Mr. SS». Bbonncments-Bcdingungen: tIBonn cmcnlä- Preis prämimeranda i Bierleljährl. ZM Mk., monati. l.lv Mk, wöchentlich 26 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nuninicr nul illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- klbonnenient: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Poslabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarks Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. »8. Jalsrg. VI« Tnttrnons'GebQbr teträgl für die fechsgespalteiie Kolonel- »eile oder deren Raum so Psg„ für pollllsche und gewerkschaftliche Vereins- Und Bersainmlungs-At, zeige» 30 Pfg. „liteiiu 3n«fgen", das fettgedrurkte Wort 20 Psg. fzulässig 2 scttgcdru-kte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasslellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort ö Psg, Worte über 15 Buch- stoben zählen für zioet Warle, Inserate für die nächste Nununcr mfiilen bis B Uhr nachmittags in der Expedition «dgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. crlchtlnt lsglich ülllier Mvlig;. Berliner Volksblnkk. Tentralorgan der roztaldcmokratifcbcn Parte» Deutfcbtanda. telegramin• Adresse: .Sozialdtmokrai Rerli»". Redaktion: 8 Tl. 68, Lindcnstrasac 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 27. Oktober 1911. Expedition: 8M. 68, Lindcnatraaae 69» Fernsprecher: Amt lV, Nr. 1981. Sie amtliche Nahimache beginnt! Wie sehr die Regiening bei uns sich als Hörigen der herrschenden Parteien, als Beauftragten unseres Jiinkertunrs und seiner Verbündeten fühlt, beweist die Tatsache, daß die Negierung auch bei den Wahlkämpfen sich neuerdings zum Helfer der reaktionären Parteien entwürdigt. Daß unsere Regierung bei der innigen Versippung, die zwischen Junkern und Rcgierungsbureaukratie besteht, durch ihre gesamte Funktion des Beamtenapparates die Geschäfte des Junkertums betreibt, ist ja selbstverständlich und allbekannt. Aber diese junkerlichen Dienstleistungen erfolgten doch bis in die neuere Zeit hinein mehr in versteckter Form, gelvissermaßcn unter dem Siegel der Amtsverschwiegenheit. Seit den Hottentotten- Wahlen aber ist die Regierung direkt in den Dienst der ihr nahestehenden Parteien getreten, hat sie sich zum Wahl- wacher und Zutreiber für diese Parteien hergegeben. In dem Matze, wie die Regierung sich zu Handlanger- diensten sür Junker und Junkergenossen erniedrigte, sind die Ansprüche der Junker immer dreistere geworden. Obgleich die Reichsfinanzreform im Gninde gegen die Regierung, zum mindesten gegen die Absichten ihres obersten Leiters, des Fürsten B ü l 0 w zustande kam, hat der blauschwarze Block, der den Fürsten Bülow den Fußtritt gegeben, die Regierung gezwungen, durch eine gefärbte und geschminkte finanzielle Aufmachung die finanzreformerischen Taten des Schnapsblocks der Oeffentlichkeit gegenüber herauszustreichen I Und erst in den letzten Tagen wieder forderten die führenden agrarischen Organe ganz ungeniert, daß die Regierung dem „verhetzenden" Treiben der Sozialdemokratie in Sachen der Teuerung offiziell durch das erforderliche Material entgegen- trete, dergestalt also den Junkern für den Wahlkampf die Kampagne erleichtere I Und datz die Regierung in der Tat zu den weitest- gehenden Liebesdiensten den Rittern und Heiligen gegenüber bereit ist, beweist die auch bereits in der Donnerstagsitzung des Reichstages zur Sprache gebrachte Meldung, wonach an die Landräte die Anweisung ergangen ist, sich »nährend des Wahlkampfes als politische Agitatoren in den Dienst der reaktionären Parteien zu stellen. Die Landräte sollen nämlich die Regierung„nachhaltig orientieren" über Angriffe, die in der Presse oder in den Flugblättern, die auf die nächste ReichStagswahl einwirken könnten, erhoben werden, damit„sachliche Erividerungen" gegeben werden können. Die Landräte sollen auch gleich Vorschläge über die Art der Erwiderung und„Aufklärung" machen und durch„Berichtigung" in der Presse oder durch Flug- blätter, eventuell durch Unterstützung von Volks- kalendern usw. eimvirken. Gleichzeitig soll die Höhe der erforderlichen Auflagen der Er- widerungen angegeben»oerden. Und wie wir Iveiter von zuverlässiger Seite erfahren, soll die Herkunft der auf landrätliche Veranlassung verbreiteten Flugschriften geheim gehalten werden I Eine Vorsicht, die sehr stark vermuten läßt, daß diese Entgegnungen, diese reaktionären Wahl- agitationsschriften, nicht nur auf Veranlassung der Re- gierung, sondern möglicherlveise auch aus staatlichen Mitteln fabriziert»Verden sollen I Die Regierung will also auch bei dieser- Wahl ebenso skrupellos oder noch skrupelloser zugunsten der Junkertums und seiner Verbündeten in den Wahlkampf eingreifen, wie das schon bei den Hottcntottenlvahlen geschehen ist. Wie im Jahre 1907 soll der Wahlkainpf ein offizieller Wahlkampf lvcrden. Wie damals, alle behördlichen Organe, der Reichs- kanzler, die Reichskanzlei, das Rcichsmarineamt, das Reichs- kolouialamt, das Oberkommando der Schutztruppen usw. offiziell in den Wahlkampf eingetreten sind, so soll auch jetzt behördliche Wahlpropaganda betrieben werden. Vielleicht schließt auch diesinal wiederum die Regierung ein B ü n d- nis mit dem Reichsverband und Flotten- verein. Damals ging ja der General Keim im Kanzler- Palais und Reichskanzleramt aus und ein, um die Feldzugs- Pläne für die Wahlen zu verabreden. Vielleicht gelüstet es auch diesmal den Präsidenten des Flottenvereins, sich ein Lob zu erwerben, wie es Wilhelm II. dem damaligen Präsidenten. dem Fürsten Salm spendete, als er ihm auf dem Hofball mit erhobener Stiinme zurief:„Mein lieber Fürst, die Wahlen sind ja vorzüglich ausgefallen und ich freue mich, daß Ihr Flottenverein die Sache.so prächtig gemacht hat." Als damals nach den Wahlen die amtliche Wahl- agitation im Reichstage zur Sprache gebracht wurde, glaubte Fürst Bülow erklären zu dürfen, daß während der Wahl- bewegung„aus amtlichen Fonds für Wahlzivecke nicht ein roter Heller ausgegeben" worden sei. Allerdings habe er sich„für die BildungeinesKomitees" interessiert. das für die Hottentottenparteien Geld gesainmelt habe. Das war natürlich nur eine formale Ausrede, denn daß in den amtlichen Bureaus, nicht nur in den Landratsämtern, eine ungeheure Wahlarbeit geleistet worden war, von Personen, die aus allgein einen Staatsmit- t e l n bezahlt werden, deren Dienste also nicht für bestimmte reaktionäre Parteien bestimmt sind, konnte Fürst Bülow natürlich nicht bestreiten. Und es ist ein Unfug sondergleichen, ein skandalöser Mißbrauch staatlicher Mittel. die von der Gesamtheit der Steuerzahler aufgebracht werden müssen, wenn auch jetzt wieder durch ausdrückliche An» Weisung der vorgesetzten Behörden die Herren Lvndräte und ihr Beamtenstab zu wahlogitatorischen Hand- laugerdiensten aufgeboten werden! Dabei wird es noch höchst zweifelhaft sein, ob denn nicht in der Tat direkte amtliche Gelder für diese agita- torischen Liebesdienste für den Schnapsblock Verwendung finden werden. Ist doch im preußischen Abgeordnetenhaus festgestellt worden, daß die Verbreitung von ord- nungsparteilichen Kalendern, in denen nicht nur die Sozialdemokratie, sondern auch der Freisinn gehässig bekämpft wurde, auf amtliche Kosten geschah I Das gleiche ist auch jetzt zu befürchten! Ja. es ist sehr Wohl an- zunehmen, daß noch darüber hinaus staatliche Mittel für die Bekämpfung der oppositionellen Parteien, speziell der Sozial- demokratie verausgabt»Verden. Ist es doch schon bisher borgekommen, daß preußische Behörden scharf- macherische Schriften in großer Zahl angekauft und an ihre Arbeiter verteilt haben. So ist beispielsweise die Schrift eines getvissen Neumann,„Die Sozialdemokratie als Arbeitgeberin", von Eisenbahndirektionen. Kanalbau- direktionen und eine Anzahl von Regierungspräsidenten in vielen tausend Exemplaren bezogen worden und zur unentgeltlichen Verteilung gelangt. Was mit dieser Schrift geschehen ist, kann zu jeder Zeit wieder geschehen! Wir aber erheben den schärfsten Einspruch gegen eine solche gesetzwidrige Verschleuderung öffent- licher Gelder! Zugleich brandmarken wir mit aller Ent- schiedenheit die Vertvendung der Landräte zu agitatorischen Zwecken als gröblichsten Amtsmißbrauch. Mögen Minister lind Reichskanzler sich, wie das ja bei der Teuerungsdcbatte geschehen, iinmerhin als Gesinnungsgenossen und Werkzeuge unserer Lebensmittelwuchcrer und Liebesgabenempfänger produzieren— aber daß unsere Bureaukratie während der Wahlzeit einfach als Handlanger und Helfershelfer dieser Elemente figurieren sollte, das ist denn doch eine gar zu provozierende Zumutung! Die isuternztioiisle als Friedensmacbt. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht das folgende Telegramm aus Anisterdam: Bei der Verhandlung über das Militärgesetz in der Zweiten Kamnier hat der Sozialistenführer T r 0 e l st r a in einer großen Rede eine Aeußerung getan, die zwar ziemlich unbemerkt geblieben ist. aber doch der Bedeutung nicht entbehrt. Troelstra sagte nach dem Bericht des sozialistischen Blattes„Het Volk": „Das moderne Proletariat ist die Kraft, die jetzt den Weltfrieden aufrecht erhält. Als Mit- glied des internationalen sozialistischen Bureaus weiß ich, daß RegierungSinitglieder, nm einen drohenden Krieg abznnienden, sehr»vohl die Adresse deS internationalen sozialistischen Bureans zn finden wnstten. Das ist eine Neuerung! Eine neile wirkende Kraft für den Weltfrieden ist aufgestanden!" Auf Grund einivandfreier Informationen glauben»vir zu wissen, daß Troelstra hierbei auf die M a r 0 k k 0 f r a g e an- spielte und daß die beiden beteiligten Mächte, die eine durch einen verantwortlichen Mittelsmann und daraufhin die andere direkt, sich an das internationale sozialistische Bureau wandten. In der geheiinen Sitzung des internationalen sozialistischen Bureaus zu Zürich dürfte dann gerade diese sehr »vichtige Frage den Gegenstand der streng geheim gehaltenen Besprechung gebildet haben. Sicher ist es. daß die Haltung der französischen Mitglieder des Internationalen soziali- stischen Bureaus und der französischen Sozialisten für die Ausbreitung der Friedensstimniung innerhalb des französischen Kabinetts den Ausschlag gegeben haben. Auf Anregilng des Internationalen sozialistischen Bureaus werden in den Tagen vom 4.— 6. November in verschiedenen Städten große Friedens- kundgebungen stattfinden, bei welchen die Mitglieder des Bureaus in verschiedenen Ländern sprechen. So»verden in Paris Furnemont und Vandervelde(Belgien), in Budapest voraussichtlich Molkenbuhr, in Innsbruck Adler, letzterer über die internationalen Fragen, sprechen, in London voraussichtlich der Generalsekretär des intcr- nationalen sozialistischen Bureaus, Huhsmans, in Brüssel der türkische Sozialist N a h u n, in Amsterdam A n s e e l e (Belgien) und'Troelstra. Am 4. November»vird in Saloniki eine Tagung für den Frieden stattfinden, und in Belgrad sind heute die sozialistischen Abgeordneten der Bälkanlände»� versammelt, die ebenfalls im Interesse des Friedens tagen. Auch in allen großen Städten Ungarns sollen Friedensdemonstrationen stattfinden. Der Ceneningsdebatle dritter tag. Auch am dritten Tage der Teuerungsdebatte im Reichstag bildeten die agrarischen Redner wiederum die Mehr- zahl. Für die Nationalliberalen sprach diesesmal Herr Wach- hprst de Wente. der Präsident deS Bauernbundes, der freilich von den Ueberagrariern der Rechten kaum zu unterscheiden tvar. Er berührte sich allerdings mit dem Bauerndoktor des Zentrums, Herrn Heim, in der Forderung einer zeittvciligen Aufhebung der Futtermittelzölle, obgleich er keineswegs entschieden sich aussprach, so daß nachher der Freikonservative Dr. A r e n d es in Frage stellen konnte, wie denn überhaupt die nationalliberale Partei sich in dieser Frage entscheiden würde. Gegen die sozialdemokratische Aufhebung der Grenzsperre für Vieh machte Wachhorst den sonderbaren Einwand geltend, daß die Sozialdemokraten ja gegen die Einführung von Kulis seien, um den deutschen Arbeitern die Schmutzkonkurrenz der Kuli- arbeit vom Halse zu halten. Nach Herrn Wachhorsts Auffassung kommt das auf das nämliche raus, als»venu die Agrarier das ausländische Vieh aus Deutschland fernhalten wollen. Eine be- sondere Note fand der Bauernbündler, indem er die Fortsetzung der Ostmarkenpolitil forderte, wobei er in echt nationalliberaler Kon- fusion die an sich berechtigte Bekämpfung der Latifundienwirtschaft nicht von der engherzigen Polenbedrückung zu unterscheiden ver- mochte. Als zweiter Redner der freisinnigen Partei kam dann der Dr. P a ch n i ck e zum Wort. Er nagelte die Regierung fest auf den bereits durch die Presse bekannt gelvordencn Geheimerlatz, in dem die Landräte aufgefordert werden, Wahlagitation im Sinne der Agrarier zu treiben. In umfangreichen Ausführungen wider- legte er dann den Versuch des Herrn Delbrück, den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands auf das Konto der Schutzzollpolitik zu setzen. So wies er darauf hin, datz unter den vielen Faktoren, die zu diesem Ausschwung beigetragen hätten, auch die starke Volks- Vermehrung gehöre, die notwendigerweise zur Ausdehnung der Industrie führen müsse, und warf die Frage auf, ob die Herren etwa glauben, datz die Erhöhung der Zölle auch zur Erhöhung der Geburtenziffern beigetragen habe. Der Regierung»vies er ver- schiedene Widersprüche nach und stellte die Frage,»veshalV denn die Vertreter.Bayerns und Badens, welche Staaten für die Aufhebung des Maiszolles seien, nicht die Ansichten der Regie- rung hier im Reichstag vertreten. Gegenüber der Sozialdemokratie präzisierte er eine andere Stellungnahme seiner Partei dahin, datz die Freisinnigen keineswegs für die sofortige Aushebung der Lebens» mittelzölle eintreten. Der preußische Landwirtschaftsminister von Schorlemer, der während der Angriffe Pachnickcs von zwei Geheimräten mit statistischem Material gefüttert wurde, ergriff zu dessen Wiedergabe sofort das Wort. Er verlas nach Delbrückschem Muster endlose Zahlenreihen, drückte sich aber scheu um die Beantwortung der Frage herum, wie es kommt, datz in seinen Tabellen bei der An- gäbe über die Kartoffclpreise in Königsberg der Zentner und in Berlin der Doppelzentner zugrunde gelegt sei. Den Standpunkt der polnischen Fraktion vertraten in der De» batte zwei Redner. Graf Mielczinsky brachte den Unmut seiner Fraktion über die unheilvolle Ost markenpolitik zum Ausdruck, wobei er besonders scharf rügte, datz die preußische Re- gicrung ihre angebliche Bauernfreundlichkcit direkt Lügen strafe, indem sie die polnischen Bauern von HauS und Scholle zu ver- drängen suche. Korfanty wies an den 0 b e r s ch l e s i s ch e n Verhältnissen nach, datz dort die Latifundienwirtschaft nicht bloß keine gesunde Landwirtschaft aufkommen lasse, sondern direkt schädigend auf die Entwicklung der Industrie einwirke, so datz die Industriearbeiter nirgends in Deutschland teurer und schlechter wohnen, als in Oberschlcsien. Obendrein werde durch die Re- Pressalien, die unsere Hochschutzzöllnerei herbeiführen, die ober- schlesische Industrie ihrer Absatzmärkte in Rußland und Oester- reich beraubt. Von agrarischer Seite sprach noch der Gutsbesitzer Lehmann- Jena, der früher der nationalliberalen Partei angehörte und jetzt bei den Antisemiten hospitiert, also eine Art Austauschprofessor für Herrn Böhme, der von den Antisemiten zu den Nationalliberalen hinübcrgcturnt ist. Sachlich hatte er nichts Neues vorzubringen, suchte aber durch allerhand Witze seine Rede schmackhaft zu machen. Sehr interessant waren die Ausführungen des wildliberalen Herrn Kobelt aus Magdeburg, der als Fleischermeister imstande war, in sachkundiger und mit derbem Humor gewürzter Rede die von größter Sachunkenntnis zeugenden Ausführungen der agra- rischen Minister und Abgeordneten über die Fleischversorgung des Volkes zu widerlegen. Er erklärte, datz es eine der unglücklichsten Stunden sür den Reichskanzler gewesen sei, als er im'Laufe seiner Wahlrede durch seinen Angriff auf den Zwischenhandel den ge- samten Mittelstand vor den Kopf gestoßen hätte. Die Agrarier ver- suchten, ihn aus dem Konzept zu bringen, indem sie ihm wiederholt zuriefen: Argentinisches Fleisch! Herr Kobelt verblüffte sie durch die Erwiderung:„Na, lassen Sie es doch ruhig herein- kommen; Sie sagen ja immer, das Volk wolle es nicht essen, dann wird es sich ja zeigen, ob das Volk davon Gebrauch machen will oder nicht. Die arbeitenden Klassen, die sowieso schwer zu kämpfen haben, müssen Gelegenheit haben, sich so billig zu ernähren,»vie möglich." Zum Schlüsse gab eS noch eine Geschäftsordnungsdcbattc. Die Agrarier wollten auch am Freitag mit der Teurungsdcbatte fort- fahren, wohl mit dem Bewußtsein, datz sie bisher sehr schlecht ab- geschnitten haben. Auf Antrag von Bebel und Wremer wurde aber beschlossen, zunächst die Interpellationen über die Maul- und Klauenseuche auf die Tagesordnung zu setzen und erst nach deren Erledigung mit der Teurungsdebatte fortzufahren ver Krieg. „II solckntino italiano", der kleine italienische Soldat, dem phrasenreiche Journalisten in Italien überschlvengliche Lob- Hymnen sangen, wie einst französische Chauvinisten ihrem '„pioupiou", Ictnl jetzt den grausamen Ernst eines nordafrika- mschen Kr-iegeZ gründlich kennen. Die Periode leichter„Siege", des ruhmlosen Bombardements unbewchrter Lehmmauern und halbberfallener Forts in den tripolitanischen Küstenstädten ist vorüber, jetzt kommt das erbitterte Ringen mit den einen Ver- zweislungslampf kämpfenden türkischen Truppen und den irregulären arabischen Reitertrupps, die mit ihrem unans- gesetzten, beunruhigenden Anstürmen und Ausweichen, eine an europäische Kampfesweise gewöhnte Truppe zur Verzweiflung bringen können. Wir haben von Anfang an daraus hingewiesen, daß die Italiener bei einem Vordringen ins Innere auf einen ent- schiedenen Widerstand der türkischen Truppen und der Araber stoßen werden. Daß sie sich aber schon unter den Mauern von Tripolis blutige Köpfe holen würden, konnte man kaum annehmen. Nichtsdestoweniger hat sich das Gefecht, das am Montag, den 23. Oktober, stattfand, in unmittelbarer Nähe der Stadt, in dem um Tripolis sich hinziehenden Oasengürtel abgespielt, und es spricht für den Kampfesmut der Türken und Araber, daß sie den Angriff in ein Terrain trugen, das noch im Bereiche der italienischen Schiffsgeschtitze lag, die ja auch tatsächlich in den Kanipf eingegriffen haben. Die Schlappe, die die Italiener erlitten haben, wird ihren Vormarsch ins Innere auf lange hinaus verzögern und hat ihnen eine Vorahnung dessen gegeben, was ihrer wartet, wenn sie, was ihnen schließlich gelingen kann, mit erdrückender Uebermacht und unter großen Opfern die erste türkisch-arabische Ver- teidigungslinie zurückgedrängt haben. Der Kampf vom Montag hat aber auch bewiesen, daß all das, was von italienischer Seite über Unterwerfung der Araber in die Welt hinausdepeschiert wurde, eitel Schwindel war. Wir haben sie auch stets als solchen bezeichnet und haben höchstens die Unterwerfung einiger Küsten- oder Stadt-Araber als möglich zugegeben. Aber auch das war in Wirklichkeit nicht einmal der Fall; die Italiener haben es nur bis zur„Unter- werfung" einiger korrupten Subjekte gebracht, deren Huldigung der italienischen Flagge jedenfalls mit einer Anzahl Goldstücke erkauft war. Muß doch jetzt von den Italienern, wenn auch sehr verklausuliert, zugegeben werden, daß die Araber in den Straßen von Tripolis die italienischen Truppen angegriffen haben, wozu ihnen höchstwahrscheinlich ein fluchtartiger Rück- zug der Italiener Anlaß gab. Jedenfalls hat der Montag den Italienern zum Bewußtsein gebracht, daß die tripolita» nischen Eingeborenen keine Lust haben, italienische Untertanen und Ausbeutmigsobjekte zu werden. Die Italiener verstehen es aber auch meisterhaft, den Haß der Eingeborenen zu schüren und zu stärken. Denn ihre vis- herige eitle Ruhmredigkeit wird jetzt nach der ersten Nieder- läge übertroffen von ihrer Brutalität nud Barbarei. Sie haben in Tripolis eine Blutjustiz etabliert, die Kriegsgerichte machen sich ihre Arbeit sehr leicht: Todesurteile gegen Araber werden im Handnmdrehen verhängt und vollstreckt. Fast ein halbes Hundert Araber sind schon von den Kugeln der Exekntionspelotons der„christlichen" Armee, die sich des besonderen Segens des Papstes, der Kardinäle, Erz- bischöfe usw. erfreut, niedergestreckt worden. Diese aller Kultur hohnsprechende Barbarei ist wohl auch so ziemlich das Einzige, was die italienischen Tripolishclden von der kolonialen Krieg- führung gründlich zu verstehen scheinen. Die Italiener werden in Tripolis auf zwei g e» trennten Kriegsschauplätzen zu kämpfen haben: in dem Hinterlande des eigentlichen Tripolis und im Innern der Cyrenaika. Auf beiden haben sie mit dem ver- einigten Widerstande der regulären türkischen Truppen und der irregulären Araber zu rechnen. Der bedürfnislose, an Entbehrungen gewöhnte türkische Soldat und der an die Dürftigkeit seiner Heimat gewohnte Eingeborene werden den Guerillakrieg' lange aushalten' können. Anscheinend stoßen zahlreiche türkische Offiziere auf Umwegen zu den Truppen in Tripolis, und die Versorgung mit Waffen und Munition wird sich auch über die tunesische und ägyptische Grenze ermöglichen lassen, denn in derartigen Situationen gibt es immer profitlüsterne Schleichhändler, die die Konjunktur aus- zunutzen verstehen. Ob die Türken in der Cyrenaika auch Ver- stärkung durch ägyptische Beduinen erhalten, läßt sich zurzeit nicht feststellen. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um einen baldigen Umschwung der öffentlichen Meinung in Italien 'vorauszusagen. Bald werden Todesnachrichten und Meldungen über Verwundungen in zahlreiche Proletarierhütten und Bürgerhäuser flattern. Muß doch die Regierung selbst zugeben, daß der Kampf bei Tripolis am Montag 300 Tote gekostet hat(in Wirklichkeit lvcrden es wohl noch mehr sein), und auch bei Derna in der Cyrenaika hat es dieser Tage größere Verluste gegeben. Und wenn dann die durch eine verlogene, ruhmredige Presse über die wirklichen Gefahren und Entbehrungen getäuschten Soldaten ihre Eindrücke über die Oeds und die Armut des okkupierten Landes in die Heimat schreiben, wenn neue Ver- stärkungen nach Afrika gesandt, neue Millionen bewilligt werden müssen, dann wird der Volkszorn erwachen und mit dem brutalen und kopflosen Imperialismus Ab- rechnung halten. Tann werden auch die Lügcnkünste der pfäsfischen und kapitalistischen Presse versagen. Eine Gefahr für Europa bilden die Schwierigkeiten der Italiener in Tripolis insofern, als sie die italienische Re- gierung sehr leicht veranlassen können, die afrikanische Schlappe durch eine Aktion der Flotte im Aegäischen Meere oder durch die Beschießung eines türkischen HafenS in Kleinasien� weit- zumachen. Ein solcher Angriff gäbe den anderen Balkanstaaten den erwünschten Anlaß, auch ihrerseits auf den Status guo auf dem Balkan zu pfeife» und die ganze Balkanfrage auf kriegerischem Wege zu lösen. Die Heere Bulgariens. Serbiens, Griechenlands und Rumäniens haben ihre Mobilisation schon so gut wie beendet, Oesterreich-Ungarn hat in aller Stille Tntppenkonzentrationen in Bosnien und Slavonien vor- genommen, kurz eS bedarf nur eines geringfiigigen Anlasses. der aus dem frivolen Banditenstreiche Italiens einen Völker- krieg macht. Jedenfalls ist nicht mit einem baldigen Ende des Krieges zu rechnen und das internationale Proletakiat hat alle Ursache auf seiner Hut zu sein. Die italienische Darstellung der Lage. Tripolis, LS. Oktober. Di« Nacht vom 24, auf den 25. d. MtS. verlief ruhig. Gestern morgen bemerkte ein Aeroplan anrückende feindliche Streitkräfte sowie andere, die 15 Kilometer von den italienischen Vorposten entfernt lagerten. Diese Truppen wurden durch den AufklärungSoffizier auf nicht weniger als 5000 bis 6000 Mann geschätzt. In der Oase von Tripolis, 800 Meter von der italienischen Verteidigungslinie, bemerkte man zahlreiche Bewaffnete, die jedoch keinen Angriff machten. Die Oase wurde darauf durch die italienischen Kruppgeschütze sowie die Sch'ffsgeschütze beschossen. Die im Rücken der italienischen Etellun- gen befindliche Oase ivurbe von gefährlichen, arabischen Elemenken, die dort wohnten, gesäubert. Bei Rekognoszierungen auf dem italienischen linken Flügel wurdenruber 300vondenFeinden zurückgelassene Leichen gefunden. Man beschlagnahmte eine sehr große Zahl von Waffen aller Art, alter und moderner, und über eine Million Kartuschen. Waffen und Munitionsvorräte waren überall in Tripolis und Umgebung versteckt, in Häusern, Magazinen, Karawansereien, zwischen Waren, in Getreidesäcken, Kellern und Zisternen. Die Durchsuchungen dauern fort. Aber schon jetzt darf die italienische Verteidigungslinie als gesichert betrachtet werden. Die Araber dürfen die italienische Verteidigungslinie nicht mehr frei passieren. Die Ueberwachung ist überall sehr streng. Ein türkischer Unterhändler traf gestern bei dem Obersten Fara ein und verlangte die R äumung der eroberten türkischen Stellungen. Man antwortete ihm, die Türken und Araber sollten kommen und sie nehmen. Es handelte sich sicher um einen Offizier, der aus- geschickt war, um unter diesem Vorwande die italienischen Linien zu besichtigen. Natürlich wurde er mit verbundenen Augen herein- und hinausgeführt. ES ist noch nicht möglich, die italie- nischen Verluste genau anzugeben. Aber man kann schon sagen, daß sie niedriger sind, als man zuerst vermutet hat. Tie Lage in Homs. Benghasi, Derna und Tobruk ist unverändert. In Benghasi ist die Ausschiffung aller Truppen und Materialien beendet, ebenso in Derna. Alles nimmt seinen ge- regelten Fortgang auch in Tobruk. Der Gesundheitszustand ist sehr gutk Die italienischen Verluste. Tripolis, 26. Oktober. Die italienischen Verluste bei dem letzten Gefecht betragen nach zuverlässigen Mitteilungen 300 Tote und viele Verwundete, darunter viele Offiziere. Den Hauptstoß hatte das 11. Regiment auSzuhalten. Viele Leichen waren entsetzlich verstümmelt. Die letzten Vorfälle beweisen zur Genüge, daß die Italiener die türkischen Kräfte sehr unterschätzt haben, der Krieg fängt jetzt er st an. Die Entsendung»on Verstärkungen ist daher unvermeidlich. Die Ein, geborenen in der Stadt zeigen bis jetzt nur feindliche Haltung gegen die Italiener, da aber auch religiöse Momente in Frage kommen, ist es leicht möglich, daß die Lage fürdieEuro» päer überhaupt gefährlich wird. Die Stärke der türkischen Streitkräfte, die sich jetzt gesammelt haben, wird aus 30 000 Mann angegeben. Zwei Stämme mit Kamelen und vielen Vorräten sowie zwei Schelks werden noch erwartet. Viele türkische Stabsoffiziere sind noch zu den türkischen Truppen gestoßen. Hassan Riza Pascha, ein Schüler der deutschen Offiziere, hat jetzt den Oberbefehl über die Truppen übernommen. Es ist gelungen, große Geldiegdungen zu den TrMen zu schaffen.. Ein angebliches Seegefecht. Mailand, 26. Oktober. Der„Messagero* bringt aus Augusta die mit Vorsicht aufzunehmende Nachricht, daß das italienische Kriegsschiff.Napoli' in nächster Nähe der Dardanellen zwei türkischen Kriegsschiffen begegnet sei, die eS lebhaft angegriffen hätten. Die Türken hätten das italienische Schiff zwischen zwei Feuer nehmen wollen, aber diesem sei es gelungen, das eine türkische Kriegsschiff in den Grund zu bohren und das andere in dieglucht zu jagen. Die Cholera in Tripolis. Mailand, 26. Oktober. Der Spezialkorrespondent deS„Avanti" meldet au» Tripolis, daß seit gestern 20 Todesfälle an Cholera vor» gekommen seien._ Die chivesssche Revolution. Jeder Tag bringt der Revolution Erfolge. Die Nebellen haben die Truppen des Generals Jintschang umgangen und 120 Meilen nördlich von Hankau die kaiserliche Krieg skasse erbeutet, die 4� Millionen Mark in bar enthielt. Die Regierung kann also an die noch treu ge- bliebenen Truppen den Sold nickst zahlen, was bei der Stim» mung in der Armee sehr bedenklich ist. Auf diese Stimmung würde auch die Nachricht ein bezeichnendes Licht werfen, daß der General Jintschang von einem General» st a b s o f s i z i e r erschossen worden ist. Eine Bestäti- gung des Gerüchts steht allerdings noch aus. Die Nachricht von dem Einmarsch der Japaner in Mulden wird dementiert. Die japanische Regierung soll beschlossen haben, sich st r e n g n e u t r a l zu verhalten. Doch befürchten die Revolutionäre nach wie vor, daß die Mandschu- dynastie in ihrer Verzweiflung doch noch japanische Hilfe er- bitten wird. Das wichtigste Ereignis, das heute gemeldet wird, ist die revolutionäre Haltung der National- Versammlung, die an die Vorgänge in Paris vor Aus- bruch der Revolution erinnert. In der gestrigen Sitzung kam es zu stürmischen Szenen. In einer sehr scharfen Resolution wurde beantragt, den Eisenbahnministcr Scheng- juanhuai unterAnklagezu stellen. Der Minister wurde der Korruption und der Begünstigung des ausländischen Kapitals bei den Eisenbahnbauten beschuldigt, was zum Teil den Aufstand mit verursacht hätte. Ein Abgeordneter von Honan, der als ein Vertrauter Juanschikais gilt, forderte die Regierung auf. mit den Revolutionären Frieden zu schließen und ihre berechtigten Forderungen anzuer- kennen. Seine Rede wurde mit Jubel aufgenommen, der Präsident vertagte die Sitzung, um weitere Debatten zu ver» hindern. Tie Resolution gegen den Minister wurde ange» nommen. Viele eingeschüchterte Mandschuprinzen stimmten für den Antrag. Wenn die Regierung die Forderung nicht bis morgen erfüllt, will die Nationalver- sammlung sich a u f I ö s e n. Ermordung des kaiserlichen Heerführers? New Aork, 26. Oktober.„New Dork Herald" meldet aus Peking: In Militärkreisen ist das Gerücht verbreitet und hält sich standhaft aufrecht, daß der Kriegsminister Jintschang im Militärlager durch einen Gencralstabsoffizier ermordet ivorden sei. Dem Korrespondenten des Blattes war es jedoch nicht möglich, eine Bestätigung deS Gerüchts zu erlangen. Nach einem Telegramm des amerikanisckzen Konsuls in Tientsin ist die Stadt T s i n a n f u, die Hauptstadt von Schantung,� nachdem die Truppen gemeutert hatten, indieHändederRebellen gefallene Das Verhalten Japans. Peking, 26. Oktober. Es war mitgeteilt worden, daß die chine« fische Regierung versuchen würde, eine Fri st Verlängerung für die Zahlung der Boxerentschädigung zu erbitten. Jetzt wird bekannt, daß die chinesische Regierung auf eine solche Frist- Verlängerung verzichte. ES heißt, daß China eine geheime An« leihe zu diesem Zwecke abgeschlossen habe. Der Korrespondent deS.New Aork Herald' behauptet, erfahren zu haben, daß Anleihe» berhandkuligen mit Japan in der Schwebe seien. Die Zeitungen in Tokio berichten, daß die Revolutionäre japanische Kaufleute vor einer Unterstützung der Mandschuregierung durch Japan, sei es auf dem Wege einer Anleihe oder auf anderem Gebiete, warnten. Die Revolutionäre drohten, bei dem ersten Zeichen einer Unterstützung Chinas durch Japan, sofort den Boykott auf japanische Waren zu verhängen. Die Revolutionäre erklären ferner, glaub- würdige Nachrichten erhalten zu haben, daß Japan zwei Divisionen mobilisiert halte, und daß die japanische Flotte bereit sei, sofort nach China abzudampfen, sobald die Mandschudynastie Japans Hilfe für die Erhaltung des Thrones verlange. DaS Bombenattentat von Eantou. Canton, 25. Oktober. Durch den heutigen Bombenanschlag sind im ganzen 21 Menschen getötet, 13 verwundet und sieben Häuser beschädigt worden. Der Täter s e l b st, der ein Eingeborener aus dem Sunningdistrilt ist, wurde tödlich ver» wundet. Der„internationale" Straßenkampf. Berlin, 26. Oktober. Ueber die in der Presse vielfach erörterte Aktion der internationalen Truppen in Hankau gibt ein auSsührlicher Bericht des Kreuzergeschwaders nähere Auf» klärung. In der Nacht vom 12. zum 13. Oktober war ein Feuer in der Nähe der deutschen und englischen Niederlassungen ausgebrochen, und der chinesische Pöbel benutzte diese Gelegenheit, um in die Niederlassungen einzudringen in der Absicht, eine Plünderung zu versuchen. Der Einfall wurde zunächst durch das den Polizei- dienst veffchende deutsche und englische Freiiwilligen» KarpS aufgehalten, zu dessen Unterstützung dann noch die LandungS» abteilungen deS Kanonenbootes. V a t'e r l a n d" und des eng« tische n Kanonenbootes.Thistle' und eine Patrouille deS amefrilanifchen Kreuzers„Helena" herbeieilten. Dem schnellen und tatkräftigen Einschreiten der internationalen Triippen gelang es, wie bereits gemeldet, weiter« Exzesse des auf- geregten Pöbels zu verhindern und dadurch die Niederlassungen vo» allen weiteren Vorfällen freizuhalten. poiitilcbe(leberlicdt. Berlin, den 26. Oktober 1911. Wahlverwaudte schöne Seelen. Nach der Düsseldorfer Wahl schrieb die„Rhein.-Westf. Zeitung" als Vertreterin der rechtsnationalliberalen und konservativen Großindustriellen Rheinland-Westfalen, zunächst müsse die Taktik des Nationalliberalismus darauf ge- richtet sein. das Zentrum mürbe zu machen, da- mit es seinen politischen Hochmut fahren lasse und sich den Wahlbedingungen der chemisch- westfälischen Groß- industriellen und ihrer politischen Kommis füge. Wie eS scheint, hat diese schöne Hundecrziehungstakttk bei dem Zentrum tatsächlich den erwünschten Erfolg. Die„Rhein.-Westf. Ztg." veröffentlicht nämdlich mit einer gewissen Genugtuung in ihrer Nr. 1186(Mittwochabend- Ausgabe) folgende Zuschrift eines hervorragenden Mitgliedes der ZeutruniZpartei des Industriegebietes: Die billige Rücksichtnahme ans den in gutem Sinne modernen Geist im nationalen Lager ist dem Zentrum als Ganzem noch lange nicht in Fleisch und Blut übergegangen, wenngleich seine gescheiten Führer die Rotwendigleit einsehen und diese Einsicht auch zu betätigen praktisch genug veranlagt sind. Ich möchte da aufmerksam machen auf die Haltung des Direktors Dr. Broun» vom Bolksverein in der jüngsten Generalversammlung deS Augustinusvereins zu Köln. Nachdem von mehreren Herren die Natsamkeit einer Verständigung mit den Nationalliberalen im Westen hervor« gehoben und beifällig aufgenommen worden war, ging Dr. LraunS näher auf das.Problem' ein und plädierte unverhohlen für größeres Entgegenkommen gegenüber den nationalliberalen Wünschen auf kommunalpolitischem Gebiete. Unter den Beifall, der darob halblaut wurde(die Neuheit der Idee machte sich in einer unverkennbaren Gedrücktheit bemerkbar), mischten sich auch Bedenken und Widerspruch; grell klang durch diese Bewegung hindurch der Ausruf des Chefredakteurs eines Zentrumsblattes nahe am Sitze der.Rh.-W. g.':»Noch mehr Entgegenkommen?" Der badische Zentrumsführer Geistl. Rat Wacker stimmte Dr. Brauns bei, machte aber den überflüssigen Vorbehalt, daß eine Verständigung mit Anhängem des Großblocks ausgeschlossen sein müsse. Von Kölner Seite wurde die Idee ebenfalls gebilligt. Dortmunder Widerspruch wurde nicht laut, man hörte aber auch sonst kein Wort mehr für die Verständigungsidee. Im offiziellen Organ des SuguslinuSvereinS kehrte die Idee weniger zuversichtlich wieder. als sie in«öln gellungen hatte.(Lambert Lensing ist 2. Vor» sitzender des Augustinusvereiiis) Der Satz in dem erwähnten Artikel der.Rh.-W. Ztg.":„Es galt, dem Zentrum für seine allzu selbstsüchtige Parteipolitil auf den Stadthäusern einen Denkzettel zu geben", ist aber bestimmt inZentrumSführer» kreisenaufVer st ändniSge stoßen. Allerliebstl Höchst wahrscheinlich erleben wir eS also doch noch bei der nächsten ReichstagSwahl, daß im rheinisch- westfälischen Jndustricrevtcr das ultramontane „sozialpolitische" Zentrum mit dem groß- indusirielten Scharfmacherturn Arm in Arm zur Wahlurne marschiert— zur Erhaltung der heiligen Religion und de» lieben teueren Vaterlandes. Eine hundsgemeine Farce! Zur LandtagSnachlvahl in Elsast-Lothringen. Unsere elsässischen Parteiblätter, die Straßburger»Freie Presse' und die.Mülhauser BolkSzettung", veröffentlichen an der Spitze ihrer letzten Rummer einen Anfruf an die sozialdemokratischen Wähler, in welchem diese zur Unterstützung der liberal-demokratischen Kandidaten in den Wahlkreisen: Altkirch-Dammerkirch, Kolmar-West, Hüningen- Sierenz, Straßburg I und II. Brumath. TruchterSheim« Hochfeldcn, Bischweiler, Sulz-Wörth, Zabern-MaurSmüuster. Buchs« weiler-Liitzelstein, Metz I und II. Momigny-Sablon, St. Avold auf» gefordert und zugleich die Gründe dargelegt werden, die das Zentral» Wahlkomitee der sozialdemokratischen Partei Elsaß-Lothringens zur Abschließung eines Wahlbündnisses mit den Liberalen und Demo» kraten bestimmt haben. In dem Aufruf heißt eS: »DaS Zentrum ist die Partei der Heuchelei und des Volks» betrüge«, die vor den Wahlen dem Volk schmeichelt und ge- legenllich auch die Faust gegen die Regierung ballt, die nachher aber mit der Regierung liebäugelt, schacbert und kuhhandelt, im Interesse ihrer Sippe, zum Schaden des BolleS. Das Zentrum ist die Partei der Korruption und der Verlogenheit, die vor keinem Mittel, vor keiner Lüge zurück» schreckt, um den Gegner zu schädigen. Es ist die Partei der BolkSverhetzung. die mit der Religion, die von niemanden gefährdet ist. ungebührende Geschäfte zu machen sucht und sie m die Politik hineinzerrt. Das Zentrum ist auch die Partei des Wortbruche« und deS LolkSverrateS. vor den Wahlen verspricht c4, gegen neue indirekte Steuern und für arbeiterfreundliche Gesetze zu stimmen; es hat noch immer sein Wort gebrochen und für alle neuen indirekten Steuern gestimmt. Es ist in erster Linie verantwortlich für die Verteuerung aller Lebensmittel. Bekommt das Zentrum die Mehrheit im neuen Landlag, bann wird es auch weiterhin in unserem schönen Lande gegen das Volk wirtschasten. Gerade im Interesse des werktätigen Volkes muh daher diese drohende schwarze Mehrheit verhindert werden. Das Zentralwahlkomitee der sozialdemokratischen Partei Elsay-LothringenS ist daher mit der liberalen Landespartei und der Demokratischen Partei, die den Kampf gegen das Zentrum ebenfalls auf ihre Fahnen geschrieben haben, in Verhandlungen getreten. Diese Verhandlungen haben zu einer Einigung geführt. Die beiden Parteien haben die folgenden Punkte zur Grundlage ihrer Vereinbarung gemacht: 1. Beseitigung der Gemeindewohnsitzllausel und Einschränkung der Landeswohnsitzklausel. 2. Einführung der progressiven Einkommen- und Vermögens- steuer, Abschaffung der indirekten Steuern auf Lebens- und Genug- »Nittel. 3. Ausbau der Gewerbeinspektion, insbesondere gesetzliche Regelung des Bau-, Berg- und Hüttenarbeiterschutzes, Einführung des deutschen Gewerbegerichtsgesetzes, Vermehrung der Gewerbe- geeichte. 4. Sicherung des Koalitionsrechts für alle Arbeiter und An- gestellten der Privatindustrie, des Staats und der Gemeinde. 5. Bekämpfung aller auf die Klerikalisierung des Staates und seiner Einrichtungen, besonders der Schule, gerichteten Be- strebungen._ Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" für parlamentarisches Regime! Dasselbe Scharfmacherblatt, das sofort bereit wäre, den Reichstag von einem Leutnant und 10 Mann anseinander- sprengen zu lassen, sobald einmal ein vernünftiges sozialpoli- tisches Gesetzchen verabschiedet wird, ist jetzt über seine Aus- schaltung bei den Marrokkoverhandlungen wütend. Die ab- lehnende Haltung der Schwarzblauen zu dem nationalliberalen Antrag, den Abschluß der Marrokkoverträge von der Zustim- mung des Reichstages abhängig zu machen, begleitet das Blatt mit folgendem Kommentar: .Wir hören bereits, daß die Verträge mit Frankreich so gefaht sein werde»», daß sie in keiner Weise der Beschluß- fassung desReichstags unterliegen. Um so trauriger ist es, daß Konservative und Zentrum die Herbeiführung einer WillenSmeinung des Reichstages verhinderten, wonach vor Abschluß die Vertreter deS deutschen Volkes über diese Macht- und Ehrenfrage gehört werden. Der sterbende Reichstag hat Selbstmord begangen. Feigen Selbstmord. Mit diesem Makel soll er in der Geschichte fortleben I Denn es ist Feigheit, wenn er sich nicht dasselbe Recht zugestehen will, da« die französische Volksvertretung kraft der franzöfischen Verfassung von vornherein hat. Während die Franzosen ihre Staatsmänner auf Herz und Nieren prüfen werden, während sie etwa die schönen Verträge ganz und gar vernichten: verbinden sich die deutschen Volksvertreter höchsteigen- händig ihren Mund und entäußern sich ihres Rechts, dort zu reden, wo Schweigen Selb st- entwürdigung heißtl Es scheint, der Wahltag soll nicht nur Zahltag für die Regierung werden, die nicht die Stimme des Volkes hören will, sondern auch Gerichtstag über die Parteien, die aus allgemeinen augenblicklichen parteitaktischm Erwägungen heraus auch die Stimmen ihrer eigenen Wähler mißachten zu können vermeinen.' Schade, daß bisher es gerade auch die National- liberalen waren, die allen sozialdemokratischen Anträgen auf demokratische Ausgestaltung der Verfassung und Em- führung der parlamentarischen Regierung W i d e r st a n d ge- leistet haben. Und wir fürchten, daß die Herren auch in Zu- kunft sich nicht bester« werden, obwohl es auch ihnen vor den Ergebnissen des bureaukratischen Absolutismus graut._ Süddeutscher Eisenbahnerverband und die bayerische Staatsregierung. München, 25. Ottober. Heute begannen in der Kammer die Verhandlungen der Interpellation der sozialdemolratischen Frattion wegen des Borgehens der bayerischen Staatsregierung gegen den süddeutschen Eisenbahnerverband. Auf eine widerliche Hetze deS Zentrums ließ bekanntlich der BcrkehrSminister einen Erlaß gegen den süddeutschen Eisenbahnerverband hinausgehen, in dein die schärfsten Maßregeln angedroht werden für den Fall, daß man den sozialdemokratischer Gesinnung hinreichend verdächtigen Verband wirklich völlig einwandfrei überführen könne. Die Interpellation lautet: .Was hat die Kg l. Staat s'regierung zu ihrem Erlaß vom 15. August 1V11 gegen den Süddeutschen Eisenbahnerverband veranlaßt und wie will sie die Gesetzmäßigkeit dieses Erlasses begründen?'. Begründet wird sie»n vorzüglicher Rede durch Genosien Roßhaupter. Er legt zunächst da« Verhältnis des süddeutschen zilm christlichen Verbände der Zentrumspartei dar und- behauptet, daß die„papierene Sozialpolitik' deS Zentrums und die dadurch verursachte Mitgliederfluchl bei den Christlichen die erste Veranlassung zu der Hetze gewesen sei. Durch ein Verbot soll dem christlichen Verband die unliebsame erfolgreiche Konkurrenz vom Leibe gehalten werden. Genosse Robhnupter greift dann den Minister an, weil er gegen alles Recht und gegen seine in früheren Sesfionen geäußerte Ueber- zeugung einen solchen Gewaltakt gegen eine GeioerkschaftSorganrsation unternommen habe. Nach einer Reihe von Einzelfällen hat dieser Erlaß jetzt schon dahin geführt, daß Beamtenanwärter vor ihrer Be- förderung feierlich erklären mußten, nicht Mitglieder deS süddeutschen Verbandes zu sein. Der Erlaß und seine Durchführung bedeute einen»mgeheuerlichcn Verstoß gegen daS Koalitionsrccht, das in der vorigen Session durch den ZentnimSabgeordneten Graf Pestalozza als ein Naturrccht ausdrücklich auch den Staatsarbeitern zuerkannt wurde. Große Heiterkeit erregt in Anlehnung an eine Bemerkung von Müller-Meiningen im Reichstage die Konstaticrung, daß die Sozialdemokratie mit dem Zentrum nicht im �Konkubinat' gelebt habe, da ja über jene Ehe der Segen mehrerer Geistlicher gesprochen wurde. Bezeichnend für den guten Ton im Zentrum ist ein Zwischenruf deZ Abg. Held, der die Ausfiihnmgen Roßhanpters als»unverschämte LauSbüberei' bezeichnet. Minister v. Frauendorfer beantwortet die Interpellation. Der Berkehrsvertvaltiing fei durch mannigfach« Vorkommniste Zweifel aufgestiegen, ob der süddeutsche Eisenbahnerverband nicht doch� wie die Zentrumspreste immer behauptet habe, eine sozialdemokratische Organisation sei. Die Untersuchung habe nun ergeben, daß manches für diese Anffasiung spreche: 1. Die Tatsache politischer Agitation in den Werkstätten. 2. Die einflußreiche Stellung von Sozialdemokraten im Der- band. 3. Stellen aus dem Verbandsorgan. 4. Das Auftreten sozialdemokratischer Redner in Verbands- Versammlungen. 6. Die Tatsache, daß Mitglieder des Verbandes als sozial- demokratische Gemenidevertreter amtieren. 6. Die finanzielle Unterstützung der sozialdemokratischen Partei durch den Verband. 7. Die Zugehörigkeit einzelner Zweigvereine des Verbandes zu den Kartellen der freien Gewerkschaften. Ein Verteidiger des süddeutschen EisenbahnerverbandeS, so sagt Mnister von Frauendorfer, würde folgendes zugunsten des An- geklagten anführen können: 1. Der Verband ist nach seinen Statuten nur eine Vereinigung zu wirtschaftlichen Zwecken. 2. Ein Teil der Mitglieder bekennt sich nicht zur Sozial- demokratie. 3. Der Verband wendet fich zur Erreichung seiner Wirtschaft- lichen Ziele auch an andere Parteien. 4. Der Verband hat seit 1898, seit seinem Bestehen seine Ziele nicht geändert. 5. Die freien Gewerkschaften sind nicht identisch mit der sozial- demokratischen Partei. 6. Wenn auch einzelne Mitglieder sozialdemokratisch sind, so ist es deshalb noch nicht der Verband. Nachdem so Minister v. Frauendorfer zuerst als Staatsanwalt die Anklage begründet und sie dann als Verteidiger selbst wieder entkräftet, kommt er zum Schluß: Der Verband ist sozialdemokratischer Ge- sinnung stark verdächtig. Die Beweise reichen aber nicht hin zu einer Verurteilung, das heißt zu einer Auflösung. Darum hat sich daS Ministerium mit einer Verwarnung begnügt. Der Liberalismus in der Pfalz. Zwischen dcn Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volks- parte» für die Pfalz ist es zum Krach gekommen. Die Einigung?- Verhandlungen wurden abgebrochen. Ein einmaliger Aderlaß. Ein Ausspruch des Vorsitzenden der nationalliberalen Partei Württembergs, des Landtagsabgeordneten Kübel, über den Krieg verdient angenagelt zu werden. Auf der Wander- Versammlung dieser Partei in Böblingen ließ sich der liberale Gemütsmensch also vernehmen: .Niemand wird die Opfer, die bei den heutigen Waffen ein Krieg fordert, leicht nehmen, aber»vir müssen vielleicht eines TageS die Frage so stellen: gehen mehr Menschenleben in einem Krieg verloren, durch den wir uns und unserer Arbeit den nötigen Anteil am Welt- markt sichern, oder nimint Deutschland mehr ab, wem» durch Not und Hunger in späteren Jahrzehnten bei dem mächtig an- gewachsenen Boll Krankheiten, wie Schwindsucht usw., vermehrt, die Kindersterblichkeit erhöht und die Zahl der Gebrirlen»innatürlich beschränk» wird? Und da ist es nicht ausgeschlossen, daß man dann zur Ueberzeugung kommt, ein einmaliger Aderlaß in einem halben Jahrhundert sei einem chronischen Siech- tum vorzuziehen.' Diese Raubtierphilosophie ernsthaft zu behandeln hieße der nationalliberalen Geistesgröße zuviel Ehre antun. Mit dem Schreck- gespenst der Uebervölkerung de« Erdballs mag man liberale Kinder schrecken können, denkende Menschen lächeln über solche„Wissen- schaft'. Ein liberaler Politiker braucht auch nicht wissen, daß der Krieg gerade die körperlich und geistig Tüchtigen des Volkes ver- »richtet, die Schwachen und Untüchtigen verschont und so die Qualität des Volkes verschlechterte Aber eine ganz flüchtige Ueberlegung hätte ihn doch abhalten sollen, solche Argumente für den Krieg vorzubringen. Wenn wirttich einmal ein Ader- laß not tut, warum sollen dann die Schmarotzer und Faulenzer, die sich vom Mark und Blut des arbeitenden Volkes nähren, die dein Volke die Taschen leeren und lustig verprassen, was fleißige Hände in Not und Sorgen schaffen, nicht zuerst daran glauben? Warum soll das Menschengeschlecht fich von der In- telligenz der Bienen beschämen lassen? Kei»nt Herr Kübel das Herweghsche Gedicht nicht, in dein der Vers vorkommt: Menschenbienen, die Natur, Gab sie euch den Honig nur? Seht die Drohnen um euch Hers Habt ihr leinen Stachel mehr? Die Lebensmitteltcuernng und die Lübecker Bürgerschaft. Von der sozialdemokratischen Frattion der Lübecker Bürgerschaft war vor einigen Wochen folgender Antrag gestellt worden:.Die Bürgerschaft ersucht den Senat, in Rücksicht auf die in Lübeck herrschende Not der minderbemittelten Bevölkerung und die noch zu erwartende starke Zunahme der Teuerung die NeichSregierung auf- zufordern, t. die Lebensmittelzölle zu suspendieren. 2. alle Vieh- und Fleischcinfuhrverbote aufzuheben. 3. das System der Einfuhr- scheine zu beseitigen. Weiler wird der Senat ersucht, gemeinsam init der Bürgerschaft eine Kommission einzusetzen, welche hauptsächlich die Fragen zu prüfen hat. wie in Lübeck s) die Beschaffung billigen Fleisches, b) die Beschaffung billiger Kartoffeln, o] der Großimport von Gemüse, in die Wege geleitet werden kann.' Erst diese Woche kam vorstehender Autrag in der Bürgerschaf» zur Verhandlung und lvurde von unserem Genossen Stelling eingehend begründet. Was man nichl für möglich halten sollte, ge- schah dann: Die Bürgerschaft lehnte den Antrag mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und zweier Bürgerlichen a b. Unter den Rednern, die dem Antrag auf Linderung der LebenSmitteltenerung entgegentraten, befand sich neben dcn Agrariem auch der»liberale" Mischmäsch-RcichStagS- kandidat Julius Klein, der meinte, eine ganze Reihe von Artikeln sei gar nicht im Preise gestiegen und deshalb könne von einer Teuerung, wie sie von den Sozialdemokraten geschildert werde, gar nicht die Rede sein. Derselbe Klein hatte allerdings noch vor wenigen Monaten, als es sich darum handelte, seinen Kollegen, den Beainten, Gehaltserhöhungen zu verschaffen, betont, die Beamten ständen infolge der Teuerung vor dem Ruin. Man kann daraus ersehen, was die Arbeiter von ben Libe- ralen zu erwarten haben. Von dem Magistratstische wurde erklärt, daß in Lübeck einstweilen von einer Not nicht geredet werden könne. Der Senat sei jedoch bereit, durchführbare Anträge zur Linderung der Teuerung beim BimdeSrat einzubringen.— In Lübeck gehen Liberale und Reaktionäre bei der ReichstagSwahl Arm in Arm; daß sie gleich volksfeindlich und einander würdig sind, haben sie durch die gemeinsame Niederstinimung deS sozialdemokratischen Teuerungsantrages auf daS bündigste bewiesen. Das Arbeitskammergesetz nnd das Heimarbeitergesetz will der ietzige Reichstag nach Berichten aus dem Seniorenkonvent noch erledigen. Bisher standen der Verabschiedung dieser Vorlagen die Schlvierigkciten entgegen, die sich bei dem Arbeilskammergesctz auS der Frage der Zulassung der Arbeitersckretäre. bei dem Heim- arbeiisgcsctz au« der Frage der Lohnbücher ergaben. Nach einer Meldung des»Berliner Lolal-Anzeiger" und verschiedener anderer Blätter, die aus offiziöser Quelle bedient werden, schweben seit einiger Zeit über diese beiden Fragen Verhandlungen zwischen den Verbündeten Regierungen und den Parteien und diese Verhandlungen sind dem Anschein»mch jetzt soweit gediehen, daß man auf ein positives Resultat rechnen darf. Wie es heißt, will man beim Arbeits- kammergesetz die Arbeitersekretäre zulassen und beim Heiinarbeits- gesetz die Lohnbücher bewilligen. Landtagsersatzwahl in Schubin— Hohensalza—Strelno. Amtliches Wahlergebnis. Bei der Landtagsersatzwahl int Wahl- kreise Broinberg III. Schubin— Hoheitsalza— Strelno, erhielt von 549 abgegebenen Stimmen Gerichtsassessor a. D. Dr. Levy snatl.) 311 Stimnien. Propst Laubitz(Pole) 233 Stimnien. Dr. Levy ist also gewählt._ Ocltcmlcb. Die latente Krise. Wien, 2S. Oktober. Abgeordnetenhaus. Zu Beginn der ersten Lesung des Budgets erklärte Abg. K r a m a r z: Da vor- läufig eine parlamentarische Regierung wegen Mangels der erforderlichen Grundlagen nicht möglich ist, müssen die Tschechen, wenn sie an der Herstellung der Ordnung»md Paria- mentarischen Arbeit»nitwirken sollen, Garantien dafür haben, daß nicht ohne sie und gegen sie regiert wird. Die Rekonstruktion des Kabinetts hängt durchaus nicht mit dem Ausgleich zu- sammen, den die Tschechen wünschen, damit die beiden gleichstarken Nationen miteinander zum gemeinsamen Wohle des Landes arbeiten können. Redner warnte die Deutschen, die Politik des radikalsten Flügels zu befolgen und hierdurch die Verantlvortung für die Ver- eitelung de« nationalen Friedens auf sich zu nehmen. Abg. Fink erklärte, die Christlichsozialen würden für das Budget stimmen, falls die Abstimiuung hierüber nicht zur Vertrauensfrage gemacht werde. frankreicd. DaS Marokko-Abkommen und das Parlament. Paris, 26. Oktober. Nach einer halbamtlichen Mitteilung hat die Regierung beschlossen, das deutsch-französische Marokko-Abkommen dem Parlament erst dann zur Ratifizierung vorzulegen, wenn die A l g e c i r a s m ä ch t e dem Bertrag ihre Zustimmung erteilt haben. Lelglen. Gegen de» Klerikalismus. Brüssel, 2S. Ottober. Die sozialistische Kammer» fraktion hielt heute vormittag im Volkshause eine Versammlung ab, in der die politische Lage erörtert wurde. Die Erfolge des linksliberalen Kartells haben bei den Abgeordneten lebhafie Be« sriedigung hervorgerufen. Im Laufe der Versammlung gelangte eine Tagesordnung VanderveldeS zur Annahme, nach welcher die sozialistische Link« infolge der Gewinne bei den Gemeinderats« wählen die Auflösung des Parlaments fordert, sobald eine Vermehrung der Abgeordneten entsprechend der jüngsten Volkszählung votiert sein wird. Spanien. Neue Grausamkeiten. Der„Demokrat" C a n a I e j a s. der seine Regierung mit dcn großartigsten Reforinversprechungen angetreten hat, zeigt sich jetzt nicht allein als Ordnungsmann gewöhnlichster Sorte, der sich allen Ansprüchen der hohen Militärs wider- standslos fügt, es herrscht auch unter seinem Regiment das- selbe infame System der Menschenquälerei gegenüber den politischen Gefangenen, wie unter seinem klerikalen Vorgänger und Vorbild Maura. Unter der Ueberschrift„Die Torturen beginnen wieder" schreibt Malata in der Pariser„Bataille Syndicaliste" von furchtbaren Greueln. Bereits sind wieder 2O0O Personen verhaftet. Am schlimmsten wütet die„Orb- nung" in der Gegend von Valencia, wo infolge des furchtbare» Bauerneleuds die Volksbewegung einen heftigeren Charakter angenommen hatte. In Valencia selbst sind die Mitglieder aller Arbeitervereinigungen, die Lehrer und das Komitee der Modernen Schule in Haft, ihre Lokale geschlossen. In C u l l e r a, wo ein Richter und ein Ortsdiener getötet wurden, wurden die Räume aller politischen Vereine, selbst der monarchistischen Liberalen, geschlossen. Man hat die Mitglieder aller dieser Vereine und 300 andere Per» sonen verhaftet und sucht sie durch Grausauikeiten zu nötigen, sich als Täter zu bezeichnen. Man hängt sie au den Beinen auf und schlägt sie niit Stöcken. Dazu wird die seelische Folter angewandt, die Gefangenen ans den Kirchhof zu führen und sie mit lebendigem Eingraben zu be- drohen. Ueberhaüpt gehört das Spiel mit der Qual der Todesangst zu dcn beliebten Vergnügungen der Henkersknechte, die in den Scherißlichkeitcn der Stier- gefechte wie in den blutrünstigen Heiligcnlegenden der Kirche ihre Vorbildung zur raffinierten Menschenquälerei erfahren haben. So wurden während der früheren Ver- folgungen der„Schwarzen Hand": verzweifelter Bauern, die sich zu anarchistischen Gewaltakten hatten hinreißen lassen, die Leute ins Freie gebracht und ihnen die Augen verbunden unter dem Vorgeben, ihre Leidensgefährten seien schon er- schössen und nun kämen sie selbst an die Reihe. Jetzt erfüllen die Schmerzenörufe der Gemarterten die Straßen der Stadt und erregen Entsetzen. Ein Teil der Gefangenen wurde nach Valencia in daS MiistergcfäiigiiiS übergeführt, wo sie nicht »nenschlicher behandelt werden. In Cullera und an anderen Orten hat inan den OrtSvorsteher und andere Organe ver- haftet, da sie gegen die Rebellen mit zu großer Milde vor- gegangen seien. Die Leute auf den Straßen wagen nicht mehr laut zu sprechen. Die Straßen wimmeln von Patrouillen und Spitzeln, und die leise Denunziation eines konservativen Bürgers genügt, um einen Menschen in den Kerker zu bringen. Ein Mann wurde verhaftet, als er das Haus verließ, um Medizin für seine im Wochenbett liegende Frau zu holen. Man weiß nicht, wohin er verschleppt worden ist. Die Polizei schleicht sich bei Nacht in die Häuser, die mit Dietrichen geöffnet werden, und verhaftet die Leute in ihren Betten, um sie dann vor den Augen ihrer Familien zu mißhandeln. Auch die Transporte von einem Gefängnis zum anderen erfolgen in der Stille der Nacht und unter dcn größten Grau- samkeiten. Die spanische Presse schweigt. Die Zeusur erstickt jedes Wort.— Die Monarchie der blut- und schmutz- besudelten Bonrbonen will vor ihrem Zusammenbruch noch einmal beweisen, wie sehr ihre Wegfegung ein Gebot der Menschlichkeit ist. Schön aber ist es. daß auch hier wieder ein bürgerlicher„Demokrat" sich gesunden hat, um den Helfershelfer der Henkersknechte zu spielen. Amerika. Auflösung dcö amerikanischen Stahltrusts Washington, 26. Oktober.(W. T. B>.) Beim Bundes» gericht in Trenton("New Jersey) wurde von der Regierung ei» Antrag eingereicht, der die Auflösung des Stahltrufts und einiger seiner Untergesellschaftea verlaugt. GcweHtfchaftlicbee. Die Vermittelungstätigkeit der Arbeitgeber- arbeitQnacbwcire 1910. Das statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich 1911 bringt auch eine Uebersicht über diejenigen Arbeitsnachweise von Arbeitgeberverbänden, die im Jahre 1910 mehr als L00 Stellen vermittelt haben. Es sind deren 87, die ins- gesamt 753 992 Stellen zu verzeichnen hatten. Davon ent- fallen auf die Metallindustrie 234 713, auf die Textilindustrie 27 216, Baugewerye 115 635, Verkehrsgewerbe 301613, sonstige Geivcrbe 4507, gemischte Verbände 70303. In der Zusammenstellung des Jahrbuches fehlt der Nachweis des Zechcnverbandes mit 161 276 Vermittelungen, so daß damit die Gesamtzahl auf 915268 steigt. Mehr als 50(XX) Ver Mittelungen erreichte der Verband Berliner Metallindustrieller (68 488), der Zechenverband(161 276) und der Hasenbetriebs- verein Hamburg(236 835). Was von dieser„Vermittelungstätigkeit" zu halten ist, weiß man. In den meisten Fällen handelt es sich lediglich um eine Kontrollmahnahme. Außer in den Fällen von Streiks und Aussperrungen bemühen sich diese einseitigen Arbeitgebernachweise nur wenig um den eigentlichen Zweck eines Arbeitsnachweises, nämlich um die Beschaffung von ge- eigneten Arbeitskräften bezw. von passenden Arbeitsstellen. LerUn und Qmgegenck. Wie Unternehmer Wort halten! Der„Vorwärts" berichtete wiederholt über den Streik bei der Firma Bruno Pahlitzjch, Gncisenaustraße. Der Streik hatte seine Ursache darin, daß der Firmeninhaber die gestellten, Forde- rungen ablehnte mit der Begründung, daß die Arbeiter ja doch nicht daran dächten, getroffene Abmachungen auch zu haltem Nach einem Streik von 6 Wochen, nachdem von den Streikenden wiederholt der Versuch einer Verständigung gemacht worden war, einigte sich die Firma mit den Streikenden folgendermaßen: Allen Streikenden, isoweit dieselben einen Stundenlohn von unter 70 Pf. haben, wird der Lohn um 2)6 Pf. pro Stunde erhöht. Weiter versprach Herr Pahlitzsch, daß ein größerer Teil der Streitenden, vielleicht bis 30 Personen, sofort wiedereingestellt werden sollte. Die übrigen sollten eingestellt werden, bevor betriebsfremde Arbeiter, also solch«, die nicht am Streik beteiligt waren, eingestellt würden. Bei dieser Verhandlung, welche durch eine Kommission der Streikenden geführt wurdefverhältnis einzugehen. Der Streit dauert unverändert fort. Die Firmen sind gesperrt. Zurzeit befinden sich noch im Ausstand bei Simon 18 Plätterinnen. 7 Zuschneider und Zuschneide- rinnen, bei Blume 10 Plätterinnen. 1 Zuschneider und 7 Nahe» rinnen. Ein Teil der Streikenden hat anderweitig Arbeit ange» nommen Verband der Schneider und Waschearbeiter. In den Englischen Gaswerken(I. C. G. N-1 Gestehen zurzeit keine Arbeiterausschüsse. Im vorigen Jahre hatten die Mitglieder der damaligen Arbeiterausschüsse ihre Mandate niedergelegt, weil ihre Anträge auf Lohnregulierung von der Direktion nicht veaqlel wurden. Die ManssatSniederkegung Ivar eine Demonstration gegen. 1. April 1912 oB 62 Stunden wöchentlich. Die polnischen Firmen m a k,,„ 1„JC,„ Vi.(T\__ V��. OY.. z Z,* I'si~ St<»»*r S t o WOn&ia f<•> TTa tt S f>»t Olotavl /t A A die Nichtachtung, welche die Direktion den Ausschußanträgcn zuteil werden ließ. Die Direktion der I. C. G. A. hat keine Neuwahlen veranlaßt. Sie ist anscheinend sehr zufrieden damit, daß keine Arbeitervertretung besteht, welche der Direktion Mißstände, die im Betriebe bestehen, vortragen könnte. Die Arbeiter sind der Mei- nung, daß dieser Zustand ein Ende nehmen muß. Sie fordern, daß Nzieder Arbeiterausschüsse errichtet werden. Mit dieser An- gelegenheit beschäftigten sich am Mittwoch eine Anzahl von Ver- sammlungen der Arbeiter der I. C. G. A. in Berlin, Schöneberg, Weißensee, Oberschöneweide, Mariendorf und Groß-Lichterselde.— Ein von der Ortsverwaltung des Verbandes der Staats- und Gemeindearbeiter ausgearbeitetes Regulativ wurde den Versamm- lungen vorgelegt und angenommen. Das Regulativ ist natürlich so gestaltet, daß die Arbeiterausschüsse nicht nur Dekorationsstücke sind, wie es früher der Fall war, sondern so. daß sie die Interessen der Arbeiter wirksam vertreten können.— Die Versammlungen beschlossen, bei der Verwaltung der I. C. G. A. zu beantragen, daß Arbeiterausschüsse auf der Grundlage des Regulativs errichtet werden. Die Versammlungen forderten auch, daß den Arbeitern Teuerungszulagen gewährt werden. Die Redner wiesen darauf hin. daß die gegenwärtigen Löhne schon unier normalen Verhältnissen kaum hinreichen, um die notwendigen Ausgaben gm Arbeiterhaus- halt zu decken. Bei der jetzigen Teuerung aber seien die Löhne völlig unzureichend. Im Hinblick auf die gute Geschäftslage der I. C. G. A. könne diese Forderung der Arbeiter ohne weiteres er- füllt werden. Zu diesem Punkt nahmen die Versammlungen gleich- lautende Resolutionen an, worin gesagt wird: Die Handwerker und Arbeiter der I. C. G. A. erklären es als eine Pflicht der Verwaltung, schleunigst Maßnahmen zu treffen, um für ihre Arbeiter die Folgen der Teuerung zu be- seittgen. Als wirkungsvollstes Mittel betrachten die Versammelten eine Neuregulierung der Löhne auf Grund der schon im Herbst 1910 eingereichten Anträge. Die Versammelten protestieren erneut gegen die Behandlung ihrer Lohnforderungen und be- antragen mit Rücksicht auf die zurzeit gezahlten völlig unzu- reichenden Löhne die Zahlung einer laufenden Teuerungszulage mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1911. Achtung, Töpfer! Seit Mitte August 1910 besteht für Königs- Wusterhausen und Umgegend eine Zwangsinnung. Sie erstreckt sich über die Orte: Königswusterhausen, Deutschwusterhausen, Hoher- lchme, Wildau, Rotzis, Teupitz, Ragow, Schenkendorf, Brusendorf, Miersdorf, Zeuthen, Eichwalde, Schmöckwitz, Schulzendorf bei Waltersdorf, Kiekebusch, Waltersdorf, Zensdorf, Senzig, Gussow, Gräbendorf, Zeesen, Krummensee, Grotzbesten, Kleinbesten, Pätz, Großköris, Kleinköris, Löpten, Halbe, Freidorf. Tornow, Neuen- darf, Sputendorf, Egsdorf, Topchin, Motzen, Motzenmühle, Schöna eiche, Gallun, Mittenwalde, Schwerin. Wünsdorf, Wendischbuchholz. Prieros, Bindow, Friedersdorf, Cablow, Dannenreich, Friedrichs- Hof, Wernsdorf, Rauchfangswerder, Ziegenhals, Niederlehme und Storkow. Ein Tarif ist mit dieser Innung noch nicht vereinbart. Jedoch bestehen Einzeltarifverträge mit den Töpfermeistern: Gustav Brunner, Artur Greyer, Carl Ebel-Königswusterhausen. Otto Fitzner-Zeuthcn, H. Heese-Friedersdorf, Otto Woltersdorf. Karl Koser-Eichwalde und Max Spuhn-Miersdorf. Vorstehende Meister haben im Jahre 1910 den Altlandsberger Lohntarif anerkannt, er läuft ab am 30. September 1912. Für die Meister: I. Lenz, R. Domnisch, Th. Goebel, H. Kallenbach-Storkow und Julius Leh- mann-Mittenwalde besteht der Berliner Tarif 1902— 03, der ebenfalls noch bis 30. September 1912 Gültigkeit hat. Die Königs- wusterhausener Innung teilt uns nun mit, daß sie einen Tarif- ausschuß eingesetzt hat. Der hat den Beschluß gefaßt:„Von jetzt ab hat für das Zwangsinnungsgebiet Königswusterhausen und Um» gegend der Berliner Tarif vom Jahre 1910 mit 20 Proz. Abzug Geltung. Dem Beschluß ist auch die Quartalsversammlung am 23. Oktober 1911 beigetreten. Und wären somit alle zurzeit be- stehenden Einzelverträge außer Kraft gesetzt resp. erloschen." Schrumm! Wir natürlich können damit nicht einverstanden sein, denn diese Zumutung ist für uns ein Abzug von 10—15 Proz. der bestehenden Einzelverträge. Was haben sich die Herren wohl ge- dacht und was mag in ihren Köpfen vorgehen? Sie scheinen gar nicht zu wissen, was ein abgeschlossener Tarifvertrag für Rechts- kraft hat. Auch mutz es eigentümlich anmuten bei der jetzigen teueren Zeit, das Einkommen der Arbeiter schmälern zu wollen. Wo gerade das Gegenteil notwendig ist. Uns scheint, daß dies alles Mache des Obermeisters Gustav Brunner-Königswusterhausen ist. Genanntem Herrn ist ja der für Königswusterhausen bestehende Tarif schon lange ein Dorn im Auge. Hat er sich ja doch jahrelang geweigert, den Tarif anzuerkennen, und ist er ihm erst Anfang Juni dieses Jahres beigetreten. Für uns bestehen also noch für die oben angeführten Meister und Orte die abgeschlossenen Einzel- Verträge und darf kein Kollege unter diesen Tarifen bei den Firmen in Arbeit treten resp.arbeiten. Bei den Meistern der anderen Orte des Jnnungsgebietes, mit denen kein Tarif abgeschlossen ist, darf nur gearbeitet werden, wenn sie den einen oder den anderen der bestehenden Tarife schriftlich anerkennen. Jeder Kollege ist verpflichtet, sich sofort, falls er bei einem der oben angeführten Meister in Arbeit treten will, sich mit dem Berliner Filialbureau, Engelufer 15, in Verbindung zu setzen, damit ein Organisations� Vertreter mit dem betreffenden Meister zwecks Abschlusses des Tw rifes verhandelt. Unter keinen Umständen darf auf das Ansinnen der Innung, Bezahlung des Berliner Tarifs von 1910 unter Abzug von 20 Proz. eingegangen werden. Wir müssen den Kampf aus nehmen, und werden ihn durchzuführen wissen. Zentralverhand der Töpfer Deutschlands. Gau Groß-Berlin. In der Schirmfabrik von L i ch t e n st e i n, welche eine Anzahl Filialen in Berlin und Vororten besitzt, befinden sich die Schirm macher im Ausstand. Im Mai d. I. wurde zwischen dem Holz arbeiterverband und der Firma Lichtenstein ein Arbeitsvertrag abgeschlossen, durch welchen die Arbeitszeit von 00 Stunden auf 52)4 Stunden verkürzt wurde. In säst allen Betrieben ist diese kürzere Arbeitszeit seit Jahren üblich. Im Laufe des Sommers stellte die Firma nun mehrere unorganisierte Schirmmacher mit langfristigen Verträgen und 60stündiger Arbeitszeit ein, und stellte jetzt das Verlangen an die Kollegen, ebenfalls 00 Stunden zu ar- heiten. Im Weigerungsfall begann sie mit Entlassungen. Nachdem durch Verhandlungen, die eingeleitet wurden, eine Einigung nicht erzielt werden konnte, sind die dort im Betriebe beschäftigten Kolle- gen wie auch die Heimarbeiter in den Streik getreten. Nach der KOstündigen Tätigkeit bei Lichtenstein wird sich ja kein Schirm- macher sehnen. Die Branchenkommission. Deutsches Reich» Der Anschluß des Stukkateurverbandes an den Bauarbeitervrr- band ist durch Urabstimmung der Mitglieder des Stukkateurver- bandes beschlossen worden. Der letzte VerbandStag der Stukkateure hatte einstimmig beschlossen, die Entscheidung über die Frage der Angliederung den Mitgliedern selbst zu überlassen und dabei fest- gelegt, daß der Zusammenschluß mit dem Deutschen Bauarbeiter- verbände erfolgen solle, wenn sich an der Urabstimmung min- bestens zwei Drittel der Mitglieder beteiligen und von den Ab- stimmenden. 00 Proz. sich für die Angliederung aussprechen. An der Abstimmung haben sich rund 81 Proz. der Mitglieder beteiligt. davon erklärten sich 03 Proz. für den Anschluß. bezahlen die in die Woche fallenden Feiertage. Die Lohnbewegung der Flak-nglasmachcr in Altenfeld ist für die Arbeiter zu einem günstigen Abschluß gebracht worden. Die Firma mußte sehr bald einsehen, daß dem vereinten Vorgehen der Arbeiter kein Widerstand nutzt. Bewilligt wurde eine 5prozentige Lohnerhöhung zu den bisherigen Lohnsätzen. Außerdem erklärte sich die Firma bereit, einige weitere Verbesserungen durchzuführen. Es wurde ein Tarif, gültig bis 31. Oktober 1913, abgeschlossen. Ein Gewerkschastshaus in Augsburg. Ein langgehegter Wunsch der Arbeiter Augsburgs ist durch die Errichtung eines Gewerkschafishauses in Erfüllung gegangen. Mit der Gründung der Gesellschaftsbrauerei Augsburg durch den Deutschen Brauereiarheiterverband und den Ankauf der Brauerei zum„Blumenstbein" durch die Gesellschaftsbrauerei konnte die Frage des Gewerkschafishauses in befriedigender Weise gelöst werden. Das nun vollständig umgebaute Gebäude enthält iin Erdgeschoß große helle Wirtschaftsräume, im ersten Stock das Arbeitersekretariat und die Bureaus der GeWerk- schaften und die Z e n t r a l b i b l i o t h e k, im zweiten Stock die modern eingerichleien Fremdenzimmer mit vorläufig 40 Betten. Für die Reisenden ist ein besonderer Aufenthalts- räum ohne Trinkzwang geschaffen, ferner eine Badeeinrich- tung und ein Desinfektionsraum. Achtung, Optiker und Mechaniker! Bei der Firma Hensold u. Söhne sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Optikern und Mechanikern ist fernzuhalten. Arbcitcrfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltung Wetzlar. Ein Tarifabschluft der Bühnenarbeiter. Die im Gemeinde- und Staatsarbeiterverband organisierten Bühnenarbeiter am Augsburger Stadt- theater haben vor kurzer Zeit dem Direktor einen Tarifentwurf unterbreitet, auf Grund dessen die Arbeitsverhältnisse der Theater- arbeiter einer Regelung unterzogen werden sollten. Nach längerer Verhandlung kam zwischen dem Gemeinde- und Staatsarbeiter- verband und dem Theaterdirektor ein Tarifvertrag zustande, der den Arbeitern wesentliche Verbesserungen bringt. Neben der Regcli'ng der Arbeitszeit und einer Lohnzulage von täglich 35—50 Pf. erhalten die Bühnenarbeiter auch noch drei freie Tage im Monat und bei Erkrankungsfällen wjxd die Disse- renz zwischen Lohn- und Krankengeld bezahlt. Husland. 14 Millionen für die Eisenbahner sind in den österreichischen Staatsvoranschlag eingestellt. Nach Mitteilungen der Regierung im Staatsangestelltenausschuß des Abgeordnetenhauses sollen die Ouartiergelder der Beamten um 2 900 000 Kronen erhöht werden. Den Unterbeamten und Dienern mit 900—1000 Kronen Gehalt sollen 70 Kronen. allen anderen 80 Kronen als Zulage zum Ouartiergeld gegeben werden. Die etwa 100000 Arbeiter sollen eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 52 Kronen pro Jahr erhalten. Der Obmann der Eisenbahnergewerkschaft, Abg. Genosse Tomschik, bemängelte nachdrücklich diese Betrüge als viel zu gering, doch er» klärte die Regierung, nicht darüber hinausgehen zu dürfen. Letzte Nachrichten* Lichtenberg und Rummelsburg. � Lichtenberg. Die Stadtverordneten'ga?en in ihrer gestrigen Sitzung mit 27 gegen 14 Stimmen ihre grund- sätzliche Zustimmung zur Eingemeindung der Gemeinde Rum- melsburg in Lichtenberg. Erfolgreiche Lohnbewegung der Lithographen und Steindrncker in Posen.- Ein neuer Tarif ist von allen Firmen bis auf zwei kleine Be- anerkannt worden und tritt am 1. November mit zweijähriger Gültigkeitsdauer in Kraft. Alle Gehilfen erhalten tvöchentliche Lohn» zuwgen von einer Mark an beginnend. Für Lithographen beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden, für Steindrucker 52'/,. vom Zum englischen Parlcisireit, London, 26. Oktober.(Privattelegramm bell»VorkärlS''.) Die„Daily News" behauptet, daß eine Spaltung in der Ar» beiterpartei stattgefunden und daß die Sozialisten Thorne, Snowden, Lansbury und Jowett eine neue Partei ge- gründet hätten. Nach genauen Erkundigungen, die ich eingezog::» habe, haben die vier Parlamentarier keine neue Fraktion gegründet. Die Beziehungen zwischen ihnen und der Parteimehr, heit sind jedoch sehr gespannt. Ein kaiserliches Edikt. Peking, 25. Oktober.(Meld. d. Reut. Bur.) Ein kaiser, l ich es Edikt ordnet die Entlassung dcS Staatsministcrs Scheng. kungpao an, weil er in erster Linie für die Berstaatlichung der Eisen- bahnen verantwortlich sei, die die jetzigen Aufstände zur Folge gehabt haben. In dem Edikt wird erklärt, der Plan der Regierung habe das Beste des Volkes gewollt, aber Schengkungpao habe es nicht ver» standen, ihn erfolgreich durchzuführen, und er habe bei seinen Be- mühungcn. den Verstaatlichungsplan mit Gewalt durchzusetzen, das Gesetz überschritten. Der N a ch f o l g e r Schengkungpaos wirb der frühere Präsident des Verkehrsministeriums. Tangschaohi.sein. Gegen den Präsidenten und die Vizepräsidenten des Kabinetts, die das Schriftstück, durch das der Bcrstaatlichungs- plan genehmigt wurde, unterzeichnet haben, soll eine Untersuchung eingeleitet werden. In dem Edikt wird ferner die Haftentlassung des Präsidenten der Provinzialvcrsammlung von Szctschuan und anderer Tlhrcr des Aufstandes in Tschengtu angeordnet. Der frühere und der jetzige Generalgouvcrneur von Szctschuan. Tschaoerhsuen un> Wengscnuwen, sollen zur Bcraiitworlung gezogen werden. Ein Telegramm des Kriegsministers Dinlschaiig berichtet über Gefechte der Rcgicrungstruppen mit den Ausstandischen am 22., 23. und 24. dieses Monats, die offenbar unentschieden waren. Die gestohlenen jtreditbillette. Petersburg. 2«. Oktober.(Wl T. B.) Die in ver Ex- pedition des Amts zur Anfertigung der Staatspapiere gestohlenen Kreditbillette sind in einem Rauchzimmer nahe dem Kassengewölbe unter Schränken und Kisten aufgefunden worden. Es fehlen nur vierhundert Rubel. Unter dem Verdacht des Diebstahls wurden fünf Geldzähler verhaftet.(Siehe auch „Aus aller Welt".)__ Zugentgleisung. Bnznluk(Gouvernement Samara). 26. Oktover. Durch eine Zugentgleisung auf der Bogatower Zweigbahn der Taschkent-Bahn ist ein Schaffner getötet, der Maschinist tödlich vcrwnndct und der Lberschaffner verlebt worden. Zwei Wagen sind zertrümmert; die L o k o m o t i v e ist vom Bahn- dämm herabgestürzt. uu; /cuijatcguugruug von oec------;________ � /z, ovill wuwi.«» 4"_. Lerantw. Redatt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.! TH.Gl»cke,Berlin.Drucku.Lerlag:BorwärtSBuchdr.u Lertc�sanstalt PaulSingerLCo.,BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltungSbl. lt. 252. 28.laltj.iw. 1. Jfilßjjf hes„Nömills" �ttllller Ullllisllllll!. kmlag, 2?. Ndtaber ISU. KcichQtag. tvs. Sitzung bom Donnerstag, den 26. Oktober. mittags 12 Uhr. Am BundesratStisch: Dr. Delbrück, Mermuth. Die Besprechung der Interpellationen über die Teuerung Wird fortgesetzt. ?lbg. Graf Mielczynski(Pole): Die Frage der Zollpolitik ist Wohl lediglich mit Rücksicht auf die Wahlen in die Debatte gezogen worden. Was die Teuerung selbst anlangt, so ist sie auf die ver- fchiedensten Ursachen zurückzuführen. Sluch der Zwischenhandel ist daran nicht schuldlos, die Spekulation trägt vielmehr einen sehr großen Teil der Schuld. Als Maßregel gegen die Teuerung verlangt man die Abschaffung der Einfuhrscheine. Wenigstens die teilweise Ab- schaffung der Einfuhrscheine auf Petroleum und Kaffee halten meine politischen Freunde für notwendig. Ebenso halten wir eine zeitweise Aufhebung der Futter- m i t t e l z ö l l e für geboten. Ferner meinen meine Freunde, daß die Einfuhr argentinischen Fleisches nach Untersuchung durch deutsche Tierärzte ermöglicht werden müßte. In bezug aus die geforderte Oeffnung der Grenzen könnte man vielleicht Rußland gegenüber einige erleichternde Bestimmungen treffen.— Gegen die Krankheit schlägt die Linke Radikalmittel vor, bei deren Anwendung der Patient sterben würde; die Regierung gehl mit homöopathischen Mitteln vor. Die Hauptsache ist meiner Meinung nach eine richtige Regulierung des Zwischenhandels. Sehr wichtig ist ferner die Frage der inneren Koloni« f a t i o n. Wir betreiben sie, nicht um das Deutschtum zurück zu drängen, sondern um den Bauer aus dSn Händen der Zwischen« bändler zu befreien, und das haben wir mit Erfolg getan. Mit Energie miisien wir verlangen, daß unsere polnischen Bauern nickt systematisch von den Wohltaten der inneren Kolonisation aus- geschlossen und von ihrer Scholle verdrängt werden. Indem der polnische Bauer in die Stadt getrieben wird, wird er auch in die Reihen der Sozialdemokrat ie getrieben. Gerade die konservative Partei sollte daraus hinwirken, unseren ein- beimischen polnischen Bauer, diesen tüchtigen Landwirt und dieses konservative Element, auf der Scholle zu erhalten. Das liegt im Interesse der Landwirtschaft und der Allgemeinheit.(Bravo I bei den Polen.) Abg. Wachhorst de Wente lnatl.): Graf K anitz hat die Aus- führungen meines Fraktionskollegen Fuhrmann in Gegensatz zu bringen gesucht zu Aeußerungen des ebenfalls national- liberalen Stadtdirektors T h r a m m von Hannover. Dem gegen- über stelle ich fest, daß Herr Fuhrmann von einer Teuerung ge- sprachen hat nur bei Kartoffeln, Gcinüse, Milck, Butter und Eiern, daß er dagegen bei Getreide, Vieh und Fleisch das Be- stehen von Notstandspreisen ausdrücklich geleugnet hat. Tatsächlich ist auch die Getreideernte in ihrem Endergebnis gut, in den letzten Jahrzehnten ist das Erträgnis erheblich gesteigert, der Anbau ein intensiverer geworden. Auch in der Viehzucht hat unsere Landwirtschaft Fortschritte gemacht und ein Mangel an Vieh ist nicht vorhanden. Wenn die Prcfle versucht hat, einen solchen Mangel festzustellen und zu behaupten, so hat daS nicht günstig für die Kon- sumenten gewirkt, denn die Preise hängen heute nicht bloß ab von Angebot und Nachfrage, sondern werden auch von der öffentlichen Meinung beeinflußt. Tatsächlich sind auch die Fleischpreise, besonders die Schweincfleischpreise. bedeutend höher als es de» Viehpreisen entspricht. Bei Gemüse und Kartoffeln sind die Preise allerdings etwas höher. Doch auch hier ist es nicht so schlimm. Teilweise, z. B. in Hannover, ist die Kartoffelernte ganz vorzüglich gewesen und infolge der billigen Eisenbahntarife und der Tätigkeit der Kommunen ist der Kartoffelpreis durchaus nicht zu hoch. Die Erhöhung deS Milchpreises hat seine innere Berechtigung. Gewiß leidet unter den hohen Preisen der Mittelstand und die Ar- beiterschaft, aber man kann für die Folgen solch elementarer Ereignisse wie die Dürre nicht die Landwirtschast verantwortlich machen. Mit den von der Regierung getroffenen Maßnahmen bin ich durchaus einverstanden. Einem Abbau des Schutzsollsystems kann ich nicht zustimmen. Unser gemäßigtes Schutzzollsystem hat sich durchaus bewährt. Unsere Sparkassenguthaben haben sich in den letzten Jahren um 11 Milliarden vermehrt; das beweist, daß die wirtschaftliche Entwickelung auch der Arbeiterschaft zugute gekommen ist. Die Sozialdemokratie halte daher allen Anlaß, den Spuren zu folgen, die zum Schutzzoll hinführen. Da- gegen könnten die Futter mittelzölle wohl aufgehoben werden, wenn Sicherheit dafür geschafft werden könnte, daß diese Aufhebung auch wirklich den kleinen Landwirten zugute komme. Ob das möglich ist, erscheint mir allerdings zweifelhaft. Der M a i S z o l l könnte herabgesetzt werden auf die Höhe deS Futter- gerstenzollS. also auf 1.30. Glücklicherweise ist der hohe Futter- gerstenzoll, den der Bund der Landwirte immer fordert, nicht durchgegangen. Wäre das geschehen, so wäre es den Bauern nicht möglich gewesen, die Vieh- und Getreideproduktion so zu steigern und keine Regierung hätte dann unter den jetzigen Verhältnissen die Oeffnung der Landcsgrenzen verhindern können.(Sehr richtig I links.) Das beweist wieder, wie wenig die Politik deS Bundes der Landwirte im Interesse der Bauern liegt. Die Einführung argentinischen Fleisches haste ich nicht für angebracht. Ueberhaupt würde die Oeffnung der Grenzen einen Sturm der Entrüstung hervorrufen, nicht so sehr bei den Grotzgrundbesitzent, sondern vor allem bei den Bauern, die schon jetzt nicht wissen, wie sie ihr Vieh los werden sollen. Weit wertvoller ist die innere Kolonisation; durch sie wird auch für die Industrie der wichtige innere Markt gehoben. Leider soll die innere Kolonisation, die Ostmarkenpolitik, nickt in demselben Tempo fortgeführt werden wie bisher. Der preußische Landwirtschastsnünister führt als Grund dafür die teuren Grundstückspreise an. Warum zerteilt er denn nicht einige Domänen, um deutsche Bauern anzusiedeln? An Großgrundbesitzer sind in der Provtnz Sachsen mehrere Domänen verkauft worden. Der preußische LondwirffchaftSminister hätte statt dessen Hunderte von Familien fleißiger Bauern ansiedeln sollen. Wenn er die AnfiedelungSpolitik zum Stillstand bringen will, wird er nickt nur bei meiner Partei. sondern auch beim Deutschen Bauernbund den eutichtedensten Wider- stand finden. Graf Kunitz verlangte Schutz der nationalen Arbeit. Darunter verstehen meine Freunde aber nicht eine Politik zum Borteil der Großgrundbesitzer, tondern wir werden dafür kämpfen, daß die Einrichtungen, die einer bevorzugten Kaste den Staat überliefern, beseitigt werden und daß der deutsche Burger« und Bauernstand seinen Platz an der Sonne erhalt.(Bravo I bei den Nanonalliberalen.s... Abg. Dr. Pochnicke(Vp.): DaS Echo der Kanzlerrede in der konservativen Presie heißt:„Nieder mit den Hetzern, den Knallrote,, und den Blaßroten I Hoch die iiitcrnakionale Wirtschaftspolitik, die Politik Bismarcks I« Die Nationalliberalen werden vor dem Groß- block gewarnt. Das war der Zweck der Rede deS Reichskanzler» und der ihm folgenden Staatssekretäre. Die heutigen Mittagsblatter bringen einen Erlast an die Landräte, der dies noch deutlicher illustriert. Zur nachhaltigen Informierung der Regierung sollen sie beitrage» während der Wahlbewegung, ste sollen mitteilen, ob durch Flugblätter oder Kalender eingegriffen werden soll (Hört! hört I links), gleichzeitig sollen die Kosten angegeb en werden.(Lebhaftes Hört I hört I links). Jedenfalls nicht die Privat- lassen der Landräte, sondern öffentliche Gelder, Gelder, die von allen Steuerzahlern aufgebracht find, sollen für einseitige Partei- iiiterejscn hergegeben werden.(Große Unruhe rechts.) Der Herr Reichskanzler, der der Linken Uebertreibung vorwirft, hat selbst in atzlos übertrieben, den glänzenden Ausstieg unserer Wirtschaft nach der Einführung der Zölle schreiben Sie dieser Ein- sührung zu. Run, auf diese Einführung folgte bald nach 1906 die niedergehende Konjunktur. Wollen Sie hierfür auch die Zölle ver- antwortlich machen? Der allgemeine Aufstieg der Wirtschaft hat allgememrre Ursachen, er ist überall zu rvnstatieren, auch in dem freihändlerischcn England. Niemand von uns verwirst allen und jeden Zoll, auch Bamberger, der Typus deS Freihändlers tat das nicht. Wir verwerfen nur die Bereicherungszölle, den Mißbrauch des Staates zur Bercichening bestimmter Gruppen. Die Zölle müssen so bemessen sein, daß vorteilhafte Handelsverträge möglich sind. Von Ihnen(nach rechts) wird die öffentliche Meinung irre geführt, als wollten wir das ganze Schutzzollsystem niedereißen. Wir wollen Handelsverträge, die nicht diktiert sind von der Rücksicht auf den Großgrundbesitz, sondern von der Rücksicht auf das Allgemein- wohl. Die Sozialdemokraten verlangen Aufhebung des Einfuhrscheinsystems. Bei der Einräumung einer Uebergangszeit wären wir damit einverstanden. Weiter verlangt die Sozial- demokratie die Aufhebung der Grenzsperren. Wir wollen nur die Bestimmungen aufheben, die auf Um- wegen die Fleischeinfuhr verhindern sollen, nicht auch die Bestimmungen zum Schutz gegen Seucheneinschleppnng. Drittens verlangt die Sozialdemokratie sofortige Aufhebung der Lebensmittelzölle. DaS machen wir nicht mit. Diese Frage hat ein anderes Gesicht bei der Einführung der Zölle als bei ihrer Aufhebung. Hat der Zoll lange bestanden, so sind Wirkungen ein- getreten, die man als praktischer Politiker nicht unberücksichtigt lassen kann; die Einwirkung auf die ReichSkasse nnd auf die Preise; zudem bilden die Landwirtschafts- und Jndustriezölle ein System, von dem man den einen Teil nicht abschaffen und den anderen unberührt lassen kann. Hiernach werden Sie also wohl nicht weiter be- haupten, daß wir dieZölle ausLebensmittel ohne weiteres abschaffen wollen. Slber halten Sie(nach rechts) den Zolltarif für ganz fehlerlos? Die Zölle haben ein ungeheueres Steigen der Gütcrprcise verursacht, und die neuen Besitzer rufen nach erhöhtem Zollschutz. Slber weder die Massen noch die Industrie werden sich weitere Zoll- erhöhungen gefallen lassen. Durch die Zölle auf Brotgetreide wird namentlich der Großgrundbesitz bevorzugt, der ja, wie Graf Kanitz hier ausgeführt hat, die Viehproduktion den kleinen und mittleren Bauern überläßt. Einer gesunden Grundbesitzbildung wirken diese Getreidezölle direkt entgegen, sie b e g ü n st i g e n die Fideikommißbildung und beeinträchtigen die innere Koloni- sation, die überhaupt noch sehr einflußreiche Gegner hat. In der Rede des Reichskanzlers wurde die wünschenswerte Wärme des Tones vermißt, aber bei der Rede des Ministers von Schorlemer sank die Temperatur noch tiefer. Er sagte, das deutsche Volk sei in eine Teuerungsstimmung hineingeredet. Hat der Minister noch niemals abgehärmte Frauen mit blassem Gesicht früh morgens in Berlin vor den Schlächterläden warten sehen, um etwas Abfallsleisch zu kaufen? Kennt der Minister v. Schorlemer nicht die Petitionen der Beamten, der deutschen Telegraphenarbeiter, der christlichen Bergarbeiter und so vieler anderer Arbeitervereinigungen? Aus diesen bekommt man ein ganz anderes Bild davon, wie es der Bevölkerung geht, als man in manchem Ministerium offensichtlich hat. Die Schuldigen an den teueren Preisen, so weit man solche überhaupt zugibt, sollen überall sitzen, nur nicht in der Nähe der Minister; schuld soll sein die Presse, der Kleinhandel, der Groß- Handel. Nun, in der Presse wurde der erste Schreckschuß abgegeben durch die hohe StaatSregierung mit ihrer Notiz über die Kartoffeln. Gegen den Zwischenhandel ist losgezogen worden, besonder? gegen die Schlächter. In Berlin haben 1236 Schlächter, das find zwei Drittel sämtlicher Berliner Schlächter, »ur ein gewerbliches Einkommen von 2400 M.(Lebhaftes Hört! hört I links.) Diese Anklagen gegen den Zwischenhandel gehen von denselben Kreisen aus, die sonst mit Worten so gern den Mittelstand retten und ihm Preisvereinbarungen gestatten wollen. Die vom Minister v. Schorlemer angeführten Zahlen sind ganz haltlos. Er stützt sich aus eine Statistik, die im Sekretariat deS LandwirtschaftSrats, dem Professor Dr. Dedt vorsteht, an- gefertigt ist, und in der beim Scklveinefleisch die Köpfe und B e i n e n i ch t eingerechnet sind, als ob die Schweine ohne Köpfe und Beine herumlaufen.(Große Heiterkeit und Sehr gut! bei der Volksparlei.) So sollte» in Königsberg die Kartoffeln 2,60 M. kosten, in Berlin 8,00 M. Die HandclSwelt war ganz erstaunt, als sie das hörte, von solcher Differenz wußte niemand etwas. Der Minister hat übersehen, daß man in Königsberg nach �einfachen Zentnern notiert, in Berlin nach Doppelzentnern.(Schallende Heiterkeit.) Keiner will schuld sein. Herr v. Bethmann sagt waS kann ich denn dafür, daß eS nicht geregnet hat. Dafür kann er wirklich nicht; ckupiter pluvius(Regengott) zu sein, hat niemand von ihm verlangt(Heiterkeit), wohl aber, daß er die üblen Folgen der Regenlos igkeit abwendet oder mildert. Eine Verwaltung, die so günstig wirtschaftet, wie die der Eisenbahnen, kann wirklich etwas für die deutsche Viehzucht und die deutschen Fleischkonsumenten tun. Alles andere lehnt man ab. Man lehnt ab die Er n fuhr des argentinischen Fleisches. Kein Wort davon, daß man die Einsuhr der wichtigen Kleie erleichtern will. Die Aufhebung, auch nur die zeitweise Aufhebung der Futtermittel. zölle wird rundweg abgelehnt, abgelehnt aus Rücksicht auf den Großgrundbesitz, der Konkurrenz für das Brotgetreide fiitchlet.� jjaljre erklärte der Landwirtschaftsminister— der preußische natürlich: b e i g u t e r E r n t e übt der Zoll keinen Ein- fluß. Heute erklärt der Minister: bei s ch l e ch t e r E r n t e übt der Zoll keinen Einfluß. Also heute so. morgen so.(Sehr wahr I links.) Die bayerische Regierung denkt anders über die Frage der Futtermittelzölle. Warum nimmt kein Vertreter der bayerischen, der badischen Regteriing das Wort?(Sehr gut! links.)— Die Frage der Futtermittelzölle ist ein wahrer Prüfstein für die Baneriisreundlichkeit der Zollpolitik.(Zu- stimmung links; Zuruf des Abg. Dr. A r e n d t: Wachhorst de Wente I) Der Abg. Wachhorst de Wente hat über diese Frage Ausführungen gemacht, die sich in gleicher Richtung bewegen, wie meine. Die gegenwärtige KrifiS enthüllt die innere Schwäche der Agitation des Bundes der Landwirte, den Interessengegensatz zwischen Getreideproduzenten und Viehzüchtern, zwischen großem und kleinerem Grundbesitz. Und der Großgrundbesitz herrscht in den Organi- sationen der Landwirtschaft. Er beherrscht den Bund der Landwirte— ich erinnere an die Großgrundbesitzer Dr. R ö s i ck e und v. W a n g e n h e i m er beherrscht die Landwirtschafts- kammern, aus denen oder doch aus deren Ausschüssen er den mitt- leren und kleineren Besitz fernzuhalten weiß.(Leb- Haftes Sehr richtig I links; Lärm, Unruhe und Zurufe rechts.) Sehen Sie nach Mecklenburg. Dort will die Ritterschaft den Be- wohnern des DomaninmS, das volle zwei Drittel deS Landes ausmacht, ganze 12 unter de» SV Mitglieder» des ge- planten neuen Landtages zugestehen.(Lebhaftes Hört! hört! links.) AuS den K r e i S a u s i ch ü f s e n wird der kleine Bauer systematisch ferngehalten.(Sehr wahr I liickS. Zuruf rechts: Unsinn!) Dieser Znruf zeugt von der angeborenen Höflichkeit der Edelsten und Besten!(Heiterkeit und lebhafte Zustimmung links.) Warum versucht die Regierung nicht es mit der S u s p e n s i o n der Futtermittelzölle? Sie hat doch für diese Blaß- regel die Mehrheit selbst in diesem Reichstag. Wenigstens bat sich doch auch das Zentrum durch Dr. Heim dafür erklärt. Sehr temperamentvoll freilich klang der Beifall nicht, den das Zentrum diesen Worten spendete.(Heiterkeit und Ziistimmung.) Herr v. Bethmann Hollweg erklärt, über den Parteien zu st ehe n.(Heiterkeit links, Zuruf: Ach, du lieber Gott!) Wir wissen, was das heißt: über den Parteien stehen. B ü l o w hat eS erfahren, als er gestürzt wurde, weil— Oldenburg sein großes Portemonnaie gefährdet erachtete und Herr v. Heydebrand die Branntweinsteuer für den springenden Pimkt der Reichsfinanzreform erklärte.(Hört! hört! und Sehr wahr! links.) BlllowS Nachfolger hat nunmehr die Sammelparvle aus- gegeben. Der Abg. Fuhrmann hat diese Sammelparole ab- gelehnt und Abg. Fuhrmann hat, wie ich erfahre, dies auf ein- stimmigen Fraktionsbeschlusi getan.(Hört I hört I rechts und links.) Lenderungen der Wirtschaftspolitik find nicht von diesem, sondern erst vom nächsten Reichstag zu erivarten. Ich will nicht prophezeien. aber ich gestehe, daß ich dem 12. Januar frohen Mutes entgegensehe.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Wahlen von Oletzko-Lyk, Labia»- Wehlau, Kempten. Ko stanz(Abg. R i e s e b e r g schreit dazwischen: Halle!) sprechen eine deutliche Sprache. Wenn dem schwarz-blauen Block auch nur 30—40 Mandate abgenommen werden, so ist das konservativ-klerikale Joch vom Rücke» deS deutschen Bolkes genommen. (Stürmischer Beifall links, tosender Lärm rechts.) Und so hoffen wir denn, daß die große liberale Partei, daß die bürgerliche Linke gestärkt aus den Wahlen hervorgehen wird.(Stürmischer Beitall' bei den Liberalen, Zischen rechts. Ein Antisemit übt sich im Pfeifen.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Von Mitteln gegen die Teuerung war in der Wahlrede des Dr. Pachnicke nicht die Rede.(Zurufe links.) Was kann der Schutzzoll, was kann die Regierung, was kann die deutsche Landwirtschaft für die Teuerung? Daß die Dürre so kurz vor den Wahlen eingetreten ist, ist ein wahres Schweineglück für die Opposition.(Sehr wahr I rechts.) Man spricht von der Aufhebung des G e m ü s e z o l l S. DaS bißchen Kohlzoll macht den Kohl auch nicht fett.(Heiterkeit.) Der Sozialdemokrat a. D. Calwer hat überzeugend die Notwendigkeit des Zollschutzes nachgewiesen. Auch der Sozial- demokrat M a u r e n b r e ch e r hat in den„Soziali st is che» Monatsheften" so vernünftige Ansichten über diese Frage entwickelt, daß er wohl nächstens fliegen wird.(Heiter- keit und Sehr gut I rechts.)— In den Ausführungen des Dr. Heim waren Rosinen, die der Linken gefielen. Akzeptieren Sie den ganzen Kuchen, dann nehme ich auch die Rosinen mit in de» Kauf. DaS Resultat dieser Debatte ist ein großer Sieg der Schutzzollidee. Nicht einmal der Sozialdemokrat S ü d e k u m hat sich unbedingt zum Freihandel bekannt. Der Abg. Pachnicke bat hier die Bauern gegen die Groß- grundbesitzer aufgehetzt.(Lebhafte Zustimmung rechts; Ilnriihe links. Abg. Pachnicke ruft zum Präsidenten Grafen Schwerin- Läwitz herauf: Ist„aufhetzen" ein parlamentarischer Ausdruck? Graf Sckwerin-Löwitz konferiert mit den Schriftführern und ruft den Dr. Arendt nicht zur Ordnung.) Wenn Großgrundbesitzer in den leitenden Stellen der Landwirtschaft sitzen, so verdanken Sie das dem Vertrauen der Bauern. Und sitzen in den Handels kammern Kleinhändler oder nickt vielmehr Großkaufleute? (Lebhafte Zustimmung rechts.) Draußen im Lande sehen wir einen Wahlblock von Bassermann bis Bebel. Hier im Reichstage aber sehen wir einen Schutzzollblock von Kanitz bis Bassermann.— Wachhorst de Wente hat sich nur theoretisch, nicht praktisch für die Suspension der Lebensmittclzölle ausgesprochen. Dr. S ü d e k u m sprach von den Sterblichkeitsziffern. Im frei- händlerischen England ist in den amtlichen Totcnregistern oftiiials „Hungertod" verzeichnet.(Hört! hört! rechts.) Daß in England gefrorenes Fleisch eine große Rolle in der Volksernähriiiig spielt, ist gerade ein Zeichen des Niederganges. Wer wie ich gefrorenes Fleisch gegessen hat, der weiß, daß es auf die Dauer ungenießbar ist. Das wird sich auch herausstellen, wenn man daS Fleisch zulassen wird. Im Gegensatz zu Dr. Südekum muß ich betonen, daß nicht bloß Großgrundbesitzer, sondern auch Bauern am Körnerbau interessiert sind. Ich habe noch eine Erflärung zu den Ausführungen der national- liberalen Redner, besonders des Herrn Fuhrmann, abzugeben. Wir begrüßen das unumwundene Bekenntnis der nationallibcralcn Partei zuni Schutzzoll. Wir vermissen den Hinweis auf die Gefährlichkeit der sozialdemokratischen Agi- t a t i o n. Die schroffe Stellungnahme der Nationallioeralen gegen rechts schmerzt uns als Mittelpartei ganz besonders.(Sehr wahr! rechts.) Aber trotzdem und trotz der schroffen Haltung eines Teiles der nationalliberalen Partei werden wir unsererseits die Brücken nicht abbrechen, zumal wir viele Ziele mit den National- liberalen gemeinsam haben. Mit Freude haben wir das Bekenntnis zu einer energischen Weltpolitik in der Rede des Abg. Fuhrmann vernommen und wir erkennen an, daß auch die Freisinnige Volköpartei mehr und mehr von ihren früheren kosmopolitischen Ideen zurückkommt. Auch wir wollen nicht daSZentrum als auSschlaggebcndePartei, das will niemand, ichglaube auch das Zentrum selbst nicht.(Heiterkeit.) Bei dieser Gemeinsamkeit sozialer Ziele und Anschauungen bedauern wir es. daß national- liberale Redner sozialdemokratische Wendungen gebrauchen.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Wer nicht will, daß die Sozialdemokratie übermächtig wird, der muß dafür sorgen, daß eine starke Rechte hier ini Hause bleibt, denn eine solche ist das beste Gegengewicht gegen die Umsturzpartei.(Bravo! rechts. Heiterkeit und Zurufe links.) Ihre(zu der Linken) Heiterkeit bei so einer ernsten Sache ist sehr bedauer- lich.(Bravo! rechts. Erneute Heiterkeit links.) Ich hoffe, daß der gesunde Sinn die nationalliberalen Wähler trotz aller Fraktionsverärgerung in die Front führen wird, in die sie gehören, in die nationale Front gegen den Umsturz. (Bravo! rechts.) Und ebenso hoffe und wünsche ich, daß die nächsten Wahlen ein Festhalten an unserer Wirtschaftspolitik bringen und unser Volk vor einem verhängnisvollen Sprung ins Dunkle bewahren werden.(Lebhafter Beifall rechts.) Landwirtschaftsminifter v. Schorlemer: Herr Pachnicke hat mir eine Verwechselung vorgeworfen. Ich habe aber von vornherein gesagt, daß ich eine Verantwortung für die Richtigkeit der Zahlen deS Deutschen LandwirtschaftSrats nicht übernehmen könn«. (Lachen links.) Die große Spannung zwischen den Vieh- und Fleisch- preisen ist übrigens auch nach einer Statistik des Städtischen Statistischen Amts in Berlin zu verzeichnen. Ich wiederhole, die Fleischer täten bester, statt beim Schweinefleisch des armen Mannes lieber beim Rind- und Kalbfletsch, das vom besseren Publikum ge- kauft wird, höhere Prene zu nehmen.— Aus die O st m a r ke n- p o l i t i k hier einzugehen, habe ich keinen Anlaß. Ich bin aber gern bereit, im preußuchen Landtage der Behauptung entgegenzu- treten, daß die Ostmarkenpolitik im Abbau begriffen sei. Die innere Kolonisation beschäftigt die preußische LandwirtschaftS- Verwaltung dauernd. Die Auftechterhaltung großer Güter ist im Interesse unseres Körnerbaues notwendig.(Bravo I rechts.) Abg. Werner(Antis.): Den Grund- und Bodenwucher wird Herr Pachnicke nicht nur auf dem Lande, sondern noch mehr in den Städten finden. Auch erinnere ich ihn daran, daß es eine neue Art Großgrundbesitzer gibt. daZ sind die großen Bankiers und Warenhausbesitzer. � Herr Pachnicke sollte seine Vorwürfe statt gegen die Regierung lieber gegen seine Freunde in der Berliner Stadtverwaltung richten. Der. V o r w ä r ts" betont heute seh» mit Recht, daß die Kommune Berlin absolut nicht durchgreifende Maßnahmen gegen die Teuerung ergriffen habe. An unserer Wirtschaftspolitik halten wir nnbedinat fest.(Bravo I rechts.) Abg. Lrhinann-Jcna(wildk.): Die Teuerungsdebatte dauert nun bereits t Tage, aber ich habe noch nicht bemerkt, daß die Lebensmittel billiger geworden sind.(Lachen links.) Erfreulich ist, daß der Reickskanzler durch die Debatte veranlaßt worden ist, zu erklären. daß er zähe an der b., rührten Wirtschaftspolitik � festhalten werde. Bon den Freisinnigen hätten wir gern gewußt, wie weit eigentlich die Zölle nach ihrer Meinung abgebaut werden sollen.(Sehr gutl rechts.)— Ter Bund der Landwirte steht hoch über den Angriffen des Bauern� dundes. Der Bund der Landwirte ist ausgebaut auf Wahrheit und Wahrhafttgkeit. (Große Heiterkeit links.) Herr Scheidemann ist doch außerhalb des Hanfes ein ganz vernünftiger Mann.(Heiterkeit rechts, Vize- Präsident Schultz: Dieser Gegensatz ist kränkend!)— Dann will ich „außerhalb des Hauieö" fortlasse». Ich möchte aber Herrn Scheide- mann fragen, ob etwa hohe Lebensmittelpreise ein Zeichen niediiger Kultur sein sollen. Steigend« Kultur bringt mit sich ein Sinken des Geldwertes; dies hat zur Folge steigende Löhne und die weitere notwendige Folge ist ein Steigen der Fertigwarenpreise. Davon können die landwirtschaftlichen Produkte keine Ausnahme machem Schuld an der Teuerung sind auch die Der Antrag Bebel wird gegen die Stimmen der Rechten und des Zentrums angenommen. Schluß 7Vz Uhr.______ parlamcntanfcbes* Auswüchse der soziale» Gesetzgebung. Dieser Vorwurf trifft den ganzen Reichstag. Es ist nur ein großes Glück, daß die Verbündeten Regierungen in dieser Beziehung manch- mal doch noch vernünftig gewesen sind.(Heiterkeit.) Uebrigens be- währen sich in dieser Zeit wieder einmal die landwirtschaftlichen Naiurallöhue, die Sie(zu den Sozialdemokraten) immer bekämpfen Sie würden sich ein Verdienst erwerben, wenn Sie dafür sorgen wollten, daß dem Belke dir Bcrgnügungssncht, der Hang zum LuxuS etwaö mehr eingeschränkt wird. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)— Interessant ist, daß all die Futtermittel, die zollfrei eingehen, sehr hoch im Preise stehen, während die anderen verhältnismäßig normale Preise haben. Es ist überhaupt alles teurer geworden. waS der Bauer kaufen muß Daher sollte man ihm auch einen kleinen zeitgemäßen Aufschlag auf seine Produkte gönnen. Vor allem sollte die Regierung endlich meinen Antrag verwirklichen, für den ich wse eine Löwin für ihr Junges gekämpft habe(Heiterkeit), wonach die.Kosten der Vieh seuchenbekäinpfung vom Staat übernomnien werden sollen. Das Traurigste ist. daß der Landwirt ganz von der Preisbildung seiner Produkte ausgeschaltet ist. er muß nehmen, was der Müller zahlen will.(Lacken bei den Sozialdemokraten.) Heute Land- Wirt zu sein, heißt ein Opfer für das Vaterland bringen.(Große Heiterkeit links.) Die Regierung möge an das Wort denken: Und wäre nicht der Bauer, so hätten wir kein Brot.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Korfanty(Pole): Meine politischen Freunde halten die Frage, ob Schutzzoll, ob Freihandel, lediglich für eine Frage der Zweckmäßigkeit. Vor allem handelt es sich darum, daß die Wirt- schaftspolilik B r o t schafft, nicht die Preise soll sie herabmindern, sondern soviel Verdienst schaffen, daß auch die ärmere Bevölkerung hohe� Preise zahlen kann. Unsere Wirtschaftspolitik hat aber unserer Bevölkerung lohnende Beschäftigung nicht geschaffen. Rußland hat einen EingangSzoll auf Kohlen eingeführt, wodurch wir den russischen Markt verloren habe». Die Ausfuhr von schlesiicher Kohle ist erheblich zurückgegangen. Die gesamte Industrie Ober'chlestenS leidet unter den Folgen unserer Wirlschafls Politik, und deshalb müssen wir verlangen, daß die Regierung unS mit Frachtermäßigungen entgegen kommt; das ist ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, da lohnende Arbeit in unserem LandeSteile gerade zuiolge der Wirrschaslspolitii fehlt.— Einen kräftigen Bauernstand halten wir für die Zukunft der Nation. Aber die Ansiedelungspolitik der preußischen Regierung müssen wir verdammen. Die Ansiedler müssen ausgesucht werden ohne Rücksicht aus Nationalität und Konfessionalität. Die preußische Ansiedelungs Politik dagegen ruiniert den Bauernstand, sie bat dazu bei- getragen, die Bodenpreise in die Höbe zu treiben und den Boden ganz zu mobilisieren. Oberschlesien zeigt eine Besitz Verteilung dcS Bodens in klassischer Weise, wie sie nicht sein soll. Hier herrscht uneingeschränkt der L a t i f u n d i e n b e s i tz. Da ist es kein Wunder, wenn die Lebensmittel teuer sind. Man fördert die Entwickelung zum Großgrundbesitz mit ihrem zerstörenden Ein- fluß auf die Wirtschaftspolitik noch durch Gründung von Fidei- kommisscn, wobei man den reichen Herren noch die Stempel- kosten im Gnadenwege erlätzt. Solche Politik müssen wir bekämpfen. Abg. Herzog(wirtsch. Vg.): Nicht die Vieh- und Kornpreise sind hock, wohl aber die Fleisch- und Broipreise. Dem schwarz- blauen Block kann man daran nicht schuld geben, es gibt ja über- Haupt keinen einheitlich geschlossenen schwarzblauen Block. Notwendig ist eine Umgestaltung unseres ganzen Bodenreckls. Die Schuld der Presse an der Steigerung der Preise ist unbestreitbar. Abg. Kobclt(Vp.): Der preußische LandwirtschaflSininister hat bei seiner Antwort auf die Schweine ohne Köpfe und Beine doch wohl eingesehen, daß es nicht genügt, sich von dem Ministerialdirektor informieren zu lassen, daß man davon nichts versteht, wenn- man nickt direkt damit aufgewachsen ist. (Heiterkeit.)— Statt auf Abhilfe für die Uebclstäude im Bundesrate zu drängen, stellt sich der LandwirlschastSminister hin und bläst nach unten:„Wir hier oben wollen nichts machen; besorgt ihr es". (Sehr gut! bei der Volkspartei.) Und was für Mittel gibt ei den Städten an. Sie sollen einfach alle die Leute ausschalten, die im Zwischenhandel beschäftigt sind. Er bedenkt gar nicht, daß hie Slädte gar nicht die Nahrungsvcriorgung in die Hand nehmen können. ohne recht tief in' deii Steuersäckel zu greifen. Redner wendet sich dann gegen die Slnsfübrungen, die über die Spannung von Vieh- und Fleischpreisen gemach» sind, speziell auch von dem bayerischen Minister Breltreich im bayerischen Landtag. Ich ivollte auf die Statistik des Landwirt- schaftSministerS eingehen, aber er hat sie inzwischen s e I bst als falsch bezeichnet. Wie kommen denn solche Statistiken zu- stände. Da kommt in K ö n i g s b e r g ein S ch u tz m a n n in den Laden und fragt: Was kostet das Pfund Schweinefleisch usw. In München tragt die Regierung ihre Beamten: was zahlen Sie bei dem und dein Schlächter für das Pfund Fleisch von der und der Sorte. D« s w i r d d a ir» z n s a m in e n g e r e ch i» e t und die Statistik ist fertig.(Große Heiterkeit.) Dem Mittel« stand, den Handwerkern und Geiv erbetreibenden haben Sie Lasten über Lasten auferlegt; zuweilen legen Sie ihnen auch ein kleines Pflästercheu auf, freilich nur. wenn es Sie s e l b st nichts k o si e t.(Sehr richtig I links). Jetzt aber sagen Sie. die Städte sollen den Zwischen- Handel seitist übernehmen. WaS ans den schwer ringenden Existenzen werden soll, das mach: Ihnen keine Kopfschmerzen.(Sehr richtig I bei der Volkspartei.) Aus die Dauer werde» Sie sich der Zulassung argentinischen Fleisches nicht entziehen können; auch die Vieheinftihr sollten Sie erle,chlern und in eine zeitweilige Aufhebung gewiffer LebenSmittelzölle willigen.(Bravo! b. d Vp) Hierauf vertagt sich das Haus aus morgen 12 Uhr. Der Präsident schlägt vor, morgen in der Tagesordnung(Fort- setzling der Besprechung) fortzufahren Abg. Bebel(Soz.j beantragt, morgen zunächst die Interpellation Über die Maul- und Klauenseuche auf die Tagesordnung zu setzen. Die Abgg. Wicmer(Vp.) und B-ffcrmaini(natl.) schließen sich dem an,»vell dies auch dem Beschluß des Senioren'oilveMs ent- lpreche. Bersicherungsgrsetz für Angestellte. Sitzung vom Donnerstag, den 2 6. Oktober. K 1 bestimmt die Berufsgruppen, die der Versicherung unterstellt werden sollen. Ein Antrag unserer Genossen fordert, daß alle ureauange st eilten in die Versicherung einbezogen werden Dem widersetzten sich die Regierung und die Konservativen, die ins« besondere die Versicherung von Personen, die Schreibarbeiten im Bureau verrichten, ablehnen. Abg. v. B r o ck h a u s e n(k.) be- tonte nachdrücklich, daß die Bureauangestellten nicht in die Versicherung gehören, es ist nur beabsichtigt, Personen zu erfassen, die in einer leitenden oder gehobenen Stellung sich befinden. Der Konservative S ch i ck e r t führte als Begründung des Standpunktes der Konser- valiven an, daß man nur den Dünkel dieser Personen nähre, wenn man sie in dieselbe Versicherung bringe, wie den höher gestellten Handlungsgehilfen. Auch Abg. Raab(Antts.) will von dem sozialdemokratischen Antrag nichts wisse«, er glaubt, daß sich der Chef mit den Angestellten darüber einigen wird, ob der An- gestellte der Bersicheriing zu unterstellen»st. Diese Susfassung kennzeichnet nur, daß es Herrn Raab nickt bekannt ist, daß über die Versicherungs- Pflicht die im Gesetz vorgesehenen Instanzen entscheiden. Von der Frelsinnigen Volksparlei wurde die Frage angeschnitten, ob Angestellte in einer ausländischen Filiale eines hiesigen Betriebes der Versicherung unterstellt sind. Abg. M o m m s e n verlangt dies insbesondere für die Bankbeamten. Die Regierung lehnt diese Aus- devnung der Versicherung ab. Nur Reisende, die von hiesigen Firmen nach dem Ausland« gesandt werden, bleiben in der Ver- sicherung und solche Personen, die im Jnlande bereits 60 MonalS- beirräge bezahlt haben, können im Auslande freiwillig die Versicherung fortsetzen. Auf eine Bemerkung unserer Geuosfen, daß wohl die Regierung nach einer Aeußerung des Staatssekretär« Delbrück die Absicht habe, auch Fabrikpensionskassen, die nach Inkrafttreten des Gesetzes gegründet werden, zuzulassen, wird vom Ministerial- direktor Caspar erklärt, daß die« nicht der Fall ist, vielmehr jede weitere Konzession an die Ersatzkaffe» abgelehnt werden muß. Von den Rednern der sozialdemokratischen Partei wird dargelegt, welche Ungerechtigkeiten die Abgrenzung des Kreises der Versicherten bringt. Nach der Erklärung der Regierungsvertreter ist der Schreiber in einem Bureau, die Maschinentchreiberin, nicht versicherungs- pflicktig. Sobald sie aber andere Bnreauarbeiten übernimmt, zum Beispiel die Registratur erledigt oder einige Geschäftsbriefe selbst- ständig entwirft, kommt sie in die sogenannte„gehobene Stellung" und ist nunmehr der Versicherung unterstellt. WaS wird nun in der Praxis die Folge sein: Der Maschinenschreiber wird nach einiger Zeit in dem Bureau auch zu anderen Arbeiten herangezogen; von dem Zeitpunkt ist er der Versicherung unterstellt. Wer kontrolliert nun. daß der Beginn der Versicherung zu- treffend festgestellt ist? Wechselt der Schreiber seine Stellung und kehrt er wieder zu seiner Schreiblätigkeit zurück, so muß er aus der Privatversicheruug ausscheiden und hat er nicht mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt, darf er auch nickt freiwillig die Versicherung fortsetzen, noch er- hält er seine Beiträge zurück. Diese Vorgänge werden sich sehr oft wiederholen und dazu beitragen, daß mit großer Erbitterung die un- gerechte Behandlung empfunden wird. Für die Angestellten der Rheinschiffahrt ist eine sehr ungünstige Position geschaffen. Der Kapitän der holländischen Rbeinichiffahrlsgesellschaft ist nicht versichert. weil er in einem ausländischen Beiriebe beschäftigt ist. Ob- wohl hier vielfach deutsche« Personal beschüftigt wird und der An- gestellte einen erheblichen Teil seiner Tätigkeit in Deutschland auS« übt, steht er ungünstiger als die Angestellten der übrigen deutschen Gesellschaften. Die Debatte ergab, daß, abgesehen von den Konservativen, die übrige» Parteien zugeben mußten, daß der Antrag der So- zialdemokraten berechtigt ist, der verlangt, daß alle Bureauangestellten der Versicherung unterstellt werden. Der Anttag wurde sodann gegen die Stimmen der Konservativen angenommen._ Hua der parteL (©ig. Ber.) Woche einen Bor der Statutcnrevision. Paris, 2b. Oktober. Die geeinigte Partei hält in der kommenden außerordentlichen Parteitag ab, der die Statutcnrevision erledigen soll, für die auf den mit aktuellen und prinzipiellen Fragen überlasteten Jahrcskongressen nie Zeit blieb. Der Haupt- gegenständ, um den es sich handelt, ist die Konstituierung und Kompetenz der Parteileitung. Von Gueödistischer Seite liegen hierzu verschiedene Anträge vor, die auf die Konstituierung eines Parteivorstandes an Stelle der nach den bisherigen Statuten zu bloß administrativen Geschäften berufenen„Ver- waltungskommission", auf die Abschaffung des aus den Vertretern der Föderationen und einer Delegation der Fraktion zusammengesetzten Nationalrats und die Abhaltung von zwei Parteitagen im Jahre hinauslaufen. Im Partei- vorstand soll die Stärke der verschiedenen Föderationen pro» portionell zur Geltung kommen. Von besonderer Wichtigkeit aber wird der Antrag der Guesdisten werden, der die A u s s ch l i e ß u n g der Deputierten von der Vertretung der Föderationen in den Zentralorganisationcn aufhebt. Bisher waren die De- putierten im Nationalrat nur als Mitglieder der Fraktions- delegation zugelassen. Dagegen war es einer Föderation nicht möglich, sich durch einen Deputierten vertreten zu lassen. Dieses fragwürdige Erbstück des allemanistischen„AittiparlaineutarismuS" hat praktisch vielfach zum Widersinn geführt, daß die wirklichen Organisationsleiter nur auf dem Wege über die Fraktion dazu kommen konnten, für ihre Organisation das Wort zu führen. Von Bedeutung wird weiter die Verhandlung über die Zu- sammensetzung des Verwaltungskomitecs der..Humanite' werden. Auch die Frage, ob die Parteizugehörigkeit die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft sowie der Genossenschast obligatorisch macht, wird verhandelt werden. Bisher war im Statut wohl eine solche .Pflicht- zur gewerkschaftlichen Organisation ausgesprochen, aber nicht ein eigentlicher Zwang.— Einen solchen hat auch die Seine- Föderation auf ihrem am letzten Sonntag zu Ende geführten Kongreß abgelehnt, wobei der augenblickliche Konflikt zwischen den Konsumvereinen und den Gewerkschaften von offenbarem Ein- fluß war. �' die Geistlichkeit beider Konfessionen. Dabei trat er bald als Sozial- demokrat, bald als frommer Katholik oder Protestan-t auf, hielt Vor« träge über seine Pilgerreisen nach Palästina ebenso wie über Martin Luther oder über Länder- und Völkerkunde,-atz Aachen war er vom sozialdemokratischen Bureau gleich zum evangelischen Pfarrer aeeilt, wo er sich erbot, im evangelischen Arbeiterverein einen Tor- trag zu halten. In der Herberge zur Heimat war er eben dabei. sich über die Angepumpten lustig zu machen, als ihn das Schuftal «reifte. Die Lehre hat aber anscheinend nichts gefruchtet, wie folgende, dieser Tage in Aachen einqegangene Karte beweist: Bordeaux, v. Qirober löll. An das sozialdcmokratisch-e Parteisekretariat Aachen! Bis jetzt sind in öffentlichen Vortragen die Genossen von Louvain, Brüssel, Roubaix, Lille, Amicns, Paris, Orleans, Blow, Tour, Poiticrs, Angoleme, Bordeaux von meiner ungerechten B-e- strafung(1 Monat) benachrichtigt; Spanien, Porrugal, Italien, Alqerien, Tunesien, Malta, Griechenland usw. wird mein welterei» Operationsfeld sein. Ich bin zurzeit im Besitze meiner Partei- legitimation. Das Gericht hat es völlig rechtswidng unterlassen. eine solche in Mannbeim einzufordern, und es wird nunmehr elne Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgen, und der Beweis erbracht. daß Sie zu früh gelacht haben. Würde ich nicht verschiedene Ge- Nossen abhalten, dann könnten Sie sich Ihre Knochen sauberftch numerieren. Die Art der Verhaftung von feiten der Zivilpolizlsten ist ebenfalls gekennzeichnet und habe ich hierüber an den Minister berichtet. An Uitterstützungen durch Vorträge in Parteiversamm- lungen seit 8. September sind mir in Belgien und Frankreich bis heute 160 Franks zugegangen.. Friedrich Wilhelm Goetz, Journalist, Junker- und Denunziantenfeind. Ohne G-richtsferien hätte ich die Strafe niemals ange- nommen.— Die Partei pre-sse, auch die des Auslandes, wirch gut tun, wenn sie auf den Menschen aufmerksam macht, damit ihm auch ander- wärts das Handwerk gelegt wird. Bresche gelegt! In dem dunkelsten Oberschlesien, im Reichstags- Wahlkreis G r o tt k a u- F a l k e nb e r g, wurde am Sonntag der erste fozialdemokratifcheVerein gegründet, dem sofort über 30 Mitglieder beitraten. Und das geschah in einer stock- katholischen Gegend, wo von den Kanzeln gegen den„roten Umsturz- fast jeden Sonntag gepredigt wurde. Damit ist von den 11 Reichstagswahlkreifen-, wo bisher die Sozialdemokratie noch nicht festen Boden fassen konnte, wieder einer zu streichen. polireilicbes» Gerichtllcbeo ufw. Eine Freisprechung. Von der Anklage, einen Polizeibeamten beleidigt zu haben, wurde in B o ch u m der Genosse Pierenkämper freigesprochen. Er hatte im.Bochumer Volksblatt- behauptet, der Polizeibeamte Schneider habe in einem Falle vor Gericht nicht die Wahrheit ge- sagt. Das Schöffengericht hat mit seiner Freisprechung bekundet, daß dem Genossen Pierenkämper der Wahrheitsbeweis gelang. Jugenäbeilvegung. Hunderttausend organisierte Sozialisten in den Bereinigten Staaten. Der mächtige Aufschwung des amerikanischen Sozialismus äußert sich nicht nur in der reißenden Zunahme der Wahlstimmen. wie sich ietzt wieder bei Gcmeindewahlen im S:-aaie Connecticut gezeigt hat, und dem Aufschwung der Presse, sondern auch in dem kraftigen Ausbau der Organisation. Nach dem Berichte des Partei- kassierers sind im September mehr als 100 000 Beitragsmarken verlangt worden. Die Partei bestebt jetzt 10 Jahre. Im borigen Jahre, als die Stimmenzahl bei den Kongrcßivahlen auf rund 607 000 stieg, waren es ciwa 60 000 Parteimitglieder. Man hofft, bei den Wahlen des nächsten Jahres, die mit der Wahl des Prä- sidenten der Vereinigten Staaten zusammenfallen, die Grenze der Million zu uberschreiten. Ein internationaler Parteikassenflcdderer wurde kürzlich in Aachen zu einem Monat Gefängnis verurteilt. �-er Buriche nennt sich Friedrich Goetz, angeblich aus Mannheim stammend. Die Untersuchung ergab, daß Goetz seit 20 Jahren alle Zander der Welt durchreist und die sozialdemokratischen Vereine ebenso abilopft wie die Zeitungsredaktionen aller Richtungen und Die Justizinstanzeu gegen die freie Jugendbewegung. Das Oberlandesgericht in Hamm i. W. hat am Dienstag in einer Anklage gegen sieben Mitglieder des G e l s e n k i r ch e n e r Jugendausschusses ein Urteil erlassen, das die schönen Worte, die im Reichstag gelegentlich der sozialdemokratischen Interpellation über die Anwendung des ReichSvereinSgesetzes in der Praxis vom RegierungStisch verloren wurden, unbarmherzig Lügen straft. Im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk veranstalteten An» fang dieses JahreS die Polizeibehörden ein wahres Kesseltreiben gegen die freie Jugendbewegung. Ganz besonderen Eifer ent- faltete hierbei das Essener Polizeipräfidium, daS erst in den letzten Tagen wiederum die Verurteilung einer Anzahl Jugendlicher in Essen registrieren konnte. Damals blieb der erhoffte Erfolg, wenigstens für Essen, aus, deshalb versuchte die hochwohllöbliche königliche Polizei ihr Glück in Gelsenkirchen. Hier waren die polizeilichen Bemühungen von dem sehnlichst erwünschten Er- olg gekrönt. Der Staatsanwalt brachte gleich den ganzen Jugend- ausschuß auf die Anklagebank und vom Schöffengericht wurden die gesamten Mitglieder des JugendauSfchusseS wegen angeblicher Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes zu einer Geldstrafe von 10 M. verurteilt. Obwohl alle Zeugen in der Verhandlung vor dem Schöffengericht aussagten. Ktß in den Veranstaltungen des Jugendausschusses nie von Politik oder von der Sozialdemokratie gesprochen worden sei, hielt sich das Gericht zu der Feststellung be- rechtigt, daß in den fraglichen Versammlungen politische Erörte- rungcn stattgefunden hätten. In dem Jugendausschuß erblickte das Schöffengericht einen auf Dauer berechneten Zusammenschluß einer Mehrheit physischer Personen zur Verfolgung gemeinsamer Zwecke. Beide Feststellungen zusammen ergaben einen politischen Verein, dessen Satzungen der Behörde eingereicht werden mußten. Weil dies natürlich unterblieb m war, erfolgte die Bestrafung. In der Berufungsinstanz, der Strafkammer deS Landgerichts Essen, erfuhr daS Urteil in seiner Be- gründung eine wesentliche Wandlung. Zu dem Verhandlungs- tcrmin waren die Referenten, die der Gclsenkirchener Jugend- ausschuß für seine Veranstaltungen gewonnen hatte, geladen. Diese bekundeten übereinstimmend, daß eS ihnen ausdrücklich zur Pflicht gemacht worden sei, in ihren Vorträgen jedwede politischen Erörterungen zu meiden. Unter diesen Referenten befand sich ein evangelischer Lehrer a. D.. der sechs Vorträge gehalten hatte und ich zugleich als Vorsitzender des nationalliberalen Vereins seines Wohnortes bekannte. Angesichts dieser Beweisaufnahme des- avouierte das Berufungsgericht den Schöffenrichter insofern, als in dem Urteil der Strafkammer gesagt wurde, daß es nicht er- wiesen sei, daß in den Versammlungen politische Erörterungen gepflogen seien. Aber die Jugendlichen hatten neuen allgemein bekannten Volksliedern u. a. gesungen:„Auf Sozialisten schließt die Reihen",„Sozialisten auf der Reis'",„Stolz weht die Flagge purpurrot".„Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet". Nach der Ansicht der Essener Strafkammer wurden diese Lieder nicht aus Gesclligkcitsrücksichten, sondern aus ZwcckmäßigkeitSgründen ge- wählt. Auf das jugendliche Gemüt sollte eingewirkt und die Jugend politisch bearbeitet werden. Das sei aber eine ganz eminent politische Betätigung, die die von dem Schöffengericht erkannte Strafe vollauf rechtfertig«. Auf die Revision der Angeklagten hin hatte sich der Straf. senat des Oberlandcsgerichts in Hamm mit der Sache zu be- fassen. In der Revisionsbcgründung wurde zunächst gerügt, daß die Feststellung, inwiefern es sich überhaupt um einen Verein handele, nicht hinreichend begründet sei. Das Schöffengericht habe in dem Jugendausschuß einen Verein erblickt, wohingegen das Berufungsgericht den Jugendausschuß als Vorstand des Vereins ansehe. Aus dem Urteil gehe aber nicht hervor, daß diese Fest- stellung auf Grund zutreffender rechtlicher Erwägungen ge- troffen sei. Eine Erörterung politischer Fragen halte das Be- rufungsgericht nicht für erwiesen, dahingegen schließe es lediglich aus dem Absingen der fraglichen Lieder, daß eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt sei, indem die Jugend im sozial- demokratischen Geiste erzogen werden sollte. Unter Einwirkung auf politische Angelegenheiten sei die Absicht einer bestimmten Gestaltung politischer Angelegenheiten, eine Acnderung bestehender politischer Zustände zu verstehen. In der Erörterung politischer Angelegenheiten allem könne eine Einwirkung im Sinne deS§ 3 des Reichsvereinsgesetzes nicht gefunden werden. Ebensowenig könne in dem Singen der Lieder allein eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten gefunden werden, zumal festgestellt sei, daß auch sogenannte Volkslieder gesungen worden seien. Das Oberlandesgericht oerwarf die Revision und be- stätigte das verurteilende Erkenntnis der Essener Strafkammer. Dem Urkei! SeS Essener Gerichts müsse in offen Teilen zugestimmt werden. Die„Arbeitende Jugend" in Gelsentirchen bildet nicht nur einen auf die Dauer berechneten Zusammenschluß einer Mehrheit physischer Personen zur Verfolgung gemeinsamer Zwecke, sondern sei auch einer organisierten WillenSmacht, dem„Jugend- ausschuß", unterordnet. Diese Momente seien als die Merlmale eines Vereins ohne Rechtsirrtum von dem Berufungsgericht fest- gestellt. Der'Verein sei aber auch ein politischer Verein. Auch diese Feststellung habe das Berufungsgericht zu Recht getroffen. Nach der Legitimationskarte der Jugendlichen und der den Re- ferenten gegebenen Anweisung solle zwar die Erörterung politischer Angelegenheiten ausgeschlossen sein. Durch das Absingen der frag- lichen Lieder aber sei die Absicht belegt, die Jugendlichen im Sinne der sozialdemokratischen Partei zu bearbeiten. Die Stärkung der sozialdemokratischen Partei sei die unmittelbare Tätigkeit des Ver- eins gewesen. Der Jugendausschutz müsse als Vorstand des Vereins angesehen werden. Vorstand eines Vereins seien die- jenigen Personen, die den Verein leiteten, in diesem Falle die Mitglieder des Jugendausschusses. Datz diese nicht allein von den Mitgliedern des Vereins ernannt würden, sei völlig gleichgültig Die Verurteilung der Angeklagten sei demnach zu Recht erfolgt. Nach dieser Begründung sind auch die konfessionellen Jüng. lmgSvereine nichts anderes als politische Bereine, wenngleich man gegen sie ein solches Urteil von den vreutzischen Gerichten vergebens erwarten würde. GericKts-�eitung. Recht eigenartige Geschäftspraktiken kamen in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern in einer mehrstündigen Sitzung die Strafkammer beschäftigte. Unter der Anklage des Vergehens gegen den§ 301 St. G. B.(Annahme von Zahlungsversprechungen Minderjähriger) bezw. wegen Wuchers hatten sich der Kaufmann Hugo Blumenthal und der Kleiderhändler und Agent Jacob Kiebed vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten.— Der Angeklagte Blumenthal ist Inhaber des Militärausstattungsgeschäfts Bernhard Grenzdörffer Nach f. Zu seinen Kunden gehören fast ausschttetzlich nur Kadetten, Fahnenjunker und junge Leute, die noch die sogenannten Fähnrichspressen besuchen. Die Anklage legt ihm zur Last, in gewinnsüchtiger Absicht und unter Ausbeutung des Leichtsinns und der Unerfahrenheit Minderjähriger von diesen Schuldscheine und andere ZahlungS- Versprechungen angenommen zu haben. Der zweite Angeklagte Kiebetz, welcher in dem B.schen Geschäft die Rolle eines Agenten, ProvisionZveisenden und Verkäufers spielte, wurde des Wuchers im Sinne des§ 302a beschuldigt.— Unter den sogenannten„Pressiers". wie die Schüler der Offi zierS. und Fähnrichspressen genannt werden, war es seit langem offenes Geheimnis, datz die Firma Grenzdörffer auch Minderjährigen Kredit zur Verfügung stellt, wenn gleichzeitig größere Bestellungen auf Militäreffekten gemacht würden. Dies sprach sich bald herum, so datz die jungen Herren, wenn ihr Taschengeld zu Zigaretten und Schokolade nicht ausreichte, einfach zu dem Angeklagten Blumenthal gingen, der in ihren Kreisen der„Bankier" genannt wurde. Ohne jegliche Bedenken gaben die jungen Leute dann große Bestellungen auf alle möglichen Dinge auf. wofür ihnen natürlich recht ge pfeffert« Preis« berechnet wurden. Sie erhielten dann Darlehen von 10 bis 200 Mark, wofür sie auf Schuldscheinen sich verpflichten mutzten, nach bestandenem Offiziersexamen nicht nur die Uniformen, sondern auch gleichzeitig Zivilanzüge bei der Firma Grenzdörffer zu bestellen. Diese Pumperei en masse, die sich immer mehr der grötzerte, führte schlietzlich dazu, datz die Leitung der Lichterfelder Kadettenanstalt ihren Schülern unter Androhung der sofortigen End lassung das Betreten des Blumenthalschen Geschäfts verbot. Bei diesem eigenarrigen Geschäftsgebaren soll der Mitangeklagte die Roll« eines Schleppers gespielt haben, indem er die leichtsinnigen jungen Leute auf die Gelegenheit, Geld zu erlangen, aufmerksam machte. Hierbei verstand er es auch noch in anderer Weise, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Er verleitet« den Fähnrich Landgraf, der Geld brauchte, dazu, sich bei Blumenthal Oberhemden zum Preise von 102 M. zu kaufen. Er selbst wartete auf der Straße bis L. mit den Sachen wieder herunterkam. Beide gingen dann nach der Friedrichstratze, wo Kiebetz dem leichtsinnigen jungen Mann die soeben gekauften Sachen für ganze 15 M. wieder abkauft«. In der Verhandlung brachte Staatsanwalt Dr. Müller zum Beweise des Schuldbewußtseins vor, datz Blumenthal versucht habe, die Presse mit 1000 M. zu bestechen, um zu verhindern, datz Artikel über ihn in die Zeitungen kommen. Der Angeklagte Blumenthal gab hierzu folgende Aufklärung: Eines TageS Hab«in gewisser Lindau oder Linder bei ihm angeklingelt und ihm mitgeteilt, daß im„Berliner Wächter" ein Artikel erscheinen werde, in welchem cr des Wuchers bezichtigt werde. Da man aber„Nachmonis"(Mit- leid) mit ihm habe, könne er das Erscheinen dcS Artikels gegen Zahlung von 1000 M. verhindern. Er habe sofort der Kriminal- Polizei von diesem Erpressungsversuch Mitteilung gemacht und die weiteren Gespräche mit dem Herausgeber des„Berliner Wächter". BogiSlaw Kristeller, seien dann direkt von der Polizei aus er- folgt. Kristeller habe die Erpressungsversuche dann in Gegenwart eine? KriminalschutzmanneS, der in einem Schrank versteckt war, wiederholt und gesagt, datz er bereits von der Druckerei Ullmann die Bürstenabzüge erhalten habe und den Satz bezahlen müsse. Kristeller habe von ihm dann 50 Mark für die Unterlassung erhalten. Es schwebe deshalb gegen K. ein ErpressungSverfahren. Der anwesende Kristeller bat, als Zeuge vernommen zu werden, um die nach seiner Behauptung unrichtigen Behauptungen des Blumenthal richtigstellen zu können. Seine Vernehmung wurde jedoch abgelehnt. In der Sache selbst behauptete der Angeklagte, datz das, was er getan habe, in der ganzen Militäreffeltenbranche usuell sei und auch überall bekannt sei. Wenn die Eltern seiner Kunden Adlige oder vornehme Rittergutsbesitzer waren, sei immer glatt bezahlt worden, und nur wenn die Eltern Kausleute waren, habe es immer Krach gegeben. Diese hätten sich immer geweigert, die von ihren minderjährigen Söhnen gemachten Schulden zu bezahlen.— Staats- anwalt Dr. Müller bezeichnete das Vorgehen der Angeklagten als ein recht gefährliches. Die Ermittelungen des Kriegöministeriums hätten ergeben, datz sich in den letzten zwei Jahren über 100 gleiche Fälle, wie die jetzt zur Anklage stehenden, bei der Firma Grenz- dörffer zugetragen hatten, jedoch sei nur in zwei Fällen von den Eltern Anzeige erstattet worden. Mit Rücksicht auf die ganz un- erhörte Ausbeutung des Leichtsinns unreifer und unerfahrener junger Leute beantrag« er gegen Blumenthal 2000 M. Geldstrafe und gegen Kiebetz 2 Monate Gefängnis. Die Rechtsanwälte. Justiz- rat Dr. Sello, Kneifrl und Erick, Seligsohn, hielten aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen die Freisprechnng der Angellagtcn für geboten. Das Gericht kam jedoch nach längerer Beratung zu der Leryrteilung der beiden Angeklagten. Blumenthal wurde zu "Geldstrafe eventl. 100 Tagen Gefängnis, Kiebetz zu zwei rfängnis und 250 M. Geldstrafe verurteilt. In einem �jte den Ausführungen der Verteidigung gemätz Frei- Die Bluttat in der Bohenstraße. st vom 18. zum 19. März sich ercigneie und zunächst 'sehen wurde, beschäftigte gestern das Schwurgericht, xU des Landgerichts l unier Vorsitz des Landgerichikdiresiors Crssget. Unter der Anklage der Körperverletzung mit tödlichem Efolge hatte sich der 22jährige Fabrikarbeiter Fritz Voigt zu verantworten. Am 19. Mäz dieses Jahres, kurz vor 4 Uhr morgens, wurde im Seitenflügel des Hauses Boljensiratzc 14 die unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehende, 31 Jahre alte Frau Martha Schramm, geborene Schlitzkus, mit zahlreichen Schnittwunden tot aufgefunden. Bei der Leiche lag der Hund der Toten, der durch einen Stich in den Unterleib getötet worden war. Die Polizei setzte sofort eine Bc- lohnung von 1000 M. auf die Ermittlung des Täters aus, es gelang aber nicht, auf die richtige Spur zu kommen. Der Polizei kam zu Ohren, daß der jetzige Angeklagte Voigt etwa um die Zeit des Tot- schlages eine Verwundung am Bein gehabt habe und nach einem Krankenhause befördert worden sei. Er wurde im Krankenhausc polizeilich befragt, doch schien seine Behauptung, datz er in eine Schlägerei verwickelt worden sc:, den Tatsachen entsprechend. Erst nach etwa 3 Wochen meldete sich der jetzige Angeklagte nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause bei der Staatsanwaltschaft und gab sich als der Täter zu erkennen, wobei er sofort angab, daß er in der Notwehr gehandelt habe. Die Getötete, die Ehefrau eines Ar- beiters Schramm, ging seit Jahren auf die Straße, gewährte auch in ihren verschiedenen Wohnungen anderen Mädchen Unterschlupf und war mehrmals wegen Kuppelei vorbestraft worden. Nach der Tarstellung deS Angeklagten, der zweimal wegen Diebstahls vor- bestraft ist, hat sich die nächtliche Tat wie folgt abgespielt: Der Angeklagte sei, wie er behauptet, in der Nacht zum 19. März auf der Straße von der Schramm angesprochen worden und habe sie in ihre Wohnung begleitet. In der Wohnung habe er es sich bequem ge- macht und sein Portemonnaie und sein Messer, welches er immer bei sich trug, auf den Tisch gelegt. Die Schramm sei mit dem Geld, welches er ihr freiwillig geben wollte, nicht zufrieden gewesen, habe mehr verlangt, und eS sei zu einem lebhaften Streit zwischen ihnen gekommen. Schlietzlich habe ihm die Frau das Portemonnaie aus der Hand gerissen und Geld daraus genommen. Er habe sie mehr- mals im guten aufgefordert, das Geld zurückzugeben, sie habe ober das Portemonnaie in die Tasche gesteckt und es nicht herausgeben wollen, vielmehr unter gemeinen Redensarten dies verweigert. Er habe sie darauf unter der Einwirkung großer Erregung an den Tisch gedrückt, sie ritz sich loS, drängte auf ihn ein. habe daS Messer ergriffen und damit um ihn herumgefuchtelt. Sie habe ihm dabei einen tiefen Stich in den Oberschenkel versetzt, so datz daS Blut gleich hervorspritzte. Er habe in der Abwehr zugefaßt und sich dabei den rechten Daumen bis auf den Knochen aufgeschnitten. Schlietzlich sei es ihm gelungen, ihr das Messer aus der Hand zu�drehem Da sei die Schramm ihm immer näher auf den Leib gerückt, sie habe gedroht, ihm die Augen auszukratzen, und da sei er so in Wut ge- raten, daß cr gar nicht mehr wußte, was er tat. Er habe ein alteS Ohrenletden, leide an starkem Ohrenflutz, und wenn er in Erregung gerate und bei grotzer Hitze wisse er oft nicht, was er tue. Als er :mmer mehr von der Schramm bedroht wurde, und auch deren Hund auf ihn los sprang, habe er mit dem Messer blindlings um sich ge- stochen. Er habe nicht gesehen, datz die Schramm stark verwundet war. und erst später erfahren� datz sie 18 Stichwunden gehabt habe. Jedenfalls habe die Schramm nicht geschrien, sie habe die Zähne zusammengebissen und gequietscht. Als hie Schramm dann nieder- gesunken war und auch der Hund kein Lebenszeichen mehr von sich gab, habe ihn Grauen gepackt, er habe in der Küch« seine Hände vom Blut gereinigt, auch das blutige Messer abgewischt und sei dann aus dem Hause gestürmt. Als er zu Hause ankam, habe er sich weiter gereinigt und bald darauf die Hilfe de» praktischen ArzleS Dr. Thedinger in Anspruch genommen, der ihn verband und dann seine Ueberführung in daß Reinickendorfer Krankenhaus anordnete. Dort fei er über 14 Tage behandelt und einer Operation unter- warfen worden. Soweit der Angeklagte, dessen Angaben im allgemeinen glaub- lich erscheinen. Er versichert, daß ihm die Tat sehr leid tue und seine Gewissensbisse ihn geradezu dazu getrieben hätten, sich selbst der Staatsanwaltschaft zu stellen.— Zu der Verhandlung war eine große Zahl Sachverständiger geladem Von der Verteidigung werden Zweifel an der vollen Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten geltend gemacht. Nach kurzer Vernehmung der Sachverständigen Dr. Marx, Dr. Rathke, Dr. Hindrichsen und Dr. Thedinger, die positive Anhaltspunkte für etwaige Anwendung des fj 51 St. G. B. nicht hatten, aber doch bekundeten, datz der Angeklagte stellenweise einen stupiden Eindruck gemacht habe und geistig nicht ganz vollwertig schien, be- schloß der Gerichtshof, die Sache zu vertagen und den Angeklagten in einer öffentlichen Anstalt auf feinen Geisteszustand untersuchen zu lauen. Hus aller Älelt. Rumfchcs i Als der Bürgerkönig LouiS Philipp das französische Volk aussaugte, rief sein Minister G u i z o t der Grobbourgeoisie zu: B e- reichert Euch! Diesen Mahnruf hat auch die herrschende Klasse in Rußland sich zum Wahlspruch erkoren. Eine schmutzige KorruptionSgeschichte jagt in den Kreisen der Beamtenschaft die andere. Kaum ist einer Gaunergesellschaft da» Handwerk gelegt worden, folgt schon wieder ein neuer Skandalprozetz, in dem die höchsten Spitzen der russischen Bureaukratie verwickelt sind. In den nächsten Wocben werden fich vor den Petersburger Ge- richten elf S t a a t s st ü tz e n zu verantworten haben, denen beim Bai, der Eisenbahnstrecke Wolga-Bulgumin Betrüge- reien. Fälschungen und Unterschlagungen in Höhe von fünf Millionen Mark zur Last gelegt werden. Unter den Angeklagten befinden fich drei Brüder de» ver- treters des Ministers des Aeutzeren Neratow, der Präsident der Privathain delSbank Geheim- rat Gobulew und andere Erstklassige. Natürlich kann die Korruption in den höchsten Kreisen der Ge- sellschaft, die systematische Ausplünderung der Bevölkerung nicht ohne Rückwirkung auf die gesamten Rechts- und Sicherheitsverhältnisse dcS Landes bleiben. Den Gaunern in Frack und Uniform stehen die Strauchritter gegenüber, die Bahntransporte überfallen, öffent- liche Kassen berauben und dergleichen mehr. In keinem Lande ist daher auch das Räuberunwesen etwas so Alltägliches wie in Väterchens Reich. Zur Illustration der Behauptung mögen die folgenden Mel- düngen dienen: 'Petersburg, 20. Oktober. In der Versandstelle des Amtes, in dem die StaatSpapiere angefertigt werden, wurde heute morgen ein großer Diebstahl entdeckt; 200000 neue Kreditbillette, die nach der Staatsbank gebracht werden ollten. s i n d g e st o h l e n. Auf den Billetten fehlt die Unterschrist des Kassierers und deS Direktors. WladikawkaS, 20. Oktober. Zwanzig Räuber überfielen heute das Rentamt in Naltschik. Sie feuerten auf die Wache, wurden jedoch zurückgeschlagen. Dabei sind drei Soldaten der Wache und ein Beamter verwundet worden. Tiflis, 20. Oktober. In der Nähe der Station Notanely überraschte eine Polizeiabteilnng eine Räuberbande, die einen Ueberfall auf die Station vorbereitete. Die Räuber empfingen die Polizei mit Gewehrsalven, durch die in Beamrer getötet wurde. Die Polizei erwiderte da? Feuer und tötete einen Räuber. Der Getötete war der Urheber einer Bohnkatastrophe im vorigen Jahre, bei der Menschen umS Leben gekommen waren. Und Objekt dieser Gaunereien der Bilreankratie und Räubereien der Strauchritter ist da» arme russische Volk, das, nach Freiheit lechzend, durch Knute und Galgen niedergehalten wird. Wie lange noch? Schweres Braudunglück in London. In der Londoner Vorstadt Walworth brach in der letzten Nacht in einem Papierladen ein Feuer aus, dem d i e Frau und drei Kinder des Geschäftsinhabers z u m O p f e r fielen. Bei dem Versuche, seine im ersten Stockwerk schlafenden Kinder zu retten, zog sich der Geschäfts- mann schwere Brandwunden am ganzen Körper zu. Ein junger Mann namens Coverdale drang zweimal durch die Flamnien bis zur Treppe vor. � die in die oberen Räumlichkeiten des Hauses führte, und wurde schließlich bc- Ivußtlos und schwerverletzt von Löschmannschaften aus dem brennenden Hause getragen. Nach dem Brande fand man die halbverkohlte Leiche derFrau auf einem Stuhle im Hiuterzimmer. Die drei Kinder wurden in ihren Betten erstickt vorgesunden._ Kleine Notizen. Ein liebevoller Gatte. Unter dem dringenden Verdacht, seine Frau erdrosselt und dann am B e t t p s o st e n aufgehängt zu haben, um Selbstmord vorzuläuschen, wurde in Breslau der frühere Bremser Ernst K a t b e in Umersuchungshaft genommen. Selbstmord eines Oberleutnants. In Grotz-Wardein er- schoß sich der Oberleutnant Ravetzki vom 2. ungarischen Land- wehr-Husarenregiment. Unglückliche Liebe war das Motiv. Todes-Anzeigen �jMemo!ii'»üzedkfM?ereii! für Scliöneberg. Bezirk 7. Am 19. Oktober verstarb nach kurzer Krankheit unser lang« jährige« und tätiges Mtiglieo, der Bauardeiter Heimim Ibscber. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 27. Oktober, nach- mittags t Uhr, von der Halle des neuen Schäneberger Fried- hofeS(Blanke Hille) aus statt. Um rege Beteiligung erjucht 15/19 Der Borstand. WIM der SteiDselzer, | PRasterer aMsg. ßeutscidaiids Filiale Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, | datz unser Kollege, der Rammer Adolf Wieyang am 22. d. MtS. im Alter von 80 Jahren verstorben Ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet nni Sonnabend, den 28. d. MtS., nachmittags 1 Uhr. von derLeichen- halle der Sophien- Gemeinde, greienwalder Slrntze, aus stalt. Um rege Beleiligung ersucht 175/12 Der Borstand Am Mittwoch verstarb plätzlich j 1 nach langem Leiden mein lieber j | Mann und unser guter Onkel lw\s Manlricb | an tzerzlähmung. Die Beerdigung findet am! Zonnabend, nachmittags 8'/, Uhr, 1 von der Leichenhalle des Zentral« Friedhofe» in Friedrichsfelde aus I statt. Dia trauernden Hinterbliebenen. Witwe E. MantricH. 1264b| Nach kurzem, schwerem Leiden ! verschied mein lieber Sobn, Vater, Bruder, Schivager und Onkel, der | Kernmacher Ernst Hannuscbke im 39. Lebensjahre. 1261B Dieses zeigt schmerzersllllt an C. Hannuschke als Vater. Die Beerdigung findet Sonn- abend, 28. Okt., nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Sophien-Kirchhoss, Freienwatder Straße, auS statt. Ilttt Robert Baumgarten Engroai Export Hausvogtelplatz 11 i 1. Etage(kein Laden) ' schrägüber Untergrundbahnhof J I(an der Jerusalemer Straße)( I verkauft auch einzeln« Paletots Kostüme Kostüm-SMe Abend- i: Mäntel Golf- Jacketts Mädchen-# Paletots.§ Bai Vorzeiffung dieses Inserates»n der Kasse werden 5 Rabatt vergütet. Huthaus Jtesior Müllerstr. 166. Große Auswahl in EerrenbiUen, Matzen, Stocken, Schirmen, Herrenwäsche, Krawatten nsw. Alle» Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine [ liebe grau Klara Haubner am 25. Oktober verstorben ist. . Die Beerdigung findet Sonn- J abend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentrassriedhofes s in Friedrichsfelde aus stalt. Dies zeigt tiesbetrübt an Georg Haubner und Sohn. BuctihandluRg Vorwärts Lindcnstr. 69(Laden). Neuerfcheinungon, Wie Berg und Tal entstehen. Kurzer Abriß der dynamischen Geologie Von US. BoKtmell. (Kleine Bibliothek Nr. IS.) Ans alten Tagen Soziale Bilder au» der deutschen Vergangenheit. Von Julius Deutsch. (Kleine Bibliothek Nr. 16.) Preis jedes Bändchens drosch.—,73, geb. 1 M. (VereinSansgalie 50 Pf.) Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beeidigung meiner lieben Frau, unserer lieben Mutter, der Arbeiterin Ernestine Kemnitz und Kofi sagen wir allen Verwandten Bekannten, insbesondere den legen und Kolleginnen der Firma Bergmann, Abt. J, und der Direktton unscre» herzlichsten Dank. Wilhelm Kemnlte nebst Kindern. Dr. Simm®! Spezial-Arzt för Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Ä'Ä 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 IMathan ManÄ 139 SfnIUfct Str. 139. Die schönsten Bemi-WiilerFalelols n. Oiste und Untuge' erstttafilge, aus Seide gearbeitet Garderobe, von 46721 l£uv«llci-eii getragen. (oft neu, sllr jede Figur passent speziell Bauch anzüge sind ii B— grotzer Auswahl stets zu staunen billigen Pteisen zu haben. Nathan War» ■ 13» Skalider Str. 139. IHochbahustatioii KottduscrTor Bitte im eigenen Interesse au Hausnummer zu achten. Die Firma A.Wertheim hat zu ähnlich lautenden Firmen keine Beziehungen d.WtMem C. m. b* H* Versand-Ahteilung Berlin W. 66 leipz.-Str.132/37 Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. lÜMmthdw Str.£cipd�Ct* StfClMC 132*31 Cramm StraMe Freitag und Sonnabend: soweit Vorrat idmamHid�dmchi Obst, Gemüse and Fischekönnennicht zugesandt Werden, Kolonialwaren Victoria-Erliscn....... Pfd. 20 pr, Kleine Erbsen....... Pfd. 17 pr. 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Pfund Ochsenzungen ca. l'/i— 3 Delikatess-Würstchen netto eingewogen. fund schwer#• Pfund 1.30 1.45 1.20 1.00 1.25 2.40 12 Dose 1-50, 6 Do« 80 Pt Frisches Fleisch Schmorfleisch....... pmnd 85 pf. Filet gaiTen SO Pf. tcSLV 1.40 u. 1.60 Roastbeef Ohne Knochen.. Pfund 1.40 Brust u. Fehlrippe 75. 5 pm, 70 pt Kamm u. Querrippe 65, bP'il 60 pr. GuiaSCh.. Pfund 70, Gebacktee 60 Pt. Schweinefilet........ prund 1.10 70 pr. Schweinekotelette 75, Pökelkamm.. prund 65, geitui 70 pr. Frischer Schinken im ean2. pm. 65 pt. Kamm u. Schuft pm. 60, c.t.iH 65 pr. Rückcnfctt......... 5 prund 3.00 Hammelkeule io �"„4 65 u. 75 pr. Dicke Rippe Pfund 60, oannun, 50 PI Gänse �50,58, 68, 75 kl Hühner 95 p'- i-r» 2.40 Brathühner 75 w. bi« 1.65 Enten 1.15» 1.75i..3.00 Fasanenhähne l.OO bi. 2.50 Fasanenhennen 90 Pf. bis 2.10 Gänserümpfe Pfd. 88 and 95 Pf Heole Hirschwild 80, RttcKen 65, Blatt 50, Ragoot 25 Pf. StarKe Hasen gestreift.............. stucK 3*00 Wilde Kaninchen gestreift...... 60, 70. 80?f. Fische Merlan Pfund 10 Pf. Kabeljau 20 pr. Kabeljau&nc*h.Knopf'.'°.Kan2f.?und 24 pr. Seelachs �cÄ 23 pr. Rotzungen......... prund 18 pr. Bratschollen........ prund 13pf. Grosse Schollen____ prund 20 pr. Schellfische.... Pfund 1 6, 26 pr. Goldbarsch........ prund 20 pr. Seemuscheln...... ioo smck 33 pr. Frische Barsche..- prund 38 pr. Grüne Heringe......«di. 33 pr, Frischer Zander..... prund 60 pr. LaChS in ganzen Fiscbaa.. Pfund 50 Pt Lachsforellen....... prund 95 pr. Lebende Karpfen.prund 75, 85 pr. Lebende Aale____ prund 75, 85 pr. Lebende Plötzen____ prund 38 pr. Lebende Hechte pfd 85, � 70 pt Lebende Aländer____ prund 55 n, Forellen, Seezungen, Steinbutten, Hummern Mai nttb Mach, diese Knadea Miifftll stets das LeSe Haben, Zlm was reißen fie stch wohl? Alles reißt sich um Kaol! überall zu habe» i» Flasche» von 10$f. an Fabr.:LubszyHöki& Co., Berlin-Lichteuberg Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für deg Jnjeratentelt verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Vorziigliedell Astrachaner Caviar pro Pfund 7,—, S—. 11.— bis 21,- M. Oelsardinen, Neunaugen, Bratheringe, SproHen billigst! V.& A. Hucke, Kaiser-Wilhelm-Straße 21, tkaviar und Räucherfisch engroS und Bersaud. m 35~ ! M Verkauf nur Im Fabrlkgebliade! Wenn Sie direkt zu Sie sparen Geld! Ahoi di-t Engrospreisen? in der Möbelfabrik |«.Walter»Willi MaaS, fts»I ' lel.: A. III, 5157 1 kaufen. Verksuf nnr im Fal*i-ikgebanta«>i— mir R eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. H 35 IM Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 Möbel .".r.".' Teiliahlung bei kleinster Anzahtniuc in bekannter Güte■""t" (mit größter Rücksicht 1 Versammlung. 81. Sitzung vom Donnerstag, den 2(5. Oktober, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5M Uhr. In den Ausschuß für den Antrag A r o n s betreffend event. Reform der Ferienfestsetzung sind von der sozialdemokratischen Fraktion die Stadtverordneten Dr. Arons, Basner und H e i m a n n deputiert. Für den �verstorbenen Stadtv. Deutsch ist Ersatz in die Finanz- und tn die Grundeigentumsdeputation zu wählen. Ge- wählt werden in die erstere Dr. Gelpcke(Fr. Fr.) und in die letztere Ewald(Soz.). Das Betriebspcrsonal der städtischen Straßenbahnen soll ab 1. Oktober er. in seinen Bezügen mit denjenigen der Großen Berliner Straßenbahn gleichgestellt werden, d. h. je nach dem Dienstalter eine monatliche Zulage von 4, 5, 7 M. erhalten. Für den laufenden Etat ergibt sich daraus eine Ueberschreitung um 7600 M. Stadtv. Heimann(Soz.): In bezug auf diese Vorlage sind uns einige Wünsche und Beschwerden zugegangen, über die wir uns wenigstens in einem Ausschuß unterhalten möchten. Wir beantragen daher Ausschußberatung. Stadw. Cassel(A. L.): Wir haben unsererseits Genehmigung der Vorlage beschlossen. Wenn wir für Ausschußberatung stimmen sollen, müssen wir doch wenigstens irgend etwas über die noch bestehenden Bedenken erfahren. Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Wir sind auch der Meinung, daß diese eilige Vorlage sofort im Plenum erledigt werden sollte, wenn nicht besondere Gründe für Ausschußbcratung vorliegen. Stadw. Mommsen(Fr. Fr.): Wir stehen auf demselben Standpunkt. Der Antrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt. In der zweiten Beratung wiederholt Stadtv. Heimann seinen Antrag. Es handle sich um Beschwerden sowohl über die Höhe der Gehälter wie namentlich über das bei diesen Bahnen bestehende Strafsystcm. Stadtv. Cassel: Diese allgemeinen Beschwerden sind ohne Substantiierung geblieben. Persönlich werde ich für Ausschuß- beratung stimmen. Mit knapper Mehrheit wird jetzt der Antrag auf Ausschuß- beratung angenommen. Der Ausschuß soll aus 15 Mit- gliedern bestehen. Von der sozialdemokratischen Fraktion ist am »ö. Oktober beantragt worden: den Magistrat zu ersuchen, in einer gemischten Deputation mit der Versammlung über Mittel und Wege zu beraten, den städtische,, Grundbesitz in Treptow der Bebauung zu erschließe», ohne daß der Stadtgemcinde der Wertzuwachs entgeht, z. B. im Wege der Vergebung in Crbbaupacht oder mit dem Borbehalt des Wiederkauss nach dem Vorgang von Ulm. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Die Aufgabe, vor die Sie unser Antrag stellt, ist eine außerordentlich schwierige, aber auch eine außerordentlich lohnende. Die Gemeinde Treptow umfaßt im ganzen 770 Hektar, davon besitzt Berlin mehr als die Hälfte. Die beiden bebauten Teile von Treptow, die Borderheide und die Hinterheide, werden durch unseren Grundbesitz geradezu von einander getrennt. Diese Verhältnisse schreien geradezu nach Eingemeindung; wenn die Gemeinde Treptow einen dahin- gehenden Antrag stellte, würde er sofort genehmigt werden, denn ohne diese Eingemeindung ist eine gedeihliche Entwicklung Treptows nicht möglich. Das sind aber Zukunftsgedanken. Von unserem Grundbesitz ist die Hälfte Parkland, die andere Hälfte baureifes Gelände. Letzteres bald zu bebauen hat Treptow ein großes Interesse, ein gleiches aber auch Berlin. Wir zahlen Treptow einen beträchtlichen Teil an Steuern; 1006 waren es schon 89 000 M., davon 54 000 M. Grundsteuern nach dem gemeinen Wert. Dieser gemeine Wert wird auf 19 210 000 M. geschätzt; der Besitzer eines solchen wertvollen Terrains wird es nicht auf die Dauer liegen lassen, wenn es baureif ist. Wenn wir dieses Terrain aber verkaufen und der Bebauung erschließen, wird sich dort ein zahlungsfähiger Kreis von Leuten ansiedeln, unsere guten Steuerzahler werden sich auch dort hinziehen. Gibt es da keine Möglichkeit, die Bebauung in die Wege zu leiten, ohne daß der i Gewinn aus der Wertsteigerung der Stadtgemeinde Berlin ent- geht? Das Bauland dort ist 188 Heirar groß, dazu kommen 83 Hektar in unmittelbarem Anschluß auf Rixdorfer Geb.iet. Unser Antrag gibt zwei Wege zur Erreichung dieses Ziels an, die aber nur Beispiele sein sollen. Das Erbbaurecht ist durch das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt worden; es kann befrisiet werden, die Pachten können abgestuft werden usw. Zahlreiche Städte haben von diesem Erbbaurecht bereits Gebrauch gemacht» so Bremen, wo 57 Hektar an einen Erbbauverein auf 60 Jahre verpachtet sind(Andauernde Unruhe; Glocke des Vorstehers), Frankfurt a. M., Freiberg i. S., Aachen, Dort- m u n d; ebenso hat der deutsche ReichsfiSkus größere Flächen in gleicher Weise vergeben. Das Wiederkaufsrecht berechtigt den ur- sprünglichen Besitzer des Bodens zum Rückkauf, wenn der neue einen Besitzwcchsel eintreten lassen will; auch dieses Rechr stützt sich auf Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es ist das Verdienst des Oberbürgermeisters Wagner, dieses System in Ulm zur Geltung gebracht zu haben. Ulm hat die so vergebenen Wohnhäuser auch selbst gebaut; ob dieser Modus sich auch bei uns empfiehlt, wäre erst zu prüfen. Ulm hat außerdem auch Boden für industrielle Zwecke auf diese Weise vergeben. Beides, die Erbbaupacht und das Wiederkaufsrecht, haben nun mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die namentlich in dem Wider- stände der Geldgeber, aber auch in der nicht genügenden Durch- arbeitung der gesetzlichen Vorschriften beruhen. Diese Schwierig- keiten würden aber wohl zu beseitigen sein, da die Reichsver- waltung dem Erbbaurecht sehr sympathisch gegenübersteht und so auf diesem Wege auch eine Einwirkung auf die Gesetzgebung erreicht werden könnte. Was die Beleihungsfrage angeht, so haben einige von den genannten Gemeinden unter eigener Garantie oder unter Garantie der Sparkasse Gelder hergegeben. Ich halte nun keines- Wegs für ausgeschlossen, daß wir gerade in Berlin auch Hypo- thekenbanken finden werden, die der Beleihung geneigt sind; selbst unsere Großbanken würden sich eventuell einer so großen Ilnter- nehmung zuwenden, wie sie hier vorliegt und wie sie quantitativ diejenige der Bebauung des Tempelhofer Feldes übertrifft. Die Sache braucht ja nicht von heute auf morgen gemacht zu werden, wir können' mit der größten Ruhe alle Einzelheiten überlegen, aber die Einleitung dieser großen Pläne erscheint jins äußerst dringlich.(Beifall.) Stadtv. Eckard(A. L.): Wir stimmen der Beratung der Frage in gemischter Deputation zu. Der Berliner Besitz in Treptow, Rummelsburg und Rixdorf beziffert sich auf 80 Millionen Mark; jährlich verlieren wir da 3 Millionen Mark Zinsen. Diese Ver- Hältnisse bedeuten schon fast eine Kalamität. Aber auch Treptow leidet an dieser Misere. Können wir nun dort überhaupt ver- kaufen? Wir können nicht verkaufen, weil wir dann sofort wieder in der Grundsteuer höher geschraubt werden. Stadtv. Ullstein(Fr. Fr.) glaubt nicht, daß sich ein Käufer für die Treptower Grundstücke unter dem Vorbehalt' des Wieder- kaufs finden wird. Etwas mehr Aussicht biete vielleicht das Erb- b a u r c ch t, obwohl dies mehr für solche Erwerber in Frage komme, die sich auf dem Grundstück eine Heimstätte errichten wollen, weniger für solche, die den Grundstückskauf als Geschäft betrachten. Stadtv. Gvldschinidt wird in der Deputation gern mitwirken. Darauf wird nach dem Antrage Arons beschlossen. Die sozialdemokratische Fraktion hat ferner folgenden An- trag eingebracht: Den Magistrat zu ersuchen, bei der Regierung und den ge� setzgebcnden Körperschaften vorstellig zu werden, das Kommunal aligabcngesctz dahin abzuändern, daß den Gemeinden gestattet wird, 1. die Einkommen bis 1800 M. steuerfrei zu lassen; 2. progressive Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer für Einkommen von 3000 M. an; 3. progressive Zuschläge zur staatlichen ErgänzungSsteurr für Vermögen von 20 000 M. an zu erheben. Stadtv. Stadthagcn(Soz.): Der Antrag spricht für sich selbst; ich kann also in der Begründung sehr kurz sein. Wer das Existenzminimum nicht hat, soll steuerfrei sein. Zur Durch- führung dieses Grundsatzes bietet die bestehende Steuergesetzgebung kleines fcuUlcton. Steuerpläne vor 100 Jahren. Von kuriosen Vorschlägen, die während der Franzosenzeit herrschenden preußischen Finanznöte zu kurieren, liest man in den„Lebcnserinnerungcn" des damaligen Regierungsrats bei der Staatsschuldensektion und späteren Pro- fcssors Fr. v. Raumer. Die hartnäckige Weigerung der vaterländi- schen Junkerschaft, irgendeins ihrer alten Vorrechte freiwillig zum Opfer zu bringen, obwohl davon das Weiterbestehen des Staates und damit ihre eigene Herrlichkeit abhing, veranlasste zahlreiche Privatpersonen, der unentschlossenen Regierung mit vermeintlich gutem Rat beizuspringen. Räumer hatte die mehrere Aktenbände füllenden„Finanzpläne" durchzugehen und erstattete darüber am 26. August 1810 dem Staatskanzlcr v. Hardenberg Bericht..Unter den Einsendern befinden sich Grafen, Barone, Edclleute, Bankiers, Juden. Militärpersonen verschiedener Art, selbst invalide Soldaten, Kaufleute, Bäcker. Riemer. Glaser. Stellmacher. Studenten usw., ja selbst eine M-dcmasel, wie sie sich unterschreibt." Nichts wäre erwünschter, spricht der eine, als wenn dem Staate durch freiwillige Einzahlung der Bürger geholfen würde; deshalh habe ich einen Plan zu einer die gesamte Mensch- h e i t beglückenden Jmmobiliarlottcrie, einen zweiten zur Ver- losung und Ausspielung sämtlicher Domänen entworfen.— Nur das En«behrlichc kann man geben, ruft ein anderer, und will die Militärmacht des Staates durch Einschmelzung der entbehrlichen Glocken auf den höchsten Gipfel heben. Und(fährt er fort) welch ein Nebengcwinn: das mir unangenehme Läuten wird abkommen. — Nur durch Papiergeld ist dem Staate zu helfen, schreien viere zu gleicher Zeit... dem vierten ist das Papiergeld doch gar zu papiern, er will ledernes Geld ausgeben. � Andere behaupten, es sei leicht, dem Staate durch Monopole zu helfen und verlangen ein solches für rohe Tabakblätter. Weit großartiger ist dagegen der Vorschlag(des Herrn Ephraim), einer Gesellschaft das Monopol der Versorgung aller Städte mit Lebensmitteln zu erteilen. Die mehrsten der erleuchteten Aerzte wollen mit neuen Steuern retten. — Ein anderer städtischer Vorschlag geht dahin, die Woll- preise jährlich, und zwar geringer, zu fixieren, als sie in den be- nackbarten Staaten stehen. Von diesem vorgeschriebenen Preise erhält aber der Produzent nur eine und der Fiskus die andere Hälfte.— Ferner wollen einige Steuern erhoben haben von Mili- tär- und Zivilabschicden, von Heiraten und Taufen, von allem Spielgewinn in öffentlichen und Privatgesellschaften, durch Stempe- tung von Kleidungsstücken: z. B. eine Enveloppe 3 Taler, eine Hose 2 Taler usw.—>Nach einem Rettungsplane, der seinem Titel nach »in der schönsten Jahreszeit und Baumblüte" entworfen ist, soll s) jeder Besuch von Assembleen, Pickenicks, Kränzchen usw. mit 8 Groschen Extrasteuer belegt werden, h) Geschwängerte zahlen „vor die Bewilligung der Freude" 5 Taler, und außerdem, wenn sie einen Sohn geboren, 2 Taler, wenn eine Tochter, nur 1 Taler. Als Anhang seines„fast ungkaublichen. und doch ganz wahrhaften Berichts"'erwähnt R. schließlich die Eingabe eines preußischen Gräfes.worin er die Fortdauer des(kaum aufgehobenen) Zwangisgesindedienstes und ein Gesetz fordert, daß niemand seinen Geburtsort verlassen dürfe. Wir haben es herrlich weit gebracht, wenn man bedenkt, daß viele dieser Vorschläge, die vor 100 Jahren der preußischen Regie- rung„unglaublich" erschienen, heute noch als ernsthafte Projekte fortleben, wie das Tabakmonopol, die Lustbarkcitssteuer, die Bc- schränkung der Freizügigkeit. Auch die gloriose Idee des Herrn Eschraim dürfte dem Bunde der Landwirte noch heute als schönster Traum vorschweben. Die Protokolle der Kommune. In der„Vataille Shndicalistc" teilt Jamcs Guillaume. der bekannte Jünger Bokunins, cincges über die Scbicksale der SitznngSprotokolle der Pariser Kommune von 1871 init. Sie existieren noch im Original und sind in drei dicken Bänden vereinigt, die die Pariser Stadtbibliothek aufbewahrt. Sie umfassen die Zeit vom 28. März bis einschließlich 19. Mai, asio bis zwei Tage vor dem Einmarsch der Verfailler. Für die erste Zeit sind nur die von den Schriftführern angefertigte» Sitzungs- berichte vorhanden, von dem Augenblick an. wo Stenographen zu- gezogen ivorden waren, auch die stenographischen Protokolle. Der Inhalt der Berichte ivar übrigens zum größten Teil bekannt, da sie rm Journal Osficiel" abgedruckt wurden, von dem 1872 ein Neudruck heranSaeqeben wurde. Doch sind bisweilen Episoden der Sitzungen auf Beschluß der Versammlung der Beröffentlichung entzogen worden. auch gab es geheime Sitzungen. Iheber die vom 26. April, von der der.Osficiel" keinen Bericht brachte, handeln mehr als 80 Manuskript- hie Protokolle nicht in die Hände der Verfailler fielen, nahm man'eine Zeillang an, daß sie vom letzten Sekretär der Kommune Amouroux vernichtet seien. In Wirklichkeit hat Amouroux sie während der Slraßenschlacht durch seinen Freund Mayer aus dem Scadlhaus holen lassen. Sie blieben über 20 Jahre in Mayers Verwahrung, bis dieser sie dem Pariser Gemeinderat als Geschenk anbot. Die weise Vcrsaminlung lehnte jedoch die Annahme ab! 1804 übergab Mayer die Dokuinent dem Direktor des Müsse Carna- valet(des historischen Museums der Stadt Paris), von dem vier Jahre später die Stadtbibliolhek abgetrennt wurde. Guillaume empfiehlt mit Recht eine Buchausgabe der un- verkürzten Protokolle. Wenn er aber, wie es den Anschein hat, an- nimmt, daß sie unbekannt seien, so irrt er. Schon L i s s a g a r a y hat sie gekannt, wenngleich er in seiner Geschichte der Kommune keinen rechten Gebrauch von ihnen machte. Dagegen hat sie D u b r e>, i l h in seinem ausgezeichneten. in dem Sammelwerk „Histoire Socialiste"(Paris, bei Rouff) erschienenen Buche sehr gründlich verarbeitet. Ter Wert der Talsperren in Zeiten der Dürre trat, wie „Prometheus" schreibt, besonders in diesem trockenen Sommer im Flußgebiet der Ruhr zutage, wo der Ruhrtalsperrenverein, eine Vereinigung kommunaler und privater Wasserwerke, neun Tal- sperren mit einem Gesamtinhalt von 33 Millionen Kubikmetern besitzt. Mährend früher, vor dem Bau dieser Talsperren, in wocke- ncn Sommern auch die Ruhr und ihre Nebenflüsse fast gänzlich austrockneten, führten diese Wasserläufe jetzt, wenn auch nicht die normalen, dann doch immer noch beachtenswerte und ziemlich gleich- bleibende Wasscrmcngcn. Aus den Staubecken der Talsperren mußte nämlich während der Dürre auf Verlangen des genannten Vereins täglich eine bestimmte Wassermenge, bis zu 2 0 000 Kubik. Metern, abgelassen werden. Die jetzt infolge der Talsperrenwirt- nur einen sehr geringen Ansatz; freigestellt sind von der Staats- steuer die Einkommen unter 900 M. Die Gemeinden dürfen die Eintommen unter 660 M. von der Steuer freilassen; seit einer Reihe von Jahren sind in Berlin die Einkommen bis zu 900 M. kommunalsteuerfrei. Spätere preußische Gesetzentwürfe haben eine Einkommensteuerfreiheit bis zu 1200 und 1500 M. statuiert. Jetzt herrscht eine Teuerungskalamität, die besonders die Unbemittelten und die minder Besitzenden trifft. Darunter leiden nicht nur die einzelnen Individuen, sondern auch die Gemeinden, weil ihr Selbstverwaltungsrecht auf dem Steuergebict erheblich eingeschränkt ist. Das Kam munal st eue r g e s e tz schreibt die Erhebung gleichmäßiger Zuschläge zu den Staats- einkommensteuern vor. Damit wird ein scheinbar gleich- mätzes, tatsächlich aber ungerechtes Vorgehen erzwungen, da die- selben Steuerfätze genommen werden müssen, gleichviel, ob sie ein hohes oder ein niedriges Einkommen treffen. Dasselbe ungerechte Verhältnis liegt bei der Ergänzungssteucr vor. Das Vermögen ist immens gewachsen; eine kleine Schicht der Bevölkerung, nicht viel über 1 Proz., etwa 426 000 Einwohner, haben 85 Milli- arden und einen Vermögenszuwachs von 3 zu 3 Jahren von 8— 10 Milliarden. Dieser Zuwachs des sogenannten Nationalvermögen? fließt also in die Taschen einer kleinen Schicht. Es ist richtig: der Wohl" stand Teutschlands ist erheblich gestiegen, aber das ist nur dieser kleinen Schicht zugute gekommen. Der Anteil an der Steigerung des Vermögens ist für die Reichen ganz erheblich höher als der- jcnige der niedriger eingeschätzten Zensiten. Wenn andererseits die Finanzlage Berlins die Erfüllung der Ansprüche in kultureller Beziehung immer schwieriger macht, so erscheint es angezeigt, den Weg, den die Gesetzgebung verschlossen hat, öffnen zu lassen. Die anderen Wege, die"das Kommunalabgabengesetz offen läßt, Dinge wie die LustbarkeitSsteuer, sind zu reaktionär-mittclalterlich, als daß wir uns darauf einlassen könnten. Wir wollen also, daß beim Landtage darum petitio- niert wird, daß die Möglichkeit gesetzgeberisch geschaffen wird, die Einkommen bis zu 1800 M. frei zu lassen. Wir halten dieses Existenzminimum für ein schon sehr niedrig gegriffenes; der prcu- tzische Landtag hat ja freilich schon die Einkommen von 1200 M. an mit Zuschlag belegt, um den Beamten Besoldungsvcrbesserungcn zuwenden zu können. Der größte Ausfall für Berlin würde sich auf 6 Millionen be- rechnen. Ihn zu decken haben wir die progressiven Zuschläge für Einkommen von 3000 M. ab vorgeschlagen, ebenso die gleiche Befugnis für Vermögen von 20 000 M. an. Damit könnten eventuell 45 Millionen gewonnen werden. Ich glaube, ein wenig progressiv bei der Vermögenssteuer vor- zugehen, wird die Regierung gestatten, weil sie im Reichstage er- klären ließ, man könne von Reichs wegen nicht darauf eingehen, das müsse den Einzel st aaten und Gemeinden überlassen bleiben. Es liegt, auch wenn zunächst ein solcher Antrag abgelehnt werden sollte, ein guter, gesunder Kern darin, und der wird sich Bahn brechen. Auch die ersten Anfänge der Vermögenssteuer unter M i q u e l wurden als Vermögenskonfiskation bezeichnet, und jetzt hat man sich überall damit abgefunden. Der Grund- satz der Gerechtigkeit muß doch auch in dtzr Besteuerung durchgeführt werden: wer nicht das Existenzminimum hat, soll nicht noch mit Steuern belastet werden, und bei der Besteuerung muß nach Maßgabe der Steucrkraft gegangen werden, die ausgedrückt wird durch die Größe des Vermögens und gleichzeitig durch die Größe des Einkommens. In die Natur des Einkommens selbst wollen wir bei dieser Gelegenheit nicht eindringen, schon weil wir nicht wissen, ob nicht die preußische Regierung selbst, nachdem selbst das Karikaturchcn auf eine Erbschafts st euer vom Reichstag ab- gelehnt ist, dazu übergeht, auf diesem Wege den Gemeinden entgegenzukommen. Die Regierung und der Landtag müssen ein Einsehen haben, wenn es gilt, eine gerechte Besteuerung zu er- möglichen. In erster Linie bitte ich, unserem Antrage ohne Aus, schußberatung zuzustimmen. Oberbürgermeister Kirschner: Ich kann nur für meine Person sprechen. Die Gemeinden sollen nach dem Antrage eine größere Befugnis auf steuerlichem Gebiete erhalten. An und für schaft schon erträglichen Verhältnisse des Ruhrgebietes werden sich noch erheblich bessern, wenn in etwa zwei Jahren zwei weitere Sperren, die Listertalsperre und die Möhnetalsperre, fertiggestellt sein werden. Wer hat die Briefmarke erfunden? Die„Umschau" beant- wartet die Frage dahin: Fälschlich schreibt man dem britischen Oberpostmcister Hill(1840) die Erfindung der Briefmarke zu; denn abgesehen von anderen Ländern, hatte, wie Oberpostassistent Ans. Röhl mitteilt, schon um das Jahr 1835 ein anderer Engländer! Knight, auf die Einführung gestempelter Briefkuverts hingewiesen, und ein Parlamentsbcricht vom Jahre 1835 enthielt ähnliche Vor- schlüge. Das Königreich Sardinien gab schon 1819 gestempelte Viertelbogen als Umschläge für Briefe zu 15, 25 und 50 Centesimi heraus, und in Stockholm unterbreitete bereits 1823 ein Offizier dem Reichsrat ausführliche Vorschläge zur Einführung von Brief- marken. Allem Anschein nach war es der Buchhändler Jamcs Chalmers aus Aberdeen, der viel früher als Hill die Wichtigkeit der Briefmarke für den Postverkehr erfaßte. Der englische Ge- neralpostmeister Hill hat nur das große Verdienst, die praktische Ausführung der ersten Briefmarke verwirklicht zu haben. Denn gleich bei Einführung des Pennyportos in England(1840) er- schienen die ersten Briefmarken, sogar schon mit dem Bildnis der Königin, in ziemlich künstlerischer Ausführung. Elektrische Gartenkultur. Der Werste systematische Versuch. durch Elektrizität die Erträge der Gartenkultur zu steigern, ist aus der Highfield-Pflanzschule in Essex durchgeführt worden, wo ein Strom von 600 000 Volt auf eine Fläche von 200 Fuß in Treibhäusern eingewirkt hat. Die Resultate, die man bereits durch kleinere Experimente der Art erzielt hatte, wurden bestätigt und die Ertragsfähigkeit bestimmter Pflanzen durch die Elektrizität außerordentlich gesteigert. Die Elektrizität ward durch die Treib- Häuser mittels in der Höhe aufgespannter Drähte yeleitet, und die Ströme waren so stark, daß sie die ganze Atmosphäre erfüllten und in der Dunkelheit Funken erzeugten. Der elektrische Strom hat die Wirkung, die Stickstofsmenge in der Luft zu erhöhen. Stickstoff aber ist ein wichtiges Mittel, das Wachstum der Pflanzen anzuregen. Während Gemüse durch den Strom nicht beeinflußt wird, hat er eine bedeutende Wirkung auf Erdbeeren, die sich dadurch fast einen Monat früher entwickeln als gewöhnlich und einen um 40 Proz. reicheren Ertrag abwerfen. Tomaten liefern 20 Proz. mehr, Gurken 17 Proz.; Gerste entwickelt sich reicher und stärker. Die 600 000 Volt des einwirkenden Stromes wurden durch eine geschickt konstruierte Maschine, erzeugt, die aus sechs sich drehenden Glasplatten und Bürsten besteht. Die Kosten sind außer- ordentlich gering. vlottze«. — Theaterchronik. Im Theater in der Königgrätzer Straße mußte die Erstaufführung von Heinrich MannS.Schau- s p i e l e r i n" um eine Woche verschoben werden.— Im Ein- vernehmen mit dem Polizeipräsidium findet die, O r e st i e"- Aufführung in, ZirknS Schumann am Freitag, 10. November, statt. — Musikchronik. Sonnabend 8 Uhr findet imBlüthner» s a a l der»weite Klavierabend Koe» alSktl statt. fich ist nichts dagegen zll sagen. Ich kann aber den O p t i m! s« m u s des A n t r a g st e l l e r s nicht teilen, daß in abseh- barer Zeit so einschneidende Aenderungen des Gesetzes möglich fein Würden; aber selbst dann käme eigentlich die Schwierigkeit erst bei der praktischen Ausführung. Der Erlaß der K o m m u n a l- steuer für alle Aensiten bis 1800 M. würde gegenwärtig einen Ausfall von 7 Millionen bedeuten. Der Ausfall würde zu decken sein; aber ganz abgesehen davon würde es sehr bedenklich sein, eine so große Zahl von Bürgern von jeder Leistung zu befreien und sie lediglich als Empfangende hinzustellen. Auch die S t a a t s- e i n ko m m-n st e u e r ist doch bereits eine progressive; sie steigt von 0,02 bis 4 Proz. Gegenüber der Tendenz der stärkeren Heranziehung der größeren Einkommen bitte ich Sie, sich auszumalen, �was geschehen würde, wenn Berlin in dieser Be- ziehung an der Spitze stünde. Daß die Vororte folgen würden oder folgen müßten, ist nicht erwiesen. Wenn wir auch wirklich zusammen mit den Vororten die Einkommen mehr als sonst im Lande belasten würden, würden wir wohl auf das Vergnügen, daß reiche Leute nach Berlin und nach den Vororten ziehen, verzichten müssen. Alsr wenn ich auch oen Gedanken an sich in der Theorie nicht abweisen möchte, in der Praxis halte ich die Anregung für kaum durchführbar. Stadtv. Cassel: Bei der Sachlichkeit, mit der der Antrag be- gründet wurde, muß ich die Vermutung, daß er nicht ohne gewissen Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen ist, fallen lassen. lHeiterkeit bei der Mehrheit.) Die Erörterung kann aber nur eine rein akademische sein. Der Staat denkt garnicht daran, diesen Zugriff den Kommunen zu überlassen. Der Finanzminister hat doch auch schon angekündigt, daß die seit 1300 eingeführten Staatseinkommensteuerzuschläge verewigt werden sollen; umso- weniger wird er zu Konzessionen in der Richtung des An- träges geneigt sein. Werden diese Zuschläge Gesetz, dann müssen auch wir sie erheben, und dadurch werden unsere steuerkräftigen Mitbürger neu belastet. Von den 665 466 Steuerzahlern, die es 1309 gab, würden 431577 von jeder Steuer befreit fein. Das würde zu unhaltbaren Zuständen führen. Die Deckung schiebt Herr Stadthagen leichten Herzens auf die Leute mit Ein- kommen von 3000 M. Diese Leute mit 3—4000 M. sind der kleinere Mittelstand, der auch mit Mühe und Sorgen durchs Leben geht. Auch ich bin für progressive Steuer und für niedrige Sätze in den untersten Stufen, aber nicht für g ä n z l i ch e B e- freiung. Es gibt unter den Steuerzahlern unter 1800 M. Hunderte, Tausende und Zehntausende, welche für andere Zwecke, wirtschaftliche Verbände, Vergnügungen usw. mehr ausgeben als sie Steuern zahlen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Die Geschichte der Demokratien des Altertums zeigt, was aus einem Staate wird, wenn der größte Teil der Bürger aus Stipendiaten besteht.(Widerspruch und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Wir sind gleichwohl für Beratung des Antragesineinem Ausschuß, weil«s vielleicht einige andere Punkte gibt, wo wir mit größerer Aussicht auf Erfolg Aenderungen in der Steuer gesetzgebung betreiben können. Stadtv. Mommsen spricht auch für Ausschußberatung, nicht etwa, um den Antrag anzunehmen, sondern um die heutige Ge- stalt der kommunalen Steuergesetzgebung einmal kritisch zu be- leuchten. Mit dem einfachen Diktum, daß man die Steuern da nehmen soll, wo Geld ist, komme man nicht weit; die Stadthagen- schen Vorschläge würden nur die Vermögenden aus den Städten verscheuchen. Diese Steuertheorie sei überhaupt nicht ernst zu nehmen. Auch sei es unmöglich, die große Mehrheit der Bürger steuerfrei zu stellen. Die Siede Stadthagens hätte im Abgeord- netenhause gehalten werden müssen. Stadtv. Noseiiow(N. L.): Aus der Anregung, die wir geben sollen, wird gewiß nichts für Berlin Günstiges oder Freundliches im Landtags xider bei der Regierung herauskommen. Di« Folge des Antrages wird ein Wettrennen der Gemeinden und eine Verwirrung der Kommunalverwaltung sein. Für eine ruhige Besprechung des SteuerproblcmS in einem Ausschüsse sind guch wir. Damit schließt die Beratung. Im Schlußwort bemerkt Stadtv. Stadthagen: Ich bin denn doch erstaunt: Wir kommen Ihnen entgegen, wir zeigten Ihnen, die über Finanznot mit Recht klagen, wo Geld, wo Millionen zu holen sind— und Sie wollen nicht. (Heiterkeit, Zurufe.) Herr Oberbürgermeister, nur Mut, greifen Sie zu; wo Mut fehlt, kommt man zu nichts. Im Gegensatz von Ihnen bin ich Optimist, mit vollem Recht gerade gegenüber den Kollegen von den anderen Parteien hier im Roten Hause. Jcb bin 22 Jahre jetzt hier tätig. Wie oft habe ich dieselbe pessimistische Melodie gehört wie heute. Und schließlich bekommen wir Optimisten recht. Ich erinnere an die Schulgeld-, an die Schularztfrage, an die unentgeltliche Desinfektion Bei dem Steuer- erlaß von 660— 900 M. sind genau dieselben Einwendungen erfolgt. Nachher zerstoben diese. Also nur Mut. Die Gesamtheit würde von der Steuerfreiheit der Zensiten unter 1800 M. außerordentliche Vorteile haben. Was soll die Verweisung auf die kleinen Prozent- sätzc von 0,62 bis 4 Proz.l Die indirekte» Steuern besteuern auch die Aermsten mit mindestens 10 bis 12 Proz. Der Vergleich aus der feudalen Periode Alt-Roms und Alt- Griechenlands ist in der heutigen kapitalistischen Periode hin- fällig. Wer glaubt denn heute, daß einer 3� Millionen im Jahre allein durch seine Muskel- oder Geisteskraft verdient? Au: Grund der heutigen Gesellschaftsordnung kann er eben den Mehr- ertrag der Arbeit anderer für sich verwenden, zu seinem Vermögen machen und zuschlagen. Warum soll man nicht bei diesen mühelosen Gewinnen mit der Steuer ansetzen? Nicht die Arbeitenden und wenig Steuernden sind Stipendiaten: gerade die Reichen, die Wohlhabcn- den» die sind die Stipendiaten der Arbeiter(Zust. bei den Sozial- demokraten, Lärm und Lachen bei der Mehrheit) und werden wohl- habend durch die Arbeit der Schlechtsttuierten.(Zwischenruf.) O nein, die Verelendungstheorie ist richtig; nur muß man sie richtig auffassen. Sie besteht, ist immanentes Gesetz �unserer Gesellschafts- ordnung. Die Produktivität der Arbeit wächst phänomenal, es wächst aber auch der Gegensatz zwischen dem Wohlstand der Aw eigner dieser Produktivität und den Schasfern der Arbeitsprodukte. So ist die Verelendungstheorie zu verstehen: nicht ob der Arbeiter etwas mehr Lohn erhält, sondern ob der Segensatz zwischen seiner Lage und der der Aneigner des gesellschaftlichen Reichtums wächst. Dieser Reichtumsanwachs von etwa 8 bis 10 Milliarden innerhalb dreier Jahre verteilt sich auf kaum 1 Proz. der Bevölkerung, rund 480 000 Preußen haben 85 Milliarden im Besitz, die anderen gehen leer auS. Der gesellschaftliche Reichtum kommt in immer weniger Hände; die Verelendung, der Abstand der Lage von der der Nutznießer des gesellschaftlichen Reichtums wird immer größer. Das Lumpen- Proletariat im alten Rom kann man nicht mit der heutigen Arbeiter- klasse vergleichen, wie die Vorredner. Die Gerechtigkeit muß sich durchsetzen, weil das eine geschichtliche Notwendigkeit ist. Unser Antrag ist mit Unrecht mit den bevorstehenden Wahlen zusammengebracht worden. Wir wollten ihn schon beim letzten Etat einbringen; er war schon in den Händen unserer Etatsredner, aber er ließ sich wegen des damaligen Tohuwabohu nicht anbringen. (Rufe bei der Mehrheit:„Sehr schade!") Darum haben wir ihn jetzt zu einer Zeit gebracht, wo er seine Einwirkung zeigen kann auf den künftigen Etat. Nehmen Sie ihm doch die Zugkraft für die Wahlen dadurch, daß Sie ihn zum Beschluß erheben. Gibt es denn etwas Aufpeitschenderes, als wenn die große Menge bis zu den Angehörigen des Mittelstandes sich immer wieder sagen muß, daß die ganz großen Einkommen mit höchstens 4 Proz. herangezogen werden, während die indirekten Steuern auf dem Einkommen bis 3000 M. mit 10 bis 12 Proz. lasten? Wir wollen diese Aufreizung eben abschaffen(Große Heiterkeit); wir, die Ruhigen, gesetzlich Vorgehenden, Temperamentlosen(lebhafte Heiter- keit), wollen Ruhe, Zufriedenheit durch Beseitigung der so aufreizenden Gegensätze. Und das Verdienst daran wollen wir nicht allein haben. Deshalb kommen wir mit unserem Antrage. Einen ähnlichen Antrag haben meine Freunde ja vor zwei Jahren bereits im Abgeordnetenhause gestellt. Unser Ziel geht dahin: Jedem das Seine! Wir wollen für jeden, der Menschenantlitz trägt, die Gerechtigkeit. Dieser Antrag soll ein kleines Steinchen aus dem Wege zur Erreichung dieses Zieles räumen. Beseitigen Sie das Mißtrauen, mit dem Sie immer unsere Anträge aufnehmen! In diesem Vertrauen hoffe ich:„Wenn der Most sich auch absurd gebärdet, es gibt zuletzt doch 'nen guten— sozialdemokratischen— Wein!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel behält sich eine Entgegnung auf daS Schluß- wort für eine andere Gelegenheit vor. Der Antrag geht darauf an einen Ausschuß von 15 Mit- gliedern. In Moabit soll eine vierte städtische Oberrealschule mit ange- «liedertem Rrform-Realgvmnassum auf dem Grundstück Z w i n g l i- straße 2 erbaut und zu Ostern 1312 mit den unter>ten Klassen in einer Schulbaracke auf dem Grundstück Bremer Straße 18/20 eröffnet werden. Mit der neuen Anstalt ist auch wieder die Ver- bindung einer Vorschule beabsichtigt. Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.) lehnt da? Realgymnasium und gar daS Reform-Siealgymnasium entschieden ab. Die Vorschule die die Sozialdemokraten zu streichen beantragen, werde auch von ihm mit einer Minderheit seiner Freunde abgelehnt werden. Stadtv. Sökeland(A. L.): Wir sind für die Borlage in ihrer ganzen Ausdehnung. Stadtv. Dr. Glatzel(Fr. Fr.) steht im Gegensatz zu der von seinem Fraktionsgenossen Kuhlmann vertretenen Auffassung. Wegen eingetretener Beschlußunfähigkeit muß die Beratung und die Sitzung um%9 Uhr abgebrochen werden. Soziales* Wenn die Frau Chefin eifersüchtig ist. Durch die Eifersucht der Ehefrau des Prinzipals entstehen manchmal mit den weiblichen Angestellten böse Konflikte. DaS zeigte sich auch in einem bor der 5. Kammer de» Berliner Kauf- mannsgerichts verhandelten Falle. Die Klägerin, die Verkäuferin Rosa R., hatte das Haus ihres Prinzipals, des Kaufmanns K., so- fort verlassen, weil sie von der Frau Chefin in gröblichster Weise beleidigt wurde. Diese in ihren Ausdrücken anscheinend recht wenig wählerische Dame warf der Angestellten die Worte:„Sie S— biest" an den Kopf und beschuldigte sie des Verkehrs mit ihrem Ehe- manne. Nach ihrer Behauptung soll der Mann bei Gebrauch dieser Kraftausdrücke dabei gestanden haben, was dieser aber bestreitet. Dagegen gibt er zu, daß zwischen ihm und seiner Verkäuferin nie das geringste vorgekommen sei. Die Klägerin erklärt, daß sie über die aus der Luft gegriffene Beschuldigung so konsterniert gc- wesen sei, daß sie keines Wortes fähig war. Erst auf den Siat eines Rechtskundigen hin sagte sie zu ihrem Chef, daß sie nach diesen gröblichen Beleidigungen die Stellung sofort verlasse. Sie erfuhr dann auch, daß die Vorgängerin seitens der Chefin in ganz der- selben Weise verleumdet worden sei. Außer der Klage auf Zahlung des Gehalts bis Ablauf der Kündigungsfrist reichte die Klägerin gegen die Prinzipalin die Beleidgungsklage beim Schöffen- gericht ein. Das Kaufmannsgericht schlug den Parteien folgenden Vergleich vor: Der Prinzipal zahlt der Klägerin das ganze Restgehalt in Höhe von 125 M., Klägerin nimmt dagegen die Beleidigungsklage gegen die Ehefrau des Beklagten beim Schöffengericht zurück. Nach- dem der Vergleich daran scheiterte, daß Beklagter nicht mebr wie 100 M. zahlen wollte, faßte das Kaufmannsgericht den Beschluß, die Sache bis zur Erledigung des schöffengerichtlichen Verfahrens zu vertagen. Das Gericht riet der Klägerin, sich beim Schöffengericht unter Berücksichtigung der hier vorliegenden Umstände nicht zu der- gleichen, sondern es zu einem Urteil kommen zu lassen. . Der Anspruch auf Rückerstattung der Beiträge a«S de« Pensionskasscn. Einige aus dem Kruppschen Werke entlassenen Arbeiter klagten auf Herauszahlung der während des Arbeitsverhältnisses an die Pensionskasse des Werkes geleisteten Beiträge. Die Klage stützte sich in der Hauptsache darauf, daß der Versicherungsvertrag gegen die guten Sitten verstoße und deshalb wegen ungerechtfertigter Be- reicherung die Rückzahlung der Beiträge bei Lösung des Arbeits- Verhältnisses verlangt werden könne, weil mit dem Ausscheiden der Arbeiter aus dem Arbeitsverhältnis auch alle seine Ansprüche an die Pensionskasse erlöschten und weil eine Rückzahlung der gc- leisteten Beiträge nicht stattfinde. Das Landgericht Essen und das Oberlandesgericht Hamm hatten dahin entschieden, daß der Verlust der gezahlten Beiträge an sich nicht dem Begriff der guten Sitte widerspreche. Die Kläger legten gegen diese Urteile gtevision beim Reichsgericht ein. Auch dies entschied gestern zugunsten der Pen- sionskasse und wies die Revision der klägerischen Arbeiter ab. Die schriftliche Begründung des Urteils werden wir hoffentlich bald mitteilen können._ Hus der frauenbcweguiuj« Im Kampf ums Frauenwahlrecht. In Californien, Vereinigte Staaten von Nordamerika, fand am 10. Oktober eine Volksabstimmung über das Frauenwahlrecht statt. Die Frauenrechtlerinnen hatten eine großartige Agitation entfaltet; kein Tag verging während der Wahlkampagne, ohne daß Versammlungen abgehalten wurden, um die Bürger zu bewegen, für ein unbeschränktes und gleiches Frauenwahlrecht zu stimmen; am Wahltage selbst standen die Frauen an allen Wahlplätzen Posten und baten die Wähler um ihre Stimmen. Die sozialistische Partei trat natürlich für die Frauen ein, aber es half alles nichts. Die Freunde der Wahlrechtsbill erlebten eine große Enttäuschung, als bekannt wurde, daß das Frauenwahlrccht mit großer Majorität niedergestimmt worden sei, wie schon mehrmals geschehen in früheren Jahren. AuS den ländlichen Distrikten kommen fast nur günstige Berichte, aber die großen Städte wie San Francisco und Los Angeles und andere lieferten die Majoritäten gegen das Frauenwahlrccht, so daß es fallen mußte. In den Städten ist besonders das Element der Gastwirte mit ihrem Anhang da- gegen, weil sie eine Beeinträchtigung ihres Gewerbes von dem volitischen Einfluß der Frauen fürchten. Clngegangene Druck rchriftok Grosse. Eine Kaiserbiographie der Zukunft vo» M. Ethnologischer Verlag, Leipzig. gen. Bilder von der Studienreis« der Non. Herausgegeben von Keheimrat Prof. Dr. H Hergescll. KS Lieferungen mg u. To., Berlin W. 57. Michael der Excelsior. Broich. 3.W Mit Zeppelin nach SpiNderge». deutschen arttischen Zeppelin-ErpediNon. Pros. Dr. A. Miethe und Geheiiiirat Prc' k 60 Pf. Deutsches Verlagshaus Bong Der Mensch und die Erde. Die Gewinnung und Verwertung der Schätze der Erde. Herausgegeben von Hans Kraemer. Lieseruno 135 bis 138. Preis pro Ltescrung«0 Pf. Bong u. Co., Berlin IV. 57 �eu! iinMWedö Seliutzte Mit selbsttätigen verstellbaren Trägern. Bon d. Gewerbe- inspektion e m P s o h l e n. D. R. G. M. Bester Schutz gegen Betriebs- Unfälle. 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Kelohnuilg. Am Wiitwoch, den 18, d, MlS,, ilt auf derftahrt von Bamberger Straß« nach Anhalter Bahnhof um Ö'i, U6V in einem großen iechssitzigen dunkel' blauen Aulo mit Gepäcknetz eine braune Tamciihandtasche liegen geblieben. Dieselbe enthielt außer Toilettesachen 2 Andachtsbücher, einen Wohnungsplan, eine silberne Handtasche und in einem Schmuck» lasten verschiedene Schinuckgegenstände. Der Finder dieser Tasche wird er« sucht, dieselbe mit Inhalt gegen obige Belohnung abzuliefern bei[12636 Celir. Bernharit, WeftelL Harkt 10. □□□ Theater und Vergnügungen Freitag, 27. Oktober 1311: Anfang 7 Uhr. Tentsches. Turandot. Llnfanq Tl, Uhr. K. Opernhaus. Rigoietto. «7. Schauspielhaus. Penthefileo. Nenes. Das Mädel von Montmartre. Berliner. Coeur-AS. Luftipielhaus. Die VergnügungZ. reife. Haverland. SPezialUäten. irkus Büsch. Gala-Vorstellung, irkns Schumann. Gala- Vor. ftellung. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstrasie 48/49. Geheimnisse der belebten Nawr. Lnvalidensiraße 57— 62. Pros. Schwabn: Bewegungen der Himmelskörper. Neues K. Operntheater. Der Meineidbauer. «ammerfpiele. GhgeS und[ein Ring. Lessing. Glaube und Heimat. NeueS Schauspieldaus. Heidelberg. rat. Eva. Königgräber Strafte.. HundStage. tlouiiilhrOvrr.Dte keusche Sufanne. Schiller. O. Zopf und Schwert. SchGirr» Gliarlortkiidnrg. Der Pfarrer von Kirchfeld. Friedr.- Willi. Schauspielhaus. Die Hochzeit von Valeni. Neues Bolkstheatcr. In ve- Handlung. Me»»o,.»>. DI« Nacht von Berlin. rvesten. Die Dame« Rot. Trianon. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschaft. Luisen. Die Alacht der Liebe. Rose. Kasernenlujt, Cafino. Der fellge Hollschchsth. «viniergaree». Sveziaiilälen. Apollo. Svezialiiäten. ivallag». Svezialitälen, Herrnfeld. Schmerzlose Behmiblmig. DaS Kind der Firma. Aönigftadt'Kafino. Spezialitäten. Reichsv allen. Stettiner Sänger. Anfang 8'/. Ubr. UvsseS Oapriee. Kobi Krach. Nr. 14, Walhalla. Teufel, daS hat ewge- schlagen! Balgt. Das Ääthch-n von Heilbronn, Anfang 8'/, Uhr. Belle-Alliauce. Der Sittenapostel.. Intimes. Schön Helenchen.»» Liebesabenteuer. *.» Sternwarte. Jnvalidenstr. 57-62. Kaiser-Panoraina. Neu: Wände. rungen im Harz. Letzte Woche: Konstantinopel 8e!ii!!ei'-7lieAlei'0.�«' Freitag, abends 8 Uhr: Zopi und«clirvei-t. Sonnabend, abend« 8 Uhr: 3inthaii der Weine. Sonnlag, nachm. 3 Uhr: Dan L'rblld den TartUff. Sonntag, abends 8 Uhr: Der l*farrer von Klrchfeld Sehlller-Tüealer _ Freitag, abends 8 Uhr: ®0�.P'arrer von Klrchfeld Sonnabend, abends 8 Uhr: t» lobe da« beben. eomilng nachm,� Uhr: ■ llurla Stuart. eonntag, abend» 8 Ubr: Ea lebe da» Leb%n. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: DaS ülkndel von Montmartre. Lreoett«: Fritsl Maeaory. Lniscn-Thcatcr. Heute und folgende Inge; Die Macht der Liebe. Lonngbend nachm. 4 Uhr: Was Hau» und Lisel tm Zanberwald erlebten. öerUner Theater. Ansang?>/, Uhr. Coeur- Aß. Theater in öerKöoiggrKzer Straße 8 Uhr: Hunds tage. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonntag nachmittag 31/, Uhr: Ein Watzertraum. Residenz-Theater. Dlreliion Richard Alexander. Anfang 3 Uhr, Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt, v. Käroul u, Barrä. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckers. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Chopin. Er ivd r 1 e h- Wl Ui e l m»» tdd t. Schanspielhuus. Abends 8 Uhr: für HochM von Wem. Belle-jUIisiiee-Thealer Heute zum 25. Male: Der Menapostel. 1 OSE=THEATEi Große Frankfurter Str. 132, Abends 8 Uhr: Kasernenluft. Ii Sonnabend 4 Uhr: Häusel und (Bretel. 8 Uhr: Siran. Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul, Freund. Musik von V. Holländer, In Szene gefetzt vom Dir, R. Schultz, Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abend» 8 Uhr: Letzte Woche der.Weltstadt- Attraktionen. 10 Uhr: Ein?lbend in einem amerikanischen Tingel Tauget. Wen» Sorker ipantom. Co. Casino-Theatep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Alllllirndlllh der neue Ltrimer Possen-Zchlligkr Üer selige tjollschinskil. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Weib a. 0. Volke. Reiclishallen-Tlieaiep. Stettiner Sänger Gaftfviel Robert Steidl. «Nf. wochcnl 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Volks-rheater. Nixdorf, Hermannstr. SV. Sonntag, 29.110: Ter tolle Rittmeister. Militärisches Drama in 3 Alten von Dr. E. Slilgebauer. Montag, 30.110: Jugend. Drama in 3 Akten von Max Halbe. Winzerfest! Allabendlich: Winzerträume. Original-Revue mit Gesang und Tanz. 2 Kapellen. Die Eiskünstler in ihren unübertrofienen Leistungen, CLOU BGREilWER KOXZERTHAVS MauerstraBe 82 X ZlmmerstraOe 90,91. Qr. Doppel-Konzert.. Muaiko. d. 2. Garde-Regt, zu FuB n*n( Oberm Ural. Musikc. d.i. Gardo-Reg r. F. p~Q-_ Oberm. DaaFZ. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachm.: Gr. Promenaden-Konzert beT freiem Eintritt.— Heute Muslke. d. Etis.-G.-Gren.-Reg. Oberm. Brinkmann. Volkshaus, Ciiarlottenburg Rosinenstr. 3. Einladung; für Sonntag, den 20. Oktober 1011, zu einem zwanglosen Familien-Abend im Bestaaratlonn• Saal, mit anschließendem Tanz im kleinen Saal. Anfang 9 Uhr. Eintritt frei. Auf ins 401L Cafe Roland 181 Brunnenstr. 181 Größter Betrieb des Nordens! Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Itteiu Baby. Admifobpata»* AmBehnbcd toOTKhlieosse , Ei»-Arena Mittags von 12 Uhr bis 2 Uhr K o r n o bei Munik. I Xacliniltlags: | Mililärkonzert Produktionen v. Sololäufern. Abends zum 223. Male: Das grandlose Eisballett . Montreal. Die kleine Charlotfe mit iliror Novität: I>er LichtertanK und die übrig:, orsfcklass. Kunsilaufproduktionen, Restaurant I. Ranges. Bis 6 Uhru. nach 10'/. Uhr| halb« Kassenpreise. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Gehoimnlsee der belebten hTatnr. Invalidenstraße 57— 02 Prot Schwahn 8 Uhr: Bewegungen der Himmelskörper. Voigt-Theater. Freitag, ben 27. Oktober 1911: Das Käthchen von Heilbronn. Große» historisches Rilterschauspiel in 5 Akten von Heinrich v. Kleist. Kassenerösfn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr, Corso-Variete. Frledrlch.tr. 105. Heitere Künstler- Abende, 12 JKfrahtionen 12 Das nriioin. Zwerglnnen-Diiett. ( Entree 60 Ps. t'WWWWWMMWWWWWWWWWWV, j Zirkus 91 jA. Schumann Heute abend 7'/z Uhi; Gala-Vorstell nng. | Auftreten samtl. Kunstkrätto. 1 9'/, Uhr; Die große Feorie 1000 Jahre auf dem Meeresgrunde | in 5 Bildern nach Motiven aus 1001 Nacht. Sonntas, 20. Oktober: 1 2 gr. Vorstellungen nachm. S'/jU. 7'/, Uhr abends. 1 1000 Jähre Meeresgrund MMIS Noch nie dagewesener Lach-Erfolg. Das Kind der Firma mit Anton und Oonal Herrnfeld In ben Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung Ansang 8 Uhr. Vorverf. 11—2 Uhr. Vorailzeiget�umvo?! zubenaen. bringen tvir hiermit zur Kenntnis, das, ain Sonnabend, d. 88. Ok- tober unsere Vorstellung wie täglich präzise 8 Uhr abends beginnt mit dem unveränderten Spielplan: Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Ztzirma.— Beginn d. Nachtvorstellung 18 Uhr nachts.'äÜll Polles Capriee. Ansang 8'/. Uhr. SIJNe: MO. 14. Kobi Krach. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: die jopan. Mimo- dramntikerin mit ihrer Truppe i. ihr. ') Mimodramen. Ali Ben Hamad-Truppe, 15 eingeb. Springer a. Agadir. Georg Kaiseriin ihren Putzi CassaniJ Pa',o'llen und das gr�Oktobcr-Progr. 14 Spezialitäten. Passage ANOPTIKUM »ie wilden Lebend) Heul-Derwische aus Cej'lon mit ihren fanatisch. Produktionen. iWcrlno, der lebende AmboB. AGA, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Zirkus Busch Heute abend 7'/- Mk?: Gr. Gala- Vorstellnng;. 1>. beid. AirenmenMchcn „Max und Moriti»" Ernst Schumanns neueste Meistordressuron. Frl. Anna Stennis, Schalreiterin. Bärenringkampf, Dress. Ganzer. Quadrille internationale. >U Origin.- Aus- stattungs- stück des Zirkus Unsch in 5 Bildern. Verlier das gr. Gala-Programm. W Noacks Theater. Direktion: Robert Ulli. Berlin N.. Brunnenstraße 18. Heute: Gastspiel im Moabiter Winter- Garten, früher Artnshof, Pcrleberger Str. 86. I>ou€esar. Schauspiel mit Ges. v. 23. Friedrich. Don Cesar: Dir. R o b. Dill. Anfang 8V< Uhr. Ehren- und Vorzugskaricn gültigt Näheres siehe Plakate usw. Bs kirn os, Samojeden, Lappen mit Rennticrherdon. Hagcnbccksche 20 Polarbären in KurfUrstciidainm 151 nahe Bahnhof Charlottenburg und-Halensoo. Vorführungen: Wochentags i'L VU und 9 Uhr. Letzte Hauptvorführung abends 9 Uhr. Eintrittspreise: Auestellungshalle SO Pf. Vor- führungshalie 30 Pt Vorverkauf bei A. Wertheim«nd Invaiidandank. Königsiaät-Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Aiexanderstr. Die Weber(Bombenersolg). Ia 8pe«lalitiLtvu la Ans. 8 Uhr, Sonntag 6'/, Uhr. «onnt nachm. llA Uhr: Familienvorstellung, Theater und Spezialitäten.— Entree 20 Ps. Kreuzberg-Festsäle. SW., Kreuzbergstr. 43. Jeden Freitag: Koffmanns Sänger. Ans. 8 Uhr. Enlree 20 Pf. Passepartouts tt. Borzugs- kartcn gültig.* Nach der Borstrllung; Frei- Zaintränic�ctu (fctcu äViltmoch.- Gr.Frel-Tanz. Sl»f. S>/,Ubr. « ür Bcrcin e Svuliadciidc nach zuverg. FNr den Inhalt der Inserate «ihernimmr die Redaktion dem Publikum gegenüber teincrlri Verantwortung. Arbeitsnachwels: Hos I. Amt 3, 1239. BerNialtuiiqSstelle Berlin Hauptbureau: Chlirttästr. 3. Hof III. Amt 3. 1S87 Sonntag, den ÄS. Oktober, vormittags 11 Uhr: Hilgen). RranchcD'Verlaromlung der Kohrleger und Helfer Groß-Berlins in den„Andreas-Fcstsälen", Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Bortraq deS Acnosse» Uanl ll«ts!noliolck über:»Die Ueousiim-Geiioneiischaftc».« 2. Diskussion. 3. Branchen- und Verbands- angclegenheiten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen, sehr pünktlich und recht zahlreich mit ihren grauen zu erscheinen. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung der Micktlei-»nd Jsolationsarbeiter und Arbeiteltuuen im Voigt-Thcater, Vadstraße 53. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Bersammluug wird pünktlich eröffnet.=�=: Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr: Branchen- Vers ammlung der Schmiede, Kksseischmiede und Autogen-Schmeißet im Lokal von A. Hoffmann, Dragonerstr. 15. Tagesordnung: I. Die EntWickelung der Industrie und der Arbeiterbewegung. Referent: Kollege WücUc. 2. Diskussion. 3. Branchenangelcgenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung aller in der Uetallindujtrie lieschästigten arbeitet und Arbeiterinneu in den„Musikcr-Fcstsnlcn", Kaiser Wilhelmstr. 13 m. Tagesordnung: 1. Bortrag.(Das Thema und der Reserent werden in der Versamm- lung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Branchcnangelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind alle in der Metallindustrie beschästigten Hobler, Bohrer, �rä>er, Stoher, serner die in den Beirieben der Gelb- Metallindustrie beschästigten Schnittarbeiter, an Ziehpressen und Tioszwerlen Beschästigte, serner alle an Maschinen tätigen Arbeiterinnen sreundiich ein- geladen. 125/3 Die OrtHverwaltunp'. Charlottenbiirg. Sonntag, den 29. Oktober, mittags 12 Uhr: Settentliche Versammlung im Volkshause, Rosinenstraße 3. Tagesordnung: ILKSb- Die arbkitklstilliilichkll KkSikbilllge» im Dathaits. Referent: Stadtverordneter �VlIklLltlR RiChtCf« 2. Diskussion. Kein organisierter Arbeiter darf fehlen!"HW Der Einberufer. Otto S t o r ch._ Verwaltung Berlin. Freitag, de» 87. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Boeber, Weberstrahe 17: Kombinierte Versammlung der ßontrollblimiiiissloilkn mit der Ortsoemaltlmg. Einsetzer! Sonntag, bei« 29. Oktober, vorm. 9';, Uhr. bei Merkowski, Aiidrcasftrahe Nr. 2v: Branchen-VerfatinnUmg. Tagesordnung: 1. Bericht com dritten Quartal. 2. Bericht von der Generaloersamm- lung. 3. Branchenangelegenheilcn. Sl/S Billetts zu der TheatervorsteNung sind vergriffen! ••>'M .| »«#■ l«M ÄMMW für jedes Gewerbe»n»oiirfesfer Qualität. Scbr.... Iii- sie-ig.«am. |1■ limi\'«NantJci-pl.it/ Kaulhaus I" H. HAHN Rixdorf. Jtiltral-Kraubeukasst der Maurer usw. „(iruiiiZstein zur Einigkeit". Sonntag, den 29. Oktober 1911, vorm. 10 Uhr, bei Wolf, Kirchhos- fttafec 41: 149/13 Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Abrechnung vom 3. Ouariak. Ver- schiedencS in Kassenangelegeuheiten. Die örtliche Verwaltung. Tisclilerverein. 1»- 89' Sonnabend, den 28. Oktober, bei Kliem, Hasenhaidc 13—15, zum Besten des Unlerstützungssonds: 49. Stiftnngs-Fest. Konzert. Soiree sPaul Manihchs lustige Sänger), Ball. Ansang S'/, Uhr. Ewtriitt 50 Ps. Tanz frei. Freunde und Gönner deS Vereins ladet est: 199/7 Der Torstand. Ärlieiier-ßailfalirer- Buntl Solidariiät. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 29. Oktober. 2 Abi: 1 Uhr: Streiszüge durch den Süden. Endziel Johannisthal(Schulz). Slart:SchönIcinstr. 5. 3. Abt.: 7 Ubr: Finkenkrug. 1 Uhr: Alier Freund. Start: Lausitzer Ptap 12. 4. Abl.: 1'/, Uhr: Bohnsdorf(Villa Kahl). Starl: Rüdersdorser Sir. 59. 5. Abt.: 2 Uhr: Wilmersdorf(Daase). Start: Elysium. k. Abt.: 1'/, Uhr: Müblenbeck (Bacrsch). Starl: Qderberger Str. 23. 7. Abt.: 2 Uhr: WUmersdorj (GcsellschajtShauS). Start: Köslüier Slrave 8. S.Abt.: 8 Uhr: Bornim(Schwarzer Adler). 1 Uhr: Nowawes(Singer). Start: Beusselstraste 22. 9. Abt.: Wilhelmsruh. Starl: Schillingstr. 22. Leiissgl'VöszzlmiiIiiiig Heute abend 8'/, Uhr, bei Borgmanr. AndreaZ-Festsäte, AndreaZstr. 21. 13/2 Soziaidemokratischer Wahlvereiu Arnswalde-Frietleberg<0S5pe Sonntag, den 29. Oktober, nachmittags 3 Uhr, � im Lokal von Paul Thimm, Tilsiter Str. 79: Öffentliche Versammlung für alle aus dem Kreise in Serliu befchiist. Reichstagswähler Tagesordnung: l. WaS bedeuten die nächsten Reichstagswahlen für die Wähler unseres Kreises? Referent: Genosse Dr. Atases» Arnswalde. 2. Diskussion. Maurer, Bauarbettcr unseres Kreises l Agitiert und erscheint vollzählig in dieser Versammlung! 297/10 Der Cinbcrufer: Emil Rausch, Stralau, Krachtstr. 10 II. dscles Wort tv pksnnig. das lettgesrucllte Vor« 20 Plg.(zulässig 2 lettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlatstellen-Anzeigen 5 Flg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN IOr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, tür die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Ezpedltlon, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. BorwärtSIeier erhalten fiini Brozem Etztrarabatt, selbst bei Ee< legenheitSkäusen. Tcppich-ThomaS. Teppiche, halben Wert. sarbschierhaste, sür Steppdecken, Similiscide, 3.75. Earbinen, StorcS, Restpartien, angeschmutzte, 59 Prozent ermägigt. Sofastoffreste, sür Bezüge aus- reichend, spottbillig��M Teppich, Tb o»inS. Oranicn- stratze 109, Lranienplatz: Roicn- lalerstraste 54. 375.(1« Gackronrn obne Anzablunc, wöchentlich 1,99, Ziicsenlagcr LouiS Böttcher(selbst), BetriebSlciiung Box- Hagenerstratz- zweiiinddreitzig(Bahn- Verbindung Warschaneritrutze).- In Freien Stunden. Wochen- schrift sür das arbeitendcVolk. Romane und Erzählungen. Abonnements wöchentlich ig Pst nebmeii alle Ausgabestellen des.Vorwärts" entgegen. Probehcste gratis. 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Kcbrgold, Goidwatlcn.Gold- gummis, Stamiiolabsällc, Quecksilber, iämlliche gold- und silberhaltigen Abfälle taust Broh, Goldschmelze, Köpenickerftr. 29. Telephon IV, 6958. Ifnterrickt. 60 Schreibmaschinen EcholichS Handelsakademie, Berlin C., Schlotz Platz, Brüderstratze 39. Stenographie und Schrcibmaschinenschule I. Ranges. — Unterricht bis 19 Uhr abends. Eintritt täglich. Verlangen Sie Gratisprospeki. Telephon I. 3677. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel. wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Ucbersetzungen an- geseriigt. G. Swieniy- Liebknechi Charloitenburg, Stultgarterplatz 9 Gartenhaus III. 44K* Versdiieltenes. Lewandowsky-Sänger, Ouitzow- stratze 195. fl99' Brams, Humorist, Gesellschasl. Gleimfiratze 69.-f4g» Kiiitststopferet von Frau KokoSky Ichlachiciiiee. 51urftratze 8 III. Batentaiiwalt Müller. Gilschiner- stratze 81. 24395k* Pateiitanwalt Weffei, Giischincr- ftraxe S4a. Bcleihung. 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Ktilaze ks.AmSck" Knlim WllisdlM lreitag. 27. Oktobtt l9U. Partei- TZngelegenkeiten. Lankwitz. Am nächsten Sonnabend, den 28. d. M., veranstaltet der hiesige BildungSausschust einen UnterhaltungSabend, bestehend aus Festrede, musikalischen Darbietungen, Gesangsvorträgen, Rezi» tationen und Kinderreigen, bei Prochazka. Viktoriastraste.— Eintritt freil Die Genossen wollen vollzählig erscheinen. Gchenkrndorf bei KönigS-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahl» Vereins bei Otto Pätsch. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Wahl des ersten und zweiten Vorsitzenden. Pankow. Am Sonntag, den 29. Oktober, von den bekannten Stellen auS: Flugblattverbreitung. Mühlenbeck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Sonntag, den 29. Ob tober. nachmittags 4 Uhr: Wahlvereinsversammlung im Lokale von Ll. Meyer, Buchhorst. Tagesordnung: 1..Unsere Aufgaben zu den bevorstehenden Reichstagswahlen.' Referent: Genosse Georg Ucko. 2. BereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Bernau. Sonnabend, den 28. d. M., abends 8 Uhr, feiert der Wahlverein im Lokale des Genossen Salzmann sein 21. Stiftung»- fest. Dasselbe besteht auS Konzert, Gesang. Vorträgen und Ball. Festrede: Genosse Knöschke. Programm 30 Pf., Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Da das Programm ein sehr reichhaltiges ist, so wird zahlreicher Besuch erwartet. __________ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbrichteno Tie Stadtverordnetenversammlung hnkte sich gestern mit zwei Anträgendersozialdemo- kratischen Fraktion zu beschäftigen, die den eng- herzigen Kommunalfreisinn vor ein-paar ihm wenig, zu- jagende Aufgaben stellten. Ter eine Antrag betraf die Frage der Verwendung des der Stadt Berlin gehörenden Grundbesitzes in Treptow, dessen längst ersehnte bauliche Erschließung im Interesse Berlins ebenso wie Treptows liegt. Diese umfang- reichen Ländereien an die Terrainspekulanten loszuschlagen und sie damit dem Bodenwucher auszuliefern, das wäre noch am ehesten nach dem Geschmack des Freisinns. Aber der An jrag unserer Genossen zeigte einen anderen Weg, die bauliche Erschließung durch Vergebung in Erbbaupacht oder mit dem Vorbehalt des Wiederkaufs, wobei der Wertzuwachs dem Stadtsäckel erhalten bliebe. Genosse A r o n s wies aus einem reichhaltigen Material nach, daß die Stadt Berlin mit der Ausnutzung dieser Möglichkeit wieder «einmal nicht die erste wäre, sondern nur dem von anderen Städten bereits gegebenen Bei- ffpielfolgen würde. Die Redner des Freisinns erklärten in einstweilen zu nichts verpflichtenden Aeutzerungen, daß sie gegen eine Beratung dieser Frage in gemischterDepu- t a t i o n, wie der Antrag sie wünscht, nichts einzuwenden hätten. Der Antrag wurde angenommen, und der Ma- -gistrat wird sich nun zu erklären haben, ob auch er zu solcher Beratung bereit ist. Ein Versuch zur Lösung der Frage einer gerechteren Besteuerung durchdieGemeinden war der zweite Antrag unserer Genossen. Der Magistrat sollte aufgefordert werden, auf eine Aenderung des Kommunalabgabengesetzes hinzuwirken, die den Gemeinden die Möglichkeit gäbe, E i n kommen bis zu 1800 M. steuerfrei zu lassen und dann bei Einkommen von 3000 M. an sowie bei Vermögen von 2l) 000 M. an progressive Zuschläge zu erheben. Genosse Stadthagen zeigte die Mängel der Steuergesetzgebung, die längst nicht mehr aus das tatsächliche Existenz. Minimum Rücksicht nimmt und andererseits die wohl- Habenderen Bevölkerungsschichten bei wei- tem nicht nach Maßgabe ihrer Leistungs fähigkeit besteuert. Eine gerechtere Verteilung der Lasten sei um so dringender zu fordern, je Höxter die erwerbs tätige Bevölkerung unter der herrscheichen Teuerung zu leiden habe. In einem scharf umrissenen Bild der schroffen Gegen s ätze zwischen Besitzenden und Besitz' losen gab unser Redner eine wirksame Kritik der bestehen den Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Oberbürger' meister K i r s ch n e r antwortete zunächst nur für seine eigene Person, aber die von ihm vorgetragenen Bedenken gegen eine schärfere Besteuerung der Wohlhabenden mit gleichzeitiger Steuerbefreiung für die Wenigbemittelten dürfen bei dem ge- .samten Magistratskollegium auf ungeteilten Beifall rechnen, wie sie auch von der freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit mit lebhaftester Zustimmung aufgenommen wurden. Drei Freisinnsredner unterstrichen dann noch die Ausführungen des Oberbürgermeisters. Stadtverordneter Cassel, dem durch Stadthagens sachliche Darlegungen sein Konzept ein wenig verdorben worden war, konnte es sich nicht versagen, die so- zialdemokratischen Arbeiter Berlins an- z u r e m p e l n und ihnen vorzuhalten, daß sie immer noch Geld für ihre Gewerkschaften und ihre Wahlvereine drüber- haben. Er erdreistete sich, höhnend zu erklären, daß bei Be- willigung einer Steuerfreiheit bis zu 1800 M. der größte Teil der Bevölkerung aus„Stipendiaten" der G e- m e i n d e bestehen würde. Nach einigen ähnlichen schnodde- rigen Bemerkungen des Stadtverordneten M o m m s e n sprach gegen den Antrag unserer Genossen als dritter Frei- sinnsredner der Stadwerordnete R o s e n o w, der sich Sorge macht, daß die Minderbemittelten sich durch die_ ihnen zuge- dachte Steuerfreiheit„degradiert" fühlen könnten. Diese echt-freisinnigen Einwendungen wurden von unserm Genossen Stadthagen in seinem Schlußwort, das von launigem .Humor und beißender Satire erfüllt war, nach Gebühr gekenn- zeichnet. Der Antrag wurde von den Freisinnigen nicht etwa glatt abgelehnt, sondern einem Ausschuß überwiesen, aus dem nach Herrn Mommsens Ankündigung etwas ganz anderes herauskommen soll. Das läßt sich denken! Zum Schnellbahnprojctt Rixdorf- Gesundbrunnen. Gestern tagte unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters die Verkehrsdeputation. Gegenstand der Tagesordnung bildete die Er- klärung der A. E.-G. auf die Forderung der Stadt, die Endstrecken der Schnellbahn Gesuudbrunnen-Rixdors auch als Untergrundbahn herzustellen. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung das ihr voin Magistrat zur Annahme enipfohlene Bahuprojekt, nach welchem der größte Teil der Bahnlinie, eine Strecke von 6 Kilo- meter, als Untergrundbahn und nur die beiden kürzeren Ausläufer von zusammen 3 Kilometer Länge im Norden und Süden als Hoch- bah» geplant war, nicht angenommen, sondern den Magistrat ersucht, wegen des Ausbaues der gesamten Bahnstrecke als Untergrundbahn. »»it der A. E.-G. nochmals in Verhandlung zu treten. Die A. E.-G. Heu erklärt, daß es ihr nicht möglich sei diesem Wunsche zu ent- sprechen und die beiden Endstrecken aus eigenen Mitteln als Unter- grundbah», anstatt wie geplant, als Hochbahnen auszuführen. Eine unterirdische Führung der Endstrecken würde erhebliche Mehrkosten verursachen, welche zu Übernehmen der Gesellschaft nicht möglich sei. Diese Kosten müßten gegebenenfalls von der Stadt als Zuschüsse zu den auf 84 Millioneil veranschlagten Kosten der Bahn ge- leistet werden. Die Gesellschaft hat vorgeschlagen, die süd- liche Endstrecke der Bahn gegen Zahlung eines Zuschusses seitens der Stadt von 5,9 Millionen als Untergrundbahn zzu bauen, dagegen von der unterirdischen Führung der nördlichen Endstrecke aus wirtschaftlichen und technischen Gründen Abstand zu nehmen. Die Verlehrsdeputation hat diesen Vorschlägen der A. E.-G. im Prinzip zugestunmt und beschlossen, den Gemeindebehörden den Bau der südlichen Endstrecke als Untergrundbahn vorzuschlagen und zu dem Bau dieser Strecke einen Zuschuß bis zu 6,9 Mill. Mark zu leisten, sofern und soweit die bisher aus 84 Millionen veranschlagte Bausumme für die gesamte Bahnstrecke überschritten wird. Die Trace der Bahn geht bei dem neuen Projekt nicht mehr von der Dresdener Straße am Luisenufer entlang über den Landwehr- kanal durch die Grimm- und Urbanstraße zum Hermaunplay, son- dern sie unterkreuzt Ecke Luisenufer und Reichenberger Straße den Luisenstädtischen Kanal und läuft dann unter der Reichenberger Straße, Kottbuser Straße, Landwehrkanal, Kottbuser Damm zum Hermaiinplatz. Von einer Führung des Nordendes als Untergrund- bahn hat die Verlehrsdeputation beschlossen, Abstand zu nehnien. In Uebereinstimmuiig mit der A. E.-G. hält die Deputation diesen Plan nicht für zweckmäßig._ Ein Mustcrzimmer im städtischen Obdach gab in der letzten Sitzung des Kuratoriums Anlaß zu heftigen, Auseinandersetzungen zwischen den sozialdemokratischen Mitgliedern und einigen bürger- lichen Herren. Bei einer Revision am 11. Oktober wurde von zwei revidirenden Genossen die Beschaffenheit eines Zimmers im Obdach gerügt, das hinter dem Polizeiaufnahmezimmer belegen ist und den Aufsehern des Obdachs als Schlafgemvch dient. In 12 Jahren ist dieses Zimmer den revidierenden Stadtverordneten noch nie gezeigt worden. Das Zimmer hat eine Größe von 4)� zu 5 Metern; in demselben stehen 11 Betten. Die nur 68 Zentimeter breiten Betten stehen so dicht nebeneinander, daß kaum ein Finger dazwischen- geschoben werden kann. Ein Bett steht so dicht am Kachelofen, daß dieser nur geheizt werden kann, wenn das Bett nach der Stubentür gerückt wird; es bildet also eine direkte Feuersgesahr. Unsere Ge- uossen verlangten dringend Abhilfe dieses unhaltbaren Zustandes. Die bürgerlichen Vertreter, einschließlich des Stadtrates, behaup' teten, das Zimmer würde von den Aufsehern nur zeitweise be- nutzt, nur vier bis fünf Mann schiiefen in diesem Räume zugleich und auch nur 254 Stunden. Die Beamten behaupten, 7 bis 8 Mann seien zugleich in dem Zimmer. Der Hauskurator fand das Zimmer sogar„kolossal bequem und angenehm". Wie gesundheitsschädlich und vom sanitären Standpunkte unhaltbar die Zustände sind beweist ferner die Tatsache, daß die Fenster der Leichentammer nach dem Korridor hinausgehen, obwohl in unmittelbarer Nähe gegen- über sich die Tür zur Anstaltsküche befindet. In dieser Leichen- lammer hat erst kürzlich ein Toter drei Tage gelegen. Die Leichen- dünste strömten zu den offen zu haltenden. Fenstern hinaus nach der Kübhe. Schon vor 2 Jahren wurde Abhilfe gefordert, aber geschehen ist bis heute noch nichts. Nach einer heftigen Auseinandersetzung wurde beschlossen, die Leichenhalle sofort zu kassieren; es soll bis zum Neubau der Halle die Leichenhalle des Sicchenhauses benutzt werden. Es wurde auch durchgesetzt, daß die monierten alten Nadh- laßschränke, welche den Hausdienern zur Aufbewahrung von Klei- dern, Wäsche und Nahrungsmitteln dienen, durch hygienisch ein- wandfreie Schränke ersetzt werden. Neber den Krankcnurlaub der Lehrer und Lehrerinnen enthält der Verwaltungsbericht der städtischen Schuldeputation für das Etatsjahr vom 1. April 1910 bis 1. April 1911 wenig erfreuliche Daten. Es wurden gezählt bei den Lehrern 1043, bei den Lehre- rinnen 890 und bei den Fachlehrerinnen 223 Urlaubsfälle. Auf die einzelnen beurlaubten Personen entfallen demnach bei den Lehrern durchschnittlich 34,36, bei den Lehrerinnen 41,18, bei den Fach- lehrerinnen 39,29 Tage Urlaubszeit. In Prozenten zur Zahl der Lchrpersonen betrugen die Urlaubsfälle bei den drei Kategorien 29,19 Proz., 52,88 Proz. und 54,79 Proz. Hierbei sind nur die Urlaubsfälle gezahlt, die über 3 Tage dauerten. Ganz besonders auffällig ist es, daß über die Hälfte aller Lehrerinnen und aller Fachlehrerinnen mehr als 3 Tage Urlaub nötig hatte. Nach den Berichten früherer Jahre ist eine ständige Steigerung der Urlaubs- fälle festzustellen bei allen drei Arten der Lehrpersonen. Die größte Zahl der Urlaubsfälle war wegen Nervenkrankheiten erforderlich, dann kommen solche wegen Erkrankung der Atmungsorgane. Ein Todesopfer der Explosion in den Berliner Elektrizitäts- werken. Die folgenschwere Explosionskataftrophe in den Berliner Elektrizitätswerken in Ober-Schöneweide hat jetzt nachträglich ein Todesopfer gefordert. Von den ins Königin-Elisabeth-Hospital eingelieferten Verwundeten ist der Inspektor Gohlke seinen schweren Verletzungen erlegen. Dagegen besteht bei den übrigen Verunglückten keine Lebensgefahr mehr. Der Wachmonteur Jhlenfeldt, der Monteur Guckel und der Hilfsarbeiter TomaschewSki befinden sich auf dem Wege der Besserung.— Die Gutachten, die seitens der kgl. Staats- anwaltschaft betreffs Ermittelung der Schuldstage durch Sach- verständige eingefordert worden sind, stehen vorläufig noch aus, so daß auch heute noch nicht mit Bestimmtheit angegeben werden kann, ob das Verschulden eines Dritten vorliegt. Einbruch in eine Ortskrankcnkasse. Der Zehlendorfer Orts- krankenkasse statteten Berliner Einbrecher in der vergangenen Nacht einen Besuch ab. Zu den auf dem Grundstück Stahnsdorfer Str. 3 belegenen Bureauräumen verschassten sie sich durch ein Klosettfenster Eingang und erbrachen dann einen Geldschrank. Hierbei fiel ihnen Bargeld, Wertpapiere und Versickeruiigsmarken im Gesamtbetrage von 3125 M. in die Hände. Ein Bankbuch über 55 000 M. und ein als Kaution hinterlegles Sparkysseiibuch eines Buchhalters der Kasse über 300 M. nahinen sie gleichfalls an sich. Das erste« wurde gestern früh bereits in der Pfarrstraße gefunden. Die Einbrecher hatten eS fortgeworfen, iveil sie damit wohl nichts anzufangen wußten. Das Sparkassenbuch dürfte für die Diebe ebenso wertlos sein, weil es gesperrt ist. Die bestohlene Kasse ist gegen Einbruch versichert, so daß ihr kein Schaden erwächst. Von den Einbrechern, die anscheinend über Teltow ihren Rückweg gewählt hatten, fehlt noch jede Spur, doch dürften blutige Fingerabdrücke, die man vor- gefunden hat, die Suche nach ihnen erleichtern. Nene Straßenbezeichnungen. Mehreren Straßen, Brücken und Tunnels hat man neue Namen beigelegt, und zwar dein die Liegniyer mit der Oppelner Straße verbindenden Tunnel den Namen„Gör- litzer Tunnel' und der Spreenferstraße von der Brückenstraße bis zum Engelufer den Namen„Brandenburger Ufer", ferner der Straße 17 der Abteilung XIII 1 den Namen„Oderbruchstraße', dem Platz B 1 derselben Abteilung den Namen„Kurischer Platz', der Straße 7a derselben Abteilung den Namen„Rastenburger Straße', der Straße 7b derselben Abteilung den Namen„Kurische Straße', der Straße 7c derselben Abteilung den Namen»Bartensteiner Straße', der Straße 76 derselbe» Abteilung den Namen«Gumbinner Straße', der Straße 7s derselben Abteilung den Namen„Goldaper Straße', der Straße 8 derselben Abteilung den Namen„Tralehner Straße', den Straßen 8a und 8b derselben Abteilung den Namen Wehlauer Straße", der Straße 8« derselben Abteilung den Namen»Labiauer Straße', der Straße 9 derselben Abteilung den Namen»Pregeistraße', der Straße 9a derselben Abteilung den! Namen»Lycker Straße", der Straße 13 derselben Abteilung den Namen„Meubrinkstraße", dem Platz G derselben Abteilung den Namen„Danziger Platz", der Straße am Platz G den Namen „Gedikestraße", der Straße 19 der Abteilung XII den Namen „Grellstraße", der Straße 16b derselben Abteilung den Namen „Ahlbecker Straße", der Straße 19b derselben Abteilung den Namen. „Kanzowslraße", dem Tunnel im Zuge der Gleimstraße den Ziameir „Gletmtunnel", der Straße 9 der Abteilung XII den Naineir „Björwonftraße", der Straße 10b der Abietlung XI den Namen „Glücksburger Straße", der Straße 5b derselben Abteilung den Namen „Sonderburger Straße", der Straße 22a, derselben Abteilung den Namen„Olnwistraße", dem im Zuge der Putlitzstraße errichteten Ueberführungsbaiiwerk den Namen„Putlitzbrücke", dem nordlicki dieser Brücke flnchllinieninäßig ausgewiesenen Straßenland den Namen„An der Putlitzbrücke", der im Zuge der Föhrer Straße über den Schiffahrtskanal errichteten, bislang Putlitzbrücke genamrten Brücke den Namen„Föhrer-Brücke", dem Teil des Schleswiger Ufers zwischen Flensburger und Lessingstraße den Namen„Holsteiner Ufer", der Bismarckstraße den Namen„Fürst-Bismarck-Stratze" und endlich der Dalldorfer Straßenbrücke den Namen„Schönwalder Straßen-« brücke". Einen grausigen Fund machte gestern vormittag die Pförtners- stau des Hauses Wassertorstr. 60. Als sie um lO'/s Uhr den Hof fegte, lag in einer Ecke des Torwegs ein kleines Palet. Als sie die Hülle von braunem Packpapier ausmachte, fand sie darin die Leiche eines neugeborenen Knaben, die weiter nicht eingewickelt war. Sie übergab den Fund der Nevierpolizei, die ihn nach dem Schauhanse bringen ließ. Spuren äußerer Gewalt waren an der kleinen Leiche nicht zu sehen. Festgenommene FnhrwerkSdiebe. Schnell gefaxt wurde eine Wagendiebesbailde, die das Stehlen von Fuhrwerken auf den Straßen Berlins anscheinend gewerbsmäßig betrieben hat. Vor- gestern wurde an der Zentralmarkthalle einem Schlächterneeister ein Fuhrwerk gestohlen. Die Diebe fuhren mit dem Wag�n nach Reinickendorf hinaus, wo sie es gestern einem Unternehmer m der Hansastraße zum Kauf anboten. Dem Käufer kam der Preis jedoch gar zu niedrig vor. Er schöpfte Verdacht und benachrichtigte un« auffällig die Polizei. Bald erschienen zwei Beamte auf der Obild- fläche und nahmen die Wagendiebe— es waren drei Mann fest und transportierten sie nach dem hiesigen Polizeipräsidium. Durch die Kellerdecke drangen in der vergangenen Nacht Ein« brecher in das Schneiderartikelgeschäst von Berger u. Rubach in der Chausseesir. 131 ein. Sie schnitten ans der Kellertür das Schloß heran--, bohrten mit dem Zentrumsbohrer ein 70 mal 40 Zentimeter großes Lo»st in die Decke und gelangten so in den im Erdgeschoß gelegenen Laden. Hier wahllelpsie von den Vorräten die teuersten Sachen aus, namentlich Samtsioffe für Revers und gute Futterstoffe. Nachdem sie diese Sachen zum Wegschleppen zusammengepackt hatten, erbrachen sie auch noch eine Kontrollkasse und beraubten sie ihres Inhalts. Sie ent- hielt aber nur für 15 M. Füuspfeniiigstücke. Im ganzen erbeuteten sie für 6000 M. Niemand bat von ihrem nächtlichen Besuch auf dein Grundstück etwas gehört. Der Bestohlene, der nicht im Geschäfts- Hause wohnt, ist nicht versichert. In dem Konkurs der Brauerei Enders, Weißensee, beschkoß die gestrige GläubigerauSschußsitzung, de» Betrieb der Brauerei in biS- heriger Weise fortzusetzen. Die Ausstellung vorbildlicher Arbeitermöbel im Gewrrkschafts- Hause ist am Sonnabend dieser Woche von 6—9 Uhr und dann zum letzten Male am Sonntag von 12—6 Uhr geöffnet. Der Brand der Werkstätten der Firma Holland u. Co. in der Lindenstr. 78 hat die Feuerwehr bis gestern beschäftigt. Die großen Vorräte an Polstermaterialien usw. mußten, weil sie den Flammen stets neue Nahrung gaben, schließlich ans den Hof geivorfcn werden, wo sie dann gründlich abgelöscht wurden. Der Schaden der Firma soll nicht unbedeutend sein. Sehr wertvolle antike Möbel solle» Schaden erlitten und andere verbrannt sein. Gestern früh nach 6 Uhr kam in dem Theatermaleratelier von Moritz Wimmer, Urbanstr. 25, ein großer Brand aus, der o» den wertvollen Dekorationen schnell reiche Nahrung fand, so daß die Feuerwehr dort mehrere Stunden zu tun hatte. Entstanden war der Brand in der Nähe des Fahrstuhls und hatte dann das große Atelier und den D a ch st u h l ergriffen. Der Schaden ist durch Versicherung bei der„Union" teilweise gedeckt. Durch Umfallen einer Perrolenm- lampe kam in der Zellestr. 3 Feuer aus. Wegen eines größeren Wohnungsbrandes wurde der 15. Automobilzug nach der Flens- burger Sir. 19 alarmiert, wo besonder? Möbel brannten. Ein zweiter sehr gefährlicher Wohnung-Zbrand, wobei mehrere Personen in der größten Lebensgefahr schwebten, kam aus noch nicht einwand- frei festgestellter Ursache in der Turiner Str. 36 zum Ausbruch. Die Frau Schlosser Fanny Sitte sprang nocki vor Ankunft der Feuer- wehr aus dem Fenster ihrer im 4.' Stock des Seitenflügels be- legenen Wohnung und fiel auf einen Balkon in der 3. Etage, wo sie liegen blieb. Der 5 Monate alte Knabe Willi Steinig und der Schornsteinfeger Otto Glötze konnten durch ein Fenster der Speise- tammer nach dem Treppenhause gerettet werde». Als die Feuer- wehr erschien, brannten die Eingänge zu den Wohnungen. Es ge- lang aber, die Flammen bald zu löschen und die Bewohner zu be« ruhigen. Der Gesangverein„Männcrchor Ost"(M. d. D. A.-S.-B., Gau Berlin), Chormeister Emil Thilo, veranstaltet am Sonntag, den 29. Oktober, im große» Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain ei» Herbstkonzert. Mitwirkende: Berliner Tonkünstlerinnen-Orchester (Dir. Frl. Elisabeth Kuyper, 45 Mitwirkende), Violinvirtuosin Frl. Olga Söhnge, Konzerisänger Paul Bauer, Tenor. Programme und Liedertexte 50 Pf., an der Kasse 60 Pf. Saalöffnung 5 Uhr, Beginn des Konzerts präzise 6 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Akademische llnterrichtskurse für Arbeiter. Am 28. Oktober, um 8 Uhr abends, findet im großen Saale des Zcntralarbeitsnichweises. Gonnannstr. 13, eine allgemeine Hörerversammlung statt, bei der noch Anmeldungen angenommen werden. Vorort- l�ackricdten. Schöncverg. Den Bericht der sozialdemokratischen Stadtverordnetcnfraktion gab in der Wahlvcreinsversammlung vom Dienstag Stadtver- ordncter Genosse K ü t e r. Der Referent schildert« eingehend das Bestreben der Fraktion, unserm Programm Rechnung zu tragen. Von den in den 2 Jahren etwa 30 eingebrachten Anträgen und An» regungen seien folgende hervorgehoben: Bei der großen Zahl der von der Stadt Beschäftigten nehmen die Anträge, welche Ar« beitersragen betreffen, naturgemäß einen großen Raum ein. Ein Antrag, für nichtständige Arbeiter einen Mindestlohn von 4 M. pro Tag zu zahlen, konnte nur für einige 5lategoricn> durchgesetzt werden. Auf die Zahlung und Einhaltung der tariflichen' Löhne der gelernten Arbeiter mußte besonders gesehen werden.— Für Sonntagsarbeit der Parkarbeiter und Gärtner wurden fü die ersten 3 Stunden 100 Proz. Aufschlag gefordert, für weitere Stunden 50 Proz. Durch 4slüiidige Beschäftigung wurde die Bezahlung des lyvprozentigen Zuschlages umgangen. Erreicht wurde für Sonn» tags- und Fciertagsarbe:t 50 Proz. Aufschlag.— Eine im Mai dieses Jahres vorgenommene Revision der Löhne der städtischen Arbeiter soll erst in diesen Tagen ihre Erledigung finden. Die von uns be- anlragte Tcurungszulage von 1 M. pro Tag vom 1. Oktober 1911 bis 31. März 1912 wurde der betr. Kommission überwiesen, In der Steuerpolitik ist auf Freilassung bis 1500 M. Einkommen hingearbeitet worden. Die Besteuerung der Renn bahnen und Rummelplätze fand, weil indirekt, unsere Gegnerschaft Die Erbauung einer städtischen Turnhalle ist leider noch nicht durchgeführt worden.— Dem Arbeiter-Turnverein wurden 150 M., den Samaritern 100 M. zugewendet. Auf dem Gebiete der Schule hat die Fraktion weitere Frei stellen an höheren Lehranstalten geschaffen. In der Deputation für das höhere Schulwesen sind wir durch die Genossen Molken» buhr und Bernstein vertreten. Einer ständigen Vertretung der Oberlehrerinnen wurde nicht stattgegeben. Neuerrichtet wird eine Technische Mittelschule.— In der Volksschul.Deputation wurde unser Vertreter nicht bestätigt.— Anträge auf Ausdehnung der unentgeltlichen Lieferung der Lehr- und Lernmittel sowie der städtischen Regie und andere konnten nicht verwirklicht wer den infolge der Stellungnahme des„entschiedenen" Liberalismus, der die Majorität in der Stadtverordnetenversammlung besitzt.> Nach kurzer Diskussion erklärte sich die Versammlung mit der Tätigkeit der Fraktion einverstanden. Folgende Genoffen wurden als Kandidaten aufgestellt: Im K. Bezirk: Peterson(Mieter), 5. Bezirk: Mohs(Mieter), 6. Bezirk: Magna n(Hausbesitzer), 7. Bezirk: Rottländer (Hausbesitzer). 11. Bezirk: Küter(Hausbesitzer) und H. Fischer (Mieter). In den Bezirken 5, K und 7 hatte die Sl�ialdemokratie bis jetzt Vertreter. Die Wahl findet am Sonntag, d en IS. November, von 0 bis 7 Uhr statt. Bei einer Benzinexplofion schwer verletzt wurde am Mittwoch- nachiniitag der 24jährige Hausdiener Bendtke, der bei einem Kauf- mann in der Bahnstrasze 22 beschäftigt ist. Der Hausdiener wollte gegen S Uhr aus dem Keller Ware heraufholen, zu welchem Zwecke er ein brennendes Licht mitnahm. Beim Hantieren kam B. mit dem Licht einer durch den Keller führenden Rohrleitung zu nahe, durch welche venzin nach einer aus dem Hof« befindlichen Garage geleitet wird. DaS Rohr mutz wohl deielt gewesen sein, denn plötzlich schotz eine starke Stichflamme empor, durch welche der Hausdiener im Gesicht, an der Brust und an beiden Armen schwer derbrannt wurde. Auf die Hilferufe des Verunglückten eilten Hausbewohner und Geschästsaugestellte hinzu, denen es bald gelang, das Feuer zu ersticken. Bendtke mutzte in besinnungslosem Zustande nach dem Schöneberger Krankenhause übergeführt werden. Nixdorf. Infolge Entkräftung auf der Straße umgefallen ist am Mittwoch der Korbniacher F. aus der Prinz-Handjery-Slratze. F. mutzte recht lange auf der Strotze verbleiben, bis ein Wagen requiriert war, der ihn nach der Unfallstation beförderte. Unangenehm berührt wurden die Passanten, welche dem Borfall vor dem Hause Steinmetz« stratze 102 mit beiwohnten, durch das Verhalten des Polizeibeamten, der den schwerkranken Mann zunächst fragte, ob er Geld bei fich hätte. Sicherlich war es viel notwendiger, den Hilfsbedürftigen schleunigst in Pflege und Behandlung zu bringen. F. glich einer Leiche. Der erste billige Seefischmarkt unter Kontrolle de» hiesigen Magistrat» fand vorgestern in der Privatiuarkthalle Brrgstr. S statt und hatte einen großen Erfolg. Aus dem Markt, der um 8 Uhr auf zahlreichen Ständen eröffnet wurde, gelangten 40V0 Pfund Fische nur erstklassiger Oualität zum Berkauf. Die Preise stellten sich um 8 Pf. höher, wie publiziert worden ivar. da infolge der hefsigen Stürme am Montag keine Fiiche herangebracht werden konnten. Von g Uhr ab wurde der Berkehr mitzcror vmtlich rege, so dah die ersten Verkaufsstäude bereits um 11 Uhr geräumt waren und um 12 Uhr auch der Rest ausverkauft war. Der nächste billige Seefisch- markt findet am Mittwoch nächster Woche statt. Charlottenburg. Ueder Komimmalpolitit referierte in der letzten Mitglieder- Versammlung oeS Wahlvereins Genosse Dr. Elldekum in instruktiver Weise. In einer liberalen Versammlung bat. so betonte der Redner, cw Herr Wöllmer. Stadtverordneter zu Charlottenburg. erklärt, die Sozialdemokratie sei ein Krebsschaden für eine gedeih- liche Gcmein depolitik. Dieses Urteil läßt nicht auf große Saa- kenntnis schließen, denn die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadl. verordneten sei in Hunderten Fällen als äußerst gedeihlich anerkaum worden. Man behaupte in gewissen kommunalreaktionärcn Krers-n immer, die Sozialdemokratie treibe einseitige Klassenpolitik. Das Gegenteil sei wahr. Die Forderungen der Sozialdemokratie lägen auch hier im Interesse der Allgemeinheit. Deshalb fordern wir auch das gleiche Wahlrecht für die Gemeinden, auch für Frauen, die doch in erster Linie an der Gcmeindepolitik interessiert sind. Da das heutige Gemeindcwahlrecht ein Dreiklassenwahlrccht ist. so könne die Gemeinde auch nicht die Forderungen ersüllen. die für dos Gedeihen der Menschheit notwendig sind. Wenn Herr v. Schorlemcr bei der jetzigen Teuerung auf die Hilfe der Gemeinden verweist, so sei das ein Hohn auf die Not der Armen. Wie soll man wohl von den Vertretern des Geldsacks gedeihliche Maßnahmen erwarten? Eine durchgreifende Aenderung wird nur durch die sozialistische Kommunalpolitik herbeigeführt. Wenn diese Tatsache erst von den vielen Tausenden, die heute noch abseits von unS stehetl, erkannt wird, dann werden wir auch aus diesem Gebiete besseren Zeiten entgegensehen.— Der Vortrag fand reichen Beifall. Nach Er« ledigung einiger VereinSangelegenbeiten wurde die Versammlung mit einem begeisterten Appell geschlossen, alles daran zu setzen, um bei den kommenden Stadtverordnetenwahlen unsere Kandidaten durchzubringen. Elternverei» für freie Erziehung. Montag, den 30. d. MtS., abends 8 Uhr. findet im.VolkShau«', Rosinenstr. 3,«in großer öffentlicher Vortragsabend mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn L. Zempelburg.Freie Kinder- erziehung". 2. Freie Aussprache. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Ein gefährlicher Brand kam vorgestern abend kurz vor 6 Uhr in der Mindener Str. 8. Ecke Kamminer Straße, zum Ausbruch. Das Feuer eutsiand in dem Vorratskeller der Seifenhandlung von Braun und erfaßte ein größeres Quantum Petroleum. In wenigen Augen- blicken stand der ganze Keller in Flammen, und diese bahnten sich auch einen Weg nach dem darüverlicgenden Geschäftsladen. Als die Charlottenburger Feuermehr mit den beiden Löschzügen auS der Haupt- und Äutomobilwach- anrückte, brannten der Keller und Laden ltchiorloh. Durch unausgesetztes Wasiergeben gelang eS. den Brand zu lokalifieren. Von dem Inhalt de» Seifengeschäst« ist aber nur wenig übrig geblieben. Die Ursache des Feuers ist noch nicht ermiitelt, doch scheint Unvorsichtigkeit vorzuliegen. Adlershof. Am Sonnadend, den 88. Oktober, wirb der Seefisch. verkauf fortgesetzt, und ztvar, wie bisher, bei Herrn Kaufmann Werilicks, BiSmarckstr. 14. � Syndikus zur großen Straßenbahn übergegangen ist, den Amts- Nachfolger desselben, den besoldeten Schössen Dr. Maretzky, zum Vorsitzenden des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts. Zum Einbau von Doppelfenstern im Schulhause Prtnz-Albertstratze wurde die Summe von 10 750 M. bewilligt. Da tue Inanspruchnahme der hiesigen Volksbücherei durch das lesende Publikum ständig im Steigen begriffen ist und nach der Schätzung des VolksbücherciverwalterS zu erwarte» steht, daß in der nächsten Zukunft an den einzelnen Abenden rund 500 Bücher ausgegeben und ungefähr die gleiche Zahl zurück- gegeben werden— so erklärt die Gemeindevertretung ihr Einver- ständniS damit, datz, um dem vermehrte» Bedürfnis Rechnung tragen zu können, die Volksbücherei für den kommenden Winter täglich von 7—0 Uhr geöffnet wird. Um eine geordnete BücherauSgabe durch- führen zu können, sollen Kontrollmarken mit laufenden Nummern ausgegeben werden. Nach kurzer Debatte wurde hierauf dem Ge- meindevorstand die Entlastung für die Gemeinderecbnung für 1009, die in der ordentlichen Verwaltung in Einnahme mit 3087420,21 M. und in der Ausgabe mit 3 166 703,47 M. abschließt, erteilt. Der Fehlbetrag von 70 283,16 M. ist zu einem Teil auS den erhöhten Wasser- bezugSgebühren für Obcr-Schöneweide und der Rest aus den Ueber- scküssen des Rechnungsjahres 1910 gedeckt worden. Die Beschlutz« sasiung über Einschränkung der Sonntagsarbeit im Handels- gewerbe gab zu keiner längeren Diskussion Veranlassung, weil man sich auf allen Seiten dahin klar war, datz ein Abweichen von dem diesbezüglichen Ortsstatut der Stadt Berlin dies nur zu Mitzhelligkeiten führen würde. Das Berliner Ortsstatut gelaugte denn auch zur einstimmigen An- nähme. ES wurde hierauf noch bekannt gegeben, datz der von der Gemeinde betriebene.Sesfischvertauf* begonnen hat. Die Verkaufsstellen befinden sich Wühlischstr. 48 und Türrschmidtstr. 40, Eingang Lessingstratze. Sie find geöffnet Donnerstag« und Freitags, vormittags von 8—1 und nachmittags von 5�-8 Uhr. Äoch- anweisungen erhalten die Käufer unentgeltlich. Weißensee. Aus der Gemeindevertretung. Nachdem die Gemeinde mit der Stadt Berlin gegen Zahlung einer Summe von 450000 M. die Aufnahme der Vorflutwässer vereinbart hatte, mutzte der Polizei» Präsident noch die Genehmigung erteilen, datz diese Rcgenwässcr auch eingeführt werden dürfen. Für diese Einführung in die Spree müssen lährlich 2225 M. Abgaben gezahlt werden.— Das Säug- lings�Krankenhaus ist von der Stunde der Eröffnung an voll besetzt gewesen, so datz es notwendig wäre, noch einen zweiten Heusarzt einzustellen. Man hat jedoch die Genehmigung zur Beschäftigung von Mcdizinalpraktikanten eingeholt, ein solcher soll nun bei einer Entschädigung von 50 M. pro Monat und freier Station eingestellt werden.— Tie Lustbarkeitssteuerordnung soll auf Antrag unserer Genossen einer Aenderung unterzogen werden, denn nach der jetzigen Handhabung wirkt dieselbe kulturfeindlich. Ist«S doch vorgckom» men, datz bei einzelnen Veranstaltungen und gerade von Arbeiter» Vereinigungen 60 bis 80 M. an LustbarkeitS- und Billcttsteuer ge- zahlt werden, mutzten.— Die Nachsuchung zur Errichtung eines LerficherungSomteS beim Ministerium wurde einstimmig ange. nommen. Es soll versucht werden, den Nachbarort Hohenschönhausen dafür zu interessieren» gemeinsam mit Weitzmfie cm Bersicherungs. amt zu bilden. Ober-Schönetveide. Der AmtSaliSschuß,«In« hochwohllöbliche Behörde der Gemeinde, von dessen Dasein die wenigsten Einwohner Kenntnis haben, hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, dafür einzutreten, datz die Ge- meinde mit de», Gutsbezirk Wuhlheide einen zusammengesetzten Amtsbezirk bildet. Die Gemeindevertretung� hat bekanntlich aus wohlerwogenen Gründen das Gegenteil beschlossen, und es ist darum recht inleressant zu sehen, wie die im Amtsausschuß vertretenen Mitglieder des Gemein bevor st an des die Beschlüsse der Bertremng respektieren oder ihnen Geltung verschaffe». Es wäre wirklich richtiger, datz fich Gemeindevorsteher und Schöffen mehr als Beauftragte der Gemeinde denn als Ausführende der Luffichts- behörden fühlten. Man darf in dieser für die Gemeinde wichtigen Frage daraus gespannt sein, was die weiteren Instanzen in der Sache tun werden. Rnmmelsburg. Die Gemeindevertretung wählte in ihrer Sitzung am Mittwoch Stelle des früheren Beigeordneten Assessor Moser, welcher als Klausdorf(Kreis Teltow). Ter Strenhaufcn als Rednertribüne! Welche Angst die Wirte vor Polizeischikanen haben, sollten unsere Genossen ganz unzweideutig am letzten Sonntag in Klausdorf bei Zossen ersahren. Zwei Wirte haben hier recht geräumige Säle, die sich sehr gut zu Ver- sammlungen eignen. Den Sozialdcmokralen stehen sie aber nicht zur Verfügung, denn die Wirte fürchten Polizeidrangsalierungen. Diese Furcht der Wirte ist.auch durch die kürzlich im Reichstag« stattgehabten Beratungen Über die Mihbräuche des Reichsvereinsgesetzes nicht beseitigt, obwohl die Regierung das Versprechen ab» gegeben hat. daß eine Beeinflussung und Smikanierung der Wirte be, Hergabe ihrer Säle zu VersammlungSzweckcn von den Polizei- orgauen unter keinen Umständen geschehen dürfe. Ja, die Angst der Wirte geht sogar so weit, datz sie nicht einmal einen Tisch oder Stuhl zu einer Versammlung unter freiem Himmel hergeben. . Trotz wiederholten Ersuchens weigerte sich der Wirt M. in KlauS» dorf, welcher keinen Saal besitzt und in nächster Nähe de? Ver- samm.. agsplatzeS wohnt, einen Stuhl oder Tisch unfern Genossen zu lr.hen oder zu vermieten. Und dabei verkehrten be, diesem Wirt fast nur Arbeiter! Selbstredend konnte diese Angstmeierei unsere Genossen nicht hindern, die Volksversammlung unter freiem Himmel abzuhalten. Und da ihnen weder Stuhl noch Tisch zur Verfügung stand, so wurde schnellsten» ein Streu» Haufen als Rednertribüne hergerichtet. Auch dieses Vor- kommni» gab unferm Genossen Joachim KI ü tz»Rixdorf, welcher über.Die Taten des alten, und die Aufgaben de» neuen Reichs» tageS" sprach, vorzügliche Gelegenheit zur schärfsten Kritik darüber, wie die Sozialdemokratie behandelt wird. Wie sehr unser Redner den Versammelten aus dem Herzen gesprochen hatte, bewie» deren brausender Beifall am Schlüsse de» Vortrage». Obwohl Genosse Pagels die Gegner, die ziemlich zahlreich vertreten waren. wiederholt zur freien Aussprache aufforderte, nahm doch niemand das Wort. Die 400 Teilnehmer, worunter 80 Frauen, trennten stch in dem Bewutztsein, hier einmal ein freies und wahres Wort gehört zu haben. In Klausdorf hat früher noch nie eine Bolksversamm- lung stattgefunden. Datz der Samen auf fruchtbaren Boden ge» fallen ist, dürfte schon au» dem vielseitigen Ersuchen erstchtlich sein, recht bald eine weitere Volksversammlung folgen zu lassen. Tchenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Ueber die politische L«ge und die bevorstehende Reichstag».ahl referierte in einer von etwa 150 Personen beiderle» ÄeichlechtL be- suchten, im Lokal von Pätsch tagenden öffentlichen Bcriammlung Genosse G« h r k e- Charlotienburg. In der Diskussion, die dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte, wurden die Anwesciiden dringend ermahnt, die Zelt bis zur ReichZtagSwahl zu unermüdlicher Agitation auszunutzen. NowalveS. TeuerunzSmoßiinhmen der Gemeinde. Die in der letzten Gemeindevertreterfttzung gewählte Kommission für Beschaffung billiger Lebensmittel hat ihre Tätigkeit sofort aufgenommen md zunächst den Verkauf von Seefischen und Kartoffel» zum Selbstkostenpreise beschlossen. Der Fischverkauf wurde de» Geschäftsinhabern Alois Faupel, Friedrichstr. 17, und Albert Ziegener. Groß �eerenstr. 31, übertragen, die sich im Interesse der Sache mit einem Verdienst von etwa 2 Pf. pro Pfund begnügen wollen. Auf dem gestrigen Wochen- markt gelangten durch die Genannten zunächst 300 Pfd. Ia Kabeljau zum Preise von 22 Pf. pro Pfund zum Verkauf. Die Käufer erhielten gleichzeifig eine gedruckte Anleitung zur praktischen Zu- bercitung der Fische. Das Ergebnis de» gestrigen Berkaufs wird der Kommission die Grundloge für ihre weiteren Matznahinen bieten. Ende dieser Woche trifft die erste größere Sendung guter Etzkartoffeln«in. die zum Preise von 3,40 M. pro Zentner ab Gütergleis 15 an der Babelsberger Stratze abgegeben werden. Be- stellungen werden im Zimmer 13 des Rathauses en?ezengenommen. Für die auf dem Abladeplatz geliehenen Säcke ist ii. fand zu ent- richten. Eine verhängnisvolle Spielerei. Am letzten S'.tag wurde in der verläiigerten Luisenstratze das vierjährige Söh.elien de« Buch- druckers O. von dem Oberteil einer Lore, wie sie bei der Pflasterung der Slrotze benutzt werden, am Hinterkopf so i.hwe� verletzt, datz es blutüberströmt davongerrageu und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mutzte. Kurz vorher soll ein anderer Knabe durch eine mit spielenden Kindern besetzte Lore überfahre» und an den Füßen so schwer verletzt worden sein, datz«e ins Krankenhaus eingeliefert werden mutzte. ES ist daher Pflicht der Eltern, auf da» Spiel ihrer Kinder aufmerksam zu achten und eventuell von solchen Unfällen der Posszeibehörde Mitteilung zu machen, damit diese den bauausführenden Unternehmer zur Anordnung der notwendige» VerhütungSmatzregeln, zum Beispiel Anstellung eines Wächters an den Sonntagen veranlaßt. Einen ProjcktionSvortrag veranstaltet der BildungSauSschutz am Sonnabendabend im Singerschen Saale. Herr Ingenieur Max Grempe-Berlin wird an Hand zahlreicher Lichtbilder das Verkehrs- wesen von seinen Anfängen bis zur Jetztzeit behandeln. Hoffentlich macht die Arbeiterschaft von diefer billigen Gelegenheit, ihr Wisse» zu bereichern, ausgiebigen Gebrauch. Der Beginn ist auf tss/z Uhr festgesetzt. Spanda«. Der Arbelter-Gesangverein„Hoffnung" veranstaltet morgen Sonnabend in den Räumen der Brauerei Pichelsdorf fein erstes diesjähriges Winlerkonzert unter gütiger Mitwirkung des Arbeiter- Gesangvereins.Verein Männerchor"-Weibensee. DaS ausführliche Pro- gramni verspricht den Besuchern einen geniitzreichen Abend. Der Ein- lrittSpreis ist auf 50 Pf. festgesetzt. Da der Verein bei Ver- anstaltungen der Partei stets mitwirkt, wird die Arbeiterschaft Span- dcaiS gebeten, durch recht regen Besuch das Arrangement zu unter- stützen. Potsdam. Ein Automoiilunfall ereignete sich vorgestern in der vierten Noch- Mittagsstunde zwischen Berliner Tor und Berliner Brücke. AuS dem Jagdschloß Glienicke kam der Kraftwagen de« Prinzen Friedrich Leopold, der nach der Stadt fuhr. Um einen Brief in den Kasten zu werfen, kreuzte der Ivjährige Ulan Kurt Neumann von der 2. Eskadron des 3. Garde-Ulanen-Regiments die Straße. Der Ulan veniahm keine Hupensignale, wurde vom Auto erfatzt und blieb bewußtlos liege». Der Verunglückte wurde erst kürzlich nach mehr- wöchentlicher Krankheit aus dem Lazarett entlassen und sollte eine» Erholungsurlaub antreten. Er wurde nach dem Garnisonlazarett gebracht._ Jugendveranstaltuugea. Köpenick. Sonntag, den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr, findet im Stadtlbeater, Friedrichswatze 6, eine öffentlich« Jugendversammlung statt. Tagesordnung: 1..An die schulentlassene Jugend." Rfterent: Herr Karl Lüpnitz. 2. Diswjfion.— Im AMchlutz daran findet nachmittag» 4 Nbr im Lokale de» Herrn Stippekohl, Schöncrlinder Str. 5, die Eröffnung des Jugendheims statt. DaSfeldc ist jeden Sonntagnachmittag von 3—10 Uhr geöffnet. Für Unterhaltung durch Spiele, Literatur ulw. ist Sorge getragen. — Kein Trinkzwang.— Eingang vom Hofe.- Die Eltern werde» gebeten. ihre erwachsenen Kinder aus diese Bermistaltungen hinzuweisen. Arbeiter- Wanderverein.Berlin». Wanderfahrten am Sonntag den 29 Oktober nach: 1. Friedrichshagen— Strausberg. Abfabrt«,23 vom Echlefischcn Bahnhof. II. Birlenwerdec— Briese— Oranienburg. Abfahrt«,45 vom Stettiner Borortbahnhof. Touristenvereiu»Die Naturfreunde», Ortsgruppe Verl in. Sonntag, den 29. Oktober: Wanderung von Werder über Phöben, Alt» itiplitz. Bornim nach Wildpark. Ablabrt mit Borortzug vom Potsdamer Bahnhof(Fernbahusleig) nach Werder früh 6,5a Gäste willkommeo. EmAegangene Drucfcrdmftcn. Von der.Neue» Zeit», ist soeben das 4. Heft des 30. JahraangeS erschienen. Au» dem Inhalt des Heste« heben wir hervor: Der national« TevaralitmuS und der JnnSbincker Partellag. Von Gustav Eckstein.— Di« Aklio» der Masse. Von K. KautSky.(Schluß.)—«u«-iucm New- bäuerlichen Paradies. Bon Z. Topalowitsch.— Die söchsische Gewerbe- ausslcht im Jahre 1910. Von Gustav Riem.— Zeitschristenschau. Di»„Neue Zelt» erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen. Postanstalten und Kolporteur« zum Preise von 3,25 M. pro Luartal zu beziehen z jedoch kann dieseib« bei der Post nur pr» Quartal abonniert werden. Das einzcwe Heft lostet LS Pf. Probenuvrmern stehen zur Versügung. »Der Kampf». Soz >ang. Hest». Inhalt: zialdemokrvtische vkonatstchrtst(Wien). 8. yahr- Otlo Bauer> Zum gnnsdrucker Parteitag.—. gelbert Pernerstorstr: Ein kurzes Wort zur Frag« de» Sozialismus und Rationalismus.— Juliu« Deutsch:(befahren de« Tageskampse».— Martin Rapoldt(Innsbruck): Tirol.— I. Honhciser(Wigstadtl): Eine Ausgabe der Par-teiorganisatio-?— Anton Weber(Krumau): AgUations- und Organi- fationsarbeit aus uem Laude.— R. Trotzkq: Terrorismu».— Max Adler: Dialektik und Metaphysik.— Han» Demich: Marx, Pasteur und dt» Gärung. — Joseph Luitpold Stern: Franz Michael Felder.-- Büch erschau. SI» können Bertchttgung d«s Namen».Fritz" verlangen. sofern der Bauherr Eigentümer ist. K Nein. 8. Ja. 4. und BrUfbatten der Rcdahtion. »rt fartstlsch««prechstaude finde« Utndenftrav« o», dorn He» Treptzen — S«»r»»»l—,»oochentäzlich»«» 4 Vi dt«»Vi Uhr adendv, eonnadend», »»»»Vi»l«« Uhr abend» ftat». Jede»»»r de»«rteftaften»«»««mten«ntrage ist»tu Bncbstabe a»d eine Sa», ,l««erktiiche» beUnM,,».«rief»«»»»tn..r« wird ol», rrtetl«. Änttazen. denen kein««bonnemevtSq-Utnng»eizefv,, tft. werde» nicht t»-nl»»rte«. Eilige firnge»«raze man«n»er«»rechstnndr vor. Heute. Freitag, endigt die Sprechstunde um 7 Uhr.W (p. I. 47. 61« können Bertchttgung d«S K. 7. 1. Ja, sosern________ 5. Elrafanzelge erscheint nicht ausflchtstos.— Elle, R. 84. Beschweren Sie sich beim Polizeipräsidium.— 0. 8. Der Standpunkt der Nasse ist b gründet, soll» da» Statut nichts a»der«S besagt.— Z. 3. Ihr Bruder fe i an die Stadtverordnetenversammlung«in« Petttton einreiche».— Vkarktpreile von«erlin am 83. Ottoder ISIl. nach Ermittelung de? kbnigNchen PolizeiprösidiiunS. Markthallenpretle.(Kleinhandel), 1« Kilogramm Erbsen, gelb«, zum Kochen 35.00—50.00. Sveisebobueu wnße. 35 00-60.0). Linsen 40.00- 80,00. Kartoffcln 7.00-14,00. I Kilo- gramm Rtndfieifch, von der Ksule 1,60-2,40. Rindfleisch, vaiichstettch 1,30 diS 1,70. Lchmelnefleilch l.SO— 1,90. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelfleisch 1,80—2,00. Butter 8,60-3,40. 60 Stück Eier 3,80-9,40. 1 Kilogramm Narpsem 1,20-2,40. Aal« 1.20-8,8(1 Zander 1.40—3,60. Hecht« 1,00 bis 2,60 Barsche 0.S0-S.W. Schleie 1,40-3,(XX Bleie 0,80-1,60. 60 Stück krebse 2,40—24,00. llSitterungSüderstck» vom 26. Ottober 1911. Jratntrnde Hamburg verstn FranK.a Ist Äüncheo Wien 746 WS« 745 SW 7486« 750 S« !756SW 1754 NW 5 halb bd. 3woiftg Lwoitenl 5 Ziegen 6 heiter 1 wolkig is SeUe» r* h vaparanda 730®«Stegen Petersburg 750 300 1 6 bedeckt ScUltz i 740 SSO 6 b, deckt adervo«, 744« i 3 wolkig Bunä 1751 S»»heiter Ii Ii 4 4 11 2 8 BSettrrvr-g,,»«« Freitag, den»r. Okt-b-i- ,»il. Zeitweise heiter, jedoch unbeltöndig mit öster wiederholten Regen- schauer« und ziemlich slarlcn sadwestlicheil Winde»! Temperatur wenig ver- Berliner Setterbureau. Wafierltai,d?.r>to»» m jxx-qj— I Wasserstand M e m e l. TUM Brezel, Jnsterburg Weichsel. Td-r« Oder. Ratibor . Kronen # Franüurt Warthe, Schrwnn , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe. Lettmentz Dresden , varba , Magdeburg vafierstand Saal». Grochsttz Havel, Spandau') » Rathenow') Spr»». Epremderg') �, Beestow S efer. Münden , Minden Rhet«, MaximiltanSau , Kaub , Köln Neckar. Heilbrot» Main, Werlheu» Mosel. Trier am> lest 2510. 24.10. cm 38 20 4 88 80 73 143 SN 129 97 20 81 6 cm1) — 6 +2 +2 0 -2 —7 -7 — tz +8 0 -1 � M_________.......... n+»edeutet Wuchs,— fiast—•) ilntemaet.__ Leranttvortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku.Vt'lag: Vorwarf Luchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Eingrr«.To, verlin L�V."