Nr. 266. flbonncnuntS'Bcdingung«»»: kbonneinenls- PrciZ pränumerant« i TicrteljShrl� 8,30 SKt., monatl. 1,10 MI,, wöchenllich 28 Pfg, frei WZ HauZ, Einzelne Nummer B Pfg, Sonntag?. Eingetragen In die Post-ZeitungS- Wrelsliste, Unter Kreuzband für Deutschtand und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Jlaiien, Lurimburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. VI« TnftrflonS'Gebflbr •»trägt für die seÄSgest>at!?»e kolonel. zeile oder deren Raum 00-Pfg., für potittfche und gewerlfchaftliche Vereins« Und Versammlungs-Anzeigen SO Pfg, »Utein« Snreigen", das fettgedruckte »ort 20 Pfg. iiuläsflg 2 fettgedruckte »orte), sedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengctuche und Schlafsiellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg, Worte über IS Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate 1 it die nächste Kummer müsien bis Uhr nachmittags in der Erpedition Ghgegcben werden. Die Erpedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet, trt4eliit tSglii# auBer Dlsntagi. Vevlinev Volksblatk. Zentralorgan der fozlaldemokratlfchen parte! Deutfchlands. Delegramm-Adrefse: «Stzlaldsisokral Btrlla". Redahtton: SM. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Sir. 1983. Sonntag, den J.Ä. November Expedition: 8M. 68, Lindcnstraose 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Auf zu den Uersammlnngen! Erscheint massenhaft znm Protest gegen Kriegshetze nnd koloniale Ranbpolitit! Abrechnung. Der dritte Tag der Marokkodebatte im Reichstag kam auf eine Abrechnung der Sozialdemokratie mit ihren Gegnern nicht nur wegen des Marokkorummels, sondern auch wegen der Haltung der Sozialdemokratie im Kriegsfall hinaus. Zunächst legte Geno'i'e Frank die Gründe dar, die nach Auffassung der Sozial.,.inokratie bereits auf Grund der geltenden Reichs- Verfassung es erforderlich machen, daß Marokkovertrag und Kongovertrag dem Reichstage zur Genehmigung unter- breitet werden, und setzte im Anschluß daran auseinander, daß gerade die Vorkommnisse der letzten Zeit es wieder un- widerleglich dargetan hätten, wie notwendig die Umgestal- tung unserer staatsrechtlichen Verhältnisse im Sinne eines wirklich konstitutionellen Lebens sei. Auf die Marokkofrage selbst eingehend, stellte er fest, daß auch jetzt noch nicht die Regierung für die Entsendung des „Panthers" nach Agadir eine ausreichende Rechtfertigung vorzubringen gewußt habe. Tatsächlich komme diese Expedition auf ein ähnliches fehlerhaftes Experiment hinaus wie 1904; es sei tatsächlich eine«Tangerreise ohne Kaiser" gewesen. Dadurch seien die weitgehendsten Ver- mutungen und Auslegungen erzeugt worden, und es sei zweifel- los eine Schuld der Regierung, daß sie diesen Auslegungen nicht sofort entgegengetreten sei. Nur wegen dieser Unter- lassungssünde der Regierung habe die Kriegshetzerei einen solchen Unifang annehmen können. Bethmann Holl- weg habe auch durch seine gestrige Rede diese Schuld nicht aus der Welt geschafft. Weiter legte Frank in kräftigen Worten Verwahrung da- gegen ein, daß Herr Wiemer die sozialdemokrati- schen Prote st Versammlungen gegen den Krieg alsfriedens störend hingestellt habe. Zweifel- los habe sich bei dieser Gelegenheit die internationale Sozial- dcinokratie als eine Großmachtzur Erhaltung des Friedens bewährt. Auch dieablehnendeHaltung der Sozialdemokratie gegenüber der Ko- lonialpolitik überhaupt habe durch den Gang der Er- eignisse ihre volle Rechtfertigung erfahren. Wenn noch irgend- ein Beweis dafür notwendig gewesen wäre, wie verderblich die imperialistischen Bestrebungen sind, so hätte das Treiben der Jtalienier in Tripolis diesen Beweis vollauf erbracht. Nun habe ja der Gang der Verhandlungen erfreulicherweise dahin geführt, daß die Redner der Zentrumspartei und Nationalliberalen jedweden Verdacht, als ob sie die imperia- listischen Bestrebungen durch eine Flottenvergrößerung be- fördern wollen, von der Hand gewiesen hätten. So blieben Herr v. Heydebrand und seine Partei allein übrig als �lottentreiber. Um so notwendiger sei es. dem Einfluß und dem gemeingefährlichen Treiben der Junkerpartei so bald wie möglich ein Ende zu bereiten. Der polnische Graf M i e l c z i n s k i ironisierte die Ver- Handlungen über die auswärtige Politik jn den früheren Reichstagssessionen als„akademische Erörterungen", die die Re- gicrung niemals gehindert hätten, auswärtige Politik nach eigenem Ermessen zu treiben, ohne Rücksicht darauf, was die Polksvertreter darüber denken. Die Bolen hätten deshalb nie- inalsdas Bedürwis gefühlt.an diesen akademischen Erörterungen teilzunehmen. Jetzt ging er selbst auf eine Erörterung des Marokkovertragcs ein. dem er keinen großen Wert für die Erhaltung des Weltfriedens beimaß. Er betonte dabei, daß die polnische Fraktion als Vertretung eines unterdrückten Volkes grundsätzlich jedwede Eroberung und Unterjochung anderer Völkerschaften bekämpfe. Als zweiter Redner der Fortschrittlichen Volkspartei er- griff Herr Hau ß mann das Wort. Der erste Teil seiner Ausführungen hörte sich an, als ob der selige Polonius seinem Sohn Lacrtcs einen Leitfaden für Diplomaten und Parlamentarier bei der Behandlung auswärtiger Angelegen- heiten einzupauken versuchte. Als er zur praktischen An- Wendung seiner Grundsätze überging, zeigte es sich, daß Herr Haußmann dem isolierten Reichskanzler die Fortschrittliche Volkspartei näher zu bringen sucht. Er erweiterte dann auch die gestrigen Angriffe des Reichskanzlers auf die„Desperado- Politik" des Herrn v. Heydebrand und nahm die Angriffe des Wiemer auf die Friedensdemonstrationen der Sozialdemo- kratie von neuem auf. Der Abg. v. L i c b e r t erging sich in weitgehenden kolonialpolitischen Erörterungen, doch hat ihn offenbar das Schicksal des Herrn v. Heydebrand vorsichtig gemacht; seinen kritischen Waffen war alle Schärfe genommen, er hatte sie in Baumwolle eingewickelt. Der Abg. Erzbergcr entdeckte an den Kongoabtre- tungen allerhand gute Seiten und meinte, wenn bisher nichts daraus zu machen gewesen wäre, so liege das an Fehlern der französischen Verwaltung. Dann suchte aber der Zentrums- redner die fortschrittlichen Angriffe auf die Friedensdemon- stration der Sozialdemokratie noch zu übertrumpfen, um wenigstens auf dem Gebiete der Sozialistenbekämpfung die fortschrittliche Konkurrenz zu schlagen. Um allen diesen Angriffen entgegenzutreten, ergriff dann zum zweiten Male Genosse Bebel das Wort. Er stellte zu- nächst fest, daß die Sozialdemokratie äußerst zufrieden sein könne mit dem Gang der Debatte und daß besonders das Duell Heydebrand-Bethmann uns unbezahlbares Matertal für die Wahlen geliefert habe. Jn temperamentvollster Weise und unter Beibringung durchschlagenden sachlichen Materials wies Bebel dann nach, wie völlig ungerechtfertigt die fast von allen bürgerlichen Parteien vorgebrachten Angriffe auf Eng- kand seien. Tatsächlich sei die Handelspolitik keines Landes in der Welt so vorteilhaft für den deutschen Handel, wie die Englands. Wiederholte Versuche des nationalliberalen Herrn Stresemann in Zwischenrufen unfreundliche Handlungen Englands anzudeuten, fertigte Bebel sofort gründlich ab. Dann rechtfertigte er die Friedensdemon- strationcn der Sozialdemokratie als beste Unterstützung einer ernstlichen Friedenspolitik und berief sich für die Haltung der Sozialdemokratie zur Verhütung eines Krieges auf die Re- solution des internationalen Sozialfftenkongresses in Stutt- gart und die Beschlüsse des diesjährigen Parteitages in Jena. Den starken Eindruck der Bcbelschen Darlegungen suchte der freisinnige Dr. M u g d a n abzuschwächen, indem er ein- fach wiederholte, was Wiemer und Haußmann vorher be- hauptet hatten. Eine Anfrage Mugdans, wie es sich denn eigentlich mit der Information nationalistischer Redakteure durch Vertreter des Auswärtigen Amts über die Marokko- Pläne der Regierung im Juli dieses Jahres verhalte, brachte endlich den Herrn von Kiderlen-Waechter auf die Tribüne. Der kurzweilige Minister erklärte unter großer Heiterkeit, jene Redakteure hätten für sich die Besetzung Ma- rokkos beschlossen, aber das Auswärtige Amt hätte sie aus- drücklich gewarnt vor der Annahme, daß derartige Absichten auch von der deutschen Regierung gehegt würden. Somit steht jetzt die Aussage des Herrn von Kiderlen-Waechter der Aussage jener eidbereiten alldeutschen Redakteure diametral gegenüber. Unverständlich ist es nur, weshalb das Aus- wärtige Amt 4 Monate gebraucht hat, um sich zu einem solchen Dementi aufzuschwingen. Nochmals zog dann Herr Erzberger gegen die So- zialdemokratie mit einem Zitatensack vom Leder, wobei er auch auf die Rede des Genossen Däumig in Berlin einging. Ihm erwiderte Genosse Fischer, indem er durch Verlesung der� in Berlin und Treptow gefaßten Friedensresolutioncn nachwies, welche Stellung die Berliner Genossen zu der Frage eingenommen hätten. Däumig habe nur seine persönliche Ansicht ausgesprochen und obendrein seien dessen Worte von Herrn Erzberger völlig f a l sch ausgelegt worden. Was aber die gesamten Demonstrationen der internationalen Sozialdemokratie gegen den Krieg zur Erhaltung des Friedens anbetrifft, so sei es doch höchst sonderbar, daß gerade Vertreter einer Partei, die sich„Volkspartei" nenne, den Wert und die Bedeutung solckjer Volksversammlungen zu ver- unglimpfen suchen. Mit einigen persönlichen Bemerkungen und nach Ueberweisung der Vorlagen an die Budgetkom- Mission ging dann die Debatte zu Ende. Mit Befriedigung kann nur die Sozialdemokratie auf ihren Verlauf zurückblicken. Unsere Partei wird nicht ver- fehlen, die wertvollen Waffen, die die Gegner uns sehr wider ihren Willen geliefert haben, nach Kräften zu verwerten. Nie Leilichtigte». Die Peitschenhiebe, die Herr v. Bethmann H 0 l l w e g den gewissenlosen konservativen Demagogen ver- abfolgt hat, die haben gesessen. Das zeigt unwiderleglich die Bestürzung und das Wutgeheul der konservativen und der nationalistischen Presse. Die„Deutsche Tagesztg." ahnt, daß die Rede keine glückliche B e d e u t u n g für unsere nationale llies konservative) Politik haben werde. Sie sucht Herrn v. Heydebrand zu entschuldigen, dem nichts ferner gelegen habe, als den Kanzler persönlich anzugreifen. Sie wehrt sich vor allem gegen den Vorwurf, daß Heydebrand Deutschland vor dem Ausland geschädigt habe, um Waylinteresse zu verfolgen. Aber in ihrer Bestürzung ver- rät sie selb st, daß die ganze konservative Politik und ins- besondere die Rede Heydebrands nur einzig und allein auf den ordinärsten Wählerfang gerichtet war. Also jammert das sonst so dreiste Brotwucherorgan t „Wie konnte der Herr Reichskanzler die politischen Werte übersehen, die in der Erktarung des kouservaliven Führers lagen, tun des Vaterlandes willen ein finanzpolitisches Opfer zu bringen, das die Möglichkeit zeigte, über den schiveren unser ganzes Volk zerreißenden Parleihader hinweg das gesainte deutsche Bürgertum um ein großes nationales Ziel zu vereinen?! Wie denkt sich der Herr Reichs- lanzler überhaupt die weitere Ent Wickelung unserer politischen Lage, die nach Gesundung schreit, wenn er die verheißungsvollen Ansätze positiver nationaler Politik, die der erste Tag der Marokkodebatte brachte, derartig behandelt? Heißt es nicht— das ist und bleibt das Ent- scheidende— die nationalen Imponderabilien schwer verkennen, wenn die Bekenntnisse nationaler Entschlossenheit und vaterländischen Opfermutes derart von derjenigen Stelle zurückgestoßen werden, die in erster Linie berufen erscheinen sollte, sie als eine Macht zu benutzen, wie sie nur selten aus dem freien Empfinden des Volkes sich darbietet, um innere und äußere Schwierigkeiten zu überwinden? Ans alle diese Fragen finden wir keine andere Antwort als die ernstlicheBe- fürchtung, daß der gestrige Tag schwere Folgen für unser nationales Leben haben wird." Nicht minder bestürzt, aber viel zurückhaltender ist die„Kreuzzcitung". Sie bedauert natürlich die schroffen Worte des Kanzlers, aber sie deutet an, daß es sich zunächst mehr um eine persönliche Auseinandersetzung zivischen Bethniann und Heydebrand gehandelt hätte. Dann fährt das Blatt fort: „Aber als der Kanzler Herrn b. Heydebrand dann vorwarf, die Konservativen wollten mit der Betonung seiner natio- nalen Bedenken nur Parteiinteressen dienen, sie schädigten das deutsche Volk; und als er dann diese Vorlviirse gar dahin ver- dichtete, daß die kraftvolle patriotische Politik der Konservativen mehr mit den bevorstehenden Wahlen als mit dem Marokkoabkommen zusammenhänge, dann nahm die b i s d a h i n mehr p er s ö n» l i ch e Auseinandersetzung zwischen dem Reichskanzler und dem Führer der konservativen Partei eine verhängnisvolle Wendung. Denn je tz t war die gesamte Fraktion, toollte sie ihren politischen Kredit nicht für alle Zeiten einbüßen, gezwungen, zu den Vorwürfen des Kanzlers Stellung zu nehmen und sie zurückzuweisen." Ist schon diese schlvache Verteidigung auffällig, so ist ein anderer Passus der„Kreuz-Zeitung" noch merklvürdigcr, der lautet: „Man beschäftigte sich ausschließlich mit der Frage, wie sich Herr von Heydebrand und der Läse und vor allen Dingen, wie sich die konservative R e i ch s t a g S f r a k t i 0 n zu der Rede des Reichskanzlers stellen werde. Man nahm au, daß zwei Richtungen innerhalb der Partei versuchen würden, sich zur Geltung zu bringen; eine schärfere und eine gemäßigtere; und man hoffte und fürchtete; aber man übersah völlig dabei, daß für eine große und wohlorganisicrte Partei krin Augenblick Zweifel bestehen kann für ihre Stellung, wenn es sich darum handelt, einen Vorwurf zurückzuweisen, als triebe sie Wahl- schachcr mit ihrer nationalen Politik." Wir haben Grund zu glauben, daß diese Stelle auf einen Zwiespalt innerhalb der konservativen Partei hindeutet. Die gewissenlose Deniagogie Heydc- brands, seine Desperadopolitik, die nur unverschämte Raff- gier als einziges Motiv des politischen Handelns kennt, hat auch in der konservativen Partei ihre Gegner. Der älteren Richtung, die Vertreter des eigentlichen Grundrenten- interesses, die einst das Wort von dergräßlichenFlotte geprägt haben, ist die imperialistisch-nationalistische Dema- gogie der verbürgerlichten, mit allen Salben des Erwerbs- interesses geschmicrten Jungagraricr nicht gerade sympathisch. Bisher konnten sie gegen die Politik Heydebrands nichts aus- richten. Ihr Versuch, einen der Ihrigen, den Grafen K a n i tz, zum Sprecher in den Marokkovcrhaudlungen zu machen, scheiterte in einer erregten F r a k t i 0 n s s i tz u n g an dein Widerstand Heydebrands. Und die Zurückhaltung der „Kreuz-Zeitung" ist wohl auf diesen Zwiespalt zurück- zuführen. Den alldeutschen Blättern im engeren Sinne hat der Angriff Bethnianns den Nest von Besinnung geraubt. Heydebrand hatte ja ganz als ihr Wortführer gesprochen. Ihre Wut über die Entlarvung des wahren Patrioten ist grenzenlos. Die„Post" tobt: „Haben die Götter unsere regierenden Männer denn voll- ständig verlassen? Ist ihnen alles Augenmaß, alle Besonnenheit 'des politischen Lebens verloren gegangen? Muß denn mit Gc- w altalles niedergerissen werden, was uns noch Stütze und Trost in diesen traurigen Tagen ist? Die Worte des Reichskanzlers stellten sich nicht nur als eine nnerhörte Verdächtigung und schwere Beleidigung des konservativen Führers, nein, des ganzen nationalen Reichstages, der nationalem Presse, der nationalen Vereine und all der Männer, die in diesem Sommer mitten in der nationalen Bewegung gestanden haben! Wie aber muß dieses unglückselige Wort, diese furchtbare Verdächtigung nackt außen bin wirken! Gerade die Einmütigkeit und Entschlossenheit, die der Reichstag gestern zeigte, war im Begriffe, die Position Deutschlands in der Welt wieder zu be- festigen. Und nun kommt der erste Beamte des Reiches und zerstört dieses wieder, indem er es auf die niedrigsten Beweggründe zurückführt. Herr von Heydebrand mußte mit ehernem Gesicht diese Borwürfe anhören, die ihm aus unmittel- barer Rahe ins Gesicht geschleudert wurden. Mit der Ruhe des überlegenen Geistes, mit der Ruhe des guten Gewissens mag er wohl gedacht haben:„Wer das Reich mehr geschädigt hat. ich'mit meinen Ausführungen, oder D u mit Deinen Taten, bcß überlasse ich ruhig der Geschichte." Unsere Diplomatie hat in kläglichster Weise versagt und wird heute verhöhnt und verspottet in der ganzen Welt. Die letzte Hoffnung, die wir noch hatten, war unser Nationalgcfühl, die nationale Bewegung, die dem Ausland imponieren konnte, imponieren muhte. Nun aber kommt der Vertrauensmann des Kaisers, der einzige verantwortliche Beamte des Reiches und erklärt dieses hohe, gewaltige, heilige Gefühl als W a h l m a ch e und Partei- i n t e r e s s e. Das war die Tat eines deutschen Heroftratos! Hiernach nationale Wahlen mit der Regierung zu machen, ist eine Unmöglichkeit. Es wird keinen nationalen Wähler geben, der seine Stimme einem Manne gibt, der für diese Re� gierung eintreten will, die sein Heiligstes in dieser Weise bet dächtigt und herabgesetzt hat. Eine bessere Wahlparole konnten die Sozialdemokraten sich nicht wünschen. Voraussicht lich wird man im nächsten Wahlkampfc sich nicht auf Bebels, sondern aus Bethmanns Aussprüche berufen. Mit Bethmannö Ausspruch werden die Sozialdemokraten in den Wahlkampf ziehen und allen nationalen Kandidaten den Sieg erschweren. Die Wirkung der Kanzlerrede war furchtbar. Als die Bestürzung wich, brach die Empörung los." Zluch hier entschlüpft der Wut das Geständnis, daß die nationale Hetze niedrig st e Wahl mache gewesen ist. Ani tollsten treibt es wie gewöhnlich die„Äheinisch-West fälische Ztg.": aber es ergibt sich bloß eine komische Retour� kutsche: „Derselbe Mann, für den, seit Monaten unwider- sprachen, die ganze Rdarokkoaktion nur als Mittel zum Zweck einer zugkräftigen„nationalen" Wahl- parole, also letzten Endes zur Festigung seiner Beamten- stellnng Wert hatte, wagt es, einen selbstlosen nationalen Po- litiker und die offizielle konservative Partei und das ganze nationale deutsche Volk der Wahlmache zu egoistischen Parteizwecken zu bezichtigen— nachdem seine eigene, die wirk- siche Wahlspekulation, und zwar zum unwiederbringlichen Schaden an der seinem Amte anvertrauten Ehre und Macht des Reiches, durch seine und seiner treugcbliebencn Gehilfen lln- fähigkeit zu Schanden geworden ist." Das Zentrum führt einen netten Eiertanz auf. Die„Germania" erklärte ihre Freude, daß der Kanzler st a r. kes Temperament gezeigt, daß seine Persönlichkeit ein- mal hervortrat-, das Zentrum billige den zu scharfen Ton Herrn von Heydebrands gar nicht. Dann kommt das Pflaster auf die Wunde des blauen Blockbruders. Herr von Bethmann sei in seinen Angriffen viel zu weit ge- g a n g e n: bis zu einem gewissen Grade habe Herr von Heydc- brand doch recht gehabt; trotzdem habe es erfreulich gewirkt, einmal den Kanzler als Persönlichkeit kennen zu lernen. Dann tröstet sich die„Germania" damit, daß eine Großblockpolitik im Reiche unmöglich sei und meint, daß der leitende Staats- mann die Unterstützung seiner Politik durch den Reichs tagni cht mehrentbehren kann. Man wird ja sehen, was das Zentrum zur Ausgestaltung der Ver- fassung tun wird. Die nationalliberale Presse ist zwar heilfroh, daß die nationalistische Demagogie der Konservativen, die die ihre übertrumpft hatte, entlarvt worden ist, aber ebenso traurig, daß dabei ihr B a s s e r m a n n, der sich wieder einmal aufs falsche Pferd gesetzt hatte, gleichfalls eine Tracht Prügel davongetragen. Und so blickt sie mehr melancholisch als begeistert auf die Verhandlungen zurück. Von der fortschrittlichen Presse schließlich ist die..Vossische Zeitung" von Herrn Bethmann ganz entzückt, während das �..Berliner Tageblatt" immerhin nüchterner urteilt, ver Krieg. Die spärlichen Nachrichten, die heute vom Kriegsschau platze vorliegen, bestätigen nur, daß es in den letzten Tagen vor Tripolis zu ziemlich ernsten Kämpfen gekommen ist. bei denen von eigentlichen Siegern und Besiegten kaum geredet werden kann. Die Italiener werden hinter ihren Befestigun- gen und Laufgräben offenbar ständig von Türken und Ära- bern belästigt: die Organisation ihrer Streitkräfte durch Ein- rcihung der neu eingetroffenen Verstärkungen wird dadurch erschwert und ein Vorstoß in das Innere auf lange hinaus- geschoben. Die Kämpfe bei Tripolis. Rom, 10, November.„Giornale d'Jtalia" melde! über den heutigen Kampf vor Tripolis: Die Türken und Araber griffen in großer Zahl an. die Italiener ließen den Feind, der sich augenscheinlich des Forts Hamidie wieder bemäch- tigen wollte, ruhig herankommen und feuerten erst auf kompakte Massen. Der Angriff begann um 7 Uhr früh und erreichte um 10 Uhr 30 Minuten seinen Höhepunkt. An dem Feuer beteiligten sich die Schiffe Liguria, Partenope und Cigno sowie die italienische Artillerie des Forts Hamidie. Gegen mittag schwieg die türkische Artillerie, während daS Gewehrfeuer noch andauerte. Um 2 Uhr war der Angriff der Türken und Araber abgeschlagen. Der Rückzug der Feinde artete bald in Flucht aus. Rom, 11. November. Wie der„Agenzia Stefani" heute mor- gen gemeldet wird, hat der Feind in dem gestrigen Gefecht starke Verluste gehabt. DaS 93. Infanterieregiment, unterstützt von zwei Kompagnien deS 84. Infanterieregiments und einer Batterie, stand im Kampf gegen türkische und arabische Streitkräfte auf der Linie Fort Hamidie— Sidi Mesri. Kurz nach mittag war der Angriff auf der ganzen Linie abgeschlagen. Während des Nachmittags kam es zu wiederholten kleinen Vorstößen ohne Bedeutung gegen den italienischen linken Flügel. Zum ersten Male gelangte ein Drachenballon zur Verwendung zur Unterstützung der Feuer- lcitung an Bord deS Carlo Alberto. Die Geschütze des Panzer- schiffs vermochten infolgedessen Anzara und das dortige feindliche Lager wirksam unter Feuer zu nehmen und die vorrückenden Ab- teilungen des Feindes zurückzuwerfen. Ein Bataillon des 84. Re- gimentS fand ein verlassenes Geschütz und brachte es nach der italienischen Stellung. Um 8 Uhr abends fiel unmittelbar vor der Stadt auf eine Eskorte deS Generals Dechaurand ein Gewehr- schuß, doch konnte der Täter nicht entdeckt werden. Neue Truppenschübe nach Tripolis. Mailand, 11. November. In Neapel sind drei Regimenter der vierten Division zur Abfahrt nach dem Kriegsschauplatze bereit. Anscheinend werden hier noch Streitkräfte über vier Divisionen hinaus mobilisiert. Man hört bereits, daß weitere Regimenter auf Kriegsfuß gebracht werden. bcispielS- weise das 8. Infanterieregiment in Mailand. Tripolis im österreichischen und im ungarischen Parlamente. Die italienischen Äulturtaten in Tripolis bilden den Gegen- stand einer Interpellation, die der Abgeordnete Breiter(polni- scher Demokrat) im österreichischen Parlament ein- gebracht hat. In einer„Anfrage an den Präsidenten" forderte auch der Slowene Dr. R h b a r. daß der Präsident das Bedauern des Hauses über die Schändlichkeiten ausspreche. Ter Präsident tat dies, wenn auch in allgemeinen Worten und indem er hinzufügte, daß authentische Berichte fehlen. Budapest, 11. November. Abgeordneter H u L z a r interpellierte heute den Ministerpräsidenten, ob es richtig sei, daß Italien seine Flotte ins Aegäische Meer schicken wolle, um durch Besetzung mehrerer Inseln und Städte einen Druck auf die Türkei auszuüben, und welche Schritte die Monarchie plane, um einer solchen für den Frieden gefährlichen Erweiterung deS Kriegsschauplatzes vorzubeugen, und schließlich, ob das Auswärtige Amt geneigt sei, gegen die unmenschlichen Grausamkeiten der Italiener in Tripolis zu protestieren. Da Graf Khuen zur Berichterstattung nach Wien gereist ist, blieb die Interpellation unbeantwortet, Die Revolution in China. Juanschikai der kluge Zauderer. Peking, 11. November. Die Regierung erhielt heute früh ein Telegramm Juanschikais, in welchem er mitteilt, daß sein Gc- sundhcitSzustand ihn verhindere, nach Peking zu kommen und den Vorsitz im Ministerrat zu übernehmen. Diese schlechte Nachricht wurde ein wenig ausgeglichen durch eine etwas später eingetroffene Depesche Juanschikais, in welcher er mitteilt, daß die VerHand- lungen mit den Aufständischen voraussichtlich zu einem friedlichen Uebereinkommen führen würden. Drohende Kämpfe in Mulden. Mukden, 11. November.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Der beratende Ausschuß des Vizekönigs lehnte den Vorschlag der Aufständischen, die Selbständigkeit der Mandschurei zu proklamieren, in Anbetracht der Anwesenheit der zahlreichen Mandschutruppen in der Stadt ab. In einer Beratung der Truppenbefchlshaber im Palast des Vizekönigs wurde beschlossen, überall Verteidigungsmaßnahmen zu treffen für den Fall, daß es zu einem plötzlichen Ausbruch einer gegen die Mandschus gerichteten Bewegung kommen sollte. Die Lage in Tientsin. Tientsin, 11. November. 4000 Flüchtlinge sind aus Peking hier eingetroffen. Ter Vizekönig von Tientsin beabsichtigt, die Stadt den Rebellen zu übergeben, aber der kommandierende General von 10 000 Mann der alten Armee, welche 6 Meilen im Norden der Stadt liegen, will sich in ein Gefecht einlassen. Die Telephonange- stellten und sonstigen Regierungsbeamten sind in den Streit getreten und verlangen dreimonatliche Vorauszahlung ihres Gehalts._ poUtilcbe Ckberlicbt. Berlin, den IL November 1911. Beschränkung des Einfuhrscheinsystems. Durch einen soeben ergangenen Beschluß des Bundesrates ist mit Wirkung vom 1. Dezember 1911 ab die G e l t u n g s- dauer der Einfuhrscheine für Getreide auf drei Monate herabgesetzt und ihre Verwertbarkeit bei der Einfuhr von Kaffee und Petroleum ausge- schlössen worden. Die„N. pol. Korresp." bemerkt halboffiziös zu diesem Beschluß: Maßgebend dürste hierfür neben der Rücksicht auf die bei den Teuerungsdebatten im Reichstage erörterten Ver hältnisse die Erwägung gewesen sein, daß die Gründe, die seinerzeit dazu führten, die Geltungsdauer der Scheine bis auf sechs Monate zu erstrecken und ihre Jnzcchlungnahme auch bei der Einfuhr anderer Waren als Getreide zuzulassen, heute nicht mehr in demselben Maße, wie bei Schaffung des Systems, zutreffen und die damst verfolgten Zwecke auch ohne eine so weit ausgedehnte Verwertbarkeit der Scheine erreicht werden. Erscheint hiernach eine Einschränkung der über das Bedürfnis hinausgehenden Verwendbarkeit an sich gerecht' fertigt, so kommt außerdem in Betracht, daß gerade die Zw lassung der Verwertung der Scheine bei der Einfuhr von Kaffee und Petroleum zu vielen Mißverständnissen und An griffen gegen das ganze System der Einsuhrscheine Anlaß zu geben geeignet war, während sie hiermit an sich in keinem notwendigen Zusammenhange stand. Die beschlossene Einschränkung des Einfuhrscheinsystems ist, wenn ihr auch eine gewisse Rückwirkung auf die Markt und Preisverhältnisse im Osten nicht abgesprochen werden kann, doch, wie wir erst jüngst in zwei Leitartikeln über die Einsuhrscheine dargelegt haben, völlig unzulänglich. Zum mindesten muß gefordert werden, daß die Einstihrscheine nur für die Einfuhr derselben Getreidegattung gelten, bei deren Ausfuhr sie ausgestellt worden sind. Es dürsten also z. B. Einfuhrscheine, die über die Ausfuhr einer bestimmten Menge Roggen ausgestellt sind, auch nur zur zollfreien Einfuhr der- selben Menge Roggen benutzt werden. Zur Ministerkrise in Bayer«. Wie wir gestern schon als höchst wahrscheinlich annahmen, hat die ZentrnmSfraktion der bayerischen Abgeordnetenkammer heute parteioffiziell perkündet, daß sie durch die Entschuldigungs- erklärung des Ministerpräsidenten Freiherrn v. Podewils in der gestrigen Sitzung nicht zufrieden sei. Wie telcgraphisch auS München gemeldet wird, gab in der heutigen Sitzung der Abgeordnete L e r n o(Z.) vor Be- ginn der Generaldiskussion des Etats des MinistermmS des Aeußern im Namen der Z e n t ru m s fr a kt i o n eine Erklärung ab. in der es heißt: »Die vom Vorsitzenden des Ministerrats in der gestrigen öffent- lichen Sitzung abgegebene Erklärung ist in keiner Weise geeignet, meine politischen Freunde zn befriedigen. Diese Erklärung beschränkt sich auf die teilweise Wiederholung dessen, was der Verkehrsminister in der öffentlichen Sitzung vom 8. November gesprochen hat. Gerade diese Aeußerung mit jener Vom 7. November und sein ganzes Verhalten in der Angelegenheit des süddeutschen Eisenbahnerverbaudes bei der Beratung der Anträge betreffend Verbesserung deS Dienstes und der Lohnverhältnisse der Staats- arbeiter, sowie insbesondere sein Eingriff in die Geschäfts- leitung des Präsidiums und damit in die Rechte der Kammer, haben die bekannte, zu Beginn der Finanzausschußsitzung vom 8. November vom Abg. Pichler abgegebene. von meinen politischen Freunden gebilligte Erklärung veranlaßt. Es ist daher nicht richtig, daß der von dem Fiiianzausschuß in jener Sitzung gefaßte Beschluß von nicht zutreffenden Voraussetzungen ausgegangen ist. Wir dürften erwarten, daß der Verkehrsminister oder an seiner Stelle der Vor- sitzende deS Ministerrates in einer öffentlichen S itzung der Kammer eine die Mehrheitspartei befriedigende Erklärung abgibt, wie dies in früheren Jahren von der Staatsregierung wiederholt geschehen ist. Eine solche Erklärung ist bis jetzt nicht abgegeben ivorden. Wir sind daher zurzeit nicht in der Lage, der in der gestrigen Erklärung des Vorsitzenden des Ministerrats ausgesprochenen Erwartung, daß die Beratung der Forderungen des BerkehrSministeriumS als- baldwiederaufgenommenwird, nachzukommen. So lebhaft tvir wünschen, daß der durch die Haltung des Verkehrsministers gegenüber meinen politischen Freunden ge- schaffen? Konstikt eine befriedigende Lösung in der angedeuteten Weise finden möge, ebenso fest müssen wir tnif die Wahrung unserer Rechte bestehen."_ Freisinnige Flausen zur sächsischen Vizepräsidentenwahl. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Von der„Freisinnigen Zeitung" wirb behauptet, die sozialdemokratische Fraktion des sächsischen Landtages hätte vor der Vizepräsidentenwahl in der Zweiten Kammer erklären lassen, däß sie bereit sei, alle verfassungsmäßigen Verpflichtungen, die mit dem Amte eines Vizepräsidenten verbunden seien, zu über- nehmen. Damit habe die sozialdemokratische Fraktion für den aus ihrer Mitte gewählten Vizepräsidenten auch die Verpflichtung festgelegt, an der Eröffnung im Schlosse teilzunehmen. Erst auf diese Erklärung hin sei von den freisinnigen Abgeordneten c'.n Sozialdemokrat zum Vizepräsidenten gewählt worden. Wenn der sozialdemokratische Vizepräsident nicht an der feierlichen Eröffnung teilnehme, begehe er einen Wortbruch. Das ist haltloses Geschwätz. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die sozialdemokratische Fraktion ihren Vizepräsidenten für den Gang zum Schlosse verpflichtet habe; sie hat diese Zumutung vielmehr vorher ganz ausdrücklich abgelehnt, wie sich aus dem Wortlaute der Erklärung ergibt, die vor der Vize- Präsidentenwahl abgegeben wurde. Sie lautete: „Meine Parteifreunde erhoben mich auf einen der beiden Vizepräsidentenposten. Wir erklären dabei ausdrücklich, daß wir alle verfassungsmäßigen Verpflichtungen, die mit diesem Amte verbunden sind, selbstverständlich übernähmen. Wir übernehmen aber diejenigen Verpflichtungen nicht, die von feiten der nationalliberalen Partei soeben durch den Mund des Herrn Abg. Hettner hinein- interpretiert worden sin d." Das aber, was der nationalliberale Abgeordnete Hettner hinein zu interpretieren versuchte, war gerade die Verpflichtung für den Vizepräsidenten, an der feierlichen Eröffnung des Landtages teilzunehmen. Es kann somit gar kein Zweifel darüber obwalten, daß von sozialdemokratischer Seite nicht der mindeste Zweifel dar- über gelassen worden ist, daß der sozialdemokratische Vizepräsident nicht zur Landtagseröffnung im Schlosse gehen werde. Wenn die „Freisinnige Zeitung" das Gegenteil behauptet, kann sie daS nur in völliger Unkenntnis über die maßgebende sozialdemokratische Er- llärung tun._ Verunglückte Sammlungspolitik. Mitten hinein in das Chaos, das die Verhandlungen der letzten Tage ergeben haben, kommt der Osfiziosus Schweinburg mit dem Versuch, nochmals das Banner der Sammlung zu entfalten. Anknüpfend an die Kundgebung einer Anzahl Bank- und Industrie- aristokraten für das Marokkoabkommcn meint Schweinburg: „Auch wer noch so ungünstig über das Marokkoabkommen urteilt, wird sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß daran nichts mehr zu ändern ist und daß es jetzt im Interesse Deutschlands darauf ankommt, das, was mit diesem Abkommen für unsere koloniale Tätigkeit und für unsere Industrie und unseren Handel doch immerhin gewonnen ist. einschließlich der Haltung und Sicherung des WcltftiedcnS auch nunmehr für unser Volk und uiiser heimisches Erwerbsleben nutzbar zu machen. Mit der ReichStagSverhandlnng muß daher im Interesse unserer gedeih- lichen Entwickelrina notwendig die rückwärts schauende Tätigkeit ihren Abschluß finden und nunmehr die Losung sein: Vorwärts in kräftiger, zielbewußter, kolonialer und weltwirtschastlicher Tätig- keit!" Die Mahnung deS MacherS offiziöser Meinungen fällt diesntal auf recht unfruchtbaren Boden, wenn es auch richtig ist. daß schließ- lich für unsere Feinde immer noch das Wort gegolten hat: Back schlägt sich— Pack verträgt sich! Im heiligen Köln streitet man gegenwärtig heftig um die Errichtung eines Familien- standbadeS. Bor kurzem hat die Zentrnmsmehrheit im Kölner Rathause die Anlage eines Familie nstandbades abgelehnt, dagegen die Errichtung von getrennten Strandbädern für Männer und Frauen beschlossen. Die nicht-tlerikale Einwohnerschaft Kölns empfindet diese Abstimmung al» einen Gewaltakt, als einen Mißbrauch der Mehrheit. Im verflossenen Sommer ist das von der Kölner Bevölkerung selbst geschaffene freie Familienstandbad zwischen Köln und Rodenkirchen an einzelnen Tagen von mehr als 40 000 Personen besucht worden. Diese Freunde des Familien- standbadeS sind der Ansicht, daß sie ein Recht haben auf ein städtisches Bad, das Schutz gegen Lebensgefahr und Ausschreitungen llnerzogener bietet, und daß auf der anderen Seite es dem Gegner des gemeinsamen BadeS ja frei stehe, wegzubleiben. Die ZentrumSmehrbeit, die von ihrer Macht im Kölner Rat- Hause in der unduldsamsten Weise Gebrauch macht, stimmte die von der städtischen Verwaltung aufs wärmste befürwortete Errichtung eines F-mnlienbades einfach nieder, und zwar auf Kommando einer Anzahl Frauen-, Jungfrauen- und Eitllichkeitsvereine ultramontancr Gattung. In der Diskussion stellte sich heraus, daß eine Reihe akademu'ch gebildeter ZeinruinSstadlverordneter prinzipiell nicht gegen da? Familienbad waren; sie stimmten aber unter dem Fraktionszwang dagegen. ES machte einen beschämenden Eindruck »vre diele Herren: ein Arzt, ein namhafter Baukünstler und ein alter Justizrat, unter der Diklatnr der von einer völlig subalternen Persoirlichkeit geführten Mehrheit gegen ihre Ueberzeugung stimmten. Dre Wortführer des Zentrums bezeichneten daS Familienbad als unsililich, die weiblichen Besucher als unanständig, lrotzdem der katholische Oberbürgenneister und der katholische, streng-kiichlich ac- richtete ärztliche Beigeordnete Dr. Krautwig daS gemeinsame Bad energisch befürworteten. Sie verWielen aus die guten Erfahrungen au anderen Plätzen, besonders in dem Fan»ilienbad im bcnach- barten Düsseldorf, wo man nach der bei der dortigen Stadt- Verwaltung eingeholten Auskunft noch zwei Familien- st ra ii d b ä d er errichten will, weiter auf Wannsee; aber die Klerikalen gaben ihre vom Gesichtspuiikie der Ast- lochgucker diklierten'nuielalierlichen Anschauungen nicht auf. So hat die schwarze Mehrheit denn Kol», die Metropale West- dentschlands, vor aller Well als ei» großes katholisches Dorf blamiert und die Bewohner, die nach ZentrumSurteil an siulicher Reife hinter denen zahlreicher anderer Städte zurückstehen, dem Gespött der Witz- blätter des In- und Auslandes preisgegeben. ' Gestern nahm eine von Sportvereinen veranstaltete Volks» Versammlung siir ein Faiinlieitstrandbad Stellung. Die Kleri- kalen waren unter Führung zweier SittlichkeitSvereinler zahlreich erschienen, mußten si» aber wegen ihrer Rückständigkeit und Hembelei biliere Wahrheiten sagen lassen Obwohl bei der Abstimmung über die Resoluron eine Anzahl duser patentlerten Inhaber der allein zulässigen Moralainchauungen m l t b e i d e n H ä n d e n vosserle», blieben sie m der Minderheit Sie hatten die Versammlung in u.i- erhörter Wene geitort und siheilten selbst vor Beschimpfungen und körperlicher Bedrohung von Standbadfreunden nicht zurück. Ein agrarischer Ortsvorsteher als Steuerdefrandant. Der Gutsbesitzer Wilhelm E ck st e i n. Ortsvorsteher in O b e r r ö b l i>, g e n a. d. Helme und wohlbestallter Vorsitzenderder Steueret nich a tz u ngSkom Mission, hatte sich wegen fortgesetzter Steuerhinterziehungen am Donnerstag vor dem Schöffengericht m Sangerhausen zu verantworten. Anklage war nur wegen der Steuerhinterziehungen seil dem Jahre 100k er- hoben. Die Beweisaufnahme ergab aber, daß die Steuereinschätzungen dieses Einschätzungskommisfionsborsitzenden Bereits feit 1892 fast regelmäßig beanstandet werde» mußten. Den, tüchtigen OrtSoberhaupi wurde unter anderem ein Fall von offenem Steuer- betrug nachgewiesen, wo er eine Einnahme von 2000 M., die Pachtsumme eines Ackers, nicht mit in seiner Steuereinschätzung angeführt hatte. Man kann sich danach ungefähr vorstellen, wie dieser Herr Steuereinschätzungskommisstonsvorsitzende seine agrarischen Kollegen „eingeschätzt" hat. Als Entschuldigung für seine Bergehen führte der Gutsherr schwere Schicksalsschläge an, die er erlitten haben will. Dabei konnte sofort festgestellt werden, daß er 4000 M. im Jahre 1905 und 5000 M. im Jahre 1907, seinen beiden schicksalsschweren Jahren, z u r S p a r k a s s e getragen hat, bei der übrigens sein Guthaben in den letzten acht Jahren von 2000 auf 23000 M. gestiegen ist. Das Gericht verurteilte den zuverlässigen Steuereinschätzer schließlich wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung zu 4068 M. Geldstrafe._ Die finnlose Schärfe des Militärstrafgesetzes erfährt durch folgende, vor dem Oberkriegsgericht des 9. Armee- korps in Altona stattgefundcne Verhandlung eine grelle Beleuch- tung. Am 2. Juli befanden sich einige Soldaten in einer Kantine des Lockstcdtcr Lagers in feucht-fröhlicher Stimmung. Laut ge? sungene Rcservelieder gemahnten an die baldige Freiheit. Zwei ilnieroffiziere begaben sich in das Lokal, um Ruhe zu stiften. Nach- dem sie hinausgegangen waren und draußen vor der Tür standen, wurde ihnen aus der Kantine her ein Bierrest über den Rock ge- gössen. Der Musketier Kuschmirek bezeichnete den Musketier Revers von der 1. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 31 in Altona als den Täter. Dieser geriet daraufhin in Haft. Gegen ihn wurde die Anklage verfügt. Das Divisionsgcricht sprach ihn indes frei, da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, daß K. sich irre. Dieses Erkenntnis hat der Gerichtsiherr angefochten mit der Begründung, daß R. hätte verurteilt werden müssen. Während der ersten Ver- Handlung hat sich zum Glück die Qualität des Hauptbclastungs- zugen erheblich verschlechtert. Gegen Kuschmirek schwebt nämlich eine Untersuchungssache wegen Diebstahls zum Nachteile eines Kameraden. Der Feldwebel des Angeklagten, der den K. wegen seiner Zuverlässigkeit auf die Probe stellte, bekundet außerdem, Kuschmirek habe zuerst mit derselben Bestimmtheit, mit der er später R. bezichtete, den Musketier Marquardt als den Täter be- zeichnet. Der Angeklagte bestreitet mit aller Entschiedenheit jegliche Schuld. Kuschmirek läßt sich durch keine Frage davon abbringen, daß R. der Täter sei. Der Feldwebel des K. bezeichnet diesen als einen schlechten Soldaten. Trotz alledem hält der Vertreter der Anklage den Schuldbeweis für gelungen. Ein tätlicher An- griff liege auch vor; denn nach der Judikatur des Reichsmilitär- gcrichts sei dieses Verbrechen aus Z 97 M.-St.-G. mit jeder demon- slrativ gegen den Körper des Vorgesetzten gerichteten Handlung ge- geben. Konstruiere man einen minder schweren Fall, so sei eine Strafe von einem Jahre, andernfalls von drei Jahren Ge- f ä n g n i s am Platze. Das seien die gesetzlichen Mindeststrafen. Man bedenke: drei Jahre Gefängnis für einige Tropfen Bier, durch die die Majestät eines Unter- osfiziers verletzt sein soll. Das Oberkriegsgericht gewann nicht die Ueberzeugung, baß der Angeklagte der Täter sei, und sprachihn frei. Langjährige Unterschlagungen im«t. Infanterie- Regiment. Vor dem Kriegsgericht in T h o r n hatten fich 13 Musketiere, Unteroffiziere, Vizefeldwebel und Unterzahlmeister wegen Diebstahls, Unterschlagung, Bestechung, Anstiftung usw. zu verantworten. ES handelt sich um jahrelange schmutzige Geschichten im zweiten "Bataillon des 01. Infanterie» Regiments. Aus dem Menageraum wurden Waren, wie Kaffee, Zucker. Reis, Konserven, Fleisch, Schmalz, Speck, Eier, Butter, Salz, Petroleum, die für den Äüchengebrauch angeliefert waren, beiseite geschafft. Auch Patronenhülsen wurden unter- schlagen. Ein Zeuge Mittelzwey bekundete, daß er mit anderen Sol- daten zu dem Vizefeldwebel Busse, der geheiratet hatte, eine Wagen- ladung von etwa 8 bis 10 Zentner nach dessen Wohnung schaffen mnßte. ES handelte sich um Kartoffeln, Kohlen, einen Hakben Zentner Holz, mehrere Säcke und verschlossene Kisten. Aehnlich sagten verschiedene andere Zeugen aus. Schließlich legte auch der Angeklagte Musketier Trippler ein umfassendes Geständnis ab. Er schaffte im Austrage Franks Kaffee. Zucker, Schmalz. Butter und Fleischkonserven zu dem Kantinenwirt Gretzinger, der sehr noble Passtonen hatte und als„Oberleutnant in Zivil" kostspielige Reisen machte. Als Trippler auf Urlaub war, wollte ihn Gretzinger brieflich zu falschen Aussagen verleiten. Er sollte den Verdacht auf die unschuldigen Unteroffiziere Skrodzki und Dreher lenken, damit Unteroffizier Frank und Sergeant Raguse auf freien Fuß kämen; dafür sollte es einen„Blauen" geben. Gretzinger habe ihn sogar überreden wollen, einen Belastungszeugen zu erschießen I Die Gerichtsverhandlung ergab neben vielen anderen Tatsachen, daß„gewisse Damen" tagelang in der Küche untergebracht und ver- pflegt wurden, und daß dort mehrfach Gelage stattfanden. Gretzinger lieferte allein kurz vor Weihnachten 1910 auf einmal zwei Sack un- gebrannten Perlkaffee, vier bis fünf Sack Salz, 30 bis 40 Pfund Speck und 20 bis 25 Pfund Kakao an den Kaufmann Begdon. Kriegsgerichtsrat Dr. Rehdans als Verttetxr der Anklage führte aus, daß sich die Behörden darüber klar seien, es sei erst ein Teil der Unterschlagungen bekannt. WaS glücklich herausgebracht sei, bilde nur den kleineren Teil von dem, was wirklich verübt worden ist. Verschiedene Zeugen konnten wegen dringenden Verdachts der Mittäterschaft nicht vereidigt werden. AuS ihren Bekundungen und den Aussagen der Angeklagten gehe aber hervor, daß noch recht vieles andere geschehen sei. Die Angeklagten wurden bis auf zwei Sergeanten sämtlich ver- urteilt. Die Strafen liegen zwischen 19 Tagen gelindem Arrest und 1 Jahr« Monaten Gefängnis, außerdem gegen neun An- geklagte auf Degradation oder Versetzung m die zweite Klasse des SoldatenstandeS. Gegen eine Anzahl Zivilpersonen wird»och vor der Straf- kämm« verhandelt werden.__ Prügel als militärisches Erziehungsmittel. Seit langer Zeit bilden die Mißhandlungen beim 10. Husaren- rcgiment in Schleswig unausgesetzt den Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen. Während der letzten Zeit haben 250 UnterfuchungS- sachen die Kriegsgerichte beschäftigt. Bckanittlich sind die Miß- Handlungen besonders von den Maunschasten der älteren Jahrgange gegen die Rekruten verübt worden. Die dritte Eskadron des Re- giments, in der das Uebel am meisten verbreitet war, hat auf Ver- onlassung der Militärbehörden zu einem anscheinend radikal wirkenden Gegenmittel gegriffen: Man schickte kurzerhand den ganzen Rekrutenjahrgang 1909/10 nach Flensburg vor die ErmittclungS- obteilung des dortigen DivisionSgerichtS und ließ jeden Mann einzeln von einem KriegSgerichtSrat vernehmen unter der strikten Auslage, er habe in einem«erfahren gegen„llnbekanitt" die volle Wahrheit zu sagen und jeden einzelnen Fall der ihm bekannt gewordenen Mißhandlungen zu Protokoll zu geben. Diese Recherchen trugen dem Gefreiten der Reserve Wehde von der S. Eskadron eine Auflage ein. In Gemeinschaft mit einem anderen Gefreiten hatte er den Rekruten PrieS, weil er angeblich sein Zaumzeug nicht gründlich geputzt habe, dafür recht gründlich verprügelt. Das Kriegsgericht erkannte wegen dieses Vergehens aus sieben Tage Mittelarrest. Auf die Berufung des Angeklagten hin verlief auch die Beweis- ausnähme vor dem Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps für ihn un- günstig. Der Ankläger bemerkte, es seien äußerst schlechte Zustände bei dem Regiment gewesen. Dem wüsten Treiben der älteren Jahr- gänge müsse mit allen gesetzlichen Mitteln ein Ende gemacht werden. Deshalb sei die Berufung zu verwerten. Das Oberkriegsgericht lvarf eine Strafe von sieben Tagen gelinden Arrest aus. Mildernd komme in Betracht, daß der Vorgang schon recht weit zurückliege. Außerdem treffe die Strafe den Angeklagten in seinem Zivilberufe schwerer als früher._ RdmUchhcitcn. Paris, 10. November.(Eig.«er.) Für die Geheimpolitik ist jetzt der internationale Krach gekommen. Die Geheimverträge werden jetzt sönnlich sackweise herbeigeschleppt und als Makulatur in die Senkgrube geworfen. Die deutsche Regierung hat den jetzigen Ver- trägen geheime Abmachungen anhängen lassen. Die französische Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten, der der Respekt vor der diplomatischen Geheimwissenschaft gründlich vergangen ist, hat die von Herrn de Selves angebotene Aufklärung nur unter der Bedingung annehmbar erklärt, daß der Bekanntmachung kein Wider- stand entgegengesetzt werde. Natürlich weiß man schon, WaS in den Geheimabmachungen steht: Die Bestimmung über die Berufung des Haager Schiedsgerichts in Streitfällen, die sich aus den Verträgen ergeben und die ausdrückliche Anerkennung des Protektorats in Marokko. Der Artikel über daS Schiedsgericht war schon in einer halboffiziösen Mitteilung im„Temps" bekannt gemacht. Oeftcmicb. Die politische Demonstratio» des Deutschen Kronprinzen im österreichische« Parlament. Wien, 10. November. Abgeordnetenhaus. Im Ver- laufe der Budgetdebatte kam der tschechische Sozialdemokrat N e m e c aus die gestrige Anwesenheit des Deutschen Kronprinzen im Reichs- t a g zu sprechen, die darauf schließe» lasse, daß sich um den Krön- Prinzen eine zum Kriege drängende Kamarilla bilde, und bemerkte: Wir müssen Deutschlands wegen den Heeresstand vermehren und Dread- noughts bauen. Daher gehl eS uns sehr viel an, wenn unsere Ver- bündele» eine Kriegshetze veranstalten. Deutschland unterstützt unsere Politik militärisch, drängt uns aber wirtschaftlich von den Balkanländern ab, schädigt uns also direkt. Der Redner wurde mehrfach von christlich-sozialen und deutschen Abgeordneten, welche auf Deutschlands Bundcshilse beim serbischen Konflitt hinwiesen, unter- brachen. P o l l a u f(Alldeutscher) stellte gegenüber Nemce fest, daß die Vorgänge am deutschen Kaiserhofe die Sozialdemokraten gar nichts angingen:„es werde ihnen nicht gelingen, die strahlende Ehre des Hohenzollernhauses irgendwie zu beschmutzen". franhmeb. Herv6 verurteilt. Paris, 10. November. Der Chefredakteur Gustave Herve und der Geschäftsführer Auroy der„Guerre sociale", die vor einigen Monaten wegen„Beleidigung der Armee" und„Ver- herrlichung verbrecherischer Taten" verurteilt worden waren und gegen dieses Urteil Einspruch erhoben, hatten, erschienen heute vor dem Schwurgericht. Herve wurde zu zwei Jahren Ge- fängnis und 1000 Frank Geldstrafe, Auroy zu sechs Mo- naten Gefängnis und bOO Frank Geldstrafe verurteilt. Der spanische Panthersprung. Paris, 9. November.(Eig. Ber.) Die spanische Regie- r u n g hat einen Kreuzer nach Tanger geschickt. Der Vorwand ist nicht ganz so bei den Haaren herbeigezogen wie die famose Intervention von Agadir— denn in Tanger haben Sanitätsmotzregeln wirflich«ine Erregung der Eingeborenen hervor- gerufen und die Vorgänge in Tunis zeigen, welche Gefühle die europäische Raubpolitik bei den, afrikanischen Muselmanen aus- löst— aber ein Vorwcmd bleibt diese Situation gleichwohl. Die spanische Demonstration folgt merkwürdig prompt der Veröffent- lichung des Geheimvertrages, mit der der„Matin" der spanischen Regierung im kritischen Augenblick zu Hilfe gekommen ist. Die Welt kennt nun den„Rcchtsswndpunkt" Spaniens und soll ver- stehen, warum auch die Diplomatie von Madrid mit der Faust philosophiert. Natürlich kann die spanische Regierung, die nicht ein- mal mit den Riff-Kabylen fertig geworden ist, nicht daran denken, das ihr im Geheimvertrag zugestandene Gebiet in einem Krieg mit Frankreich zu verteidigen. Aber sie kann sich auch nicht ohne Wider- stand mit der Rolle des Düpierten abfinden. Die spanische Monarchie ist genau in derselben politischen Situation wie die Jungtürken, die für ihre Herrschaft im Innern zu fürchten haben. Allerdings ist sie noch weit weniger fähig, sich zur Wehr zu setzen. Das eine aber vermag sie immerhin, durch ihre Demonstration just bor der Beratung des deutschen-französischen Abkommens die Situation im französischen Parlament zu verwirren und das Ministerium Caillaux in eine unangenehme Lage zu bringen. Sicherlich wird nur eine weltabgewendcte Ideologie ein ent- rüstetes Bedauern darüber empfinden, daß Caillaux, als sich ihm die Möglichkeit bot. Marokko zu gewinnen und im Kongo ein Ab- kommen zu finden, das die dort interessierten Kapitalisten nicht schädigt, die geheime Abmachung DelcasseS mit Spanien mit einem Fußtritt beseitigte. Mit dem Begriff der„nationalen Ehre", wo- mit man vor den Volksmassen Staat macht, haben die Diplomaten niemals eine Entsagungsmoral rechtfertigen wollen. Machiavelli ist nicht der Leichenbitter der feudalen, sondern der Geburtszeuge der modernen Politik. Aber schließlich selbst unter dem Stand- Punkt privatrechtlicher Biedermeierei betrachtet, könnte der Geheim- vertrag— als bedingter Raubpakt— als gegen die guten Sitten verstoßend, für ungültig erklärt werden. Zweifellos ist Spanien bemogelt worden. Die französische Regierung behauptet, der Zug nach Fez sei nicht unternommen worden, weil die Regierung des Sultans zu schwach gewesen sei, um die Sicherheit und öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, was Spanien zur Einverleibung seiner Einflußsphäre berechtigt hätte, sondern nur, um die Autori- tat des Sultans noch zu verstärken. Und wenn Herr Caillaux am Sonntag ungeniert die Notwendigkeit. Marokko dem fran- zösischen Kolonialreich einzuverleiben proklamiert hat. so hat die spanische Regierung sich frevelhaft darüber hinweggesetzt, daß der politische Zustand Marokkos und die scherifische Gewalt durch gar nichts bedroht waren. Aber das alles ist Nebensache. Frankreich hat den Großmächten Marokko, das sie nicht besaßen, abgekauft und hat keine Lust, sich die politische Unmöglichkeit eines Doppelprotek- torats aufzuladen und zwei Drittel des Wegs von Tanger nach Fez von Spanien besetzen zu lassen. Wenn Delcasse wirklich den unglaublich törichten Vertrag geschlossen hat, so soll er ihn mit seiner politischen Zukunft bezahlen. Vor Spanien und seinen„historischen Rechten" braucht sich der französische Raub-JmperialiSmus wahrhaftig nicht zu genieren. Anders wäre es freilich, wenn ihm ein Protektor in England 'erschiene. Und in dieser Beziehung gibt der heutige Leitartikel des„TempS" wirklich zu denken. Soll schließlich auch die fran. zösische Diplomatie geleimt worden sein? Welch Tiefsinn steckt doch in der kapitalistischen Regierungskunst der betrogenen Be- trüger! Spanien. Die Ordnttngsbcstic bei der Blutarbeit. Madrid. 11. November. Am 20. d. M. tritt ein Kriegs« g e r i ch t zusammen, welches über 22 Angeklagten, die an dem Aufruhr in Cullera, Provinz Valencia, teilgenommen hatten, das Urteil sprechen wird. Das Kriegsgericht wird in Sueca tagen. da in Cullera nicht genügend Lokalitäten zur Abhaltung der Ver- Handlung vorhanden sind. Die Zivilanwälte haben sich geweigert, angesichts der ihnen ge st eilten Be- dingungen die Verteidigung der Angeklagten zu übernehmen. Infolgedessen werden militärische Ver- t e i d i g e r ernannt werden. Für jeden Angeklagten wird ein militärischer Anwalt bezeichnet. Es heißt, daß acht Angeklagte zum Tode verurteilt werden würden. Die Hinrichtung der Delinquenten durch den Strang wird am 26. November stattfinden. Cnglanä. Das allgemeine Wahlrecht. London, 8. November.(Eig. Ber.) Der Ministerpräsident hat dem Lande mit seiner Erklärung, daß die Regierung beabsichtige, im nächsten Jahre eine Wahlrechtsvorlage einzubringen, nach der jeder Mann über 21 Jahre das Stimmrecht haben soll, eine große Ueberraschung bereitet. Einer von dem Arbeiterparteiler Henderson geführten Deputation des Ver- bandes für das allgemeine Wahlrecht teilte er mit, daß die Regie- rung auf dem Standpunkt stehe, daß das Wahlrecht eines Mannes auf seiner Eigenschaft als Bürger beruhe und daß niemand mehr als eine Stimme haben dürfe. Der ganze Wahlrechtswirr- w a r r, der jetzt bestehe, müsse hinweggefegt werden. Die einzig vernünftige Grundlage für das Wahlrecht werde dadurch ge- schaffen, daß ein Mann, der die Bedingungen, die er niedergelegt habe, erfülle und der in dem Wahlkreis, in dem er sein Wahlrecht beanspruche, wohne, automatisch, ohne eigene Anstrengung, durch die Bermittelung eines öffentlichen Beamten und auf Kosten der Oeffentlichkcit ju seinem vollen Wahlrecht gelange. In bezug auf das F r a u e n st i m m r e ch t stehe er noch immer auf seinem alten ablehnenden Standpunkt; die Vorlage würde aber in einer solchen Gestalt eingebracht werden, daß das Parlament, wenn es dieses wünsche, das Frauenstimmrecht durch ein Amendement beschließen könne. Wenn die Regierung ihr Wort hält, so stehen wir vor einer Reform, die für das englische Parteileben von wirklich revolutio- närer Bedeutung sein wird. Nicht nur würde die Reform drei Millionen neue männliche Wähler und unter Umständen 10 Mil- lioncn weibliche schassen; auch das Pluralwahlrecht würde abge- schafft werden und durch die Beseitigung des kostspieligen Re- gistrierungswesens würde die Arbeiterschaft zum ersten Male in der politischen Arena den besitzenden Klassen gleichgestellt werden. Soziales. Erfolge ber Säuglingsfürsorge in Freiburg i. vr. Seit dem Jahre 1896 hat die Stadt Freiburg in Baden die Bekämpfung der Säichlingssterblichkeit in ihren Aufgabenkreis hin- eingezogen. Es wurde zunächst beschlossen, sowohl an verheiratete als auch an ledige Mütter Stillprämien, und zwar in Höhe von 3 Mark wöchentlich für die Zeit von 2% Monaten zu gewähren, unter der Voraussetzung, daß die Mutter ihr Kind vollkommen selbst nährt. Zum Bezug von Stillprämien sind berechtigt Familien, die ein tägliches Einkommen von nicht über drei Mark bei Vorhanden- sein eines Kindes, von 50 Pf. mehr für jedes weitere Kind de- ziehen. Im letzten Jahre erhielten 353 Mütter Stillprämien, dar- unter 38 ledige. Von den Ehefrauen waren 15 mit Beamten, 145 mit gelernten und 155 mit ungelernten Arbeitern verheiratet. 33 Gesuche wurden abgelehnt. Eine weitere sehr wichtige Einrichtung war die, daß die der Armcnbehörde unterstellten Kinder statt in Anstaltspflege in Einzel- pflege getan wurden. Diese Pflegestellen wurden durch Damen des Luisen-Frauenvercins, die städtischen Armenkontrolleure und die staatliche Polizeipflegerin unter ständiger Kontrolle gehalten. Außer- dem find die Ziehmütter verpflichtet, einmal monatlich das Kind bei der ärztlichen Fürsorgestelle vorzustellen. Auch die Ziehmütter von der Armenpflege nicht unterstellten Kindern müssen monatlich einmal diesen Weg machen. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist ein erstaunlich großer ge- Wesen. Die allgemeine Säuglingssterblichkeit, die 1900 in Freiburg 24 Prozent der Lebendgeborcnen betragen hatte, sank 1905 auf 17,3 und 1910 auf 11,0 Prozent. Dabei ist die Sterblichkeit der unehelichen Säuglinge bedeutend stärker zurückgegangen als die der ehelichen. Sie sank in dem genannten Zeitraum von 48,3 auf 12,9 Proz., also etwa auf ein Viertel, während die der ehelichen von 20,9 aus 10,6 Proz., also auf die Hälfte zurückging. Seit 1907 steht Freiburg in bezug ans die Säuglingssterblich- keit an unterster Stelle in Baden. Im letzten Jahre starben im ganzen Großherzogtum von je 100 lebendgcborenen Kindern 15,7 schon vor Erreichung des ersten Lebensjahres, bei den ehelichen be- trug die Ziffer 15,2, bei den unehelichen 21,9. (Siehe auch 4. Beilage.} Hus Induftrlc und Handel* Waggonmangel und Fcicrschichten. In jedem Herbst hört man Klagen über unzureichende Ge- stellung von Waggons in den Kohlenbezirkcn. In dieser Jahres- zeit ist der Bedarf an Waggons besonders groß, einmal weil die Eindeckungen der Kohlenkonsumcuteii, speziell auch für den Winterbedarf, sehr umfangreich sind, und gleichzeitig auch die Rübencrnte erhöhte Anforderungen an den Wagenpark stellt. In diesem Jahre hat nun aber die Rübcnkuliur einen nur geringen Ertrag geliefert; einige Zuckerfabriken haben wegen Mangel an Rüben den Betrieb gar nicht eröffnet, andere produzieren nur kurze Zeit. Von dieser Seite ist demnach die Inanspruchnahme des rollenden Eisenbahnmaterials weniger stark als wie im Vor- jähre. Trotzdem wird aus dein Ruhrrevier in diesem Jahre über besonders großen Wagenmangel geklagt. Verschiedene Zechen mußten schon wieder holt Feier schichten einlegen. Für die betroffenen Arbeiter ist das natürlich sehr unangenehm, aber auch allgemeine wirtschaftliche Interessen werden berührt. Zu einem ganz erheblichen Teile ist der Waggonmangel eine Folge schlechter Organisation. Das Material wird nicht genügend aus- genutzt, manchmal laufen die Wagen spazieren. Da sieht man leere und volle Wagen aus verschiedenen Direkiionsbezirkm einem Ziele zustreben. Der volle Wagen geht nachher wieder leer zu- rück. Seine Hin- und Herfahrt hätte erspart werden können. Auch haben die Wagen infolge zu langsamer Be- und Entladung oft sehr viel tote Zeit. Die Errichtung von besonderen Organi- sationsbureauS in den verschiedenen Bezirken könnte die Uebel- stände in erheblichem Umfange beschränken. Die Kosten dafür deckte schon allein die zu erzielende Einschränkung des Rangier- diensteS. Ferner sollte die Eisenbahnverwaltung endlich dazu übergehen, nach amerikanischem Vorbilde für Massengüter, deren Entladung keine besondere Vorsicht voraussetzt. Waggons mit selbst- tätiger Entladeeinrichtung zu beschaffen. Wenn beides geschieht, dann müssen die Klagen über Wagenmangel verstummen und die Betriebe sind nicht mehr unliebsamen Störungen ausgesetzt. Gewerfefcbaftlicbcö. Cnglilcker ßcTuch in Deutrcblatid. Ben Stillet, der Vorsitzende der englischen Dockers Union und Mitglied der Sozial Demokraty Party(S. D. P.) weilt gegenwärtig in Deutschland, um in Begleitung des Ge Nossen I o ch a d e, internationalen Sekretärs des Transport arbeiterwerbandes, die Einrichtungen und das Organisation� shstem der sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften kennen zu lernen. Unser englischer Genosse nahm bekanntlich in der letzten großen Ausstandsbewegung der Transport arbeiter als Vorkämpfer eine hervorragende Stelle ein. Der siegreiche Verlauf der Bewegung brachte den verschiedenen Unions einen ganz bedeutenden Mitgliederzuwachs, so bei Tilletts Union über 20Ö Proz., bei den anderen beteiligten Organisationen nicht viel weniger. Leider ist in England eine große Zersplitterung der Kräfte infolge des Bestehens einer Unzahl Unionen vorhanden. Allein im Transport- geinerbe existieren zwischen 35 und 40 Organisationen. Hierzu müssen noch eine Anzahl sogenannter General Labourers Unions(Organisationen ungelernter Arbeiter) gerechne werden, die gleichfalls Transportarbeiter aufnehmen. Von diesen Labourers Unions lcylossen sich im April 1908 nicht weniger denn 9 Organisationen zu einem General Labourers National Council zusanimen. Die Gasarbeiter-Union und Tilletts Dockers Union waren die treibenden Kräfte dieses losen Zusammenschlusses. Zweck dieser losen Vereinigung war der endliche Zusammenschluß in einer Einheitsorgani sation. Jetzt hat eine Urabstimmung unter den Mitgliedern dieser 9 Unionen stattgefunden, die als Resultat ergab, daß mehr als 80 Proz. der Mitglieder für einen sofortigen Zu- fammenschluß zu einer Einheitsorganisation zu haben sind. Diese Organisation wird dann 250 000 Mitglieder zählen Neben dieser Organisation besteht die 1910 gegründete Nario- nal Transport Workers Federation, der jetzt annähernd 20 Organisationen mit ungefähr 200 000 Mitgliedern ange schlössen sind, auch sogenannte General Labourers Unions. aber mrr mit der Anzahl der ihnen angehörenden Transport arbeiter. Auch diese Federation wird in absehbarer Zeit zu einem engeren Zusammenschluß kommen müssen. Zunächst werden wahrscheinlich noch die Eisenbahner den Anschluß an diese Federation vollziehen. Die Verhandlungen dafür sind bereits im Gange. Der Anschluß der Eisenbahner würde einen großen Mitgliederzuwachs der Federation bedeuten Natürlich bringt dieser Zusammenschluß der organisierten .Kräfte eine Aenderung der Administration und des Organt sationssystems mit sich. Beides läßt in den englischen Unions viel zu wünschen übrig. Das wissen die Engländer, die mit offenen Augen diesen Fortschritt des Zusammenschlusses der Organisation beobachten, auch sehr genau. Besonders Ben Tillett ist von der Notwendigkeit des Aufbaues der Organisa- tionen auf industriell-beruflicher und streng zentralistischer Basis überzeugt, und er kämpft dafür. Nun, Ben Tillett ist jetzt in Deutschland als Gast des deutschen Transportarbeiter» Verbandes, pm unsere Einrichtungen und das System der deutschen Arbeiterbewegung kennen zu fernen. Ihm wurde bereitwilligst alles gezeigt und erläutert, und es darf wohl hinzugefügt werden, daß er überall, wo er auch hinkommen möge, mit der größten Freundlichkeit aufgenommen wird. Wir deutschen organisierten Arbeiter haben ein großes Jnter- esse an der Fortentwickelung der englischen politischen und ge- werkschaftlichen Arbeiterbewegung. Der Besuch Ben Tilletts wird auf die gegenseitigen freundlichen Beziehungen nicht ohne Einfluß bleiben und uns einander noch näher bringen. Lerll« unct Ilmgegencl. Die Scharfschützen auf dem Bureau der Elekro« mechanischen Jndustriegesellschaft in der Chausseestratze haben einen vollen Erfolg erzielt. Der an- geschossene Buchhalter Gericke au« der Scheererstr. U ist leider seinen Verletzungen erlegen. Die von den Hintze-Gardisten übernommene Gepflogenheit der Bewaffnung der.Vorgesetzten' hat ein Opfer ge- fordert. Herr Max Glaser, dem die Arbeiter die Schuld an der Be- waffnuna der Bureaubeamten bei der Firma zuschreiben, bestreitet in einer Zuschrift an un«. bei der Firma als.Spitzel' angestellt zu sein. Das glauben wir gern. So etwas schreibt man ja nicht in den Vertrag.— Im Streik bei Ever Ready habe er.lediglich inr Auftrage der Betriebsleiter dafür gesorgt, daß die Leute fe st ge st eilt worden sind, welche sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht haben'. Ja. Da« nennt man Spitzeldienste leisten!— Klage wegen des Ausdruckes„Achtgroschenjunge' habe er auS Mitleid mit der Familie des Beleidigers nicht erhoben. Wunderbarer Charakter, den einmal„strasbare Handlungen' von Streikposten, die nichts gegen ihn unternehmen, zur Denunziation begeistern und dessen Herz von Mitleid schwillt, wenn man ihm selber ein nicht gerade angesehenes Gewerbe vorwirft. Im übrigen sagt Herr Glaser, seine Kollegen im Bureau der Elektrotechnischen Jndustriegesellichaft seien schon vor seiner Einstellung bewaffnet gewesen.— Ist da« richtig, so haben die Arbeiter der Firma noch größere Veranlassung, sich gegen derartige Zustände zu verwahren. Oder sollen sie ebenfalls bewaffnet in die Fabrik kommen? DaS sind ja hinterwäldlerische Zustände! Die Korrektoren und der neue Buchdruckertarif. Auch die Mitglieder des Berliner KorrektorenvereinS, der ein Spartenverein im Verbände der Deutschen Buchdrucker ist. nahmen Stellung zur Tarifrevision, nachdem sie ein Referat des zweiten Vorsitzenden Artur Rüdiger angehört hatten, das in der angeregt verlaufenen Diskussion noch durch den Vorsitzenden der Zentralkommission, Friedrich Oberüber, ergänzt wurde. Alle Diskussionsredner gaben ihrem Unmut Ausdruck darüber, daß man die Anträge ohne Anhörung der Experten einfach abgelehnt habe. Aus der ganzen Behandlung der Anträge sei zu ersehen, daß die beiderseitigen Vertreter zum mindesten ungenügend unterrichtet gewesen seien. Wenn von einem Prinzipalsvertreter(laut Beschlutz- Protokoll! behauptet werden konnte, daß Proz. aller Korrektoren im Deutschen Reich über Minimum entlohnt seien und 26 Proz. zum Minimum, ohne daß dem widersprochen worden ist, so sei das allein schon bezeichnend für die..gute" Informierung der Tarif- Vertreter. Nicht 26 Proz.. sondern 26 Korrektoren, also etwa 2 Proz. sind nach der Tarifamtsstatistik zum Minimum entlohn:, so daß also etwa 66 Proz. über Minimum entlohnt seien, womit der Hauptantraa wohl zu begründen gewesen wäre. Einzelne An- träge sind überhaupt nicht verhandelt und einer von ganz falschen Voraussetzungen ausgehend beurteilt und abgelehnt worden. Aus der Versammlung heraus kam der Wunsch, auch im„Vorwärts" einen Vcrsammlungsbericht zu veröffentlichen, in dem die nach. stehende einstinimig angenomme Resolution mit aufgenommen werden soll:„Die Berliner Korrektoren bedauern es, dah die äußerst bescheidenen Anträge der Korrektoren zum Tarif keinerlei Beachtung gefunden haben. Sie empfinden es als unwürdige Zurücksetzung, daß der Tarifausschuß die zur Verfügung gestellten Korrektorenexperten nicht angehört hat-, denn nur dadurch konnte der Tarifausschuß zu seinem nicht-iachgemäßen Urteil-und zur Ablehnung der tariflich logischen Forderungen der Korrektoren ge- langen. Die Berliner Korrektoren hätten vom Zentralvorstand und von den Gehilfenvertretern eine bessere Unkerstützuitg ihrer berechtigten Wünsche erwartet." Achtung, Lithographen und Steindruck«! Die Firma Selmar Bayer, Berlin, hat am Sonnabend, den 11. November, nachdem sie im Laufe dieser Woche dem Schutzverbande beigetreten ist, alle Lithographen und Steindrucker ausgesperrt. Die Kollegen in den Privatlithographien und Lohndruckereien sind hiermit angewiesen, ab Montag, den 13. November, jede Arbeit für die Firma S. Bayer ohne Rücksicht auf den Aufgabetermin zu verweigern. Die Filialen l und HI. Achtung, Tapezierer! Wegen Nichtanerkennung des Tarifs ge sperrt: Rudolf H e r tz o g, Breite Straße. Wegen Streikarbeit für diese Firma: D o m e h e r, Brunnenstr. S2; Sattel, Kott- buser Ufer 36; Z e l l m a n n, Bartelstr. 12. Wegen Maßregelung der Verbandskollegen: Neumann, Königsberg« Str. 28. Verbandsleitung der Tapezierer. Achtung» Tapezierer! Die Sperre über die Firma Gerloff in Zehdenick besteht weiter. Ein Aaent Koch sucht Arbeits willige in Berlin und Umgegend. Jedes Arbeitsangebot ist strikte zurückzuweisen._ Der Vorstand. Zu dem Konflikt in dem Patzenhofer Brauerei- � Ausschank. Von dem Oekonom des Patzenhofer Brauerei-AuSschanks in der Friedrichstr. 71 wird versucht, die Maßregelungen so darzustellen, als ob die zwei zuletzt entlassenen Kellner selbst auf die Wiederaufnahme der Arbeit verzichtet hätten. Diese Behauptung ist völlig unzw treffend. Tatsache ist, daß die beiden Kellner ebenso wie die fünf zehn vordem gemaßregelten Kellner deshalb nicht weiter arbeiten durften, weil sie der Organisation angehören. Dasselbe trifft auch aus einen Kellner zu. der längere Zeit krank war und gestern zur Wiederaufnahme der Arbeit sich gemeldet hatte. Auch diesem wurde erklärt, daß er deshalb nicht wieder eingestellt würde, weil er der Organisation angehöre._ Die Wahlen zur Bäck«- Jnnungskrankcnkasse in Rixdorf finden am Montagnachmittag 4 Uhr in Rixdorf, Bergstr. 147, statt. Die Genoffen und Genossinnen werden gebeten, die Bäckereiangestellten beiderlei Geschlechts. speziell auch die Frühstücksfrauen. darauf hinzuweisen, wie wichtig es für sie ist, ihr Wahlrecht auS- zuüben und die Liste des Zentralverbande» der äckereiarbeiter zu unterstützen I Der Kutscherstreik bei Richter. Bei dem Streik der Vieh- und Fleischtransportkutscher von der Zinna Richter, Frankfurter Allee 44. bestätigt sich wieder die alte Erfahrung, daß die Polizei sich berufen und verpflichtet fühlt, dem bedrängten Unternehmer hilfreich beizustehen. Wird doch geradezu behauptet, daß neben uniformierten auch geheime Schutzleute die Wagen begleiten sollen. Was aber am meisten erbittert, ist die Art. wie die Polizei gegen die Streikenden vorgeht. Sobald sich ein Streikposten blicken läßt, wird er sistiert und zur Wache gebracht. Bei den Verhaftungen macht sich auch der Buchhalter von Richter höchst auffällig und un- angenehm bemerkbar. Dieser Herr wandelt in Begleitung von Schutz- leuten die Straßen auf und ab und bewirkt, sobald er einen streikenden Kutscher gewahr wird, dessen Festnahme. Auf der Polizei- wache soll verschiedenen Sistierten augedrohi worden sein, daß man sie öfort noch dem Alexanderplatz in Untersuchungshaft bringen würde, wenn sie sich nochmals seben ließen. Tatsächlich sind denn auch am Sonnabend in früher Morgen- tunde fünf Kutscher in ihren Wohnungen— zwei davon wohnen in einem der Firma Richter gehörigen Hause— verhaftet und in Untersuchungshaft abgeführt worden. Der Grund zu dieser Maß- regel ist ihnen nicht mitgeteilt worden. Der Transportarbeiter« verband hat sofort Schritte unternommen, um die Haftentlassung zu bewirken. Wie provokatorisch übrigens die aus Wismar importierten Arbeitswilligen in der Gegend des Richtersche» Grundstücks auftreten. beweist folgendes Vorkommnis: Ani Freitagabend in der zehnten Stunde erschien in dem Lokal von R ä tz o l d in der Rigaer Straße, wo die Streikposten sich aufhalten, ungefähr 12 dieser Streikbrecher mit Stöcken und Knütteln ausgerüstet— zu welchem Zweck ist nicht chwer zu erraten. Da die Streikposten aber nicht mehr anwesend waren, in dem Lokal sich außerdem eine genügende Anzahl anderer Gäste befanden und der Wirt den Ankommenden keine Getränke der- abfolgte, zogen diese wieder ab. Die streikenden Kutscher werden fich durch all das nicht abhalten lassen, de» aufgezwungenen Kampf zur Verteidigung ihres KoalitionS- rechtes gegen die Firma Richter auch weiterhin mit Nach- druck durchzuführen. Sie werden sich auch durch die Maßnahmen der Polizei nicht vom streng gesetzlichen Boden abdrängen lassen, dafür sorgt schon lhre gewerkschaftliche Schulung und Erziehung, wie ja auch der Verband seine Mitglieder immer und immer wieder eindringlich warnt, sich au« ihrer Reserve herauslocken zu lassen. Den Gefallen werden sie ihren Gegnern nicht erweisen. Wie uns weiter mitgeteilt wird, wurde gestern abend in der achten Stunde in der Ebertystraße sogar ein älterer Mann, der Sachenhändler Schmidt, von einem der durch Arbeitswillige ge- ührten Wagen überfahren, so daß ihm beide Beine schwer ge- quetscht worden sind. Trotz der vielen Schutzleute also kein Schutz des Publikums! Oeutkches Reich. Zur Tabakarbeiteraussperrung. Die TabakarbeiterauSsperrung, die sich nun nicht allein auf die organisierten Zigarrenbetriebe iit der Provinz Westfalen, den Be- zirken Osnabrück, Lippe� Detmold und Woldeck erstreckt, sondern auch ausgedehnt wurde auf die organisierten Zigarrenarbeiter in Ham- burg-Altona und Bremen und Umgegend, dauert fort, da der West- älische Zigarrenfabrikantenverband es ablehnte, die von der lleunertommission aufgestellten Einigungsvorschläge anzunehmen. Diese Vorschläge, die sich auf alle in die Bewegung einbezogenen Betriebe beziehen, lauten: 1. Für Zigarrenmacher. Die Löhne für Anfertigung von Zigarren werden pro Tausend und bei Lohnsätzen bis zu 10 M. um 66 Pf., bei Lohnsätzen über 16 bis 14 M. um 75 Pf., bei Lohnsätzen über 14 bis 18 M. um 1 M. und bei Lohnsätzen über 18 M. um 1.25 M. erhöht. Für Anfertigung von Zigarillos werden die Lohnsätze bis 7 M. um 36 Pf., und bei Lohnsätzen icher 7 M. um 56 Pf.«höht. Gleiche Sorten erhalten gleiche Lohnzulagen nach dem höheren Satze.(Anmerkung: Es handelt sich um gleiche Sorten, die an verschiedenen Orten mit ungleichen Löhnen hergestellt werden.) 2. Für Zigarrensortierer. Die Löhne der Sortierer werden pro Tausend bei Lohnsätzen bis 1,26 M. um 16 Pf., und bei Lohnsätzen über 1,26 M. um 15 Pf. erhöht. Bei'/»-Packung sind die Lohnsätze um 26 Pf., bei'/«»Packung um 36 Pf. pro Tausend höher zu setzcn.als bei»/«»-Packung. Für Schußzigarreu sollen mindestens 56 Pf. pro Tausend gezahlt werden, wenn sich mehr als 16 Proz. Schuß aus der Partie ergeben. 3. Für sonstige Arbeiter. Die im Akkordlohn beschäf- tigten Kistenmacher, Bekleber und Fertigmacher sowie Zurichter und Zurichterinnen erhalten Lohnzulagen von!6 Proz. und die im Wochenlohn beschäftigten sonstigen Arbfeit«, Packer und Zurichter 2 M. und die im Wochenlohn beschäftigten sonstigen Ar- beiterinnen und Zurichterinnen eine Mark pro Woche. 4. Sonstige Verbesserungen. Für Abladen und Auf. laden der Tabake und Tabakfabrikate usw. wird ein Stundenlohn von mindestens 35 Pf. gezahlt. Die Kalfaktororbciten(Reinigen, Heizen usw.) werden von den im Wochenlohn beschäftigten Ar- Heitern ausgeführt. Die in diesen Einigungsvorschlägen vorgesehenen Lohnverbesse- rungen sollten am 1. Januar 1612 in Kraft treten. Herr Linden- Verantw Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb Ollvckr, Berlin. Druck u. Verlag �Vorwärts Buchdr.u Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. bferg, geschäftsführende» Vorftandsnnkglied de» kvestfäkischen Zi- garrenfabrikantcnverbandes übernahm die Verpflichtung, im Unter- nehmerverbonde dahin zu wirken, daß an Stelle der in den meisten Betrieben bestehenden monatlichen Lohnzahlung für die städtischen Betriebe die achttägige, für alle anderen Betriebe die 14tägigc Lohn- zahlung eingeführt werde. Die Ablehnung dieser Einigungsvorschläge ist nun um so ver- wunderlicher, als Herr Hindenberg nicht allein an dem Zustande- kommen dieser Vorschläge recht tätig mithalf, sondern auch erklärte, für die Annahme dieser Vorschläge im Vorstande des Unternehmer- Verbandes und im Unternehmerverband selbst wirken zu wollen. Die Ablehnung der Vorschläge beweist nun, daß der westfälische Zi- garrenfabrikantenverband in rücksichtsloser Weise den Kampf gegen die Tabakarbeiterorganisationen zu führen gedenkt. Besonders sind es die westfälischen Zigarrenfirmen, die zum großen Nachteil der Hamburger und Bremer Firmen in diesem Kampf gegen die Ar- beiter sich hervortun. Mehr als 13 666 Tabakarbciter, darunter 5666 Arbeiterinnen, sind ausgesperrt, sie sind genötigt, unter schwe- ren Opfern um ihre Existenz zu kämpfen. Die Unterstützung durch die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands ist deshalb besonders er- forderlich!_ Ein Scharfmacher in der Brauindustrie. An Scharfmacherei und Verdächtigung der organisierten Ar- beiter leistet sich der Syndikus der Norddeutschen Brauerei- Vereinigung, Rechtsanwalt Schmidt- Bielefeld, in einem Artikel in der„Tageszeitung für Brauereien" mehr, als darin bisher wohl geleistet worden ist. In diesem Artikel behandelt Rechtsanwalt Schmidt den vor kurzem siegreich beendeten Kampf der Brauerei- arbeiter in Bremen mit der Brem« Brauersozietät, der Unter- nehmerorganisation. Schmidt war dort Verhandlungs- und Wort- führer der Unternehmer und seine der Arbeiterorganisation gegen- über beliebte Strategie hat elend Schiffbruch gelitten.» Deshalb nimmt er Veranlassung, seinem gequälten Herzen Luft zu machen. Bekanntlich hatten d:e Bremer Brauereiunternehmer sich von lassen, Leute, die selbst von ihrem Lieferanten als Lumpen bezeichnet wurden. Eine Probe ihrer„Qualität" legten die Hintzcbrüder ja auch in der Kaiserbrauerei ab, wo sie sich gegen- seitig halbtot schlugen, so daß eine Anzahl nach dem Gefängnis gebracht, andere in Polizeigewahrsam genommen werden mußten. Da diese Arbeitswilligen mit Revolvern und Knüppeln bewaffnet ivaren, war es kein Wunder, wenn si« Aufläufe verursachten. Und so kam es auch, daß halbwüchsige Burschen sich an ihnen rieben und schließlich auch Sachen verübten, die am allerwenigsten die Streiken- den billigten. Die Dummenjungenstreiche denunziert nun Rechtsanwalt Schmidt als„offenen Aufruhr" und„Landfriedensbruch", macht dann der Bremer Polizei den Vorwurf, daß sie nicht energisch genug vorgegangen sei und jammert, daß es in Bremen gänzlich an berittenen Schutzleuten mangele. Zu dieser unberechtigten Denunziation gesellt Rechtsanivalt Schmidt eine leichtfertige Per- leumdung der Arbeiterorganisationen. Ausdrücklich will er nicht behaupten, daß die Streikenden den„offenen Aufruhr" und„Land- friedcnsbruch" begangen hätten, aber: „die Organisationen wissen eben ganz genau, daß sie ihre eigenen Leute, die man möglicherweise erkennen und zur Anzeige bringen könnte, nicht vorzuschicken brauchen; ihnen stehen ja stets in aus- giebigster Weise Hilsstruppen in der gesamten übrigen Arbeiter- schaft und dem stets mit dieser gegen den Arbeitgeber sympathi» sierenden Janhagel in reichstem Maße zur Verfügung." Aber Herr Schmidt geht noch weiter. Sein Sehnen geht nach Beseitigung des Koalitionsrechtes, nach Verbot des Streiks und Boykotts und größerem Schutz der Arbeitswilligen. Er schreibt: „Alle die schönen Theorien über die wirtschaftliche Berechti- gung des Boykotts und des Streiks als Kampfmittel sind in Bremen glatt aä sdgurclum geführt, und es hat sich wieder ein- mal an einem treffenden Beispiel gezeigt, daß der Schutz der Arbeitswilligen, wie ihn§ 153 der Gewerbeordnung vorschreibt, einfach auf dem Papier steht." Schmidt zeigt deshalb auch große Liebe zu den Hintzebrüdern und besonders zu' deren Lieferanten und nimmt sie in Schutz, die durch die maßlose Verhetzung der sozialdemokratischen Presse und gewisser sogenannter bürgerlicher Blätter... in manchen Kreisen der öffentlichen Meinung diskreditiert" sind. Ilm das Bild vollständig zu machen, sei darauf hingewiesen. daß Herr Schmidt höhnt über das„beliebte Schlagwort der Ar- beiter..., die durch diese Gesetzgebung bedingte allgemeine Teuerung müsse in Gestalt höherer Löhne wieder ausgeglichen werden". Diese. stellt er in Parallele mit der Erhöhung der Bei- träge zu der GcwerkschaftSkasse. Herr Schmidt ist reif für den Reichsverband! Tie Mainzer Straßenbalin« standen seit Januar dieses Jahres in einer Bewegung um Verkürzung der Arbeitszeit. Die bisherige durchschnittliche Arbeitszeit betrug täglich lg Stunden. Gefordert wurde die neunstündige tägliche Arbeitszeit. Die Er- ledigung der Forderung wurde aber von der Direktion und der Bürgermeisterei unausgesetzt verschleppt. Die Situation hatte sich daher schon erheblich zugespitzt, die Arbeiterousfchußmitgliedcr hatten bereits schon ihre Aemter niedergelegt, und die Direktion hatte es abgelehnt, mit einer gewählten Kommission und dem Gauleiter des Gemeindearbeiterverbandes zu verhandeln Im letzten Augenblick ordnete aber die Bürgermeisterei die Wahl einer neuen Kommission an. mit der dann verbandelt wurde, �ie Bürgermeisterei gestand dabei eine Verkürzung der Arbeitszeit'um eine halbe Stunde pro Tag zu. Die Kommission berichtete dann in ein« uberfüllten Versammlung über den Gang der Verband. lungen, dem eine sehr lebhafte Debatte folgte. Schließlich V-lanote eine von der VcrbandSleitung unterbreitete Resolution-ur An- nähme, in der gesagt ist. daß das Personal zunächst' mit dem ge- machten Zugeständnis vorlieb nehmen will, grundsätzlich aber auch fernerhin an der Forderung der neunstündigen täglichen Arbeit«. zeit festhält. Weiter wird Erlangt, daß jeder achte Tag dienst lein soll, wabrend bisher nur jeder zehnte Tag frei ist 5S-. galb. Mmd ge Verkürzung ist bereits mit dem 1. Nove n'r in Kraft getreten und kommt etwa 156 Mann zugute. 1 Hetzte IVachHcbteti. Die Antwort der Möchte Konstantinopel, 11. November. /Meld. d. w' k t Telea�-Korr- Machte ,n ihrer Antwort auf den Protest der Pforte gegen die Annexionserklnrung. sie könnten sich„ich, vor Veendigung des Krieges aussprechen.— aus derselben Quelle verlautet, haben sich die meisten Mächte gegenüber dem Protest der Pforte gegen italienische Grausamkeiten ziemlich zurücklialtend gezeig« unter Hinweis auf ihre Neutralität, sie hätten jedoch ver- fprochen. zu gegebener Zeit Vors ellunge» zu erheben. Die Prügelei wird fortgesetzt. Wien. 11. November.(P C.) Der Abgeordnete Hummer. der bekanntlich gestern von dem Abgeordneten Mali! mit einer Hundepeitsche°t--ck.ert wurde, hat h�te den Abgeordneten Jro. einen Parteigenossen Mal:kS. zum Duell gefordert. Schwerer Bauunfall. Schwäbisch-Gmand 11. November.(Pr.-E.) Heute Pormittag gegen 11 Uhr stürzte von dem Neubau des Kaufmanns König an der Joha.in.skirche aus noch nich. aufgeklärten Ursachen die Decke des ersten«tocks� e.n Drei Prrs°..en wurden von dem Mauerwerk begraben. Der Kaufmann König erlitt schwere Ver- letzungen an Kopf und Händen, einem Maurer wurden beide Bein- abgeschlag-,,. Em Arbeiter erlitt schwere Quetschwunden und einen komplizierten Armbruch. Die drei Verletzten wurden ms Hospital gebracht. Hierzu(5 Beilagen. »:».«Mm l. KtillP des.Iomiirts" Klllim WslllR vas MarMo-Momme» vor ei" Zwischenfall in den letzten Tagen noch ein grelles Licht auf d,e Unhaltbarkeit der Zustände geworfen. W-r habe» auch keine Lust zu einem Absolutismus, der beschränkt ist durch den Familienrat.(Sehr gut!) Während der Rede des Herrn v. H e y d e b r a n d. der ja gern der ungekrönte König von Preußen genannt wird, hat ein anderer noch Ungekrönter Beifall gezollt. der Kronprinz. Ich will auf die Sache nur mit ein paar Worten eingehen. Die Fragen des innern Dienstes interessieren uns nicht; wie sich der schwarze oder schwarzblaue H u s a r e n o b c r st mit seinem Kriegsherrn abfindet, ist w'ne Sache. Wir wollen nur auf die po- litifche Seite eingehen. Ich muß sagen.: es war dies doch ein An- schauungsunterricht, tvie er deutlicher dem deutschen Volte nicht geyeben werden konnte.(Sehr wahr! bei den Soz.) Also von einem Zufall hing es ab. daß wir nicht zurzeit statt eines Vertrages einen Konilikt mit Frankreich haben iSehr wahr! bei den Soz.). daß wir statt m freundschaftlichen Vergleich vielleicht im Kriege mit unserem �achbarstaatc waren.(Sehr wahr! bei den Soz.) Diese Erwägung legt uns die Verpflichtung auf, mit allen Kräften dafür zu arbeiten. daß bis zu der Zeit, in der der Kronprinz einmal den Thron zu besteigen hoff», die Temotratifierung Deutschlands vollendet ist (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.). daß bis zu dieser Zeit nicht mehr in di- Hand eines Menscher eine überm-nschliche Macht und Pcrantworlung gegeben ist.(Sehr gut! bei den Soz.) Wie das Hau» in seiner Mehrheit darüber denkt, wird sich zeigen, es liegen Anträge vor. Aber wie die Masse denkt, darüber besteht gar kein Zweifel: die ganze erdrückende Mehrheit des Voltes hat den festen Willen, daß es anders werden muß. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß wir uns von China beschämen lassen, daß in China zu internationalen Verträgen die Ge- nehmigung der Volksvertretung eingeholt werden muß. Ich meine, die Zeit ist nicht mehr fern, wo auch im europäischen Reich der Mitte die Zöpfe abgeschnitten werden müssen. (Heiterkeit und Sehr gut! links.) Die Anträge, die uns hier einen Schritt vorwärts bringen sollen, werden ia an eine Kom- Mission verwiesen werden müssen. Wir sind damit einverstanden, aber ich möchte darauf aufmerksam machen: solche Kommissionen gleichen oft der Höhle des Löwen, in die nur Spuren hinein, aber keine hinaus führen.(Heiterkeit.) Ich erinnere Sie an die V e r f a s f u n g s k o m m i s s i o n und an die Geschäfts- ordnungskommission. Damals haben das Zentrum und die nationalliberale Fraktion abwechselnd miteinander gcwett- eifert, um nichts zustande kommen zu lassen. Diesmal erwartet das deutsche Volk, daß unter allen Umständen dieser kleine Schritt vorwärts erzielt wird, für den> eine Mehrheit vorhanden ist.(Sehr richtig! bei den Soz.) Wie aber auch dieser Versuch, die Verfassung fortzubilden, ausfallen möge, für die Materie, mit der wir uns jetzt beschäftigen, für das Marokko- und Kongo-Abkommen hat das keine direkte praktische Bedeutung. Denn meine Freunde teilen die Rechtsauffassung des Herrn Gröber, daß heute schon nach bestehendem Recht der Reichstag seine Genehmigung erteilen mutz, wenn das Marokko- und das Kongo-Abkommen erfüllt sein sollen.(Sehr richtig! links.) Ich will auf die Einzelheiten der Deduktionen des Herrn Gröber nicht mehr eingehen und nur noch mit wenigen Strichen unsere Auffassung darlegen. Das Marokkoabkommen ist ganz zweifellos ein verschleierter Handelsvertrag, (Sehr richtig! links) bei dem Marokko vertreten ist durch die Pro- tektoratsmacht Frankreich. Der Reichstag hat 1891 den damaligen Handelsvertrag mit Marokko genehmigt, an Stelle des Handelsver- träges trat die Algecirasakte, an die Stelle der Algecirasaite tritt das neue Marokkoabkommen.(Sehr richtig! links.) Das ist eine handelspolitische Materie, die zweifellos nach Artikel 4 der Reichs- Verfassung mit zur Zuständigkeit der Reichsgesetzgebung gehört. (Sehr richtig! links.) Weiter kommt in Betracht: die Algecirasaite ist mit dem Ausführungsgesetz dem Reichstag vorgelegt worden und der Reichstag hat auch darüber a b g e st i m m t trotz des Wider- spruchs, der vom Auswärtigen Amt damals erhoben wurde. Der Widerspruch erfolgte in zweiter Lesung, aber auch in dritter Lesung wurde an dem Verhalten des Reichstages nichts geändert. (Hört! hört! b. d. Soz.) Meines Erachtens ist unter diesen Umstän- den die Algecirasakte als Reichsgesetz zu betrachten, das nicht durch einen einseitigen Willensakt des Monarchen abgeändert werden kann. Auf jeden Fall aber enthält das Ausführungsgesetz zur Al- gecirasakte im Z 4 Bestimmungen über die Konsulargerichtsbarkeit, und es kann doch nicht bestritten werden, daß diese Bestimmungen jetzt abgeändert werden sollen durch das Marokkoabkommen.(Sehr richtig! links.) Es ist aber unmöglich, daß durch einen ein- fettigen Akt des Kaisers ein Reichsgesetz aus der Welt geschafft wird.(Sehr wahr!) Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht in einem gewissen Stadium der Marokkover- Handlungen auch die offiziöse Presse die Rechtsauffassung vertreten hat, daß wenigstens das Marokkoabkommcn der Zustimmung des Reichstags bedürfe, weil eben die Bestimmungen über die Konsular- gerichtsbarkeit durch das Abkommen eine Aendernng erfahren.(Sehr richtig? links.) Die Frage ist ja wesentlich nicht juristisch, sondern politisch und da sind wir alle einig in der Ausfassung, daß kein Ge- setz, keine Verfassung den Reichskanzler hindern wird, die Gesetzes- form zu wählen, wenn er in der Rechtsfrage Zweifel hat.(Sehr richtig! links.) Warum hat der Reichskanzler das nicht getan? Ich meine, er hat damit niemand weher getan, als sich sslber.(Sehr richtig! links.) Ich zweifle nicht daran, daß vielleicht manche unver- antwortliche Rede nicht gehalten worden wäre, wenn der Reichs- tag die Verantwortung für das Zustandekommen oder Nichtzu- standckommen des Vertrages hätte.(Sehr wahr! links.— Zuruf b. d. Soz.: v. Heydebrand!) Man beruft sich bei dieser politischen Aktion auf das Beispiel Bismarcks. Da darf auch daran erinnert werden, daß Bis- marck am 2(5. April 1876 die Auffassung vertreten hat, daß inter- nationale Verträge grundsätzlich dem Reichstag zur Genehmigung vorgelegt werden sollen.(Hört! hört! b. d. Soz.) Und er hat auch in mehr als einem Falle so gehandelt. 1875 hat Deutschland mit Griechenland einen Vertrag über Ausgrabungen in Olympia abge- schlössen, eine Materie, die nicht in Artikel 4 der Reichsverfassung erwähnt ist. Trotzdem wurde damals in Artikel 19 und 11 des Ver- träges ausdrücklich die Zustimmung des Reichstages vor- behalten, und durch Reichsgesetz wurde dann dieser Vertrag ge- nehmigt, offenbar aus dem Grunde, weil er finanzielle Konsequenzen.für das ReichSbubget haben mußte.(Hört! hört! links.) Wie nun die Entschließung des Kanzlers über diese Frage ausfallen wird, wissen wir nicht. einstweilen haben wir nur unsere Meinung zu dem Abkommen zu sagen. Da will ich zunächst ein paar allgemeine Bemerkungen vor- ausschicken. Der Herr Reichskanzler muß doch sicher das Gefühl haben, daß nicht seit heute, sondern seit mehreren Jahren gegen die Leitung der deutschen auswärtigen Politik geradezu ein unerschütterliches und unbesiegbares Mißtrauen besteht, daß innerhalb des deutschen� Volkes eine Mauer von Miß- trauen gegen die Leitung der deutschen auswärtigen Politik auf- gerichtet ist(Sehr richtig! links), und er wird sich doch auch wohl mal gefragt haben, ob denn die Schuld an dieser Mißstimmung »ur an den Kritikern liegt, oder nicht vielmehr auch an den Mi- nistern, dem Kanzler und seinen nachgeordneten Beamten. Ich meine, die letzten Monate haben dem, der hören und sehen will, zur Beantwortung dieser Frage genügend Material geliefert. Wenn die Regierung und die Alldeutschen miteinander streiten, da kommt die Wahrheit zu ihrem Recht.(Heiterkeit.) Da ist doch zu beachten, wie denn diese patriotischen alldeutschen Kreise über die Fähigkeiten der Regierung denken. Der bekannte D. Albrecht Wirth hat in einer seiner Schriften einem der maßgebendsten Männer im Auswärtigen Amt— ich weiß nicht, ob es Herr von K id e r l e n gewesen ist, der sich eben so angelegen»- lich unterhält— allerkrasseste Unwissenheit vorgeworfen. Der Legationsrat vom Rath, dessen patriotische Gesinnung dem Auswärtigen Amt doch wohl unverdächtig sein wird, falls nicht seit zwei Tagen darin eine Aenderung eingetreten ist(Heiterkeit), hatte am 17. Oktober Vorwürfe gegen die Vertreter des Deutschen Reichs im Auslande erhoben, die, wenn sie wahr sind, geradezu niederschmetternd fein müssen.(Sehr richtig! links.) Er hat siesagt, daß das Auswärtige Amt� seit langem wisse, daß unsere Gesandten aus den wichtigsten Plätzen der Welt alt, unfähig, un- wissend, ihren Aufgaben ihrem Gegner gegenüber nicht gewachsen seien(Lebhaftes Hört! hört! links), sie seien ohne jede Fühlung mit der sie u in geben den Welt. Er führt auch Beispiele an. Er behauptet, daß die deutschen Gesandten in Petersburg und Tokio von dem Ausbruch des russisch- japanischen Kriegs völlig überrascht worden seien, daß der englische Botschafter vollkommen falsch und ungenügend über die Stimmung Englands in der borliegenden Frage unlerrichtck gewesen sei und wohl auch die deutsche Ncgicruiig� unterrichtet habe. Er behauptet, daß der englische Botschafter keine Ahnung von dem Bevorstehen des Krieges zwischen Italien und der Türkei gehabt habe, daß die Ahnungslosigkeit des deutschen Gesandten in Rom, Herrn v. Jagow, nur noch über- troffen werde durch die vollkommene Ah n u n g s l o s i g- keit des preußischen Gesandten im Vatikan. Wenn das alles wahr ist, dann bedeuten diese Zustände eine schwere Gefahr für die Sicherheit des Deutschen Reiche?. (Sehr richtig! links.) Und es wäre Sache des Leiters unscrep Auswärtigen Angelegenheiten, hier Wandel zu schaffen, wenn er dazu imstande ist. Aber wir sind der Auffassung, daß es sich hier überhaupt nicht mehr um Personenfragen handelt, sondern daß hier ein System vollkommen zusammengebrochen i st.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir können weder im Auslande noch im Inland die richtigen Männer an die richtigen Posten bringen, weil das System, nach dem in Deutschland Karriere gemacht wird, ein rückständiges, ein unmog- liches ist. In Frankreich, in England, in Italic n ent- scheidet man nach Leistungen. Der Kreis derer, die sich zu bewerben haben, ist weit gezogen, im englischen Ministerium sitzen Talente, die ihren Weg von unten herauf genommen haben, �n Deutschland ist die Quelle verstopft. Es kommt ein qanz enger Kreis bevorzugter Herren in Frage, die ihren Befähigungs, beweis erbracht haben .beim Skatspiel mit hohen Herren und beim Witzeerzählen. (Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß die Aktionen der Leitung unserer auswärtigen Politik im Volke nicht mit Ver- trauen verfolgt werden. Nun zu dem Ergebnis dieser Politik, zu dem vorliegenden Marokko- und Kongo-Abkommen einige Be« merkungen. Sehr begeistert ist das Ergebnis dieser monatelangen Arbeit der Regierung kaum von einer Seite begrüßt worden; nur in einer einzigen Zeitung ist der Vorschlag gemacht worden, Herrn v. K i d e r l e n ein Denkmal zu errichten. In den„Leipziger Neuesten Nachrichten". Hier wurde vorgeschlagen, ein Agadir- Denkmal zu errichten, ein Tempel, dessen Eingang statt der Löwen von Panthern mit eingezogenen Schwan« zen flankiert ist(große Heiterkeit) und auf dem oben statt der Reichsflagge die gelbe Weste des Herrn v. Kiderten weht.(Erneute große Heiterkeit.) Diesem Vorschlag tritt meine Fraktion nicht bei. Aber die Grundsätze einer vernüftigen Friedenspolitik, zu denen sich in den letzten Tagen der Reichskanzler bekannt hat, begrüßen und unterstützen wir aus dem einfachen Grunde, weil es unsere Grundsätze sind.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Ich habe nur das Bedenken, daß der Reichskanzler nach diesem schönen Friedensprogramm nicht in allen Stadien der Affäre gehandelt hat. Er wünschte zu hören, wie es besser gemacht werden könnte. Er hatte die Bitte freilich an die rechte Seite des Hauses gerichtet. Ich bin aber gern bereit, die Ausfassung meiner Freunde, die schon oft gejagt haben, wie es besser gemacht werden könnte, hier kurzz/uwiederholen. Einmal sind wir der Meinung, es ist dem Kanzler nicht ge» lungen, aufzuklären, warum der„Panther" nach Agadir geschickt ist. Diese Fahrt war nichts weiter als ein Abklatsch der Tangerfahrt, diesmal aber ohne Kaiser, und so wenig jenes Abenteuer in seinen Motiven genügend begründet werden konnte, so wenig kann klargestellt werden, warum hier plötzlich die friedliche Verhandlung mit Frankreich durch diese Schiffssendung unterbrochen werden muß.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn aber die Regierung verkündigt, es sei nötig gewesen, deutsche Interessen, die Sicherheit deutscher Untertanen zu schützen, so glauben wir das nicht. Die paar Beamten der Mannesmannfirma. die nach Agadir hingeschickt wurden, mit den Auftrage, Angst zu bekommen(große Heiterkeit), können das nicht begründen; dann hätte das Schiff nach M o g a d o r und Casablanca gehen müssen, wo deutsche Firmen und deutsche Staatsbürger in größerer Zahl zu finden sind. Hatte die Regierung aber diesen Fchler gemacht, so konnte sie die Situation nur dadurch retten, daß sie in aller Oeffcntlichkcit und voller Offenheit ihre Motive darlegte. Sie durfte dann kein Verstecken spielen, keine Geheimniskrämerer treiben und es sich nicht gefallen lassen, daß monatelang die Schiffsscnduna in alldeutschem Sinne ausgelegt wurde. Diese Schuld hat der Reichskanzler gestern nicht von seinen Schultern abgeschüttelt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So wenig der einzelne bei seinen Prozessen die Oeffentlichkeit preisgeben kann, ebenso sehr ist auch für die Nationen die Oeffentlichkeit daö Beste. Nur wenn Geheimnisse geprägt werden, hat die blutige Phantasie der Artikelschreiber freies Spiel. Ludwig Bamberger hat einmal oe.lagt:„Die einzige und wahre Kriegspartci sind doch die Journa- listen. Es ist so süß, mit der Feder in der Hand fürs Vaterland zu sterben."(Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.» Diese Geheimniskrämerei hat auch dem Aus- lande gegenüber unter Umständen ihre schlimme' Seite. Die Rede des englischen Ministers Lloyd George, über die ich nicht sprechen will, wäre vielleicht nicht gehalten worden, der peinliche Zwischenfall wäre vielleicht nicht eingetreten, wenn die deutsche Regierung auf die Anfrage vom Ausland zur rechten Zeit eine Antwort gegeben hätte. Der Reichskanzler versichert, alle Regierungen seien von der Absicht der deutschen Regierung verständigt worden. Das ist uns zu unbestimmt. Wir möchten wissen, ob es wahr ist, daß die englische Regierung angefragt hat, wiederholt angefragt hat, und keine Antwort bekommen hat. Ein solches Schweigen kann beleidigender und kränkender sein, als eine Tischrede.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir begrüßen es, wenn durch den Marokkovertrag d i e offene Tür. die Gleichberechtigung des deutschen Handels garantiert ist. Wir wissen sehr wohl, daß die Früchte zunächst einzelnen großen Firmen zugute kommen; aber der Arbeiterschaft ist es nicht gleichgültig, wenn in Frankreich eine kapitalistische Gruppe, eine international zusammengesetzte Gruppe, den Versuch macht, sich eine Monopolstellung zu sichern,(«ehr wahr! bei dc.i Sozialdemokraten.) Nun zu den Kompensationen. An den Kompensationen haben wir keine Freude. Die ein- zige Kompensation, mit der wir uns hätten befreunden können, mit der wir uns gern befreundet hätten, wäre die Anbahnung eines aufrichtig freundschaftlichen Verhältnisses zn Frankreich und England. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir halten das Streben nach einem guten Verhältnis zu den Wcstmächte» nicht für utopisch. Wir sind der Meinung, daß in den drei großen Weststaatcn es nur kleine Jnleressengruppen sind, die an einer Verhetzung der Völker ein wirkliches Interesse haben.(Sehr wahrl bei den Sozialdemo- kraten.i Dasi aber die Massen in allen diesen Ländern ohne Unter- schied sich klar sind, welche schweren Wunden dem Leben der Nation selbst ein siegreicher Krieg schlägt.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Das gilt für alle Länder ohne Ausnahme, auch für England. Selbst wenn England in einem Kriege unsere deutsche Flotte schwer schädigen oder gar vernichten würde, so wäre das wirtschaftliche Leben Englands in schwerer Gefahr. England ist angewiesen auf Zufuhr. Es ist ein Land, dem Hungersnot droht, wenn auch nur eine Zufuhr- stratze gesperrt wird. Die Versicherungsprämien würden steigen, eine Teuerung aller Lebensmittel würde eintreten, eine Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruches entstände auch für den Sieger.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Deshalb glauben wir, eine aufrichtige Verständigung niit England und Frankreich mutz das Ziel unserer Politik sein. Man spricht von der Fortführung der Politik Bismarcks; da darf ich daran erinnern, datz Bismarck am 2S. Januar 1889 hier im Reichstag gesagt hat:„Ich betrachte England als den alten und traditionellen Bundesgenossen, mit dem wir keine strittigen Interessen haben. Ich wünsche die Fühlung, die wir seit 150 Jahren mit England gehalten haben, festzuhalten, auch in den kolonialen Fragen."(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) Der Abgeordnete W i e m e r wagte, uns vorzuwerfen, datz die Friedensdemonstrationen der Sozialdemokraten dem Frieden nicht gedient, sondern ihn gefährdet haben.(Sebr richtig! bei der Volkspartei.) Auch Sie, Herr Mugdan, werde» verstehen, warum diese Auffassung den Tatsachen nicht entspricht, sondern geradezu eine Ungeheuerlichkeit ist. Würde denn einer von Ihnen ernstlich wünschen, datz die Millionen von Ar- beitern, die hinter unserer Partei und den Gewerk- s ch a f t e n stehen, von jener Stimmung erfatzt wären, der Herr v. Heydebrand Ausdruck ge- geben hat? Wollen Sie leugnen, datz die sozialdemo- k r a t i s ch e Presse, die in Millionen Exemplaren hinausgeht, verhindert hat, datz in den Massen überhaupt eine Kriegs stimmung entstehen konnte? Wollen Sie bestreiten, datz wir es sind, die in Deutschland und in ganz Europa durch die von uns eingeleiteten Aktionen den auf die Er- Haltung des Friedens wirkenden Kräften zu Hilfe gekom- men sind?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie gerecht sein wollen, müssen Sie anerkennen, datz eS Sozialdemokraten waren, datz z. B. I a u r e s es war, die es gewagt haben, dem Chauvinismus entgegenzutreten zu einer Zeit, wo in diesem Kampfe noch keine Popularität zu holen war. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Kampf der inter- nationalen Sozialdemokratie hat gezeigt, datz heute schon die or- ganisierte Arbeiterschaft eine Friedens- und Kulturmacht ersten Ranges geworden ist. Die Sozialdemokratie ist die Grotzmacht des Friedens geworden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer weitz, Herr Dr. Mugdan und Herr Dr. W i e m e r, trenn Sie keine Friedensdemonstrationen der Arbeiter gehabt hätten, wer weitz, ob Sie dann nicht alldeutsche Demonstrationen für den Krieg erlebt hätten.(Sehr gut! b. d. Soz., Zurufe der Freisinnigen: Die hätten wir auch verurteilt.) Wir verstehen nicht, wie man für die gewitz gut gemeinten Friedensversicherungen in einem Rathaus zu London so viel Sympathie haben kann, wenn man nicht auch die gleiche Sympathie für die Friedensvcrsicherungen der Arbeiter hat, die sie auf ihre Art aussprechen.(Sehr wahr! V. d. Soz.) Abg. Dr. Wiemer hat es seltsamerweise bedauert und verurteilt, datz die sozialdemokratische„Königsberger Volkszeitung" geschrieben hat. in dem Falle eines aufgezwungenen Krieges würden die deutschen Soldaten, die der Arbeiterklasse angehören, mit Zähneknir- scheu ihre Pflicht tun. Ich der st ehe nicht, wie Dr. Wie- mer von uns ein Bedauern über diese Aeutzerung erwarten kann, die doch nur eine selbstverständliche historische Konstatierung enthält. Die„Königsberger Volkszeitung" hat nicht die Arbeiter aufgefordert, sie sollen widerwillig ihre Pflicht tun, sie hat es als geschichtliche Erfahrung konstatiert, datz nur diejeni- gen Länder wirklich sicher sind gegen Angriffe des Auslandes, die im Innern ein freiheitliches Regime führen. iLebhafte Zu- stimmung b. d. Soz.) Königsberg liegt an der russischen Grenze und dort konnte und kann man doch wahrlich lernen, wie die inner- politischen Zustände der Länder auf ihre Lage in der auswärtigen Politik wirken. Die russische Armee wurde von den Japanern nicht nur wegen ihrer strategischen Ueberlegenheit und dergleichen mehr geschlagen, sondern weil die russischen Soldaten nicht gewußt kiaben, für wen und für was sie sich schlagen müssen.(Sehr gut! links.) Und wenn Sie wirklich wollen, datz Deutschland gegen jeden Feind gewappnet und gerüstet ist, dann sorgen Sie dafür, datz den Millionen Arbeitern, die heute unter Ihrer Po- litik leiden, das Vaterland liebenswert gemacht wird.(Lebhafter Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Der Abg. B a s s e r m a n n hat in seiner ersten Rede durch- blicken lassen, datz seiner Partei eine Flottcnvorlage recht erwünscht wäre. Er hat dann später erklärt, datz er mitzverstanden wor- den sei. Ich freue mich aufrichtig, datz er sich also noch schnell ge- rettet hat aus der Nachbarschaft des Herrn von Heydehrand. (Heiterkeit.) Auch der Abg. Gröber hat Wert darauf gelegt, zu v.ersichern, datz seine Partei eine Flottenvorlage nicht wünsche, so datz also als einzige Gruppe im Hanse die Freunde des Herrn v. Heydebrand übrig bleiben, die in diesem Augenblick eine Vermehrung der Flotte haben wollen(Hört! hört! links), und das halte ich für sehr erfreulich, besonders angesichts der Tatsache, datz gestern zwei englische Mini st er in erfreulicher Weise und in einem Tone, der meiner Ueberzeugung nach Ausrichtigkeit zeigt, für die Verminderung der Flottcnrüstungen eingetreten sind. Ich bin der Meinung, datz auf die Reden der Mi- uister Asquith und Churchill vom Reichstage und der deut- scheu Regierung eine freundliche Antwort gegeben werden mutz(Zustimmung links), datz in die Hand, die sich uns wieder entgegenstreckt, eingeschlagen werden muh und datz nicht erwidert werden darf in einer Form, die aufs neue das Gift der Verhetzung in die Beziehungen der beiden Nationen trägt.(Lebhafte Zustimmung links.) Der Abg. Boss ermann hat auch unsere ablehnende Stellung zur Kolonialpolitik erwähnt. Der Zeitpunkt für diesen Angriff war sehr schlecht gewählt; denn wenn zu irgend- einer Zeit die Sozialdemokratie über ihre politischen Gegner triumphieren konnte, dann in derjetzigen Zeit.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Unsere Auffassung über den Wert und Unwert von tropischen und Plantagcnkolonien konnte gar nicht besser aus- gesprochen werden, die Krankheiten, die Verwaltungs- misere, die K o st e n, die Aussichtslosigkeit der M e- liorationen konnte gar nicht besser geschildert werden, als das der Herr Reichskanzler getan hat(Heitere Zustimmung b, d. Soz.) Und mit seiner Aeutzerung über SiedelungSkolonien hat der Reichs- kanzler den Apfel abgeschossen! Die Ueberzeugung. datz es utopisch, ja verbrecherisch ist, einfach ein sckänes Land, das uns als Siedelungsland gefallen würde, im Kriege wegzunehmen, diese nun vom Reichskanzler ausgesprochene Ansicht haben wir immer vertreten und werden das auch weiter tun.(Bravo! b. d. Sozialdemokraten.) Wenn der Abg. Bassermann darauf verwiesen hat. datz wirt- schaftliche Gründe alle Länder nötigen. Kolonien zu suchen, so er- widere ich: uns ist diese wirtschaftliche Entwickelung bekannt. Wir wissen, datz durch die Entwickelung des Kapitalismus, vor allem aber durch die Entwickelung der Schutzzollpolitik alle Länder ge- zwungen worden sind, sich Rohstoff- und Absatzgebiete zu sichern. Wir wissen, datz das dem jetzigen Stand und der jetzigen Enttvicke- lung des Kapitalismus entspricht, aber das jetzige Stadium ist nichts Bleibendes. Als im November 1870 hier im Reichs- tag über eine Petition von Bremer Grotzkaufleuten verhandelt wurde, die nachsuchten, man möge sich von Frankreich als Kompen- sation und Kriegsentschädigung Kolonien in China geben lassen, wurde entgegen dem Antrag des Berichterstatters Adickes über die Petitionen zur Tagesordnung übergegangen(Hört! hört! b. d. Soz.), besonders, nachdem der nationalliberale Abgeord- nete Meyer-Bremen, ein Grotzkaufmann, dargelegt hatte, Kolonial- Politik, das sei ein überwundener Standpunkt.(Grotze Heiterkeit und Hört! hört! b. d. Soz.) Die Zeiten ändern sich, auch die Eni- Wickelungsphasen der Wirtschaftspolitik. Vielleicht kommt wieder im Laufe der Jahre ein nationalliberaler Meyer(Hei- terkeit), der sagt, Kolonialpolitik ist ein überwundener Standpunkt — wenn er auch nicht ans Bremen kommt, von dem ich hoffe, das es nächstens eine bessere Vertretung haben wird. Einen Anschauungsunterricht in der Kolonialpolitik gibt ja eben gerade Italien der ganzen Welt. All das Gerede von der Pflicht der Kulturstaaten, als Kulturträger zu wirken, mutz versiumanen, wenn wir sehen, wie eine Grotzmacht da als Kulturträgerin wirkt, wie sie dadurch Kultur nach Afrika trägt, datz sie ein Schiff voll Dirnen hinbringt und an Frauen und Kindern Taten vollbringt, von denen sich die ganze zivilisierte Welt voll Abscheu abwendet.(Stürmische Zustimmung bei den Soz.) Herr v. Heydebrand hat zur Einleitung der Wahlen der- sichert, und das war ein rührender Augenblick, datz uniter Uim'tän- den seine Freunde bereit seien, Besitz steuern zu bewilligen. Ich nehme dankend davon Kenntnis, datz nach dem Geständnis des Herrn v. Heydebrand die Besitzenden bisher noch nichts gezahlt haben.(Heiterkeit bei den Soz.) Aber es zeigt doch auch, datz Herr v. Heydebrand ein Mann von kurzem Blick ist, wenn er nun glaubt, die ganze Bewegung der letzten Jahre gegen seine Partei sei dadurch hervorgerufen worden, datz er mit seinen Freunden gegen die Erbschaftssteuer gestimmt hat. Eine derartige Auffassung der Politik und der heutigen Situation ist geradezu kindlich. Das bitzchen Erbschaftssteuer tut es nicht. Die Ab- lehnung der Erbschaftssteuer hat nur, wie mit Blitzlicht, die Situation beleuchtet und an einem einzigen Beispiel gezeigt, wie brutal und rücksichtslos die Junkerklasse, in Teutschland ihre eigenen Portemonnaieintcressen über die Interessen des Ganzen stellt.(Lebhafte Zustimmung links.) Wenn Sie jetzt vor den Wahlen versichern wollen,„die Besitzenden zahlen etwas!"— das genügt nicht. Sie müssen auch noch schnell versichern, datz die Junker künftig nicht mehr die Landarbeiter knebeln, datz Sie nicht mehr die Staatsarbeiter und Staatsbeamten um ihr Koalitionsrecht bringen wollen, datz Sie nicht weiter durch Ihre Landratspolitik jede Regung freien Geistes in allen Schichten der Bevölkerung niederhalten wollen, nicht mehr durch Ihre Teurungs- und Hungerpolitik das Volk zur Verzweiflung treiben wollen.(Stürmische Zustim- mung bei den Soz.) Alle diese Dinge sind es. die die Empörung der Massen gegen Sie verursacht haben, nicht bloß die Erbschafts- steuer, und Sie mützten, um dns noch hinzuzufügen, vor allem der- sichern, das große Wahlunrecht in Preußen abzuschaffen, aber da weih ich. datz ich Ihnen etwas für Sie Unmögliches zumute! Herr v. Heydebrandchat zur Ausschmückung seiner Rede ein Zitat Schillers gebraucht. Schon der Redner der Fortschritt- licken Volksportei hat sich gegen diese ungewöhnliche Art gewendet, sich mit fremden Federn zu schmücken.(Heiterkeit.) Ich darf aber daran erinnern, datz dieses Zitat genommen ist aus einem Werk des Dichters, der auch das Befreiungslied der Schweizer ge- schrieben, der ihren Befreiungskampf gegen den Landvogt, gegen den L a n d r a t(Grotze Heiterkeit) verherrlicht hat. Wir wollen den Ruf, mit dem Herr v. Heydebrand geschlossen hat, ausnehmen im Kampfe gegen die brutale Klassenherrschaft des Junkertums, sie woll enwir mit der Mahnung des Herrn v. Heydebrand nieder- ringen, datz nichtswürdig die Nation ist, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre!(Stürmischer, anhaltender Beifall bei den Soz.) Abg. Graf v. MielcznnSki(Pole) bedauert, datz die anlätzlich der Novemberereignisse von 1908 angestrebte Ausgestaltung deS Jnterpellationsrechtes völlig im Sande verlaufen ist. Unsere Verhandlungen über die auswärtige Politik fordern zur Satire heraus. Die Reden Bethmanns und Bassermanns hätten fast aus derselben Quelle stammen können. Betrachtet man sich das Ver- hältnis zwischen Herrn v. Bethmann und Herrn v. H e y d e- brand, so ist man versucht, ein Heinesches Wort zu variieren und zu sagen:„Blamier' mich nicht, mein schönes Kind. und schimpf' mich nicht Unter den Linden." Wir Polen, die wir schon in der inneren Politik unter der Hetze der Na- tionalisten und Chauvinisten zu leiden haben, pro- testieren dagegen, datz dieselben Leute nun auch die auswärtige Politik vergiften.— Wir prüfen dis Abkommen lediglich daraufhin, ob sie geeignet sind, dauernd den Frieden zu erhalten. Diese Prüfung fällt aber nicht günstig aus: die alten Reibungs- stächen sind keineswegs beseitigt, und neue sind geschaffen. Das chauvinistische, journalistische Scharfmachertum gefährdet den Frieden im Innern und nach autzen. Möge die Re- gierung dafür sorgen, datz dieses Element nicht die Oberhand ge- winnt. datz vielmehr eine ruhige, stetige Politik nach innen und autzen geführt wird.(Bravo! bei den Polen.) Abg. Haußmann(Vp.): Die ganze Marokkofrage ist eine Frage des Absatzgebietes. In solchen Situationen, die wir vor uns haben, ist es ein Gebot der Klugheit, gerecht zu sein, und es ist nicht weise, jetzt, nach den Verhandlungen, mit dem Säbel zu rasseln.(Shr richtig! links.) Der wahre Wille des Volkes wird nicht in Erregungszuständen erkannt.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Der Führer der Konservativen bat die Regierung sehr heftig angegriffen und versichert, datz er im Ein- Verständnis mit seinen Freunden gehandelt hat. Als Fazit davon wird übrigbleiben eine starke Zerrüttung des konser- vativen Geistes in Deutschland.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) In förmlicher Tadelsucht sucht er vor dem Ausland den Beweis der Unfähigkeit u n s e r e r G e s ch ä f t s- führung zu führen; das mutz die Autorität schwächen. Eine ge- rechte Kritik tut das nicht, wohl aber das..Herunterreihen", wie es der Reichskanzler mit Recht genannt hat. Sie(nach rechts) wollen die Kronrechte nicht schmälern und greifen die Politik der Krone in dieser Weise an. Und wessen wird die Regierung und der Kaiser angeklagt? Der Friedensliebe! (Hört! hört!) Als der Abg. Wiemer dem Bedanern Ausdruck gab. datz man im Auslände den Eindruck bekomme, es bestehe in Deutsch- land eine starke Kriegspartei, rief man von rechts, Herr v. K r e t h soll es gewesen sein: GottseiDank! Das ist tief zu bedauern. Ebenso bedauerlich ist, datz hier der Hätz gegen England ge- predigt wird. Die Art, wie Herr v. Heydebrand hier und in Breslau gegen die auch von uns nicht gebilligte Rede Lloyd Georges gesprochen hat, ist nicht die Art eineS Staatsmannes. (Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Die Despcradopolitik des Herrn v. Heydebrand wird jetzt auch auf die auswärtige Politik und gegen Herrn v. Bethmann Hollweg angewendet, der vor noch nicht vier Wochen der konservativen Partei die wichtigsten Zusagen in der inneren Politik gemacht hat. Datz Herr v. Heydebrand, ehe zweimal der Habn kräht, den Reichskanzler so verrät, ist ein Schauspiel, das sich schwer rächen wird. Bei den Wahlen wird sich zeigen, daß Herr v. Heydebrand ein schlechter Führer der Kon- servativen ist.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Ter 5danzler hat ihm gestern das Schwcrtaus dem Munde geschlagen (Heiierkeit), das war der Eindruck im ganzen Haus und wird es im Lande sein.(Zustimmung bei der Volkspartei.) Herr L a t t m a n n hat es gestern begrüßt, datz der Kgisersohn sich in die Politik gemischt hat. Ich glaube, allegrotzenPar» teien sind sich einig, datz dieser Weg eine Zersetzung der Geumlten an der Spitze bedeuten würde, die wir alle nicht gutheißen würden.(Sehr wahr! bei der Volkspartei.) In der ganzen Marokropolitik der Regierung zeigte sich die nervöse Hand des Herrn v. Holstein, den ich früher einmal den kleinen Delcasse nannte.(Heiterkeit.) Eine Demon- ftrationspolitik ist nicht zu billigem(Sehr richtig!) An einem Vergleich bat ja niemals jemand eine rechte Freude. Aber es ist unschön, auf offenem Markte den eigenen Anwalt anzu- greifen, solange die Gegenpartei noch zugegen ist.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) In diesem Zusammenhang mutz ich auch zurückweisen, datz der Abg. Frank die Ausführungen W i e m e r S über die Demonstrationen der Sozialdemokratie töricht genannt hat. Wenn während der Verhandlungen in Demonstrationen darauf hingewirkt wird, datz aus den Kriegsfall mit einem Massen st reit geantwortet wird(Zurufe bei den Sozial- demotraien), so dient das nicht dem Frieden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Will einer den Frieden, so ist es nicht richtig, dem Gegner Gelegenheit zu geben, darauf hinzuweisen, datz die Bewobner des eigenen Landes sich weigern werden, in den Krieg zu ziehen.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Dies auszusprechen, ist nicht töricht, wie Frank meinte. Frank hat auch unrecht in seinen Zitaten. Mein Landsmann Schiller hat den Vers:„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre" nicht dem Frethcitshelden Tell in den Mund gelegt, sondern dem Bastard von Orleans in der Jungfrau von Orleans; Herrn Frank, der die Worte dem Tell zuschreibt, möchte ich fragen: „Von wanne» kommt dir diese Wissenschaft, du wunderbares Mädchen?" Grotze Heiterkeit.) In dieser Debatte haben die Sozialdemokraten) den Stand- Punkt des Massen st reiks nicht proklamiert und die Verlegenheiten der Regierung nicht vermehrt. Deshalb gehe ich nicht weiter auf sie ein. lieber die Verträge selbst ist gewitz kein Lobgesang anzu- stimmen, aber auch kein Wchgeheul. Datz das ihnen beigegebcne Material so dürftig ist, liegt wohl daran, datz der Reichstag so sehr auf die Beschleunigung des Vertrages gedrängt hat. Die Situation war: Vertrag oder Krieg oder Nichtstun, wie es Herr v. Heyde- brand empfohlen hat. Das bätte aber die Fortsetzung des Druckes bedeutet, der auf unserem Wirtschaftsleben zufolge der Marokko- frage lastete. Den Krieg wegen Marokko will keine der großen Parteien. So blieb nur der Bertrag übrig. (Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Auch die ungünstigen Bestimmungen deS vorliegenden Vertrages sind nicht aus Schwäche angenommen; der Vertrag ist diel- mehr ein klares Zeugnis von Deutschlands Friedensliebe.(Sehr gut links; ironisches Sehr richtig! rechts.) Mit England sollten wir nicht einen Austausch von Bürgermeistern und Professoren betreiben; wir können abtvarten, bis England nicht durch Worte, sondern durch Taten eine andere Gesinnung gegen uns zeigt.— Erfreut bin ich, datz der Reichs» kanzler sich gegen unsere Anträge ausgesprochen hat. Es würde eine Verminderung der Spannung bedeuten, wenn über diese Frage kein Streit zwischen der Volksvertretung und� der Negic- rung entstände. Wenn die Regierung sagt, ich will, datz die Bolls- Vertretung die Mitverantwortung übernimmt, würde auch hier eine größere Zurückhaltung eintreten. Selbst in dieser Volksver- tretung würde der Vertrag, wenn er zur Genehmigung vorgelegt würde, mit etwa 2ö0 Stimmen angenommen werden. Für die Krone wäre es nur vorteilhaft, wenn die Mißstimmung im Volke nicht auf sie zurückfällt, wie es sein mutz, wenn die Volksvertretung von der Mitwirkung ausgeschlossen ist. Ich hoffe daher, datz wir in dieser Richtung in der Kommission zu einem Fortschritt kommen; das wird zu größerer Einheitlichkeit führen; die Regierung wird dann nicht bloß die Heißblütigen hinter sich haben, sondern auch die Kaltblütigen.(Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. v. Liebert(Rp.) spricht vom„Raubzug" Italiens nach Tripolis. Mzepräs. Schultz bittet den Redner, sich in seinen Ausdrücken zu mätzigen. Abg. v. Liebert(Rp.) führt aus, man hätte vor allem von Frankreich fordern müssen, die Fremdenlegion zu beseitigen. (Heiterkeit links.) Ter grotze Machtzutvacho Frankreichs besteht in der s chwarzen Gefahr; sie ist um so größer, da das Re- krutenkontingent Frankreichs immer geringer wird. Welch eine Panik würde ansbrcckien, wenn die Schwarzen über die Vo- gesen nach Deutschland einbrechen.(Heiterkeit links.) — Die deutsche Friedensliebe hat diesmal noch den Konflikt ver» mieden. Aber auch das deutsche Volk hat nur eine Geduld, und es dürfte nun das a l l e r l e tz t e Mal sein, datz wir in dieser Meise nachgegeben baben.— Der Bertrag im einzelnen bedeutet eine feine minutiöse diplomatische Arbeit, aber es feblen alle Garantien für die wirkliche Durchführung der wirtschaftlichen Gleichberechti- gung. Besitz ist allerdings immerhin Besitz, und etwas Wertvolles wird immer daran sein. Die frühere Grenze von Kamerun war ganz unmöglich. Wir haben es hier mit einem Geschäft zu tun und wollen hoffen, datz das Gesckmft möglichst günstig für uns ausfällt. Das letzte Wort in den Beziehungen zwischen Frank- reich und Deutschland ist das Abkommen für mich nicht.— Wenn uns Frankreich Schwierigkeiten macht, wird Deutschland, wie ich hoffe, energisch auf seinem Schein bestehen.(Bravo I rechts.) Staatssekretär v. Kiderlen-Wnechtcr: EL besteht ein Krieg zwischen einer mit uns verbündeten Grotzmacht und einer bc- freundeten Grotzmacht. Wir können diesen Krieg b e d a u e r n, es steht uns aber nicht zu, eine Kritik über den Anlaß und die Gründe des Krieges auszusprechen. Dem letzten Herrn Redner hat eS gefallen. diesen Krieg als einen Raubzug zu bezeichnen. Ihr Herr Präsident hat diesen Ausdruck bereits gerügt; ich sehe mich aber genötigt, im Namen der Kaiserlichen Regierung hier noch ausdrücklich und energisch diesen Ausdruck zu» r ü ck z u w e i s e n.(Lachen recküs.)— Auf Einzelheiten werde ich in der Kommission eingehen. Wenn der Herr Vorredner hier aber wieder das Gespenst der afrikanischen Truppe« vorgemalt hat. die auf Deutschland losgelassen werden würden und auf 1870/71 hingewiesen hat. so hat mich das um so mehr wundert, da er Soldat ist und genau wissen wird, datz 1870/71 die Gesamtsumme der eingeborenen Truppen, die aus Afrika herüberkamen, nur 19 00« betrug, während 5 0 000 französische Truppen in Algier standen.(Heiterkeit.) Dann mutz ich für unsere Vertreter im Auslande ein Wort sprechen. Es ist beliebt geworden, in der Press« und leider auch hier von der TribiW nhnp icbcn Grund und ohn e jede Kenntnis der Sache ,» b�auven(Lachen links. un ere Herren wären nickt in formiert und L Merkwürdigste ist, datz O�ade diese Herren. Me immer sagen, unsere Diplomatie taugt nichts, als Kronzeugen. als Evanaelinin anfäbren die Aeuherungcn von inngen Herren. ]v„ Lffit für, er Zeit unseren Dienst wieder verlassen haben und Zt ettZa wett sie zu gut informiert waren.(Grotze Heiter- keit.) Das Marokkoabkommen bedeutet den Grzberger(Z.): WW Schwsmlkord der jahrelangen Disharmonie uniercr Marokkovolitik, m,' Vr natürlich nichts Harmonisches herauskommen konnte; es firinnt immerhin den Abschluß in einer Frage, die sieben Jahre lang -wei aroste Mächte in Unruhe gehalten hat.— Herr Wiemer war w freundlich, mich als Reichspretzdezernenten vorzu- schienen Ich will ihn dafür auch für einen Posten vorschlagen, den ick nicht zu vergeben habe: als Sultan von Südmarokko. lHcilcrreit.) � Herr Frank hat seine Partei heute als Grotzmacht p-s Friedens hingestellt und hat namens der ganze i Arbeiterschaft gesprochen. Daö war eine grotze Ucbertreibung. Die christlich- nationalen Arbeiter haben im Sommer entschieden gegen die Haltung der Sozialdemokratie Stellung genommen, die der Ausschutz des Deutschen Arbeiterkongresses„Verrat an Volk und Vaterland" nannte. Diese Erklärung hat auch sehr h e' i' same Wirkung auf die Sozialdcmofralie au'sgeüR'(Heilerkeit bei den Sozialdemokraten.) Tie Rede, die der Redakteur D ä u m i g in Berlin gehalten hat und das was der..Vorwärts" im Anschluß daran über die Durchführung des Masienstreiks beim Ausbruch eines Krieges geschrieben hat, steht im Gegensah zu der Stellungnahme des Jenaer Parteitages und der bewundernswert geschickten Rede, die Herr Bebel dort gehalten hat, nach der man am Schluß nicht wußte, was er eigentlich gesagt hat. Tie Haltung der Sozialdemokratie im Sommer mußte den Eindruck im Ausland erwecken, als sei Teutschland im Fall eines Krieges innerlich ge- spalten, als würden die Mitglieder einer Millionenpartei der G e- stellungsordcr Widerstand leisten. Das bedeutete in Wvhrheit die Heraufbeschwörung der Kriegsgefahr.(Sehr richtig! im Zentrum und rechts.) Die Stimmung, die in Deutschland gegenüber England herrscht, ist sehr erklärlich. England fürchtet uns als Konkurrenten und tritt uns überall hemmend entgegen, wo wir das Bestreben zeigen, uns auszubreiten.(Sehr richtig! rechts.) Was das Kongvabkommcn anbelangt, so verweise ich auf folgendes: Aus den Berichten, die der französischen Kammer unterbreitet sind, und zwar zu einer Zeit, als an eine Abtretung des französischen Kongo nicht gedacht wurde, geht hervor, daß dieser Besitz keineswegs so wertlos ist wie man hier allgemein dargestellt hat. Man kann also so scharf, wie es ge- schchen ist, heute diese neue Erwerbung noch nicht verwerfen. Eine schwere Schattenseite ist die Zulassung der Etappen- straßen und Etappenstationen; militärische Stationen dürfen daraus nicht werden. Aber prinzipiell sind die Etappenstraßen zu begrüßen als Ausdruck des Gedankens, daß in Afrika alle Weißen solidarisch sind. Was die Konzessionsgesellschaft betrifft, so wird es eine der ersten Aufgaben der Kommission sein, ob nicht überhaupt diese Gesellschaft in Widerspruch steht mit der allgemeinen Kongo- akte. Aber schließlich sind wir auch schon mit anderen Konzessions- gesellschaften fertig geworden, und wenn französisches Kapital in deutschen Kolonien arbeiten will, so haben wir nichts dagegen. Also die Konzessionen sind eine unangenehme Beigabe, aber lassen sich schließlich tragen. Eine weitere unangenehme Sache ist die Schlafkrankheit. Es ist aber zu hoffen, daß es gelingen wird, auch dieses schlimme Ucbel zu überwinden. Ich schließe meine Ausführungen zusammenfassend dahin: Das Marokkoabkommen ist besser als alles andere, was in dieser Richtung vorgeschlagen worden ist. Das Kongoabkom- m e n ist immerhin nicht so schlecht, wie es behauptet wird. Hoffentlich gelingt es, durch die Verminderung der südwestafrika- nischen Schutztruppe Mittel flüssig zu machen, die in unseren Tropen- kolonien vorteilhaft angelegt werden können.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Bebel: Es war ja sehr schön, daß der Vorredner die Schlußsätze seiner Rede dazu benutzt hat, um das Gutachten der großen Firmen,� die die Verträge befürworten, hier vorzutragen. Nichtiger wäre es gewesen, wenn er die Schlußsätze an den Anfang gebracht und uns damit seine übrige Rede erspart hätte(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), denn wenn drei Viertel von dem, was er heute gesagt hat, nicht gesagt wäre, wären wir noch ebenso klug wie vorher. Wir haben keinen Grund, uns an diesen Debatten noch irgendwie zu bcleiligen. Was wir noch zu sagen haben, werden wir in der Kommission sagen. Im übrigen sind wir mit dem Gange der Debatte außerordentlich zufrieden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht! (Heiterkeit.) Ich bin ja eine geraume Weile im parlamentarischen Leben, aber noch selten hat mir eine Debatte so viel Ver- gnügen gemacht wie diese(Heiterkeit), und ganz be- sonders die Episode zwischen dem Reichskanzler und Herrn v, Hehdebrand. Das war ein Duell, das gar nicht zu bc- zahlen ist.(Heiterkeit und Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kralen.) Wir waren mit der Debatte sehr zufrieden und hoffen, daß wir bei den Wahlen das Entsprechende dafür einheimsen werden. Bevor ich auf die Angriffe der Vorredner gegen meine Partei eingehe, einige kurze Bemerkungen zu der Stellungnahme des Herrn Erzb erger zu England. Es ist ja jetzt leider in diesem Hause Sitte geworden bei fast allen Parteien, unausgesetzt auf England loszuschlagen und die öffentliche Meinung gegen England aufzuhetzen.(Abg. H e ck s ch e r: Ist auch von der sozial- demokratischen Presse geschehen!) Wenn Sie eine solche Be- hauptung aufstellen, bitte ich, sie auch zu beweisen.(Zuruf: ...Hamburger Echo"!) Das„Hamburger Echo" hat eine solche Haltung nie eingenommen, und wenn eZ sie eingenommen hätte, was ich bestreite, dann stünde das„Hamburger Echo" ganz isoliert in der Partei.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Wir haben allezeit für ein freundschaftliches Zusammengehen mit England plädiert. Wir waren darin ganz der Bismarckschen Ansicht: es gäbe in Wahrheit keinerlei ernsthafte Gründe, die uns mit Eng- land auseinanderbringen könnten(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten). wir hätten im Gegenteil das allergrößte Interesse, mit ihm gemeinsam Hand in Hand zu gehen. Alle Hetzreden haben auch nicht einen Grund angeben können, auf Grund welcher Tat- fachen diese Feindschaft gegen England eigentlich besteht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ter Herr Vorredner hat davon gesprochen, mau sei in England neidisch auf die Entwickelung Deutschlands; Deutschland habe in wenigen Jahren seinen Ge- samthandel von&000 auf löOOO Millionen gesteigert; die Ent- Wickelung des englischen Handels stehe weit dahinter zurück. Das stimmt alles und ist auch ganz natürlich; England ist ein Volk von 4ö Millionen, wir sind ein Volk von 65 Millionen. Daß wir einst- mals in industrieller und handelspolitischer Beziehung England überlegen sein würden, das habe ich bereits vor 43 Jahren ausgesprochen.(Hört! hört!) Das war mir schon damals klar, weil wir alle natürlichen Bedingungen für eine industrielle und Handelscntwickclung haben. Nun mag es sein, daß man in englischen und Industrie- und Handelskreiken diese Entwickelung mit Neid ansieht. Aber wenn jemand auf mich neidtsch, mit meiner Entwickelung unzufrieden ist, so habe ich noch gar keine Ursache, ihn deshalb zu hassen.(Sehr richtig! bei den Sozial. demokraten.) Bringen Sie eine einzige Handlung Englands vor. die beweist, daß England uns entgegentritt(Lebhafte Rufe rechts: Oho!), daß England unsere Entioickclnng stört. Wo? Nirgends! (Lebhafte Zurufe: Ucbcrall!) Ach. überall! Wenn das der Fall wäre, hätten wir längst mit England Krieg.(Widerspruch rechts; 6ei den Nationalliberalen Zuruf: Vorzugszölle!) Tie Vorzugs- zöllc in den englischen Kolonien sind ebenso sehr auch auf Bc- treiben der englischen Kolonien geschaffen worden, die dadurch glaubten, dem Mutterlande helfen zu können. England konnte die Kolonien nicht zu Vorzugszöllen zwingen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dagegen sind wir alle ohne Ailsnahme im ganzen Hause bis nach rechts der Ansicht, daß das Marokko- abkommen wenigstens den einen Vorteil hat, daß es die offene Tür für uns und alle Mächte feststellt, wobei ich freilich dahingestellt sein lasse, ob Frankreich diese Bestimmungen loyal handhaben wird. Wird es der Fall sein, so wird sich niemand mehr freuen als ich. Tiefe offene Tür ist bis auf den heutigen Tag in England eine Selbstverständlichkeit.(Qoü. hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir führen alle unsere Waren obne Zoll nach England ein. während England seine Waren bei uns schwer verzollen muß.(Hört! hört! bei den Sozialdemokrateu.) Das ist eine Tatsache, die sich nicht aus der Welt schaffen läßt. Alle, die mit dem Handel zu tun haben, wissen, was cS für Dcutfchland bedeuten würde, wenn England z. B. Deutschland folgen und eine Schutzzollmauer errichten würde.(Sehr richtig! bei den isozialdcmokraten.) Wie steht das Verhältnis »wischen Teutschland und England? Wir haben erst in diesen jjrfljjcn damit zu tun gehabt. In dem Entwurf des Gesetzes über die Handelsbeziehungen zu England heißt cS: Die Ausfuhr von Großbritannien nach Deutschland im Jahre 1910 betrug 766,6 Millionen Mark, unsere Ausfuhr nach England 1102 Millionen Mark. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben also England gegenüber eine aktive Haiidelsbilaiiz von 336 Millionen Mark. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist nur möglich, weil England keine Zollschranken hat. In dem Augenblick, wo England Zollschranken errichtet, wird unser Handel einen ge- wältigen Rückschlag erleiden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Schon diese eine Tatsache beweist, daß wir keinen Grund haben, uns in so feindseligen Angriffen zu ergehen, wie es leider hier in reichem Maße geschehen ist.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) England ist das einzige Land, und zum großen Teil auch die selbständigen Kolonien von England, die uns die Einfuhr ohne Zollschranken gestatten.(Lebhafte Zurufe bei den Nationalliberalen, Glocke des Präsidenten.) Seit Jahren ist darum der Kampf in England entbrannt, dem Auslände gegen- über den Freihandel aufzugeben, und wir haben alles Interesse, zu wünschen, daß diese Bestrebungen in England nicht zur Ausführung gelangen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten. Zurufe bei den Nationalliberalen.) Die Herren Stresemann und Genossen sind freilich die besten Agitatoren dafür, daß England den Schutzzoll einführt.(Sehr richtig- bei den Sozialdemokraten.) Das heißt dann, im deutschen Interesse arbeiten. Die Herren Hautzmann und Erzberger haben die Erörterung der Haltung meiner Partei in der Marokkofrage angeregt. Wir haben uns von Anfang an energisch dagegen er- klärt, daß die Marokkoangclegcnheit Veranlassung zu einem großen europäischen Krieg werde. Wir haben uns gesagt, das Objekt ist insbesondere in bezug auf unsere Handelsbeziehungen in Marokko so herzlich unbedeutend, daß auch nur ein vierwöchent- licher Krieg für Deutschland hundertmal mehr Opfer erfordern würde, als alle Vorteile, die wir auf dem Haudelsgebiet herausschlagen können.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Unser Handel dort ist so herzlich unbedeutend, er beläuft sich, wenn ich nicht irre, aus rund 11 Millionen Mark. Was bedeuten diese gegen die 1100 Millionen Mark unseres Handels mit England.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was bedeutet unser ganzer Handel in de» Kolonien, der seit 2'/j Jahrzehnten unendliche Opfer gekoste: hat, gegen den Handel mit England.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Nicht das geringste. Es ist gerade, als wenn unsere maßgebenden Parteien vor den Kopf geschlagen seien, daß sie fort- gesetzt nach der einen Richtung sehen und Katastrophen hrrbeizlifiihren trachten, während doch die ruhige, vernünftige Entwickelung Deutschland zu dem gemacht hat, was es ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Wir haben uns also mit aller Macht dagegen gewehrt, daß wir wegen Marokko Krieg führen sollen. Wir haben in der Presse und in Versammlungen dieser Meinung Ausdruck gegeben, wir haben öffentlich dafür agitiert und Demonstrationen dafür gemacht. Das ist u n s e r gutes Recht, und wenn man es uns verwehrt, so ist das eine Niederträchtigkeit, die man gegen uns ausübt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Demonstrationen richteten sich ausschließlich auf die Erhaltung des Friedens. Als ich im Auslände die Nachricht empfing, daß die Berliner Parteigenossen eine große Demonstration zugunsten des Friedens machen wollten, sagte ich: Na, da werden wir schön ankommen, da wird man euch das Hand- werk legen. Zu meiner eigenen Ucberraschung hat man uns das Handwerk nicht gelegt, obgleich gehetzt wurde, man solle es uns legen. Die ganze alldeutsche Presse hat der Regierung die bittersten Vorwürfe deswegen gemacht. Nun sollen wir nut den Demonstrationen das Gegenteil erreicht haben.(Zurufe.) Nein, Herr Kollege Stresemann, wir haben die Uebcrzeugung, daß die Friedensdemonstration der Regierung außer. ordentlich gelegen kam, daß sie froh war, daß sie kam, damit sie eine Stütze fand gegen die allgemeine Hetze, die von einigen großen Parteien getrieben wurde.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Damit war alles erledigt, was gesagt worden ist.(Zurufe.) Nein, meine Herren, dagegen müssen wir uns wirklich wehren. Sie werden nicht glauben, daß wir für die Demonstrationen die Erlaubnis der Negierung erst einholen.(Heiterkeit und Glocke des Präsidenten. Zurufe.) Dann war das ein Beweis, daß die Ne- gicrung vernünftig war(Heiterkeit), das kommt selten genug vor.(Wiederholte Heiterkeit.) Sie hat aber in diesem Augen- blick erklärt, daß sie von der Sozialdemokratie nichts wissen will, wie auch wir von ihr nichts wissen wollen. Wenn durch Zufall einmal unsere Wege zusammenlaufen, so lassen wir uns dies Nebeneinandcrlaufen gefallen, da handeln wir ganz recht und vernünftig. Daß Sie auf nationalliberaler Seite ganz fürch- terlich geärgert sind, nachdem Sie ganz beiseite geschoben sind, ist erklärlich.(Heiterkeit.) Nun hat man weiter gesagt, die Sozialdemokratie habe die Soldaten aufgefordert, der Einberufungßorder nicht zu folgen, indem sie Massenstreiks für den Fall des Krieges au- gedroht habe, und insbesondere hat Kollege H a u ß m a n n die Worte seines Parteifreundes Wiemer dahin ausgelegt, obwohl Wicmer kein Wort davon gesagt hat.(Zurufe: Doch, doch, Massen- streik!) Sie brauchen nicht stolz darauf zu sein, Herr Kollege Wiemer!(Heiterkeit.) Es ist nicht wahr, daß die Rede des Redakteurs Säumig vom„Vorwärts" nachher in Artikeln begünstigt sei und daß der„Vorwärts" dazu aufgefordert habe, man solle im Falle der Einberufung der Order nicht folgen; das ist eine leichtfertige Behauptung des Abgeordneten Erzberger. Der„Vorwärts" hat sich in dieser Sache durchaus reserviert gehalten, er w.ußte ganz genau, daß die angebliche Anschauung DäumigS in dieser Frage nicht die Ansicht der Partei war.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist auch nicht wahr, daß die Treptower Resolution irgend etwas enthalten hat. was der Däumigschen Rede auch nur entfernt ähnlich war. Diese Resolution hat vielmehr genau auf dem Boden gestanden, den die Partei seit langen Jahren in dieser Frage eingenommen hat.(Sehr richtig! bei den Sozial- demotralen.) Wenn Herr Erzberger sich darauf bezogen hat, daß der Ausschutz der christlichsozialen Partei, der eine viertel Million Mitglieder hinter sich habe, das Verhalten der sozialdemo- kratischen Partei als Verrat an unserem Vatcrlande gebrandmarkt habe, so war das ein Lufthieb. Hätte der..Vorwärts" getan, was Herr Erzberger ihm vorwirft, so wäre � 112 des Strafgesetzbuches in Auwendung gekommen:„Wer eine Person des Soldaten- standes nuffordert oder anreizt, dem Befehl der Oberen nicht Folge zu leisten, wer insbesondere eine Person des Beurlaubtenstandes auffordert oder anreizt, der Einberufung zum Di-nste nicht zu folgen, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft." Diese Bestimmung ist klar und deutlich. Unrettbar wäre man gegen den ..Vorwärts eingeschritten, andernfalls hätte die Staatsanwaltschaft sich eine Pslichtvergesscnbeit zuschulden kommen lassen, und unser Kriegsministerium würde sie zur Ordnung gerufen haben. (Zwischenruf.) Jawohl, vom Standpunkt des heutigen Staates wäre es eine Pflichtvergessenheit der Staatsanwaltschaft gewesen, und sie wäre sicher eingeschritten, wenn es wahr gewesen wäre. Nun komme ich zur Frage des Massenstreiks. Nichtig ist, daß Herr Daum ig in einer Rede über die Marokko- angelegen heit in einer Versammlung ungefähr ausgeführt hat, es ginge nicht mcbr mit bloßen Reden, man müsse, wenn es zum Ernstfall käme, zum Massenstreik greifen. Eine Opposition dagegen war nach der Natur der ganzen Versammlung nicht möglich, sie ist dem Redner aber sehr bald privatim entgegengetreten. Di« Rede D ä u m i g s hat neben der Aufmerksamkeit der StaatZantvaltschaft a auch die der bürgerlichen Presse hervorgerufen, und es hat eine große Hetze gegen die gesamte sozialdemokra- tische Partei stattgefunden. Naturgemäß mußte ich auf dem Jenaer Parteitag, wo ich das Referat über die Marokko- jrage hatte, darauf eingehen. Erzberger meinte, ich hätte mich mit außerordentlicher Geschicklichkeit um die Stellungnahme zu dieser Frage herumgedrückt. Das kann er nur sagen, wenn er den Verhandlungen des Jenaer Parteitages nicht gefolgt ist und das Protokoll nicht kennt, denn sonst wäre die Behauptung wider besseres Wissen gemacht. Ich habe mich nicht um die Frage herumgedrückt, sondern, wenn der Ausdruck erlaubt ist, den Ochsen bei den Hörnern genommen. Ich habe gesagt, man hat die Rede eines Genossen von uns, der sich für den Massenstreik im Kriegs- fall ausgesprochen hat, in der Presse benutzt, um gegen die Partei zu hetzen und es so darzustellen, als wenn die Partei entschlossen und bereits darüber einig sei, im Falle eines Krieges zum Massen- streik zu greifen. Ich habe weiter erklärt, wir halten es gar nicht für not- wendig, uns auf diese Frage einzulassen, da die Stellung der Partei zur Frage des Massenstreiks im Kriegsfall längst festliegt. Aber nachdem einmal die Sache zur öffentlichen Erörterung ge- kommen ist, wollen wir aussprechen, was wir seinerzeit getan und festgelegt haben, und das ist auf dem internationalen Sozia- lsitenkongreß im August 1907 zum so und so dielten Male ge- schchen. Ich will bemerken, die Frage des Massenstreiks, des Militärstreiks im Kriege ist seit 1392 auf den verschiedenen inter-- nationalen Kongressen behandelt worden. Bei den ersten Gelegen- Helten waren es namentlich holländische Vertreter, die den Militär- und Massenstreik bei Kriegsausbruch verlangten. Nun, vom Jahre 1892 an bis zum Jahre 1907 war es die deutsche Sozialdemokratie, die durch ihre Vertreter in der klarsten Weise erklärt hat: darauf lassen wir uns nicht ein, und die gegen die Resolution, die in dem Sinne vorgeschlagen war, regelmäßig einstimmig gestimmt hat.. Nun kam die Frage wieder auf dem internationalen Kongreß in S t u t t- gart. Die Franzosen, die Engländer und die meisten Nationen, die dort Vertreter hatten, waren dafür, daß in der Resolution, die zur Militär- und Kriegsfrage beschlossen werden sollte, mich ein Satz aufgenommen würde, daß im Falle des Krieges die Ar- bester mit dem Massenstreik antworten müßten. Darauf habe ich im Namen meiner Parteifreunde und zwar im einstim- migen Auftrage derselben erklärt: die Resolution nehmen wir nicht an; wollt Ihr sie annehmen, gut, Hann werden wir aber dagegen protestieren. Darauf sagte man sich, ja, wenn die Deutschen als die am stärksten vertretene Nation gegen eine derartige Resolution protestieren, dann können wir natürlich sie nicht vorsckilagen. Darauf wurde eine Kommission eingesetzt, und von dieser nach langen Verhandlungen eine Snbkommission, die aus drei Deutschen bestand, von Volkmar, Haase und mir. Wir haben daraufhin eine Resolution vorgeschlagen, in der der entscheidende Satz lautet:„Daß jede Nationalität im ge- gebenen Falle mit den ihr am wirksamsten erscheinenden Mitteln sich gegen den Ausbruch eines Krieges erklären soll." Mit den ihr am wirksamsten erscheinenden Mitteln. Damit ist also gesagt: Wenn Ihr Deutsche das nicht mitmachen könnt oder wollt, seid Ihr eben nicht darunter verstanden. Das war der Weg, der betreten worden ist, den wir akzeptiert haben, und dieser bedeutet, daß die Partei von einem Massenstreik im Kriegsfall absieht, daß sie nichts damit zu tun hat. Das habe ich für notwendig erachtet, hier einmal klarzu- stellen. Denn ich habe es nicht für möglich gehalten, daß ein sonst mit den Verhältnissen der sozialdemokratischen Partei, ihren Beschlüssen usiv. so bekannter Mann, wie der Abgeordnete Erz- b e r g e r— von ocn Abgeordneten Wiemer und Hautzmann wundert es mich nicht(Heiterkeit), denen sind die deutschen sozial- demokratischen Parteiverhältnisse böhmische Dörfer(Große Heiter- keit), der dort(nach dem Zentrum zeigend) weiß etwas mehr (Stürmische Heiterkeit; Zuruf von der Volkspartei, das macht die frühere Bnndesgenosscnschaft). Ach, Ihr habt 19 Jahre lang mit dem Zentrum gemogelt(Stürmische Heiter- keit, Zurufe links), mit Ihren Vorwürfen kommen Sie mir vor» wie die Auguren in Rom, die lächelten, wenn sie einander begegneten und ansahen. Nachdem das also in der Weise heute hier vorgebracht und wiederholt worden ist. und nachdem zu befürchten ist, ja sehr wahrsclzeinlich ist, daß diese lügenhaften Behauptungen — anders kann ich sie nicht nennen— draußen im Wahlkampf gegen meine Partei ausgenutzt werden, habe ich mich veranlaßt: gesehen, die Sache richtigzustellen, und nachdem ich nunmehr die Sache hier vor dem Reichstag und vor der Nation richtiggestellt habe, ist der, der diese Behauptung wiederum aufstellt, ein Verleumder, er handelt wider besseres Wissen und Gewissen, und meine Parteigenossen werden ihm, hoffe ich, in der rechten Weise für seine Verleumdung zu züchtigen wissen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Mngda»(Vp.): Die Mitteilungen des Abg. Bebel sind für mich in keiner Weise beweiskräftig. Das ist selbstverständlich, daß die sozialdemokratische Partei als solche den Massenstreik ver- wirft. Aber deshalb bleibt es bestehen, daß in einer Zeit, in der tatsächlich Deutschland und Frankreich sich in schwierigen Verhält- nissen befanden, die Sozialdemokratie durch Protest- resolutionen die Stellung Deutschlands ver- schlcchtert hat. Jetzt ist es leicht, über Herrn D ä u m i g den Stab zu brechen. Aber damals schrieb das sozialdemokratische Blatt in Görlitz, die Morgenröte der politischen Freiheit breche an. Damals wurden alle diese Torheiten als Meisterstücke politischer Klugheit angesprochen. Daß Bebel klug genug ist, einzusehen, daß das seiner Partei schaden mußte, ist selbswcrständlich, und in Jena mußte dann die Erklärung abgegeben werden, die dort ab- gegeben worden ist(Zurufe bei den Sozialdemokraten), daß die sozialdemokratische Partei nicht für den Massenstreik ist, l>c- �lveisle ich nicht.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Dann ist cS ja gut!) Nein, Herr S ü d e k u m, es ist nicht gut, denni es bleibt bestehen, daß Sie in unverantwortlichen Versammlungen den Schein erweckt haben in den Massen, daß Sie im Falle des Krieges für den Massen st reiteintreten.(Stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten: Unwahr! Lüge!) In all den Versammlungen � kam das geheimnisvolle Wort vor, das Proletariat würde wohl schon wissen, den Frieden zu wahren und den Krieg zu verhindern. Selbstverständlich sagen Herr Bebel und S übe tum, das ist keine Aufforderung zum Massenstreik; die Versammelten aber mußten überzeugt sein, daß das Proletariat im Falle des Krieges in der Lage sei. den Krieg durch den Massenstreik zu verhindern. (Stürmische Unterbrechungen bei den Sozialdemokraten. Abg. Südekum: Die Konservativen stimmen in Görlitz ja doch für Sie!) Ich habe von all den Versammlungen nicht viel gehalten. Aber das Ausland hat anders über sie geurteilt, französisch- Zei- tu ngen haben erklärt, in Deutschland gibt es eine Partei von 31l.. Millionen, der Marokko nichts wert ist. und die selbst erklärt, sie würde den Krieg zu verhindern wissen; aus Teutschland brauchen wir also keine Rücksicht zu nehmen. Dadurch ist der Frieden gestört worden, denn wäre die französische Regierung auch so dumm gewesen und hatte den Versammlungen einen so hoben Wert beigemessen, so wäre der Krieg dadurch wicht herbei- geführt worden. Ueber solche Redensart, das Proletariat werde den Krieg zu verhiüdern wissen, kann man, nachdem der italienisch- türkische Krieg unter dem jubelnden Beifall des Proletariats aus- gebrochen ist, nur lächeln.(Zustimmung bei der Volkspartei.) Das Wort hall: ich aber genommen, um dem Staats- s e k r e t ä r d es Auswärtigen zu sagen, nicht der vorliegende Vertrag ist die Ursache der großen Erregung, fondern das seit Monaten in Deutschland herrschende mangelnde Vertrauen zu der Geschicklichkeit der Unterhändler. Und dies Lerkrauen zu heben � hat weder der Kanzler, noch der Staatssekretär verstanden. Leugnen Sie etwa, daß unsere Diplomatie nichts von dem russisch-japanischen Krieg gewußt hat, daß sie von dem italienisch-türkischen Krieg überrascht ist, daß der Botschafter in London die Geschäfte recht merkwürdig geführt hat? Hätte die englische Regierung wirklich gewußt, was wir in Marokko beab- sichtigen, so wäre die Rede von Lloyd George absolut un- verständlich.(Sehr richtig bei der Volkspartei.) Der Reichs- kanzlcr sagt freilich, ,.an ihrem Beifall ist mir nichts gelegen, ich wohne in den Wolken." Es kann aber sehr wohl eine Zeit kommen, wo es ihm und dem Staatssekretär sehr angenehm wäre, sich auf «ine Gruppe im Reichstag zu stützen. Der Staats- sekretär hat auch keine Auskunft gegeben auf die Frage, ob wirklich einer Versammlung von Journalisten im Auswärtigen Amt die Mitteilung gemacht ist, wir wollten uns in Marokko festsetzen. Wir verlangen aber Auskunft darüber.(Zustimmung bei der Volks- Partei.) Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter: Es ist kein Wort da- Von wahr, daß das Auswärtige Amt Pressevertreter dahin in- struiert hat, wir wollten in Marokko Land erwerben. Weder von mir noch von einem Beamten des Auswärtigen Amts ist weder ■einem einzelnen Pressevertreter, noch einer Versammlung von Presse- Vertretern etwas Derartiges gesagt. Schon Herr Bebel hat das Gerücht erwähnt; ich habe ihm nicht geantwortet, weil ich der Ur- fache des Gerüchts erst nachgehen wollte. Im Auswärtigen Amt hat -eine Versammlung von Pressevertretern nicht stattgefunden, wir halten dort keine Preßkongresse ab. Aber tatsächlich hat eine Ver- sammlung von 60 Pressevertretern der alldeutschen Richtung stattgefunden, und die haben unter sich die Annexion von Marokko beschloffen(Stürmische Heiterkeit), ich gebe zu, in -unverbindlicher Weise.(Erneute Heiterkeit.) Wir haben das einzige getan, was wir tun konnten, und haben einen Beamten zu den Hauptmatadoren geschickt und ihnen sagen lassen: Seien Sie vorsichtig, allein werden Sie die Sache nicht machen können und die Regierung st e h t n i ch t h i n t e r I h n e n.(Große Heiterkeit.) �ch hoffe, damit ist die Sache genügend aufgeklärt. Abg. Erzberger(Z.): Der Herr Abg. Bebel hat mir den schweren Vorwurf gemacht, ich hätte eine leichtfertige Behauptung aufgestellt. Demgegenüber muß ich den vollen Beweis für meine Behauptung antreten. Der Redner verliest aus dem Bericht des »Vorwärts" vom 22. August in Nr. 196 über eine Rede des Referenten Däumig folgende Stelle:„Es ist erfreulich, daß Kundgebungen der Arbeiterschaft gegen den Krieg schon in vielen -Orten stattgefunden haben. Man hört bei dieser Gelegenheit auch sagen, das Proletariat werde zu entscheiden haben, ob es sich um einen Angriff- oder Abwehrkrieg handele. Die Zeiten sind vorbei, »vo Völker durch fremde Horden überfallen wurden. Bei den heu- tigen Kriegen und der heutigen Militärtechnik kann man nicht mehr unterscheiden, wer der Angegriffene und wer der Angreifer ist. Sollte die gewissenlose und verbrecherische Kriegshetze der groß- kapitalistischen und alldeutschen Kreise Erfolg haben, dann dürfte es nicht bei Protesten und Worten bleiben."(Hört! hört! im Zentrum.) Er schildert dann die Wirkungen des Krieges und fährt fort:»Wir haben in Deutschland über zwei Millionen gewerkschaftlich und politisch organisierte Arbeiter, davon würden etwa 500 000 der Mobilmachungsorder zu folgen haben. Sind unsere Anhänger ge- schult genug, um in diesem Fall die richtige Lösung zu finden." (Hört! hört! im Zentrum.)„1870 haben unsere Genossen nach Sedan einen mutigen Protest erhoben, aber was unter den da- maligen Verhältnissen als eine mutige Tat gelten konnte, das würde heute Feigheit, politischer Selbstmord sein."(Hört! hört! im Zentrum.)„Mit platonischen Erklärungen kommen wir nicht davon, wenn die Kriegsheyer das Heft in die Hand bekommen. Von diesem Gesichtspunkt aus erscheint die Frage des Massenstreiks in neuer Beleuchtung. Wir müssen immer mit der Möglichkeit rechnen, daß die letzten Fragen der Politik auf einem anderen Gebiete als an der Wahlurne entschieden werden."(Aha! im Zentrum.)„Wenn wir das unseren Genossen klarmachen, wird ihr Geist ein anderer werden. Die Kleinigkeiten werden dann nicht mehr die Rolle, wie jetzt manchmal, spielen; man wird sich klar darüber sein müssen, daß uns Situationen auf- gezwungen werden können, die uns nötigen, außerordentliche Kampf- mittel anzuwenden, wie das auch in bürgerlichen Revolutionen der Fall gewesen ist, natürlich mit anderen Mitteln und mit anderer Taktik."(Hört! hört! im Zentrum. Rufe bei den Sozialdemo- kraten: Wer sagt das?) Däumig!(Erneute Unterbrechung bei den Sozialdemokraten.) Warten Sie doch ab, ich verlese jetzt auch die Resolution, die in der Versammlung gefaßt worden ist, und in der heißt es: Die Versammlung erklärt im Namen der gesamten Berliner Arbeiterschaft, daß sie allen v e r b r e ch e r i- s ch e n Versuchen, die darauf hinauslaufen, Krieg, Blut- vergießen und Vernichtung des Nationalwohl- standes über die Nation zu bringen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten wird. (Hört! hört! im Zentrum. Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Was das für Mittel sind?) In der Resolution werden sie freilich nicht genannt, wohl aber in der Rede des einzigen Mannes, der sie begründet hat. in der Rede des Redakteurs Däumig. Und der „Vorwärts" sagt ausdrücklich:„Was die Berliner Arbeiterschaft besprochen hat, das ist die Meinung der deutschen Sozialdemokratie." (Hört! hört! im Zentrum.) Ich habe all das natürlich nur resü- mierend zuerst wiedergegeben, aber ich bin durchaus loyal ver- fahren. Wie kommt Herr Bebel dazu, meine Aeußerung eine leichtfertige Behauptung zu nennen.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Das bleibt sie auch.) Herr Bebel sollte künftig vorsichtiger sein, und ich stehe in der Auffassung der Dinge nicht allein. Was die Sozialdemokratie in jenen Tagen getan hat, ist von der ge- samten bürgerlichen Presse verurteilt worden. Das beweist der Aufruf des Ausschusses der christlichnationalen Arbeiter- bewegung. Mir wird auch mitgeteilt, daß es damals infolge jener sozialdemokratischen Versammlung in den einzelnen Werkstätten und Fabriken geheißen hat: Ihr könnt alle beruhigt sein, es gibt keinen Krieg. Wenn er erklärt wird, dann machen wir einen Massenstreik. Auf die mannhafte Erklärung einer Viertclmillon christlicher Ar- beiter hatte der„Vorwärts" keine andere Erklärung, als den Aus- druck Schwefelbande.(Hört! hört! im Zentrum.) Ich habe vorher schon gesagt, daß Herr Bebel in Jena anders gesprochen hat als Herr D a u m i g in Berlin, aber immerhin lautet der Schluß- sah in der Jenaer Resolution, daß die Sozialdemokratie jedes Mittel anwenden soll, um den Weltkrieg zu verhindern. Das Mittel wird nicht genannt, aber die Reso- lution der Konferenz des Internationalen S o z i a l i st i- s ch e ii Bureaus wird bald darauf noch deutlicher. Sie sagt, daß die Arbeiterschaft einen Krieg dazu ausnützen müsse, um die kapi- t a l i st i s ch e Klassenherrschaft zu stürzen, und Herr Däumig fordert nicht Demonstrationen, sondern Taten.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Welche?) Das weiß ich ja nicht. Jedenfalls: Wenn Ihnen nachher die Sache brenzlich ge- Jedenfalls: Wenn Ihnen nachher die Sache nachher brenzlich ge- worden ist. dann ist das mit zu danken dem mutigen Protest der christlichen Arbeiterschaft gegen volksvcrräterisches Treiben.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Fischer(Soz.): Es ist eine interessante Erscheinung, daß hier ein Vertreter einer Parte, die das Christentum zu oertreten vorgibt, auf- tritt, eine Anklage zu erheben gegen eine Partei, die für den Frieden eintritt. lSchr richtig! bei den Sozialdemokraten— Lachen der übrigen Parteien.) Lachen ist kein Beweis. Sie müssen fragen, ob das wahr ist oder nicht. Wenn wir Sozialdemokraten gegen den Krieg in der Weise Protest erheben, wie sie unter den bestehenden Gesetzen möglich ist, dann müßten Sie, wenn Ihre Worte Ihren Gedanken entsprächen, auf unserer Seite stehen, dann dürften nicht der Gefangene im Äatikan und seine Bischöfe jetzt die Armee segnen, die nach Afrika gegangen ist. lieber ein Gedicht von d'Annunzio hat der Papst geweint, aber nicht darüber, das? Tnusendc um elende Finanzinteressen ge- Opfert werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) _ Das ist Ihr Christentum!__ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Wir find stolz darauf, auch dann als Vaterlandsfeinde hingestellt zu werden, wenn wir gegen einen Krieg demonstrieren. den niemand hier im Hause zu rechtfertigen den Mut gehabt hätte. Sie leugnen alle und stehen doch alle unter dem Eindruck der sozialdemokratischen Massendemonstra- tionen und der sozialistischen Bewegung, deren Bekämpfung Ihr Tun von morgens bis abends gilt.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Es ist eine Ironie der Geschichte, daß die Regierung, die alle ihre Machtmittel gegen die Sozialdemokratie verwenden will, sich auf die große deutsche Sozialdemokratie stützen mußte, um den Frieden zu bewahren.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Als Bebel erklärte, nach seiner Klarstellung dürfe nie- mand mehr jene unwahren Behauptungen erheben, wunderte ich mich über seinen Optimismus und sagre ihm: Na, August, der Reichsverband wird nicht ein Flugblatt weniger heraus- bringen. Der freisinnige Gönner des Reichsverbandes, Abgeord- neter Mugdan, hat die alten Verleumdungen gleich wieder auf- genommen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Schultz: Sie dürfen einem Abgeordneten nicht Verleumdung vorwerfen. Abg. Fischer(fortfahrend): O, das darf ich schon; aber ich darf bloß nicht sagen, daß er es mit Bewußtsein getan hat.(Große Heiterkeit.) Vizepräsident Schultz: In Ihrer Aeußerung lag der ckolus eventualis der Bewußtheit.(Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause.) Abg. Fischer(fortfahrend): Herr Mugdan hat gesagt, Bebel habe ihn nicht überzeugt. Nichts leichter, als gegenüber der Wahrheit zu sagen: Du hast mich nicht überzeugt. Dann hat man nach wie vor das Recht auf die Unwahrheit. Herr Erzberger hat hier eine angebliche Rede eines einzelnen Sozialdemokraten(Widerspruch im Zentrum) angeführt, in der dieser die Sozialdemokraten aufgefordert haben soll, bei Erlaß eines Mobilmachungsbefehls diesem Befehl keine Folge zu leisten, sondern mit dem Generalstreik im Augenblick der Kriegs- erklärung zu antworten. Und diese Auffassung und Erklärung eines einzelnen Sozialdemokraten ist vom»Vorwärts" mitgeteilt worden und nach dem„Vorwärts" von einem großen Teil der Parteipresse. Das ist die Behauptung, die Herr Erzberger hier aufgestellt hat.— Zunächst stelle ich fest, daß Däumig das, was Erzberger als seine Aeußerung hinstellt, nicht gesagt haben kann, weil ihn sonst der Staatsanwalt beim Krawattchen gepackt hätte. (Heiterkeit und Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Zweitens hat kein Blatt überhaupt diese Behauptung in der positiven Form wie Herr Erzberger aufgestellt. Was Herr Erzberger als Beweis aus dem„Vorwärts" verlesen hat, beweist nur, wie leichtfertig er in diesem Falle Behauptungen aufgestellt hat. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Schultz: Der Ausdruck leichtfertig ist schon mehrfach gebraucht und nicht gerügt worden, aber ich bitte Sie doch, etwas liebenswürdigere Formen zu wählen. Abg. Fischer(fortfahrend): Dann will ich sagen: leichten Herzens.(Heiterkeit.) Herr Erzberger hat sich dann auf die Resolution bezogen, die der „Vorwärts" vom 22. August 1911 wiedergegeben hat. Dort heißt es: „Die Versammlung erklärt im Namen der gesamten Berliner Ar- beiterschaft, daß sie alle verbrecherischen Versuche, die daraus hinauslaufen, Krieg, Blutvergießen und Vernichtung des National- Wohlstandes über die Arbeiter zu bringen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten wird." Ich frage: Wie kann man aus diesem Wortlaut das herauslesen, was Herr Erzberger herausgelesen hat.(Zuruf rechts: Welche Mittel denn?) Ja der Mittel gibt es verschiedene, und wenn Sie die sozial- demokratische Literatur gelesen haben, würden Sie es wissen. Daß aber das Mittel, welches Herr Erzberger angegeben hat, nach den Erklärungen Bebels nicht darunter verstanden werden kann, ist zweifellos. Freilich in einer Minute kann ein Narr mehr fragen, als zehn Weife beantworten können. iHeiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger hat dann den Indizienbeweis angetreten und gesagt, cS hieße in der Resolution, daß jeder Parteigenosse mit seiner Person dafür eintreten müsse. Jeder, der die Geschichte der Sozialdemokratie in den letzten 25 Jahren kennt, weiß, daß sich unsere Partei dadurch von anderen Parteien unter- scheidet, daß wir mit unserer Person für dir Sache eintreten, wäh- rend es bei anderen Parteien mit dem Säbel im Maule abgetan ist.— Herr Erzberger meinte, unsere Parteigenossen sind geschult genug, um zu wissen, was gemeint war. Gewiß sind sie geschult. Wenn Herr Erzberger aber meinte, einzelne Arbeitr hätten in Fabriken gesagt: Wenn ein Krieg kommt, so machen wir einen Generalstreik, so bestreite ich nicht, daß das einzelne Per- sonen gesagt haben mögen. Schließlich werden Sie doch nicht ver- langen, daß alle Esel bei Ihnen organisiert sind!(Große Heiter- keit.— Unruhe und Zurufe rechts und im Zentrum.) Warum hat Erzberger, der den ,.Vorwärts"-Artikel hier auf die Tribüne bringt, nicht auch zitiert, daß die„anderen Mittel", von denen Däumig gesprochen hat, für uns eine Frage des Studiums ist, weil wir genug geschult sind, um über solche Fragen nachdenken zu können. Gleich danach aber steht in demselben Artikel des„Vor- wärtS", „daß eS sich um einzelne Probleme handelt, die durchgeführt werden müssen". Wenn man diesen Satz überschlägt, dann allerdings kann man sagen: Er(Erzberger) hat die Behauptung aufgestellt wider besseres Wissen.(Zurufe vom Zentrum.) Selbst wenn der Redakteur Däumig alles, was Herr Erz- berZer ihm unterstellt, wirklich gesagt hätte, wenn er die Forde- rungen erhoben hätte, daß man bei der Mobilmachung der Ein» berufung keine Folge leisten solle, daß beim Ausbruch des Krieges der Generalstreik von der Partei inszeniert werden müsse, selbst wenn das ein einzelner Genosse gesagt hätte, was beweist das gegen Parteibeschlüsse, die auf internationalen Kongressen, aus dem Parteitag in Jena und früher gefaßt worden sind? In welcher Stellung befindet sich denn da das Zentrum? Der Herr Abg. Erzberger ist noch nicht der nächste beste im Zentrum, er ist ein Mann, auf den Sic alle stolz sein können wegen seines Fleißes. seiner Belescnheit, seiner Rcgistraturkünste.(Heiterkeit.) Sie müßten sich ihn kaufen, wenn sie ihn nicht hätten.(Erneute Heiterkeit.) Wenn nun ein solcher Mann, wie er, bei Auflöiung des letzten Reichstages Erklärungen abgibt über die künftige Steuerpolitik des Zentrums, müßten Sie sich da nicht verpflichtet fühlen, die Worte des Herrn Erzberger einzulösen? Aber Sie haben diese Wahlversprechen des Herrn Erzberger, die Sie in Tausenden von Exemplaren in die Welt geschickt haben. elend desavouiert und haben die Finanzreform so gemacht. wie sie vorliegt. Und dieser so desavouierte Herr Erzberger will uns auf die Worte eines einzelnen Mannes festlegen, auf Worte, die gar nicht protokolliert sind und nicht genau feststehen! Für eine Versammlung maßgebend ist die Resolution. die gefaßt worden ist. Die Rede, die dazu gehalten worden ist. kann gut oder schlecht sein, sie hat mit der Resolution nichts zu tun. Die allgemeine Haltung der Partei ist maßgebend; nicht das einzelne Wort oder der einzelne Artikel eines einzelnen Mannes. Was eine Versammlung in Gestalt von Resolutionen angenommen hat, nur damit hat sie ihr Einverständnis erklärt. Was hat nun in der Resolution gestanden? Daß man den verbrecherischen Versuchen mit allen Mitteln, die zu Gebote ständen, entgegentreten werde. Das ist Znscratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts ja eigentlich etwas SelbstverstänVlichcS. Und waS War Sa« für eine Versammlung? Eine Versammlung der inneren Partei- organifation, wo neben der Erledigung anderer Vereinsgeschäste auch diese Frage erörtert wurde. Was die Meinung der Berliner: Parteigenossen war, das Hobe« sie acht oder vierzehn Tage später in der großen Demonstration in Treptow ausgedrückt. Da haben sie Stellung genommen zur Frage des Krieges oder Friedens, da haben sie ihren Beschluß in einer Resolution nieder-- gelegt, und dafür ist die Sozialdemokratie verantwortlich, nicht für das, was irgendein bürgerliches Berliner Blatt Däumig hat reden lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun beruft sich Herr Erzberger auf den„Vorwärts"; aber kein Wort von der Mobilmachung steht in der Resolution, die er vorgelesen hat, kein Wort vom Generalstreik steht in den» Artikel, auf den er seine Anklage aufbaut. Was Berlin wollte, hat sich gezeigt bei der großen Demonstration im Treptower Park. von der die„Norddeutsche Allgemeine" selbst sagt, daß 200 00 0 Teilnehmer zugegen waren.(Zuruf im Zentrum: Soviel waren es ja nicht!) Und wenn es zehnmal mehr gewesen wären, Sie hätten doch gesagt, es waren leine 20 000, und wenn im Treptower Park bloß 20 000 zur Stelle gewesen wären, dann hätten Sie überhaupt nichts gesehen in der Millionenstadt. Alles war schwarz von Demonstranten.(Zwischenrufe: Rot! rot! Heiterkeit.) Herr Mugdan konnte mit nicht genug Verachtung von der Bedeutungslosigkeit solcher Demonstration sprechen. Das hat mich allerdings ganz wunderbar berührt bei einem Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, die ihre ganze Existenz, ihre ganze Propaganda, ihre Zukunft auf die Zustimmung des Volkes aufbaut, die bei allen Wahlversammlungen vom Volke spricht. Aber Sie meinen wahrscheinlich, daß nur die Abgeordneten und die Gemeindebevollmächtigten und die Bezirks- Vorsteher das Volk seien, das allein mitzureden habe. Man braucht bloß die Miene des Herrn Mugdan sich zu ver- gegenwärtigen, mit der er von den Demonstranten sprach. Und doch ist alles nur Neid, weil Sie(zu den Freisinnigen) Ihre An- Hänger hier in Berlin in einer einzigen Droschke spazieren fahren können. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es ist die alte Geschichte vom Kuhhirten von Ulm, der, als man ihn nicht wiederwählte, sagte, er pfiffe auf das Amt.(Heiterkeit.) Man muß scharf unterscheiden zwischen einer Agitation, die vor Ausbruch eines Krieges zur Verhütung des Krie- ges geführt wird, und einer Agitation, die nach Ausbruch eines Krieges einsetzt. Wir haben vor Ausbruch des Krieges, der um eines so elenden, frivolen Zweckes, wie er hier in Frage kommt, geführt worden wäre, alles zu tun versucht, und jeder hat seine Person eingesetzt, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern, und nicht eine Frage des� Willens, sondern eine Frage der Macht, eine Frage des Könnens muß es sein, die Mittel anzuwenden, die wir für geeignet halten.(Zuruf aus der Mitte: Jedes Mitteil) Jedes Mittel, das ein so schweres Unglück von einer Nation abwenden kann. Etwas anderes ist es, wenn ein Krieg ausgebrochen ist. Das ist aber auch die Meinung der Sozialdemokratie in allen Ländern, und wenn Sie sagen, wir in Deutschland haben die Aktion der Regierung durch unsere Friedensdemonstrationen ge- hindert— et, haben den die französischen Friedens- demonstrationen die Aktion ihrer Regierung nicht gchin- dert? Und die englischen Friedensdemon st rationen? (Abg. Erzberger: Die kamen viel später!) Ach, Herr Erz» b e r g e r, Sie sprechen schon wieder etwas aus, wovon Sie das Gegenteil wissen. Sie kennen genau den Streit in unserer Partei darüber, ob das Internationale Bureau vier Wochen früher oder später zusammentreten soll, und Sie wissen. daß wir Deutsche auf dem Standpunkt der Vertagung dieser Konferenz standen, weil wir sie ini gegebenen Augenblick noch nicht für notwendig hielten, und Sie wissen, daß die Franzosen auf dem umgekehrten Standpunkt stnnocn und daß die Franzosen bereits am 4. August ihre großen Friedensdemon- strationen in dem Zirkus von Paris hatten. Die Engländer haben ebenfalls gleichzeitig demonstriert, und die Demonstrationen waren so, daß wechselseitig die Redner in den einzelnen Ländern waren, um den Einfluß ihrer eigenen Bewegung mit in die Wag- schale zu werfen, um zu zeigen, daß es sich hier nicht um das Ge- Winnen einer einzelnen Klasse handelt, fondern um de« große« mächtige« Willen der Arbcitersvlidaritöt in allen Ländern. Wenn die Franzosen, die Engländer, die anderen ausländischen Sozialdemokraten für ihre Regierungen eingetre- ten wären, um Deutschland mit Krieg zu� überziehen, und wir dann allein gekommen wären, so hätten Sie vielleicht recht. Aber gegenüber der Tatsache, daß die Sozialdemokraten aller Län- der von dem gleichen Gedanken begeistert waren, daß überall dieselben Mittel angewendet wurden, daß sie überall ihr ganzes Sein auf das Spiel sehten, um den verbrecherischen Krieg zu verhindern, können Sie bloß noch Dummköpfen mit dem Argumente kommen, daß wir landesverräterische Zwecke verfolgten und der Regierung in den Friedensbestrebungen in den Arm ge- fallen sind. Ich weiß nicht, ob die Regierung von Anfang an Frieden?. bestrebungen gehabt hat Nach ihren Erklärungen muß man eS glauben. Wenn die Regierung aber von Anfang an die Marokkofrage friedlich lösen wollte, dann waren unsere Versammlungen die wirksam st e Unter st ützung gegen daS verbrecherische Treiben der Alldeutschen, der„Post" und das leider auch Sie(nach der Mitte) getrieben haben, weil Sie glaub- ten, daß daS nationale Pferd ziehen würde.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Stür- mische Zurufe im Zentrum. Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Ich nehme an. daß die Worte„verbreche- risches Treiben" sich nicht auf den Abg. Erzberger beziehen. Abg. Fischer(Soz.): Ich stehe nicht an, zu sagen, daß die Worte„verbrecherische» Treiben" sich auf die anderen Parteien außerhalb des Hauses bezogen haben, und daß ich dann in dem Gedankengang der natio- nalen Hetze Herrn Erzberger und seine Partei mit einbezogen habe.(Heiterkeit.) Was ist in Treptow ge- schehen? Dieselbe Rede in ihrem Gedankengang, die Bebel auf dem Jenaer Parteitag in bezug auf den Massenstreik gehalten bat. dieselben Gedankengänge sind auch in Treptow ausgeführt worden, weil sie die alten Gedankengänge der Partei sind, die Wiedergabe der in früheren Parieikoiigressen niedergelegten Partei- anschauuiigen. Wenn nach den Resolutionen der Berliner, des Jenaer Parteitages, des Stuttgarter Parteitages und endlich nach den Erklärungen, die hier in autoritativer Weise abgegeben worden sind, noch jemand kommt— und es werden Leute kommen—, der dem widerspricht, dann haben wir das Recht, das zu sagen, was der Abg. Bebel bereits gesagt hat, daß man solche Leute einfach als Verleumder abtun kann.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Schultz: Ich mache darauf aufmerksam. daß das Marokkoabkommen zur Debatte steht(Heiterkeit, Zurufe bei den Soz.: Mugdan!l Ihre Redner sind gewiß n'chl beschränkt worden, ich bitte aber die Herren, die noch auf diesen Gegenstand zurückkommen, sich nun wirklich kurz zu fassen. Abg. Erzberger lZ.): Bei den Ausführungen des Abgeordneten Fischer mußte ich an das Wort denken, das in Jena fiel: DaS ist Fischer, wie er leibt und lebt, der mit eine«- großen Rückzugskanonade eine verlorene Schlacht maskiert.(Lachen bei den Soz.) An meinen Behauptungen halte ich fest. Die Beweisführung des Herrn Fischer ging daraus hinaus: es gibt keinen Däumig, es gibt keinen„Vorwärts", es gibt keinen Bericht, es gibt nichts als Fischer.(Lachen bei den Soz.) _(Schluß in der 2. Beilage.)__ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SVt» |lr.266. 28. ZahrMg. 2. Ktilige des Lsmärls" Knli«» UslksdlM j, 12. November 1911. Reichstag (Schluß aus der 1. Beilage.) Abg. B. Liebert(Rp.): Die Zahlen des Herrn b. Kidcrlen- Wacchter über die afrikanischen Truppen, Frankreichs 1870 waren wertlos, da inzwischen eine sgjährige Entwicklung liegt. Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Wiemer(Vp.): Herr Erzberger wollte mich zum Sultan von Südmarokko machen. Er hat aber zweifellos das Vor- recht auf einen solchen Posten als Herrscher der Schwarzen in Deutschland.(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Frank(Soz.): Ich habe nicht im Namen der deutschen Arbeiter gesprochen, sondern ausdrücklich Bezug genommen aus die Millionen von Arbeitern, die hinter unserer Partei und den Gewerkschaften stehen. Mit meinem Vorwurf an Herrn Wiemer, er habe die sozialdemokratischen Friedensdemvn- strationen eine Gefährdung des Friedens genannt, habe ich ihm kein Unrecht getan. Aber ich habe Schiller Unrecht getan, indem ich die Jungfrau von Orleans mit Tell verwechselt habe. Ich habe für eine richtige Politik ein unrichtiges Zitat gebraucht— bei andern ist das oft umgekehrt.(Heiterkeit.) Abg. Mugdan(Vp.): Ich habe nicht gesagt, VolkSdersammlun» gen wären lächerlich, sondern Ihre DemonstrationSversammlungen. (Lachen bei den Soz.) Das Marokko- und Kongoabkommen geht an die Budgetkommission. Damit ist die Tagesordnung erledigt.— Nächste Sitzung: Mon- tag. 2 Uhr.(Sozialdemokratische Interpellation über die Maßregelung von Eisenbahnern.) Schluß 6 Uhr. ## Anmerkung der Redaktion. Genosse Bebel wäre in der Lage gewesen, der Hinterhältigkeit des Abgeordneten Erzberger und dessen Ausführungen über die angebliche Aufforderung des Genossen Daum ig zum Massenstreik noch viel schärfer entgegentreten zu können, wenn ihm der Bericht über die Rede D ä u m i g s vorgelegen hätte. Der Bericht des„Vorwärts" kann natürlich im engen Rahmen einer Spalte eine eineinhalbstündige Rede nicht in vollem Um fange wiedergeben, er entspricht aber in seinem Gedanken gange den Ausführungen Däumigs. Tatsächlich hat sich Genosse D ä u m i g in jener Rede am 20. August jeder Aufforderung zu in Massen st reik undder» gleichen e n t h a l te n. Er hat nur in Frageform P r o b l e m e angeschnitten, die der organisierten Arbeiter- schaft aus einem durch das damals besonders gemeingefähr- liche Treiben der Kriegshetzer entstehenden Krieg erwachsen würden. Vom Massenstreik hat Genosse Däumig nur in einem einzigen kurzen Satze gesvrochen, der folgender- maßen lautete:„Von diesen Gesichtspunkten aus erscheint auch die Frage des politischen Massenstreiks in neuer Be l e u ch t u n g." Das ist tatsächlich alles, was Genosse Däumig in seiner Rede über den politischen Massenstreik gesagt hat. Von der bürgerlichen Presse sind dann diese Ausführungen entstellt und verdreht worden. Quittung. Die Beträge werden fortan nicht mehr alphabetisch geordnet, sondern in der Reihenfolge wie sie eingegangen sind, aufgeführt werden. Die fettgedruckte Ziffer bezeichnet immer da« Tingang«- datum. Der Ouartalsbezeichnung ist das Geschäftsjahr der Partei, 1. Juli bt« SV. Juni zugrunde gelegt. Rleines feuilleton. Die Nacht in den Schanzgräben.„Langsam ist die Mondscheibe über den fernen Dächern und Türmen von Tripolis emporgestiegen, die Sterne haben wieder ihren helleren Glanz angenommen und flimmern zitternd durch da« Laubgewölbe der Palmen zu unseren Häuptern. Eine schöne und klare tiefe afrikanische Nacht hat sich herabgesenkt. In den Tiefen der Schanzgräben hinter mir liegen schlummernd die Soldaten, Leute der 6. Kompagnie des 82. In- fantcricregimentS: seit IL Tagen und Nächten stehen sie nun als Vorposten draußen. Rings herrscht tiefe Stille, nur liier und da wälzt sich ein Körper in unruhigen Träumen, und ein leises metalli- sches Klirren begleitet diese Bewegung. Nur zwei Posten wachen, das Gewehr im Arm, und die Blicke HinauSgeioandt in das undurchdringliche Dunkel der Oase, die wie ein breiter langer schwarzer Klumpen schwer vor ihren Augen liegt. Kaum SV Meter vor den mit massigen Sandsäcken verstärkten Schanzen dehnt sich ein kleiner Hain von Palmen und Oliven, und von einem nahen Akazienstrauch weht ein süßer, schwerer Duft hin und wieder über unsere Köpfe." So beginnt Guelfo Civinini im„Corriere della Sera" seine Schilderung der Nächte in den Schanzgräben, dieser Nächte der grenzenlosen Müdigkeit und banger Erioartung. Nun liegen sie alle im Schlummer, diese jungen und frischen Burschen, die tagaus tagein die tödlichen Kugeln pfeifen hören. Fast alle tragen nun schon seit Tagen fertiggeschriebene Karten oder Briefe tn der Tasche, rasch hingekritzelte Schilderungen oder kurze Grüße: seit Tagen warten sie auf die Gelegenheit, diese Lebenszeichen vom Schlacht- selbe zur Post nach Tripolis schicken zu köslnen. Für manchen von ihnen vielleicht wird die Zeit nicht mehr kommen. Drinnen in den Gräben schlafen alle seelenruhig. Aus der Ferne tönt ein heulendes Hundegebell, hier und dort wird c« erwidert in den verlassenen leeren Araberhäusern kläffen herrenlose Hunde. Hinter uns sind diese Häuser fast alle leer und verödet. Mit der Waffe in der Hand hat man die Bewohner ergriffen und erschossen; andere sind geflohen, verschwunden, verschollen. Ach, diese schönen Nächte in der Vorpostenlinie, Nacht« von unbekannter Poesie. Es sind Nächte eines seltsamen Kampfes gegen schleichende Feinde. schattenhaste Wesen, die lautlos zwischen Palmenstämmcn hin und her gleiten, ohne sich zu zeigen, ohne hörbar oder greifbar zu werden. Ueberall sind sie. dort vorne vor uns, hinter unseren Reihen; immer wieder zucken vereinzelte Schüsse durch die Nacht, hallen fern in den Weiten und ersticken. So verstreicht die Kehrseite des TagcS, in steter Er- Wartung auf ernste Angriffe, die diesmal nicht kommen. Alle Augenblicke geht durch die Schanzlinte irgend ein blinder Lärm. der keine Folgen hat; irgendwo drängt ein kleiner Trupp Araber heran und feuert wie wild, die Posten antworten, die Schläfer springen auf; im Nu beginnt ein stürmisches Gewehrseuer, aber dann kehrt die Ruhe zurück. Wie durch Zauber sind die weißen Feinde ver- schwunden; die Schüsse verstummen, und nur das langgezogene Geheul verlassener Hunde tönt aus der gerne weiter. Brummend suchen die Soldaten wieder ihre Plätze, um weiter zu schlafen. Theater. Kleines� Theater:„Gentz unb Fanny Olßler", ,'Hockenjos" von J. Wassermanv; Im Monat Oktober gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeffräge ein: Am 2. Miilheim-Wipperfürth I. Ou. 400.—, Offenbach a. M. IV. Ou. 1910/11 1069,08. 3. Berlin. W. Z. SV.—. Kollegen der firnia Riebe, Kugellager und Werkzeugbau Weißensee 20, 0ö, . Köln Reg. W. 20,—, Delmenhorst 65,—(darunter Delmenhorst 56,90, Adelheide 8,10), 5. Berlin, 1. Rate zur ReichstagSwahl von Hintz' Fabrik Mariendors, Abt. Buchbinderei 10,—, Berlin-Kaulsdors .Radi" L.—.«. Leipzig 13. sächs. Wahlkr. I. Ou. 7000,-, Berlin P. H. 20,—, Rotationsarb. d.»Berliner Tageblatts" 10,—, 7. Altona Binnenschifferbeilräge 11,20, Breslau Ost und West I.Ou. 1690,96, V. Falkenberg O.-S. A L. 3,—, Ottweiler-St. Wendel I. Ou. 30,60, 10. Berlin, ausgewürfelt bei der Geburtstagsfeier v. Paul Riedel 1,—, Bergheim-Euskirchen I. Ou. 12,—, 11. Köln für Binnenschiffer 48,—, Aachen Stadt soz. Verein 1. Ou. 82,36, Berlin, für die ReichStagswahl von den Arbeitern der Schmiedewerkstatt W. Köhn, Oranienburgerstraße 6,—, von den Kollegen der Firma Bergmann u. Westphal. Stralau 20,—. Zu den Parteitagskosten von d. Koll. der Sisengieß. Georg Grauert, Stralau 23.30, Schl. für I. Ou. 1,30, 14. Hagen-Schwelm I. Ou. 650,98, Recklinghausen-Borken I. Ou. 340,—, Potschappel 6. sächs. Wahlkr. a konto 5000.—. Berlin. Dr. L.«. 100,—. 16. Elberfeld-Barmen I. Ou. 1200,—, Essen, soz. Verein I. Ou. 1090,87, Potsdam, Spandau, Osthavell. l. Ou. 596,92, 17. Berlin, VerbandSmitgl. I. d. Druck.»Vorwärts" 100,—. Steinburg, Dith- morschen I. Ou. 431.48, 18. Friedberg-Bndingen I. Ou. 426,90. Altkirch- Thann, 10. elsaß-lothr. Wahlkreis 4,96, 10. Düsseldorf l. Ou. 1319.62, Pinneberg. 6. schlesw.- holst. Wahlkr.. Rest für IV. Ou. 1910/11 1334,70, Magdeburg soz. Verein I. Ou. 1393,54, MörS- Ree« I. Ou. 106,28, Mayen- Ahrweiler I. Ou. 49,60, 20. Altona. 3. u. 10. schleSw.- botst. Wahlkr. I. Ou. 2334,—. Koblenz- St. Goar I. Ou. 20,—, Hohenzollern, 18. wllrtt. Krei» I. Ou. 7,06, Westpriegnitz, 1. brandend. Kreis I. Ou. 30,90, Halle u. SaalekreiS I. Ou. 1236.30, Mülhausen i. E. I Ou. 213,08, Neu- Wied, 12. oberrh. Wahlkr. L Ou. 18,74, 21. Krefeld, 11. niederrh. Wahlkr. l. Ou. 299,7S. Rüstringen. 2. old. Wahlkr. I. Ou. 645,70, 2. Hann. Wahlkr. I. Ou. 72,60, 23. Berlin, Soziald. Lese- und DiSkutier-Klub»Joh. Jacoby' 5,—, Ouedlinburg-AscherSleben-Kalbe I. Ou. 781,50, LandSberg-Soldin pro I. Ou. 93, 2v, 24. Frank- furt a. M. I. On. 1666,—, Harburg, 17. Hann. Wahlkr. I. Ou. 1283,66, Kattowitz, Beitrag der P. P. S. 182,30(darunter Zabrze 72,27 und Beuthen 48,75), Berlin, im Auftrage durch Rönnecke. Bethke und Siere 300,—, 2». 17. sächs. Wablkr. I. Qu. 580,—, Solingen I. Ou. 832,57, Zur Wahl statt Eisbeinessen d. Koll. deutsch.-chines. Automat. Zusammenh. Gesell. Weihens. Lehder« strahe 41 25.—, V. d. Groschenkasse d. A. E.-G. Boltastraße Abt. Mstr. Latus 20,—, Konstanz 1. bad. Wahlkr. I. Qu. 39,92. Duisburg- Mülheim a. Ruhr I. Ou.'733,50, 26. Höchst-Homburg a Konto-Ber« träge 750,—, Rheinbach-Bonn I. Ou. 72,—, Saarbrücken I. Ou. 106,—, Lahr-Wolfach 6. bad. Wahlkr. I. Ou. 54,00, 27. MacheteS 10,—, Dresden-Neustadt 4. sächs. Wahlkr. 2500,—, Hagenau-Weißenburg 10. eliaß.-lothring. Wahlkr. 13,06, Aachen-Land I. Ou. 102.—, Züllichau-Krosien I. Ou. 104,91, 28. Heidelberg 203,70, Bieberach 18. württ. Wahlkr. I. Ou. 19,12, Mannheim, I. Ou. 500.—. 1. braun- schw. Wahlkr. I. Ou. 1244,28, 2, braunschw. Wahlkr. I. Ou. 148,47, 3. braunschw. Wahlkr. I. Ou. 121,59, Kontobucharb. v. Wedding 5,—, Berlin, zum Wahlkampf v. Unlerst.-FondS d. Stral. GlaSarb. 100,—. Prenzlau-Angermünde I. Ou, 57,25,„Borwärts"-Ueberschuß v. 1. Ou. 104 141,75. 30. Bern. P, L, 50.—, Mllnchen-Gladbach I. Ou. 115.63, Eßlingen 656,85, 31. 1. old. Wahlkr. 1 Ou. 207,92, Braunscdw. I. R. S.—. Ulm- Geislingen, 14. wllrtt. Wahlkr. I. Ou. 242.74. Schwerin-WiSmar I. Ou. 322,95, Hennig, Argentinien 5,—, Berlin M. 28. 4,—, Sechserl. d. Fa, Boas 20.—, Knabe 3,—, Nürnberg 1. 28. 2,—, Zum Wahlkampf 4 deutsche Gen. in Brisbane-Australien 9,40. Spandau W. 6,—, Westpreußen L Ou.(Elbing-Marienburg 104,73, Danzig-Land 79,81, Danzig-Stadt 808,64, Neustadt-KarthauS 4,70, Berent-Stargard 11,02, Stnhm-Marienwerdcr 13,58, Graudenz« Strasburg 35,17, Thorn-Kulm 11,10, Schwetz 4,12, Konitz-Tuchel 1,95, Schlochau-Flatow 0,40, Deutsch-Krone 18,08), Sa. 589,31. Kassel-Melsungen. I. Ou. 711,50, 2. anhalt. Wahlkr., IV. Ou. 490,80, Brandenbutg-Westhavell,, I. Ou. 781,42, Wolmirstedt-Neuhaldens- leben, l. Ou. 40l.35, Kalau-Luckau, I. Ou. 262,92, 9. württenibg. Wahlkr.. I. Ou. 203,49, Diedenhofen, I. Ou. 18,70. Berlin A. B. 50,—. Groß-Berlin a Konto seiner 8 Wahlkreise 20 000,—, darunter Bau Ouenter 2,—, Warnst Deutschmann 50,—, Groschenkasse der Dreher von Bolzani 20,—, Nutz durch Harte 10,—, Bezirk 657 b 2,05, Höppner 2,—, LI. B. Mister 1,—, Kranzllberschutz d. Gen. Borgmann von den Arbeitern der A. E.-G., Volta- und Brunnenstraße 574,20, Krailzüberschuh der Kollegen der Patzen« hofer Brauerei, Abteilung II, 27,80. Mämierchor Moabit 25,—. Tafelrunde bei Joseph Erber 5,—. Ueberschuß der Kranzspende der A. E.-G., Ackerstraße, M. Priebe durch Benjamin Stefan 10,—. Sechserkasse der A. E.-G., Voltastraße 10,—. Bezirk 140 zur Reichs- tagSlvahl durch Wolf 15,—. Hausdruckerei A. E.-G., Wahlfonds 10,—. Lokalanzeiger, Abteilung Falzerei 30,—. Bon den Arbeitern der Firma Sommerfeld durch Späth 8,20. Gutenbera 30,10. Prozeß E. P. 100,—. Angestellte deS Kranken- Unterstiitzungs- bundes der Schneider 50,—. Ueberschuß von der Kranzspende von den Arbeitern der Firma Kühl u. Klatt 5,—. Pfaffe« von Venedig bei Schönig 1,50. Geburtstag Holland 2,—. Beschknß der Druckerei- Versammlung, Akzidenz- und Werkabteilung Mosse, durch Gebe und Kern 50,—. Berlin, den 11. November 1911. Für den Parteivorstand: I. V.: Otto Braun, Lindenstr. 8. fitos der Frauenbewegung. Der Verband für handwerksmäßige und fachgewrrbliche Aul« bildung der Frau hatte am 26. Oktober eine Konferenz von Sach« verständigen berufen, um mit ihnen über die Frage der Errichtung von Mädchengewerbeschulen sllr Damenschneiderci zu beraten. Es waren erschienen die Vertreterinnen der kgl. Gewerbeschule zu Potsdam und des Lettehauses. Leiter und Leiterinnen der städtischen Fort- bildungSschulen von Berlin und Charlottenburg, der Vorstand deS Fachvereins der selbständigen Schneiderinnen von Groß-Berlin u. a. Allgemein wurde anerkannt, daß es an gründlich vorgebildeten Weib« lichen Kräften für Maßschneiderei wie für Damenkonfektion in Berlin fehlt. Oft müssen solche Kräffe aus Paris und Wien verschrieben werden. Die Berufsschulen für Schneiderinnen, die Paris und Wien seit Jahren, London seit jüngster Zeit geschaffen haben, wurden nach vielen Richtungen als vorbildlich bezeichnet. Alle diese Schulen beruhen aus dem Prinzip der Kundcnarbeit, so daß der Zögling in zwei- bis dreijähriger Ausbildungszeit die Arbeitsbedingungen des praktischen Betriebes durchaus erfährt und zugleich durch eine glänzende Ausstattung der Schulen mit Lehrmitteln einen vor- züglichen Stufengang durchmacht. Die Konferenz setzte eine Kom- Mission ein, die einen Lehrplan für eine Mädchcngewerbeschule für Damenschnciderei mit zweijährigem Lehrgange und mindestens 36 Wochenftunden entwerfen soll, zu dem der Verband für Hand- werksmäßige und fachgewerbliche Ausbildung der Frau dann Stellung nehmen wird._ Versammlungen— Veranstaltungen. Kinderschutzkommission. Montag, den 13. November, abends 3Vz Uhr: Sitzung der Kontrolleurinncn des Kreises Teltow- BecSkow in Schöneberg, Meininger Str. 8, Ecke Martin-Lnther-Straße bei Grosser._ Leseabende. Groß-Lichterfelde. Dienstag, den 14. November, abends v Uhr, im »Kaiserhof", Kranoldplatz: Vortrag über:»Kinderarbeit und Kinderschutz'. Reserentin: Frau Bohm-Schuch.— Die Broschüre „Die Frauen und der politische Kamps" gelangt zur Gratis« Verteilung._ Marttprrtfe von verltn am lv. November 1911. nach Srmitteluna de« Könlgl. PolizeiprSstdimn». M a r t I h a l l c» p r e i I c.(Kleinhandel), 100 Kilogrnnim Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50.00. Speisebohiicii weihe,«0.00- 60.00. Linsen«0,00-80,00. Kartoffeln 7,00-10,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2.«0. Rindfleisch, Bauchflessch 1 30 vi« 1,70. Schwcinesleisch 1,20-1,80. Kalbfleisch 1,60— 2,«0. Haminelfleiscb 1,30-2,00. Butter 2,60—3,20. 60 Stück ttlcv 3,SO-6,«0. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1.20—2,80.»ander 1,40—3,60. Hechte 1,10 6i3 2,60. Barsche 0,80—2,00. Schlelr 1,40—3,00, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs» 2,40—24,00. Lo t t che u S Geburtstag" von L. Thoma. Thomas neuer Einakter schöpft seine Komik nicht aus unmittel- bar geschauten, tn ihrer lebendigen Wesenheit abkonter- seilen Typen, wie sie daS lustige Genrebildchcn„Erster Klasse" vorführt, sondern aus der freilich neuen und äußerst ulkigen Variation eines altüberkommenen, bedenklich abgenützten Karikaturenschemas von dem zerstreuten, weltfremden Herrn Professor. Der Scherz ist billiger, wirkt aber mit feiner Kunst, wie in dem Kleinen Theater vorgetragen, auf der Bühne überwälti- gcnd drollig. Vor schadenfrohem Prusten und Gelächter im Publi- k»m war manchmal kaum der Text noch zu verstehen. Der Thoma- sche Gelehrte, in seiner hoffnungslosen Konfusion und pedantischen Wichtigtuerei dem Urbild treulich nachgezeichnet, hat etwas von der sexuellen Aufklärung, die moderne Eltern ihren Kindern schulden, läuten hören und hält an LottchenS zwanzigstem Geburtstag die Zeit für gekommen, zu der Erfüllung seiner Vaterpflicht zu schreiten. Natürlich fehlt den Frauen jede Logik und Lebenskunde. Daß seine eigene— eine muntere Matrone im weihen Haar— als er sie von dem Plane feierlich in Kenntnis setzt, mokant darüber spöttelt, macht ihn daher nicht im geringsten wankend. In diesen Debatten, in denen er zur ungeheuren Heiterkeit der besseren Hälfte mit dem Geständnisse herausrückt, daß er sich selber vor der Ehe die nötige Wissenschaft bei einem würdigen Lehrer der Zoologie erworben habe, gipfelt die Komik. Herrn Abels und Frau Jlka G r ü n i n g s fortreißende humoristische Darstellung hals über jede Gefahr des Peinlichen, Outricrten weg. Schließlich verfolgt der ganz rabiat gewordene Gebeimrat auch einen schüchternen Privatdozenten und künftigen Schwiegersohn mit seinen fixen Auf- klärungSideen, bis sich zuguterletzt herausstellt, daß das Töchterchen, die so viel Vorlesungen hören mußte, zur Sicherheit bereits einen Hebainmenkursus absolviert hat. Wassermanns„HockenjoS" erschien bereits zur Ucber- brettlzeit. Ein angeblich gestorbener Maler, der sein Leben lang gehungert, erhält bei der grassierenden Tenkmalsmanie ein eigenes Monument und wird von den karrieresüchtigen Machern, als er zu ihrem Schreck heil und gesund zurückkehrt, mit einer Summe, wie sie ihm seine Bilder niemals eingebracht, schleunigst in die neue Welt geschickt. Tie satirischen Karikaturen des Bürgermeisters, des dekorierten ölig salbungsvollen Hofbildhauers und des zynischen Journalisten sind in Einzelwendungen wohl amüsant, doch zieht sich die Geschichte zu sehr in die Lange.— Noch empfindlicher waren die Breiten in Wassermanns historisch kostümiertem Dramolett„Gentz und Fanny Elßler". Die schöne junge Tänzerin, an die der alte österreichische Diplomat uffd abgebrühte Reaktionär sein Herz gehängt hat, nimmt von ihm Abschied. Ein hübscher Bursch, ihr Partner im Ballett, hat es ihr angetan. Mit ihm will sie hinaus in die Welt— neuen Ruhm zu ernten. Erst die letzten Szenen nach einem weitschweifigen und oft gezierten Dialoge brachten etwas wie Farbe und Stimmung, Abel spielte den greisen feingeistigen Aristokraten tn sehr charakteristischer Maske. Meisterhaft war der Ausdruck hilfloser Einsamkeit, müh- sain zuriickgedrängter Oual, mit dem er nach einem letzten Blicke auf die Scheidende zitternd zusammensank.«it. Schillertheater Charlotten bürg. Ohne Striche, dünkt uns, ging Schillers„Don Carlos"-Drama über die Bühne. Und dag das Publikum in Spannung bis zum Ende(nach 12 Uhr) verharrte, war nicht minder ein Werk des Dichters wie der Darsteller. Man darf als von einer gut vorbereiteten Sache reden. Freilich, die Großinquisitorszene fiel aus dem Rahmen— durch ihre Starrheit. Der Ordensgeneral läßt sich sehr wohl anders denn als eine Art Nußknacker spielen, bor dem Kinder und Er- Wachsens Reitzaus nehmen. Die Rächergebärde Schillers, ohnehin hier eine ctlvaS gequälte Konstruktion, sollte man sich hüten, auf die Grenzlinie der Kasperliade zu treiben. Auch die Bertretcriit der Prinzessin von Eboti(Helene Ritscher), vortrefflich in der Verlockungsszene und mancherlei Einzelheiten, erschien doch allzu überschäumend und katzenhaft. Großzügig, in vortrefflicher Maske, gab Paul B i l d t den König Philipp bis zum Abtrete», ohne zu erlahmen. Edel in Sprache und Geste war Georg P a e s ch k c als Posa und neben ihm, ein Bild überquellender Jugend und Freund» schaft: Konrad Miene. Artur Pater hatte für seinen Alba eine täuschend ähnliche Maske; als Charakteristikec hielt er sich nicht auf der anfänglich ziemlich glücklich eingenommenen Höhe. Else W a s a beobachtete für ihre Königin respektvolle Würde. Di« Granden hielten sich nach spanischer Hofzercmonie. ,. k., Notizen. — Der Berliner Bolks-Chor beranstaktet Montag« abend 6>/, llhr im großen Saale des GewerkschastShanfeS einen Lichtbildervortrag über„Der Tod in der bildenden Kunst". Gäste haben gegen Zahlung von 10 Pf. gutritt. Am Dienstag, den 21. d. M,, abends 9 llhr, bringt der Volks-Chor in der»Neuen Welt' das Deutsche Requiem von Johannes B r a h n> S zur Auf- siihrung. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde, Georgenstr, 34/36, spricht DienStag Dr. A. Merz über: Eine See- reise nach Teneriffa, Freitag Prof. A. Nathansohn über die Frucht- barkeit des MeereS(mit Lichtbilder»). — Die dolkstü milchen Oedipus"«Aufführun- gen, die von Josef Klein veranstaltet werden, finden am 16. und 17. November im großen Saale der„Neuen Welt" statt. Karten zum Preise von 8 M.. 2 M., 1 M. und 50 Pf. sind in allen Billett- kassen von A. Wertheim erhältlich. — Musikchronik. Das 126. Jug e n dkon z er t findet als erste» dieser Spielzeit am 18. Nov., nachm. 4 Uhr. im großen Saal« der„Philharmonie" statt. Einlaßkarten mit Licdertextcn für Schüler zu 25 Pf., für Erwachsene zu 50 Pf. durch die Schul- lciter und an der Kasse. — Da» Kleine Theater, dessen Leiter, v. Barnowsky, boraussichtlich das Lessingtheater übernimmt, ist vom Herbst 1913 ab an den Leiter des Deutschen Theaters in Hannover, Altmann, verpachtet worden. — Aufgehobenes Verbot. Aus K ö» i g s b c r g i. P r. wird gemeldet: Das Stück„Fiat Justitia". dessen, Aufführung im Neuen Schauspielhaus vom Polizeipräsidenten verboten worden war. ift vom Bezirksausschuß freigegeben worden. Groß-Berlin. Bitte, diese Liste aufzubewahren! (froß-Berlin. D dtMizm FchMM, die den Fchluis tn AmcmMtt m GrchKnli» bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenossen, Arbeiter, Interessenten, Raucher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uebt Solidarität! Osten. Wilhelm Göse. MurktiSsfc 27. 'Otto Schirmrr, Frankfurter Allee 7. 'Will). Klei», Am Oberbaum l. 'Richard Schulze, FriedrichSselder Straße 23. M. Hanuemann. Breslauer Str. ö. R. Fricke, Langestr. LS, IV. »Paul Watschte, AndreaSstr. IS. 'Hermann David. Weidenweg 3. Helene Kolberg, Mcmeler Sir. 3J. 'Paul Peterson, Weidenweg 83. Hermann Kaselow, Friedenftr. 74. Kranz Krüger, Posener Str. 25. 'Iah. Heiden, Weidenweg 2S. 'Ernst Boft. Voigtstr. 6. 'Gustav Brösel. Fruchtstr. 83. Max Lerche, Tilsiter Str. 44. 'August Körliu, Rigaer Str. 46. E. Tornow. Weidenweg 8. 'Juimanuel Harzmann. Stralauer Allee 31b II. »Johann Liebich, Memelcr Str. 7. Otto Koglin, Schreinerstr. 55. Anton Fröhlich, Langcstr. 56. Fr. Marie Schubert, Romintener Straße 30. 'B. Spenkoch. Tilsiter Str. 30. Robert ZisowSki, TUsiter Str. 7«. Rudolf Pohl, KopernikuSstr. 3 I. Adolf Löschte, Kl. AndreaSstr. S. 'Wilh. Göse. MarluSstr. 27. 'Friedrich Kürschner, Fruchtstr. öl. Südosten. Adolf Domann, Laufitzer Str. 7. 'August Leftvre, Adalbertftr. 18. 'PH. Baehr. Naunynstr. 24. Emil Gabler, Cuvrystr. 48. 'Louis Fucher. Wiener Str. S7b. »Gustav Zillich. Förster Str. 8. 'Robert Kessler, Mariannenstr. 37. 'Jean Brunn, Wrangelstr. 15. »Fri«? Lobbes. Adalbertstr. 58. 'Wilhelm Friebel, Forster Str. 33. »Wilh. Ttübner, Eilenbahnstr. 33. 'Robert Kämmler, Reichenberger Straße 157. »Paul Reichelt, Wrangelstr. S2. "Adolf Kunhe. Grünauer Str. 4. Süden. »Wilh. voeruer, Ritterstr. IS. 'August Zech. Gitschiner Str. 53. »Gustav Schmidt, Gräsestr. 68. 'Gustav Lochmann, Wassertorstr.43. 'August Zech, Gitschiner Str. 53. Südwesten. Wwe. Lücke, Möckcrnstraße. Nordwesten. 'Richard Kiepert, Zwinglistr. 23. Otto Bornkessel. Waldstr. 33, IH. »Wilhelm Bundschuh, Birkenstr. 48. »Robert Kern, SIronistr. 25. Richard Schovpan, Wiclefstr 46, l. 'H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Böseuverg, Rostocker Str. 21. "Herm. Zimmermann, Ouitzow- straße 105. »Paul Müller. Beusielstr. 28. Julius Löbel. Beusielstr. 62. Norden. »Wilh. Blanck, Ackerstr. 119. »I. Stabrey. Gleimstr. 10. A. Friese. Hochstr. 48. Rudolf Runge, Jnvalidenstr. 20. 'Emil Hersorth. Rügen-, Str. 7, Eingang Putbuser Straße. 'Frau Luise Nüst, Soldtner Str. 63. 'Wachsmuth, Freienwald er Str. 3. 'August Bausdorf, SoldwerStr. 14 im Laden. 'Deglow. Hochstr. 2». »Paul Mazanke, Pankstr. 24. »Hermann Kornetzki, WollinerSt. 23 Heinrich Kempers. Fehrbelliner Straße 57. "A. Lindemann. Rheinsberg. Str. 37. 'Frist Sperber. Ruppiner Str. 44. »B. Morist. Bernauer Str. 13. Hermann Liebrecht, Weißenburger Straße 83. »Julius Nicke, Saarbrücker Str. 7. »Wilh. Klei». Müllerstr. 184. 'Paul Opist, Lynarstr. 2. »B. Robrahn, GreiscnhagcnerItr.t6. 'Karl Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. Karl Hellmann. Schönhauser Allee 40» II. "Frau Krause, Biefenthaler Str. 3. "Oskar Klose, Rcinickendoi serstr.36. H. Bougardt. Gleimstr. 40. F. Zimmermann, TreSckowstr. 13. »Herm. Krirdcmann, Stargarder Straße 74. »Franz Frist, Tristftr. 4. Paul Naa. Malplaguetstr. 24, I. Wilhelm'Nüst, Antonstr. 2. "W. Möppner. Marstr. 13». August Schirmer, Jnvalidenstr. 2. »E. Gobien, Freiciiwaldcr Str. 22. »Louis Hossmau». Gaudystr. 5. »Robert Eckert, Koibcrger Str. 'P. Goriwoda, Stolplsche Str. 44. 'Friedrich«schenbreuuer, Schlie» mannstr. 4. »Ad. Kramer, Schwedter Str. 18/13. 'Friedrich Schulz, Wtesenttr. 60». Albert Haspel, Humboldtham, gegenüber Ramlerstrqße. 'August Beutel, BiclenthalerStr. 24. »Eduard Möhl, Schönholzer Str. 11. »H. Herberg. Gleimstr. 65. »Karl Habersaath. Graunftr. 40. »Gustav Hennig. Koloniestr. 123. »W. Pollwist, Schliemannstr. 47. "A. Kaerger. Prcnzlauer Allee 163. »Paul Kneifel. Ack-rtlr. 131. »Karl SchlöflerS Rachf., Gericht- straße 2. Jakob Götting.Liebenwalder Str. 5. »G. Stadlberg, Dunckerstr. 12. Paul Noack, Schönhauser Allee 56. »Ernst Schulz, Bernauer Str. 2. Nordoste». Marie Kloft, Palisadenstr. 101 pt. B. Locwindorfs, Weinstr. 6 II. W. Eckeubrecht. Höchstestr. 7 III. Otto Better. Höchstestr. 32. »Jos. Krobisch. Büschingftr. 20. »Max Polest. FriedrichSbergerSlr. 10 »Jakob Reul. Barnimstr. 42. »Karl'Pküller, Rykestr. 38. »«. Dierbach. WinSstr. 25. »Dh. Bernhöft. GreiIswaIderSt.207. »Gustav Pinner. TreSckowstr. 36. Georg Bürger, TreSckowstr. 38. »Heinrich Olle. Metzcr Str. 22. Elisabeth Wolter, Marienburgcr Straße 32. »Gustav Richter, Landsberger Allee Nr. 145. »Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. »M. Moewus. Weinstr. 23. »Hugo Wache, Koppenstr. 46. »Aug. Kley. Friedrichsberger Str. 13. Bernhard Blauzwirn» Waiden- berger Str. 12, II. 'Gustav Temmler» straße 103/4. Brunnen- Zentrum. », Mu A. Ehaiur, Mulackstr. 11, l. Vororte. Karl Jancke, AdlerShos, Friedenstr.16. 'Rudolf Otto, AdlerShos, Sedan- straße 23. Otto Beukert, AdlerShos, Bismarck- straße 58a Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. 'Frist Ehlert, Britz, Rudower Str. 5. »H. Drompa. Lichtenberg, Scharn- Iveberftr. 44. 'Paul Harting. Lichtenberg. Rum- meisburger Str. 18. »Rudolf Kaiser. Lichtenberg, Möllendorsistr. 15/17. Jod. BobrowSkt, RummelSburg, Crosiener Str. 17. Oskar Maserkopff, Boxhagm, Wesel str. 35. "Friedrich Schüne, Rixdorf, Wiß- mannstr. 22/23. Wilhelm Schulze, Rixdorf, Stein- mctzstr. llv. Gustav Becker, Rixdorf, Jnnstr. 23. »Alb. Schuster, Rixdorf, Fuldaslr.15. I. Gans, Rixdorf, Friedelstr. 3 III. »F. Ehlert, Rirdors, Hermann str. 226. »Gustav Carl, Rixdorf, Prinz- Handjery-Str. 50. 'Wilhelm Klei», Wilmersdorf, Uhlandstr. 123. »Paul Witt. Steglitz, Düppelstr. 5. »Rod. Stübner, Sieglitz, Schloßstr 115 M. Leiimaun, Remickendors- Ost, Thunerstr. 5. »Wilh. Pieper, Spandau, Metzer Straße 12. »Frau Ella Moos, Spandau, Falken- dagener Str. 18. »Otto Witte, Spandau, Birkenstr. 4. »Wilh. Klemmer. Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Nölte,Spandau,SchuIzenstr.14. "Rob. Durst, Spandau, PichelS- dorfcr otr. 23. Otto Kloose, Spandau. Feldstr. 5. »Wilh. Klein. Tegel. Berliner Str. 84 Herm. Goldmann, Tegel, Berliner Straße 33 pt. Richard Milius, Pankow, Berliner Straße 30. »Alb. Janike. Pankow, Mühlenstr. 38. »Jacobi. Weißensee.Bcrlinerklllee l73 Rob. Werner, Weißenfee, Sedan- straße 13 I 'Hugo Jürgas. Weißenfee, Heiners- dorjer Str. 55. 'Max Zirkel, Rixdorf, Ideal- pasiage 6. Frist'Morist, FriedrichShageu, Wilbelmstr. 59. »H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalstraße 3. 13,'Schachmann, WinSstr. 12, Str. 5 und Göster, Melanchtonstr. 13. 15. »Robert Grewe. Wieieiistr. 19. 'Arnold Hamacher. Köpnicker Str. 155/156, H. K-estuer. Mariannenvlatz 15, St. Rcudschmidt, Kastanien-Allce 103 l, Kunkel, Mansteinstr. 14 l,»Heinr. Beyer. Elbingei Str. H. Kuniicker, Neue Königstr. 17, Max Otto, Templiner Str. 12 Part., Laser, Landsberger Str. 31. Puttlit». Schliemannfti. 28 l. Paul Juhl, Bcrlin-Pankow, Roma» RoSke, Chorincr I. Blauzwirn, Lothringer S-r. 66/67 II, Cypra. Carmeu-Syloa-Str. 2, Bedrend. Weißenlee, Guftav-Adolf-Str. 17. Ansterdem sämtliche Verkaufsstellen der Grosteinkaufsgeiellschaft Hamburg.— Alle mit einem» versehenen Firmen haben Ladengeschäste. �.vIitKKNK, ie»AKvItvK'? Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Den Ventraiiensmamia Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. ?!achträglich eintreffende Bewilligungen werden den späteren Veröff'entlichnngen mit angefügt. Obigen Tariffirmcn zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife niit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sosern sie von Tariffirmen beziehen, diese grünen Plakate von hier entnehmen können. 188/6___ Der Dertrauensmamr. ffl. Schulze, Trohe Hamburger Str. 13/1«. □ □□ DDD □ □□ Theater und Vergnügungen (Siehe Wocheu-Spielplan.) Freie Bolksbühne: Sonntag, 12. November. nachmittags S Uhr. ReueS SchailsPielbailS. 3. Abteilung (Gruppe 3—13): Nathan der Weise, Tbalia-Theater. 1I./I2. Abt.(Gruppe 43—53): Der Zigarettcnkasten. Herrnscld« Theater. 9.110. Ableitung (Gruppe 40-42): 2X2= 5. Residenz- Theater. 4. Abteilung (Gruppe 15 und 17): Die arme Löwin. Montag, 13. November. abends 8 Uhr: t?.(4. Abend-) Abteilung: Josephine. Neue Freie Bolksbühne. Nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Judith. Kamurerspielhaus: Lanzelot. Nachm. 3 Uhr: Neues Voll». Theater! Da« ver- mächtniS. Schiller-Theater 0.: Das Urbtlb des Tartüsi. Schiller- Theater Eharlottenburg: Maria Stuart. Kleines Theater. Erster Klasse.— Angele. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Metropol-Theaier: Miß Helhct. Neues Operetten- Theater: Der Graf von Luxemburg. Trianon-Theater: Francillon. Abends 8'/, Uhr(Sonntags 8 Uhr): Neues Volks- Theater: Sonntag: Das Bermächtnis. Montag, DienS- tag: Geographie und Liebe. Mitt- woch bis Sonnabend: Das Ver- mächinis. Hochschule in Charlottenburg: Sonn- tag und Sonnabend: De- Pastors Ricke. ?ibcnds 8l/s Uhr(Sonntags 8 Uhr): Steves VollSthcatcr. Schiller-TliealepO.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Van�illi'dilcl deH TartUff. Sonntag, abends 8 Uhr: Sfadanic Sanx-Vene. Montag, abends 8 Uhr: La lebe da» L,eben. Dienstag, abends 8 Uhr: Haduine Kaus-tiene. Neues königl. Opern-Theater. Heute 3 Uhr: Faust.(Christians.) Heute 8 Uhr: Was ihr wollt. Gastspiel Rudols Christians— Sophie Wachner. berliner Ttieater. Ansang 8 Uhr. Bttmmelstttdeuten. HerirnierKöoigiifätzerStrafie 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Neues Theater. Nachm. 3'/. Uhr: Der fidel« Bauer. AbcndS 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Creveltr:»>U«I Jlam-ary. Prlcdrlch-liVilhcIniHtlldt. ÜtcliauHpiclhau». AbcndS 8 Uhr: per hflufntntut tinn Neuedig. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3'Akt. v. Köroul u. Barrö. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckcrs. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Ehopt«. Luiscn-Theater. Nachm. 3 Uhr: Tie Räuber. Abends 8 Uhr: Die Macht der Liebe. Montag: Tie Macht der Liebe. Lelie-üllisnee-Idestei' Rachm. 3'j, Uhr: Romeo u. Julia. Allabendlich 3'/, Uhr: Der Sittenapostel. Urania, Wissenschaftliches Theater 8 Ohr: Yon Heran zum Order. LOCISCHER CAHTEM Heute Sonntag cn Bf Eintritt...»W Tl. Kinder unter 10 Jahren die Hälsl«. Ab nachmittags 4 Uhr: Ci»>»oftC!» mr WUltttr-Konaort.-«Stt Donnerstag: Job. Strauß. Die himmlischen Zwillinge zusammengewaclisen. Lebend zu sehen! | Ohne Extra>Entree. Passage-Theater. Heute: S Vorstellnneen. Nachm. 8—7 Uhr kleine Preite. Abends 8— 11 Uhr. Da« bcote Programm der Berliner Varietfc Saison I Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Meno Telepat. Phänome. The Black cats engl. Backfisch-Ens. and die 10 gltlnneadea Vaplctß-Xuiumern. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Alvtn Baby. Schiller-Theater Chabrü;r Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kfarla Staart. Sonntag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Montag, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Dienstag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Theater des Westens. Sonntag nachmittag S1/« Ahr: Es» Walzertraum. 8 Uhr: Die Dame in Rot. OSE-THEATE Große Frantlurler Str 132. Nachnt 3 Uhr: Das Glück des Lebens. AbcndS 3 Uhr: Kasernenluft. Montag: Der Hüttenbefister. PALAST Potsdamer Str. 72 Königstadt-Kasino. Ecke HolzmarN- u. A.exanderstraße nahe Jannowitzbrücke. Bom 1. bis 1«. November, abends>/.,8 Uhr: Das Riesen- Welistadt-Programm. Bnmkcs Momnicrreise u. die erstllassigen Spezialitäten. Sonntags 2 Vorstellungen: nach. mittags'/,! u. abends'/,? Uhr, Ijetzter Tag. � Heute: Chi*. Voiksta« mit vollem Programm. Original-Eevue: WinZertfäUme. Sportliche Attraktionen, humoristische Darbietungen. Eint ritt SO Pf, Kinder 30 PI. Schlitlschuhlaufen eingeschlonen. 3 Vorstellnngen.*Tp6-MA ■ZZZZZZXZZZZZ Gebr. Schwarzer zzzzzzzxzxzx« Arnhold Adler lilcbtenberc, Frankfurter Chaaatoe 5. Jeden Sonntag; GpoBGI* B 8||a Jeden Slittwoch: I AinDlO-Pr Säno-<»«' erstklassige Nerresgesellsehstt Leipziger Ocinger. m|tnur künstlerischen Lei»tuBBeo. M Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Zirkus A. Sehn mann Sonntag, 18. Kovember: 2 gr. Vorstellungen 31/, Uhr nachm u. abends 7ll,. Sowohl abend« alt wie auch nachm. ungekürzte"TM) Aiifiührung der großen Foodo 1000 Jahre auf dem Meeresgrund in 5 Bildern. Vorher das Gala-Programm. Nachmittags hatied.Erwachsene I Kind unt. 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. Jed. weitere Kind halben Prell. In beiden Vorstellungen das neue Oala-Programm u. Aal- treten sämtl. Spezialitäten in ihren Qlanznummern. Mefsopol-Ttieater. Nachmittags 3 Uhr: HliB ilclyett! Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. llie Usclil vm kölliii! Große JahrrSreoue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. TOPIl Noeli nie ilapeseiiEr Laelierfolg! Das Kind der Tum mit Anton und Donat Hermfcld in den Hauptrollen. Vorher: 8cliinönIlZ8g ögliZkilllung. Ans. 8 Uhr. Borverkaus 11—2 Uhr. Noacks Theater. Direktion: lloherl Dill. Berlin N., Brunncnstraße 16. Schiller-Feier. Das Lied von der Glocke. Rezitation mit lebenden Bildern. Wallenstclnn Lager« Anfmig 7'/, Uhr. Sonntag, den 12. November: 2 Große Gala- 0 Vorstellungen � nachm. Z'/,Uhr und abos.T'/.UHr. Um 3ll, Ubr zahlen Kinder unter 10 Jabrxn aus allen ätzen halbe Preise. (Galerie volle Preise.) In beiden Borstellunge»: Die drei Mcnschen-Affcn Max, Moritz und Pcpi. Zum 2 Male vrolongtert I Die grSßte Sensation d. Neuzelt I PiKnol mit Ictncm tollkühnen Todessprung l Flnlay-Trlo. Vorführen u. Reiten d. bestdressierl. Schul-, FreiheitS. u.Springpserde. Austreten sämtlicher ElowuS mit den neuesten Witzen und EntreeS. NM" Nachm. St1!, Uhr;"tzstQ Ein Jagdfest am Hofe Ludwigs XIV. Um?>/, Uhr: U20 Original- — Susstatwngsstück des Zirkus Busch in 5 Bildern. Voigt-Theater. Gelnndbrunuen Badstraße 58. Heute Sonntag, den 12. November, nachmittags 3 Uhr: Der Flock des alteo Geigers. Abends 7 Uhr: Die Mockt der Arbeit. Komödie in 5 Auszügen v. Randoll. Kasseneröfsnung 10 Uhr. gr. Vorstellungen. "StSf Halbe Preise. Abends ab 8 Uhr: In beiden Vorstellungen: Ckretlonni u. Loiilsctte Paul Jülich Ein Abend in einem amerikanischen Tingel Tangei. Sängerchor Wedding II. d. A.-8.-B. Gaa Berlin. Charm. Herr Emil Thilo. Mittwoch, LS. h'ovbv. 1911( abend«, in den Germaniasälen, Cl (BuBtag), Ihautsees prät. 6 Uhr aueeeestr. 110: Volkstiiitilicher Sieder-jlbend. Mitwirkende: Vortrae über: Die i Beyer: Lieder Herr Reichstags-Abg. Emil Eichhorn; Entstehnng des Volksliedes. Frl. Mariana zur Lante. Herr Kammersänger Ferdinand Kaiweit: Lieder für Tenor. Konzertflügel Ibach.- Eintrittskarte 50 Pf. SaalSffnung 5 Uhr. Kinder anter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen u. darf weder serviert noch geraucht werden. Programm und Liedertexts an der Kasse. 62/5 Nachdem Tovev Herren, die daran teilnehmen, Konzert:• rtaü» zahlen 50 Pf. nach. Oraniensalon, Oranienstr. 170. Inhaber: 31. Lott. Heate Sonntag: Gr. Ball* Ansang 6 Uhr. empfehle meine Säle zu Versammlungen und Fesllichkeiten, habe noch ewige Sonnabende frei. Kulante Bedingungen. 1494b O UiemoMttr WM 1. 1 4. Berliner Beisfajsiireis Sonntag, den 12. November 1911: StiltunsssPest 206;10* in den Lokalen: Mörners Festsäle, Koppenstr. 29 Konzert ausgeführt vom Wagner- Orchester unt. Leitung d. Kapellmstr. Hm. H. Irrgang. „Die Mühle im Schwarzwald'* im Original.— Mitwirkung des „Berliner Humor- Quartetts", Andreas-Festsäle, Andreasstr.2i Konzert unter Leitung des Kapellmeisters Herrn H. Loppe. Mitwirkung des rblvmnSn" Gesangvereins VP1 lll|II Rurflirstendamm 151 nahe Bahnhof Halensee und Charlottenburg. GcöfTnet ab 10 Uhr vorm. 12S iMewohner bei Arbeit, Sport und Spick Renntlcrberde, Polarbären. Eintritt für Ausstellongsh. 50 Pf. Vorführungen: Wochentags 4'/„ 6'/„ 9 Dbr. Sonntags 12, 3, 4'/„ 6, TU 9 Ubr. Letzte Hauptvorführung abends 9 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf. Adinii�IsDdkhst Am Behzibof lTk«ofhbXtett»sc Sonntag: 2 KflfStell. 2 Mittaga von 1—3 Uhr: Kor«« bei nawlk. Nachmittags und abend* I In unübertrolf. Ausstattung; Das feenhafte Eisballott{ Bänder-Reigen— Apachen- Tänze— Pushballspiel. „Alpenzaubei". AuCordem abends: Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: „Der I. Ichtortanz". Einödshofer-Konzert. Restaurant I. Ränget Soupers a la Karte. Bis 6 Uhr u. von 10'/, Uhr] abds. halbe Kassenpreise Folies Caprice. Ansang 8'/, Uhr. A: So. 14. Kobi Krach. Colks-Cbcater. Rlxborf. Hermannstr. 20. Sonnlag. 12. Nop: Im rulsischen «euer. Scheuspiet in 4 Slftcn von Kai l Helinin. ßüonlag, 13. Nov.: Gi» gefallenes Wäbchen. Schauspiel in o Atle» gen A. O. Trier. Berliner Volks-Chor M. d. A.-S.-B. Dirigent: Dr. E. Zander. Dienstag, den 21. November, abend« O l'hr in der J�GUetl Welt, Hasenheide 108—114: Gesangverein„Zteu Erwacht" _ M. d. 0. A.-S.-B.— Chormeister: Heinz Bleil.—— � Mittwoch, de» 22. November(Bnsztag): KOJSZGRZ Jp im groheu«aale der Brauerei Friedrichshain(fr.Lipps) Am KöntgStor. tl85b+ Zur AuMhrung gelangt u.a.:„�IldfCaS Rofci*", Oratorium für Männerchor, Soli und Orchester, in drei Teilen. Von Rudolf Werner. Herausgegeben zum 100. Todestage Andreas HoserS im Jahre 1910. . Mitwirkende:-- ffrau Velin Schot(Sopran), Herr Gustav Franz(Bariton), Berliner Sinfoiiie-Lrchester(Maximilian Fischer, 40 Musiker). MM" Saalösfnung 6 Ubr, An ang des Konzerts 7 Uhr abends. Eintritlslarten a 1 M. sind zu haben bei: Adler, Boltastr. 37, Bartsch. Neue Hochstr. St. Beyer, Vetnanenstr. 11. Brebmer, Unechter Sir. 16. Gottschaik. Zionskirchstr. 18. Driesener Str. 20. Jucht. Badstr. 45/46. Mnfsert, Strelitzer Str. 23. Müller, Griebciiowstr. 14. Nedatz, Korsörer Str. 12. Otto. Gramistr. 4. Prinz, Brunncnstr. 25. M. Schlucke, Tegeler Str. 2. , Schröter, Finnländ. Str. 17.! , Weber, Gleimstr. 29 11. O. Hess, Straszniaiinstr. 33. , Järsch, Kopernikusstr. 17. . Raul. Holzinarltstr. 42. „ Wolf, Rochowstr. 13. SO. Horsch, Engeluser 15, , LrPS, iRrifflcnBerget Strasie J19a. S. Schleichet, Annenstr. 45. . G. Schulz, Admiralstr. 40a. Rinder unter S Jachren haben keinen Zutritt. «siMMSLZDMMUHN Hasenheide 108—114:,.4 deutsches Requiem I i Berliner Männerchor von Johannes Brahms. Mitwirkende: Frl. Kincle Haonlnoh(Sopran); Herr Anton Slstcrmnnn (Bariton); am Orgelharnionima Herr Waltcp FIhcIicp. Da« BfUthner-Orehcster. Der Berliner VolkH-Chor. Eintrittskarten im Vorverkauf OO Pf.. Abendkasse 1,00 H. Garderobe 15 Pf. Textbuch mit Brahms-Bild und Erläuterungen 10 Pf. KasaenerUfTnang 8 Uhr. Billetts sind in folgenden Geschäften zn haben: Bf. R o- 1 o f f, Wörther Str. 31. H ö s n e r. Immanuelkirchstr. 12. Ha» ni sch, Auguststr. 51. Kietz, Kopenhagener Str. 2, Swine- münder Str. 86, Fehmamstr. 8. Vogel, Lortzing-tr. 37. Z i e h m, Bernauer Str. 48. Thomas, Gartenstr. 71. T i e t z, P Invalidenstr. 124. Haß, Torfstr. 19. Fischer, Veteranen- str. 6. Kriodemann, Star garder Straße 74. Beyer, Veteranenstr. 11. Bremer, Wcißonburgor Str. 9, J u h 1, Ackerstr. 16. O h a r 1 o t, Aokerstr. 154. Schulz, Viesen- Straße 60a. O. Vogel, Koppenstr. 82. Lieb ecke, Komin- tener Str. lt. Dahn, Petersburger Str. 34. Niemeyer, Weberstr. 19. R e u 1, Barnirastr. 42. Kißling, Oadinor Straße 15. U. Sommerfeld u. C o., Rosentbaler Str. 51. Weihnacht, Grünstr. 21. Lehrend, Parochialstr. 24—26. W. Wiemers, Bülowstr. 59. Sperlich, Barbarossastr. 64. S» W. S. G oß m a n n, Teltower Str. 16. J u 1. Meyer, Oranien-» sti-aße 103. Ohnesorge, Markgrafenstr. 102. Böttcher,' Zossener Str. 30. D a e h n, Hagelborger Str. 27. Priegent, Bellealliancestr. 75. 8. Börner, Kitterstr. 15. Franke,, Mariannenstr. 26a. Schulz, Admiralstr. 40. Kuh ring,, Jahnstr. 1. Bühle, Moritzplatz. Scholz, Hasenheide 108-114., Liebe, HÄmiannstr. 68. M o s e 1 e r, Rittorstr. 84. Rixdorf.» Zirkel, Idealpassage. Lindner, Kaiser-Friedrichstr. 36.> SO. Horsch, Pngelufer 15. Ihm, Wrangolstr. 58.[ Stangenberg, Köpenicker Str. 20a. Schlösser,, Köpenicker Str. 134. BfW. Mens, Wilhelmshavener Str. 61., Märker, Turmstr. 52. O s t e r, Paulstr. 33. Lampreoht, i Putlitzstr. 10. Charlottcnburg. Weisheit, Rosinenstr. 3. i Sohmi-dt, Wilmersdorfer Str. 130. Wilk, Kirohstr. 30. In sämtlichen Vorkaufsstellen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend sowie in a sehenen Geschäften. Recht zahlreichen Besuch erwartet M. d. D. A.-S.-B. Chormeister: Fr. Bothe. en mit Plakaten vei- 299/1 Der Vorstand. Eieelsior-Liebtspielhaus Rinlorf Passage 11« bis 17. November einschl. Dr. dar el Kama der Orientale. 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Werlbeim�___ 171/2 3 Germania-?raehtsäin Chausseestr. 110. Karl Riehler Ä Jeden! 8onntag:| Paul Manffieys» lustige Sänger» g 6 Uhr. Eintritt 50 Pf, 0 Ansohließ.: Familienkränzohen. P 3 Im weißen Saale von 5 Uhr ab| g SV Großer Ball."WG{ J Montag: Heiterer Kfinstlerabend.g Nlfiles Fest-Säle Dennewitzstraße 13, Jeden Donnerstas: tanzferänzeljen 14615 C. Nißle. Konkordia-Festsäle. JnH.: M. Wandt und A. Schütz«. Andrcasstr. 04. Jeden Sonntag: Hilitär-Streicli- Konzert und die beliebten »csflnanno Sänger. Dlreltion Fr. Fanther. Heute; Ein alter Flickschuster, Bolksst. 1 1 Akt. Jede Woche neues Programm. Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Vor» stetIung7Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr Q�ßgj, xzt: lijüloooooooooooooooo|» i ooooooeooooooooo Kreuzbemei Hafmonie Sonntag;, 86, Vovembcr(Totensonntag), in Brauerei „Friedrichshain"(fr. Lipps): Vokal-o-lDstrumenlal-Konzert Unter anderen Szenen aus der norweg. Sage: T7w.S4-t«Srt-P kür Männerchor. Soli und Orchester * IIlIljIAi von Max Bruch. 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Lrilliyr des.Amörts" Lrilimr N»ll!sl>>Ä Zonntag, il Novembkr 191L VlrttchsNIIcher Wochenbericht. Berlin, den 11. November 1S11. Ki» SpekulatlonSobjckt.— Tendenz der PreiSentwickelung am Baumwollmarkt.— Wirkung der Hausse-Manover.— BalerifationS- bestrebungen der Baumwollpflanzer.— Herr Semlinger als Rat- geber.— Die pfiffigen Wäschefabrikanten. Zu den wichtigsten Bedarfsstoffen gehört Baumwolle. Da das Rohmaterial in Deutschland nicht gedeiht, müssen wir es einführen. Die Einfuhr von Baumwolle ist für uns um so bedeutungsvoller, als wir eine Verarbeitungsindustrie entwickelt haben, deren Er- zeugung über den Bedarf des Inlandsmarktes hinausgeht. Ein Teil der aus der importierten Rohwolle angefertigten Waren wird wieder ausgeführt. Während wir z. B. im vorigen Jahre 402 426 Tonnen Baumwolle einführten, stellt sich der Jnlandsverbrauch nur aus 382 6Sb Tonnen. Dabei war die Ausfuhr von Rohwolle ganz gering; sie ergab bloh 46 335 Tonnen. Diese Menge wird zudem noch fast wieder ausgeglichen durch eine Mehreinfuhr von Baum- Wollabfällen. Die Differenz zwischen Einfuhr und Inlands- verbrauch erklärt sich durch die Ausfuhr von Baumwollwaren. Im letzten Jahre betrug die Mehrausfuhr von Baumwollgeweben 32 700 Tonnen. Ferner sind noch ausgeführt worden: 1886 Tonnen Handschuhe und Haarnetze, 3000 Tonnen Plüsche, Samte, Tüll usw., 8585 Tonnen Strümpfe und Socken, 5431 Tonnen Unterkleider usw. Vergleicht man diese Zahlen mit den Ergebnissen des Vorjahres, dann springt besonders bei der Einfuhr ein Rückgang in die Augen. Das erklärt sich aus der Preisentwickelung. Baumwolle ist auch eines der beliebtesten Spekulationsobjekte. Das Eingreifen der Hausse- und Baiffespekulanten unterwirft die Baumwolle viel grösseren Schwankungen als die wechselnden Ernte- ertrüge rechtfertigen. Der Hauptproduzent von Baumwolle ist Amerika. Von unserer Gesamteinfuhr kamen im vergangenen Jahre 279 850 Tonnen auS den Vereinigten Staaten; 62 825 Tonnen lieferte Britisch-Jndien, 33 685 Tonnen Aegypten, der Rest verteilt sich auf mehrere unbedeutend« Produktionsgebiete. Alle Länder, besonders solche, die in hohem Masse Rohwolle verarbeiten, sind demnach von Amerika abhängig. Das erleichtert die Machinationen an der Baumwollbörse. Die Grossspekulanten können sich leichter verständigen, durch Beeinflussung der Presse und Zurückhaltung der Ware die Preise.regulieren". Die oft plötzlich eintretenden Preis- stürbe sind die Ursache von Bankerotten. Verarbeiter, die zu hohen Preisen für längere Zeit sich eingedeckt haben, zwingt ein starkes Fallen der Preise für Baumwolle, die Warenpreise ebenfalls zu reduzieren. Dadurch geraten Produktionskosten und Einnahmen so sehr in Widerspruch, dass kapitalschwache Unternehmer dabei über die Klinge springen müssen. Unterliegen die Baumwollpreise nun auch starken Schwankungen, so lässt sich dabei doch eine Ten- denz des Hinaufrückens nicht verkennen. Nach der Bremer Notie- rung für 1 Doppelzentner— Middling Upland— ergeben sich in den letzten 10 Jahren folgende Tiefpunkte: 88,5— 97,2—107,2; die dazwischen liegenden Höchstpunkte ergaben folgende Ziffern: 124,3 bis 121,5— 151,7. Wohl folgen den Preishaussen immer wieder Rückschläge, diese führen aber niemals wieder zu dem vorauf» gegangenen tiefen Niveau zurück, dagegen treibt die folgende Hausse über den Höhepunkt der letzten hinaus. Welchen Einfluss die Preis- bewegung auf die Einfuhr, die Ausgaben für das Rohmaterial und den Jnlandskonsum ausübt, veranschaulicht folgende Zusammen- stellung: Im Jahre 1910 war die Einfuhr der Menge nach nur um 21 Proz. grosser als wie im Jahre 1901, aber wir mutzten fast die doppelte Summ« bezahlen, der Einheitspreis war von 88,5 M. auf 151,7 M. oder um fast 73 Proz. gestiegen. Im Vergleich mit dem Jahre 1905 war im vorigen Jahre die Einfuhr der Menge nach gleich, aber wir muhten für dieselben Quanten 173 Millionen Mark mehr bezahlen. Die Wechselwirkung zwischen Preis und Einfuhr tritt besonders noch bei einem Vergleich der beiden letzten Jahre ig die Erscheinung. Der Menge nach ist die Einfuhr im letzten Jahre um 53 495 Tonnen zurückgegangen, dem Werte nach um 32 681 000 Mark gestiegen; der Jnlandsverbrauch verminderte sich um 66 965 Tonnen. Wie schon bemerkt, werden die Preisschwankungen in erheb- lichem Masse durch die Spekulation beeinflusst. Aber auch Pflanzer arbeiten auf eine Steigerung der Preise hin. Ihre Wirtschafts- Politik ist von genau demselben Motive beeinflusst wie die unserer Junker, industriellen Hochschutzzöllner und Monopolisten. Das Aushängeschild trägt überall die Inschrift:„Schutz der nationalen Im Verfolge splcher Politik erstreben die Baumwollpflanzer in den Vereinigten Staaten eine der KaffeevalorisatioN ähnliche Matz- nähme. In der letzten Zeit sind die Preis« wieder stark gesunken, nachdem sie im Juni d. I. eine Rekordhöhe erreicht hatten. Künst- liche Zurückhaltung des Angebotes und Hiobsnachrichten über un? günstige Ernten trieben ihn Anfang 1911 noch über den Durch- schnittspreis des Jahres 1910 hinaus. Im Januar notierte Upp- land Middling in Bremen pro Doppelzentner 152,75 M. Dann setzte ein Abbröckeln der Preise ein; es brachte die Notierung auf 147,82 herunter. Tie Haussepartei gewann erneut Oberwasser, dje Preise kletterten wieder hinauf. Im Juni erreichten sie den Höchst- staird mit 157,05 M. Die Macher hielten Erntel Wer grosse Mengen zu den hohen Preisen absetzen konnte, raffte in kurzer Zeit grossen Reichtum zusammen. Dann kam der Umschwung. Die ungünstigen Ernteschätzungen erwiesen sich als übertrieben oder gar als Schwindel. Die Menge der sichtbaren Vorräte wuchs, ei gesperrte Ware kam an den Markt. Nun wqren die Preise nii gesperrte IW>WWWW>WWW»WWW�>W mehr zu halten. Im Juli sank er bereits auf 146,54 M., im Sep- tember weiter auf 129,94 M. Das war der Tiefstand noch nicht. Am 9. November notierte 4z Kilogramm in Bremen noch 484i Pf., vielleicht geht er noch etwas weiter abwärts. Nun ist ungefähr wieder das Niveau des Jahres 1905 erreicht. Darob herrscht grosse Unzufriedenheit unter den Pflanzern. Die Preiserhöhungen fl, essen nicht restlos in ihre Taschen. Tie niedrigeren Preise kommen fa't restlos auf ihr Konto. Aber vielfach sind Plantagcnbesitzer und Haussiers dieselben Persönlichkeiten. Unter der Firma der Pflmizer. ist nun eine Bewegung eingeleitet worden, die von zwei Seiten auf eine Hausse und gleichzeitig auf ein dauerndes Hochhalten der Preise hinsteuert. Aus Columbia in Süd-Carolina berichtete das „B. T." am 5. November:„In Verfolg der auf der Konferenz der Farmer gefassten Beschlüsse hat der Präsident des Baumwoll• kongresses der �-üdstaalen au den Rcgicrungskommissar für Acker- bau und an die Präsidenten der Farmervereinigungen in allen Baumwollstaaten die telegrophifchc Ausforderung gerichtet, die Baumwolle zurückzuhalten, und einen Preis von 13 Cents bis zum September 1912 zu erzielen, und ferner eine Beschränkung der Anbaufläche im Jahre 1912 vorzunehmen. Die Farmer werden aufgefordert, Verpflichtungsscheine zur Zurückhaltung einer be- stimmten Anzahl Lallen zu unterzeichnen." Diese Meldung be> kommt erst Bedeutung durch andere Vorgänge. Am 30. Oktober berieten in Nem-Orleans die Gouverneure der Baumwolle bauen- den Staaten über die Herausgabe von Schuldverschreibungen zu dem Zweck, Baumwolle zu valorisieren. Man will, nach dem Vor- bild, das die brasilianischen Kaffeepflanzer gegeben, durch Einsper- rung grosser Mengen Baumwolle den Preis nach oben„regulieren". Ein New Uorker Baumwollhändler erklärte sich bereit, die Bürg- schaft für die Beschaffung der zur Durcksührung eines solchen ValorisationSplandeS erforderlichen Geldmittel zu übernehmen. Di« Palorisationspoliitk zeigt die kapitalistische Praxis in den- galischer Beleuchtung. Das Schwanken der Nohmaterialprcise iit nun auch der Ausgangspunkt einer grossen Erregung in der deutschem. Baumwolle verarbeitenden Industrie geworden. Bicken Per brauchern, die sich kein selbständiges fsrieik erlauben über die Per Hältnisse am Weltmarkt, dient die Fachpresse als Beraterin beim Einkauf. Aus diesem Gebiete ist hesonders der Kommerzienrat Semlinger in Bamberg journalistisch tatig. Seinem Rate folgend. kauften die Spinner erhebliche Mengen Baumwolle, als der Preis sehr hoch stand. Nun regnet es gegen ihn Anklagen; er soll sogar schon einige Zusammenbrüche auf dem Gewissen haben. Er Der- teibigt sich mit dem Hinweis darauf, dass die Preise das niedrige Niveau doch wieder bald verlassen würden. Ein schöner Trost, Tie Hersteller von Halb- und Fertigfabrikaten werden jetzt natürlich von den Händlern bestürmt, die Warenpreise den gesunkenen Rohstoss- preisen anzupassen. Dazu ist jedoch wenig Ncignng vorhanden. Wenn die Preise für Rohstoffe steigen, dann folgen ihnen die Preise der Erzeugnisse mit affenartiger Geschwindigkeit, im umgekehrten Falle erweisen sie sich aber als sehr konservativ. Den Konsumenten kommen Preissenkungen am Markte der Nohstofsie nie ganz zugute. So erklären jetzt die Wäschcfabrikanten, dass für sie kein Grund zu Preisermätzigungen vorläge, denn die Nachfrage: nach Kattunen ufw. sei so gross, daß sie kaum befriedigt werden iönzne. Auch müssen Die angeblich„sehr gestiegenen Arbeitslöhne" und die hohen Preise für — für Kartoffelstärke zur Rechtfertigung der Prcishochhaltung her- halten. Di« ganze Wirtschaftsordnung ist auf die Jnteressenwahrnch- mung für das Unternehmertum und das Kapital eingestellt. DaZ könneii di« Konsumenten aus allen Vorgängen erkennen. D. Blutarme, Kranke und btehwttvhllche trinken während der Rekonvaleszenz feurig süßen Kraft-Botwein- Clil&Ca ßmUSdriCOB Flaf>.S0 w 2m käufucb in APo- theken, Drogerien, De-hkateßirischäft. aö.j£UitSChjß3 Ulster In unseren Kleiderwerkcn hergestellt »t.L Vt.*. Mr. 4. Gram, brams jndlerter flach zrtl- femacterter Cheviot....... Orto. braun, vraa aemusterter Cheviot____'......... M».& Gefttrctfte nad karierte Phautaaie- Stoffe................ Hell nad dunkel femuaterter Oiewioi nach englischer Art,.. 18 u. 21m. 24« 27« Jeder Ulster ist, falls nicht vorratig, beliebig in den oben abgebildeten 10 Formen ohne Preisaufschlag schnellstens lieferbar, (Dinier- pmetots KTr. 6. braun, ffrfln. Cheviot............... Nr. 6. Karierter Phantasiestoff, neueste Farbenstetlung.........•• Nr. 7 Grau oder grän melierter Cheviot sehr chic.............. Wr.a Klein karierter Cheviot mit bunten Effekten grau geatrclfticr ßQ u. 33 m. 36 m. 40* Nr. 0. 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Det Haupt Katalog Nr-*3(Leute Moden) auf Wunsdi kostenfrei „Der ital!eDlfcl)'tflrkif(l)e Krieg eine neue Bedrohung des Weltfriedens" ilt die Tagesordnung in zwölf Protestversammlungen am Sonntag, den 13* November, mittags 13 Uhr. Die Versammlungen finden in folgenden Lokalen statt: VrAsSls Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Boekbranerel, Tempelhofer Berg. Nene Welt, Hasenheide 108-114. <*ewerkseliaftshans, Engelufer 15. Kellers Festsäle(Mörner), Koppenstraße 29. Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. Draehenbnrg, Am Schlesischen Tor. Branerel Friedrichshain, Am Friedrichshain. Branerel Königstadt, Schönhauser Allee 10. Kastanien wäldehen, Badstraße 15/16. Pharnssäle, Müllerstraße 142. Koablter 6fesellsehaftshans, Wiclefstraße 24. Referenten: Rcicbatagöabg. Otto Büchner, Otto Braun, fritz 6bert, Richard fifcher, Ludwig frank- IMannheim, Hdolf 6ech-0ffenbach, Guktav Lehmann- Miesbaden, Bermann JMolkenbuhr, ödilhelm pfannkuch, ph. Scheidemann, Robert Schmidt, Landtagoabg. R. ötröbcl, Außerdem spricht in jedem Lokal ein ausländischer Abgeordneter. Die Bewohner der Vororte werden gebeten, an den ihnen zunächst gelegenen Versammlungen teilzunehmen. Parteigenossen! Die jetzt herrschende Sturmperiode des Imperialismus bringt die Völker mehr denn je in die Gefahr verderbenbringender Kriege, mit all ihren Greueln und Schrecken. Einige wenige entscheiden heute, ob über Millionen von Menschen unsagbares Unglück hereinbrechen soll, ob sich ganze Völker mtt allen Finessen der Technik vernichten sollen. Arbeiter! Parteigenossen! Wir rufen Euch auf, gegen die neueste Giftblüte dieser ungesunden Verhälwifie, den italienisch- türkischen Raubkrieg Protest zu erheben. Zeigt durch massenhaften Besuch der Versammlungen die Empörung des Proletariats über diese wahnsinnige Gewaltpolitik. Zeigt, daß wir Feinde der elenden Kriegshetzereien sind und unsere ganze Kraft für den allgemeinen Völkerfrieden einsetzen werden. Der Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstr. IS. HERMANN UETZ älexanderplatz LEIPZIGER STRASSE Diese Woche— Soweit Vorrat: FRANKFURTER ALLEE Wäsche und Wäschestoffe Handtücher päen Einzelne Handtücher bedeutend unter Preisl Stubenhandtücher«,»«°-° du. 3n Stubenhandtücher Sat&ÄS: 5" Stubenhandtücher 6" Stubenhandtücher Stubenhandtücher JÄÄÄ 9" Kfichenhandtücher c""1' 3a Küchenhandtücher 0m �"KS 4" KüchenhandtficherSSÄÄ 6a Wischtücher mm».,»/«».. mmm 2" 6 Posten unter Preis Wäschestoffe pj,-*. Ausstatt.- Hemden pes aus prima Renforce mit guter Stickerei garniert....... pät Beinkleider � pgg '0. 43, Weinstr. 8. Telephon: Amt VlI 8789. Mittwoch, den 13. November 1911, abends 8 Uhr: Aiiftrirdeiiilillit Gtiiralmflimmlmig in de»»Mnsikersäle»". Kaiser-Wilhelm-Straste 18n,. Tagesordnung: 102/19 1. Abrechnung vom 3. Onartal 1911. 2. Vortrag der Genossin Frau Wetzl über:„Bedentendo Francn In der Geschichte". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Pflicht der Vertrauensleute— namentlich der größeren Werk- stätten— ist seö, für rege» Besuch der Versammlung zu sorgen. Bio Ortsverwaltang. Zcntralkranhenkark der iilaurer, Gipfer, ftieißbinder u. Stukkateure Deutrchlands(6rundrte1n zur Einigkeit). Verwaltungsstelle Berlin. Freitag, den 17. November 1911, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 13. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Onartal 1311. 2. Kassenangelegenheiten. Ml« Die OrlSverwaltuug. ZeutralverblllldlwssWZaiigestelltsll Sonntag, den IS. November, in de«„Corona-Festsälen", Kommaudanienstr. 72 I: = Große Versammlung.= Vortrag von Herrn Stadtv. Xodtenror:»Welche Rechte haben die Hausangestellten in der neuen Krankenverstcherung?" Nachdem: QetnutUches SeisarnrnenseHi. Saalöffnung 6 Uhr. 299/2 Ansang 7 Uhr. �«»g! OrlskrWkttilllljst d. KanÄiverktr. Am Ntontag. den SV. November 1911, findet im»Altstädttsche« Kaflno"(srüher.Pailne"), Ritterstraste IS, die Mitglieder- Versamittlung zur Wahl der Delegierte» sür das Jahr 1912 statt. Es sind zu wählen 19 Arbeitgeher-Delegierle und 19 Siellvertreter, sowie 38 Arbeitnehmer-Delegierte und 33 Stellverlreter. Gewählt wird in der Zeit von 7�—8'/, Ubr abends. Legitimation sür Arbeitgeber die letzte Quittung über bezahlte Beiträge, sür Arbeitnehmer die Mitgliedskarte. Daran anschließend findet die General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Uebertrttt der im eingemeindeten GutZbezlrk Haselhorft beschäsligten versicherungspflichtigen Mitglieder aus der Ortskrankenkasse Spandau-Land und Umgegend in die Orlskranken- kasle in Spandau(Lerjügung des Herrn Regierun gspräsidenten). 2. Neuwahl des Vorstandes(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit» ehmer). 3. WabI einer Rcchimilgsprüsungs-Kommission. 4. Anstellung der Herren Dr.(§ ontermann und Dr. Buttermann als Kassenärzte. 5. Erhöhung des ArzthonorarZ. 6. Verschiedenet. Der Vorstand. A. L n d e w i g, Vorsitzender. | i Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend«__ Sonntag, 19. November, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Gewerkschaftshause(Saal 1): UlSf Ausschuß-Sitzung � für den ganzen Gan. Tageaordnnng: 1. Aufnahme von V ereinen. 2. Bundesangelegenheiten. 17/13 Der Torstand. Ausgabe der Billetts zum Stiftungsfest. Orts- Krankenkasse der Zchlltidtl, Kchneidtriulltn und vkrioaudtkr Gkfvrrbe zu Berlin. Wahlversammlung der Arbeitnehmer. Am Montag, den SV. Nov. 1911, von nachmittags S Uhr bis abends Iv Uhr, finden in Witk'-s Festsäten, Sebastian- straste 3:», die Ergnuzungs. wählen der Vertreter zurGeneral- Versammlung statt. Tagesordnung: Wahl von 283 Vertretern der Kaflenmitglieder gemäß§ 49 des Äaffcnslaluts(6. Abänderung). Legitimationskarten hierzu er« hallen die Mitglieder vorher im Kafletztokal, Scbastianstraße 87/38, welches sich im Ncbenhause des Wahl- lokales befindet und auch während der Wahlzeit geöffnet ist, gegen Vor« zeigung des Mitgliedsbuches oder Vescheinigiiiig über eine die Ver- sicherungSpflicht zur Kasse begründende Beschäftigung.— Um 10 Uhr werden die Türen geschloffen. Später- kommende verlteren ihr Wahlrecht. Wahlversammlung der Arbeitgeber. Am DienStag. den 21. Nov. 1911, abends von 8—10 Uhr, finden im Rassenlokal, Sebastian. straste 37/38. die Ergönzungs- wähle» der Vertreter zur Generalversammlung statt. Tagesordnung:, Wahl von 106 Vertretern der Arbeitgeber gemäß ß 49 deS Kassen- statuts(6. Abänderung). Als Legitimation dient die letzte Rechnung oder Anmcldebescheini- gung.— Um 10 Uhr werden die Türen geschlossen. Späterkommende verlieren ihr Wahlrecht. Wahlberechtigt und wählbar sind männliche und weibliche Arbeitgeber resp. Kassenmitglteder, welche groß- jährig und im Besitze der bürgcr- lichen Ehrenrechte sind. 280/19 Der Vorstand. Gustav Nahtow, Vorsitzender. Paul Ooritz, Schrijlsührer. Orts-Krankenkasse Einladung der gewählten Ver- treter zur Ordeutlieiiei] GeneralversaiDßiluiig am 21. November 1911, abends 8 Uhr, im Eafs BeUevue, Haupt- straße 2. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des Vorstandes(2 Arbeit- gebor, 3 Arbeitnehmer). 3. Wahl um: 3 Revisoren zur Prüfung der Jahresrechuung. 4. Statulenäiidcrung der ßZ 18 und 29. S. a). Bericht von der Provinzial- konscrenz in Brandenburg. h) Bericht von der Jabre«-Ber- samnilung der Krankenlassen in Dresden. b. Verschiedenes. Ter Borstand. 280/17 I. v.: G. Budde, Vorsitzender. Iiipeine Ortskrankenkasse Rirdie?ereinio[eflGewerhehelrielie Wir laden unsere Delegierten hier- mit zu einer Drdenti. General-Yersainmiung aus Montag, de» S9. November, abends 9 Uhr, nach dem Volkshaus»- in Gdarlottendurg, Nosuienstr. 3, ein. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes über die KassenverHältnisse. 2. Wahl einer PrüsungSkoinmIsfion sür die Jahresrechnung pro 1911. 3. Beschlußsassung über eine Er» höhung des AerztehonorarS. Vor Beginn der General« versammlnug und zwar von 8 bis S Uhr abends, finden ebenda die getrennten Wahloeriammiungen der Arbeiigeber« und Arbeitnehmerdcle« gierten statt zwecks Neuwahl von 2 den Arbeitgeberdelegierten und von 4 den Arbeitnehmerdelegierten ange« hörigen Vorstandsmitgliedern an Stelle der turnusmäßig aus dem Vorstande ausscheidenden Arbettgeber ve:rcn Schulz und Guiard und der Arbeitnehmer Herren AhrenS, Kahlcrt, Billion und Puttlitz. Delegierte, welche in der General- Versammlung Beschwerden gegen den Kassenvorstand vorbringen wollen, werden gebeten, hiervon mindestens vier Tage vorher im Kaffenburcau Mitteilung zu machen, damit der Vorstand in der Lage ist, sich mit dem crsorderlichen Material zur Bc» antwortung der Beschwerde zu ver- sehen. 280/13 Jeder Delegierte erhält eine be- sondere Einladung, die beim Eintritt in die Versammlung als Legitimation vorzuweisen ist. Eharlottenburg. 9. November 1911. Der Kassenvorstand. «i»i. Alirons. Bekanntinachnng der Cmtinf. Ortsbranhenhilsst fjilMiuiclidorfu.llüigegend Am Dienstag, den 21. November d.J.. nachmittags 6'/, Uhr, findet im Saale des Zieslauraiils Löwcnhagen zu Mariendors, Chausseestraße 27, die Ordentliche General-Vsrsammlung statt, zu der die Herren Delegierten ganz ergebenst eingeladen werde». Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Richter- Tempelhos über Blinddarmentzün- düngen. 2. Neuwahl eines Arbeitgeber- und zweier Arbeitnehmer-Delegierte» in den Vorstand. 3. Dahl dreier Revisoren zur Prü- sung der Jahresrechnung sür 1911. 4. Gesuche der Kassenbeamtcn um GehaltSausbesserungen. o. Verschiedenes. 280/15 Etwaige Anfragen und Beschwerden, zu denen die Einsichtnahme der Gc- schästsbücher crsordcrlich ist, find dem Vorstand drei Tage vorher schristlich zu unterbreiten. Mariendors. den 7. November 1911. Der Torstand. gez. Aug. Leip, gez. Baechler, SchriWhrer. Borsitzender. / SpittelmarKt Belle- Alliancestrasse Grosse FranKfurterstrasse Bnmnenstrasse Kottbuser Damm\ IDohlteitelDoche Somit Vorrat Reinwollene kKSV>0tS $eideiigiiamd« IdeiciGi'' Alpdccds schwarz oder farbig.... Meter schwere Qualität, ca. 120 cm breit, schwarz oder marine....... Meter 85... 2.2s üntertaillen Daia6a'Traot' > mit langen Aermeln and angewcblem Futror............. Direktoire Beinkleider im Damen, in Tiegen färben......... 95. 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Februar 1906 v. organisiert. ScbneidergehilienBerlins, Arbeitern, Parteigenossen w» iitbürgern Herren-., Knaöengarderolie G GroOes Lager fertiger Herren-, Knaben- u.Klndar-AnzDge, D GroBo Aaswahl in J Winter-Paletots, Ilster. HadlaliranzägeB n. Fanl.-ffesleii§ in allen Größen nnd Preislagen sowie W 9 Arbeiter- Berufs- Kleidung. jP Die Herstellong; nnserer rabrlfeate erfolgt in W sigsnen Betriebs Werkstätten unter den von 9 �8 aageiei Organisation festgelegten Bedingungen. W Lieferanten 103't* A A der Konsum-Genossenschaft Berlin u. Umgegend M X sowie des Arbeiter-Radfahrerbundes. KB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur fijr af eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem flp anderen Geschäft au haben sind. Wichtig für Hausfrauen Um die Rasenbleiche zu ersetzen, kaufen Sie sich für 15 Pfg, ein Paket„SEIFIXi' Die Wäsche wird schneeweiß u. leidet nicht im Geringsten. Ein Versuch überzeugt. f j| Feine Schneiderei fOr elegant« i Heirai-IMin fertig und nach Mass Garantl« fOr tadellosen Sit, und beste Verarbeitung. Aut TellgatiiiinS Wochenrate von 1 M. an J, Kurzberg Ros8nthalerSlra8se40 direkt am Hacketchen Markt Frankfuiter Allee 104 Ecke Frledenatrasee. KiWaiMaai GO«S«»S«S009eS«S»OSSSS»OO„,»HG,,G,GGsg Teilzahlung liefert auf keqaene bei kleinster Anzahlung in bekannter Qdte (mit grdSter Rücksicht bei Krankheit nnd Arbeiteloeigkeli) E.Cohn,Gr.FrankIiirterstr.58. »»«mlwortlicher Revatleur Richard Barth, Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag:«orwärlg jSuchdrljckeret u- BerlagSanstalt Paulsmger u.»o.. VeumäW- Dt. 266. 28. ZahrMS. 4. KeilM ks.liraiBrls" ßttlintt Oolblilntt. Sonntag, 12. November 1911. Hua der Partei. Die ersten Sozialdemokraten in einem preußischen Kreistag. In H ö h s ch e i d und Ohligs sLandkreis Solingen) fanden «m Donnerstag Stadtverordnetensitzungen statt, in denen auch die Wahlen zum Kreistag vorgenommen wurden. In Höhscheid wurde Genosse Deisel, in Ohligs Genosse Grostberndt als Abgeordneter in den Kreistag für den Landkreis Solingen gewählt. Die Gewählten haben ihre Wahl der direkten und indirekten Unterstützung eines Teils der bürgerlichen Stadtverordneten zu verdanken, was wieder mal eine Anerkennung bedeutet für die Tätigkeit der Sozialdemokratie in den Kommunen. Mit Deisel in Höhscheid und Brotzberndt in Ohligs im Landkreise Solingen sind in ganz Preußen die ersten Sozialdemokraten in einen Kreistag gewählt worden. Stadwerordnetenwahlfieg. Räch zähem erbitterten Kampfe von b'/z Tagen gegen da« bürger- liche Kartell errangen unsere Genossen in Elberfeld bei den Stadtverordnetenwahlen einen rühmlichen Sieg. Die sozialdemo- kratischen Kandidaten erhielten 8515 bis 8633. die der Gegner 7042 bis 7168 Stimmen. Vier Genossen wurden auf 6 Jahre, zwei auf 2 Jahre gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion steigt durch diesen Ersatz auf 10 Mann._ Parteiliteratur. Arbeiter» Notiz» Kalender 1912. Verlag: Buchhandlung vor wärt» Paul Singer G. m. b. H. Berlin SW. 68. Preis: Gebunden 50 Pf. Mit Rücksicht auf die bevor st ehenden Reichstags- wählen bringt der Kalender folgende Tabellen und Abhandlungen: Die Ergebnisse der Reichstagswahlen von 1907 und der Nach- Wahlen.— Die Sozialdemokratie in den einzelnen Provinzen und Staaten.— Stimmenzahl bei der Reichstagswahl 1907.— Biographische Notizen der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten. »- Winke für die Reichstagswahlen. Auch der übrig'e Inhalt des Kalender» ist vielseitig. Wir er- wähnen u. a.: Porträts der verstorbenen Genosien: Hermann Borgmann. Emma Ihrer, Gabriel Loewenstein, Paul Singer.— Kalendarium und Geschichtskalender.— Deutsche Vereine im Aus- lande.— Portotaxe.— Alle wichtigen Partei- und Gewerkschafts- adresien. Der gewerkschaftliche Teil bringt die wichtigsten Bor- gänge aus der GewerksckiastSbewegung: Lohnbewegungen und Streiks.— Internationale Gewerkschaftsbewegung 1909.— Arbeitersekretariate.— Jahreseinnahmen und Ausgaben usw. Für die in der gewerkschaftlichen und politischen Agitasion tätigen Genossen wird der Kalender ein unentbehrliches Hilfsmittel fein, namentlich leistet er gute Dienste bei der Kleinarbeit. Darum soller der ständige Begleiter jedes Arbeiters sein. Zu bezieben ist der Arbeiter-Notizkalender durch alle Zeitungs- boten, Buchhändler und Kolporteure. Warum mußt Du Sozialdemokrat sein? Mit diesem Titel er- schien soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin LAV. 68, eine 16 Seiten umfassende Flugschrift, die in der Agitation zu den Reichstagswahlen gute Dienste leisten wird. Der Preis ist 10 Pf. » Etadtverordnetenwahlen finden im Laufe der nächsten Wochen in vielen Orten statt. Die neugewählten Vertreter sollle» aus die Wichtigkeit der dauernden Lektüre der„Kommunalen Praxis" aufmerksam gemacht werden. Diese Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus bietet eine Fülle von interesianten und wichtigen Stoffen aus allen Gebieten der Gemeindepolitik und sollte von allen Interessenten gelesen werden. Die.Kommunale Praxis' erscheint wöchentlich und kostet pro Quartal 3 Mark. Abonnement« nehmen alle Postanstalten. Buch- Handlungen. Spediteure und Kolporteure entgegen. Probenummern durch den Verlag Buchhandlung Vorwärts, Paul Singer G. m. b. H-, Berlin SW. 68._ Soziales. Einen„gebildet«»»" Lehrherrn hatte der Steindruckerlehrling R.. der bei dem Buch- und Stein- druckcreibesitzer H. Elibmeyer, Andreasstraße 32, in der Lehre stand. Schon Anfang des Jahres 1910 suchte der Lehrling, der schon da- mals der Ueberzeugung war, daß er beim Beklagten nichts Ordent- liches lernen und nur ein Ausbeutungsobjekt abgeben werde, das Lehrverhältnis zu lösen. Er wurde aber am 13. Januar 1910 vom Gewerbegericht mit seiner Klage abgewiesen, weil sich das Gericht nicht genügend davon überzeugt hatte, daß der Beklagte seine Pflichten in der Ausbildung und Unterweisung des Klägers vcr- nachlässigt habe. Jetzt, fast zwei Jahre später, wiederholten der Lehrling und deffen Vater die Klage auf Lösung des Lehrverhält� niffes. Das Gewerbegcricht hatte sich somit erneut mit der Lehr tätigteit des Beklagten zu beschäftigen. Der Lehrling beklagte sich über mangelhafte Ausbildung und schlechte Behandlung. Die Be- Weisaufnahme ergab, daß der Kläger mit seinen Kenntnissen noch weit zurück ist und seine Leistungen in Anbetrckcht der bereits zurück- gelegten Lehrzeit bessere sein müssen. Als ein gewichtiger Grund hierfür wurde der stark ausgeprägte Sparsamkeitssinn des Be- klagten, der il»sbesondere bei den Arbeiterlöhnen in die Erscheinung tritt, angesehen. Beschäftigt doch der Beklagte bei vier Lehrlingen nur einen Maschinenmeister. Auch die Beschwerden über die Be- Handlung zeigten sich als durchaus berechtigt. Sowohl der Beklagte als auch dessen Sohn, der bei Abwesenheit seines Vaters vom Ge- schüft dessen Vertretung ausübt, haben Lehrlinge mit beleidigenden Worten belegt.„Lausejungen".„Schweinehunde",„Schwefeb bände",„Sau" und wie„Du Verbrecher, der nach Moabit gehört' sind„Liebkosungen", die dort den Lehrlingen zuteil wurden. Das Gewerbegericht erkannte die Berechtigung der Klage an und verurteilte den Beklagten, in die Lösung des Lehrverhältnisses zu willigen.__ Zlasko einer sozialpolitischen Schcineinrichtung. •vZm Jahre 1908 sind durch Verordnung der bayerischen Regie- rung an den Handelskammern Ausschüsse für kaufmännische und technische Angestellten gebildet worden, denen die Aufgabe oblwgci» sollte, in den Plenarversammlungen der Handelskammern bei allen die kaufmännischen und technischen Angestellten betrefsenden Angelegenheiten mitzuberaten. Damit wollte man d,e Miß- stimmung dieser Schichten gegen die reaktionäre Haltung der Han- delskammern beseitigen und vor allem die von den Organisationen der Handlungsgehilfen und Techniker geforderten Interessen- Vertretungen als überflüssig erscheinen lassen. Die aufgekMten Elemente unter den Handlungsgehilfen und Technikern haben�diesc Scheininteressenvertretungen rechtzeitig und von Anfang an in ihrer Bedeutungslosigkeit erkannt. Anders die alten Unternehmer- freundlichen Organisationen, die diese Gelegenheit. Hand in Hand mit den Prinzipalen arbeiten zu können, freudig ergriffen. Jetzt haben diese Gehilfenausschüsse eine nahezu dreijährige Tätigkeit hinter sich und sehen ihrer Neuwahl entgegen. Jetzt ist auch die Stimmung der Privatangestelltcn eine völlig andere als vor drei Jahren. Die Gehilfenausschußmitglieder haben durch ihre An- Wesenheit in den Sitzungen der Handelskammer— denn zu sagen Wirksamkeit hieße die Sache falsch darstellen— eingesehen, daß diese Gehilfenausschüsse auch nicht den lleinsten Wert für die Privatangestellten besitzen. Wie die„Münchener Post" mitteilt, haben sich anläßlich der kurz bevorstehenden Neuwahl der Gehilfen- Mitglieder zur Handelskammer die Vertreter von 15 kauf- männischen und technischen Vereinen versammelt und erlassen als Resultat ihrer Beratung folgende Erklärung: „Die unterzeichneten kaufmännischen und technischen Vereine Münchens erblicken in dem Gehilfenausschuß bei der Handels- kammer eine durchaus ungeeignete Interessenvertretung. Infolge des Uebergewichtes der selbständigen Kaufleute in der Kammer (39 Prinzipale gegen 14 Gehilfen) ist es dem Angestelltenausschusse unmöglich gemacht, wirksam und erfolgreich die Wünsche seiner Auftraggeber erfüllen zu können. Dadurch ist der Ausschuß zu einer wertlosen, lediglich dekorativen Einrichtung geworden, die es den Angestellten nur ermöglicht, ihre Wünsche und Meinungen zum Ausdruck zu bring.:», ohne daß dadurch irgendein Einfluß auf die entscheidende Abstimmung in der Kammer erzielt werden kann. Deshalb lehnen es die unterzeichneten Vereine ab, sich zu- künftig noch an den Wahlen zum Gehilfenausschuß aktiv oder passiv zu beteiligen. Sie richten gleichzeitig an die kaufmännischen und technischen Angestellten Münchens das Ersuchen, sich im Interesse des ganzen Standes jeder Wahlbeteiligung zu enthalten." Zu den unterzeichneten Verbänden gehören alle bedeutenden Organisationen der Handlungsgehilfen und Techniker, selbstver- ständlich in erster Linie der gewerkschaftliche Zentralverband der Handlungsgehilfen, dessen seitherige Anschauung durch diese Er- kläruiig wirksam bestätigt wird. Die Erklärung ist nach zwei Seiten hin bedeutsam.. Erstens ist sie ein interessantes Dokument für die immer mehr zutage tretende Wandlung der Anschauungen der alten Organisationen der Hand- lungsgehilfen, die hier ihren offiziellen Standpunkt der Harmonie der Interessen zwischen Unternehmern und Angestellten aufgeben müssen, und zweitens, weil nach dieser einmütigen Ablehnung der Gehilfenausschüsse wohl im Ernst nicht mehr die Rede davon sein kann, die Forderung nach wirklichen Interessenvertretungen durch solche Surrogate zu ersetzen._ Nahrungsmittelverteuerung und Bolksernährung. Die Vorstände und Verwaltungsbeamten der Krankenkassen hörten in der Versammlung, welche die Zentralkommission am Freitag einberufen hatte, einen Vortrag des Professors Dr. Albu über:„Nahrungsinittelverteuerung und Bolksernährung". Der Redner zeigte, was nach wissenschaftlichen Feststellungen notwendig ist, um den menschlichen Körper ausreichend zu ernähren und leistungsfähig zu erhalten. Wenn man die rein wissenschaftlichen Darlegungen des Vortragenden anwendet auf die Lebenslage, zu welcher der größte Teil des Volkes bei der gegenwärtigen Teuerung gezwungen ist, so ergibt sich, daß den meisten Arbeiterfamilien zuo zeit nicht möglich ist, sich nach wissenschaftlichen Grundsätzen au» reichend zu ernähren und daß deshalb eine schwere Schädigung der Volkskraft und der Volksgesuirdheit eintreten muß, wenn es den Arbeitern nicht gelingt, durch Erlangung höherer Löhne das Gleich- gewicht zwischen Einnahme und Ausgabe wieder herzustellen.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. In der vorigen Versammlung wurde schon erwähnt, daß der mit den Krankenkassen im Vertragsvcrhältnis stehende Verein der Berliner Milchhändler von den Kassen eine Erhöhung des Milch Preises um 2 Pf. pro Liter fordert, während die Zentralkommission nur 1 Pf. zuzulegen, also den Preis auf 20 Pf. zu erhöhen bereit ist.— Wie Simanowski jetzt mitteilte, hält der Milchpächterverein an seiner Forderung fest. Es Höchen sich aber sieben kleinere Ver- eine von Milchhändlern erboten, mit den Krankenkassen in Ge- schäftsverbindung zu treten, einige derselben sind bereit, den Liter für 20 Pf. zu liefern. Die Zenbralkommission ist heute noch nicht in der Lage, den Kassen bestimmte Vorschläge zu machen. ES wird auch die Verwendung von Trockenmilch(kondensierter Milch) anstatt der frischen Milch erwogen.— Die Versammlung faßte zu dieser Angelegenheit folgenden Beschluß: „Die Zentralkommission wird beauftragt, die Verhandlungen über den Milchabschluß für die nächste Zeit weiter zu betreiben. Falls eine Einigung nicht zustande hommt, sollen der nächsten Ver> sammlung diesbezügliche Vorschläge gemacht werden, auch unter Bezugnahme auf die eventuelle Trackenmilchlieferung. Inzwischen werden die Krankenkassenvorstände erwägen, in welchem Umfange in Zukunft die Milchlieferung für Kassenmitglieder erfolgen soll. Als Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung der Zentral kommission wurden Hennig, Otto Schmidt und Albrccht gewählt. Simanowski teilte ein Schreiben des Magistrats mit, woraus hervorgeht, daß der Magistrat das Ersuchen der Zentralkommission. im städtischen Siechenhause eine besondere Abteilung für Kassen> Mitglieder einzurichten, abgelehnt hat mit der Begründung, die Zahl der dem Siechenhause überwiesenen Kassenmitglieder betrage, wie eine Stichprobe ergeben babe, nur 5 Proz. der Belegschaft des Siechenhauses.— Simanowski bemerkte hierzu: Die Stichprobe be weise nichts. Denn bis jetzt haben die Krankenkassen noch nicht be schlössen, ihre Mitglieder dem Siechenhause zuzuweisen, es seien nur durch besondere Umstände vereinzelte Kassenmitglieder ins Siechenhaus gekommen. Durch den Bescheid des Magistrats müsse man jedoch die Angelegenheit als erledigt betrachten. In der Versammlung waren vertreten 48 Orts-, 4 Betriebs- 2 Jnnungs- und 17 Hilfskassen. S'l, Uhr: Ein bis Sonnabend: (Ansang 8 Uhr.) Meyer». All« Berliner Theater. SonntagnachmittagS S Uhr: Einer von unsere Leub. Abends: Bummelstudenten. Montag: Coeur Aß. Dienstag: Bummelstudenten. Mittwoch und Donnerstag- Coeur Aß. Freitag: Bummelstudenten. Sonnabend: Ahnengaleric.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonn- lag- Adnengalerie. Montag: Coeur Aß.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schnnspielhaus. Sonntagnackm.: Geschlossene VereinSvor- stellung. Abends: Hans Sonnenstößers Höllensahrt. Montag: Josephine. Dienstag und Mittwoch: Hans Sonnenstößers Höllensahrt. Mittwoch, nachmittags 3 Ubr: Agnes Bernauer. Donnerstag: Alt-Hcidelberg. Freitag: Agnes Bernauer.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Agnes Bernauer. Abends und Sonntag: Hans Sonnenstößers Höllensahrt. Montag: Büxl.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der fidele Bauer. Täglich! Da« Mädel von Montmartre.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Das Urbild des Tartüfs. AbendS: Madame Sans-Gsne. Montag: Es lebe das Leben. Dienstag: Madame Sans-Mene. Mittwoch: Der Bund der Jugend. Donnerstag: Madame Sans-Gsne. Freitag: Der Psarrer von Kirchscld. Sonnabend bis Montag: Madame Sans-Gsne.(Ansang 8 Uhr.) Schiller. Theater Eharlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Don Carlos. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Don Carlos. Mittwoch, nachm. 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: ES lebe das Leben. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: CS lebe das Leben. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Prinz Friedrich von Hom. bürg. Abends: Don Carlos. Sonntag: DaS Käthchen von Heilbronn. Montag: Don Carlos.(Ansang 8 Uhr.) �., Friedrich- Wilhelnistädtisrlies Schauspielhaus. Sonntag, nach. mittags 3-/, Uhr: Der Bibliothekar. Abends: Der Kaufmann von Benedig. Montag bis Mittwoch: Don Juan. Donnerstag: König Lear. ' reitag: Don Juan. Sonnabend und Sonntag: König Lear. Montag: Jon Juan.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag, nachmittags Walzertraum. Abends: Die Dame in Rot. Montag Die Dame in Rot.(Ansang 8 Uhr.) Tlialia-Theater. Täglich: Polnische Wirtschaft. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Sneewittchen. LusiipielbauS. Sonntag, nachmittag« 3 Uhr: abendlich: Die Vergnügungsreise.(Ansang 8 Uhr.) �, Neue» Lperetlcn-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Allabendlich: Die moderne Eva.(Ansang 8 Uhr.) Trianou-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillon. Abends und täglich: Mein Baby.(Ansang 8 Uhr.) Luisen> Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Wends und Montag! Die Macht der Bebe. Dienstag bis Sonnabend: Baronesse Ciaire. Sonntag: Unbestimmt. Montag: Baronesse Claire. (Attfang 8 Uhr.) Rofe-Tbeater. Sonntag, nachmittag? 3 Uhr: DaS Glück deS Lebens. Abends: Kasernenlust. Montag: Der Hüttenbesitzer. Dienstag: Michael Kohlhaas. Mittwoch: Der Hüttenbesitzer. Donnerstag: Kasernenlust. Freitag: Der Hüttenbesitzer. Sonnabend: Michael KohlhaaS. Sonntag und Montag: Der HüNenbesttzer.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzer Strafte. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends: Spielereien einer Kaiserin. Montag: Hundstage. Dienstag: Die Schauipielerin. Mittwoch: Hundstage. Donnerstag: Die Schauspielerin. Freitag und Sonnabend: Spielereien einer Kaiserin. Sonntag: Die Schauspielerin. Montag: Spielereien einer Kaiserin.(Ansang 8 Uhr.)». Belle-Alliance-Theater. Sonntag, nachm. 3»/, Uhr: Romeo und Julia Abends: Der Sitteuapostel. Montag: Die Räuber. Dienstag: Der Sittenapostel. Mittwoch, nachm. 3'/, Uhr: Dornröschen. Abends: Der Stttenapostel. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Der Sitten. apoftel. Sonnabend, nachmittags 3ss, Uhr: Dornröschen. Abends und Sonntag und Montag: Der Sittenapostel.(Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Neues Bolkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Vermächtnis. AbendS: DaS Vermächtnis. Montag und Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwoch bis Sonnabend: Das Ver» mächtnis. Sonntag: Geographie und Liebe.(Ansang 7 Uhr.) Easino-Tlieater. Sonntag, nachmittags 3ss, Uhr: Ein Weib aus dem Volke. Abends sowie täglich: Der selige Hollschinsky.(Ans. 8 Uhr.) ivictropol° Tveaier. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Miß Helyett. Allabenlich: Die Nacht von Bertin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Eaprtre. Allabendlich: Kobi Krach. Nr. 14.(Ans. S1/, Uhr.) Herrnfeld■ Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerz- lose Behandlung.(Ansang 8 Uhr0 Avollo-Tbenrer. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Große Vorstellung. Abends: Gala-Vorstellung.(Ansang 7'<, Uhr.) Zirkus Schinna»«. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Groß« Vorstellung. Abeiibs: Kala-Vorstellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Earl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 7'/, Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Der Brandstiiter.(Ansang 8>/, Ubr.) Walhalla. Sonnlag, nachmittags 3>/z Uhr: Prinz und Bettlerin. Allabendlich! Teusel, das hat cingeschlagenl(Ansang 8'/- Uhr.) KaUer-Panorama. Neu I Reise in Franlreich. Wanderung im Siebengebirge. Passage- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- Ilch: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Sonntag, nachmittag? 3'/, Uhr: Vorstellung. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Rctchsdallen-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Köuigstadi-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urnnia- Tveaier, Taubcnstr 48/49. Allabendlich: Von Meran zum Ortler.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—02. (Höchen-Spielplan der Berliner Cheater. Köntgl. Opernhaus. Sonntag: Carmen. Montag: Der Barbier von Sevilla. Dienstag: Der Roscnkavalier. Mittwoch: Madama Butter sly. Donnerstag: Der Roscnkavalier. Freitag: Mignon. Sonnabend: Der Rosenkaoalier. Sonntag: Die Zauberfiöte. Montag: Rigoletto.(Ansang VI, Ubr.) Königs. Schauspielhaus. Sonntag: Der Bettler von Syrakus. Montag: Pcnthelilea. Dienstag: Die glückliche Hand. Mittwoch: Der Bettler von Syrakus. Donnerstag: Die glückliche Hand. Freitag: Der Bettler von Syrakus. Sonnabend: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Die glückliche Hand. Montag: Prinz Friedrich von Homburg (Ansang VI, Uhr.) Neues königliches Operntheater. Sonntag: Was ihr wollt. Montag: Zar lind Zimmermann. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch und Donnerstag: Faust l. Teil. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Geschlossen Sonnlag: Romeo und Julia. Montag: Der Evangelimann.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Turandot. Dienstag. Penthesilca. Mittwoch und Donnerstag: Turandot. Freitag: Pentheftlea. Sonnubend und Sonntag: Turandot. Montag: Pentheftlea.(Ansang VI, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Nathan der Welse. Montag: Frühling» Erwachen. Dienstag: Nathan der Weise. Mittwoch: GygeS und sein Ring. Donnerstag: Nathan der Weise. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend und Sonntag: Nalhau der Weise. Montag: Gawlln.(Ansang 8 Uhr.) Lesslng. Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Hedda Gabler. Abends Das weile Land. Montag: Glaube und Heimat. Dienstag: Das weite Land. Mittwoch: Glaube und Heimat. Donnerstag: Nora. Freitag: Glaube und Heimat. Sonnabend und Sonntag: Das wette Land. Mon- tag: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Rcfidenz-Ilieater. Täglich: Ein Walzer von Chopin.(Ans. 8 Uhr.) Komiiche Oper. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Der Troubadour. Montag: Sibirien. Dienstag: Der Trouba- dour. Mittwoch und Donnerstag: Sibirien. Freitag: Der Waffenschmied. (Ansang 8 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Unbestimmt. Kleines Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: I. Klaffe. Angele. Allabendlich: Gentz und Fanny Elßler. HockenioS. LottchenS Geburtstag. (Anfang 8 Uhr.) Arbeiter-Esperanto-Bereinigung Graft- Berlin. Gruppe Zentrum. Freitags 8'/, Uhr, Restaurant Tröbel, Blankenselde-Str. t0. — Gruppe Moabit. Sonnabends 81/, Uhr, Restaurant Frosch, Gotzkowsky- straße 30.— Gruppe R i x d o r f. Dienstags 8 Uhr, Restaurant Kuhlmcy, Slcinmctzstr. 84. AUgemeine Faniiliensterbckasse. Sonntagnachmittag Dan 3—6 Uhr Ackerslr. 123 bei Wernicke: Zahl, und Ausnahmetag. Tcmpelhos- Martendorf. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Am Montag, den 13. d. M., stndet im Lokal Berliner Str. 4t/42 eine Ucbungs- stunde statt. Vortrag über: Psychologie. Gäste willkommen. Briekkarten der Redahtlon. Sit(utiftitdit e»re«stundt findet Ltadeaftrnyt es, vorn vier Treppen — grate ft ul|l—, wocheniiiglich von 61» 714 Uhr abends, Ennnabend», von 414 di? 0 Uhr abends ftau. Jeder siie den Brieskaften besiimmie» Aiifrage ist ein Buibtiate and eine Zahl aiS Merkzeimen»eizuillgen. Briefliche Aniinari Wied niche erteilt. Anfragen, denen leine Adonncmentsauttinng telgcfsig« ist, werden»ich« beaniinorte«. Eilige Fragen trage man in der«prechstniide vor. A. M. 99. 1. DaS formale Recht Hai die Gemeinde. In Charlotten» bnrg aber nicht zu erwarten. 2. Die Wartezelt beträgt 1200 Beitragswochen. Es werden aber pro Jahr 40 BeitragSivochen angerechnet für die Zeit, die Ihr Schwiegervater zur Zeit des Jnkrasttretens älter als 40 Jahre war, falls er die letzten drei Jahre vor Jnkraittrcten in einer Beschäftigung war, die nach Jnkrasltreten des Gesetzes versicherungspflichtig war. Dieser Nachweis gilt als erbracht, wen» während der ersten süns Jahre nach Jnkrasltreten geklebt ist. Liegen diese VorauStctzungen vor, so würden etwa 200 Beitrags- Wochen anrcchnnngssäbia sein und noch 110 bis 120 Beitragswochen fehlen. 3. Etwa 12 M. monatlich 4. Jährlich mindestens zehn, innerhalb längstens zwe.cr Jahre muß Umtausch erfolgen. 5. Nein.— A. F. AH, Pfändung Ist zulässig.— Kästner. Ja. Ihre ehemalige Braut kann aber Widerklage erheben.— A. Z. 7. Persönliche Erklärung JhrersetlS beim Standesamt. — M. P. 919. 1. Ja. 2. Der Kläger Ist klagebevechtigt. Aus die Jhiren übermittelte Klage können Sie innerhalb der gesetzten Frist Erklärungen abgeben. Die dem Schiedsmann gegenüber gctancnen Aeußcrnngcii er» scheinen nicht beweisbar, da eine Zeugenvernehmung des Schiedsmaiines in der Regel nicht zu erreichen ist— W. M. 1009. Zurzeit unmöglich. — G. L. 23. Zulässig wohl, häufig aber anfechtbar. Die Urkunde wird am zweckmäßigsten vom Notar ausgenommen.— D. 65. 1. Die Gesell- Ichast ist nur zur Erstattung de? Wertes, den die Sachen zur Zelt des Schadens haben, verpflichtet. 2. Nein, solange Sie Eigentümer und im Besitz der Sachen sind.— L. O. 6028. Sie sind für die ganze Dauer hastbar.— M. L. 26. 1. Bei dem für den Wohnsitz de» Mannes zu- ständigen Landgericht, nachdem ein Sühneversahren vor dem Amtsgericht vorausgegangen ist. 2. Nur Bedürstige. 3. und 4. In der Regel dient der Steuersatz zur Beurteilung der Bedursttgkeit, außerdem dle Auskunft des ArmenvorsteherS. 5. Einige Wochen nach Einrcichung der Klage. 6. Durch Erklärungen zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll.— N. 3. 1. und 2. Getrenntleben und UnterhaltungSklage zulässig, falls nicht der Ehebruch verziehen ist. Scheidungsllage nicht notwendig. 3. und«. Erst dann, wenn die Ehe wegen des Ehebruchs rechtSlrästig geschieden ist und zwar innerhalb drei Monat« nach Rechtskraft des Urteils.- K. 3. M.7.1. Ja. 2. Bei Leistung deS Lffenbarungseides ist Schuldner zur Angabe seiner Arbeitsstelle verpflichtet. — R. L. 101. 1. Ja. Sie müssen zunächst beim Amtsgericht Rixdors daS Sühneverjahrcn einleiten. 2. Nach Stattfinden des Sühnetcrmins ist ein Rechtsanwalt mit der Klageerbcbung zu beauftragen. Die Kosten richten sich nach dem Objekt, das vom Gericht scstgesetzt wird.— G. 41. Ihr« Aufiasjuilg ist zutreffend. Reklamieren Sic und berufen Sie fich aus§ 6, Abs. i, Ziff. 2 des Prenffischen Gesetzes vom 28. Juli 187b.— P. W. ti«. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und geben Sic noch an, welche Tätigkeit Sie ausgeübt Haie».— R. H. IS7. 1. Es kommt der progressiv erhöhte Steuersatz zur Anwendung. 2. Rur dann, wenn die Frau selbständig ver- anlagt werden kann(bei Getrcnntleben oder wenn die Boraussetzungen deS % 2 des E.-St.,G. vorliegen) oder wenn das zusammengerechnete Ein« kommen 900 Mark nicht übersteigt. 3. Das ergibt der Gesetzestert.— Rüftringe«. Für die Kosten hastet die Nachlabmaffe. Stellen Sie schon jetzt einen Antrag beim Nachlaffgencht. Die Verteilung erfolgt erst nach erfolgter Todeserklärung und nach Erlaß deS Ausschlußurteils.— F. M. 3. 4. Kosten etwa 3 Mark. Staatszugehörigkeitszeugnis ist zu beschaffen, erhältlich bei der Heimatbehörde.— A. K. 6. Ja.— P. B. Sit. New. — Stt D. New. Das Erscheinen hat nur Zweck, wenn eine Versöhnung beabsichtigt wird.— M. 100. Die HSIste. Antrag bi» längstens Ende Dezember an den Magistratskommissar sür Jnvalldenverstcherung. Am Köllnischen Park 8.— E. St. 25. New.— 8. R. 100. Zwecks Beitreibung an den beigeordneten Anwalt, im übrigen an die Armenvcr- waltung.— A. K., Spandau. I. u. 2. Eis Mr.— E.«. 10. Sechs Wochen zum Quartal.— R. 84. Ja.— iS. L. 68. Amtsgericht Ehar. lottenburg, falls das Objekt 600 M. nicht übersteigt j bei einem höheren Objett Landgericht III, im letzteren Falle durch emen bei diesem Gericht zugelassenen Rechtsanwalt.— A. Croll, Stendal. Ihr Telegramm hat berests w Nr. 264 des»Borw.* unter Parteinachrrchten Ausnahme gesunden. l�ui- sowsit Voi-rst! □n Posten Herbst-Kostüme aus guten Stoffen, englischer Art, modern verarbeitet, Jacke auf Halbseide gefüttert............... M. Ein Posten Hocheleganter ider um Kostüme aus ersten Modell-Häusern sowie aus eigenen Ateliers stammend,— Ohne Rücksicht auf den früheren Wert Jetzt bedeutend unter Preis Eleganter Plüsch-Mantel Eleg. Flausch- Abend-Mantel prima Velours du Nord mit elegantem Handarbeit-Passe- mentorle- Kragen, auf Seide gefüttert...... M. 108 Berlins Deutschlands gröBfes Spezial-Haus für Damen-, Kinder- u. Putz-Konfektion Oranien-Platz l» rnodtm. Farben. prima Stoff» mit «l«a. 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Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß der.Verband deutscher GastwirtSgehilsen' und der „Gastronomische Gehilsenverband' nichf identisch sind. Vorstand. V orzngs- Offerte Um eine bessere Verteilung vorzubereiten, rate ich meiner Kund- schast, ihren Bedarf schon jetzt zu machen. Großes Aussehen erregt ein Weihnachtsbaum mit meinem wÄtbelannten 1397b (Zlas- Qu'istbaiimscknuiclc. Auswabl I mit 320 Stück in nur besseren, Hochmodemen, vornehm sortierten Neuheiten, aus erster Hand als: Alle Sorten Edelobst, Kugew und Eier mit Edelweiß, Vergiffmeinnichten und Maiblumenbukett, Kugel- girlanden, Fruchtkörbe mit Trauben und Goldäpsel, Ritolaus im Schnee, schöne Lyra. Wickelkind in Rosa. Goldfische, Spiegelreflekloren. 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Zufällig hatten den Angeklagten in einem Eisenbahnzuge zwei Schwestern kennen gelernt, die in ihm irrtümlicherweise einen alten Bekannten be- grüßen zu können glaubtem Der Angeklagte, der sich damals Ernst v. Stauffenberg nannte, fand Zutritt zu der Familie der beiden jungen Mädchen und verkehrte mehrfach in deren Wohnung. Als sich die ältere Schwester verheiratete, erhielt sie gleich am Hochzeits- tage einen anonymen Brief, in welchem sie von einem Unbekannten zur Hergabe einer Geldsumme aufgefordert und ihr angedroht wurde, daß bei Nichterfüllung des Gesuch»„ihr bißchen Ehre" durch einige pikante Geschichten leichl zertrümmert werden könnte. Die junge Frau, die sich in moralischer Beziehung absolut nichts vorzuwerfen hatte, war durch den anonymen Briefschreiber natür- lich stark beunruhigt, legte aber den Brief einfach 26 acta. Als jedoch nach einiger Zeit ein zweiter Brief ähnlichen Inhalts ein- traf, machte sie ihrem jungen Gatten Mitteilung von dem Vor- gefallenen, und beide fahndeten eine Zeitlang vergeblich nach dem Briefschreiber. Inzwischen hatte der Angeklagte, auf den nicht der geringste Verdacht fiel, in der Familie weiter verkehrt, hatte mit der jüngeren Schwester verschiedentlich Vergnügungen besucht und war dann einige Zeit nach Hamburg gegangen. Als er wieder zu- rückgekehrt war und hier keine Arbeit fand, erhielt die jüngere Schwester einen solchen Erpresserbrief, mit- der Anweisung, das verlangte Geld zu einer bestimmten Stunde nach dem Wartesaal auf dem Anhalter Bahnhof zu bringen. Die junge Dame begab sich auch dorthin und stieß auf den Angeklagten, der angeblich zufällig dort weilte. Sie sagte ihm nun auf den Kopf zu, der Schreiber des Briefes zu sein, er leugnete zuerst, gab dann aber zu, den Brief wirklich geschrieben zu haben und drückte sein Bedauern darüber aus. Als die beiden noch verhandelten, erschien nach Verabredung der Ehemann der älteren Schwester auf der Bildfläche und ließ den Angeklagten seswcljmen. Es lag nun die Vermutung nahe, daß er auch die andern Erpresserbriese habe schreiben lassen. Da er aber leugnete und auch nicht überführt werden konnte, weil es sich um verschiedene Handschriften handelte, so blieb nur der«ine Fall der versuchten Erpressung übrig. Mit Rücksicht auf die beson- dere Schamlosigkeit, die der Angeklagt« an den Tag gelegt, ver- urteilte ihn der.Gerichtshof zu einem Jahre Gefängnis. Erntefest in Reinickendorf. Jene furchtbare Brandkatastrophe, die sich bei einem Erntefest ereignet und den Tod eines Kindes zur Folge gehabt hatte, hat zu einem Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fu- ragehändler Hellmut Wendt aus Reinickendorf geführt. Dieses hat jetzt eine überraschende Wendung genommen. Wie seinerzeit ge- meldet, hatte der Bürgerverein ReinickendorftWest am 3. September dieses Jahres, einem Sonntage, ein Erntefest veranstaltet, bei welchem ein großer Umzug unter Vorantritt eines Musikchors stattfand. In dem Zuge befanden sich mehrere mit Heu und Stroh beladene Wagen, auf denen sich die Kinder nach Herzenslust tummelten. Die allgemeine Freude und Lustigkeit wurde plötzlich durch einen durch die Unvorsichtigkeit eines der Beteiligten herbei- geführten Unglücksfall jäh unterbrochen. Aus einem von Kindern desetzten Wagen züngelten plötzlich große Flammen hervor und im Nu standen die einzelnen Strohgarben in hellen Flammen. Die erwachsenen Personen retteten sich durch schnelles Abspringen, wäh- rend unter den Kindern eine furchtbare Panik entstand. Der Maurer GorgiuS hatte die Geistesgegenwart, mehrere Kinder aus den Flammen hervorzuziehen, er sprang dann, als er glaubte, daß sich niemand mehr auf dem brennenden Wagen befand, von diesem herunter. Als dann die Trümmer des Wagens zusammenfielen. bemerkte man zum allgemeinen Entsetzen, daß sich noch ein Kind in der glühenden Lohe befand. ES war dies der 3jährige Fritz Kubick, der noch wenigen Minuten infolge der furchtbaren Brand» wunden verstarb.— Die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen an, die dazu führten, daß gegen den Führer des Unglückswagens, den Furagehändler Wendt. ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung anhängig gemacht wurde. Die Fahrlässigkeit des W. sollte darin liegen, oaß er entgegen eines ausdrücklichen Verbots auf dem Wagen geraucht hatte. Wendt bestritt jede Schuld und ließ den Beweis dafür antreten, daß nicht er, wohl aber verschiedene andere Personen, die sich auf dem Wagen befunden hatten, geraucht hatten. Außerdem wurde der Nachweis dafür geführt, daß die Achsen des Wagens, der direkt aus der Schmiede gekommen war, sich heiß ge- laufen hatten, da die Wagenschmiere infolge der seinerzeit Herr- schenden Hitze eingetrocknet war. Da die Möglichkeit bestand, daß sich die Papiergirlanden des Wagens an den heißgelaufenen Achsen entzündet hatten, wurde von der Verteidigung des W. der Antrag gestellt, das Versahren gegen ihn einzustellen, da er hierfür nicht verantwortlich zu machen sei. Das Gericht entsprach diesem An- trage und stellte das Verfahren gegen Wendt ein. Die Ehre eines toten Schwindlers. Vor zwei Jahren vergiftete sich der konservative„Ehrenmann", Kaufmann und Sparkassenrendant Brüggcmann in Scksiitmar (Lippe), kurz nachdem ihm die größten Schwindeleien nachgewiesen worden waren. Er hatte 1l), IS Jahre hindurch unter dem Deck- mantel seiner Frömmigkeit und konservativen Wohlanständigkeit große Unterschlagungen verübt, deren Gesamtbetrag mehrere hunderttausend Mark ausmachte. Nach seiner Entlarvung bean- tragte der Ziegeleibcsitzer Quent in Schötmar die Wiederaufnahme eines Bcrfahrens, in dem er vor 12 Jahren wegen Beleidigung Brüggemanns zu 600 M. Geldstrafe verurteilt worden war. Er hatte die Schwindlernatur des allgemein geachteten„Ehrenmannes" schon in den neunziger Jahren erkannt und ihm in berechtigter Eni- rüstung vorgeworfen, er, Br., sei aus lauter Lügen zusammen- gesetzt. Das Gericht glaubte damals diese resolute Charakterisie- rung mit jener schaueren Geldstrafe ahnden zu müssen, indem es davon ausging, daß ein so geachteter Mann ganz energisch vor Verunglimpfungen geschützt werden müsse. In dem Wiederauf- nahmeverfahren sprach kürzlich dasselbe Gericht ein freisprechendes Urteil aus. Damit war aber die Staatsanwaltschaft nicht cinver- standen, sie legte Berufung ein und begründete diese in der Ver- Handlung vor dem Landgerichte Detmold mit dem Hinweise darauf, daß man eine solche Bele'digung auch einem Menschen wie Brügge- mann nicht zufügen dürfe, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Eine Geldstrafe von SV M. wegen formaler Beleidigung sei durch- aus am Platze. Dem Landgerichte ging dieser Formalismus aller- dings zu weit, es bestätigte das frclsprechendc Urteil des Schöffengerichts und belastete die Staatskasse mit den Kosten der verun- glückten Aktion, weil der Beweis der Wahrheit in vollem Umfange erbracht sei, mit anderen Worten, an der Lügenhaft'gkcit des toten Schwindlers nicht mehr gezweifelt werden könne. Der Weddingprmeß vor dem ReiMgericht Am Freitag verwarf das Reichsgericht die Rev'sion gegen das im Weddingprozeß am 2S. Januar gefällte Urteil. In der Revision war im wesentlichen die Ablehnung von Beweisanträgen gerügt. Versammlungen. Gehaltsaufbesserung der Antvaltsangestellte« forderte eine öffentliche Versammlung, die der Verband der lyureauangestellten am Tonnerstag nach den„Arminhallen" be- rufen hatte. Der Referent. Genosse Ströbel, zeigte, daß die gegenwärtige Teuerung hauptsächlich durch die volksfeindliche Wirt- schaftspolitlk der Regierung veranlaßt ist. Dann beleuchtete er an der Hand einer vom Verbände aufgenommenen Statistik die Ver- Hältnisse der Rechtsanwaltsangestcllten. Danach haben von 1284 Angestellten in Berlin(darunter 207 Lehrlinge und 387 weibliche) folgende Monatsgehälter: S74 Angestellte unter 50 M., 396 Angestellt- 51 bis 100 M.. 159 Angestellte 100 bis 125 M.. 140 Angestellte 126 bis 150 M.. 127 Angestellte 151 bis 200 M.. 88 Angestellte über 200 M. 66 Proz. der männlichen und 72 Proz. der weiblichen Gehilfen verdienen weniger als 100 M. im Monat und 31 Proz. der Bureauvorsteher verdienen nicht einmal 150 M.— Der Referent sowie die Diskussionsredner betonten, daß so niedrige Gehälter schon unter normalen Verhältnissen nicht ausreichen, an- gesichts der ungeheuren Teuerung aber als völlig ungenügend an- gesehen werden müssen. Eine Aufbesserung sei dringend not- wendig, doch dürften die Angestellten nicht vergessen, daß nur durch die Organisation durchgreifende Verbesserungen zu erlangen sind. — Die nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme: Die Versammlung erkennt den Verband der Bureauangestellten als alleinigen Vertreter ihrer wirtschaftlichen Interessen an. Die Berliner Ortsverwaltung des Verbandes wird beauftragt: In der Erkenntnis, daß die Besoldung der Angestellten unter Berücksichti- gung der ungeheueren Steigerung der Lebensmittelpreise zur Be- streitung einer menschenwürdigen Lebenshaltung nicht ausreicht, und in Anbetracht der erheblich erhöhten Einnahmen, welche die Rechtsanwälte durch die Auslagenpauschalierung erlangt haben, von den in Groß-Berlin praktizierenden Rechts- anwälten eine Gehaltsanfbesserung von 15 Proz. für alle Angestellten zu fordern. Ferner wird die Ortsverwaltung des Verbandes beaustragt, unbeschadet der Forde- rung auf Einführung einer achtstündigen Arbeitszeit, auf Durch- führung des Beschlusses des Anwaltvereins, betreffend die Ein- führung der 8�stündigen Arbeitszeit, zu drängen.— Die Versammelten verpflichten sich, für Ausbreitung der Organisation zu sorgen._ Weltpolitik und Heimatpolitik. Den großen Saal deS Eaf6 Gärtner am Bahnhof Bellevue füllte am Freitag eine von Frauen und Männern zahlreich besuchte Versammlung, die dem Vortrage der Genossin Klara Zetkin über Weltpolitik und Heimatpolitik lauschte. Es war eine von den Genossen des ersten Wahlkreises einberufene Wählerversammlung, und die starke Teilnahme der Frauen bewies wieder einmal, daß auch sie sich eigentlich als Wähler fühlen, wenngleich sie es ja noch nicht sein können. In ihrem fast zweistündigen Vortrage gab die Rednerin in packenden Worten, jedoch gegründet auf Wissenschaft- licher Erkenntnis der Tatsachen, ein Bild von dem Wesen der Welt- Politik, ihren Zusammenhängen mit dem Kapitalismus und mit der inneren Politik sowie von ihren Folgen für das Volk und das ge- samte ausgebeutete Proletariat, das— soviel man auch bemüht war, eS zu widerlegen— doch der Verelendung anheimgegeben wird. Die Rednerin wies hier namentlich auf die ungeheure Zu- nähme der Berufsarbeit verheirateter Frauen hin. Scharf und in Worten voller Entrüstung geißelte sie die Kriegshetzereien, wie sie in der bürgerlichen Presse und jüngst in der Brandrede Heydebrands zutage getreten sind, erwähnte auch die entsetzlichen Greueltaten in Tripolis, verschwieg jedoch nicht, daß andere sogenannte zivili. sierte Staaten, und nicht zum wenigsten Deutschland, sich ähnlicher Greuel schuldig gemacht haben, und daß die Grundursache davon die kapitalistische Weltwirtschaft ist, die, weil den ausgebeuteten Massen im eigenen Lande die Kaufkraft für die von ihnen produzierten Waren vorenthalten wird, auch die abscheulichsten Mittel anwendet, neue Absatzgebiete zu erobern. Auf sie Manifestation des Kronprinzen im Reichstage eingehend,-erinnerte sie daran, wie jener zunge Mann und Manschettenknopferfinder seinerzeit von den Elenden redete, daß aber diese„Elenden" am Webstuhl der Zeit sitzen, das strahlende Kleid der Zukunft zu weben. Die Rednerin schloß mit einem zündenden Aufruf zum Wahlkampf und zum Kampf gegen die gesamte bürgerliche Ordnung, für die Demokratie im vollsten Sinne des Wortes, deren Konsequenz die republikanische StaatSform ist.— Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage meldeten sich Gegner trotz aller Ausforderung nicht zum Wort. Es sprach dann der Kandidat des KreiseS, Genosse W i l- Helm Düwell, der in kurzen, aber packenden Worten den Lug und Trug geißelte, der mit dem Geschwätz von nationaler Ehre und Christentum getrieben wird, auch die kriegshetzerische Wahlmache des Heydebrand und seiner Helfershelfer erwähnte und wie folgt schloß: Wir dürfen es nicht dulden, daß diese verrottete Gesellschaft noch weiter ihr Spiel treibt. Die Junker sind nichts anderes als Ausbeuter, und die Heiligen nichts als die Himmelsgendarmen, die diese Ausbeuter schützen. Nichtswürdig wäre die Arbeiterschaft, wenn sie sich solch Treiben ruhig gefallen lassen wollte. Darum auf zum Kampf gegen die ganze ausbeutende bürgerliche Gesellschaft! — Der Vorsitzende, Genosse Täterow, ermahnte zu eifrigster Tätigkeit für die Wahlen und forderte zur Massenbeteiligung an der Sonntagsversammlung, die für den ersten Kreis bei Dräsel in der Neuen Friedrich-Stratze stattfindet, auf. Die Versammlung schloß mit Hochrufen auf die Partei. Zentralverband der Dachdecker. Die Verwaltungsstelle hielt am Sonntag ihre Generalversammlung ab. Nach einem mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Wissel über:„Tie Rcichsversicherungsordnuny" erstattete der Kassierer den Kassenbericht. Bestand vom 2. Quartal 1911 2 074,18 M., Einnahmen und Bestand insgesamt 13 054,73 M., Aus- gäbe 9366.37 M.. Bestand zum 4. Quartal 1911 3688.36 M. In der Diskussion wurde ein Posten für Reinigung des OrtS- burcaus, das der Zentralvorstand eingerichtet hat. bemängelt. Es wurde gesagt, wenn die Zentrale ein Bureau einrichte, möge sie auch die Kosten dafür tragen. Ein Antrag zu dieser Sache wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Von dem Bestand der Filialkasse in der Höhe von 3688,36 Ä. wurde aus Vorschlag und Antrag von Görnitz beschlossen, 1000 M. in den Reservefonds überzuiführcn. Eine kurze Debatte löste die Frage aus, wie der Vorsitzende von dem Adrcssenkchreiben und dem Versand des Fachorgans ent- lastet werden könnte. Tie Versammlung überließ die Regelung dieser Angelegenheit dem Vorstand, der Mittel und Wege finden werde, wie die Frage zur Zufriedenheit der Kollegen gelöst werden kann.— lieber die Firma W e r n i ck e, Habsburger Ufer, brachte ein Arbeiter Klagen vor. Die Schutzvorrichtungen ließen zu wünschen übrig, wer auf Durchführung der Schutzvorrichtungen dringe, werde entlassen. Nach Erledigung interner Angelegenheiten war die Ver- sammlung zu Ende. Zentralvcrband der Zimmerer. Z ah l st e l l e B e rl i n. Der Zahlstcllerwcrsammlung, d'e am Donnerstagabend im Gewerk- schaftshause stattfand, lag die Abrechnung vom 3. Quartal 1911 vor. Die Zentralkasse bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 32 045,28 Mark. Als Arbeitslosenunterstützung zahlte die Zcntralkasse 674,80 Mark ans. Die Bilanz der Lokalknsse zeigt die Summe von 70 334.83 M. Als Zuschuß zur Arbe'tslosenunierstützung zahlte die Lokalkasse 188 M. aus. Am Scblusse des 3. Quartals 1911 zeigte die Lokalkasse einen Bestand von 86 t 14.69 M. Die Zahl der Mit- gliedcr der Zahlstelle betrug zur gleichen Zeit 2821.— Der Vor- sitzende Witt hielt dann den Versammelten einen Vortrag über „Gewerkschaftliche Tagesfragen". Der Redner machte darauf auf- merksam, daß die Unternehmer im Baugewerbe einen großen An- griff auf die Gewerkschaften der Bauarbeiter für das Jahr 1913 vorbereiten. Die Unternehmer rüsten unausgesetzt und sammeln einen„Wchrschatz" von einer Million Mark an; sie versuchen, die Stein- und Holzlieferanten für ihre Zwecke zu gewinnen; sie streben eine Zentralisation der verschiedenen Verträge, die mit den Bau- arbeitern aller Kategorien abgeschlossen werden, an; sie fordern dazu auf, keinen Vertrag über den 31. März 1913 hinaus laufen zu lassen; sie treffen alle Maßnahmen, die sie für nötig halten, um die Organisation der Bauarbeiter mit einem großen Schlage zu vcr- uichlen.— Wie die Arbeiter diesen Gefahren begegnen können, welche Pflichten sie wirtschaftlich und politisch haben, um den Kapi- talisten auch im Baugewerbe die geschmiedeten Pläne zu zerstören, das zeigte der Redner den Versammelten in längeren Ausführun- gen, wobei er natürlich das Zimmerergewerbe und besonders in Berlin, in Betracht zog. Neben der Aufforderung, die Organisation zu stärken und die Tarifbestimmungen, wie den jetzt geltenden achtstündigen Arbeitstag innezuhalten und überall zur An- erkennung zu bringen, machte er bestimmte Vorschläge in bezug auf die Stärkung der Stoßkraft des Verbandes, die eingehend diskutiert wurden,_ Hus aller CHclt. Von den Edelsten und Kesten. Die frivole Kriegshetze, die Herr von Heydebrand«18 Sprecher der Junker im Reichstag getrieben, legt eS nahe, einmal an der Hand der Geschichte nachzuprüfen, welche„Segnun- gen" Krieg und Junkertum in der Vergangenheit über das Volk gebracht haben. Von den Junkern nach dem dreißigjährigen Kriege entwirft der konservative geachtete Historiker Gustav Freytag (wie wir dem im Vorwärts-Verlag erschienenen Werk:„Wider die Pfaffenherrschaft" entnehmen) folgendes Bild: „Ohne Zweifel führte in der schwachen Zeit seit 1648 das be» haglichste Leben der wohlhabende Sproß einer alten Fa- milie, welcher größere Güter sein Eigentum nannte und durch alte Verbindung mit Einflußreichen und Regierenden geschützt war. Seine Söhne erwarben einträgliche Hofämter oder höhere Offiziers stellen, auch die Töchter, gut ausge- stattet, vergrößerten den Kreis seiner„Freunde". Neben diesen wohlsituierten Adligen gab es freilich auch zahlreiche Verarmte, die ihre Kriegsbeute ebenso rasch durchgebracht hatten, wie sie erworben worden war.„Solche Verarmte ritten in Koppeln von Hof zu Hof. als lästige Schmarotzer fielen sie in der Nachbarschaft ein. wo auf einem Gut ein Fest gefeiert wurde, wo sie Vorräte in Küche und Keller witterten. Wehe dem neuen Bekannten, den sie an drittem Orte kennen gelernt hatten; sie waren sogleich bei der Hand, ihn auf einen oder acht Tage zu begleiten. Wo sie eingefallen waren, kostete es die größte Mühe, sie fortzubringen. In ihrem Umgange nicht wählerisch, tranken und rauften sie wohl mit den Bauern in der Schenke... wenn sie einmal nach der Stadt kamen, lagen sie in den schlechtesten Herbergen, ihre Sprache war roh, voll Stallausdrücken und Flüchen; von den Gebräuchen der Gauner war ihnen Bedenkliches in Rede und Gewohnheiten übergegangen, sie rochen mehr nach ihrem „Finkeljochem", als für andere angenehm war; sie selbst waren Lumpe, bei aller Raufsucht ohne festen Mut, sie wurden allge. mein für eine Landplage gehalten und von solchen, welche etwas zu verlieren hatten, mit Schmeißfliegen verglichen... aber sie waren bei alledem hochmütige, durchaus aristokratisch gesinnte Gesellen." Allmählich fanden diese Krippenreiter ein Unterkommen. Schon damals übte der adlige Bettler den Brauch, sein Wappen durch Heirat mit einer reichen Bürgerlichen neu zu ver» golden. Sehr groß war auch die Zahl der Benefizie» und Prä- benden, der Sinekuren und arbeitslosen Stellen in Kapiteln und Orden, in denen sich adlige Hungerleider gründlich hevansfüttern tonnten. Gewaltig war auch die Zahl der zu vergebenden Hof» chargen, die ihren Mann bequem ernährten. ES gab wohl fünf- bis sechshundert Hofhaltungen in Deutschland, dazu fünf» zehnhundert rcichsritterschaftliche Häuser, also sicher weit mehr als fünftausend Hofämter und Chargen. Aus den wüsten Krippen- reitern mit ihrem St-clljargon wurden parfümier,«, fran» zösisch parlierende Hofschranzen. Sie kamen dadurch freilich in Gefahr,„so niederträchtig zu werden, daß die Gemein» heiten der armen Krippenreiter dagegen als Tugenden erschienen". ES war die Zeit,„wo die adlige Mutter ihre Tochter mit Freuden selbst in die Arme eines liederlichen Fürsten führte, und wo der Hofmann seineGattindem Fürsten gegen Bezahlung überließ". Den Unterhalt aber für diese Drohnen hatte zur Hauptsach« die ärmste und geplagteste Volksklasse aufzubringen: der Bauern» stand. Ihn schlug der junkerliche Gutsherr in immer tiefer inS Fleisch schneidende Fesseln. Vier Fünftel der deutschen Bauern wurden unter das Joch der Hörigkeit gebeugt. Der Bauer zahlte den Zehnten von all seinen Erträgnissen. Oft hatte er ihn doppelt zu zahlen, erst für den Gutsherrn, dann für den Geistlichen. Auch bei Besitzveränderungen hatte er dem Guts- Herrn zu steuern. Wollte das Kind eines Hörigen zum Hand» werk oder einem anderen Beruf übertreten, so mußte er mik schwerem Geld« freigekauft werden. Kein Bauer durfte ohne Vorwissen des Gutsherrn über Nacht aus dem Dorfe bleiben. Viel schlimmer als die direkten Abgaben waren die Hand» und Spanndienste, die sich oft so häuften, daß den Bauern selten ein Tag zu eigener Arbeit übrig blieb. Auch Weib und Kind waren fronpflichtig. Der Bauer war verpflichtet, seinem Herrn bei Gutsbauten unentgeltlich mit seinem Gespann alle ge- wünschten Dienste zu leisten. Er mußte für ihn Botengänge machen. Er hatte der Reihe nach die N a ch t w a ch e für den Edel» hos zu stellen. Er war verpflichtet, bei den Jagden seiner Herrschaf» Treiberdienste zu leisten. Dafür verheerte ihm daS massenhafte Wild seine ärmlichen Saaten. Wehe ihm, wenn er sich des Wildschadens eigenmächtig zu erwehren suchte! Nicht einmal Zäune durfte er aufrichten, damit die Hirsche und Sauen des Gutsherrn sich reichlich sattsressen konnten! Bei der Hetzjagd ging der Troß mitten durch die Saaten. Sogar die Hasenjagd verdarb dem Bauer die Felder, seitdem die Reiter mit Windhunden die Saaten durchstöberten und zerstampftenl Männerstolz vor... Prinzenwillen. Einem D a n z i g e r Dicblerling scheint es zu Kopfe gestiegen zu sein, daß Wilhelm II. seine» Acltesten auf einige Zeit nach Da»zig schickte und ihn dort mit dem Kommando des Leib- Husoren-RegimentS betrau! hat. In Danztger Papierläde» wird feit dieser Zeit eine Ansichtspostkarte gehandelt, die außer dem Bildnis des Kronprinzenpaares auch die Villa wiedergibt, tn der die jungen Leute Quartier genommen haben. Unter dem ganzen finden sich folgende schaurig-schöne Verse: In ferneren Tagen noch wird man sagen: Hier nahm Quartier als Reiteroberst, ' Eh' Krön' ihn schmückte und Sorge drückte, Der Deutsche Kaiser Wilhelm der Dritte In seine» treuen Volles Mitte. Mit den Sorgen ist es eine eigene Sache. Wir mochten bei „Kaiser Wilhelm dem Dritten" nicht anfragen, ob er aller Sorgen lob und ledig von seiner letzte» Berliner Reise ins gesähr- liche Land der Politik nach D a n z t g zurückgekehrt ist! Kleine Notizen. Folgenschwerer Erdrutsch. Während der Ausführung von Schalt- arbeiten in K v n i g s h ii t t e sOb.-Schlei.) erfolgte am Freitagnach- mittag durch plötzlich austretendes Grundwasser ein Erdrutsch. Die Erdmassen verschütteten vier Arbeiter. Von diesen wurden. Ivie die ausführende Gesellschaft bekannt gibt, drei teils schwer, teils leicht verletzt geborgen, während nach dem vierten noch gesucht wird. Lebendig verbrauiit. Als die Frau des Besitzers Sirko in S u tv a l k i(Russ. Polen) mit offenein Licht den Keller betrat, in dem Aether lagerte, erfolgte eine Explosion. DaS Haus ging in Flammen auf. Das Ehepaar Sirko und ihr drei- jähriges Mädchen sind verbrannt, mehrere Personen wurden verletzt. Wetterprognose für Sonntag, den 12. November 1911. Zunächst etwas kühler, viclsach heiter, bei mäliigcn südlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung und Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterb urcau. Wäschetag einzig durch Freudentag % Pfd.-Paket nur 25 Pf. 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November, nach- miltags 3 Uhr, von der Halle des Zions-ZUrchhoseS in Nordend« Niedcr-Schönhauscn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/18 Ter Vorstand. llevlLeiier Bauarbeiter-VerbaDd Zweigvercin Berlin. Am 9. November verstarb unser langjähriges Mitglied Karl Wendt (Bezirk Rlxdois). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mon« tag, den 13. November, nachm 3 Uhr, von der Halle des neuen Rixdorser Gemeinde-FriedhoseS, Mariendorser Weg. aus statt. Um rege Beteiliaimg ersucht Idei- Vorstand. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß am S. November der Kollege Karl Großmann (Bezirk Norden 11} verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. November, nach- mtttags 3 Uhr, von der Halte dcS neuen ZionS. KirchhoseS in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 110/20 Der Vorstand. mm Sozialdemokrat Wimm Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach. richt, dah unser Mitglled, der Gastmtrt KspI Wandt Herrsurthftr. 27 verstorben ist. Chrc feinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 13. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Nixdoiser Gemeinde- Friedhofes, Marieudorjer Weg, aus statt.' Um rege Beteiligung ersucht Ider Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschfands. cnsvermaltung Rixdorf. Todesanzeige. Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht, die Mitglieder von dem Hinscheiden«»scrc» Kollegen Karl Wendt in Kenntnis zu setzen. Ehre i einem Slndenke» k Die Beerdigung sindet am Montag, den 13 November. nachmiilagS 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Ge- meindc-Friedhrses(Mariendorser Weg) aus ftait. Rege Beteiligung erwartet S1/S Tie Lrtäd, rwaltung. „SWcr vormittags 7y, Uhr vedchled nach kurzem. schivercm Leiden mein lieber guter Mann, unser irenlorgender Vater, der Zigairensabrikant alullus Nsppe im 57. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Wlllielmiuo Koppe nebst Kinder». Die Beerdigung sindet am Montag, den 13. d. M., nach. l mittags 2'lt Uhr, von der Leichen- I halle des Zeniral-FricdhoseS in I Friedrichsfelde aus stait. S57L 8g!ialllemokraliSl:!iei'Viat!!?emi! äes 0. Bert. RÄtogs-�aiilkrelses, Todesanzeige. Am 9. November verstarb unser Genosse, der Buchdrucker Ulbert Brandt (Island str. 3), ehemaliger Aüteilinigssührer der Nosenthalcr Vorstadt. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 12. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pavpri- allee, aus statt. 232/15 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale GroO-BcrUn. Durch den Tod ist uns unser Mitglied, der Kollege Ferdinand Unger (vom Nöhrenshstem der städtischen Gaswerke) entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes i Andenken bewahren. _ Die Bestattung findet heute Sonntag, den 12. Nooemer, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Pius« Gemeinde in I Wllhelmsberg- Neu- Hohenfchön- Haujeu, Berliner Slraxe. aus statt. Die Ortsverivaltung. Verband deutscher Gaswirtsgetiiiten (OrlSverwaltung Berlin I). Am 9. November verstarb nach langem Leiden an der Lungen- schwindsucht unser Mitglied Albert Alansice im Sllter von 38 Jahren. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 13. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des FrtrdhoseS der Zions-Ge- meinde, Nordend, aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht 299/3 Der Vorstand. Deutscher Iranspcrtarbeiter- Verband. Bezirksverwaitung Groß ßerlin. Den Mitgliedenr zur Nachricht, batz uiiser Kollege, der Droschken- sährer SS/3 Gtto Kunack am 8. November im Aller von 15 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Slndenkeu! Die Beerdigung sindet am Montag, den 13. November. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS AiiserslehungS- Kirchhofes in Reihensee auS statt. Tie Bezirksverioaltung. mm naiii am iisaa. um« Verband der Sattler und Porfefeuüler. 0rt8S,.,unfl Den Kollegin hiermit zur Nach- rtlbt, dah unser Mitglied, der Mililärjaltler tldsrl UlovsKI (Werkstatt Gomlich) verstorben ist. Elire seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 11. d. M,s.. nach- miltags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» GHisstu«- Kiichhoses Mariendors, Lichtenrader Chauvee. aus statt. 0w 0r«»»er»aItunz. Geutscber Metallarbeiter-Verband Vernaltungtitolls Barlin. Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Ncv.-Dreher WSlli Schwarz am 8. November gestorben ist Ehre feinem Andenke» k Die Beerdigung sindet heute Sonntag, den ,2. November nach. mittags 3>/. Uhr von d« Leichen- balle de« Golgalha-KirhoseS, Bar- fusftratze. aus statt.. Ncgc Lclclljgung'rw°rti1 126/2 Dieörtsverwaltuna. Danksaqnng. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben vtt« sage ich allen oieinen herzlichsten Dank., Frau A. Stancck nebst Angehörigen. Sozialdeiokrat Waiilverein Mariendorf. Am Mittwochabend starb plötzlich, vom Zablabend heimkehrend, un- i scr Genosse Franz Scholz I | im 42. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet heute f Sonntag, nachmittags'Iß Uhr von der Leichenhalle des Marien- dorser Friedhofes, Fricdenstrage, I aus Natt. Um rege Beteiligung ersucht 201/6 Ter Vorstand. I Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. (Bezirk Ober-Schöneweide.) Am 9. November verstarb unser l Kollege, der Arbeiter Kanl BuMack. Ehre feinem Andenke». Die Beerdigung sindet heute Sonntag, den 12. November, nach- I mittags 3 Uhr, von dcrLcichcnballc I des Gemeinde Friedhofes in Ober- s Schöncweide auS siatt. 15l7b Zahlreiche Beleiligung crwarlet Bio Bezirksieiiiing. I Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Am Freitag, den 10. November, verstarb unser Mitglied Jßiianu Elirüclier. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am. Montag, den 13. November, nach-! mittags 4 Uhr, von der Leichen-� Halle des Zcntral-JricdhoscS ist | Friedrichsseltn: allS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I 61/9 Bio Brtsvernaltuvg. Nach langen, schweren Leide» I verschied am Freitag, den 10. No- nemver, meine liebe Frau, unsere I liebe Mutter �tarie Kasten geb. Kennig. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Hcilaiids-Kirchhoses, Plötzen- see, auS statt, Oeorz Kasten u. Kinder. Sparvereiii„Wir Schalten s dfleb". Am 10. November, vormittags 10'/» Uhr, verschied»ach lange», schweren Leiden unser Mitglied Frau Marie Kasten im 32. Lebensjahre. Die Beerdigung sindet am Moniag. den 13. November, nachmittags 3!/i Uhr, von der Salle des Heilands-KirchhoseS, Plötzen- see, auS statt. Ter Vorstand. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 11. No- veinber, verschied nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau ICiara Kunath im 33. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an der > irancrnde Gatte filnx Ikuaath und Tochter. Die Beerdigung findet am Dienkiag. oen 14. d.«.. nach. I mittags 2 Uhr, von der Leichen« I Halle des neuen Nihdorscr Gc- I mcindesricdhoscS am Mariendorser I Weg, aus ftait. Datttsaguttg. Allen denen, die unsere» lieben Tohn Kau* Xoppe zur letzte» Nuheslölte geleitet bavc». sowie slir die edlen Kranzspenden, iiisbesondere der Firma des Hmm Hosiieserantc» . Kunze nebst Personal, sowie der 1 Firma Berliner sagen wir hiermit unseren licsgesühltef'en Dank. 171/3 ftumlie Neppe, Görlider Str C7. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung des Gastwirts Max Schütte wgen wir allen Betelliglc». insbeson- dere dem GaslwirtSvcrcii: und dem Wabloerein, unseren innigilcn Dank. Bi» trauernden Hinte- hllebenen age hiermit allc'i�elclligten, solvie Gängen, und Herrn Waideck Da Sa den Sängciai und Hc, Mana'ie dei der Beerdigung meiner lieben Frau meinen herzlichsten Dank. Im Namen der ynnlerbiiebeiien: Franz Ratiike. Töpscr, 656a Ezarnikauerstratze 221. nicht bei Jnkrasiircten der Reich. versichcruiigsordimiig Neuwahlen stattfinden müssen) sür die ausschei- denden Vorstandsmiiglieder: e) von den Arbeitgebern die Herren Bnsell und Völdcr, d) von den Kasscumitgsiedcrn die Herren Sehnig. Linde, Si- manowski und Vogel. (Die Wahlen tinden in besonderen Wahlaängcn statt.) 3. Wahl des Ncchmmgs-PrüsimgS- aiiischusseS. 4. Bericht über die im Vorjahre beschlossene Aenderuiig der FS 37. 63 des Knsscnstatuts. 5. Beratung über den Antrag aus Zulassimg einer besonderen Orts- Krankenkasse nach Inkrafttreten der neuen NcichSvcrsichcrimgSordmmg. Die Einladungskarte gilt als Legi- timation, 14775' Berlin, den 12. Nov. 1911. Dor Vorztand. A. Daciine, C. l-elinlg, _ Vorsitzender.(Schriftführer. Be&andlang der meisten Haut- und Melnleiden •hn» Operation, ohne Berufs- «türung. last schmerzlos"> Dr. Struhl s Inatltat O. in. d. tl- Berlin« Sprech. c.t 9 ia uaa PonaUf« 9— 11. �r�paRt�?�tj»��»d!umda.!ixe Bludett. Or. SimmeS Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10-8. 5—7. Sonntags 10—12. 8—4 Orks-Krimkenlmfle für das Taptiitm-Vkiverbe zu Berlin. veDepal-Versammlung der Delegierten am Donnerstag. den IG. November er., abends S'U Ulli', bei Götze. Benthstr. 21, „I ndustr!e- FeftsSle": Tagesordnung: 1. Nechnungsbeeicht. 2. Bekanntmachung der Beschliissc des Vorstandes. 3. Wahl von 7 Vorstandsiuitgliedern (5 Kasscnniitglicdcr, 2 Arbeitgeber). 4. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Jahrcsrcchntmg sür 1911. 5. Vcr- schicdencs. 280/10 Der wichtigen Taaesordnnng wegen ersucht um vollzähliges Erscheinen Tor Vorstand. I. A.: lt. lobilz, 1. Vorsitzender. Orts-Krankenkasse für Gbcr- Wmiimht. Am DienStag. 28. Rodembec. abends 6'/, Uhr, sindet im Lokale dis Herrn W a r n c k e hicrsclbst, Wil« hclmincnhosstrage 18, die Dtdeiitl. Generai-Versamfiiking der Vertreter der?lrbeitgebcr und der Kasscnmitglicder statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abänderung des § 1.dcS KassenstatutS. 3. Wahl der RechnungsprüsmigStvmmission. 4. Vcr- schirdencs. Nach der(Seueralversammlunz findet die Ersatzwahl sür die ausscheiden- den Vorslandsntttglicdcr Schneider, Schmidt und Sachse stalt. Als Legitimation gilt die Ein» ladungslartc. Ober-Schöneweide, 6. November 1911, 280/16 Ter Borstand. Sommerfeld, Wike, 1. Vorsitzender. Schristsührcr. «nmiiMe. 2M U. Anzahl, an. Herri. Lage, günst. Bcd. Kolvnie valieim, Biesdorf. Golidßs-Dfssrtk! Blee Bsrtie Prima(Zunlitiit(kein Axrninst.er) wundervolle Muster-Auswahl Größe ca. Jßr. 180/200 cm pr. Stück l//5 169 230 CM pr. Stück 2150 200 300 cm pr. Stück 3450 230/820 cm pr. Stück 4750 j 2§0/l50 cm pr. Stück 03 � 300 400 cm pr. stück 8750 tiacli auswiirls per Uachnahnie. 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(Ohne Gewähr.))(Xnchdruck verboten.) e 35 191 259 379 487 624 88 90 845 63 67 98 929 1463 636 61 76 769 842 63 64 91 93 920 98[500] §026 73 104 205 75 90 353 61 619 26 671 82 825 016 25 78 124 356 94 478 82 625 43 44[600] 653 .730 863 67 4232 311 35[1000] 85 90 633 770 933 5007[3000] 158 344 73 457 99 507 SO 637 804 82 817 6240 93 343 72 438 66 652 84 601 21 723 912 80 61 7084 194 237 41 69 74 484 542 611 49 853 59 80 8225 44 320 63 88 464 69 1506] 650 660 724 43 566 903 9403 94 686 003[1000] 23 , 10292 342 463 96 709 16 11009 18 87 177 257 15001 467[1000] 561 708 819 30 12003 20 00 398 654 1500] 97 762 13155 60 219[500] 600 32 785[3000] 808 60 945 71 14223 59 315 37 85 665 770 853 j72 925 47 13020 108 33[690] 227 403 681 747 83 B12 32 57[1000] 64 16074[1000] 163 200 67 364 [500] 413 576 92 783 17106 203 323 487 696 871 022 [18000[1009] 97 156 200 73 343 678[3000] 630 731 67 94 840 41 950 19003 90 129 202[500] 364 81 [479 90 604 78[3000! 884 20107[500] 11 90 301 423 35 74 625 38 58 774 «59 65 88[3000] 21104 93 282 96 411 67 96 549 634 40 703 21 956 22006 15 90 378 80 424 508 64 625 [566] 752 956 23020[500] 107[30091 213 67 509 51 ,701[1000] 69 24156 78 306 873 75 2 8314 68 633 '1500] 938 2 6048[500] 99 188 366 442 628 858 27994 28031 43 115 244 499 503 708 34 839 912 2 9008 13 110 34 107[3000] 294 330 486 540 68 739 73 98 «34(1000] 30118 88 362 67 99 420 90 858[1000] 31038 858 75 84 476 78[500] 99 513 717 45 883[600] 028 32053 227 62 312 565 610 742 85 33011 263 301 417 28 593 675[500] 778 85 815[600] 91 34061 188 234 478 515 633 92 743 920 60 35128 241 68 619 51 720 69 84 811[500] 933[1000] 94 3 8224 26[500] 49 96 363 467 638 058 37144 82 321 498 654 67 88 945 38322 633 758 77 920 68 39062 192 474 453 693 40005 332 35 601 685 701 28 4X163 233 88[600] «24 42209 65 05 727 828 15001 991 43043 110 213 SB 46[500] 426 816 20 35 970 44168 250 491 671 603 921[1000] 64 45051 228[500] 601 61 775 46095 113 32 243 70 73 314 438 610 62 745 929 47142 239 889 630[500] 898 48011 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Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 11. November 1911, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betretende» Nummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lot« beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 30 112 19 64 307 772 92 870 1093 508 2370 76 547 «69 97 712 72 94 809 18[1000] 906 3177 450 73 535 842 063[1000] 82 4090 231 401[3000] 651 84 640 740 824 900 81 5369[1000] 00 419 502 20 42 47 699 897 99 6109 35 61 254 830 89 025 7157 271 319 409 86 661 711 876[1000] 8094 109 236 345 416 819 871 9087 115 97 99 349 428 685 700 22 96[500] 895 1O020 136 57 201 51 443 77[600] 88[1000] 798 814 40 80 933 47 93[600] 11067 142 304 28 89 414 626 80 684 709 880 12117 72 370 418 54 65 612 27 600[600] 98 749 69 908 13 13107 17[600] 211 317 425 98 644 86 725 863 14091 132 402 29 671 751 602 40 15057 863 16036 302 56 90 662 71 688[600] 94 965 95 17252[500] 79 325 488 856 18016[500] 428 529 44 83 89[1000] 652 70 873 76 95 19350 401 75 611 751 63 814 18 66 972[1000] 98 29995 160 255 333 736 838 76 975[5000] 21094 184 463 500 796[3000] 825 22206 16 72 338 488 74 684 673 98 737 813 41[30001 75 087 23073 227 380 494 828 916 24001 66 108 13 668 738 77 995 2514S 309 656 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102022[600] IST 290 99 314[3000] 458[500] 684 775 848 53 910 19 103154[1000J 630 64 886 908 54 104183 232 321 87 467 72 97 811 793 105084 399 642 72 782 968 1 08003 169 308 85 48 472 638 892 107044 200 311 37 482 682 99» 108049 60 233 634 62 66 601 747 884 1 08904[3000] 98 219 358 94 412 63 826 1 10251 312 464 97 574 789 819 070 111089 128 252 78 80 402 8 738 871 90 004 38 112332 467 79 685 623 866 113066 203 8"l 393 628[3000] 44 647 710 881 927 75 114077 253 419 58 627[500] 638 88 721 802 70 03[600] 115203 24 69 387 82 442 82 530[500] 48 64 663 932 81 118057 65[500] 118 13000] 410 540[1000] 77 768 846 909 117028 207 64 379 438 624 61 728 38 61 118000 263 68 88 588 97« 118422 32 604 10 95 941 80 120102 270 357 74 439 643»55 784[600] 9U 121067[3000] 104 11 26 348 99 655 644 759 664 020 06 122269 76 330 97 412 99[600] 642 93 680 [1000] 90 742 834 66 949 66 123024[500] 74[6001 75 189[600] 239 471 585 711 892[1000] 124142 211 404 57 840 010 34 125078 237 439 668 631 877 128018 181 420 60 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Für den Inseratenteil verantw.t TH. Glocke. Berlin. D ruck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. VerlagZanstalt Paul Singer«.Co, Berlin SW. Nr. 266. 28. Jahrgang. 6. KcilW te„Botuirte" Ktrlim WlliÄÄ. Zamtag, l2.Nm«bttM. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Uraniavorstellung Sonntag, den t9. November:„Helgoland im Wechsel der Zeiten". Eröffnung des PhhsiksaaleS nachmittags 1 Uhr, Beginn der Vorstellung nachmittags 2 Uhr. Billetts a 60 Pf.(einschließlich Garderobe) sind noch beim Kassierer Gustav Schmidt, Kirchbachstr. Ii, vorn Hochparterre, zu haben.— Die Besucher werden höflich gebeten, recht pünltlich zu kommen. Fünfter Wahlkreis. Am Dienstag, den 14. d. Mi»., abends SVa Uhr, findet in den Logensälen. Linienstr. 12l, eine große öffentliche Volksversammlung zur Eröffnung des Wahlkampfes im fünften Kreise statt. Der Genosse Rob. Schmidt hält das Referat. Wir ersuchen um zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Treffpunkt der Borortgenossen zu de« Masse«. Protestverfaulmlvngcn. Zu den heute. Sonntagmittag 12 Uhr. in Berlin stattfindenden Protestversammlungen treffen sich die Genossen der angegebenen Bororte wie folgt zum Abmarsch: Charlottenburg. IVV, Uhr in den Zahlabendlokalen. Treptow-Baumichulrnweg. 11 Uhr m den Bezirlslokalen. Boxhagen-Rummelsiurg. 11 Uhr in den BezirkSlokalen. KarlShorft. Am Bahnhof. Abfahrt 11,10 Uhr. Rixdorf. Zu der heute nachmittag stattfindenden Urania-Bor- fiellung sind noch Billetts bei den Genossen Meier. Prinz-Handjery- Straße S. und Pfeifer, Hermannstr. 49/S0(Hoppes Festsäle), zu haben. Der Bildungsausschuß. Lichtenberg. Heute Sonntag, mittags.12 Uhr, findet im „Schwarzen Adler', Frankfurter Chcmffee S/S, eine öffentliche Wählerverfammluna statt. Tagesordnung: 1. Bor- trag des Genoffen Wilhelm Düwell. 2. Diskussion, ö. Aufstellung der Kandidaten für die zweite und dritte Wählerllaffe. Tempelhof. Montag, den 13. November, abend» 8 Uhr. von allen Bezirlslokalen: Handzettelverteilung zu der am Mittwoch statt- findenden Volksversammlung im Wilhclmsgarten. Referent: Reichstagsabgeordneter Zubeil. Ober-Schöneweide. Am Dienstag, den 14. November, abend» 8 Uhr, im Wilhelminenhof: Oeffentliche Versammlung. TageS- ordnung: Zur Reichstagswahl und die Kampfesweife der bürger- lichen Parteien. Referent: Redakteur G. D a v i d s o h n. Die Bezirksleitung. Stralau. Heute. Sonntag, früh 8 Uhr, Flugblatt- und Hand- zettelverbreitung zu der am Montag, den 13. d. M., abends 8 Uhr. in der Alten Taverne, Alt-Stralau LS, stattfindenden Wähler- Versammlung. Stieder-Schöneweid». Am DienStag, den 14. d. M., abends S'/, Uhr, gemeinsamer Zahlabend beim Genoffen Kienast. Grünauer Straße 8. Der Vorstand. Köpenick. Am Donnerstag, den IS. November, veranstaltet der Bildungsausschuh seinen 16. Theaterabend. Zur Aufführung ge- langt: Nathan der Weise. Wir weisen besonders auf die dem heutigen.Vorwärts' beiliegende Abhandlung des Stückes hin. Einlaßkarten sind vom Mittwoch ab noch beim Genossen L. Lefevre, Grünstraße, und eventuell an der Abendkasse zu haben. Schenkendorf bei Königswusterhausen. Am DienStag. den 14. November, bei Otto Paetsch: Wählerversammlung zu der am Freitag, den 17. November stattfindenden Ge- meindewahl. Tagesordnung: 1. Vortrag über Gemeinde- wahlzum Dorfparlament. 2. Aufstellung der Kandidaten. S. Mahl von zwei Genossen nach Charlottenburg. 4. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Alt- Glienicke. Am Dienstag, den 14. November, abends 8'/3 Uhr, im Lokale des Genossen Petermann. Rudower Straße 64. Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vor- trag der Genossin Lungwitz über das Erfurter Programm(Schluß- Vortrag). 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Ber- einsangelegenheiten. Verschiedenes. Der Borstand. Borfigwalde-Witteuau. Am DienStag, den 14. November, abends 8Va Uhr, im Lokal« von Richter: Mitgliederversammlung des Wahlverein«. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die nächsten ReichstagSwahlen. Reinickendorf-West. DienStag, den 14. d. MtS., abends 6'/2 Uhr, im Lokal des Genossen GördeS, Ecke Wald« und Eichbornstraße: Mitgliederversammlung deS BezirkS-WahlvereinS. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag deS Parteisekretärs Genossen Rudolf Bühler. 3. VeremSangelegenheiten und Ber- fchiedeneS. Die Bezirksleitung. NowaweS. Am Donnerstag, den IS. November, abends 8% Uhr, im Singerschen Lokal: Volksversammlung. Reichstagsabgeordneter Genosse E m m e 1- Mülhausen spricht über das Thema: Der Reichstag, das Volk und die Neuwahlen. Partei- und Gewerkschafts- genossen I Sorgt für Massenbesuch der Versammlung. Potsdam. Am DienStag, den 14. November, abends 8l/g Uhr, im Saale Kaiser-Wilhelm-Straße 33: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung- DiebevorstehendenStadtverordneten- wählen. Referent: Stadtv. Conrad- Rixdorf.— Am Zahlabend (Mittwoch) erfolgt die Ausgabe des Materials für die Stadt- verordnetenwahl._ Berliner JVacbrichtem Ehen, die bei Scherl geschlossen werden. Daß alltäglich in der bürgerlichen Presse Hunderte von Heiratslustigen sich auf dem Wege der Annonce einen Partner fürs Leben suchen, ist Sache der Betreffenden selbst und es hängt von ihrem Takt und Geschmack ab, wie sie ihre Sehn- sucht zum Ausdruck bringen. Es ist aber gar nicht so selten, daß auch die Nachfolger des Nazareners diesen Weg be- schreiten. Das könnte man noch gelten lassen, wenn nicht regelmäßig bei diesen Pastoren-Heiratsgesuchen der Geld- standpunkt in der krassesten Weise hervorgekehrt würde. Es ist ja aber von altersher so, daß die Kirche und auch fast durch. weg ihre Diener es gut verstehen, möglichst viel an irdischen Gütern zusammenzuraffen, die Armen aber aufs Himmel- reich zu vertrösten. Bor einiger Zeit klagte ein junger Theo- löge in der„Vossischen Zeitung", daß in den Familien der älteren Kollegen in Berlin ein solcher Luxus und Aufwand herrsche, daß eö jüngeren Pastoren nicht möglich sei. dort— wo Sektkübel, Austcrnschüssel und Auto zum täglichen Be- dürfnis gehörten— zu verkehren und mitzuniachen,>vcil ihnen die Mittel hierzu fehlten. In der Regel suchen nun die Aermsten, diesem Notstand abzuhelfen durch eine reiche Heirat. So suchte gelegentlich durch Inserat ein junger Pfarrer ein Mädchen von tadelloser Vergangenheit und— 40—50000 Mark Vermögen und in der Mittwochnummer des„Berliner Lokalanzeiger" ist auch wieder nachstehendes bezeichnendes Inserat zu finden: „Ernst gemeint. Junger Pfarrer, in schönster Lage Thü- ringens angestellt, wünscht insolge gänzlichen Mangels an paffender Tauienbekanntschaft in Verbindung zu treten mit lunger, gebildeter, hübscher und vermögender Dame zwecks � baldiger Heirat. Eventuelle Vermittlung nur durch Verwandte. Offerten mit Bild unter M. Z. 36 hauptpostlagernd Erfurt." Der junge Pfarrer sollte dock) die Bibel kennen, in der es heißt:„Ihr sollt nicht Schätze sammeln, die der Rost und die Motten fressen!" und weiter:„Es wird eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als daß ein Reicher in den Himmel komme". Und dem neugierigen reichen Jüngling, der den Nazarener fragte, wie er die ewige Seligkeit erlangen könne, soll er geantwortet haben:„Verkaufe alles was du hast und schenke es den Armen und folge mir nach",— den Jüngling sah keiner mehr wieder. Wenn es denn so schwer ist für einen vermögenden Men- scheu in den Schoß Abrahams zu gelangen, so muß man sich doch wundern, wie leichtfertig die Herren Vertreter der Kirche sich der Möglichkeit begeben, der ewigen Genüsse teilhaftig zu werden. Es drängt sich hierbei unwillkürlich die Schluß- folgerung auf, daß entweder ihr Glaube an ein Jenseits auf sehr sckstvachen Füßen steht und sie sich sagen: ein Sperling in der Hand ist besser wie ein Storch auf dem Dache oder aber sie verzichten auf die Herrlichkeiten in jener Welt zugunsten der Herrlichkeiten auf dieser Erde— in beiden Fällen dürften sich die Enterbten und Verstoßenen des Glücks ein Beispiel nehmen._ Armendirektion und Arme. AuS dem Rathanse wird berichtet: „Bedauerlicherweise find neuerdings häufig gröbere Aus- schreitunge« gegen die Organe der Armenpflege vorgekommen. Die Mitglieder der Armenkommissionen haben vollen Anspruch darauf, bei Ausübung ihres schweren Amtes, das sie uneigennützig im Interesse der ärmeren Bevölkerung wahrnehme», gegen Beleidigungen geschützt zu werden. Die Gerichte verhängen jetzt in schwereren Fällen fast ausnahms- los Gefängnisstrafen: erst kürzlich ist ein Einwohner wegen einer groben Ausschreitung gegen einen Armenkommissions-Borsteher(HauS- friedensbruch. Beleidigung und Körperverletzung) zu ö Monaten Ge- fäugnis verurteilt worden. Es wird auch darauf hingewiesen, daß nach§ 114 des Strafgesetzbuches jeder, der ei» ArinenkommissionS- Mitglied durch Drohung zur Bewilligung von Armenunterftützung zu nötigen unternimmt, unbedingt mit Gefängnis bestraft werden muß und zwar beim NichtVorliegen von mildernden Umständen in Mindest- höhe von drei Monaten. Es ergeht an alle Kreise der Bevölkerung die dringende Bitte, sich jeder Beleidigung von Mitgliedern der Armen- kommission zu enthalten. Die Armendirektionen wird unnachsichilich jede Beleidigung oder sonstigeAusschreirungdergerichtlichenSühne zuführen.' Zu dieser Mitteilung möchten wir bemerken, daß es gewiß zu verurteilen ist. wenn die das Amt eines Mitgliedes der Arnien- kommission ausübende» Personen in ihrer oft schwierigen uneigen- nützigen Tätigkeit belästigt oder gar tätlich angegriffen werden. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Armendirektion diese Mit- glieder nach Möglichkeit schützt. Aber die Armendirektion hat auch die Pflicht, die Armen zu schützen vor Beleidigungen, die sich sehr oft Organe der Armenpflege gegen die Annen zu schulden kommen lassen. Zu berücksichtigen ist außerdem, daß mancher in Not Ge- ratene, der von der Armenkommission glaubt ungerecht abgewiesen worden zu sein, oder aber vom Armenvorsteher ohne jede nähere Prüfung von vornherein abgewiesen wird, was leider nicht so selten vorkommt, in seinem Unmut u»d seiner Verzweiflung sich leicht zu Aeußerungen hinreißen läßt, die sicher ungehörig sind, aber aus der Situation heraus eine milde Beurteilung erfahren muffen. Die Armendirektion sollte bei ihren Strafanträgen auch diese Seite der Sache berück- sichtigen und genau prüfen, bevor Strafanträge unterzeichnet werden. Die Heimstätten ber Stadt Berlin hatten im Etatsjahr 1910(1. April 1910 bis 31. März 1911) die- selbe Bettenzahl wie bisher. In der Aufnahmemöglichkeit ist dennoch eine Aenderung eingetreten, weil für einige Heim- statten die Zweckbestimmung geändert wurde. Von den beiden bisher für genesende Männer bestimmten Heim- statten wurde die in Heinersdorf im Oktober 1910 für Männer geschlossen und dann für Knaben schulpflichtigen Alters bereit- gestellt, die unterernährt, schwächlich, erholungsbedürftig, tuberku- losebedroht sind. Für schulpflichtige Mädchen, die kränklich und erholungsbedürftig sind, besteht schon seit dem vorletzten Jahre die Möglichkeit der Aufnahme in der Heimstätte Blankenburg. Im letzten Jahre wurde Ende Dezember noch für Mädchen von acht Jahren an bis zur Vollendung der Schulpflicht, die an offener Tuberkulose leiden, in der für lungenkranke Frauen bestimmten Heimstätte Malchow ein Saal mit 18 Betten freigemacht. Hier- nach standen im ganzen 72 Betten für Knaben und 88 Betten für Mädchen zur Verfügung. Den Erwachsenen blieben vor- behalten, wie bisher, die Heimstätte Upstall-Blankenburg für ge- nefende Frauen, die Heimstätte Blankenfelde für lungenkranke Frauen, größtenteils auch die Heimstätte Malchow für lungcn- kranke Frauen, die Heimstätte Buch für lungenkranke Männer. die Heimstätte Gütergotz für Männer mit geschlossener Tuberkulose und für genesende Männer. In Blankenburg wurden neben den schulpflichtigen Mädchen auch noch einige Wöchnerinnen auf- genommen. Der das Etatsjahr 1910 behandelnde Jahresbericht des Heim- stättenkuratoriums. den jetzt der Magistrat bekannt gibt, bringt über die Zahl der Aufgenommenen und der Verpflegten sowie der Verpflegungstage usw. wieder die üblichen Tabellen. Leider sind in dieser Statistik nicht hinreichend deutlich die Kinder von den Erwachsenen getrennt worden. Tie Zahl der Neu- aufgenommenen war in Blankenburg 300(darunter nur 23 Wöchnerinnen, also wohl 277 schulpflichtige Mädchen), in Ilpstall-Blankenburg 781, in Heinersdorf 459(anscheinend bis Ende Oktober 327 Männer, von da ab 132 Knaben), in Blankenfelde 643, in Malchow 716(der Bericht läßt nicht erkennen, wieviel Frauen und wieviel schulpflichtige Mädchen), in Gütergotz 897(darunter 149 Männer mit geschlossener Tuberkulose und 7 zur Erholung dorthin überwiesene Schwestern, also wohl 641 genesende Männer), in Buch 1018, zusammen 4492 Ncuaufgcnommene, gegenüber 4109 im vorhergehenden Jahre. Bei Hinzurechnung der aus dem vorher» gehenden Jahre Ilcbernommenen stellte sich diesmal die Zahl aller Verpflegten auf 4970, gegenüber 4678 im Vorjahre. In der Statistik der Verpflegungstage, deren Gesamtzahl im letzten Jahre 193 169, im vorletzten Jahr 178 768 war, ist von einer Unterscheidung zwischen Kindern und Erwachsenen noch weniger zu finden. Dasselbe gilt von der Zusammenstellung der Aufnahme- zahlen mit den Zahlen der Au fna h m e g e s u ch e. Man erfährt da, daß diesmal im ganzen 8232 Aufnahmegesuche eingetragen, aber nur 4492 Personen aufgenommen wurden, und zwar hatten Blankenburg und Upstall-Blankenburg zusammen 1434 Gesuche für genesende Frauen und schulpflichtige Mädchen, aber nur 1061 Aufnahmen, HeinerSdorf und Gütergotz zusammen 1317 Ge- suche für genesende Männer und schulpflichtige Knaben, aber nur 1007 Aufnahmen, Blankenfelde und Malcholv zusammen 1887 Ge- suche für lungenkranke Frauen und schulpflichtige Mädchen, aber nur 1269 Aufnahmen, Buch und Gütergotz zusammen 1814 Gesuche für lungenkranke Männer, aber nur 1166 Aufnahmen. Eine minder summarische Darstellung wäre lehrreicher, doch von Ber- waltungsberichten der Stadt Berlin darf niemand fordern, daß sie belehren. Unklar ist diesmal leider auch die Statistik der Z a h l u n g S- Pflichtigen. Früher wurden darin die Krankenkassenmitglicdec gesondert aufgeführt, diesmal aber sind zu ihnen gerechnet die auf Kosten von Unfallberufsgenossenschaften und LandeSversicheruugs- anstalten aufgenommenen Personen und sogar auch die Selbst- zahler. Man kann hiernach nicht sicher erkennen, welche Wirkung die in der zweiten Hälfte des vorletzten Etatsjahres zustande- gekommene Erhöhung des Pflegekostensatzes auf dw Ueberweisungsfreudigkeit der Krankenkassen im letzten Jahre ausgeübt hat. Auf Kosten von Krankenkassen, von Unfallberufs- genossenschaften und Landesversicheruugsanftalten sowie als Selbst- zahler wurden in den letzten Etatsjahren 1907, 1208, 1909, 1910 aufgenommen: 3604, 3189, 3206, 3340, darunter Ivaren in den drei Etatsjahren 1907, 1908, 1909 Krankenkassenmitglieder: 3619, 3120, 3121. Die plötzliche Abwärtsbewegung in 1908(auf nur 3120 Krankenkassenmitglieder) erklärt sich aus der damaligen Be- drängnis vieler Krankenkassen, die die Folgen der Wirtschafts- krisis und des Arbeitsmangels zu spüren bekommen hatten. In 1910 hatte die im Bericht neu auftretende Sammelgruppe einen Zuwachs von ganzen 136 Aufnahmen. Wie viele oder wenige davon auf die Krankenkassen allein entfielen, erfährt man nicht. Interessant sind noch die Angaben über einige andere Gruppen. In 1907, 1908, 1909, 1910 wurden aufgenommen auf Kosten der Armendirektion 426, 606, 739, 006, auf Kosten der Waisendeputatiun 21, 22, 28, 48. auf Kosten von Stiftungen 109, 71, 41, 81. kosten- frei auf Rechnung des etatmäßigen Freistellenfonds 121, 142, 08, 128. Warum im letzten Jahre die Ziffer nicht nur wieder bei der Gruppe Armendirektion, sondern diesmal auch bei den anderen Gruppen gestiegen ist? Vielleicht hat man sich das zum Teil aus der Erhöhung des Pflegekostengesetzes der Heimstätten zu erklären. Für das Gcmeindeschulwesen von hohem Interesse find Einrichtungen, die uns dieser Tage bei Besichtigung der neuen Gemeindedoppelschule in der Sybelstraße in Charlottenburg gezeigt wurden. Zunächst ist bemerkenswert, daß die Turnhalle so geräum'g ist, daß immer mehrere Abteilungen zugleich turnen können. Da er- fahrungsgemäß in den Gemeindeschnlen ein großer Prozentsatz der Kinder an Rückgratverkrümmung leidet, hat die Schulverwaltung eine Anzahl orthopädischer Apparate beschafft, an denen diese Kinder be- sondere Hebungen inachen können. Was den Schulunterricht betrifft, so ist für diejenigen Kinder, die bei der Einschulung zwar das schulpflichtige Alter erreicht haben, aber in ihrer geistigen Eiitwickelung sehr zurückgeblieben sind, die Lehrmethode nach dem Fröbelsystem eingeführt worden. An der Hand von Gegenständen suchen die Lehrer den Kindern bestimmte Begriffe beizubringen: wie beispielsweise durch Erbsen oder Steinchen den Zahlenbegriff. Das ist bei diesen aus den denkbar traurigsten Ver- Hältnissen kommenden Kindern keine leichte Arbeit. Eine strenge Schulzucht herrscht in dieser Klasse nicht. Da viele der Kinder zu Hause oft mit Geschwistern zusammenschlafen müssen, kommen die armen Kleinen vielfach müde zur Schule und können dem Unterricht nicht folgen. Da hat die Schulverwaltung wieder vorgesorgt. In einem Neben- räum zu der Schulklasse, in dem uns der Stndtschulrat freund- licherweise führte, sind für die müden Kleinen Lagerstätten vor- handen, auf denen die Kinder ausschlafen können. Wie uns versichert wurde, schlafen die Kinder hier nach wenigen Minuten-in und stärken sich für den Unterricht. Eine rührende Fürsorge für die Kleinen, die zugleich von moderner Pädagogik Zeugnis ablegt. Mit großem Interesse haben wir uns in den Haushaltungskllchen umgesehen. Im Gegensatz zu Berlin ist hier der Kochunterricht für die Mädchen obligatorisch und im Lehrplan eingefügt. Alle Mädchen, die im letzten Jahre die Schule besuchen, müssen an diesem Kochunterricht teilnehme». Vier Mädchen bilden eine Familie(Vater. Mutter und zwei Kinder). Selbstverständlich ist für jeden Tag der Küchenzettel vorgeschrieben; die Materialien tvcrden geliefert. Was die Mädchen gekocht haben, müssen sie auch selber essen. Um zu wissen, was das Gericht kostet, müssen die Kinder an der Hand der Preise für die Rohmaterialien die Berechnung vornehmen. Be- sonderes Interesse nötigte uns der große Zeichensaal und der Physik- saal ab, die in der pcaltischsten Weise eingerichtet sind. Auch für Bewegungsfreiheit für die Kinder ist durch einen großen Schulhof Sorge getragen. Und endlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß die Klassen- frequcnz in den Aufnahmeklassen auf 46 festgesetzt ist, während in Berlin selbst die Zahl 65 noch häufig überschritten wird. Nur in einer Be- ziehung ist Charlottenburg im Nachteil gegen Berlin: Charlotten- bürg hat das siebenklassige Schulsystem, während in Berlin das achtstufige System besteht. Aber in Berlin sind bereits Kräfte am Werke, um diesen Borzug baldigst verschwinden zu machen. Alles in allem hat uiiS die Besichtigung ber Einrichiungen dieser Charlottenburger Schule gezeigt, daß moderne Pädagogen aus dem Gebiete des Schulwesens noch vieles leisten können, was unseren Gemeindefchulkindern sehr nützlich sein kann. Das Kapital, das in guten Schulen angelegt ist, verzinst sich tausendfältig. Die Heimarbeit und die sächsischen Industrielle«. Die sächsischen Industriellen scheinen eine große Abneigung vor der öffentlichen Darstellung der Heimarbeit zu haben. Das war der Grund, warum sie sich gegen die von der Generalkommifston der Gewerkschaften Deutschlands geplante HeimarbeiterauSstellung in der Hygieneausstellung in Dresden wandten und sie vereitelten. Jetzt machen sie auch in Berlin ihren Einfluß geltend. In der mit zahl- reichen witzigen Einfällen gespickten neuen Revue ist auch ein recht ernstes Lied eingeflochten,:n dem die Not der Heimarbeiterinnen be- simgen und ihre traurige Lage recht ergreifend dargestellt wird. DaS ärgert die sächsischen Industriellen. Wie der„Konfeklionär" mitteilt, hat die Jnteressenverlretung der sächsischen Industrie sich an die Direktion des MetropoltheaterS gewendet, daS Lied der Heimarbeiterin vom Programm zu sireichen,„da es geeignet sei. falsche, längst widerlegte Ansichten und Anschauungen beim Publikunr über Wesen und Art der Heimarbeit zu verbreiten. Der Verband sächsischer Industrieller, der seinem Schreiben ausführliche Daten über die Heiniarbeit beifügt, protestiert gegen die angeblich„ten- denziöse Hereinziehung der Heimarbeit in ein lustiges Theaterstück', die geeignet sei, der Industrie schweren Schaden zuzufügen. Natürlich wird man den Leuten den Gefallen tun. Wie die Direktion deS MetropoltheaterS hierzu mitteilt, hat fie sich mit dem Verfasser des Stücks Julius Freund bereits in Ver- bindung gesetzt, um die Strophe in dem Lied, die bei den sächsischen Industriellen am meisten Mißfallen erregt hat, abzuändern. Die verschwundene Gräfin. Das rätselhafte Verschwinden der Gräfin Else Fink v. Finkenstein hat bisher noch keine Ausklärung gefunden. Die noch junge Gräfin ist am 16. November 1893 zu Berlin geboren, sie steht also erst im 18. Lebensjahre. Am 20. Oktober entfernte sie sich auS der elterlichen Wohnung in der Villenkolonie Hesseinvinkel bei Erkner und seitdem ist sie verschwunden. Vergeblich haben die Angehörigen sowie die Polizeibehörden bisher versucht, daS Verschwiiiden der jungen Gräfin aufznklär«». Fräulein v. Fmkenstein hat sich recht viel mit Literatur beschäftigt. ES madhte sich bei ihr ein ungewöhnlicher Freiheitstrieb bemerkbar und man vermutet daher, daß bei ihr infolge uvermäßiger geistiger Anstrengung eine Art Wandertrieb ausgebrochen und daß sie in diesem Zustand planlos umherirrt. Die Vermißte ist für ihr Alter ungewöhnlich stark enltoWetl. Sie hat Hellblondes tnS rötliche übergehendes Haar, volles Gesicht und blaue Allgen. Der Zentralvrrein für Arbeitsnachweis, Abteilung für weibliche Personen, macht darauf aufmerksam, daß sein Bureau zur Ver Mittelung von AushilfSpersonal sReinmachefrauen, Waschfrauen. Plätterinnen. Aufwärterinnen, AuShilfemädchen. Ausbesseriunen) für das Winterhalbjahr erst um 8 Uhr geöffnet wird. Bestellungen müssen deshalb einen Tag vor dem gewnilschten Arbeitsantritt ein gehen. Telephon Amt HI, 379S. Postkartenadresse C. 54, Rückerstr. S. parterre. Durch einen Sturz aus dem Fenster lebensgefährlich verunglückt ist gestern vormittag 11 Uhr die 19 Jahre alte Selma Keibel aus der Katzbachstr. 1. DaS Mädchen leidet an Krämpfen. Ein heftiger Anfall, den sie vor drei Wochen bei einem Militärkonzert erlitt, veranlaßte sie, ihre Stellung als Stütze aufzugeben und zu ihrer Schwester zu ziehen, die in der Katzbachstr. 1 im vierten Stock wohnt. Gestern vormittag lag sie dort im Fenster eines Hinter zimmers und sah auf den Garten hinab. Plötzlich stürzte sie in die Tiefe, sei eS nun infolge eines neuen Anfalles, oder weil sie das Gleichgewicht verlor. Der Körper schlug im zweiten Stock auf das Fensterbrett auf und dann zwanzig Zentimeter tief in den weichen Gartenboden ein. Nur so wurde die Verunglückte vor einem jähen Tode bewahrt. Arbeiter eines Kohlenplatzes, die den aufregenden Vorgang gesehen hatten, leisteten ihr die erste Hilfe. Die Verun glückte hatte sich schwere innere Verletzungen zugezogen und wurde mit einer Droschke nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer und von dprt nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Das kommt davon! Eine kostspielige Vergnügungsreise durch „Berlin bei Nacht* unterimhm der Oberpostassistent Alfted R. aus Charlottenburg. Gegen. 12 Uhr nachts landete R. in einem bekannten Weinlokal in der Leipziger Straße, wo er die Bekanntschaft eines hübschen jungen Mädchens machte. Der Beamte glaubte, er habe cS mit einer Harmlosen zu tun und trat mit ihr eine Weinreise an. Plötzlich war die schöne Begleiterin verschwmrden. R. war in- zwischen etwas eingenickt und als er wieder aufwachte, machte er eine recht unliebsame Entdeckung. Die frenide Frauensperson, die eine ganz gefährliche Kokotte war. hatte ihrem Begleiter sämtliche Wertsachen geraubt. Das Portemonnaie mit 50 M., eine wertvolle Krawattennadel mit Diamanten, Manschettenknöpfe mit Wertsteinen, ein silbernes Zirattenetui und einen Brillantring hatte die diebische Begleiterin gestohlen. Die hiesige Kriminalpolizei ist der Täteriir aus der Spur. Ei>« eifriger Parteigenosse ist in der Person des Korrektors Albert Brandt gestorben. Brandt war unter den Genossen des 6. KreiseS gut bekannt und hat lange Zeit in der Rosenthaler Bor stadt in der intensivsten Weise sich an allen Parteiarbeiten beteiligt. bis sein Gesundheitszustand ihm diese Arbeit verbot. Die Genossen, die den Verstorbenen kannten, werden ihm sicher ein gutes Andenken bewahren. Zu dem versuchten KindeSmord bei Wittenau wird uns von den Pflegeeltern des Dienstmädchens Schröder in Reinickendorf berichtet. daß es unrichtig fei, wenn behauptet wurde, sie hätten sich geweigert, das Kind in Pflege zu nehmen. Die Pflegetochter habe sich vor 14 Tage durch Karte zu Besuch angemeldet und sei auch Sonntag. den 29. Oktober, abends um 6 Uhr eingetroffen. Sie habe aber kein Kind bei sich gehabt und nur gesagt, da» Kind sei in Ortwig, wo es sich so lange in Pflege befand. Sie sei noch zwei Tage bei den Pflegeeltern in Reinickendorf gewesen und dann wieder zu ihrer Herrschaft in Schönefeld zmückgefahren. Von der ganzen Sache haben die Pflegeeltern erst aus den Veröffentlichungen erfahren. Der Berein für weltliche Schule, der für heute eine Versammlung ankündigt, hat an den Anschlagsäulen auch den Genossen Adolf Hoffmann als Redner bezeichnet. Genosse Hoffmann legt Wert darauf, zu erklären, daß er zu dieser Ankündigung seine Zu- stimmung nicht erteilt habe; er habe vielmehr aus Anfrage ausdrücklich abgelehnt, in jener Versammlung als Redner . fungieren, da er zugesagt hatte, am heutigen Sonntag in »leben zu sprechen, woran er schließlich krankheitshalber verhindert wurde. � Arbeiter-Samariter-Kvlonne Grost-Berlin. Montag, den 13. d. M., abends �9 Uhr bei Dase, Brunnenstraße 154, Vortrag mit Experimenten über„Die Anwendung von Sauerstoff in ge- funden und kranken Tagen" für sämtliche Mitglieder und Teil- nehmer der Kolonne. Vortragender Herr Direktor Morgenstern.— Mittwoch, den 15. d. M., Lehrabend der 5. Abteilung, Nixdorf, Erk- siraße 8.— Donnerstag, den 16. d. M., 4. Abteilung. Lichtenberg. cscharnweberstraße 69. Zu obigem Vortrag und den Lehrabenden sind Gäste herzlich willkommen. Sämtliche aktiven Mitglieder treffen sich Sonntag, früh lOJ-S Uhr, in ihren Lehrabend-Lokalen. Zentrale: Abteilung 1. Zeugengesuch. Personen, die am 7. November, abends 8 Uhr, gesehen haben, wie ein vom Kaiser-Friedricb-Platz kommender, in die Straße Hasenheide einbiegender Radfahrer einen die Siraße überschreitenden Mann streifte und den Vorfall genau beobachtet haben, werde» um Abgabe ihrer Adressen an A. Streich, Britz bei Berlin, Werderstr. 37, gelangen zu lassen. i Vorort- JVachrichten» Schönederg. Heute Stadtverordnetenwahl! Am heutigen Sonntag finden von vormittags 9 Uhr bis abends 7 Uhr die Wahlen der dritten Abteilung im 3.. 5., 6.. 7. und 11. Bezirk statt. Nach der ganzen Art des Kampfes Unserer Gegner zu urteilen, wird der Wahlkampf besonders heftig geführt werden. Es werden daher am heutigen Tage an die Genossen erhebliche An- fordernngen gestellt. Wer nicht will, daß den von dem elenden Dreiklassensystem besonders begünstigten und kommunalpolitisch rück- ständigen Liberalen auch noch einige Bezirke der dritten Abteilung zufallen, der muß mit allem Eifer sich an der Wahlarbeit beteiligen. ' Die Parteigenossen der übrigen Bezirke, soweit dieselben bei der Wahl nicht mit tätig sind, ebenso die Genossen der angrenzenden Orte und Kreise, die bereit sind, mit Wahlhilfe zu leisten, wollen fi» um S'/q Uhr im Lokal Kuschle. Meininger Straße 9. einfinden. Die Radfahrer treffen um 9 Uhr ebenfalls bei Kuschle zur Wahlarbeit ein. Das Resultat der Wahl wird heute abend 3 Uhr im Tunnel von C. Grosser. M-ininger Straße 9. bekanntgegebeu. Das Zentralbureau befindet sich bei Kuschke, Amt VI 6733. Der Demokratische Verein Schöneberg- Friedenau ersucht seine in Scköncberg wohnenden Parteigenossen bei den heute stattfindenden Stadtverordnetenwahlen für die sozialdemo» kratischen Kandidaten zu stimmen. Sollten ihnen daraus wirtschaftliche Schäden erwachsen, so mögen sie wenigstens durch Stimmenthaltung im Sinne dieses Beschlusses handeln. Nixdork. Die sozialdemokratischen Interpellationen führten in der Stadt» vcrordnetenversammlung am Donnerstag zu bemerkenswerten De- hatten. Zuerst verhandelt wurde die Anfrage: „Welche Schritte gedenkt der Magistrat zur Verstaut- lichung des Abfuhr Wesens zu unternehmen, oder— sofern derartige Verhandlungen bereits eingeleitet sind— welche Ergebnisse zeitigten diese bisher? Stadtv. T h u r o w s�oz?) stellte in seiner Begründung zu- nächst fest, daß bereits für den Beginn des laufenden Etatsjahrcs die Uebernahme der Müllabfuhr in eigene Regie beabsichtigt wurde. Der Magistra! war mit der zustZndigen Depukation offenbar einig. Dieser fiel jedoch um, als von den Hausbesitzern wütende Quer- trcibereien einsetzte». Wie skrupellos von dieser Seite der unbc- aueme Plan bekämpft wurde, beweist ein Flugblatt des Bundes der Rixdorfer Grundbesitzervereine, in welchem frischweg mit Unwahr- heiten operiert wurde. So behauptete man darin dreist, daß bei Einführung der städtischen Regie ein Ortsstatut mit exorbitanten Strafen erlassen würde, obwohl die Macher des Bundes ohne Zweifel darüber unterrichtet waren, daß bei den stattgehabten Vorberatnn- gen niemand an dergleichen dachte. Des Pudels Kern war bei diesem Vorgehen ja auch die Absicht, die Müllabfuhr durch die in- zwischen gegründete Gesellschaft in die Hände der interessierten Hausbesitzer zu bringen und— wie man sich erzählt— einer verkrachten Kommunal-„Größe" den gutbezahlten Direktorposten zuzu- schanzen. Wenn der Magistrat diesen Treibereien gegenüber ver- fagt hat, so ist das doppelt schädlich für die Stadt; denn bei späte- rer Uebernahme der Müllabfuhr in städtische Regie werden der Grundbesitzerbund und sein Direktor Ablösungssummen vom Stadtsäckel fordern. Um so mehr ist es nötig, daß der Magistrat schien- nigst im Interesse der Stadt handelt.— Stadtrat M i e r versuchte den Umfall des Magistrats in der Fmge hinwegzuleugnen, erklärte aber, daß dieser zu dem Resultat gekommen sei, die Müllabfuhr erst dann in eigene Regie zu nehmen, wenn die Grundbesitzer nicht mehr selbst hygienisch einwandftei dafür Sorge tragen.— Stadtv. Z e r- nikow bestritt die Rentabilität der städtischen Regie, weil die anfangs geplante Müllverbrennung sich als unzweckmäßig erwiesen habe. Im übrigen stellte er in Abrede, daß jemals Entschädigungen von der Bundes-Müllabfuhr verlangt würden. Die zweite Anfrage unserer Fraktion lautete: „Was gedenkt der Magistrat zur Durchführung einer ßt meindlichen Arbeitslosenversicherung und der kommunalen Ar beitsvermittelung zu unternehmen, oder inwieweit haben hierüber bereits mit anderen Gemeinden oder Körperschaften VerHand- lungen stattgefunden und welche Resultate hatten diese?" Stadtv. G r o g e r(Soz.) erklärte dazu, daß Richtschnur in dieser Frage die Worte des Kölner Oberbürgermeisters Wallraf auf dem Deutschen Städtetage sein müssen: Die Arbeitslosenver- sicherung darf nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden! Das mit Recht! Und doch sei das Ergebnis der Beratungen dieser wichtigsten aller sozialen Fragen auf diesem Städtetage gleich Null gewesen. Die dort geforderte gesetzgeberische Regelung von Reichs- wegen sei unter einem Bethmann Hollweg nicht zu erwarten. Im Reiche hätten die Großindusttiellen das Wort, die bekanntermaßen die Sozialpolitik als„weiße Salbe" betrachten. Die Gemeinden müßten also unter allen Umständen sellfftändig handeln. Gewiß habe das seine Schwierigkeiten, und es wäre eine wichtige Ausgabe des Zweckverbandes Groß-Berlin, hier einzugreifen. Das werde auch noch Weile haben. Di« schleunige Verwirklichung der kommu- nalen Arbeitslosenversicherung sei aber unmöglich. In letzterer Hinsicht müsse ein Zusammenarbeiten in Groß-Berlin leicht möglich ein. Es sei höchste Zeit, daß man aus den Sympathiebezeugungen endlich herauskomme und so wichtige soziale Forderungen energisch zur Tat führe.— In seiner Antwort sagt« Stadtrat Dr. Glücks- mann, daß die angeregten Fragen in Groß-Berlin nicht vorwärts- kommen, weil dieses umfangreiche kommunale Interessengebiet der Organisation ermangelt und auch der Hauptort Berlin widerstrebt. Auch die vom Städtetag befürwortete reichsgesetzliche Lösung dürfte lange Wege haben. Andererseits sei die Durchfuhrung der Arbeits- losenversicherung in der Einzelgemeind« sehr schwierig. Deshalb hat auch unsere eingesetzte Kommission beschlossen, zunächst Er- Hebungen anzustellen, welche eben jetzt kommen sollen. Die Arbeits- vermitkelung für Groß-Berlin werde--- so meinte der Redner— von dem Verband märkischer Arbeitsnachweise angestrebt, welcher zu dem Zwecke seine Einrichtungen ausbauen will.— Stadtv. Kloth iSoz.) bezeichnete die Beschlüsse des Städtetages, der vom Geists des Frankfurter Oberbürgermeisters Adickes beherrscht war, als prattisch wertlos. Hier könne man getrost mit Fritz Reuter sagen: Oogenverblendung! Ebenso ist«S mit den ewigen Erhebungen, die man für nötig halt; davon würde kein einziger Arbeitsloser satt. Vom allgemeinen volkswirtschaftlichen Standpunkt aus, nach dem gut genährte und damit leistungsfähige Arbeiter eine unbedingte Notwendigkeit sind, müßten die bürgerlichen Parteien die Arbeits- losenftage viel ernster behandeln. Wenn das Gegenteil in die Er- chcinung tritt, so hat das seine Ursache in dem Abscheu vor den Organisationen der modernen Arbeiterbewegung. Darum mühte man sich aber endlich im klaren sein, daß ohne die großen, Gewerk- chaften, welche bereits Bedeutendes geleistet haben, keine brauchbare Arbeitslosenversicherung möglich ist. ES kann eben bei Lösung dieser Frage nicht heißen: Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht naß. Da helfen Halbheiten nichts, sondern ein fester Wille zur sozialen Tat. Damit schloß auch diese Debatte. Wie man sieht, haben sich die bürgerlichen Stadtväter für die Behandlung der sozialdemokrati- che» Interpellationen in keine geistigen Unkosten gestürzt. Diesen Leuten sind soziale Fragen böhmische Dörfer. Eltcrnvrrein für Sport und Wandern. Die für heute im Licht« pielhauS angesetzte Borstellung kann nicht um 19'/» Uhr, sondern erst um 12 Ubr stattfinden, da die Polizei die Genehmigung erst für diese Zeit erteilt hat. Charlottenburg. Borernährung der Mütter in Charlottenburg. Die Stadt Cbar- lottenburg bat dem Hauspflegeverein eine Summe zur Ver- fignng gestellt, aus der an unbemittelte oder wenig bemittelte Schwangere vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beibilfen gewährt werden sollen, um sie für ihre Auf- gäbe des Selbststillens vorzubereiten. Die Beihilfe besteht meist in der Bcrabrcichnng einer kräftigen Suppe oder in der Lieferung sonstiger Lebensmittel. Zu diesem Zwecke sind folgende Sveismigs- stellen eingerichtet: Charlottenburger Ufer 16. KönigSweg 54. Wilmers- dorfer Str. III, Berliner Str. 137 und Alt-Moabit 39. Mel- düngen werden von der E r n ährungSabteilung March- siraße 7k, Dienstags und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags möglichst 6 Woche» vor der Entbindung angenommen. Der Hansvflegevcrein hat die Verpflichtung übernomnien, die von ihm gepflegten Mütter stets rechtzeitig vor dem Ailfbören seiner Pflege an die nächste Sängliiigssürsorgellelle zu überweisen, damit diese in unmittelbarem Anschluß an die Tätigkeit des Hauspflegevereins die weitere Fürsorge übernehmen kann. Lichtenberg. Stadtverordnctensibung. Genosse Grauer richtete zunächst an den Magistrat die Anfrage, warum die vor längerer Zeit ein- gesetzte Kommission zur Beratung von Maßnahmen gegen die herrschende Teuerung bisher immer noch nicht zusainnieiigetrcten sei. Hierzu teilte Bürgeruicisicr Unger mit. daß bisher Verhandlungen mit Berlin und Wilmersdorf gepflogen seien, da beabsichtigt sei. ähnlich wie in diesen Städten den Verkauf von Seefischen auch in Lichtenberg zu organisieren.— DeS weiteren wurde von unseren Genossen mitgeteilt, daß über den am Montag in einer außer- ordentlichen geheimen Sitzung gefaßten Beschlutz, den Ankauf eines Grundstücks betreffend, in der einem hiesigen Magistratsmitgliede gehörigen Zeitung bereits am Dienstag von diesem„streng ge- Heimen" Beschluß Mitteilung gemacht und dadurch die Gefahr bestanden habe, daß auch der Verkäufer»och vor dem Abschluß des Kaufes zum großen Nachteil der Stadt Kenntnis davon erhalten konnte. Die bürgerlichen Herren Plonz und Schachtel verurteilten zwar dieses Vorkommnis, glaubten aber mit kindlicher Naivität betone» zu müssen, daß man sich gar nicht erklären könne, wer eigentlich der Urheber iener Notiz sei. Der inzwischen vollzogene Grundstückskauf umfaßt ein 169 Morgen großes Terrain in Kauls- darf, welches später zum Ausbau unseres Wasserwerkes verwendet werden soll. Ter Kaufpreis beträgt pro Morgen nur 1799 M., also inögesanit 272 999 M. Ferner wünschte Genosse Grauer vom Magistrat Aufklärung darüber, wie es möglich sei. daß beim Streik bei der auch mit der Stadt in Geschäftsverbindung stehenden Firnia Gebr. Richter die Polizei sogar städtische Gebäude in An- spruch nehmen konnte. Redner wies besonders darauf hin. daß gerade bei diesem Streik wieder die von Moabit Her bekannte Hintzegardc Verwendung findet es sei daher bei dem provo» zierenden Verhalten dieser Elemente ganz besondere Vorsicht ge» boten. Wie nun schon des öfteren, so wußte auch diesmal der Magistratsvertretcr weiter nichts zu antworten als:„Mir ist nichts davon bekann t." In die gemischte Kommissioi» betreffs Verkauf städtischer Baugrundstücke wurde u. a. auch Gen- Düwell, in die Kommission zur Vorberatung der Magistrats- Vorlage betreffend die Bclvilligung von Mitteln zur Ausgestaltung einer besonderen Jugendpflege die Genossen Linke und Spieckermann gewählt. Bereits seit einigen Jahren können zur Erleichterung der Steuerzahlung die Steuerbeträge auch an die im Orte befindlichen Depositenkassen der„Deutschen Bank". der„Darmstädter Bank" und der„Dresdener Bank" gezahlt wer» den. Da hierfür die Banken bisher keinerlei Entschädigung er- halten haben, wurde beschlossen, denselben vom 1. April 1911 ab eine Provision von 1 Promille vom Gesamtbetrage der angenommc» nen Steuern zu gewähren.— Des weiteren wurde nochmals über den von den Bürgerlichen in der vorigen Sitzung abgelehnten Ma- gistratsantrag betreffend Anlegung und Ausschmückung des Löper« Platzes verhandelt. Als die bürgerlichen Herren die Vorlage vom „kunstkritischen" Gesichtspunkte zu behandeln anfingen und die Frage aufwarfen, ob man wohl mit bloßem Auge die aufzustellende Löperbüste werde wahrnehmen können, stellte Gen. Grauer den Antrag, aus den Reihen der Herren eine Kunstsachverständigen- Kommission zwecks Anschaffung der Büste zu wählen. Die hierauf ausbrechende Lachsalve von der Galerie und der Mehrheit dee Stadtverordneten zeigte den Herren„Kunstkritikern" endlich drastisch, was sie angerichtet hatten. Die Magistratsvorlage wurde nunmehr angenommen. Die unter Widerspruch unserer Genossen in die g e h e« m e Sitzung verlegten Anträge der Beamten und Unter» beamten betreffend Zahlung einer Teuerungszulage resp. Gehalts» aufbesserung wurden alsdann, da die Herren ja die Oeffentlich» keit ausgeschaltet hatten, in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Nach stundenlanger Debatte wurde ebenfalls in geheimer Sitzung einem Vertrage mit dem Rittergutsbesitzer Herrn Röder sowie der Großen Berliner Straßenbahn zugestimmt. Bei der Wahl zum Provinziallandtag wurden in einer gemein» schaftlichen Sitzung des Magistrats mit den Stadtverordneten die Herren Oberbürgermeister Ziethen. Stadtrat Kielblock und Stadt» verordnetenvorsteher Plonz gewählt. Auch hierbei nutzten die an» geblichen Vertreter der Bürgerschaft das elendeste aller Wahl» syfteme, das Dreiklassenwahlrecht aus, um als Vertreter der In- dustrie- und Arbeiterstadt Lichtenberg nur Geldsacksinteressenten. aber keinen einzigen Vertreter der Arbeiter- schaft zu wählen. Die Bevölkerung Lichtenbergs hat es in der Hand, bei den am Sonntag, den 19. d. M., nachmittags von 12— 7 Uhr, stattfindenden Stadtverordnetenwahlen zul dritten Klasse den Herren die Quittung hierüber auszustellen« Stralau. Polizeilicher Uebereifer. Am Dienstag, den 14. d. M., findet infolge Ausscheidens eines Gemeindevertreters eine Nachwahl zur Gemeindevertretung statt. Unsere Genossen haben für diese Wahl einen Kandidaten aufgestellt und waren am Freitag, den 19. d. M.. abends, dabei, ein Flugblatt unter der Einwohnerschaft zu verbreiten, in welchem auf die Bedeutung der Wahl hingewiesen, der Kandidat bekanntgegebeu und zu einer am Montag, den 13. d. M., statt» ändenden Wählerversanimlung eingeladen wurde. Doch die Flug- blatt» Verbreitung sollte nicht ohne Störung vor sich gehen. Als ein Genosse gerade ein Wohnhaus mit Flugblättern belegt hatte und im Begriff stand, seine Arbeit in einem anderen Hause fortzusetzen, da erschienen plötzlich zwei Polizeibeamte in Zivil, die ihn aufforderten, mit zur Wache zu kommen, welcher Aufforderung unser Genosse auch Folge leistete. Auf der Wache wurde er einem Verhör unterzöge, r. Namentlich wollte man wissen, wer ihm die Flugblätter gegeben, ob er das Verteilen von Druckschriften gewerbsmäßig betreibe bezw. ob er einen Erlaubnisschein besitze. Da» Ende vom Licde war, daß dem vermeintlichen Sünder die Flugblätter abgenommen und er 'einer Wege geben konnte. Gegen diesen ungesetzlich polizeilichen Eingriff wird selbstredend Beschwerde eingelegt werden. Fragen muß man sich, wie es möglich ist, daß solche polizeilichen Ucbergriffe in so einfachen und klaren Angelegenheiten vorkommen können. Einmal handelt eS sich nicht um eine öffentliche Verbreitung von Druckschristen, sondern es wurden Flugblätter den Einwohner,« direkt in die Wohnungen geblacht. Dann aber befinden wir uns in einer Wahlperiode, wo eS zur Verbreitung von Druckichriste» über» Haupt keiner polizeilichen Erlaubnis bedarf. Da wir gegenwärtig bereits in der Reichstagswahlbetvegung stehen, ist es doppelt notwendig, daß die niederen Polizeibeamten mit den entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen vertraut gemacht werden, damit derartige Mißgriffe, wie der oben geschilderte, vermieden werden. Oder ist man etwa der Ansicht, daß man sich gegen Sozial- demokraten olles erlauben dürfe? Seit Stralau den, Lichtenberger Polizeibezirk angegliedert ist. macht sich hier überhaupt ein großer Polizeieifer bemerkbar. Friedrichshagen. Heute Sonntag» von mittag« 12 Uhr bi« nach» mittag« 3 Uhr findet für die dritte Abteilung im 2. Bezirk die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung t a t t. DaS Wahllokal befindet sich im Eiskeller, Friedrichstr. 96/97. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist Buchdrucker HanS Miele. Die amtlichen Wahleinladungen oder Steuerzettel sind als Legitimation mitzubringen. Lankwitz. Als gänzlich unzureichend müssen die von der Gemeinde» verwaliung unternommenen Schritte zur Bekämpfung der Lebens» mitielteucrimg bezeichnet werden. Nachdem in der Kommission der Verkauf von Seefischen und Kartosseln be'chlossen worden war. er» chien am 13. Oktober in der Orlszeituug eine Bckanulmachung. laut welcher diejenigen Einwohner sich im Raihans melden sollreu. die auf den Bezug von Kartosteln nicht unter einen, Zentner reflektierten. Für die Bestellung waren nur zwei Tage Frist angegeben, auch mußten die Besteller gleich den Betrag für die gewünschten Kar- toffelu entrichten. Am 18. Oktober wurde bekannt gegeben, daß die Kartoffelabgab« in den nächsten Tagen vor sich gehen sollte; der Preis bcirug ob Bahuhos Groß-Lichierfeldc-Ost 3,59 M. und frei Hans 4 M. pro Zentner. Au» den einigen Tagen sind>mn Woche» geivorden. die Eimvohncr sind wohl ihr Geld loS. aber Kartosteln habe» gerade die Minderbeiiiiltelten, die sich dieselben vom Bahnhof holen wollten, bis heute noch nicht. Der Gemeindevorsteher hat es bis jetzt nicht einmal für notwendig erachtet, die Käuser wenigstens durch eine Bckaimtmochnng zu beirachrichligen. Die Empörung über kolche Teuernngsmaßnahmei, ist unter den Einwohnern groß, sind doch jetzt bei Privathändlern die Kartoffeln zu demselben Preise zu haben. > Lotzen- Schönbanse». LrtSkrankenkassenwnhl. Die Mitglieder der hiefigen Orts» krankcnkasse werden aus die am M o n t a a. den 1 3. N o v e m» der, abends von5 �—7 U h r im Lokale von Max Kuß. Ber» ltner Straße 92. stattfindende Ergänzungswahl der Delegierten zur Generalversammlung aufmerksam gemacht und ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Die Mitgliedskarte dient als Legiti» mation. Berliner Gewerkschaftskommission. Abteilung Lichtenbcrg-Rummelsburg. Französisch- Bttchholz. Aus der Organisation. In der Gencrakbersammlung des Wahl- verciuS gab Genosse Risch den OuartalSbericht. Der Genosse er» mahnte die Versammelten, sich bei der bevorstehenden Reichstags» wähl mehr als bisher an den' BarieiariTeiKtt zu vekeilkzen. DaZ bisher gesperrt gewesene Lokal A. Rossal steht uns jetzt zu den bc- kannten Bedingungen zur Berfügung. Genosse Gust. Schmidt gab den Rassenbericht. Einer Einnahme inklusive Bestand von 309,53 M. steht eine Ausgabe von 106.10 M. gegenüber. Der Bericht aus der Gemeindevertretung, den Genosse Alb. Neumann gab, fand die Zustimmung der Versammlung. Als Ersatz für das verzogene Lokalkommisstonsinitglied wurde Genosse Plöge, als Bibliothekar Genosse Luckow gewählt. Dann befatzte sich der Verein mit der Einführung der Zahlabende; denselben liegt folgende Einteilung zu- gründe: 1. Bezirk: Lokal Gabbert. Pasewalker Straße, Pankower Straße, Bahnhofstraße. Pankstraße, Blankenburg.— 2. Bezirk: Lokal Rähne. Berliner Straße. Rosenthaler Straße, Schönhauser Straße.— 3. Bezirk: Lokal Rossack. Hauptstraße rechte Seite, Chamissostratze, Elfen-Allee, Grafensteiner Straße, Bucherstraße.— 4. Bezirk: Lokal Rossack. Hauptstraße linke Seite. Gartenstraße, Mühlenstraße, Blankenfelder Straße, Schönerlindcr Straße, Triftstraße. Wittenau-Borsigwalde. Die letzte Gemrindevertreterfitzung hatte sich mit drei Dringlichkeits- anträgen zu beschäftigen. Der erste, von den Bürgerlichen gestellte Antrag verlangte, daß der Beginn der Sitzungen von jetzt ab um 5 Uhr statt um 4 Uhr festzusetzen sei. Die Anträge unserer Genossen lauteten:»Den Beamten und Arbeitern wird eine Teuerungszulage von 2 M. pro Woche gewährt, wenn das Einkommen 2000 M. nicht übersteigt."—„Der Verkauf von Seefische», Rartoffeln usw. au Unbemittelte wird von der Gemeinde zum Selbstkostenpreis ver- mittelt." Die Sitzungen sollen nach dem Beschluß der Versammlung nunmehr um 5 Uhr beginnen; des weiteren wird der Gemeinde- vorstand beauftragt, eine Statistik sämtlicher Gemeindcongestellten aufzunehmen und in der nächsten Sitzung einen im Sinne des Antrags gehaltenen Beschluß mir rückwirkender Kraft vom 1. No- vember dieses Jahres herbeizuführen, dagegen den Verkauf von Seefischen usw. so schnell toie möglich in die Wege zu leiten und den Einwohnern hiervon öffentlich Kenntnis zu geben. Einstimmig wurde alsdann die Auinahme einer Anleihe von 500 000 M. von der Berliner Sparkasse zu einem Zinssatz von 4»/- Proz. und 2prozentiger Amortisation zugestimint. Desgleichen beschließt die Versammlung, die Baumeisterstelle wieder aus- zuschreiben. Es soll ein Anfangsgehalt von 6700 M. gezahlt werden, steigend von 3 zu 3 Jahren um 300 M. bis zum Höchst- gehalt von L20O SB. Ein Antrag der Gaskommission, bei unpünkt- licher Bezahlung der Gasrechnungen Strafgelder zu erheben, wurde mit 7 gegen 6 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt; da- gegen wutde der Kommisflön empföhlen, auf Wunsch AutömakkitgaS nebst Einrichtung einzuführen, um dadurch die Bezahlung des Gas- geldes zu erleichtern. Der SchulhauSneubau in Borsigwalde soll eine bessere Ausführung erhalten; eine Turnhalle, die erste hier am Orte, ist gleichfalls vorgesehen. Sämtliche Räume sind so angelegt, daß die Kinder den Hosraum nicht betreten brauchen. Die Ausführung des Baues soll einem Generalunternehmer übertragen werden; es ist eine beschränkte Submission von sechs Finnen vorgesehen. Für das GessllschaftShaus wurde» für Renovation nochmals 16 144 M. ge- fordert, im ganzen betragen die Unkosten für den Umbau 46 144 M. Nach längerer Debatte wurde die Summe bewilligt, dem Bauamt aber aufgegeben, bei der Festsetzung des Voranschlages für derartige Arbeiten vorsichtiger zu sein. Diese Arbeiten seien mit 22 000 M. berechnet worden, kosten aber weit über das Doppelte. Spandau. Zu einer imposanten Demonstration gestaltete sich die zum Freitagabend nach der Brauerei Pichelsdorf einberufene erste Reichstagswählerversammlung. Der große Saal der Brauerei ver- mochte selbst nach Entfernung sämtlicher Tische bei weitem nicht die Besucher zu fassen, so daß Stachkommende sich mit den Vorhallen begnügen mußten. ES mögen wohl über 3000 Personen anwesend gewesen sein. Nachdem der Arbciter-Gesangverein zuerst ein stimmungsvolles Kampflied zum Vortrag gebracht, hielt der Referent Genosse Dr. Karl Liebknecht seinen oft durch Beifall unter- brochenen zweistündigen Vortrag. Der Referent geißelte in sehr scharfen Worten das Verhalten des schwarzblaueu Blocks im Reichs- tag und ging des näheren auf die Rede ein, die der konservative Kandidat Herr Voßberg aus Potsdam in demselben Saale hier kürzlich gehalten hatte. Gegner meldeten sich trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Wort, so daß der Vorsitzende die Erklärung abgeben zu müssen glaubte, daß der Referent den anwesenden Vorstand der liberalen Partei von der sozial- demokratischen Anschauung überzeugt habe. Folgende Resolution fand e i n st i m m i g e Annahme:„Die in der heute, am 10. November, in der Brauerei Pichelsdorf stattfindenden Versammlung anwesenden Männer und Frauen von Spandau erklären sich mit den Ausführungen des Reichstagskandidaten Dr. Karl Liebknecht voll und ganz einverstanden. Sie verpflichten sich, mit aller Macht dafür zu sorgen, daß am Tage der Wahl der Kandidat Dr. Karl Liebknecht als Sieger aus der Wahlurne hervorgeht; ferner ver- pflichten sich die Aiilvesendett, Mann für Maim der soziakdemokratt- schen Organisation beizutreten, sowie für die weiteste Verbreitung der Parteipresse, den„Vorwärts", der wichtigsten Waffe des Proletariats in ihrem Befreiungskampfe Sorge zutragen." Hierauf wurden einige Neuaufnahmen für den Wahlverein sowie mehrere „Vorwärts"-Abonnenten gewonnen. Mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die imposante Versammlung gc- schlössen. Potsdam. Sein Mandat niedergelegt hat der Stadtd. Griese wegen Ver- zugeS»ach außerhalb. Danach sind bei der jetzige» Wahl von den 60 Stadtverordnetenmandaten für 28 Neu- resp. Ersatzwahlen vorzunehmen. Die I. Abteilung ist daran mit 11 Mandaten, die II. Abteilung mit 9 und die III. Abteilung mit 8 Mandaten bc- teiligt._ WaücrstandS-Stnchrt.tieea der Landesanstalt sl!r Ecivässertimd«. inilgctcUt vom Berliner Welterhureau. 1 4- bedeutet Such»,— Fall.— llnterpezel. Smgegangene Druck fckrlfteii. 25 Jahre Orgauisatio» der Berliner Braucreiarbeiter. Eni- stchung, Entwickclung des Brauereiarbeiter-VerbandcS in Berlin. 180 E. — L. Hodapp, Berlin 0. 54. Politischer Rückblick und Slusblick. Don Dr. Breitscheid. 13 Pj. Demokratische Lerlagsanstalt, Schöneberg, Kolonnenstr. 54. 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