N»«67. IHwnMmfntS'Btdlniungtts CSonnmtntS• Preis pränumerand» i LiertcljShrl. 8�0 TO f., mono«. 1,10 TOf, »vöchenllich 28 Psg, frei ins Hau». Einzelne Siununer"* Sonntags' Ii ummer mit tHuftrietlet Sonntags- Beilage.Die Reue Wein 10 Pfa. Post- klbonnemeni: 1,10 Mari pro Monat, Eingetragen w die Post-Zeiwnas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei» 28- Jahrs- VI« Tiil(rtUM<6(bfl|)f •ehSgt für die sechsgefpaltene KolonW- geile oder deren Raum 00 Plg., sfi» Post« und „nw.n« settgedruli «ort SO Psg,(zuliisfig 2scNgedru?»WSkyS. Dcr nun auch vom Hansabund warm empfoljlene, Trn Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück aufgestellte frühere Staatssekretär Graf Posadowsky hat auffallenderweise noch eine zweite Kandidatur angenommen: In Naumburg haben Vertreter der bürgerlichen Parteien des Neichstagswahlkreiscs Bitterfeld-Delitzsch beim Grafen Posadowsky vorgesprochen und ihm das Rcichstagsmandat des Wahlkreises angeboten. Graf Posadowsky hat auch diese Kandidatur angenommen. Der Wahlkreis Bitterfeld-Delitzsch wird zurzeit bon dem Neichsparteiler Bauermeistcr vertreten, der nicht wieder kandidieren will. Im ersten Wahlgang erhielt der Reichsparteiler 10 695 Stim- men, denen ebensoviel sozialdemokratische(19 190) gegenüberstanden. In der Stichwahl gaben die 6999 freisinnigen Wähler den Aus- schlag für den Ltonservativen. Posadowsky will also auch hier gegen den Sozialdemokraten gewählt werden. Die Bielefelder Wahl- wacher Posas klagen schon über die notwendige Nachwahl, wenn ihr Erkorener doppelt gewählt wird; von dieser Sorge werden sie hoffentlich in Bielefeld wie in Bitterfeld durch den sozialdemokrati- schen Sieg befreit werden. IftHleurils durchs Zenfrurnsjoch. Aus München wird uns geschrieben: Die Konfliktssituation in Bayern entbehrt trotz ihrer Bedeutung nicht einer gewissen Komik. Sie ist ebenso lustig als ernst und bietet einen vortrefflichen Stoff zu einer Satire oder einem Poffenspiel. Ein wirklicher, richtiger Parlaments streik einer Majoritätß- Partei zum Zwecke des Ministcrsturzes und die Stillegung wenigstens eines Teiles der parlamentarischen Maschinerie und damit des Re- gierungsbetriebes ist nichts Alltägliches und verdient um t so mehr Beachtung, als die oberste Leitung dieses mit Ausdauer geführten Streikes in den Händen hoher geistlicher und staatlicher Würdenträger liegt. Das Streikkomitee setzt sich zusammen aus dem Dompropst Dr. Pichler, dem Landgerichts- Präsidenten Lerno und dem Gymnasialdirektor Dr. v. O r t e r e r, lauter energische Verteidiger der RcgierungS- autorität gegenüber den Sozialdemokraten und alles approbierte Stützen von Thron und Altar. Selbst die freundlich-väterliche Er« Mahnung des Ministerpräsidenten v. PodewilS, doch die Arbeit wieder aufzunehmen, da ja alles auf einem Mißverständnis beruhe, hat die zielbewußte Zentrumsgewcrkschast des bayerischen Landtages rundweg abgelehnt. Lebten wir in einem Staate mit dem parlamentarischen RegierungSjystem, dann wäre die Sachlage und die Lösung des Konfliktes klar und einfach: Eine Parlamentsmehrheit lehnt in feierlicher Erklärung jede Arbeitsgemeinschaft mit einem Minister ab und spricht ihm durch politische Kcchtung ein Mißtrauensvotum in der denkbar schärfften Form aus. Ganz selbstverständlich, daß das Ministerium seine Entlassung nehmen oder das Parlament auf- lösen muß. Wir haben nun in Bayern kein parlamentarisches Regime. Trotzdem holt sich die Mehrheitspartei, die dazu noch eine aus- gesprochene Gegnerin dieses Systems ist, dorther ihre Waffen zum Kampfe gegen Minister und Negierung. Da? gibt dem Konflikt den eigenartigen Charakter und macht ihn so kompliziert. Das Zentrum erklärte zwar zweimal recht feierlich, daß es in seinem Kampfe die den Parteien durch die Verfassung gezogenen Grenzen respektieren, also das Kronrecht der Ministerernennung und Entlassung nicht antasten wolle. Allein das ist nur die Theorie. Die Praxis sieht ganz anders auS. Es erzwingt einfach die Entlassung eines Ministers durch die Proklamierung des parlamentarischen Streiks. Denn Auflösung der Kammer oder Entlassung des Ver- kehrsministerS, nur diese beiden Möglichkeiten schienen bisher denkbar. Macht bricht jedes Gesetz! Es ist deshalb ein unge- sunder und auf die Dauer ganz unhaltbarer Zustand, daß neben einer einheitlich organisierten Parlamentsmehrheit ein sogenanntes unpolitisches Ministerium amtiert. Eine zielbewußte, mit der im politischen Leben nötigen Portion Rücksichtslosigkeit ausgerüstete Partei wird der Regierung stets ihren Willen aufzudrängen ver- stehen. Wir haben dann tatsächlich die politische Herrschaft einer Partei ohne das Zubehör der politischen Verantwortlichkeit. DaS Vorgehehen des Zentruins erfährt die verschiedenste Be- urteilung und Verurteilung, letztere besonders scharf in der liberalen Presse. Wie weit ist eine solche Verurteilung berechtigt? ES find zwei Dinge auseinanderzuhalten: Das taktische Auftreten deS Verkehrsministers im Parlament gegenüber Zentrumsabgeordneten und seine sachliche Haltung in den Fragen des Eisenbahner st reiks und der Besserstellung der Staatsarbeiter. Es bleibt dabei: das Auftreten des VerkehrSministerS— feine Entfernung während der direkt gegen ihn gerichteten Rede eines Zentrumsabgeordneten und die Erteilung von Fleißnoten an einige Volksvertreter— war eine Mißachtung und eine Ungehörigkeit gegen- über dem Parlament, die sich selbst jede Minoritätspartei hätte ent- schieden verbitten müssen. Eine andere Frage ist es freilich, ob diese taktlosen Uebergriffe eines Ministers nur durch einen Parlamentsstreik und nicht schon durch eine energische Verwahrung der Fraktion hätte abgetan werden können. Es ist kein Zweifel, daß durch das klaffende Miß- Verhältnis zwischen Schuld und Sühne der Aktion des Zentrums der Stempel des Theatralisch- Possenhaften, der KleinlichkeitundUn wahrhaftig- keit aufgedrückt wird. Das scheint dem Zentrum unterdessen zum Bewußtsein gekommen zu sein, denn in seiner dritten und Visher letzten Erklärung drängt eS diese Verletzung parlamentarischer Formen und Rechte in den Hintergrund. Durch die Betonung der rein sachlichen Differenzen in bezug auf die Beurteilung des süddeutschen Eisenbahnverbandes und die Maßnahmen deS Ministeriums gegen ihn. Durch diese Hervorhebung der sachlichen Gründe wird die Situation für das Zentrum wahrer und besser, für das Gesamt- Ministerium schlechter. So lange eS sich lediglich um die Verstöße gegen parlamentarische Sitten und Rechte handelte, war der Aerkehrsminister allein verantwortlich und eine Lösung des Kon- fliktS durch feine Entlassung möglich. Jetzt aber wird daS Gesamt- Ministerium Ivieder vor die Front gestellt, denn die Haltung deS Verkehrsministers gegenüber dem süddeutschen Eisenbahnerverband beruht aus einem Beschluß des Gesamtministeriums, und das also und nicht der Verkehrsminister allein hat die Verantwortung zu tragen. Von dem ersten nicht sehr gescheiten und nur von einem kleinen Teil der Fraktion improvisierten Streich abgesehen, hat da« Zentrum seinen Standpunkt bisher nachdrücklich und mit Würde vertreten. Und das Ministerium? Ein Gruppenbild zum Erbarmen, in dem der Ministerpräsident die vollendste Hilflosigkeit und Unfähigkeit darstellt. Ob unter den übrigen Ministern noch etwa Männer von politischem Charakter, von Leidenschaft und politischem Ehrgefühl find, muß sich in dem Entschluß der Regierung kundgeben. Sie hat zwischen zwei Dingen zu wählen: Auflösung der Kammer oder durchs kaudinische Joch k München, 18. November. Das gesamte Ministerium Podewils wird, wie dem hiesigen Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung" zuverlässig mitgeteilt wird, in der Frage des parlamentarischen Konfliktes fest bleiben und den Forderungen des Zentrums nicht nachgeben. Der Prinz- regent billigt diese Haltung und wird das noch besonders zum Ausdruck bringen. Es wird eine Regierungskundgebung erwartet. ver Krieg. Vor Tripolis ist die Kriegslage die gleiche wie während der letzten vierzehn Tage. Die italienischen Trancheen und Feldbefestigungen werden nach wie vor durch Angriffe der türkischen Truppen in Verbindung mit irregulären Araber- detachements angegriffen und beunruhigt. Beide Parteien schreiben sich den Sieg bei diesen Scharmützeln, deren Be- dcutung von den nationalistischen Berichterstattern offenbar übertrieben wird, zu, obgleich von eigentlichen Siegen dabei kaum geredet werden kann. Die Cholera im Lager der Italiener verlangt immer mehr Opfer und wird sich bei der Anhäufung so grotzer Menschenmassen auf engem Räume und bei den schlechten Wasserverhältnissen nur schwer bekämpfen lassen. Die Aktion der italienischen Flotte im Aegäischen Meere läßt noch immer auf sich warten, obgleich die italienischen Schiffsgeschlvader dafür schon formiert sind und auch die Türkei die entsprechenden Gegenmaßnahmen getroffen hat. Die ita- lienische Regierung scheint aber den verhängnisvollen Shritt nicht zu wagen, ohne vorher mit den Kabinetten der Groß- mächte auf diplomatischem Wege Fühlung genommen zu l?aben. Mehr wie ausweichende Antworten wird sie aber schwerlich erhalten, so daß die Gefahr bestehen bleibt, daß Italien sich aus seiner bedrängten Lage durch einen neuen Desperadostreich zu retten sucht. Die Türkei droht ihrerseits, bei einem Angriff auf ihr europäisches Gebiet alle Italiener ausweisen zu wollen. Die Erbitterung der mohammedanischen Welt gegen die Italiener greift inzwischen immer weiter um sich. Die Un- ruhen in Tunis waren schon darauf zurückzuführen, aber auch in Algerien nimmt die arabische Bevölkerung gegen die dort wohnenden Italiener eine drohende Haltung ein. Ferner haben die Mohammedaner in Bosnien und in Palästina sich zu einem Boykott gegen die Italiener und ihre Waren ent- schlössen. Die drohende Aktion im Aegäischen Meere Konstantinopel, 13. November. In hiesigen diplomatischen Kreisen liegen Informationen darüber vor, daß Italien im Laufe dieser Woche zu einer erweiterten Aktion gegen die Türkei schreiten wird. Man nimmt jedoch an, daß Italien sich von einem Vor- gehen gegen die Inseln allein nicht den Erfolg versprechen wird, der nötig ist, damit die Friedensverhandlungen einen Schritt weiterkommen. Man erwartet den ersten Vorstoß gegen die Inseln Mytelene, Chios und Rhodus. Seit 14 Tagen hat die Türkei diese Inseln mit Truppen, Geschützen, Munition und Proviant versehen, so daß den Italienern eine Landung wohl nicht ohne harte Arbeit gelingen dürfte. Von anderer Seite verlautet. daß die Italiener sich zuerst gegen die syrischen Küsten- platze und den Golf von Saloniki wenden werde. Eine Aktion gegen den Golf von Saloniki könnte aber nur, wie man hier annimmt, im Einverständnis mit Oesterreich unternommen werden. UebrigenS ist der Golf von den Türken besonders gut befestigt und wird für den Fall einer italienischen Aktion auch das Eingreifen der türkischen Flotte erwartet. Konstantinopel, 13. November. Der gestrige Ministerrat beschloß, den Mächten offiziell mitzuteilen, daß, falls ein Angriff auf die türkischen Inseln oder die türkische Küste erfolgen sollte, die Pforte unverzüglich sämtliche Italiener ausweisen werde. Die Kämpfe bor Tripolis Tripolis, 12. November. Die von den Italienern aufgegebenen Stellungen sind noch nicht wieder erobert worden. Am 8. November unternahm das 18. Jnfanterie-Rcgiment einen Angriff auf die türkische Stellung bei Fort Scharascha, wurde aber zurückgeschlagen. Am 9. November erwiderten die Türken den Angriff und drangen bis an die italienischen Linien bei Karamanli vor. Am 19. November, vormittag? 19 Uhr. eröffnete die italienische Artillerie, unterstützt durch die Schiffsgeschütze, einen Angriff gegen die türkische Stellung im Osten. Es treffen fortwährend Verstärkungen ein. Der neu eingetroffene General Frugoni will in den allernächsten Tagen einen enerischen Vorstoß unter- nehmen. Tripolis, 12. November. sMeldung der Agence HavaS.) Heute vormittag erschienen etwa 399 Reiter und 1999 arabische Fuß. soldaten vor der Südfront, wurden aber durch ein heftiges Gc- wehr- und Kanonenfeuer zurückgetrieben. Die Posse in der Tragödie» Tripolis, 12. November. Gestern fand aus Anlaß des G e- burtstageS des Königs von Italien ein Empfang von Notabeln der Araber und aller religiösen Bekenntnisse statt, die„ihre Gefühle der Huldigung und ihre Glückwünsche für den König zum Ausdruck brachten".(!) Am Nachmittag fand ein Empfang sämtlicher Konsuln, der fremden Militärattaches und der hervorragenden Persönlichkeiten der europäischen Kolonie statt, an dem auch die Geistlichkeit, die Vertreter der Presse und Ar- beitervereinigungen teilnahmen. An die Armen und an die Moscheen wurden Unterstützungen verteilt. Italienische Desertionen. Innsbruck, 13. November. Seit dem 6. November find bei Borghetto und durch das Bonchital, südlich von Rovereto, über 209 italienische Deserteure nach Tirol gekommen. Sie flüchteten offenbar wegen des Krieges in Tripolis. Telegramme aus Nizza berichten von zahlreichen Desertionen über die französische Grenze und von anderen italienischen Reservisten, die, statt der Einberufungsorder zu folgen, nach südamerikanischen Häfen sich eingeschifft haben. Zur Affäre des deutschen Afrikaforschers Krause. Rom, 13. November. In der Angelegenheit des Afrikaforschers Krause hat die italienische Regierung dem deutschen Botschafter mitgeteilt, daß die Untersuchung des Vorfalles eingeleitet sei und daß gegebenenfalls Herr Krause für seinen Verlust entschädigt werden würde. Der italienische Gouverneur in Tripolis ist angewiesen worden, alle Herrn Krause gehörenden Gegenstände, soweit sie auffindbar sind, zurück- zuerstatten. Die italienischen Kriegsgreuel im englischen Unterliaus. London, 13. November.(Unterhaus.) In Erwiderung auf eine Anfrage an den Staatssekretär Grey über die angeblich von den JtMenery io Tripolis begangenen LjraussMkeitcn, n- Harke ParkanienkSunkersekretar Ackati?: Ich kallkk es nich? auf mich nehmen, irgendwelche Nachrichten einzuziehen oder bekannt- zugeben, außer in Fällen, die britische Untertanen betreffen. Natür- lich wäre es ein Gegenstand allgemeinen großen Bedauerns, wenn einer der kriegführenden Teile die in den Bestimmungen dcr'inicr- nationalen Konvention, der er beigetreten war, enthaltenen Kriegs- regeln nicht beachtet hätte. Aber wenn die Nationen nicht gc- sonnen sind, zu intervenieren, so können neutrale Mächte die militärischen Operationen einer der kriegführenden Parteien nicht untersuchen oder kontrollieren.— Auch an Asquith wurde heule nachmittag über denselben Gegenstand eine Anfrage gerichtet. Asquith bat jedoch, man möge die Anfrage auf TouuerStag ver- schieben,'_ Die Revolution In Ctzina. Eine Klärung der Lage, lveuigstens soweit die lveitere politische Gestaltung der Dinge infolge der Revolution in Frage kommt, ist noch nicht eingetreten. Wenn auch an ver- schiedenen Punkten noch zwischen Revolutionären und kaiser- lichen Truppen gekämpft wird, so ist doch der Sieg der Revo- lution in den wichtigsten Provinzen gesichert. Nur die Frage, ob konstitutionelle Monarchie oder Republik respektive ob eine Föderation von Einzelrevubliken das alte Regime ablösen soll, ist vorläufig noch nicht zu beantworten, da auch in den führenden revolutionären Kreisen darüber verschiedene Anschauungen zu bestehen scheinen. Tie Haltung Juan- tschikais ist nach wie vor schwankend und abwartend Eine revolutionäre Nationalversammlung? Schanghai, 13. November. Eine Maßnahme, welche einen großen Fortschritt in der Revolutions-bewegung bedeutet, ist gestern. wie der„New-Uork Herald" meldet, getroffen worden. Es wurde beschlossen, an die 14 Provinzen, die vom Kaiserreich abgc- fallen und sich den Rebellen angeschlossen haben, die Aufforderung zu richten, Delegierte zu ernennen, damit in Schanghai eine Nationalversammlung vou provisorischem Cha- rakter gebildet werden könne. Diese soll die Nationalversamm- lung von Peking ergänzen respektive ersetzen, da die Naiionalvcr- sammlung in Peking aus Personen' zusammengesetzt ist, die von der Regierung ernannt worden sind und nicht aus von den Rcvolu- tionären gewählten Leuten. Tal» republikanische Zentralkomitee hat ein Memorandum dcS Regenten erhalten und darauf eine neue Denkschrift an den Regenten gerichtet, in der die Revolutionäre dessen Abdankung ver- langen, gleichzeitig der kaiserlichen Familie das Leben zusichern, sowie die Unverletzlichkeit ihrer Güter garantieren. An die Be- völlerung wurde ein Appell des neuen republikanischen Regimes, welche» Freiheit und Gleichheit in vollster Weise verbürgt, zur Unterstützung gerichtet. Maßnahmen der Revolutionäre. Paris, 12. November..Herald".Depeschen auS China besagen. daß die Unabhängigkeit der Provinz Kwangschu offiziös morgen, Montag, erklärt werden wird. General Li und General Leung. beides Führer der Revolutionäre, werden ihre Posten, die sie unter dem alten Regime einnahmen, wieder erhalten. Die Führer der republikanischen Partei in Kanton veröffcnt- lichen eine Proklamation, in welcher sie den MandschuS. welche den Treueid leisten und die neue Regierung respektieren, vollständige Freiheit gewähren. Bis jetzt sollen mehr als 4999 MandschuS diesen Treueid geleistet haben und in Freiheit gesetzt worden sein. Eine weitere Proklamation untersagt das Tragen des Zopfes. Eine neue Partei, genannt die republikanisch gemäßigte, hat sich in E ch a n t u n g gebildet. Die Fortschritte der Revolution. Schanghai, 13. November.(Meldung des Rentcrschen Bureaus) Ts ch i f u ist zu den Revolutionären übergegangen, ohne daß es dabei zu Blutvergießen kam. Die Lage in Nanking. Nanking, 13. November.(Meldung des Rcuterschcn Bureaus.) Der deutsche und der englische Admiral haben Nanking besucht. Sie empfahlen den Konsuln, sich mit dem Konsularpersonal zurückzuziehen, da die Kriegsschiffe nicht imstande seien, sie zu schützen. Dreizehn chinesische Kriegsschiffe sind heute früh hier angekommen; sie haben bisher keine Flagge gehißt, und man ver- sichert, daß sie noch heute dUrepublikanischeFahneauf» ziehen werden, poUtifche Clebcrficbt» Berlin, den 13. November 1311. Konservative Machenschaften. Die konservative Presse legt sich in ihren Erorkerungcn des Duells Heydebrand-Bethmann Hollweg eine befremdende Zurückhaltung auf. Selbst die sonst so rücksichtslose, kämpf. lustige„Deutsche Tageszeitung" erklärt in ihrer heutigen Abendnummer an der Spitze ihres den Wortlaut der Hcyde- brandschen Rede entschuldigenden Leitartikels, daß sie den Konflikt zwischen dem Reichskanzler und den Konservativen nicht vertiefen möchte. Begreiflich ist diese Reserve der kou- servativen Wortführerl Sie können in dem bevorstehenden Wahlkampfe die Unterstützung deS Regierungsapparates nicht entbehren— so geben sie vorläufig nach und sparen ihren Haß für spätere Zeit auf. Allerdings wird, wie Herr v. Bethmann auch Herrn v. Heydebrand sehr glimpflich behandelt, seine Rede als eine bedeutende rhethorische Leistung gepriesen und in allen mög- lichen Variationen verkündet, daß die konservative Partei treu zu ihrem Führer stehe. Aber alle diese schönen Redens- arten vermögen nicht darüber hinwegzutäuschen, daß wenig- stens in einem Teil der konservativen Fraktion Mißstimmung iiber das Auftreten des Abg. v. Heydebrand herrscht. Als Fraktionsredner der Konservativen zur Marokkoangelegenheit war, wie wir schon am Sonntag berichteten, zuerst der Abg. Graf Kanitz bestimmt. Er sollte zwar zum Ausdruck bringen, daß die Konservativen mit der Lösung dieser Frage nicht zufrieden sind, s o n st aber in verbindliche ur Sinne sprechen. Das Zentrum war vorher davon unter- richtet worden, und der Abg. v. H e r t l i n g richtete danach seine Rede ein. In letzter Minute kam aber eine Nachricht des Abg. v. Oldenburg- �anuschau, bei dem der Krön» Prinz ein paar Tage vorher zur Jagd gewesen war. Herr v. Oldenburg forderte energisches Vorgehen mit dem Be- merken, daß der Kronprinz nicht nur die gleiche Auffassung habe, sondern auch zu den Verhandlungen im Reichstage er» scheinen werde. Taraufhin wurde Abg. Graf Kanitz beiseite geschoben und statt seiner der Abg. v. Heydc- brand als Redner bestimmt, dem die lebhafte Zustiinmung des Kronprinzen während seiner Rede natürlich nicht ent- gangeg war. Am anderen Tage erfuhr dann die konservative FrakRois, 5a? Wil?elni TT. uBet TorgeIeR'geradezu empört sei und nun erhielt die konservative Presse die Wei- sung. die Kluft nicht etwa durch scharfes Vor- gehen noch zu verbreitern. Darin liegt die Ursache der auffallenden Mäßigung. Daß die konservativen Taktiker jetzt, wo sie den Kaiser auf des Kanzlers Seite wissen, sich eine wohlberechnete Re- serve auferlegen, schließt natürlich nicht aus, daß sie sich sofort nach der Reichstagswahl an Herrn v. Bethmann Holl- weg bitter rächen werden. Schon jetzt suchen sie dadurch den Kaiser gegen den Kanzler einzunehmen, daß sie mit erncht- licher Absicht den Beifall hervorheben, den Bethmanns Rede in der sozialdemokratischen und linksliberalen Presse gefunden hat, und indem sie andererseits mit einer widerlichen Auf- dringlichkeit sich als treue Hüter der Kronrechte aufspielen. So schreibt z. B. Herr Georg Oertel in der„Deutschen Tageszeitung": „Wie er aber ausgenützt wird, das zeigt, um nur ein Bei- spiel anzuführen, der gestrige„Vorwärts", in dem in An- lnüpfung an die Vorgänge im Reichstage gesagt wird, die Re- gicrung selbst habe sich gezwungen gesehen, den gewissenlosen nationalistischen Hetzern die patriotische Maske vom Gesicht zu reißen. Diese Ausnützung seiner Worte hatte gewiß der Reichskanzler nicht geahnt; aber er hätte sie ahnen müsse n." Weiterhin folgt dann das folgende geschraubte Bekennt- nis zum Monarchismus: „Wir unsererseits wollen keine parlamentarische Regierung; wir wollen keine Erweiterung der Machtbefugnisse der Volksver- tretung, keine Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte der Monarchie. Wir werden auch bei der verfassungsmäßig gestatteten und notwendigen Kritik der Regierungsmaßnahmen niemals vergessen, daß die Vertreter der Regierung die Vertrauensmänner des Monarchen find. Unsere Kritik wird niemals die Autorität des Staates und der Regie- rung als solcher gefährden." Nach demselben Rezept verfährt die„Kreuzztg.", indem sie schreibt: „Daß Herr v. Bethmann Hollweg der Sozial- demokratie für ihre Wahlmache durch seine Aus- führungen an und für sich Wind in die Segel ge- blasen hat, wollen wir keineswegs in Abrede stellen. Aber gegen die sozialdemokratischen Unterstellungen, er habe dies mit Absicht getan, müssen wir den Reichskanzler unbedingt in Schutz nehmen. Ja, wir find davon überzeugt, daß er seine Angriffsworte sorgfältiger als geschehen ab- gewogen haben würde, wenn er geahnt hätte, welch ge- meingefährlichen Gebrauch davon die Revolutionspartei machen werde." Ein schlauer Trick l Man weiß, wie solche Beschuldi- gungen nach oben wirken._ Auch eine„Reform". Wie wir bereits in der SonntagSnummer mitteilten, hat sich die Regierung«ine große„Reform" geleistet: der Bundesrat hat die Geltungsdauer der Einfuhrfcheine für Getreide auf drei Mo- nate herabgesetzt und ferner untersagt, daß diese Scheine fürderhin bei der Entrichtung von Petroleum- und Kaffeezöllen von den Zollbehörden in Zahlung genommen werden. Dadurch hofft man allem Anschein nach, die scharfe Kritik des Einfuhrscheinsystems beschwichtigen zu können. Eine lächerliche Selbsttäuschung: denn in Wirklichkeit hat diese sogenannte Be- schränkung des Einfuhrscheinwesens recht geringen Wert. Bisher ichon sind die Scheine fast restlos im Laufe von drei Monaten ver- wandt worden, und soweit das nicht geschehen, können die Jnter- essenten die Frist leicht einhalten, ohne in der Ausfuhr von Ge- treibe behindert zu fein. So find z. B. im Jahre 1908 von ins- gesamt 9 6 8 5 5 ausgestellten Scheinen nur 113 länger als drei Monate im Umlauf gewesen. Die Herabsetzung der VerwendungS- zeit hat daher praktisch keinen Wert, sie übt fast gar keinen Ein- sluß auf die Preisgestaltung aus. Mit der Nichtannahme der Ein- fuhrscheine bei der Zahlung von Petroleum- und Kaffeezöllen ver- hält eS sich ebenso. Die Schädlichkeit des Einfuhrscheinsystems be- steht in folgendem: es dient dazu, deutschen Roggen mit Hilfe einer Prämie von 59 M. pro Tonne aus der Reichskasse in das Ausland zu bringen. Die prämiierte Ausfuhr ermöglicht eS den Exporte»- ren, die Inlandspreise auch dann noch annähernd um den Zoll- betrag über die Weltmarktspreise hinauszutreiben, wenn die In- landsernte den Konsum übersteigt. Gute Roggenernten in Deutsch- land verschaffen wohl dem Auslände billigen deutschen Roggen, nicht aber auch den einheimischen Konsumenten. Würde die Ver- wendbarkeit der Einfuhrscheine auf die Getreidearten beschränkt, für welche sie ausgestellt worden sind, dann wirkte daS System nicht mehr als Ausfuhrprämie, denn nur bei Roggen haben wir eine über den Bedarf hinausgehende Ernte, daher auch einen Ausfuhr- Überschuß. Bei den übrigen Getrcidearten übersteigt die Einfuhr den Export. Da dieser Einfuhrüberschuß auch den Ausfuhrüber- schuß von Roggen weit überragt, kann die„Reform" die Roggen- ausfuhr nicht beschränken, den Preis nicht bceiyflussen. Tie folgenden Angaben beweisen das. Im Jahre 1999 sind insgesamt rund 93 Miilloncn Mark Zölle mittels Einfuhrscheinen beglichen worden, im Jahre 1919 rund 122 Millionen Mark. Davon entfallen auf Petroleum und Kaffee im Jahre 1909 rund 14 Mil- lionen Mark, im letzten Jahre 16Mi Millionen Mlark. Di« Annahme, die Beschränkung der Verwendbarkeit der Scheine auf Ge- treide würde die Roggenausfuhr verringern, ist falsch, denn eS bleibt genügende Gelegenheit, die Scheine bei der Einfuhr anderer Getreidcarten zu verwenden. Allein die'Zölle für den Ueberscbuß bei der Weizeneinfuhr ergeben so ziemlich die ganzen Beträge der ausgestellten Scheine— im Jahre 1909 rund 122 Millionen Mark. im Jahre 1910 rund 113 Millionen Mark. Rechnet man die Zölle des Einfuhrüberschusses bei allen Getrcidearten zusammen, dann ergeben sich für 1909 rund 192 Millionen Mark, für das letzte Jahr 174 Millionen Mark. Die wenigen Millionen, die bisher auf Zölle für Petroleum und Kaffee entfielen, können' sehr leicht bei der Einfuhr von Weizen, Hafer, Mais und Gerste verwendet werden. Aus dem bayrischen Landtage. München, Ii. November 1911. Die Sitzung bringt zunächst die bereits gemeldete Erklärung der Zentrumsfraklion. daß die Stellung des Eefamtniiiiisteriums in dem Konflikt ungenügend und feine Fraktion entschlossen sei. die parlamentarische Arbeit im Finanz- auSschuß nicht aufzunehmen. Sodann spricht Genosse Müller-München als General- redner der sozialdemokratischen Fraktion zum Etat deS Aeußern. Er geht zunächst auf die Ausführungen des Zentrumsredners ein und betont, daß an der angeblichen Hetze gegen daS Zentrum wegen der Reichsfinauzreform daö Zentrum selbst schuld sei. Die Betriebs- gemeinschaft der deutschen Eisenbahnen lehnt er ab. spricht sich aber grundsätzlich für R eich Seisenbahnen auS unter der Voraus- fetzung, daß daS AuffichtLrecht des Reichstages in der weitgehendste» Weise ausgebaut wird. Sodann geht der Redner ans die Eni- stehungSgeschichte und den Wert und die Bedeutung deS Ausschusses für äußere Angelegenheiten ein. in dem Bayern der Vorsitz durch die Verfassung gesichert ist. Er machte der Regierung den schweren Vorwurf, ein ihr übertragenes Recht, das ein gewisses Gegengewicht gegen die Gefahren de» persönlichen Regiments in Deutschland dar- stelle, nicht im Interesse deS Volkes und Friedens ausgeübt zu h a b e n.- Weiter kommt Genosse Müller auf die Stellung der bayerischen StaatSregierung zur Sozialdemolratie und betont, daß diese auf dem Boden der bestehenden Gesetze die Grund- sähe ihres Programms zur Durchführung zu bringen suche, aber alle gewalttätigen Maßnahmen verwerfe. Sie werde eS verstehen, die ihr heute verweigerte politische Gleichberechtigung allen Re- gierungen und dem Zentrum zun: Trotze zu erkämpfen. Im weiteren kritisiert Genosse Müller in seiner satirischen, wirksamen Manier den jetzigen Konflikt des Zentrums mit der bayerischen Re- gicrung. Die politisch sehr bedeutsame Rede des Genossen Müller war eine bald mit eindrucksvollem Ernste, bald mit beißendem Humor, bald mit Hohn und Spott hingeworfene KriegSerllänmg der sozialdemokratischen Partei gegen die bayerische StaatSregierung. Nachdem der Banernbiindler B e ck h über die Reichsfinanzreform und die Marokkofrage gesprochen, nimmt der zweite ZcntrumSredner Speck das Wort. Er macht dem Genossen Müller den nicht begründeten Vorwurf, daß er in dem schweren Konflikt zwischen Zentrum und Re- gierung die Rechte des Parlaments preisgegeben und sich voll st ändig auf die Seite der Regierung gestellt habe, daß also die Sozialdemokratie die Würde undRechte der Volksvertretung nicht ge- wahrt habe. Speck spricht dann über die Finanzlage des baye- rischen Staates und äußert sich wenig optimistisch über den Gesetzes- entwurf der Staatslotterie. Auch er bespricht n: langen Ausführungen sodann die Reichsfinanzreform und bemerkt, daß das Zentrum daS Bewußtseiwhat, in schwerer Zeit dem Vaterlande einen großen Dienst erwiesen zu haben._ Endgültiges amtliches Ergebnis der Stichwahl in Rativor. Bei der Reichstagsstichwahl im. 7. Raliborer Wahlkreise er- hielten Grundbesitzer Saplctta in Ratibor(Zentrum) 10 054 und Pfarrer Banas in Lubowitz(Pole) 5625 Stimmen. Saplctta ist somit gewählt._ Beamte, Wahlrecht und Freisinn. Die„Freisinnige Zeitung" polemisiert gegen das Organ des Verbandes Deutscher Beamtenvereine. in dem ausge- führt wird, daß der Beamte als Staatsbürger zwar volle Frei- heit deS Wahlrechts besitze, daß aber die Wahlfreihcit wenigstens insofern ihre Grenzen finde, als kein Beamter für eine Partei stimmen dürfe, die die Betonung republikani- scher Gesinnung zur Pflicht mache. DaS, so erklärt die„Frei- sinnige Zeitung", vertrage sich nicht mit der vollen Wahl- freiheit und auch nicht mit der Betonung deS Staatsbürger- rechtes der Beamten. Denn eS gäbe Fälle, in denen auch der treueste und gewissenhafteste Beamte die Pflicht haben könne, in der Stichwahl für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Bei den letzten preußischen LandiagSwahlen las man es a n d e r s in der„Freisinnigen Zeitung". Damals wurde auSdrück- lich in dem freisinnigen Organ darauf hingewiesen, daß ein Beamter keinen Sozialdemokraten wählen dürfe, ja daß eS eine B e I e i d i- gung sei, Beamten etwas derartiges zuzutrauen. Inzwischen hat sich also die liberale Auffassung der„Freisinnigen Zeitung" dahin ausgeweitet, daß Beamte wenigstens in der Stichwahl sozial- demokratisch stimmen können. Hoffentlich zeigt sich das freisinnige Organ auch noch weiterhin entwickelungsfähig, so daß es nicht nur das unbedingte Recht der Beamten feststellt, nach seiner politischen Ueberzeugung sozialdemokratisch wählen zu können, sondern daß eS auch entschieden für dieses Recht eintritt und durch seine Fraktionen im Parlament den gegen die Beamten geübten WahlterroriSmuSder Regierung mitaller Entschiedenheit verurteilt! Gegen die uferlose Flottenhetze wendet sich in der„V o s s i s ch e n Z t g." der V i z e a d m i- r a l a. D. H o f f m a n n. Der Verfasser weist gegenüber den jungliberalen Forderungen, daß Deutschland sich eine England ebenbürtige Flotte schassen müsse, darauf hin, daß das deutsche Marinebud�et 1911/12 einschließlich Neu- bauten den Betrag von 693 Millionen erreiche, daß aber Eng- land für denselben Zeitraum, gleichfalls einschließlich der Neu- bauten, nicht weniger als 1276 Millionen für seine Flotte aus- gebe. Selbst also den Fall gesetzt, daß England bei einem forcierten Rüsten Deutschlands nicht gleichfalls seine Flotten- rüstungen steigere, werde Deutschland nicht weniger als 696 Millionen mehr für seine Flotte ausgeben müssen,� um die utopistischen Absichten der Nationalliberalen zu verwirklichen. Selbst wenn die Einnahmen aus einer„scharf ange- spannten Erbschaftssteuer" 299 Millionen jährlich ergeben sollten, bliebe noch eine ungeheure Summe zu decken, die natürlich wiederum durch indirekte Steuer aufzubringen sei. Hoffmann gelangt deshalb zu dem Ergebnis, daß es gar nicht möglich sei, Englands maritimen Vorsprung einzuholen. Das sei aber auch gar nicht nötig. Denn die jetzige Stärke der deutschen Flotte reiche völlig aus, Deutschlands Rechte auf politischem und wirtschaftlichem Ge- biet nachdrücklichst zu schützen. Wir wollen uns diese Ausführungen der„Vossischen Ztg." für jenen Zeitpunkt merken, wo der Reichstag sich wirklich mit der neuen Flottenvorlage zu beschäftigen haben wird. Doch begen wir schon jetzt erhebliche Zweifel, ob der Fr.eisinn sich dann den Standpunkt seines Marinesachverständigen zu eigen machen und alle Mehrforderungen für die Flotte a b- lehnen wird!_ Genosse Bebel hatte, wie er uns schreibt, die Absicht, in der heutigen Sitzung des Reichstages bor Eintritt in die Tagesordnung die folgende Erklärung abzugeben. Ter Präsident, Dr. Graf Schwerin-Löwitz. war aber nach Kenntnisnahme der Erklärung der Ansicht, er könne nicht anerkennen, daß der Erklärung eine Be- deutung zukomme, die deren Vortrag im Reichstag in der ge- wünschten Weise rechtfertige. Es genüge, wenn dieselbe in der Presse veröffentlicht werde. Bebel schickt uns deshalb die Erklärung zur Veröffentlichung. Sie lautet: In der Sitzung vom 9. November halte ich in meiner Rede geäußert, der Chefredakteur der„Post" habe den Artikel des genannten Blattes vom 4. August, überschrieben„Krise und Rückzug", erst am 24. desselben Monats als eine Ferienent- glcisung des stellvertretenden Redakteurs mißbilligt, obgleich er bereits am 6. August nach Berlin zurückgekehrt sei. Die Redaktion der„Post" legt Gewicht darauf, daß ich kon. stst'?xe. die Mißbilligung der formellen Entgleisungen jenes Artikels sei schon wiederholt vor dem 24. August in dek„Post" ausgesprochen und dem betreffenden Rodakteur bereits am 7. August, also unmittelbar nach Rückkehr des Chefredakteurs nach Berlin, gekündigt worden._ 6cbwdz. Die Zusanimcnsctzung des NationalrajS, Bern, 12. November. Nach dem Ausfall der heutigen Stich- wählen wird sich der neue Nationalrat zusammensetzen aus 118 Freisinnigen, 37 Katholisch-Konservativen, 15 Sozial- demokraten. 12 Mitgliedern des liberal-protestantischcn Zentrums und 7 Mitgliedern der sozialpolitischen Gruppe. frankreick. Kriegsschiffe für Marokko. Paris, 13. November. Wie„Le Journal" meldet, haben die in Villefranche ankernden Panzerkreuzer„Edgar Quinet" und„Liion Gambetta" Befehl erhalten, nach M a- rokko abzugehen. Aus Tanger wird gemeldet, daß E l M o k r i zum Großwesir ernannt worden ist. IZus der Partei. Eine Parteikonferenz für OstfricSlantz fand am Sonntag in Emden statt, die trotz der großen agitatori- schcn Schwierigkeiten auf dem Lande ein gutes Bild der Partei- und Finanzentwickelung gab. Ihr Hauptzweck war die Vorberei- tung der ReichstagSwahlen. Parteisekretär Schulz hielt das Referat und gab eine Ucbersicht über die Art der wirksamsten systematischen Agitation und Organisation. Die Konserenz bewies in ihrem ganzen Verlauf, daß der Sozialismus in dem noch „dunklen Ostfriesland" im rüstigen Vorwärtsschreiten begriffen ist. Gcmeinberatswahlergcbnisse. Bei der Gemeinderatsergänzungswahl in Weida i. S.-W. bchckliptcten unsere Genossen mit vermehrter Stimmenzahl unsere zur Wahl stehenden 4 Mandate gegen den bürgerlichen Mischmasch. Wehklagend schrieb die bürgerliche Presse, daß trotz deS Zusammenschlusses der bürgerlichen Parteien der Sozialdemolratie kein Mandat entrissen werden konnte. In dem Weimarischen Städtchen M ü n ch e n b e r N Sd o r.f wurde zum ersten Male ein Sozialdemokrat in den Gemcindcrat gewählt. Bei der am Freitagabend in Remschütz bei Saalfcld (S.-Mciningcn) stattgefundenen Gemeinderatswahl gelang es un- seiker Partei, zwei neue Genossen in den Gemeindcrat zu bringen. Da wir nun von sechs Mandaten fünf inne haben, besitzen wir die Majorität im Remschützer Gemeindcrat. In Schönberg(Bayern) wurden zum erstenmal 2 Sozial- demokraten in das Rathaus gewählt, ebenfalls 4 sozialdemokratische Ersatzleute. Eine ganze Gemeindeverwaltung sozialdemokratisch. In dem mittelfränkischen Dorfe Zerzabelshof wurden bei der Gemeindewahl alle sozialdemokratischen Kandidaten ge- wählt. Auch zum Bürgermeister wurde ein Sozial- demokrat erkoren. Die ganze Gemcindeverwal- tung, einschließlich der Ersatzmänner, besteht nun aus Sozial» demokraten. Die ersten Sozialdemokraten in einem preußischen Kreistage. Zu der unter dieser Spitzmarke in der Sonntagnummcr deS „Vorwärts" gebrachten Notiz geht uns folgende Mitteilung zu: Die Genossen in Höhschcid und Ohligs sind nicht die ersten, auch nicht die- einzigen Mitgkicder in Preußischen Kreistagen. Dem Nicder-Barnimer Kreistage gehörte Genosse Grauer- Lichtenberg an, dem Kreistage für Toltow-Beeskow gehört noch an Genosse Herb st-Köpenick._ Soziales. DaS„Lichtenberger Tageblatt" vor dem Gcwcrbegericht. Der Verleger des.Lichtenberger Tageblatts" ersucht unter- Be» zugnahme auf unseren Bericht über die Gewcrbegerichtsvcrhandlung in Nr. 265 und auf 8 11 des Preßgcsetzcs um Aufnahme folgender „Berichtigung": „Es ist nicht wahr, daß sich der Kläger bei dem Beklagten um eine gar nicht vakante Stelle als Redakteur und Berichterstatter bewarb. Es ist nicht wahr, daß die außerordentlich bescheidene Gehaltsforderung von 140 Mark pro Monat dem Beklagten vcr- lockend genug war, um für den Bewerber die Stelle freizumachen. Es ist nicht wahr, daß der Kläger die neuesten Nachrichten am Telephon entgegenzunehmen hatte. Es ist nicht wahr, daß der Kläger der einzige mit„redaktionellen" Arbeiten beschäftigte Mann im Betriebe des Tageblatt gewesen ist." Das Preßgesetz verlangt, daß derartige Behauptungen als„Be. richtigung" aufzunehmen sind. Unser Bericht entsprach dem vor dem Gewerbcgericht vorgetragenen Sachverhalt. Unsere Leser er- seihen aus der„Berichtigung" selbst, daß sie lediglich ohne Angabe des vermeintlichen wirklichen Sachverhalts Bestrerdungen enthält. Der Verleger Koch scheint anzunehmen, daß auch seine Tätigkeit als die eines mit„redaltionellen" Arbeiten beschäftigten Mannes zu er« achten sei._ Von einem Genossen, der auf dem Gebiete der Arbeiterver« sicherung in den ersten Reihen steht, geht uns nachstehender Aufruf mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu. Wir entsprechen dem Ersuchen und geben auch, dem Wunsche des Einsenders folgend, der gesamten Parteipresse anHeim, den Aufruf abzudrucken. An die Arbeitrrvertrcter in den Borsttinden und Ausschüsse» de» Landesversicherungsanstalten. Am 1. Januar 1912 tritt das neue Gesetz über die Invaliden«« Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung in Kraft. Die Statuten der Versicherungsanstalten müssen bis dahin entsprechend abgeändert werden. Den Tag, bis zu welchem dies zu geschehen hat, bestimmt daS Rcichsversicherungsamt, dezw. die zuständigen Versicherungsämtcr (8 Li des Einführungsgesetzes). Das Selbstverwaltungsrecht der Versicherten und Arbeitgeber bei der Invalidenversicherung ist belanntlich eine Karikatur; die Entscheidung liegt bei den Regierungsbeamten. Bei der nun vorzunehmenden Statutenänderung ist es möglich, diesen unwürdigen Zustand, wenn auch nicht zu beseitigen, so doch zu mildern. Nach§ 1838 der Reichsversicherungsordnung muß das Statut bestimmen, für welche Gegenstände im Vorstande der Versicherungs- anstalten die Mitwirkung der Vertreter der Arbeitgeber und Ver, sicherten erforderlich ist. Hier ist dergestalt einzusetzen, als man diese Gegenstände gegenüber den jetzigen Bestimmungen wesentlich erweitert. Die Statuten werden vom Ausschuß beschlossen, ebenso die Ab« änderungen. In beiden Fällen ist in der Regel eine Zweidrittel- Mehrheit erforderlich, die nur mit Hilfe der Arbeitgebervertreter erreicht werden kann. Auf jeden Fall muß der Versuch in allen Versicherungsanstalten gemacht werden. Dringen wir damit nicht durch, so lehnen wir jede Verantwortung für die Verwaltung und ihre Entschließungen ab und richten auch unser Verhalten ent, sprechend ein. Die Mitglieder in den Vorständen und Ausschüssen mögen sich üb« diese Frage umgehend verständigen. Eile tut>wt! 6ewcrferd>aftUd)C9. Gärung unter den Ruhrbergleuten. Im Ruhrrevier fanden am Sonntag in Bochum, Essen, Oberhausen, Bruckhausen, Lünen, Kamen und Hamm größere Bergarbeiter-Versammlungen statt. Die Versammlungen waren alle massenhaft besucht. In allen Versammlungen wurde zur gegenwärtigen Teuerung und zu der Lohnfrage Stellung genommen. Die größte und am stärksten besuchte Versammlung fand in Bochum im großen Saale des Zchützen- Hofes statt. Dieser Saal, in dem schon so manche denkwürdige Versammlung der Ruhrknappen getagt hat, bildete auch Sonntag wieder das Ziel der Bergleute aus der näheren und weiteren Umgegend von Bochum. Trotz schlechten Wetters strömten die Knappen in Scharen herbei.— In der Bo- ch u m e r Versammlung sprachen die Genossen H u e und H u s e m a n n vom Bergarbeiter-Verband. Scharf gingen die Redner mit der„bewährten" Wirtschafts- und Zollpolitik des deutschen Reiches ins Gericht. An zahlreichen Beispielen wiesen sie nach, wie durch diese Wirtschaftspolitik die Lebens- Haltung der Arbeiter verteuert wird. Die Regierung habe es abgelehnt, selbst den von christlicher Seite gemachten Vor- schlagen ihre Zustimmung zu geben, es würde also von dort keine Erleichterung zu erwarten sein. Auch die vielfachen, von den Gemeinden angewandten Mittel wären nicht geeignet, den unter den Teuerungsverhältnissen besonders leidenden Bergleuten dauernd Erleichterung zu bringen. Die den Ar- beitern von den Werksverwaltungen angebotenen Lebensmittel feien vielfach noch teurer als im Detailhandel. Auch würde die Lieferung von Lebensmitteln dazu benutzt, um Mitglieder in die gelben Werksvereine hineinzubekommen. Die Arbeiter sollten dadurch zu willenlosen Heloten herabgewürdigt werden. Nach Lage der Verhältnisse bleibe den Bergleuten nichts anderes übrig, als zur Lohnfrage Stellung zu nehmen. Die Löhne der Ruhrbergleute waren von 1907 bis 1909 ständig zurückgegangen. Die geringe Steigerung, die seit 1909 ein- getreten ist, könne die bedeutend gestiegenen Preise der Be- darfsartikel und Lebensmittel nicht wettmachen. Der Lohn der gesamten Bergleute des Ruhrgebietes stehe heute noch 33 Pf. niedriger als 1907, während die eigentlichen Berg- arbeiter(Hauer, Lehrhauer) sogar pro Schicht 63 Pf. weniger Lohn erhielten wie 1907. Jetzt würden sogar noch Lohnredu- Vierungen vorgenommen. Es gäbe Werksverwaltungen, die bei einem Hauerlohn von nicht mal 4,50 Mk. pro Schicht eine Reduzierung des Wagengedinges von 10 Pf. vorgenommen hätten. Hauerlöhne von 4,00 bis 4,50 Mk. seien keine Selten- heit. Ein großer Teil der Bergleute sei ob dieser Verhält- nisse empört. Die Bergleute müßten selbst Hand ans Werk legen. Die Bergarbeiterorganisationen müßten zur Lohnfrage Stellung nehmen. Es sei nicht unter allen Umständen das Bestreben des Verbandes, das Wirtschaftsleben zu erschüttern, aber die Lohnverhältnisse könnten auch nicht so bleiben. Wenn alles nichts nutze, dann dürften die Arbeiter auch vor dem letzten Mittel nicht zurückschrecken. Die Zeiten wären ernst. Die BeMleute müßten rüsten, damit der emste Augenblick kein schwaches Geschlecht fände? Diese Ausführungen fanden in der Versammlungen un- geteilten Beifall. Soweit sich Diskussionsredner meldeten, lourde das von den Referenten Gesagte bestätigt. In der Versammlung in Essen machte ein Vertreter der gelben Werkvereine den Versuch, die Lebensmittelbeschaffung durch die Werkvereine und Grubenverwaltungen zu verteidigen. Es war dem Referenten selbstverständlich ein Leichtes, diesen Zechenliebling abzuführen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, jedoch haben die Ruhr- bergleute durch den massenhaften Besuch zu erkennen gegeben, daß sie die Zeichen der Zeit verstehen. LerUn und Umgegend. Der Streik der Berliner Eisenkonstrukteure Lauerk fork. Der Verband der Berliner Eisenbauanstalten hat eS abgelehnt, sich der Vermittelung des Hansabundes zu bedienen. Der Ausschank der Patzenhofer-Brauerei» Friedrichstr. 71, ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Der Oekonom will jetzt, um den Vertragsbruch zu bemänteln, einzelne Verbandsmitglieder wieder einstellen, von denen er an- nimmt, daß sie schließlich doch der Organisation den Rücken kehren würden. Von diesen so beehrten ist die Wiederaufnahme der Arbeit aber abgelehnt worden. Verband deutscher GaftwirtSgehilfen. Der Streik bei der Firma Gebrüder Richter ist beigelegt. Die Firpta verhandelte gestern mit den Vertretern der Organisation und erklärte sich bereit, das Koalitionsrccht ihrer Arbeiter anzu- erkennen. Der größte Teil der Kutscher nimmt die Arbeit am heutigen Tage wieder auf. Die übrigen Leute werden nach und nach eingestellt. Veutkches Reich. Die Eschweger Lederfabri.'ante» und das Koalitionsrecht ihrer Arbeiter. Die schon kürzlich gemeldete Kündigung der organisierten Lederarbeiter in Eschwege durch die dortigen Lederfabrikanten hat ihren Grund nur in dem Haß oder der Furcht der dortigen Leder- fabrikanten gegenüber dem Lederarbeiterverband. Irgendwelche Forderungen haben die Lederarbeiter nicht erhoben. Die lebhaft betriebene Agitation des Lederarbeiterverbandes hat den Eschweger Lederfabrikanten einen so heillosen Schrecken eingejagt, daß sie sich schleunigst vereinigt und einen gemeinsamen Beschluß gefaßt haben. alle im Ledcrarbeitcrverband organisierten Arbeiter zu entlassen, falls die Betreffenden nicht ihren Austritt aus dem Lederarbeiter- verband vollziehen würden. Das Hinauswerfen der organisierten Lederarbeiter begann bei der Firma Joh. Döhle. Dann folgte die Firma Schmidt u. Co. Bei dieser Firma wurde eine Ver- sainmlung in der Fabrik abgehalten und den Mitgliedern des Lederarbeiterverbandes der Auftrag erteilt, innerhalb 4 Tagen ihren Austritt aus dem Lederarbeiterverband zu vollziehen. Als die Arbeiter sich weigerten, dies zu tun, wurden fünf von den organisierten Lederarbeitern sofort entlassen. Anstatt ihnen aber den Lohn für 14 Tage auszubezahlen, erhielten sie nur den orts- üblichen Lohn für 8 Tage ausbezahlt. Es wird deshalb noch zur Klage gegen die Firma kommen. Eine vom Gauleiter des Leder- arbeiterverbandcs nachgesuchte Unterhandlung mit der Firma Schmidt endete mit der Erklärung der Firma, daß der von 10 Esch- weger Firmen gefaßte Beschluß, keine Mitglieder des Lederarbeiter- Verbandes mehr zu beschäftigen, auch nur gemeinsam von den 10 Firmen aufgehoben werden könne. Die Nötigung der Eschweger Lederfabrikanten, den Leder- arbeitern das ihnen gesetzlich zustehende Koalitionsrecht aufzugeben, findet natürlich keinen Staatsanwalt als Kläger. Der Leder- arbeiterverband aber wird den Angriff der Eschweger Lederfabri. kanten überstehen und sich in seiner Agitations- und Aufklärungs- arbeit nicht stören lassen.__ Organisierter Arbeiterverrat. Daß die herrschende Gesellschaft die Unterdrückten zu korrum- Pieren versucht, ist nichts Neues; sie handelt nach dem Grundsatz: Teile und herrsche! und scheut kein Mittel, ihn durchzuführen. Ein sprechendes Zeugnis dafür sind die berüchtigten Gelben. Aber Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: diese Spaltung ßenllgl ihr noch nicht; Verräter sind immer Eine unzuverlässige Truppe, und so sucht sie sich denn noch andere Sold- ner im Kampfe gegen die aufstrebende Arbeiterschaft. Wo sie diese findet, zeigt ein Zirkular der.Eisen-Zeitung", des Organs des deutschen und deS österreichischen FormermeisterbundeS, das ein ge- fälliger Wind der.Leipziger Volkszeitung" auf den Tisch wehte. Die hier in Betracht kommende Stelle beS.vertraulichen" Zirkulars heißt: Vertraulich I Berlin L. 42, LS. September 1311. betrifft Metallarbeiterstreik I Oranienstr. 141. Sehr geehrter Herrl ES entzieht sich zwar unserer Kenntnis, ob Sie durch den Metallarbeiterstreik mehr oder weniger in Mitleidenschaft ge- zogen sind; jedenfalls haben Sie Ihre Formermeister wohl ohne Ausnahme auf Ihrer Seite gefunden. Etwas anderes könnte auch kaum erwartet werden, da der Formermeisterbund sich ledig- lich die Verfolgung der Fachinteressen zum Ziele gesteckt und außerdem seine unverrückbare Stellung gegen die organisierten Former und Gießereiarbeiter seinerzeit in einem vertraulichen Zirkular ausdrücklich dokumentiert hat. Ihr eigenes Interesse erheischt es somit, dem Formermeister. bund, der zurzeit 1000 Mitglieder zählt, etwas mehr Beachtung und Entgegenkommen zu beweisen, auf die er nach Lage der Sache mit einer gewissen Berechtigung Anspruch erheben darf. In erster Linie handelt es sich nun darum, die Namen und Adressen aller in Deutschland beschäftigten Formermeister fest- zustellen, um die dem Bunde noch nicht angehörenden über die Bundeszwecke aufzuklären und zum Eintritt anzuregen. Würden Sie sich der kleinen Mühe unterziehen und uns die Namen mit Adressen der in Ihrem Betriebe tätigen Former- bezw. Gießer- meister aufgeben." Das Zirkular bettelt i>ann die„Herren Chefs" an, auf die .Eifen-Zeitung" zu abonnieren, und beigefügt ist ihm außerdem das angedeutete vertrauliche Zirkular über die Stellung des Formermeisterbundes zu den organisierten Formern und Gießern, daS folgenden Wortlaut hat: .Erklärung des Deutschen FormermeisterbundeS im Oktober 1909. ES liegt in der Natur der Sache, daß der Meister am besten imstande ist, Charakter und Gesinnung der ihm unterstellten Leute zu beurteUen, da er ständig mit ihnen im Verkehr bleibt, während viele Chefs oft ihre Leute kaum dem Namen nach kennen lernen. Der Meister wird mithin die unruhigen, störenden Elemente bald herausfinden und im Auge behalten. Bei der Entlassung solcher Arbeiter verständigt der Meister seine Bundes- kollegen über die Entlassungsgründe. Auf diese Weise werden nicht nur die Hetzer lahmgelegt und Streiks vermieden, sondern die Tatsache hat insofern vorbeugende Kraft, als derartige Ele- mente bereits vermeiden, in den Gießereien, deren Meister dem Bunde angehören, Stellung zu nehmen, weil sie wissen, daß sie dort kein Glück mit ihrer Maulwurfsarbeit haben. Der Vorstand des Deutschen FormermeisterbundeS richtet an die Herren Gietzereibesitzer die ergebene Bitte, daß sie die in ihren Betrieben beschäftigten Meister auf den Deutschen Former. meisterbund und seine Ziele aufmerksam machen und ihnen den Beitritt zu dem Bunde empfehlen." Der Formermeisterbund präsentiert sich hier also offen als Prätorianergarde des Eisenkapitals, bereit, zu dessen höherem Profit tausende und abertausende ehrliche Arbeiter dem Hunger zu über- liefern. Den Metallarbeitern wird dadurch auch mancher Vorgang verständlich der sich in den Kämpfen, der letzten Jahre abgespielt hat. Das schlimmste ist, daß dieser Verrat von Leuten geübt wird, die selbst Ausgebeutete des Kapitals sind, die selbst alle Ursache hätten, mit ihren Leidensgenossen Schulter an Schulter gegen Aus- beutung und Unterdrückung anzukämpfen. Aber da» Kapital kor- rumpiert nicht nur den Mann der Wissenschaft, der für Geld seine Feder verkauft, es korrumpiert auch die Mittelschichten der arbeiten- den Bevölkerung, soweit diese charakterlos genug sind, den Ver- uchungen nicht zu widerstehen. Hoffentlich genügt aber die Ver- öffentlichung dieser.Kuldurdokumonte", um den rückgratfesteren Teil der Mitglieder des FormermeisterbundeS zur klaren Stellung- nähme zu veranlassen, andernfalls ist der Bund in den Augen jedes ehrlichen Menschen gerichtet. Lohnbewegung der Kellnerinue« in München. Im Dezember 1910 und Januar 1911 wurde durch den Ver- band deutscher Gastwirtsgehilfen mit mehreren Gastwirten ein Tarifvertrag abgeschlossen. Bei zwei Gastwirten kam es zu einer Arbeitsniederlegung. Me Entlohnung der Kellnerinnen ist äußerst schlecht. Lohn wird fast nirgends gezahlt, oder es werden den Kellnerinnen einige Mark pro Monat gezahlt, gerade so hoch. daß es zum Abzug für Kranken- und Invalidenversicherung�- beitrüge ausreicht. Die Arbeitszeit ist bekanntlich sehr lang, und das Trinkgeld, die einzige Einnahmeguelle, hat in den letzten Jahren bedeutend nachgelassen. Dagegen werden unerhört hohe Abgaben verlangt. Die Kellnerinnen haben Bruch- und Putzgelder zu bezahlen. In vielen Fällen wird pro Tag 60 Pf. und darüber von der Kellnerin verlangt. Nichtsdestoweniger müssen zerbrochene Sachen extra bezahlt werden. Für Benutzung der Toilette und der Garderobe wird von den Kellnerinnen nicht selten Bezahlung verlangt; die Bier- und Wassermädchen haben sie mit 1 M. bis 1,50 M. pro Tag zu bezahlen. Die Kellnerinnen haben Zeitungen und Witzblätter auf ihre Kosten zu halten. Die auf den Tischen stehenden Blumen werden von den Trinkgeldern der Kellnerinnen bezahlt. Ein ganz findiger Restaurateur ging sogar dazu über, seine Servies zu vermieten. Um endlich einmal diese verworrenen Lohnverhältnisse zu regeln, unterbreitete die Organisation den in München bestehen- den Wirtevereinen einen Lohntarif. Es werden als Lohn— wenn von Lohn überhaupt gesprochen werden kann— ohne Kost 25 M. verlangt. Aber selbst das war den Wirten noch zu viel. VerHand- lungen, die nachgesucht wurden, schleppten sich den ganzen Sommer hin. Ein Wirteverein schloß mit dem Verbände einen auf ein Jahr gültigen Tarif ab, während sich die anderen weigerten, einen Tarif abzuschließen; darunter sind auch jene, die schon im vorigen Jahre bestreikt tmirden. Ter Verband der Gastwirts- gehilfen macht den Vorschlag, das Einigungsamt anzurufen; auch diesem Vorichlag hat die Mehrzahl der Wirte nicht zugestimmt, so daß es in nächster Zeit zur Arbeitseinstellung kommen kann. Die Internationale des Briedens. In allen Versammlungen, über die wir in der 2. Beilage aus- führlich berichten, wurde unter stürmischen Beifallskundgebungen folgende Resolution angenommen: Die Versammlung ist sich bewußt, daß die Kriegsgefahr von der kapitalistischen Politik aller Staaten unzertrennlich ist. Die herrschende Schutzzollpolitik sucht jede Nation von einem Stück des Weltmarktes auszuschließen. Sie steigert dadurch den Gegensatz zwischen den kapitalistischen Staaten und treibt sie zu einer gewaltigen Erpansions- und Kolonial- Politik, die rückwirkend die Kriegsgefahr vergrößert. Diese Politik hat das riesenhafte und stets sich beschleunigende Wettrüsten der kapitalistischen Staaten zur Folge, das wachsenden Steuerdruck bedingt, ohne auch nur für die notwendigsten Kulturaufgabcn Mittel übrig zu lassen. Diese Politik hat über die Welt eine Aera großer Kolonialkriege heraufbeschworen. Immer näher rückt die Gefahr, daß die entwickeltsten europäischen Nationen selbst in den Entscheidungskampf um den Kolonialbesitz hinein- lh.Glockc, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u öerlagsanstast� gezogen werden. Hat daS MaroKoabenteuer her henksche» und französischen Regierung berests die Kriegsgefahr zu einer akuten gemacht, so hat jetzt die italienische Regierung durch ihren frivolen Ueberfall auf türkisches Gebiet den Krieg zwischen zwei europäischen Mächten entzündet. Die Befürchtung ist nun allgemein gerechtfertigt, daß dieser Krieg in seiner Folge auch andere Nationen in seinen der- derblichen Strudel reißen kann. Die Versammlung brandmarkt die freche FriedenSstZrnng durch die italienische Regierung; sie nimmt mit Eutröstunz Kenntnis von der dem Völkerrecht bohnfprechenden Grau- samkeit und Brutalität der italienischen Kriegführung und kennzeichnet insbesondere die Erschießung der kriegs- gefangenen Araber als feigen Mord. Die Versammlung drückt den türkischen und italienischen Opfern dieses Krieges ihre wärmste Anteilnahme aus; sie sendet ihren Brüdern und Klassengenossen der Türkei und in Italien ihren Gruß und weiß sich in der anerbittliche» Feindschaft gegen den Krieg eins mit dem Proletariat der gesamten Welt. Die Versammlung dankt insbesondere ihren Genossen in Saloniki für den mutigen Protest und dem italienischen Proletariat für die kühne Tat deS Demonstrationsstreiks, durch die es jede Gemeinschaft mit der Barbarei seiner Be- Herrscher von sich gewiesen hat. Die Versammlung konstatiert, daß der Kapitalismus unfähig gewesen ist, die gewaltigen Produktivkräfte der vergesellschafteten Produttion länger zu beherrschen, daß sein Bestehen Teuerung und Kriegsgefahr in der Permanenz bedeutet und deshalb mit dem kulturellen Aufstieg der arbeitenden Menschheit unver- einbar geworden ist. Sie warnt die Herrschenden vor den notwendigen Folgen kriegerischer Abenteuer und crllärt, alles daran zu setzen, um der Arbeiterttasse die politische Macht zu erobern, die die Vorbedingung ist für die Ver- gesellschaftung der Produktton. für die Errichtung der sozia- listischen Gesellschaft. Denn der Kapitalismus ist der Krieg, der Sozialismus ist der Friede. Demonftrationsverrammlungen im Reiche. Eine große Demonstrationsversammlung gegen die Raub- Politik Italiens und gegen die kapitalistisch-imperialisttsche Weltpolittk im all- gemeinen veranstaltete am Sonntag die Arbeiterschaft von Gera(Reuß). Nach Referaten der Genossen Landtags- abgeordneter Leven und Partesekretär Knauf wurde ein- stimmig eine längere Resolutton angenommen, in der die Raubpolitik der„Kulturstaaten" verurteilt wurde und die Ar- beiter aufgefordert wurden, sich um die Fahne der Sozial- demokratie zu scharen und bei der Reichstagswahl die Kriegs, Hetzer hinwegzufegen. In Weißenfels wurde am 12. November vor mehr als 2000 Besuchern eine prächtig verlaufene Proteswersamm« lung mit einstimmiger Annahme der bekannten Resolution nach einem Referat des Genossen FritzKunert gegen den kapitalistischen Imperialismus und die Gefahren eines Welt« krieges abgehalten. In fünf Versammlungen, die trotz des herrschenden Regen- Wetters sämtlich überfüllt waren, protestierte das Proletariat von Hannover und L i n d e n am Sonntag mittag in einer eindrucksvollen Weise gegen den Banditenzug Italiens wie gegen den völkerverhetzenden Imperialismus überhaupt. Tie scharfe Kennzeichnung des unverantwortlichen, von Wahlrück- sichten diktierten Vorgehens der Heydebrand, Basser- mann und Konsorten in den jüngst vergangenen Reichstags- sitzungen weckte in allen Versammlungen stürmische Zustim- mung. Der Resolution des Parteivorstandes wurde überall einmütig zugestimmt. Eine verbotene Friedensdemonstration unter freiem Himmel. Aus Sonntag, den 12. November, hatte der Sozialdcmo- kratische Verein Mülhausen i. E. auf den freien Platz des überdeckten Jll-Hochwasserkanals vor der neuen Markt- halle eine öffentliche Demonstrationsversammlung gegen den italienischen Raubzug nach Tripolis und für den Völkerfrieden einberufen. Die Versammlung wurde indes in letzter Stunde auf Veranlassung des Ministeriums in Straßburg von dem Polizeipräsidenetn in Mülhausen verboten, weil sie„ge- eignet wäre, die öffentliche Sicherheit zu gefährden". Die in Wirtschaften ausgehängten Plakate mit der Anzeige der Ver- sammlung wurden polizeilich eingezogen und der Anschlag an den Plakatsäulen untersagt, weil die Plakate angeblich„belei- digende Ausdrücke gegenüber einer befreundeten Macht" ent- hielten. Diese Ausdrücke bestanden darin, daß auf den Pla- katen von„kapitalistisch-imperialistischer Raubpolitik" und von einem„italienischen Raubzug nach Tripolis" die Rede war. Die Parteileitung in Mülhausen hatte ohnehin für den Fall ungünstiger Witterung eine öffentliche Versammlung in den größten ihr zur Verfügung stehenden Saal einberufen. die— zum Teil wohl dank dieser polizeilichen Reklame zum Erdrücken besucht war. Hunderte mußten infolge Platz- mangels umkehren. Das Referat des Arbeitersekretärs Ge- nossen A. W i ck y. das in schärfster Weise die koloniale Raub- Politik geißelte und das Treiben der kriegshetzerischen Cligue in Deutschland, wie es die Reick:stagsverhandlungen der letzten Tage dartaten, unter sttirmischem Beifall zurückwies, wurde für die z ah l r eich en i t a l i e n i s ch e n Arbeiter in Mülhausen i.ns Italienische übersetzt. Die imposante Kundgebung verlief ohne jeden Zwischenfall, wie dies auch bei der verbotenen Massenversammlung unter freiem Himmel der Fall gewesen sein würde. trctztc Nachrichten. Feuer im Warenhaus von A. Werthcim. Durch die Meldung„M i t t e l f e u er" wurden gestern abend kurz nach 10 Uhr sechs Löschzüge der Berliner Feuer- wehr nach dem Warenhaus von Ä. W e r th e i m in der Oranienstraße gerufen.— Der Brandherd lag im Kesselhaus, und zwar l)atte sich Verpackungsmaterial an einer Rohrleitung entzündet. Das Feuer konnte in kurzer Zeit mit einem Rohr der Hausleitung erstickt werden, so daß die Löschzüge bald wieder in ihre Depots zurückkehren konnten. Der Brand ist vermutlich durch Ueberhitzung einer Maschine verursacht worden. Bon der Cholera. Sofia, 13. November. 23. T. B.) In einem Torfe des Bezirks Ka r n o b a t sind sieben Erkrankungen an Cholera, davon drei mit tödlichem Ausgange, und sieben choleraverdächtige Fälle festgestellt worden. »ülSinger ä: Co.,Berlin SVf. Hierzu 4 Beilagen u. UnterhaltungSbl. � 9k. 267. 28.Ms«NtS. 1 Itilnjf hcs ,|«nr iitls" Kcrlim WIIislllM. Dievstag, iL November 1911 Reichstag* 204. Sitzung Vom Montag, den 13. November, nachmittags 2 Uhr. Lm BundeSratStisch:v. Breitenbach. Auf der Tagesordnung steht die von den Wag. A l b r e ch t und Genossener Eisenbabnarbeitcr. aber ohne Streitrecht. Die Frage der Fortweisung des Beamten ist im Grunde weniger eine Rechts- frage als eine Taklfrage. Es gibt Staatsarbeiterverbände, die eS icradezu alS eine Beleidigung ansehen, wenn keine Lea», ten zu ihren Versammlungen kommen.(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Andererseits ist es ganz unfrag- lich, daß der Versammlungsleiter vollständig das Recht besag. den Beamten zum Weggehen aufzufordern.(Hört! hört! bei den Zozialdemotralen.) DaS formale Recht! Ja! Aber es kommt hier mehr auf den Takt als auf das formale Recht an. ES ist äußerst wichtig, wer Versammlungsleiter, wer Verbands- funktionär Ist— zumal bei den Staatsbetrieben. Unzweisel« hast haben sich verschiedene der Eiillaiienen im sozialdemo« k r a t i s ch e n P a r t e> i n t- r e s s e betätigt.(Hört I hört t rechts. Zurufe bei den Eozraldemolralen.) Freilich kann man gegen sosialdcmokrati'che Betätigung von Staatsarbeilern nicht >o schrvss vorgehen, wenn man Beamten gestaltet, im Sinne der Grobblockpolitik direkt oder indirekt zugunsten der S o z i a l d« ni o k r a t i e t ä t i g zu sein.(Lebhaftes Sehr gnt! im Zentrum und rechtS, Zuruf links.) Meiner und meiner Fraktion Neberzengung nach darf sich kein Beamter und kein Staatsbeamter zugunsten der Sozialdemokratie betätigen.(Lebhafte wiederholte Zustimmung rechts.) Hierauf wird die Fortsetzung der Besprechung auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Oelfentliehe politische Versammlungen. Seduter Wahlkreis. Dienstag, den 14. November 1911, abends 8'/s Uhr, deftentUoks tiolttiselie Versammlungen in solgenden Lokalen: Pnhlmaims Theater, Schöuhauser Allee 147, Frankes Festsäle, Badstr. 19, Berliner Bock-Brauerei, Abt. II, Chansseestr. 64. Tagesordnung: Der ZnsemroenbrulH bcs Mkerlich-bmeMroiWil Rksierirnzssystems. Rescrenten: ReichStagSavgeordneten XlLX KUIlt?e> Stettin, LllStSV I�ellMgllll- Wiesbaden,(leorx I�eclebour-Berlm. L. Freie Diskussion. _ Für die ginBeinfer: Bichard Henachel, Ueckennünder Straße 17. Sechster Wahlkreis. Zu den am V. Breis. DienStag, den 14. November 1S11, abends S'/z Uhr: = Oeffentliche== politische Versammlung in den Logensälen, Linienstrasie 1Ä1. Tagesordnung: Die Abrechnung mit dem schivarz-blanen Stock. Referent: Reichtags-Abg. Bohert l�ehnRlÄt. Nach dem Vorkrage: FreieAuZsprache. Zahlreiches Erschewen erwartet Der Einberufer: 223/19' A. Hacker, Zlugustftratze 91. imr- Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Hof 1. Amt 3, 1239._ Charitostr 3._ Hof NI. Amt 3, 1987. Achtung! Schlv�er! sichtmigt Mittwoch, den 18. November 1S11, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung der Schlosser Berlins und Umgegend in den Arminhallen, Kommandantenstraße 53/59. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommission. L. Ausstellung der Kandidaten zum GesellenauSschusi. 3. Ausstellung der Delegierten zur OrtStrankenkasse der Schlosser. 4. Verschiedenes. ES ist Pflicht aller Kollegen, tn dieser Versammlung zu erscheinen. Mittwoch, den 18. November 1911, abends 8'/, Uhr: Versammlung der Graveure»nd Ziseleure tn den Korona-Prachtsäle», Kommandantenstratze 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Plessucr über:.Soziale Ursachen der Nervenerkrankungen«. 2. Diskussion. 3, Verschiedene». ' Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Mittwoch, den 18. November 1911, abends 3Vz Uhr: Versammlung aller in Gas-z Wasser-«. Dampfarmatureu- sowie Kronenbetrieben beschäftigt. Eisen-, Metall- und Revolverdreher in den Musiker-FestsSlen, Kaiser-Wilhelm-Straße l3m. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Kollegen Wiieke über:„Die deutsche Gewerkschafts- bewegung«. 2. Diskussion 3 Verbands- und Bianchenangelegenheiten. ZM- Mitglirdsbuch legitimiert!-MM Zahlreicher Besuch wird erwartet. Metallarbeiter- Notiz- Kalender für daS Jahr 1V12 sind erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirks« kassierern zuin Preise von KS Pf. pro Stuck zu haben. DeSgl. ist erschienen: „Die HrbeitQzeiten in der Cifen- und JVIetall- induftru DcutfcblandQ" zum Preise von 50 Pf. pro Exemplar. IM« OrUverwaltsing. Filiale Rcrlln. Morgen. Mittwoch, den 15- November"ioil. abendS 0 Uhr, im Königsiadt-Kasino. Holzmarkstr. T>. lauger Saal- Mölisgumräsiel-Vramtolig Tagesordnung: 1. Voickrag. 2. Dir Situation aus den Bauten. 3 Verschiedene». Die Kollegen, welche zurzeit bei der Firma Kohl off u. siargordi arbeiten, sind dierzu besonder« etngeladM. 193/« Der Porstand. H.& P. Oder, ISÄ TabaU-OlroOlianallaiie und Tmtiakulbrik. BW Raucb-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."Wsl Vorteilhafceato Besugequclle fUr Wicdervorkäuior. Größte Auawohl gelagerter Xigarrcn In alten Praislagen. ÜSS'itei.n ligaretten" ÄTt«""' Orts-Krankenkasse des Zimmerergewerbes zu Berlin. Mittwoch, den 22. November ct., vormittags 10 Uhr, im ClewcrksdiaftshaDac, Engel-Ufer 15, Saal 11: Ifersainlimi fler NeilM welche Beiträge zur Kasse aus eigenen Mitteln leisten. T.°O.: Wahl von 19 Vertretern zur Generalversamm- lung pro 1912. zur ndet In demselben Lokal und selben Zeit, doch getrennt sin eine Persammlung der wähl- berechtigten Kassenmitglieder Krkvilnvlimvr statt. T.-O.: Wahl von 38 Vertretern zur Generalversammlung pro 1912. Das Outttungsbuch legitimiert und ist beim Eintritt tn das Wahllokal den Kontrolleuren vorzuzeigen. Freitag, den 24. November 1911, abends 8 Uhr, im nolvva L,okaI, Saal 11: Ordentl. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern (Arbeitgeber). 2. Wabl von 2 Vorstandsmitgliedern (Arbeitnehmer.) 3. Wahl des Prüfungsausschusses. 4. Beschlußsassung über die Er« höhung der orisüblichen Tagelöhne (§ 9 des Statuts) und die dadurch notwendig iverdende Feststellung der Leistungen und Beiträge. S. Innere Kassenangelegenhetten. «. Verschiedenes. Die am 1«. November 1910 ge< wählten Vertreter werden hiermit eingeladen. Ib43b Der Borstand: Ewald Petermann, August Brunzel, SchrtMhrer. Vorsitzender. Eile zu Weile! IIQ Dresdener Straße 14 Q 119(Eckhaus Oranienpl.) 119 Muffen, Kolliers Sxtra billige preise! chfe Skungs-Stolas von 25 M. an. Pelz-llüle.Hutstreifen Felle. Köpfe, Schweife in allen Fellarten. Eigene Kürschnerei. adermann erhält die im �enster ausgestellten Gegenstände sofort für 'sn bezeichneten Preis. Jittn senau auf Xr. JlllK HO und Elle /.u Well« a. achten Sonntag, den 19. November, und Sonntag, den 26. November, vormittags 10 Uhr, stattfindenden Qraaia-VorftellungeD sind noch Billetts zu haben bei den Bezirksführern, den Abteilungskassierern und im Bureau des Wahlvereins, Neue Hochstraße-i3. Zur Aufführung gelaugt: 232/17 Von Mcran zum Ortler. Verband der Maler, Saeklerer, jUtsfreicher Melchiorstraße 28, Part. Male Serlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den 16. November, abends 8'/? Uhr: Mitglied er-Versammlung in Karl Kellers Konzertsälen, Köpenicker Straße 96/97. TageS-Ordnung: 130/5 Lichtbilder- Vortrag. Referent: Th. Menzen auS Moritzburg bei Dresden: „Auf der Balkanhalbinsel."(Skizzen über Land und Leute, Handel und Wandel, Sitte und Brauch.) Die Kollegen werden ersucht, zn dieser Versammlung ihre Frauen'WW mitzubringen. 01« Vernnrnnilnns wird pünktlich eröffnet. Ulltslledsbach legitimiert. Die Ortsverwaltnng. lisch IHeilr Verwaltung Berlin. Freitag, den 17, November, abends 8 Ilhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl eines iunbesoldeien Mitgliedes zum Hauptvorstand. 2. Neu- wähl des zweiten Bevollmächtigten. 3. Ersatzwahl zur OrtSverwaltung. 4. Bericht der Ortsverwaltung. 5. Kassenbericht. S. Anträge. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. 92/10 Die Ortsverwaltnng. ßiftoit- t» ärtffprtttrtdtrr Mittwoch, den 15. November, abendS Rlfltll' n. RllfftriUllUlkr. 7',, Uhr. bei Boeter. Weberstr. 17. Branchen° Versammlung. Tagesordnung�: 1. Bortrag des Kollegen«Uth. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Delegtertcnwahl der OrtStrankenkasse. 3. Berbandsangelegenheiten. (tellmndi.p Donnerstag, den 16. November, abend» S1/» Uhr, AtklllllilUjri. im Rosrnthaler Hof, Rosenthaler Straffe 11—12. Branchen-Versammlung. Tagesordnung: Beratung der Antrüge zur Konferenz. Branchen- ongelegenhciten. Uitglleöshuch legilimiert.__ Verband der Bureauangestellten. Ortsgruppe Oroß-Berlin. Bureau u. Stellennachweis: Liiiienstr. 8. Amt VII 605. Geöffnet von 9—5 Uhr. Branche der Versiclierungsangestellten! Am Mittwoch, den 15. November, abends 8'/, Uhr, in den Pracht« sülen Alt-Berlin. Blumeustraffe 16: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: t..Die Teuerung und die Masinahmen der Versiche- rungSgeselllchaften". Reserent: Kollege Pattloch. 2. DiSlussion. 3. Vcr- bandSangclcgcnheiten. 45/14 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. Deutf(l)er Bauarbeiter'Verband. Zweigverein Ii erlin. Sektion der Qips» u. Zementbranche. Betonbaubranche! Zementierer, Einschaler and Hlltwai'bclter. Mittwoch, den 15. November 1011, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstrasie 10: Mitgliecler-Ver kämm lung Tagesordnung: 1. Die Bedeuwng der politischen Bewegung für die GewerkschastS- organisaiionen. 2. Diskusston. 3. Brauchciinngelcgenheitcn. 141/2 Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Sektionsvorstand. Neu eröffnet Restaurant ZollemHof Unter den Linden 66 BERLIN NW. Mittelstraße 45—46 Inhaber: Fritz Urban. Großer Frahstficltstisch von 9 Uhr ab 0 MUlagstlsch von 12—6 Uhrt u ra vbei t der Jahr- hunderte und Jahrtausende unterzugehen. Man braucht nur wieder einmal anzusehen, wie der Krieg in der Praxis aussieht, braucht nur die Berichte über Tripolis zu lesen, über die Greuel, die sich dort abspielen(stürmische Zustimmung), auf einem kleinen und engen Kriegstheater. um sich einen Begriff zu machen, wie Kriege erst dann wirken würden, wenn nicht einige Zehntausende kämpfen, sondern die Millionenheere Europas sich gegenüberstehen würden! (Sehr richtig!) Vor dieser Barbarei sich zu be- hüten, die ExpansionSb'e strebungen des Ka- pitalismus einzudämmen, ihm die Flucht in die Kolonien zu verlegen, ihm in seinem Mutterlande, in Europa die Schlacht anzu- bieten und ihn niederzuwerfen, ist die ge- meinsame Aufgabe des Proletariats aller Länder!(Stürmische Beifallskundgebungen.) Diese Ausgabe hat das Proletariat begriffen und beginnt sie durchzuführen. In neuester Zeit sind auch wir Oester- teicher, ist auch unser armeS und armseliges Land in den Imperialismus hineingezogen worden. Bei den vielen Schwierigkeiten, die wir zuhause haben, sollte es uns wahrlich nicht gelüsten, auf Eroberungen auszugehen: aber trotzdem ist die jüngste Phase des Imperialismus von Oesterreich aus- gegangen. Wir haben uns im österreichischen Parlament mit aller Macht gegen die Annexion Bosniens gewehrt. wir haben auch da unsere internationale Pflicht erfüllt, nicht nur gegenüber dem Westen, sondern auch gegenüber Serbien. (Bravo!) Wir haben eigentlich keine Monarchie, sondern eine D i a r chi e. denn es regiert nicht der alte Kaiser allein von Schönbrunn aus, sondern auch der Kronprinz vom Wiener Belvedere-Schloß aus.(Heiterkeit und Ahalrufe.) Das hat bei uns eine Art Anarchie hervorgerufen; man pricht von einer Kriegspartei des Kronprin- zen. Auch wir hatten unsere 5kriegshetzer und Panzer- Plattenpatrioten. Den stärksten Beweggrund zum Kriege mit Serbien bot es bei uns, daß sich die Serben weigerten, die Kanonen, mit denen sie Oesterreich bekämpfen wollten, von !>en österreichischen Skoda-Werken zu kaufen.(Große Heiter- "eit.) Darüber gerieten natürlich die Skoda-Aktienbesitzer im Herrenhause in die höchste patriotische Entrüstung.(Er- neute Heiterkeit.) Es gelang damals unserem Genossen Adler(Bravorufe), das österreichische Parlament dafür zu gewinnen, daß es sich einstimmig für die Erhaltung des Friedens aussprach, und im serbischen Parlament trat Genosse Kazlerowitsch der Kriegshetze als Einziger entgegen.(Beifall.) Wir haben unseren Minister des Aeußeren, den Grafen Aehrenthal, unter schärfstem Protest gegen den Bruch inter- nationaler Verträge aufmerksam gemacht, daß niemand wissen iänn, wohin die Aufrollung der Balkanfrage durch die An- nexion führen wird. Was wir vorausgesagt, ist heute be- tätigt. Frankreich nimmt Marokko, Italien fällt ohne Rück- icht auf die öffentliche Meinung Europas und auf die Verträge mitten im Frieden über den schwächeren Gegner her, um ihm ein Land zu rauben. Wir verurteilen diese Annexion von Tripolis in genau derselben Weise, wie seinerzeit die von Bosnien.(Beifall.) Die Proletarier Italiens stehen an unserer Seite und auch die jungen Organisationen des türkischen Proletariats. !>ie jüngst in Saloniki demonstrierten gegen den kriegerischen Imperialismus. Wir protestieren aber auch gegen die Kriegshetze zwischen Oesterreich und Italien. Sie wissen, wir haben den Drei- Hund. Die Freundschaft Oesterreichs und Italiens befestigt man bei uns. indem der Kriegsminister die Grenzfestungen gegen Italien inspiziert.(Große Heiterkeit.) Wir senden brüderliche Grüße über das Adriatische Meer, indem wir vier Dreadnaughts zunächst und weitere 12 Dreadnaughts in drei Perioden erbauen(hört, hört!) und indem unsere Chauvi- nisten, namentlich die Katholisch-Klerikalen, genau so übrigens wie die italienischen Chauvinisten, bei jeder Gelegenheit die „verbündete" Macht beschimpfen. Die Lsterreichisch-italienische Kriegshetze ist eine der größten Gefahren für >en Frieden Europas.(Sehr wahr I) Wir haben )as seit langen Jahren erkannt und den Herrschenden bei jeder Gelegenheit gesagt, daß wir den Krieg mit Italien nicht wollen und den Proletariern, daß sie den Frieden Mitteleuropas sichern müssen.(Bravo!) Wiederholt haben wir uns in gemeinsamen Tagungen mit dem italienischen Proletariat vereint und nur die österreichischen Neuwahlen haben den Aufschub der für den letzten Sommer geplanten Zusammenkunst in Cremona erforderlich gemacht; aber wir iverden die nächste Gelegenheit benutzen, um wieder gemein- 'am mit unseren italienischen Brüdern gegen die Kriegshetze zu manifestieren.(Beifall.) So lastet auf dem Proletariat jedes Landes eine außer- ordentlich schwere Pflicht, die weit über den Tageskampf, über sie tägliche Abwehr der kapitalistischen Angriffe durch Gewerk- 'chaft, Genossenschaft und politische Partei hinausgeht. Bis- her war jede Sozialdemokratie in ihrem Lande ganz und gar mit den Problemen ihres Landes beschäftigt. Wir hatten und haben zu kämpfen gegen Nationale und Klerikale, Sie gegen das I u n k e r t u m. die R ü ck w ä r t s e r e i und einen mehr oder weniger unzuverlässigen Freisinn.(Sehr richtig!) Sie haben den wirtschaftlichen Kampf zu führen gegen eine der mächtigsten Kapitalistenklassen der Welt. Aber alle diese Kämpfe werden in der nächsten Zeit zurücktreten gegen die große, entscheidende Aufgabe. Weltpolitikzu machen. (Sehr gut!) Das Proletariat, das in fast allen zivilisierten Ländern zur stärksten Partei geworden ist(sehr richtig!), mutz den Blick üb?? bi« Grenzen richten und sich darum kummern, was auf dem Äslttheater vorgeht. Denn heute ist nicht nur das italienische Proletariat gefährdet durch den Krieg, son- dern bedroht ist durch die ständige Kriegsgefahr jedes einzelne Proletariat in seiner Lebenshaltung, seinem Ringen� um besseres Dasein; denn wenn es möglich sein sollte, daß wieder statt der friedlichen Kulturarbeit in der Welt das Mordwerk- zeug des Kriegers die Oberhand gewinnt, dann kann in kurzer Zeit alles das. was wir mühsam aufgebaut haben, be- graben werden unter einem ungeheuren Turm von Leichen. (Bewegung.) Gerade wir. die den Boden jenes alten Deut- scheu Reiches bewohnen, das im Mittelalter der Schauplntz aller Kriege war. haben die Aufgabe, gemeinsam darüber zu wachen, daß nicht mehr, so wie einst im siebzehnten Jahrhundert, die ganze Kultur niedergetrampelt werde von den Rössehufen einer zügellosen Soldateska. Bedenken Sie wohl: wenn Krieg wird, dann wird Mitteleuropa das Kriegstheatec werden, und dann könnte es wieder so kommen, wie im dreißig- fährigen Krieg, wo die Bevölkerung des Landes zusammen- schmolz auf ein Minimum, wo die Betriebsstätten verödeten. wo ganze Dörfer volklos wurden und die verzweifelte. n Massen sich dem Räuberhandwerk ergaben, weil sie sonst rnci'zt das zum Leben Nötige erwerben konnten.„Ein furchtbar Schrecknis ist der Krieg", sagt unser Schiller, das müssen w«r abwehren aus Kulturinteresse, im Interesse des Sozialismus. Aber nicht nur in dem selbstischen Interesse unseres Landes allein, sondern wir sehen vor uns das Bild dieser ganzen Menschheit, welche sich seit der französischen Revolution immer höher und höher emporgearbeitet und Mauer um Mauer ab- getragen hat von der Zwingburg der Feudalität. Diese Menschheit, welche die geistige Finsternis des Klerikalismus immer mehr abgewälzt hat, welche in unbeschreiblicher und unermüdlicher Arbeit die ganze moderne Kultur aufgebaut hat, diese großen Städte mit ihren Verkehrsmitteln, die Bahnen, die großen Handelsflotten � diese Menschheit sieht ihr Kulturwerki gefährdet und sieht wieder vor sich das Herein- brechen der Barbarei des Krieges, welche die ganze Zivili» sation begraben kann.(Bewegung.) So sind wir vereint, wir, das Proletariat der ganzen Welt, in dem Bestreben, die Menschheit von der Kriegsgeißel zu befreien und den friedlichen Bund aller Völker auf dieser Erde wieder herzustellen.(Stürmischer Beifall.) In brüder- licher Eintracht mit den Proletariern aller Nationen müssen wir unser Sinnen und Trachten darauf richten, jene Form zu finden, in der die Völker die Erde so bewohnen, wie die Bewohner einer Stadt ihre Gemeinde— jede Nation ihr Haus, aber die ganze Welt eine einzige große Stadt. Dahin müssen wir unser altes Programm:„Proletarier aller Länder. vereinigt Euch!" erweitern.(Jubelnder Beifall.) Gelingt uns dieses große Werk, dann ist die Zivilisation und jhiltur des Abendlandes gerettet, dann wird der Sozialismus zur lebendigen Wahrheit, dann wird der schöne Schlußvers eines unserer schönsten Kampflieder zur Wirklichkeit werden: „Die Internationale Wird die Menschheit sein." (Brausender, sich mehrfach wiederholender Beifall.) AIS zweiter Redner knüpfte Landtagsabgeordnetcr f. Ströbel an die Ausführungen seine» Vorredners mit der onstatierung der Tatsache an, dag alles, was dieser über Kriegs- Hetzerei und Eroberungspolitik gesagt habe, auch auf Deutschland in verstärktem Maße zutreffe. Unsere Ausgaben für Heer und Marine steigen ins Ungemessene, dieses Wettrüsten müsse zum Ruin deS Volkes führen. Aber auch andere Parallelen bieten sich zwischc�r den politischen Zuständen Deutschlands und Oesterreichs. Wie dort der Thronfolger mache auch bei uns der Kronprinz seine besondere Politik, habe aber durch seine jüngsten Taten alles was etwa in Oesterreich vorkam, in den Schatten gestellt, indem er öffentlich gegen die Politik seines gekrönten Vaters Front machte. Bei seiner Anwesenheit im Reichstage habe der deutsche Kronprinz die Aus- führungen Heydebrands und der anderen Kriegshetzer durch lauten Beifall unterstützt und so seine Gegnerschaft dem Reichskanzler gegenüber zum Ausdruck gebracht. Die Sozialdemokratie sei, wenn auch nur für einen Augenblick,.Regierungspartei" geworden, nach- dem alle slaatserhaltcnden Parteien den Kanzler im Stiche gelassen hatten, denn ei ist ja unsere Politik, wenn Herr v. Bethmann Holl- weg dem Junker Hehdebrand gegenüber erklären mußte, es sei un- verantwortlicher Unfug, sortgesetzt mit dem Schwert im Munde zu drohen. T»aS hätte jedoch der Reichskanzler schon früher erkennen sollen, an diesen Zuständen trage man in den oberen Regionen selbit ein gerütteltes Maß Schuld. Heute sei Wilhelm II. üher das SV. Lebensjahr hinaus und ruhiger im Temperament und Denken geworden, während er es doch war. der die Saat ausstreute, die jetzt in den Köpfen der um Hehdebrand aufgegangen ist; Herr v. Seth- mann Hollweg ernte nur, was Wilhelm II. in der Vergangenheit gesät hat. Die Regierung wird sich daran erinnern müssen, daß die Sozial- demolratie eine Großmacht darstellt und dem Volke ihren Dank ab- statten müssen, indem sie die Arbeiter nicht länger wie Heloten be- handelt, sondern diesen die politische Gleichberechtigung gewährt und da» von Bismarck schon als das elendeste aller Wahlgesetze be- zeichnete LandtagSwahlrecht gemäß den berechtigten Wünschen der. selben umgestaltet.(Beifall.) In längeren Ausführungen verweilt Redner bei der Entwicke- lung des Imperialismus, zeigend, welche Interessen gewisse einfluß- reiche Kreise von dem Wettrüsten, von den Lieferungen für Heer und Marine, an den Panzerplatten, Kanonen, an dem Bau von Kriegsschiffen und schließlich an dem Krieg selbst haben. Dann er- läutert er die Forderung der Sozialdemokratie auf Schaffung«in«S VolkSheereS. Das arbeitende Volk wolle sich nicht im Interesse der besitzenden Klassen in einen Krieg drängen und dort sein Blut ver- gießen lassen. eS wolle auch sein Vaterland nicht wehrlos machen. sondern Vorkehrungen treffen, um seine kulturellen Güter auch nach außen hin. beispielsweise gegen einen von.Väterchen" kommen. den Angriff zu verteidigen. Einer solchen VollSbewafsnung aller- dingS widerstreben die Junker, denn sie werde ihre Flinten nicht gegen den sogenannten inneren Feind richten. In großen Zügen besaßt sich Redner mit der wirtschaftlichen EntWickelung. Die Konzentration des Reichtums sei ungeheuer an- gewachsen, die Kluft zwischen Arbeit und Besitz so. daß auf der einen Seit« der größte LuxuS herrsche, während die Arveiter, trotz aller in heißen Kämpfen erzielten wirtschaftlichen Errungenschaften. es wegen der ihnen auferlegten Lasten keinen Schritt vorwärts brachten.., Außerordentlich wirkungsvoll schilderte Redner die Greuel eines modernen Kriege», von denen man sich schon an unseren Kolo- nialkriegen einige Vorstellungen machen könne. Lebhafte Ent- rüstungsrufe begleiten die Ausfuhrungen des Redners, als dieser die von den Italienern in Tripolis an wehrlosen Einwohnern be» gangenen Greueltaten schudert. Wir hätten jedoch keinen Anlaß. auf dies alle» mit Verachtung herabzusehen, denn im Kriege mit dcw HereroS habe der deutsch« General von Trotha die Eingeborenen in die unwirtlichste Gegend zuruckgeiagt. auf welche Weise dann Männer, Greise, Kinder und Frauen mit Säuglingen an der Brust verhungerten, verdursteten und in großer Zahl so elend zugrunde gehen mußten. �._ Wer solche Bestiali tat en w i ll die ja jeder Krieg entfesseln werde, der müsse die Politik des Herrn v. Hehdebrand unterstützen. wer aber den frieden juhern. einen Krieg wie den� der uns wegen Marofto mit Frankreich bevorstand, oder wie er gegen England erhrtzt werden soll und jetzt von Italien gegen die Türkei geführt fiftt?, öerPnkcrn feiB, Ter 6oBe, PaH feSer«Tngctne an 5et aBge- meinen Wohlfahrt teilnehme, der müsse dafür eintreien, die Sozialdemokratie immer stärker zu machen und ihr zu einer einfluß- reicheren Vertretung im Parlament zu verhelfen suchen. Auf- klärung müsse verbreitet werden, überall und besonders auch unter der Landbevölkerung. Wenn jeder Arbeiter seine Schuldigkeit in dieser Hinsicht erfüllt, dann werde sich unsere Partei immer mehr zu einem sicheren und mächtigen Hort des Friedens entwickeln und allen Gefahren zu begegnen im Stande sein. In der Sozialdemo- kratie müsse sich das Dichterwort erfüllen: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr! (Stürmischer Beifall.) Nach Verlesung und einstimmiger Annahme der Resolution und einem kurzen Schlußwort des Versammlungsleiters endete die Versammlung um IVi Uhr. Langsam leerte sich der Saal und un- gestört von jeder polizeilichen Einmischung konnten die Massen ihren Heimweg antreten. Im Osten. Schlesischen Bahnhof auf den Weg gemocht, um in Kellers Festsälen Einlag zu finden. Schon von 10 Uhr ab füllte sich der große Saal. Von allen Seiten strömten sie herbei in Gruppen und in längeren Zügen, die Männer und Frauen des Volkes, um Protest zu erheben gegen die ruchlosen Kriegstreibereien und gegen die Raubgelüste des Kapitalismus. Um 12 Uhr, ehe noch die Versammlung be- gönnen hatte, waren der Saal und die Galerien und selbst die Bühne gedrängt voll. Die Tische hatte man von vornherein hin- -ausgeschafft, aber es war gleichwohl nicht möglich, Raum zu ge- Winnen für die gewaltigen Massen, die Einlaß begehrten. Weitere Versammlungen in demselben Etablissement zu veranstalten, davon iatte» unsere Genossen Abstand genommen, da der ausländische Redner nicht Zeit genug zur Verfügung hatte, um hier zwei, oder oreimal zu sprechen. Punkt 12 Uhr sperrte die Polizei die großen eisernen Hoftore, so daß keiner mehr hineinkonnte, es sei denn, daß ganz besondere Gründe vorlagen. Große Massen mußten wieder abziehen und versuchten, in anderen Versammlungen Ein- �rß zu finden. In der überfüllten Versammlung sprach als Referent der Parteisekretär Fritz Ebert. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte die Menge, als er in schärfsten Worten die Kriegstreibereien, die Kriegsgreuel in Tripolis und die unersättliche Beutegier des Kapitalismus schilderte und demgegenüber hervorhob, wie die internationale Sozialdemokratie, der Zusammenschluß des Proletariats der ganzen Welt, die einzige Macht ist, die ernstlich entschloffen mit diesen kulturwidrigen, aller echten Zivilisation hohnsprechenden Scheuß- lichkeiten aufräumen wird. Der Grund, daß in Deutschland noch solche Kriegshetzereien ohne weiteres möglich sind, liegt zum guten Teil in der politischen Rechtlosigkeit des Volkes, in den elenden innerpolitischen Zuständen. Ist man doch offenbar selbst in China daran, auf diesem Gebiete solche Fortschritte zu machen, daß die Chinesen bald sagen können: Gott sei Dank, daß wir keine Preußen sind! Es ist die Tolpatschigkeit unserer Regierung, die daran schuld ist, daß es zu solchen Kriegshetzereien kommen konnte und daß jener junge Mann in diesem Sinne im Reichstage demonstrieren konnte. Auch Tripolis ist nur die Folge unserer Marokkopolitik. Was Wunder, wenn die italienische Regierung sich schließlich sagte: Wo alles raubt, kann Italien allein nicht ehrlich bleiben.— Der Redner brach seinen Vortrag ab, um zu- nächst den inzwischen eingetroffenen österreichischen Abgeordneten Winarski Wien zu Worte kommen zu lassen, der unter demonstrativem Beifall der Versammlung ausführte: Tie deutschen Sozialdemokraten Oesterreichs sprechen Ihnen ihre wärmste Sympathie aus im Kampfe gegen die .Kriegsmetzeleien wie in dem allgemeinen Protest gegen die Kriegsgreuel. Bei dem jetzigen Kklege handelt es sich um einen so brutalen Bruch des Völkerrechts, wie ihn die Ge- schichte kaum je gesehen hat. Es zeigt sich hier wieder einmal, wie es mit der Zivilisation unter dem Kapitalismus bestellt ist. Das Leben und die Wohlfahrt von Millionen Menschen gelten nichts in der kapitalistischen Rechenkunst, nur der Profit ist es, der etwas gilt, und da kommen Menschenleben gar nicht in Betracht für den Kapitalismus. So sehen wir denn auch, daß der Papst die Waffen segnet, die den Kapita- listen neue Profite bringen sollen. Ein Schrei des Entsetzens müßte sich über die ganze Welt erheben, wenn Kultur kein leeres Wort wäre für die herrschenden Klassen. Man droht nun bereits mit dem Bombardement europäischer Küsten- Plätze, und wir müssen darauf gefaßt sein, daß neben Italien auch die anderen Raubtiere ihre Krallen ausstrecken, daß namentlich auch der österreichische und der russische Jmperia- Iismiis ihr Haupt erheben. Als seinerzeit der Krieg mit Serbien drohte, waren wir Sozialdemokraten es. die ihre Stiminen gegen den Krieg geltend machten. Heute besteht dieselbe Gefahr zwischen Oesterreich und Italien. Die beiden Zander sind zwar Bundesgenossen, aber solche Bundesgenossen, die gegeneinander rüsten. Italien hat aus allen seinen �.andesteilen Soldaten nach Tripolis geschickt, nur nicht von der Nordgrenze, wo es sich von Oesterreich bedroht fühlt. Auch bei uns gibt es in den oberen Kreisen Parteien, die den �rieg wollen. Allerdings kann man von dem österreichischen Thronsolger nicht sagen, daß er im Parlamente manifestiert. sich bei uns mit den Schleichwegen der Kama- rilla. Wir haben alles getan und werden auch fortdauernd alles tun, um diesen Treibereien entgegenzuwirken. Wir müssen uns alle darüber klar sein, daß es heute keine stärkere Macht gibt für die Erhaltung des Friedens als die Sozial- demokratie. Die bürgerlichen Friedensleute sind sonderbare Schwärmer: wenn der Kapitalismus den Krieg will, klappen sie in der Regel zusammen. Aber je stärker die Arbeiter- bewegung und je mehr der Gedanke des Sozialismus sich Bahn bricht, um so mehr ist auch der Friede gesichert. Wir sind nicht leere Friedensphantasten, wir rufen die Völker auf zum Kampf gegen den Kapitalismus. Wollen wir der Welt den Frieden sichern, so müssen wir unaufhaltsam vorwärts streben unter dem Rufe: Es lebe die Internationale des Proletariats? Mit gewaltigem, demonstrativem Beifall wurde die Rede auf. genommen, und so brachten die Tausende, di« den Saal füllten, dein ausländischen Genossen ihren Dank dar für seine trefflichen, anfeuernden Worte. Dann fuhr der Parteisekretär Genosse E b e rt fort und beendete seine Rede und betagte namentlich d>.e Kulturmacht des internationalen Proletariats gegenüber den volkerverhetzenden Wirkungen und Gebaren der kapitalistischen Beutepol'tik. ias Vaterland, von dein die Gegner schwätzen, ist das Vaterland der Ausbeuter; wir aber, die Proletarier aller Länder, die ehrlich das Wohl ihres Vaterlandes wie der ganzen Menschheit erstreben, sind einig ,i„ Denken,„n Fühlen und Handeln und nn Kamps gegen den, den Weltfrieden gefährdenden Kapitalismus.— Der Vortrag fand stürmischen Beifall, und nach einstimmiger Annahme der vorgeschlagenen Resolution schloß die Versammlung mit be- geisterten Hochrufen auf die Internationale des Proletariats, Kaum ertönten in der Versammlung die brausenden Hochrufe aus die internationale Sozialdemokratie, so kamen aus den unteren Räumen mehrere Schutzleute hervor und eilten nach der Straße. Augenscheinlich befürck'tete die Polizei von den Krikpeflsdemynstrgnssls irgendwelche' L>rdH1WKSitörungeii. Skr Saal leerle sich jedoch in oller Ruhe, und ebenso ruhig begab man sich nach Hause. Wo wirklich einmal eine Aufforderung zum Weitergehen erforderlich schien, genügte ein höfliches und freund- liches Wort unserer Ordner mit den roten Armbinden. Im großen Arbeiterviertel des äußersten Ostens zogen die Friedensdenionstranten schon bald nach 11 Uhr in großer Anzahl zum Versammlungslokal, den Prachtsälen deS Ostens in der Frantsurter Allee. Gegen zb12 Uhr kamen aus den ferner- gelegenen Bezirken lose Züge von Genossen und Genossinnen, so daß schon kurz vor 12 Uhr das Lokal polizeilich abgesperrt wurde. Viele zogen von dort nach Kellers Festsäle, um dort noch Einlaß zu finden. Genosse Reichstagsabgeovdneter GeckTjatte das Referat übernommen. Er wies einleitend darauf hin. wie die Rachgier des Kapitalismus die Brandfackel des Krieges allerorten entsacht habe. Während wrr augenblicklich daran seien, das kleine Brändchen in Marokko zu ersticken, lodere die Kriegsfackel an anderen Ecken hell aus. Die imperialistische Raubpolitik habe im letzten 1% Jahrzehnt wiederholt kriegerische Einsälle in friedfertige Länder verursacht, bei denen die europäischen Mächte den stillen Zuschauer oder gar Interessenten spielten. Doch auch die Massen erhöben sich gegen die Raubpolitik des Kapitalismus, In Rußland, in Persien, jetzt in China sei die Revolution plötzlich über Nacht ins Land gekommen. Das Tausendjährige Reich der Mitte, in dein man revolutionäre Ideen am wenigsten vermutete, stehe vor dem Zusammenbruche. Noch vor etwa Jahren habe der Preußen- könig diese Reiche beneidet ob ihres gefestigten Staatswesens, und wenn es um die Potentaten auch nicht überall so bestellt sei wie in Portugal, so wankten doch in jenen Staaten die Throne be- deutlich. Und neben der Kriegsgefahr schrecke das Proletariat die Teue- rung. Durch Zollschranken habe der Kapitaiismus sich ein Aus- beutungsmonopol auf ein abgeschlossenes Territorium gesichert. Die Konzeuiration des Kapitals habe dazu geführt, den Kapitatis- inus aus ein neues Postament zu stellen, die eigentliche Regierung in wenige Hände zu konzentrieren. Industrielle und agrarische Schutzzölle plündern die Voltsmassen aus und machen die Teue- rung zu einer konstanten. Sie sei keine vorübergehende Erschei- nung, noch viel weniger eine Prüfung des Himmels, wie der Kaiser gesagt habe. sGelächter.) Zwar habe keine bürgerliche Partei in Deutschland es gewagt, den Forderungen der Sozialdemokraten auf Abbau der Getreidezölle entgegenzutreten, sie wären jetzt zwar auch für einen langsamen Abbau— um nach den Wahlen wieder aufzubauen. Nicht mehr: hie Schutzzoll, hie Freihandel hieße es, sondern: hie Kapitalismus und Imperialismus, hie Sozialdemo- kratie! Als Italien jetzt auszog zum Raubzug nach Tripolis, habe das ganze christliche Europa geschwiegen. Und die Person, die nächst dem Deutschen Kaiser als Instrument des Himmels zu be- trachten sei, der Papst, habe der Räuberbande seinen päpstlichen Segen erteilt.(Gelächter und Zurufe.) Die Kriegsfurie schreite in Tripolis über unzählige Leichen, sie schone nicht Kinder, Weiber noch Greise. Die treibende Kraft für diesen Raubzug sei auch hier das Kapital; auch die päpstliche Bank sei daran beteiligt. Unseren deutschen Patrioten aber ständen die Krokodikstränen schlecht an, die sie wegen der italienischen Kriegsgreuel vergössen, sie sollten nur an den deutschen Feldzug gegen die Hereros denken, in dem Tausende unserer neuen schwarzen Landsleute dem Tode des BerschmachtenS in der Wüste geweiht wurden. Unsere italienischen Genossen aber hätten gezeigt, daß sie gleich uns den Raubzug ver- urteilen.(Inzwischen ist der österreichische Genosse Winarski erschienen, der von Geck mit kameradschaftlichem Händedruck be- grüßt wird, was minutenlange Beifallsbezeugungen der Versam- melten auslöst.) Geck schließt hierauf seine Rede, indem cr darauf verweist, den Genossen Winarski zum Worte kommen zu lasse». sonst hätte er über das neueste Auftreten des jungen Mannes in Husarenuniform(Großes Gelächter) noch einiges sagen wollen. Er verweist unter starkem Beifall der Versammlung darauf, daß, wenn der Krieg über ein Land dahingebraust sei, die Empörung der Massen übrigbleibe: die Revolution! Winarskis Rede löste auch hier stürmischen Beifall aus. Nach einer Verbrüderungskundgebung Becks an die öfter- reichischen Genossen und kräftigem Händedruck mit Winarski schließt die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Draußen, auf der Straße, begleiten dem ab- fahrenden österreichischen Genossen tausendstimmige Hochrufe; nach- dem verlieren sich die Massen langsam in die angrenzenden Straßen. Die Drachenburg vor dem Schlesischen Tore war trotz der trüben Witterung am Sonntagvormittag das Ziel mehrerer Tausende. Zuerst vereinzelt, dann in immer stärker werdenden Trupps rückten sie heran. Gegen 1» Uhr trafen schon die ersten Versarnrnlungsbejucher ein, und als um UV* Uhr die Einberufer mit einer kleinen Schar der wohlbekannten Ordner mit den roten Armbinden eintrafen, da war der geräumige Saal schon nahezu besetzt. Obwohl schon Tische im Saale gar nicht erst aufgestellt worden waren, wurden die Stuhlreihen noch näher aneinander gerückt, um für die Nach- strömenden Platz zu schaffen. Doch der Zustrom war zu groß, je näher die Versarninlungsstunde rückte, um so gewaltiger wurde er. Den weitaus größten Teil der Besucher stellte der Südosten Ber- lins. Die benachbarten Bezirke Rixdorfs stellten einen weiteren Teil, und selbst aus den südöstlichen Vororten hatten sich die Ge- nassen zahlreich eingefunden. Mit fast minutiöser Pünktlichkeit wurde die Versammlung er- öffnet und dem Genossen Büchner das Wort zu seinem Vortrage erteilt. Unter fortgesetzten Beifallsäußerungen der Versammelten schilderte er, wie der Kapitalismus überall an der Arbeit ist, und wie er jetzt selbst die bekannte große chinesische Mauer niederlegen wird. Die Okkupation Chinas wird von den kapitalistischen Staaten schon seit langem vorbereitet und der älteste konservative Staat, der einen mehr als tausendjährigen Stillstand durchgemacht hat, wird jetzt vom Kapitalismus revolutioniert werden. Auch Deutschland hat in den letzten 40 Jahren eine große Entwickelung durchgemacht. Es ist aus einem Agrarstaat ein Industriestaat geworden, und auch dem deutschen Kapitalismus ist der heimatliche Boden zu eng geworden. Auch er will sich ausdehnen. Das von ihm angezettelte Marokkoabenteuer haben wir jetzt hinter uns. Gegenwärtig ist der italienische Kapitalismus auj� einem Raubzuge begriffen. Eingehend schilderte Redner die Räubereien in Tripolis, die jetzt im Namen der Kultur verübt werden, dabei auf die Greueltaten der deutschen Kolonialhelden zu sprechen kommend Dabei hätte Italien alle Ursache gehabt, sich erst im Innern zu kultivieren, denn steigend von Jahr zu Jahr mehrt sich die Zahl derer, denen es im Heimatlande nicht gefällt. Allein im Jahre 1909 waren über 625 000 Auswanderer zu verzeichnen. Der Schurken- streich Italiens sei eine gröbliche Verletzung des Völkerrechts. Und alle anderen Staaten können und dürfen nicht eingreifen, selbst wenn sie wollten, weil sie selbst Räuber sind. Die einzige Friedens- macht ist die Sozialdemokratie, die internationale Solidarität des Proletariats. Ungeteilten Beifall zollten die Versammelten den gehörten Ausführungen. Nunmehr erhielt das Wort der österreichische Reichsrats- abgeordnete Dr. R e nn e r- Wien. Bei seiner klaren Aussprache ist jedes seiner Worte bis im letzten Winkel des Saales zu ver- stehen, und die Eigenart des niederösterreichischen Dialekts gibt seinen Ausführungen sogar einen Stich ins Humorvolle. Nachdem sich der tosende Beifallssturm, mit dem die Versammlung die inter- essanten Ausführungen des Redners quittierte, gelegt hatte, wurde mitten aus der Versammlung ein Hoch auf die österreichischen Parteigenossen ausgebracht, in das die Versammelten begeistert einstimmten. In seinem Schlußwort besprach Genosse Büchner noch das Verbaltcn des Deutschen Kronprinzen im Reichstage während der Verhandlung über die Marokkointerpellationen. Unter dem Bei- fall der Versammelten empfahl cr dein jungen Herrn die weitere Pflege des Sportes; cr möge sich aber nicht um Politik bekümmern. Sie vorgeschlagene istesolutiyn würde dgraushin einstimmig an- genommen. Der Vorsitzende forderke darauf noch die Anwefenden auf, dafür zu sorgen, daß die Kriegshetzer bei der komniendeil Reichstagswahl auch die Quittung bekommen. Bald darauf durch- brauste das Hoch auf die internationale völkerbesreieude Sozial- demokratie den Saal. Des überaus starken Andranges wegen war ein Teil der Ver« sammlung trotz des allerdings unberechtigten Widerspruches der Polizei in den Garten verlegt worden, wo Genosse Mermuth unter großem Beifall vor etwa tausendköpsigem Publikum sprach� Auch Genosse Renner war nach Beendigung des Referats im Saale nach dem Garten hinausgegangen, um zu den draußen Wartenden zu sprechen. Mit seinem Organ be- herrschte er die ganze Nachbarschaft. Selbst die drei Browning- umgürteten Ordnungswächter lauschten anscheinend den außen deutlich hörbaren Ausführungen. Nachdem auch hier die Resolution angenommen war, durchzitterte das Hoch aus die internationale Sozialdemokratie die Luft. Gegen 2 Uhr hatte diese imposante Kundgebung ihr Ende erreicht. Ruhig, wie sie gekommen, zogen die Teilnehmer, sich bald in einzelne Gruppen auflösend, wieder ihres Weges. Am �riedrichshain. Frühzeitig schon setzte die Majsenwanderung ein. Zwischen Baum und Busch im herbstlichen Park wob der graue Herbstnebel und der Himmel sah ebenso trostlos aus, wie die Aussichten der Regierung im nächsten Reichstagswahlkanipf. Zwei blanke Helme blitzten auf, deren Träger den Daumen hinter den breiten Ledergurl geklemmt hatten, dicweil gähnende Langeweile auf ihren marti« alischen Gesichtern lag. Immer mehr dichteten sich die Scharen der Besucher, unter denen die Frauen in erfreulicher Anzahl vertreten waren. Allmäh- lich kamen auch die einzelnen Bezirke, so daß um die 12. Stunde der große Saal und die Galerien schon eine beängstigende Fülle ausweisen konnten. Und doch war noch kein Ende des Zustromes abzusehen. Als Friedländer die Versammlung eröffnete, bot der große Raum mit den Kopf an Kopf gedrängten Zuhörern ein über- Wältigendes Bild. Als erster nahm, von stürmischem Jubel be- grüßt, unser österreichischer Genosse, Reichstagsabgeordneter Winarski, das Wort zu einer Ansprache. Seine Rede ließ Winarski ausklingen in ein Hoch aus die internationale Sozial- demokratie. in das die Versammlung mit freudiger Begeisterung einstimmte. Umbraust von einem erneuten Jubelsturm konnte der Vertreter des österreichischen Proletariats den Saal verlassen, um noch in anderen Versammlungen zu deutschen Genossen zu rede». Nun begann unter gespanntester Erwartung Reichstagsabge- ordneter Scheidemann sein Referat, das rhetorisch und inhalt- lich sich zu einer Glanzleistung auSwuchs. Erbarmungslos, mit wuchtigen Strichen, bald mit ätzendem Hohn und dann wieder mit köstlichem Humor durchsetzt, zeichnete der Redner die politische Lage, die Unfähigkeit der Regierung, die Habgier und Skrupellosigkeit der Kapitalistenklasse und die Rücksichtslosigkeit und BrutalitäO der Junkersippe. Nachdem Genosse Winarski, so sagte der Redner ein- leitend, das tripolitanische Vorkommnis in so ausgezeichneter Weise dargelegt, brauche er bloß auf die Vorgeschichte des Marokko- abkommcns einzugehen, wodurch lange Zeit über zwei der größten Kulturvölker, Deutschland und Frankreich, die ernsteste Kriegs- gefahr gebracht wurde. Marokkos wegen hätten solche zwei Völker übereinander herfallen und sich zerfleischen sollen. Monatelang hätten zwei Völker im Dunkeln geschwebt, während hinter den Kulissen zwei sogenannte Staatsmänner gekuhhandelt hätten. Das Resultat dieses monatelangen Hin- und Herzerrens sei ei» Bertrag, mit dem keine Partei im Reichstag, wenn sie ihre ehrliche Ueber- zeugung ausspreche, zufrieden sei. Er soll zunächst die Kriegsgefahr zum Abschluß gebrocht haben, auf wie lange, das wisse kein Mensch. Aber das wüßten wir: kaum hätten die Nationen aufgeatmet, als wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Affäre Tripolis einsetzte, die einen Ueberfall, einen Raubzug brutalster Art darstelle. Es gebe keine völkerrechtlichen Pflichten mehr, die eingehalten würden. man warte jetzt nur noch aus den günstigsten Moment, wo man den anderen überfallen könne. Aber nur solange ginge dieses Spiel, bis das internationale Proletariat stark genug sei, um sagen zu können: nun aber Schluß mit dieser Politik für die Be- sitzenden, jetzt wird Volkspolitik gemacht!(Tosende Zustimmung.) Redner beweist mit einer Reihe von Beispielen seine obigen Dar- legungen. Den Umständen entsprechend, nur in anderen Formen, hätten sich die einzelnen Ueberfälle und Raubzüge immer in gleicher Weise abgespielt. Wir Sozialisten, die wir auf Grund unserer wissenschaftlichen Erkenntnis, auf Grund unserer ganzen Welt- anschauung klar sähen, wir wüßten, daß dies der naturgemäße Gang der kapitalistischen Entwickelung sei. Im Kapitalismus stecke etwas Raubtierartiges, das dränge nach Profit und sei un- ersättlich. Redner zeigt in fesselnder Weise, wie der Kleine vom Größeren, der Größere vom Größten aufgefressen wird, wie die Größten dann sich zusammenschließen in Kartellen und Syndikaten, die Schätze der Erde in Beschlag nehmen und die Preise für das ganze Land diktieren. Ergreifend wirkte es, als Scheidemann die Folgen dieser Wirtschaftsweise für di eArmen schildert. Und dann weiter: wie der Kapitalismus sich zum Imperialismus auSwächst und der Drang nach Weltherrschaft ungeheure Militär- und Flotten« lasten im Gefolge hat. Flottenpolitik sei Steuerpolitik, je mehr Steuern, um so mehr Unzufriedenheit, um so mehr lernten die Völker auch denken, und damit seien sie auf dem besten Wege zum SvzjaliSmus. Die Herrschenden sähen sich in ihrer Macht bedroht, daher resultierten auch die Dummheiten, die gemacht würden. Red- ner erinnert an die„schöne" Blockzeit unter Bülow und meint unter großer Zustimmung der Versammlung, daß es Bethmaun am 12. Januar wesentlich schlechter gehen werde als Bülow. Die» jenigen, die in den Wahlkampf ziehen wollten mit der Parole: für die Interessen und die Ehre der Nation, ständen unter dem nieder» schmetternden Eindruck der jüngsten Ereignisse ganz ratlos da. Wir aber erheben den Ruf: wir wollen keinen Krieg, sondern billiges Fleisch und Brot, wollen nicht neue Veteranen und Krüppel, nicht noch mehr Witwen und Waisen, deshalb Krieg dem Kriege! (Stürmische Zustimmung.) Die Gegner hätten zwar viel Geld in ihren Kassen und könnten sich Zeitungen, Redner und schließlich auch Wähler kaufen, nur eins nicht: die glühende Ueberzeugung, die freudige unverwüstliche Begeisterung, die wir haben und mit der wir in den Kampf ziehen und sorgen werden, daß die kornrnenve Reichstagswahl ein Ehrentag in der Geschichte der Sozialdemokrati» wird.(Minutenlanger, brausender Beifall.) Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Abzug der Massen vollzog sich geordnet unter Absinguug der Marseillaise. Ein Polizeihauptmann, der sich schleunigst ein- gefunden hatte, konnte beruhigt wieder umkehren. Nur die Vor» standsmitglieder vom 5. Kreis erhielten ein Gefolae' von gewissen Gentlemans bis zum Eingang des Prälaten. I« der Schönhauser Vorstadt war eine Versammlung nach der Brauerei Königstadt zusammenberufen worden. Lange vor der für den Beginn fest» gesetzten Stunde kamen auS den Außenvierteln und den angrenzen» den Vororten die Bersammlungsbesucher zu Fuß und mit Straßen. bahnen in Scharen heran, um an der Friedensdemonstration des Proletariats teilzunehmen. Auf der Straße war Polizei nur in vereinzelten Exemplaren zu sehen, die an einigen Ecken als Wach- Posten aufgestellt waren. Bereits nach Uhr mar der große Saal samt Galerie so vollständig besetzt, daß unsere Genossen die Türe sperren mußten. Viele Hunderte, die noch kamen, wurden in den Garten verwiesen, wo dann unter freiem Himmel eine zweite Ver« sammlung abgehalten wurde. Vor der im Saal versammelten tausendköpsigen Menge sprach Genosse P f a n n k u ch. Er beleuchtete mit scharfen Schlag- lichtern die Kolonialpolitik der vorn Kapitalismus beherrschten Staaten und zeigte an dem neuesten Beispiel des Raubzuges der Italiener nach Tripolis die immer wieder daraus erwachsenden für dea MtfriejM. Sk« äticica wolle feie Arbeits» klaffe aller Länder, und Aufgabe der Sozialdemokratie sei,'eS dahin zu bringen, daß bei allen Nationen dieser Wunsch von der gesamten Bevölkerung geteilt werde. Des deutschen Kanzlers Ab- sage an die Kriegshetzer komme gerade zu rechter Zeit, um jetzt vor den Neichstagswahlen den Wählern die Augen zu öffnen. Unter dem Beifall der Zuhörer kennzeichnete Genosse Psannkuch die eigenartige Haltung, die in der Neichstagsdebatte der Kronprinz zur Schau getragen habe. Durch ihn, der mit dem Märchen vom „Liberalismus der Kronprinzen" aufgeräumt habe, sei dafür ge- sorgt worden, daß das Volk endlich aufwachen werde. Das starke Heer, das man mit einer immer ärgeren Auspowerung des deut- schen Volkes geschaffen habe und zu erhalten suche, sei nicht eine Gewähr für den Frieden, sondern eine ständige Kriegsgefahr. Hier unterbrach der Referent seine Ausführungen, weil in- AWischen der Genosse Huysmans- Brüssel, der Sekretär des internationalen sozialistischen Bureaus, erschienen war, um eine Ansprache zu halten. Ein langauhaltender Beifallsturm dankte dem Redner. Genosse Pfannkuch setzte dann sein Referat fort. An- knüpfend an Huysmans' Ausführungen hob er hervor, daß in dem Kampf, den in allen Ländern das Proletariat ausfechten müsse, die Sozialdemokratie Deutschlands bisher an erster Stelle ge- standen habe und auch weiter es nicht an sich fehlen lassen werde. Gegen den Kapitalismus, der die Eroberungspolitik brauche, habe der Kampf sich zu richten. Gegen den Militarismus, der am Lebens. mark des Volkes zehre, müsse Sturm gelaufen werden. Wenn bei den bevorstehenden Reichslagswahlen der schwarzblaue Block so dezimiert werde, daß die Sozialdemokratie entscheidenden Einfluß erlange, so sei das die beste Friedensbürgschaft.„Nieder mit den Lebensmittelverteurern, nieder mit den Kriegshetzern, nieder mit unseren Gegnern— hoch die Parteil" schloß Pfannkuch unter stürmischen Zustimmungskundgebungen der Zuhörer. Die der Versammlung vorgelegte Resolution wurde e i n st i m m i g angenommen. Der Vorsitzende Genosse H e n t s ch e l rief die Versammelten auf zu rastloser Agitationsarbeit, die am Tage der Reichstagswahlen die Wähler Mann für Mann an die Wahlurne bringen müsse, um für die Sozialdemokratie zu stimmen. Mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemo- kratie wurde die Versammlung geschlossen. Zu derselben Zeit war eine zweite Versammlung in dem Garten der Brauerei abgehalten worden, der nach Absperrung des vollbesetzten Saales sich gleichfalls rasch gefüllt hatte und eine noch größere Zahl von Genossen aufnahm als der Saal. Nachdem hier Genosse Dobrohlaw den Vorsitz übernommen hatte, bestieg Genosse Hans Weber die Rednertribüne und geißelte das Treiben der Kriegshetzer. Auch hier wurde die Resolution ein- stimmig angenommen. Nach Schluß der beiden Versammlungen ergoß aus Saal und Garten ein Menschenstrom sich in die Schönhauser Allee hinaus. Polizei konnte man hier auf der Straße auch jetzt fast nirgends bemerken, aber sie saß bereit in ihren Wachen und wartete auf Arbeit. Gesundbrunnen. �11 Uhr. Der Riesensaal von BallschmiedcrS Kastanienwäldchen, in dem die Bevölkerung des Gesund- brunnens und der angrenzenden Bezirke gegen den räuberischen Ueberfall der Italiener protestieren will, ist halb gefüllt von solchen, die ganz besonders zeitig da sein wollten, um sich auf alle Fälle einen guten Platz zu ergattern. Bald zeigte sich, wie recht sie daran taten. Denn in ununterbrochenen Zügen kamen jetzt die Prolc- tarier, und bald war der Saal— obwohl Stühle und Tische fast vollständig herausgeräumt wurden— überfüllt. In drangvoller, fürchterlicher Enge standen Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen und harrten des Moments, da sie ihrem Unmut über den durch die kapitalistische Errpansionspolitik hervorgerufenen Krieg Ausdruck geben konnten. Nach �12 Uhr schritt die Polizei zur Absperrung. Da dieselbe jedoch die Massen überhaupt nicht mehr in das Haus lassen wollte— obwohl in dem geräumigen Garten viel Platz war—, stauten sich bald Tausende vor dem Eingang und wurde dadurch von der Polizei auf diesem Wege das so beliebte Verkehrshindernis geschaffen. Nachdem einer unserer Genossen die Polizei nachdrücklich auf das Verkehrte ihreS Vorgehens hingewiesen hatte, wurde endlich der Garten freigegeben und das„Verkehrshindernis" war beseitigt. Punkt 12 Uhr wurde die Versammlung durch ein sehr stimmungsvoll vorgetragenes Lied des ArbeitergesangvereinS vom Gesundbrunnen eröffnet. Sodann ergriff Reichstagsabge» ordneter Genosse Lehmann das Wort zu seinem Referat. In ausführlicher Weise schilderte der Redner, daß alle die Kriege der letzten Zeit mebr oder weniger Raubzüge waren, hervor- gerufen durch das Expansionsbedürfnis der Staaten. Redner weist auf die Kriege zwischen China und Japan, Spanien und Amerika, England und Transvaal sowie auf den russisch-japani- schen Krieg hin, deren Ursachen alle denselben Motiven entspränge». Auch Deutschland ist an der Expansionspolitik erheblich beteiligt, so z. B. als es Kiautschou auf S9 Jahre von den Chinesen „pachtete". Allerdings ist die erste Pachtrate noch heute nicht bs- zahlt. Besonders bemerkenswert ist der Ausgang des russisch. japanischen Krieges. Der allgemein so gefürchtete Koloß Ruß- land wurde von Japan nach allen Regeln der Kunst geschlagen. Wichtig ist auch, daß fast alle Kriege der neueren Zeit eine Revolution zur Folge hatten und daß die Herrschenden gezwungen werden, Konzessionen zu machen. Nach dem, was bekannt ge- worden ist, bekommen jetzt die Chinesen ein wesentlich besseres Wahlrecht, als es die Preußen bisher besitzen. Redner wendet sich dann ausführlich der Marokkofrage zu und zeigt, wie nahe. wir einem volksverwüstenden Kriege waren. Bei dem räuberksthen Ueberfall der Italiener hat sich wieder einmal gezeigt, wie wenig Verlaß auf die europäischen Regierungen ist. Keine europäische Macht hat gegen das Vorgehen Italiens protestiert, obwohl dasselbe gegen Kriegsbrauch und Kriegsrecht verstößt. Auch Deutschland habe das widerspruchslos geduldet, trotzdem die Türken immer glaubten, sich auf die deutsche Regierung besonders verlassen zu können. In schamloser Weise morden die Italiener entgegen dem Kriegsrecht Gefangene. So betrachtet man die Araber, die als Einwohner der Türkei beistehen wollen, als Aufständische und mordet sie in Massen hin, nur weil sie keine Soldaten sind. Auch unschuldige Frauen und Kinder werden niedergeschossen. Di- europäischen Nationen sind alle an diesem Borgehen schuld, da sie es ja in anderen Fällen ebenso getrieben haben. So ist das Vor- gehen des deutschen Generals Trotha im südwestafrikanischen Kriege, der ungezählte Frauen und Kinder dem Hungertode preis- gab, noch in aller Gedächtnis. Auch in Italien hat sich wieder ge- zeigt, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist. die den Mut hat. gegen solche Raubzüge zu demonstrieren. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß sich der sogenannte Sozialdemokrat De Felice dazu hergegeben hat, begeisterte Kriegsberichte zu schreiben. Unsere italienische Bruderpartei dürfte dafür sorgen, daß er so- bald wie möglich gezwungen wird, der Partei, mit der er nichts zu schaffen hat. den Rücken zu kehren. Aber auch derjenige Teil des Volkes, der letzt krregsbegeistert ist, wird bald merken, welches Verbrechen die italienische Regie- rung durch die Provokation dieses Krieges begangen hat. Schon jetzt ist die italienische Regierung nicht in der Lage, in Süditalien auch nur annähernd das Elend zu beseitigen, das dort herrscht, so daß alljährlich viele Tausende gezwungen sind, auszuwandern. Wie- viel größer wird das Elend nach dem Kriege werden. ES muß unsere Aufgabe sein, die Aufklärung über die Ge- Meingefährlichkeit der Kriege in immer weitere Kreise dringen zu lassen, um so auf die Dauer Kriege unmöglich zu machen, wollen sich nicht die Regierungen gleichzeitig der Gefahr von Revolutionen aussetzen, die vielleicht Königskronen wie Papierfetzen fliegen lassen.(Stürmischer Beifall.) Nachdem Genosse Lehmann geendet, ergriff Genosse Huysmans-Brüssel das Wort zu xiner begeisternden Ansprache in deutscher Sprache. Die Ausführungen Huysmans' werden mit jubelndem Beifall ausgenommen. Die sodann zur Abstimmung gebrachte Resolution wurde mit groß ter Einmütigkeit angenommen. Zum Schluß sangen noch di- Lerantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Arbeitersänger ern Lied und dann gingen die Massen, getragen von dem hehren Gefühl, daß der Sozialismus nur allein Kultur, Freiheit und Frieden bringen kann, wieder nach Hause. Eine Viertelstunde später zeigte der Gesundbrunnen wieder das ge- wohnte Bild. Auf dem Wedding. Inden„P h a r u s s ä l e n", Müllerstraße, versammelten sich zwischen fünf- und sechstausend Personen, die zwei große Säle und den weiten Garten füllten. Bald nach 11 Uhr gab es in dem oberen Saal, wo man ohne Tische eng beisammen saß, nur noch Stehplätze; die Galerien, die Bühne wurden dicht besetzt und noch vor halb zwölf Uhr sperrte die Polizei den oberen Saal ab. Schnell füllte sich der untere Saal, der bald darauf ebenfalls abgesperrt wurde. Für die vielen kleinen Trupps won Besuchern, die gegen 12 Uhr anrückten, blieb nur noch der Garten, den eine tausendköpfige Menge trotz Nässe und Kälte besetzt hielt. Pünktlich zur anberaumten Zeit wurde die Versammlung im oberen Saal eröffnet, feierlich eingeleitet von den? Sängerchor„Wedding" mit dem begeisternden Gesang der „Internationale". Als Redner trat der Reichstagsabgeordnete Robert Schmidt auf, der in seiner ruhigen sachlichen Weis« den Per- sammelten erklärte, warum die Sozialdemokratie die Arbeiterschaft zum Protest gegen den italienisch-türkischen Krieg auffordert. Uns, der großen internationalen Friedenspartei falle die Aufgabe zu, die Stimme der Menschheit, die Stimme der Humanität laut er- schallen zu lassen, wenn ein wilder Krieg ausbricht. Das Leid des Proletariats der einen Nation sei Grund genug für das Proletariat der anderen Nationen, ihre Sympathien zu bezeugen. Man solle nicht glauben, daß wir uns über unsere Stärke täuschen, aber wir wüßten auch ganz genau, daß wir eine stetig wachsende Macht dar- stellen, mit der die Regierungen aller Länder immer mehr rechnen müssen. Der Redner besprach neben der den Weltfrieden bedrohen- den Kriegslage die Verhältnisse im deutschen Vaterlande, die jüng- sten Vorgänge im Reichstag und forderte zum Schluß zur Unter- stützung der großen Kulturbewegung, wie sie die Sozialdemokratie darstellt, auf.(Allgemeiner großer Beifall.)— Die Versammlung mutzte auf kurze Zeit vertagt werden, weil der aus Moabit erwartete Genosse Vandervelde noch nicht erschienen war. Im unteren Saal hatte unterdessen Frau Bertha Lung- w i tz einen Vortrag gehalten und Robert Schmidt begab sich nach Beendigung seiner ersten Rede in den Garten, wo er von der hergerichteten Tribüne herab in ausführlicher Rede den Wunsch unp Willen der internationalen Sozialdemokratie zum Frieden unter den Völkern verkündete. Einen erhebenden Eindruck machte es, als nach dem stürmischen Beifall, den die Rede auch hier aus- löste, der Gesang der„Internationale", wieder vom Sängerchor Wedding" vorgetragen, den Garten durchbrauste und dann die Ber- sammlung begeistert aufgenommene Hochrufe auf den Sozialismus ausbrachte.— Im oberen Saal hatte man trotz der erdrückenden Fülle ruhig auSgehalten und 1 Uhr war längst vorbei, als Bandervelde endlich erschien. Donnernder Applaus begrüßte den Gast, auf den aller Äugen gerichtet waren. Er dankte für den herzlichen Empfang und hielt eine temperamentvolle Ansprache, französisch von Ledebour übersetzt, die ihm wieder reichen Applaus brachte. Eine zweite An- spräche mußte er im unteren Saale halten, wo er zum Teil deutsch sprach. Hier hatte Robert Schmidt zum dritten Mal eine Rede halten müssen, bis Vandervelde folgte und nach diesem L e d e- b o u r. Die vorgelegte Resolution fand überall ungeteilte Zustimmung. In größter Ruhe lösten sich die drei Versammlungen, die letzte um halb drei Uhr, aus. Die Polizei verhielt sich sehr reserviert, war aber zahlreich vertreten und hatte unter anderem in der Maschinenfabrik von Sentker eine fliegende Wache eingerichtet. Als Vandervelde mit seinen Begleitern im Auto abfuhr, wurden ihm von den auf der Straße versammelten Genoffen noch lebhafte Hochrufe ausge- bracht. Moabit. Im Herzen des vorjährigen„Kriegsschauplatzes", in der Wiclef- straße im.Moabiter Schützenhaus", tagte die Versammlung. Nichts erinnert mehr an jene aufregenden Tage. S«hon anderthalb Stunden vor Beginn der Versammlung kommen die ersten. Räch und nach füllt sich der Riesensaal. Bald nach �12 muß ihn die Leitung absperren, nachdem vorher durch Entfernen der Tische auf einige Augenblicke Luft geschaffen war. An 3000 Männer und Frauen sind im großen Saal versammelt; der kleinere wird zu Hilfe ge- nommen. Auch er kann nicht alle aufnehmen, die gekommen sind, um zu proiestieren gegen den wahnfinnigen italienischen Tripolis- Raubzug und zu manifestieren für ihren unerschütterlichen Willen zum Weltfrieden. Und überall auf dem Hofe, der Straße, dem schon recht herbstlichen„Sommergarten" noch Massen, genug, um noch eine dritte, gleich imposante Versammlung zu füllen. Eingeleitet wurden beide Versammlungen stimmungsvoll durch den„Moabiter Männerchor". Hierauf ergreist das Wort Genosse Banderveldc-Brüssel, Vorsitzender des Jnter« nationalen sozialistischen Bureaus: Indem wir gegen den Raubzug der italienischen Regie- rung nach Tripolis protestieren, vrotestieren wir gegen die gesamte kapitalistische Kolonialpolitik. Selbstredend bedeutet unser Protest nicht Parteinahme für oder wider eines der beiden leidend beteiligten Völker. Gegen beide Völker sind wir von den gleichen brüderlichen Empfindungen beseelt. Wir schätzen die vielen vortrefflichen Eigenschaften des türkischen Volkes, und wir gedenken dankbar der hohen und unsterblichen Verdienste Italiens um Kunst und Wissenschaft. � Wenn nur unseren Protest erheben, so liegt dem auch nicht irgendwelche Bevorzugung einer oder der anderen der beiden Regierungen zugrunde. Das jungtürkische Regiment hat große Hoff- nungen erweckt, diese aber enttäuscht und brutale Verständnis- losigkeit gegenüber der Arbeiterbevölkerung bewiesen. Ta- gegen hatte das italienische Ministerium Giolitti politische und soziale Reformen versprochen und zählte die Sozialisten zu seiner Mehrheit. Statt der versprochenen Reformen ist der Brigantenzug nach Tripolis gekommen. Wir sehen die schlimmsten Gräuel vor unseren entsetzten Augen. Männer, Frauen un> Kinder werden hingeschlachtet.�(Stürmische, minutenlange Pfuirufe.) So bringt die italienische Regie- rung Elend über die Bewohner eines fremden Landes. Aber sie gefährdet auch Taufende und Abertausende eigener Lands- leute. die bisher als Arbeiter, Handwerker, Kaufleute ruhig und friedlich im Orient ihren Geschäften nachgingen, sie ge- fährdet die Sicherheit Europas, indem sie den Fanatismus der muselmännischen Welt provoziert. Auch das trägt bei, den Zorn der Mohammedaner zu erwecken, daß der Angriff ausgeht von einem Bundesgenossen des Kaisers, der sich mehr- fach als Schutzherr der Muselmänner vorstellte.(Lebhaftes Hört, hört!) Aber die bürgerliche Welt, die bürgerliche Presse außerhalb Italiens hat kein Recht, sich pharisäisch über Italien zu entrüsten. Die kapitalistische Kolonialpolitik ist überall dieselbe. Man denke nur an die Gräueltaten der Engländer in Indien, an die Scheußlichkeiten im Burcnkriege, wo Männer. Frauen, Kinder in den berüchtigten Kvnzentra- tionslagern dem trockenen Tode entgegengeführt wurden, an die Ausrottung der Hereros durch Trotha(stürmische Pfui- rufe), an die Gräuel, die unter der Aegide Leopolds(sehr gut!)— vielleicht des ruchlosesten Kapitalisten, der je auf dem Throne gesessen hat(stürmische Zustimmung)— im Kongolande verübt wurden, von dem jetzt ein Teil dem deut» schen Kolonialland angezipfelt wird. Die unselige Marokkopolitik, und der tripolitanische Bri- aanti-nzua gehören eng zusammen. Es ist eine Politik, die Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: vorwärt» ebenso gefährlich für den Fortschritt, wie für die Freiheit und den Frieden ist. Hat doch der Präsident der türkischen Depu- tiertenkanimer, Achmed Riza, an das sozialistische Bureau so- wie an bürgerliche Politiker Europas mit Recht geschrieben, daß diese Kriegspolitik alle fremdenfeindlichen und alle rc aktionären Instinkte in der mohammedanischen Welt aufruft und das so hoffnungsvoll begonnene Werk der Modernisic rung. Kultivierung und freiheitlichen Gestaltung der Türkei auf das schwerste gefährde. Wohl am schlimmsten aber ist die Gefahr, die für den Weltfrieden aus dieser Politik erwächst. Eben haben wir erst wieder gesehen, wie einflußreiche Kreise dabei sind, die Völker untereinander zu verhetzen und wie die auswärtige und die innere Politik sich verschlingt. Der deutsche Kronprinz hat durch seine Gesten der Kriegsrede Beifall zugerufen, die Herr v. Heydebrand, der ungekrönte König von Preußen, im deutschen Reichstage gegen England hielt.(Lebhaftes Hört, hört! und Bewegung.) Aber gerade dieser Vorgang zeigt uns auch mit dankenswerter Deutlich- keit, wo der allerschlimmste Feind des Völkerfriedens zu suchen ist. Genossen und Genossinnen! Das preußische Junkertuni ist die schlimmste Gefährdung des Weltfriedens, wie es der schlimmste Feind der Freiheit und des Proletariats ist. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Und die Macht des preußischen Junkertums wurzelt in dem preußischen Wahl- recht, dem rückständigsten und reaktionärsten Wahlrecht in Europa.(Lebhaftes Hört, hört! und anhaltende Zustini- mung.) Parteigenossen, indem Ihr gegen das Wahlunrecht in Preußen kämpft, kämpft Ihr für den Frieden Europas. Nur der Sozialismus vermag den Schandtaten der Kolonial- Politik ein Ende zu bereiten und die Beseitigung des preu- ßischen Wahlunrechts ist eine Hauptetappe auf dem Wege, der zum Sozialismus und damit zum Völkerfrieden fuhrt. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Mit Jubel begrüßt, übersetzte darauf Genosse Ledebour. der durch ein Halsleiden verhindert worden ist, selbst ein Referat zu übernehmen, den französischen Teil der Rede des Genossen Vandervelde ins Deutsche. Anknüpfend an die letzten Worte Banderveldes betont auch Genosse ReichstagSabgeordnetcr Frank die große Bedeutung des Soziaiismus für den Frieden. Die Arbeiterschaft hat. wie wir eben gesehen, bessere Gesandten und Botschafter für den Frieden als die bürgerliche Gesellschaft. Sie beschützen den Frieden besser als Kaiser und Könige, die sich besuchen, umarmen und küssen, und nach Hause gekommen, neue Kanonen und Kriegsschiffe bc- stellen. Ueberall finden dagegen die Gesandten der Arbeiter den Willen, einheitlich und fest für den Frieden einzutreten. Nicht den italienischen Arbeitern, fondern den Pfaffen und den weit- lichen Machthaber» gilt unser Protest. Dem italienischen Volk, das zu gleicher Zeit wie das deutsche die nationale Einheit, wenn auch durch ein besseres Mittel, durch die Revolution, erhielt, dem alten Kulturvolk gehören unsere Sympathien ebenso, wie dem tür- tischen, das eben dabei war, durch eine Reihe kultureller Maß- nahmen sich in die Reihe moderner Völker einzureihen. Er schildert dann, wie schlecht Italien beraten war, seinen vielen Jubiläen auch noch diesen Jubiläumskrieg anzureihen. Nicht würdig des Italiens eines Garibaldi, sondern des Italiens eincZ Rinaldo Rinaldini seien die Plündereien und Arabermassakres. Unschuldige Frauen und Kinder niederzumetzeln, ist eines großen Volles ebenso unwürdig wie der Einfall, den Soldaten SKaßcndirnen nachzuschicken. Solche Taten sind ein Schandfleck europäischer Kultur, die schon die vergangenen Jahrhunderte verurteilt haben. Italien kann daher keinen Anspruch erheben, als ein gesitteteres Land angesehen zu werden, als die Türkei, die jetzt eben erst durch die Jungtürken kulturell kultiviert werde. Doch haben die Arbeiter Italiens keine Mitschuld an diesen Verbrechen. S:« protestieren ebenfalls dagegen. Wissen sie doch, daß sie die Leid- tragenden des Tripolisabenteuers fein werden. Dasselbe kann von sich nicht die bürgerliche Gesellschaft Europa? behaupten. Liest man ihre Presse, so muß man glauben, daß Vernunft auch ein Exportartikel sei. Handelt es sich um Kolonialerwerbungen dcS eigenen Landes, führe sie das Schwert fortgesetzt im Munde. Italien aber bezichtige sie der Verletzung der Moral. Die hohen unübersteiglichen Zollmauern, mit denen sich die modernen Staaten umgeben, sind der Grund, weshalb jedes Land auf Kolonialaben» teuer ausgeht. ES sucht eigene geeignete Absatzgebiete für seine Jndustrieprodukte und Gebiete, die die benötigten Rohstoffe liefern. Asien, das früher daS Dorado der kolonialtteibenden Mächte war. ist ihnen zu heiß geworden, seitdem die Völker durch kraftvolle Revolutionen sich beginnen, selbst zu befreien. Darum sehen wir im selben Moment, wie die Aufteilung Afrika? vollendet wird. Die Franzosen annektieren Marokko. Italien Tripolis und Deutschland einen Teil vom Kongo. Alle begehen Raub, ändern wird sich das erst durch den Sozialismus. Der Sieg des Sozialismus ist der Sieg des Frieden». Nur die Durchdringung der Staaten mit Demokratie, der fich m Deutschland als stärlstes Bollwerk das preußische Dreiklassenparlament entgegcnstcmmt, bietet die Gewähr des endlichen Sieges der Friedensidec. Die Arbeiter Deutschlands waren auf dem Posten und werden auf dem Posten bleiben. Sie reichen den italienischen und den türkischen Arbeitern die Bruder- Hand. Die Arbeiter aller Länder dürfen überzeugt sein, daß dio deutschen Arbeiter alle Gelüste der herrschenden Klassen auf kolo- niale Abenteuer bei der ReichStagSwahl hinwegfegen werden. So schloß Genosse Frank unter lebhaftem Beifall der Versammlung. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Vorbereitungen der Polizei. Herr v. Jagow demonstrierte mit seiner bewaffneten Macht ebenfalls. Namentlich die Straßenecken in der Nähe des Dräselschen Lokals waren mit SchutzmannSpostcn besetzt, die zum Schloß führen» den Brücken mit Doppclposten. In der elften Stunde sah man im Schloß, im Marstav. ja. so» gar im Dom größere Schutzmannsausgebote verschwinden. Radfahr» Patrouillen belebten vor und nach den Versammlungen die Straßen. Auch in einem leerstehenden Laden im Hause Neue Friedrichstt. 50 und im Geschäft von Gebr. Groh, Neue Friedrichstraße Ecke Kaiser- Wrlhelmstraße. hielten sich SchutzmannSaufgebote auf. Starke Polizeiaufgebote sah man am RcichStagsgebäude. wo einige hundert Schutzleute versammelt waren, und in der Nähe des Brandenburger ToreS. Von den Außenvierteln begaben sich am frühen Vormittag massenhaft Schutzleute nach dem Innern der Stadt zu. Vielleicht erwartete man einen DemonstrationSzug durch die Straße„Unter den Linden". Auch besonder» vor der„Neuen Welt" fand sich die Polizei zeitig und zahlreich ein. Jeder der vier Zugänge zum Garten dcü Lokals war mit zwei bis drei Schutzleuten besetzt. Auf der gegen- überliegenden Seite der Straße patrouillierten Beamte in Uniform und Zivil. Ordonnanzen waren zur Stelle. Mehrere Polizei- offiziere wachten darüber, daß der Beamtenapparat nach allen Regeln preußischer Ordnung funktioniere� So hatten die Vertreter der Staatsgewalt an der Stätte unserer Friedensdemonstration ein etwas kriegerisch anmutende» Etraßenbild errichtet. Allerdings ganz überflüssiger Weise, wie der Verlauf unserer Beranstaltunz � Vor den meisten übrigen Lokalen war da» Polizeiaufgebot weniger massenhaft. Und da die Polizei fich den abziehenden Vcr- sanunlungsbesuchcrn gegenüber außerordentlich reserviert verhielt, so kam e» nirgends zu Zusammenstößen und den häßlichen Szenen, wie sie sich leider vielfach bei den verflossenen Wahlrcchtsdemon» strationen abgespielt haben._ Buckdruckerei u. VerlaoSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW.' fr. 267. 28. Jahrgang. 3. Stildif im Jumätts" Kcrlim Jolblilnlt. Dikkstag. 14. Novetilbtt I91t parte!-?Znge!egenKeiten. Zur Lokallistr! Folgende Lokale stehen der Partei und den Gewerkschaften zu allen Veranstaltungen zur Verfügung: In Rehselde(N.-B.) an derOstbahn(Süd): Das Lokal von Willi Voigt. In Pankow das Lokal.Türkisches Zelt'. Jnh. Emil Stark. Lreitestr. 14. In Lichtenberg das Lokal von Ernst Wolf, Gudrunstraste. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß in Ahrens- selbe nur das Lokal von Wilhelm Schneider uns zur Verfügung steht. Besonders bitten wir die Kirchhofsbesucher, auch bei Be- erdigungen sich streng nach der Lokalliste zu richten. DaS Lokal. welches auf dem Terrain der Friedhofsverwaltung gebaut ist, in welchem sich gleichzeitig die BahnhofSräume befinden, bitten wir streng zu meiden. In Karls Horst ist das Lokal„KönigS-Festsäle', an der Bahn, streng zu meiden; alle anderen Lolale sind frei. _ Die Lokalkommisfion. Marienfeldc. Am Mittwoch, den IS. d. Mts., abends 8>/z Uhr, bei Schuster, Kirchstr. 63: Mitgliederversammlung des Wahlvercins. Genosse Groger spricht über:.Die nächste Reichstagswahl". Der Vorstand. Biesdorf. Mittwoch, den 15. d. MS., abends 8>/z Uhr: Zahlabend bei Gustav Berlin. Marzahner Str. 24. Tagesordnung: l. Unsere Stellung zu den Reichstagswahlen. 2. Mitteilungen. Die Bezirksleitung. AdlerShof. Die Parteigenossen und Genossinnen, welche aus der Landeskirche austreten wollen, können sich bis zum 22. November bei folgenden Genosten melden: Gnndel, Hackenbergstr. 29 II, und Meil, Genostenschaftsstr. 14 I. Eine Versammlung findet in diesem Jahre des Wahlkampfes wegen nicht mehr statt. Die Kommission. Teltow. Des BufitagS wegen findet unsere regelmäfiige Mit- gliederversammlung des Wahlvereins schon am Mittwoch, den 16. November, abends 8 Uhr, im Lokal von W. Bonow statt. Berliner JVachricbten. Aus der Armen-Direktion. In der letzten Sitzung der Direktion wurden 7 Kommissions- Vorsteher neu bestätigt; der Vorsitzende gab ihnen mit aus den Weg, daß sie in einsichtiger Weise ihres Amtes walten sollten, datz sie verpflichtet seien, hilfesuchende Personen, wenn Not vorhanden, sofort zu unterstützen und nicht erst auf den kommenden Ersten zu vertrösten. Wir können uns dieser Nkahnung nur voll und ganz an- schllefien. Des weiteren erstattete die Subkommisfion, welche sich mit dem Fortbestehen der Armenkreise beschäftigte, ihren Bericht. Gegen die Einrichtung der Kreise wurde geltend gemacht, daß viele Unterstützungssachen und Beschwerden, welche dringend der Er- ledigung harrten, längere Zeit liegen bleiben, bevor die Kreise ihre Bcschlüfle gefaßt haben. Hier müffe in Zukunft Remedur ge- schaffen werden. Die Vorteile dieses Erbes von Stadtrat Münster- berg seien aber doch überwiegend, namentlich lernten sich die Vor- steher der benachbarten Kommissionen näher kennen und könnten ihre Erfahrungen über das Armenwesen mehr austauschen; auch sei die Arbeit der Kommission sachlicher und eingehender geworden. Es wurde denn auch beschlofien, die Kreise fortbestehen zu lassen. Um aber eine Entlastung der Kreise herbeizuführen, wurde weiter beschlofien, die Unterstützungssätze, welche die Kommissionen ohne Kreisbcschlutz gewähren können, zu erhöhen- Diese Sätze sollen betragen: 1. Für nicht laufend unterstützte Personen 2S M.(bisher 20 M.), 2. Almosen für einzelne Personen bis 2S M.(Bisher 20 M.>, 3. Almosen für kinderlose Familien bis 36 M.(bisher 30 M.f, 4. Almosen für Familien mit Kindern bis 42 M.(bisher (36 M.f, 5. erhalten die Unterstützten eine Rente oder sonstige dauernde Bezüge aus Staats- oder Gemeindemitteln, so können die Höchstsätze für Almosen um weitere S resp. 6 M. erhöht werden. Daß diese Sätze, welche von unseren Genossen beantragt waren, nicht ohne scharfe Opposition angenommen werden würden, war vorauszusehen. Von der gegnerischen Seite wurde geltend ge- macht, daß die Kommissionen in Zukunft nur noch die Höchstsätze bewilligen würden, wodurch dem Armenctat jährlich mehrere Mil- lionen Mehrausgaben erwachsen würden. Diese Herren taten so, als ob sie nicht unsere Kommissionsvorsteher kennen; daß diese noch immer Könige in ihrem Reiche sind und sich gewaltig als Be- schutzer des städtischen Säckels aufspielen. Nach langer Debatte wurden obige Sätze mit großer Mehrheit angenommen. Wahrend früher die Kommissionen wegen zu starker Jnan- spruchnahme geteilt wurden, müssen jetzt im Innern der Stadt solche zufammcngelegt werden. Durch den Abriß zahlreicher MietS- Häuser und Erbauung von Geschäftshäusern wird die ärmere Be- völkerung mehr und mehr aus dem Innern der Stadt verdrängt. Der eiserne Bestand einiger Kommissionen ist bis auf 600 bis 700 M. zurückgegangen; ebenso gibt es Kommissionen mit 30 bis 40 Almosenempsangern. Da nun die Vorsteber fast keine Arbeit haben, aber doch die jährliche Entschädigung von 300 M. beziehen, beschloß die Direktion, einige 40 Kommissionen zusammenzulegen. Ein weiterer Antrag unserer Genossen, der herrschenden Teue- rung dadurch Rechnung zu tragen, daß die Direktion ein Rund- schreiben an die Armenkommissionen richten möge, in welchem diese auf die Teuerung hingewiesen und ausgefordext werden, diesen Verhältnissen durch Gewährung von Sonderunterstützungen oder durch Erhöhung der Almosen, und Pflegegelder Rechnung zu tragen, wurde leider vertagt. Die Mehrheit hatte, da es mittlerweile M2 Uhr geworden war, für diesen wichtigen Antrag keine Zeit mehr. Es soll jedoch eine Extrasitzung stattfinden. Prof. Dr. Bernhard Frankel ist in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag sanft entschlafen, sechs Tage vor seinem 7b. Eeburts- tage. Als junger Privatdozcnt unterrichtete Bernhard Fränkel vornehmlich Kinderheilkunde, allmählich wandte er sich immer mehr der Laryngologie zu. Die ganze Ausbildung, die er auf diesen, Gebiete genossen, hatte in einem Kursus des Kehlkopfspiegelns bestanden. Er gründete dann eine eigene Poliklinik für Hals- und Nasenkranke. Nicht lange dauerte es, da stand auf Grund seiner wissenschaftlichen Arbeiten sein Name unter den �.aryngologen in hohem Ruf. Kennzeichnend für die Bedeutung eines Lehrers ist die Auffindung neuer Methoden und der Herstellung von �nitru- menten zu deren Anwendung. Ueber 25 Instrumente tMen Frankels Namen, zu ihm strömten Schüler aus der ganzen-aelt. Auf Grund seines Wirkens wurde dann 1887 die bisher von ihm geleitete Privatpoliklinik zu einem Universitätsmstitut umge- wandelt, er selbst wurde außerordentlicher Professor; 1893 wurde unter seiner Leitung eine besondere klinische Abteilung für Hals. und Nasenkranke in der Cbarite eröffnet, das erste derartige Uni. versitätSinstitut in Preußen. Das Tuberkuloseproblem' hat Fränkel schon seit Jahrzehnten beschäftigt. Auf Grund seiner früheren Arbeiten, die er standig sortgesetzt hatte, war er einer der Begründer der Heilstatten- dewegung. Dauernd ist sein Name verknüpft mit der Bclzigcr Anstalt des Berlin-Brandenburgischci, HcilstättenvcreinS. mtt den, Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, in dessen Präsidium er eine der führenden Personen war. mit der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose, deren Ver- Handlungen mehrfach unter seiner Leitung stattfanden und in deren Perwaltungsrat er den Vorsitz führte Beschränkter Briefmarkenverkauf am Sonntag. Eine Leserin schreibt uns: Am vorigen Sonntag verlangte ich mittags kurz nach 1 Uhr an dem einzigen geöffneten Schalter des Vollpostamtes 58 in der Danziger Str. 3 für 1,20 M. Fünfpfennigmarken. Der diensttuende, sehr jugendliche Beamte erwiderte:„Es gibt nur 10 Marken" und fügte auf meine verwunderte Frage, wo man denn sonst, wenn nicht direkt auf dem Postamt, ein beliebiges Quantum Marken kaufen könne, erläuternd hinzu:„Nur bis 1 Uhr ... es ist doch lange genug auf!" Nachdem ich diese letztere Be- merkung als überflüssig zurückgewiesen und nur zehn Fünfpfennig- marken in Empfang genommen hatte, verlangte ich für eine halbe Mark 15 Dreipfennigmarken, erhielt aber, obwohl die Markenmappe des Beamten reich gefüllt war, auch von dieser Sorte nur zehn Marken für 30 Pf. Ob der Sonntagsbeamte, der nach 1 Uhr in der Hauptsache für den Rohrpost- und Telegraphenverkehr Dienst tut, verpflichtet ist oder nicht, überhaupt Marken zu verkaufen, ist mir nicht bekannt. Nehme ich an, daß er dazu nicht verpflichtet ist, so hätte im vorliegenden Falle der Beamte ein erfreuliches Entgegenkommen gezeigt.Anderenfalls verstehe ich aber nicht den Zopf der Verkaufsbestimmung. Wenn auch noch nach 1 Uhr Marken verkaust werden dürfen und müssen, so kann es doch einerlei sein, ob der Beamte aus seiner gefüllten Markenmappe von dem Marken- block zehn oder zwanzig oder fünfzig Zehn- oder Fünf- oder Drei- pfennigmarken abreißt und verabfolgt. Das eine macht genau so viel Arbeit wie das andere, und es bleibt in dem Käufer nicht das peinliche Gefühl zurück, daß er unter einer höchst zopfigen Vorschrift zu leiden bat. Mehrere hinter mir stehende Herren hätte ich bitten können, für mich je zehn Marken zu erstehen. Tann hätte höchst- wahrscheinlich die Zoxfmaschine prompt funktioniert. Das heißt, ich hätte noch mehr Marken bekommen, als ich von Anfang an haben wollte, und der Beamte hatte dreifache Arbeit, um jeden einzelnen zu bedienen. Ein Briefmarkenautomat ist in dem sehr stark besuchten Postamt 58 nicht vorhanden. Im Anschluß an die kleine Episode erzählte einer der er- wähnten Herren folgendes Stücklein: Er habe kürzlich einen sauren Hering gegessen und gleich darauf am Schalter eines anderen Post- amts zu tun gehabt, wobei sich der Schalterbeamte über den— Heringsgeruch beschwerte. Wie mag es bei solchen zarten postali- schen Geruchsnerven erst einem von der Arbeit kommenden Käse- Händler ergehen? Man wird da erinnert an die alle Vierteljahre dem Postpersonal vorzulegende generelle Verfügung des Rcichspost- amts, daß Schalterbeamte im Verkehr mit dem Publikum sich der äußersten Höflichkeit zu befleißigen haben. Die verschwundene Gräfin. Vor einigen Tagen hatte sich die 20 Jahre alte Komtesse Else Fink v. Finkenstein, wie gemeldet. aus der Wohnung ihres Vaters in Hessenwinkel bei Erkner nach Berlin begeben, wo sie Einkäufe besorgen wollte. Seit dieser Zeit war sie verschwunden. In der Sankt Hedwigs-Kirche wurde am gleichen Abend von einem Geistlichen ein schlecht gekleidetes junges Mädchen betend vorgefunden. Da es angab, es sei aus Nizza aus dem übel beleumdeten Hause ihrer Mutter entflohen, wurde es von dem Geistlichen in dem Bahnhofsmissionsheim in der Artillerie- stratze untergebracht. Von dort wurde es der Abteilung für Mädchenhandel der Kriminalpolizei überwiesen, die bald feststellte, daß das Mädchen mit der als vermißt gemeldeten Komtesse Else Fink v. Finkenstein identisch war. Das junge Mädchen spricht außer deutsch perfekt englisch und französisch, hat Neigung zur Kunst und Literatur und einen Drang zur Freiheit und Selb- ständigkeit. Von ihren Verwandten wird sie für pathologisch ver- anlagt und für hysterisch erklärt. Sie scheint dem religiösen Wahnsinn verfallen zu sein, da sie angibt, als büßende Magdalena durchs Leben ziehen zu müssen. B-m dritten Stockwerk herabgestürzt. Ein schrecklicher Unglücks- fall hat sich gestern vormittag in der Seydelstraße zugetragen. In dem Haufe Seydelstraße 19 war das 19jährige Hausmädchen Emma Trebisch bedienstet. Gestern vormittag in der 11. Stunde war das junge Mädchen damit beschäftigt, die Fenster zu putzen. Als sie auf die nach der Straße zu belegene Fensterbrüstung trat, um die Scheiben von außen zu reinigen, verlor sie plötzlich den Halt und stürzte, aus dem Gleichgewicht kommend, in die Tiefe. Die Bedauernswerte blieb mit zerschmetterten Gliedern aus dem Bürgersteig liegen. Sie wurde, nachdem ihr auf der nahen Unfallstation Notverbände an- gelegt worden waren, nach dem Krankenhaus am Urban gebracht, wo sie sehr bedenklich daniederliegt. Dir Flucht der Opcrettendiva. Die bekannte Operettensängerin Mizzi Wirth, die übrigens im bürgerlichen Leben Marie Rosen- wasser heißt, sollte auf Antrag eines ihrer Hauptgläubiger, eines Blusenfabrikanten, verhastet werden. Dem hat sie sich durch die Flucht nach Rußland entzogen. Sie hat, um den Häschern zu eni- gehen, eine Verkleidungskomödie aufgeführt, indem sie ihre Zofe, die ihr einigermaßen gleicht, in ihre Kleider steckte und dann selbst unauffällig das Theater durch einen nach dem Zuschauerräume führenden Ausgang verließ. Die mit der Verhaftung betrauten Beamten, die am Bühnenausgang auf die Sängerin harrten, gingen denn auch richtig auf den Leim. Sie nahmen die verkleidete Zofe fest und merkten erst später, daß sie die Falsche erwischt hatten. Inzwischen war Frau Wirth in einem ihr zur Verfügung gestellten Auto zum Bahnhof Friedrichstraße gefahren, wo sie gerade noch einen D-Zug nach Alexandrowo erreichte. Bevor weitere Maß- regeln gegen sie ergriffen werden konnten, war sie längst über der Grenze in Sicherheit. Sie wird in Rußland zunächst in Moskau gastiren. Ihre enttäuschten Gläubiger in Berlin beklagen den Ver- lust von etwa 30 000 M. Ueber die Vorgeschichte der Affäre, die besonders in Theaterkreisen lebhaft besprochen wird, erfährt die „Vossische Zeitung" folgendes: Mizzi Wirth hat einen ganzen Stamm von Lieferanten— zur Verzweiflung gebracht. Sie war EngroS-Konsumentin in Toiletten- artikeln und feinster Damenwäsche, ihre Spezialität aber waren die Blusen. Blulen kaufte sie immer gleich dutzendweise— d. h. ge- zahlt hat sie sie nie. Die Lieferanten mahnten und drohten, schließ- lich klagten sie; aber es war nichts zu machen. Die schöne Mizzi wußte sich durch alle Fährlichkeiten hindurchzusch— ieben. Die meisten Lieferanten gaben resigniert das Rennen auf. Ihr hart- näckigster Gläubiger aber, der Fabrikant, der ihr aus seinem Ge- schüft Unter den Linden die letzten Blusenneuhciten gesandt hatte, läßt nicht locker: Eine Blusenrechnung von viertausend Emmchen ist ja auch kein Pappenstiel. Dom Miguel am„Schwarzen Brett". In dem Metternich- Prozeß spielte eine Gclcgenheits- und Nebenrolle Prinz Miguel von Braganza, der älteste Sohn des portugiesischen Thronprätcn- Kenten. Einer der Herren Verteidiger malte ihn sehr schwarz. Hinterher freilich erklärte er mit Bedauern, daß seine Zeichnung auf einer Verwechselung beruhe. Da schien also Dom Miguel wieder ganz weiß zu sein. Auch Frau Gertrud Wertheim sprang dem Prinzen bei. Sie verwies auf die 40 Millionen Mark, die Miß Anita-Stewart ihrem prinzlichen Gemahl in die Ehe mit- gebracht habe. Möglich, meinte sie, daß der junge Prinz Schulden gehabt habe, und gewiß, daß nach seiner Vermählung sich der Mob von Geldwechslern und Schwindlern auf ihn losstürzte. Das mag sein. Gewiß ist aber auch, daß Dom Miguel auch bei anderen Leuten noch Schulden hat, und daß diese froh wären, wenn er sie endlich aus den amerikanischen Millionen bezahlte, wenn früher vielleicht das„Pariser" Geld dazu nicht gereicht haben sollt«. Das sind Berliner.Handwerker, die sich nun schon seit Jahr und Tag vergeblich um ihre Löhne mühen. Dom Miguel ist Berliner Haus- beptzer, Eigentümer des Grundstücks Kurfürstendamm 173, das allerdings nach dem Erwerb mit Hypotheken bis zum Schornstein belastet wurde. Der Prinz verdiente an dem HauSgeschäft 200 000 M., die ein anderer verlor. Der mag den Verlust noch verschmerzen können, Handwerker empfinden es oft schon recht bitter, wenn sie auch nur einen Bruchteil dieser großen Summe einbüßen sollen. So geht es ober einigen mit Dom Miguel, dessen Vater jetzt um den portu- giesischen Thron kämpft, der also selbst wohl auch noch Anwart» schaft darauf zu haben glaubt. Man sollte nun meinen, ein prä- sumtiver Thronanwärter müsse leicht zu sinden sein. Die Hand- werker aber erfahren zu ihrem Leidwesen das Gegenteil. Schon vor Jahresfrist erschien Dom Miguel am„Schwarzen Brett", als unauffindbar an der Tafel des Königlichen Landgerichts III am Tegeler Weg. Dort lasen alle, Richter, Anwälte und Publikum, zu ihrer nicht geringen Verwunderung:„Im Namen des Königs. In Sachen des usw. gegen Seine königliche Hoheit den Prinzen Miguel von Braganza, früher in Wien IV, Brahmsplatz 1, jetzt unbekannten Aufenthalts, hat die siebente Zivilkammer des Königlichen Land- gerichts III in Berlin auf die mündliche Verhandlung vom 13. Juli 1910 für Recht erkannt: Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 3703,95 M. nebst 4 Proz. Zinsen seit dem 15. Oktober 1909 zu zahlen."— Auch eine Sicherungshypothek in dieser Höhe wurde dem Kläger bewilligt. Nach dem Tatbestand und den Entscheidungs- gründen hatte er von Januar bis Mai 1909 für den Prinzen Miguel auf dessen Bestellung an seinem Hause Knrfürstendamm 178 Handwerkerarbeiten ausgeführt und dafür noch einen Restlohn von 3703.95 M. zu fordern. Die Einspruchsfrist verstrich, das Urteil wurde rechtskräftig, aber der Handwerker hat noch immer kein Geld, weil Dom Miguel nicht zu sinden und zu fassen ist. Alle Be- mühungen nach dieser Richtung waren auch bis heute noch umsonst. Sollte der Prinz in die Lage kommen, einen neuen Thron zu brauchen, Berliner Handwerker werden schwerlich geneigt sein, ihm einen zu bauen.> Tragischer Tod. An der Seite seiner Frau auf der Straße vom Schlage gerührt wurde am Sonnabendabend um 8 Uhr der 44 Jahre alte Arbeiter Paul Kochmann aus der Schwedter Str. 32. Frau Kochmann holte ihren Mann abends von seiner Arbeitsstelle ab. Auf dem Heimwege erzählte er ihr, daß der Neubau, auf dem er bis jetzt gearbeitet hatte, nun fertig geworden sei. Er sprach dann darüber. daß er nun vorläufig wohl keine Arbeit mehr finden werde und daß er sich Sorge um die Zukunft mache. Dabei wurde er immer er- regier. Plötzlich fiel er besinnungslos um. Die entsetzt- Frau brachte ihn mit einer Droschke nach der Rettungswache in der Gaudystraße. Als sie aber dort mit ihm ankam, war er schon tot. Der Arzt konnte die Todesursache zwar nicht bestimmt feststellen, vermutet aber, daß den Manne ein Herzschlag getroffen hat. Arbeits- und Mittellosigkeit haben den 21 Jahre alten Schloffer Georg Hußmann, der in der Joachimstraße als Junggeselle in Schlafstelle wohnte, in den Tod getrieben. Der Mann hatte früher lohnende Beschäftigung in einer Maschinenfabrik, gab sie aber auf weil er glaubte, sich noch verbesiern zu können. In dieser Hoffnung aber sah er sich bitter getäuscht. Nachdem er sich in Berlin ver- geblich um neue Arbeit bemüht hatte, suchte er solche in der ver- gangenen Woche vier Tage lang auswärts, aber ebenso erfolglos. Niedergeschlagen kehrte er zurück. Als ihn nun seine Wirtin an die Mietsschuld erinnerte und ihm sagte, daß er ausziehen müffe, wenn er nicht bezahlen könne, schoß er sich Sonntagnachmittag, nachdem die Wirtin ausgegangen war, im Bette liegend eine Revolverkugel in die rechte Schläfe und war sofort tot. Im Gerichtssaal verhaftet wurde am Sonnabend, der Athlet und Gelegenheitsarbeiter Robert Philipp, der sich ohne Wohnung in Berlin aufhielt. Vor ungefähr acht Wochen plünderten Einbrecher das Leutehaus des Rittergutes Ferbitz aus. Die Täter waren die Arbeiter Otto Radicke und Robert Lehmann, die früher auf dem Gute gearbeitet hatten und deshalb mit den Räumen und den Ge- pflogenheiten genau Bescheid wußten und ein dritter Mann, den man nur der Beschreibung nach kannte. Radicke und Lehmann wurden verhaftet, als sie sich in einer Kneipe um die Beute stritten. Am Sonnabend wurde gegen sie vor dem Amtsgericht III verhandelt. Einem Kriminalbeamten, der als Zeuge vernommen wurde, fiel eS auf, daß sich die Angeklagten mit einem Manne im Zuhörerraum durch Gebärden und„Zinken" unterhielten. Er sah sich diesen Mann näher an und erkannte in ihm den dritten Einbrecher, der damals entkommen war. Er wurde aus der Stelle verhaftet und als der Athlet und Gelegenheitsarbeiter Robert Philipp festgestellt. Belm Tanzvergnügen verhaftet wurden Sonntag abend in den „Brunnensälen" in der Bruniienstraße entwichene Fürsorgezöglinge. Fünf Burschen und drei Mächen, die au? den Anstalten entkommen waren, wurden festgenommen und in die Fürsorgeerziehung zurück» gebracht. Gegen den religiSsen Gewissenszwang der Dissidentcnkinder. Dem Schutz der Dissidentenkinder vor religiöser Vergewaltigung durch Teilnahme am konfessionellen Unterricht galt eine am Sonn- tagvormittag vom Vorsitzenden des Kulturkartells Groß-Berlin, Stadtrat Dr. Penzig-Charlottenburg, einberufene öffentliche Ver- sammlung von Männern und Frauen, die den großen Saal der Äiktoriabrauerei in der Lützowstraße bis auf den letzten Platz ge- füllt hatte. Der Vorsitzende legte zunächst als das Endziel, zu dem sich die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur, der Monisten- lmnd, der Deutsche Bund für weltlichen Schul- und Moralunter- richt und verschiedene andere Korporationen vereinigt hätten, die Befreiung der Religion auö den Fesseln des BekenntniszwangeS dar. Hierzu müsse auch die Befreiung der Schule vom Religions- Unterricht und damit auch die der Dissidentenkinder treten, die zu Unrecht gezwungen würden, an diesem Unterricht teilzunehmen. 337 000 Personen seien in Deutschland und 19 900 allein in Berlin aus det Landeskirche ausgetreten. DaS zeige, daß es so nicht mehr weitergehe. Als erster Referent nahm Pfarrer Dr. Runze das Wort. Er erklärt sich für einen Religionsunterricht, der im Gegen- satz zu dem jetzigen konfessionellen ein rein vergleichend historischer werden müsse, und glaubt, daß die Kinder dabei mehr für das Leben profitieren würden, als bei dem jetzigen Bckenntnisunter- richt. Lehrer Tews erklärt den Religionsunterricht, sofern er nur den modernen Erfordernissen angepaßt und den Kindern in ver- ständlicher Form beigebracht werden würde, auf Grund seiner zwanzigjährigen Erfahrungen für sehr wohl akzeptabel. Im Gegen- satz dazu sprachen sich Pfarrer D. Franc! und der Einbcrufer Dr. Penzig für volle Trennung des Religionsunterrichtes von der Schule und damit für eine völlige Befreiung auch des Gemütes der Kinder von jedwedem Bekenntniszwang aus. Was den anderen Kindern recht sei, sei denen der Dissidenten mindestens billig. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution gelangte zur cinstiimm- gen Annahme.. In der Versammlung im GewerkschaftShause am Sonnlag ist ein Regenschirm stehengeblieben und bei Pohl, Naunynstraßc 30. abzuholen.'___ Vorort- JVadmebtem Schöneberg. Die Stadtverorbnetenwahlen am Sonntag zeitiglen für die Sozialdemokratie ein gutes Resultat. Von den sechs Stadtverord. neten. die in fünf Bezirken zur Wahl standen, hatte die Sozial, demokratie zwei Hausbesitzer- und ein Mietcrmandat zu verteidi» gen. Diesen Bestand gelaug es zu erhalten und außerdem noch ein Mandat zu gewinnen. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler be» trug in den fünf Wahlbezirken 10 432. während bei der letzten Wahl insgesamt gegen 8000 eingeschrieben waren. Hiervon entfielen auf ine Soziald'emolkrcüie 3028, auf Sie Liberalen 2098, Suf bis UtT politischen Hausbesitzer 302 und auf das Zentrum 29 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug in den meisten Bezirken 90 Proz., nur in einem Bezirk traten mehr denn 60 Proz. der Wähler an den Wahl tisch heran. Die Liberalen hatten am Beginn des Wahltages schnell noch ein mit den abgestandensten und albernsten Phrasen versehenes Flugblatt auf den Markt geworfen, ohne damit den geringsten Er folg zu erzielen. Mehr als ein Dutzend Autos rasselten fortgesetzt durch den elften Bezirk, um die Wähler zum Wahltisch zu holen Auch im fünften Bezirk setzten schon früh die Autos ein, um für den Betriebsinspektor des zehnten Strassenbahnhofs, Herrn Z i r u s die Wähler heranzuschleppen. Zweimal wurden die Straßenbahner während der Fahrt abgelöst. Einige Straßenbahner gingen in ihrer Unterwürfigkeit sogar soweit, daß sie sich in die Wohnungen ihrer Kollegen begaben, um die Betreffenden wider ihre Ueber zeugung zu zwingen, dem Betriebsinspekitor Zirus die Stimme zu geben. Trotz alledem siegte der Genosse M o h s. Im 6. und 7. Bc zirk ging es etwas ruhiger zu, da die Bürgerlichen ernste Kandi- daturen nicht aufgestellt hatten, denn diese Bezirke waren von vorn herein aussichtslos. Im dritten Bezirk rafften sich die Anhänger der Liberalen Vereinigung gegen Mittag noch einmal auf, um die NichtWähler mobil zu machen. Auch hier war jede Liebesmühe ver- geblich. Die Mandate der Sozialdemokratie sind nunmehr wieder von elf auf dreizehn gestiegen. Die Wahl selbst ergab folgendes Resultat: 3. Bezirk: Eingeschriebene Wähler 1867. Es erhielten Ge riosse Eduard P e t e r s o n 631 Stimmen, Ingenieur Schammer, (Liberale Vereinigung) 291 Stimmen und Zentrum 21 Stimmen. Gewählt Eduard Peterson.(Soz.). Bisher Postsekretär Schneider. ö. Bezirk: Eingeschriebene Wähler 1915. ES erhielten Stimmen Genosse Albin Mohs 675, Betriebsinspektor Zirus (Liberale Fraktion) 533 Stimmen. Gewählt Albin Mohs ,(Soz.). Bisher Genosse Däumig. 6. Bezirk: Eingeschriebene Wähler 1752. Es erhielten Stimmen Genosse P. M a g n a n 603 und Architekt Kraaz(Liberal) 264 Stimmen, 8 Stimmen waren zersplittert. Gewählt Paul Rag na n(Soz.), der auch bisher den Bezirk vertrat. 7. Bezirk: Eingeschriebene Wähler 1931. Es erhielten Stimmen Genosse I. Rottländer(Soz.) 618 und Kaufmann Bismark(Liberal) 106 Stimmen. Gewählt I. Rottländer /Soz.). Bisher Rottländer. 11. Bezirk: Eingeschriebene Wähler 2937. Es erhielten Stimmen Genosse Küter 501, Genosse Fischer 501, Turnlehrer Zobel(Liberal) 933, Kaufmann H o f f m a n n(Liberal) 933, RechnungSrat Müller 306 und Maurermeister Pfundt 306 Stimmen. Gewählt sind Zobel und Hoffmann(Liberal). Bis- her Zobel und Schellack.« Der Wahlkampf der dritten Abteilung ist vorüber, nunmehr können die Vertreter in der zweiten und ersten Abteilung«ernannt werden. Die Sozialdemokratie hat sich diesmal an der Wahl in der 2. Klasse nicht beteiligt. Rkxdorf. Mit der Vorbereitung eines Kartoffelvcrkoiifs für den Fall einer im Laufe des Winters eintretenden erheblichen Preissteigerung erklärte sich der Magistrat in seiner letzten Sitzung einverstanden und beschloß, bei der Stadtverordnetenversammlung zu beantragen, zur Beschaffung der Kartoffeln, welche zum Selbstkostenpreise an ärmere Bewohner weiter verkaust werden sollen, einen außerordent- lichen Kredit von 10 000 M. zu bewilligen. Mit der Durchführung «der erforderlichen Maßnahmen durch die bestehende Kommission erklärt sich der Magistrat einverstanden.(Wir halten den geforderten �Kredit von 10 000 M. für eine Arbeiterstadt wie Ripdorf für völlig unzureichend, wenn man bedenkt, daß andere weit kleinere Gemeinden größere Summen hierfür bereitgestellt haben. D. R.)— Der Schullastenanspruch gegen Verlin soll auch für das Jahr 1911 zur Anmeldung gelangen.— Der Erlaß eines Ortsstatuts zur Erhaltung der Vorgärte» innerhalb derRingbahn aufGrund desVerunstaltnngSgeietzes wurde ge- nehmigt.— Der Abschluß der städtischen Sparkasse loll in Zukunft schon in der Zeit zwischen dem 15. und 31. Dezember erfolgen. Der genaue Termin des Beginns wird in jedem Jahre vom Dezernenten bestimmt.— Von der Resolution der städtischen Arbeiter vom 12. Oktober 1911 nahm der Magistrat Kenntnis und beschloß, daß nur auf die dauernd beschäftigten Arbeiter die Bestimmungen der Arbeitsordnung Anwendung finden sollen. MS dauernd beschäftigt seien diejenigen Arbeiter anzusehen, welche zur Verrichtung der nor- malcrweise dauernd vorhandenen Arbeiten erforderlich sind.— Der Antrag von drei Angestellten des Omnibusbetriebes vom 4. No- bsmber 1911 betreffend Wahl von Vertretern zu den Sitzungen der vereinigten Arbeiterausschüsse wurde abgelehnt. Die Angestellten des Omnibusbetriebes seien nicht als Arbeiter im Sinne der Arbeits- ordnung anzusehen. Wilmersdorf-Halensee« Konservative Fortschrittler. ES ist zivar nichts NeueS, Laß Las Fortschrittlcrtum sich zum Kinderspott herabwürdigt; aber ein Vor- fall, dessen Held der Fortschrittliche Verein in Wilmersdorf ist, dürfte sich doch nicht alle Tage ereignen. Am Orte gibt der Druckereibesitzer Hans Heene- M a n n als„amtliche Zeitung für Bekanntmachungen der städtischen Behörden und des Polizeipräsidiums" die..WilmerS- dorfer Zeitung" heraus. Das Blatt ist in seinem politischen Teil alldeutsch-konservativ redigert und macht sich in Kom- munalangelegenhciten zum Sprachrohr der von konservativen und rcchtsnationalliberalen Politikern geleiteten Mehrheits- f r a k t i o n. Es ist nun einmal üblich, daß bürgerliche Geschäfts- leute in allen möglichen Vereinen Mitglied sind, und als Herr Heenemann eines Tages bei der Aufzählung seiner Mitgliedskarten entdeckte, daß ihm eine solche vom Fortschrittlichen Verein fehle, dachte er sich vielleicht nichts Arges bei dem Entschluß, das Ver- säumte nachzuholen und sich auch hier zur A u f n a h in e zu melden. Anders faßte aber ein Mitglied des Fortschrittlichen Vereins die Sache auf. Der Mann erinnerte daran, daß der Bewerber erst vor wenigen Wochen bei der Stadtverordnetenwahl als Kandidat der konservativen Bezirksvereine den fortschrittlichen Kandidaten h e k ä m p f t hatte und auch sonst seiner ganzen politischen Haltung nach unmöglich irgend etwas vom Wesen der Fortschrittlichen Volkspartei an sich haben könne. Man müsse, so meinte er, sich bei einem solchen Manne vorsehen und seine Aufnahme zum mindesten von der Erklärung abhängig machen, daß er einem gegnerischen Verein nicht an- gehöre. Leute, die so etwas wie eine politische Ueberzeugung in sich tragen, werden ein solches Verlangen nicht gerade unbillig finden. Anders aber die Herren in der politischen Organisation der Fort- schrittlichen Vollspartei. Sie staunten baß ob der„sittlichen Forde- rung", daß ein Mitglied ihrer Organisation nicht auch konser- v a t i v sein dürfe, und der Schluß der Auseinandersetzung war, wie jetzt im„Wilmersdorfer Tageblatt" berichtet wird, daß der Ver- treter der fortschrittlichen Parteigrundsätze sich zum A u s t r i t t aus der Organisation veranlaßt sah, der politische Gegner Heenemann ' aber vom zuständigen Vorstand aufgenommen wurde, Lichtenberg. Stndtverordnetenwahlen! Die Wichtigkeit der kommunalen Wahlen! beleuchten einige Vor- gange aus der letzten Stadtverordnetenfitzung. Die Mehrheit hat zwei Verträgen zugestimmt, die ein Geschenk von ca. tU Millionen Mark an die Straßenbahn und dazu auch noch ein Geschenk von ca. V« Millionen Mark an den Rittergutsbesitzer Röder bedeuten. Die Beschlußfassung erfolgte in geheimer Sitzung unter flagrantem Bruch der Geschäftsordnung, in so schwerwiegender Form, daß jeder Einwohner das Recht hat, die Gültigkeit der Beschlüsse anzugreifen, Sodann hat die Mehrheit die Petitionen der mittleren und unteren Beamten um bescheidene Gehaltsaufbesserung einfach rundweg ab gelehnt. Die Beamtenfreunde brachten es ja auch gelegentlich der Etatsberatung fertig, den von unseren Genossen geforderten Anspruch der Beamten auf Ferienurlaub abzulehnen. Am meisten mußte man sich darüber wundern, daß die Beamtenvertreter Rott und Frensche damals in solcher Weise die Interessen ihrer Mandatgeber„wahr- nahmen". Jedenfalls zeigen die Vorgänge, wie notwendig es ist, daß die Einwohner sich um die kommunalen Vorgänge bekümmern und die Wähler sich keine Vertrauensmänner des Grundbesitzervereins aufdrängen lassen. Es sollte daher niemand versäumen, die in dieser Woche stattfindenden Versammlungen zu besuchen. Es sind folgende: Dienstag, den 14. November, abends 8>/.z Uhr. in der Wartburg, Frankfurter Chaussee 60/61 für die Wähler des HI. Be- zirls II. Abteilung. Donnerstag, den 16. November, abends 8'/zUhr, bei Schwarz, M ö l l e n d o r f st r 23. für die Wähler des IV. Bezirks der II. Abteilung, ferner bei Keller, Eitelstr. 26, für die Wähler des XV. und Xll. Bezirls der III. Abteilung und bei Arnold, F r a n k f u r t e r C h a u s s e e 6, für den II. Bezirk der II. Abteilung. Freitag, den 17. November, abends 8>/z Uhr, bei Pickenhagen, Scharnweberstraße, für den IV. und V. Bezirk der III. Abteilung und bei E r t e l, P f a r r st r. 74, für die Wähler des X. Bezirks der HI. Abteilung. In den Versammlungen werden Referate erstattet, denen fich ein Meinungsaustausch der Wähler anschließen soll. Wer seine Pflicht tun will, muß erscheinen!_ Tempelhof. Feuer brach am Sonntagabend zwischen 11 und 12 Uhr auf dem Grundstück der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft, Gottlieb Dunkelstraße in einer der Firma Müller gehörenden Baubuden aus. Sowohl die Bude wie das darin befindliche Handwerkzeug und die Sachen der Arbeiter wurden ein Raub der Flammen. Auch drei in der Hütte liegende Hunde kamen in den Flammen um. Von dem Brand wurde, da Hilfe nicht so schnell zur Stelle war. des weiteren die nebenstehende der Petroleumgesellschaft gehörende Bude erfaßt, die zum Teil niederbrannte. Stralau. Heute DienStaz, nachmittags von S— 8 Uhr, findet eine Ersatz- wähl in der dritten Klasse statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Albert Gebel, Markgrafendamm 11. Das Wahllokal befindet sich bei Steinke, Llt-Stralau 6. Die Genossen wollen da- ür sorgen, daß das Wahlgeschäft pünktlich von statten geht und daß unser Kandidat mit großer Majorität gewählt wird. Nach der Wahl indet in demselben Lokal eine Mitgliederversammlung statt. Treptotv-Baumschulenweg. Die neuerbaute Kirche, deren beide im Barockstil gehaltene Türme schon seit längerer Zeit das Auge des Ausflüglers auf sich lenkten, wurde am Sonntag vormittag unter Beisein eines Prinzen owie sonstiger staatlicher und geistlicher Würdenträger mit dem üblichen Pomp eingeweiht. Z?riedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Da die Einrichtung von ver- icherungSämtern auf Grund der Reichsversicherungsordnung auf Kosten der Gemeinden erfolgen kann, erklärt« sich der Gemeinde- vorstand gegen ein solches Amt. Bon unseren Genossen wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß ein gut Teil der Funktionen eines gemeindlichen Versicherungsamtes bereits jetzt von der Behörde aus- ;eübt würde, folglich auch die Kosten nur ganz unbedeutende sein önnten. Vor allem müsse aber in Betracht kommen, welche Lohn- ausfälle und sonstigen Kosten den Versicherten erspart würden, wenn die erste Instanz nicht beim Landratsamt. sondern in der Gemeinde 'ei. Die Mehrheit lehnte— da es sich doch nur um Arbeiter- interessen handelte— ab.— Den Erlaß eines Ortsstatuts über die Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen ver- kaufsstellen hatte ein anderer Punkt der Tagesordnung zum Gegen- tand. Es dürfen danach in offenen Verkaufsstellen des Handels- gewerbes Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter— abgesehen vom ersten WeihnachtS-, Oster-, und Pfingsttage, an denen die Beschäf- tigung überhaupt untersagt ist— an Sonn- und Festtagen in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September nur von 8— 10 Uhr vormittags und vom 1. Oktober bis 30. April nur von 12—2 Uhr beschäftigt werden, soweit nicht Ausnahmen durch die zuständigen Be- Hörden festgesetzt werden. Ausgenommen sind der Handel mit Rahrungs- und Genutzmitteln sowie mit Blumen. Ein Versuch von unserer Seite, auch diese mit einzubeziehen, scheiterte. Die Ueberbrückung des Rieselgrabens an der Miguel- und Delbrückstraße soll nun endlich vorgenommen und da- mit ein unhaltbarer Zustand beseitigt werden. Freilich können, in- olge Weigerung der Stadt Berlin, auch nur provisorische, holzen, e Brücken geschaffen werden und für die Delbrückstraße lediglich ein iutzgängcrsteig, weil die interessierten Anlieger nicht zu höheren eistungen zu bewegen waren. Immerhin ist der kleine Fortschritt zu begrüßen. Eine größere Anzahl von Tagesordnungspunkten waren zu er- ledigen, um ein großzügiges und für die fernere Entwickelung unseres Ortsteils sicher bedeutsame? Projekt durchführen zu können, nämlich die Verbreiterung und Regulierung der Schloß- t r a tz e von der Wilhelm- bis zur Berliner Straße. Hierfür waren »ereitS 102 500 M. bereitgestellt, man war jedoch noch nicht zur AuS- uhrung geschritten, weil ein erweitertes Projett auftanchte. Danach oll die Schloßsttaße zwischen Wilhelm- und Friedrichstraße 22 Meter und von da bis Berliner Straße 20 Meter Breite erhalten und asphaltiert werden. Nur der Schienenkörper der Straßenbahn soll der bedeutend geringeren Unterhaltungskosten wegen Reihen- Steinpflaster erhalten. Um diesen neuen Plan ausführen zu können, war es notwendig. von den Anliegern teils ganze Grundstücke, teils einzelne Parzellen an erwerbe» und einzelne Gebäude niederzureißen. Auf Grund deS vor kurzem erlassenen OrtSstatutS ist eS nun möglich, einen erheblichen Teil der durch den Landerwerb erwachsenden Kosten auf die Anlieger zu verteilen, die ja zweifellos durch den Werlzuwachz ihrer Grundstücke, gesteigerte Mieten usw. den bei weitem größten Vorteil haben. Allerdings sind diese Kosten dadurch noch besonder? hoch getrieben, daß z. B. von den Kelchschen Erben 580 M. pro Ouadratrute, also ein ganz außergewöhnlich hoher Preis gefordert wurden. Zuletzt berichtete der Gemeindevorstand noch über die Maß- nahmen, die er zur Linderung der Teuerung getroffen habe. Es sollen— wie bereits durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht ist— vom 15. cr. ab Mittwoch und Donnerstags Seefische an den näher bezeichneten Verlaufsstellen feilgeboten werden und , war zum Selbstkostenpreis mit einein Ausschlag von 8 M. pro Zentner zur Unkostendeckung usw. Zu einem weiteren Vorgehen— namentlich zu billigem Kartoffel« und Fleischvertrieb hat man sich noch nicht entschließen können. Trebbin(Kreis Teltow). Aus der Stadtverordnetenfitzung. Zu der am 20. November stattfindenden Stadtverordneten-ErgänzungSwahl wurden als Bei- sitzer die Herren Maaß und Konrap Schulze, zu deren Stellvertreter Herr Ruchner und Genosse Richter gewählt. Bei der Wahl von zwei Mitgliedern zum Schulvorstand der Fortbildungsschule wurden die Herren Haase und Karl Schulze gewählt. Der von 3. Abteilung borgeschlagene Genosse Schönsee erhielt nur die 6 Stimmen«nseree Genossen. Zu dem Beratungsgegenstand: Beschlußfassung über die Löhne der Forstarbeiter stellte Genosse Richrer einen Vertagungs- antrag, weil der Dezernent es wieder nicht für nötig befunden habe, zur Sitzung zu erscheinen. Da die Forstarbeiten jedoch schon seit Montag im Gange sind, zog Genosse Richter seinen Antrag zurück. Die Löhne wurden alsdann wie folgt festgesetzt: Stammholz, Quadratmeter 70 Pf., Stangen I 8 Pf., II 6 Pf.. Kloben 75 und 60 Pf., Reisig 50 und 40 Pf.. Stubben 1,20 M.. Tagelohn 2,50 M. Das Feierabendholz sowie die Entschädigung von 30 Ps. dafür kommt in Wegfall. Dafür erhält jeder 2 Haufen Trockenholz, die von der Kommission abzunehmen sind, außerdem ist sür jeden Haufen 1 M, zu zahlen. Reisig HL Klasse erhält jeder nach Bedarf zur Taxe, desgleichen ein Stück Bauholz bis zu einer gewissen Größe. Friedrichshagen. Bei der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung in der dritten Ab- teilung wurde am Sonntag der Genosse HanS Miele mit 544 Stimmen gewählt. Von den Gegnern waren keine Kandidaten aufgestellt. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler betrug 1743. Bernau. In einer von über 500 Personen besuchten Versammlung sprach Landtagsabgeordneter Genosse S t r ö b e l über„Reichs-, Landes- und Kommunalpolitik". Am Schluß seiner des öfteren von Beifall unterbrochenen Rede forderte der.Referent die An- wesenden auf, sich ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organi- sation anzuschließen, denn nur dadurch sei es möglich, den Kampf mit unseren Feinden erfolgreich zu bestehen. Hierauf geißelten die Kandidaten für die bevorstehende Stadtverordneten- wähl die zahlreichen Sünden der bürgerlichen Mehrheit im Stadt- Parlament. Am Anfang und Ende der Versammlung brachte der Arbeitergesangverein Freiheit einige stimmungsvolle Lieder zum Vortrag. In der letzten Nummer des hier erscheinenden Kreisblattes fordern„einige Wähler" der dritten Abteilung den Bürgerverein auf, den Sozialdemokraten die Wahl in dieser Abteilung nicht so leicht zu machen und mit geeigneten Gegenkandidaten aufzutreten. Dem Bürgerverein würde die Sozialdemokratie nur dankbar sein, wenn er seine Mannen zum Kampf aufriefe. Gegner machen den Wahlkampf stets interessanter, zudem werden unsere säumigen Wähler aufgerüttelt. Es ist nun Pflicht eines joden Arbeiters, sich am Donners- t a g, den 16. d. M.. rechtzeitig zur Wahl einzufinden und seine Stimme unseren Kandidaten zu geben. Besonders die im Olto�-r nach Berlin verzogenen und auswärts arbeitenden Genossen machen wir aufmerksam, sich vor 7 Uhr im Wahllokal(Elysium) einzufinden, damit sie ihre Stimme noch abgeben können. Der letzte Zug, der benutzt werden kann, geht 6.11"Uhr von Berlin ab. Wahleinladung oder Steucrzettel ist mitzubringen. Ferner for- der» wir die Genossen auf, denen eS möglich ist, sich um 4 Uhr frei zu machen und sich im Wahlbureau cmzuftnden. DaS Wahl- bureau ist gleichfalls im Elysium(Eckzimmer). Die Wahl findet von mittags 12 Uhr bis abends 7 Uhr statt. Wer um 7 Uhr im Wahllokal ist, muß noch zur Stimmabgabe zu- gelassen werden. Es ist besonders darauf zu achten, daß die Kan- didaten, die zur Ergänzungswahl(H elbig, Werner, Swa- b i n a) stehen, zuerst, und dann der zur Ersatzwahl stehende Ge- nosse Knötschke genannt wird. DaS Wahlresultat wird am selben Zlbend beim Genossen Salzmann bekanntgegeben. Die Spedition des„Borwärts" befindet sich von Mittwoch, den 15. November, ab Mühlenstraße 5(Laden). Oranienburg. Mit den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen am Sonntag, den 19. November, beschäftigte sich im Lokale WaldhauS Sand- h a u se n eine öffentliche, außerordentlich stark besuchte Versammlung. Der geräumige Saal konnte nickt annähernd allen Erschienenen Sitzplatze gewahren, so daß viele sich mit einem Stehplatz begnügen mußten. Genosse U ck o, der das Referat übernommen hatte, ging zuerst mit scharfen Worten auf das Verhalten der bürgerlichen Parteien im Stadtparlanient sowie im jetzigen Wahlkampf ein. Schon die Auswahl der Kandidaten zur dritten Abteilung, die die Bürgerlichen vorgenommen haben, zeige, wie wenig die Arbeiter von den Bürgerlichen die Vertretung ihrer Interessen zu erwarten haben. Der Redner stellte sodann den Behauptungen und Taten der Bürgerlichen die sozialdemokratischen Forderungen gegenüber und forderte zum Schlüsse die Erschienenen auf, nicht nur am nächsten Sonntag selbst zur Wahl zu gehen, sondern unablässig zu agitieren, um so den sozialdemokratischen Kandidaten mit großer Mehrheit zum Siege zu verhelfen. Der starke Beifall, der dem Redner gezollt wurde, läßt erwarten, daß unsere Genossen alle Kraft anstrengen werden, um den Sieg zu erringen. In der Diskussion meldete sich kein Gegner zum Wort. Die Versammlung wurde nach einigen anfeuernden Worten verschiedener Genossen mit einem einmütigen Hoch auf die Sozialdemokratie ge- schlössen. Potsdam. Die Untersuchung deS im Bornimer Armenhauses gefundenen BeileS, das unter dem Lager des Ortsarmen Ahle gelegen hat. ist jetzt abgeschlossen. Professor Uhlenhut-Straßburg hat da« Beil ein- gehend untersucht, kam aber zu einem negativen Ergebnis. Die Flecken am Stiel und am Eisen selbst sind nicht als Menschenblut festgestellt worden. Serickts-Teitung. Dämon Alkohol. .„.ttsster der Ankstige des versuchten Mordes stand gestern der 50i«hrige Schuhmacher Hermann Walter vor dem Schwurgericht des Landgerichts I, welches unter Vorsitz des LandgerichtsdircltorS Gvebel eine neue Tagung begann. Die Verhandlung entbüllte ein Bild unsäglich elenden Familienlebens, an dessen Zerrüttung wieder Dämon Alkohol die Schuld trägt. Der Angeklagte wohnte mit seiner Frau, mit der cr 18 Jahre lang verheiratet ist. im Hause Posener Straße 26. wo er die HauSreinigung zu versehen l)attc. In der gemeinsamen Wohnung hielten sich auch die Kinder des Ehe- Paares auf, die sich zum Teil ihr Brot schon selbst verdienen, in die Nachbarwohnung war auch die verheiratete Tochter mit ihrem Ehe» mann, dem 30 Jahre alten Automobilschlosser Kaspar TreeS. eingezogen. Dem Angeklagten wird von den Hausbewohnern das Zeugnis gegeben, daß er ein netter und nüchterner Mann fei, der aber zu einem wahren Unhold wurde, wenn er angetrunken oder gar betrunken war. Und dies war leider recht häufig der Fall. In solchem Zustande drangsalierte er grau und Kinder in unerhörter Weise, belegte sie mit den gemeinsten Schimpfworten, tobte und skandalierte. so saß die Nachbarn oft zusammenliefen. Seitdem der Schwiegersohn inZ Haus gezogen war. wurde das Verhältnis zwischen den Eheleuten Walter cm ganz unerträgliches. Walter verbiß sich immer mehr tn den ganz törichten und in keiner Weise gerechtfertigten Gedanken, daß seine Frau zu ihrem Schwiegersohn in unlauteren Beziehungen stehe, und nun kam es zu Lärmszenen und Bedrohungen der iZrau, die von dem Ehemann fort und fort mit den gemeinsten und ihre weibliche Ehre kränkenden Schimpf- reden verfolgt wurde. Es kam auch zu Mißhandlungen, wie die Ehefrau Walter gestern bei der Erzählung ihrer Leidensgeschichte mitteilt«. Am 8. �un» ha.te der Angeklagte sowohl seine Frau als auch die verheiratete Tochter, ,;rau Drees, wieder arg miß- handelt. Als der Schwiegersohn davon hörte, geriet er in begreif- liche Empörung und warf den Angeklagten zur Tür hinaus, wobei er ihn mit einem Gummischlauch verprügelte. Dadurch verschlcch- terte sich das Verhältnis zwischen Schwiegervater und Schwiegcr- söhn immer mehr und der Angeklagte sann aus Rack>c. wie sich aus vixlW drshenden Acußcrungen erggb. Eines Tages mietete sich Walker eine Schlafstelle, erschien W/o 2 woltenl 12 2 Schnee—0 6 wolkig 3 bedeckt 2 wolkig SSettervrognofe für Dienstag, de» 14. November 1911. Mtld, zunächst vorwiegend nebelig bei inästigen südwestlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge; später ausllarend und etwas lühler. Berliner Wetlcrbureau. BSalierstandS-Nockrtchte» der LandeSauIkalt für Gewüslerkunde. mitgeteilt vom Berllner Weiterburea». '1-i- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlerpegei. t�Ulss�ei�Uchen Genossen Iffartin?reus8 riebst seiner Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung. 1538b Die(Ben oifen des 470.«ez._ 1. Abt. 6. Kr. fl Ver | Todes-Anzeigen| Sozlaitfenokratiseher WaiMi für den 4. Herl. Reiclistais-Walilkreis. Köpenicker Viertel. (Bezirk 187.) Den Mtglledern zirr Nachricht, daß unser Genosse, der Former Adotf Arnelung MuZkauer Straße 22 gestorben ist Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 15. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zcnlral-FriedhoseS irr Friedrichs- selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. ZoÄülöMoarUerWenlo des 6. Bor!. Hoicbstags-WatHes. Todosnnzelce. Am 11. November verstarb unser Genosse, der Gastwirt (Zustav AfotisKe (Alt-Moabit 73). Ehre seinem Andenke« t Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. November, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heiland-Kirch- Hosts, Plötzenste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht De« Vorstand. SozialdeniokratisefierWaiilverelii des 6, Berl. Reielistsgs-WaltreiSES. Todesanzeige. «m 12. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Gastwirt krens Hussttenstr. 34. Ehre seinem Andenken k Wittag» 4 Uhr. von der Leichen- balle d«S grnajäfltd»«, Kirchhofes Lieienstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der«orftand. LW'alilMrst. WaölYereiB Rixdopf. j5eni.�Vüen Sur Nach- ÄÄ.-1"«»»»°-- Frauz Braatz Mainzer Str. 12 am 8. November plötzlich per- storbeu ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet om Mittwoch, den 15. November, nach. mittaas 3 Uhr. von der Leichen- .-iariendorser Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein stmiggelicbter Mann,! unser guter Baier, der Arbeiter j Gustav Witte nach kurzem schweren Leiden sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 3 Uhr von der Halle des Nazarethkirchhoses, Reinickendorf, Kögelslraße, aus statt. Witwe Anna Witte nebst Tochter. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben, guten Bruders Ferdinand Fngar sagen wir allen Beteiligten unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Todesanzeige. «m Sonnabend, den 11. No- vember verstarb unser guter alter Vater. Großvater und Urgrox- vatcr, der ehemalige Wcbergesclle und spätere Fabrikarbeiter Willielm Bommer im vollendeten 89. Lebensjahre. Die? zeigt w, Namen der Hlitterbliebenen an «Iol>annes Bomnicr. Die Beerdigung findet wn Dienstag, den 14. November, nach- mittag» 3>/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Nixdorser Ge- meindestiedhosS, Mariendorser Weg, ans statt. VLVL Oeutscher Metaiiarbeiter-Veröanil Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter üustav Witte am tl. November an Lungenlclden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. November, nach- K mittags 3 Uhr. von der Lelchew balle des Nazareth-Kirchhoses in Reinickendors aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Bohrer Aiax Piageraann am 11. d. MtS. an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. November. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des AnstaltslirchhoseS in Dalldorf anS statt. Weiter starb unser Mitglied, der Galvaniseur Fran? Braatz am 7. November an Freitod. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. November, nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Rixdorfer Kirch- böses, Mariendorfer Weg, auS statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung erwartet 126/4 Die Ortsverwaltuug. oeulseker Ktorbetter-VerdsiH! Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler kTÄnz Marsch Rixdorf, Finowstraße 24, im Alter von 37 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. November, nachmittags LL, Uhr, von der Halle des Nixdorser Gemeinde- Friedhofes in Tempelhos. Gottlieb- Dunfcl-etrofec, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/9 l>Ie Ortevorwaltung. Berliner irteiter-Seliaeiikliili. Den Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser Schachsreund franz. Marsch (Abteilung Rixdors III) am 9. d. MtS. feinem schweren Leiden erlegen ist. Flire seinem Andenken! 299/4 Der Borftaud. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale GroS-Berlln. Nachruf* Durch den Tod ist uns unser Mitglied, der Kollege Franz Gurwel (Parkoerwallung) entrissen worden. Wir iverden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung hat am Montag. den 13. November, nachmittags i Uhr aus dem EmmauS-Kirchos stattgesunden. 31/15 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzensP 41, ÄX 10-2. 5-7. Soturt-gs 10-13. 3-4. Am Sonntag, den 12., entriß uns der Tod plötzlich unsere gute Mutter tdöSb Minna 8 tein geb. PMIschow. Der Gatte, die Kinder, Alt-Boxhagen ll. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15.. nachmlitagS >/,3 Uhr, aus dem Friedhof m Bohnsdorf bei Grünau statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzsvenden bei der Beerdigung meines lieben PtanncS Karl Sorge sage ich allen Freunden. Bekannten und Kollegen weinen besten Dank. 1547b Witwe Sorge. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung nieineS lieben ManncS, unseres guten VatcrS Karl Kamlzia lagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie den Kollegen vom Verband der Kupferschmiede unseren innigsten Dank. 6662 Witwe Pauline Kandzia und Kinder. Webcrstraße 17. 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(Ohne Gewlhr.)(NacbCrucfc verboten.)" r 103[1000] 472#«'[1000] 602 SS 809 28 903 20 ,1083 89 130 228 27 41 88 11000] 818 604 80 732 '2234 492 667 718 8 8 TS 820«82 3024 43[800] 48» 607 609 79 832 4032 61 211 819 430 48 77 TU 27 5109 14 309 33[600] 438 605[500] 92 819 88 732 ,77 971 6090 848 87 412 17 42 730 811[3000] 18 27 955[600] 73 83 7002 313 40 657[500] 90 643 948 90 61 93 8078 196 377 84 473 629 814 964 6091 105 43 302 1800] 78 813 871 760 83 ... 18370 434 803 29 80 809 58 740 86» 981 11040 118 57 1 2054 183 329 621 807 47 942 1 3123[500] 99 224 323 34 484 631[600] 724 829 14090 683 427 698 605 28 88[600] 15163 330 06[1000] 427 600 799 839 935 16767 831 76 954 17073 98[500] 407 33 513 778 18094 332[3000] 426 90 567 675 731 63 73 802 1)600] 912 65 19194[8000] 203 8 10 40[500] 89 328 632[3000] 689 4- 23166 263 492 648[800] 788 852 904 21088 267 {500] 63 388 592 22003 16 IT 143 99 289 403 739 88 «23[8000] 23021 134[500] 401 20 24 49 586 631 79 918 2 4388 476 663 946 93 2 5269 78 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Ziehung 5. KI. 225. Kgl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom 18. November 1911, nachmlttaga. die Ocwlnne Uber 240 Mark ßind den betreffende� Nummern In Klammern beigefügt. ■Dt» Gewinne fallen auf die berclcüneteii Lote» beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.))(Nachdruck verboten.) 47 268 458 639 972 78 1101 328 450 69 605 11 814 28 2008 68 69[500] 108[3000] 26 41 64 95»67 (1000] 420 837 98 894 777 3313 40 44 818 71[1000] 684 785 831 4288 435[800] 69 830 69 982 89 6107 78 231 38 60 699 859 702 84 63» 8S90 720 24 CiT 670 7391 689[600] 97 930 728 890 8004 19 124 358 70 478 732 68 60 997 9400 68[3000] 673[500] 663 738 845 10181 248 89 310[3000] 68 491[800] 698 948 87 715 19 21 TT 11125 422 88 611 748[600] 80 808 44 82 931 12043 288 71 417 27 832 TO 980 98 13018 21 74 237[3000] 409 68 605 72 00 826 34 943 1 4027 229 443 78 808 28 48 37 684 87 1 5066 271 430 680 84 92 691 741 882 909 69 18077 164 353 668 66 881 648 17098 237 388 400 632 828 908 69 18043 67 66 216 97 610 10»21 1 S?,13-,2.4 1 209 22 63 362 80 464 660 65 74 91 647 731 828 20124 207 395 403[3000] 82 868 68 822 82 21169 73 97(600) 250 300 68 631 22081 118[600] 238 49[1900] 473[1000] 782 929 23199[1000] 372 588 620 32 83 807 84 936 24010 245 62 60 449 731 Ba. 662 25118 250 86 401[600] 8 54 618 87 72 667 28177 {3000] 84 219 387 420 63 88 Ol 684 812[500J 23 46 68 702 23[3000] 71 79 888 94 918 27160 268 843 455[1000] 647 740 830 44 2 8013[500J 84 III 60 368 554 62 647 745 88 29366 614 23 79 719 61 30031 80 179 258 80 340 50 91 450 684 801 18 3 1410 662 988 3 2016 169 292 317 808 93[600] 702 84 88 915 34 33120 205 88 609 40 49 939 88 34943 298 431«11 43 883 729 63 77 35062 129 233 455 581 753 893 75 3SZ06 403 590 649 776 940 71 [500] 67 3 7475 681 645 763 38065 77 97 108 88 250 385 443 543 717 971 76 39065 79[1000] 67 168 371 480 691 734 69 900 79 4O009 369 414 67 630 43 772 828 993 41109 85 202 789 810 86 42194 303 60 624 32 811 66 74 04 43335[500] 74 489[1000] 621 634 785 882 4 4209 479 97 616 33[1000] 716 69 801 45116 63 268 87 343 89 427[1000] 44 622 84 TOS 832 46148 341 69 483 643 630 43 811 655 62 4 7 268 94 300 49[600] 470 629 700 48148 401 48 80 64 71 633 73 832 741 77 850 58 49162 259[3000] 474 684 741 975 50056 69[1000] 208 336(30001 480 634 703 903 51043 109 23 62 405 77 726 47 971[600] 52238 53141 56 390 462 92 724 62 898 54957 712 25 28 66 833 94 977 55029 95 181[3900] 82[1000] 297 335 64 79[600] 709 35 962[30001 88 56105 6 71 505 25 29 95 612 68 767 936 90 57023 272 384 449 627 745 923 29 44 79 58021 125[1000] 221 68 398 638 802[600] 25 09 59138 243[3000] 633 921 47 e2 60421 49 848 642 85 705 825 984 81045 113 89 348 403[1000] 604 887 717 877 902 62142 238 435 |62 87 901 63054 133 271[3000] 97 598 727 33 847 64004 88 267 360 84 496 659 764 825 996 6 5363 87 476 635 893 943 66 86018 240 411[600] 824 67162 414 32 510[500] 645[500] 95 051[3000] 68234 318 62 485 649[1000] 68 839[3000] 653 69094 269 323 732 839 83 70251 307 35 61 448 530 72 859 80 972 71484 618 93 723 24 7 2017 93 161 211 414 61 85 639 705 6[1000] 73206 83 481 853[1003] 74039 197 262 81 «46 75 492 549 55 923[500] 75007 123 32 222[1000] 48 315 625 641 68 744[5001 615 45 76140 87 228 354 467 83 87 616 31 99 912 77033[5001 255[3000] 60 614 665 708 804 78063 283 396 445 66 63 621[500] 908 49 79030[1000] 23 5 383 98 404 595 600 7 03 39 635[SOO] 80137 64 90 778 613 8 1 281 899 688 8 2324[600] 448 688 795 982 83015 125 61 252 55 829 99 000 61 84287 388 403 41 640 47 720 088 88067 78 119 49 1600) 69 302 810 813 925 88051 92 100[80001 27 83 579 760 83 87070 387 61 319 13000) 79 454 639 692 8 8088 655 67 629 97 713 89 89112 384 434[600] 41 11000] 65 93 506 636 47[500] 885 953 90032 139 288 92 422 637 50[30001 888 931 83 9 1 283 321 462 78 691 634 876 660 9 2005 62 138 350 464[1000] 88 624(3000) 68 880 81 973 9 3055 102 46 223 91[3000] 307 607 650 68 992 94082 98 158 654 973 9 5032 4 5 90 233 38(3000) 40 311 83 445 [3000] 660 78 713 29 70 71[6001 74 918 45»0206 32 67 824 84 402 44 68 635 63[1000] Ol 891 859 8� 9 7 032 149 238 83 389 698[3000] 288 87(lODOI 98006 22[3000] 240 759 9 9011 166 239 811 37 47« 698 614 852 066 70 100426 625 942 669 101065 152 883 710 2» 102087 144 210 39 870[600] 009 98 760 1 0309» 290 308 34[600] 38 65 91 446 638 727 33 858 1 0406» 173 349 476 635 767 1600] 973 1O5010 282 96 64(7 679 781[600] 824 43(600)79 076 1O8097 192 649 94 712 84 86 938[600] 107136 300 7 62[600] 48» 683 614[1000] 82[3000] 733 89[500] 108134 81 25» 806 70 435 63[3000] 608 29 705 93 96 903 f 109123[600] 98[1000] 314 487 621 648 97[3000] 66S 110086 199 304 658 742 892 001 92[500] 111137 224 26 450 63[600] 648 721 33 040 112922 45 49 TT 206 400[600] 35 87 639 620 712 113004 244[6001 668 698 843 6 5 9 94 114038 7 2 142 28 1 70 838 62 42» 835 115028 223 79 460 688[1000] 899 989 116037 288 435[1000] 600[1000] 97 734 38 004 9(1000) 1» 35 1600) 60 72 117071 650 710[1000] 23 69 83» 116020 147 668 743 83 88 839 69 657 119021 109 [30000] 12 33 92 400 29 44 60 64 677 742[600] 8» 97 808 120021 40 225 847 68[1000] 421 839 818 69 18000] 81 906 62 69 121148(600] 63[600] 68 437! 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Für den Inseratenteil veranw.: TH.Glrcke.Berlin. Vrucl u. Perlag: Borwärt» Vuchhruckcrei u. VerlagSanstalt Paul Finger».So., Berlin SW." i,.267. 28.?.�-. 4.§n\m des Imlirts" Jrrlinrt KlllsltlM. Bnefharten der Redaktion. W.®. LS. Sc» 1. Mal 1905.— Gericke 73. I. New. 8. Ist Ver- aiünßung erfolgt, so mutz ein Antrag aus Erlaß bei dem Vorsitzenden der Veranlagungskommisnon gestelli werden.— Fahrrad 19H. I. u. 2. Ja. — Wcisiensce N. St. Oi. DaZ ist nicht notwendig. Es kommt aus den Nachweis der Erwerbsunsähigteit an.— Spitz 20. Sie sind noch zahlungspflichtig: die notwendigen Sachen unterliegen aber nicht der Beschlagnahme. — L. K. 5691. 1. Ja. 2. Nach herrschender Meinung nein. ö. Ja. 4. Nein.— Z. S. 1876. 1. Polizeibehörde. 2. In der Regel nein. 3. Nein.— I P. 300. Leider nein. Dienstpersonal untersteht nicht der Unfall- Versicherung.— F. R. 47. Das Mädchen war nicht kranienversicherungs« pslichtig. 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