Kr. 263. ntonnementf'Utdtntanttfl; BBonnemcnt«■ Preis pränumerando! SierleljShrü 830 SKI, monatl. 1,10 SKL, wöchentlich 28 Plg, frei ins Hau«. Einzelne Nummer« Pfg, EonntaaS- Nummer mit llluftrierter SanntagZ» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfa. Post» tlbonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen In die Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, " nänien. Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. CrftSdDt tZgll» loStr tnontigt. Berliner Volksblnkk. VI« InlttNsn»-eeb0d» »etrügt für die fechsgeipaliene Kolon el- zeile»der deren Raum SO Pfg„ für polltilche und gewerlschastlichc Vereins» «rd«ersammlungs. Ana eigen 80 Pfg. »Klein« Snretgen", das fettgedruckte «ort 20 Pfg.(zuläsfig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort lO Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan» zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedcS weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buch» Tiaben zählen für zwei Worte. Inserate : die nächste Nummer müssen bi» . Übe nachmittag» in der Expedition Tdgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr-bendS gi l-°- 6 I Delegramm-Adress«: «SoitaliiciDtknt BtrllE". Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI» 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983» Donnerstag, den 9. November 1911. Cxpcditiom SRI» 68, LindcnstrasöC 69» Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Gtgkll hrit Knrg! FiirdkiiMril! Dem Rufe des Internationalen rozlalirtlfchen ßureaua folgend» bat die Parteileitung 6roß- Berllna für Sonntag» den iz. November, zwölf große Dem on ftrattono-Ver- fammlungen einberufen. In allen Versammlungen werden Vertreter der Internationale das(dort zu einer Hn spräche nehmen. Genossen! Sorgt durch rührige Hgitatlon für einen IMasfenbesuch und Imposanten Verlauf der Friedenskundgebung! Der Ebfoiutismus und fein M- ichuläiger. Heut also ist der Tag, an dem, wenn es nach dem Willen des Herrn v. Bethmann geht, sich die Ohnmacht des Deutschen Reichstags, der Trug der deutschen Scheinverfassung, die Un- uinschränktheit des Absolutismus den erbitterten Zuschauern darstellen soll. Die Schande geht an diesem Tage btosi, und damit nichts Schmähliches dem deutschen Volke erspart bleibe, soll der einflußlosen Rederei im Deutschen Reichstage die ernste Debatte in der Kammer der französischen Republik folgen, in einer Volksoertrelung, die nicht nur reden, sondern auch handeln darf. Die Ohnmacht des Reichstages, die Unumschränktheit des persönlichen Regiments und des bureaukratischen Abso- lutismus sind aber durchaus nicht Dinge, die nur die Schuld einer machtgierigen Krone oder einer iiberstarken Bureau- � kratie wären. Es ist vielmehr in allererster Linie die\ Schuld der bürgerlichen Parteien, wenn die � Entscheidung über die wichtigsten Fragen der Politik, wenn vor allem jede Einflußnahme auf die Zusammensetzung der Regierung dem Reichstag entzogen ist. Die bürgerlichen Par- tcien fürchten eben nichts mehr als eine wirklich machtvolle Volksvertretung, fürchten nichts mehr als eine wirklich demo- kratische� Ausgestaltung der Verfassung. Denn die Ver- fassungssrageu sind Machtfragen und da jede Ausgestaltung der Demokratie heute der Arbeiterklasse größere Macht gibt, so verzichten die bürgerlichen Parteien lieber auf die eigene Ausübung der Macht und danken ab in die Hände der Bureaukratie. Es ist ja nicht das erstemal, sondern es ist das drittemal innerhalb weniger Jahre, daß der Reichstag über den Ab- solutismus Gericht zu halten hat. Genau vor drei Jahren, am IG und 11. November lW8. hatten wir die Debatten über öas persönliche Regiment, den berühmten Novembersturm, den das Versprechen des Kaisers, künftighin mehr Zurückhaltung zu üben, zum sanftesten Säuseln beschwichtigte. Am 26. November 1910 zwang die sozialdemokratische Interpellation über die Königsberger Rede den Reichstag von neuem, sich mit der Proklamation des GottesgnadentumS durch Wilhelm II. auseinanderzusehen. Man weiß, daß damals der schwarz-blaue Block und etwas schüchterner auch die Nationalliberalen den sozio ldemokra- tischen Anklagen entgegengetreten sind und dem A b s 0 l u> tismus als Hehler gedient haben. Und wenn des- halb heute die Notionalliberalen und sogar ein Teil des Zentrums Klage führt über die Einflußlosigkeit des Reichs- tages, wenn sie jetzt, wo die Unfähigkeit und Gefährlichkeit des herrschenden Systems wieder einmal zum euro- päischen Skandal, die politische Einflußlosigkeit des deutschen Volkes und seiner Vertretung zum Welt- g e l ä ch t e r geworden ist, wenn diese Parteien fetzt vor den Wahlen wieder einmal große Worte machen wollen, da muß ihnen mit aller Entschiedenheit erklärt werden, daß s l e die Schuldigen sind, daß ihren Worten kein Mensch mehr glauben wird und daß sie sich schon zu Taten werden ent- schließen müssen, wenn sie nicht auch fernerhin als das ge- kennzeichnet werden wollen was sie bisher gewesen sind: servile Handlanger des herrschenden Ab- solutismus. Die Sozialdemokratie hat schon einmal in erschöpfender, unwiderleglicher Weise die Probe aufs Exempel gemacht, �n der Rede, mit der Genosse S i n g e r in die Debatte über das persönliche Regiment eingegriffen hat. hat er den bürger- � lichen Parteien mit klaren Worten das Verfassungsproblem gestellt. Er wies darauf hin, daß das deutsche Volk gesetzlich geschützt werden müsse gegen die absolutistische Regierung und erklärte: »Dazu ist notwendig eine Verfassungsänderung. die der Volksvertretung die Entscheidung über Krieg «nd Frieden in die Hand gibt. Denn in allerletzter Linie- sind eS doch die Kriege, die als Gespenst am Horizont stehen, die möglich werden, deren Gefahr erhöht wird, wenn die unver- antwortliche Politik, dieses persönliche Regiment in Deutschland weiter getrieben wird. In letzter Linie hat doch daS deutsche Voll Leben, Gesundheit, Gut und Blut zu Markte zu tragen, wenn sich durch eine solche unverantwortliche Politik. durch solche Vorgänge die Situation zugespitzt hat, wie eS in den letzten Wochen leider der Fall war... Wir brauchen ein Minister-, ein Reichskanzlerver- antwortlichkeitsgesetz. Ich erlaube mir, bei dieser Ge- legenheit daran zu erinnern, daß wir bereits im Jahre l!KK> einen Initiativantrag auf Erlaß eines Ministerverantwortlichkeits- gesetzes eingebracht haben. Dieser Antrag hat das Schicksal so vieler Initiativanträge gehabt: er ist nicht zur Beratung gekommen... Wr haben dann den Sinn dieses Antrages in eine Resolution gegossen, die wir beim Etat eingebracht haben. Diese Resolution ist von der Mehrheit dieses Hauses abgelehnt worden... Dem Reichstag muß das Anklagerecht gegen den Reichskanzler zustehen. Die Volksvertretung muß in der Lage sein, durch ihre Organe zu Gericht zu sitzen über die Politik des verantwortlichen Mini st er s, und die öffentlichen Gewalten Deutschlands müssen sich durchdringen lassen von der lleberzeugung, daß die deutsche Volksver- tretung ein Recht hat, neben dem Monarchen, neben dem Bundespräsidenten die Geschicke des Deutschen Reiches zu leiten... Weiter, meine Herren, wir müssen dabei auch verlangen, um den Einfluß der Volksvertretung auf die auswärtige Politik, auf die Reichslcitung zu sichern und zu stärken, daß der Reichstag selb st bei der Ernennung des Reichskanzlers mitzuwirken berufen ist... Gegenüber den Zuständen, wie sie sich entwickelt haben, ist das Ernennungsrecht des Kaisers für den Reichs- kanzler keine genügende Garantie für die Sicherheit und Wohlfahrt des Voltes." Außerdem forderte Singer damals noch die Re- form des I n t e r p e l l a t i 0 n s r e ch t s, damit der Reichstag jederzeit den Reichskanzler zwingen könne, Rede und Antwort zu stehen und den Willen der Volksvertretung in Anträgen durchsetzen könne. Demgemäß brachte die Sozialdemokratie eine Reihe von Anträgen zur Ausgestaltung der Verfassung im Sinne eines demokra- tischen Parlamentarismus ein. In dem von uns beantragten Ministerverantwortlichkeitsgesetz war aus- drücklich verlangt: Der Reichskanzler ist zu ent- lassen, wenn der Reichstag es fordert. Ein weiterer Antrag sollte die Mitbestimmung des Reichstages bei der Entscheidung über Krieg und Frieden sichern. Der dritte schließlich galt der Ausgestal- tung des I n t e r p e l l a t i 0 n s r c ch t s. Ließen aber schon die Debatten im Reichstag erkennen, daß die bürgerlichen Parteien von einer wirklichen Demokratisierung nicht viel wissen wollten, so zeigten die folgenden Ereignisse erst recht, daß die bürgerlichen Par- teien dafür verantwortlich sind, wenn heute der Reichstag zwar reden darf, aber nichts zu sagen hat. Die An- träge wurden einer Verfassungskommission zugewiesen. So- lange der Bülowblock bestand, nxiren es namentlich die N a- tionalliberalen, die dafür sorgten, daß nichts Ernst- liches und Wirksames beschlossen wurde. Als der Bülowblock zusammengebrochen wurde, übernahm das Zentrum die bisher von den Nationalliberalen innegehabte Rolle und stimmte im Bunde mit den Konservativen alle ernstlichen Verdesserungsanträge nieder. Schließlich blieb die Kam- Mission in der Beratung der Jnterpellationsanträge stecken. Zu einer Beratung der eigentlichen Ver- fassungsanträge ist es überhaupt nicht gekommen und ein Bericht im Reichstag gar nicht erstattet worden. Das war der Ausgang der berühmten Verfassungskam- pagne. Wird es jetzt anders sein? Wenn man den na- tionalliberalen Blättern glauben wollte, so würde jetzt alles, was damals versäumt wurde, nachgeholt werden. Und gewiß, die Situation scheint außerordentlich günstig. Die Regie- rung ist völlig isoliert. Ein wirklicher Kampf des Parlaments gegen die Regierung könnte nicht anders als erfolgreich ausgehen. Aber genau so war es im Jahre 1908. Und deshalb lassen wir uns von dem nationalliberalen Geschrei nicht täuschen. Ist es doch charakteristisch, daß die wildeste Ruferin im Streit jene„Rhein.-Westf. Ztg." ist. die zugleich die ingrimmigste Feindin aller politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse ist. Die nationalliberale Opposition rührt nur daher, weil die regierende Bureaukratie ihre Jnter- essen nicht mit genügender Energie vertritt. Und die Jnter- essen, die die Nationalliberalen vertreten, das sind die im- perialistischen Tendenzen des Großkapr- t a l s. Die nationalliberale Opposition ist nur die Er- Hebung der modernen großkapitalistischen Reaktion gegen die überlebte feudale.Reaktion, die Herr von Bethmann so restlos verlritt. Die Arbeiterklasse läßt sich durch diesen„Liberalismus" nicht täuschen. Sie weiß, daß die Nationalliberalen als re- gierende Partei nur eine Verstärkung des Mili- tarismus, der Flotten- und Kolonialtrei» b e r e i bedeuten würde, daß dann die Reichspolitik erst recht den Kurs weltpolitischer Abenleuer steuern würde. Die Na- tionalliberalen möchten an der preußischen wie an der beut- schen Verfassung nur insoweit Aenderungen vornehmen, daß ihnen die Ersetzung der Konservativen als regierender Partei ermöglicht wird. Die Arbeiterklasse aber hätte von ihrer Herrschaft nicht weniger zu fürchten als von der konservativen. Diese Erkenntnis braucht uns freilich nicht zu hindern, die augenblickliche Situation auszunützen. Das ist eben das wichtige, daß heute keine Aenderung der Verfassung möglich ist, ohne Rücksicht auf den politischen Willen der arbeitenden Massen. Wenn die Nationalliberalen aus Gründen, mit denen wir nichts zu schaffen haben, im Verein mit anderen bürgerlichen Par- teien sich endlich gezwungen sehen sollten, an die Aende- rung der Verfassung heranzugehen, wenn die Erbitterung über die Unfähigkeit des herrschenden Systems selbst diese alten Feinde jeden wirklichen demokratischen Fortschritts zwänge, ihre schmähliche Haltung von 1908 zu korrigieren, unserer Unterstützung dürfen sie gewiß sein. Aus anderen Gründen zu anderen Zielen, in viel weiterem Umfang fordern wir die Ausgestaltung der Verfassung und die Einführung des parlamentarischen Regierungssystems. Wir werden sehen, wieweit die bürgerlichen Parteien unsere Forderungen erfüllen wollen. Aber ob sie ablehnen oder annehmen, wir. die wir für die Er- höhung der Macht des Parlaments von jeher gekämpft haben. werden ans dieser Haltung den Gewinn davon tragen und bei den Wahlen wird nicht nur der Absolutismus, son- dcrn auch seine Mitschuldigen zur Verantwor- tung gezogen werden. Die Antrage der Parteien. Die sozialdemokratische Fraktion hat zur Marokkodevatte folgen- den Antrag gestellt: Der Reichstag wolle beschließen, ble Verbündeten Regie- rungcn zu ersuchen: l. die deutsch-französischen Abkommen vom 4. November 1911, betreffend Marokko und Aequatonal-Afrika dem Reichs», tag zu der verfassungsmäßig für. thitzchi Gültigkeit erforderlichen Genehmigung vor- zulegen; 2. dem Reichstag ein Weißbuch zugehen zu lassen, die ans Anlaß jenen Abkommens mit fremden gewechselten Noten enthält; 3. noch in dieser Session dem Reichstag einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, wodurch ausdrücklich dev'Attikel 11 der ReichSverfassimg eine Abänderung dahingehend er- fährt, daß alle Verträge mit fremden Staate« zu ihrer Gültigkeit die Genehmigung des Reichstags erfordern. Die Nationalliberalen beantragen, den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf einzubringen, wonach unter Klar- st e l l u n g oder Aenderung der Reichsverfassung auS- gesprochen wird, daß die Erwerbung und die Veräuße- rung von Schutzgebieten der Form der ReichSgesetz» g e b u n g(Artikel 5 der Neichsversaffung) bedürfen. Aehnlich lautet der Antrag der Freisinnigen, die auch die Vorlegung eines Weißbuches fordern und den Vertrag der Budgetkommission zur Prüfung und Bericht» e r st a t t u n g überwiesen wiffen wollen. Das Zentrum schließlich beantragt, daß in daS Schutz- g e b i e t s g e s e tz als Z 1» die Bestimmung eingeschaltet werde: .Die Grenzen eines jeden Schutzgebietes können nur durch ein Gesetz geändert werden." Äk .} Iii fsliche Parole. In dem EntrüßtmigSsturm, den Art und GevurtSumstände de» neuesten deutsch-stMzWchcn Marokkoabkommens in Deuischland ent- fachi haben, ipulen so viele und verschiedenartige Motive hinein, daß der sozialdemokrtlAsth»-Eiandpunkt nicht scharf genug betont werden kann und der PuMutst» bezeichnet werden muß, wo unsere Partei den bürgerlichen iP«te«n zuruft: machen Sie Ihr Spiel allein, meine Herren I yn» in.. Namentlich macht die grundfalsche Haltung, die ein Teil der linkslibcralen dem Fall Lindequist einnehmen, noch einige Bemerkungen nötigic.!!�» Herr v. Lindeczntst ist in einer Form entlassen worden, die einer Matzregelung gleichkommt. Wenn der Reichstag darüber Rechenschast verlangt, ist er in seinem Recht. Aber die Sozialdemokratie und auch eine ihrer Aufgaben sich bewußte bürgerliche radikale Partei hat vorläufig keinen Grund, darüber hinaus zu gehen und mit den H e tz p a t r i 0 t e n die jetzt aus Herrn v. Lindequist einen nationalen Helden machen möchten, irgend- wie gemeinsame Sache zu machen. Nichts falscher, nichts Verderb- sicher für eine vorgeichritteni! Partei als ihre Opposition zu einem ganzen Rcgierungs s y st e m mit den Intrigen von einzelnen Kote- rien der regierenden Kreise in Verbindung bringen zu lassen. Herr v. Lindequist mag in der Wertung der Kongostücke. die Deutschland von Frankvdch(tMgehandelt hat. recht haben. Das ist eine Sache für sich, Die Sozialdemokratie hat sich über ihren Wert ani wenigsten Jll.zsionen hinzugeben. ES entspricht nur unseren Grundsätzen über. cheuMechle der Volksvertretung, zu fordern, daß der Reichstag Gelegenheit erhält, nach Anhören von Sachverständigen darüber zu entschriftchi, ob er die Stücke Kongo für Deutschland haben will oder inichd."Die grundsätzlich ablehnende Stellung, im HWW Mjiusi 1 nmfi ilir zur heutigen Kolonialpolitik einnimmt; steht der Forderung dieses Recht» für die Volksvertretung nicht dn Weg«,«ollen die bürgerlichen Parteien dafür kämpfen, so werden sie die Sozialdemokratie selbstäudigs aber in gleicher Linie kämpfend finden. Es versteht sich nun von selbst, dasz, wenn die Volksvertretung dieses Recht hat. sie den Kolonialiekretär als Sachverständigen in erster Linie hören würde. Aber auch nur als Sachverständigen. nicht mehr. Sie wird sich von keinem Minister eines bestimmten NessortS in ihre Entscheidungen hineinreden lassen, für die oft noch andere als Ressorlinteresien in? Gewicht fallen. Die Agitation der Hmtenmmner deö Herrn von Lindequist geht umgekehrt gerade dahin, das Spezialressort über das gro stere A"gemeine stellen. Sie greisen die Regierung deswegen an, weil sie das Kolonialamt bei den Verhandlungen mit dem Vertreter Frankreichs nur als Sachverständigen herangezogen hat. Wenn aber die Regierung oder Herr von Kiderlen-Waechier hin schlimmeres Vergehen begangen hätte als dieses, dann könnte dlV Opposition ruhig einpacken. Die ganze gegeiiwünige Hierarchie der Ministerien ist vom Standpunkt jeder leidlich vorgeschrittenen Demokratie hinfällig, für die Sozialdemokratie verwerflich. Aber solange sie besteht, kann das Kolonialamt unmöglich über das Auswärtige Amt, ja, nicht einmal ihr.'' gleich gestellt werden. Eine einfache Erwägung des Unter- schiedes ihre.r Verantwortungen ergibt das. Dies Auswärtige Amt hat die Beziehungen Deutschlands zu allen Nationen im Umfange seiner Vollmachten wahrzunehmen. Von seiner Führung hängt'iusbesondm: zu einem groben— leider noch viel zu groben Teil das Verhältnis de» deutsche» Volkes zu seinen Nachbarvölkern, zu den groben Kulturnnlionen ab. Das Koloniala-nt hat, auber mit europäischen Händlern und Siedlern, in erster Linie mit Völkern und Völkerschaften niederer situltur zu tun. DaS bedeutet auch eine grobe Verantwortung, a.ber sie ist. grundsätzlich betrachtet, nur eine HinäuStragimg einer ähnlichen Verantwortung, wie sie eine heiinische Verwaltungsbehörde trägt, auf ein auswärts gc- legcneS Gebiet. Das Kolonialamt hat daher, und daS ist der springende Punkt und gerade für Deutschland so wichtig, aus der Tatsache, dab sein Arbeitsfeld draußen liegt, keinerlei Recht zu aus- wärtiger Politik herzuleiten. Wehe dem Tag, wo die auswärtige Politik Deutschlands von dem K o l o n i a l a m t gemacht oder geleitet würde I DaS aber ist eS gerade, worauf die jetzige Agitation unserer Nationalisten hinausläuft. Ihr ganzes Geschrei richtet sich nicht gegen die Politik der Regierung, wo sie falsch, sondern da. wo sie, zwar nicht richtig, aber doch weniger falsch war. Was ist der Jammer der jetzigen NegierungSpolilik? Daß sie mit der Politik unserer Koloninlchauvinisten ansängt und hinterher erst si-d darauf besinnt, daß sie gröbere Interessen wahrzunehmen hat. DaS gibt gewitz ein wenig rühmliches Bild. Aber die Regierung angreifen. weil sie hinterher das weniger Unvernünftige tat. ist eine Politik. die die Soziatdeinokratie nicht mitmachen wird. Sie wird es nicht und sie braucht eS nicht. Denn ihre Opposition beruht auf stärkerem Fundament als dem Ränlespiel der heuttgen Beamtenministerien und Finanzkonsortien. Nicht demokratische Grundsätze sind eS. die Herrn v. L i n d e q u i st zu seinem Rücktritt veranlahten, noch Gegnerschaft gegen die Verhetzung deS deutschen Volkes wider andere Kulturvölker. Im Gegenteil: wenn nicht von ihm selbst, so von denen, die ihn jetzt laut auf den Schild heben, ging die Agitation auS. welche nach der Politik der gepanzerten Faust rief und mit frevelhafter Gewlsien- lofigkeit die Gefahr eines Weltkriege» heraufbeschwor. Die von den Nationalisten bis zu den Bassermännern und darüber hinaus ausgegebene Parole der Bekämpfung Kiderlen-Waechlers ob der Unabhängigkeit seiner Politik von der des Kolonialamis ist die denkbar falscheste Parole in dem Kampfe, den das deutsche Boll für die Eroberung seines SelbstbestimmungS- p«ch t S zu führen hat.__ Zur Reichstagswal)!. Der Wahlkampf in Lübeck. Ans Lübeck wird uns geschrieben: HnihRbeck�und im benachbarten ersten oldenburgischen Wahlkreise, zu dem: lAs.Mirjlentum Lübeck gehört, wird der Reichstagswahlkampf mit der aroncra Erbitterung geführt. Für Lübeck kandidiert von unserer Sei» wieder der 70jährige Genosse Theodor S ch w a r tz, der den KreiS von 1890—1893 und sei« 1893 ununterbrochen im Reichstage vertritt. Die.vereinigten bürgerlichen Parteien�, zu denen diesmal allerdings nur die Liberalen und Natioualliberalen gehören, haben den pseudoliberalen Postiekrelär Klein aufgestellt, einen Mann, der es mit seinem Liberalismus vereinbaren konnte, gegen die Emfüh- rnng eines freiheitlichen Wahlrechts in L ü b e ck und gegen wirksame Maßnahmen zur Linderung der Teuerung, die von den Sozialdemo- kraten in der Bürgerschaft beantragt waren, zu stimmen. Der berüchtigte Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, der bei der Wahl im Jahre 1907 auch in Lübeck den Gipfel der Nieder- tracht zu erreichen bestrebt war. hat sich ausdrücklich bereit erklärt, die Kandidatur deS.liberalen" Herrn Klein zu unte, stützen. Gleich- falls wird der H a n s a b u n d Arm in Arm mit dem Rcichsverband marschieren und dem Liberalen den Durchfall zu erleichtern versuchen. Außer mit dem liberalen Kandidaten haben wir diesmal mit Zähl- kandidaluren des Zentrums und der Bauernbündler in Lübeck zu rechnen, von denen sich letztere bereits verpMilet haben, im Falle einer Stichwahl für Klein einzutreten. Sie werden aber sicher nicht in die BerlegMchisi», kommen, denn nach der ganzen Konstellation, wie sie gegenwärnui'in der kleinsten deutschen Republik besteht, ist anzunehmen. doß l.Atnosie Schwartz mit großer Mehrheit gewählt wird. Im AtlschrWO? betrug seine Majorität allerdings nur 278 Stimmen. Jmlditthen hat sich jedoch die Zahl der eingeichriebenen Mitglieder d»M»gkhfo,AM, jn Verbindung mit dem Proportionalwahlrecht und Festsetzung de» Wahltages auf einen Sonntag. 2. Antrag auf Befreiung der Einkommen unter 803 M. von der Staatssteuer ohne Betckräolung der StaatSdürgerrechie; Auf- Hebung aller intireklen LandrSiteuern, Eriatz deS Ausfalles durch Reform und Ausbau der direkte» Steuer. 3. Antrag auf Durchsührung eines ausreichenden Bauarbeiterschutzes. 4 Antrag auf Aufhebung der Gesindeordnung. Die Fraktion interpellierte die Regierung sernrr: 1. wegen der Teuerung: 2. wegen Verhinderung der Heimarbeiterausstellnng der Ge- werkschafien auf der Jniernanonalen Hygieneausstellung zu Dresden durch die Regierung und S. wegen der erfolgten Lehrermatzregelungen. Reform der sächsischen Ständekammer. Nach einer Meldung au» Dresden bat stch die nationakliverale Fraktion der Zweiten Kammer in einer Sitzung am Dienstag dahin schlüssig gemacht, folgende Interpellation einzubringen: Was ge> denkt die königliche Swatsregierung zu tun. um der seit langem von ihr selbst und den Gländetommern al» berechtigt anerkannten Forderung au' eine den gegenwärtigen Verhältnisien im Lande ent- sprechenden«enderung i» der Zusammensetzung der Ersten Kammer gerecht zu werden?_ Ist der Marokko- und der Kongo-ivertrag ohne Ge- nehinignng des Reichstags gültig: Wiederholt haben wir daraus hingewiesen, daß die deutsch-französischen Verträge in Frankreich zu ihrer Gültig- keit unzweifelhaft der Zustimmung deS Parlaments bedürfen, während die deutsche Regierung den Standpiliikt vertritt, tn Deutschland sei weder eine Zustimmung deS Bundesrats noch eine Genehmigung deS Reichstags zu dem Vertrage erforder- lich Die Ansicht des RetchsjustizamtS stützt sich bekanntlich auf Artikel!l der Reichsverfassung, in dessen Absatz 1 eS heißt:„Der Kaiser hat da« Reich völkerrechtlich zu vertreten im Namen des Reiches und Bündnisse und Verträge mit fremden Staaten einzugehen' und dessen Absatz 4 lautet: Insoweit d.« Verträge mit sremsen Staaten sich auf solche Gegen, tande bezuhen. welche nach Artikel 4 in den Bereich der Re'chsgeictzgebung gehören, ist ,» ihrem Abschluß die Zu- stimm un g des Bundesrats und zu ihrer Gültigkeit die de« Reichstags erforderlich. Arn 29. Oktober legten wir bereits dar, selbst wenn man einer solchen Interpretation des Artikel Ii zustimmen würde. würde gegenüber dem Inhalt und Wortlaut der Verträge schivcrlich die Ansicht deS NcichSjustizamtS für zutreffend er- achtet werden können. Nachdem nunmehr der Wortlaut der Verträge offiziell bekannt gegeben ist, halten wir es für un- zweifelhaft, daß beide Verträge ohne Ge- nehmigung des Reichstages ungültig sind und daß die Ratifikation der Anträge ohne vorherige Genehmigung des Reichstages ein grober Bruch der Reich sver- f a s s u n g wäre. Der Marokkovertrag ändert das vom Reichstag beschlossene Ausführungsgesetz zur Algeciras-Akte. ferner diese selbst und den Handelsvertrag, sowie(in Artikel 9) die Konsulatszuständigkeit und die K o n s n l a r- gefetzaebunc,. bezieht sich also auf Gegenstände, die nach Artikel 4 der Reichsverfassung in das Bereich der Reichsgesetz- gebung gehören. Nicht minder trifft das auf die in dem Marokkovertrag berührten Gegenstände zu, die die Organisation eines gemeinsamen Schutzes des deutschen Handels im Ausland und die Zoll- und Handclsgesetzgebung berühren. Nach dem K o n g o v e r t r a g soll u. a. die deutsche Re- gierung in die Verbindlichkeiten Frankreichs gegen- über den Konzessionsgesellschaften eintreten(Artikel 5). Solche materielle. Belastung des Deutschen Reiches ist ohne Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften hinfällig. Unzulässig ohne dieselbe Zustimmung ist ferner die in demselben Artikel vorgesehene Aenderung der deutschen Gerichts- b a r k e i t: ihr sollen die Konzessionsgesellschaften unter- warfen werden. Art. 13 der Kongo-Akte sieht finanzielle Ausgaben für Truppen vor. Nach Art. 2 sollen Ge- biete, für die die deutsche S ch u tz g e b i e t s- G e s e tz- g e b u n g gültig ist, an Frankreich abgetreten, die Schutz- gebiets-Gesrtzgebung also geändert werden. Der Kongo-Ver- trag greift aufs tiefste in die durch Art. 4 der Verfassung der Reichsgesetzgebung unterstellte Kolonial- gesetzgebung ein. Beide Verträge ziehen Belastungen des Deutschen Reichs nach sich und beziehen sich auch nach vielfachen Richtungen auf Gegenstände, die nach Art. 4 in den Bereich der Reichs- gesetzgebung gehören. Zu ihrer Gültigkeit ist mithin die Ge- nehmigung des Reichstags erforderlich. Ob der Reichstag sich gefallen lassen wird, daß sein Budget- und Gesetzgebungs- recht in der vom Reichskanzler verlangten Weise geschmälert wird, wird sich ja in Kürze zeigen. Eine Denkschrift zum Kongo-Abkomme«. Das dem Reichstage zugegangene Marokko-Abkommen enthält nicht ein einziges Wort der Begründung. Am späten Abend des Miltwoch erst ist dem Reichstage eine Denk- schrift des Kolonialamtes über die Neuerwerbung im Kongogebiet zugegangen. Offenbar ist die Denkschrift erst am Mittwochmorgen zu- sammengcstoppelt worden, nachdem am Dienstag im Reichs- tage auf die befrenidliche Erscheinung hingewiesen worden war, daß dem Reichstage keinerlei Erläuterungen zum Marokko-Abkommen zugegangen sind. Die Denkschrift trägt denn auch den Stempel der Flüchtigkeit nur zu sehr an der Stirne. Was nun den Inhalt der Denkschrift anlangt, so wird zunächst darauf hingewiesen, daß der Gebietszuwachs ganz beträchtlich ist, und dann fäbrt die Denkschrift fort: „Für ein Volk, das sich entschlossen hat zu kolonisieren, ist jeder Zuwachs von kolonialem Gebiet mit Freuden zu begrüßen; selbst wenn man zunächst die Frage nach dem wirtschaftlichen Wert dieses Zuwachses zurücktreten lassen müßte. Wer die Kolonialpolitik bejaht, muß gvundsätzlich für jeden Zuwachs kolonialen Gebiets, für jedes Stück lolonialen Neulandes fein." Daß der Zuwachs momentan nicht viel wert ist, wird in der Denkschrift zugegeben, allein, das soll nichts beweisen, denn die Franzosen hätten für dieses Gebiet nur ganz minimale Auiwensungen gemacht, und infolgedessen sei dieses Gebiet auch immer mehr vernachlässigt worden. Wenn nun ein Teil dieser Gebiete in deutschen Besitz über- geht, so würden einerseits ihre Naturprodukte dem deutschen Markt, vor allem dem deutschen Kautschukmarkt, zugute kom- men; andererseits werde dem deutschen Ausfuhrhandel ein neues Absatzgebiet von beträchtlichem Umfange eröffnet. Vom militärischen Standpunkt sei zu erwähnen, daß. je größer ein Schutzgebiet, es um so leichter sei, die im Lande ange- wordenen Soldaten an Orten zu garnisonieren. in denen sie im Falle des Aufstandes keine Fühlung mit der eingeborenen Bevölkerung haben. Nicht unerwähnt dürfe bleiben, daß jedes neuerworbene Land die Möglichkeit in sich schließe, Mineralschätze zu enthalten. Diese Beweisführung ist allerdings unwiderleglich, denn es wird z. B. nicht nachgewiesen werden können, daß die Wüste Sahara keine Erdschätze birgt. Mit einer solchen Be- weisfiihrung sollte man aber doch dem Deutschen Reichstage nicht kommen. Denn das muß den Verdacht erwecken, die Regierung wolle mit Absicht den Reichstaa verhöhnen. Was dann im einzelnen angeführt wird, steht ganz aus der Höhe der allgemeinen Bemerkungen. So wird bezüglich der Schlafkrankheit zugegeben, daß in dem neuen Ge- biete diese Krankheit ganz besonders stark grassiere, aber die Erwerbung dieses Gebietes solle nun angeblich die Möglichkeit bieten, der Schlafkrankheit end- lich mit aller Energie zu Leibe zu gehen. Besonderes Ge- wicht wird daraus gelegt, daß Deutschland nunmehr an das Flußgebiet des Kongo angeschlossen sei. Darin seien ganz bedeutende Entwickelungsmöglichkeiten zu erblicken, wobei man sich allerdings mit der Tatsache abfinden müsse, daß die weitere rationelle Erschließung der erworbenen Gebiete nicht ohne erhebliche Kosten möglich sein werde. DieseKosten müßten wir auf uns nehmen, wie wir sie willig und hoffnungsfrcudig für unsere bisherigen Schutzgebiete auf uns genommen hätten. Daß die Franzosen auf der Etappenstraße, die durch das neue Gebiet führt, Stationen anlegen dürfen, die ihren durchziehenden Truppen als Stütz- punkte dienen sollen, wird nicht in Abrede gestellt, nur wird bestritten, daß diese Stationen befestigt werden dürfen. Die Zahlen, die in der Denkschrift angegeben sind. entziehen sich natürlich jeder Nachprüfung; die ganze Denkschrift ist eine Verlegenheitsarbeit. und gerade diese Denkschrift müßte eigentlich erst recht den Anlaß bieten, das ganze Marokkoabkommen in eine Kom- Mission zu verweisen, um dort die Angelegenheit einer gründlichen Prüfung unterziehen zu können. Nationalliberale Verfassungstampfer. Die.Naiionolzeitung' veröffentlicht in den aufgeregtesten Lettern folgende SelisationSuachrilbt: „Wie wir ans H o f l r e i s e n erfahren, ist der Kronprinz über die nach seiner Ansicht klägliche Maroltopolitil deS Reicks« kanzlerS und über den Rücktritt de» Herrn v. Lindequist sehr bestürzt. Der Kronprinz hat, wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, mit seinen Brüdern sich von Danzig auS über diese Frage v e r st ä n d i g t, um beim Kaiser darauf hinzuwirken, daß die Situation nicht noch weiter verfahren werde. Auch die Kaiserin soll für dieses gemeinsame Vor- gehen interessiert werden. Selbst ein(in solchen Fällen ja immer parates) Dementi wird die Nichtigkeit dieser Meldung nicht erschüttern." Und das nationalliberale Blatt ist offenbar glücklich und zu- frieden I— Da muß denn doch gesagt werden, wenn diese Nachricht von einer gemeinsamen Einmischung der Kaiserin und ihrer Söhne wahr wäre, so wäre sie gänzlich ver- fassungswidrig und nicht scharf genug zu beiämpsen. DaS fehlte gerade noch, daß wir zur Herrschaft deS persönlichen Regiments noch eine Unterrocks Wirtschaft und Prinz« liche Nebenregierung bekämen. Für den Ernst deS nationalliberalen Verfassungskampfes ist es freilich bezeichnend, daß ihr Organ zu solchen Erfindungen greift und eS würde uns nicht wundern, wenn nächstens ein nationallibcrales Blatt triumphierend meldete, der jüngste Sohn deS Kronprinzen habe aus Unmut über die RegierungSpolitik geruht, allerhöchst seine Windel« zu ver« unreinigcn._ Zehn Dreadnougths mehr! Aus Bundcsratskrcisen will die„Nationalzettung" folgende Darstellung erhalten haben: Jn jener Mitteilung sind Wabrheit und Dichtung gemischt. Es ist richtig, daß die Frage der deutschen Kriegsbereitschaft im Bundesrat Gegenstand ernster Erwägungen gebildet hat. Außer dem Generalslab wurde auch der Admiralitab aufgefordert, zu er- klären, ob wir aktionsbereit sind. Der Generalstab bejahte dieie Frage ohne Einschränkung. Dagegen erklärte der Ädmiralstab, daß uns, um gegen die vereinigte englisch-französische Flotte mit AuS- ficht auf Erfolg operieren zu können, zehn DreadnougthS (oder zehn große Panzerkreuzer) fehlen. Dieses Gut- achten des Admiralsiabs übte eine starke Wirkung nach der Richtung einer sriedlichen Verständigung aus. Im Bundesrat hat man schon die Möglichkeit erwogen. waS zu geschehen habe, ivenn die Mehrheitsparteien deS Reichstages, gelegentlich der JnterpellaiionSbesprechung über daS Abkommen mit Frankreich eine außerprogrammäßige Verstär» kung unserer Flolte in der Richtung eines beschleunigten AuSbaus großer Panzerkreuzer und Untersee- boote verlangen. Es verlautet, daß die maßgebenden Stellen sich, wenn die Mehrheit des Reichstages diesen Wunsch zum Ausdruck bringt, nicht ablehnend verhalten werden. Allerdings müßte zu gleicher Zeit die Deckungsfrage gelöst werden. Zehn Dreadnougths mehr, oder auch zehn Panzerkreuzer mehr, würde allein an Baukosten eine Ausgabe von 500—600 Millionen Mark ausmachen. Die In» dienststellun g dieser Schiffe würde natürlich gleich- falls viele Millionen jährliche rl, dauernd wiederkehrender Ausgaben verursachen l Ein solches Plänchen könnte also unseren Panzerplattenpatrioten und Flottcnsexen gerade passen. Da wir nun aber wissen, daß wir der Kriegsgefahr im wesentlichen deshalb entgangen sind, weil diese zehn Dreadnougths mehr nicht vorhanden waren, wird das Proletariat mit verdoppelter Energie durch Be» kämpfung aller neuen Rüstungsausgaben gegen die frivole Herausbeschwörung künftiger Kriegsgesahr zu sorgen haben!_ Ultramontane Ministerstürzerei. Eine RegierungSkiistS ist soeben in Bayern ausgebrochen. Dienstag und' Mittwoch ist es in der Landtagssitzung zu heftigen Zusammenstöße» zwischen dem Zentrum und dein Eisenbahnmiinster getommen. Der Minister wies die Angriffe deS Zentrums mit großer Entschiedenheit zurück. Zu Beginn der Sitzung deS Finanzausschusses am Miliwoch erklärte darauf der Referent Dr. Pichler, daß eS dem Zentrum nach den Vorkommnissen der beiden letzten Tage unmöglich sei, mit dem Verkehrsminister weiter gesellschaftlich zu verkehren. Er könne also seine Referententätigkeit nicht mehr ausüben.— Minister v. Frauenhofer erwiderte darauf, daß er sich die entiprechende Antwort vorbebaite. Die Sitzung deS Ausschusses wurde darauf gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten ad- gebrochen. DaS Zentrum hat damit den Minister- stürz proklamiert._ Tie Aufstellung der ReichStagswählerlisteu ist im Gange. Es dürfte sich empfehlen, die mit dieser Auf- gäbe betrauten Behörden besonders darauf aufmerksam zu machen, das Reichsgesctz vom Februar 1909 zu beachten, das folgenden Wortlaut hat: „Soweit in ReichSgesetzen der Verlust öffentlicher Rechte von dem Bezug einer Arnienumerstützung abhängig gemacht wird, sind als Arnlenunlerstützung nicht anzusehen: 1. die Krankenumerstützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gt« brechen gewährte Anstaltspflege: 3. Uilterftützungen zum Zwecke der Erziehung oder der Ausbildung für einen Bertis; 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form der- einzclier Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind; nterstützungen, die erstattet sind/ Während bei den Gemeinde- und Landtagswahlen in Preußen bis jetzt Krankenhausunterstützung oder Extra- Unterstützung durch die Armenverwaltung bei vorübergehender Notlage den Verlust des Wahlrechts nach sich zieht, übt die Gewährung dieser Unterstützungen auf das Reichstagswahlrecht keinen Einfluß auS. Da viele Behörden nur eine mangel- hafte Kenntnis mit den gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere des neuen Reichsgesetzes besitzen, dürfte ein besonderer Hin» weis auf die Wahlberechtigung zur Reichstagswahl am Platze sein, schon um später die Zahl der Einsprüche gegen die Richtigkeit der Listen und damit die für die Beamten ver- bundene Arbeit zu mindern._ Die Landtagswahlen in Schwarzburg-Rudolstadt. Am kommenden Freitag, den 10. November, steht das Volk deS Fürstentums Schwarzburg-Rudelstadt vor der Erneuerung seines Landtages. Für die zukünftige Politik im Lande werden diese Neuwahlen von größter Wichtigkeit sein. Der bisherige Landtag sehte sich aus sechs sozialdemokratischen und zehn bürgerlichen Ab- geordneten zusammen. Tie Klasse der allgemeinen Wähler besetzt zwölf, die höchstbesteuerte Klasse vier Maiidate. In der Hauptsache handelt es sich am 13. November für unsere Partei um die Erringung der LandtagSmajorität. Bereits vor zwei Legislaturperioden war die Sozialdemolratie im Besitz von 8 Mandaten, verlor aber 1933 und 1938 je ein Mandat. Nur einige Stimmen fehlten zur Majorität. Heute liegen die Tinge so: die Wahlkreise Rudolstadt-Ost, Rudolstadt-Wcst, Königs«- Stadt, Katzhütte, Oberircißbach und Fraukcnhausen-Stadt sind siche- rer Besitzstand unserer Partei; in Stadt Ilm unlerlagen wir 1938 bei der Stichwahl mit nur 14 Stimmen Majorität, in Schlotheim mit 431 gegen 473 Stimmen. Außerdem bietet der Wahlkreis Königsee- Sota, der schan ttmnal(n mtfectm vesltz war.«ufe Aussicht auf Wiedereroberung, ebenso Frankenhausen-Land. Angesicht» dieser Situation setzen unsere Genossen alle Kräfte ein. um den Kampf zu bestehen. Es wird dann der Negierung nicht gelingen, ihre reak- tionären Pläne zur Durchführung zu bringen. Man beabsichtigt nämlich, wenn ein gefügiger Landtag zustande kommen sollte, die Verschmelzung mit Schwarzburg-Sondershausen, das neben Mecklenburg von allen deutschen Bundesstaaten die rück- ständigste Verfassung besitzt. Der Fürst und die Höchstbesteuerten ernennen zwei Drittel der Landtagsabgeordneten; das Volk hat nichts zu sagen. Wie es dann dem heute in Rudolstadt geltenden ollgemeinen, gleichen und geheimen Landtagswahlrecht ergehen würde, kann man sich denken. Auch auf dem Gebiete des Gemeindewahlrechts würde bei einer etwaigen Verschmelzung versucht werden, das in Sondershausen geltende Dreiklassenwahlshstem in Schwarzburg-Rudolstadt einzu- führen. Unsere Partei ist nicht gegen eine Verschmelzung, aber wenn man Volksrechte dabei zu verschachern gedenkt, wird sie äußer. sten Widerstand leisten. Der Aufmarsch der bürgerlichen Parteien ist der bisherige. In elf von 12 Wahlkreisen der allgemeinen Wählerklasse haben sich die Bürgerlichen aus Angst vor der Sozialdemokratie zu einem Misch- masch vereinigt, der ihnen aber nicht viel helfen dürfte. Es geht vorwärts! Bei der Landtagsersatzwahl in B r e s l a u, bei der 230 Wahl- Männer neu zu wählen waren, gewann die sozialdemokratische Partei bekanntlich l2 Wahlmännermandate. Das WachSlum der Sozial- demokratie beweisen folgende Zahlen: Die Sozialdemokratie erhielt: 1893: 88. 1900: 102. 1903: 222. 1908: 325. 1910: 362, 1911: 374 Wahtmänner. Unser Breslauer Bruderorgan bemerkt dazu:.Nur ein kleiner Teil der Wahlmannsmandate war zu erneuern, und doch zeigten auch diese Teilwahlen, daß wir nach und nach in eine Position einrücken, in der man uns ein eigenes Mandat nicht mehr wird streitig machen können.' Wir wollen freilich hoffen und an unserem Teil dazu energisch beitragen, daß die preußischen LandtagSwablen das nächste Mal überhaupt nicht mehr unter dem elenden Dreiklassenwahlshstem statt- finden l_ Unruhen in Cunis. Wie aus Junis telegraphiert wird, ist eS dort am Dienstag zu ernsten Streitigkeiten zwischen Arabern und Italienern gekommen. Die Ruhe- störungen sind dadurch hervorgerufen worden, daß sich unter den Eingeborenen da» Gerücht verbreitete, die französische Behörde beabsichttge, die grundbuchliche Aufnahme des mohammedanischen Friedhofes vorzunehmen. Mehrere tausend Eingeborene versammelten sich auf dem Friedhof und widersetzten sich der Arbeit der Geometer. Es kam zu wiederholten heftigen Zusammen- st ö ß e n zivischen Eingeborenen und Truppen, die auf die Ruhestörer feuerten. Es heißt, daß vierzehn Araber sind vier Italiener getötet wurden. Auf französischer Seite wurde ein Polizeiunter- offizier getötet, ein Offizier und mehrere Soldaten Verwundet. Während des Aufruhrs wurden im Basarviertel die Läden jüdischer Händler geplündert. Einem starken Polizeiaufgebot gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Patrouillen durchstreiften unausgesetzt das arabische Viertel. In Paris haben die Ereignisse lebhafte Besorgnis hervorgerufen. Mehrere Blätter erblicken in ihnen ein sehr ernstes Symptom für den durch die Vor- gänge in Tripolis aufgestachelten muselmanischen Fanatismus. Die Meuterei habe große Aehnlichkeit mit den kürzlich in Alexandrien begangenen Ausschreilungen. Das„Journal" meint: Frankreich dürfe nicht vergessen, daß es in Tunis über hunderttausend Italiener zu beschützen habe, und daß man alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln treffen müsse. Nach einzelnen Berichten hätten an den Unruhen an 15000 Eingeborene teilgenommen. Aus B i s e r t a werden in Tunis 1000 Mann Verstärkung erwartet. Das Redaktionsbureau des in Tunis erscheinenden Blattes „ U n i o n e" wird von einem starken militärischen Aufgebot beschützt. Die Ereignisse verdienen auch in Deutschland ernsteste Beachtung. Zeigen sie doch, wie heftig die Gärung, die sich seit langem auch in Algerien bemerkbar macht, unter den Arabern Vorderasiens ist. Die Kolonialpolitik wird hier in kurzem vor Probleme gestellt, zu deren Bewältigung nach kapitalistischen Methoden ungeheuere Opfer not- wendig sein werden. Für den Raubzug Italiens wird nicht nur der italienische Imperialismus zu büßen haben. Und da ist es das höchste Ideal unserer Kolonial- narren, auch das deutsche Volk in diese blutigen Aben- teuer hineinznhctzcn!_ Oertcmfch-Ongam. Für daö gleiche Wahlrecht. Budapest, 7. November. DiesozialdemokratischePartei veranstaltete heute abend mehrere Versammlungen zugunsten des allgemeinen Wahlrechts. Nachher zogen die Teilnehmer, 5000 an der Zahl, vor das Klubhaus der Jnsthpartei, wo die Ab- geordneten Justh, Graf Theodor Baithyany und mehrere Sozialisten- führer Ansprachen hielten. Die Ruhe wurde nicht gestört. frankmch. Der spanisch-französische Geheimvertrag. Paris, 8 November..Marin' veröffentlicht den Wortlaut des GchermvertrageS zwischen Frankreich und Spanien über Marokko, der am 3. Okrober 1904 in Paris vom damaligen Minister des Aeußern D e l c a s s ö und dem spanischen Borschafter C a st i l l o unterzeichnet wurde. Der Vertrag umfaßt 16 Artikel. In Artikel I erteilt Spanien der französisch-engltschen Erklärung vom 1. April 1904 über Marokko seine Zustimmung. Artikel U be- stimmt die spanische Einflußsphäre, die durch die Küste und eine fast parallel von L a r r a s ch über E l k s a r bis zum Mulujafluß laufende Linie begrenzt wird. Artikel II bestimmt ferner, daß Spanien verpflichtet ist, in der Einflußsphäre seine Aktion nur nach vorhergegangenem Einvernehmen mit Frank- reich in einer fünfzehn Jahre nicht überschreitenden Periode aus- zuüben. Während dieser Periode verpflichtet sich Frankreich, über seine etwaige Aktion beim Sultan von Marokko wegen der spanischen Einflußsphäre vorher die spanische Regierung zu verstän- digen. In Artikel III heißt e-Z: Für den Fall, daß der politische Zustand Marokkos nicht mehr fortbestehen oder durch die Schwäche der Regierung des Sultans die Ordnung nicht mehr aufrecht erhalten werden könnte oder falls auS irgend einem anderen festgestellten Grunde die Austechterhaltung des Status guo unmöglich wäre, könnte Spanien seine Aktion in seiner Einfluß- sphäre frei ausüben. Artikel IV und V bestimmen, daß das verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Territorium der 1860 von Marokko an Spanien abgetretenen Med«» lassung Jfni da? Bett des TrazeronaflusseS nicht überschreiten soll und daß Spanien daselbst nur nach vorherigem Ein- vernehmen mit dem Sultan von Marokko sich niederlassen kann. In Artikel VH verpflichtet sich Spanien, sich keines Territoriums auch nur vorübergehend, unter welcher Form auch immer, zu entäußern. In Artikel IX heißt eS: Der Stadt Tanger wird der besondere Charakter erhalten, den der Aufenthalt deS diplomatischen Korps sowie ihre munizipalen und sanitären Einrichtungen ihr verleihen. Die übrigen Artikel enthalten Bestimmungen über Bergbau, Schiffahrt, Schifferei- Wesen. Geldumlauf usw., wodurch die betreffenden Rechte der Spanier gewährleistet werden. finntancL Massendemonstrationca in Finnland. Unser finnländischer Mitarbeiter schreibt: Am 29. Oktober veranstaltete die sozialdemokratische Arbeiter- Partei in Finnland im ganzen Lande gewalttge Protest« Versammlungen, die von Tausenden Arbeitern und Arbeite- rinnen besucht wurden. Die Versammlungen waren einberufen worden, um gegen ein empörendes Klassenjustizurteil des Hosgerichts von Abo zu protestieren. Das Gericht hatte 61 Arbeiter zu neun Jahre und drei Monate Gefängnis verurteilt und ihnen die Bürgerrechte auf mehrere Jahre aberkannt, weil sie anläßlich eines Streiks auch für zwei Tage Lohn gefordert hatten, während derer sie auf die Lohnzahlung hatten warten müssen. Der Unternehmer war wegen Nötigung klagbar geworden und das Gericht hatte der Klage entsprechend geurteilt. Infolge dieser unerhörten Klassenjustiz ist die finnische Arbeiterichaft aufs tiefste empört. Wie ein Mann ging sie zu den Protestversammlungen, und in seltener Einmütigkeit wurde das Klassenjustizurteil im ganzen Lande von der Arbeiterschaft verurteilt. Amerika. Sozialistische Wahlerfolge. New Dorf, 8. November. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden acht Sozialisten in Ohio zu MayorS (Bürgermeistern) gewählt. In Schenectady(Staat New Dory siegten die S o z i a l i st e n in der Wahl des M a y o r s und aller Beamten der Stadt bis auf einen. Die Sozialisten siegten ferner in Michigan. Kansas und New Mexico. Die Demokraten siegten in der Wahl der Gouverneure in Massachusetts, Kentucky und Mississippi, während die Republikaner Rhode Island gewannen. Hua der partcü Kommunalwahlerfolge. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Gevelsberg fi eg ten d i e S o zi ald e m o k r a ten mit einer Majori- tät von 400 Stimmen über den bürgerlichen Mischmasch. Mit aller Kraftanwendung lBahn- und Postbeamte mußten geichlosien antreten) versuchten die Gegner den Sieg an sich zu reißen, aber alle Mühe war wieder einmal vergeblich. Die Freisinnigen brachten es auf ganze 249 Stimmen. Die drei Sozialdemokraten, die es auf 649 Stimmen brachten, sind somit gewählt. In S ch w e d t a. O. wurden bei der Stadtverordnetenwohl vier Genossen gewählt trotz aller Schikanen und Lerleum- düngen der Gegner. In Bielefeld wurden am Mittwoch bei der Stadtverord- netenersatzwahl die fünf sozialdemokratischen Kau- didaten wiedergewählt. Es erhielten in der dritten Ab- teilung die Sozialvemokratie 4146 Stimmen(gegen 3602 im Jahre 1909), die Fortschrittspartei 349, die Kandidaten des nationalliberal- konservativ-zenrrümllchcn MischmaicheS 823 Summen. Bei der Stadtverordnetenwahl der dritten Abteilung in G ö r. l i tz wurden sieben Sozialdemokraten mit glänzender Majorität gewählt. Es gehören nunmehr der Stadtverordnetenversammlung vierzehn Sozialdemokraten an. Bei der Stadtverordnetenwohl in Köln in der dritten Abteilung erhielten Stimmen: Zentrum 25.000, Sozial- demokratie 13 00(1. Liberale 4400.— Bei der vorigen Wahl hatten erhalten: Zentrum 18 300. Sozialdemokraten 10 600, Liberale 4000. Wahtberechiigt waren 78 000, davon wählten 42 000. Die zur Wahl stehenden sieben Mandate wurden sämtlich vom Zentrum erobert. Falsche Kombinationen. Eine Reihe bürgerlicher Zeitungen bringt die Meldung, daß für den Wahlkreis Franksurt-Lebus der Genosie Emil Eichhorn als Kandidat ausgestellt sei. Dazu wird uns mitgeieilt, daß diese Nachricht jeder Begründung entbehrt. Die Kreisorganiiation wird erst in ihrer am Freitag in Fnrstenwalde slatlfindenden Generalversammlung zu der Kandidatensrage Stellung nehmen. Ho�iales. Die neueren Ergebnisse der Sophilisforschung. Ueber dies Thema sprach San.-Rat Dr. Rosenthal in der letzten Sitzung der Ortsgruppe Berlin der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Der Vortragende führte aus. daß die wissenschaftliche Bekämpfung aller Infektionskrankheiten auf der Kenntnis des Krankheitserregers und aus den Tierexperimenten beruhe. Im Jahre 1903 wiesen zuerst Metfchm» feff und Roux mit absoluter Sicherheit die Möglichkeit der Ueber- tragung auf anthropoide Affen und dann auf niedere Affen nach. Hiermit war die Basis für eine experimentelle Forschung gegeben und viele Fragen sind auf dies« Weise der wissenschaftliaien For- schung zugängig geworden. Zwei Jahre später entdeckte Schaudinn den Krankheitserreger der Syphilis, die Spirodmete pallida, die man zuerst nur mühsam, jetzt, trotzdem sie von kleinsten Dimen- sionen ist, mit Leichtigkeit lebend nachweisen kann. Der Spi- rochaetennacksiveiS ist besonders für die Frühdiagnose der Syhilis von Belang, um möglichst frühzeitig eine Behandlung einzuleiten. Diesen beiden wichtigen Entdeckungen schloß sich im Jahre 1906 die Wassermannsche Scrumreaktioii an, die in der Hand des Klinikers ein wertvolles, ja sogar unschätzbares HilfSinitlel bei der Behandlung der Syphilis liefert. Schließlich ging-der Redner auf das neue Heilmittel, das Salvcrsan. dcö näheren ein, indem er besonders seine große wissenschaftliche Bedeutung hervorhob. Nach eingehender Besprechung der Bor- und Nachtelle des Mcdi- kaments kam Redner zu dem Resultat, daß das Salvarsan als eine wertvolle Bereicherung der bisherigen Syphilisbehandlung zu betrachten sei. Das Quecksilber sei zurzeit immer noch das einzige Heilmittel, von dem man mit Bestimmtheit sagen könne, daß es in richtiger Weise lange Zeit angewendet, die Syhilis zu heilen vermöge. Jedenfalls sei durch die Einführung des SalvarsanS die Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schlcchtSkrankheiten in keiner Weife beeinträchtigt, denn noch be- steht die Syphilis, diese Geißel der Menschheit, mit allen ihren Folgen und noch muß der Kampf auf der ganzen Linie fortgeführt werden._ Ein llnzuständigkeitSkuriosum vor dem KaufmannSgericht. Obgleich durch das Gesetz dem Hin» und Hcrwandern eines Prozesses von einem Gericht zum andern wegen ungeklärter Zu» ständigkeitsfragen zum großen Teil ein Ziel gesetzt ist, sind der- Th. Glocke.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. ilerlagSanstast «rrkige.Wanberpvozesse" leider immer noch trtSK ganz ausgeschaltet. weil viele Kläger beoauerlicherweise auf den Rat deS Vorsitzenden des angerufenen Gericht- ihre. Klage zurücknehmen und bei dem ihnen vom Richter als zuständig genannten Gericht erneut anhängig machen. Hätten die Prozeßsührenden auf einer Entscheidung be- standen und eventuell Uebcrwcisung an das zuständige Gericht be- antragt, so wäre dieses in bezug auf die Zuständigkeit gebunden. So kann es aber passieren, daß die Partei wieder zum ersten Richter geschickt wird. Zu welchen Kuriositäten das führen kann, zeigte sich in der letzten Verhandlung vor der 5. Kammer des Serliner Kaufmanns- gerichts. Der dort als Kläger auftretende Reisende Reinhold T. wollte eine Finna S. n. H. verklagen, da er aber den Kaufmann H. als Zahlungsverpflichteten angab, kam der Rechtsstreit bei der für diesen Buchstaben zuständigen Kammer des KaufmannSgerichts zur Verhandlung. Ter dort amtierende Richter gab dem Kläger den Rat, die Klage bc'M KaufmannSgericht zurückzunehmen und beim ordentlichen Gericht anhängig zu machen, da er als selb- ständiger Agent, nicht als Handlungsgehilfe zu erachten sei. Der Reisende befolgte auch diesen Rat und pilgerte mit seinem Prozeß zum Amtsgericht Tcinpclhof. Ter dort amtierende VerhandlungS- leiter drückte dem Kläger feine Verwunderung über den Rat des Kaufmannsrichlcrs aus und empfahl ihm. nuv ruhig wieder zum Kammannsgerichb zurückzugehen. Der von Pontius zu Pilatus geschickte T. fing jetzt die Sache mal am andern Ende an und klagte beim KaufmannSgericht gegen den anderen Inhaber der Firma, Herrn S. Dadurch kam die Streitsache vor eine andere Kammer, die fünfte. Ter Vorsitzende dieser Kammer, Magistratsrat Dr. Gor- dan, erklärte dem Kläger, daß durch ihn die Kammer in eine un- angenehme Lage komme, und er hätte gar zu gern ihn gleichfalls fortgeschickt. Das Gericht sei. so meinte der Vorsitzende, in einer unangenehmen Lage, denn es sei immer eine peinlich« S'tuation, wenn das Urteil einer Kammer durch das einer andern Kaminer in derselben Streitsache desavouiert werden solle. Der Kläger ließ sich aber diesmal durch krnerlei„Erwägungen' davon abhalben, auf einem Urteil zu bestehen. So erklärte sich denn auch schließlich die 5. Kammer mit Recht für zuständig, sie sah den Kläger als einen kaufmännischen Angestellten an. Gcwrrschastliches siehe 1. Beilage. Hetzte Nachrichten. Eine 288 Millionen-Anleihe. Unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Michelet trat am Mittwochabend der Stadtverordnetenausfchuß zur Bor- beratung der Magistratsvorlagr über die Aufnahme einer neuen Berliner Stadtanleihe in Höhe von rund 323 Millionen Mark im kleinen Sitzungszimmer des Rathauses zum dritten Male zu» sammen. Nach mehrstündiger Beratung wurden an dem Anleihe- bedarf noch 2 Millionen Mark für in Aussicht genommene Brücken- bauten, 4 Millionen Mark für den Durchbruch der Linden-straße nach dem Spittelmarkt und 3 Millionen Mark für die Verbreite- rung der Dresdener Straße abgesetzt, weil diese 9 Millionen Mark, sowie die schon in den vorigen Sitzungen gestrichenen 26 Millionen Mark, voraussichtlich in der nächsten Zeit noch nicht gebraucht wer- den. Bei der S ch l u ß a b st i m m u n g wurden vom Ausschuß rund 288 Millionen Mark als Anleihrhedarf genehmigt, ReichStagsstichtvahl in Nntibor. Ratibor, 8. November.(Privattelegr. des„Vorw.") Bei der heutigen Reichstags st ichwahl im 7. Rcrtibor-Wahl- kreise erhielten Grundbesitzer S a p l e t t a- Ratibor(Z.) 10 050 und Pfarrer Banas- Lubowitz(Pole) 5600 Stimmen. Bei der Hauptwahl am 27. Oktober erhielten Grund- besitzer Sapletta(Zentrum) 8682, Pfarrer Banas(Pole) 4399, Negierungsrat Lüdke(Reichspartei) 3467, Gewerk- schaftssekrctär Schwoob(Sozialdemokrat) 1800 Stimmen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee hatte das Schlacht- feld den schwarzblauen Brüdern überlassen und die Wähler aufgefordert, sich der Stimme zu enthalten, da ja beide Par- teien die volksfeindliche Politik der Regierung mitmachten. Italienische Heldentaten. Köln, 8. November.(W. T. B.) Der Afrikaforscher Gottlob Adolf Krause, der sich insbesondere mit dem Studium der Negcrsprachcn beschiiftigt, telegraphiert der„Köln. Ztg.' auS Dscherba vom 8. d. M.: Mein Haus in Tripolis ist. wäh- rend ich abwesend war. von Italienern gewaltsam erbrochen und alle wissenschaftlichen Manuskript« und Bücher, 30V00 Lexi- konzettrl beschrieben, druckferftgr Manuskripte. Grammatiken und Wörterbücher bisher unbclannter zentralafrikanifcher Sprachen wurden chaotisch durcheinandergeworfen oder fortgeschleppt. In der Nähe vom Hause lag auf der Straße„Karl Mein ho f. Grundzüge der Lautlehre der Bantusprache", der wissenschaftliche Znsätze, das Ergebnis jahrzehntelanger Reisen und Forschungen in Zentralafrika, enthielt. Was vernichtet, beschädigt oder fortgeschleppt ist, ist unmöglich augenblicklich frstzu- stellen. Ich besaß die größte existierende Sammlung von Hanssa- Manuskripten und wertvolle arabische Manustripte ans Zentralafrika. Bisher habe ich keine Spur davon gesehen. Es ist mir un- bekannt, ob sie verschwunden sind. Das Haus in der Dorstadt Dahara liegt außerhalb jeder augenblicklichen kriegerischen Altion. Die Unruhen in Tunis. Pari», 8. November. Nach einer Blättermeldung auS Tunis wurden heute vormittag bei neuen zwischen Arabern und Italic- nern auSgebrochenen Schlägereien ein Arbeiter und zwei Italiener getötet. Durch einen Erlaß des Beh sind mehrere arabische Zei- tungen suspendiert worden, welche an den gestrigen Ruhestörungen die Hauptschuld tragen sollen. Offiziös wird erklärt, daß die unter den Eingeborenen herrschende Gärung ausgesprochen anti» italienischen Charakter trage, aber auf einen kleinen Teil de» Ein« geborenenviertels beschränkt sei. Die siegreichen Revolutionäre. Peking, 8. November.(Meldung d. Reut. Sur.) Nanking ist zu den Revolutionären übergegangen, da die Regierung dem Vize- könig Anweisung erteilt hatte, den Aufständischen keinen Widerstand zu leisten. Der Tatarengeneral Juanfang zögerte, aber da die zu Gebote stehende Trnppenzahl von 4660 Mandschusoldaten ungenügend war, um den Platz zu der t ei» digen. übergab sich die Stadt, nachdem aus Peking weitere Instruktionen eingetroffen waren. 45t|t und Gärung in Tanger. Paris, 8. November. Meldungen aus Tanger besagen. daß die eingeborene Bevölkerung den zur Bekämpfung der Pest getroffenen sanitären Maßnahmen heftigen Widerstand entgegensetze. Bisher ist die Pest nur im israelitischen Viertel Tangers aufgetreten.__ jßaulSinger � Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltungSbl. Nr. 263. 2& Jahrgang. 1. ßtilnflt des Jomiiclf Dollnerstag, 9. Noveulber 1911. GewerhfcbaftUcbcs. Schutz und Crutz. Nun vvisftn den Eisenbahnern gründlich die Augen ge- öffnet sein. Die Verhandlungen im bayrischen Landtag über den Erlaß gegen den Eisenbahnerverband zeigten in unver- hüllter Nackiheit, daß man die Eisenbahner nicht als voll- wertige Staatsbürger betrachtet. Sie sind minderen Rechts, Vasallen einer autokratischen Verwaltung. Die Verfassung garantiert den Eisenbahnern zwar gleiche Rechte mit den übrigen Staatsbürgern, aber der Staat als Diener der herrschenden Sippen erklärt: wenn ihr von dem gesetzlich garantierten Koalitionsrecht nach eurer freien Entschließung, in eurem eigenen Interesse Gebrauch macht, dann seit ihr ver- fenrt, dann trifft euch die Hungerpcitsche! So sieht es aus im Staate der„besten Rechtsgarantien" und der vielgerühmten Sozialpolitik. Gewiß, man will auch den Eisenbahnern erlauben, sich zu vereinigen, aher nur unter der Aufsicht der Behörden, in solchen die ketüe Arbeiterinteressen vertreten! Reben dem freien A»alitionsrecht errichtet der Staat einen Galgen. Das Blamables das jeden ehrlichen Arbeiter tief Empörende dabei ist, das die so- genannten Christen noch gehässiger gegen die freigesinnten Eisenbahner auftreten, als wie selbst die Regierung. Gerade sie betonten ganz schroff den Standpunkt, daß ein nicht ultra- montan, konservativ, nationalliberal oder freisinnig ein- geschworener Eisenbahner gemaßregelt werden müsse! Das nennt man Christentum! Das Gleichnis von dem barmherzigen Samariter, der dem Feinde Gutes tut, klingt heute wie blutiger Hohn, wenn nian sich das Verhalten der angeblichen Erbpächter des Christentums vergegenwärtigt. Sie fordern die Aushungerung von Arbeitern, die es wagen, nach den Grundsätzen einer, den Pharisäern nickt angenehmen Ueberzeugung für die Ver- besserung ihrer Lebenslage einzutreten l Dabei spielen sich die christlichen Terroristen, die mit der Waffe der Staats- macht gegen Arbeiter kämpfen, obendrein noch als die Repräsentanten sittlicher und ethischer Grundsätze auf. Sie sind schlinimer als die den Tempel schändenden Wucherer. Den letzten Rest der Hoffnung, von der Staatsmacht als gleichberechtigte Staatsbürger respektiert, als wichtige Funktio- näre im Wirtsckasts- und Kulturleben behandelt zu iverden, raubte den Eisenbahnern nun in brutaler Despotie Preußens Regierung. Unter Mitwirkung der verächtlichsten Lumpen veranstaltet sie Femgerichte gegen Arbeiter, die es gewagt, auf die Anwesenheit in einer Versammlung zu verzichten, aus der man einen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten hinausgewiesen hatte. In solcher Handlungsweise liegt das Höchstmaß von?Rißachtung. das man„freien" Menschen' gegenüber bezeugen kann. Schmach und Schande, wenn die Eisenbahner unter ein solches System sich sklavisch beugen wollten! Ihrer Selbslackinng und Menschenwürde sind sie es schuldig, eine Organisation zu schaffen, an deren Macht jede Willkür eine Schranke findet— nun erst recht, mit zäher Energie, mit uubezwinglichem Wollen! Die Eisenbahner haben im Wirtschaftsorganismus so wich- tige Funktionen zu erfüllen, daß sie auch aus diesem Grunde auf anständige Behandlung und ausreichende Entlohnung Anspruch erheben dürfen. Das Verkehrswesen, die Personen- und Güterbeförderung bildet die Basis des modernen Kultur- lebcns. Ohne die organisierte Gnterverteilung wäre die groß- artige industrielle, landivirlschaftliche und kommerzielle Ent- Wickelung undenkbar. Die gesamte Warenproduktion gerät sofort ins Stocken/ wenn der Güteraustausch nicht funktioniert. Der Eisenbahnbetrieb ist der Regulator und das Sicherheits- Ventil für die komplizierte Wirtsckastsmaschincrie. Diese kann ohne Eisenbahnen nicht arbeiten. Der toten Transportmittel belebender Faktor, die treibende und in Belvegung haltende Kraft ist aber der Eisenbahner. Ohne ihn ist der Eisenbahn- kleines feuilleton. �Die chinesische Marseillaise. Der Korrespondent des„Figaro" in Schanghai teilt seinem Blatt den Text der von den chinesischen Revolutionären von Hu-Pe zum Schlachtgesang erkorenen Hymne mit. Er lautet: O Freiheit, du, eine der größten Himmelsgaben, Vereint mit dem Frieden, wirst du auf dieser Erde Zehntausend neue Wunder wirken. Ernst einem Geist gleich, groß wie ein Riese. Der empor bis zu den Wolken ragt— Die Wolken als Wagen, de» Wind als Renner, Komme, die Erde zu regieren. Mitleidig um der schwarzen Hölle unserer Sklaverei willen Komme, mit einem Sonnenstrahl uns zu erleuchten I O weißes Europa, wahrlich du bist Die verwöhnie Tochler des Himmels. Das Brot, den Wein— alles hast du in Fülle. Ich aber liebe die Freiheit gleich einer Gallierin. Am Tag in meinen Gedanken, bei Nackt in meinen Träumen Sehe ich alles Elend des Vaterlandes wieder. Aber dein unbeständiges Wesen Hindert mich, dich, o Freiheit, zu erreichen. Wehe! Meine Brüder sind Sklaven. « �» Der Wind ist voll Wohllaut, die Rose so strahlend. Die Blumen so wohlriechend. Die Menschen werden alle zu Königen. Und dennoch vergessen wir nicht deS Volkes Leiden. ?n Peking heißt es. das Haupt zu beugen dem Wolf— vor unserem Kaiser. Wehe l Die Freiheit ist gestorben. Das grohe Asien ist nichts mehr Als eine unermeßliche Wüste Im zwanzigsten Jahrhundert— laßt UNS alle arbeiten Das neue Zeitalter zu eröffnen. Mögen,«lusllinn» gen Rufes, alle wehrlichen Männer Die Reform des Himmels und der Erde herbmusen! Möge des Volkes Seele bis zur Berasvitze Kuon-tön aufbrüllen! Washington, Napoleon, o ihr zwei Söhne der Freiheit Kommet, in ihnen euch z» verkörvern l Hin-Yun. unser Ahne, sichre uns! Genius der Freiheit, eile herbei: beschütze uns! ES ist unverkennbar, daß dieses Gedicht mit seinem echt chinestichen lyrischen GehaU doch das Werk eines von europäischer Kultur stark berührten.Jntellekiuellen" ist. Tarauf weist nicht nur organismus unproduktiv, wertlos. Das ist unbestreitbar! Wie aber wird die wichtige Funktion der Eisenbahner be- soldet? Jämmerlich schlecht! Das ist eine allgemein bekannte Tatsache! So summieren sich die Benachteiligungen und Zurück- sctzungen für den Eisenbahner zu einer unerträglichen Last! Man beraubt ihn der Staatsbürgerrechte und beutet die Arbeitskraft der wehrlos Gemachten in der unerhörtesten Weise aus. Der karge Lohn läßt den Eisenbahner die staatlich ge- förderte Verteuenmgspolitik mit am allerschmcrzhaftesten fühlen. Aber der Staat denkt nicht daran, durch entsprechende Lohnzulagen die von ihm verschuldete und gewollte Teuerung für die Eisenbahner zu mildern. Versucht dieser es, wie das jeden Arbeiters gesetzlich garantiertes Recht ist, durch gewerk- schaftliche Maßnahmen seine Einkommensverhältnisse zu ver- bessern, dann droht ihm der Staat, dessen Anstalten eigentlich Musterbetriebe sein sollten, sogar mit Maßregelung und Aechtung I Auch das Recht, als Konsumenten sich zusammen- zuschließen, niacht der Staat den Eisenbahnern streitig l Er behandelt sie, wie man schlimmer keine Sklaven mißhandeln lind verachten kann! "' Allerdings, zu einem guten Teile verschulden die Eisen- bahner diese Behandlung selbst l Viel zu lange ließen sich sich durch Versprechungen und buvltapkBriotischen Klimbim von der gewerkschaftlichen Organisation.sittchastW�Manche nährten wohl auch den Wahn, durch WohlverhaUeH Jsipb. Kind" und— gut bezahlt zu werden. Alles trügerische Hofftiungen!, Aber die Gleichgültigkeit und„Artigkeit" der Eisenbahner« Ntz�idte Re gierung und ihre übermütigen Trabanten herausfordernd- ge macht! Nun glaubt man, der Eisenbahner sei fo sehr!'«» seine Sklavenrolle gewöhnt, daß er, der Selbstachtung ustd Menschenwürde beraubt, nicht mehr fähig sei, die' Selbst gcstaltung seiner Geschicke in die Hand zu nehmen. Das ist natürlich ein Wahn l Schon lange gärt es unter der Ober- fläche! Es kocht in der Tiefe! Nun muß die helle Em- pörung über die schmachvolle Behandlung lodernd empor- schlagen! Jetzt werden und niüssen die Eisenbahner in großen Scharen den Weg zur Organisation finden. Wenn das geschieht, wenn die Regierung einsehen muß, daß die Eisenbahner doch nicht wie Heloten sich behandeln lassen wollen, daß sie unter allen Umständen ein menschen- würdiges, ihrer Bedeutung im Kulturleben entsprechendes Einkommen verlangen, dann wird man auch in der Regierung andere Seiten aufziehen. Das aber geschieht nicht ohne die feste und unzweideutige Bekundung der Eisenbahner: nun ist das Maß voll, nun trotzen wir allem Drohen, jetzt fordern, verlangen wir I Dabei dürfen und werden sie nicht vergessen, daß am 12. Januar ein Tag der Abrechnung ist mit der Re- gicrnng und allen bürgerlichen Parteien, die ausnahmslos die Interessen der Eisenbahner verraten haben. Die Lebens- mittelwucherpolitik, der Steuerdriick durch die Reichsfinanz- reform, die Rechtloserklärimg der Eisenbahner, ihre jämmer- liche Besoldung sind ein Gesamtwerk der Regierung im Bunde mit den bürgerlichen Parteien. Alle tragen einen Teil der Schuld davon I Das darf und wird kein Eisenbahner ver- gessen l Den herrschenden Mächten kann und muß er zeigen, daß er es endlich satt hat, sich als allgemeiner Packesel, als Staatsbürger minderen Rechtes behandeln zu lassen. Der Eisenbahner Wahlspruch niuß lauten: Trutz dem herrschenden System. Schutz den verratenen, betrogenen Eisenbahnern! Berlin und Omgcgcnd. Eine gewerkschaftliche Belastungsprobe. Die Demokratenführer des Bundes der technisch-industriellcn Beamten haben bekanntlich in letzter Zeit ein« taktische Schmenkung vorgenommen. Sie suchen ihre Gewerkschaftsarbeit zu korrigieren. Lüdemann, der Ausschußvorsitzende der demokratischen Vereinigung und erster Geschäftsführer des Bundes der tcchnisch-industriellen Beamten hat einen ganzen Stab der ihm unterstellten Bundes literaten mobil gemacht, die im„Freien Volk", in der„Deutschen Jndustriebeamten-Zeitung" und in der Zeitschrift des neuge- die Anrufung Washingtons und seltsamerweise auch Napoleons hin, sondern namentlich auck die Anwendung der christlichen Zeitrechnung. Nansen über dir neuen Aufgaben bcr Polarforschung. Frithjof Nansen, der eben in London weilt, hat einem englischen Journalisten gegenüber sich über die neuen Aufgaben der Polarsorsckung aus- gesprochen, die nun, da nach jahrzehntelanger Jagd der Nordpol endlich erreicht ist. in eine neue und wissenschaftlich ungleich frucht- barere Phase eintreten wird..Ja. ich glaube daran, daß Peary am Pol gewesen ist, und ich freue mich darüber, denn jept erst wird eine wirkliche wissenschaflliche und systematische Erforschung der arktischen Gebiete beginnen. Die wunderliche Begierde, nur erst einmal den Pol zu erreichen, war begreiflich, ich habe sie an mir selbst kennen gelernt. Nun aber, da dieses Verlangen gestillt ist. begehren wir Aufschluß über die Verhältnisse der nördlichen Meere. Die tropischen Meere gleichen dem Kessel einer Maschine: die arkli- scheu Meere sind der Kondensator. Wenn man eine Maschine zu verstehen trachtet und dabei nur den Kessel genau kennt, wird das Gesamtimeil nicht allzu wertvoll sein. Wenn aber beide zusammen erforscht sind, wenn wir unserer ausgedchnlen Kenntnis der wärmeren Meere eine genaue Kenntnis der arktischen See hinzuingen, dann werden wir in den Stand kommen, die Weiterbedingungen und die atmosphärischen Gesetze der ganzen Erde zu ergründen." Von der Flugmaschine im Dienste der Polar- forschnng erhofft sich Nansen für die nächste Zulnnst nicht allzuviel. „Das nächste, was uns zu tun bleibt, ist der Bau eines neuen SckiffeS in der Art der„Fram", eines Fahrzeuges, das dem Eis- druck widerstehe» kann. Der Forscher wird dieses Schiff einfrieren lasten, wird so dem Zuge des Packeises folgen und dabei unauS- gesetzt beobachten und experimentieren." Frithjof Nansen klagt bitter über daS unvermeidliche Sckwinden der E s k i m o k u l t u r. die schließlich der„trivialen Zivilisation" unserer Kulturwelt zum Opfer fallen muß.„Ich nenne unsere Zivilisation trivial, weil sie das meiner Ansicht nach wirklich ist. Sie strebt danach, alle Menschen einander gleich zu machen. Unsere Zivilisation glättet alle Verschiedenheiten und Ungleichheiten, und auf diesem Wege zerstört sie in bedenllichem Maße die P rsönlichkeit. Vor uns liegt der Ausblick aus eine wellumiassende Eintönigkeit. Der moderne Mensch ist ein Geschöpf der Maschine, der Kämpf ums Dasein beansprucht sein ganzes Streben, und so bleibt ihm keine Zeit, sich selbst zu finden: was die wichtigste von allen Entdeckungen ist. Der Eskimo aber findet Zeit zur Solbstbetrachlung und zur Selbsterkenntnis, seine Kultur ist gut und schön. Er hat allerdings höhere Formen der bildenden Künste nie zu entivickeln vermocht, über wunderschöne Märchen und Sagen gehen von Mund zu Mund und befruchten die Geister. Der Eskimo lebt sein eigenes Leben, ist abhängig von den Fähigkeiten seines Gehirns, seines Auges, seiner Nase und seiner Ohren, er ist wirklich Individualität. Und trotzdem ist die Gesell- schaff bei den Eskimos auf sozialistischer, ja fast auf kommunistischer gründeten„Bundes der kaufmännischen Angestellten" die neue Weisheit verkünden, daß der Gewerkschaftskampf der Industrie- angestellten getrennt von dem der Industriearbeiter geführt werden müsse. Diese schöne Theorie,„frei von den organisaio- rischen Bestrebungen der Arbeiter" zu bleiben, ist nun jämmerlich zusammengebrochen. Die Unternehmer zeigen, daß sie diese bürgerliche Angestelltenbewegung, sofern sie gewerkschaftliche Kampfcsfarmen"zeigt, genau so behandeln werden, wie die Ar- beiterverbände. Der Kampf der vereinigten Berliner Eisenkonstruktionsfirmen mit ihren Konstrukteuren hat bewiesen, daß es jetzt zu ernsthaften Kraftproben kommt. In Sterkrade, einem Herrschaftsbezirk von Kohle und Eisen, ist der andere Streich geführt. Ganz nach be- kanntem Muster werden die Angestellten dort gezwungen, aus ihrer Organisation auszutreten, oder es folgt Entlassung, schwarze Liste — die bekcmnien Mittel,„Frieden iin Betrieb zu haben". Im großen Saal der Brauerei Friedrichshain, Berlin, fand am Dienstag abend eine Protestversammlung statt. Sie war gut besucht. Der Gaubcamie Gramm-Dresde» hielt eine Rede, die nirgends ein tieferes Eindringen in die Entwicklungsnotwendig-. keilen zum modernen Jndustrialismus zeigte. Der Redner schloß mit der Forderung, daß der Reichstag Mittel und Wege finden möge, der Gute-Hosfnungshüite den Brotkorb höher zu hängen l!1; durch die Gesetzgebung müsse das Koalitionsrecht der Angestellten geschützt werden. Auch Neichstagsabgeorbnete waren eingeladen. Der Zen- trumsabgeordnete T r i m b o r n und der Freisinnsheld Hormann hielten sehr temperierte Bcruhigungsreden. Heine als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gab ein sehr prägnantes Situationsbild von der politischen Lage, der Macht des Jndustrieläpitalismus, und betonte die Notwendigkeit, nicht das Heil von der Gesetzgebung zu erwarten, sondern die eigene Macht der Organisation zu stärken. So zeigt sich jetzt gerade für die Technikerbewegung eine ernste Situation. An allen Ecken fängt es an zu kriseln. Sterkrade ist nur ein Glied in der Kette weiterer Zusammenstöße. Wichtiger wie die Frage, ob die Angestellten getrennt von den Arbeitern nach dem demokratischen Rezept zu marschieren haben, ist deshalb die innere Geschlossenheit der gemeinsamen Aktion mit den Arbeitern. Mögen die Angestellten das begreifen, gewerk- schaftlich und politisch diese Marschroute einzuhalten, dann werden die Jndustcieangcstellten diese unausbleiblichen Machtkämpfe ebenso bestehen, wie sie vorbildlich die Industriearbeiter führen. Der Streik der Berliurr: Etsenformcr»nd Giesiereiarbeitcr. Der Bericht über die Streilversnmmlwig im gestrigen„Vorwärts" bedarf einer kleinen Richtigstellnug. Es heißt da: Nun griffen die Metall- industriellen zu einem anderen Mittet:' Sie sperrten für alle die- jenigen Arbeiter, die bei den dem Vedhiftd. der Metallindustriellei, aitgchörigen Arbeitgeber beichäsligf XmtOli He» Nachweis in der Wuiterbansener Straße. Richtig ist, daß der PftchwriS für alle Betriebe, die dem Verband der Metallindustriellei« a», geschlossen sind, ge- sperrt ist. Das heißt, es wird, so lange diese MießHedmo. bleibt, in keinem dieser Betriebe ein Metallarbeiter irgend' welcher A»anche neu eingestellt. Die Tarifbewegung in der Damenkonfektion. Am Dienstag v.w- anstaltete der Schneiderverband in Nixdorf eine öffentliche Ver- iammlung für die in der Dmnenkonfckuon Beschäftigten.' Der sehr starke Besuch zeigte, daß das Interesse an der Lohnbewegung auch unter den indifferenten Arbeitern und Arbeiterinnen der Branche zunimmt.— Wie der Referent Knoop sagte, sollen die Ver- handlmigen mit den Vertretern der Konseklionsiinternehnier am Donnerstag(heute) ibren Anfang nehmen. Nach den bisherigen Auslassungen der Unrernchmer könne angenommen werden, daß sie bereit wären, prozentuale Lohnerhöhungen zu be- willigen, aber nicht einen solchen Tarif abzuschließen. Den Tarif aber verlangen die Arbeitnehmer unter allen Umständen, denn ohne Tarif könne niemals Ordnung in die Lohnverhältnisse gebracht werden. Es lasse sich sonst nicht kontrollieren, ob die Zugeständnisse gehalten werden und die jetzt etwa bewilligten Lohnerhöhungen würden schon bei den neuen Mustern der nächsten Saison nicht mehr gewährt werden. Man wisse aus früheren Erfahrungen, daß aus bloße Versprechungen der Konfektionsunlernehmer nichts zu geben sei. Es habe den Anschein, als ob wesentliche Zugeständnisse und der Abschluß eines Tarifs ohne Kampf nicht zu erreichen seien. Die Arbeiterschaft müsse sich deshalb auf den Kanipf vorbereiten. Die Versammlung stimmte einmütig der Resoluiion zu, welche die Berliner Versammlungen ain 30. Oktober angenommen haben. Achtung, Tapezierer! Wegen Maßregelung der BerbandSkollcgcn ist die Firma N e u m a n n, Königsberger Straße 28, auf Beschluß der Schlichtungskommission gesperrt. Grundlage errichtet. Da? ist ihr Gesetz:„Ich habe heute einen schlechten Fang gemacht, aber morgen werde ich einen besseren machen: daher wirst du mir etwas von deinen Fischen abgeben. Wenn du dann morgen einen schlechten Fang machst, kann ich dir von meinen Fischen geben." Der Mensch ohne Skalp. Die schönen Zeiten, deren Schilderung noch immer unsere Jugend in flammende Begeisterung versetzt, als noch die Indianer als Herren der Prärien Nordamerikas schalteten und mit den Trappern ihre Kämpfe führten, gehören auf immer der Vergangenheit an. Infolgedessen ist es wohl auch schon lange her. seit jemand drüben nach dem Branche der Indianer skalpiert worden ist. Dennoch kommt die Skalpiermig noch zuweilen vor. und zwar in ganz zivilisierten Gegenden, aber nicht mehr als feindseliger Akt eines wilden Siegers gegen einen Gefangenen, sondern als Betriebs- Unfall. Sehr häufig sind derartige Ereignisse glücklicherweise nicht, aber eS waren doch in der medizinischen Literatur schon 52 Fälle von Skalpierung beschrieben worden, denen jetzt Dr. Wiliich in der Münchener „Nledizinischen Wochenschrift" einen neuen von besonderer Art hinzu- iiigt. Er betraf wie gewöhnlich ein weibliches Wesen, denn diese kommen wegen ihrer längeren Haartracht hauptsächlich in die Gefahr, ibren Skalp durch Hiueingeraicn in eine Maschine zu verlieren. Dies Unglück war hier in vollständigstem Grade eingetreten. Ein junges Mädchen auf dem Lande war auf Befehl des GroßknechlS unter eine Häckselmaschine gekrochen, um dort etwas aufzuheben. Dabei hatten die Rollen der Maschine ihr Haar erfaßt und dies nebst der ganzen Kopshaut verschluckt. Das Geschick hatte sich aber diesmal eine besonders gute Natur ausgewählt, denn das Mädchen ioll nicht nur ihre Besinnung behalici, haben, sondern sogar als- bald ins Haus gelaufen sei», um sich dort im Spiegel zu besehen. Auch der Blutverlust war sehr gering gewesen, obgleich der N'ß auch noch etwas von den Ohren mitgenommen hatte. Ganz so gut blieb da« Befinden der Verunglückten in der nächsten Zeit mm freilich nicht, ober eine Lebensgefahr schien nicht zu bestehen, und da die Knochenhaut auf dem Schädel erhalten geblieben war, konnte bald an eine künstliche Nachhilfe gedacht werden. Selbstverständlich konnte dem Mädchen ihr Haarschmuck nicht wieder verschafft werden, aber sie wurde doch schon nach einigen Monaten als völlig geheilt entlassen. Notizen. �- Theaterchronik. Im Friedrich- Wilhelm- städtischen Schauspielhause wird die für Freitag angesetzte Premiere von Marlin Langens Trauerspiel„Don Juau" erst am Sonnabend statlfindcn. — Die Industrie in der Kunst. DaS Kunstmnsemn der Stadt Essen wird im Mai 1912 unter dem Titel„Die Industrie in der bildenden Kunst" eine Ausstellung veranstalten, zu der alle hervorragenden Maler, die sich mit dem Problem deS Jndnstrie- bildes befaßt haben, eingeladen werden sollen. SZegcii Anfertigung von Sireikarbelt sind die Firmen gell- mann, Bartelstr. 12, und Dome her, Brunnenstr. 52, gesperrt. _ Die SchlichtimgSlommission. Ei«e wahre Schauergeschichte über angebliche« Terrorismus freigewerkschaftlicher und sozialdemokratischer städtischer Arbeiter ,n Schöneberg gegenüber den Hirsch-Dunckerschen bringen„Morgen- Post" und„Berlmer Allgemeine Zeitung" unter der Ueberschrift: »Der streikende Arbeitrrausschutz". Es heißt darin: Abgelehntes Zusammenarbeiten. In Schöneberg haben sich Magistrat und Stadtverordnete mit der Bildung besonderer Arbeiterausschüsse für die städtischen Be- diensteten einverstanden erklärt. Die verschiedenen Kategorien der städtischen Arbeiter wählten nun ihre Delegierten für diesen Ausschuß, und zwar gestern. Von den Gewählten gehören zwei dem Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein an. Die sozialdemokratischen Vertreter weigern sich jedoch, mit den Hirsch-Dunckerschen zusammen zu ar- betten, und der Arbeitrrausschuß kann deswegen nicht in Funktion treten. Die Gemeinde Schöneberz ist auf sozialpolitischem Gebiete stetig fortgeschritten. Der verstorbene Oberbürgermeister Wild hatte stets ein offenes Ohr für die Beschwerden der städtischen Arbeiter und zeigte sich den Bestrebungen der sozialdemokratischen und der liberalen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, soweit sie auf eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Stadt und städtischen Arbeitern hinzielten, stets geneigt. Auch der neue Oberbürgermeister D o m i n i c u s ist ein Mann des sozialen Fortschritts. Nachdem das Arbeitsnachweiswescn in Schöneberg ausgebaut war, wurde vor Monatsfrist der sozialdemokratische Stadtverordnete Däumig als besoldeter Magistratsbeamter für den Arbeitsnachweis gewählt. Ter Magistrat zog ihn den Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinlern, die für diesen Posten hätten in Betracht kommen können, vor, weil er Däumig für besonders geeignet hielt, und dokumentierte damit, daß politische Beweg- gründe bei der Vergebung des Amtes nicht obwalten. Um so mehr muß das Verhalten der Arbeiterausschußmitglieder über raschen. Magistrat und Stadtverordnete überzeugten sich vor einiger Zeit, daß es nicht mehr angängig sei, die verschiedenen Depw tationen und Ausschüsse mit den Arbeiterfvagen allein zu be trauen und Wünsche und Beschwerden direkt entgegenzunehmen Was in vielen anderen Städten von den liberalen Majoritäten abgelehnt wurde, die Bildung eines besonderen Arbeiteraus schusses als selbständige Vertretung der Arbeiter der Stadtver waltung gegenüber, nehmen die Schöneberger Liberalen an, und so wurden dann schließlich die Delegiertenwahlen für die Jnter- cssenvertrctung der Arbeiter ausgeschrieben._ Der Magistrat sträubte sich dagegen, daß die Arbeiter die Delegierten ohne Rück. ficht auf ihre Zugehörigkeit gn bawewzelnen Werken wählten Er setzte durch, daß jede Katqgbrie vtm Arbeitern in den ver schievenen städtischen AuiftMeti Ore eigene Vertretung im Ar bciterauSschuß haben miisse.l'«kk« Werke wählten nun Angehörige der freien GewersschstM*rinur«bei den Straßenreinigern siegte mit einer Stinsmb«njoSität zwei in dem Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein cklgikntsttrti?' Arbeiter. rtmn ein großes Hallo bei den Arbeitern k«fner Versammlung wurde den sozialdemo- Herten aufgegeben, mit den Hirsch-Dunckerschen t Zusammen zu arbeiten. Nach vieler Mühe gelang es dem ' int" endlich, eine Zusammenkunft aller Arbeitervertreter liführen, und hier wurde denn auch der Vorstand des Aus fles gewählt. Die„Freien" wählten nur ihre Delegierte .Tnein, beherrschten also den ganzen Vorstand. Trotzdem hat der Arbeiterausschuß bis heute nicht zusammentreten können, weil die sozialdemokratischen Delegierten sich beharrlich weigern, mit den liberalen zusammen zu arbeiten. Im Schöneberger Magistrat und in den Kreisen der liberalen Stadtverordneten hat dieser„Streik" viel böses Blut gemacht. Man will unter keinen Umständen die beiden Hirsch-Dunckerschen fallen lassen, weil damit der Arbciterausschuß als eine politische Einrichtung erklärt würde. Bleiben die Sozialdemokraten bei ihrer Weigerung, so ist die Auflösung des Arbeiterausschusses wahrscheinlich. Das aber wäre im Interesse der Arbeiter selber tu bedauern. So viel Worte, so viel Lügen und Entstellungen. Der Arbeiter Ausschuß besteht seit März 1907 und ist nicht erst, wie es im Artikel heißt,„gestern" gewählt worden. Alljährlich im März finden Neuwahlen statt. So auch in diesem Jahre. Das Resultat der diesmaligen Wahl war nicht die Wahl sozialdemokratischer Vertreter, sondern die Wahl von Mitgliedern des Gemeinde� arbeiterverbandes in allen Betrieben, auch in der Straßen� reinigung. Nur ganz gemeine Demagogie bringt es fertig, fort gesetzt von sozialdemokratischen Vertretern zu sprechen, und ztvar mit einer ganz bestimmten Absicht. Gerade die Verbandsvertreter im Ar beiterausschuß sträuben sich dagegen, den Arbeiterausschuß zum Tummelplatz politischer Diskussionen zu machen. Sie sind politisch und gewerkschaftlich viel zu gut geschult und wissen, daß hierbei die Politik auszuschalten ist. Aber gerade der Vertreter der H i r s ch Dunckerschen Richtung, nebenbei Vorstandsmitglied des tcheralen Vereins, hielt es in der letzten Sitzung des Arbeiter ausschusses für angebracht, den Verbands Mitgliedern ihre politische Gesinnung vorzuwerfen«ruf den Jenaer Parteitag hinzuweisen und dergleichen. D�. Vorsitzende i>ei Arbeitcrausschusses� ein Verbandsmitglied, p'.wahrte sich ganz entschieden gegen die Versuche, an dieser Stelle politische Dis- kusstonen zu pflegen und er fand darin die Unterstützung des liberalen Herrn Stadtrats Böß. ES heißt dann weiter:„Nach vieler Mühe gelang es dem Magistrat endlich, eine Zusammenkunft des Nrbeiterausschusses herbeizuführen." Das Gegenteil ist richtig. Monatelang haben die Mitglieder des Arbeiterausschusses darauf gewartet, daß der neugewählte Ausschuß zusammenbcrufen würde. Die Einberufung liegt nämlich nach§ 0 der Bestimmungen in den Händen der Vcrkehrsdeputation. Die Arbeiter selbst haben verschiedentlich darauf gedrungen, die konstituierende Sitzung ein- zuberufcn. Daß dies nicht geschah, hatte seinen besonderen Grund. Wie schon oben bemerkt, wurden bei den Neuwahlen im März allenthalben die Verbandskandidaten gewählt. In der Straßen- reinigung in der Stichwahl. Hier wurden im ersten Wahlgange 110 Stimmen abgegeben. Es erhielten die Hirsch-Dunckerschen Kandidaten 55 Stimmen, die Verbändler 54, 1 Zettel war weiß. Der Wahlvorstand, der nebenbei aus Vertretern des Magistrats. des Gewerkvereins und des Verbandes besetzt war, beschloß auf Grund der unklaren Bestimmungen des Reglements einstimmig, daß Stichwahl stattfinden müsse. Wohlgemerkt, auch mit Zu- stimmung des Gewerk Vereinsleiters. Das Resultat der Stichwahl war die Wahl der Verbands- Vertreter mit erheblicher Majorität. Dieses Resultat kam den Ver- bandsmiitgstedern überraschend, da sie selbst nur 20 Mitglieder zählten, während der Gewerkvercin etwa 60 zählte. Es hatte also eine große Zahl Gewerkvereinler für die Verbandskandidaten ge- stimmt. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten erfolgte aber keine Einberufung des Ausschusses. ES verging der April, auch der Mai. nichts rührte sich. Da. kurz vor der Grundsteinlegung des neuen Rathauses, kam ein Entscheid des Magistrats, daß die Pro- freiorganisierten Ausschußmitglieder ihre Mandate nieder. Die Arbeiter beschlossen darauf Beteiligung an den Neuwahlen, legten aber den Kandidaten die Verpflichtung auf, ihre Mitarbeit im Aus- schuß davon abhangig zu machen, daß der gesamte Ausschuß auf G r u n d e i n w a n d f r e 1 e r W a h l e n bestände und verlangten. daß auch in der Etrahenrelnlgung Neuwahlen vovaenonnnen wiir- fccii;_2;c_r Mcei str�t lehnte di es a b. Er erklärte aber in die Zukunft schalt hcuke zu beseitigen, hat der Magistrak außerdem beschlossen, daß bei künftigen Wahlen nur diejenigen Stimmzettel zu zählen find, welche gültige Stimmen enthalten." Hiermit gibt der Magistrat zu, daß das Wahlreglement mvngek- Haft ist und der Wahlvorstand also im guten Glauben gehandelt hat. Nach parlamentarischem Brauch müßte gerade wegen der Stichwahl eine Neuwahl ausgeschrieben werden. Daß die fraigewerkschaftlich organisierten Verireter sich weigern, aus politischen Gründen mit den Hirsch-Dunckerschen zu- sammenzuarbeiten, ist eine gang dreiste Verleumdung, die in sich zusammenfällt angesichts der Taksache, daß bis März und auch in früheren Jahren beide Richtungen zusammengearbeitet haben. Nein, der Magistrat und die liberale Fraktion Haben aus dieser Rechtsfrage eine Machtsrage gemacht.„Man will unter keinen Umständen die Hirsch-Dunckerschen fallen lassen, weil damit der Arbeiterausischuß als eine politische Einrichtung erklärt würde." Diese Auslassung des Magistratsoffiziosus sagt genug. Die Stellungnahme des Magistrats und der liberalen Fraktion geben erst der ganzen an und für sich wahrlich nicht so weltbewegenden Angelegenheit einen politischen Anstrich. Auch diese ungerechte Stellungnahme wird nur erreichen, daß das Vertrauen der Ar- beiterschast noch mehr erschüttert wird. Die Behandlung der Lohn- frage— die städtischen Arbeiter warten seit Jahresfrist auf die Beantwortung ihrer Anträge— zeigt zur Genüge, wie es zurzeit um die Sozialpolitik in Schöneberg bestellt ist. Es kennzeichnet aber die b e i d e n Z e i t u n g e n, die so oft in „Arbeiterfrenndlichkeit" machen, daß sie, ohne sich auchauf der anderen Seite zu informieren, diesen Un- Wahrheiten Raum geben. Achtung, Tapezierer! Vor Zuzug von Tapezierern nach Zehs, d e n i ck wird dringend gewarnt. Die Firma G e r l 0 f f sucht ist hiesigen bürgerlichen Blättern Arbeiter. Lasse sich niemand eins Sehr kritisch ist auch die Lage im Bergdcm geworden, fetzten Sonnabend hielt das SinigungSamt für SudwaleS eine Sitzung ab, in der die Minimallohnforderung der Arbeiter diskutiert wurde. Die Arbeitgeber nahmen gegenüber der Forderung der Bergarbeiter einen absolut ablehnenden Standpunkt ein. Die Vertreter der Ar- beiter forderten darauf die Unternehmer auf, klipp und klar auf vier Fragen zu antworten. Die Fragen der Arbeiter und die Antworten der Unternehmer lauteten: 1. Sind Sie gegen unsere Vorschlage?— Ja. 2. Sind Sie prinzipiell gegen den Minimallohn?-- Ja. 3. Haben Sie irgend welche Gegenvorschläge zu machen?— Nein. 4. Weigern Sie sich, den bestehenden Vertrag in irgend einem Punkte abzuändern?— Ja. Nach diesen Antworten zu urteilen, scheint eS, als ob die Unter» nebmer gesonnen wären, es auf den Generalstreik der Bergarbeiter ankommen zu lassen. Auch in dem mittelenglischen Kohlengebiete herrscht unter den Zechenbesitzern ein ähnlicher Geist. Dort wird die Frage in einigen Tagen beraten werden. Einer der größten Bergwerksbesitzer in jenen Landesteilen hat erklärt, oaß die Unternehmer entschlossen seien, auf keinen Fall nachzugeben.„Wir haben uns." so führte er aus,„in jeder möglichen Weise auf den riefigsten Streik vorbereitet, den man jemals erlebt hat. ES muß dazu kommen, und das sehr bald." Schulz vor Schutzleuten! fangen. Die Hauptverwaltung� Der Stre Der Strri! der Kita Abwiiun npt �Mairlshutte" bei btendsburg. und Gießereiarbeiter hat sich mit Ablau am 4. d. Mts. vollständig auf die übrigen ebe§ ansgedehnt. Die„Carlshülte" ist nun Garde allein, da auch die hinzugezogenen Arbeits fort sind, bis auf einige Exemplare, die der„Carls 'zu gönnen sind. Besonders unangenehm ist es für die n, daß kein einziger der Hinzugezogenen geblieben ist. Da von denen jetzt in den Ausstand mit hineingezogenen Arbeitern auch noch viele Werkswohnungen innehatten, mußten diese auch sofort geräumt werden. ES ist jedoch gelungen, auch diese Arbeiterfamilien anderweitig unterzubringen. Die„Carlshütte" scheint sich ober auch ihrer„Gelben" nicht mehr sicher zu sein; in einem Anschlag werden sie von der Direktion gebeten, doch um Himmelswillen nicht ihre Farbe zu wechseln, sondern gelb zu bleiben. Durch die der Direktion ergebene Presse läßt die„Carlshütte die Nachricht verbreiten, daß sie vom Unternehmerverband lvöchent lich rund 8000 M. Streikunterstützung bekommt. Den Arbeitern wurde eine Prämie von 30 M., also rund 25 000 M. zusammen und sonstige, recht kostspielige„Wohltaten" versprochen, wenn sie Verrat an ihren Arbeitskollegen verüben würden, und i�Ht muß die„Carls Hütte" die Unterstützung derjenigen in Anspruck?ehmen, die sie sonst im Konkurrenzkampf rücksichtslos bekämpfte. In einer Gewerbegerichisllage wurde der Direktion der„Carls Hütte" eine derbe Lektion erteilt. Als die Former und Gießerei. arbeiter die Arbeit verlassen hatten, wurden zirka 40 Arbeiter anderer Abteilungen aufgefordert, die Arbeit der Streikenden zu verrichten. Diese weigerten sich und verlangten, bei ihrer bis herigen Arbeit weiter beschäftigt zu werden, weil sie keine Streik- arbeit machen wollten. Da die Direktion jedoch die Verrichtung der Streikarbeit verlangte, lösten die Arbeiter das Arbeits Verhältnis ohne Einhaltung der vierzehntägigen Kündigungs. frist. Die„Carlshütte" strengte deshalb bei dem Ge- Werbegericht gegen 35 Arbeiter Klage auf Schadenersatz wegen Kontraktbruch an. Die Arbeiter erhoben dagegen Widerklage und beanspruchten ihren Lohn für 14 Tage, weil sie durch die Carlshütte" verhindert worden waren, ihre bisherige Arbeit fort- zusetzen. Nach eingehender Verhandlung wurde die„Carlshütte" mit ihrer Schadenersatzklage abgewiesen. Der Widerklage der Arbeiter wurde vom Gericht stattgegeben und die„Carlshütte" ver- urteilt, an 28 Arbeiter den Lohn für 14 Tage in Höhe von 1700 M. zu zahlen. Da die Arbeiter aller Branchen gewillt sind, den Kampf für Er> Haltung des KoalnionsrcchteS auf der„Carlshütte" durchzuführen, ist auch die weitere Fernhaltung des Zuzugs erforderlich. Es muft weiter gehungert werden. Die Textilfabrikanten in Langenbielau lehnten die von der Arbeiterschaft mit Rücksicht auf die große Teuerung und die schlechten Löhne geforderte Lohnerhöhung von zehn Prozent rundweg ab- seinem Schreiben:„Ilm die Möglichkeit weiterer Streitpunkie für'licheren Berichte mitgeteilt. Dir Heizungsmonteure sind in V r e m e n in den Streik ge treten. Zuzug dahin ist unter allen Umständen fernzuhalten. ?Zusl»nck. Der Arbeiterkrieg in Großbritannien. London, 6. November 1911.(Eig. Ber.) DaS Ende des EisenbahnerstrcikS war nur der Anfang einer kurzen Pause in dem erbittenen Kriege zwischen Kapital und Arbeit in diesem Lande. Das wird mit jedem Tage klarer. Ueberall droht eS zu neuen Riesenkämpfen zu kommen. Der Streik der Londoner Antoniobildroschkenführer, durch den gegen 20 000 Mann arbeitslos geworden sind, ist durch die stattgefundenen Verhandlungen nicht beigelegt worden. Beide Parteien scheinen aus einen langen Kampf gefaßt� zu sein. Die dem Unternehmcrverband angeschlossenen Gesellschaften haben ihre Geschäfte geschlossen, und hegen keine Ab icht, Streikbrecher anzuwerben. Die Arbeiter blicken mit Vertrauen in die Zukunft; das Geld in der Streikkasse und die Beiträge der arbeitenden Kollegen(1 Schilling und 2 Schilling pro Tag>, die .etzt eine goldene Ernte einheimsen, werden sie manche Woche über Wasser halten können. Auch im Londoner Hafen droht eS wieder zum Streik zu kommen. Zwischen dem Transportarbeiterverband und der Londoner Hafen behörde ist eS zu einer Streitigkeit gekommen, die leicht zu einem allgemeinen Hafenarbeiterstreik ausarten kann. Ein Schissseigentümer weigerte sich, den AuSlader» die in dem letzten Vertrag festgesetzten Löhne zu zahlen. Das Schiff wurde darauf in ei» Dock gebracht, das der Londoner Hafenbehörde gehört, die nun ihre festangestellten Arbeiter beauftragte, die Arbeit zu verrichten. Da griff der TranSportarbeitcrverband ein und machte seine Mitglieder auf ihre gewerkichaftlichen Pflichten aufmerksam. Die Arbeiter lehnten die Arbeit ab und wurden entlassen. Einer zweiten Mann- chaft, die von dem Hafenamt zu derselben Arbeit abkommandiert wurde, erging eS nicht besser. So wird augenblicklich ein Arbeiter nach dem andern entlassen und sollte das Hafenamt fernerhin auf seiner starrsinnigen Slellungnabme beharren, so kann eS im Nu zu einer allgemeinen Arbeitseinstellung von London bis Tilbury kommen. Auch die Unzufriedenheit unler den Postbeamten hat in den letzten Tagen einen akuten Charakter angenommen. Die Postbeamten verlangen mit Rücksicht auf die verteuerten LebenSbedürinisse eine Revision der Gehälter, die der Postminister nicht bewilligen will. Er hat den Beamten vor kurzem die wenig tröstliche Meldung ge- macht, daß ihre Beschwerden von einer im Jahre 1913(!) einzu- setzenden Kommission untersucht iverden sollen. Welchen Eindruck diese Ankündigung auf die bedrängten Beamten gemacht hah kam, man sich leicht vorstellen. Der Beschluß der Eisenbahnergewerkschaften, eine Urabstimmung über den Generalstreik vorzunehmen, wurde schon in einem ausfuhr- der Strafkammer fand am DlenStag die in selten krasser Weise S Polizeiwillkür beleuchtete. vom 3. zum 4. März d. I. begaben stch in mehrere Personen von einer Polterabendfeter nach Ein Arbeiter sang, er wurde festgenommen und in Ketten zum Rathaus geführt. Zwei Brüder, die mit dem Ver- hasteten befreundet waren, begaben sich hierauf zum Rathaus, um den Festgenommenen zu legitimieren. Die Polizeibeamten wiesen die Brüder jedoch ab. In dem Augenblick, als diese stch zum Fort- gehen wandten, sprang dem einen von ihnen ein Zivilist an die Brust. Die Beiden kamen zu Fall. Der Zivilist rief jetzt zwei Polizeibeamte herbei und ließ den ersten der Brüder verhaften und ohne weiteres in eine Zelle sperren. Wie sich später herausstellte, war der Zivilist dcrHörder Polizeilommissar Heide. Bald nach diesem Vorgang hörte der zweite Bruder mehr- malige Hilferufe seines verhafteten Bruders. Er begehrte unter Hinweis auf die Hilfenife Einlaß inS RathauS, der ihm bereit- willigst gewährt wurde. Hinter ihm ließ der Polizeikommissar in Zivil die Tür verschließen und als dann der Mann sich erkundigte, weshalb man seinen Bruder verhaftet habe, wurde er auf Anordnung des Kommissars in eine Arrestzelle gesperrt. Von diesen Vorgängen erfuhr der Bruder der beiden letzteren, ein Polizeibureaubeamrer der Stadt Dortmund. Dieser begab sich jetzt ebenfalls zum Rathause. Dort forderte der Kommissar in Zivil ihn auf, nach Hause zu gehen. Der Bureaubeamte, der sich durch seinen Militärpaß legitimiert hatte, erwiderte dem Kommissar, daß er seine Berechtigung zu einer solchen Aufforderung anzweifeln müsse. Auf die weitere Aufforderung eines uniformierten Polizei« beamten wandte der dritte Bruder sich zum Gehen. Als er vier oder fünf Schritte gegangen war, wurde auch er auf Veranlassung des Zivil» Kommissars ver« haftet und ebenfalls in eine Arrestzelle eingesperrt. Obwohl alle vier Verhafteten sich legiti�l miert hatten, hielt man sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Der zweite Verhaftete war auf der Wache, an» geblich auch auf Anordnung des Kommissars, mit der Schließkette und einem Revolver von einem olizeibeamten über den Kopf geschlagen worden. Er verließ die Wache mit zwei klaffenden Kopfwunden. Nach dem löblichen Brauch im Lande der vollendeten Rechts« garantien kamen nicht etwa die Polizeibeamten, gegen die Straf» anzeige erstattet war, auf die Anklagebank, sondern die zu Unrecht Verhafteten. Das Gericht erster Instanz ver« urteilte die Verhafteten, mit Ausnahme des dritten Bruders. Der erste Verhaftete erhielt wegen ruhe störenden Lärm? eine Geldstrafe von 5 M., die er anerkannte. Der erste der Brüder wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 20 Mark und der zweite Bruder wegen Hausfriedens« bruchs zu einer Strafe von 10 Mark verurteilt. Trotz der Ver« urteilung hieß eS in dem Urteil des Schöffengerichts, daß der Kommissar Heide keinen Glauben verdiene, und daß den Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt worden seien, weil sie durch das übereilte und wenig besonnene, vielmehr zu scharfe Vorgehen der Polizei, inS« besondere des Kommissars, gereizt gewesen seien. Gegen da? Urteil legten sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Polizeisergeanten er- klärten, sie hätten die Befehle des Kommissars ausführen müssen. Weshalb die drei Brüder verhaftet worden waren, konnten die Be« amten nicht sagen. Ei» Polizeisergeant bekundete, daß die P 0 l i z e i« beamten den Kommissar für betrunken gehalten hätten. Einige Zivilzeugen bestätigten restlos die Angaben der An« geklagten, daß diese zu irgendwelchem Einschreiten der Polizei keine Veranlassung gegeben hätten. Der Kommissar beschwor das Gegenteil trotz fortgesetzter Ermahnungen des Vorsitzenden. Das Gericht verwarf die Berufung derStaatS- anwaltschaft und sprach die Angeklagten kostenlos r e i. In den Urteilsgründen heißt eS, daß gegen die Angeklagten absolut nichts erwiesen sei. Wenn der zweite Angeklagte die Polizei- beamten geschlagen habe, so sei dies lediglich eine Folge der über- mäßigen Gewaltanwendung der Sicherheitsbeamten, der An» geklagte machte sich jedoch keineswegs strafbar. Im übrigen Hütten sich die Angeklagten bei dem fraglichen Vor- gang durchaus korrekt benommen. Die Festnahme der Angeklagten sei völlig unberechtigt und durch« aus ungesetzlich gewesen. Nach den Mitteilungen des Staatsanwalts schweben gegen den Kommissar eine ganze Anzahl Ver» a h r e n. DaS Dortmunder Parteiblatt, daS stch mit den eigen» artigen Praktiken des Kommissars schon deS öfteren befaßt hat, hat vor Jahren schon seine Absetzung verlangt. Bei einer Maifeier hat der eifrige Kommissar ebenfalls mehrfach grundlos Verhaftungen vornehmen lassen. Damals wurde gegen 30 Muifeierteilnehmer ein Verfahren eingeleitet. Wird«ine als- baldige Aburteilung deS Polizeikommissars. der auffallenderweise noch immer auf freiem Fuße sich befindet, erfolgen? Oder werden sich auch hier wie in dem Fall des Polizeisergeanren Bode in DuiS- bürg, über deffen Taten wir am Mittwoch berichteten, unllberwind- liche Schwierigkeiten der Abführung ins Zuchthaus entgegenstellen? Der Reichskanzler hat Kriegsschiffe zur Sicherheit von Leib und Leben von Deutschen im Ausland nach dem Ausland geschickt. Weit dringender wäre der Schutz der Deutschen in Deutschland gegen polizeiliche Bedrohungen von Leben und Gesundheit der Deutsche« in Deutschland. Huö Induftrie und Kandel. Die deutsche Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen« und Stahl-Jndustrieller betrug die Roheisen- erzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Oktober 1911 insgesamt 1 831 941 Tonnen gegen 1 259 792 Tonnen im September 1911 und 1 291 379 Tonnen im Oktober 1919. Die Erzeugung während der Monate Januar bis Oktober 1911 stellte sich auf 12 342 699 Tonnen gegen 12 213 998 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt deS Vorjahres. Hue der frauenbewegung» Frauenerwerbsarbeit und Rasscnhygienc. Die weibliche Berufsarbeit ist aus der wirtschaftlichen« Not bcraus geboren. Sie ist daher eine wirtschaftliche Notwendigkeit, die sich nicht mehv aus der Welt schaffen läßt. In der Erwerbsarbeit der Frau unter den gegenwärtigen Bedingungen stecken mehr die Entwicklung der Rasse hemmende, als begünstigende Faktoren. Die Erwerbsarbeit begünstigt die Rassenentwicklung durch die Vermin- derung der Versorgungsehen, durch Beseitigung der Verguickung des Sexuellen und Materiellen in der Ehe, durch Ermöglichung einer früheren Eheschliessung, Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der arbeitenden Klassen, Gewöhnung der jungen Mädchen an eine geregelte Tätigkeit und die dadurch bedingte Erweiterung der Lebenskenntnisse der Frau. Aber die herrschenden sozialen Ver- Hältnisse, unter welchen die Erwerbenden und namentlich die weib- liche Erwerbskraft leidet, bringen in viel höherem Masse eine Ver- schlechterung der Rassenentwicklung hervor. Diese Schädigungen sind bedingt durch die Ausbeutung der Arbeitskraft der Frau, durch Beschäftigung von Frauen, insbesondere von schwangeren Frauen in bestimmten gesundheitschüdlichen Betrieben, die durch Staub, Hitze, giftige Gase die Gesundheid zermürben. Die Entwicklung der Rasse wird weiter gehemmt durch mangelnden Wöchnerinnenschutz, durch unzureichende Schonung vor und nach dem Wochenbett, durch die Vereitelung des Stillens und durch Ueberlastung der Frau lneben der Mutterschaft ausserhäusliche Berufsarbeit und häusliche Pflichten), durch mangelnde Lebenshaltung, Unterernährung und schlechte Wohnungsverhältmsse. So sind 253 999 Familien durch die herrschenden empörenden sozialen Verhältnisse gezwungen, in Wohnungen von 1 Zimmer und Küche zu leben. Das sind 62,2 Pro- zent der Bevölkerung. Durch die mangelnden Ernährungsverhält- nisse werden Millionen unzureichend ernährt schon im Mutterleibe, weil der mütterliche Organismus auch hungert. Infolge Mangel an Nahrung und Pflege sterben in Preussen 16 Proz. eheliche und 26,8 Proz. uneheliche Säuglinge. In der Domäne Bremberg 39,5 Prozent und im Regierungsbezirk Blomberg 49,6 Proz. So läht man die Rasse wegsterben. Bei den rohen Völkern wirft man das Kind den wilden Tieren vor, bei den modeonen Völkern lässt man es aushungern. 1999 stauben in Deutschland 335 990, das sind 17 Proz. aller Lebendgeborencn. In der Fürsorge steht das Deutsche Reich an einer der letzten Stellen mit Russland und Oesterreich. In Nor- wegen sterben ein Drittel Prozent der Deutschen. Seit die Fürsorge in Deutschland eingesetzt hat, wird die Sterblichkeit etwas herab- gedrückt, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist: 1875 starben in Berlin... 27,5 Proz. 1901,„„... 17,2. unehelich„,... 47,7„ 1908,,„... 27,7„ 1901,„ Charlottenburg 56.9„ 1998„. 28.6„ Ausreichender Wöchnerinnenschutz von, während und nach der Geburt sind Forderungen der Humanität, und sie zu gewähren ist soziale Pflicht der Gesellschaft. Aber die kapitalistische Gesellschaft ist weit davon entfernt, lieber 199 999 Frauen entbinden jährlich i�,. Deutschland ohne Hebammenhilfe. Allein ohne Hilfe entbanden in Allenstein 42,7 Proz., Blomberg 27 Proz., Gumbinnen 15,7 Proz. usw. usw. Die Regierung sträubte sich, der hohen Kosten wegen. Wandel zu schaffen. Das Kindergebären sei eine private Angelegenheit! Eine alte Auffassung. In Wirklichkeit ist die Frage des Nachwuchses eine Frage der Gesellschaft. Die Frau leistet einen hohen Dienst und hat hohen Schutz zu beanspruchen, nicht als Wohltätigkeit, son- dern als ein Recht. Das Wohl der Mutter ist das Wohl des Kindes. Leidet die Mutter Not. dann leidet das Kind Not. Stirbt die Mutter, dann verliert das Kind seine beste Stütze. Die Zukunft liegt im Nachttuchs, nicht auf dem Wasser. Das höchste Gut ist die Gesund- beit. Die Mutter zu schützen, ist eine nationale Aufgabe. Im Interesse der Rassenhhgie'ne sind Schutzmassnahmen zu treffen, überhaupt Sozialreformen auf allen Gebieten. Hunderttausende kräftiger und geistig hochentwickelter Individuen müssen alljährlich zugrunde gehen, weil der Existenzkampf auf einem kapitalistischen Echwindelsystem beruht. Der Kampf ums Dasein ist bei den Men- schen nicht zu verwechseln mit dem Kampf um» Dasein der Tiere. Ter Starke ist der Abkomme der Reichen, der Besitzenden. Das zeigt uns auch in einer Schrift Dr. F i sch e r-Karlsruhe(Rekruten- fiatistik und Volksgesundheit). In derselben wird darauf hinge- wiesen, wie gross der GesundhcitSumtcrschied zwischen Abkommen selbständiger Väter und den Abkommen unselbständiger Väter ist. Die Zahl der Tauglichen, die von selbständigen Vätern ab- stammen, betrug am 1. Dezember 1906 auf 100 Teile 138,93. Von unselbständigen Vätern auf 199 Teile 72,63. Noch grösser ist der Unterschied der Mannschaften in der ländlichen Bevölkerung. Auf 199 Teile des Solls waren tatsächlich am 1. Dezember 1996 Mann- schaften vorbanden von in der Landwirtschaft beschäftigten selb- ständigen Vätern 189,32, von unselbständigen 73,79. Eine er- schreckend geringe Leistungsfähigkeit der Besitzlosen den Besitzenden gegenüber. Wir sehen daraus, daß weder der Perus, noch der Wohnort für die Körperbeschasfenheit des Menschen massgebend ist. sondern eiirzig und allein die besse« soziale Lage. Darauf ist es auch zurückzunihren, dass die Durchschnittsgrösse der Einjährigen die der übrigen Mannschaften um 4,13 Zentimeter übertrifft(171,62 gegen 167,49 Zentimeter). Also lediglich bessere Wohnungs- und Erwerbsverhältnissc spielen für die Gesundheit und das Gedeihen «ineS Volkes eine entscheidende Rolle. In den Küchen der Arbeiter- frauen sind die Grundlagen des Reiches und die Verbesserung der Rasse zu suchen. Statt dessen wird den Arbeiterfrauen durch Agrar- und Einfuhrzölle aller Art der Brotkorb immer höher gehängt und der Fleisch- und Milchkonsum so gut wie ausgeschaltet. Dadurch wird den Müttern für das Stillen der Säuglinge mit der Mutter- brüst immer mehr die Möglichkeit genonunen. Und während die kapitalistische Wirtschaftsweise das Volk aushungert, zwingt es Hunderte von Jvauen, im schwangeren Zustande bis zuletzt im Erwerbsleben zu verharren. Hier nagt der Wurm an der Wurzel der Volksgesundheit, und hier liegt die Schuld an der Degeneration der Rasse. Rassenhhgiene bedeutet in erster Linie Sozialpolitik! Rassenverbesserung erfordert vor allem Wöchnerinnen-, Mutier- und Däugling»schutz im weitgehendsten Sinne. Hebung der Wirt- schaftlich« n. Lage durch Beseitigung des ZollwucherS. Geregelte Ein- kommenS- und ArbeitSverhältnisic auf sozial-ökonomischcr Basis u. a. m. Gegen die heutigen unerträglichen Zustände führt die intclli- gente klassenbewuhte Arbeiterschaft allein den Kampf. Die Frauen, als die am meisten Interessierten müssen mit aller Energie daran teilnehmen und in den ersten Reihen stehen. Ihnen hat man ia nicht das Recht gegeben, ihre St-mme in die Wagschale zu werfen. Aber das Recht, für ihre geraubte Stimme andere Stimmen zu werben, werden sie sich nicht nehmen lassen, und so bei den bevor- stehenden Rcichstagswahlen dieser schmachvollen. Gesellschaft ihre unzweideutige Antwort gebem_ Leseabende. Marirndors. Heute abend 8 Uhr. beim Restaurdur Paul. König- jtrasse 14. Sericbts-Teitung. Prozeß Nissen. Gestern stand in einem„Nissen- Proz ess' bor der 143. Ab- teilung de? Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz de? Assessors VlockSdorff ein Verhandlungstermin an. Privatkläger ist der Präsi- dent der Bühnengenossenschaft Hermann Nissen, vertreten durch den Syndikus der Genossenschaft, Rechtsanwalt Dr. Ernst S ch l e- s i n g e r und den Rechtsanwalt Dr. Julius M e y e r I, die Klage richtet sich gegen den Geh. Jntendanzral Emil Ledner, verteidigt durch den Justizrat Bernstein- München. Gegenstand der Klage ist folgendes: Der Schauspieler Voigt hatte eine gegen den Privatkläger gerichtete Broschüre unter dem Titel„Nissen" veröffentlicht. Auf diese Broschüre hatte Nissen in dem Genossenschaftsorgan„Neuer Weg" in einem Artikel unter der Ueberschrift„Die Broschüre„Nissen" eine Arbeit auf Bestellung" geantwortet. Darin suchte Herr Nissen die Ausführungen der Broschüre zu widerlegen. Er widerlegte insbesondere die Behauptung, nach welcher er, als die erste Pacht für das Neue Theater fällig war, verschwunden gewesen sei. Der jetzigen Privatanklage liegt nun die Tatsache zugrunde, dass Geh. Rat Ledner, der seinerzeit geschäftlich mit der Verpachtung deS Neuen Theaters z» tun hatte, in einer Erklärung in der„B. Z. a. M." auf eine Erklärung Max Reinhardts aus dem Jahre 1995 Bezug nahm, die dahin ging: er könne Herrn Nissenden Vorwurf der bewußten Unwahrheit nicht�ersparen. Geh.Rat Ledner machte diese Erklärung des Herrn Reinhardt zu der seinigen, und behauptete, dass Herr'Nlsse» die Unwahrheit gesagt habe. Daraufhin hat Herr Nissen die Privatklage erhoben.— In der Verhandlung erhebt Beklagter Widerklage. Nach langen Verhand- lungen lehnt das Gericht eine Beweisaufnahme ab. Das Urteil ging dahin: Angeklagter und Widerangeklagter werden auf Grund des§ 193 des Strafgesetzbuchs freigesprochen. Es könne dahingestellt bleiben, ob das richtig ist, was von der ver- klagten Partei in bezug auf die Vorgänge von 1995 vorgebracht worden. Es stehen bloss die zwei Punkte in Frage, durch die der Angeklagte in seiner Erklärung in der„B. Z. a. M." den Kläger beleidigt hat. In dieser Beziehung sei ein Beweis nicht erbracht, aber dem An- geNagten stehe der Sckuy des§ 193 zur Seite. Der Angeklagte be- kam eine Schrift zugestellt, in welcher behauptet wurde, dass gewisse. ihn betreffende Angaben unwahr seien. Er musste glauben, dass Privatkläger das getan habe, um ibn anzugreifen. Zu seiner Ver- teidigung nahm er in jener Erklärung das Wort. Auch dem Wider- beklagten werde der Schutz des§ 193 zugebilligt, denn er habe ge- glaubt, dass Ledner mit der Voglschen Broschüre in Verbindung stehe. — Die Gerichtskosten wurden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, die aussergerichtlichen Kosten gegeneinander aufgerechnet. WaS ein Garderobenzwang einbringt. Der Gardcrobenzwang des Berliner Eispalastes in der Martin-Lutherstraße beschäftigte am Dienstag das Reichsgericht. Im Dezember 1997, lange Zeit vor Eröffnung de? ersten Berliner Eispalastes, schloh die Berliner Eispalastgescllschaft, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, mit dem Pächter Reimer einen Pachtvertrag ab, auf Grund dessen sie dem R. die Garderobe deS Eispalastes vom 1. August 1998 bis 1. September 1911 ver- pachtete. Als Pachtzins sollten für das erste Jahr 49 699 Mark, für das zweite Jahr 45 996 Mark und für das dritte Jahr 56 666 Mark gezahlt werden. Als Aufbewahrungsgeld für die Garde- robe durfte R. 25 Pf. pro Person berechnen. Da das Publikum und besonders passionierte Schlittschuhläufer, die ihre Safes gc- mietet hatten, sich dem Garderobenzwang nicht immer fügen wollten, entstand Streit zwischen den Parteien darüber, ob die Eispalastgesellschaft gemäss der vertraglichen Bestimmung:„Auch werden die beim Eispalast Angestellten angewiesen, darauf zu achten, dass Tische und Stühle nicht mit Garderobe belegt werden", dafür einzustehen habe, dass alle Besucher des Eispalastes zunächst 25 Pf. in der Garderobe abladen. Ein weiterer Streitpunkt entstand über die Frage: ist die Pachtsumme auch für die Zeit der dreimonatigen Pause(Juni, Juli, August) zu zahlen? Das Landgericht Berlin erkannte soweit zugunsten der be- klagten Gesellschaften, als es den Kläger verurteilte, den Pacht- zins für das ganze Jahr zu zahlen. Das Kammergericht zu Berlin dagegen ist in allen Punkten dem Kläger beigetreten. Hervorzuheben ist deshalb, dass die alte und die neue Gesellschaft verurteilt sind, anzuerkennen, dass der Kläger den Pachtzins nur für die Betricbözeit zu zahlen hat, dass sie eine gesonderte Schirm- garderohe nicht errichten durften und dass die neue Gesellschaft weiterhin dafür zu sorgen hat, dass Tisckw und Stühle vom Publikum nicht mit Garderobcnstücken belegt werden. Diese Entscheidung des Kammergerichts, die vom Reichs- gcricht bestätigt worden ist, hat das Kammergericht wie folgt be- gründet: Bei dem Berliner Eispalast, der erst am 1. September 1998 eröffnet worden ist, handelt es sich um ein Etablissement, welches noch keine Vorgänger hatte. Es war fraglich, ob das Publikum von Gross-Berlin dem Unternehmen Interesse entgegen- bringen würde. Die Zahlung der Pachtsumme von 49 999 bis 59 999 M. war deshalb verhältnismässig hoch. Wer sich so hohe Leistungen versprechen lässt, übernimmt auch die Verpflichtung, ungehindert und ungeschmälert Gegenleistungen zu gestatten. Die Beklagte kann sich auch nicht daraus berufen, dass eine solch« Ruhe« zeit bei solchen Unternehmungen üblich sei, weil die Maschinen repariert werden müßten. Die Technik steht heute auf dem Standpunkt, dass sie erforderliche Bctriebskräfte ohne Unterbrechung erzeugen kann. Räumte die Gesellschaft dem Kläger das Monopol für die Garderobe ein. so durften die Mieter der Safes ihre Garderobe(Mütze) auch nicht anderweitig aufbewahren. Ein„schlagfertiger" Freiherr. Am 1. d. M. berickiteten wir über die Verurteilung deS Leutnants a. D. Freiherrn Kurt v. Bodenhauien wegen Körperverletzung. Be- drobung und Beleidigung. Der Freiherr, der in erster Instanz zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt war, kam in zweiter Instanz mit 699 M. Geldstrafe davon. Nun schickt uns der Anwalt des Freiherrn eine lange, von ihm„Berichtigung" getaufte Erklärung, uin deren Aufnahme er unter Hinweis aus§ 11 deS Pressgesetzes uns ersucht. §11 ist ein recht eigenartiges Geivächs. dessen Genug ohne die Einkleidung in das Prcssgesetz wohl so manchem Zeilgenossen freud- und leidvolle Stunden bereitet hat. Anders steht es mit dem§ 11 in der Gewandung des PressgeietzeS. DaS ist ein gar harter Gesell, der vom Redakteur verlangt, auch etwas, das keine Berichtigung ist, als Berichtigung zu bringen. Diese gewalttätige Forderung mog auf der erblichen Be- lastung beruhen, mit der nun einmal alle§§ 11 behaftet sind. Zu der Gewalttätigkeit aber, die der Anwalt des Freiherrn von,§ 11 gegen unS verlangt, zwingt auch dieser§ 11 nicht. Die„Berichli- gung" des Freiherrii ist nicht einmal im Sinne deS PrehgesetzcS eine Berichtigung. Sie setzt des Freiherr» Auffassung gegen die der Zeugen und des Gerichts über den Vorfall. für de» der Freiherr mit 699 M. bluten soll. Wir sind nach dem Gesetz nicht verbunden, auch nur eine Zeile der frciherr« lichen Zuschrift zum Abdruck zu bringen. Indes wollen wir unter Verzicht ans unser formales Recht eine zutreffende Behauptung des Freiherrn wiedergeben. Sein Anwalt erklärt:„es ist unrichtig, daß Herr v. Bodenhausen mit 3 Jahren GesängniS vorbestraft ist". Tat- sachlich ist Freiherr v. Bodeuhmisen mehrfach wegen Gewaltlätig- keiten vorbestraft, einmal nicht mit 3, sondern»nur" mit 2 Jahren Gefängnis, ein andermal mit 6 Monate» Gefängnis. Das sei hier- mit zugunsten des Leutnants a. D. Freiherrn v. Bodenhansen fest- gestellt._ vuschuldig verurteilt. Zu dem Bericht über das Wiederaufnahmeverfahren gegen den Maler Eduard Neugebauer, der nach rcchtslrästiger Verurteilung als schuldlos kürzlich freigesprochen wurde, wird uns mitgeteilt, daß Neugebauer die ihm zu unrecht auferlegte Strafe infolge bewilligten Strafaufschubs noch nicht verbüßt hatte. Versammlungen. Nachtversammlung der Ktnoopcrateure. Eine spezielle und eigenartige Seite im VersammkungSleLen bilden die Nacht- bezw. Morgenversammlungcn. Es sind dieS die Zusammenkünfte jener Berufsgruppen, deren Arbeitszeit in die Tages- und Abendstunden fällt, so dass sie, wollen sie ihre Lage und Arbeitsverhältnisse besprechen, zu außergewöhnlicher Zeit zusammen- kommen müssen, gewöhnlich nach 12 Uhr nachts oder in der fünften und sechsten Morgenstunde. ES sind dies: die Arbeiter der Zeitungs- betriebe, Kellner, Musiker, Schauspieler, Artisten und in letzter Zeit auch die Angestellten aus den Kinematographen. Mit dem un- geahnten, verblüffenden Aufschwung der letzteren ist eine ganz neue Kategorie von Angestellten entstanden, die man unter dem Sammelnamen Kinoperional zusammenfaßt. Innerhalb desselben bilden die Operateure, das sind jene, die dio Bilder vorzuführen und den Apparat zu bedienen haben, eine besondere Gruppe, die in ihrer überwiegenden Mehrzahl im Deutscben Metallarbeiler-Berband organisiert sind. Mit der geradezu glänzenden Entwickeluiig dieses neuen Kuiistbetriebes haben jedoch die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Personals nicht gleichen Schritt gehalten. Im Gegenteil: die Löhne sind gering, die Arbeitszeit ist Verhältnis- niässig lang und ohne jede Pause, bis zu 13 Stunden. Die Räume, wo die Tätigkeit der Operateure sich vollzieht, sind in hygienischer und sanitärer Hinsicht im höchsten Grade unzureichend. Immerhin ist es den organisierten Angestellten doch schon gelungen, die! ersten Schritte auf dem Wege zur Ber- besscrung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu unternehmen und mit dem Uebergreifen der Organisation auf die bis dahin noch ausserhalb des Metallarbeiter-Berbandes stehenden oder in Unter- stiitziings- bezw. Vergnügungsvereinen organisierten Operateure ist es zweifellos, daß sehr bald einschneidende Reformen in der Wirt- schaftlichen Lage getroffen werden können. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch hatten die Kino- operateure wieder eine Versammlung, in der L a r i s ch vom Metall- arbeiter-Vcrbande das einleitende Referat hielt. Es bestehen zurzeit noch zwei Bereine der Operateure, die allerdings eine grössere An- zahl von Mitgliedern nicht besitzen. Die„Freie Vereinigung", wie sich der eine Verein nennt, ist auf den, besten Wege, eine vom Unter- nehmertum ausgehaltene gelbe Organisation zu werden, während der zweite Verein, die„Loge", mit den, Metallarbeiter-Verbande zwecks UebertrittS in Unterhandlungen steht. Der Beschluß, überzutreten, ist von der„Loge" schon öffentlich bekanntgegeben worden. In der Diskussion wurden interessante Einblicke in die Verhält- nisse der Operateure und Kincmatographenbesitzer gegeben. Die Lage der Besitzer sei im allgemeinen eine sehr gute. Die Herren schlügen aus ihren Betrieben grosse Gewinne, sodass sie den Sommer über verreisen könnten und sich gar nicht um ihr Geschäft kümmerten, da ihr Personal für sie arbeite. Erklärten doch die Herren selbst. dass sie zuverlässiges Personal besäßen: wenn dieses zuverlässige Personal aber auch etwas von dem großen Einkommen verlange. dann blieben die Besitzer zugeknöpft. Auch gingen sie in gewohnter Weise gegen jedwedes Organiiationsbcstrebei, der Angestellten vor, sie selbst aber gehören zun, grossen Teil ihrer Organisation»Deutsch- land" an. Die Löhne bewegen sich für geübte Borführer zwischen 25 und 39 M. Der sogenannte Filmtausch nimmt den Operateuren noch 194 Vormittage weg. wofür es nichts gibt. Die Lehrlinge (Pendelburschen) erhalten 4—6 M. die Woche. Es soll ein Appell an die Arbeiterschaft gerichtet werden, am Weibnachtsheiligabend keinen Kino zu besuchen. Die Räume, wo der Vorführer arbeitet. sind enge, staubige Schwitzkästen, die in keiner Weise den polizeilichen Vorschriften einsprechen. Es wäre zu wünschen, dass die Gewerbe- inspektion einmal energisch vorginge. Der Versammlung wohnte ei» Vertreter von der Sozialwissen« schaftlichen Gesellschaft bei. um sich über die Lage der Kinoangestellten zu infornrieren._ Zentralvcrband der Fleischer. In einer von 1999 Personen be» suchten Mitgliederversammlung hielt der ReichStagsabgeordnete Robert Schmidt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:»Das System der Einfuhrscheine und Liebesgaben." Hieraus besprach Bergmann ein Rundschreiben der Fleischerinnung sowie des Be- zirksvereins Norden. In dem Schreiben der Fleischermeister Berlin» Norden heißt eS. wenn jemand, die Forderungen des Verbandes (12 stündige Arbeitszeit) anerkennt, so richte er seine Existenz einfach zugrunde. Mit Recht betonte der Redner, wenn die Existenz der Meister eine solch schlechte sei, dass sie dann überhaupt keine Existenz« berechtignng hätten. Weiter wurde berichtet, daß sich trotz dieses Schreibens dos verhaßte„Blatt Papier"(der Tarifvertrag) zwischen Meister und Gesellen gedrängt habe; in den letzten 3 Wochen sind wieder 5 Tarifverträge, davon 2 mit JnnungSmeistern, abgeschlossen. Die Abrechnung vom 3. Quartal gab Schnaubelt. Die Ein» nahmen der Hauptkasse betrugen 5596.25 M., an Unterstützungen wurden gezahlt 1179.25 M., an die Hauptkasse wurden 8937,19 M. gesandt. Die Einnahmen der OrtSkasse betrugen 3499,67 M., die Ausgaben 2696,13 M. Den LorstandSbericht gab Bergmann. Er betonte, dass die Arbeitslosigkeit eine sehr grosse gewesen; 363 Mitglieder wurden in die Arbeitslosenliste eingetragen. Streiks waren vier zu verzeichnen, davon zwei mit vollem Erfolg. Tarifverträge wurden zehn abgeschlossen. Abgehalten wurden drei Mitgliederversammlungen, drei Vertrauens», vier Vorstands- und 42 Betriebssitzlliigen. Die beiden Sektionen hielten 18 Sitzungen beziehungsweise Versammlungen ab. Ferner wurden acht Bezirks« Versammlungen abgehalten. An die Berliner Gewerkschaftskommlsston wurde» für Maintarkei, 452,75 M. abgeführt. In seinen weiteren AuS- führungen besprach Bergmann die Notiz in Nr. 4 deS„MitteilungS- blatt" betreffs des Streiks bei der Firma Heid er und bemerkte, dass das Schreiben im Einverständnis mit der Berliner Gewerkschafts- komuiisston versandt sei. Ferner bemerkte er, dass der„Vorwärts"» Redaltion das Schreiben zur Information zugesandt sei. Dann wurden die bevorstehenden Wahlen zur Ortskrankenkasse besprochen und die Kassenniitglieder aufgefordert, am 29. November zahlreich zu erscheinen._ Hu9 aller Melt. Opfer der See. Noch immer treffen von der Nordseelüste Meldungen über Schiffsunsälle während des SturmeS der letzten Tage ein. Durch einen Dampfer wurde in Cuxhaven ein englisches Schiff eingeschleppt, das in völlig wrackem Zustande auf der Nordsee treibend aufgefunden wurde. Der Kapitän des Schiffes war von einer Sturzwelle über Bord gespült worden, die übrige Mannschaft befand sich wohlauf.— Die Maiiilschaft des von Hamburg in Emden eingetroffenen Fracht- dampfers„EmS" berichtet, dass sie in der Nordsee außer ver» einzelt treibenden Leichen an einer einzigen Stelle sieben Leichen in einem Knäuel treibend g e s e h e n h a b e. Die Mannschaft vermutet, dass eS sich um Leute des bei Scharör untergegangenen Dampfers handelt. Ein Wahlscherz. Dem Drange seines guten Herzen folgend, nicht etwa aus politischen Nebenabsichten, hat der Führer der Gothaer Anti- scmiteu, der Kommerzienrat Grübe!, den armen Handwebern in Frankenroda und E b e n h a u s e n. die ihn seit Jahren in den gothaischen Landtag wählen, mehrere gentner Kartoffeln geschenkt. Um den armen Teufeln wenigstens eine volle Mahlzeit zu bieten, übermittelte ihnen der Reichstags- kandidat des Kreises, Genoffe Bock, daraufhin mit einem humoristischen Degleitsckireibsn eine Tonne Heringe. Der Wahlscherz wird im Kreise viel belacht, hat aber inauchcS Bedenk- liche. Bis zur Wahl sind noch verschiedene Wochen hin; wenn die Konkurrenz der Natnralienlieferung anhält, könnte sich die Wähler- schaft leicht eine M a g e n v e r st i m m u n g zuziehen. ES dünkt uns auch sonst richtiger, derartige Wahlscherze zu unterlassen, üttu dein Teufel muhte xS ja zugehen, wenn durch die bisher geübte prinzipielle Aufklärung die Wähler nicht erkennen sollten, wo die Ursachen ihres Elends zu suchen sind. Grubenkatastrophe in Südafrika. In dein„Primrose�-Minenwerk nahe Johannes- bürg hat sich am Dienstag ein schweres Grubenunglück zugetragen. Durch einbrechendes Gestein wurde ein Minengang zum Teil zerstört; ein Europäer kam dabei ums Lebeu. öv ein- geborene Arbeiter wurden verschüttet.— Nach einer anderen Meldung soll der Einsturz durch ein Erdbebe» hervor« gerufen worden sein. 200 Arbeiter sollen sich, abgeschnitten von der Außenwelt, in dem Minenschacht befinden. Wieviel von den Eingeschlossenen noch am Lebe:» sind, ist nicht bekannt. Der Rettungsaklion stehen große Schwierigkeiten entgegen, da weitere Einstürze befürchtet werden._ Die feindliche» Kompagnons. Am Mittwochmittag gerieten in einem Hause der Georgenstraße in München zwei Schlossern, eister bei der Auflösung ihres gemein- sam betriebenen Geschäftes in Streit. Im Verlause desselben zog der Schlofsermeister B a u e r n s ch in i d einen Revolver und feuerte auf seinen Kollegen zwei S ch ü s s e ab, die diesen am Halse und Rücken schwer verletzten. Alsdann gab er auch auf die Frau des Kompagnons einen Schuß ab und verletzte auch sie schwer an der linken Brust feite. Kleine Nottze». Opfer der Arbeit. In Olsdorf bei Eschweiker brach ein M a l c r g e r ü st z n s a m m e n. auf dem mehrere junge Anstreicher beschäftigt waren. Zwei von ihnen waren sofort tot, ein dritter starb im Krankenhause. Ein vierter Arbeiter erlitt schwere Verletzungen. Schwerer Unfall im Wiener Gaswerk. Im städtischen Gaswerk in Wien stürzte ein in Reparatur befindlicher großer Gasbehälter um und begrub zwei Arbeiter unter sich. Die Unglücklichen wurden durch die herbeigerufene Feuerwehr vollständig zerquetscht hervor- geholt. Explosion in einem Petroleumwcrk. In der Petroleumrasfinerie in C a m p i n a in Rumänien explodierte ein Petroleumreservoir, wobei 11 Arbeiter getütet und viele verletzt wurden. iSitternnosüBerftit» vom 8. November 1911. Stationen Wetter SSt C�r äll =» wä Stationen SS Ü 2 c c a c£ KZ Wetter ssa tili £01 hS> iomrinpt 762 damburg(760® B?rßr i764ä2B .Ir.inflaSR 766 Still spiünchev(768 S Wien 770 NNW 4 halb Bd. 4 molkig 2 wolkig — Nebel Haoa Pete, aranda 745 N «terSburg 75i)WIW Sctlld j754W lberoeev 74t SW 1762S 2 bedeck» 2 halb bd. 6 wolkig i 3 halb od. 2 heiter I 2wolkenl—2 j Paris 1 bedeckt 0 esenervrognose»lir Donnerstag, den 9. November>911. Etwas wärmer bei ziemlich starken südwestlichen Winden, zunehmender Bewölkung und leichten Regensällcn. Suoeiur-Wanderbnnb»Dt« Naturfreunde«'. Wanderfahrten am Sonntag, den 12. November tglt: I. Strausberg— Bkumentbal—Tiefensee. ilbfahrt: Schlestscher Bahnhof 7,20 Uhr vornüttazS. II. Zossen— Spereui- bcrg— Neuhof. Abfahrt: Potsdamer Rmgbakmhof 6,38 Uhr vormittags. III. Rahnsdors— Woltersdorj— Erkner. Absabrt:«chlesischer Bahnhof 7,23 Uhr vormittags. IV. Rüdnitz— Hell-Mühle— Bernau. Abfahrt: Slcttincr Fernbahnhof 6 Uhr vormittags. V. Grunewald. Tresspuickt: Bahnhos Grunewald(Waldhaus) 2 Uhr nachmittags. Gäste willlommen. WasserstandS-NaMrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. Walserlland Memel. Tllllt P r e g e l, Inllerbmg Se i ch>- l, Tboro Oder. Ratibar , Kronen , Frankiurt Warthe. Schrnnm , Lmiosberg Netze, Boroamm Elbe, Eeinneritz , DreSde» , Bardo » Magdeburg fi+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) UrneroegeL Todes-Anzeigen Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chausscur Otto Heuen am 6. November im Alter von 39 Jahren verstorben ist. 58/1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den Ii. November. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Stahnsdorscr Friedhofes auS statt. Ferner den Mitgliedern zu, Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Hans Noppe am 4. November im Alter von 19 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. November. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballc deS Emmaus-Kirch- Hofes, Rixdors, Hermannstratze, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Nsx ßaubut am 6. d. MlS. an Lutigenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. November, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen balle des Südwest- Friedhoses in Stahnsdorf aus statt. 125/18 Rege Beteiligung erwartet Tie OrtSverwaltunq Am Montag, den 6. November. nachts 12 Uhr, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden an £ charlach, Rippensell- und Lungen- entzündung unser innigstgeliebter Sohn und Bruder im 7. Lebensjahre. 602L Um stilles Beileid bitten Vkiibetm Siering uns 5rau, Will Siering. Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gelhsemane-Kirchiofs in Nieder- Hierdurch die traurige Mittel- Iimg, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Schmied Ntax Rauhut am 6. November an Lungeuleiden verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Witwe Rauhut und Kind, Charlotteiiburg, Haeselerstr. 11k. Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des SüdZvest-Kirchhosz in Slähnsdori aus statt. Für die berziiche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspende» bei der Beerdigung meiner inntggeliebten grau, unserer gnlen Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Klara Lange geb. Weber sagen wir allen Freunden, Gästen und Bekannten Misere» herzlichsten Dank. 6032 Otto Lange nebst Kindern und Eltern. Am Sonntag, den 5. November, I verschied plötzlich und unerwartet I mein lieber Mann, unser guier I Vater, der Tapezierer 1467b s HermanD Krüger im 48. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Die Hinterbliebenen, Köpenicker Str. 45. Die Beerdigung findet am! Freitag, nachmittags 4 Uhr, auf| dem Friedhose der Thomas-Ge- meinde, Hermannstraße, statt. Danksagung. Hierdurch sagen wir allen Freunden und Bekannten unseres geliebten Vaters, des Fuhrherrn 604L Joliaim Seidel (Lichtenberg) iür die freundliche Teilnahme an der Beerdigung sowie dem Herrn Pastor Häuer für die trost- reichen Worte herzlichen Dank. Lichtenberg, den 8. November 1911. vis trauernden Hinterbliebenen. teiow OtlsItraükeDkässe für Deutsch-Wilmersdorf und(Jmgegend. Die Vertreter der Arbeitgeber und Kafienmilglieder werden hiermit zu der am Donnerstag, de»»9. No- vember 1911, abends 8 Uhr. im Restaurant»Stadtparl«, Wilmers- dors, Kaiserallee 51/52, stattfindenden Orts- Krankenkasse d» Gelb- u. Zinngießer zu Berlin. Die 1462b lZeuerat-Versammtiiiig der Vertreter der Arbeitnehmer findet am Donnerstag, den IL. November, abends 5'/, Uhr, im l-ewerksdiaits- Haus, Engelnfer 15(Saal III), statt, wozu sämtliche Vertreter von 1911 hiermit eingeladen sind. Tages-Ordnung: t. Verlesung der Protokolle. 2. Be- richt über die stattgesundenen Kon- gresse. 3.Kassenangclcgenbeiten. 4. Er- satzwahl eines ausgeschiedenen Vor- slandsmiigiiedeZ für 1911, anschließend Ermtzwahl von vier ausscheidenden Porstandsmitgliedern der Arbeit- nedmcr für das Jahr 1912. 5. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rech- nung deS lausenden Jahres 1911. Berlin, den 8. November 1911. Der Vorstand. I. A.: W. Schutt, Vorsitzender. iRestel crgebenst eingeladen, Tagesordnung: 1. Wahl des Rechnungsprüfungs- Ausschusses sür das Jahr 1911. 2. Vortrag des Herrn Professors Dr. Weber, Spezinlarzt für innere Krankheiten.(Genaues Thema wird noch bekannt ge- geben.) 3. Beschlußfassung über den Gesell- Ichastsvertrag, Genesungsheim betreffend. 4. Mitteilung überNeucinrichtungen der Kaste. 5. Verschiedenes. Wilmersdors-Berlin, den 8. Nov. 1911. Biedel, Tuckcrniann, Vorsitzender. Schnstsübrcr. Oamentuche per Meter Kostümstoffe schwarz und farbi» von 3 Mark an neueste engl. Master per Meter von 2 Mark an Seidenpiösch Joelc� S per Meter.... 4 Mark Engl. S6al 120 cm breit per Meter.... 10 Mark Astrachan 120—130 cm breit per Meter.... 5 Mark Samt und Seide etc. etc. zu sehr billigen Preisen. Kottbuser Straße 5. C. Pelz, iStKT OßnßoJli£! mmru.,v jp; u' n ................ d.t, Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, 0—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 OefleDtliehe Wähler- VersammluDO für den 1. Kerl. Reichstags-Wahlkreis am Freitag, den 10. November, abends 8V2 Uhr, im Cafs Gärtner, Holstciner Ufer 27/28(am Bahnhos Bellevue). Tages-Ordnung: 1. Weltpolitik und Heimatpolitik. Neferentin: Schriftstellerin, Genossin Klara Zetkin- Stuttgart. 2. Freie Diskussion. 203/9 Um zahlreichen Besuch ersucht Ter Einberufer: _ A u g u st Täterom, Sebastianstr. 87/38. Bildhauer aller Branchen! Eile Zu Weile! Heute, abends 8 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72! == Versammlung. Tagesordnung: 20/13 Holzbildncrei und Bildhauerei. Ei» Werl zur Hebung der Holzplastik. DaS Erscheinen sämtlicher Kollegen erivartet Der Borstand. Die Genossen aus Sonnenburg, Göritz usw., die in Berlin arbeiten, werden ersucht, am Tonnerstag, den 9. November, abends 8'/, Uhr, zu einer Besprechung bei Merkowski, Andreasstr. iiv, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 293/14» I.A.: A. Schuster. G.Graiitnanns settiäle und Garten Dheatcrbnhne. Z�SUNgNSlr. 27. 3 Kegelbahnen. Acbtune, Vereine! Sonn abend, der 25. November, sowie _______ Sonnabende und Sonnlage im Dezember und Januar frei._.__________________________ Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 110 Dresdener Straße IIQ Hü(Eckhaus Oranienpl.) Hu s Muffen, Kolliers Extra billige Preise! Echte Skunks-Stolas von 25 M. an. Pek-Hüte.Hutstreilen Felle, Köpfe, Schwelle in allen Fellanen. Eipe Mnerei. Jedermann erhält die im Fenster ausgestellten Gegenstände sofort für den bezeichneten Preis. Risto genau auf Kr, DllW II» und Elle zu Weile a. achten Orts- Krankenkasse Reinickendorf. Bekantttmackinng. Die statutenmägige lZenera!- Versammlung findet am Dienstag, den LI. Nov. 1911. abends 8 Uhr. im Tadauschon Restaurant. Rcsidcnzstr. 124, stall.> Tagesordnung: I. Wahl von VorsiandSmiigfiedern (drei Arbeitnehmer, ein Arbei>gcber>. i 2. Wahl der Rechnungsprüjer sür! die Jatircsrcchnung 1911. Z. a) Abänderung des tz 10 des Statuts(Meldepflicht). b) Abänderung der Verhaitungs- oorschrijlcn sür ertrantle Mit- giiedcr. 4. Bericht von der 7. Provinziai- konserenz(Brandenburg). 5. Verschiedenes. In der Generaloersammlung find nur die gewählten Vertreter stimm- berechtigt und werden dtclelben mit dem Erfuchcn um recht zahlreiches und püntttiches Erscheinen hierdurch eiugctaden. Die Kassenvertreter haben zu ihrer Legitimation die Kaficubüchcr sowie die besonders ergehenden Ein» ladungcu vorzulegen; Arbeitgeber haben sich mit einem Ausweis zu versehen. Mitgliedern, die nicht zur Kasten- Verwesung gehören, kann der Zutritt nicht gestaltet werden. Aufragen und Beschwerden, zu deren Beantwortung Einsichtnahme in die Bücher crsordcrlich ist, find fpälestenS drei Tage vor Stattfinden der Generalversammlung an den Vvrfitzenden einzureichen. Neinickcntors, 30. Oktober 1911. Der Ztorstand» Bensch, Vorsitzender. 280/8 Neuhecker, Schrijlsuhrer. Pollmanns vSsnäsgen Sckcbäkr, ncblt Artikel zur gssundhölls- u. Krankenpflege, /erbaadstoffe, Gummiwaren etc. Berlin S., Lothringer Str. 60. Lieferant liir KrankenkasseD Eigene Werkstatt. Onwidsrruflieh I Zieiung schoal und 11 November 10 Schweidnitzer iaotieri@ «I«» ttru'nae im Werl« v.tf. 128000 40030 20000 Lossdtn.� s Lose 4.80 u. tt. Litt« eiua. (Mrt su»| S du'Cb das Geoer«!- H. - DebU BerllnW«'.'.irr.'" «owia«IIa durch Plakate kenntlichen Verkanfsotellen Tol�gr.-Adr.t„GoidQuell©". Klnlilkn- miö SraiuHnörrfi och Robert Meyer, nur Mnriniiiitn-Ztrnsze 2. i WM WWWWMMMMW Kanfcn Sie A Fluß- und Z Seefische S von der Dent-tchen® Damptliseberei-Oesellseli<* „Nordsee"! Stadtbahnhof Börse Z Sie erhallen tadellowof frisch���scIwprelBwertj J It. 263. 28. ZahtMz. 2. KilW des Jonuätlö" ßctlititt llolliülilntl. DoWekstag. 9. lovember!9U. Partei- Angelegenheiten. Zu� Lokalliste! I« Bohnsdorf T-B. hat das Lokal.Bier Jahreszeiten' den Be- fitzer gewechselt. Herr Wilhelm Wirth, so heitzt der neue Inhaber, hatte früher m der Oppelner Straße ein Restaurant gehabt, in dem er stark mit Arbeiterlundschast rechnete, auch war er verschiedene Jahre Mitglied der Partei des vierten Kreises. In seinem neuen Untcrnehme«'es(kapricr. Kobi Krach Rr. 14. Walhalla. Aeuscl. daS hat eingeschlagen I Roact. Mittle, liebe. Anlang 8'/, Ahr. Belle. Nlliauce. Der Sitten apoffel. Intimes. Der vraudstister. » �» Sternwarte. Invalidenftr. d7— S2. Kaiser-Pauarunia. Neul Hoch. gebirgSiour in Tirol. Jlidiancr- leben Südamerikas. 8edil!ef-Ikes!ef0.T�,«. Donnerstag, abend» S Uhr: Freitag, abend» 8 llhrr Hadumc Sans-WCne. Eonnadeud, abend» 8 Uhr: Kopt und Schwert. SehilKr-Thcaler'TC" Donnerstag, abend» 8 Uhr: En lebe da« Leben. Freitag, abend» 8 Uhr: Lur Feier von Schiller» Geburtttag: Zum erst. ,: Male: De»« Cnelun. Sonnabend, abend» 8 Uhr: _ Pon Carlo»._ Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Coenr-Afi. Theater iBlerlOiii�tzerStniie Schanspieleriu. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: DaS Mädel von Montmartre. Srevette: S>Ite.l yiumaary. Somit. 3'/, Uhr: Der(idal* Bauer. Neues kSnlgl. Opern-Theater. 8 Uhr: Othello. (ghtlfllan»). AdonnemenU-Borft Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Not. Sonulag nachniiiiag S'/« Uhr: Gin Walzretraam._ Friedrich �'IlholmatAdt. IgcliauHpielhuun. Abend» 8 Uhr: Der Kaufmann von Benedtg. '»ftspiel.in S Allen o. W. Shakespeare. Resideuz-Theater. Direktion Ruhard Alerander. ��nfang 8 Uhr/ Sin Walser von Chopin. schwant w S Äki v KSrout u. Barr». Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolien-Baeiker». Morgen und solgende Taaei «in Walz, r von Chopin. Belle-Ällianee-Tbeater Allabendlich«>,, Uhr: Der Sltteuapoftel. Sonnabend 4 Uhr: DornrSSchen. Lnifen-Theater. Abend» 8 Uhr: Wulter lilld Soha. »>« /K kierbftfeft\ Sonnabend, den 11. Kdvembcr, 8V, Uhr, in der Branerel Happoldt, Hagenheide. Der Tanz in Musik und Litteratur. Mitwirken de: Das Berliner TonkUnstlerlnnen-Orchester Leitung; Frl. EUnabcth Knypcr. Tanzkünstlerin Fräulein Irene Sauden mit ihrem Tanzensomble. Konzertsängerin Fräulein Lola Barnay. Am Klavier Herr L. T. Grttnbers und Frau Margarete Gllle. Rezitation Herr Eduard ▼. Wlnterstcln (Mitglied des Dentschen Theaters). Festmarken a 60 Pf. können in allen Zahlstellen bestellt werden. Bessins- Theater Bjönison: Wenn der junge Wein blüht. Thalia-Theater John Galsworthy: Der �hendahteilungen Hermann Bahr: Josephine. Neues Schauspielhaus Lessing; Nalhan der Weise jlesiilenz-Theater Emil Augior: Die arme Löwin. förrnleld-Theater Wied; ax2-5. Für Sie Machml(tng»-mtg:IIeder sind MUv in den Abendablsilungen an den nuutag- abonden im Menen Mcliaueplelbanao Karten a Mk. 1.30 zu haben. SSI Nene Mitglieder Kr" allen Zahlstellen melden für die Knehralttag»- nnd Abendabteilungen. 241/19 Der Vorstand. I. V.; 0. Winkler. mm des 8. DM Rtttapairte Brauerei Friedrichshain Am KOnlgtitor.— OrUOter Konsertsnal Berlins. | Heute aK'enaT: Walzer- u. Operetten-Abend. Johann Strauß---- Wien. Morgen Freitag: Karl Helnzius-Abend. I0SE=THEATE l-Ll '»roue Franliurl«, Str. 1,'ftU Michael ßahihaas. Ansang 8 Ukr. Freilag: Michael KoftlhnnS. lilelsesiui-Iiieaies. Die Naclit von Berlin! Groffe JahreSreoue in 7 Bildern von Ab 8 Uhr: Da« neue Programm. Der Gipfel der Romitl U. a.: Chrellenne n. I.onlsctte boNändische Duelttsien. Paul JUIIch mit seinen Szenen: «achexzerziereu. Ein» Wahlver- sammlnng. Rur„och kurze Zeit: (tili Abend w einem amerilannchru VuNKvI. W«d mtt llates und Oonat Ueeeaseld in den Hauptrollen. Vorher: Schmesiiose ßehanlliung. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Trianon-Theater. Täglich abend» 8 Uhr: AlvM üursllrstenltsium t8t nahe Bshnhot HgJonaeo und Chnr- lottenburg. GcOirnet ab 10 Ehr vorm. 125 folarbewohner bei Arbeit, Sport und Spiel. Rennilerherde, Polarbären. Eintritt lür Ansstellungsh. 50 PI. Vorführungen; Wochentags 4'/» 6V», 9 Uhr. Letzte Hauptvorflihrung abend« 8 Uhr. Eintrittepreis 30 PL Noacks Theater. Dtrelilon: llohert llill. Berlin dl.. Brunne»ltraffe 16. F»m letzlen Mal«: Mutterliebe. Ländl Lebcn»bUd mit Ges. in 6 Akten. Ani. 8-/, Uhr. Bon» usw. gültig. Dienstag und Freitag: Keine Vorstellung. Retehskanen-Theales. Stettiner SSnger Sastsplel Robert Steidl. Ans. Wochen! 8 Uhr. Sonnlag» 7 Uhr. Semiieint. tl. Rovemiier, aheods V\2 ihr, Im Stadtthester loahit(ilt-leablt«Till; KOMPONISTEN ABEND Beethoven: Mozart: Weber: Verdi. Mitwirkende: Neues Tooköostlcr-Orchcster(Herr Kapellmeister Holllelder) Fräulein Maria Holsers: Bezitationen. Nach dem Konzert: TOttZ, Daran teilnehmende Herren zahlen 60 Pf. nach. Einlaßkarte SO Pf.: Anfang präzise 9 Uhr. Während des Konzerts bleiben die Saaltüren geschlossen,»nch wird nicht seiriert. Hänchen ist nicht gestattet. Kinder anter 14 Jahren haben keinen Zutritt. 132/18* Das Komitee. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ »MM,( Sonntags 19. November« abends 7Vj Uhr,[ im Qewerkschaftshause s Lustiger Abend (Leitung; Margarete Wnlkotte). Mitwirkende: 298/16* ] Amalie Birnbaum(Violine), Käte Bertram(Koloratur), Johannes Cotta i(eigene Dichtungen), Margarete Walkotte. Erwin Fauste), Kapellmstr. Entree SO Pf. Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horseh, Engelufer 15.■ w.' ( ilrkns A. 8clianiauii Heute abend Tl, Uhr: Luis Hardt | Gentlemen- Athlet genannt Der Knabe Samson. De Marios amorican wonders: Dan Fronchparadles. Bnsto, TiS" | mit seinen dressiert. Gänsen. Die große Feerie 1000 Jahre auf dem Mocreagriind. Freitag, den 10. November, abends 8 Uhr: Die Orcstie. | Aufsflhnng des Osutseh. Theaters im Zirkua Schumann. Passage-Theater. Abende 8 Uhr: Das bcate Programm der Berliner Varletb-Salson I Ciaire Waidoff mit neuen Schlagern. Meno Telepat PhSnome. The Black cats engl. Backflsch-Ens. und die 10 gianncndea Vorlctö-Xauimcrn. Die himmlischen Zwillinge zusammengewachsen. Lebend zu sehen! Ohne Extra'Entree. Casino-Theater Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr Trotz de» enormen Andränge« Lehter Monat Berliner Possen.Schlager Der selige Kollschiusky. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Weib a. d. Volk«. Voigt-Theater. Heute: Gastspiel In Mlmms Tlieater, Äe-W' Tic Macht der Arbeit. Komädle in 6 Auszügen v. Raudols. Kasseneräffn. 7 Uhr. Ans. 8',« Uhr. Königslsdt-Kusino. llliteHolzniartt- u. A exmidcrltraff« nah« Aonnowltzblülfe. Bom I. bis 1«. November. abend» V.8 Uhr: Das Rieseu- Weltstaht-Prograuim. Burnlt«««ornrnvrrvlwo u. die erst llals! gen Spezialitäten. Sonntag» 2 Borstellungcn: nach. mittag»'/.I u. abend»'1,7 Uhr. Zirka** Dusch Heute abend 7 Vi Ehr: Die gröüte Sensation d. Neuzeit! IMgnolm. seinem tollkühnen Todessprung. Die beiden Menschen-Affen Max und Mortta. Außerdem: Neu! Flnlajr-Trie. Herr Burkhardl-Feottil. Sehul- reitor.— Herr Ernst Schumann, Neudrossuren.— 3 Geschwister Blumenleid, Reitkünstlerinnon. Morls 0. Vincent, Clowns.— Clown Petersen. Um 0V. Uhr zum 27. Male: Origin.- Ausstattungsstück dos Zirka* II a n c Ii in b Bildern. Urania. WiBBenBch&ftliches Theater 8 Uhr. Von Meran zum Ortler. Oolhs-Cbeatcr. Rixdorf. Hermannstr. 20. Sonntag, 12. Nov: Im rusftsche» Merker. Schauspiel in 4 Alien von Karl Helmli:. Montag. 18. Nov.: Gin gefallene« Mädchen. Schauspiel in 8 Allen von A. 0- Trier. Folies Capriee. Ansang 8'/« Uhr. I». I*. Kobi Krach. Morgen letzter Tag Admiftilspatasl /VmfidhDbctf RkdrkhlbthMc Eis-Arena Nachmittage: | nilltUr-Koaaeri.| Allabendlich: Dan pmoht- | volle Eis-Ballett ia un- I Ubertrolfener Ausstattung „Aipenzauber". Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: „Oer Llchterrana". Einfidshofsr-Konzert. Restaurant I. Range« Soupers» ia Kart«. Bis 6 Uhr u. von lO*/« Uhr j 1 abds. halbe Kaseenpreise. In Vorbereitung: Zigeunerblttt. Dramatische Pantomime in 8 Akten. alf-Ä, Isla Rlelsen. Corso-Varietd. Frlcdrichstr. 165. Heitere Künstler- Abende. 12 Attraktionen 12 U. a.: Das urkoin. Zverglnneo-Duett. Tntrce 50 Ps. < wnwwwwe wwwwwwwwwww:• NiSles Fest-Säle DennewitzstraBe 13. Jeden D°nn«r»tag bei freiem Sniree: CsnüffrSviche» 1218b C. MBle. Coucordia- Festsäle. Inh.; M. Wendt d A. Schütze. 01 AndreowHtrizQo 64. Jeden Oonnerttag; Groüe Soiree d. ellgomein beliebten na bekenitton Direktion Fr. Feni Heute: Die beiden Herren Leutnants. Bohwanlc in 1 Akt Anfang 8 Uhr. Soirc©1": Jrcl-Tauz. Verzug, karten haben Gültigkeit. ffur den Inbolt der Jnieratc dbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantmortnug. ET An diesem Schild sind die Läden erkennbar, B in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Hanterfitltls; tn Konstruktion and Aasttthrnng, gleich vorzüglich für Haasgebraach a. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. 3BERLiUi, Iieipzlger Straße 93. i— Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I ♦ • Aiytty i%33F aus den Esbak Fabriken J.®0Ülfatb pmiss.StaraiiiÄ «seona QCQt'ÜriÖ�t 1839. Ii ii»ff■>' Mc nisse s priser. uoöt de Kowno. n'P'a4>O'0�>n,Pin'n'Dng,9 Prawdziwa tabaka do zazywanla„Kownoer!1 «>D.tJ�a��'Ö;Ö'aH3H3i300'0' m •a«ö eling iWeingroßhandiung n. Likörfabrik 6D eigene Filialeo.' EiDielyerkaal za Engrospreiseii Preis pro Original-Flasche]tlk. 1,75 inkl. Ausschank in den Destillationen, Kestaurants, Cafes eto. Engros-Vertrieb durch die Herbavino-Geseilschaft m. b. H., Oppenheim a. Rh. Filiale Berlin N. 24, Friedrichstraße 122—23. Femspr. Amt III 10 266. Henrförbcmittel, unübertroffen, unichädlich, waschecht. Probeslasche t>,ä»rtAe«o4-4-i»M der Tabakarbeiter. Genoffenschaft „-S.ag'�»garerren Stuttgart verlangen, l Hervorragende Oualiläien. Preislage 2— SPs. Keine Maschinenarbeit.— Nur organisierte Arbeiter. Vertretung für Berlin und Brandenburg: Paul Morsch, Engelufer 15. ".. Ziehung 5. Kl. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. UoTecnber 1911, vormittag». |tt4 die Gewinne Uber 540 Mark»Ind den botreffende« Nummern In Klammern beigefügt. S, Die Gewinne fallen auf die berelchneten LoM beider Abteilungen. (Ohne Gewahr.))(Nachdruck vernoten.J 32 69 71 475[500] 92 662 605 733 016 klOOO] 71 t2B 1011 92 178 218 38 380 473 617 788 907 42 68 ■2033 152 248 779 804 3059 95 93 279 99 11009) 361 430 60 592 651 85 737 43 4027 81 113 74 310 31 «7[5001 651 760 803 18[5001 67 75[10001 5168 70 250 415 939 6913 57 71 81 82 190 287 313 635 39 632 33[600] 64 725 87 889[1000] 7021 81 88 87 02 137[1000] 283 347[5001 94 680[500] 673[1000) 738[500] 8231 48 652 75 840 98[600] 87 985#075 292 353 495 651 72 680 709[500] 19 862 90 10084 223 46 66 703 863 907 9 36 11007[1000] 68 128 297 411 673 719 937 12037 48 63 122 661 70 77 705 917 81 13006 27 399 634 852 77 958 14009 179 322 23[600] 80 431[3000] 822 15053 90 92 287 485 635 735 39 63 840 18275[600] 363 468 629 43 61 647 819 84 961 17019 24 25[3000] 67 143 244 873 428[10001 78 93 517[2000] 65 813[1000] 62 38011 129 220 643[5001 77 682 735[600] 78 87 889 39061 285 388 445 655 711 869[30001 911 89 20039 245 338 48S[600] 618 874 974 97 21018 60[500] 127 61 338 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Ziehung 5. Kl. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. November ICH, nachmittag». gm dl» Gewinne Ober 240 Mark»lud den betreBendM Nummern In Klammern beigefügt Die Gewinne fallen auf die beselcbneten LoM beider Abteilungen. (Obne Gewlhr.))(Nachdruck verboten.) 73 182 277 480 683 760 815 023 48 1089 98 156 803 34[6001 368[3000] 698 633 2445 674 651 62 738 03 3020 229 561 671 703 628>84 4233 303 i9 47 423 62 628 603[500] 767 02 74 77 929 44 5207 62 606 67 [600] 68 633 73 808 9[500] 6035 88[3000] 107 248 75 362 450 637 630 710 14 67 7107 250 69 310 429 723[3000] 868 89 8054 91 125 08 299 305 648 90 916 25 8059 127 40 54 234 449 637[600] 829 80 928 83 10237[10001 68[1000] 403 60 561 832[600] 11225 671 738 83 849 947[500] 12056 BT 72 146 [1000] 200 Sil[1000] 44 497 731 981 13252 99 344 [500] 618 40 836 67 904[500] 14038 93 280 349 78 403[3000] 535 93 833 036 1 5030 143 446[3000] 82 679 914[600] 34 60 69[3000] 92 1 6028 436 689 853 73 935 67 73[600] 17088[1000] 112 390[500] 423 78 608[3000] 628 81 917 61 84 1 8127 249 684 97[1006] 743 66 827 67 64 19305 451[5000] 69 639 64 817 76 063[600] 20000 162 70[560] 316 56[1000] 401 62 869[506] 019 27 2 1 348 65 414 81[500] 643 709[500] 46 Uli 22012 139 392 418 20 529 87 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Sur den gnseratenteil»«rantw.:5h.Gl»ckt,Berltn. Dkudu.Ber[az:Porwärt» Luchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u-Cv� Berliu LAV. Ar. 263. 28. ZahrMg. 3. KnlM des JuntiSrts" ßttliutr llolliolilntt. Donnerstag. 9. November l9U. Eingegangene Druckrcbnften. 50 Sßf. Sonn. 4. Sonderheit zum Zur Schriftfrage. Von F. Soennecken. Die Tarifverträge im Jahre IS 10. arbeitsblatt. 6 M. t£. Heymann, Berlin W. 8. Die Brücke. 1. Jahrgang. Olt-berhrst. MonatZschrist für Zeitinter. Pretation. Herausgeber K. Röttger. Halbjährlich 2 M. Brücken-Verlag, Grob-LichteMde, W. Natur.>>est 1 und 2. Leitlchnft der Deutschen Naturimssenschastlichen (Nesellschait. Herausgegeben von Dr. Thesing. Jährlich 24 Hefte und 5 Buchbeilagen. Vierteljährlich 1,50.— Tie Mühle des Lebens. Von SB. Ostwald. 1 M. Dh. Thomas, Leipzig. Reichs- � Aus der grosien Zeit des deutsche« Theaters. Von A. Elocsser. Pappband 2,50 M.— TaS poetische Berlin. Von H. Spiero. Serie Pandora. Band 5. In Pappband 2,50 M. 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