Dr. 853. Hbonnemcnts-Bcdingungcn: NkonnementZ> Prcis pränumerando! Bierteljährl. 330 Ml., monoll. 1,10 Ml., wöchemlich 28 Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nmnmer mit Mustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Seit" 10 Psg. Pujt. klbonncmeni: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeiwngs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Wutnänien, Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. Vit fnlttNoni-Gedflh» Beträgt für die fcchsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Berfammtungs.Anzeigen 30 Psg. „Kleine anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. lzulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort B Psg. Worte über 13 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate frir die nächste Nummer niüsjen bis £ Uhr nachmittags in der Expedition «dgelzeben werden. Die Erpedstion tjt bis 7 Uhr abend? geognet, Mchillll ISZlich SliStk MSllwÄ. Verlinev Volksblatl. 2entra1organ cler fosialclemokratifcden Partei veutfcklanäs. lelegramm- Adresse! �»jällliwolitts Bcrliss". Redaktion: 803. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 6M. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Sie cleutiche Lsüialckemskratie in Oettmcid). Zum Parteitage in Innsbruck. Aus Wien wird uns geschrieben: Mit ungewöhnlicher Spannung wartet das Proletariat in Oesterreich auf den Parteitag der deutschen Sozialdemo- kratie, der am Sonntag in Innsbruck eröffnet werden wird. Es zeigt sich das schon in der Lebhaftigkeit der Diskussion in den Organisationen und in der Parteipresse und in der Fülle der Anträge, die entgegen der bisherigen Gewohnheit für diesen Parteitag vorbereitet werden. Woher das leidenschaft- liche Interesse stammt, weiß man: auf dem Parteitag wird über das Verhältnis der deutschen Sozialdemokratie zu den Bruderparteien, wird über den tschechischen Separatismus verhandelt werden, der über die Gesaintpartei eine so schwere Krise gebracht und insbesondere das Verhältnis zwischen der deutschen und der tschechischen Partei bis zur Unerträglichkeit vergiftet hat. Man braucht sich nur an den letzten Parteitag, den vor zwei Jahren in Reichenberg, zu erinnern, um die tief- gehende Wandlung, die in diesem Verhältnisse vor sich ge- gangen ist, zu.erkennen. In Neichenberg ist noch beschlossen worden, ein Komitee mit der Aufgabe zu betrauen, gemeinsam mit den Parteien der anderen Nationen die Revision des gemeinschaftlichen Nationalitätenprogrammes vorzubereiten, und nun, nach zwei Jahren, soll diese Gesamtpartei aufge- lassen und zu Grabe getragen werden. Eine ernste Ent- Wickelung! Angesichts der kommenden Auseinandersetzung, die in der Hauptsache zu keinem anderen Ergebnis führen kann als zu dem, daß die Gesamtpartei ausgehoben und jeder Partei, also auch der deutschen, die volle Selbständigkeit und Verantwor- tiing verliehen wird, ist die Fraue nach dem Zustande und der Verfassung der deutschen Soziaroenlokratie in Oesterreich be- sonders wichtig. Und da kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß die deutsche Partei nicht bloß in die Breite, son- dcrn auch in die Tiefe wächst. Uebcr ihre guantitative Größe geben die Reichsratswahlen im Juni Aufschluß. Aus den Zahlen des Gesamtergebnisses ist zu erkennen, daß die Partei, trotz der schwierigen Unistände, unter denen sich der Wahl- kämpf für sie vollzog, Schwierigkeiten, die durch die Partei- krise des Separatismus an vielen Punkten noch verschärft wurden, ihre Stellung, die sie unter den denkbar günstigsten Bedingungen errungen, zu behaupten gewußt hat. Zwar sank die Mandatszahl von fünfzig auf vierundvierzig Abgeord- nete, aber die Zahl der Stimmen in den deutschen Wahl- bezirken stieg doch von 513 219 auf 511 989 Wähler. Aller- dmgs soll nicht verhehlt werden, daß, mit Ausnahme Nieder- ojterreichs, die eigentlichen Industrieländer von diesem Wachs- tum unberührt geblieben sind: in Böhmen, in Mähren, in Steiermark ljt die Partei nicht bloß mit den Mandaten— in. gesamt wurden in diesen Industrieländern zwölf Man- S?£c,,£?r'oren ZZ' IS,n, e.ru Auch mit den Stimmen(diesmal 21/ k13 gegen 25o9�1 im�ahre 1907) zurückgegangen. Es wird die Hauptjorge des Parteitages sein, für diese Länder die organisatorischen Vorkehrungen zu treffen, die die En:- Wickelung wieder nach vorwärtsführen foll. Das kann natürlich nur erreicht werden, wenn die Wur- zeln der Partei tiefer ins Erdreich reichen: es ist- nicht bloß in H-njicht unseres letzten Zieles wichtig, wie tief das sozial- demokratische Bewußtsein in die Masse greift, sondern auch der Erfolg des Tageskampfes hängt wesentlich davon von der Intensität der sozialdemokratischen Organisation ab Darin ist nun von dem Rcichenberger Parteitag der der Partei die Normen für eine straffer gegliederte Organisation gab, tüchtig gearbeitet worden. Am Ende der Berichtsperiode im Juni 1911. umfaßte die deutsche österreichisch,.. Vartei- organisation 128 890 Männer und 1?823 Frauen, während wir iin vorigen Jahre nur insgesamt 114 316 Parteimitglieder zählten. 88 Proz. aller po/itisch organisierten Männer sind bereits Vereinsmitglieder und nur 12 Proz. gehörten einer„freien" politischen Organisation an. Ganz besonders erfreulich ist die Entwickelung der Presse, die das letzte Jahr gebracht hat: während wir vor zwei Jahren erst zwei Tage- blätter(die Wiener„Arbeiter-Zeitung" und den Grazer „Arbeiterwillen") hatten, sind seither die Wochenblätter in Reichenberg, Linz, Salzburg und Innsbruck zu täglichen Zei- tungen umgestaltet worden, so daß wir sechs Tagesorgane haben, die sich alle politisch und finanziell auf guteni Wege befinden. Daneben besitzt die Partei noch zwanzig Wochen- blätter, das Frauenorgan(die„Arbeiterinnen-Zcitung"), die wissenschaftliche Revue(den„Kampf"), ein Blatt für die proletarische.Jugend(den„Jugendlichen Arbeiter"), eine ficht hat das vergangene Jahr einen erfreulichen Umschwung gebracht. Von den Büchern und Broschüren, die die Wiener Parteibuchhandlung in den letzten zwei Jahren verlegt hat, wurden rund 1370000 Exemplare abgesetzt, darunter mehr als 850 000 Heftchen der während des Wahlkampfes erschiene- nen sozialdemokratischen Werbeschristen. Dabei sind die zahl- reichen Schriften nicht mitgerechnet, die die Parteibuchhand- lung von Gewerkschaften und anderen Organisationen zum Vertrieb übernommen hat, ebenso wie von unseren reichs- deutschen Parteibuchhandlungen ausgegebene Schriften, die gerade für die entwickelteren Schichten der deutsch-österreichi- scheu Arbeiterschaft das wichtigste geistige Nahrungsmittel bilden. Dem Bildungswesen wurde in der Grundlage einer Zentralstelle eine leistungsfähige Organisation gegeben. Hier wird in zwei Schuljahren, zu je 120 auf 30 Wochen verteilten Unterrichtsstunden, Nationalökonomie. Staats- und Gesell- schaftslehre, Geschichte des Sozialismus und Oesterreichisches Recht unterrichtet. Es finden stets zwei Kurse gleichzeitig statt. Im Jahre 1909 auf 1910 wurden in dem ersten Kursus 137, in dem zweiten 84 Teilnehmer aufgenommen, in dem Jahre 1910 auf 1911 waren es 121 und 65. Die Jugend- organisation zählt 8558 ordentliche und 584 unterstützende Mitglieder, von ihnen gehören 6376 dem Alter von 14 bis zu 17 Jahren an. Nicht so hell erscheint das Bild, das uns der Parteibericht von der Gewerkschaftsbewegung liefert: hier hat der�S e- p a r a t i s m u s schlimm gehaust. Im Jahre 1908 zählten die österreichischen Gewerkschaften, internationale Zemral- verbände und tschechische Verbände zusammen 482279 Mit- glieder. Im Jahre 1909 umfaßten die internationalen Zen- tralverbände allein 415 256: im Jahre 1910 sank ihre Mit- gliederzahl auf 400 565. Der Separatismus hat in Böhmen, Mähren und Schlesiestj seinem natiovalen Werbegebiet, einen Rückgang herbeigeführt. Dem stehen beträchtliche Erfolge der Wiener Organisationen gegenüber. Die wirtschaftliche Entwickelung der Gewerkschaften kann wohl als zufrieden stellend bezeichnet werden. Die Gesamteinnahmen der Zen tralverbände betrugen 1910 8 604 176 Kronen, die Gesamt ausgaben 8 023 738, Kronen. Diese Summen stellen.bloß reine Vereinsein- und ausgänge dar. Die gesondert verwalteten Widerstandsfonds leisteten im Jahre 1910: 902 669 Kronen an Unterstützungen Streikender und Gcmaßregelter und schlössen mit einem Vcrmögensstande von 3 530 436 Kronen ab. Der sonstige Vermögensstand der Gewerkschaften erreichte 1910— bei einer Zunahme von eineinhalb Millionen in einem Jahre— die Höhe von 11 377 349 Kronen. Die Reichs- gewerkschaftskommifsion besitzt überdies noch den„Solidari- tätsfonds", der zur Unterstützung in ungewöhnlich schwierigen Kämpfen bestimmt ist. An Unterstützungen für Arbeitslohn, Kranke und Invalide haben die Gewerkschaften 1910 3 691 802 Kronen aufgebracht. Natürlich führt der Separatismus noch andere Uebel als seine eigene Existenz mit: fast naturnot- wendig hat der Separatismus den Anreiz zur Gründung von gelben und deutschnationalen„Gewerkschaften" erzeugt und den Elan für die internationale Organisation- geschwächt. Was die Genossenschaftsbewegung anlangt, so umfaßte 1910 der Zcntralverband österreichischer Konsumvereine 512 Ge- nossenschaften, davon 360 deutsche. Die 419 Konsumvereine, die rechtzeitig ihre Berichte eingesendet haben, gaben 249 690 Zeitschrift zur Pflege des Bildungswesens(„Tie Bildungs- arbeit"), einc Zeitschrift zur Bekämpfung des Alkoholismus („Der Abstinent"), ein Witzblatt(„Neue Glühlichter") und schließlich fünfzig gewerkschaftliche Blätter. Tie Presse, bis- her das Schmerzenskind unserer Bewegung, ist also in guter Entwickelung begriffen, und was noch nottut— vornehmlich ein ganz billiges Propagandablatt für das ganze Reich—, wird der Parteitag noch schaffen. Zu der Vertiefung der Partei, in der auch ihre beste Wehr für die politischen Kämpfe steckt, wird es auch beitragen, daß ----- 1— v fY\--- i.«;-»1» Tatar» Ttoatnnf hipfpr tfSin« Mitglieder und einen Jahresumsatz von 78 819 000 Kro- nen an. Zu den ernstlichstcn Fortschritten möchten wir ab« den sich vorbereitenden Umschwung in der g c i st i g e n Verfassung der Partei rechnen. Dieser Umschwung ist natürlich nicht leicht.zu fixieren, aber es ist doch nicht zu übersehen, daß sich die Ausfassungen der Partei zu verän- dcrn beginnen. Durch lange Jahre war die Sozialdemo- kratie so etwas wie eine Staatspartei: wohl immer in der entschiedensten Opposition zu der jeweiligen Regierung, aber docki in ihren Anschauungen und Handlungen deutlich die Not- wendigkeiten des Staates wiedcrspiegelnd. Es ward ihr das vornetnnlick) von der Jntcrnationalität der Elesanitpartei dik- tiert, die sie zwang, immer und überall zwischen den Naiio- nalistcn von rechts und links die mögliche Mitte zu suchen und zu wählen, bei welcher Suche sie sich unvermeidlich mit den Regierungen begegnen mußte, denen, krast der Struktur des Staates, die Vcrmittelung zwischen den Nationalisten gleichfalls obliegt. Aber die„internationale Mitte" war der Ausprägung des Klassengegensatzes natürlich nicht förderlich, und wenn das Verschwinden der Gesamtpartei, das vom internationalen Standpunkt Wohl höchst unerfreulich ist, die deutsche Partei von dem Zwange befreit, für Oesterreich immer nach neuen Formeln und Kompromissen zu suchen, so wird das dem Erstarken des revolutionären Geistes nur sör- derlich sein. Die Hauptfrage der deutschen Partei ist freilich nur. wie sie sich mit der Krise der Gesamtpartei, die sie nicht leugnen kann, die sie auch nicht zu beseitigen vermag, abzufinden habe. was morgen Srörtert weiden soll. treten waren. Sie mußten sich aber eines besseren besonnen haben, denn es wurde keinerlei Versuch gemacht, nochmals auf die Teue- rungsfrage zurückzukommen. Die ganze Sitzung wurde durch die Verhandlung über die Maul- und Klauenseuche in Anspruch genommen. Sowohl das Zentrum, wie die freisinnige Partei hatp Interpellationen dazu eingebracht. Es kam beiden Par- teien darauf an, ihr Interesse für die Bauern zu bekunden, indem sie eine Linderung der Maßregeln zur Bekämpfung dieser Krank- heit befürworteten. So kamen denn die Reden der beiden Begründer der Jnter- pellationen, des bayerischen Zentrumsabgeordneten S t e i n d l und des freisinnigen Abgeordneten F e g t e r aus Ostfriesland, so ziem- lich auf die nämlichen Argumente hinaus. Ihrer Auffassung nach war gerade bei den kleineren Grundbesitzern, die am meisten unter den Sperrmaßrcgeln zu leiden hatten, die Ansicht aufgetaucht, daß die Verheerungen der Seuche lange nicht so schlimm seien, als die nachteiligen Wirkungen der Sperre innerhalb des Reichsgebietes selbst. Vor allem würde es als lästig empfunden, daß außer der Sperrung wirklich verseuchter Gehöfte auch noch größere Beobach- tungsbezirke eingerichtet seien, in denen den Landwirten die Verwertung ihres Viehbestandes fast völlig unmöglich gemacht werde. Der Staatssekretär Delbrück gab in Beantwortung der Interpellation zu, daß in der letzten Zeit die Bekämpfung der Seuche keineswegs erfolgreich gewesen sei. Trotzdem glaube die Regierung nicht, von ihren Methoden abgehen zu können. In der Besprechung der Interpellation erhielt zuerst der Konser- vative Dr. Diederich Hahn das Wort. Aus seiner Rebe ging mit aller Deutlichkeit hervor, daß es den Agrariern nur darauf ankommt, die Viehsperre gegen auswärtiges Vieh zur Steigerung der Inlandspreise für Vieh zu mißbrauchen. Zu dem Zweck suchte Herr Hahn den Glauben zu erwecken, daß in Deutschland die Seuche an sich gar nicht heimisch sei, sondern nur vom Ausland eingeschleppt werde. So behauptet er. daß nicht nur Südost-Europa, sondern auch Frankreich an der elsässischen Grenze einen solchen dauernden Seuchenherd enthalte, durch den das edle deutsche Vieh angesteckt werde. Genosse Keil, der für die Sozialdemokraten das Wvrt ergriff» führte durch eine ganze Anzahl von Zitaten aus Ministcrredm und den Kundgebungen von Sachverständigen den Nachweis, daß Herr Hahn die Tatsachen völlig auf den Kopf gestellt habe, daß Deutschland mindestens ebenso verseucht sei wie das Ausland, und daß die Regierung ihrerseits sich auch hier den agrarischen Wüp- schen gefügig zeige. So habe der bayerische Minister v. C r a i l s» heim erklärt, man dürfe die Grenze gegen Oesterreich nicht öffnen, weil die österreichischen Landwirte billigere Ar- b e i t s k r ä f t e zur Verfügung hätten. Auch das neue Gesetz, das jetzt ausgearbeitet sei, bezwecke nicht so sehr die Heilung des Viehes, als die Heilung des agrarischen Portemonnaies. Keil wies auch darauf hin, daß die Viehseuchengefahr von den Behörden zum Verbot von Versammlungen ausgenutzt werde. Merkwürdigerweise würden aber aus diesem Grunde nur sozial- demokratische Versammlungen verboten, während eine Ansteckungsgefahr doch viel eher durch eine agrarische Vcrsamm- lung herbeigerufen werden könne. Die Konservativen bezeugten ihr lebhaftes Interesse für diese gerade für die Landbevölkerung sehr wichtige Frage dadurch, daß sie während der Rede von Keil schließlich samt und sonders den Saal verließen. Der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlcmcr wiederholte zum Teil, was Herr Delbrück vorher schon besser gesagt hatte. Bemerkenswert ist aus seiner Rede nur, daß er erklärte, die Regierung führe die Absperrung der verseuchten Bezirke im Innern möglichst lax durch, während sie die Grenzsperre gegen das ausländische Vieh in voller Schroffheit aufrechterhält. Schon dadurch gibt sie zu erkennen, daß es ihr mehr darauf ankommt, den Agrariern zuliebe das ausländische Vieh fernzuhalten, als die Seuche selbst zu bekämpfen. Nachdem noch einige Redner bor leeren Bänken gesprochen hatten, vertagte sich das Haus bis zum 7. November. Dann wird man ja wohl endlich zu tosten bekommen, was für eine Marokkos,, ppe die Herren� M e t b m a n n und K> d e r l c n dem deutschen Michel in der Dis'olmaienküchc zurcchlgebraut haben. Der Krieg. Issaul- und Klauenseuche. Bei Beginn der gestrigen Sitzung im Reichstag war die Rede davon, daß die Konservativen und das Zentrum nochmals versuchen würden, aus der Fortsetzung der Teuerungsdcbatte Kapital für sich zu schlagen, trotzdem ihre Anschauungen in der bisherigen Debatte pon mindestens zwei Drittel aller Redner per- Die Italiener möchten die Welt gern über ihre Nieder- läge am Montag täuschen, indem sie von einer Abweisung der türkischen Angriffe berichten und ihre eigenen Verluste so gering als möglich anzugeben persuchen. Wie wenig von diesen VertlischungSmanövern zu halten ist, beweist die Tat- fache, daß die„besiegten" Türken und Araber auch am Diens- tag ihre Angriffe erneut haben und der italienischen Division doiiäufig jede Möglichkeit nehmen, über den Stadt- rayon von Tripolis hinauszugehen und einen Vorstoß ins Innere zu machen. Und da die nach der Eyrenaita entsandte und besonders in Benghasi konzentrierte zweite Division mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen bat— sie hat o« hier außer mit den türkischen Truppen auch mit den fanatischen Senussi zu tun— so wird man sich wohl bald zu einer Verstärkung des italienischen Expeditionskorps entschließen. Der brutale Jmperia- lismus fragtnichts nach Menschenleben und wird dein italienischen Volke rücksichtslos neue Blutopfcr auferlegen. Je mehr italienische Proletariersöhne im tripolitanischen Wüstcnsande verbluten und verschmachten müssen, je mehr Opfer der Kampf gegen die um ihr Land und ihre Freiheit kämpfenden Ein- geboren fordert, desto gründlicher wird der Umschwung der Vottsstimmung in Italien sein und es wird sich zeigen, daß die Sozialisten die besten Berater des irre- geleiteten Volkes gewesen sind. Wir haben keine Ursache, den Türken besondere Loblieder zu singen; auch sie waren in Tripolitanien nur die gebieten- den Herren und Ausbeuter. Aber ihre Herrschaft gründete sich wenigstens auf formelle Rechte und eine gewisse religiöse Autorisation. Der Ueberfall Italiens ist aber nichts weiter als ein brutaler N ä u* e r st r e i ch, der durch den Segen des Vatikans und dessen Kreaturen nur noch abstoßender und widerlicher wird. Aber mag man den Türken nachsagen was man will— zu solcher barbarischen Grausamkeit, wie sie jetzt die m i l i t a r i st i s ch e B l u t j u st i z der Italiener in Tripolis an den Tag legt, haben sie sich nicht entwürdigt. Um die Bewohner der Stadt Tripolis in Furcht und Schrecken zu erhalten, ist eine Diktatur des Säbels er- richtet worden, der sich die Araber zunächst zähneknirschend beugen werden, um jede Gelegenheit zu benutzen, Taten des Hasses und des Fanatismus gegen den brutalen Eroberer zu begehen. Die krankhafte Spionenfurcht der Italiener, die brutale Art, wie sie in die Häuser eindringen und nach Waffen suchen, vor allem aber die bestialische Vollstreckung der kriegs- gerichtlichen Urteile— so auch, wie wir an anderer Stelle mitteilen, an dem Kawasseu des deutschen Konsulates— all das wird die italienische Herrschaft auf Jahre hinaus bei den Tripolitanern verhaßt machen und eine Quelle unaufhör- licher Aufstände bilden. Vorläufig sind die Italiener noch nicht die Herren des Landes und trotz ihrer Uebermacht und ihrer überlegenen Waffcntechnik wird es noch manchen blutigen Kampf geben, selbst wenn es zu einem Frieden mit Konstantinopel kommen sollte. Denn die Araber und Berber Tripolitaniens werde«j»we sichere Stellung ein. einzugreifen, hatte jedoch keinen Erfolg, eine Batkerie wurde der» nichtet. Die Berluste des Feindes waren außerordentlich schwer» sie überschreiten sicherlich tausend Tote und umfassen entsprechend viele Verwundete. Bei den. Türken, von denen etwa 1500 am Kampfe teilnahmen, muß ein hoher Offizier gefallen sein, denn sein Leichnam wurde unter heftigem italienischen Feuer und großen Verlusten sortgetragen. Die italienischen Verluste dürften homdert Tote und Verwundete nicht überschreiten.(?) Einige Italiener fielen durch verräterische Schüsse der Araber von hinterrücks. Die Maßnahmen zur Säuberung der Oase werden daher energisch fortgesetzt. Alle, die dort mit Waffen in der Hand gefunden werden, werden erschossen; alle dortigen Häuser und Hütten sowie das Beduinendorf vor den Toren von Tripolis wurden verbrannt. Man kann jetzt die Sicherheit haben, daß im Rücken der italinischen Stellungen die Gefahr b e s e i t i g t ist. Die Stadt Tripolis ist ruhig, die Lage in H o m s andauernd gut. Rückzug der Araber? Tripolis, 27. Oktober.(Meldung der Agence Havas.) Nach heftigen Angriffen, die drei Tage und drei. Nächte währten» scheinen die Araber sich zurückgezogen zu haben, nachdem sie große Ver- luste gehabt hatten. Die letzte Nacht verlief ruhig. Verluste der Italiener bei Terna. Konstantinopcl, 27. Oktober. Nach einer der Pforte zu- gegangenen Meldung der türkischen Kommandanten in Tripolis vom 23. Oktober leistete die Garnison von D e r n a den Italienern tapferen Wider st and und brachte ihnen große V e r l u st e bei. Schließlich zogen sich die Türken in Orb nung nach einem früher ausgearbeiteten Plan zurück und nahul�i» nicht viel nach den eventuellen Friedensabmachungen fragen «nd um ihr Land und ihre Unabhängigkeit weiter kämpfen. Zurzeit hängen aber auch am politischen Himmel Europas die Gewitterwolken schwer herab über den Balkanstaaten, und niemand kann sagen, ob nicht die tripolitanischen Ereignisse auch hier eine Entladung bringen werden. Der italienische Gefechtsbericht. Tripolis, 27. Oktober.(Meldung des Agenzia Stefani.) Nach einer durchwachten, aber ruhig verlaufenen Nacht bemerkten die Italiener gegen%6 Uhr früh, daß die Türken, gestützt auf -beträchtliche Araberkontingente, einen neuen Angriff planten. Es handelte sich zweifellos um eine große Menge Bewaffneter, um mehr als 6000, die schon durch Flug- zeuge auf dem Wege von Azizia her gemeldet worden warm. Der Angriff wurde durch starke Reitergruppen begonnen. Araber und Türken erschienen hier und dort auf der ganzen von den Italienern um Tripolis gehaltenen Linie, von Gamgaresk am rechten Flügel bis hinauf zum Rande der Oase, bei den Stellungen von Bumeliana, Sidimesri, dem kleinen Fort M e s r i und dann hinunter bis zum Meere bei Henni und Schara- schat. Jenseits dieser letzten Punkte, zur Linken der Italiener, breitet sich noch ein großer Teil der Oase aus, in deren Innern man seit gestern nicht unbeträchtliche Massen sich sam- ineln sah. Gegen diese richtete man zunächst einige Schüsse auS den Kruppkanone n, weshalb sie sich außer Schußweite zurück- zogen. Als die feindlichen Reiter angriffen, wurden sie guter Verlusten zurückgeschlagen. Sie kamen aber mit Unter- flützung zahlreicher Abteilungen regulärer und irregulärer In- fanterie wieder, und der Angriff wurde in verstärktem Maße an der Front, dann auf dem linken Flügel wieberholt, den der Feind zu umgehen versuchte» während er sich auf dem rechten Flügel nur gerade behaupten konnte. Nach Sonnenaufgang konnten Flug- zeuge sofort die feindlichen Stellungen feststellen und dadurch die italienische Artillerie instand setzen, mit großer Wirk- samkcit in den Kampf einzugreifen. Auf dem rechten Flügel nahm das Linienschiff Sicilia, das bei Gamgaresk ankerte, an der Schlacht teil. Der Kampf verschärfte sich. Der Feind drang erbittert bis knapp an die erste italienische Linie vor. Er erhielt, wie ein Aeroplan feststellte, von zwei großen Reserven, deren größere auf der Straße von Aziziä, ungefähr fünf Kilometer entfernt, stand, bedeutende Verstärkungen. Die An- greiser versuchten die Linie der Italiener zu durchbrechen, aber sie wurden auf der ganzen Front mit sehr bedeutenden Verlusten zurückgeschlagen.. Auch auf dem italienischen äußeren linken Flügel war der Kampf se h r lebhaft, aber der Versuch einer Um- gehung gelang nicht, und die Angreifer mußten sich mit ernsten Verlusten zurückziehen, verfolgt von dem Feuer vier italienischer Kruppbatterien. Immerhin gelang eS einigen arabischen Abteilungen, in de« Rücken der italienischen Front zu kommen, aber sie wurden sogleich umzingelt nnd«uf- gerieben. Einige Abteilungen des 40. Infanterieregiments ließen die Araber bis zu den Schützengräben herankommen, dann er- öffneten sie ein sehr heftiges Feuer auf die Araber, zwangen sie unter großen Verlusten zu f l i e h e n und verfolgten sie mit dem Bajonett. Die Kavallerie war vom Pferde gestiegen und hatte das Zentrum verstärkt. Der Angriff in der Front begann schwächer zu werden. Der rechte italienische Flügel machte einen erfolgreichen Gegenangriff auf den linken Flügel des Feindes. Bei dem Bajonettangriff wurde eine grüne arabische Fahne erobert und die Araber bis auf die Dünen zurückgetrieben, wo die Italiener Stellung nahmen. Zwei Bataillone der Landungs- truppen befinden sich ständig in der Oase unter dem Schutz der Der Kampf bei Benghasi. Konstantinopel, 27. Oktober. NaÄ aus türkischer Quelle stammenden Nachrichten hat zwischen den östlich von Ben p h a s i landenden Italienern und türkischen Truppen sowie Freiwilligen der S e n u s s i, die sich hinter der Dattelpflanzung von Hadade versteckt hielten, ein neuer Kamps stattgefunden, in dem 499 Italiener gefällst» sein sollen. Italienische Drohungen. Rom, 27. Oktober. Der römische Vertreter des„Secolo" bc- richtet, daß Italien binnen weniger Tage sämtlichen Mächten die erfolgte Annexion von Tripolis(!) notifizieren werde. Nach den Erklärungen des österreichischen Ministerpräsidenten Baron Gautschs werde Oesterreich die Annexion jedenfalls sofort anerkennen und auch die Zustimmung Deutschland» werde nicht ausbleiben.(?) Die Mächte würden, wenn auch nicht gerade freiwillig, doch zustimmen. Sobald die Mächte die Annek- tion anerkannt hätten, habe die Türkei keinen Vorwand mehr zu weiterem Widerstand und sie könne sich dann der Pression einer Macht, die sie zum Friedensschluß bringen wolle, nicht mehr entziehen. Wenn jedoch die Türkei weiteren Widerstand leiste, dann wäre es unverständlich, wenn die Mächte Italien auch weiterhin die Beschränkung de» Kriegsschauplatzes zumuten sollten. Italien könne dann mit Hilfe seiner Flotte eine Aktion unternehmen, die den endgültigen Erfolg verbürge. Eine eigentliche Seeschlacht set mehr wert als 100 Feldschlachten in dem unbekannten verräterischen Land«. Daher werde man auch vorläufig auf den Vormarsch in Tripolis verzichten, weil er nur unangenehme Ueberraschungen bringen könnte. Es sei besser, wenn man ruhig abwarte, bis der Feind durch den Mangel an LebenSmittk>» und Munition zur Unterwerfung gezwungen sei. Sie chineiliche Revolution. Nichts kennzeichnet die Lage besser, als daß die Regierung sich so sehr beeilt hat, dem Wunsch der Nationalver- s a m m l u n g nachzukommen und den Vcrkehrsminifler S ch e n g zu entlassen. Bedeutet dies doch nichts weniger als eine bisher für undenkbar gehaltene Abtretung der R e g i erun g s m a ch t an die beratende Volk»- Vertretung. Weit entfernt, die Revolution zu verzögern, ist so die Nationalversammlung, in der offenbar die ge- wählten Vertreter der Provinzen, obwohl gegenüber den von der Regierung ernannten in der Minder- zahl, ihren Willen diktatorisch durchsetzen, selbst zu einem Brennpunkt der Revolution geworden. Und die Fortschritte der Bewegung sind bereits so groß, haß selbst ein momentaner Sieg der kaiserlichen Truppen bei Hankau, wenn er möglich sein sollte, nicht mehr viel an dem Gang der Ereignisse ändern könnte. Die republikanische Partei wagt sich jetzt offen in allen großen Städten hervor, hält Versammlungen ab und stellt ibre Forderungen auf, denen die Regierungsbeamten keinen Widerstand entgegen zu setzen wagen. So hat in Kanton eine Versammlung stattgefunden, die eine republikanische Verfassung nach dem Vorbild tcr Vereinigten Staaten forderte; die Behörden sind bereit, die Stadt den Nebellen zu übergeben. Die Revolutionäre von Hankau haben bereits China zur Republik erklärt und ihren General zum ersten Präsidenten. Unter diesen Um- ständen ist es natürlich, daß der Hof daran denkt, Peking zu verlassen und nach M u k d e n überzusiedeln. China zur Republik erklärt. Peking, 27. Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Führer der Aufständischen Lihuanheog teilte den fremden WWWW»WWM.... des «»m■ v a--r-....-„------------.»--------.---- Internationalen soz. Bureaus zu finden wissen Artillerie der Sicilla, Dw iurktfche Artillerie versucht»>ff�suln i« Hankau mit� er jej zum Pr ä j i d e n»« a dKMand die Bemerkungen, die die.Franks. Ztg." daran geknüpft chinesischen Republik proklamiert worden. Die hiesige« fremden Gesandten, denen die Ankündigung übermittelt wurde. haben sie unbeantwortet gelassen. Liyuanheng machte ferner den Borschlag, daß er die Verwaltung der Zollämter in Tschangscha und in anderen im Besitz der Aufständischen befindlichen Häfen übernehmen wolle. Die Gesandten erhoben jedoch dagegen Ginspruch und wiesen darauf hin, daß die Zölle bereits verpfändet seien. Es wurde daher vereinbart, daß die Zölle zur Verfügung des General- inspekteurs bleiben sollen. Die Gesandten antworteten slso nur auf die Anfrage von Liyuanheng, welche die Interessen der fremden Mächte direkt berührt. Indem die Mächte die durch torce majeure geschaffene Lage anerkannte», handelten sie im Einklang mit de» Bestimmungen des internationalen Rechts für solche Fälle. Die Gerüchte über den Tob des KriegSminisiers Iintschang erhalten sich hartnäckig und haben die Beamten wie die Mandschns in Peking in große Unruhe versetzt. Ihre Familien wandern weiter in großer Anzahl ans. Die fremden Niederlassungen in Tientsin und im Süden füllen sich mit Flüchtlingen. Die hiesigen fremden Banken waren geneigt, der Regierung Beistand zu gewähren. Da sie aber zu der Ansicht kamen, daß die Lage einen rein politischen Charakter annahm, so unterbreiteten sie die Frage ihren Oberleitungen in Europa und Amerika. Nach etwas unbestimmt gehaltenen amtlichen Berichten sollen die NegierungStruppen die Aufständischen gestern geschlagen und Tschangtorfu eingenommen haben, wobei die Aufständischen siebenhundert Mann an Toten verloren haben sollen. Die Einnahme von Futschau. Schanghai, 26. Oktober. Der frühere Vizekönig Im Tscheng, der von Kiukiang geflohen war, als diese Stadt eingenommen wurde, ist hier angekommen. Hier sind keine Ruhestörungen bor- gekommen. Amtliche chinesische Mitteilungen besagen, daß Futschau in den Händen der Aufftändischen ist und das Zollamt von ihnen in Besitz genommen wurde. Die Lage gibt hier zu Beunruhigung An- laß wegen der Wirkung, welche möglicherweise die Vorkommnisse in Kanton und Futschau auf die Mannschaften der chinesischen Marine haben werden, die alle aus Kanton oder Fukien stammen. Abfall der kaiserlichen Truppen. New Jork, 27. Oktober. Aus Peking wird gemeldet: Die Zahl der kaiserlichen Truppen, die zu den Rebellen übergehen, ist tagtäglich im Wachsen begriffen. Die Dis- ziplin unter den treugebliebenen Truppen beginnt sich infolgedessen zu lockern, was noch dadurch verstärkt wird, daß sich bereits ein Mangel an Munition und Lebensmitteln bemerkbar macht._ poUtifcbe Qebcrlicht. Berlin, den 27. Oktober 1911. Ultramontane Charakterlosigkeit. Die„Germania" bringt es fertig, die geplante l and« rätliche Wahlmache völlig in der O r d n u n g zu finden. Sie gibt den Inhalt der Anweisung an die Landräte wieder und be« merkt dann dazu:„Sollte die Regierung eine solche Verfügung an die Landräte erlassen haben, so würde sie damit nichts getan haben, was angre ifbar wäre." Denn die Landräte sollten ja nur über„Angriffe gegen die Regierung orientieren" und für„fach- liche Erwiderungen" darauf durch Flugblätter, Kalender usw. sorgen. Dazu sei die Regierung nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet! Im Jahre 1907 hat da? Zentrum natürlich eine ganz andere Stellung eingenommen. Heute Wlt es das leitende Zentrumsorgan für ganz in der Ordnung, daß Flugblätter und Kalender durch die Landräte vertrieben werden, Flugschristen, die von irgendeiner real« tionären Partei resp. Organisation stammen. Als aber Fürst Bülow bei den Hottentottenwahlen dem Flottenverein stir die Ver« breitung seiner Flugschriften den von ihm privatim aufgebrachten Betrag von 30000 M. zur Verfügung stellte, da war das Zentrum höchlichst entrüstet über eine derartige amtliche Wahlmache. In der dritten Sitzung deö neuen Reichstages vom 25. Februar 1007 verglich der Zentrumsredner Spahn.diese Subvention des Flottenvereins«it dem 12 000-Mark-Beitrag, den seinerzeit die Scharfmacherkreise zugunsten der Zuchthausvorlage dem Reichsamt des Innern zur Verfügung gestellt hatten. Herr Spahn fuhr dann wörtlich fort: „Meine Herren, jetzt handelt es sich um 30000 M., die ver- wendet werden sollen zu Eingriffen in die Wahl- agitation! Der Reichstag hat in kontinuierlicher Haltung der Ansicht Ausdruck gegeben, daß das Eingreifen amtlicher Stellen in die Wahlagitation unzulässig sei.... Der Herr Reichskanzler ist in die Oeffentlichkeil getreten durch Briefe und Reden. Das ist neu in unseren Wahllämpfen, und man muß zurückgehen in die napoleonischen Zeiten (Lachen rechts; s e h r w a h r I in der M i t t e>, um eine gleiche Beeinflussung des direkten geheimen allgemeinen Wahlrechts zu finden......" Damals also verbat sich da? Zentrum mit einem Aufwand von sittlicher Entrüstung die amtliche Wahlmache. Die amtlich« Unter- stützung des Vertriebs von Flugblättern, die ihre Spitze doch gerade gegen die Anschuldigungen der Regierung durch die Zentrum Spresse richteten, wurde von den offiziellen Fraktions- rednern deS Zentrums als ein Ausfluß napoleonischer Korruption gegeißelt I Wenn aber heute der ganze landrät- liche Apparat zugunsten des Zentrums gegen die Opposition mobil gemacht wird, wenn heute der amtliche Vertrieb schnapsblock- freundlicher Flugschriften im größten Maßstabe organisiert wird, so findet das das Zentrum ganz in der Ordnung I Das Zentrum entpuppt sich wenigstens mit anerkennenswerter Konsequenz auf ollen Gebieleu als die Partei der politischen Charakterlosigkeit und Verlumpung I Die Einberufung des Preußischen Landtages. Nach den verfassungsmäßigen Bestimmungen muß der Preußische Landtag spätestens bis Mitte Januar einberufen werden. Eine Korrespondenz verbreitete nun die Nachricht der Einberufung zum 9. Januar. Diese Meldung wird jetzt als unrichtig bezeichnet. Der Landtag werde wahr- scheinlich erst nach dem Wahltermin, also nach dem 19. Januar, einberufen werden. Gleich nach seiner Gnberufung dürfte dann der Landtag mit Rücksicht auf die Stichwahlen, die bis zum 22. Januar erledigt sein sollen, bis nach diesem Termin ver- tagt iverden. Da der Landtag wichtige Gesetzesmaterien zu verabschieden hat, wird sich seine Tagung auch diesmal bis tief in den Sommer hineinziehen. Troelstras Bemerkungen. Die Mitteilung unseres Genossen Troelstra, daß Regierungen unter Umständen auch die Adresse hat, haben grohe Beachtung gefunden. So schreibt die „Deutsche Tagesztg.": Diese Meldung muß das größte Aufsehen erregem Danach soll nicht nur die französische Regierung, sondern auch die deutsche sich an das Internationale sozialistische Bureau ge- wandt haben. In welcher Absicht das geschehen sei, läßt sich nicht erkennen. Wir halten selbstverständlich die Meldung für völlig unrichtig, glauben aber, daß die in Betracht kommenden Re- gieningen, insbesondere die deutsche, nicht dazu schweigen können. Das„Berliner Tagebl." gibt die Mitteilung wieder, be- zweifelt aber gleichfalls die Richtigkeit und bemerkt: „Wenigstens der deutschen Regierung trauen wir so etwas nicht zu." Wir müssen gestehen, daß in diesem Fall das Mißtrauen des„Berliner Tagebl." größer ist als das unsere. Eisenbahnerinterpellation. München, 26. Oktober. Nach einer Erwiderung des Eisenbahn- Ministers auf die Ausführungen Naßhaupters nimmt heute zunächst Dr. Pichl er das Wort. Er spricht zunächst über den Erlaß des Ministers, mit dem keine Partei zufrieden sei. Die Anklagepunkte des Ministers würden zu einer Verurteilung voll- ständig ausreichen; was von ihm zur Verteidigung angeführt wurde, waren nichts anderes als haltlose Ausreden, wie sie jeder sich schuldig fühlende Angeklagte gebraucht. Es komme nicht darauf an, ob der ganze Verband sozialdemokratisch sei, es müsse genügen, daß sozialdemokratische Be st rebungen innerhalb des Verbandes vorhanden seien. Die Regierung habe damit, daß sie aus Furcht vor einem Fehlurteil des Disziplinargerichtshofes nicht energisch vor- gegangen sei, die Staatsautorität nicht gewahrt. In langen zum Teil langweiligen, nur manchmal durch kräftige Protest- rufe aus der sozialdemokratischen Fraktion unterbrochenen Aus« führungen sucht dann Dr. Pichler namentlich aus Parteitags- Protokollen nachzuweisen, daß die freien Gewerkschaften nichts anderes als sozialdemokratische Organi- s a t i o n e n seien, um von hier aus im Zusammenhang mit der Tatsache, daß Zweigvereine des süddeutschen BzrbandeS den Kartellen der freien Gewerkschaften angehören, zu dem für ihn notwendigen Schlüsse zu kommen, daß der süddeutsche Eisenbahnerverband eine sozialdemokratische Organisation sei und deshalb verboten loerden müsie. Sehr animiert wird die Stimmung des HauseS, als Dr. Pichler über die Kompromißpolitik des Zentrums und des Liberalismus gegenüber der Sozial- demokratie spricht. Am Schlüsse kommt er auf die große Gefahr eines Massenstreiks und Eisenbahnerstreiks und malt aus Grund der Vorgänge in anderen Staaten den völligen Untergang des Staates an die Wand. Auf Grund de? Diensteides der Beamten muß eS ausgeschlossen sein, daß ein Sozialdemokrat als Beamter an« gestellt wird. Die Regierung habe ihre Pflicht zuerfüllen. Von der liberalen Fraktion spricht der königl. bayerische Post- Verwalter L ö w e n e ck. Er verwahrt sich dagegen, daß es Pflicht der Vorgesetzten sein solle, ihre Untergebenen nach ihrer politischen Seite zu qualifizieren. ES gäbe monarchisch regierte Staaten, in denen ohne Gefährdung der StaatSexistenz nicht nur Beamte, sondern sogar Minister Sozialdemokraten seien. Der Kernpunkt der Frage sei der: Soll den Staatsarbeitern das freie Koalitionsrecht zuerkannt werden oder nicht? Die liberale Fraktion bejahe diese Frage. Er halte den Herrn Verkehrsminister für vollständig berechtigt, jenen Warnungserlaß herauszugeben. Der Erlaß sei, wie die ganze Amtstätigkeit des Ministers, eine Verbeugung gegen das Zentrum. Gar be- weglich waren die Klagen des Redners, daß in der Verkehrsverwaltung so häufig jetzt an die Stellen von liberalen Beamten Zentrumsbeamte gesetzt werden. Zentrumszeitungen verlangen direkt, daß die Minister bei der Auswahl ihrer hohen Beamten auf die politische Ueberzeugung Rücksicht nehmen und konservative Männer bevorzugen. DaS Zentrum will olles im Staate ultra- montanisieren und gegen dieses System müssen sich die Liberalen wenden. Darauf ergreift der Ministerpräsident Graf v. PodewilS das Wort zu der Erklärung, daß in einem monarchischen Staate auf gewissen Gebieten lein Raum für die Sozialdemokratie sei, so nicht im S ta atsb e triebe. Die Regierung dulde keine Sozialdemokraten als Staatsbeamte. Die Siegierung sei fest entschlossen, an dem Standpunkt nachdrücklichster Wahrung ihrer Autorität festzu- halten, und eS geschehe nur in Kousequenz dieses Standpunktes, wenn sie den Staatsdienst von sozialdemokratischen Elementen fern- zuhalten suche. Nun bekommt Genoste v. Vellmar das Wort. Er hält die vom Minister angeführten Klagepunkts für so außerordentlich kleinlich, daß hierauf eine Verurteilung sich nicht aufbauen lasse. Der Erlaß des Ministers verstößt unbedingt gegen das Recht. Allein der DiSziplinargerichtöhof und nicht«in Minister habe darüber zu ent- scheiden, ob ein Verein gegen das Staatsinteresse verstoße. Die rechtliche Stellung der Staatsbeamten richte sich einmal nach dem Beamtengesetz und nach der Verfassung. Bei der Beratung des Beamtengesetzes habe Minister v. Pfaff auf eine Aufrage des Ab- geordneten Genossen Auer ausdrücklich konstatiert, daß eS in Bayern keine Vereine gäbe, denen ein bayerischer Beamter nicht angehören dürfe. Das Zentrum habe in früheren Jahren ganz andere Urteile über die Sozialdemokratie ge- fällt, zu den Zeiten der Bündniste nämlich. Zu Zeiten des Kultur- kampfeS seien auch Zentrumsangehörige als unwürdig zur Be- kleidung von Beamtenstellen erklärt worden. Die Zeiten könnten einmal wiederkommen. Staatsrechtlich müste der Beamte genau dasselbe Maß der politischen Freiheit haben wie ein Arbeiter. Der Beamteneid in seinem politischen Teil sei nichts anders als der Eid, den jeder Staatsbürger leisten müste. Die StaatSform sei für uns zwar nichts Gleichgültiges, aber das Wesen des Staates sei für uns viel wichtiger. Im Ver- fassungsstaat gäbe eS nur eine Pflicht gegen die gesetzliche und gesetzmäßige Staatsgewalt, nicht wie im absolutistischen Staate eine persönliche Pflicht gegenüber dem Monarchen. Das Bestreben auf Umänderung der bestehenden Staatsformen bestehe in allen Parteien. Das Vorgehen der bayerischen Regierung sei un- gesetzlich, es verstoße direkt gegen die Verfassung. Die Sozialdemokraten verlangten Achtung vor dieser Verfassung und Freiheit der politischen Betätigung auch für die Staatsbeamten. Das bayerische KrtegSmiuisterium im Wahlkampfe gegen die Sozialdemokratie. Dem demokratischen Berliner Blatt»Da« freie Volk" ist folgender Erlaß des bayerischen Kriegsministeriums auf den RedaliiouS tisch geflogen: „Vertraulich. Standespflichten der Offiziere des Beurlaubten st andeS. Ein Offizier eines nichtbayerifchen Kontingents hat bor der Stichwahl zu einer parlamentarischen Körperschaft zur Wahl eines Mitgliedes der sozialdemolratischen Partei öffentlich aufgefordert und sich auch sonst in diesem Sinne agitatorisch betätigt. Diesem Offizier ist daraufhin der Abschied erteilt worden. Bei einem derartigen Vorkommnis wird auch in Bayern die Verabschiedung herbeigeführt werden. sgez.) v. Horn, KriegSminisier." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt zu dem Erlaß: „Erst jetzt, wo die Sozialdemolraiie mit dem Zentrum gebrochen hat, soll es nicht mehr den„Standespflichten" der Reserveoffiziere entsprechen, einen Sozialisten in der Stichwahl zu wählen. Die bayerische Regierung konnte ihre Abhängigkeit vom Zentrum nicht besser illustrieren, als es durch diesen Erlaß geschieht." Zur Lebensmittelteuerung. Teumingsdebaite im Mcininger Landtag. Auch der Meininger Landtag hatte am Mittwoch und Donnerstag seine Teuerungsdebatte. Nachdem am Mittwoch ein Antrag der Liberalen, der die Regierung Meiningens ersucht, im Bundesrat au Aufhebung deS Einfuhrscheinsystems zu dringen, diskutiert und an- genommen worden war,"kam gestern die sozialdemokratische Jnter- pellaiion zur Verhandlung:„Welche Schritts hat die Re- gierung getan, um den fortgesetzt steigenden Lebensmittel- preisen zu begegnen?" Ferner:„Die Staatsregierung wolle ihren Vertreter im Bundesrat dahin instruieren, daß derselbe für Aufhebung der Zölle auf Futtermittel, für Aufhebung der Getreideausfuhrscheine und für den staffelweisen Abbau der Zölle auf Lebensmittel ein- tritt." Für unsere Fraktion begründete in tt/zstündiger Rede Genosse Hoffmann die Interpellation, fand aber weder bei den bürgerlichen Parteien noch bei der Regierung für die Not des Volkes Verständnis. Die Regierung gab unter Berufung auf die gegenwärtigen Reichs- tagSverhandlungen eine nichtssagende Erklärung ab, während die bürgerlichen Abgeordneten die sozialdemokratischen Anträge als zu weitgehend bezeichneten. Bei der Abstimmung bekundeten sie ihre volksfeindliche Haltung dadurch, daß sie die sozialdemo- kratischen Anträge nieder st i m n, ten. Kommunale Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Magistrate der beiden Städte Wilhelmshaven und Rüstrmgen sOldenburgj beschlossen, gemeinsam gegen die Teuerung anzugehen. Es soll zunächst auf die Gewerbetreibenden, die den Verkauf der Lebensmittel als Erwerb betreiben, eingewirkt werden, damit diese die Lebensmittel so billig wie möglich auf den Markt bringen. Mißlingt der Versuch, so wollen die beiden Stadtverwaltungen ge- meinsam selbst Schweine kaufen und ausschlachten lassen, ferner waggonweise Kartoffeln ankaufen und diese auk die Wochen- markte bringen. Auch beabsichtigen sie mit einer Großbäckerei oder mit mehreren Großbäckereien in Verbindung zu treten, um den Konsumenten vollwichtiges Brot zu möglichst billigem Preise zu ver- schaffen. Die Preise aller dieser Lebensmittel sollen über die Selbst» losten nicht hinausgehen._ Arbeitskammer- und Heimarbeitergesetz. Donnerstag wurde berichtet, daß die Reichsregierung sich zum Nachgeben entschlossen habe, damit das Arbeitskammer- und das Heimarbeitergesetz noch vor Schluß deS Reichstags erledigt werden kann. Nach einer Freitag vorliegenden, anscheinend offiziösen Mel- dung will die Reichsregicrung den Entwurf über die Arbeits- k a m m e r n endgültig fallen lassen, da eine Verständigung aus- geschlossen erscheint. Ueber das Zustandekommen des Heim« arbeit ergesetzes werden noch Verhandlungen gepflogen. In der Frage des Hausarbeitsgesetzes ist auch die Konzession der Lohn- ämter nicht gemacht worden. Auf eine Anregung des Staats- sekretärs Delbrück soll vielniehr versucht werden, für die Heimindustrie Fachorganiialionen zu schaffen, die sich auch mit den Löhnen und Tarifverhältnissen zu befassen und das Recht hätten, Miudestlöhue festzusetzen._ Ocltemlcb. Eine Scharfmacherrede des Ministerpräsidenten. Wien, 27. Oktober. Abgeordnetenhaus. In fortgesetzter erster Lesung des Budgets sprach der Ministerpräsident Frhr. v. Ga u i s ch sein Wedauern aus, daß die alle Bevölkerungsschichtcn gleich treffende Teuerung von einzelnen Parteien zu parteipolitischen Zwecken ausgenützt wurde.(Sehr richtig! Stürmische Unter- brechung von feiten der Sozialdemokraten.) Der Minister- Präsident betonte sodann meuerdings, daß in der Fleischfrage die Regierung an den Verträgen gegenüber Ungarn unbedingt festhalte. Die Haltung der Beamtenschaft, insbesondere der Eisen- bahnet, die sie in den Verhandlungen zur Geltendmachung ihrer Forderungen an den Tag gelegt habe, sei da« A l l er b e da u e r- I i ch st e, was seit einer langen Reihe von Jahren im öffentlichen Leben vorgekommen sei. Wenn die Drohung ausgesprochen werde, daß, falls die Forderungen der Arbeiterschaft zu einem gewissen Termin nicht erfüllt würden,„englisch" gearbeitet würde,. könne eine solche Haltung nicht geduldet werden. DaS sei ein Verbrechen gegenüber Kaufmannsstand, Handel und Industrie. (Anhaltende Zwischenrufe, Lärm und Zustimmung.) Angesichts der dringenden, vom Parlament zu lösenden Aufgaben müßte die Re« gicrung zur Bildung einer Arbeitsmajtorität schreiten. Er habe sich zunächst an jene Parteien gewendet, welche mit Rücksicht auf ihre Traditton, auf ihre Zahl uud Bedeutung au den politischen Staatsgeschäften stets teilgenoinmen hätten und immer teilnehmen würden. Dann aber habe er sich an die Tschechen gewandt in der Ueberzeugung, daß kein österreichisches Programm die Ver- treter einer so kräftigen und hochentwickelten Nation von der Teil- nähme an den staatlichen Ausgaben ausschließen könne, wobei er ausdrücklich erklären müsse, daß die Tschechen sich nicht an die Re- gierung herangedrängt hätten. Die Regierung wolle vielmehr den loyalen Vermittler zwischen den großen Gruppen deS Hauses machen. Die Verhandlung habe bisher zu keinem Ziele ge- führt. Dies könne aber an seiner festen Ueberzeugung nichts ändern, daß eine gedeihliche parlamentarische Tätigkeit in diesem Hause ohne Heranziehung der Vertreter der tschechischen Naion unmöglich ist.(Lebhafter Beifall und Zwischenrufe.) ,Der Ministerpräsident fuhr fort: Aus den Ereignissen im Monat September kann nur eine Lehre gezogen werden:»der Zusammenschlusi aller derjenigen, die noch Ordnung in diesem Staate»»ollen(Lärm), die sich dem Terrorismus nicht unterwerfen, der in diesem Hause ununterbrochen geübt wird.(Zu- stimmung, lebhafte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Wie- wohl ich mich als aufrichtiger Freund des Parlamentarismus ernster Befürchtungen nicht entschlagen kann, halte ich doch an der Hoffnung fest, daß auch für dieses Haus der Tag kommen wird, an welchem die Hoffnungen der österreichischen Völker in Erfüllung gehen werden,»nit denen sie das neue Par- lament bei seiner Geburt begrüßt habeir.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Abg. B i l i n s k i(Obmann des Polenklnbs) betonte, der Polen- klub werde die Bündnispolitit des Ministeriums des Aeutzern unterstützen und alle aus die Wchrinacht bezüg- ilchen Fragen erledigen. Der Redner erklärte sich für eine Koalition der Deutschen, Tschechen und Polen und für eine par- lamentarische Regierung. � Da ein nationaler friede als ewiger Friede undenkbar sei, müsse man sich damit begnügen, die Möglich- reit der EntWickelung nebeneinander zu schaffen. Das Sacharlnveriot« Wie«, 27. Oktober. Der TeuerungsauSschuß des W- geordnerenhauses hat mit 26 gegen 17 Stiinmen einen Antrag angenommen, worin die Regierung aufgefordert wird, die Ver- ordnung betreffend den Verkauf mit Sacharin unverzüglich auf- zuheben; ferner� mit der ungarischen Regierung Verhand- lungen überZ die Aushebung des Sacharineinfithr- Verbots aus dem Auslande einzuleiten und sofort an das Zuckerkartell wege>» Herabsetzung der Zucker- preise heranzutreten. Im Laufe der Debatte hatten sich der Finanzminister und ein Regierungsvertreter gegen den An- trag auf Einfuhr von Sacharin ausgesprochen, indem sie betonten, daß die Socharineinfuhr aus die Volkswirtschaft katastrophal wirken müsse, im übrigen eine einseitige Aufhebung des im Einvernehmen mit Ungarn erlassenen Sacharmverbots ausgeschlossen sei. Sie wiesen darauf hin, daß der Genuß von Sacharin mit Nachteil für die Gesundheit verbunden sei. England. Spaltung in der Arbeiterpartei. London, 26. Oktober.(Eig. Ber.) Der Beschluß der Arbeiterpartei, der Regierung mit aller Macht zu helfen, die Versicherungsvorlage noch in dieser Session durch- zudrücken, hat, wie bereits kurz telegraphisch gemeldet, zu einer Spaltung in der Arbeiterpartei geführt. Die Genossen Lansburh, Snowden, Thorne und I o w e t t(der frühere Vorsitzende der I. L. P.) haben sich ge- weigert, dem Beschluß der Mehrheit der Partei nachzukommen und werden sich zu einer unabhängigen Sektion zusaminenschlicßen. In einer Fraktionssitzung, die gestern nachmittag im Parlamentsgebäude stattfand, wurde über die Haltung dieser vier Mitglieder der Arbeiterpartei beraten, die die Versiche- rungsvorlage in ihrer jetzigen Gestalt für unannehmbar halten. Es wurde von ihnen verlangt, sie sollten sich ver- pflichten, die Vorlage fürderhin auf allen Etappen zu unter- stützen. Dies schlugen sie rundweg ab. Nach langer und hitziger Debatte wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Komitee der Arbeiterpartei zu überweisen, daS beauftragt wurde, alle Schritte zu tun, um die Rebellen zur Unter- werfung zu bewegen. War auch der Streit über die Versicherungsvorlage der direkte Anlaß zur Spaltung, so liegen die eigentlichen Ursachen doch etwas tiefer. Diese vier sozialistischen Parlaments- Mitglieder gehören zu den schärfsten Krittkern der Arbeiter- Partei, die sie anklagen, im liberalen Fahrwasser zu schwimmen, anstatt eine eigene unabhängige Politik zu befolgen. Der Genosse L a n s b u r y hat sich in der Vergangenheit be- sonders auf dem Gebiet der Gemeindepolittk hervor- getan. Der Genosse Snowden ist seit langer Zeit als Be- fürworter einer aggressiven Arbeiterpolitik bekannt; vor zwei Jahren behaupteten die Tories, daß Lloyd George die Idee der Extrabesteuerung der hohen Einkommen den Schriften Snowdens entnommen habe. Der Genosse Thorne ist der einzige Gewerkschaftsbcamte der. neuen Gruppe; er gehört der S. D. P. an und wurde auf dem letzten Gewerkschasts- kongreß zum Vorsitzenden des nächsten Gewerkschaftskongresses gewählt. Der Genosse I o w e tt war, wie schon angeführt, vor zwei Jahren Vorsitzender der I. L. P. und hielt auf dem Londoner Parteitag dieser sozialistischen Gruppe die bekannte Rede, in der er forderte, daß eine Arbeiterpartei bei Absttmmungen im Parlament alle Fragen nach ihrent Werte für die Arbeiterklasse beurteilen müsse, ohne Rücksicht auf die Bequemlichkeit der Regierung zu nehmen. Es sind sowohl Fragen des Prinzips und der Anschauung wie taktische Fragen von erster Bedeutung, mit denen wir es bei dieser Spaltung zu tun haben. Em der Partei. Fortschritte der Partei in Schlesien. DaS jüngste schlesische Parteiblatt,„Diefchlesische Berg- wacht", die seit dem 1. September d. I. als Kopfblatt der Bres- lauer„Volkswacht" für den Kreis Waldenburg erschien, hat sich jetzt ganz selbständig gemacht. Seit de»» 28. Ottober erscheint das Blatt in eigener Druckerei uird unter eigener Redaktion. Der Druckereibetricb ist modern eingerichtet. In die Redaktion, die sich jetzt in NeuiSalzbrunn bei Waldenburg befiirdet, sind eingetreten als leitender politischer Redakteur Genosse Richard Schiller, früher am Kölner und Breslauer Parteiblatt tätig; Lokal- und Feuillcton-Redakteur ist Genosse Einil R a b o l d, früher in Bremen und Breslau tätig; die Provinzredaktion führt Genosse Paul L u f ch e r. Waldenburg. Da die„Schlesische BergvXlcht" vom Er- scheinungstage an auch als Parteiorgan für die benachbarten Kreise Schweidnitz-Striegau-Freiburg-Hirsch- berg- Schön au, und Landeshut-Bolkenhain-Jauer bestimmt ist, beträgt seine Auflage fast IS 666 Exemplare. Die Genossen hoffen, während des Wahlkaittpfes diese Ziffer noch be- trächilich erhöhen zu können. Sozialistische Blindenliieratur« Von der„Neuen Zeit", Organ zur Pflege sozialistischer Welt- anschauung unter den Blinden deutscher Zunge, ist soeben daS 1. Heft des 3. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Weltanschauung. Von A. Pannekoek.— Die kommenden Reichs-- tagswahlen.. Von Aristides.— Wie entstand unsere Erde. Von M. A. Baege.— Multatuli. Von M. W.— Das Erlvserwort. Gedicht von Ernst Prcczang.— Notizen.— Blindenwesen.— Hierzu die wissenschaftliche Beilage, in welcher die Artikelserie „Aus der Geschichte der Sozialdemokratie" von Wilhelm Schröder zum Abdruck gelangt. Der Bezugspreis des Blattes beträgt bei sechsmaligem Erscheinen pro Jahr 3,66 M. für Deutschland und Oefterreich-Ungarn und 4,56 M. für die übrigen Staaten. An- fragen und Bestellungen sind an A. Mendt, Berlin R. 39, Sprengelstr. 1. zu richten. Die Zeitschrift wird nicht im Buch- Handel vertrieben, sondern kann nur durch die genannte Adresse bezogen werden._ Von der Parteipresse in ber Schweiz. Das Bezirksgericht Zürich hat die Entschäd-igungSklage de- früheren freisinnigen Parteiführers, Vizepräsidenten des Bezirks- gerichts, Mitglied des Großen Stadtrats und des Kantonsrats, Dr. Sieb er. gegen das„Volks recht" auf Zahlung von„bloß" 16 666 Franks wegen angeblicher �Krcditschäoigung abgewiesen und ihn zur Zahlung der Prozeßkosten und einer Staatsgebühr von 126 Franks sowie einer Prozcßentschädigung von 368 Franks an das „Volksrccht" verurteilt. Sicber will dagegen die nächste Instanz anrufen, die ihn aber ebenfalls nicht retten kann. DaS„Volks- recht" hatte durch die Veröffentlichung von Originalbricfen nachzir- weisen vermocht, daß Sieber und Konsorten, unter Mißbrauch ihrer amtlichen Stellung auf Kosten der Stadt Zürich lukrative Spekula- tionsgeschäfte getrieben hatten, worauf Sieber alle seine Aemter niederlegen und sich auS dem öffentlichen Leben zurückziehen mußte. GcwerkfcbaftUcbea. Reptilienfonds. Wcrksvereine— gelbe Gewerkschaften— erhalten als Preis für die Bekämpfung der freien Verbände zu„Wohl fahrtszwecken" aus der Schatulle der Unternehmer beträcht liche Alimente. Die Beiträge der Gelben selbst kommen viel' fach kaum in Betracht. Es ist daher zu begreifen, dah die Herren ihre Leistungen schämig verschweigen. Der Kassen bericht der Gelben bei Krupp dokumentiert die„Harmonie" Zwischen Unternehmer und Arbeiter, indem er die Bei träge der Firma und der Mitglieder in einer Summe aufführt, für das Jahr 1910 mit 132 761,34 Mark Da wir kein Interesse daran haben, den Wohl fahrtssinn der feinen Firma nicht gebührend zur Geltung kommen zu lassen, sei festgestellt, daß nach den Beiträgen der Gelben auf diese selbst höchstens ein Betrag von 12 000 M cutfällt. Die Firma hatte demnach in dem einen Jahre zur Förderung der gelben Bewegung 129 000 M. geopfert. Da nach kann man ermessen, wie wertvoll die Arbciterzersplitterung dem Kapital erscheint. Daß solche Reptiliensondsspenden die Arbeiter korrumpiert und demoralisiert, ist für das Unter nehmertum natürlich kein Grund, die Ausbreitung der gelben Seuche nicht zu fördern._ Berlin und Umgegend. Der Ausstand der Berliner Eisenkonskrukteure dauert Min be reits vier Wochen, ohne daß zurzeit ein Ende abzusehen ist. Alle Versuche zur Herbeiführung von Einigungsverhandlungen sind bisher an dem Widerstande der Unternehmer gescheitert, die sich nicht dazu verstehen wollen, der Bestellung eines Unparteiischen zuzu- stimmen. Wie wir nun erfahren, hat die Ortsverwaltung Berlin des Hansabundes beschlossen, den streitenden Parteien ihre Dienste anzubieten. Es sollen auch bereits Schritte unternommen worden sein, um die maßgebenden, Persönlichkeiten auf Arbeit geberseite für eine anderweitige Stellungnahme gegenüber ihren Angestellten zu gewinnen. Auf den Erfolg dieser Bemühungen wird man gespannt sein dürfen. Die Tarifbewegung in der Geschäftsbuchbranche war in ihrem Ausgang von der bürgerlichen Fachpresse im Buch- bindergciverbe und den Organen der Scharfmachcrvcrbände als ein voller Erfolg der Unternehmer hingestellt worden. Selbst die „Wcrkmeisterzcitung", das Organ des WerkineisterverbandeS für das Buchbindergcwcrbe— eine Organisation, die stets vorgibt, die gleichen Interessen wie die Arbeiterverbände zu verfolgen— ging hier mit den Schorsmacherorganen konform. Insbesondere ist es der viertägige Streik, der als ein„gewissenloses Unterfangen der Organisationsleitung" hingestellt wurde. Am Donnerstag beschäftigte sich nun die Arbeiterschaft dieser Branche mit dem neuen Tarisvertrage, der erst in den letzten Tagen druck fertig geworden ist. Betrachtet man nun vorurteilslos den materiellen Erfolg, den der neue Vertragsabschluß den Arbeitern brachte, so muß er als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Die Arbeitszeit hat eine sofortige Herabsetzung von 5t auf b3>/z Stunden erfahren und vom i. Januar ab wird dieselbe nur 63 Stunden betragen. Da aber in der Branche die englische Tischzeill üblich ist, so sind die Unternehmer infolge des neuen, TarifeS sogar gehalten nur. 52 Stunden arbeiten zu lassen. Die Löhne in der Branche standen immer noch um einige Pfennige pro Stunde hinter denen in den Buchbindereien zurück; jetzt sind diese überholt worden. Die in der Branche be schäfligten 137 Zeitlohnarbeiter haben eine Lohnerhöhung von durch' schnittlich 2 M. pro Woche erhalten. Im Jahre 1913 tritt eine aber- malige Erhöhung der Löhne ein. Bezüglich der Akkordarbeiter läßt sich der Erfolg noch nicht in Zahlen ausdrücken, da die Revisionen der Werkstuben-Akkordtarife. die bis zum 1. November beendet sein muß.'noch im Gange sind. Insbesondere ist gerade durch den Streik eine Besserstellung der Spezialgruppe der Liniierer erfolgt, indem diese, was vordem nicht der Fall war, die für Spezialarbeiter festgesetzten höheren Löhne erhalten. Desgleichen sind eine Reihe anderer Verbesserungen gerade auf das Konto des Streiks zu setzen. Diese docki immerhin beträchtlichen Lohnsteigerungen würden die GeschäftSbücherfabrikanten nie betvilligt haben, wenn nicht die Arbeiterschaft der Verlegung des Ablaufstermins vom 30. September aus den 31. Dezember den allergrößten Widerstand entgegengesetzt hätte. Dieser Umstand war eS allerdings, der den Streik vornehm- lich veranlaßt hatte, und die Unternehmer zwang, sich unter die schützenden Fittiche des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzcr zu flüchten. Wäre arbeitgeberseitig die Vereinigung der Buchbinderei- besitzer des Gcschäftsbücherfaches der Träger der Tarifgemeinschaft geblieben, so wäre an dem alten Ablaufslermin unier allen Umständen sestgehalten worden, weil sonst die Arbeiterschaft für die Zukunft der Macht der Arbeitgeber ausgeliefert worden wäre. Anders ist es jetzt, wo der Verein Berliner Buchdruckerei- besitzer der Träger der Vertragsgemeinschaft ist und ein gemein- samer Bertrag für die Buchbindereipersouale in den Buchdruckereien und den Geschäftsbücherfabriken in Geltung gekommen ist. Da konnte dem Verlangen der Arbeitgeber auf Verlegung des Ablaufs termins stattgegeben werden, ohne daß der Buchbinder- verband eine Einbuße seines Einflusses auf die zukünftige Gestaltung der Lohnverhältnisse erlitt. Aber die Verhält-, nisse im Unternehmerlager, die das ermöglichten, sind ja gerade erst infolge des Streiks herbeigeführt worden. Diese Aus- führungen des Branchenleiters Klar wurden von der Versammlung beifällig aufgenommen, und es zeigte sich, daß nun auch die Arbeiter- schaff, die bekanntlich mit dem Ausgang der Bewegung keineswegs zufrieden war, die neue Situation begriffen und den Wert des Tarif Vertrags richtiger einzuschätzen gelernt hat. Die Versammlung nahm dann die Wahl der Vertreter für den Schlichtungsausschuß vor, aus der Goldapfel, Teut scher und Wagner als Vertreter und Czerny, Keese und Sauerteig als Ersatzmänner hervor- gingen._ Tarifabschluh im Gastwirtsgewerbe. Zwischen dem Verband der Gastwirtsgehilfen und dem Inhaber der Prachtsäle„Alt-Berlin" Herrn O. Baatz, Blumenstr. 10, ist durch die Bermittelung der Gewerkschaftskommission ein für beide Teile befriedigendes Abkommen getroffen worden. Zu der in der Nr. 242 des„Vorwärts" angegebenen Notiz über ungenügende Beköstigung sei hier bemerkt, daß sich diese Angaben nicht auf die Jetztzeit, sondern auf frühere Zeit beziehen. Zwischen den Parteien wird ein Tarif abgeschlossen._ Deutfcheg Reich. Die Aussperrung der organisierten Tabakarbeiter im West- fälisch-Lippeschen Industriegebiet dauert unver- ändert fort. Insgesamt sind über 8200 Arbeiter, die dem Tabak- arbeitervcrband, dem Verband der Zigarrcnsyrtierer und Kisten- bekleber Teutschlands, dem Holzarbeiterverband und dem christlichen Tabakarbeiterverband angehören, ausgesperrt. Viele mitarbeitende Nichtorganisierte Frauen der Ausgesperrten und ein Teil nicht- organisierter Zigarrenarbeiter schlössen sich den Ausgesperrten an, so daß die Zahl der an der Aussperrung Beteiligten zurzeit LOOO beträgt. Mit dem Schluß dieser Woche werden noch mehr als 500 Arbeiter, die ihr Arbeitsverhältnis selbst kündigten, um Solidarität zu üben oder gekündigt wurden, weil sie sich den Or- ganisationcn anschlössen, die Arbeit niederlegen. Die von der ein- gesetzten Neuncrkommission eingeleiteten Verhandlungen sind unterbrochen, da der Vorstand des westfälischen Zigarrenfabrikanten- Verbandes es ablehnt, weiter zu verhandeln, solange diejenigen jLusgesvcrrlen, die angeblich die Arbeit einstellten ohne Einhaltung ?er Kündigung, die Arbeit nicht tvieder aufnehmen. Die Leitung der Ausgesperrten hat sich bereit erklärt, im Sinne dieses Ver- langens zu wirken unter der selbstverständlichen Bedingung, daß der Vorstand des westfälischen Zigarrenfabrikantenverbandes die Verpflichtung übernimmt, auch seinerseits dahin zu wirken, daß diejenigen Firmen, die einen Teil ihrer Arbeiter ohne Einhaltung der Kündigung auf die Straße setzten, diese Entlassungen zurück- nehmen und die Gewähr bieten, daß keine Auslese bei Wiederein- stellunz dieser Arbeiter vorgenommen wird. Die Ausgesperrten sehen mit Ruhe und Entschlossenheit allen Maßnahmen der Zigarrcnfabrikanten entgegen. Die in den vielen übrigen, dem Unteonehmerverband nicht angehörenden Zigarren- fabriken beschäftigten organisierten Tabakarbeiter arbeiten weiter. Tabakarbeitcr aller Orte, übt Solidarität, meidet streng das West- fälische Zigarrcnindustriegebietl In Hamburg beschloß eine vom Tabakarbeiterverband einberufene Versammlung in Hamburg, Altona und Bremen von nächster Woche ab die Arbeit ruhen zu lassen, wenn nicht bis Sonnabend der Kampf in Westfalen und Lippe eine be- friedigende Beilegung erfahren hat. Zum Kampf in der Dresdener Schokoladen- und Zuckcrwarenindustrie. Die Hoffnung der Unternehmer, daß am Montag besonders die Arbeiterinnen in großer Zahl reuevoll in die süßen Zwangsanstalten zurückkehren würden, sind gänzlich zuschanden geworden— das bewies die Versammlung der Streikenden am selben Tage, in der von allen Seiten konstatiert wurde, daß der Abfall aus den Reihen der Streikenden nur ein ganz geringer sei. Dafür werben aber einzelne Fabrikanten mit Hochdruck in den Kreisblättern Arbeitswillige, und es sammelt sich in der Tat besonders aus Thüringen, Provinz Sachsen, Schlesien und Böhmen eine Kolonne unsauberer Subjekts an. die hier Schokolade- und Leckerbissen unter Leitung einiger Ab- teilungsleiter herstellen sollen. Die Streikleitung ersucht, überall die Arbeitsnachweise und-Vermittler streng zu beobachten I In den letzten Tagen wurde wieder mit vier mittleren Firmen verhandelt sScim, Lippold, Kynast und Königs Nachfolger), die zu- sammen 276 Leute beschäftigen. ES wurden dort teils Einigungen erzielt oder sie stehen in bestimmter Aussicht. Es werden dann neun Betriebe mit 1478 Personen geregelt sein und noch 2582 Arbeiter und Arbeiterinnen im Streik stehen. Von allen anderen Firmen setzt Hartwig u. Vogel A.-G. einer gemeinsamen Verständigung den größten Widerstand entgegen und provoziert die Streikenden am meisten. Am letzten Freitag, als der rückständige Lohn an diese ausgezahlt werden sollte, hingen im Betriebe Plakate aus, in denen es hieß: „Lohnzahlung erfolgt nur an Personen unter 18 Jahren so- wie an diejenigen, deren vierzehnrägige Probezeit noch nicht ab- gelaufen war." Die Arbeiter sollen also erst ihr wohlverdientes Geld heraus klagen. So behandelt man die Arbeiterschaft, deren Kundschaft man auf der anderen Seite mit heißem Bemühen sucht. In einem Schreiben der Firma an die Herren Vertreter und Reisenden sagte sie u. a.: „Wir legen besonderen Wert auf die Gewinnung neuer Ab- nehmer aus der großen Zahl der Beamten-, Fabrik- und Arbeiter- konsumvereWe... Die Konsumvereine sind durchweg angenehme Abnehmer, selbst bei großem Bedarfe zahlen sie gute Preise und regulieren prompt." Die Konsumvereine sind also durchweg angenehme Abnehmer, selbst bei großem Bedarf zahlen sie gute Preise und regulieren prompt I Nur Hartwig u. Vogel selber zahlen trotz großen Bedarfs an Arbeitskrästen keine guten Arbeitslöhne. Mit den Konsumenten- organisationen möglichst gute Geschäfte machen und diese selben Konsumenten in der Fabrik schlecht entlohnen, das wird auf die Dauer wohl kaum gehen. Darauf kann sich die Betriebsleitung verlassen I Besonders hinweisen wollen wir auch noch, daß Hartwig u. Vogel in fast allen Gewerkschaftshäusern ihre bekannten Prunk- automaten aufgestellt haben— auch dadurch beweist die Firma, daß die organisierten Arbeiter angenehme Abnehmer sind. Es gehört ein großer Teil— sagen wir Unbefangenheit dazu, zu glauben, die Arbeiterschaft werde sich auf die Dauer vollständig nach Willkür bei Hartwig u. Vogel ausbeuten lassen und obendrein durch ihre wirtschaftlichen Organisationen der Firma reiche Gewinne in den Schoß werfen._ Teuerungszulagen für städtische Arbeiter in Fürth i.B. In der Magistratssitzung vom 26. Oktober wurde beschlossen, den Arbeitern-aus die Zeit vom 1. Oktober 1911 bis 31. März 1912 folgende Teuertiugszulagen zu gewähren: Ledigen Arbeitern und verheirateten Arbeitern ohne Kinder 20 M., verheirateten Arbeitern mit 1—2 Kindern 40 M., mit 3—4 Kindern 50 M. und mit 5 und mehr Kindern 60 M. Die Zulage wird in zwei Raten ausgezahlt, und zwar die erste kurz vor Weihnachten und die zweite Mitte März. ftusland. Ein neuer Eiscnbahnerstreik? London, 24. Oktober 1911. Der Bericht der Eisenbahnkommtssron hat unter den Eisen- bahnern große Entrüstung hervorgerufen. An vielen Orten im Land? haben sie schon Massenversammlungen abgehalten. Ter Bericht wird als gänzlich unannehmbar zurückgewiesen und die Vorstände der Gewerkschaften werden aufgefordert, sofort Schritte zu tun, um die Anerkennung der Gewertschaften und die Durch- führung des nationalen Programms zu erzwingen. Man verlangt, daß den Gesellschaften ein Ultimatum gestellt werde, nach dem wiederum, sollten sich die Eisenbahngesellschasten weigern, die Forderungen ihrer Angestellten zu bewilligen, innerhalb 24 Stunden der Generalstreik erklärt werden soll. Tie Vorstände der Gewerk- schaffen werden nächsten Montag in London zusammenkommen, um den Bericht»der Kommission zu beraten und zu beschließen, was unter den Umständen zu tun ist. Was das nationale Programm der Eisenbahner anlangt, das in der Krise des Jahres 1907 den Kernpunkt des Streites bildete und das auch heute noch in keiner Weise trotz der Einigungsämter seiner Verwirklichung näher gebracht worden ist, so besteht es aus folgenden Forderungen: 1. Ein achtstündiger Arbeitstag für alle unmittelbar mit dem Transport beschäftigten Arbeiter; ein zehn- ständiger Maximalarbeitstag für alle anderen Arbeiter, außer Schienenlegern; jeder Arbeiter darf nur einmal jeden Tag zur Arbeit"abberufen werden. 2. Eine neunstündige Ruhepause zwischen zwei Schichten. 3. Jeder Tag muß für sich gerechnet werden; Ueberjtunden müssen mit fünf Vierteln des Lohnes be- zahlt werden. 4. Besondere Berechnung der Sonntagsarbeit, zu der auch die Llrbcit am Wcihnachtstage und am Karfreitag zu rechnen ist; für Sonntagsarbcit ist das Anderthalbfache des Lohnes zu zahlen. 5. Jedem sest angestellten Arbeiter muß ein voller Wochenlohn garantiert werden, wobei die Sonntagsarbeit nicht in Betracht gezogen werden darf. 6. Eine sofortige Lohnambesserung von 2 Schillingen die Woche für alle Arbeiter, die nicht wen Acht- stundentag fordern(d. h. für alle Eisenbahner, außer den Loko- motivführern, Heizern, Zugführern, Rangierern und Bahnwärtern lSignalmännern); der Minimallohn der Arbeiter in London muß für alle Arbeiterklassen um 3 Schilling die Woche höher sein als im den Provinzen. 7. Das auf elektrischen Bahnen übliche System, nach dem nur ein Mann den Motor bedient, muß abgeschafft werden. Die Agitation für diese Forderungen hat nie geruht. Bei dem Generalstreik im August wurde das Programm durch die Frage der Anerkennung der Gewerkschaften etwas verdunkelt. Dadurch, daß die Eisenbahner die Vorschläge der Kommission abgelehnt haben, ist die Regierung in eine eigenartige Lage ge- kommen. Am Tage nach der Beendigung des Streiks veröffentlichte die Regierung außer dem Wortlaut des Friedensschlusses noch ein Begleitschreiben, das folgenden Satz enthielt:„Beide Parteien haben die Versicherung gegeben, daß sie die Beschlüsse der Kom- Mission annehmen werden." Die Gewerkschastsbcamtcn erklären rtUK m'l! Bestimmtheit, daß sie keinerlei Versicherung dieser Ar! gegeben haben. In dem Manifest, das das Streikkomitee nach Beendigung des Kampfes veröffentlichte, heißt es:„Es ist wichtig, im Auge zu be- halten, daß sich die Eisenbahngesellschaften schriftlich verpflichtet haben, die Beschlüsse der Kommission anzuerkennen, selbst wenn diese die Anerkennung der Gewerkschaften beschließt." Von einer ähnlichen Verpflichtung der Gewerkschaften ist nicht die Rede. Wie kommt nun die Regierung dazu, das Gegenteil zu behaupten? Genosse K e i r H a r d i e hat in einer Flugschrift über den General- streik der Eisenbahner erklärt, daß die Regierung den Gewerk- schaftsbeamten die Zusicherung gegeben habe, sie werde die Kom- Mission schon so besetzen, daß diese sich unbedingt für die An- erkennung der Gewerkschaften aussprechen werde. Daß etwas AeHnlicheS stattgefunden habe, glaubte mau nach der Beendigung des Streiks in Arbeiterkreiscn allgemein. Die ganze Sache gibt viel zu denken. Hat die Regierung den Eisenbahndircktoren andere Versicherungen gegeben? Wie kamen die Direktoren dazu, sich schriftlich zu binden, und wer hat der Regierung die Ver- sichcrung gegeben, daß die Gewerkschaften die Beschlüsse der Kom- Mission unter allen Umständen anerkennen tvürdcn? In dem von dem Streikkomitee nach dem Kampfe heraus- gegebenen Manifest heißt eS:„Die Vorsicht gebietet, daß wir bereit bleiben müssen, den Kampf wieder aufzunehmen, sollten es die Ilmstände nötig machen." Nach den von allen Landestcilen einlaufenden Berichten scheint es, daß die Eisenbahner die Wieder- aufnähme des Kampfes für nötig halten. eine neue ftieikrlage des Zentrums. Konstanz, 27. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Bei der heutigen Reichstagsstichwahl im ersten badische» Wahlkreis erhielt Gärtner Schmitz(liberaler Block) 15114 Stimmen, Landgerichtsdirektor Freiherr von R u e p p l i n(Zentrum) 14 045 Stimmen. Schmitz i st s o ni i t g e>v ä h l t. Bei der am 19. Oktober stattgcfundenen Hauptwahl erhielten das Zentrum 13 410, die Liberalen 11234 und die Sozialdeniokraten 3904 Stimmen. Die sozialdemokratischen Wähler sind demnach r e st l o s für den liberalen Blockkandidaten eingetreten. Manchem wird die Entscheidung nicht leicht gefallen sein, aber das Gebot der Stunde lautet: Nieder mit den reaktiv- närcn schwarzblauen Volksverrätern! So hat auch bei dieser Nachwahl das Zentrum die ge- biihrcndc Antwort für seine heuchlerische Politik erhalten. Mit Riesenschritten geht es abwärts mit den„schwarzen Volksbeglückern" und selbst das wüste Feldgeschrei von der in Gefahr schwebenden Religion verfängt nicht mehr. Das Volk übt Vergeltung! letzte IVachricbtcn« Reichstagsersatzwahl in Ratibor. Ratibor, 27. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Im 1. schlesischen Wahlkreise Ratibor fand heute die Nachwahl für den im Sommer verstorbenen Zentrumsabgcordneten Domherrn Frank statt. Es er- hielten Grundbesitzer Stadtrat Sapletta(Zentrum) 7897, Pfarrer B a n a s(Pole) 4773, Landschaftssyndikus Regie- rungsrat Ad. Lü d k e(Reichspartei) 3265, Gewerkschafts- sekretär Schwöb(Sozialdemokrat) 1609 Stimmen. Somit findet Stichwahl zwischen Eoapletta und Banas statt. Ter Wahlkreis galt seit langem als absolut sichere Do- mäne des Zentrums. Während im Jahre 1903 das Zentrum noch mit 5900 Stimmen Mehrheit siegte, schrumpfte diese Majorität im Jahre 1907 auf zirka 500 Stimmen zusammen und bei der heutigen Wahl fehlen dem Zentrum an der absoluten Mehrheit rund 900 Stimmen. Dagegen war die Stimmenzahl der Reichspartei 1907 um 1000, der Sozialdemokratie um 500 und der Polen gar um 2100 gewachsen. 1907 wurden abgegeben für den Zentrumskandidaten 11411, für den Rcichsparteiler 5105, für den Polen 4591 und für den Sozialdemokraten 1294 Stimmen. Nach einem neueren Telegramm erhielten von 182 57 abge- gebencn Stimmen Grundbesitzer S a p l e t t a- Ratibor(Zentrum) 8675, Pfarrer B a n a s- Lubowitz(Pole) 4341, Luedke, Regie- rungsrat a. D., Raffbor(Reichspartei), 3445, Gewerkscha.ftssekre1är S ch w o b- Kaffvwitz(Sozialdemokrat) 1793 Stimmen. Zerspliffert sind 3 Stimmen. Ein Wahlbezirk steht noch aus. Tie französische Regierung will nichts wissen. Paris, 27. Oktober. tW. T. B.) In bezug auf die von dem holländischen Sozialisten Troelstra vorgebrachte Behauptung, daß sich zw-«i europäische Mächte während der jüngsten Krisis zur Beschwörung der Kriegsgefahr an das Internationale sozialistische Bureau gewandt hätten, meldet der„Temps": Man crtläre m den osfizicllen Kreisen Frankreichs, das« von diesem an- geblichen Schritt durchaus nichts bekannt sei. Tie Revolution in China. Mulden, 27. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die A b s e n d u n g von Truppen, Waffen und Munition nach dem Süden dauert fort. Gestern wurden 200 Patroncnkistcn und 150 Artillcriegeschosse sowie mehrere Berggeschütze abgesandt. Der Gcncralgouverneur hat auf das strengste die Ausfuhr von Silber verboten. Im Zusammenhang damit fand gestern am Stadttore ein Zusammenstoß zwischen chinesischer Polizei und Japanern statt, die für 40 000 Dollar Silber ausführen wollten. Ein Japaner wurde dabei ernstlich verwundet. die übrigen wurden verhaftet, jedoch auf Verlangen des japanischen Konsuls wieder freigelassen- Schreckenstat eines wahnsinnigen Mädchens. Trohes, 27. Oktober.(B. H.) In einem Anfalle von Wahn- sinn durchschnitt ein 16jähriges Mädchen ihrem sechsjährigen Brüderchen die Gurgel, brachte der dazwischenspringenden Mutter schwere Verletzungen bei und tötete sich dann selbst durch mehrere Stiche in die Brust. Tie Stahltrnstafsäre. New York, 27. Oktober.(B. H.) Die Klage aüf Auflösung des Stahltriists, die sich auf die Shermanakte stützt, ist gegen 37 Gesellschaften und 23 Einzelpersonen gerichtet. Die erste Verstand- lung wird zu Anfang des Dezember erwartet. Die Ergeb- nisse der Untersuchung werden einen Teil der Klage begründen. Die Klage behauptet, der Stahltrust unterhalte direkte Verbindungen mit allen großen Eisenbahnen und Dainpfcrlinien, dem Oeltrust und anderen Unternehmungen, wodurch er den Verkehr und Handel beherrsche. Im allgemeinen scheint das Vorgehen noch nicht er, wartet gewesen zu sein. Derantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th.Glocke, Berlin. Truck U.Verlag: VorwärtsBuchdr u Vcrtagsanstalt'xaulSlngerL Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«.llnterhaltungsbl. Dr. 253. 28. ZchMg. 1. Kilye des Jnniiitts" Serlim Bollislilstt. Soilnabend, 28. Oktober 1911. Reichstag ISS. Sitzung vom Freitag, den 27. Oktober, mittags 12 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück, �b. Schorlemer. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Interpellationen über die Maul- und Klauenseuche. Die Interpellation des Zentrums begründet Abg. Steindl (Z.)- Zu der großen Dürre ist in diesem Jahre auch noch das Ge- spenst der Maul- und Klauenseuche gekommen. Die Erhebungen des Rheinischen Bauernvereins haben nur für einen einzigen Kreis einen direkten Schaden der Seuche in Höhe von 3 380 000 Mk. fest- gestellt.(Hört! hört l) Dazu kommen noch die indirekten Schäden der Sperrmaßregeln. Die Marktsperre trifft den Landwirt bechonders schwer. Auch die Kommunen haben davon großen Schaden. Das Gefährlichste ist dabei die Beschränkung der Milch- zufuhr._ Wenn es so weitergeht, wird anch der jetzige erhöhte Milchpreis nicht ausreichen. Ganz unverständlich ist, daß trotz der Sperr- maßnahmen in den verseuchten Gegenden nochManöver statt- finden. sHörtl hörtl) Ein Landrat hat die Bauern vor dem Besuch der Kirmes und vor Versammlungen gewarnt, sie aber selbst zu einem Wohltätigkeitsfest eingeladen. (Hört I hört I und Heiterkeit links.) Sehr schwer wird die Bevölke- rung von den hohen Strafen wegen Freilassen von Geflügel, Hunden usw. betroffen. Bei der Beratung des Viehseuchengesctzes sind die von dem Zentrum gestellten Anträge vom Bundesrat leider als unannehmbar bezeichnet. Aber ohne E n t s ch ä d i- gung der Besitzer ist eine wirksame Bekämpfung der Seuche nicht möglich. Auch müßten die Kosten der Durchführung des Seuchengesetzes voll von der Allgemeinheit ge- tragen werden. In dieser Richtung liegen auch die sehr beachtenswerten Vorschläge des wirtschaftlichen Ausschusses der bayerischen Kammer. Es wäre auch zu erwägen, ob nicht, wenn in einem Orte mehrere Gehöfte verseucht sind, die Sperr- »naßregeln ausgehoben werden sollen; gewiß werden dann alle Ge- Höfte von der Seuche ergriffen werden, aber in drei Wochen ist dann die Seuche vorüber, und schließlich schützen die Sperrmatzregeln doch nicht vor der Ansteckung. Möge die Regierung alles tun, der Seuche entgegenzutreten; der Dank der Bauern und aller Gewerbetreibenden ist ihr dann gewiß. lBravo! im Zentrum.) Die Interpellation der Fortschrittlichen VollSpartei begründet Abg. Fegtcr(Vp.): Trotz aller Sperrmaßregeln greift die Maul- und Klauenseuche immer weiter um sich. Daß Matzregeln gegen ihre Einschleppung getroffen werden müssen, darin sind alle Landwirte einig; nur über die Art dieser Maßregeln nicht. Gegen die Einschleppuug von Osten könnte man vielleicht daran denken, in einem bestimmten Grenzbezirk eine ständige Beobachtung des gesamten Viehstandes einzusühren; hierzu müßten natürlich nicht nur die Beamten, sondern alle approbierten Tierärzte heran- gezogen werden. � Geschädigt werden in erster Reihe durch die Seuche die Vieh- Züchter und Viehhalter, aber auch alle kleinen Gewerbetreibenden, deren Lkundschaft von den Märkten ausgeschlossen wird; die kleinen Bauern klagen, daß ihnen durch die Spcrrmaßregeln die Ver- Wertung ihrer Produkte erschwert, zum Teil ganz unmöglich gemacht wird. Vor allein wird durch die Maul- und Klauenseuche der kleine und mittlere Landwirt geschädigt, der schon unter der an, haltenden Dürre weit mehr zu leiden hatte als der lörner- bauende Großgrundbesitz, der ja eine ganz gute Ernte erzielt hat, und�der auch vor allem durch die Futtcrmittelzölle getroffen wird. lPräsident Graf Schwerin- Läwitz: Die Futtermittelzölle ge- hören nicht zur Sache.) Die Sperrmaßregeln werden vom grünen Tisch angeordnet und schädigen die Landwirte mehr als die Maul- und Klauenseuche selb st. Wichtig ist. in jedem Falle festzustellen, wie eigentlich die Seuche entsteht. Wenn sie ganz plötzlich auftritt und die Tiere abgeschlachtet werden, muß selbstverständlich volle Entschädigung erfolgen. Zur Erforschung der Art der Krankheit sollten R e i ch s in i t t e l zur Verfügung gestellt werden. Auch die K a I i g e l d e r könnten dazu benutzt werden. (Sehr gut! links. Unruhe rechts.) Es muß endlich dafür gesorgt Rleines fcialleton. Italienische„Kulturstätten". Als die vereinten italienischen Streitkräfte Türken und Araber nach mutiger Gegenwehr aus den afrikanischen Kustenstädten— soweit die Schiffsgcschütze reichten— vertrieben hatten und nicht weiter ins Innere vordringen konnten, erschienen in römischen Zeitungen sogleich Artikel mit fetten und anspruchsvollen Ucberschriften wie:„Jetzt sind wir eine Groß- macht" oder:„Jetzt sind wir ein reifes Volk". Was �es mit dieser „Reife" im eigenen Lande auf sich hat, mußte bcrelts'ganz Europa mit Staunen anläßlich der letzten Cholerakrawallc erfahren. Aber nur wenige Fremde— ja nicht einmal viele Italiener—• die alljährlich die Hauptstadt Italiens aufsuchen, wissen, was ununter- brachen in der allernächsten Nähe Roms vor sich geht, und worum sich weder Regierung noch Kirche kümmert. Nur selten gewinnt jemand Einblick in die„Kulturstätten" der römischen Cam- pagna, über deren öde Strecken der Blick hinwegstrcift, als gäbe es dort nichts als Gras und einige Ruinen. Wirklich, es gibt auch nichts weiter— außer Menschen, wenn man sie so nennen darf. Menschen, die von Lesen und Schreiben- nichts wissen. Enterbte der Zivilisation, die von reichen Pächtern wie Sklaven gehalten werden und in Höhlen und schutzlosen Strohhütten ein tierisches Dasein in tochmutz und Malariafieber führen. Erst neuerdings sind ihnen Sonntagsschulen von unbesoldeten menschenfreundlichen Lehrern eingerichtet worden, zu denen alt und jung herbeieilt, um einige kleine Brocken vom Tische der menschlichen Kultur zu erhaschen. So sieht es anno 1911 aus, dicht bei Rom, bei der ewigen Stadt, der Wiege europäischer Kultur, der Hauptstadt der Tripolissieger, die den Nordafrikanern den„Segen der Kultur" bringen. Sie wissen nichts von der meilenweiten Lede der römischen Campagna, wollen offenbar nichts von ihr wissen. Ein Komitee röiiilschcr Frauen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, malarialranke Kinder in Rocca di Papa zur Sommerfrische aufzunehmen und ihnen hier alle erdenkliche Sorgfalt und Pflege angcdeihcn zu lassen. Nachdem die Kleinen gesund, frisch und sauber in ihre Heimat zurückgeführt waren, entschlossen sich die Vertreter des Komitees, einmal selbst nach ihren Lieblingen zu sehen und fuhren nach Terracina ab, um von dort aus in jene seltsamen„Kulturstätten" vorzudringen. Die edlen Damen waren aufs äußerste entsetzt, diese in so gutem Zu- stand abgereisten Kinder halbnackt im Schmutz herumhocken zu sehen und alle wieder leidend zu finden. Sic traten in dunkle Erdhöhlen ein, wo ganze Familien zusammen in einem ungeteilten Räume hausten: Eltern, Brüder, Schwestern, alle miteinander unter sumpfigem Erdboden frierend. Diese unglücklichen Familien, wie wandelnde Leichen anzusehen, nähren sich lediglich von Brot und Kräutern und haben kein anderes Wasser zu trinken, als das der Sümpfe. Sie leben wie die Tiere ohne Unterricht, ohne jede mensch- liche Hilfe. Sic suchen nichts anderes, und niemand kümmert sich um sie. So viele Familien können dort solch ein Leben, schlimmer als Tiere, schlimmer als Wilde führen, und ein kleines Komitee italienischer Frauen mußte sich auf den trostlosen Weg machen, um dem nahen Rom davon Kunde zu bringen.... Neue Versuche der Brüder Wright. Bei den neuen Versuchen der Brüder Wright, die das Problem cinpr automatischen Regelung des Gleichgewichtes bei Flugzeugen zu lösen trachten, ist Orville Wright jetzt mit knapper Not dem Tode entgangen. Er versuchte, werden, daß nicht immer wieder diese Seuche von Osten her das Land überfällt.(Bravo! links.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Maul- und Klauenseuche ist für die Regierung seit langer Zeit Gegenstand ernster Sorge und Aufmerksamkeit. Die Dürre dieses Sominers hat die Schwierigkeiten noch verschärft, die uns aus dieser Seuche erwachsen. Ich bin in unausgesetztein Verkehr mit den Regierungen geblieben, um Er- leichterungeu auf diesem Gebiete zu schaffen. Dabei hat sich heraus- gestellt, daß auf lokale Bedürfnisse Rücksicht ge- n o m m e n werden muß. Das neue Viehseuchengefetz wird jedenfalls am 1. April 1912 in Kraft treten und damit fallen ver- schiedene Mängel der jetzigen Bestimmungen fort. Auch sollen die bisherigen Erfahrungen bei den neuen Ausiührungsbestimmungeii noch berücksichtigt werden. Im August hatte die Seuche mit 35 297 verseuchten Gehöften ihren Höhepunkt erlangt. Die bisherige BekämpfungSmethode hat sich diesmal insofern nicht bewährt als es nicht gelungen ist, sie sofort nach ihrem Austreten zu lokalisieren. Abgesehen von England ist die Seuche in allen anderen Ländern viel schwerer auf- getreten als bei uns. Die Vorredner haben auf die Notwendigkeit der Ent- s ch ä d i g u n g der Besitzer hingclvicseu, deren Vieh von der Seuche ergriffen ist und denen durch die Durchführung der vom Gesetz ge- forderten Maßnahmen Kosten erwachsen. Ich verweise dem gegen- über darauf, wie schwer es gewesen ist, bei der Beratung des Seuchengesetzes zwischen den Forderungen des Reichstages und den Anschauungen der Verbündeten Regierungen das Gesetz zustande zu bringen. Tatsächlich ist die Entschädigung in dem neuen Gesetz eine viel weitergehende, als nach dem früheren Gesetz. Darüber hinauszugehen, erscheint n i ch t a n g ä n g i g. Einer der Vorredner nannte als Schäden für einen einzigen Kreis eine Zahl von mehr als drei Millionen Mark. Demgegen- über ist in einer freilich privaten Arbeit die Schädigung für das gesamte Königreich Bayern auf nur 228 202 M. berechnet. Das be- weist, wie unsicher solche Schätzungen sind. Wir haben um so weniger VeranlasGing, die Entschädigungen nicht den Einzelstaaten zu über- lassen, aß Preußen in dem Einführungsgesetz über die vom Reich festgesetzten Entschädigungen hinausgegangen ist.— Weiter wurde angeregt, das Reich solle Mittel zur Erforschung der Maul- und Klauenseuche bereitstellen. Ich meine, wir sollen daS Ergebnis der Untersuchungen abwarten, die von Preußen in dem eigens dazu errilbteten Institut auf der Insel Biems bei Rügen unter Leitung des Professors Löffler vorgenommen werden. Erst dadurch werden die Grundlagen für weitere Untersuchungen ge- schaffen werden. Auf Antrag des Abg. Frhrn. v. Hertli'ng(Z.) wird in die Besprechung der Interpellationen eingetreten. Abg. Dr. Hahn(k.): Die Gefahr der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche ist ganz außerordentlich groß. Mit dem Inhalt einer Blase auf der Zunge eines erkrankten Ochsen können bOOO andere Ochsen angesteckt werden. Ein großer Fortschritt in der Be- lämpfnngsmethode ist die Dezentralisation in der Bekämpfung. Aber noch immer sind die Bezirke viel zu groß. Landrat und Tierarzt müssen Hand in Hand arbeiten. Gezeigt hat sich hier wieder, daß der Schutz gegen Einschleppung der Seuche aus dem Ausland viel zu gering ist.(Sehr richtig! rechts.) Warnen möchte ich die Landwirte vor dem vielfach üblichen Durchseuchen ganzer Ställe, sobald die Seuche auftritt, denn es sind doch eine ganze Reihe von Todesfällen an Maul- und Klauenseuche vor- gekommmen. Das neue Viehseuchengefetz bringt eine Reihe von Verbesserungen in der Bekämpfung der Seuche. Die Be- hauptung des Herrn Wachhorst de Wente im Lande, daß er und seine Freunde bei der Beratung dieses Gesetzes mehr für die Landwirte getan hätten als Herr Dr. R ö s i ck e, entbehrt jeder Be- gründung. Der Schwerpunkt der Bekämpfung der Seuche muß an die Grenze verlegt werden. Den durch die Klauenseuche geschädigten kleinen Landwirten sollten Summen kreditiert werden, die sie später mit Zinsen zurückzuzahlen hätten, damit sie ihr Vieh durchhalten können. Zum Schluß noch ein Wort darüber, wie die Sozial- demokratie über Seuchen und Seuchengefahr denkt. In ihrem Flugblatt über die Teuerung spricht sie von der mit seinem motorlosen Flugzeug einen Gleitflug, die Maschine geriet in eine Windkreuzung, legte sich auf die Seite und drohte zu kentern. Zum Glück gelang es dem Flieger, rasch auf die nach oben gerichtete Seite des Flugzeuges zu klettern, so daß er bei dem Absturz mit einer heftigen Erschütterung davonkam. Die Stabiii- sierungsversuche der beiden Brüder erregen in Amerika großes Aufsehen, und die wunderlichsten Nachrichten werden verbreitet. Demgegenüber erklären die Brüder nun. daß sie nie behauptet haben, das Fliegen vollkommen sicher und gefahrlos machen zu können.' Heute muß der Aviatiker das Fliegen mit derselben Mühe erlernen wie etlva ein gewöhnlicher Mensch das Schlittschuhlaufen: er muß sich in der Kunst des Gleichgewichtes üben. Die neuen Ver- suche der Wrights zielen darauf ab, diese Schwierigkeiten zu ver- ringern. Eines der Experimente versucht ein Pendelgewicht für die automatische Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes aus- zunutzen, um damit die schwerste Gefahr für die Flugkunst, das plötzliche Hereinbrechen böiger Windstöße, zu vermindern. Dieses Pcndelgewicht hängt unterhalb des Flugzeuges in der Lust, wäh- rend es oben durch zwei Seile an den beiden Flügelflächen befeiiigt ist. Aber im Gegensatz zu den in den letzten Tagen verbreiieien Meldungen über eine neue Wrighlsche Erfindung muß festgestellt werden, daß die Versuche bisher keineswegs vollkommen ge- gluckt sind. Der perfekte Chinese. Einen Führer durch die chinesische Revolution veröffentlicht der„Figaro", um seinen Lesern die Ueber- setzuna chinesischer Städte-, Fluß- und GebirgSnamen, sowie anderer Chincsereien zu erleichtern. Hier einige Proben auS dem kleinen Handlexikon: King— Hauptstadt; Fu— Hauptstadt einer Provinz; Tschu— Stadt zweiten Ranges: Kien— Stadt dritten Ranges; Kiang � Fluß; Ho— Wajierlauf; Hai=- Meer oder See; Tao ---Insel; Shan— Berg; Ling— Hügel; Kuan— befestigter Platz: Tschai— Truppen im Lager; Wei— Lager; Men — Schranke; Ta groß; Siao— klein; Pei— Norden; Nan - Süden; Si— Westen; Shang— höher; Pai— weiß; Hei schwarz; Jang= blau. Nan-king heißt also die Hauptstadt des Südens und Pei-king oder Peking die Hausptstadt des Nordens. Was die beiden Ausdrücke„Wai-wu>pu" und„Tu-schi-pu" angebt, so bedeuten sie Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und Finanzministerium. Musik. Das Mädel von Montmartre", für Berlin zuerst auf- geführt im Neuen Theater am Tonnerstag, nennt iich Baude- villc-Opercttc. Gerade sehr triftig ist die Ausrede nicht: von einem Liedcrspicl, das in seiner französischen Form„Vaudeville" heißt, findet sich gar zu wenig.„Posse" würde schon treffender sein; aber dafür ist wieder der Faden des Inhaltes gar zu dünn und der mittlere Akt zu schleppend, zu wenig pointiert. Bleibt ein Häuflein lustiger Situationen und Einzelcfsckte(die bekanntlich schon den Stoff zur„Madame von Maxim" lieferten). Aufgebaut sind fie darauf, daß ein halb lebcmännischcr Philister in alkoholiger Be- wußtlosigkcit eine geriebene Pariser Tänzerin heimbringt, fie vor seiner Frau verstecken, aber st- doch als seine Frau ausgeben mutz. Im Vereine mit einer Schar von Verwandten und Verliebten kommt das Paar in die Provinz, und dort macht Crevctte, das Montmartrc-Mädel, die soliden Leute so toll, daß sie alle ihr den Sperre, durch die auch die Einfuhr des gesundesten Viehs unmöglich gemacht werde, damit die Agrarier unbekümmert um jede Konkurrenz die Preftd in die Höhe schranben können. Zu meiner Freude macht sie nicht nur uns, sondern auch die Regierung dawr verantwortlich; ausdrücklich wird von„den volksfeindtichen, bolk-- verräterischen Bestrebungen der bürgerlichen Parteien und der Re- gierung" gesprochen. Ich bitte die Regierung, sich der Tragweite der Bestrebungen dieser Partei»licht zu verschließe» und rechtzeitig auf dem Platze zu sein.(Bravo I rechts. Heiterkeit und ironisches Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Keil(Soz.): Die Frage der Maul- und Klauenseuche ist an sich keine parteipolitische Frage, aber der letzte Redner hat es doch verstanden, im Zusammenhaug damit eine Wahlrede zu halten. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wir baben stets bei allen Maßnahmen»nitgewirkt, die bestimmt waren, die Landwirt- schaft zu schützen. Das hat gestern erst ein Vertreter der agrarischen Mehrheit in diesem Hause offen anerkannt. An der Bekämpfung der Maul- und_ Klauenseuche sind interessiert genau so die Produzenten wie auch die Kön- sumenten, und die Produzenten ohne Unterschied der Betriebs- größe. Herr Hahn glaubte einen ganz neuen Vor- schlag zu machen, wenn er die Gewährung von Darlehen an die durch die Seuche geschädigten kleinen Landwirte anregte. Aber mit dieser Frage hat sich der württembergische Landtag schon lange be- faßt, und einmütig ist vom ganzen Hause, also unter Einschluß der Sozialdemokratie, der Regierung die Unterstützung der kleinen Landwirte auf diesem Wege empfohlen worden.(Hört l hört I b. d. Soz.) Mit den Landwirten leidet die gesamte Volks- Wirtschaft, vor allem auch die Fleischer und die Konsumenten unter diesem Ucbel. Es wird die Fleischversorgung des Volkes da- durch in Frage gestellt. Wenn sich die Nachwirkmigen der Seuche und der Dürre im nächsten Halbjahr zeigen werden, so werden wir Flcischpreise erleben, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen»»erden. Die Seuche»virkt um so schlimmer, da die Seuche»»- gesetzgebung leider dazu mißbraucht wird, die F l e i s ch p reise z u st e i g e r n. In diesem Sinne»varen ja auch die Ausfühnmgen des Vorredners gehalten. Das Fleischbeschau- und das Viehseuchen- gcsetz tragen agrarpolitischen Charakter, sie sind vor allem zu- geschnitten auf die Fcrnhaltung ausländischen Viehes und Fleisches unter allen Uiiiftänden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei dem Viehseuchengefetz kam es den Mchrheitsparteien viel weniger auf die Heilung der kranken Tiere an, als auf die Heilung des Geldbeutels der Agrarier.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der § 7 des Gesetzes bestimmt:„Zum Schutz gegen die Gefahren der Einschleppung oder Uebertragung der Seuche auf Haustiere aus dem Auslande kann die Einführung lebender oder toter Tiere, tierischer Erzeugnisse oder Rohstoffe, soivie von Gegenständen, die Träger von Ansteckungsstoffen sein können, allgemein oder für bestimmte Gegen- stände verboten oder beschränkt werden." Diese Bestimmung ist ge- eignet und dient dem Zweck, alle ckuSländische Zufuhr von Bich oder Fleisch zu unterbinden.(Sehr ivahr! bei den Sozialdemokrackcii.) Die dehnbaren Begriffe, die im Viehseuchengefetz Aufnahme gefunden haben, beweisen dasselbe. � Da ist die Rede von„verdächtige»»" Tiere»». Das sind Tiere, die den Ausbruch einer bestimmten Seuche befürchten lassen. Bei der Maul- und Klauenseuche kann n»aii noch 0—7 Tage nach erkennbarem Ausbruch der Seuche äußerliche An- zeichen der Seuche überhaupt nicht lvahrnehmen. Ist sie aus- gebrpchei», dann besteht auch bereits ein ziemlich ausgedehnter Herd, der die Abgrenzung und Abdämmung außerordentlich schwierig macht. Es heißt in dem Gcsetz, daß»mler„verdächtigen" Tieren solche zu verstehen sind, bei denen sich verdächtige Erschei- »»ungen zwar nicht zeigen, hinsichtlich deren jedoch die V e r m u tung vorliegt, daß sie den Ansteckungsstoff aufgenommen haben.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Anf die bloße Vermutung hii» kann dann die Absperrung erfolgen. Der gegenwärtige Zustand ist ein schlagender Beiveis dafür, daß die Seuche nicht vom Auslande eingeschleppt wird, sondern durch alte Bazillenträger km Inland« Refrain nachsingen:„Hoppla, Vater merkt's ja nicht!" Bis sich endlich mittels des dritten Aktes zusammenfindet, was zusammen- gehört. Mit dem vielberufenen„Zug zum Brettl" hängt anscheinend auch der Umstand zusammen, daß mehr und mehr die zu Besserem fähigen Komponisten Operette machen. Henri Berel» y, von dem diesmal die Riusik stamint, ist»nohl derselbe, den wir von der eigenartigen Pantomime„Die Hand" her kennen. Er schasst sozu- sagen geradeaus, vermeidet Affektation und Sentimentalität, zollt dem trivialen Duett nicht allzuviel und versteht die musikalische Charakteristik sowie die melodramatische Stiininung. Das Ensemble scheint für den vorliegenden Fall zusammen» gestellt, zum Teil dein Neuen Theater entnominen zu sein, unter Leitung des Direktors M o n t i vom Theater des Westens. Manch gutes Bretterspiel gab's. Im Mittelpunkt die Soubrette Fritz» Massary;»»icht so schlecht, wie das viele.Getue mit ihr ver- »nuten läßt. si« Notizen. — Theaterchronik. In den beiden Schiller- Theatern stndet jetzt die Ausgabe neuer Aboniienientshefie für daS zioeite Quartal statt. Die AbonneinentS sind übertragbar und enthalten sechs Eintrittskarten für einen beliebig zu wählenden Wochentag»>» vierzehntägigcm Turnus. Außer diesem an einen be- slimmtön Tag gebu»dei»eil Abonnement wird noch ein freies Abonnc- ment ausgegeben, das gültig ist siir alle Wochentage nnd zum Be- suche beider Theater berechtigt. — Die Winterausstellung der Sezession, die den zeichnenden Künstlern gewidmet ist, wird am 4. November er« öffnet»Verden. Es sollen mich Zeichnungen älterer deutscher Meister (darunter Blechen, Schwind, Fcuerbach, Spitzweg u. a.) gezeigt iverden. Ludwig v. Hosirram» wird eine Kollcktivarlsstcllung bei- steuern. — Siegfried Wagner hat eine nelie Oper vollendet, genannt S ch»v a r z s ch»v a n e n h e l m — Ein Institut für P f l a n z e n z ü ch t u n g soll der Berliner Landivirischafilichen Hochschule angegliedert!»verde»»', falls der Landtag die Mittel bewilligt(»voran kaum zu zivcifeln ist). Es soll darin besonders die Zücknung besserer Getreidesorten erforscht »oerdci», worin uns Schweden längst voran ist. Eine Professur für Vererbungs- und Zuchlungslehre würde damit verbunden werden. — AuS dem politischen Diluvium. Nach Ilmwand- lung Chinas in einen VersastungSstaat, bemerkt der„Figaro", iverden auf der Erde nur drei Staaten ohne Volksvertretung bleiben: Abessynien, Siam und Afghanistan. Der.Figare" vergißt den vierten: Mecklenburg. — Der er st e Kongreß der Indianer. In Kolumbus, Ohio, ist der erste Kongreß der amerikanischen Jpdianer zusammengetreten, der über die Lage der roten Rasse Beratungen abhält und Mittel und Wege finden soll, um die letzten roten Männer vor ihrem Untergang zu bewahren. An dem Kongresse nahmen eine Reihe von Indianern teil, die sich an amerikanischen Hochschulen moderne Bildung angeeignet haben. Der Kongreß hat eine Anzahl von Plänen ausgearbeitet, die darauf abzielen, die Indianer systematisch zum Ackerbau zu erziehen. Ein anderer Plan beziveckt die Heranziehung der Indianer zur technischen Ausbildung, da bisherige Erfahrungeir gezeigt haben, daß die rote» Männer für die technischen Wiffeiischaften ausfallend gut entwickelte Anlagen besitzen. enisteht. Unrichtig ist die Behauptung, daß die Seuche von unseren westlichen Nachbarn her eingeschleppt wird. Am 4. März 191.0 hat Herr Delbrück gegenüber einer ähnlichen Behauptung er- klärt:.Soweit wir haben feststellen können, sehlt jeder Anhalt dafür, daß es sich um eine Einschlcppung aus dem Ausland handelt." lHörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch am 18. Februar d. I. hat der Staatssekretär Delbrück erklärt, die eingehendsten Unter- suchungen haben keinen Anhalt dafür vermuten lassen, dasi die Seuche aus dem Ausland eingesckileppt sei. Trotzdem fordert der Begründer der Zentrumsinterpellation die lückenlose Absperrung der Grenze und Herr Hahn behauptet, der Schutz an der Grenze sei unzuläng- lich. Sehr interessant ist. wie die Seuche nach Württemberg kam. Württemberg war noch vollständig seuchenfrei, als Preußen schon fünf Vierteljahre von ihr ergriffen war. Als sie bei Beginn dieses Jahres auch in Württemberg austrat, er- klärten die Vertreter des Bundes der Landwirte sofort, das sei natürlich durch die stellenweise Grenzöffnung gegen Frankreich der- schuldet. Mini st er Pischek erklärte darauf, der Schlachthof von München— auf dem Umweg über München war die Seuche nach Württemberg gekommen— sei längst von R o r d d e u t s ch l a n d her verseucht worden sHöri! hört l bei den Sozialdeniokraten), bevor die französische Viehzufuhr gestattet werden mußte, weil infolge der Seuche die Viehzufuhr aus Bayern zurückgegangen war! Frankreich sei seit dem Mai 1909 vollständig seucdenfrei.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Talsächlich ist die Seuche in Frankreich auch erst wieder im Februar 1911 ausgebrochen. Trotz dieser amtlichen Feststellung hört das Geschrei über die Einschleppuiig der Seuche von Frankreich her infolge der Grenz- Lffliung, die einige Monate bestand, nicht auf. Alto Frankreich war seuchensrei, Preußen dagegen bereits fünf Vierteljahre verseucht. Frankreich gegenüber bestand die Grenzspeere, zwischen Württemberg und Preußen bestand eine Sperre mcht. Hier eine solche nuszu- richten. wäre zweckmäßiger gewesen. Wir werden überhaupt im Süden von nianchen Annehmlichkeiten betroffen, die von Norden her eingeschleppt werden. Wer, wie der Vorredner, ohne jeden tatsächlichen Beweis immer wieder behaupiet, die Seuche werde von, Westen her eingeschleppt, scheint kein Gefühl dastir zu haben, wie lächerlich er sich macht. Wer immer noch schäriere Absperrung der Grenzen verlangt, muß dazu übergehen, den Spatzen, Schmetterlingen, Mücken und ähnlichem Geflügel die Flügel zu stutzen, damit sie das Fliegen über die Grenze Unterlasten. Im vorliegenden Fall Hai die Seuche im Hinblick auf ihren Ursprung königlich preußischen Charakter und im Hinblick auf ihren Uinsang dcutschnarionalen Charakter. Es klingt tomisch, wenn man immer sagt: Di« Seuche muß aus dem Auslande gekommen sein, woher soll sie sonst gekommen sein. Woher hat sie denn das Ausland, wird die Seuche im Ausland etwa gehegt und gepflegt? (Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Do« Ausland hat genau dasselbe Interesse an dem Schutze seines Viehstandes, wie Deutschland. Selbstverständlich soll nian alle Mittel zur Bekämpfung der Seuche anwenden, die die Wistenichaft an die Hand gibt. Es fehlt aber jeder logische Grund, gerade die Grenzen als Abfpcrrungs- limen anzusehen; absperren soll man die Seuchenherde. Es ist merkwürdig, daß gerade die Herreu, denen in der Absperrung Deutschlands gegen das Ausland angeblich mit Rücksicht auf die Seuchengefahr nicht genug gefcyehen kann, sich gegen die strengen Absperru ngsmaßregeln im Inland wehren. Hier müssen die gegebenen Vorschriften ohne Ansehen der Personen durchgeführt werden. Natürlich muß der Schaden, der dem Einzelnen im Interesse der Gesamtheit'zugefügt wird, eine einiger- t.flkßen ausreichende Entichädigung erfahren, und deshalb sollte da« neue Viehseuchengesetz mindestens im Hinblick auf die Eni- schädigungssragc sobald a l» möglich in Kraft treten. Ilm so rücksichtsloser könnte dann gegen die Landwirte vorgegangen werden, in deren Stallungen die Maul- und Klanenseuche ausge- brachen ist. Das Vorgehen ohne Ansehen der Personen muß freilich noch oft vermißt Werpe». So hat die Strafkammer in Frankfurt a. O. einen Rittergutsbesitzer und A m t s v o r- steh er, den dos Schöffengericht wegen Außerachtlassung von Be- ssimmungen des Seuchengesetze« zu drei Tagen Gefängnis verurteilt hatte, mit 100 Mark Geldstrafe davonkommen lassen, weil bei einem derartig achtbaren Mann(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten) das Gericht sich doch erst grnnd- lich von der Verfehlung überzeugen mützi� Die Behörde kann aber auch sehr rücksichtslos sein in der Mfindung und An- Wendung neuer Mittel zur Bekämpfung der Maul« und Klauenseuche. So hat man Versammlungen und Tanzvergnögungen mit der Begründung verboten, daß dadurch die Maul« und Klauenseuche verbreitet werden könnte. Merkwürdigerweise handelte es sich dabei iininer um sozialdemokratische Versamm- lnngen, bei solchen des Bundes der Landwirte liegt diese Gefahr weniger vor.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Mir scheint. daß gerade die Versammlungen des Bundes der Landwirte und des Zentrums aus rein beruflichen Gründen weit eher für die Verbreitung der Maul- und Klauensetiche geeignet find Wenn man übrigens das Zusammenkommen von Menschen mit Rücksicht aus die Maul- und Klauenseuche unterbinden will, so müßte man schließlich den Verkehr von Familien untereinander verb'ctcn und in den nächsten Monaten das Herumreisen der Führer de« Bunde» der Landwirte, damit sie in der Wahlzeit die Seuche nicht durch ganz Deutschland tragen.(Heilerkeit und Sehr gut!) In den nächsten drei Monaten müßten alle Führer de? Bunde« der Landwirte unter Quarantäne gestellt werden. Die Wirkung ans die Verbreilung der Seuche könnte man ja ab- warten: auf das Wohlbefinden des tünfligen Reichs« tage« und damit auf das Wohl des ganzen deutschen Volkes würde die Wirkung sehr gut sein.(LebhasleS Sehr gut I und Heiter- keit links.)- Mit allen Mitteln, die wirklich zur Ausrottung der Seuche geeignet sind, sind wir einverstanden, aber über die Art dieser Mittel gehen die Meinungen noch sehr weit auseinander. Jeden- falls ist der Glaube an die Wirkung der Absperrung bereits stark ins Wanken gebracht. Wie verträgt sich aber damit die Absper- rung der Grenzen gegenüber der Zufuhr ausländischen Vieh«? Wird der Glaube an die Wirkung der Absperrung im Inland er- sckmttert, so ist die Absperrung gegenüber dem seuchenfreien Aus- iland durch nichts mehr zu begründen, als mit dem wirklich wahren Grunde, die Preise zu steigern zum Nachteil der Konsumenten. Wir wünschen also, daß wissen- schaftlichr und landwirtschaftliche Sachverständige an der Bekämpfung der Seuckfe und namentlich an ihrer Erforschung arbeiten und wir bedauern, daß seither nicht schon mehr aus Reichsmitteln zur Erforschung dieses großen Schädlings geschehen ist. Aber wir pro- testieren dagegen, daß unter dem Vorwand der Seuchengefahr die Fleischnahrung des deutschen Volkes verteuert wird lediglich zum Nutzen der herrschenden agrarischen Klasse. (Lebhaftes Bravo! b. d. Soz.) Landwirtichaftsminister». Schorlemer(muß erst von mehreren Geheimräten herangeholt werden.— Große Heiterkeit) gibt zu- nächst eine �-schichte der Moni- und Klau-ns�uche. Von 1?"*" bis 1909 war die seuche, außer ein paar Grenzprovinzen fast ganz erloschen. Dann aber trat sie wieder auf und begann einen ver- heerenden Zug durck' beinahe ganz Deutschland.— Die preußische Regierung hat vielfach Erleichterungen, zum Beispiel in bczug auf Benutzung des Viehes bei der Ackerbestellung, zugelassen. und zwar keineswegs vorwiegend oder gar ausschließlich zu- gunsten der Großgrundbesitzer.— Immerhin steht«S in Teutschland verhältnismäßig noch günstig im Vergleich mit den meisten Nachbarländern. Betroffen sind etwa 3 Proz. der Gehöfte und 10 Proz. des VieheS. Einen entscheidenden und er- lieblichen Einfluß auf den Viehbestand hat die Scuck« bisher glücklicherweise noch nicht gehabt. Besonder? schlecht steht cS z. B. im Regierungsbezirk Magdeburg, woselbst wegen dcS Rübenbaues usw. besonders viel« Ausnahmen gestattet wurden.— Ich erkenne die Berechtigung vieler Klagen über dix Kpswv durchaus ag, Di« aber nicht imstande, Abhilfe in Aussicht zu stellen, besonders auch keine Uebcrnahme der Kosten über das im preußischen Ausführungsgesetz zum Reichsseuchengesetz vorgesehene Maß heraus.— Auf die Strafen wegen Uebertretungen können wkr nicht verzichten, wenn wir nicht die Bestimmungen wirkungs- los machen wollen. Ich glaube nicht, daß zurzeit eine Aenderung dieser Bestimmungen angängig ist, wenn auch selbstredend alle hier gegebenen, sehr dankenswerten sachkundigen Anregungen sorg- fältige Erwägung finden werden.— Das NeichSscuchengesetz gibt an sich den Ortspvlizeibehörden kein Recht zum Verbot von Ver- fammlungen, Lustbarkeiten usw. Es gibt aber sehr Wohl Fälle. in denen die allgemeinen Bestimmungen die Befugnis geben, wegen Seuchengefahr Menschenansammlungen zu verbieten. Es ist mehr- fach von einem Landrat die Rede gewesen, der ein Tanzver- gnügen und eine politische Versammlung wegen Seuchcngesahr verboten, zur gleichen Zeit aber eine Versammlung des vaterländischen Frauenvereins gestattet hat. Ich finde das gar nicht so sonderbar. Beim Tanzvergnügen ist die Gefahr der Seuchenverbreitnng sicher viel größer, als bei einer Veranstaltung des Vater- ländifchen Frauenvereins, denn die körperliche Berührung ist sicher beim Tanzvergnügen eine viel engere, alS bei einer vaterländischen Frauenvereinsversammlung.(Heitere Zustimmung und schallendes Gelächter.) llebrigcns hat gerade dieser vielgetadelte Landrat ganz ausgezeichnete Erfolge in der Seuchenbekämpfung erzielt.(Leb- Haftes Bravo! rechts.) Abg. Neuner(natl.): Herr Dr. Delbrück und Herr v. Schorlemer behaupten, daß von feiten der Regierungen alles geschehen sei, was geschehen könne. Das ist aber keineswegs so ohne weiteres richtig. Es find viele Anregungen unbefolgt geblieben, die von Männern der Praxis in den Parlamenten gegeben worden sind. Die hvchbedenkliche Ausdehnung der Seuche erfordert, daß alle Mittel zur Rettung des deutschen Viehstandes zur Anwendung gelangen' denn das deutsche VolkSdermögen ist hier mit dem Verlust von Milliardenwerten bedroht.(Sehr richtig!) Auffällig ist, daß die Seuche mehrfah gerade auf dem Berliner Viehhof zum Ausbruch gekommen ist. Hoffentlich wird es der Wissenschaft gelingen, wirksame Mittel zur Bekämpfung der Seuche aussindig zu machen.(Beifall.) Präsident de? ReichSgesundheitSamtZ Dr. Bumm: Es könnte nach den vorausgegangenen Erörterungen scheinen, als ob die Maul- und Klauenseuche noch nicht genügend wissenschaftlich durchforscht sei. Ich gebe zu, daß wir noch nicht den Erreger de? Krankheit kennen. Wenn wir den Erreger einer Krankheit nicht kennen, so bedeutet das noch keineswegs, daß wir diese Krankhett nicht wirk- sam bekämpfen können. Ich erinnere daran, daß wir auch bei vielen Menschenkrankheiten, die von der ärztlichen Wissenschaft äußerst wirksam bekämvft werden, den Dazillus-nicht kennen, so bgi Pocken, Masern, Scharlach usw. Das beste Abwehrmittel ist und bleibt die Absperrung. Selbstredend unterstützen wir in jeder Weis« die wissenschaftliche Erforschung der Maul- und Klauenseuche. Die Arbeiten des Herrn Professor Löffler in Greifswald werden gefördert und sorgfältig beachtet; die Arbeite» anderer Forscher finden ebenfalls aufmerksamste Beachtung. Abg. v. Oerfcen(Rp.): Diese Angelegenheit sollt« wirklich nicht zu Parteizwecken benutzt werden. Ich bedauere, daß manche Herren Redner sich nicht haben versagen können, auch diese Gelegenheit zur Verhevung der Massen und zur Verunglimpfung Andersdenkender zu mißbrauchen. Es schadet der Objektivität, wenn man alles durch die Parteibrille betrachtet.(Sehr wahr! rechts.) Die Seuche ist von draußen eingeschleppt worden. Der Grenzschutz muß also unter allen Ilm standen aufrecht erhalten werden. Dagegen ist die allzu rigorose Anwendung der Sperrmaßregeln i m Innern vielfach eine unberechtigte Härte gegen die Viehzüchter, besonders gegen die Kleinbauern. Mindestens sollten im Gnaden- wege die wegen Uebertrctung der Vorschriften verhängten Ge- fängnisstrasen in Geldstrafen verwandelt werden. Die Seuch« wird sehr leicht durch Menschen übertragen. Bei mir diente einmal ein Mädel, das hatte einen Bräutigam.(Heiterkeit.) Der Bräutigam diente auf einem verseuchten Hofe. Eines Abends be- suchte der Bräutigam da« Mädel(Heiterkeit); am andern Morgen melkte sie meine Kühe, und gleich darauf hatten vier Kühe die Maul- und Klauenseuche. Ja. meine Herren, dos ist ein Beispiel aus dem praktischen Leben.(Heiterkeit links.) Es ist sehr gut, wenn im Reichstag auch einmal Geschichten aus dem praktischen Leben erzählt werden.(Sehr wahr! recht».) Eine volle Entschädigung wäre gewiß sehr wünschenswert, aber sie ist schwer durchführbar, weil der Umfang des Schadens sich nicht leicht feststellen läßt.(Bei- fall rechts.) Abg. Brandys(Pole): Ich kann zwar nichts Neues zu der Sache sagen, ergreife aber doch das Wort, weil unsere Wähler es nicht verstehen würden, wenn wir zu der Angelegenheit ganz schwci» gen würden. Entschädigungen müßten vor allem in den gefährdeten Gebieten an den Grenzen vorgesehen werden. Der Anregung, Darlehen an die geschädigten Landwcrte zu gewähren, kann ich mich nur anschließen. Abg. Dr. Werner-Gießen(Antis.) bemängelt einzeln« Sperr- maßregeln, die auf Grund des Viehseuchcngesetzes erlassen find. Es sollten beim Erlaß solcher Maßnahmen immer Sachverständige zugezogen werden. Das HauS vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag. den 7. November, nachmittags 2 Uhr.(Handels- und SchiffahrtSvertrag mit Japan. Vereinbarungen mit Japan über das Konsulatwesev, HandelSbe- ziehungen zu England.) Schluß 5% Uhr._ parlainciitarifchea. BersicherungSgesetz für Angestellte. Sitzung vom Freitag, den 27. Oktober. Nach der Vorlage soll der Bundesrat befugt sein, allgemein die Versicherungspflicht auf solche Personen zu erstrecken, welche eine ä h n l i che TS t i g k e i t wie die versicherungspflichtigen Personen auf eigene Rechnung ausüben. Der Abgeordnete Irl wachte Bedenken gegen diese Bestimmung geltend, weil der Bundes- rat leicht die Versickxrung auf zu weite Kreise der Hand- werker ausdehnen könnte. Die Sozialdemokraten er- innerten daran, daß eine ähnliche Bestimmung bereits in dem alten JnvalidenversicberungSgesetz enthalten war. und daß der Bundes- rat von dieser Befugnis für die Invalidenversicherung uicht zu viel, sondern, wie in der Kommission bei der Beratung der Vorschriften für die Invalidenversicherung der Reichsversicherungsordnung von allen Seiten betont worden ist, zu wenig Gebrauch ge macht habe. Trotzdem regten sich die angeblich so handwcrkerfreund- lichcn bürgerlichen Parteien über die Gefahr, daß der Bunde?- rat weiteren Kreisen der Handwerker die Versicherung zugute kommen lassen könnte, so sehr aus, daß die Annahme dieses An- träges gefährdet erschien. Infolgedessen regten die Vertreter der Regierung an. daß die Beftignis des Bundesrats auf diejenigen Kleinunternehmer beschränkt werde, die keine Personen beschäfti- gen. In dieser Fassung wurde dann die Bestimmung angenommen. Versicherungsfrei sollen die in Betrieben oder im Dienste deS Reiches, eines Bundesstaates, eines Gemeindeverbandes, einer Ge- meinde odtr eines in der rcichsgesetzlichcn Arbeiter- oder Angestcll- tenversicherung Beschäftigten sein, wenn ihre Anwartflhast auf Ruhegeld und Hinterbliebenenrente im Mindestbetrags nach den Sätzen der niedrigsten Gehaltsklasse gerichtet ist. Die niedrigste Gehaltsklasse umfaßt die Angestellten mit einem JahreSarbeitSvcr- dienst bis zu 550 M. Für diese beträgt nach 120 BeitragSmonaten der Mindestbetrckg an Ruhegeld nur 43 M., an Witwenrente nur 19,20 Mt und an Waisengeld nur 3,84 M. jährlich. Das macht für den Tag 13 Pf. Ruhegeld, 5 Pf. Witwenrente und 1 Pf. Waisengeld. Diese geringen Bezüge sollten für An- gestellte mit einem Gehalt bis zu 5000 M. genilgen, um sie von der Persicherung zu befreien. Kie Soziqldemokxgtky und ebenso die Fortschrittliche Volksparkei baantragten, daß die Befreiung nur dann eintreten sollte, wenn die Sicherheit für die Gewährung dieser Bezüge denjenigen Bezügen entspreche. auf die die Angestellten nach de» Versicherungsgesetz für Angestellte entsprechend ihrer Gchaltsklasse Anspruch haben dürften. Die Sie- giernng erklärte, daß die Berechnung, die nach dem Antrage der Sozialdemokraten und der Fortschrittlichen Volkspartei notwendig wäre, zu umständlich für die botrcsfenden Verwaltungen sein würde. Einen sogenannten„Vermittelungsvorschlag" machte darauf der nationalliberale Abgeordnete Hausmann durch den Vorschlag, daß der Bundesrat jedesmal für jeden Skzuk festsetzen solle, welche Gchaljsklaffe maßgebend sein soll. Die Sozial- demokraten wiesen an Hand praktischer Beispiele nach, daß auch dieses nicht genüge und daß es zu schweren Ungerechtigkeiten führen könne, selbst dann, wenn in jedem Ort für alle Angestellten vom geringsten Gehalt bis zum Jahresgehalt bis zu 6000 M. nur eine Gehaltsklafse maßgebend sein sollte. Trotzdem stimmten alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und der Fortschritt- kichen Bolkspartei die von diesen bcitwn letzteren gestellten Anträge nieder nnd nahmen die Bestimmung mit dem'ungenügenden Zusatz des Abgeordneten Hausmann an.------- Soziales*# Zum Kurpfuscherei ixesetz. Nachdem Aerztegutachten auf Veranlassung deS Vereins zur Einführung der freien Acrztewahl ergangen sind, die er- klärten, eine Heilbehandlung der den Nichtapprobierten zu entziehenden Krankheiten durch Aerzte sei undurchführbar und gefährlich, es sei auch überflüssig einen Behandlungszwang eüiznführen, denn die Aerzte hätten ja auch das Privileg Totenscheine auszustellen, ohne daß dagegen Monitas er- hoben wären, haben die Regierung und die Mitglieder der Kurpfuschereigesetzkommission eine Weiterberatung des Gesetz- eutwurfes für nutzlos erachtet. Es ist deshalb von der Weiter- bcratnng in der Kommission Abstand genommen. Der Kur- psuschcreigesetzentwurf, dessen Geburtshelfer Aerzte waren, ist also durch die Aerzteschast zu Grabe getragen. Dem Privileg der Ausstellung von Totenscheinen haben die Herren das Ver- dienst der Erdrosselung ihrer eigenen Kinder zugesellt. Die Bahn für eine wirkliche Bekämpfung von Kurpfuscherei ohne Rücksicht auf Approbationen ist nunmehr frei. Dem nächsten Reichstag dürfte ein völlig veränderter Gesetzentwurf zugchen. Erziehung zum Streikbruch durch baS Gewerbegericht. Der Arbeiter Dwelk war als Dogenfänger bei der Firma Littauer u. Boysen, die ebenfalls von der Streikbewegung der Lithographen und Steindrucker sowie der Hilfsarbeiter ergriffen ist. be- schäftigt. Ali die HilfSarbeiterinnen die Arbeit niederlegten, kün- digte D. mit 14tägiger Frist. Am Tage darauf wurde von ihm verlangt, daß er anlegen sollte, obwohl er weder in diesem noch in einem anderen Betriebe bisher angelegt hatte. Er weigerte sich, anzulegen, weil er eS nicht verstand und weil er die Verrichtung von Streikarbeit für verwerflich hielt. Er wurde daraufhin ent- lassen und klagte nun auf Schadenersatz für den Lohnausfall für den Rest der Kündigungsfrist. Die beklagte Firma machte geltend, daß sie de» Kläger nicht als Bogenfänger, sondern als Hilfsarbeiter engagiert hat. Als solcher hätte er auch anlegen müssen. Wenn das der Kläger noch nie gemacht hat, so hätte er die Maschine lang- sam laufen lassen können. Auf keinen Fall wäre die Weigerung berechtigt gewesen. Denn die Anleger gingen ja immer au« den Bogenfängern hervor. Kläger habe ja nicht nur Bogen gefangen, sondern auch andere HilfSarbeiten verrichtet. Das Gericht erblickte in dem Verhalten deS Kläger? eine be» harrliche Arbeitsverweigerung, die die vorzeitige Entlassung recht» fertige, und wies die Klage ab. Der Kläger hätte anlegen müssen. und wenn er infolge seiner Ungewandtheit und Unkenntnis Ma» kulatur gemacht hätte, so war das eben daS Risiko der Firma. DaS Urteil geht fehl, weil eS nicht berücksichtigt, daß zu Hand- lungen, die gegen die guten Sitten verstoßen, niemand verpflichtet werden kann. Zu solchen Handlungen gehört aber, wie inSbeson- dere Professor Lotmar eingehend bargelegt hat. die Verrichtung von Streikarbeit._ Der„Bund der Landwirte" alS Beklagter. Als Privatkläger trat gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte der Generalsekretär der nationalliberalen Partei in Han- nover, D. Hug», vertreten durch Rechtsanwalt Münkel-Hannover, gegen den Siedakteur O. Kästner, verteidigt durch Justizrat Dr. Hoffmann, auf. Der Angeklagte ist Redakteur der Zeitung „Bund der Landwirte". Der Prwatkläger hat seinerzeit die Wahl- agitation im Siegener Wahlkreis geleitet und soll, wie seinerzeit behauptet und in einer Broschüre sowie in einem Artikel des .Volk" wiederholt wurde, in einer Wahlversammlung in Buschhütte in Westfalen u. a. gesagt haben: er stehe ganz und gar auf dem Boden deS in Essen betätigten Bündnisses der Nationalliberalen mit der Sozialdemokratie. Auf eine diese angebliche Tatsache be» rührende Auslassung des.Bunde? der Landwirte" hatte Dr. Hugo dieser Zeitung eine Berichtigung zugestellt und bestritten, daß er eine solche Aeutzerung getan habe. Im Gegenteil habe er immer grundsätzlich auf dem Standpunkte gestanden, daß ein Bündnis mit den Sozialdemokraten abzulehnen und das Vorgehen des nationalen Vereins in Essen, der keine nationalliberale Organisation sei. zu mißbilligen sei. Die Berichtigung hatte der Angeklagte in seiner Zeitung mit einem Zusatz versehen, nach dem ihm auf eine Anfrage an den Stadtverordneten Ripper bestätigt worden war. daß die qu. Aeußerung tatsächlich gefallen sei. In dem Zusatz zu der Berichtigung wurde diese als.sogenannte" Berichtigung be- zeichnet und erklärt, daß sich diese mit den Angaben des Herrn Ripper nicht vereinigen lasse und den Lesern überlassen werden möge, inwieweit sie in Zukunft den Kundgebungen des Dr. Hugo Glauben beimessen wollen.— Nach umsanifreicher Zeugen- Vernehmung hielt das Gericht nicht für erwiesen, daß Dr. Hugo eine solche Aeußerung getan habe. ES erachtete den Zusatz zu der Berichtigung für beleidigend und verurteilte den Angeklagten zu 50 M. Geldstrafe, sprach auch dem Privatkläger die Publikations- befugniS im.Bund der Landwirte"..Hannoverschen Kurier" und im.Niederdeutschen Wochenblatt" zu. Eue Tnduftric und Dandcl Tie Regierung gegen den Stahltrust. Keim Bundesgericht in Trenton(New Jersey) wurde von der Regierung ein Antrag eingereicht, der die Auflösung des Stahltrustes und einiger seiner Untergesellschaften verlangt. Nachdem die Anklageschrift der Regierung gegen den Stahltrust beim Bundesgericht«ingereicht war, untcrzeicbuete der Richter Lanning eine Verfügung, durch welche zahlreiche hervorragende Finanzier» als Zeugen vorgeladen werden, unter ihnen der Prä- sident deS Stahltrusts, Gary, I. P. Morgan. John D. Rockefellcr senior und junior und Charles Schwab. Di« Mehrzahl von diesen ist auch mitverklagt. Unter den Verklagten befinden sich weiter alle Untergesellschaften de? Stahl wusts und zahlreiche VerwaltungS- Mitglieder und Beamte. Die Regierung verlangt in ihrer Klage, daß der Stahltrujt und alle des- selben biliienben Ein ze lg es ellschaften für gesetz- widrig erklärt, und daß der Stahltrust aufgelöst werde. Ferner verlangt die Regierung, daß die Erzkontrakte zwischen der Jnierestentcngruppe der Great Northern-Bahn und der Great Western Mining Co. für gesetzwidrig erklärt werden. Die Tennessee Coal, Jron u. Railroad Co. sollen abgetrennt werden. Unter den mitverklagten Einzelpersonen be- finden sich Andrew Carnegie und Louis Hill, der Präsident der Great Northern-Bahn. Der Anwalt der Regierung erklärte, der Prozeß gegen den Stahltrust hätte sich schon seit zwei Monaten in Vorbereitung befunden.> Das Direktorium der United States Steel Corporation hat sich, um den Haupteinwendungen der Regierungen gegen den Trust zu begegnen, für eine Herabsetzung der Fracht- sä tze au f Erz auf den unter seiner Kontrolle stehenden Bahnen ausgesprochen. Wir haben schon oft betont, daß dieser ganze juristische Feldzug wie da§ Hornberger Schießen auslaufen wird. Die Kapitalmag- naten werden für ihre Monopole eine andere Form suchen, ihre Herrschaft aber unerschüttert bewahren. In der Zwischenzeit werden sie an den heftigen Kursschwankungen reiche Spekulations- gewinne verdienen. .Bus der Frauenbewegung. Der Kampf ums Frauenwahlrecht in Kalifornien. Die Nachricht von einer Niederlage der Frauenreit�lerinnen In Kalifornien, die zuerst überall verbreitet wurde, bestätigt sich nicht. Im Gegenteil wurde, eine SiegeSnachricht daraus, nachdem die fchr langsam einlaufenden Berichte aus den ländlichen Distrikten die Zahlen der gegnerischen Stimmen aus den großen Städten immer mehr in eine Minorität verwandelten. Mit einer Majorität von 8 zeichnet.__ Frcireligtöie Gemeinde. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 9 Uhr. Pappclallee 15— l7, und Rixdorf, Jdealpaflage: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags ll Uhr. Kleine Frantsurter Straße 6: Vortrag von Herrn W. Trojan:.Ist die Bibel göttlichen oder menschlichen Ursprungs V Damen und Herren als«äste sehr willkommen. ZlUgemetne Kranken- NN» Sterbekaffe der Metallarvetter zu Hamburg. iE. H. 29.) Filiale Baumschulenweg. Sonnabend, den LS. Oktober, abends 81/,, Uhk: Mitgliederoersammlung im Lokal von Käding, Baumschulenstraße 67._ Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und auderer gewerbl. Arbeiter, Hamburg.(E. H. 3.) Ortsverwaltung T r e p low< Baumschulen weg. Heute, Sonnabend, abends ö Uhr: Muglieder- Versammlung bei Erbe, Baumschulensw. 14. Marktpreise von Berlin am SV. Oktober ISIk, nach Srmtttelung deS Königlichen Polizeipräsidiums. M a r k t h a> l e n p r e i I e.(Kleinhandel). Ivo Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 35,00— 50,00. Speisebobneri weiße. 35,00- 50,00. Linsen 40,00- 80,00. Kartoffeln 7,00—14,00. 1 Kilo- gramm Nindflcisch, oon der Keule 1,60— 2,40. Nindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1.30—1.80. Kalbfleisch 1,50-2.40. Hammelfleisch 1.30—2,00. Butter 2,60—3.40. 60 Stück Eier 3.80—6.40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20-2,40. Aale 1.20— 2.80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1.00 bis 2.60. Barsche 0.80—2.00. Schleie 1,40-3,00. Bleie 0,80— IM 60 Stuck Krebse 2,40-24,00._ Wasserstn»ds.Stochrichte« 1+ der, eine» Sachs,— Fall.—■) llmeroeael. Blutariiie9 üranke und(Schwilchliche trinken während der Bekonvalesaenz feurig stillen I bq**!«» Rotwein. GR I B& d■*— fßja Ijr B d Flasche �1,50 u. 2,00�käuaiohjn Apo- theken, Drogerien, DelikateBgasohäft. reeesee»«»ssssssK. Uuscrm Genossen% Willi Seidel jjj und seiner lieben Braut die Vi h' herzlichsten GISckwDnschs-J' SP zur Vermählung\0 Vi Ole Genossen und Genossinnen des- 208 Bez. I. g peeeeeeeet«»sssssKj i'j Unserem Genossen Otto Schwerdtfefer SP Und seiner Braut zu ihrer SP Vermählung die herzlichsten Glücktoünsche. 12746 0/ SP SP I � Die Genossen des 499. Bezirks.(/; Todes-Anzeigen|| Sozialileoiokratischer Watilvereini . für den 4.BerliOErReiel!s(ag!iwaliII(rEis.| Stralauer Viertel. (Bezirk 351 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht.! daß unser Genosse, der Tischler! Adolf Schultz! Libaucr Straße 16 gestorben ist. Ehre seinem Andenke« i Die Beerdigung findet am] Montag, den 30. Oktober, nach« mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zciilral-Friedhoscs inl Fricdrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ctfucht Ter Borltand. oeulzcder koksrdeilel'-Vei'dsnlj Den Mitgliedern zur Na> bah unser Kollege, der Tis richl, ler k�iciisrc! lzfler Skolitzcr Str. 54a, Im Aller von 50 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindel heute, Sonnabend, den 28. Oktober, nnchmillags 4'/, Uhr, von der Halle de» EmmauS-KirchhoseS in Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. ferner zur daß unser Kollege, der Den Milgllcdern Nachricht," Tischler �dolk Schultz Libauer Str. 16, Im Alter von 41 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findei am Montag, den 30. Oktober, nach- mlltags 4 Uhr. von der Halle des Zenli alsriedhoseS in FriedrichS- felde aus statt. Um reg' Beteiligung ersucht 91(8 Oie Ortsverwaltung Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied 110/17 Julius Schäffner im Aller von 89 Jahren 44, Oktober gestori em Oktober gestorben ist. Ehre seines Andenke»! Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 28. Oktober, nachmillags 3 Uhr, von der Halle bei St. PauIs-FriedhoseS, Plötzen- see, Ecestraße aus stall. Um rege Beteiligung ersucht I»er Sektionsvor.tand. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode.- Anmctgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Milglled, der Klempner Ulbert Rosenbaum am 26. Oktober an Magenleiden gestorben ist. 125/7 Di« Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach- miltagS S'/, Uhr, von der Leichen- balle deS St. Georgen-KirchhoseS, Landsberger Allee, auS statt. Femer verstarb unser Mitglied, ! der Bandagist Louis Mautrig j am 25. d. MIS. an Herzleiden. Die Beerdigung findet am ! Sonnabend, den 28. Oktober. nachmittags 3>/, Ubr. von der i Leichenhalle des Zentral-Fried- hoscS in FrledrichSfelde aus statt. Ehre Ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Ille OrtKVcrw�linng. itrrbnnö der Schnkider mib Schrltidrn'nlltll. Todes- Anzclsc. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Johann Piunkowsky NNI 26. Oktober lm Alter von 60 Jahren verstorben Ist. Ehre feincin Andenken!' Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Oktober, nach- millags 3 Übt, von der Halle des St.ThomaS-Kirchhojes zu Rixdors, Hermannstruße 173, aus statt. 164/11 Die Ortsverwaltung. H Am 26. Oktober, nachm. 5'/, Uhr, enlschlics nach langer, schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater, Onkel. Schwager, Bruder und Schwiegersohn Eirnsi Doebell Im eben vollendeten 58. Lebens- jähre. 1272b Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet an: Sonniagnachmiitag 3.Uhr von der Halle des neuen PauIS-Kirch- hoseS. Plbpcnsre, auS statt_ Allen Verwandten und Be- tamiten hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann. unser guter Vater, der Klempner Atoöl! Rosenbaum am DonnerSiag, abends 8'/, Uhr, nach langem, schwerem Leiden entschlasen ist. 1L73b Oie trauernden Hinterbliebenen. Frau Wilhelmine Rosenbaum nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Oktober, nach. mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- balle deS St. Gcorgen-Kiichhvfes, Landsberger Allee, aus statt. sfroann Mohrenstrasse 37a(nahe JerusaiemerStr.], Gr. 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Baehr, Naunynslr. 24. Emil Gabler, Cuvrhstr. 48. »Louis Fischer, Wiener Str. S7b. »Gustav Zillich. Forster Str. 8. »giobert Kessler, Mariannenstr. 37. »Jean Brunn, Wrangelstr. 15. »FriN LobbeS. AdalbeUstr. 53. 'Wilhelm Friebel, Förster Str. 39. »Wilh. Stubuer, Eiienbahnstr. 33. »Robert Kämmler, Reichenberger Strasie 157. 'Paul Reichelt, Wrangelstr. S2. »Adolf Kuuhe, Grünauer Str. 4. Süden. 'Wilh. Boerner, Ritterstr. 15. 'August Zech, Gilschiner Str. 53. 'Gustav Schmidt. Gräsestr. S8. »Gustav Lochinann, Wasserlorstr.4S. Südwesten. Wtve. Lücke, Möckernstrahe. Nordwesten. 'Richard Kiepert. Zwinglistr. 29. Otto Bornkessel, Waldstr. 39, III. Wilhelm Bundschuh. Birkenstr. 48. »Robert Kern, Stromstr. 2S. Richard Schoppan, Wielesfir. 4K.I. »H. Hagedorn. Emdener Str. 47. »Böseuberg. Rostocker Str. 21. »Herrn. Zimmermann, Ouitzow- strasie 195. 'Paul Müller, Beusselstr. 28. Julius Lödel, Beusselstr. ö2. Norden. »Wilh. Blanck, Ackerstr. 119. »I. Stabrey, Gleimstr. 19. A. Friese, Höchste. 48. 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'Paul Kncifcl, Ackerstr. 131. Nordosten. Marie Klotz, Palisadcnstr. 101 pt. B. Loelvindorsf. Weinftr. 6 II. W. Ecke» brecht. Höchstcslr. 7 m. Otto Brtter. Höchste, lr. 32. 'Jos. Krobisch. Büschingstr. 20. »M ax Po letz. Fncdrichsbcrger Slr. 10 'Jakob Reul, Barnimstr. 42. 'Karl Müller. Rykeslr. 38. »A. Dierbach, Winsstr. 25. »Dh.Bernböft, GrciIswaIderSt.207. »Gustav Pinncr, TreSckowstr. gg. Georg Bürger, TreSckowstr. 38. »Heinrich Olle, Metzer Str. 22. »Elisabeth Wolter, Marienburger Straße 32. »Gustav Richter, Landsberger Allee Nr. 145. H. pt. »Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. »M. Moewu». Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppenstr. 4S. »Aug. Kley. Friedrichsderger Str. 19. Bernhard Blauzwir», Wölben- bcrger Str. 12, II. »Gustav Semmler, Brunnen- straße 103/4. Zentrum. A. Ehaim, Mulackstr. 11, 1. Vororte. Karl Jancke,AdlerSho>,Fricdcnstr.1S. 'Rudolf Otto, AdlerShoj, Eedan- straße 29. Otto Benkert. AdlerShos. Bismarck- straße 58a Albert Schumacher. Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. »Fritz Ehlrrt, Britz, Rudower Str. 5. 'H. Drompa, Lichtenberg, Scharn- lvcberstr. 44. 'Paul Harting. Lichtenberg, Rum- melsburger Str. 18. 'Rudolf Kaiser. Lichtenberg. Möllendorststr. lS/t7. °Joh. Bobroivski, RummelSvurg, Crosicner Str. l?. Oskar Maserkopff. Boxhagen, W-sei slr. 35. »Friedrich Schütze, Rlxdorf, Wiß. mannstr. 22/23. »Wilhelm Schulze, Rlxdorf. Stein' mctzstr. 110. Gustnv Becker, Rlxdorf, Jnnstr. 29. 'Albert Schufter, Rixdors, Fulda- straße 15. I. Ga»S, Rixdorf, Frledelstr. 3 III. 'F. Ehlcrt.Rixdorf, Hermannstr. 226. 'Gustav Carl. Rixdorf, Prinz- .>>andjery>Str. 59. 'Wilhelm Klei», Wilmersdorf, Uhlandstr. 128. 'Paul Witt, Steglitz, Düppelstr. 5. 'Rod. Stübuer, Steglitz, Schloßstr. 115 M. Lehmann. Reinickendorf- Ost, Thunerstr. 5. 'Will». Pieper, Spandau, Mctzer Straße 12. »Frau Ella MooS.Spandau, Falken- Hagener Str. 18. 'Otto Wilke, Spandau, Birkenstr. 4. 'Wilb. Klemmer, Spandau, Schön- waldcr Str. 82. Max Nölte.Spandau.EchuIzenstr.14. »Rod. Durst, Spandau, PichelS- dorscr Str. 28. Otto Kloo sc, Spandau, Feldstr. 5. 'Wilh. Klein, Tegel, BerlinerStr. 84 Hcrm. Goldmann, Tegel, Berliner Straße 39 pt. Richard MiUns, Pankow, Berliner Straße 99. 'Alb. Janike. Pankow, Mühlcnstr. 38. 'Jacobi. Weißensce, BerlinerAllee 179 Siob. Werner, Weißensee, Sedan- straße 19 I »Hugo IürgaS. Weißenfee, HelnerS- dorser Str. 55. »Schachmann, WwSstr. �.«htnng,«anohor! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser ariines Plakat, unterzeichnet: Der Vertrauensmann. Alwin Schulde, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Nachträglich eintreffende Bewilligungen werden den späteren Veröffentlichungen mit angefügt.— Plakate für Fabrikanten werden nur gegen Vorzeigung des unterzeichneten Tarifs im Burcau der Tabakarbeiter. GraFe Hamburger Str. 18/19. 2. Hof II, ausgehändigt. I Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffcnn'lchten Namen. Tarife mit.mserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie. sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grüne»» Plakate von hier entnehmen können. jUgytyflUtUflUtrtUty* A. Schnlze, Große Hamburger Str. 18/10. 188/4 lLcranlwertllcher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Jnseralenteil verantw: Th Glocke, Berlin. Trucku. Verlag: Porwüris Buchdruckerci u. VerlagSanjtalt Paul Singer u.(So.. Berlin S�V. Hr. 253. 28. Zahrgaa;. 2. KeilU des„smilrls- KMil DMlilM Zo«dmd, 28� Whdtt(91L ßerlcl)t über die tätigheit der lozIaldemohratifcbeD frahtion tm Kerline? Ratbau fe.*) 5. Steuerwesen. Finanzwesen. In Ler Gemeinde vertritt die Sozialdemokratie den Stand- Punkt, daß die für den Gemeindebedarf erforderlichen Mittel ourch direkte Steuern aufgebracht werden müssen. Durch die ftaatliche Gesetzgebung ist die Gemeinde in dieser Beziehung sehr beschränkt. Die Sozialdemokratie hält eine Aenderung dieser Ge» setzgebung für dringend geboten, da selbst die von den Gemeinden gu erhebenden direkten Steuern für die breiten Massen grosse Un- Gerechtigkeiten enthalten. In erster Linie kommen für die Ge- ttteinden die Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer in Frage; ausserdem erhebt die Gemeinde Abgaben und Gebühren für Be- Nutzung von Einrichtungen, die im öffentlichen Interesse geschaffen Worden sind. Bon diesem Gesichtspunkte aus hat die sozialdemokratische Fraktion ihre Stellung zu den Steuerfragen abhängig gemacht, die im Rathause zur Beratung gelangten. Am 18. November 1909 legte der Magistrat der Stadtverord» netenversammlung eine Vorlage vor, die die Erhöhung der von den Grundstücken in Berlin zu zahlende Kanalisations- gebühr von aus 2 Prozent des GrundstücksnutzungS- wertes vorsah. Schon in dem bor zwei Jahren erstatteten Fraktionsbericht ist auf den Charakter dieser Abgabe hingewiesen und bemerkt worden, dass die Erhöhung dieser Gebühr sich notwendig machte, weil die Kanalverwaltung erhebliche Zuschüsse erforderte, im Jahre 1908 nicht weniger als über 3M> Millionen. Das bedeutete aber ein Geschenk aus allgemeinen Steuermitteln an die Hau?» besitzer. Es musst« gefordert werden, dass dieser Liebesgaben» Politik ein Ende gemacht werde. DaS tat unsere Fraktion denn auch in der wirksamsten Weise. Es war nur natürlich, dass sie den entschiedenen Widerstand der Hausbesitzer hervorrief. Bei der oben erwähnten Magistratsvorlage kam die Wut der Hausbesitzer denn auch offen zum Ausdruck. Sie entlud sich in der Weise, dass die Wortführer der Hausbesitzer sich in heftigsten Worten gegen die Wirtschaftsführung der Rieselfelderverwaltung richteten. Sie gaben der Meinung Ausdruck, dass zu teuer gewirtschaftet werde, obwohl unsere Genossen nachwiesen, dass die nahezu LOGO Riesel feldarbeiter zu unerhört niedrigen Löhnen beschäftigt würden. Am 22. Dezember 1999 beschloss die Stadtverordneten� Versammlung mit Mehrheit die Erhöhung der Gebühr. Im November 1909 legte der Magistrat von neuem eine Bor läge vor, die die Einführung einer Wertzuwachs» ft e u e r und eine Aenderung der Umsatzsteuerordnung enthielt. Die Wertzuwachssteuer war von unseren Genoffen seit Jahren gefordert, von der Mehrheit aber abgelehnt worden. Eine Steuer auf den unverdienten Wertzuwachs bildet nur eine Neine Rückgabe an die Kommune für die Aufwendungen, die sie im öffentlichen Interesse macht. Im Jahre 1907 hatte der Magistrat zum ersten Male eine Vorlage vorgelegt, die den Wertzuwachs besteuerte. Damals entbrannte ein harter Kampf; Haus» und Grundbesitzer im Verein mit den Terrainspckulanten wehrten sich mit Händen und Füssen gegen die Kürzung ihrer Riesenprofite. Der Erfolg war denn auch der. dass die Steuerordnung in monote- langen AuSschuhberatungen so zugestutzt wurde, dass sie voll- kommen wert- und ertraglos geworden war und schliesslich in der Sitzung vom 20. September 1907 zur Ablehnung gelangte. Die neue Wertzuwachsstcuervorlage hatte der Magistrat von vornherein erheblich abgeschwächt und rückwärts revidiert, um den Grundbesitzern entgegenzukommen. Daö legte unser Redner auch in eingehender Weise in der Sitzung vom 25. November 1909 dar. Unsere Genossen bemühten sich in einem zur Durchberatung der Steuervorlage eingesetzten Ausschusse die Borlage ertragreicher zu gestalten, aber nur mit geringem Erfolg. In der Sitzung vom 8. März 1910 gelangte die Steuervorlage zur Annahme. Der Umschwung in der Ansicht der Mehrheit war wohl nur dem Um- stände zuzuschreiben, dass das Reich eine Wertzuwachssteuer zu peschliessen im Begriff war, dass ferner die Magistratsvorlage sehr milde war und die Mehrheit einer eventuellen Erhöhung der Steuerzuschläge aus dem Wege gehen wollte. Gross« Erregung rief in weiten Kreisen der Berliner Bürger« fchaft die Vorlage des Magistrats auf Einsührung einer Lustbarkeitssteuer und einer Billett st euer hervor. Diese Erregung und Empörung fand ihren Widerhall in den Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung am 2. und 9. Juni 1910. als die Beratung dieses neuen SteuerprojckteS auf der Tagesordnung stand. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion legte dar. dass wir alle indirekten Steuern bekämpfen; eine solche Steuer allerschlimmster Art sei aber die LustbarkcitS» und Billettsteuer. Die Steucrordnung sei so schikanös und ruinös und ausserdem kulturwidrig, dass sie von uns in der hartnäckigsten Weise bekämpft würde. Die königlichen Theater treffe man nicht und daS sei eine doppelte Ungerechtigkeit. Die sozialdemokratische Fraktion verlangte schlanke Ablehnung der Steuer. Dem gab ober die Mehrheit nicht statt, sondern sie verwies die Vorlage in einen AuSschuss zur weiteren Beratung. Die Beratungen waren noch nicht endgültig erledigt, als die Stadtverordnetenversammlung bei Festsetzung de» Etats sich von neuem mit der Lustbarkeitssteuer zu beschäftigen hätte. Ter Magistrat hatte den voraussichtlichen Ertrag der Lustbarkeits- steuer auf über 1 Million Mark veranschlagt und als Einnahmen in den Etat«ingesetzt. Die Sozialdemokraten wandten sich gegen ein« solche Finanzwirtschaft; sie beantragten die Streichung dieses Einnahmetitels. Man könne nicht Einnahmen einstellen, deren Einkommen gar nicht feststehe. Die Mehrheit beschloß trotzdem dem Magistratöbeschluss entsprechend. Am 6. Avril 1911 be- schäftigte wiederum die LustborkeitSsteuer die Stadtverordneten» Versammlung. Angesicht» der Erregung in der Bevölkerung bangte die Mehrheit vor einer klaren Entscheidung; sie verwies die An- gelegenheit nochmals an den AuSschuss und verlängerte so die Ungewissheit, in die weite Kreise der Burgerschaft durch daS Steuerprojekt gebracht worden waren. Die Mehrheit schien einen Rückzug antreten zu wollen und verlangte Klarheit, ob die König. l'ckicu Theater zur Steuer herangezogen werden können oder nicht. A'ii 22. Junt 1911 erklärte der Magistrat, er könne dle,em Vor. langen nicht Rechnung tragen, bevor die Stadtverordnetcnv-r. fommlung mcht endgültig die Steuerordnuna beschlossen habe. Schliesslich wurde im Hinblick auf diese Erklärung im-.ustoar» kcitssteuerausschuss die Magistratsvorlagc Mehrlstito�elehnt. Dieser Beschluss veranlasste endlich den Magistrat, sewe Vorlage am 28. September 1911 endgültig zurückzuziehen. Nicht zuletzt ist dieses Ergebnis der zähen und energischen Haltung der Ivzia.. demokratischen Fraktion zuzuschreiben. Tank der kurzsichtigen Finanzpolitik des Kom. munalfreifinns befinden sich die jI"V">6en-er Stadt in einem wenig tröstlichen Zustande. Weil die regierende Mehrheit im Rathause nicht beizeiten neue Einnahmequellen «rschlossen hat. haben sich die Finanzen Berlins luuner mehr verschlechtert. AIS die Wertzuwachssteuer noch �two» ein- gebracht hätte, lehnte man sie ab; die Strassen der«ladt, die Lieferung elektrischen Lichtes und elektrischer Kraft wurden pri- vaten ErwcrbSgesellschaften überlassen und Millionen von Marl flössen in die Taschen von Aktionären anstatt in den Stcuersückel der Stadtgemeinde. Die Aufgaben der Stadt waren aber fort- *) Siehe auch Nr. L42, 245. 250, 251 des.Vorwärts". gesetzt im Wachsen begriffen, wozu kam, dass grosse Steuerzahler nach den westlichen Vororten zogen und die Steuerkraft minderten. Eine großzügige Eingemeindeing der Vororte hatte die Stadtver- ordnetenversammlung Untertassen, als die Zeit dafür eine günstige war. So kam es. dass auf dem Gebiete der Ausgaben sehr gekargt werden mußte. Im Jahre 1910 erklärte der Magistrat, mit den bisher in Berlin üblichen 10V Prozent Gemeindesteuerzuschlag die Ausgaben nicht mehr decken zu können, er verlangte 105 Prozent. Durch Zurücksetzung wichtiger Ausgaben erreichte die Stadtverordneten- Versammlung ihr Ziel, bei 100 Prozent zu bleiben. Damit wurde aber die Finanznot nichst aus der Welt geschafft. Der Etat für 1911 gestaltete sich infolgedessen noch ungünstiger. Die dringend- sten Kulturaufgaben konnten nicht mehr erfüllt werden. Dre Schulverwaltung benötigte zur Ausführung ihres Bauprogramms fünf Millionen für Schulbaute», um die für Schulzwecke gar nicht geeigneten Mietschulen dwrch eigene Schulgebäude zu er» setzen. Der Magistrat glaubt, nur zwei Millionen bewilligen zu können. Um Strassen zu verbreitern und Strassenland zu er». werben, benötigte die Tiefbau.ve.rwaltuug drei Millionen; d-er Magistrat konnte nur IM) Millionen bewilligen. Für Strassen» Pflasterung und Beleuchtung konnten auch nicht die Halste der notwendigen Anforderungen erfüllt werden; gar nicht zu reden von der Erfüllung zahlreicher Aufgnben sozialer Natur. Trotz alledem mutzte der Magistrat die Steuerzuschlage auf 110 Prozent festsetzen. In Rücksicht auf diese Finamzkalamität versuchte der Regierungspräsident dsse grossen Vororte Berlins. Charlottenburg. Wilmersdorf. Schö»el>'erg. Rixdorf und Lichten- berg zu bestimmen, gleichfalls 110 Prozent Zuschläge zu erheben. Diese Bemühungen scheiterten. Der berliner Kommunalfreifinn wollte ebenso wie der Freisinn in genannten Vororten die 100 Prozentgrenze durchaus nicht überschreiten, angeblich weil in diesem Falle der Etat der Regierung vougelegt werden müßte. Die Stadtverordnetenmehrheit engte die Ausgaben für Kulturaufgaben noch weiter ein und es kam in der TcU ein Etat zustande, der noch einmal mit 100 Prozent abschloß, ein Finanzkunststüchchen, das die Situation Berlins nur noch nqehr verschlimmerte und nur den offenen Bankrott verdecken sollte. In der Sitzung am 22. März 1911. bezweifelte der Ober- bürgermeister, ob die von der Stadtverordnetenversammlung er- griffenen Mittel zur Herbeiführung der 100 Prozent die Nach- teile aufwiegen, die durch diese Massnahmen entstehen. Wörtlich sagte Herr Kirschner: .Unsere Burger werden, wenn sie Awträge auf Pflasterung und Beleuchtung stellen, darauf gefasst sein müssen, dass der Ma- gistrat in einer umfassenderen Weise als sl»nst solche Anträge für dieses Jahr ablehnen muß." Die sozialdemokratische Fraktion hat auf dem Gebiete der Finanzpolitik wiederholt zum Ausdruck geblacht, dass die 100 Pro- zentgrenze für sie keine geheiligte ist. denn von einer Selbstver. waltung der Kommune könne schon lange keine Rede mehr sein. Von einer Vorlegung des Etat» befürchte sie auch keine Weite» rungen für Berlin, ungünstiger könne der Etat auch durch eine noch so rückschrittliche Regierung nicht werden, als er von der Rathaußmehrheit gestaltet worden ist. Nun ist aber selbst durch die Festsetzung der Gemcindcsteuerzuschlägr ans 100 Prozent die Einreichung des Etats nicht einmal vermieden worden, da d'« Grund» und Gebäudesteuer auf mehr als 150 Prozent festgesetzt worden ist; ein Beweis dafür, wie fadenscheinig die Gründe der liberalen Mehrheit im Rathause sind. Die Verantwortung für diese Finanzpolitik mutz die Sozialdemokratie der Mehrheit über- lassen. Eine weitsichtige Finanzpolitik tn der Kommune ist nur denk- bar. wenn daS Dreiklassenwahlrecht und das Hausbesitzerprivileg beseitigt ist und die Vertreter von Geldsacks Gnaden aus dem Rathause hinauSgefegt werden. Dann wird auch im Rathause eine von den Interessen der Allgemeinheit diktierte städtische Fi» nanzpolitik möglich sein.~ � Wer daS will, mutz dafür wirken, daß am Sonntag, den 5. November nur Sozialdemokraten gewählt werden! bürg, Mobs Hittorf aus Köln. August Wiese aus Alt' Haldensleben, Julius Schneider aus Altona. Wenn der Herr Landrat reist. In der„Worpsweder Zeitung" vom 24. Oktober wird unter dem Tibal„Eisenbahnidyll im Jahre 1011» folgendes mitgeteilt: Sehr erstaunt waren am gestrigen Sonntag die Fahrgäste des hver um 9,39 abends nach Bremervörde abfahrenden Zuges; derselbe wurde von Neu-St. Jürgen wieder Hierher zurückgebracht. Und warum? Der königliche Laudmt in Bremervö rde war nach Lilienthal zu Besuch- Als dieser Herr hier abends von L. ankommt, ist der obige Zug bereits abgedampft. Kurz entschlossen liässt der Herr Land- rat den Zug von Neu-St. Jürgen zurückkommen und sich abholen I--- Hoffentlich wird dieser ungesunde Zustand bald abgeändert. Am besten wäre es, wenn jedem preußisch en Landrat ein Luxus« zug zur freien Verfügung gestevlt wird. Auch dürfte eS sich empfehlen, bei Reisen der Landräte während der Dauer der Fahrt den übrigen Zugverkehr einzustellen. Die neueste Damen'.node. Der Streit darüber, wer in der Ehe die Hosen anhat, wird nun bald, wenn es nach dem Willen ame'rikanischer Suffragetten geht endgültig beigelegt werden. Die Prästdentin der Suffragetten von Kanada soll ihre Anhängerinnen aufgefordert haben, die u n. gesunden, häßlichen und unmoralischen Röcke abzulegen. Die Befreiung der Frau könne erst dann Tatsache werden, wenn sie Hosen a«gezogen habe. Run zittert, Männer l Meine Notizen. Tödlicher Absturz eines F'.tcgers. Während eines misitärischzn Flugwettbewerbes in Reims i'st der französische Aviatiler DeSpa rnet aus einer Höhe von 200 Steter in einen Straßengraben gestürzt. Der Ftteger wurde entsetzlich zugerichtet und wurde tot unter seinem zertrümmerten Apparat vorgeholt. Ueberfall auf einen Gefangenenaufseher. Im Zuchthause von Waitzen(Ungarn) wurde der Oberauffeher Fabian bei der Inspizierung der Arbe'.tssäle von einem Gefangenen überfallen und durch Messerstl ch« getötet. Eine neue Seuche. In der japanischen Provinz Nagano ist eme eigenartige ansteckende Krankheit ausgebrochen. der kraftig- Leu!« a u f d e r S t e l l e e r l i e g e n. In vier Tagen sind fünfzehn Todesfälle infolge der Krankheit bor- gelommea. Hu9 aller Älelt. IVloäerne RmgskuUur. Em Musterbeispiel für die verrohende Wirkung de? Militarismus bildet die standrechtliche Erschießung eines Hilf«» Wächters deS deutschen Konsulats in Tripolis, die dieser Tage in Tripolis durch eine italienische Truppenabteilung voll- zogen wurde. Der Angeklagte, ein Araber Hussein, soll einem bewußtlosen Soldaten mehrere Dolchstiche versetzt haben. DaS Kriegsgericht batte ihn deswegen, in Gegenwart vielerEuro- päer. zum Tode durch Erschießen verurteilt. Zu dem Zwecke setzte man Hussein auf ein Heubündel. sieben Soldaten wurden in zehn Meter Entfernung aufgestellt und gaben ein« Salve auf den Todeskandidaten ab. A l l e S ch ü s s e g i n g e n f e h l und drangen in eine nahe Mauer. Nun wurde zum zweiten Male Feuer gegeben. Huffein war durch eine lkugel verwundet und fiel vom Heuhaufen herab. Jetzt feuerten die Soldaten«ine Weile wild durcheinander aus ihr Opfer. Als ein Arzt und ein Sergeant'den Tod feststellen wollten, sah man. dass der von Kugeln Zerfetzte noch lebte Durch zwei Schüsie. die direkt vor dem Körper Hussein» abgegeben wurden, wurde der Tortur des Unglücklichen ein En de gemacht. Damit die Heldentat der Nachwelt erhalten werde, wurde der ganze Vorgang von zweiKinematographen aufgenommen. Wäre die barbarische Art des Hinschlachten» eines Menschen von Wilden begangen worden, wie hätte die ganze Welt aufgeheult in Entsetzen über die bestialische Grausamkeit. So aber ist daS Verbrechen verübt worden von ch r i st l i ch e n Soldaten, die zum Massenmord nach Tripolis kommandiert wurden unter in» brünstigen Segenswünschen deS Vatikans. Wenn auch die frommen Wünsche der italienischen Geistlichkeit bisher nicht zum Himmel gedrungen sind, wie die grossen Verluste der Italiener beweisen, so sollte man doch erwarten, dass nach solchen Greueltaten die Vertreter des Christentums wie ein Mann aufständen, um derartig« Barbareien zu verhüten. Aber NM» wird vergeblich hoffen I. Kataltropbe im KfcUr Rafcn. Ein schweres Bootsunglück, das in weitesten Kreisen leb- Haftes Mitgefühl hervorrufen wird, hat am Donnerstag abend im Kieler Hafen sechs Matrosen der deutschen Marine das Leben gekostet. Als der kleine Kreuzer München abends um 10 Uhr 20 Minuten in den Hafen einlaufend, in der üblichen Weise mit Hilfe eines zu Wasser gebrachten SeitenbooteS cm der Boje festmachen wollte, glitt daS vordere Haltetau des Kutters auf bisher noch unaufgeklärte Weise ab. DaS Boot stürzte ab und die aus dem BootSsteurcr und vierzehn Mann bestehende Besatzung fiel ins Wasser. Neun Mann konnten gerettet werden. Ertrunken sind BootsmailnSmaat Wilhelm D o m k e aus Berlin und die Matrosen Gustav P f o h aus Schlüchtern(Amt Epptngen). Wilhelm Petersen aus Ham- ßnefkaften der Redaktion. ®tt fuHfttfifle epttchftundk findet Ltndeufirave so, vor» vi« Treppen — ynHrftnpl—, wochentNgiich von tzj bis 7� Uhr adrndS, eonunbrndS, vo» 4� bis 6 Uhr ölend» statt. Jcdrr für de» Brirskaften bestimmten Ansraae ist ei» Buchstabe«n» eine Saht als Merljetcheu beizufügen, vriesitche Antwort wird nicht erteilt. Aufrage», denen keine Abonnementsguittnng betgrsügt ist, «erpen nicht beantwortet. SUtge Fragen trage man tn der Eptechftuude vor. S' f?* J!?*®a* DrtSftntut über die Pflichtseuerwehr ist massgebend. .». 50. viter 26—30 Jahre. Kursus 1. Oktober bis 30. März in 6« iShorite. Kokten: 300 M. Meldungen beim Kreisarzt. dann Polizei» Präsidium.— M.(2. 100. Wir meinen, dass Sie nicht verantwortlich gebracht werden. Setzen Sie sich doch sofort mit Ihrer Verbandsleitung in «Verbindung.— Theater. 1. Einen Theatersriseur fragen. 2. Metallarbeiterverband, Charitsstr.I3(Sektion Kinoovcratcurc).— K. 7. Un« nicht betannt.— F. W. 1802. Sticht quacksalbern, sondern einen Epezial- arzt für Hautkrankheiten befragen.— Heiltgensee 188l. Aber lieber Genosse, diese Frage kann doch nicht durch den Lrieskasten der Redaktion, sondern nur durch die Organisation gelöst werden. Wenden Sie sich an Ihr Kreisbureau Lichtenberg, Scharnweberstr. 6/7.— Nr. 4550. Sie müssen sich an ein Eisenwarengeschäst wenden.— W. M. 5000. Nein. — III. Das Ausnahmegesetz war wohl für S. die äussere Ursache, seinen Ueberltttt zur Partei, mit der er als Demokrat von jeher sympathisierte. osssziell zu erklären.— Ruhfauall 10. Ihre süns Fragen werden Sie beantwortet finden, wenn Sie sich an der politischen und gelverkschasllichen Agitation und Organisation beteiligen. im besonderen aber die Tagespresse und Lileratur beachten. Im Blies kästen ist nicht der Raum für diese Be» lehrung.—«olberg.«ross-Lichterselde. Ringstr. 47.— B. D. 5. Mit e nchng.— A. Ä. 44. An die StistungSdeputation deS Magistrats, Post» strasse 16.— M. SlO. 1. Legen Sie der Anfrage an die Fabrik ein Frei- kuvert bei. 2. Uhlaudstrahe gehört zu Charloitcuburg. mit Ausnahme der Nr. 66 bis l42 aus Wilmcrsdorscr Gebiet. Dementsprechend auch die Meldeämter.— N. 20. Berliner Waisenhaus, Alte Jakobstrass-. — St. H. 19. 1. Das Berbaudöbureau ist Neue Königstr. C. stellcnocrzeichniS haben wir nicht. 2. Bitte einen Fachmann fragen. — N. 25. Touristen verein.Naturfrennde', E. Höjelbarih, Peters- Hagen.— O. Tch. 17. Nein.— W. M. 42. Königt. Taubstummen- schule, Elsasser Str. 86/88; Städtische Taubstummenschule, MarkuSstr. 29. — A.®. 30, Wollen Sie, bitte, in der Anstalt anfragen.- G. xv. 04. Ein Gemisch von Elainseije, Pettoleum und Ehlorkaik wird oft verwandt. — W.». 100. Gemeindearbeiterverband, Sektion Badewesen, Engel- us«r 14/15.— Marie Hoffnung 1000. Der Lehrer Herr R. Troitzsch. N. 28, Granseer Str. 7, wird Ihnen aus Anfrage gerne mit Rat dienen. ■— H.®. 11. 1. Ja, anteilig an dem Nachlad des BaterS. 2. In drcissig Jahren.— Ff. F. 73. Ja.— M. K, 4. 650. 1. und 2. Ein Berlaus unter körperlicher Uebergabe oder unter Vereinbarung eines die Ucberaabe ersetzenden RechtSgeschäsl» ist zulässig. 3. bis 5. Die Psändung ist dann auszuheben, wenn die durch di, Zwangsvollstreckung, soweit diese sich gegen »i« richtet, entstandenen Kosten bezahlt sind.—«. 1. l, AmtSaettcht Bcrlw-Schöneberg, Gruncwaldstrasse. 2. Nicht anzunehmen.— O. Z. No. 5. Dagegen ivird sich nichts wn lassen.— R. 1. Llussorden, unter Fristseljung. 2. Nach den üblichen MietSvcrtrügen: nein. 8. Nach vorheriger Aussdrde» rung ja. Die kosten müssten eingeklagt werden.— A. ff. 04. Nein.— «. Ff. 48. Ja, sofern nicht wegen der Alimente oder Steuern Beschlag- „ahme erfolgt ist.— ft. 32. 1. Davon abhängig, wo der erste Ebcwohnsttz gewesen ist. 2. Ja.— P. W. 1. 1. und 2. Nein. 3. Ja. 4, Nuplos. — M. 100. 1. AIS Eciterversichcrte. 2. Ja. 3. Offenbacher Fräucnlasse, Pru.zenstr. 66(W. Hinz).- H. III. 1. Ja. 2. J». sowttt"2" M monatlich oder 28,85 M. übersteigend. 3. Der Mieter kann intervenieren.— i". 91. 43. Soweit ersichtlich, bestehen Rechtsansprüche nicht Wir raten, sich mit einem Ttadlvcrordiieten in Verbindung zu setzen— W. L. 00. Wenden Sie sich sofort an das Zenlralacheitersetrelariat. Berlin, Engeluser 15. Die Schrislslücke fugen sie bei.— F. zz. 1. Ncln. 2- Dazu hat die Polizeibehörde kein Recht.— ft. ft. 7. j. Das Verfahren ist richtig eingeleitet 2. Ja. sosern mch«-w-- der grau-in Scheidung». grund zur aeilc steht. 3. Nach R-chlskrast de» aus Wiederherftellunq lautenden Urteils können Sie bei demjenigen Gericht, vor welchem der Unlerhallsprozess geschwebt hat. aus Aushebung dieses U. teils llagrii.- «.«. 43. Rechtsansprüche kann K. nicht erheben. K. soll sich um Wieder- emstellung oder um Beschäftigung tn einer ahnlichen Stell, uiilcr Hinweis au« seine Dienstzeit an den Magistrat im MlehnungSkalle mit eMer Petitum an die Stadtverordnetenverfammlung wenden.— TS? Nein. - 91. 1001. 1. Ist von dem Standpunkt deS Pfarrers d-zw. der Kirchen- beHorde unabhängig. 2. Ja. Erklärung bei dem Amtsgericht. 3. Ja sojern «n Gemeindesriedhos nicht vorhanden ist. Der Pfarrer erscheint nur ani verlangen. 4! DaS ist zulässig wegen der lauser.den und künsttaen wr.Ä Haltsansprüche.— Hedwig 34. Ohne gesetzlichen Grund kann Scheidimg Nicht ersolgen. Zur Weiterzahlung des Kaufpreises für den Kragen sind Sie verpflichtet; Sie könne» aber von Ihrem Mann Herausgabe forden, Letzterer ist unterhaltspflichtig. Vach Vorliegen eines Urteils oder einer einstweiligen Verfügung kann die Pfändung der Pension beim Amtsgericht beantragt werden. Bis dahin haben sie kein Recht aus Abhebung. Ab- melbungSpslicht besteht für Sie nicht.— R. ft. Berlin ist weiterhin unter- stutzungspflichtig.— tS- T. eto. Focdcnt aie vom Eigentümer Bcseittguug der Störung.—«.®.»• Wenn«te über Minderung der Micke nicht einig werde», setzen Sl« dem Vermieter eine Frist zur Serstellung der Badeeinrichtung unter der Androhung, dass Tie nach Ablauf der Frist ziehen werden; das letztere können Sie alSbann tun. Der Agentümer ist schade neratzpflichtig.— M.®. 26. 1. Soweit ersichtlich, ja. 2. Ja. — flö. Eck). 81. Wir ballen eine Klage aus Zahlung der üblichen Unter- ftützuno für durchsührbgr. Wentze« Sie sich an das ArdcUcrjettetariat, Engeluier 15, über die ungeheure Auewahl und Preiswürdigkeit meiner neuesten Herbst- und Wintermoden * in Damen- and Mädohen-Sonfektlon. Machen Sie einen Versuch!!! Eostöme"v'ÄuC 1950f 26, 39»u 48 n Flanschmäntel mil in aparten 1250, 1875, 25 u. 40 Samt- n. Plüschmäntel, 36. 49. 56 bi. 120 u. Klnclsr- und Baofkflaob- Konfektion sowie RSoke, Binsen, Rinoacs, Abend- und Tbeatenn&ntel»n ganz besonders billigen Freisen. SV Nor eigenes Fabrikat"UHU OsKnr ÄMsrj.smiiM'.ze. H. 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Walhalla. Teufel, das hat eingeschlagen! Anfang 8',. Ubr. Belle-Alliance. Der Sittenapostel.. JutiiueS. Schön Helenchen. Lwbcsabcnteuer. *.* Sternwarte. Jnoalidenstr. 67—«2. Kaiser-Panorama. Neu: Wände- rungen im Harz. Letzte Woche: Konstantinopel. Neues Theater. Abends 8 Uhr: DaS Mädel von Montmartre. C r e v e t! e: t'rltzl Unssnr)-. Sehiller-TIieaterO.Ä: Sonnabend, abends 8 Uhr: "uttaun der VTelate. Sonntag, nachm. 3 Uhr: stau llrbild den Taptttff. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Montag, abends 6 Uhr: Der QlelzZxe. Hieraus: Oer eingebilliete Kranke. Schiller-Theater Chabru?rn" Sonnabend, abends 8 Uhr: Eh lebe das Eeben. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ZIarla dituart. Sonntag, abends 8 Uhr: E» lebe dan Eeben. Montag, abends 8 Uhr: E» lebe das Leben. Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Coenr-Aß. Tbeater in der Kiniggrätzer Straße 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Somitag nachmittag 3'/« Uhr: Ein Walzertraum. Resideuz-Theater. Direktion Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Ksroul u. Barrä. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Ehoptn. Sonntag, den 29. Oktober, nachm. 3'/, Uhr, zu kleinen Preisen: Die arme Löwin. Erledrlch-WilholuiBtttdt. tSchannplclltans. Abends 8 Uhr: Die fjodjieit von Dolem. Luisen-Theater. Heute und folgende Tage: Die Macht der Liebe. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Was Hans und Lisel im Zauberwald erlebten. Sonntag 3 Uhr: Ausgewiesen. llSc-THVATV! Grotze Frankfurter Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: Hansel und Gretel. Abends 8 Uhr: Kean oder: Genie u. Leidenschaft. Somitag 3 Uhr: Kean. 8 Uhr: Eine feste Burg ist unser Gott. Metropol-Hieatar. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Abends 8 Uhr. Zlaucken gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: MiB Abends 8 Uhr: Letzte Woche der Weltstadt- Attraktionen. 10 Uhr: Ein Abend in einem amerikanischen Tingel Tangel. 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Bahnh.-Köpenick.< l Lönokfo»l1ccp" Großes Schlachtefest 1 1 Jeden Sonntag: Großer Ball. 000000000000000000000000000000000000000» Auf ins 401L* Cafe Roland 181 Brunnenstr. 181 Größter Betrieb des Nordens! Belle- Alliancc-Th eater. S'/i Uhr: Kabale und Liebe. s-/.uhr- Der Sitteunpostel. Sonntag 3'/, Uhr: Kameliendame. Passage-Theater. Wime, Abende 8 Uhr: die jap an. Mimo- dramatikerin mit ihrer Truppe i ihr. 'J Mimodramen. Ali Ben Hamad-Truppe, 15 eingob. Springer a. Agadir. Georg Kaiser nn ihren Putzt Cassanii Parodien und das gr. Oktober-Progr. 19" 14 Spezialitäten."Zkg Polles Capriee. Anfang 8'/, Uhr. 58.ZMale: NO* W. Kobi Krach. PASSAGE:::: ANOPTIKUM Die wilden Lebend t Heul-Derwische ans Ceylon mit ihren fanatisch. Produktionen. Merino, der lebende AmboB. AGA, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entres. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Ülein Baby. Urania. WisBenschaftlicheB Theater Nachm. 4 Uhr: Lebende Tierbiider von nah n. fern. Abends 8 Uhr: Gehelmnisse der belebten Afatnr. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Wechselstrommotoren. Zirkus A.£»clmmann Hento abend 71/, Uhr: Soiree High-Elte mit auserwähltem Progr. und O1/« Ubr: Die große Feerie in 5 Bildern 1000 Jahre auf dem Heeresgrunde Vorher das Gala-Programm. Morgen Sonntag: 2 gr. Vorstellungen nachm. S'/jU. 7'/, Uhr abends. In beiden Vorstellungen: 1000 Jahre _ Meeresgrund ISskimos, Samojeden, Lappen mit Renntierherden. Hagenbeckscbe 20 Polarbäreo in i Knr r ürstendamm 151 nahe Bahnhof Charlottenburg und Halensee. Vorführungen; Wochentags 4'/.«'/. und 9 Uhr. Letzte Hauptvorführung abends• Uhr. Vorführuugen Sonntags: 12, 8, 41/», 6'/,, VI, und 9 Uni- Eintrittspreise: Ausstel lungshalle 5« Pf. Vor- führungshallo SO Pf- Vorverkauf bei A. Werthelm und Invalidendank.__ Admiifebpalast /hn fräBibcd I E i»- A r e n a Mittags von 12 Uhr bis 2 Uhr Korso bei Mnslk. XachniUtngH: Mililärkonzert und! Produktionen v. Solaläufern. I Abends zum£24. Male: Das grandiose Eisballett Montreal. Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: Der lilchtertan. und die übrig, erstklass. Kanstlaafproduktionen, Restaurant L Ranges. BisBUhru.nachlO'/jUhi j halb. Kaasenpreiae. Noacks Theater. Dtreklion: Robert 01». Lerlin N.. Brunnenftraße 18. Grofter Poffen-Abcnd. Der Jongleur. Meifterposte in 4 Akten d. Emst Pohl Anfang 8V« Uhr. Morgen: Dieselbe Borftellnng, -M7s,t«rboIti»>«s- Et»bllsson,ei»t SenÄix vir. Martin und Paul Rendll DronleBstr. 08. Von 8—1 Uhr: Konzert X Gesang Humor. Vorträge. Zirkns Bäsch Heute abend 7'/, Uhr: Parade-Gala- Abend. D. beid. Affenmenschen ..Max und Moritz" Herr Georg Burkhardt-Footöt, Schulreiter. Herr Ernst Schumann, Neuddressuron. Bärenringkampt. Frl. Anna Stennis, Schalreiterin. Reitkünstler. Schw. Blumenfeld. Origin.- Aus- stattunes- stück des Zirkus Bäsch in 5 Bildern. Monntag,£0. Oktober: £ gr. Galavorstellungen In beiden Vorstellungen: Ol. beiden Mensohen-AffM Max n. Moritz. 8'/, Uhr: Ein Jagdfest am Hofe Endwlg. XIV. a Ü20 Boigt-THeater. Morgen Sonntag, 29. Oktober 1211, nachmittags 3 Uhr: Die Himmelsleiter. AbendS 7 Uhr: Aas KSihchetl voll Heilbrsllll Großes historisches Rttterschansplet w S Akten von Heinrich v. Kleist. Kafsenerössnung 10 Uhr. Corso-Vadetö.? Frlcdrlchstr. 105. Heitere Künstler- Abende. 12 Attraktionen 12 u. Das ttrkoiti. Zwerglttnen-Doett Sntree 50 Pf. W. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Aiiabelldlich der veue Kerlivtr Nossea» Schlager Der selige Holischillsky. Somtt. 3'/, Uhr: Ein Weih a. d. Volke. Reieüstiallen-Theaier. Stettiner Sänger Gastspiel Robert MI. Ans. wochcnt. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. VoIRs-Cljeater. Rtxdorf, Hermanustr.£0. Sonntag, 29.110.: Der tolle Rittmeister. Milttärisches Drama in 3 Akten von Dr. E. Stilgebauer. Montag, 20/10: Jugend. Drama in 3 Akten von Mar Halbe. Königstadt-Kaslno. Holzmarktstr.72, Ecke Alexanderstr. Die Weber(Bombenersolg). I» 8pezlaIltlLten la Ans. sjl Uhr, Sonntag 6'/, Uhr. sonnt nachm.'/,4 Uhr: Familienvorstellung, Thealer und Spezialitäten.— Entree 20 Pf. gstir den Inhalt der Jnieraee Übernimmt dt« Redattion de« Bnblitn» gegenüber keinerlei Beraatwcrtnug. Zweigverein Berlin. Sonntag, den 29. Oktober 1911, vormittags 10 Uhr, finden ia den angegebenen Lokalen für die betreffenden Bezirk« Mitglieder- Versammlungen statt. ES nujjj erwartet werden, daß alle in Frage kommenden Kollegen bestimmt und pünktlich erscheinen. Oranienburger Vorstadt in den„Borussia-Sälen", Ackerstr. 6/7. forden 1 und 2 bei Obiglo, Schwedter Str. 23/24. istordoften in den„Luna-Sälen", Neue Königstr. 7. güdosten bei Wollenberg, Naunynstr. 6. üdwesten bei Maaß, Bergmannstr. 97. zWedding in den.Prachtsälen des NordenS", Gerichtstr. 31, am Nettelbeckplatz. Gr.-Lichterfelde bei Wahrendorf, Bäkestr. 22. Friedrichsfelde bei Sommerfeld, Miquelstr. 79. Zehlendorf bei Mickley, Potsdamer Str. 25. Wilmersdorf bei Rietsche. Gasteiner-. Ecke der Holstein. Str. Lektion der Steinholzleger. Mittwoch, den 1. November, abends S'/i Uhr: Mitglieder- Versammlung in„Burgerheim", Alte Schönhauser Str. SS. Sektion der Isolierer. Donnerstag, den L. November, abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Hoffmann, Dragonerstr. 15. Für obige Versammlungen ist jede? einzelne Mitglied verpflichtet, die gröfite Agitation zu euisaltcn, sowie in der sür seinen Bezirk veranstalteten Versammlung zu erscheinen. Bor Zwelgverclnsvoratand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239._ Charitestr. 3,_ Hos HI. Amt 3, 1987. Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Emaillierer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Lranchenangelcgenheiten. 2. Verschiedene«. Es ist«otwendi«. daß jeder organisierte Kollege erscheint. DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Sonntag» den 29. Oktober, vormittags 9'/, Uhr: Versammlung aller in den Kuvertuiaschinenfabriken beschäftigten Kollegen im Lokal Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147. Tagesordnung: 1. Die Beendigung des Streit» bei der Firma Bruno Pahlttzsch und wie Herr Pahlttzsch sein Wort hält. 2. Diskussion. Kollege»! Da Herr Pahlihsch sein gegebene» Wort gebrochen hat. ist es notwendig, der breiteste» Oeffentlichteit hiervon Kenntnis zu gebe». DaS Erscheinen aller ist daher dringend notwendig.___ Montag, den 30. Oktober, abends 6 Uhr: Versammlung aller in den Betrieben der Militär- essektenbranche beschäftigten Kollege» u. Kolleginnen in den Rittersälen, Ritterstraße 76. Tagesordnung: 1. Unsere Aufgabe»»ach der Lohnbewegung. 2. viSkussion. S. Verschiedenes. �. 125/6 Niemand darf te dieser Versammlung(edlen und erwartet rege Be. telligung Dl« Ort» Verwaltung. r und anderer gewerblicher Arbeiter. E. H. 3 Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtliche« BerwalwngSstellen: Berlin A: Am Tonntag. den 29. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Lokal von l>\FrvUt>av(£>: 00 Uhr. W Uhr. bei Wählisch, Skalltzer Str. 2T. Berlin B: Am Sonntag, den 29. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshanse. Engeluser 15. Saal 1 Berlin C: Am Sonntag, den 29. Oktober, vorm. Habels, Bergmannstr. 5—6.........., Berlin D: Am Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr. in der Patzcnhofer-Braneret, Turmsir. 25/26. Berlin E: Am Sonntag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Berlin �:�An��Sonnwg.�den�9. Oktober, vormittag» 10 Uhr. bei Beriin So'ni>tag7den�9°Ottob°r! vormittag» 10 Uhr. in Manns _.. L-rtnna.Sälen. StrauSbcrger Stratze 3._ Berlin H: Am Sonntag, den 29. Oltober, vormittag» 10 Uhr, bct Herrn Neidhardt, srüher TolkSdors. Görlitzer Straße«. Berlin J: Am Sonntag, den 29. Oktober, vormittag» 10 Uhr, bei.'�errn __,.'5' Ereive, Romintener Siraße 2._. Charlotten borg; Am Sonntag, den 29. Oktober, vormlltags 10 Uhr, im NultaKn..�(o.k___ o _____ im Volkohans. Rosinenilr 3 Uehtenberg. Stralau-Runimelabarg; Am Montag, den ßO. Oktober, Abends 8'/. Uhr im Lokal von Piekcnhagen m Lichtenberg, ischornweberstr. 60. —'------- a- DU. w«« SchOneberg: Am Sonn tag, den 29. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Groffer, Meimnger Straße 8, Tunnel. Tagesordnung: 1. Kaflenbericht vom 2. und 3. Quartal 1911. 2. Besprechung»der eine zu errichtende RotstandSkasse in Sterbesällen. 3. Verschiedene Kasten. angelegenheilen._ 181/6 Mitgliedsbuch legitimiert. i U« zahlreich«» Erscheinen der Mitglieder ersuchen «Die OrtnverwnUnngen. 1- n - und verwandter Berufsgenossen Geschäsisstelle: 0. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt 3, 4518. Sonntag, de» 29. Oktober, nachmittags VI, Uhr, in Boekers Fest- sölen, Wcderstr. 17: tienersl-Versammlung. Tagesordnung: I. Geschäfts- und Kassenbericht vom III. O-uartal 1911. 2. Die Bierablösungsfrage. 3. Verbandsangelegenheiten. 44/16 Kollegen! Erscheint Mann sür Mann in dieser Versammlung. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert, ohne diese kein Eintritt._ Pie Ortsverwaltnng. Für die streikenden Holzarbeiter Hamburgs gingen weiter joigende Beiträge ein: Tischi. Thierichens 15.—. Tisch!. AnderS 5,30. Tisch! Zwietusch 12,15. Drechslerei Reimann 5,—. Tisch! Geißler 4. R. 10,—. Tischi. Kaiser 39,—. Tisch! Einecke u. Krüger 9,—. Treppengel.-F. Geißler u. Söhne 55,15. Tisch. Kühn 22,95. Tischi. Grünial u. Passolh 3. R. 5.—. Tisch! Felzer u. Köster 7. R. 7,45. Tischi. Hornig u. Co. 3. R. 10,10. Tisch! Hede u. Krah 2. R. 17,50. Tisch! Gülle 4. R. 5,75. Tisch! Zellmer u. Bartsch 5. R. 15.—. Tischt. Carmen 10,55. Ti'ch! Jkcs u. Co. 8,50. Tisch! Pribbenow 13,20. Tisch! Lücke 5,65. Tisch! Tdomas außer Menzel 3. R. 9,—. Tisch! Siegsried 7,45. Tischi. Groß 14,20. Tisch! Lerche u. Beyer 9.15. Tischl. Hartwich Nachs. 8,50. Tischi. Wollmar u. Hanke 7. R. 13,60. Tisch! Weinland 2. R. 20,40. Tisch! Hansel 4. R. 20,70. Tisch! Hyan 10,—. Modellabt. Bergmann 31,10. Tischl. Langnick 2. R. 13,—. Tisch! Nickel 6. R. 10,45. Tischl. Kieling 3. R. 6.20. Tischl. Roedel 7,—. Tischl. Haase 5,—. Tisch! Heinz, Lauter u. Co. 35,05/ Tischl.-Gen. Berolina 15,10. Polierer von Klug 2. R. 10,—. Tischl. Haserlorn 5,35. Tisch! Kukelenz 8,80. Tisch! Friedrich 12,50. Tisch! L. Lüdike 2. R. 17.85. Tischl. Rahn 2. R. 37,80. Korbm. Heinemcmn 6. R. 5,—. Goldleistens. Meißner 4,50. Tisch! Gerson 2. R. 18,—. Tisch! Hoop 15,—. Küchenmöbelj. durch Krause 9. R. 10,75. Küchenmöbeis. Manzke 6. 91. 10,—. Tisch! Baute 14,30. Tisch! Gebr. Schaar 39,30. Tisch! Miles u. Neumann 7. R. 16,50. Tischl. Bünger 2. R. 30,—. Siocks. Goidmann 2, R. 5,80. Siellm. A. E.-G., Ober-Schöneweide, 2. R. 25,—. Tischl. Flatow u. Co. 24,85. Möbels H. u. A. schulz'3. R. 27,20. Rahmens. Pätzold u. Klein 6,80. Tischl. Krause u. Co. 2. R. 8,35. Tischl. Bembeneck, Koch u. Co. 5. 91. 9,05. Tisch! John u. Bester 8,80. Tisch! Kunze 5,10. Tischl. Starik u. Co. 21,10. Tisch! Röhie 5. R. 7,20. Tischl. Lennig u. Jatzki 17,20. Tischl. Kuhnert u. Kühn 4,50. Tisch! Stern, Seliger u. Co. 8. R. 12,90. Biert. Ver. Werk- statt sür Kunst 3. 9i. 10,—. Tischi. Blankenburg u. Schnabel 6. R. 9,15. summa 967,30 M. Bereits quittiert 8003,60 M. Einnahme dieser Woche 967,30 M. Summa 8970,90 M. 91/7_ Pie Ortnverwaltnng. Diese große Tasse feinster Fleischbrühe lieterF Ihnen ein Aufguß heißen Wassers auf einen OXOßouillon-Wüffel der Comp'i LIEBIG. PreisSPFg. IMark wöchentl. Teilzahlungen liefere elegante fertige ':: Ersatz für Mass:: Anfertigung nach Mass Tadtilose Ausführung Julius Fabian Schneidermeister Gr. Frankfurter Str. 37," Einsang Strauabwgar Pia», II. Geschäft: Turmstr. 18 nur i. 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Also diejenigen Bewohner der Stadt, die so wenig Einkommen haben, daß sie gerechterweise von jeder Besteuerung freibleiben müßten, gelten diesem waschechten Freisinnsmann als„Stipen- diäten", als Unterstützungsempfänger! Aus den Reihen der sozialdemokratischen Stadtverordneten kamen enr- rüstete Protestrufe, und Genosse Stadthagen gab nachher Herrn Cassel die treffende Antwort, daß nicht die Arbeitenden und wenig Steuernden, sondern die Wohlhabenden als Stipendiaten anzusehen sind, als Stipendiaten der Arbeiter, durch deren Arbeit sie wohlhabend werden. Es ist nicht das erstemal, daß der Berliner Kommunal- freifinn diese seine Ansicht über die Stellung derMin- derbemittelten in der Gemeinde und über ihre Rechte an die Gemeinde so unverhüllt ausspricht. Bekannt ist der dem Freisinn in den Gemeinden als selbst- verständlich geltende Grundsatz, daß nur mitratensoll, wer mittatet, nur mitraten soll durch Teilnahme an den Gemeindewahlen, wer mittaten kann durch Zahlung von Steuern. Zu diesem Grundsatz paßt durchaus das Drei- klassensystem des Gemeindewahlrechts, das dem reichlicher steuernden, kräftiger„mittatenden" Bürger einen um das Vielfache stärkeren Einfluß auf die Zusammen- setzung des Stadtparlaments gewährt als dem Arbeiter, der nur wenig zu steuern vermag. Das dreiklassige Gemeinde- Wahlrecht sichert dem Berliner Kommunalfreisinn das Ueber- gewicht in unserer Stadtverordnetenversammlung und es ist so recht nach dem Herzen. dieses Kommunal- f r e i s i n n s, dessen Hauptwortführer das dreiste Wort von den„Stipendiaten" den minderbemittelten Einwohnern der Stadt ins Gesicht schleudern zu dürfen gemeint hat. So sieht der Koinmunalfreisinn ohne Maske aus! Was die Gemeinde ihren Bürgern gewährt, ohne ein be- stimmtes Entgelt dafür zu nehmen, gilt den Freisinnigen als „Stipendium", als„Unterstützung", am Ende gar als„Al- mosen"— wenn Minderbemittelte die„Empfangenden" sind. Nicht selten haben in der Berliner Stadtverordnetenvcrsamm- lung die unentwegten Verfechter der Freisinnsprinzipien er- klärt, daß die Bevölkerung die unentgeltliche Gewäh- rung von Gemeindelei st ungen, wie sie in An- trägen der sozialdemokratischen Fraktion gefordert wurde, als ein.. A l m o s e n" empfinden und sich dadurch„beschämt" fühlen werde. Aus demselben Prinzip heraus gelangte in der letzten Stadtvcrordnetensitzüng auch der freisinnige Stadtver- ordnete Rose n o w dazu, vor einer weiteren Ausdehnung der Steuerfreiheit der Minderbemittelten zu warnen mit der Begründung, daß die davon Betroffenen sich„degra- hiert" fühlen würden. Was hat die werktätige Bevölkerung Berlins von Männern zu erwarten, die solchen Anschauungen huldigen? Welches Vertrauen soll sie Stadtverordneten entgegenbringen, die so über die Aufgaben der Kommune denken? Tie Kom- munalwähler der dritten Klasse, die-am 8. November ihre Wahlen zur Stadtverordnetenvcrsamm- lung zu vollziehen haben, werden die richtige Antwort geben. Die Charlottenburger flrbe!tslo!en- verlicherungs-Vorlage im �auptprinzip abgelehnt! Die Charlottenburger Arbeitslosenversicherung, die bekanntlich auf eine sehr lange Vorgeschichte zurückblicken kann, ist wieder auf einem toten Punkt angelangt. Längst haben andere deutsche Städte, deren finanzielle Leistungsfähigkeit bedeutend geringer ist. Charlottenburg bei weitem überholt. Zwar ließ es die kleine sozialdemokratische Fraktion an nachdrücklichem Eifer nicht fehlen, die bürgerlichen Parteien vorwärts zu drängen, trotzdem kam man aber jahrelang aus dem Erwägen nicht heraus. Erst nachdem auch das benachbarte Schöneberg das Genter System der Arbeitslosenfürsorge eingeführt hatte, machte sich ein gewisser Umschwung bemerkbar. Als im März dieses Jahres dann endlich der Charlottenburger Magistrat der Stadtverordnetenversammlung den Entwurf einer Arbeitslosenversicherung unterbreitete, hatte es den Anschein, als ob die liberale Mehrheit dieses Vorgeben unterstützen wollte. Allerdings war dazu keine besondere Ueberwindung nötig, denn die Vorlage hält sich in sehr dürftigen und bescheidenen Grenzen. Eine gänzlich unverständliche, einschränkende Bestimmung enthält beispielsweise§ 2, der diejenigen Arbeiter von dem Genuß der städtischen Arbeitslosenversicherung ausschließt, die noch nicht ein Jahr in Charlottenburg wohnen und deren letzte Arbeitsstätte nicht bei einem Charlottenburger Arbeitgeber war. Da die gesamte Materie in einer gemischten Deputation schon «ine umfangreiche Vorberatung erfahren hatte(die Deputation hat fast zwei Jahre getagt), konnte man mit Recht annehmen, daß die Magistratsvorlage bald zur Verabschiedung gelangen werde. Jedoch wer das glaubte, hatte feine Rechnung ohne die heimlichen Feinde der Arbeiterbewegung gemacht, die in der Charlottenburger Stadt- verordnetenversammlung in nicht geringer Anzahl vorhanden sind. Daß von den nationalliberal und konservativ gesinnten Stadt- verordneten die Vorlage sofort in der geh sigsten Weise bekämpft wurde, war ja voraus zu sehen. Es wurde deshalb auch von unseren Genosien nicht besonders tragisch genommen, als in der „Charlottenburger Tageszeitung" ein von dieser Seite inspirierter Artikel erschien, der an gemeinen Ausfällen gegen die Arbeiter- fchaft wohl schwerlich übertroffen werden kann. Eine kleine Probe daraus wird genügen. Es heißt da unter anderem: „Bei uns'.n C�arlotienburg kommen als organisierte Ar« beiter nur die Sozialdemokraten in Betracht und denen ist nicht zu helfen und soll auch nicht geholfen werden. am allerwenigsten auf Kosten der bürgerlichen Steuerzahler. Jeder Groschen, der in irgendeiner Form an die Sozialdemo- kratie verschenkt wird, dient der direkten und indirekten Wahl- agitation dieser staats- und vaterlandsfeind- l i ch e n Partei, die sich nur lustig macht über die dummen Bourgeois, die so ungeschickt sind und das sozialdemokratische Prinzip:„Sparen ist Unsinn!" unterstützen, oiesen teuflisch er- sonnenen Grundsatz, der am letzten Ende zur Verzweiflung in der verschuldeten und unverschuldeten Not führt, zu einer Ver- zweiflung, wie sie die hetzende Sozialdemokratie gerade brauchen kann."— Aber es sollte sich bald zeigen, daß es auch mit der angeblichen Arbeiterfreundlichkeit der Liberalen nicht weit her ist. Die Be- Handlung der Arbeitslosenversicherungsvorlage ist der beste Beweis dafür. Während andere Vorlagen, die Charlottenburg in ihrer finanziellen Tragweite hundertmal mehr belasten, beinahe im Handumdrehen erledigt werden, wurde die Fürsorge für die Ar- beitslosen immer wieder auf die lange Bank geschoben. Der fabelhafte Eifer, mit dem z. B. der Bau des Opernhauses betrieben wurde, zeigte ja, was geleistet werden kann, wenn nur der gute Wille da ist. Freilich, bei der Arbeitslosenversicherung handelt es sich nur um die minderbemittelten Bevölkerungsschichten, die nach Ansicht mancher bürgerlichen Stadtverordneten in Charlottenburg gewissermaßen nur geduldet sind. Und einer der Herren aus der „ersten Klasse" bekämpfte denn auch die Arbeitslosenversicherung mit der Begründung, daß mit ihrer Einführung sich der Zuzug dieser unerwünschten, minderbemittelten Elemente verstärken würde. Der Ausschuß zur Beratung der Vorlage wurde nun bereits im März eingesetzt und erst im September hatten die Herren end- lich Zeit, sich zu einer Sitzung zusammenzufinden. In der Zwischen- zeit sind nun eigentümlicherweise einige Freunde der Vorlage ihren guten Vorsätzen wieder untreu geworden. Der letzte Deutsche Städtetag in Posen hat zweifellos sein Teil mit dazu beigetragen und namentlich die scharfmacherische Rede des Dr. Adickes, Ober- bürgermeister in Frankfurt a. M., gegen die kommunale Arbeits- losenversicherung hat ihre verderbliche Wirkung nicht verfehlt. Von denselben Gesichtspunkten ausgehend, wurde sofort bei der ersten Beratung im Ausschutz der Versuch gemacht, die Vor- läge in Bausch und Bogen zu Fall zu bringen. Es fand sich in der hatte jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Es fand sich in der Kommission doch noch eine Mehrheit, die trotz der gegenteiligen Stellung des Städtetages ein Vorgehen Charlottenburgs auf dem einmal eingeschlagenen Wege gut hieß. Die Gegner der Vorlage wühlten jedoch eifrig weiter. Sie änderten nur ihre Taktik. In der nächsten Sitzung richteten sich die Angriffe in erster Linie gegen Z 3 der Vorlage. Dieser Paragraph� hat folgende Fassung: „Der Zuschuß(an Arbeitslose aus dem Arbeits- losenfonds) beträgt bv Proz. der täglichen Arbeitslosenunter- stützung, die der Arbeitslose auf Grund eigener Fürsorge bezieht. sei es aus der städtischen Arbeitslosenversicherungskasse oder von einer Berufsbereinigung(Gewerkschaft, Gewerkverein oder der- gleichen), zu der er Beiträge entrichtet, oder aus einem Spar- guthaben bei der städtischen Sparkasse in Charlottenburg(Z 11), dessen Verwendung für diesen Zweck sicher gestellt ist. Die Person darf nie mehr als eine Mark Zuschuß für den Tag er- halten." Beantragt wurde, die Worte zu streichen:„oder von seiner Berufsvereinigung(Gewerkschaft, Gewerkverein oder dergleichen)". Die Streichung bedeutet Ausschaltung der Gewerkschaften und Ablehnung des Genter Systems der Unterstützung der organisierten Selbsthilfe. Der schäbige Rest, der von der Vorlage dann noch übrig bleibt, ist gänzlich bedeutungslos. Um den Antrag überhaupt begründen zu können, wurde in der Manier des Reichsverbandes die Tätigkeit der freien Ge- werkschaften angegriffen. Die allgemein anerkannte Tatsache, daß doch gerade die Arbeiterorganisationen Großes in der Unter- stützung ihrer Arbeitslosen geleistet haben, wurde, da man sie nicht leugnen konnte, einfach ignoriert. Alle Einwände wurden unbeachtet gelassen. Sogar die Bemühungen des Mogistrats zur Rettung der Vorlage blieben erfolglos. Und gerade der Hinweis, daß im Falle der Ausschaltung der Gewerkschaften die Vorlage schwerlich die Zustimmung des Magistrats finden würde, erzielte das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung. Denn damit bot sich ja die beste Möglichkeit, das verhaßte Projekt ganz in dem OrkuS verschwinden zu lassen, und obendrein konnte man noch bequem die Schuld von sich abwälzen. In ihrem blinden Haß gegen die freien Gewerkschaften übersahen die Liberalen auch gänzlich, daß sie die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine ebenfalls mittrafen. Diese sind ja bekanntlich ein Anhängsel der liberalen Partei. Als einigen schließlich diese Erkenntnis dämmerte, war es schon be- schlössen. Innerhalb der liberalen Fraktion ist eS deshalb schon zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Denn vielleicht nicht mit Unrecht fürchten jetzt die liberalen Führer, daß die wenigen Arbeiter, die ihnen noch nachlaufen, durch diese Vorkommnisse ebenfalls einsehen werden, daß eine wirkliche Arbeiter- Politik nur von der Sozialdemokratie betrieben wird. Den Unaufgeklärten dies begreiflich zu machen, wird nicht versäumt werden! Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen bieten die beste Gelegenheit, das arbeiterfeindliche Treiben der Charlottenburger Liberalen und der mit ihnen verbündeten Nationalliberalen und Konservativen in seiner ganzen Nacktheit zu enthüllen.__ parte!- Hngelcgcnbelten* Flngblattvcrbrcitung. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 23. Oktober, findet in den Kommunal-Wahlbezirken 28, 3S. 42 und 46 Flugblatt- Verbreitung statt. Für die erste Abteilung findet im Anschluß an die Flngblattverbreitung um 10 Uhr in allen Bezirken eine Extra-Zusammenkunft statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich an demselben zu beteiligen. Treffpunkt zur Flugblattverbreitung früh 8 Uhr in den Bezirkslokalen._ Der Vorstand. Rixdorf. Die Bibliothek des Wahlvereins ist am Sonnabend, den 28. und DieLtag. den 31. d. M. geschlossen. Die Bibliothekskommission.' Mariendorf. Morgen, Sonntag, früh,»/zlO Uhr: Wichtiger Extra-Zahlabend. Der Vorstand. Britz-Vuckow. Des 20. Stiftungsfeste» wegen bleibt die Bib» lioihek hbute, Sonnabend, den 28. Oktober, geschlossen. Regelmäßiger Bücherwechsel jeden Sonnabend bei Zilz, Werderstraße 29, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Die Bibliothekslommissio». Storkow. Am Sonntag, den 29. Oktober, nachmittag? 2 Uhr, findet in Spreenhagen eine Volksversammlung unter freiem Himmel statt, in der Genosse Kluß-Rixdorf über»Strauchdiebe und Reichstag' sprechen wird. Die Genoffen, welche in nächster Umgebung wohnen, werden ersucht, für die Ver« ämmlung rege zu agitieren. Borsigwalde. Heute, Sonnabend, findet das 3. Stiftungssest der Bezirkswahlvereine unter Mitwirkung der Volkssänger- Gesellschaft Lewandowski und des Berliner Sinsonie-Orchesters(Kapellmeister Maxim. Fischer) statt. Die Bezirksleitung. Spandau. Morgen, Sonntag, den 2V. Oktober, nachmittags 3 Uhr. findet für die Orte Gatow, Cladow und Gr. Glienicke auf dem Gehöft des Herrn Heinrich Buckel in Cladow eine öffentliche Bersamiiiluug statt. Tagesordnung: Arbeiter, Kleinbauern und Sozialdemokratie bei der bevorstehenden Reichstagswahl. Referent: Kandidat des Kreises Dr. Karl L i e b kn e ch t. Für die Genosien, welche von Spandau an der Versammlung teilnehmen, erfolgt der Abmarsch mittags 1 Uhr vom Genossen Seior, Gatower Str. 1, aus. Der Vorstand. ßerlirnr Nacbncbtcn» Der Regen. Wenn man Regen wünscht, bleibt er aus und gerade dann, wenn er vielfach nicht gebraucht wird, stellt er sich ein, um die Straßen der Großstadt mit einem glitschigen Naß zu überziehen. Abends glitzert in tausend grotesken Reflexen die Lichtflut der City auf dem nassen Trottoir. Weiter hinaus in den Vorstädten sieht es trostloser aus in jenen Schatten, die zwischen langen Reihen armseliger Mietskasernen lagern. Unablässig tönt die monotone Musik um uns, kriechen und hüpfen schillernde Lichtschlangen mit jedem Schritt an unserer Seite einher. Leise nur steigt ein fernes Anklingen, eine Er- innerung längst vergangener Tage herauf.— In mir steigt die alte Sehnsucht ans und so fahre ich wieder einmal hinaus nach dem alten Schloßpark dort draußen in der Mark. Wie ist sie mir doch bekannt die alte Linden bestandene Allee, die zum Herrenhanse führt. Der Regen klappert an seinen altmodischen Fensterläden. Kein Mensch war zu sehen; er hatte sie alle hineingescheucht in ihre Stuben und Flure. Wollte er doch allem sein, wenn er mit seinen Frelinden, den uralten Eichen, Isen Linden, den Buchen und all den anderen dort plaudern wollte. Und jene standen regungslos da und lauschten. Lauschten des ewigen Liedes das er ihnen auf ihrem Gezweige spielte; und es klang gewaltig wie das ferne Rauschen eines mächtigen Wassersalls. Andächtig schritt ich auf dem laub- und eichclbedeckten Fußwege dahin. Und der Regen rieselte die schtvarzen Stämme der Buchen hinunter, klapperte aus dem Geäst der himmclanstrcbenden Silberpappeln und tröpfelte vertraulich in dem Blattwerk der Linden. Aber auch alle Farben des so nuancenreichen herbstlichen Laubwaldes stimmte er um einige Töne tiefer. Ein leiser Rhythmus schwingt in dem Rauschen der niederfallenden Regentropfen, in den flirrenden Farbflecken des abgefallenen Laubes. Alle nur möglichen Farben geben sich hier ein Stelldichein. Dort drüben wird eine Gruppe ernster Tannen in ihren schwarzgrimen Tinten von smaragdgrünem Buchen- gezweige und gelbfarbigem Unterholz umrahmt. Aus dem humusreichen Waldboden über und über mit gelbem und orangerotem Laub bedeckt, steigt ein feuchter Dunst, der alle entfernteren Baumgruppen und Lichtungen mit einem grau- violettem Schleier überzieht. Und durch diese feierliche Regungslosigkeit, durch dieses so einschläfernde Rauschen und dem bitteren Humusgeruch führt der Weg zu einem Teich hinab. Einige Wildenten schlagen scheu auf. Unisäumt von im Herbstschmuck erglühenden Kastaincnbäumen und tief hinabhängenden blaßgrünen Weiden und Erlen verträunit dieser versteckte Weiher die Stunden. Unzählige Regentropfen haben den dunklen Wasserspiegel mit einem fein punktierten Spitzenschleier überdeckt. Ein kleiner Kahn liegt unter einer alten Weide angebunden. Ich setze mich hinein und lausche. Und auS den Zweigen über mir rinnt und tropft es ins Wasser. S' ist ein anderer Ton— heller und klingender wie unter den alten Eichen. Leise per- schmelzen sich die Akkorde zu einer wundervollen Melodie, bei der es sich so schön träumen läßt, bei der man wieder Kind wird und alles Leid, alle Unruhe von uns flieht. Darum Hab' ich ihn so ger�. den Regen. Prämiierte Säuglinge mit Musir wird es am Sonntag in Berlin zu schauen geben, eine Art Mastkind-Ausstellung, leibhaftige Menschlein im ersten und zweiten Lebensjahre. Das wird mal ein Staunen sein, ein Kreischen, Kritisieren. Das heißt, nicht von den gewickelten, genudelten, aufgeputzten�jungen Weltbürgern, die in der Mehrzahl, wohlgefällig am Schnuller ziehend, so tun werden, als ob sie der ganze Rummel nichts angeht, sondern von der W?lt derer, die sich nicht langweilen wollen und die Vergnügungsjagd für einen Lebensberuf halten. Der Ort, an dem die Prämiierung stattfindet, das vornehme Landwehr-Kasino am Zoologischen Garten. und das hohe Eintrittsgeld von 1 Mark zeichnen der vom Zelldrhause — natürlich!— eingerenkten Reklameveranstaltung die Richtung vor. Gehört schon ein besonders feinfühliger Takt dazu, in den gegenwärtigen Teuerungszeiten, die Hunderte von Säuglingen aus dem Volke wegen Mangel an ausreichender Nahrung zugrunde gehen lassen, eine Ausstellung fetter Säuglinge zu arrangieren, so soll auch der äußere Nahmen der�sonderbaren Veranstaltung, für deren Vaterschaft ein Junggeselle verantwortlich zeichnet, durchaus auf das Amüsement gestimmt sein. Es gibt Gesang, Klavier- paukerei, Rezitationen. Festreden, Selbstbeweihräucherung. Und der volkswirticyasruche Wert? Eo ziemlich gleich Null. Nicht auf die Schwere und die Fettpolster der ausgestellten Kleinen kommt es an. sondern auf die sozialen Verhältnisse, unter denen sie in Windeln und Stechkissen sich zu angehenden.Bachunern ausgebildet haben. Da spielen hundert soziale Gründe mit, welche die Ernährung höchst wesentlich beeinflussen, und dieser sozialen Seite ist der Veranstalter eines für Berlin Wild-West berechneten Amüsements von vorn- herein nicht gewachsen. Säuglinge auszustellen von Müttern, die selbst durch Wohlleben dick und fett sind und auch ihren jungen Kindern mit reichlich vorhandenen Mitteln alle ilMzüge einer ge- ordneten Säuglingspflege zukommen lassen können, hat absolut' keinen Wert, reizt höchstens zu Gegensätzen. Man soll in di» Quartiere der Not gehen und sich hier das junge Menschenmaterial betrachten, das trotz aller öffentlichen Säuglingsfürsorge nicht auf die Beine kommen will, weil die Keime der Unterernährung schon vom Mutterleibe übertragen find— das ist lehrreicher, allerdings nicht amüsant. Nette VerkehrSzustände herrschen auf dem Staatsbahnhof F'ü r st e n w a l d e. Eine Leserin schreibt uns, daß sie hier am Mittwoch mit dem von Charlottenburg abgegangenen Fernzuge 3,22 nachmittags eintraf, um mit der neuen Kreisbahn Beeskow- Finsterwalde nach Saarow am Scharmützelsee weiterzufahren. Nach dem offiziellen Fahrplan gehj der Anschlußzug um 4,05 Uhr ad. Am Schalter des StvatSbahnhofes wurde jedoch nach Einblick in den Fahrplsn etkkart. daß dieses Zug ausfalle Md nur noch an Sonn und Feiertagen abgelassen werde, sonach erft mit dem Zuge 6,20 die Weiterfahrt nach Saarow möglich sei. Es blieb also nichts weiter übrig, als sich in der Stadt Fürstenwalde drei Stunden lang herumzudrücken. Als dann endlich der Kleinbahnzug 6,20 benutzt wurde, erfuhr die Leserin vom Zugpersonal, daß der Zug 4,05 fahrplanmäßig gefahren sei, ebenso an den vorhergehenden Tagen, Am Schalter des vom Kleinbahnhofe nur etwa hundert Meter ent- fernten Staatsbahnhofes ist also eine völlig falsche Auskunft erteilt worden. Bei der Rückfahrt mußte man in Fürstenwalde wieder anderthalb Stunden liegen bleiben, bis Anschluß an den nächsten Berliner Zug möglich war. Zu dm Bericht über»ne Stadtverordnetenversammlung teilen wir ergänzend mit: Genosse Stadthagen wies nicht auf frühere Gesetzenttvürfe hin, die eine Einkommensteuerfreiheit von 1200 und 1600 M. statuierten, sondern ans das Lohnbeschlagnahmegesetz, das für das ganze Reich früher 1200, später 1200 M. Jahreseinkommen für unpfändöar erklärt und damit diese Summen als Existenz- Minimum anerkannt hat. Zur Liquidation der Allgemeinen Teeimportgesellschäst wird uns von authentischer Seite noch mitgeteilt, daß von der Allge- meinen Ortskrankenkasse für Rixdorf wegen Unterschlagung von Beiträgen in Höhe von insgesamt 2300 Mark Strafantrag gestellt worden ist. Aus Anlaß dieser Anzeige sind auch bereits eine Reihe von Personen vernommen worden. Ein Antrag der Kranken- kasse auf Eröffnung des Konkurses wurde durch das Amtsgericht Rixdorf wegen Mangel an Masse zurückgewiesen. Auch die Orts- krankenkasse für kaufmännisches und Bureaupcrsonal in Düffel- dorf will wegen Unterschlagung von Kranienkassenbeiträgen in Höhe von etwa 1300 Mark strafrechtlich gegen den Geschäftsführer der A. T.-G. vorgehen. m « Bon einem Omnibus totgefahren. Ein tödlicher Unfall ereignete sich gestern vormittag an der Ecke der Dorck- und Katzbachstraße. Als dort der AntomobilomnibuS Nr. 1320 der Linie 14 von Schöneberg kommend die Kreuzung nehmen wollte, lief plötzlich ein junger Mann über den Straßendamm, um einen vorüberfahrenden Straßenbahn wagen noch zu erreichen. Auf dem schlüpfrigen Pflaster kam der Mann jedoch zu Fall und stürzte unmittelbar vor dem Automobil- omuibuS nieder, so daß ihm ein Borderrad über den Leib hinweg ging. Der Unglückliche erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf der Stelle starb. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Es scheint fich um einen jungen Mann namens Wilhelm Krause aus der Ansbacher Straße 37 zu handeln, da man in den Taschen eine Karte mit dieser Ausschrift fand. Geldreklame ist das Neueste auf dem Gebiete de? ReName- Wesens. Um für die Zettelverteilung einen Ersatz zu bieten, ist eine Rcklamegesellichaft auf den Gedanken gekommen, an einer zusammen- klappbaren Rellamelarte ein echtes Zehnpfennigstück zu befestigen und dieselbe in einem geschlossenen Briefkuvert, durch das dos Zehn- Pfennigstück sichtbar ist, öffemlich verteilen zu lassen. Die Verteilung geschieht in der Regel in der Nähe der Inserenten. DaZ Briefkuvert enthält die Aufschrift:„Benutzen Sie einliegendes Geldstück beim Einkauf in folgenden empfehlenswerten Geichäften." Daß diese Reklamen gern abgenommen und nicht etwa sortgeworfen werden, ist glaubhaft. Schon des 10°Pfentt!gstückes wegen. Auf offener Straße erschossen hat sich der 22 Jahre alte Arbeiter Paul Melich, der bis vor drei Wochen bei seiner Tante in der Voigt- straße 12 wohnte. Der junge Mann entzweite fich mit seiner Tante und zog in Schlafstelle. Er hatte wenig Arbeit und mutzle, umsein Leben fristen zu können, die Unterstützung der Verwandten in An- spruch nehmen. Dies paßte ihm auch nicht besonder» und er be- schloß, seinem Leben ein Ende z» machen. Gestern abend kurz nach 10 Uhr schoß er sich auf dem Fahrdamm, Ecke Frankfurter Allee und Jungstraße mehrere Kugeln in den Kopf, die leinen sofortigen Tod herbeiführten. Melich hatte sich bereits im vorigen Sommer einmal da» Leben nehmen wollen. Er hatte zu diesem Zwecr den Gashahn in seiner Wohnung geöffnet. Er wurde in bewußrlosem Zustande aufgefunden, tonnte aber wieder in» Leben zurückgerufen werden. Eine für Radfahrer wichtige Entscheidung hat der Polizeipräsident von Berlin soeben erlassen. Bisher war auf Grund der Polizei- Verordnung vom 11. März 1009 daß Besahren der Friedrichstraße von der Leipziger Straße bis zum Bahnhof Friedrichstraße mit Zweirädern verboten. Seit der Verkehrsregelung in den engen Teilen der Friedrich- und Eharlottenstraße waren die Radfahrer insolgedesjen häufig zu erheblichen Umloegen gezwungen, da ihnen jetzt auch die Benutzung der Charlottenstraße zwücken Dorothern- und Behrenstraße in der Richlung von Norden nach Süden unmöglich geworden war. Mit Rücksicht hierauf und da andererseits der Wogenverkehr in der Friedrichstraße infolge der neuen Verkehrs- besliminnng sich wesentlich verringert hat und sich glatt abwickelt, so daß für und durch die Radfahrer bei genügender Vorsicht dort keine größere Gefahr besteht als anderwärts, ist nunmehr die ganze friedlich straße für den Radfahrerverlehrver- uchs weise freigegeben worden, selbstverständlich gilt in den engen Teilen derselben für Zweiräder die gleiche Bestimmung wie für andere Fuhrwerke, daß nämlich diese nur in der Richtung von Norden nach Süden befahren werden dürfen. Die Leiche deS jDtenstmödchens AgneS Jäger» daS zuletzt bei einer Rentiere in Steglitz in Stellung war und dort vor 14 Tagen plötzlich verschwand, ist gesteAr vormittag an der unteren Schleuse g»landet worden. Die Jäger ist am 17. d. Mts. im Tiergarten in den Landwehrkanal gegangen, nachdem sie vorher-ihrer Schwester, die ebenfalls in Berlin in Stellung ist, ihr Vorhaben mitgeteilt hatte. Diese erkannte in Kleidungsstücken, die man am anderen Tage an der Böschung des Landwehrkanals fand, die Sachen ihrer Schwester. Eines Lungenleidens wegen hatte das Mädchen den Tod gesucht. Eine Revolvcrschicßercr erregte gestern am Friedrichshain großes Aufsehen. Der Renten- und Almosenempfäiioet Friedrich Trug, der seit 13 Jahren von seiner Frau, die in der Lippehner Str. 30 einen Plättteller hat. getrciinl lebt, erschien in der Wohnung seiner ge- schiedenen Frau und niachte ihr einen bösen Auftritt. Als er den Keller verlassen halte, schoß meine Kugel durch da« Fenster, ohne jedoch jemand zn treffen. Diesen Vorgang hatten einige Leute beobachtet, die dem Revolverhelden, der durch du Hufelandstraße nach dem Friedrichshain zuging, folgten, um ihn festzunehmen. Als Trug dieses bemerkte, richtete er den Revolver auf seine Verfolger und gab drei Schüsse ab. Aber auch diese gingen glücklicherweise fehl. Einem Arbeiter Blech, dem eine Kugel am Kopfe vorbei- geflogen war. gelang es. den Mann zu überwältigen und fest- zunehmen. Mit Hilfe eines Schutzmannes wurde er sodann nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo er sich wegen versuchten Tot- schlageö zu veramivorten haben wird. Arbeitcr-Samariter-Kolonne Groß-Berlin. In dieser Woche finden folgende Lehrabonde statt: 1. Abteilung am Montag, den 30. Oktober, bei Dräsel, Neue Fricdrichstr. 35. praktische Verband- lehre; 5. Abtcit»ng, Nixdorf, Erkstr. 8, am Mittwoch, den 1. No» vember und 4. Abteilung, Lichtenberg, Scharnweberstr. 30, am Donnerstag, t-n 2. November Vorträge über Knochenbrüche. Gäste willkommen. Teilnehmer können noch eintreten. Vorort- l�admcbteii. Ein Kleinstadt-Idyll für sich bildeten jahrzehntelang die Städtverordnetenversamm- lunge» in dem Rübenstädichen Teltow. Hier wie in anderen märkischen Landnestern hielt die schwerreiche Zunft der Ackerbürger das Heft in den Händen und ging mit jedem Bürgermeister, der ihr den Willen tat, durch dick und dünn, bis unsere Genossen nach tsngen Mühen den schönen Ring sprengten und frisches Blut in da? Zopfparlaulent brachten. Seitdem' ist Set Konfliktsstoff bergehoch angehäuft und bei der MchrheitSpartei der gestörten Gemütlichkeit die Nervosität in Permanenz erklärt. In der Stadtverordneten- sitzung vom vorigen Donnerstag schien es so etwas wie einen »großen Tag" geben zu sollen. Der Magistrat wollte sein Ten- satiönchen haben und hatte„auf Grund deS eingerissenen ToneS und unqualifizierbarer Vorgänge in vorangegangenen Sitzungen" nach waschechtem Kröcherschen Rezept eine Geschäftsordnung zur Knebelung der Minderheit ausgeheckt. Das sozialdemokratische Versammlungsdrittel sah aber das noch unauSgebrütete Kuckucksei leineswees tragisch an. Sarkastisch meinte Gen. Franke, daß die Versammlung, wenn sie eine Geschäftsordnung nötig habe, dazu der Liebesangebote des Magistrats nicht bedürfe. Und Röder warnte ironisch, sich abermals, wie früher bei einer ähnlichen Vorlage, in Druckunkosten zu stürzen mit einer Geschäftsordnung, die zu guter Letzt die Versammlung glatt unter den Tisch fallen läßt. Sollte man große Reden verschwenden für eine Sache, die erst in der Luft liegt? So lief der wohlweislich an das ermüdende Ende der Tagesordnung gesetzte Knalleffekt vorläufig wie daS Hornberger Schießen aus. Man nahm gegen die Stimmen der Arbeiterver- treter den MagijtratSantrag auf Schaffung eines Maulkorbzwanges im Prinzip an und träumte schon von dem Stadtsergeanten, der mit gezogenem Sabul dröhnend in den Saal marschiert, um den sozialistischen Eindringlingen das Loch des Zimmermanns zu zeigen. Vorher hatte allerdings der im magistratlichen Fahrwasser mitsegclnde ehemalige Antisemit Bastian den Beweis geliefert, daß eine unparteiisch gehandhabte Geschäftsordnung manchmal ein ganz nützliches Ding ist. Er bezeichnete den Vorschlag des Ge- noffen Röder, den Kollegen Bastian in die Kassenrevisionskommission zu wählen, als Anpöbelei, wofür natürlich der Vorsteher taub- stumm war, und bedankte sich für eine Wahl von dieser Seite. Unsere Genossen ignorierten vornehm die Provokation aus dem Lager-der„guten Tonart". Unerwartet entwickelte fich der Ma- gistratsantrag, an den„Verein zum Schutze der Kinder vor Aus- Nutzung und Mißhandlung" sowie für städtische Ferienkolonien jährliche Beiträge zu bewilligen, zu einer lebhaften sozialpolitischen Debatte. Den Anstoß dazu gab Bürgermeister Palleske mit einer Rede, die wie ein Stoßseufzer der„Spar-Agnes" klang. DaS Stadthaupt gab den heurigen Notstand offen zu, glaubte sogar, daß er sich noch steigern werde, meinte aber andererseits, daß die Nr- beitereltern sehr wohl mehr für ihre Kinder tun könnten, wenn sie jährlich 50 bis 100 M. für die Gewcrkschaftskassen übrig haben. Und in der Hitze der lendenlahmen Beweisführung, daß der kleine Mann dann auch genügend Spargeld für seine Kinder übrig habe, chwang er sich zn einem herrlichen Lobgesang auf die Arbeiter« organisationen auf: ä la bonheur... Hut ab vor solchem Sparen! Die sozialdemokratischen Hechte im städtischen Karpfenteich hielien natürlich nicht zurück mit ihrer Freude über die bürgermeisterliche Anerkennung der Gcwerkschaftsbestrebungen, und zu spät dämmerte es in dem Reserveoffizier und Assessor a. D. Palleske, daß er— zu viel gesagt hatte. Also schnell in die Milch der frommen DenkungSart einen Tropfen gärend Drachengift hinein! Nur zu deutlich hörte man den Scharfmacherstil der„Deutschen Tages- zeitung" heraus, als der Bürgermeister das Märchen von den trotz der Teuerung in Kneipen und Vergnügungslokalen schwelgenden Arbeitern nachempfand. Logik des Satten! Recht niedliche hygienische Zustände enthüllte ein von spar- oedachten Grundbesitzern gestellter Antrag auf Uebernahme der Straßenreinigung in städtische Verwaltung. Stadtverordneter Z i t t r i ch, die literarische rechte Hand des Stadtoberhaupte» und die linke Hand des StadtverordnetenvorstehcrS Balthasar, den er bei jeder Sitzung an der Strippe zu ziehen pflegt, erllärtc, daß in Teltow trotz aller Kanalisation die Jauche noch immer spazieren gehe. Am Magistratßtisch zeigte man sich gar nicht abgeneigt, den Grundbesitzern, die hier noch ihre eigenen Straßenreinigcr sind, entgegenzukommen, aber die Geschichte koste Geld, sogar viel Geld... und nun wurden die Spargesichter der Antragsteller immer länger. Schließlich gab es noch eine obligate kleine Kar- toffel- und Seesisch-Debatte. Der Magistrat hat im Ratskeller eine billige Kartosselquelle geschaffen, aber vom Seefischverkauf nach Berliner Muster will er nichts wissen. Für billige Seefische habe man in Teltow leine Zunge. Allenfalls könne auf die Fisch- preise der Monopolsirma am Orte ein gewisser Einfluß durch Ver- Handlungen, die im Gange sind, ausgeübt werden. Biel wichtiger 'ei die erhoffte Wirkung gegen die Teuerung durch den in Kürze zu eröffnenden Teltower Wochenmarkt. Ist somit aus dem„großen Tage" nicht allzuviel Praltisches herausgekommen, so zeigte er doch wieber mal den echten Geist ackerspießiger Klein-Reaktion-und Nadelstichpolitik, die sich selbst am Strick des sagenhaften Selbst. Verwaltungsrechts aufhängt, um nach obenhin die Gummischnur im sogenannten bürgerlichen Rückgrat nicht zu verleugnen. Nur immer heraus mit dem Mundknebel für die Minderheit! Die Hechte liegen auf der Lauer._ Charlottenburg. Beim Besteigen eineS fahrenden Straßenbahnwagens schwer zu Schaden gekommen ist vorgestern der 15jährige ZeitungSverkäuser Paul Heiseler aus der Nehringstr. 65. H. wollte gegen V«3 Uhr abends vor dem Hause Brückenstr. 1 auf einen Straßenbahnwagen der Linke 28 während der Fahrt aufspringen, glitt jedoch vom Trittbrett ab und kam zu Fall: Der Verunglückte zog sich einen Bruch de? linken Unterschenkels und Hautabschürfungen zu und wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht. Achtung, Gewerkschaften! Wegen der am Sonntag, den LS. Oktober, mittags 12 Uhr, im Volkshause stattfindenden Volks- Versammlung ersuchen wir, andere Versammlungen am� Sonntag nicht abzuhalten und für zahlreichen Besuch obiger Versammlung zu sorgen. Die Gewerlschaftskommission Charlottenburg. Wilmersdorf-Halensee. Teuerung und Stadtgrmrmde. Wie erinnerlich sein wird, haben Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in der N o t st a n d s- rage etwa? Veionderes gewollt, nachdem die Gemeinden von der Regierung in dieser Hinsicht darauf verwiesen worden sind, daß beileibe nicht durch die Oeffnung der Grenzen, sondern nur durch den kommunalen Kamps gegen den Zwischenhandel dem Elend ,u wehren sei. Ein zur Prüfung von Maßnahmen gegen die Teuerung eingescyler Ausschuß wollte, daß die Stadt, sei es mit, ei es ohne Mitwirkung der Händler, zu Einkaufspreisen nicht nur Kartoffeln und Gemüse, sondern auch Milch und Reis, ja sogar Fleisch an die Bevölkerung abgebe. Der Magistrat war gleichfalls völlig von seiner Pflicht zu helfen überzeugt, und dem sozialdemokratischen Mitglied deS Ausschusses blieb nur noch übrig, die Fülle sozialen Pflichtbewußtseins zu be- wundern, die hier plötzlich eingekehrt ivar. In der zweiten Sitzung de» AusschnsseS wurde nun schon erheblich viel Wasier in den Wein eschüttet; als nun aber am Donnerstag die dritte und letzte sitzung abgehalten wurde, konnte man das schöne Lied von Schiller anstimmen, daß der Spiritus zum Teufel und da» Phlegma ge- blieben sei. AuS den Reihen der Magistratsmitgliedcr klang es vorab schon gedrückt, daß in der am Mittwoch abgehalten Groß- Berliner Konferenz abermals nicht das geringste herauSge- kommen wäre. Als es nun aber endlich hieß, dein Plenmn positive Vorschläge zu unterbreiten, berichtete ein Stadlrat über ver« ichiedene Angebote von Kartoffeln, die beim Bezug von 300 Zentnern für 8,20 Mark erhältlich seien. Das wäre, da aus den kommunalen Bezug von Gemüse nicht zu rechnen ist. immerhin eine Hilfe gewesen. Von sozialdemokratischer Seite wurde betont, daß verschiedene Gemeinden Groß-Berlins den Kartoffelverkauf bereits in die Wege geleitet haben. Unser Vertreter blieb mit seinem Antrage, dem Plenum die kommunale Kartoffelverteilmig zu empfehlen, gegenüber allen anderen Mitgliedern der Körperschaft in der Minderheit. Nur dazu verstand man sich auf Anraten eines fortschrittliche» Mitgliedes, daß Beschlüsse bmsicht- lich des Kartoffelvertriebes von dem nach zehn Tagen herrschenden Preisstand abhängig gemacht werden sollen. Noch ablehnender ver- hielt man sich in der Frage des M i I ch v e r k a u f s. Die ansang- lich willkommen geheißene Anregung, kondensierte Mllch zu billigen Preisen abzugeben, wurde verworfen, nachdem auch die anwesenden Mitglieder des Magistrats alle möglickien Bedenken hervorgekehrt halten. Das sozialdemokratische Mit- glied des Ausschusses wollte angesichts der notorischen Milchknappheit, daß der konimunale Vertrag der 300 Liter Milch, die eine gemeinnützige Gesellschaft liefern wollte, in die Wege ge- leitet werde; doch tonnte sich auch hierfür außer dem Antragsteller niemand erwärmen. Mit Mühe und Not gelang eS, einen Antrag auf Empfehlung des NeiSverkaufs durchzudrücken; doch wird auch diese Maßnahme bei der Abneigung des Magistrats hiergegen im Plenum kaum eine Mehrheit finden. Eine völlige Enttäuschung wurde aber den städtischen Ange st eilten bereitet. Ein sozialdemokratischer Anttag bezweckte, daß den Ar- beitern und Beaniten mit einem Einkommen bis zu 8500 M. eine Notstandszuloge zuteil werde, während ein fortschrittlichcr Antrag die Einkommen bis zu 2000 M. berücksichtigt wissen wollte. Es war vergebens, daß von sozialdemokratischer Seile aus die posi- tiven Beschlüsse einer ganzen Anzahl anderer Gemeinden hingewiesen wurde; sowohl die Magistratsoertreter als die AuSschußmehrheit blieben völlig zugeknöpst.......,... So hat sich denn ergeben, daß Wilmersdorf sich glerch der Stadt Berlin in der Teuerungsfrage möglichst untätig ver- halten will. Rixdorf. Kommunaler Seclcnfang. Die Rixdorfer Schulverwallung scheint mit Gewalt Protestanten katholisch erziehen lasten zu wollen. Der schulpflichtige, protestantisch getaufte Knabe Juchacz wurde vorschriftsmäßig zur Aufnahme in den Schulunterricht angemeldet. Der Rekior lehnte die Ausnahme ab, weil der verschollene Vater katholisch war. Das ist nach dem Gesetz aus doppeltem Grunde unzulässig. Denn durch die pro- testantische Taufe hotte der Vater zu erkennen gegeben, daß er fem Kind in der protestantischen Religion erziehen lasten wolle, und überdies hat die Mutter, der jetzt allein das ErziehungSrecht zusteht. bestimmt, daß das Ktnd nicht in der katholischen, sondern m der protestantischen Schule Unterricht genieße. Die Beschwerde der Mutter ist noch unentschieden. DaS Kind ist deshalb uneingeschulr geblieben. Auf daS vom BildimgsauSschiiß für die arbeitende Jugend am Sonntag, den 29. Ottober im großen Saale von Bartsch, Hermann- straße 49, anberaumte H e r b st f e st verweisen wir wegen seines künstlerischen Programm? nochmals besonders. Für Jugendliche bis zum 18. Jahre werden Eintrittskarten im Jugendheim, Ideal- passage 8, abends von 7—9'/, Uhr, unentgeltlich abgegeben. Die Karten für Erwachsene sind zum Preise von 30 Pf. zu haben: im Festloial. bei Zirkel, Zigarrengeschäst in der Jdealpassage, und in den Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft: Weisestr. 52, Emser Straße 33. Wildenbruchstr. 61/62, Friedelstr. 15, Böhmische Str. 47, Münchener Str. 39, Steinmetzstr. 107. Köpenick. Der erste Tag deS Seepschverkauf» hat in vezug auf den Umsatz alle Erwartungen übenroffcn. Schon vor 8 Uhr erschienen die Frauen an der Berkaussstätte und gegen 10 Uhr war der Vorrat zu Ende, so daß sofort weitere Zufuhr bestellt werden mußte; dieselbe traf auch umgehend ein. Die Rachfrage nach Ware war so groß, daß zeitweilig ein beängstigendes Gedränge entstand. ES wird wohl der Kommission resp. dem Magistrat nichts anderes übrig bleiben als ein anderes Vcrkaufslolal zur Verfügung zu stellen. Luch würde es zweckmäßig sein, wöchentlich noch einen zweiten VerkaufStag, vielleicht Montag oder Dienstag, einzulegen. Limsdorf(Kreis Veeskow). . Die Sozialdemokratie in einer konservativen Domln«. Am hiesigen Orte, einem rein ländlichen Distrikt deS Kreises, wo 1907 für die Konservativen 129 und für die Sozialdemokratie nur 9 Stimmen abgegeben wurden, tand am Sonntag eine öffentliche Versammlung unter freiein Himmel statt, in der Genosse R. L i g n e r- Adlershof über„Die Sozialdemokratie und die arbeitende Landbevölkerung" rescriertq. Ter an den Verhältnissen gemessene starte Besuch und das ollgemeine Interesse, mit der das Referat enigegeugenommen wurde, zeigte, daß wir auch hier vorwärts schreiten. Wie mitgeteilt wurde, tragen die ländliche» Arbeiter Befürchtung. durch Abgabe des Stimnizettels für die'Sozialdemokratie bekannt und wirtschaftlich geschädigt zu werden; sie sprachen deshalb den Wunsch aus, daß dies durch starke Kontrolle unserer Genossen unmöglich gemacht werden solle. Letzteres wurde auch versprochen Kaulsdorf. Ein nach KaulSborf verirrtrr Junker F. T. versucht fich im Spreckisaal der„Kaulsdorfer Zeitung" in der Nummer vom Mittwoch al» Sozlalistenfresser psr oreollgnoo. DaS zuletzt von der Sozial- demokratie Groß-Berlins verbreitete TeuerungSflugblatt scheint den betreffenden F. T. in einen Zustand pathologischer Raserei versetzt zu haben, denn sonst könnte man es nicht verstehen, daß der feige Anonymus„unsere Frauen und Jungfrauen" ausfordert, die Ber- breiler deS Flugblattes„am Kanthaken zu packen und zum Lande rauszuschmeißen". Man muß sich nur wundern, daß noch ew Blatt mit so krausem Zeug seine Leser mißhandelt. Herzfelde. Aus der Gemeindevertreterfihung. Zunächst Wurden die Tsschler- arbeiten zum Scbulhausneubail an den Tischlermeister Gold mann- Rebseide zum Preise von 2888,26 M. übertragen. Die übrigen Offerten lautete» sämtlich auf über 4000 M. Der Zuschlag zu den Glaserarbeiten wurde der Firma Appel-Rummelsburg zum Preise von 1054 M. und zu den Abwässergrube» dem Bauunternehmer Schönebeck hierielbst zum Preise von 1549,l4 M. erteilt.— Der Abschluß eines Vertrages mit der Märkischen Elektrizitätswcrk-A.-G. wurde mit einigen Abänderungen genehmigt. Nach diesem Vertrage soll das hiesige Elektrizitätswerk mit Strom von der Ueberland- zentrale der Ältieiigesellschast versorgt werden; dadurch würden der Gemeinde erhebliche pekuniäre Borteile envachsen.— Der Ein- gemeiiidung der hiesige» im Heidedistritt I liegenden Enklaven in den Gemciiideverband Erkner stimmte die Vertretung gegen eine Abfindlingsgedühr von zirka 6000 M.(30 M. pro Morgens zu.— Dem Wunsche, die im westlichen OrtSteil liegenden, fast ausschließlich von Arbeitern bewohnten Straßen ganzlich mit elektrilcher Beleuch- tuna zu versehen, ist die Gemeinde bisher noch nicht uacdgekommen. Daqeaen zeigte sich die Berttclung so spendabel, vor dem gänzlich außerbalv de» OrtS liegenden Grundstück des schwerre chen Gutsbesitzer, Grunow mehrere elektriiche Lampen aufzustellen. Die Arbeiter können aljo auch seruerhut noch in dunklen Straßen herum» tappen. Weistensee» Ter erste Scrtrieb von Kartoffeln durch die Gemeinde wird von heute. Sonnabend, in der Zeit von 5—8 Uhr nachmittags am Jndiistrtebahnhof erfolgen. So lange der Virwrt reicht, soll der Berkauf auch Sonntags von 8— 10 Uhr vormuiagS und Montags von 5— 8 Uhr nachmittags fortgesetzt werden. Der Preis beträgt 3,35 M. für den Zentner. Die Kartoffeln werbe» w Mengen Von 50 Pfd. ht» 1 Zentner abgegeben. Meder-Vchönhaasea. Mit der LeOe asmittelteuerung und dcn auf Linderung derselöcn gerichteten Maßnahmen beschäftigte sich die letzte Gemeindever- tretersitzung. Bürgermeister Abraham betonte hieran, daß die Frage der Lebensmittrlteuerung schon früher auf die Tagesordnung ge- setzt worden wäre, er habe jedoch erst abwarten Wollen, ob nicht von Groß-Berlin zn dieser Angelegenheit einheitlich Stellung geiwm- men werden würde; das sei nun nicht de� Fall. Nachdem der Landwirtschaftsr minister ebenfalls die Ge.meinden ersucht habe, durch Eintauf t>on Fleisch. Kartoffeln,mtner, die Höchstabgabe 6 Zentner betragen, und zwar zmn Selbstkostenpreise. Von einem Einkauf von Seefischen sei deshalb Abstand genommen worden, weil Seefische in den un- bemittelten Krei'scn wenig beliebt seien. In der hierauj folgenden Debatte begrüßt Genosie B r e i t m a n n den Vorschlag, nur hielt er 1000 Zentner: Kartoffeln für zu wenig. Redner schlug vor. 2— 3000 Zentner anzukaufen und dieselben für die jedenfalls erst noch kommende schlimme Winterszeit aufzuspeichern und an ganz arme Ortsangchörige kostenlos abzugeben. Außerdem trat der Redner noch dafür' ein, daß auch Quanten von locniger als 1 Zentner abgegeben werden. Geineindevertrrter Hermann Kuhlmann meinte, die Gemeinde werde die Kartoffeln nicht billiger verkaufen können wie die hiesigen Händler, weil denselben sonst der Ver- dienst verwren gehe; im übrigen werde die Gemeinde bei dem Ver- kauf einen ziemlichen Verlust haben. Dr. Pratsch machte den Vor- schlag, den loirtliä, notleidenden Familien Steucrnachlaß zu ge- lvähren. Genösset W o s ch k e regte an, bei der Regierung um Oeff- nung der Grenz>:n zur Einfuhr von Fleisch zu petitionieren, im übrigen könne er den Herren nur empfehlem, ebenfalls Versamm- lungen zu veranstalten und es nicht nur immer der Sozialdemo- kratie zu überlassen. Diese Ausführungen veranlaßten Dr. Pratsch. nochmals das Wort zu ergreisen, um die neue Weisheit zu ver- künden, daß die Sozialdemokratie zum größten Teil nur aus„besser- situierten" Arbeitern bestehe, hier aber wolle man doch den wirklich armen Leuten helfen, die auf keinem Parteistandpunkt ständen. Hierauf wurde eine Kommission gewählt, der möglichst freie Hand gelassen werden soll, und der auch unsere beiden Genossen angc- hören. Die Koinmission soll zunächst 2000 Zentner Kartof- f e l n ankaufen. Die Armendeputation hatte einen Antrag um Erweiterung des Armenhauses gestellt. Eine Vergrößerung des Armenhauses durch den Aufbau eines Stockwerkes würde 15 000 Mark kosten. Da die Kosten als zu hohe befunden werden, schlägt die Deputation vor, in dem Seitenflügel des der Gemeinde ge- hörigen Hauses, Buchholzerstr. 87, 4 Wohnräume und 1 Baderaum herzurichten. Die Vertretung stimmte dem Antrage zu, lehnte jedoch die Errichtung eines BaderaumeS ab, da die Notwendigkeit desselben nicht anerkannt wurde. Die Einwohnerzahl beträgt zur- zeit 16 581. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Oranienburg. Mit den i« November zu vollziehenden Stadtverordnetrnwahlen beschäftigte sich eine gutbesuchte Versammlung deS hiesigen Bezirks- wahlvereinS im Waldhaus- Sandhaufen. Kreissekretär Bühler- Lichtenberg, der hierzu das Wort ergriff, ermahnte die Anwesenden. recht rege zu agitieren. Da die Wahl an einem Sonntag statt- nnder, würden auch die Bürgerlichen einen Schlepperdienst organi- steren, trügen sich dieselben doch mit der Hoffnung, diesmal den Sieg zu erringen. Hierauf wurden als Kandidaten die Genoffen F e ck a, Haber st roh. Homuth, Kaatz und K. Schumann auf- gestellt. Da der otshertge Bezirksletter Gen. Emil Schumann nach Reinickendorf überfiedelt ist, wurde zu diesem Posten Gen. Otto Part« einstimmig gewählt._ Jugeudveranstaltunge». Echöneberg. Sonntag, den LS. Oktober: Ausflug nach Mahlow vatzmannsdoff, Bohnsdorf und Grünau. Treffpunkt morgens S Uhr am Bahnhof Schflnederg. Das Fahrgeld oefrSgt für Hin- und Stückfahrt SO Pf. Gerichts-Leitung. Offizierspump.* Ein umfangreicher Wucher- und Betrugsprozeß, in welchem uiehrere Träger hochadliger Namen als Geschädigte auftreten, be- schäftigt zurzeit die 2. Strafkammer des Landgerichts l in dem kleinen Schwnrgerichtssaal deS alten KriminalgerichtSgebäudeS in Moabit. Als Angeklagte erscheinen der Makler Ferdinand LüerS aus Flensburg, der Kaufmann und Direktor der„Deutschen Ferri- zemeirt-Gesellschaft' Max Schoclzth aus Schöneberg und der Kauf- mann und Zigarrengroßhändler Leopold Levy aus Hamburg. Mit- angeklagt waren früher noch der Gerichtsassessor a. D. und Leiter der Deutschen Genossenschaft für Hypotheken und Grundstücksver- kehr* Rudolf Saranw und der Kaufmann Alexander Schlegel. Ersterer ist verstorben, während Schlegel sich zurzeit" in einer Irre»- anstalt befindet.— Ten Vorsitz in der Verhandlung, die voraus- sichtlich bis Mitte November dauern wird, führt Landgcrichtsdirck- tor Wassermann. Unter den geladenen 50 Zeugen befinden sich zahlreiche Offiziere, darunter die Träger bekannter Rdelsnamcn. Als Sachverständige sind ferner der Kaufmann Kaphun und der Bücherrevisor Hase geladen. � Die schon im Jahre 1008 erhobene Anklage lautet gegen Lüers auf Betrug, schwere Urkundenfälschung, Untreue und Bntcrschla- gung und ferner gegen alle drei Angeklagte auf Wucher.— Der Anklage liegt im einzelnen ein ziemlich kompliziert liegender Sach- verhalt zugrunde: Im Jahre 1004 traten mehrere in einem In- santeriercgiment stehende Offiziere an den ihnen aus früheren Geldgeschäften näher bekannten Angeklagten Lüers mit dem Auf- trage heran, ihnen ein Darlehn von 50 000 M. zu beschaffen. Sic beabsichtigten mit dieser Summe, welche erst nach 10 Jahren zurück- zahlbar sein sollte, ihre bisherigen Schulden abzulösen, in der Hoff- nung, daß sich ihnen im Laufs der Jahre Gelegenheit bieten würde, das Tarlchn abzuzahlen. Ueber das Darlehn, für dessen Vermitte- lung LüerS 3000 M. Provision erhalten sollte, sollte lediglich ein Schuldschein ausgestellt werden. Lüers wandte sich vergeblich an mehrere Banken und trat schließlich mit dem früheren Mitange- klagten Sarauw in Verbindung, der seinerzeit Leiter der Deutschen Genossenschaft für Hypotheken- und Grundstücksverkehr war. Dieser erklärte sich in einem Sdhreiben an Lüers bereit, auf das Geschäft gegen 5 Proz. Provision eingehen zu wollen. Lüers soll nun schon gleich hier im Anfange versucht haben, für sich mehr hcrauszu- schlagen, indem er in diesem Schriftstück die Zahl 5 in 10 Proz. umänderte. Von den Offizieren wurden dann auf die Bersprechun- gen des Lüers hin diesem zehn Wechsel über je 5000 M. ausgehän- digt, die recht eigenartige Schicksale erlebten. Wie gewöhnlich in derartigen Fällen verdiente jeder, der nur irgendwie mit dcn Wechseln zu tun bekam, so viel, daß für die Aussteller und Akzep- tanten schließlich nichts' mehr übrig blieb. Mit diesen Wechseln bekamen nach und nach so ziemlich sämtliche bekannt»» Berliner Wcchselschieber zu tun. Aus vier Wechseln über je 5000 M. wur- den in einem Falle schließlich für 14 000 Mark Zigarren.„Marke Zugvogel*, die der Angeklagt« Levy geliefert hatte.— Diese Einzel- heiten, die ein richtiges Sammelsurium der verschiedenartigsten Schiebungen ergeben, verdichteten sich schließlich zu der vorliegen- den Anklage, die schon im Jahre 1008 zur Verhandlung kommen sollte. Die Verhandlung wurde jedoch stets durch das Nichterscheinen des einen oder anderen Angeklagten vereitelt. Ueber dcn Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Eine Durchstecherei im Moabiter Untersuchungsgefängnis führte gestern den Gefangenenaufseher Robert Stiehler und die Frau Franziska Doster, eine geborene Münchnerin, die jetzt die Stellung einer Gesellschaftsdame in Paris einnimmt, vor die 11. Strafkammer des Landgerichts l. Dar Ehemann der Ange- klagten D. war unter der Anklage des Betruges in UntersuchungS- Haft genommen worden. Er hatte Selbstbeköstigung und erhielt auch mehrfach den Besuch seiner Ehefrau, Bei einem solchen stellte ihr ihr Ehemann auch den Angeklagten Stichler als seinen' Ge- fangencnaufseher vor. Letzterer wird nun beschuldigt, auf An- stiftung der Mitangeklagten dem D. Fleischwaren und andere Sachen zugesteckt und seinerseits dafür Geschenke in Gestalt von Fleischsendungen usw. als Belohnung entgegengenommen zu haben. Die Behörde kam dahinter durch d«: Inhalt eines aufgefangenen Briefes der Angeklagten an ihren Ehemann, der von zärtlicher Liebe überfloß, aber doch Andeutungen über gewechselte„Geheim- briefe" enthielt, ferner Ausdrücke des Bedauerns, daß der„Leber- käs* dem armen Gefangenen nicht geschmeckt habe usw. Es zeig- ten sich in dem Briefe auch weitere Andeutungen, die auf einen unerlaubten Verkehr der beiden Eheleute durch Vcrmittelung des Angeklagten Stiehler hinwiesen. Dieser bestritt sehr entschieden jede strafbare Handlung, ebenso Frau Dosier, die nur zugab, daß sie, die Tochter eines Münchener Fleischers, der Frau des Ange- klagten Stiehler einmal durch eine Fleischscndung erfreut habe, weil ihr Mann den Stiehler ihr als einen humanen, menschlich fühlenden Beamten geschildert habe, der ihr leid getan, weil er kränklich ausgesehen habe. Auf Grund der Beweisaufnahme, in welcher auch der Oberinspektor Schoeffel vom Untersuchungsgefängnis vernommen wurde, hielt der Staatsanwalt die Verfehlungen der beiden Angeklagten für erwiesen und beantragte gegen Stichler 1 Jahr Gefängnis, Ehrverlust auf 3 Jahre und Verlust der Fähig- keit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die gleiche Dauer, gegen Frau Dosier 4 Monate Gefängnis. Nach sehr lauger Beratung ge- langte der Gerichtshof zu einer Verurteilung des Stiehler zu 2 Monaten Gefängnis, tvöhrend die Angeklagte Doster zu einer Geldstrasr von 150 M. verurteilt wurde. Würde die Hausordnung des Untersuchungsgefängnisses die Uebermittlung von Nahrungsmitteln, die nicht von der Verwaltung gekauft sind, nicht nutzlos erschweren, so wären Bestechungen wie die unter Anyeklage gestellten unmöglich. Ein Betriebsunfall auf der Hochbahn, der sehr leicht die schlimmsteft Folgen hätte haben können, bc- schäftigte gestern unter Vorsitz des Läbdgerichtsrats von dem Hagen die zweite Strafkammer des Landgerichts II. Unter der Anklage der fahrlässigen Gefährdung eines Eisenbahntransportes und der fahrlässigen Körperverletzung hatte sich der Weichensteller Otto Hoppe zu verantworten. Am Nachmittage des 17. Mai d. I. gegen 7 Uhr ereignete sich auf der Hochbahnstrecke zwischen Bülowstraßc und Möckernbrücke ein Unfall, der um ein Haar zu einer schweren Katastrophe geführt hätte. Ein von Bülowstraßc kommender Hochbahnzug hatte gerade das an dem Gleisdreieck liegende Stellwerk passiert, als plötzlich der mittelste Wagen aus dem Olleise sprang und dcn nachfolgenden Wagen mit sich zog. Zum Glück gelang es dem Wagenführer, dcn Zug durch die rechtzeitige Anwendung der Notbremse zum Stehe« zu bringen, che die Wagen in die Tiefe hinunterstürzten und sich eine ähnliche Katastrophe wie im September 1008 ereignen konnte. bei der bekanntlich mehrere Personen getötet wurden. Jener Unfall hatte sich auf derselben Strecke ereignet. Er hatte zur Folge gehabt, daß die Züge diese gefährliche Stelle nur mit 15 Kilometer Gc- schwindigkeit passieren dürfen. Die Fahrgäste des letzten WagcnS dessen Seitcnwand durch einen Anprall an einen eisernen Träger eingedrückt wurde, erlitten verschiedentlich Verletzungen. Einer der Verletzten erlitt später durch die Folgen des Unfalls einen Schlagansoll.—• Die sofortige Untersuchung ergab, daß der vor- unglückte Zug gerade eine Weiche passiert batte, welche von dem nahen Stellwerk aus, das der jetzige Angeklagte Hoppe bediente, gestellt lvurdc. Als Ursache der Entgleisung ergab sich, daß die Weiche von dem AngeNagtvn zu früh umgestellt war, so daß die Wagen aus den Schienen springe» mußten. Es befand sich in dem Stellwerk zlvar eine automatische Sperrvorrichtung, die verhindern sollte, daß infolge einer Unachtsamkeit des Beamten die Weiche zu früh umgestellt werden konnte. Diese Borrichtung hatte jedoch gerade in dem kritischen Augenblick versagt.— Die Anklage erblickt eine Fahrlässigkeit des Angeklagten darin, daß er entgegen der ausdrücklichen Vorschrift, sich nicht durch Beobachten des Zuges davon überzeugt hatte, daß dieser über einen besonders markierten Punkt hinweg war.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnis- strafe von 0 Monaten. Rechtsanwalt Dr. Ernst Schindler plädierte auf Zucrkennung einer erheblich milderen Strafe, da der An- geklagte, der täglich bei einer Durchfahrt von 1000 Zügen 168 Hauptsignale, ebensoviel« Fahrsignale und Schicnenkontaktc zu bc- dienen habe, sich offenbar auf das ordnungsmäßige Funktionieren der automatischen Sperrvorrichtung verlassen habe.— Das Gericht hielt ein« grobe Fahrlässigkeit des eingeklagten für erwiesen, er- kannte jedoch mit Rücksicht auf die von der Verteidigung angeführten Milderungsgründe nur auf 4 Wochen Gefängnis. Prügelnde Schutzleute hatten sich am 0. Juni vor dem Landgerichte Mülhausen(Elf.) zu verantworten. Verurteilt worden sind der SchUtzmeenn Heinrich Köhler wegen gefährlicher Körperverletzung in 5 Fällen zu zwei Monaten, der Schutzmann Witt wegen gefährlicher Körperverletzung in einem Falle zu zwei Wochen Gefängnis und der Schutzmann Jühlcn wegen einfacher Körperverletzung in zwei Fällen zu je 30 M. Geldstrafe. In der Nacht zum 3. Okiober 1010 entstand in der Gastwirtschaft von M. in Dörnach ien Streit. Auf den Lärm hin kamen die drei genannten Schutzleute herbei. Als sie erschienen, war der Streit bereits beendet. AIS die Schutzleute wieder auf die Straße, traten, gingen sie auf den ganz unbeteiligten und ruhig dastebenden Br. und dessen Sohn zu. W. schlug den Br. ohne Ver- anlassung mit den Worten„Ist das nicht der Rüpel?" mittels eines Ochsenziemers über den Rovf. Dann forderten die Angeklagten drei gleichfalls ruhig dastehende Personen, darunter dcn Zeugen Groß, aus, weiterzugehen. Als daraufhin die drei fortliefen, folgten ihnen die Schutzleute Kohler und Juhlcn. Köhler hielt den Groß an, rickstete ihm die Laterne ins Gesicht und schlug ihn dann mit dem Ochsenziemer über den Kopf, so daß er stark blutete Weiterhin trafen die Angeklagten auf den ahnungslos des Wege« kommenden Zeugen H. Diesen mißhandelte namentlich der Schutz- mann Kohler in gleicher Weise mit dem Ochsenziemer. In der Hauptvcrhandlung behaupteten alle drei Angeklagten, sie hätten sich in Notwehr befunden, da man sie mit Steinen beworfen habe. Das Gericht schenkte ihnen jedoch keinen Glauben. Gegen das milde Urteil legten die Angeklagten Revision ein.— Das Reichsgericht erkannte jedoch am Donnerstag auf Verwerfung der Revision. ........ »»».»»« IV»»' 1867 »»»»»»«»'« Gegr. 1867 Großer Umzugs- Ausverkauf Jerusalemer Straße 38-39, am Dönhoiiplatz Neue grosse Preis-Ermäßigungen Heute letzter Tag! im mirni mim •1 •I • I •| •| *1 *1 • 1 • I • I • I DI • 1 •I • I • I DI •I *1 Dl Dl • I • 1 r Jedes Wort 10 Pfennig. Das lettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN I0r die nächste Numnier werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lin�enstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. 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