Ur. 255« IlbonnetneiitS'ReflnsvnstA: BSonnemcntä- Pr?>Z»tfinumtranS«} Bicrteljährl. 3,S0 2»(., monatl. 1,10 Mk, wöchenilich 23 53 fg. frei WS HauZ. einzelne Siummer 6 Pfg. Sonntags- »innimer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ktbonnement: l.lo Mark pro Monat. eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für daS übrige Ausland E Mark pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarks Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. v!« TnIertlon$'6ebflI)r >«trägt für die sechsgespaltene Kolonek- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewcillchaftliche BereinZ- und VersamnunngS-Slnzeige» M Pfg. „Uleine Snreizen", das fcttqcdructl- lSort 20 Pfg.(zulässig 2 seltgedruclt- Worte), jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jcdeS «eitere Wort 5 Pfg. Worte über lZVuch- ftaben zählen für zwei Worte, �lnferal« für die nächste Nummer müssen diS K Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends gcWiet. cklchtlill fZgllch illSkk vSälz«. Vevllnev Volksblatk. Zcntruiovgan der rozialdcmokratifchcti partd Dcutfcblands. Telegramm■ Adresse: «SMlslätnitkrat B(HtaU. Redaktion: SM. 68. Ltndenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. für Kriegshetze und Knebel- gefetze. Herr v. Heydebrand hat am Sonntag in einer fcm- scrvativen Kundgebung in Breslau unter dem frenetischen Beifall seiner Getreuen eine Hetzrede gehalten, durch die der Wahlkampf überaus stimmungsvoll eingeleitet wird. Der Herr v. Klein-Tschunkawe hat dabei die von dem Bündler- organ ausgegebene Wahlparole„Für Volksaushungerung und Volksknebelung" zu seiner eigenen gemacht.„Es geht jetzt aufs ganze", rief der kleine doktrinäre Herr mit dem ganzen Aufgebot seiner leider nur so bescheidenen Lungen- kraft. Zum„Großblock gegen den Umsturz" rief er alle Mannen des blauschwarzen Blocks auf. Und wie er den Um- stürz bekämpft sehen will, sprach er nach dem Rezept des Oertelblattes mit aller Unverfrorenheit aus: durch„staatliche Zwangsmittel". Nach Ausnahme- und Knebelgesetzen gegen die Sozialdemokratie, gegen die klassenbewußte organisierte Arbeiterschaft sehnt sich also Herr von Heydebrand, der Führer der Konservativen! Die Beweisführung für diese angebliche gesetzgeberische Notwendigkeit war die gleiche wie bei der„Deutschen Tages- zeitung". Es handle sich um die Bedrohung der hoch- schutzzöllnerischen Politik, der Agrarzölle. Nicht nur die Sozialdemokratie bedrohe dergestalt die sitt- liche agrarische Weltordnung, sondern auch der Hansabund, der die S t ä n d e gegeneinander verhetze. Und auch der neu- gegründete Bauernbund trete zwar nach seinem Programm für einen starken Schutzzoll ein, wähle aber Freihändler. Der Freisinn vollends liebäugele zwar hin und wieder mit der landwirtschaftlichen Bevölkerung, in der Praxis aber,„in allen Fragen, in denen es sich um Königtum und Vaterland, um nationale Fragen" handele, fände man ihn„fast immer au der Seite der Sozialdemokratie". Das Furchtbare und Gefährliche aber sei. daß die Sozialdemokratie heute als Wolf im Schafspelz auftrete. Da sei die Gefahr groß, daß sich die Begriffe in der Bevölkerung verwischten und es so zu einer Verbrüderung bürgerlicher Kreise mit der Sozialdemokratie komme. Sogar die Negierenden vergäßen, daß sie .„nichts seien als die Beauftragten der wahren P a t r i 0 t e n". Wohin solle es führen, wenn selbst die Kreise des M i t t e l sta n d e s und sogar B a u e r n sich von der Sozialdemokratie einsangen ließen. Da dürfe die türger- liche Gesellschaft nicht länger mit Schutzmaßregeln zu ihrer Erhaltung zurückhalten. Tann enthüllte Herr Ä Heydebrand auch das„Ver- brechen" der Sozialdemokratie. Er klage sie an. daß sie den Arbeitern nicht sage, daß sie sie um das bringe, was das Leben lebenswert mache:„Daß die Sozialdemo- t'ratie die Lage der Arbeiter verbessern will, verarge ich ihr nicht; das ist ihr gutes Recht. Aber statt den Arbeitern den W e g zu zeigen, ihre Lage zu verbessern durch Sparsam- keit, Ordnung, daneben aber auch durch Rücksicht auf die anderen Stände und auch durch Beachtung der gegebenen Ailtoritäten, sucht sie es durch Unzufriedenheit zu erreichen. Das macht diese Bewegung zu einem Ver- breche n." Wenn Herr v. Heydebrand mit solch kindischem Gerede das Landproletariat und die Kleinbauern vor der Sozial- demokratie abschrecken zu können glaubt, ist'er wirklich ein höchst naiver Herr. Wir Soziatjdemp kracken würden uns auf dem platten Lande mit ih'M �und feinen Leuten sehr aern jjber Sparsamkeit und andere schöne Dinge unterhalten! Vor allen Tingen über die Pflege dieser Tugenden unter unseren Großagrariern den Herr» Junkern! Auch würden wir uns mit Vergnügen an der Untersuchung des Segens beteiligen, den der Lebens- mittelwucher der letzten Jahrzehnte zwar nicht den L a n d- Proletariern und Kleinbauern, wohl aber den Herren Agrariern gebracht hat. Wie beispielsweise das Vermögen der verschiedenen Einkommcnsgruppen auf dem Lande sich vermehrt hat, könnten wir überaus augenfällig nachweisen an der Hand der a m t li ch e n P r e u tz 1 s ch e n S t a t i st i k. Die amtlichen Zahlen cher Bermogenssieuer- statistik ergeben nämlich folgendes überaus inlerenaute �ild von dem Vermögenszuwachs der kleinen und der großen Da die Vermögenssteuer für alle Gruppen V2 Promille betrug, läßt sich ja kinderleicht errechnen, um wieviel sich das Vermögen der einzelnen Gruppen innerhalb der 13 Jahre vermehrt hat. Und da sehen wir nun, daß sich das Ver- mögen von 701 Großagrariern, die mehr als 100 000 Mark jährlich zu verzehren haben, in besagten 13 Jahren um 22ov Millionen Mark vermehrt hat! Rechnen wir auch die Gruppen von 9500— 30 500 M. Einkommen und 30 500— 100 000 Mark Einkommen hinzu, so sehen wir, daß diese Großgrund- besitzer, zusammen 16 556 an der Zahl, ihr Vermögen in den 13 Jahren um 4 400 Millionen Mari vermehrt haben! Da- gegen hat das Vermögen der 656 872 Klein- und mittleren Bauern sich nur um 1566 Millionen Mark vermehrt! Der Gesamtanteil dieser Bauern mit einem Einkommen bis zu 3000 M. hat sich denn auch im Verhältnis zu dem Gesamt- vermögen sogar um 6,7 Prozent vermindert? So zeigen die Zahlen�der amtlichen Vermögenssteuerstatistik, wie die agrarische ischutzzollpolitik gerade auch auf dem platten Lande Milliarden des Vermögens in die Hände von noch nicht 17 000 Junkern hinübergsspielt hat! Wäre es da nicht wirklich am Platze, diesen Großgrundbesitzern einmal etwas gründlicher die Pflicht der Sparsamkeit nahezulegen?! Diese Tatsachen würden allerdings den Landarbeitern und Kleinbauern zeigen, daß es allerhöchste Zeit ist, endlich mit der verbrecherischen agrarischen Hochschutzzollpolitik zu brechen, die die große Masse der Landbevölkerung im Ver- hältnis immer ärmer macht, während eine Handvoll von Junkern Milliarden auf Milliarden.einstreicht! Da ist es freilich kein Wunder, daß Herr v. Heydebrand und seine Junkergenossen die sozialdemokratische Anfilörung wie die Pest scheuen und zur gewaltsamen Knebelung der besitzlosen Bevölkerung aufhetzen! Man will die Volksmassen mundtot machen, ihre Agitation erdrosseln, damit man sich auch ferner- hin auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land bereichern kann. Ungezügelte agrarische Beutegier läßt den Scharfmacher aus Klein-Tschunkawe seine wüsten Drohun- gen gegen das arbeitende Volk ausstoßen und nach einem „Großblock gegen den Umsturz", will heißen: nach einem Schutz- und Trutzbündnis aller agrarischen und kapitalistischen Strauchrittcr schreien! Um auch die R e g i e r u n g für die bckutale Knebelungs- Politik zu gewinnen, erklärte Herr v. Heydebrand das Ein- Verständnis der Konservativen auch mit der abenteuerlichsten kolonialen Beutepolitik. Der konservative Führer scheute sich nicht, den Austrag der weltpolitischen tHändel durch eine Machtprobe, das heißt einen Völkerkricg, an die Wand zu malen. Er Proklamierte Deutschlands Recht auf koloniale Eroberungen,„weil wir ein Kolonialreich werden wolle n." Er sprach also offen aus, daß unsere jetzige Kolonialpolitik erst den Anfang unserer weltpolitischen Eroberungspläne bildet. Aber der konservative Führer scheut sich auch nicht, die frivolste Englandhctze zu betreiben. Er bc- hauptete, England habe sich„eine grandiose Unverschämtheit" gegen Deutschland herausgenommen und ihm„die Faust unter die Nase gehalten". Er tat das, trotzdem die„N 0 r d- deutsche Allgemeine Zeitung" gerade in ihrer Sonntagsnummcr amtlich erklärte, daß über Englands Hal- tung die„merkwürdigsten Mythen" verbreitet seien, und daß die Behauptung völlig haltlos sei, daß Teutschland bei Einleitung oder während des Verlaufs der Verhandlungen mit Frankreich vor emeip Einspruch von dritter Seite zurück- gewichen sei. Deutschland habe von Anfang an den Wunsch ausgesprochen, mit Frankreich allein zu unterhandeln, und d a b e i s e i e s g e b l i e b e n. Die deutsche Regierung mag sich danach bei dem konservativen Führer für die Liebens- Würdigkeit bedanken, die er dem englischen Ministerium zuteil werden läßt. Daß eine solche unerhörte Hetze, wie sie Herr v Heydebrand gegen England betrieben hat, das aberwitzige Wettrüsten zwischen England und Teutschland bis zum Fieberwahnsinn steigern und damit Deutschland die un- geheuerlichsten neuen Flottenlasten aufbürden muß. braucht nicht erst betont zu werden. Aber was kommt es Herrn von heydebrand, was seinen Mitjunkern auf eine noch blutigere Volksausplünderung an, wenn er nur hoffen kann, die vom Weltmachtskoller befallene deutsche Regierung durch die Zu- sicherung der bedingungslosen Heeresfolge für die Politik der Volk�aushungerung und Volt'sknebelung zu gewinnen! Auch Herrn v. Hevdebrand können wir freilich schließlich nur dankbar sein für die O f f e n h c r z i g k e i t. daß es bei dem bevorstehenden Wahlkampf„jetzt aufs Ganze geht". Auch das Volk weiß nun durch den Mund des konservativen Führers, was aus dem Spiele steht. Es wird dafür sorgen, daß der Großblock gegen den Umsturz, die ganze Scharf- macherrotte bei den Wahlen zu Paaren getrieben wird! nie Candtägswahlen In€ifaß- Cottzringcn haben bei den H a u p t Iv a h l e n vom 22. d. M. die Wahl von fünf Sozialdemokraten(in Mülhausen i. E. Emmel und Schilling, in Stratzburg-Stadt Bohle und PeiroteS, in Straßburg-Land F n ch s) ergeben, und sie haben bei dep Nach- wählen vom letzten Sonntag, den 29. d. M., die Wahl von sechs weiteren Genossen(in Mülhausen- Land Martin, in Kolmar- Stadt Hindelang, in Schirmeck- SaaleS-RoSheim H e y s ch. in Markirch- Schnierlach Meyer und in Straßburg-Stadt I m b S und W 0 l f e r) gebracht. Ganz knapp unterlegen ist in dem oberelsnssischen Wahlkreis HabS- heim-Landser der Genosie Müller-Moeglin, der 2812 Stimmen erhielt gegen 2647, womit der Zentrumskandidat Broglh siegte. Die Wahl des Zentrumskandidaten wird in diesem Kreis wohl mit Erfolg angefochten werden, da in diesem Kreise. wo der Gewählt? nur ein Mehr von Sä Stimmen besitzt, wie in Expedition! SM. 68, t-wdenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. verschiedenen anderen die Pfaffen und die klerikalen Bürgermeister ihre Amtsstellung im Wetteifer zugunsten der ZentrumSkandidatnr mißbrauchten. Sozialdemokratische Wahlkontrolleuree wurd'n o»S den Wahllokalen gewiesen, die Pfaffen terrorisierten die Wähler auf der Kanzel, auf der Strohe, vor dem Wahllokal, ja im Hausflur zum Wahlraum usw. In Mülhanseit-Land, wo dem sozialdemokratischen Kandidaten Martin schon beider Hauptwahl vom L2 OktoberlSttbei drei Gegenkandidaturen nur drei Stimmen an der absoluten Mehr- heit fehlten, siegte der sozialdemokratische Kandidat letzten Sonntag über den letzten noch übrig gebliebenen Bewerber, den Professor Dr. Martin Spahn von der Kaiser- Wilhelm- Universität in Strahburg(den Sohn Peter Spahns) mit 3139 gegen 2959 Stimmen, und zwar auf Grund eigener proletarischer Reserven, da die 377 liberalen Stimmen dcZ ersten Wahlganges zumeist versagten und die 649 Stimmen de? nationalistischen Kandidaten in diesem Kreise zumeist dem Zentrums- Professor zufloffen. Besser hielten sich die liberalen Wähler als Hilfstruppen der Sozialdemokratie auf Grund des für das ganze Land zwischen unseren Genossen und den Liberal- Demokraten getroffenen Wahlabkommens in Kolmar-Stadt, Markirch- Schnierlach, Rosheim-Saales und Strahburg, in den drei ersteren Kreisen naturgcmäh schon deshalb, weil dort nationali st is che Gegner in Frage kamen. DaS Charakteristikum der Wahlen ist beim zweiten Wahlgang vom 29. Oktober wie bei der Hauptwahl vom 22. die Niederlage der Nationalisten, die ihre Führer Preih, Blumenthal und Lau gel auf der Strecke lassen Die Mandatsverteilung in der Zweiten Kammer des neuen elsah-lothringischen Landtage? ist nach Beendigung der Wahlen diese: Zentrum 22 Abgeordnete, Liberal- Demotraten und sogenannte Unabhängige, die von den Liberal- Demokraten abhängen, 12, Sozialdemokraten 11, Block der Lothringer 19. unabhängige Klerilale 4, Nationalisten 1. Eine klerikale Mehrheit ist dank der Abhängigkeit, in welcher sich einige Mitglieder deZ Lothringer Blocks gegenüber dem Zentrum befinden, trotz des Zu» sammengehenS der Sozialdemokraten mit den Liberal-Dcinokraten bei der Rachwahl vom letzten Sonntag tatsächlich vor» Händen. Die politische Lage in Elsah-Lothringcn wird für die nächsten Jahre durch diese Tatsache beherrscht sein und wohl auch den bevorstehenden ReichStagSwahlen ihren Stempel— den Stempel der Grohblockpolitik nach badischcm Muster— aufdrücken. obwohl die elsah- lothringischen Genoffen gerade in dem politisch und wirtschaftlich vorgeschrittenen Oberelsah sich auf Grund der Wahlergcbnisie vom 29. Oktober über die Zuverlässigkeit der liberalen Wählerschaft im Kampfe gegen den Klerikalismus keinen Illusionen hingeben. Die„Führer" tun im allgemeinen ihr Mögliche?, aber die kleinbäuerliche oder kleinbürgerliche liberale Wählerschaft weigert sich vielfach, zu marschieren. Es ist zu erwarten, dah die von der liberalen Presie vielleicht in Abrede gestellte, aber tatsächlich vorhandene klerikale Mehrheit in der Zweiten Kammer des elsah- lothringischen Landtages für die nötige politische Erziehung sorgt. Vom Standpunkte unseres Parteiintcreffe? au? gesehen kann die Partei mit den erzielten Stimmen- und Mandatserfolgen durchaus zufrieden fein— sie übertreffen wirklich unsere Erwartungen. Die Wohnsitzklausel(einjähriger Wohnsitz in der Gemeinde als Voran?- setzung des Wahlrechtes) hat uns in allen Kreisen mit fluktuierender Arbeiterbevölkerung ganz gewaltig geschädigt, und die famose Mandelsche WahlkreiSeinteilung hat gezeigt, dah sie gerade dem Zentrum wie auf den Leib zngeschiiitten ist. Die glänzcnden sozialdemokratischen Stimmen- und MaiidatSerfolge verbürgen uns einen guten Erfolg auch bei den nahe bevorstehenden Reichstags« wählen._ Der Krieg. Die heute vorliegenden Meldungen bcstäflgen, daß die Italiener durch die sich täglich wiederholenden Angriffe der Türken und Araber gezwungen sind, sich auf die Ver t ei- d i g u n g von Tripolis zu beschränken. In gleicher Lage bc- findet sich die zweite italienische Division in den Häfen der Cyreneia, in Benghasi, Derna und Tobruk. Neberall haben die Araber die italienischen Truppen täglich an- gegriffen und offenbar bis an die Stadtgrenzen zurückgeworfen. Die italienische Marineartillerie hat nicht zugunsten der Landtruppen eingreifen können, da die Kriegsschiffe während der letzten Tage infolge stürmischen Wetters ihre bisherigen Ankerplätze aufgeben mußten. Ob die Hoffnungen, die man in Konstantinopel in bezug auf eine vollständige Wiedcreroberung der Stadt Tripolis hegt, nicht gar zu optimistisch sind, läßt sich zetzt noch nicht entscheiden. Jedenfalls würden die Italiener in Tripolis in eine sehr verzweifelte Lage kommen, wenn es den Türken gc- lingen sollte, der Stadt durch die definitive Besetzung der Quellen von Bumiliana, um die sich die Känipfe der letzten Tage gedreht haben, die Wasserzufuhr abzuschneiden. Verdächtig bleibt nach wie vor die Langsamkeit, mit der die italienische Oberleitung ihre Verluste angibt. Die italienischen Truppen sind auf einen verhältniLinäßig Netncn Raum konzentriert, die Trnppenverbände sind nicht auS- einandergerissen, es liegt also nicht die geringste Schwierig- keit vor. täglich die Verluste auf das genaueste festzustellen. Vis jetzt sind offiziell aber nur die bis zum 26. Oktober ge- habten Verluste mitgeteilt werden. Das läßt den berechtigten Schluß zu, daß bei den Kommandobehörden des Expeditionskorps Verwirrung herrschen muß, dann aber auch, daß nian das italienische Volk und die übrige Welt über die Schwere der Verluste hinh alten und täuschen will. Solche Täuschungs- und Vertuschungsmanöver rächen sich aber sehr schwer, und da immer neue Verstärkungen nach Tripolis abgehen, wird man in Italien bald hinter das verlogene Treiben der Regierung und der Tripolis- Presse kommen. Vorläufig trumpft die italienische Regierung noch auf und will die Annexion von Tripolis den Mächten als vollendete Tatsache mitteilen. In Konstantinopel dagegen will man jetzt nach den Mißerfolgen der Italiener weder von einer Annexion noch von einem Protektorat mit der Souveränität des Sultans etwas wissen. Man hofft, daß die türkischen Offiziere, die in immer größerer Anzahl auf tripolitanischen Boden eintreffen, die Araber- und Berberstämme derart organisieren können, daß die Italiener auch aus den bisher besetzten Küstenstädten herausgeworfen werden können. Eine ebenso barbarische wie gefährliche Maß- nähme der Italiener ist die Erklärung der kämpfenden Eingeborenen zu Rebellen und die daraus resultierenden Erschießungen und Massen- deportationen gefangener Araber. Die Araber und Berber, die ihren bisherigen Herren die Treue halten und ihr Land und ihre Freiheit verteidigen, haben für diese Finesse des Völkerrechts der„Kulturstaaten" nicht das geringste Ver- ständnis. Die Italiener säen mit dieser Barbarei nur unaus- löschlichen Haß bei der Eingeborenen-Bevölkerung, ganz ab- gesehen davon, daß in jenen Ländern sich jedermann als Krieger fühlt und den Besitz einer Waffe für selbstverständlich erachtet. Eine sehr ernste Wendung würde der Krieg nehmen, wenn sich bewahrheiten sollte, was dem„Avanti" mitgeteilt wird, daß nämlich ein Teil der italienischen Flotte die Inseln Rhodus und Mytilene beschossen habe. Dadurch würde der Krieg auf europäisches Gebiet getragen und könnte zu unab- sehbaren Verwickelungen führen. Die italienischen Verluste. Rom, 80. Oktober. Der Oberkommandant de» tripolita» nischen Operationskorps teilt heute hierher telegraphisch die B e r l u st e mit, welche die unter seinem Kommando stehenden Streitkräfte vom 23. bis einschließlich zum 26. Oktober in den Kämpfen vor Tripolis erlitten haben. Demnach sind dreizehn Offi. ziere und 369 Mann getötet, 16 Offiziere und 142 Mann ver- wnndet worden. Der Kriegsminister behält sich vor, die Namen folgen zu lassen. DaS Mißverhältnis zwischen der Zahl der Toten und Verwundeten ist aus der Tatsache zu erklären, daß einige Abteilungen, darunter das 11. Berfaglieri-Regiment, a u S allernächster Nähe angegriffen wurden. Die Lücken in den verschiedenen HeereSabteilungen vor Tripolis sind übrigens be» rcitS ergänzt worden. SiegeSjubel in Konstantinopel. Konstantinopel, 30. Oktober. Die türkische Presse jubelt über die türkischen Erfolge in Tripolis. S a b a h sagt, der Krieg enthülle die große Kraft des Ottomanentums, nämlich die Treue der Araber gegenüber dem Khalifat. Den Blättern wurde verboten. Meldungen über die Durchreise der türkischen Offiziere durch Aegypten nach B e n g h a s i und über die Entsendung von Geld und Lebensmitteln durch Aegypten zu veröffenttichen. Türkische Berichte. Koustantinoprl, 29. Oktober.„Sa bah" veröffentlicht«ine Depesche aus Tripolis von gestern, wonach eine italienische Division die Türken angegriffen habe. Als diese, durch Freiwillige verstärkt, ihrerseits kräitig vorgingen, hätten sich die Italiener aus Furcht, ihre Rückzugslinien könnten abgeschnitten werden, ia Unordnung ia die Stadt zurückgezogen. Die Meldung beziffert die Verluste der Italiener auf 300 Tote, darunter einige Offiziere, und 700 Verwundete. Emige italienische Ver» schanzungen sollen in die Hände der Türke» ge- fallen fein. „T a n i n" meldet, die Türken hätten drei italienische Maschinengewehre erbeutet. Die Bevölkerung der Stadt wende sich gegen die Italiener, deren Lage dadurch schwierig zu werden beginne. „I k d a m" erfährt über dte Kämpfe bei Tripoli? in den letzten fünf Tagen, die Türken hätten zahlreiche Stellungen besetzt. Ver- schanzungen aufgeworfen und. von Artillerie unterstützt, in vier Kolonnen die im Vormarsch befindlichen Italiener an- gegriffen. Diese seien geschlagen worden und hätten zahlreiche Gefangene, darunter drei Hauptleute und mehrere andere Osfiziere, verloren. „S a b a h" veröffentlicht«ine von vorgestern datierte Depesche auS Benghasi, wonach zwischen italienischen Truppen, welche mit Artillerie eine Rekognoszierung außerhalb Benghasts unier- nahmen, und den Türken ein einstündiger Kampf statt» gesunden habe. Die Türken hätten große Bravonr bewiesen. Di« Italiener seien in Unordnung geflohen und hätten eine Kanone und mehrere Tote und Verwundete zurückgelassen. Der italienische Oberst sei schwer verwunde» worden. Der Muteffarif von Benghasi und der Deputierte Dschami Bey hätten an dem Kampfe teilgenommen.„J k d a m" zufolge haben die I t a l i e n e r in diesem Kampfe 800 Tote gehabt. Kein neue» Gefecht. Rom, 29. Oktober. Di-„Agenzia Stefani' meldet au« Tripolis: Der gestrige Tag und die Nacht find in der Umgebung von T'ipoli» ruhig verlaufen, nur in der O a f e haben sich einigeZwifchenfälle ereignet. Gestern unternahm der Feind einen Angriff auf Hom«. wurde aber umer beträchilichen Verlusten, deren genaue Höhe nov nicht feststeht, zurückgeschlagen. Die Italiener hatten zwei Tote und zwei Verwundete.— 920 g e- fangen« Araber sind auf der Insel Ustica, SSS weitere auf Tremiti gelandet worden. Das Attentat eine» Soldaten. Bologna, 30. Okiober. Ter Reservist Gaetano Masetti. vcm 30. Jnfanterie-Regiment. der mit seiner Kompagnie nach Tripolis abgehen sollte, gab auf dem Hof der Kaserne einen Jlintcnschuh gegen eine Gruppe von Offizieren ab. DaS Attentat wurde in dem Augenblick ausgeführt, als der Oberst eine patrio- tische Ansprache an die Soldaten richtete. Der Oberstleutnant S t r o p P a stürzte, durch einen Schuß in die Brust getroffen, zu Boden. Der betreffende Soldat wollte mit seinem Attentat gegen den Krieg protestieren. AIS man ihn festnahm, erklärte er ruhig:..Ich habe die in Tripolis gefallenen Käme- raden gerächt. Ich bin Anarchist und will lieber in Italien fallen." Die chlneliiche Resolution. Die erste Phase der Revolution»st abgeschlossen. die sofortige Einberufung deS Parlaments dem Throne abgerungen. Während Pekinger Offiziöse von angeblichen Siegen der Regierungstruppen bei Hankau zu erzählen wissen, hat sich in Wirklichkeit die Lage der Regierung völlig ver- zweifelt gestaltet. Ihre besten und verläßlichsten Truppen verweigerten den Marsch gegen dte Revolutionäre. Die vierte und zwanzigste Division, die in der Provinz Petschili stehen, insgesamt etwa 25000 Mann, haben in dem Augenblick, wo sie eingeschifft werden sollten, ein von sämtlichen Offizieren unterzeichnetes Ultimatum an den Regenten ge- schickt, in dem sie erklären, sofort nach Peking marschieren zu wollen, wenn nicht ihre Wünsche erfüllt werden. Das Ultimatum verlangt die sofortige Ein- berufung des Parlaments und hat folgenden Wortlaut: 1. Die bestehende Volksvertretung muß einer durch- greifenden Reform unterzogen werden. 2. Die Rechte des Parlaments, da» aus Ober« und Unterhaus besteht, treten sofort in Kraft. 3. Die Regierung muß sich verpflichten, Land« ober Marinetruppen zur Uitterdrücknng eventueller Wirren im Innern des Landes nicht zu verwenden, wenn sie nicht vorher dazu die Erlaubnis des Parlaments eingeholt hat. 4. Dem Kaiser wird das Recht entzogen, allein über Tod und Leben seiner Untertanen zu enischeiden. b. Für gewisse politische Verbrechen ist unverzüglich eine Amnestie zu erlaffen. S. Beschaffung eines verantwortlichen Minister- kablnettS. 7. Der Ministerpräsident hat fich ständig auf Wunsch deS Parlamentes über sein Tun und Handeln diesem gegenüber zu rechtfertigen. S. Mitglieder kaiserlichen Hause» dürfen nicht für hohe Staatsposten bevorzugt werden. 9. Die Regierung darf nur unter Zustimmung de» Parka- ments Verträge mit fremden Mächten abschließen und das jährliche Budget festsetzen. Das Eintreffen dieser Nachricht hat in Peking Panik hervorgerufen, die noch dadurch verstärkt wurde, daß auch die Flotte des Admirals Sa sich den Forderungen angcschloffen haben soll. Der Hof mag an Flucht gedacht haben. Es scheint aber, daß diese unmöglich war, weil auch dte Truppen, die den Palast bewachen, eine solche nicht zugegeben hätten. So blieb denn nichts anderes übrig, als Nach- g i e b i g k e i t, und ein kaiserliches Edikt sagt die sofortige Einberufung des Parlaments zu. Damit hat die revolutionäre Bewegung ihren ersten großen Sieg errungen. Ob dieser allerdings die Revolutionäre zufriedenstellen wird, bleibt abzuwarten, da ja die nationale Forderung der Abdankung der Mandschudynaftie nicht erfüllt wird. Und die bisberigen Erfolge sind geeignet, die Revolutionäre zum Festhalten an ihren Forderungen zu ermutigen. Denn während im Norden die Truppen meuterten, hat sich im Süden Kanton unter ungeheurem Jubel der Bevölkerung als Republik erklärt. Aber wie immer die Dinge sich auch weiter entwickeln mögen, die Macht der Dynastie ist völlig gebrochen und ähnlich wie einst Abdul Hamid nur eine Puppe in den Händen der revolutionären jungtürkischen Offiziere, so ist heute der Prinzregent der Gefangene seiner Armee. Die Erfüllung der revolutiouüreu Forderungen. Peking, 30. Oktober.(Meldung de» Nruterschc» Bureau».) In einem kaiserlich«« Erlaß» der heute veröffentlicht ist, recht- fertigt der Thron seine bisherige Untätigkeit, kündigt den so» fortigea Erlaß einer Lerfassuug und die Bildung eine» K a b i u e t t S an, von de« der Adel ausgeschlossen sein soll, und fichrrt den Aufrührrrn nnd den politisch Schuldigen ver» z e i h u u g zu. Die revolutionäre» Truppe«. Peking, 29. Oktober. Konsularberichte aus Nanking besagen, daß die Lage dort u n g e w i s s e r geworden ist. Die n e u a n- geworbenen Truppen haben sich aus Furcht vor einem An- griff der alten Truppen an den Vizekönig um Munition gewandt. Der v i z e l ö n i g hat ihr Ersuchen jedoch abgelehnt. AI» er den Truppen besohl, die Stadt zu verlassen, wider- letzten sich die Leute seinem Beiehl. Sechstausend Mann Truppen und die zwanzigste Dwifion in Lancha« haben sich gewcigrrt, nach Hankau abzugehen und dem Bizrkönig eine Denkschrift üdrrfandt» in der da» dringende Ersuche» um sofortige Bewährung einer Ber- fassung auSgrsprochcu wird. Die Soldaten in Taiyuan-fu haben gemeutert. die Stadt ist wadrscheinlich zu den Aufftändischen übergegangen. Die Stadt T s» e n g- t u ist ziemlich ruhig, aber in der Umgebung greift da» Räuberunivesen immer mehr um sich.— In Sinvang- chan und Skirmi-sching werden täglich zahlreiches l.a i s e r» liche Soldaten getötet. Proklamierung der Republik in Kanton. Hongkong, 80. Oktober. Gestern haben alle Regierung?- gebäude in Kanton um 7'/, Uhr abends die Fl a g g e deS neuen Reiches aufgezogen. Die Erklärung der Republik wurde von der Bevölkerung mit Festlich- leiten und Abbrennen von Feuerwerk gefeiert. Admiral L i liegt mit der Flotte 50 Meilen flußabwärts von Kanton, über seine Haltung ist noch nichts bekannt. Die M a n d s ch u- t r u p p e n, die sich verschanzt haben, verhallen sich ab- wartend. Man hofft, sie zur Nachgiebigkeit zu überreden. da ein Widerstand wegen der großen Nebcrmacht des Gegners nutzjoS wäre. Der Vizekönig läßt alles geschehen, ohne sich offiziell von der Regierung loszusagen. Die Gefechte bei Hankau. Hnukau, 30. Oktober.(Meldung de» Renterschen Bureaus.) lieber das Gefecht am 27. d. M. werden»achlräglich noch folgende Einzelheiten bekannt. Bei der Annäherung der Reaiernngslrnppen gaben die A u i it ä n d i i ch e n gestern ihre st arte Stellung hinler den Biücken. Däminen und EiienbaHnüdergäiigeii der Sümpfe deS Seven MileS Creek auf. Zehntaufeild Mann Regier»ngs» t r u p p e n passierten während der Nacht und in der Mvrgen- dämnierung daS Defilee und griffen heute früh die Auf- ständischen an, die sich in der Stärke von bOOO Mann erneut verschanzt hatten. Die Verteidiger behaupteten ihre Stellung hartnäckig, odlchon die überlegene Artillerie des Angreifers sie mit heftigem Schrapuellfeuer überschüttete. Auch die acht Kanonenboote de» Admiral« Sahischengpmg nSveiten sich dem Schauplay des Kampic« und fügten den Auf- ständischen durch die Beschießung von rückwärts große Ver» luste zu. Die Batterien der Aufständischen erwiderten da» Feuer. vermochten jedoch keine Wirkung zu erzielen, und die Auf- ständischen traten in guter Ordnung den Rückzug an. Die RegierungStriipprn fol zten unmittelbar, unterstützt von dem Schrapnellfeuer ihrer Batterien. Der KampfeSmut der Aufständlschen war jedoch so wenig erschüttert, daß sie am Nachmittag mit Verstärkungen zurückkehrten und einen Gegenangriff versuchten. Der Kampf war aber völlig un» gleich. Die gut ausgebildeten RegierungStruppen warfen die be- waffneten Haufen mit Schrapnell«. Maschmengewehr- und Gewehr- feuer zurück. Die Aufftändischen vermochten allerding» ihre Geschütze zu retten. Die Kanonenboot« nahmen au dem NachmittagSgefecht keinen Anteil. Panik unter den MaudschuhS. Peking, 30. Oktober. Die Tätigkeit der Aufständischen in T a i y u a n i n, die sich emeS Abschnitte» der Bahn von Peking nach Hankau bemächtigt haben, hat in den RegierungSlreisen Bestürzung erregt. Man hat in großer Hast Truppen nach Schaust entsandt. Andere werden zur Verteidigung der Haupt st adt bereitgestellt. Unter den Mandschubeamten ist eine Panik eingetreten und viele von ihnen bereiten sich zur Flucht._ polltifcbe Gcberlicht. Verlin. den SO. Oktober 1911. Um daS Recht deS Reichstags. Die„Nordd. Allg. Zeitung" brachte in ihrer SonntagSanSgabe eine offizielle Erklärung, die durch das Wolfffche Telcgraphcnbureau sofort weiter verbreitet wurde, deS Inhalts, daß von den zuständigen Reichsämtern die Frage, ob ein StvatSvcrtrag über Abtretung oder Erwerb von Kolonialbesitz zu seiner staatsrechtlichen Gültigkeit der Zustin�iung de» Bundesrats und der Genehmigung de» Reicks- tageS bedürfe, geprüft und verneint worden fei, das heißt mit anderen Worten, der Reichstag soll nicht berechtigt sein, ein entscheidendes Wort über das Marolkoabkommen mit Frankreich mitzusprechen. Man darf sehr gespannt sein, wie sich die ReichStagSmehrheit, Konservative und Zentrum, zu dieser Aufsivssung der Regierung stellen wird. Noch in der EonntagSnummcr schrieb die-Kölnische Volkszeitung": -Man hat in den letzten Tagen die Frage erörtert, ob der Deutsche Reichstag in die Lage kommen werde, feine Zustimmung zu dem Abkommen zu geben oder ob er sich einfach damit be- gnügen müsse, daß der Reichskanzler ihm von der vollendeten Tat- sacke Kenntnis gibt. ES ist aber bereits in Nummer 915 der „Kölnischen Volkszeitung" mitgeteilt worden, warum der Seniorenkondent des Reichstages den Antrag Bassermann abwies, welcher vom Reichskanzler eine Erklärung fordern wollte, ob der Reichstag das Marolkoabkommen zu genehmigen haben werde. Diese Erklärung fordern, entschied der Seniorenkonvent, hieße ein Recht wieder in Zweifel ziehen, das dem Reichstag wiederholt ausdrücklich zugestanden worden sei." In der angezogenen Nummer 915 der„Kölnischen VolkSzeitung" wird über die Sitzung d«S Seniorenkonvents berichtet, in der die Vorschläge der Nationalliberalen erörtert wurden. Das Zentrums» blatt sagt hier: „Von konservativer und fceikonservativer Seite wurde auch dem zweiten Teil des Antrags Vassermann, der vom Reichskanzler eine Erklärung verlangt, ob die Gebietsabtretungen bezw. Ge- bietserwerbungen durch kaiserliche Verordnung oder durch Reichs- tagsbeschluh also einem Gesetzgebungsakt genehmigt werden müßten, widersprochen. Man I.hnte eS vor allem deshalb ab, eine solche Frage an den Reichskanzler zu richten, weil der Reichstag mit dieser Frage ja ein Recht in Zweifel setze, da» die deutsche Regierung selber während der Verhandlungen mit Frank. reich wiederholt anerkannt und auf das sie sich immer gegenüber den französischen Forderungen oder Ablehnungen berufen habe. Der Redner deS Zentrums äußerte gleichfalls staatsrechtliche und politische Bedenken...." Nach diesen unzweideutigen Erklärungen kann der schwarz« blaue Block die Absicht der Regierung, den Reichstag in dieser Frage ganz auszuschalten, mcht ohne schärfsten Widerstand hingehen lassen. Wenn sich die Regierung nicht noch eines Besseren besinnt, dürfte es also in der nächsten Woche erhebliche Stürme im Reichstag ab- setzen. TroelstraS Bemerkungen. DaS„V. T." bringt ein Telegramm ans Bruffel über die bekannten Mitteilungen TroelstraS und der„Franks. Ztg.", in dem es heißt: Camille HuySmanS, der Generalsekretär deS Inte» nationalen sozialistischen Bureau»...dementiert die Meldung in jeglicher Form. Weder deutsche noch französische Regierungsvertreter haben jemals daS Bureau zur Besänftigung der Maroktoaffäre gewinnen wollen. Diese Meldung ist i r r e f ü h r e n d. Ans eine telegra- phische Anfrage antwortet unS Genosse HuySmanS folgendes: „Ich habe wörtlich den Journalisten geantwortet, w meiner Eigenschaft als Funktionär des Bureau» habe ich weder etwa» zu bestätigen noch etwa» zu bestreiten." Da das„Berl. Tageblatt" in diesem Telegramm auch den Wortlaut der Acußerungen Tr o e l st r o S anzweifelt und be- Haupttt. er hätte von bloßen Möglichkeiten gesprochen die unter Umständen eintreten könnten, wollen wir auch die betreffende Stelle der Rede wörtlich wi-de-qeben wie sie uns ein Telegramm TroelstraS selbst übermitt-llt.' Die Stelle lautet: „Diejenigen unter un». welche mehr in die internationale Organisation und da» internationale Wirken der Sozialdemo- kratie eingedrungen sind— wie ich. der ich als Mitglied dcS I. S. B. wohl mal Tatsachen erfahre, welche sich nicht zur Ver- öffentlichung eignen— stehen auch deshalb so stark in ihrem Kampfe, weil sie aus den Totsachen wissen, daß. wenn e« R e» gierungen gibt, welche auS irgendeinem Grund die Ge- fahr eines drohenden Kriege» beschwören wollen, diese auch wohl die Adresse zu finden wissen, welche auch nach ihrer Ueberzeuguno die bette Friedensadresse der Welt ist.' Schließlich veröffentlicht unser Brüsseler Parteiorgan ein Interview deS Genossen V a n d e r d e l d e. des Vorsitzenden deS Bureaus, mit dem Vertreter eines Pariser Blattes. Banderveldes Ausführungen lauten: „Nach dem„Volk" in Amsterdam hätte inew Freund Troelstra in der Zweiten Kammer der Generalstaaten gesagt; „Ich weiß in meiner Eigenschaft als Mitglied des Internationalen sozialistischen Bureau», daß Vertreter gewisser Regierungen leicht die Adresse de» Internationalen BureanS zu finden wissen, wem, eS sich darum Hände!», den Krieg zu Verbindern.' Ich will mich nicht weiter über den Gegenstand dieser Erklärung aussprechen. Aber wenn Troelstra sie gemacht bat. so ist das ohne Zweifel geschehen, weil er guteGründe dafür hatte. WaS die angeblichen Informationen des holländischen Korrespondenten der.Franks. Ztg." anbetrifft, so beschränke ich mich daraus, ihre UnWahrscheinlichkeit zu lmlerstreichen. ES liegt aus der Hand, daß wenn in einem kritischen Momente die eine oder die andere politische Persönlichkeit e» für nützlich b>ttten konnte, daß wir über gewisse Dinge unier» richte» würden, so war hierzu nicht notwendig, sich direkt und ofstztell an da« Internationale sozialistische Bureau zu wenden. Tie Regierung alS blauschwarzeS Wahlburca«. In einer Polemik gegen die„Frankfurter Zeitung" w Sachen derAnwetsungandteLandrSte schreibt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung": In einem Hrttfe! bom 27. d. M. spricht genannte Leitung don einer.an die Landräte ergangenen ministerieklen Anweisung": Nach den Darlegungen emeS Teiles der Presse soll dieser Erlah nicht? weniger bedeuten, als eine.Anweisung zur Wahl- beeinflusiung, eine Mobilmachung der Behörden, insbesondere der Landräte, zugunsten der agrarischen, reaktionären Parteien, des schwarzblauen Blocks, deS ostelbischen Junkertums". Das .Berliner Tageblatt" und mit ihm eine Reihe anderer Leiwngen fügt noch hinzu, dab in dem Erlasse auch.die Angabe der Kosten der betreffenden Erwiderungen verlangt und den Landräien der Rat gegeben würde, sich die Flugblätter der Parteien aus vertraulichem Wege zu beschaffen. Damit sei einer bedenklichen Korruption Tür und Tor geöffnet." Demgegenüber stellen wir fest, daß der Minister deS Innern lediglich die Regierungspräsidenten, und zwar bereits am 12. September d. I. ersucht hat, ihm über„die m der Provinz gegen die Politik der Staats- regierung gerichteten, auf wirkliches, aber angeb- licheSTatsachen-oderZahlenmaterialgestützten Angriffe schwerwiegender Natur, welche die kommenden Reichstags- wählen zu beeinfluffen vermögen", Bericht zu erstatten, um so eventuell Gelegenheit zu haben,.in sachlicher Form" gehaltene Erwiderungen zu veranlaffen." DaS offiziöse Organ bestätigt damit nur vollinhaltlich die Meldung der„Frankfurter Zeitung" und die Berechtigung der Kritik, die von der liberalen Presse und auch vom„Vor- wärtS" an der amtlichen blauschwarzen Wahlmache geübt worden ist. Die„Politik der StaatSregierung" ist eS eben, wie Herr von Bethmann Hollwog ja erst letzter Tage im Reichstage ausdrücklich deklariert hat. die Politik des blau» schwarzen Blocks. Will die Regierung, wie der Elsaß ankündigt. daS zur Beleuchtung dieser Politik während der Wahlkampagne beigebrachte Material zurückweisen, so tut sie eben just das, um was sie die„Deutsche Tageszeitung" in ihren Wahlnöten bestürmt hat. Die Regierung will dann durch ihren amtlichen Apparat dem blauschwarzen Block daS Agitationsmaterial liefern. daS zu produzieren die Junker und Junkergenossen selbst zu unfähig oder zu bequem sind. Die Regierung macht sich durch solch beispiellose amtliche Wahlmache zum Wahl bureau des SchnapSblockS l Der Abschluß der Marokkoverhandlunge«. Wie aus Paris telegraphiert wird, gab daS Ministerium deS Aeußern am Montag folgende Note auS:„Die Herren C a m b o n und v. Kiderlen-Waechter haben in ihrer letzten Zusammenkunft am Sonnabend und Sonntag früh alle Punkte des französisch- deutschen Einvernehmens definitiv fe st gestellt. Es bleibt jetzt nur noch übrig. den Text dieses Einvernehmens endgültig zu re- d i g i e r e n, das, wie man glaubt, wahrscheinlich morgen abend oder spätestens übermorgen unterzeichnet wird." Znr ReichStagSnachwahl in Ratibor. AuS Oberschlrsien wird uns geschrieben: Ratibor galt bisher als ficherer Besitzstand deS Zentrums, denn •»Hehr als 90 Proz. der Bevölkerung find katholisch. Die Polen, die bei der letzten Wahl einen Ansturm unternahmen, konnten ebenso -�wie bei den jetzigen Wahlen die Position deS Zentrums ernstlich nicht gefährden, da der größte Teil deS Kreises mährisch ist. Die Mähren aber find dem Zemrum ergeben und jeder Bertuch der Polen, die Mähren für sich zu gewinnen, mißlang bisher. Ucberall herrschte deshalb die Ansicht, da» Zentrum werde im ersten Wahl- gang siegen. Trotzdem waren die Polen in der letzten Woche sehr rührig. Die Reichspartei tHakaristen) glaubte ti dagegen nicht nötig zu haben, eine groß« Agitation zu entfalten. Sie reflektierte auf die Beamtenschaft und auf die Wähler der zahlreichen Güter, die wie Hammelherden für den Herrn Regierungsrat Lüdke zur Wahl getrieben wurden. Da auch die gelesenste Zeitung im Kreise, der.Generalanzeiger für Schlesien und Posen", für den hakatistischen Mischmasch eintrat, so rechneten diese Herren mit einem Erfolg. Rur die Sozialdemokraten waren völlig unsicher über den Wahlausfall, denn kein Bersammlungslokal. kein Garten, keine Wiese oder Acker war zu einer Versammlung zu haben. Wir waren also einzig und ollein auf da« Berteilen von Flugschristen angewiesen. Zudem find mindestens lOOO bis 1200 Bauarbeiter— Maurer und Zimmerer— außerhalb de« Kreise» tätig. Da überdies der Wahl- tag so log, daß diesen Arbeitern, wenn sie zur Wahl kommen wollten, mindestens 2—3 Arbeitstage verloren gingen, so war hier mit einem Ausfall von S— 700 Stimmen zu rechnen. Um so erfreulicher ist da» Resultat. Die Stimmen de» Zentrum» sanken von 11411 im Jahre 1907 auf 3S7S, da» ist ein Verlust von 273S Stimmen. Die Nationalpolen erhielten 4341 gegen 4&91 Stimmen im Jahre 1907, verloren also 2B0 Stimmen. Die Reichspartei(konservativ-hakatistischer Misch- masch) gingen vonS10Sauf344S zurück, verloren also 1SS0 Stimmen. Nur die Sozialdemokratie vermehrte ihre Stimmenzahl von 1294 auf 1794, gin reiner Gewinn von rund VOO Stimmen. Die Wahl bedeutet eine Niederlage de« Zenttm», der Polen und de» konservativen Mischmasches, also des schwarzblauen Block«. Wenn die Wahtdeleiiigung relativ schwach war, so liegt das einzig und allein daran, daß die Kleinbauern usw. für den Sozialdcmo- Koten nicht stiinmen wollten, weil fie immer noch in dem Wahn leben, die Sozialdemokratie wolle die Religion vernichten. Für die Polen, das Zentrum und den Mischmasch waren die Kleiudauern aber auck nicht zu baden. So blieben sie der Wahlurne fern. Des- halb beträgt die Wahlbeteiligung nur 54 Proz. der eingeschriebenen Wähler. Die Stichwahl, die am 3. November stattfindet, dürfte den„Sieg" de» ZenirumSkandidaten Sopletto bringen. Für ihn wird gewiß auch die konservative Mischmaschpanet eintreten. Letzten Endes ist e» gleich, wer von den beiden schwarzen Brüdern gewählt wird. Sie gehören beide dem Schnapsblock an. Wir ziehen nach diesen guten Vorboten auch in Oberschlesien mutig in den Wahlkampf und der 12. Januar 1912 wird da» vollenden, wa» der 27. Oktober 1911 verheißt. Ter Herzog tritt ab. Der Herzog don Aeenberg. durch ZentrumShMe Vertreter de» Wahlkreise» Lüdinghausen im Reichswge. hat eS ab- S'l'hnt. nochmal« zu kandidieren. Da« muß überraschen, da er noch kürzlich allen seinen Wählern«tn große« Fest veranstaltete; auch hielt da« Zentrum die Kandidatur de» Herzogs für besonders glücklich, weil er am Kaiserhofe ein- und ausgehe. Selbst die katholischen Arbertervertreter waren von dem Herzog ent- zückt, da er einmal mit einem der Ihren zusammen Kaffee gerrunkeu hatte. Rur im« i g««« n Kreise war man ganz «ad gar nicht mit dem Herzog zufrieden. Die .Westfälische Rundschau", ein katholische» Blatt de««reise», nannte ihn wiederholt eine politische Null. Der Herzog hat sich schon seit langer Zeit im Reichstag nicht blicken lassen, was wohl darauf zurückzuführen sein dürfte, daß er internationaler Gesetzgeber ist und sich auch in Belgien heimisch fühlt. Hat er nun freiwillig abgedankt? Oder fürchtete das Zentrum eine Gegenkandidatur? Steigerung der Güterpreife. Mehrfach haben wir schon auf die enorme Steigerung der Güierpreise im Osten Preußens hingewiesen, die infolge der erhöhten und vermehrten Agrarzölle eingeireten ist. Die landwirtschaftliche Wochenschrift für Schlesien und Posen weiß von einigen neuen derartigen Fällen zu berichten. Sie schreibt: „Das Rittergut Neugabel. daS im Jahre 1900 der Leutnant JörS für den Preis von 3 SO 000 M. kaufte und 1909 an den Landwirt Krause für 651 800 M. verkaufte, im August 1910 von Krause an den Landwirt Ahlbrand auS Wismar für 750 000 M. verkauft und im August 1911 von Stanislaus von Rozili, einem Landwirt aus Westpreußen für 790 000 M. käuflich erworben wurde, ist jetzt durch Kauf in den Besitz deS Rittergutsbesitzers Erasmus v. Stablewski für 850 000 Mark übergegangen. Ge nannteS Gut hat einen Flächeninhalt von 666 Hektar, wovon 270 Hektar Ackerland. 100 Hektar Wiesen, 70 Hektar Moorkulmr und 101 Hektar Waldbestand sind." In elf Jahren ist also der Kaufpreis von 350 000 auf 850000 M., also um rund eine halbe Million gestiegen. Bezeichnend für den Familiensinn ist auch die Schnelligkeit, mit der die Agrarier ihre Güter wechseln. In Grünowitz. Kreis Liegnitz. verkaufte dieser Tage der Rittergutsbesitzer Springer sein 630 Morgen großes Gut, da« über 400 Jahre im Besitz der Familie Springer war. Springer war einer der ärgsten Schreier unter den Großgrundbesitzern im Liegnitzer Kreise, die durch die Em sührung der Erbschaftssteuer den agrarischen Familiensinn für gefährdet hielten._ Oberkirchenrat gegen Konfistoriu«. Der evangelische Oberkirchenrat hat in der Disziplinarsache gegen den Pfarrer Traub in Dortmund sich dahin entschieden, daß die Angelegenheit dem westfälischen Konsistorium entzogen und vor dem schlesischen Konsistorium in Breslau verhandelt werden solle. Traub hat das westfälische Konsistorium für befangen erklärt. Offiziöse Judenhetze. Pfeift die Reaktion aus dem letzten Loch, dann fängt fie an, auf die Juden zu schimpfen. Da» ist ein alter Erfahrungssatz. In Oesterreich spielt man den Antisemitismus gegen den Sozialismus aus, in Rußland veranstaltet man Pogroms gegen die Revolution und in Deutschland zetert die konservative Preffe seit Monaten gegen die„fremdblütigen Elemente", die an allem Elend dieser christlich« germanischen Welt, Unglauben, Sozialdemokratie und anderen Lastern, die Schuld tragen sollen. Es verdient daher als ein Zeichen der Zeit bemerkt zu werden, daß nun auch die offiziöse Presse au» der bisher beobachteten Reserve heraustritt und ebenfalls in jene gebildete und angenehme Tonart verfällt, die man von der „Kreuz-Zcitung". der„Deutschen Tageszeitung" und ähnlichen Organen schon längst gewohnt ist. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in ihrer zweiten SonntagsauSgabe einen Bericht über die letzte Versammlung deS Kepler-BundeS. in der e» zu lebhasten Auseinandersetzungen ge- kommen war. Daß die Monisten bei dieser unparteiischen Bericht« erstattung so schlecht wie möglich abschneiden, ist weiter nicht ver- wunderlich. Neu ist dagegen und al« Fortschritt muß eS bezeichnet werden, daß der offiziöse Bericht von den einzelnen Rednern treulich feststellt, ob fie Juden oder Christen find. ES werden u. a. Lärm- fzenen geschildert, wobei„ein jüdischer Moni st", nachdem er von den Christlich-Germanischen niedergeschrien worden,„mit er- hobener Faust" weiterspricht, und im allgemeinen wird dazu bemerkt: ES sei hier festgestellt. daß die w i l d e st e n Zwischen- rufe von einer Monistengrupp« ausgingen, die ganz überwiegend neben ein paar blutjungen Leuten au» jüdischen Ele- menten bestand.... Unparteiische werden gefragt haben, ob denn vom MoniSmuS Fanatismus und Rachsucht unlösbar sind. Fraglich bleibt nur, wie der unparteiische offiziöse Berichterstatter zu seinen interesianten Feststellungen gekommen ist. Hat er die ein- zelnen Versammlungsteilnehmer nach ihrem Taufschein gefragt, oder hat er sich auf seine phyfiognomischen Kenntnisie verlaffen? Oder hat schließlich nach seiner Meinung jeder Leugner der geoffenbarten Religion den Verdacht der jüdischen Abstammung von vornherein gegen sich, weil solche schlechte Menschen überhaupt gemeiniglich Juden sind 1 Vielleicht verbreitet sich da» RegiemngSorgan über diese Fragen einmal prinzipiell! Konfervativ-liberaleS Stichwahlbündnis. Nach einer Mitteilung der.Magdeburgischen Ztg." Häven die vereinigten Liberalen mit den Konservativen ein Stichwahlkompromiß gegen die Sozialdemokraten abgeschlossen. Im Wahlkreis Erfurt kandidiert der nationalliberale ReichSverbSndler Hagemann. Sein konservativer Gegenlandidat ist der Berliner antisemitische Recht»- anwalt Ulrich. Da«„Berliner Tagedl." ist über dieses Vorgehen außerordentlich empört und bemerkt:„Für die Fortschritiler be- deutet«S schon eine Ricsenüberwindung, im Interesse des libe- ralen Abkommen» für die Provinz Sachsen, diesen ReichSverbändler zu unterstützen, und wir vermögen nicht zu glauben, daß die Führer der Fortschritt ler obendrein noch einem Stichwahlbüiidni» mit den Konservaliven zugestimmt haben." »erlchtigung. Wir erhalten don Herrn Müller-Meiningen folgende Zuschrift: München. 28. X. IL verehrte Redaktion! Aus Grund de»§ 11 de» PreßgesetzeS ersuche ich Sie um Auf« nähme solgeuder Berichtigung: 1. E« ist mir völlig unbekannt, daß in meinem Wahlkreise in vielen Orten den Sozialdemokraten die Sole verweigert werden. Die Behauptung, daß dies mit meinem Wissen geschieht, ist daher unwahr. 2. ES ist ebenso unwahr, baß ich daS von der Sozialdemokratie behauptete Vorgehen„meiner Parteifreunde" billige. Ich habe bei Gelegenheit einer mir im Jahre 1898 bekannt gewordenen Saal- abtretbung öffentlich gegen solche PraxtS Stellung genommen und mißbillige heute wie damals die Saalabtreidung oder Saal- Verweigerung auf» schärfste. Hochachtungsvoll Müller-Meiningen. .» Wir nehmen mit Genugtuung davon Kenntnis, daß Herr Müller da» Eaalabtreiben mißbillig», denn wir hoffen, daß diese Miß- billigung Herrn Müller veranlaffen wird, unter seinen Partei- freunden in Meiningen dafür einzutreten, die Saalabtreibungen ein» zustellen. Bchwefs. Die Wahle» zum Ratioualrat. Ler«,- 29. Oktober. Die Wahlen zum Nationalrat haben heute in der Schweiz ohne Zwischenfall stattgefunden. Der neue Rat dürfte dem alten gegenüber keine wesentlichen Veränderungen aufweisen. Gewählt wurden im ersten Wahlgange 85 Katholisch-Konservative, 19 Sozialisten. 19 Mitglieder des liberal-protestantischen Zentrums, 7 Angehörige der sozialpolitischen Gruppe und 197 Mitglieder der radikalen Regierungspartei, im ganzen also 169 von 139 Abgeordneten. Die zwanzig Stich» wählen haben namentlich in den Kantonen Basel, Bern, Neuenburg und Genf stattzufinden. Portugal. Die Republikaner. Lissabon, 80. Oktober. Die Tagung deS Kongresse» de» republikanischen Partei ist heute geschloffen worden, ohne daß die Einigkeit in der Partei gestärlt worden wäre. Die Freunde Almeido a m a ch o S verließen den Kongreß. Dieser lehnte den Bericht des Vorstandes über seine Tätigkeit seit dem 5. Oktober 1910 ab, nahm dagegen den Bericht Alfonso Costa» über seine parlamentarische Tätigkeit an. Der seitherige B o r st a n d ist zurückgetreten. Spanien. Die Folterungen abgeleugnet. Madrid, 80. Oktober. Ein amtliche» Telegramm meldet t Nach den Vorgängen in CullareS wurde von revolutionärer Seite das Ge- rücht verdrettet, daß die Gefangenen Handlungen der Tortur ausgesetzt worden seien. Obwohl die Regierung von der Unwahr- heit dieieS Gerüchts überzeugt war, wurde der Generalkapitän von Valencia sofort beaustragt, eine auS dem der medizinischen Fakultät angehörigen Rektor der Universität sowie je drei angesehenen Zivil- und Militärärzten bestehende Kommission zu ernennen. Diese bat nach eingehender Untersuchung ein« Erklärung dahin abgegeben, daß sie nicht einmal Spuren von gewalt« tätigen Handlungen vorgefunden habe. Snglanck. Zwistigkeiten in der Arbeiterpartei. London, 27. Oktober.(Eiq. Der.) Die„Times" kommt heute auf die Spaltung in der Arbeiterpartei zu sprechen und läßt mangels konkreter Tatsachen ihre Phantasie in die Ferne schweifen. Sie behauptet nichts weniger, als daß die neue britische sozialistischePartei hinter der Spaltung zu suchen sei. Diese Behauptung ist pure Erfindung. Von den B e t e i l i g t e n selbst wird die Gründung einer neuen unabhängigen Gruppe demen» tiert. Sie machen jedoch kein Hchl daraus, daß zwischen ihnen und der Mehrheit der Arbeiterpartei nicht allein in der Versicherungsfrage, sondern auch in anderen Punkten ein scharfer Gegensatz besteht. Die Versicherungsvorlage hat diese Gegensätze, die übrigens schon seit der Gründung der Arbeiterpartei vorhanden sind, in besonders scharfer Form zum Ausdruck gebracht. Ter Streit um die Versicherungsvor- läge ist sowohl prinzipieller wie taktischer Nätur. Die vier sozialistischen Parlamentsmitglieder sind wie die Organi- sationen. denen sie angehören. Gegner des Systems der Bei» tragsleistungen. Ter unmittelbare Anlaß zu dem augenblick» lichen Streit ist jedoch in Meinungsdifferenzen über die zu be- folgende Taktik zu suchen. Die Mehrheit der parlamen« tarischen Fraktion hat beschlossen, die R e g i e r u n g in ihrem Vorhaben, die Vorlage noch in dieser Session unter allen Um- ständen durchzudrücken, zu u n t e r st ü tz e n. AuS Furcht. die Vorlage zu verlieren, verzichtetsieaufbeinahe alle ihre Abänderungsanträge. die von der Konferenz der Arbeiterpartei und dem Gewerkschaftskongreß beschlossen worden sind. Die vier erwähnten Parlamentsmit- glicder wollen nun ihre kritische Stellung, die sie in dsn Wahlkreisen eingenommen haben, auch im Parlament nicht aufgeben. Daß sie es ernst meinen, beweist ihre Hand- lungsweise gleich am ersten Tage der Session, als sie g e g e n den Regierungsantrag, die Zeit des Parlaments gänzlich für Regierungsgeschäste in Anspruch zu nehmen, stimmten und die Genossen Tchorne und Lansburh sogar als Stimmzähler der Minderheit fungierten. Diese oppositionelle Haltung wird ihnen von der Mehrheit der Arbeiterpartei sehr verübelt, die sich ferner auch darüber beklagt, daß die sozialistischen Mbge- ordneten in den Wohlkreisen der Befürworter der Vorlage Reden gegen die Versicherungsbill hielten. Was aus der ganzen Geschichte werden wird, ist keines- wegs klar. Man spricht von dem Ausschluß der Re- bellen. Das ist jedoch unwahrscheinlich: denn daS würde bei der herrschenden Stimmung der Massen� den Zu- sammenbruch der Arbeiterpartei bedeuten. Die Frage des Disziplinbruchs ist dem Komitee der Arbeiter- Partei zur Entscheidung überwiesen worden, dessen Kompetenz sich jedoch nicht aus derartige Angelegenheiten zu erstrecken scheint. Die Politik der Arbeiterpartei wird von dem Partei» tag festgelegt, dessen Beschlüsse die parlamentarische Fraktion jedoch isehr häufig in den wichtigsten Fragen direkt mißachtet- Auch in dieser Versicherungsfrage scheint die Haltung der Mehrheit der parlamentarischen Fraktion keineswegs mit den Beschlüssen der Londoner Sonderkonferenz, auf der die Hal- tung der Arbeiterpartei festgelegt wrtrde, im Einklang zu stehen. Die vier Rebellen können zu ihrer Rechtfertigung an- führen, daß ihre kritische Stellung viel mehr der von den Mit- gliedern der Arbeiterpartei gewünschten Politik entspricht. Wer soll hier entscheiden? lind wie könnte man den Genossen T h o r n e ausschließen, der als Vorsitzender deS parlamentarischen Komitees des Gewerkschaftskongresses in direkterer Weise als irgend jemand die Masten der Gewerkschafter ver- tritt? Man sieht, die Fra�e, die augenblicklich alle Zungen und Federn in Großbritannien in Bewegung halt, ist äußerst kompliziert. pertlen. Forbringrn der Rnssen. Teheran, 29. Oktober. lMeldung de» Reuterscheit Bureau».) 200 Mann russische Truppen sind gestern in Enzeli ge- landet. Wie berichtet trnrd, sollen 1700 weitere folgen und 1900 Mann von Dschulfa nach T ä b r i S gesandt werden.— In Teheran sind Telegramme eingetroffen, wonach die Turko» manen de» ehemaligen Schahs, die von russischen Truppen und dem Feuer russischer Kanonen- boote unterstützt worden seien, in der Nähe von BandargaS die persischen RegierungStruppen vollständig ge» schlagen und ihr« Kanonen und ihr Lager erbeutet hätten. Der ehemaligeSchah selbst befindet sich bei KomeschtepP GcwcrkrcbaftUchcs. Berlin und Umgegend« Das belagerte GewerkschaftshauS! Am Sonnabend konnte man vor dem Berliner Gelverkschafts Hause am Engelufer recht seltene Erscheinungen beobachten. Der Transportarbeiterverband hatte für die Omnibusbedien st cten Versammlungen einberufen. In Anbetracht des bekannten Spitzelshstems in diesem Betriebe war man auf außerordentliche Vorgänge gefaßt. Aber die Erwar tungen sollten weit übertroffen werden. Schon die Verteiler der Einladungszettel wurden von Jnspeb toren und Polizeibeamten belästigt und vertrieben. Den Omnibus- bediensteten wurde bei Strafe der Entlassung verboten, Zettel ab zunehmen. Abends gegen S Uhr erschienen vor dem Gewerkschaftshause dann die ersten von der Direktion gesandten Ueberwachungs Personen. Nach und nach stellten sich immer mehr ein, so daß gegen 10 Uhr über 20 Inspektoren, Futtermeister, Schreibergehilfen usw. das Gewerkschaftshaus belagerten, um jeden Angestellten zu notieren, der es dennoch wagen sollte, in die Versammlung zu gehen. Ein Oberinspektor aus der Gneisenaustraße hatte sogar seine Frau mitgebracht, welche ebenfalls tapfer aushielt, damit kein„Sünder" durch schlüpfen sollte. Die Aufstellung dieser Leute erregte bald die Auf merksamkeit der Passanten, und es bildete sich um diese Herren nach und nach ein Kreis von Leuten, welche die„Spitzel", wie man sich ausdrückte, einmal näher besehen wollten. Trotz dieser Ueberwachung hatten sich dennoch eine Anzahl von Angestellten in der Versammlung eingestellt. Die Einberufung der Versammlung nach dem Gcwcrkschaftshaus war aber nur ein Manöver des Transportarbeiterverbandes, um die„Spitzel" irre- zuführen. Seine Mitglieder hatte er schriftlich nach einem anderen Lokal nach dem Kottbuser Tor eingeladen unter Ausschaltung der- jenigen Mitglieder, welche von der Direktion bezahlt werden, damit sie Mitglied werden sollen. Dieser Kordon um das Gewerkschaftshaus genügte aber der Direktion keineswegs. In die Versammlung selbst hatte sie weitere drei Spitzel entsandt. Die Direktion scheint aber ihren Spitzeln nicht zu trauen, denn in der Versammlung wurde der Omnibus- direkter Schultz als Chauffeurlehrling verkleidet(!) entlarvt. Ter Verbandsleitung war die Ankunft dieses Herrn schon vorher gemeldet, da er aber persönlich nicht bekannt war, so wollte es erst nicht gelingen, den Herrn herauszufinden. Indessen der Kampfergeruch seiner Uniform— er hatte sie erst aus der Bc- kleidungskammer holen lassen verriet ihn. Zuerst gab er sich als Chauffeurlehrling aus. Als ihm aber auf den Kopf zugesagt wurde, wer er sei, leugnete er nicht mehr, ersuchte aber, bleiben zu können, weil er auch sprechen wolle. Das wurde ihm gestattet. In seinen Ausführungen versuchte er den Nachweis zu erbringen, daß die Verbandsvertreter über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Omnibusangestellten nicht genügend orientiert seien und schil- derte die Lage des Personals so, wie er sie durch die Direktions- brille und unter Berücksichtigung seines Gehaltes von 10 000 M. pro Jahr beobachtet hatte. Zum Schluss wollte er seine Aufnahme in den Verband bewirken! Den Genossen Rathmann und Riedel war cS ein leichtes, dem Herrn den Nachweis zu bringen, daß er falsch unterrichtet werde. � Wenn er auch die Angestellten als sehr gesund und gut genährt als Beispiel für seine Behauptungen anführen wolle, so entspreche das nicht den Tatsachen. Auch seine Einladung an die Genossen Nathmann und Riedel zu den Festen des Vereins, um sich zu informieren, wie gut gekleidet die Frauen und Kinder der Omnibusangestellten seien, spreche nicht für die Behauptung des Direktors. Seine Aufnahme in den Ver- band wurde abgelehnt und ihm anheimgegeben, sich im Unter- nchmerverband, welcher für ihn zuständig sei, aufnehmen zu lassen. Aber noch einmal nahm der Herr Direktor alias Chauffeur- kehrling Schultz das Wort, um das bestehende Spitzelsystem im Betriebe zu erklären. Er sagte u. a., daß dies nur ein Abwehr- mittel sei gegen den Verband. Der Verband habe wohl großen Einfluß auf die Straßenbahnen sowie Hochbahn, weil die Anzahl der Verbandsmitglieder recht groß sei, nicht aber im Omnibus- betriebe. Die Bevölkerung Berlins könne übrigens der Omnibus- gesellschaft dankbar sein, daß sie es bisher verstanden hätte, den Einfluß des Verbandes in dem Omnibusbetrieb zu verhindern, sonst hätte der Vetband im Jahre 1010 einen grossen Verkehrs- streik durchgesetzt.(!?!?) Ter Genosse Rathmann wie? dem Herrn Direktor nach. daß er Gespenster gesehen. Redner charakterisierte aber das Ver- werfliche der Handlungsweise des Direktors selbst, der in der Uniform eines Chauffeurs in der Versammlung erscheine und sich sogar noch als Chauffeurlehrling ausgebe. Weil aber die Herren Direktoren wahrscheinlich selbst sehr gern in Versammlungen gehen, so werde der Transportarbeiterverband in nächster Zeit wieder eine Versammlung einberufen und die Direktoren sowie den ganzen Spitzelapparat dazu einladen. Die Versammlung mit dem verkleideten Herrn Direktor zog sich bis gegen 3 Uhr hin. In der Zwischenzeit hatten sich die In- spektorcn(auch die Frau) sowie die übrigen Ueberwachungs- beamten entfernt. Wahrscheinlich hatten sie zu kalte Füße bekommen. Immerhin dürfte es ein nicht dagewesenes Vorkomm- nis sein, welches auch der Komik nicht entbehrt, daß die Omnibus- gesellschaft das Gewerkschaftshaus belagern läßt, um eine Ver- sammlung zu verhindern und daß sie sogar einen Direktor als Chauffeurlehrling verkleidet in die Versammlung entsendet. Die Omnibusangestellten mögen daraus ersehen, wie sehr die Direktion der Gesellschaft den Transportarbeiterverband fürchtet! Unternehmerversprechen. Die Arbeiter der Kuvertmaschinenfabriken hatten zum Sonntag eine kombnierte Versammlung einberufen, die vollzählig besucht war. ES handelte sich in der Hauptsache um die Firma PaHliysch, Gneisenausir. 67, deren Inhaber nach der Beendigung des Streiks nur die gegebenen Versprechen nicht einhalten will.� Entgegen seiner Zusage hatte er von 6s Leuten nur 22 wieder eingestellt, so daß 42 auf dem Pflaster geblieben wären. Damit waren aber die Ein- gestellten durchaus nicht einverstanden, sondern erklärten sich mit den Außenstehenden solidarisch und legten daraufhin die Arbeit wieder nieder., M a u S gab eine chronologische Darstellung von dem Streik und den bisherigen Verhandlungen. Es ivurden von der Streikleitung wtederholt Versuche gemacht,— und anfangs auch mit Aussicht aus Erfolg um eine Verständigung herbeizuftthren. Auck» öatte der Gewerk�chtmS- leiter Maus noch persönlich, ohne Kommission, eine Unterredung mit Herrn P a h l i tz s ch, in deren Verlauf der Herr aus Vorschlag, weil er sich gegen den Abschluß eine? Tarifs sträubte, zusagte, eine Gegenvorlage auszuarbeiten. Am nächsten Tage sollte Maus diese schriftliche Ausarbeitung erhalten, jedoch erst telephomsch mit Herrn P a h l i tz s ch noch Rücksprache nehmen. Diesem Wunsch kam Maus auch nach. Nun erklärte aber Herr P a h l i tz s ch. er habe sich die Sache überlegt und mit seinen Meistern gesprochen. es hätte keinen Zweck, � da die Arbeiter bekanntlich derartige Abmachungen doch nicht hielten. Beweis: die Buch- drucker l Luch erklärte der Herr Fabrikant noch, mit den Arbeitern, die gerade in seinem Betriebe' arbeiteten, auskommen und den Be- trieb aufrechterhalten zu können. Diese Erklärung stieß aber bei den Stre ikenden aus starke Zweifel, da dort nicht nach Zeichnungen ge I arbeitet wird und eS Maschinen herzustellen. einer jahrelangen Uebnng bedarf, um diese» Tarisabschluß im Schmiedegewerhe. Zwischen bem Zenlrak Der Streik wurde darum fortgesetzt. Nichts- 1 verband der Schmiede und der Schmiedeinnung zu Zwickau i. S I destowenigcr wurden von einer neugebildeten Kommission wiederum Versuche unternommen, um eine friedliche Beilegung hcrbeizu führen. Dieser Kommission gegenüber erklärte Herr P a h l i tz s ch: er freue sich, daß seine alten Leute selbst zu ihm kämen und um eine Verständigung nachsuchten. Dabei versprach er, allen jenen die bis 70 Pf. Stundenlohn hatten, 2,/3 Pf. zuzulegen. Auch ver- pflichtete er sich, 30 Mann sofort und die übrigen nach und nach wieder einzustellen. Es wurden aber nur 1s Mann eingestellt, ob gleich die Kommisston bestimmt geglaubt hatte, der Herr würde sein Wort halten. Die erneut aus dem Betriebe getretenen Arbeiter beschlossen nun, innerhalb zwei Jahren nicht wieder bei Pohlitzsch zu arbeiten. Die Versammlung stimmte diesem Beschluß einstimmig zu. Einem Streikbrecher wurde ein Dolch mit 12 Zentimeter langer, doppelschneidiger Klinge abgenommen. Achtung, Tapezierer! Bei der Firma Rudolph Hertzog, Breite- straße, stehen seit dem 24. d. M. alle 33 Kollegen und 3 Kolleginnen im Ausstand, da diese Millionenfirma sich weigert, den allgemeinen Tarif anzuerkennen. Die Schlichtungskommission hat einstimmig beschlossen, die Firma zu sperren. Sonnabend, den 23. d. M.. sind nun alle Kollegen entlassen worden. Die Firma versucht jetzt, bei anderen Unternehmern die notwendigsten Arbeiten fertigstellen zu lassen. Es ist Pflicht der Berliner Kollegen, gut aufzupassen, daß überall, wo Hertzogsche Arbeit gemacht werden soll, dieselbe rmbe- dingt verweigert und dem Verbandsbureau sofort davon Mitteilung gemacht wird. Die Ortsverwaltung. Achtung, Krauzbindcr! Ter Kranzbindereibesitzer M. Droz- d o w s k i, Rixdorf, Okerstraße 3, hat den Tarifvertrag unter» schriftlich anerkannt. Damit sind nun die Lohn- und Arbeit?- bedingungcn in allen Betrieben von Groß-Berlin tariflich geregelt. Sorgt nun aber für strenge Jnnehaltung der gellenden Firmen- tarife. Jeder Verstoß gegen die Tarife ist der unterzeichneten Or- ganisation zu melden. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein, Ortsverwaltung Groß-Berlin, L. 42, Luisenufer 1. Achtung, Emaille- und Porzellanmaler! Wir ersuchen zu be- achten, daß der Streik bei der Firma R a a b e, Ebausieestr. 83, weiter besteht. Obgleich Herr'Raabs durch Anfrage festgestellt hat, daß bei den anderen Firmen der Minimallohn bezahlt wird, will er den Kollegen doch nur 1,60 M. zulegen, so daß immer noch 1,60 M. an, üblichen Satz fehlt. Zwei Maler, welche dort angefangen hatten, haben, nachdem sie über die Situation aufgeklärt worden sind, den Betrieb wieder verlassen. Kollegen, es werden Lohndrücker gesucht I Haltet den Zuzug fern! Verband der Porzellanarbeiter. Zahlstelle Berlin. Ein Erfolg der Organisation i Vor kurzem traten die Dahmer Tabakarbeiter in eine Lohnbeloegnng, die jedoch ohne Kampf zu- gunsten der Arbeiter erledigt wurde. Die Arbeiter errangen eine Erhöhung der Löhne von 60 Pf. pro Mille bei Anerkennung eines Minimallohnes von 7,10 M. Für die Sortierer wurde eine Zulage von 5 Pf. pro Mille bewilligt. Ferner erhielten die Tagearbeiter eine Zulage von 60 Pf. pro Woche, wobei die Fabrikanten die Kranken- und Jnvalidcnbeiträge bezahlen. Der Verlrag läuft vom 1. Oktober 1011 bis 31. Dezember 1014. Dieser Erfolg ist nur der Geschlossenheit der Tabakarbeiter, die zu 05 Proz. organisiert sind, zu danken. Drutfcbes Reich. Zum Kampf im Steindruckgewerbe. Zlvecks Besprechung über die gegenwärtige Lage fand am 20. Oktober in Berlin eine gemeinschaftliche Konferenz statt. An dieser nahmen teil: die beiden Hauptvorstände und sämtliche Gau- leiter des Verbandes der Lithographen. Steindrucker und ver- wandten Berufe und des Verbandes der Buch- und Steindruckerei. Hilfsarbeiter und-arbeiterinncn Deutschlands; ferner Vertreter der Verbände der Buchdrucker und Buchbinder sowie der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands. Nach den Berichten liegt die Situation für die Streikenden durchaus günstig. Die verzweifelten Bemühungen des Unter- nehmerschutzverbandes Deutscher Steindruckereibesitzer, die dem- selben nicht angehörenden Steindruckercibesitzer zu bewegen, ihrerseits ebenfalls die Gehilfen und das Hilfspersonal auszu- sperren, sind ohne jeden Erfolg geblieben. Drei Lohnzahltage sind bereits verflossen, es sind aber keine Kündigungen mehr erfolgt. Der Unternehmerschutzverband schreibt in seinem Rundschreiben an sämtliche deutschen Prinzipale, daß von der Aussperrung zirka 6200 Lithographen und Steindrucker erfaßt seien. Nach genauen, von allen Städten Deutschlands eingelieferten Statistikbogen kann aber festgestellt werden, daß dadurch, daß sich in den letzten Tagen wiederum eine Anzahl Arbeitgeber mit ihrem Personal geeinigt hat, sich die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten verringert hat. Genau sind es heute 4470 Lithographen und Steindrucker und zwar 2863 Steindrucker und 1616 Lithographen, darunter bc- findet sich ein Teil Unorganisierter, die sich solidarisch erklärt haben und jetzt zum größten Teil Mitglieder geworden sind. In sämtlichen 270 bestreikten Betrieben verblieben nur 844 Litho- graphen- und Steindruckgehilfen. Außerdem find insgesamt 1864 Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen von der Bewegung mit erfaßt. Diese erstreckt sich auf 40 Städte, während der Verband der Litho- graphen, Steinbrncker und verwandten Berufe in 150 Städten selbständige Mitgliedschaften und insgesamt 17 103 Mitglieder hat. Ter Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiterverband hat 16 805 Mitglieder; für die Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen in Buch- druckcreien besteht ein festes tarifliches Verhältnis. Nach Lage der Situation, daß die Haltung der Streikenden und Ausgesperrten eine sehr gute ist. Ersatzkräfte sich nicht finden und Geldmittel genügend vorhanden sind, beschloß die Konferenz, daß an den gestellten Forderungen festgehalten und von beiden Verbänden die Bewegung gemeinsam zu Ende geführt werden soll. Zu Verhandlungen mit dem Arbeitgcberschutzverband ist die Arbeiterschaft jederzeit bereit. wurde ein Ta r i f v e r t ra g abgeschlossen, der bis 30. Juni 1013 Gültigkeit hat. Dieser Tarifvertrag sieht den Zehnstundentag, Mindestlöhne von 32 bis 55 Pf., Zuschläge für Ueberstunden, Ab- schaffung bezw. Regelung des Kost- und Logiswesens und sanitäre Verbesserungen vor. In Betracht kommen hierbei 22 Gesellen und 28 Lehrlinge._ Beendete Lohnbewegung in den Bremer Staatsbetrieben. Die Bremer Staatsarbeiter hatten bekanntlich beschlossen, noch- malS mit den Verwaltungsdeputationen zu verhandeln. Dieser Be- schluß rief derzeit bei der Minorität der zahlreich besuchten Berfamm- lung große Erregung hervor. Die Redner der Minderheit vertraten die Auffassung, daß jede weitere Verhandlung zwecklos sei und daß nur noch auf dem Wege der Arbeitsniederlegung etwas erreicht werden könnte. Am Sonntagmorgen wurde in einer StaatZarbeiterversammlung über das Ergebnis der weiteren Verbandlungen berich'et. Die meisten Arbeiterausschüsse kamen mit leeren Händen. Es bleibt im allgemeinen bei der täglichen Lohnzulage von 20 Pf., nur die Straßenreiniger er- halten noch 10 Pf. Zulage pro Tag. In zwei Staatsbetrieben war den Arbeitern überhaupt nichts bewilligt worden. Eine Arbeitszeit- Verkürzung wurde für alle Betrieb- abgelehnt. Wegen der Bezahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld schweben noch Ver- Handlungen. Trotz der minimalen Zugeständniffe fand sich diesmal kein Redner, der für die Arbeitsniederlegung eintrat. Uebrigens war die Versammlung bedeutend schlechter besucht als die vorige. Eine Resolution des Vorstandes, die die Arbeiterausschüsie und die Verbandsleitung beauftragte, für die baldige Durchführung der noch unerfüllten Forderungen Sorge zu tragen, wurde abgelehnt, lieber- Haupt wurde davon Abstand genommen, irgend einen Beschluß zu fassen._ Versammlungen. Lohnbeloegnng der GaSnrbeiter zu Röthen m Anhalt. Die bei der Allgemeinen Gcisaktiei, gesellschaft(Sitz Magdeburg) in Kothen beschäftigten Gasaröeitcr haben wobl die schlechtesten Löhne unter den Städten gleichartiger Größe. Sie reichten daher durch den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ihre Forderungen ein und erzielten einige Zugeständnisse. Da diese aber zu gering sind, wurde erneut der Gauleiter beauftragt, mit den Verwaltungen zu verhandeln. Diele lehnten jedes weitere Ent- gegenkommen ab, besonders den Abschluß eines Lohntarifs. Eine Versammlung am 27. Oklober stellte nun an die Direktion den Antrag, bis Donnerstag, den 2. November, der Verbandsleitung weitere Mitteilung zu machen. Wir erluchen daher die Arbeiter- schaft, allerorts diese Lohnbewegung zu beachten und jeden Zuzug fernzuhalten._ Der Kampf in der Dresdener Schokoladenindustrie beendet! Dresden, 30. Oktober.(Privattelegramm des.Vorwärts'.) Der Kampf in der Dresdener Schokoladenindustrie ist in einer Ver- Handlung beigelegt worden, die unter dem Vorsitz de? Oberbürger- meisters B e u t l e r stattfand. Eine heutige Versammlung der Schokoladenarveitcr und-arbciterinuen hat infolge dessen die Wieder- aufnähme der Arbeit beschlossen. Bei der Firma Hartwig u. Vogel machte die Aufnahme der Arbeit insofern Schwierigleiten. als dort von den Arbeitern der Austritt auS der Organisation ver- langt wurde. Bon der GeichäflSleitung wurde jedoch das Vor- kommnis als der Uebergriff eines MeisterS hingestellt. Die Genosse» dcS ersten Berliner NcichStagswahlkreiseS hielten am Donnerstag in der Fischerstr. 25 eine öffentliche Wähler- Versammlung ab, welche sehr gut besucht war. Der Kandidat des Kreises, Genosse Wilh. Düwcll, hielt ein mit lebhaftem Beifall be- lohntes Referat über die gefüllte Kompottschüffel. Die Anwesenden verpflichten sich, zugunsten der sozialdemokratischen Partei zu agitieren und dem Kandidaten Genossen Düwell zum Siege zu ver- helfen. Desgleichen hielt der Kandidat der Partei zu den Stadt- verordnetenwahlen für den ersten Kommunalwablbezirk, Genosse Rod. Drescher, eine Ansprache, in welcher er da« Dreiklassenwahlsystem sowie das rückständige, volksfeindliche Verhalten der freisinnigen Rathausmehrheit einer herben Kritik unterzog und hervorhob, daß durch das Eintreten der sozialdemokratischen Fraktion der Freisina an seine Verpflichtungen der Allgemeinheit gegenüber erinnert und die wenigen Verbesserungen nur durch das Drängen unserer Partei- genossen erzielt worden sind. Damit der Einfluß der arbeitenden und werktätigen Bevölkerung ein größerer werde, muß auch zu der am 5. November stallfindenden Wahl jeder Wähler der dritten Ab- teilung seine Stimme für den sozialdemokratischen Kandidaten, Gen. Robert Drescher, abgeben._ Letzte ffccbrtdrtcn. Einen Unterschlupf gefunden. KolnAr, 30. Oktober.(W. T. B.) Zn der genügen Wahl des Vertreters der Stadt Äolmar für die 1. Kammer wurde Bürgermeister Blunicnthal mit 22 Stimmen gewählt. Die drei liberal-dernokratischen Mitglieder des Gemeinderats hatten zu Beginn der Sitzung den Saal verlassen. Blumen- thal ist bekanntlich bei den Wahlen zur zweiten Kammer auf der Strecke geblieben._ Die Revolution in China. London, 30. Oktober. ReuterS Korrespondent telegraphiert auS Eiao-Kong-Sicn vom 20. Oktober: Die Rückeroberung von Hankau hat bereits drei Tage in Anspruch genommen und immer noch ist der Widerstand der Aufständischen nicht völlig grbrocheu. Aus Erzählungen verwundeter Soldaten, die von der Front zurück- kehrten, geht hervor, daß der Kampf bei der Einnahme von Liu- Schian-Jao am Freitag früh besonders heiß war. Die Aufständi« scheu leisteten tapferen Widerstand und richteten ein tödliches Feuer auf die Kaiserlichen von den Dächern der Häuser» von wo sie sich, nur durch das Feuer der kaiserlichen Geschütze gezwungen, zurück» zogen. Der Kampf wurde am Sonnabendmittag wieder aufgenom- men, als die Stellung westlich der Rennbahn besetzt wurde. Der An- griff auf Hankau wurde Sonnabendabend wieder eröffnet und die Stadt am Sonntag eingenommen. Die Kaiserlichen wateten durch das Wasser, das ihnen bis an die Brust ging und schössen die Auf- ständischen, die sich ihnen in großer Zahl entgegenstellten, nieder. Der Kampf in der Stadt selbst dauerte bis 4 Uhr nachmittag» und setzt sich in der Richtung auf Kuei-Schan fort. Schanghai, 30. Oktober.(33. R.) Wie eine amtliche Funken- depesch« meldet, sind die Kaiserlichen nach einem heftigen Kampf westlich der Rennbahn in die Stadt Hankau eingedrungen. Die Stadt steht an verschiedenen Stellen in Flammen, Die Mltnschudynastie gibt tfilist. Petersburg, 30. Oktober.(B. H.) Nach hier eingegangene» Meldungen aus Peking wurde Juanschikai mit der Mission be« traut, den Versuch zu machen, zwischen der Dynastie und den Re- bellen einen Vergleich herbeizuführen. Das von der Pekinger Rc- gierung angestrebte Kompromiß soll darin bestehen, daß einerseits die Revolutionäre den Beistand der Mandschudynastie garantieren, andererseits aber die Konstitution in China sofort in Kraft gesetzt hwerdcn soll._ Der türkisch-italienische Krieg. Rom, 30. Oktober.(B- H) Die starken Nachschübe, die durch die letzten Kämpfe in Tripolis erforderlich sind, machen di« Ein- berufung eines zweiten Jahrganges der Reserven notwendig, die unmittelbar bevorsteht. �~... Mailand, 30. Oktober.(B. H.) Dem.Secolo" zufolge meldet die öayptische Zeitung„Elleva", daß der Sultan von Darfur auf die Aufforderung der Senussi 15 660 Kamclrcitcr bewaffnet und nach Tripolis gesanvt habe. Revolte im Gefängnis. Minsk, 3V. Oktober.(W. T. B.) Im Gefängnis empörten sich mehrere zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurteiltie und be» freiten insgesamt 105 Gefangene, die mit Revolvern auf die Gen- darmrrie schössen. Zwei Gefangene wurden getötet, fünß Gefangene und der G c h i l f c des Pristaws verwunde� Mord. Tetfchen, 30. Oktober.(W. T. B.) Die Lljährige Prostituierte Marie Ungarinann wurde heute im Zimmer eines öffentlichen HaustS durch Messerstiche ermordet aufgefund«,. Der Tat ver- dächtig ist ein ISjähriger Bursche in Schisferkleidung mit reichS, deutschem Dialekt.� verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: xh.Glocke, Berlin. Drucku.VerIag:VorwärtSDuchdr.u Verlagsanstalt PaulSingcrL:Co..Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.NntrrhaltvngSbl. Nr. 255. 28. Zahrgang. 1. Miijt ks Joraärtf Strlititt NxlksblM Dievstag. 81. Oktober 1911. Slabiprahtlhen eines honlervatlven IPolitihers. Im kleinen Kürschner von 1903 liest man über den Abgeord- neten des Wahlkreises Etralsund-Franzburg-Rügen: Karl Wilhelm v. Riepenhausen- Crangen(deutsch-konservativ), Kammerherr, Riltergutsbesitzer. Oberleutnant a. D.(Eisernes Kreuz), zuletzt ü I, suite des badischen Leibdragoner-Regiments, Mitbegründer des Vereins zur Förderung der Moorkultur, Begründer des Heim- slättenvcreins, langjähriges Ausschußmitglied der Steuer- und Wirtschaftsreformer, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses seit 1893, des Reichstages seit 1903. Also nicht der erste beste her- gelaufene Demagoge, sondern ein Mann, den seine Standes- und Parteigenossen hoher Ehren für würdig hielten, Da er 1907 nicht lviedergewählt wurde, vermag Kürschner nichts weiter von ihm zu berichten. So mag es interessant sein, aus anderer Quelle einige Beiträge zur Biographie dieses konservativen Staatsmanns zu er- halten, die zugleich die Kulturgeschichte unserer staatserhaltenden Politik ein wenig bereichern. Nach der Wahl von 1890 hatte unser inzwischen verstorbener Genosse Prinz, bei der Hauptwahl Kandidat im Wahlkreise Friedberg(Hessen), erklärt, ihm sei im Namen des agrarischen Grafen O r i o l a eine Geldsumme geboten worden, damit er für die zwischen Oriola und dem Deutschsreisinnigen Dr. Gutsleisch stattfindende Stichwahl die Parteigenossen zur Stimmenenthaltung ausfordere. Diese Erklärung wurde von der anderen Seite be- stritten. Niemand, der Prinz gekannt hat, wird glauben, daß er fähig gewesen sei, eine derartige Geschichte zu erzählen, falls er sie nicht erlebt hätte. Aber die Sache wurde nicht weiter betrieben� so daß es nicht zu einer gerichtlichen Klarstellung kam. Dasselbe war der Fall, als der gleiche Vorgang für die Stichwahl des Jahres 1907 im Greifswalder Wahlkreis behauptet wurde. Der Parteigenosse, dem die Sache passiert sein sollte, war im Becker-Prozeß als Zeuge erschienen; aber der Regierungspräsident Blo- m c y e r erklärte, daß er— merkwürdigerweise— an der Verneh- mung des Zeugen kein Interesse habe. Und da das Gericht, die berühmt gewordene Strafkammer des Maltzahn-Prozesses, auch kein Interesse daran hatte, so unterblieb die Ausklärung eines Sach- Verhalts, an der gerade die m't ihrer politischen Ehre stark beteiligte konservative Partei ein großes Interesse hätte haben müssen. Es ist den Fällen dieser Art überhaupt eigentümlich, daß die beteiligten staatscrhaltendcn Kreise, die sonst wirklich nicht vor der Anrufung des Gerichtes gegen politische Gegner zurückschrecken, sich höchst zu- rückhaltend zeigen, wo es sich darum handelt, durch gerichtliche Klar- stellung ihre stark angetastete, sonst so leicht empfindliche persönliche Ehre herzustellen. Derselbe Vorgang im Nachbarkre-ise Stralsund-Franz- burg-Rügen. den Herr v. Riepenhausen von 1903 bis 1906 vertreten hat. Vor der Stichwahl von 1907 wurde dort in einer öffentlichen konservativen Versammlung von freisinniger Seite be- hauptct: der dortige Wirt Sepke habe unserem Kandidaten im ersten Wahlgang, dem Genossen Genzen, 2000 M. für den Fall geboten, daß er sich bereit finde, in der zwischen dem freisinnigen Professor Stengel und Herrn v. Riepenhausen stattfinden- den Stichivahl, entgegen der auf Unterstützung Stengels lautenden Parole des Wahlkomitees, zur Stimmenthaltung der So- zialdemokraten aufzufordern. Sepke leugnete das, sah sich aber, als ihm unsere von Genzen als Zeugen der Unterredung zu- gezogenen Genossen entgegentraten, so in die Enge getrieben, daß er seine Drohung. Klage zu erheben, nie wahr gemacht hat. Daß Sepke, der nie eigenes politisches Interesse bekundet hat. sich auch in mißlichen Verhältnissen befand, jenes Angebot nicht aus eigenem Antrieb und aus eigenen Mitteln gemacht hatte, war jedem Den- kenden offenkundig. Er nahm so wenig wie Herr Riepenhausen selbst, der als Hintermann in Frage kam und auch als solcher be� zeichnet wurde, je Gelegenheit, eine Aufklärung vor Gericht herbei� zuführen. Ebensowenig geschah das hinsichtlich eines Flugblatts, das vor der Stichwahl erschienen war und durch seine Ueberschrift: Genossen! und die Unterschrift: Viele Genossen wie durch den Text, in dem beide bürgerlichen Kandidaten in den schärfsten Worten als Vcrderber der Arbeiter, deren Worte keinen Glauben verdienten, hingestellt waren, den Glauben erwecken solle, daß es von sozialdemokratischer Seite stamme, und in dem zur kleines feuilleton. Der„Maschinciischreckcn". Für eine Untersuchung über Maschine und Arbeiterieele hat Friy Müller persönliche Mitteilungen von Maschinenarbeitern gesammelt und veröffentlicht nun in der„Umschau" die Teile einiger Briefe, die vom Majchinen'chrccken sprechen.„Seit 22 Jahren stehe ich an einer SpezialMaschine zur Bearbeitung von Schirmstreben," schreibt ein Schirmmacher aus EbliflS-«An derselbe» bewegen sich Hunderte von Gliedern und Gelenken zu gleicher Zeit. Dem Auge ist es gar nicht möglich, jeder Bewegung zu folgen. Der Eindruck, den ich zuerst davon hatte und der jeden Fremden ersaßt, ist der einer gewissen Bewunderung, aber auch zugleich einer Aengstlichkeit. Ich glaube, die Menschen wären besser daran, wenn nicht so viele Maschinen gebaut würden. J»i allgemeinen ist meine Maschine nicht gefährlich, man müßte sich dann schon grobe Unaufmerksamkeit zuschulden kommen lassen. Dann allerdings kann es vorkommen, wie ich das auch schon bei einem jugendlichen Arbeitsgenossen ge- sehen habe, daß ihm in einem Augenblick die Hand zu einer un- förmlichen Masse zerdrückt wurde. Da hilft kein Schreien. Was die Maschine einmal gefaßt hat. das läßt sie nicht mehr los. Mit Eni- setzen sah ich die verstümmelte Hand und den todbleichen Arbeiter, der wie wahnsinnig vor Schmerz sich auf der Erde wälzte. Ich werde niein Lebelang den Eindruck nicht vergessen. Durch solche NttglückSiälle wird man hart wie die Maschinen selbst. Will's nicht klappen, dann kann ich oft vor Wut mit dem Hammer dreinichlagen, ganz gleich, ob dann etwas entzweibricht oder nicht." Andere Ar- bciter erzähle» davon, wie sie»achrS von der Maschine träumen, erschreckt ausfahren und nur schwer wieder Schlaf finden.«Man findet, daß die Moschinenarbeiter viel aufgeregter und leichter zum Zorn zu reizen sind als die Handarbeiter", schreibt ein Münchener Maschinist. Und ein Düsseldorfer Glasmacher erklärt: «In einem Maichinenraum geht es immer etwas gedrückt zu. Schon beim Betreten beichleichl einckr ein unbehagliches Gctühl, und nur das Klappen und Stoßen verrät ein totes Leben und Wirken. Meine Anficvl ist die: Lange bei Maschinen leben ist laugsames sterben der menschliche» besseren Gefühle." Gar mancher Arbeiter haßt seine Maschine, und„ach der Ansicht eine? Münchener Holzmafchiniiten ist es Inr den Arbeiter vor allen, vonnöten,.die Feindschaft zwi'chen Mensch und Maschine" zu erkennen.„Ich habe während meiner funfzeh»iahrigen Tat, gleit in der gewerk'chastlichen Organisation die traurige lieber- zeugung bekonimen. daß der Moschinenarbeiter über olle Frage» des allgenieinen Lebens leichter aufzuklären ist als über die Notwendig- keit des eigenen persönlichen Schutzes gegenüber den Gefahren der Maschinen" Am schlimmsten sind wohl die Holzarbe,ter dran. «Weilaus der größte Teil der Schreiner will nichts wissen von der Maschinenarbeit", schreibt ein Münchener ES geht keiner gern bin. Bon 4S0 Maschinisten an Holzmaschinen hier in München sind keine 10 Mann mehr die noch jh� zehn Finger besitzen. Es JlL"�0"■ fo Qn,nn[l$. wenn ein Unfall passiert, man denkt sich gar nrmmer viel, außer es ist ein Unfall schwerer Natur. wie neulich, wo ein junger Schreinergehilfe dadurch verunglückte, daß auf eine runde 2 Zentimeter starke Holzscheibe Glaspapier aufgeleimt Stimmenthaltung in der Stichwahl aufgefordert wurde. Da seit- samerweise darin auch die Angabe des Druckers„vergessen" war, konnten unsere Genossen, die natürlich sehr empört waren, die Be- schlagnahme dieses Flugblatts, das von Haus zu Haus getragen wurde, veranlassen. Gewirkt hat es nicht; Stengel, der im ersten Gang 7088 Stimmen gegen 9S9S konservative und 4172 sozialdemo- kratische erhalten hatte, wurde mit 12 365 Stimmen gegen 9545, die auf Riepenhausen fielen, gewählt. Letzterer hatte also nicht einmal die Stimmenzahl des ersten Ganges behaupten können. Als oor einem Jahre der Wahlkampf begann, wurde die Be- stechungsgeschichte von 1907 den Konservativen wieder vorgehalten. Als das zuerst versuchte Bestreiten der ganzen Sache gegenüber den bestimmten Erklärungen unserer Zeugen nicht aufrechterhalten werden konnte, begann ein Winden und Drehen. Der konservative Generalsekretär Sachße, der oberste der neun Sekretäre, die in drei vorpommerschen Wahlkreisen für die konservative Sache arbeiten,") sprach zuerst öffentlich von einer„unbewiesenen Behaup- tung", machte auch den Scherz, die„beklagenswerte Handlung" — falls sie wahr sei— als Ausfluß des„vom Liberalismus pro- legierten übertriebenen Individualismus" hinzustellen. Natürlich des„Individuums" Sepke. Nachher sollte die ganze Sache durch Sepkes Tod unaufklärbar geworden, jedenfalls aber die konservative Partei als solche, wie auch Herr v. Riepenhausen an der dem letz- teren„angedichteten" Handlung unschuldig sein. Auch hier noch immer keine Spur, durch gerichtliche Verhandlung eine Klarstellung herbeizuführen. Daher entschloß sich unser jetziger Kandidat, Genosse Katzen- stein, dem latent bleibenden konservativen Ehrgefühl etwas nach- zuhelfen. Er erklärte im Mai in öffentlicher Versammlung, daß Herr Sachße mit seiner Anzweiflung des Bestechungsversuchs seiner Ueberzeugung nach gelogen habe, und verwies diesen aus den Weg der Klage, falls der Vorwurf nicht erweislich wahr sei. Als Herr Sachße sich noch immer um die Klage zu drücken suchte, da er persönlich(was niemand behauptet hatte) nichts mit der Be- stechungssache zu tun habe, wiederholte K. seine Erklärung in der Wahlzeitung des Kreises in verschärfter Form. Es hieß da:„Ich habe behauptet und bleibe dabei: 1. daß dieser Bestechungsversuch tatsächlich stattgefunden hat; 2. daß Herr Sachße darüber unter- richtet ist. also mit seiner ableugnenden Erklärung gelogen hat.... Wenn nun Herr S., der Vertreter einer Partei, deren Angehörige sonst um die unwesentlichsten Dinge Klage gegen So- zialdemokraten erheben, den ehrenrührigen Vorwurf der Lüge ruhig auf sich sitzen läßt, so ist das seine Sache. Er muß ja wissen, was er der Partei, in deren Dienst er steht, schuldig ist. Bestehen aber bleiben die Tatsachen: Die„staatserhaltende" konservative Partei hat im Jahre. 1907 einen Kandidaten gehabt, der den Vorwurf einer schimpflichen politischen Handlung über sich hat ergehen lassen, ohne gerichtlich dagegen einzuschreiten. Dieselbe Partei und ihr Kan- didat, der königlich« Land rat aus der vornehmen Familie v. M a l tz a h n ,*") lassen einen Generalsekretär für sich arbe'ten, der den öffentl'ch erhobenen Vorwurf der Lüge ruhig auf sich sitzen läßt. Das genügt." Diese Erklärung mußte die Herren aus ihrer Harthörigkeit aufrütteln. Nach längerem Zögern erfolgte die Klage Sachhes gegen Katzenstein. Allerdings nur aus Z 185 St. G. B.(formale Belei- digung), doch wurde der vom Beklagten angebotene Wahrheits- beweis vom Gericht zugelassen. Im ersten Termin zur Beweis- aufnähme, der am 25. Oktober vor dem Amtsgericht Stralsund stattfand, wurde die konservative Wahlmache inter- essant beleuchtet. � Als Verteidiger fungierte Genosse Dr. ") Woher mag übrigens das Geld für diesen riesigen Wahl- apparat kommen? Es wäre ganz neu, wenn plötzlich die konser- vativen Junker, die dort freilich zu den reichsten der Monarchie ge- hören— im Regierungsbezirk Stralsund sind 76 Proz. der land- wirtschaftlichen Fläche Betriebe über 100 Hektar— die Neigung zum Beitragzahlen entdeckt hätten. Sind das Kalischmiergelder des Bundes der Landwirte oder Zuschüsse des Zentralvcrbandcs der Industriellen durch Vermittlung des Reichs-Wahrheitsverbandes? *") Nicht der berühmt gewordene Landrat von Grimmen, son- dern dessen Vetter, der Landrat von Rügen und Landtagsabgeord- nete, der es übrigens mit seinem Verfassungse'de vereinbar findet, daß seine untergebenen Organe fort und fort durch Verbote unter den fadenscheinigsten Vorwänden oder unter Ausnutzung ihrer poli- zeilichen Befugnisse das Versammlungsrecht der Staatsbürger zu- nichte machen. wurde, die Holzscheibe anstatt einer Kreissäge eingespannt wurde und die Maicknne in Gang gebrockt. Es sollte darauf Holz ge- scktiffen werden. Durck die schnelle Umdrehung, 3500 Touren in der Minute, zersprang die Sckeibe und flog dein jungen Kerl an den Kopf, daß das Hirn herumspritzte. Diesen Tag war's vorbei mit der Arbeil. Jeder hat aufgehört. Etliche ganz." Theater. Neues Schauspielhaus:„Hans Sonnen st ößerS Höllenfahrt." Ein heiteres Traumipiel von Paul A p e l. WarnungStrSume sind ein von allersher beliebtes Bühnenmittel. Der Zuschauer freut sick dabei im voraus, daß der Gewarnte bei», Erwacken sich ein Exempel daran nehmen wird. Paul Apel kam auf den hüb'chen Einfall, im Rahmen dieieS überlieferten Motivs die sprunghaft regellose, trivial Gewöhnliches, tolle Ungeheuerlichkeiten durcheinander wirbelnde Willkür, die den wehrlosen Geist im Traume foppte, in parodistischem Spiele nachzubilden. Leider war nur der Einsall und die und jene Einzelwendung hübsch. Der humoristischen Erfindungskraft, mit der der Verfasser sich in dieses Reick der un- begrenzten Möglichkeit wagt, gebrickl's an Kraft und Fülle. Er reckt, er dehnt, er stumpft durch Wiederholung ab und sucht am Ende durch die Gewaltsamkeit skrupel- und geschmackloser Effekte noch eine Art von äußerer Spannung zu erzwingen. Hans Sonncnslötzer, ein junker Dichter und MusikuS, der für ElSchen, die hübsche und tüchtige Nichie seiner Wirtin schwärmt, ist drauf und dran, um eine höhere Tochter anznhalien. Zwar ihre und ihrer ganzen Philistersippe Dummheit fällt ihn, auf die Nerven. Indessen Mine möchte ihn nun doch einmal zum Manuel Warum soll er den, gutmütigen Geschöpf nicht den Gefallen tun? Was für unsterbliche Meisterwerke könnte dann nicht sein GeniuS schaffen, durch ein erheiratetes Vermögen von der Sorge niederer Erwerbsarbeit befreit? Ein Schlummerstündchen, dann will er sich zum feierlichen Akt der Verlobung schmücken. Das furchtbare Gedröhne eines Leierkastens vom Hofe her spielt noch in leinen Traun, hinein. Er schafft sich Ruhe mit einem Hundertinarkschein. Man hat eS ja dazu. Welch eine kostbare Wnnschersiillerin ist doch daS Geld, das ihm seine Heirat mit Mine eingetragen hat. Wenn nur daS Zubehör der angeheirateten Sipp- l'chaft nicht wäre! Diese Menagerie von Jdioien und Schurken bringt ihn zur Verzweiflung. Die seelische Qual, die er erleidet. treibt ihn zum Mord an Mine. Die Folgen der Tat spinnt der Träumer weiier auS. Der Schlußakt stellt die Traumvision einer Gerichisverhandlung dar. Ein dichtgedrängtes Auditorium, lauter Gesinnungsgenossen und Stammverwandte der schwiegcrelterlichen Familie, schaut blutdürstig von den Galerien im Hintergründe zu. Der Staatsanwalt plädiert gegen den unbekümmert Zigaretten rauchenden Angeklagten auf Todesstrafe. Verzerrte Grimassen sollen den fehlenden Humor ersetzen. Der Autor treibt das Spiel so weit, daß er seinen Helden von zwei roten Teufeln zum Nicht- block schleppen läßt. Man sieht ihn minutenlang, den Streich er- wartend, aus den Knien liegen. Erst»ack Absolvicrung dieser Heim- suchungen darf der Patient erwachen und stiriert sein Elschen in die Arme schließen. Gespielt wurde flott. Heinz S a l f n e r traf sehr gut die Mischung von Burschikosität und Weichheit in der Figur de? jungen Menschen. clt. Oskar Cohn- Berlin, während den Privatkläger der Vorsitzende des Stralsunder Konservativen Vereins, Rechtsanwalt Hage- m e i st e r, vertrat. Von den- zum Beweise der Wahrheit benannten Zeugen war der wichtigste leider ausgeblieben. Herr v. Riepenhauscu hatte ein ärztliches Zeugnis übersandt, wonach er an den Folgen eincr schweren Malaria leide, was sein Erscheinen an Gc- richtsstclle für längere Zeit ausschließe. Es wurde beschlossen, ihn kommissarisch vernehmen zu lassen. Zwei andere konservative Zeu- gen'konnten die Behauptung des Beklagten, daß sie in Versamm- langen die Nichtigkeit des Bestechungsversuchs zugegeben hätten, nicht bestätigen. Beide, der Parteisekretär Jordan und der (jüngst durch die Mißhandlung eines freisinnigen Lehrers in einer Versammlung bekannt gewordene) Rittergutsbesitzer und Ober- leutnant Dr. jur. v. Borcke, bestritten auch, von der ganzen Sache selbst unterrichtet zu sein. Die Vernehmung v. Bor ck e s, der seine Wertschätzung des Eides besonders betonte, dauerte ziem- lich lange, da er trotz aller Vorhalte des Verteidigers Dr. Cohn nicht imstande war, sich genau aus den ganzen Inhalt seines gerade vor der Verhandlung im Gange des Gerichtsgebäudes mit dem Privatkläger geführten Gesprächs zu entsinnen� Um so wichtiger war die Aussage des Wirtes Arndt, eines Vorstandsmitgliedes des Stralsunder WirtevereinS. Er teilte mit, daß kurz vor jener Stichwahl in einer Vereinssitzung, in der die Beschaffung von Mitteln für eine zu errichtende Brauerei bc< sprachen wurde, das Mitglied Sepke erklärt habe, von Herrn v. Riepenhausen Geld beschaffen zu können. Bereits am folgenden Tage brachte er den Vorstand des Vereins mit dem Oberförster v. Riepenhausens, der auch für dessen Wahl tätig war, zusammen. Der Oberförster erklärte, Riepenhausen würde dem Verein ein hypothekarisches Tarlehn von 100 000 Mark gewähren, wenn der Verein zur Wahl Riepenhausens ausfordern und dieser gewählt würde. Ferner wurde das borerwähnte Flugblatt überreicht und Beweis beantragt:. 1. daß Herr v. Riepenhausen dies Flugblatt einem Arbeiter zur Verbreitung übergeben und ihm dafür 100 M. gegeben, 2. daß er diesen beauftragt habe, auf Riepenhausens Kosten vor der Wahl nach Belieben Schnaps in Wirtschaften verschenken zu lassen. Die Gegenpartei hat Beweis durch Vernehmung des örtlichen konservativen Führers, Rechtsanwalts Dr. Langemak(des Maltzahn-Vertreters im Becker-Prozeß) dafür angeboten, daß die konservative Parteiorganisation von diesen Dingen keine Kenntnis gehabt habe. Derselbe soll bekunden, daß das später erfolgte Aus- sche'den Riepenhausens aus seiner politischen Tätigkeit mit den Wahlgeschichten nichts zu tun habe. Ob damit bewiesen werden soll, daß die Partei(„die Auguren", sagte Dr. Cohn) auch später von den Dingen, die die Spatzen von den Dächern pfiffen, nichts er- fahren, oder daß sie sie nicht für genügenden Anlaß zur Absägung eines Vertrauensmannes gehalten hat. ist Nicht klar. Jedenfalls findet man es bei solchen und ähnlichen Vorgängen begreiflich, wenn gerade von konservativer Seite so oft über die Entwürdigung des politischen Lebens geklagt wird. Die Herren urteilen nach dem, was in ihrer nächsten Umgebung vor sich geht. Wie kann auch eine Partei, deren Politik in der Hauptsache darin besteht, die reichsten und mächtigsten Leute auf Kosten der Aermsten noch reicher und mächtiger zu machen, die Politik anders ansehen, denn als ein lukratives, aber auch Anlagekosten erforderndes Geldgeschäft? Und wie sollte sie zur Gewinnung jener Massen, die sie tief verachtet und nur als bl'ndes Mittel für ihre Hcrrschaftszwccke gelten läßt(„Objekt der Politik, nicht Subjekt", sagt Herr v. Kroch er), andere Mittel anwenden als rohe Dema- aogie, brutale Gewalt und nichtswürdige Bestechung? Wie der Baum, so die Früchte. L. K. Hus der partei. Die Internationale gegen den italienisch-türkische« Krieg. Sonntag, den 5. November wird in Paris und in Brüssel je ein Massenmeeting gegen den italienisch- türkischen Krieg stattfinden. In Paris wird Genosse Foume- mont-Brüssel, in Brüssel Genosse Vaillant-Paris reden. Außer diesen Protestkundgebungen finden solche am gleichen Tage auch in den Balkanstaaten, in Oesterreich. Böhmen, Humor uno Satire. Chinesisches. Voll Gram vernimmt im Land der frommen Sitte Der Bürgersmann die jüngste schlimme Post: Wild gärt im Siebenschläferreich der Milte Der junge Most. Ein leises Zittern geht von Pol zu Pole, Ins Wackeln kommt der Völkerpetrefaktfl Aus allen Gassen dröhnt der Carmagnole Dreivierteltakt. Doch klappert drüben keine Guillotine � Das zwanzigste Jahrhundert ward human. „Behüt dich Gott l" So spricht mit sanfter Miene Der Untertan. Die angestammte Dynastie der Mandschu Bekommt die regelrechte Kündigung: Ein Kavalier bedient sich stets der Handschuh', Berührt er Dung. Die alte Kaiserin von GotteS Gnaden Wird schnell im Auto an daS Meer gebracht Und dort respektvoll in ein Schiff geladen: «Nun, gute Nacht I" Die Kiste mit den Zöpfen wird nach Preußen, Gereinigt und sortiert, im Ramich verkauft, Wo sich Minister drum und Bürger reißen. Getauft und ungetauft. (Eogar Steiger im«SimplicissimilS'.) Notizen. — Musikchronik. Ter„Berliner Tonkünftler- Verein"(E. V) veranstalret am Mittwoch im Theatersaal der Hochschule für Musik, Charlottcnburg. eine L i s z t- Feier. .. �— Das konfiszierte L u st w ä l d ch e n. Unsere Hoch- löbliche ist unermüdlich. Hut da ein gewisser Franz Blei eine An- thologie galanter Gedichte aus der deutschen Barockzeit heraus- gegeben. Eben war das Büchlein im Verlag von Borngräber in achter Auflage erschienen— da wurde es zum dritten- Male be- schlagnahmt.„Lustwäldchew" heißt die verbotene Ware. Der Titel genügt allein schon. Lust � was hat ein Preuße mit Lust zu tun. — Eine L u f t p o st. Südasrika wird voraussichtlich tu kurzer Zeit die erste regelmäßige Luftpost besitzen, die praktischen Zwecken dienen soll. Die Verbindung'zwischen den beiden größten Handels- Plätzen, zwischen Kapstadt und Johannesburg, ist außerordentlich schwerfällig, die Perionenzuge, die die Post befördern, brauchen nicht weiiiger ats 48 Stunden, um die rund 1600 Kilometer lange Eul- fernung zurückzulegen. Jetzt will man den Versuch unternehinen, zwischen Kapstadl und Johannesburg einen regelmäßigen Fliegerdienst für Briefbeförderung einzurichten. — Zur Erforschung der Schlafkrankheit, dieser verheerenden afrikanischen Seuche, ist der Direktor des Hamburgi» schcn Instituts für Schiffs- und Tropenirankhciten Prof. Nocht im Auftrage des Neichskolonialamts nach Dcutsch-Ostafrikg-gbaereiit, Ein anderer deutscher Forscher weilt bereits dort. Ungarn. Portugal und Holland statt. In Deutsch- l a n d sind sie bekanntlich auf den 5. und 12. November fest- gesetzt._ Zum Besuch gegnerischer Bersammlung«» gibt das Bezirks Wahlkomitee in Leipzig folgendes bekannt: ..Der Wahlkampf ist entbrannt. Die Gegner werden jetzt leb- hafter mit Versammlungen einsetzen»nd alles in Bewegung setzen, um ihre Versammlungen zu fiillen, vielfach versprechen sie auch freie Aussprache. Die bisherigen Erfahrungen lehren aber, datz in solchen Vcrsainmliingen ftnndenlang das unsinnigste Zeug vorgetragen. aber das gegebene Versprechen auf Redefreiheit nicht gehalten, sondern 10 oder 15 Minuten Redezeit gewährt wird...... Dag ein Redner all die in mehreren Stunden vorgetragenen Schiefheiten und Unwahrheiten nicht innerhalb t0 Minuten widerlegen kann, ja unter Umstände» mehr Zeit benötigt als der Angreifer, das wissen die Gegner. Darum ist eS eine feige Handlung' wenn die Aussprache in der Weise eingeschränkt wird." Die Anhänget der Sozialdemokratie haben den Gegnern die Versammlung gefüllt, haben den: Redner für seine AnSsührungen erst einen Resonanzboden geschaffen und werden, durch die beschränkte Redezeit ivehrlos gemacht, dann im Schlnsiwort in der Regel um so ärger beschimpft. Diese Methode soll nach einer im Sommer 1S09 von der »ationalliberalen„Chenmitzer Allgemeinen Zeitttilg' abgedruckten Erklärung bei den Wahlfämpfen verschärft angewendet werden, Das Vereinsgesetz gibt den Gegnern hierfür die Handhabe. Nach § 10 des Vereinsgesetzcs ist der Veranstalter einer Versäum:» lung berechtigt, die Leitung selbst z» libernehmen, sie einem anderen zu übertragen oder die Wahl des Leiters durch die Ver- sammlung zu veranlaffen. Es steht also ganz in dem Belleben des Veranstalters, ob er eine Bureanwahl vornehmen lasten will oder nicht. Der Veranstalier oder Leiter hat für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er ist befugt, die Versammlung für ausgelöst zu erklären. Das Geschick einer Versammlung liegt somit ganz in der Hand des Veranstalters. Mehrfach hat man zwar öffeinlich Rede- freiheit zugesagt. Wenn dann durch diese Anpreisung die Versannn- lung gefüllt wurde und der Redner sprach, provozierte er die An- wefendeit derart, dckh der Veraitstalte: den Protest der Angegriffenen benutzte, die Versammlung zu schlichen. Alle diese Umstände' veranlnsten das DezirkSwohlkomitee, den Genossen zu empfehlen, gegnerische Versammlungen nicht zu besuchen. Macht sich einmal eine Ausnahme nötig, so darf der Besuch gegnerischer Bersainmlungen nur im E i n v c r st 3 n-d n i s mit der Parteileitung des Reichstags Wahlkreises erfolgen... Gegner, die unsere Anschauungen kennen lernen wollen. mögen sich in unsere Versammlungen bemühen, wo Redefreiheit nicht nur versprochen, sondern auch gewährt wird." Personalien. In die Redaktion der„Volksmacht" in Breslau !ist Genosse Karl O k o n s k i aus Steglitz bei Berlin eingetreten. Genosse Ludwig Schröder, der vor einiger Zeit, kurz nach seiner Freisprechung im Essener Meineidsprozesi, einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, ist soweit Ivieder hergestellt, dah er wieder kleine Spaziergänge in der Stadt und Umgebung unter- nehmen kann. Genosse Gmil Fader hat dem Zentralvorstand deS Wahlvereins für den Wahlkreis F r a n k f u r t- L e b u s milgeteilt, dah er bei der bevorstehenden Reichstngsivahl nickt wieder kandidieren werde. Die schwierige geschäftliche Situation in der Sckubwarcnkobrikation, die Faber betreibt, zwingt ihn, seine Kraft in gröherem Mahe, alS er es als Abgeordneter konnte, seinen: Geschärt zu widmen. Seine übrigen Posten und Aemter in der Arbeiterbewegung, insbesondere sein Stadtverordneteninandat, wird Genosse Faber weiter behalten. Em Induftne und ftandel. int Verbrauch an überseeischem Fleisch in England. Zur Beschönigung der Fleischeinfuhrverbote pflegen, die Agrarier und ihre Helfershelfer die angeblich sehr mangelhafte Be- schaffcnheit des argentinischen und sonstigen ausländischen Fleisches zu betonen und zu behaupten, dah es auch bei freier Einfuhr doch nicht gegessen werden würde. Wenn das wahr wäre, würden sie natürlich die Oeffnuug der Grenzen nicht so eifrig bekämpfen. Und dah es völlig unwahr ist, ergibt die Statistik des Verbrauchs der verschiedenen Fleischsorten, die der englische„Economist" mitteilt. Diniach wurden an gefrorenem und gekühltem Fleisch aus Argen- tinien, Patagonien, Uruguay und Australien im Jahre 1S10 rund 611 000 Tonnen(zu 1016 Kilogramm) in> das Vereinigte König- reich eingeführt: 78 700 Tonnen � 15 Proz. mehr als im Vorjahre, trotzdem inzwischen Italien, die Schweiz und Portugal die Tinftlbr gleichfalls ermöglicht hatten. Ter G e s a m t v e r b r a uch an Rutb- und Schaffleisch betrug 1813 000 Tonnen: 61,8 Proz. ein- heimisches und 38,2 Proz. eingeführtes Fleisch. Davon ent- sielen 24,9 Proz. auf gefrorenes, 8,8 Proz. aus gekühltes und 4.5 Proz. aus frisches, von eingeführtem Lebendbieh kommendes Fleisch. Der Preis stellte sich für Hammel fleisch, je nach Her- kunftsland und den verschiedenen Jahreszeiten, auf 24 bis 38 Pf. für das englische Pfund(-»% deutsches Pfund»; 5 Wochen lang kostete neuseeländisches gar nur S'A Pfennig; Rind fleisch 17 bis 37 Pf. Das waren, die Grohhandelspreise in London, die natürlich im Kleinhandel ihren Aufschlag erfuhren, aber doch eme Fleisch- ernährung ermöglichten, die weit über das bei uns übliche Mag hinausgeht. Insgesamt kamen 59,7 engl. Pfund Rind- und 29,8 Pfund Schaffleisch auf den Kopf der englischen Bevölkerung. Dabei ist, wie die Wiener„Arbeiter-Zeitung" hervorhebt, die englische eigene Viehzucht in blühendem und vor allem, trotz der Ein- fuhr der Massen„scuchenverdächiigen" Fleisches, iw sehr gesundem Zustand. Die Zahl der Rinder belief sich aus 11 765453, 3623 mehr als im Jahre vorher. Die Zahl der Schafe sank in diesem Jahre von 31 839 800 aus 31 164 600, doch ist dies hauptsächlich die Folge des wachsenden Ueberganges zu der ertragreicheren Milchwirtschaft in der Nähe der Städte und Jndusiriegebiete.— Jedenfalls zeigen die englischen Zahlen, welche Rolle das ausländische Fleisch, ohne Beeinträchtigung" der einheimischen Viehwirtschast, auch auf dem deutschen Markte spielen könnte, wenn bei uns die Interessen der Volkscrnährung statt der agrarischen Profitinteressen maßgebend wären. Sie zeigen auch, welche Bedeutung für die Volksernährung es hat. wenn die Wähler mit der Agrarierwirtschaft reinen Tisch machen. Gerichte- Zeitung Der Berliner Polizeipräsident v. J-gow»er dem Stader Landgekich». Wie erinnerlich, hielt der Polizeipräsident von Berkin, Herr v. Jagow, anläßlich der Kaisergeburtstogseier der Pol:zeibeamten im Zoologischen Garten in Berlin am 27. Januar eine Rede an seine Beamten, in der er Gelegenheit nahm, die Angriffe auf die Berliner Schutzmannschaft wegen der Moabiter Vorgänge zurück- zuweise». Er sagte unter anderem:„Das Ehrenschild der Schutz- mannschast sei rein, sie habe tadellose Manneszucht gehalten und ihre Pflicht erfüllt." Diese Rede forderte nicht nur die Kritik der soziäkdemokrati- scheu, sondern auch der linksstehenden bürgerlichen Blätter heran«. Auch unser Harburgcr Parteiblatt, das Volksblatt, übte an der Rede Kritik. Sonderbarerweise stellte infolge dieser Kritik v. Jagoio gegen der berantwortlichen Redakteur Genossen Schubert Straf- antrog auf Grund des§ 185 des Strafgesetzbuches wegen formaler Beleidigung. Eine für den 7. April vor dem Landgericht in Stade gegen Schubert anberaumte Verhandlung wurde vertagt, indem den Be- weisautrügen des Verteidigers des Beklagten, vtechtsanwakt Genosse Dr. Herz-Altona. stattgegeben wurde. Dr. Herz beantragte, darüber Beweis zu erheben, ob die Führung der bei den Moabiter Vor- gingen lsttrtlkgten Schutzleute tatsächlich„tadellos" gewesen, ob eine eingehende Unkcrsuchung sedeS einzelnen Falles borgenommen worden, ob das Ehrenschild der Berliner Schutzmannschaft rein geblieben ist und die Schntzleute Manneszucht gehalten hätten usw. Dr. Herz benannte hierüber z-chn Zeugen und beantragte die Heran- ztehung der Akten über den Tod des Arbeiters Herrmann und über die Moabitcr Strafsache gegen Hagen und Genossen. Das Slader Gericht vertagte hieraaf die Verhandlungen. Weil nun die Ermittelungen der Berliner Staatsanwaltschaft in Sachen des totgescklagenen Arbeiters Hermann sehr lange Zeit in Anspruch nahmen, hat der Prozeß den ganzen Sommer über geruht und er wird erst am Mittwock, den 1; November, wieder vor dem Landgericht in Stade zur Verhandlung kommen. Es sind zehn der markanteste« Zeugen aus dem Moabiter Prozeß geladen. Da- mit steht eine Aufrollung des Moabiter Kralvallprozesses in seinen Hauptstücken bevor. Einer der gemeingefährlichsten internationale» Hochstapler, der unier Anwendung von betäubenden Giften einer jungen Dame «Bargeld und Schmucksachen im Werhe von 24 000 Mark abgenommen hatte, wurde gestern aus der UnterfUchungsyait dem Strasrichter vorgeführt. Wegen Betruges, Unterschlagung und Dirbsiahls hatte die 3. Strafkammer des Landgerichts I gegen den angeblichen aus Rußland stammenden Juwelenhändler David Gorenstein zu ver- handeln.— In den zur Anklage stehenden Fällen handelt es sich um folgende Tatsachen, die wie aus einem Kapitel eines Kriminal- roimmS entnommen ttingen: Ein Fräulein Selma N. war viele Jahre in der Familie eines russischen Millionärs Fränkek als Gouvernante tätig geweson. Tie hatte sich im Laufe vdn«cht Jahren ein größeres Kapital zusammcng: spart, außerdem waren ibr außer eine»: Perlenkolliet zahlreiche sehr wertvolle Brillantschmuck- fachen und andere Ivertbolle Sachen zum Geschenk gemach: worden. Anfang November 1909 gab sie ihre Stellung auf, um zu ihren in der Schtveiz lebenden Verwandten zurückzukehren. Eine» Teil der «ckimncksachen und das Bargeld in Rubesscheinen verbarg sie in einein kleinen Ledertäsckcken, welches sie unter der Kleidung trug, Der andere Teil befand sich in einem Kokser. Auf irgend Ölne We:se muhte der jetzige Angeklagte von der Reise der jungen Dame sstnntnis erlangt haben, denn er lieh dies« schon von Warschau an nicht aus den Augen, An der deutschen Grenze in Alexandrowo gelang es ihm die Bekanntsck'gft des Fräulein N. zu machen. Er nannte sich„Dorry von HnsiingS" und gab sich als reicher Amert- kancr aus. Unter dem Vorwande, etwas näheres über die Schweiz, die auch sein Reiseziel sei, erfahren zu wollen, bat er um die Er- laubnis in dem Abteil vrtttcr Klasse Platz nehmen ztt dürfen mit dem Hinweise, daß er zwar erster Klasse fahre. Der angebliche Amerikaner erzählte dann, dah er eine große Seidenfabrik besitze und nur deshalb nach Europa zurückgekommen sei, um sich hier eine Frau zu suchen. Er bat schliehiich die N«, in Berlin dt« Fabrt zu unterbrechen und sich hier einige Zeit aufznbalten, um sich näher kennen zu lernen. Fräulein N. lehnte dies ab mit dem Hinweise. dah er ja ebenso gut mit»ach d.'r Schweiz kommen könne. Kurz bevor der Zug Berlin erreicht hatte, bot ihr der„Amerikaner" schon geschnittenen Kuchen und ein GlaS Wein an, welihes sie ohne Atg annahm. Wie sich ergab, tvar der Wein mit einem Betänbnngs- mittel versetzt, das die Eigenschaft hatte, einen Zustand der völligen Willenlosigkeit herbeizuführen. In Berlin Verschleppte der Auge- klagte die N. in ein Hotel, wo er ihr den Brustbeutel mit etwa 1100 Rubel in Papier und Gold und einem Perlenkollier abnahm. Am nächsten Tage brachte er dann den Koffer der N., der für 18 000 Mark Schmucksachen enthielt, an sich. Schltehlich verstand er es se>gar, die völlig willenlos«. N. dazu zu veranlasse», ihr auf einer schweizerischen Bank deponiertes Vermögen von 5300 Mark auf telegraphifchem Wege an die Deutsche Bank überweisen zu lassen, von der er es dann abbob. Am 3. Dezember lieh«r Portwein und Sekt anfahren und nötigte die N. dann zu trinken, nachdem er vorher den Portwein mit einer größeren Dosis jene# betäubenden Giftes versetzt hatte. Wie sich später ergab, ivar der Angeklagte an demselben Tage mit seiner Beute nach Warschau abgedampft. Er wurde später auf Grund eines Steckbriefes In Bremen verhaftet, nacstdent- er in der Zwischenzeit mehrere ähnliche Verbrechen verübt halte, wegen deren tt kürzlich in Fvankfurt a. M. verurteilt worden ivar,— Nachträglich wurde noch festgestellt, daß der Angeklagte in Hamburg und Berlin eine Reihe ähnlicher Schwindelmanöver mit Erfolg ausgeführt hatte.— D-.'r Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 8 Jahren. Das Gericht ging jedoch mit Rücksicht auf die überaus raffiniert« und nieder- trächtige Art und Weise, in der der Angeklagte sich seinen Opfern genähert hatte, noch über diesen Antrag hinaus Und erkannt« Mtf 10 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Der Komponist der„Liistigen Witwe" vor de« Reichsgericht. Der bekannte österreichische Komponist Lehar, der durch seine Operetten„Die lustige Witwe",„Ter Graf von Luxemburg" und .Zigcunerliebe" zu einem der beliebtesten Opereltenkomponisten geworden ist, hatte im Jahre 1908 mit dem Berliner Anlage Bloch Erben einen Vertrag abgeschlossen. In diesem Vertrage ver- pflichtete sich Lehar, alle Werke, d'e er bis zum Jahre 1908 kom- panieren werde, dem Berlage Bloch Erben zum Dühnenvcrlricbe zu übergeben. Ausgenommen sollten mir sein„Der Graf von Luxe:»- bürg,„Zigeunerliebe" und die koM'sche Oper.Soldatenspiele". Das Recht, den Ort der Uraufführung zu bestimmen, wurde Lehar vorbcbalten. Als Vertragsstrafe wurden 50 000 Kronen festgesetzt. Für den Abschluß de# Vertrages wurde Lehar ein Geschenk von 10 000 M. gewährt. Als Ersiillungsert wurde verlin bestimmt. Dieser Bertrag ist von Lehar aus Grund de» österreichischen Ur- Heberrechts gekündigt worden. Nach§ l8 diese# Gesetze# stnd Rr- Heberverträge innerhalb Jahresfrist kündbar. Die Firma Bloch Erben hatte widersprochen und Lehar hat deshalb vock den öfter- reichischen Gerichten Klage erhoben. Mit dieser Klage drang er bei den österreichischen Gerichten durch. Nunmehr klagt die Firma Bloch Erben vor den deutschen Gerichten auf Erfüllling de» Vertrage#. Dieser Klage hielt Lehar die Einrede der Rechtshängigkeit vor d«: österreichischen Gerichten entgegen! der Einrede der Rechtshängigkeit gegenüber behauptete die Klägerin wieder, dah die Anerkennung de# österre'chischen Ur- teils nach ß 328 der Zivilprozchordnunp ausgeschlossen sei. Das ist nach Ziffer 1 des zit-erien Paragraphen der Fall, wenn die Gerichte des Staates, dem das ausländische Gericht angehört, nach den deutschen Gesetzen nicht znständt, find und nach Ziffer 5. wenn die Anerkennung des Urteils gegen die guten Sitten verstößt oder gegen den Zweck eines deutschen Gesetzes verstoßen würde. Das Londgericht und Kommergerich» zu Brrlia hat die Zuständigkeit des österreichischen Gerichts nickt anerkannt und deshalb die Einrede Lehars über die Rechtshanaipkeit verworfen. Das Kammergericht führte aus. dah durch den ß 328 Ziffer 1 der Z�vil- prszehordnung d:e Einrede der Rechtsbangigieit beseitigt werde, denn da die Parteien Berlin als Eterchtsstand vereinbart haben, seien die österreichischen Gosrtzc für die Klage nicht zuständig. Mit- h:n erkannte das Kammrrgeriiht die Klage der Firma Bloch Erben im Prinzip als berechtigt an. Aus die von Lehar beim Reichsgericht eingelegte Revision ist am Scnrnabend das Urteil des Kommergrricht««ufgelwben und die Firma Bloch Erben Mit ihrer Klage endgültig abgewiesen«orven. Das Reichsgericht erklärt begriindettd. dah gegen die Rechtshängig- fei» vor deck ölterrcich scheu Gerichte« n-ichts einzuwenden ist. Der Berirag der Parteien besag« nur. so führt das Reichsgericht weiter aus, daß in Berlin ein Gerichtsstand begründet sein soll. Daraus gehe nicht hervor, daß Berlin»«»schließlich als Gerichtsstand habe gelten solle»! auch im übrigen« sei aus dem B-rtrage nicht zn er- sehen, dah nur Berlin als Gerichtsstand gelten sollte. Damit ist dt« auf Ziffer 1 des ß 328 Z. P. O. gegründete Anfechtung erledigt. Zu Ziffer ö führt das Reichsgericht noch aus. dah auch nicht zu erscben sei, weshalb der Vertrag dem Zweck eines deutschen Gefetz-s zuwiderhandle oder gegen die guten Sitten vorstoße. Das würde »mr dann der Fall sein, wenn die österreichischen Gerichte mit der Amoendung des K 16 bcs österreichischen Urheberrechts gegen Min- gende deutsche GesetzeSvorfchriften verstoßen hätten, wenn also»er 8.1« mich«ach österreichischem Rechte nicht anzuwenden gewesen wate. Bürgerliche JugenLerziehuns. Unterm 28. Oktober berichtet man uns aus Halle a. S.: In der Zeit der Arbeiterjugendvcrfolimng dürft« auch folgender Fall, der heute die Strafkammer beschäftigte, von Interesse sein. Der Kaufmannslehrling Paul Wicmer, ein Sohn gutsituierter Eltern, der eine höhere Schule besucht hatte, gehörte einer der jetzt so be- rüchtigt gewordenen Schülcrverbindungen an. Bei einem der nächt- lichen Trmkgelage, zu deren Teilnahme er infolge seiner Bildung „verpflichtet"gewesen", so erklärte der junge Mann vor Gericht, sei er mit einem Korpsstlideirten in Differenzen geraten, infolge- dessen es zu einer Forderung gekommen. Da er infolge seiner Lehrtätigkeit nicht genügend Zeit gehabt, sich ordentlich„einpauken" zu körrnen, sei ihm die Mensur sehr im Kopse herumgegangen, Er beschloß, den Kampfplatz zu verlassen, und dcnnpfte mit 9909 M., die er für den hiesigen Bnckernverein« nach der landwirtfchaftlichcu Genossenschaftsbank schaffen sollte, nach Prag. Bon dort ging es nach Wien, dann nack der Schweiz, und als man ihn festnohm, war das Geld alle. Ter junge Mensch, der ein Opfer der Größenwahn erzeugenden« Schülerverbinduckg geworden war, wurde wegen- Unter- schlagnng zu 8 Monaten Gcstingnis verurteilt Ein Chauffeur nnter der Antlagr der fahrlässigen Tötung. Unter dem Borsitz des Gebeimrats Barchewitz verhandelte am Sonnabend die Potsdamer Strafkammer gegen dew Chanssenr deS B anmesst ers Kurt Behread, Gustav Knusmann, der wegen fahr- lässiger Tötnng angeklagt war. Die Anklage legt ihm zur Last, an: 22. Juni d. I. durch Fahrlässigkeit den Tod des 19jährigen Bokontärs Paul Gericke in Wannsee verursacht zu haben. Der Angeklagte führte den Kraftwagen'IA. 5384 und kam von Kohl- Hasenbrück her. Neben ihm saß vontt der Bücherrcvssor Göbler, im Fond u. a. der Mechaniker Sckiw'detz. Die Geschwindigkeit gibt der Angeklagte nkit 18 bis 20 Kilometer an. ES wurden 13 Zeugen und 2 Sachverständige gebärt. Die Vernehmungen ergaben einwand- ftei, dah der Tote durch seine eigene Fahrlässigkeit zugrunde ge- gangen ist. Paul Gerctc fuhr auf etüem Damenrad, küssen Pedal» er mit den Fühen nicht berührte. Sein Fahren erschien vielen Zeugen unsicher, und man merkte, wie er mit vorgebeugtem Kops nach d«n Pedalen suchte. Aus der Richtung Potsdam kam ein Kremser, in dem mehrere Frauen mit Kindern sahen. Zuerst hinter diesem und dann neben diesem, fuhr Gericke in der Chaussee- slrahe. Er sah sich mehrmals um und bog dann von der Mitte der 9 Meter breite,» Straße nach links ab, Zeugen saben bei der Schnelligkeit der Vorgänge die Einzelheiten der Katastrophe nicht und beobachteten nur. wie Gericke vom Rad geschkeudert wurde. Vielfach wurde bestätigt, daß der Verunglückte unsicher fuhr und sckvvankte. Zwei Zeugen hörten, daß der Angeklagte gehuppt habe. Der neben dem Angeklagten auf der Fahrt sitzende Zeuge Göbler hatte,„als Gericke so plötzlich nach links in der Iahrtrichkuny des Autos abbog, das Gefühl, dah dieser fick das Leben nehmen« wolle". Der Staatsanwalt h'elt eine Fahrlässigkeit des Angeklagten nicht für vorliegend, da bestätigt worden ist, daß, er gehuppt habe und richtig ausgewichen sei. Es stehe fest, daß her Cbauffeur seine Pflicht nicht vernachlässigt habe. Er beantragte die Freisprechung. Das Clericht sprach den Angeklagten auf Kosten dör Staatskasse frei. Der Vorsitzende betonte, e§ handle sich hier einmal um einen Ausnahmefall, bei dem nickt der Chaufkeur, sondern der Berlrtzle selbst infolge seiner Fahrlässigkest der Schuldige sei. Em aller Clelt. Eine mysteriöse Defraudation. Ein junger Bankbeamter Adam Thomas aus Eckend«im bei Frankfurt erhielt am Sonnabendvormittag von seiner Firma 60000 Mark Papiere zur Ablieferung an einen Privatkanden. Er verkaufte die Effekten in zwei hiesigen Wechselstuben und erschoß sich gegen 3 Uhr nachmittags beim Sachsenhansener Fried- Hofe. In der Tasche des Toten fand man nur wenige Nickel» münzen. Ueber den Verbleib des Geldes sowie über die Motive deS merkwsirdigen Selbstmordes ist nichts Näheres bekamlt. ssolgenschuierer Einsturz. AuS Tanger wird dem„Temps" gemeldet: Nach einem Funkcntelegramm ans S e f r u lvurden 18 Soldaten, die in einem Steinbruch arbeiteten, von dem Erdreich verschüttet. Sechzehn wurden getötet und zwei schwer verwundet._ Haifische in der Nordsee. Schon mehrfach ist von Rordseefischern über ausfallendes Bor» kommen von Haifische» in der Nordsee während d:eseS SommerS und Herbstes berichtet worden. Man hat es darauf zuriickgeführt. dah der warme Sonnner dem Wasser der Nordsee eme Ternperona gegeben habe, die den Haien des«rlantsscken OceanS zusogt und sie die ungewöhnliche:: Wanderungen nach dem Norden zu nicht, so wie eS sonst der Fall, scheuen laßt. Von einem Geeste münder Fisck dampser ist dieser Tage wieder einmal eine solche Hyäne des MeereS. ein riesiger K a tz e n h ai von 22 Zentnern Gewicht, der bei Island Ins Netz geraten und geivlet worden, in den Geestemünder Fischereihafen gebracht und dort gelandet worden.__ Kleine Notizen. Zngzusammenpoß. Ein Personenzug der Linie Stralsund--B«rlin ist am Sonntugnachmittag in Stargard(Mecklenburg) mit einem Güterzuge zuiamnr enge st aßen. Die de» Zug begleitenden Postschaffner Kühn und Falk wurden erheblich verletzt. Grnlicunugliick in Lbcrschlcsicn. Auf der Königsgrube bei Königshnite slüizlen dort lagernde Kohlenmassen zusalninrn und be» gruben den Häuer K o p i tz o ck unter sich. Er konnte mir a l 8 Leiche geborgen worden. Mehrere andere Häuer wurden leichterverletzt... � Explosion in einer Munitionsfabrik. In der nahe Wien ge» legenen MmmicmSsabrit Roth Aktien g«»ellsckaft fand eiste Ex» plosion de» Glühofens statt. Zwei Arbeiter wurden schwer, vierleicktecverletzt. Schweres AniomoSilnuglück. W'« an? Undnt« gemeldet wird. stürzte infolge plötzlichen Unwohl'eins de? Chauffeurs in der Nähe von Latisana ein Automobil, in welchem eine Triester Gesell» schast von der Antsieliniig in Turin zurückkehrle. in einen Straßen» graben. Der C h a u f f e u r wurde l»fort getötet, der Kauf- mann Pizarello t ö d li ch. der Kaufmann P i t t r i e s<5 w e r verlebt. Die übrigen drei Jniassen kamen m:t dem bloßen "�'�Schncesiärm«» Riga. Während de« ganzen Tag«, wütete am Ton mag ,n Riga rn h et'« 9"SÄ'." st'"". dn großen Schaden anrichte». Zwei Segel, chiffe g, n g e n unter, jedoch konnten d» Mmmickoften gerettet werden. Die telegraphuche undteleptwnisckc Verbindung ist unterbrochen, der Etseubahn» verkehr sehr erschwert.-. «Sttternuesü-erti«»» vom 30. cktober WU. fmmnnde 770 ö Öm9 imU ■ 774-N« Ä t* *4 Havaranda 762 3 2 heftet—8 Petersburg 7kl NNW 2 bedeckt-4) *''113 12 7 Sem»'7ögSSS«bedeck, "CLKftm ffl? ZZW 3 bedeck, Bans 770 2SA 4 bedeckt WWW ©ewemotpiot««w Eienstag, den»4. cklodrr ,vn. Etwa»»ärmer,«Mperrschenv wolklz mit Ztegenfällen mtd ziemlich starken südwestlichen Winden. Berliner Vetterbarraa. nnjcvcra Genossen Ernst Stenzke nnd Frnn zu ihrer silbernen Hochzeit ein dreifaches Hoch! vis Ksooszso lies lila. Bezirks des 6. Waklkrcises. r Unserem Kollegen Emst Sienzke u. Frau zu ihrer silbernen Hochzeit s enden die Kollegen des Eparvercins .Immer Vorwärts' und des j Lotlcricvereins.Böse Sieben' die , besten Wünsche. Prosit Ernst l» Todes-Anzeigen Am Sonnabendmittag starb nach| kurzem, schwerem Heiden mein I lieber Mann, unser grtter Vater, i der Schankwirt«KlL I llermauv Conmöt. Dies zeigen um stille Teilnahme| bittend an Witwe Mathilde Eonradt nebst Kindern. Gräsestr. Z. Die Beerdigung findet am I Mitttvoch. den l. Noveinber, nach- s msttags 4 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi-KirchbosS au? statt. MlöeMnt. Mm für den 2. Berl. Reielistäiswälteis. I (Bezirk 153.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Genosse ttermann Lonracit Gräsestr. 3, am Jonnabendvonnittag 11'/,Nhr gestorben ist. Ehre seinem«ndenten Z Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. November, noch, Mittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Fakobi-Äirchhoss, Nixdvrs, Heimannstraste. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Zll/tS Der Borstand. Am Sonnabend, den 28. d.iDfts., 1 abends 9 Uhr, verschied plötzlich! s am Gehitnschlag mein lieber Gatte,! ! unser gitb r Vater. Sohn, Binder f j und Schwager, der Gastwirt Ulbert Lintzel. Im Nomen der Hinterbliebenen die ttaWRide Katnn �.nna liln>t»el nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mttt- woch, den 1. November, nach. mittag» 4 Uhr. ans den, Emmaus. Kirch hos aus statt. Abgang de» Zuges vom Traucrhause, Pückier- Krabe 10. um 3 Uhr. SflUMniiRlier Wafilyorein (kr den (. Berl. WklM-HMM Köpeilicker Viertel. (Lezirl 193.) Den Mitgliedelii zur Nachricht, dah unsere Genosse, der Gastwirt Ulbert Kintzel Biilklerstr. 10 gestorben ist. -f, Dermann- stragc, statt. � Um rege Beteiligung ersucht _ 1 11| � Vertanti öer freien Gast-ondi Schankwirt« Oeutscfeiands. I ZnlilHtctlu BcHin. Den Mitgliedern ziw Kenn!»!». dab der Kollege kltefl Siutzel Pticklerstrahe 10, Bezirk 4 ocrftorben ist. Ehs'« leine« Slndeuken t Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1 Noaember, nachmlltags» Uhr, vom Trauer. hauie au» dem EmmanS-Kirch. hos in Rixdorf statt. Den Mitgieder» zur KetMtnis.! daß der Nollcge HennaM Conraill .«KM'»- Ehre seine««udeukeu: Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 1. November nachmittag» 4 Uhr. von der Leichenhalle des neuen Safobl. ktrchhoje» in Rixdots, Hermann. strage, auS statt. Um rege Beteiligung erfncht 51/7 Die Ortüverwaiinua. IM»«» kür den Frankfurter Viertel, (Beziri 308.) Den Mitgliedern zur Nachricht, i dah unser Genosse, der Tischler (Zustav Pieper Palisadcnsirahe 71 �gestorben Ist. 206/3 Ehre seinem Sludenkeu! Di« Beerdigung findet heute I Dienstag, den 31. Oktober, nach- | mittags 5 Uhr, von der Halle des � Markus-Kirchhoses in Wilhelm»- bcrg aus statt. 1 lim rege Beteiligung ersucht 1 200/6 Ter Vorstand. veulscUer Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tffchker Gustav Pieper Palisadsnstr. 71, im Atter Bon 54 Jahren gestorben fit Ehr« seinem Atidcttfcn! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 31. Ottober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Markusttrchhoses in MilhclmSberg aus statt. 91/12 Um rege Bcleiiigung ersucht Die OrtSverwakknUg. Fischers Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kamm- mach« /Xclolk Schröder Köpenicker Str. 44, im Aller von 24 Jahren gestorben ist. Ehre seinci» Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 31. Oktober, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Thomas-Kirchhose» in Arrdorf, Hernimmstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvorwalturrj Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Tode«- Ansel/cc. Den.Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger �»Zius Kitsch am 25. Oktober an Schldgansall gestorben ist. 125/10 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den l, November, nach- mittags 8 Uhr, von der Leichenball« des Zentral.FriedhoseS in Friedrichssclvc mts statt. Ferner starb unser Mitglied, der Bmumschläger Hugo Werner am 28. d. MI«, an Darmleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leiwen. Halle dcS«t. Maurittus'KirchhosS m WilhelmSberg au» statt. Ehre ihrem Andenken! Rege LetrIIigimg erwartet Di« Qr»»Verwaltung. billlffoto SUrco '■ Tel. Bitil Ärlüile™ Berlj«. AM Sonnabend, den 28. Ottober. veistar» un'er werte« Mitglied, der Schristgießer-Jnvalide Hermann Derecte im Atter vön 59 Jährest. Die Beerdigung findet heute. Dienstag, den 31. Ottober. nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- hall- des Heilig-Zlreuz-Kirchfiofes in Mariendois ans statt. I35kb Um rege Bcldiiaung ersucht I>«t Voi'Mennd. v'lllfii Verwandten und Ve- kaiinle» die trau, ige Nachricht. daß meine liebe Frau Hforie Palm geb. Meier am 29. Öttoder nach langem. schwerem Leiden verstorben ist. Die« zeigt im Namen du Hinterbliebuien an■ Mnstav Palm. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» l. November, nach- mittags 4'/, Uhi-. von der Leichen. habe des Treptower Gemeillde- sriedhoses, Neu« Krug-Allee. stts statt.__ Für die viele» Beweise herzlichster Teilnahm- bei der Beerdigimg ineiues Ueben. unvergeßttchen Mannes »iid guten Onkel« sage ich allen Be- to.nitteu und Verwandle», dem Metall- ai Seiteroerband und den ttoSegen der Fi-ma Windler meinen her». ichslcii Dank. Frau tmüle Mautrlch. Am Sonnabend starb nach schwerem Leiden meine liebe Fra« An das JMäJI Mileb konsumierende Publikum! Die» zeigt, um still« Teilnahme bittend, au Lrnst Lüdecke, Karlsgartenstr. 16. Die Beerdigung findet Mittwochnachmittag 2 Uhr vom Rixdorser ' os a/n Mariendorser Weg äu» statt. lln. Timms! Lpeziat-�kst tu? Nsiit- unö Nsrnteiäen. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10-�r?. 3— 4 1911« Gänse, Enien liefert garant. lebende Ankunst 10 ausgewachsene, bald schlachtreife Gänse 31 Mk. 185/20 12 auSgeivachs. fielfchige Snlen 18 Mk. Svdaeier, Myslowih Ö.-S. Nr. 2. �röstt. WrltPI. f. Mucher«. MM" All«» Sorten-Mg'' StF' zusammen'l'l, M."WW PMHrckM ff. Brathering, Geleehering. ff. Roll- mops, 2 schölte Nanchaale, Dose zirka 40 Heringe Milchsauce, ferner ger. Schellfisch u. zirka*!,— I Psd. saftig ger. Erejachs gar. ffische Ware. Verp. sr. Ißtf" E. Napp, Allena-Ottenscn 62 Postk. 8 Psd. Ta Seefische 1,95 R. 10 Psd. F. spcckseite Salzber. 2'/, M. Knantlss >ano» kür 4 iftark w8cbentlichor Teilzahlung. Direkt Hb Fabrik unter laneJUhr. Garantie, ohne Prelsaufschlas. üebornahme u. Verrechnung gebraucht. 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Eisbein �nkb»»»»»»»»»»»»'»»» 1 Fertige Ulster« Paletots s Anzüge » ♦♦♦♦ ♦ ♦♦♦♦♦♦ ♦ 4 ♦♦♦ ♦ ♦ ♦ ♦♦♦ Theater und Vergnügungen »Hirsaal: Dr. verndt, Darwin» !tbrn und Wirken. Dienstag, 31. Oktober 1911 Anfang VI, Uhr. ft. Opernhaus. KSntgikinder. tL Schauspielhaus. DI« glückliche Hand. DeurichrS. Tur anbot. Saverland. Spezialitäten. Zirku» Busch. Gala-Borstellung. Zirkus Schumann. Gala> Bor» ftellung. Anlang 3 Mr. Urania,»anbcnftrafte 48/4». Geheimnisie der belebten Natur. gm Lei..... Reneft«. Operntheater. Der Zerrissene. «ammerspiel«. SygeS und few Rittg. Sets,»». Da» weite Land. Berliner. Eoeur-A». Reue». Da» Mädel von Montmartre. Lufttpielhau». Die BergnügungSi reife. «leine». Fannh» erste» Stück. «estdenz. Ein Walzer von Chopin Sieur» Operette». Die moderne Eva. «omiiede Over. Die keusch« Gusanne. «öniggrätzer Strafte. Spielereien einer«aiferin. Schiller. O. Der Pfarrer von Kirchfell>. «ch t..»liarlottenburg. E« leb« da» Leben. yrtedr.. Wils. Schauspielhaus Die Hochzeit von Balent. Reue» volkftthratrr. Da» ver» mächtni». Mete»,.« Di« Nacht von verlin. Westen. Die Dame in Not. Driauvn. Mein Baby. «haita. Polnifche Wirtschaft. Luisen. Die Macht der Lied«. Rose. Kalemenlust. «asiuo. Der selige Hollschinsky. Dipou«. Gveiialitäten. BaNag». Gvezralitäten Hrrrnfeld. Schmerzlose Behandlung. Da» Kind der Firma. «önigliad,-Kasino. Spezialitäten. Reich», a»en. Stettiner Gänger. Ansang 3'/, Uhr. siMieS Eaprtee. Kobi Krach.?tr. lt. «Salhalla. Teusel, da» hat twge> schlagen! Aiisang 8'/, Uhr. Belle-Allianee. Der Sittenapostel.. Intime». Schön Helenche».— Liebesabenteuer. * O Sternwarte. Jnvalidenstr. S7— 62. «aiser-Pauorama. Land und Leute von Tuni». Fränkische Schweiz. SedllMBeaierÖÄ;: Dienstag, abend» 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Mittwoch, abend» 8 Uhr! Zum ersten Male: Madame Sans-Ofiae. DonnerSIag, abend» 8 Uhr: Der Pfarrer von Klrchfetd Schnier-ThMteF Ch'buS.en DienStag, abend« 6 Uhr: E» lebe da» lieben. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Aotisone. Doimer«tag. abend« 8 Uhr: Es lebe das lieben. Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Coenr-Aß. Theater Id der KhVtzerStralie 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin, OSE=THEATE I Arohe Fran/furtii Str. 132. . Zum«00. Male; J Kasernen tust Mittwoch: Ein' feste Burg »user Gott. FEH fi\ Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Da» Mädel von Montmartre. Erevett«: Prltsl Ilassar�. Ikeater des Westens. 8 Uhr: Die Dam« in Not. Sonntag nachmittag 8'/, Uhr: Gin Walzertraum. .FrledrlchWIlhelmstAdt. Hchauspieihans. Abend» 8 Uhr: Die Holhieit von Dnlenl. Refidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Ei« Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v Käroul u. Barr». Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-Daecker». Morgen und folgende lag«! «in Walzer von Ehopt«. CLOU BERIilWEB KOltfEERTBACS Hauarttraöe 82 X ZlmmerstraBe 90 91. Kr. Koppel-Konzert musiko. Becker. Musike. d. flirde-FuB-Artj-ftsj. J()Jjy> Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr ü otf■! Honnabend, 11. Hovember, abends O dir: Eine Aiacht In Marokko, Manrisohes Fest. Mit Original- Dekorationen und Vorführungen. Zwei BaU-Orchester J Karten im Vorverkauf im Invalidendank, Theaterbnrean Josty und.Olou" 8 dl., Kaeeenpreis 4 M. Luisen-Theater. Heute und folgende Tage: Die Macht der Liebe. Lelie-tniAnee-IMsl' Novität l Allabendlich 8'/, Uhr: Der SMennpostkl. Brauerei Friedrichsliain Am KOnlgstor. Ben««! Zweiter Karl HelnzlDS-abend. nor»en! BRT* Walser-Abend"HM von •fohann Stranß Wien. Ilonnersfa»: Johann hitrauU. Metropol-Ttieater. Die Nacht von Berlin! Kratze Jahreireoue in 7 Bildern von Oer srOSte Erfolg der Saison k WINZLlMWi im SPORTPALAST, Potsdamer Straße 72 Grandiose Revue: WINZERTRAUME Bunter Teil: Sport und Humor Sein Liebesabenteuer— Pferderennen anl dem Else Meisterschaftsboxkampf:: r Im ganzen Hanse: Frischer Most, Stimmung, Humor Eintritt: 1 M., bis 8 Uhr nachm. 80 Pf., Sperrslts 8 M. Letzter Tag der Weltstadt.ilttraktioueu. 10 Uhr: Nie dagewesener Lacherfolg! Sin Abend w einem amerikantichrn VInK«! VttNLvI. Rem Aorker Pantom. So. «MW hoch Die DBgev»LaMIg! Das Kind der Jirma mit Anton und Oonal H.rmfeld tu den Hauptrollen. Vorher: 8eiimgs2io8g ksiizniiluDg. Ans. 8 Uhr. Boroerkauf 11—2 Uhr. ist Passage-Theater, Abends 8 Uhr: die Japan. Mlmo- dramatikerin in» Ihrer Truppe i. ihr. idram, nen. .... UhbWj Mimo AU Ben Hamad-Truppe, 16 eingeb. Springer a Agadir, Georg Kaiser im ihren Putz! Cassani/ Parodien und das gr. Oktober-Progr. WM- 14 Spezlalltlten.-WR II I II Union- SXuufcr Direktion: Willy Cremer. Alexanderplatz junter d. Linden| AstaRielsen feiert in Brennende Triebe Sobanspiel ans dem Bühnenleben in B Akten beispiellosenTriamph wie er in der Lichtepielkonst bisher anerhört war. Fortsetzung des Garuso-Gastspiel i den beiden Biesen-EtablisseiBent Union- ] Theater C Hasenheide Csskimos, Samojeden, Lappen mit Renntierberden. Hagenbecksche 20 Polarbären Kurf Urs tondamin 151 nahe Bahnhof Charlottenbnrg and Halonsee. VorfOhrungen; Wochentage 6'/» und 9 Uhr. Letzte Hauptvorführung abends 8 Uhr. Eintrittspreiae: AussteUungshaUe 50 Pt Vor- ffthrungshaUe 30 Pt Vervarktuf bei A. Werthelm nd Invalldondank. Noacks Theater. Dtrektton: stöbert 0III. Berlin 17.. Brimnenttratze l». Der Jongleur. La._v. Im 1 UTdtaM /*„ tu«m Ehren» uuu«uiouysianen gm Morgen und folgende Tage: Jongleur.- \Zivkns B |A. Hchnmaun Jeden abend 71/, Dhrs {Brillante Yorsteilang I Reichhaltiges Programm! 1 Aaltreten sämtL SpozialitSten. 1 9'/. Ubr; Die grolle Feerie 1000 Jahre auf dem Meeresgronde | in 5 Bildern nach Motiven ans 1001 Nacht. Besonders hervorzuheben: 1 2. Bild: Das märchenhafte | orientalische Ballett 4. Bild: Dampfer auf hoher See. Urania. »ASSAQE:::: ANOPTIKUM Die wilden Lebend I Heul-Derwische ans Ceylon mit ihren fanatisch. Produktionen. Iferino, der lebend« AmboB. ADA, dl« schwebende Jungfrau. Alisa ebne Eitra-Cntre«. Frledrlchutr. 105. ! Heitere KOnstier- Abende. I 12 Attraktionen 12 las urkom. Zserglnnen-Daett Entree 50 Bf. r*A Polles Caprice. Ansang 8';, Uhr. A: Ho. 14. _ Kobi Krach. | Am fiatsibctf Ei.-Areas , Nachmittage: RllitSr-Koraert. Allabendlich: Das praoht- volie Eis-Ballett In no- I übertroflener AusstnNimg Jpenzauöei". Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: i„Der lilchtepfsnw". BUder-Belgen- Apachen- TBnze— Pushballspiel. Einödliofer-Konzert. Restaurant I. Ranges Soupers a la Karte. Bis 8 Uhr n. von lO'/.Dhr] abda. halbe Kassenpreise. WisBenschaftlichc« Theater Abends 8 Uhr: DehelnuilMe der belebten Wntnr. Hörsaal 8 Uhr Dr. Bemdt: Darwins Leben und Wirken. Am 8. November beginnt ein Zyklus: Antriebsmascninen im Gewerbebetriebe. Prosp. kostenL Zirkus Busch Rente abend 7'/» UM*: DroBer Dnla-Abend. O. beld. AfTenmenncben „Hax und Boritz' Herr E. Schomann. Orig.-Dross. Frl. Anna Steimls, Sohulreiterin. Blrenrlngkampf, Dreas. Ganzer. Schw. BlumenlclA R�itkünstler. Origin.- Aus- lÄÄ Klrkne I ft u e c b in 15 Bildern. 1 Volks-COcatcr. (Ripdorf, Permannstr. SO. Sonntag, 5. Rod: Die wilde Katze. Posse mit Besang in 4 Akten von Mannstaebt u. Deller. Montag. 0. Nov.: Daria Stuart. Trauerspiel in 6 Akten von itriedr. v. Schiller._ Hnipstadt-Kasloo. Hol,marktstr.72, SckeSiezanderstr. Die Weber(Bombenerfolg). la»pe»IaI«tAten la Ans. 8 Uhr, Sonntag 8>, uhx Vorstellung, Theater und Spezia- ■■■■■ re« 20 Trianon-Theater. Täglich abenb» 8 Nbr- nein Baby. ÜasmoTheate, Lothringer Str 87. Täglich 8 öl Aündkodilch Aft jjfuf Seriiller polst«. Slhlagt �selige mm*i 6on� 3J, Ui>cjjc|a Weib a. d. Yolki �oigt-Theater. Z?nwi-l im Moabit« "über Artttebof, Perlebergcr Ztr. 2 ver tivch drs altt« Grigeri U-rtgtnaI.THanaltergemäive mit Muj . i» t Akten von Emil Gallert. Kassenerblin. 7 Uhr. Ans. S'/z �elehsltalien-stiealef. LleNlner LZnxer Gastspiel Ans. wochenL 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. fiSLÄ. Berliner lüJS! iumuortett Trener" «hur neu Anhalt ver Jnierate dbcnitmm dir Redaktion dem Publikum gegeuSder tetuerlel Berantworrung. 4. Wahlkreis. 2 SM KmmmlichlrmchmlmM am DienStag, den St. Oktober tvtt. abends 8'/z Uhr: Ar den 28. Kommunalwahtbezirk im Schweizergarte«, Am �riedrichshatn. Referent: Stadtverordneter W. Pfannkuch. Ansprache deS Kandidaten Stadtverordneten llozs tieimann. 2VV/4' Ar den IS. Kommunalwahlbezirk bei Boeker, Weber str. t7. Referent: Stadtverordneter Dr. Herrn. WeyU Ansprache deS Kandidaten Stadt' verordneten Waldeck Manasse. Tagesordnung In Beiden Versammlungen: l Unsere Forderungen im Rathanse. 2. Diskussion. _ Um zahlreichen Bcsoch wkd erl licht_ Mr Mt Nnberuser: Paal HoNwane, KönIzZderger gtr. 28- Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 81* Oktober 1011, abends 8� Uhr, finden In folgenden Sotalol Sffentliebe KonmunaMter-Versaninilnngeti Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 28.! Funkes Gesellschaftshaus, Tristste. 63. Humboldt-Säle, Hussltenstr. 40. j Cranz Festsäle, Kösliner Str. 8. Tagesordnung! l Die Tättgkeit der sozialdemokratischen Stadwerordneten in der kommunalen Verwaltung Berlins.— Ansprachen der Kandidaten. «eserotten: Stadwerordneten Theodor Fischer, August Hintze, Karl Koblenzer, Karl Leid. T DiStufston. 23Slt* Der Vor«t»nd. NB. gär die Mtglieder der ersten«dteilung findet««nt«, Snnntnr, Svw Lv. vsttoder, vvimltt»»»»0 IN»-, w ollen vezirten ein �XtrK»2»ahIadSIKlk statt. Die«enossen werden«sucht, zahlreich zu erscheinen._ P. O. Seal von 0,50 an, Persianer,(mit, van 6,50 ansürelegDamen-PaletatS. Tuehlager Keeb d Seeland 0. m. b H. eirtrauiinnsli.jO-tl.'SSÄ CWWim.tin&erim ü.M)runjsmittelae5cWf(oi. 24. KimmlschldeM Dieustag» den S1. Oktober» abends 8'/, Uhr, in der Brauerei Friedrichshain(kleiner Saal): lMMicsis Wählerversamnilyng. Tagesordnung: i. KmlnnnchollWt Fragen. �1"%. Eugen Brückner. 2. Diskussion. 3. Aufstellnng des Kandidaten. Zahlreiches Erscheinen erwartet 222/47' Das WahlkemKeB, Ztosrman». WWSstr.«4. Cfiarlottonburg. Oeffentl. Kommunalwählcr-Versamnilungen. tiwoch. den 1. vrdemver, odend» 81/, Uhr, finden in den Charlottendurg» öffentliche Kominunalwahler.BersammIungcn ir In folgenden tokelen: Am Mit«wo acht Beiirken statt und zwar In soigenden rotelen: l. Bezirk: Klabnnve, Kastanienallee t. 2. u. v. 3. U. S. 4. 7. 5 Schulz' Frstfäle, Kaiser-Friedrich-Str. 24. BolkSbaas,«»sineustr. 3. 38. Wernteke, viöm�ikstr Tunak. Wielandstr. 4. Luthersäle, Lntherstr. 31/32. Tagesordnung In allen Versammlungen: t. Vortrag: Die dkvorfithtndkv StßdivnordvrttMvnhlrn. 2. ViStuifien. Jedem KommnnalwSHIer, auch Kegner ist Zledcsreiheit zngefichert. Um zahlreichen Besuch bittet______ Ho« Vorstand. polltnanns 5Proz.Rabatl beim Vorzeigen dieses Inserats. teis Für Damen! 1'Z Einzelverkauf nur v. 11-8 Uhr. PaletolSpi� StoZn lö�lB00 Freuen> Paletots ans schworzemlCOO Eskimo.. et. 200 Kinder- Paletots 3M 450 ca�hsMeke Wert bis 12.00, eum Aussnohen ,50 jeder Reck* Elegante Peluche-Mintel lt. Kostüme, sehr preiswert. 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Mitgliedsbuch und VertrauenSmännerkarto legitimiert« Versammlungslokale: Nrband te Maler, Saeldcrar, KNsirswksr ete. Bureau; Weicht erfh. 28, Part. rKgtn st«lin Arbeitsnachweis: Niickerstr. 9. Kernlpr.: Amt 4, 4787. tWIv ovl llil. �crnlvr,: Amt 3, 67l«r. SOd�eAt�n: st,«abekh Brauerei, vergmannstr. 5—7. WUdvn: bei Gilching. Woffertorstr SS. Südosten I. n. II: in den Viounnn.KestsSle», staunhnfir. h. Voten I: de,«luge. Sange T«r. sZ. Voten II: bei Zieh. Warichauer Str.«0. Voten III s ftti Bergmann. Bo�bagener Str. 26. aeottiQUe Voeorte: bei BS. Schulz, klchlenderg, Kronprinzen. str aß e 47. Ecke Tcharmveverswatze. Kordooteaz bei Mertmauu. Sr. Aranlfurler Sir. l«.' Yede Sargtischler« muH einen Vertrauensmann nach dieser Bersmmn. umg senden. »ooentlialee„nrl SeUdubauoe? Terotedti Brt Cblglo, Schwedter Straffe 23 Weddln« und Tloablt: Bei«aczorowStt, Raven4sw.«. Watvewoee: im Prälaten. LtHderstraffe 1W. Abend« Uhr. KI»doeri bei KrSuike. WelchWIr. 8(Fdeal-Pafiagi). ""........... schte. Reinin, Seb«o«bei>U: um 5-/, Uhr bei»nsd nger Strohe 8. stflr sämtliche Bezirke med«roii'Lichterfelde bei LauNrcklet'. und die Boester, Vororte GllarlottenBurg.«teglitz r, BSrberstr. 17. Oatlenelnrlcdwngs- und Kontonuöbelbrand�« im.Vnglllche««arte»-. Mexanderslrohe 270. Mcbenmöbelbraucbe bei Lehma»«, an der Stralarn Brücke 3. Möb«l- u. BtuhlpoUcrcr sowie �Tagazlnarbcitcr. Voten bei Boeker. Wederstr. 17. 5»»»oten im.Märkischen Hos». Admirolstr. ISO. worden bei Günther, vrmmenllr. 96. Blumen. JVforcbfntnarbdter � bf" Prachtssir»«m.verlin Di« w Tischlereien Bdchüstigten Maschtnenardelt» sowie die verkslätten w«eihmsce müffen edensall» oert-eten sein. Vrecdsler, Treppengeländer- und K.oxvsmSbel- Srancbe. Horden Bei Döhling. vrunnenfw. 7». Voten Bei Schneider. Friedenftr. 57. � Sit floaten nnd Sttdweotcn Bei Stramm, tstitterfir. 123. Clnfetzer im«ewerkschaftehanfe. Engeluser 14/15. Saal lt. �vdelltisdstler Bei rsaldt. Pstugsir. 5. Pünkilich 8 Uhr. Sodenleger im«ewcrkschaftshause. Saal 2. Stellmacber«»lmthaler Strohe 57. Ialouliearbeiter Bei esatter, IldalBertstr. 62. Vergolder im vewerkschastshause, Engeluser UflS. Saal 6. r Ausstellung der Delegiertenkandidaten zur vergaldertaffe. Elsten- und I�offermacber de, voudach, Breslau» Str. 39. Korbmacher Bei«raufe. Moskauer Sit. 20. BUrftmmacher Bei Prenst. Holzmarktfir. 55, 69/16 Kstnimacher Bei Preuft. Holzmarktstr. 55. Ltockarbelter um s Uhr Bei Lehman«, An der Stralauer Brückt 5. Perlmutt-» Rorn- u. ötdnnußarbeitcr mn« Uhr Bei«rnst Thomas. Melchlorstr. 5. Schirmmacher B«t Reg«l. vischosstr. 12. Klavierarbeiter km MSrkische« Hof, Admiraistr. iso. Kombinierte Branche«-«nd VcrtranenSmtinner.Bersnmmlung Freitag, den 17. November 1911: Ordentliche General-Uerjammlungt Anträge müssen bis zum 3. November eingereicht sein. Freitag in den Sonntag, den 20* November: Urania-Borstellung. den 3. November: Lichtbilder-Bortrag für die MaschinenarVeiter i, AndreaS-Festsäle», AudreaSstr. 21» über„Unfallgefahr und Zlrbeiterfchutz in der Holzindustrie". Zett»ms»-AnsgabesteUe» «nd Juseraten-Annaifme. Nentr-mn: AlBert Hsdnisch. Angnststr. 00, Eingang filoachlmstraße. I. Ttalilkreto, w.: Dust. Schmidt. Kirchbach slr. 14. e-chv-xterre. S. und SW.: Cmnatin Werner, Gneiijmauftr. 72. 8. Wnlilkrel«: St.»ritz, vrinzcnstr. 31. Hos recht» part. 4. Wnfclstrcl«: Qnen: Raben Weng ei«. Gr. Franksurterstr. 120. — Richard Hackelbusch,?eler«b»rn«rvlah 4I,«nÜan»er Torotadt: Karl Mar«. Greifenhagm« Str. 27. chdleenliot: Karl Schwarzlose. Hoffinannslr. S. 4It-VNentrUe: Wilhelm Dürre, Köpenlckerstr. 6. I«an«ort,WlenrreU: H. Hornig, Marlenlbalerstr. 13, I. Benian, ItOfitUenta), Kepernick, Schöaosr und BehOii* bpileh: Heihiich Brost, Hohesteiuilr. 74. part. 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Zweiter und dritter Wnhlkreis. Heute DienSiag, den 31. Oktober, abends S'/z Ubr, findet für den 13. Äommnnalwahlbezirl in den ..Rittersälen", Nitterstr. 75, eine Versammlung statt, in welcher der Stadtv. Dr. Bernstein über unsere kommunalen Forderungen sprechen wird. Im 1s. Bezirk wird der Landtagsabgeordnete Adolf H o f f m a n n in Wilkes Festsälen über«Der Freisinn im Roten Hause" sprechen. In beiden Versammlungen werden die Kandidaten Dr. Zadel und Kaufmann Alex. Fröhlich Ansprachen halten. Zweiter Wahlkreis. Morgen Mittwoch abend findet im Kommunalwahlbezirk eine Flugblattverbreitung von Sah, Hornstr. 2. aus statt. Die Genossen und Genossinnen werden gebeten, sich zahlreich und pünktlich einzufinden. Donnerstag, den 1. November er., abends 8'/, Uhr, finden im 6. Kommunalwahlbezirk zwei Versammlungen statt. Anhalt. Ressource, Möckernstr. 114, Habels Brauerei, Bergmannstr. ö/7. Referenten die Stadtvv. Genosse Dupont und Dr. Rosenfeld. Fünfter Kreis. Für den 24. Kommunal-Wahlbozirk findet heute abend Versammlung in der Brauerei Friedrichshain statt. Näheres siehe Annonce. Charlottenburg. Morgen Mttwoch 8'/z Uhr: öffentliche Kommunalwählerversammlungen. Siehe auch Inserat. Die Genossen wollen für diese Versammlungen eine rege Propaganda entfalten. WilmerSdors-Halensce. Genosse Dr. Moses spricht in der heute abend 8'/z Uhr im Gesellschaftsbaus, Wilhelmsaue 112, stattfindenden Generalversammlung des Wahlvereins über:.Partei- tag und Reichstagswahlkampf". Der Vorstand. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 2. November, abends pünktlich VjÖ Uhr, im Lokale des Herrn Arnold, Frankfurter Chaussee 6/0: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent: Genosse Spiecker- mann. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu den Kandidaten. 4. An- träge. Mitgliedsbuch legitimiert. Potsdam. Am Mittwoch, den 1. November, abends 8>/zUhr, im Lokale Kaiser-Wilhelm-Str. 33: Wahlvereinsversammlung. Toges- ordnung: Die bevorstehenden Stadiverordnetenwahlen. Aufstellung der Kandidaten. Vor der Versammlung: Beitragskassierung. _ Der Vorstand. Berliner Nachrichten» Einweihung des Stadthauses. Das neue Stadthaus in der Jndenstrafie-Stralauer Strahe ist am Sonntag feierlich eingeweiht worden. Der Berliner Magistrat hatte außer an die Stadtverordneten Einladungen ergehen lassen an die Bürgermeister und Stadtverordneten- Vorsteher der Bororte solvie an die Staats- und Reichsbehörden. Es wurden Reden gehalten vom Oberbürgermeister und vom Minister Dallivätz. Dann folgte die Bekanntgabe von Ordens- Verleihungen. Die Ordensliste lautet: � Den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse Oberbürger- meister Kirschner, den Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichen- chaub dem Geheimen Baurat Hoffmann, den Kronenorden ?ll. Klasse dem Stadtverordnetenvorsteher Michelet, den Roten Adlerorden IV. Klasse dem Magistratsbaurat Broniatowski. den Kroncnorden IV. Klasse dem Architekten Fritze, das All- gemeine Ehrenzeichen dem Polier Katzerka, dem Zinuncrgesellcn Pactz und dem Maurergesellen Victor. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten waren der Veranstaltung ferngeblieben. Die Art des Arrangements der Feier machte ihnen die Teilnahme unmöglich. Im Magistrat ivar man der Meinung, daß unter allen Umständen auf den Kaiser gehocht werden müsse. Das ist denn auch geschehen. Der Oberbörgermeister feierte zum Schlüsse seiner Rede den Kaiser als Förderer des Friedens und ließ ihn hochleben. So bekam die Feier einen byzantinischen Charakter. Wenn man schon glaubte, Höchen zu müssen, so hätte man auf die criverbstätige Bevölkerung Berlins Höchen können. Nur ihrem Fleiß. ihrer Arbeit hat es Berlin zu danken, daß es zu der heutigen Größe und Blüte gelangt ist. Statt dehsen aber verbeugt man sich fortgesetzt nach oben. um gnädige Blicke und Orden und Ehrenzeichen einzuheimsen. Die Vertreter der großen Masse de«c Berliner Bevölkerung schiebt man lieber beiseite, weil_ ei/nige Staatsminister das Stadthaus mit ihrer Anwcse:Aicit beehren. So ist aber unser Liberalismus, der sich im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung breit macht: Liebedienerei ist sein Metier. Die Aussicht ans Orden und Titel läßt manchen freisinnigen Mann einen krummen Rücken machen, läßt ihn zun: Brandenburger Tor pilgern und stundenlang im Regen oder Sonnenschein die An- kunft eines fremden Potentaten oder einer prinzlichen Braut erwarten. Unsere Freisinnigen haben mit ihren Vorfahren, mit Mämiern ivie Waldeck und Ziegler. auch nicht das geringste gemein. Männerstolz vor Königsthronen ist unst"-cn Freisinnigen längst fremd geworden. Wenn es gilt, einmal energische Worte der Abivehr zu sagen, so hören ivir solche nur noch, wenn es gegen die Arbeiter geht; nach oben wird gekatzbuckelt, wie das die Feierlichkeit am Sonntag von neuem bewiesen hat. Wehin mit den Kranken und Siechen? In Berlin macht immer wieder sich eine Ueberfüllung der Krankenhäuser fühlbar. Dem ihr zu begegnen, plant die Stadtver- tvaltung Maßregeln, die den Krankenhäusern eine Eni- l a s s u n g bringen sollen. Unter anderem will man die Kranken- Häuser wirksamer als bisher von den nicht wehr heil- baren Kranken befreien, die durch längeres � erwecken nutzlos die Betten in Anspruch nehmen und den Heilung suchenden Kranken die Aufnahm? crschlvcrcn. Sicherlich gehören die alö unheilbar erkannten Kranken nicht in Krankenhäuser hinein, die ihrer Bestimmung �nach ja öcuan- stalten sein sollen, sondern in Pflcgcanstalten für Unheilbare, in Sicchenhäuscr. Richtig ist allerdings, daß Krankenhausin, afien die na» monatclanger erfolgloser Deliandlung nach vergeblichem Hoffen auf Heilung nur noch Ruhe zu sterben wünschen, es oft sehr bitter empfinden werden, sich erst noch an ein Sicckenhaus abschieben lassen zu müssen. Aber das Interesse derjenigen Kranken, die im Krankenhaus Aufnahm- suchen und noch Heilung finden können, nötigt gegenüber den Unheilbaren zu einer solchen Maß- u/gel. so hart sie für manchen davon Beircifcnen auch sein mag. Eine Schwierigkeit liegt nur darin, daß die aus den Krankcnhäucsrn entlassenen Kranken, die nach Meinung der Aerzie nicht mehr zu heilen siitd, auch in den S i e ch e n h ä u s e rn nicht so ohne peitpres untergebracht werden können. Der Magistrat, dem es übrigens hauptsächlich um Kostcner- spvrnis zu tun ist, hat die Frage durch eine Kommission prüfen lassen. Sie ist zu dem Ergebnis gelangt, daß am besten bei der Siechenanstalt in der Feöbelstraße eine besondere Kranken st ation einzurichten sei. der die Kremkenhaus- direktoren geeignete Kranke ohne Vermittelung der Armendirektion und des Hospitalkuratoriums überweisen dürfen. Ob daran sich eine dauernde Unterbringung in Hospitalpflege schließen soll, wäre nachher erst noch von der Armcndircktion und dem Hospitalkura- torium zu prüfen. Der Vorschlag, versuchsweise auf ein Jahr den Krankenhausdirekwren das Recht der Ueberweisung in diese neu zu schaffende Station für Siechkranke zu geben, ist im Magistrats- kollegium und im Hospitalkuratorium erörtert worden. Die Sache ist inzwischen so weit gediehen, daß das Kuratorium zugestimmt hat. Um in der Fröbelstraße den erforderlichen Platz zu schaffen, soll hier tin Anbau aufgeführt werden. Außerdem will man, um die Anstalt in der Fröbelstraße zu entlasten, die Hospitäler in der Palisadenstraße und in Buch stärker belegen. Mit wckchen Schwierigkeiten das Kuratorium bei der Regelung dieser Angelegenheit sich abzufinden hatte, das zeigt der von dem Sicchenhausinspektor Pieper erstattete Bericht über die Frage der Ausfübrungsmöglichkcit. Es fehle, erklärt er darin, in der Fröbel- straßc schon lange an Raum für Schwersieche, eine Erweiterung werde daher nötig sein. Durch das Hospital in der Palisadcnstraße könne das Siechenhaus in der Fröbelstraße etwas entlastet werden, aber auf Entlastung durch die Anstalt Buch sei wenig zu rechnen. In der letzten Zeit seien die in der Fröbelstraße aufgenommenen Siechen aus den Krankenhäusern wie aus den Armenkommissionen fast durchweg so siech gewesen, daß Transport nach Buch nicht mehr möglich war, abgesehen davon, daß das Hospital Buch für solche Pflege gar nicht eingerichtet ist. Pieper hebt hervor, daß in den Verwaltungssahren 1909/10 und 1910/11 in der Fröbelstraße 491 und 645 Sieche starben und in der ersten Hälfte von 1911/12 schon wieder 280 begraben werden mußten. In der nächsten Zeit seien für die öffentlichen Pflegeanstalten mehr An- Wärter denn je zu erwarten, weil der Lebensunter- halt draußen immer kostspieliger werde. Schon jetzt (der Bcrick-t datiert vom 2t. September) sei in der FröbeMraße für Frauen kein Platz mehr disponibel, und Männer könne n.an hoch- stcns noch 60 unterbringen. Hier könne heute nicht mehr davon die Rede sein, für die neu zu schafsende Station der aus Kranken- Häusern direkt zu überweisenden Siechkranten eine ganze Station von 200 Siechen frei zu machen,„da man eben nicht weiß, wo- hin damit. Auch der SiechcnhauSarzt Dr. Gräffner hat in einem hierzu erstatteten Bericht die Frage„Wohin mit den Siechen?" aufge warfen. Er fürchtet, durch die Hinzufügung von 200 aus Kranken- Häusern direkt überwiesenen Siechlranken werde„jener Zustand der Höchstbelegung wieder eintreten, welcher sämtliche Tageräume, Wärterinnenzimmer, ja, sogar die Korridore zur Aufnahme der Siechen heranzog." So toll ging es in der Fröbelstraße in den letzten Monaten und Wochen vor Eröffnung der Anstalt Buch zu! Jetzt nochmals Platz zn schaffen durch Abschicbungen nach Buch, hält Gräffner für schwer möglich, weil die noch transportfähigen Leicht- siechen größtenteils schon dorthin überwiesen sind. Er hebt noch hervor, daß im laufenden Verwaltungssahr in der Fröbelstraße von Anfang April bis Mitte September 28 aus Krankenhäusern der Stadt überwiesene Sieche schon in den ersten vierzehn Tagen gestorben sind. Hierzu verweist er auf eine Aeußerung der oben erwähnten Magistratskommission, wonach Vorsorge getroffen werden würde, daß(so sagt der Kommmissions- bcricht)„nicht etwa die Krankenhäuser dazu übergingen, behufs Vcr- besscrung ihrer Sterblichkeitsziffer ihre sterbenden Kranken in da? Hospital abzuschieben." Die Kalamität. auS der unsere Krankenhäuser ebenso wie die Sicchenhäuscr infolge immer wieder auftretenden Platzmangels nicht herauskommen.wird durch diese Berichte und durch solche Miß traucnLäußerungen grell beleuchtet. Derartige Zustände haben sich in Berlin herausbilden können, weil hier der Stadtfreisinn in Kranken, und Siechenpflege, die ihm noch immer nur als Teile der Armenpflege gelten, niemals mehr als das N ö t i g st e— und oft selbst das nicht rechtzeitig— getan hat. Ein verdächtiger Besucher? Bei einem in Bcrlin-Süost wohnenden Geschäftsmann M. fand sich vor einigen Tagen ein ihm unbekannter Herr ein, um ihm cm sehr sonderbares Anliegen vorzutragen. Ter Fremde bat um eine Unterredung unter vier Augen und fragte dann zunächst nach der Adresse von M/s Vater, der vor kurzem nach einem Vorort gezogen -st. Er selber, erklärte er. sei..von den Tischlern zum Delegierten gewähl r" worden und wolle nun bei dem alten Herrn M.— einem früheren Tischler, der gleickifalls einmal Tele- gicrtcr gewesen sei— sich Auskunft darüber holen, wie er sich zu verhalten habe. Herr M. junior war einigermaßen er- staunt über den wunderlichen Einfall, sich als erwählter„Tele giertet" erst von einem anderen die Aufgaben und Pflichten eines Delegierten erzählen lassen zu wollen. Er sagte sich, hierüber müsse de-- Mann, wenn er wirklich durch das Vertrauen seiner Kollegen zum Delegierten gewählt worden sei. doch längst Bescheid wissen. Es sind übrigens bereits 20 Jahre her, daß M/s Vater, von dem der Fremde angeblich sich belehren lassen wollte, einmal bc, einer Ge- legcnhcit als Delegierter fungiert hat. Heute, wo er ein Siebziger ist, steht er der Gewerkschaftsbewegung fern. Herr M. junior gci wann von dem sonderbaren Besucher nach seinem Aeutzeren wie nach seinem Auftreten nicht den Eindruck, daß er einen Tischler vor sich habe Ihm fiel auch aus. daß der wißbegierige Mann, nachdem er das Gespräch auf die„Partei" gebracht hatte, von einer ehe oei lym Oft �rgiüui;u, � � � wf~ �- sucht worden sei. Als M. dem verdächtigen Ausfrager sagte, daß er sich dock zunächst mal legitimiere oder wenigstens seinen Namen nennen müßte bedauerte der andere, weder seine Legitimation neck eine Visitenkarte bei sich zu haben. M. erfuhr nicht mal den moroen wäre. Herr M. ist der Meinung, daß tatsächlich er oder sein Vater bespitzelt werden sollte. B'j ihm selber, d-r niemals Mitglied eines sozialdemokratischen Wahlvercins war. ist nicht recht einzusehen, welchen Zweck eine Bespitzelung haben könnte. Aber auch der Vater, der jetzt in Muße seinen Lebensabend genießt, wird doch— möchten wir annehmen— schwerlich noch das Interesse eines Spitzels rege machen. Auf alle Fälle raten wir, gegenüber solchen verdäcbtigcn Besuchern die weitestgehende Vorsicht zu üben und sie schleunigst zur Tür hinauszukomplimentieren. In der SäugliiigS-Fürsorgrstellc> findet im November wieder unentgeltli.lier Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Nebungen statt: wöchentlich einmal. Meldungen schrisllicb oder mündlich von 2—4 Uhr im Bureau dcS KinderhauicS, Vlumcnstr. 97. Geldsammlungen durch Schulkinder für Airchenzwccke haben sn den letzten Tagen wieder mos in verschiedenen Berliner Stght- teilen stattgefunden. Die Kinder, meist zwölf- bis vierzehnjährige beiderlei Geschlechts, liefen mit Aktendeckeln herum, in denen Vettel- listen der örtlich zuständigen Kirchcnbehördcn lagen, und sprachen bei' jeder einzelnen Wohnung um Gaben an. Wieder zeigte sich die eigenartige Erscheinung, daß eine genaue Auskunft, wer die Kinder zu dieser Sammelei beaustragt hatte, nicht zu erlangen war. Ebenso ;iel es aus, daß die Bettelei am Sonntag während der Zeit des Hauptgottesdienstes veranstaltet wurde. Die vorsprechenden Kinder machten keinen ärmlichen Eindruck, waren also anscheinend von Leuten geschickt, die in den Parochialvereincn die erste Geige spielen. Wo man die Sendboten aus Herz und Nieren prüfen wollte, rissen ic schleunigst aus, als ob mau ihnen für solchen Fall bestimmte Weisung gegeben habe. Im Bereich der Gethsemanegemeinde, die sich durch solche Betteleien seit Jahren auszeichnet, erschienen am Sonntag eine Stunde später nach Schluß des Gottesdienstes andere Kinder an den Wohnungstüren und erteilten Festprogramme zur Reformationsfcier. Welches Geschrei würde sich wohl erheben, wenn die Arbeiterschaft für ihre Zwecke durch schulpflichtige Kinder Zettel verteilen lassen wollte? Sie hat das schon deshalb nicht nötig, weil sie die Kinderkraft für solche Zwecke nicht ausschlachtet. Die beiden Berliner Kinderleschallen sind soeben wiedereröffnet worden. Die Halle am ArminiuZplatz ist Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, die Halle in der Schönhauser Allee 141 Man- tag, Mittwoch, Sonnabend von 4 Uhr an geöffnet. Eine dritte gleichartige Halle soll im Laufe des Winters in der Gegend der Frankfurter Allee eröffnet werden. Ferner plant die Stadtverwaltung die Einrichtung einer Kindcrlesehalle in einer der am wenigsten besuchten öffentlichen städtischen Lesehalle. Die Hoffnungen aus den Luftschiffhafcn bei Potsdam, zu denen die Siadt Potsdam das Land angetauft und der Luftichiffahrts- gesellschaft zur Verfügung gestellt hat, sind recht hock gespannt ge- wesen. Sie dürflen aber kaum i» Erfüllung gehen. Der Potsdamer Platz an der Hirschheide in der Nähe des Neuen Palais wird ledig- lich vorübergehend als Stalion oder gar als Ankerplatz benutzt werden. Hierzu hat ihn das Luftschiff„Schwaben" allerdings jetzt auch noch nicht einmal benutzt. Größere Arrangements, wie Flug- Wochen usw. können wegen de? viel zu kleinen Platzes gar nicht ausgeführt werden. Der erwartete Zustrom der Fremden wird also nicht eimreten und demzufolge auch der von diesen erwartete pekuniäre Vorteil für die Geivcrbclreibenden und Geschäftswelt aus- bleiben, ein Grirnd. der einzig und allein einen großen Teil der Stab' icrordneten be'» gt habe, zu diesem Millionenvi zjekt die Zu- stimmung zu geben. Dieselbe Luftschiffgesellschaft hat denn auch schon in'Johannisthal eine Doppelhalle gebaut uild bat hier jeden- falls bessere Vorbedingungen geschaffen wie in Potsdam. Die mit großen Worten in die Welt posa, litte Nachricht von der nun zu er- wartenden EntWickelung Potsdams durch das„großzügige" neue städtische Unternehme» wird also recht kläglich enden. Die Potsdamer dürsten aber wieder um eine Erfahrung reicher sein. Der StaatSamvalt Steinbrccht am Landgericht I ist am Sonntag an den Folgen einer schmerzhasten Darm- und Magcnoperation in einer Privatklinik gestorben. Steinbrecht war kein besonders scharf- sinniger Jurist. Trotzdem hatte er bei den Richtern großes Glück mit seinen Anklagen. Als„Vorwärts"-Staa!Saitwalt lag ihm die Lektüre des„Vorwärts" ob. Fand er irgend einen Satz, an de», er glaubte anhaken zu können, so besorgte er die nötigen Strafanträge zu der Anklage gegen„VorwkrtS"-Ncdakteure. Ihm allein haben wir innerhalb der letzten zehn Jahre, außer eurer Reihe Geldstrafen mehr als 47 Msiinte Gefängnis zu danken. Auch in den Moabitcr Prozessen amtierte Steinbrecht als Ankläger und benutzte seine Stellung zu den ungeheuerltchsten Behanptlmgcn gegen unsere Partei. Einen politischen Gegner objektiv zu würdigen, ging dem Manne vollkommen ab. Dem Adoptionsschwindel gehen die Strafbehörden weiter z» Leibe. Wiederhott hoben wir über die Aufhebung von Schwindel« bureaus dieser Art und die Verhaftung ihrer Inhaber berichtet. Jetzt sind auch die Inhaber des größten Bureaus, des„ZentralbureauS für Adoption und Pflegeiiachweis" in der Prenzlauer Allee 1. die Kaufleute Josef und Alois Zwiener, hinter Schloß und Riegel ge- bracht worden. Tie beiden betrieben bis vor einem Jahre ein kleines Bureau in dem Nebcuhanse Nr. 2. Dann richteten sie sich groß ein. Nicht weniger als sechs geräumige Zimmer im Erdgeschoß dienten ihren Geschäften. Der Betrieb war hier wie überall. Durch Zeilungsanzeigen, in denen ein bildhübscher Knabe oder ein ebenso schönes Mädchen angeboten wurde, lockten sie Bewerber an. Die in Aussicht gestellte„einmalige Abfindung",„ErziehnngS- gelder" usw. veranlaßtcn unzählige Leute, sich zu melden. Den Iliirernehincrn war es wie immer nur darum zu tun. die Auskunft- gebühren, 6.60 oder 6.60 M, einzuziehen. In dem Zentralburcau fand man niiter den beschlagnahmten Papieren auch Schriftstücke von Bewerbern, die zugleich Leumiindszeugilisse von Geistlichen, Amts- Vorstehern und anderen Amtspersonen eingesandt hauen. In diesen Fällen hatten also die Adoptionsverinittler durchaus keine Veranlassung mehr, sich noch besonders nach dem Leumund der Leute zu erktludigen. Trotzdem verlangten sie auch hier die AuSkunflsgebühren und beschränkten.sich darauf, sie in die Tasche zu stecken. Welchen Umfang die Geschäfte deS„Zeniralbureaus" hatten und was sie- einbrachten, sieht man daran, daß mehr als einmal an einem einzigen Tage bis an 100 Postanwciiuitgen eingingen. Wiederholt kam es vor, daß Betrogene in den Geschäftsräumen erschienen und den Schwindlern einen heftigen Auftritt machten. Erst Ende voriger Woche kamen sechs Frauen auf einmal und machten Krach. Die beiden betrieb- samen Vermittler wurden am Freilagnachmittag vom Untersuchungs- rick'Ier verhört und gleich in Haft behalten. Eine Anzahl Geschäfts- leute dieter Art haben Berlin den Rücken gewandt und versuchen nun in der Provinz ihr Glück, aber auch dort sehen ihnen die Behörden auf die Finger. Protest der Lehrerschaft gegen eine Vorschule in Moabit. Der Berliner Lehrerverein bat in diesen Tage», wie wir er- sabren, eine Eingabe an den Magistrat und die Stadtverordiieten- Versammlung gerichtet, worin begnindet wird, daß eine Vorschule iveder im Julerciie der Eltern, noch der höheren Schule und der Gemeindeichule liege; sie sei eine unsoziale Einrichtung. die heute vermieden werden müsse. Sie wird weiter ein Z w a n g S- abonnement genannt, das in Berlin alle diejenigen nehmen müssen, die ihre Kinder in einer höheren Schule unterbringen wollen. An den besonderen Verhältnissen Moabits wird dargelegt, daß die Errichtung von höhere» Lehran st alten in diesem Stadtteil notwendig, das Verlnnflen nach Anglicderung cincr Vorschule aber unberechtigt sei. Die städtischen Körper- sckiafleit iverden.schließlich gebeten, den Standpunkt de? Magistrats von 1907, leine Vorschulen mehr zu errichten, bei- zubehalten. Der Zcppclinkrcuzcr„Schwaben" unternahm am Sonntag trotz des ziemlich starken WiiideS zwei Ausstiege, die ihn über Berlin und die Vororte führte. Die erste Fahrt dauerte von'/«IL bis 1 Uhr. Es nahmen 10 Fahrgäste teil, während bei der zweiten, die um 2 Uhr uniernonunen wurde, 13 Fahrgäste an Bord waren. Um V«4 Uhr landete der Lufikrenzer wieder glatt vor feiner Halle. Wegen schwerer SittlichkeitSdelikte, deren er sich an der eigenen zwölfjährigeu Tochter schuldig gemacht hat, ist der 43 Jahre alte Werkmeister Albert Dohle ans der Reinickeudorfer Straße verhaftet worden. D. hat die Verfehlungen bereits seit längerer Zeil bc- gangen, ohne daß bisher etwas davon bemerkt worden wäre. Erst als das Kind der Mutter Andeutungen machte, kam die Sache anS Tageslicht, so daß die Festnahme deS T>. erfolgen könnte. Sic Auffmduiig der Leiche eines vierzehn/ührigcu Kuakc» auf freiem Felde in der Gegend der Triftstraüe verursachte gestern nach mittag in der Uuigcluuig großes Aussehen. Uulveit der Secstraße zieht sich in der Triftstraste ein ausgedehntes nach zwei Seiten freies Gelände hin. dessen einer Teil als Lagerplatz verwendet wird. Am gestrigen Nachmittag hatten sich einige Kinder auf das Feld das nach der Triflstraste zu durch einen Bretterzaun abgesperrt ist. begeben und dort im Sande gegraben. Etwa fünf Nieter vom Strastenrande entfernt, sticstcn die Knaben in einer Mulde beim Grabeu auf de» Kopf eines noch jimgcn Mannes, der mit einer Sportmütze bedeckt war. Boller Emsetzen eilten die Kinder hinweg und benachrichtigten einen Schutzuran», der die Meldmig von dem Fund an das Polizeirevier weitergab. Die Mordkonnilission wurde verständigt mid schon nach kurzer Zeit traf Oberregieruirgsrat Hoppe uiit seinem Stabe in der Triftstraste ein. Inzwischen war es dunkel geworden, so dah die Kriminalbeamten beim Schein einer Acetylenlaterue au die Arbeit gehen mustten. Hunderte von Menschen hatten sich gegcmiber der Fundstelle eingesimden, ohuti etwas von deu Vorgängen auf dem Felde beobachten zu künncii. Die Mulde, die etwa drei Meter lang war, wurde vorsichtig erweitert uud schon nach kurzer Zeit war der Körper des Knaben freigelegt. Der Tote fast in zufammengekauertcr Stellung auf dem Boden. Die Knie waren bis zum Kinn hychgezogen, die Arme waren um die Beine geschlungen. Der Tote war mit einem grauen zer- lijsene» und vielfach geflickte» Anzug bekleidet. Der Gcrichtsarzt nahm sofort eine Untersuchung des Leichnames vor, konnte jedoch am Kopf keine Wunde entdecken, die etwa auf einen Mord oder Totschlag hindeuten könnte. Nur an der rechten Seite des Halses war eine kleine Wunde zu sehen, die jedoch anscheinend infolge Durchicheuern des Kragens entstanden ist. Den Beamten des zu- ständigen Polizeireviers gelang es festzustellen, dast der Tote der 14 jährige Willi Häusel, der Sohn eines Arbeiters aus der Trift- st raste S2 ist. Der junge Mensch war seinen Eitern schon öfter eut- lausen. Es ist wahrscheinlich, daß H.. der seit dem Freitagabend vermitzt wurde, auf das Feld gegangen war, um in einer Mulde zu übernachten, weil er nicht gearbeitet hatte und sich nicht nach Hause traute. Durch irgend einen Zufall, vielleicht durch den Regen ha! sich das überhängende Erdreich gelöst und hat den Schlafenden begraben. Die Leiche wurd» beschlagnahmt und nach dem Schau- haus übergeführt. Auch andere Rachrichten lassen eS als sicher erscheinen, dast der junge Mensch in der Mulde übernachten wollte und dabei seinen Tod gefunden hat. Ein Kind von eine« Pfauhahn überfallen. Auf schreckliche Weise ist das vierjährige Töchierchcn der Polierfrau Mertens aus der Provinzstraste iu Reinickendorf schwer verletzt worden. Frau M. hatte niil ihrem Kinde ein Grundstück in der Kolonicstraste auk- gesucht, als plötzlich ei» großer Pwiihahn, der aus dem Hofe ge- ballen wird, am die Kleine losgestürmt kam. über daS wehrlos« Ge- schöpf herfiel und wütend ans den Körper des Kindes einhackte. Auch das Gesicht bearbeitete daS Tier mit dem Schnabel. Entsetzt eilte die Mutter hinzu und befreite ihr Kind aus den Fängen des Pfaues. Die Kleine hatte recht erhebliche Verletzungen erlitten, so dast sie auf der Unfallstation»n ärztliche Behandlung genommen werden mustke. Im Kraukenhause verstorben ist der bei der Allgemeinen Berliner Omnivus-Kesellschaft angestellt gewesene Schaffner Engen Dräger. D. war bei einem Zusaminenstost zwischen den von ihm bedienten AutoomiübttS und einem Stratzenbahmvagen an der Ecke der Bismarck' U»d Atsenstraste ani vorigen Montag aus die Straste geschleudert worden und hatte eine schwer« Gehirnerschütterung erlitten. Am Sonnabendabend ist der Verletzte, den man am Leben zu erhallen gehofft hatte, seinen Verletzungen erlegen. Todrsfturz eines Fensterputzers. Bei der Arbeit tödlich ver» unglückt ist gestern vormittag kurz vor 8 Ubr der 3V Jahre alte Paul Jehntsch aus der Anklamer Straste. Jehniich war im Auftrage der Firma Aniheim an dem Warenkause von Fandors am Spittclmarft im ersten Stock beschäftigt. Ohne dast seine drei Mitarbeiter merkten wie eS kam. siel er plötzlich auf den Bürgersteig hinab und Aog sich einen Schädelbruch und ickuvere innere Verletzungen zu. Schon aus dein Wege nach der Hilfswache in der Kronenstraste starb der Verunglückte in der Droschke. Die Leiche wurde beschlagnahim «ud nach dem Schauhause gebracht. Die Entwickeluiig der Warenhäuser in Berlin gebt immer weiter ihren Weg. Das zeigt sich so recht an den Warenhäusern Tietz und Wertheim. Am Tönhoffplatz werden znrzeit mehrere Häufer abgerissen. um das Tietzsch« Warenhaus in der Leipziger Straste zu er- weitern. In der Künigsirast« ist ein großer Bau Wer-heims ziemlich fortig, und am Atexanderplatz ist das Warenhaus Tie» in einem Uni'auge erweitert worden, wie man es«och vor 10 Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Der jetzt Vollendete Au bau hat mit dem alle» Gebäude zusammen in der Alexauderstraste eine Front von t'/4 Kilometer, eine Front, wie sie zurzeit lein Warenhaus befitzt. In den einzelnen Stockiverien sind alle erdenklichen Waren auf- gestapelt, und dem Käufer«Verden alle möglichen Bequemlichkeiten geboten. Beim Passieren all der vielen Pertauisständ« legt man sich imwilllmlich die Frage vor: Wieviel kleine Geichäst« werden wohl durch diese ricseithaft« EntWickelung des Warenverschleistes auf. gerieben? Lbn ganzen sind in diesem Berkausskause gegen 2000 Angestellte beschäftigt, davon etwa 1500 als Verkansspersonal. Ter Arheiter-Notizkalcudcr für 1912 ist seine? Inhalts wegen von grostem Jittereffe. Er enthält alle für Atbeiter wichtigen Adressen. Porträts der im letzten Jahre verstorbenen Genossen Hermann Gorgnta»». Emma Ihrer, Gabriel Loewensiem und Paul Singer.— Invaliden- und tzinterbliebeneit-Versicherang nach der Reichs- versicherungSordnnng. Winke für die ReichSiagswahlen. Die Gelvmichnfteii im Iahte lOlO. Kalcndarium sowie GeschichtS- kalcnder. Portotaxe. Notizbuch. Preis in Leinen gebunden 50 Pf. Die Botenfranen des„VontümS" nehmen Vesiellungen entgegen. Feuer iu den Berliner ElektrizitStswerkeu. Dieser Ruf alarmierte in der letzte» Rächt die Berliner Kenerwehr nach der Soltastr. 14/17. Bei Ankunft der Löschzüge stand auf dem Hof ein prosterer Posten Putzwolle in Flammen.' Es wurde sofort mit einer Schlanchleilimg Walser gegebe», wodurch es gelang, die Gefahr innerhalb einer halben Sinnbe zu beseitigen. Die Ursache des Feuers ist nicht er- nutteil, doch wird Seib-'-nizündung vermutet. Toron- JNacb siebten. Schöneberg. Zu den devorfiehcnde« Stadtverorduetenwahken haben die bisher getrennt marschierenden Gruppen, die sogenannten entschiedenen Liberalen und die liberale Bereinigung, einen Kompromiß geschlossen, um gemeinsam die Sozialdentokratie zu bekämpfen. Im 5. Bezirk ist bereit? ein Herr Z i e r u s. seines Zeichens Inspektor der Grosteu Berliner Straßenbahn, aufgestellt worden. Durch diese Kandidatur hoffen die geeiitigten Gegner eilten kräftigen Dntck auf die Angestellten ausüben zt, können uud somit de» bisher von einem Sozial- demokraten vertretenen Bezirk zu gewinnen. Dann soll der der Bauraiswahl zum Opfer gefallene Herr Kuznitzki in der Person des Sanitätsrats Friedemann einen Gegenkandidaten erhalten. Der liberale Graf Matttschla erhält ebenfalls cir.cit Liberalen zum Gegenkandidaten. Der Jungliberale Dr. Marwitz, der früher schon einmal von den entschiedenen Liberalen gewählt war und später niederlegte, wird nunmehr von der liberalen Vereinigung auf de» Schild erhoben. Der ehemalige Stadtverordnete Lohausen hatte vollständig recht als er betonte: Die Liberalen seien wie die Hunde, die wohl bellen, aber nicht beißen. Unsere Genossen mögen aus dem gemeinsamen Vorgehen der bürgerlichen Gruppen ersehen, dast sie bis zum Wahltag ihre ganze Kraft einzusetzen haben, um den indifferenten Wählen: begreiflich zu machen, dast für sie bei der Wahl nur eiu sozialdemokratischer Kan- didat in Frage kommen kann. Der BilduugSausschuß veranstaltet einen Kursus von sechs Vor- trägen über Gewerkschastswesen. Die Vorträge finden wöchentlich jeden Freitag, abends 8 Uhr, statt. Vortragender Genosse Alb. Mohs. Der"erste Vortrag begiitnr am Freitag, den 3. November. Ein Ausschank von Getränken findet nicht statt. Teilnehmerkarten a 30 Pf. für alle sechs Vorträge sind in der Spedition, Martin* Lulher-Slr. 69, erhältlich. Lichtsnberg. Vcrschwmidcu ist seit dem 24. d. M. der 16 Jahre alte Sohn Fritz der Lahlschen Eheleute. Persotten, die über deit Verbleib des Berichivu» denen, der 1,53—1,60 Meter groß ist und mit einem ge- streiften dmtllett Jackettanzng, wollenem Serviteur, hochea Schnürschuhen und grauem Filzhut bekleidet lvar, Iverden gebeten, dies bei den Eltern Lejsingstr. 10 oder bei der Lichteitbergcr Krimintvi�olizei zu melden. Eichwalde. Trotz der Gcaeitagitatjon. des Gnmdbefitzervereuts soll Eichwalde nun doch Leitungswaffcr erhalten. Wie der Gemeinde- Vorsteher in der Sitzung am'letzten Freitag mitteilte, ist ein solcher Vertrag mit der„Contitlcntal-Wasserwerksgcsellschaft zu Berlin" abgeschlossen worden. Die Genicindevertreter B e u t l i n g, Merz und Lorenz sowie der Hausbesitzerverein hatten zwar eine Beschwerde beim Landrat auf Aufhebung des Beschlusses eingelegt, der Kreis- ausschust habe indes geltend gemacht, dast er keine Bedenken gegen ein eigenes Wasserwerk der Gemeinde habe. Herr Merz rühmte besonders, dast seiner Beschwerde nennenswerte Verbesserungen im Vertrage zu verdanken seien! es ist das. nebenbei bemerkt, derselbe Herr, der im Frühjahr den Antrag stellte, die ganze Wasservcrsor- gungssrage auf mindestens fünf Jahre zu vertagen. Nun mustte er sich unter großer Heiterkeit aller Anwesenden sagen lassen, dast, als seine Beschwerde im LandratSamt zur Hand geitommcn wurde, der verbesserte Vertrag schon fertig vorgelegen hat. Die Wasser- gcwinnung soll in der Nähe des Sicgesplatzes erfolgen. Mit allen gegen die Stimmen der Herren Beutling, Merz und Lorenz wurden die am 14. September dem Vertrage angefügten Ergänzungen gut- geheißen.— Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf eiu Bitt- gefuch des katholischen Kurators um eine größere Beihilfe zum Vau einer Kirche. Vor zehn Jahxcn hat bereits die Gemeinde zu diesem Zweck ein großes Grundstück überlassen, jetzt wird sie auch um bar Geld angeschnorrt. In beweglichen Worten ktest der Kaplan, daß die jetzigen Räume im alten Gut den Verhältnisse!:.licht mehr cnt- sprächen. Vom Schössen Herrn Bennicke, unscreiir Genossen A l r i tz und dem Vertreter Nanninger wurde diesen entschieden widersprochen, Eichwalde zähle nur 106 katholisches Seelen; nur Sonntags sei sie von den galizischen Arbeitern des GntSbesitzers Israel in Schulzcndorf in Anspruch genommen und wenn auf die Preissteigerung der Grundstücke in der Nähe der zu erbauende» Kirche verwiesen würde, so hätten doch diese Jnter csscnten eher als die Gemeinde allen Grund, in ihre Tasche zu greisen. Alle noch so treffenden Argumente nützten nichts. Gegen die Stimmen der vorgermnutc» drei Herren einigten sich die Urbrigen auf Hergäbe von 5000 M. am Tage des Richtefestes.(!) Auch der Molkereibesitzer Herr Beutling stimmte der Ber- geudung von Gemeuidemittelu zu, obgleich sein Mandat bereits vor längerer Zeit vom Äreisausschutz für ungültig erklärt worden ist, Ueber diese Angelegenheit wurde nunmehr des Längeren und Brei tcrcn geredet. Obgleich§ 10 der Geschäftsordnung ausdrücklich vorschreibt, daß Gcmeindevertrcter in eigener Sache kein Mit> bcstimmungsrecht haben, wollten doch die Herren Nanninger, Gallert und Merz mit ihrer Meinung durchdringen, daß Beutling bei der Frage, ob gegen das Urteil eventuell bis zur höchsten Instanz Berufung eingelegt werden solle, mitbestimmen dürfe. Unser Genosse Alritz wies treffend darauf hin, daß. als im vergangenen Jahre der Grundbefitzerverein gegen seine Wahl Protest eingelegt hatte, er bis zur Erledigung desselben dreiviertel Jahre nicht zu den Sitzungen zugezogen wurde und das. obgleich er Ordnungsmäßig gewählt war. was der ÄreiSausschust auch dann bestätigte. Herr Beutling entfernte sich hierauf aus der Sitzung.— Berufung gegen das Urteil des Kreisausschuffes einztilegen. wurde aus..Sparsamkeitsgründen" gegen die Stimmen der Herren N a n- ntnger. Merz und Lorenz abgelehnt.— Die Trauben hängen zu hoch.— Herrn Beutling wurde noch anheimyestellt, mit dem Gelde des.Verschonerungsvereius" eine tlrteilsänderung bis zur höchsten Instanz zu versuchen. Zum Schluß gerieten noch die Herren Merz und Schöffe Tom hart aneinander. Erstcrer warf Tom Begünstigung der Sozialdemokratie vor; nach seiner Mei- mtng müßte dieser tals Borsitzender) wie die beiden Beisitzer und Schlepper bei der Gemeindewahk wegen Betrügereien der Staats- anwaltschaft angezeigt werden; er stellte an den Vorsteber die kate- gorische Frage, ob das geschehe« sei? Ter Vorsteher wie Herr Tom erklärten, daß die ganze Sache dem Herrn Landrat unterbreitet sei. Sensation rief es hervor, als Herr Merz erklärte, nicht er, sondern sein Freund N a n n i n g e r sei der Denunziant(wörtlich), der einen gewissen Rieß angezeigt habe, dast er unberechtigt� für seinen Bruder gestimmt habe! Herr Ranninger(Kirchenältester) er- widerte aus diese Beschuldigung nichts.— Was die Beschuldigungen des Herrn Merz auf sich haben, werden wir ja hoffentlich erfahren; daß Sozialdemokraten bei Wahlen schleppen, schien dem Herrn ver- werflich und neu zu sein; bei seinen Gesinnungsgenossen scheint er eS in Ordnung zu finden, oder sollte er die emsige Tätigkeit der Herren Büttner, Wisotzki und anderer nicht wahrgenommen haben? In einer nächsten öffentlichen Versammlung wird auf diese Angelegenheit des Nähere» eingegangen werden. Tegel. AuS Licbesgra» Selbstmord verübt hat am Soimabendobmd die LLjäbrige Berkäuserin Margarete Leuz ans der Anmlienstraste 7 in Pankow. Das simge Mädwen erschien am Smmabend- »achmittag im Strandichlost Tegel und hielt sich dort längere Zeit auf. Abends gegen 8 Ufer borte ein Kellner eine» Schuß fallen, der ans den: G-tten berüberdiang. Man fand alsbald das junge •J'-'äddjen blutiiderströmt aus dem Boden liegend auf. Die Lebens- müde hatte sich einen S.buß iu die Schläfe gejagt, io dast der Tod auf der Stelle eintrat. Ein hiuzngerufeuer Atzt vcrmochte nutzt mehr zu helfen. AuS den Briefen, die da» Mädchen bei sich trug, gehl hervor, dast die L. ihrem Leben aus Liebeskummer eü: Ende gemach« hat. Weistenfee. Dir Srhusticht nach Nebcrfiedcsinig von königliche» Anstalten ist in bürgerlichen Kreisen mitunter so grcst. dast selb» hohe Opter ans Kosten der Allgemeinheit nicht gescheut werden. In der Hauptsache aber verfolgt das patriotische Herz eine» Nebengedanlen und ztoar lönigliche Beamte an deu Ort zu fesseln und dtese wieder als w>ll- loimneue Metezabler zu bewerten. So war es mit dem Ankauf verichiedener Grundstücke neben dem Schloßgrimdstück. wo eine Militärichwimmichnle hinkommen sollte, die aber ihr Domizil in Spandau erhielt. Dasselbe Schicksal wird die Gemeinde mit der Verlegung eines Berliner Negitnents und der dazu gehörigen Kaserne erleben. Jetzt hofft man aus eine zu errichtende königliche Präparandenaustalt, wozu die Gemeindevettreutitg herestZ die nötigen Räume zur Betsiigmig gestellt hat und weiter will man ein geeignetes Grundstück zur Äetfügmtg stellen zur Errichtung eines Hauptzollamtes. Die Verhandlungen hierüber sollen so weit ge- diehen sein, dast eS nur noch dieses Beschlusses bedurste. Die bösen Sozis zeigen für diese Hascherei absolut_ kein Verständnis. Sie können es nicht verstehen, wie man für königliche Institute dte an: schönsten gelegenen Grundstücke opsept. Bei den Bürgerlichen rief es Erstaunen hervor, dost ein Teil unserer Genomen in der letzten ge- Heimen Sitzung die Hände gegen solche Pläne erhoben. Bei der Delegiertenwahl zur hicfigci: OntSkrankcukaffe wurden von den Arbeitnehmern 1533 und von den Arbeitgebern 44 Stimmen abgegeben. Eine gegnerische Liste war nicht aufgestellt. Hergfelde. Ueber das Thema: Teuerung, Kriegsgefahr und di« nächste RejchStagSwahl referierte in der am Sonntag hier stattgefuiidenen gutbesuchten Vollc-versammlung im Henzeicocn Lokale Kreissekretär Genosse Rudolf Biihler. Die treffliche» Ausführungen des Referenten lösten unter den Teilnehmern stürmischen Beifall aus. Eine vom Rediicr vorgeschlagene entsprechende Nesolutian wurde von der Versaminlung einstimmig angenommen. FrnnzSfisch- Buchholz. Ueber die Aufnahute einer Anleihe von 200000 M., die als 2. Rate für den Ankauf des Ricsellandes benötigt werden, beriet die Gcmeindevcrttekung in ihrer letzten Sitzung. Beschlossert wurde, das Geld zu eine»: Zinssatz von 4 Proz. zu erbeben und mit 1'/« Proz. zu amortisieren. Die Abichlustprovisio» beträgt l1/« Proz. Die gegenseitige Kündigung kann nach Ablauf der nächsten zwei Jahre 6 Monate vorher erfolgen. Jedoch soll mit dem Beleihcr �och einmal in Verhandlung darüber getreten iverden, daß das Geld anstatt die ersten zwei Jahre, die ersten fünf Jahre unkütihbar zu belaßt" ist. «eVrauf machte der Gemeindevorsteher unter anderem die Mit- teilnng,.daß für den kommenden Winter die Einführung von wissen- schaftlichei; mtd hygienischen PolkSuntethaUungSabenden geplant sei. Da es für d»'e Arbeiterschaft nicht gleichgültig sein kann, in welchem Lokal dicie iür die Allgemeütheit bestimmten und auS Allgemein» Mitteln bestrittenen ÜnterhällnitgSabende abgehalten iverden. so wollte Genosse Reu'mann ans diese Angelegenheit eingehen. AlS er jedoch darüber zu sprechen anfing, lvtiroe er von dem Gemeinde- Vorsteher iiiftcrbrocbcn mit der Bemerkung, daß der Gemeinde- Vorsteher in der Geimsindevertrelmig keine Politik dulde. Der Gemeindevorsteher hätte nicht nötig gehabt sich in so aggressiver Weise gegen unseren Nedn�r zu wenden, zumal die unserem Genossen unterschobene Absicht völlig ftrn lag. Letzterer wollte nur dasür plädieren, daß wenn die Veranstaltungen in einem der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehenden Lokal abgehalten würden, dem Saal- inbaöer der MielSzttis für den Saick Mi zahlen sei. sodast den Be- suchern nicht nur freier Eintritt g.ewähtsi würde, � sondern auch die Vorträge ohne Trinkzwana angehört werden könnten. Da unser Redner jedoch verhindert wurde, der Wertretung diese Vorschläge zu unterbreiten, wird sich in nächster Zeit!»e Eiittvohnerschast hiermit an anderer Stelle beschäftigend Potsdam. Im Nordischen Garten erhängt. Im dem zum Park Sanssouci gebörigen Nördlichen Garten hat gestern nacht ein Unbekaimter Selbstmord verübt. Der Lebensmüde,.über dessen Persönlichkeit >ilä,'.'s Näheres bekannt ist, wurde gestern Morgen von Parkarbeite cn unterha�' ein« Tanne aufgefnuden. Der 2.7a Nu war einfach, aber aut oelleidek, trug blonden Schnurrbart um> dunklen Anzug. Die Leiche wurdck nach dem Schauhause des Potsdamer Kirchhofes ge- bracht. StowaiveS. Ein schwerer Nuf-ll erelsinete sich am Freitag voriger Woche in der Buchbinderetabteilung der Bnchdrnckcrei von Imberg u. Lcfson A. G. in Nenbabelsberg. Beün Einritzen des RückLnteilS eines zum Entbinden besiiiumiei» BuchcrstvsteS, der vorerst gelennt werden sollte, glitt der Bu-Vbinder&. so nnglucklich ab, daß tb>n das Messer mit voller Wucht in den rechten Odertchenlel drang und dir Schlag. oder durchschnitt. Nnr dem mfetzen Zugreifen des Geschäftsführers und des BuchbindermeisterS gelang-S. 6ki: Verletzten vor dem Ver- bluten zu bewahren. Mit dem GaühastSwageit wurde er in daS nahe Oberlin-KreiSkraiilenhauS geschafft. Spandan. Mittwoch, den I. Looetrtber. abend» 8'/, Uhr. tm Restaurant von Peezcl:» Pichelsdorier Str. 5: Nebimosabend der Aebeitter. Samariter. Ein bieiigei Arzt hält einen Vortrag über.Lerletzuncien. Di lndbehandlung. Vlutitilluiig, Kuochenbrüche, Verrenkungen und Vcrslimchi mgeu'. Gäste willlommen. J» der Arbeiter. Zamariter KoMnttc Ober- Schöitewelde und Umgegend finde! Dieiistag, abcudS 81/, UKr.nr.-.'imlokal Hackepeter-. SlemenSftr. 12, die Fortsehnng de» Voeten icä de» Dr Moock. pr. Augenarzt, über.Hygiene und Pflege der.lugeu statt. EinlrUt frei Gäsie töUJtomnitn,_ ßnefkaften der Redaktion. 21. D. 69. Zur Aussicliung der zur Heirat tuVß« Vaplere hasten wir di« drnllche Vehördc sgr vervfliÄI-t.—«>». 4«. Die Vei'itelgenmg de» Pfände» darf nicht früher als vier Wochen nach eiiigelretener F,.migl« i des Da> lehn» ersolgeu. Bis»ur erfolgten Versteigerung«nun ledarzei« Einlösung cr» loigen.— H. A. 21. 1. und 2. Das ist zulässig mit aJeriefmiwung des Gericht».(| 138 Aluatz 2 der Slrafbrojcbor.MiU'fl,) Sas Gefuch mug längere Zeil vor Stattfinden des Termins dem Gericht eingereicht werden. 3. Schristliche. vo» der Partei auszustellende Vollmacht.— zz. 11. Sein.—«. IS und K.(>5, Ihre Angaben reicher> nicht aus. Kommen Sie ü» die Sprechstunde.- Pril: 101. Für d ie vor dem 1. Januar IllOV unehelich geborenen Kinder kon'int altes Sh.-chi iuT An. uundung. Danach bast-l der Vater nur bis zur Vollendung des 14. Leben?» fatueS.— Tirttuanusried. Da» Mädchen ist noch fchulpslichtta. Melden Sie es in der Gruieindoichule au.— 3. 71 Poltjewrägdriitu. Soii erfabien Sie auch die Bedinzinigm. � Dt. G. kttl. Wirderhalen Sie Ihre Anfrage.— P. 3. z.z. Antrag noch im Dezember an den'w'», alstratz —».tax. Sthvnobcrg. 17. Mr battcu sie zur sfemigmtg dae>-icht. ichachles für verpflichtet.— C. P. cktöl. Polizeirevier, falls dort Abhilfe nicht zu erlangen. Polizeipräsidium.— N. D. 1 0». Der tu dm Police Genannte ist allein cizipjou,,-berechtigt.— H. Bö»!!. 1. Der Arbeiter tan» mit seinem Schadenersatzanspruch, falls nachiveisbar, gegen den An- fpeuch de» Unternehinor» ausrechueu- 2. Ja, soweit der"ubnaiiwruch wöchentlich« übersteigt. 3. Rein.—«. P.»». R�i». V�rmeiien Ete am das ÄrmulszeugniS.— C- MwM Quartnlsertten l..... Leider zulässig. da ä ubersteigtz a. reem.— P. jjtia Vorwoilen lnmttszeugnis.— 6. Z- Sechswöchentliche Kündiguaa zum ist maßgebend.— Trleder-�chönhausc». L. L8 1911- g.— ji. Vt..«ixdvrf. Ztiage ist auSstchtslvS. � Marktpreise von Berlin am?8. Ok-aber 19ll.. nach Ermtttel, mg deZ Königlichen Volizeipi äsidium». �- a r t! h a l l e„ o r c> l e.(Kteint�ndel). 160 Küogiavim Erbte», gelbe, zum Kochen SL/X!—.'0.00. Sveif-chodnei, weihe. SS.oo«,.«1 Linien-iO/il 80.00. Kartone in 7.00-14.00., Kilo. grnuim Riiw, Irlich, vo» der Keule l.hO— 2.40. Hinogeiich. Vauchll'llch 1.30 bis 1,70.- chmeuiesieiich 1.20— t.Sg. Knibsieilch 1/0-2.40. Hammelfteüch 1.30—2.00. Butter 2.00— 320. 60 gtüit(iier 3.i0— 6.40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2.40, Aolh 1.20-2.80. Zander 1.40—3.60. Hechte l.10 bi» 2.60 Porsche O.bO— 2.00. Schleie 1,40-3.00. Llete 0,S0— 1,60. 60 Krebse 2.40-24,00.__ Waüertionva.B.,+ bedeulel Such»,— ftzast,— t)»nrerveaet. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Dcucku. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LW.