Nr. 356. IlbonnementS'Redlnsunsen: Abonnements• Preis priwumeranb» S LierteljShrl. 3,30 Mb, monoH. 1,10 Mb, wöchentlich 2a Big, frei ins Haus. Einjelne Nummer S Pfg, Sonntags- »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, ciWnl lZziich auStr ooBtaai. 38. Jahrg. Die fnfertionS'GebQbr beträgt für die lechSgelpallene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlfchaftliche BereinS- und Bersamiiilungs.Ai, zeigen 30 Pfg. „Aleine Znreigen", das seitgedrudne Wort 20 Pfg. izulässig 2 fettgedruckte vorte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes «eitere Wort 5 Pfg. Worte über Ik> Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mülsen bi» 6 Uhr nachmittags in der Expedition »pgegeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöffnet, Vevlinev Volksblatts Zentralorgan der lozialdemokratt feben parte» Deutfchlande. relcgrainm. Adresse: .Scilaldcotknl BtrUa". nationaliftikljc Tollhäusler. Wenn man die deutsche„nationale" Presse liest, glaubt man sich manchmal in ein Tollhaus versetzt. Dieselben „Patrioten", die über Italiens Tripolis-Naubzug urteilen. wie man das von normalen Menschen erwarten muß, und voller Genugtuung die furchtbaren Blutopfer konstatieren, die Italien sein frivoler Brigantenstreich schon jetzt, im ersten Anbeginn des Abenteuers, gekostet hat— dieselben Leutchen gebärden sich wie Uebergeschnappte vor wütender Ent- täuschung, weil es Deutschland erspart geblieben ist, in Marokko ebenso bösartige Erfahrungen zu machen, wie Italien in Tripolis! Wäre es den konscrvativ-nationallibc- ralen Hetzpatrioten nach gegangen, so säße Teutschland jetzt in Süd-Marokko fest, um sich jahrelang mit den kriegerischen Eingeborenen herumzuschlagen, um Tausende von deutschen Soldaten in den Tod zu schicken und andere Tausende die Zahl der Krüppel vermehren lassen, um durch die Vergeudung von Hunderten von Millionen den Kriegslieferanten den Beutel zu füllen, während die Volksmassen durch neue Steuer- lasten ausgeplündert würden! � Das wäre aber noch der günstigste Fall. Denn möglicher- weise hätte ja der Krieg nicht allein gegen die marokkanischen Eingeborenen, sondern auch gegen Frankreich und Eng- l a n d geführt werden müssen. In diesem Falle aber hätten hunderttausende lebensfroher junger Menschen ins Gras beißen, hunderttausende ihre gesunden Knochen zu Markte tragen müssen, während die Kosten für dieses aber- tvitzige Massenmorden sich auf unzählige Milliarden belaufen haben würden. Ja, kein Mensch weiß, ob ein solcher euro- päischer Krieg— vorausgesetzt freilich, daß sich die Bürger des 20. Jahrunderts wie Hammel zur Schlachtbank schleppen ließen— nicht geradezu zum dauerndenRuin ganzer Nationen führen, mindestens aber der nationalen Volks- Wirtschaft Wunden schlagen würde, die noch nach Jahrzehnten nicht verheilten! Das Schlimmste- ist diesmal noch vermieden worden. Die Negicrungen haben immerhin mehr Besinnung, mehr Schart- blick für die unabsehbaren Folgen eines Weltkrieges bewiesen, als das in seiner Profitgier blindwütige Kanonen-- und Panzerplattenkapital und die reaktionären Desperados, die sich selbst aus die Gefahr der äußeren und inneren Katastrophe hin durch ein ungeheuerliches Blutbad dem drohenden Volks- gericht zu entziehen wünschten. Und vor allen Dingen war es der entschlossene Friedenswille des internationalen Prolc- tariats, der diesmal die verbrecherische Händelsucht der inter- nationalen Kriegshetzer durchkreuzte. Aber darum haben die deutschen Prozent- Patrioten die Partie noch nicht endgültig aufgegeben I Ist die Entfesselung der Bestie im Men- schon für heute auch mißglückt, so rechnet man für m o r g e n mit dem Triumph der Kriegsfurie. Die Hauptsache ist. daß ue Kluft zwischen den Nationen vertieft, der blödsinnige Ehauvinismus geschürt und vor allen Dingen das unheil- fchwangere Wettrüsten mit Volldampf fortgesetzt wird. Wird nur wacker gehetzt, werden die Nachbarnationen nur bis aufs Blut gereizt und baut man nur so viel Panzcrköhne, daß die � asten den rivalisierenden Nachbarstaaten unerträglich werden, 1? W 1°— namentlich bei der mit Elektrizität geladenen poli- tstchen Atmosphäre— immer noch einige Aussicht auf einen Mailenmord engros, be, dem sich das interessierte Kapital die Tasche füllen und der proletarischen Organisationen zu entledigen hoffen kann. Wie unsicher und riskant diese letztere Hoffnung auch sein mag. jedenfalls erleben wir noch einmal eine Kriegs- und Englandhetze, wie sie niederträchtiger nicht gedacht werden kann. So lesen wir in der nationalliberalen „M a g d e b u r g i s ch e n Ze i t u n g": ..Was ist Marokko, was das Kongoland, gemessen an der Er- kenntnis: Dort jenseits des Kanals sitzt der starke Neider, der„nicht dulden" will, daß Teutschland sich seine Weltstellung wahr« und festige?! Und daß wir nichts unter- nehmen, um uns seiner zu erwehren, und daß wir nicht vor- wärts schreiten auf dem einmal betretenen Pfade, Was immer der Brite auch dazu sage ?i Und wäre Kidcrlen der Mann, als den weite nationale Kreise i ihn einst begrüßen z» können glaubten � er träte offen vor den Reichstag hin und würde bekennen: Ja, ich habe mich geirrt; ich habe einen Schritt gewagt, dessen Konsequenzcu ick nicht ziehen konnte, weil bezweifelt werden mutzte, ob die Wistigbaren Machtmittel zureichend sein würden. Aber wenn auch Bethmann und Kidcrlen unter siebenfachem> Panzer dies Wort im Busen bewahren: Am Reichstag ist's, Tat zu heischen, die sich als notwendige Folgch des von! Deutschland Erlebten und Erlittenen ergibt, und zu sprechen: , Nun wohl, macht Euch stark— wir stehen als die aerufenen: und erwaqlten Vertreter des deutschen Volkes hinter Euch. Sagt.' was Euch fehlt, tut kund und zu wissen, wie viel Schiffe Ihr braucht, und wir werden Euch bewilligen, was irgend m des Volkes Kräften steht— d«z Volkes. daL nicht fürder zurückweichen will vor jedem Stirnrunzeln der Briten, das seinen Anteil fordert an den Schätzen dieser Erde!" Und die srcikonservative„Tägliche Rundschau" empfiehlt sogar ganz unverblümt, den ja doch nnvermeidlichen Krieg lieber schon heute, als morgen oder übermorgen zu führen: „Englands Flotte wird der unseren stets überlegen fein. Wollten wir diese fürchten, so dürften wir überhaupt nie an Krieg denken. Man vermeint vielleicht am Regie- rungstische, in einigen Jahren würde sich in dieser Beziehung dieses oder jenes für uns günstiger gestalten. Das kann aber auf feiten des Gegners ebensogut der Fall sein. Man denke nur an die jetzigen Zustände der französischen Flotte, die sich ebenso bessern können, wie die russische in einigen Jahren stärker sein wird. Ob man in einigen Jahren auf eine solche Volksbegeisterung rechnen könnte wie heute, ist auch eine zweifelhafte Frage. Das ewige Nachgeben und Fricdensflehen begeistert nicht." Wenn nun auch diese tollhäuslerischen Ergüsse keine un- mittelbare Gefahr in sich bergen mögen, so sind sie darum nicht minder verbrecherisch und verhängnisvoll. Solch systema- tische Kriegshetze m u ß ja auf die Dauer Völker und Völker- leben vergiften, sie muß ja das Wettrüsten zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu solch aberwitzigen Dimensionen treiben, daß sich der Ueberdruck schließlich in einer per- nichtenden Explosion entladen muß! Und diese Kriegs- und Rüstungshetze der agrarischen Desperados und der freikonscrvativ-nationalliberalen Prozentpatrioten ist um so gefährlicher, als unser schlapper Linksliberalismus längst aufgehört hat, die Ideen der Völkersolidarität und der Demo- kratie ernsthaft zu vertreten. Dem klassenbewußten Prole- tariat allein fällt die Riesenaufgabe zu. den imperialistischen Wahnsinn einzudämmen und den Mordspatrioten ihr Hand- werk zu legen!_ flgrarütljcs aus Sachsen. AuS Leipzig wird uns geschrieben: Vor dem Zusammentritt des sächsischen Landtages tagt regel- mätzig das sächsische Agrarierparlament, der Landeskulturrat, von dem die sächsische Regierung Instruktionen für ihr Verhalten während des Landtages bei allen agrarischen Angelegenheiten erhält. Zwei Punkte, über die der Landcskulturrat beraten hat, verdienen auch über die grünweitzen Grenzen hinaus bekannt zu werden, näm- lich die Weiterbildung der Jugend nach dem Ver- lassen der Volksschule bis zum Eintritt« bei der Truppe, hinter welchem harmlosen Thema sich der nackteste Agrariercgoismus verbirgt,, und ein amtlicher Bericht über- die Mängel der sächsischen Landwirtschaft bei der! Viehproduktion, dessen Richtigkeit zwar von den Agrariern nicht bestritten werden konnte, der ihnen deshalb aber um so unan- genehmer war, weshalb sie die Regierung zwangen, die tatsächlichen Angaben des Berichts zurückzunehmen. Den Anlaß zur Behandlung des ersten Punktes hat ein Beschlutz deS Deutschen Landwirtschaftsrates und ein Antrag des Landwirt- schaftlichen Kreisvereins für die Oberlausitz gegeben. Der Deutsche Landwirtschaftsrat hatte verlangt, daß im Interesse der Erhaltung der Wehrfähigkeit der deutschen Nation Einrichtungen zur physischen und moralischen Weiterbildung der Jugend in der Zeit von der Schulentlassung bis zum Eintritte in das Heer geschaffen werden, und zwar durch— Ausdehnung des gesetzlichen Schutzes auf die jugendlichen Arbeiter. In dieselbe Kerbe schlägt der Antrag des Landioirtschaftlichen Kreisvcreins für die Oberlausitz. Danach solle von Aufsichts wegen dafür gesorgt werden, daß der schulentlassenen Jugend der Eintritt in Beschäfti- gungen, die der Gesundheit der jungen Leute abträglich sind, ver-- boten werden. Zur Begründung dieser Forderung wird gesagt, daß die Fabrikarbeit im Vergleich mit der Arbeit auf dem Lande meist gesundheitsschädlich sei und dank dem schlechten Gesundheits- zustand der Industriearbeiter die Lasten der Sozialgesetzgebung ge- steigert würden. Deshalb— nun kommt die Erklärung für diese merkwürdige Arbeiterfreundlichkeit der Agrarier— soll ein nicht unbeträchtlicher Teil der jungen Leute für einige Zeit und«in kleiner Teil für immer zur Arbeit in die Gefilde der Agrarier kommandiert werden, um sie körperlich zu kräftigen u n d z u g l e i ch dem Arbeitermangel auf dem Lande zu steuern. Daneben hätte diese Art Arbeitersckmtz noch den allgemein staatserhaltendcn Vorteil, daß durch die Dirigierung der Jugend unter die„Kontrolle" der Agrarier die jungen Leute dem Einfluß der Sozialdemokratie ent- rückt würden. Fürwahr ein pfifstgcr Plan, der diese Arbeiter- freundlichkcit der Agrarier geboren hat! Für die sächsische Regierung erklärte der Ministerialdirektor Dr. Roscher, daß der Antrag keine Aussicht auf Erfüllung habe, weil er eine außerordentlich schwere Schädigung der Industrie zur Folge haben würde. Deshalb würden Bundesrat und Reichstag niemals ihre Zustimmung zu einer solchen Forderung geben. Dieser Wink des Regierungsver- treters, ihren Eifer in der„Weiterbildung der Jugend" zu dämpfen. genierte jedoch die Agrarier gar nicht: sie nahmen den Antrag e in st i m m i g an. Wofür natürlich der Landcskulturrat die aus- drückliche Anerkennung der„Dcutscken Tageszeitung" erhält. Dem Bündlerblatte gereicht dieser Beschlutz zu besonderer Genugtuung, weil er immer diesen Standpunkt eingenommen habe. Di« Be- denken des Regierungsvcrtreters aber werden als nicht durchsck, sagend mit einer Handbewegung abgetan, denn das Verbot der Beschäfti- gung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken sei nur die Konseguenz der sozialpolitischen Anschauungen, die die Mehrheit des Reichs- tages und des Bundesrates bisher vertreten hätten. Es braucht nicht besonders gesagt zu werden, daß für d i e Sorte Sozialpolitik zur Beseitigung deö Landarbcitermangels unter der Firma„Weiter- bildung der Jugend" es bisher im Reichstage und Bundesrate noch keine Mehrheit gegeben hat und auch nie geben wird. Daß unsere Regierungen den Agrariern überall entgegen- kommen, wo dies möglich ist, zeigte sich bei der Behandlung des zweiten der oben erwähnten Punkte. Die Landwirtschaftliche Ver- suchsstation der Universität Leipzig in Möckern hat der Regierung eine ausführlichen Denkschrift über die Hebung der Futter- Produktion, die der Astronom Dr. Eberhard verfaßt hat, unterbreitet. In der Denkschrift wird ausgeführt, datz die Land- Wirtschaft in Sachsen gegenüber der Forderung, die Futter- Produktion zu steigern, versagt habe. Dabei wird die u n- rationelle Betriebsweise der sächsischen Landttrirtschast festgenagelt. Diese würde verschwinden, wenn die Landivirtschaft sich zu einer zweckmäßigen Behandlung des natürlichen Düngers und unter Anwendung von künstlichen Düngemitteln zu einer geordneten Düngung entschließen würde. Die Erfolge würden dazu beitragen, datz viele bis jetzt landwirtschaftlich verwahrloste Gegenden einem Aufschwünge entgegengeführt würden. Die Grundbedingung für eine rationelle Tierhaltung und damit für eine gleichmäßige Ver- sorgung des Marktes mit Schlachtvieh ist eine ausreichende Futter- Produktion auf Acker und Wiesenland. Die Regierung hatte nun den Landeskulturrat um ein Gutachten über die Feststellungen und Vorschläge dieser Denkschrift ersucht. Die Kommission, die das Gut- achten vorzubereiten hatte, erkennt in ihrem Berichte die Schluß- folgcrungen der Denkschrift im allgemeinen als richtig an ünd wendet sich nur gegen die Behauptung, datz in einem großen Teile Sachsens der Qualität und Quantität nach ungenügende Mengen an Klee, Heu usw. erzeugt würden. Die Regierung wird dann ersucht, Mittel zur Einrichtung von Demonstrationswirtschaften zur Durchführung von Düngungsversuchen bereitzustellen. Mittler- weile scheinen jedoch die Agrarier erkannt zu haben, datz der sächsischen Landwirtschaft durch die Feststellungen der Denkschrift das denkbar ungünstigste Zeugnis ausgestellt wird. Deshalb mutzte versucht werden, daß in der Oeffentlichkeit aus dieser Denkschrift Kapital gegen die Landwirtschaft geschlagen werden könne. Man scheint nun auf die Regierung eingewirkt zu haben, die Denkschrift preiszugeben, denn in der Sitzung des Landeskultnrrats, in der der Bericht der Kommission zur Verhandlung kommen sollte, erklärte Ministerialrat Dr. Roscher, daß die Feststellungen Dr. Eber- Hardts nicht richtig seien, weshalb die Regierung ihr Gesuch um ein Gutachten zurückziehe. Wer die Regierung so gut unterrichtet hat, datz sie auf das zuerst vom LandeSkulstirrat, der für die N«. gierung zuständigen Instanz in allen Landwirtschaftssragen. geforderte Gutachten verzichten konnte, wurde nicht gesagt. JndeS dies Schweigen ist beredt genug. Wer aber daran zweifeln wollte, datz die Geschichte zwischen der Regierung und den führenden Männern. im Landeskulturrat abgekartet worden ist, der wird sofort von seinem Zweifel befreit sein, wenn er hört, datz der Bericht- erstatter der Kommission, der' bekannte sächsische Oberagraricr Andrä, die Erklärung abgab, nach der Aeutzerung des Regierungs- Vertreters liege keine Veranlassung mehr vor, auf die Angelegenheit lveiter einzugehen. Diese Regierungsäutzerung setze den Landes- kulturrat in den Stand, mit der Regierung auch ferner- hin im Einvernehmen zu bleiben. Zum Ueberflutz warnte noch der„ungekrönte König von Sachsen", Herr Dr. Paul Mehnert, die Landwirtschaftliche Versuchsstation in Möckern, fernerhin derartige Berichte herauszugeben, wenn sie sich die SympathienderAgrariernichtverscherzenwolle. Das genügt zur Erklärung der plötzlichen Wandlung der Regierung. Die Oeffentlichkeit dagegen wird um so eher die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen Dr. Eberhardts für richtig halten, als ja allgemein bekannt ist, datz die landwirtschaftliche Betriebsweise in Deutschland noch viel zu wünschen übrig läßt. Und datz auch in Sachsen nicht alles so ist, wie es sein sollte, beweist die Tatsache, datz das Organ des Landskulturrats vor einiger Zeit dio Landwirte darauf aufmerksam machte, datz sie mit Leichtigkeit die Milchproduktion auf jede Kuh für den Tag um einen Liter steigern könnten, wenn sie— ihrcStällesaubcrhaltcnwollten. Der Krieg. Die Italiener befinden sich noch immer in einer sehr kritischen Situation. Sie haben offenbar alle Hände voll zu tun, die Angriffe der Araber und Türken auf die Positionen in unmittelbarer Nähe der Stadt Tripolis zurück- zuschlagen. Dabei können sie nicht auf die Unterstützung der Waffe, mit der sie dem Gegner überlegen sind, nämlich der Schiffsartillerie, rechnen. Denn die Flotte scheint infolge des stürmischen Wetters und der flachen Reede außer Schußweite zu kreuzen, außerdem könnten bei der jetzigen Gefechtslage die großen Schiffsgranaten den Italienern noch gefährlicher werden als dem Feinde. Trotz der schivierigen Lage der Italiener sind die über- triebenen Siegeshoffnungen auf türkischer Seite nur mit Vorsicht aufzunehmen. Es ist sehr fraglich und wäre ein Novum in der nordafrikanischen Kriegs- geschichte, wenn die irregulären Araberscharen zu einem regelrechten und zähen Angriff auf eine befestigte und gut verteidigte große Stadt zu bringen wären, und der Kern der türkischen regulären Truppen ist doch zu klein, um hart- näckigen und umfassenden Offensivstößen das nötige Rückgrat zu verleihen. Nichtsdestoweniger werden Araber und Türken den Italienern noch heiße Stunden bereiten können. Das einzige, was die Italiener trotz aller Dementis und Schön- färbercien tun. ist, daß sie immer mehr Mannschaften nach Tripolis transportieren, um durch die Uebcrmacht der Zahl den einst so unterschätzten Gegner zurückzudrängen. Damit werden die Blutopfer, die dem italienischen Volke von den beutegierigen Tripoliskapitalisten und ehrgeizigen Imperialisten auferlegt werden, nur noch größer. Die türkische Darstellung der italienischen Niederlage. Konstautinopel. 31. Oktober. Das Kriegsministerium veröffcnt- licht folgendes Telegramm des Kommandanten von Tripolis: In der Nacht vom 26. Oktober unternahmen Truppen und Freiwillige einen allgemeinen Sturm gegen die italienischen Stellunge«. ws> bei sie die VerteidialiiigSlmie bcr Italiener an einzelnen Punkten durchbrachen. Ei» Teil der Angreifer drang durch die Palmenhainc hindurch bis zur Stadt. Unser rechter Fliigcl durchbrach nach längeren heftigen Angriffen alle Berteidigungslinicn des Feindes, der zurückgeworfen wurde. Der Feind konnte den gegen die Befesti- gungrn von Said Misri und Hani gerichteten Sturmangriffen nicht standhalten, räumte die Forts und floh. Truppen und Frei- willige besetzten die Positionen und nahmen die Verfolgung der Flüchtigen auf. Der Feind eröffnete aus feiner Stellung hinter der Verteidigungslinie das Jener mit Schnellfcuergcschützcn und Mitrailleusen und wurde hierbei von der in den Vcrschanzungcn verborgenen Infanterie unterstützt. Trotzdem legten die otto- »uanischen Truppen großen Mut an den Tag und brachten nur durch das Gcwchrfcucr die Festungen zu Fall, auf denen sodann die ottomauische Flagge gehißt wurde. Die Verluste des FeindcS find unbekannt. Tie Türken hatten etwa 40—50 Tote und etwa 100 Verwundete. Türkische Hoffnnugen. Wien, 31. Oktober. Der„Neuen Freien Presse" wird aus Konstantinopel telegraphiert: Vom Komiteesührer Abgeordneten Nami Bei, der sich in Tripolis befindet, lief bei hiesigen Freunden folgendes Telegramm ein, zu dessen Beförderung zur Kabclstation ein Kamclreiter IVo Tage brauchte: Die Italiener haben sich, da sie unserem Angriff nicht Wider st and leisten konnten, i n die Stadt zurückgezogen und sich verschanzt. Unsere Truppen eroberten bisher die in der Nähe der Stadt belegenen Forts Chani, Seijid und Mesri. Die Italiener halten nur noch drei FortS und traten den Rückzug in die Stadt an. Die Verluste der Italiener sind ungeheuer, da sie eine Menge von Geschützen, Gewehren, Munition und Lebensmittel auf 'der Flucht zurückgelassen haben. Die Araber kämpften sehr tapfer und opfern sich für den Kalifen. Wir hoffen, daß es uns gelingen wird, Tripolis zu e r st ü r m e n. Die Italiener dementieren. Rom, 31. Oktober. Die„Agenzia Stefani" veröffentlicht föl- gende Mitteilung: Die ans türkischer Quelle stammenden und in auswärtige Blätter übergegangenen Nachrichten über angebliche Niederlagen der italienischen Truppen in Tripolis entbehren jeder Begründung. ' General Caneva versichert in einem heute vormittag abgesandten Telegramm, daß die Lage unverändert sei, und fügt hinzu, weitere 800 G e fa n g ene seien nach den Trimiti-Insel» gebracht worden. DaS„Reutersche Bureau" berichtet aus Tripolis: In den letzten beiden Tagen herrschte hier Ruhe. Die Araber unternahmen keine neuen Angriffe, es ist jedoch festgestellt, daß sich starke Streitkräfte in un in ittelbarer Nähe der italienischen Linien befinden. Der gestrige Tag war für die Italiener überaus beschwerlich. Sie gingen gegen zerstreute türkische Abteilungen vor, die sich noch immer in der Oase halten und die Italiener durch Schüsse, die sie nachts gegen die italienischen Stellungen ab- geben, beunruhigen. Einzelne Häuser, die den Türken Deckung boten, wurden von den Jtaliern in die Luft gesprengt. Nach einer Meldung, die freilich noch nicht bestätigt ist, sind sich die a r a- bischen Stämme durchaus nicht einig darüber, ob sie einen neuen Angriff unternehmen sollen. Einige Stämme wären, so heißt es, zum Angriff bereit, wenn sie nicht doch die Stärke des Feindes fürchteten, andere dagegen möchten sich wieder in das Hinter- land zurückbegeben. Nach einer Schätzung, die allerdings auf Genauigkeit keinen Anspruch erheben kann, sind in den Tagen vom 23. bis 27. Oktober viertausendAraber gefallen. Kriegslust der Pforte. Konftantinopel, 3t. Oktober. Wie verlautet, hat die Pforte an ihre Botschafter Telegramme gesandt, die be- sagen, die Pforte wünsche keine Vermittelung ni e h r, sondern sei zum Kriege entschlossen.— Eine Abordnung von vier Senatoren und sechs Deputierten soll die europäischen Hauptstädte aufsuchen, um gegen Italien Propaganda zu machen. Die Kreter für die Bereinigung mit Griechenland. Athen, 31. Oktober. Die kretische National versa mm- l u ii g ist sich nacki mehreren geheimen Sitzungen einstimmig über die Gefahren schlüssig geworden, die die Beibehaltung der gegen- wältigen provisorischen Regierung auf der Insel mit sich bringen wurde. Sie erachtet die U m st ä n d e für geeignet zur Anssührung des Votums der Vereinigung mit Griechenland vom 24. September 1908 und behält sich vor. später über die Mittel, die die Ausführung deS Votums sicherstellen, zu entscheiden._ Die chinesische(Revolution. Die Selbstanklage der Dynastie. Peking, 30. Oktober. Ein kaiserliches Edikt erteilt den Beamten eine Rüge, weil sie das Geld deS VolkeS ver- u n t r e u t hätten. Der Kaiser schwört in dem Edikt, die Verfassung zu reformieren und sie gewissenhaft zu beobachte». Das Edikt verspricht, die von dem jetzigen Kabinett getroffenen Bestimmungen aufzuheben und ein Kabinett zu bilden, von dem die Adeligen ausgeschlossen sein sollen. Der Nationalversammlung werde ein Verfassungsentwurf zur Beratung zugehen. Außerdem ist vom Thron ein besonderes Edikt erlassen worden, in dem A in n e st i e allen politischen Verbrechern gewährt wird, die im Zu- sammenhang mit der Erhebung von 1893 und anderen politischen Aufständen verurteilt worden sind, sowie auch denen, die sich der jetzigen Revolution gezwungen angeschlossen haben. Der bisherige Präsident der Nationalversammlung H s h i s h u, ein M a n d s ch u, werde zurücktreten und von dem Chinesen L i t s ch i a tsch u ersetzt werden, ebenso werde der Polizciminister Kueitschun feines Amtes enthoben und durch den Chinesen Tschaopingtschun ersetzt werden. Ferner heißt eS in dem vom sechsjährigen Kaiser P u j i gezeichneten Erlaß:„Ich habe drei Jahre regiert und habe gelvisien- Haft im Interesse des Volkes gehandelt, aber ich habe nicht die geeigneten Leute verwandt, die politische Geschicklichkeit hatten. Ich habe zuvielAdligein politischen Stellungen ver- wendet, ivas dem KonstitutionaliSmuS widerspricht. In den Eiseilbahnangelegenheiten war einer, dem ich traute, und dieser betrog mich, und so opponierte die öffentliche Meinung. Als ich Reformen verlangte, benutzten die Beamten und der Landadel die Gelegenheit zu Unterschlagungen. Wenn alte Gesetze abgeschafft werden, so verfolgen hohe Beamte damit persönliche Zwecke. Biel Geld ist dem Volke ge- nommen worden, aber nichts ist zum Wohldes Volkes damit geschehen. Bei verschiedenen Gelegenheiten sind Gesetze durch Edikt veröffentlicht worden, aber niemand hat sie befolgt. Das Volk murrt, aber ich erfahre es nicht. Die Unnihen in Setschuan waren die ersten, darauf folgte die Rebellion von Wutschang, jetzt kommen beunruhigende Meldungen von Scheust und Honan. In Kanton und Kiangsi droht der Aufruhr. Das ganze Reich ist in Wallung. Die Gesinnungen des Volkes sind gestört. Die Geister unserer neun verstorbenen Vorfahren sind außerstande, unsere Opfer gehörig zu genießen, während zu fürchten ist, daß da-s Volk schwer leiden wird. Alles das sind meine eigenen Fehler, und ich künde hiermit der Welt an, daß ich schwöre, zu reformieren und mit unseren Soldaten und dem Volk die K 0 n st i t u t i 0 n getreulich zu beobachten, dabei die Gesetzgebung zu modifizieren, die Interessen des Volkes zu ent- ivickeln, ihre Beschwerden zu beseitigen, kurz alles im E i n V e r- st ä n d 11 i s mit den Interessen und Wünschen des Volkes zu tun. Alte Gesetze, die unzweckmäßig sind, sollen abgeschafft Iverden. Die Vereinigung der MandschuS und Chinesen, wie sie vom letzten Kaiser geplant war, soll geschehen. Finanzen und Diplomatie sind auf dem Trockenen. Sogar wenn alle sich vereinen, fürchte ich noch immer, zu fallen, aber wenn die Untertanen deS Reiches keine Achtung mehr bor dem Schicksal haben, und eS nicht mehr verehren, dann ist d i e Zu- lunft Chinas undenkbar. Ich sorge mich Tag und Nacht. Meine einzige Hoffnung ist, daß mich meine Untertanen gründlich verstehen." Zu spät? Peking, 31. Oktober. Das kaiserliche Edikt wird ein- gehend erörtert. Man nimmt allgemein an. daß es zu spät kommt, die Revolution zu unterdrücken. Obwohl es die bemitleidenS« werte Verzagtheit der Mandschus enthüllt, so besteht doch die Vermutung, daß es erlassen worden ist, um I u a n s ch i k a i einen starken Hebel für die Verhandlungen mit den Re- bellen zu geben. Die Wirkung des Edikts ist in Peking be- reitS gut und die Furcht hat heute etwas nachgelassen, obwohl 000 000 Chinesen noch ein Massaker fürchten, während 100 000 Mandschus vor einem Ueberfall durch die Chinesen zittern, was auf die Ausländer einen fast komischen Eindruck macht. Die Lage in Kantou. Kanton, 31. Oktober. Der V i z e k ö n i g hat dem Verlangen des Volkes nach der Erklärung der militärischen und finanziellen Unabhängigkeit der Provinz Kwangtung nachgegeben, aber bei schwerer Strafe die Entfaltung der Unabhängigkeitsfahne verboten. Die Läden sind überall geschlossen. Die Seezollgcbäude und die Zollkutter, wie auch die Fahrzeuge der China MerchantS Steam Navigation Company und die Dampffähren der Hankau- Eisenbahn führen die Drachenflagge nicht mehr. Neun fremde Kriegsschiffe befinden sich im Hafen, darunter zwei englische Kanonenboote. Bewaffnete Wachen patrouillieren an allen Landungs- Plätzen. Die Stadttore sind geschlossen. Die Absichten der Revolutionäre. London, 31. Oktober. Der Zollkommissar hat einen von Schuyenfang im Namen des Tsientsiner Zweigkomitees der Revolutionäre unterzeichneten Brief erhalten, in dem mit- deteilt wird, daß das Komitee die Absicht habe, binnen kurzem von Ticntsin und Peking Besitz zu ergreifen. Es sei, so heißt eS in dem Briefe weiter, beabsichtigt, die Likinzölle abzuschaffen, da sie den Außenhandel Chinas schwer schädigten. Den fremden Beamten bei der Likiiizollverwaltimg wird geraten, sich nach Stellungen im chinesischen Seezolldienst umzusehen, da ihnen Ent- schädigungen nicht gezahlt werden würden. Nach einer dem Reutcrschen Bureau aus T i e n t s i n zu- gegangenen Meldung marschierten die ausländischen Truppen heute früh rund um die F rem d e n n i e d e rl a ss ung en. um vor der einheimischen Bevölkerung eine Demonstration zu ver« anstaltcn. TrnppcnauSschreitungea. London, 81. Oktober. Dem Reuterschen Bureau wird aus H an kau vom 29. d. M. gemeldet: Ein Hofbeamter in Nitschang, der sich weigerte, Schlüssel auszuliefern, und einige andere Mandschubeamte sind von den Rebellen getötet worden. Die Ausständischen halten die Ordnung rücksichtslos aufrecht und richten alle Plünderer und Brandstifter hin. Schauergeschichten werden berichtet über Ausschreitungen der Truppen Ii n gtschangS, die unter der Landbevölkerung plündern und morden, so daß diese zum Teil höher ge- legene Plätze befestigt, zum Teil mit ihren Frauen Zuflucht in Haukau suchen. Der Triumph der Nationalversammlung. Peking, 31. Oktober. Der neu ernannte Präsident der Nationalversammlung sprach ihr den D an k d es Prinz- r e g e n t e n auS für die von ihr gemachten Vorschläge. Die gestern erlassenen Edikte werden getreulich ausgeführt werde» und seien nicht nur Worte.(Beifall.) Die Mitglieder der National- Versammlung gaben ihrer Befriedigung über die Edikte Ausdruck sowie ihrer Neberzcugimg, daß die Edikte eine Besserung der Lage herbeiführen würden, wenn sie zur Ausführimg gelangten. Die Natioiialversammlung hielt sodann eine geheime Sitzung ab, um den letzten Anleihevertrag zu beraten. Dolitifcbe(leberllebt. Berlin, den 31. Oktober 1911. Das Wahlkompromift im Speyerer Tom. Wie so viele andere, ihr heute aus gewissen politischen Gründen unbequeme Tatsacken hat die Zentrumspresse auch mit der ihr eigenen Wahrheitsliebe die Richtigkeit der von Bebel auf dem Jenaer Parteitag getanenen Aciißerung be- stritten, daff das pfälzische Wahlkompromisi zlvischen Zentrum und Sozialdemokratie im Dom zu Speyer bei den Kaiser- gräbern vereinbart worden ist. Die Genossen v. Vollmar und Ehrhart hätten, so wußten verschiedene leitende Zentrumsblätter zu erzählen, den Dom zu Speyer nur aus baugeschichtlichem Interesse besucht und der jetzige Erzbischof von München hätte sie nur aus Höflichkeit begleitet. Auf diese schnurrige, am 27. Oktober in der Sitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer wiederholte Ablcugnung antwortet Genosse v. Vollmar mit folgender Zuschrift an unser Münchener Parteiblatt, die„Münchener Post": „Ich kam zusammen mit dem damaligen Abgeordneten Franz Ehrhart nach Speyer und wurde von diesem ersucht, am nächsten Tage einer wichtigen Wahlbesprechung mit einem Vertreter des Zentrums beizuwohnen, und zwar solle diese im Dome statifinden, weil dies dort am u n a u s s ä l l i g st e n für das Zentrum erfolgen könne. Wir traten durch eine Seiten- lapelle ein, an deren Eingang ein Domgeistlicher uns empfing. Unter desien Vortritt gingen Ehrhart und ich— und noch einer— durch die Reihen der knienden Beter von der Seite in den Dom und dann wenige Schritte weiter in die Krypta, die der Geistliche persönlich öffnete und, nachdem er ein- getreten, wieder versperrte. In der Krypta befanden sich ein paar Altäre, vor denen einige Reihen von Betstühlen standen. Wir ließen unS auf ein paar derselben nieder, die sich nahe der Mauer der Krypta befanden. Hier wurden nun durchaus keine architektonischen oder sonstigen profanen Angelegenheiten be- sprochen, sondern man unterhielt sich eingehend über das für die Pfalz abzuschließende Wahlkompromiß und die dazugehörigen Dinge. Während des Gespräches wandte sich der lustige Ehrhart einmal nach der hinter uns befindlichen Mauer und meinte, indem er an sie klopfte:„Ob die alteKaiser do drinne ups wohl höre könne?" Worauf der Geist- liche lächelnd nieinte:„Wisse Sie, dös wees mer noch net, ob do wirklich eener drin iS"... Kurz darauf öffnete sich raffelnd das Tor, der Kirchendiener führte einen fremden Herrn herein, worauf wir uns erhoben und Krypta und Dom verließen." Wir sind etwas neugierig, welche alberne Ausrede die journalistischen Klopfpflcchter des Zentrums jetzt erfinden werden._ Korruption. Die„Frankfurter Zeitung" teilt jetzt dem kläglichen Rechtfertigungsversuch der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gegenüber mit, daß es in dem Wahlerlaß des preußischen Ministers Dallwitz an die Regierungspräsidenten wörtlich heißt: „Ich ersuche, gleichzeitig Vorschläge darüber zu machen, in welcher Form die Widerlegung zweckmäßig erfolgen kann. Es ist aiizugebeii, wie hoch die Auflage zu bemessen ist. Auf die Geheimhaltung der Bezugsquellen (dieser amtlichen Flugblätter) ist in allen Fällen Gewicht zu lege n." Die Regierung will also nicht nur„sachliche Richtigstellungen' etwa durch die Amtspresse erfolgen lassen, sondern Flug- b l ä t t e r und Flugschriften in unbegrenzter Zahl verbreiten. Daß sie bei ihren sachliche» Berichtigungen aber nicht einmal die Courage hat, sich als Urheber und Verbreiter dieser Berichtigungen zu bekennen, sondern daß sie Geheim- Haltung der Herkunft der Flugblätter, sogar in allen Fällen, empfiehlt, beweist, welcher Art diese Berichtigungen sein werden I Wessen die Regierung sähig ist, bewies ja erst bei den Teuerungsdebatten im Reichstage daS Verhalten des preußischen LandwirtschaftSministers. Herr von Schorlemer bediente sich da ohne jede Nachprüfung deS Materials deS deutschen Landwirtschaftsrates. Auf die Unrichtigkeit dieses Materials fest« genagelt, suchte er sich skrupellos damit herauszureden, daß er ja bemerkt habe, die Argumente des LandwirtschaftSrates ohne Prüfung auf ihre Richtigkeit übernommen zu haben I Wenn preußische Minister so etwas im Parlament riskieren, so kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, mit welchen gröblichen Unrichtigkeiten amtliche Flugblätter im Wahlkanipf arbeiten werden, deren Herkunft ja die Regierung verschleiern will, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden I Es bleibt also dabei, daß die Regierung einen Teil der blauschwarzen Wahlagitation von Amts wegen übernehmen will. Und gleichviel, ob die Kosten dieses amtlichen Wahlapparats Reich, Staat oder agrarisch-kapitalistische Interessenten tragen— feine Tätigkeit ist in jedem Falle die ärgste Korruption! Geldsammlungeu für die Fortschrittliche Bolkspartei. Die Leitung der Fortschrittlichen Bolkspartei veröffentlicht einen Aufruf, in dem sie zu Geldsammlungeu auffordert. In dem Aufruf heißt es: „Große Mittel sind erforderlich, zumal die Gegner rechts und links zu ungewöhnlich hohen Aufwendungen für die Wahlrnstunz entschlossen sind. Die Sozialdemokratie verfügt über einen Kriegs- schätz von nahezu zwei Millionen, während den Agrariern nicht minder reiche Geldmittel neben den Parteifonds aus Kalit subventionen und sonstigen Quellen zur Verfügung stehen. Wir vertrauen auf die Opferfrendigkeit der Parteifreunde in Stadt und Land und erbitten lat'räfiige Uiiterstützung.' Geschäfts- und Ucberpatriote«. Die Nationalliberalen hatten bekanntlich im Seniorenkonbent des Reichstages den später wieder zurückgezogenen Antrag gestellt, der Reichstag solle vor Abschluß des Marokko-AbkommenS gehört werden und ohne seine Genehmigung solle weder deutsches Schutz- gebiet abgetreten, noch neues Kolonialland erworben werden. Nach unserer Anficht ist daS ohne weiteres daS Recht deS Reichstages! die konservativen Blätter aber halten den nationalliberalen Vor« schlag für eine„Schmälcrung der verfassungsmäßigen Rechte de? Kaisers". Dagegen wendet sich offiziell die nationalliberale Partei- leitung, indem sie in ihrer Korrespondenz vom 31. Oktober u. a. schreibt: „Diese Irreführung der öffentlichen Meinung wird unter- nommen, um Waffer auf die Mühlen einer Partei zu leiten. welche bei der Vereitelung der preußischen Wahlrechtsvorlage aufS neue bewies, daß sie den erklärten Willen des Königs mißachtet, sobald er ihrem FraktionSintcresse entgegentritt! Herr v. Hcyde- brand hat nun völlig erreicht, waS er wollte; was er zu Breslau in die Form kleidete:«Die Regierenden muffen sich klar fein, d a ß s i e n i ch tS sin d, als die Beauftragten der— wahren Patrioten!" Schließlich weist die Korrespondenz noch darauf hin, daß daS Feuerbestattuiigsgesetz in Preußen ebenfalls vor die Volksvertretung gekommen ist, obwohl es auch durch eine bloße Verordnung recht- liche Geltung erlangt hätte. Diese antimonarchistische Katzbalgerei ist immerhin lntereffant. Die schönen, großen Kartoffeln. Im Verlaufe der Teuernngsdebatte im Reichstage hatte der Minister v. Breitenbach darauf hingewiesen, daß seine Verwaltung in der Lage gewesen sei, im Osten beste Eßkartoffeln zum Preise von 2,70 bis 2,90 M. pro Zentner kaufen zu können. Genosse Südekum bat darauf den Minister, von der Tribüne deS HauscS herunter diese Bezugsquelle bekannt zu geben, damit die Sradt- Verwaltungen Gelegenheit hätten, auch von dort Kartoffeln zu be- ziehen. Bei der Rede des Ministers hatte nun der konservative Reichstagsabgeordnete v. Brockhausen wütend dazwischen gerufen: „Für 2,30 Mark können Sie Kartoffeln bei mir h a b en I" Der Stadtverordnetenvorsteher in Liegnitz wollte diese günstige Gelegenheit benutzen und bat den fortschrittlichen ReichStagSabgcord- iicten Fischbcck den Abg. v. Brockhausen zu fragen, wie viel Zentner Kartoffel» er zum Preise von 2.30 M. pro Zentner liefern könne. Abg. v. Brockhausen war von diesem in Aussicht stehenden Geschäft garnicht erbaut. Zunächst bestritt er, von 2,30 M. pro Zentner gc- sprochen zu haben, er habe 2,00 bis 2.90 M. gemeint: auch habe er nicht selbst diese Kartoffeln zu verkaufen, sondern eS sei ihm erzählt worden, daß man sie in Pommern bekommen könne. Ob eS allerdings gute Spcisckartoffcln wären, sei ihm sehr zweifelhaft. Schließ- lich gab er der Liegmtzer Stadtverwaltung den Rat. fie möge sich an die agrarische Veikanfszentrale in Stettin wenden, wo sie ganz gewiß den billigsten Preis für Speisekartoffeln erfahren könne. Herr V. Brockhausen. ein ehemals gemaßregelter Kanalrebell, hat also im Reichstage Dinge behauptet, deren Unrichtigkeit sich nun- mehr klar herausstellt.— Die„Deutsche Tageszeitung' bringt fast jeden Tag ähnliche Nachrichten über niedrig« Viehpreife. mitunter behauptet fie auch, daß da oder dott die Bauern ihr Vieh überhaupt nicht haken verkaufen können. Es wäre angevracht, daß Jnter» esienten sich in jedem einzelnen Falle an die Redaktion des agrari« schen Blattes wendeten mit der Bitte um nähere Auskunft über diese Bezugsquelle. Man dürfte dann wahrscheinlich zu demselben Ergebnis kommen wie bei Herrn v. Brockhausen. Kommunale Maßnahme« gegen die Teuerung. Der Stadtrat von Gotha kaufte 2000 Zentner Kartoffeln'an, wn sie an Unbemittelte abzugeben. Ter Magistrat von K o t t b u s verkauft für die unbemittelte Bevölkerung der Stadt bis auf weiteres an vier Tagen jeder Woche Spcisekartoffeln in Mengen von einem Zentner zum Preise von 3 M. für weiße und 3,15 M. für rote Spcisekartoffeln. Luch die Stadtverordneten von Schweidnitz bewilligten in ihrer letzten Sitzung dem Magistrat einen Kredit von 12 00 M. zum Ankauf von Kartoffeln für die Bevölkenmgskreise, deren Einkommen unter 2100 M. beträgt. Die Kartoffeln sollen zum Preise von 8 M. pro Zentner abgegeben werden, während sie in» Einkauf 3,25 M. kosten. In Waldenburg sSchl.) bewilligten die Stadtverordneten aus Anlaß der Teuerung allen städtischen Beamten eine Gehalts- erhöhung von 75 M. Bei den unteren städtischen Beamten wurde der Wohnungsgeldzuschuß um 75 M. erhöht. Ein billigeres Mittel zur Bekämpfung der herrschenden Teuerung haben die Stadtverordneten von O st r o w o(Posen) ent- deckt. Um der Geschäftswelt keine Konkurrenz zu machen, wurde kurzweg von jeder Maßnahme gegen die Teuerung abgesehen. Amtliches Ergebnis der Wahl in Konstanz-Ueberlingen. Endgültiges amtliches Wahlergebnis. Bei der Reichstags- stichwahl im 1. Badischen Wahlkreise Konstanz-Ueberlingen am 27. Oktober wurden insgesamt 2S I5S Stimmen abgegeben; davon erhielt Gärtnermeister Hermann Schniid in Singen(natl.) 15 113 und Landgerichtsdirektor Freiherr Dr. Karl v. Rüpplin(Z.) in Konstanz 14046 Stimmen. Schmid ist sonnt gewählt. General Keim an der Wahlarbeit. Der bewährte Wahlmacher des Fürsten Bülow, General Keim, stellt seine schätzenswerte Kraft auch dem Herrn v. Bethmann Hollweg zur Verfügung. Der betriebsame General steht an der Spitze des Vaterländischen Schriflenverbandes, der in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits 107 006 Flugschriften in Deutschland versendet hat. Interessant wäre, zu erfahren, aus welcher KorruptionSquelle diesem neuen Verband die Mittel zufließen. Öertemich. Gautsch demissioniert. Wien, 31. Oktober. Ministerpräsident Freiherr d. Gautsch hat auf Grund des heute nachmittag abgehaltenen Minister- rates die Demission des Kabinetts dem Kaiser unterbreitet. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird Gautsch die Bildung des neuen Kabinetts nicht übernehmen. 6cbw«tz. Die NatioualratSwahlen. Zürich, 30. Oktober.(Eig. Ber.) Die Wahlen vom Sonntag brachten für keine Partei irgendwelche Ueberraschungen. Die Wahlrechts- und Parteiverhältnisie sind in der Schweiz derart, daß man schon im voraus den Wahlausgang in der Hauptsache voraus- sagen kann. Mit Ausnahme der klerikalen Partei hat sich das Bürgertum in Stadt und Land in den Reihen der sogenannten Frei- finnigen Partei gesammelt, die eine nackte Geldsackspartei ohne eigentliche Verbrämung ist. Der in Deutschland seit Jahrzehnten von Miquel bis Bethmann erhobene Sammelruf ist in der Schweiz längst nicht mehr nötig, da hier der OrdnmrgSbrei komplett ist. In der Sozialpolnik machen auch die Klerikalen olle dem Kapital dienlichen Aktionen mit, so daß in der Tat die sozialdemokratische Partei die einzige Oppositionspartei, aber auch die Bolkspartei. die für die Interessen der Arbeiter und Konsnnienten, der gesamten besitzlose», in einem Abhängigkeitsverhältnis stehenden Klaffen ein- tritt. Auf die Interessen der herrschenden Klaffen und Parteien ist das verruchte Wahlsystem mit den Listen, der absoluten Mehrheit und der WahlkreiSgeomettie zugeschnitten, so daß es das schlechteste Wahlsystem aller modernen Staaten ist, trotz dem allgemeinen. »gleichen", direkten und geheimen Wahlrecht und der Wahlbeteiligung vom 20. Altersjahre ab. Dazu kommt die fast unglaubliche politische Unreife so vieler schweizerischen Arbeiter, die man als große poli- tische Kinder bezeichnen möchte. Die vorausgeschickt, sei lonstatiert, daß am Sonntag von den bt sozialdemokratischen Kandidaten 10 im ersten Wahlgange gewählt wurden und 9 in die Stichwahl kommen. Gewählt sind rm zweiten Kreise(Zürich-Außersihl) unsere Genoffen Arbeitersekretär Greulich. Stadtrat(srühcr Pfarrer) Pflüger, Sekundarlehrer Seidel, die Redakteure Sigg-Zürich und Grimm-Bern; in Winterthur Advokat Dr. Studer; in Appenzell Engster, früher Pfarrer, nun seit Jahren Zentralprasident und Redakteur deS Schweizerischen Textil- orbeiterverbandes. Gerichtspräsident Dr. Affolter- Solothurn, Dr. med. Ricklr-Langenthal(Nanion Bern) und Schriftsetzer Näher- ...Davon waren bis jetzt schon Abgeordnete die Genossen Greulich. Dr. Studer. Engster und Rickli. Durchgefallen ist Genoffe Advokat Dr. Fern im Kanton Tesfin, der die letzten drei Jahre den, Nattonalrat angehörte. In der Stichwahl stehen die Genoffen Redakteur Frei und Konsumverwalter Zuggi in Basel, wo auf 7 Vertreter keine Wahl zu- stände kam, unsere Genoffe» aber mit 5530 und 5013 Stimmen den anderen Parteien mit 2147 bis 4153 Stimmen-weit voraus sind und die im zweiten Wahlgang, wo da« relative Mehr gilt. werden gewählt werden. Ferner die Genoffe» Moor. Metallarbeiter- sekrctär Schneeberger und städtischer Finanzdirektor Müller in Bern. von denen mindestens einer in der Stichwahl gewählt werden wird Im Berner Oberland steht Genoffe Armcnsekrelär Scherz mit 6383 Stimmen in der Stichivahl. in Genf Sigg und in Neuenbürg Naina. wo wie in Basel auf 7 Vertreter keine Wahl zustande kam und Raine mit 6704 Stimmen an der Spitze steht. Schließlich kommt noch Arbeitcrsckretär Müri in Boden bei Zürich mit 5213 Stinnncn in Stichwahl. Aussicht besteht, daß sünf von den v Stichwahlen zu uifferen Gunsten ausfallen, so daß unsere Fraktion 15 Mitglieder gegen bisherige sechs zähle» wird. Erfreulich ist die in manchen Wahlkreisen erfolgte Vermehrung d»r sozialdemokratischen Stimmen, die z. B. im Kanton Thurgau von 1700 in 1308 aus rund 4000 gestiegen find. Au« mehreren Wahlkreisen liegen noch keine Siimn>ei, zahlen vor, soweit es aber der Fall, zählten wir 105 330 für unsere Kandldateiiabgegebene Stimmen. Insgesamt dürften nicht viel mehr alö 400 000 stimmen abgegeben ivorden sein, so daß der vierte Teil derselben auf unsere Part« entfällt, während im günstigsten Falle, wenn noch fünf Genossen gewählt werden mit 15 von den 188 Vertretern nur der 12. Teil auf unsere Partei entsüllt. Diese Vergewaltigung und Entrechtung der Arbeiterschaft ist das Resultat des in der Schweiz herrschenden verruchten Wahlsystems, das endlich durch das Pro- portionalwahlsystem ersetzt werden muß, Die Einberufung der Kammer«. Paris, 31. Ottober. Präsident FalliörcS unterzeichnete heute ein Dekret, durch das die Kammern zum 7. November einberufen werden. Die Meldung zeigt, daß die französische Regierung sicher ist. daß bis dahin die Marokkoverträge abgeschlossen sein werden und dem Parlament vorgelegt werden können. Cnglanck. Eine offiziöse Antwort au die deutschen Kriegshetzer. London, 31. Oktober.„Westminster Gazette" schreibt, man müßte der Rede HehdebrandS ernsthaste Bedeutung beimessen, wenn er eine ähnliche Stellung einnehmen würde, wie der kon- servative Führer in England. Es bestehe aber keine Analogie zwischen den englischen und deutschen Parteien und Parteiführern. Es sei bemerkenswert, daß der Redner seine eigene Regierung ebenso angreife, wie die englische; das Blatt fährt fort, wenn die Geschichte der Marokkoverhandlungen völlig bekannt sei, werde es sich zeigen, daß die englische Regierung eine durchaus friedliche und mäßigende Rolle gespielt habe. Selbst die Rede des Schatzkanzlers im Mansionhouse sei eine verhältnißmäßige friedliche Antwort auf die Entsendung eines Kanonen- booteS gewesen. Als die Verhandlungen wirklich begonnen hatten, habe England alles getan, um eine friedliche Lösung zu fördern. Kein einziges Mal fei es mit eigenen Ansprüchen, die die Lösung hindern konnten, herangetreten. Wenn die Ereignisse des Jahres 1909 nicht die Reise des Zaren nach Potsdam im Jahre 1910 verhindert hätten, wenn daS russisch- französische Bündnis nicht ein herzliches Einvenrehmen zwischen Deutschland und Rußland hindere, weshalb sollten dann Englands Beziehungen zu den Verhandlungen mit Frankreich schwerere Folgen für die englisch-deutschen Beziehungen habe»? Zwischen England und Deutschland gebe eS nicht mehr materiellen Grund zum Streit als zwischen Rußland und Deutschland. foilZUtid. Polizeiwirtschaft und Ausnahmezustand. Petersburg, 30. Oktober. Der Staatsrat im Polizei- departement W e r i g i n ist als Mitschuldiger an der Täiigkeit der Ochrana bei den Ereignissen in Kiew verabschiedet worden. Die Interpellation der Kadetten über die Auf- Hebung des Ausnahmezustandes ist in stürmischer Sitzung von der Reichsduma angenommen worden. Eue der Partei. Provinzialpartritag für das westliche Westfalen. Am 28. und 29. Oktober tagte in B o ch u m der Parteitag für den Bezirk des westlichen Westfalen. Der Landesvertrauensmann hatte für die Zeit vom 1. Juli 1909 bis 39. Juni 1911, also für zwei Jahre, einen umfangreichen Geschäftsbericht vorgelegt, der von einer regen Arbeit Zeugnis ab- legte. Der Bezirk umfaßt die Wahlkreise Dortmund-Hörde, Bochum-Gelsenkirchen. Necklinghausen-Borken, Hamm-Soest, Waren- dorf-Lüdinghausen, Münster-CoeSfeld, AhauS-Tccklenburg und ArnSberg-Olpe-Mefchede. Im Geschäftsbericht wird konstatiert, daß sich die Abonnenten- zahl der Partcipresse im Bezirk seit der Reichstagswahl im Jahre 1907 verdoppelt hat. Auch die Beteiligung an der Maifeier ist gestiegen. Für die Frauen ist eine, speziell für die Verhältnisse im Bezirk berechnete„Frauenzeitung" herausgegeben, die den Ge- nossinnen unentgeltlich zugestellt wird. Neben den Pa-rteiblättern in Bochum und Dortmund erscheint monatlich die Agitationsschrift „Wahrheit". Die Zahl der Gemeindevertreter im Bezirk ist auf 141 gestiegen. Mitglieder dor sozialdemokoatischcn Parteiorgani- sation waren 21 247 eingeschrieben, davon 4460 weibliche. Die Mit- gliederaufnahme stand aber in einem nicht günstigen Verhältnis zum effektiven Zuwachs, waL wesentlich durch die große Bevölke- rungSfluktuation in den Hauptwahlkreisen verschuldet taudDe. In seinem mündlichen Bericht wies am Sonnabend der Landessekretär Genoffe König unter anderem auch darauf hin, daß die Agitation äußerst lebhaft betrieben worden sei., Ueber den Meineidsprozeß Schröder und Genossen ist eine Aroschüre in 40 000 Exemplaren gedruckt worden. Für die Agi- tation unter den polnischen Arbeitern ist der Genosse WojciechowSki im Bezirk tätig. Sein Bericht erwähnte die Schwierigkeiten in der Agitation unter den polnischen Arbeitern. Nach einer ausgedehnten Debatte, in der die mancherlei Schwierigkeiten im Bezirk erörtert, die geleistete Arbeit gewürdigt und Vorschläge zu einer noch wirksameren Agitations- und Or- ganisationsarbeit gemacht wurden, wurden eine Anzahl Anträge der Bczirkskommission überwiesen. Ein Antrag, den Jahresbericht in Broschürenform in Zukunft eher zu versenden, wurde angenommen. Dem Bezirkskassierer wurde Entlastung erteilt. Weiter wurde be- schloffen, für den ganzen Bezirk einen MaifeierfondS zu gründen, Dazu 25 Proz. der Maifeieruberschüsse zu verwenden und von den politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern einen Jahres- beitrag von 25 Pf. zu erheben. Am Sonntag wurden die Verhandlungen fortgeführt. Wie am ersten Tag wurde auch die Verhandlung am Sonntag Polizei- lich überwacht. Die Behörde hatte dies Vorhaben schon vorher angekündigt und sie blieb auch dabei, trotzdem ihr wiederholt vor- gestellt wurde, daß der Bezirkspartcitag nur die höchste Instanz der in Frage kommenden politischen� Vereine ist. Wie sonderbar die Behörde die Sache auffaßt, geht daraus hervor, daß man unseren Genoffen anheimstellte, bis 1114 Uhr gewissermaßen inoffiziell zu tagen, unter Ausschluß von Zuhörern. Die eigentlichen Ver. Handlungen dursten erst um 1114 Uhr beginnen, wegen der für öffentliche Versammlungen beliebten SonntagS„heiligungS"praxis. Gegen das Vorgehen der Behörde wurde protestiert und Beschwerde und eventuelle Klage angekündigt. Zum Punkt Bildungsbestrebungen wurde nach einem Referat des Parteisekretärs Genossen Klupsch ohne Debatte ein Regulativ zur Förderung und Reorganisation deS Bildungswesens im Bezirk angenommen. Weiter wurde beschlossen, bei Beschickungen der Parteischule der Genossen aus dem Bezirk dieKostenfürdieUnterhaltung der Familien der Schüler aus der Bezirkskasse zu bestreiten, da sich bishsr Schwierigkeiten ergeben hatten. UeberdieKommunalkämpfeimRuhrbezirkgab dann der Bezirkssekretär Genosse König ein sehr instruktives Referat. König machte am Schlüsse seines zweistündigen Referates den Vorschlag, jetzt daS geltende Sondcrkommunalprogramm des Bezirks zurückzuziehen und das vom Preußentag neu beschlossene Programm als allgemeine Richtschnur zu betrachten. In der NachmittagSverhandlung wurde beschlossen, daß das verhandelte Material in der Oeffentlichkeit nutzbar zu machen sei. Ueber die Rcichstagswahlen sprach der Genosse Hue. Er erörterte im breiten Rahmen die politische Situation und unsere Stellung zu den verschiedenen Fragen. Einige Ausführungen Hues zur Frage der Kolonialpolitik hatten eine kurze Aussprache im Gefolge, an der sich die Genossen Wctzker-Bochum und Schöbe!- Dortmund beteiligten. Ein Antrag, der die Propagierung des Schnapsboykotts auch während des Wahlkampfes bezweckte, wurde angenommen. Desgleichen-in Antrag, die ausgesperrten Tabalarbeiter zu unterstützen. Zum Bezirkssekretär wurde der Genosse Max König- Dort- mung wiedergewählt. Al» der an Stelle de» erkrankten Genoffen Bömelburg aufgestellte ReichStagSkandidat für den Wahlkreis Dor tm und. Hörde wurde der Genosse Dr. E r d m a n n- Köln bekanntgegeben,_ Toteuliste der Partei. Sonntag früh starb in Wandsbek infolge einer Magen- operation Genoffe R. von Robitzki. Der Verstorbene hat der Partei als Vertreter der Sozialdemokratie im Wandsbeker Stadt» Parlament große Dienste geleistet. Der sozialdemokratisch« verein des 8. und 10. schleSwig-holsteinschen Reichstagswahlkreises verliert in ihm einen umsichtigen Vorsitzenden und daS„Hamburger Echo" seinen tüchtigen Gerichtsberichterstatter. Auch als Berichterstatter des„Vorwärts" war der Verstorbene tätig. Die Parteigenossen werden sein Andenken in Ehren halten. Sosiales. Entstehung und Erkennung der Bleivergiftung««. Zum Verständnis der außerordentlichen Mannigfaltigkeit und Verbreitung der nicht nur in Gewerbebetrieben, sondern auch im häuslichen Leben vorkommenden Bleivergiftungen und von der Notwendigkeit entsprechender Vorbeugungs- und Verhinderungs- maßregeln wird es beitragen, wenn man nachgewiesene ver- schiedenartige Fälle von Bleivergiftungen und ihren Verlauf mit- teilt. Denn nur dadurch wird die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen schlimmen Feind der Gesundheit gelenkt. Wer hätte z. B. in folgender Angewöhnung die Gefahr einer tödlichen Bleivergis- tung vermutet? Ein zweijähriges Kind hatte die Gewohnheit, an der weiß angestrichenen Bettstelle zu lutschen. Als eS nach einiger Zeit von anhaltendem Erbrechen und schwerer Kolik bc- troffen wurde, dachte man an Magenerkältung und wandte, verschiedene Hausmittel an, bis ein Arzt bei Untersuchung deS Harnes und Kotes Blei fand und man so auf die Ursache der Vergiftung kam, aber zu spät, um daS Kind noch retten zu können.(Berliner Klinische Wochenschrift 1910.) Kurz darauf wurden aber auch einige Fälle von Bleivergiftung durch mit Bleiweißcmaille lackierte Spazierstöcke festgestellt. Bei einem seit 1% Jahren in Dienst stehenden österreichischen Eisenbahnkondukteur zeigte sich starker Bleisaum am Zahnfleisch, Zeichen der Bleivergiftung, �die durch den Gebrauch der von der Bahn gelieferten Signalpfeife hervor- gerufen war, welche fast ganz aus Blei bestand. Hierauf kauften sich die meisten Kondukteure lieber vernickelte Pfeifen. Viele schwere Bleivergiftungen von Kindern kamen nach Turne (Brit. med. Jonrn. 09) in Brisbane in Australien vor. wo die meisten aus Holz gebauten Häuser mit einer weißen Bleifarbe angestrichen waren, die mit der Zeit abblätterte und deren Stäub die Kinder beim Haschspielen in den Mund bekamen. Auf eine Gesundheitsschüdigung durch Tapeten weist Becker in der„Zeit- schrift für Medizinalbeamte" Bd. 21 hin. Sämtliche Leute, die in dem Zimmer schliefen, wurden chronisch bleikrank. Mehrfach wurde Bleivergiftung konstatiert, die verursacht war durch in der Schußwunde gebliebene Blrigeschoffe. Niemann beschreibt im „Archiv für Hygiene" 09 eine umfangreiche Maffcnerkrankung durch bleihaltiges Brotmehl, die in Regenborn. Kreis Holzmindcn. auftrat. 1908 wurden unter 1096 Einwohnern 119.Fälle fest- gestellt. Die Mahlscheiben waren mit Blei ausgegossen. Die meisten Bleierkrankungcn kommen freilich bei Arbeitern in Blei- färben- und Bleirührenfabriken vor, ferner bei Anstreichen,, Malern, Lackierern. Akkumulatorcnarbcitcrn, Töpfern, Feilen- Hauern. Blcilötern, Schriftgießern und Schriftsetzern, für die mehr- fach deshalb Schutzbcstimmungen erlassen sind, die freilich zur gänzlichen Verhütung von Bleierkrankungen meist ungenügend sind. Aber es gibt auch eine Reihe Gewerbe, in denen Bleivergiftungen nicht selten sind, für die noch keine Schutzbestimmungen erlassen sind. So teilt Großmann in der„Wien. klin. Wochenschr." mit. daß bei der Verwendung von Bleischeiben beim Polieren von Edelsteinen die Arbeiter bleikrank wurden, ebenso Hutmacher beim Imprägnieren weißer Damenhüte mit Bleiweiß. Schwere For- men von Bleivergiftung sah Tcleky(„Münch, med. Wochenschr." 06) bei Arbeiterinnen, die aus mit Bleizucker imprägnierter schwarzer Seide Fransen für Kopstücher knüpften. Wengler..(„Münch, med. Wochenschrift" 1911) konstatierte bei 5 Familien Bleivergiftung durch mangelhaft glasierte Töpfe, die bei der Prüfung Blei ab- gaben. Schlegel wies in der„Pharmaz. Zentralst." 99 auf Abzieh- bildern Bleichromat nach, das bei der Prüfung leicht an angefeuch- teten Fingern hängen blieb und dadurch Veranlassung zu Vergif- tungen gab. Gewerberat Laurisch in Pankow und andere Ge- werbcaufsichtsbeamte haben bei Gelegenheit von Revisionen fest- gestellt, daß bei dem Auftupfen der stark bleihaltigen Pulver- förmigen Glasuren auf Porzcllanflaschenvcrschlüsse und andere Porzellanteile, nachdem diese mit dem Firmenstempel usw. ver- sehen sind, die damit beschäftigten Arbeiterinnen infolge unge- nügender Staubabsaugung starken Bleivergiftungen ausgesetzt sind. Die Erkennung einer Bleivergiftung ist schwierig. Die Vergiftung verursacht wohl meist Kolikschmerzen und Lähmungen, aber diese zeigen sich auch bei anderen Erkrankungen. Das Borkommen eines bleigraucn SaumcS am Zahnfleisch zeigt sich durchaus nicht bei allen Bleierkrankungen, so daß das Fehlen dieses Bleisaumxs am Zahnfleisch noch keine Sicherheit für das Nichtvorhandensein einer Bleivergiftung ist. In manchen Fällen kann eine Bleivergiftung durch Röntgenbilder festgestellt werden, da sich daS Blei oft an be- stimmtest Körperteilen absetzt. Im Blut kann es nach der Ent- deckung deS kürzlich verstorbenen Professor Grawitz ziemlich sicher durch daS Vorhandensein von basophilen gekörnten Erythrozyten nachgewiesen werden, Feststellungen, die natürlich nur von Fach- männern gemacht werden können. In neuerer Zeit sind wohl die Schutzbestimmungen für Maler, Lackierer, Feilcnhauer, Schriftsetzer und-gießer vervollständigt und verschärft worden, aber ein gänzliches Verbot der Verwen- dung von Bleifarben und Glasuren für Maler, Anstreicher, Töpfer usw., was das sicherste Schutzmittel wäre» hat das Bleiwciß- syndikat immer noch zu verhindern gewußt. Und doch wäre solch Verbot dringend nötig und leicht durchführbar, Euq Industrie und Kandel. Der Abschluß der Laurahütte. In der Generalversammkung der Bereinigten Königs, und Laurahütte äußerte sich General- dircltor Hilger über die allgemeine Geschäftslage dahin, daß am Eisen markte seit Abfassung des Aeschäftsbe- richts sich im Einklänge mit den internationalen Märkten außer Amerika die Lage weiter gebessert habe, und daß im besonderen die heimische Wirtschaftslage nach oben tendiere. wofür er als Beleg die günstige Gestaltung der Einnahmen der deutschen Eisenbahnen anführte. Die Inlandsnachfrage sei weiter befriedigend, so daß auch die GeschäftSentwickelung des Unter- nchmens in den einzelnen Monaden sich weiter zufriedenstellend ge* staltet habe, trotzdem die Preise noch immer zu wünschen übrig ließen. Auch am russischen Eisen markte zeigte sich bei leicht anziehenden Preisen eine Befestigung. Weniger be- f r ie d i g e n d sei dagegen die Lage am Kohlenmarkte. Von der sich vereinzelt zeigenden Besserung konnte die Laurahütte bisher wenig Nutzen ziehen, da. der außerordentlich starke Wagen- m a ng e I und der verschärfte englisch« Wettbewerb den Absatz beeinträchtige. Die Haldcnbestände seien infolgedessen von 94 000 Tonnen auf 110000 Tonnen angewachsen. Die Ober» schlesische Kohlenindustrie habe noch immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen, und eS sei zu befürchten, daß sie sich nach Fertigstellung des Berlin-Stettiner Großschiffahrtsweges noch verschärfen wttden, da dadurch das Heranbringen der englischen Kohle weiter erleichtert werden dürfte. Das erste Quartal- des laufenden Geschäftsjahres hat- einen Ueberschuß von 1 767 000 Mark gegen 1 412 000 Mark im Vorjahre crgebeu, der hauptsächlich aus dem Hüttenbetriebe herrührt. Der Auftragsbestand hat sich von 14 575 000 Mark am 30. Juli d. I. auf 15 200 000 Mark am 1. Oktober d. I. erhöht, Gcwerklcbaftlichca. ßcrtin und llmgegend. Die„Fensterfrage" beschäftigte am Montagabend im GeWerk. schaftshause eine Versammlung der Stukkateure. Diese Frage be» steht darin, wie der behördlichen Verordnung, daß aus Bauten die Arbeitsräume, wo Stukkateure und andere Bauarbeiter tätig sind, vom l. November bis 1. April durch Türen und Fenster geschlossc» sein sollen, Geltung zu verschaffen ist. Der Arbeitcrsckretär Gustav Link hielt den Versammelten einen Vortrag über Bau» arbeiterschutz und kam auch aus die Fensterfrage zu sprechen. Er hob hervor, datz neuerdings ein Erlaß der Behörde die Ausdehnung des genannten Termins gestattet, wenn es sich um Gegenden mit strengeren Temperaturen handelt. Leider haben jeweilige Bauten- kontrollen gezeigt, daß die Bestimmung von den Unternehmern viel. fach nicht erfüllt oder umgangen wird, und daß die Arbeiter ge- wöhnlich nicht den Mut haben, auf die Erfüllung dieser Verpflich- tungen zu dringen. In den letzten Jahren tauchte regelmäßig um diese Zeit die Fcnsterfrage auf, aber eine befriedigende Lösung ist bisher nicht gefunden worden. Dix Organisation ist diesmal ent- schloffen, sehr energisch für die Lösung der Frage zugunsten der Arbeiter einzutreten und erwartet die unbedingte Unterstützung durch die Mitglieder. Die Verwaltung empfahl den Versammelten die Annahme der folgenden Resolution: „Vom 1. November ab sind die Arbeitsräume zugsicher und frostfrei herzustellen und haben die Kollegen diesen wie jeden anderen Punkt des Tarifvertrages zu beachten. Sind Kdllegen genötigt, zur Erreichung dieser Forderung am 1. November die Arbeit einzustellen, haben sie sich im Bureau zu melden und er- balten bei täglicher Kontrolle die statutarische Streikunterstützung. Wer sich nach dem 3. November meldet, hat keinen Anspruch auf Unterstützung, ebensowenig diejenigen, die etwa nach dem 1. November auf Bauten anfangen, wo die Arbeitsräume nicht unseren Forderungen entsprechen." Einstimmig wurde die Resolution angenommen. Am 4. No- vember wird durch eine Bauten kontrolle festgestellt werden, ob die Arbeiter auf Erfüllung ihrer Forderungen in allen Fällen den nötigen Nachdruck gelegt haben. Generalstreik im Caf�hausgcwerbe oder— General- Unsinn? Die Berliner bürgerlichen Zeitungsredaktionen erhiellen gestern folgendes als.Vertraulich' bezeichnetes Schreiben: Sehr geehrte Redaktion I ES dürfte Ihnen nicht unbekannt sein, daß während der letzten Wochen wiederholt wirtschaftliche Kämvfe zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Berliner CaföbauSgewerbe stattgefunden haben. «n verschiedenen Stellen ist es zu Streiks gekommen. Wir sind in der Lage. Ihnen mitzuteilen, daß sich nach dieser Richtung hin für den kommenden Monat sehr ernste Dinge vorbereiten, die die Auf- merkkamkeit des Berliner Publikums in hohem Grade in Anspruch nehmen dürften. Wenn Sie Interesse an diesen Dingen haben, so laden wir Sie hiermit ein, einen Mitarbeiter Ihres geschätzten Blattes zu einer morgen. Dienstag sSI. Ott D. Red.), na»m. S Uhr. im Verbandsbureau, Zimmerstr. 95/96, stattfindenden Konferenz zu ent- senden. Doch bitten wir Sie, dem von Ihnen bestimmten Herrn daö vorliegende Schreiben mitzugeben. Bis dahin zeichnen hochachtungsvoll Verband der Casöhaiisbesitzer Deutschlands gez. Rolf Sommer. Bertraulichl Der Sekretär Sommer war früher Mtarbeiter der Bruhn- scheu»Wahrheit' und war in dem bekannten Ervresser» Prozeß verwickelt. Der Einladung waren etwa acht Bericht- erstatter gefolgt, die, bevor sie mit Herrn Sommer zu» �.'Fammenkamen, bereits die neueste Nummer des.Gastwirts- gehilfen', in welchem die Scharsmacherei der CafätierS gebührend gekennzeichnet war. in die Hand bekommen hatten. Herr Sommer gab dann den Erschienenen einen sogenannten objektiven Bericht über die Lage der EasöhauSbesitzer. Er klagte über die schlechten Zeiten und die geringe Lust der CafötierS, den Weisungen der Or- fiamsation zu folgen bezw sich überhaupt zu organisiren. Bon 4000 eien nur 1000 Caföhausbefitzer im Verbände. Hinzu komme, daß den Prinzipalen bei ihrer Lauheit die Presse nicht in dem Maße zur Verfügung stehe wie den Angestellten, die gleich großes Tam-lam schlügen, wenn sie irgendeine Differenz mit den Besitzern hätten. Namentlich der.Vorwärts' leiste in dieser Beziehung ganz Un- glaubliches. Eine Möglichkeit, mit den Angestellten zu verhandeln. gebe eS gar nicht. Die Berliner Führer seien derartig rabiat, daß mit ihn�n jede gütliche Vereinbarung aus- geschloffen sei. Im Dezember sei nun von den Angestellten im Berliner Caföhausgewerbe ein G e n e r a l st r e i k geplant. Nach seinen Erfahrnngen in Hamburg, wo Blut geflossen sei, wo geschaffen und geprügelt wurde, müsse man sich darauf gefaßt machen, daß in Berlin die Sache noch viel schlimmer werde. In den Easos der Friedrichstraße würde dann wohl kein Fenster ganz bleiben. Um diese schreckliche I Tat unmöglich zu machen, sei es notwendig, beizeiten Vorsorge zu treffen. Sommer machte dann einige Andeutungen, datz man sich Personal beschaffen müsse. Wie eS schien, dachte er dabei an Ausländer, wie das echten Patrioten zukommt. Er rückte in der Beziehung nicht so recht mit der Sprache bdrauS, da die Angelegenheit, wie er meinte, ge- heim bleiben müsse. Das Schreiben und die Anskührungen des Sommer zeigen, wo- hin die Fahrt geht. Die Angestellten wollen den Frieden. Lassen sich die Cafelicrs durch diese Scharsmacherei beeinflussen, dann haben sie sich die ernsten Folgen selbst zuzuschreiben. Vier Fünftel aller Caföangestellten gehören der gewerkschaillichen Organisation an: sie werden, wenn es sein muß, den Fehdehandschuh ausnehmen. Das Publikum weiß aber jetzt, wo die Störenfriede zu suchen sind. Die Tarifbewegung in der Damenkonfektion. Der von einer Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen sowie der Zwischen- mcister der Damenkonfektion am 20, Oktober beschlossene Lohntarif ist den Konfektionären eingereicht worden. Diese kdiben sich be- reit erklärt, mit den Organisationen, welche den-laris einreichten, zu verhandeln. Der Zeitpunkt, an dem die Verhandlungen be» ginnen sollen, steht noch nicht fest. Aus Aeußerungen von Kon» fektionären ist zu entnehmen, daß sie die Forderungen als zu hoch bezeichnen, datz sie aber annehmen, ein Streik werde vermieden werden können, wenn sich die Parteien aus einer mittleren Linie einigen. Neuerdings haben Konfektionäre unter ihren Arbeitern und Arbeiterinnen hcrumgefragt, wer organisiert ist. Vielleicht tvollen sie aus dem Ergebnis der Umfrage Schlüsse ziehen auf die Aussichten eines etwaigen Kampfes. Am Montagabend veranstaltete der Schneiderverband vier öffentliche Versammlungen für die Arbeitnehmer der Damen- konfektion. Die Referenten Heitmann. Knoop, Kunze und Saba4h gaben Bericht über den gegenwärtigen Stand der Bewegung. Sie betonten, daß die Arbeitnehmer eine friedliche Erledigung der Bewegung wünschen, jedocki würden sie den Kampf nicht scheuen, wenn es nicht anders möglich sein sollte, eine durch- greifende Verbesserung der überaus schlechten Löhne in der Damenkonfektion zu erreichen. Unbedingt werde der Abichluß eines festen Lohntarifs verlangt. Hierin stimmten auch die Versammlungen vollkommen Mit den Referenten überein. In der Erkenntnis, daß eine starke Organisation die notwendige Voraussetzung einer erfolgreichen Lohnbewegung ist, ließen sich viele, die den Weg zur Organisation bisher noch nicht gefunden hatten, in den Verband aufnehmen. In allen Versammlungen wurde die folgende Resolution ein- stimniig angenommen: �,,.... „Die am 30. Oktober versammelten Damenkonfcktions- schneider,-Schneiderinnen und Bügler erachten es als e»ne dringende Notwendigkeit, eine Ordnung ihrer Lohnverhältnifie im Nahmen des Minimalpreistarifs vorzunehmen. Die von fferantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: > feiten der Konfektionäre wiederholt ausgesprochene Behauptung, daß dieser Tarif unannehmbar sei, läßt sich nur dahin ver» ! stehen, daß eine Verständigung von dieser Seite nicht geplant ist. Die verlangten Lohnerhöhungen gehen keineswegs über das Matz dessen hinaus, was der Arbeiterschaft unter Berücksichtigung der derzeitigen Wirtschaftslage billigerweise zugestanden werden muß. Die Versammelten haben Kenntnis genommen von der Erörterung des Tarifs in der Ausschutzsitzung des Verbandes Deutscher Damen, und Mädchenmäntelfabrikanten, in welcher auch die Frage aufgeworfen wurde, wieviel Schneider und Schneiderinnen den Organisationen, die den Tarif aufgestellt haben, angehören. Die Versammelten ziehen hieraus die Schluß- folgerung, für die Stärkung des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen in noch erhöhterem Maße wie bisher Sorge zu tragen, um so, wenn es den Konfektionären einfallen sollte, eine friedliche Verständigung zu verhindern, ihnen zu zeigen, wieviel Schneider und Schneiderinnen den Organisationen angehören, die es ihnen ermöglichen, die Tariffrage auch durch den Kampf zu lösen. Die Versammelten sind nach wie vor bereit, die fried- liche Verständigung herbeizuführen, aber nur so weit, als eine friedliche Verständigung ih�en Interessen noch entspricht. Sie erwarten daher, datz die Unternehmer ihren berechtigten An- sprächen Rechnung tragen." Ter Streik der Berliner Eisenformer und Giesterei- arbeiter. Gestern waren die Streikenden wieder vollzählig in den zwei Versammlungen erschienen, um zum Stand des Streiks Stellung iu nehmen. Cohen teilte mit, daß eigentlich Bemerkenswertes sich eit der letzten Streikversammlung nicht ereignet hat. Hier und da werden ja in den letzten Tagen Versuche gemacht seitens einiger Gietzereibesitzer. mit unseren Streikposten Fühlung zu nehmen, jedenfalls um auf diese Weise zu versuchen, über die Stimmung der Streikenden etwas herauszubekommen. Auch wird bei solchen Gelegenheiten versucht, unter den Streikenden Mißstimmung gegen den Streik hervorzurufen. Ein Gietzereibesitzer behauptete, er wisse gar nicht, warum eigentlich gestreikt wird. Äe Antwort darauf ist höchst einfach: Den Formern und Gießereiarbeitern haben die Zugeständnisse, die die Arbeitgeber bis zum 6. Oktober gemacht hatten, nicht genügt. Sie wollten mehr haben, und da keine Aussicht bestand, ohne Arbeitsniederlegung dieses Mehr in absehbarer Zeit zu bekommen, so wurde beschlossen, die Arbeit niederzulegen, um auf dies« Weise schneller und sicherer weitere Zugeständnisse zu erlangen. Das ist den Herren seiner- zeit schriftlich und mündlich mitgeteilt, und ist es deshalb äußerst verwunderlich, wenn trotzdem da und dort ein Arbeitgeber erklärt, er wisse nicht, warum eigentlich gestreikt wird. Auch sonst werden eine Reihe kleinerer Manöver versucht, um dadurch die Situation für die Arbeiter günstig zu gestalten. Die Herren Arbeitgeber sollten sie doch eigentlich sagen, daß mit den beliebten Mittelchen bei den Berliner Formern und Gictzereiarbeitern nichts zu machen ist. Die verfangen nicht und lassen sich dadurch die Streikenden nicht beirren. Im Gegenteil, nach Informationen, die aus allen Betrieben einlaufen, ist die Haltung der Streikenden eine durchaus mustergültige und beweist, daß die Energie, mit der der Streik be- gönnen ist, durchaus noch nicht nachgelassen hat. In der Diskussion wurden nur zustimmende Bemerkungen geäußert, aus denen hervor- geht, daß keiner der Streikenden daran denkt, sich irgendwie durch die Versuche der Arbeitgeber verleiten zu lassen. In den Rixdorfcr Miillabfuhrbctriebcn ist eS am Montag früh zu eiuer abermaligen Arbeitsniederlegung gekommen. Die Unter- nehmer batten. gezwungen durch das Borgehen der Kut'cher und Mitfahrer, ihre Zilgeständnisse erweitert und den verlangten Lob» von 34 M. für Kutlcver und 31 M. für Mitfahrer bewillig:; sie hatten sich aucv verpflichtet, den Tarifvertrag durch Unterschrift an- zuerkennen. Später lebnten sie dies aber ab, weshalb die Arbeiter besctilosien, erneut die Arvest niederzulegen. Dieser Besiblnß wurde am Montag früh einmütig durchgeführt. Von 22 bestreiklen Unternehmern erkannten darauf 14 den Tarif unterschriftlich an, so daß der Wreik noch bei 8 Unternehmern besteht. ie Arbeiter legen deshalb besonderen Wert auf die Schaffung eines Tarifvertrages, weil die Erfahrung gelehrt hat. daß vielfach die Fuhrberren kurze Zeit nach den früheren Bewegungen die Löhne wieder gekürzt haben. Oeutfchcs Reich. Bei den Aeltcstcnwahlen für den Allgemeinen KnappschastSverei» brachte der alte Bergarbeiterverbänd sieben Vertreter durch, während der christliche Gewerkverein nur einen Vertreter erhielt. Ueber die Beendigung des Streiks in der Schokoladen- und Zuckerwarcnindustrie zu Dresden wird noch folgendes berichtet: Die Vermittelung des Oberbürgermeisters hatte zunächst eine Vorbesprectlung der bestreiklen Firmen zur Folge, in der diese er- klärten, daß sie die Vermittelung ablebnen müßien, weil sie soeben in einer Sitzung beschlossen hätten, dem Syndikus ihres Verbandes Vollmacht zu erteilen, mit der Organisation der Arbeiter zu ver- handeln. Die Unternehmer erkannten also nun den Zentralverband al» verhandlungssähig an. In den Verhandlungen wurden als Löhne festgesetzt: Für Arbeilerinnen bis zu ltt Jahren pro Stunde lb— 17 Pf., Über 16 Jahre 17—22 Pf., für männliche Arbeiter bis!6 Jahre lb bis 20 Pf., über 16 Jahre 22—28 Pf., über 18—20 Jahre 29-32 Pf. Mit Ausnahme der beiden letzten Gruppen ist nach vier Wochen Be- ichäfiigungsdauer der Mindcstlohn um einen Pfennig zu erhöben. Für Arbeiter über 20 Jahre, für die nach dieser Fest'etzung mehr als 32 Pf. gezahlt werden müssen, ließen sich bestimmte Lohn- steigerungen nicht erreichen, dies blieb der freien Bereiiibaruiig überlassen. Für gelernte und Spezialarbeiter unter 20 Jahren wurde» 34 Pi. und für ältere 40 Ps. Sliindenlobn und nach'/�ährigrr Beichäsligung 1 Pf. Zulage als Minimollohn erreicht. Arbeiter, die diese Löhne schon haben, erhalten pro Stunde 2 Pf., Arbeiterinnen im gleichen Falle 1 Ps.Lobnzulage. Akkordarbeitern wird der Wochenmindest- verdienst garantiert. Ueberstunden sollen wochentags mit 20 Proz., Sonntags mit 30 Proz. Ausschlag bezahlt werden. Bestehende höhere Zuschläge dürfen nicht gekürzt werden. Nach zehn Jahren Beschäftigung ist ein Sommerurlaub von sechs Tagen uuter Fort» zahlung des halben Lohnes zu gewähren. Akkordarbkiter erhallen hierfür bis zu 15 JK., Alkordarbciterinnen bis 10 M. Entschädigung. Der Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs wird anerkannt. Die Akkord» preise sind im Fabrilsaale auszuhängen. Die Arbeiter und Arbeite- rinnen tollen nach Möglichkeil iuieder eingestellt werden, soweit die Posten nicht schon anderweitig besetzt sind. Ueber die Festsetzung der Arbeilszeit gab eS einen langen Kampf. Der Vertreter der Unleriiehiner verweigerte auS„prinzipiellen' Gründen, allgemein die 9'/3 ständige Arbeitszeit anzuerkennen, ver» sprach aber, dahin zu tviile». daß auch die Firmen, die noch eine längere Arbeitszeit habe», in absehbarer Zeit den anderen folgen werden. In den Versammlungen der Streikenden, die am 30. Oktober stattfanden, wurde bedauert, daß für die Arbeiter jetzt keine größeren Erfolge erzielt werden konnlei,. Aiierka»», wurde aber, daß die nledrigste» Löhne eine Aufbesserung ersahrc» und nunmehr wenigstens eine Grundlage zu weilerein Aufbau geschaffen ist, da die Unter. nehmer durch den Kainpt gezwungen worden sind, ihren ablehnenden sloiidpunkl gegen Vereiiibaiuugen mit der Orgaliiiatio» aufzugeben. Die Arbeit ist also jetzt wieder aufgenommen. Sache der Arbeiter ist e» nun zunächst, etwaigen MaßregetungSversuchen einzelner Fabrikanten mit aller Energie entgegenzutreten. Eine fette Ente. Durch die bürgerliche Presse läuft eine Notiz, nach der der Lerter der Vertvaltungsstelle des Metallarbeiter- Verbandes ui DurSburg Unterschlagungen begangen haben soll und dann durchgebrannt sei. Wie wir hierzu erfahren. ist diese Meldung durchaus unwahr. In der Duisburger Per- waltungSstelle der Metallarbeiter ist weder eine Unterschlagung vorgekommen noch ist irgendein Beamter durchgebrannt oder sonst in irgendeiner Weise aus seiner Stelluna geschieden. Versammlungen. Die sozialdemokratische Kandidatur im 24. Kommunal- Wahlbezirk. Unsere Genossen hatten sich gestern abend zahlreich zu der vom sozialdemokratischen Wahlkomitee für den 24. Kommunalwahlbezirk nach der Brauerei Friedrichshain einberufenen öffentl'chen Wähler- Versammlung eingefunden, um ihren Kandidaten für die am kom- Menden Sonntag vorzunehmende Stadtverordnetenwahl aufzustellen. Genosse Eugen Brückner referierte unter dem Beifall der Per» sammelten über tommunalpolitische Fragen. In eingehender Weise legte er dar, wie die Sozialdemokratie im Gegensatz zum Berliner Sladtfreisinn ihre Aufgaben in der Stadtverwaltung auffaßt und datz jeder Fortschritt auf dem kommunalpolitischen Gebiete haupr- sächlich der Wirksamkeit unserer Vertreter im roten Hause zu danken ist. Nach etwa halbstündiger Diskussion wurde der Referent ein- st immig als Kandidat aufgestellt. Nach einem Appell des Vorsitzenden Friedländer zur eifrigen Wahlagitation gingen die Versammelten siegeszuversichtlich auseinander. Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr.>4 Verlagsanstalt Letzte Nachrichten. Der Nachfolger des österreichischen Ministerpräsidenke«. Wien. 31. Oktober.(W. T. B.) Als Nachfolger des Freiherrn v. Gantsch gilt der„Neuen Freien Presse" zufolge der bisherige Unterrichtsminister Graf Stuergkh. der in der letzten Woche zweimal beim Kaiser in Audienz war. Tas Kabinett des Grafen Stuergkh dürfte ein reines Beamten- kabinett mit provisorischem Charakter und ein Uebergangs- Ministerium darstellen._ Aus dem englischen Unterhaus. London, 31. Oktober.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Unterhauses stellte RonaldShay an den Staatssekretär Grey die Anfrage, ob und aus welchen Gründen die russische Regierung gegen die Verwendung schwedischer Offiziere zur Reorganisation der persischen Gendarmerie Borstellungen erhoben habe, und ob der Vorschlag der persischen Regierung, schwedische Offiziere in dieser Eigenschaft anzustellen, von dem britischen Auswärtigen Amt unter- stützt oder bekämpft werde. Grey erwiderte, die russische Regierung habe gegen die Verwendung schwedischer Offiziere zur Organi- sterung der persischen Gendarmerie als eines von der persischen Armee gesonderten Teils keine Einwendungen erhoben, und die britische Regierung habe die schwedische Regierung benach- richtigt, daß sie gegen die Anstellung von schwedischen Offizieren in dieser Eigenschaft nichts einzuwenden habe. Im weiteren Verlaufe der Sitzung stellte King die Anfrage. ob indische Truppen nach Pcrsien gesandt worden seien, ob ferner die persische Regierung zu dieser Aktion beigetragen habe und wann die Truppen zurückkehren würden. Staatssekretär Grey erwiderte auf die erste Frage, daß er sie bejahen könne. Was die zweite an- betrifft, so hat die persische Regierung nichts getan für den Zweck, zu dessen Erfüllung die Truppen abgesandt worden sind, denn die Sicherheit britischen Lebens und Eigentums in Buschir und anders. wo hat nach Ansicht der britischen Regierung noch nicht erreicht werden können. Die persische Regierung ist davon verständigt worden, daß, sobald es ihr gelingt, einen wirksamen Plan für die Wiederherstellung der Sicherheit durchzuführen, die Verstärkungen der britischen Konsularwachen zurückgezogen werden. King fragte weiter, ob die persische Negierung gegen diese Maßnahmen protestiert habe. Staatssekretär Grey bejahte diese Frage. In Erwiderung einer anderen Frage erklärte Grey, die russische Regierung habe ebenfalls zur Bcrstärlung der Konsulats- wachen nach einem Platze hundert Mann und nach einem anderen zwischen Hundert und zweihundert Mann abgesandt. London, 31. Oktober. und der Königin Änna(1702— 17!4> jeden ledigen Mann im Herzogsrang, sobald er das Alter von 25 Jahren überschritten, mit l2 Sovcreign«<240 Mark) und alle anderen Junggesellen mit je l Schilling(l Mark) pro Jahr. Eine Junggesellenstener von wahrhaft rigoroser Strenge besitzt seit dem Jahre 1907 die Republik Argentinien. Dort haben ledig« Männer im Alter von 2V bis 30 Jahren jährlich 25 Mark Jung- gesellensteuer zu entrichten. Für die Jahresklassen von 3V bis 35 Jahren steigt der Sleuerbetrag aus 50 Mark, um dann plötzli-b aus 120 Mark hinaufzuschnellen, die auch dem gebeugten Greise bis zum Alter von 75 Jahren abgeiwmmen werden, worauf eine Er- Mäßigung auf die Hälfte eintritt. Die Steuer ist so konsequent als Strafe für das Unbeweibtsein ersonnen, daß sie auch von dem zum Witwer gewordenen auis neue erhoben wird, wenn er sich nicht innerhalb einer dreijährigen, vom Tode seiner Frau lausenden Frist wieder verheiratet. Belanntlich ist aucki Serbien, von seiner chroniichen Geldknappheit getrieben, vor Jahresirist mit dem Plane einer Junggesellenstener hervorgetreten, und in Massachusetts steht ein Uititnirf zur Beratung, wonach jeder ledige Mann im Aller von mehr als 24 Jahren mit einer FahreSsteuer von 5 Dollar belastet werden soll. Auch in Paraguay trägt man sich mit (2o' Watl)"zu"(t cll e n' 8 �' u"ter eine J°hr-Sstrafe von 5 Pesos «rnJI? e �""agesellensteuern find entweder schon im � Liener» � Lebensdauer daran gescheitert, daß hX n n m f f entsprechend abgestuft wurde und �adn� d-«ch ans rein Junggesellentum derer Rücksicht Eltern�md Beweggründen.. zum Beispiel um �/taN.5«nÄ,- nn�giebig zu unterstützen, zur Ehe- � niamen�a kadnrch J?"?04'*" ÖL'C Bevölkerungszahl ist ebeniowenlg dadurch erreicht worden, ivie die Hebung der bei zunehmender Ehelosigkeit verfallenden Si,te„. Zentralkloaken in Funktion gehalten, die Ströme der giftigsten Verleumdung über das national verwüstete Land ergießen. Die Preßjustiz der„Richter aus dem Volke"(der Be- sitzenden) gibt diesen Infamien völlige Freiheit, die Sanktion des„Rechts" und zwingt die Sozialdemokraten, sich ungestraft mit Schmutz überschütten zu lassen, während ihr jede Kritik Verurteilung und enorme Kostenzahlung bringen kann. Nur die tägliche Aufklärung der Massen kann die Luft reinigen und hier hat sich viel gebessert. Endlich rückt man heraus aus der Rückständigkeit der Wochenblätter und hat schon fünf Tageblätter gegründet. Interessant sind die Schluß- sätze des, wie immer, geistvollen Referats des Leiters der„Wiener Arbeiterzeitung", die wichtige Erkenntnis, daß es vorbei ist mit der Freundschaft der Sozialdemokratie mit dem f. I. schwarzgelben Staat und daß die Regierung an die Spitze der längst zusammengeschlossenen gegnerischen Armee tritt! Und die gleiche Erkenntnis tönt scharf und hell aus allen anderen Berichten, namentlich als Danneberg über die systematische Bildungsarbcit spricht und klar aufzeigt, wie eine Kette bürgerlicher, antisozialistischer Beeinflussung das ganze Leben des Arbeiters, das seiner Klasse bedroht. Und der stürmische Beifall der 260 Delegierten— unter ihnen ist übrigens auch der k. k. Universitätsdozent Dr. Ludo Hartmann— unterstreicht jeden neuen Appell an die Massen draußen: Vorwärts auf allen Linien! «• Innsbruck, 29. Oktober. Zu ernsten und wichtigen Beratungen sind heule abend im Saalgebände der S t a d t s ä l e die Vertreter der deutschen sozial- demokratischen Arbeiterschaft Oesterreichs zusammengetreten. Die Eröffnungsversammlung, zu der der große städtische Saal reich und geschmackvoll dekoriert war. hatte einen Massenbesuch der Genossen und Genossinnen von Tirols bergumwallter Hauptstadt zu verzeichnen. Die Beschickung des Kongresses ist trotz der geo- graphisch sehr ungünstigen Lage Innsbrucks ungewöhnlich stark. Genosse Holzhammer- Innsbruck begrüßte herzlich die 265 Delegierten namens der stark wachsenden Arbeiterpartei des ehedem ganz finsteren Landes Tirol, in dessen Hauptstadt vor wenigen Monaten Genosse Abram im ersten Wahlgang zum Reichsrats- abgeordneten gewählt wurde. An die Stelle von Verfolgungen und Prozessen sind die ungeahnten Lügen und Verleumdungen der Gegner getreten. Auch damit werden wir fertig werden I Aus denn, für Wahrheit und Gerechtigkeit und gleiches Recht für alle! (Beifall.) Von brausendem Beifall umjubelt, ergriff nun Dr. Viktor Adler das Wort: Im Namen der Parteiver- tretung erkläre ich den Parteitag für eröffnet. Unfern altey Holz- Hammer hier in Innsbruck den Parteitag begrüßen zu hören, ist uns eine wahre Freude. Ist es dock fast ein Wunder, daß hier in diesem leider rückständigen Land die früher noch verfemte Sozialdemokratie wächst. Das ist ein Symptom, wie das Klassenbewußtsein alle Teile des Proletariat« ergreift, auch dort, wo die Verhältnisse noch so ungünstig sind. Die Freiheit, die wir brauchen, die wohnt nicht auf den Bergen, die müssen wir erst in sie hineintragen!(Sehr gut!) In harten. Zeiten versammeln wir uns. Die Wahlen im Frühsommcr haben gezeigt, daß wir vorwärts gehen, daß aber auch unsere Gegner wehrhafter werden. Wir standen gegenüber einem terroristischen Verleumdungsfeldzug. den wir so gemein selbst nicht für möglich gehalten hätten.(Sehr ivahr l) Aber das beweist nicht nur einen Mangel an politischer Moral, sondern es zeigt, daß unsere Gegner spüren, wie ihnen unser Wachstum, unser Kampf ans Leben geht! Darum haben wir nicht nur schöne Siege, sondern auch schwere Verluste erlitten gegenüber der geschlossenen und entschßl offenen Kraft aller unserer Gegner, mit der wir es auch später stets zu tun haben werden.(Zustimmung.) Wir sind nicht imstande gewesen, den durch die Wahlrechtsbewegung aufgeackerten Boden überall durch zuarbeiten. Die wichligste Aufgabe dieses Parteitages ist, dies zu prüfen.— Die österreichische Internationale steht vor einer schweren KrisiS. Wir müssen unsere Pflichten in ihr fest- stellen und unS unseren Weg vorzeichnen. An unsere Kaltblütigkeit und Entschlossenheit werden in dieser auch durch die allgemeine Weltlage höchst schwierigen Zeit große Anforderungen ge- stellt. Wir stehen einem Aufbäumen der bürgerlichen Klassen gegenüber, die ratlose Regierung predigt den Krieg gegen die Sozialdemokratie. Weite Schichten neben der Lohnarbeiterschast fangen nun an zu glauben, daß die Teuerung neben den all- gemeinen Ursachen des Kapitalismus noch die Ursache des Egoismus der herrschenden und gesetzgebenden Agrarier und sonstigen Ausbeuter hat. Wir fordern das Recht auf Ernährung, das l�e Agrari-mus dem Volke verweigert. Die Regierung will, daß die Ernährung Oesterreichs abhängig bleibe von Ungarn, sie wagt den Eisenbahnern und„Fixangestellten" zu sage», sie hätten zu schweigen. Jedes Wort der letzten Rede des MnisterS Gautsch ist Provokation gegenüber' dem Volke, den Beamten, den Eisenbahnern, denen er ihren Widerspruch als ein Verbrechen anrechnet. Das ist ein Sympiom: die Regierung provoziert, weil sie den Kampf mit den Eisenbahnern will, um ihre Stärke zu zeigen. Bereit liegen die Einberufungskarten unter militärische Disziplin, die Berhaftsbesehle...(Hört I hört!) Gautsch will als Ordnungsretter erscheinen. Sie erinnern sich, wie die ganze Meute, an ihrer Spitze die Regierung, gegen uns aufschäumte, nach jenen wie bestellte» Schüssen des armen Menschen, der nicht wußte, was er tat. Aber die Verblendeten wissen in ihrem arnien Geiste nicht, daß sie unS Schichten zutreiben, die noch lange nicht nötig hätten, Sozialdemokraten zu sein. (Heiterkeit.) Mit starken Worten allein macht man noch kein Preußen— starke Hand und Schlamperei, das wird so nicht gehen.(Großer Beifall.) Die ausgebeuteten Instrumente der Ausbeutung kann man beleidigen— aber zu Streichen, Staats-, Knuten- oder Bubenstreichen langt's nichi. (Heiterkeit.) Die kommende Zeit wird an uns Anforderungen an die Tapferkeit und— wenn sie den Kampf wollen, so wie vor 20 und 30 Jahren— an das Einsetzen der ganzen Persönlich- keit stellen.(Stürmischer Beifall.) Nun wohlan, wir werden nicht weichen! Man mache sich gefaßt, daß man sich an diesem Granit die Zähne ausbeißen wird.(Erneuter brausender Bei- fall.) Um so notwendiger aber ist Besonnenheit: Sparsam sein mit den Opfern, je näher der Kampf selbst kommt! Prüfen wir unsere Verantwortlichkeit bei jedem Schritt.... Gautsch hat nach dem 17. September seine Richter gegen die Opfer gehetzt.(Pfuirufe.) ES kommen vielleicht noch andere Opfer. Darum sind wir nicht befriedigt von dem Schwung des Aufstiegs des österreichischen Proletariats: seien»vir darum uns bewußt, daß der Kern und die Wurzel der Kraft der Partei das klassenbewußte Proletariat und das allein ist. Deshalb versagen wir keiner Not, weffen immer, unsere Hilfe. Und so wirft die Sozialdemokratie nickt nur für die Zukunft des Proletariats, sondern des ganzen Volkes I Nur von uns selbst kann eine Gefahr kommen, die Gefahren von draußen können uns nicht schaden, sie wünschen wir!(Lang- anhaltender stürmischer Beifall.) Die Konstituierung. Zu Vorsitzenden werden einstimmig gewählt: Perner st orfer, Abram- Innsbruck und T 0 m s ch i k- Wien. Auch die Schrift- führer De Witte, Penz, Richter und Frl. Prost wurden einstimmig gewählt. Vorsitzender Pernerstorf er widmet den verstorbenen Ge- nossen, insbesondere dem Abg. Josef Barth, einen warmen Nachruf. Der Parteitag hat sich erhoben. Insbesondere erwähnt er den unermiidlichen Vorkämpfer unserer großen Sache, Paul Singer. Dann gedenkt der Borsitzende auch der unschuldigen Erschossenen des 17. September in Wien und der Opfer der Justiz. Auch ihr Leiden wird unsere Reihen stärken wider alles Unrecht! Dir Gäste. Vom Vorsitzenden werden nun begrüßt die Genossen Müller und Frau Z i e tz von: deutschen Parleivorstand, Karl Kautsky (Großer Beifall), T r 0 tz k y- Rußland, Dr. K u n f i- Ungarn. Die italienisch-östcrreichische Partei ist vertreten durch die Abgg. P i t t 0 n i und Oliva, die slowenische durch K r i st a n, die rutbenische durch Abg. Withk. Genoffe Müller- Berlin hält eine mit warmem Beifall auf« genommene Begrüßungsrede. Die deutsche Partei hat als ausge» sprachen internationale Partei(Großer Beifall!) die Cut- Wickelung aller Bruderparteien mit brüderlichem Interesse verfolgt. Der Internationalismus ist eine Lebcnsnotwcndigkeit für das Proletariat.(Stürmischer Beifall!) Mit Ihnen verbindet uns die eine Sprache und eine starke Literatur. Ihre Wahlrechtskämpse haben unfern Kampf befruchtet. Ihre Wahlstege 1907 und 1911 haben auch bei uns herzliche Freude erregt: insbesondere die Nieder- Die„arabischen" Kämpfer in Tripolis. Seit dem Eingreifen der Araber in den türkiich-italieuischen Krieg ist ein Umschwung ein- getreten, der hauptsächlich auf die kriegerische Kühnheit der Wüsten- söhne zurückzuführen ist. Die Frage nach ihrem Temperament und Charakter ist jetzt von besonderem Interesse. Diese„Araber" sind natürlich nur zum kleinsten Teil Nachkommen jener Anhänger des Propheten, die um 1050 u. Chr., etwa 250 000 Köpfe stark, nach Nordasrika einwanderten; sie sind vielmehr zum größten Teil arabisierte Berber.und stammen von der Urbevölkerung Nordafrikas her. Die große Bedeutung, die den Berbern zukommt, hat der erste Kenner des komplizierten Bevölkerungsproblems im Mittelmeergebiet, Prof. Theobald Fischer, in einer umfassenden Abhandlung seiner „Mitlelmeerbilder" hervorgehoben. Die Berber saßen schon in vorgeschichtlicher Zeit in ihrem heutigen Wohngebiet. Die Denkmäler der 19. Dynastie in Aegypten stellen die„Libu" bereits dar und zwar als ein blondes und blauäugiges Volk. In der Römerzeit hatten die Berber eine hohe Kultur entwickelt. Es ist dieser hamitiichen Völkergruppe trotz der Ueberflutung durch fremde Eindringlinge vermöge ihrer rückstchls- loten Tatkraft und Zähigkeit doch gelungen, sich ihre besonderen Rassenmerkmale zu erhallen. Die Berber sind eine körperlich außer- ordeiitlicki krästtge und leistungsfähige Rasse, schlank, etwas über Mittelgröße und muskulös. Im Errrage» von körperlichen An- strengungen und Ciubehrungen, bei Witterungsunbilden in Hitze und Kälte leisten sie Erstaunliches. In welche», Maße sie im grellsten Gegensatz zu dem trägen Araber an Körperübungen Gefallen finden, siebt man daraus, daß allenthalben unter ihnen Sportgesellschaften bestehen, die sich zum Schießen, Fechten, Ballspielen usw. zusammen- geschlossen haben. Ihre Hautfarbe ist eine leichte Bräunung, wie bei Südeuropäern, das Haar ist vorwiegend braun, aber auch häufig blond und die Augen blau, das Gesicht offen, frei und intelligent. Nasche FaffungSkrasl, namentlich in praktischen Dingen, und große Arbeitsamkeit ist für den Berber im schroffen Gegensatz zu dein Araber kennzeichnend. Die Berber sind durchaus nicht reine Nomaden; man kann sie höchstens als Halbnomaden bezeichnen, denn Neigung zur Seß- hastigkeit und zum Landbau tritt stark hervor. Staunenswert ist es, wie sie manche trockene» und felsigen Gebirge in Tripolitanien durch künstliche Bewäsieruug und Düngung, durch Terrassierung in wahre Garlenlandschafteli vcrlvaudelt haben. Jedes Dorf und jeder Slam», hat seine getrennte Verwaltung. Von den eigenllichen Berbern unterscheidet man die sogen...Mauren" und„Araber". unter denen man die arabiick sprechenden Städtebewohncr versteht. Doch ist auch bei diesen der Grundstock sicher bcrberisch. Musik. Der Gesangverein„Männerchor Ost" gab am Sonnlag in der Brauerei Friedrichshain ein Herbstkonzert. Außer zwei Solisten wirkte das Berliner To n k ü nstleri n n en- Orchester mit. Es ist schon ein kleines Vcrd:enst, daß uns hier die Bekannt- schaft des»och jungen Orchesters vermittelt wurde. Seine Grün- pung sowie opscrvolle Förderung ist zugleich eine soziale iuvv eine künstlerische Tat. Mit Recht hat ein Kenner vom Range Wilhelm Altmanr.s eine historische Skizze und sachliche Rechtfertigung des hier waltenden Strebens gegeben(in der Zeitschrift„Die Welt der Frau". 1911, Nr. 30). Danach begann die öffentliche Tätigkeit! der Frau als Jnstrumcntalkünstlerin erst anfangs des 19. Jahr- Hunderts. Handelte es sich damals um Solistinnen, so kam der Zusammenschluß zum Orchester erst später, zuerst wohl in den siebziger Jahren in Wien. Damit ging es bergauf und bergab, und nur für llnterhaltunaszwecke gediehen die„Darv-mkapellen" in breiterem Umfang— und sicherlich mit mehr Leide«, als es von außen scheint. Erst die jetzige Gründung, vom Ende des Jahres 1910, verspricht Bestand und eine ernst künstlerische Weitereutwick- lung. Die Seele des Ganzen ist die Komponistin Elisabeth Kuyper. Die Teilnehmerinnen sind Musikerinnen von Beruf. Eine-vielleicht für immer unüberwindliche Schwierigkeit füv ein Frauenorchester sind die massigeren Blasinstrumente, die doch nur von Männern zu behandeln sind. Dazu kommt noch, daß heutzutage Klavier und Geige übermäßig bevorzugt und andere Instrumente leider äußerst selten erwählt werden. Also besteht auch unser Orchester fast ausschließlich aus Streicherinnen. aller- dings u. a. mit einer tüchtigen Paukenschlägerin; der übrige Orchesterbestand mutz zumeist aus männlichen Musikern zusammen» gesetzt werden. Die Damen spielen, nach dem Matzstab deS heute Üblichen und der Schwierigkeiten, die eine solche Schöpfung erst noch im Elemen- tarsten zu überwinden hat, vorzüglich, zeigen besonders einen gleichmäßigen Ton, der höchstens gegen das Ende einzelner Roten und Tonfolgen noch etwas genauer durchgezogen werden könnte. Auch der„Ost", der ungefähr 70 bis 80 Mann umsaht, be, währt sich in ähnlicher Weise mit einem meist guten Durchhalten der einzelnen Töne, mit einer hübschen Klarheit der Vokal«, bei der nur noch die höheren Tenortöne etwas milder und die Konsonanten etwas schärfer genommen werden könnten. Gleiches gilt von dem Solosänger Paul Bauer. Das Programm war wieder etwas sehr bunt, aber dadurch auch vielfach lehrreich; vielleicht könnte in solchen Fällen eine gedruckte Erläuterung nützen— auch durch Hinweise auf die Gründe dev Ueberlegenhcit etwa eines Bruch oder gar eines Mozart über einen U t h m a n n. er. Notizen. Theater chronik. Max Halbes neues Werk„Der Ring des Gauklers" wurde von der Direktion des Deutschen Theater« zur Aufführung angenommen. —Im K u n st g e w e r b e m u s e u m sind von Mittwoch an die Neuerwerbungen der letzten beiden Jahre in einer Sonder- ausstellung zu sehe». — Schon wieder ein Verbot. Das Schauspiel„Peter FehreS Modelle" von T r a l 0 w, das bereits in Hamburg in Szene ging, wurde von der Polizei dein Stadtthcater in Dan zig ver- boten. Das Werk ist u. a. auch von den Hoftheatern in Koburg und Gotha erworben. In Preußen ist da« Gefühl für das Sittliche eben noch mehr entwickelt. kämpfung der christlichsozialen Demagogie. Wir hoffen, manchen klerikalen Bezirk zu erobern.(Lebhafter Beifall.) Weiter Begrübungsansprachen hielten Dr. K u n f i« Budapest, der darauf hinwies, dast der Kampf der ungarischen Arbeiter gegen die Junker auch für Oesterreich von groster Bedeutung sei. und Abg. P i t t o n i- Trieft, der die Notwendigkeit deS internationalen Kampfes de» Proletariats betoute, sowie' Abg. Wityk namens der ruthcnischen Genossen und Genosse K r i st a n- Laibach namens der slowenischen Partei, der auch die politische Lage wirksam besprach. Er schlos; mir dem Wunsche, das, der Parteitag die Grundlage für den Zusammenschluß aller Sozialdemokraten dieses Staate» schaffen möge. Begrüßungsschreiben sandten da? Internationale Sozialistische Bureau(Brüssel), die Unabhängige Arbeiterpartei Englands, die russische und die bo-nische Sozialdemokratie, die Polnische sozialistische Partei. Die Tsch echoslawische Sozialdemokratie(Separatisten) entschuldigt die Abivesenheit von Delegierten. Die gewöhnliche Geschäftsordnung wird genehmigt; es wird getagt werden von 9—12 lind 2—6. S k a r e t beantragt namens der Parteivertretung, den Punkt »Presse" mit bei der B e r i ch t e r st a t r u n g zu bepandeln. ES wird daraus eine MandatSprüfungskommission eingesetzt. Genosse R o h r a u e r- Wien, der greise Obmann des Arbeiter- touristenverein»„Die Naturfreunde", ladet den Parteitag ein, das Vom Verein erbaute SchutzhauS auf dem Padasterjoch zu besuchen. Genosse A b r a m ladet die Delegierten zum Tiroler Volks- fest ein. Innsbruck, 30. Oktober. Vormittagssitzung. Dcu Bericht der Parteivcrtretung erstattet der Parteisekretär Abg. Genosse Skaret. Er verweist u. a. auf die agitatorische Betätigung durch Herausgabe von Leitfaden, Material und Rede- dispostlionen bei allen Aktionen der Partei und begrüßt dann die Organisation des letzten Wahlkanipfes. Im Parteisekretariat ist eine gründliche Reform vorgenommen, ein Archiv angelegt, eine Komniunalberatungsstelle geschaffen und hier sowie im Frauen- sekrctariat sind Parteibeamte angestellt worden. Wir haben Wander- kurse eingerichter. eine Parteischule in Bodenback abgehalten. Die »Sozialdemokratische Korrespondenz" ist für die fünf Tages- Zeitungen unentbehrlich geworden. Noch nicht möglich war bisher die Schaffung einer Unterhaltungsbeilage und einer kommunalpolitischen Monatsichrist. Die Ausgabe von Reichs- ratswahlfondsnrarkcn enipfiehlt der Redner nicht; freiwillige Bei- träge haben bisher stets schlechte Ergebnisse geliefert. Wir schlagen aber vor, Wahlfondsbeiträge(Marken) obligatorisch ein- zuführen, und zwar 29 Heller jedes Vierteljahr, wovon 19 Heller den. Zentral-, 19 Heller dem Bezirkswahlfonds zufließen sollen. Das soll uns instand setzen, auch plötzlich eintreteuden Wahlen gerüstet gegenüber zu stehen. Eine aus Vertretern aller Länder und Wiens zusammengesetzte Kommission soll darüber beraten. Wir beantragen weiter, den deutschen Parteitag nicht mehr jedes zweite, sondern jedes Jahr abzuhalten. Wir leiden sehr unier der Beschränktheit der Mittel. Wenn wir sehen, was die Partei in Deutschland an Agitation leisten kann, möchte man fast vor Neid zerspringen. (Heiterkeit.) Es wird eine Antragsprüfungskommission und eine Kommission für die Wahl der Parteivertrelung eingesetzt. Der Kassenbericht. Partcikassierer Abg. Dr. Ellenbogen: Obgleich die Verhält- nisfe in den zwei Jahren sich erheblich gebessert haben, hat die Partei unbedingt höhere Mittel nötig. Die Parteikasse hatte Ein- nahmen 521689 Kronen 68 Heller, Ausgaben 592 627 Kr. 67 H, 27 Provinzsekretariate werden unterstützt, davon 19 in Böhmen, 2 in Mähren, 3 in Schlesien uslv,, und das deutichösterreichische Sekretariat in der Schweiz. Im Wahlkampfe haben wir immer die bedrohtesten Punkte am stärksten berücksichtigt. Die Wahlen kosteten uns 277 999 Kronen. Aber während ein bürgerlicher Abgeordneter Böhmens 199 999 Kr. für seine Wahl aufwenden muhte, haben wir uns mit der gleichen Summe 26 Abgeordnete verschafft. lGrohe Heiterkeit.) Der Kampf gegen die Verfälscher der Arbeiterbewegung und gelben Arbeiterverführer erfordert immer gröhere Mittel. Der Redner unterstützt dann den Antrag betreffend die Etufühning der obligatorischen Wahlfondsbeiträge. Infolge des kostspieligen Baues de« Wiener Parteihauses ionnlen die Parteiunlernehmungen Heuer zum Wahlkampf nur wenig beisteuern. Redner schloß mit der Auf- forderung, der Partei den'Kriegssonds beizusteuern. Die Parteipresse. Berichterstatter ist Austerlitz, Chefredakteur der Wiener „Arbeiterzeitung": �se besser die Parteipresse verbreitet, je stärker die Massen von ihr beenifluht werden, desto besser sind die Wahlen vor- bereitet, desto geringer die Zabl derjenigen, die erst durch die Wahl- agitation gewonnen werden müssen, desto größer aber auch die Zahl der Agitatoren. Die Einführung des gleichen Wahlrechts hat das Bürgertum gegen uns konzentriert, feine Presse tut nichts anderes, als die Sozialdemokratie verleumden, den schmutzigsten Kampf gegen sie zu führen. Und gerade dort, wo unsere Presse an Verbreitung rückständig ist, haben wir schmerzliche Wahlniederlagen zu verzeichnen.(Sehr richtig!) Nun haben wir seit dem letzten Parteitag zu den Tagesblättern in Wien und Graz die in Reichen- berg, Linz, Salzburg und Innsbruck bekommen.(Bravo!) Sie alle entwickeln sich günstig, sie alle sind aber auch eigenartig, jedes hat sein eigenes Gesicht. Obgleich aber die 165 999 sozialdemokratische» Stimmen in Deutschböhmen zweifellos Stimmen nur von Sozial- demokraten sind, erreicht die Verbreitung der Parteipresse noch nicht die Halste dieser Zahl, ebenso ist es in Mähren und Schlesien. Die Wochenhlattpresse erreicht die Arbeiter nicht und so erstarrt und versteinert die große Masse unserer Wähler zwischen den Wahlen und es muß bei jeder Wahl von Grund auf neu eingesetzt werden. Wir brauchen für diese Wähler neben den Tagesblättern ein anderes Organ: ein Massenblatt. Die Verschmelznng der Blätter von Aussig und Teplitz zu einem Tagblatt ist unerläßlich. Unsere Partei leidet schwer unter der uns mangelnden städtischen EntWickelung. Die industriell wenig entwickelten Städte Linz, Salz- bürg und Innsbruck haben Tagesblätter, die großen Jndustriegebicre in Mähren und Schlesien nicht! Fehlt die Durchackcrung, so ge- wohnen sich die erschlaffenden Geister, an die„Schriflleiler"-Lllgen zu glauben l(Es wird ein Mustervolksblatt,„Da? Volk", verteilt, daS zunächst vierzehntägig erscheinen soll und für das Dr. Friedrich Adler verantwortlicki zeictrnet. DaS Blatt findet lebhaftes Interesse.) Die Stärke der Partei kommt darin zum AuSdrnck, daß die Sammelpunkte der Bewegung vennchrt werden, daß also die Zahl der auch geistig selbständigen Blätter erhöht wird.— Der Redner bespricht dann die vom Parlamentsredakteur des Zentral- organs geleitete„Soz., Korrespondenz", die auch von der Provinz instruiert werden müsse, namentlich über die gegnerische Presse, welche aus dem KorruprionsfondS der Regierung gespeist wird: aus den von zwei jüdischen Fabrikanten gespendeten und mit dem Adels- titcl belohnte» 799 999 Kronen wurde die Begeisterung deS deutsch- christliche» Volkes erzeugt.(Große Heiterkeit.) Heute macht nian autisozialdeinokraiische Korrespondenzen, die die Ministerien. Kousularämter usw.„abonnieren", wie man Kinemaiographen oder Automatenrestaurants erriwtet.(Heiterkeit.) Sie enthalten alle wünschenswerten Sozialistenverleumdungen. alte„Enthüllungen" wohlassortiert auf Lager. Die heutige Gcschworenenjusliz über Preßbeleidigungen bedeutet absolute VerleumdungSfreiheit für Schriftleiter,- völlige Wehrlosigkeit und Reckitlosigken für Sozial- demokraten. Weil dos Volk den Charakter der Politiker als das wichtigste betrachtet, beireibt die kolossale, aber geheime Organi- sation der Gegner vor allem die persönliche Verleumdung der Sozialisten. Die Schlußfolgerung ist die stärkste Verbreitung, der mächtigste Ausba» unserer Presse.(Lebhafte Zustimmung.)— Der Steserent betont nun die große Bcdentniig der PartcimonatS- fchrift„Der Kampf", deren Verbreitung nicht zufriedenstellend ist. Zum Schluß bespricht Austerlitz die zu„Presse" gestellten An- träge, wobei er u. a. hervorhebt, daß die Anfklärimg über die Prinzipien deS Sozialismus in der Kritik der wirtschaftSpolitischen Ereignisse gegeben werden müsse. Unter Hinweis auf Bebels Er- innerungen wünscht er, daß auch Adler schildern möge, wie die österreichische Partei entstand, wie sie wurde und wie sie kämpft. (Lebhafter Beifall.) Er schließt: Zehn Jahre lang waren wir form- lich die österreichische Staatspartei, haben wir gesucht, wie Oesterreich zu einem normal funktionierenden Staat zu machen wäre. Dieses Verhältnis zwischen der revolutionären Sozialdemokratie und dem Staate, als zweien auf seine Erhaltung gerichteten Kräften, ist vorbei. Was für Kämpfe sonst hat denn das Bürgertum in diesem Staate, wo nicht die Junker und die Pfaffen herrschen? Wir müssen un» auf den Kampf des Staates gegen uns. der Staat auf unseren Kampf gegen ihn gefaßt machen. Rüsten, wappnen wir uns gegen die Mächte von oben, in diesem Rüsten spielt die Presse die größte Rolle I(Anhaltender, stünnischer Beifall.) Hierauf tritt die Mittagspause ein. Begrüßungen senden die französischen, schweizerischen, erz- gebirgischeu, südböhmischen Genossen. Für die MandatSprüfungskommission berichtet Abg. Schäfer- Rcichenberg: 259 Delegierte, davon 21 weibliche. sind auweiend; die in den Berufsorganisationen vereinigte» Arbeiter haben 39 Vertreter; 29 Redaktionen der Arbeiterblätter haben dele- giert; ohne weiteres Mandat sind 26 Abgeordneie anwesend Darauf werden die beiden voriniltags beschlossenen Kommissionen gewählt. Den Geschäftsbericht der Parteipresse erstattet der Administrator des Zentralorgans, Genosse Emmerling- Wien. Er kann über bedeutende Fortschritte der„Arbeiier-Zeitung" berichten. Die Mehrcimiahme an Abonnements<4677 Abonnenten mehr) beträgt 62 999 Kronen, der Provinzabsatz ist trotz der Grün- dung der Provinztogeblälter der gleiche geblieben. Die Inseraten« eilinahme ist auf 237 999 Kronen gestiegen. Die Ereignisse im Sep- rember(Teuerungsdcmoiistration, Militarsalven, Prozesse) haben vor- übergehend die Auflage des Wiener Zentralorgans bis auf 127 999 Exemplare gesteigert. Bedauerlich ist, daß die Gewerkschnsten so wenig inserieren. Die„Arbsiterinuen-Zeitung" konnte ihre Auflage von 16 999 in 1998/99 auf 25 999 steigern. Die Beilage„Für die Jugend" und„Freie Stunden" haben dazu mit beigetragen. Die wissenschaftliche Monatsschrift„Der Kampf" wird in 3546 Stück (74 weniger als im Vorjahre) abgesetzt. Die.Bildungsarbeit" hat 2151 Abonnenten, die Verbreitung dieses wertvollen Monatsblaties ist sehr ungleichmäßig. Der Redner schließt mit einer Aufforderung zu tatkräftiger Arbeit für die Parteiprejse.(Beifall.) Bei Postschluß dauert die Sitzung fort. parwmentarilckes. Vcrsicherungsgesetz für Angrstellte. (Sitzung vom Dienstag, den 31. Oktober.) Die Kommission erledigte einen erheblichen Teil des Gesetzes ohne einschneidende Acnderungen, so daß für die erste Lesung nur noch die Frage der Organisation der Schiedsgerichte und des Ober- chicdsgeiicht» und der Abschnitt über die Ersatzkassen zur Be- ratung übrig bleibt. Hervorzuheben ist aus der Sitzung vom Dienstag folgendes: In§ 175 der Vorlage wird dem Bundesrat die Befugnis er- teilt, die Beiträge zu erhöhen, wenn sich ergibt, daß die Leistungen nicht gedeckt werden können, oder umgekehrt die Letstungcii erhöht werden können, wenn es das Vermögen der Anstalt erlaubt. Die Freisinnige Volkspartei beantragte, daß diese Entscheidung dem Reichstag zustehen soll. Ein ähnlicher Antrag wurde von den Sozialdemokraten der Kommission unterbreitet. Die Anträge wurden damit begründet, daß der Reichslag in einer so wichtigen Frage mitwirken müsse. Die Mehrheit lehnte indes gegen die Stimmen der Antragsteller den Antrag ab. Eine längere Debatte rief ein Antrag des Abg. Potthoff hervor, der zu ß 342 beantragte, daß der Angestellte, der zu einem Ehrenamt für die Versichcrungseinrichlungen berufen wird, nur auS einem wichtigen Grund entlassen werden darf. ES ist dieser Antrag den Bestimmungen des preußischen Berggesetzes nach- gebildet, für die auch seinerzeit das Zentrum eingetreten war. Der Redner des Zentrums, Professor H i tz e. und von den Konservativen Abg. Richthofen wandten sich gegen diesen Antrag, da man dem Prinzipal nicht zumuten könne, eine solche Verpflichtung zu übernehmen. Von dem Antragsteller und unseren Genossen wurde der Nachweis geführt, daß leider die Angestellten nicht genügend geschützt werden in Vertretung der Interessen der Angestellten; es ergeben sich schon heute zum Beispiel auS der Teilnahme an den Gewerbegerichten und Betriebskrankcnkassen Unzuträglichkciten für den Angestellten, die ihn hindern, solchen Posten anzunehmen. Maß- regelungen sind gar nicht selten. Auch hier erfolgte die Ableh- nung des Antrages gegen die Stimmen der Antragsteller. Die freiwillige Weiterversicherung will die Vorlage nur den- jenigen gestatten, die mindestens 60 Monatsbeiträge in versicherungspflichtiger Beschäftigung gezahlt haben. Von unseren Parteigenossen wird beantragt, auf 12 Monatsbeiträge herabzugchen. Mit den Anforderungen der Vorlage würden sehr viele Personen geschädigt, die nach kurzer Beschäftigung ihren Be. ruf wechseln müssen, deren Beiträge dann verfallen. So wurde vom Genossen Molkenbuhr besonders darauf hingewiesen, daß Schauspieler, die im Jahre nur ein Engagement von sechs Monaten haben, nie ihre Versicherung fortsetzen können, weil die Vorlage von dem Versicherten verlangt, daß er mindestens im Jahre acht Monatsbeitröge zahlt. Freiwillig darf er aber die fehlenden zwei Beiträge nicht leisten. Vom Zentrum war beantragt, schon nach zehn Monatsbeiträgen die freiwillige Weiterversicherung zu ge- statten. Die Aussprache ergab, daß von allen Seiten das Unzu» längliche der Vorlage anerkannt wurde und einigte� man sich schließlich dahin, schon bei sechs Monatsbeiträgen die Fortsetzung der Versicherung zu gestalten. Damit wäre für die Weiterversicherung eine große Erleichterung geschaffen. Im Z 47 wollten unsere Parteigenossen die Wartezeit für das Ruhegeld kürzen. Sie verlangten für die Gewährung deS Ruhegeldes im Falle der Invalidität den Nachweis von 48 Monatsbriirägen, bei freiwilliger Versicherung von 129 MonatSbeiträgcn. Die Vorlage sah für männliche Personen 129 und für weibliche 69 Monats- beitrüge vor. Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt und folgender Antrag des Zentrums angenommen: Von den Bei- traysmonaicn müssen mindestens 69 auf Grund einer versichcrungs- Pflichtigen Beschäftigung zurückgelegt sein. Sind weniger als 60 Bcitragsmonate auf Grund der VersichcrungSpflicht nach- gewiesen, so erhöht sich die Wartezeit beim Ruhegeld und bei den Hinterbliebenenrenten auf 159 Bcitragsmonate. Ein Autrag unserer Genossen zu K 49 wollte ähnlich wie in der Reichsversicherungsordnung die verfallenen Beiträge wieder zur Anrechnung bringen, wenn der Versickerte aufs neue wieder 48 Monatsbeiträge geklebt hat. Zur Begründung wurde vom Genossen Schmidt darauf hingewiesen, daß der Angestellte, der nach dem Ausland geht oder seinen Beruf wechselt und die Weiter- zahlung der Beiträge verabsäumt, der Versicherung einige tausend Mark schenkt. Diese Bestimmung ist bei den köderen Beiträgen so stark, daß selbst eine private Versicherungsgesellschaft eine solche Ausbeutung der Versicherten nicht betreibt. Gegen den Vorschlag wurde von der Regierung sehr entschieden Einspruch erhoben und die Kommission mit dem Einwand eingeschüchtert, daß die Ver- sicherung die Losten aus alten verfallenen Beiträgen nicht über- nehmen kann. Ter Antrag fand nur noch die Zustimmung der Freisinnigen Volksparici und wurde somit abgelehnt. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt. Bus der frauenbewegung. „Äinderhandcl in Berlin". so lautete daS Thema, über dos die bekannte Schwester Henriette Arendt im Auftrage der Gesellschaft für Mutter- und Kinder- recht, E. V., einen Vortrag hielt, und zwar in der Juryfreien Kunstschau, Potsdamer Straße 3Ss. Der Saal war sehr schlecht besucht, was der Sache wegen zu bedauern war, aber in Hinsicht auf den hohen Eintrittspreis von 1 M. und 2 M. nicht ander» zu erwarten stand. Denn das Volk hat und bezeigt doch das größte Interesse an wirklichen Volksfragen, nicht die so- genannten..gebildeten" resp. besser gestellten Kreise. Schwester Arendt erhob in ihrem Vortrag eine schwere Anklage gegen den Staat, gegen die Kirche, gegen die bestehende Gesellschaftsordnung. Hatte sie in ihrem vorletzlen Vortrag noch erklärt, daß sie bei ihrer Arbeit vielfach die Unterstützung der großen Tagesblättcr gefunden, so klagte sie in ihrem gestrigen Vorirage auch diese, in- sonderhcit ein großes Berliner Morgenblatt, an, daß sie durch die an dieser Stelle schon so oft und schwer von uns gebrandmarkten Kinderhandclrubriken diesen Kinderhandel erhalten resp. be- günstigen. Sie führte als besonders schamlos vorgehend auch einen ..Internationalen Pensionsanzciger", Kommandantenstraße, aus, dessen Annoncen geradezu an die Tierbörse gemahnen, obgleich c» sich um Mcnschenkindlein handelt. Die Schwester erzählte ein- leitend, daß sie während der vergangenen Lier Monate im Norden Berlins unier falschem Namen gewohnt habe, um die dunklen Existenzen kennen zu lernen, die sie über die Machinationen der verschiedenen Adopiionszentralen näher informieren sollten und überhaupt ihr das Studium des Kinderhandcls erleichtern konnten. Daß es einen schwunghasten Kinderhandel hier gibt, steht fest. Streiten läßt sich höchstens über den Umfang. Die Berliner Zentralen unterhalten Filialen»n anderen großen und kleinen deutschen Städten. Daß Kinder zu hohen Preisen durch diese Zentralen und auch durch andere Personen gehandelt werden, wies die Redner!» an Hand ihres Materials mit Namen nach. Diese Zentralen, die die Polizei hier duldet, müssen tatsächlich entsetzlich sein. Verschiedene ihrer Inhaber und Inhaberinnen gehören dem Prostituiertenstande an. In einer solchen Zentrale fei kürzlich ein taubstumme» Mädchen von den drei Geschästsbesitzern ver» gewaltigt worden. Auch die Hebammen vertrieben vielfach Kinder im In- und Ausland. Sie verschachern die Kinder an mehr oder weniger grausame Engelmacherinnen. Eine der Hebammen hat der Schwester erklärt, daß sie nur besseres Material zu vergeben habe, Ofsizlerskinder; besonders von einem schlesischen Regiment würde sie in Anspruch genommen. Die Kinder, die hier geboren, aber nicht polizeilich gemeldet wären, würden gegen Zahlung von 799 M. zum Beispiel in einem Dorfe bei Tegel unter- gebracht, wo die Bauern durch dieses NebcngeschLft ihre Viehzucht vergrößern könnten. Die Kinder stürben dort meistens bald eincö „natürlichen" Todes. Kürzlich sei das Kind eines höheren ver- heirateten Offiziers, Sohn eines Reichstagsabgeordnetcn, das er mit einer 17jährigen Beamtentochter gezeugt, diesen Jammerweg gegangen. Fürchterlich wäre das Vorgehen der„Masseusen", die !.u unzüchtigen Zwecken Kinder ins Ausland verkauften, ohne daß ich die Behörde darum bekümmere. Interessant war, daß die Rednerin sagte, daß viele deutsche Kinder gegen hohes Geld fort- kämen und von den Abnehmerinnen in das Pariser Findel» haus gebracht würden. Deutsche Kinder im Pariser Findelhaus, wer hätte sich das träumen lassen? Und dann wird gar noch zum Kampf gegen die Erhalter dieser armen Würmchen, gegen den Erb- feind aufgehetzt. Die Polizei hat erklärt, daß sie von jetzt an ge- meldeten Kinderhandel untersuchen wolle; das sei natürlich absolut unzureichend. Nach jedem Kinde müsse rc» cherchiert werden. Aber nicht mit dem BureaukratiSmuS, über den der„Vorwärts" vom 21. Oktober berichte, wie er in der Berliner Waisen- resp. Wohlfahrtspflege zu Hause sei. Rednerin las die Worte der Genossin Wehl vor. die auf dem Frauentage in Jena gefallen, die die Hilflosigkeit der Waisenpflegerinnen dartun. Zum Schluß stellte die Neferentin folgende Rcformvorschläge aus: »1. Noch vor der Geburt muß die Fürsorge einsetzen und ein Vor» mund für jedes uneheliche Kind bestellt werden. Am besten wäre die längst von uns Sozialdemokraten geforderte generelle Ein» führung der Generalvollmacht(Teubersches System Leipzig, oder Kollektivvormnndschaft wie in Frankfurt a. M.). Natürlich müsse die Auswahl der Frauen und Männer für diesen Zweck sorgsam getroffen werden.(Frauen aus dem Volke I Keine Pastoren und hochgeborene Damen!) 2. Amiliche Waisenpflegerinnen und Auskunftstellen für die Mädchen, die einer Entbindung entgegen- gehen. 3. Schaffung staatlicher Mütterheime.(Kurzum lauter altbekannte, teilweise weit hinter den Forderungen der Sozial» demokratie zurückbleibend.) 4. Unterstützung der ledigen Mütter, durch Stillprämien usw. d. Strenges Verbot an Eltern und ledige Mütter, ihre Kinder zu verschenken oder zu verkaufen. DaA dürfe höchstens mit Genehmigung der Vormundschaftsbehörde ge- schehen. 6. Alle Hebammen, Entbindungsanstalten, Privatpersonen sind verpflichtet, die ihnen bekannt werdenden Fälle von Kinder» Handel zur sofortigen Anzeige bei dem Vormundschaftsgericht zu bringen. 7. Schaffung staatlicher Kinderasyle, in denen jede? hilsS- bedürftige Kind sofort aufgenommen werden muß. 8. Mißhandlung von Kindern und Verwahrlosung derselben muß der Polizei ge- meldet werden. 9. Die in den Zeitungen erscheinenden Annoncen müssen amtlich kontrolliert werden. Die Schwester schließt: Wären die Frauen einflußreicher auf die Gesetzgebung, würde es wohl bald besser! Wir schließen, wären die Sozialdemokraten stärker im Reichstag und Abgeordnetenhause vertreten, so. würde eS mit dem Berliner Kinderhandel recht bald „Matthäi am letzten" sein. In der Diskussion wurden ländliche Kinderashle gewünscht und zur Bohkottierung der Zeitungen, die mit Kinderhandelrubriken fortfahren, wurde aufgefordert. Leseabende. Zehlendorf(Wannseebahn). Heute abend bei Mickley, Potsdamer Straße. Vortrag. Dr. Georg Plaut:„Hauswirtschaft und Er, nährung". Gencbts-�eitung. ..Teutsche" Turner auf dem Kriegspfade. In der Umgegend von Zwickau in Sachsen liegt ein Ort Auerbach mit lÄX) Einwohnern. Der dortige deutsche Turn» verein hatte sich im Februar dieses Jahres durch General» versammlungsbeschluß dem Arbeiter-Turnerbunde angeschlossen. Das gefiel einigen sich besonders„teutsch" fühlenden Mit- gliedern ganz und gar nicht. Sie strengten eine Klage bei der Zivilprozeßkammer an. Die Klage verlangte Auflösung des Vereins, Teilung des Vermögens und der Geräte. Diese Klage wurde von der Zivilkammer vor einigen Tagen endgültig abgewiesen. Die teutschen Turner gingen recht terroristisch vor. Einige Zeit nach dem Uebcrtritte holten sie sich sämtliche Geräte des Nachts durch Einbruch und brachten sie in einer Scheune eines Bauerngutes unter. Wegen dieses gewaltsamen Vorgehens werden sich in der nächsten Zeit diese teutschen Turner noch zu verantworten haben. Wehe, wenn das Arbeiterturner getan hätten l Eine empfindliche Strafe wäre ihnen sicher gewesen. Bei den teutschen Turnern dürfte man nicht mit Unrecht annehmen, sie seien freizusprechen, denn es habe ihnen der Dolus, also das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit, die Möglichkeit, zwischen Mein und Dein zutreffend zu scheiden. gefehlt._ Der»erfolgte„Correggio", Der im Jahre 1534 gestorbene italienische Maler Clorreggio(sein eigentlicher Name war Allegri au» Correggio) war ein Meister in der Darstellung sinnlicher Schönheit. Zu den bekanntesten von ihm gemalten Bildern gehörten �io und Leda. Die die Entzückung über göttliche Empsängnis prächtig wiedergebenden Köpfe beider Bilder erregten im 18. Jahrhundert das Entsetzen deS frömmelnden Lud» wig von Orleans. Er ließ beide Bilder köpfen. Jo und Leda er» hielten später durch andere Künstler andere Köpfe. Aber auch diese unterlagen ständiger Verfolgung durch Sittlichkeitsfanatiker. So ptfnb Jo gestern als Angeklagler bot der 10. Straflammet des Landgerichts I als— unzüchtiges Mädchen. Sie erzielte, wie wir vorweg bemerken möchten, eine glänzende Freisprechung. Prozessual war wegen Verbreitung unzüchtiger Abbildungen der Geschäftsführer des ,.Novitas"-Verlages, Oskar Heiermann, angeklagt.— Vor einiger Zeit fand auf Veranlassung der Staats- anwaltschaft in den Räumen des genannten Verlages eine Haus- suchung statt. Bei dieser wurden Reproduktionen des Bildes„Jo empfängt den finf? Jupiters" des Regnaultschen Bildes:»Oes trois xräces" und der Bilder von Raphael Kirchner-Paris:„Die Morgentoilette" beschlagnahmt. Die beiden erstgenannten Repro- duktionen stammten aus dem Kunstverlage Stengel u. Co. Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt die Freisprechung des Angeklagten, da nicht festgestellt werden konnte, daß eine Verbreitung jener Bilder stattgefunden habe. Dagegen beantragte er die Ein- ziehung der beschlagnahmten Bilder, da diese als unzüchtig auzu- sehen seien.— Verteidiger Dr. Wcrthaner beantragte auch die Frei- gäbe der Bilder. Die Staatsanwaltschaft befinde sich in einem großen Irrtum bezüglich des Bildes von Correggio. Auf diesem Iverde nichts anderes als ein Kuß dargestellt und nur derjenige, der etwas anderes suche, werde etwas finden. Zu der gleichen Ansicht sei auch eine andere Strafkammer des Landgerichts I auf Grund eines Gutachtens des Mitgliedes der Jury des»Vereins Berliner Künstler", Professor Hans Fcchner, gekommen.— Das Gericht er- kannte auf Freisprechung des Angeklagten. Die beiden Bilder aus dem Stengelschen Verlage wurden freigegeben, dagegen wurden die Kirchnerschen Bilder als unzüchtig eingezogen. Jo darf sich also weiter küssen lassen. Ein„schlagfertiger" Freiherr hatte sich gestern vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts II zu veran'.worten. Angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung war der Leutnant a. D. Freiherr Kurt von Bobenhausen. Der Angeklagte ist schon mehrfach wegen Gewalt- tätlgkeiksbergehen boröestrafk, einmal sogar mit 3 Jahren Gesängnis. Wegen der jetzt zur Anklage stehenden Straftaten war der Ange- klagte vom Schöffengericht Schönebcrg zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte er durch Rechtsanwalt Gräfe Berufung einlegen lassen, so daß sich die Strafkammer noch» mals mit dieser Sache zu beschäftigen hatte. Der Angeklagte verkehrte häufig in dem Lokal»Bürgerkasirw" des Restaurateurs Ullmann in Schöneberg. Eines Abends ließ er zwei Personen, die sich angeblich ungebührlich benommen hatten. durch einen Schutzmann feststellen. Hierdurch �bereitete er dem U., da die Polizeistunde schon vorbei war, allerlei Scherereien. Es kam zu einer erregten Szene, bei welcher U. dem Angeklagten vorwarf, er habe sich auch in einem anderen Lokal ungebührlich benommen. — Der Angeklagte behauptet wiederum, daß Ullmann selbst den Anlaß zu diesen Zwistigkeiten gegeben habe.— Am 6. Juni d. I. erschien der Angeklagte in Begleitung seiner Hausdame, eines Fräulein Wahlert, wieder in dem Lokal. Als U. nicht anwesend war, drohte er, daß er sich„den Burschen noch kaufen" werde. Da U. in seiner hinter dem Lokal gelegenen Wohnung verblieb, um nicht unnötig einen Skandal heraufzubeschwören, brach der Angeklagte mit der Frau einen Streit vom Zaune und versetzte ihr einen Stoß vor die Brust. Als U. auf den Schmerzensschrci seiner Frau hinzu- eilte, fiel der Angeklagte über ihn her und schlug auf ihn los. An der nunmehr losgehenden Prügelei beteiligte sich auch noch die Haus- dame des Angeklagten, die deshalb vom Schöffengericht auch zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Während der Angeklagte in der rohesten Weise auf den Rcstaurateur einschlug, rief er seiner Haus- dame zu:„Du Lotte, jetzt mache ich den Kerl kalt, ich drehe ihm den Schlung zu!"— Dieser wüsten Szene wurde erst durch das Er- scheinen eines Schutzmannes ein Ende bereitet.— Das Schöffengericht erkannte mit Rücksicht auf die Vorstrafen und die von dem Angeklagten zutage gelegte außerordentliche Roheit auf 9 Monate Gefängnis. In der Berufungsinstanz nahm Rechtsanwalt Gräfe auf das Guiachten des ärztlichen Sachverständigen Dr. Falkner Bezug, nach tvekchem der Angeklagte ein schwerer Reurastheniker und ein leicht erregbarer Mensch sei. Das Gericht nahm deshalb von einer Gefängnisstrafe Abstand und erkannte auf OVO Mk. Geld- strafe ev. 60 Tage Gefängnis. Versammlungen. Kommunal-Wahlbewegung. Am Montag fanden im dritten ReichStagswahlkreise zwei öffentliche Wählerversammlungen statt, die beide sehr gut besucht waren. Im 13. Kommunal-Wahlbezirk, bei Gliesing, Wassertor- straße 68, referierte vor einer ausnierksameu Zuhörerschaft Stadtverordneter Genosse Dr. Wehl über das Thema: �.Unsere kommunalen Forderungen" und zeichnete mit markanten Strichen den skandalösen Charakter des DreiklassenwahlrechtS und die rück- schrittlichen Bestrebungen des KommunalsrelsinnS. Die Ausführungen des Redners fanden verständnisvolle Zustimmung bei den An- wesenden. Nach dem Referat hielt der Kandidat des Bezirks, Genosse A. Fröhlich,»och eine eindrucksvolle Ansprache. Im vierzehnten Bezirk sprach Genosse Stadtv. BrunS über da? gleiche Thema im vollbesetzten Saale des„Köpenick er Vereinshaus", Köpenickerstr. 62. Großer Beifall lohnte die wirkungsvollen, von reicher Sachkenntnis getragenen Ausführungen des Redners. Der Kandidat des Bezirks, Dr. Z a d e I, ergänzte und unterstützte den Vortrag in mancher Hinsicht und illustrierte den Ernst der Frage durch lebendige Beispiele aus der kommunalen Tätigkeit. In der Diskussion sprach noch Genosse K u l i ck e, der aus seinen Erinnerungen heraus als geborener älterer Berliner die Fort- schritte im Kommunalwesen würdigte, als Früchte unserer jahrzehntelangen Arbeit und im Anschluß daran aufforderte, den sozialdemo- kratischen Kandidaten zu wählein_ Lese- und Diskutterklub„Süd° Ost". Heute Mittwoch, abends e'l, Uhr, bei Ncidhardt, Görlitzer Straße 58: Vortrag. Gäste willkommen. 9 i'> iv «v «v W W jahrelangem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter s Bruder, Schwager und Onkel Wilkelm Rittich im 32. Lebensjahre. Im Namen der.Hinterbliebenen: Ann» Itlttlch geb. Hartmann. KauISdors, Friedrichstr. 19. I Die Einäscherung findet in Hamburg statt. 1370b Zentralkranken- und Sterbe- ! kasse der deutschen Wagenbauer. Berlin VI. 257/19 Frauen-Sterbekasse. «Im 29. CftoBct verstarb unser Mitglied Frau Ann» llllelk« an Herztähmung. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachniitlagS 4'Uhr. von derLeichenhalle des kalbolische» Kirchboses in Reinickendors, Hum- f boldlstraße, aus statt. Die Lrtsvertoaltung. i Berl. Kranken-UfiterstützuDBs- 1 und Bepmerein lürFrauen lind Ideben. «Im 28. Oktober verstarb plötzlich unser treues Mitglied, Mit. begvünieiin dcS Vereins, Frau Anna Garbe im 59. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am .Mittwoch, 1. November, nachm IS Uhr, von der Halle des Zentral- isriedhoseS in Friedrichsseide aus I statt Der Vorstand. Dailksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen vom Deutschen Metallardeilerverband, der Allgemeinen Kraulen- und Sterbe- lasse der Metallarbeiter, E. H. 29, Saotburg(Filiale 5), der Firma . F. K. Küster sagen wir sür die reiche K/ranzspende und zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung meines tteben Mannes, unseres guten Vaters hiermit unseren besten Dank. Rosenbaum nebst Kindern. Danksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Te/Inabme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Auguste Sawade sage ich allen Verwandten und Bekannten. insbesondere meinen Kollegen herzlicren Dank. Ei-nst Sawade. Für die oicicn Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben ManneS Ernst Doebell sage Ich allen, die daran teilgenommen haben, meinen herzlichsten Dank. Frau Anna Idoekell 13686 nebst Kindern. Itntraivkrbmld der Glaser. Achtung. Glaser! Achtung. Bilderrahinenmacher! Wegen Nichtzahlung des Minimal- lobnes ist die Firma Wehnev, Bilderrahmensabrik, Ritterstr. 75, sür Glaser bis aus Widerruf gesperrt. Tie Ortsverwaltung iWMBBBtanMpiI Extra- Abtr ilnng 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohron- Stra8e37a(2 Haus von der Jerusalernor Straße). |ll.Gesch; Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus von der AndreasstraBe). 1 Sehrgx.Ausw. fert. Kloidar, I Hüte, Handschuhe, Schleier Bote. v. einfachsten bis zum ] hochelegant Genre z.äuOorst niedrigen Preisen. Sonder-Äbteilung: naßanfertigung in 10 bis 12 Stunden. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdifttmg unseres lieben Sohnes Alfred sagen wir allen Verwandten und Bekannten, Insbesondere den Kollegen und Handwerlern derBrauerei Patzenboser Äbleilung Nordwest, unseren herz« lichsten Dank. Karl Prescher nebst gran und Kinder», Für AMLsrsusn! Achtung! Großer Teuerungszuschuß! Achtung! „IdeafsBrot4' garantiert reines, verfeinertes Roggenbrot, vorzüglich im Geschmack und leicht verdaulich, kostet von heute ab SMF*»nr 45 IT."TSSCi das übliche großo Brot. Zu haben in Delikatoü-, Kolonialwaren- und Milchgeschäften, wo nicht, wende man sich direkt an die Ideal-Brot-Fabrik in Pankow, Mühlenstr. 17 oder Binzstr. 8. Femsprecher: Pankow 132. ünentbelirllcli im Haushalt (KTHOMPSON'S w. «. vo N. silliishMeilellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C. 31. Habnisch. Auguststr. 50, Eingang Joachlmstraße. , lw.—, Mark 18—» 2 Stamler Uuciame eonst bis 15.—. Mark 15—- 1 Stände. Kleider tili Qe,ellicb»ften.«onst bis 150.—, Mark 25.— 1 Ständer Köcke Mast bis 50.—. Mark 12«— Arbeiter Notiz- Kalender Reichhaltiger Inhalt. U>a.i Alle fUr Arbeiter wichtigen Adressen Porträts der im leisten Jahre gestorbenen Genossen Hermann Borgmann:: Emma Ihrer:: Gabriel Loewenatein und Paul Singer Invaliden- und Hinter- bllebenenveralcherung nach der Reichsver- aioherungs- Ordnung i Winke für die Reichs. tagawahlen Die Gewerkschaften im Jahre 1910 Kalendarium sowie Qe- schichts- Kalender:i> Portotaxe, Notizbuch Preis gebunden: 50 Pfennig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). if Hermann Fischers billigste Marge Urdaustr. III, früher Rixdorf. Sei Herren-Moden Monatszahlung 10 Mk. oder Woche 3 Mk. Alle Größen am Lager vorrätig. Anerkannt vorzügliche Ausführung. Auch ersttlassige Maß- Anfertigung. Großes Etosslager.* Goldstein, Norkstr.SI. Gegr. 1892 1. Kommunal-Vahlbezirk. Donnerstag, den 2. Novbr., abends SVs Uhr Ochlltliche UHlemchiiiUllung w den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/18. Tagesordnung: t. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahle«. Reserent: Stadt verordneter vr. H. Weyl. 2. Ansprache des Kandidaten Robert Drescher. 3. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer. 218/8* A. Hacker, Auguststr. 91. 2 Morgen Donnerstag» den S. November, abends 8'/, Uhr: Wil Anhaltische Ressource, Möckernstraße 114, Habels Brauerei, Bergmannstraße S/7. Tagesordnung: Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. Referenten: Stadtverordnete Genosse Dupont und Genosse Dr. Rosenfeid. Sonntag, den 5. November: Resultatverküudung in der Anhaltischen Ressource, Möckernstraße III. 211/17 Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Mittwoch, den 1. November IStt, abends 8'/, Uhr: Oeffentiiciie Wählerversammlung. 13. Kommunalwahlbezirk: im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. 14. Kommunalwahlbezirk: in den Köpcnicker Festsälen» Köpenickcr Straße 127a. Tagesordnung: Der Fretsimt im Koten Hause. Referenten: Stadtverordnete Adolf Ritter und Ferd. Ewald. Ansprache der Kandidaten Dr. Zadel und Alex. Fröhlich. Zahlreiches Erscheinen erwartet 214/3 Ter Einbcrnfer: Ang. Pohl, Naunynstrafte 30. Tabakarbeiter! Deutscher Tabakarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Donnerstag, de« S. November, abends'1,9 Uhr. in Drfiaels Festsülcu, Nene Friedrichstr. 35; Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1911. 2. Der Stand der Bewegung «n Orte. 3. Die Aussperrung in Westsalen. 4. Verschiedenes. Kollege«! Zu dieser Versammlung ist die Anwesenheit jedes einzelne« Mitgliedes notwendig. 188/5* Die OrtSTcrwaltanc. Klavierarbeiter! Heute Mittwoch, de« I. November, abends 8 Uhr, im Märkischen 91/16 Hof, Admiralstr. 18o: Kombinierte Branchen- und Vertrauensmänner- Versammlung. Tagesordnung: 1. Tortrag. 2. Feststellung des BelchästigungSgradeS. 3. Bericht der Obleute. 4. Verbands- und Branchenangelegenhcilcn. Jeder Betrieb must vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die Branchcnlritung. Achtung! Dsvverstllg, den 3. November, abends 8 Nhr: Achtung! Große öffentliche Versammlung der Lithopphen und Sleindrueker im großen Saale von Moerners Konzert- und Festsälen (vormals Louis Keller). Koppenstraße 29. Tagesordnung: 298/1 Achtung! Achtung! Donnerstag, den 2. November, abends 3'/- Nhr: CcfrcntliilTc MMOnlttlikchimImis für Weihe» fve im„Prälaten", Weisjcnsee, Lehderstr. 122. Tagesordnung: 1...Wie steht eS mit der Arbeitst ose«-Versicherung für Weistensec." Referent: Paul Um breit sRedakteur des„Corrcspondenzblattes der Gencralkommission der freien Gewerkschaften Deutschlands"). 2. Diskussion. Metallarbeiter I Erscheint mit Euren Frauen vollzählig. Alle Geiucindtvertreicr Weißensees sind hiermit freundlichst eiogeladen. 125/11 Der Einberufer. Pir Kampftsmcisc des Schiltzunbundts dkl der Ausspmuuz. Die Kollegen werden um vollzähliges Erscheinen ersucht. Auch das Erscheinen aller Ausgesperrten ist dringend notwendig._ Die Verwaltungen der Filiale» I und III. » Sebastianstr. 37/38, Hos rechts II. Telephon Amt IV, Nr. 9737 Mitglieder sümtlicher Krauche»! Die Borchardt-Vortrage können einstweilen nicht stattfinden. Sobald dieS möglich sein wird, werden wir Mitteilung machen. Die Ortsverwaltung. JW etzer Bierhalle| ' Metier Str. SS. 3 Kegelbahnen und Vereinszimmer isür Gesangvereine besonders geeignet) sind noch für einige Tage in der Woche srei. ZZM" Für Speisen und Getränke solide Preise. l283b* Bier a Glas 10 Ps. i*anl Kerbs. Grundbcgrine der Politik, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden» ftrage 69(Laden)._ Orts-Krankeuta Filzwaren-fertertiger zu Berlin. Tonnerstag. de» 9. November 1911, im GewerkschaftShause, Engelufer 15, Saal V: Ordentlleh« General-Versammlung Tagesordnung: a) In getrennter Versammlung der Arbeitnehmer. Abends 8'/, Ubr. 1. Neuwahl eines Vorftandsmit» gliedes der Arbeitnehmer. Amtsdauer bis 31 Dezember 1912. b) In gcmcinschastlicherDersammIung der Arbeitgeber—id Arbeiwehmer AbeudS 9 Uhr. 2. Wahl der Revisoren zur Prü« fung der Rechnungen pro 1911. 3. Berichterstattung über die VII. Kouserenz der Freien Vereinigung der Krankenlassen der Provinz Brandenburg und über die 18. Jahresversammlung der Orts-Krankenkassen im Deutschen Reiche in Dresden. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. 13S7b 8. llannksoser, Vorsihender, Alle Jakobstr. 20/21. verleihhau; feiner lerren-floden Leipziger Str. 59 Wir verleihen hochelegante, schicke Herren-Garderoben zu soliden Preisen und kulanten Bedingungen auf Tuge, Wochen und Honate. u/y selbst bei starkem Regenguß schützt �ervUS vor nassem?uß Ssnvus bester Sohnhputs. üeberall zu haben in Dosen i 10 und 20 Ff. Fabrik; Lubszynski& Co., Berlin-Lichtenberg. limdSJJme 101t. caier Ft. 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Für diejenigen, die einen höheren Pflegegeldsatz zahle« können, werden kleine Zimmer zur Verfügung gestellt; es wird esifie intensivere ärztliche Bchand» lung und schmackhaftere und abwca>slungsreichere Beköstigung ge- währt werden. Finanziell wird die»Stadtgemeinde durch eine solche Einrichtung für besser situierte Personen erhebliche Nachteile haben. In der Sitzung vom IL. April 13} l, ün der die Angelegenheit nach kurzen Vorverhandlungen der Beschhutzfasung unterlag, wandte sich der Vertreter der sozialdemokratiffflen Fraktion in der schärf- sten Weise gegen die beabsichtigte Klassitizierring der Kranken. Es ivurde dargelegt, daß die städtischen Krankenhäuser nur geleitet sein dürften von dem emen Gedanken, allen Kranken eine ärztliche Behandlung und Verpflegung zuteil werben zu lassen, die möglichst schnell zur Gesundung der Patienten führ*. Seien die jetzigen Ei». richtungen in unseren Krankenhäusern den Angehörigen des Mittelstandes nicht gut genug, dann möge man sie allgemein der- bessern, aber nicht nur für wohlhabende Leute. Eine Klassenschei» dung der Patienten führe dazu, dast die Kranken, die nicht zahlen können, das Gefühl haben müssen, schlechter dehandelt und ver- pflegt zu werden.als die zahlenden Kranken. Alle Einwände unserer Genossen halfen nichts. Die Mehrheit beßchloh die Einrichtung einer zweiten Verpflegungsklasse, zunächst versuchsweise im Kran-- kenhaus Moabit. Eine gut geleitete Gesundheitspflege ist nur möglich, wenn die Verwaltungen der einzelnen Pflegeanstaltqn über tüchtiges Warte- und Pflegepersonal verfügen. Nach dieser Rich- tung läßt vieles in den Anstalten zu wünschen übrig. Vor allem ist ein grosser Wechsel des Personals festzustellen. Darunter leiden die Kranken und Pflegebedürftigen in erheblichem Masse. Die Gründe dieses Wechsels sind in der Bezahlung, Behandlung, in der Urlaubsfrage und anderen Umständen zu suchen. Um Besserung zu schaffen, beantragte die sozialdemokratische JKrttion in der Sitzung vom 16. März 1311 eine Regelung der Lohn- bezüge, der Arbeitszeit un�> der U�laubsfrage deS in den städtischen Kranken-, Jryenan st alten und Heimstätten beschäftigten Personals vorzu- nehmen. Der Antrag wurde niedergestimmt, obgleich der Magistrat im lStatsausschutz selber in einigen Punkten eine Regelung für be. rechtigt anerkannt hatte. Lebhafte Erörterungen über die Zustände im städtischen Obdach knüpften sich an die Ueberfüllung der Geschlechts» krankenstation. Diese Station, die vor 25 Jahren„vorübergehend" errichtet wurde und gar nicht in daS städtische Obdach gehört, hat zu einer Ueberfüllung geführt, die in hygienischer Be- ziehung geradezu ftandalös genannt werden mutz. Als alle Ver- sprechungen, diese Station anderweitig einzurichten� nichts nutzten, schlugen unsere Genossen Lärm und nagelten wiederholt die zum Gimmel schreienden Missstände in öffentlichen Sitzungen fest. Dos hatte zur Folge, dah der Magistrat vorwärtsgetrieben wurde und am Schluß der Berichtsperiode der Stadtverordneteioversammlung eine Vorlage machte. Baracken einzurichten. Verlangt wurde ferner von unfern Genossen die Errichtung eines Spezial- krankenhauses für Tuberkulosekranke zur Entlastung der Krankenhäuser, wobei sie von namhaften Autoritäten unterstützt wurden. Aber auch hier mutz festgestellt werden, daß die Mühlen deS Magistrats sehr langsam mahlen.— Eine Förderung des öfffentlichen Gesundheitswesens erblicken unsere Genossen auch in einer organisatorischen Aenderung, und zwar in der Schaffung einer Stelle eines Stadtmedizinal- ratS. dem das Gesundheitswesen zu unterstellen sei. Am S. Fe� bruar 1910 und am 27. April 1911 verhaodefte die Stadtverord netenversammlung über diesbezügliche Anträge und beschloh die Einrichtung einer solchen Stelle. Es bestellen zwischen Magistrat und Stadtverordneten zurzeit Meinungsdifferenzen über die Stellung dieses Medizinalrats im Magistrat. Auf dem Gebiete des Jrrenwesens sind von Rednern der sozial demokratischen Fraktion gelegentlich des ESats zahlreiche Anregun gen gegeben worden, die sich schliesslich dahin verdichteten, die ver- suchsweise Einrichtung eines Fürsorgeamtes für ent lassen« Geisteskranke zu empfehlen. Am 12. April 1911 heschloss die Stadtverordnetenversammlung diese Einrichtung. Die Entsendung von Kindern in ErholungS- •) Siehe auch Nr. 242. 245, 250, 251, 252, 254, 255 des„Vorw.*. statten hat die Stadtverordnetenversammlung wiederholt be- schäftigt. Immer war es die finanzielle Frage, die den Magistrat zu recht kleinlichen Beschlüssen veranlasste. Es konnten auch nicht entfernt die Kinder in Erholungsstätten geschickt werden, die von den Armenärzten als„der Erholung dringend bedürftig" bezeichnet worden waren. Unsere Genossen bemühten sich in den Sitzungen vom 18. November und 16. Dezember 1909, vom 16. November und 15. Dezember 1910 durch Anträge höhere als vom Magistrat aus- geworfene Mittel für diese Zwecke herauszuschlagen. Diese Be- inühungen waren von teilweisem Erfolg gekrönt. Nach eingehen- den Beratungen kam am 15. Dezember 1910 folgender Stadtverord- netenbeschluss zustande: 'Es werden für die Zwecke der Entsendung von Kindern in Heil-, Heim- und Erholungsstätten weitere 75 000 M.— nicht wie der Magistrat in der Vorlage vom 20. Oktober 1910 verlangt 50 000 Marl— mit der Massgabe zur Verfügung gestellt, daß die Entsen- dung der Kinder tunlichst in städtische Heimstätten erfolgt. Gleich- zeitig ersucht die Versammlung den Magistrat, mit tunlichster Be- schleunigung um eine Vorlage für die Errichtung grösserer, einfach ausgestatteter Walderholungsstätten, ähnlich wie die bestehenden Heimstätten für kränkliche, schwächliche sowie lungenkranke Kinder ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, welche das ganze Jahr hindurch geöffnet ist. Vielleicht sind städtische Mittel nie so gut angebracht als im vorliegenden Fall. Es ist besser, Kinder beizeiten zu kräftigen und zu stärken, als erst dann einzugreifen, wenn die Kinder krank sind. Dann ist es vielfach zu spät und der Gemeinde erwachsen weit höhere Ausgaben als wenn vorbeugende Massnahmen in die Wege geleitet werden. Die Unentgeltlichkeit der Desinfektion der Wohnungen und Effekten ist nach unserm letzten Bericht am 27. No- vember 1307 beschlossen worden und am 1. April 1908 in Kraft ge- treten. Gebührcnftei sind die auf gesetzlicher Verpflichtung be- ruhenden Wohnungs- und Effektendesinfektionen. Am 3. Februar 1910 beschloß die Stadtverordnetenversammlung ein übriges, indem die Desinfektion der Wohnungen und Effekten deranoffenerLungen.undKehlkopftuberkulos leidenden Personen beim Verlassen ihrer Ouar. tiere bis auf weiteres kostenfrei vorgenommen wird. Diese die Unentgeltlichkeit der Desinfektion herbeiführende Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung zeigt so recht augenfällig, dass Zähigkeit und Ausdauer der sozialdemokratischen Fraktion schliesslich doch zum Ziele führen. Zum ersten Male wurde die Unentgeltlichkeit der Desinfektion am 30. Januar 1892 von unseren Genossen beantragt. Damals bat der Vertreter des Ma- gistrats, Stadtrat Strassmann um Ablehnung des Antrages. Die freisinnige Mehrheit ging sogar darüber hinaus, indem sie die fchroffste Form der Ablehnung, den Uebergang zur Tages o r d n u n g wählte. Die Sozialdemokratie ließ sich aber in ihren Ansichten nicht beirren. Und heute hat sich das, was im Jahre 1892 von den Gegnern als nicht diskutabel erklärt wurde, bereits durchgesetzt. Auf dem Gebiete deS Bestattungswesens haben unsere Ge nassen gelegentlich der Beratung der Errichtung eines neuen Ge- meindefriedhofes in Buch am 16. Januar 1910 angeregt, die Leichentransporte nach den städtischen Fried Höfen in eigener Regie auszuführen. Es wurde dargelegt, daß bei einem Todesfall die Angehörigen des Verstorbenen von pri vaten Unternehmern in der unglaublichsten Weise ausgebeutet wer den. Zahlreiche Gemeinden hätten diese eigene Regie bereits, nur die Großstadt Berlin könne sich hierzu nicht aufschwingen. Auch die Errichtung eines FriedhofbureauS im Rathause fei dringend nötig, um den Angehörigen die weiten Wege nach Friedrichsfelde zu er- sparen beim Anmelden der Beerdigungen und Regelung der Kosten- frage. Der letzten Anregung ist stattgegeben worden, ein Bureau ist im Rathause eingerichtet und tritt in einigen Tagen in Funk- tion. Ten Leichentransport in eigene Regie zu nehmen, begegnet noch grossem Widerstand. Es ist aber kaum ein Zweifel, dass dieser Widerstand früher oder später gebrochen wird. So zeigt sich auch auf dem grossen Gebiete der öffentlichen Ge sundheitspflege, daß die Sozialdemokratie ständig nach neuen Re formen und Verbesserungen drängt und daß nur die Wahl von So zialdemokraten am Sonntag, den 5. November, wirkliche Fortschritte verbürgt. Hus aller Welt. Die billigen Kartoffeln des Rerrn x. öcborlerner. Gelegentlich der Teuerungsdebatten im Reichstage ist von den Agrariern und den mit ihnen versippten Regierungsvertretern dreist und gottesfürchtig behauptet worden, dass eine Teuerung nicht vor- Händen sei. Wo ein Anziehen der Lebensmittelpreise zu bemerken wäre, sei an den erhöhten Preisen nur das.Teuerung«- g e s ch r e i' schuld. Und Herr v. Schorlemer ging in seinem Be- sireben, das agrarische Kapital zu retlen. sogar io weit, dass er, wie immer bei agrarischen Debatlen, die Schuld auf die Händler abwälzte. Sie seien es, die für die erhöhten Preise vcrant- wortlich gemacht werden müssten. Dah Herrn v. Schorlemer iir einer Beweisführung für die Engelsunschuld unserer Grossagraricr das Malheur passierte, die Preise für Zentner und Doppel- zentner zu verwechseln, geniert einen preußischen Land- wirtschaftsminister natürlich nicht. Jedenfalls aber, so behauptete er, sei die Kartoffelernte sehr gut ausgefallen; die Produzenten erhielten gar keine erhöhten Preise für Kartoffel». Wie wenig das mit der Wirklichkeit übereinstimmt, zeigen folgende Inserate aus der Nr. 293 des„Leipziger Tageblatts": Blassrote Kartoffeln, wohlschmeckend und mehlig, liefert frei Hau? a Zentner 6 M. Rittergut Gras- d o r f bei Taucha. Telephon Taucha 366. Rittergut Gaschwitz liefert Ende d. M. frei HauS, Leipzig prima Speisekartoffeln: Schneeglöckchen ver Z e n t n e r 6 M:, Up to date per Zentner 5 M., Rote per Zentner 4,25 M. Proben werden nicht versandt. Vielleicht haben die Regierungsvertreter ihre Kenntnis über die gute Ernte auf ihren eigenen Gütern erworben. Bei den Fähigkeiten der Herren Bethmann Hollweg und Schorlemer ist das Wachstum grosser Kartoffeln ja auch kein Wunder. Irrtum oder Verbrechen? Eine rätselhafte Vergiftungsaffäre beschäftigt zurzeit die Polizei in Freienwalde. Auf dem dortigen Güterbahnhof wurden für eine Brauereiniede�rlage Flaschen verladen, bei welcher Arbeit auch der 35 jährige Karl D a u e beschäftigt war. Als nach Beendigung der Verladung der Hilfsweichensteller Hamann an jener Stelle vorüberging, wurde er von Daue angerufen, der ihm eine gefüllte Bierflasche anbot. Noch ehe aber der Beamte die Flasche erfassen konnte, trat der Arbeiter Ferdinand Zimmermann hinzu, ergriff die Bierflasche und trank sofort daraus. Er spie die Flüssigkeit aber foglcich wieder aus und sagte zu dein Spender, Du. da« ist Karbol, wenn mir etwas passiert, zeige ich Dich an." Daue lachte und ging seiner Wege. Der Hilfsweichensteller Hamann wollte nun Zimmermann nach Hause begleiten. Kaum waren sie ein Stückchen gegangen, als Z. d a S B e w u ss t s e i n verlor und heftig phantasierte. Von seinem Begleiter und einem hinzukommenden Arbeilstollegen wurde der Erkrankte nach feiner Wohnung gebracht, wo er nach ganz kurzer Zeit verstarb, ohne wieder zur Besinnung gekommen zu sein. Die Polizei hat sofort eine strenge Untersuchung darüber eingeleitet, wie die Flasche mit der giftigen Flüssigkeit unter die Bierflaschen gekommen sein kann. Der Arbeiter Daue wurde verhaftet, weil angenommen wird, dass er den Inhalt der Flasche gekannt hat. Kalilager in Amerika. Wie ein Telegramm aus Washington meldet. hat der Kabinettssekretär für das Ackerbaudepartement Wilson mitgeteilt das Departement habe im Gebiete der West stauten Kali- lag er von solcher Mächtigkeit entdeckt, dass sie den Ge» samtbedarf der Vereinigteu Staaten decken könnten. Die Oertlichkeit wird nicht näher angegeben. Kleine Notizen. Sergiftete Fleischkonserven. Wie der„Matin" auS M a r s e i l l e meldet, sind infolge Genusses von Fleischkonserven 8 4 Mann deS dritten Infanterie- Regiments unter Vergiftungs- erscheinungen erkrankt. Der Zustand von 13 Erkrantten erschien so enisi. dah sie ins Krankenhaus gebracht wurden.; Russische SicherheitSzustände. Zwischen T o m a s ch o w und Petrikau haben mehrere Banditen am Montag einen mit fünfzig Personen besetzten Omnibus überfallen. Die Passagiere wurden ihres Geldes und ihrer Wertsachen beraubt, einige, die sich zur Wehr setzten, wurden verwundet. Die Banditen sind entkomnien. In den Alpen abgestürzt. Bei Besteigung de« Kamor(Appen- zell) verirrten sich am Sonntagabend bei dichtem Nebel drei Touristen aus Nürnberg. Der 22 Jahre alte Apotheker Börner stürzte dabei tödlich ab. Seine Leiche ist ge- borgen worden._ Marttvrels, von Berlin am 30. Oktober l»l1. nach Ermltteluna de» Königlichen Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.(Kleinbaiidels 100 Kilogramm Erbien, gelbe, zum Kochen 36.00—50,00. Sveisebobnen weiße. 35.00—60.00. Linien 40,00- 30,00. Kariofjeln 7,00—14,00. 1 Kilo- gramm Nindfleilch, von der Keule 1.60—2,40. Rindflciich, Bauchflnlch i sn bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40- 2,40. Hammelfleisch 1.30—2.00. Butter 2,60-3.20. 60 Stück Eier 3,80-6,40. t Kilogramm Karpfc» 1,00—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1 10 bis 2,60. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Kreble 2,40-24.00. F ür das Kind! 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November cr.: Flugblaitverbreitung abends ,/o8 Uhr von den verabredcren Stellen aus. In Betracht kommen Gruppe 3. 4, 5 des 1. Kreises, Bezirk 24 bis 41 des 2. KreiseS, Bezirk 23S, 237 und 240, 241 des 3. Kreises. Um rege Beteiligung ersucht Das Wahlkomitee. Gleichzeitig machen wir auf die am Freitagabend im„Boye- rischen Hiesel" stattfindende Kommunalwählerversamm- lung aufmerksam. Zweiter Kreis. 3. und 4. Kommunalwahlbezirk. Am Donnerstag- abend findet eine Flugblaitverbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Alle Hilfskräfte der 3. und 8. Abteilung gehen, wenn dieselben nicht schon den Bezirkslokolen zugeteilt find, zu Wiemers, Bülow- stratze 58. Um zahlreiche Beteiligung ersuchen Die Wahlkomitees. Dritter Wahlkreis. Heute abend finden für den 13. Kam- munalwahlbezirk im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, und für den 14. Kommunalwahlbezirk in den Köpenicker Festsälen, Köpenicker Str. 127a, Wählerversammlungen statt. Näheres unter Annonce. KR Für die oben genannten Bezirke findet morgen, Donners- tag. Flugblaitverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Auch die Genossen des zweiten Kreises, soweit sie zum 13. Kommnnalwahlbezirk beHören, werden hiermit eingeladen. Das Wahlkomitee. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 2. November, abends 8'/? Uhr, im»Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5/6: Mitgliederversammlung des WahlveremS. Tagesordnung: Die bevorstehenden Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Köpenick. Heute Mittwoch findet der dritte Vortragsabend des LildungsaussckmsseS im Stadttheater(kl. Saal) statt. Thema:»Der praktische Teil des Erfurter Programms." Teilnehmerkarten bis zum Sckltlh 20 Pf. sind am Saaleingang zu haben. Eichwalde. Donnerstag, den 2. November, abends 8'/, Uhr, findet im Restaurant.Sanssouci" eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht aus der Gemeindevertretung. Berichterstatter: Genieindevertreter Hugo A l l r i tz. 2. Die wahren Gründe für die Ungültigkeitserklärung der Wahl des Herrn Beutling zur Gemeindevertretung. Berichterstatter: Oskar M o l k e n t h i n. 3. Freie Aussprache. 4. Verschiedenes. Genossen I Agitiert sur Massenbesuch dieser wichtigen Ver« sammlung._ Berliner JVacbricbten. „Fortschritte" im BolkSschulwesen Berlin?— vor den Stadtverordnetenwahlcn! Ein Preßorgan des Liberalismus, daS»Berliner Tageblatt", hatte vor einigen Wochen über die Gemeindeschulen Berlins eine Mit- teilung gebracht, die offensichtlich den Zweck hatte, dein liberalen Bürgerwm wieder einmal zu zeigen, wie Großes der Berliner Kommunalfreisinn für daS Vollsschulwesen geleistet habe. Solche Notizchen veröffentlicht die Freisiunspresse besonders gern vor den Stadtverordnete»wählen, weil sie weiß, daß in diesen kritischen Tagen, wo die Liberalen um die Gunst der Kommunalwähler auch der dritten Klasse noch werben, die angeblichen»Ruhmes- taten des Liberalismus in empfehlende Erinnerung gebracht werden müssen. Aber gerade in der Zeit der Wahlagitation ist es ratsam, derartige auf Reklame abzielende Mitteilungen mit noch größerer Vorsicht als sonst zu genießen und sie besonders scharf unter die Lupe zu nehmen. Jene Notiz über die Gemeindeschulen hob hervor, daß die hierfür gemachten Aufwendungen der Stadt in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen seien, und nun wurden, um die Stärke der Zunahme äugen- fällig zu demonstrieren, neben die Geineindeschulkostcn aus 1890 dieienigen aus 1900 und aus 1910 gesetzt. Die Kosten wurden für diese drei Jahre auf 83/l0 Millionen, 13� Millionen, 25 Millionen angegeben, wonach die durchschnittliche Auswendung pro Gemeinde- schulkind gestiegen sei von 48 M. in 1890 auf 65 M. in 1900 und weiter auf 110'/z M. in 1910. Gegenüber dieser Darstellung wurde im»Vorwärts" nachgewiesen, daß eine Vergleichimg der oben mitgeteilten Ausgabebeträge ein unrichtiges Bild ergeben muß, weil in dem Gemeindeickuletat für 1010 zum ersten Male auch die Baukosten neuer Schulhäuser dem AuSgabebctrage zugezählt sind. Wir berechneten, daß nach Ausscheidung der Baukosten die Auf- Wendung pro Gemeindeschulfind für 1910 nur etwa 100 Mark beträgt. Diesen korrigierenden Angaben fügten wir noch ein paar sehr lehrreiche Zahlen über die höheren Schulen bei. Wir er- innerten daran, daß bei den Gymnasien, Realgymnasien und Ober- realschulen der Zuschuß aus dem Stadtsäckel in 1909(für 1910 ist die Höhe noch nicht bekannt gegeben) pro Schüler 244,39 M. erreicht hat. Gegen den Hinweis, daß in den 20 Jahren von 1890 bis 1910 die Aufwendungen pro Gcmcindeschullind von 43 M. auf HO'/a M.(richtiger: auf 100 M.) gestiegen seien, setzten wir die Tatsache, daß bei den Gymnasien Usw. in den 19 Jahren von 1890 lnS 1909 der ouS dem Stadtsäckel geleistete Zuschuß pro Schüler sich von 99,90 M. auf 244,30 M. erhöht hat. Wohl- gemerkt:� 244.30 M. pro Schüler betrug in 1909 nicht etwa die Gesanitauswendung, sondern nur die durch Zu- schuß aus dem Stadtsäckel zu deckende Mehrausgabe, wobei also die Einnahme aus Schulgeld jährlich 140 M. pro Schüler— schon abgezogen ist. Pro Gcmeindcschulkind betrug in demselben Jahre 1909 die ganz au» dem Stadtsäckel zu deckende Aufwendung 97,30 3)1. Ungeachtet dieser Feststellungen bringt jetzt das»Berl. Tage- blatt" eine Notiz, in der zum Zweck des Nachweises der bei den Gemeindeschulen eingetretenen NuSgabestcigerung wieder da» Jahr 1910 mit einem früheren Jahre verglichen wird, dieS- mal der Abu-echsclung wegen mit 1895. Und wieder sind nur für 1910 dem Ä iisgabebetrag die Baukosten zugezählt, woraus sich dann die berühmten ,110Vs Mark" pro Kind ergeben. Das ist j,, der Tat ein starkes Stuck I Welchem Zweck diese enwule Verbreitung einer irreführenden Berechnung dienen soll, das ist llor Am 5. November haben wir in Berlin die Stadtverordnetenwahlen, darum muß man den Lesern vorerzählen, wie Großartiges der Berliner Kommunal- fteisinn für d,e Volksschule getan habe. Diese Absich« sprich, deutlich auch aus dem übrigen Inhalt der Notiz. Zum Schluß rühmt sie:»Ein w-il-rer Fortschritt ist die Anstellung von fünfzig Schulärzten, die Gründling von Neben- klaffen für Schwachsinnige, Schwachbefähigte und Schloerhörige. die Einrichtung von Ferienipielen. an denen über 200 000 Kinder ffch beteiligten, die Schulspeisung armer Kinder, die Einführung deL achtkla,s,gen Schul, yslemS und die Errichtung von Badegelegenheiten si, mehreren Schulen." Ja. ja, wenn Stadtverordneten- wählen bevorstehen, dann preist man alles das als »Fortschritt". Verschwiegen wird nur, daß es in der Stadt- vcrordnetenversammlung die Sozialdemokraten waren, die in mühsamer Arbeit und zäher Ausdauer dem Freisinn solche Fortschritte Stück für Stück abringen mußten. Mit welchen fadenscheinigen, geradezu lächerlichen Ein- Wendungen der Freisinn die meisten Forderungen der Sozialdemo- kratie anfangs bekämpft hat, das möchte man heute vergessen machen. Aber die Liberalen sollten es sich gesagt sein lassen, daß in der erwerbstätigen Bevölkerung Berlins, um deren Stimmen sie bei den Stadlverordnetenwahlen noch in einigen Wahl- bezirken dritter Klasse eifrig buhlen, gerade die dem Kommunal- freisinn auss Konto zu setzende überlange Vernachlässigung des Schulwesens unvergeffen ist. Die Gemeindeschulen sind für ziemlich eine Viertelmillion Berliner Kinder die einzige Bildungsstätte, für die Kinder nicht nur aus Arbeiterfamilien, sondern auch aus den Familien der kleinen Gewerbetreibenden und der kleinen Beamten. Diese einzige Bildungsstätte, die dem Kind des Unbemittelten zugänglich ist, war in Berlin Jahrzehnte hindurch das Aschenbrödel und wird noch heute stiefmütterlich genug behandelt. Noch heute gilt sie den Bemittelten nur als Armenschule, noch heute halten sie voin ersten Schuljahr ab ihre eigenen Kinder von ihr fern. Was in den letzten zwanzig Jahren im Volksschulwesen Berlins an Fortschritten gemacht worden ist, das hat die Bevölkerung lediglich dervorwärts drängenden Sozialdemo- kratie zu danken. Nur von einer weiteren Stärkung der Sozialdemokratie in der Stadtverordnetenversammlung sind, wie auf allen anderen Gebieten unserer Gemeindeverwaltung, so auch im Volksschulwesen, weitere Fortschritte zu erwarten. Am 5. No- v e m b e r. dem Tage der Stadtverordnetenwahlen für die dritte Klasse, wird die Wählerschaft dessen eingedenk sein. Der Werdegang eines Polizeispitzel?. Der„Abstinente Arbeiter", das Organ des Deutschen Arbeiter- Abstinentenbundes bringt in seiner letzten Nummer vom 28. Oktober dies« sehr intereffante Reminiszenz an den berüchtigten Spitzel Jhring-Mohlow: „Anfang Februar 1886 wurde in Berlin der„Gürtler Mahlow" als Schutzmann Jhring entlarvt und aus dem Arbeiter-Bezirks- verein sür den Osten Berlins ausgestoßen. In der Reichstagssitzung vom 18. Februar 1886 brachte Genosse Paul Singer die Entlarvung des gefährlichen Lockspitzels Jhring- Mahlow zur Sprache. Es hatte sich herausgestellt, daß der„Genosse" zu Majestätsbeleidigungen provozierte, den Arbeitern den Ankauf von Revolvern empfahl, die Anfertigung von Dynamit lehre» wollte, zu wiederholten Malen Dynamit in die Vereinssitzungen mitbrachte, eine Anzahl Mitglieder zu veranlassen suchte, von ihm angefertigte Dynamitbomben cm sich zu nehmen, um sie geeignetenfalls zu ver- wenden. Seine Entlarvung gelang, als er einen Arbeiter auf- forderte, gleich ihm in den Dienst der Polizei zu treten, an seinen Genossen zum Verräter zu werden. Um dessen Bedenken zu zer- streuen, sagte Jhring zu ihm:„Du siehst ja ein, daß man unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen mit Ehrlichkeit nicht durch die Welt kommen kann.... Wirf das sogenannte Gewissen weg und tritt einfach bei uns ein, dann hast du gute Tage!" Die Entlarver des Lockspitzels und die Belastungszeugen wurden mit Meineidsanklagen bedacht und ins Gefängnis geworfen, andere — unter ihnen Paul Singer— ausgewiesen! Jhring-Mahlow aber erhielt durch Puttkamer als»eklatante Genugtuung' das allge- meine Ehrenzeichen; er war später BahnhofSassistent in Bad Oeynhausen! und damit für die politische Oeffentllchkeit abge- tan. Vielfach war in der letzten Zeit die Meinung verbreitet, Ehren- Jhring sei nicht mehr am Leben. Das ist nicht richtig. Friedrich Wilhelm Leberecht Ferdinand Jhring(-Mahlow) lebt als StationS- affistent in Bremen und ist Mitglied der Loge„Königin Luise" des GuttemplerordenS. In dieser Eigenschaft trat er wiederholt als Redner in Logen auf, sprach z. ffl. in der Loge»Im Lenz des Lebens", in der sonderbarerweise auch hiele Parteigenossen Mitglied sind, am 17. März 1907 über das Thema„Erzeugt der Alkohol Ver- brechen?" und am 22. April 1903 über„Ist der Guttcmplerordcn eine Gehcimgesellschaft?"„Geheimgesellschaft" und„Verbrechen" — einen sachkundigeren Referenten als Jhring-Mahlow kann eS dafür nicht geben I_ Die HandelSangrstellten müssen auf die Sonntagsruhe noch länger warten. DaS neue OrlSstatut sollte am 1. November in Kraft treten. Das ist aber noch nicht möglich, da die Genehmigung deS Obcrpräsidenten noch nicht eingetroffen ist. Wie lange wird das noch dancrn? Zu dem Knabenleichenfund an der Trlftstraße wird weiter mit- geteilt: Die Eltern deS toten Willi Honsel wurden Montagabend auf dem Polizeipräsidium noch bis in die späten Nachtstunden hinein vernommen. Den wilden Gerüchten gegenüber sei noch einmal hervorgehoben, daß sie anständige Leute find, die ihr Brot redlich verdienen. Sie erzogen auch ihren Sohn seiner Neigung zum Herumtreiben wegen sehr streng, hatten aber damit nicht viel Erfolg. Nach seiner Entlassung aus der Schule bemühten sie sich ernstlich, ihn zu ständiger Arbeit anzuhalten. Immer wieder suchten sie für ihn Beschäftigung, aber der Junge hielt eS nirgends lange aus. Die Leute waren darauf augewiesen, ihn zum Mitverdienen anzuhalten. Sie erfuhren jedesmal erst dann, daß er die Arbeit wieder geschwänzt hatte, wenn er Sonnabends seinen Wochenlohn abgeben sollte. Nach der erneuten Leichenbesichtigung ist er wahr- schcinlich erst in der Nacht vom Sonntag zum Montag gestorben. Den Sonntag über hat er sich wahrscheinlich noch irgendioo herum- getrieben. ES ist aber noch nicht gelungen einen Zeugen zu ermitteln, der ihn nach dem Sonnabendabend noch gesehen hätte. Wer nach dieser Richtung über ihn etwas mitteilen kann, wird ersucht, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei zu melden. Entgegen anderweitigen Mitteilungen sei noch einmal bemerkt. daß Strangulationsmale oder andere äußere Verletzungen, die auf einen Tod durch rohe Gewalt schließen lassen, an der Leiche nicht vorgefunden worden sind. Der ganze Besund ist typisch für den Erstickungstod. Dafür sprechen auch der friedlich- GcsichtsauSdruck und der Umstand, daß die Erde vor dem Munde und der Nase mit Schaum durchsetzt war. Auf den Händen lag die Erde fest ans. Der Knabe scheint versucht zu haben, sich mit den Händen aus seinem Grabe herauszuarbeiten. Der ganzen Sage nach ist daS Ecd- reich auf ihn gefallen, während er schlief. Ob es durch äußere Ge- walt, etwa dadurch, daß jemand um die Kute hcrumgegangen ist. zum Rutschen gebracht wurde, steht dahin. Die Oerilichkeit wird daraufhin heute vormittag von der Mordkommission noch einmal ge- nauer untersucht werden. Die Leicke deS Knaben Hensel wurde gestern nachmittag von den Gerichtsärzten Gekeimrat Straßmann und Dr. Frankel in Gegenwart des Staatsanwatts Stachow, deS Chefs der Kriminalpolizei OberregierungsratS Hoppe, und der Mordkommission obduziert. Die Gerichtsärzte fanden auch jetzt keinerlei Anhalt dafür, daß der Knabe einem Verbrechen zum Opfer gefallen und von anderen getötet worden wäre. ES konnte nicht einmal festgestellt werden, daß er durch auf ihn fallende Erdmaffen erstickt ist. Wahrschein- licher ist vielmehr, daß er seinen körperlichen Anlagen ent- sprechend einen natürlichen �Tod gefunden hat. Nach seiner inneren Körperbeschaffenheit u. a. eine Verdickung in der Luftröhre ist wohl anzunehmen, daß der Knabe nach einer großen körperlichen Aufregung, etlva vom Laufen auf der Flucht vor seinem Vater und anderen Verfolgern, gestorben ist. Der Knabe neigte auch, wie wir schon mitteilten, zu Krämpfen, auch das mag zu seinem Tode bei- getragen haben. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß der Junge erst nach seinem Tode in die Lage gebracht worden wäre, in der man ihn aufgefunden. Er hat vielmehr diese Stellung vorher selbst an« genommen und ist in ihr vom Tode ereilt worden. Die Gaunereien des BogcnschreiberS Hans Müller haben nach den weiteren Ermittelungen einen noch viel größeren Umfang gehabt, als zunächst angenommen wurde. Aus den Schriftstücken und anderen Sachen, die bei ihm beschlagnahmt wurden, geht hervor, daß Müller auch Schwindeleien anderer Art als die bisher aufgedeckten entweder schon betrieben hat oder zu betreiben im Begriffe stand. So fand man in seiner Bebausimg bei seiner Mutter auch Stempel einer »Deutschen Darlehnskasse". Ob Müller diese erst gründen wollte oder schon gegründet hatte, steht noch dahin. Zu welchen Zwecken er Bestätigungsforinulare, die er einem Notar entwender hat, benutzen wollte oder vielleicht schon benutzt hat, bedarf auch noch der Aufklärung. Die Formulare hatte er bereits mit dem Stempel des Notars versehen, sodaß er jeden Augenblick im stände war, gefälschte Urkunden herzustellen und zu benutzen. Seinen behördlichen Landsturmschein hat Müller sehr schön dahin gefälscht, daß er jetzt auf Dr. Hans Müller lautet. Diesen Schein bat er wahrscheinlich auch benutzt, um sich in die Universität einzuschmuggeln. Die Jmmatriknlationsbescheinigung, die er sich erschwindelte, diente ihm wieder dazu, Anschluß an studentische Verbindungen zu finden und der Verkehr mit diesen Kreisen ver« schaffte ihm wieder Gelegenheit, immer neue Kunden für seine ge- heinmisvollen Geschäfte zu suchen. Dieser Verkehr hat wohl auch die Meinung aufkommen lassen, daß der Schwindler früher Medizin studiert habe. Die beschlagnahmten Schriftstücke bedürfen noch der Sichtung. Wahrscheinlich bringen sie noch manche Ueberraschung.— Auch Wertsachen tvurden noch in erheblicher Menge gefunden und beschlagnahmt. Ein großer Reisekorb enthielt noch weitere sieben kostbare Oelgemälde. Dazu kommen noch eine umfangreiche wert- volle Briefmarkensammlung, feine Reisesachcn, wertvolle Stickereien, Schmucksachen, Goldwaren, darunter eine kostbare Kavalieruhr usw. In einer Kassette entdeckte man noch 3000 M. in verschiedenen Münzen, darunter auch IlniversitätS-Jubitäunistaler. Daß Müller am 1. Januar 3 Millionen hätte auszahlen müssen, wie von anderer Seite gemeldet wird, trifft nicht nichr zu. Taschendiebe treten jetzt wieder in den Theatern auf. So stahl einer im Thalia-Theaier nach der Vorstellung einem Offizier eine doppelkapselige goldene Herrenuhr mit einer 20 Zentimeter langen goldenen Kette. Die Uhr trägt auf dem Deckel ein wappenartiges Schild. Die Kette besteht aus drei nebeneinandcrlicgenden Stränen aus runden Gliedern. Sie ist aus einer Damenhalskette hergestellt und hat einen Karabinerhaken und einen runden Ring. Als Leiche wiedergefunden wurde der 30 Jahre alte Friseur Paul Lang aus der Boddinstratze 9 zu Nixdorf, der seit 14 Tagen verschwunden war. Lang befaßte sich viel mit der Heilkunde und las alles was er sich auf dicsm Gebiete verschaffen komrte. Nach und nach setzte er sich in den Kopf, daß er berufen wäre, der leiden. den Menschheit zu helfen, und fühlte sich unglücklich, daß er kein Geld besaß, um eine große Heilanstalt zu errichten. Dieser Mangel trieb ihn zur Verzweiflung. Vor 14 Tagen verschwand er nachts heimlich aus der Wohnung und ließ einen Zettel zurück, daß er sich das Leben nehmen wolle. Gestern landete man seine Leiche aus dem Rixdorfer Schiffahrtskanal. Ein schwerer Unfall, bei dem ein Arbeiter tödlich, e l n anderer schwer verletzt wurde, ereignete sich gestern mittag geg»n 1 Uhr an der Ecke des Kurfürstendamms und der Uhlandstraßc. Dort werden gegenwärtig die Rammarbeiten der Untergrundbahn vorgenommen. Zu diesem Zwecke mußten mehrere Straßenmasten aus der Erde entfernt werden, eine Arbeit, die durch einen Kran- wagen der Großen Berliner Straßenbahn ausgeführt wurde. Als nun sich mittags nach der Arbeitspause die Dampframine, die dazu dient, die Eisenträger in den Boden einzutreiben, in Bewegung ge« setzt wurde, scheuten die Pferde deS Kranwagens und gingen durch. Die auf dem Gewährt stehenden Arbeiter Doege. Simeonstr. 26 und Katschmareck, Schmidstraße 84 wohnhaft, gerieten unter den Kran, der bei dem heftigen Anrücken der Pferde umstürzte. Die beiden Verunglückten wurden von ihren Arbeitskollegen aus ihret entsetzlichen Lage befreit und nach dem Elisabeth- resp. nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Katschmareck, der innere Ver- letzungen und Blutungen davongetragen hatte, st a r b kurz nach der Einlieferung in das Elisabcth-Krankenhaus, während Doege hoffnungs« loS daniederliegt. Das Armband im Kanalisationsrohr. DaS Polizeipräsidium teilt mit: In der Nacht zum 12. Oktober d. I. wurde in der Leipziger Straße, Ecke der Friedrichstraße, von Kanalarbeitern in dem aus den Rohren entnommenen Sande ein Ketlenarmband, 10a/ia Gramm schwer, acht Karat, 333 gestempelt, gefunden. Nach dem Gutachten eines Juweliers hat da» Armband über zwei Jahre in den Kanali- sationSrohrcn gelegen. Der Eigentümer wird ersucht, sich im Polizei- Präsidium Zinimer 409 III in den Vormittagsstunden von 9—12 Uhr zu melden.» Vom Znge überfahren und getötet wurde aus dem Rangier- bahnhof in Rummelsburg gestern früh ein Arbeiter, der die Gleise kreuzen wollte, als ein Ranglerzug eben herankam. Die Lokomotive faßte ihn und brachte ihn zu Fall, wobei die Räder über ihn weg« gingen. Infolge der dabei erlittenen Verletzungen starb der Mann in wenigen Minuten. Auf dem Wege zur Arbeit vom Herzschlag getroffen wurde vorgestern abend 10'/« Uhr der 23 Jahre alte Schlosser Franz Hermann aus der Oudenarder Str. 7, der bei der Allgemeinen ElektrizitätSgesellschafl angestellt war und Nachtschicht hatte. In der Hochstraße gegenüber dem Hause Nr. 22 siel cr. als er sich mit seinen Kollegen unterhielt, plötzlich besinnungslos zu Boden. Man schaffte ihn mit einer Droschke nach der Uufallstation in der Badstraße. Hier konnte der Arzt jedoch nur noch den durch Herzschlag eingetretenen Tod des Mannes feststellen. Die Leiche wurde dem Schaiihause zu« geführt. In einem Kanincheuloch in der Heide bei Borsigwalde ist ein zweijähriges Kind halberstickt aufgefunden worden. Das Kind hat sich inzwischen unter der Pflege der Aerzte im Reinickendorfer Krankenhaus, wohin es gebracht wurde, wieder erholt und ist wohl- auf. Trotz aller Ermittelungen gelang es jedoch bisher nur fest- zustellen, daß daS Kind weder aus Tegel, noch auS Reinickendorf stammt. Am gestrigen Vorinittag haben sich einige Personen auS Borsigwalde bei der dortigen Behörde gemeldet, die gegen S Uhr morgens einen Mann mit einem kleinen Kinde auf dem Arm in der Heide gesehen haben wollen. Sie vermochten jedoch keine genaue Beschreibung des Uilbekannten zu geben. Es wird vermutet, daß das Kind gewaltsam aus den, Leben gebracht werden sollte. Man vermutet, daß der Fremde mit einem Frühzuge aus Beiffin nach Wittenau gekommen ist. Diesbezügliche Recherchen bei dem Eisen» bahnpersonal sind noch im Gange. Straßenuiifälle. Am gestrigen Dienstagmittag versuchte der Hausdiener Otto Rede, Dresdener Str. 75 wohnhaft, der bei der Firma Rudolph Hertzog angestellt ist, den Spittelmarkt zu überschreiten, wurde jedoch von einem Lastfuhrwerk ersaßt und erlitt schwere innere Verletzungen, sowie einen Oberschenkelbruch. Der Verunglückte mußte nach Anlegung euieS Notverbandes auf der Unfallstation Spittelmarkt nach dem Urban-Krankenhause geschafft werden. Infolge Durchgehens der Pferde stürzte in der Stralauer Straße der Fuhrmann Leopold Ehrlich, Charlottenburg, Goethestr. 71 wohn« hast, von seinem Fuhrwerl herab und gener unter den Wage»� dessen Näder über ihn hinweggingen. E., der außer einem Bruch des linken Unterschenkels auch Verletzungen an der Brust davon getragen hat, wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. De» Tod auf den Schiene» gesucht hat vorgestern abend gegen 8>/z Uhr im Grunewoldforst eine unbekannte, ungefähr 20 Jahre alte weibliche Person, deren Persönlichkeit noch nicht fest gestellt werden konnte. Sie wurde vom Zuge überfahren und au- der Stelle g e t ö t e t. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht Die Tote ist etwa I.SV bis 1,60 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und im Oberkiefer große, ziemlich weit anseinanderstchende Zähne und trug ein Winterjackett mit grauen Streifen und Samt tragen, eine blaue Bluse, einen grauen Nock mit Knöpfen, einen blauen Unterrock und einen blauen Sainthut mit Pelzbesatz. In einer braunen Ledertasche, die sie bei sich führte, befindet sich ein Portemonnaie mit 2,40 M. Eine Halskette, die fie trug, hatte einen Anhänger auS Similisteinen. der einen Kranz mit Schlei� darstellte. Einen lrnterweisungSknrsus über aktuelle Fragen der Jugend- fürsorge, insbesondere der Jugendgerichtshilfe, vervnstciltet die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge im großen Hörsaal des Kaiser-Friedrich-Hauses Luisenplatz 2/4. Die Lorträge finden am 6., 13., 20., 27. November, 4., 11., 18. Dezember statt und behandeln folgende Gegeirstände: Funktionen und Ziele des Jugendgericht und der Jugendgerichtshilfe(Frl. Dr. jur. Frieda Duensing) einiges über Strafrecht und Strafprozeß(Amtsgcrichtsrat Dr. Kühne); einiges über Vormundschaft, Pflegschaft, Beistandschaft (Amtsgerichtsrat Dr. Fricdeberg); Voraussetzungen und Ausführung der Fürsorgeerziehung(Magistratsasscssor Dr. Alexander); die wichtigsten Einrichtungen der öffentlichen Armenpflege in Groß. Berlin(Referent noch unbestimmt); einiges über das Gcwerbegericht, insbesondere das Kinderschutzgesetz(Referent Gewerbcinspektor Dr, Bender); polizeiliche Maßnahinen(Referent noch unbestimmt). Für die Helfer der Berliner Jugendgcrichtshilfe ist die Teilnahme an dem Kursus unentgeltlich, doch ist der Eintritt nur gegen Vor zeigung von Äiarten gestattet, die durch die Vertreter in der Ber- liner Jugendgerichtshilfe der mitarbeitenden Vereine oder durch das Bureau der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, Wallstr. 89 zu beziehen sind.— Sonstige Teilnehmer erhalten Karten für den ganzen Kursus a 2 M. oder für den einzelnen Vortrag a 0,50 M, im Bureau der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge oder an der Abendkasse. Die Ortsgruppe Berlin des Arbciter-Radfahrer-Lundes„Soli d a r i t ä t" hielt am 27. Oktober bei Borgmann. AndreaZsir 21, ihre ordentliche Generalversammlung ab. Dem Bericht ist zu ent nehmen, daß außer der Generalversammlung am 11. August drei Zentralvorstandssitzungen staltgefunden haben. Der Mitgliederbestand betrug am Sckilusse des Ouartals 1734. Todesfälle sind nicht vor gekommen. An Unfallunterslützung wurde in zwei Fällen 75,25 M. ausgezahlt. Der Gesundheitszustand unserer Mitglieder hat sich gegen die Vorjahre bedeutend gebessert. An Zuwendungen an andere Korporationen wurden der Freien Jugendorgauisation 50 M. auS der Vereinskasse überwiesen. Grenzkarten wurden 4 nach Oesterreich ausgestellt. Die Jugendabtcilung des Vereins wurde, um den jugend lichen Mitgliedern die Teilnahme an den Sitzungen zu ermöglichen. in 4 Bezirke geteilt. Dieselben befinden sicki l. bei Küster, Beusseb straße 22, II. bei Obiglo, Schwedter Sic. 23/24, III. bei Borker, Weberstr. 17, IV. bei Hahn, Laufitzer Platz 9. Die Sitzungen finden jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat, abends 8Vz Uhr, statt. Der Kassenbericht verzeichnet im 3. Quartal eine Einnahme und Ausgabe von 2661,50 M. Im Quartal wurden drei Agitations- touren gefahren. An alle organisierten Mitglieder wurde nochmals das Ersuchen gerichtet, bei den kommenden Wahlen sich zur Ver- sügung zu stellen. Vom Festausschuß wird bekanntgegeben, daß am 22. November(Bußrag) in der„Neuen Welt" ein Lichtbildervortrag stattfindet, betitelt„Auf den Lavafeldern des Hella"<134 Bilder). vorgeführt vom Institut„Kosmos", Leipzig. Alle für den Verein bestimmten Sendungen sind an Genossen Rich. Karras, 8. 59 Schön- leinstraße 11, vorn 1 Tr., zu richten. „Stirb Bösewicht von meiner Hand." So steht in russischer Schrift auf einem indischen Dolche, der aus einer hiesigen Samm lung gestohlen worden ist. Der Dolch hat mehr geschichtlichen als Kunstwert. Sein Griff besteht aus Elfenbein und hat eine ausge- schnittene Handlage. Die angelförmig spitz zulaufende Klinge mißt 29,5 Zentimeter. Die aus schwarzem Lcder bestehende Scheide etwa 39 Zentimeter. Die Waffe ist Tulaarbeit auf geputzter Strichelung, die Scheide ist mit Silberkappc und Schuh versehen. Zcugengesuch. Am Freitag, den 27. Oktober, morgen? 8 USr 5 Minuten wurde der Damenschneider Wilhelm Krauß an der Ecke Katzbach- und Uorckstraße von einem Auloomnibus der Linie 14 überfahren und getötet. Zeugen des Nnglücksfalles werden ersucht, sich bei Robert Kagelmaim, Berlin, Ehlauer Straße 8, Garteuhaus 3 Treppen, zu melden._ Vorort- j�acbricbten» Charlottenburg. Die Stadtverordneteuwahleu der 3. Klasse. Am Sonntag, den 5. November finden die Stadt- verordneten-Ersatz- und Ergänzungswahlcn in der dritten Wähler- klaffe statt. Für die Charlottenburger Arbeiierschast sind diese Wahlen von besonderer Bedeutuizg, verfügt doch die Sozialdemokratie von den 72 Sitzen im Stadtparlainent nur über 10, so daß die beiden bürgerlichen Parteien 62 Mandate innehaben. Diesmal be- steht für die Arbeiterschaft die Möglichkeit den sozialdemokratischen Einfluß im Siadtparlament stärken zu helfen. Es sind für die dritte Abteilung 11 Mandate neu zu besetzen und zwar 8 für die regelmäßig wegen Ablauf ihrer Amtsperiode ausscheidenden Vertreter. 1 für einen Stadlverordneten, der sein Amt niedergelegt hat und 2 infolge der Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten von 72 auf 73. Da von den Sozialdemokraten nur die Genossen Dr. Borchardt und Klick ausscheiden, ist die beste Aussicht für eine erhebliche Vermehrung unserer Sitze vorhanden. Hinzu kommt, daß es durch die Festsetzung der Wahl an einem Sonntag dem letzten wahlberechtigten Arbeiter möglich ist, sein Wahlrecht auszuüben. Wohl sind die Verhältnisse in Char- lottenburg für einen iozialdemokcatischen Erfolg ungünstiger wie in anderen Vororten, da die Steuergrenze der dritten Wäblerklafie bis auf 290 M. reicht; doch bei etwas Energie und Talkraft muß eö auch hier gelingen, über unsere Gegner Siege zu erringen. Die diesmaligen Stadtverordnetenwahlen müssen gewissermaßen ein Auftakt zu den im Januar nächsten Jahres stattfindenden Reichstags- wählen sein. Ein erfreulicher Ausfall der Stadtverordnetenwahl bedeutet ein gutes Vorzeichen für die Reichstagswahl. Daher nütze jeder klassenbewußte Arbeiier die wenigen Tage, die uns noch von der Wahl trennen, aus zu unermüdlicher Agitation für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten. Die arbeiterfeindlichen Bestrebungen im Charlottenburger Stadt- parllinicnt laulele das Tteina einer öffenilichen Versammlung, die am Sonntag den großen Saal des VolkshauseS bis auf den letzten Platz iiillie. Wie in der Sonnabendnummer deS„Vorwärts" ausgeführt wurde, ist das Projekt einer städlischen Aibeitslosenfürsorge durch die bürgerliche Mehrheit in der von der Sindtverordueleuvcrsainm- lung eingesetzten Kommission derart verhunzt worden, daß, wenn die Vorlage der Kommission ailgenommen werben sollte, nur eine ganz verschwindende Minderheit von Arbeitslosen in den Genuß deS städlischen Zuschusses kommen würde. Was die bürgerliche Korn» missionsmehrheit aus der Vorlage, nicht nur im Gegensatz zu unseren Ptuwigen offen, sondern auch im Gegensatz zu den Absichten deS Magistrats gemacht hat, das ist in der Tat nichts anderes, als eine Verhöhnung der Arbeitslosen. Um den liberalen Stadtvätern die Meinung der Charlottenburger Arbeiterschaft zu sagen, hatte die Gewerkschaflskoimnissiou die Versammlung einberufen. Der Referent, Stadtverordneter Genosse Richter, gab eine ein- gehende Darstellung von den Verhandlungen, die innerhalb der städtischen Körperschaften über die Arbeitslosenfürsorge gepflogen wurden. Er betonte, daß durch die Beschlüsse der Kommission der Gedanke einer städtischen Arbeitslosenfürsorge in Charlottenburg tat sächlich gegeben ist.— Die scharfe Kennzeichnung, die der Referent dem arbeiicrfeindlichen Verhalten der Kommissionsmehrheit zuteil werden ließ, fand den ungeteilten Beifall der Versammlung. In der äußerst regen Diskussion kam hauptsächlich der Stand- Punkt zum Ausdruck: Es ist Sache der Arbeiterbevölkerung, dafür zu sorgen, daß der Gedanke der Arbeitslosenfürsorge nicht für immer begraben wird und daß darüber hinaus auch die sonstigen sozialen Pflichten der Gemeinde erfüllt werden. Dazu beizutragen, bieten die b e v o r st e h e n den Stadtverordnetenwahlen Ge- legenheit. Jeder Arbeiter muß eS sich zur Ehrenpflicht machen, dafür zu sorgen, daß wir bei den Wahlen einen tüchtigen Schritt vorwärts kommen. Unser Ziel muß sein, die bürgerlichen Vertreter wenigstens aus der dritten Klasse hinauszuwerfen. Nach Schluß der Diskussion wurde die nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 29. Oktober 1911 von der Charlottenburger GeWerk- schaftskommission einberufene Versammlung verurteilt aufS ent- schiedenste die arbeiterfeindlichen Bestrebungen, die daraus gerichtet sind, die Arbeitsloienfürsorge in Charlottenburg zu hintertreiben. Sie ist der Anficht, daß durch die Ablehnung des Prinzips:„Unter- stützung der gewcrlschaftlichen Selbsthilfe" die Vorlage des Char- lotlenburger Magistrats gegenstandslos geworden ist. Da die Praxis überoll ergebe» hat, daß eine wirksame Arbeitsloscnsürsorge nur möglich ist, wen» sie auf das genannte Prinzip aufgebaut ist, so elsucht die Versammlung die städlischen Körperschaften, auch die Charlottenburger Arbcitslosensürsorge ebenfalls darauf zu gründen." Schönederg. Ein gerichtliches Nachspiel wird nunmehr der bereits besprochene Fall deS Stadtverordneten Kuznitzky, der zu heftigen Auseinandev setzungen in der liberalen Fraktion und zum Ausscheiden K.s aus der letzteren Veranlassung gegeben hat, haben. Vor einigen Tagen hat eine Versammlung der Freunde und Wähler des Herrn Kuznitzky stattgefunden. um dessen Rechenschaftsbericht entgegen� zunehmen. Zu der Versammlung waren auch mehrere liberale Stadtverordnete erschienen, die jedoch bis aus zwei von der Teil- nähme ausgeschlossen wurden. Stadtv. Kuznitzky teilte mit, daß er gegen die Stadlvv. Zobel, Bamberg, Jatzow und Dr. Jacobi die Beleidigungsklage angestrengt habe, um öffentlich den Nachweis zu führen, daß an den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nichts Wahres sei. Nach einer ausgedehnten Debatte beschloß die Ver- annnlung, Kuznitzky doch wieder als Kandidaten bei den bevor- Gehenden Stadtverordneten-Ersatzwablen aufzustellen, obwohl vor kurzem eine große Wählerversammlung und die Mitglieder der liberalen Stadtverordnelenfraktion sich gegen die Aufstellung Kliznitzkys ausgesprochen hatten. Lichtenberg. Ueber ein Ehebrama wird berichtet: Gestern mittag gegen Uhr versuchte der 30 Jahre alte Zimmermann Friedrich P e s ch k c aus der Kroiiprinzenstraße 80 seine Frau zu erschießen. Pcschke ist seit kurzer Zeit mit seiner ebenfalls 30 Jahre alten Frau ver- heiratet. Die Ehe war jedoch nicht glücklich, weil die Frau ein Liebesverhältnis mit einem Arbeiter unterhielt. Am vergangenen Sonnabend verließ die Frau ihre Wohnung und ging zu ihrem Ge- liebten, der in Berlin, Grünauer Straße 15, wohnt. Ihr Mann erfuhr hiervon und paßte ihr bor dem Hause auf. Als sie gestern mittag gegen 1 Uhr aus der Türe trat, zog er sie in den Flur des Hauses und kam mit ihr in einen heftigen Wortwechsel. Plötzlich zog er seinen Revolver und gab vier Schüsse auf seine Frau ab. die sämtlich ihr Ziel verfehlten. Das Publikum, das diesen Vorfall bemerkt hatte, rief Schutzleute herbei, die Peschke estnahmen und nach einem Polizeirevier brachten. Als er dort in einer Zelle einen Augenblick unbeaufsichtigt war, zog er ein Rasier- messer und öffnete sich zuerst die Pulsadern, dann schnitt er ich die Kehle durch. Beamte fanden ihn so in einer Blutlache liegen. Er wurde sofort nach der Charito gebracht, wo er hoff- nungslos daniederliegt. AdlerShof. In der Sitzung ber Gemeindevertretung wurde zum Vorsitzenden S zu errichlenden Gewcrbegenchis Herr Dr. Oetliuger. der Leiter er Reckitsauskmiftsstelle, gewählt. Die Amtsdauer erstreckt sich auf zwei Jahre. Als Stellvertreter fungieren die Herren Hübuer und da. Der auf dem Marktplatz errichtete Brunnen ist nun schon Wochen lang fertiggestellt, aber den Blicken der Passanten noch immer durch einen Zami verborgen, weil der Wasserspeier fehlt. Die Kommission konnte sich über die Form desselben nicht einigen. Die Versammlung beschloß, dem Speier die Form eines LöwenkopfeS zu geben. Eine großzügige Erledigung crfubr die Forderung der Errichtung einer Bedürfnisanstalt aus dem Marktplatz. Die Mittel dazu sind bereits seit langer Zeit bewilligt, aber der Bau unterblieb, weil der bürgerlichen Mehilieit die laufenden Ausgaben für Reinigung und Anstellung einer Wartefrau zu hohe sind. Außerdem glauben die Herreu, der schöne Marktplatz würde durch eine Bedürfnisanstalt ver- unziert. Der Amlsvorstcber zwingt aber nun die Gcnreinde, bis zum 1. Januar 1912 eine öffentliche Abortanlage für die Markilente zu errichten. Der Antrag der Kommission, dem Gastwirt Robert Baher für die öffentliche Benutzung seiner Be- dürfnisanstalt jährlich 100 Mark Pacht zu zahlen, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Es kommen außerdem hinzu 150 M. für die Renovierung und 20 M. jährlich für Fnstandhallung. Für das Rechnungsjahr 1910 wurden 1592,10 M. nachbewilligt. Ferner wurde bcichlossen, den Fehlbetrag von 1909 in Höhe vo» 27 115.54 M. ans den Anlcihetilguugsfonds übernehmen. Für das Jahr 1911 mußten für allgemeine Zwecke 2709 M. und für die höhere Schule 250 M. nachbcwilligt werden. Der zweite Anbau der II. Gemeindeschule macht die Aufnahme einer Anleihe von 220 000 M. nötig. Die Summe wird bei der KreiS» sparkasse erhoben.— Wie manche Herren die Gemeinde als milchende Knh betrachten, geht aus einer vom Herrn Architekten Klische er- hobenen Nachforderung an BauaufsichtSgcbühren in Höhe von 03,43 M. hervor. Dem Herrn war für den_ ersten Anbau der II. Gemeindeschule die Bouaufsicht für eine Pauschale von 4800 M. übertragen. Nachdem der erste Anbau bereits zwei Jahre fertig ist, erscheint nun für angeblich außergewöhnlich geleistete AufsichlSdienste diese Nachfordcrung. Unsere Genossen bezeichneten dieses Verfahren als ein ganz außergewöhnliches und beantragten Ueberweisung an den Verkehrs« und Bauausschuß. Vom Genossen Horlitz wurde darüber Bescbwerde geführt, daß in der Mädchenschule iniolge Beur- laubung eines Lehrers zurzeit einer der Herren schon 14 Tage lang 90 Kinder unterrichten muß. Es wurde dringend um Abhilfe gebeten. Nunmehr gelangte, durch den Genossen Horlitz, ein von der Firma Wolf Netter u. Jacobi an ihn gerichtetes Schreiben zur Verlesung, in welchem derselbe„ebenso dringend wie höflich" aufgefordert wird, die bei der Vergebung von Arbeiten an die Firma erhobenen Be- Häuptlingen in öffentlicher Sitzung, weil unwahr, zurückzunehmen. Das eigentümliche Verfahren der Firma, unseren Genossen durch Drohung zum Widerruf zu zwingen, wurde energisch zurückgewiesen. Herr Schöffe Mendelssohn war beauftragt, die Arbeitsverhältnisse im Betriebe der Firma nachzuprüfen. Nach den von ihm gemachten Feststellungen ergibt sich, daß unsere Genossen ihre Behauptung, in der Zinkeret(einer besonders schmutzigen und gesundheitsschädlichen Arbeit) würden wöchentlich im Durchschnitt 30 M. verdient, nicht aufrechterhalten wollen, weil sie das Ergebnis der Prüfung durch den Schöffen, der für die Zitikerei Verdienste von 86— 45 M. feststellt, nicht anzweifeln. Alle anderen Behauptungen unserer Genossen treffen aber zu und schildern zum Teil die Verhältniffe noch zu rosig. Es sei deshalb erneut festgestellt, daß in anderen gleichartigen Betrieben auf Grund der Vereinbarungen vom 21. Juni 1911 die Arbeitszeit nur 56 Stunden beträgt, dort aber werden 60 Stunden gearbeitet, außerdem noch viele lleberstuitden geleistet. Den Durch- schnittsverdieitst in der Eisenkonstruktion dieser Firma bat der Schöffe auf 53'/� Pf. pro Stunde festgestellt, während wir behaupiet halten, es werden 52— 60Pf. stündlich bezahlt, was einen Durchschnittsverdienst von 56 Pf. für die Stunde ergibt. Trotzdem diese Berechnungen klar hervorgehoben wurden, wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten folgender Beschluß gefaßt:„Die Gemeindevertretung er- kennt an, daß die Vertragsbedingungen von der Firma Wolf Netter u. Jacobi eingehalten worden sind." Der liberale Vertreter Lutze versuchte untere Genossen persönlich anzttrempelit. Er unterbrach die Ausführungen des Genossen Horlitz indem er ganz unberechtigt zur Geschäftsordnung redete und dazu ausführte, es ginge nicht an, eine Fabrik hier In dieser Weise an die Oeffentlichkeit zu zerren und nackt auszuziehen, wir köiintett in öffentlichen Versammlungen hetzen, in denen wir, nach Meinung dieses Herrn, das bis zum Ueberfluß tun. Das geschäftsordnungsividrige Verhalten dieses temperameut- vollen Freisinnigen wurde leider nicht gerügt. Spreenhagen(Kreis Storkow). Die Wählerversaminlimg, welche am letzten Sonntag hier statt- fand, mußte unter freiem Himmel abgebalten werden, da auch am hiesigen Orte die Wirte ihre Säle den Sozialdemokraten nicht zur Verfügung stellen. Wie fast überall ans dem ländlichen Gebiet, so ist eS auch hier die pure Angst der Wirte vor Schikanierungeit, die sie von der Hergabe ihrer' Säle abhält. Freilich stehen den gegnerischen. Parteien immer die Säle zur Verfügung. Daß es bei dieser kühlen Witterung gerade nicht angenehm ist, stundenlang im Freien zu stehen, dürfte begreiflich erscheinen. Trotzdem hielten die 100 Versammlungsteilnehmer tapfer bis zum Schluß aus und spendeten den scharfpointicrten Ausführungen des Genossen Joachim Kluß lebhaften Beifall. Ebenso begeistert stimmten sie in das vom Genossen Lieg» er ausgebrachte Hoch aus die Sozialdemo- kratie ein. Ungeachtet der vielen Schwierigkeiten, die der FreiheitS- bewegung in den Weg gelegt werden, dringen unsere Geuoffen m der Angriffslinie stehend, doch vorwärts. Bceskolv. In dieser bisher so rückständige» konservativen Domäne fand am Sonntag die zweite Versammlung unter freiem Himmel statt. Genosse Z u b e i l führte den 450 Versammluttgsbetuchern in IV« stiiudiger Rede die Bedeutung der bevorstehenden Reichstags« wählen vor Augen. Die herbe Kritik, die Zubeil an den ver- schiedenen Maßnahmen der Regierung, sowie an der Haltung der bürgerlichen Parteien im Reichstage übte, verfehlte auf die An- weienden nicht ihre Wirkung und rief fortgesetzt lebhaften Beifall hervor. Trotzdem die in größerer Zahl anweiendett Gegner durch den Versammlungsleiter des otteren unter Garantie unbeschränkter Redezeit zur Diskussion herausgefordert wurden, meldete sich doch niemand zum Wort. Genosse P a g e l s wies deshalb in seinem Schlußwort nachdrücklichst darauf hin, daß die konservativen Herren stets hinter uns herschiinpfen,— uns in ihren Versammlungen jedoch nicht zum Wort kommen lassen,— und wenn wir ihnen dann in unseren Bersantntlttngen Redefreiheit garantieren, zu feige sind» sich in ehrlicher Diskussion mit uns auseinanderzusetzen. Bernau. Ein großes Schadenfeuer wütete gestern abend auf dem in der Nähe von Bernau belegenen, der Gemeinde Weißenfee gehörigen Rieselgut Birkholz. Das Feuer, welches durch unvorsichtiges Um« gehen mit«ttier Laterne entstanden sein soll, kam in dem großen Kuhstall aus, in welchem zirka 125 Kühe untergebracht waren. Glück« licherweise wurde der Brand sofort bemerkt, so daß es gelang vorher sämtliche Tiere in Sicherheit zu bringen. Sämtliche Feuerwehren der weiten Umgegend waren am Brandherd erschienen, köiintett sich aber nur darauf beschränken die umliegenden Gebäude durch große Wassermassen zu schützen. Gegen 8 Uhr erschien noch die tele- phonisch herbeigenlsene Weitzenseer Wehr. Erst in später Nacht« stunde konnten die Wehren wieder abrücken; jedoch mußte eine starke Brandwache vetbleiben. um ein neues Ausbrechen deS Feuers zu verhindern._ ßpkffcaftcn der Rcdahtlon. F. E. 75. 1. ES genügt die privatschrisiliche Mitteilung. S. Den Zins» faß können Sie zu einem beliebigen Znlpuukle erhöhen. Erklärt Schuldner nicht seine Zustimmung, so lönnett Sie Nüclzahlimg deS Kapitals fordern. 3. Nein.— A. 2. 230. Beim Negimentskommando unter Beifügung eines Meldefcheins, der bei dem Zivilvorsihcnden der Ersatzkvmniisßon zu bcaiitragen ist. Dem Ecluch aus Erteilung deS Meldescheins ist die Ein- willigung des VatcrS oder VoniiundeS sowie ein polizeiliches Führungs» attesl beizufügen.— Hayna«. Für beides ist nicht der Zeitpunkt der Wahl, sondern der Zeitpunkt der Auslegung der Wählerliste maßgebend.— Atum B. 80. 1. Bei der LandcSocrsichermigSanstalt Berlin ja. Der An» trag müßte noch in diesem Jahr gestellt sein. 2. Umtausch bei der Polizeibehörde. 3. Wöglichkeit des HeilversahrcuS, Anspruch aus Jnnalden. bez. Altersrente. — Viersen IVO. Der Standpunkt der BerusungSkommission würde nur dann unbegründet und eine Beschwerde an das Obervcrwaltungsgericht ausstlbtsooll scw, falls Sie die B c i t r eib u n g der Forderung vergeblich versucht haben(vergl Entscheidung des Obcrverwallungsg erich tS vom 5. Juli.1895).— T. 4. Nicht länger als zehn Stunden täglich. An Vor- abcnden der Sonn- und Festtag- bei Arbeiterinnen acht Stunden. Mittagspause eine Stunde, Vor» und nachmittags je'/»stündige Pause.— Zt. M. LZ. Weibliche, über 21 Jahre alle Vertreterin zulässig. Meldung ans dem Revier.— Uno. Sie sind nur dann crstatiungspslichiig, wenn Sie der Erzeuget des KindeS sind.— 14 I. 1. Die für die Icsjten vier Jahre erhaltenen Bclräge. Die weiter zurückliegenden Ansprüche sind verjährt. 2. Nur Einkommensteuer, sofern das GesantteinkommcnllOO M. jährlich übersteigt. Evittentngsüdersiwi vom 31. Oktober 1S11. 6 Schnee 6 1 bedeckt 1— 4 5 halb bd. 10 6 bald bd. 4 1 bedeckt S I Wetterprognose für Mittwoch, de« 1. November 1V11. Ziemlich mild, zeltweise ausklarend, vorwiegend trübe mit Regmsällen und unter lebhasten jüowcsUichcn Winden. * Berliner Welterbureav, Ä t* WasserstandS-Nochrtedte« vasserNand M-mei, TUM L c e g- l. Jnfterbtttg Weichsel. Tborn O der. Rattbor . Kroßen # Frankfurt Warthe. S-hrimm , LmtdSberg Netze, Vordamm Eide, Lettmerttz Dresden .«arby , Magdeburg am|(tu 30.10 29.10. om ora') 78 —49 —14 92 21 35 —30 —54 —30 85 -209 4 9 +4 +3 +1 -1 0 — 1 +1 —4 -2 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel. Spandau') » Rathenow') Spree, Soremberg') » BceStow Weser, Münden , Minden N h e i», MaximUiansau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, W-rtheuo Mosel. Trier «> 4- bedeutet Buchs,— Fall.—«) llnterveaet. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: B�awärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u.Cc,, Verliv