Kr. 258. nbonntmentS'Bedlnganseii: flSonnetnentS• Prci» prünuuierando J Vierteljährl. 8,30 Mk, monatL 1,10 Uli, »vSchmtlUH 28 Ptg. frei ins Haus. Einjelne Nummer k Psg. Sonntags. nuumier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfa� Post- ktbonncmenl: 1,1V Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung s- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. dl« TnfertloM'GebQbr teträgt für die sechSgefpaltene Kolonef- »eile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewcrlschastliche Bereins- und Lcrsannulungs. Anzeigen 80 Psg. „kleine Hmeigm", das settgcdrutlie Wort 20 Psg,(zulässig 2 settgedruckli Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellen«»- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes «eitere Worts Psg, Worte über 15 Buch- staben zäbicn für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis £ Uhr nachmittags in der Expedition »tgegebe» werden. Die Expedilioll ilt bis 7 Uhr abends geöffnet, Crtäclnt Izgllch außer Oontaat. Berliner Volksblnlt. Zentralorgan der rozialdemokratifcben partei Deutfcblands. Telegramm-Adresse: «Sozlaldcmslirat BtrlW. RccUhtion: 8ÄI. 68» Linden Strasse 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Freitag, de« 3. November 1911. Expedition: 8M. 68, Lindcnstrass« 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Stadwerordnetemvahlen in Derlin und Charlolienbnrg finden am nächsten Sonntag, den 3. November, statt. Parteigenossen! Nützt die knrze Zeit zur wirksamen Agitation für die sozialdemokratischen Kandidaten! Lei' Anschlag auf die freie prelle. Tie Strafprozebreformentwürfe sind von der Tagesord- nung des slerbenden Reichstages gestrichen worden. Es mußte geschehen, da die Verabschiedung der unifangreichen Vorlage von über 6sX) Paragraphen nicht mehr möglich gewesen wäre. Das deutsche Volk verliert nichts dabei, im Gegenteil. Denn da die angebliche Resorm in Wirklichkeit ein gesährlicher An- schlag auf die wichtigsten Reichsgarantien des Strafver- fahrens ist, den die Regierung allerdings schlauerweise unter einigen Scheinzugeftändnisjen an die populären Forderungen der Berufung gegen Straskammerurteile und der Laienrichter zu verstecken sucht, so wird durch die Absetzung der Vorlage mindestens eine Galgenfrist gewdnnen. Ob der Anschlag dauernd abgeschlagen wird, das wird zu einem gewissen Teil von dem Ausfall der Wahlen am 12. Januar abhängen und von dem Drucke, den die öffentliche Meinung auf den Fort- schritt und die Nationalliberalen auszuüben weiß, die beide in dieser Hinsicht unsichere Kantonisten sind. Vorläufig ist die Pseudoreform des Strafprozesses un- schädlich geniacht. Aber eine andere, bedrohliche Gefahr ist in bedenkliche Nähe gerückt, eine dringliche Gefahr für das freie Wort und vor allem für die freie Presse. In der Mitte des November soll, so hat der Seniarenkonvent des Reichs- tages beschlossen, die kleine Strafgesetznovelle weiterberaten werden. Und dieser Entwurf enthält die Lex Wagner, die Lestimmungen zur Verschärfung der Beleidigungspara- graphen, die geschaffen wurden zur Vernichtung, zur Dezi- mierung der oppositionellen Presse, insbesondere der Arbeiter- presse. Zwei Lesungen hat die Strafgesetznovelle schon passiert. Nur die dritte steht noch aus. Da der Entwurf nur aus 1l) Nummern und 16 Paragraphen besteht— die zweite Lesung im Plenum hat noch einige hinzugefügt—, so ist er in verhältnismäßig wenigen Sitznpgen zu erledigen, sofern die Beratung normal verläuft. Den Reaktionären liegt viel daran, das haben die„Deutsche Tagesztg.", die„Kreuzztg." und ähnliche Organe genugsam gezeigt. Schon vor dem Aiisammentritt des Reichstages haben sie mehrfach die Ver- abichiedung der Novelle gefordert. Und dabei haben sie auch plump verraten, weshalb der Entwurf ihnen so sehr am Herzen liegt. Nicht um der Verbesserungen des Strasrechts wegen, die er enthält— nicht um der Milderung der Para- graphen über Diebstahl. Unterschlagung, Betrug, Haus- friedensbrnch, nicht um der Verschärfung der Bestimmungen gegen Tierguälerei und Kindermißhandlung, nicht um der Aenderung des Erpressungsparagraphen willen— sondern lediglich der Verschlechterung des geltenden Rechts wegen, die er bringt! Um der Erhöhung willen, die die Geldstrafen für Beleidigungen und die Bußen durch die Vorlage erfahren und um der Ermächtigung willen, neben der Geldstrafe auch noch auf Gefängnisstrafe zu erkennen, die sie dem Richter erteilt. Denn die genannten eifrigen Reaktionsorgane wuß- tcn in ihren Hinweisen auf die Notwendigkeit, das Gesetz fertigzustellen, aus seinem Inhalt stets nur die Lex Wagner. den Anschlag auf Rede und Presse anzuführen. An den übrigen Bestimmungen zeigten sie keinerlei Interesse, sie waren ibnen der Erwähnung nicht wert. Wenn die Blätter der Reckten die Verabschiedung der Strafgesetznovelle fordern. so lediglich um des kleinen � Sozialistengesetzes willen, das darin steckt oder das doch die Praris der Gerichte daraus machen soll und daraus machen würde. Wir haben hier schon mehrmals auseinandergesetzt, daß die Verschlechterung der Bcleidigungsparagrapben das bißchen kümmerliche Preßsreibeit, das wir in Teutschland noch be- sitzen, vollends vernichten würde, daß sie den Behörden ein bequemes Mittel an die Hand gäbe, unbequeme Zeitungen, die sa jetzt nicht mehr wie früher einfach verboten werden können, durch Beleidigungsklagen finanziell so zu schädigen. daß sie die Existenzmöglichkeit einbüßen. Denn die Befugnis des Richters, Geldstrafen bis zu 10 000 M- neben Gefängnisstrafe bis zu zwei Iahren— jetzt entweder Geldstrafe bis zu 1500 M. oder Gefängnis bis zu 2 Iahren!— für einfache Beleidigung lBehauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen) zu verhängen, wenn die Beleidigung öffentlich oder durch die Prelle geschah, ist g3cfunn{§ kleinere Blätter finanziell zu ruinieren, mittlere in ihrer Entwickelnng zu hemmen und große erheblich zu schädigen Tie Erhöhung des Marimalbetrages der Bich? an den geschädiaten Beleidigten von 6000 auf 20 000 M. schärft noch das Scharsrichterschwert. das dem Richter durch die Aenderung des 8 186 wider die Prelle und wider die Rdde in die Hand gegeben werden soll. Daß es nicht in der S chcide stecken bleiben wird, darüber ist niemand im Zweifel, der die deutsche Iustizpraxis kennt. Man braucht nur die Strafen anzusehen, die nicht selten wegen wahrer Bagatellsachen gegen Arbeiterblätter gefällt werden, um zu wissen, daß die Möglichkeit, noch höhere Strafen zu verhängen, nicht ungenützt bleiben wird. Das heißt gegen die oppositionelle Presse, was unter den heutigen Verhältnissen in 99 von 100 Fällen bedeutet, gegen die sozialdemokratische Presse und die Organe der freien Gewerkschaften. Denn daß es nicht dasselbe ist. wenn zwei dasselbe tun, das ist in Preußen-Deutschland seit langem anerkannter Rechtsgrund- satz. Das eklatanteste Beispiel dieser doppelten Buchführung haben wir seinerzeit erlebt, als der Reichswahrheitsverbands- general Liebert wegen der hahnebllchenen Beleidigung, die er in einem der Hänge-Peters-Prozesse hohen Reichsbeamten zu- fügte, überhaupt nicht angeklagt wurde. Eine billige Ent- schuldigung, die sachlich nichts zurücknahm, genügte, um dem Kommandeur der staatserhaltenden Reichswahrheitsverbands- kämpen jede Unannehmlichkeit zu ersparen. Und wie oft haben wirs erlebt, daß sozialdemokratische Zeitungen wegen derselben Sache angeklagt und verurteilt wurden, die Ord- nungsblättern ohne Anklage durchgingen. Im selben Gerichts- bezirk, unter den Fittichen derselben Staatsanwaltschaft, die über die Frevel des sozialdemokratischen Organs nicht laut genug zu donnern wußte. Deshalb auch der Gleichmut, mit dem die bürgerliche Presse im allgemeinen dieses Attentat aus die Preßfreiheit behandelt, sofern sie sich nicht gar direkt dafür ins Zeug legt. Sie vertraut darauf, daß diese Bestimmung sie nicht treffen wird, daß sie in ihrer praktischen Anwendung lediglich ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterpresse sein wird. Daran ist etwas Wahres. Aber die liberale und die Zentrumspresse, die als Stützen der Ordnung in den Augen der Staatsobrig- keit doch nur zweiter Güte sind im Verhältnis zu den Iunkcrblättern, dürfen doch nicht darauf bauen, daß ihnen jegliche schmerzliche Berührung mit der Lex Wagner erspart bleiben wird. Zuweilen, wenn auch selten, kommen sie wohl einmal in die Verlegenheit, mit einer hohen Behörde oder einer Respektsperson anbinden zu müssen, und was dem Reichswahrheitsverbandsgeneral recht ist, das ist nicht jedem Zeitungsschreiber recht, auch wenn er für gewöhnlich ein Kämpe für Thron und Altar ist. Diese bittere Erfahrung bat erst jüngst der Verleger und Redakteur des„Mainzer Neuesten Anzeigers", ein untadeliger Ordnungsmann, machen müssen. Er wurde bekanntlich wegen Beleidigung der Mainzer Polizeiassistentin und eines Beigeordneten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Daß der Herr Hirsch die beiden genannten Beamten beleidigt bat, steht außer Frage. Aber da er in gutem Glauben und nicht aus unehrenhaften Motiven gehandelt hat. so ist das Urteil von unnötiger Härte. Der nationalliberalen„Kölnischen Ztg.", die die härtesten Verurteilungen sozialdemokratischer Preßsünder in ihrem Seelenfrieden nicht stören, waren nach dieser harten Be- strafung eines der Ihrigen plötzlich die Augen aufgegangen über die Notwendigkeit, das deutsche Preßrecht zu verbessern. Sie schrieb in einer Besprechung des Mainzer Prozesses: „ES ist für die anständige Prcsie nicht angenehm, wenn ein Redakteur in einem Beleidigungsprozeß mit der Begründung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wird, er habe nicht den Beweis für die von ihm aufgestellten ehrenrührigen Behaup- tungen zu erbringen vermocht. Solche Urteile untergraben das Ansehen der Presse und leisten der namentlich in Beamtenkreisen bestehenden Neigung Vorschub, die ganze kritische Wirksamkeit der Presse als unbefugte Einmischung in die Angelegenheiten einer allein zuständigen hohen StaatSregierung abzutun. Diese Auffassung besteht tatsächlich heute noch in den weitesten Kreisen. Aus ihr erklärt sich der Widerstand, den man der For- dcrung der Presse hartnäckig entgegensetzt, für ihre Behauptungen den Schutz des§ 193 des Strafgcsetzbuckies zugebilligt zu erhalten. d. h.. nur dann wegen Beleidigung bestraft zu werden, wenn die Absicht der Beleidigung erkennbar sei. Diejenigen, die sich dieser Forderung widersetzen, mögen erwägen, daß damit die Presse, einschließlich der anständigen, mund. tot gemacht wird. Wer freilich das für ein erstrebenS- wertes Ziel hält, der wird gerade darum gegen die Neuerung sein. Wer aber liberal genug denkt, um trotz aller Fehlgriffe die kritische Wachsamkeit der Presse für ein Palladium der bürgerlichen Freiheit zu halten, h-r wird den heutigen Zustand für reform. bedürftig ansehen. Denn wie steht es heute? Eine Zeitung mag noch so segensreich damit gewirkt haben, daß sie eine An- gelegeuheit zur öffentlichen Erörterunng gestellt hat: irgend jemand wird sich immer finden, der sich durch die Kritik beleidigt fühlt. Und bei der oft allzu weitherzigen Auslegung des Be- grifft der Beleidigung findet er auch leicht einen Richter. Kann der Angeklagte dann beweisen, daß er zu wahre Behaup- tungen aufgestellt hat, so muß er doch wegen des fehlenden illM verurteilt werden; denn er ist für alles beweispflichtig. Acußerst selten aber nur wird er begreiflicherweise imstande sein, unter dem Kreuzfeuer deS offiziellen Beweisapparats, der ihm ja vor« her als Privatmann gar nicht zur Verfügung stand, alle seine Behauptungen im vollen Umfange aufrechtzuerhalten. Das gleich- laufende Interesse der Presse wie der Allgemeinheit geht dahin, daß man sich hier zur Freisprechung mit dem Nachweis der an- ständigen Gesinnung und der möglichst gewissenhaften Prüfung begnüge." Diese Forderung der„Kölnischen Zeitung" erschöpft nicht das, was zu einer gründlichen Reform des Preßrechts gehört. Und sie könnte vielleicht gar zu einer Verschärfung der Klassenjustiz, zur Verschärfung des Unterschiedes in der Be- Handlung bürgerlicher und proletarischer Preßsünder führen, indem die Nichter diesen die anständige Gesinnung nicht zu- billigen würden, die sie bei jenen anerkennten. Aber an sich ist die Forderung der„Köln. Ztg." gut und wir hätten nur zu wünschen, daß sie die Forderung aller Nationalliberalen wäre. Dann hätten nämlich der Reichstagsabgeordnete Heinze und verschiedene seiner Fraktionskollegen nicht den Antrag Wagner unterschreiben können, der statt einer Verbesserung eine erhebliche Verschlechterung des Rechts der Presse bringt, und die Gefahr vergrößert,„daß damit die Presse einschlicß- lich der anständigen mundtot gemacht wird". Die„Köln. Ztg." sollte diese Stelle als Separatdruck den Freunden der Lex Wagner im nationalliberalen Lager dedizieren und nicht minder den Zentrumsabgeordneten, die denselben Weg gehen und in ihrem blinden Haß gegen die Sozialdemokratie nicht bedenken, daß sie damit eine Schlinge drehen helfen, die ihren eigenen Zeitungen und insbesondere den Organen der christ- lichen Gewerkschaften gefährlich werden kann. Auch den Sieg- fried Heckschers in der Fortschrittspartei, die für die Erhöhung der Geldstrafen für Beleidigung schwärmen, könnte die Lek- tiire dieses Zitats vielleicht nützlich sein. Jedenfalls tiyrd die Sozialdemokratie seiner nicht vergessen, wenn demnächst der Versuch unternommen wird, die Lex Wagner in dieser Session noch durchzudrücken. Die Sozialdemokratie muß dem Versuche, die Presse noch schnell vor dem Wahlkampfe zu knebeln, mit Aufgebot all ihrer Kraft entgegentreten. Wenn die Blauschwarzen und die Nationalliberalen Wert darauf legen, noch am Vorabend der Wahlkampagne vor aller Oeffentlichkeit in einem aufrüttelnden parlamentarischen Kampfe als die Feinde des freien Wortes und der freien Presse gebrandmarkt zu werden, so mögen sie den Tanz be- ginnen, die Sozialdemokratie wird ihnen aufspielen, daß sie für längere Zeit genug haben sollen. £1» neuer Nshlrechlzmchlelbslg in Sicht! Unserem Parteiorgan in F r a n k f u r t a. M., der„VolkZ- stimme". gehen von sehr gut unterrichteter Seite hochbedeut- sanie Mitteilungen über die neueste Gehcimgeschjchte der preußischen Wahlreform zu. Danach liegt zurzeit schon ein neuer WahlrechtLreformentwurf fix und fertig vor und zwar ein Entwurf mit mehreren Varianten. Daß man bisher noch nichts über die Pläne der Regierung erfahren hat, liegt mit daran, daß sie selbst noch schwankt, welcher der verschiedenen Lcs- arten sie den Vorzug geben soll. Der neue Entwurf, der in allen seinen Formen an Volks- feindlichkeit den früheren noch weit hinter sich läßt, ist vor einiger Zeit an sämtliche Landräte und eine Anzahl von Gemeindeverwaltungen gesandt worden — natürlich als strengste Geheimsache I—, damit diese aus ihren Wahlakten fest st eilen sollen, bei welcher Variante die Sozial- demokratie das schlechteste Geschäft machen w ü r d e. Sobald die Zentralregieruug die Antworten der Landräte und Gemeinden zusammengestellt hat und daran er- messen kann, welches System sich in seinen Wirkungen auf die Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses am wenigsten von dein heutigen Wahlrecht entfernt, soll der Ent- Wurf dem Landtage unterbreitet werden. In den Anweisungen an die Landräte und Gemeinden ist zwar nicht nicht ausgesprochen worden, mit ausdrücklichen Worten dieser Plan erwähnt worden, daß es der Regierung darauf an- kommt, die Erfolgsaussichtcn der Sozialdemokratie vorher kennen zu lernen, aber dieser Wunsch ist andererseits doch zivischcu den Zeilen zu lesen und ivird in den Landrats- bureaus und Gemeindcstubcn ganz gewiß verstanden werden. Es verlautet, daß die Regierung an die verschiedenen Bureaus verschiedene Schemata gesandt hat, um zu verhüten, daß bei einer Indiskretion gleich die ganze uner- hörte Gcmeingefährlichkeit ihrer Pläne an den Tag kommt. Nur so viel sei für heute mitgeteilt, daß Vethmann H o l l w e g wieder auf das Ziel des M e h r st i m m e n- rechts unter Aufrechterhaltung der Klassen- einteilung lossteuert. Er verfolgt persönlich mit größter Spannung den Wahlausfall in Hessen und hat im ver- trauten Kreise geäußert, er hoffe unter Anlehnung an das hessische Systeni eine Wahlreform zustande bringen zu k ö n n c z,. die unter dem Anschein einer gewissen Libcralilät eine sichere..Kontin gen- tierung" der sozialdemokratischen Stimmen und Mandate ermögliche. Diese Ausdeckung volksfeindlicher Pläne wird der Regie rung, die ohnehin schon die gewaltige Mehrheit des Volkes gegen sich hat— die letzten Wahlen waren doch wahrhaftig ein deutliches Zeichen!— recht unbequem sein. Aber kein Dementi, mag es auch noch so bestimmt gefaßt sein, schafft die Tatsachen aus der Welt, auf die wir oben him wiesen. Die„Frankfurter Volksstiinnw" äußert sich zu diesen lichtscheuen Wahlrechtsplänen in folgender Weise:„Jedem Versuche, ihn zu einem gerade vom Standpunkte der„staats erhaltenden� Politik verständigen Vorgehen in Sachen der preußischen Wahlrechtsreform zu bewegen, setzt der Minister- Präsident die störrische Bemerkung entgegen, daß er nach dem voraussehbaren Ausgang der Reichstagswahlen am 12. Januar 1912 die besondere Pflicht zu haben glaube, Preußen vor einer „Radikalisierung" zu schützen, das heißt, die Vorrechte des Geldsacks im allgemeinen und der Junkerclique im besonderen weiterhin aufrecht zu erhalten. Ilm so sicherer wird der neue Anschlag auf die Volks- rechte vereitelt werden, je entschiedener die Wähler am 12. Januar ihrer Meinung Ausdruck geben. Mit dem Beschützer des Brotwuchertariss, dem Organisator der Präfektenwahlen. mit dem Staatsmann der Volksentrechtung muß am Wahltage Fraktur geredet werden. Nieder mit der VolkSauSplünderung, nieder mit den Ent- rechtern der breiten Maffen! Auf Preußen kommt für die EntWickelung Deutschlands außerordentlich viel an. Wir hoffen, daß die Aufdeckung des gemeinschädlichen Anschlages genügen wird, um unsere preußischen Kampsesbrüder zu den äußersten Anstrengungen zu entflammen." Die Meldung der„Frankfurter Volkssiimme" klingt in der Tat gar nicht unwahrscheinlich. Die Regierung hält es ja seit Jahren mit Ueberraschungen. Sie hat ein so schlechtes Gewissen, daß sie sich aus ihren Verlegenheiten nur durch Ueberrumpelungen retten zu können glaubt. Schon die letzte Wahlrechtsvorlage war ja eine solche Ueberrumpelung. Zwar hatte die Thron- rede im Herbst 1903 die Wahlrcform feierlichst versprochen. allein dann verging wieder mehr als ein Jahr, bevor man von der Wahlresorm wieder etwas hörte. Erst Ende Dezember 1909 sickerte das Gerücht durch, daß die„Erwägungen" und «Vorarbeiten" der Regierung ihrem Abschluß nahe seien, so daß dem Landtag in der nächsten Session vermutlich der Entwurf zugehen werde. Um Neujahr kam die berüchtigte Denkschrift heraus, aber erst am 11. Januar 1910 erfuhr man aus der Thronrede, daß dem Landtag nun faktisch demnächst die Wahlrechtsvorlage vorgelegt werden solle. Und am 5. Februar ging dann die Spottgeburt tat- sächlich dem Landtag zu. Sechs, sieben Wochen vor- h S r hatte die Oeffentlichkeit noch keine Ahnung von den Absichten der Regierung! Daß man aber die Sache mit argem Vorbedacht so heimlich betrieben hatte, daß eine Ueberrumpelung beabsichtigt war. bewies klärlich der Inhalt der Vor- läge, bewies obendrein auch die skandalöse H a st, mit der die Vorlage in den Kommissionen und dem Plenum durch- gepeitscht wurde. Die schnöde betrogenen Wähler sollten gar nicht erst zur Besinnung kommen, damit die Empörung der Massen gegen die unerhörte Täuschung des Volkes nicht in voller Stärke zun: Ausdruck käme l Deshalb liegt der Verdacht nur-zu nahe, daß die Regierung auch diesmal dieselbe Ueberrumpelungstaktik versuche» möchte. Aber die Maffen sind nun gewarnt. Sie wissen, was auf dem Spiele steht. Sie werden nun der Regierung des Lebens- mittelwuchers und der Wahlentrechtung bei der Reichstags- wähl de» nötigen Denkzettel geben! Zum igzhltzzmpf In 5chIeswig HoIllein. Aus Kiel wird uns geschrieben: Mit Ungeduld sehen unsere Genoffen in der meerumschlungenen Provinz dem Wahlkampfe entgegen, gilt eS doch für sie, die 1907 davongetragenen Verluste wieder welt zu machen und darüber hin- aus neue Erfolge zu erringen. Die Wahl nach der Annahme des rigorosen Zolltarifs, die Wahl im Jahre 1903, brachte der fchleSwig- holsteinischen Sozialdemokratie fünf Mandate von den zehn, die die Provinz im ganzen zu vergeben hat. In Altona-Stormarn. Kiel- Neuinünster- Rendsburg und Pinneberg- Elmshorn wurden die sozialdemokratischen Kandidaten im ersten Wahlgange glatt gewählt, in der Stichwahl fielen unS die Kreise Flensburg- Apenrade unh Lauen- bürg zu. Diese Vertretung der Sozialdemokratie war etwas mehr, als ihr nach der für sie abgegebenen Stimmen- zahl zukam. Von insgesamt 247 931 bei der Hauptwahl in der Provinz abgegebenen Stimmen waren 109 319 auf die sozialdemo- kratischen Kandidaten entfallen. Die Stichwahlsiege im FlenZburger und Lauenburger Kreise waren der Hilfe der Freisinnigen zu ver- danken und zwar hauptsächlich deshalb, weil in beiden Kreisen der mit der Sozialdemokratie in Stichwahl stehende Kandidat der wider- lichsten antisemitischen Couleur angehörte. Bei der Wahl im Jahre 1907 änderte sich das Bild. Die beispiellose Wahlmache des Hotten- tottenblocks brachte auch in SchleSwig-Holstein Tausende von bürgerlichen Wählern auf die Beine, die sonst hinterm Ofen sitzen bleiben. Die Sozialdemokratie konnte im ersten Wahlgange nur die Kreise Altona und Kiel behaupten. In ElmShorn-Pinne- b e r g wurde sie in die Stichwahl gedrängt. Aufcerdcm stand sie wieder in Stichwahl in Flensburg und Lauenburg und dazu noch im Wahlkreise Jtzehoe-Steinburg. Die Kreise Lauenburg und Elmshorn-Pinneberg fielen in der Stichwahl mit Hilfe der rechtsstehenden Parteien an den Freisinn. Die Kreise in Flensburg und Itzehoe hätten der Sozialdemokratie gewonnen werden können, wenn der Freisinn in der Stichwahl für die sozial demokratischen Kaydidatcn gestimmt hätte; er zog es aber vor, beiden Kreisen für ausgesprochen büudlerisch-nationalliberale Kandl baten zu stimmen. Ein Verhalten des Freisinns, das um so be- merkenswerter ist. als er drei von seinen fünf ReichStagssitzen in der Provinz nur der sozialdemokratischen Stichivahlhilfe verdankt: Die Kreise Husum- T andern, Schleswig-Eckernförde und Plön-Oldenburg. Aufgabe der Sozialdemokratie ist es also zunächst, ihren Besitz. stand von 1903 wiederzurückzuerobern. Der Altonaer Wahlkreis ist bombensicher. Auch der Kieler Wahlkreis wird der Sozialdemo kratie nicht wieder entrissen werden, trotz der schon an amerika- nische Verhältnisse erinnernden Reklame, die die Fortschrittler nicht für ihre programmatischen Forderungen, sondern für die Person ihres Kandidaten machen. Verstieg sich doch das in Neu- Münster erscheinende FreisinnSblatt sogar soweit, den als Politiker wie als Sozialpoliliker recht unbedeutenden Theologieprofessor T i t i u s- Göttingen, den fortschrittlichen Kandidaten, den Heros der Gegenwart und Zukunft zu nennen. Für die Wiedereroberung des Kreises ElmShorn-Pinne- b e r g— und zwar im ersten Wahlgange— ist die beste Hoffnung vorhanden. Dieser Kreis hat übrigens von einer Nachwahl 1894 an bis 1907 der Sozialdemokratie gehört. Der jetzige Vertreter des Kreises, der reaktionäre, schutzzöllnerisch gesinnte und arbeiter feindliche freisinnige Reichstagsabgeordnete Carstens, hat erst vor wenigen Wochen ganz plötzlich seine Kandidatur zurückgezogen An seiner Stelle hat die Fortschrittspartei den Führer der Ham- burger Liberalen, das Bürgerschaftsmitglied Dr. B r a b a n d auf- gestellt. Man ist dabei gleich ins andere Extrem verfallen, denn Dr. Braband gilt als wirklich liberal. Damit ist nur bewiesen, wie sehr den Freisinnigen das Feuer auf die Nägel brennt. Wahlen wie 1907 lassen sich 1912 nicht wieder machen. Aber auch ein Liberaler wie Dr. Braband dürfte die Wahl unseres Genossen A. v. Elm nicht verhindern. D Bedeutend schwieriger liegen die Verhältnisse im Fbcnsburgcr Kreise. Hier dürfte— das Stimmenverhältnis von 1907 zugrunde gelegt— der Freisinnige oder der Nationalliberale mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl gebangen. Der Flensburger Freisinn schleppt das Schandmal des freifinnig-bündlerischen Vertrages mit sich herum. Der Bund der Landwirte hat sich verpflichtet und diese PflicBt auch erfüllt, bei der preußischen Landtagswahl 1809 den Freisinn zu unterstützen. Der Freisinnige Dr. DuuS ist auf bündlerische Krücken in das Preußische Abgeordnetenhaus gekommen. Dafür hat sich die freisinnige Parteileitung im Kreise verpflichtet, falls bei der Reichstagswahl der Kandidat des Bundes der Landwirte mit einem dritten Kandidaten, einerlei welcher Partei, in die Stickwahl kommt, öffentlich und privatim die frei- sinnigen Wähler aufzufordern, für den Kandidaten des Bundes der Landwirte einzutreten. Wenn eS der Sozialdemokratie gelingt, ihre Stimmenzahl so zu steigern, daß die Stichwahlhilfe der Dänen zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten genügt, ist die Ge- winnung des Wahlkreises nicht ausgeschlossen. Da die Flensburger Genossen seit dem 1. April 1911 ein eigenes Organ haben, darf man das Beste hoffen. Allerdings, außerordentliche Anstrengungen sind nötig. Außerordentlich verworren liegen die Verhältnisse im Kreise Lauenburg. Hier stehen sich nicht weniger als fünf Kandidaten gegenüber. Neben dem Sozialdemokraten kandidieren ein Frei- sinniger, Nationalliberaler, Konservativer und Antisemit. Die Fortschrittler sind um ihren Kandidaten, dem 1907 mit antisemiti- scher Stichwahlhikfe gewählten Blockjünglin« Dr. Heckscher, einen der reaktionärsten FreisinnSmannen, sehr besorgt. Bezeich- nend für dürfen Freisinnskandidaten fft eS, daß selbst der Kreis- vorstand des ReichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie seit Wochen schon den Nationalliberalen in den Ohren liegt, sie sollen ihre Kandidatur zurückziehen, damit die Stimmenger- splittcrung nicht letzten Ende? zu einer Wahl des vaterlandsfeindlichen Sozialdemokraten führt, sondern der Freisinnige wieder- gewählt wird. Die Chancen der Sozialdemokratie stehen in diesem Kreise nicht ungünstig. Ob eS schon bei der nächsten Wahl im Kreise Itzehoe- Steinburg gelingt, die Gegner schon im ersten Wahlgange zu schlagen, ist sehr fraglich, wenn auch nicht unter allen Um- ständen ausgeschlossen. Da» Resultat der Hauptwahl 1903, das zur Beurteilung- der Dahlchancen jedenfalls zuverlässiger ist als da? von 1907, ist folgendes: Sozialdemokrat 10 901. Reickspartei 2880, Freisinnige Vereinigung 2904, Nationalsozial 3220 Stimmen. 1907 wurde der nationalliberal-bündlerische Dr. Görck gewählt, der auch diesmal wieder kandidiert. In der Stichwahl ist auf einen Sieg der Sozialdemokratie wohl nur zu rechnen, wenn der sozial- demokratische Kandidat mit dem Nationalliberalen in die Stichwahl kommt und die an der absoluten Mehrheit fehlende Stimmenzahl nicht allzu groß ist. Noch in einem Wahlkreise wäre mit einem Erfolge der Sozial- demokratie zu rechnen, wenn der Freisinn wirklich liberal wäre, nämlich im Wahlkreise Schleswig-Eckernförde. Hier wird der Sozialdemokrat in Stichwahl kommen und aller Voraussicht vack mit dem nationalliberalen Kandidaten, einem Agrarier, der sich voll und ganz dem Bunde der Landwirte verschrieben hat. In den übrigen drei Wahlkreisen der Provinz sind positive Erfolge der Sozialdemokratie vollständig ausgeschlossen. Im_ Kreise Hadersleben-Sonderburg ist die Wahl des dänischen Kandidaten sicher, in Husum-Tondern und P l ö n- O l d e n- bürg werden wir nach freiheitlicher Richtung hin in der Stichwahl den Ausschlag geben können. Interessant ist. daß der Bund der Landwirte in fünf Kreisen Sonderkandidaturen aufgestellt hat, von denen sich vier speziell gegen die Nationalliberalen richten. In den übrigen Kreisen bietet der nationalliberale resp. konservative Kandidat dem Bunde Gewähr genug, daß er für seine Forderungen eintritt. Wie schroff der Bund der Landwirte den Nationalliberalcn gpgenübertritt und immer bestrebt ist, sie unter seinen Willen zu beugen, geht daraus hervor, daß er von den nationalliberalen Kandidaten die Zusicherung verlangt, daß sie sich einer gleichgearteten Führung wie der jetzigen Führung der nationalliberalen Reichstagsfraktion nicht unter- werfen wollen. Und dabei sind die schleswig-holsteinischen National- liberalen die reaktionärsten im ganzen Reiche. Es gibt kaum noch eine Grenzlinie zwischen Nationalliberale und Konservative in der Provinz, sind doch die nationallibcralen RcichStagSwähler bei der preußischen Landtagswahl die freikonservativen Wühler. ES bedarf gewaltiger Anstrengungen, um die Gegner au» ihren Schanzen hinauszuwerfen, aber bei der günstigen EntWickelung unserer Organisation in der Provinz darf man zu unseren schleSwig. holsteinischen Genossen das Zutrauen haben» daß sie das menschen. möglichste im Wahlkampfe leisten. »Durch die Kopflosigkeit der italienischen Offiziere wurde eine wilde Menschenjagd eröffnet. Den Truppen wurde befohlen, auch auf Frauen und Kinder zu schießen. Bisher sind mindestens 3000 Eingeborene füsiliert oder auf der Stelle nieder- geknallt worden. Die Italiener erschossen einen Malteser und einen Griechen, weil sie sie für Eingeborene hielten. Der Kor- respondent sah mit eigenen Augen unerhörte Grausamkeiten. Hunderte von Arabcrlcichen liegen in den Gassen umher. Die all- gemeine Unsicherheit nimmt infolgedessen in der Stadt zu." Aber selbst italienische Blätter, obwohl die meisten die Schandtaten frech ableugnen, enthalten einzelne Schilde- rungen der Grausamkeit und Brutalität der italienischen Kriegsführung. So gibt der Berichterstatter der k o n s e r- vativen„Stampa" eine Schilderung, wonach die italienischen Soldaten die arabischen Greise. Frauen und Kinder splitternackt ausgezogen und in diesem Zu stände fest aneinander- ebunden durch die ganze Stadt bis in die efängnisse getrieben hätten. Die unglücklichen Menschen hätten mehr vor Scham als vor Furcht gezittert. Der„Stampa"-Korrcspondent erzählt, daß er sich selbst ins Mittel gelegt habe, um diese unmenschliche Behandlung, die von de nr Vorgesetzten befohlen w.o r d e n war, zu verhindern. Eine gewisse Entschuldigung der fürchterlichen Erbitterung der Italiener könne in dem Umstände gesehen iverden, daß ihre Kameraden von den Arabern in ebenso grau- samer Weise hinterrücks niedergemetzelt wurden. Dieselben Grausamkeiten werden auch von englischen Berichterstattern bestätigt. Drei Tage lang schössen diesen Berichten zufolge die Italiener alles nieder,>vaS ihnen gerade vor die Flinte kam. Nichtkombattanten, Frauen und Kinder sind dabei nicht geschont worden. Die Opfer dieses Gemetzels werden mit viertausend an- gegeben. Der Korrespondent der„Times" sagt: »Selbst wenn man die besonderen Gebote der Kriegslage in Betracht zieht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Abscheulichkeiten auch Grund zu einem blutigen Kriege und zu erbarmungsloser Wiedervergelrung geben müssen. Ich habe Grausamkeiten erlebt, die im zwanzigsten Jahrhundert kaum durch militärische Gründe gerecht- fertigt werden können." So sieht kapitalistische Kolonialpolitik in Wirklichkeit aus l Die Lage der Italiener in Tripolis ist nach wie vor r i t i s ch. Trotz aller Dementis scheint soviel sicher zu sein, daß die Italiener sich in die Stadt haben zurückziehen müssen und sich hier nur mit Mühe gegen die türkisch-arabischcn An- griffe halten können. Eine Verbesserung ihrer Position können ie nur von rechtzeitiger Ankunft der erbetenen Verstärkungen erwarten. Und noch ein unheimlicher Feind bedroht sie. Die Cholera— anfangs abgeleugnet, wie die Sffederlagcn— greift noch um sich und fordert zahlreiche Opfer unter den Italienern wie unter den Arabern. Und Hunderte von Leichen liegen umher und verpesten die Luft. Und um das Bild noch zu vervollständigen, wird be- richtet, daß die Italiener zu ihrer militärischen Sicherheit mit ihren Schiffskanonen die Oliven- und Dattelpalmen- Pflanzungen, die den Feinden als Deckung dienten, nieder- gelegt haben. Sie haben damit ans Jahre hinaus das einzig wirklich Wertvolle, das in Tripolis zu finden ist, vernichtet. Ein neuer Angriff. Tripolis, 2. November. Meldung der„Sgenzia Stekani".) Der gestrige Tag sowie die Nacht sind, abgesehen von einem An- griffsversuck, der abends gegen 2 Uhr vorgenommen wurde, bis jetzt ruhig verlaufen. Die Witterungsverhältnisse haben keine radio- telegraphischen Rachrichten auS Tobcuk, Derna, Benghafl und HomS zugelassen. Heute gegen 2 Uhr früh unternahm die feindliche Artillerie etliche erfolglose Angriffe aus die italienischen Linien im Südosten. Um 8 Uhr hörte das Feuer auf und bis gegen 91/1 Uhr vormittags wurde kein weitere» Anzeichen einer Tätigkeit de» Feindes wahr« genommen. Gtenerpflicht der Italiener. Konstantinopel, L.November. Die Pforte veröffentlicht ein Zirkulär des Ministeriums des Innern, in dem genaue Jnstrullionen darüber gegeben werden, wie alle bisher nur von den Otlomaucn gezahlten Steuern und Abgaben auch aus die Italiener angewendet werden sollen. Die türkischen Behörden sollen die italienischen Unternehmungen wie ottomanische behandeln. Die Lage vor Tripolis. Konpantiuopel» 2. November. Nach zuverläßlichen Informationen war am 30. Oklober die Lage bei Tripolis folgende: Der türkische rechte Flügel drängte trotz der energischen Gegenwehr der Italiener. deren linken Flügel zurück, wobei die Forts MiSri und �ann' genommen wurden. DaS türkische Zentrum warf das italienische Zentrum bis hinter die Mauern von Tripolis zurück. Im Zentrum befehligte Oberst Reschat Bei. auf dem rechten Flügel Oberst«dhmed. Allein der rechte Flügel der Italiener konnte seine Stellung vier Kilometer vor Tripolis behaupten. Die Türken besetzte n wiedergewonnenen Forts. Die Stadtmauer ist die ünfzehn Meter hoch und einen Meter breit. Die türkischen Truppen befinden sich in gehobener Stimmung.— Räch weiteren Meldungen ollen am nächsten Tage die Italiener aus der ganzen Linie ge» warfen und hinter die Mauern von Tripolis zurückgetrieben worden 'ein. Die Demoralisierung unter den Italienern sei sehr groß. Italienische Ablengunnge». Rom, 2. November. Die„Agenzia Stefani' erklärt: Einige Blätter haben Nachrichten gebracht über Kämpfe, die am 30. und 31. Oktober bei Tripolis stattgefunden hätten und von denen die italienische Regierung der Presse keine Mineilung gemacht hätte. Diese Behauptungen entbehren jeder Begründung. Außer dem. was offiziell durch Bermittelung der.Agenzia Stefani" mitgeteilr worden ist, ist bis jetzt keine andere Nachricht von Kämpfen oder Scharmützeln von dem Generalkommando in Tripolis eingetroffen. . Abgeordnete Ircy. ob er den Einfluß Groß» um der Tötung arabischer Kinder durch die Italiener ein ver Krieg. Alle verläßlichen Nachrichten stimmen darin überein, daß die italienische Kriegöführung den Eingeborenen, die ihr Land gegen den räuberischen Ueberfall verteidigen, in geradezu bestialischer Weise gegenübertritt. So berichtet der Korrespondent der»Franks. Ztg." aus Tripolis; Eine Anfrage über die Bestialitäten. London, 2. November. Unterhaus. Der Leach ftagte Edward( britamiienS benutzen würde. Männer. Frauen und Ende zu bereiten. G r e y erwiderte, die militärisichen Operationen der italieni- chen Regierung in Tripolis sind Angelegenheiten, in die sich die britische Regierung nicht einmischen kann, eine jede andere Haltung würde mit der Neutralitätserklärung, die wir ab» gegeben haben, unverträglich sein. Ich erfahre, daß die in Frage stehende Meldung von der höchsten Autorität in Abrede gestellt worden ist. Ich muß auf das ernstlickste bedauern, daß Anfrage» in einer Form gestellt werden, die für andere Länder verletzend sein muß. In Erwiderung auf eine andere Frage sagte Sir Edward Greh. die erste Andeutung einer Abficht, Tripolis zu besetzen, war die Notiftzierung der KrlegSerklZrung dom ZV. Septemder. Wir haben darauf sofort unsere Absicht kundgegeben, eine Neutralitätserklärung zu erlassen. Der Sozialist LanSburh fragte, ob die britische Regierung die Wirkung in Betracht zöge, die daS von einer zivilisierten Regierung durch Ausbeutung eines friedlichen Landes gegebene Beispiel auf die ärmere Bevölkerung der verschiedenen europäischen Staaten ausübte. Greh erwiderte: LanSbury fordert mich auf, einen Kommentar zu dem Zustande der Dinge zu geben, der uns zu dem Erlab einer Neutralitätserklärung veraulabt hat. Wenn ich die Ereignisse, denen gegeuüber wir unsere Absicht, neutral zu bleiben, ausgedrückt haben, kommentieren wollte, so würde ich damit keinem guten Zwecke dienen. v!e chlneMche Revolution. „New Jork Herald" berichtet aus Peking: Es besteht kein Zioeifel mehr, daß die Autorität der Mandschus einen nicht wieder gutzunlachenden Schlag erhalten hat. Die große Schlacht um die konstitutionelle Regierung ist von den Chinesen vorgestern nachmittag gewonnen worden, nachdem der Regent die Demission des Kabinetts anerkannt hatte. Die politische Revolution hat den Sieg über die offene Revolte davongetragen, und I u a n s ch i k a i ist zum Premierminister ernannt worden, mit Vollmachten, wie sie bis jetzt außer dem Kaiser noch niemals in China einer Person übertragen worden sind. Die Mandschumacht ist in nichts zerfallen und man erwartet allgemein, daß die Revolution in wenigen Tagen zu Ende gehen wird.(?) Die kaiserliche Regierung hat der National- Versammlung bestätigt, daß sie bereit sei, auf alle Forderungen der Armee einzugehen, und daß sie es der National- Versammlung überlasse, die einzelnen Fragen auszuarbeiten, namentlich soweit sie die neuen Reformen betreffen. Diese Versicherung ist der Nationalversammlung in einer geheimen Sitzung gegeben worden, an welcher mehrere Prinzen und Miigkieder des ehemaligen Kabinetts teilnahmen. Das Ministerium des Auswärtigen teilte in der Nationalversamm- lung mit, wie dringend notwendig es sei. daß Frieden geschlossen würde, da Japan und Rußland hierdurch nur profitieren, indem sie China diplomatische Schwierigkeiten bereiten. Japan verlangt eine Verminderung um ein Drittel der Zolleinnahmen für alle Waren, die in die Mandschurei auf dem Eisenbahnwege aus Mulden eindringen. Von Rußland ist ein Ultimatum in Peking eingelaufen, das von China die Anerkennung der strittigen Grenze an der Mandschurei verlangt. Diese Erklärung hat auf die Nationalversammlung einen tiefen Eindruck gemacht, und die Furcht vor einer ausländischen Einmischung hat alle Parteien dahin geeinigt, so schnell wie möglich an der Wiederherstellung des Friedens zu arbeiten. Konstitution oder Republik? Peking, 2. November. Die Nationalversamm- lung befürwortet eine Verfassung, die sich aus den konstitutionellen Grundsätzen Großbritanniens aufbaut, aber die Südprovinzen verlangen doch eine republikanische Union. Dies ist die Hauptschwierigkeit der Lage, doch erwartet man. daß I u a n s ch i k a i sie über- winden wird. Prinz T s ch i n g hat sich bereit erklärt, dem Thron eine Denkschrift einzureichen, in der darum ersucht wird. alle konstitutionellen Grundsätzen zuwider- laufenden Gesetze sofort auszuheben- und ohne Verzug die Wähl von Parlamentsmitgliedern vornehmen zu lassen. Die Rationalversammlung als FriedeuSvcrmittler. Peking, 2. November. Ter Thron hat Juauschitai ie- fohlen, sofort nach Peking zurückzukehren. Gleichzeitig hat die Nationalversammlung den Führer der Aufständischen Liyuanheng tclcgraphisch ersucht, die Feindseligkeiten «iozustellea, während fie sich bemühen werde, die Streit» punkte zwischen allen Parteien beizulegen. Verhandlungen mit den Truppe«. Peking, 1. November. Sämtliche Minister wohnten am Mittwoch einer geheimen Sitzung der Nationalversammlung bei, in der, wie verlautet, in der Hauptsache die von den Truppen von Lantschu aufgestellten zwölf Forderungen verhandelt wurden. Die Nationalversammlung habe allen Forderungen zugestimmt mit Ausnahme der einen, daß die Bestimmungen über die Einberufung de» Parlaments und die Einführung einer konstitutionellen Regierung ebenso wie die Erledigung aller wichtigen Fragen der Zustimmung der Armee unterliegen sollen. Von dem Kriegsmiiiisterium soll mit den Truppen von Lantschu verhandelt werden. . Revolutionäre Erfolge. Kauton, 2. November. Die Rebellen von S w a t o w haben den Polizeichef abgesetzt, sämtliche Waffen und Munition beschlagnahmt und den Regierungsbanken verboten. Geld auszu- zahlen, vielmehr dasselbe zu ihrer Verfügung zu hatten. politische(leberllckr. Berlin, den 2. November 1911. Die Krise innerhalb der Reichsregierung. Trotz eines amtlichen Dementis wollen die Gerüchte nicht verstummen, daß zwischen dem Staatssekretär v. Liudequisl auf der einen, dem Reichskanzler cknd den, Staatssekretär v. Kiderlen-Waechtcr auf der anderen Seite Unstimmigkeiten bestehen. Dem„Fränkischen Kurier" wird z.� B. neuerdings aus Berlin gemeldet, daß Herr v. Lindequist seine Entlassung eingereicht hat, sie aber auf Zureden wieder zurück- noinmen hat._ Tie Unterzeichnnng deS Marokkoabkommens hat sich in letzter Stunde wieder etwas verzögert. Wie behauptet wird, hat es sich um redaktionelle Aenderungen am Schlüsse des Protokolls gehandelt. Französische offiziöse Blätter teilen mit, daß die Unterzeichnung des Abkommens durch die beide» Regierungen am Freitag erfolgen iverde. Nach einer deutschen halbosfiziösen Meldung soll tue Veröffentlichung des Protokolls in Berlin und Paris am Montag erfolgen; der Reichstag soll die Aktenstücke über den Marokko- Handel erst am Dienstag in Form eines Weißbuches erhalten. Infolgedessen sollen die Marokkointerpellationen im Reichstage erst Donnerstag, den 9. November, beantwortet werden, wie auch die französische Kammer an dem gleichen Tage die Marokkoangelegcnheit behandeln wird. Wichtig ist. daß im Anschluß an diese Meldungen auch davon gesprochen wird, daß Deutschland Verhandlungen mit Spanien anknüpfen werde über den Erwerb der kleinen spanischen Kongokolonie und der der Mündung deS Kamerun-Flusses vorgelagerten Insel Fernando Po. Diese Verhandlungen sollen aber erst dann in Angriff genommen werden, wenn Frankreich und Spanien sich unter der Vermittelung Deutschlands wegen Marokkos auseinandergesetzt haben. Es wird also immer klarer, daß Herr K i d e r l e n- Waechter dem deutschen Volke als Abschlagszahlung aus dem verworrenen diplomatischen Schachergeschäft ein größeres West- und mittclafrikanisches Kolonialreich präsentieren wird. Damit werden sich schließlich auch unsere jetzt so ungeberdigen Kolonialschwärmer und Imperialisten abfinden. Für die deutschen Steuerzahler bedeutet es aber neue Koloniallasten. Vermehrung der kolonialen Kriegs- gefahren und damit neue Steuern. «* * verlin, 2. November.(2B. T. B.) Der Vertragüberden Kongo ist heute abend von dem Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter und dem Botschafter Cambon paraphiert worden. Die Unter- zeichnung der ganzen deutsch-französischen Vereinbarung dürfte nächsten Sonnabend erfolgen. Saugrob. Trotz des nationalliberal-forlschrittlichen Wahlabkommens für Thüringen haben die Erfnrter Nationalliberalen mit den Kon- servativen noch eine besondere Rückversicherung für die Stichwahl getroffen. DaS„Berliner Tageblatt' hatte bescheidene Zweifel ge- äußert, ob dieses Vorgehen mit den Tendenzen deS nationalliberal- fortschrittlichen Blocks in Einklang zu bringen sei. Darauf erfolgt nun in der.Rationalliberalen Korrespondenz' vom 2. November eine recht grobe Antwort, in der es heißt: „Wir weisen diese Susfälle und Drohungen zurück, indem wir es für s e l b st v e r st ä n d l i ch halten, daß im Falle der Erfurter Stichwahl die Konservativen den Nationalliberalen und die Nationaliberale n den Konservativen unterstützen. DaS»Berl. Tagebl." möge die nationalliberale Partei mit seinen zudringlichen Großblockredereien verschonen und versichert sein, daß die nationalliberale Partei alle« tun wird, um Deutschland vor der k o S- mopolitisch-sreihändlerisch-demolratischen Gesinnung zu bewahren, in der das„Verl. Tagebl.' unseren fest- gesügten Staat erschüttern möchte.' Die Antwort ist nicht gerade manierlich— wahrscheinlich hat sie Herr Stephan Neumann, der früher in der„Tägl. Rundschau' als Unterredakteur fungierte und. da sich keine geeignetere jour- »alistische Kraft für die.Nationall. Corresp.' fand, selbst ge- schrieben. Aber vielleicht ist diese Lektion dem.Verl. Tagebl.' ganz dienlich. Es hat in letzter Zeit unbedingt in der Ueberschätzung des Nationalliberalismus zu viel geleistet. Reichs- und Staatsarbeiter zur Teuerungsfrage. In dem 51riegervereinShauS in der Chausseestraße fand am Mittwochabend eine von mehreren tausend Arbeitern und Handwerkern der Reichs» und Staats- betriebe besuchte Versammlung statt, die sich mit der Frage der Teuerung beschäftigte. Der ehemalige Telegraphenarbeiter Valentin vom Kartell deutscher Reichs- und Staatsarbeiter- verbände unterzog den Verlauf der Teuerungsdebatte im Reichstag einer kritischen Betrachtung. Zeigten sich Reichskanzler und Re- gierung dem Notschrei ihrer Arbeiter gegenüber auch fernerhin taub, so werde sich die Kartclleitung wahrscheinlich direkt an den Kaiser wenden. In. einer längeren Resolution, die einstimmige Annahme fand, sprach die Versammlung ihr tiefstes Bedauern über die Haltung des Reichskanzlers und der übrigen Regierungsvertreter bei der Beratung der TeuerungS- interpellationen aus. Bereits vor Eintritt der anormalen Teuerung sei durch eine E i n g a b e der Reichs- und StaatSarbeiter- verbände der Regierung die an Unterernährung grenzende Beschränkung des Lebensunterhalts dargelegt worden. Es sei die höchste Zeit. Maßnahmen gegen die unerträgliche Notlage zu er- greifen, nämlich die Grenzen für ausländisches Vieh und Fleisch zu öffnen uns die Lebens- und Futtermittelzölle zu suspendieren. Geschehe das nicht, so sei eS wenigstens die Pflicht der Regierung. durch unverzügliche Gewährung einer all- gemeinen Lohnaufbesserung wenigstens in etwas zur Milderung des Notstandes beizutragen. Ein zweiter Redner führte lebhafte Beschwerde darüber, daß durch eine neuerdings ergangene Verfügung der Oberpost- direktion Berlin den Arbeitern der Post- und Telegraphen- Verwaltung Groß-BerlinS das ihnen bisher eingeräumte Recht ge- nommen worden sei, gemeinschaftlich eingekaufte Waren in den Diensträumen während der Dienststunden zu verteilen. Auch eine Resolution, die diese Verfügung als eine unsoziale, jedes Verständnisses für die Lage der StaatSarbeiter entbehrende Maß- regel kennzeichnete, fand einstimmig Annahme. Befremden erregen muß eine Aeußerung, die, wenigstens nach dem Bericht der liberalen Presse, der BundeSsckrctär Valen- t i n in seiner Rede gemacht haben soll. Er soll danach nämlich her- vorgehoben haben,„daß lediglich die F o r t s chr i tt l i che V o l k S- Partei mit Verständnis und Energie für eine Lohnaufbesserung der Reichs- und StaatSarbeiter eingetreten sei'. Auch Herrn Valentin muß bekannt sein, daß eS leider auch die Fortschrittliche VollSpartei sowohl im Reichstag als auch im preußischen Land- tagsehroftandernötigenEnergiedeSVertretens der Wünsche und Forderungen der Reichs- und StaatSarbeiter hat fehlen lassen, während gerade die Sozialdemokratie sich der Interessen dieser Arbeilcrschichien mit äußerster Entschiedenheit angenommen hat. Die Reklame für den Freisinn hätte sich Herr Valentin also ehrlicherweise schenken sollen! Genosse Liebknecht, der als Landtagsabgeordneter der Versammlung beiwohnen wollte, teilt uns mit. daß er nicht zu- gelassen wurde; er fand aber schließlich durch eine Seitentür Einlaß und nahm auf der Bühne Platz. Als der Vorsitzende be- kanntgab, daß ein nationalliberaler und ein freisinniger Ab- geordneter erschienen seien, überreichte Liebknecht einen Zettel und bat, der Versammlung mitzuteilen, daß auch ein sozial. demokratischer Abgeordneter anwesend sei. Dies lehnte der „unparteiische" Vorsitzende ab. Auch wurde dem Genossen Liebknecht daS Wort nicht erteilt. Keine Teuerung? .Ein frivoles, direkt volksschädliche» Bebaren' soll die Protest- aktion der Sozialdemokratie gegen die Teuerung fein. So sagt der liberale„Schw. Merkur' in Stuttgart. Zum Beweise dessen führt er das Ergebnis der Untersuchung des Stati- stifchen Landesamts Württemberg über die Bewegung der Lebensmittelpreise in den letzten Jahren an. Was besagt nun diese» vor wenigen Tage» veröffentlichte Ergebnis? ES betrug in Stuttgart der Preis für 1 Kilogramm Ochsenfleisch im Durch. schnitt der JabreioOS Bis 1010 ISS Pf., i m D u r ch. schnitt der Monate Januar bis September 1011 18g Pf. Es stieg der Preis für Rindfleisch von 158 aus 180 Pf.. bei Kalbfleisch von 173 auf 101 Pf., bei Hammelfleisch von 144 auf 155 Pf. Nur da» Schweinefleisch ging um 6 Pf., von ISO auf 154 Pf., zurück. DaS statistische Landesamt stellt ferner fest, daß bei den erstgenannten Fleischsorten seit etwa 8—10 Jahren ein fast stetige» Ansteigen der Preise zu verzeichnen ist. Weiter ist der M i 1 ch p r e i S gestiegen von 20 auf 23 Pf. pro Liter, der B u t t e r p r e i S von 2,58 M. auf 2.02 M. pro Kilo- gramm; Preiserhöhungen sind weiter eingetreten bei Eiern» Erbsen, Grnnlernmehl, Kaffee, Tee, Zucker. Eier kosten jetzt 10 Stück 75 Pf. gegen nur SO Pf., der K ä se- preis ist um 12.1 Proz. gestiegen, der Kaffee in der geringsten Qualität um 23,8 Proz., in der besten um Ü,1 Proz., der Tee um 12.7 bezw. 4 Proz. S a g o ist um 12 Proz. gestiegen, Makkaroni um 4,4 Proz.. Erbsen um 0,5 Proz., Kartoffeln in Stuttgart um 23 Proz., im Landesdurchschnitt um 51 Proz. I' .Es ist ein Glück, daß gegenüber diesen Preissteigerungen auch Verbilligungcn stehen," sagt das liberale Blatt. Das Weißbrot koste pro Kilogramm nach wie vor 31 Pf.. Schwarzbrot sei nur um 1 Pf., von 23 auf 27 Pf. hinaufgegangen. Soda sei im Preise unverändert geblieben. Teils gleich geblieben, teils gesunken sei der Preis für Linsen. Reis. Gerste. Haferflocken, Malzkaffee, Erdöl, Stärke, Spiritu». Koks, Braunkohlen. Die Preisangaben zeigen, daß gerade die wichtigsten Nahrung»- mittel— mit Ausnahme von Brot— sehr stark im Preise gestiegen sind, Kartoffeln gar bi» zu 51 Proz. Nach der amtlichen Publikation de» Marktamts Stutt« gart vom 28. Qltober d. I. ist der Preis einer ganzen Anzahl Lebensmittel in der Zeit von September bis Ende Oktober aber- mal» gestiegen. Für Kartoffeln werden pro Zentner 4,60 M. bis 6 M. gefordert. Aus diesen Zahlen folgert daS Organ der Nationalliberalen, daß die Bemühungen der Sozialdemokratie, der ungeheuerlichen Ber- teuerung der Lebenshaltung des deutschen Volles und insbesondere der arbeitenden Klassen Einhalt zu tun, ein»frivoles, direkt voll»- schädliches Gebaren" seien._ Ter deutsche Handelstag und die Teuerung. Der Deutsche Handelstag hat an den Bundesrat eine Eingabe gemacht, in welcher er die ungehinderte Einfuhr lebenden Viehs, gekühlten und gefrorenen Fleisches, Büchsenfleisches und sonstiger Fleischdauerwarcn, ferner die Herabsetzung der Zölle auf Futter- gerste, Mais, Haser, Futterbohnen, Lupinen, Wicken und der- schiedene Kohlarten fordert und den Versuch, die Schuld an der infolge der zugunsten der Landwirtschaft eingeführten hohen Zölle entstandenen Teuerung dem Handel zuzuschreiben, entschieden zurückweist._ Klerikale Fälschuugeu. In einer durch die Zentrumspresse die Runde machenden Notiz .Sozialdemokratische Brotverteurer'. wird ein Antrag Bollmar- Kröber aus dem Jahre 1885 wiedergegeben. der die Erhöhung des Zollsatzes für Mühlenfabrilate von 3 auf S M. beantragte. Unterstützt war der Antrag u. a. durch Auer, Bebel, BloS, Bock, Dietz, Grillenberger. Liebknecht, Singer usw. Dazu bemerkt die Zentrumspresse: „Im Rciwstage sollte damals der Zoll auf 7,50 M. erhöht werden. Die Sozialdemokraten wollten ihn nicht so hoch, aber ihn verdoppeln, wie die Regierniig wollte, das niachtni sie mit. „Ueben Sie Gerechtigkeit und lassen Sie eS bei einem Mehrzoll von S M. I' so.schtoß am 13. Mai 1885 der Demokrat Kröber Mit- antragsteller des Herrn v. Vollinar) feine Rede. Wenn dieler Antrag auch nur ein Eventualanirag war, er acht doch auf eine Er- böhung deS Zölle» auf Mehl usw. von 3 M. aus 6 M., erklärt sich mit der Regierungsvorlage einverstanden und ist begründet mit der Rücksichrnahme aus— Gcrechligkeit 1 Und heule?— Brotverteurer! KindeSmörder I Raubgesindel!— O diese erbärin- lichen Heuchler!" Die Frechheit und Verlogenheit der schwarzen Schwindler über- steigt wirklich alle» Maß. Die Zollwuchcrcr(unter ihnen natürlich auch da» Zentrum) erhöhten 1385 den Zollsatz für Mehl von 8 M. aus 7.50 M.. während die Regierung S M. vorgeschlagen hatte. Der dcmokratisch-sozialdemokratische Antrag bezweckte nun, die Erhöhung von 7,50 M. auf 6 M. herabzusetzen, da die Bclaffung de» Zoll» aus den allen Satz von 8 M. oder die Zollfreiheit, welche die Sozialdemokratie grundsätzlich forderte, keine Aussicht halte. Die Zöllner blieben aber bei 7,50 M. und 1887 erhöhten sie den Satz gar auf 10,50 M. Trotzdem haben die Schwarzen den Mut. heute der Sozialdenrokratie aus ihrem Ein- treten für eine möglichst geringe Belastung den Vorwurf des BrotwucherS zu machen. ES geht doch nicht» über die hehre zentrumschristliche Moral! Lattmann. Der antisemitische AmtsgerichtSrat und ReichZverbSndler Lattmann gehört zu den widerlichsten Erscheinungen in und außerhalb deS Reichstags. Dieser Tage hat er in einer Versammlung in Kassel, in der ihm von einem sozialdemokratischen Redner in Kassel die Steuersünden der Antisemiten vorgehalten wurden, da» Schluß- wort zu einer wüsten Schimpferei auf die Arbeiter benlltzt, so toll, daß ein bürgerlicher Fabrikant. Herr Köpler, Besitzer der Thüringer Granilwerle in Schmalkalden und Brotterode, sich genötigt sieht, seine Arbeiter öffentlich gegen Lattmann in Schutz zu nehmen. In der Erklärung deS Herrn Köpler, datiert Kassel, 31. Oktober 1011, heißt eS: .Herr Reichstagsabgeordneter Lattmann au» Schmalkalden hat am Montag in einer von der deutsch- sozialen Partei einberufenen öffentlichen Versammlung in Kaffel-WahlerS- hausen während seine» Schlußworte» Aeußerungen getan, die ge« eignet sind, die Arbeiter meiner Fabrik sowie die Arbeiterschaft von Schmalkalden überhaupt als rohe und gehässige Menschen bei der Kasseler Bevölkerung herabzuwürdigen. Zum Schutze der Arbeiter meine» Fabrikbetriebes und der» jenigen. der ebenfalls genannten Löffelfabrik Erbe. kann ich es nicht unterlassen, hiermit öffentlich zu erklären, daß die ehrverletzenden Behauptungen des Herrn Lattmann völlig au» der Luft ae» griffen sind. Herrn Lattmann mag die politische Ueberze'ugung meiner Arbeiter mißfallen, daS gibt ihm aber meiner Meinung nach kein Recht. wie geschehen, offenkundige Unwahrheiten zu verbreiren. die geeignet sind, brave, fleißige, anständige Arbeiter in der Achtung der Mit» menschen herabzuwürdigen.' Lattmann wird sich auch auS dieser Züchtigung nichts machen. Der abgeblitzte Justizminister. Der preußische Justizminister hatte den Landgerichten in Berlin den Vorschlag gemacht, alle Pressedelikte künftig einer, bestimmten Strafkammer zur Aburteilung zu überweisen. Die Landgerichts- Präsidenten, die über die Frage zu beraten hatten, haben den Vor- schlag des Justizministers abgelehnt mit der Begründung, daß eine solche Konzentrierung Zweifel in die Objektivität des Gerichts setzen und die Rechtsprechung in Mißkredit bringen könnte. Gcwerhlcbaftlichea. Berlin und Umgegend. * Zum Streik der Schirmmacher« Der Schiroifabrikanl Lichtenstein sucht mit allen Mtteln die streikenden Schirmmacher niederzuzwingen. Wie sehr dem Unter« nehmer das Feuer unter den Fingernägeln brennt, beweist ein Schreiben, gerichtet an einen Schirmmacher, der Vertragsbruch be« gehen müßte, wollte er dem Sirenengesang LichtensteinS Folge leisten. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Bezugnehmend aus die Unterredung meiner Tochter Emilie mit Ihrem Fi äulein Tochter frage ich Sie hiermit höflichst an, ob Sie geneigt wären, Ihre jetzige Stellung aufzugeben und eine solche bei mir bei hohem Lohne und garantiert dauernder Be- schäftigung während des ganzen JahreS anzunehmen. In diesem Falle bitte ich Sie höflichil, heute abend zu mir zu kommen. Ich bemerke hierzu, haß ich bis nach 8 Uhr anzutreffen bin. HochachtungSvll Eugen Lichtenstein. Der Unternehmer kommt aber überall an die Unrechten. Niemand sehnt sich nach seinem Eldorado bei sechzigstündiger Arbeitszeit. Wie weil Herr L. mit seinen Rausreißern kommt, das beweist die Hilfe, die er bei der übergroßen Zahl der Schirmfabrikanten erbittet. Daß Herr L. bei seiner bekannten Art der Konkurrenz nicht viel Gegenliebe findet, ist weiter nicht verwunderlich. Alle kleinen Schirmgeschäite klappert Herr L. ab. überall mit demselben Erfolg Die von ihm hewigesuchlen Heimarbeiter lehnen die Streikbrecher- tätigkeit ebenfalls ab. So wird Herr Lichtenstein doch wohl sich be» qucmen müssen, den abgeschlossenen Vertrag zu halten. Hier steht dem Kapital eine Organiiation gegenüber, die mit anderen Unter- nehmern abgerechnet hat. Mit diesem Gedanken wird sich auch Herr Lichtenstein vertraut machen, müssen. _ Die Branchenkommission. Achtung, GastwirtSgchilfcn! Gestern legten im Hackepeter von Fordert am Oranienburger und Schönhauser Tor 13 Kellner die Arbeit nieder, weil der Unternehmer die Forderungen der Kellner auf 20 M. Lohn und 3l) M. Kostentschädigung ablehnte und den Vertrauensmann maßregelte, weil er namens seiner Kollegen er- klärte, mit 40 M. Lohn ohne Kost und Logis bei 17— 20 stündiger Arbeitszeit nicht existieren zu können!! Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. Oeutkcbes Reich. GroftindnstrteNe Scharfmacher gegen das Koalionsrecht der technischen Angestellten. Nicht nur das ziffernmäßige Wachstum der Organisationen der technischen Angestellten, unter denen der Deutsche Tech- n i k e r v e r b a n d mit 30 000 und der Bund der technisch. industriellen Beamten mit 20 000 Mitgliedern an erster Stelle stehen, hat in den letzten Jahren recht erhebliche Fortschritte gemacht, auch der gewerkschaftliche Geist ist in diesen Verbänden immer mehr und mehr zum Durchbruch gekommen. Das beweist der Kampf der Bautechniker in den Marinebetrieben gegen den Staatssekretär des Reichsmarineomtes, wie eine Menge Konflikte kleinerer und größerer Art mit Arbeitgebern, die in verschiedenen Gegenden des Reiches Mitglieder genannter Organisationen zur- zeit durchzukämpfen haben. Insbesondere zeigt der gegenwärtig in Berlin mi! steigender Hartnäckigkeit lind unter Anwendung aller gewerkschaftlichen Mittel— Streikpostenstehen usw.— geführte Streik d er Eisenkon st ruiteure, daß die technischen Angestellten immer mehr ihre wahre Klassenlage erkennen und von dem Harmonicstandpunkt früherer Zeiten gründlich abgekom» men sind. Die großen Arbeitgeber der Industrie wie die kleinen Unter« nehmer des Baugewerbes verfolgen diese Entwickelung der beiden Technikervcrbände mit steigender Sorge. Sie befürchten, daß es in dem Augenblicke mit ihrem Herrentum in den Betrieben vor- �ber ist. in dem sich Angestellte und Arbeiter in gemeinsamer Front gegen das Unternehmertum zusammenfinden. Darum versuchen nun dieselben Scharfmacher, die die Arbeiterbewegung nieder- knüppeln wollten, auch die gewerkschaftliche Organisation der lech« nischen Angestellten mit allen Mitteln zu hindern. Gelbe Be- amtenvereine auf der einen Seite, Zwang zum Austritt aus der Organisation auf der anderen Seite, das sind die Kampfmittel der im„Zentralvcrband Deutscher Metallindiistrieller" organisierten Unternehmer, denen sich die rHeinisch-westfäUschen Bcrgherren angeschlossen haben. Die Verfolgungen der Arbeitergewerkschaften durch die Gewaltigen der schilleren Industrie wiederholen sich jetzt. Es gilt den Scharfmachern, die Organisationen der technischen An- gestellten zu zertrümmern, noch ehe sich deren Kräfte völlig ge- sammelt haben. In den letzten Tagen wurden auffallendcrweise gleichzeitig in einer ganzen Reihe von Betrieben des rheinischen Industriegebietes die Angestellten von Oberingenieuren und Bureauchefs über die ugehörigkeit zum Deutschen Technikerverband oder und der technisch-industriellen Beamten ver- nommen und dabei wiederholt der.freundschaftliche" Rat erteilt, schleunigst aus diesen Verbänden auszutreten. Dies Bemühen ist indes in den meisten Fällen erfolglos geblieben, weshalb nun zu schärferen Mitteln gegriffen wird. Die„Gute Hoffnungshütte" in Oberhausen und Sterkrade hat, wie wir bereits telegraphisch meldeten. am 25. Oktober ihre'Angestellten einzeln ins Bureau gerufen und ihnen den Austritt aus ihren Verbänden zur Pflicht gemacht. Die im Bunde organisierten Angestellten erhielten jeder einzeln für sich durch den jeweiligen Bureauvorstand ein ver- vielfältigtcs Abmeldeformular:„Hierdurch verpflichte ich mich. sofort aus dem Bund der technisch-industriellen Beamten auszu- treten" zur Unterschrift vorgelegt und die Mitglieder des Deut- schen Technikcrverbnndes sollte deren Ortsbevollmächtigter zum Austritt aus der Organisation auffordern. Es ist ein unerhört schamloses Ansinnen, das hier die Direktion der„Guten Hoff- nungsbütte" dem Vorsitzenden eines Zweigvcreins des Deutschen TcchnikcrverbandeS gestellt hat. Innerhalb 12 Stunden ollte dieser Vertrauens niann seiner Organi. ation ein Verzeichnis der seiner Leitung jähre- ang anvertrauten Mitglieder mit deren Aus« trittserklärungen aus den, Deutschen Techniker- verband vorlegen, widrigenfalls er und alle, die sich wei- gertcn. aus dem Verbände auszutreten, sofort entlassen würden. Dabei handelt es sich um meist ältere Angestellte, die schon viele Jahre an der„Guten Hoffnungshütte" tätig sind. Ganz so leicht, wie sich die Fabrikleitung die Sache dachte, ging indessen der Austritt der Angestellten aus ihren Organisa'ioncn nicht van statten. Der Korpsgeist und das durch die gewerkschaft- liche Erziehungsarbeit in den Organisationen geweckte Standes- bewußtscin, wie die Empfindung daß hier Staatsbürgerrcchte von höchstem Werte preiSgezoben werden sollten, bäumte' sich auch in. Sterkrade auf gegen den Druck Und fast schien es. als könnte der Schlag, de» die Werksleitung gegen die Organisationen führen wollte, abgewiesen werden. Während der Mittagspause kamen die vergewaltigten Angestelltcu zusammen, um in einer vom Deutschen Technikcrverband und Bund der technisch-industriellen Beamten einberufenen gemeinschaftlichen Fabrikversammlung, an der zu- fällig in der Gegend wc.'eade leitende Beamte beider Organi- sationen teilnahmen, zu dem Ansinnen der Direktion Stellung zu nehmen. In geheimer Abstimmung, mit 31 gegen 3 Stimmen bei 3 Enthaltungen, hatten die Angestellten beschlossen, das Verlangen der Direktion energisch zurückzuweisen und den Organisationen treu zu bleiben. In einer besonderen Erklärung, die mit 31 Unterschriften versehen war. wurde zum Ausdruck ge- bracht, daß das Verlangen der Wcrkslciiuiig„der Ehre der An- gestellten und ihrem Rechte als Staatsbürger widerspreche" und daß sie nicht in der Lage seien,„auf einfachen Befehl hin Be- schlüffe zu fassen, die außerhalb des Rahmens ihrer Dienstver- Verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: pflichtung liegen'. Diese Erklärung wurde durch Beamte der Organisationen der Werksleitung überreicht und dabei noch der Versuch zu einer friedlichen Verständigung unternommen. Die Direktion hat aber die Organisationsbeamten abgewiesen und ihren Angestellten zum Ausdruck bringen lassen, daß sie es ablehne, mit den Organisationen ihrer Beamten zu verhandeln. Man sieht also, die Angestellten, die oft gepriesenen.Mitarbeiter', werden genau so wie die Arbeiter behandelt. In einer zweiten Fabrikversammlung, die am gleichen Tage abends noch stattfand, wurde wiederum mit 32 gegen 2 Stimmen beschlossen, sich nicht zu beugen, sondern am Dienstag, den 31. Ok- tober, im größten Saale Sterkrades eine allgemeine Angestellten. Versammlung zu veranstalten, in der gegen das Vorgehen der „Guten Hoffnungshütte" protestiert werden sollte. Weiter sollten die Angestelltenorganisationen sofort das Reichstagspräsidium, die größere Tagespresse und eine Anzahl führender Abgeordneter der verschiedenen Parteien unterrichten und deren Intervention nachsuchen. DaS ist inzwischen geschehen und der Abgeordnete Trimborn vom Zentrum und Naumann von der Fortschrittlichen Volkspartei haben, wie man uns mitteilt, auch bereits zum Ausdruck gebracht, daß die Geschäftslage des Reichstags schwerlich ein Eingreifen cr- mögliche. Das war vorauszusehen. Die Angestellten müssen in ihren Kämpfen sich auf die eigene Kraft verlassen, aber da fehlt es leider noch an manchen Stellen. Der große Augenblick, der einen so schweren Kampf um das Koalitionsrecht der Angestellten einleitete und deshalb ein bcson- ders starkes Geschlecht erforderte, hat aber schwächere Menschen gefunden, als nach dem Verlauf der beiden Fabrikversammlungen in Sterkrade anzunehmen war. Dieselben Leute, die noch am Mittag und Abend des vorhergehenden Tages mit entschlösse« ner Begeisterung erklärten, sich ihre Slaatsbürgerrcchte nicht nehmen lassen zu wollen und den Organisationen, denen sie schon lange— einzelne bis zu 25 Jahren— als Mitglieder angehören. treu zu bleiben, haben am anderen Morgen schon gänzlich versagt. Sie sind am Donnerstag früh jämmerlich zu Kreuze gekrochen, nachdem sie einzeln von den Ober- Ingenieuren und Bureauvorsläiidcn so lange bearbeitet wurden. bis sie die Unterschrist zum Austritt auS der Organisation gaben. Das Versahren. das dabei beobachtet wurde, ist besonders bezeich- nend. Jedem einzelnen Angestellten wurde erklärt, daß seine Kollegen bereits alle umgefallen seien ll) und daß nur er noch sich dem Wunsche der Direktion widersetze. So hat man das Zu- sammengehörigkeitsgefühl gelockert. Nur 7 Angestellte sind stand- Haft geblieben, 3 Verbands-, 4 Bundcsmitglieder. Sie wollten keine Knechte werden und ihre Staatsbürgerrcchte nicht mit ihrer Arbeitskrast verkaufen. Diesen hat die Direktion nachstehendes Kündigungsschreiben in die Hand gedrückt: „Wir nehmen hierdurch Veranlassung, Ihnen Ihre Stellung zum 1. Dezember 19ll zu kündigen. Auf Ihre ferneren Dienste verzichten wir und untersagen Ihnen von heute ab das Betreten unserer Werke. Ihr Gehalt für die Zeit bis zum Ablauf Ihrer Kündigung können Sie heute nachmittag an unserer hiesigen Werkskasse in Emp- fang nehmen." So wurden diejenigen, die ihre Mitgliedsrechte nicht opfern wollten, aus dem Betriebe der„Guten Hoffnungshütte" hinaus- geworfen, nachdem den übrigen daö Rückgrat gebrochen war. Wir verkennen nicht die Gewissenskonflikte, die die Ange- stellten durchkämpfen mußten, ehe sie unterlegen find. Man soll Leuten mit längeren Verträgen ein Halbjahresgehalt auf den Tisch gezählt und sie zur augenblicklichen Entscheidung gezwungen haben. Dabei zeigte sich wieder die zermürbende„Wohltat" der„Werk- p e n s i o n s ka s s e n", die gerade die älteren Angestellten wie mit Polypcnarmen an den Betrieb saugt. DaS Bewußtsein, daß die „schwarze Liste" sofort hinter ihnen herläuft und daß sie ver- gebens gegen das wirtschaftliche Uebergewicht der Eiscnkönige im Industriegebiet ankämpfen. Familienangelegenheiten bei dem einen, ein kleines Häuschen, das ihn an die Scholle fesselt, bei dem andern, all das hat mit dazu beigetragen, daß die am Mittwoch noch so tapferen Angestellten sich am Donnerstag unterworfen haben. Sie sind knirschend durchs Joch des industriellen Herren- tumS gegangen. Hier zeigt sich wieder, wie der Kapitalismus die Charaktere zerbricht! Ob eS der„Guten Hoffnungshütte' und denen, die ihr nach. zuahmen bereit sind, gelingt, auf diese Weise die Organisationen der technischen Angestellten niederzuringen, ist ein« Frage, deren Beantwortung von der Solidarität der Techniker ab- hängen wird. Gewiß fallen Opfer im schweren Wirtschaftskampfe. aber sie sind nicht umsonst gebracht! Ter Gesetzgeber hat nun das Wort. Der Gesetzgeber, der es bis heute noch zuläßt, daß der- jenige schwer bestraft wird, der andere zwingt, in eine Organi- sation einzutreten, der aber nicht hindert den ungeheuren Zwang der„Guten Hoffnungshütte" zum Austritt aus den Organisationen. Die Großindustriellen wünschen bei der Strafprozcßreform vermehrten„Schutz der Arbeitswilligen", ver- schärfte Erpresserparographen und ähnliche schöne Tinge mehr. Wenn wir gleiches Recht für alle hätten, müßten sie mit ihren eigenen Waffen getroffen werden. Der Staat muß eingreifen, wenn die wirtschaftliche Macht, die unsere industrielle Entwickelung in die Hände einzelner Menschen legt, so sehr mißbraucht wird. soll nicht das Ganze darunter leiden. Es wird sicher Tiicht gelingen, die Technikerorganisationen mit roher Gewalt zu zertrümmern! Ilm so fester werden die Ange- itellten ihre Reihen schließen und alle gegenüber der gewaltigen Aufgabe, die der gemeinsame Gegner heute stellt, kleinlichen Organisationsstreitigkeiten zurückstellen. Wenn die beiden in der letzten Zeit aus Konkurrenzgründen besonders heftig sich befehden. den Technikcrorganisalionen jetzt einander wieder näher kommen, ist die? die erste Frucht des Vorgehens der industriellen Gewalt- menschen. Die täuschen sich, die glauben, mit Zertrümmerung der Ver- bände für immer befreit zu sein von den Forderungen der tech- nischen Angestellten. Eine radikalere Bewegung nur würde die Folge sein. Wer Wind säet, wird Sturm ernten, das wollen sich diejenigen gesagt sein lassen, die für sich selbst das Recht der Koalition in schärfster Weise ausnützen und gestützt auf ihre Organisation im Begriff stehen, ein Kesseltreiben gegen die Ver- bände der Angestellten einzuleiten. Zur Bewegung der Lithographen und Steindrucker in Leipzig ist zu beriibtrn. daß insgesamt 29 Firmen die Forderungen der Grdilfen bewilligt haben. Die letzte bewilligende Firma war eine Anstalt mit 12 Sckmellpressen. Die kliiternehmer befinden sich insofern in Nöten, als sich aus de» Reiben der Ausständigen sogut wie keine Streik- brewer finden, die paar vorhandenen Arbciisivilliren sich aber— die Großunternehmer rechtzeitig gesichert haben. Die kleinen Unlernebmer sind min brachgelegt und wüten über die Großen. Schreckte sie der Sichiwecdiet des Schntzvcrb.mdeS nick't. sie ivnrden in weit größerer Zahl die Forderungen der Ausständigen bewilligen. Alle Be- innbnngen, auS den R Iben der Streikende» Verräter zu ergattern. sind bisher gescheuert. Die Ausständigen stehen fest und erwarten, daß der Zuzug wie bisher streng gemieden wird. Aussperrung der bremischen Tabakarbckter. Die bremischen Zigaretten- und Tabaksabrikanten haben am Mittwach die Kündigung sämtlicher organisierten Arbeiter beschlossen, falls die Arbeiter in den vom Ansstand betroffenen Firmen die Arbeit nicht bis zum Freitag, den 3. November, wieder aufnehmen. Husland. Eine internationale Konferenz der Hotel-, Restaurant- und Eafeangestellten, die zweite dieser Art, wurde vor einiger Zeit in A m st e r d a m abgehalten. Vertreten waren Holland. Deutsch- land. Belgien, Frankreich. Dänemark, Italien und England. Bei dem englischen und bei einem der belgischen Vertreter handelte es sich um Delegierte von Verwaltungsstellen 'Zh.GIocke. Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtsBuchdr.u Verlagsanilalt des deutschen Verbandes in London bezw. Brüssel. Die Organiscr« tionen in Oesterreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Rumänien und Spanien hatten der Konferenz die besten Wünsche übermittelt. Nach dem Bericht des Sekretärs gehören der Internat ionalen Union, die 1908 auf der 1. Konferenz in Berlin gogründet wurde, zurzeit Organisationen gastwirtschaftlicher Angestellter, die aus dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, aus 11 Ländern an. Diese Organisationen zählten am 1. Juli 1911 zusammen 26 659 Mitglieder, wovon der deutsche Verband über 11 000. In der Berichtszeit vereinnahmte das Sekretariat an Bei- trägen 2113.40 M. Seit Anfang 1910 gibt der deutsche Verband die in drei Sprachen erscheinende„Internationale Revue' heraus. Im Anschluß an die Berichterstattung der Delegierten über die Ovganisationsverhältnisse in den angeschlossenen Ländern gelangte eine Resolution zur Annahme, in der die Hauptaufgaben der be- teiligten Verbände zusammengefaßt sind, wie folgt: Möglichste Zentralisation der Kräfte durch Gründung bezw. den Ausbau der gewerkschaftlichen Organisationen zu großen Zentralverbänden, welche alle Branchen, also auch da? Hilfspersonal, umfassen, und die im Einverständnis und nach den Grundsätzen der klassenbewußten Arbeiterschaft vorzu- gehen haben. Eine besondere Aufgabe muß eS sein, die gelben Ver- einigungcn aller Länder zu bekämpfen durch Aufklärung der Mit- glieder. unausgesetzte Propaganda in Wort und Sckrist. In Erwägung, daß es für die Ausbreitung der gewerkschaft» licken Organisation von besonderer Wichtigkeit ist. daß scbon die beim Gewerbe als Lehrlinge Beschäftigten mit den Bestrebungen der gewerkschaftlich organisierten Angestellten bekannt gemacht werden, ist. soweit wie irgend möglich, für die Organisation der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Sorge zu tragen. Dem Umstände, daß alljährlich tausende deutscher Hotel. angestellter ins Ausland gehen, die dort häufig nicht den richtigen Anschluß finden können, wurde durch Annahme einer neuen Be- stimmung im Statut Rechnung getragen, worin eS heißt:„In solchen Orten und Gegenden, wo dentscksprechende Angestellte in beträchtlicher Zahl in Frage kommen, ka in die Agitation und Or- ganisaiion vom deutschen Verbände betrieben werden.'— Als Sitz des Sekretariats wurde wieder Berlin bestimmt, als Sekretär Baumeister wiedergewählt. Hetzte ftaebriebten« Kommunalwahlsicg. Arnstadt lThur.). 2. November.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Bei der heute hier stattgefundenen Gemeinde- ratswahl eroberte die Sozialdemokratie zwei neue Mandate. Ihre Kandidaten siegten mit k>l4 und 863 Stimmen gegenüber 712 Stimmen, die auf den bürgerlichen Mischmasch entfielen._ Der türkisch-italienische Krieg. Tripolis, 2. November.(Meldung der„Agenzia Stcfam'.) Gestern abend gegen ö Uhr zeigten sich die Türken auf der Ver- teidignngslinie de? italienischen 82. Infanterieregiments, zogen sich jedoch unverzüglich zurück, ohne den Italienern Verluste beigebracht zu haben. Der Panzerkreuzer„Carlo Alberto', von dem auS bald die Stellung der türkischen Artillerie erkannt wurde, zwang sie durch ein Bombardement zum Schweigen. Heute morgen er- öffneten die Türken ein Feuer aus die italienische Stellung bei Sidi Mesri, das ohne Wirkung blieb, da die Granaten nicht expla- dierte». Die italienischen Geschütze brachten das Feuer zum Still- stand. Nach Versicherungen aus guter Quelle fehlen den Arabern Lebensmittel und Munition. Bei den Vorposten wurde ein Ein- geborener aus Fezzan verhaftet, der den heiligen Krieg gepredigt haben soll. Entgegen den Gerüchten, daß gegen die arabischen Nc- bellen Repressivmaheegeln ergriffen wären, muß festgestellt werden, daß nach dem Aufstand nur Verräter und Waffenträger erschossen wurden. Die Kriegskorrespondenten genießen volle BewcgungS- freiheit(?). Malta, 2. November.(Meldung des Renterfchen Bureau».) Hier ist die Nachricht eingegangen, daß alle italienischen Kriegs- schiffe Tripolis verlassen hätten, um, wie man vermutet, in dir türkischen Gewässer zu gehen. Ein neuer Tauerrekord. Leipzig, 2. November. Ein neuer Dauerrekord wurde heute von dem Flieger Oelerich mit 3 Stunden 39 Minuten aufgestellt. Den alten Rekord hatte Euler mit 3 Stunden 16 Minuten inne. Mahnahmen gegen dir Steigerung der Znckerpreise. Belgrad. 2. November.„P o l i t i c a' meldet, daß nach einer Mitteilung des FinanzniinisterS die gesetzlich begründet« Sperre der Zuckerfabrik als eine Nrpresssvmaßnahme der»kegierung gegen die stetige Steigerung der Zuckerpreise seitens der Zuckerfabrik an. zusehen sei. Falls diese Maßnahme wirkungslos bleibe� sollte, werde die serbische Regierung mit der Herabsehung de» Znckcr» zolle? gegen die Monopolisierung des Zuckers vorgehen. Schissskollision bei Kap Hangoe. Petersburg, 2. November. In der Nähe von Kap Hangoe hat das norwegische Schiff„Mistha" auS Cester Risoer Schiffbruch erlitten. 5 Leichen sind an das Ufer geschwemmt wor- den. Nach einem ebenfalls an das Ufer geworfenen Brett mit der Aufschrift ,. Susanna Bremen" vermutet man, daß sich ein Zu- sammcnstoß ereignet hat.___ Ein ganzes Dorf abgebrannt. Warschau, 2. Novcmkkr.(Pr. C.> Wie aus Strzelno im Gouvernement Radomsk gemeldet wird, ist nahezu das ganze Dorf abgebrannt. 12 Kinder fanden dabei den Flammentod, zirka 20 Personen sind verbrannt._ Rkvolvcrattcntat bei der NckrutenaiiShcbung. Ljnbartow(Gouv. Ljublin), 2. November.(W. T. B.) Bei der Rekrutenaiifhebiing feurrte ein Rekrut neun Nc« vvlvcrschüssr gegen die Aerzte und rrichoh sich daraus selbst. Vier Kugeln durchlöcherten den Uebcrzieher eines Arztes. Die Ucberschwemmnngen in Algerien. Blida, 2. November.(W. T. B.) Die Ueberschwcmmungen haben in der Ebene von Mitidja große Berheeruiigen angerichtet. Ein Steinnievlager mi« 43 Personen ist vom Boden verschwunden. In Maisonaeree wurden 11 Leichen geborgen. Eine Herde von 200 Rindern ist hinwcggrschwcmmt worden. Grohfcuer in Manila. Manila, 2. November.(W. T. B.) Der Ehinesrnstadt- teil ist durch eine Fcucrsbruiist verheert worden. Der Schaden belauft sich auf mehr als eine Million Tollars. Soldaten der Vereinigten Staaten waren den Feuerwehrleuten dabei be- hilflich, das Geschäftsviertel zu retten._ Paul Singer Co.. Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u.NnterhaltungSbl. Ar. 258. 28. ZahkMs. 1. Irilnof des JitBirts" Öttlinet öolltetlstt.>»>»>>»»» Sias man In Italien vom Krieg erfährt. Rsm, 80. Oktober.(Eig. Ber.) Die grobe Sorgfalt, mit der die Zensur darüber wacht, daß keine nichtoffiziellen telegraphifchen Nachrichten vom Kriegs- fchauplatz nach Italien gelangen, öffnet natürlich der journalisti» schen Phantasie Tür und Tor. Trotzdem läßt sich, dank der brief. lichen Berichterstattung, namentlich des„Avanti" und des „Lavoro", eine ungefähre Vorstellung von der Lag« in Tripolitanien gewinnen, wobei wohlverstanden die jüngsten Nachrichten nicht weiter als bis zum 25. Oktober reichen. Da ist zunächst zu konstatieren, daß die italienischen Truppen auf einer ungebührlich langen Verteidigungslinie verteilt worden sind, welcher Fehler inzwischen wieder gut gemacht wurde, ohne den sich aber der Ueberfall von Schamaschatt nicht er- eignet hätte. Bei diesem Ueberfall wurden zwei Kompagnien Bersaglieri gleichzeitig von der Front und im Rücken angegriffen und mußten acht Stunden dem doppelten Angriff standhalten. Dem „Avanti" zufolge wurden diese drei Kompagnien, rund 0 50 Mann, bis auf 125 aufgerieben. Der Aufstand der Araber in Tripolis selbst hat die den Bergsaglieri zur Verstärkung gesandten Artilleristen aufgehalten. Die Ver- engerung der Verteidigungslinie erlaubt einmal der italienischen Besatzung mehr Truppen in Reserve zu halten und erleichtert weiter die Ueberwachung de? zwischen Meer und Verteidigungs- lini« gelegenen Gebiete?. daS bei der Gesinnung der Araber genau dieselbe Aufmerksamkeit erfordert, wie die nach dem Hinterlande gerichtete Verteidigungssront. DaS Wichtige an der feit dem 23. Oktober eingetretenen Wendung liegt nämlich gerade in dem Auf st and der Ein- gebvrenen. Vorher konnte man sich in dem Wahne wiegen und hat sich tatsächlich in ihm gewiegt, daß die Araber, die wahrlich an der türkischen Herrschaft nichts verlieren und den Türken notorisch feindlich gesinnt sind, die Italiener mit Sympathie auf- nehmen würden. Heute muh dieser Wahn als durch die Er- einniste zerstört gelten. Nicht der Aufstand als solcher, sondern seine Unterdrückung hat eine Kluft deS Hasses zwischen den Eingeborenen und den italienischen Truppen aufgetan, die sich vielleicht erst in Jahren schließen wird. Wäre man weniger ver- trauenSselig gewesen, so hätte der Aufstand der Eingeborenen nicht jene Bedeutung erlangt, die zu den standrechtlichen Hinrichtungen Anlaß gab. Nach diesen Hinrichtungen ist vielleicht an einen Frieden mit der Türkei, nicht aber an einen solchen mit den Arabern zu denken. Der Krieg hat ein für allemal aufgehört, den Charakter einer Demonstration und Machtentfaltung zu haben: eS ist ein echter und rechter Volkskrieg goworden, blutig und zerstörend, roh und verrohend, und er zieht über jeden Einzelwillen hinaus seine furchtbaren Kreise. Viele Tripolisschwärmer haben das nicht erwartet und nicht gewdllt, aber sie hätten eS erwarten muffen und sind jetzt außerstande, durch ihr Wollen oder Nichtwollen den Ercignisien Zügel anzulegen. Vom 23. bis zum 20. sollen 180 Araber standrechtlich erschossen worden sein. So werden die italienischen Soldaten, die Kardinäle und Bischöfe bei ihrem Auszug gesegnet haben, zur Henkerarbeit angehalten. Natürlich redet man davon, daß ja nur an.Verrätern Gerechtigkeit geübt wird", aber der Verrat dieser Leute ist im Grunde nichts anderes als die Verteidi» gung ihres angestammten Grund und Bodens gegen Menschen, denen sie keine Treue schuldig zu sein glauben. E» ist unsinnig, zu glauben, daß man durch einen Maueranschlag diese Eingeborenen zu dem Formalismus europäischer Ver- pflichtungen bringen kann, um so unsinniger, dies gerade dann zu erwarten, wenn man ihnen handgreiflich demonstriert, wie sehr Gewalt vor Recht geht. Die Araber glauben nicht, Verrat zu be- gehen, indem sie die Italiener im Rücken überfallen. Es dürfte Man höre: DeS Kaisers, zugleich ein Wenn das nicht alle! gar zu grotesk, wenn kleines feuitteton. Herr Sayfer und der Kaiser..Die Berliner Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof sollen umgebaut oder durch einen Neubau ersetzt werden. Not tat daS schon lange, jetzt aber scheint die Sache ernst zu werden. Es wäre nun wohl das vernünftigste, wenn die Künstler, für die ja solch eine Ausstellungshalle da ist, eine Kom- Mission bildeten, die ihrerseits ein Preisausschreiben erlassen müßte. Dann wäre zum mindesten die Möglichkeil gegeben. daS Beste zu gewinnen. Statt dessen soll und zwar durch einen Vorgang, der dringend der Aufklärung bedarf, Herr Baurat Kayser den Auftrag bekommen haben. Höchst offiziell, wie man sagt. Es wäre nichts unglücklicher, als wenn Herr Kayser, dessen Talent schon bei der viel leichteren Aufgabe deS Resiaurationsgebäudeö völlig versagte. die Zahl der verfehlten Kronenbaulen mehren wollte." Schon 1909 brachte das offizielle Organ des Bundes Deutscher Architekten diese alarmierende Nachricht. Auch später, als Herr Kayser immer wieder als Erneuerer der Moabiter Gefilde zitiert wurde, schwieg man nicht. Herr Kayser aber blieb standhaft. Und kommt nun mit einem regelrechten Trick, allen Widerspruch ver- stummen zu machen. Herrn KayserS Neubau soll eine Ehrung deS Friedenspalast für Kunst und Künstler sein. lcörgler umschmeißt l Indessen, es wäre doch der Kayser vom Kaiser einen Auftrag ein- heimst, den dieser gar nicht zu vergeben hat, jener nicht einhalten sollte.0 OOO Stimmen der Separatisten und die 10 000 bis 20 000 Stimmen der Zentralisten aeben nicht das wirkliche KräsieverhäliniS der beiden Richtungen. wenngleich die Majorität der Separatisten sicher ist. Die 350 000 Stimmen der tschechoilawischen Partei sind noch lange nicht jiujtas Vorgehen der tschechoslawischen Partei abgegeben I(Lebhaftes: Sehr wahr!) WaS sollen Wir nun wn? Wir brauchen eine starke deutsche,«ine starke Gesamtpartei. Im tschechischen Proletariat lebt das Klassenbewußtsein— wenn auch vielleicht im Unterbewußtsein. Der Separatismus wird Bankrott machen. Aber heule höhnt er uns— eine Organisation zu� zer stören. daS ist ja�mcht schwer. Sie höhnen aber nur sich tschechischen Proletariat kommt, ich würde diesen Weg gleich betreten. Aber Sie. die das wollen, verwechseln die Partei mit dem Pro- letariat. Partei und Gewerkschaft sind nicht Selbstzweck, sondern Organe des Proletariats. Wir in Oesterreich müssen mehr als anderswo alles tun, um die Verbindung des Proletariats aufrecht- zuerhalten. Wir verurteilen die Separatisten, aber das tschechische Proletariat hat heute als Vermittler, als schlechten— gewiß! neben der kleinen zentralistischen, doch nur die tschechoslawische Partei. Es bleibt nicht jeder tschechische Arbeiter Separatist. Die Entwickelung wird ihnen die Jnternationalität einpauken. Den An- trägen auf Ausschließung kann ich darum meine Zustimmung nicht geben. Abbruch der Beziehungen? Warum einen Faden durchschneiden, der doch noch eine Verbindung ist. Kein Weg. der zum Frieden führt, darf verlegt werden. Die Einberufung eines Gesamtparteitages hat nur dann einen Zweck, wenn Aussicht ist. zueinander zu kommen. Das ist gegenwärtig nicht der Fall. Die österreichiiche Gesamtpartei ist so wenig tot, daß sie eine große Zukunft vor sich hat. Ich weiß nur nicht, wann diese Zukunft anfängt.(Heiterkeit.) Wir wollen die Parteivertretung beauftragen, in dem Moment, wo eine Verständigung möglich ist, alle nationalen Exekutiven zu- sammenzuberufen und dann darüber zu verhandeln. Glauben wir nicht, mit Feststellung allgemeiner Sätze etwas in der Well geändert zu haben.— Beschließen wir nichts, zu dessen Durchsetzung wir nicht die Kraft haben. Wir haben die Möglichkeit, den Widerstand gegen die Zerreißung der Gewerkschaften zu stärken: dafür zu sorgen, daß die internationalen Ueberzcugungen wach bleiben, unsere eigene Organisation so funktionstüchtig zu machen als möglich und alles zu wn, um die Gefaimpartei, die wir zuerst brauchen, ivieder aufzubauen. Dieser Teil unserer Arbeit wird der schwerste sein: aber die Geduld ist neben der Tapferkeit die schönste sozialdemokratische Tugend(Bravo l) Wir werden dahin kommen, denn auch das t s ch e ch i s ch e P r o l eta r i a t muß sich von diesem selb st mörderischem Separatismus befreien!(Bewegung.) Genoffe Adler beantragte nun nach dreistündiger Rede eine Resolution, die wir bereits gestern mitgeteilt haben. Der Redner schließt: Beschließen Sie nur. was den Tat- achen entspricht— nicht Formeln und Schablonen. Der Wirk- lichkeit entnommen ist der Bestand und der Gegensatz der Nationen bis ins Proletariat hinein. Die Partei braucht'elbständige politische Organisation und gewerkschaftlichen Zentralismus. Wer heute in der Gestaltung unserer Parteiorganisation glaubt, bis hinter 189tZ zurückgehen zu können, würde uns nur auferlegen, den schweren Weg nochmals zurückzulegen. In fortwährender Anpassung an die Dinge haben wir uns entwickelt. Der einzige Weg für uns ist: Nationale Selbständigkeit für alle, auch für uns— internationale Geschlossenheit, internationale, feste sozialdemokratische Ueberzeugung I l Swrmischer, langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende verfügt eine kurze Pause, in der die Delegierten die Resolution lebhaft erörtern. Hieraus wird die Sitzung geschloffen. Innsbruck, 1. November. BormittagSsitzung. Die Redezeit zu dem Punkte DaS Berhältnis der Deutschen Sozialdemokratie zu den Bruderparteien in Oesterreich wird auf 20 Minuten verlängert. Straffer-Reichenberg begründet den Reichenberger Antrag auf Anerkennung der tschechischen Zentrali st en und Abbruch aller Beziehungen �u der tschecko- lawischen Partei, mit der man mchtS gemein habe. Wir begrüßen es. daß man endlich von dem österreichischen Grundsatz des„Verschweigens, was ist" abkommt. Die Zentralisten brauchen keine Verzeihung, denn sie haben ihre sozialdemokratische Pflicht getan.(Sehr richtig l) Es gebührt ihnen die Anerkennung der deutschen Genoffen. Der Separatismus kommt dadurch in eine(ehr fatale Situation. Die Separatisten sind keine Sozialdemo» kraten mehr, sie find in vollständiger Abhängigkeit vom bürgerlichen Nationalismus.(Sehr richtig!) In ihrer Wirtschaftspolitik nähern sie sich den Gelben. Wie aber ioll der einfache Arbeiter verstehen, daß er die Separatisten im gewerkschaft- lichen Kampf bekämpfen, im politischen als Genossen anerkennen soll? Das müßte Verwirrung schaffen, die der Bewegung nicht förderlich sein kann. Warten wir ab, ob die Separatisten die Be- ziehungen mit uns abbrechen, so kommen wir in eine schlechte Situation gegenüber ihnen und den deutschen Nationalisten. Sofort nach Regelung des VerhältniffeS zu den tschechilwen Parteien muß die neue Geiamtpartei vorbereitet und dann konstituiert werden. Maly-Wien schildert die Anfänge des Separatismus, der aus der Unzufriedenheit der von den kleinen tmarcho-nationalistischen Parteien in die tschechoilawische Partei Eingetretenen mit der Parteileiwng entstand. Damals führte Anton Nemec die Marxisten I Der Separatismus ist keine historische Notwendigkeit. Der Redner beantragt, die Resolution Adlers dahin aazuändern. daß zu geeigneter Zeit eine außerordentliche Reichskonferenz einberufen werde. •# • Innsbruck, 2. November.(Privattelegramm des„Vorw.") Der Parteitag nahm die R e s o l u t r o n A d l e r an. er be- grüßte aber die tschechischen Zentralisten und beantragte ihre Aufnahme in die Internationale. Der Parteitag ist heute abend geschlossen worden. parlamentarilekes« jSehr richtig l) Wie sollen wir aber zur Gesamtpartel kommen? Wenn ich hoffen könnte, daß man durch Ausschließung, durch Abbruch von Beziehungen zum— Zusammenschluß mit dem BerficheningSgefetz für Angestellte. Die Kommissic t verhandelte am Donnerstag über die Zu- lassung der Ersatzkasfen. Die Vorlage will Werks- pensionskaffen, SeemannSkaffen und ähnliche Kassen an Stelle der staatlichen Versicherung zugelasien, wenn die Kasse gleichartige Leistun- gen gewährt, wie die staatliche Anstalt. Unsere Genügen bcfiir- warten die Streichung dieser Bestimmung, die auch von allen Angestelltenverbänden gefordert wird. Die Pcnsionskasse sei nur eine Fessel für die Angestellten und hindere die Freizügigkeit der Angestellten. Wenn auch künftig die Zugehörigkeit zur Pcnsions- lasse eines Betriebes den Angcsiellten in der staatlichen� Vcrsiche- rung angerechnet wird, so fällt doch der Anspruch aus höhere Lei- stungen fort, sobald der Angestellte aus dem Betriebe austritt. Die Anfrage, ob Kassen, die heute keinen Rechtsanspruch gewähren, noch nach Inkrafttreten des Gesetze» ihr Statut äiidern und RechtSan- spruch sichern können,. wird von der Regierung bejaht. DeSglei- chen wird e« den PensionSkassen gestattet sein, ihren Mitglieder- kreis entsprechend den Anforderungen de« Gesetze« so zu erweitern, daß alle Angestellten aufgenommen werden, die im Betrieb nach diesem Gesetz der Versicherung unterstellt sind. So z. B. kann eine Pensionskaffe der Journalisten und Schriftsteller das Statut dahin erweitern, daß sie die Handelsangestelltcn des Verlages mit aufnimmt. Unter der Voraussetzung kann die Kaffe nur als Ersatzkasse zugelassen werden. Die allgemeinen privaten Pensions lassen werden als Ersatzkassen nicht zugelassen. Der Standpunkt unserer Parteigenossen wird auch von Raab lWirtsch. Vg.) und Potthoff(Vp.) geteilt. Pottboff findet aber bei seine» poli- tischen Freunden keine Unterstützung, im Gegenteil treten Dr. M u g d a n und M o m m s e n sehr entschieden für die Be- triebspensionSkassen ein, die auch bei den übrigen Parteien starke Befürwortung finden. Vom Genossen Schmidt wird den Herren entgegengehalten, daß sie ja bisher keine Bedenken trugen, die er- wordenen Rechte der Angestellten aus»uheben, wenn der Angestellte durch Ausscheiden aus dem Betriebe die Mitgliedschaft zur Kasse selbst, l verlor. Alle Bemühungen der Sozialdemokraten, schon jetzt den ' Zustand zu beseitigen, sind an dem Widerstand der bürgerlichen Parteien abgeprallt. Die hohen Leistungen der WerkSkaffen stehen sehr in Frage, denn es frage sich, ob sie die Prüfung aushalten, die nachher vom Bundesrat borgenommen tvlrd. Wahrscheinlich wird in vielen Fällen erhöhte Beitragsleistung und Herabsetzung der Leistungen gefordert werden müssen. Vor allem aber werden durch diese Kassen die übrigen Angestellten benachteiligt, weil die Ersatz- lassen die günstigen Risiken fortnehmen und die schwereren Lasten der staatlichen Versicherung überlassen. Auf eine solche Grundlage darf eine Versicherung der Angestellten nicht aufgebaut sein. Die Generaldebatte wurde geschlossen; die Aussprache hat er- geben, daß die Zulassung der Ersatzkassen die Zustimmung der Kommission finden wird._ Hue der Partei. Gegen die tripolitanische Expedition— für den Weltfrieden. Man meldet uns aus Brüssel: DaS vom Jniernwtionalen sozialistischen Bureau für den v. No- vcmber, 4 Uhr nachmittags, veranstaltete Massenmeeting gegen den italienisch-türkischen Krieg und für den Weltfrieden wird im Jestsaal dcS Brüsseler Maison du Peuple stattfinden. Als Redner werden fungieren für die französischen Sozialisten V a i l l a n t, für die deutsche Sozialdemokratie Abge- ordneter Scheidemann, ferner für das Internationale Bureau dessen Sekretär Ca mille Huhsmans und Emil Van- der velde. Die türkische Nation wird der Delegiert? der Arbeiterorganisationen von Saloniki, Saul Nahum, vertreten. Kandidatenwechsel in Breslau. Aus andauernd sich verschlechternden gesundheitlichen Verhält- wissen ist Genosse Schütz- Breslau gezwungen, die ihm bor zwei Jahren von den Brcslauer Genossen einstimmig übertragene Kan- didatur für den Wahlkreis Breslau-Ost niederzulegen. Genosse Schütz leidet an einer hartnäckigen Zuckerharnruhr und hochgradiger Neurasthenie und hat sich auf ärztliche Anordnung für längere Zeit jeder öffentlichen und politischen Betätigung auf das strengste zu enthalten._ Erfolgreiche Werbearbeit für die Parteipresse. In Essen wurde am Sonntag in einigen Bezirken eine Agitation für das Parteiblatt veranstaltet. Dabei wurden 8SS neue Leser für die.Arbeiterzeitung" gewonnen. Gewiß eine schöne Vorarbeit für die Reichstagswahlen und ein Ansporn für die Ge- nassen an anderen Orten! Totealiste der Partei. In Dresden-Cotta starb der Ge- nosse Lagerhalter Max Wellhöfer im Alter von ö3 Jahren an Herzlähmung. Schon zur Zeit des Sozialistengesetzes hat der Ver- storbene im Dienste der Partei gestanden und in Naußlitz, Löbtau und dann in Cotta Vertrauensamter bekleidet. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten. potizeilirbes, Oerichtllches uto. Preßprozesse. Die Staatsanwaltschaft in Görlitz haßte gegen den veramwort- lichen Redakteur unseres dortigen Parteiorgans, Genossen Paul Höhne. Anklage erhoben. Höhne soll den früheren Sekretär des Verbandes reichstreuer Arbeiter in Waldenburg und jetzigen Reichs- verbandssekretar in Königsberg, Max Traube, in der„Volks- zeitung" dadurch beleidigt haben, daß er über ihn schrieb:„Traube könne nicht zu den auständigen politischen, Gegnern gerechnet wer- den". In der Verhandlung vor der Strafkammer am Mittwoch wurde die reichsverbändlerische Kampfesweise TraubeS, der als Nebenkläger zugelassen war, richtig beleuchtet durch Zeugenver- nchmungen und Verlesen von Artikeln, die Traube verfaßt hat. Der Staatsanwalt beantragte 200 M. Geldstrafe, eventuell für je 10 M. einen Tag Gefängnis. Das Gericht billigte dem Angeklagten den Schutz des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) zu, hielt aber eine formale Beleidigung für vorliegend und errannte auf 3 0 M. Geld straf«.„Wenn der Angeklagte," so führte der Vor» sitzende bei der Begründung de» Urteils au«*„gegenüber der Kampfesweise des Nebenklägers gesagt hätte, der ReichSver- bandsfekretär ist nicht würoig, daß man sich mit ihm beschäfigt, so wäre er eventuell freigesprochen worden." In der gleichen Verhandlung wurde gleich eine zweite Anklage gegen Genossen Höhne erledigt, wegen Beleidigung der Polizei- Verwaltung in H a l l e. In einer Notiz der.Görlitzer Volks- zeitung" war zu dem polizeilichen Maiumzugsverbot in Halle gesagt worden, das Verbot sei im„schönsten Polizeideutsch" gehalten und „atme schlimmsten Polizeigeist". Das Landgericht hatte die Eröff- nung des Verfahrens erst abgelehnt. Auf Beschwerde der Staats- anwaltschast bei der Oberstaatsanwaltschaft war dann von dieser die Eröffnung de? Verfahrens angeordnet worden. In der Verhandlung am Mittwoch beantragte der Staatsanwalt 100 M. Geldstrafe. Die angeführten Aeußerungen enthielten eine schwere Beleidigung. DaS Gericht konnte aber darin kein« Beleidigungen erblicken und er- kannte auf Freisprechung. IZiis aller Melt. Rcnhcröhncchte. Nach der Niederwerfung der Revolution in Libland galt e» als eine Spezialität( der russischen Henkersknechte, gefangene Revo» lutionäre auf dem Transport nach dem Gefängnis zu erschießen. Um nicht de« feigen Mordes angeschuldigt zu werden, gaben die den Transport begleitenden Offiziere auf der Landstraße den Befehl, die Gefangenen in Freiheit zu setzen. Kaum hatten die scheinbar Frei- g-lasienen sich einige Schritte entfernt, so wurden sie durch Schüsse in den Rücken niedergeknallt. Diese un- menschliche Barbarei scheint unter den italienischen Truppen in Tripolis Anklang gefunden zu haben. Wie der Korrespondent der„Central RewS" aus Tripolis berichtet, wurden dort drei Araber. zwei Greise und ein junger Mann, als Gefangene in das italienische Lager gebracht. Hier erwarteten sie resigniert daS gleiche Schicksal wie daS ihrer früher hingerichteten Genossen. Die Italiener be« gönnen damit, daß sie die drei Araber mit F a u st h i e b e n traktierten. Daun erklärten sie ihnen, si« feien frei. Die drei machten sich auf den Weg, um das italienische Lager zu verlassen. Kaum hatten sie einige Schritte zurück« gelegt, als sechs Soldaten, die hinter ihnen postiert worden waren, eine Gewehrsalve aus sie abgaben. Selbstverständlich konnten diese Greueltaten nur begangen werden auf Befehl höherer Offiziere- Wem, schon nach so kurzer Zeit der Kriegführung solche Barbareien an der Tagesordnung sind, tn welche moralische Verfassung muß eine Armee geraten, wenn erst durch Gewöhnung an das Morden, durch Entbehrungen aller Art die Truppen erbittert sind? Rur eine Parole kann eS gegenüber solchen Grausamkeilen geben: N»eder mit den menschenmordenden. vöikerverrohenden Kriegen! Eheirrung. Der österreichische Erzherzog Ferdinand Karl will dem Zuge seine« Herzens folgen und eine bürgerliche Dame, die Tochwr eines Proscsiars Czuber, zu seiner Frau machen. DaS ist Grund genug, daß jeder wirkliche Aristokrat sich voll«bscheu von solch einem Plebejer abwendet, daß er für unwürdig erklärt wird, noch länger den Titel eines Erzherzogs zu trogen und Mitglied der kaiserlichen Familie zu bleiben. Ja. wenn der junge Mann.kavaiiermäßig' handeln würde und sich irgeird«ine gleichgültige Prinzessin aufhalsen ließe: beide Augen würde die Hofgesellschaft zudrücken, wenn«r dann in den Armen einer ProfessorStochter Erholung suchen würde von den Freuden seiner Ehe. Aber so ist daS mannhaste und charaktervolle Gebaren de» jungen Prinzen ein fluchwürdige» Vervrichen, da» nur durch Ausstobung auZ den Kreisen der Erlauchten geahndet werden kann. Und noch viel mehr: um die Erlaubnis zur Schließung feiner Ehe zu erhalten, muß der Erzherzog, der unter dem Namen Karl Ferdinand Burg im Auslande lebt, sich verpflichten, seinem Vaterlande für längere Zeit den Rücken zu kehren und mit seiner Frau im Auslände zu leben. Unwetter auf Sardinien. Ein furchtbarer Cyklon verbunden mit einem heftigen Gewitter ging am Mittwoch über ganz Sardinien nieder. Besonders schwer hatte die Provinz C a g l i a r i unter dem Unwetter zu leiden. Wie stark der Orkan, war. geht daraus hervor, daß ein vollbesetzter Personenzug in der Nähe von der Stadt Eagliari umgeworfen wurde, wobei zahlreiche Reisende nicht unbedenNiche Verletzungen erlitten. Zahlreiche Häuser wurden durch den Sturm abgedeckt und zum Einsturz gebracht. Der Verkehr in den Straßen CagliariS ruht vollkommen, da diese vollständig unter Wasser stehen. Alle Verbindungen mit der Stadt sind unter- brachen. In der Nähe der Küste scheiterten zwei fran- zösischje Segler. Die Besatzung des einen Boote« konnte gerettet werden, während über den Verbleib der anderen noch nichts bekannt ist._ Agrarische Beweisführung. Ueber eine wüste Keilerei zwischen gewesenen Blockbrüdern be- richtet das„Tageblatt für Vorpommern': In der Diskussion einer Wählerversammlung sprach als erster' Redner Lehrer Ritsch. Als Herr Ritsch die von, Professor Haus Delbrück veröffentlichten Steuerhinterziehungen der Großgrundbesitzer zur Sprache brachte, sprang der Rittergutsbesitzer Ober! eutnantDr. jur. v. Borcke- Heinrichshof auf, stieß dem Redner mit beiden Händen vor die Brust und verabfolgte ihm eine schallende Ohr- feige. Der fortschrittliche'Parteisekretär Possel forderte sofort den Vorsitzenden, den Vater des Attentäters, Rittergutsbesitzer Amtsvorsteher Major v. Borcke- Neuendorf auf, Herrn Nitsch gegen derartige tätliche Angriffe in Schutz zu nehmen, aber kaum hatte' Possel seine Forderung gestellt, da sprangen zirka 20 Agrarier aus und drangen unter Führung des Gutspächters Voß-Annenhof auf ihn ein und b e- drohten ihn. Parteisekretär Possel hatte eS nur seiner kräftigen Statur zu verdanken, daß er nur heiler Haut davon kam. Weit schlechter erging eS dem Lehrer Ritsch, denn als dieser den Saal verließ, wurde er von dem Gutspächter Boß hinterrücks überfallen und geschlagen. Viele Ver- sammlungSteilnehmer verließen nach diesem skandalösen Vorfall den Saal und gaben ihrer Entrüstung offen Ausdruck. Einen großen Teil Schuld an dem Vorkommnis trägt ohne Zweifel der Versammlungsleiter Amtsvorsteher Rittergutsbesitzer Major v. Borcke. Denn dieser machte auch nicht den leisesten Versuch, die Ausschreitungen seiner eigenen Parteifreunde bezw. seines eigenen Sohnes zu verhindern.' Ob die»Deutsche Tageszeitung" den Vorfall auch totschweigen würde, wenn Arbeiter mit ihrem politischen Gegner so umspringen würden, wie der Herr Rittergutsbesitzer und Oberleutnant? Meuterei frauzöfischer Kolonialtrnppen. Wie aus Marseille gemeldet wird, verursachte eine Ab- teilung Kolonial-Jnfa uteri st en in ihrer Kaserne unter Absingen der Internationalen große Ruhestörungen. Die Aus- schreitungen wurden begangen durch etwa 700 zur Abfahrt nach Casablanca bereitgehaltenen Soldaten, die in der Kaserne Vieille Charits untergebracht waren. Um Ruhestörungen zu ver- meiden, war den Mannschaften der Besuch der Kantinen untersagt worden. Die Leute verlangten jedoch, daß man ihnen das Kaseruentor öffne und sangen dann die Internationale; einzelne zertrümmerten auch mehrere Fensterscheiben. ES wurden Truppen aufgeboten, um die Ordnung wiederherzustellen, doch gelang es erst dem Obersten, die Leute durch gütliches Zureden zu beruhigen._ Kleine Notizen. Ein Lentnant wegen Mordverdachts verhaftet. Der ehemalige Oberleutnant Ernst Ferdinand Webel ist in Breslau verhaftet worden wegen Verführung einer Minderjährigen und wegen deS Verdachtes, an der Ermordung der Elfriede Ludwig beteiligt zu sein, die am 15. Oktober früh im Breslauer Südpark erdrosiclt oufgekunden worden war. Zur Einsturzkatastrophc in Frankreich. Unter den bei dem Ein« stürz einer Malzfabrik in Nogent-sur-Seine Umgekommenen befinden sich die deutschen Mechaniker Haas und Otto Rheinholtz aus Braun schweig. Letzterer ist Donnerstag morgen den erlittenen Verletzungen erlegen. «»SSSSSSj St Unserm verehrten Sanges. W 6 ruber und Vereinswirt vi/».. vi/ n 1 % Franz Beiersdorf u. Frau vi/ zur Silberhochzeit die herz. vv lichllen Glückwünsche. VI? Männerchor n ordost- vi? .w L>yrania 1849.«/ S) UMerm Genossen und Genossin Üü v!, Franz°nb Cäcilie Beiersdorf* zum Jubiläum deS jb "W SSjährigen EhckriegeS �/ � die herzlichsten Glückwünsche. vj? Die Genossen u. Genossinnen vi? v« des Bezirks 404, T. I.«? Todes-Anzeigen SozialdemokratiscberWalilyerelii dos 6. Bert. Reielista�-Wahlkrelses. TodeNanEolgc. Am Montag, den 30. Oktober, verstarb unser Genosse, der Schlosser Franz Herrmann (Oudenarder Str. 7.) Ebre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 4. November, I nachnrlltagS 3 Uhr. vom Leichen. I nhaudause aus nach dem neuen I rtazaretb-Uirchhot in Zieinlcken- I dors-West, Kögelstraste, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der VorHtand. SozialdemotfratiseliJalilvereii) des 6. Berl. Reiebstagsiallkreises. TodcMUiizcIgc. Am 31. Ollober verstarb unser Genosse, der ,>ormer Eirnst Strauß lFehmarnstr. 5) Ehre seinem Sliidenke» t Die Beerdigung findet heule Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Razareth.ttirchhoses in Reinickenoorf-West, Kögelstraste au« statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vortitisnd Sozialdemokral. Mmeiii Wilmersdorf. Am 31. Oktober ist unser Partei- genösse, der Maurer Holz im Kreiskrantenbause zu Grob- Lichterselde gestorben. Wir werden dem Dahingeschte- denen ein ehrende» Andenken be. wahren. Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittag» 3 Uhr, vom Kranlenhauie auZ statt. 236/16 Der Vorntand. Tanksnguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und unseres guten Baier«, de» Schankwirt» ttermann Conradt sagen wir allen Freunden, Bekannten und Gästen foioie dem Verband der Freien Gast, wid Schankwirte Berlin» sBeziik V) und dem 2 sozialdemo. kralischen Sabiverein(Bezirk 153) Unleren berztichsten Dank.!>0SL Witwe Mnthlldo Conradt __ nebil eingeböiigcn. Sozialiiemokrat WabM Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Tiichler Franz Zetta Weserstraste 184 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. d. Mts., nach- mittag» S'/j Uhr. von der Leichen. Halle des Thomas-Kirchhos», Her- mannslraste, au» statt. Ferner verstarb unser Mitglied Frau Matkilde Teuer! War thest, aste 5. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. d. MI»., nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen. balle de« Rixdarser Gemeinde. Friedhos», Gottlieb-Dunkelstraste. au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Voratand. Tischler-Verein zu Berlin. E. H. Xo. 80. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler kranx Zotta Weserstr. 184 wohnhast, am 1. November im Zllter von 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. November. nachmittag« S'L Uhr, von der olle der St. Thomas- Gemeinde, ermann ftrastt, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Voratand. s; Oeutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Tischler Franz Zotta RIxdors. Weserstraste 184, im Aster von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. November. nachmittag« 8'l, Uhr, von der Halle de» TbomaS-Kirchhose» in Rixdorf, Hermannftraste. au» statt. Um rege Beteiligung ersucht St /18 VI«(>>1s»«n»»It>ii,g Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Todea-Anacife. Den Mitgliedern zur Nachricht dast unser Kollege, der Zwicker' Otto Geixer plSststch verstorben ist. Ehre seinem Andenken' Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. November, nach. mittag» 2'/, Udr. von der Halle de« städtischen Z'Nttai.Friedhoses n FnedrichSjelde au« statt. 170/5 Der Vorstand. Seal von 9,50«n, Peraianep im«. von 0.5« an. für eleg. Damen- Tuthlaaer Koob 4 Seeltnd G; in. b.H., Gertraudteßstf. 20-21, v«ÄV1 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anaeise. B®en Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Former Ernst Strauß am 31. Lltober an Lungenleiden gestorben ist. 125/13 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. November, nach. mittag» 3 Uhr. von der Leichen- balle de» Nazarcth-Kirchhose» In Reinickendorf, Kögeislr., au» statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwattnug. MM derBut-u.FilzwarEii- Arbeiier und-llrlieiteruioen Deutsch laods. Ortsvcrwaltung Berlin. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den t. b. MI».. starb nach viertägigem Kranken- langer unser langjährige» Mitglied Karl Witte (Fabrik Bluth). Er ruhe sanft! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. November, nachmittag» 4 Uhr, von der Halle des Dorolhcen-Kirchboses. Scham. webcrjtr. 1—2, aus statt.-6/7 Zahlreiche BctcUlgung erwartet Der Vorstand. pfotban Mand 139 Statiner Str. 139. Die schönsten Herren-Winler-Paletols n. Ulster und Anzüge ,„rt l�n crstkla'fige, aus Seide gearbeitete Garderobe, von 46721. Kavalieren getragen, säst neu, für jede Figur pasjciid, jvezicll Bauch anzüge und in großer Auswahl stets zu staunend M billigen Preisen zu habe». »iatttan Wan ■ 139 Skalister Str. 13». IHochbahustationKottbusrrTvr. Bitte im eigenen Interesse auf Hausnummer zu achten. |Zie!;ung schon 10. und 11 November i. Solange Vorrat reicht! Pr. Weistkuhl. 5,75 SB. p. Zentner Pr. Rolkobl.. 6,56,., Pr. Kartoffeln. 3,50,, Pr. Unverlesene 8,—,. Pr. Kobtrüben. 3,50.,. Pr. Mohrrüben 5,50„„ osfe icren. 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Schellfische....... Pfund 22, 28 pr. Seelachs obnc Kopf, in ganzen Pitcben 20 Pf. Grosse grüne Heringe.. MdL 48 Pt Lachs Fi.lbüH'pu. 45, Zander Pfd. 53 pi Seemuscheln........ ioo stock 35 pr. Lebende Karpfen.. prund 70, 75 Pt Lebende Hechte Pfd. 75,«pTd. 65 Pf. Geräucherte Aale..... Bund 38 Verkäufe. Hrrmnimvlak 6 PlandlribhauZ. ÜRaffenbtrfnuf wegen Platznmngel! Riejenauswahl Pelzstolas I AaifeN» anzügtl«edrockanzüiiel Herren« valeiolS! Herrenbo'enl Allerbilligster Beltenverkausl Braulbellen I Her« mielungjbett! SluSsteuerwäsche l Reich- haltlaeneiilmSwahlI lieber- gardmenl ZevvichauSwahll vlüich- tilchdeckeiil Lleopdeckenl Wand- ubrenl Wandbilderl?a>ckenudrenl Lietteiiauswahll RingeauSwahl I Schmuckiachen! Warenverkaul eben- salls Zonntag«._ TevviNie!(fcblcrbaftc) in allen Grötzen, fflfl für die Hallte de» Werte« Tebvtchiagei Brünn Hackeiibet Rarft 4. 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November, stattfinden, diesmal mit besonderer Spannung entgegen- gesehen. Zwei Umstände sind es, die mancherlei Erwartungen rege machen. Wieweit wird die Neueinteilung der Wahlbezirke, durch die die bisherige Ungleichheit der Wahlbezirke gemildert worden ist, das Wahlergebnis beein- flussen? Und wie stark wird die Wahlbeteiligung sein, nach- dem nunmehr zum ersten Male in Berlin für die Stadtver- ordnetenwahlen der dritten Klasse der Sonntag als Wahltag bewilligt worden ist? Im Hinblick auf die Bezirkseinteilung ist sorgfältig darauf zu achten, welche Bezirke diesmal an der Wahl teil- nehmen. Die Frage, wo gewählt wird, beantwortet sich auS der Zusammenstellung der 17 an der Wahl beteiligten Wahlbezirke und ihrer Wahl- lokale, die heute im„Vorwärts" veröffentlicht ist. Wahlberechtigt ist, wer in die W ä h l e r l i st e aufgenommen worden ist, die im Juli aufgestellt wurde. Das Gemeindewahlrecht setzt die Vollendung des 24. Lebensjahres voraus. Zur Aufnahme in die Gemeindewählerliste sind außerdem erforderlich: Staats- angehörigkeit zu Preußen, mindestens einjähriger Wohnsitz in Berlin, eigene Wohnung oder Chambregarnistenlogis. Die Gemeindesteuern müssen bezahlt sein kdoch hat auch der das Gemeindewahlrecht, dem bei einem Jahreseinkommen von 600 bis 900 M. die Steuer erlassen wird), und im letzten Jahre darf keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln an- genommen worden sein. Jeder Wahlberechtigte hat da zu wählen, wo er im Juli in die Wählerliste aufgenommen wurde. Wer inzwischen die Wohnung gewechselt hak. wählt noch in dem Bezirk seiner früheren Wohnung. Die Wahlzeit reicht bei den Sonntagswahlen— das ist als neu zu beach- ten— nicht mehr bis 8 Uhr abends, sondern nur noch bis 6 Uhr abends. Die Wahl dauert von morgens 10 Uhr bis K Uhr abeuds, doch sollte gerade am Sonntag kein Wähler den Gang zum Wahllokal bis auf die letzte Stunde verschieben. Die Frei- sinnigen rechnen darauf, daß in den Vormittagsstunden von 10— 12 Uhr, um die der Magistrat die Wahlzeit erweitert hat, besonders die selbständigen Geschäftsinhaber zur Wahl kommen werden. Wir erwarten von unseren Wählern, daß auch sie möglichst schon am Vormittag zur Stelle sein und ihre Wahlpflicht erfüllen werden. Je zeitiger die Wähler zur Wahl gehen, desto leichter wird unseren in der Wahlagitation tätigen Genossen der aufreibende Schlepp- dienst gemacht. Kein Wähler vergesse, eine Legitimatio» mitzunehmen, am besten die vom Magistrat übersandte Wählerkarte, eventuell Steuerzettel, Mietkontrakt, In- validenkarte, Militärpapiere, falls einem Wähler die Wähler- karte nicht zugegangen ist. Die Stimmabgabe ist bei den Stadwerordnetenwahlen öffentlich. Dem Wahlvorsteher muß der Name des Kandidaten genannt werden, und zwar richtig und deutlich. Bei un- genauer Wiedergabe des Namens wird dem Kandidaten die betreffende Stimme nicht zugerechnet. Man präge sich daher den Namen seines Kandidaten vorher genau ein. Sorge jeder unserer Wähler dafür, daß den Kandidaten der Sozialdemokratie keine Stimme verloren geht! In manchen Bezirken kann es auf eine einzige Stimme ankommen. Daß ein Wähler dritter Klaffe keinen Freisinnsmann mehr, sondern nur Sozialdemokraten wählen kann, versteht sich von selber. Unker dem Drei- klassensystem des Gemeindewahlrechts werden Hunderttausende von Wählern der werktätigen Bevölkerung, die durch ihre Arbeit zum Wohle unserer Stadt beitragen, nach Maßgabe ihrer geringen Steuerleistung- zur dritten Wählerklasse geworfen. Dem Freisinn werden durch diese Entrechtung des arbeitenden Volkes zwei Drittel aller Stadtverordnetenmandate gesichert, die die Wohlhabenden und Reichen der zweiten und ersten Klasse vergeben. Da muß in der dritten Klaffe jeder Wähler an seinem Teile dazu beitragen, daß wenigstens hier kein Frei- sinnsmann sich behauptet. Der ö. November muß werden zu einem SiegeStag der Sozialdemokratirl « Die liberale Stadtverordnetenmehrhcit Berlind muß bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen, .wenn vielleicht auch nicht gestärkt, aber wenigstens nicht geschwächt aus dem Wahlkampf hervorgehen". Das ist der Weisheit letzter Schluß, zu dem duS liberale»Berliner Tageblatt" in einer Betrachtung über die Etadtverordnetenwahlen gelangt. Der Artikel, den das Blatt als»Mahnruf an die Wähler- schaf t" veröffentlicht, zeigt ganz die bei den Mosseblättern übliche Manier. Er ist zusammengeschrieben in treuer Befolgung jenes Grundsatzes, den der Berliner drastisch mit dem Satz:»Borne pickt Hi, hinten nickt er!" zu kennzeichnen pflegt. Im ersten Teil dieses.Mahnrufes" werden dem Kommunal- freisinn ein paar Klapse verabreicht, die sich sehr forsch aus. nehmen.»Am 8., ö. und 7. November hat," so beginnt der Artikel, »die Berliner Bürgerschaft zu entscheiden, ob sie mit der städtischen Verwaltung zufrieden ist. oder ob sie eine Aenderung dieser Ver- waltung wünscht." Et folgt eine Betrachtung über die durch das Dreiklassensystem des Gemeindewahlrechts ge- schaffe ne Entrechtung des größten Teiles der Biir» gerschaft, über»dieses plutokratische Wahlrecht, das nur den (geffitzsutel entscheiden lähk", Spionxj tpjrd ausgeführt, daß»weit« herzige Männer mit offenem Blick für die Bedürfniffe der Zeit der Verwaltung der größten Gemeinde Deutschlands bitter not tun". Gebe es doch»auf dem Schulgebiet, in der Verwaltung und dem Ausbau der städtischen Werke, in Fragen der gerechten Steuer- Verteilung, in bezug auf Krankenhäuser und hygienische Einrich- tungen aller Art, in der Waisen- und Armenverwaltung, in der wichtigen Frage geistiger Belehrung durch Bibliotheken und in der ebenso bedeutsamen Frage der Wohnungsfürsorge, der körperlichen Ernährung noch unendlich viel zu tun". Wem fallen bei dieser Auf- zählung nicht alle die Forderungen ein, um die in der Stadtver- ordnetenversammlung unsere Genossen mit den Liberalen, immer wieder ringen müssen I Gegenüber den großen Aufgaben, die zu erfüllen sind, solle— fährt das»Berliner Tageblatt" fort— die Wählerschaft selber hie Kandidaten sorgfältig auswählen und von den bisherigen Vertretern Rechenschaft verlangen, aber leider sei davon kaum etwas zu spüren. In der ersten und zweiten Klasse werde mitunter die Kandidatenaufstellung einfach durch ein die Wiederwahl empfehlendes Rundschreiben an die Wähler erledigt. Anders gehe es in der dritten Klasse zu. wo von 48 Bezirken im Besitz der Sozialdemokratie schon 38, der Libe- ralen noch 10 seien und 6 von diesen 10 an der diesmaligen Wahl beteiligt seien. Hier schlägt nun plötzlich der Ton um, und das Mosseblatt mahnt:„Alle diese sechs Wahlbezirke werden von der Sozial- demokratie hart bedrängt, und es wird der äußersten Kraftanstrengung des liberalen Wahlkomitees und insbesondere der lebhaftesten Wahlbeteiligung der bürgerlichen Wähler bedürfen, um den Ansturm der Sozialdemokraten abzuschlagen. Die Wahl findet an einem Sonntag statt. Niemand hat daher durch den Weg zum Wahllokal Einbuße an seiner geschäftlichen, seiner gewerblichen oder sonst beruflichen Tätigkeit. Es ist dringend er- wünscht, daß kein bürgerlicher Wähler dem Wahltisch fernbleibt, damit nicht die Wohltat der Sonntagswahl lediglich der Sozial- demokratie zugute kommt. Es hieße ein Abdanken gegenüber der Sozialdemokratie, wenn nicht jeder bürgerliche Wähler seine Stimme für den Kandidaten seiner Partei abgeben wollte." ES folgt dann eine Aufzählung der Freisinnskandidaten für die Wahl- bezirke 1, 2, 3, 4, 6, 14. in denen die Liberalen sich zu wehren haben, sowie auch für die Wahlbeirke 13, 16, 23, die sie der Sozialdemo- kratie wieder abnehmen möchten. Und zum Schluß heißt eS:»Tun die Wähler ihre Schuldigkeit, dann ist zu erhoffen, daß d i e l i b e- raleMehrheit.wennvielleichtauchnichtgestärkt, aber wenigstens nicht geschwächt aus dem Wahlkampf hervorgeht." So wandeln die forsch aussehenden Klapse, die das „Berliner Tageblatt" dem Kommunalfreisinn gibt, sich in freund- schaftliche Aufmunterungen um. Die liberale Mehrheit, die in dem Dveiklassensystem des Kommunalwahlrechts, in der Be vorrech- tung des Geldbeutels das Fundament ihrer Herrschaft hat und diese zum Schaden der werktätigen Bevölkerung ausübt, darf „nicht geschwächt" werden! Der Wunsch einer Aenderung der Ver» waltung, über den die Wählerschaft durch die Stadtverordneten- wählen sich äußern soll, ist dem liberalen Preßorgan nicht ernst. Es soll alles beim alten bleiben. Möge gegenüber diesem skandalösen Gaukelspiel die Wähler- schaft der dritten Klasse das einzig Richtige tun und dafür sorgen, daß auch bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen, die die dritte Klasse am 6. November vollzieht, derLiberalis- muS wieder geschwächt auS dem Wahlkampf hervorgeht. Wähler dritter Klasse, gebt Mann für Mann Eure Stimme nur den Kandidaten der Sozialdemokratiel' » Di« Uebersicht der Kommunalwahlbezirke und der Wahl- lokale, die der heutigen Nummer unseres Blattes beigegeben ist, bitten wir aufzubewahren, da eine nochmalige Veröffent- lichung nicht erfolgt. » 2. Wahlkreis. Heute findet im 6. Kommunal-Wahlbezirk eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich sich in den Bezirkslokalen einzufinden. Sonntag früh 8 Uhr treffen sich ebenfalls alle Genossen in den Zahlabendlokalen. 1. und 24. Kommunal-Wahlbezirk. Heute abend 8 Uhr Flug- blattverbreitung. Für die im 5. Wahlkreise gelegenen Bezirke von den bekannten Stellen aus. Für die im 1. Wahlkreise gelegenen von Jul. Fischer, Eiergasse 3. aus. »ericht über Sie Tätigkeit der[ozialdemoliratifchen Fraktion im Berliner Ratbau fe.*) Schlustbemerkungen. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Roten Hause erschöpft sich keineswegs durch die in den einzelnen Kapiteln gemachten Darlegungen. WaS in den Plenarverhandlungen öffent- lich in die Erscheinung tritt, kann nur ein unvollkommenes Bild von der Wirksamkeit der Sozialdemokratie in der Kommune geben. Weit intensiver ist die Tätigkeit in den einzelnen Verwaltungen, Deputationen, Kuratorien und Ausschüssen. Im Berichtsjahre ist uns ein Sitz im Bestattungskuratorium zugefallen, wahrend der Anspruch unserer Genossen in der Stistungsdeputation von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt worden ist. Aus dieser Dcpuda- tion scheint man die sozialdemokratischen Vertreter fernhalten zu wollen, wie das die Regierung tut, wenn cS sich um die Wahl sozialdemokratischer Mitglieder in die städtische Schuldepudation handelt. Von erheblicher Bedeutung ist auch die Zusammensetzung der Armenkommissionen. Waiscnräte, Schul- kommissionen und Steuervoreinschätzungskom- Missionen. Da die Stadtverordneten das Vorschlagsrecht für die Besetzung der genannten Kommissionen haben, kommen auch die sozialdemokratischen Stadtverordneten in die Lage, Berliner Bürger zu unbesoldeten Kommunalämlern in Vorschlag zu bringen. Die freisinnigen Stadtverordneten haben ihre Aufgabe vielfach dahin aufgefaßt, Personen vorzuschlagen, die der betreffenden Kommission von vornherein genehm Jfind und von ihr empfohlen werden. Diese Praxis muß naturgemäß zu einer Cliquenwirtschaft allerschlimm- ster Art führen und kommt eher einer Kooptierung der Kam- misstonen, als einer Wahl durch die Stadtverordnetenversammlung gleich. Dem allgemeinen Interesse der Stadt wird durch diese Art der Besetzung kommunaler Ehrenämter nicht gedient. Auf diese Weise werden Arbeiter von der Ausübung kommunaler Aemter nahezu ausgeschlossen. Ein Blick auf die Zusammensetzung der einzelnen Kommissionen beweist das. Die sozialdcmokratiscken Stadtverordneten halten diese Fernhaltung der Arbeiter von oer kommunalen Verwaltung für eine Entrechtung weiter Kreise der ') Siehe auch Nr. 242. 246. 260. 261, 262. 264. 266, 268 und 267 des»Vorwärts". Bevölkerung und unvereinbar mit der Städteordnung; sie vertreten den Standpunkt, daß alle Klassen der Bevölkerung zu den kommu- nalen Ehrenämteru heranzuziehen sind und daß auch die Arbeiter, die Sozialdemokraten find, in sehr vielen Fällen hierzu besonders qualifiziert scheinen. DaS bchagt aber den freisinnigen Herren nicht; sie scheinen die kommunalen Ehrenämter für ein Privileg waschechter Freisinniger zu betrachten. Sonst wäre es nicht zu ver- stehen, daß lediglich deshalb, weil ein sozialdemokratischer Stadtver- ordncter einen als Sozialdemokraten bekannten Berliner Bürger als Mitglied der 120. Armenkommission in Vorschlag brachte, oie sämtlichen bürgerlichen Mitglieder dieser Kommission ihre Aemter niederlegten. Diese Niederlegung führte in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 13. Januar 1910 zu einer längeren Debatte zwischen den Sozialdemokraten und Freisinnigen, in der festgestellt werden mußte, daß das Vorschlagsrccht den ein- zclnen Stadtverordneten nach wie'vor zusteht, allerdings soll es auch den Kommissionen unbenommen sein, ihre Vorschläge zu machen, damit eventuell der Ausschutz für die Wahlen von vibc- soldeten Gemeindebcamten bei Nichtberücksichtigung von �com- missionsvorschlägen durch die recherchierenden Stadtverordneten— in der Hauptsache sozialdemokratischen Stadtverordneten— eine Entscheidung fällen kann durch die Wahl bürgerlicher Mitglieder anstatt sozialdemokratischer. Einen anderen Sinn hat der Stadt- verordnctenbcschluß vom 13. Januar nicht. Er zeigt, daß sozial- demokratische Arbeiter beim Berliner Kommunalfreisinn mit scheelen Augen angesehen werden. Besonders vermerkt zu werden verdient, daß die freisinnige Mehrheit in der Stadwerordnetenversammlung im Anfang diese; Jahres den Anspruch der sozialdemokratischen Frak tion, im Vorstande der Stadtverordnetenver a m m l u n g vertreten zu sein, endlich hat anerkennen müssen. Bei er Wahl des Bureaus der Stadtverordnetenversammlung am 6. Januar 1911 erklärten die Vertreter der Mehrhcitsgruppen, das; sie bereit seiem einen sozialdemokratischen Beisitzer in das Bureau der Versammlung zu wählen. Zu diesem Zwecke wurde die Geschäftsordnung dahin geändert, daß anstatt drei Beisitzer vier gewählt werden. Obwohl dieser eine sozialdemokratische Beisitzer im Vorstande der Stärke der sozialdemokratischen Fraktion nicht entspricht, darf der Beschlutz als ein Beweis dafür angesehen werden. daß auf die Tauer die freisinnige Mehrheit den sozialdemokratischen Rechtsansprüchen sich nicht widersetzen kann. Als im Jahre 1884 die Sozialdemokraten zum ersten Male ins Rathaus einzogen, schloß man sie von allen Vcrwaltungsgeschäften aus. Das hat sich im Laufe der Jahre gründlich geändert. Die sozialdemokratische Vertretung im Vorstande lehnten die freisinnigen Vertreter ständig mit dem Hinweis auf die Ablehnung der Uebernohme rcpräsen- tativer Verpflichtungen ab, obwohl in der Städteordnung von solchen Verpflichtungen nirgends die Rede ist. Diese Meinung haben die Herren nun geändert und damit anerkannt, daß auch bisher kein stichhaltiger Grund für diesen Ausschluß von Sozialdemokraten von Vorstandswürden vorgelegen hat. Der Beschluß liegt lediglich im Interesse einer geordneten Führung der Geschäfte der Stadtverord- netenversammlung. Die Tätigkeit der Sozialdemokratie auf dem Gebiete der Kam- munalpolitik ist im eminentesten Sinne des Wortes ein großes Stück positiver Arbeit. Die Sozialdemokratie ist sich bei ihrer kommunal- politischen Tätigkeit vollkommen bewußt, daß der Kampf um die letzten Ziele nicht in der Kommune ausgekämpft werden wird. Sie weiß, daß die errungenen Erfolge nur kleine Abschlagszahlungen darstellen, die aber dennoch nicht zu unterschätzen sind. Eine groß- zügige Kommunalpolitik wird allerdings erst möglich sein, wenn das Dreiklassenwcrblrccht und das Hausbesitzer- Privileg gefallen sind. Heute fällt der Sozialdemokratie die Auf- gäbe zu, die regierende Mehrheit in der Kommune auf die Er- süllung ihrer sozialen Pflichten hinzudrängen und durch hart- nackigen Kampf und zähe Auedauer soziale Verbesserungen abzu- zwingen. Das wird um so leichter sein, wenn am Sonntag, den 6. November, die sozialdemokratischen Kandidaten mit großen Stimmenmehrheiten aus der Wahl hervorgchenl Stadtverordneten-Verkammlung. 82. Sitzung vom Donnerstag, den 2. November; nachmittags 6 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 6 K Uhr.— Der Aus. schüfe für die Voberatung des Antrages Arons wegen Aenderung des Kommunalabgabengesetzes ist gewählt und hat sich konstituiert; die sozialdemokratische Fraktion ist u. 0. durch die Mitglieder Dr. AronS und Stadthagen vertreten. Die Beratung der Vorlage wegen Errichtung einer vierten Oberrealschulr mit angegliedertem Rcfvrm-Realgymnasium und Vorschule in Moabit wird fortgesetzt. Dazu haben die Stadtvv. Dr. AronS und Genossen beantragt, daß von der Einrichtung einer Vorschule Abstand genommen werden soll. Von den Stadtvv. Nernst, Mommscn und Kuhlmanu sFr. Fr.) ist beantragt, die Worte„m i t a n g e g l i e d e r t e m R«- form-Realgymnasium" zu streiche» und die Entscheidung über diese AngliederunA einem Ausschusse von 16 Mitgliedern zur Vorberatung zu uberlveiscn. Stadw. Dr. Arons(Soz�): Unser Antrag ist bereits in der vorigen Sitzung von dem Kollegen Sökeland, der die Verhältnisse in Moabit in den Vordergrund stellte, und von Herrn Glatzel be- kämpft worden. Im Prinzip stimmen wir ja alle in die Verurtei- lung der Vorschule ein. Ein Liberaler, der Mädchenschul« direktor Ernst, hat im preußischen Abgcordnetenhause die Vor- s ch u l e als eine Frucht der Reaktion bezeichnet, die zu einer unheil- vollen Zersplitterung des Schulwesens gesührt habe. Solche Aus- führungen machen leider nicht den geringsten Eindruck, wenn nicht die Tat dahinter steht, wo die Tat möglich ist. Ein konservativer Redner antwortete denn auch dem freisinnigen Herrn Ernst dem Sinne nach, daß dieses Prinzipienbekcnntnis eitel Wind sei, denn dort, wo die Freisinnigen die Mehrheit hätten, in den Städten, ließen sie die Vorschulen bestehen. Immerhin hat noch im März 1910 Stadtschulrat Michaelis erklärt, er stehe auf dem Standpunkt, daß neue Vorschulen an höheren Lehranstalten nicht mehr ringe» rilhtet werden sollen. Was nützt dieser»Standpunkt", wenn er bei der ersten Gelegenheit wieder das Prinzip im Stich läßt? Dann haben doch derartige Prinzipienerklärungen gar keinen Wert mehr. Daher bitten wir Sie, entsprechend diesem Prinzip schon heute die vorgeschlagene Vorschule abzulehnen; im übrigen wird ja Ausschußberatung erforderlich sein. Stadtsckmlrat Michaeli«: In eine Erörterung der Prin- zipienfrage möchte ich jetzt nicht enitreten; zu dieser Prin- zipicnfrage gehört auch die Vorschulfrage. Die wird erst zu lösen sein, wenn ministerielle und gesetzlickw Grundlagen vorhanden sind und privaten Unternehmungen ein Riegel vorgeschoben ist. Zur- zeit sind die Vorschulen bei den Bedürfnissen des Publikums eine Notwendigkeil; wir würden sonst nur dem Privatschukwesen, das wir glücklich so weit eingeschränkt haben, Vorschub leisten. Daß ich eine prinzipielle Stellung zu der Frage bereits eingenommen hätte, mutz ich ablehnen. Für Moabit besteht geradezu ein dringendes Bedürfnis und das hat der Magistrat anerkannt. Der prinzipiellen Entscheidung wird damit nicht präjudiziert, denn dies wird die letzte neunklassige höhere Schule sein, die in Berlin in absehbarer Zeit zu errichten ist. Auch das Prinzip„R e a l s ch u l e oder Gymnasium" läßt sich bei dieser Gelegenheit nicht ent- scheiden. Wir haben sieben Realgymnasien in Berlin mit über 4000 Schülern, sie sind zum Teil unsere meistgefüllten Anstalten; sie lassen sich, nachdem sie sich so bewährt haben, nicht etwa mit einem Federstrich beseitigen. Ugber dg» Wesen des Reformxeab- ghjMasium» find Per gm, falsche Vorstellunseft verlautdarl worden. Diese Anstalten, besonder» der Frankfurter Typ, beginnen statt mit dem Lateinischen mit dem Französischen; da» Französisch bleibt Hauptgegenstand. Diese Form hat auherordent- liehen Äntlang gefunden. Wir haben in Moabit zwei Gnmnasien, zwei Realschulen, eine höhere Mädchenschule; es fehlt das Realgym» nasium, es fehlt die Oberrealschule. Beides bietet die Vorlage. Eine Gegcnpetition des Berliner Lehrervereins ist auf völlig un- zutreffendem Material und auf falschen Voraussetzungen aufge- baut. Die Vorschulen sind keine Standesschulen, sondern Schulen für die Befähigten. Es ist weder Ausschutzberatung noch Verände- rung der Vorlage erforderlich; die Sache ist spruchreif. Stadtv. Cassel(A. L.): Wir nehmen einstimmig die Vorlage ohne Ausschutzberatung an. Den Standpunkt der all» gemeinen Volksschule vertreten wir nach wie vor; wir können aber das Berliner Schulsystem nicht nach unseren Wünschen formen. Dazu kommt, datz seit Einführung der achtklassigen Volksschule die auf die höheren Schulen ubergehenden Schüler gegen früher l bis Jahre verlieren. Das Zitat der Aeutzerung von Ernst hätte Herr Dr. Arons auch durch meine damalige Bemerkung vervollständigen sollen; ich habe da ausdrücklich erklärt, datz die Gemeinden allein hier ohnmächtig sind, datz die Lehrpläne der höheren und der Elementarschule zuvor in eine organische Ver- bindung gebracht werden müssen, datz ein erleichterter Uebcrgang geschaffen werden mutz. Ueber das Bedürfnis für Moabit besteht tein Zweifel; von einer Beeinträchtigung der Volksschule durch die Vorschulen kann keine Rede sein. Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.): Die prinzipiellen Fragen wollten auch wir nicht im Plenum erörtern, darum haben wir Ausschutzberatung beantragt. Tie Berechtigung der Real- yymnasien ist seit 1S00, seit der Statuierung der Gleichwertigkeit auch der Obcrrealschulen, durchaus kontrovers geworden. Den ' Vorwurf der mangelhaften Begründung der Vorlage mutz ich auf» recht erhalten, denn von dem Lehrplan des Reform-Realgymnastums steht kein Wort darin; heute erst hören wir etwas darüber. Nötiger als ein solches Experiment für Berlin ist die Vermehrung der höheren Mädchenschulen. Stadtv. Dr. Arons: Ich behaupte, die Vorschule ist. eine Standesschule, und den Beweis dafür erbringe ich damit: auf allen unseren Lehranstalten haben wir lü Proz. Freistellen, aus den Vorschulen keine, weil die für Kreise bestimmt sind, die die Freistellen nicht brauchen.(Widerspruch.) Gerade die Aermsten, die wirtschaftlich Schwächsten, sind, wenn sie eine höhere Laufbahn einschlagen wollen, geschädigt im Wettbewerb gegenüber den anderen. wenn sie ein Jahr mehr auf die Vorbereitung verwenden müssen. Ich bitte Sie nochmals dringend,«inen Ausschuh zu be» s ch l i e h e n und diesem auch unseren Antrag zu überweisen. Ich beantrage das. Stadtv. Sonnrnfeld(A. L.) plaidiert für Ablehnung aller Anträge. Der Umstand, datz in der Vorschule keine Frei» stellen seien, stemple sie noch nicht zu einer Standesschule, wenn sie auch allerdings nur den Bemittelteren zugute komme. Stadtv. Glatzrl(Fr. Fr.) hält den Streit über das Real- ghmnasium für mützig. Das Reform-Realgymnasium habe sich be- währt. A u s s ch u tz b e r a t u n g sei überflüssig. Stadtschulrat Michaelis: Ter Pflicht, den Typ des Reform- Realgymnasiums darzustellen, habe ich schon lS04 genügt. Stadtv. Ladcwig(N. L.) stellt sich auf den Boden des Antrages Arons und bezieht sich dabei vornehmlich auf die prinzipielle Stellungnahme der Liberalen. Stadtv. Cassel: Wenn die Vorschulen Standesschulen sind, so sind es auch die Mittelschulen, denn auch die nehmen ein Schul- gcld. Nicht nur die Oberrealschulen, sondern auch die Real- gymnasien, beide Arten von Anstalten haben sich bewährt. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Ich möchte den Kollegen Cassel im Anschlutz an seine jetzigen Ausführungen bitten, die Eingangs- Worte seiner ersten Rede nachzusescn und danach künftig cnt- sprechend zu handeln. Damit schlieht die Beratung. Der Antrag auf Ausschutzberatung wird abgelehnt, ebenso der Antrag Kuhlmann und der Antrag Arons auf Ab- lehnung der Vorschule. Ter Magistratsantrag gelangt unverändert zur Annahme. Ohne Diskussion wird hierauf der nachträglich eingegangene AuSschußbericht über die Vorlage betreffend die Neuregelung der Gehälter der städtischen Straßenbahn- angestellten entgegengenommen und die Vorlage unverändert genehmigt. Dem Nuthe-Schauverband sollen 7SOO M. zur Aufstellung des Entwurfs für die Neuregulicrung des Grotzbeerener Grabens zinsfrei vorgeschossen werden. Die Versammlung stinimt dem zu. Ein 2800—3000 Quadratmeter grotzeS Teilstück dcS städtischen Grundstückes an der Schönstedt st ratze beabsichtigt der Magistrat kostenlos der Aktiengesellschaft»Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin" zur Errichtung und zum gemeinsamen Betrieb eines Ledigenheims für Männer zu überlassen Stadtv. Liebennann lA. L.) bekundet seine Sympathie mit dem Projekt, beantragt aber Ausschutzberatung. Stadtv. Bruns(Soz.): Wir begrützen diese Vorlage ebenfalls und hätten auch nichts gegen ihre sofortige Annahme. Wir beabsichtigten ursprünglich zu beantragen, die Anstalt in eigene Regie zu nehmen, stimmen ihr' ober auch ohne diese Vorbedingung bei als einem ersten Schritt auf einem guten Wege, der endlich beschritten werden muh. Dem Bedürfnis lommt die Vorlage freilich nur sehr wenig�ntgegen. Wir haben in Berlin 98 000 Schlafstclleninhabcr, darunter 46 000 weibliche; dazu kommen etwa 50 000 Chambregarnisten. Diesen Zahlen gegen. über bedeutet das Ledigenheim noch nicht einmal einenTropfen auf einen heißen Stein. Es sollten auch für weiblicke Schlafgänger solche Heime in Aussicht genommen werden. Gewitz hat sich hier schon die Vereinstätiglcit bemüht, aber dem Bedürfnis ist nicht annähernd genügt. Wir stellen indessen für jetzt alle diese Bedenken zurück; der allerscklimmsten Misere auf diesem Gebiete mutz eben baldigst ent- gegengewirkt werden. Auch die polizeilichen Vor- s ch r i f t e n über das Halten von Schlafgängern sind durchaus unzulänglich. Es ist heute nicht verboten, in Küchen und in Einzimmerwohnungen Schlafleute' zu halten. Der für etwa 400 bis 600 Betten bestimmte Raum erscheint uns zu gering; der Magistrat sollte erwägen, ob nicht ein größerer Teil des Terrains an die Gesellschaft hergegeben werden könnte. Tie Anstalt sollte auch nicht zu k a s c r n'e n m ä tz i g errichtet und es sollte auch ein Spielplatz oder dergleichen eingerichtet werden. Aus allen diesen Gründen bätten wir gern gesehen, wenn die Sache in die eigene Regie der Stadt übernommen worden wäre. Stadtv. Dr. Nathan(Fr. Fr.) spricht sich für die Vorlage und ebenso für die baldig« Errichtung eines Ledigenheims für weibliche Personen aus. Di« Vorlage geht an einen AuSsSutz. Für die Herstellung besonderer Borortgleise auf der Strecke Berlin-Bernau sind Teile deS städtischen Grundbesitzes in den Gemarkungen Buch und Blankenburg er- forderlich; sie tollen an den Eisenbahnfiskus zum Teil verkauft, zum Teil gegen fiskalisches Terrain ausgetauscht werden. Der bczüg- liebe Vertrag wird zur Vorberatung einem Ausschutz überwiesen. Für die Berbreiterung der Charlottrnstraße zwischen Unter den Linden und Behren st ratze aus 15)4 Meter(nach dem Anerbieten der Diskontogesellschaft) sollen jetzt die neuen Fluchtlinien festgesetzt werden. Die Versammlung erteilt ohne Debatte die Genehmigung. Schluß der öffenilichcn Sitzung'�3 Uhr, Die Kommunalwahlen. Der dritte KreiS hatte zum Mittwochabend zwei Versammlungen einberufen, die sich beide eines guten Besuches erfreuten. Im 13. Bezirk,„Dresdener Garten", Dresdener Str. 46, referierte Stadtv. Ritter. Dem mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine kurze und anfeuernde Ansprache des Genossen Dr. Z a d e k, der in diesem Bezirk kandidiert. Der Sozialdemokrat müsse, so schloß der Redner, mit einer so über- wälligenden Mehrheit gewählt werden, datz man in Zukunft an die Aufstellung eines bürgerlichen Gegenkandidaten gor nicht mehr denke. (Großer Beiiall.) Auf einige, in der kurzen Diskussion berührten Punkle gingen sowohl der Referent als auch der Kandidat ergänzend und richtigstellend ein. Im 14. Bezirk, Köpenicker Festsäle, Köpenicker Str. 127», sprach Stadtv. Ewald. Die Autstellung des Landtagsabgeordneten R o s e n o w für sämtliche bürgerliche Parteien als Kandidat, er- klärte der Redner, bedeute nichts anderes als das Wiederaufleben des Bülowblocks im kleinen. Es sei eine Beleidigung der Kommunal- wäbler Berlins, ihnen einen derartigen Kandidaten zuzumuten. In interessanter und launiger Weise kramte Genosse Ewald— der letzte Mohikaner— d. b.. der einzige überlebende Vertreter der ersten Sozialdemokraten, die in'S Berliner Stadtparlament einzogen, aus seinem reichen Erinnerungsschatze aus. Damals sei die kleine Gruppe von Eindringlingen mit Spott empfangen worden. Man habe ihnen zugerufen:»Was wollt ihr 6 Männelens denn unter den 144 bürgerlichen Vertretern anfangen!" Nun. die 6 Männekens hätten sich nicht gefürchtet,«S seien ihrer auch immer mehr geworden und heute werde im Parlament nichts mehr vorkommen, ohne datz man sich frage: Wie stellt die Sozialdemotratie sich dazu? Nach einer anfeuernden Ansprache de? Kandidaten A. Fröhlich und einem kräftigen Appell des Vorsitzenden an die Anwesenden, war die Versammlung zu Ende. Hue Induftnc und RandcL Ter nationalliberale Kintopptrust. Der Kinematograph ist heute ein« allgemeine Volksbelustigung geworden. Rasch hat sich die Großindustrie dieses stark crweite- rungsfähigen Gebietes bemächtigt. Einig« zwanzig Fabrikations- gesellschaften, die allerdings untereinander nicht ganz einig sind. beherrschen mit ihren Produkten den Filmmarkt. Die zahlreichen Filmverleiher spielen in der Kinoindustrie die Rolle des Zwischen- Handels. Vor einiger Zeit kam— für die Interessierten zu früh— die Nachricht an die Oeffentlichkeit, datz«in nation allibe» r a l e s Konsortium, an seiner Spitze der wohlbekannte Partei- Häuptling Paasche, eifrigst bestrebt sei. den Filmzwischenhandel respektive das Filmverleihen zu monopolisieren. Schon waren Prospekte an Interessenten hinausgegangen, die pro Jahr 4 Mil- lionen Mark Gewinn zusicherten. Kenner der Verhältnisse stellten zwar bald fest, daß die Paaschcsche Gewinnberechnung ebenso un- zuverlässig sei wie die nationalliberale Politik, trotzdem ist aber der Monopolisieriingsplan nicht beiseite gelegt worden, wie jetzt wieder einmal bekannt wird. Unter den gilmfabrikanten bestebt ein« starke Strömung gegen das Projekt, hie VertrustungSgesell- ckiaft ist aber doch kapitalisiert worden. Vertreter dieses national- liberalen Unternehmens zur Beseitigung des Mittelstandes im Filmhandel sind eifrigst dabei, mit den Fabrikanten Verträge ab- zuschließen. Einzelne Filmverlciher sollen dem Plan« dadurch ge- ügig gemacht worden fein, datz ihnen große Abfindungssummen geboten wurden. So phantastisch das ganze Projekt erscheint, vielleicht hat der Geheime Regierungsrat und nationalliberale Politiker Paasch« dabei doch tiefe Gedanken. Wie herrlich wäre es. allen Kintöppen Deutschlands das Programm cktroyiercir zu können und wie fein wäre es vielleicht auch, nationalliberalen AufsichtSratS» und ReichStagSwitgliedern eine Sicherung für den Fall zu verschaffen, daß die Wähler„ihr geschätztes Vertrauen" in die politische Ver- tretung dieser Leute einmal revidieren. Entwickelung der GrosihandelSpreise in Amerika von 1890—1310. DaS Arbeitsamt der Vereinigten Staaten von Amerika ver- vffcntljcht alljährlich eine Jndexbercchnung über die Bewegung de> Warenpreise, die einen guten Anbalt zu der Entwickelung der Welt- Marktpreise überhaupt gibt. Das Ami hat z» diesem Zweck 257 der wichtigsten Industrie- und Konsumartitel ausgesucht, aus deren Preisen eine Dnrchichnitisgröße gewonnen wird. Dies« wird in Beziehung gesetzt zu den Größen der andere» Jahre und zwar wird der Durchivniit der Jahre 1800—1899 gleich 100 gesetzt. Es ergibt sich dann für das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts folgende Entwickelung: Wie ans dieser Ausstellung ersichtlich, sind also die landwirt- schaftlichcn Artikel bei weitem am meisten im Preise gestiegen. Ihr Durchschnittspreis stand im letzten Jabre nicht weniger jils 64,6 Proz, über dem Durchschnitt der Jahre 1390/99. Nicht annähernd so stark sind die sonstigen Nahrungsmittel im Preise gestiegen. Faßt mau industrielle und landwirtschaftliche Produkte zusammen, so zeigt eS sich, datz die„Rohmaterialien", das sind Materialien im ursptthiglichen oder balbverarbeiteren Zustande, mehr im Preise ge« stiegen sind als Fertigsabrikate. Für sämtliche Waren ergibt sich in den letzten 10 Jahren eine Preissteigerung gegen den Durchschnitt des letzten Jahrzehnts des vorigen JahrhnnoertS von 31.6 Proz., also um rund ein Drittel. Diese starke Steigerung der Weltmarktpreise, insbesondere für landwirtschaftliche Artikel, bildet selbstverständlich keine Entschuldigung für unsere Agrarier gegen den Vorwurf de» LebenSmittelwucherS, sondern verschärft diese Aullage. Gerade weil die Preise auf dem Weltmarkt fo gestiegen sind, ist jeder besondere Zollschutz der einheimischen Landlvirtschaft, der in Jahren niedrigerer Wellmarkt- preise violleicht mit einem Schimmer von Berechtigung verteidigt werden konnte, beute ein Verbrechen an der Gesamtheit zugunsten einer kleinen Clique. Die Parole mutz angesichts der hier wiedergcgebenen Zahlen mit um so größerer Energie lauten: Die Grenze» auf!_ Soziales. Gesundheitspflege auf dem Lande. Bürgerliche Lobrcdner sind gewohnt, die hygienischen Zustände in den großen Städten als besonders ungünstige zu bezeichnen. Die Statistik lehrt aber, daß es auch ganz erhebliche Mißstände auf dem Lande gibt. So gibt eS ländliche Bezirke, in denen die Sterblichkeit durchschnittlich größer ist als in den städtischen. Ein solcher Bezirk ist der Landkreis Hümmling, Regierungsbezirk Osnabrück, der die höchste in Deutschland beobachtete Sterblichkeit besitzt. In dem zirka 17 000 Einwohner zählenden Kreise kommen auf 1000 Einwohner 35 Sterbesälle. während auf die gleicke Zadl von Personen im Durchschnitt dcS Deutschen Reichs nur 13 Sterbefälle pro Jahr ent- fallest. In Rußland wird allerdings die Ziffer von 20 erreicht. In dem Kreise Hümmling hat nun mit Unterstützung der Regierung eine umfassende Untersuchung der Bewohner und Wohnhäuser durch Aerzte unter Zuziehung besonders ausgebildeter Schwestern stattge- fundcn. Das Ergebnis derselben wird jetzt in einem Buche.„Die Tuberkulose und die hygienischen Mißstände auf dem Lande", be- arbcikef von Prof. Dr. Jacob, Carl Hehmann»«erlag v«Kn. ver» öffentlicht. Vor allem wird der Satz bestätigt, datz die Verbreitung der Tuberkulose in jenen Landstrecken am größten ist, wo die Kultur und Hygiene am geringsten ist. Das ist nur zu natürlich. Dia Tuberkulose als Massenkrankheit ist eine„Wohnungskrankheit". Sie wird dort am häufigsten anzutreffen sein, wo die Wohnungen am schlechtesten sind. Im Landkreise Hümmling mußten vou 3250 Häusern 1571, also fast die Hälfte, beanstandet werden. Dei� schlimmsten U ebelstand bildeten die Butzen(Alkoven), das sind schrvnlartige Behälter, die durch Türen oder Borhänge verschlossen werden, in denen zwei oder noch mehr Menschen schlafen. Ein großer Mißstand besteht darin, datz Gesund« und Kranke nicht nur ln einem Raum, sondern vielfach in einem Bett zusammen schlafen. Reinigung, Lüftung, Heizung, Beseitigung der Abfallstoffe und Ab- Wässer, Reinlichkeit usw. liegt olles mehr oder weniger im argem Die ungenügende Körperpflege, die mangelhafte Ernährung usw. tun ein weiteres, um die Widerstandskraft der Bevölkerung herab- zusetzen. Von rund 1500 untersuchten Kindern wiesen von den nicht schulpflichtigen 9.1 Prozent, von den im ersten Schuljahr stehenden 35,6 Prozent, von den im letzten Schuljahr stehenden 64 Prozent die Zeichen der Tuberkulose auf. Bemerkenswert ist, datz bei dieser körperlich geschwächten Bevölkerung der Schnapskonsum ein außer- ordentlich hoher ist. Er beträgt 40 bis 50 Liter pro Kopf und Jahr, —«in Quantum, da? in keiner anderen Gegend erreicht wird. Mag der Kreis Hümmling durch eine besonders hohe Sterblichkeit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben— es gibt große Gebiete, wo die hygienischen Zustände nicht oder nicht viel besser sind. Es wäre deshalb ein« sehr dankenswerte Aufgabe, die gleichen Unter» suchungen auch in anderen Gegenden vorzunehmen. In die sozialen Zustände mutz möglichst viel Licht gebracht werden. Was wird nun zur Bekämpfung der Uebelftände vorgeschlagen 7 Prof. Dr. Jacob empfiehlt Umbau der Häuser unter Gewährung von Darlehn von 500 bis 1000 M. seitens des KreifeS, dem die Mittel von den Jnvalidenverficherungsanftalten überlassen werden. Weiter werden empfohlen Wanderkochkurse, an denen auch Er- wachsene teilnehmen können, kostenlos« Desinfektion, eine Kreis- tuberkulosefürsorgestelle mit möglichst vielen Landpflegerinnen, Ent- fernung der Tuberkulosen in fortgeschrittenem Stadium aus der Familie und Unterbringung in Pflegeheimen. DaS ist alles! Glaubt jemand im Ernste, datz mit solchen Mittelchen die Mitzstände auch nur einigermaßen beseitigt werden? Das beste Mittel ist die Ver- wirklichung der Ziele der Arbeiterbewegung. Vor allem mutz die Lebenshaltung der Arbeiter gehoben und die schrankenlose Aus- powerung der Arbeiterklasse durch den Kapitalismus beseitigt werden. Es ist also eine gründliche Umgestaltung unserer Wirt- cha�tlichen und politischen Einrichtungen vorzunehmen. Vom Stimmrecht in der Gemeinbeversammlun«. In Grotzhubnicken(Ostpreußen) hatte der FiSkuS als Be» itzer des königl. Bernsteinwerks, also als Grobgewerbetreibender. und als Großgrundbesitzer für die Gemeindeversammlung auf Grund des§ 49 der Landgemeindcordnung sieben Stimmen bean- vrucht und vom Gemeindevorsteher zugestanden erhalten.— Der Kaufmann Just klagte gegen den Gemeindevorsteher und erzielte beim Bezirtsausschuß in Königsberg, datz die Stimmenzahl des FiSkuS auf 4 herabgesetzt wurde. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte kürzlich daS Urteil, in» dem es annahm, datz Z 48 den Großgrundbesitzern, die zugleich Groß- gewerbetreibende seien, nicht ein kumulatives Stimmrecht habe gebe» wollen. Auch in solchen Fällen gelte die Maximalzahl von vier Stimmen. Ausnahmsweise könnte, und dann nur durch Beschlutz des ProvinzialauSschusseS, dies« Zahl auf fünf erhöht werden. � - Von der Offenlegung der Wählerliste. ' In Duderftadt(Regierungsbezirk Hildesheim) hatte Anfang August vorigen JahreS die Kommunalwahlerliste offengelegen. Mit Rücksicht daraus, daß noch verschiedene Bürger eingetragen werden sollten, wurde die Liste vom 12. bis 20. August nochmal offenaelcgt. Auf Grund dieser zweiten Liste fanden später Wahlen zur Stadt- verordnetenbersammlung(Bürgervorsteherkollegium) statt. Die Wabl des Rechtsanwalts Schmidt wurde angefochten. Der Bezirks- ausfchutz zu HildcSheim erklärte sie für ungültig und das Ober« Verwaltungsgericht bestätigte am Dienstag das Urteil mit folgende« Begründung: Im vorliegenden Falle sei hei Offenlegung der Wahlerliste ein unstatthaftes Verfahren angewendet worden, indem die Wählerlift« zweimal oifengelegt worden fei. Die Offenlegung der Wählerliste sei ein formaler Akt, an den sich ganz bestimmte Wirkungen anknüpften. Wenn daS Einspruchs-(Offenlegungs.) Verfahren beendet sei, trete die Lisi« gewissermaßen in Rechts- kraft. Die Liste erlange insosern entschciij�ide Bedeutung, als sie die Grundlage für die Wahl bilde. DeshSlb wäre eine zweite Offenlegung der Wählerliste nur dann statthast, wenn Gründe vorlägen, die daS erste Osfenlegungsverfahren ungültig machen würden. Solcbe Gründe hätten hier nicht vorgelegen. Darum sei die zweite Liste ungültig. Die Folge sei die Ungültigkeit der auf Grund der zweiten Liste vorgenommen, rechtzeitig angefochtene Serickts- Leitung. Moabit vor dem Landgericht in Stade. In der Verhandlung gegen den Genossen Redakteur Schubert der bekanntlich zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt wurde! wurden 11 Zeugen vernommen, die sämtlich grobe Polizeibrutali- täten aus Moabit bekundeten. DaS Gericht nahm in seinem Ur- teil an. Schubert habe mit Recht annehmen können, der Polizei- Präsident v. Jagow habe sich durch seine kritisiert« Aeutzerung.„der Ehrenschild der Schutzmannschaft ist rein", in bewußtem Gegen- satz zu dem Urteil des Berliner Landgerichts steilen wollen. Ueber- dies wurde vom Stadcr Gericht auf Grund der Beweisaufnahme festgestellt, daß einzelne Polizeiorgane Gesetzwidrigkeiten und zwar nicht nur grobe Beleidigungen, sondern sogar grobe tätliche Mißhandlungen an Unschuldigen begangen haben. Da» Gericht kam zu einer Verurteilung lediglich wegen formaler Beleidigungen. Auf Geldstrafe konnte nach Anficht des Gerichts nicht erkannt werden, weil der Angeklagte-schon schwer bestraft" ist. Ist auch formell eine Verurteilung de? Redakteurs, und zwar zu einer drakonisch hohen Strafe, erfolgt, so find doch die auch durch die Stader Verhandlung Gerichteten die Berliner Polizei- organe, deren Brutalitäten nun auch vor dem Stader Landgericht festgestellt wurden. Nickt minder die Aeutzerung des Berliner Polizeipräsidenten...der Ehrenschild der Schutzmannschaft ist rein". Hält der Polizeipräsident v. Jagow noch immer den Ehrenschild der Polizeimannschaft für rein, wiewohl rohe, gemeine, feige Brutalitäten, verübt an Unschuldigen durch Polizisten, auch vor dem Stader Landgericht festgestellt sind und auch von diesem Ge. richt anerkannt ist, datz� der Arbeiter Herrmann von Polizisten zu Tode geprügelt, aber die Schuldigen noch immer nicht unter An- klage gestellt sind?_ Der Gattenmord am Tegeler Weg vor Gericht. Vor dem Schwurgericht dcS Landgerichts III findet heute der Prozeß gegen den Magistratssekretär Gustav Bormann aus Span- dau statt, welcher vor etwa Jahresfrist nach einem EhescheidungS- Prozeß auf der Straße feine Ehefrau durch einen Schuß aus einer Browningpistole getötet hatte. Der 43jährige Angeklagte hat sieben Jahre in Metz als Soldat gedient und ist dann be, dem Magistrat ,n Spandau al« Assistent: angestellt worden. Da er sich sehr gut führte, wurde er schon nach »am SÄ Rot df&$rtx gratete et feine etioa gtfin Iah« jüngere Frau, die Tachter eme» Wagenfabrikanien aus Potsdam. Die Ehe, aus der zwei Kinder, der j'eyt neunjährige Günther� und die siebenjährig« Hildegard, hervorgingen, war an« fangS glücklich. Später kam es zu ernsten Zerwürfnissen, die, wie behauptet wird, ihre Ursache darin hatten, dah beide der Spiel» und Wettleidenschaft frönten und dadurch in Schulden gerieten. Trotz der recht erheblichen Unterstützung durch die Eltern der Frau, kamen die Eheleute aus den Schulden nicht heraus. Dies führte zu fortwährenden Streitigkeiten. Hinzu kam noch, daß eS der Angeklagte, wie behauptet wird, mit der ehelichen Treue nicht sehr genau genommen haben soll. Ende April v. Js. begleitete Frau B. ihre jüngere Schwester nach FriedrichSroda, wo diese in einer Pension untergebracht werden sollte. Während ihrer Abwesenheit trat B. in seiner eigenen Wohnung und in Gegenwart der Kinder zu einer Prostituierten Grimm in Verkehr. AIS Frau B. dann au» Friedrichsroda zurückkehrte, erzählten ihr die Rinder in ihrer Naivität, was sich in der Zwischenzeit in der Wohnung zugetragen batte. Frau B. verließ darauf sofort mit ihren eingebrachten Wirt- schastsgegenständen das Haus ihres Mannes und kehrte zu ihren Eltern zurück, nachdem sie gleichzeitig die Scheidungsklage eingeleitet hatte. Der Angeklagte versuchte wiederholt, sich mit seiner Frau wieder auszusöhnen und verursachte, als jede Annähe- rung abgelehnt wurde, vor dem Hause seiner Schwiegereltern in Potsdam Skandalszenen. Nebenbei verursachte er der Familie aller? lei Schwierigkeiten in der Absicht, sie bloßzustellen. So erstattete er u. a. gegen einen Schwager, einen Feldwebel, ein« Anzeige bei dem Kriegsministerium. Seine Beschuldigungen erwiesen sich jedoch als völlig haltlizs. Nachdem seine Versöhnungsversuche auch in der iolgenden Zeit abgelehnt worden waren, trug er sich anscheinend mit dem Gedanken, einen Gewaltakt gegen seine Frau zu unternehmen. Er äußerte zu mehreren Personen, daß er seiner Frau eine Kugel in den Kopf jagen würde, wenn er den Ehescheidungsprozeß ver- lieren würde. In einem der Termine jn dem Ehescheidungsprozeß bekundete jene Prostituierte eidlich, daß Bormann versucht habe, sie zu einem Meineide zu verleiten. Er habe ihr für den Fall, daß sie günsttg für ihn aussage, eine monatliche Rente von 50 M. und ein« Lebens- Versicherungspolice versprochen. Die Grimm lehnte dieses Auer- bieten ab und gab unter ihrem Eide den Ehebruch mit Bormann zu, so daß hierdurch der Ausgang deS Ehescheidungsprozesses kaum zweikelhatt war. Am Vormittage des 18. November v. Js. fand vor dem Landgericht III am Tegeler Weg die Verhandlung statt, die damit endete, daß der Angeklagte als alleinschuldiger Teil ange- sehen und die Kinder der Frau zugewiesen wurden. Bormann, der diesen Ausgang des Prozesses wohl erwartet hatte, trug schon während der Verhandlung eine Browningpistole bei sich, die er am Tage vorher gekaust hatte. Nach dem Termin verließ er in sicht- licher Erregung das Gerichtsgebäude und ging einige Zeitlang auf der Straße auf und ab. Etwa eine halbe Stunde später verlieh Frau Bormann in Begleitung ihre» Vaters und des Pastors Bier- bäum aus Potsdam daS Gebäude. In der Nähe des HauptportalS kam ihnen Bormann entgegen. Als er den Vater seiner jetzt ge- schiedenen Frau ansprechen wollte, winkte dieser von weitem ab und rief ihm zu:.Ich habe mit Ihnen nichts mehr zu tun!" Bor- mann zuckte zurück und griff in seine Manteltasche. Trotz dieser Abweisung versuchte er es, sich nochmals an seine Frau heranzu- drängen, die ihn mit einem verachtungsvollen Blick von oben bis unten musterte. In diesem Moment zog B. die verborgen gehaltene Pistole bervor und gab auf die Frau emen Schuh ab. Der Schuß ging fehl. Der Angeklagte stürzte sich dann auf seine ebemalige Frau, hielt ihr die Waffe dicht hinter da» rechte Ohr» um sicher zu treffen, und drückte dann ab. Frau B. brach mit einem lauten Auf- schrei vornüber zusammen und war, wie sich ergab, sofort tot. Der Angeklagte ergriff hieraus die Flucht. Er wurde von mehreren Arbeitern, die in der unmittelbaren Nähe auf einem Kahn beschäftigt waren und den Vorgang beobachtet hatten, festgehalten und nach bcstiaer Gegenwehr überwältigt. Bormann rief hierbei fortgesetzt: .Wa» walle» Sie den» da« mir, Sie kennen die Verhältnisse doch nicht, die Frau hat mir mein« Kinder genommen." Bormann wurde nach de» nahen Polizeirevier in der Köirigin-Luisestraße geschafft. Nach seiner Festnahme spielte er erst den.wilden Mann", dann be- bauptete er, er habe ferne Frau mit deren Einverständnis getötet. AIS dies widerlegt wurde, kam er mit der neuen Behauptung er habe die Schüsse nur aus Versehen abgefeuert, da er den Mechanis- muS der Browningpistole, mit der er sich selbst habe erschießen wollen, nicht gekannt habe. Schließlich behauptete er, er wisse über- Haupt nichts mehr.— Da Zweifel an seiner ZurechnungSfähigkeit geltend gemacht wurden, wurde er in dem Moabiter Untersuchungs- gefängnis auf seinen Geisteszustand untersucht. Zu der heutigen Verhandlung sind deshalb außer zahlreichen Zeugen Medizinalrat Tw. Hoffmann, Medizinalrat Dr. Leppmann, Medizinalrat Dr. Jaenicke-Spandau und Privatdozent Dr. Förster vom Institut für Staatsarzneikunde als Sachverständige geladen. Für die Verhand- lung sind vorläufig zwei SitzungStage in Aussicht genommen, da die Beweisaufnahm« sich sehr umfangreich gestalten dürft«. Ueber den Ausfall de» Prozesses werden wir berichten. Wer wird angeklagt? Im Anguft dieses Jahres wurde in Posen beim Bau der Wasserleitung der Arbeiter Sobkowiak von dem Ingenieur Klettner erschossen, weil er diesen angeblich bedroht haben soll. Da bei dem traurigen Vorgang auch noch andere Arbeiter beteiligt waren. hatte dieser ein Nachspiel vor dem Schöffengericht Posen. An- geklagt war aber nicht der Ingenieur Klettner. sondern zwei Ar- beiter, die den schießlustigen Ingenieur angeblich bedroht haben sollten. Die beiden Angeklagten Dchmel und TrzynSki» der er« schössen« Sobkowiak und noch 18 andere Arbeiter hatten wegen schlechter Behandlung durch einen Aufseher die Arbeit niedergelegt. Als sie ihren Lohn abholen wollten, wurde dieser ihnen nicht aus- gehändigt, weil sie zu spät gekommen waren. Der Erschossene und die beiden Angeklagten, die einen weiten Weg nach ihrer Woh- nung hatten und den Weg noch einmal machen sollten, gerieten deshalb in begreifliche Erregung, wobei sie den Ingenieur mit einer Schaufel bedroht und auch einen Schlag über den Arm ver- setzt haben sollen. Sobkowiak soll dann noch zu einem Schlage gegen den Ingenieur ausgeholt haben, worauf dieser seinen Re- volver zog und S. über den Haufen schoß. Obwohl beide An- geklagte auf daS bestimmteste bestritten, gegen den Ingenieur tät« lich geworden zu sein, vielmehr sich nur gegen den Hund desselben zur Wehr gesetzt haben wollen, erfolgte dennoch ihre Verurteilung wegen Erpressung resp. Bedrohung zu 38 M. Geldstrafe bezw. 1 Monat Gefängnis. Gegen denjFngenieur ist bis jetzt noch keine Anklage wegen Erschießung eine» Menschen erhoben worden. Eine nichtige Konkurrenzklausel vor dem Reichsgericht. Am Mittwoch erklärte in folgendem Rechtsstreit da» Reichs gericht eine Konkurrenzklausel für nichtig. Der Kläger v. d. K. war, nachdem er die Staatsprüfung als Apotheker bestanden, fünf Iah« lang Chemie studiert und das Doktorexamen gemacht hatte und ein Jahr lang in der analytischen Chemie beschäftigt gewesen war, von der Rheinischen Gummi- und Zelluloibfabrik in Mannheim-Neckarau als Chemiker augestellt worden. Sein Gehalt betrug 2108 M. jährlich. Die Einstellung erfolgte zunächst vom 1. Januar 1888 bis 31. Dezember 198S zur Probe, dann auf weitere drei Jahre. Die Paragraphen 4 bis 8 des Anstellungsvertrages befaßten sich mit der Konkurrenzklausel und bestimmten, daß Dr. v. d. K. zur Geheimhaltung aller Fabrikationsmetboden, Absatzgebiete, Geschäftseinrichtungen usw. verpflichtet ist. ferner, daß er während der nächsten fünf Jahre nach Austritt au« der Fabrik in keine konkurrierende Fabrik in Deutschlano, Frankreich, Belgien und der Schweiz eintreten darf und daß et webet selbständig Konkurrenz treiben, noch an einem Konkurrenzunternehmen direkt oder indirett teilnehmen darf. Für den Fall deS vorsätzlichen Zuwiderhandeln» sollte eine konven- tionalstrafe von 20 000 M. fällig werden, für die die Mutter des Klägers selbstschuldnerische Bürgschaft übernahm. Außerdem ver- pflichtete sich der Kläger durch Ehrenwort zur Einhaltung der ver- traglichen Bestimmungen. Am 38. April 1988 wurde der Vertrag gelöst, weil der Kläger mehr Gehalt haben, die Beklagte aber nicht mehr bewilligen wollte. Die Parteien gingen im guten ausein- ander. Die Fabrik zahlte dem Kläger den Gehalt bis zum 38. September 1988 weiter. Später gab sie ihm auch Belgien und die Schweiz frei. H. bemühte sich jedoch vergebens, eine ange- messene Stellung zu erhalten. Im Mai 1918 beteiligte er sich mit 68 888 M. des Vermögens seiner Mutter an der Gründung einer Düsseldorfer Zelluloidfabrik. Als die Rheinische Gummi- und Zelluloidfabrik unter Hinweis auf den Vertrag widersprach, erhob der Kläger die vorliegende Klage und begehrte Einschränkung der für den Ausschluß seiner Konkurrenz in Betracht kommenden siins- jährigen Frist auf zwei Jahre. DaS Landgericht Mannheim wie« den Kläger mit feinem Au- spruch ab. Dagegen schränkte da» OberlaudeSgericht Karlsruhe die Bindung des Klägers von fünf Jahren auf drei Jahre ein. Jn seinen Eutscheidungsgrüudeu führte das Oberlandesgericht aus, daß für die Beklagte große Werte in Betracht kamen und daß sie deshalb berechtigt gewesen sei, eine hohe Vertragsstrafe festzusetzen. Daß sie dem Kläger auch da? Ehrenwort abgenommen habe, sei hier belanglos, weil der Vertrag auch ohne die ehren- wörtliche Versicherung des Klägers zustande gekommen sein würde. Auch die Vertragsdauer verstoße soweit nicht gegen die guten Sitten, als sie daS weitere Fortkommen des Klägers nicht unbillig erschwere. Da der Kläger in einem anderen Geschäft, ohne neu zu lernen, nicht unterkommen kann, sei die Einschränkung der Ausschlutzfrist auf drei Fahre geboten. Dieses Urteil hatte der Kläger durch Revision beim Reichs- geeicht angegriffen. Hier erzielte er einen durchschlagenden Er. folg. Der 3. Zivilsenat hob das Urteil deS Oberlandesgerichts Karlsruhe auf und änderte das Urteil des Landgericht» Mannheim dahin ab, daß eS die Paragraphen 4 bis 6 des Vertrage« wegen Verstoße» gegen die guten Sitten für nichtig erklärte. Di« ge- samten Kosten des Rechtsstreites wurden der Beklagten auferlegt. HoffenUich findet daS Urteil bald Nachfolger. Besonders chemische Fabriken suchen oft durch ähnliche Klauseln die Arbeits- kraft bei ihren früheren Angestellten lahmzulegen. ASttteruitqSüverftai» vom 2. November 1911. 12 3 9 ttationm llj if i|- 2=1 e« -«I®-c £* Savaranda 747 9138 etertburg 715 SW Sttllp 762 SA .IderMeu 751 SSW Ben#>767 ANW 2 wolkig'— k» 3 Regen 6 5 dedeckt 11 4 heiter 7 1 Nebel 1 Zwmemd« �omourg sierftr. .hrcmß.a SM Nünckeu Wstur; 1 «Settervrognole fnt Freitag, be« 3. November 1911. EtwaS wärmer, zunächst vielfach heiter bei ziemlich lebhaften fübwest- tichen Winden; später zunehmende Bewölkung und leichter Regen Berliner Wellerdurean Unser Fabrikat vereinigt Solidität und Eleganz mit sprichwörtlicher Preiswürdigkeit. Schnür- und Knopfvtiefel, eeht Boxcalf, M. 7�® Schnürstiefel, IsBozcslf, moderne Charslrter- h ca form. Derbyodmitt, mit und ohne Ledckappen 1 U Elalaaf-Schnürstiefel,»cht Boxealf, Doppel-. ricn sohle, Oriyinnl-Goodyear-Welt....... M. 1 Für empfindliche F&fie: SdmQrstlefel, la Bozloder, Sealskinfntter, M. 8� Schnall eil ttief ei, 2, Qjrorolcdcr, gafuttart, M. 6�� Sehn Qrstief Boxealf, echt Lanunfanfiittar, M- 1 2�� Hansschuhe. imit. 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LH/t_ Per Elmbernfer. ttr Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engel- ufer 14/15, Saal 4(Arbeitsloseilsaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Freitag, den 3. November 1911, abend? 8 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21: Liektdilüer-Vorirs« über „llnftUgefchr u. Arbkiterschllh in der Ho!;industrie". Die Maschinenarbeiter in Berlin und den Bororten sind hlirzu ganz besonders eingeladen."VB Sl/n Die Ortsverwaltung. Montag, den v. November: ALttKKledvi'-V«i'8»ininKunK«n. WM VesitR'k RtxdvrL. Sonnabend, den 4. November, in Hoppes Feftsälen (Jnh.: Partaeli), Hermannstraße 49: Rcrbft-fcft �5 Konzert, Theater, Vorträge. Ansang 8'/, Uhr._ Tintritt 30 Ps. Nach der Vorstellung: SIV lans. villetlS in den Zahlstellen in Rixdors. Branche der Kistenmacher. Sonnabend, 4. November, abends 8 Uhr, bei B o e k e r, Weberstratze 17: Rcrbft-Vergnügcn. jP Billetts a 80 und 50 Ps. find bei den Kommissionsmttglledern und im Lokal von B o e t e r zu haben. Die Branchentourmiffio». SlhimiiDtriiiiik««Iii» Slhirmchtt! Montag, den«. November 1911, abends 8 Uhr, in den „Arminhalle»", Kommandantenstr. 58—59; Öffentliche Versammlung aller in der Schirmiudustne tätigrn Arbeitkrinntn und Arbeiter. TageS ordnung: 1. Die Denernng und die Lage der Arbeiterinneu und Arbeiter der Schirminduftrte. Reserent: Kollege Hildebrandt. 2. Diskussion. 3. Der streik in der Berliner Schirmsabrit. Zentralverbaiid der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. Sonntag, den 5. November 1911, vorm. 10 tthr, Prinzenallee SZ: Versammlung Tagesordnung: 1. VerbandSangclegenheiten. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Ht/ZO _ Der Norftand. Gänfc! Länte! aowie tttBlleh trUeh nnd In s&mtliche OsSIlSe�m iliCOI großer Aanwahl. Oänseslückenfleisch a Pfd. 40 Pf., flänseleberwürstchen a Stck. io Pf., la Ginseschmalz, garantiert rein, a Pfd. 1,20 M. 157/8 Berttncherto GHnsebenlen mit nn.l ohne Knochen. IT. Schlack- and Salamlwarst a Pfd. l.SO B. usw. Hermann Lelßner, Eckhan« Kalaer-Wllhelwiatr. 11. Zentral-Hsrkthall« stand 26. kXHufetlo« SXA in Stücken von 5 Pfund aufwärts Kaiser Vilhelwstralle 21, Ecke Dircksenstraße, am Bahnhof Alexanderplatz VSmIIaI«» Vormittag» O hl» 1® Uhr, lagllvll. Nachmittag» S bis 7 Uhr. Zur Auktion kommen sämtliche Sorten Fleisch aus dem Inland aowie aus Dänemark, Schweden und Holland. 157/1* Anfang: Freitag, den 8. Novtmber, nachmittag» 6 Uhr. Vierter Wahlkreis. Freitag, den 3. November, abends 8� Uhr 5 öffftitl, KiMmWamsmiiiliiiW ?ur den 10. Kommnnalwahlbezirk im Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Referent: Kandidat Stadtverordneter Eudwlg Tolksdorf. 7ür den IS. Kommunalwahlbezirk im Saale der Zllhambra, Wallner-Theaterstr. 15. Referent: Stadtverordneter Max Qrunwaid. Ansprache des Kandidaten Stadt- verordneten>Valdeck Manasse. Für den 21. Zlommunalwakldeairk im Lokal Elysium, Landsberger Allee 40/41, Referent r Kandidat Stadtverordneter E. Vilke. Für den 22. Hommunalwaüldesirk im Schweizergarte«, Am Z?riedrichshain. Referent: Kandidat Stadtverordneter Hugo Heimann. Für den 25. Kommunalwahlbezirk in den Königssälen, Nene Königstr. 20. Referent: Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Vor der Entscheidung. 2. Diskussion. zw _ Um zahlreichen Besuch wird ersucht_.____ Der Borstond. Selowsky-Gigaretten als erstklassig anerkannt! ,vj3& Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄJl. 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Zigarren- U Herbst Fabriken■* axva vm» gegr. 1862.— Tel.: IV, 3873. BRRLIBfSW., Rltterstp. 83 Erstklassigo War*. Zigarrenhändlern bestens empfohlen. . Tarl färbe lt.—— Yorzflgiichen islrachaner Caviar pro Pfund 7,—, 9,—, 11,— bis 24,— M. Oelsardinen, Neunaugen, Bratheringe, Sprotten bililgst! V.& A. Hucke, Kalsn-WMs-Stnllt 21, _ Csttat und Räucherfisch engro» und Verfand._* H. Esders& Dyckhoff GertraudtenMe 8/9 an der Petrikirche an der Petrikirche und gnahenkleiduwo Besonderes Angebot! Fertige Jünglings- und Knaben- Ulster und Anzüge. -Jeder Handwerker, Arbeiter tauft seine Kleldona in dem größten Spezialgeschäft von Koknvn& Jöringi ArbeitsNeidnng für jeden Berns. LJBuv.Hefchäfl: Aleganderftr. 28. Ailialen: Rosenthaler Str. 53, Eck» Weinmeiiteritrofie: öandaberger Allee 148, am FriedrichshabN�Rstdors:«eraftr. 80. am Ringbahnhos. Krankenkasse der Personen-, Lohn- u. Fuhrwerks-Jnnttng zn Berlin. Dtrcksenfirahe. Stadtbahnbogen 110. Bekanntmachung. Am Montag, den 13. November 1911, abends 9 Uhr, findet im „Prälaten-, Wappensaal, Dirckscn- stratze, Stadtbahnbogen 110, eine .AnBcrortlcntllch« General-Versammlung der Delegierten statt. Tagesordnung 1. Wahl eines ausgeschiedenen Vor- IlandsmilgliedeS(Kß 3? und 38 des Stoius). 2. Wahl der RechnungS.PrüsungZ- Kommission. S. Abnahme der JahreSrechnung. 4. Konsiiluierung de» Krankenkassen- Vorstandes. Ferner findet an demselben Tage, abends 19 Uhr, eine OrNcntllsh« General-Versammlung der Delegierten statt. 298/7 Tagesordnung: I.«Sahl de« r...... der c 2. Neu-......________________ zutcheldenden VorswndSmtlgltedcr. a Statutenänderung der§§ 11, 12, 19 und 29. 4. Konstituierung de» Kranlenlassen» Vorstandes. Wahlderechiigt find all« diejenigen, welche da» 21. Lebensjahr vollendet haben, fich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrcchl« befinden und bei emem JnnungSmilgliede beschästigt find. Her Toratand. I.«.: G. R o s e, Borfitzender. Orts-Krankenkasse d-r Kadler«»> Siebmacher zu verli«. Sonnabend, den 11. Nov. 1911, abend» 8 Uhr, im Lokal von töoll- fchläger. Adalberlstr. 21; _ i_ Ordentliche== General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Sohl de» Vorstandes(2 Arbeit. geber, 2 Arbeitnebnier). 279/13 2. Verlesen der Protokolle. 3. Wahl de« Ausschusses zur Prü- jung der Rechnungen pro 1911. 4. Verschiedene». Die Herren Arbeitgeber wählen um S Uhr, dt« Arbeitnehmer um 81/, Uhr. Nach Schlutz der Wahlen findet zur Erledigung der übrigen Punkte der Tagesordnung eine gemeinsame Bersammlung statt. Berit», im November 1011. Der Vorstand. Ro b. Schmidt, Vorfitzender. iiMer-Rafllahrer- Buflii Solidarität Ortsgruppe Berlin. Weß«» der Stadtverordneten- wähl fallen am Sonntag, den ö.Novbr., sämtliche Touren aus. Bit erwarten, daß fich die Mit- ilieder vollzählig zur Wahlarbeit ein- wden. Treffpunkt vormilt. 81/, Uhr n nachstehenden Lokalen: 1., 2.. 8. Abteilung bei Wtemer, Bülowstraße 58; 3., 4.. 3. Abteilung»et«eher. Oranienftraße 103; 0., 7., 9, II. Abteilnna bei vbigl», Schwedt« Str. 23-24. Fichttlldkrg uvd NMSknd! Nachmittag» L Uhr bei Ertelt, Psarrstroß« 74: �nAerordentllch« Venerül-serssmmlllng. sthndd-Havs„Frisch wi" Brunnenftr. 33 Giltale: Kottbuser Str.>. Unserer werten Kundschaft zur Nachricht, daß von jetzt ab dir Geschäfte des Sonntags nicht«ehr geöffnet sind, und bitten wir Höf» lichft, dies zu berücksichtigen. lisohleiverein.£•«■» Sonnabend, den 4. Nodembi abend« 8'/, Uhr, Melchiorstr 15, Versammlung « fVereinSangeleaenhen Ausnahme neuer Mitglieder 199/5 Der«orftand. vleritte�in nm ftisch��fihän« Ware m Gänse 0,68 7—12 Pfund schwer. 112.2* Rur allererst« Q.ualität Känskriimpst. hatbe Günst. Fette Suppenhöhner, jg. Brathühner. T. tzVcgn»?, 30. Msrimnowetr. 34. öerantivortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil veranttv.: TH.Glgck», Berlin. Trultu.Verlsg: BorwartH LuÄdrii�elei it.LlrlasSai'.Iuzit zjalll viog» B. fo, 8»Ui» SW» 1, 258. 28. 3.5 w Z. KtilM des„Nsrüililts"§tlli!ler Wlkslilktt. k..»-s z Partei- �Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! Folgende Lokale stehen der Partei und den Gewerkschaften zu den altbekannten Bedingungen zur Verfügung: Im 2. Kreis: Das Lokal„Etablissement Königshof', Inhaber Otto Vogel. Bülowstr. 37. Im 6. Kreis: Das Lokal von Karl Boese, Festsäle, Garten» strahe 6 und vas Lokal„Restaurant Bürgergarten', Inhaber Walter Müller. Brunnenstr. 3S. Aus Charlottenburg wird unS mitgeteilt, dah daS Charlotten- burger Männerquartelt am 6. November in Schmidts Festsälen, Berliner strotze Ivb. sein erste« Stiftungsfest feiert. Da uns das Lokal zu Versammlungen verweigert wird, aber BillettS in Turn- und Sportvereinen angeboten werden, bitten wir, dieselben zurück- zuweisen._ Die Lokalkommission. Charlottenburg. Heute abend 8 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Gleichzeitig machen wir die Genossen darauf aufmerksam, daß sich jeder am Sonntag frülj 8 Uhr in seinem Zahllokal einzufinden hat. Lichtenberg. Sonnabend, den 4. November, findet im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5/6, das Herbstfest des Bezirks Lichten- berg statt Mitwirkende: Neues Tonkünstler-Oichester lDirigent Franz Hollfelder), Margarete Walkotte: Lieder und Dichtungen, und Johannes Cotta: Humoristischer Rezitator eigener Dichtungen. Billett« find bei sämtlichen Bezirks- und Gruppenführern zu haben. Stralau. Die Bücherausgabe erfolgt von Sonnabend, 4. November, abend« von 7— 8l/j Uhr. ab Markgrafendamm 6 bei Schmidt. Der Zahlabend am 3. November findet für den 3. und 4. Bezirk gemeinschaftlich beim Genossen Schmidt, Markgrafen- dämm 6, statt. Boxhagen-Nummelsburg. Die Befichttgung der genossenschaft- lichen Anlagen in Lichtenberg kann umständehalber nicht am 5. No« dember, sondern erst am 13. November stattfinden. Die Bezirksleitung. Nieder-Tchöneweide. Sonntag vormittag S'/j Uhr: Handzettel- Verbreitung von den Bezirkslokalen au«. Der Vorstand. Mariendorf. Am Sonntag, den 5. November, mittag« 2 Uhr, findet in unserem Agitationsort Blankenfelde in der Nähe des Mahlower Bahnhofs eine Versammlung unter freiem Himmel statt. Referent Genosse Z u b e i l. Früh 6.50 Uhr treffen sich die Genossen am Mariendorfer Bahnhof zur Handzettelverbreitung. Abfahrt zur Versammlung mittag» 1.50 Uhr. Der Vorstand. Bernau. Sonntag, den 5. d. MtS., vormittags 9 Ubr, beim Genossen Salzmann: Autzerordentliche Mitgliederversammlung mit wichtiger Tagesordnung. Vor der Versammlung werden Beiiräge kasfiert. Die Bezirksleitung. Wanblitz-Basdorf und Umgebung sBezirk Pankow). Am Sonnrag. den 5. d. MtS., nachmittags 4 Uhr. findet bei Lassan sGesellichakts- haus Wandlitz) eine öffentliche Versammlung statt. Thema: „Teuerung und ReickStagswahl". Referent Genosse Rob. Bahn- Berlin.— Agitiert für Massenbesuch dieser Versammlung. Die AgilalionSkommisston. Kerlmer I�adrncKteu. Aus der Stadtverordnetenverkansmlung. tÄclegentlich der Errichtung einer vierten Oberreal- schule mit angegliedertem Reform> Realgymnasium in Moabit will der Magistrat eine Vorschule einrichten. Diese Einrichtung führte gestern zu einer längeren lebhaften Debatte. Mr die sozialdemokratische Fraktion legte Genosse Dr. Arons dar, daß die Vorschulen Standesschulen seien und der Freisinn diesen Standesschulen selber ablehnend gegenüber stände. Im Abgeordnetcnhause hätten freisinnige Abgeordnete die Vor- schulen als Ueberbleibsel aus reaktionärer Zeit gekennzeichnet. Die Freisinnigen sollten ihr Prinzip im vorliegenden Falle auch zur Ausführung bringen. Ihre Wortführer, die Herren Cassel. Sonnenfeld. Glatzcl, einschließlich des Stadtschulrates, hielten Verteidigungsreden für den Umfall. Es fehle heute an einem organischen Aufbau des Schulwesens und deshalb müsse man das freisinnige Prinzip in die Ecke stellen. Damit beruhigten die Herren ihr Gewissen und stimmten der Ein- richtung der Standesschule zu. Es könnte ja auch sonst kommen, daß diese Leute ihre Kinder in die Gemeindeschule schicken müssen und da ist es doch häßlich, wenn diese Kinder neben Arbeiterkindern sitzen. Eine kleinere Debatte entspann sich noch bei der Vorlage der kostenlosen Ueberlassung eines Grundstücks an der Schön- stedtstraße an die Aktiengesellschaft„Berlin" zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin und zur Erbauung eines Ledigenheims. Der Vorlage wurde zugestimmt. In der Sitzung de« Kuratoriums der ftädeischeu Heimstätten vom 1. d. M. wurde unter anderem beiivlossen. be, weiterem Rückgang der Beleaung der Hetinstältett zwecks Kostenersparnisse die Hetinstälte zu Blankeiifelde vom 1. Dezember löll bis 1. März 1912 zu fchlietzen. Trotz aller Hinweise, datz die Hcimstäiieiipflege im WiiUcr mindestens den gletcden, wen» nicht gar einen grötzeren Erfolg hat als im Sommer, ist da« Vorurteil gegen Winterkuren nicht zu be- festigen. Daher treten auch jetzt wieder bei allen Heimstätten wie in früheren Jahren freie Betten in Erscheinung. Das Kuialorium ist der Ansicht, da sowohl in Malchow und Blankenfelde brunkranle Fronen, in Blankenburg ferner noch Frauen mit geschloüener Tuberkulose verpflegt werden, kann die Heimstätte Blankenfelde mir Ablotst de» November ohne Nachteil für dte Äusnahmesuchenden bis zum Frühjahr geschlossen werden." Von unseren Genossen ist früber wiederholt darauf hin- gewiesen worden, datz die Erhöhung der Pflegegeld'ätze für die Heimstätten nicht ohne nachteiligen Etnflutz auf die Benutzung ge- blieben ist. Zum Tode des Ersten Staatsanwalts Steindrech» wird uns ge- schrieben:- Dem Nochruf. den der„Vorwärts" unserem„Freunde" Slembrechi gewidmet hat. möchte ich folgendes anfügen: Es ist allerdings richtig, datz Steinbrechi gegen unsere Partei und gegen unsere Parlei-Redakreure mit wütigem SmtSetler und mit zumeist überaus hoben Sirofanträgen zu operieren pflegte; er lebte eben„voll und ganz" seinem Berufe und glaubte, leinen .stoatSerbaltenden" Ausgaben und Pflichten nicht besser gerecht werden zu können, als indem er Sozialdemokraten zu möglichst hohen Freiheitsstrafen zu verhelfen suchte, wa« ihm übrigens oft genug vorbei gelang, da feine juristische Intelligenz nicht Übermatztg grotz war Auf der anderen Seite darf nicht verschwiegen werdsn datz Steinbiecht eine bei preuhiichen Ersten Staatsanwälten recht selten anzutreffende Portion AnstondSgesühl aufzubr ngen wutzte. wenn er aus Vergehen oder Verbrechen hingewiesen wurde deren Urheber etwa im— preutzischen Beamteiilum satzen I Charakteristisch ist ein Vor- gong aus der jüngsten Zeit, der mir Sleinbrechts Tod gerade jetzt glS auherordentlich bedauernswert erscheinen lätzl: Wegen angeblicher Beleidigung der Berliner Kriminalpolizei durch icn Ausdruck.Knüppelgarde" stand am 28. September d. I. Genosse Mermuth unter Auflage, die von Steinbrecht vertreten wurde. Von den namens der Staatsanwaltschaft geladenen Zeugen � etwa 30 Kriminal- und Uniform-Schutzleuten— kamen etliche auf Grund der beschworenen Aussagen der Zivilzeugen sehr böt'e ins Gedränge. So wurde z. B. von fünf oder sechs dieser Zeugen und Zeuginnen unter Eid bekundet, datz sie, die sämtlich im Hause des zuständigen Wedding-Polizcireviers wohnten, sowohl in den betreffenden Nächten als auch vorher und nachher sehr oft aus der Polizeiwache jämmer- liches Hilfegeschrei von Arrestanten hörten, und ein Zeuge bekundete: datz er seine Wohnung gekündigt habe, weil er den Jammer nicht länger mitanhören konnte I Vereidigte Bewohner desselben Hauses bezeugten, datz fie an einem der Weddingtage gesehen hoben, wie ein alter Mann von 3 fdrei) Schutzleuten arretiert und auf der Treppe von den Beamten unbarmherzig über den kahlen Schädel geschlagen wurde I Einem Hausbewohner, der gegen diese Barbarei protestierte. wurde mit der gleichen Behandlung gedroht, wenn er nicht„das Maul" halte I Die Schutzleute bestritten das alles. Ferner: Ein gutes halbes Dutzend Zeugen und Zeuginnen sagten einem bestimmten Kriminalschutzmann mit der größten Sicherheit und Gewißheit und zu wiederholten Malen auf den Kops zu, datz e r sich unter den attackierenden Beamten befunden, daß e c mit dem Stock dreingeschlagen habe usw. Allen diesen un- zweideutigen Aussagen gegenüber erklärte der betreffende Schutz- mann: Die Zeugen und Zeuginnen sagen die Unwahrheit I Die Situation lag ganz klar so: datz entweder all' die vielen un- bescholtenen Zeugen Meineide geschworen halten, oder aber der eine Schutzmann, der übrigens auf die Frage des Verteidigers iWolfgang Heine) nach feinen disziplinarischen Vorstrafen wegen Mitzhandlung usw. die Aussage verweigerte! Angesichts dieser Sachlage erklärte Staatsanwalt Steinbrecht damals, datz er sowohl die MitzhandlungSangelegenhei»(Polizeiwache Wedding) nebst den sich in dieser Angelegenheit diametral wider» sprechenden Aussagen der Hausbewohner und der Beamten als auch die Angelegenheit des oben erwähnten Kriminalschutzmanns von Staatsanwalt« wegen untersuchen werde I Nach Schluß der Verhandlung begab sich Steinbrechi sogar in den Zengenbank- räum und stellte die Adressen von Zeugen und Zeuginnen fest. auf die er sich in den beiden anhängig zu machenden Verfahren zu berufen gedachte. Herr Stembrecht ist tot. Wir wollen hoffen, datz sein Nach- folger dieses Nachspiel zum Weddmg-Wermuth-Prozetz nicht etwa in den Akten sang- und klanglos verrauickien lätzt. Es liegt im Interesse der Oeffentlichkeit und der öffentlichen Sicherheit, datz die Staatsanwaltschaft jenes Erbe SteinbrechtS so bald wie möglich antritt l AuS der Kanalverwaltung. Die Deputafion für die KanalisationSwerke und Güter Berlins hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Antrage auf Erhöhung der Löhne der GutSarbeitermnen zu beschäftigen. Diese erhalten jetzt einen Lohn von täglich 1,20 M. im Sommer und 0.80 M. im Winter. Den Antrag unserer Genossen, den Lob» der Arbeiterinnen analog dem der männlichen Gulsarveiter zu erhöhen, lehnte man mit der Begründung ab. datz die Arbeiterinnen im Sommer meist Akkordarbeit verrichten und dabei 3 bis 4 M. pro Tag verdienten, ihnen also mit einer Lohnerhöhung nicht gedient sei. Es kam da- nach nur eine Erhöhung de« WinterlohneS in Frage, und wurde dieier um 20 Pf. erhöht. Er beträgt jetzt pro Tag 1 M. Gleichzeitig wurde betont, datz diese Erhöhung erst im neuen Etats- jähr eintreten könnte, da zur sofortigen Erböbung, wie fie von unseren Genossen getordert wurde, kein Geld vor« Händen sei. Daraus fragte unser Vertreter, ob denn nun die männlichen Arbeiter vom 1. November ab die beschlossene Lohn- erhöhung erhalten würden. Die Frage wurde unter Hinweis auf die unzureichenden Mittel d«S Etats verneint. Außerdem, meinte man. würden diese Arbeiter von der Teuerung gar nicht betroffen. da ihnen ja alle Lebensbedürfnisse, die infolge der schlechten Ernte in diesem Sommer eine Preiserhöhung erfahren hätten, als Deputat geliefert würden. Ein Uebelstand, der sich in einzelnen GutSverwalttmgen breit macht und von den Arbeitern schwer emplunden wird, ist der, datz kranken Arbeitern der ihnen zustehende Zuschuß zum Krankengeld— die Differenz zwischen Lob» und Krankeugeld auf die Datier von sechs Wochen— nicht allwöchentlich ausgezahlt wird, sondern erst nach überstandener Krankheit. Ost ist erst die Einreichung eineS Bittgesuches notwendig. Unsere Vertreter verlangten, datz den Ar- beitcrn dieser Zuschuß wöchentlich ausgezahlt wird und die Gut«- Verwaltungen dahin belehrt werden, daß dieser Zuschuß ein dem Arbeiter zustehendes Recht ist. welches er nicht erst erbitten mutz. Dem Verlangen unserer Genossen soll Rechnung gelragen werden. Weiter verlangten unsere Vertreter, datz die BetriebSkraukenkasse der Stadt Berlin auch freie Krankenhausbebondlung und die Liefe- rung von Hetlmitteln. Bruchbändern. Bandagen, Milch usw. ge« währen soll und das Statut dahingehend geändert iverden möge. Bei der Bearbeitung der Statuten nach Matzgabe der Reichsversiche- rungsordnung soll unser Antrag Berücksichtigung finden. Drei Pfennig Zulage pro Jahr ist zuviel für die Handwerker des städtischen Vieh- und Schlachthoies. sie könnten bei 50 Pf pro Stunde Ansangslohn zu fett werden, eine Besürchiling, die jetzt durch die„w o h l« feilen" Nahrungsmiitclpreise sehr nahe liegt. Daher lehnte da« Kuratorium gegen die Stimme unsere« Bertrelers und eines einzigen bürgerlichen Siadtverordueten diesen Antrag, der vom Verband der Gemeinde- und Siaaisarbeiier gestellt war. ab. Dieser eine bürger- liche Stadtverordnete, der selbst Unternehmer ist. stimmte dafür, da er zugeben inutzle, datz ein Prioalunternebmer für den Lohn, den die Stadl sogar den Vorarbeitern zable. keinen solchen bekäme. Man beseitigte die Utiangenrhine Forderung damit, datz man erklärte, eine solche grundsätzliche Äenderung der Lohnskalen, die in drei Jahren statt fünf Pseunig neun Pfennig Zulage ergeben, müßte dem Magistrat vorgelegt werden, und dieser hätte jetzt keine Neigung. „schon wieder"„die allgemein sestgeietzten Lohnsätze zu ändern". iJedensall« wegen der vorhandenen Teuerung I) Man wolle„nach Matzgabe der im Etat vorhandenen Mittel" sehen, wie iveit man den Wünschen der Handwerker nach festen Normen Rechnung tragen könne. Hoffentlich wird den Arbeitern die Zeit nicht zu lang, bis die„vorhandenen Mittel aus dem Etat" in ihre kaiche gelangen. Bezeichnend ist. datz einer der Herren Stadtväler einfach den Vorschlag machte, statt„so teuere Stundenlöhne" zu be- zablen, lieber die Arbeiten von einem Privotunlernehiner herstellen zu lassen, wodurch„wir billiger s o r't k ä m e n". Von sozial- drmokranicher Seite wurde dann festgestellt, datz ein Privatuuier- nehmer höheren Stundenlohn seinen Handwerkern zahlen mützle, außerdem auch noch Unrernehmergewinn beanspruche. Schließlich mutzte wieder der alle Vorwand herhalten:„die städtischen Arbeiter hätten das ganze Jahr Arbeit und keine arbeitslosen Pausen und könnten deshalb billiger arbeiten respektive mrt der bestehenden Ablohnung zusneden lern; eine Argumentation. die von unserem Vertreter ganz energisch zurückgewiesen wurde mit dem Hinweis, datz er noch nie ein solches Aigumenl bei der Nor- mierung der Beamtengehältcr gehört habe. Die Arbeiter mögen eS fich merke»! Für die Berkaufszeit am diesjährigen Heilige» Abend hat der Polizeipräsident eme Verfügung erlassen, nach der die Geschäfte am 24. Dezember, der in diesem Jahre aus einen Sonntag fällt, nach- mittag« bis 4 Uhr zu Verkausszwecken geöffnet bleiben. Dagegen wendet sich der Verband Berliner Spezialgeschäfte und verlangt die Ausdehnung der Verkaufszeit bis 7 Uhr abends. Wir glauben nicht, datz kür diese Verlängerung ein Bedürfnis vorliegt. Für den städtischen Seefischverkauf ist nunmehr, wie wir wiederholt als notwendig forderten, endlich auch die Markthall?. in der Ackcrstratze hinzugenommen worden. In allen zehn Marli- hallen, wo jetzt Mittwochs und Donnerstags Fische verkauft werden, sind die Verkaufsstäude von 8 bis l Uhr geöffnet. Die Zufuhr ist nunmehr im allgemeinen ausreichend; man tut aber doch gut. sich nicht auf die letzten beiden Verkaufsstunden zu verlassen. Hingerichtet wurde gestern morgen in Plötzensee der 25 Jahre alte Arbeiter Albert Hartmanri aus Velten, über dessen Tat wir seinerzeit ausführlich berichteten. Hartmann war im Januar dieses Jahres bei dem Bau der Pankower Wasserwerke befchäftiLt. wurde dort aber entlassen. Seiner Frau täuschte er vor, datz� er immer noch Arbeit habe. Um sich nun nicht offenbaren zu müssen, weil er nichts für die Wirtschaft abgeben konnte, ermordete er am Sonnabend, den 28. Januar, die 29 Jahre alte Arbeiterfrau Pauline Gorgolewski geboren? Hennig, deren Mann auf der Werder- Ziegelei bei Stolpe beschäftigt war. Er lauerte ihr auf. als sie von der Ziegelei auf einem Feldwege zum Einkaufen nach Stolpe ging, erdrosselte sie und schleppte ihre Leiche in ein Gebüsch, wo sie am Sonntag morgen gefunden wurde. Der Mörder f-entete nur zehn Mark. Am 7. Juli dieses Jahres wurde er vom Schwur- gcricht des Landgerichts III zum Tode verurteilt. Vorgestern nach- mittag um 1 Uhr teilte ihm in seiner Zelle im Untersuchungs- gefängnis zu Moabit ein Gerichtsschreiber unter Zeugen mit, daß der König von seinem Recht der Begnadigung keinen Gebrauch gemacht habe. Hartmann wurde nach der Mörderzelle im Jugend- flügel der Strafanstalt Plötzensee gebracht. Gestern morgen um 7 Uhr wurde das Urteil vollstreckt. Gleich darauf teilten Säulen- anschlage der Einwohnerschaft die vollzogene Hinrichtung mit. Eine Familientragödie hat sich in der AugSbnrger Strotze 29 abgespielt. Die 38 Jahre alte Scblächterfran Dretzter hat Mittwoch nacbmiltag sich und ihre beiden drei und vier Jahre alten Söhne mit Gas zu vergiften versucht. Sie ist aber zum Glück mit ihren Kindern außer jeder Gefahr. Sie konnte schon gestern aus der Chacits zu ihrer Beruedmung nach dem Polizeipräsidium ab« geholt werden. Frau Dretzler erklärt, datz sie sich um den Tod eines sechsjährigen Töchterchens, das vor 14 Tagen starb, sehr gräme, vollends zur Verzweiflung habe sie ihr Mann mit der Beschuldigung getrieben, datz sie an dem Tode dieses Kindes mit- schuldig sei. Ihr Mann habe sie auch sonst schon seit einem Jahre schlecht behandelt, wohl iimer der Einwirkung eines Magenleidens, das ihm Schmerzen bereite iind ihn arbeiisunjähig mache. Den Vorwurf, datz sie selbst zu dem Tode ihres Kiudes beigetragen habe, lönne sie nicht überleben. Deshalb habe sie in Abwesenheit ihres Mannes und ihrer ältesten Tochter, der sie eine Stellung als Schlächtermomiell verschafft habe, mit ibren beiden Söhnen sterben wollen. Die Frau wurde wegen versuchten Mordes dem Unier« suchnngsrichter vorgeführt. Die beiden Knaben, die in der elterlichen Wohnung geblieben waren, sind schon wieder wohlauf. Einen lohnenden Griff machten gewerbsmäßige Langfinger vor einigen Tagen auf dem Lehrter Bahnhof in die Tasche eines Bankdirektors aus München. Sie wandten den alten und beliebten Trick der künstlichen Rempelei an und erbeuteten eine Brieftasche mit fünf Einhundcrtmarkscheinen und mehreren Ausweispapieren des Bestohlenen. Zwei der Geldscheine sind ganz neu. Wahrschein- lich gehören die Täter zu einer Bande, von der zwei Mitglieder zwn Tage später vor der Darmnadtcr Bank am Schinkelplatz mit demselben Kniff einem Kassenbotcn 1260 M. in Papiergeld und einen Scheck über 582 M. abnahmen. In beiden Fällen war ein etwa 40 Jahre alter, mittelgrotzer. beleibter Kerl tätig. Der Spieß» geselle ist augenscheinlich jedesmal ein anderer gewesen. WcniA» stens wird er sehr verschieden beschrieben. Unfall oder verbreche»? Ein bisher noch nicht aufgeflärttr Leichensund bescbäffigl zurzeit die Polizeibehörde von Tegel. Nahe der Bahnstation HermSdorf wurde gestern morgen die Leiche einer etwa 40jährigen Frau gefunden, der der Kopf v o m Rumpf getrennt war. Bahnarbeiter, die die Leiche auf- gefunden hatten, benachrichtigten die Polizei, welche sofort Recherchen anstellte. Die Annahme, datz die Frau aus einem Vorortzug gestürzt ist, dürfte wenig wahrtcheiiilich sein, da der Leichnam keine anderen Verletzungen aufweist. Man kann eher mit der Möglichkeit eines Selbstmordes rechnen. Irgendwelche Schriftstücke, die über die Personalien der Unbekannten Aufschluß geben lönnten, wurden bei der Leiche nicht vorgesunden. Eine„BolkS"krankenkasse geschlossen. Die eingeschriebene HilfS» lasse„Deutsche Krankeliuiilerslützungskasse zu Bochum, früher zu Werne" vor deren Beitütt der Regierungspräsident zu Arnsberg bereit« Ende Dezember 1910 gewarnt hatte, ist von dem Bezirks- ausfchutz zu Arnsberg am 27. September 1911 geschlossen worden. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich am Mittwochabend an der Ecke der Grünauei und Reichenberger Straße. Dort wollte der 16jährige Max Schmidt, Foister Straße 51 wohnhaft, vor dem Moivrwngen 1356 der Linie 94 dte Gleise überschreiten, wurde jedoch iimgestotzen und genet unter den Motorwagen. Mit Hilfe von Passanten hob man das Gefährt an und zog den Berletzien. der einige Fleischwunden am Knie und über dem Auge davongetragen hatte, hervor. Sch. wurde nach der Unfallstation und dann in ferne Wohnung gebracht. Eintrittskarten zu Kunstausstellungen. Zu nachstehend ber» zeichneten Kiinstausstellungen stehen der organisierten Arbeiterschaft Eintrittskarten zum ermäßigten Preise von 25 Pf. zur Verfügung. Die Organisationen können die Karten im Bureau oeS Gewerkschaftshauses in Empfang nehmen. Einzelne Karten werden bei Vorzeigung des Mitgliedsbuches im Zigarrengeschäft von Horsch, Engelufer tb, ausgegeben: Paul Cassirer. Viktoria» straße 35. JuryfreieKunstschan. Potsdamer Straße 3S/39s. Fcslqestcllt ist die Persönlichkeit deS Mannes, der vorgestern nachmittag vor dem Hause Brcslauer Stratze 5» hilflos aufgefunden wurde und auf dem Wege nach der Hufswache am Grünen Weg starb. Es ist ein 46 Jahre alter Wilhelm Reinhardt, der den Spitz- namen„Jockeys Wilhelm" führte. Seine Wohnung ist nicht bekannt. Reinhardts Frau lebt getrennt von ihm in Treptow. Polizeilich beschlagnahmt wurde die Leiche der 76 Jahre alten Rentenempfängerin Johanna Görlitz, die seit 80 Jahren in der Frankfurter Allee>28 im Ouergebäude für sich ollein eine Stube bewobnte. Die Greisin lränkelte seil einigen Wochen. Eine Nach- barin pflegte sie. Als sie gestern morgen wieder zu ihr kam. fand sie sie tot im Bette liegen. Em Arzt, der jetzt genifen wurde, konnte die Todesursache nicht feststellen. Ein gefährlicher Fabrikdrand kam gestern avenL SH Uhr Trt der Schwedter Stratze 258 im Norden Berlins zum Ausbruch. Im Quergebäude befinden sich dort die Tischlereien und Lager- räume der Möbelfabrik für Innenarchitektur von G. CourtoiS und der Sofagestellfabrik von Erich Kreter. Das Feuer ent- stand im Maschinenraum, der im Erdgeschoß liegt, und griff in jtorzer Zeit aus die Tischlereien über. Die sofort erschienene Feuerwehr unternahm einen Löschangriff mit vier Schlauchleitun- gen. Da das Feuer aber an den großen Holzbeständen überreich- liche Nahrung fand, dauerte es fast eine Stunde, ehe die Gewalt des Brandes gebrochen war. In den Tischlereien wurde großer Schaden angerichtet. Die vollständige Ablöschung und die Auf- raumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hin. Vorort- J�acbricbtem Eharlottenburg. In bcr Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung gab eZ am letzten Mittwoch zunächst ein kleines Vorspiel. Der sattsam be kannte Stadtverordnete Zander hatte in der vorangegangenen Sitzung, als unser Genosse Gebert die Forderung der Lohn� Zahlung am Freitag begründete, den ihn charakterisierenden Zivischeir ruf gemacht D a n n sind die Arbeiter Sonnabends b e s 0 f f e n T Der Zwischenruf war sowohl von unseren Genossen als auch von dem Borsteher überhört und nicht deutlich genug ver- standen worden, so dajj es uns nicht möglich war, die darin liegende Herabsetzung der Arbeiter' sofort zurücb zuweisen. Genosse Z i e t s ch holte das Versäumte jetzt, wo der stenographische Bericht der Sitzung vorlag, gründlich nach, er gab namens der Fraktion eine Erklärung ab, die darin gipfelt, daß die Arbeiter zu hoch stehen, als dah wir es nötig hätten, sie gegen solche Angriffe in Schutz zu nehmen. Anstatt daß Herr Zander seinen Zwischenruf zurücknahm oder sich wenigstens cni- schuldigte, erging er sich in fortgesetzten neuen Angriffen auf die Sozialdemokratie, deren Erklärung gegen ihn er als Wahlmache bezeichnete. Der Zwischenfall an sich ist dtzrch die Debatte erledigt, die Charlottenburger Arbeiter aber tollten eS sich doppelt und drei- fach überlegen, ob sie nicht Herrn Zander und seinen Freunden die gebührende Antwort erteilen, indem sie am Sonntag Mann für wann s u r die sozialdemokratischen Kandidaten st i in m e» und auf diese Weise zur Stärkung der sozialdemokratischen Fraktion beitragen. Von den'Beratungsgegenständen interessiert am meisten ein sozialdemokratischer Antrag, der den Magistrat ersucht, der Errichtung eines kommunalen Leihhauses in Char- lottenburg näher zu treten. In der Begründung wies Gcnoffe Vogel auf die Vorgeschichte deS Antrages hin. Der Magistrat sei bereits im Jahre 1903 ersucht worden, in Erwägung zu ziehen. ob die Errichtung eines Leihhauses für Charlottenburg not» wendig und tunlich ist, und wenn dies der Fall, eine Vorlage zu bringen, jedenfalls aber von dem Ergebnis seiner Erwägungen die Stadtverordnetenversammlung in Kenntnis zu setzen. Im Jahre 1906 teilte der Magistrat mit, daß er beschlossen habe, der Anregung betreffend die Errichtung eines städtischen Leihhauses leine Folge zu geben, da die Leihhäuser wohl zur Betätigung tozialer Fürsorge dienen könnten, in der neueren Zeit aber zweckmäßiger durch andere moderne Hilfseinrichtungen ersetzt würden. Genosse Vogel widerlegte nun eingehend die gegen die Leihhäuser erhobenen Einwände, insbesondere den, daß sie dem Leichtsinn oder der Vergnügungssucht Vorschub leisten. Er gab einen Ueberblick über das Leihhauswesen in Deutschland und wieö schlagend nach, wie enorm hohe Zinsen die privaten Pfandleiher nehmen. Redner ersuchte schließlich um Annahme des sozialdemokratischen Antrages, der insbesondere den kleinen Handwerkern und Gewerbe- treibenden zum Vorteil oereiche. Die Statistik beweise, daß die Pfandbcträge in den meisten Fällen so gering sind, daß nur dringende Notlage zur Verpfändung veranlaßt haben kann. Während Stadlverordneter Dr. S t a d t h a g e n die Ueberwcisung des sozialdemolratiichcn Antrages an einen Ausschuß vorschlug, riet Stadtverordneter Wöllmer zu großer Vorsicht, er beantragte nameuS seiner Freunde die Annahme des sozialdemokratischen Antrages in folgender Form: Der Magistrat wird ersucht, erneut zu prüfen, ob die Errichtung eines städtischen Leihhauses angebracht ist. Für diesen ab» geänderten Antrag sprach sich auch Bürgermeister M a t t i n g aus, und ebenso erklärte sich Genoffe Dr. B o r ch a r d t mit der neuen Fassung einverständen. Der Antrag wurde dann in dem von Herrn Wöllmer vorgeschlagenen Wortlaut einstimmig angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Anfrage einiger liberaler Stadtverordneter: Hat der Magistrat zu dem einstimmigen Besch. uß der Stadtverordnetenversammlung vom 21. Juni 19l1 betreffend Errichtung eine» Krematoriums und einer Urnenhalle Stellung genommen? Verneinenden- falls, welche Gründe sind für die Verzögerung maßgebend?— Stadtverordneter Dr. Meyer kritisierte es, daß die Stadt» verordnetenverfammlung auf den Beschluß vom 21. Juni noch keine Antwort erhalten habe, obwohl die Frage der Errichtung eines Krematoriums bei der herrschenden FriedhofSnot erhöhte Bedeutung habe.— Bürgermeister Matttng erwiderte, daß der Magistrat sich am 17. Oktober an die Verwaltungen von Berlin, Wilmersdorf und Schöneberg mit der Anregung der Errichtung eines gemeinsamen Krematoriums gewandt habe. Bisher habe erst Wilmersdorf zustimmend geantwortet. Die Bestimmung de» Gesetzes, daß die Gebühren der Feuerbestauung die Betriebskosten decken müßten, mache eS notwendig, eine größere Anlage zu errichten, da eine kleinere sich nicht rentieren würde.— In der Besprechung gab Genosse St e t s ch der Ueberzeugung Ausdruck, daß ein Krematorium für harlottcnburg sich allein rentieren würde, die Unkosten würden zweifellos durch die Gebühren gedeckt werden. Bei der Stimmung, die zwischen Berlin und Charlottenburg herrsche, werde eS leichler fern, ein besonderes Krematorium für Charlottenburg zu errichten. Die FriedhofSnot sei so groß, daß man endlich an die Errichtung emeS Kommunalfriedhofes herangehen müffe. In ähnlichem Sinne sprach sich Stadtv. B o l l m a n n namens der Liberalen aus. Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft. Rixdorf. Auf dem Seefischmarkt am Mittwoch in der Privatmarkthalle Bergstraße ö gelangten nur 3000 Pfund zum Verkauf, da wegen des an den Meeresküsten herrschenden Sturmes nicht mehr angeliefert werden konnte. Bei dem außerordentlich großen Andränge des kaufenden Publikums war der Bestand bereits um 10.30 Uhr völlig ausverkauft. Am nächsten Mittwoch soll zum mindesten das doppelle Quantum an Seefischen angeliefert werden, so daß auch Später- kommende nicht mit leeren Händen abzuziehen brauchen. Der Magistrat hat. wie gemeldet wird, außerdem den weiteren Ausbau dieser Märkte projektiert. Achtung, Krankcnkassenwahlen! Heute, Freitag, den 3. November. abends von 8 bis 10 Uhr, findet die Neuwahl der Arbeitgeber- delegierten in Hoppes Festsälen(Inhaber Bartsch), Hermannstr. 49/ä0, statt. Wir appellieren nun an das Pflichtgefühl der Arbeiter, welche bei der hiesigen Ortskrankenkaffe gemeldet sind und erwarten, daß ein jeder sich an der Wahl beteiligt. Denn nur durch die Nach- lässigkeit einzelner Genoffcn ist eS bei der letzten Ersatzwahl den Innungen möglich gewesen, ihre Liste durchzubringen und auch Sitz und Stimme im Vorstande zu erlangen. Also auf denn zur Wahll ES gilt die Scharte von damals auszuwetzen! Berliner GewerkschaflSkommiiston. Bezirk Rixdorf. Schöneberg. TodeSswrz. Auf entsetzliche Weise hat gestern daS 20 jährige Kinderiräulein Margarete C r a h m e r, d-e bei einer Familie in der Hauptslr. 34 in Stellung war, ihrem Leben ein Ende gemacht. Gestern nachmittag stürzte sich das junge Mädchen aus ihrem in der dritten Etage belegenen Zimnicr auf den gepflasterten Hof hinab. wo es mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Halle in der Maxstraße übergeführt. Nach Äiigaben von Verwandten der Lebensmüden ist der Anlaß zu der Tat rn einem unheilbaren Lungen» leiden zu suchen; von anderer Seite wird der Selbstmord mit LieveS- kummer in Verbindung gebracht. Wilmcrsdorf-Halcnsee. AuS der Stadwcrorduelenvcrsammlniig. Der Magistrat von Wilmersdorf hat nicht die Absicht, zur Bekämpfung der Lebens»littelteuerung die Hand zu bieten. Das ist in Kürze das Ergebnis der in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch abgehaltenen TenerungSdebatte. Wir haben berichtet. daß der zur Beratung von Maßnahmen gegen die Teueriiiig eingesetzte Ausschuß sein Werk verheißungsvoll begann, dann aber hastig bor den Schwierigkeiten zurückschreckte, die sich einer solchen Arbeit entgegenstellten. Immerhin war der Ausschuß unter Ablehnung der Teuerungszulagen und verschiedener von senrem sozialdemokratischen Mitgliede ge gestellten Anträge dazu gekommen, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, daß in eine erneute Beratung des städtischen Kar tosfelverkanfs eingetreten werde. falls der Preis in den nächsten zehn Tagen sich höher als 45 Pf. für 10 Pfund stellen sollte. Desgleichen empfahl der Ausschuß die städtische Propaganda für den Konsum kondensierter Milch sowie die Annahme eines Antrages, wonach dem Magistrat der Verkauf von Reis im Kleinen nahegelegt werden soll. Als der Berichterstatter Dr. Edel am Mittwochabend mit seiner Aufgabe fertig war. erhob sich der Oberbürgermeister Habermann. um im Rainen deS Magistrats die überraschende Erklärung abzugeben, daß nach den eingezogenen Erlundigungen die wichtigsten Lebend mittel, wie Kartoffeln. Gemüse, Milch und Fleisch im Preise g e> funken seien. Daher habe der Magistrat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, von jeder Maßnahme zur Behebung der Teuerung Abstand zu nehmen. Dann komme aber auch in Be- tracht, daß der Magistrat die Jiiteressen der Wilmersdorfer G e- werbetreibenden zu schützen habe und auch auS diesem Grunde sich nicht auf den vom Ausschuß empfohlenen Verkauf von Reis einlassen könne. Aehnlicki liege es mit der Propaganda für kondensierte Milch, die erstens kaum zu haben sei und über die zweitens die Urteile zu verschieden kanteten, als daß man sie der Bevölkerung empfehlen könne. Be achtenswert war an den Ausführungen des Oberbürgermeisters noch die Meldung, daß der Stadt ein Angebot von Milch im Betrage von 4000 Litern täglich gemacht worden ist. Statt nun zuzugreifen und der Bevölkerung dies wichtige Nahrungsmittel zu dem Selbstkostenpreise von 21 Pf. zugänglich zu machen, zog daS Sladtoberhanpt auS dem Angebot den Swliiß, daß auch Milch in derart genügender Fülle vorhanden sei, daß die Stadt nicht ein zugreifen brauche, Die damit kundgegebene Haltung deS Magistrats war selbst einigen bürgerliiben Stadtverordnelen nicht ganz recht. So trat namenlli» der Chemiker Dr. Hesse dafür ein, daß wenigstens die Beschlüsse des Ausschusses verwirklicht würden. Andere Stadt- verordnete, die sich als Wortsührer der Gewerbetreibenden fühlten, gaben wiederum ihre Genugtuung über den schroff ab lehnenden Standpunkt des Magistrats zu erkennen. ES war Sache der sozialdemokratischen Vertreter, darauf hinzuweisen, daß die sozialpolitische Rückständigkert der Stadt Wilmersdorf in diesem Fall um so greller hervortrete, alS durch die anfängliche Haltung des Ausschusses, mit der sich auch der Magistrat allem Anschein einverstanden erklärt habe, in der Bevölkerung etliche Hoffnungen auf bebördlicheS Eingreifen erweckt worden wären. An einer Anzahl Beispiele zeigte Sladtv Schröder(Soz.), Wiedas reiche WilinerSdorf sich in der Frage des LebenSmittelvertriebS von relativ armen Gemeinden beschämen läßt, während Stadtverordneter Riedel(Soz.) ebenso auf den schlimmen Eindruck hinwies, den es machen werde, wenn Wilmersdorf in der Fürsorge für seine Beamten und Arbeiter hinter anderen Orten zurückbleibt. Ziemlich unklar war ein sozialpolitischer Ratschlag, den der Gymnasialdircktor Stadtverordneter C o st e zum besten gab. Er riet den Sozialdemokraten, darauf hinzuwirken, daß bestiurmte Vereine, so die Kegelklubs, gegen den Notstand eingriffen. Da in- zwischen der übliche Schlußantrag Amiahme gefunden hatte. koiinte dem anscheinend etwas weltfremden Herrn nur in einer persönlichen Bemerkung bedeutet werden, daß für die von ihm empfohlene Lohnbewegung st ä d t i s ch e r Angestellten nicht die in Arbciterkreisen kaum vorhandenen Kegelklubs, sondern die Gewerkschaften zuständig wären. In der A b st i m m u n g über die in der NotstandSftage gestellten Anträge beschloß die Stadtverordnetenversammlung, dem Magistrat zu empfehlen, daß er dem AnSschußantrag« entsprechend unter bestimmten Voraussetzungen den Kartosfelverlauf in die Hand nehme, sowie für den Konsum von Reis und kondensierter Milch Propaganda mache. Ebenso fand ein Antrag aus Errichtung einer städtischen Volksküche Annahme. Abgelehnt wurden hingegen die Anträge auf konimunale Ab- gäbe von Sieis und Milch in kleinen Mengen, auf Gewährung einer Teuerungszulage und auf Einsetzung einer gemischten Not- standSdepuration. Da der Magistrat, abgesehen von dem Beschluß auf Errichtung der Volksküche, Eingriffe gegen die Lebensmittel- teuerung verwirft, so wird die reiche Stadt Wilmersdorf gemäß ihrer hergebrachten Feindschaft gegen alle Sozialpolitik auch dem Elend des kommenden Winters gegenüber tatenlos bleiben. Aus der übrigen Tagesordnung fei noch folgende Angelegenheit erwähnt: Der Bund deutscher Architekten hotte bei der Stadtverordnetenversammlung darum petitioniert, daß in Zukunft die Planung und künstlerische Leitung aller großen Bauaufgaben nur au die in der Fachwelt anerkannten Künstler ver- geben werde. Der PetitionSausschuß empfahl, da« Gesuch der Stadtverordnetenversammlung zur Berücksichtigung zu emp- fehlen. Stadtverordneter Schröder(Soz.j fand den Inhalt der Petition unklar. Er wolle sie gern unierslützen, soweit sie darauf abziele, daß die Stadt in materieller Hinficht nur Architekten usw. zu den von ihrer Organisation aufgestellten Be- d i n g u n g e n beschäftige, denn aus Reinlichkeitsgründen dürfe eine Stadtgemeinde dem Treiben der U n o r g a n r s i e r t e n und Streikbrecher auch bei Künstlern keinen Vorschub leisten. Anders liege es jedoch, wenn die Organisation etwa künstlerische Richtungen, so dre Kunst der SiegeSallee gegenüber der Rinntteinkunst monopolisiert wissen wolle. Dazu dürfe die Stadtverordnetenversammlung nicht die Hand bieten. Nachdem der Stadtverordnete Drüse sich ähnlich geäußert hatte, wurde der Antrag des PetitiouSauSschusseS abgelehnt. Kalkberge-Rüdersdorf. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich Mittwochnachmittag im hiesigen Eleltrizilätswerk zugetragen. Zwei mit dem Auflegen des Riemens beschäftigte Arbeiter bedienten sich, um das Schwungrad in Gang zu bringen, eines sogenannten HebebaumeS. Durch ernen unalücktichen Zufall schnellte dieser zurück und traf dcn�einen der Arbeiter, den Schlosser Deckert, an den Hinlerkopf. Blutüberströint brach D. zusanliilen i er hatte eine schwere Gehirnerschütterung davon- gelragen. Adlershof. Die neue Schularztordnung ist mit dem t. November d. I. in Kraft getreten. Die beiden Schulärzte sind verpflichtet, die neu ein- tretenden Kinder auf ihre Schulfähigkeil, ibre körperliche und geistige Beschaffenheit wie ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu unter- suchen und ihn bei allen Kindern dauernd zu beobachten. Die Aerzte baben auch bei der Auswahl der der Hilfsschule zu überweisenden Kinder mitzuwirken imd die gesundheitlichen Verhältnisse sämtlicher Schulräume dauernd zu überwachen. Ferner haben die Aerzte die Gesuche der Eltern um Zurückstellung der Kinder vom Unterricht zu begutachten und auch die Zähne der Kinder zu untersuchen. Für jedes untersuchte Kind ist ein UeberivachunaSschein anzufertigen. welcher während der ganzen Schulzeit sortzuführen ist und beim Uebertritt der Kinder in eine andere Schule mitgegeben wird. Ter Arzt hat mindestens einmal monatlich in der Schule anwesend zu sein und jede Klaffe mindestens einmal halbjährlich zu besuchen; bei ansteckenden Krankheiten häufiger. Die Behandlung erkrankter Kinder ist nicht Sache deS Schularztes. Nur in dringenden mid Unglücksfällen im Schulbeirieb ist der Arzt verpflichtet, gegen tax- mäßige Bezahlung die erste Hilfe zu leisten. Der Arzt erhält pro Halbjahr und Kind eine Entschädigung von 0.25 M. Jede« Jahr his spätestens 15. Mai haben die Herren einen Bericht herauszugeben. Der«öchstr Seefischvrrkauf der Gemeinde findet am Sonnabend, den 4. November, an der bekannten Stelle statt. Die Preise werden an der Verkaufsstelle angeschlagen. Weihettfee. Aus der Gcmekiibeöertretuag. Vor Einlrit? fn F!e Tage?» ordnung kam man noch einmal auf die in voriger Sitzung statt- gefundene Teuerungsdebatte zurück, in der dem Genossen Taub- mann eine Rüge erteilt wurde, weil er auf einen geschmacklosen Ausspruch des Vertreters Jung eine derbe Antwort gab. Auf eine von unseren Genossen eingelegte Beschwerde gab Herr Jung die Erklärung ab. daß er nicht so viel Zeit habe wie die Arbeiterver- treier, um sich mit Lesen von Büchern zu beschäftigen, du.icr komme es schon vor, daß ihm ein Ausdruck entfahre, wie*r ihn nicht wolle. Er nahm den Ausdruck zurück. Damit war die Sache erledigt.—> Das mit dem Elektrizitätswerk verbundene Jnstallationsbureau, welches im Mai d. I. eröffnet wurde, hat sich so vieler Aufträge zu erfreuen, daß sich die weitere Einstellung eines Technikers not- wendig macht. Der Gemeindevorstand wurde ermächtigt, sich bei Installationen durch daS Elektrizitätswerk in alten Häusern auf Ratenzahlungen einzulassen, welche, je nach Höhe des Betrages, bis auf 10 Jahresraten verteilt werden können.— Nachdem die Berliner Elektrizitätswerke mit der Verlegung von Kabeln im Äxeise Niederbarnim nunmehr auch Birkholz angeschlossen yaben, ist mit dem Werk ein Vertrag abgeschlossen worden, wonach für da« Riesel- gut Strom geliefert wird, und zwar für Kraftzwecke zum Preise von 16 Pf. und für Licht 30 Pf. die Kilowattstunde. Die In- stallationSarbeiten sind einer Berliner Firma im Betrage von 1785 Mark übertragen.— In der geheimen Sitzung wurde noch die Aufnahme einer Anleihe von 1% Millionen Mark beschlossen. Diese Summe'soll für folgende Unternehmungen Aufwendung finden: 100 000 M. zum Bau der Seebadeanstalt, 150 000 M. zur Verstär- kung deö GemeindebetriebSsonds, 730 000 M. zur Verstärkung des Grundcrwerbsfonds, 500 000 M. zur Regulierung von Straßen, die zum Teil schon stattgefunden haben. Ferner wurde noch auf die Mißstände rn der Friedrichstraße hingewiesen, wo zurzeit ein großer Kanal verlegt wird. Die Einwohner sind seit geraumer Zeit von großen Erdwällen eingeschloffcn, so daß der Fuhrwerksverlehr ganz eingestellt ist und von Fußpassanten die Straße nur mit Lebens- gcfahr beschritten wezchen kann. Tie Bauausführung ist der Firma AllerS übertragen worden, die schon verschiedentlich Anlaß zu Be- schwerdcn gegeben hat. Die Firma ist beständig in Zahlungs- schwierigkeitcn, beschästigt, wenn es geht, mit Vorliebe als Erd- arbeiter Frauen oder Polen. Hier zeigt eS sich wieder einmal deut- lich, wohin die Wirtschaft führt, wenn bei den Submissionen immer der Billigste berücksichtigt wird. Unsere Genossen in der Tiefbau- kommission haben zu wiederholten Malen auf diese Preisdrückerei aufmerksam gemacht. Um ein paar Hundert Mark Ersparnis wird einem Teil der Einwohnerschaft, besonders den Hauseigentümern und Geschäftsleuten, die Existenz erschwert. Auf Anregung unserer Genossen wurde Herr Allers bei der Vergebung der Arbeiten zur Sitzung berufen, dort versprach er, alles zur Zufriedenheit zu regeln. trotzdem haben die Anwohner dieser Straßcngegenden jetzt das Nachsehen. Teltow. Die Stadtverordnetcnwahken finden am Freitag, den 17. No- veniber, statt. Die Wahlzeit der III. Abteilung ist in die Zeit von 5—8 Uhr nachmittags festgesetzt. Parteigenossen, nutzt die kurze Zeit aus, damit der Kandidat der Sozialdemokratie mit großer Stimmen« zahl gewählt wird. Herzfelde. Eine Petition zwecks Einlegung tlnti RachtzngeS soll demnächst an die Direktion der Herzfelder Kleinbahn gerichtet werden. Sollte die in Aussicht genommene Petition den gewünschten Erfolg haben, und ein Nachtzug für die Strecke Strausberg— Herzfelde eingelegt werden, so wäre damit einem langgehegten Wunsche der hiesige» Einwohnerschaft, insbesondere der Geschäftswelt, Rechnung ge- tragen. Pankow. In einer imposanten Versammlung sprach am Dienstagabend im Restaurant»Zum Kurfürsten" Genosse«rlur S t a d t b a g r n über. Teuer ring, Kriegshetze und Reichstags- wählen". BUt allen(reichlich 1800) gegen zwei Stimnien wurde nach kurzer Diskui'fion folgende Resolution angenommen: .Die ungeheuere Verteuerung aller Lebensmittel und Bedarfs- artikel belastet den Mittelstand und die Arbeiterklasse in drückendster Weise. Die Teuerung ist eine Folge deS von der herrschenden Klasse gutgeheißenen Systems der Vertiefung der Ausbeulung der Arbeitenden durch die Besitzenden mittels der Zoll- und Steuerpolitik. Die in« maßlose gesteigerten Lasten für Militarismus, Mari- niSmuS und Kol onialpolitit werden nach diesem System fast ausschließlich auf di« Schultern der arbeitenden Klaffe gewälzt. Dasselbe System, das den Mittelstand und die Arbeiterklasse mit immer wachfenden Kosten bepackt, führt riesige mühelose Gewinne einer kleinen Schicht Großgrundbesitzer und Großkapitalisten zu. Tie maßlosen Rüstungen und die Kolonialpolitit ziehen eine beständige Bedrohung mit«inrm Weltkrieg nach sich. Allein die Entschlossen» heit einer unverrückbar ihr Ziel im Auge haltenden Sozialdemokratie bat Deutschland vor dem Ausbruch eines solchen Krieges bewahrt. Um die über die Politik der herrschenden Klaffe von Tag zu Tag wachsend« Empörung von den Ursachen der bestehenden Notlage und von der Erinnerung an dt« Taten de« schwarzblauen Block« ab- zulenken, drängt eine gewiffenlose Schar Kriegshetzer auf Krieg Vermehrung der Militär- und Marinelasten und Vergrößerung des Kolonialbesitzes sowie ans Ausnahmegesetze gegen die«tbeiterklasse Die Anwesenden hallen e« für ihre Pflicht sich und ihrer Familie gegenüber, das Ihrige dazu beizutragen, daß d e r 12. Ja n u a r zu einem SiegeStage über die b er r s ch e n d e K lasse werde. Um die» Ziel zu erreichen, ist eS dringend notweudia unablässig unter den Millionen der Sozialdemokratie noch Fernstebcnden Aufkläruiig zu verbleiten, der sozialdemokratischen Presse neue Leser und der Organisation der«rbeiterklaffe in Partei und Gewerkichast neue Anhänger zu werben." IW 1 Eine größere Zahl trat während und nach der Bersammluna der Sozialdemokratie als Mitglied bei. 1 � Reinickendorf. Ein erfreuliches Fortschreiten der«tonnrntenzahk des Vm-wUrtS" fowre der Organisation tonnte in der letzten Wahlvereinsv-riamm- l»ng des Bezirks Reinickendorf-West btmtxH .Vonvarts'-Tpedition sind 125 neue Abonnenten zu verzeichnen und am Beginn der Versammlung wurde« 24 männliche und 4 weibliche Mitglieder aufaenomme«. Hierauf hielt Genoffe Dr Alfred Bern- stern einen VoNrag über. Soziale Pädagogik". Redner besprach eingehend nach einander die Tuberkuloie. Trunksucht. Syphilis und Säuglingssterblichkeit. Diese Kroiikheiten seien vorwieaend sozialer Natur, durch ungenügende Ernabrung teils hervorgerufen, teils be- güilstigt. Wenn die uiigehenrcn Summen, die von der Alters- und Jnvaltdenversicheruiig aufgespeichert sind, zur Bekämpfung der Not verwendet würden, würden die Sterblichkeirsziffern bald zurückgehen, ebenso die Prostitntion, die Hauptursache der Syphilis. Nachdem Redner„och die Erziehungssrage besprochen. schloß er mit der klnffordernng. sich einmütig um die Fahne deS Sozialismus zu s«oren. der allem die Menschheit erlösen könne. Nach einigen geschäfii'chen Mitteilungen wurde Genoffe Hundt in den BildungSauSichuß gewählt. Ferner wurde Beschwerde geführt, daß hier viele Schulkinder noch abends von S— 7 Uhr zum Turnen gehen müffen. Die Versan.mlung beauftragt unsere Genonen. im Raihmise biergegen vorstellig zu werden; Genoffe O h l sagt die» zu mit dem Hinzufüge'», day unsere Fraktion auch bezüglich der Teuerung An- träge stellen wolle. j�riedrichShagett. Die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretimg finden für die S. Ab- teilung am Sonntag, den 12. November, mittags 12 Uhr. im Restaurant Eiskeller. Friedrichstr. 97. statt. Zu wählen hat der 2. Wahlbezirk. Für die 1. Abteilung ist die Wahl auf Mittwoch, den 15. November, abend» S— 7 Uhr, im Restaurant Scholz, Friedrich- straße 31, anberaumt. PotSda«. ®Hte Teutrung vesteht nach Ansicht der zur Belämpfung des Notstandes eingesetzten Kommission nicht. In ihrem schriftlich erstalteten Bericht brachte die Kommission zwar zum Ausdruck, das; die Butter, das Gemüse und die Kartoffeln im Preise gestiegen seien, dah diese Preissteigerung allgemeine Maßnahmen gegen die Lebens« mittelverteuerung aber nicht notwendig mache. Auch sollen die Löhne der städtischen Arbeiter nicht erhöht werden, da dieselben im vorigen Jahre erst aufgebessert sind. Den Tagelohn für Notstands- arbeiter will man von 1,75 M. auf 2 M. erhöhen. In der Dis- kussion, die sich in der letzten Stadtverordnetenversammlung hierüber entspann, wandten sich einzelne Redner gegen diese weltfremde Auf- faffung der Kommission und forderten Maßnahme» gegen die Teuerung. Die Debatte verlief indes völlig resultatlos. Die Versammlung beschloß hieraus u. a. die Weiterführung der elektrischen Straßenbahn in der Reuen Luisenstraß« bis zur Hirsch- Heide sLuflschiffhafen). Die Suinme von 370 000 M. wurde nach einem langen Streit über die Anlegung der Straßen bewilligt. Der Stadt ist von dem Rentner Georg Bnrchardt eine Stiftung von 488 000 M. sowie verschiedene Sammlungen zugefalle» ohne be« sondere BerwendungSbestimmung. Um eine Steuerermäßigung her- beizuführen, soll d>« Stiftung für gemeinnützige Zwecke bestimmt werden. Als solchen schlägt der Magistrat die Errichlnng eines GrundstückserwerbssondS vor. Von den Stadlverordneten lvurden verschiedene Vorschläge gemacht: Asyl, Badeanstalt. Die Errichtung einer Aarinbädeanstalt wird nun schon seit zirka 2S Jahren projektiert. Der Magistrat hat die Ausführung iminer mit der Begründung hinausgeschoben, daß städlische Mittel nicht vorhanden sind, man vielmehr einmal aus einen reichen Mann warten müffe. Nachdem der Oberbürgermeister die Anlegung der Badeanstalt von dritter Seite in nächster Zeit in SuSfichl gestellt hat. erklärte sich die Ver- sammlung für die Errichtung des Fonds, vorausgesetzt, daß die Steuerermäßigung garantiert wird. Die passive Resistenz der Potsdamer freiwilligen Feuerwehr. Einen weittragenden Beschluß faßte in ihrer Generalversammlung die Potsdamer freiwillige Feuerwehr, die im 28. Jahre ihres Be- stehens sich zur Tatenlosigkeit verurteilt fühlt. Der einstimmig ge- faßte Beschluß ist ein Protest gegen den Magistrat, der dem immer dringender vorgebrachten Wunsch kein Gehör schenkte. Als die städtische Berussfeuerwehr eine neue Dampffpritze erhielt, hoffte die freiwillige Feuerwehr, daß ihr die alte Dampfwritze überlaffen würde. Diesbezügliche Gesuche fanden keine Berücksichtigung. Bei der Unzulänglichkeit einer Handdnickipritz« konnte weiter die Akiion der Freiwilligen nicht vollwirksam sein. Die Mitglieder beschloffen darum, am 30. November d. I. um 12 Uhr nachlS ihre Tätigkeit einzustellen. /Zus der fraiicnbewegung. Konfession und Geburtshilfe. Bezugnehmend auf den von uns gebrachten Artikel mit obiger Ueberschrist wird uns heute mitgeteilt, daß auch von evangelisch- orthodoxer Seite in etwas gegen moderne Geburtshilfe geeifert wird. Ein Fall möge das dartun. Bekanntlich versetzt neuerdings der Universitätsprofessor Krönig in Freiburg i. B., der seinerzeit als Ausnahmemensch den Ruf nach Berlin ablehnte, die Frauen während der Entbindung in den sogenannten.Dämmerschlaf". Es geschieht dies durch Einspritzung von Scopulamin, einem neu- bewährten Arzneimittel, das im Gegensatz zu den bisher gebrauch- lichen Betäubungsmitteln, wie Chloroform, Aether, z. B. die Eigen- fchaft besitzt, zwar das Bewußtsein zu betäuben, ohne jedoch die für den Geburtsakt so notwendige Wehentätigkeit auszuschalten. Auf diese Weise werden bereits täglich viele Frauen schmerzlos ent- bunden. Ohne Schaden für Mutter und Kind, soweit bisher be- kannt. Selbstverständlich soll hier diese Materie nicht medizinisch beleuchtet werden. Aus allen Ländern, ganz besonders aber aus England und Amerika, strömen die reichen Frauen, die sich solch «ine schmerzlose Entbindung leisten können, und die Aerzre, die diese neue Method« erlernen wollen, nach Freiburg. Auch eine reiche deutsche evangelische Dame hatte von Ärönigs Erfolgen ge- hört und wollte sich. ihre schwere Stunde durch seine Hand leicht machen lassen. Aber ihrem Wunsche stellte sich nicht etwa das Bedenken des Hausarztes entgegen, sondern der schwarze Kirchen. glaube des Gatten, der sich kategorisch gegen diese Neuerung auf. lehnte, aus dem Bibelworte fußend:..Mit Schmerzen sollst Du Deine Kinder gebärenl" Eine eigenartige Beleuchtung der von uns besprochenen katho- tischen Nottaufe(Jntra-Uterin-Taufe) gibt eine Mitteilung des Freiherrn von Egloffstein, die er im..Archiv für Kriminal-Anthro- pologie" unter der Ueberschrist:„Religiöse Form und Verbrecher- sinn" veröffentlicht. Er schreibt: Margarete Zwirl sagt auf die Anklage wegen Kindcsmord aus:„Ja, ich habe mein Kind gleich nach der Gburt umgebracht. Ich habe ihm noch geschwind die Nottaufe gegrven, dann habe ich's in eine wollene Decke gewickelt und in meinen Koffer gestccktl" Christlicher läßt sich doch nicht morden. Die Damenrechtleriunen als Hilfstruppen der Rraktio«. London, 31. Oktober 1911.(Eig. Ber.) Wenn die Stimm- rechtsvorlage, die von den englischen Damenrcchtlcrinnen befür- wartet wird, je Gesetz werden sollte, so kann man sicher sein, daß dies eine beträchtliche Verstärkung der sozialpolitischen Reaktionäre bedeuten wird. Augenblicklich sind die Damen bei der Arbeit, um die Bestimmung in der Berggesetzvorlage, die von der Abschaffung der Frauenarbeit in der Berawerksindustrie handelt, zu Fall zu bringen. Für heute abend haben sie eine große Versammlung in der Memorial Hall einberufen, die gegen die Abschaffung der Ftauen- arbeit in Grubenbetrieben protestieren soll. In der letzten Parlamentssession gelang es den Bergarbeiter- Vertretern, eine Bestimmung in die große Berggesctzvorlage, die in der laufenden Session erledigt werden soll, zu bringen, nach der es den Zechen in Zukunft nicht gestattet werden soll, weitere weib- liche Arbeitskräfte auf den Zechcnplätzen anzustellen. Der Antrag kam von einem weitsichtigen liberalen Bergwcrksbesitzer, Sir Arthur Markham, und wurde von den Bergarbcitervertrctern mit einer Ausnahme warm unterstützt. Die Bergarbeiter haben sich auf inter- nationalen wie nationalen Kongressen einstimmig für die Ab- schaffung der Frauenarbeit in der Bergwcrksindustrie ausgesprochen. Auf der letzten Generalversammlung der Bergarbeitersöderation wurde die grage wieder erörtert. Ter Genosse S m i l l i e. der Vizepräsident der Föderation, führte damals aus, daß der Minister Masterman, den die Liberalen als eine Art sozialpolitisches Wunderkind vorschieben, entschlossen sei, die Bestimmung über die Abschaffung der Frauenarbeit, die gegen den Willen der Regkörung der Vorlage einverleibt wurde, wieoer auszumerzen. Er wie auch ein anderer schottischer Redner griffen besonders scharf die Snffra- gettcS an, die mit unehrlichen Argumenten gegen die Klausel der Vorlage operierten, und bezeichneten die ganze Agitation der Zechenarbeiterinnen als eine von den Kapitalisten inszenierte künst- liche Mache, eine Wiäderholung des Humbugs, den man vor 87 Jahren aufführte, als das Perbot der Frauenarbeit in unter- irdischen Betrieben erfolgte. Dieser Anariff, der in nicht gerade schmeichelhaften Formen gekleidet war, scheint die Damen gereizt zu haben. Die von den Grubennnternehmern Lancashires eingefädelte Agitation unter den auf den Gruben dieser Provinz noch zahlreich beschäftigten Frauen und Mädchen, ist jetzt von den Sufsragrttcö energisch in die Hand genommen worden. Eine Rednrrin der„Womens Social ano Bolttical Union" weilt schon seit Wochen in dem Kohlenfeld um Wigan und redet den Mädchen ein, sie würden ihre Arbeit ver- lieren, sobald die Vorlage zur Annahme gelange. Das ist aber offenbar unwahr; denn der beanstandete Passus der Vorlage be- stimmt nur. daß keine weiteren weiblichen Arbeitskräfte in der Bergwerksindustrie angestellt werden dürfen. Die Absichten der Tamenrechtlerinnen in dieser Agitation sind natürlich klar. Sie wollen der Wvlt wieder einmal zu verstehen geben, daß ein von Männern gewähltes Parlament kein Recht hat, Gesetze zu erlassen, die das weibliche Geschlecht angehen. Nach dieser hanebüchenen Logik sollten sich die Suffrageites auch entschieden weigern, das Stimmrecht aus den Händen der Männer zu empfangen. Das Volk schüttelt über solche Geschichten den Kopf und gelangt durch sie immer mehr zu der Ueberzeuguna, daß die Damenrechtlerinnen mehr Mäiinerjcinde als Frauenfreunde sind. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen. Montag, den 6. November, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenickerstr. 90/97, Vortrag: Weibliche Fabrikinspcktion; Referentin: Luise Zieh. Sonntag, den 26. November, nachmittags 4 Uhr, Blüthnerfaal, Lützowstr. 70: Zweites Lifzt-Konzert. Billetö ä 50 Pf. sind zu haben im Verein, bei Horch, Engelufer 15, Gottfried Schulz, Admiral- straße 40, Frau Klotz fch. Fichteftr. 1, Frau Jordan, Lübeckerftr. 43, Frau Kulicke. Prinzenstr. 102, Frau Köhler. Schreinerstr. 58, Frau Panzeram, Pappelallee 70, Frau Guhn, Zorndorferstr. 39, Frau Döring. Steinmctzstr. 23. Frau Hanncmann, Rixdorf, Fontane- straße 25. Frau Jakobcy, Wiesenstr. 10, Frau Pohl, Nostockerstr. 27, Frau Fahrcnwald, Tilfiterstr. 77. CinAegsngene Druck rebtifeen. Tie gegenwärtige gespannte Weltlage, veranlaßt durch die imperialistische Politik aller kapitalistischen Staaten, zwingt jede». der sich für die politischeil Ereignisse liitercffiert, sich über die Macht« verhältnisie der Länder zu orientieren. Ein sehr wertvolle» HilsS- mittel hierfür ist die von der Geographischen Verlags- handln it g Dietrich Reimer(Ernst Vohsen), Berlin LW. 40, herausgegebene Militär- geographische Karte zur Uebersicht der gegenwärtigen politischen Lage in Europa.(Preis 2 M) Der Maßstab der Karte ist groß genug, um ein klare» Bild der Topographie der einzeliicn europäischen Staaten zu geben. Die VerkehrSverhältniffe beireffend, kommen neben den E i s e n b a h n e n die haupisächlichsten Schiffahrtslinien und die bedeuteiidertn Seehäfen zur Darstellung. Die Karte enthält ferner nach Möglichkeit genaue, meist nach authentischem Materiol zusammen- gestellte, statistische Mitteilungen über dieStärkeverhältnisse der einzelnen Staaten zu Lande und zur See. über die Verteilung ihrer See st reitkräfte in den e uro- päischen Gewässern, sowie ihre Größe und Be- v ö l k e r u n g. Sie gibt ferner die Werte ihre? aus- wältigen Handels, ihrer Handelsmarine und des Seeverkehrs an. Auch die Marine-KriegShäfen und Flottenstützpunkte, sowie die Telefunkenstationcn sind aufgenommen. Man erhält so ein Gesamtbild der Wirtschaft- lichen und militärischen Bedeutung und Beziehung der europäischen Staaten unter einander auf Grundlage ihrer geographischen Lage. Von der.Neuen Zeit», fft soeben da» 5. Hest de» 30. Jabrgangcs erschienen. Aus den, Inhalt des Heste« heben wir hervor: Der Parteüag von Modena. Von Oda Olberg.— Einfuhtscheine. Bon K. Kautsky.— Das englische Parte�ensyslem und die Arbeiterpartei. Von I. Sachse (Londons— Der ärzitiche Anttmodemisteneid. Bon Dr. Karl Gumpertz (Berlin-WilmerSdorf). Die„Nene Zeil* erscheint wöchenlüch einmal und ist durch alle Buch- bandlnnge», Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 9)1. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 9& Pf. Arbeiter- Wanderverein.Berlin-, Sonntag, den 5. November: Wanderfahrten sür diejenigen Parteigenossen, welche nicht an der Stadt- verodnetenwahl beteiligt sind: l. Nach Grünau, ForsthanS Wüslemark, Zeuthen. Abfahrt 7.40 Girlitzer Bahnhof. II. Strausberg. Spitzmühle, Strausberg. Abfahrt 7.29 Schlesischer Bahnhos. Gäste willkommen. Touristeiiverein.Tie Naturfreniide-, Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 5. November: Wanderuilg von Strausberg nach dem Jland- und Grosjen Latt ce, Leuenberg. Tiefe, stee. I. Fahrt nach Strausberg ab illeraiidcrplatz 6.25: Schles. Bahnh. 6.33 früh.— II. Kleinbahn bis Hccger- mühle. Gäste willkommen. Bnefkartcn der Redaktton. Sit surlstttche Svrechsiande(Intet Lindenstrahe 69, vorn vier Treppen — Fahrftuhi—, wocheniäglich von tis»>» 7% Uhr nbents, Soiniadents, von 4Vt bis 6 Uhr abends statt. Jeder svr den«rteskafte» bestimmt, n Anfrage ist ein vuchstabc und«lue Zahl als Mertzeieben»cizusügen. Brtefltche Aulwort wtrd nicht erteilt. Anträgen, denen tctn» AdonnemrntSgnlttung»ctgetiigt ist, werden nicht beantwortet. Eilige gragen trage man in der Sprechstunde vor. N. D. ZO. Mit Benzin.— Alfred Siebert. In der Rcacl nicht. die Entscheidung liegt beim Kompaaniesührer.— p. 72. Arn sichersten werden Sie beraten, wenn Sie sich an den Deutschen Transportarbeiter- verband, Engelufer 15, wenden.— H. Z. 105. Lichtenberg ist ein eigener Stadtkreis und gehört nicht zu Nummelsbura.— M. M. 32—34. Au« Meldungen Brunnenstr. igv bei Herrn ReNor Fuchs von 6—6 Uhr. Schule» sind: Brunnenstr. 136. Fülbrlnaerstr. 33 und Sttabmaunslr. V3c. — Fi. Sch. 101. 1. u. 2. Bei der Kontnmgenosscnlchall ansragen. 3. Je nach Umständen bei einem Friseur oder dem Letteverein. 4. Das Wasser kann bleiben, dars aber die Zivicbcl nicht berühren 5. Ausnahmsweise, gewiß.— Otto. Berlin. Hartwig, Charloltenstr. 73.— M. Koch. Leider so oft, wie es sich da» Volk gesallen läßt.— W. M. Nein. — A.«. 100. Sie können von dem Vermieter verlangen, daß er sür Unterlassung Sorg« trägt, eventuell aus vertrazSIölung klagen.— T. B. 33. Die Frage läßt sich nur nach Einsicht in den Mietsvertrag beantworten. K. M. 101. 1. Wenn die Arbeit»uS dem Rahmen der übernomlnenen Berpflichtunaen berauSfälli, nein, sonst ja. 2. Nein. 3. Falls Sie ohne gesetzlichen Grund entlassen werden, sür die Küudlgungsdaucr. Dle gcsetz- liche KNndigungSsrlst beträgt sechs- Wochen«um Quartal, kann aber durch Derelndaruiig aus einen Monat verkürzt werden.— Nicder-Tchöuhausci, 300. 1. Wenn die Arbelt nicht überwiegend sür den PrivathauShalt ge» leistet wird, ja, andercusallS nicht. 2. Fragen Sie beim Transportarbeiter« verband, Engeluser 15, an.— F. S.. Spitiidan 07. Nach unserer Aus- fassung ja. Jedoch ist ein« Bcsttaiung nicht ausgeschlossen.— F. E. 7782. Nicht verjährt. Da» Schriststück stellt eine Schuldurlunde dar.— Marktpreise von Berlin am 1. November 1011. nach Ermittelung des Kiniatichen Polizeipräsidiums. Markthallenp reise.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbte», gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Speisebobnen weiße. 40,00- 00,00. Linie» 40,00 80,00. Kartoffeln 7,00-10,00. 1 Kilo. arnnini Rindsletsch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.30 bis 1,70. Lchweineflciich 1.20—1.80. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1.30—2.00. Butter 2.60-3.20. 60 Stück Eier 3,80-6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,10 bis 2,60. Bariche 0.80—2,00. Schleie 1,40-3,00. Bleie 0,80-1,00. 60 Stück Krebse 2,40—24,00._ W"üerte» der Vandesan stall für Gcwäflerkimde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbtireali. Wasserstand «euiel. Tilfll H r e g e l, Jnfterburg Weichsel, xhoru Oder. Ratwor » ittroffen . Frankfurt Warthe, Schrtnmt . Landsberg Netze, Borvamm Elbe. Letnneritz » Dresden » Bardo , Magdeburg teit 31.10. ow>> — 6 +2 —1 —4 +2 —1 +3 +3 0 +6 +4 -10. K 4- beveittet«u«s.- Fall.—») llmerveaet. Extra billige Joppen-Tage Ganz besonders günstige liautgelegenheit Pelz-Joppen in vielen Pellarten, guter traf- 1 C M- liger Sloffberug...... von Um» Loden-Pelerinen für Herren und Damen gute imprägnierte Loden, �750 bü 130 cm lang....... von/ fln Loden-Pelerinen für Knaben und Mädchen Suie imprägnierte Loden, ir 90 cm lang von" Eostenj Winter- Porten 11 Winter- Porten»! Winter- Pmtenlv Winter- Porten y. Winter-, oppen oppen oppen oppen Graue oder grüimdie Loden, durchweg warm*750 gefüttert....................../ Schwerer Loden in vielen Farben, exlra gute, Q wärmet putler...................-/M. Extra ichwerer Loden oder glatter Bezug, 1 1 durchweg warme» Futter............. XXM. Kräftiger Kern-Loden oder Düffel, in vielen 1 Q50 Farben, warm gefüttert............. 10 M. 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Vkclctgsanjtalt Paul Singer».Co., Berlin S�p Leineweber ttollnischer Sischmarkt 4» 5, 6, gegenüber der Breit« Straß« Für jede Körperform passend 1 Anzüge- Ulster■ Paletots Mark 32 36 Für Knaben und]ünglinge: M 01-011 OH Mark Meine Fabrikate, in eigenen Detriebswerkstätten gediegen verarbeitet, sind preiswert und unübertroffen in Sitz und Haltbarkeit Moderner Schnitt Grosse Auswahl Dillige Preise Thealer und Vergnügungen Freitag, 3. Novbr. 19U: Stnfonti 71/, Uhr, K. Opernhaus. Tannhäuscr. Schauspielhaus. Pcnthcsilea. Deutsches. Pcnlhesilca. trotnilche Oper. Sibirien. .Havcrland. Spezialitäten. Zirkus Busch.(öala-Vorltcllung. Zirkus Schumann. Gala< Bor- stcllung. 'tliilana? Ubr. Urania. Taubrnstrasie 48/4». Von vlcran zum Ortlcr. Jiwalidcnstrajie 57— 52. Pros. Schwalm: Bewegungen der Himmelskörper. Neues A. Operntheater. Hamlel. Kaiuiiicripiclc. Der Arzt am Scheideweg. Sefsnig. Einsame Menschen. Berliner. Coeur Atz. NeucS. Das Mädel von Mont» mnrtrc. Luslspielhailö. Die VcrgnägungS- reise. kleines. Fannys erstes SWd. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. Königgräner Strafte. Spiclcreien einer Zkaiscrin. Schiller.<». Madame SanS-Gäne. Sch-tt-Gliarlotteuvurg. Antigone. Frirdr.- Wilh. Schauspielhaus. Die Hochzeit von Baleni. Neues Holksthcater. Das Ver- mächtnis. Nietrui'v Die Nacht von Berlin. Westen. Die Dame in Rot. Triano«. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Die Macht der Liebe. Rose. Ein seste Burg ist unser Gott. Gasino. Der selige Hollichinsky. Wintcrgartcu. Spezialitäten. Slpollo. Svezialitälcn. Baiiage. Spezialitäten Herrnseld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Köiiigstadt- Kasino. Spezialitäten. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Ansang 8'/, Uhr. Voigt. Der Fluch des alten Geigers. «polics(Lapricc. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Teuscl, das hat eingc- schlagen! Ansang 8>/, Uhr. Velle-Allianer. Der Sittenapostel. Intimes. Der Braudstister. »» Sterutvarte. Jnvalidenstr. 57—52. Kaiser.Panorama. Land und Leute von Tuni«. Fränkische Schwei,. berliner Tlieuter. Ansang K Uhr. telefin öErlniigrötzer Straße 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Neues könlgl. Opern-Theater. 8 Uhr: Hamlet sSandrock). AbonnementS-Borst. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Daine in Rot. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Ei» Walzertraum. Nesidettz-Theater. Direktion Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Seroul u. Barrö. Für die diutschc Bühne bearbeitet von Boltcn-Baeckcrs. Morgen und solgende Tage: Ein Walzer von Chopin. Zehiller-rdMierü.»,«« Freitag, abends 8 Uhr: lHadame KunH-Ucne. Sonnabend, abends 8 Uhr: I>er Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Sonnlag. nachm. 3 Uhr: Das Urbild des Tartüff. Sonntag, abends 8 Uhr: Madame Sans-Gfine. Fried rieh- WilhclmstUdt. iSchaaspiclhans. Abends 8 Uhr: Die Wlfit vn» Ifolrni. Belle-Ällianee-TheateF Novität! Allabendlich 8'/, Uhr: Arr ZitteirapoKtl. Luisen-Theater. Heule und solgende Tage: Die Macht der Liebe. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Was Hans und Liscl im Zaubcrwald erlebten. Meltipl-Iliöslöi'. Die Naclit von Borlin! Grotze JahreSrevue in 7 Bildern von Iul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gcsehl vom Dir. R. Schultz. Abends 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Der grttllte Erfolg der Saison S WINZER= FEST im SPORTPALAST, Potsdamer Straße 72 Grandiose Revue: WINZERTRAUME Bunter Teil: Sport and Humor Sein Liebesabenteuer— Pferderennen auf dem Eise Meisterschaftsboxkampf Im ganzen Hause: Frischer Most, Stimmung, Humor Eintritt: 1 M., bis 6 Uhr nachm. 50 Pf., Spcrniltz 8 M. Urania. Wissenschaftliches Theater 8 Uhr: Von Meran zum Ortler. Invalidenstraße 57— 62 Prof. Schwab n 8 Uhr: Bewegungen der Himmelskörper. Am 8. November beginnt ein Zyklus: Antriobsmaschinen im Gewerbebetriebe. Prosp. fcostenl. Schiller-Theater ChVuT Freitag, abends 8 Uhr: Antigone. Sormabend, nachm. 3 Uhr: Zopf nnd Schwert. Somiabend, abend« 8 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonnlag, abends 8 Uhr: Der Ptarrcrvon Kirchfeld Neues Theater. AbendS 8 Uhr: 9*S Mädel von Montmartre. dreoette: Frit.I Maa.ary. «OTOlt. 8'/f Uhr! D»r fidel« e»uar. MM!» Nocli nie dagewesener Ladierfolg! Das Kind der Jirtna mit Anfon und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Borher: 8e!imes2lozg Bslignlllung. Ans. 8 Uhr. Borverkaus 11—2 Uhr. Reiehshallen-Thealer. Stettiner Sänger Gastspiel Robert Steidl. Ans. wochent. 8 Uhr. TonntagS 7 Uhr. Ab 8 Uhr: NencS sensationelles Programm. 10 Attraktionen, Novitäten! 10 Uhr: Ter Gipfel der Komik! Ein Abend in einem amerikanischen TinK-el Taumel. New Aorter Origin. Pantom. Co. Rgsssgo-Ibostos. Abends 8 Ubr: Da. he.te Frogramn» der Berliner Varlott-Saison I Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Meno Telepat. PbäncÄie. The Black cats engl. Backfisch-Ens. und die 10 grl&nzenden Varlctd-X Ummern. RurfUrstendamm 151 nahe Bahnhof Halensee und Char- lottenbuxg. GeöfTnct ab lO Uhr vorm. 12S folarfaewohner bei Arbeit, Sport und Spiel. Renntlerbeerde, Polarbären. Eintritt für Ausstellungsh. 50 Pf. Vorführungen; Wochentags t'/i, 6% 9 Uhr. Sonntags 12. 3, 41/,, 6, 7, 9 Uhr. Letzte Hauptvorfuhrung abends 9 Uhr. Eintrittspreis SO Pf Noacks Theater. Direktion; Robert Dill. verlin N., Brunnenltratze 16. DV Gastspiel im Moabiter Winter-Garten, srüber Artn.hof, Perleberger Str. ,26. Der Glockenguß fu Lresiau. Historisches Drama in 3 Äbteilungm. Ansang 8'lt Uhr. KSnigstadt-Kasino. Scke Holzmarkt- u. Aiexanderstratze nah« Jannowitzbrü-ke. vom l. bis 16. November, abend»>/,8 Uhr: Das Riesen. Weltstadt-Programm. Dnmhe. Somnierrei.e u. die erstklassigen Spezialitäten. Sonntag« 2 Vorstellungen: nach- mittag»'1,4 u. abend«'1,7 Uhr. iASSAGE:::: ANOPTIKUM Die wilden Lebend I Heul-Derwische aus Geyion mit ihren fanatisch. Produktionen. Merino, der lebende AmboS. AGA, die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Corso-Variete. Frlcdrich.tr. 105. Heitere Künstler-Abende. 12 Attraktionen 12 • ü. a.: Das orkoin. Zwergta-Düett Kntree 50 Pf. Folies Capriee. Ansang S'l, Uhr. A: I«. M. Kobi Krach. Zirkns g A. �clinmaiin Heute abend 7'/, Uhr: Luis Hardt Gentlemen-Athlet. Neu! neuer, athletischer Akt; glänzende Vorführungen. De Marios american wonders; das Froschparadies. Außerdem die übrig. Spezialitäten. 91/, Uhr: Die große Feerie lOOO.Bahre auf dem I iffeeresgriinil Sonntng, 5. Xoveraber. 3'/, Ihr: Extra• Nachmittagsvorstellung mit Galaprogramm und ungekürzter Aufführung | von lOOO Jahre auf dem Meere.grand._ Direktion: Willy Cremor. J letzter Tag des glänzenden Ii VoebeD-Repenoires. Morgen Premiere I Eine Zirkus-Tragödie in mwei Akten mit der ergreifenden Schlußszene Der Todessturz Casino-Theater Lotbnnger Str. 87. Täglich 8 Uhr Trotz de» enormen Andränge» Letzter Monat Berliner Possen-Schlager Der selige hollschinsky. Sonnt. 8'/, Uhr: Ein Weib a. d. Volke. Kreuzberg•Feslsäle. SW., Kreuzbergstr. 49. Jeden Freitag: )loflmznn8 Sänger. Ans. 8 Uhr Sntre» 80 Ps. Passepartout» a Vorzugs» karten gAttg.• Nach der Vorstellung: Frei- Tan zkränzchen. Feden Mittwoch: Sr.Erel-Tani. Ans. 8'/, Uhr. Für Vereine Sonnabende noch zu verg. Heute abend 71/, Chr s Humoristischer Qala-Abend. Die gr. Sensation der Neuheit I Pignol der tollkühne Springw I ??? Nur noch ganz kurze Zelt I Frl. Anna Stennle, Schalreiterin. Um 9'/, Uhr zum 21. Male: Origin.- Ausstattungsstück des Zirlin. Baach Volks-Cljeatcr. Rixdorf, Permannftr. 20. Sonntag, 6. Nov: Die wilde Katze. Posse mit Gesang in 4 Akten von Mannftaedt u. Keller. Montag. 6. Nov.: Maria Stuart. Trauerspiel In 6 Akten von Friedr. v. Schiller. Voigt-Theater. Getunddrunnen Badstratze 58. Freitag, den U. November 1911 s Der Fluch des alten GeigerS. Origtnal-Cbaraktergemälde in 4 Allen von Cmil Gallert. Musik o. Butzler Kassenerösin. 7 Uhr. Ans. 8'/, Ubr. Trianon-Theater. Täglich abend« 8 Uhr: 91s1i» Baby. An üohnbaf I El.-Arena Nachmittags: MllltUr-Kon.ert. Allabendlich: Das prachtvolle Eis- Ballett in unübertroffener Ausstattung „Alpenzauber". Dia kleine Charlotte mit ihrer Novität: „Der Lichtcrtanz". Bänder-Reigen— Apachen- Tänze— Pushuallspiel. Einödhoter-Konzert. Restaurant I. Ranges Sonpers a la Kart«. . Bis 8 Uhr u. von IC*/, Uhr | abds. halbe Eassenprsise Fax den Inhalt per Jn'erare Übernimmt dir Redaktion dem vuhliknm gegenüber krtuerlri Verantwortung. fr. 358. 38. IahrMg. ilfilniif des Jomiärts" Öftliiift lelbblitt. Freitag, Z. Nsvemw IM Sie Stacktveroräaeteiimhle» finden für die dritte Abteilung statt am Sonntag, S. November, vormittags 10 Uhr bis 6 Uhr abends, bt folgenden Wahlbezirken und Wahllokalen: 1. Kommnnal-Wahlbezirk. tGehirt zu den Reichstag«. Wahllreisrn I und V, mit einem einzelne:, Grundstück zu IV.) Kandidat der Sozialdemokratie t Kaufmann Robert Drescher, Gartmstr. SS. Der 1. Kommunal. Wahlbezirk umsaht die Stadikezirke 1 bi» 10. 210—217; er ist zerlegt in drei Teile mit drei Wahllokalen. Der e r st« Teil umsaht die Stadtbezirke l— 4, 6—10, nämlich; Ldlerstrahe, Alexanderstr. 18, Biichosstr. 1—11, 13—28, Breite Strohe, Brüderstrahe, Burgstr. 1—11, Dorotheenstr. 83—85(neu numeriert), Eicrgasse. Falkoniergasse, Am FestungSgraben, An der Fischerbrücke, Fischer. strah«. Französische Str. 33b— 33s, Friedrichsgracht, Neue Friedrichstr. 1 bis 42, 65—109, Gcrtraudienstrahe, Kieine Gertraudtcnftrahe, Hinter dem GiehhauS, Gontardstrahe, Grünstrahe, Krunerstrahc von Stadtbahn bis Neue Friedrichstrahe, HauSoogteiplatz, Heiligegeiilstr. 23—33, Hoher Stein« weg, Holzgartenftrahe, Jägerstr. 32—44, Kleine Jägerstrahe, Jerusalemer Strohe 23— 24,©roher Jüdenbos, Jüdenstrahe, Kaiser-Wilhelm-Str. 10 bis 15, 22—32, KalandSgasse, Klofterstr. 1—2, 4—101, Köllnischer Fisch« markt, Köllnische Strohe, Königslrahe, An der Komniandantur, Kreuz. strahe, Am Kröge!, Äurstr. 1—26, 30—51, Kleine Knrftrahe 1—8, 10—12, Alte Leipziger Strahe, Am Lustgarten, Illarienkirchhos 5—23, Mohren- strahe 37»— 40, ivlolkenmarlt, Molkenttrahe, Mollergasse, Monbijoustr. 3, Müblendamm seinschl Schleusengebäude). Am Älühlengraben, Neuer Mühlenweg, Museumstrahe, Kleine Museumstrahe, Neue Gasse, NeumannZ. gasse, Ntederlagstrahe, Nicdcrwalljtr. 1—23, 26—39, Nikolaikirchplatz, Ober- wallftrahe, Oberwasserstr. 10—14, Panoramastrahe, Parochialiwahe, Petrt- platz, Petristrahe, Poststrahe, Kleine Poststrahe, Probslftrahe, RathauSstrahe, Raule» Hof, Rittergasse, Rcchstr. 7—14, Rolanduser, Rohstrahe, Scharren- strahe, �chickserslr. 4—11, Schinkelvlatz, An der Schleuse, Schlohsreiheit, �chlohplatz, Schornsteinsegergasse, Steberstratze, An der Spandauer Brücke 1 bis 3, 10—16, Spandauer Str. 18— 63a, Spreestrahe, Siadtbahnbogen 169 bt« 176, Stadtbahnhof.Alexanderplatz', An der Stechbahn. An der Stralauer Brücke, Stralauer Strahe, Kleine Stralauer Strahe, Tauben« strahe 23b, Unterwasserstrahe, Boltairestrahe von Stadtdahn bis Neue Jriedrtchstrahe, Waisenstrahe, Werdcrstrahe, Werderscher Markt, Werdersche Rosenstrahe, Am Zeughaus, Hinter dem Zeughaus, Platz am Zeughaus. Wahllokal i Hinter der Sarntsouktrche S. Gemcindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirk« 5, 210— 213, nämlich: «ckerstr. 1 und 1a. Artillerieftr. 18—19, Sluguststr. 28—40, 46—53, Kleine «uguststr. 8— t4a, Bischosftr. 12, Burgstr. 12—30, Dircksenftr. 41—51, Eliafser Strahe 82— 97, Neue Friedrichstr. 43—64, Hinter der Garnisonkirche. GipS- strahe 1—18(ohne i8a)j ig— 33. Hackescher Markt, Grohe Hamburger Strahe. Heidereutergasse, Hetligegeistgasse, Heiligegciststr. 1—22, 34—52, Joachtmstrahe, Kaiser-Wilhelm-Str. 1—9, 33—49, Klofterstr. 3, KrauSnick- strahe, Linienstr. 76—89, 195—202, Marienkirchhos 1—4, Monbijouplatz, Monbijoustr. 1, 2, 4, 5, Neuer Markt, Neue Promenade. Oranienburger Strahe 1—33, 70—92, Grohe Präsidentenstrahe, Kleine Präfidcntenstrahe, Rosenstrahe, Rosenthaler Str. 25—53. Neue Schönhauser Str. 2—20, Eophienstrahe, An der Spandauer Brücke 4—9, Spandauer Str. 1—17, 64—81, Stadtbahnbogen 132—168, Stadlbahnhos.Börse', UebersahrtSgass«, Wewmeisterstr. 1 und 2a, Et. Wolsgangstrahe, Ziegelstr. 14—23, Am Zwirngraben. Wahllokal: GipSstr. SZ», Gcmeindcschule. Der dritte Teil umsaht die Stadtbezirke 214—217, nämlich: «ckerstr. 172—174, Artillerieftr. 1—17, 20-36, Auguslstr. 1-27, 54-93, Kleine Auguftstr. 1— 7a, Elsasser Str. 41—81, Friedrichstr. 105—1316, 133—136, Kleine Hamburger Strahe, Hannoversche Strahe 27— 30, LohanniSstrahe, Kalkscheunenstrahe, Koppcnplatz. Linienstr. 93—194, Orauien. burger Strahe 34—69, Schissbauerdamm 1, Ziegelstr. 1—13, 24—32, Am Ztrkl» 7. Wahllokal:«uguststr. 67. vemeindeschule. 2. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu den Reichstag«. Wahlkreisen l, ll, III.) Kandidat der Sozialdemokratie: Geschäftsführer Johannes Sasseubach, Engeluser 15. Der 2. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirke 11 diS 30. 118, 120: er ist zerlegt in drei Teile mit d r e i W a h l l o k a l« n. Der erste Teil umsaht die Stadtbezirke 11—20, 22, nämlich: Bau- hofltrahe, Bchrenstratze, Buiisenstrahe, Charloltenstr. 22a— 72, Dorotheen- strahe 1—82(neu numeriert). Französische Str. 1— 33a(ohne 33b— 33s), 84-68, Friedrichstr. 44— 104a, 137—208, Eendarmenmarkt, Georgenstrahe, HedwigSIirchgasse, Hegelplatz, Jägerstr. t— 31, 45—76, Jerusalemer Str. 14 bis 22. 25— 4l. Kastergalcrie, Kaiierhosstrahe. Kanonierstrahe, Hinter der Katholischen Kirche. Kleine Kirchgasse, Äöniggrätzer Str. 126—141, Krausen« strahe t— 33, 44—77, Kronenstrage, Am Kupsergrabcn, Leipziger Platz, Leipziger Str. 1— 50a. 80—137, Unter den Linden, Lindcngasse, Mark« grasenstr. 31—65, Mauerstrahe. Kleine Mauerstrahe, Äittelstrahe, Mohren- strahe 1—37, 41—66, Neustädtiiche Kirchstrahe, Platz vor dem Branden- burger Tor, Platz am OpenibauS, Pariser Platz. Prinz-Friedrich-Karl- Strohe. Prin:-LouiZ-Fcrdinand.Strahe. Zicichstagsplatz, ReichStagSuser 4— lg, RoSmarinstrahe, Ichadowslrahe. Schützcnstr. t— 5. 70—79. Sommerstrahe, Stadlbabnbozcn 177—205. Stadtbahnbos.Friedrichswahe'. Taubcnstr. 1— 23a (ohne 23b), 24—54, UiiwerjilälSstrahe. Vohstrahe. Am Ecidcndamm, Wllhclmplatz, Wilbelmstr. 42a. 42b. 57—81. Neue AUhelinstrahe, Zimmer- strahe 1—24, 78-100 Wahllokal: Sttederwallstr. 6/7, Gemeindeschule. Der z w e i t e T e i I umsaht die Stadtbezirke 21. 23—26, 120, nömlich: «nballswahe. Charlottcnstr, 2-22, 73—98, Arn Dönhofsplatz. Fciincrstrahe. Friedrichstr. 30-43, 209-223, Alte Jakobsw. 2—26, 118—136, Alt der Jeruialemer Kirche, Jcrusaiemer Str. 1— 13, 42— 66. Junkcrstr. 2— 21, Kochstr. 1—39, 43—75, Königgrätzcr Str. 117a— 125, Kommaudantenstr. 1—4, 80—89. Krausenftr. 34—43, Leipziger Str. 51—55, 69—79, Lindenstr. 20 bis 88, Markgrasenstr. 17—30, 66-84, Oranienstr. 98a— 99, Prinz-Albrecht- Strahe, Pultkameritr. 2—22, Rilterstr. 52—69. Schützenstr, 6—69, Simeon- strahe 15-17, Wühclmstr. 28-42(ohne 42a und b), 43-56, 62—115, Zimmerstr. 25—77. Wahllokal: Alte Jakobstr. 127. Gcmeindcschule. Der dritte Teil umsaht die Stadlbczirle 27-30, 118. nämlich: velle-Alliance-Platz, Besselstrahe. Chariollenstv. 1 und 99, Enckeplatz, Friedrichstr. 1—29, 221—251. Giilchiner Str. 109—113, Hedema mllrahe, Hollmaimftr. 13—28, Zilie Jakobsir 1— lc. 137— 147. 166—175, Junkerslr. 1, Köiugqräder Str 71—117, Lindenstr. 1—19, 89—106, Markgrasenstr. 1-16, 85—107, Neuenburgcr Str. 1—20,22—12, Putlkamerstr. 1 und 23, Wilhelm- strahe l— 27. 116-148. Wahllokal: Wilhclmstr. 117. Gemcindrschnle. 3. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem Reichstags- Wahlkreis Berlin II, teilweise zu dem NeichStagS-WahlkreiS.TcUow'.) Kandidat der Sozialdemokratie: Redakteur Hugo Pöysch, Pasteurstr. 55. Der 3. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirk« 31 bi» 42. 50—53. 56.1: er ist zerlegt in drei Teile mit drei Wahl. lokalen. Der erst» Teil umiaht die Stadtbezirke 31—38, nämlich: Bcllevue« strahe. Bendlerstrahe. Buchenitrahe. Burggrafcnstrahe, Corneliusstrahe, DerfiUi'geUtrahe. Döruberustrahe, Diakcstrahe. Cichhornstr. l— 5, 8— 12, Friedrich-Wilhelm-Strage, Garlenuscr, Genlhiner Ktrahe. Haniemannstrahe. OQa— Oflo Ä-v#i.f«.Ä..<-..>. ÄJfSflfiTrttlhftVrtttP dämm 1-9. 246—264. Kursürstcnstr. 47—96, Landgrasenstrahe. Lennöstrahe. Lichtensteinallce, Linlstr. 45 und 46. Lützowplatz, Lützowstr. 33—78, Lützow« user, Maahenstr. 1—4, 31—37, Magdeburger Platz, Magdeburger Str. 9 b» 27, Margarctcnftrahe, Matthäikirchstrahe, Nürnberger Str. 70 und 71, Potsdamer Platz 1—2, Potsdamer Str. la, l— 28a, 35— 48, 104— 115a, 124—141, Nauchstrahe, Regcntenstrahe. Schellingswahe, Schillstrahe. Stgiö« mundslrahe, Siadtbahnbogen 483-530. Steglitzer Str. 25-63, Stnlerstrahe, Tiergarten(Hülste südlich der Charlottenburger Chaussee), Tiergartenuser, Ulmenstrah«, Viktoriastrahe, Wichmannstrahe, Zoolo Garten. Wahllokal t Genthiuer Str. 4, Gemeindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirke 39— 42, 60, nämlich: verndurger Str. 18, Blumenthalstr. 20, BlumeShof, Dennewitzftr. 1—9, 33—38, Eichhorn itr. 6 und 7, Flottwellstrahe, Hafenplatz 10, Am Karlsbad, Königgrätzer Str. 13—17, Königm-Zlugusta-Strahe 1—5, Körnerstrahe Köthener Strahe, Kursürstenstr. 1—28. 153— 173a, Linlstr. l— 14, Lützow- strah: 1—32, 79—113, Magdeburger Str. 1—8, 28—36, Potsdamer Platz 3 bis 6, Potsdamer Str. 24-34, 116—121, 121a— 121k, 122-123b, Schöne- berger User 5— 48, Steglitzer Str. 1—24, 64— 94. Wahllokal: Steglitzer Str. 8a, Realschule. Der dritte Teil umsaht bie Stadtbezirke 51—53, SSL., nämlich: Anhalter Bahnhof, ASkanischer Platz, Bahnhosstrahe. Bernburger Str. 1—17, 19—35, Dessauer Strahe, Krohbeerenstr. 1—9, 86—96, Hasenplatz 1—9, Hallesche Strahe, HallescheS User, Hornstr. 14, Kletnbeerenstrahe, König- grätzer Str. 18—70, Luckenwalder Strahe, Möckernstr. 1—52, 93—147, Schöneberger Strahe, Schöneberger User 1—4, Teltower Str. 38, Tempel- böser User 25—37, Trebbiner Strahe, Wartenburgstr. 15 und 15a, Jorck« strahe 24—35. Wahllokal: Kleinbcerenstr. 2, Gymnasium. 4. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-Wahlkreit II.) Kandidat der Sozialdemokratie t vürgerdeputierter Hugo Woldersky. Brückenallee». Der 4. Kommunal-Wahlbezirk umsaht dl« Stadtbezirke 43 bIS 49; er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahllokalen. Der erste Teil umsaht die Stadtbezirke 43—45, nämlich:«a der Apostellirche, Blumenthalstr. 1—19, BAowstr. 26—43, 60—83, Dennewttz- platz, Dennewitzstr. 10— 32, Frobenstr. 1—4, 23—31, Kursürstenstr. 29—46, 139-152, Potsdamer Str. 49—56, 97— 103a, Steinmetzstr. 1-17, 62—79, Ztetenstr. 25-28. Wahllokal: Steinmetzstr. 79, Gemeindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezlrle 46, 47A, 47B, nämlich: MvcnSlcbenstr. 1, 26, 26a, Bülowstr. 8—25, 84—100, Elhholzstrahe, Froben« strahe 5—22, Gleditschstr. 22—53, Goebenstr. 31, Grunewoldstr. 1—11, PallaSftr. 1—17, 24—26, Potsdamer Str. 57— 96b, Schwerinstr. 1—19, Winters eldtplatz, östliche Seite, Wtnterjeldtstr. 1—17, 22— 37, Zielen« strahe 17—24. Wahllokal: Winterfeldtstr. 16, Gemeindeschule. Der dritte Teil umsaht die Stadtbezirke 48L und 4SB, nämlich: AlvenSIebenftr. 2—12, 14— 25, Goebenstr. 1— 10a, 19—30, Grohgörschm« strahe 35—42, Kirchbachstrahe, Steinmetzstr. 18— 61. Wahllokal: PallaSftr. 15. Gcmetndeschule. Der vierte Teil umsaht den Stadtbezirk 49, Nämlich:«IvenS- lebenstrahe 12a und 13, Bülowstr. 44—59, Culmstrah«, Goebenstr. 11—18, G-ohgörschenstr. 30—34, Manfteinstrahe, Dorcklw. 43—48. Wahllokal: Culmftr. 15. Gemeiudeschule. S. Kommunal-Wahlbezirk. (GeHirt zu dem ReichStagS-vahlkrettll. Kandidat der Sozialdemokratie: Restaurateur Julius Meyer, Oranienstr. 103. Der 5. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirk« 55, 562—62: er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahllokalen. Der e r st e Teil umsaht die Stadtbezirke 55, 57, 58, nämlich: Groh» beerenstr. 10— 27a, 63-85, Hornstr. 1—13. l5— 23, Teltower Str. 12—37, 33a— 62. Tempelhoser User 7—24, Wartenburgstr. 1—14, 16—29, Forckstr. 1 big 14, 80-90. Wahllokal: Dempelhofer Ufer SO. Gemeindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirke 56B und SIL, nämlich: Bautzener Strahe, Grohgörschenstr. 2l— 29, Katzbachstr. 1—14 und ihre Ost« seite von Monumentenstcahe bis Nr. 39, Katzlerstrahe, Kreuzbergstr. 26— 42b, 421-59. Möckernstr. 63-73, Jorck str. 36—42, 49—65. Wahllokal: Hagelberger Str. 31, Gemeindeschul«. Der drttie Teil umsaht die Stadtbezirle 59 und 60, nämlich: Belle-Allianee-Str. 13—26, Grohbeerenstr. 28—41, 43—62, Hagelberger Strahe, Möckernstr. 73a— 92. Jorckstr. 15—22, 66— 79. Wahllokal: Wartenburgstr. IX, Fortbildungilchule. Der vierte Teil umsaht die Stadtbezirle 612 und 62,»ämNch: Belle-Allianee-Str. 27—50, Dretbundswahe, Ey lauer Strahe, Grohbeeren« strah« 42, Katzbachstr. 15—28 und ihre Ostlette von Dreibundstrahe bi« Monumentenswah«, Kreuzbergstr. 1—25, 42». 60—78, Am Kreuzberg, Lichters eider Strahe. Monumentenstr. 15—30, Kiew« Parkslrahe, Biktoria« park, Wilhelmshöhe. Wahllokal: Belle-Allianee-Str. 89. Realschule. RO. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem RetchStagS-vahlkreiS IV.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Ludwig Dolködorf, Görlitzer Str. 58. Der 10. Kommunal-Wahlbeztrl umsaht die Stadtbezirle 93 bi« 96. 110—113»; er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahllokalen. Der erste Teil umiaht die Stadtbezirke 93—96, nämlich: Kottbuser User 29—30, Laufitzcr Platz 1—6, 14—18, Lausitz» Strahe. Manteustel. strahe 32—43, 84—100, Naunhnstr. 1 und 9l, Oranienstr. 1, Pücklerstr. 27. Reichenberger Str. 53—54. 137—138, Skalitzer Str. 36— 4Sa, 86—107, Watdemarstr. 2— 9, 71—78, Wiener Str. 1—15, 63—69. Wahllokal: Watdemarstr. 77. Gemeiudeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirke 110 und III, nämlich: Görlitz» Bahnhos, Glogauer Str. 1 und 34. Görlitz« Str. 1—28, Görlitz« User 17—20, Grünauer Strohe. Kottbuser User 18—28, Liegnitzer Str. 43. Ratiborstt. 1 und 2t, Reichenberg» Str. 55—63», 127—136, Skalitzer Strohe 46b. Spreewaldplatz, Wendenstrahe, Wiener Str. 16—33, 33b— 39, 41-62. Wahllokal: Reichenberger Str. 1S1/13S. Gemeindeschule. Der dritte Teil umsaht die Stadtbezirke 112A und 1122, nämlich: Forster Strahe, Kottbuser User 12— 17a, Liegnitzer Str. 12—14. Retchen« berger Str. 64-76, 111—126, Wiener Str. 33a. Wabllokai: Reichenberger Str. 67—79. Gemetndeschuie(Ein. gang Forfterstr. 15). Der vierte Teil umsaht die Stadtbezirke U3L und 1132, nämlich: Glogauer Str. 2—33, Görlitz» User 21—26, Kottbuser User 1—11, Liegnitzer Strage 1—11, 15—42, Naliborstr. 2—20, Reichenberger Str. 77—110, Wiener Strahe 40. Wahllokal: Glogauer Str. 12-16, Gemeindeschule. 13. Kommunal-Wahlbezirk. (GeHirt zu den Reichstags« WahlkreisenII und M.) Kandidat der SozialdeHokratie: Stadtverordneter Dr. Jgnaz Zadel. Dresden« Str. 109. Der 13. Kommunal-Wahlbeztrl umsaht bje Stadtbezirke 114—117, 119, l 2t—126, 131— 1Z4: er ist zerlegt in vi» Teile mit vier Wabilokalen._ Der erste Teil umsaht die Stadtbezirke 114,115, 117, nömlich: Alcrandrinenstr. 1—13, 117a— 132, 134—137, Brandenburgstr. 1—2 und 82, Füritenstr. 1 und 24, Giischiner Str. 1—108, Alle Jakobstr. 148—165. Luisenuier 47—57, iKoritzsir. 1—11, 14—24. Neuenburgcr Str. 20a— 21, Prinzenstr. 1—16, 103—119, Sedanuser, Wassertorstr. 1—17, 68—76. Wahllokal; Brandenburgstr. 78,79, Gemeiudeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirke 116, 119, 121, 122. nämlich: Alexandrincnstr. 14— 37a, 92-117, Brandenburgstr. 8—36, 47 bis 81. Hollmaiinilr 1—12. 29—43, Jakobilirchstrahc, Malhieustrahe. Moritz« strahe 12-13, Rilterstr. 30—51, 70—05, Simeonstr. 1—14, 18—32, ffiasfer« rorstrahe 18—55. Wahllokal: Wassertorstr. 31, Gemeindeschule. Der dritte Teil umsaht die Stadtbezirke 123—126,«ämsich: Brandenburgstr. 37-46. Fürstenftr. 2-23. Luckaue: Str. 17. Luisenuser 23 bi» 46. Moritzplatz, Oranienplatz westlicher Teil, Oranienstr. 42-69, 137 165. Prinzenstr. 17-33, 82—102, Prinzessinnenstrahe, Rittersir. 1—29, 96—126, Stallschreiberstr. 3—15, 52— 64. Wahllokal: Prinzenstr. 51. Biktoriaschule. Der vierte Teil umsaht die Stadtbezirle 131—134. nämsich: Alerandrinenstr. 44—86, Annenstr. 1—10, 41—53, Buckower Strahe. Dresdener Str. 21—54, 93—113, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz, Luckauer Strohe 1-16, Lnisenufer 1—22, Neanderstr. 17-18, Prinzenstr. 3»-öl, Sebastianftr. 1—24, 63—88, Stallschreiberstr. 1—2, 16, 48—51. Wahllokal: Prinzenstr. 70, Turnhalle. 14. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem Reichstags« Wahlkrei» lll, mit einigen Grundstücken zu I.) Kandidat der Sozialdemokratie: Kaufmann Alexander Fröhlich, Greisswald« Str. 48 a. D« 14. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirk« 127—130, 135—144: er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahl« Der erste Teil umsaßt die Stadtbezirke 127—130, nämlich: Alexandrinenstr. 38—43, 87— 9t, Beuthstr. 1—8. 17—22, Neu« Grün« strahe 1—14, 29-41. Alte Jakobstr. 27—62. 83-116, Kommandanten. strahe 5—79, Kürassierstrahe, Luisenkirchbof, Oranienstr. 70—98, 100—136, Sebastianftr. 25-62. Seydelstr. 4— 30 a, Stallschreiberstr. 17—47. Wahllokal: Stallschreiberstr. 54, Gemetndeschuie. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirle 135, 136, 144, ttämllch: Annenstr. 11—40, Beuthstr. 9—16, Dresdener Str. 55—92, Gertraudtenfteg, Neue Grünstr. 15—28, Alte Jakobstr. 63—82, Neue Jakobstrahe, Jnselftr. 13 und 13a. Kurstr. 26a— 29, Kleine Kurstr. 9. 13—18, Leipziger Str. 56—68, Neanderstr. 2—16, 19—37. Niederwallstr. 24—25, Oberwasserstr. 15—16, Neue Nohstr. 1— 4, 21—24, Schäserstrahe, Schmidstr. IIb— 36a, Seydelstr. 1—3, 31—32, Svittelmarkt. Wallstr. 1—27, 84—91. Wahllokal: Jnselftr. S— 6, Gymnasium(Eingang Wallftrahe). Dn dritte Teil umsaht die Stadtbezirle 138, 139, 140, nämlich: Adalbertstr. 24—66. Cöpenick« Str. 30-59, 119-142, Engeluser, Melchior« strahe, Michaelkirchplatz 1—16, Michaelkirchstrahe, Wusterhausener Str. 13—14. Wahllokal: Cöpenicker Str. 125. Gemeindeschule. D« vierte Teil umsaht die Stadtbezirke 137, 141—143, nämsich: Brandenburger User, Brückenstrahe, Cöpenicker Str. 60—118, Franzstrohe, Jnselftr. 1—12, Joseistrahe, Am Köllnischen Park, Märkisch« Platz, Michael« kirchplatz 17—24, Neanderstr. 1 und 38, Neu Kölln am Waff«, Ohmstrahe, Neue Rohstr. 5-20, Rungestr. 3—37. Schulze-Delitzsch-PIatz, Schmidstr. 1 bis IIa, 37—46, Splittgerbergasse, Wallstr. 23—83, Wassergasse, Wüster- Hausen« Str. 1—12, 15—21. Wahllokal: Schmidstr. 88.«emeindeschule. 15. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-Wahlkreis IT.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Waldeck Manasse, Friedenftr. 18. Der 15. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirk« 145—152, 154, 162, 163: er ist zerlegt w vi« Teile mit vier Wahllokalen. Der erste Teil umsaht bie Stadtbezirke 145—147, nämlich: Alexanderstr. 8—17, 20a— 36a, Blankenseldestr. 1 und 15, Blumenstr. 1—26, 72—101(neue Nummern), Dircksenftr. 1—15, Große Frankfurter Str. 70, Kleine Frankfurter Str. 1—9, 20—25, Grüner Weg 1— 13a, 114— 125, Holz« marktftr. 73, Jfflandstrahe, Kaiserstr. 1—24, 26—48, Magazinstrahe, Markus« strahe 45— 46, MarsiituSstr. 9—15, schicklerstr. 1—3, 12—13, Schtlliugstrahe, Stadlbahnbogen 72—92, Boltairestrahe von Alexanderstrahe bis Stadtbahn, Wallnertbeaterstr. 13— 34. Wahllokal: Blumenstr. 77, Hilfsschule. D«»wette Teil umsaht die Stadtbezirke 148, 149, ISO, nämsich: Wexanderstr. 19—20, AndreaSstr. 68, Grün« Weg 14—22, 102— 113, Hol,- marttstr. 1—24, 48—55, 58—72, An der Jannowitzbrücke, Krautstr. 11—12, 16. 16a. 23—29. 30a— 34a. Lange Str. 1—27, 82—110, MarkuSstr. 1—14, 47—54, Kleine MarkuSstrahe. An der Michaelbrücke, Raupachftrahe, Stadt- bahnbogen 28—71, Stadlbahnhos.Jannowitzbrücke", Wallnertheaterstr. 1 biS 12. 35—45. Wahllokal: MarkuSstr. 4», Gemeindeschule. Der dritte Teil umfaßt die Stadtbezirke 152 und 154, nämsich: Blankenseldestr. 2—14, Elisabcthstr. 1 und 65—66, Grohe Franksurlcr Str. 49—69, 7l— 89, MarkuSstr. 30, MarsiituSstr. 1-8, 16—25, Palisaden- strahe 1, 12—13, Wahmannstr. 10—37, Web«str. 8—35, 38—63. Wahllokal: Elisabethstr. 57/68, Gymnasium. D« viert« Teil umsaht die Stadtbezirke 151, 162, 163, nämsich: AndreaSplatz, AndreaSstr. 29— 14, 47—60, Kleine Andreas strahe, Blumen« strahe 27—49, 51—71(neue Nummer), Grüner Weg 23—31, 89—101, Krautstr. la— 10, 13— 15a, 17-22, 85— 55a, MarkuSstr. 15-28, 31—44. Wahllokal: Krautstr. 49. Gemeindeschule. 21. Kommunal-Wahlbezirk. (GeHirt zu den Reichstag»,«ahlkretje» versia IT«md ,Nted»>Barnim'.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Fritz Wille, Sebaftianstr. 88. Der 81. Kommunal-Wahlbeztrl umfaßt die Stadtbezirk« 1812, tOOA bis F, 191; er ist zerlegt in bt« Teile mit vier Wahl» Der e r st e T« t l umsaht die Stadtbezirle 181 2 und 190 0, nämsich: Dolziger Str. 1 und 51, Ebertystr. 18—34, Eldena« Str. 1—11, 13—38, Sausburgstr. 25— 31, Hübnersir. 7 und 8, Landsberger Allee 69—75. latternsir. 2—19, Petienkoserstr.€9, ProSkauer Str. 20, Ringbahnhoj ,Z entralviehhos', Samariterstr. 21—22, Schlachthos, Sttahmannftr. 18—22, Thaerslr. 26—36, Boiglstr. 21, Zorndorser«tr. 25—30, 33— 41. Wahllokal: Petersburger Platz 3. Gemeindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirle 190 A und 191, nämlich: Colhentusstr. 8—10 und von da die Südsetie weit« bi» Strahe 28. Deutsch» Kroner Strahe, Ebertystr. 1 und 57, Elbinger Str. 1—8(neu nummertert), tzauSburgstr. 1, Knivrodestrahe von Ringbahn biS Weichbildgrenze, Lands- verg« Allee 42—58, 76—137, Petersburger Sir. 49, Plätze II 2, 2 2, II 3 (Abt. Xill de» Bebauungsplanes), Ringbahnhos.Landsberg« Allee", Ströhen 16a. 17b. 18a. 22a. 23a. 24. 26a. 27. 51(AM. XIII1 de» Be. bammgSplan»), Strahe 15a Südseite von Kniprodestrahe bis Strahe 17, Strohe 16 von Ringbahn bis Straße 27, Strahe 17 Westseite von Ring- bahn bis Strahe 15a, Straße 91b von Ringbahn bis Straße 17, Strahe 23 von Landsberger Allee bis CotheniuSstrahe, Strahe 40a von Kniprode» strahe bis Strahe 17, Thaerstrahe Westjette der Strecke nördlich der Ring« bahn, Thorn« Str. 1— 6, 62—67. Wahllokal: Elbinger Str. 4, Gemeindefchnle. Der dritte Teil umsaht die Stadtbezirke 190 2 und 180 2, Nim» sich: Ebelingstr. 2—16, Eberlystr. 2—6, 12—17, 35-56, HauSbnrgstr. 2-24. Heidenseldttr. 12—15, Kochhannstr. 16-23, Strahmannstr. 10—17, 23—85, WeiSbachstrahe. Wahllokal: HauSbnrgstr. 20. Gemeindeschule. Der vierte Teil umsaht die Stadtbezirke 190V«md l90F, nämlich: CotbentuSstr. 1—7 und die Nordseite von Strahe 28 an bi» zu Ende, Eberlystr. 7—11, Ewingcr Str. 9—35(neu nummeriert), Gnesener Strahe, Heidenseldstr. 2—11, 16—21, Kniprodestrahe von Elbing« Strahe bis Ringbahn, Kochhannstr. 11—15, 24—33, Oliva« Strahe, Paul-Heyse« Strahe, Platz K'Abt. XIII des Bebauungsplans), Schtieidemühl« Strahe, Schönlanker Strahe, S trage 16 von Strahe 28 bis Ringbahn, Strahe 23 von Kniprodestrahe bis CoibeniuSstrahe, von den Siragen 7 und 9 die Eckgrimdstücke an der Kniprodestrahe, von der Strahe 7s die Nummern 1 und 16, �Horner Str. 7—61. Wahllokal: Olivaer Str. 19. Gemeindeschule. SS. Kommnnal-Wahlbezirk. (GeHirt zu dem Reichstags-WahlkreiS IV.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Hugo Heimann, Ulmenstr. 6. Der 23. Kommunal-Wahlbezirk umsaht die Stadtbezirke l89v, 1892, 1930, D, Q, H; er ist zerlegt tu drei Teile mit drei Wahllokalen. Der erste Teil umsaht die Stadtbezirle 1891) und 189P, nämsich: Allenfteln« Str. 20 und 21, Bardelebenstrahe, Bötzowstr. 1—11, 85—42, BraunSberger Str. 1—4. 29—32, Elbinger Str. 83—8?(neu nummeriert), ESmarchstr. 1—4, 24—27, Friedcberger Str. 9 und 10, Am FrieorichZ. haln 1—34, Husclanditr. 24 und 25, Kniprodestr. 1—15, 113—:2S, Lippehnu Str. 2—36, Pasteuritr. 26/27, Virchowstr. 7—10, Werneuchen« Strohe. Wahllokal: Bötzowstr. 40. Gemeindeschule. Der zweite Teil umsaht die Stadtbezirle 1930 und 193 ll. Nim» sich: Allenstetner Str. l— lS. 22—40, Bötzowstr. 12—19, 26—34, Braun». beiger Str. 5—13, 20—28, ESmarchstr. 5—23, Huselandstr. 4—23, 25—43, Pasteurstr. 2— 25 Wahllokal: ESmarchstr. 18, Gemeiudeschule. D« d r l t t e T e t l umsaht die Stadtbezirle 1931) und 1930, nämlich: ArnSwaldu Platz, Bötzowstr. 20—25, BraunSberger Str. 14—19 und Strecke von Elbinger Strahe bis Strahe 9, Eibinger Str. 36— 57, 60— 82(neu nummeriert), Friedeberger Sir. 1—8, 11—18, Pasteurstr. 28—47, Strahe 7 und 9 ohne die Ecken an der Kniprode- und an der Greisswald« Straße, Strahe 7a Nr. 2—22, Strohe 7s Nr. 2—15, Strahe 3, Strahe Sa, Strohe U von Strahe 9 bt» Ningbah», Woldenberger Str. 2—31. Wahllokal: Pasteurstr. 44—4«, Oberrealschule. 24. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagSwahlkreise V. teilweise zu IV.) Kandidat der Sozialdemokratie t Arbeitersckrctar Eugen Brückner, Rüdersdorfer Str. S4. Der 24. Kommitnal-Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 502 bis i93B, 193E, F, 194A— C; er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahl- lokalen. Der erste Teil umfaßt die Stadtbezirke 192 und 1931� nämlich: Beeskower Straße, Carmen-Sylva-Straße von GreifSwaldcr Straße bis Prenzlauer Allee ohne die Ecke an dieser, Chodowieckistr. 1—10, 33—42, Danziger Str. 43 61, Eibinger Str. 58 und 59(neu nuuimcriert), Greifs» Wälder Str. 43—194, Kubitzstraße, Hofemannstraße, JablonSkistr. 1—10, 31—39, LiSztpiatz, Naugarder Straße. Paileurftr. 48. Platz 0, Ningbahnhof .Weißenfee", Stargarder Strage Südseite von Grcifswalder Straße bis Winsstraße und Nordfcite von GreifSivalder Straße bis Prenzlauer Allee ohne die Eiken an dieser, Storkowcr Straße, von Straßen 7 und 9 die Eiken an der GreifSivalder Straße, Straße 7a Nr. 1 und 23, Straße Ida, Straße 13, Straße 14a, r trage 15a Südseite von Grcifswalder Straße bis Kniprodestraße, Straße lllZb von Prenzlauer Allee bis GreisSwalder Straße, Straße 22b, Straße 23d, Straße 49a von der GreisSwalder Straße bis Kniprodestraße, Wicherlitraße zwischen Prenzlauer Allee und GreisSwalder Strafte, Winsstraße Oslscite von Nr. 31 bis stargarder Straße. Wisbyer Straße von GreifSivalder Straße bis Prenzlauer Allee ohne die Ecken an dieser, Woldcnbcrgcr Str. 1 und 32, Zelterstraße von Prenzlauer Allee bis Naugarder Straße. Wahllokal: Christburger Str. 7, Geineindefchule. Der zweite Teil umfaßt die Stadtbezirke 193A. und 1948, nämlich: GreisSwalder Str. 12—32, 204—219, Huselandstr. 1—3, Immanuel. kirchstraße 10—27, Lippehner Str. 1 und 37—40, Marienburger Str. 2—48, Wiusstr. 20—21, 54-55. Wahllokal: Christburger Str. 14, Gemeindeschule. Der dritte Teil umfaßt die Stadtbezirke 193B und 193F, nämlich: Chodowieckistr 11—20, 23—32, Chriftburaer Str. 4— 49, Danziger Str. 32 bis 42, 62— 64, Dicstcriocgstraße, Fröbelst. aße, GreisSwalder Str. 33— 42, 195— 203, Huselandstr. 49 und 50, JablonSkistr. 11—20, 23—30, Pasteur» straße 1, Platz G, Stargarder Straße, Südleite von WinSstraß« biS Prenz» lauer Allee, WinSstr. 22—30 und ihre Westseite von Stargarder Straße an bis Winsstr. 53. Wahllokal: Fröbelftr. 17. Siechenhaus. Der vierte Teil unisaßt die Stadtbezirke 194A und 1940, nämlich: Am Friedrichshain 35, GreisSwalder Str. 1—11, 220-234, HeinerSdorfer Straße 3—27, Jmmanuellirchstr. 2—9, 28—37, Naabestr. 2—16, WinSstr. 1 biS 19. 56—72. Wahllokal: HeinerSdorfer Str. 18, Gemeindeschule. 25. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu den R e i ch S t a g s- W a h l l r e i s e» IV und V.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Adolf Hoffmann, BInmenstr. 22. Der 25. Kommunal-Wahlbezirk ninsaßt die Stadtbezirke 182—183, 195—201: er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahl- Der erste Teil umfaßt die Stadibezirle 182, 183, 197, 201, nämlich: Alexanderplatz Alexandcrstr. 1—7, 37— 52, 69—71, Büschingplatz, Büsching- (trage 17, Dircksenstr. 16—23, Elisabethstr. 2— 64, Fliederstr. 2— 16, Kleine Frankfurter Str. 10—19, Gcorgcnkirchvlatz 1—14, 33—34, Gollno roste. 9— 38, Grunevftraßc vom Alexanderplatz bis Dlrcksenstraß«, Kaiserstraße 25 und 25a, Katdartnenstr. 1—4, 8—12, Am KönigSgraben 1—3, 20—23. Neue König- ttraße 44— 49, Kurzestraße, Landsberger Str. 20—100, Landwehr straße, Lictzmannftr 8—23, Mehnerstraße, Palisadcnstr. 104— 106, Prenzlauer Straße 32 und 32a, Alte Schützenstr, 8—15, Stadtbahnbogen 93— 117, Waß- mannstr. 1—6, 9, 9a, Weberstr. 36 und 37, Weinstr. 20—21. Wahllokal: Georgenkirchstr. 43, Mädchenschule. Der zweite Teil umlaßt die Stadibezirle 184—137, nämlich: Barniniltr. 1—10, 41a— 50, Büschingstr. 1—16, 18—35, Friedenstr, 14—35, Höchstestr. 9—46, Landsberger Sir, 1—19, 101— 120a, Lichlenberger Str. 1 bis 9, 12—23, Weinstr. 1—19, 22-32. Wahllokal: Höchstestr.»6/37, Gcmeindeschule. Der dritte Teil umsaßt die Stadibezirle 183. 195, 199. nämlich: Barnimstr. II— 41, An der BaribolomäuSIirchc, gliederslr. 1 und 17, Frieden« straße 1—13, 103— 112, Georgentirchstr. 1—9, 59— 70, Gollnowitr. 1 und 46, Höchstestr. 1—8, 47—51, Jostystraße, Keibclftr. 1 und 43— 44, Neue Königstr. 1— 19o, 76—95, Liniensir. 1—12, 240—249, Lothringer Str. III bis 112, Mendeissokmstraße, Meyerbeerstraße, Prenzlauer Allee 1. Prenzlauer Straße 1—5, 57—62, Weydüigerstraße östliche Ecke an der Lothringer Straße. Wahllokal: Georgenkirchstr. K, Gemeindeschule. Der vierte Teil umfaßt die Stadibezirle 196, 198, 200, nämlich: Georgenkirchplatz 15 und 18—32. Georgenkirchstr. 10—58, Kollnowstr. 2—8, 39-45. Hiitenstr. 1-2. 20-23, Katharinenstr, 5-7, Keibelstr. 2—42. Neue Königstr. 20—43. 50—75, Lietzmannstr. 1—7, 24—23, Linienstr. 250, Prenzlauer' Str. 6—29, 33—56, Alte Schützenstr. 1—7, Wadzeckstraße. Wahllokal: Keibelstr. 31/3«, Gemcindeschule. 28. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-WahlkretS VI.) Kandidat der Sozlaldemokratle: Stadtverordneter Karl Koblenzer, Stolpische Sir. 35. Der 28. Kommunal-Wahlbezirk umfaßt dlc Stadtbezirke 237 biS 241, 2428, 243A— 245; er ist zerlegt In vier Teile mit vier Wahl- lokalen. Der erste Teil umsaßt die Stadlbezirke 237—239, nämlich: Betsorter Straße, Colmarer Straße, Diedenhosener Straße, HeinerSdoricr Straße 1—2, 28, Jmmanuelkirchstr, 1 und 33, Mülhaulener Straß«, Prenzlauer Allee 17—32. 224—233. Naabestr. 1 und 17, Rylestr. 1 und 54. Straßburger Str. 24—35, TreSckowstr. 19—28, Weißenburger Straße 8—24, 63-84. Wahllokal: Weisteubnrger Str. 4», Realschule. Der z w e i t e.T e i l umsaßt die Stadtbezirke 240, 241, 2428, nämlich: Franseckistr, 9—21, 41—54. Hagenaner Str. 1— 1b und 18, Hochmeister. snaße 1—10, 23—32, Marienburger Str. 1, Prenzlauer Allee 33— 40, 215—223, Rhkestr. 2—11, 46—53, TreSckowstr. 7—18, 39—50, Weißenburger Straße 25—31 und 62, Sörther Platz, Wörther Str. 2—24, 26— 19. Wahllokal: Tauzigcrstr. 33. Gemctndeschule. Der d r t t t e T e l I umsaßt die Stadtbezirke 243 A und 2438, nämlich: Chorincc Str. 21 und 22— 64(ohne 21a), Danziger Str. 1, EberSwalder Straße 24, Franseckistr. 1—8 und 55, Kastanienallee l und 93—103, Oder- berger Str. 1—7 und 61—62, Schönhauser Allee 19—45, 145— 172b, TreSckowstr. 2—6, Wörther Str. 1 und 50. Wahllokal: Schönhauser Allee 166», Gemeindefchule. Der vierte Teil umsaßt die Stadtbezirke 244 und 245. Nämlich: EberSwalder Str. 1—23, 27—52, Kastanienallee 2—35, 71—92, Oderberger Straße 8-31, 34-60." Wahllokal: Oderberger Str. 57, Gcmeindeschule. 35. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-Wahlkrei« VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Karl MarS, Greifenhagener Str. 34. Der 35. Kommunal-Wahlbezirk umsaßt die Stadt- bezirke 261.4-264, 276-278; er ist zerlegt in vier Teile mit vier " a h l I o k a l e n. Der erste Teil umfaßt den Stadlbezirk 261 A, nämllch: Brunnen- straße 66—76, 112—122, JaSmunder Str. 5 und 6, Lortzingftr. 1, Usedom- straße l-13a. 23-35, Boltastr. 53, Wattstr. 2-12, 15-21. Wahllokal: Wattstr. 16. Gemeindefchule. Der zweite Teil umsaßt die Sladibezirke 2618 und 264, nämlich: Ackerstr. 71—76, Feidilr. 10—17, Hermsdorser Str. 1—11, Hussilenstr. 15 bis 63, JaSmunder Str. 2—4. 7—21, Scheringstr. 12, Usedomstr. 14—22, Boltastr. 19—36, Wattstr. 22-24. Wahllokal: Ackerstr. 67, Bemelndeschule. Der dritte Teil umfaßt die Stadibezirle 2610. 262, 263, nämlich: Ackerstr. 77—116, Blochstraße, Brunnennr. 77— lila, Gartenplatz, Gartenstraße 55—74, Krenzstr. 7—10, Gustav-Meher-Allee, HermSdorser Str. 12, Huniboldthain, Hussiicnstraße von Schering- bis Grenzstraße, Lortzingstr. 43, Ramlerstr. 1 und 38, Rügener Str. 1 und 27, Scheringstr. 1—11, 13—23, Boltastr. 1— l8. 37-52, Wattstr. 13 und ,4. Wahllokal: Wiesenstr. 66. Gemeindeschule. Der vierte Teil umfaßt die Stadtbezirke 276, 277, 278, nämlich: Boyenstr. 46, Chausseestr. 63—87, Aartenstr. 75—83, Gcrichtftr. 1—16, 71—86, Grcnzftr. 1—6, 11—21, Hochstr. 47—4», Neue Hochstraße, Lenzener Platz. Llescnslraße, Schönwalder Str. 1-8, 27—30, Schulzendorser Straße Wahllokal: RavenSstr. 1«, Gemeindeschule. 4S. Kommunal-Wahlbezirk. (Dehört zu dem Reichstags- Wahlkreis VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Dr. Leo AronS. Brückenallee Z. Der 42. Kommunal-Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 305. 308A.— E; er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahllokalen. Der erste Teil umfaßt den Stadtbezirk 305, nämlich: gennftr. 4a bl« St, Müllerstr. 169—185, Am Nordbasen 1—8, Norduser von Ringbahn bis Nordbasen, Sellerslraße, Tegeler Str. 1—7, 55—56. Wahllokal: Stephaustr. S, Gemeindefchule. Der z w e i t e T e t l umsaßt die Sladibezirke 308A und 3080, nämlich: BurgScorsstr. 3.-16, Lynarstr. 1-15, 30 bis Ende. Müllerstr. 163a-168. Spanplatz, Sparrilr. 1-13(ofcne 13a), 14—29, Sprengeistr. 1—7, 43—46, Willdenowstr. 1—5, 26 bis Ende. Wahllokal: Müllerstr. 158, Gemcindeschule(Eingang: Willdenowstr. l4,lS>. Der d r i t t e T e i l umfaßt die Stadibezirke 3088 und 308E, nämlich; Antwerpener Str. 24—28, BurgSdorsstr. I und 2, Genter Straße von Trijtftraße bis Luxemburger Straße, Müllerstr. 153—163, Samoastraße von Triitstraße bis Sprengel, traße ohne die Ecken an dieser, Sparrstr. 13a, Trislstr. 1—56, 59—73, Willdenowstr. 6—25. Wavllokal: Lütttcher 2tr. 37/39, Gemeindeschule(Eingang Ostcuder Str. 39/16). Der vierte Teil umsaßt den Stadtbezirk 3081), nämlich: Kiautschou• straße, Lynarstr. 16—29, Norduser von Ringbahn bi» Torsstraße, Peking- platz, Samoastraße von Norduser bis Sprengelstraße, einschl. deren Ecken- Sprengclttr. 8-42. Tegeler Str. 8-54. Torsstr. 9—16. Trtststr. 57/58. Wahllokal: Tegeler Str. 18/«0. Gcmeindeschule. A 46. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-WahlkretS VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter August Hinye, Pankftr. 57. Der 46. Kommunal-Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 307, 314A— 317; er ist zerlegt in vier Teile mit vier Wahllokalen. Der e r st e T e i l umsaßt die Stadtbezirke 307 und 316, nämlich: Aböls. straße 10— 27a und westliche Seite von Gericht- bis Planlagenstraße, Anton. straße. Courbisreplatz, Am Courbiöreplatz, Gertchfftr. 37—57, Maritr. 1—12, 15—22 Müllerstr. 12-25a. Biantagenstr. 9—37, Prinz-Eugen-Slr. 1—13, 16—29, Ruheplatzstraße,«chereritr. 2—11. Wahllokal: Antonstr. 36—41. Gemeindeschnle. Der zweite Teil umsaßt die Stadibezirle 314 A und 814 D, nämlich: tzennigsdorser Straße 1—9. 36— 37, Hochstädter Straße, Leopoldplatz, Liebenwalder Straße 1—34, 37—60, Malplaquetstr. 1—4, Maritr. 13— 13e, 13g— 14, Nazaretykirchstraße Osts eile von Turiner Straße bi« Maxstraße. Prmz-Eugen-Str. 14— 15, Reinickendorfer Str. 70, Schulftr. 14— 39, 103—124, Utrechter Str. 21. Wahllokal: Ruhcplaüstr. 5-7, Gemeindeschnle. Der dritte Teil umfaß« die Stadtbezirke gl4 8 und 3140. nämlich: Amsterdamer Str. Ii— 16, Hennigsdorf« Str. 10—20, 25—35, Liebenwalder Str. 34a— 36, Malplaquetstr. 5—20. 23—42, Maxstr. 13{. Razarethlirchstraße Westseile von Turiner Straße bis Maxstraße. Oudenarder Straße. Turmer Str. t. Utrecht« Str. 11—20, 22-31. Wahllokal: Schulftraste 99/100, Gemetndeschule(Eingang Reinickendorfer Straffe 56). Der vierte Teil umsaßt die Stadtbezirke 315 und 317, nämlich: Adoltstr. 1—9. EöSliner Str. 10 und 11, G-richtftr. 29—36, Pnnkitr. 93 u. 94. Pasewalker Straße, Plantagenstr. 1—8, 38—44, Reinickendorfer Str. 16—54, 74—110, Schererstr. 1 und 12, Schulstr. 40, Userstr. 18, Weddingstr. 3—6, Wiesenstr 28-43. Wahllokgl: Pankftr.«0—««, Gemeindeschule. Die Cffarlottenbarger Stadtverordneten' wählen in der dritten Wählerklaffe finden gleichfalls am Sonntag, den 5. November, statt und zwar in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. Die Möglichkeit besteht, die Zahl unserer Mandate, die jetzt nur 10 beträgt, bedeutend zu vermehren. Aus diesem Grunde allein sind die diesmaligen Wahlen besonders wichtig. Weil sie aber auch für die kommenden ReichStagSwahlen von symptomatischer Bedeutung sind, so muh unbedingt darauf hingearbeitet werden, dah auch eine möglichst große sozialistische Stimmenzahl abgegeben wird. Um das zu erreichen, sind die allergrößten Anstrengungen erforderlich. Wir miisfen dieses Mal alles aufbieten, was überhaupt in unseren Kräften steht; denn die Gegner sind besser gerüstet wie je zuvor. Ihre Kassen sind gefüllt— schon vor Wochen ist der Klingelbeutel bei ihnen umgegangen— und ihre Organisationen sind größer und straffer geworden. Darum wäre eS ganz falsch, wenn wir uns in Sicherheit wiegen würden. Vielmehr müsien alle Streitkräfte, die wir zur Verfügung haben, mobil gemacht werden. Besonders notwendig ist es, daß der Schleppdienst gut organisiert wird. Da die Wahl dieses Mal auf einen Sonntag fällt, so ist auch jeder Genoffe in den Stand gesetzt, seine Pflicht der Partei gegenüber zu erfüllen, und ein Schimpf wäre es für einen jeden, in dieser Stunde der Not seiner Partei die Hilfe zu versagen. Kein klassenbewußter Arbeiter darf fehlen, wenn am nächsten Sonntag die werktätige Bevölkerung CharlottenburgS mit ihren Feinden Abrechnung hält. Als Wahllokale für die dritte Abteilung sind bestimmt: a) für den L Wahlbezirk, AbsllmmungSbezirk A.(Stadlbezirke Westend und Spandauer Berg) Restaurant Ktabunde. Svandauer Chaussee, Ecke Kaftanlenalle. 1 Treppe, Eingang auch Akazienallee. b) für den 1. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 8.(Stadtbezirke Schloßviertel 4 u. 5) Restaurant Haseloff. Potsdamer Str. 6(Ecke Ncbringitraße). o) für den 1. Wahlbezirk, AbstlmmungSbezirk 0.(Stadtbezirke Schloßviertel 6, 8 und 9)«eftaurant Erstling.'Am Bahnhos Westend 2. d) für den 2. Wahlbezirk. AbslimmungSbezirl A.(Stadtbezirke Schloßvierkel 1 und Innere Stadl 8) Restaurant„Mark Brandenburg-, Kaiser-Friedrich-Str. 11(Ecke Hebbelstraße). e) für den 2. Wahlbezirk, AbslimmungSbezirl 8.(Stadtbezirke Schloß» viertel 2 und 3) Dnroftalle der'Oberrealschule,«chloßstr. 27. f) für dm 2. Wahlbezirk. AbslimmungSbezirk O.(Stadtbezirke Schloßviertel 7 und 10) Rkftnnrant Stolle. Sophie-Charlotten-Str. 88. g) für den 3. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk Ä.(Stadtbezirke Kalows- werder. Nonnendamm. Königsdamm nördlich und KönigSdamm füd- lich) Turnballe der Gemeindeschule V.,Kaiscrin-Auausta-Allee 74. V) für dm 3. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk B.(Stadtbezirke Martiuikcn- feide) Restaurant Olm. Zicuchilnstr. 6. i) für den 3. Wahlbezirk, NbilimmungSbezirk 0.(Stadtbezirke Halbtnjel 1 und 2) Reftanrant.Helmholffquellr-, Helmdoltzstr. 21. k) für dm 3. Wahlbezirk. AbslimniuiigSbczirt D.(Stadtbezirke Lüdow So. 4) Restaurant.WllhelmShof-, Berliner Str. 77, Eingang spreeftr. 8. I) für dm 4. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk A.(Stadtbezirk Lietzmsee t) Rest.»Schillerecke', Kaiser-�riedrich-Str. 69(Ecke Schillerstr. 51). m) für den 4. Wahlbezirk, AbslimmungSbezirk 8.(Stadibezirk Lietzensee 2) Restaurant»Zum Landsknecht--, Leonhardtstr. 22. für den 4. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 0.(Stadtbezirk Lietzensee 3) Turnyalle»er Clrmeindcschule Hl, Witzlebenslr. 35. für den 4. Wahlbezirk. AbslimmungSbezirl D.(Stadtbezirke Innere Stadt 12 und 13) Restaurant Schmidt. Kantstr. 53. für den 5. Wahlbezirk, Absi-mmungSbezirl A.(Stadtbezirke Lützow 1 u. 2) Restaurant»Priuz Lui-pold--, Berliner Str. 46(Ecke Cauerstraße). für den 5. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 8.(Stadtbezirke Inn«« Stadt 2. 3 und Hochschulviertel 7) Restaurant Haustcm, krumme Straße 65(Ecke Schillerstraße). für den 5. Wahlbezirk, AbslimmungSbezirk 0.(Stadtbezirke Inner« Stadt 4 und 5) Rest. SrnS. Wilmersdorf er Str. 157(Ecke Grünilr). für den 6. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk A.(Stadtbezirke Innere Stadt 1 u. 11) Restaurant Einsporn. Pestatozziilr. 2b(Ecke Krummestraße). t) für den 6. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 8.(Stadtbezirke Innere Stadt 6 u. 7) Restaurant Reimer, WilmerSdorfer Str. 21(Ecke Kanalstraße). u) für den 6. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 0.(Stadtbezirke Innere Stadl 9 und 10) Restaurant EOernicke, BiSmarckstr. 38(Ecke Jesmheimerstr.). y) für den 7. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk A.(Stadtbezirke Hochschulviertel 3, 4 n. 6) Restaurant Hänsc, Schlüteritr. 72(Ecke Goelhestr.). w) für den 7. Wahlbezirk NbilimmungSbezirk 8.(Stadtbezirke Hochschul- viertel 5. Kursürsteudammm 3 und 4) Restaurant Hellwig, Bleibweustr. 41(Ecke Mommsensttaße). den 7. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk 0.(Stadtbezirke Kursürsteu- dämm 5 und 6) Reftanrant Stahl. WilmtrSdorscr Str. 106. den 8. Wablbeztrk. Absttmmungsbezirt A.(Stadtbezirke Ostviertel 1, 2 und 3) Restnnraut Schulz. Lutherstr. 11. den 8. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk 8.(Stadtbezirke Ost- viertel 4, 5, 6 und 7) Mcstauraut Gerde«. AugSburger Str. 28 (Ecke Marburger Straße». -1) für den 8. Wahlbezirl. Abstimmungsbezirk 0. vieriel 8, Kursücstendamm 1 und 2, Hochsck Restaurant Meyer. Hardenbergslr. 15(Ecke z o) o) ?) -l) r) ») r) für y) für -) lüt (Stadtbezirke Ost- buwiertel 1 und 2) Zasanenstraße). Die sozialdemokratischen Kandidaten find im 1. Wahlbezirk Emil Stulz, Kaufmann. 2., Hermann Baadr, Gastwirt. 2. t Hugo Klick, Siadiverordneier, und Dr. Bnino«orchardt, Stadiverordneter. 4.. Hugo Klick, Stadlverordneter. ö-» Paul Hirsch, LandtagSabgeordneler. 6.. Herina»» Laade, Gasiwirt. 7., Isidor Roscnthal, Bezirksvorsteher(ErgänzungS- wähl), und Simon Katzenstein, Schriftsteller(Ersatzwahl). ö. 0 Hermann Bande, Gastwirt, und _ Dr. S. Rosenfcl», Rechtsanwalt. Versammlungen. Deutscher Transporiarbeiterverband. Am Donnerstag fand in der Brauerei„Kön Igstadt" die Generalversammlung statt, die unter dem Delegiertcnsystem tagte. 47 Mitglieder sind verstorben. Heber die geführten Lohnbewegung gab eine reichhaltige Tabelle Auskunft, die gedruckt vorlag. Bei 130 Firmen mit lOlgg Be- teiligten wurden Forderungen eingereicht. Auf friedlichem Weg: ist in 122 Betrieben mit 9701 Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 24 232,30 M. pro Woche resp. 1 221 ölS M. pro Jahr erzielt worden. In 70 Betrieben wurde außerdem eine Arbeitszeitverkürzung von 1583 Stunden pro Woche für 1376 Beteiligte erreicht. Die Agita- lionstätigkeit war ebenfalls eine sehr umfangreiche. Die 5 Sektionen hatten, inklusive der Weiblichen und Jugendlichen, zusammen 1634 Versammlungen. Besprechungen und Verhandlungen. 5780 Neuaufnahmen sind im verflossenen Quartal gemacht worden, so daß die Mitgliedschaft für Groß-Berlin zurzeit 45 625 beträgt.— Aus dem Kässenbericht ist hervorzuheben, daß die Einnahmen 348 427.99 M.. die Gesamtausgaben 260 399,53 M. betragen, so daß ein Bestand von 88 028,46 M. vorbanden ist. An Arbeitslose wurden allein 28165,05 M. und an Krantenunterstützung 41 458,30 M. zur Auszahlung gebracht. Der Bericht des Arbeitsnachweises zeigt, daß sich 5123 Mitglieder, die sich auf die verschiedenen Branchen per- teilen, arbeitslos meldeten. An Stellen wurden gemeldet: dauernd 4701 und zur Aushilfe 6029. Davon konnten insgesamt besetzt werden 7032. Ten Berichten folgte eine eingehende und sachliche Aussprache.— Alsdann gelangte ein Antrag zu Annahme, daß bei Besetzung von Stellen, wo die organisierte Arbeiterschaft einen Einfluß ausüben könne, nur Mitglieder zu empfehlen feien, welche sich nachweislich um die Arbeiterbewegung verdient gemacht haben. — Eine längere Diskussion entspann sich über einen weiteren Antrag, der die Einführung des obligatorischen Ortszuschlags von 10 Pf. durch Urabstimmung vorsah. Nachdem die Versammlung diesen Antrag abgelehnt hatte, wurde ein Vorschlag, daß die ein- ' Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den zelncn Branchen, welch« den 60-Pf..Beitrag noch nicht zablen, nochmals hierzu Stellung zu nehmen haben, mit großer Mehr- heit angenommen.— Tie Anregung, den VeroandSmitgliedern Gastkarten zu verabfolgen, fand ebenfalls nicht die Zustimmung der Versammlung. Verband der Brauerei- und Mühlenarbciter. In der General- Versammlung, die am Sonntagnachmittag in BoekerS Lokal, Weberstraße. stattfand, erstattete Schuld! den Geschäftsbericht vom 3. Quartal 1911. Ein Bild der reichen Tätigkeit in der Be- richtszeit zeigt sich äußerlich in der Aufzählung der stattgehabten Versammlungen, Verhandlungen usw. Da sind anzuführen: 2 Mitglieder-, 5 Gruppen- und 63 Belriel-sversammlungen, 30 Sitzungen des Vorstandes, der Vertrauensmänner usw., Ver- Handlungen und agitatorisches Vorgehen in Weißbierbrauereicn in 79 Fällen.— Auf die Bewegung der Mühlenarbeiter, die abgc- brachen werden mußte, ging der Redner ein, und besprach dann einen wilden Streik, der in der Brauerei von Schulz, Schönlein- straße, von acht jugendlichen Mitfahrern inszeniert wurde, der sich nicht gegen die Fuma. sondern gegen die Fahrer richtete. Im Arbeitsnachweis wurden 50 Stellen mehr als im 2. Quartal ver- mittelt, im ganzen 449 Stellen, 70 feste und 379„Vize". Die Mitgliederbewcgung zeigt 257 Neuaufnahmen und 46 Ucbertritte oder" Umschreibungen. Es gelang auch, eine Anzahl Frauen als Mitglieder zu gewinnen. Das Verbandsbureau, wo bereitwillig Auskunft in bezug auf die Berufsverhältnisse erteilt wird, hatte eine Frequenz von 6534 Besuchern. Die Bibliothek wurde nur lb6mal in Anspruch genommen. Zum Schluß besprach der Redner noch verschiedene Streitigkeiten mit den anderen Verbänden in den Brauereien, besonders mit dem Transporiarbeiterverband. Der Kassierer Kästner erstattete den Kassenbericht. In der Sauptkasse bilanzieren Einnahmen und Ausgaben mit 29 261.60 Mark. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Krankenunter. stützung 8400,20 Mk., Arbeitslosenunterstützung 2178,60 Mk., Reise- Unterstützung 23 Mk.. Sterbegeld 1295 Mk.. außerordentliche Unter. stützung 100 Mk. und Agitation und Lohnbewegung 429,95 Mk. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck in Verlag: Vorwärts In der Lokalkasse betrug die Einnahme 7832.45 Mk.. die Ausgabe 4234,64 Mk.. mithin war ein Ueberschuß von 8597.81 Mk. vor- Händen. Aus der Lokalkasse wurden als außerordentliche Unter- stützung 70 Mk.. als Sterbegeld 1430 Mk. und als Arbeitslosen- Unterstützung 1040 Mk. gezahlt. DaS Reinvermögcn der Lokal. kasse betrug am Schlüsse des 2. Quartals 1911 47 640.96 Mkl. der Ueberschuß im 8. Quartal 1911 3597,81 Mk. Bleibt am Schlüsse des 3. Quartals 1911 ein Neinvermögen der Lokalkasse von 51 238,77 Mk. Zu dem zweiten Punkt der Tagesordnung, die Bicrablösungsfrage betreffend, berichtete Hodapp über die Ver- Handlungen mit der Bergschloßbrauerei und dem Verein der Brauereien. Der Verein lehnte cS schließlich ab, bei der Rege» lung der Angelegenheit mitzuwirken, und die Verwaltung gelangte mit der Direktion der Bergschloßbrauerei zu einem Ueberein« kommen, das der Versammlung znr Annahme empfohlen wurde. Da» Freibier soll demnach mit 17 Pf. pro Liter bis zum Höchstsatz von 4 Litern pro Tag abgelöst werden. Die Versammlung erklärte sich nach kurzer Diskussion damit einverstanden. In Anbetracht der gegenwärtigen Verteuerung aller Lebens. mittel ist bei dem Vemn der Brauereien eine Teuerungszulage für alle Brauerciarbecter beantragt worden. Die Entscheidung darüber steht noch auS. wie der Versammlung mitgeteilt wurde. Einstimmige Annahme fand die folgende Resolution: »Die am 29. Oktober 1911 bei Boeker zahlreich versammel- ten Mitglieder deS Brauern- und MühIenarbeitcrverbandcS beauftragen die Verwaltung, bei dem Verein der Braue. reien Berlins und Umgegend sowie den übrigen Brauereien vorstellig zu werden, den Tag der Reichstags- wähl freizugeben. Sollte sich eine allgemeine Freigabe für alle Arbeitnehmer nicht ermöglichen lassen, so soll dahin gewirkt werden, daß nur die durchaus nötigen Arbeiten verrichtet und alsdann die Betriebe geschlossen werden. Die Verwaltung wird weiter deauftragt, im Sinne des vorstehenden Antrages mit dem �Kartell in Verbindung zu treten, um die Aktion möglichst einheitlich zu gestalten." � «uckdruckerei u VerlagSanstalt Paul Singer u. To.. Bertin SW."