine Notlage als vorliegend betrachteten und für die Annahme der Beschlüsse sprachen. Eine ebenso ausgedehnte Debatte vcranlaßte die Sonntags- ruhe. Die verschiedenen kaufmännischen Organisationen wie auch ein großer Teil der Gewerbetreibenden wollten eine einheitliche Verkaufszeit von 8 bis 19 Uhr für das ganze Jahr festgesetzt wissen und ein solcher Antrag lag auch zur Beschlußfassung vor. Nachdem die Stadt Berlin die Verkaufszeit für den Winter und Sommer verschieden festgesetzt hat, wurde in unserem Orte von den Gewerbetreibenden eine Agitation veranstaltet, die Sonntags- ruhe nach dem Berliner System zu regeln. Der Vertreter der Gewerbetreibenden. Herr Leß, gab sich denn auch die erdenklichste Mühe, die Ansicht der Gewerbetreibenden durchzudrücken. Herr Teichcrt, ebenfalls Gewerbetreibender, sprach sich dafür aus, den GemcindcvorstaiidSantrag beizubehalten. Tie Hausbesitzer und Ladcnvcrmieter Köhler, Jung, Laugsch empfahlen das Berliner System. Mit 11 Stimmen wurde dann der Antrag auf einheitliche Sonntagsruhe für das ganze Jahr abgelehnt; der Antrag, die Sonntagsruhe so festzulegen wie in Berlin, gelangte hierauf cm. stimmig zur Annahme. Ausnähmen finden nur statt für den Handel mit Blumen, so daß der Beschluß doch noch weiter geht, da auch der Handel mit Kolonialwaren einbegriffen ist.� Wenn das Statut genehmigt ist, dann findet der Verkauf an Sonn- tagen in der Zeit vom 1. Mai bis 39. September von 3 bis 19 Uhr vormittags statt und vom 1. Oktober bis 39. April in der Zeit von 12 bis 2 Uhr mittags. Hc»-te, D-nnerStag, den 28. Oktober, finden im„Prälaten", Lehderftr. 122, die Delegiertenwahlen zur Orts. krankenkaffe statt. Die Wnhlzeit dauert für die Arbeit- nchmer von 5—3 Uhr abends und für Arbeitgeber von 9— 19 Uhr. Es ergeht an alle in Weißensee beschäftigten Arbeiter der Ruf, rechtzeitig zur Wahl zu erscheinen, um ihre Stimmen für die vom Gciverkschaftskartell aufgestellten Kandidaten abzugeben. Kalkberse-Nüdersdorf. DaS Hindernis für eine erfolgreiche Organisationsarbeit unter der hiesige» Arbeiterschaft besteht, wie dies auch in öffeiitlichen Ber- sanniiliingen bereits znni Ausdruck gekonnneirist, in den eigenartigen ArbeilSverbältnisien deS fiskalifchi'» BergwerksbeliiebeS, Zurzeit find etwa 1199 Arbeiter in den Kalliteinbrüchen der Orte Kalkberge- Rüdersdorf und Herzfelde beschäftigt. Trotz deS niedrigen Wochen- lolmes von 21 M, herrscht in diesen Belreben nie Mangel an ArbeilSkräften. Eifrig wird darüber gewacht, daß die Arbeiter sich von sozialdeinokratiicher Betätigung fernhalten. Zudem besteht auch hier eine Knappichastskasse. wonach die alten Arbeiter im Falle eintretender Invalidität eine monatliche Penston von 29— 85 M, erhalten, Uin dieser Vorteile nicht verlustig zn gebe», geben sich die meisten Arbeiter einen„patriotischen" Anstrich, Würden sie einer modernen Arbeiterorganisation beitreten, und es käme dieS zu Ohren der Be- Iriebsdirektion, so wären sie ihrer Kündigung gewärtig. So ertragen denn leider die zahlreichen Arbeiter bei der gegenwärtigen Tenening unter ihrem elenden Verdienst slillschivcigend ihr Schicksal, Nur gelegentlich fällt von diesem oder jenem Arbeiter im Kreise anfgeklärler Arbeiter ein Wort der Empörung Über die Fesseln, die ibncn angelegt sind. Tie einzige Möglichkeit, ihrer wahren Gesinnung Ausdruck zu geben, besteht für sie bei der bevorstehenden ReichSlagswahl. Bei dieser Gelegenheit wird sich wieder einmal zeigen, daß auch die königlichen Arbeiter erfüllt sind von Groll über die ihnen angetane wirtschaftliche und polilische Unterdrückung. Bernau. Beim Tanze» vom Tode ereilt wurde der 74jährige frühere Werkmeister Müller aus Lichtenberg, der sich feit einigen Tagen bei Verivandten in Bernau aufhielt. Mit d'esen besuchte Müller, der sich voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit erfreute nnd»och sehr lebeiiSlnstig war, daS Restaurant.Bellevne",-wo eine VereinSfcst- lichkeit staitsand. Als Müller mit einer Verwandten tanzte, ivurde er plötzlich ohnmächtig und saut zu Boden. Ein sofort hinzu- gcnifcner Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlages eingetrctelien Tod feststellen. Versammlungen. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegcn? hielt am 23. Oktober 1911 in Kellers Festsälen(Jnh. Moerner) ihre dies- jährige ordentliche Generalversammlung ab. Diese füllte dm großen Saal und die Galerien bis auf den letzten Platz. Den Be- richt, den wir bereits auszugsweise wiedergegeben haben, erstattete der Geschäftsführer Junger. Der Bericht wurde mit großer Befriedigung entgegengenommen. Mit Beifall begrüßt wurde eine Ankündigung des Geschäftsführers, daß er in Unterhandlung zwecks einer Kartoffellieferung von 12 999 Zentnern stehe, die den Mit- gliedern zum Selbstkostenpreis überlassen werden sollen.� Ter Ertrasrachtnachlaß von 15 Proz., der Behörden und gemeinnützigen Vereinen gewährt würde in dieser Zeit der Teuerung, käme der Konsumgenossenschaft zwar nicht zugute, doch hofft Redner, daß die Genossenschaft sich trotzdem als leistungsfähig erweisen werde. Nachdem Genosse Schulze dann den Bericht für den Aufsicktsrat, Genosse Buchholz den für die Revisionskommission erstattet hatte, entspann sick eine lebhafte, aber sachliche Diskussion und wurde sodann der Verwaltung einstimmig Entlastung erteilt. Der von der Verwaltung vorgeschlagene, vom Genossenschaftsrat cm» pfohlene Verteilungsplan wurde gegen einige Stimmen angenom- me». Sodann erfolgten die Ersatzivahlcn zum Aufsichtsrat. Voir den turnusgemäß ausscheidenden Mitgliedern wurden Stühmcr, Buchholz. Schmidt und Lodahl wieder-, John- Rummels- bürg neugewählt; als Ersatzpersoncn fungieren: Stürmer. Ewald, Stockmann. Augsburg und Kohl. Arbeiter-Wmiderbnnd»Tic Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 29, Oktobei 191>: I. Erkner— Rüdersdorf— FrederSdors. Abs, Schlcnscher Bahnhof 6,53 Uhr. vormittnas� II, Gr.Besten— Tornows Idyll— Zossen. Abs, Görliher Bahnhof 6.50 Uhr oormitlags. III. Birkenwerder — Briese-Dammsmühle— Buch. Abf. Slcttiner Boroitbahnhoj 6,45 Uhr vonnitlng». IV. Zehlcndors-Klcin-Machnoiv— Wannsce. Abs. Wamiste- Bahnhoj 1,30 Uhr nachmittags.— Gäste ivillkommeul In Hus aller CHclt. Sin preußifebes Schulidyll. der„Schlesischen Schnlzeitnng" war vor einiger Zeit daS folgende kaum glaubliche Vorkommnis zu lesen: „In, Dorfe H. war SchnlvorslaiidSsitz'.nig. Anwesend waren Bauern deS OrieS und der Herr Oberförster, der 8Sli>i!incil auf sich vereinigte. Auf der Tagesordnung ftonde» drei Anlräze des Lehrers, Sie betrafen 1. Anschaffung von Turngeräten, 2. Einfriedung der Düngergrube im Schulhose, und 3. das Reinigen der Schule sollte nickt mebr von Kindern; sondern von Erwachsenen ausgeführt werden. Alle drei Anträge wurden abgelehnt. Der Herr Oberförster begründete die Ab- lchnuiig folgendermaßen: Zu 1. Die Jungen in H, wären immer gute Soldaten geivorden, warum Turugeräle au- schaffen, die nur zur V c r k r ü m in n n g des Rückgrat S dienten. Zu 2. Wenn der Düngerhaufen nicht umfriedet ist, köuneii sich die Kinder daran im Winter die Füße erwärme»; zugleich treten sie dabei dem Lehrer den Düngerhaufen fest, und zuletzt kann der Lehrer bei einer offenen Düngergrube zeigen, ober ver steht,- den Hof in Ordiiniig zu hallen. Zu 3. Die Mädchen von 3c. lernen zu Hauie nicht ordentlich auskehre», sie kehre» dm Schmutz nur in die Ecken. Das richtige Auskehren kann ihnen nur der Lehrer beim Reinigen der Schule bei» bringen. Der Herr Oberförster unlerschrieb das Protokoll und forderte die Anwesenden alio zur Unterschrift auf: Meine Herren, Sie können ruhig unterschreiben; denn aus der Sache spricht G e i st. und ich habe auch unterschrieben." Solchen geistlgen Krüppeln ist das Wohl und Wehe der Volks» schule ausgeliefert. Freilich entsprechen die von dem Herrn Ober» sörster geäußerten Anschainingen vollständig der Aiiffaffimg der im preußi' scu Landtage maßgebenden Jniikerclique. So lange deren und ihrer schwarze» Verbündeten Macht nicht gebrochen ist, ist auch an eine freiere Entwickelung des Schulwesens nicht zu denken. Moderne Schmuggler. An der französisch-belgischen Grenze beichlaguahmten französische Zollbeamte am DieuStag ein Automobil, das 999 Kilo» gramm belgischen Tabak über die Grenze ge» schmuggelt hatte. DaS Automobil hatte in rascher Fahrt; ohne die Anfforderuiig der Zollbeamten, sich einer Revision zu unter» werfen, zu beachten, dieGrenze paislcrt. Infolge eines Unfalles, der de» Wagen zum Halten brachte, gelang eS, das Automobil zu beschlagnahmen. Der Ehanffenr wurde sofort in Haft genommen. Der Wert deS Anloniobils und der Waren übersteigt 29 999 Frank. ES ist dieS bereits das dritte beschlagnahmte Automobil, das Ware» über die Grenze schmuggeln wollte. Marktpreise von Berlin am 34. Oktober lgll. nach armilielimc, deS Königliche» PolizeipiässdwmS. M a r k l b a i I c n v r e i i e,(Kleintundel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35 00—50,00, Speilcbobnci, weisse. 35.00-50,00. Linien 40,00 80,00. Kartosscln 7.00-14,00. I Kilo. gramm Nindsscilch, oo» der Keule 1.60—2,40, Zlinditeiich. Bauch flessch 1,30 bis 1,70. Lchweiiieflcisch 1,30— 1.80. Kaibsteilch 1,50-2.40. Hammelfleisch 1,30—2,00. Butler 2.40—3,40. 60 Stück Eier 3,80—6.40 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2.40. Aule 1,90—2,80. Zander 1.40— 8,60. Hechte 1,00 bis 2,60. Bmiche 0.80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,40-24,00._ Bsitteriinqsüdrriichi vom 25. Oktober 1911. 5 halb bd. 4 bedeckt 1»olkig 1 Nebel 2 wolkig 1 wolkig Savaranda 749 33 eterSburg 755 AÄ Salle 746 Ö ewmenide 751 S g j747 SSO Beriir 752 S. jjr.mfl a Pi 751 SO j 1 Nebel 7.'ckeraren lltünchen ,755 TO 2 wolkig 3 Bar-.s Wie» 757 SSO «Zrttervrog.ioie Hit Toiinerstag. den««. Oktober 1»11. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe niit Regensüllcn und ziemlich starken südwestlichen Winde»; später neue Aufhellung und Abkühlung. Berliner Welterdurea». ! 741 NR ,748 SSW 6 wolkig— 1 1 wolkeul— 3 5 wollig|? 4 wolkig 3 3 bedeckt> 10 C3<»fIcr(lnnb0,«nrtiH(t)eeB der LandeSanltalt sllr Geivösserkmide. mitgeteilt vom Berliner Wetterinreau. vasserktand M e m e l i lilfU Bre g e l. Jnsterbing Weichsel. Tboru Oder, Natibor . Kronen Frankiurt S a r l h e. Sckrnnm LmidSberg N e tz'e, Bordamm Elbe, Srttmerttz Dresden ©nrbB , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, SomidauN . Katbenow•) Spree. Lvrcinbcrg») . BceSkow B' I• r, Münden . Rinden A h e i u, MarimiiiimSwi » Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Werlbeun Mosel. Trier i-) 4- bedeutet WnchS,— üall.—*) Unterveget, Verantwortlicher Redakteur: Richard Vorlb. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Verlin. Druck». Perlag: Vorwärt» Luchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LW. Theater und Vergnügungen Donuerstaz, 2ö ONober lSN: Ansang 7 Uhr. Li. Opernhaus. Siegsried. Anlang 71/j Uhr. Li. Tchanipielhans. Der Bettler von Svralus TcntichcS. Penthesilea� Stcues. Das Mädel oon Montmartre� Havcrlnnd. Spezialitäten Zirtns Bnich. lÄala-Vorstellung Zirkus Schinna«». Gala» Vor- ltellung Anlang 8 Ildr Itrania. Tandenitrafte 48/49. Gcheiinnisse Lei belebten Natur NcueS K. Operntheater. Der Zerrissene. Kaininerspiele. Gairän. Leising. Das weile r!and Berliner. Bummelstudenten. li.nes Sliiauivielvaus. Liipl. Kleines. Fannys erstes Stück. Nejidenz. t!in Walzer von Chopin. Sieucs Lperctteu. Tie uioderne Eva. Königgrnhcr Ttrafie. Spielereien einer Kaiserin. Koiniiriiecver.Die keusche Susanne. LuiHvielfmus. Geschlossen Schiller. O. Der Psarrer von Kirch- selb. Zctvi.--(klinrloitenburg. Zopi und Schwert. Friedr.- Willi. Schauspielhaus- Tie Hochzeit von Valens Neues Äoikstheater. Das Ver- Mächtiiis ■JJtetrui o Die Nacht von Berlin Weste». Tie Dame in Rot. Triauou. Mein Baby Tlialia. Polnische Wirtschast. Luisen. Die Macht der Liebe. Rose. Kcan. Gasino. Ter selige HollschinSky. Winiergarten. Spezialitäten. Npott«. Svezialitälcii. Pilitaae. Spezialitäten Herrnseld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Ansang�/�Uhr. KkolieS(raprice. Kobi Krach. Nr. ts. Walballa. Teufel, das hm ringe» schlagen! Boigt. Das Käthchen von Hcilbronn. Ansang 8'/, Ubr. Belle-Alliance. Der Sittenapoftel.. Jniiines. Schön Hcicnchen.— Liebesabenteuer. » �« Ttorntvnrtc, Jnvalidenstr. S7— S2. Kaiser-Panorama. Neu: Rande- rungcn im Harz. Letzte Woche: Konstantin opel. ScIinier-TlieaferO.�X' Donnerstag, abends 8 Ubr: Der JPInrrcr von Kirchfcld Freiiag. abends 8 Uhr: Zozif und Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: lVathnn der Weinte. Urania. Wissenschaftliches Theater 8 Uhr: Geheimnisse der belebten Natur. Metropol-Tlieater. Die Naclit von Berlin! Groxe Jahresrcvue in 7 Bildern von Jul. Freund Musik von V Holländer In Szene geletzt vom Dir R. Schnitz Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet Abends 8 Uhr: Letzte Woche der Weltstadt- Ziltraktionc». 10 Uhr: Ein Abend In einem amerikanischen Lihav! Taumel. Nctv Dorker Pantoin. Eo. MS» tiocd nie äageaezeaee tseb-llekoig. Das Kind der Firma mit p.nlon und vonat tieeenteiii in den Hauptrollen. Vorher: Sclimerziose Behandlung Aniang 8 Uhr. Voroerk. lt— S Uhr. Lornnzfige?�../..� zubcnge'n, bringe»»vir hiermit zur Kenntnis, das? am Sonnabend, d. 88. Ok- tobcr innere Vorftcllnng wie täglich präztie 8 Uhr abends beginnt mit dem unveränderte» Spielplan: Schmerzlose Behandlung. Tas Kind der Ztiriiia.— Beginn».Nachtvorstellung: 18 Uhr nachts."NE Seliiller-Theater Cliabu?g:n T annerslag, abends 8 Uhr: Xopt und Schwert. Freitag, abends 8 Uhr: Der Plarrer von Kirchfcld Sonnabend, abends 8 Uhr: Kh lebe das Lieben. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Mdnie. Berliner Theater. 8 Uhr: Stmimelstttdenfen. TIieateriBiet'llöBlgiräizer Straße 8 Ubr: - Spielereien einer Kaiserin. NenesTheater. Ansang 7'/, Ubr. Nuslreten Fritui �laHsary. Zun» crjien Male: Dns Nliidki v. iilonlniültre. Iheater des bestens. 8 Ubr: Die Dnnie in Rot. Sonnlag nachmillag 3'/« Uhr: ____®in Walzerrrauin._ Nesideti.z-Thcater. Tneklion Richard Alcrander. �-»isang 8 Uhr/ Em Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Ka.oni ,, Barre Für die deutsche Bühne bcarbcilel von Bollen. Bacckers. Morgen und solgende Tage: :lii,ple!Iii»u». Abends 3 Uhr: Air ljoditkit von Unlrm. 'öelle-üüiAneS'slieslöl' Rorilät! Rllab-ndlich S'lt Uhr: _ Der Sitttuisposttl._ Lnisen-Theater. Heute»nd folgende Tage: Tie Ntachr»er Liebe. Sonnabend nachm. 4 Uhr• Wa? Hans und Liscl im Zauberwnld erlebten. dis jopan. Mimo- dramatilconn mit ihrer Truppe i. ihr. J Mimodramen. Ali Ben Hamad-T nippe, 15 eingeb Springer a. Agadir. Georg; Kaiser) in ihren Putzi Cassanii Parodien und dos gr. Oktober-Progr. fjBy 14 Spezialitätan. lASSAQE:::: ANOPTIKUM Idte witden Lebend I Heul-Derwische . aus Ceylon mit ihren fanatisch. Produktionen..Tlerlno, der lebende ! AmboB. At«A. die schwebende Jungfrau. Alles ohne Erlra-Entree. Trianou-Theater. Täglich abends 8 Uhr: G—•Q—fGUm* I• 1 5»SVV0G»VS«T«0S» Branehe lies Kiempnes' :: Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes:: Ver«aitungsetelie Leriin. Sonnabend, S8. Oktober 1911, abends 9 Chr. in Mbrners Festsälen, Koppenstr. 29(früher Keller): I Volkslieder-Abend. Ausgeführt vom Berliner Sinfonie• Orchester (Dirigent M. Fischer) unter Mitwirkung des Konzertsängers Herrn Gnstav '— Franz(Bariton)--- Billett 50 Pf. Licderterte an der Kasse gratis. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf nach Serpentins Festsäle ■ 1> Dorm. H. Speer■■ Banmschnlenwe�, Baiinuschnlonatr. TS. Sonnabend. 28. Okt.: jMlSI! ilZT M$M MWFMgS!'. Jeden Sonntag: Großer Ball unter Tnnzlciliiiig de? Herrn KrBzer. Säle für Vereine noch einige Sonnabende frei. 2 Kegelbahnen zu»crretiors. Reichshallen-Tlieater. Stettiner Sänger Gastspiel Bebel! Sfeiil. Ans wochent 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Zirkus Bfiscli I Heute abend T'/, Uhr: Eli to'Cala- Abend. D. beid. AfreinnonschCJt| „Slajt und Korii:«" Ernst Sciiunrar.ns neueste Meistardressuron. Frl. Anna Slennis, Schulreitorin. Gebr. llarianie. Clowns Vi-- 12 Male- Origin.- » S Donnerstag, den 26. Oktober, S'l, Uhr; General- Versammlung in Kellers A'encr Phllhavnionie, KäpeniekerStr. 96,97. T.-O.: Vortrag: Herr Schriftsteller Eduard Bernstein; Hans Sachs im Lichte seines Zeitalters. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der Kevisoren Diskussion— Der Prozeß gegen die Zensarverftignng des Herrn v. Jugnw. Die Mitgliedskarte gilt als licgltimation. � Rcrbftfeft\ Sonnabend, den 11. IVovcmber, 8'/, Uhr, in der Brauerei Happoldt, Hasenheide. Der Tanz in Musik und Literatur. |2Sli'kiis I A.(Sefeauiaun Heute abend 71|2 Uhr: Gala- Vorstcllnng. 1 Aufboten sämtl. Kunstkiäfte. j 91/, Uhr: Die grolle Foerie im Jahrs auf dorn Heeres gründe in 5 Bildern nach Motiven aus 1001 Nacht. Wonntng, 29. Oktober: 2 gr. Vorstellungen nachm. 3'/, u. 71/, Uhr abends. 1000 Jahre Meeresgrund Noacks Theater. Dirctlion: Ksbert Bill. Berlin dl., Briinnenstrahe Iii. Zum lctzien Male: Tie Ränder. Ein Trauerspiel iu 5 Alien von Fr. o. Schiller. Ansang 8V, Ubr. Cbrcn- und B-rzugt karten gnliig l Freitag bleibt d. Tbeat. geschlossen. »LMM l) ßorso-Variete. Friedrlehstr. 1C5. Heitere Künslier- Abende. 12$&oMiCm8n 12 U. a.: Das nrkom. Zweriiaseis-Düelt Entrce 50$f. '«»WWWWMdVWWWH Volks-Theater. Nixdorf. Hcrinaunstr. 89. Sonntag, 29./l0: Der tolle Ritt, Meister. Miiiläris.heS Drama in 3 Asien pon Dr. E Stilgcbauer. Montag. 30./10: Jugend. Drama iu 3 Alien von Max Halbe. Mitglieder allen KalilMlellon meiden Iii» die\achniittagn- nud Abeudubtcilaageii. 211/17 Der Vorstand. I. V.: 6. Winkler. RStt�«»tll-Inslno. Holzmarttstr. 72, Ecke Ai«xanderftr. Tie Weber(Vombencrsoig). Ia 8pezIalee und Lpezi». litkion.— Entrce 20 Vf. BBF K�kimo, Samojeden, Lappen mit Kenntierherden. Hagenbecksehe 20 Polarbären Winzerfest! 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