Nr. 260. HbonnemcntS'ßedlngungen: WlbonnemeittS> Prci-Z pränumerando: »iertcljährl. 330 SKf., nionatl. 1,10 MI,. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Cinjclne tknuuncr 5 Pfg, Eonniags» nunimer mit illusiricricr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. AboniiemciU: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl.Zcitungs» Preislistc. Unier Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonncmcnlS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. CrMcInt lZgllch außer Montag». Berliner Volksblnkt. Zentrulorcfan der fozialdeniokratifcber» parte» Deutfcblatids. Die Tnfertlons-Gcbüljr beträgt für die icchsgespaltene Kolonel, zelle oder deren Raum M Psg., für polllllche und gcwcrlichasillchc Berclns- und Vcrsannnlungs-Anzcigcn M Psg. „Kleine Hnreigen". das sellgedrnrlie Wort 20 Psg, izulässig 2 setlgedruilte Wortes, sedes weitere Wort 10 Psg. KIclIengcsiiche und Schlasslcllcnan- zeigen das ersle Wort 10 Bsg„ jedes wettere Wort ö Pfg, Warle über löPuch- Itaden zählett sür zwei Worte,, Inserate für die nächste Nuinincr niüslen bis S Uhr nachmitlags in der Expedition »bgcgcdcti werden. Die Erpedition ijl bis 7 Uhr abcndS gcölfnct Telegramm-Adresse: .Zoiialtttmoillal BtrllB" Redaktion: 8 AI. 68. Ltndcnstraose 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 5. November 1011. Gxpcdttion; 8 AI. 68, Lindcnstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084. Jmn Kampf «ms Kote Hans, der �heute in Be r l i n ausgefochten werden soll, feuert jetzt die Freisinnspresse mit steigendem Eifer die freisinnigen Wähler an. Bei den Stadtvcrordnetenwahlen der dritten Klasse will der Kommunalfreisinn nicht nur da das Aeußerste daransetzen, wo er noch Wahlbezirke gegen den Ansturm der Sozialdemokratie im Abwehrkampf zu ver- teidigew hat. Auch in einigen der anderen Wahlbezirke, wo die Freisinniges schon bei früheren Wahlen unterlegen sind, wollen sie sich noch einmal aufraffen und nun zum Angriff gegen uns vorgehen. Schwerlich werden die Frcisin-nsführer glauben, daß in den letzten Jahren die Taten des Berliner Kommunalfrei. finns die Wählerschaft dritter Klasse ihm günstiger gestimmt haben könnten. Sie wissen, daß sie das Gegenteil zu fürchten haben und mit der Möglichkeit weiterer Niederlagen rechnen müssen. Aber der Ausgang dieser Stadtverord- netenwahlen wird von weiter wirkender Bedeutung sein, von großem Einfluß auch auf die bevor- stehenden Reichstagswahlen, für die der Berliner Freisinn seine Wähler schon jetzt um sich sammeln zu sollen ineint. Neue Erfolge der Sozialdemokratie bei den Stadt- verordnetenwahlen in der Hauptstadt müssen allüberall im Lande die Wirkung haben, aufs neue zu zeigen, daß die Sozialdemokratie unaufhaltsam vorwärts schreitet. Dieser Eindruck auf die Wählerschaft im Lande könnte dem Freisinn, der jetzt unter der neuen Firma einer Fortschrittlichen Volkspartei auftritt, sehr unbequem werden. Schon deshalb glauben seine Führer, jetzt in Berlin bei den Stadtverordnetenwahlcn in der Abwehr wie im Angriff alle Kraft aufbieten zu müssen, um zu verhindern, daß es zu einer weiteren Schwächung des Freisinns kommt. Von derselben Erwägung sollten alle, die der Sozial- demokratie eine weitere Stärkung ihres Einflusses wünschen, es für ihre Pflicht halten, nach Kräften dazu beizutragen, daß in Berlin der 8. November, der Tag der Stadtverord- netenwahlen dritter Klasse, der Sozialdemokratie neue Siege bringt. Dem Berliner Komimmalfreisinn, der den Segen des dreiklassigen Gemcindewahlrechts genießt und dank seinem Geldsacksprivileg alle Stadtverordneten- Mandate der ersten und der zweiten Klasse im voraus als sicheren Besitz hat. sollte kein Wähler der dritten Klasse gleich- falls noch seine Unterstützung gewähren. In der dritten Klasse ist die Masse der werktätigen, weniger durch ihre Steuern als durchihre Arbeit zum Wohle der Stadt beitragenden Bevölke- r u n g zusammengepfercht. Die minderbemittelte Bevölkerung brennt darauf, die Reichstagswahlen zu einer gewaltigen Kundgebung für die Sozialdemokratie zu gestalten! Da sollten bei Stadtverordneten- wählen die Wähler dritter Klasse nicht gleichfalls der Sozial de mokratie neue Erfolge wünschen, die weit hinaus wirken müssen in Land und Reich?! Wähler dritter Klaffe! In dem Kampf ums Rote Haus seid eingedenk, daß Ihr durch das dem Freisinn günstige D r e i k l a s s e n- fystem des Kommunalwahlrechtes entrechtet werde�' Haltet Euch vor Augen, daß dieses unselige Dreiklassen- system die Wurzel und Stütze der Herrschaft undMißwirtschastdesBerlinerKoinmunal- f r e i s i n n s ist' Macht den 8. November zu einem Tag neuer Niederlagen für den Kommunalfreifinn, zu einem Tag neuer Siege für die Soiialdcmokratie! Da; Code de; Hbenteuer;. Berlin, 4. November. Heute um 5 Uhr fand im Auswärtigen Amt die Unterzeichnung des Marokko- Kongo-- Abkommens statt. Das für die französische Regierung bestimmte Vertrags- exemplar wird heute abend nach Paris abgehen, und »ach seinem Eintreffen daselbst werden die beiden Rc- gicrunge» die gleichzeitige Veröffentlichung veranlassen. Der elende Schacher ist endlich zu Ende! Der imperialistische Rausch in dem das Marokkoaben- teuer begonnen, ist längst verflogen und ein greulicher Katzen- jammcr herrscht im Lager der Patrioten. Freilich ernüchtert i sind die Herren noch lange nicht und statt nüchterne Prüfung zu üben, toben sie wie besessen. Nach dem eisernen Mann schreien sie wieder einmal, die von Panzerplattenfabrikanten bezahlten Preßsöldlinge der„Rhein.-Westf. Ztg." und der „Post", nach dem starken Mann, der mit gepanzerter Faust drein- fahren soll, nm in einem neuen Kriege ihren Auftraggebern neue Ausbeutiingsstätten zu erwerben. Und alldeutsche Skarre» sekundieren ans Leibeskräften. Wir Sozialdemokraten standen von Anfang an der„Tat" der Herren Bethinann und Kiderlcn in schärfster Opposition gegenüber und die Ereignisse haben uns vollkommen recht gegeben. Was Deutschland an neuem Kolonialgebiet erworben hat, ist so schlecht, daß selbst die begeistertsten Kolonialpolitiker nicht genug Worte des Abschcns finden können und der Kolonialsekretär sein Amt Herrn von Bethmann vor die Füße ivirst. Und das eigentliche Marokkoabkommen ist erkauft worden durch eine Politik, die uns wochenlang für die Auf- rechrerhaltung des Friedens bangen ließ, das deutsche Wirtschaftsleben schweren Störungen ausgesetzt hat und schließlich nicht eitimal der Hoffnung Raum läßt, daß jetzt wenigstens unser Verhältnis zu den Westmächten besser werde. Ucber den Inhalt des Marokkoabkommcns selbst können wir uns kurz fassen. Es ist eine alte Forderung der Sozial- demokratie, die sie an die Wirtschaftspolitik der Herrschenden stellt, daß dafür gesorgt werde, in den noch offenen Teilen des Weltmarktes den freien Wettbewerb aufrecht zu erhalten. Die Forderung entspringt unmittelbar aus unserem scharfen Gegensatz zur schntzzöllncrischen Politik überhaupt, die ivir als eine Quelle der Ansbeutmig der inländischen Konsumenten und als eine Ursache der sich immer mehr steigernden Feindschaft zwischen den kapitalistischen Staaten erkannt haben. Wir wissen, daß innerhalb des kapitalistischen Systems die Ausweitung der Märkte für das Kapital eine Notwendig- keit ist. und solange wir nicht diese Wirtschaftsordnung der Ausbeutung durch die sozialistische Organisation der Pro- duktion ersetzen können, ist es auch ein Interesse der Arbeiter als Produzenten, daß die Entfaltung der Industrie nicht durch künstliche Schranken gehemmt, daß Teile des Weltmarkts nicht zuni Monopol einzelner nationaler Kapitalistenstaaten werden. Aber eben diese Monopolisierungsbestrebnngen ge- Winnen in der neuesten Aera des Kapitalismus immer mehr an Stärke. Ihnen überall entgegenzntreten, in allen Ländern diese kolonialen Ausschließnngsbestrebuiigcn zu bc- kämpfen, ist daher eine wichtige internationale Aufgabe des sozialistischen Proletariats. Das Marokkoabkommen bringt nun für Deutschland wie für alle anderen Staaten die wirtschaftliche Gleichberechtigung. Eine ganze Anzahl von Einzelbestiinmnngen sorgt dafür, daß diese Gleichberechtigung auch gewahrt wird. Unsere Nationalisten sind damit freilich nicht zufrieden. Ihr Ziel war nicht die wirtschaftliche Gleichberechtigung, sondern das wirtschaftliche Monopol. Wie die deutschen Boden- schätze selbst längst zum Monopol einer Reihe von Kapital- Magnaten geworden sind, so strebt das konzentrierte Großkapital dahin, auch die Schätze fremder Länder zu seinem ansschließ- licken Besitz zu machen. Wer daher, wie die Sozialdemokratie. diese Monopolisiernngspolitik ablehnt, wird es ablehnen müssen, in den Ehor jener einzustimmen, welche die Errcichnng der offenen Tür in Marokko als ungenügend verwerfen. Und ebenso erscheint es uns ungerechtfertigt, von vorn- herein anzunehmen, daß diese wirtschaftlichen Garantien von Frankreich nicht werden innegehalten werden. Wir sind zwar die letzten, die an die Heiligkeit internationaler Verträge glauben, aber hinter diesen Verträgen stehen ja sehr reale staatliche Machtmittel und es kommt hinzu, daß bisher schon und in Zukunft noch in höherem Grade das neue Ansbeutungs- gebiet von international zusammengesetzten Kapitalistengruppeii in Angriff genommen werden wird, die mit französischem, deutschem und anderem Kapital arbeiten werden. Die Jnternationali- sierung des Kapitals wird gerade in Marokko sehr stark in Erscheinung treten und kann manche Reibungsflächen beseitigen, die sonst entstünden. Dies alles freilich unter der Voraus- setzung, daß die staatlichen Machtverhältnisse bestehen bleiben, daß der deutsch-französische Gegensatz sich nicht weiter steigert, eine Voraussetzung, für die im Zeitalter imperalistischer l Politik allerdings niemand die Geivähr übernehmen kann. Man wird sich auch hüten müssen, den Wert dieser Er- 'rungenschaft irgendwie zu überschätzen. Was während der Verhandlungen von den fabelhaften Reichtümern Maro erzählt worden ist, war ja maßlos übertrieben. Bisher betrug der Handel Marokkos mit Deutschland, Ein- und Allsfuhr znsamniengerechnet, durchschnittlich zirka 8 Millionen. Und ivas wollen selbst die zirka 75 Millionen des marokkanischen Gesamthandels bedeuten gegenüber den mehr als 17 Milliarden des deutschen. Selbst eine rasche und friedliche Erschließung des Landes vorausgesetzt, würden die marokkanischen Hilfs- quellen für Deutschlands ökonomische EntWickelung ohne allzu großen Einfluß bleiben. Aber mit welchen Opfern ist diese kleine wirtschaftliche Errungenschaft erkauft worden I Wie sinnlos war die Politik, die das deutsche Auswärtige Amt getrieben hat I Herr v. Kiderlen-Wacchter entsandte am 2. Juli den „Panther" nach Agadir. Es war eine offene Brüskierung Frankreichs durch eine Verhandlnngsmethode, wie sie etiva zu den Zeiten Abdul Hamids der Türkei gegenüber be- liebt war, wenn sich ihre Antivort auf diplomatische Noten verzögerte. Von vornherein wurden dadurch die chauvinistischen Leidenschaften diesseits und jenseits angefacht. Alle Welt meinte, es handle sich um die Annexion eines Stücks Marokko. Die Offiziösen haben ja später mit großem Eifer geleugnet. Aber unividersprochen bleibt, daß Herr v. Kiderlen in einer Reihe von bürgerlichen Politikern und Journalisten diesen Glauben erweckte, daß er im Auslande allgemein geteilt wurde. Man weiß, daß nicht nur die französische, sondern auch die englische Regierung gegen einen solchen Plan Einspruch erhoben haben, daß die Situation äußerst kritisch wurde und wir direkt vor einem Kriege mit England und Frankreich gestanden haben, und das alles, weil einige- großkapitalistische Interessen im deutschen Auswärtigen Amt plötzlich als nationale Interessen verfochten wurden I Wäre die Annexion nicht beabsichtigt gewesen, so war die Entsendung des„Panther" eine noch unbegreiflichere Torheit, denn dann mußte sie von vornherein in Frank- reich eine Stimmung erzeugen, die nicht nur die Ver- Handlungen aufs äußerste erschwerte, fondern auch den schließliche 11 Abschluß entwertet. Denn die herausfordernde und brutale Politik der deutschen Regierung und die wahnsinnige Begleitung, die unsere chauvinistischen Kriegshetzer dazu machten, haben den Gegen- satz zu England und Frankreich noch ge- st e i g e r t. Statt daß der Abschluß des Marokkoabkommens einen alten Streitgegenstand aus der Welt geschafft und so ein besseres Verhältnis zu den Westmächten möglich gemacht hätte, hat er eine Atmosphäre der F e i n d s e l i g k e i t ge- schaffen und das Resultat ist eine neue Aera des sinn« lose st en Wettrüstens, neuer Steuerlasten, neuer Gefahren für den Frieden. Die französischen Kolonialpolitiker haben, wenigstens teilweise, ihren Willen durchgesetzt und Marokko wird„tunifiziert", wird eine französische Kolonie. Die fran- zösische Kolonialpresse ist höchlichst befriedigt und jubelt über den gewaltigen Zuwachs des nordafrikanischen Kolonialreiches. Diese Hymnen- klingen gerade jetzt recht eigenartig und er- innern doch allzu sehr an ähnliche Freudengesänge, die die italienische Presse angestimmt hat, als die Flotte nach Tripolis fuhr. Marokko ist von derselben Bevölkerung bewohnt wie Tripolis und die kriegerischen Eigenschaften der Stämine können dem französischen Eroberer noch schwere Blutarbeit kosten. Und jede kriegerische Verwickelung, die bei den kapitalistischen Kolonialinethoden ja unausbleiblich ist, wird den Franzosen noch überdies die heftigsten Beschwer- den des in seiner Ruhe gestörten auswärtigen Kapitals brin- gen und kann so leicht zu einer neuen Quelle inter- nationaler Reibunge n werden. Tie K 0 st e n aber wird vor allem das französische Proletariat zu tragen haben, wie das deutsche Proletariat aufkommen wird müssen für die Lasten des neuen Kongoerwerbs. So zeigt gerade der Abschluß dieser neuesten Phase imperialistischer Politik die Notwendigkeit inter- nationaler Aktion des Proletariats. Und das einzig Erfreuliche ist, daß diese letzten Monate gezeigt haben, daß das Proletariat aller Länder in steigendem Maße diese Lehre beherzigt. Wir haben in allen Ländern der Hetze der Chan- vinisten unseren unerschütterlichen und unbeirrbaren Friedenswillen entgegengesetzt» Und ruhig dürfen wir sagen, daß die großen D e m 0 n st r a t i 0 n e n des deutschen und französischen Proletariats nicht 0 h ne Ein- fluß auf die Erhaltung des Friedens geblieben sind. Freilich, soweit reichte unsere Macht nicht, um den fran- zösischen und dem deutschen Volke neue Koloniallasten zu er- sparen. Für das Kapital in seiner höchsten Entfaltung ist imperialistische Politik eben eine Lebensnotwendigkeit und unausbleiblich sind ihre Folgen: steigender Gegensatz zwischen den kapitalistischen Staaten, Anwachsen der Rüstungen, zu- nehmende Kriegsgefahr. Ueberwunden kann der Jmperialis- mus nur werden durch die Ueberwindung seiner Ursache. Diese Lehre hat uns das marokkanische Abenteuer wieder vor Augen geführt; dieselbe Lehre aibt uns der tripolitanische Krieg. In diesem Sinne hat die kapitalistische Politik der letzten Monate allerdings revolutionierend gewirkt und das Kapital, das in seinem Expansionsdrang in immer neue Weltteile flieht, hat sich damit wieder seiner letzten un- übersteigbaren Schranke ein Stück genähert, jener Schranke, die ihm gesetzt hat der Wille des Proletariats zur Neugestaltung der sozialen Ordnung. gas Hiongo-Zsiiwel. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in Nr. 261 vom 5. November folgende genauere An- gaben über den Inhalt des Kongoabkommens: In Ergänzung des mit Frankreich über Marokko nunmehr ab- geschlossenen Abkommens und als Kompensation für die unsererseits Frankreich in Marokko zugestandenen Befugnisse tritt Frankreich im französischen Kongo folgendes Gebiet an uns ab: Das neue Gebiet geht aus vom Atlantischen Ozean am östlichen Ufer der Bai von Monda; die Grenze verläuft dann zunächst auf deren östlicher Seite nach der Mündung des Massolis und von dort nordöstlich nach Spamsch-Guinea umbiegend; sie schneidet den Jvondoflutz bei seiner Vereinigung mit dem Dschua, folgt diesem bis zum französisch bleibenden Madjingo und dann .weiter gegen Osten bis zur Vereinigung des Ngoko und des Sangha, im Norden des Ortes Wessow. Südlich dieser französisch bleibenden Stadt, und zwar mindestens 6 und höchstens 12 Kilometer von ihr entfernt, verlätzt die Grenze den Sangha, biegt nach Südwesten ab und begleitet das Tal des Kandeko bis zu seiner Vereinigung mit dem Bokiba. Sie folgt nun diesem und später dem Likuala ab- wärts bis zum rechten Ufer des Kongo. Bon hier ab bis zur Mündung des Sangha bildet der Kongo die Grenze, die S bis 12 Kilometer betrogen wird. Dann folgt die Grenze dem Laufe des Sangha aufwärts bis zum Einflutz des Likuala-aux-herbes, den sie bis Botungo begleitet. Von diesem Orte verläuft die Grenze in ungefähr gerader Richtung von Süden nach Norden bis Bera Ngoko und biegt dann in der Richtung auf den Zufammenflutz des Bodinga und deS Lobaye ab, um dem letzteren talabwärts zu folgen bis zum Ubanghi, nördlich von Mongumba. Weiler bildet nun der Ubanghi die Grenze auf eine Strecke von mindestens 6 und höchstens 12 Kilo- nieter; die Grenze setzt sich in nordwestlicher Richtung fort, erreicht den Pama an einer noch zu bestimmenden Stelle westlich von seiner Vereinigung mit dem Mbi. Die Grenze geht dann den Pama auswärts bis zum Ost-Logone, den sie ungefähr am 8. Parallellreise in der Höhe von Gorö trifft. Diesem folgt sie von hier ab nach Korden bis zur Vereinigung mit dem Schari. Anderseits tritt Deutschland an Frankreich das zwischen dem Schari im Osten und dem Logone im Westen gelegene Stück Kameruns ab nördlich der jetzigen französischen Besitzungen. Innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden deS Abkommens begibt sich eine technische Kommiision, bestehend aus einer Anzahl Delegierter beider Ne- gierungen, an Ort und Stelle, um die Grenze den vorgenannten Abmachungen entsprechend festzulegen. Spätestens 18 Monate nach Beendigung der Arbeiten dieser Kommission soll die Vermarkung der Grenzen vorgenonrmen werden. Der vereinbarte Gebieisaustauich erfolgt auf Grund der im Moment des Vertragsabschlusses bestehenden Verbältnisie. ES gilt dieS insbesondere auch für die vorhandenen Konzeisioneit, bezüglich deren andererseits die beiden Regierungen wechselseitig alle Vorteile und Rechte erwerben, die sich aus den KonzessionSurkundeu ergeben. GH/ versteht sich von selbst, dast die Gesellschaften unter die Staats- Hoheit. Staatsgewalt und Gerichtsbarkeit desjenigen Staates treten, dem das fragliche Gebiet durch den Vertrag zufällt. Beide Regierungen räumen sich unter bestimmten Modalitäten das Recht ein, ihre Eisenbahnen gegenseitig durch das Gebiet des anderen zu verlängern. Für Deutschland hat dies die besondere Bedeutung, datz die etwaigen Kamerunbahnen nach dem Ubanghi durch- geführt werden können. Deutscherseits ist die pachtweise Ueberlasiung kleiner Komplexe an die französische Regierung längs des Lenuö, des Mayo Köbi und weiter nach dem Logone hin vorgesehen, um letzterer die Errichtung einer Etappen» ftratze zu ermöglichen. Auch wird die deutsche Regierung der französischen Regierung keine Hindernisse in den Weg legen, falls sie in Zukunft zwischen dem Benuü und dem Logone südlich oder nördlich des Mayo K6bi eine Eisenbahn oder Landstratze sollte anlegen wollen, bei der sich jedoch die deutsche Regierung die Mitwirkung vorbehält. In Artikel XI sichern sich die Regierungen gegen- seitig den Durchzug durch ihre Gebiete zu für den Fall der Einstellung der Schiffahrt auf dem Kongo und dem Ubanghi. Beide Regierungen erneuern ausdrücklich die in der Berliner Akte vom 2«. Februar 1885 enthaltene Be- stimmung über Handels- und Schiffahrtsfreiheit auf dem Kongo und seinen Nebenflüssen sowie auf den Neben- flüsien des Niger. Desgleichen wird eine dementsprechend? gegenseitige Abgabenfreiheit für den Transitverkehr durch die an den genannten Flüssen gelegenen beiderseitigen Gebiete festgelegt. Nähere Bestimmungen über den Durch- fuhrverkehr bleiben vorbehalten. Es sind noch besondere auf Gegenseitigkeit beruhende Bestimmungen über Wechsel- ftitige Truppendurchmärsche getroffen. Es ist zum Schlutz noch der Fall vorgesehen, datz die territorialen Verhältnisse des in der Berliner Kongoakte festgelegten Kongobeckens in der Zukunft verändert werden könnten. Die beiden Regierungen werden in diesem Falle sowohl miteinander wie mit den übrigen Signatarmächten der Kongoalte ins Benehmen treten. iUnsere Karte ist, da sie noch nicht die Angaben des Abkommens in allen Einzelheiten verwerten konnte, in einigen Punkten ungenau. So ist das am Kongo liegende Terrain viel zu breit angegeben.) Das ist das Angebinde, das Herr Kiderlen- Waechter dem deutschen Volke von seinem Diplo- matenritt ins imperialistische Land zu präsentieren bat. Und allzeit hilfsbereite journalistische Re- gierungslakaien bemühen sich, aus diesem neuesten Edelstein in der deutschen Kaiserkrone das schönste Farbenspiel herauszuputzen. Aber es ist vergeb- liches Bemühen, der trübe Stein gibt keinen Glanz und macht niemand Freude. Wer Gebietserwerbungen nur mit der Elle mißt,. kann zwar einigermaßen zufrieden sein. Das überseeische Deutlchland wird um rund 300 000 Quadratkilometer vergrößert(unser deut- sches Vaterland hat deren 540 800). Aber die neuerworbenen Steppen- und Urwaldflächen sind nur ganz dünn bevölkert von degenerierten, aus- gebeuteten, dem Untergange geweihten Negerstämmen. Was uns über den wirtschaftlichen Wert der Neuerwerbung erzählt wird, ist im günstigsten Falle Zukunftmusik, und zwar die einer sehr, sehr fernen Zukunft, und was über die glänzenden Aussichten deutsch-afrikanischer Verkehrspolitik phantasiert wird, kann höchstens Lieferanten von Eisenbahnmaterial und Spekulanten in Kolonialwerten interessieren. Unsere Alldeutschen und Kolonialfanatiker wollten als Ersatz für ihre ungestillte Marokkosehnsucht wenigstens einen gewaltigen Fetzen Zentralafrikas haben. Sie hätten Herrn Kiderlen-Waechter alle Marokkosünden verziehen, wenn er ganz Mittelafrika zu einem deutschen Kolonialreich gemacht. wenn er Deutschostafrika mit Kamerun. Togo und Deutsch- südwestafrika und die letzteren wieder unter sich verbunden hätte. Und jetzt präsentiert er ihnen eine Kollektton von Zipfeln und Zipfelchen, die an die Süd- und Ostgrenze Kameruns angekleistert werden, und gibt sogar ein Stück Land im Norden Kameruns Preis. Wahrlich, der Schmerz unser Prozent- und Patent- Patrioten ist zu verstehen. Die„Post" schreibt von einem „schäbigen Trinkgeld" und höhnt über die„lächerliche, un- natürliche und ungeheuerliche Grenze", die Kamerun durch den Neuerwerb erhalten hat. Offiziöse Schönfärber aber schildern die neuen Gebiets- teile als„bedeutende und wertvolle Ländereien". Wer hat nun recht? Wie sieht das Land, wo jetzt die Trikolore heruntergeholt und die deutsche Flagge gehißt wird, in Wirklichkeit aus? Und welchen Vorteil hat das deuttcke Volk, vor allem die deutsche Arbeiterschaft von diesem Land- Zuwachs im schwarzen Erdteil? lA�krigne frantzaise äquatoriale, zu dem die ab- getretenen Gebietsteile bisher gehört haben, ist ein Stück Afrika, das sich in der traurigsten Verfassung befindet. Es liegt vollständig in der heißen Zone, ist zum größten Teile Urwald- und Sumpfgebiet, das im Norden in meist ödes und kahles Steppenland übergebt. Hier und da mögen die Vor- bedingungen für Plantagenbau gegeben sein, aber es in seiner Gesamtheit als Pla�agenland zu bezeichnen, wie es einige Offiziöse tun. ist heller Schwindel. Natürlich ist es infolge seines ungesunden Tropenklimas für dauernde Ansiedelung Weißer ganz ungeeignet. Ja. sogar den Negern ist es der- hängnisvoll, hier hat die unheimliche, völkervernichtende Schlafkrankheit ihren Hauptsitz. Daher kommt es auch, daß diese großen Landflächen nur ganz dünn bevölkert sind. Wir werden bald das alte koloniale Klagelied über mangelnde Arbeitskräfte auch aus Neukamerun vernehmen. Aus diesem Lande, über dem Fieberdunst und Tropen- glut brütet, hat der französische Kolonialkapitalismus heraus- geholt, was herauszuholen war. Tie französische Regierung hat für die militärische Besatzung und die höchst mangelhafte Zivilverwaltung bisher 20— 30 Millionen Frank jährlich verausgabt. Tie wirtschaftliche Ausbeutung hat sie aber voll- ständig sogenannten Konzessionsgesellschaften überlasten, die aus Land und Leuten raschen Gewinn herausholen wollten. Und so ist denn mit Kautschuk, mit Nutzholz usw. ein wüster Raubbau getrieben worden, dessen Folgen der deutsche Ge- schäftsnachfolger bitler spüren wird. Diese Gesellschaften. wohl acht an der Zahl, müssen von Teutschland mit all ihren Vorrechten. mit jib�rnommen od.er.gler durch.sicher nicht klein? Abfindungssummen entschädigt werden. Das Geld der deutschen Steuerzahler soll also unter Umständen diesen unersätt- lichen Kolonialhyänen für nichts und wieder nichts in den unersättlichen Rackeit geworfen werden. Die Neger sind von den Angestellten und Agenten der Konzessionsgesellschaften ausgebeutet und brutalisiert worden, wie es schlimmer in den schlimmsten Zeiten der belgischen Kongogreuel nicht geschehen ist. Das Prinzip der Direktoren der Ausbeutergesellschaften war: Kautschuk um jeden Preis zu produzieren, selbst um den Preis des Verbrechens. So ist es nämlich in dem Bericht der französischen Budgetkommissiou von 1911 an die Kammer zu lesen, wo es auch heißt,„daß die Fruktifizierung des Kongos in einem Meer von Blut voll- bracht wurde". Tie deutschen Ausbeuter, die sich jetzt auf das neu- erworbene Land stürzen werden, wollen natürlich auch Profit herausschinden. Mit welchem Mißtrauen werden sie von den ausgesogenen, brutalisierten Eingeborenen empfangen werden! Welch traurige Aussichten auf Revolten und Strafcxpeditionen drohen uns da! Die wirtschaftlichen Aussichten in diesem Neukamerun sind alles andere als glänzend. Die wildwachsenden, Kaut- schu! liefernden Bäume sind infolge des sinnlosen Raubbaues vernichtet, ihr kostbarer Sast ist versiegt. Rationelle An- Pflanzungen können ini günstigsten Falle erst in Jahrzehnten Ertrag geben. Was uns von guten Vorbedingungen für den Baumwollbau erzählt wird, beruht auf bloßen Ler- muttingen. Auch hier werden Jahrzehnte vergehen, ehe von einem nennenswerten Baumwollertrag geredet werden könnte. Das Elfenbein, dessen Bedeutung für den Handel in dem neuerworbenen Gebiete so herausgestrichen wird, wird von Jahr zu Jahr weniger infolge des wahnsinnigen Massen- mordes. der an den Elefantenherdeu Afrikas verübt wird. Es bleiben somit nur die Aussichten aus den Ausbau der afrikanischen Eisenbahnlinien. Aber hier hätte auch nur eine kleine Gruppe von Plantagcnbesitzern oder Gesellschaften sowie einige Bahnbaugesellschaften den Vorteil. Die Kosten müßten auf Jahrzehnte hinaus die deutschen Steuerzahler ttagen. Das Privatkapital hütet sich ja bekanntlich, das Risiko kolonialer Bahnbnuten auf sich zu nehmen. Dazu kommt, daß die militärische Besetzung des neuen Gebietes und die Sicherung der zerfetzten Grenze eine be- deutende Verstärkung der Kameruner Schutztruppe erfordern wird. Wir halten sie mit 2— 3000 Mann nicht für zu hoch veranschlagt. Wenn die Mannschaften naturgemäß auch nur Neger sein können, so bedeutet das immerhin eine erhebliche Mehrbelastung des Kolonialetats, um so mehr, da ja auch Neuformationcn im Ovambolande bevorstehen. Den ewigen Avancementsklagen im deutschen Offizierkorps würde dadurch freilich in etwas Rechnung getragen. Wir wollen hier nicht von den Kosten reden, die Deutsch- land aufbringen muß, um die allernotwendigste Kulturarbeit zu leisten, um im eigenen Interesse.die Sanitäts- und hygienischen Verhältnisse der Eingeborenen zu bessern; auch die notwendig werdenden Verwaltungskosten werden nicht gering sein. Das deutsche Volk mag schon jetzt bei den Wahlen an die in Aussicht stehenden kolonialen Rechnungen denken, die ihm in den nächsten Jahren präsenttert werden. Aber auf eins muß noch hingewiesen werden: Im Kongohandel ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die neue zerstückelte Grenze mit ihren dünnen Fühlhörnern nach dem Kongo- und Ubanghi-Flusse schreit nach weiterer„Regu- liming". Unsere Kolonialtreiber werden sich nicht begnügen. nur.«ne.n..Fingx.r. in dem Wasser dieser Flüsse zu netzey. Der alte Traum von einem großen mittelafrikanischen Kolonialreich wird weiter spuken. Und da durch das Kongo abkommen"gemig'ReibnngsmSgljchkeiten'zwischen Dentschlantz und Frankreich gegeben sind, werden wir aus den afrikanischen Verwickelungen nicht herauskommen. Dem deutschen Volke bringt Herr Kiderlen-Waechter also mit seinem Kongopräsent nur neue Kolomallasten. Die deutsche Arbeiterschaft dankt bestens für dieses Geschenk, wie sie überhaupt für alle imperialistischen und kolonialen Leistungen der kapitalistischen Regierung dankt. Kiclerlen-Maeckters Cmuigeufcbafteii. Paris, 3. November.(Eig. Ber.) TaS deutsche Volk ist also aus dem marokkanischen Handel mit.Kompensationen" davon- gekommen. Eine, territorial bemessene, ausgiebige Arrondierung Kameruns ist das Ergebnis der glorreichen Staatskunst Kiderlen- Waechters. Die politische Krise hat die Finanzen und das Wirt- schaftsleben Deutschlands schwer erschüttert, es hat in der ökonomi- schen Empfindlichkeit die schwächste Seite des Reichsorganismus aufgedeckt, aber die afrikanischen Errungenschaften müssen ja alle diese Schäden aufwiegen. Nun— auf diese.Kompensationen" wird der deutsche Steuerzahler noch einige Zeit warten müssen. Natürlich ist das von Frankreich abgetretene Gebiet ein mit Naturschätzen jeglicher Art gespickter Boden, schade nur, daß sich vorläufig dieser Gewinn in der Form einer Budget- belastung geltend machen wird. Wohl ist das Generalbudget der französischen Aequatorialprovinz seit 1S10 aktiv, aber nur in- folge des S taa t s z u s ch u s s e s, der derzeit ILiZSlXX) Fr. beträgt, wovon allerdings etwas über die Hälfte zur Annuitäten- zahlung für eine Anleihe dient. Die Budgeteinnahmen stammen aus den Einfuhr- und Ausfuhrzöllen und aus den Abgaben der Konzessionsgesellschaften. Angenommen, die Zolleinnahmen in den abgetretenen Teilen würden auf derselben Höhe wie bisher bleiben. so wird es ohne eine entsprechende Hilfe des Reiches doch kaum ab- gehen. Daß die Konzesfionsgesellschaften nicht mehr bluten werden, dafür scheint schon vorgesorgt zu sein, denn der„Temps", dessen Beziehungen zu den großen Gesellschaften notorisch sind— namentlich die Beziehungen seines Redakteurs Tardieu—, verteidigt das Abkommen mit einem unverkennbar durch das Interesse ange- triebenen Eifer. Offenbar rechnen die Tardieu und Genossen da- mit, daß sie unter der deutschen Herrschaft eine Einschränkung ihrer Ausbeutungswirtschaft weniger zu gewärtigen haben als unter der seit einigen Jahren fühlbaren Kontrolle der von den französischen Sozialisten und einigen nichtkorrumpierten Radikal- sozialisten zum Mißtrauen und zum Selbstschutz gemahnten Demo- kratie. Es ist eine beispiellose Frechheit, wenn heute der„Temps" — wirklich, der„Temps"!— schreibt:„Seit 10 Jahren war Aequatorialafrika eine geopferte Kolonie. Von der Regierung dem Kompromißsystem unterworfen, das schon in seiner Basis anfechtbar, durch das Verfahren der Verwaltung verschlimmert wurde, war die Kolonie niemals behütet, mit Geld, und Betriebs- Mitteln ausgestattet." Aber sicher ist, daß die Kolonie durch das KonzessionSwesen verwüstet ist. Und allem Anschein nach wird die deutsche Regierung die„erworbenen Rechte" des Raubbaus respektieren. Welch glänzende Aussichten bieten sich da dem beut- schen Bürger! Sicherlich sind nicht alle Teile des abgetretenen Ge- biets gleichwertig. Neben den Sumpfgebieten am Kongo und Ubangbi, die die zwei zum belgischen Kongo vorgestreckten.Fühl- Horner" ausfüllen und deren angeblich große handelsgeographische Bedeutung im Augenblick, wo die französische transafrikanische Bahn ausgebaut sein wird, zum größten Teil hinfällig wird, sind ja die von der Natur glücklicher ausgestatteten Gebiete da, die eine schöne Zukunft— hinter sich haben, schon dank dem Treiben der Konzesfionsgesellschaften. Dazu kommt, daß in den abgetretenen Teilen Ländstriche vorhanden sind, die keinesweK so leicht„ein- fiwerkeiben" sind. Die Gegend im Norden von Gabon.ijt von.den kriegerischen Pa hauen besetzt, mit denen die' Französen noch' nicht fertig werden konnten. Es sind dort also militärische Expeditionen in Aussicht, um den Schwarzen daS Verständnis für die gottgewollten Abhängigkeiten beizubringen. ein Brief des türkischen Kammerpräsidenten. Herr Ahmed Riza, der sich schon einmal durch unsere Vermittclung an die sozialistische Oeffentlichkeit gewendet hat. hat sich nun auch an den Präsidenten des Internationalen Sozialistischen Bureaus mit einem Schreiben gewandt, das einen ergreifenden Protest gegen den italienischen Briganten- streich und die kapitalistische Kolonialpolitik überhaupt bedeutet. HauS der Abgeordneieu. Kabinett des Präsidenten. Konstantlnopel, den 16. Oktober 1911. Mein lieber Herr Vandervelde! In dem jüngsten Abenteuer ist Italien nicht der allein Schuldige. Die anderen Mächte sind seine Mitschuldigen, denn der Schlag, der geführt wurde, war ein von ihnen vorbereiteter. Ihre Vertreter fassen uns an die Kehle und sagen unS: .Nehmen Sie die Okkupation als eine vollendete Tatsache an, dann werden wir Ihnen helfen, die Angelegenheit zu regeln." Diese unbegreifliche Haltung Europas geht uns ebenso nahe wie der Verlust von Tripolis, wenn wir eS verlieren müßten, denn sie wird im Orient Mißtrauen. Verzweisinng und Abscheu erzeugen. Ter Orient wird nicht mehr an die Zivilisation, an daS gegebene Wort, an die von Europa unterzeichnelen Verträge glauben. Dieser Widerspruch zwischen Won und Handlung bedeutet in den Augen der Orientalen ein Verbrechen an den Grundsätzen der Moral. Die Partei der Jungtürken, welche eS sich so ehrlich angelegen sein läßt, ihr Volk Europa lieben zu lehren, sich dessen Fortschritt zu eigen zu machen und eine Brücke zu ichlagen zwischen dem Abendlande und der islamitischen Welt, wird durch Europas eigene Schuld bei dieser Aufgabe scheitern. Heute, nach dem brutalen. im EmverftändniS mit den Mächten erfolgten Ueberiall Italiens. machen uns unsere inneren Gegner den Vorwurf, der europäischen Zivilisation zu sehr geschmeichelt und die Wohltaten, welche daraus für uns erwachsen sollten, zu sehr gerühmt zu haben. Sie sind nun dahin gekommen, zu erklären, daß der wahre Forlschritt darin be- stand, unser« Bajonette und Panzerschiffe zu vermehren, und der wahre Patriotismus darin, olles dem Kriegsbudget zu opfern. Dahin hat uns nun Europa gebracht, und hauptsächlich �raiik» reich und England, vermöge ihreö geheimen Sinverständniffes mit Italien. Was halten Sie von den Verträgen von Paris und Berlin, die ausdrücklich die Unantastbarkeit. Humanität. Grundsätze der Moral. welche Bedeutung messen Sie ihnen von jetzt an bei?..- Und nun sehen Sie. in welcher Weise die Türkei den un- würdigen Raub durch Italien beantwortet: An« einem ethischen Ge- fühl heraus das man in Europa schwerlich verstehen wird, verjagt sie nicht aus ihrem Gebiete.— wie eS doch ihr striktes Recht wäre.— die 40000 italienischen Arbeiter, welche im eigenen Lande Hunger» sterben, um unsere Gastfreundschaft gebeten haben und hier tzte Mltel zu ihrer Existenz finden. Sa« würde au» ihnen, ihren Frauen und ihren Kindern, wenn wir Repressalien ihnen gegenüber anwenden würden. Diese Tatsache verdient, unter vielen anderen von den Europäern und besonders den Sozialisten ernstlich bedacht zu werden. Mit tieftraurigem Herzen, sende ich Ihnen die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung. Der Präsident des Abgeordnetenhauses. Ahmed Riza. Der Krieg. Die Nachricht von der Einnahme der Stadt Tripolis hat sich nicht bestätigt. Die Kriegslage hat sich in den letzten Tagen nicht geändert. Das Gerücht von einer Beschießung der Stadt durch die Türken ist offenbar dadurch entstanden, daß eine türkische Batterie die italienischen Positionen aus ziemlicher Nähe beschießen konnte, weil während der letzten Tage der Wüstenwind, der„Ghibili" oder Samum Wolken von feinem, heißen Sandstaub nach der Küste weht. Die Batterie soll durch die Granaten eines italienischen Panzer- kreuzers zum Schweigen gebracht worden sein. Die Be- hauptung der Italiener, zwischen den Türken und den Arabern sei es zu Zwistigkeiten gekommen, ist vorläufig nicht nachzuprüfen. Tie Italiener betreiben die Verstärkung ihres Expedi- tionskorpes mit fieberhafter Eile. Solange die frischen Trup- pen nicht auf afrikanischem Boden sind, wird es kaum zu großen Kämpfen kommen, es sei denn, daß Türken und Araber sich zu einem umfassenden Vorstoß entschlössen. Inzwischen wollen die Gerüchte von Aktionen der italie- nischen Flotte im Aegäischen Meer nicht verstummen, so wird von einer Bedrohung der Insel Chios durch italienische Panzerschiffe berichtet; diese Meldung ist bis jetzt aber nicht bestätigt worden. Neue Beschießung von Tripolis. Tripolis, 4. November.(Meldung der„Agence Havas".) Heute früh feuerte eine türkische Batterie, die immer noch in gedeckter Stellung gegenüber von Mesri liegt, einige Gra- unten ab; die italienischen Batterien antworteten mit einem heftigen Feuer. Die Cholera. Tripolis, 4. November, 1 Uhr nachts. Der Freitag ist ruhig verlaufen. Hier sind Nachrichten eingetroffen, wonach die Cholera unter den Türken und Arabern Verheerungen anrichtet. Die Untätigkeit des Feindes während der letzten Tage soll auf Uneinigkeit zwischen den Türken und Arabern zurückzuführen sein. Zwei Häuptlinge der Zavia be- stätigen, daß die Cholera in den Reihen der regulären Truppen herrscht, und daß die Araber in großer Zahl von den Türken abfallen. Die Ausschiffung der Truppen geht weiter vor sich. Ein italienisches Kriegsschiff hat eine Erkundigungsfahrt in daS Gebiet der Zuara gemacht und einige Schrapnells gegen die dort anwesenden türkischen Truppen und Araber abgefeuert. Solche Erkundigungsfahrten werden wiederholt werden, um jede Möglichkeit der Konterbande zu verhindern. Das Gerücht, gm Freitag morgen hgbx ein Bajonettangriff stattgefunden, ist falsch. LmHotrfS ist die Läge unverändert, in Benghasi 'und D er'n a nllfl»'- riPg.—------------ Kricgsgreuel. Der Italien freundlich gesinnte Kriegsberichterstatter des Pariser„Excelsior" schildert die Greueltaten der Italiener gegen die Araber folgendermaßen: „Dieses Morden, diese Hekatomben von Greisen, Frauen und Kinder m diese Hinrichtungen in Haufen, diese Massen zerstückeltesFleisch, das unter der Wolle der Burnus rauchte, dieser Gestank, der zu dem blauen Himmel wie brandiger Weihrauch emporstieg! Der arabische Angriff war mit erstaun- sicher List kombiniert. Man darf sagen mit einer raffinierten, hinterlistigen Taktik, die bei diesen Barbaren überraschen mußte. Die Antwort der Italiener war bedeutend weniger fein; diese ver- gaßen alle Kampftheorien und entnahmen dieses Mal von ihren Feinden die barbarischen Mittel, die man nicht in den Kriegsschulen lernt. DaS war das einfache:«Alles hinmorden!"— Schuldige, wie Unschuldige, wie es sich gerade traf. Nur die P a n i k konnte Zivilisierte zu einer solchen Schlächterei fortreißen. Nur diese Panik kann in gewissem Maße als ihre Entschuldigung dienen. Sie ist noch immer nicht gebannt. Sie bleibt noch in jedem Soldaten. Die italienischen Truppen waren siegeSgewiß abgefahren, hatten sich durch die Tagesbefehle in ihren Kasernen und die BravoS auf den Bahnhöfen begeistern und betäuben lassen. Der Angriff vom 23. Oktober hat Zweifel in ihnen geweckt. Sie halten Tripolis mit Tausenden besetzt, sie haben Kanonen und Mitrailleusrn, ihre Schlachtschiffe ankern in der Reede. DaS Vaterland mobilisiert ineue Efsektivbestände. Aber das beruhigt nicht. Der Araber ist da, irgendwo nahe versteckt. Sie fühlen ihn herannahen schivei- gcnd, mit nackten Füßen und gezücktem Dolche. In allen Blicken liest man die Psychologie der Angst, die man nicht ein- gesteht: man kann ja sagen, daß jpdeS.italienische Leben ein Araberleben kostet; man hat so viel getötet. Täglich bereits werden Italiener seelenruhig auf den Plätzen erdolcht oder beim Vorüber- gehen unier den Arkaden niedergeschossen. Ich habe einen Mohan,. inedaner sich einem Carabinicrilcutnant nähern, ihn niederschießen und sich dann zum Tode bereit den Soldaten zukehren sehen, die ihm Kugeln durch den Kopf jagten. Und jeder Eingeborene hat den Tod eines der Seinigen zu beweinen und für jeden Eingc- borenen, der fällt, stehen zwei Rächer aufl" Italienische Kriegeschisfe vor Saloniki. Konstantinopel, 3. November. AuS Port Karburnu bei Saloniki wird gemeldet, daß dort vorgestern nacht drei italienische Kreuzer beobachtet worden wären. Von Konstantinopel sind Verstärkungen nach Saloniki abgegangen. Die Siegierung trifft auch Maßregeln für die Sicherheit des in Saloniki gefangenen Sultans-Abdul Hamid. Er soll nötigenfalls nach Monastir gebracht werden. Man glaubt, daß die Seebefestigungen im Hasen von Saloniki einer Aktion der italienischen Flotte den ernstesten Widerstand ent- gegensetzen können. Italienische Beklemmungen. Maiiund, 4. November. Durch die Einberufung der Jahres- klasse 1889 wäckst die unier den Fahnen stehende Reserve auf etwa 160 099 Mann,'lach dem„Avant!" hat der Generalstab der Armee sogar die Einb..ufung eines dritten Jahrganges beordert, um die Besatzung TripolitanienS verstärken zu können, daß die Mitwirkung fcer Flotte überflüssig werde. Die Haltung der Presse in England und Mitteleuropa hat die Regierung mit Besorgn-iS ersüllt, und auch die ausweichende Rede Greys im englischen Unterhause hat in Italien wenig befriedigt. Zu den Sorgen wegen des schleppenden Ganges der KriegZereignisse kommen also noch Befürchtungen in bezug auf dir innereuropäische Politik. Bemerkenswert ist, daß die italienische Presse ganz auf. gehört hat, der Türkei Hoffnung auf einen drni""■den Friedensschluß zu machen. Sie Kevolutio» in China. Die Eroberung von Schanghai. Schanghai, 4. November.(Meldung des Reuberschen Bureaus.) Die Chinesen st adt in Schanghai und das Arsenal fielen gestern abend fast ohne Widerstand in die Hände der A u f st ä n d i s ch e n. Nur vom Arsenal aus wurde etwas Feuer abgegeben, ohne jedoch Schaden anzu- richten. Ein Teil der Ärsenalwache nahm schnell die A r m- binde d e r A u f st ä n d i s ch e n an, der Nest leistete äugen- scheinlich keinen Widerstand. Die chinesischen Ein- wohner und die Soldaten schlössen sich alle den A u f st ä n d i s ch e n an. Zwei norwegische Dampfer mit Munition für die Flotte des Admirals Sah sind abgc- fahren. Der englische Generalkonsul erhielt heute nachmittag einen Brief, unterzeichnet von der Militär-Regierung deschin est schen Volkes, in dem ihm mitgeteilt wird, daß die Aufständischen nach reiflicher Ucberlegung beschlossen hätten, die Sorge für die Chinesenstadt in Schanghai zu über- nehmen, um die Ordnung zu sichern und das Vertrauen inr Geschäfts- und Gemeinwesen wiederherzustellen. Ter Brief fordert den Konsul auf. die Wachen in den internationalen Ansiedelungen zu verstärken, um Unordnungen unter den Flüchtlingen entgegenzutreten. Die Aufständischen lieferten heute morgen neue Ge- wehre allen, die darum baten, darunter auch Chinesen der angesehenen Klassen, unter der einzigen Bedingung, daß sie das weiße Abzeichen der Aufständischen tragen. Nach dem alten und neuen System ausgebildete Soldaten und Mitglieder des Freiwilligenkorps der Kaufleute f r a t e r- n i s i e r e n mit einander. Die Pulverfabrik in der Nähe des Arsenals ist gegenwärtig verlassen. D«r Handel wickelt sich wie gewöhnlich ab. Am frühen Morgen fand ein Gefecht an dem K i- a n g n a n- A r s e n a l statt. Es wurden dabei sechs Mann getötet und zehn verwundet, die meisten durch Dynamit, womit die Aufständischen die Tore sprengten, die die Kaiser- lichen verteidigten, um die Flucht des Direktors Tschang zu decken. Die am Arsenal angestellten Fremden verblieben auf ihren Posten. Die chinesische Verfassung. Peking, 3. November.(Reuter-Meldung.) Die Bedingungen, die der R e i ch s a u s s ch u ß dem Thron als die notwendige Grundlage für die Verfassung unterbreitet hat und die vom Thron sofort angenommen worden sind, be- sagen: Die Tsching-Dhnastie regiert für immer. Die Person des Kaisers soll unverletzlich sein. Die Macht des Kaisers ist beschränkt durch die Konstitution. Die Ordnung der Thron. folge wird in der Konstitution vorgeschrieben. Die Konstitution wird entworfen und angenommen durch den Reichsausschuß und veröffentlicht durch den Kaiser. DaS Recht, die Verfassung zu ändern, steht dem Parlament zu. Die Mitglieder des Oberhauses sollen durch das Volk gewählt werden. AuS denen, die für dieses Amt besonders geeignet sind, soll das Parlament den Ministerpräsidenten wählen und der Kaiser ihn er- nennen. Der Ministerpräsident-schlagt die übrigen Mitglieder des Kabinetts vor. Diese werden ebenfalls vom Kaiser ernannt. Die kaiserlichen Prinzen sollen nicht in das Kabinett oder zu obersten Vcrwaltungsbcamtcn der Provinzen gewählt werden können. Wenn der Ministerpräsident, durch das Parlament in der sce» gierung gehindert, dieses nicht auflöst, muß er zurücktreten. Aber e i n Kabinett soll das Parlament nicht mehr als einmal auflösen dürfen. Der Kaiser soll den direkten Befehl über Heer und Flotte führen; aber wenn diese Befugnis in bezug auf innere Angelegenheiten ausgeübt wird, muß er besondere Be» dingungen, über die das Parlament entscheidet, beobachten. Anderenfalls ist er an der Ausübung solcher Machtbefugnisse ver- hindert. Kaiserliche Erlasse können ein Gesetz nicht ersetzen, außer im Falle einer unmittelbaren Notwendigkeit. In einem solchen Falle können die Erlasse in Form eines Gesetzes in Heber- einstimmung mit besonderen Bedingungen und Voraussetzungen erfolgen. Internationale Verträge dürfen nicht ohne Zustimmung des Parlaments geschlossen werden, jedoch kann eine Kriegserklärung oder ein Friedensschluß vom Kaiser vorgenommen werden, wenn das Parlament nicht tagt. Die Zu» stimmung des Parlaments muß später ein» geholt werden. Anordnungen über die Verwaltung müssen durch das Parlament beschlossen werden. Wenn ein Budget die Zustimmung des Parlaments nicht er» langt, kann die Regierung nicht aus Grund des Budgets des Vor- jahres die Geschäfte führen. Ebenso dürfen Ausgaben, die im Budget nicht vorgesehen sind, nicht gemacht werden. Ferner ist eS der Regierung nicht gestattet, außerordentliche finanzielle Maß- nahmen außerhalb des Etats zu treffen. Das Parlament hat die Höhe der Ausgaben des kaiserlichen Hauses und jede Vermehrung oder Verminderung festzusetzen. Die Entscheidungen des Parla- ments sollen durch den Kaiser veröffentlicht werden. Der Reichsausschuß übt seine Tätigkeit bis zur Eröffnung des Parlaments aus. JuanschikaiS Ablehnung. Peking, 3. November. Juanschikai sandte telcgraphisch eine Denkschrift an den Thron, in der er es ablehnt. den Vorsitz im Kabinett zu übernehmen. Es ist nicht möglich zu sagen, ob dies eine wirkliche Ablehnung oder nur eine Aeußerung der Bescheidenheit ist. Denn die Sitte verlangt, daß solche wichtige Stellungen mehrmals abgelehnt werden. Der Gouverneur von Schantung schlug Eingeboren« der aufrührerischen Provinzen vor, die geeignet sind, al» Abgeord- nete das Volk zu beruhigen und ihm die Art der außerordentlichen Zug-.ständnissc, die der Thron gewährt hat; zu erklären. Ein Telegramm aus Nanking besagt: Der Gouverneur hat, von den Truppen aus Nanking und von zwei kleinen Kanonenbooten unterstützt, die dort ausgebrochenen Unruhen unterdrückt. Die Stadt ist ruhig. Nach Konsularnachrichten hat ein Gefecht in Tschangscha stattgefunden. Die Ausländer haben sich«uf die Insel geflüchtet und haben Vorbereitunaen zu ihrer Verteidigung getroffen.___ politische Qcberficbt. Berlin, den 4. November 1911. Der Ausfall der hessischen Landtagswahlen« Die hessischen Landtagswahlen sind für die Sozialdemo- kratie günstiger ausgesallen, als man nach dem neuen Wahl» gesetz erwarten durfte. Am Schluß unseres vor der Wahl, am 2. November, veröffentlichten Leitartikels wiesen wir darauf hin, daß wohl mit einem Stimmengewinn, kaum aber mit einer Mandatsverniehrung bei den hessischen Landtags wählen zu rechnen sei. Der Wahlausfall beweist, daß unser Pessimismus übertrieben war. Die sozialdemokratische Partei eroberte im ersten Wahlgang 4 Landtagssitze und kann mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, daß sie bei den Stich wählen noch 2 Mandate gewinnt, so daß sie im neuen Landtag sechs Vertreter haben wird, während sie bisher nur 3 Mandate im Besitz hatte. In Anbetracht der Unistände ei» sehr günstiges Wahlresultat. Gewählt sind: Genosse Eißnert in Offenbach. „ Raab in Eberstadt-Griesheim. „ Fulda in Langen-Neu-Jsenburg> „ Busold in Vilbel. Ferner ist unsere Partei an sieben Stichwahlen beteiligt. Das Gesamtergebnis der Wahlen stellt sich nach den letzten telegraphischen Meldungen folgendermaßen: gewählt sind: Zentrum sechs, Bauernbund sechs, Sozialdemokraten vier, Nationalliberale drei. Fortschrittliche Volkspartei zwei. Außerdem finden zwölf Stichwahlen statt Der Freisinn, der ein Mandat zu verteidigen hatte, hat im ersten Wahlgange zwei Mandate gewonnen und ist in drei aussichtsreichen Stichwahlen. Zentrum und Bauernbund haben ihren Besitzstand ungefähr gehalten und werden durch die Stichwahl noch eine geringe Verstärkung erfahren. Die Doppelstimnien für Wähler über 50 Jahre haben beiden Parteien, Zentrum und Bauernbund, großen Vorteil gebracht. Die Nationalliberalen haben von ihren acht zu verteidigenden Mandaten bisher nur drei gehalten und stehen in fi'mf Stich- Wahlen. Die Mehrheitsverhältntsse im hessischen Landtage werden durch die jetzigen Wahlen nicht wesentlich geändert. Bethmann läßt weiter schimpfen. H'err v. L i n d e q u i st ist nicht nur bei Herrn v. Beth Mann, sondern auch bei Wilhelm II. in Ungnade gefallen und soll nicht mehr in Abschiedsaudienz empfangen werden. Außerdem wird eine Disziplinaruntersuchung angekündigt, um den Urheber der Indiskretionen im Kolonialamt zu ermitteln. Man sieht, Herr v. Bethmann fürchtet die Lächerlichkeit nicht. Er kann's sich leisten, er hat nichts mehr zu verlieren. Deshalb läßt er die offiziöse Meute auch weiter hinter dem Staatssekretär herschimpfen. Die..Köln. Ztg/ veröffentlicht folgende offiziöse Stilübung: „Der geräuschvolle Abgang, den Herr v. Lindequist ge nommen hat, entspricht wohl nicht seinen Wünschen und seiner Eigenart, und es ist ein Verhängnis, daß dieser ruhige, stille und zurückhaltende Mann mit einem regelrechten Krach aus dem Amte scheiden muß. Ueber die Vorgänge, die zu seinem Mcktritt führten, haben wir bereits berichtet. Daß seine Amts- dauer keine lange sein würde, st and schon seit einiger Zeit fest. Man war sich in eingeweihten Kreisen darüber klar, daß seine Ernennung zum Staatssekretär ein Miß- griff war. Herr v. Lindequist war ein Mann, der den besten. ehrlichsten Willen besaß, ein eifriger und gewissenhafter Arbeiter, der sich auf Grund seiner amtlichen Stellungen und seiner Reisen in mehrere Kolonien wertvolle örtliche Kenntnisse verschafft hatte. WaS ihm fehlte, war der große Zug und die durchgreifende Energie, die gerade für einen Kolonialminister nötig ist. Seine Unentschlossenheit war geradezu sprichwörtlich geworden, und dieser große Mangel trug die Hauptschuld daran, daß große wie tvie auch kleine Fragen nicht vom Flecke kamen und in zögernder Weise behandelt wurden. Als Staatssekretär, der Initiative ent- falten und Anregungen geben, vor allem aber auch dafür sorgen muß, daß sie ausgeführt werden, war Herr v. Lindequist nicht am Platze. Er besorgte, daß er hier oder da anecken könne und kam dabei zu keinen Entschließungen. Dementsprecheno hat seine Amtstätigkeit keine bleibende Spur hinter- lassen, und es folgt nur das Bedauern, daß ein als Mcnich unanfechtbarer Mann in eine Stellung gebracht wurde, die über seine Kraft ging." So, also so unfähig war der Staatssekretär! Und einen solchen hat Herr v. Bethmann vor IVs Jahren zu dem Amt berufen und bis gestern amtieren lassen. Ja, versteht denn der Unglücksmensch nicht, daß er sich mit solchen Be- hanptungen, wenn sie wahr wären, noch mehr bloßstellt als den Getadelten? Es sind wirklich nette Zustände: die Minister bestätigen jetzt einander ihre komplette Unfähigkeit! Wir werden wirk- lich nicht widersprechen!_ Der stolze Bethmann. In dem Rundschreiben des Frhrn. v. Wangenheim war Sie Bitte an die Gesinnungsgenossen um hohe Geldbeiträge unter anderem damit begründet, daß„bei der ganzen Natur des j e tz i g e n Reichskanzlers zu befürchten sei, daß er seine Stellung abhängig macht von der Majorität des Reichstag s". Die„Nordd. Allg. Ztg." erwidert nun: „Die hier geäußerte Behauptung, daß sich der Reichskanzler seine Stellung zu entscheidenden politischen Fragen von der Parteikonstellation im Reichstag diktieren lassen werde, mutz unter Hinweis aus die bisherige Amtsführung des Reichskanzlers entschieden zurückgewiesen werden. Der Natur des Reichskanzlers entspricht vielmehr eine Auffassung seines Amtes. die ihm seine Ueberzeugung zur Richtschnur seines Handelns macht. Der Ausfall der Wahlen wird an dieser Auffassung und der daraus sich ergebenden Art der Amts- sührung nichts ändern." An der„Ausfassung" vielleicht nicht, vielleicht aber um so mehr an der„Amtsführung". Oder glaubt Herr v. Bethmann wirklich, daß er noch lange„amtieren" wird? Geständige Sünder. Der Zentrums- und Landtagsabgeordnete Jäger gibt folgende Erklärung ab: „Das Bündnis für die Landtagswahlen im Jahre 18gg habe ich mit dem verstorbenen sozialdemokratischen Abgeordneten Ebrhart abgeschlossen, und zwar durch Verhandlimgen während der Sitzung des Reichs- und Landtages. Der endgültige Abschluß des Bündnisses mit Handschlag erfolgte zwischen Ehrhart und mir im Mai 1893 im Zimmer des Beschwerdeausschusses im bayerischen Landlag. Das Bündnis wurde abgeschlossen für die Wahlkreise Zweibrücken und Speyer und wurde dann auch auf den fünfmännigen Wahlkreis München ausgedehnt, so daß zwölf liberale Abgeordnele ver- drängt und durch sieben Zentrumsleute und fünf Sozial- demokcaten ersetzt wurden." Dr. Jäger begründet dann ein- gehend die politische Notwendigkeit dieses Bündnisses und fährt fort:„An der Zusammenkunft im Dom zu Speyer waren beteiligt Domkapitular D. Z i m m e r n, ein katholischer Laie und die beiden sozialdemokratischen Abgeordneten Ebrhart und V. Vollmar. Diese Zusammenkunft war kurz vor den Landtagswahlen im Sommer 1899, also nach meiner Abmachung, die ich im Mai im Landtag mit Ehrhart ge- troffen hatte. I ch habe die Sache nie so dargestellt, als habe damals eine banges Äichtliche Führung stattgefunden. DaS zweite Wahlbündnis von 1907 wurde abgeschlossen, um eine sichere Mehrheit für das neue Wahlgesetz zustande zu bringen. Dieses Wahlbündnis wurde in einem Zimmer des bayerischen Landtages von je drei Angehörigen der beiden Parteien abgeschlossen." Domkapitular Dr. Zimmern erklärt: „Durch den Abg. Jäger wurden die Verhandlungen mit den Führern der sozialdemokratischen Fraktion in München eingeleitet. Die Einzelheiten der Ausführung in der Pfalz wurden zwischen Ehrhart und mir allein besprochen. Als Herr v. Boll- m a r hierher kam, gab es nichts mehr zu verhandeln, und er brauchte seine im allgemeinen schon erteilte Zustimmung mit seinem Erscheinen bloß zu besiegeln." Ueber die Zusammen- k u n f t im Dom zu Speyer erklärt Dr. Zimmern, daß man dort allerdings von einem Wahlbündnis gesprochen habe, aber wie von einer schon abgemachten Sacke und nicht, als ob im Dom am unauffälligsten für das Zentrum hätte verhandelt werden können." So ist nun alles b e st ä t i g t, was die Sozialdemo- krasie im allgemeinen und Genosse Vollmar im besonderen über die sozialdemokratisch-zentrünilerischen Wahlabmachungen erklärt haben. Von der architektonischen Wißbegier Vollmars, von der noch letzter Tage die„Germania" fabelte, ist keine Rede mehr— es wird rund und nett zugestanden, daß es sich bei der Zusanlnienkunft im Dom zu Speyer um das Wahlabkommen gehandelt hat. Damit wären die Zentrumsschwindler glatt herein gefallen, wäre die Unehrlichkeit und Unwahrhastigkeit der führenden Zentrnmspresse wieder einmal entlarvt. Und wenn die„Köln. V 0 l k s- Z t g." wütend fragt, warum denn die Liberalen so viel von diesen Zentrumspakten mit der Sozialdemokratie redeten, die doch in der Ver- gangenheit lägen, statt von den liberalen Ab- niachungen mit der Sozialdemokratie zu sprechen, die erst in allerletzter Zeit getroffen worden seien, so braucht das Zentrum auf diese allerneueste Tugendhaftigkeit wahrhaftig nicht allzu stolz zu sein, hat es doch erst in Elsaß- Lothringen mit der Sozialdemokratie anbändeln wollen! „Wo ist die Maske?" ruft die„Köln. Volks-Ztg." den Liberalen zu, die sie der Entlarvung ihrer staatsfeindlichen Gesinnung zeiht. Nach den Geständnissen der Jäger und Zimmern täte ihr nun selbst die Maske sehr not, um ihre Verlegenheitsröte zu verbergen! Der„Heilige Krieg". Im roten.Tag' feiert ein Generalleutnant z. D. v. Reichenau den fanatischen Heldenmut oder heldenmütigen Fanatismus, mit dem die religiös entflammten Mohammedaner in Tripolis in die Schlacht zögen. Er klagt dann darüber, daß eine ähnliche seelische Stimmung unter de» abendländischen Kulturnationen nicht vorhanden sei. Was hülfen schließlich alle kriegstechnischen Errungenschaften, wenn man sich dieser Waffen nicht mit Begeisterung bediene: „Wenn ein Volk nicht mehr fähig ist, zum Schutz eine? Heiligtums in den Krieg zu ziehen, hat es den Höhe- Punkt seiner Entwicklung überschritten, nicht minder als ein Mensch, der nichts Heiliges mehr in seinem Inneren bewahrt. Und mittels der nach dieser Richtung hin obwaltenden Mängel setzt die in der Kulturentfaltung liegende Gefahr der Entartung ein. Der sich mehrende Besitz leistet materialistischer Auffassung und we. ichlicher Gesinnung Vorschub und schwächt damit den seelischen Schwung, ohne den h 0 h e Z i e l e weder aufgerichtet, noch erstrebt werden. Auch gewinnt neben anderen Verirrungen der Gedanke Raum, den als nalürliche Funktion der Lebensbewegimg unaufhaltbaren Krieg beseitigen zu können. Derartigen Vorstellungen verdanken die a n t«« militaristischen Tendenzen, die an den Grund- festen der Armeen zu rütteln suchen."... Aus diesem Geschwafel klingt der eine webmütige Ton vor: wie schade, wie jammerschade, daß die Kultur die Menschen denken gelehrt hat, so daß sie sich nicht mehr so leicht wie Meuten von Hatzrüden gegeneinander hetzen lassen. Denn was der Herr Generalleutnant z. D. an Gründen für die Unlust zum komman- dierten Massenmord anführt, ist Wu'chi-Waschi. Der sich.mehrende Besitz" und„materialistische Auffassung" hindern die Menschen keineswegs, frivol mit dem eigenen und dem fremden Leben zu spielen. Rouös und Genüßlinge können, das hat die Geschichte tausendfach bewiesen, das beweisen die Duellholzereien noch alle Tage, sehr wohl bereit sein, ihr Leben leichtfertig wegzuwerfen. Nein, wenn die Massen, nameiiilich die proletarischen Massen. heute Feinde deS Massenmordes auf Mammons Geheiß sind, so gerade deshalb, weil sie im Ausstieg ihrer Entwickelung begriffen sind, weil sie Ideale besitzenl Für diese Ideale. sür�M e n s ch- Heilsfortschritt und Kulturziele würde auch das Prole- tariat sein Leben in die Schanze schlagen— darüber sollten sich doch die Kriegshetzer und Kriegsverherrlicher nicht täuschen I Aber freilich, diese Kullurideale des Volkes sind etwas ganz anderes. als der chauvinistische Größenwahn und die imperialistische Banditen- Politik, wofür jetzt Tausende von italienischen Soldaten ver- bluten müssen und wofür unsere Chauvinisten gern auch die deutschen Volksmassen auf die Schlachtbank treiben möchten. Mögen sich die Herren nur ja nicht einbilden, die Friedensliebe des deutschen und des internationalen Proletariats habe irgend etwas mit„Verweichlichung" gemein! Auch für das Volk könnte es einmal einen„heiligen Krieg" für„hohe Ziele" geben: mögen die Herren sich hüten, die Herzen der Massen für einen solchen Kampf zu entflammen I Giesberts gegen das Zentrum. Der Reichstagsabgeordnete GieSberts hielt gestern Abend in Köln in einer von der Zentrumspartei einberufenen massenhaft besuchten Frauenversammlung eine Rede zur Teuerungsfrage, die grundsätzlich von dem' abweicht, was man bisher ans Zentrums munde und Zentrumspresse vernominen hat. Wir entnebmeil den Giesbcrlsschen Ausführungen folgendes: Die Tatsache der Teuerung darf nicht verdunkelt werden; sie ist aber von den Vertretern der Regierling verdunkelt worden, auch vom Herrn Reichskanzler. Ein Arbeiter mir fünfköpfiger Familie und 1200 M. Jahreseinkommen Hai jetzt allein für Nahrungsmittel 33 Pf. täglich mehr auszugeben als vor einigen Monaten. Entrüstet rief Herr Giesberts: Da dürfen die Herren von der Regierung nicht mit oberfaulen Sratistiken kommen. Es liegt eine ganz erhebliche Notlage vor. Auch den Einwand seiner eigenen Partei- presse, daß die Fleiichpreii'e nicht gestiegen seien, ließ Giesberts nicht gelten. Er wies mit Reckt daraus hin, daß wir in den letzten drei Jahren schon hohe Fleischpreise hatten. Er fragte: Wie soll denn der arme Arbeiter im kommenden Winter leben? Gegenüber dem„unqualifizierbaren" Verhalten der Regierung schlug Giesberts vor: Suspendierung oder Zurück- zablung der Fultermilteizölle. Wenn der Staatssekretär tage, vaß dann 40 bis 60 Millionen weniger in die Reichslasse flössen, so kann uns das kalt lassen. Auch die Gemüie- z ö l l e müssen suspendiert werden. Die Einfuhr argen- tinischen Fleisches muß gestattet werden. Die Eng- länder essen zu 50 Proz. dieses Fleisch. Das Verbot der Einfuhr von amerikanischem Büchsenfleisch und von H a r t w u r st muß au-f gehoben werden. Wegen einzelner Fälle kann sman doch nichr das ganze amerikanische' Fleisch für ungesund erklären. Auf Grund seines Besuches in den großen Schlachihäusern Chicagos erklärte Giesberts: Nach allem, was ick gesehen habe, würde ich die dort produzierten Waren ohne jeden Ekel genießen. Nach der Versammlung verteilien draußen mehrere sozialdemo« kralische Frauen die Teuerungsflugblätter. Infolge einer von einem Z-ntnimspsarrer gehaltenen Hetzrede waren die männlichen Besucher der Versammlung derart fanatisiert, daß sie über die wehr- losen Frauen herfielen, ihnen die Flugblätter wegnahmen, die Kleider beschädigten, einer Frau ins Gesicht schlugen, einer andern ins Gesicht spien, eine dritte m i t Füßen traten. Einer der Exedenten wurde zum Polizei- kommissariat gebracht. Die anderen klerikalen RowdhS konnten leider nicht ermittelt werden._ Die Leibeigenen des Zentrums. Die konservative„Liegnitzer Zeitung" brachte am 31. Oktober einen Artikel,„Zum Reformanonsfest", der, wie da? ganz naiürlich erscheint, in eine uneingeschränkte Verherrlichung Luthers ausklang. Aber Luther wird nichl nur als konfessioneller Reformator gefeiert, es wird ihm das Verdienst zugeschrieben, die deutsche Sprache in Prosa und Poesie erst zu Ehren gebracht zu haben. „Auf seinen Schultern stehen unsere großen deutschen Klassiker, er ist der Wegbereiter und Anbahnet der deutschen Einheit und des modernen deutschen Kaiserlums. Auf Dr. Marlin Lulher läßt sich das Wort unseres Dichterfürsten anwenden:„Im Froschpfuhl sei das Volk verbannt, das seinen Luiher hat verkannt!" Vom evangelisch-lutherischen Standpunkt, auf dem ja die Kon- servativen stehen, ließ sich gegen diesen Artikel nichts einwenden. Und doch brachte die„Liegnitzer Zeitung" am Tage nach dessen Er- scheinen diese Erklärung: „Der Aufsatz„Zum Reformationsfest" in Nr. 256 der„Lieg- nitzer Zeitung" ist ohne Wissen der verantwortlichen Redaktion erschienen, die sich mit den in dem Artikel enthaltenen Ausführungen in keiner Weise iden« tisi ziert." Die Macht des Zentrums ist groß und die Wahlen sind nahe. Italien. Die republikanische Disziplin als Vorbild. Rom, den 2. November. lEig Ber.) Auf ihrem jüngsten Partei- tag in Bologna haben die Revnblikaner den italienischen Sozia« listen gezeigt, lvie man Parteidisziplin zu verstehen hat und von den Parteigenossen fordern soll. Es ivnrde dort nämlich eine Tages» ordnung gegen das tripolita nische Abenteuer an- genommen, in deren Schlußsatz die Zusammenkunft„beschließt, daß die leitenden Organe und die führenden Mitglieder der Partei ihre Aktion in der Presse, in den Volksversammlungen und in der Kammer streng nach, den dargelegten Leitsätzen richlen lallen." DaS hört sich doch ander« an, als die zarte Formel des Kongresses von M 0 d e n a:„Der Parteitag gibl der Meinung� Ausdruck" I Die Tagesordnung gegen dei�Krieg erhielt 22 000 Stimmen, während auf die Tagesordnung Barzilai, die die Spedition als eine Notwendigkeit billigt, nur 4300 Stimmen kainen. Das Votum hatte den Rücktritt des Exekutivkomitees zur Folge, das sofort durch ein anderes ersetzt wurde. Wenn der sozialistische Parteitag in diesem To» zur ParlamcntSfraklion spräche, was würde» da die Reformisten über JatobiniSmus ichrcienl Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. Ein Turchfallstandidat. wie aus Essen gemeldet wird, haben die Konservativen, Deutsch- sozialen und Chnstlichiozialen des Reicbstagswahllreises Duisburg- Oberhausen dem Feldmarschall Gras Haeseler die Reichslagskandi- datur angebolen, und dieser soll unter der Bedingung angenommen haben, daß er im Fall,'einer Wahl sich keiner politischen Partei an- schließen, sondern sein allen Deutschen bekanntes nationales Programm vertreten werde. Die Konservativen, Antisemiten und reaktionären Mitläufer rechnen, wie es scheint darauf, die Kandidatur eines leibhaftigen Feldmarschalls werde dem Duisburger Bürgertum so imponieren, daß begeistert den Grafen Haeseler mit seinem kuriosen nationalen Programm wählen wird. Die edlen Duisburger Antisemiteriche täuschen sich. Ihr Kandidat wird voraussichtlich überhaupt nicht in die Stichwahl kommen, sondern schon im ersten Wahlgange glatt durchfallen. Stichwahlparole für Ratibor. Da? sozialdemokratische Wahlkomitee fordert die Wähler deS Wahlkreises Ratibor auf. bei der am 8. November stailfindeiideii Stichwahl zwischen den Polen und dem Zentrum sich der Stimme zu enthalten. Begründet wird der Beschluß damit daß beide um das Mandat kämpfende Parteien dem schwarz- blauen Block angehören, die gemeinschaftlich dem Volke die neuen Steuern aufgebürdet haben. Es liege demnach nicht die ge- ringste Ursache vor, den einen oder den anderen Kandidaten ,u unterstützen. Brrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.r Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWr Letzte Nachrichten« Die Bewegung der englischen Eisenbahner. London, 4. November.(W. T. B.) Die Konferenz der Eisen- bahnangestellten erklärt, da die Regierung nicht imstande gewesen sei, die Eiscnbahngesellschaften zu einer Besprechung über die Borschläge der Eisenbahnuntersuchungskommission mit den Vertretern der Ar- beiter zu bewegen, um eine neue für beide Teile befriedigende Re- gelung zu vereinbaren, so habe die Konferenz beschlossen, die Eisen- bahnet darüber abstimmen zu lassen, ob sie die Vorschläge der Kam- Mission annehmen wollten und ob sie im entgegengesetzten Falle bereit seien, in einen Ausstand zu trete», um eine Anerkennung der Trade-Unions zu erreichen. Die Abstimmung solle bis zum 5. Dezember beendet sein.__ Schwerer Unfall bei einem Leichenbegängnis. Lemberg, 4. November.(Pr. C.) Bei dem Leichenbegängnis eines verunglückten Bergarbeiters kam es zu furchtbaren Schreckens- szencn. Das Pferd eines Wegens wurde plötzlich scheu und rannte zwischen die Trauergäste. Diese stoben unter furchtbaren Schreckens- rufen auseinander. Ein« Frau wurde niedergeworfen und erhielt mehrere Hnfschläge aus den Kopf, so baß sie in kurzer Zeit verschied. 14 andere Personen sind teils schwerer, teils leichter verletzt. Ein türkischer Angriff auf Homs. Konstantinopcl, 4. November.(W. T. B.) Das Kriegs- Ministerium vcröffenilicht folgende Depesche des Kommandanten von Tripolis vom 31- Oktober: Eine türkische Abteilung Freiwilliger machte in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober einen Angriff ans die Italiener in Homs. Die Italiener hatten 105 Tote, die Türken 7 Tote und etwa 40 Verwundete. Di« Freiwilligen konnten den An. griff wegen des Feuers der italienischen Kriegsschiffe auf die Küste nicht fortsetzen.__ Fortsetzung des Streiks. jyrnuidc», 4. November.(W. T. B.) Eine Versammlung der Schleppnetzfischcr hat mit 194 gegen 10 Stimmen beschlossen, den Streik fortzusetzen, da die Schiffseigner die Unterzeichnung eines Lohntarifcs verlangen und mehrere Seeleute ihre alten Stellungen nicht wieder erhalten haben. Hierzu 6 Beilagen. Nr. 260. 28. ZahrMg. 1. IfilBjt des„öotHiütts" Snlm MIlsbI«It. Zomlxg, Z. Ns»»On lW. Parteitag«ler cleutlchen SoalsISemolirstie in oeiterreich. Innsbruck, den 1. Nobember 1S11. r,/rtsebung der Separatisten-Debatte. A r b e i t e l- Bielitz begrüßte es, daß endlich offen über den Separatismus gesprochen wird, und namentlich, daß es von Adler geschieht. Die Separatisten haben mit vollem Bewußtsein zerstört, die Verbände zertrümmert, ohne ihre Mitglieder zu gewinnen. Währenddem aber fütterte man die Prager Zersplitterungs- kommission mit den Geldern der Zentralverbände. Erst dem Ein- dringen des Separatismus in Wien ist es zu verdanken, daß Adler so gesprochen hat.(Bewegung.) Nießn er- Brünn: Tie Resolution nimmt einen Anlauf, wagt aber nicht den Sprung. Es bleibt jeder Organisation alles überlassen. Der Separatismus lebt zum großen Teil von unserer bisher bewiesenen Geduld. Gegenüber anderen Parteischädigcrn sind wir nichi so duldsam. Den Schimmer von Hoffnung, den Adler hat, haben wir nicht. Dozent Dr. Ludo Hartmann-Wien: Die Resolution be- friedigt im ganzen die Gewerkschaften, führt uns aber diplomatisch- taktisch meisterhaft über die politischen Folgerungen hinweg. G-cade deshalb aber enthält sie Widersprüche in sich. Ter Klassenkampf in Oesterreich, in diesem Haufen von Abfall aller Völker(Heiterkeit) ist natürlich noch schwieriger als anderswo. Auch in der nationalen Politik müssen wir manches tun, was anderwärts das Bürgertum getan hat. Es wird in der Resolution nicht gesagt, daß auch das a u ß e r gewerkschaftliche nationalistische Verhalten der Separatisten verurteilt wird. Die deutsche Sozialdemokratie hat den Kultur- sorderungen der Deutschen gegenüber dieselbe Verpflichtung wie Polen und Italiener. Es müßte gesagt werden, daß die Separa- tisten deutsches Gebiet national erobern wollen. Wir waren in nationaler Beziehung stets weit nachgiebiger als Tschechen, Polen usw. Wir haben die Tschechen verwöhnt bis zum Uebermut. Das soll nicht mehr weiter geschehen.(Sehr richtig!) Nicht zu leugnen ist, daß es in Nordböhmen auch außer Gelben wirklich deutschnationale Arbeiter gibt.(Sehr richtig!) Die trau- rigste Erscheinung der Partei ist der Stimmenverlust im indu- striellen Gebiet, in Nordböhmen. Der Redner beantragt,„die möglichst enge Fühlung mit den sozialdemokratischen Abgeordneten anderer Nationen" dahin zu deuten, daß sie beobachtet werden soll mit den Abgeordneten, die sich auf dem Boden des Jnter- Nationalismus bewegen, sowie weitere Anträge im Sinne der oben berichteten Ausführungen. Wir müssen den Tschechen mehr als bisher sagen: Wir sind Deutsche, wie Ihr Tschechen seid, und haben keinen Grund, Euch noch weiter entgegenzukommen bei Eurem Separatismus.(Beifall bei einem Teil des Parteitages.) P r e u ß l e r- Salzburg schließt sich Dr. Hartmann an und wendet sich gegen Strasser, denn nur die tschechoslawischen Ver- trauensmänner sind separatistisch geworden, nicht die Masse. Aber zur Wiedervereinigung kommen wir nicht durch weiteres Schweigen und Kompromisse. Hueber-Wien(Sekretär der Reichsgewerkschaftskommission): Als Gewerkschafter befriedigt uns die Resolution, wenn auch nicht ganz, als Sozialdemokraten aber gar nicht. Endlich wird unser gewerkschaftlicher Kampf unterstützt. Adler hat ja seit 30 Jahren es immer so gemacht, in der Mitte zwischen Beiden durchzukommen und Beiden eine herunterzuhauen.(Heiterkeit.) Die Zentralisten brauchen keine Milderungsgründe von uns. Als Sozialdemokraten rirber haben wir nicht nur die Auswüchse des Separatismus zu verurteilen, sondern tiefer zu blicken. Nach dem Parteitag beginnt erst der Kampf. Wir müssen das Problem der nationalen Auto- nomie lösen. Ich mutz Ludo Hartmann zustimmen: wir müssen auch für die Kulturnotwendigkeiten der deutschen Arbeiter sorgen. Es mutz für nahen Zusammenschlutz der nationalen Sektionen der Partei gesorgt werden. Renner und Bauer haben ja den nationalen Bundesstaat Oesterreich bis in die kleinste Zelle konstruiert. Aber die Sozialdemokratie Oesterreichs traut sich nicht, die nationalen Eroberungsgelüste von Sozialisten auszusprechen.— aber auch nicht, daß es eine nationale Abwehrpolitik gibt. Wir Gewerkschaft kleines femUeton Die Schwarz-Weiß-Ausstellung der S e z e s s i o n, die am Sonn abend eröffnet wurde, gibt ein reickeS Bild von älteren und neuen Werken der zeichnenden Künstler. Es sind 1025 Nummern an Zeichnungen. Aquarellen. Pastellen. Radierungen und Lilbogiaphien und Illustrationen ausgestellt. Daneben hat auch die Plastik zum ersten Male in einer Winterausstellung einen größeren Spielraum erhalten (07 Werke«. Ein Vergleich der älteren Kunst, die zum Teil hervorragend vertreten ist(Koch, Carstens, Cornelius. Schadow, G e n e l l i. Feuerbach, Schwind und Spiyweg) mit den mannigfachen neueren Richtungen ist ebenso lehrreich als ergötzlich. Die bekannten Mitglieder der Sezession sind alle vertreten: Liebermann. Corinth, Slevogt(in Radierungen voll prickelnden Lebens). Breiter Raum ist B a l u s ch e k (24 große KohlekartonS aus der modernen Industrie- und Verkehrs tvelt). Beckmann, dem bedächtigen Frankfurter B o e b l e, Brockhusen(Zeichnungen aus der Mark) Meid, Rösler, Struck, Walser(Tändeleien in allen Manieren), Zille eingeräumt.' Ludwig von Hofmann gibt in einer Kollektivschan einen Hcbcrblick seiner werlvollen Tendenzen, die in dem starken Zuge zum Dekorativen und in der Herausarbeitung des Rhythmus einit so viel veri'prachen. Von jüngeren Berliner Künstlern sind Hübner, Kardorfs, Grotzmann beachtenswert. � Unter den Ausländern treten die Englander Bore und P e n e l l sehr ergiebig als Radierer hervor. Der verstorbene Israels wird durch Radierungen im Rcmbrandtton würdig re- präientiert. Zorn entzückt durch frisches Fleisch. Die stärkste Note bat F o r a i n. der französischen Esprit und Verve ziemlich einsam Tie Plastik, die in der Sezession meist stiefmütterlich wegkommt, hat (dank dem verbannten Tichadi) drei Nodins aufzuweisen, eine wundervolle Marinorgrnppe(FraiiceSco und Paolo) und zwei Bronzen (die Büste MailerS und ein kauerndes Weib). Engelmann, Gaul (mehrere Eicl). Hildebrand, K l i m s ch(stark vertreten), K l l II g e r, Tuaillon sekundieren. Majestäten als Wunderdoktoren. DaS Verlangen römischer Cäsaren, als Götter angeberer zu werden, hat bekanntlich zu manchen Verfolgungen der ividerspenstigen Christen den Anlaß gegeben. Aber in der Aera der ausgebildeten Gottesgiladenmonarchie ist man jener römischen Auffassung wieder merkwürdig nahegekommen, �u Frankreich, wo die GoiieSgnadeirthcorie ihre eigentliche Ausbildung eriobren hat, wurden die Könige als.Vicare" und„Sergeanten" GotieS angesehen, ja der mittelalterliche Staatsmann Suger. der Abt von Saint Denis, sag» von Ludwig VI., daß er da?.lebendige Ebenbild Gottes in sich trage*. Diele Anffasiung wurde offiziell bis zur französischen Revolution festgehalten. Die Sorbonne �Pariser Universität) und die Parlamente(Gerichtshöfe) Nennen sie.gesund und den, StaatSwohl entsprechend". Am 18. Mai 1643 hielt der Generaladvokat Omer Talon an Ludwig XIV., der damals noch ein Kind war, eine Ansprache, worin er sagte:»Der Sitz Eurer Majestät stellt uns den Thron des lebendigen Gottes dar. ler sind in den Zugeständnissen an die Autonomie bis an die Grenze der Kampffähigkeit der Gewerkschaften gegangen. Sie, Dr. Adler, werden sagen:„Das wird uns auf politischem Gebiet auch so gehen." Das glaube ich nicht. Die Tschechoslawen sowie unser Reichenberger Parteitag haben Beratungen über einen sozialisti- schen Ausgleich in Schulfragen usw. gefordert— aber man hat es nicht getan, hat das Fortschreiten des nationalen Kampfes nicht eingeschränkt. Ich will den Kampf vorbereiten, ich denke aber auch an den Frieden. Wir sind selbst viel schuld, wir haben vieles verabsäumt, was den Tschechen heilig ist, was ihnen als nationale Schädigung durch die deutschen Unternehmer erscheint.(Tiefe Be- wegung des ganzen Parteitages.) Es bedarf einer gründlichen Arbeit. Das Brünner Rahmenprogramm genügt nicht mehr für uns, um hier leben zu können. Vernunft wird hier zum Wahnsinn, aber nicht nur beim Bürgertum. Soviel Köpfe auf diesem Partei- tag, soviel Differenzen über die nationale Frage. Von dem Be- schluß, eine Reichskonferenz in gegebener Zeit— wir werden die Parteivcrtretung schon treiben— erwarte ich die Vereinbarung, den Friedensschluß. Dann werden wir uns mit den tschechischen Prole- tariern finden! Ich bitte den Parteitag namens der Gewerkschaf- ten, diese Frage nicht zu übersehen. Wir wollen die Welt er- obern und sollten mit Oesterreich nicht fertig werden?!(Sehr wahr!) Die nationale Gleichberechtigung müssen wir durchführen und dann haben wir ein Musterwerk vor dem ganzen internatio- nalen Proletariat geschaffen.(Großer Beifall.) Nachmittagssitzung. P e t e r s i l k a- Wien: Hätten die Tschechen die Einigung wollen, sie hätten es längst tun können. Die Resolution muß schärfer werden. Meißner- Wien: Nach der Behandlung, die gerade Dr. Adler von den Separatisten erfahren hat, kann er doch keine Einigung mehr erwarten! Vorsitzender Pcrner st orfer begrüßt mehrere Münchener Genossen, darunter den Landtagsabgeordneten Dr. Adolf Müller. Dr. Otto Bauer- Wien: Wir müssen dem Nationalismus immer wieder das Klasseninteresse der Arbeiter entgegenstellen. Deshalb müssen wir uns wenden gegen den, wenn auch schüchternen nationalistischen Sinn der Worte Hartmanns.(Beifall.) Unsere wichtigste Aufgabe, die die Parteipresse systematisch besorgen muß, ist, aufzuzeigen den tiefen Unterschied zwischen dem Internatio- nalismus und dem Pannationalismus, der die Internationale als Vereinigung der Nationalisten aller Nationen auffassen möchte. (Sehr wahr!) Lehnen Sie deshalb die Anträge Hartmanns ab. Wenn jemals etwas eine berechtigte Resolution war, so die Grün- dung der Zentralistenpartei.(Zustimmu'ng.) Ich beantrage, daß in der Resolution auch die Aufnahme der Zentralisten in die Jnter- nationale gefordert wird. Ich begreife nicht, wie man bei den letzten Wahlen die deutschen Arbeiter in tschechischen Bezirken auf- fordern konnte, für Separatisten gegen Zentralisten zu stimmen! (Sehr wahr!) Die Separatisten sind eine Partei von klaffen- bewußten, sozialdemokratischen Arbeitern; wenn wir heute be- schließen, mit ihr nichts zu tun zu haben, morgen zwingt uns der gemeinsame Gegner doch dazu. Wie unser Verhältnis weiter wird, hängt zunächst von den Separatisten ab, dann aber von der Eni- Wickelung, die die Geschichte nimmt. Aber keine Kooperation durch Vertuschen oder durch Formeln, bei denen sich jeder etwas anderes denkt.(Heiterkeit.) Abg. Gen. Leuthner-Wien: Die tschechische Politik hat die Gewerkschaften verdorben, an die deutsche Politik wendet man sich um Heilung. Das ist ein Mißverständnis. Der tschechische Ratio- nalismus hat die Form aus der Zeit, wo er kristallisierte— aus der Zeit der Erwecker gegen die Lockungen der deutschen Kultur. Im innersten Herzen ist nach der Klage tschechischer Dichter das Emp- finden vergiftet durch den Argwohn gegen deutsche Unterdrückung. Die deutsche Schule ist österreichisch, nur deutschsprcchend, die Schule im tschechischen Gebiet ist aber tschechisch Hier haben wir bis zum Minister hinauf die Staatsnation ohne Staat. Allmächtig ist der nationale Gedanke bei den Tschechen. Die ganze Luft in diesem Volke ist erfüllt vom Deutschenhaß, der alle umstrickt und in der Beredsamkeit der Formel„Kampf gegen die Unterdrücker" gefangen nimmt. Der Redner fordert aus dieser Anschauung heraus Un- Nachgiebigkeit gegen diese in ihrer Macht triumphierende Nation. Die Schriften Bauers und Renners sind ein Arsenal, das auszu die Stände deS Königreichs erweisen Ihnen Ehren und Ehrfurcht gleicb einer sichtbaren Gottheit.* Zu diesen Auffassungen paßt der Glaube an die W u n d e r Heilungen, zu denen die Könige von Frankreich durch ihr Amt die Kraft erlangen sollten. In der„Revue des deux Mondes" spricht der Historiker Funck-Brentano in eiuem Essay über die Stellung der französischen Könige ausführlich von der alten, von den französischen Königen durch viele Jahrhunderte festgehaltenen Sitte. „Die Wunderheilung wurde nicht nur von gotteSfürchtigen Herrschern praktiziert, sondern auch von einem erklärten Feind des Papsttums. wie Philipp dem Schönen. Die Gabe dazu führte man aus die Salbung durch die„heilige Ampel" zurück. Ueber Ludwigs XIV. „Wunderheiliingen* berichten, abgekehen von den zahlreichen„Pro- tokollen*, der Bologner Locatelli und der Deutsche Doktor Nemeitz, die der Zeremonie im Louvre beigewohnt haben. Die Kranken— Skrofulöse und Aussätzige— waren in zwei Reihen aufgestellt. Der König schritt langsam durch das Spalier, legte jedem Kranken die Hand auf den Kopf und sagte:„Gott heile Dich*, worauf er ihn umannte. Manchmal waren bis 800 Kranke da. Sogar Ludwig XV., bekanntlich eines der größten Ferkel und parasitischen Ungeziefer, die jemals auf dem Thron gesessen haben, bat noch als Wunderdoktor praktiziert. Bei seiner Krönung in Reims 1722— er stand damals noch im UnichuldSalier von 13 Jahren— waren in» Paik der Abtei über 2000 Skrofulöse und Gelähmte versammelt. Und der Marquis d'Argenl'on bezeugt, daß damals ein Bürger von AveSneS, der an schrecklichen Skrofeln ge- litten hätte, vollständig geheilt worden sei! Uebrigens entstand seit dem 14. Jahrhundert den französischen Königen eine Konkurrenz in ihren englischen Kollegen, die sich mit Berufung auf ihre Rechte auf den französischen Tbron gleichfalls als medizinische Jiistrumentc Gottes veriuchien. Und schließlich hat dann sogar Jakob Sruari, der Präiendenl aiiS der verkrachten englischen Dynastie Skrofeln kuriert, so daß es mit der Goltesgnadeniherapie wie mit dem Kölnischen Wasser wurde, das auf, am und gegenüber dem Jülichs- platz fabriziert wird. Gicht und Trinkwasser. Daß die Gicht eine besondere Krankheit ist, die nicht etwa mit ansteckenden Leiden irgendwie in Vergleich gesetzt werden kann, wird allgemein anerkannt. Dubois-Ncymond, der in seinem Aller selbst hochgradig mit Gicht behaflet war. so daß er den Siock sogar bis aufs Katheder des Hörsaals mitnehmen mußle, erklärte sie launig als diejenige Krankheit, von der wie von keiner anderen das Dichterwort gelle:„WaS du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besiven". Es ist aber doch noch fraglich, inivieweil das Wesen der Gicht mit ihrer Bezeichnung als KoustilulionSkraiikbeit und mit de», Hinweis auf ihre Erblichkeit erschöpfend und richtig ausgedrückt ist. Gründliche Untersuchungen, die jetzt i» Paris gleichzeitig von Geologen. Chemikern und ärztlichen Sachverständigen angestellt worden sind, haben zu der Ueberzeugung geführt, daß bei der Entstehung und Verbreitung der Gicht die Zusammensetzung des Trinkwassers eine wichtige Rolle spielt. Die Seele dieser Forschungen ist Dr. Repin, der langsrislige Versuche an Tieren gemacht hat. um diese Verhält- nisse klarzustellen. Die Gelegenheit dazu bot eine Ortschaft, wo die Gicht in ganz auffälligem Grade unter der Bevölkerung herrschte. Der Forscher opferte nun eine sehr große Zahl von Ratten auf dem Altar der Wissenschaft, um die Wirkung des Wassers, das in nützen— die S e p a r a t i st c n nur zu ungeschickt und zu ungebildet sind. Nationale Fragen sind nicht wissenschaftlich, sondern letzten Endes nur durch das Gefühl und die Macht zu entscheiden. Das einzige, was sich im Staate gegen die Tschechen bewährt hat, ist, daß sie die Grenzen ihrer Macht erkennen. Sie müssen sie auch bei uns erkennen. Ihre Vorstellungen von der unterdrückten Nation dürfen bei uns keinerlei Widerhall finden. Verhandlungen sind unmöglich geworden. Ich glaube nicht, daß es Kulturfragen in der Politik gibt; die läßt nur sehr wenige Kulturmenschen durch ihr Sieb.(Heiterkeit.) Schulfragen sind reine M a cht f r a g e n. Der Uebergang tschechischer Kinder zur deutschen Schule ist kein Herabsteigen. Die Sorge um diese Kinder ist die Sorge um die national erobernden Minoritäten, nichts anderes.(Sehr richtig!) Befreien wir uns endlich von den Wortattrappen, an die wir nicht glauben! Die Gesamtpartei bestand dadurch, daß es galt, gegen die ge- schlossene Bourgeoisie mobil zu machen. Die Nationen waren noch nicht differenziert. Die Gesamtpa�a war einig, weil sie intellck- tuell vorwiegend deutsch war. Die Deutschen hatten eben den«o- zialismus vom Westen gebracht. Gemeinsame Institutionen sind nur möglich, wenn ein gemeinsamer Geist sie trägt. Jetzt war-' die Zeit zu Verhandlungen am schlechtesten gewählt.(Die Redezeit wird nach 35 Minuten weiter verlängert.) Nicht diplomatisiert hat Adler, sondern es war die weise Erkenntnis, daß dieses sich proteusartig ändernde Problem nicht in geronnene Formeln zu bringen ist. So sind die Dinge in Oesterreich, daß die Separatisten die chauvini- stischeste und zugleich eine internationale Partei sind. Verfallen wir nicht dem österreichischen Wahn, von Wien aus die heterogensten Tinge verändern zu können, einem Wahn, der in den Präsid'�i- bureaus und im Schatten des Stcphansturmes gewachsen ist und nur möglich ist durch die Unkenntnis der Details dieser Hetcro- genität.(Lebhafter, anhaltender Beifall bei einem Teil des Partei- tages.) Abg. Gen. Winar Sky-Wien: Die Resolution enthält alles, was zu sagen ist. Leuthners Definition des tschechischen Nationa- lismus entsprach der bürgerlich-deutschnationalen Ideologie.(Sehr richtig!) Er sieht nur Deutsche und Tschechen schlechtweg, ohne Klassenunterschiede.(Sehr richtig!) Auf die Wirtschaftstatsachcn ist er gar nicht eingegangen, und da ist es historische Wahrheit, daß viele deutsche Bureaukraten und Kapitalisten heute als Unterdrücker den Tschechen gegenüberstehen. Gegen Hartmann stelle ich fest, daß wir die deutschnationalen Arbeiter niemals durch Konkurrenz mit dem bürgerlichen Nationalismus gewinnen können, sondern nur �urch Aufklärung, daß der Kapitalismus der Feind ist.(Sehr richtig!) Auf dem Wege Hartmanns und Leuthners würden wir von unseren tschechischen Genossen immer weiter wegkommen, von den bürgerlichen Deutschnationalen immer abhängiger werden.(Zu- stimmung.) Wir würden dabei— deutsche Separatisten werden. Vergessen wir nicht, daß auch die tschechischen Separatisten die Ver- gescllschaftung der Produktionsmittel wollen.(Beifall.) Chefredakteur A u st e r l i tz- Wien: Jnternationalität heißt, daß der Kampf des Proletariats gleichartig ist in allen Nationen. Oesterreichs Eigenart wandelt sie um in die österreichische Jnter- Nationalität, den Zusammenschluß des Proletariats aller Nationen gegenüber der Zerklüftung des Bürgertums. Unmöglich ist aber, daß wir auf alle Fragen dieses Jammerstaates eine proletarische Antwort geben. Die proletarische Jnternationalität ist kein Heil- mittel für das kranke Oesterreich. Die nationale Gliederung ist stets für die Gesamtpartei selbstverständlich. Leuthncr hat ein in Romantik, Phantasie, Scharffinn und Unklarheit getauchtes Bild der Tschechen entrollt.(Heiterkeit.) Er verliert stets die Funda- mente, sieht dann nur Spitzen und die können sich nie berühren. (Heitere Zustimmung.) Die nationale Frage in Oesterreich ist fast nur Minderheitenfrage, die tschechischen Minderheiten aber sind fast nur Arbeiter. Sie tragen die Eroberungstendenzen, deren Eni- scheidung unsere Hauptschwierigkeit ist. Wir lehnen es ab, unS dem Nationalismus zu beugen. Die große Abirrung der Tschechen ist, daß sie das nicht tun. Sie wollten stets die tschcchisch-nationalcn Machtbedürfnisse, nicht bloß wirkliche proletarische Kulturforderun- gen. von der Sozialdemokratie vertreten haben! Das tun wir nicht, obgleich wir als gute Deutsche stets alle Kulturnotwendigkciten unseres Volkes verfechten und die der anderen.(Großer Beifall.) Ter Separatismus vergewaltigt zugunsten der nationalen Jdeo- logie die gesellschaftliche EntWickelung. Das ist das Entscheidende, daß sie die brüderliche Solidarität, die nicht nur fragt: Was Hab dieser Ortscbaft benutzt wurde, zu ermitteln. In der Tat konnte er stets das Auftreten von gichiisckien Veränderungen an den Tieren nachweisen, die auch nur abgeschwächt wurden, wenn das Wasser zuvor abgekocht worden war. Dagegen blieben sie vollkommen'aus, wenn die im Wasser gelösten Salze zuvor auf irgendwelchem Wege zur Ausscheiduiig gebracht worden waren. Die Versuche haben also zu einem völlig klaren Ergebnis geführt, das um so wertvoller ist, als es mit den Resultaten ähnlicher Untersuchungen übereinstimnit. die in einigen anderen Fällen bereits früher angestellt worden sind. Humor und Satire. Mißbrauch. L a n d r a t: Was gibt es Neues? Kreis sekretär: Der Gastwirt Bäcker beantragt die Schani- konzeffion. Sachliche Bedenken liegen nicht vor. L.- R.: Der Sozialdemokrat Bäcker? Bisher haben wir dem Kerl nie beikommen können, denn der Schweinehund ist so frech und respeknert alle Geseüe. Jetzt aber haben wir ihn; der KreiSauSschuß muh ihm die Konzession versagen. K r.- S.: Sodann bandelt es sich um das diesjährige Ge- burtstagScssen. Soll eS wieder bei der Frau Schulze stattfinden, wie immer? L.- R.: Was? Bei Frau Schulze, in deren Lokal einnial ein Verein getagt hat, der bei seinem Sommerausflug einen Gast mit« genommen hatte, der schon einmal wegen Landratsbeleidigung frei- gesprochen worden ist? Bei der Frau Schulze essen wir nicht mehr! Kr.-S.: Der Bauer KönigStreu fragt an, ob er von dem Guts- besitzer Müller ein Pferd kaufen darf. L.-R.: Das geht das LandratSamt nichts an. Aber antworten Sie ihm privatim, daß ich ihm dringend davon abraten müsse, mit dem Gestüt des Liberalen Müller in Geschäftsverbindung zu treten. Nun, noch etwas? Kr.-S.: Der„Volkswille* behauptet in seinem'heutigen Leitartikel, die preußischen Landräte mißbrauchten ihr Amt, um--- L.-R.: Genug, genug! Mißbrauch des Amtes ist der schwerste Vorwurf, der einem preußischen Beamten gemacht werden kann. Ich werde sofort den Slrafantrag stellen.(Fride in der„Jugend".) Notizen. »» Musikchronik. In dem Montag, abend» 8 Uhr, im Blüthnersaal stattfindenden ersten großen Sinfonie-Konzert des Blüthner- Orchesters unter Leitung von Siegmnnd v. Hauscgger, dessen ösfeniliche Hauptprobe Sonntag, mittags 12 Uhr, stattfindet, kommt als Hauptwerk die„Dante Sinfonie* von Liszt zum Vortrag. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde, Georgenstraße 34/36. spricht Dienstag Dr. Fr. Schulze über die Rettung Schiffbrüchiger, Freitag Dr. G.Braun über Wanderungen an den Atlaniischen Küsten Südfrankreichs und Portugals(beide mit Lichtbildern).— Karten zu 25 Pf. von 6 Uhr abends an in der Geschäftsstelle. — Kunst abend.>�lm Sonntag, den 5. d. Mts., abends 8 Uhr. findet im Festsaale des Charlottenburger Rathauses. Berliner Straße 72, der zweite VoUskunstabend statt. Berthold Knetsch spricht über den Gassenhauer unter Erläuterungen am Flügel. Eintrittskarten SS Ps. ich boEoti?—<>1� eilt IteFcI erkennen und an iFre Stelle sch'cn die Sedürfnissc niederer Politik und den verächtlichen Wunsch, sich die Ägitntion u.eter den Skationalisten so bequem wie möglich zu machen. �Stürmischer, sich mehrfach wiederholender Beifall.) Sic haben nicht den Ä u t. die Agitation gegen den Nationalismus auf- zunehmen, dem sie selbst verfallen sind. �Brausender Beifall.) Abg. Selige r-Teplitz: Hartmanns Gedanken über die Assimilation weise ich auf das schärfste zurück.(Bravo!) Nur das Klaffeninterejfe bestimmt hier unsere Haltung. Der Separa- tismus ist doch nur von innen heraus zu überwinden, von? tschechischen Proletariat, nicht von uns. Darum: keine nicht unerlästlichc Verschärfung!(Lebhafter Beifall.) Dr. Julius Deutsch- Wien wendet sich gegen den Antrag Domes und tritt für die Resolution ein. Scharf loendet er sich gegen den. wenzn auch reinen, geläuterten Nationalismus Leuthners und Hartmanns. Wir wollen nicht zurück, vorwärts zur neuen Internationale! Abg. Dr. R« n n e r- Wien: Wir müssen auf dem nächsten Parteitag berate«, was Nation ist und was noch Sozialismus gegen den Rationalismus ist.(Lebhafte Sehr richtig!) Das blendende Feuerwerk Leuthners wird uns nicht verblenden. Politische Fragen sind Machtfragen— aber es gibt eine Wissenschaft, die die Machtfragen und die Interessen erkennen läßt, das ist der Marxismus.(Leuthner: Das wird in Oesterreich wenig helfen!) Er hat alle Mächte aufgeführt(Bauer: Nur die Fabrikanten fehlen.— Beifall.), nur die Klassen fehlten. Diese ganze Rede, die uns aufforderte, die Floskeln nationalisti- scher Rhetorik zu verachten, bestand nur aus nationalistischen Attrappen!(Lebhafte Sehr richtig!) Die ökonomische und politische Unterdrückung der Arbeiter aller Nationen lastet ooch zentnerschwerer als alles Nationale!(Stürmischer Beifall.) Aus Leuthner spricht der sozialwissenschaftliche Nihilismus. (Leuthner: Bon der Wissenschaft darf nichts Unmögliches verlangt werden!— Borsitzender Pernerstorfer: Genosse Leuthner. das sagen Sie nachher alles im„Kampf", aber jetzt nicht.— Große Heiterkeit.) Tie großen EntWickelungen werden durch ganz andere Ursachen bedingt als durch unseren häuslichen Streit mit den Tschechen. Sie haben immer ihren Staat verloren und suchen ihn wie Schlemihl seinen Schatten. Sogar der alte Njemetz klagt, da' sie— keinen eigenen König haben.(Heiterkeit.) Schließli haben sie ihr„Staatsrecht" aufgeschlagen auf dem Boden der Ge iverkschaft. Trotzdem aber alle Sprachenfragen bewundernswert gelöst wurden, wollen sie die Souveränität über die Gewerk- schaften.(Lebhafte Zustimmung.) Sie haben verhindert, daß wir als Freunde scheiden konnten. Die Gewerkschaftsfrage war eine Nebenfrage bei ihnen und sie haben die allcrkommunstcn M.ttcl der nationalen Agitation gebraucht.(Sehr richtig!) Der Redner schildert die beispiellose Kampfesweise der Separatisten, denen gegenüber die Zcntralisten ihre Pflicht getan haben, für hie wir ehrliche Bewunderung haben. Wir wissen, daß die Massen der tschechischen Proletarier mit den Deutschen eins sein werdep, und können sie brüderlich grüßen. Aber diese Führer können nicht unsere Parteigenossen sein.(So ist es!) Für mich ist es zweifellos, daß alle diese Irrungen nur eine vorübergehende Periode in der Geschichte der Sozialdemokratie sein werden. (Großer Beifall.) Ich hätte den Preußen manchmal unseren Adler gewünscht, aber uns in der Frage des Separatismus ihren Bebel. Abg. Domes- Wien(Sekretär des MetallarbeiterverbandeS) stellt und begründet den Antrag, bei der Jnter- nationale den Ausschluß der Tschcchosla wischen Sozialdemokratie zu beantragen. Ter Scpara- iiSmuS kämpft mit den Gegnern gegen uns. Die Differenzen in Frankreich. Holland usw. haben nirgends dazu geführt, daß die betreffenden Parteien bewußt Verräter der Arbeiterklasse werden. lBeifall.) Tie tschechischen Arbeiter sind ganz ausgeliefert dem verfälschten„Sozialismus" der Waujek, Tusar und Njemetz. Ist Kultur daS Besitztum nur einer Nation? Im Nanien der„natio- nalen Kultur" nimmt man den Arbeitern die Möglichkeit, sich gegen die Ausbeutung zu wehren— das ist Verrat an der wahren Kultur der Menschheit.(Zustimmungi) Heute kann der General- stab der Kartellisten auf die gekauften Gelben verzichten, der Beer-Wie». Redakteur des„Metallarbeiters": Ter Haupt schaden des Separatismus ist die Kräftigung der Unternehmer und der Regierung.(Sehr wahr!) Das Verlangen der tschechischen Arbeiter in Deutschööhmen nach tschechischen Schulen ist gerecht- fertigt. Wir müssen unser Nationalitätenprogramm nach unseren Bedürfnissen ausgestalten. Die Verleumdungen der Nationalisten fürchten wir nicht. Was hat die Meute, die 1STO gegen Bebel und Liebknecht losfuhr, der Partei geschadet? Gerade jetzt müssen wir unseren internationalen Charakter um so klarer heraus- arbeiten. Die nationalistische Richtung hat hier einen Widerhall gefunden.(Zustimmung.) Auf Antrag Dr. C- e ch s wird die Debatte geschlossen und die Kommission für die Resolution eingesetzt. Eine Erklärung der Polen. Abg. Dr. D i a m a n d- Lemberg betont daS treue Zusammen» bolten der Polnischen Sozialistischen Partei mit der deutschöster- reichischen. Alles, was hier beraten wird, ist für uns von der allergrößten Bedeutung. Im Dezember hat unser Parteitag über unser Verhältnis zu den Bruderparteien zu entscheiden. All unsere Anhänglichkeit kann aber nicht entscheidend sein für eine unbedingte Anerkennung einer Gcsamtpartei. Auch das Berlsttltnis der polnischen Gewerkschaften zu den zentralen verlangt ein ein- gehendes Verständnis der verschiedenen Verhältnisse. Die Zentral- verbände müssen unseren Aufgaben voll gerecht werden, weil daS die Grundbedingungen unseres Wirkens ist. Begrüßungen schicken die serbische Partei, die Krakauer Ge° uoffcn usw. Schluß der Sitzung 7 Uhr abends. *** Innsbruck, 2. November. Vormittagssitzung. Genosse LandtagSabgeordncter Dr. Adolf Müller- München begrüßt den Parteitag namens der bayerischen Sozialdemo- kratie. Er schildert die Herrschast des KlerikalismuS in Bayern und das scharfmacherische Borgehen der bayerischen Regierung gegen die Staatsbedienstcten. Tonn erklärt er seine Bewunderung für die Ruhe, Feinheit und Selbstbeherrschung, mit der die gestrige. so wichtige Debatte geführt wurde. Bei der starken Einwanderung tschechischer Arbeiter nach Bayern ist die Euch beschäftigende Frage auch für uns von größter Bedeutung. Diese Arbeiter sind gute Gewerkschafter, aber es zeigen sich Symptome, als wollten sie durch den Separatismus schlaff und schließlich sogar Lohndrücker werden. Darum mühte und werdet Ihr auch erreichen, was Ihr leisten müßt.(Großer Beifall.) Die Wahl der Parteivertretung. Durch Zuruf wird folgende Liste einstimmig gewählt: Für den engeren Parteiausschuß: Dr. Viktor Adler, Dr. Wilh. Ellenbogen, Engelb. Perner st orfer, Adelh. Popp. Jak. Reu mann, Franz Schuh meier. Anton S ch r a m m e l. Karl S e i tz. Ferd. S l a r e t. Joseph Tomschik. In die Kontrolle: Heinr. Beer und Laurenz W i d. holz- Wien. Simon A b r a m. Innsbruck. Dr. Ludw. Czech- Brünn, Matth. E l d e r s ch- Wien für Schlesien, Rob. P r e u ß l e r- Salzburg. Hans R e se l-Graz. Anton S ch ä f e r- Reichenberg. «dlerS Schlußwort über den Separatismus. Dr. Viktor Adler: Es ist unser Stolz, daß wir bei de: maß- losen Entstellung und Verdrehung, mis der man unseren besten Absichte» begegnet ist, solche Selbstbeherrschung übten. Trüben war e» keine Vertretung prinzipieller Meinungsverschiedenheiten. das grenzte an geivissenloseste Demagogie.(Sehr richtig!) Uns schaden die persönlichen Verunglimpfungen nicht, aber uns erregt es, daß diese Tinge ein völlig falsches Bild geben Leu tschechischen Arbeitern über uns, die deutsche Sozialdemokratie und die Jnter- nationale. Hat doch das Wiener Separatistenblatt behauptet, daß wir— ich als Redner in Jena— die tschechischen Schulen ab- lehnen und bekämpfen, weil wir die Eutwickelung der tschechischen Arbeiter nicht wünschten und ihre Konkurrenz fürchten.(Er- regung.) Das ist systematische Vergiftung unserer Lebensquellc: des Vertrauens, der warmen Liebe des Proletariais aller Länder zu einander und zu seinen Organisationen.(Lebhafte Zustim mung.) Namens der ganzen Partei danke ich Euch für die Art dieser Diskussion, an der die ganze Partei das größte Interesse hatte.(Beifall.) Adler bespricht nun die an seiner Resolution und der Parteivertrctung geübte Kritik. Manchen ivar die Reso- lution zu lang, zur Verkürzung haben sie Zusätze beantragt. (Heiterkeit.) Und dann natürlich der Vorwurf der Diplomatie! Wenn man irgendwo Vernunft entdeckt und sich ihr nicht fügen will, setzt man sie als Diplomatie herab. Das scheint mir ein un- verdientes Kompliment für die Diplomaten.(Erneute Heiterkeit.) Tie Verantwortlichen tonnten gar nicht anders, als so zurückhaltend entscheiden. Ich bin für jeden Zuwachs meiner Erkenntnis danb bar, auch für die hier betonte Rcichenberger Erziehungsarbeit (Heiterkeit.) Aber diese Resolution ist in jedem Wort ein Produkt der genauen Erwägung ihrer Wirkung. Leuthner ist ein geistvoller und leidenschaftlicher Realpolitiker— d. h., er meint es zu sein. Seine Spezialität ist, kritisch jede Ideologie, die wir hochhalte», zu untersuchen und bis hart zum Skeptizismus zu gehen. Wenn ich Anfälle von Größenwahn habe, halte ich mich selbst fast für einen Realpolitiker.(Große Heiterkeit.) Aber nur, wenn ich a l l e Realitäten ins Auge fasse, nicht nur eine, so daß ich schließlich ob- jcktiv dem Nationalismus erliege.(Sehr wahr!) Leuthner will den Klassengegensatz und den Klassenkainps im tschechischen Volk nicht sehen, um in seinen träumerischen„Realitäten" nicht gestört zu sein. Tie tschechischen Proletarier führen heute noch den Klassenkampf, wenn auch schlecht, getrübt durch— Aberglauben.(Sehr gut!— Bewegung.) Die von Hartmann be- sprochene Bölkerverschiebung mit ihren Eroberungen und Herr- schaftstendenzen ist nicht Gegenstand unserer Erörterung. Ich würde mich sehr gern gegen beide Tendenzen aussprechen. Aber würden wir dieses Gebiet erforschen, so würden wir u. a. auch auf sehr wichtige wirtschaftliche Gründe kommen. To wenig wir es als Unglück ansehen, wen» ein tschechisches Kind deutsch wird, so wenig erscheint es uns als deutsche Pflicht, den tschechische» Minderheiten Schutz und Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu ver- sage». Wir stellen also die Anträge Hartmanns zurück. Hueber muß ich sagen, daß das Problem der, rationalen Frage vom Prole- tariat allein gelöst werden kann, das nationalpolitrsche Problem überhaupt aber vom Proletariat allein nicht gelöst werden kann. Immerhin, ein grundlegender Unterschied muß betont werden: Wir deutschen Sozialdemokraten haben ein großes Interesse am Frieden auf uationalpolitischeiu Gebiet, bei den tschechischen Genossen ist gerade die nationalpolitische Unruhe ein wichtiges Moment ihrer Betätigung. Wir können allerdings leichter auf diesem Stand- punkt stehe» als sie. Wir müssen, wie Hueber fordert, an der Lösung des Problems arbeiten, aber wir begegnen uns hier immer wieder mit diesem Staat, der ein so elendes, aber doch unentbehr- liches Instrument der kapitalistischen Wirtschaftspolitik ist. Wir müssen leider alles tun, um den Boden zu konstruicreu, auf dem wir leben müssen. Deshalb sind wir viel weniger destruktiv, als unsere nationalistischen Gegner. Wir können schließlich aus- wandern— ivir liefern nicht nur die Professoren der Jnter- nationale(Heiterkeit)— aber die Tscheche» müssen sich doch klar sein, daß sie in diesem Staate mit den deutschen Arbeitern lebe» und streben müssen. Sie bringen den tschechischen Arbeitern aber bei, daß die Deutschen ihre Feinde sind.(Bewegung.) Als Ueber- zeugung der Partei will ich aber aussprechen, daß die anderen die Internationale mindestens ebenso brauchen als wir.(Beifall.) Wann die Gcsamtpartei wieder möglich sein wird, können wir heute nicht beurteilen. Die Separatisten können>v i r als beut- scher Parteitag nicht aus der Internationale ausschließen. Wir können es nur begrüßen, was auch in die Resolution aufgenom- men wurde, daß ein Teil des tschechischen Prole- tariats der Internationale unbeirrt treu ge- blieben ist.(Bravo!) Die Resolution wird auch sagen, daß die Zentralistcu gezwungen waren, sich als Partei zu kon stituieren. Selbstverständlich wird diese neue Partei in die Jnter nationale aufgenommen werden. Wir nehmen auch den Antrag darauf in die Resolution auf. Nehmen Sie die so geänderte Resolution möglichst einstimmig a», und ihr Inhalt sei der Inhalt unseres weiteren Kampfes gegen den Separatismus. Zügellosig- keit und Verleumdung überlassen wir jenen, die uns zum Schaden des Sozialismus in diese Lage gebracht haben.(Sehr wahr!) Wir wissen aber auch nicht, was sich in dem neuen Minister- Präsidenten S t ü r g k h verbirgt und wie bald uns und den Separatisten eingebläut werden wird, daß das Proletariat aller Nationen ein Körper und vor allem ein Geist ist.(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Die Abstimmung. Zahlreiche hierzu vorliegende Anträge werden zurückgezogen. Die in dem von Adler mitgeteilten Sinne abgeänderte Reso- lution wird, wie wir bereits mitteilten, einstimmig ange- nommen.(Lebhafter Beifall, Hochrufe auf die österreichische inter- nationale Sozialdemokratie.) Alle anderen Anträge werden als er- lcdigt erklärt. Ein Antrag Hueber. auf dem nächsten Parteitag über den Schutz der nationalen Minoritäten zu beraten, wird der Parteivertretung überwiesen. Die bisher als Gäste anwesenden Vertreter der neuen Tschechi« schen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Viktor St ein-Wien und Edmund B u r i a ii- Brünn werden unter brausendem Beifall vom Vorsitzenden begrüßt, ebenso der Delegierte der Südtiroler italienischen Genossen. Dr. Zapeiner. Vittor Stein dankte, in einem Augenblick der Rührung, der Partei, namentlich Adler und Renner, die den in die Wildnis Hineingestoßenen den Anschluß an die Sozialdemokratie ermöglicht haben. Viel weiter geht der Separatismus, als bloß gegen die Einheit der Gewerkschaften. Unterschätzen Sie nicht die Festigkeit, mit der die tschechischen Proletarier trotz all der Hetze am Sozialis- mus festgehalten haben. Adler hat auf mildernde Umstände plä- diert. aber wären Sie in einer Partei geblieben, in der man Sie um 7500 Kronen(für die Parteiunternchmungen) kaufen wollte, wogegen man Ihnen das weitere Verbleiben in der Partei ge- statten wollte.(Hört! hört!) Wir allein tragen die Verantwortung für unsere Tat und wir wünschten, unsere separatistischen Brüder hätten vor der Arbeitcrwelt ein halkr so reines Gewissen als wir. Wir werden unsere Pflicht stets erfüllen.(Stürmischer Beifall.) vor der ensscheldung. Am Freitag hielten unsere Genossen noch eine größere Zahl von Kommunalwühlerversammlnngen ab. Für den 2. Bezirk wurde die Versammlung im..Bahrische» Hicsel" am Weidendamm abgehalten. Unser Kandidat. Genosse S a s s e n b a ch. besprach die Aufgaben, welche die Sozialdemo- kratie in der Gemeindeverwaltung zu erfüllen hat. Tie Partei- genossen, welche in der Diskussion sprachen, verkannten nicht, daß ver zweite Bezirk für uns nicht gerade besonders gute Aussichten bietet, da er sich bis in dos Zentrum der Altstadt erstreckt. Anderer- seits gibt es in dem Bezirk aber auch Gegenden mit einer zahl- reichen proletarischen Bevölkerung, so daß immerhin die Möglich- keit besteht, den Bezirk für uns zu gewinnen, wenn die Partei- genossen eine lebhafte Agitationsarbeit entfalten in den Kreisen der Wähler, die ihrer sozialen Lage nach zu uns gehören. In diesen Kreisen verspricht unsere Agitation um so mehr Erfolg, als der gegnerische Kandidat Rettig. der sich zwar freisinnig nennt. ein Mann von so reaktionärer Gesinnung ist. daß er sich jedem Konscn?ativen an hie Seite stellen kann. Die Wähler LcS 3. und 4. Koinmunalwahlbezirks kamen im Lokal„Königshof", Bülowstraßc. zusammen, um einen Vortrag des Stadtverordneten Dr. Zadel zu hören, der über das Thema: „Wen wählen wir ins Stadtparlament?" sprach. Ter Redner be- antwortete die aufgeworfene Frage dahin, daß die Wähler der dritten Abteilung nur Sozialdemokraten ihre Stimmen geben könnten, wenn ihre Interessen wirksam vertreten werden sollen. Mit Nachdruck wies er besonders daraus hin, wie die«ozialdemo- krateu stets dafür eintreten, daß alle öffentlichen Institutionen und Nutzbarkeiten in den Besitz der Gemeinde übergehen, weil damit der Einwohnerschaft am besten gedient sei. Der Kandidat für den 4. Bezirk, Hugo WolderSkh, forderte in seiner Ansprache an die Versammelten zu einer recht regen Beteiligung bei der Wahl am Sonntag auf, die um so mehr not- wendig sei, als die Ungerechtigkeit des Wahlsystems und das Hausbesitzerprivileg für die arbeitende Klasse eine Verkümmerung ihres Wahlrechts bedeute. Die dritte Abteilung sollte wenigstens der Sozialdemokratie allein gehören.— Der Kandidat für den 3. Bezirk, Hugo P ö tz s ch, hielt ebenfalls eine Ansprache, in der er die„freisinnige" Mehrheit im Rathause kritisierte und die Lächerlichkeit der Behauptungen in einem von den Gegnern ver- breiteten Flugblatte bloßlegte.— Die Reden wurden sehr bei- fällig aufgenommen. Eine Aufforderung des Vorsitzenden an die Gegner in der Versammlung, ihre Ansichten vorzutragen, hatte keinen Erfolg. Für den 13. und 14. Kommunalwahlbezirl fand eine Versammlung statt, die in den„Arminhallen" in der Kommandanten- itraße tagte. Genosse Pfannkuch referierte. Bei Beginn der Versammlung hatte er ein Exemplar des vom Freisinn in der Luisenstadt verbreiteten Flugblattes erhalten, in welchem zwar nicht von den Taten des städtischen Freisinns den Wählern be- richtet wird, sondern nur Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie er- hoben werden. So wird behauptet, die Sozialdemokratie wäre die ärgste Feindin der wahren Freiheit und nur die Fortschrittspartei, der Freisinn, sei der feste Hort des freiheitlichen Bürgertums. Eingehend wies der Redner nach, was es mit diesen Anschuldi- gungen auf sich habe und an der Hand des Stadthaushaltsetatö zeigte er, wie berechtigt auch die Anregung der Sozialdemokratie auf Erhöhung der Einkommensteuer war. In kurzen Umrissen schilderte der Redner die Aufgaben der Kommune, dabei die er- zielten Fortschritte unumwunden anerkennend. An zahlreichen Beispielen,>vie mit der Anstellung der Schulärzte, der Lustbarkeits- steuer, der Wertzuwachssteuer uno anderen zeigte er, wie der städ- tische Freisinn, der„Hort der Freiheit",„im Interesse der Bc- völkerung gewirtschafte't" hat. Zahlreiche Fälle führte der Redner an, bei denen die sozialdemokratische Fraktion den städtischen Freisinn gezwungen hatte, Farbe zu bekennen und wie sich dieser Freisinn stets als Hüter der freiheitlichen EntWickelung des— Kapitalismus gezeigt hat. So hat auch der„Hüter der Freiheit" die Gelegenheit verpaßt, die Kommune Groß-Berlin zu schaffen und muß jetzt mit dem Notübel des Zweckverbandes krebsen. Auch von den städtischen Arbeitern hofft der Redner, daß sie durch die Wahl sozialdemokratischer Vertreter dem Freisinn nahelegen werden, sich zu beeilen, wenn er ihrer Not wirklich steuern will. Dringend gemahnte der Redner die Wähler, alles daran zu setzen, daß die dritte Wählerklasse für die Sozialdemo- kratie erobert wird. Genosse Zadel, der Kandidat für den 13. Kommunalwahl- bezirk, ging noch näher auf das vom Freisinn verteilte Flugblatt ein, in dem der Name des Kandidaten unzählige Male genannt und seine Verdienste alle aufgezählt werden. Da unterscheide sich die Sozialdemokratie wieder vorteilhaft. Sie ist die einzige Partei, die ein Kommunalprogramm hat. weshalb bei ihr auch die Person des Kandidaten eine Nebensache ist. Mit treffenden Worten geißelte er dann die geringfügigen Maßnahmen, die die Stadtver- waltung gegen die Teuerung getroffen hat und forderte zu eifriger Wahlagitation auf. Ter Genosse Fröhlich. Kandidat jür de» 14. Bezirk, wies insbesondere darauf hin, daß die diesmalige» Stadtverordnetenwahlcn die Hauptmanöver vor der großen Schlacht sind, sie sind der Auftakt zu den kommenden Reichstazs- Wahlen. Da muß dafür gesorgt werden, daß auch der 14. Bezirk geholt wird. Behauptet sich der Freisinn in ihm, dann werden ivir einen noch nie dagewesenen Jubel im Freisinnslager erleben. Ei»- gehend behandelte dann noch der Redner die Tätigkeit soivie die Charaktereigenschaften seines Gegenkandrdaten, des freisinnigen Stadtverordneten Rofenow. der noch nicht eine einzige Wühlerverfammlung in feinem Bezirk abgehalten oder besucht hat, weil ihn das böse Gewissen wahrscheinlich daran hindert, sciiicc Wählerschaft Rechcnsckwst abzulegen. Da Gegner nicht anwesend ivaren, wurde eine Diskussion nicht beliebt; hatten doch die Er- schienenc» durch ihren den Rednern reichlich gezollten Beifall schon zum Ausdruck gebracht, daß sie alles daran setzen werden, um nicht nur den 13. Bezirk glänzend zu behaupte», sondern auch den ll. Bezirk für die Sozialdemokratie zu erringen, mit einer Stimmenzahl, die dem Freisinn in Zukunft jede Hoffnung auf Wiedergewinnung des Bezirks nehmen wird. In 5 öffentlichen und gut besuchten Versammlungen nahm der vierte Kreis am Freitagabend noch einmal Stellung zu den kommenden Kom- munalwahlen. Im Lokal„S ü d o st". Waldemarstraße 75 <10. Bezirk», sprach der Kandidat Ludwig TolkSdorf vor den zablrcich erschienenen Wählern und zeigte mit eindringlichen Worten, wie notwendig es ist. daß die Arbeiterschaft Berlins einen möglichst starken Einfluß im Stadtparlament gewinnt In der Albambra. Wallner-Theaterstraße 15 ,15«».irk, gab Stadtverordneter Max G r u n w a l d eine großzüaiae historische Schilderung aus der EntWickelung des Städtewesens und der Städtcordnllng und schloß seinen ungemein interes ,nten Vor- trag mit dem Hnuveis. daß diese Versammlung gleichzeitig„iick ein Protest gegen Reichstag und Landtag sein solle, ein«usivruck der wie auch das ganze Referat bei den Anwesenden stürmisäie' Zujtinlmuiig auslöste. Im Anschluß hieran nahm der Kandidat Wal deck Ma nasse das Wort, der auf die spezielle» Frage» in der Kouimunalarbeit einging und seine packenden AuSsübrunaen in einen zündenden Appell an die Wähler aiiSkhngen liest, aus daß lcbcc«'n«'1"« seine vollste Psl'cht und Schuldigkeit tue und sonnt das Wahiresultat zu einem für uns glanzenden gestalten belie Im„E l y s i u m". Landsberger Allee 40/41<21.' zeig!- der Kandidat Wille in markigen Worten den Wäbl-rn warum und weshalb jeder Arbeiter seine Stimme nur für einen sozial- demokratischen Vertreter abgebe» dürfe. Im..Schweizergar tcn". Am FricdrichöHain<23. Bezirk). fuhrt? Kandidat Hugo Heimann seine Zuhörer mit cr- »chopfender Sachkenntnis'N die kommunalpolitische Tätigkeit ein und auch er schloß seinen feingegijederten Vortrag mit der drin- genden Aufforderung, oues aufzubieten, damit der kommende Sonntag einen übenvaltlgenden Sieg bringe. In den.Königssälen", Neue Königstroße 26(25. Bezirk), wo ein außerordentlicher Andrang herrschte, haite es der Kandidat Adolf Hoffmann unternommen, fcje Wähler auf den Ernst der Situation hinzuweisen und dem Stadtfrei,'inn seine verdiente Züchtigung zutest werde., zu lasse». J» diesem letzteren Teil seiner Ausführungen diente dem Referenten das schon mehrfach erwähnte Sudelflugblatt, dessen �nhalt er unter stürmischen Heiter- feils- und 3ust>wmungsau>zerungen der Versammelten jämmer- lich zerzauste. Der antisemitisch-konservat,»freisinnige Maler- meister Rettrg, 10 führte Hossmann u. a. aus. habe den Mut gehabt, im Kuratorium des Obdachs von den RcvisionSberichten unserer Geneffen zu sagen, es ivären falsche Berichte. Der Herr habe sich aber dann eine Abfuhr geholt, als er nachher selbst für die Abstellung der ss-rugten Mißstände stimmte. all-rd.ngS nicht ohne sich vorher darüber aufzuregen, daß immer nur den sozialdemokratischen �citlstieoern des Kuratoriums diese Mißstände zur .Kenntnis kämen, darauf sei ihm erwidert worden, man ersehe daraus, wie wenig Vertrauen ihm entgegenaebracht würde. A», schlimmsten habe sich ,edoch der Hausagrarier W 1 t t k 0 w s k Y ge- berdet, der nicht nur daS berüchtigte mit 11 Betten belegte .Beamten-Ethslungszimmer" kolossal bequem und angenehm fand. sondern die„unerhörten Kritisierereien" von„denen da"(Sozialdemokraten) sich verbat und dem Aorsitzenden Stadtrat Jakobi den Rat gab. doch die Rcvisionsberichtc der Sozialdemo- traten immer am Schluß der Sitzung zu behandeln, dann könnte man wenigstens weggehen und„die da"(Sazialdemo- traten) könnten sich dann hier„Kopf stellen". Darauf habe er, voffmann, erwidert, das„Kopfstellen" kleide den Herrn Witt« towsky viel besser und habe noch den Vorteil, daß dabei der„ver- n unf tigere Teil" auch mal nach oben komme.(Stürmische Heiterkeit und Beifall.) In der Diskussion teilte ein Redner mit, daß der Herr Kan- didat Ebeling ein Gastlokal besitze, wo die Hausdiener unter dem Eilgutschuppen schlafen müßten, wo morgens um 2 Uhr schon verladen werde. Ein anderer Hausdiener schlafe unter dem Stadt- dahnbogen._ Hue der Partei. Waffen für den Wahlkampf. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts sind soeben zwei bedeutsame Bücher erschienen, die für den ReichstagSwahlkamps unseren Genossen eine Fülle wertvollen Materials bieten. Das«ine ist das Handbuch für sozialdemokratische Wähler(Der Reichstag ISO?— ISIl), herausgegeben vom Vorst ande der sozial« demokratischen Partei. Dieses Handbuch beleuchtet auf 781 Seiten alle Tat- und Unterlasiungssünden des sterbenden Reichs- tageS auf allen Gebieten der Politik und gibt Klarheit über die Stellungnahme und die Forderungen der sozialdemokratischen Partei zu allen politischen Fragen. Ganz besondere Berücksichtigung habe» in dieser imperialistischen Epoche die Kapitel über Heer» und Flottenwesen, über Kolonialpolitik, über die Marokko- Affäre, über VerfassungS- kämpfe u. dergl. erfahren. Ebenso ausführlich ist die Zoll- und Steuerpolitik, vor allem die Reichsfinanzreform von 1 g 0 9 behandelt. Einen breiten Raum nehmen ferner die verschiedenen Abhandlungen über Sozialpolitik und die Reichsversicherungsordnung ein. Wir können hier nur die wichtigsten Abschnitte dieser reichhaltigen Materialsainmlung herausgreifen, die als Anhang noch Winke für die Agitation und die Wahlen gibt. Das Werk hat trotz seiner hohen Seitenzahl ein recht handliches Format, guten Druck und praktischen und geschmackvollen Einband. Der Buchhandelpreis beträgt 6 M. Das zweite Buch ist betitelt Wahllügcn der bürgerliche» Parteien und einhält eine Sammlung und Widerlegung der von den bürger- lichen Parteien zur Verleumdung der Sozialdemokratie und der sozialdemokratischen Vertreter verbreiteten Lügen. Die erste Auf- läge dieses Buches erschien 1907 und ist jetzt um die neueren Lügen vermehrt worden. Es ist eine Ergänzung des auch im Vorwärts- Verlage erschienenen Büches von A. Erdmann»Die Sozial- demotratie im Urteile der Gegner". Die»Wahl- lügen" umfassen 305 Seiten und kosten in guter Ausstattung 3 M. Kommunalwahlerfolge. Bei der am Freitag in Cronenberg(Kreis Lennep-Remscheid- Mettmann) stattgefundenen Stadtverordnetenwahl der dritten Ab- teilung habeil unsere Genosien trotz der schäbigsten Machenschaften der Gegner einen glänzenden Sieg errungen. Der bürgerliche Ordnungsbrei erhielt 138. 153 und 210 Stimmen, die Christlichen 92 und 99 Stimmen, während unsere Genossen 671 Stimmen erhielten. Damit ziehen zu den schon vorhandenen drei Sozial- demokraten noch drei wettere in das dortige Stadtverordneten- kollegiun, ein. Bei der S t a d t v e r o r d n e t e n«v a h l in dem kleinen Land- �flndtcheu Leichlingen(Kreis Solingen) erhielten die beiden feMlididoUli der Sozialdemokratie 2Ö3, das Zentrum 187 und die �Evangelisten" 96 Stimmen. Es ist Stichtvahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie erforderlich, jedoch ist der Sieg unserer Genossen sicher._ Zur englischen Einigungsaktion. Auf die Entgegnung unseres Londoner Korrespondenten sendet uns Genosse Sachse-London die folgende Erwiderung: Ich denke, die beiderseitige Auseinandersetzung wird genügt haben, den Lesern des„Vorwärts" ein eigenes Urteil über die Bedeutung und den Wert der sogenannten Einigungskonferenz von Manchester zu ermöglichen. Die bequeme Art der Polemik, wie sie von Ihrem Londoner Korrespondenten geübt wird, meine Be- bauptungen und Feststellungen zu bloßen„Vermutungen" zu stem- peln und diesen seine„persönliche Anschauung" gegenüberzustellen, läßt jedoch einige Richtigstellungen notwendig erscheinen. Daß die Frage der Arbeiterpartei die Vereinigung der I. P. mit der S. D. P. verhindert, ist nicht meine„Vermutung", sondern das ist die offizielle Begründung, mit der der ° r st a n d d e r I. L. P. alle bisherigen Einigungsvorschläge ab- gelehnt hat. Es liegt ja auch auf der Hand, daß eine Vereinigung von Organisationen, von denen die eine der Arbeiterpartei an- gehören, die andere ihr fernbleiben, ja, sie bekämpfen will, tech- n» s ch u n möglich ist. Angesichts dieser Sachlage ist es durchaus ungerechtfertigt' die verkehrte und abgeschmackte Argumentation eines Urtikels des„Labour Leader" ohne weiteres als offizielle Stellungnahme der I. L. P. hinzustellen. Man weiß, daß der „�.avour Leader" noch nicht gänzlich der Kontrolle der Opportunisten cmrtffen ist, und daß es in der I. L. P. Leute gibt, die nichts mehr �.�n Eintritt neuer revolutionärer Elemente in die Arbeiterpartei. Das zeigt aber nur, wie segensreich dieser für die Entwickelung des Sozialismus und der Arbeiterpartei wäre. ??..�in„Komplott aufgedeckt",, sondern nur auf ein ganz durchsichtiges Manöver hingewiesen, Ortsgruppen der I. L. P- gegen deren Vorstand und Parteitag auszuspielen, und zwar das nicht erst jetzt, fondern schon vor„sechs Monaten", in nieiner Be- sprechung der Eoventryer Konferenz. Ob ich das Vorgehen der S. D. P. richtig qualifiziert habe, kann nun, da die diesbezüglichen Tatsachen nicht bestritten werden, jeder Sozialdemokrat für sich selber enischeiden. Ich bin aber keineswegs„so ziemlich der einzige". der darüber„Entrüstung empfunden" hat, wie sich jeder überzeugen kann, der imt I. L. P.-Kreiscn persönlich Fühlung nimmt. Daß der Vorstand der I. L. P. aus Gründen, über die ich allerdings nur eine Vermutung äußern kann, es nicht für angebracht hielt, ösfent- lich Protest zu erheben, ändert an der Tatsache gar nichts. Ihr Korrespondent glaubt nicht, daß die Elemente, die sich in Manchester mit der S. D. P. vereinigt haben, zum Teil aus imperia- listischen Wirrköpfen, zum Teil aus impossibilistischen Eigenbrödlern bestehen. Nun, man weiß ja, wen man vor sich hat, und die De- datten in Manchester waren gewiß nicht geeignet,„Besürchtungcn zu zerstreuen". Hoffen wir, daß Ihr Korrespondent m dieser Be- Ziehung recht behält, aber dazu bedarf es jedenfalls mehr als einer Resolution über den tripolitanischen Raubzug oder des Sta» tutcntwurfs des Provisorischen Komitees. Wollte man personlich werden, dann könnte man Leute namhaft machen, die an der geisterten Annahme jener Resolution auch durch das feierliche Gelöbnis nicht gehindert wurden, den„Pozisismus" bis anS Ende 'hrer Tage zu bekämpfen. B l a t ch f o r d. der an der ganzen Aktion kernen Anteil genommen haben soll, iit der Redakteur und Eigen- tumer de»„Clarion", durch welchen die„B. S. P. von fflratjfon und unter der begeisterten Befürwortung Blatch- ford» selber. ,nZ Leben gerufen worden ist und der l'ch.Sum offiziellen Organ der„neuen Partei" machen zu wollen scheint. Ä der anerkannte Führer der Clarion- KlubS. die in Manchester durch 32 Delegierte vertreten waren. schließlich habe ich die S. D. P. nicht als„Prügelknaben für alle Sunden und Gebrechen der sozialistischen Bewegung" in Eng- land behandelt, wenn ,ch auch der Ansicht bin. daß ihre verfehlte und starrköpfige Politik ein gut Teil der Schuld an dem hiesigen Elend zu tragen hat. Ich meine allerdings auch, daß die Fehl- tritt« und llnterlaffungen einer Organisation, die der ganzen Be wegung als theoretischer Leitstern dienen will und schon seit Jahr zehnten„feriig" ist, sirenger beurteilt werden müssen als die der I. L. P. oder gar der Arbeiterpartei, die noch im Werden find oder erst am Anfang ihrer Entwickelung stehen und sich instinktiv ihren Weg entlangtasten muffen. parlamentarUcbee« Kommission für die Angestelltenversichernng. (Sitzung vom Sonnabend, den 4. November.) Die Kommission erledigte heute den Abschnitt über die Zuschuß- und Ersatzkassen und den Rest des Gesetzes in erster Lesung. Zu- schutzkassen sollen nach der Borlage zugelassen werden, wenn sie für ihre Mitglieder die nach diesem Gesetz geforderten Beiträge in die Reichsversicherungsanstalt abführen. Auf Antrag der Volks- Partei wird diese Stellung nicht nur deu Werkspensionskaffen. sondern auch den Versicherungs- oder Wohlfahrtseinrichtungen der Betriebe zugebilligt: man hat dabei an Fonds gedacht, die von Unternehmern für Unterstützungszwecke gestiftet sind. Von unseren Genossen wurde beantragt, daß solche Pensionskassen, die neben Angestellten auch Arbeiter als Mitglieder ausnehmen, ihr Ver- mögen für die Angesielltenversicherung besonders verwalten müssen. Es soll damit verhindert werden, daß in einer Werkspensionskasse Mittel, die die Arbeiter ausbringen, für die Angestelltenversicherung verwendet werden. Zu z 369 wird ein Antrag der Volkspartei angenommen, der den Wierkspensionskassen die Verpflichtung auferlegt, daß sie für Zwecke des Heilverfahrens prozentual mindestens die gleichen Auf- Wendungen machen muffen, als die staatliche Versicherung. Die Kommission entscheidet sich sodann für die Zulassung der E r s a tz k a s s e n. Dagegen stimmen nur die Sozialdemokraten, der Abg. Potthoff und der Abg. Raab. Die Erfatzkasscn sollen nach der Vorlage die Mitglieder von der staatlichen Versicherung befreien. Beim Ausscheiden aus der Kasse wird den Mitgliedern aber die Zeit ihrer Mitgliedschaft in der Werkspensionskasse als Wartezeit für die staatliche Versicherung angerechnet. Nach einem Beschluß der Kommission werden nur Versicherungseinrichtungen als Ersatz- lassen zugelassen, nicht etwa Unterstützungseinrichtungen, die nur aus freiwilligen Fonds bestehen. Bei der Wichtigkeit, die dieser Beschlutz beansprucht, geben wir den§ 367 im Wortlaut wieder: „Der Bundesrat bestimmt auf Antrag, daß Versicherungs- cinrichtungen der im§ 362 bezeichneten Art als Ersatzkaffen zu- gelassen werden. Die Kassen müssen vor dem 15. Oktober 1911 vorhanden und bei Stellung des Antrages rechtsfähig sein. Der Antrag ist vom Vorstand der Versicherungseinrichtung oder der Mehrheit der versicherten Angestellten vor dem I. Januar 1913 beim Bundesrat zu stellen. Zur Sicherstellung der reichsgesetz- lichen Beitragsleistungen für den Fall der Nichtzulassung haben die Versicherungseinrichtungen am 1. Januar 1913 eine vom Bundesrat nach Anhörung der Reichsversichcrungsanstalt zu be- messende Sicherheit bei der Reichsversicherungsanstalt zu hinter- legen. Wird der Antrag auf Zulassung abgelehnt, so sind die seit Inkrafttreten des Gesetzes rückständigen Beiträge unter An- rechnung von 3)4 Proz. Zinsen und ZinseSzinsen nachzuzahlen. Bei Streit über die Höhe des nachzuzahlenden Betrages entscheidet das Oberschiedsgericht. Die Beteiligung bei einer zugelassenen Ersatzkasse gilt der Versicherung bei der Reichsversicherungsanstalt gleich. Das Gleiche gilt, solange das Verfahren über die Zulassung schwebt. Die Ersatzkaffen müssen den§§ 368— 371 genügen." Zu g 371 wurde ein Antrag unserer Genossen angenommen, der bestimmt, daß für die Mitglieder der Werkspensionskassen die Instanzen über Rentengewährung entscheiden, die dieses Gesetz vor- steht. Es ist damit verhindert, daß eine Werkspensionskasse den ordentlichen Rechtsweg zur Verfolgung der Ansprüche ausschließen kann, wie es heute vielfach geschieht. Gegen diesen Antrag stimmten nur die Konservativen und die Nationalliberalen. Im§ 372 wurde auf Antrag der Volkspartei eingefügt, daß ein Viertel des Ver- mögens der Werkspensionskassen in Reichs- und Staatsanleihen an- gelegt sei» muß. Die Stellung der Knappschastskassen wurde durch einen Antrag des Abg. Behrens dahin geändert, daß diese Kassen die Renten nach diesem Gesetz auf ihre Leistungen anrechnen können. Die Vor- läge sah den Zwang der Anrechnung vor, während es nun in das Belieben der Kassen gestellt ist. Kommt ein dahingehender Beschluß über die Satzungsänderung nicht zustande, so kann auf Antrag der Mehrheit der Unternehmer oder der Mitglieder der Kasse die oberste Verwaltungsbehörde bestimmen, inwieweit die Unterstützungen zu ermäßigen sind. Nach§ 331 befreit von der Versicherungspflicht der Abschluß einer Lebensversicherung. Diese Vorschrift wurde in der Kommission dahin ergänzt, daß nur die Versicherungen ii, Betracht kommen, die vor dem 16. Oktober 1911 abgeschlossen sind. Ferner soll entsprechend einem Antrag Raab die freiwillige Ver- sicher ung für diejenigen gestattet sein, die bei Knlrasttreten des Gesetzes ein Gehalt von fünf- bis zehntausend Mark bezogen. Nach dem Gesetz sind diese Personen von der Zwangsversicherung ausgeschaltet. Die zweite Beratung der Vorlage wird in der Kommission vor- auSsichtlich am Mittwoch, den 8. November, erfolgen können. £Iiis Industrie und ftandel Ter Scmtenstand in Preuße» zu Anfang November war. wenn 2 gut. 3 mittel. 4 gering und 5 sehr gering bedeutet, für Weizen 2,7, Spelz 2,0, Roggen 2,7, Raps und Rübsen 2,9 und junger Klee 4.0. In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt es: Obgleich sich die Niederschlagsmengen sehr ungleich auf das Siaats- gebiet verteilten, waren sie doch fast überall gerade hinreichend zur Bestellung der Aecker zur Wintersaat, di» nun mit allen Kräften gefördert und bei dem'Roggen so gut wie zu Ende geführt wurde. Andere Schädlinge als Mäuse haben sich kaum bemerkbar gemacht. Vorläufig läßt sich über den Stand der jungen Saaten noch nicht viel und auch kaum Nachteiliges berichten. Eine Be- urteilung des Winteriveizenö war diesmal noch nicht überall mög- lich. Ueber den Wintcrspelz liegen Bemerkungen überhaupt nicht vor. Für den Winterroggcn ist wohl kaum eine Note ausgeblieben, da er zum beträchtlichen Teile schon zeitig eingesät wurde und daher in jedem Berichtsbezirk ziemlich gut aufgelaufen war. Nicht selten werden die Oelfrüchte. Winterraps und-Rübsen, ungünstig beurteilt, deren Einsaat im August, diesmal also gerade in der trockenen Zeit, zu erfolgen hat. Ter junge Klee hat sich stellen. weise zwar etwas erholt, zum großen Teile soll er aber doch ver- dorrt oder von den Mäusen vernichtet sein, so daß er in sehr vielen Berichtsbezirkcn nicht zu beurteilen war; hier und da wird er auch von Erdflöhen heimgesucht. Das Glück von Luxcmbura. Kaum hat die Teutsch-Luxcmburgische Bergwerksgesellschast sich die Dortmunder Ilnion angegliedert, da wird das Schmerzcns- kind der Ilnion. die Zeche Adolf von Haniemann, zu einem Quell der Freude für die Aktionäre. Vor 28 Jahren ersoff die Zeche; verschiedene Versuche, sie wieder vollständig betriebsfähig zu machen, blieben erfolglos; die Wassereinbrüche wiederholten sich. Jetzt Plötzlich wird bekannt, daß die Trockenlegung des Hauptschachtcs bis zur Sohle erfolgt fei und die weiteren Aufbrucharbeiten vor- genommen werden können. Diese Nachricht beantwortete die Börse mit einem Hinaussehe» der Kurse von Deutsch-Luxcmburg um 5—6 Proz. Das Glück von Luxemburg läßt die Erinnerung an die Geschichte der Zeche Adolf von Hansemann wieder lebendig werden. Sie liefert ein Schulbeispiel kapitalistischer Kniffe und Pfiffe. Die Zeche, an der Adolf von Hansemann, Direktor der Diskontogesellschaft, stark interessiert war. gelangte in den Besitz eines von dieser Gesellschaft gebildeten Konsortiuilis. Bisher ge- hörte sie unter der Firma„Mengeder Bcrgwcrksvcrein" zum Besitz- stand der Gelsenkirchener Bergwcrksgesellschaft. Als sich heraus- stellte, daß der Erwerb der Zeche eine Fehlspekulation war, packte Hansemann sie im Jahre 1899 einfach der von ihm beherrschten . Dortmunder Union auf. Der Kaufpreis war auf 9 Millionen Mark j berechnet, aber die Union mußte dasiir 9 Millionen Mark ihrer Aktien zum Nenniverie hergeben, obwohl diese damals 130 nolierlcn. In den nächsten Jahren hatte die Union noch zirka 2Vj Millionen Mark auszuwenden, um die Schäden des Wvsscreinbruches zu be- heben. Die Diskontogesellschast machte bei der Abstotzung ein Bombengeschäft. Die Porbesitzcr hatten für das gesamte Unter- nehmen übr 12 Millionen Mark aufgewendet. Das Konsortium der Diskontogesellschaft erwarb die Kuxe für 2,3 Millionen Mark, es verbrauchte dann allerdings noch einige Millionen Mark für die Abteufung eines zweite» Schachtes, aber die Union mutzte auch die 3)-! Millionen Mark bezahlen, die der ersoffene Schacht gekostet hatte. Hansemann verstand es. sein Privatinteresse mit dem der Bank schön zu vereinigen; die Aktionäre der Union konnten dafür in den Beutel greifen. Trotzdem glauben manche Leute immer noch, die von einem Unternehmen gezahlten Dividenden könnten immer als Matzstab für die Rentabilität industrieller Werke gelten. Die Union war weiter von Pech verfolgt. Im Jahre 1901, als man glaubte, bald mit einer bedeutenden Förderung aus der Nacht der Zubußen an das Licht der Ueberschüsse treten zu können, machte ein neuer Wassereinbruch die Anlage zum Teil erneut betriebs- unfähig. Wiederum waren bedeutende Mittel für Abteufungs- arbeiten erforderlich. Nun, nachdem Deutsch-Luxemburg mit der Union auch die Zeche Adolf von Hansemann übernommen, scheinen ihre glücklichen Tage angebrochen zu sein. Die Wasserförderul?» auf der der Hansemann benachbarten fiskalischen Zeche Waltrop bat die Zuflüsse abgezogen und die Trockenlegung des ersoffenen Schachtes ermöglicht.________ Gerichts-Zeitung» Der Revolver gegen Arbeiter. Eine Revolverschießerei, die sehr traurige Folgen gehabt halte, lag einer Anklage wegen qualifizierter Körperverletzung zugrunde, welche den B-rschnitter Johann W-loszek vor die 5. Strafkammer des Landgerichts III führte. Der Angeklagte war auf einem Bauerngut in Paulshof be- schäftigt. Als eines TageS der 18jährige Schnitter Boretzki 7 Mi- nuten zu früh mit der Arbeit aufgehört hatte, machte ihm der Auge- klagte Vorwürfe. ES kam zu einem Streit zwischen Beiden, in dessen Verlauf Boretzki mit einem Messer auf den Angeklagten los- ging. Während dem B. von anderen Schnittern das Messer ent- wunden wurde, lief der Angeklagte in seine Kammer und holte seinen Revolver. Mit diesem stürzte er auf B. zu und gab zwei Schüsse ab. Von einem Schuß in das rechte Auge getroffen, sank B. mit einem lauten Aufschrei zu Boden. Er wurde auf schnellstem Wege in das nächstliegende Krankenhaus geschafft, wo er Wochen- lang mit dem Tode kämpfte. Infolge der Verletzung ist ein Auge vollständig verloren, während das linke Auge die Sehkraft fast voll- ständig verloren hat.— Vor Gericht beantragte der Staatsauwalt mit Rücksicht auf die schweren Folgen, welche die Tat des Ange- klagten gehabt hatte, eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren. DcS Urteil lautete auf nur 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Der Gattenmord am Tegeler Weg. In der gestrigen Beweisaufnahme bekundet ein Zeuge Preuß, der Angeklagte habe sich sehr erregt über seine Ehefrau ausgc- sprachen. Unter anderem habe er gesagt:„Wenn ich geschieden werde, dann schieße ich meine Frau nieder und einige andere müssen auch noch mit! Ich bin vollständig ruiniert, verliere meine Stellung, meine Pension und alles!"— Zu einem anderen Zeugen hat der Angeklagte voller Verzweiflung gesagt:„Ich habe kein Stuck Möbel mehr vorgefunden; ich schieße meine Frau nieder und die ganze Bande in Potsdam und mich dann hinterher!"— Zu einem anderen Zeugen hat der Angeklagte am Tage vor der Tat über seine Frau und seine Schwiegereltern geschimpft und sich dahin gc- äußert:„Für diese Bande wäre der Revolver noch viel zu schade." Ueber die Vorgänge bei der Tat selbst am 18. November am Tegeler Weg ergibt das Verhör des Angeklagten durch den Vor- sitzenden folgendes: Am Abend vor der Tat war der Angeklagte bei einer Geburtstagsfeier in Spandau. Am 18. November kaufte sich Angeklagter zunächst bei cinein Zigarrenhändler Hecht Zigarren und benutzte dann den Zug nach der Jungfernheidc. Am Tegeler Weg hat er dann zuerst die Grimm, die von einem Transporteur bc- gleitet wurde, und dann seine Frau, deren Vater und den Pastor Bicrbaum, die vom Termin kamen, getroffen. Dort ist die Tat geschehen, der die Frau des Angeklagten zum Opfer gefallen ist. Von der Tat selbst und dem. was unmittelbar darauf passiert ist, will der Angeklagte keine Erinnerung haben. Der Angeklagte gibt im Laufe der Verhandlung!, in der er alle Schuld an dem Zer- würfnis mit seiner erschossenen Frau auf diese zu schieben sucht, zu, in Gegenwart seiner Kinder mit einer Prostituierten in drin che- lichen Schlafzimmer sich eingelassen zu haben. Zeugen bekunden. daß der Angeklagte über Einzelheiten der Tat mit ihnen gesprochen habe, nachdem er anfänglich jede Erinnerung an die Tat geleugnet hatte. Medizinalrat Dr. Hoffmann kommt in seinem eingehend be- gründeten Gutachten zu dem Schluß, daß der Angeklagte nicht die Wahrheit sage, wenn er behaupte, daß er das Erinnerungsvermögen an die Tat selbst verloren habe. Der Angeklagte sei ja ein Reurastheniker, doch sei ff 51 St.-G.-B. auf ihn nicht anwendbar.— Medizinalrat Dr. Leppmann schließt sich diesem Gutachten durchaus an. Der vorliegende Fall sei gerade ein solcher, der einen Sach- verständigen von gewissen Zweifeln befreie. Die Zeugenaussagen und der ganze Mensch, der durch die Beweisaufnahme genügend ge- kennzeichnet worden, haben gezeigt, daß eS fast natürlich erscheint. daß er diese Tat beging. Psychologisch sei diese Tat bei einem nervösen, mit einem gewissen Dünkel behasteten, im übrigen tüch- tigcn Menschen, der in so tiefe eheliche Zerwürfnisse und Gerichts- Händel aller Art verwickelt sei, nicht gerade unerklärlich. Der Angeklagte habe gehandelt, wie ein aufgeregter, verzweifelter Mensch, aber nicht wie ein Geisteskranker. Staatsanwaltschaftsrat Brüning beantragt die Bejahung der Frage nach Totschlag, obwohl zahlreiche Momente darauf hinweisen. daß der Angeklagte die Tat von langer Hand geplant habe. Aber die Uebcrlrgung bei Ausführung der Tat könne doch nicht bejaht werden. Ter Berteidiger, Rechtsanwalt Theodor Marcus«, führt aus, daß hier eine Verzweiflungstat eines völlig niedergcbrochenen Menschen vorliege, der im höchsten Affekt gehandelt habe, ohne eigentlich zu wissen, waö er tue. Ter Angeklagte erscheine doch der Zubilligung mildernder Umstände würdig. Die Geschworenen bejahten die Frage: Schuldig beS Tot- schlags? und verneinten die Zubilligung mildernder Umstände. DaS Gericht erkannte auf acht Jahre Zuchthaus. Neun Monate Unter- suchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. Der General von Afrika. Mit einem wüsten Exzeß im Gerichtssaal endete eine Ver- Handlung, welche die 5. Strafkammer des Landgerichts III beschäf- tigte. Aus dem Zuchhcmse wurde der Arbeiter BalbuSki vorgc- führt, um sich wegen eines von ihm verübten Geldschrankeinbruchs zu verantworten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er der Ar- beiter BalbuSki sei, antwortete der Angeklagte:„Was wollen Sic von mir? Ich bin der General von Afrika. Ich habe hier nichts mit Ihnen zu tun!" Als der Angeklagte trotz gütlicher Er- Mahnungen des Vorsitzenden dabei blieb den„Verrückten" zu spielen, wurde ihm bedeutet, daß«r seine Lage durch sein törichte» Benehmen nur verschlechtere. Ter Angeklagte erwiderte hierauf: „Meine Mutter ist die Kaiserin von Afrika, wenn sie stirbt werde ich Kaiser. Ich führe jetzt Krieg, der Kaiser weiß auch davon. Wenn Sie eS mir nicht glauben, werde ich es Ihnen zeigen!" Mit diesen Worten sprang der Angeklagte über die Brüstung der Augeklagebauk und wollte sich aus das Richterkollcgium stürzen. Er wurde von einem handfesten Gerichtsdiener im rechten Augenblick zurückgehalten und nach einem heftigen Handgemenge über- wältigt. Die Verhandlung mutzte unter diesen Umständen vertagt werden. Ob der Angeklagte, der augenblicklich eine längere Strafe in dem Zuchthause in Brandenburg verbüßt, den„wilden Munn" spielt oder wirklich geisteskrank ist, mutz die Untersuchung ergeben. W � W -'�.M W Die kirms �.�VertKeim h[ zu ähnlich lautenden Finnen keine Beziehimgea d-UJertficim C. zn. b. H. Tersand-ÄbteOnng Berlin W. 66 Leipz.-Str.132/ 3 7 Bei Briefen irt genaue Adresse �forderlich. M*_« �»AR M B* v*"»» � W Kcientfiafef Str. leipziger Stm\»e 132-37 ÜTOttieft Strom Extrq�Preise KLEIDER- u. 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Keilllje des JoimW Kerliner MIKsdlR GewcrkfchaftUd�ee. Me d!c Unternehmer CarifvertragspfUcbten erfüllen. Die Vereinigung Berliner Lederwarenfabrikantsn, mit der der Buchbinderverband im Juli ein neues Tarifvertragsveo hältnis eingegangen ist. faßt ihre Verpflichtung für die aw gemeine Durchführung des Tarifes einzutreten, wie sie im Vertrage ausdrücklich vorgesehen ist, in einer Weise auf. die den berechtigten Widerspruch der Arbeiterschaft hervorrufen muß. Nicht nur, daß die Vereinigung nichts gegen die Tarif- Verstöße ihrer Mitglieder tick, nein, sie sucht noch ihre tarif- brüchigen Mitglieder vor den Verfolgungen der Arbeitnehmer- organisation zu schützen. So hat z. B. eines ihrer Mitglieder. die Firma C. Lochbaum, sich geweigert, ihre Arbeiter und Arbeiterinnen tariflich zu entlohnen, und als diese nach Wochen- langem Zaudern endlich ihrem Arbeitgeber gegenüber auf der Erfüllung der Tarifpflichten bestanden, wurden sie allesamt entlassen. Die Schlichtungskommission, die sich auf den Antrag des Buchbinderverbandes mit der tarifwidrigen Aussperrung bei der Firma C. Lochbaum zu beschäftigen hatte, kam nach eingehender Prüfung und ausführlicher Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, daß die Ent- lassung von»/» der beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen als Matzregelung zu betrachten und die davon Bc- troffenen entsprechend den Vorschriften des Tarifvertrages von den Arbeitgebern zu entschädigen sind. Vorgänge, die dem Arbeitgeber zum Teil wochenlang vor der Entlassung der Arbeiter bekannt gewesen sind, wurden zur Begründung der Entlassung herangezogen und von der Schlichtungskomniission entgegen dem Gesetz auch als Entlassungsgründe anerkannt. Doch nur 3IS der entlassenen Arbeiter konnten damit belastet werden und bei ihnen wurde die Maßregelung verneint. Diese Entscheidung, bei der das Rezept der mittleren Linie wieder in Erscheinung tritt, befriedigt jedoch die Unternehmer nicht. Die Unternchmervcreinigung hat, obwohl gerade in diesem Falle sich die Entlassungen des größten Teils der Arbeiter völlig offenkundig als Maßregelungen zeigten, es für angängig geliaiien, gegen die Entscheidung der Schlichtungskommission Berufung an das Einigungsamt einzulegen. Die Fabrikanten- Vereinigung vertritt eben den Standpunkt, daß der Arbeitgeber unter allen Umständen Recht bekommen muß. Dieser Stand- Punkt wird auch von den Arbeitgeberbeisitzern in der SchlichtungS- kommifsion in aller Konsequenz vertreten, so daß es dem der Kommission Vorsitzenden Gewerberichter selbst in zwei bis drei Stunden langen Beratungen nicht gelingt, sie zu einer objektiven Beurteilung der Streitfragen zu bewegen. ES sehnt sich deshalb auch kein Gcwcrbcrichter nach der undankbaren Aufgabe, den Vorsitz in der SchlichwngSkommission zu über- nehmen. Seit Monatsfrist schweben bei der Schlichtungs- kommifsion einige von den Arbeitnehmern anhängig gemachte Klagen, ohne daß bisher eine Verhandlung derselben möglich war. Ja selbst das Zustandekommen einer Sitzung wird von fier Arbeitgeberorganisation nach Möglichkeit zu vereiteln ge- ucht, indem sie in gänzlich unbegründeter Weise die Zu- ständigkett der Schlichtungkommisston bestreitet. So ist gegen die Firma Jaeckel u. Fuchs, deren Inhaber Vorstandsmitglied der Arbeitgebervereinigilng ist, vom Buchbinderverbande Klage erhoben worden, weil sie die Vertragspflichtcn nicht voll er- füllt. Da kommt nun die Arbeitgeberorganisation und behauptet, daß die Firma hauptsächlich Porte- feuillesarbeiter beschäftigt; deshalb sei die Schlichtungs- kommifsion für die Portefeuillesindustrie und nicht die der Album-, Mappen- und Galanteriewaren- Industrie zu- ständig. Daß die Finna Galanteriearbeiter be- schäftigt, wird aber von der Unternehmervereinigung nicht bestritten. Der Zweck der Uebung ist klar. Es soll der für die Arbeiter ungünstigere Tarifvertrag für die Portefeuillesindustrie auf die Arbeiterschaft dieses Betriebes angewandt werden. So werden die Arbeiter um ihre mühsam erkämpften Erfolge zu bringen versucht. Eine Versammlung der Album-, Mappen- und Galanterie- Arbeiter und Arbeiterinnen war sich darin einig, daß der Buch- binderverband sich ein derartiges Verhalten der Arbeitgeber- organisation nicht gefallen lassen darf und sie stellen muß, um ihr klar zu machen, daß sie nicht glauben solle, daß der Tarifvertrag nur dazu da sei. um die Arbeiterschaft an Händen und Füßen gebunden den Unternehmern auszuliefern. Die Schlichtungskommission hat die Aufgabe, Streiks und Aus- fpcrrungen zu verhüten. Hindert die Unternehmerorganisation die Schlichtungskommission noch weiter in ihrer Tätigkeit, so werden die Unternehmer sich die Folgen dieser HandlungL- weise auch zuzuschreiben haben. Berlin und Umgegend. Achtung, Muperkonfektion! lieber die Firma M. Petereit. Weißenburgcrstr. 39. wird wegen Maßregelung dort Beschäftigter hiermit die Sperre»erhängt. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Ortsverwaltung. Die Lohnbewegung der Berliner Wäschearbeiterschaft beendet. Durch lange, zum Teil erregte Verhandlungen der Organisation?- Vertreter der Wäschearbeitersäiaft und der Wäkchefabritanlen war es bereits am 9. Ollober möglich, für 28 größere Wäschcfabrikeu neue. für die Arbeiterschaft anuehnibare Tarifverträge obue ArbciiSein- stellungen zum Abschluß zu bringen. Die allgcn, einen Be- stimmuugen de» Tarif« wurden vielfach enlsprechend de» Sorderungen der Arbeiter aneikaunt. die Aiierkeniiuug der rbeiterorgauilation al» vollgültiger Konlrobcut klar und be- stimmend festgelegt. Am 13. Oktober fand dann der Tarifabschluß für vier der z»rückgelvieseiie» Firnien statt. Uebiig blieb die Tarif» regelung für die Firma Cohn u. Ellenburg. welche vcipfl'chlet wurde, bis zimi t. November eine» andere» Tarif auszuarbeiten, bis dabin mußte sie jeder der beichäsligteu 80 Arb.ilerin»?» pro Woche 1,60 M. Lohnzuschlag mit rückwiilendcr Kraft bis 9. Oktober ge- währen. Zwar versuchte dre Firma, einen neuen Tarif mit den beschästiateu Arbeilerinnen herzustellen, auch war der Vorsihcnde der Arbeitgeber hierbei behilflich; e» nutzte aber alle« nichl». Da» Gebotene war den Arbeiterinnen zu wenig; sie gaben ihre Zustim- mnng nicht. Am 1. November, an dem Tage, wo nunmehr die Schlichtungskommission einen Tarif herstellen mußte, erschien in den ArbeltSräunren der Firma ein Anschlag, in dem eS hieß:»Zur Notiz. daß der Zuschlag von 1,60 M. wegfällt.' Die Folge war. daß sämtliche Plätterinnen die Arbeit eilistellten. Die gemachten Zugeständnisse in der Kragenplätterei konnten nicht verhindern, daß am folgenden Tage sämtliche Arbeiterinnen in den Streik traten. Rur drei Arbeitswillige fanden sich, und diese wurden auch zu den Streikenden gesandt, weil man ihretwegen den ganzen Maschinen- betrieb nicht gehen lassen wollte. Diese Handlungsweise der Arbeiterinnen hatte zur Folge, daß beide OrganisationS- inftanzen angerufen wurden, deren beide Vorsitzenden denn auch noch ain selben Tage mit der Firnra verhandelten. Die Hauptstreitfragen ergaben sich durch die schlechten Arbeits- Verhältnisse in der Maschinenplätterei. Hier arbeiteten bisher zehn Plätterinnen in Akkord nach dem Kolonnensystem. Der Durch- schnittsverdienst betrug 28,85 M. Von diesem Akkordverdienst mußten sie aber zuerst die in der Abteilung notwendigen 6—10 Lohn- arbeiterinnen, deren Lohn pro Tag 8,60 betrug, bezahlen. Der Vertreter der Arbeiter verlangte, daß die Firma die Lohnarbeiter, welche sie nach freiem Ermessen einstellt und entläßt, selbst bezahlt. Nach zweistündigen Verhandlungen kam dann ein Beschluß zustande, der die Akkordpreise neu regelte. Die Firma hat weiter in der Maschinenplätterei 6 Lohn- arbeiterinnen zu stellen und selbst zu bezahlen. Nach dieser Ver- einbarung verdienen jetzt die Akkordplättcrinnen jede pro � Woche zirka 2,73 M. mehr. Am Abend hatte dann der Bevollmächtigte der Arbeiter nochmals eine längere Konferenz mit den Fimteninhabern, in welcher Vereinbarungen getroffen wurden, nach denen die Akkordlöhne der Plätterei erhöht sind. Die Lohn- arbeiterinnen erhalten pro Woche 66 Pf. Zulage, ferner wird ihnen 1,60 M. vom 9. Oktober ab nachbezahlt. Alle Arbeiten, welche vor dem Streik nicht verrechnet sind, werden nach den erhöhten Preisen bezahlt. Den Arbeiterinnen soll künftig eine bessere Behandlung zu- teil werden. Nach diesen für die Arbeiterschaft annehmbaren Zugeständnissen nahmen am 3. November sämtliche Arbeiterinnen nach eintägigem erfolgreichen Streik die Arbeit wieder auf. Somit ist die Lohnbewegung für alle dem Fabrikantenverein angehörenden Firmen beendet. Für die Wäschearveiterschaft bedeutet- diese Lohnbewegung eine nennenswerte Lohnanfbefferuiig. Besonders gut haben diejenigen Firmen und Abteilungen abgeschnitten, wo die Arbeiterschaft organi« siert war. Gewiß, manche aufgestellte Forderung mußte, weil die Möglichkeit ihrer Durchführung nicht gegeben war, zurückgestellt werden, bis später auch hier die notwendigen Voraussetzungen zur Einführung vorhanden sind. Die Organisation und Kraft der Wäsche- arbeiter ist durch diese Lohnbewegung außerordentlich gestiegen. In einer sehr gut besuchten Mitgliederversanunlung referierte der Bevollmächtigte Eue eingehend über das Erreichte bei der Lohn- bewegung. Hierauf gab die Versammlung zum Abschluß der Lohn- bewegung einstimmig ihre Zustimmung. Soweit wie für die übrigen Wälchefabriken nicht bereits Tarife abgeschlossen worden sind, ist die Wäschearbeiterschaft gewillt, weitere Forderungen zu stellen und Tarife dort einzureichen. Der Streik bei der Wäsche- fabrik W. Blum und Fr. M. Simon dauert fort. Die Streikenden haben allerdings anderweitig Arbeit angenommen, auch haben beide Firmen einige Arbeitswillige gesunden, jedoch sind diese nicht in der Lage, die guten Arbeitskräfte der Streikenden zu ersetzen. Die Inhaber betonen zwar, daß sie mit den RauSreißern zufrieden sind, aber diese sind eS nicht mit den Arbeitsverhältnissen bei den Firmen; und da bereits Abzüge an den Löhnen vorgenommen sind, so ist eS nicht ausgeschlossen, daß jetzt die Arbeitswilligen dort an zu streiken fangen. Für alle Wäschezuschneider, Näherinnen und Plätterinnen bleibt die Firma Blume und Fr. M. Simon nach wie vor gesperrt. Die Lohnbewegung der Berliner Tabakarbeiter. In einer Mitgliederversammlung des Deutschen Tabakarbeiterverbandes berichtete Albin Schulze über den Stand der Lohn- bewegung. Derselbe hat sich seit der letzten Versammlung, die Aus- gangs September stattfand, wesentlich verändert. Waren eS damals 140 Tarifanerkennungen, so sind eS inzwischen 167 geworden. In den Tarisfirmen sind etwa 260 Arbeiter und Arbeite- rinnen beschäftigt. Bei den größeren Firmen stieß die Tarif- einführimg jedoch auf Schwierigkeiten. Sie glaubten, den Tarif nicht in vollem Umfange bewilligen zu können. Die OrganisationSleitung prüfte deshalb von Fall zu Fall, ob nicht ein Abgehen von dieser oder jener Forderung ratsam sei. Um nicht auf eine Reihe wesentlicher Verbesserungen, die geboten wurden, der- zichten zu müssen, entschloß sich die VerbandSleitung hier und da einiges von den Forderunge» abzulassen. Dadurch war eS möglich. mit 11 mittleren Betrieben Vereinbarungen abzuschließen, die für mehr olS 200 Arbeiter doch bedeutende Verbesserungen bringen, die in der Hauptsache in der Erhöhung der Akkordlöhne ihren Ausdruck finden. Der erheblichste Erfolg ist jedoch bei einer der größten Firmen, der Firma Paul I u h l erzielt worden. So sind dort die Löhne auf fast alle Sorten erhöht und ein Mindestsatz von 10,60 M. pro Tausend fest« gesetzt werden, der ebenso wie alle anderen Lohnaufbesserungen auch den Heimarbeitern zugute kommt. Außerdem wird den Heim- arbeitern, wenn sie den Tabal trocken mitnehmen müssen. 1 M. mehr pro Tausend gezahlt. Von den zirka 400 bei der Firma beschäftigten Arbeitern werden mehr als 300 von diesen Aufbesserungen betroffen. Es haben weiter noch andere Arbeitgeber, die mit der Organisation nichts zu tnn haben wollen, aber doch mit ihren Arbeitern Frieden halten möchten, zmn Teil wesentlich- Aufbesserungen gewährt, so daß insgesamt für etwa 900 Arbeiter und Arbeiterinnen durch die Lohnbewegung Vorteile erreicht worden sind. Bei der ziffernmäßig sehr geringen Bedeutung der Tabakbranche in Berlin wäre eS der Arbeiterlckost allein nicht möglich gewesen. wie der Redner hervorhob, einen so bedeutenden Erfolg in wenigen Wochen zu erzielen. Hier habe die Arbeiterschaft ihren Erfolg zum großen Teile der Gesamtarbeiterschaft zu danken, die ihre SolidaritätSpflicht gegenüber den Tabakarbeitern treu und brav erfüllt bat. Die Tabakarbeilerichaft sei deshalb der Berliner Arbeiterschaft den Dank schuldig, und diese Dantesschuld müsse» die Tabakarbeiter abtragen, indem sie fest zu ibrer Organisation stehen. Der zuvor erstattete Kasten- und Geschäftshericht hatte ein Wachstum der Mitgtteder von 887 an, Schlüsse des zweiten Quartals auf 1016 Mitglieder am Schlüsse des dritten Quartals zu verzeichnen. Der Gauleiter Kiesel berichtete dann über die Aussperrung der Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen in Westfalen. In der Diskussion wurden von den Rednern durchweg die bei der Lohnbeioegung erzielten Erfolge auerkamit. Bedauert wurde vor allem der Mangel an Entgegen kommen der großen Firmen Löser u. Wolfs und K a p h u n. Einige Redner verlangten die Heraus- gäbe vo» Fingbiätiern, durch welche die Berliner Arbeiterschaft auf die Tarif- und OrganisalionSfeinds'chafl dieser Finnen hingewiesen werde» solle, damit sie ihren Bedarf, zumal zum WcihiiachlSfeste, nicht bei dielen Firnien decke. Da i» Anbetracht de, Bewegung in Norddcuiichlaiid und Weiikalen alle Maßnahmen„ach reiiiicher Erwägung und im Einvelitäudiii« mit de», Vei bandSvorilande getrosten werden müsten. iah die Versammlniig vo» irgendwelche,, Beschlüste,» i», Smne der Forderungen der Dist.iistonSrediier ab. In einer Re'oluiion sprechen die Anwesenden den ausgesperrten westfälischen Kollegen ihre tuil, ästige Unterstützung zu von dem Schirmsairikantcn Eugen Ltchrenpei» erhalten wir folgende Zuschnit: Di«»> der Nummer 252 de?.Vorwärts' in der Rubrik.Ge- werkschaftlicheS" vom L7. Okiober 1911 bezüglich meiner Schirmfabrik enthaltene Behauptung, daß durch den zwischen dem Holzarbeiter- verband und der Firma L i ch t e n st e i>, abgeschlossenen Arbeitsvertrag die Arbettszeit von 00 auf 52'/, Stunden herabgesetzt wurde, ist nicht zuireffcnd. Weder enthält der Arbeitsvertrag eine Herabsetzung der Arbeitszeit von 60 auf 62'/z Stunden, noch hat vor diesem Arbeitsverträge eine wöchentliche Arbeitszeit von 60 Stunden be- standen. Vielmehr betrug die wöchentliche Arbeitszeit vor jAbschluß des Vertrages nur 56'/« Stunden, Unrichtig ist auch die weitere Behauptung, daß meine Finna unorganisierte Schirmmacher im Laufe des Sommers mit 60stündiger Arbeitszeit eingestellt habe; vielmehr find dieselben mit einer Arbeitszeit von nur 56'/, Stunden wöchentlich eingestellt worden. Unrichtig ist auch die weitere Behauptung, daß von seilen meiKer Firma das Verlangen an die organisierten Holzarbeiter gestellt worden sei, 60 Stunden zu arbeiten. Bielmehr ist von ihnen lediglich die in dem mit dem Deutschen Holzarbeiterverband ge- troffenen Abkommen vom 23. Mai 1911 festgesetzte Arbeitszeit von 52'/, Stunden verlangt worden. Es ist auch unrichtig, daß diesseits mit Entlastungen für den Fall der Weigerung 60sti"mdiger wöchentlicher Arbeitszeit begonnen wurde. Es ist vielmehr diesseits keine einzige Entlastung aus diesem Grunde borgenommen worden. Berlin, den 4. November 1911. Schirmfabrikant Eugen Lichtenstein. � Schon aus dieser Zuschrift geht hervor, daß Herr Lichtenstein trotz des bestehenden Vertrages für einen Teil seiner Arbeiter die frühere längere Arbeitszeit wieder eingeführt, sich also an den Vertrag nicht gehalten hat. Sich über die übrigen Auslastungen deS Herrn zu äußern, müssen wir dem Holzarbeiterverband überlasten. Der Kellnrrsireik in und Schönhauser Tor ist Lokalen sind beigelegt. Forderungen der Kellner wieder ein. die übrigen wurden mit dreitägiger war mit Einhaltung der für die Gastwirtsgehilfen de»„Hackepetern" am Oranienburger Tor beendet. Die Differenzen in genannten Der Unternehmer Herr F o r k e r t hat die bewilligt. Drei Kellner treten sofort am Dienstag früh. Die Arbeitswilligen Kündigung euigestellt. Die Organisation Kündigungsfrist einverstanden. Die Sperre ist aufgehoben. Verband dentscher GastwIrtZgehilfen. Abteilung I. Achtung, Kranzbinder! Die Kranzbinderei O. Hartmann. Berlin N., Strelitzer Straße 21, hat den Tarif unterschriftlich an- erkannt. Allgemeiner deutscher Gärtncr-Verein, Ortsverwaltung Gcoß-Berlm. 3. 42. Luisen-Ufer 1. Streik im Berliner Transportgewerve. In dem Fuhrgeschäft vo» Gebr. Richter, Frankfurter Allee, haben am Sonnabend die Kutscher und Arbeiter die Arbeit eingestellt. Die Firma beschäftigt etwa 50 Kutscher für Vieh- und Fle,schtranSport und 13 Chaisenkutscher. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen bei dieser Firma sind bedeutend schlechtere als in anderen gleiche» Be- trieben. Die Kutscher erhalten 26—27 M. Wochenlohn, während in anderen Betrieben 30—33 M. Lohn gezahlt werden. In letzter Zeit gelang es dem TranSportarbeiterverband, die Kutscher zu organi- siere». Die Firma versuchte die Leute von der Ausübung ihres Koalitionsrechts abzuschrecken. Im Laufe dieser Woche wurden nun sämtliche Arbeiter befragt, ob sie dem Transportarbeiterverbande angehören, und denen, die diese Frage bejahten, wurde gesagt, daß sie bis Freitag ihren Austritt erklären müßten. Darauf stellten die Arbeiter geschlossen die Arbeit ein. Seit Freitagnacht ist der Betrieb von der Polizei belagert, die den Eingang und die Ausfahrt streng bewacht. Im Laufe des Sonnabendvormittag fuhren einige Arbeitswillige unter starker polizeilicher Bedeckung auf die Tour. Auch Geheimpolizisten scheinen ihre Dienste schon aufgenommen zu haben. Der Streik der Rixdorfer Müllkutscher ist am Mittwoch, den 1. November, für beendet erklärt worden. Vo» 22 in Frage kommenden Fuhrherren haben 19 den Lohntarif unterschriftlich anerkannt. Die Arbeit ist bei diesen Fuhrherren in vollem Umfange wieder auf- enommen. Von den Streikenden sind nur noch drei ohne Be- Ueber die Betriebe F. Kuhrt, F. Klähn und Reinhold Schulz ist die Sperre verhängt worden, weil diese Herren sich weigern, den Tarif zu unterschreiben. Dieselben behelfen sich an Stelle der Mitfahrer, die sie beschäftigen, jetzt noch mit Verwandten. veublcdes Relel». Gegen das Koalitionsrecht. ES kann nun keinem Zweifel mehr unterliegen, daß da» vor kurzem bekannt gewordene Borgehen der Gulehoffnungshütte in Sterkrade gegen das Koalitionsrecht ihrer technischen Angestellten nur die Einleitung zu emeii, allgemeinen Feldzug der or- aanisierten Arbeitgeber gegen die KoalitionS- f r e i h e i t der A n g e st e l l t e n ist. Den, Bunde der technisch- industriellen Beamten, dem die auf der Gutehoffnungshütte gemäß- regelten Angestellten zum großen Teile als Mitglieder angehören, ist ein Rundschreiben des Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der Nord» westlichen Gruppe deS Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in die Hände gefallen, in dem der Verband seinen Mitgliedern die Namen der Angestellte,, mitteilt, die der Aufforderung der Gute» hoffnuugShlltte, aus den Organisationen auszutreten, nicht nach- gekommen und infolgedessen entlassen worden sind. In diesem Zu» sammenhang trägt die Mitteilung zweifellos den Charakter einer schwarzen Liste. Man will eS also den An» ge st eilten, die sich ihr KoalttionSrecht nicht nehmen lassen wollten, auch noch unmöglich machen, bei einer anderen Firma Stellung zu finden. Ein derartiges Vorgehen muß zweifellos in der ganzen Oeffentlichkeit auf das schärfste gemißbilligt werden und macht eS dringend erforderlich, der Frage näher zu treten, ob das KoalitionS- recht gegenüber derartigen Uebergriffen nicht in irgend einer Weise gesetzlich geschützt werden mutz. Beendigung des Kampfes im Hamburger Holzgewerve. Auf Veranlassung der beiderseitigen Zentralborstände fanden Ende Oktober in Berlin erneute Einigungsverhandlungen statt, zu deren Führung die zentrale Schiedskommission für das deutsche Holzgewerbe berufen wurde. Die örtlichen Parteien waren durch je drei Vertreter anwesend. ES fand eine Einigung zwischen den Parteien selbst nicht statt, worauf die zentrale Schiedskommission einen Schiedsspruch fällte, welcher sich erstreckt auf die Bestimmungen de? parilätiscbei, Arbeitsnachweises, aus Arbeitszeit, Arbeitslöhne, Aklordiarife, Montagezus-büste usw. Nach dem Schiedsspruch bleibt der paritätiiche Arbeitsnachweis obligatorisch, so wie er vor dem Kampfe bestanden hat. Die Arbeitszeit wird um eine Stunde verkürzt; die Löhne steigen um 6 resp./ Pf. pro Stunde innerhalb der VeriragSdauer. Der Vertrag läuft bis zum 16. Februar 1916. Am 3. November fanden in Hamburg die Versammlungen der Unternehmer und der Arbeiter zu gleicher Zeit statt, um zu de», Resultat der Schiedssprüche Stellung zu nehmen. Beide Versammlungen stimntte» dem Schiedsspruch zu, so daß am Montag, den 6. November, die Arbeit aufgenoinmen werden kann. Der paritätische Arbeitsnachweis beginnt sofort seine Tätigkeit. ES wird darauf aufmerksam gemacht, daß zurzeit in Hamburg noch eine größere Anzahl streikender und arbeitsloser Holzarbeiter vorhanden sind. ES sind„och ca. 1000 Arbeitslose am Orte, die meistens verheiratet und demzufolge an den Ort gebunden sind. Die Aufträge und Arbeiten sind während deS Kampfes in größerer Zahl nach auswärts vergeben worden, so daß aller Wahrschein- lichkeit nach in Hamburg in den letzten Wochen eine recht be- deutende Arbeitslosigkeit einsetzte. ES ist deshalb unbedingt not« wendig, dab der Zuzug nach Hamburg berinieden wird. Der Holz- arbciterverband mutz von seinen Mitgliedern unter allen Umständen so viel Disziplin verlangen, bannt das mit so schweren Opfern erkämpfte Resultat nicht durch ein Ueberangebot von Arbeitslosen in der ersten Zeit des Friedens wieder in Frage gestellt wird. Darum, Holzarbeiter in allen Orient Haltet den Zuzug fern, bis sich das Gewerbe in Hamburg wieder so weit erholt hat, daß Ihr dort Eure alten Plätze einnehmen könnt! Husfoncl. Der Streik der Londoner Automobildroschkenführer. London, 2. November 1911.(Eig. Ber.) Der Streik der Londoner Automobildroschkenführer hat sich mit großer Schnelligkeit ausgedehnt. Dienstag traten etwa ö— 6M Mann ohne Einwilligung der Gewerkschaft in den Streik, Mitt- inoch war ihre Zahl auf 2909 gestiegen und heute(Donnerstag) streiken mindestens 6999 Mann, so daß sich die Londoner Lebcwclt beute abend in deni Regenwetter einmal notgedrungen auf des Schusters Rappen nach dem Theater begeben muß. Diese Bewegung der Londoner Taxameterdroschkenführer hat ihre Anfänge im Sommer dieses Jahres. Zur Zeit des General- streik» der Eisenbahner wurde, wie erinnerlich sein wird, mehrere Male ein bevorstehender Streik der Droschkenführcr gemeldet, der aber nicht zum Ausbruch kam. Es handelt sich um eine Lohn- streitigkeit zwischen dem Verbände der Automobildroschkengesell- schaften, die zusammen ein Kapital von über 3 Millionen Pfund Sterling haben, und ihren Angestellten. Die kleineren Arbeit- gcber, die ihre Leute nach der Aussage des Sekretärs der Getverk- schaft der Droschkenführer besser behandeln, und die Droschken- führcr, die ihren eigenen Wagen besitzen, sind an dem Streite nicht beteiligt. Die Automobildroschkenführer Londons beziehen als Lohn 2S Proz. der auf dem Taxameter angegebenen Einnahmen, müssen aber dafür das verbrauchte Benzin bezahlen. Die von dem Taxameter nicht automatisch registrierten Extragebühren für Ge- päck und für einen dritten und vierten Fahrgast müssen sie an die Gesellschaften abführen. Dagegen sträuben sich die Arbeiter, die behaupten, daß sie ohne diese Extragcbührcn nicht leben können. Ein Komitee des Ministeriums des Innern, das sich im Frühjahr mit der Festsetzung der Fahrgelder und der Entlohnung der Führer beschäftigte, schlug den Unternehmern vor, die unkontrollierbaren Extragebühren den Arbeitern zu überlassen. Der Unternehmer- verband kümmerte sich jedoch nicht um diese Empfehlung des ministeriellen Komitees und es kam zu Verhandlungen zwischen den Unternehmern und der Organisation der Arbeiter. Die Unternehmer schoben die Sache auf die lange Bank und schickten sich schließlich letzte Woche an, ihre Angestellten durch ein Regiment von 399 Aufpassern genau zu kontrollieren. Das schlug dem Faß den Boden aus. Die Leute gerieten in Erregung. Und als dann vor einigen Tagen ein Automobildroschkenführer von einem geheimen Agenten des Unternehmerverbandes angeblich fälschlich angeklagt wurde, eine Extragebühr eingesteckt zu haben und deswegen gemaßregelt wurde, traten seine Kameraden, die für dieselbe Gesellschaft arbeiteten, in den Streik. Heute nachmittag fand eine Massenversammlung der Arbeiter statt, in der beschlossen wurde, nicht eher die Arbeit wieder auf- zunehmen, bis daß die Gewerkschaft die Parole ausgebe. Morgen wird eine Konferenz zwischen den Vertreter» der Gewerkschaft und der Unternehmerorganisation stattfinden. Mocken-Spielplan der ßerltner Cheater. Köuigl. cpernhaus. Sonntag: Figaros Hochzeit. Montag: Fidelis. Dienstag: CsvaUeria msticana. Bajazzi. Mittwoch: Elektra.(Ansang Uhr.) Donnerstag- Der Waffenschiuied. Freitag: Sinsonie-Konzert. Sonnabend: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag: Carmen. Montag: Der Barbier von Sevilla.(Ansang 7>/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die gluckliche Hand. Mittags 12 Uhr: Matinee. Montag: Der Bettler von Syrakus. Dienstag: Penthesllea. Mittwoch: Die glückliche Hand. Donnerstag: Der Bettler von Syrakus. Freitag: Die Räuber.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Bettler von Syralus. Sonntag: Die glückliche Hand. Montag: Penthesilea. (Ansang?>/, Uhr.) Neues königliches Operntheater. Sonntag: Hamlet. Montag: Minna von Barnhelm.(Anfang 81/, Uhr.) Dienstag: Hamlet. Mittwoch: Othello. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Romeo und Julia. Sonn- abend: Geschlosscti Sonntag: Was ihr wollt. Montag: Zar und Zimmer- mann.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Tnrandot. Montag: Penthesilea. Dienstag: Tnrandot. Mittwoch: Penthesilea. Donnerstag: Tnrandot. Freitag: Hamlet. Sonnabend, Sonntag und Montag: Turandot.(Ansang VI: Uhr.) Kainmcrspicle. Sonntag: Lanzclot. Montag: Lanvül. Dienstag: Khges und sein Ring. Mittwoch: Der Arzt am Scheidewege. Donnerstag: Nalhan der Weise.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Gawän. Sonnabend und Sonntag: Nalhan der Weise. Montag: Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr) Lessi, ig- Theater. Sonnlagnachm. 3 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Abends: Das weite Land. Montag: Glaube und Heimat. Dienstag: Das weite Land. Mittwoch: Glaube und Heimat. Donnerstag: RoSmers. bolm.(Anfang 7'/, Uhr) Freitag: Das weite Land. Sonnabend: Glaube und Heimat. Sonntag: Das weite Land. Montag: Glaube und Heimat. (Ansang 8 Uhr.) Rcsideuz-Theater. Täglich: Ein Walzer von Chopin.(Ans. 8 Uhr) Komische Over. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Waffenschmied. Allabendlich Sibirien.(Anlang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: l. Klaffe. Angele. Sonntag bis Donnerstag: Fannys erstes Stück. Freitag: Loitchcns Geburtstag. Hockcnjos.(Anfang 7'/, Uhr.) Sonnabend bis Montag: Dieselbe Porftellung.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Logenbrüder. Abends: Coeur Ah. Montag: Bummelstudeiiten. Dienstag: Coeur Ah. Mittwoch: Bummelstudenten. Donnerstag: Coeur Ah. Freitag: Bummel- siudenten. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends: Bummelstudenten. Montag: Coeur Ah.(Ansang 8 Uhr) Neues Schauspielhaus. Sonntagnawin.: Geschlossene VereinSvor- stellung. Abends: Hans Sonnenstöhers Höllcnsahrt. Montag: Josephine. Dienstag: Hans SonuenstöherS Höll-nsahrt. Mittwoch: Burl. Donnerstag: Alt-Heideiberg Freitag. Sonnabend und Sonntag: Hans Sonnenstöhers Höllensahrt. Montag: Josephine.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der ffdele Bauer. Taglich: Das Mädel von Montmartre.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Urbild des Tartüfs. Abends: Madame Sans-Köne. Monlag: Es lebe das Leben. Dienstag: Madame Sans-Ksne. Mittwoch: Der Pfarrer von Kirchscld. Donnerstag: Antigone. Freitag: Madame Saus-Geiie. Sonnabend: Zopf und Schwert. Sonntag: Madame Sans-Gens. Montag: Es lebe das Leben.(Ansang 8 Uhr)_,, Schiller- Theater tkliarlottenburg. Sonnlag. nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends und Monlag und Dienstag: Der Psarrer von «irchseld. Mittwoch: Zops und Schwert. Donnerstag: Es lebe das Leben. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Don EarloS. Monlag: Wilhelm Tell. (Anfang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelmstädtlscheS Schauspielhaus. Sonntag, nach. mittags 3'/, Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind Abends, Monlag bis Donnerstag: Der Staufmann von Venedig. Freitag bis Monlag: Don Carlos.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag. nachmiltagS S'/« Uhr: Ein Walzertraum. Abends: Die Dame in Rot. Montag bis Sonnabend: Die Dame in Rot.(Anfang 8 Uhr) v Thalia-Thcarcr. Täglich; Polnisch« Wirlschast.(Ansang 8 Uhr.) Luftspiclhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Renalffanc«. M- abendlich: Di- Vergnügungsreise.(Ansang 8 Uhr.) � � m Neues OPeretten.Theatcr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Die moderne Eva.(Ansang 8 Uhr) Trianon-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillon. Abends und täglich: Mein Baby.(Ansang 8 Uhr.) Luise»- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. AbendS: Die Macht der Liebe. Montag, Dienstag, Mittwoch: Baronesse Claire. Donnerstag: Mutter und Sohn. Freitag: Baronesse Ciaire. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Abends: Baronesse Claire. Sonniag, nachmittags 3 Uhr: Die Macht der Liebe. Abends: Baronesse Ciairc. Montag unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Thcater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein feste Burg ist «lser Gott. Abends und Montag: Das Glück des Lebens. Dienstag: «w sestt Burg ist unser Gott. Mittwoch: DaS Glück bei Lebens. DoiilierZtag und Freitag: Michael KcchlhaaS. Sonnabend: Kasernenkuft. Sonntag: Michael KohIhaaS. Montag: Der Süttenbefitzer.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgräher Strafte. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends: Spielereien einer Kaiserin. Montag: Die Schauspielerin.(Ansang 71/, Uhr) Dienstag: Spielereien einer Kaiserin. Mittwoch: Hundstage. Donnerstag: Spielereien einer Kaiserin. Freitag: Hundstage. Sonnabend und Sonntag: Spielereien einer Kaiserin. Montag: Hundstage.(Ansang 8 Uhr.) Belle-Allinnce-Theater. Sonntag, nachm. 3'/, Uhr: Maria Stuart. Abends und täglich: Der Sittcnapostel.(Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 Ubr.) Neues Volkstheater.(Neue Freie Volksbühne) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Vermächtnis. Abends: Das Vermächtnis. Montag und Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwoch: Das Vermächtnis. Donners- tag: Geographie und Liebe. Freitag: Das Vermächtnis. Sonnabend: Der Strom. Sonntag: Das Vermächtnis.(Ansang 7 Uhr) Cafino-Theater. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Ein Weib ans dem Volke.'Abends sowie täglich: Der selige Hollschinsly.(Ans. 8 Uhr.) Ntetropol- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Miß Helyett. Allabenlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gapricc.'Allabendlich: Kobi Krach. Nr. lt.(Ans. 8"/« Uhr.) Herrnfeld- Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerz- lose Behandlung.(Ansang 8 Uhr.) Zlpollo-Tbeater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr) Zirkus Busch. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Abends: Gala-Vorftellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntag, nachm. 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Abends: Gala-Vorstellung.(Ansang 7'/, Uhr) Garl-Hnverlaiid-Tlicatcr. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 71/, Uhr) JntimeS Theater. Täglich: Der Brandstister.(Anfang 8>/, Uhr.) Walhalla. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Prinz und Bettlerin. Allabendlich: Teufel, das hat eingeschlagen!(Anfang 8'/, Uhr) Kaiser-Panorama. Hochgebirgstour tn Tirol. Jndianerleben Süb amcrilas. Passage- Theater. Sonntag, nachmittag! 3 Uhr; Spezialüten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr) Wintergarten. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Vorstellung. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr) Reichshalle»-Theater. Täglich: Stettiner Singer.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr) Königstadt-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr) Ura»,a- Thearer. Taubenstr i8/4g. Sonnlag, Montag, DienStag: Von Meran zum Ortler..Mittwoch: Die Natur der oberen Luftschichten. Donnerstag bis Sonntag: Von Meran zum Ortler. Montag unbestimmt. (Ansang 8 Uhr) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Hud aller Melt. Katholizismus und Kapitalismus. Wir lesen in der letzten Nummer der„Neuen Zeit": Das allge- meine Kirchemkonzil von Vicnne(1311) verkündete den Satz:„Wenn jemanid in jenen Irrtum verfällt, daß er hartnäckig behauptet, das Zinsnehmen sei nicht sündhaft, so beschließen wir, daß dieser wie ein Ketzer zu bestrafen? sei." Jedes Gericht, das diesen Glaubenssatz in seinen Urteilen verletzen würde, sollte dem Kirchenbann unter- liegen. Dieses Dogma der katholischen Kirche besteht natürlich heute noch zu Recht, und es hat den katholischen Theologen und Kirchen rechtslehrern nicht wenig Kopfzerbrechen gemacht, darum herum zu kommen. Man kann dem in diesem Bestreben aufgebrachten Scharfsinn seine Bewunderung nicht versagen. Die Zeiten, wo kirchliche Synoden die Wucherer, da» heißt alle, die Zins nahmen,") mit Wahrsagern, Meineidigen, Brandstiftern, •) DaS fünfte Laterankonzil definiert Wucher als Gewinn und Frucht aus einer unfruchtbaren Sache, die nicht durch die dem Gläubiger erwachsende Mühe und Auslage oder Gefahr gerecht fertigt sind. Räubern, Fälschern, Blutschändern usw. gleichstellten und ihnen ein kirchliches Begräbnis verweigerten, sind längst dahin; auch die „starre" katholische Moral mußte dem Zeitgeist, das heißt dem vor- dringenden Kapitalismus, ausgiebige Konzessionen machen. Es ist recht amüsant, zu verfolgen, wie sich im Laufe der Zelten die Scholastiker und Kirchenjuristen gedreht und gewunden haben, um diesen Schwierigkeiten zu entgehen. Eine Aufhebung des dog- matisch festgelegten Zinsverbots war nicht gut möglich und ist auch bis heute nicht erfolgt, aber— die römischen Kongregationen haben in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf wiederholte Anfragen von Beichtvätern geantwortet, man solle diejenigen, welche einen mäßigen ZinS nehmen, im Gewissen nicht beunruhigen, sofern sie nur bereit seien, sich den etwaigen kirchlichen Entscheidungen zu unterwerfen. So hat die katholische Kirche, wie auch sonst oft. ein von ihr einmal anerkanntes Prinzip zwar nicht aufgehoben, aber seine Wirksamkeit suspendiert. Das hat den doppelten Vorteil, daß man den modernen Anforderungen Rechnung trägt, dabei aber doch ein schönes Prinzip im Silberschrank stehen hat, daS sich vornehm ausnimmt, und das man bei Bedarf jederzeit hervorholen kann. Aber die katholische Kirche mußte doch erkennen, daß ein so der- stecktes Verhältnis nicht mehr angeht. Die kapitalistische Wirtschaft ist längst kein bescheidenes Vorstadtmädel mehr, das sich freut?, wenn ihm der geistliche Herr insgeheim seine Gunst erweist. Sie ist eine allseits umworbene Dame geworden, die ihre Huld nur dem ver- spricht, der sich rückhaltlos zu ihr bekennt, der sie auch„Unter den Linden" grüßt. Das war wieder eine bittere Pille, die die„un- beugsame, starre" katholische Moral zu schlucken bekam. Die Kassierung der katholischen Feiertage bildet eines der zarten Ange- binde, mit denen der katholische Klerus um die Gunst der reichen Schönen buhlt. Aber nun muß er auch noch zeigen, daß er nichts mehr von der schmutzigen Wäsche weiß, die die umworbene Schöne unter ihren prächtigen Kleidern trägt. Von Wucher spricht man nicht mehr; das wäre doch unzart und taktlos. Man unterscheidet zwischen„Verdienst" und„Profit". Die feine Unterscheidung macht wenigsten? Herr Professor Dr. Adolf Mayer im August-Septemberheft der vom hochkatholischen „Verband für soziale Kultur und Wohlfahrtspflege" in München- Gladbach herausgegebenen„Sozialen Kultur".„Ein geschäftlicher Gewinn", sagt der fromme Herr Professor,„ist die Vergeltung für eine produktive Arbeit und heißt dann Verdienst. Oder er ist es nicht und heißt dann Profit." Jeder„ethisch Entwickelte, jeder mit einem wirtschaftlichen Gewissen Begabte" wird sich durch die Er- langung eines solchen Profits,„wenn er dadurch auch nicht gerade sein Gewissen schwer belastet, nicht in dem Grade innerlich be- friedigt fühlen, wie das die Eigenschaft des Erringen? eines red- lichen Gewinnes ist". Das wäre nun so weit ganz schön, wenn nur so ohne weiteres feststünde, was unter„produktiver Arbeit" zu verstehen ist. Herr Mayer erklärt uns darüber durch instruktive Beispiele alsbald auf, die durch ihre Auswahl und Gegenüberstellungen ein geradezu pikantes Interesse beanspruchen dürfen. Als Rothschild„nach der Schlacht von Waterloo auf einem schnell gecharterten Schifferboot bei Sturm und Nebel über den Kanal setzte und einige Stunden früher auf der Londoner Börse erschien als die SicgcSnachricht; als er nun in aller Stille kaufte und verkaufte, ohne mit einer Miene zu verraten, was ihn dazu veranlaßte", da erzielte er einen recht- mäßigen„Verdienst". Die Schnupfen produzierende Arbeit der nächtlichen Fahrt über den Kanal rechtfertigte also die unzwcifel- hafte Bereicherung auf Kosten anderer. Hingegen erzielte der erste König Hollands, der ganz offensichtlich Aktien an der Börse der» kaufte, um ihren Kurs zu drücken, und sie dann heimlich wieder auf. kaufen ließ, nur einen.Prosit". Er konnte sich also nqch Professor Mäher durch die Erlangung dieses Gewinnes, wenn et dadurch auch nicht gerade sein Gewissen schwer belastete, nicht in dem Grade innerlich befriedigt fühlen, wie es durch das Erringen eines redlichen Verdienstes(wie etwa des Rothschildschen) bewirkt wird. Allerdings gilt das nur, falls der edle König„mit einem wirtschaftlichen Ge» wissen begabt war". Da dieser Gegenstand aber nicht zu den Krön- insignien gehört, dürfen wir wohl hoffen, daß sich König Wilhelm I. über seine Börsengaunereien ebenso innerlich befriedigt fühlite wie Herr Nathan Rothschild oder wie jener Getreidespekulant, der Ge- treide in Zeiten des Ueberflusses billig kauft und in Zeiten des Mangels teuer verkauft, und dessen Gewinn Herr Professor Mayer natürlich auch als„Verdienst" bezeichnet. Von der Verdammung des ZinsnehmenS bis zur Anpreisung der Agiotage ist ein etwas weiter Weg. Aber der katholischen Moral- Philosophie waren schon noch schwerere Aufgaben gestellt Sie hat sie alle gelöst. Ob auch mit Anstand? G. E. Zusammenstoß zwischen Räubern und Geheimpolizisten. Ueber ein Attentat auf einen Geheimpolizisten in L o d z. daS wir in der gestrigen Nummer kurz erwähnten, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Nachdem die Männer den sie verfolgenden Polizeibeamten ver- wundet hatten, flüchteten sie in ein HauS, das dann von der Polizei zugleich mit den Nachbarhäusern umzingelt wurde. Dann begann ein Feuergefecht, das den ganzen Tag anhielt. ES kommen die Häuser 3, 5, 6 und 7 der im Mittelpunkt der Stadt liegenden Zielonastraße in Betracht. Die Bande steht imter Führung des berüchtigten Räubers B a n a s i a k. Die Polizei, die bis jetzt machtlos ist, beabsichtigt eine Maschinengewehrabteilung zur Hilfe heranzuziehen. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu räumen. Banasiak erklärte, er besitze noch eine Anzahl Patronen. Mit den letzten wollten die Banditen sich selbst töten, um nicht der Polizei in die Hände zu fallen. » Wie uns ein T e l e g r a m m aus L o d z noch meldet, gelang eS der Polizei nach vierzig st ündiger Umzingelung des Hauses, in dasselbe einzudringen. Einer der Verbrecher wurde tot auf dem Dachboden aufgefunden. Er hatte mehrere schwere Verletzungen erlitten und hielt noch im Tode Mauser und Browningpistole in den Händen._ Vom rollenden Rubel. Mit einer seltenen Offenheit operierte dieser Tage ein Staats» anwalt, der vor einem Moskauer Geschworenengericht die An» klage gegen einen betrügerischen Beamten vertrat. Zum Entsetzen des ganzen Gerichtshofes erklärte er, daß es über» Haupt nicht möglich sei, einen Russen an einen Geldschrank heranzulassen. Die gegen den freimütigen Staatsanwalt erhobene Beschwerde hatte natürlich Erfolg. Es wurde ihm von seiner vorgesetzten Behörde ein ernster Verweis erteilt, da feine Beschuldigungen, insbesondere soweit Beamte in Frage kämen, in Rußland jeder Grundlage entbehrten!! Die einzig richtige Antwort auf die staatsanwaltliche Unter« stellung. Wie erhaben die russische Beamtenschast gegenüber Gaunereien dasteht, mögen folgende Meldungen illustrieren: In Tom»! wurden dieser Tage der Polizeimeister Fuchs und der Chef der Geheimpolizei Kosiski ihrer Lemter entsetzt: Von Freudenhäusern, Cafös und jüdisöhen Geschäfts» Häusern haben sie hohe Summen erpreßt. Widerspenstig« wurden ins Gefängnis gesetzt. In Podolien wurden fast alle Beamten des Gouverneurs und diele Polizeibeamte wegen Bestechlichkeit entlassen. In K u t a i S haben die Polizeibeamten ihre Entlassung eingereicht, da sie seit drei Monaten kein Gehalt erhielten. Wer da» Geld unterschlagen hat, konnte noch nicht festgestellt werden. „Für langjährige treue Dienste.." AuS Stockholm wird der„Frankfurter Zeitung" geschrieben: DaS Leben schafft manchmal Vorfälle von so unmöglich scheinender Brutalität, daß man sie für die Ausgeburt eine» skrupellosen AgimtorenhirnS hallen müßte, wenn sie nickt unanzweifelbar und verbürgt wären. Ein solcher Vorfall hat sich eben hier ereignet. In Schmelen besteht eine„Patriotische Geiellschaft", die an be» sonders treue Diener Silbermedaillen verteilt. Um jeden Unwürdigen von dem Empfang derselben ouSzuichließen, ist die Be» stiminmig getroffen, daß der Empfänger von keinem Dienst» geber empfohlen und die Angaben des Dienstgebers von den lokalen Behörden bestäligt sein müssen. DieLettung der St. Eriks» Brauerei hat nun eine» 62jährigen Arbeiter, der z w e i u n d» vierzig Jahre im selben Beruf und fünfundzwanzig Jahre in derselben Brauerei tätig war. für diese Me- daille empfohlen, und da er wirklich ein musterhafter Arbeiter war erhielt er sie auch. Jni Beisein der Behörden, in Gegenwart der Fabriksdirektoren.„Für langjährige treue Dienste...« Und diesen selben zweiundsechzigjährigen Arbeiter, der fast ein Menschenalter in der St. Eriks-Brauerei gearbeitet und deren Direktion ihn für die Medaille empfohlen, hat sie gleich nach der Feierlichkeit kurzerhand entlassen. Ohne Pension, obne Absinduna ohne«inen anderen Grund als daß seine treuen Dienste schon zu langjährig waren, er zu alt war. Dazu kommt, daß gerade vor zwei Tagen die Blätter mitteilten, daß der Wert der Attien der St. Eriks-Brauerei im Jahre 1882 nur fünfundzwanzig Kronen betrug und ohne eine Erhöhung des Aktienkapitals dank dem Brauereikartell auf dreißigtausend Kronen ae» stiegen ist. In dreißig Jahren hat sich also der Akiienwert auf» Eintamendzweihunderlfache vermehrt. Zweifellos auch durch die „langjährigen treuen Dienste" des Greises, der jetzt Knall und Fall entlassen worden ist und nun dasteht ohne Brot, aber mit Medaille. Kleine Notizen. Di- TyPhuZepldemie im Rhcinlande. Leider ist die vor einigen Tagen gemeldete TyphnSep'demle immer noch nicht zum Still» stand gekommen. Allein m den drei Gemeinden Gladbeck, Bottrop und Horst sind bis jetzt 47 Todesfälle zu ver« zeichnen. Der Charaller der Krankheit ist ein sehr bösartiger. Eine Familie von fünf Personen ist binnen zwei Wochen von der Seuche dahingerafft worden. Schwerer Baunnfall. In S erstow wurde beim Einstürze der Mauern eines vierstöckigen Neubaues eine Person getötet und achtzehn verletzt. Berliner Arbeiter-Schachklnd. Osten I: jeden Donnerstag'/,» Uhr bei Kühl. RüderSdorser Sir. 6a . II: jeden Donnerstag-!.S Uhr bei Rodde. Gr. Frankjurter Sw. 62. Süden: jeden Freitag Ubr bei Meyer, Oranienstr. 103. Weste»- jeden Fwitag'1,9 Uhr be. Paßler Karlsbad 17, Ecke Flattwellstr. Norden I: jeden Freitag'/-S Udr bei Nebel. Marstr. 13d. . II- I/den Montag'/,? Uhr bei F»iisch. Trontheimer Str. 4. . HI: s-d-n Donnerstag',.g Uhr bei Stall. Norduser 5. Eck« Torfstraße. . IV: jeden Donners tag'9 Uhr bei L-hn-rt. Dollincr Sw. 24. . V: jeden Freitag' ,9 Uhr bei Ringer,. Gleinistr. 52. Rixdorf I: jeden Freitag'1,9 Uhr bei Brandt. Pslüacritr. lg. II: jeden Donnerstag'13 Uhr bei Pormanu, s-rmannstr. 75. . III: l-den Freitag' L Uhr bci Rau. Wildenbruchslr. 56. Boxhagen: jeden Freitag'1,9 Uhr bei Möz. Sonnlagstr. 32. Lichtenberg- jeden Donnerstag-,.g Uhr bei Müncheberg, Gudnmstr.» Eharloltenburg: jeden Freitag'1,9 Uhr bei Wernicke. BiSmarckstr. 38. Ober-Sch�ntweide: jeden Freitag'/�»hr bei Pro-H°w»lh. RathauSstr. IE Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielpla».) Freie Volksbühne: Eonntag, 5. November. nachmittags 3 Uhr. Neues Schaulpielbaus. 2. Wtellung �Gruppe 5—8;. Nathan der Weise. Thalia-Theater. 10 /11. Abt.(Gruppe 44— 18): Der Zigarettenkasten. Herrnfeld- Theater. 8. Abteilung (Gruppe 36), 10. Abt.(Gruppe 44): 2X2= 5. Residenz-Theater. 9, Abt.(Gruppe 39): Die arme Löwin. Rontag. 6. November. abends 8 Uhr: Neue» Schauspielhaus. 16.(3. Abend-) Abteilung: Jvsephine. Neue Freie Volksbühne. Nachm. 2 Vi Uhr: Deutsches Theater: Judith. Kammerspielhans: Lanzelot. Nachm. 3 Uhr: Neues Volks- Theater: DaS Ler- mächtniS. Cchillcr-Theater 0.: DaS Urbild des Tartüsf. Schiller- Theater Charlottenburg: Maria Stuart. Kleines Theater. Erster Klasse.— Angele. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Mctropol-Theater: Miß Helyet. Neues Operetten» Theater: Der Gras von Luxemburg. Trianon-Theater: Francillon. ttlbcndS 8'/, Uhr(Sonntags 8 Uhr): Neues Volks- Theater: Sonntag, Mittwoch, Freitag: Das Vermacht niS. Montag. Dienstag, Donners tag: Geographie und Liebe. Sonn abend: Der Strom. Hochschule in Charlottenburg: Sonn tag: In Behandlung. Sonn abend: DcS Pastors Ricke._ Schiller�heateFO.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des TartUff. Sonntag, abends 8 Uhr: Bndame Sans-(>6ne. Montag, abends 8 Ubr: Es lebe das Leben. Dienstag, abends 8 Ubr: Badame Sehlller-Theatep �bJS.8"' Sonntag, nachm. 3 Uhr: Barla Sinnet. Sonnlag. abends 8 Uhr: D«* Plarrcrvon Kirchfeld Montag, abend» 8 Uhr: Der Pfarrcp von Kirchfeld Dienstag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirch feld Berliner Theater. Ansang 8 Ubr. Coeur- AO. Wer iDflerKöniggrätzer Straße 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: DaS Mädel von Montmartre. Crevette: PriUl Bassary. Sonnt. 3Vt Uhr: Der fidel# Bauer Uraniaa Wissenschaftliches Theater Sonntag 8 Uhr: Von Meran zum Ortler. Montag 8 Uhr: Ton hieran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath; Elektrische Arbeitsübertragung. LOGISCHER GARTEN Heute am 1. Sonntag im Monat Eintritt HR Pf die Person: ÄLf I Ii 216 nachmittags 4 Uhr: Großes Militär-Konzert. Täglich nachm. 4 Uhr: Morgen: Gastspiel des Berliner Toulünjtlerinnen- Orchesters. Dir. Elisab. Kuyper._ H-ui- 2 Vorstellungen. Halbe Preise. ' AbendS ab 8 Uhr: In beiden Vorstellungen: Chrctlcnnl n. Lonisette Panl Jülich. Ein Abend in einem amerikanischen Tüuzxvt Tauget. HffiW Noeb nie dagewesener Laebertolg j)as Kiwi der Jirraa mit Anton und Donat Hermfeld in den Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Meocs königl. Opern-Theater. 8 Uhr: Hamlet (EhrtstianS). AbonncmentS-Vorst. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Not. Sonntag nachmittag 3'/« Uhr: Ein Walzertranm. Friedrich. Wilholmstiidt. Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Lustspiel in 5 2Ikten v. W. Shakespeare. Resideuz-Theater Direktion Richard Alexander. Ansang 8 Uhr/ Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 2lkt. v. Sleioul u. Barre. gßr die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-BacckcrS. Morgen und folgende Tage: Em Walzer von«khopia. Leiie-IIIiauee-Thealör P/s llhr:.tluria Htaart. 8 Uhr: Der Sittenapoftel. Luiscn-Theater. 8 llhr:.llarla Stuart. 2lbendS 8 Uhr: Die Macht der Liebe. Rontag 8 Uhr Premiere: Baronesse Vlalre. MetlDpol-Tlieater. Nachmittags 3 Uhr: min Helyett! Abend« 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! 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Austreten sämtlicher Clowns mit den neuesten Witzen und Spatzen. AM- Nachm.»'/- Uhr: Ein Jagdfcst am Hofe Ludwigs XIV. Um 7'l, Uhr: U%0 Origin.-Ausstattungsstück des Zirkus Busch. ägn Exeelsior-Liehtspielhaus Rixdorf Passage 4. bis 10. November einschl. A. 8cliumann Sonntag, 5. November; 37, um 2 7 V, Uhr große Torstellungen 3'/, Uhr nachm. u. abends 7'/,. In beiden Vorstellungen DSP* ungekürzte'IKJ Aufführung der großen Feene in 5 Bildern 1 1000 Jahre auf dem Meeresgrund nach Motiven aus 1001 Nacht. Imis Hardt, neuer athle- I tisoher Akt. Neu! Der spanische Origin.-Angust ,,BaHto'-. Neu! j Nachmittags hatjed.Erwachsene 1 1 Kind unt. 10 Jahren frei auf | allen Sitzplätzen. Jed. weitere |_ Kind halben Preis._ üolks-Cbeatcp. Nixdorf, Hermannftr. 20. Sonntag, 5. Nov: Die wilde Katze. Posse mit Gesang in 4 Akten von Mannstaedt u. Wellcr. Montag, 6. Nov.: Flzsria 8tnart. Trauerspiel in 6 Alten von Fricdr. v. Schiller._ Corso'Variete.> Frledrlchztr. 105. 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Eintritt für Ausstellungsh. 50 Pf. Vorführungen: Wochentags 4'/« 61/,, 9 Uhr. Sonntags 12, 3. 41/,, 6, Hl», 9 Uhr. Letzte Hauptvorführung abends 9 Uhr. _ Eintrittspreis SO Pf._ Arnoiii Scholz. Hasenheide 108114. Sonntag, 5. November, abends 8 Ehr: PisMirt Entree 50 Pf. Kasscnöstnung 6 Uhr. Voigt-Theater. Gelundbrinmen Badltratze 58 Heute Sonntag, den 5. November, nachmittags 3 Uhr: Das Mhlhen v. tztilbronn. Abend» 7 Uhr: DerFlülli des altru Gchers. Origtiial-Tbarallergemälde mit Mnsil in 4 Akten von Emil GallerL Kassencrössming 10 Uhr. .w J Noacks Theater. Direktion: llcheri Dill. Berlin N., Brunnenstraße 18. Mutterliebe. LSndl. Lebensbild mit Ges. in 5 Akten. Ans.?'/, Uhr. Entree 30 Ps. biS 1 M. Morgen: Dieselbe Vorstellung. I Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Sonntag: Catizhränzcben 12486 O. NIOle. Sonntag: 2 ÜDlMlI. 2 mittags von 1—3 Uhr: Korso bei musik. Nachmittags und abend»! In unübertrott. Ausstattung: Das feenhafte Eisballett| „Alpenzauber'1. Außerdem abenda i Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: „Der Lichtertanz". Einödboter-Konzert. Restaurant I. Range» Soupers a la Karte. , Bis 6 Uhr u- von 19'/« Uhr abds. halbe Kassenpreise. ilopiilnte Kitder im Blüthnersaal. Hurte Sonntag. nachm.4'/,Uhr präzise: Zpanisches Liederspiel v. Schumann u. ond. Quartette Anton Sistermans rmd andere erste Künstler. Karten ä 0,60 u. 1,20 a.b. Kasse. Trianon-Theater. Täglich abend» 3 Uhr: Mvln Königsiadt-Kasino. Ecke Holzmarkt, u. A1 cxanderstraße nahe Iannowitzbrücke. Vom 1. bis 16. November. abends>/,8 Uhr: Da» Riesen. Weliftadt-Progeamm. Dnmkc» 8ominerrelse u. die ersttlassigen Speztalitäten. Sonntag» 2 Vorstellungen: nach« mittags 7,4 u. abends ll%7 Uhr. Blüthnersaal. Hente KOflZCTt des Blßterorehesters B. Wejersberg Soli: Seret— v.Eyken(Ges.) Wassing (Cello). Anfang 75 PI. Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wendt und A. Schlltze. AndreaHstr. 841. Aeden Sonntag: Slililäf- Streich-Konzert und die beliebten Hotfnianns Sänger. Dlreltlon Fr. Fanther. Heute: Die beiden Leutnante, Ein Schwank. Jede Woche neue» Programm. An ang des Konzerls 6 Uhr, der Bor- steUung7Uhr. Im oberen üreBer Bali. Jeden Sonntag: Qaf© ÜJoyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee IOu.15, Bieren. u. bunt. 10 Bs. ca. SO Zeitungen; Billard Itd. 40 Ps Zabtsteile der Freien Velksbübne. Alhambra Wallncr-Tbeaterstraße 16. GroOer Ball Großes Orchester. Antang SonntazS 6 Uhr._ A. Z u incltnt. Markgrafen-Säle 84, Ilarkgraren-Damm 84, = An der Stralauer Allee.■ Jeden Sonntag: Groüer(lall. Im Restaurant täglich mnsttalische Untcrhaltnng. Vorzügliche Küche, ss Biere u. Weine, Billard u. Kegelbahn Für den Inhalt der Jnierat« übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teiuertgi Verantwortung. Germania-Praehtsäle Chausseestr. 110. Karl Richter.) Jeden Sonntas: Anfang b U hr. Eintritt 50 ff. Anschließ.: Familienkränzchen. | Im weißen Saale von 5 Uhr ab| W Orofler Ball. 1W 4 Montag; Heiterer Kiinetlerabend. 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MtS.. nach- mittags l'/j Uhr, von der Leichen- halle des neuen Rirdorser Ge- nreinde-FriedbaseS, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Brr Vorstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Nach langer Krankheit verstarb am 2. November unser Mitglied \gnaiz Steffanski (Bezirk Süd-Ost.) Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. November, nach- miltagS 2'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. 149/19 Um rege Beteiligung ersucht �er Vorstand. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Berta Meincke geb. Rettkowski am 2. November, abends Uhr. von ihrem langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst worden ist. DieS zeigt tiesbetrübt an Paul Meinike. Wattstr. 9. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des HimmelsahrtS-Friedhoses. Nordend ouS statt. 568Ö Am 1. November, abends 81/, Uhr, verschied plötzlich nach kurzen, schweren Leiden mein lieber guter Mann, Vater, Sohn und Bruder, der Mitfahrer Ott« Just im 34. Lebensjahr. 5702 Dies zeigen ttesbetrübt an 4Vltwv Helene Jost nebst Solm und Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. d. MtS., nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- halle deS III. Gemeinde-FriedhojeS Pankow. statt. ichönholzer Heide, aus Am Sonnabend, den 4. No- vember, früh 4 Uhr, verstarb nach langem schweren Leiden meine liebe Frau 571K Fmms l&tfike geb Haptwlff. Der trauernde Gatte Frenz Rethko, Czarnikauer Str. 22. Die Beerdigung findet am Dien«. tag, den 7. d. MI»., nachmittags 2>, Uhr, von der Leichendalle de« städtischen Friedhofs in Friedrichs- selbe aus statt. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Stock- arbeiter Beorx Baumgart Jahnstraße 23, im Aller von 27 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de« Zeniralsriedhoses in Friedrichsselde aus statt. 91/20 Um rege Beteiligung ersucht kdie Ortsvenoaltung. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. TodesanEeiffen. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Schlosser /Xi-tur Leiske an Lungeuleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. November, nach. mittogs 4'/, Uhr, von der Leiche». balle de» St. BaUhoIomäuS-Kirch, Hofe« in Weißensee, gailenberger Chaussee, aus statt Rege Beteiligung wird erwartet. Ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechantler PAax Riebet am 1. November gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k 125/13 Die OrtSverwaltnnq. Danksagung. Dem Zentralverband der Schuh- macher, Zahlstelle Berlin, und den Kollegen und Kolleginnen der Firma F. Kusche, sür die rege Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres Sohnes Ott» sprechen wir hier- mit unseren herzlichsten Dank auS. 159/8 A. Geiger nebst Frau. Ksa Danksaffanff. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres einzigen geliebten EpltEelipn sagen wir allen Freunden und Bekannten innigste:: Dank. 5692 4Vltwv Dreiep und Tochter. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters ILurl Böhme sage ich hiermit allen Verwandten, Bekannten. Genossen und Kollegen meinen besten Dank. Wtiwe /rtivp«»« BUhme nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Papke sage ich allen Verwandten und Be- lannten. insbesondere dem sozial- dcmolratischen Wahlverein Treptow- Baumschulenweg meinen innigsten Dank. Aldci-t Papke nebst Kindern. Für die beim Heimgange unseres lieben Sohnes. Bruder«. Schwager« und Onkels Epanx Holz bewiesene Liebe und Teilnahme sprechen wir, besonders dem Gesangverein „WilmerSdorser Männerchor-(M. d. A.-S.-B.), unseren tiesgesühllesten Dan! aus. Familien Rolz und Enffel. Allen, die unserem lieben«ohn die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank A. Friedrichsohn nebst Frau und Kindern Von der Reise zurück* Dr. med. Leopold Lilienthal. 1912 k Arbeiter- Notiz- Kalender Reichhaltiger Inhalt. U-a.i| Alle fdr Arbeiter wichtigen Adressen : Porträts der im letzten Jahre gestorbenen Qe-- nossen Hurmann Borgmann:: Emma Ihrer:: Gabriel Loewenstein und Paul Singer > Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung nach der Reichsver- sicherungs- Ordnung Winke für die Reich*. tagswahlen Die Gewerkschaften im c Jahre 1910 � • Kalendarium sowie Ge-; : schichts• Kalender::* Portotaxe, Notizbuch 1 Preis gebunden: 50 Pfennig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). -.......................... Berichtigung. Im gestrigen Inserat(Bezirk Norden) der Firms| faul Heid Kaehf. 162 Invalidenstr. 162 muß es heißen: Bett-Inlette: Bettbrcito, w Meter.... 225 125 1 0 Pf- Kissenbreite Meter.., 78 125 75 48 PL Heinrich Pranck Tel.: Amt III. 4352. 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Wie ei-e Jubelouvertür« über die gute Konjunktur klang es aus den in der letzten Zeit abgehaltenen Generalversammlungen der großen Gemischtwerke. Hohe Gewinnausschüttungen bei be- deutenden Rückstellungen, umfassende ErweiierungSprojckte, und da- zu em entsprechendes Bedürfnis, neue Kapitalien aufzunehmen, das waren die bevorstehenden Momente in den Zusammenkünften der Aktionäre,— die allerdings nur ein Instrument bilden, das die Konzertmeister der Großindustrie benutzen, um sich hören zu lassen. Schon vor etlichen Wochen stellte Herr Klöckner von den Hasper Werken eine richtiggehende Hochkonjunktur in Aussicht. In fast noch prononzierterer Weise stimmte Herr Kirdorf, der Generalissi- muS von Gelsenkirchen und spiritu, rector im Kohlensyndikat, in die gleiche Melodie ein. Bei der Begründung einer von der Ver- waltung georderten Kapitalserhöhung— von ISö auf ILO Millionen Mark— bemerkte er, die letzte im Jahre 1909 vorgenommene Kapitalscrhöhung hätte nicht ausgereicht, um das aufgestellte Er- Weiterungsprogramm durchzuführen. Es sei daS Bestreben aller Werke, an die Stelle von Roh- und halbfertigen Waren fertige Er- Zeugnisse treten zu lassen. Dieses Bestreben habe Gclsenkirchen veranlaßt, in Aachen mit der Errichtung eines Blechwalzwerks und Preßwerks zu beginnen. Aus dem gleichen Grunde beabsichtige sie die Erweiterung der Drahtverfeinerung mit Zubehör in Eschweiler. Die Kosten für diese beiden Anlagen stellten sich auf etwa 19 Mill. Mark. Die Verwaltung erwartete eine günstig« Ertragsfähigkeit dieser Werke. Ermutigt durch die guten Ergebnisse der Zement- fabrik auf dem Vulkan wollte man auch bei den Hochöfen in Gelsen- kirchen die Herstellung von Zement aus Hockwfcnschlacke aufnehmen. Die Ausgaben dafür seien auf etwa 2 Millionen Mark zu veran- schlagen. Auch die Röhrcnwerke der Gesellschaft müßten vergrößert werden, um in jeder Beziehung gerüstet zu sein. Dieser Zweck er- fordere etwa 5 Millionen Mark. Der notwendige Grunderwcrb in Nachen, in Esch, in Tcutsch-Lth,-sowie im Bereiche der Bergwerks» abtcilung beanspruche 2 Millionen Mark. Der Gesellschaft er- wachse so für die nächsten vier bis fünf Jahre ein außergewöhnlicher Geldbedarf von rund 35 Millionen Mark. Die Gewinne im laufen- den Jahre ständen auf der gleichen Höhe, wie die des Vorjahres. Schon heute lasse sich mit voller Sicherheit in Aussicht nehmen, daß das Jahr 1911 ein gleiches Ergebnis haben werde wie das Vorjahr, ohne daß es erforderlich sein werde, das Geld aus dem Verkauf der Kure„Viktor"— 19 Millionen Mark— heranzu- ziehen. Dieser Betrag sei zu Abschreibungen und Rückstellungen zu verwenden. Die wirtschaftlicke Lage sei al« günstig anzusehen. Die Kohlcnbetriebe der Gesellschaft arbeiteten besser. Auch im Stahl- und Walzwerksbetricb sei für die Zukunft auf günstigere Ergebnisse zu hoffen.— Gegen das Veto eine? Aktionärs wurde die beantragte Kapitalserhöhung beschlossen. In der Generalversammlung des Bochumer Vereins beurteilte Generaldirektor Baare die Lage ebenfalls als günstig. Er erreichte aber doch, nicht ganz den hochgestimmten Optimismus Kirdorfs. Das Ergebnis Iv Stammfabrik sei durch andauernd minimale Verkaufs- preise, steigende Löhne, verteuerte Rohmaterialien ungünstig be- cinflußt worden. Nicht obne Einfluß blieben auch die inm-tten der Fabrik in Angriff genommenen weitgehenden� neuen Bauten und Verbesserungen, nach deren Beendigung mit Sicherheit auf einen, den recht bedeutenden Aufwendungen entsprechenden Nutzen gerech- net werden könne. Die überall treibenden Kräfte, durch Benutzung der neuesten Erfindungen und Erfahrungen die Produktion zu steigern bei Verminderung der Herstellungskosten, zwing« auch den Bochumer Verein zu dauernden großen Aufwendungen für den Ausbau der Werke. Es wäre zu wünsche», daß den in der nächsten Zeit bevorstehenden Verhandlungen über die Erneuerung des Stahl- werksverbandes ein Erfolg nicht versagt bleibe. Aber selbst, wenn in dieser Hinsicht unüberwindliche Schwierigkeiten sich in den Weg stellen sollten, könne die Lage des guten und starken Unternehmens nicht erschüttert werden. Auch die Laurahütte hatte eine Stimme in dem Konzert. Ge- heimrat Hilger beobachtete allerdings eine gewisse Reserve, deren Ursache aber wohl mehr in den inneren Verhältnissen der Gesell- schaft, als in der allgemeinen Lag« zu suchen ist. Trotz Steigerung der Erträgnisse sei die Dividende mit Rücksicht auf die Unsicher- heit des Kohlenmarktes nicht erhöht worden. Die Verhältnisse in der Eisenindustrie geböten wegen der schwebenden Verhandlungen über die Erneuerung des großen Verbandes ebenfalls eine vor- sichtige Finanzpolitik. Zudem seien die Erweiterungsanlagen noch nicht fertiggestellt, und im laufenden Jahre müsse weiter gebaut werden. In Deutschland treibe die wirtschaftlich« Entwickelung ohne Frage nach oben, was sich am besten in den bedeutend gestiege- nen Einnahmen der Eisenbahnen zeige. Das Baugeschäft, welches für den Absatz von Trägern und Eisenkonstruktionen von großer Bedeutung sei, entwickele sich günstige Di« Lage auf dem Eisen- markte im Jnlande befriedige, mit Ausnahme des Röhrenmarktes. In Formeisen sei das Geschäft gut, bei Produkten L reichliche Be- schäftigung und Arbeit vorhanden. Ein interessantes Nachspiel veranlaßte die Generalversamm- lung der Laurahütte, indem ein Aktionär in der Presse den Vor- wurf erhebt, daß die minimalen Ausschüttungen auf Verträge mit der Firma Cäsar Wollheim zurückzuführen se'en. Diese Verträge garantierten der Firma einen über den üblichen Handelsgewinn hinausgehenden Extraprofit von mehreren Millionen Mark, zum Nachteil für die Aktionäre. Die Enthüllung beweist auch wieder, wie sehr man auf dem Holzwege sein kann, wenn man die Rentabilität eines Unternehmens lediglich nach den verteilten Dividenden be- rechnen will. Sehr hoffnungsfroh gestimmt ist die Verwaltung der Rhein. Stahlwerke. Ueber die Lage des Unternehmens äußerte General- direkror Dr. jur. Jakob Haßlacher: Der Bestand an Aufträgen, der am 1. Juli d. I. rund 139 999 Tonnen betrug, stieg inzwischen auf 189 999 Tonnen, für Bleche und Stabeisen besonders könne auch ein kleines Anziehen der Preise konstatiert werden. Die Beschäftigung im Eisengewerbe sei geradezu glänzend, die Nachfrage fast stürmisch zu nennen, und es sei nur bedauerlich, daß die Gesellschaft infolge ihrer ungenügenden Beteiligung beim Stahlwerksverband nicht in der Lage sei, diese Lage voll auszunutzen. In dem Zeiträume vom 1. April bis zum 39. September diese» Jahres hätten die Rheini- scheu Stahlwerke ihre Beteiligung für Stabeisen um 18,5 Proz. und für Bleche um 14,3 Proz. überschritten: andernfalls hätten sie sich dazu verstehen müssen, ihrer Kundschaft Absage zu erteilen, während jetzt eine Buße für die lleberschreitung der Beteiligungen an den Stahlwerksverband gezahlt werden müsse. In den verflossenen Monaten sei es infolge der erhöhten Herstellung möglich gewesen, mit geringeren Selbstkosten zu arbeiten. Anzunehmen sei, daß auch die folgenden Monate nicht ungünstig sein würden, selbst unter der Berücksichtigung, daß man weiterhin gezwungen werde, dl« be» sonderen Abgaben an den Stahlwerksverband zu zahlen. Läßt man die besonderen Verhältnisse bei den einzelnen Unter- nehmen ganz unberücksichtigt, so tritt als besonderes Merkmal die Tendenz zu Expansionen in die Erscheinung. Hierbei sind zwei Motive bestimmend. Einmal die technische Entwickelung, die auf den Weg neuer, rationeller Produktionsmethoden verweist. Damit ist gleichzeitig eine Erweiterung der Tätigkeit der Werke verbunden, so bei der Gewinnung der Koksofengase und deren Verwendung als kommunale Lichtauelle. Neben dem Uinbau der Oefen und der Errichtung von Reinigungsanlagen macht sich auch der Bau von Fernleitungen notwendig. Die Firma Krupp schloß jetzt einen Ver- trag auf Lieferung von Gas aus ihren Zechen„Hannover" und „Hannibal" bei Bochum an die Stadt Witten und umliegenden Orte. Das Abkommen, da? den Preis für einen Kubikmeter Gas auf 3,25 Pf. festsetzt, hat Gültigkeit bis zum Jahre 1933. Der Bochumer Verein hat in sein Bauprogramm ebenfalls die Anlage von Gasfernleitungen aufgenommen, um seine überschüssige Er- zeugung an andere Konsumenten abgeben zu können. Denselben Weg haben andere Werke schon früher beschritten. Die Bauwut und der Expansionsdrang finden im übrigen in der Sucht, die Werke zu einem möglichst unabhängigen, abge- schlossenen Produktionsapparat auszugestalten, ihre Erklärung. Der Widerstreit der Interessen zwischen den reinen und den Hütten- zechen gefährdet das Kohlensyndikat, die Ouotenjagd der Stahlwerke, die wieder ihre Ursache in der durch technische Fortschritte bedingten Produktionserweiterung hat, drohen den Stahlwerksverband zu sprengen. Wie die Rhein-Stahlwerke, so führen auch Hösch-Dort- mund, die Westfälischen Stahlwerke, der Phönix usw. bewegliche Klagen über die zu geringe Beteiligung beim Stahlwerksverband. Die Gemischtwerke streben immer mehr dahin, sich in bezug auf die Versorgung mit Rohmaterial gänzlich auf eigene Füße zu stellen, dann den von ihnen produzierten Stahl in eigenen Be- trieben zu Fertigerzeugnissen zu verarbeiten und durch Gründung von sogenannten Werkshandlungen den Verschleiß ihm Produkte selbst zu organisieren. Fliegen schließlich die Verbände auf, dann sind die großen Werke vollauf gerüstet, die kleinen aber werden die Krisis kaum überwinden. Da? gewaltige Rüsten erhöht die Gefahren eines Zusammen- bruches. Zum Teil resultiert die bisher flotte Beschäftigung aus den Auftragen der mit ErweiterungSanlagen und Neubauten be- schäftigten Werke. Diese Absatzquelle muß aber doch einmal Wiedetz wenigstens für eine Zeitlang versiegen. Mittlerweile ist der Pro- duktionsapparat gewaltig gewachsen, er heischt nach umfangreichen Aufträgen. Bleiben diese aus, dann kommt eS zu einer heftigen Katastrophe. Der einsetzende wütende Konkurrenzkampf läßt die kapitalstarken Unternehmen über die kleinen Werke rücksichtslos hinwegschreiten, aber auch das Lohnniveau der Metallarbeiter wird dann von heftigen Vorstößen der Unternehmer bedroht. Gegen die heraufziehenden Gefahren müssen auch die Arbeiter rüsten. D. Marktpreise von Berlin am 3. November ISU.nach Srmikteluns de« Königlichen Polizeipräsidiums. Piartlhallen preise.(Klembandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00— 50,00. Speisebohneu weisse, 40,00— 60,00. Linsen 40.00—60,0(4 Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rmdfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1.20— 1,80. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,00. Butter 2,60—3,20. 60 Swck Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hecht- 1.00 bis 2,60. Barich- 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,00. Biete 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,40—24,00. vöjßLtjlSdlßy engäsche und ameükcuiMchß Ponn: 1 V Poim: t Y i: J V :4V Form: 5 V Form: 4 V Form: 7 V Form: 8 Y Fonn: g V Form:!• V Ulstey In unseren Klel&erwerken hergestellt Nr. 1-•***. bna« aeflerter Bacherit- IQ nmutctt« CheTiot.---- � Kr. 1. Grta, braaa, rraa rcmustcrUr Ol„ eh«»!«!-----.......... � Kr. S, Gestreift« and kariert« Phaatasla- Q4 •toffe................. Kr. 4. Hell and doakel gemtuterter 97 OiCTiot nach««(lisch er Art..,*'•t Kr. 6. 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Auswärtige Bestellungen werden sorgfältigst erledigt. ümrtmnd'Bestimmungen; /. Leidit handlldte Maß-Anleitungen werden portofrei versandt. 2. BelBesteHun gengenügt Angabe d. Brustumfanges, ringsherum über Weste unterdenArmengemessen' und gerne Körpergröße. J. Versand von 20 Mark an /tz«nfto unt. Nachnahme ed. Vortinsend, des Betrages. BaenSohn Kleider-Werke �bÄctfArt Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 □ □ DD 11 Bröckenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Auswärtige Bestellungen werden sorgfältigst erledigt. Fortsetzung der Versand' Bestimm ungen; I.Obige Preise verstehen sich für normale Herrenfiguren, die einen Brust- u. Leib-Umfang bis JOS cm haben, von 109 bis 116 cm 10% Aufschlag, von in bis 124 cm 20% Aufschlag. S.Muster franko geg. franko, unter Angabe der Farben, des Preises u. der Formen. Der Haupt■ Katalog Nr. 43(Letzte Moden) auf Wunsch kostenirei j; Z. Wahlkreis Sonntag, 5. November, abends 6Vs Uhr: in der Kranerei Friedrichshain(Tunnel). Resultat-Verkiindung von den Stadtverordnetenwahlen. Zahlreiches Erscheinen erwartet IHer Einbernfer: 223/18 E. Rosemann. WinSstr. S4. Wl=l=3 Verein für f rauen«• Rädchen der Arbeiterklasse. Montag, den a. November, abends 8 Uhr, in KellerS„Nene Philharmonie«, Köpenicker Str. SK/S7. „�sMcliS Tabrikinspektlon". Gäste willkommen. 65/17 Der Vorstand. Sonntag. Lv. November, nachm. t Uhr: II. Ltazt-Konzert. Billclts a 50 Ps. sind im Verein und in den Zahlstellen zu haben. Am Montag, den«. November, von S— 8 Uhr abends, findet im Gewerkschaftshause die Delegiertenwahl iür die Ortslirankkudaffe der Tischler«nd Pilznofortearbeiter statt.— Jedes Verbandömitglied, sür welches obige Kasse zuständig ist. bat sich an dieser Wahl zu beteiligen! Versäume deshalb niemand, sich vom Arbeitgeber das Krankenkassenbuch geben zu lassen und rechtzeitig zur Wahl zu erjcheinei«._ Tischler, Bezirk Südosten I. Am Montag, den 6. November, abends SVi Uhr (gleich nach Feierabendi; Mitglieder»Versammlung in den Naunyn-Fcstsälen» Naunynstr. 6. Tischler, Bezirk Südosten II. Am Montag, den 6. November» abends S'/, Uhr (gleich nach Feierabend)» Mitglieder»Versammlung im Reichenbergcr Hof, Reichenbergerstr. 146. Möbelpolierer, Bezirk Osten. Montag, de»«. November(gleich nach Feierabend): Mitglieder»Versammlung in Fiirstenbergs Festsälen, Frankfurter Allee 106. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Volksbildung«. Referent Genosse iVIfttcd John.— 2. Verbandsangelegenheitcn. Bergolder. Dienstag, den 7. November, abendS 8 Uhr: Versammlung der Rahmenvergolder im Gewerkschaftshans, Saal 3. Tagesordnung: 1. Die LehrlingSsrage.— 2. Die ArbeiiSnach- weiksrage.— 3. Verbandsangelcgcnheilen. Branche der Modell- u. Fabriktischler sowie Modettdrechsler. Donnerstag, de» 9. November, abends pünktlich 8 Uhr: Urancüen»Versammlung im Noscnthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1.„Das Recht bei Arbeitsftreitigkeiten«. Referent: Genosse«Inion Katzcnsteln.— 2. Verbands, und Vranchenaiigelegcnhciien._ 92/1 r»! Scbastianstr. 37/38. Teleph-AmI IV 9737. **11 Damenkonfektion, iisu Dienstag, den 7. November, abends 8'/z Nhr: VejfknNivks Versammlung in ttixUork,„Hoppes Festsäle", Hermannstr. 49. ___ Tagesordnung: M Unsere Fordernngen an die Konfelitionart. Rcscrent: Kollege Binoop. Kollegen und Kolleginnen! Ericheint in Massen in dieser Ver- scnmilung. Letzt, dag es Euch ernst ist. Eure schlechte Lage zu verbessern. Stuf zur Versammlung! Niemand darf fehlen! 1S1/14 Der Einbernfer. Georg Qruberts Elsasser Bierklause «mt in. 4019. Elsasser Straße 68 I. Amt III.«949. Empsehle mein VereinZzimmer, Verkehrslolal der Partei und der Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Hos l. Amt 3, 1239. Charitäslr. 3. Hos III. Amt 3, 1987 Montag, den S. November 1911: Bezirks- Versammlungen für die getamt&Qerwaitungsftelle Berlin in solgenden Lokalen: 125/14 HOrdeil! Pharnssüle, Müllerstr. 142, abends 81/, Uhr. Hnwdan• Oblglon Fentsiile, Schwedter Straße 23, abends HUlUClI. g'/t Uhr. Vortrag d-S Kollegen Vliiche übcr: Die deutsche Gewerkschaftsbewrgnng. Horden I Frnnlie» Fests&le, Babstr. 19, abends 8'/, Uhr. Tegel Wohlfahrt« Feata&Ie, Elchbornstr. 18, abends 6 Uhr. Mnnhif' Prachtsttlc Xord-West, Wlclefstraste 24, abends UluflUll. 81/, Uhr. Vortrag des Kollegen pätrel über: Btldungs- bestrebungen der Arbeiterschaft und ihre Forderungen durch 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen pätrel über ingen der Z'"" die Gewerkschaften. Weslen und Sehöneberg: Osten: Uttlna FeataKle. Memeler Strafte«7, abends 8'/, Uhr Bortrag de? Kollegen A. Wusehick. Llclilenberj: Er""'"■ Slralau und Rummelsliurg: SSÄsÄiÄi: Sttdenbezirke:S»Merv.",:°''"l,a°''®""''al"15S,°'4' Weißesisse* � Fvataai«, Berliner Allee 221, Hixdork: Hoppe» FeatatU«, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. CbOrlOttenbUrg: ▼olksbana, Rostneustr. 3, abends 8'/, Uhr. Htanlit?' HVnbrenckorka Fsataiils, Lichterfelde, Bäckestr. 22, sivljlttse. abndZ 8'/, Uhr. KSpenick u. Friedrichshagen: i.i°s«°e.rt«n. ' riedrlchstrafte 72, abends 8'/, Uhr. Bortrag chernngSordnung. Dfk0p»?ptit>natlk0>klt>' Wilhelminenhof, Wllhelmlnenhof- UUCl'dtUUllCnClUC. strafte 82. abends« Uhr. Vortrag. ZMlldan: aestnnrnnt uvble, Havelstr. 29, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zur Generalversammlung. = Mitgliedsbuch legitimiert! Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Dienstag, den 7. November 1011, nachts 12 Uhr: Allgemeine Versammlung der Kino- Operateure Grost- Berlins in TSeiyern FcatsNIen, Oranlenstraße 103. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. VeibandS- und Branchenangelegmhelten. 4. Verschiedenes. Kollegen I In Anbetracht der reichhaltigen und Interessanten TageS- ordnung ist ein zahlreiches und pünkilicheS Erscheinen sämilicher Kollegen ersorderlich. Zur gefl. Kenntnis I Die JubilSumsnummer„899 099« in Drei. arbendruck ist zum Preise von 60 Ps. im Bureau zu haben. D-S weiteren sind durch daS Bureau und die BczirkSkasfierer zu beziehen: Protokolle der Generalversammlung von Mannheim zum Preise von 20 Ps., des 8. GewerkschaslSkongrefieS zu 25 Ps., Broschüren über die Erhebungen der Lohn« und ArbeilSverhälinisse der in der Geibmetallindustrie beschäsligleu Personen zum Preise von 50 Ps. pro Stück. 125/14 Die Ortaverwaltanj;. Wünschen Sie einen Noriaussr Kautabak eo fordern Sie Grimm$ Triepel. Röllchen zu 5 Pfg. und 10 Pfg. ------- Stangen 5 pkz.------- I®®«® ®®®«®®®»®®«®©i Sc/kvAuf}. ufy/zö/ida'*. c/je/zAufa jmdouto stufen/ yiSt tu*"Si—H&fV&& tf t/ftM£ ncnSt fi MiMu/c*. rfiaAnAr JSSuu, SfJtf. /rrm JfdlcÄiSlAiH/ �iü/uA, JX(/aJltf, fctfU.' Achtung! Ortskrankenkasse Spandau. Am Montag, 13. November 1911, findet im Restaurant Krause, Schön walder Str. 2, die klitgliedenrersammIUDg zur Wahl der Delegierten für das Jahr 1912 statt. Es sind zu wählen: 45 Arbeitgeber delegierte und 46 Stellvertreter sowie 92 ArbeiincHmerdelegierte und 92 Stellvertreter. Die Wahl der Arbeitgeber findet abends von 7—'/, 9 Uhr gegen Vorzeigung der letzten Quittung über bezahlie Beiträge und die Wahl der Arbeitnehmer von k—-/z9 Uhr gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte starr. Daran anschließend findet die OenersI-Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Uebertritt der im eingemeindeten Gutsbezirk Hasclhorst beschäftigten versicherungs- Pflichtigen Mitglieder aus der Orts« trankenlasse Spandau Land und Um« gegend in die Ortskrankenkasse in Spandau.(Versügung des Herrn Regictungspräsidenien.) 2. Neuwahl des Vorstandes(2 Arbeilgeber, 4 Ar» bettnehmer). 3. Wahl einer Rech- mingsprüsungskommission. 4. An- stellung der Herren Dr. Gonicrmann und Dr. Bulicnnann als Kaflenärzte. 5. Erhöhung des Arzthonorars. 6. Ver- schiedenes. 280/6 Der Vorstand. St. A p P o I d t, Vorsitzender. Orts-Krankeukasse Hohenschönhausen. Gemäg st 51 a Absatz 5 des istatutS findet am Montag, 13. November 191 l. abends 5'/, Uhr bis 7 Uhr. im Lokal von ZHnx Knfi, Berliner Str. 92, eine GrgönzungS- wahl der ausgeschiedenen Ver- treter zu den Generalversammlungen seitens der Arbeitnehmer statt. lu wählen sind 21 Vertreter. Die Mitglieder werden daraus aus- merksam gemacht, dah die Wahl pünktlich eröffnet und Punkt 7 Uhr geschlossen wird. 280/4 Mitgliedskarte legitimiert. Der Vorstand. Artur Schäfer, Quast, Vorsitzender. Schristsührer. Orts-Krankenkasse der Tabakfabrikarbeiter z» Berlin. Einlndnns: zur Ordentl. General-Versammlung am 13. November 1911, abendS 8'/, Uhr, nach dem Lokal„Stadt SchwicbuS« /Gustav Bullack). Sicue Königstrafte 11, DägeSoronung: Verlesung des Protokolls der letzten Gcneraloen'nmmwng. 2. Antrag des Vorstandes aus Ein- sührung freier ärztlicher Behandlung der nicht versicherten Ehefrauen und der Kinder unter 14 Jahren der Mitglieder. 3. Neuwahl sür zwei laut Statut aus- scheidende Vorstaudsmitglieder. 4. Bericht des Vorstandes über seine Tätigleil in der Kranlenkassen- vcrcinigungsangelegenheit. 5. Verschiedenes. 180/1 Dop Vorstand. BenandlBiig der mmtten Haut- uvd Hsotntetöe» •hne Ops-alion, ohd® Berufs- stäruno ia»> schmerzlos in Dr. Strahl'B Institut G. m. b. H.. Bertis. Qrojte Tima«ergib. Teppicke, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Teilzahlung ohne Anzahlung. Keine Kalficrcr. Chiffre 8. 100,.Bor- wäA.Z».Svedition,«luguststr. 50.* IZie img schon 10. und 11 Novimber L Schweidnitzer otterie HIG9 Ovv.tr.BP in, Werl» v.M. 128000 140000 120000 LOSE ä 1 II. 5 LOSt<�0«■ I-U" 11 lose 10 U 1 T*u»d. durch da» General- DebU H.C.KrS$er Berlin W 8'.'pisr. S sowie alle durch Plakate kenntlichen Verkaufsetellea Tele»r.-Adr.s..vdldgatlls", Junmtgs-Kravktvltasst der Drechsler- Innung. montag, öen 6. stovemdee tSIt, abends 8 Uhr, im.Königstadt-Kafino', Holzmarkistr. 72: Versammlung 1. der großjährigen Kafieumitglieder zur Ausstellung oon 60 Ver- tretern(Delegierten) zur General- Versammlung, 2. der JnnungSmitelieder, welche für die bei ibnen beschäftigien Personen Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen, zur Aufstellung von 30 Vertretern(Delegierten/ zur Generaloersammlmtg. Sonntag, den 12. November 1811, vormittags 10 Uhr, to demselben Lokale: Wahlversammlung 1. der großjährigen Kassenmttglieder: Wahl von 60 Vertretern(Dcle- 2. der JnnungSmitglieder, wtlche sür die bei ihnen beschäftigten Personen Beiträge au» eigenen Mitteln zahlen: Wahl von 30 Vertretern(Delegierten)»ur Generalversammlung. Die Versammlungen der Kassen- Mitglieder und der JnnungSmllgliedcr finden in getrennten Räumen statt. " ür die Kaflenmitglieder legitimiert iai Kassenbuch. Für die JnnungS- mstglieder legitimiert die letzte Bei- tragsquittung zur Krantenkafle. Der Vorstand. 279/19 vllo LOdtke, Vorfitzender. Orts- Krankenkasse der Sattler a. veno. Semrbe zu Berlin. DienStag. 14. November 1911, abendS 8'/, Uhr: ------- Ordentliche------ General-Versammlung der gewählten Vertreter der Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber im GewerklchaftShauS. Saal 1. Engelufer 13. Tagesordnung: 1. In gememschasUicher General-Vec» sammlung: a) Geschäftliches. b) Antrag aus Gehaltsregelung der Angestellten. c) Wahl des RechnungSauZschusseS. st) Verschiedene». 2. In getrennter General-Bersamm- lung: a) sür die Vertreter der Kassen- Mitglieder: Ergänzungswahl von 4 Mit- gliedern zum Vorjtand für 1012—1913 1 b) für die Verirr» der Arbeitgeber: Ergänzungswahl von 2 Mit» gliedern zum Vorstand sür 1912—1913. Nur die mit Legifimatiou eventuell Mitgliedskarte versehenen Vertreter haben Zutrilt. Die Bei sammltung wird pünktlich um ff ,9 Uhr eröffnet. NB. Anfragen, zu deren Beant- Wartung die Einficht der Kafienbücher notwendig ist, müssen drei Tage vor« her dem Vorstande schrisllich ein« gereicht werden. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 280/3 Der Vorstand. F. Mayhardt, Vorsitzender. _ R. Teichmann, Schristsührer. BeinleidenT OrjedMelam SpezialinstlSnt ZlmmePHtP. 78. 9—12, 3— 6. Mittwochs u. Sonntag» 9— 12.* S. Kaliski Soezialgeachtfl(Qri Nähmasohinan, Kinder« wagen, Mefallbüttstelleo. Tauentzienstr. 5: Belle- Allianc s- Straße 4. Chausseestraße SO Brunnenstr. 173 u. 92. Gr. Fra nk- iurler Straße 144, Oranienstr. 2a Beusselstrafie 18. Wilmersdorler Straße 131. S Kallski» Urb»"«» Slnjar 4 67.6" Ksiiski» vwb—« Sieger B ver- •eokber a4.S0 Bakbln»er- •eakb. I4S.UO Bei erffee. Betco höh bd Beben. BeHaellanher „lenr. Oarentl«. Keliskls verbessert« äinoer 55.00. Unter rmht qrntle. Wickei kommod. Bade- «aeden «eratellb. 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Bekanntlich hat die Direktion der Verstchcrungsgesellschaft „Viktoria", um ihren schlecht besoldete.'T Angestellten über die Not der teuren Zeit hinwegzuhelfen, ihnen nstcht etwa Teuerungszulagen gewährt, sondern ihnen Kartoffeln zu 4..4b M. pro Zentner zum Kauf angeboten und dann, nachdem die Bestellungen nicht gerade zahlreich eingelaufen waren, den Bestellern das Kartoffelger, cht geschenkt. Später offerierte das wohltätige Herz der Direktion den Angestellten noch ein paar Pfund Kafs.ee und Zucker und neuerdings ein wenig Butter. Diese ,.Teuerungsx.'ulagen" in Gestalt kleiner Mengen von Viktualien nahm der Verscummlungsreferent, Genosse Kaliski. zum Ausgangspunkt seiner Erd.'-terungen. Mit treffender Ironie geißelte er die„großmütige" Gewährung von Liebesgaben anstatt einer Teuerungszulage. Die meisten Angestellten der„Viktoria" befänden sich in einer permanenten Botlage, die durch die gegenwärtige Teuerung noch verschärft worden sei. Wenn die Direktion durch Kartoffeln und Kaffee die Notlage zu heben glaube, so gehe sie wohl von der Ansicht aus, daß bei einem großen Teil der Angestellten das Gehalt nicht weiter reiche als zu einem ständigen Menu aus Kartoffeln und Kaffee bestehend. Ciin Hohn sei es, wenn der Konsumverein der„Viktoria" Genußmittel zur Beseitigung von Verdauungsträgheit zu herabgesetzten Preisen emp- fehle. Die Angestellten, denen man mit Kartoffeln und Kaffee und selbst etwas Butter eine Wohltat erweisen wolle, würden wohl nicht über Verdauungsträgheit zu klagen haben. Die Direktion der „Viktoria", die ihre riesigen Gewinne durch die breiten Masten des Volkes und die Arbeit ihrer Angestellten erhalte, sollte sich schämen, den Angestellten anstatt einer Teuerungszulage eine so dürftige „Wohltat" zu gewähren. 80 Proz. der„Viktoria"-Angestellten haben weniger als 2000 M. Jahresgehalt, 851 Angestellte beziehen je 1080 Mark Gehalt, während der Generaldirektor über ein Jahresetn- kommen von mehr als 700 000 M. verfügt. Die Direktoren und Auf- sichtsratsmitglieder beziehen so viel wie 2000 Angestellte. Es würde der Gesellschaft leicht sein, ohne ihren Gewinn zu schmälern, den Angestellten angemessene Teuerungszulagen zu gewähren, anstatt sie mit der unwürdigen Verteilung von Viktualien abzuspeisen.— In seinen weiteren Ausführungen zeigte der Referent, daß die Angestellten im Handelsgewerbe" Proletarier sind, genau so wie jeder Arbeiter, gleich diesen müssen auch die Handels- und Ver- sichcrungsangestellten die„Wohltaten" des Unternehmers mit Eni- rüstung von sich weisen und im Zusammenschluß mit ihren Berufs- genossen bessere Verhältnisse erkämpfen.— Durch lebhaften Beifall bewies die Versammlung ihr Einver- ständnis mit dem Referenten.— Der einzige Diskussionsredner, ein Dezernent bei der„Viktoria", bemühte sich, die Direktion zu verteidigen und die Verhältnisse bei der„Viktoria" als ein wahres Eldorado für die Angestellten zu schildern.— Das Auftreten und die Absichten dieses Herrn fanden eine ebenso kurze wie treffende Beurteilung durch den Zuruf eines Versammlungsteilnehmers:«Der kriegt einen Sack Kartoffeln extra." Die Haltung der Versammlung, die zum großen Teil«uS Angestellten der„Viktoria" bestand, ließ keinen Zweifel darüber, daß nicht der Dezernent, sondern der Referent Kaliski die Lage der Angestellten zutreffend geschildert und beurteilt hatte. «Mtteriinqsüderü-ti' vom 4. November 1911. rvenervrognote für Sonntag, den 5. November 1911. Etwa? wäriner, zeitweise aufklarend, aber vorherrschend wolkig mit Regcnsällen und starken südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Kavon eine neuartige Haushaltseife von fabelhafter Waschkraft. Besonders wird man überrascht sein über die absolute Schonung jedes Gewebes, sei es gewöhnliche Wäsche, sei es Wolle, Baumwolle oder Seide. Die Stoffe lausen nicht ein und behalten ihre Weiche und ihre nrsprüugliche Farbeuschönheit. Dabei ist die Kavon- Seise außerordentlich ausgiebig. Schon bei ganz leichtem Ausstreichen ist der Schaum da. Preis pro Stück 20 Pf.___ Ueberall erhältlich. 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Die Gemeindesteuern müssen bezahlt sein(doch hat auch der das Gemeindewahlrecht, dem bei einem Jahreseinkommen von 600 bis 900 M. die Steuer erlassen wird), und im letzten Jahre darf keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln an- genommen worden sein. Jeder Wahlberechtigte hat da zu wählen, wo er im Juli in die Wäherliste aufgenommen wurde. Wer inzwischen die Wohnung gewechselt hat, wählt noch in dem Bezirk seiner früheren Wohnung. Tie Wahlzeit reicht bei den Sonntagswahlen— das ist als neu zu beachten nicht mehr bis 8 Uhr abends, sondern nur noch bis 6 Uhr abends. Die Wahl dauert von morgens 10 Uhr bis 6 Uhr abends, doch sollte gerade heute am Sonntag kein Wähler den Gang zum Wahllokal bis auf die letzte Stunde verschieben. Die Freisinnigen rechnen darauf, daß in den Vormittagsstunden von 10— 12 Uhr, um die der Magistrat die Wahlzeit erweitert hat, besonders die selbständigen Geschäftsinhaber zur Wahl lonimcn werden. Wir erwarten von unseren Wählern, daß auch sie m ö g l i ch st schon am Vormittag zur Stelle sein und ihre Wahlpflicht erfüllen werden. Je zeitiger die Wähler zur Wahl gehen, desto leichter wird unseren in der Wahlagitation tätigen Genossen der aufreibende Schlepp- tz i e n st gemacht. Kein Wähler vergesse, eine Legitimation mitzunehmen, am besten die vom Magistrat übersandte Wählcrkarte, eventuell Steuerzettel, Mietskontrakt, Jnva- lidenkarte, Militörpapiere, falls einem Wähler die Wähler- karte nicht zugegangen ist. Die Stimmabgabe ist bei den Stadtverordnetenwahlen öffentlich. Dem Wahlvorsteher muß der Name des Kandidaten genannt werden, und zwar richtig und deutlich. Bei un- genauer Wiedergabe des Namens wird dem Kandidaten die betreffende Stimme nicht zugerechnet. Man präge sich daher 'den Namen seines Kandidaten vorher genau ein. Sorge jeder unserer Wähler dafür, daß den Kandidaten der Sozialdemokratie keine Stimme verloren gebt! In manchen Bezirken kann es auf eine einzige Stimme ankommen. Daß ein Wähler dritter Klasse keinen Freisinnsmann mehr, sondern nur Sozialdemokraten wählen kann, versteht sich von selber. Unter dem Drei- klassensystem des Gemeindewahlrechts wer- den Hunderttausende von Wählern der werktätigen Be- völkerung, die durch ihre Arbeit zum Wohle unserer Stadt beitragen, nach Maßgabe ihrer geringen Steuerleistung zur dritten Wählerklasse geworfen. Dem Freisinn werden durch diese Entrechtung des arbeitenden Volkes zwei Drittel aller Stadtverordnetenmandate gesichert, die die Wohlhabenden und Neichen der zweiten und ersten Klasse ver- geben. Da muß in der dritten Klasse jeder Wähler an seinem Teile dazu beitragen, daß wenigstens hier kein Freisinns- mann sich behauptet. Tie Kandidaten der Sozialdemokratie für die heute statlsindenden Stadtverordnetenwahlen sind folgende: Koiiniiunal- Wah!b-z>rk: 1. Robert Drescher, Kaufmann. Gartenstraße 53. 2. Johannes Snsseiibach, Geschästssührer. Engelufer 15. 8. Hugo Pöksch, Redakteur. Pasteiirstroße 55. 4. Hugo WolderSky, Bürge, deputierter. Briickenallee 3. 5. Julius Meyer, Nestanrateur, Oranienstraße 108. 10. Ludwig TolkSdorf, Stadtverordneter, Görlitzer Straße 58. 13. Dr. Jguaz Zodek, Stadtverordneter. TresdenerStraße 109. 14. Alexander Frölilich, Kaus, nann. Greifsivalder Straße 43a. 15. Wal deck Mannsse, Stadtverordneter. Friedenstraße 13. LI. Fritz Wilke, Stadtverordneter. Sebastiaiistraße 39. 23. Hugo Heiinnn», Stadtverordneter, Ulinenstraße 6. 24. Eugen Brückner, Arbeiter'ekretär. Rüdersdorier Str. 64. 25. Adolf Hoffinlinli Stadtverordneter. Blumenstraße 22. 28. Karl Koblenzer, Stadtverordneter. Stolpischcstraße 85. 35. Karl Mars, Stadtverordneter. Greifen Hagener Straße 34. 42. Dr, Leo Arons, Stadtverordneter, B, iickenallee� 3. 46. Augnst Hintie, Stadtverordneter. Pankstraße 57, Die Wahl findet heute, Sonntag, von!0 llbr vornitttags bis 6 Uhr nachmittags statt. Es ist also jedem Wahler Ge- legenheit gegeben, ohne materiellen Verlust an der Wahl teil- zunehmen. Parteigenossen! Sorgt dafür, daß am heutigen Sonntag die sozialdeinokratischen Kandidaten out großen Stimmenmehrheiten gewählt werden! Tie ZentralmahlbureauD befinden sich heute an folgenden Stellen: 1. komniunalwnhlbezirk bei G. Grubcrt. Elsasfer Str. 68. Telephon: III. 4049. 2. Koinmunalwahlbezirk bei � Mever. Oranicnstr. 103. Amt IV. 5652. 0 3. Kommnnalwahlbezirk bei OrlowSki. Lützowstr. 108, Amt VI, 16681. 4. Kommnnalwahlbezirk bei A Rickert. Steinmebstr. 36a, Amt VI, 6726. 5. Kommunalwahlbezirk bei E. Nozek. Jorckstraße 74, Amt VI. 6107. 10. Kommunalwahlbezirk bei E. Schulz, Forster Str. 17, Amt lV 4289. 15. Kommnnalwahlbezirk bei H. Gorn, Markusstr. 21, Amt VII 3156. 21. Kommnnalwahlbezirk bei K. Rott. Straßmannstr. 29, Amt VII 7940. 23. Koinmunalwahlbezirk bei Krause, Bötzowstr. 3, Amt VH 3245. 25. Kommunalwahlbezirk bei H. Spät, Georgenkirchstr. 65, Amt VII 1097. Die Zusammenstellung und Bekanntgabe der Wahlresultate für den 10., 15., 22., 23. und 25. Bezirk erfolgt bei Hoffmann, Königsberger Str. 28, Amt VII 6192. 13. und 14. Kommnnalwahlbezirk bei Otto Hermann, Sebastianstr. 1, Amt IV 11902. 24. Kommunalwahlbezirk bei W. Winzer, Christburger Straße 9, Amt VII 1269. 28. Kommuualwahlbczirk bei Grunze, Schönhauser Allee 156, Amt III 1139. 35. Kommnnalwahlbezirk bei Henkel. Stralsunder Str. 17, Amt III 8353. 42. Kommunalwahlbezirk bei Funke, Triftstr. 63, Amt Moabit 2495. 46. Kommunalwahlbezirk bei Melzer, Wiesenstr. 23, Amt Moabit 1238. Die Parteigenossen werden ersucht, sich heute frühzeitig in den Wahlbureaus einzufinden und sich zur Hilfeleistung zur Verfügung zu stellen. O Wahlhilfe. Dritter Wahlkreis. Heute von früh 8 Uhr an findet für den 13. und 14. Kommunalivohlbezirk noch eine Fluzblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich und pünkilich in den bekannten Lokalen einzufinden. Pflicht aucb derjenigen Genossen de? dritten Kreises, welche nicht dem 13. und 14. Kommunalwahlbezirke angehören, ist es. sich zur Wahlhilfe einzufinden. Dieselben mögen fich im Wahlbureau Sebastianstr. 1 melden. Vierter Wahlkreis. Für den 23. Kommunal ttMi h l- bezirk findet heute Sonntag früh von den bekannten Stellen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Verkündung der Wuijucfnltate. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntagabend findet in der ..Anhalter R e s i o u r c e". Möckernstr. 114, und bei Meyer, Oranienstraße 103, die Verlündung der Ergebnisse der Stadrverordnetenwahten statt. Dritter Wahlkreis. Heute Sonntag, abends 7 Uhr, findet in den„Nittersnlen", Nitterstr. 75, eine Verianimlung statt, in welcher die Resultate der Sladiverordneienwahlen bekanntgegeben werden. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. « Dir Wahlen für die zweite»nd erste Abteilung finden morgen Montag, den 6. und Dienstag, den 7. November, statt. Parteigenossen in diesen Abteilungen vereinigen ihre Stimmen auf den Genossen Hugo Hei mann. Ulmen- straße 6._ partei- Hngelcgcnbcitcn. Der Zahlabend der Taubstummen findet am Mittwoch, den 3. November, bei Haberland, Linien- straße 73, statt._ Erster Wahlkreis. Heute Sonntag in DräielS Festiälen, Neue Friedriwstr. 35: Herbstiest, unter Mitwirkung erster Kräfte. Außer- dem: Lerkündung der Wahlresuliute. Stegliy-Fricdenau. Am Montag, den 3. November, abends 8'/z Uhr beginnend findet bei Schellhaie. Ahornstr. 15a, der zweite Varlrag des Vorrragskuries des Genafien Eichhorn über .Theorien und Programme dervürgerlichenP a r- leren" statt. Teiliiebmerkarten a 50 Pf. für alle vier Vorträge find noch im Borlragslokale zu haben. Der Bildungsausiwuß. Friedenau. Heute Sonntag, mittags 12 Uhr. im.Rheinswloß", Rbeinilr. 60: Oeffeulticde Proteitversainnilung. Genosse Paul Richter spriÄi über:.Wird in der Friedenauer Gemeindevertrelung einseitige I n t e r e I s e n p o l i t i l gelriebe»?', während Ge- noiie Oskar Riedel, Stadtverordneter in Wilmersdorf, über:«Sozial- polilik der vornehmen ivestliwen Vororte" spricht. Die Versammlung muß pünktlich eröffnet werden, da uns das Lokal nur bis 2 Ildr zur Verfügung steht. Wir ersuchen die Geuofic» dringend, zur festgesetzte» Zeit zu erscheinen und für rege Beteiligung zu agitieren. Nieder-Scköneweide. Am DienSlag, den 7. d. MtS.. abends 8'/. Uijr: Oeffeinliche Eniwohnerverfanimlung im Lokal„Loreley", Berliner Straße 101. Tagesordnung: 1. Die Lebensmittelteuerung und die Aufgabe des Slaaies und der Gemeinde. Referent Stadt- verordneter D u p o n t- Berlin. 2. Freie D.skuision. Der Vorstand. Alt-Glienickc. Am Dienstag, den 7. November, abends 8'� Uhr, findet nn Lokale des H rrn Boh», Grünauer 5 iraße 55. eine öffentliche Verianimlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: 1. Die Wahlparole der Regierung. 2. Disluifion. Freie Ausiprache Tegel. Die Besichiignnfi der Neubauten der Koiisumgeiivisenschast Berlin und Umgegeud in Lichtenberg findet n i ch: am 5. November, sondern am Sonntag, den 19. November, statt. Nowawes. Mittwoch, den 8. November, abends 8'/z Uhr, im Parteitotai. Wilhelinfir. 41—43: Berfaminl.nig des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung: 1. Geschäfiliches; 2. Kommunales; 3. Verschiedenes. Der Vorstand. WilhelmSruh-Niederschönhausen-West. Die Mitgliederveriamm- lung am Drensiag iälll aus. dafür erwarte» wir starken Besuch am Mittwoch zum Zablabend in den Bezirkslokalen, da wichtige Partei» arbeit zu erledigen ist. Von DoinierSlag. den 9. d. M.. ab befindet sich die Biblioihek in der Wohnung der Genossin Frau Fieber. Lindenallee 10 II. D>? Bücherausgade sowie Umiauich erfolgt jeden Montag und DonnerSrag, abends von 7— 3>/z Uhr. Etwaige Be- schwcrden über unregelmäßige„Voiwärls"iiefcrlliig sind für die neue Seite Wilhelmsruh und Rosenthai an den Genoffen Gustavus, Lindenallee 30, und für die alte. Seite von Wilheluisruh und Nieder- schönhausen-West an den Genoffen Buchbach, Niederstr. 12, zu richten. Die Bezirksleitung. Berliner Naebnebten* Kartoffelkrieg. Der alte Spottvers:„Kartoffelsupp', Kartoffelsupp', schon wieder mal Kartoffelsupp'" bedeutet in Prole» tariers Haushalt den Anfang und das Ende vom Küchenzettel. Wer im Weberparadies oder in ausgesprochener Heimarbeitergegend, wo der Mensch von früher Jugend an zum Arbeitsvieh bestimmt ist, das �icht dieser herrlichen Welt erblickte, weiß nur zu genau, aus welche ewig gleichlautende Magenlitanei das„Tischlein, deck' dich" der Armut gestimmt ist. Es muß weit gekommen fein im Reiche der Volksanssaugung, wenn selbst die landläufigste, neben dem Roggen billigste Erdfrucht dem Proleten kaum mehr erschwinglich ist. Franz Drake, der Weltumsegler, der uns vor einem halben Jahrtausend das Kartoffelgeschenk aus /ernen Landen brachte, würde sich im Grabe umdrehen, könnte er sehen, welcher schandbare Wucher mit seiner Be- scherung unter Ausnutzung der Notstandskonjunktur getrieben wird. Heute kann sich in der Ernährungsweise das Prole- tariat der Großstadt mit den gewohnheitsmäßig Darbenden auf dem flachen Lande und in den kleinen Gebirgsorten brüderlich die Hand reichen. Ein Königreich für billige Kar- toffeln! Bei Kempinski macht es dem Weintrinker nichts ans, ob neben dem saftigen Braten drei oder bloß zwei Kar- toffeln liegen. Die Arbeiterfamilie merkt es besser, daß Mutter, die trotz aller Wucherei von oben keinen Pfennig mehr Wirtschaftsgeld verbrauchen darf, die Kartoffeln in den Kochtops förmlich zählt. Wie mar hier gegenwärtig lebt und einteilt, an allen Ecken und Enden spart und knapst, das sind häusliche Rechenkunststücke. Quetschkartoffeln, die Milch und Butter als Zutat haben wollen, um schmackhaft zu sein, werden mit blankem Wasser angerichtet. Die Kartoffelsuppen sind immer länger und dünner geworden, daß man fast auf den Tellerboden sehen kann. Mit Pellkartoffeln sucht man den letzten Atom Nährkraft zusammenzuhalten, wenn es über- Haupt noch dazu langt. Denn auch die Ernte in den Lauben- kalonien, wo man trotz des mageren Bodens in nicht ganz geringem Umfange Kartoffeln baut, war überaus dürftig, reichte bloß für Wochen. Steigt man jetzt um die Mittags- zeit zu den Proletenwohnungen empor, so zieht einem allent- halben ein eigenartig brenzlicher, rauchgesättigter Duft in die Nase: Kartoffelpuffer! Sonst nur eine kulinarisch« Aufmerk- samkeit der Hausfrau, ist er heute in Tausenden von Haus- Haltungen, selbst mittleren Gepräges, an der Tagesordnung. Und wie manch einer wäre froh, wenn er sich diesen Genutz acht Tage hintereinander leisten tonnte. Hier hat man Kar- toffeln und das Fett fehlt, dort ist es umgekehrt. So kocht man die Kartoffeln in der Schale und stippt sie in Salz oder wirft damit nach dem„Familienhering, der an der Dejj baumelt". Ja, Bauer, das ist doch noch etwas anderes deine geheuchelte„Not", die der Staat aus der großen KriMe füttert!... Draußen vor dem Tor steht eine Holzbude. Hinter den schmutzigen Fensterscheiben hantiert ein Mann in der weißen Jacke des Kochkünstlers. Mit großer Geschick- lichkeit wirft er über dem Gasofen ein von weitem undefinier- bares Etwas in die Luft... Kartoffelpuffer! Hier wird auf offener Straße fürs Volk gebacken. Sonst war eS knüppel- dick voll in der Bude. Man atz das runde, knusperige Ding so nebenbei, mehr zum„Luxus", als aus Bedürfnis. Nun ist es oft gähnend leer. Man hat den erforderlichen Sechser oder Groschen nicht mehr übrig. Und die Puffer sind ver» tenfelt klein geworden, nur noch groß wie Ochsenaugen. Ein Elend ist es, ein Jammer, von dem die agrarische Horde nichts wissen will. Nur eins hält die Geister des Volkes hoch: die Hoffnung, daß die Not des Proletariats gar� bald den Wucherern mit der Volksgesundheit steinhart im Magen liegen soll. Und die dann die„größten Kartoffeln" haben, werden sicher mal nicht die Dümmsten sein. Verkappte Wohltätigkeit. Seit einer Reihe von Jahren be- steht in Berlin ein Verein„Grünes Kreuz", der in der Zions- kirchstraße 50 eine Speisewirlschaft unterhält. Er steht in enger Verbindung mit der Zionskirchengcmeinde sowie mit anderen kirch- lichen Kreisen und zieht auf diese Weise gewiffe Elemente, die billig speisen wollen und müffcn, in seine Restaurationswirtschaft hinein. Gelegentlich werden unter kirchlicher Flagge auch Wohl- tätigkeits-Festeffen mit 10 Mark-Menus und andere Anreißereien veranstaltet. Man könnte und soll wohl glauben, daß die Ueber- schütze dieser Veranstaltungen dazu dienen, den Betrieb der Speise- Wirtschaft zugunsten der Konsumeirten möglichst billig zu gestalten. Wie uns von einer Seite, die über alle derartigen Institutionen gewöhnlich sich sehr genau unterrichtet zeigt, mitgeteilt wird, ist aber die Speisewirtschaft„Zum grünen Kreuz" an einen Unter- nehmer verpachtet, der also nicht bloß die Pachtsumme heraus- holen, sondern auch noch verdienen will. Demnach kann von einer Wobltätigkeitsanstalt, als welche die Vereinsleitung den Wirt- sehaftsbetneb geflissentlich hinstellt, absolut keine Rede sein. Wer hier ißt. muß vielleicht noch mehr Geld als anderwärts bezahlen. Einen schrecklichen Tod fand gestern der 55 Jahre alte Kutscher Wilhelm Michaelis aus der Weserstraße 2 zu Lichtenberg aus dem Hofe der Berliner Elektrizitätswerke am Südufer 10/13. Michaelis, der bei dem Fuhrherrn Kothe zu Alt-Ttraiau 56 beschäftigt war, hatte für diesen von den Elektrizitätswerken Schlacken abgefahren. Freitagabend kurz vor 6 Uhr fanden ihn Arbeiter der Werke bei seinem Fuhrwerk mit einer schweren Kopf- Verletzung tot auf dem Hofe liegen. Nach dem Ergebnis der Er- Mittelungen ist anzunehmen, daß der Unglückliche bei der Einfahrt unter dem Schlackenbunter mit dem Kopse so heftig an die Klappe des Bunkers anstieß, daß er die Besinnung verlor. Die jetzt führerlos gewordenen Pferde gingen weiter und erst etwa hundert Schritt von dem Bunker entfernt fiel der Kutscher tot vom Wagen herab. Die Leiche wurde von der Revierpolizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebrocht. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau mit noch zwei schulpflichtigen Kindern. Durch einen Sprung aus dem Fenster haben Freitagnachmittag zwei Personen den Tod gesucht und gefunden. In der Französi- scheu Straße 48 hatte ein 17jährigcs aus Königsberg i. Pr. ge- bärtiges Mädchen namens Erna Hamechcr, die sich bei einen, Ver- wandten aufhielt, einen Streit mit ihrer Mutter, die zum Besuch aus der Provinz gekommen war. Die Veranlatzung dazu gab ein LiebeSveiHälinis, mit item die Mutier nicht etuLerstauden war. DaS junge Mädchen geriet in eine solche Erregung, daß es Plötz- lich auS dem Fenster des dritten Stocks ans den Hof hinab sprang. Es brach sich das Genick und verschied aus der Stelle.— Ter 22 Jahre alte Schneider Vinzcnt Kwasniewski ans der Trift- strasze llö war seit längerer Zeit arbeitslos und geriet darüber in Verzweiflung. Freitagnachmiltag hielt er sich mehrere Stunden in dem Hause Müllcrsiratze 164 auf, wo er nicht bekannt war. Die Hausbewohner konnten sich nicht erklären, was der unruhige Mann dort vor hacke, kümmerten sich aber auch lvcitcr nicht um ihn, weil cr niemanden belästigte. Plötzlich riß er im vierten Stock des Seitenflügels das Flurfenster auf, sprang auf den Hof hinab und blieb regungslos liegen. Ein Arzt, der zu Hilfe gerufen wurde, konnte nur»och seinen Tod feststellen. Straßciibahncrfrendcn. Der Beruf des Strahenbahners ist kein beneidenswerter: ständig ist der Führer der Strahenbahn schweren Gefahren ausgesetzt. DaS mutzte dieser Tage ein Fahrer L. erfahren Der Fahrer fuhr am Dienstag, den 3l. Oktober er., einen Wagen der Linie Nr. 5ü und halte das Unglück, einen Professor, der schwerhörig war, umznstotzen. Der an Ort und Stelle anwesende Polizeibeamte erklärte selbst, datz der Fahrer unschuldig sei. Der Fahrer wurde protokollarisch ver- nominen und kurzerhand de», Untersuchungsrichter vorgeführt. Der- selbe war jedoch nicht mehr zugegen und der Stratzeubahner hatte das zweifelhafte Vergnügen, auf Anordnung des Polizeikon, nnsiarS eine Nacht in Untersuchung zu verbleiben. Als an, nächsten Tage der Untersuchungsrichter zum Dienst kani, erklärte er sofort, datz der Stratzeubahner entlassen werden müsse, weil derselbe auf Grund seines Arbeitsverhältnisses usw. nicht in Haft behalten werden könnte. Der Fahrer L. übt nach wie vor Dienst weiter aus. Berliner Asylvcrein für Obdachlose. Im Monat Oktober nächtigten im Männerasyl IS 246 Personen, ivovon 73S4 badeten; im Frauenasyl 3895 Personen, wovon 1408 badeten. Arbeits- Nachweis wird erbeten für Männer: Wiescnstr. SS/S9, für Frauen: Kolberger Straße 30. Eine größere Störung in« Betriebe der Straßenbahn fand gestern morgen am Hackeschen Markt statt. Sie war durch die Entgleisung eines Motorwagens hervorgerufen. Vor dem Hause Rosenthaler Stratze 41 hatte sich ein Fremdkörper in den Rillen der Schienen festgesetzt, wodurch ein Motorwagen entgleiste. Da ein Stück der Führungsschiene ausgebrochen war, war eine Aus- wechselung der Gleise an jener Stelle notwendig. Während der Dauer der Arbeiten, vom Bctriebsbcginn bis 8 Uhr 30 Minuten vormittags wurden sämtliche Wagen in der Richtung nach Bahn- bof Börse über den Alexanderplatz. Hackeschen Markt sowie Oranienburger Straße abgelenkt.— Eine zweite Betriebsstörung ereignete sich in der letzten Nacht im Osten der Stadt. Infolge Kurzschluß, verursacht durch Bauarbeiten der OberleitungS- Bauabtcilung, schlug in der Zentrale Rathausstraße der Automat vom Speisepunkt 81 heraus. DaS Störungsgebiet erstreckte sich auf Kleine Frankfurter, Landsberger Straße und Alexandcrplatz. Die Störung konnte in kurzer Zeit beseitigt werden. AlS Leiche wiedergefunden wurde gestern vormittag'ein junger Mann namens Noppe, dessen rätselhaftes Verschivinden wir vor kurzem meldeten. Der 19jährigc Hans Noppe aus der Gürlitzer Straße 67 war in der Nacht zum 18. Oktober mit Freunden zusammen. N. hatte noch einen Freund nach Hause geleitet, seitdem fehlte jede Spur von ihm. Niemand konnte sich erklären, wo er geblieben sein mutzte, weil er stets ein ordentlicher junger Mensch gewesen war. In den letzten Tagen meldeten sich nun. während Eltern und Polizei immer noch vergeblich nach dem Vermißten suchten, einige Zeugen, die ver- dächtige Wahrnehmungen mit seinen, Verschwinden in Zusammenhang bringen. Sie bekundeten, datz sie in der Nacht zum 18. Oktober a» der Lohmühlenbrücke Hilferufe gehört hätten. Sie kümmerten sich aber um die Vorgänge dort nicht weiter und gingen den Rufen nicht„ach, weil sie fürchteten, datz Uebeltätcr sie in eine Falle locken wollten. Gestern, Sonnabend, vormittag nun fand man den vermißten Noppe an der Lohmüblenbrücke im Kanal tot wieder. Die Leiche stand unter dein Wasserspiegel, in der Nähe der Böschung, aufrecht mit den Beinen im Schlamm. Sie wurde geborgen und zur genaueren Untersuchmig nach dem Schauhause ge» bracht. Am Kopfe zeigte sich an der Schläfe über dem Auge eine schwere Verletzung, deren Art noch festgestellt werde» mutz. ES ist möglich, daß sie von einem Bootshaken herrührt, sie kann aber auch anderer Art sein. Ob nim die Hilferufe von dem jungen Manne ausgegangen sind und waS mit ihm vorgegangen ist, bedarf noch der weiteren Anfklärung. Bon einer herabfallenden Bogenlampe schwer verletzt wurde Freitagabend kurz vor 6 Uhr der Sjährige Sohn Albert des Kauf. manncs Katz aus der Alten Schönhauser Straße SS. Der Knabe hatte seine Tante in der Landsberger Straße besucht. Als er auf dein Heimwege an der Ecke der Dragoner- und Münzstraße vorbei- kam, fiel plötzlich eine Bogenlampe, die dort vor einer Gastwirt- schaft brannte, aus einer Höhe von 3 Meter herab und ihn, auf den Kopf. Die Glocke ging in Stücke und die Scherben verletzten den Kleinen au, Kopf und am Gesicht so schwer, daß er stark blutend zusammenbrach. Aus Furcht, daß»och weiteres Unheil entstehen töiinte, stob alles auseinander. Zwei Schutzmänner vom 15. Re- vier brachten den Verunglückten nach der Rettungswache in der Kcibelstraße und von dort auf Wunsch der Eltern nach der Woh- „ung, wo er schiver daniederliegt. Das Unglück entstand dadurch, daß der Draht, der die Lampe trug und über eine Rolle lief, plötz- lich riß. Ob cr von vornherein zu schwach oder nachträglich schad- yi.sl geworden lvar. bedarf noch der Untersuchung. Der Kindesfund im Kaninchenloch. Wir berickiteten vor einigen zragen. datz ein kleiner Knabe in einem Kaninchenloch bei Tegel völlig«rs-böpft und fast verhungert ausgefunden wurde. Wie jetzt von der Wittenauer Kriminalpolizei festgeitellt wurde, bandelt es sich um den zweijährigen Knaben Ollo Schütze. Seine Mntter. eine Ar. beiterin. halte ihn elwa 1'/« Jabre bei sich. Als ,hr dann die Last zu groß wurde, verständigte sie sich mit dem Vater, einem Arbeiter B.. der das Kind nun seiner Müller, die in Magdeburg wohnt, in Pflege gab. Jetzt ist aber auch die Großmutter der Pflege über- drüssig geworden, und ihr Sohn nahm das Kind wieder zu sich. Es wird angenommen, datz die Eltern sich des ihnen lästig fallenden Kindes entledigen wollten. Gesten, mittag wurde die Mutter in Berlin verhaftet und nach Wittenau gebracht. Die Polizei ist der Meinung, datz beide Eltern im Einverständnis gehandelt haben. Auf den Bater wird zurzeit noch gefahndet. Arbeiter-BildnngSschule Berlin. Wir erinnern daran, daß die beiden Kurse des Genossen G r u n w a l d heute Sonntag wegen der Stadtverordnetenwahlen ausfallen und erst am nächsten Sonntag fortgesetzt werden. Die Hundeausstellung im Zoo, � die vom Verein.Heklor' veranstaltet wurde, begann am Sonnabend unter zahlreichem Besuch und wird am Sonntag sicher noch weit größere Massen von Hundefrcnnden anlocken. Unter den zirka 1400 ausgestellten Exemplaren befinden sich zahlreiche Vertreter edler Rassen. Außer Jagdhunden und Teckeln sind am zahlreichsten die sogenannten Polizeihunde, Airdales. Dober- mann-Pinscher und deutsche Schäferhund« durch prächtige Exemplare vertreten. Von den alten Rassen präsentieren sich besonders gut die eleganten Deutschen Doggen und die kolossalen Bernhardiner mit ihren imponierenden Schädeln, wogegen die doch so edlen Reufund- ttinder nur spärlich und weniger gut vertreten sind. Dagegen sind Wieder die schneidigen Boxer und die grotesk abenteuerlichen Bulldogs sehr beliebt. Der Wechsel der Mode mit seinen Launen und Vizarrereie»»nacht sich eben auch im Hnndesport bemerkbar. Auch zu sozialen Betrachtungen regt die Ausstellung an. Gewiß sind Hundeliebhaberci und Hundezucht au sich durchaus berechtigte Dinge. Aber wenn»tan bedenkt, welches Kapital die ausgestellten Tiere verkörpern, welche Riesensummen für den Hnndesport geopfert werden nnd tvelche erlesene Pflege diesen vierbeinigen Gesährtcii>des Menschen zuteil wird, sollte«nan eS kann, glauben, datz cS noch eine so»ilgeheure Siiinme sozialen Elends gibt, datz es vielen Millionen von Menschenkindern viel schlechter geht als diesen sorgsam gehegten und vielfach verhätschelten Tieren I Gewiß ist die Liebe zu den Tieren ein schöner Zug und nichts unsympathischer, als daS verächtliche Herabschanen auf das»unver- nünftige Vieh* oder gar kaltherzige Roheit— allein mit brennender Scham sollte eS jeden denkenden und fühlenden Menschen erfüllen, datz in unserer kapitalistischen Gesellschaft der Mitmensch dem Menschenbruder häusig weniger gilt als daS liebe Vieh I Und als schauriger Aberwitz berührt es vollends, wenn dieselben Bourgeois- lreise, die sich für Tierschutz ereifern und über Tierquälerei empören die a b s ch e u l i ch st e Bestialität, das gegenseitige Abschlachten und Sichzerflcischen der Menschen im Kriege für einen unantastbaren Bestandteil der„göttlichen* Weltordnung erklären I Arbcitcr-Sauiaritcr-Koloniie Groß- Berlin. In dieser Woche finden Lehrabendc statt: 2. Abteilung, Brunnenstr. 154, am Montag, den 6.: Schöneberg. Vorbergstr. 9, am Donnerstag, den 9. Die Vorträge über Knochciibrücite, Verrenkmigen und Verstauchungen be- ginnen pünktlich abends 9 Uhr und sind Gäste hierzu willkommen. Vorort- l�acdricbten« Nixdorf. Rixdorfs Eintvohilerzahl hat die Biertelmillio» überschritten. Von der riesenhasten EntWickelung RixdorfS erhält man erst einen Begriff, wenn man bedenkt, datz an der Jahrhundertwende noch nicht mehr als 90 423 Einwohner gezählt wurden, bei der Volks« zählnng von 1905 waren es dagegen schon 153 513 und bei der letzten Volkszählung von 1910: 237 239 Personen. Infolge der Bevölkerungszunahme beim diesjährigen Michaelisumznge belief sich nun nach den Ermittelungen des Statistischen Amts die Einwohner zahl RixdorfS auf 251 386. Die Bevölkerungszunahme machte im Oktober d. I. allein 4040 aus. Der Vorsprung, den der größte Berliner Vorort Charlottenburg hinsichtlich der Bevölkerungs zahl vor Rixdorf aufzuweisen hat, wird von Jahr zu Jahr geringer: es erscheint daher eine numerische Ueberflügelung Charlottenburgs durch Rixdorf in absehbarer Zeit nicht ausgeschlossen. Bei der Volkszählung von 1900 betrug die Differenz zwischen den Bevölke- rungszahlen der beiden Städte 93 833, bei den folgenden Zählungen von 1905 und 1910 dagegen nur noch 86 0-16 bezw. 68 689. Die drittgrößte Vorortgemeinde, Schöneberg, die von Rixdorf im Oktober 1904 überholt wurde, blieb bei der letzten Volkszählung mit 172 823 Einwohnern hinter Rixdorf um nicht weniger als 64 466 Personen zurück. Rixdorf verdankt sein rasches Wachstum zum großen Teil der Arbeitcrbevölkerung, die itainciitlich aus dem Südosten und den an- grenzenden Teilen Berlins übersiedelt. Der Magistrat beschloß in seiner letzten Sitzung im Rechnung?» jähre 1912 37 neue Reltoren«, Lehrer- und Lehrerinnenstellen an den Gemeindeschtile» einzurichten und in den Voranschlag iür 1912 ein- zustellen und zwar: Zum 1. April 1912: 10 Lehrerstellen. 3 wissenschaftliche Lehrcrimicnstellcn und 1 technische Lehrerinnenstclle, zum 1. Oktober 19l2: 3 Rektorenstellen. 13 Lehrerstellen, 4 wiffenschaft- liche Lehrerinnenstellen und 3 technische Lehrerinnenstellen. Wilmcrsdorf-Halcufee. Wilmersdorf«:„BolkSunterhaltung". Wie an anderen Orten, so werden auch in Wilmersdorf seit einer Reihe von Jahren im Winter V olkSunterhaltnngSabende veranstaltet, zu denen das städtische Bismarck-Gymnasium seine Räume hergibt. Damit, datz eine kommunale Anstalt für den löblichen Zweck zur Verfügung gestellt wird, hört in diesem Falle die Aehnlichkeit mit den Nachbarorten aber aus. Denn während anderswo die Bolls- nnterhaltungSabende wesentlich für die minderbemittelte Bevöllerung berechnet sind, erfährt in Wilmersdorf die Arbeiterschaft nie etwas von diesen Veranstaltungen. Es scheint, als ob der Vertrieb der Karlen wesentlich n», an höhere Schüler und Schülerinnen oder deren Eltern erfolgt; wenigstens erinnern nur ,ms von früheren Besuchen her, datz das Publtknm ganz die Merkmale vorstädtischer Anfgeblaienheit aufwies. Neuerdings mutz nun das„Volk* dieser UnterhaltungSabende be- sonders sorgfältig gesiebt worden sein, denn daS konservative Lokal- blatt in Wilmersdorf klagt sehr beweglich darüber, daß im Publikum statt des Vortragenden einfältige Witze über diesen zu hören waren und datz mitten hinein in ein pathetisches EpoS ein besonders kunstverständiger Primaner von Zeit zu Zeit die von kichernden Backfischlein gebührend belachten Worte .Kapitaler Witz* näselte. Schließlich mutzte nach dem Bericht der genannten Zeitung der Rezitator sich selbst unterbrechen und energisch um Ruhe bitten, da er sich sonst unmöglich konzentrieren könne. Es tut uns ja leid um den Künstler: aber wir müssen gestehen, datz den Veranstaltern der Wilmersdorfer Kunstabende schon recht geschieht. Verschmähen sie ein Arbeiter- Publikum und find sie auf den Besuch aufgeblasener dummer Jungen versessen, so müssen sie sich eben die pöbel» haften Manieren solcher Bengel gefallen lassen. Bielleichl aber nehmen sich die Direktoren der höheren Schulen pflichtgemäß solcher Bengel? an und senden sie, damit sie ein o r d e n t l» ch e S B e- tragen lernen, einmal in eine? der von den Berliner Arbeiter- organisationen veranstalteten großen Künstlerlonzerte. Trockcnschwimmunterricht. In Wilmersdorf hat die Stadt- verordnetenversammlung im Juni dieses Jahres die Mittel zur Ein- führung des„TrockenschwimmunteriichtS* in drei Gemeinde- schulen bewilligt. Der Erfolg dieies Unterrichts ist durchaus be- friedigend gewesen. Nach dem amtlichen Bericht, der dieser Tage den Stadlverordneten zugegangen ist, haben 173 Knaben und 86 Mädchen an den Schwminxkursen teilgenommen. Davon haben das Schwimmen einwandsfrei erlernt 131 Knaben und 65 Mädchen, während 34 Knaben und 18 Mädchen zlvar daS Schwimmen erlernt, aber nicht sich freigeschwommen haben und 8 Knaben, sowie drei Mädckcn das Schwimmen nicht erlernt haben. Besonder» beachtcnS- wert ist, datz der Erfolg deö neuen Unterricht» bei den Mädchen genau so groß war wie bei den Knaben. Steglitz. Kirchturmspolitik in des Wortes verwegenster Bedeutung trieb die Gemeindevertretung am Freitagabend fast zwei Stunden lang. Veranlassung dazu gab ein Antrag des Gemeinde- Vorstandes auf Bewilligung von 10 000 M. für eine Turmuhr mit Glockenspiel in der neuen evangelischen Kirche am Markusplatz. Ter Referent führte aus, datz die Baukosten den Bor- anschlag bis jetzt schon um 100 000 M. überschritten hätten und des- halb die Mittel der Kirchengen, cinde für die Jnnenausschmückung nicht ausreichen. Der Kirchenvorstand habe sich deshalb sowohl an wohlhabende Kirchcnmitglieder, wie auch an den Gemeindevorstand mit der Bitte um irgendwelche Stiftungen gewandt. Von der Stiftung eine» Kirche nfensters babe man im Gemeindevorstand des« bald abgesehen, weil die Gelder der Gemeinde auch von Nichtevange- lischen aufgebracht würden. Tic Stiftung einer Turmuhr beseitig: diese Bedenken, denn die konnne allen Bürgern ohne Unterschied des Glaubens zugute. Ter altmodische Einfall eines Glockenspiels wurde mit dem eigenartigen„Zauber" dieser Musik begründet. Daß der referierende Schöffe mit Hilfe dieses Glockenspiels einen stillen Winkel in unserem Orte zu schaffen gedenkt, muß der Kuriosität halber auch erwähnt werden. Grundsätzlich abgelehnt wurde der ganze Antrag nur von unseren Genossen und Herrn Gädtke, während die meisten bürgerlichen Vertreter nur das Glockenspiel bekämpsten, aber die Uhr bewilligen wollten, was nach langer Debatte, in der u. a. der ganze Bau als der Gipfel der Gc- schmacklosigkcit bezeichnet wurde, auch geschah. Mit allen gegen drei Stimmen wurden 5000 M. bewilligt für eine Uhr— ohne Glockenspiel. Ob dieses künstlerische Marterwerkzeug nun weiter in Lübeck ein verborgenes Dasein sü.8ren oder ob es die Kirchen- gemeinde doch noch" im Ausverkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen erwerben wird, steht dahin. Sicher würde d'e Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, die Genosse Aßmann anführte, datz die Anwohner des Markusplatzes eines Tages den Amtsvorsteher auf- fordern würden, gegen den groben Unfug der allstündlichen Bimmc- lci polizeilich einzuschreiten.— Nach der Kirchiurmsdebatte kam eine ebenso hitzige Wahlrechtsdebatte. Wie das Mädchen aus der Fremde kommt alljährlich der Antrag wieder auf B e s e i- tigungder Wahlrcchtsverschlechtcrung, die im Jahre 1901 die Hausbesitzermehrheit beschlossen hat. Unser liebes Steglitz hat nämlich den traurigen Ruhm(den ihm nur Rixdorf streitig zu machen suchte), in ganz Preußen der einzige Ort zu sein, der bei der Dreiteilung der Steucrsumme zwecks Bildung der Wählerklaffci, den anderthalbfachen statt des einfachen Steuerdurchschnittes zu- gründe legt. Diesmal war Herr Winkler vom Kominunalverein der Antragsteller und Begründer. Den Hausbesitzern, denen das be- sichende Wahlunrecht die unbeschränkte Macht in der Gemeinde sichert, konnten die Gründe des Antragstellers natürlich nicht impo- nierem Selbst der ziffernmäßige Nachweis, daß es nach Annahme des Antrages den vereinigten Bürgerlichen ein leichtes sei, die ver- haßten Sozialdemokraten aus dem Gemeindeparlament zu ent- fernen, verfing nicht. Welch edle Seelen doch die Wahlrcchtkvcr- besserer sind. Im Grunde genommen bezwecken sie mit der Per- besserung genau dasselbe wie jene mit der Verschlechterung: Fern- Haltung der Sozialdemokraten. Und darum' fast allein drehte sich die Debatte, bei der man unwillkürlich an Heinrich Heines Disput zwischen Rabbi und Mönch denken mußte. Unseren Genossen ver- schaffte die ganze Komödie, in deren Verlauf sich die Bürgerlichen ron rechts und links mit persönlichen Jnjektiven traktierten, einige Biertelstunden ungetrübten Vergnügens. Genosse Atzmann be- schränkte sich darauf, in kurzen Worten den Herren von rechts und links das Vergebliche ihres Bemühens, daS nur der Furcbt vor der Sozialdemokratie entspringe, vor Augen zu führen. Jeder Tag bringe neue Beweise des unaufhaltsamen Vordringens des Sozia- lisinus. Auch die Herren, die heute abend das Fell des Löwen Sozialismus schon verteilt hätten, würden hinweggefegt werden. denn„den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf", damit schloß er seine Ausführungen. Der Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 14 gegen 10 Stimmen, bei Stimm- enthaltung der beiden besoldeten Schossen, abgelehnt. Der Bürger- meister und die übrigen Vorstandsmitglieder stimmten geschlossen mit der Hausbesitzerfraktion, der auch die Repräsentanten de» Mittelstandes Bank, Jachmann, Jürgens, Köhler, Klein, Lehmann und Tornau angehören. Daß diese Herren„Meister* gegen ihre eigenen Klassengenossen votierten, die infolge des Wahlunrechis aus der ersten in die zweite oder auS der zweiten in die dritte Abtei- lung abgeschoben werden, scheint ihnen nicht zum Bewußtsein ge- kommen zu sein, sie folgten wohl nur den Weisungen ihrer Führer Steinthal und Barsikow.— Ter Antrag auf Erlaß eines Orts- statuts über Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen Verkaufs stellen wurde zurückgezogen, weil noch eine längere Eingabe der Handlungsgehilfen eingegangen sei, die noch geprüft werden solle. Der Einrichtung eines eigenen Ver- sicher ungsamtes auf Grund der ReichSversichernngSordnung für die Gemeinde Steglitz wurde zugestimmt und die entstehenden Kosten bewilligt. Groft-Lichrcrfelde. Tie Gemeindeverwaltung und die Teuerung. Es ist bereits eine geraume Zeit her, daß die Gemeindevertretung an den Gc- mcindevorstand ein Interpellation richtete, was er gegenüber dem infolge der Teuerung eingetretenen und sich noch weiter verschärfenden Notstand zu wn gedenke. Das Resultat jener Interpellation war die Erklärung des GemeindevorstandeS, daß er baldigst den Verkauf von Seefischen und Kartoffeln durch die Gemeinde„in Er- wägung ziehen werde.* Inzwischen hat ein großer Teil der um- liegenden Gemeinden diese Frage in praktischer W-.'ise zu lösen be- gönnen; in Groß-Lichterfeld« ,st noch keine«pur bezüglich der Linderung der Teuerungsnot durch die Gemeinde zu verzeichnen. Da ging es doch mit der Gründung einer Eisfabrik, die den Zweck hat, bestimmte Bedürfnisse der besitzenden Klasse zu befriedigen, in ganz anderein Tempo. Ehe man nur eine Ahnung von einer solchen Gründung hatte, war sie auch schon beschlossen. Bei der Beratung der Notstmids-Jnterpellation merkte man es ja einem Teil des GemeindevorstandeS an, daß er mit nicht zu ver- kennendem Mißbehagen dieser ganzen Aktion gegenüberstand, zumal ja schon genügend und in wohlwollendster Weise vom Gemeinecvoc- stand für die Armen gesorgt war, indem man für sie 5 0 Zentner Kartoffeln von— Privaten entgegennahm. Hätten nickt die um Bethmann Hollmeg. um die Empörung der breiten auSgepowcr- ten Massen über die Tatenlosigkeit der Regierung etwas zu dämpfen die Gemeinden aufgefordert, ihrerseits etwas zur Milderung der Teuerungsnot zu tun— in Groß-Lichterfclde wäre es keine», bürgerlichen Gemeindevertretcr eingefallen aus eigener Initiative zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wir brauck�n nur an die bekannten Worte eines solchen in, Ostbezirk gewählten Gemeinde- verordneten zu erinnern:.Groß-Lichterfelde ist kein O r» k ü r s oz ia l e E x p e r-i in e nt e.* Dieser Auffassung scheint stch nun auch der ganze Gemeindevorstand angeschlossen z» babe» «wchtem von einer Versorgung der minderbemittelten und arme'! Schichten der Ortsbevölkerung mit billigen Lebensmitteln iveder etwas zu hören noch zu sehen ist- Es zeigt sich ig diesem Falle wieder zur Evidenz, welche nachteilige Folgen des Fchlen einer sozialdemokratischen Vertretung auf dem Rathause iür die ar- beitende Klasse mit sich bringt. Inzwischen habe» auch— und wie die Tatsachen beweisen mit Erfolg— die j», Verein der Handels- und Gewerbetreibenden organisierten Mittelständler gcgcn�dcn bc> abiichtigten Verkauf von Lebensmitteln z» annehmbaren Preisen durch die Gemeinde Sturm gelaufen, obwohl gerade der größte Teil der kleinen Gewerbetreibenden durch die Teuerung nickt nur selbst in demselben Maße leidet wie der Arbeiter, sondern autzerdem noch infolge der durch die hohen Lebensmittelpreis« bedeutend vermin- derten Kaufkraft der Arbeiterbevölkerung erheblichen Berdienstent- gang zu verzeichnen hat. Jedenfalls richten wir an den Gemeinde- vorstand in Grotz-Lickterfelde von dieser Stelle aus die Anfrage. wann er endlich die notwendigen Schritte zur Milderung der Notlage infolge der allgemeinen Teuerung zu nnternehmen gedenkt?— Der Ver- band kommunalpalitischer Vereine, der seine Spitze in der Haupt- fache gegen die Sozialdemokrat,« richtet und besonders bei den Gemcindewahlcn durch den Zusammenschluß aller bürgerlichen Par- teien das Eindringen der Sozialdemokratie ins Gemeindeparlament mit Aufbietung aller Kräfte zu vethtnbern sucht, hat einen kleinen Riß bekommen. Der Grllndbentzervere.n des Westen» ist«rus dem Verband ausgesck.eden. D,e Mitglieder dieses Vereins bestehen meistens aus wohlsituiertcn Villcnbesitzern, c8 � ,ut Aufgabe gemacht haben, in �ickterfelde recht angenehm und komfortabel zu wobnen und die der Gemeinde hierdurch entstehende» Lasten mög- liebst auf die anderen abzuwälzen. Für die Arbeiterklasse ist dieser häusliche«trett der Gegner natürlich an sich gleichgültig; sie darf bei der lommenden Gemeindewahl im Frühjahr wie bisher nur ihrer eigenen Kraft vertrauen; bei zäher Ausdauer und emsiger Agitation wird diesmal der Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten mcht mehr zu vereiteln sein. Schönederg. Den Bericht der Gewerbegerichtsbeifitzer für daZ Jaljr 1910 er- stattete in der letzten Sitzung der Gcwerkschaftskommission Genosse Werdin. Wie aus demselben hervorgeht, wurden im Berichtsjahre 1910 614(1909 510) Klagen anhängig gemacht, aus dem Vorjahre unerledigt geblieben 31(33), so datz insgesamt 678 s573) Streit- jachen zu behandeln wareir Bor Abhaltung des ersten Termins wurden zurückgenommen 7(10). Erledigt wurden 635 (529) Klagen und auf das neue Jahr übernommen 36 l31>. Von den im Jahre 1910 anhängig gemachten Klagen entfielen auf das Baugewerbe 208(182). Aus die übrigen Gewerbe einfielen zusammen 393(327) Klagem Von Arbeitnehmern gegen Arbeitgeber wurden 632(530), von Ar- Mltgeberii gegen Arbeitnehmer 5(6), von Arbeitnehmern unter- cfMider 7(4) Klage» angestrengt. Die geringste Klageinmme bclief stM aus 0,87(! ,00) M<, die hückuie auf 923,45(800) M. Terminstage (o&den abgehalten: vor dem Voisitzenden allein 48(45), vor dein ~luchgericht 16(15). Die Zahl der an den Gerichts- m zur Verhandlung kommenden Streitsachen betrug vor f Vorsitzenden allein 722(566), vor dem Spruchgericht 198(197), * Aus schuh wurde beantragt, die Verteilung der Beisitzer so zu fen. wie es bisher der fjall war. Da von den Gemeinde- itern Klagen nicht eingereicht ivaren, regte Genosse Korn die ieilung des Mandats des Eenieindearbeiterverbandes an. Da Tiemeindearbeiter jedoch Widerspruch erhoben, wurde die Ab- lumg zur nächsten Sitzung vertagt, zu welcher die Organiiations- und der Ausschuh der Berliner GerwerkschaftSkommission ge- werden sollen. Nach Erledigung einiger weiterer Angelegen- wurde die Sitzung geschlossen. eugen gesucht. Der Kutscher Adalbert Schulz, Berlin, Kirch- r. 5, wurde in der Nacht vom 14. zum 15. Oktober d. I. gegen 1 Wjr auf dem Ringbahnhof Schöneberg überfahren und muhte r verletzt nach dem Krantcnhause Schönebeog gebracht werden, bst er am nächsten Morgen seinen Verletzungen erlag. �Zeugen des Unfalles werden gebeten sich im Bureau der »ersdorfer Ortskrankenkasse, Kaiserallee 173s, melden zu wollen. «ige Unkosten werden vergütet. »argenvorf. luö der Organisation. Ueber die Tätigkeit im verflossenen "il erstattete der Vorsitzende in der Generalversammlung des ereins Bericht. Auher einer Generalversammlung, einer gut �ten öffentlichen und einer Mitgliedcrverl'ammlnng fand eine �onstour und eine Flugblattverbreitung statt. Einer Einnahme 8.80 M. steht eine Ausgabe von 103,15 M. gegenüber. Den hl der Kinderschutzkommission erstattete die Genossin Schuscheuk. �ch sind am Ort 9 Kinder unter 10 Jahren mit Zcitungs- und VickallStragei, angetroffen worden. Auherdem ist ein Fall von gndlung eines achijäbrigcn Mädchens zu verzeichnen. An Stelle verzogenen Bezirksjührers Kaminsky wurde Genosse Louis denk gewählt. An der Gemeindewahl in der dritten Klaffe sich, wie mitgeteilt wurde, noch nicht 85 Prozent der ein- ebenen 1400 Wähler beteiligt. Der am 8. November statt- de Zahlabend wird sich mit der NeichStagswahl beschäftigen licht bei Pölscher, sondern im Wirtshaus Schmargendorf ab geboren. im. Jie die hiesigen Spießbürger den Wahlkampf führen, hat die )onnerStag stattgefnndene Wählerversammlung für die dritte gezeigt. Ganz im geheimen wurden Zirkulare versandt und �Schneider, Krawatten- und Handschuhmacher wurden eingeladen. �«aleingang durfte nur derjenige passieren, der die EinladungS »orzeigen konnte, lind wer machte die Kontrolleure? Der Polizeisergeant und ein Polizeisekretär. Kein Wunder, wenn Gänse-, Kaninchen- und Fa�rraddiebstähle an der Tages- Mg Arbeiterschaft hat nunmehr die Pflicht, alles daran zu pah bei der Wahl am Montag die von der Sozialdemokratie Uten Kandidaten geivählt werden. die Parteigenossen in Berlin richten wir die dringende soweit sie mit Zossener Arbeitern zusammen arbeiten, diese uif ihre Pflichten aufmerksam zu machen. Schenkendorf bei KönigS-Wusterhausen. �Jn der gut besuchten Mitgliederversammlung de? Wahlvereins als erster Vorsitzender Gen. Wilhelni Schmidt, als zweiter Vor- der Gen. Willi LieSke und als Schriftsührer Gen. Hermann Neu- gewählt. inlde. | Seinen Rechenschaftsbericht als Gemeindevertreter erstattete in einer.öffentlichen Versannnlung Genosse Allritz. Alsdann legte sie M o l k e n t i e n die Gründe dar, die zur Kassierung der - des MolkercibesitzerS B e u t l i n g gesiihrt haben und teilte fdaff nach einem ihm am selben Tage zugegangenen Schreiben K�ciSausschusseS das llrteil RechtSlraft erlangt hat, da auch der , Grundbesitzerverein vorgeschobene Herr Beutling weitere Be- ng incht eingelegt habe. Demgemäß hat also in allernächster iL.. e. Neuwahl zur Gemeindevertretung stattzufinden. ' v über beide Referate wurde verbunden. — 1 öcn zahlreich erschienenen Gegnern nahm niemand daS Wort. Die altenmäßig festgestellten Verleumdungen und Denun- zialioilen lapen sich weder bestreiten noch beschönigen und den Borwiirf der Vergeudung von Gemcindemitteln zu widerlegen fehlte de» Herren augenscheinlich die Courage. lliiser Kandidat, Genoffe Karl König, soluie Allritz und Molkentien unterzogen die schiinitzige Handlungsweise der „Kampfer für Thron und Altar' einer herben, aber sehr berechtigten Kritik und richteten an die Wähler die Mahnung, durch Unterstützmig der Wahl des Gegners sich nicht zu Mitschuldigen an den kornlmplerenden Zustände» aller Art zu machen, sondern alles daran zu setzen, daß u»,er jetzt allein im Doriparlainem die Rechle der Ar- beiter vertreiende Genosie Allriy eine latkräflige Unterstützung in der Perion eines weiteren sozialdeniokralischen Vertreters erhalle.— Der Vorsitzende Genoffe Brü schke ersuchte zum Schluß um ebenso zahlreiche» Befiich de» am Sonnabend, den 11. November, bei Witte stcitlfiiidcndeii SlifiunaSiesteS d-s Wahlvereins, fordert? zum Abonnement der Arbeiterpresse, zu», Eintritt in die politische wie gewcrkichafilichc Organisation aus und verwies auf die bevorstehende ReichötagSwahl. die von schwerwiegendster Bedeutung für die deutsche Arbeiterichaft sei. Neu-Zittau(Kreis Bceskow). Tic Angelegenheit deS Lehrers Luther, der sich kiuer Landes- irrenansialt befindet, beschäftigte die letzte Geineindeverlreteifiyurig. Der Genlcindevorstehcr vcrlaS ein Schreibe» des Direrlors der An- stalt. worin mitgeteilt wird, daß Lüther noch nicht ifuiig iei. sei» Amt als Lehrer zu übernehnti» Wer nun aber geglaubt halte, daß a» Stell- Luthers Ersatz geschaffen würde, der hatte nck ge- täuscht. Obgleich die Geiiicinde und der Schnlvorltand Me Kol- wendigkeit einer Bertretniiq anerkannten, srbeirerte die«chatlung einer Eriatzkraft an dem Widerstande deS Schulinsp-klorS Pasiors Asrnt». Die Vertretung bes-vlos- daher zum ziveilen Male, enre Deputation zinn Negierungspräsidente» nach Potsdam zu entsenden. um demselben die unhaltbaren Schulverhältnssse am Orte klarzu- legen. Ans eine«nsrage des GenuindeverlreterS Gruschke. aus welchen Gründen der Schöffe Rese den Sitzuiige» fern bleibe, er- klärte der Gemeindevorsteher, daß denselben dringende Geschalte abhielten, anwesend zu sein. Demgegenüber wurde' die Vermutung ausgesprochen, daß Herr Rese wodrscheiulick in Erkner oder auch bei Schwedler in Wernsdorf beim Kegelschieben angetroffen werden könne. Der Gemeindevorsteher versprach, hieiüber eine Untersuchung anstellen zu wollen. Pankow. Die TeuerungSaktion der hiesigen Gemeindeverwaltung scheint sich auf die Beschaffung von Seefischen und Kar- toffeln beschränken zu sollen, nachdem die in der letzten Ge- meindevertretersitzung der Finanzkommission überwiesenen weiteren Anregungen zur Bekämpfung des Notstandes von dieser fallen ge- lassen sind. Die Seefische sollen von der Gemeinde Berlin bezogen und durch drei Fischhändler Mittwochs und Donnerstags mit einem geringen Aufschlag auf dem hiesigen Marktplatz verkauft werden. Die Kartofselbeschosfung gestaltet sich etwas schwieriger und es schweben hierüber zurzeit noch Verhandlungen, doch dürfte auch diese Frage in nächster Zeit gelöst sein. Die der Finanzkommission über- wiesene Anregung betreffs Erlaß der Gemeindesteuern für einige der untersten Steuerstufen ist fallen gelassen ivorden, nachdem sich die Absicht, diese Maßnahme nur für Ver- heiratete durchzuführen, als mit dem Kommunalabgabengesetz im Widerspruch stehend erwiesen hat. Ganz unverständlich ist jedoch das ablehnende Verhalten der Finanzkommission gegenüber der Anregung einer Teueru ngs zu läge, für die unteren Beamten und Gemeindearbeiter. Wenn schon nicht abgeleugnet werden kann, daß ein außergewöhnlicher Notstand besteht, so sollte man dort, wo man die Möglichkeit und vor allem die Verpflichtung dazu hat, ihn auch zu lindern trachten. Und das gilt in erster Linie für die so minimal entlohnten hiesigen Gemeindcarbeiter. Mit schönen Redensarten allein ist diesen nicht geholfen; hier gilt es auch zu handeln. Hoffentlich gelingt es im Plenum, die Frage der Teue- rungszulagen in für die Beteiligten befriedigenderer Weise zu lösen, als es in der Finanzkommission geschehen. Lübars-Waidmannsltist. Mit einem Antrag»iisercr Genossen, in dem die Gemeinde in Anbelrackit der jetzigen Teuerung aufgefordert wird, den Massenbezug von Nahrungsmitteln, wie Kartoffeln, Seefische usw., ins Werk zu setzen und zum Selbstkostenpreise an die Bevölkerung abzugeben, beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Der durch Gen. Luscher begründete Antrag rief bei den Bürgerlichen weniger Gegnerschaft grundsätzlicher Natur, als vielmehr Bedenken über die Durchführbarkeit desselben hervor. Nur der Gemeindevorsteher Müller bestritt, daß zurzeit eine Nahrungsmitteltteuerung herrsche, glaub! aber, daß eine solche zum nächsten Frühjahr eintrete. Der Aniräg wurde einer Kominisfion überwiesen, die die nötigen Vor- arbeiten für dessen Verwirklichung zu machen hat Ueber die Abänderung des Bebauungsplanes östlich der Oranienburger Chaussee, verbunden mit einer Abänderung des KanolistitionsprojektcS entspann sich eine längere Debatte. Der Bebauungsplan, welcher geschloffene Bauweise vorsah. ist von dem Herrn Jng. Zeiß für 7700 M. angefertigt und von der Gemeindevertretung seinerzeit genehmigt worden. Die Regierung hat für einen Teil der geschlossenen Bauweise die Bauklasse C., das heißt»offene Bauweise' vorgeschrieben. Es machte sich dadurch eine Abänderung des betreffenden Planes nötig. Unsere Genossen stimmten dieser Abänderung zu mit der Begründung, daß die Be- wohner jenes OrtSteileS in der Hauptsache die in dem nahe gelegenen Industriegebiet beschäftigten Arbeiter und Beamte» sein werden. ES sei gut, wenn diese Wohnungen so viel wie möglich Luft und Licht erhielten, was bei der geschlossenen Bauweise nicht immer der Fall ist. Für diese Abänderung wurden 6000 M. gefordert und bewilligt. Die Jahresabrechnung für 1910 lag endlich der Gemeindevertretung zur Genehmigung vor. Danach ist ein Ueberichuß von 15 000 M zu verzeichnen. In Wirklichkeit sind aber nur 4000 M. vorhanden da im Etat für 1911 in der Einnahme ein voraussichtlicher Ueber- schliß von 11000M. vorgetragen ist. Genosse Luschcr rügte es. daß der Etat mit einer fingierten Summe von 11000 M. balanziert worden ist und stellte die Frage, ob das in den Gemeinden so üblich sei. Der Herr Gemeindevorsteher erklärte, künftig den im Etat vor- zutragenden Ueberschnß niedriger zu bemeffen. Heinersdorf. Eine Reucrnng im Postverkchr ist vom 1. November ab hier in Kraft getreten. ES werden jetzt Briejsendungen, welche bis morgens 7,50 Min. bei der Postagrntur selbst aufgegeben, oder in den Brief- kästen vor dem Hause Berliner Straße 3 eingesteckt werden, um 8 Uhr weiter befördert. Somit können Briefe, welche für Berlin bestimmt sind, bis Mittag in die Hände der Empfänger gelangt sein. Spandau. Ruf zur Stadtverordnetenwahn Am Dienstag, den 7. No- vember, vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8>ch Uhr finden die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung statt. Es wird diesmal ein heißer Kampf um die Mandate ent- brennen. Denn nicht nur der Reichsverband mit seinen 13 Vereinen sondern auch der sogenannte Neue Kommunale Wahlverein ist mit eigenen Kandidaten hervorgetreten. Arbei-ter, Parterge- nossenSpandaus! Die Euch von jener Seite vorgeschlagenen Kandidaten nehmen Eure Interessen nicht war; wer will, daß Männer gewählt werden sollen, die die Interessen der Allgemeinheit vertreten, der kann und darf am Dienstag, den 7. November, nur den sozialdemokratischen Kandidaten seine Stimme geben. Als solche sind aufgestellt für den ersten Bezirk der Genosse Ernst Hornig, Wahllokal Restaurant Stern, Potsdamer Straße 35. 3. Bezirk der Genosse Emil Koppen, Wahl« lokal Restaurant Koch, Feld str. 52. 4. Bezirk die Genossen Robert Pieser und Paul Schmidt. Wahllokal Restaurant Sawade., Schön wald er Straße 98/99. 5. Bezirk der Genosse EmilSchubcrt, Wahllokal Restaurant B u r m e i st e r, Schön walderStraße 80(früher Gottwald). 7. B ez i r k der Genosse Hermann Piek. Wahllokal Restaurant Thunert, Pichclsdorfer Straße 38. Jeder Wähler muß in dem Bezirk seine Stimme abgeben, in dem er am 15. Oktober 1910 gewohnt hat. Als Wahllcgftimation gilt die vom Magistrat erhaltene Karle. Wer nicht im Besitze einer solch-n ist, der zeige entweder den Steuerzettel, die Anmeldebescheinigung oder-den Militärpaß vor. Die Parteigenossen sind verpflichtet, soweit es ihnen möglich ist. am Tage der Wahl bei der Wahlarbcit zu helfen. Dem 1. Wahlbezirk sind die Genossen aus dem 1., 2.. 16. und 17. Bezirk zugeteilt. Schlepplokal ist Restaurant von Huth. Lindenufer 17, Dem 3. Wahlbezirk-die aus den Bezirken 3 und 4. Schlepplokal Nestau- rant Mette. Bismarck st raße 5. Dem 4. und 5. Wahlbezirk die aus den Bezirken 5. 6. 7. 8. 9. Schlepplokal Meyer. Falken. Hagener Straße 39 und Schubert. Kur str. 21. Dem 7. Wahlbezirk die Genossen aus dem 10.. 11., 12.. 13., 14. und IS. A.-zirk. Schlepplokal Emil Koepnick, Pichelsdorfer Straße 30. Parteigenossen! Die Stadtverordnetenwahlen bilden gewisser- maßen das Vorpostengefecht zur ReichStagSwahl; von ihrem Ausfall muß auf den Ausfall der ReichStagSwahl gefolgert werden. Heute, Sonntag früh 8 Uhr. findet von den zur Wahl stehenden Bezirken die Kuvevtsverteilung statt, wozu sich jeder Parteigenosse in den oben angegebenen Bezirken früh einzufinden hat. Desgleichen wird am Montag, abends 3 Uhr. b-i 5löpnick, Pichelsdorfer Straße 39, eine öffentlich« Kommunal-Wählerverfammlung abgehalten, für deren Besuch jeder Genosse Sorge tragen möge. Diejenigen Ge- nassen, die sich am Tage der Wahl den ganzen Tag zur Verfügung stellen können, wollen sich um 8Mi Uhr früh im Wahlbureau Huth. Lindenufer 17, melden._ Arbeite r. Esperanto< Vereinigung«roft, Berlin. Gruppe Zentrum Freitags 8'/, Uhr, Rcklanrant Tröbel, Blantenselde-Str, 10. — Gruppe Moabit Soimabcnds 3'/, Uhr, Restaurant Frosch, GotzkowSky- ftraße 3g.— Gruppe R i x l> o r s. Dienstags 8 Uhr, Restaurant Kuhlmcy, Sleinmehstr. 84. £Uis der Frauenbewegung. Arbeiterinneninteressen. Auf dem Unterbau der kapitalistischen Gesellschaftsordnung bollziehen sich im Flusse der EntWickelung fortgesetzt Verschiebungen und Umformungen. Als Begleiterscheinung der technischen Revolu- tion in der Gütererzeugung sehen wir die Kluft der Klassengegen- atze sich stetig vertiefen und erweitern. All das sozialpolitische Getue, das Emporschietzen charitativer und humanitärer Vereine und Vereinchen, die Erweiterung des Komplexes öffentlicher Wohl- ahctspflege sind nicht Zeichen des Verblassens der Klassengegen- atze, sondern nur Reflexe ihrer Verschärfung. Und diese Verschär- ang findet ihren prägnanten Ausdruck in den wirtschaftlichen Kämpfen. Diese werden heute ausgefochten nach wohlüberlegten Plänen. Richten diese Kämpfe sich auch vorwiegend gegen die mann- liche Arbeiterschaft, weil die weibliche noch keinen Kampffaktor be- deutet und ein großer Teil der Frauen überhaupt nicht erwerbs- tätig ist. so ist die Frau an den Arbeiterkämpfen doch in sehr hohem Maße interessiert. Das organisierte Unternehmertum erstrebt die volle unein- geschränkte Macht über die Arbeiterschaft. Kann es seine Pläne durchsetzen, so wird die Arbeiterin noch mehr geknechtet. Heute schon ist sie minderen Rechtes, heute schon wird sie noch mehr aus- gebeutet als der Mann. In dem Maße, wie die Ueberlegenheit des Unternehmertums wächst, verschlechtert sich auch die Lage der Ar- beiterin. Die gefügigsten Arbeiter waren auch immer die am bru- talsten Ausgebeuteten. Daß man nur durch Zusammenfassung aller Kräfte seine Position stärkt, mutz die Arbeiterin fest erfassen. und sie wird durch die verschiedenen Vorgänge sicher lernen, daß Jndifferentismus gegenüber der Konzentration des Unternehmer- tums für sie verschärfte Ausbeutung. Unterdrückung, Niederlage bedeutet. Und die Arbeiterfrau, die nicht selbst gewerblich tätig ist. mutz erkennen lernen, daß sie eine Feindin ihrer Familie, ihrer Kinder ist. wenn sie aus kleinlichen Erwägungen ihrem Wanne die Er- süllung der aus den proletarischen Interessen sich ergebenden Pflichten erschwert. Hat sie die Zusammenhänge erst richtig er- faßt, dann wird sie ihm selbst zurufen:„Hinein in die Gewcrk- schaft!". Bei allen Kämpfen wirtschaftlicher Natur muß für die treiben- den Kräfte und Mächte der Blick geschärft werden. Das Unternehmertum kämpft für die Existenz der kapitalisti« schcn Ordnung. In diesem Kampfe ist das oberste Prinzip: Herr- schaft des Kapitals. Knechtschaft der Arbeit. Die sich als„Schützer" der nationalen Arbeit aufspielen, verbinden sich international zur Niederknüppelung der eigenen Volksgenossen. Das Kapital stampft über Leichen, wenn es seinen Profit wachsen sieht. Mit den unbedingt notwendigen und unerläßlichen Wirtschaft- lichen Kämpfen allein wird die kapitalistische Ordnung nicht ge. sprengt. Aus dem Jammertal der Ausbeutung und Unterdrückung hinaus, zur höchsten Stufe kultureller EntWickelung führt der Sozialismus. Die vom Unternehmertum inszenierten Machtkämpfe. das Streben nach despotischer Gewalt kann und muß bei der Proletarierin die Einficht von der Notwendigkeit der Umgestal- tung der Gesellschaftsordnung fördern und sie in erhöhtem Maße anspornen, im Kampfe für den Sieg deS Sozialismus alle Kräfte einzusetzen. Versammlungen— Veranstaltungen. Köpenick. Für die Frauen nebst Familie am Sonntag, den 5. No- vember, 3'/-> Ubr: GemüilitdeS Beisammensein im Lokal des Genossen Wilhelm P ö n i s ch. Wilhelmshof. Hirschgartenstr, 1. Ein<7e<7»n<7ene Druchrcbriften. Sterben, ich bitte darum k Von M. Nassauer. 2 M., geb. 2,50 M. O. ffl. Gmelin, München. Tenka-KurSbnch ISll. 2 M. Denka-KurSbuch-Verlag, Berlin V, 8. Ertefkaften der Rcdalttfon. Tie latlftlidlc S»rr«stun>>e findet Ltnden st raste SS, vorn vier Treppen — F a l> r st u» l—, woiiuntagtild von t'.v bis 7� Nl>r abends, eonnabenvs, von«Vi, dt» S llpr avrnd» statt. Jeder für den«rteftaften desttmmten«nfrage ist ein Bnidstadi und eine Za»l als Merkzeichen beiiufüge». Briefllche Antwort wird nicht crttilt. Aufrage», denen leine Abonnementsautttung drigcfügt ist, werdin nicht beantwortet, tktltge gragc» trage man in dcr Sprechstunde vor. C. ft. Silk. Fordern Sie nochmals Beseitigung der Mängel unter Fristsetzung. Bei Ersolalosigkett klagen Sie.— St. 36. 1. Ihre Frau Ia»n Herausgabe fordern. Bei Weigerung Antrag an das BormundschafiSgericht. 2. Ahr Eigenium hastet nicht.— Strolch 17 91. 1. Konfirmationsschciii, Militärpaß hatten wir sür ausreichend. 2. Tnusort.— Gemet«detvSblcr. Weder in Schön eberg noch Berlin.— B. R., Wanzlickstraste. Wenn Störunge» rntstehen, ka»» das Betreten untersagt loerden.— H.;{(». 1. Die deutsche bez. preujzische nicht. 2. Solange daS Kind als unehelich gilt— nicht etwa durch die nachfolgende Ehe legitimiert wird— Preuße. 3. Verliert die preutzitche StaatSzugehörigkeit. 4. Ja.— P. F. 57. 1. Sie sind bereits mit der Vollendung des 24. LebrnSjahrcZ berechtigt zur Stadt- verordneten wähl. 2. Bei der ReichStagSwahl tritt die Wahlberechtigung er't mit Vollendung des 25. LcbciiSjahreS ein. 3. Ja.—•Hertmann. Die Einschätzung ist von der Höhe des Einkommens abhängig. Scheiden Sie noch in diesem Jahre aus, so erlischt die Steuerpsticht mit Dezember 1912. Die Absicht, auszuscheiden, müßte noch in diesem Monat angemeldet werden. — O. R. 10. Wenn daS Kind ohne Aussicht gelassen ist, ja.— A. B. Svo. Da« zweckmäßigste ist. einen Arzt zu Rate zu ziehen.— P. T. SU. Ja. Ans Antrag kann Stundung ersolgen.— Verona S. 1. Bein, hiesigen Amtsgericht. 2. Vor Klageerhebung empsehlen sich Ansragen an die Koiisii- täte nach der ZahlungSiähigkeit der Schuldner.— R. D. 40. t. Nein. 2. Antrag an den Vorsitzenden der EinkommensteuerveranlagungSkommissio». — 9S. S8. Zurzeit unterliegt Ihre Mutter nicht der KrankenversichcrnngS- psticht Aufnahme tn eine reelle HIlsSkasse erscheint ausgeschlossen. Bei In- krafttreten der ReichSversicherungsordnung wird ihre Mutter krankenvcr- sicherungSPflichtig.— Ist. 34. 1. Nein. 2. Die BerusSgenossenschast kann über den Zeitpunkt hinan» zahlen, X, A. 00. Eine A n- s e ch tu n g» klage ist aussichtsvoll, falls da« Bestehen der Geisteskrankheit zur Zeit der Eheschließung nachweisbar ist.— A. F. Nixdorf. 1. Leider nicht 2. Ist daS Kind ehelich, so bestimmt darüber der Vater, falls derselbe gestorben, die Mutter: ist das Kind unehelich, der Vormund,— 81,». Ja. — W. 14. Die Joachiinstraße hieß von 1834 bis 1849 Waldemarstrane und eichiell am 24. März 1819 zinn Unterschied von der gleichnamigen Straße im Köpenicker Vierict den Namen»Kleine Waldemarstraße". Erst seit dem 17, September 1862 bat sie den heutige» Namen. Die Straße besteht seit 1699 und hieß vorher Hcidcrcitrrgasse. teilweise schlechtweg Rcitergassc. — Si. Rix. 114. An die Si ueibedörde des Magistrats. Beifügung von Belegen ist zweckmäßig. Dauert die ErwerbSIosiufcit ununterbrochen länger als zehn Wochen, so tönne» Sie Ermäßigung beziebungSweise Erlaß bei dem Vorsitzenden der VeraiilagungSlommission beantrage».— O. H. 30. Sic können in Aemeiii-chast mit den beiden Kollege» Zahlung des Restes fordern. Die ursprüngliche Gelvinnchance verbleibt dem Säuniigcu —_ I. 100. Nur dann, wenn sie in einem gewerblich»» oder kauf- männischen Betrieb die Reinigung betorgt. bei der sür den Betrieb ,u- ständigen Kasse,— 9l. S. 105. Ihre Bedenken sind begründet. Nach Ablauf des Jahres erlischt die Untcistntzimgspflichi der Gemen, de Osnabrück. 72 ßinftilig«' Unicrteibsbruch oder Bruchanlage, allgemeine Schwächlichkeit oder Entkrä tung nach uberstandener Erkrankung,— F. M. 68. 1. Da« ist zulässig nach Beschaffung eines E> öschcins. An- trag aus E, teilung eines solchen ist an da- Amtsgericht zu rechten, in dessen Bezirk die Schuldnerin verstorben ist. 2. Darüber enischeidel die Frakiion von Fall zu Fall. Wenden sie sich»n die ReichStagsfraktio»,— «. K. III. Erst am--Dezember.- W.®. Bx,,,. Setzen Sie dem Schuldner eine Frist zu, Etnlösung unter der Androhung, dag nach sruchl- losem Ablauf der Frist die Versteigerung erfolgt. Werden dte Sachen Inner- halb der gesetzten ,,rtft nicht eingeloit, so beauftragen Sie einen Gerichts- Vollzieher mit der Versteigerung. Bon dem BersteigerungStermin, dcr nicht srüker als einen Monat nach erfolgter Androhung statistuden darf, ist dein Schuldner Kenntnis zu geben. Ist die Adresse des Schuldners nicht zu ermitteln, lo bedarf e» der Benachrichlsgungeii nicht,— O« Bd. Nein. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil veranlw.: TH.Glockr.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdrucker«« u. Ve clagSanstoli Baut Singer u.Eo., Berlin SW. Unser Hauptgeschäft befindet sich jetzt in den bedeutend vergrösserten Räumen unseres eigenen Hauses Jerusalemer Str. 32-35 £cKe Leipziger Straße am Dönhoffplatz Unsere ca. 600 Quadratmeter umfassende Damen- Abteilung stellt eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges dar und laden wir die verehrte Damenwelt zur gefl. Besichtigung ein, Orthopäd. Abteilung Maßarbeiten und Reparaturen Versand-Abteilung Kostenlose fußärztliche Sprechstunde von 5 bis 7 Uhr im Haupt-Geschäft. Herstellung von orthopädischem Maßschuhwerk und Platt fußein lagen nach individuellen Fußabdrücken unter ständiger spezialär etlicher U cb er wa ch u n g. Die Firma unterhält in allen ihren Filialen eigene Werkstätten für Maßarbeiten und Reparaturen unter bewährter fachmännischer Leitung. Maßarbeiten jeder Art werden unter Garantie für gutes Passen auf das leinste und beste ange- fert gt. Ade Reparaturen werden gewissenhalt und sauber ausgeführt, billigst berechnet und in kürzester Zeit geliefert. 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Die frist- lose Lösung des Arbeitsverhältnisies wäre auch vermieden worden, wenn die Firma bei jener Unterhandlung, die im ersten Stadium der Bewegung stattfand, wo die Schutzverbandsfirmen erst ge- kündigt hatten, offen gesagt hätte, daß sie noch weitere Aufträge für die Schutzverbandsfirmen übernehmen will. Das wäre von der Arbeitnehmerorganisation nicht zugelasien worden oder die Organisation hätte die Arbeiter veranlaßt die Kündigung ein- zureichen. DaS Gericht erklärte die Verweigerung der Streikarbeit für berechtigt und konnte deshalb in dem AuSttitt der Beklagten einen Kontraktbruch nicht erblicken. Die Klägerin wurde abgewiesen. Wohltätigkeit einer Firma. Die chemischen Fabriken Weiler-ter-Meer in Uerdingen haben anläßlich ihre« Svjährigen Bestehens KDOWK) M. für die Unter- stützungskasie ihrer Beamten und Arbeiter gestiftet. Daß man der« artigen Stiftungen indes nichl immer optimistisch aegenübersteben darf, das scheint auch in diesem Falle wieder zuzutreffen. Wie die „Jndustriebeamten-Zeitting" nämlich nachweist, hat die Firma ein sehr bequemes Mittel, diese Stiftung von ihren Angestellten wieder mit Zins und Zinsen herauszuschlagen. In dem Vertrage, der den Angestellten bei ihrem Eintritt aufoktroyiert wird, heißt eS nämlich unter anderem: «Nach erfolgtem Austritt ist die Fabrik von Verpflichtungen entbunden, wohingegen Herr... sich verpflichtet, ohne schriftliche Genehmigung der Fabrik 10 Jahre hindurch in Europa, auSschließ- lich Balkanstaaten und in Nordamerika, weder Konkurrenz zu machen, noch in einem Konkurrenzgeschäft Stellung zu nehmen, noch andererseits Mitteilungen über den FabritationS- und Geschäfts« betrieb zu machen. An diese Verpflichtungen ist Herr.... durch fein Ehrenwort sowie durch eine Konveiittonalstrafe von 10000 M. für jeden Einzelfall der Zuwiderhandlung gebunden und haftet hierfür und für vollen Schadenersatz mit seinem gegenwärtigen und zukünftigen Vermögen. Der Inhalt des VerttageS ist ge heim zu ballen." Rur 10 Verstöße in 60 Jahren gegen diese mehr als rigorose Klausel, und die Firma hat sür ihr nächstes Jubiläum wieder 100 000 M. parat, die sie ihren Angestellten.schenken" kann, ohne sich im mindesten weh zu tun. Man darf eS hiernach der Oeffent« lichkeit ruhig überlassen, den moralischen Wert einer mit so großem Pomp in die Welt hinausposaunten„Stiftung" abzuschätzen. Bergmannslos. Die Knappschafisberufsgenosienschaft hat nach ihrem Bericht über das Jahr 1010 insgesamt 111641 Unfälle bei 626 777 ver» sicherten Personen zu verzeichnen. Davon wurden für 12 166 Un- fälle im Berichtsjahr erstmalig Entschädigungen festgesetzt.— Die Zahl der gemeldeten Unfälle ist im Bertchtsjahr, wenn auch nur um ein geringes(um 2152) gestiegen. Dagegen ist die Zahl der entschädigungspflichtigen— also der schwereren Unfälle und die mit tödlichem Ausgang— erfreulicherweise in den absoluten und auch in den Prozentziffern etivas zurückgegangen. Die Bergwerkslohn- sklaven haben im Jahre 1910 im Kampfe um ihre Existenz schwere Opfer bringen müssen. III K41 Unfälle überhaupt; darunter 12156 entschädigungspflichtige. Von den entschädigungspflichtigen Un- fällen hatten 1571 den Tod, K8 dauernde völlige Erwerbsunfähig- keit, 2947 dauernde teilweise und 76K9 vorübergehende Erwerbs- Unfähigkeit zur Folge.— 1571 Tote und 10 584 Krüppel in einem Jahre. Diese Ziffern reden eine beredte Sprache! Massenunsälle, solche Unfälle, bei denen 10 oder mehr Personen verunglückt sind, ereigneten sich im Berichtsjahr 0; hierbei wurden 30 Tote und 103 Verletzte gezählt. Bei einem dieser Un- fälle kamen allein 18 Bergleute ums Leben. Ein Vergleich der Jahre 1805 und 1010 über die inneren Ursachen der Unfälle zeigt folgendes Bild; Es entfielen auf:>895>9l0 Gefährlichkeit des Betriebes. 57,78 Proz. 69,01 Proz. Mängel des Betriebes.. 0,96, 1,23, Schuld der Mitarbeiter.., 4,02, 3,75, Schuld der Verletzten.... 37,24» 26,0 l r Danach hat die Zahl der Unfälle, die in der Gefährlichkeit des Bergwerkbetriebes ihre Ursache finden, um 12 Prozent, die durch die Schuld der Bergwerksunternehmer entstandenen Unfälle um 0,27 Proz. zugenommen; dagegen haben die durch die Schuld der Mitarbeiter herbeigeführten Unfälle um 0,27 und die durch die Schuld der Verletzten selbst verursachten Unfälle um 11,23 Proz> abgenommen. In dem Maße, wie die Profitgier der Grubenkönige steigt, ist die Erkenntnis und Aufklärung der Arbeiter über den Wert der Gesundheit und des Lebens gestiegen. Das ist sehr er freulich. Bei diesen Zahlen ist noch zu berücksichtigen, daß sie auf Angaben der BerufSgenosienschast beruhen, also vom Unternehmer slandpunkt aus bewertet sind. Die Häufigkeit der Unfälle nach den einzelnen Wochentagen gegliedert, entfallen auf den Dienstag 19134 Unfälle als höchste Ziffer; auf den Freitag 18 723 als zweit- und den Samstag 18 407 Unfälle als dritthöchste Ziffer. Die Ursachen für die hohe Zahl der Unfälle am Dienstag sind nach dem Bericht darin zu sehen, „daß am Sonntag und Montag gefeiert wird. Reichlicher Genuß von alkoholischen Getränken während zweier Tage schwächt die Tat- kraft und vermindert die Aufmerksamkeit, die zur Erkennung und Vermeidung der auftretenden Gefahren erforderlich ist." Leider erfahren wir nichs, worin die Ursachen für die Unfälle, die sich am Freitag und SamStag ereignen, zu suchen sind. Hier ist die Weis- beit des Berichterstatters in die Brüche gegangen. Schade darum. Offenbar war mit dem„reichlichen" Alloholgenuß nichts mehr an- zufangen. Tie außerordentlich hohe Zahl der Unfälle bei den Bergleuten dürfte vielmehr in der unerhörten physischen Ausbeutung der Berg, werksproleten durch die viel zu lange Arbeitszeit ihre Ursache fin- den. Dafür sprechen auch die sich seit 1804 bis 1010 gleichbleiben- den Prozentziffern der Beteiligung der einzelnen Wochentage an den Unfällen. Eine weitere Ursache darf ohne weiteres in der geradezu sträflich-liederlichen Behandlung der Unfallverhütung ge- sehen werden. Für den Erlaß von UnfallverhütungSvorschriften verausgabte die Knappschafts-Berufsgenossenschast 1910 ganze 1354,75 M. Davon entfallen auf die Sektion II, Bochum, lumpige 50,50 M. Für die Ueherwachung der Betriebe wurden von der selben Sektion II 41,50 M., von der Sektion IV. Halle, 0170,72 M., von der Sektion VIII, München, 345,10 M. aufgewendet. Die übrigen Sektionen haben auch nicht einen Pfennig dafür auSge- geben. Während für die Ueberwachung der Betriebe, also für den Ar- beiterschutz, geradezu lächerlich geringe Summen ausgewendet wer« den, sind für Tagegelder, Reisekosten, bare Auslagen usw. an die Vorstandsmitglieder, die Sektionsvorstandsmitglieder, Delegierte zu den Genosienschaftsversammlungen und an die Vertrauensmänner das nette Sümmchen von 08 214,84 M. ausgegeben. Die„gesicherte Existenz" der Unfallverletzten erfährt eine drastische Illustration durch die Höhe der Rente. Die Rente des Verletzten wird nach dem Jahresarbeitsverdienft berechnet. In- dessen dieser kommt nicht etwa in voller Höhe zur Anrechnung. Uebersteigt der Jahresarbeitsverdienst den Betrag von 1500 M., dann wird der überschiesiende Teil nur mit einem Drittel ange- rechnet. Von den 1500 M. und das Drittel hinzugerechnet kommen dann wieder nur zwei Drittel der Summe als Bollrente in De- tracht. Die Durchschnittsvollrcnte einer Person ist bei den acht Sektionen verschieden. Den höchsten Betrag— 803,18 M.— hat die Sektion I(Bonn); den niedrigsten— 689,24 M.— die Sektion IV(Halle). Bei der ganzen Berufsgenosienschaft beträgt die Vollrente 800,48 M.— 2,19 M. pro Tag. Die Durchschnittsrente für eine Person beträgt 237,40 M. Der auf einen Rentenempfänger entfallende Prozentsatz ist von 20,73 Proz. im Jahre 1900, auf 29,00 Prozent im Jahre 1010 zurückgegangen. Dabei redet man von der Begehrlichkeit und der Rentensncht der Unfallverletzten!— Gegen 168 Betriebsunternehmer mutzte daS ZwangsbeitreibungSver- sahren wegen 92 995,09 M. rückständiger Beiträge eingeleitet wer- den. Noble Unternehmer! Alles in allem bat die Knappschafts- Berufsgenosienschaft in den 25 Jahren von 1885 bis 1910 172 102 entschädigungspflichtige Unfälle zu verzeichnen. Davon 29 51» Todesfälle, 2076 dauernd völlige, 58112 dauernd teilweise Krüppel und 82 404 vorübergehend erwerbsunfähige Krüppel. Ungeheuer- liche Opfer hat das Grubenproletariat im Kampfe um seine Exi- stenz den Grubenkönigen bringen müssen. Der Reichtum der Grubenkapitalmagnaten ruht auf einem Schlachtfeld von Leiche» und Krüppeln deutscher Bergleute! SSarserfiandS-Ttachrt evte» der LandeSanstalt für Gewösierkunde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Bafferftcmd Stemel, TUM P r e g e I, Jntterburg B e 1 ch I e!. Thor» Oder, Katibor , Krosien , Arankturt Warthe, Schrirmn , Landsberg Rehe, Vordamm Albe, Lettin errtz , Dresden , Bardo , Magdeburg 1+ bedeutet Buch»,— Fall.—•) llnterpegel. eingegangene Druchrchriften. Der Barvaren-Wald. Von K. G. Osfian-Nilsson. 4 M,, geb. 5 M. A, Bonnier, Leipzig. Die hydrographische Forschung und ihre Nutzanwendung In Oesterreich. Von E. Lauda, R. Brauer, R. v. Stauber und®. ffieber.j Grou-Lichterselde. A. Troschel. 2,50 M. ÄeHM* �wÄtm-"Sstv �tvvv Motö�t�tb-. Groß-Berlin. Bitte, diese Liste aMubewahren! GroL-verlin. lisle kchche« FadÄMc«, die de« Lchtms der ZiMemdeilcr« GliPnlili bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenossen, Arbeiter, Interessenten, Raucher! Wer die Tabakarbeiter beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Usdt Solidarität! in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, Osten. Wilhelm®8fe, MarkuSstr. 27. »Otto$ chirmcr, Frankfurter Allee 7. »Wilh. Klein, Am Oberbaun, l. 'Richard Schulze, Friedrichsselder Straße 23. M. Hannemann, BreZlauer Str. 8. R. Fricke. Lange, tr. 29. IV. 'Paul Wotschke, Andrcasstr. 16. 'Hermann Tavid, Weidenweg 3. Helene Kolberg, Memeler Str. 34. »Paul Peters»», Weidenweg 83. Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Kranz Kriiger, Pojener Str. 25. 'Joh. Heiden, Weidenweg 26. 'Ernst Pos,. Voigtsir. 6. 'Gustav Brösel, Fnichtstr. 83. Mtax Lerche. Tilsiter Str. 44. 'August Körlin, Rigaer Str. 46. E. Tornow. 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Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen laffen, welche neben den tm„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grüne« Plakate von hier entnehmen können. Der Dertrauensmatttt. A. Schulze, Große Hamburger Str. 18/1». 188/6 „Huntern" dl» Patentfrieur. ßaat-Schulev Splttetmarkt3,l Potsdam er Strasse 83 b Extra- Angebot Locken Melschenliaar, 5.25� 20 Locken Besonder» günstige Gelegenheit 3.25 12 Locken Z Spreciiapparate in eleganter moderner Ausstattung zu Fabrikpreisen, SchaUplatten 25 Gesang u. Orchester, modemete s°di�sr. Händler erhalt. Kabatt von 75 Pf. an! in großer Auswahl. Sprechmaschinenhaus, Berlin, Andreasstr. 28._ MF* Man achte i�enan auf die Hausnummer. VTsil».»(Vorzeisrer dieser Annonce erhalten bis 15. November » 5 Proz. 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