Mr. 261. RkonnnnentS'Btdlndnnteii: NAolmementA- Preis pränumerando Z vterteljührl. SL0 SM, monntl. 1,10 Ml, tsäcfipiitlid) 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, EonnwgZ- nummet mit Mus trierler Sonnlog«. Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Poft- Rdonnemcnt: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen In die Post. Zeitung«. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für das übrige vusland S Mark pro Monat. VosiabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei». 28. Jahrg. die TntertlonS'GeNlIp lehügt für die sechSgespaltene Kofonel« »eile oder deren Raum so Psg., sür politische und gewerkschaftliche Verein«. und Verlammlungs-Anzeigen SO Psg, „Rieine Hnzcigen", da« settgedrurlie Wort 20 Psg, tjulässtg 2 iellgedrurkte Worte), febe« weitere Wort 10 Psg. Stelleiigeluche und Echlasflelleiiou- zeigen da« erste Wort 10 Pig„ jede« weitere Wort h Psg, Worte über IS Buch. flaben jüblcn sür zwei Worte, Inseraie für die nüchlie Nummer müssen bi« £ Uhr nachnullag« in der Expedition »pgegeden werdeil. Die Expedition ijt bi« 7 Uhr abend« geöffnet. CMctit tJgn« wachsen feien, und endlich unter dem Hinweis auf die Tatsache, datz unsere Hochseeflotte nur mit LS-Zentimeter-Geschützen ausgerüstet fei, während die englischen Schiffe mit SO- und Ls-Zentimeter-Geschützen bewaffnet feien. Diese Angaben, die d u r ch a u s richtig sind, werden ergänzt durch folgende Mitteilung der„Welt am Montag": .Die öffentliche Meinung ist nicht im Zweifel darüber, daß der deutsche Kaiser eS gewesen ist, der eine den Frieden gc- fährdende Behandlung der Marokkofragcn gebindert hat. Diefe Ansicht ist richlig. Aber der Kaiser ist nicht von vorn- herein entschlossen gewesen, seine friedlichen Neigungen auf alle Fälle durchzusetze«, sondern er ist dazu erst durch folgende Vorgänge bestimmt worden: Als der.Panther' nach Agadir entsandt wurde, trat der Kaiser feine NordlandSreise an. Trotzdem erreichlen ihn Briefe des russischen Kaisers uns des Königs von Groß- britannien, in denen hingewiesen wurde auf die Gefahr für den europäischen Frieden, die aus dem Marokko- zwist drohe. Der Kaiser ließ daraufhin bei den deutschen Großbanken sondieren, und als ihn, die Auskunft zuteil wurde, daß die finanzielle Bereitschaft nicht stark sei. wurde daS Auswärtige Amt angewiesen, die Verhandlungen in einer den Frieden verbürgenden Weise zu führen, was dann auch geschehen ist." Und schließlich veröffentlicht die„Rhein.-Westf. Zeitung- folgende Angaben über das Doppelfpicl des Auswärtigen Amtes: .Im Auswärtigen Amt wird eS kein Mensch ernsthaft bestreiten, daß man dort schon einige Wochen vor dem Tag von Agadir Männe» unseres öffentlichen Lebens, Politiker und Journalisten, darauf vor» bereitete, man plane in der Marokkopolitik.einen großen Schlag". Diese Andeutungen konnten im Zusammen- hang mit den Verlautbarungen der.Nordd. Allgem. Zeitung" nick� anders aufgefaßt werden, als daß das Auswärtige Amt ein Auge aus Marokko geworfen habe, einmal da weiter be- laimt gegeben wurde, daß man im Auswärtigen Amt gutachtliche Aeußernngen von Landeskennern gerade über Südwest» Marokko wünsche. Ebensowenig wird man bestreiten wollen, daß man im Auswärtigen Amt— wir wählen absichtlich diese Fassung— unmittelbar nach dem Tage von Agadir, als Herr v. Kiderlen- Waechter fern von Berlin in Siutlgart weilte, angesehenen Politikern und Journalisten gerade von der Not- wendigkeit des Erwerbes einer geeiguetenSiede- lungskolonie gesprochen hat, und es konnten diese Aeußernngen wiederum nicht anders aufgefaßt werden, als daß das Deutsche Reich in Süd-Marokko Fuß zu fassen beabsichtige, wie auch ganz besonders betont werden muß. daß eine andere Auffassung nach der Art, wie jene Miileilungcn gemocht wurden, gar nicht möglich war. ES ist eine weitere Tatsache, daß am 8. In i eine Versammlung von Nation alenPolitikern und Journalisten in Berlin zusammentrat, sie sich unter Wissen und in i t Billigung des A u s w ä r t i g e n A m t e S auf die Vertretung folgcitder vier Programmpunlte einigte: i: Verlangen der Rückkehr FraulreichS auf den Boden der AlgeciraS» alte. 2. Wenn Frankreich sich hierzu außerstande erklärt: Anstrebung einer Teilung Marokkos in Einflußsphären und Be- anipruchung Südwe st- Marokkos als deutsche Interessensphäre. 8. Ablehnung jedes auftauchenden Konferenzplanes. Beschränkung der Verhaudlungeu nur auf Frankreich und daS Deuliche Reich. t. Ablebinnig des hier und do erörterten Planes der Anlage eincS FlotienslützpimkieS in Agadir oder in einem anderen Hafen» platz der tüiifligen deutschen Einflußsphäre. Wir kündigen übrigens jetzt schon an, daß diese Bekundungen in dem Prozeß Cleiiiow-„Mannesmanii-Presse"— in dem wir, die.Post" und die.Tägliche Rundschau" den wegen Vertretung der ursprüitglichcn Absichten deS AnSivärtigen Amtes u. a. erhobenen Borwurf der.Jrresührung der öffentlichen Meinung' zurückzuweisen haben— an G e r i ch t S st e l I e öffentlich unter Zeu geneid. wenn man will, utttcr Nennung der Namen der in Betracht kommen- den Persönlichkeiten des Auswärtigen Amtes, erhärtet werden." Wir möchten noch erwähnen, daß einer dieser„angesehenen Politiker" Herr Bassermann war, der auch vor der Oeffent- keit den von der„Rheiiiisch�Westfälischen Zeitung" skizzierten Standpunkt vertreten und Herrn v. Kiderlen damals seines unbeschränkten Vertrauens versicherte. Im übrigen wird ja über die gefährliche Unfähigkeit, die das deutsche Volk in das Marotto-Abenteuer verstrickt hat. noch manches zu sagen sein. Der Wortlaut der Verträge wird heute von der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht. Ihr Inhalt ist aus unseren bisherigen Darlegungen bereits bekannt. » Der französische Ministerpräsident über den Marokkoabschluß. Bei einem Festmahl in Saint Calais besprach am Sonntag Ministerpräsident Caillaux die Marolko-Angelegenheit und sagte: »Die Regierung hat das Bewußtsein, seit vier Monaten eine in hohem Grade wirtlich nationale Politik verfolgt zu haben, indem sie zum größten Nutzen Frankreichs die sehr verwickelte Lage ordnete, der sie sich gegenüber gestellt fand, als sie an die Macht gelangte. Im Verlaufe der zum Teil mühsamen Unterredungen haben wir vor allem und ganz besonders geglaubt, daß aus keinen Fall und in welcher Form dies auch sei, Frankreich die Anwesenheit einer der europäischen GroßmächteinMarokko zulassen könnte. Wir haben geglaubt, daß wir die schwerste Unkliigheit be- gehen und uns einer Art Verrat schuldig machen würden, wenn mir zum Vortesl einer dieser Mächte in ganz Marokko oder einem Teil desselben einer Festsetzimg Wirtschaft- l icher Privilegien zustimmten. die in einer Zeit, wo die wirtschaftliche» Fragen in dem Verhalten der Völker eine überragende Rolle spielen, unabwendbar eine? Tages eine andere vollkommenere Herrschaft nach sich gezogen hätte. Wir haben gewollt, daß Frankreich in Marokko volle Handlungsfreiheit habe. Es wäre kindisch, zu glauben, daß an den Ufern des MittelmeereS und angrenzend an unser Algerien, das wir mit unserem Mutterlande fast ver- schmolzen haben, ein flroßeS Land bestehen sollte und könnte, daS sich systeniaiisch der gtvtlsiation verschließt. DaS Gesetz der historischen EntWickelung stellt sich dem ebenso entgegen, wie eS Frankreich, als es Herrin von Algier gc- worden war, gebot, sein Reich ans Tunis anSzudehnen. Dieses Gesetz befahl Franlreich, eines Tages Marokko zu organisieren und endgültig in Nordafrika mit AnSschluß oller rivalisierenden Unternehmungen feine Hegemonie als musel- manische Großmacht aufzurichten. Aber um ein so dauerndes Er- gevni» zu erreichen unv Frankreich eines solchen Kräftezuwachses teilhaftig werden zu lassen, hätte eS möglich sein miissen zu handeln— und das ist daS Moment. daS gewisse Leute leicht oder allzu flink aus dem Auge verloren haben—. wie wenn wir allein auf der Welt wären. Man mußte sich mit anderen auseinandersetzen und über ihre Zustimmung unterhandeln. Damit auch Deutschland seinerseits uns in Marokko freie Hand laste, und damit eS auf die Borteile verzichte, die es sich geschaffen zu haben glaubte, haben wir ihm gewisse Entschädigungen eingeräumt. ES ist nicht meine Absicht, diese herabzusetzen, aber ich bin berechtig« zu sagen, daß sie Frankreich in keinem seiner zum Leben unbedingt nötigen Teile treffen, daß sie seine wesentlichen Interessen nicht berühren. In Zentral- afrika köune» die Stellungen nicht als endgültig betrachtet werden. Es wird Aufgabe einer klugen, voraussehenden Politik für viele euro« pöische Mäch'e sein, eine Abrechnung vorzubereiten, in der jeder der verschiedenen vertragschließenden Teile seinen Vorteil zu finden hat. Um zu schließen, so erscheint mir der Charakter des Ver- trageS, den wir soeben unterzeichneten, und der so glücklich zur Aufrechterhaltung des Friedens führt, dahinzugehen, daß er keiner der beiden in Betracht kommenden großen Nationen schadet, und daß er vollkommen befriedigend ist für die eine wie für die andere." Die Rede, die als Gesetz der historischen Entwlckelung ausgeben möchte, was nur ein Gesetz der kapitalistischen Entwickelung ist, die eben deshalb durch den Sozialismus überwunden werden muß, ist namentlich darum beachtenswert, weil sie die Zu- stände in Zentralafrika ausdrücklich als provisorisch bezeichnet. Die-Z bestätigt unsere Voraussage, daß der Marokko- vertrag nur eine Episode und nichts weniger als eine endgültige Regelung bedeutet oder um mit dem.Journal des DebatS" zu sprechen.kein Abschluß, sondern nur ein Bor- wort" ist. Neue Kolonialabenteuer in Sick»», das ist'S, waS diese Rede dem deutschen und französischen Volke an- kündigt._ Die CandlagswalsleD in festen. AuS Darmstadt wird uns geschrieben: Von 33 Wahlen wurden im Haupttreffen 21 bereits entschieden; für 12 Kreise hat Stichwahl stattzufinden. Zu dem vorliegenden Resultat darf man sagen: Kautelen und Plural- stimmen haben gesiegt. Tie schwarzblaue Koalition hatte ihre Positionen durch Wahlgesetz und WahlkreiSgeometrie zu gut ver- schanzt, als daß es uns durch Anhieb hätte möglich sein können. einen glänzenden Sieg zu erringen. Immerhin gelang eS uns doch, ihre Bastionen empfindsam zu treffen, so daß unser Bor- marsch gesichert ist. Wenn man aber berücksichtigt, wie durch die .Kautelen" Tausende und aber Tausende des werktägigen Volkes ihres Wahlrechts in der niederträchtigsten Weise beraubt worden sind, dann dokumentieren die in den 83 Wahlkreisen erzielten Wahlziffern einen glänzenden Ausgang dieses Vorpostengefechts für die nächsten ReichstagSwahlen. Und Herr v. Bethmann mag noch so eifrig unser verschandeltes ungleiches Wahlrecht auf seine Brauchbarkeit hin für Preußen studieren. eS gibt kein Mittel, um den Vormarsch der Sozialdemokratie aufzuhalten. Das bestätigt die Hessenwahl. Die Sozialdemokratie hat gestern ihre drei erledigten Mandate nicht nur behauptet, sondern dazu noch daS zweite Offenbachcr Mandat neu erobert. Weiter stehen wir in acht Stichwahlen; nämlich viermal gegen den Bauernbund, dreimal gegen die ej Nationalliberalen und in Darmstadt gegen den Freisinn. Davon müßten uns mindestens fünf Kreise zufallen, wenn der Freisinn seine Schuldigkeit tun, wenn er den„Kampf gegen recht»", - den er so gern im Munde führt, auch in die Tat umsetzen würde. Ja, wenn—! Vornehmlich müssen wir für die Stichwahlen auf die eigene Kraft vertrauen. DaS muß besonders betont werden gegenüber einer auch bei uns in Hessen hier und da bc» triebenen liebevollen Pflege des.Großblock"gedankenS. Ist uns da» Wahlglück auch nur einigermaßen günstig, dann beschert eS uns mindestens noch, infolge der Gunst der Situation, die beiden Kreise Vilbel(Busold) und Pfungstadt(Raab). Der letztere wäre dann zweimal gewählt.� Die Freisinnigen, die mit so großen Prätensionen in den Wahlkampf zogen, wurden namentlich von unseren bisherigen Kreisen arg zerschundcn nach Hause geschickt. Jetzt weiß man wenigsten?, wie.stark" der Freisinn ist. Nur besonderen Glücks- zufällen hat er einen Mandatsgewinn zu verdanken. Der frei- sinnige tzauptagitator Korell.eroberte" den von den schwarzblauen WahlkreiSgeometern eigens für den Freisinn als Trosthäppchen zu» geschnittenen KreiS Wörrstadt. Und das neue Mandat von Mainz erhielt der Freisinn unter dem Segen des Mainzer Domkapitels. Beinahe wäre es ihm trotzdem entgangen, denn Genosse Adelung blieb hinter dem Aufgebot der sämtlichen vereinigten bürgerlichen Parteien nur mit 180 Stimmen zurück I Auch in Tarmstadt sind die Freisinnigen mit einer kleinen Zufallsmehrheit gegen den feindlichen liberalen Bruder in die Stichwahl gerutscht. Ebenso lammen sie in Gießen nur mit Nasenlänge vor uns auf den zweiten Platz. Diese beiden Stichwahlen dürften ihnen indessen sicher sein. Dagegen werden sie wohl den bisher innegehabten rheinhessischcn Kreis Wöllstein, wo sie mit dem Zentrum in Stich. Wahl sind, einbüßen. Am besten abgeschnitten hat daS Zentrum. ES behauptete nicht nur seine fünf zur Wahl stehenden Kreise, sondern gewann, ebenfalls im ersten Gang, auch den neuen Starkcnburger Land- kreis. Außerdem kommt es in dem bisher freisinnigen Wahlkreis Wöllstein in eine Stichwahl, die die Nationalliberalen zu ent- scheiden haben; wahrscheinlich zu seinen Gunsten, denn eS handelt sich hier um die bekannten Dingen-Alzeyer Nationalliberalen. DaS Zentrum könnte dann also einen Gewinn von zwei Mandaten buchen. Auch der Bauernbund, der acht Sitze zu verteidigen hatte. ' brachte nicht weniger als sechs schon im ersten Treffen ein. Außer- dem steht er in sechs Kreisen zur engeren Entscheidung: viermal mit un» und zweimal mit den Nationalliberalen. Wenn auf die Liberalen ein Verlaß wäre, dann dürste dem Bauernbund höchstens noch ein Mandat zufallen, das ihm von Zentrumsgnaden sicher ist. Die Rationalliberalen haben die Zeche der kleinen Ver- schiebung nach links zu zahlen. Die Strafe ist wohlverdient. Acht Mandate hatten die um Osann zu verteidigen, davon verloren sie ein?, gewannen dafür aber das neue Mandat des heiligen Worms, freilich nur mit einer Mehrheit von einem Dutzend Stimmen! Sie behaupteten indessen nur zwei Wahlkreise; in weiteren sechs müssen sie zur Stichtvahl: dreimal gegen uns, zweimal gegen den Bauernbund und einmal gegen den Freisinn. Auch hier hängt es vom Freisinn ab, ob die Nationalmiserablen mehr als zwei Stichwahlerfolge zu verzeichnen haben werden. Infolge der zur.hälftigen Erneuerung" der Kammer ver- blieben darin: 11 NationaUiberale, 4 Bauernbündler. 3 Ultra- montane, 2 Sozialdemokraten and 4 Jreiiinnig«. Dazu kommen nun au» der Hauptwahl s Nationallibcrale, K Dauerndllndler, 6 Jentrumoleutr, 2 Irrsinnige und 4 Sozialdemokraten. An. genommen e» erhielten noch au» den Stichwahlen die National- liberalen 4, die Bauernbündler 3. da» Zentrum 1, Freisinn und Sozialdemokratie je 2 Mandate, so würde die Parteigruppierung im neuen Landtage so sein, daß 41 Reaktionären auf der rechten Seite gegenüberstehen(außer dem in der Kammer verbliebenen Wilden) 8 Freisinnige und 8 Sozialdemokraten. Der ReaktwnSblock hätte also immer noch unbestritten die Zweidrittelmajorität. Die würde er aber verlieren, wenn der Freisinn bei der Stichwahl seine Schuldigkeit täte, daß nicht zwei, sondern fünf Sozialdemo- kraten gewählt werden. Hier ist das Rhades für den ent- schiedenen Liberalismus in Hessen! Warten wir ab, ob er springen wird! Die Stichwahlen sollen am 17. November stattfinden. Zugleich erhielten wir von anderer Seite folgende Zuschrift: Nicht nur in bezug auf die Stimmenzahl, sondern auch waS die im ersten Wahlgang erlangten Mandate anbetrifft, können wir mit der Wahl vom 3. November zufrieden sein. Ent- gegen den ersten Nachrichten, daß daS Mandat des Kreises BischofSheim-RüsselSheim uns vom Freisinn abgenommen sei, hat sich herausgestellt, daß der bisherige Inhaber des Mandats, Ge- nosse Berthold-Darmstadt. mit über 800Stimmen Mehr- heit wiedergewählt worden ist. Dagegen bestätigt sich, daß Genosse Busold in Vilbel nicht gewählt worden, sondern nur in die Stichwahl ge- langt ist. Wir haben also unsere drei Mandate im ersten Wahlgang wiedergeholt und ein Mandat neu hinzugewonnen. Von den acht Stichwahlen, die wir am 17. November auSzufechten haben, bieten dazu zwei oder drei gute Aussichten auf Sieg, ins- besondere dürften wir den oberhessischen Wahlkreis Vilbel, zu dessen Gewinnung dem Genossen Busold nur 40 Stimmen im ersten Wahlgang fehlten, erobern. Auch ein anderer oberhessischer Wahl- kreis, Büdingen, bietet gute Aussichten und ebenso der unter den Toren DarmstadtS liegende Wahlkreis Pfungstadt, in dem der bis- herige Abg. Genosse Raab mit erheblichem Stimmenvorsprung mit dem Bündler in Stichwahl kommt. Genosse Raab ist übrigens schon in dem neugewonnenen Wahlkreis Griesheim, ebenfalls bei Darmstadt gelegen, gewählt, so daß im Falle seines Sieges in Pfungstadt eine Nachwahl erforderlich sein würde. Die Ab. rechnung mit dem schwarzblauen Block, zu dem in Hessen auch die Nationalliberalen zählen— die hessische Spezies Nationalliberaler ist bekanntlich besonders reaktionär und ganz vom Zentrum und von Bauernbündler» beherrscht—, würde sich in Hessen ebenso kräftig gestaltet haben, wie in anderen Bundesstaaten bei Landtags- wählen und im Reiche bei allen Nachwahlen der letzten Jahre, wenn nicht daS reaktionäre neue Wahlgesetz die hessischen Block- Parteien geschützt hätte. Während die Doppelstimme der über b0 Jahre alten Wähler den bürgerlichen Parteien besonders in den ländlichen Kreisen mindestens noch einmal soviel Stimmen brachte wie den Sozialdemokraten, verloren diese insbesondere in den größeren Städten durch die verschärfte Steuerrückstandsbestimmung, die in der gegenwärtigen Teuerung besonder? stark wirkte, Tausende von Wählern. In Offenbach z. B. betrug die Ziffer der Steuerrestanten in Arbeiter- Wahlbezirken durchgehendS 25 bis 30 Proz. der eingeschriebenen Wählerl Bestände diese Bestimmung im hessischen Wahlgesetz nicht— sie ist bekanntlich bei der Reform noch auf die Ge- me indesteuer ausgedehnt worden—, dann hätten wir Mainz mit großer Mehrheit zurückgewonnen. Offenbach mit viel größerer Mehrheit genommen. Vilbel und zwei bis drei andere Wahlkreise noch im ersten Rennen erobert. Nach einer Zusammenstellung der.Frankfurter Zeitung" sind bei'den Hauptwahlen zum hessischen Landtage für die einzelnen Parteien folgende Stimmen gezählt worden: Sozialdemokratie 54 300, Fortschrittliche VollSpartei 30 700, Nationalliberale 23 400, Zentrum 24 200, Bauernbund 23 900. Diese Zahlen zeigen, daß die große Mehrheit des Volkes gegen das elende Pluralwahl- recht ist. . Der Landesvorstand der sozialdemokra- tischen Partei Hessens beschloß gestern, bei den am 17. November stattfindenden Stichlvahlen die Fortschritt- 'er nur dann zu unterstützen, wenn die Unterstiitzung auf Gegenseitigkeit beruhe, anderenfalls würde die Sozialdemo- ratie Gewehr bei Fuß stehen. Die Fortschritt ler geben die Wahlparole auS: Bei Stichwahlen, in denen Nationalliberale mit Antisemiten und Bauernbund kämpfen, die Nationalliberalen zu unter- stützen, die Sozialdemokratie im Kampfe gegen Antisemiten und Bauernbund gleichfalls zu unterstützen, aber bei Stich- Wahlen zwischen Sozialdemokraten und Liberalen die Ab- stimniung freizugeben._ Der Krieg. Mit einer Frechheit, wie sie in der Geschichte der imperia- listischen Raubpolttik bisher noch nicht zu verzeichnen war. hat Italien zu der militaristischen Brutalität bei ihrem Korsarenzuge nach Tripolis nun noch die eiscnsttrnigste diplomatische Unverschämtheit gefügt. Sie hat einfach Tripoli- tanien als italienisches Gebiet erklärt und zwar aus Gründen. die. wie aus dem unten abgedruckten Rundschreiben an die Botschafter hervorgeht, einzig und allein durch ihre Verlogen- heit und Anmaßung imponieren können. Bis jetzt hat auch noch keine Großmacht auf diesen diplomatischen Bluff reagiert. In Wirklichkeit besteht zurzeit die Annexion von Tripolis nur auf dem Stück Papier, das der König unterzeichnet hat, und in dem ganz schmalen Streifchen der tripolitanischen Küste, wo sich die italienischen Soldaten hinter Sandwällen gegen Türken und Araber verteidigen. Und die Araber und Berber werden nach wie vor auf die völkerrechtlichen Konsequenzen der famosen Proklamation pfeifen und werden den italienischen Truppen auf lange Zeit hinaus das Leben sauer machen. Der Leidtragende aber wird daS ttaltenische Volk sein, bis eS auch ihm gelingt mit den frechen Kapitalisten und Militaristen gründlich abzurechnen. Die Notifizierung der ilunexlou. Rom, 6. November.(Meldung der.Agenzta Stefani'.) Der Minister de» Auswärtigen hat folgende Depesche an die italienischen Botschafter im Auslände gerichtet: Die Besitznahme der wichtigsten Städte von Tripolis und Cyrenaika, die andauernden Erfolge(!) unserer Waffen, die über- wälligenden Streitkräfte, die wir dort versammelt haben und die anderen, die wir unS noch anichicken. hinzusenden, haben jeden weiteren Wider st and der Türkei unwirksam gemacht. Um andererseits unnützem Blutvergietzenein Ende zu machen, ist e« dringend notwendig, jede gefährliche Unsicherheit in der Stimmung der dortigen Bevölkerung zu zerstreuen. Daher find durch ein königltches Dekret Tripolis und Tyrenaita endaültig und unwider- ruslich unter dt« voll« und gan»« Oberhoheit de» Königreichs Ytatien g e it« l t» worden. Jede andere, weniger radikale Lösung, die dem Sulian auch nur den Schatten einer nominellen Oberhoheit üver die genannlen Pro- vinzen gelassen hätte, hätte«ine dauernde Ursache für künstige Zusammenstöße zwischen Italien und der Türkei gebildet. welche später verhängnisvollerweise selbst gegen den Mllea der Re- gierenden in einem für den europäischen Frieden noch gefährlicherem Augenblick hätte ausbrechen können. Die von un» gewählte Lösung ist die einzige, welche endgültig die Interessen Italien« und Europas und selbst der Türlei schützt. Ein aus dieser Grund- läge unterzeichneter Frieden wird jede tiefe Ursache einer Meinungsverschiedenheit zwischen Italien und der Türkei beseitigen. und wir werden leichter in der Lage sein, unsere ganze Politik von dem großem Interesse geleitet sein zu lassen, daS wir an der Aufrechterhaltung des territorialen Status quo aus der Balkanhalbinsel baben. für deren Konsolidierung vaS Ottomaniiche Reich eine wesentliche Bc« dingung ist. Wir wünschen daher lebhaft, wofern das Verhalten der Türlei unS dies nicht unmöglich macht, daß die Friedensbedingungen so weit als möglich mit ihren legitimen Interessen und ihren, Prestige in Einllang stehen. Tripolis und Cyrenaika haben auf- gehört, einen Teil des Ottomanischen Reichs zu bilden, aber wir lind heute geneigt, mit weitherziger Versöhnlichkeit(!) die Mittel zu prüfen, um auf die für die Türkei zweckmäßigste und ehrenvollste Weise die Folgen von unwiderruflich vollzogencii Tatsachen zu regeln. Sicherlich würde eS uns nicht möglich sein, diese versöhnlichen Absichten aufrecht zu erhallen, wenn die Türkei hartnäckig den Krieg unnützerweise in die Länge ziehen würde. Wir haben jedoch das Vertrauen, daß die einträchtttche Arbeit der Großmächte die Türkei dazu führen wird, ohne Verzug jene vernünstigen und entscheidenden Be- schlüsie zu fassen, welche ihren wahren Interessen und denen der ganzen zivilisierten Welt entsprechen. Auf jeden Fall wird Jlolieil a» diesen Ergebnissen mitarbeiten, Italien, das ebenso geneigt ist, zu billigen Friedensbedingungen(!) als entschlossen zu den wirksainsten Mitteln, um diesen Frieden sobald als möglich auf- zunötigen. Der Protest der Pforte. Konstantinopel, 6. November. Die Pforte veröffentlicht den Text der bereits angekündigten P r o t e st n o t e, die sich gegen italienische Grausamkeiten in Tripolis wendet. Die Note ist an alle Regierungen gerichtet, die an der Haager Konferenz von 1907 beteiligt waren. Sie weist ans Arttkel 1 und 2 der Vorschriften betreffend KriegSgcbräuche hin. worin die Bevölkerung, welche vor der Okkupation eines Landes freiwillig zu den Waffen greift, als kriegführender Teil anerkannt wird. Durch seine Handlungsweise gegen die Bevölkerung von Tripolis und Benghasi hat Italien, so heißt eS in der Note, die von ihm selbst zugelassenen Grundsätze m i t Füßen getreten. Das Gewisien der Welt schreit vor Entsetzen bei den von unparteiischen Zeugen veröffentlichten Einzelheiten über die Kriegführung der Italiener, welche die Bewohner der Dörfer bei Tripolis ohne Unterschied des Alters nnd Geschlechts nnbarmherzig niedcrgcschosicu haben, weil einige patriotische Osmanen in Tripolis die um die Befreiung der Stadt kämpfende Armee hatten unterstützen wollen. Der italienische Generalstab, so fährt die Note fort, ließ Tod und Verderben unter die Einwohner säen. Unschuldige niederschießen und kranke Türken in Massen auf die Schisse bringen. Die Pforte würde sich für berechtigt halten können, die Vorschriften der Haager Akten gegenüber Italien nicht zu beachten, sie schlug diesen Weg aber nicht ein. ver- mied eS. die Massen der Italiener aus dem Lande zu weisen, gab Befehl, die in Gefangenschaft ge- ratenen Italiener gut zu behandeln und sich nicht an den u« der Türkei lebenden Italienern zu vergreifen. Die Note betont schließlich, die Pforte erfülle niit ihrem Protest gegen die Grausamkeiten und Metzeleien der Italiener nicht nur eine der Selbstverteidigung, sondern auch eine höhere Pflicht gegenüber den solidarischen Nationen, weil die Zivilisation der Gegenwart Gesahr laufe, leeres Wort zu werden. Der Senat hat beschlossen, an alle Senate der Welt Proteste gegen die Grausamkeit der Italiener zu richten. Der arabische Widerstand in Tripolis. AuS Konstantinopel schreibt uns Genosse P arvuS: Die blutige Ueberraschung. welche die Italiener in Tripolitanien erfahren haben, bedarf einer näheren Betrachtluig, denn sie birgt in sich noch weitere Uebcrrakchungen, und zwar nicht bloß für de» italienischen Imperialismus. Bekanntlich hat die italienische Regierung eine Anzahl arabischer Häuptlinge bestochen und mit ihnen förmliche LandeSverratsverträge g-schlosien. Darauf baute sie und glanbte, den Widerstand der ein- heimischen Bevölkerung von vornherein gebrochen zu haben. ES war«in Rechenfehler, daß die italienische Regierung zu wenig mit der Stimmung der arabischen Massen rechnete. Die Mach« der Häuptlinge ist groß, aber nur so lange sie in einer Richtung wirken. die der Stimmung der Massen entspricht. Da die Massen gegen die kapitalistt'che Fremdenherrschaft erbittert sind, so mußte der Verrat der Häuptlinge eine Kluft zwischen ihnen und den VolkSmasien bilden. Aber ohne Führerschaft mußten die Massen allerdings passiv bleiben. Jedoch diese Führerschaft fand sich. Da» waren zunächst die türkischen Offiziere, unter denen sich zum Teil aufrichtige Demokraten befanden, die schon in Friedenszeiten in Verbindung mit den VolkSmasien standen. Vor allem waren«» die S e n u ss i S. Di« Geschichte der letzteren ist von vornherein dir Gescbichte einer Auflehnung gegen die kapitalistische Fremdenherrschaft, die zu- gleich die Geschichte einer Klassenspaltnng ist. Um seine Herrschaft in Nordafrika zu sichern, hatte nämlich der französische Jmpe« ri a l i S muS dasselbe getan, was der italienische ihm jetzt nachzuabmen versuchte: man bestach die Häuptlinge und die Geistlichkeit,"damit sie Landesverrat üben. Diese herrschenden Cliquen habentenn auch gegen daS Gold und die sonstigen Vorteile, die ihnen die französische Regierung in Aussicht stellte, nur sehr geringen Widerstand geleistet. Sie waren schnell zu der Einsicht gelangt, daß. wenn sie sich mit den Fremden ver- bündele,,, sie au» ihrer herrschenden Stellung über ihre Stammes- genossen sogar noch mehr Vorteile ziehen werden, al» es bis dahin geschah. Der Landesverrat war stets die Taktik der herrschenden Stände und Klassen einem Mächligeren gegen- über. So haben«S die deutschen Fürsten gegenüber dem siegreichen Napoleon gemacht; so verbanden sich die herrschenden Klassen des Byzanz mit den Türken, als diese da» Land eroberten, und eS fehlt in unseren Tagen unter den Türken selbst nicht an Persönlichkeiten, die nur darauf bedacht sind, ihr Vaterland möglichst zum Vorteil ihre» Portemonnaies zu verkaufen. Jenen arabischen Häuptlingen-nd Geistlichen, die sich an Frankreich verkaust hatten, erwuchs aber eine Opposition in den Massen, die in dem GotteSmann Sidi Mohammed Ben Ali e, Senussi ihren Wortführer fanden. Dieser gründete einen Orden, dessen erklärtes Hauptziel die Bekämpfung der Fremden« Herrschaft ist. Und nunmehr zeigt dieser Orden die Macht, die er Dank dem ersolgretchen Vordringen de» kolonisierenden Kapital» übe, die Massen in Nordafrika gewonnen hat. Unter dem Tinflnf, der Wenufst haben auch viel« arabische Hänprlinge den Verlockungen der italienisiben Regierung von vornherein Widerstand geleistet. ES ist offenbar, daß mit ihrem jetzigen Erfolg der Einfluß der Eenusst erst rech» steigen muß; und eS ist nicht minder klar, daß. dieser Einfluß nicht nnr den Italienern, sondern mit der Zeit auch den Franzosen und anderen zu schaffen geben könnte. Choler» i» Heere! Oa»»S, S. November. Meldung der Bgenee HavaS.) Ans Malta wird gemeldet, daß fich der Gesundheitszustand in Tripolis zu verschlechtern scheint. Gestern wurden in den Straßen der Stadt ungefähr fünfzig Leichen von durch Cholera»der Hunger verstorbenen Eingeborenen gefunden. Auch in den Palmenpflanzungen befinden fich noch viele Leichname. Uuter den italienischen Soldaten werden täglich etwa vierzig Cholerafälle festgestellt. Türkische Kampfberichte. Paris, S. November. Wie der«Agence HavaS' auZ Konstantinopel gemeldet wird, hat nach einer amtlichen Nachricht ein italienischer Kreuzer im Roten Meer ein t 2 r l i s ch e S Transportschiff in der Nähe von A l a b a beschossen und zum Sinken gebracht. Der größte Teil der Mannschaft wurde gerettet. Der Deputierte R a h m i hat der Kammer w Konstantinopel aus Tripolis ein Telegramm gesandt, das vom 3. d. MtS. datiert ist und die Nachricht enthält, die Türken hätteu am Z. d. M Tripolis angegriffen und die italienische» Stellungen außerhalb der Brfestigungs. werke der Stadt genommen. Nach einer Meldung aus Tripolis vom S. d. M. hat eine östlich der Stadt vor Feschlum aufgestellte türkische Batterie einige Geschosse aus die auf der Reede liegenden Schiffe und in die Stadt geschleudert, während Araber in einer Palmenpflanzung aus dem Hinterhalt auf die Italiener feuerten, die unter dem Schutz der Schiffsgeschütze einen kräftigen Gegenstoß führten. Die italienische Darstellung.. Tripolis, 6. November.(Meldung der.Agencia Stefani.) Die italienische Artillerie fügte der feindlichen Artillerie und Infanterie vorgestern ernstliche Verluste zu. Die Türken haben sicherlich Kenntnis von der Ankunft der italienischen Verstärkungen. Ihre Offiziere erkennen, daß die italienischen Stellungen gegenwärtig uneinnehmbar sind. Die Türken müssen die Araber ernähren, um wenigstens zu versuchen, sie zusammen bei sich zu halten. Die Schwierigleit der Lage offenbart sich in Taten offenen Aufruhrs gegen die Türken. Vorgestern plünderte eine Gruppe von Arabern eine kleine Karawane mit Lebens- Mitteln, die für die Türken bestimm» war. Diese versuchten, sie in ihren Besitz zu bringen und die Plünderer zu bestrafen, aber die Araber septen sich mit den Waffen zur Wehr, und die Türken sahen sich gezwungen, einzulenken. Die Kapitäne Moizo und Piazza haben vorgestern Erkundungsflüge unternommen Moizo gelangte bis über Ainzara hinaus und warf zwei Bomben in ein feindliches Lager. Er fand, daß sich die Streitkräfte de» Feindes stark ver- mindert hätten. Auch Piazza konnte mit Erfolg zwei Bomben auf feindliche Abteilungen werfen. Die Flieger fanden. daß sich das Oberkommando der arabisch-türkischen Truppen in Suk el Giama befindet.— General B r i c c o l a meldete aus B e n g h a f i. daß er den Platz und die anderen von seiner Division besetzten Orte zur Ver- teidigung eingerichtet habe. Infolge der letzten steinen Gefechte haben sich die vor unseren vorgeschobenen Posten umher- streitende» Marodeure der Beduinen zurückgezogen, und die italieni- schen Truppen beherrschen jetzt das Gelände bis zum Fluß des BarkaplateauS._ Die Revolution In China. Die Nachgiebigkeit des Thrones. Peking, 5. November. Der Thron hat die National- Versammlung aufgefordert, ein Wahlgesetz für das Par- lament zu verfassen und die Wahlen vorzunehmen. Der Thron willigte auch ein,. die von den Revolutionären gebildete politische Partei anzuerkennen. Die revoliitionäre Flotte. Schanghai, 6. November. Drei kaiserliche Kanonen- boote von der Flotte des AdmiralS Sah liefen gestern in den hiesigen Hafen ein, um Lebensmittel und Munition an Bord zu nehmen. Heute früh gingen sie zu den Rebellen über. AIS die Flagge der Rebellen hochging, sah man, wie die Mannschaften der Schiffe Freudentänze aufführten und ein- ander die Hände schüttelten. Die Ordnung in Schanghai wurde bisher nicht gestört. Im Arsenal werden SSaffen und Munition unter die Rclrulcn der Aufständischen verteilt, die allen Schichten der Bevölkerung, besonders aber studentischen und Handelskreisen angehören. ES sind wahreKnaben unter ihnen, die meisten wissen mit Feuerwaffen überhaupt nicht umzugchen. Die Straßen, in denen die Menge sich in fröhlichster Stimmung bewegt, bieten mehr das Bild eine? öffentlichen Feiertags, als das einer Revolution. Die Fremden werden höflich gegrüßt. Ein Fort bei Wusung ist zu den Rebellen ubergcgange»; hjx Besatzung eines anderen Forts ist noch un- schlussig. Erfolge der Revolution. Schangbai, g. November. Die Umgebung von Schanghai, Wusung, Hangtschou und S u n g k t a n g ist in den H ä n- chen der Revolutionäre. Sutschou ist. zu ihnen über- gegangen. Di« Aufständischen erließen Prostamationen. durch die die Likinzölle aufgehoben werden und nur die Seezölle auf- rechterhalten bleiben. AuanschikaiS Weigerung. Peking, 6. November. Duanfchikai weigert sich noch immer, das Amt eine» Premierministers anzunehmen. Die Regierung unterhandelt mit einer internationalen Gruppe wegen einer Anleihe. Tie Frage der Sicherheit erzeugt hierbei Schwierigkeilen. Ein deutscher Kreuzer in Schanghai. Berlin, 6. November. Der große Kreuzer Gneilenau hat den Befehl erholten, nach Wusing-Reede zu gehen zur Wahrung der deutschen Interessen in Schanghai. Seine Ankurft ist dort am 8. d. M. zu erwarten Er wird in Nanking durch das Kanonenboot Tiger ersetzt, so daß die funkentelegraphlsche Ver- bindung Hankau— Kiautschou gesichert bleibt. ZentrumshalhuIatloneD. Man weiß, daß das Zentrum allen Maßnahmen, die das Wahl- recht der breiten Masse des Volkes mehren können, abgeneigt ist. Es widersetzt sich der Wahlrcform in Preußen mit einer Harmackigkeit. die sich von der der Konservativen nur dadurch unterscheidet, daß zu ihr die Unehrlichkeit kommt. ES will auch nicht«iiimal von einer gc- rechten und einigermaßen glcichinSßlgcn Abgrenzung der Wahlkreis« etwa« wissen. Natürlich geschieht das nicht a»S Parteiintercsie— wer könnte so schnöde von dem Zentrum denken, dem Wahr- heit und Recht über alle« geht und das auch bei seiner Haltung in der Frage der WahlkreiSeinteilung einzig und allein Gründe der Gerechtigkeit und de» Allgemeinwohl» walten läßt. Neben der bloßen Kopfzahl— so lesen wir in der.Kölnischen Volks«' zeitung'— müssen auch die örtlichen Verhältnisse Einfluß auf die Zusammensetzung der Volksvertretung ausüben, denn ein Staat ist nicht bloß eine Anhäufung von Menschen, sondern besteht auch aus Grund und Boden, und seine Bedeutung wird durch Einwohnerzahl und Flächenraum bestimmt. Darauf folgt eine lange Aufzählung alles dessen, was die Stadt olles dem Lande und seiner Bevölkerung verdankt— als ob die ländliche Bevölkerung der Industrie und den Städten nicht ebenso viel verdankte I Immerhin ist das rheinische ZentrumSblalt so gnädig, den Großstädten und den Jndustriebezirken zuzugestehen, daß sie ihrer Bedeutung entsprechend nicht mehr im Reichstage zur Geltung kommen. Und um hier Wandel zu schaffen, rückt daS Blatt mit folgendem sauberen Plänchen heraus: Will man der Frage der Teilung der großen Wahlkreise nähertreten, so muß man vor allem darauf sehen, daß die G e- samtinteressen dieser Kreise eine angemessene Vettretung finden. In den Städten und Industriezentren gehen die Interessen weit auseinander, durch eine Teilung der Wahlkreise würde ihnen aber keine entsprechende Vertretung gesichert. Gewiß könnte eine geschickte WahlkreiSgeometrie den Lide- ralen das eine oder andere Mandat in die Hände spielen, in der Hauptsache aber würden die Sozialdemokraten den Vorteil haben. Große Minderheiten würden dabei leer ausgehen. Schon 1807 erhielten in den vier Riesenwahl« kreisen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes die Sozialdemokraten l3S OOv Stimmen und drei Mandate, das Zentrum lLSvvü Stimmen und ein Mandat, die Nationalliberalen 120 000 Stimmen, aber kein Mandat. Da drängt sich unwillkürlich der Gedanke der Ver- hältniswahl auf. Das Gros der Wahlkreise ist räumlich ausgedehnt genug. Eine Zusammenlegung, um Wahlkreise mit mehreren Mandaten zu gewinnen und so die Einführung der Berbältniswahl zu ermöglichen, wäre kaum Wünschens- wert. ES würde nur das Band zwischen dem Kreise und seinem Abgeordneten lockern. Anders steht es bei den Riesenwahllreisen, die an und für sich eine Einheit bilden. Hier würde jede Teilung etwas Willkürliches haben. Will man ihnen daher eine stärkere Vertretung geben, so wäre eS gewiß ernster Erwägung wert, ob man nicht für diese Kreise die Ver- hältniswahl einführen will. Städte wie Berlin, München. Ham« bürg, die jetzt in mehre Wahlkreise eingeteilt sind, würde man dann allerdings wohl am besten als Einheit nehmen.' Auf d»ese Weise will das Zentrum die.Gesamtinteressen' der Riesenwahlkreise wahren I Wie uneigennützig und selbst- loSl In Wirklichkeit»st da» Ganze eine der Jesuitereien wie man sie beim Zentrum gewohnt ist. Die kleineren und mittleren Wahlkreise bleiben unberührt, das Zentrum, das hier heimisch ist, läßt daran nicht rütteln und läßt sich daS Uebergewicht. daS es durch sie hat, nicht nehmen. Aber die Riesenwahlkreise, wo«S mehr und mehr durch die Sozialdemokratie verdrängt worden ist und immer weiter verdrängt wird, da kann eS bei der Verhältniswahl, wo seine Minoritäten i»S Gewicht fallen, nur gewinnen. Darum: im„Ge- samtinteresse'. b. h. im ZentrumSinleresse her mit der Verhälrntswahl in den Riesenwahlkreisen I In den vier Wahlkreisen deS In- dustriebezirks, wo da» Zentrum jetzt nur einen und von lSl2 vielleicht gar keinen Abgeordneten mehr hat, würde eS, wenn dieser Bezirk neun Abgeordnete erhielte, unter der Verhältniswahl drei Mandate einheimsen. Und wenn man Köln-Stadt und Köln- Land zusammenlegte und für den so gewonnenen Bezirk, der dann 000 000 Eniwohiier zählte, drei Abgeordnete bewilligte, könnte das Zentrum bei der VerhälliiiSwahi darauf rechnen, wenigsten» einen Sitz für seinen geliebten Trimborn zu retten, während unter den jetzigen Umständen die beiden Kölner Kreise wohl bald der Sozialdemokiatie anheimfallen und Karl Trimborn sich ouS Köln in einen EifelwahlkreiS flüchten muß! Man sieht. daS Zentrum hat feine Gründe, wenn e» für die Großstädte und die Jndustriebezirke eine Vermehrung der Sbgeord- nelen und die Verhältniswahl fordert. Zur cebensmitteltenernng. Ein Erfolg sozialdemokratischer Kritik. Im Stadtvcrordnelenkollegium zu Leipzig wurde kürzlich die sozialdemokratische Interpellation über die herrschende Teuerung verhandelt. Die bürgerliche Mehr« heit— die gerade vom Richtfest des Völkerschlachtdenlmals kam, also in bester»patriotischer' Stimmung' war— und auch der Rat wollten durchaus nicht anerkennen, daß ein Notstand existiere. So lehnte denn die bürg�liche Mehrheit die sozialdemokratischen An- träge ab, die an den Rat das dringende Ersuchen richteten,.bei der Lande»- und Reichsregierung unverzüglich Schritte dahin zu unteritehmen, a) daß die NahrungSmittelzölleauf» gehoben, d) die Grenzsperre für die Einfuhr von Vieh und Fleisch beseitigt und o) daS System der Getreideeinfuhr- icheine abgeschassl werde.' Ferner»daß kommunale Ein» r i ch t u n g e n getroffen werden, durch die unserer Bevölkerung mög- lichst billig« Nahrungsmittel verniitielt werden.' Natürlich geißelten unsere Genoffen das Verhalten der Bürger- lichen und de» Rate» in scharfer Weise. Dem Oberbürgermeister Dr. Dittrich stieß die sozialdemokratische Kritik bitter auf. Er klagte über.frevelhafte Art', in der.eine gewisse Preffe'(die .Leipziger Volks Zeitung') die Haltung de» Rate» kritisiere. Natür- lich vienle den klagende» Herren Genoffe Seger al» Redakteur dieser .gewissen Presse' in gebührender Weise. Diese.frevelhafte' sozialdemokratische Kritik hat aber doch der« artig in der Oeffentlichkeit gewirkt, daß sich der Ra» nunmehr ver- anlaßt sieht, zum mindesten für.seine' Arbeiter etwa» zu.sorgen'. Er unterbreitet nämlich dem Stadlverordnetenkolleg,um eine Vorlage um Gewährung von Beihilfen an«inen Teil der städtischen Beamten, Arbeiter. Pensionäre usw. Der Rat schreibt zur Begründung seiner Vorlage: Nachdem in der letzten Zeil verschiedene LebenSbedürf« nisse gestiegen lind, steht zu befürchten, daß namentiich kinderreiche Familien während de« bevorstehen- den Winters, n bedrängt« Verhältnisse geraten könne». Der Rai hält«S deshalb neben den vom Ooerbürger- meister Dr Dittrich in der StaStverordnetensitzung vom 18. Oklover in Aussicht' gestellten Maßnahmen für angezeigt, die erwähnten Beihilfen zu gewähren. Da» ist da» glatte Eingeständnis, daß die sozialdemokratischen Vertreter mit ihrer Kritik im Rechte waren. Doch darf da» natür« lich ein hochwohllöblicher Rat nicht«ingestehen.— Dies« Beihilfe soll cine einmalige sein und nach de» Beschlüssen de» Rate» gewährt werden den verheirateten oder verwitweten städtischen Beamten. Angestellten. Hilfsarbeitern und Arbeitern— und zwar auch den weiblichen, die die Ernährer ihrer Familien sind—. soweit sie. auS- schließlich etwaig» dienstlicher Nebenbezüge, wie ZShlgeld. Be- lleidungSgelv, Ueberftundenenlschädigung und dergleichen, ein jährlich feste» oder durchfldnirlliche» Diensteinlommen von nicht n»ehr al« lsoo m. beziehen ,- ferner den im Siuhestande stebenden verheirateten oder verwitweten ehemaligen städtischen Beamten, die nicht mehr ql» 1000 M. Pension beziehen, und den Witwen ehemaliger städtischer Beamten, die nicht mehr al» 000 M. Pension beziehen; schließlich den in» Ruhestände stehenden verheirateten oder verwitweten ehe« maligen städtischen Arbeitern und den Witwen ehemaliger städtischer Arbeiter. Die einmalige Bethilfe soll bei einem Kinde unter tv Jahren 40 M., bei 2 oder 3 Kindern unter 10 Jahren SO M. und bei mehr als 3 Kindern unter 10 Jahren 00 M. betragen, und zur Hälfte sofort nach Erteilung der Zustimmung der Stadtverordneten und zur anderen Hälfte am IS. Januar 1912 ausgezahlt werden. Der Rat will sich dabei vorbehalten, bei besonder» kinderreichen Familien noch über 60 M. hinauszugehen. Der durch die Gewährung dieser Beihilfen entstehende«uswand läßt sich nach der Meinung deS RateS nur schwer schätzen, doch hofft er mit 210000 Mark auszukommen. Erfordert iedoch, um in besonderen Fällen etwas höher gehen zu können, ein Berechnung»- geld von 2V0 000 Mark. Mit dieser.Sorge' des Rate» um.seine' Arbeiter ist natür- sich der übergroßen Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung Leipzig» noch nicht geholfen. Gerade sie trifft ja die nunmehr auch vom Rat anerkannte Not ganz besonder», als sie außer der Not der Teuerung auch noch die doppelt schwere Rot der Arbeit»« losi gleit trifft, von der ja die städtischen Arbeiter und vor allen Dingen die Beamten— verschont sind. Darum hat der Rat seiner Vorlage noch ein soziale» Mäntelchen umgehängt, indem er für die Speisung der Kinder in den Schulen, für die Errichtung zweier neuen Speiseanstalten und für die Unterstützung sämtlicher bestehenden Speise- anst alten Mntel verlangt. Wie.durchgreifend' diese.Hirse' gedacht ist, geht aus dem RalSschreiben hervor, in dem e» heißt, daß für die Speisung armer bedürftiger Kinder in den Schulen während des kommenden Winters ein Berechnung»- geld in Höhe von 30 000 Mark, und für die Errichtung zweier neuen Speiseanstalten sowie zur Unterstützung samt« sicher Speiseanstalten.bei einem etwaigen Fehlbetrage' ein Berechnungsgeld von 40 000 M. gefordert wird. Daß diese 70 000 M. bei einer Bevölkerung von über einer halben Million Menschen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können, weiß natürlich auch der Rat der Stadt Leipzig. Den Brotwucherern und LebenSmitlelverteurern jedoch direkt zu Leibe zu gehen, verbietet ihm sein und seiner Klaffengenossen JnteressenegoiSmuS. Da ist schon vor- teilhafter, au» dem in letzter Linie doch nur von der arbeitenden Be» völkerung gefüllten Stadtsäckel Mittel für loziale Kuren zu entnehmen, und sei es auch nur, um dem JndifferentiSmuS auf» neue die Auge» zu trüben._ Politische dcbcrlicht. Berlin, den 6. November 1911. Jungliberale Phraseure. In unserer Montags-Cxtraausgabe haben wir bereits unter dem Titel..Jungliberale Halbheit" den kuriosen rheto- rischen Eiertanz gekennzeichnet, in dem sich auf dem am Sonn- abend in Karlsruhe abgehaltenen Jungliberalen Parteitags der Rechtsanwalt Dr. Kauffmann-Stuttgart als Bericht- erstatter des jungliberalen Vorstandes produzierte. Wie Herr Kauffmann sich bei der Erörterung des Ausbaues der heutigen Rcichsverfassung und der Kolonialfragen als geübter Phrasen» jongleur erwies, so auch in seinen Ausführitngen über die von den Nationalliberalen bei der nächsten Reichstagswahl zu be- folgende Taktik. So meinte er zum Beispiel: .Unser Ziel muß sein, eine ausschlaggebende Stellung des Liberalismus im neuen Reichstag zu erkämpfen. Es ist ganz richtig, daß die Liberalen durch ein prinzipielles Zusammengehen mit der Sozialdemokratie die Konservativen und das Zentrum in ihrem Mandatsbestand sehr erheblich schwächen könnten, aber ebenso sicher ist, daß der Mandatsgewinn dabei mindestens im gleichen Umfang der Sozialdemokratie wie dem Liberalismus zugute kommen würde. Aber was wäre die Folge davon? Werden die Kon- servativen auf SO Mandate heruntergebracht— und da» liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit—, und kommt der Liberalismus auf 140 und mehr Mandate, so ergibt eine ein» fache Berechnung, daß die Regierung zu jeder Ge- setzesvorlage die Mithilfe des Zentrum» brauchte, so daß also die Folge der ganzen Großklockpolitik keine andere wäre als eine verstärkte Machtstellung deS�Zentrum» im Reichstage. Der Liberalismus wird also vor den Hauptwahlen den Kampf gegen die So- zialdemokratie mit derselben Entschiedenheit zu führen haben wie den gegen die Reaktion, und er wird sich für die Stich. Wahlen erst festlegen dürfen, wenn der Ausgang der Hauptwahl zu übersehen ist. Der Liberalismus wird, wenn er sich nicht selbst opfern will, weder die eine noch die andere Stichwahlparole vor den Hauptwahlen aus- geben dürfen, und nach den Hauptwahlen wird er sie ausgeben müssen, ohne jede falsche Sentimentalität, lediglich unter dem Gesichtspunkt der Verstärkung seiner eigenen Machtposition. Die nationalliberale Partei wird daher ouch vor einem Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratie nicht zurückschrecken dürfen.' Soweit aus diesen Worten der Jdeengang der junglibe- ralen Herren entnommen werden kann, sollen also oie Libe- ralen die Konservativen nicht so stark schwächen, dah eine nationalliberal-konservative Mehrheit ausgeschlossen wäre. aber gleichzeitig soll auch eine konservativ-klerikale Mehrheit verhindert werden. Wenn es also nicht gelingt, ausschließlich das Zentrum zu dezimieren— und das schaffen die Jung- liberalen nicht—, gibt es ein schwereres Stichwahlexempel, dessen Lösung der jungliberale Gemütömensch dann auch die in der Hauptwahl heftig bekämpfte Sozialdemokratie gnädigst zulassen will. Kluge Leute seiner Art setzen sich jedoch häufig zwischen zwei Stühle. So wird es wohl auch den Liberalen bei den kommenden Wahlen passieren. Charakteristisch ist übrigens, daß bei den Jungliberalen fast noch eine größere Begeisterung für Kotoniälerwerbungen und Kolonialkriege herrscht als bei den Rechtsnationall�e- ralen. Selbst Herr Rebmann, der von den westfälischen Kon» servativ-Liberalen als„Großblock-Vater" verspottete Führer der Nationalliberalen in Baden, machte in Kolonial- schwärmerei. Er sagte u. a.:„Zorn und Scham erfüllt un» über unsere äußere Politik. Zorn, daß kein deutscher Mann in der Regierung ist, der die Waffen, die ihm das deutsche Volk in die Hand gedrückt hat, zu gebrauchen weiß. Fern sei es von uns, einen frivolen Krieg herbeiführen zu wollen. Aber wer das Schwert in der Hand hat und es n i ch t z u g e b r a u ch e n w e i ß.— das muß uns mit Scham erfüllen.(Stürmischer Beifall.) Unsere Parole für die kam- Menden Wahlen fei: vorwärts und aufwärts I(Stürmischer'. minutenlanger Beifall.) Die Jungliberalen' unterschekden sich nur noch von den „Sllfen" durch ihre ftärlere Vorliebe für schöne Phrasen und politische Ausschneiderei._ Lindequist.- Herr v. Lind equ ist soll nach einer Mitteilung«ine» Berliner MitwgSblatteS sich durch die offiziösen Beschimpfungen in seiner persönlichen Ehre verletzt fühlen(was allerdings eine •W zu hohe Mt'NMlg über die Auslastungen der DethmSnnische« Pveßlakaien verriete) und sich an den zuständigen Ehrenrat zur Beurteilung seines Verhaltens wenden wollen. Herr v. Lindequist ist Hauptmann, Herr v. Bethmann Major. Es ist also möglich, daß sich die Herren miteinander schießen müssen. Das können wir nun nicht hindern. Aber wir können Herrn v. Bethmann schon jetzt versichern, daß wir in der kritischen Stunde für ihn beide Daumen halten werden. Denn es wäre schrecklich, wenn Herr v. Lindequist dem deutschen Volke seine beste Wahlparole durchlöchertel Zum Zusammentritt des sächsischen Landtags. Nach eincinhalbjähriger Pause treten am Dienstag die sächsi- schen Landtagsabgeordncten wieder zur Tagung zusammen. Die Zusammensetzung hat inzwischen eine kleine Verschiebung er- fahren. Unsere Genossen haben im Leipziger Landkreise, der bisher von einem Freikonservativen vertreten wurde, bei der Ersatzwahl einen Sieg erfochten und ziehen nun 26 Mann stark ein; dagegen kehren die Nc-tionalliberalen geschwächt wieder. Unser Sieg in Leipzig-Land bedeutet einen Verlust für sie, denn der verstorbene Abgeordnete Dürer war Hospitant bei der nationalliberalen Frak- tion. Außerdem ist der Abgeordnete Merkel ausgetreten und Lang- Hammer ausgeschlossen worden. Es werden daher die Konservativen nach wie vor 27 Vertreter haben, die Nationalliberalen aber auf 26 zusammengeschmolzen fein; die Sozialdemokraten find nun ge- nau so stark wie die Nationalliberalen. Zu den 8 Freisinnigen werden sich noch 2 Wilde gesellen, die bei den Fortschrittlern hospi- tieren dürften. Zwei Reformer werden im wesentlichen mit den Konservativen gehen. Die kleine Verschiebung hat insofern Bedeutung, al» nun die Konservativen Anspruch auf den Präsidentensitz erheben, der bisher von dem Nationalliberalen Dr. Vogel eingenommen wurde. Ob die Nationalliberalen auf diesen wichtigen Posten ohne weiteres verzichten werden, ist um so fraglicher, als sie mit den Fortschritt- lern zusammen noch eine relative Mehrheit stellen können, wenn unsere Genossen bei der Präsidentenwahl weiße Stimmzettel ab- geben. Die sozialdemokratische Fraktion hat Anspruch auf einen Vizepräsidenten und einen Schriftführer; dieses Recht wird auch geltend gemacht werden. Im vorigen Landtage erklärten sich die Nationalliberalen bereit, für einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten zu stimmen, wenn er sich verpflichte, an der feierlichen Eröffnung des Landtages durch den König teilzunehmen. Sie beriefen sich dabei auf der- fassungsrcchtliche Bestimmungen. Unsere Genossen erklärten, sich keinerlei Vorschriften machen lassen zu können; sie forderten den Vizepräsidentenposten bedingungslos. Darauf wählten die Ratio- nalliberalen mit den Fortschrittlern zusammen einen Fortschrittler mit kleiner relativer Mehrheit zum zweiten Vizepräsidenten. Natürlich lassen sich die sozialdemokratischen Abgeordneten auch diesmal auf keinerlei Bedingungen ein. Die LandtagSverhandlungen werden sich alsbald sehr lebhaft gestalten. Sozialdemokratische Anträge wegen der Teuerungsnot und für Einführung des allgemeinen Wahl- rechts sollen alsbald eingebracht werden und werden wahrscheinlich schon in der nächsten Woche zur Beratung kommen. Lebhafte De- batten wird auch eine sozialdemokratische Interpellation auslösen, durch die die Regierung wegen der Vereitelung der Heimarbeits- ausstellung auf der Internationalen Hygicneausstcllung zur Ver- antwortung herausgefordert werden soll. Auch andere Parteien werden mit Interpellationen aufwarten. Ob die Konservativen ihre Absicht verwirklichen und die Regierung wegen de? angeblich neuen Kurses, der ihnen nicht mehr reaktionär genug ist, durch eine Interpellation anzapfen werden, ist noch nicht gewiß. Jeden- falls wird aber die Frage des sächsischen Regierungskurses inter- «ssante Debatten bei der Etatsberawng auslösen, wo auch die sozialdemokratischen Abgeordneten mehrere Hühnchen mit der Re- gierung zu rupfen haben. Wichtige Gesetzesvorlagen sind zwar in der ersten Zeit »och nicht zu erwarten, doch ist ein G e m e i n d e st e u e r g e s e tz- entwu r f bestimmt in Aussicht gestellt, der das Gemeindesteuer- geseh nach preußischem Muster landesgesehlich regeln soll. Große heftige Kämpfe werden um die Volksschulevorlage ent- brennen, die ebenfalls in Vorbereitung ist. Besonders die Reform des Religionsunterrichts wird scharfe Zusammenstöße zeitigen. Ob diese Kämpfe schon in diesem Landtage zu einer Entscheidung führen, ist indes fraglich, es muh vielmehr mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß eine Zwischendeputation eingesetzt und so die wichtige Gesetzesvorlage erst dem übernächsten Landtage zur Erledigung zugeschoben wird. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden alleS versuchen. bie im letzten Landtage von ihnen in Fluß gebrachten sozialpoliti- schen Anträge, vor allem die Frage der ArbeitSlosenver- stcherung. weiter zu fördern. Hierzu hat die Regierung eine Denkschrift in Aussicht gestellt. Auf positive Erfolge von größerer Bedeutung kann jedoch die sozialdemokratische Fraktion nicht rechnen. Selbst wenn in der Zweiten Kammer eine Mehrheit für fortschrittliche Reformen zu- stände käme, was bei der bekannten Jämmerlichkeit der National- liberalen auch kaum zu erwarten ist, so besteht doch die r e a k t i o- närePhalanx.die von der Regierung und der Ersten Kammer gebildet und von den Konservativen in der Zweiten Kammer nach Kräften gestützt wkd._ Feige Vertuschung. Este vadische Zentrumspresse liegt mit den Nationalliberalen Segen der Konstanzer Wahl noch in scharfer Fehde. Dabei spielt auch das Stichwahlabkommen mit den Sozialdemokraten eine große Rolle. Das liberale Blatt in Singen, dem Wohnsitze des neu- gewählten Abg. Schmid, schreibt auf einen Angriff deS dortigen Zentrumsorgans: .Wir stellen hiermit auf Grund genauer Kenntnis des Sach. Verhalts fest, daß diese zentrümliche Behauptung eine grobe Nn- Wahrheit ist. Reichstagsabg. Schmid bat keine auf die Stichwahlhilfe bezüglichen Bedingungenunter- schriebe n." Demgegenüber erklärt der sozialdemokratische Parteisekretär für Oberbaden, der in Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden der badischen sozialdemokratischen Landesorganisation die Verhandlungen mit den Nationalliberalen leitete: .Der(natl.) Kandidat Schmid, der an der Sitzung nicht teil- nehmen konnte, hatte schon im Laufe des TagcS dem Vorsitzenden des sozialdemokratischen Kreiswahlkomitees erklärt, daß er die gestellten Forderungen anerkenne, da er ganz auf dem Boden der Forderungen stehe. Die Vertreter der Liberalen gaben in der Sitzung die gleiche Erklärung ab. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: .Die anwesenden Vertreter der beiden liberalen Parteien erklären im Einverständnis und im Auftrage des Kandidaten Herrn Schmid, daß er im Falle seiner Wahl für solche Gesetze und Gesetzesänderungen, wie sie in der Resolution des Jenaer sozialdemokratischen Parteitages verworfen werden» nicht ein- treten wird." Die Erklärung wurde mündlich abgegeben und vom Genossen Engler. dem Parteisekretär, zu Papier gebracht. Eine Unterschrift oder eine schriftliche'Erklärung von Herrn Schmid zu verlangen. hatten wir unter den gegebenen Umständen ksinen Anlaß." veomü» Redeckt.:«ich«» Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.; COrhei Eine Niederlage des Kriegsministers. Konstantinopel, 6. November. Die Kammer setzte heute die Diskussion über den Versuch fort, den Abgeordneten L u t f i Fikri zu verhaften. Da der Kriegsminister der Kammer geschrieben hatte, er werde übermorgen eine Er- klärung abgeben, griff die Opposition den Minister aufs Heftigste an und verlangte, daß er sofort käme. Riza T e v f i k bezeichnete einen solchen Aufschub als unzulässig, da es sich um eine Lebensfrage der Verfassung handle. die Kammer müßte wissen, wer den Verhaftungsbefehl, den der Großwesir nicht kenne, erlassen habe, und mit welchem Recht der Minister in der Militärschule politische Reden halte. Als ein jungtürkischer Redner bemerkte, der Kriegsminister sei durch den Krieg stark beschäftigt, erwiderte Riza Teofik, der Minister führe nicht Krieg gegen Italien, sondern gegen die Kammer; er konzentriere die Truppen in Konstantinopel, statt sie gegen Italien zu schicken. Nach Schluß der stürmisch ver- laufenen Debatte nahm die Kammer mit 123 gegen 33 Stimmen eine oppositionelle Tagesordnung an, die das Verlangen des Ministers nach Verschiebung der Antwort auf die Interpellation auf übermorgen z u r ü ck w e i st. Nur ein Teil der Jungtürken, der die eifrigsten Mitglieder des Komitees umfaßt, stimmte zugunsten des Kriegsministcrs. Der Beschluß der Kammer wurde unverzüglich dem Kriegsminister mitgeteilt. perNen. Rußland sucht Streit. London, 6. November. Aus Teheran melden die„Times" unter dem 5. November, Rußland verlange eine Entschuld i- gung für eine angebliche Beleidigung von zwei russischen Konsularbeamten bei Gelegenheit der Beschlagnahme des Eigen- tums Schoa es Saltanehs. Persien verweigere die Ent- schuldigung, wenn nicht durch eine Untersuchung die Wahrheit dcv Anklagen bewiesen werde. Die russische Regierung lehne jedoch die Untersuchung ab und lasse durchblicken, daß sie eine Besetzung der Provinz Silan und des Distrikts Talisch bei Ardcbil beabsichtige. )Ziis der Partei. Der Protest gegen die koloniale RaabpolitE. Amsterdam, 5. November.(Gig. 93er.) Am heutigen Sonntage demonstrierte das holländische Proletariat zugleich mit der Arbeiterschaft anderer Länder auf einem auf Initiative des Internationalen Sozialistischen Bureaus ver- anstalteten Meeting gegen den Krieg, insbesondere gegen den Raubzug der italienischen Regierung gegen Tripolis. Der große Saal des«Palais voor Volksvlyt" war gut besetzt. Redner waren der belgische Genosse A n s e e l e und T r o e l st r a. die unter wiederholtem lauten Beifalle der an- wesenden Arbeiter und Arbeiterinnen den Militarismus und Imperialismus der kapitalistischen Regierungen in schärfster Weise kritisierten und das holländische Proletariat zum Zu- sammenschluß auf der Grundlage der Internationale auf- forderten, zur Bildung der Macht gegen den Krieg, für den Frieden und zur Erringung des kommenden Sozialismus. Die vom Internationalen Sozialistischen Bureau vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Die englische Arbeiterbewegung hat sich entschlossen, eine große Propaganda gegen den Krieg zu entfalten. Die Vertreter aller dem Internationalen Sozialistischen Bureau angeschlossenen Organi- sationen sind zusammengekommen und haben folgende Resolution gegen d en tta li en is ch en R au b z u g angenommen: .Diese Versammlung beklagt die Weigerung der italienischen Regierung, ihre angeblichen Beschwerden gegen die Türkei einem internationalen Schiedsspruch zu unterbreiten, sie verurteilt die italieuische Regierung aufs schärfste für die ungerechtfertigte Bombardierung und Besitzergreifung von Tripolis im Interesse kapitalistischer Ausbeutung und hört mit Entrüstung von den Barbareien, die die italienischen Trupven verübt habeir sollen. Die Versammlung drückt ferner die Hoffiinng aus. daß die kriegführenden Parteien ihre Differenzen sofort einem Schiedsgericht unterbreiten werden, und schließt sich den organisierten Arbeitern Europas an in der ernsten Kundgebung ihres AbschcuS vor dem Krieg und in dem Bemühen, ihre respektive» Regieriinqen zur Her- stellung deS Friedens zwischen den kriegführenden Mächten zu ver- anlassen." ES wurde auch beschlossen, alle Sektionen aufzufordern, in allen Versammlungen gegen den Krieg Stellung zu nehmen._ Die Sozialdemokratische Partei der Provinz Hannover hielt am Sonntag, den 5. und am Montag, den 6. November, im Gewerkschaflshause in Hannover ihre Provinzialveriammlung ab. Die zur Landesorganisation gehörenden 12 Wahlkreise der Provinz waren durch 63 Delegierte(darunter Frauen) vertreten. Vom Parteivorstand wohnte Genosie Otto Braun« Berlin den VerHand- lungen bei. LluS den, eine zweijährige Periode umfasienden G e- schäftsbericht ist folgendes zu entnehmen: Während der Berichtsjahre hat wiederum eine bedeutende Ausbreitung der Organi-> iation staltgefunden. Die Zahl der Ortsvereine hat sich von 68 auf 146 vermehrt. Außerdem wohnen in einer großen«»zahl von Orlen organisierte Parteigenossen, die noch nicht in OrlSvereinen zusammengeschlossen sind. Die Mitgliedckzahl ist von 21 646 männlichen und 3123 weibliche» Mitgliedern am 1. Juli 1669 auf 26 S68 männliche und 4734 weibliche Mit- glieder am 30. Juni 1911 gestiegen. Die Gesamt« steigerung betrug also 5493 Mitglieder, das sind 22 Prozent. Damit kann die Partei zufrieden sein. Auch die Beitragsleistung ist bester geworden. JnSgesamr wurden in der Be- richtSperiode in den 12 angeschlossenen Kreisen 210 282 M. eingenommen und 183 524 M. ausgegeben. Hiervon erhielt der Partei- vorstand 31 754 M. und der Provinzialvorsland 23 155 M. Eni- sprechend diesen Zahlen war die agitatorische Tätigkeit sehr rege. ES wurden in der Berichtszeit im ganzen 31t 000 Kalender und 1 983 050 Flugblätter und Broschüren verbreitet. Das Bersamm» sammlungSlcbcn war ebemallS außerordentlich lebhaft; es wurden im ganzen 2283 Versammlungen ldarunlcr 7 13 öffentliche) ver- ansialtet. Die Jugendbewegung machte erfreuliche Forlschritte. Im ganzen bestehe» in 16 Orlen Jugendausichüsse und die Zahl der Abonnenten der.Arbeiter-Jugend" beträgt 3026. davon 2253 in Hannover. Die Beteiligung der Partei an den Gemeindewahlcn ist außerordentlich erichwert durch die vorsintflutliche Hannoversche Städteordnung. In drei Städten verfügen wir über vier Bürger- vorstehersitze. In den Landgemeinden hatten tdir etwas bessere Erfolge. Im Jahre 1911 wurden in 87 Gemeinden 89 Gemeinde- auSschußmitglieder gewählr. Der.VolkSiville", das Organ der hannoverschen Genoffen, zählte am 31. März 1911 33>81 Abonnenten; 12 610 entfallen davon auf die Provinzorte. Durch eine energische Agitation ist die Abonneuteiizahl auf 35 300 gesteigert worden. Im weiteren Verlauf der Tagung hielt Genosse Brey einen Vortrag über die bevorstehenden ReichStagSwahlen und über die politischen Verhältnisse in der Provinz Hannover. Er geißelte da» Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.li VerlagSanstaft 1 Bündnis der Nattonalliberalen mit der ganz bedeutungslosen Fortschrittspartei, das sich angeblich gegen die Reaktion, in Wirklichkeit aber gegen die Sozialdemokratie richte. Der Referent hofft, daß da? Stimmenverhältnis der Sozialdemokratie bei der bevorstehenden Wahl sich gegenüber dem Jahre 1907 verdoppeln und verdreifachen möge. Die Partei könne mit größter Zuversicht dem Wahlkampfe entgegensehen.— Die übrigen Verhandlungen waren formaler Natur. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Kommunalwahlsieg. Bei der am Sonntag in Landsberga. W. stattgefundenen Stadtverordnetenwahl für die dritte Abteilung errangen unsere Ge- nossen einen glänzenden Sieg, indem die sozialdemokratischen Kan- didaten 12l7 Stimmen erhielten, während auf die gegnerischen Müchinaschkandidaten nur 728 Stimmen entfielen. Durch diesen Sieg wird die Zatzl der sozialdemokratischen Vertreter im Sladwartamenr von 4 ans 9 erhöhl. Die Beamten der Post, Eisenbahn und Irren- anstatt stimmten geschlossen für die gegnerischen Kandidaten. Die„Wieuer Ardciter-Zeitung" teilt mit: Entsprechend den Be- schlüsien des Innsbrucks PaitettageS und in Gemäßheit der seit langem bestehenden Organikatton der Partei, trägt die Arbeiterzeitung von heute(Sonntag, 5. November) an den Titel:«Zentral- organ der deutschenSozialdemokratie�nOester« reich."_ Oottecttlchcs, Gerlchtltche« ufw, Ein beleidigter RcichsverdSudler. In einer satirischen Plauderei hatte die. Leipziger Volk«- zeitung" am 17. Juli die Vereinsmeierei gegeißelt und bei der Auszählung einer Anzahl überflüssiger und lächerlicher Beretne auch den ReichSverband gegen die Sozialdemokratie genannt und ihn mit dem Verein zur Einfuhr von Zuchieieln und dem Verein für Rind- Viehzucht verglichen. Hierdurch sühlre sich der früdere Hochschul- lchrer und jeyl als Bauer in Klinga lebende ReichSverbandZ- agent Henrici beleidigt und stellte Srrafanirag. Das Schöffen» gericht verurteilte den Redakteur Keimling zu 200 M. Strafe.— Natürlich wird gegen dieses erstaunlich hohe Urteil Berufung ein- gelegt werden._ Letzte ffochricbten* Landtagsnachwahlen in Breslau. Breslau, 6. November. Bei den heutigen Wahl- männerwahlcn sind 89 Liberale, 73 sozialdemokratische und 65 konservative Wahlmänuer gelvählt worden. Vier Wahlen sind nicht zustande gekommen. Demnach hätte Stich- wähl zwischen Liberalen und Sozialdemokraten stattzufinden. Die Konservativen haben über 30 Mandate verloren. Zum Marokkoschacher. Paris, 8. November.(W. T. B.) Die Veröffentlichung des Wortlauts deS deutsch-französischen Abkommens bietet den Blättern Anlaß zu sehr eingehenden Erörterungen. Der„Temps" schreibt: Alle diejenigen, welche diesen Vertrag mit dem deutschen Weißbuch von 1905 vergleichen, dürften zur An- ficht gelangen, daß Frankreich, ohne seine Würde und seine Inter- essen zu verletzen, Deutschland für seine Zustimmung ebenso eut» schädigen konnte, wie es vorher England entschädigt hat. Das„Journal des Debats" meint: Dem Abkommen fehlt cS an Klarheit, Bestimmtheit und Offenheit. Alles zeugt davon, daß jeder Artikel das Ergebnis eines mühseligen Ausgleichs sei. Besonders bedauerlich sei die. Fassung der beiden ersten Artikel, wo» nach Frankreich sich vorher mit der marokkanischen Regierung ver- ständigen müsse. Ministerpräsident Caillaux hätte diese Klausel niemals annehmen dürfen, er glaubte offenbar, daß der gegenwärtige Sultan und seine Nachfolger niemals imstande sein werden, eine etwaige MeinungSversch-edenheit zu äußern. Wer verbürgt das? Frankreich könnte sich eines Tages einem übelgesinnten, oder übelbeeinflußten Sultan gegenüberstehen, Frankreich ist also er- mächligt. eine politische Schuyherrschaft anSzuüben unter dem Vor- behalt der ständigen Zustimmung deS Schützlings.... Das Par- lament muß das Abkommen genehmigen ohnie Zögern, aber auch ohne Begeisterung Wien, 6. Rooemver.(W. T. B.) Das deutsch-französische Ma- rokkoabkommen wurde heute von dem deutschen und französischen Botschafter auf dem Ministerium deS Arußcrn mit dem Ersuchen um Zustimmung überreicht._ Die Revolution in China. Schanghai, 6. November.(W.T.B.) Die Städte Tsching- kiang und Tschang. tschou haben sich den Rebellen ergeben. Die Uebergabe von K o u i s a n bestätigt sich. Alle wichtigen Punkte auf der Eisenbahn bis T s ch i n- k i a n g erklärten sich für die Revolutionäre. Nur Nanking ist augenscheinlich noch immer kaiserlich gesinnt und ruhig. Aber der dortige Tatarengeneral ist sehr unbeliebt; seine Anwesenheit kann die Ursache eines Zivie- spaltes werden. Schanghai, 8. November.(Meld. d. Reut. Bur.) Schauh- sing in der Provinz Tschekiang, das Zentrum de» GrubengebieteS. ist heute in die Hände der Aufständischen gefallen. Kouinsan. eine befestigte Stadt halbwegs zwischen Schanghai und Sutschou. soll ebenfalls den Aufständischen preisgegeben worden sein. Peking, 6. November.(Meldung d. Reut. Bur.) Ein Edikt ernenm Tschengchaotseng zum Oberbefehlshaber der Truppe» in Sangtschu mit der Vollmacht eines kaiserlichen Gesandten, der sich noch den Vangtseprovinzän begeben wird, um das Boll zu versöhnen. Ferner wird Tu ansang zum E i s e n ba hnko m m i s sar mit dem Range eines Vizekönigs von Szetschuan an Stelle von Tschaoerhfang ernannt. Dir goldene Jugend. Frankfurt a. M.. 6. November.(B. H.) Ein großer Studenten. erzeß entstand heute früh gegen 5 Uhr in der Näh« oes 2. Polizeirevier?. Die Studenten wurden bei dem Versuche, in das Revier einzudringen, mit Gewalt zurückgedrängt. Einer wurde derart verletzt, daß er in das Krankenhaus aufgenommen werden mußte. Das telcphonisch herbeigerufene Krantcnauwmobil stieß unterwegs mit einer Autodroschke zusammen und wurde zum größten Teil zertrümmert. Ein Sanitätsbeamter wurde dabei schwer verletzt. Ueber die Ursache der Zusammenstöße finden Qu Mittelungen statt._ Sturmschaden in Dänemark. ttvgenhage«, 6. Nevember.(W. T. B.) Ganz Dänemark wurde in der letzten Nackt von einem Orkan heimgesucht, der teil» weise von Gewitter und Hagel begleitet war. Besonders aus I ü t- land werden große Schäden durch Ueberschwcmmungen gemeldet. Die Westküste von I ü t l�a n d wurde von einer Sturmflut heim» gesucht. Teilweise sind die Telegraphen- und Telephonverbindungcn gestört. Die Fähre Gjedser- Warnemünde ist unterbrochen. Verschiedentlich sind Schiffsunfälle vorgekommen. Der Sturm dauert unverändert an.___ äulSinger 4 Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage« n. vntrrhaltungöbl. it. 261. 28. Iahrgns. t KcilU!>» Joimirtö" ßtrlinet WsdlM. s»..»« Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich. Innsbruck, 2. November. Vormittagsitzung. Zum Punkt 5 der Tagesordnung Die Teuerung referiert Dr. Otto Bauer. Er führt in groben Zügen aus: Die erste Ursache der Teuerung ist. dah der Staat die Lebensmittelver« sorgung Privatleuten überläßt. In der Teuerung erweist sich der völlige Bankerott der bürgerlichen Gesellschaft, die nie und nimmer dem Elend, das die Teuerung mit sich bringt, steuern kann. Das hat ja Gautsch selbst erklärt, seine Hevreden waren Umsturzreden, waren der Satz des kommunistischen Manifest?:.Die bürgerliche Gesellschaft kann nicht mehr regieren, weil sie ihre Sklaven nicht mehr ernähren kannl"(Stürmischer Beifall.) Die Preise diktieren die Kartelle. Die Gesetzgebung versagt gegen fie, erfaßt sie nicht, fie sind zu tief verankert im Kapitalis- muS. Die breiten Masten des Volkes stehen hier gegen das ganze komplizierte System der Auswucherung des Volkes, ftüt unsere Zollgesetzgebung im Jahre 1917 wird vielleicht der Ausfall der deutschen Reichstogswahlen von höchster Bedeutung sein, denn die österreichische Zollpolitik ist lange schon ein Abklatsch der deutschen. Der Redner bespricht dann die Wohnungsnot, die mit eine Folge des volksfeindlichen Steuersystems ist, das den Wohnungs» bau einschränkt. Nicht als hoffnungslos will ich unsere Aktion hm. stellen, aber sorgen Sie dafür, daß sich die Arbeiter nicht einschläfern lasten von der bürgerlichen Demagogie, sorgen Sie für richtige Ein- scdäyung unserer Konsumvereine I(Sehr richtig 1) Der Referent schließt mit einem feurigen Appell zur vereinigten kraftvollen Aktion von Partei, Gewerkschaft und Genossenschast und für den BefreiungS- kämpf des Proletariats. Er beantragt unter stürmischem Beifall eine Resolution, in der u. a. ausgeführt wird: .Die Teuerung ist eine Wirkung der kapitalisti- fchen, auf dem Privateigentum an Produkttons- mittel» beruhenden Produktionsweise. Der Kapitalismus ist nicht denkbar ohne Perioden der Teuerung, wie er nicht denkbar ist ohne Ausbeutung, ohne Arbeitslosigkeit, ohne die Zerstörung deS Handwerks durch das Kapital, ohne die Ver- schuldung der Bauern, ohne das Verbrechen und ohne die Prostitution. Die Teuerung kann nicht beseitigt werden, ohne daß ihre Ursache beseitigt wird. Die Sushebung des Mastenelends setzt alio voraus: die Eroberung der politischen Macht durch daS Proletariat, die Expropriation der Expropriateur», die Verwandlung der kapitalistischen in die sozialistische ProdultionS- weite. Die Teuerung wird verschärft durch die Schutzzölle und Einfuhrverbote. Die Teuerung wird weiter verschärft durch die hohen in» direkten Steuern. Die Linderung der Not setzt also voraus: die Befreiung de» Staates von dem Tribut an das Finanz- kapital; die Befreiung der Völker von den Lasten de» Militarismus, deS DiariniSmuS und der Großmachtspolitik; die Befreiung deS Ge- meinwesenS von derHerrschaft der besitzenden Klassen. Dann werden die bekannten Forderungen nach sofort wirk- samen Mitteln aufgestellt und die Resolution schließt: Die Arbeiterklasse muß den politischen Kampf gegen die Ursachen der Teuerung und ihre Nutznießer in der Erkennmis führen, daß sie in diesem Kampfe aus den erbittertsten Widerstand der ihre Profite verteidigenden herrschenden Klassen stößt und stoßen muß. Diese Erkenntnis darf die Arbeiterklasse nicht entmutigen; die Kraft deS Widerstande» der Klasten, die die Nutznießer der Teuerung find, muß vielmehr die Arbeiterklaste anspornen, ihre Bemühungen zu verdoppeln, ihre politischen Organt- sationen zu kräftigen, die sozialistische Er- kenntniS in den Volksmassen zu verbreiten und in dieser Weise den Um stürz der die Teue- rung verursachenden politischen Machtverhält« nisse vorzubereiten. kleines feuiUeton Deutfch-Kongo. Bleigrauer, dunstgeschwängerter Himmel, eine heiße, entnervende lähmende Feuchtigkeit, menschenleere Einöde, so weit da» Luge blickt, wohin auch immer man siebt, kein eßbares Wild, keine Früchte außer Bananen, undurchdringliche Wälder und Fiebersümpfe. auS denen giftige Miasmen aufsteigen, dazu die unheilbringende Tsetsefliege, die die Schlafkrankheit überträgt— da? ist unser neuer Gebietszuwachs östlich und südlich von Kamerum. Nicht Unverstand und Mißgunst sind es, die dieses Gebiet, das ein wahre» Höllenland ist. deran geschildert haben. Ein Franzose, ein Begleiter de BrazzaS. der IVOS jene große Expedition zur Er« forichung des LandeSinnem unternahm, die ihm das Leben kostete, hat diese» für die Kolonie vernichtende Urteil in einem Werk abgegeben, daS die Ergebniffe jener Reise enthält und den Titel.Le Congo FranyaiS' führt. Feiicien C h alla y e. so heißt der Autor, hat mit offenem Blick die mühsame Expedition mitgemacht, hat gesehen, wie da» Land infolge der grenzenlosen Mißwirtschaft der Kautschuk- gesellschaften ausgesogen, verwüstet, niiniert wird. Er hat gesehen, wie die nur spärlich über da» Riesengebiet vexteilten Eingeborenen in der unmenschlichsten Weise mißhandelt, ja, verstümmelt wurden, wenn sie nicht da» genügende Quantum Kautschuk ablieferten; er hat auch gesehen, wie diese Schwarzen, die auf der niedrigsten Stufe aller Regerrasten stehen, in ihrer Verzweiflung der angeborenen Wild- yei, die Zügel schießen ließen, die Weißen in Haufen abschlachteten. ste verspeisten— denn sie alle sind Kannibalen— und. ein gräßliches. aber treffendes Symbol, die Hirnschalen der Gemordeten mit Kügelchen von Kautschuk füllten. Kautschuk, und zwar Lianenkaütschuk, bildet überhaupt den einzigen Reichtum deS Lande»; aber auch er muß bei dem seit fast zwe, Jahrzehnten schamlos betriebenen Raub bau einmal ein Ende nehmen, und al» Ackerbauland hat Französisch Kongo für unabsehbare Zeiten keine Zukunft. Die Schlafkrankheit haust fürchterlicher als irgendwo in Aequatorialafrika: jede Vieh- hallung macht sie unmöglich; so gibt eS auch weder Antilopen noch wilde Rinderarten; höchsten», daß gelegentlich noch Büffel vor- kommen. Im übrigen besteht die Fauna de» Lande« au» Leoparden. Wildiidweinen. Krokodilen und Flußpferden. Wohl ist die Vegetation in einzelnen Gegenden von tropischer Ueppigkeit; Genießbares aber bringt der Boden, wie schon gesagt, kaum hervor,«parliche KokoS- Palmen von geringem Werte sind sehr dürftig vertreten, und d»e Eingeborenen züchten, um ihr Leben zu fristen, mit Muhe Bananen. Maniok. Hirse und Mai». Früher befaß das Land, besonder» der an Kamerun grenzende. letzt deutsch gewordene Teil, viel Elfenbein. Aber dre rücksichtslose Verfolgung der Elefantenherden hat diese zum Teil ausgerottet. teil» in die unzugänglichsten Gebiete vertrieben. Einige europäische Faktoreien betre,ben auch Plantagenbau. und neben Kaffee. Kakao und Vanille wird auS Zuckerrohr gebaut. Aber dieser Plantagen- bau ist dürftig, unbedeutend und durch den Mangel an schwarzen Arbeitern sehr erschwert. Man hat früher auch versucht. Holz zu exportieren; aber der Mangel an Wegen und die Schwierigkeit der Schiffahrt haben dazu geführt, daß der Versuch als unlohnend wieder aufgegeben werden mußte. Sowohl der Kongo wie der Sangha Solange die Kraft der Arbeiterklasse nicht zureicht, die in den politischen Machtverhältuisien gelegenen Ursachen der Teuerung auszurotten, kann sie ihre Lage nur durch die Kräftigung ihrer wirtschaftlichen Organisation verbessern. Die Ar- beiterklaste muß die Konsumgenossenschaften stärken. damit ihr Einfluß auf die Warenpreise wachse. Die Arbeiterklasse muß ihre Gewerkschaften kräftigen, damit sie stark genug werden, die Höhe der Arbeitslöhne der ver- ringelten Kaufkraft des Geldes anzupassen. In den Lohnkämpfen, zu oenen die Teuerung unvermeidlich führen muß. wird die Arbeiterklasse auf den erbitterten Widerstand des in den Unternehmerverbänden organisierten Kapitals stoßen. Nur starke Organisationen des Proletariats werden die Kraft deS organisierten Kapitals zu brechen vermögen. Der Parteitag ver- pflichtet daher alle Organe und alle Organisationen der Partei, ihre ganze Kraft und alle Mittel ihrer Propa- ganda in den Dienst der Ausdehnung und Kräfti- gung der Gewerkschaften zu stellen." Nachmittagsitzung. Der zweite Referent, der Abg. Genoste Reumann-Wien, meint, daß die ostentative Betonung, daß die Teuerung mit dem Kapitalismus untrennbar verbunden sei, deplaziert sei. Er bespricht eingehend die Grundwertsteigerung, die den Gemeinden zu danken ist. an der aber die Gemeinden gar keinen Anteil beanspruchen. (Lebhafter Beifall.) In der Debatte führt Dr. Ellenbogen au», daß doch auch in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung Abhilfemaßregeln möglich und erreichbar sind. Wir muffen gesetzgeberisch den Kartellen an den Leib rücken. ES wäre doch schon viel, wenn die Kartelle z. B. ver- pflichtet würden, die Arbeitslosenversicherung zn übernehmen für die Arbeiter der von den Kartellen aufgelassenen Werke. Abg. Dr. Renner stimmt Reumaun zu. Einer Bemerkung Ellenbogens ist zu entgegnen, daß sich 1917 schon Agrarier und In- dustrielle für ihre Zölle zusammenfinden werden. Die.Konsumenten- Politik", die an ein Zusammengehen aller Konsumenten ohne Klasten- unterschiede glaubt, kann in letzter Linie doch nur zu kleineren parlamentarischen Erfolgen führen. Unter der.direkten Aktion" können wir nur verstehen die organisierte Selbsthilfe de» Proletariats. Die Eruptionen vom 17. September lehren uns, daß die neu in die Partei Gekommenen so belehrt werden müsten, daß sie die kleinbürgerlich-anarchistischen Revolutionsmethoden sein lassen. Der Redner tritt energisch für die so notwendige Ausbreitung der viel zu geringen Konsumentenorganisation ein. Wir Genossen- schaster bitten, in der Resolution stärker für die Genossenschaften ein- zutreten. F i l z e r- Kitzbübel, ein Tiroler Bauer, der mit lebhaftem Bei- fall begrüßt wird, schildert in ausgezeichneter, klarer Rede, wie nur wenige Großbauern etwa» von der Teuerung haben. Die Boden- kultur ist furchtbar rückuändig; sonst müßte der Boden das Doppelte bringen. Die Herrschenden sind ratlos und lasten da» Volk ratlos, darum wird der Sozialismus immer stärker. Er wird siegen. (Stürmischer Beifall.) Preußler- Salzburg schildert die erregte Stimmung der Masten, die zu der Parole kommen: Drauf- und Loshauen l Wilhelm- Wien(Zentralsekretär der Konsumgenostenschaften): Es soll nächstens eine Werbeaktion für die Ausbreitung der Ge- noffenschaften unternommen werden. In seinem Schlußwort paßt Bauer seine Resolutton dem An- trag Renner an. Wenn ich wenig von gesetzgeberischer Bekämpfung der Kartelle erwarte, so wegen unserer bisherigen Erfahrungen mit der Bekämpfung der Kartelle. Auf die Bürgerlichen kann nur der große Optimismus des ObmanneS de» volkswirtschaftlichen AuS schusseS deS Abgeordnetenhauses(Ellenbogen) hoffen.(Heiterkeit.) Unsere Aktion habe ich in keiner Weise kritisiert. Die sozialistische Wahrheit aber muß immer wieder gesagt werden, denn die Lügen der Gegner, die Irreführung der Arbeiter werden auch immer wiederholt.(Sehr wahr l) Gefährliche Illusion wäre eS, zu glauben, daß inehr als begrenzte Reformen, die natürlich mit aller Kraft angestrebt werden muffen, von dieser Gesellschaftsordnung zu erreichen sind, deren Todfeinde wir bleiben.(Großer Beifall.) Die Resolution wird in der abgeänderten Form angenommen. Ein Antrag, daS Referat Bauers zu erweitern und al» Broschür zu derbreiten, wird der Parteivellretung überwiesen. Der obligatorische Wahlfondsbeitrag. Referent ist Abg. David« Wien. Er begründet folgenden und der Ubanghi sind reich an Stromschnellen, und so gewaltig diese Ströme auch sind— eine nutzbringende Schiffahrt ist durch die Schnellen außerordentlich erschwert. Da» Neupferd. Die Bezeichnung Pferdestärke(?. 8.) ist infolge der Verbreitung der Kraftmaschinen allgemein bekannt. Man versteht darunter die Leistung von 75 Meterkilogramm in der Sekunde. Da» ist freilich bei weitem mehr, al» ein Pferd dauernd zu leisten ver mag. WeSholb man dem Pferde eine so hohe Leistung zuschreibt und diese Pferdestärke al» Einheit bei der Beurteilung der Leistung»- fähigkeit der Maschinen zugrunde legt, hat in ökonomischen Er> wägungen seinen Grund. Seinerzeit stand man bekanntlich der Eiw sührung von Krastmafchinen in die Landwirtschaft und in den Straßen- verkehr äußerst skeptisch gegenüber. Und e» hätte sich wohl nicht mancher gefunden, der eine Maschine von 3?. 8. gekauft hätte, wenn sie nur das leistete, was drei Pferde leisten. Da ober bei der über- großen Annahme der Pferdestärken eine Maschine von 3 P. S. ganz bedeutend mehr leistet al» drei Pferde dauernd leisten können, so wurde auf diese raffinierte Weise mancher Skeptiker zu einem Kauf bewegt. Nun soll der P. S. das Todesurteil gesprochen werden. In der Elektrotechnik bedient man sich als Leistungseinheit de» Kilo- wattS(100 Meterkilogramm in der Sekunde). Da die Elektrotechnik einen ganz hervorragenden Aufschwung genommen hat und wohl auch, weil da» Kilowatt besser in unser Dezimalsystem hineinpaßt. will man daS Kilowatt als UniversaleinheitSmaß erklären, dem man aber aus Pietät gegenüber der alten Pferdestärke, den seltsamen Namen .Neupferd" mit der Abkürzung 17. P. geben will. Der erste transatlantische Dampfer. Wenn man den gegen- wärtigen, riesenhaft zu nennenden Weltverkehr zur See betrachtet. so wird eS einem schwer, zu glauben, daß der erste von Amerika nach Europa fahrende Personendampfer die Reise ohne— Paffagiere machen mußte. Und doch verhielt e» sich so. Vor jetzt fast hundert Jahren ließ der amerikanische Schiffsreeder Scarborough eines Tage» an den Stadtmauern von New Jork folgende Ankündigung anschlagen: .Der Steamer.Savannah" unter dem Befehl des Kapitäns Roger wird pünktlich nach Liverpool abfahren am 20. Mai 1819. Die Passagiere, fall» sich solche einstellen sollten, können sicher sein, allen erdenklichen Komfort zu finden. Auskunft an Bord. Es stehen zur Verfügung: zwei prachtige Kabinen, eine für Damen eine für Herren, sowie 32 elegante Einzelbetten." Die.Savannah", ein Segelschiff, da» zum Dampfer umgebaut worden war. wurde zwar im Hasen mit der nötigen Neugier an- gestaunt, aber Vertrauen brachte man ihr nicht entgegen. Und wie die Fahrt bewies, mit Recht. Der famose Ozeandampfer brauchte nämlich einen vollen Monat für die Ueberfahrt von New York nach Liverpool. Unterwegs gingen ihm natürlich die Kohlen aus, und hätte er nicht eine Reservetakelage zum Segeln behalten, so wäre ver„Dampfer" wohl überhaupt nie in Europa angelangt. Um da» Mißgeschick voll zu machen, erregte er unter« wegS den Verdacht der auf der Hochsee kreuzenden englischen Flotte. deren Offiziere der irrigen Meinung waren, daß da« neue Schif den Versuch machen wollte, Napoleon auf St. Helena zu befreien. Erst nach mehrtägiger Verfolgung von feiten der englischen Kreuzer Antrag der AntragsprüfungS-Kommission, die sehr schwere Arbeit hatte: 1. Zum Zwecke der Schaffung eines Wahlfonds sind obligatorisch einzuheven: a) Von den männlichen Parteimitgliedern der Wiener Organi- sationen 2 Heller wöchentlich; b) Von denen aller anderen Organisationen 8 Heller monatlich. Von diesem Beitrage ist die Hälfte an den Wahlfonds der Reicksparteivertretung abzuliefern. Ueber die andere Hälfte entscheidet die Landesorganisation. Die Einhebung der WablfondSbeiträge erfolgt gleichzeitig mit dem Parteibeitrage und wird mit der bisherigen Wochen- und Monatsmarke quittiert. Dieser Beschluß tritt spätestens am t. Juli 1912 in Kraft. 2. Durch vorstehenden Beschluß werden etwaige in den Bezirken oder Ländern bereits eingeführte Wahlfondsbeiträge nicht aufgehoben. Desgleichen haben die Landes- oder Bezirks orgamsationen das Recht, wo eS die Verhältnisse erfordern, auch einen höheren Wahlfonds- beitrag einzugeben. 3. Die BeitragsleistungS der weiblichen Parteimitglieder soll vom Frauen-ReichSkomitee im Einvernehmen mit der Reichspartei- Vertretung und der einzelnen Landesorganisationen in analoger Weise geregelt werden. In der Debatte sprechen nur Schlager- Leoben und Schioager« Wien, und zwar gegen den Antrag. Schwager stellt den Antrag, die Sache noch einmal an die Landesparteivertretungeu zurückzuverweisen. Dieser Antrag wird nach dem Schlußwort Davids abgelehnt. Der Kommissionsantrag wird mit sehr großer Mehrheit angenommen. Ueber Die Wehrrefor« referiert Genoste Hugo Schukz-Wien, Redakteur der.Arveiterztg.": Er verweist darauf, daß schon 1903 Adler zur großen Verwunderung deS Parteitages erflärt hat, der Militarismus sei. bei all unserer prin- zipiellen. unerbittlichen Gegnerschaft, doch eine Schule, ja selbst eine Orga- nisation des Volkes. Wie der Kapitalismus arbeitet auch der Militarismus für uns, erzieht er doch das Volk zur Wehrhaftigkeit für demokratische Gemeinwe)en. Der Militarismus spürt sehr wohl, daß ihn das Gift' der allgemeinen Wehrpflicht von innen heraus zu demokrati- sieren droht. Die Abrüstung kann, wie der Zarismus bewiesen hat. sehr reaktionären Inhalt haben; unsere Volkswehrsorderung dagegen ist Aufrüstung und sie sickert dabei den Weltfrieden viel wirksamer. als der„friedensfreundlerische" Promilitarismus. Unser Streben nach Miliz will die Waffengewalt dem Volke wieder erobern. von der eS der Kapitalismus ebenso getrennt hat wie von den Produktionsmitteln. Wie der Arbeiter zum Bedienungsmann an der Maschine wurde, so auch der Soldat. Wir wollen ihn zum Herrn der Waffe machen, auf der Grundlage der ver- vollkommneten Technik.(Bravo!) In allen Feldzügen des letzten Jahrhunderts hat stets die Armee gesiegt, die der Miliz um einen Schritt näher stand. DaS gilt sogar, so paradox eS erscheint, von Preußen 1868 und 1870. Der Moment mutz kommen, wo daS Volksheer die Gitterstäbe des KäfigS sprengt. Gewiß— keinen Mann und keinen Groichenl Aber auch Förderung deS Demokratisierungsprozesses in der Armee, stets wieder dahin- gehende Forderungen stellen, wenn die Militärverwaltung Neue» fordert. ES ist möglich, die Lasten de» Volkes zu mildern, den feudalen Geist zu demütigen, ohne die Schlagfertigkeit deS Heere» herabzusetzen. Im Augenblick ist unsere Forderung keine Mehr- belastung, allgemeine gleiche zweijährige Dienstzeit, noch richtiger, vierzehnmonatige. Heranziehung aller Waffenfähigen, nicht nur de» Kontingents. Der Wehrreformentwurf des Kriegsminister» v. Schön- aich ist eminent volksfeindlich. Gerade Oesterreich-Ungam müßte in feinem wirklicken Grpßmachtintereffe das Heer demokratisieren. Die Rüstung ist unserer Körpergröße, nicht aber unserem Geldbeutel angepaßt. Die Schweiz ist so stachlig wie ein Jgeh obgleich sie nur aus.Ersatzreservisten" besteht. Die k. u. k. Militärverwaltung mutet dem Parlament mit ihrer Vorlage da» Verwegenste zu. Gold« barren fordert fie. die Glasperle einer unglaublich eingeschränkten zweijährigen Dienstzeit will sie geben. 41 Millionen soll das Volt neu aufbringen, auf die Ersatzreservebegünstigung verzichten und das Rekrutenkontinent so erhöhen, daß sich das Heer um 50 000 Mann gemehrt. Die reitenden Truppen sollen drei Jahre weiterdienen usw. Volksfeindliche Bestimmungen über den UnterofsizierSersatz, ein S roßer Nebenprofit der Kriegsverwaltung, die man zu dunklen wecken braucht, daS ist der Inhalt der Vorlage— und keine konnte die.Savannah' ungestört ihren Weg fortsetzen, um schließ- lich zum erstenmal den Beweis zu erbringen, daß man tatsächlich mit Hilfe von Kohlen und— Leinwand den Atlantischen Ozean überqueren könne. Humor und Satire. Herzliche» Beileid!— Ei sieh mal an: bei diesen Wahlen da fielen unsre Liberalen nicht wenig sanft auf den Popo— selbst Rosenow! selbst Rosenow l Mein Gott I wie sich die Zeiten wandeln l Wer wird im Roten Haus jetzt handeln! (klug, wie ein Börsenspekulant)— und wo bleibt künftig Haberland?— .Die Politik trübt den Charatter.' so sagt ein kluger, ganz Vertrackter. Und ob er auch die Wahrheit spricht— bei diesen nicht I bei diesen nicht! Indem: sie hatten nämlich keinen!— Noch einmal leise» AbschiedSweineu, ein sehnsuchtsvoller Blick zurück... Halloh l— jetzt kommt ein neues Stück I __ Kurt. Notizen. -Im Friedrich-Wilhelmstäd tischen Schauspiel. Hause bestand am Sonnabend.Der Kaufmann von Venedig" eine Belastungsprobe. Natürlich gelang dem neuen Ensemble, da» sich»och nicht eingespielt hat. so manches nicht. Aber die Absicht war löblich, und vor allem bot Rudolf Letttnger als Shhlock eine fast zu groß geratene tragische Leistung. — Eine Warnung vor dem«Rosenkavalier' er- läßt das Königliche Opernbaus, indem eS die unsinnigen Preise und die noch ungünstigeren Bedingungen für Erlangung von Plätzen zur Erstaufführung am 14. November bekannt gibt. Der Vorverkauf beginnt an» 12. November 10»/« Uhr vormittag» an Kaste 3, wo auch für alle bis 20. d. M. stattfindenden Wiederholungen die Karten ausgegeben werden. — Ein Ferrerdenkmal, da» Freidenker aller Länder stifteten, wurde in Brüssel enthüllt. — HerrKayserwirdauSgeschifft? In der.Nordd. Sllgem. Ztg." liest man:.Den schweren Bedenken, die in der Künstlerschaft und auch in der Presse gegen da» Bauprojett(eines neuen LandeSausstellungsgebäudeS durch Herrn Kayser) geäußert worden find, läßt sich die Berechtigung nicht abstreiten. Wohl er- kennen die Künstler sehr gut die Vorteile, die ein neue» massive» Gebäude bringen würde, aber sie sind verletzt durch die Art, wie über ihre Köpfe hinweg über ihre eigenen Angelegenheiten gehandelt wird. Da, wie wir hören, die Regierung noch nicht entschlossen ist. Segen den Willen der Künstler die Kayserschen Pläne für das neue ussteliungsgebäude durchzudrücken, so sollte sich«ine Einigung doch wohl finden lasten.' Mtlttärjusilzreform. die auch nur den geringsten Forderungen ent- Ipräche. Der Referent beantragt folgende Resolution: Die Sozialdemokratie verhält sich gegen alle Forderungen de-Z Militarismus prinzipiell ablehnend und steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es gegenüber einem Wehrsystem, ivelches lediglich als ein Machtinstrument der herrschenden Klassen funktioniert und in seiner Abhängigkeit von dynastischen und imperialistischen Einflüssen eine stete Gefahr für den Weltfrieden bildet, keine andere Politik geben kann, als die der unver- söhnlichsten, jeden Mann und jeden Groschen verweigernden Opposition. Eine parlamentarische Mitarbeit an Heerssreformen kann es daher für»vre sozialdemokratische Fraktion nur in dem Sinne geven, als die Möglichkeit besteht, einerseits die Militärlasten der Bevölkerung zu erleichtern und andererseits die Borbedingungen für eine allmähliche Umwandlung des stehenden militaristische» Heeres in eine demokratische Wehrgenossenschaft, in eine Volks- Miliz, zu schaffen. Die sozialdemokratische Fraktion hat demgemäh mit aller Energie für eine ausgiebige und für alle in gleicher Weise geltende Abkürzung der Akliudienstzcit— zunächst auf zwei Jahre, im weiteren Verlaufe auf vierzehn Monate— bei gleichzeitiger Auf- Hebung aller Begünstigungen, mit Ausnahme derer, die besitzlosen Familienerhaltern zugute kommen, wie auch für die gesetzliche Gleichstellung der Soldaten mit den anderen Staatsbürgern, unter Abschaffung jeder Sondergerichtsbarkeit, einzutreten. In Erwägung, dah der von der Negierung eingebrachte Ent- Wurf zur Reform des WehrgejetzeS eine ungeheuere Mehrbelastung der Bevölkerung anstrebt; in fernerer Erwägung, dah der statt der einheitlichen zwei« jährigen Dienstzeit gebotene trügerische Schein einer Dienstzeit- Verkürzung nicht nur keinerlei Kompensationen bietet, sondern blob einen Zustand schaffen würde, der die Härten der Militär- dienstpflicht, zumal für die Arbeiterklasse, noch unerträglicher machen mühte; in lveilerer Erwägung, daß diese Reformvorlagen auch schwere finanzielle Mehrbelastungen vorsehen, die ohne Rücksicht auf die akute wirtschaftliche BerückdrängniS der Bevölkerung aufgebürdet werden sollen; in weiterer Erwägung, daß diese Vorlagen bei noch größerer Berücksichtigung der Interessen deS Bürgertums jede soziale Einsicht gegenüber dem Proletariat vermissen lassen; in schließlicher Erwägung, daß demnach die von der Regierung beabsichtigte Reform der Heeresorganisation in jeder Hinsicht einen Rückschritt darstellt, erklärt der Parteitag, daß diese Vorlagen in der entschiedensten Weise zu bekänipfen sind, daß aber zugleich mit nicht geringerer Entschiedenheit der Kamps um die bedingungslose Ver- türzung der Aktivdienstzeit auf zwei Jahre ohne Vergrößerung deS Friedenspräsenzstandes zu führen ist. Der Parteitag fordert nachdrücklich die Abschaffung der ge- sonderten Militärgerichtsbarkeit und die Unterstellung aller Staats- bürger, ob sie Soldaren sind oder nicht, unter dasselbe Recht und unter dieselben Gerichte. Er verurteilt den von der Regierung vorgelegten Entwurf einer neuen Militärstrafprozeßordnung. um so mehr, als er ein Hohn auf die Grundsätze der Unabhängig- keit der Gerichte und der Oeffentlichkeit des Verfahrens ist und jogar eine von der Gunst der Regierung unabhängige Verteidigung ausschließt. Der Redner schließt mit einem Hinweis auf den Aufstand der Alba nefen, dessen Beweggrund die Abneigung gegen den Kasernendienst war. Wir bekämpfen den Milltarismus, weil wir eine kriegerische Klasse sind. Nicht die Waffen nieder, sondern die Waffen her! Die Miliz wird die Diktatur deS Proletariats fein. (Lebhafter Beifall.) Telegramme zur Begrüßung senden die Redaktion des„Przedowit* in Krakau und die serbische Sozialdemokratie. In der Debatte über die Wehrreform führt Abg. S ch u h m e i e r- Wien aus, daß die bürgerlichen Parteien nicht mehr widerstandslos den militärischen Forderungen gegenüberstehen. Sie haben manche unserer Forderungen in ihre Punktationen auf- genommen. Die bäuerlichen Abgeordneten müssen sür»nein- geschränkte zweijährige Dienstzeit eintreten. Die Resolution Schulz wird einstimmig ange- nommen. Verschiedenes. Abg. S k a r e t- Wien empfiehlt, den Antrag Wien VII sNeubau), gegen die Aemterhäufung und Kumulierung von Mandaten, obgleich dies nicht geschehe, der Parteiverlretung zu überweisen.— E i s i n g e r- Wien: Der Antrag soll ja vorbeugend wirken.— Dr. Adler: Es kann nötig werden, eine Beziehung zwischen den Parteivertretungen in verschiedenen Körperlchafle» herzustellen. Äcmterkumnlierung heißt ja nicht Anhäufung von Arbeit, sondern von Macht und Geld. Bei uns bedeutet jedes Parteiamt mehr Arbeit als bei anderen Parteien. Bon Aemterhäufungssucht kann bei uns gar keine Rede sein. Wir müssen immer den aussuchen, der den Einfluß der Partei in Vertretungskörperschaften am besten aus- üben, die Arbeit am besten leisten kann.(Beifall.) Der Antrag wird überwiesen. Ein Antrag Seliger, Kleinbauern auS allen Ländern zur Vorarbeit für eine Organisation einzuberufen und im Zweihcller- blatt„Das Volk" dafür zu wirken, wird angenommen. Ein Antrag auf Förderung der Arbeiter-Radfahrervereine wird angenommen; ein Antrag, den nächsten Parteitag in Karlsbad abzuhalten, wird überwiesen. Protest gegen den Krieg. Es wird beschlossen, die vom Internationalen Bureau beschlossene Manifestation gegen den Krieg durch einen feierlichen Protest gegen das treulose Vorgehen der iialienischen Regierung und gegen ihren Raubzug zu unterstützen. Eine scharfe Resolution in diesem Sinne wird angenommen und den italienischen Prolelariern Brudergruß entboten und erklärt, daß Oesterreich- Ungarn aus dem Balkan nichts zu suchen hat.(Stürmischer Beifall.) Vors. Abg. Abram dankt herzlich für die Abhaltung de« Parteitages in Innsbruck, der auch der Bewegung sehr viel genützt hat, namentlich auch in Anbetracht der zuwandernden Arbeiter.„Da kommt der Fabrikant mit dem D-Zug und der Aujnst und Fritze kommt, weil er kein Jeld hat. mit dein Knotenstock anjetippelt.' Aber hier wird er unser Genosse.(Großer Beifall.)— Schuh- meier dankt herzlich dem Präsidium.(Stürmischer Beifall.) In seiner Schlußrede würdigt Perner st orfer in eindruckS- vollen Worten die bedeutsamen Arbeiten des Kongreffes, dankt den Jnnsbruckern allen unter großem Applaus für ihre Herzlichkeit und Arbeit. Er schließt mit einem widerhallenden dreifachen Hoch auf die Partei und die Internationale. Der Parteitag erhebt sich und fingt begeistert das Lied der Arbeit. Zum vereinsrecht. 1. Aufgehobenes Verbot einer Versammlung unter freiem Himmel. Ter Arbeitersekretär P. Karuga vom polnischen Berufs- verein hatte zum 12. Juni 15)10 nach dem Grundstück des Besitzers B. eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel einberufen. Der Amtsvorsteher von Birkenhain, wo auch der Versammlungs- platz liegt, versagte die polizeiliche Genehmigung, weil eine Ge- fützrdung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten sei. K. selber habe die Zahl der voraussichtlichen Besucher auf 400 bis 600 an- gegeben. Wenn nun das Grundstück auch lang genug sei, so wäre es doch nur 13 Meter breit. Die Versammlungsbesucher grup- pierten sich meist um den Redner. Wegen der geringen Breite würden eine Anzahl Besucher auf die daneben liegenden Felder gedrängt werden und der'Saatenstand würde beschädigt werden. Auch herrschten im Ort gespannte politische Verhältnisse. Der Bezirksausschuß in Oppeln als Berufungsinstanz wieS »ie von karuga erhobene Klage ab und führte aus: Ein Streik. der im Laufe des Verfahrens noch für das Verbot herangezogen worden sei, Haie auf das Gebiet von Birkenhain nicht über- gegriffen. Er scheide deshalb ohne weiteres aus. Aber der Ver- sammlungsplatz müsse mit dein Amtsvorsteher als ungeeignet er- achtet werden, weil er zu schmal sei und Leute auf die anstoßenden Felder gedrängt werden könnten. Da» Obcrverwaltungsgericht gab am Freitag der hiergegen gerichteten Revision K.S statt, hob die Borentscheidungen auf und erklärte gleich das Verbot für ungerechtfertigt. Die Verbotsver- fügung wurde außer Kraft gesetzt. Die Gründe gingen dahin: Der Bezirksausschuß gehe von einem Irrtum aus, indem er den Platz für zu klein erkläre, mit der Möglichkeit des Uebertritts auf fremde Grundstücke rechne und daraus eine Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit im Sinne des Z 7 des Vcrcinsgesetzes herleite. In dieser Auslegung des Begriffs einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit habe der Senat dem Bezirksausschuß nicht folgen können. Daß der Platz für die zu erwartende Besucherzahl genügt hätte, stehe fest, wenn er auch nicht besonders breit gewesen sei. Selbst wenn es hätte vorkommen können, daß ein Ucbertritt auf fremde Grundstücke erfolgte, so würde allein darin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit auch nicht erblickt werden können. Es müßten gerade besondere Umstände geltend gemacht werden können, daß sie bei dem Uebertritt zu einer Gefährdung für die öffentliche Sicherheit führen könnten. Das sei nicht geschehen. Wegen der irrigen Auslegung des Begriffs der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit müsse die Borentscheidung aufgehoben werden. Bei der nunmehr dem Senat zustehenden freien Beurteilung könne es hier einen Grund, die Versammlung zu verbieten, nicht finden. Somit sei das Verbot gleich außer Kraft zu setzen. 2. Eigenartiger Vcrbotsgrund. Die Polen im Amtsbezirk Schömberg(Oberschlesien) wollten am 14. August 1910, nachmittags 4 Uhr, in einem Garten eine Versammlung unter freiem Himmel abhalten, in der Arbeiterangelegenheiten erörtert werden sollten. Einberufer war der Arbeitecsekretär Karuga vom polnischen Be- rufsvercin. Der Amtsvorsteher versagte die Genehmigung, weil eine Störung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten sei. Be- sonders berief er sich auf eine sozialdemokratische Versammlung, die infolge von Störungen nicht habe zu Ende geführt werden können. Sie habe aufgelöst werden müssen, weil die Anhänger des jetzige» Klägers sie gestört hätten, so daß nur die Auflösung körper- lichen Schädigungen der Gegner habe vorbeugen können. Der KrciSausschuß wies die klage Karugas gegen den Amts- Vorsteher ab und der Bezirksausschuß bestätigte das Urteil mit folgender Begründung: Es stehe fest, daß eine von sozialdemokratischer Seite zum 22. Mai 1910 einberufene Versammlung nicht habe abgehalten bezw. zu Ende geführt werden können, weil sie von ihren polnischen Gegnern, zu denen auch der jetzige Kläger gehöre, gestört worden sei. Die Polen hätten damals geschrien:„Schmeißt doch die Schweine raus" und dergleichen mehr. Nur durch die Auflösung habe eine Schlägerei verhindert werden können. Die Polen und Sozial- demokraten in Oberschlesien bekämpften sich dauernd. Dabei richte sich ihr Bestreben darauf, die gegenseitigen Agitationsversamm- lungen zu stören und zu verhindern. So seien auch die Anhänger des Klägers in der sozialdemokratischen Versammlung vom 22. Mai 1910 erschiene», obwohl sie nicht eingeladen gewesen seien. Nach- dem sie jene Versammlung gestört hätten, wäre zu befürchten ge- Wesen, daß diesmal die Sozialdemokraten kommen und ihrerseits die von polnischer Seite einberufene Versammlung zu stören ver- suchen würden. Dabei wäre dann mit der Wahrscheinlichkeit einer Schlägerei und einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu rechnen gewesen. Deshalb sei das Verbot berechtigt. DaS Oberverwaltungsgericht als Revistonsinstanz bestätigte am Freitag das Urteil, indem es kurz ausführte, ez habe nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß der Bezirksausschuß hier bei der Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse rechtlich geirrt habe. Infolgedessen könne der Senat nicht der Revision stattgeben und nicht die Vorentscheidung aufheben. Das Oberverwaltungsgericht ist in diesem Fall, der unmittel- bar vor der Klage über die Wandlitzer Auflösung entschieden wurde— über diese berichteten wir am Sonnabend— noch über den Wandlitzer Fall hinausgegangen. Das Gesetz engt ausdrücklich ein Einschreiten der Polizei aus allgemeinen landespolizeilichen Gründen auf den Fall ein, daß eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Versammlungsteilnehmer bestehe. Nach dem Ober- Verwaltungsgericht würde es aber genügen, daß eine entfernte Möglichkeit für das Entstehen einer harmlosen Schlägerei besteht. Das Oberverwaltungsgericht verletzt offensichtlich zuungunsten der Versammlungsfreiheit diesen Grundsatz. Auf dte Rechtsfrage be- halten wir uns vor einzugehen, wenn im Wandlitzer Fall das schriftliche Urteil bekannt werden wird. ver Crott der Durchgefallenen. DaS Ergebnis der iw Berlin vollzogenen Stadtverord- netenwahlen dritter Klaffe, das der Sozialdemokratie neue glänzende Siege gebracht hat und für den Kommunal- freifinn geradezu vernichtend ist, wird von der bürger- lichen Presse mit mancherlei Kommentaren begleitet. Die Frei- finnsblätter suchen sich meist mit einem Verlegenheitsgestammel über das Eingeständnis der erlittenen Niederlage hinwegzuhelfen, während ein paar konservative Zeitungen lieblos den zerschundenen Kommunalfreisinn in seinem Schmerz verhöhnen. Amüsant ist die Art. wie die„Vossische Zeitung" ver- sucht, sich mit dem niederschmetternden Mißerfolg ihrer Partei abzufinden. Noch am Sonntag, dem Tage der Wahlen, hatte dieses Hauptorgan des Berliner Kommunalsreisinns. wie wir in unserer Montagsnummer hervorhoben, seinen Lesern erzählt, eS bestehe „für die Liberalen immerhin die Aussicht, sich in ihren sechs seit- herigen Mandatsbezirken zu behaupten und ihren Besitzstand und ihre Stoßkraft, sei es durch Stimmengewinn, sei es durch Eroberung des einen oder anderen neuen Bezirks, zu mehren". Am Montag aber klagte„Tante Voß" plötzlich:„daß die Ansehung der Wahlen aus den Sonntag in erster Linie den Sozialdemokraten zugute kommen würde, war vorauszusehen". Selbstverständlich ist es durch- auS falsch, die bei diesen Stadtverordnetenwahlen erzielten bedeu- tenden Fortschritte der Sozialdemokratie lediglich dem „Sonnrag" zuzuschreiben. Ohne die wachsende Werbe- kraft unserer kommunalpolitischen Forderunyen hätten keine Sonn- tagswahlen uns so glänzende Erfolge bringen können, wie sie jetzt wieder der pflichttreuen Agitationsarbeit unserer Genossen beschie- den gewesen sind. Der Ausgang auch dieses Wahlkampfes zeigt — darüber kann kein Verständiger in Zweifel sein— wieder zum Greifen deutlich, daß der Liberalismus in der breiten Masse der werktätigen Bevölkerung abgewirt- schaftet hat. Doch die„Vossische Zeituny" macht den erheiternden Versuch, ihre Leser in den Glauben zu wiegen, das Wahlergebnis sei„ein Beweis, daß der liberale Gedanke noch keineswegs in der Abnahme begriffen ist". Das Blatt erzählt, daß„die Liberalen in mehre- ren Wahlbezirken ihre Stimmenzahl erhöht haben, so unter andern im 1., 2., 3., 4., 14. Bezirk". Wir haben schon in unserer MoniagSnummer gezeigt, daß eine Vergleichung der dies- jährigen Wahlergebnisse mit Ergebnissen früherer Wahlen nicht gut — mindestens nicht nach Bezirken— möglich ist. weil die Neuab- grenzung der Wahlbezirke zu einer weitgehenden Verschiebung der Bezirksgrenzen geführt hat. Die.Vossische Zeitung" aber hat sich über die klaren Tatsachen hinweggesetzt und frisch darauslos ver- glichen. Das hat sie offenbar in der Weise getan, daß sie neben alte Wahlbezirke die vergrößerten neuen stellte, in denen diese alten teilweise oder ganz aufgegangen sind, und ohne Bcrücksichti. gung der bedeutenden Zunahme der Wähler» zahlen nur die Siimmenzahlen des FrcijimiS verglich, woraus sich dann her Schluß ergall, 8er Freisinn Halle seine Stimmenzahl „erhöht". Das Organ des Kommunalfreisinns unterläßt nur, hinzu- zufügen, daß die Erhöhung der Stimmenzahl für die Sozialdemokratie sehr viel stärker war. Wollten wir das Verfahren der„Vossischen Zeitung" mitmachen und nach Bc- zirken vergleichen, so wäre es uns ein Leichtes, zu zeigen, daß bei Berücksichtigung des Vczirkszuwachses der Freisinn tat- sächlich sehr übel abschneidet. Wir gönnen den Durchgefallenen ihren billigen Trost. Wenn der Freisinn durchaus sich über seine Stärke täuschen will, so sehen wir keinen Anlaß, ihn daran zu hindert!. Mit demselben cschwatz, wie die„Vossische Zeitung" ihn ihren Lesern vorsetzt, möchte auch die„Freisinnige Zeitung" die Niederlage bemänteln. Auch sie gibt dem Sonntag die Schuld, und auch sie glaubt anderer- seits hervorheben zu sollen, daß„in mehreren Bezirken ein An- wachsen der freisinnigen Stimmen zu verzeichnen" sei. Einfach köstlich! Das Blatt jammert weiter über angeblichen„Terro- rismus" der Sozialdemokratie, der die Geschäfts- leute von der Wahl abgeschreckt habe, und schimpft schließlich über „Verrat" der Konservativen, von denen der Sozial- demokratie durch Stimmenthaltung Vorschub geleistet worden sei. „Perfide Taktik" wirft auch die„Vossische Zeitung" den Kon- servativen vor. Die„Kreuz-Zeitung" antwortet ihr kühl: „Man kann dem Schmerz der Liberalen viel zugute halte». Aber daß sie es als unsere patriotische Pflicht ansehen, freisinnige Kandidaten gegen sozialdemokratische zu unterstützen, das ist Tartüfferie." Und dem Berliner Kommunalfreisinn reibt sie seine aus dem Dreiklassen-Gemeindewahlrecht beruhende Rathaus- Herrschaft folgendermaßen unter die Nase:„Wir haben nie gesehen, daß die Mehrheit der dritten Klasse in Berlin nicht fort- s ch r i t t l i ch ist. und möchten fragen, wie sich die Fortdauer deS fortschrittlichen Regiments in Berlin mit den fortschrittlichen Grundsätzen verträgt? Es beruht auf konservativen Wahl- gesehen. Das soll-de der Fortschritt sich in dieser schweren Stunde einmal gründlich zu Herzen nehmen." Liebloser noch äußert sich die„Deutsche Tageszeitung", die nach einer Schilderung des verzweifelten Ringens der Liberalen höhnend ausruft:„Das also ist hie Stoßkraft des liberalen Gedankens!" Dem„Trost" der Durchgefallenen stellen wir die nüchterne Tat- fache gegenüber, daß bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen dritter Klasse, wo in 17 beteiligten Bezirken 129 452 Wahlberechtigte vorhanden waren, die Sozialdemokratie es auf 48 534 Stimmen gebracht hat, ivährend für den Liberalismus nur 11 200 Stimmen abgegeben wurden. Unsere Wähler waren diesmal bereits über 37 Prozent aller Wahlberechtigten und die Zahl der Stimmen für uns stieg auf 81 Prozentaller abgegebenen Stimmen. Wenn man. wie es bei Stadt- verordnetenwahlen dritter Klasse üblich ist, die vor 6 Jahven er- zielten Antcilziffern zur Vergleichung heranzieht, so ergibt sich, daß damals noch nicht 23 Prozent der Wahlberechtigten für die Sozialdemokratie eintraten und erst 74 Prozent aller Stimmen auf die sozialdemokratischen Knadidaten entfielen. Die Beteiligung an den Wahlen war übrigens mit nur 46 Proz. aller Wahlberechtigten keineswegs so stark, wie man es von der Verlegung auf den Sonntag hätte erwarten sollen. Dieses dem Magistrat endlich abgerungene Zugeständnis ist sicherlich nicht die Ursache der Niederlage des Kommunalfreisinns. Aber eS hat gewiß manchem pflichttreuen Wähler aus der Arbeiterklasse die Beteili- gung an der Wahl dadurch erleichtert, daß er nun nicht mehr leine Arbeit im Stich zu lassen und einen Teil seines Verdienstes opfert» braucht, um seiner Wahlpflicht zu genügen. Aber auf die N i ch t* Wähler, die den Stadtverordnetenwahlen gleichgültig gegenüber. stehen, hat die Möglichkeit, am Sonntag zu wählen, offenbar wenig Einfluß ausgeübt. Etwaigen Versuchen des Freisinns, die Sonntagswahlen wieder zu beseitigen, würden die Vertreter der Arbeiterklasse im Stadtparlament selbstverständlich den schärfsten Widerstand entgegensetzen. Die Stadtverordnetenwahlen der zweiten Klasse haben in Berlin am Montag stattgefunden. Von einem„Kampf" kann hier bekannt, lich nicht die Rede sein; die zweite und die erste Klasse sind— auch das bleibt ein.Trost" für die Durchgefallenen der dritten Klasse— unbestrittener Besitz des Kommunal» freisinns. Für die vereinzelten Wähler der zweiten Klasse, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, war unser Genosse Stadt- verordneter Hugo Hei mann als Zählkandidat aufgestellt. Auf ihn entfielen in den 16 Bezirken der zweiten Klasse überhaupt 212 Stimmen, in manchen Bezirken nur 2, 3, 4. 5 Stimmen, in einigen anderen Bezirken aber bis zu 22, 34, 45, 46 Stimmen. Dia 16 Freisinnskandidaten wurden gewählt mit Stimmenzahlm. die zwischen 185 und 1080 schwankten. Wiedergewählt wurden die bis- hcrigen Stadtverordneten Sonnenfeld. Kaempf. Hellriegel. Kühl» mann, Bamberg. Löser. Schmidt. Feuerstein. Meybring. Lohmann, Witkowski, Gronewald, Sökeland, Lentz. Zwei durch Tod frei- gewordene Mandate wurden durch Neuwahl an Bezirksvorsteher Heinze und Fabrikant Hufs vergeben. Die Stadwererdnetenwahlen erster Klasse finden am heutigen Dienstag statt. Zählkandidat ist in allen Bezirken wieder Stadt- verordneter Hugo Heimann. 8o2iales. Gegen die Zulassung der Ersatzfasse». Der Beschluß der Reichsversicherungskommission, die privaten Ersatzeinrichtungen, besonders die Werk» Pensionskassen nach den Vorschlägen der Regierung als vollgültige Ersatzkassen für die staatliche Pensions- Versicherung zuzulassen, hat begreiflicherweise unter den Privatangestellten große Beunruhigung hervorgerufen. In dieser Frage sind sich bekanntlich alle Organisationen der Privatangestelltcn einig.«Hauptausschuß" und«Freie Vereinigung", die sonst in ihren Auffassungen über den Gesetzentwurf sehr weit auseinandergehen, haben die Beseitigung der Ersatzeinrichtungen stets mit gleichem Nach- druck gefordert. Auf demselben Standpunkt steht der „Soziale Ausschuß von Vereinen technischer Privat- angestellten", der sich am Sonnabend in einer gutbesuchten Vertrcterversammlung mit der PcnsionSvcrsicherungsfrage be- schäftigt habe. Nach hingehenden Beratungen wurde be- schlössen, als neutrale Instanz an die beiden vorerwähnten Körperschaften heranzutreten und sie unter Zurückstellung aller bestehenden Differenzen zur Veranstaltung einer gemeinsamen Protestkundgebung in Berlin aufzufordern, die voraussichtlich schon in den nächsten Tagen stattfinden wird. Konsumverein und Politik. Die„Könsumgcnossenschaftliche Rundschau" kann e» nicht unterlassen, der Ausdehnung der Konsumvereinsbcwegung durch ihre Ausführungen»ach Möglichkeit— natürlich unbewußt—' entgegenzuwirken. In ihrer Nummer vom 4. d.M. sucht sie den von unS als erfreulich bezeichneten Beschluß der Frankfurter Konferenz über daz Verhalten bei der Reichstagswahl nach Möglichkeit za kasfiekekt. Tie metnl tiaH einigen Ijo$faljtenBcn SuSfSHen gegen die»Thüringer Tribüne" und die„Leipziger Volkszeitung" u. a., es sei die Verbreitung einer Fabel, wenn wir die Ansicht aus- sprachen, die Frankfurter Resolution bedeute„den ersten Schritt auf einer Bahn, die zu gehen sich früher führende Personen der Konsumgenossenschaften beharrlich und ostentativ geweigert hät- tcn". Tie Redaktion des Organs des Zentralverbandes und der Grotz-Einkaufs-Gesellschaft deutscher Konsumvereine hatten wir bei unserer Bemerkung freilich nicht im Auge. Ihr wird vielleicht auch dann noch nicht ein Licht darüber aufgehen, daß die moderne Konsumvereinsbewegung mit sozialem Geiste erfüllt sein muß, wenn die Generalversammlung Fraktur mit ihr gesprochen haben wird. Ist ihr noch immer nicht klar geworden, dass die Arbeiter- klasse sich nicht die Ideen von Schulze-Delitzsch zurückführen läßt. so ist nicht zu verwundern, dass sie als ihre Aufgabe„Neutrarität" gegenüber der Sozialdemokratie und die Parteinahme für die übrigen Parteien hält. Sie sollte dann aber wenigstens vermelden, Ansichten zu verbreiten, die der Ausbreitung jeder Konsulngenossen- schaft abträglich sein müssen. So setzte sie kürzlich im„Konsum- genossenschaftlichen Volksblatt" ohne Bemerkung einen Paul Breiter gezeichneten Artikel vor, in dem der lapidare Satz vorkam: »Und je größer die Genossenschaft ist, desto schwieriger wird es jetzt beim Einkaufe." Glücklicherweise wissen die Arbeiter, daß das Gegenteil zutrifft: je größer die Genossenschaft, desto leichter und vorteilhafter ist der Einkauf. Deshalb darf es nicht in Verfolg der von dem„Volksblatt" gebilligten Ansicht heißen: je kleiner der Konsumverein, desto besser, sondern: je größer der Konsum- verein, desto mehr kann er leisten. Trotz der unqualifizierbaren Redaktion der„Rundschau" und des„Volksblattes" raten wir dringend zum Beitritt in die Konsumgenossenschaften und zur Durchdringung derselben mit sozialistischem Geist. Die Genossen- schaften demokratisch organisiert, der Wälle der Mitglieder, ihr Verlangen nach Durchdringung der Genossenschaften mit sozia- listischem Geist setzt sich auch an den Orten durch, wo vielleicht noch „Rundschau"anstchten in einigen Köpfen spulen mögen. Rückerstattung von Versicherungsbeiträgen. Di: durch Fassung des Art. 7S des Einführungsgesetzes zur Reichsvirsichcrungsordnung entstandene Streitfrage, ob ein An- spruch auf Erstattung der Hälfte der Beiträge, die für weibliche Personen vor Eingehung der Ehe geleistet sind, auch für die Zeit vom 1. August ISll bis 1. Januar 1912 besteht, hat das Reichs- verslcherungZamt bejaht. Es können demnach Anträge auf Bei- tragscistattungen wegen Eheschließung, falls mindestens 299 Bei- träge vor Abschluß der Ehe für die Ehefrau geklebt waren, noch bis zun» 31. Dezember gestellt werden. Der Anspruch auf Erstat- tung nach dieser Zeit ist den Ehefrauen auch nach Ansicht des Reichsvcrsicherungsamtes durch die Reichsversicherungsordnung ge- nommen. Ena Induftric und ftandel. Die Verschuldung der Landwirtschaft. Angeblich sollen alle agrarischen Maßnahmen dem Schutze der Landwirtschaft dienen. Schutzzölle und Preistreibereien fördern aber ebensowenig das Interesse aller in der Landwirtschaft tätigen Personen wie die Ausschüttung einer Glanzdividende ein Glück für die in der betreffenden Industrie beschäftigten Arbeiter bedeutet. Die künstliche Verteuerung der Agrarprodukte kommt nicht den Landproletariern, auch nicht den Pächtern und kleinen Besitzern zugute, den erhöhten Profit schluckt der Grundrentennutznießer. Mit der Verteuerung der Produkte schnellen auch die Güterpreise und die Pachten hinauf. In welchem Maße. daS illustriert die Veränderung in den hypothekarischen Belastungen. Die Neueintragungen nach Abzug der Löschung ergaben in den Jahren 1994/19 497, 499, blö, 556,(584, 664 Millionen Mark. In fünf Jahren sind demnach >ie Lasten um 257 Millionen Mark gestiegen. Bei nur 8 Proz. macht das schon 7,7 Millionen Mark Zinsen pro Jahr. Die wirk- lichen Produzenten haben von den Zöllen leinen Vorteill Billige Seefische. Der Schrei nach billigen Lebensmitteln hat bereits einige Städte veranlaßt, den Seefisöbbezug im großen zu organisieren. Hoffentlich trägt das zu einer Erweiterung des Fischfanges und zu einer Verbilligung der Ware bei. In den letzten Jahren ist der Durchschnittspreis für Fische ziemlich stabil geblieben. Im ganzen Jahre 1998 wurden 9,8 Millionen Kilogramin Fische gefangen, der Gesamtwert betrug 21,8 Millionen Mark oder im Durchschnitt 9,22 Mark pro Kilogramm. Die Fänge in den ersten 9 Monaten 1919 ergaben 754 Millionen Kilogramm im Werte von 17,4 Millionen Mark; in derselben Zeit des laufenden Jahres wurden faßt 7,6 Millionen Kilogramm gefangen, die einen Wert von 175h Millionen Mark repräsentieren! Der Einheitswert betrug in den beiden Jahren 9.23 M. Er ist demnach um eine Kleinigkeit gestiegen. In diesem Jahre war der Fang von Heringen besonders erfolgreich. wurden doch 3 999 009 Kilogramm hereingebracht gegen nur 2 728 287 Kilogramm im Vorjahre. Da gleichzeitig der Gesamtwert nur von 421 332 auf 459 608 Mark stieg, ist eine Ermäßigung des Kilopreiscs 9on 9454 M. auf 9,115 M. zu konstatieren. Im Kleinhandel komnit dle>e Verbilligung nichtzum Ausdruck! Es scheint das auf die Politik der Gesellschaften zurückzuführen zu sein, die sich mit dem Verarbeiten der Fische beschäftigen. Trotz der reichen Ergebnisse �?.;?"!"9sfang haben sie die Einpökelung eingeschränkt. In der berücksichtigten Zeit des Vorjahres sind 399 477 Kantges im Werte Salzheringe oroduziert worden, in diesem Jahre nur „43 924 Kantges im Werte von 5 993 951 M. Demnach stieg der Einheitswert von 29.29 M. auf 20,88 M., während der Wert frischen Heringe um 25 Proz. gesunken ist. Durch solche Praktiken wird der Fischkonsum nicht gefördert! Die Obst- und Gemüseteuerckng. Infolge des in den meisten Teilen Deutschlands sehr mäßigen Ertrages der Obst, und Gemüseernte ist das Angebot an den Frucktmärkten so gering, daß weite Schichten der Bevölkerung den Konsum von Gemüse stark«inschränken und auf den Genuß von Obst fast ganz verzichten müssen. Während im Hevbst 1919 überall Aepscl und Birnen außerordentlich reicblich zu Markte gebracht ivurdc», ist das Angebot— nach den Berichten des Deutschen Pomo- logen Vereins— fast durchweg sehr gering. Da das Obst infolge des heißen Sommers früher zur Reife gekommen ist. ziehen die Preise schon merklich an. Gute Tafcläpfel werden im Kleinhandel meist mit 39 Pf., an einigen Orten sogar mit 49 Pf. pro Pfund bezahlt. Au für geringere Sorten sind die Preise um 8—12 Pf. höher als im Vorjahre. Birnen sind nicht so stark gestiegen. Es wurden für bessere inländische Sorten 29 bis 39. für geringere 15 bis 29 Pf. gefordert. Weintrauben waren meist etwas billiger als im Vorjahre. Blumenkohl kostete bis zu 79 Pf., während im Vor- jähre nur vereinzelt mehr als 25 Pf. gezahlt wurden. Auch Rot- und Weißkohl sind bei verringertem Angebot erheblich»m Preise gestiegen. Dabei muß berücksichtigt werden, daß das Gemüse meist auch qualitativ unter dem Niveau früherer Jahre bleibt. Zwiebeln. die im Vorjahre B— 10 Pf. kosteten, werden heuer mit 12 b's 15 Pr. bezahlt. Die Preise für Sellerie schwanken zwischen 19 bis w Ps. Pro Stuck. Im Vorjahre stellte sich der Preis auf<5 bis 10 Pf« Eua der frauenbewegung. Mit der Organisation des Haltekinderwesenö in Preußen— namentlich soweit Säuglinge in Frage kommen— wird sich die erste, von der Preußischen Landeszentrale für Säug- lingsschutz veranstaltete öffentliche Landeskonferenz beschäftigen. Sie findet am Sonnabend, den 9. Dezember in Berlin statt. Aerzte und Verwaltungsbeamte werden die verschiedenen Seiten dieser gkundlegenden Maßnahmen des Säuglingsschuhes cr- örtern, so die Aufgaben der Verwaltungs- und Polizeibehörden, der Armen- und Waisenämter, die Mitwirkung beamteten Aerzte sowie weiblicher— besoldeter oder ehrenamtlicher— Aufsichtspersonen. Die organische Verbindung der Haltekinderkontrolle mit den Mutter- beratungsstellen und der Berufsvormundschaft wird eingehend ge- würdigt werden. Neben brauchbaren Matznahmen für die Einzel- Praxis Ivird sich die Versammlung auch mit der Frage einer einheit- lichen Regelung der Materie beschäftigen. Von vielen Seiten wird der Erlaß eines Landesgesetzes gewünscht. Als Referenten der Konferenz sind Stadtarzt Professor Dr. med. v. Drigalski- Halle, Städtischer Ziehlinderarzt Dr. med. Effler-Danzig, Bei- geordneter Dr. jur Greven- Köln und Verwaltungsdirektor der Königlichen Charite Geh. Reg.-Rat Dr. jur. Pütter-Berlin ge- Wonnen worden. Das zur Vorbereitung der Verhandlungen wissenswerte Ma- terial an Statistiken, gesetzlichen und Verwaltungsvorschriften sowie des Ergebnis einer besonderen Rundfrage wird den Konferenz- besuchern zugängig gemacht werden. In Verbindung mit den Refe- raten und Diskussionsbemerkungen wird es später als Veröffent- lichung im Buchhandel erscheineis» Alles Nähere von der Geschäfts- stelle der Preußischen Landeszentrale für Säuglingsschutz, Berlin W. v, Potsdamer Str. 134a. Ckmkts- Leitung. Der Fall Zickel vor dem OberverwaltungSgSgericht. Wie erinnerlich, hat der Bezirksausschuß am 1. November 1910 nach eingehender Beweiserhebung auf Klage des Berliner Polizeipräsidenten dem Schauspielunternehmer Martin i ck e l, dem Direktor des Berliner Lustspielhauses, die onzession entzogen. In Betracht kommt§ 33 der Gewerbeordnung, wonach u. a. die Theaterkonzession zurückgenommen werden kann, wenn aus Handlungen oder Unterlassungen des Inhabers der Konzession ein Mangel derjenigen Eigenschaften erhellt, welche bei der Erteilung der Genehmigung nach der Vorschrift der Gewerbeordnung vorausgesetzt wird. Diese Eigenschaft ist nach§32 die für den fraglichen Gewerbebetrieb erforderliche Zuverlässigkeit, insbesondere in sittlicher, artistischer und finanzieller Hinsicht. Im Falle Zickel handelte es sich um die Zuverlässigkeit in sittlicher Hinsicht. Der Bezirksausschuß hielt für erwiesen. daß Herrn Martin Dickel diese fehle. Maßgebend waren die Feststellungen über die Art, wie Direktor Zickel seine Stellung als Theaterunternehmer ausgenutzt habe, um in intime Be- ziehungen zu Schauspielerinnen zu treten. Als Gesamtbild hatte sich für den Bezirksausschuß ergeben, daß er ein Mädchen- und Frauenjäger gewesen sei, der auch die Damen seiner Bühne nicht unbehelligt gelassen habe. Er habe mehrere Verhältnisse der Reihe nach und zum Teil auch nebeneinander gehabt. Charakteristisch sei, wie er z. B. in einem Falle Chapelle, diese Verhältnisse angeknüpft habe. Bezeichnend wäre auch die Anknüpfung der Verhältnisse im Theaterbureau. Dann komme noch der Ruf hinzu, den die Bühne infolge seines Verhaltens gehabt habe. Natürlich möge auch viel Klatsch mit unterlaufen sein. Der Ruf. den er bei den Bühnenmitgliedern gehabt, entspreche nicht dem, den ein Theaterleiter haben müsse, um seine Autorität auf- recht zu erhalten. Dr. M. Zickel legte gegen das Urteil des Bezirks- ausschusses Berufung ein. Ueber diese verhandelte gestern der dritte Senat des Ober-Verwaltungs- g e r i ch t s unter dem Vorsitz des Geheimrats S ch e l l o n g. Dr. Zickel war durch die Justizräte Sello und Michaelis vertreten, während für den Polizeipräsidenten die Regierungs- räte V e r g e r und Lindenau erschienen waren. Ausschluß der Oeffentlichkeit. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Vor» sitzende: Es sei erst darüber zu befinden, ob die Oeffentlich- keit auszuschließen sei. Wenn die Vertreter beider Parteien auf dem Ausschluß kein Gewicht legen würden und zu- gleich bereit wären, nicht zu tief in die Einzelheiten hineinzusteigen, dann könnte auf den Ausschluß der Oeffentlichkeit verzichtet werden. Justizrat Michaelis erklärt, daß seine Partei keine Veranlassung habe, den Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit zu beantragen. Deshalb widerspreche er dem Ausschluß. Rcgierungsrat B e r g e r vom Polizeipräsidium verlangt dagegen kurz den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Das Gericht beschloß. die Oeffentlichkeit ganz auszuschließen. Es mußten also auch die Ver- treter der Presse den Verhandlungsraum verlassen. Das Ober-Verwaltungsgericht zog sich nach vielstündiger Verhandlung, während der der Ausschluß der Oeffentlichkeit aufrecht erhalten wurde, um 6 Uhr abends zur Beratung zurück. Um 1�8 Uhr fällte der Senat das Urteil. Die Vorent- scheidung wurde bestätigt. Esbleibtalsobeider vomBezirksausschußausgesprochenenKon- zessionsentziehung gegen Dr. Martin Zickel. Urteilsgründe: Für den Senat liege kein Anlaß vor, Stellung zu nehmen dazu, ob die Art des Polizeipräsi- denken, sein Material zusammenzubringen, zu beanstanden sei. Das Ober-Verwaltungsgericht habe ober, das möge gesagt sein, wiederholt Stellung genommen dahin, daß die Polizei jemanden zwingen kann, bei der Polizei zum Zwecke der Aus- tunfterteilung zu erscheinen. Dagegen ist es streitig, ob man den Erschienenen zwingen könne, den Mund zu öffnen. Wir brauchen das nicht entscheiden. Was nun die Bedeutung der§§ 82 und 33 der Gewerbe- ordnung und der dort in bezug genommenen Bestimmungen betreffe, so vertrete das Gericht die Ansicht: Es komme für die Erteilung wie für die Entziehung der Konzession darauf an, ob die Behörde die Ueberzeugung erlange, daß der betreffenden Person zuzutrauen sei, daß sie ihr Gewerbe in Zukunft einwandfrei betreiben werde. Es habe also auch hier der Senat zu prüfen, ob aus dem Erwiesenen zu ent- nehmen, sei. daß Dr. Zickel der sittlichen Zuverlässigkeit ent- behre, welche durch das Gesetz vorausgesetzt werde. Der Senat sei nun allerdings nach den Ermittelungen zu der Fest- stellung gekommen, daß Dr. Zickel seine finanzielle und künst- lerische Macht nicht etwa dazu mißbraucht habe, um sich Weib- liche Personen zu Willen zu machen. ES lasse sich z. B. auch ".i ch t feststellen, daß Beziehungen zu weiblichen Personen auf die Rollenverteilung Einfluß gehabt hätten. Ferner sei ihm zuzugestehen, daß er sein Theater künstlerisch geleitet habe._ Aber alles das vermöge eine Kon» zessionsentziehung nicht auszuschließen, wenn festgestellt werde, daß der Konzessionär es an der notwendigen Zuverlässigkeit habe fehlen lassen. Es stehe nun im Ermessen des Gerichts, ob es bei der Prüfung lediglich Handlungen berücksichtiget wolle, die mit dem Gewerbebeirieb des Konzessionars in Beziehung ständen oder auch andere, nicht damit m Beziehung stehende Handlungen. Der Wort- laut der Gewerbeordnung besage ganz klar, daß es nur darauf ankomme, ob die Behörde die Ueberzeugung von der Zuverlässigkeit oder Unzuverlässigkeit erlange. Wenn nun auch im vorliegenden Falle von sehr vielKlatsch geredet werden müsse, welcher auszuscheiden habe, so erachte der Gerichtshof doch vier verschiedene Fälle als u n- zweifelhaft f e st g e st e l l t, wo Dr. Zickel mit Schau- spieleriimen in intime Beziehungen getreten sei. Bei der Sachlage(die der Gerichtshof mit Rücksicht auf den vor» herigen Ausschluß der Oeffentlichkeit in der Urteilsverkündi- gung nicht näher beleuchtete) sei der Senat der Ansicht, das; diese vier Fälle genügen, um Dr. Zickel nicht als sittlich zuverlässig in bezug auf den, Gewerbebetrieb des Theaterunternehmers erscheinen zu lassen. Alles andere könne ausscheiden. Das Urteil des Bezirksausschusses sei zu bc- stätigen. Das Streitobjekt wurde auf 50000 M. bemessen. Der schwere Bauunfall, der sich am 21. März auf dem Wcrtheiin-Neubau am Alexanderplatz ereignete, unterlag gestern der Prüfung der 11. Strafkammer des Landgerichts I. Der wegen fahrlässiger Körperverletzung und Ver- stoßes gegen anerkannte Regeln der Baukunst angeklagte Monteur Gustav Schulz ist Monteur bei der Firina Ravens, die bei den inne, ren Arbeiten des Riesenbaues die Eisenkonstruktionen übernominen hatte. Arn 21. März sollte ein leichter eiserner Träger verlegt werden und der Angeklagte ließ zu diesem Zweck ein Gerüst aus- stellen, auf welchem 5 Arbeiter beschäftigt wurden. Nachdem der eiserne Träger durch einen Kran in die Höhe gezogen worden war, »nutzten die fünf Arbeiter auf dem Gerüst eine größere Kraftaus- Wendung zu seiner Weiterbeförderung entwickeln. Das Gerüst konnte diciem Ansturm nicht standhalten, die Querriegel brachen und fielen mit dem Belag aus dem Mauerwerk heraus und in die Tiefe. Die fünf Arbeiter stürzten mit hinunter und wurden zum Teil so schwer verletzt, daß der eine als Ganzinvalide, einige andere als Halbinvaliden zu gelten haben. Auch zwei unter dein Gerüst stehende Arbeiter trugen Verletzungen davon. Die Anklagebehörde machte den Angeklagten Schulz für diesen betrübenden Unglücksfall verantwortlich und legte ihiu zur Last, daß er in fahrlässiger Weise bei der Errichtung des Gerüstes nicht genügende Rücksicht darauf §enommen habe, welche Last es zu tragen haben würde. Mehrere Zeugen bekundeten, daß die Aufführung von Jnnengerüsten allge- mein in der Weise geschehe, wie es seitens des Angeklagten ange- ordnet gewesen sei. Das Gericht hielt nach längerer Beratung den Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig und verurteilte ihn zu 159 Mark Geldstrafe eventuell 39 Tagen Gefängnis. Versuchte Bestechung im Kriegsininisterium. Unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber verhandelte gestern die 3. Strafkainmer des Landgerichts I wegen Bestechung gemäß§ 333 St. G. B. gegen den Kaufinann Josef Haminrrinann. Von dem Armecverwaltungsdepartement des Kriegsministe- riums werden alljährlich die Tuchlieferungen im Submissionswege an verschiedene große Tuchfabriken Deutschlands vergeben. Zu diesen Submissionen, bei denen es sich um ein Gesaintobjekt von zirka 1 Million Mark handelt, melden sich etioa 129 Firmen. Zu diesen gehörte u. a. auch die Firma Josef Rosenbaum Nachf., deren Mitinhaber der jetzige Angeklagte ist. Im Jahre 1999 hatte die Firma von dem Kriegsministerium einen Auftrag auf Lieferung von 15 999 Metern Tuch zuin Preise von zirka 75 999 M. erhalten. Ein Gesuch des Angeklagten auf Nachlieferung wurde abgelehnt mit der Begründung, daß der Bedarf gedeckt sei. Im Jahre 1919 erhielt er einen Austrag auf insgesamt 16 599 Meter Tuch. Als ihm für 1911/12 ein Auftrag auf Lieferung von 16 999 Metern zuteil wurde, versuchte der Angeklagte noch eine Nachlieferung zu erlangen. Er wandte sich deshalb pexjönlich an den Militärinten- danturrat Bartels, welcher die Bekleidungsabteilung unter sich hat. Eine Rücksprache in der Wohnung wurde von B. abgelehnt. Der Angeklagte erschien dann einige Stunden später im KriegSminr- sterium, wo ihm von dem Jntendanturrat bedeutet wurde, er solle sein Gesuch auf dem üblichen Wege durch die Kanzlei gehen lassen. Bei der Verabschiedung ließ der Angeklagte die Worte fallen, er werde noch seinen besonderen Dank aussprechen. Gegen vier Uhr nachmittags erhielt der Jntendanturrat mit der Post einen Brief zugesandt, in welchem sich ohne einen besonderen Zusatz 5 Hundert- markscheine befanden. B. meldete dies sofort seinem Vorgesetzten. worauf das jetzige Strafverfahren gegen Hammermann eingeleitet wurde. In seiner Vernehmung behauptete der Angeklagte, daß es sich lediglich um eine höchst fatale— Verwechselung handele. Er habe sich wegen der frühen Störung in seiner Wohnung entschuldigen wollen. Aus Versehen habe er dann diesen Brief mit einein an- deren Kuvert vertauscht, in welchem sich die 5 Hundertmarkscheine befanden, die cr als„eisernen Bestand" iinmer bei sich trage.— Vor Gericht ergab sick jedoch, daß sich die Scheine in einem Kuvert befanden,»velches osfensichtlich durch Zusammenkniffen erst so passend gemacht war, daß es in den eigentlichen Briefumschlag hineinging.— Staatsanwalt Dr. Rosenfeld beantragte die höchst- zulässige Strafe von 1509 Mark Geldstrafe. Das Gericht bezeichnete die Angaben deS Angeklagten als leere Ausreden. Mit Rücksicht darauf, daß die Integrität deS preußischen Beamtenstandes mit aller Energie aufrecht erhalten und geschützt werden müsse, erkannte das Gericht auf 1999 Mark Geldstrafe. Außerdem wurden die fünf Hundertmarkscheine den gesetzlichen Bestimmungen gemäß dem Staate verfallen erklärt._ Bestrafte Behinderung des KoalitionSrechtS. Eine Schadenersatzklage hatte der Gewerkschaftsangestellte Behr gegen den Buchdruckercibesitzer Klemm erhoben. Wie wir in Nr. 243 des„Vorwärts" mitteilten, ist Klemm am 16. Oktober wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilt worden, die er an Behr beging, als dieser im Happoldtschcn Biergarten Zettel Verl» teilte, die den Gästen Aufklärung über den damaligen Kellner- streik gaben. Bei dein Faustkampf des Herrn Klemm gegen den Zettelverteiler sind diesem Kneifer und Hut gerschlagen»oorden. wofür Behr, der Zettelverteiler. Schadenersatz beansprucht. Vor dem Strafgericht hatte sich Klemin auf? Leugnen verlegt, was ihn aber nicht vor Strafe schützte, da sein Vergehen durch einwandfreie Zeugen festgestellt wurde. Klemm wollte anfangs auch vor dein Zivilgericht seine Schuld bestreiten. Zur Feststellung derselben waren deshalb mehrere Zeugen geladen, die aber nicht erst ver- nommen werden brauchten, da Klemm im gestrigen Termin durch seinen Anwalt erklären ließ, daß er die Ansprüche des Klägers an- erkennt. Der„tapfere" Kämpfer gegen gewerkschaftliche Tätigkeit hat also doch schließlich eingesehen, daß Abstreiten nichts mehr hilft und daß ihm nichts übrig bleibt, als außer der Strafe auch die Kriegs- kosten für sein Abenteuer zu zahlen. Sind Telephone für Strasanträge da? Mit dieser interessanten Frage befaßte sich am Sonnabend daS Schöffengericht in Halle a. S. in der Sache des Schweizers D.. der bei dem Gutsbesitzer Andre in Landsberg grundlos den Dienst ver- lassen haben sollte. Andre ging einfach an das Telephon, teilte dem Bürgermeister Kunze in Landsberg das Geschehnis mit, und der Bürgermeister ließ dem Schweizer darauf ein Strafmandat zu- gehen. D.s Verteidiger machte vor Gericht geltend, der Strafan- trag sei rechtsungültig, denn Strafanträge müßten schriftlich ge- stellt oder mündlich zu Protokoll gegeben»verdcn. Als im Jahre 1854 die Gcsindeordnung erneuert wurde, habe es noch kein Telephon gegeben. Das Entgegenkommen des Bürgermeisters gegenüber dem Landwirt sei denn doch zu weit gegangen. Das Gc- richt erklärte den Strafantrag für ungültig, sprach den Schweizer frei und legte die Kosten der Staatskasse zur Last. Hua aller Melt. öturmfcbadcn an der JSbrdwefthOfte. Schwere Stürme haben am Sonntag und Montag an der Rordseetüste großen Schaden angerichtet. Besonders an der West- lichen Küste S ch l e s w i g- H o l st e i n Z hat der Sturm in furcht» barer Weise gewütet. An mehreren Stellen wurden die Dämme durch die herandrängenden Fluten überschwemmt und weggespült, Veite Gebiete des Landes unter Wasser gesetzt. LuS B r e d st e d t wird berichtet, daß der dortige Deich an der Nordsee auf zwei Kilometer Länge, und zwar in einer Höhe von 2 bis 3 Meter von den Fluten weggerissen wurde. Bei Wiedereintritt der Flut ist das schlimm st e zu befürchten. Aus Wesselburen wird gemeldet, daß infolge des starken Sturmes die Deiche bei Westelburener Koog und bei Schülper-Siel an zahlreichen Stellen durchbrochen wurden. Bei Westelburener Koog ist der Deich auf 30 Meter Länge weggeschwemmt. Die Köge sind überschwemmt. Das Vieh steht tief im Wasser. Zwischen S ü d e r st a p e l und E r'f d e ist der Eiderdamm in- folge der Sturmflut gebrochen. Bor den hereinströmenden Waster- mengen konnte sich ein Teil der Bevölkerung nicht mehr in Sicher» heit bringen. Mehrere Gehöfte sind vollständig vom Wasser umgeben. Von Friedrich st adt sind Wagen mit Booten nach dem UeberschwemmungSgebiet entsandt worden; auch Militär wurde zur Rettung der Gefährdeten requiriert. Große Verheerungen hat das Unwetter in dem Nordseebade Westerland auf Sylt angerichtet. Das Kurhaus, die einzige vom Brande am 19. September verschont gebliebene Strandhalle, der Musikpavillon und andere Baulichkeiten wurden zerstört. Die elektrische Lichtleitung und die Fernsprechverbindung mit dem Fest- lande sind unterbrochen. Der Schiffsverkehr auf der Nordsee mußte deS Sturme? wegen eingestellt werden. Niehrere Segler sind während des Unwetters gesunken. Die Rettungsstationen der Nordsee Häven in mühselig� Arbeit ihre segensreiche Tätigkeit entfaltet. 17 Personen von vier gestrandeten Schiffen wurden durch die Rettungsboote der Stationen Helgoland und Wangeroog vor dem Tode in den Fluten bewahrt. Schweres Strahenbahuunglück in Stuttgart. An der Endstation Bopser der Straßenbahnlinie der Filder- bahn, die dort in einer engen und steilen Kurve ausläuft, versagte am Sonntagabend gegen 6 Uhr wegen deS durch den Sturm an- gehäuften und auf die Schienen geworfenen Laubes die Bremse an einem vierachsigen vollbesetzten Wagen, der von Degerloch kam. Der Wagen sprang aus den Schienen, und rollte gegen das Trottoir, wo er umstürzte. Bon etwa dreißig Jusasten wurden drei getötet und etwa fünfzehn mehr oder weniger schwer verletzt. Ein neuer Kamorristenprozeh. Aus Rom schreibt man uns unterm 4. November: Der Prozeß von Viterbo ist noch lange nicht seinem Ende nahe, und schon winkt ein neuer Kamorristenprozeß, der in vieler Hinsicht interessanter werden dürfte als der heutige. In Neapel ist näm- lich soeben die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Anstiftung zu schwerer Körperverletzung gegen den reichen Großkaufmann Pacifico Ascarelli beschlossen worden. Dieser Ascarelli entstammt einer angeschenen jüdische» Familie Roms und ist ein schwer reicher alter Mann, der vor 20 Jahren auch Stadtrat von Neapel war. Ascarelli ist beschuldigt, durch Mandat die Ermordung des Kaufmanns D r L u c a veranlaßt zu haben. Da De Luca mit dem Leben davon kam, lautet die Anklage nur auf Anstiftung zu schwerer Körperverletzung. Bei der Sache spielt, wie bei allen Ka- morristsngeschichten, die Polizei eine Rolle. Der alte Ascarelli unterhielt eine Chansonettensängerin namens Ninh R icciardi, zu deren Ueberwachung er einen berüchtigten Kamorristen, Michele Tommaso, angestellt hatte. Dieser Kamorrist wohnte in demselben Hause, in dem die Geliebte ein- quartiert war. Als sich der auch schon ältliche und verheiratete Kaufmann De Luca um die Gunst der Schönen bewarb, wurde er auf offenem Markte von Michele angegriffen und durch Messerstiche schwer verwu-ndet. Der übliche Prozeß wurde eingeleitet, aber nie- mand sprach von dem Mandanten, obwohl Aeoarellis Verhältnis zur Sängerin und die Aufseherrolle des Kamorristen bekannt war. Diese Zurückhaltung der Polizei zugunsten AscarrlliS erklärt sich damit, daß der mit dem Beweisverfahren beauftragte Polizeiassessor De G u g l i e l m o sich in die schöne Sängerin verliebt hatte und sich von Ascarelli einige 10 000 Lire hatte versprechen lassen, wenn er über die Vergangenheit Ninys ein Auge zudrückte, sie heiratete und nicht werter nach einem Mandanten in dem Verbrechen De Luca Ausschau hielte. Diese Abmachung wurde aber zu Wasser, denn eines Tages entflohen Ninh und der Polizeiassessor zusammen und' ließen den alten Ascarelli sitzen. So kam die Beweisaufnahme in andere Hände und Ascarelli auf die Anklagebank. Der Kamorrisr Michele ist flüchtig. Man macht ihn auch für die Ermordung eines gewissen Renzullo verantwortlich, ein reicher Mann, der vor drei Jahren spurlos verschwand, und dessen Leiche nie gefunden wurde. Seit Michele flüchtig ist, wurde eben die Anklage wegen dieses zweiten Verbrechens gegen ihn laut. Auch hier sckeint der Kamorrist als gedungener Mörder gehandelt zu haben. Diese Er- mordung hatte schon früher zur Verhaftung eines Mönches, des Bruders Candida, geführt, der ein Genosse der Ausschwei- fangen des Ermordeten war. Der fromme Bruder wurde wegen mangelnden Schuldbewcises in Freiheit gesetzt, aber man konstatiert heute, daß er ein Verwandter des Kamorristen Michele ist, unld viel- leicht wird die heutige Leitung der Voruntersuchung auch den Bruder Canldido wieder auf die Anklagebank bringen. Jedenfalls deckt der Prozeß Ascarelli eine rechte Kloake der„besten Gesellschast" Neapels auf._ Kleine Notizen. Im Walde verirrt. Wie aus Trier gemeldet wird, haben sich drei Kinder einer Familie aus M o r s ch e i d im Walde verirrt. Als man die Kinder auffand, war ein Knabe bereits ge» starben, zwei Mädchen zwar noch lebend aber bewußtlos und in völlig erschöpften, Zu stände. Die Pest in Tanger? In den letzten vierzehn Tagen find in Tanger zwölf Personen einer verdächtigen Krank- h e i't e r l e g e n. Es wird vermutet, daß es sich um Auftreten der Pest handelt, die von Mekkapilgern eingeschleppt ist. Die Behörden haben sanitäre VorbcugungSmaßregeln angeordnet. Extra billige Joppen-Tage Ganz besonders günstige Kaufeelegenheit Pelz-Joppen in vielen Fellarten, guter krif- ICH tiger Stoffbezug...... von AJ an Loden-Pelerinen für Herren und Damen 750 / an TOO gute imprägnierte Loden, bis 130 cm long..... 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Sozialdemokraflscber Watilverein für den I.Berliner Rciebstagswatilkreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk 380.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Klempner Wttkolm Plate Mehnerstraße 14 gestorben ist. (k'hre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. November, von der Halle des ZenIraifricdhoseS in FriedrichSseldc, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Zioritanl». Für die liebevolle Tcstnabme bei der Beerdigung meine? lieben Mannes, unleres lieben Vaters, des Porzellan- dreherS Kall Richter sagen wir allen unsern herzlichsten vilve Helene Richter und Kinder. Nach nur dreitägigem Krankenlager entschlics am Sonntag, den j 5. November, unser lieber Mit- arbeiter Withelrn Plate. Tiesbcwegt stehen wir an der Bahre dieses guten Menschen, der uns durch seine Charakter eigen- schatten mehr als ein langjähriger Mitarbeiter, der uns ein Freund geroesen ist. Er wird UNS unver- geßlich bleiben. 1441b Das P rsanal der Firma Tnott die muninKor. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau �nna Neubert geb. Paulitschek am Sonnlag, den 5. November verstorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Max Renbert nebst Kindern. Die' Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Nixdorfer Gemeinde. sricdhoses, Mariendorser Weg, aus Italt._ Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bierfahrer Vit««fast am 1. November im Alter von 34 Jahren verstorben ist. 71/20 Elire seinem Andenken l Tie BezirkSverwaltnng. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes S7gL f�»'aa« Zotta sage ich allen Beteiligten herzlichsten Dank. Anna Iotta geb. Spindler. Danktagang. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bec>diaung meines lieben ManneS, des TöpserS Bernhard Fiedler sage ich hiermit dem Sozialdemokra- tischen Wahlvcrein Nixdorf, Bez. 20, dem Zentraloerband der Tövser Deutschlands, Filiale Berlin, der Firma Kowalski, dem Gastwirt Buchholz, dem Zentral-Ranchei bund, dem Rauch- klub.Lind nbain", sowie allen Ber- wandten und Bekannten meinen herz- lichslen Dank. Frau!sl>»i-lv Flodloi-, geb. SchcUnor. Or.Simmel Spczial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensti5. 41, ÄÄ. 10-2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Eile Weile! 110 Dresdener Straße IIQ liü(Eckhaas Oranienpt.) Hu Muffen.KolIiers Extra billige preise! Echte Skunks-Stolas von JJ5 M. an. Pelz-Hüte.Hntstreiien Felle, Köpfe, Schweife in allen Fellarten. Eigene Kilrsehnerel. Jedermann erhalt die im Fenster ausgestellten Gegenstande sofort für den bezeichneten Preis. Dilta genau auf\r. DIU" 110 und Ello so Wclio z. achte n Von der Heise zurück+ Dr. med. Leopold Lilienthal. 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Chiffre S. 100,»Bor- wärtS'-Spcdition, Augustktr. 50.• Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Drucku.Berlag:Porwört» Luchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin äW» Nr. 36!. 28. IahrMg. Keiiage des„Wmirls" Knliiier Wlisdlsll. Dltttstag, 7. November lSU. Gevoerkfckaftlicbes. Oer 8cbm nach dem Zuchthaus. (Tagung der Gelben.) Berlin, den 6. November 1911. DaS gelbe Parlament, das sich„H a u p t a u s s ch u ß der nationalen Arveiterverbände" nennt, hatte sich heute in den Kammersälen in der Teltowerstraße zusammen- gefunden. Verschiedene Scharfmacher in Uniform und Zivil ver schönten das gelbe Fest mit ihrer Anwesenheit. Da war der satt' sam bekannte Arendt, in dessen Wahlkreis die schändlichste Kinderausbeutung floriert, da war der Wotanverehrer Friedrich Lange, Chefredakteur der„Deutschen Zeitung" für Duellanten und Negerprügler, die in jedem schwarzen Tambour einen Unter- gang der weissen Rasse wittert, da war der Generalmajor von L o e b e l l, dem schon die christlichen Gewerkschaften des Königs- mordes verdächtig sind, und da war der Generalfeldmarschall von der Goltz, dessen jungtürkische Zöglinge beinahe einen Sultans- mord begangen hätten, sich aber schliesslich damit begnügt haben, das frühere türkische Instrument des Himmels zu lebenslänglicher Einsperrung zu verurteilen. Nebenbei erwähnt, wird dieser Herr Feldmarschall bisweilen als Anwärter auf Bethmanns Nachfolger- schaft genannt. Auch ein deutscher Nichter war zur Stelle, Räch- ling mit Namen und nationaler Landtagsabgeordneter nebenbei, der mit innigem Behagen sich der drakonischen Urteile„seiner" Strafkammer gegen die Mitglieder der freien Gewerkschaften rühmte und einen Blick in die Werkstatt der Klassenjustiz gewährt. Angeblich gehören dem gelben Hauptausschuss 8„nationale" Arbeitervereinigungcn mit 130 000 Mitgliedern an. Neuerdings sind zugetreten der Bund der Statshandwerker in den Königlich technischen Instituten und der Bund der gelben Fleischergesellcn. Den Kern der Gelben bildet der Bund Deutscher Werkvereine, über den R upp- Fölkingen(Rheinprovinz) berichtete. In Augs- bürg. Nürnberg und Magdeburg florierte die Bewegung und in Berlin, wo der Siemcns-Schuckertverein 17 000 Mitglieder zähle, haben sie ihre größte Ausbreitung gefunden. Dagegen klagte der Liedner Stein und Bein über das Stocken der Bewegung in Sachsen. Schamhaft sprach er von„verschiedenen Maßnahmen, die nicht erörtert werden können". Hinter dieser Umschreibung verbirgt sich die für die Gelben allerdings sehr betrübsame Tat- fache, daß das sächsische Scharfmachertum es glücklich fertig ge° bracht hat, auch die„Vaterländischen" rebellisch zu machen. Heuer. Berlin, der neulich zusanimen mit dem schimpfgewaltigen Arbeiterfeinde und Antisemiten Lattmann seinen Senf zu der Ma- rokkorummelversammlung gab, berichtet über den Bund der Vaterl. Arbeitervereine". Angeblich soll dieser Bund jetzt 152 Vereine mit 32 000 Mitglieder zählen. Mit anerkennenswerter Offenheit gab Herr Heuer zu, daß dieser Bund der Geburtshilfe des Reichsver- bandes gegen die Sozialdemokratie sein Dasein verdankt. Wisch- n ö w s k i- Berlin berichtet unter lungenkräftigem Schelten auf die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften über den gelben Bäckerbund, wobei er die Behauptung in die Welt setzte, daß in Berlin 1904 etwa 4 000 Gesellen zwangsweise in die„sozial- demokratischen" Organisationen hineingenötigt seien. Inbrünstig um das Wohlwollen der hohen Behörden und Arbeitgeber flehte Leh« mann-Spandau namens des„Bundes der Staatshandwerker". Die beiden Referate über die Notwendigkeit der„nationalen Arbeiterbewegung" und über„Streik und Arbeitswil- Ii gen schütz", die Fichtner- und Heuer-Berlin erstatteten, waren beide weiter nichts, als Variationen des Schreies nach dem Zucht- Hausgesetz. Wien» ein Unterschied konstatiert werden soll, so war eS Fichtner, der sich immerhin noch einer gewissen Mäßigung im Tone befleißigte. Er. war so gütig, den christlichen Gewerkschaften und den Hirsch-Dunckerschcn wenigsten? bis zu einem„gewissen Grade" nationale Gesinnung zuzubilligen und den Streik unter ganz bestimmten Bedingungen zuzulassen. Dagegen sprach Heuer völlig im Tone der allerärgsten großindustricllen Scharfmacher. Nahe genug kam übrigens auch Heuer diesem Tone. Er sprach von den mit sauerverdienten Arbeitergroschen bezahlten Demagogen, von schändlichem Mißbrauch des„Koalitionsrechts" und klagte dar- über, daß die Regierung noch nicht genug scharfmacherisch sei. Spassig war es anzuhören, wie diese„vaterländischen", die ein- gestandenermassen vom Reichsvcrbande und den Großindustriellen protegiert werden, den Hirsch-Dunckerschen vorwerfen, daß sie von der Freisinnigen Volkspartei und den Christlichen, daß sie von Kap- länen bezw. Pfarrern�geleitet werden. Ueberhaupt leistete nament- lich Herr Heuer im Schimpfen auf Kathedersozialisten und Geist- liche ein ganz Beträchtliches. Von nahezu kindlicher Naivität zeugte die Bitte des Herrn Fichtner an die Arbeitgeber, den Arbeitslohn nicht nach Angebot und Nachfrage, sondern nach sittlichen Grund- sätzen zu bewilligen. Bezeichnend war es auch, daß die Vorenthal» tung des preußischen Wahlrechts die Billigung Fichtners fand. Wer einem so kranken Glied« weitere Machtmittel in die Hand gebe, be- gehe Selbstmord.(Stürmischer Beifall unterstrich diese Rechtferti- gung dieser Arbeitcrentrechtung.) Im Produzieren von Schauer- mären geradezu unübertrefflich erwies sich Heuer-Berltn. ES sei bedauerlich, daß auf nationalem Boden stehende Arbeitervereine durch Mitbeteiligung an Streiks den sozialistischen Zielen Vorschub leisten. Es gäbe keine Höllenqualen, die nicht gegen Arbeitswillige angewandt würden. So eine Verrohung sei unerhört in der Welt- geschichte. Arbeiter würden niedergemetzelt und man vergreife sich sogar an Frauen und Kindern der Arbeitswilligen. Leider habe der Reichstag versagt. Es sei schade, daß die bürgerlichen Sozial- ideologen nicht die friedliche Arbeit der Streikposten am eigenen Leibe kenen lernen(Stürmischer Beifall), dann würden sie schnell vom Schlagwort der Solidarität geheilt werden.— Dte anderen Redner hieben in dieselbe Kerbe. Ein Kieler Gelber vermißte ge- nügend Scharfmachertum bei den Offizieren der Werft und hält die Klassenjustiz noch nicht schneidig genug. R u p p- Völklingen: Von den Christlichen und Hirsch-Dunckerschen trennt uns eine unüber- brückbare Kluft. Ihre Kampfesweise gegen uns ist zum Teil noch rüder als die der Sozialdemokratie, weil sie ihre Gefolgschaft nicht anders halten können.(Stürmischer Beifall.) W i s ch n ö w S k i- Berlin jammerte herzergreifend über den Boykott. Sein meistertreues Herz bebt vor sittlicher Entrüstung darüber, daß 50 Prozent der Berliner Bäckermeister zur Lohnbewilligung ge- zwungen sind. Die Gewerkschaften hätten das selbständige Bäcker- gcwerbe in Dreck und Schmutz gezogen. Der Redner verlangte als Ergänzung einer neuen Zuchthausvorlage ein besonderes Anti- bohkottgesetz. Recht interessant waren auch die Ausfuhrungen der Ehren- »äste. Nach dem berühmten Muster des alles machenden Herrn v. Schirp- Bottlenberg stellte sich der Generalmajor v. Löbell als geistigen Arbeiter vor. Die Gewerkschaften, auch die Christlichen, seien Kampfesorganisationen geworden, deshalb müßten auch die Christlichen mit der Sozialdemokratie zusammen- gehen. Dies interessante Zugeständnis wurde noch interessanter durch die Zufügung, daß dies mit ein Grund sei, weshalb„wir", b. h. die Löbell und Genossen, sich von den christlichen Gewerk- fchaften abwenden. Aber Herr v. Löbell hat noch nicht alle Hoff- nung aufgegeben; er hofft auf die Zeit, in der sich Christliche und Vaterländische zu einem allgemeinen Ordnungsbrei zusammen- finden. Ganz besonders begeistert ist Herr Dr. Arendt von der vaterländischen Arbeiterbewegung, die sein deutsches Herz höher schlagen läßt. Mehr alz in der Sozialdemokratie liege in den freien Gewerkschaften die Gefahr für unsere soziale, wirtschaftliche und nationale EntWickelung. In England habe sich gezeigt, daß die Gewerkschaften nicht ein Segen, sondern ein Fluch für die Arbeiter geworden sind. Die deutschen Gewerkschaften seien Hörige der Sozialdemokratie. Man spreche von Koalitionsfreiheit und meine dm Zwang. Dann rühmte sich dieser Stummjünger, dah er für das Zuchthausgesetz eingetreten sei. Hoffentlich merken sich das die Proletarier im ManSfeldischen. Herr Arendt hatte die Stirn, zu erklären, daß er mit seinem Kampf für das Zuchthausgesetz für die Freiheit eingetreten seil! Und die angebliche Arbeiterversamm- lung brüllte frenetischen Beifall!! Es paßte in den Rahmen, daß Herr Arendt die Arbeitswilligen als Helden und Märtyrer dar- stellte und das Fehlen eines Zuchthausgesetzes als nationale Schande geißelte. Den Hauptvogel schoß aber der nationalliberale Landtagsabgeordnete und Landrichter Dr. Röchling ab. An- gesichts der erdrückenden Fülle drakonischer Urteile gegen Strei- kende hatte der Herr den Mut, zu behaupten, daß Beschimpfungen, Belästigungen und Körperverletzungen unbestraft bleiben, oder meint er vielleicht, daß sie unbestraft bleiben, wenn sie von Coleurstudenten ausgehen. Dann hat er recht. Unter stürmischem Beifall der Gelben erklärte dieser Richter, seine Kammer habe sich nicht geniert, wenn Leute gefaßt werden konnten, von den gesetz- lichen Bestimmungen energischen Gebrauch zu machen. In ver- blümten Worten erklärte der Herr, den hoffentlich in Zukunft jeder angeklagte Sozialdemokrat oder Gewerkschaftler als der Befangen- heit dringend verdächtig, ablehnen wird, daß in Streikprozcssen die Arbeitswilligen von Anwälten, Parteigenossen oder Arbeits- kollegen zum Meineid verleitet würden. Leider wählte er Worte, die eine gerichtliche Festnagelung dieser Anschuldigung unmöglich macht.— Als letzter Ehrengast überbrachte Reichsverbändler- Rassenmensch Friedrich Lange die Grüße der nationalgesinnten Kreise, will sagen der Radauantisemiten. Und dann fand das gelbe Parlament sein Ende._ L erlin und Umgegend. Ein gelber Genieftreich. In den Siemenswcrken bestehen Fabrikkonsumbereine, deren Verwaltung den Arbeitern übertragen ist. Die Delegierten und Vorstandsmitglieder werden nach dem Proportionalwahlsystcm (Listenwahl) gewählt. Die Liste mit der höchsten Stimmenzahl stellt den 1. Vorsitzenden und den 1. Kontrolleur. Für die vier Betriebe an der Motardstraße, Nonnendamm, be- steht ebenfalls ein Konsumverein. Bei der letzten Wahl hat die Liste des Metallarbeitcrverbandes die überwältigende Mehrheit und demzufolge den 1. Vorsitzenden erhalten. Das war im ganzen Jahre den von der Firma bezahlten Obergelben ein Dorn im Auge. Hin- ter dem Rücken der anderen Vorstandsmitglieder verhandelten die Gelben mit Lieferanten, nur zu dem Zweck, Nebenverdienst zu er- werben und die Lieferanten zum Annoncieren im„Bund" zu ver- anlassen. Durch cnergisckes Eingreifen des 1. Vorsitzenden wurde dieser Schlamperei der Gelben im Interesse deS Konsumvereins ein Ende gemacht. Die Gelben hatten sehr hohe monatliche Entschädi- gung für die„ehrenamtliche" Tätigkeit der Vorstandsmitglieder fest- gesetzt. Die Delegierten der Gewerkschaften machten auch da einen Strich durch die Rechnung der Gelben. Alles das wurde von den Obergelben als unbequem empfunden. Auf ihr Betreiben wurden eine Reihe von Delegierten entlassen. Aber trotz aller Denunziationen und sonst in den Siemenswerken üblichen Zwangsmittel konnte der Aufstieg der freien Gewerk- schaften nicht verhindert werden. Die Gelben mußten damit rech- nen, daß die Liste der frei organisierten Arbeiter in diesem Jahre noch gewaltig an Stimmen zunehmen lvürde. Dem mußte ein Riegel vorgeschoben werden. Da die Obergelben zu unfähig sind, sich selbst zu helfen, wendeten sie sich an den Protektor der Gellben, Herrn Dr. Richard F e l l i n g e r l, EW., Askanischer Platz 3. Mit dessen Hilfe wurde eine Statutenänderung ausgeknobelt, die eine wesentliche Aenderung des Wahlmodus für den Vorstand bedeutet. Nicht die Liste mit der höchsten Stimmenzahl soll den 1. Vorsitzenden stellen, sondern der gesamte Vorstand wird nach dem Svstem der Listenwahl durch die Delegierten gewählt und werden der Stimmen- zahl entsprechend die Vorstandsämter besetzt. Um nun der Unverfrorenheit die Krone aufzusetzen, hat die „Direktion verfügt"(Illustration des Selbstverwaltungsrechts der Arbeiterl), nur die Arbeiter des Werkes dürfen die Delegierten wählen, in dem der eigentliche Konsumbetrieb belegen ist, in diesem Falle das Dynamowerk. Damit werden die Arbeiter der Bahnhalle. Autobau und Eisengießerei rechtlos gemacht. Sie dürfen wohl ihre für den täglichen Gebrauch notwendigen Waren aus dem Konsum beziehen, aber der Einfluß auf die Verwaltung soll ihnen vollständig genommen werden und nur aus dem Grunde, weil sich die Arbeiter dieser Betriebe ihrer Menschenwürde bewußt sind, nicht Lust haben, ihre Arbeiterehre preiszugeben, um im gelben Verein(genannt Unterstützungsverein) Heloten der Direktion zu werden. Obgleich die Generalversammlung des Konsumvereins diese Statutenänderung abgelehnt hat, wird auf Befehl der Direktion die Entrechtung durchgeführt. Das kennzeichnet so recht das intime Verhältnis der Gelben mit der Direktion. Die sreiorganisierten Arbeiter lassen sich durch solche Manipu- lationen nicht beirren. Dr. Fellinger, Rechtssyndikus der Siemenswerke, und seine Trabanten mögen auf ihrem Wege nur weiter schreiten. Sie besorgen nur die Agitation für die freien Gewerkschaften, und diese werden den Erfolg dankend quittieren. Der Kampf im Tabakgewerbe. Die Industrie der Tabakfabrikate genießt den Ruhm, in bezug auf das Lohnverhälmis mit auf der niedrigsten Stufe zu rangieren. Schauderhafte Löhne und glänzende Gewinne zieren die beiden Seiten dieser Medaille. Es erzielten z. B. alle deutschen Aktiengesellschaften im Jahre 1909/10 eine durchschnittliche Dividende von 7,70 Proz., dagegen verteilten die vorhandenen acht Tabak-, Zigarren- und Zigarettenfabriken auf der Basis der GcsellschaftS- form mit 11810000 M. an den Gewinnen beteiligtem Aktiekkapilal eine Durchfchmttsdividenbe von 15,53 Proz. Für das Jahr 1907/8 betrug diese nur 12,7 Proz. Trotz der Steuererhöhung, die zwar Arbeiter brotlo« machte und die Begründung für Lohnrcduktionen abgeben mußte, ist die Dividende kräftig gewachlen. Man hat nicht nur die Steuer auf den Konsumenten abgewälzt, sondern darüber hinaus die Preise gesteigert. Ohne deshalb Preiserhöhungen vornehmen zu müssen, können die Unternehmer die jetzt von den Arbeitern erhobenen Forderungen ganz gut bewilligen. Neue Fabriken, die zunächst wenig oder gar keinen Gewinn abstoßen, haben daS Durchschnittsergebnis stark beeinflußt. Auf fast die Hälfte des Kapitals entfällt nämlich eine Durchschnittsdividende von 20 b i s 25 Proz.— Dte Entwickelung des Außenhandels mit Tabak- und Tabakfabrikaten zeigt zudem, daß die Verhältnisse sich wieder günstig gestaltet haben. Im Vergleich mit dem Vorjahr« hat in den erste» neun Monaten deS Jahres die Einfuhr von Tabakrippen und -Stengeln zwar nur wenig zugenommen, von 10 283 Doppelzentner auf 10 377 Doppelzentner; der Import von Tabaklaugen stieg aber von 9172 Doppelzentner aus 11 046 Doppelzentner und die Einfuhr von Kau- und Schnupftabak usw. hob sich von 3017 Doppelzentner auf 3591 Doppclzentner. Bei den Rauchtabaken ergibt sich eine Steigerung von 540 auf 651 Doppelzentner, während die Ausfuhr von 1370 Doppelzentner auf 971 Doppelzentner sank. Der Export der anderen Tabake ist ganz unbedeutend. Bei Zigarren steht einer Steigerung der Einfuhr, von 1887 Doppelzenwer auf 2478 Doppel- zentner. eine AuSfuhrzunohme von 2388 Doppelzenwer auf nur 2584 Doppelzentner gegenüber. Die Zigaretteneinfuhr ergab im vorigen Jahre 3504 Doppelzenwer. für 1911 jedoch 4550; im Vor- jähre wurden 772 Doppelzentner ausgeführt, im laufenden Jahre 833 Doppelzenwer. Nach diesen Zahlen zu schließen, hat der Inlands- konsum wieder zugenommen, die Situation ist demnach günstig für die Arbeiter.__ Zu der Berichtigung des Herrn Schirmfabrikantm Lichten» stein schreibt uns die vriSvertvattung Berlin deS Holzarbeiter- virb«lde»j Nach nochmaliger Information stellen wir fest, daß bis zum Mai d. I. nach der Fabrikordnung die Arbeitszeit folgendermaßen festgelegt war: Von'/g3 Uhr morgens bis B/4ß Uhr abends mit l/�stiindiger Frühstücks- und Vesperpause und l�stündiger Mittags- pause. DaS ist eine tägliche Arbeitszeit vonlOStunden. Ob das 60 Stunden oder b6\\ Stunden sind, mag sich Herr Lichtenstein selbst nachrechnen. Am 23. Mai wurde mit dem Verbände ein Ver- trag abgeschlossen, der im bestrittenen Teil lautet: Vom 7. Juni 1911 ab beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 52>/z Stunden und eudet: bei obiger Arbeitszeit werden die gleichen Wocbcnlöhne gezahlt wie früher. Sollte Herrn Lichtenstein dieser Verlrag verloren gegangen sein, so liegt derselbe in unserem Bureau zur Einsichtnahme aus. Es soll auch niemand gezwungen worden sein, 60 Stunden zu arbeiten. Einem Kollegen mit täglicher Kündigung wurde mit Frist von drei Tagen aufgegeben, er könne weiterarbeiten unter der ftüheren Arbeitszeit. Einem zweiten mit vicrzehntägiger Kündigungs- frist wurde gekündigt mit der Erklärung, wenn er die frühere Arbeitszeit arbeiten wolle, werde die Kündigung zurückgezogen. Herr Lichlenstein hat ja nur den Bertrag zu halten und die Differenz ist erledigt. Die Ortoverwaltung. Der Kutscherstreil in dem Fuhrgeschäst von Gebrüder Richter in der Frankfurter Allee 44 hat schnell die Polizei auf den Plan gerufen. Die Firma, die sich aus kleinen Anfängen allmählich zum Großbetrieb emporgearbeitet hat und zu bedeutendem Reichtum ge» langt ist, beschäftigt ungefähr 50 Arbeits-, Vieh- und Fleischtransport-, außerdem 15 bis 18 Chaisenkulscher. Die Lohn- und Arbeits- bediiigungcn sind bedeutend schlechter als in anderen Betrieben. Die Löhne betrugen bis vor einigen Wochen 26—27 M. pro Woche. Als in diesem Sommer die Bewegung unter den Bau- und Arbeits- kutschern einsetzte, schlössen sich auch die Kutscher von Richter in ihrer Mehrheit dem Transportarbeiterverbande an, welcher sich bis dahin vergeblich bemüht hatte, die Leute zu gewinnen. Um sie von dem Verbände fernzuhalten, besserte die Firma die Löhne etwas auf. Während in anderen Betrieben die Kutscher dieser Art 30—33 M. Wochenlohn erhallen, zahlte Richter jetzt 27—29 M. Lohn. Dessenungeachtet planten die Kutscher vorläufig nicht in eine Lohn« bcwegung einzutreten. Den Gebrüdern Richter schemt aber der Verband ein Dorn im Auge zu sein. Mit allen möglichen Mitteln, Entlassungen, Maßregelungen usw. wurde versucht, die Leute von der Ausübung ihres gesetzlichen Koalition?- rechtes abzuhalten. Die Vcrbandsleitung hatte dieserhalb wiederholt versucht, die entstandenen Differen;en zu schlichten und auch mit den beiden Gebrüder Richter periöirlich zu verhandeln. Hierbei gaben die Herren stets die Erklärung ab, daß sie gegen die Zugehörigkeit ihrer Kutscher zum Verbände„nichts einzuwenden" hüllen. Dessenungeachlet setzten die' Inspektoren der Firma ihre schilanöfe Behandlung der Kutscher fort. Zunächst wurden zwei Kutscher, die schon längere Zeit bei der Firma beschäftigt waren und die im Auftrage ihrer Kameraden bei der Firma vorstellig geworden waren, vor acht Tagen entlassen. Im Laufe dieser Woche wurden nun sämtliche Kutscher befragt, wer Mitglied des Transportarbeiter- Verbandes sei. Denjemgen, welche diese Frage bejahten, wurde gesagt, daß sie bis zum Freitag ihren Austritt aus dem Verbände er- klären müßten. Die vier Vertrauensleute, welche ihre Kameraden zum Widerstand gegen diese Zumutung ermutigten, wurden sofort eilt- lassen. Am Freitagabend traten die Kutscher zusammen und beschlossen, am Sonnabend früh die Arbeit einzustellen. Seit Freitagnacht befindet sich nun der Fuhrbetrieb im Belagerungszustand. Polizeibeamte sind vor dem Eingang in der Frankfurter Allee und der Ausfahrt in der Rigaer Straße und auch in den Nebenstraßen sowie auf dem Fuhrhof selbst in großer Anzahl postiert worden. Die Firma hat im Laufe des Sonnabendvormillag einige Arbeitswillige aus einem Nachweis in der Blankenseldestraße angeworben, die unter starker Bedeckung von Schutzleuten auf die Tour gefahren sind. Man sah eS diesen Leuten an, daß sie alles andere,' nur keine Kutscher waren. Obgleich diese Leute schon unter dem„Schutze" von uni- formierten Beamten fortfuhren, folgten ihnen noch in Kaleschen- wagen einige korpulente Gestalten, in welchen Einwohner der dortigen Gegend Kriminalschutzleute zu erkennen glaubten. Unter diesen Umständen ist den um ihr Recht kämpfenden Leuten, die keine andere Forderung als Anerkennung der Organisation und Wiedereinstellung der vier Vertrauensleute stellen, das Streikposten- stehen fast zur Unmöglichkeit geworden. Dessenungeachlet haben von den angeworbenen Arbeitswilligen eine Anzahl sofort wieder kehrt gemacht, nachdem sie erfahren hatten, um was eS sich handelt. Die Firma liefert neben dem Vieh- und Fleischtransport auch Fuhren für die Städte Berlin und Lichtenderg. Die Kutscher. welche den Kehricht abzufahren haben, müssen deS NachtS um 2 Uhr zum Dienst erscheinen und um 3 Uhr in ihre Reviere fahren. Zwei Touren muß jeder Wagen fahren. Da aber die Gebrüder Richter keine eigene Abladestelle für den Straßenunrat haben, s o müssen die Kutscher sehen, wo sie mit demselben b l e i b e n I Oftmals fahren sie mit ihren Fuhren meilenweit vor die Tore von Berlin, um für etliche Groschen den Unrat an Lauben- kolonisten abzugeben. Dies gelingt aber nicht immer. Noch dem Fuhrhos zurück dürfen die Kutscher den Unrat nicht bringen, weil die« sofortige Entlassung nach sich zieht. Wohl oder übel sind die Kutscher in solchen Fällen gezwungen, die Fuhren dann in nächster Nähe an den Chausseen auf den Feldern abzuladenl Hierbei sind sie der Gefahr ausgesetzt, mit hohen Polizeistrafen belegt zu werden, wenn sie dabei ertappt werden. Auf diese Weise dehnt sich die Arbeitszeit oft von morgens 2 bi» abends 7 Uhr aus. Die Gebrüder Richter nutzen so nicht nur dte Arbeitskraft ihrer Kutscher durch eine übermenschlich lange Arbeitszeit aus, sondern sie sparen auf der anderen Seite auch noch das Geld für die Pachtung eines Lagerplatzes für den Straßeuunrat sowie die Unkosten für etwaige Vcrftachtuna mit der Eisenbahn. Die Arbeiterschaft wird ersucht, den streikenden Kutschern gegen» über die größte Solidarität zu üben. Veurkcbeo Kelch. Achtung! Tarmarbeiter. Die Kollegen der Darmhandlung von F. W. Pieschel, Dresden, stehen im Streik. Zuzug ist fern zu halten. gentralvcrband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Das Markthelfcr-, Fahr- und Lagerpersonal in den Leipziger Buchbindereien ist in eine Lohnbewegung eingetreten. Ge- fordert wird der Abschluß eines Tarifvertrages, in dem ein Mindest- lohn von 25 M. für alle über 13 Jahre allen Arbeiter vorgesehen ist. Die Arbeitszeit soll Ü'/e Stunden betragen und die Ueber- arbeitSzeit bezahlt werden. Weiter werden gefordert Ferien, sanitäre Einrichtungen usw._ eingegangene Druchlchrlften. Die Reglernngsform Schweden?, von Dr. PontuS». Fahkbeck. Professor an der Univerfität Lund. S M., geb. 7,50 M. Puttkammer& Mühlbrecht. Berlin W. 56. Die Dichter Roms. Kulwrbilder von G. Ferrer». Mt Nachwort von W. Lohmcyer und Bildnis FerreroS. I M., In Pappband 1,80 M. Julius tzossmann, Stuttgart. Kreuzungen. Roman von EmU Strauß. 1 M., in Leinen 1,25 M. S. Fischer, Berlin. Magister LankhardS Leben nnb Schicksale. Bearbeitet von L. Knud Frcdrik, Geb. 2,50 M.— Die Hosen des Herrn v. Bredow. Vatcrläiidischcr Roman von Willibald Alexis. Beai bettet von Fr. Düsel. G. Westcriuaiin, Braunlchtvcig. Geb, 2,50 Ä. Die Dochter. Roman von Korfiz Holm. Zwei Bände. 7 M., Lewcn 10 M. Albert Langen, München. Geschichte des dcntschcn Liberalismus. Land 2. von O. Klein, Hattingen. 0,50 M,, geb. S M, Buchverlag der.Hilst", Berlin Schöneberg. Berlis S., Oranienstr, 158. 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Gala-Vorstellung. Debüt! Debüt! 9mr PInIcy-Trio."»g Debüt! Debüt! Fontana und Gerard, Beitkiinstler. Nur noch ganz kurze Zeit I Die beiden Mensehen-Aften Dax and Tlorltx. Die gröSte Sensation d. Neuzeit! Plgnolm. seinem tollkühnen Todesapraug. Um 9'/, Uhr zum Male; Origin.- Ausstattungsstück des Ztrku» Uuaeb in 5 Bildern. Ca sino-Theater üotbvinacr Str. 37. Täglich 8 Uhr Trotz de» enormen Andränge» Letzter Mo»tat Berliner Poffen-Schlager Der selige Holltchinsht}. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Weib a. d. Volke. Dl Die himmlischen Zwillinge 1 Lebend zu sehen! Ohne Extra>Entree. 1 MMMsH • I Corso-Varisiä.! Prledrlcbatr. 165. 1 Heitere KOnstler- Abende, 12 Attrakttoneu 12 NoackA Theater Dtrettion: Robert Dill. veunnenttrafte t« Gastspiel in EnberS Bcfrfdl 4« We-ftcnfeeV Don€esar 5» 5-°� S'tterfchläge 5�Vor' Graf von Jru «. R o b. Dill KrfJPlt Uhr. Siiirce 35, 55 u. 7 Voigt-Theater. '•elimdbnmnen Bad strafte 58. Heute Gaslspiet im Moabiter Winter-Barten, früher Artu�bof, Pcrledergcr Str. 28. Die Madjt der Arbeit. Komödie in 5 Auszügen o. Randols Kaisenerösin. 7 Uhr. Ans. 8'/. Uhr! Volks-Lheatei'. Rixftorf. Hermannstr. 80. S°w>tug. 12. Nov: Im ruistschen ? Schauspiel in 4 Allen von Karl Helmin. 13. Sioe.t Ein gefallene» Mädchen. Schauspiel m 3 Allen von A. O. Trier. itzür den Inhalt der Ju matio» und ist beim Eintritt in die r in die Präsenzliste vorzuzeigeu BSohnungSveränderungen find der Kafie sofort mttzutctlcn. s Di« Arbeltgeber, welche sich In der Generalversammlung Flit NlliitjlllUij. vucch ihr« GeschästSsührer oder BetriebSbeamten oer- --- trelen lassen wollen, werden ersucht, dem Kossen- vorstand vor Beginn der Verhandlungen davon Anzeige zu machen. ! Versammlung zur Eintragung si ZlaUlotollo tterlln. Bilderrahmeumacher. Dienstag, den 7. November, abends 0 Uhr (gleich nach Feierabend» t Versammlung im Gelverkschaftshaus, Saal 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max schütte über »Der Kultus»es Kriege».-— 2. Bralichenaugelegenheiteu. Vergolder. Dienstag, den 7. November, abendS 8 Uhr: Versammlung der Rahmenvergolder im GewertschaftshanS, Saal 3. Tagesordnung: 1. Die LehrlingSsrage.— 2. Die ArdeitSnnch- VtiSsragc.— 3. BerbandSangclegenheilcn. S2/2 Einsetzer. Donnerstag, den 9. November: Bezirks- Versammlungen. oorzilgliche 6*5 &£ le. 57 Miltja e»mi Srt Ki 61 cumIIm 6 k Kl 91 MU»!i 7* Not 24Ut!:jai>!MDtn8K li)63 MA«roMtteoiW», J�Meumeaui Ci�ai»r* en.— Fabi*i | lieber 200 Nlederlaflen In DeutscMandTI Neu eingeführt! »»»««» Verband der Bureauannestellten. ■ Ortsgruppe Groft- Berlin.----- Bureau und Stellennachweis: Linienstr. 8. Amt VII, 605. Geöffnet von 9—5 Uhr. Aovverstag, bru 9. Novkmber 1911, abends 8'/, Kljr, w dm„Armmhallen", Aommandantenstraße 58: Versammlung ünivaltsangelteilten. Tagesordnung: Die Wirkung der Teuerung für die Bureauangestellten und wie treten wir ihr entgegen? Referent: Herr Landtags-Abgeordneter Ströbel. Kollegen, Kolleginnen t Bekunden Sie, mit Ihren BerusSgenosscn Schulter an Schulter marschleren zu wollen, durch Teilnahme an der einberufinen Versammlung. Wir erwarten, daß diese wichtige Zusammenkunft niemand versäumt.->»—■ 45/18_ Pte OrtoverwaUnng. OrtavcrwsUnns Berlin. Bureau: Berlin C., Rosenthalersir. 11/12, Restaurant Schilling. Omi III, 2133. Achtung! ii i mi �i1* Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Vorstände», Komitee» und Taalindaber» unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. Ik/IA. Geschäftszeit täglich von 10'/,-I Uhr mittag». Kapellen vom größten bis kleiiistcu Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. HB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarie. Dieselbe ist sür das 4. Ouarial lila und muß mit dem BerbandSstempel versehen sein. All« andere LegUimallon ist«nzüillz und ist sofort anzuhalten. /.i�enkfzufek-ttein-lrunk özz flofi-plus-ultn-Genuss mittel m fiesundheltspflcge Ql�ftzlich geschützt'1�)' QtVrtzlith geschuut Unwiderluflicfi»wa» Ziehung«m 28., 29. n. 30. Navtnibrr, "Düsseldorfer Aussteliungs- OTTSRIE roio» new «t eine die Nerven stärkende Wirkung rhält den Geist frisch, läßt Strapazen spielend ubentfinden jegelt die Oarmtätigkeit und fördert die Verdauung [ereitet ein allgemeines Wohlbehagen 1 Is Frühstücks- u. Dessert-Wein gesund und bekömmlich jon hygienischem Genußwert zu jeder Tageszeit1 |n keinem Haushalt darf„Her- bavino" fehlen | ur ein Versuch genügt und Sie sind |hne Zweifel ein ständiger Konsument Mi rbzihne i,:«ien Dol/hatfitm.- u. biomgisp- wjrfn üeitiiiUeii, V.'uHMAHOLÜfKjEM u. OROQtRlEN Prein pro Origrlnal-Flaaehe Wk. 1,75 inkl. Ansvchsnk in den Destinationen, Restaurants, Colöa etc. Engros-Vertrieb durch die Herbavino-Gesailsctiaft m. b. H., Oppenheim a. Rh. 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Der ehr- liche Finder wird gebeten, den Betrag in der.Vorwärts'. Spedition, Alt- Boxhagen 56 abzugeben. U53b Redakteur. Wegen Inanspruchnahme ewcZ unserer RedakttonSmItglieder durch Mc' bevorstehenden LandtagZarbetten. suchen wir zum möglichst sofortigen Eintritt einen tüchtigen Redakteur, der imstande ist, den politischen Teil selbständig zu leiten. Die Stellung ist bei befriedigender Leistung eine dauarnde. Bewerbmtgen mit GehaUSanfprüchen wolle man spätesten» bi» zum 20. November d. I. an uns gelangen lasten. 293/13« Verlag des„Volllsfreund". «nrlSrnhe. Lnisenstr. 24. Arbeitersekreilr gesucht Für da» Arbeiier-Sekretariat Dortmund wird zn möglich» baldigem Eintritt ein Arbeiiersekretär gesucht. Rednerische Besähigung und Erfahrung in KnappschastSangelegenheiten erwünscht. Die Anstellung ci+olgt aus Grund der Bestimmungen des Vereins Arbeiterpresse. Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätigkeit in der Arbeiterbewegung sind spätestens bi» zum 18. Novemder d. J. an daS Arbclter-Selirctarlnt In Portmnnd, Leibnitzftr. z« einzureichen.__ 298/12 Zur Kafknfiibrung im parteigcfd/äft gesucht per 1. Januar durchaus tüchtiger, zuvcrlälfiger, w Buchführung er- fabrener Genosse mit.Kenntnis des Dinckerci- und ZeitungSwefenS und ichöuer Handschrift. Bedingungen deS Vereins Arbeiterpresse. Bewerbungen mit Nachweis der politischen und gewerkschaftlichen Organisation und Gehalt». Ansprüchen bi» fpotcitcna 10. November erbeten an 198/11' Kahl, Portmnnd, Leop 198/11' -Str. 48. Serloren. Am Sonnabend ist eine FröhstückSiasche mit Verband»- buch(Pauland) vom Fabrikarbeiter- Verband in der Stadibahn von Schöneweite bis Rummelsburg liegen ? leblieben. ES wird gebeten, dieselbe n der Spedition Lichtenberg, Warten- bergstratze abzugeben.>1454b Vermietungen. �Vodaunxen. Sonnenburgerstraste 27: Vorder- wobnung, Stube, Küche, Ballon; Hinterhaus, Stube, Küche, beide so- fort. 13816' Balkonwohnung. Zwei Siubcn. 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Mts., abends 8Vjz Uhr. beim Genossen Kienast, Grünauer Straße 8, gemeinsam statt. Frirdrichshagen. Am Mittwoch. 8. November, abends 8'/, Uhr, findet bei Lerche, Friedrichstraße 112, eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Ausstellung eineS Kandidaten zur Ersatzwahl der Gemeindevertretung. Die Einzelzahlabende fallen an diesem Tage aus; die Beiträge werden in der Versammlung kassiert. FriedrichSfclde. Morgen Mittwoch, abends 8l/9 Uhr: Gemeinsamer Zahlabend bei Haberland, Wilhelmstraße. TageS- ordnung: 1. Unsere Genossen im Wahlkampf. 2. Vereinsangelegen- heilen. Grünau. Mittwoch, den 8. November, abend» 8'/, Uhr: Mit- gliederveriammlung beim Genossen Franz. Köpenicker Straße 88. Tagesordnung: 1. Vortrag über:.Schutzzoll oder Freihmchel?' 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Blt-Glienicke. Die heutige öffentliche Versammlung findet nicht bei Bohn, Grünauer Str. 55. sondern im Terrassen-Restau« r a n t. Inhaber Genoffe Petermann. Rudower Str. 54. statt. Referent Genosse K l ü ß> Rixdors wird über.Die Wahlparole der Regierung" sprechen. Blandorf(Kreis Niederbarnim). Sm Sonntag, den 12. No- dember, nachmittags 3 Uhr, findet in Klandorf, auf dem Ernst Müllerschen Grundstück, Dorfftr. 15», eine öffentliche Versammlung unter sreiem Himmel statt, in welcher Parteisekretär Genosse Rudolf B ü h l e r- Lichtenberg über.Die hohe Bedeutung der Reichstags- wählen für die Landbevölkerung" sprechen wird. Genossen, welche in Klandorf und Umgegend Bekannte haben, wollen dieselben auf die Versammlung aufmerksam machen. Berliner Nachrichten. Sturm. Ueber die öden, kahlen Felder rast der Novembersturm. Em unheimliches, wildes Jagen. Heraufbezwungen, wie all- jährlich um diese Zeit, von der unbezwingbaren Macht der Natur. Drohend ballen sich weißgraue, trutzige Windwolken, türmen sich unstet übereinander, lösen in seltsam schauerlichem Spiel ihre Gebilde, fahren wirbelnd mit unsichtbarer Schnellig- keit zur Erde. Alles, was kraftlos in den Weg tritt, vor sich her fegend... mit Tosen. Heulen und Vernichtung. Zarte. schlanke Stämme ducken sich gertenartig zum Boden, entgehen der Gewalt des opfersuchenden Naturriesen. Mannesstarke Bäume, wie für die Ewigkeit gewachsen, knicken halmgleich zu sammen. Huiiih.... huiiih... I. An Schindeln und Fenstern rüttelt der ungebetene Gast, reißt mit sich fort, was nicht niet- und nagelfest ist. Dächer deckt er krachend ab. mächtige Glaswände splittert er klirrend in tausend Stücke. In Fetzen fliegen Zelt- und Balkondächer, in Trümmer sinken leichte Holzgerüste. Und auf den Wassern reißt der tolle Geselle schwere Fahrzeuge von den Ankern, bricht Eisenketten wie Glas. Wehe dem von kühner Menschen- Hand gebauten Luftschiff, das sich in dieses Tohuwabohu der Natur wagt l Wer nicht von des Dienstes ewig gleichgestellter Uhr. von strenger Pflichterfüllung auf die unsichere Straße getrieben wird, bleibt bangend in den vier Pfählen. Keinen Hund möchte man hinausjagen. Minutenlang legt sich das Zischen. Prasseln. Heulen, Toben. Das ist die Ruhe vor dem � Sturm. Und von neuem rast's mit elementarer Gewalt über Stadt und Land: huiiih... huiiih...! Stürmt's nicht auch im Leben? Das Barometer unserer ganzen Zeit ist auf Sturm gestellt. Und ob die Sonne lacht, kein Wölkchen den Himmel trübt, alles eitel Ruhe scheint... eS stürmt und tost in der Menschheit wie selten zuvor. Sturm, wohin man sieht und hört. Dort weit drüben jenseits des großen Wassers, wo von„zivilisierten" Nationen, von raubgierigen„Edclvölkern" Menschhestsrechte um schnödes Gut schamlos mit Füßen getreten werden. Und Sturm auch sin Binnenlande, in deutscher Heimat, wo zähes Ringen um der Menschen Bestes mutig und unnachgiebig seine Spann- kraft übt. Immer drohender ballen sich die Wetterwolken am deutschen Reichshorizont. In Millionen von Hoffnung- ge, swellten Herzen, von kampfbegcisterten Köpfen tönt sieg- verkündend des Freiheitsdichters zündender Weckruf:«... der Sturm bricht los!" Novemberstürme kommen und gehen, wie Werden und Verdorren. Aus der Vernichtung blüht neues, pochendes Leben. neue Kraft und neuer Saft. Wer Wind sät, muß Sturm ernten. Und wenn die Januarsonne gleißt über schneebedeckten Gc- filden. ist des Volkes Ernte reif. Luv der Gewerbedeputation. In der letzten Sitzung der Gewerbedepiitation wurden die Tage festgesetzt, an welchen dix Bc- stimmungen des§ 130c der Gewerbeordnung über die in offenen Verkaufsstellen zu gewährende Mindesiruhezcit und Mittagspausen für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter außer Anwendung kommen sollen; ferner die Bestimmungen darüber, welche Tage für das Jahr 1012 für das Offenhalten der Verkaufsstellen bis 9 Uhr abends in Aussicht genommen sind. Die amtliche Bekannt. machung des Datum» dieser Tage erfolgt durch das Polizei- Präsidium. t_.. Dem Vorstand der Barbier-, Friseur- und Peruckenmachcr- innung wurde die Genehmigung erteilt, die zur Bildung eines Sicherheltssi.nds geforderten zährlichen Rücklagen von 5000 Mark für das Grundstück Ohmstraße 2 für Amortisationszwecke ver- wenden zu dürfen. Bisher wa-- der Innung die Genehmigung versagt worden, weil nach Ansicht der Deputation seitens der In- nung gegen zwei Gläubiger Zinsverpslichtungen vorhanden waren, die aus dem gebildeten Sicherheitsfonds erfüllt werden sollten. Da von den Gläubigern zufricdcnslellende Erklärungen vorlagen. stand der Genehmigung des Antrages durch die Deputation nichts mehr im Wege!• Auf Grund einer eingelaufenen Beschwerde hatte sich die Deputation ferner mit dem Betriebe der Kunst- und Bauschlosserei von Karl Groh, Fruchstr. 57. wegen Lehrlingszüchterei und unge- nügcndcr Älisbildnng der Lehrlinge zu befassen. Die Beschwerde wurde abgewiesen. In oem Betriebe waren zur Zeit 7 Gesellen und 2 Lehrlinge beschäftigt. Die Lehrlinge arbeiten im letzten Jahre ihrer Lehrzeit im Akkordlohn und erhalten dafür ein Drittel des Lohnes, der für dieselbe Arbeit an Gesellen gezahlt wird! Die Deputation schloß sich der Auffassung des Beschwerdeführers, daß Lehrlingszüchterei vorliege, nicht an, da die Zahl der Lehr- linge im Verhältnis zur Zahl der beschäftigten Gesellen keine große sei, außerdem nach dem Bericht der Gewerbeinspcktion die Unter- Weisung der Lehrlinge durch einen Werkmeister erfolge und da- mit Garantie für die Ausbildung gegeben sei. Interessant war dabei das eine: Herr Groh sen., der ebenfalls vernommen worden war, versuchte den gegen ihn erhobenen Vorwurf dadurch zu ent- kräften, daß er angab, ehemalige Lehrlinge von ihm hätten später im Eisenbahndienst als Lokomotivführer und bei der Marine An- stellung gefunden. Da sich bei der Verhandlung ergab, daß die Lehrlinge vorzugsweise mit Türbeschlagsarbeiten beschäftigt waren, waren auch einige bürgerliche Vertreter in der Deputation mit uns der Meinung, daß die Verdienste des Herrn Groh um seine ehe- maligen Lehrlinge nur in sehr losem Zusammenhang mit den von diesem später erworbenen Kenntnissen stehen können. Weiter verhandelt wurde die Beschwerde gegen die„Kra- Wattenlehranstalt" von Sklarz, Landsbergerstr. 53. Die Depu- tation hatte seinerzeit die Gcwerbeinspcktion um Vornahme einer Revision ersucht, zu der von der Deputation der Stadtverordnete Ritter beigeordnet wurde. Die vorgenommene Revision ergab ein negatives Resultat.„Lehrlinge" waren in dem Betriebe nicht mehr anzutreffen. Allem Ansäicin nach hat es der Inhaber dieser „Lehranstalt" vorgezogen, seine Pforten zu schließen, um nach ge- raumer Zeit diese an anderer Stelle, bielleicht auch in einem Vor- ort von Berlin, wieder aufzumachen. Nach Lage der Sache mußte vorläufig von einer Weiterver- folgung der Beschwerde Abstand genommen werden. Es ist zu wünschen, daß diese Zeilen dazu beitragen mögen, namentlich Arbeiterfrauen und arme Mädchen, die häufig ihre letzten Spargroschen hergeben, um einen Erwerb zu erlernen, zu warnen, solchen„Lehrmeistern" in die Hände zu fallen, deren es leider in Berlin noch eine ganze Anzahl gibt. Zum großen Teil mit Schuld daran sind die Zeitungen vom Schlage der „Berliner Morgenpvst" und des„Lokalanzeigers", die durch ihre Jnseratenplantagen den Hyänen der Großstadt solche Leute zu- treiben, die bekanntlich nicht alle werden. Zu langen Erörterungen über den Begriff der„Unehren- hasten Handlung", durch die man in„schlechten Ruf" gerät, gab folgender Fall Veranlassung: In dem seinerzeit entbrannte» Kampfe der„Berliner Konzertsaal-Jnhaber" mit der„Tonsetzer Genossenschaft" wegen der Bezahlung sogenannter tantieme- Pflichtiger Musikstücke, war der Gastwirt H. der erste Rufer im Streit gewesen. H. war Mitglied der Gasiwirte-Jnnung uno hatte das Versprechen gegeben, niemals ohne Mitwissen seiner Kollegen mit der Tonsetzer-Genossenschaft in Verbindung zu treten. Dies hat H. ohne Mitwissen des Jnnungsvorstandes trotzdem getan, und war aus diesem und noch einem anderen Grunde, der mehr in eine Privatstreitigkeit hinüberspielt, auf Grund des§ 18» des Statuts der Berliner Gasiwirte-Jnnung und des§ 06 der Ge. Werbeordnung aus der Innung ausgeschlossen worden. H. legte hiergegen Beschwerde ein mit dem Antrage, diesen Beschluß auf- zuheben und der Innung aufzugeben, ihn ferner als Mitglied anzuerkennen. Die Meinung eines Magistralsvertreters, daß ein Aus- schlicßungSgrund für die Deputation erst dann als gerechtfertigt er- scheine, wenn der Angeschuldigte auch außerhalb des Kreises der Berliner Gastwirte durch eine„unehrenhafte Handlung" in schlechten Ruf geraten sei, forderte den Widerspruch der Mehrheit der Depu- tation, insbesondere der Vertreter der Innungen, heraus. Aus Grund der Tatsache, daß die Berliner Gasiwirte-Jnnung eine freie Innung ist, und unter Würdigung des vorgelegten Materials. beschloß die Deputation die Abweisung des Beschwerdeführers. Di« Verlegung deS Lohnzahltages von Sonnabend auf Freitag für die in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter hat der Ma- gistrat beschlossen und der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt. Der bisherige Zahlmodus soll mft Rücksicht auf die besonderen Ver. Hältnisse bestehen bleiben: 1. bei der Gasvcrwaltung für die Arbeiter der öffentlichen Beleuchtung und der Revierinspektionen und für die Laternenwärter; 2. bei der Kanalisations- und Güterverwaltung für die Arberter der drei Guisverwaltungen Falkenberg, Buch und Schmetzdorf; 3. bei der Rathausverwaltung für die dort beschäftigten Reinigungssrauen; 4. bei der Tiefbaudeputation für die Arbeiter der Saatwinkler Chaussee; 5. für die von der Deputation für das städtische Turn- und Badewesen beschäftigten Personen. Am Frei- tag darf eine Arbeitszeitverkürzung anläßlich der Lohnzahlung nickt stattfinden. Nur für die bei der städtischen Parkverwaltung beschäf- tigten Personen ist wegen der teilweise weiten Entfernungen der Arbeitsstelle von der Lohnzablstelle eine für die Lohnzahlung unbedingt notwendige Arbeitszeitverkürzung zugelassen. „Hochgradig nervöse" Schutzleute. Ein offenes Zugeständnis für die Nervosität der Groß-Berliner Schutzmannschaft enthalten die aus polizeilicher Quelle gespeisten Zeitungsnachrichten, welche für das ins Leben gerufene Schntzmann-Z-Erholungsheim behusS Sammlung weiterer Beiträge Stimmung machen sollen. Der offizielle Bericht über die kürzlich in Gegenwart der Polizeipräsidenten von Berlin, Charlottenburg, Nixdorf und Lichtenberg abgehaltene Vorstands- sitzung besagt, daß bisher im ganzen 133 Polizeibeamte, von denen der weitaus größte Teil an hochgradiger Nervosität und allgemeiner Abspannung litt, in Erholungsstätten geschickt wurde. Die hierfür aufgewendete Gesamtsumme betrug 12 000 M. In der über- wiegenden Mehrzahl der Krankheitsfälle konnte Heilung erzielt werden. Interessant ist, daß etwa die Hälfte der 133 Mann bei Gutsbesitzern untergebracht worden war. Ob es wohl diese Gutsbesitzer„um der schönen Polizeiaugcn willen" umsonst gemacht haben? Interessant wäre die Feststellung, wie lange diese Beamten in„hochgradiger Nervosität" noch Dienst getan haben. Daß auch der Arbeiter Herr- mann in.hochgradiger Nervosität" totgeschlagen wurde, nehmen wir natürlich nicht an. Jedenkalls wird man sich dieses amtliche Zu- geitändnis für vorkommende Fälle zu merken haben. Der Bericht verkchtveigt leider, wieviele Kriminalbeamte sich unter den 133 Verschickten befunden haben. Die Umwandlung deS Exerzierplatzes zur einsamen Pappel in einen Volkspark, so weit das an die Schönhauser Allee grenzende Gelände vom Magistrat erworben wurde, scheint noch lange Beine zu haben. Hier wird jetzt, ivie schon kurz geinclüct. für den Winter der Zirkus Sarrasani seine Vorstellungen geben. Es heißt, daß für denselben Zweck das Teilgelände auf drei Jahre verpachtet worden ist. Demnach könnte vor Ablauf dieser Frist für die Zwecke des Volksparkes kaum etwas begonnen werden. Hoffentlich reißen aber hier nicht ähnliche Zustände ein wie beim ehemaligen«chcnnen- viertel. Die Stadlgememde verliert ja allerdings kein Geld mit dem Hinausschieben der Volksparlanlage. Desto mehr wird den An- wohnern entzogen, zumal derartige gärtnerische Ncuanlagen er- sahrungsgemäß mindeste»» einen Zeitraum von fünf Jahren er- fordern, che sie dein Publikum zur Benutzung übergebe» werden können. Selbstmord auf den Schienen. Zwischen Tempelhof und Rixdors wurde Sonntag früh auf dem Bahnkörper die Leiche eines jungen Mannes aufgefunden, der sich von einem Personenzug hatte über- fahren lasten. Der Kopf war vollständig vom Rumpf getrennt. Die benachrichtigte Polizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach der Halle- des Teinpelhofcr Friedhofes schaffen. Wie die Ermitte- lungcn ergaben, ist der Tote ein 25 Jahre alter Hausdiener Zt. aus der Strausberger Straße in Berlin, der im Kaiscrkcller angestellt war. Es liegt zweifellos Selbstmord vor, doch ist das Motiv noch nicht mit Sicherheit bekannt. Vermutlich hat unglückliche Kiebe den jungen Mann in den Tod getrieben. Zusammenstoß>-i der Wahl 1912 mehr als 80 000 Stimmen auf ihre Partei za ver- einigen. Rixdorf. Einen glänzenden Sieg errang bei den am Freitag, 8. November, unter äußerst starker Beteiligung stattgefundenen Delegiertenwahlen der Arbeitgeber zur Ijieftgsn Ortskrankenkasse die Liste der GeWerk- schaftSkommissiou. Zu wählen waren 101 Arbeitgeber; die Innungen waren sich darüber einig, daß die ivtandrne ihnen zufallen würden. An Unwahrheiten und schoflen Verdächtigungen haben es die Herren Dunkelmänner nicht fehlen lassen; sollte doch das Flugblatt, welches die Gegner in letzter Stunde herausgaben, dazu dienen, die Wähler kopfscheu zu machen. Dieses im reichsverbändlerischen Stil gehaltene Machwerk, sowie der handwerkliche Grusj verfingen aber nicht, unsere Geuosseil waren auf dem Damm. So kam eS denn, daß unsere Liste mit 603 gegen 149 gewählt wurde. Hoffentlich werden die Herren die Lehre daraus ziehen, für die Folge die Finger von der Wahl zu lassen und ihre schon ohnehin schwachen Kassen noch weiter in Anspruch zu nehmen. Auch die Arbeitnehmerwahlen am Sonntag wiesen eine Beteiligung auf, wie sie bei früheren Wahlen nie zu verzeichnen war. Es waren 241 Arbeitnehmer zu wählen. Die Gegner stellten keine Liste auf, jedenfalls deshalb nicht, weil eS ihnen nicht möglich war, 241 Rixdorfer Arbeiter als Kandidaten aufzutreiben. Ab- gegeben wurden in den zwei Stunden Wahlzeit 1397 gültige Stimmen, 1 ungültig, 3 zersplittert. Die am DonnerStag, den 9. Novemier, im neuen Sitzungssaal deS Rathauses, Berliner Straße 63. tagende Stadtverordneten- Versammlung wird sich u. a. mit folgenden Anträgen der sozialdemo- kratischen Fraktion beschäftigen: 1. Welche Schritte gedenkt der Magistat zur Berstadt- lichung deS Abfuhrwesens zu unternehmen, oder sofern derartige Verhandlungen bereits eingeleitet sind, welche Ergebnisse diese bisher zeitigten? 2. Was gedenkt der Magistrat zur Durchführung einer ge- meitl blichen Arbeitslosenversicherung und der kommunalen Arbeitsvermittelung zu unternehmen, oder inwieweit hierüber bereits mit anderen Gemeinden oder Körperschaften Berhaiidlungen stattgefunden haben und welche Resultate diese hatten? Lichtenberg. Mit welchem Eifer die hiesige Polizei den sozialdemokratischen Wahlverein bewacht, zeigte sich wieder einmal bei dem am Sonn- abend, den 4. November, veranstalteten Heiteren Abend. Einige Tage vorher war an die Bezirksleitung des Lichtenberger Wahl Vereins die Aufforderung ergangen, Textbücher über die Vor führungen der Künstler zur Zensur einzureichen, da die Polizei diese Veranstaltimg für eine öffentliche halte. Um die Abhaltung der Veranstailnng nicht in Frage zu stellen, kamen unsere Genossen unter Protesteinlegung dem Verlangen der Polizei nach. Kurz vor Beginn des Konzerts erschien plötzlich ein Kriminalbeomter. der dem Bezirksleiter die Duplilattexte zurückgab und der erklärte, daß er den Auftrag habe, die Veranstaltung zu überwachen, um fest zustellen, ob nur die der Polizei vorgelegten Texte vorgetragen werden. Die Frage, ob der Beamte eine schriftliche Verfügung des Polizeipräsidenten habe, wurde verneint, der Eintritt infolgedessen nicht gestattet. Nach kurzer Zeit erschien der Beamte wieder in Begleitung eines mit Schießeisen ausgerüsteten Wachtmeisters. Letzterer erklärie, vom Leutnant des 2. Reviers den Auftrag zu haben, dem Begleiter den Eintritt in den Saal eventuell zwangsweise zu verschaffen. Dies geschah denn auch, indem der Herr Wachtmeister mehrere Vor- gnügungskomiteemitglieder ziemlich unsanft bei Seile schob und da durch dem Kriminalbeamten de» Eintritt freimachte. Man erfuhr auch vom Wachtmeister, wodurch die Oeffentlichkeit der Veranstaltung hervorgerufen sei. Auf den Plakaten hätte der Vermerk gestanden: .Freunde und Bekannte sind eingeladen."(Das letztere ist jedoch nicht zutreffend.) Der Kreiswahlverein Niederbarnim wird über das Gebaren der Lichtenberger Polizei Beschwerde einlegen. Ein gewaltiger Brand kam Sonntagabend kurz nach 9 Uhr am Parallelweg 13 zum Ausbruch. Das Grundstück liegt direkt neben der Lichtenberger Gasanstalt, so daß anfangs die Situation recht bedrohlich aussah. Das Feuer wütete im Dachgeschoß des Hauses und hatte bei Ankunft der Feuerwehr schon den Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung erfaßt. Der Löschangriff wurde daher sofort mit mehreren Schlauchleitungen durchgeführt. Trotzdem war von dem Dachstuhl nichts mehr zu retten; er brannte mit den Boden- räumen vollständig nieder. Erst nach Mitternacht konnte die Feuer- wehr den Brandplatz verlaffen. Drei Feuerwehrleute haben sich bei den Löscharbeiten Brandwunden zugezogen. Die Ursache deS Feuers ist noch nicht festgestellt. Mit den icvorstehenden Stadwerordneten-Ersatzwahlen beschäftigte sich die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Der Rekerenl Genosse Spiekermann rollte rn großen Zügen da? Sünden- register der Vertreter der I. und II. Wählerklasse auf. So u. a.. daß dieselben zum Schaden der Allgemeinheit den Krankenhausbau 12 Jahre hingezögert haben. Nachdem nun endlich mit dem Bau begonnen worden sei, habe man entgegen der sozialdemokratischen Forderung, das Krankenhaus für 450 Betten einzurichten, für das- selbe nur 250 Betten vorgesehen. Auch der Armenetat sei vernachlässigt worden. Die rm Vorjahr in den Etat eingestellten 140 000 M. seien um 25 000 M. überschritten worden. In diesem Jahre seien, um nur den aller- dringendsten Aufgaben gerecht werden zu können, 222 800 M. m den Armenetat eingestellt worden. Im Argen liege es auch mit der Waisenpflege...... Die Volksschulen mit ihrer hohen Klaffenfrequenz zergten gleich- falls, wie wenig der bürgerlichen Mehrheit das Wohl der Kinder der werktätigen Bevölkerung am Herzen liegt. Nachdem Redner noch die ungünstigen Finanzverhältnisse erwähnt, forderte er die Genoffen auf, die Zeit bis zum 19. und 20. November, den Tagen der Wahl. für eine rege Agitation auszunutzen. In der an das Referat anschließenden Diskusston beteiligten sich die Genossen Krumm, Schulz und Maurer. Hierauf wurden sämtliche Vertreter der zur Wahl stehenden Bezirke in der dritten Klasse wieder als Kandidaten aufgestellt. In der zweiten Wählerklaffe kandidieren die Genossen Bühler im 2. Bezirk. Abraham, Grauer und Miruö im 3. Bezirk und M i r u s und B ü h l e r im 4. Bezirk. Tempelhof. Welche Maßnahmen ergreift die Gemeinde Tempekhof zur Be- känipfung der herrschenden Lebensmittelverteuerung? Diese Frage wird von der hiesigen Bevölkerung lebhaft erörtert. Während andere Gemeinden längst tatkräftig eingegriffen haben, geschieht in Tempelhof nichts im Interesse der unter der Teuerung in gleicher Weise leidenden hiesigen Einwohner. Bei den Vertretern der ersten und zweiten Klasse herrscht kein Notstand und die bürgerlichen Ver- treter der dritten Klasse wollen nichts davon ivissen. Bleiben also noch die im Frühjahr 1910 gewählten drei Sozialdemokraten, die sich der Sache in der Gemeindevertretung annehmen würden. Diese sind aber durch den Gewaltstreich immer noch zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Auf diese Weise werden die Herren von niemand in ihrer Behäbigkeit und Ruhe gestört. Charlottenburg. Das Resultat der Stadtverordnetenwahle» enthält in unserer Nummer vom Montag insofern einen Fehler, als der sozialdemo- kratische Kandidat des dritten Bezirkes zur Verniehrung der Stadt- verordneten Genosse Dr. Borcbardt nicht 2500 sondern 3028 Stimmen erhielt. Der 4. Bezirk, der als„an den Gegner verloren" bezeichnet wurde, befand sich nicht in unserem Besitz, ist also zu unrecht als verloren bezeichnet worden. Im übrigen weist das vom Magistrat Charlottenburg herausgegebene Wahl- resultat gegenüber dem unseren in der Angabe der Stimmenzahl kleine Differenzen auf, wodurch jedoch an dem Gesamtrcsultat nichts geändert wird. Steglitz-Friedenau. Am Mittwoch, den 22. November(Bußtag), abends e Uhr. findet im„Rbeinichloß" in Friedenau ein Liederabend statt. Mit- wirkende: Fräulein Lncie Gutapfel lSopran), Fräulein Erna Unter- stein(Alt), Herr Wilhelm Becker(Tenor), Herr Anton Sistermans (Baß). Am Klavier Herr Kapellmeister Alexander Neumann. Der BildungSausschuß hat keine Kosten gescheut, um den Genossen und Genossinnen eincn guten und genußreichen Abend zu bereilen. Ein- tritlskarlen a 40 Pf. sind im Zahlabend, bei den Partei- und Ge- werkschastsfunktionären und beim Kassierer deS BildungSausschnffes HanS Kanneiigießer, Südende, Brandenburger Str. 10, zu haben. Eine Abendkasse findet wegen der Bestimmungen für den Bußtag nicht statt. Grünau. Ans der Gemeindevertretung. An Stelle deS nach auswärts verzogenen Schöffen Dr. Hamel wurde Herr Paetz als Schöffe be- stäligt. Die hiesige Gasanstalt hat sich erboten, einen niedrigen Einheitspreis für Gas einzuführen, wenn der Vertrag mir der Ge- meinde auf 60 Jahre verlängert wird. Die Vertretung lehnte dies ab und beschloß, an dem alten Vertrag festzuhalten. Da die Ge- meinde immer noch keine eigene Turnballe hat, müssen die Turn- Übungen der Schulkinder in einer einem Restaurateur gehörenden Halle abgehalten werden. Für die Benutzung der Halle wurden jetzt 225 M. gefordert und bewilligt. Die Heizung der Halle kostet 75 M., die Reinigung und Heizung soll durch Gemeindearbeit be- sorgt werden. An? Anlaß des von der Regierung an die Kommune ge- richteten Ersuchens, den gegenwärtigen Notstand durch zweckentsprechende Maßnahmen zu steuern, iahen sich die bürgerlichen Parteien genötigt, zu dieser für sie heiklen Frage Stellung zu nehmen. Einer Debatte über die Ursachen des Notstandes gingen sie jevoch ängstlich aus dem Wege, wie sich die Herren überhaupt keinen Erfolg versprachen durch das Eingreifen der Gemeinde. Um aber den guten Willen zu zeigen, sollte eine dreigliederige Kommission gewählt werden. Es gelang erst nach langen peinlichen Berhandlinigen, die Kommission zusammen- zubringen, da die Herren«nicht über genügende Zeit verfügen". Die Kommission besteht aus den Vertretern Wicke und Ouodnow sowie dem Genossen Franz. den man deshalb gern in die Kom- Mission wählte, weil er mit der ärmeren Bevölkerung mehr Be- rührimg habe. Nieder- Schönhaus en. Der Kartoffelverkauf, der in der letzten Gemeindevertreterfltzung beschloffen worden ist, beginnt am Dienstag, den 7. November. Die Kartoffeln— guie Qualität— werden nicht unter einem Zentner und nicht über sechs Zentner zum Preise von 3,20 M. pro Zentner frei Keller abgegeben. Die Bestellungen können schriftlich an den Gemeindevorstand oder mündlich im Zimmer 25 des Rathauses er- folgen. Pl inderbemittelten wird auf Antrag Stundung des Kaufpreises gewährt. Pankow. Die Gesangvereine„Liederfreund" und„Männerchor" haben sich unter dem Namen.Liederfreund" vereinigt. Da der Verein bei sämtlichen Veranstaltungen der Partei mitwirkt, so wäre es wünschens- wert, daß sangeslustige Genossen sich ihm anschließen würden. Der Chor tagt jeden DoniierStagabend von 9—11 Uhr im«Türkischen Zelt". Breite Sir. 14. An, Totensonnrag<26. November) wird im neurenovierten Lokal von Rozicki, Kreuzstr. 3/4, ein Konzert mit aus- gewähltem Programm veranstaltet. NowaweS. Ein gefährlicher Brand brach am Sonntag früh gegen 4,/p Uhr in dem Lagerbaus der Kolonialwarenfirma Matzanke in der Prrester- straße aus und vernichtete fast das gesamte Warenlager, dessen Werl auf etwa 59 000 M. geschätzt wird. Der Schaden soll durch Bei- ficherung gedeckt sein. Ueber die Ursache des Brandes, der durch einen Nochtwachbeamten zuerst bemerkt wurde, konnte nichts Be- stimmteS festgestellt werden, doch vermutet man Selbstentzündung von Paraffiiidölzern. Der Brand kam im ersten Slockwerk aus und ergriff durch einen Trcppengang auch die oberen Räumlichkeiten, die vollständig ausbrannten. Nur der massiven Deckcnkonstruklion sowie dem raschen Eingreifen einiger Angestellten, die den Feuerherd so- fort mit der elektrisch betriebenen Löschvorrichtung angriffen, ist eS zu danken, daß eine schwere Katastrophe verhütet wurde. In den unteren Räumlichkeiten lagerten nämlich unter anderem etwa 6000 Liter Petroleum, deren Explosion wegen des unmittelbar angrenzen- den Wohnhauses mit dem Ladengeichäft sowie der auf dem engen Hof befindlichen Schuppen und Pferdeställe eine geradezu furchtbare Wirkimg gehabt hätte. Die Feuerwehr konnte erst gegen 10'/, Uhr vormittags abrücken. Bernau. Donnerstag, de» 16. November, von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends finden die Stadtverordnelenwahlen für die dritte Abteilung statt. Unsere Kandidaten sind die Genossen Ludwig Werner. Karl H e l b i g, Matthäus S w a b i n a und für die Ersatzwahl Ernst K n ö t s ch k e. Schon in einer früheren Sitzung stellte unsere Fraktion den An- trag, die Wahl der dritten Abteilung an einem Sonntag stattfinden zu lasten. Dieser Antrag wurde auch angenommen, der Magistrat lehnte denselben jedoch ab. Obwohl der Wahltag ein durchaus ungünstiger ist, ersuchen wir doch die Genossen, ihre Pflicht zu erfüllen und eine kräftige Agitation zu entfalten. Die Arbeiterschaft muh durch Aufbringung einer großen Stimmenzahl beweisen, daß sie mit den arbeiterfeindlichen Machenschaften der bürgerlichen Mehrheit nicht einverstanden ist.— Für die zweite Abteilung findet die Wahl Freitag, den 17. November, von vormittags 9 bis nachmittags 1 Uhr im Magistratssitzungs» zimmer statt. Die Kandidaten für diese Abteilung sind die Genossen Emil Wünsche und Karl H e l b i g. Hier haben der HanS- und Grundbesitzerverein mit dem Bürgerverein gemeinsam Kandidaten aufgestellt. ES muß auch in der zweiten Abteilung gelingen, auf unsere Kandidaten eine erfreuliche Stunmenzahl zu vereinigen. Dienstag, den 14. November, abends von 8'/z bis 9'/3 Uhr. findet im„Schwarzen Adler" die Wahl der Delegierten für die Orts- krankenkasse der Handwerks- und sonstigen stehenden Betriebe statt. Stimmzettel dazu sind im Kassenlokal sowie während der Wahl im Wahllokal zu haben. Blankenfelde. Eine imposante Sersammlung unier freiem Himmel tagte hier am letzten Sonntag. Trotz des starken Sturmes verfolgten über 300 Teilnehmer die trefflichen Ausführungen unseres Genoffen Z u b e i l bis zum Schluß mit großem Interesse. Der reichlich gezollte Beifall und die einstimmige Annahme einer Resolution, in der sich die Teilnehmer verpflichteten, am Tage der ReichStagswahl der Sozialdemokratie ihre Stimme zu geben, bewies, daß auch in dieser dunklen Gegend durch zähe Agitalionsarbeit der ausgestreute amen Früchte trägt und vor allem, daß der Herr Amtsvorsteher Spickerwann in RnngSdorf den Kamps mit dem BersammlungSverbot und sonstigen Maßnahmen gegen uns vergeblich führt. Potsdam. In der gut besuchten WahlvereinSversammlung hielt nach mehreren Neuaufnahmen Genosse Staad ein Referat über die bevorstehenden Stadlverordnetenwahlen. Bisher ist die Arbeiterschaft im Stodiparlament nickt vertreten. Bei reger Agitation wird es uitS gelingen, einige Vertreter hineinzubringen. Wie notwendig dies ist, hat sich bei der Behandlung der Teuerungsvorlage erst vor kurzem wieder am besten gezeigt. Als Kandidaten wurden aufge- stellt: Füt den 1. Wahlbezirk �Wahllokal im Rathause) Schuhmacher Staad, Maurer Stewesand. Zimmerer S t o o f und Konsum- angestellter Z i e m a n n, und sür den 2. Wahlbezirk(Wahllokal Schule in der Jägerstraße): Batbierherr Iwan, Zigarrenfabrikant a l d t, Töpfer R o g g e und Sckneider Hausmann. Um die Agitation wirtsam durckzusühren, werden alle Genoffen ersucht, sich zu den Parteiarbeiten zahlreich zur Verfügung zu stellen. Der nächste Zahlabend findet am Mittwoch, den 15. November, statt. Spanvau. Auf zur Stadtverordnetenwahl 1 Heute Dienstag, den 7. November, findet in der Zeit von vormittags 10—1 Uhr und nachmittags 4—8'/, Uhr die Stadt- verordnetenwahl in der dritten Abteilung statt. Kein Arbeiter bleibe der Wahl fern. Betrachte es jeder für eine Ehrenpflicht, seine Stimme dem Kandidaten der Sozialdemo- kratie zu geben. Nur diese dienen der Allgemeinheit, der Freiheit und dem Fortschritt. Lese, und DiStutiertlub«Wilhelm Liebknecht-. Heute. Dien»- tag. abends 8 Ubr, Sitzung bei Karl Eichhorn, Danziger Str. 83» Vortrag, Gäste willkommen. Over> Tchiineweide. In der Arbeiter- Samariter. Kolonne Oder» Schöneweldc und Umgegend wird beute. DtenStag, abends Sst, Ubr, Herr Dr. Mock. pralt. Augenarzt, einen Vortrag über- Hygiene. Berletzung-tr. Kurzsichtigtett und Pflege der Augen hallen. Gäste haben steten Zutritt. Marktpreise von Berlin am 4. November ISIl, nach Ermittelung deS Königlichen Polizeipräsidiums Marttballenpreise. lKleinbandel), 100 Kilogramm Erbten, gelbe, zum Kochen 36.00— 50,00. Soeilebolmen weiße. 40.00 60.00. Linsen 40.00-80.00. Kartoiieln 7.00-10,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Rauchfleisch 1,30 biS 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,30— 2,00. Butter 2,60— 3.20. 60 Stück Eier 3,80— 6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,40— 3,60. Hechte 1,10 bis 2,60. Barsche 0.80—2,00. Schleie 1,40-3,00. Biete 0,80—1,60. 60 ötülJ Krebse 2,40-24.00.___ «L>«ttrrnn<,sa»>erK-t» vom 6. November 1911. Etationen .£ II Wetter tt»# f- Stationen 5 I *•1 Wetter c* m5> swmemv« s 748 WSW Hamburg .Inrnfl a 91 Äünche» Wien 750 SW 754 SW 760 SW 764 SW 758 V 8 wolkig swolkeiil 8 beiter 4 wollenl 3 Regen 3 wolkig Savaranda 721 SO 1 eterSburg 733 SW i Scrlld 760® /Iber.''«!! 741 WSW Paris ,769® 23 i »bedeckt 4 Rege» 8 wolkig 3 wolkig Smolkuil I Wettrrorognose ttir Dienstag,»ru 7. November 1911. Zunächst lühler. vielsach heiler bei schwächeren westlichen Winden: spister wieder zunehmende Erwärmung, Bewöltung und etwas Regen. Berliner W e t t e r b nr e an. Wasterstands-Nackrtcktr» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterb irrem, Wasserstand -Hemel, Tilstt B r e g« l, Jnsterbmg Weichsel. Tborn O der. Ratibor , Krassen . Frantwrl Warthe, Schrirnm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe. Letnneritz » Dresden » Bardo » Magdeburg Wasserstand Saal»,»rochsttz Havel, Svan0ao9 , Ralbenow-) Spree, Svremberg') , veestow Weser, Münde» « Minden Rhein, MaximilianSau » Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, WertheNo R ,el. Tri« 4- bedeutet Wuchs,— Üall.—•) Unieroeael. unlicht ßlütcrnueisse, duf t ge Frische Wird der Wäsche leicht oenschajji Einzig durch der reinen, milden Sunlichtscife Wandcrferaft! «-»-utwortlickar Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Drucku-Verlaa: Vorwärts Buchdrucker« u. Verlagsanstalt Bau! Sinaer u.Co,. Berlin