U». 270. übonnfmentS'Bfdlnäüngfflj WonnemenlS• Preis prönumerand«! Sierleljährl. S>Z0 Mk, monall. 1,10 Ml, wölb entlich 28 Psg, frei WS Haus. Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntag;- nunimer mit Mustricrter Sonntags- BcUage»Die Neue Welt' 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post. Zeitungi» Pmslisle. Unter Kreuzband süt Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat, Postabonnements ncymcn an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. Vit Tnferfloi»-Gebaiir tetefigt für die sechsgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pig,, für politilche und gewcrllchastliche Vereins- und«ersamnilungs-Anzeigen 30 Psg. „Klein- Hnieigtn", das settgedrnclte kort 20 Psg,(zulässig 2 setlgedrucfte korle>, jedes weitere Wort 10 Psg. 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Nach der Lesart der Alldeutschen, bei denen Deutsch- land als der riesenstarke Mann und bald als das gekränkte Lämmchen erscheint, hat sich das weitere nun so abgespielt, dak der deutsche Botschafter in London, Graf Wotff Metter- nich, dem englischen Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey, auf die Bude gestiegen sei und ihn so kräftig ab- gekanzelt habe, das; dieser und die englische Regierung elend eusammengeknickt seien und die Lust Verloren hätten, noch weiter Deutschland zu belästigen. In Wahrheit ging die Sache etwas anders zu. Daß Herr Wolff Metternich bei Sir Edward Grey war und eine Szene aufführte, schreibt auch Macdonald. Es soll also unbestritten bleiben, obwohl es für das Deutsche Reich keine ehrenvolle Tatsache ist, daß der deutsche Botschafter in Towning Street gestikulierte, rezitierte, perorierte, auf deutsch gesagt: schrie. Ter Vertreter eines großen Gemeinwesens hat das nicht nötig, lieber das weitere jedoch weicht die englische Lesart von der deutschen ab. Nach ihr hat Sir Edward Grey dem erhihten Grafen erklärt, er könne sich von einer in solchem Ton geführten Unterhaltung kein ersprießliches Resultat ver- sprechen. Er breche sie daher ab und ersuche den Herrn Botschafter, auf den Gegenstand erst wieder zurückzukommen, wenn seine Aufregung sich gelegt habe, Nach allem, was man von Grey weiß, und auch nach dem, was sich aus einer objektiven Betrachtung des ganzen Ver- laufs der Sache als die natürlichste Folgerung ergibt, hat diese Darstellung die größere Wahrscheinlichkeit für sich. So lagen die Dinhe in jenem Moment für England nicht, daß es vor deutschen Drohungen solcher Art hätte zu Kreuze kriechen müssen. In seiner Erhitztheit soll Herr Wolff Metternich der englischen Regierung geradezu unglaubliche Zumutungen gestellt haben. Da es nicht die Aufgabe dieses Artikels ist, die gegenseitige Verstimmung zu steigern, unterlasse ich es, mehr über diesen Punkt zu sagen. Ich möchte im Gegenteil dem Herrn Botschafter mildernde Umstände zubilligen. Man versteht seine Erhitzung, wenn man sich überlegt, in was für eine schiefe Position er von seiner Regierung gebracht worden war. Ztvei oder drei Tage nach der unerquicklichen Szene hatte die englische Regierung das in Händen, was sie zunächst ver- langt hatte, eine in anständigem Tone gehaltene sachgemäße Antwort von Berlin. Sie war, sagt man, so höflich ab- gefaßt, wie man es in England lange nicht im diplomati- schen Verkehr von feiten Deutschlands gewohnt war. Mögen unsere Hetzpatrioten darüber zetern, daß das Auswärtige Amt sich die Erklärung Lloyd Georges zu Herzen nahm. Wer nicht vom nationalistischen Größenwahn besessen ist, kann es nur gutheißen, daß das Auswärtige Amt zu besseren Methoden gegenüber einer bis dahin eminent friedlich und deutschfreund lich gesinnten Regierung überging. Diese schlug denn auch so fcrt die entsprechenden Töne an. Si? niachte keine große Sache davon, daß man sie drei Wochen hatte warten lassen. Sie hielt sich nicht an die Form, sondern an die S a ch e und goß so- fort ihrerseits Lel auf die erregten Wogen. Schon am 27. Juli gab Mr. A s q u i t h im Hause der Gemeinän beruhigende Erklärungen ab. Folgendes ihre Hauptsätze: Die Marokko- frage starre von Schwierigkeiten, daß eine Lösung gefunden werden müsse. Tie zurzeit zwischen Deutschland und Frank- reich geführten Vcrhandli«gen, an denen England nicht teil- nehme, brauchten aber nicht notwendig Englands Interessen zu berühren. In irgendwelche Gebietsabmachungen, die von denen, welche sie direkt angehen, für recht und billig an- gesehen werden, werde sich die englische Regiernng nicht einmischen. Sollten sie aber erfolglos bleiben, dann müsse England an den Diskussionen aktiven Anteil nehmen—„was unser Recht gemäß den Algecirasakten sein würde, unsere Verpflichtung gemäß dem anglo-sranzösischen Vertrage (von 1904) und unsere Pflicht für die Verteidigung britischer Interessen werden kann. Unsere Ste-llung wird jetzt völlig verstanden, was zu Anfang nicht der Fall wa r". Das ist a l l e s, was von feiten der englischen Regierung von den Tagen der.,Panther".Landung an bis zum Abschluß des dentsck, französischen Abkommens in Hinblick auf das Vor- geben Teutscblands gesagt und im Notenverkehr mit Deutsch. land entwickelt wurde. Und nun mögen die alldeutschen Englandhetzer und ihre liberalen Schrittmacher vortreten und sagen, wo in alledem ein Satz oder ein Akt zu finden ist, zu dem die englische Regierung nicht durch die deutsche Diplomatie geradezu herausgefordert war. Mögen sie hervortreten und sagen, wie s i e diejenige d e u t s ch e Re- gierung beurteilen würden, die bei gleichem Gebaren Eng- lands gegenüber Teutschland, wie es das der deutschen Diplo- matie gegenüber England in dieser Sache gewesen war. sich so rein sachlich abwehrend verhalten hätte, wie das Kabinett Asquith-George-Grey getan hat. Wo ist hier ein Wort gesagt worden. da8 ein in gutein Sinne des Wortes patriotisch gesinnter Deutscher auch den leisesten Grund hätte, Ols Beleidigung Deutschlands oder Beeinträchtigung deutscher Rechtsansprüche aufzufassen? Nicht die englische Regierung hat Deutschland, die deutsche Diplomatie hatte der englischen Negierung gegenüber die elementar st en Regeln diplomatischer Rücksicht verletzt und sich mutwillig über deren Rechte hinweggesetzt. Das deutsche Volk aber, dem man hinterher eingeredet hat. England habe Deutschland mißgünstig� behandelt und schwer beleidigt, ist einfach in schamloser Weise belogni wor- den. Wie in der von Lloyd George verlesenen Erklärung auch nicht eine Silbe steht, die das deutsche Volk beleidigen könnte, so enthält sie auch nicht einen Gedanken, der von Mißgunst gegenüber Deutschland spräche. Noch kann im faktischen Verhalten der englischen Re- gierung etioas von solcher Mißgunst gefunden werden. Ich glaube vielinehr mit gutem Gewissen den Satz aussprechen zu können, daß. wenn Deutschland trotz der, in der ganzen Welt als solche beurteilten groben Verstöße seiner Diplomatie schließlich doch noch eine— vom Standpunkt der Kolonialpolitikcr— leidliche Abfindung erhalten hat. es dies nicht zuletzt dem Umstand verdankt, daß England sich jeder Deutschland ungünstigen Einwirkung auf Frankreich streng enthalten hat. Ferner ist es eine mit allen kontrollierbaren Tatsachen in Widerspruch stehende Behauptung, daß England gesucht habe, Frankreich und Deutschland zu„verhetzen". Das llmgrkchrte ist der Fall. Gerade der von der„Rhei- nisch-Westfälischen Zeitung" enthüllte Aktionsplan konnte, wenn er in die Praxis umgesetzt wurde, nur die Wirkung haben, England mit Frankreich zu verhetzen. Frankreich hätte auf ihn nur eingehen können, wenn es die Absicht hatte, Rechte Englands zu verkaufen. Tatsächlich haben zeitweise französische Warnungen England gegen Deutschland scharf zu machen gesucht. Eine solche Warnung an die Adresse Englands war z. B. der Leitartikel des„Temps" vom 20. Juli, dem Tage vor der Rede Lloyd Georges im Mansion House/) Genug. Ich stelle das alles hier fest, weil erstens er- mittelt werden muß, ob das. was oben von dem Vorgehen der deutschen Diplomatie gesagt wurde, genau den Tatsachen entspricht. Wir Sozialdemokraten können von der deutschen Regierung nicht erwarten, daß sie unsere Politik macht. Aber wir können und müssen verlangen, daß sie ihre Politik mit Mitteln und in einer Weise betreibt, die einem gesitteten Volk geziemen: daß sie den für die ühcrgroße Mehrheit des Volkes notwendigen Frieden nicht in Abenteuerlust leichtfertig aufs Spieb setzt: daß, wo sie sich berechtigt und verpflichtet glaubt, die Interessen deutscher Erwerbstätigen im Auslande durch diplomatische Schritte geltend zu machen, sie dies mit Würde und Festigkeit, jedoch unter strenger Vermei- dung aller Reizungen tue, welche die guten Be- ziehungen des deutschen Volkes zu anderen Völkern in Gefahr bringen. Zweitens aber muß das Lügengewebe, das den Marokko- Handel umgibt, aufgedeckt werden, um dem deutschen Volke zu zeigen, in welcher Gefahr es dank der skrupellosen Agitation einer Bande von Fanatikern und Strebern und der Gedankenlosigkeit des größten Teils seiner Presse und bürgerlichen Politiker schwebt. Wenn schon�bei diesem An- laß, wo es so leicht war, den wahren Sachverhalt festzu- stellen, es der Lügcnagitation möglich gewesen ist, das deutsche Volk mit Ausnahme der sozialdemokratischen Arbeiterschaft in eine Stimmung gegen England hineinzutreiben, bei der es um ein Haar zu ciiirm Krieg gekommcn wäre, wie würde in Fällen, wo die Verhältnisse weniger einfach liegen, die Ge- fahr wachsen und das Spiel der Abenteurer und Hetzer leichter werden, wenn das Volk sich nicht ein für allemal ge- warnt hält. Gewarnt— ich schreibe das mit Bedauern nieder_ vor allen bürgerlichen Blättern. Ich habe es in diesen Monaten mit Entsetzen wahrgenommen, wie w e n i g Verlaß in Momenten internationaler Spannung selbst auf unsere besten bürgerlichen Blätter ist. Wo alles darauf an- kam. den Hetzern das Spiel unmöglich zu machen, haben von denen, deren Bekenntnis sie auf die Schanzen rufen mußte, die einen die Dinge laufen lassen, die andern es für richtig gehalten, ein bißchen mitzuhetzen. Ich bin, obwohl grundsätz- lich entschiedener Republikaner, doch frei von jedem eng- herzigen Fürstenhaß. Aber trotzdem ich als Mensch„dem Kaiser gebe, was des Kaisers ist", empfinde ich es als eine Schmach für u n s e r e Z e i t, daß, soweit der Protest der Arbeiterschaft nicht ausreichte, es erst der Tazwischenkunft von Monarchen bedurft hat, um die Gefahr eines Welt- k r i e g e s— denn ein solcher wäre es geworden— von den erleuchtetsten Völkern der Welt abzuwenden. Nachschrift. Auf Grund erneuter Anfrage kann ich jetzt feststellen, daß nach der ersten Anfrage der englischen Regierung sieb- zehn Tage verstrichen waren, ehe Lloyd George die Erklärung im Mansion House abgab. Tie Anfrage war der deutschen Regierung durch Teutschlands Botschafter in London, Graf Wolff-Mettcrnich. vermittelt worden. Dieser kam in der Zwischenzeit wiederholt ins Londoner Auswärtige Amt, *) TcutschcrseilS sollten Frankreich Gebeiinabmechnngen in bezug auf Marokko anzctragen worden sein, deren stillschweigende Annahme Treulosigkeit gegenüber England bedeutet hätte. Hat sich, w?stn das wahr ist, Lloyd George nicht noch milde aus- gedruckt? konnte aber auf die Anfrage, ob er noch keine Antwort von seiner Regierung habe, immer nur antworten:„Nein!" Wie soll man ein solches Verhalten von Staat zu Staat beurteilen? Vielleicht gibt uns Herr Richard Nordhausen den Schlüssel, der nämlich im„Tag" andeutete, daß man der liberal-demokratischen Regierung, die man mit umwälzenden Reformen zu Hause beschäftigt wußte, nicht den Schneid zugetraut habe, sich auch nach außen hin ihrer Haut zu wehren. Ein Kapitel, über das vielleicht noch etwas zu sagen sein wird._ Verkehrsreahtion auf den filafferltraßeu. Die Fortsetzung der Debatte über den§ 1 des Schiff- fahrtsabgaben-Gesetzes in zweiter Lesung gestaltete sich am Donnerstag wie am Tage vorher, wie das im Reichstage bei allen wirtschaftspolitischen Fragen un- umgänglich zu sein pflegt, zu einer Auseinander» fetzung mit den Agrariern. Auch der Abgeordnete G 0 t h e i n hatte am voraufgegangenen Tage diesen Kampf aufgenommen und bei dieser Gelegenheit nachgewiesen, daß die von dem Geheimrat Peters unternommenen krankhaften Versuche, den Unterschied zwischen künstlichen und natürlichen Wasserstraßen zu verwischen, von bedeutenden Männern der Wissenschaft als ein sophistisches Machwerk verurteilt worden sei. Für die agrarische Seite legte sich der Zentrumsabgeordnete Graf P r a s ch m a und der konservative Herr W i n k l e r ins Zeug. Letzterer ging soweit, uneingedenk seiner Stellung als Vorsitzender der Kommission, heftige persönliche Vorwürfe gegen Gothein zu erheben. Für die Sachkunde des schlesischen Zentrumsgrasen zeugt es, daß er Baden und Hessen ver- wechselte. Genosse Stolle machte es sich zur Aufgabe, besonders den üblen Einfluß zu kennzeichnen, den das Gesetz auf die wirtschaftliche E n t w i ck 0- lung Sachsens ausüben müsse. Aus den Kund- gedungen verschiedener industrieller Vereine erbrachte er Material dafür, daß der Exporthandel Deutschlands mstcr dem Gesetz zu leiden haben werde. Er konnte sich auch darauf berufen, daß die K l c i n s ch i f f e r nachgewiesen haben, sie würden am schwersten getroffen, da sie die Abgaben nicht ab- Wulzen können. Trotzdem die gesamten sächsischen Abgeordneten in allen Fraktionen gegen das Gesetz sind, vermieden es doch die Vertreter der sächsischen Regierung ängstlich, sich öffentlich dafür zu rechtfertigen, daß sie, ihren cnt- schiedenen Kundgebungen gegen das Gesetz zuwieder, sich schließlich von Preußen für diese reaktionäre Maßregel hatten einsangen lassen. Dafür sprang zur Verteidigung der agrarischen Politik der Dr. Diederich Hahn in die Bresche. Nach seiner Dar- legung gibt es gar keine uneigennützigen Menschen, als die konservative Partei und den Bund der Landwirte. Nicht aus agrarischem Interesse, sondern nur aus Besorgnis um das Ge- meinwohl hätten die Agrarier gegen den Mittellandkanal Front gemacht. Damals habe es gegolten, die oberschlcsische Industrie vor den verderblichen billigen Frachten zu retten: um ebenso die Ruhrindustrie vor der Konkurrenz durch die ausblühende Industrie im Moselbecken zu beschützen, seien diese edlen Menschenfreunde jetzt gegen die Moseltänalisation. Im Ver- lauf dieser agrarischen Eulenspiegelei niachte dann Herr Hahn noch die interessante Mitteilung, die Agrarier hätten ja gar kein Interesse daran gehabt, gegen den Mittellandkanal zu arbeiten, da der Minister M i q u e l ihnen im Jahre 1899 bereits eine Erhöhung der Getreidezölle bis aus 6 M. ver- sprachen gehabt hätte. Genosse Frank ironisierte die Versuche des agrarischen Bundesdirektors, die Uneigennützigkeit der Agrarier glaubhaft zu machen und ging dann besonders auf die auffällige Er- scheinung ein. daß gerade Württemberg von der borussischen Wirtschaftsreaktion sich habe Ins Schlepptau nehmen lassen. Sei doch auch der fortschrittliche Abgeordnete H a u ß m a n n im Gefolge der württembergischen Regierung in dieses reaktionäre Fahrwasser eingeschwenkt. Frank meinte, wenn es der württembergischen Regierung ernst gewesen sei, um die Neckarkanalisation, so hätte sie das auch ohne dieses verderbliche Gesetz durch eine Verständigung mit Baden er- reichen können. Herr H a u ß m a n n antwortete darauf mit der Retourkutsche, daß Baden und Hessen sich von jeher gegen eine Regulierung der Rheinwasserstraßen gesträubt hätten. Nach Schluß der Debatte wurde dann der entscheidende § 1 des Gesetzes, ebenso wie der damit zusammenhängende 8 3a mit gr-oßer Mehrheit angenommen.' Ge- schlössen dagegen stiinmten nur die Sozialdemo- k r a t e n, alle anderen Fraktionen waren gespalten; doch sprachen sich nur von den Freisinnigen die Mehrheit, sonst durchweg kleine Minderheiten gegen das Gesetz aus. Am Freitag wird die Debatte fortgesetzt. ver Krieg. Der Dreibund und die Tripolisaffäre. Rom, 13. November.(Eig. Ver.) Von diplomatischen Einzelheiten abgesehen, scheint es von vornherein klar, daß Italien nicht gegen den Willen seiner Verbündeten nach Tripolis gegangen ist. Sowohl für Deutschland als für Oesterreich ist es sicher vorteil- haster, Trixolitanicn in italienischen, als in englischen Händen zij wissen. Im übrigen ist ei keder Cent italienischen König noch Giolitti zuzutrauen, daß sie sich ohne Einvernehmen mit den zwei großen mitteleuropäischen Staaten ein Kolonialabenteuer herauf- beschwören konnten. Nichtsdestoweniger zeigt sich natürlich der große internationale Antagonismus, der Europa in zwei Lager scheidet, auch bei der Tripolisaffäre. Die Türkei zeigt eine viel größere Widerstandskraft, als man zu Beginn des Krieges vorausgesetzt hatte. Nichts ist begreiflicher, als daß Italien eine möglichst schnelle Beendigung des Krieges wünscht, aber andererseits ist an diese nicht zu denken, solange der Kriegsschauplatz aus Nordafrika beschränkt bleibt, wo die Türkei, ohne allzu großen Schaden zu erleiden, die italienischen Truppen durch die Araber drangsalieren kann. Obwohl die Türken, namentlich durch die Präzision des italienischen Nrtilleriefeuers, viel mehr Soldaten verlieren als die Italiener, empfinden sie keine dringende Notwendigkeit, Frieden zu schließen, solange das otto- manische Reich den Krieg nur in seiner afrikanischen Provinz hat. Daher in Italien eine starke Strömung zugunsten einer italieni- schen Aktion im ägäischen Meer. Diese, die nach dem„Avanti" schon durch die Verteilung des Geschwaders und die Bereitschaft der Landtruppen vorbereitet ist, während sie von offizieller Seite dementiert wird, stößt nun offenbar auf Widerspruch bei der deut- schen und bei der österreichischen Regierung, während sie, der römi- schen„Vita" und anderen Blättern zufolge, die Sympathie der englischen und der französischen genießt. Was diese Verlegung dcS Kriegsschauplatzes betrifft, so ist es leicht einzusehen, daß auch hier die Ereignisse dem menschlichen Willen über den Kopf gewachsen sind. Es wird sehr schwer halten, Italien zu zwingen, daß cS den Krieg auf Afrika beschränke, falls dieser Kriegsschauplatz ihm ver- hältnismäßig viele Opfer auferlegt. Vor die Alternative gestellt, Deutschland und Oesterreich zu mißfallen, oder den heutigen Kolonialkrieg auf Monate und Jahre zu verlängern smit einem Guerillakrieg gegen die tripolitanischen Araber und Berber wird die italienische Regierung auch noch nach einem Friedensschluß mit der Türkeit rechnen müssen. Red. d. B-), wird der italienischen Regierung keine Wahl bleiben. In ihrem Leitartikel vom 14. November spricht die„Tribuna" eS deutlich aus, daß die hauptsächliche Aussicht auf Frieden nicht in irgendeinem entscheidenden Treffen, sondern in der internationalen Lage der Türkei begründet sei. Kein Kolonialkrieg wiese„ent- scheidende Schlachten" auf. Man solle deshalb weniger von Siegen berichten, die nur in der Einbildung bestcben, als von momentanen Waffenerfolgen, die durch ihre Häufung den Gegner ermüden. Der Artikel zeigt deutlich, daß man jetzt weniger an einen Hachaus- lodernden Enthusiasmus, als«m die Geduld und Hartnäckigkeit der italienischen Bevölkerung appelliert. Spricht doch der Pariser „Matin" heute gar von einem Kriegszug ins Innere, der im nächsten Frühjahr beginnen soll. Interessant ist. daß dem„Avanti" zufolge die Hauptliefe- ranten von Waffen an die Türkei gerade die Griechen sind, die man in Italien zwar als Handelsleute fürchtet, weil man sie kennt, aber in ihren politischen Beziehungen mit geradezu schwärmerischer Sympathie zu betrachten pflegte. Die Griechen sollen einen sehr einträglichen Waffenhandel von der tunesischen wie von der ägyp- tischen Grenze aus organisiert haben. Wie stark übrigens die internationalen Rücksichten sind, zu denen sich die italienische Regierung genötigt glaubt, das sieht man auS der beispiellosen Häufigkeit, mit der der Ministerpräsident, jedem bisherigen Usus entgegen, den Journalisten Interviews ge- währt. Da ist kein Blatt so unbedeutend, daß Giolitti nicht für seine t Korrespondenten zu haben wäre. Selbst für die„Deutsche Tageszeitung" ist ein Interview abgefallen I Der„Temps", der„Standard" usw. sind beglückt worden, und jedes Interview schließt mit einer Ermahnung an die internationale Billigkeit! Uns will eS scheinen, als ob ein Ministerium, anstatt jedem Journa. listen Rede und Antwort zu stehen, seiner Pflicht am besten nach- käme, wenn es für eine authentische Berichterstattung sorgt. Heute stopft die Zensur der Presse den Mund, und Giolitti funktioniert periodisch als Gott, der ihn aufzuschließen vermag. Die militärische Lage in Tripolis. Tripolis, 19. November. fMcldung der Agenzia Stefani.) Gestern nachmittag entwickelte sich bei dem Fort Hamidie und bei Scharaschat verschiedene Male ein Feuergefecht. Eine vom 18. Infanterieregiment unternommene Rekognoszierung führte zur Erbeutung von Waffen und Munition. Der Bau von Baracken zur besseren Unterbringung der Truppen schreitet fort. Das regnerische und stürmische Wetter dauerte in der vorletzten Nacht und am gestrigen Tage an. Die Arbeiten der italienischen Soldaten werden ungestört fortgesetzt. Die Be- richte der Kundschafter sind widerspruchsvoll, keiner kann jedoch die vollständige Untätigkeit des Feindes gegenüber seiner früheren lebhaften Tätigkeit erklären. Ein aus Ainzara angekommener Kundschafter bestätigt die Zusammenziehung türkischer und arabischer Streitkräfte in der Oase, kann aber deren Zahl nicht angeben. Der Gesundheitszustand der italieni- schen Truppen ist ausgezeichnet, die Zahl der Kranken beläuft sich auf weniger als ein Prozent der Gesamtstärke.(?) Auch die er- krankten Eingeborenen, etwa siebzig, werden in der Stadt selbst gepflegt. In Tobruk wurden zwischen den Vorposten Schüsse ge- wechselt; es sind dort Verstärkungen gelandet. Bei Der na kam es zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen Patrouillen. Auch in Derna sind Verstärkungen an Land gegangen. Eine andere Lesart. Tripolis, 19. November. Vom Kriegsschauplatz wird der „Frankfurter Zeitung" gemeldet: Die heftigen, stets von Artillerie unterstützten Gefechte der letzten Tage veränderten kaum die Sachlage. Die Italiener besetzten zwar die verlorenen Stellungen bis Scharaschat wieder, wurden dafür aber südlich bei Hcnni etwas zurückgedrängt. Die türkische Artillerie setzt die Beschießung der italienischen Linien und der Stadt fort. Platzende Granaten verwundeten mitten in der Stadt mehrere Soldaten. Die Ver- luste der Italiener werden streng geheimgehalten, sind aber jedenfalls bedeutend. Auch in den letzten Tagen trafen wieder starke italienische Nachschübe ein. Hier(Tripolis) ist die Cholerasituation unverändert. In einem der drei Militärlazarette lagen am letzten Sonnabend 165 Kranke, wovon 29 Soldaten und weit über 109 Eingeborene starben. Neuerdings greift die Epidemie auch auf die europäische Zivilbe- völkerung über; aber die tropischen Regengüsse der letzten Tage und die dadurch eingetretene starke Abkühlung dürfte endlich der weiteren Verbreitung der Seuchen Einhalt gebieten. Eine unbequeme Berichterstattung. Mailand, 19. November. Der Kriegskorrcspondent der „Stampa", Bevione, verlangt heute, daß der Vertreter der „Frankfurter Zeitung" in Tripolis, Herr Weibel, aus. gewiesen werde, weil er sich geweigert hat. seine Telegramme der italienischen Zensur zu unterwerfen. Die Revolution In China. Juanschikai, der Schlaue hat sein Amt als Minister- Präsident angetreten und�versteht es meisterhaft. �die Welt, vor über seine wahren Absichten im unklaren zu lassen. Mit dem verängsteten Hof wird der geriebene Politiker schon fertig werden, aber die radikalen Elemente der Rcvolutionsparteien, besonders die revolutionären Offizicrskreise werden ihm noch schwer zu schaffen machen. Nächst der Bildung eines Mini- steriums trägt Juanschikai offenbar Sorge, den Hof aus Peking zu entfernen und nach dem Norden zu bringen, um so die Hände frei zu haben. In die noch immer anhaltenden Kämpfe zwischen Revo- lutionären und Kaiserlichen haben sich die fremden Mächte bisher nicht eingemischt. Beide kämpfenden Parteien haben es auch mit peinlicher Sorgfalt vermieden, den fremden Nieder- lassungen in den verschiedenen Städten irgendwelchen Schaden zuzufügen. Auch die finanziellen Verpflichtungen Chinas gegen das Ausland sind von den beiden Parteien anerkannt worden. Diese frenidenfreundliche Haltung wird aber nur so lange anhalten, als sich die fremden Mächte jeder Einmischuug ent- halten. Daher erscheint die Absicht der Vereinigten Staaten. Truppennach China zu senden als sehr bedenklich. Vorläufig handelt es sich um die Entsendung eines auf den Philippinen stationierten amerikanischen Rc- gimentes; die Amerikaner sollen sich aber auf Absendung weiterer Truppen einrichten. Den Vereinigten Staaten kommt es dabei weniger auf die chinesischen Unruhen an, vielmehr wird diese Maßnahme von der Eifersucht gegen Japan diktiert. das in Korea große Truppcneinheiten konzentriert hat und nur aus eine günstige Gelegenheit wartet, um in der Mandschurei einzumarschiren. Dabei kann das Vorgehen der Amerikaner gerade ein Eingreifen der Japaner provozieren, dem Rußland auch nicht gleichgültig zusehen würde. Die chinesische Revolution könnte dadurch eine andere, für die- politische Weltlage viel ernstere Wendung nehmen. Die amerikanische Truppcnsendung. Washington, 15. November. Das Staatsdepartement hat be- schlössen, ein Regiment von Manila nach Tsin-Hwan- tau zu senden, um die zur Zeit des Boxerausstandes eingegangene internationale Verpflichtung zu erfüllen, die Verbindung von Peking mit der See offen zu halten. Washington, 19. November. An amtlicher Stelle läßt man sich angelegen sein zu erklären, daß die beschlossene Entsendung ameri- kanischer Truppen nach China keine politische Bedeutung habe. Nach dem Boxervertrag seien die Mächte berechtigt, längs der Eisenbahn Truppen zu unterhalten. Die Vereinigten Staaten hätten von diesem Rechte niemals Gebrauch gemacht, aber nun fühlten fie sich gedrungen, den Mächten zu helfen, die Straßenverbindung von Peking nach der See aufrechtzuerhalten. Man erklärt, daß die Vereinigten Staaten keine Pläne auf chinesisches Gebiet haben. Der Transportdampfer„Sherman" in Manila ist bereit, die Truppen in vier Tagen an ihren Bestimmungsort zu befördern, sobald der Befehl dazu einläuft. Die Haltung Japans. London, 19. November. Nach Meldungen aus Japan trifft die japanische Regierung militärische Vorbereitungen. um eventuell in China eingreifen zu können. Juanschikai verfolgt mit großem Interesse die Haltutig der Mächte und hatte über diesen Gegenstand eine längere Besprechung mit dem englischen Gesandten in Peking._ politifcbc QcbcrHcbt. Berlin, den 16. November 1911. Im Seniorenkonvent des Reichstages wurde bestimmt, daß in der Woche vom 19. bis 26. November keine Plenarsitzungen des Reichstages stattfinden. In dieser Zeit sollen die Kommissionen arbeiten. Die am 27. November beginnende Sitzung wird sich zunächst mit dem Hilfskassen- gesetz beschäftigen. Im Anschluß daran sollen folgen: die zweite Lesung des Versicherungsgesetzes für Angestellte und der Bericht der Bndgetkomniission über zu dem Marokko- abkommen gestellten Anträge. Dann gedenkt man bis zum 2. Dezember folgende dritte Beratungen zu erledigen: den Gesetzentwurf über die Schiff- fahrtsabgaben, das Hausarbcitsgrsetz, das Gesetz über die Gewerbeordnung(§ 114a), Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Japan, Ausliefernngsvcrtrag mit England, Notenaustausch mit Japan, über Konsulatwesen und die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. Der Gesetzentwurf über die Errichtung eines Kolonial- und Konsulargerichtshofes soll fallen gelassen werden. In dieser Woche wird beabsichtigt noch zu erledigen: die zweite Beratung des Schiffahrtsabgabengesetzes, die zweite Beratung des Hausarbeitsgesetzes und des§ 114a der Gewerbeordnung._ Das Marokkoabkommen in der Kommisfio«. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission über» mittelte der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. K i d e r- len-Waechterder Kommission folgenden Z u f a tz zu dem deutsch-franzäsischen Abkommen vom 4. No- vember 1911: In einem Notenwechsel zwischen dem Staats- sekretär des Auswärtigen Amts Hörrn v. Kiderlcn-Waechter und dem Botschafter der französischen Republik Herrn Jules Eambon ist zum Ausdruck gebracht worden, daß. falls Deutschland von Spanien Spanisch-Guinea, die Insel C o r i s c o und die E l o b e y i n s e l n zu erwerben wünschen sollte, Frankreich bereit ist, zu Deutschlands G u n st e n die sich aus dem französisch-spanischen Ver- trage vom 27. Juni 1900 ergebenden Vorzugsrechte zu verzichten. Tagegen hat Deutschland erklärt, sich nicht an den besonderen Abmachungen beteiligen zu wollen, die Frankreich und Spanien etwa miteinander ffber Marokko treffen sollten. Es herrschte dabei Ueberein- stimmung darüber, daß unter Marokko derjenige Teil von Nordafrika zu verstehen ist. der zwischen Algier, Französische Westafrika und der spanischen Kolonie Rio de Oro liegt. Der Staatssekretär gab vertrauliche Mitteilungen zu den Abmachungen, die durch diesen Zusatz getroffen worden sind. Es setzte dann eine längere Debatte über den Wert oder die Bedeutungslosigkeit solcher Vorzugs- rechte ein. Tie Abgeordneten Bebel und Ledebour griffen hierbei das Verhalten der Regierung bei der Gestaltung des deutsch-franzäsischen Abkommens sowie die fainose„Zipfel- Politik" in Afrika an. Die Nationalliberalen gaben ihrer Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß auch bei dem Kongo- abkommen Deutschland so schlecht abgeschnitten habe. Staats- sekretär v. Kiderlen-Waechter ging auf eine Anfrage auf die Meldungen französischer Zeitungen ein, die behauptet haben, Deutschland habe xn Marokko Sonderrechte gefordert. Das sei nicht der Fall. Deutschland habe nur in bezug auf Bahnbanten bestimmte Abmachungen und Garantien Am Ende 5er Berakungeck erklärte Staatssekretär von Kiderlen-Waechter, daß er morgen in der Kommission eine ausführliche Darstellung der Entwickelung der Marokko- asfäre und aller dazu gehörigen Fragen geben werde. Die Urwahlen zum braunschwekgischen Landtage haben am 14. d. M. in der Stadt Braunschweig stattgefunden, nachdem vorher bereits an zahlreichen Landorten gewählt worden war. In der dritten Klasse fielen in der Stadt Braunichweig samt- liche 144 Wablrnänner der Sozialdemokratie zu, während bei der Wahl im Jahre 1397 neben 129 sozialdemokratischen Wahlmäniiern in der dritten Klasse noch 17 bürgerliche Wahlmänner gewählt wurden. In der zweiten und ersten Klasse siegten die bürgerlichen Wahl- männer. Die Wahlbeteiligung in diesen Klassen war sehr schwach. Insgesamt wurden in der Stadt Braunschweig rund 5299 sozial- demokratische Stimmzettel abgegeben, davon rund 5959 in der dritten und ungefähr 150 in der zweiten Klasse. Die bürgerlichen Wahl- niänner erhielten 2990 Stimmen, 399 in der ersten, 1909 in der zweiten und 1699 in der dritten Klasse. Das Wahlrecht ist der Arbeiterichast durch die Erwerbung der Staatsangehörigkeit und des teueren Bürgerbriefes sehr erschwert. Daher erklärt eS sich, daß die Zahl der sozialdemokratischen Wähler weit hinter der Zahl der„Volkssreund'-Abonneuten in Braunschweig zurückbleibt. Das Kurioseste bei dieser Wahl ist, daß infolge deS Drciklassen- systemS die 2999 bürgerlichen Stimmen die acht Abgeordneten der Stadt Braunschweig wählen, während die 5299 sozialdemokratischen Stimmen das Nachsehen haben. Eine Wahl bei der die Minderheit siegt und die Mehrheit unterliegt I Noch hübscher wird dieses Ver- hällniS durch die Wahlen auf dem Lande gekennzeichnet. Auf dem Lande war nämlich die Wahlbeteiligung auf bürgerlicher Seite ganz schwach. In der ersten Klasse erschienen vielfach nur die Wahlmännerkandidaten und wählten sich selbst. Die dritte Klasse dagegen wählte fast an allen Orlen sozialdemokratisch. Auch in der zweiten Klasse drangen dort sozialdemokratische Wahlmänner durch, aber nicht genug, um den Ausschlag zu geben. Das Gesamtresultat für das Herzogtum, das sich noch nicht genau zusammenstellen läßt, dürfte eine erdrückende Majorität der sozialdemokratischen über die bürgerlichen Stimme» ergeben. Bei direkter, gleicher Wahl wären uns fast alle Mandate zugefallen. Jetzt ziehen dagegen die Erwählten der wenigen bürger- lichen Wähler, die sich an die Urne bemühten, in den Landtag. In manchen ländlichen Wahlkreisen ist die Zahl der abgegebcnru bürgerlichen Stimmen so gering, daß sich der gewählte bürgerliche Kandidat eigentlich gar nicht als gewählt bezeichnen kann. Die kommende Militärvorlage. Der Reichstag hat im vorigen Jahr ein neues Ouinquenat be- willigt, in dem die neue Militärvorlage mit einem Kostenaufwand von 142 Millionen Mark inbegriffen ist. Der Etat für 1911 ent- hält allerdings nur acht Millionen Mark Ans- gaben für die neue Militärvorlage, so daß in den Jahren 1912 bis 1918 die weiteren 134 Millionen Mark zu decken sind. Man war sich damals bereits vollkommen darüber klar, daß in abseh- barer Zeii eine neue Militärvorlage kommen werde, nur hat man für solche Vorlagen jetzt eine andere Bezeichnung gefunden. Man nennt fie: Ausfüllung von Lücken. Die nächste AliSfülliing von Lücken ist für den 1. April 19l2, den Beginn des neuen Etats- jahres vorgesehen. Die„Neue politische Korrespondenz" will darüber erfahren haben: „Abgesehen von der Verinebrung der Tralnbataillone um eine Koiupiignie, soll die grundiätzliche Trenrnrng der TraindepotS von den Trainbataillonen durchgeführt werden. Der jetzige eiste Offizier dcS TraindepotS soll den Titel„Vorstand" erhalicn. der jetzige zweite Offizier heißt Oberleutnant oder Leutiiant beim Traiudepot des xten Armeekorps. Die vier Traindireklumen gehen ein. Neben der bestehenden Trainiiispcktion wird eine Traindcpo!- inspektion gebildet, der die Feldzeugmeisterei unterstellt wird. Der Traininspekieur soll den Rang emes BrigadekommandenrS erhalten. Ihm sollen zwei Stabsoffiziere oder Haiivile»te als Referenten zugeteilt werden. Unter der Traindepoiiuspeklion werden zivci Traindireklionen stehen, voraussichtlich in Berlin und Kassel für die TraindepotS östlich und westlich der Elbe. Diese sollen RegimenlSkommandeurrang und einen Stabsossizier oder Haupt- mann beim Stabe erhalten. Neu eingerichtet sollen werden sechs Kommandeure des TrainS in RegiinentSkominandeurstellen, dcnc» mehrere Trainbataillone unterstellt werden." Die deutsche Armee zähl« gegenivärlig, abgesehen von den diversen BespnnnnngSableilungen. 23 Trainbataillone. das wäre also zunächst eine Vermehrung um 23 Kompagnien. Wenn die vier Traindireklionen eingehen, so ist damit keineswegs etwa eine Ersparnis beabsichtigt, denn eS tritt lediglich eine Ver- schiebung in den Stellen ein, und die Besetzung der neuen Train» depotinspektion mit einem Brigadegeneral bedeutet bestimmt eine MebrauSgabe. � Kein Zweifel im Kriegsininisterium arbeitet man an Reformen, die auf eine starke Heeresvermehrung h i n a u s l a u f e n. Für die nötige Stimmung in der Oeffentlichkeit sorgen die inaktiven Generäle, die bei den verschiedensten bürger- lichen Blätlern einen Nebenverdienst als Mitarbeiter gefunden haben. So verlangt der reichsverbändlerische Agitator, General a. D. V. G e r s d o r f f in der„Post" eine ganz umfassende Militärvorlage, als deren Mindestmaß er die weitere Ausbildung von 99909 Mann verlangt. Damit'stiege die Friedenspräsenz der deutschen Armee auf 716 000 Mann. Die Mehrtosten würden etwa 159 bis 200 Millionen Mark pro Jahr ausmachen. Die Kosten spielen für den General und seine Freunde keine Rolle. sie brauchen sie nicht zu bezahlen. Der Etat deS Reichs ist zurzeit «o gespannt, daß auch nur die geringste HeereZSerinehriing neue Steuern bedingt, wie ja auch schon die Kosten der jetzt laufenden Militärvorlage auf keinen Fall aus den derzciligen Einnahmen des Reichs gedeckt werden können. Mehr Soldaten— neue Steuern! Die Agrarier sind selbst schuld an der Berbreiiung der Bichseuche. In Ostprnlßen herrscht die Maul-, und Klanenseuche unter dem Vieh, obgleich die Prsvin, von der ausländischen Zufuhr gänzlich abgesperrt ist. Seit Jahren ist nicht ein Stück ausländisches Vieh »ach Ostpreußen gekommen. Die Behörden haben strengere Maßregeln ergreifen n,s,ssen. Im Landwirtschaftlichen Zentralverem Königsberg sind dieser Tage die Maßnahmen gegen die Seuche cingeheud erörtert worden. Freiherr v. Lettau-TolkS-Kraphausen wies darauf hin, daß die Maul- und Klauenseuche jetzt aus dem Inland Herniis weiter verschleppt wird, und zwar auf dreierlei Art: durch den Per- sonenverlehr. durch den Viehvcrlehr und durch den Milchverkehr. Der Regierungspräsident G r af v. K e y s e r l i» g k erklärte, in R-- gierungskreisen sei man darüber einig, daß die Bekämpfung der Seuche die schärfsten Maßnahmen erfordere, sonst sollte man sie überhaupt bleiben lassen. Die BeobachtnngSbezirke müßten gesetzlich gebildet werden, damit nicht, was leider ost geschehe, die ausbrechendeSeucheverheimltcht werde. Ii» Prcuß.- Holland habe sogar der ganze Kreis unter Beobachtung gestellt Der AeglerungSprSfldent teilte ferner mit, daß et sich Bereits 2V Gend armen vom Minister zur Aushilfe der» schrieben und die Ueberlassung weiterer beantragt habe. Die behördlichen Maßnahmen allein könnten aber die Seuche nicht aus- rotten, wenn nicht die Landwirte mit Verständnis mitarbeiteten. Es dürfe, wie leider geschehen, nicht vorkommen, daß ein größerer Be- esitzer sich weigere, einen Gendarm in seine Begüterung aufzunehmen. Liegierungsrat Fetschrien bemerkte, daß der jetzige Seuchen- verlaus der allerschwerste in den letzten 18 Jahren sei. Leider könne er in vielen Fällen die Landwirte selb st nicht völlig freisprechen von einer Mitschuld an der Verbreitung der Seuche. Der Regierungspräsident drohte schließlich sogar mit dem— Staatsanwalt. Wo ein bewußtes Verschulden eines Besitzers an der Weiterverbreitung der Seuche, zum Beispiel durch eine Verheimlichung des Seuchen- auSbruchs vorliege, werde der Staatsanwalt angerufen werde»!! Die mit den Junkern verwandte und verschwägerte Regierung sieht sich also gezwungen, selbst gegen die Agrarier vorzugehen. Wenn wieder auf das— Ausland als Seuchenherd hingewiesen wird, werden wir an diese Tatsachen erinnern. Tie Kriegshetze geht weiter! Die„ T ä g l i ch e R u n d s ch a u", die sich so gern das Blatt der Gcbildoten nennt, beginnt einen Leitartikel mit den Sätzen: „Baut Schiffe, jenjeitS des Kanals sitzt unser Feind!» Das ist die große Lehre, die die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes aus der traurigen Marokkoaffäre gezogen hat, und es war ein besonders glücklicher Gedanke, daß schon un- mittelbar nachdem die große Redeschlacht im Reichstage ihren Höhepunkt erreicht hatte, gewisserniatzeu als deren wichtigstes Er- gebnis unter Beiseitelassung von allem übrigen au leitender Stelle in diesem Blatte die Forderung erhoben wurde: unter keinen Umständen unser bisheriges Flottenbau- tempo aufzugeben, außerdem aber durch die Indien st Haltung eines dritten Linienschiffs- Geschwaders unsere Flottenbereitschaft wesent- lich zu erhöhen. Kein besserer Kommentar zu der ganzen Angelegenheit und kein besserer Zeitpunkt für ihn konnte gewählt werden.» Darüber, wie solche Hetze in England wirken wird, können sich auch unsere Flottenfexe keinerlei Täuschung hingeben. Aber die Verschlechterung der englisch-deutschen Beziehungen. die Schürung des gegenseitigen Mißtrauens ist ja auch ge- rade der Zweck solcher Hetzartikel. Denn diese Stimmung brauchen unsere Panzerplattenpatrioten ja gerade, um neue profitable Kriegsschiffbauten durchzusetzen. Bei dem Wahn- sinnigen Wettrüsten und der gegenseitigen Völkerzersleischung blüht ja gerade ihr Geschäft I Diskreditierung des Militarismus. In Düsseldorf ist jüngst ein Rechtsanwalt mit schlichtem Ab- schied aus seinem Verhältnis als Reserveoffizier entlassen worden. weil er in einer Versammlung für die Wahl des Sozialdemokraten bei der Stichwahl eingetreten war. An diesen Fall, dem ja schon ähnlich gelagerte Fälle vorangegangen sind, knüpft sich eine lebhafte Polemik zwischen der liberalen und der reaktionären Presse über die Frage, ob eine solche Maßregelung zu Recht bestehe oder nicht. Wir haben unS an dieser Polemik nicht beteiligt, nicht weil wir die Maßregelung nicht für eine Ungeheuerlichkeit hielten, sondern deshalb, weil unser ganzer Militarismus an sich eine Ungeheuerlichkeit ist, dessen volksfeindliche Tendenzen durch ein solches Vorgehen der Behörden nur noch sinnen- fälliger zum Bewußtsein der Allgemeinheit gebracht werden. Und dagegen, daß die Absurdität und Unerträglichkeit unseres gegen- wärtigen militärischen Systems immer klarer hervortreten, haben wir ja nichts einzuwenden. Wohl ober wäre eZ gut, wenn unsere Liberalen, statt um die Wahlfreiheit der Herren Reserveoffiziere soviel Tinte zu ver- spritzen und Entrüstung zu produzieren, sich einmal etwas näher mit der Volksfeindlichkeit unsere« Militärsystems überhaupt beschäftigten. Denn ebenso ungeheuerlich, wie das Verbot an Reserveoffiziere, sozialdemokratisch zu wählen, sei es in der Stichwahl oder auch in, ersten Wahlgang. ist ja der militaristische Brauch, den aktiven Angehörigen der Armee jede sozialdemokratische Betätigung zu verbieten. Denn wenn Berfassung und Gesetz gestatten, daß sozialdemokratische Gesinnung und Be- tätig itng das unbestreitbare Recht jede« Staatsbürger« sind, so verstößt e« unzweifelhaft gegen Sinn und Wortlaut der Verfassung und der G e s e tz e. den ihre Dienstzeit ableistenden Staatsbürgern die Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu verwehren. Und es verrät nur die jämmerliche SchwachbrÜltigkeit unlereS Liberalismus, sich über einen solchen ungeheuerlichen Zustand leichtherzig hinwegzusetzen. Von sozialdemokratischen Soldaten erwartet man ebenso gut wie von den.staatserhaltenden», daß sie im Falle eine« Krieges ihre Schuldigkeit tun. Aber die staats- bürgerlichen Rechte dieser sozialdemokratischen Soldaten mißachtet und verfemt man. Daß e« ein nicht minder piiglaublicher Zu- stand ist. die O f f t z i e r s st e l l e n den Angehörigen der be- fitzenden Rlofie und den Bekennern.staatserhaltender', will sagen feudal- reaktionärer Gesinnung vorzubehalten. liegt auf der Hand. Aber auck da» veranlaßt unseren Liberalismus nicht zum Protest, höchstens macht er in sittlicher Entrüstung darüber, wenn den Sprößlingen jüdischer Kapitalisten der gutritt zum Offizier- öder Reserveofsizierkorps vermehrt wird. Auch wir Sozialdemokraten entrüsten uns freilich nicht über solche Zustände, die ja nur den Ausfluß unseres kapi- talistisch-reaktionären Systems darstellen. Wir kon- statieren nur gelegentlich den Talbestand, der ja ichon in seiner Nacktheit so aufreizend ist, daß es kritischer Glossen gar nicht erst bedarf. Wenn gar noch durch ein Einschreiten gegen Reserveofstziere, die bei der Wahl von ihrem Staatsbürgerrechi freien Gebrauch machen wollen, unser militaristisches System diskreditiert wird, so hat die Sozialdemokratie und ihr Kamps gegen unseren Heuligen MilitatismuS wahrhaftig keinen Schaden davon I Landtagstuahl in Leer. Vorläufige» amtliche« Aahlresultat. Bei der Ersatzwahl zum Abgeordneteiihmi» für den dritten ostfriesischen Wahlbezirk stzeer— Weeners wurde» 22« Sliiiimen abgegeben. Davon cntnele» auf Laiidrat Kleine in Leer konservativ) 203 und auf Rektor Berghuus in Norderney(sreisinnig) 25 Stimmen. Kleine ist somit gewählt. Jugcndköderung in Sachsen. S«on in der Thronrede, mit der der sächsische Landtag eröffnet wurde, hieß e». daß ein größerer Betrag zur Förderung plan- mäßig aufgenommener Bestrebungen zur Pflege der Jugend in dem Alter zwischen Schule und Wehrpflicht vorgeschlagen werden solle, Das ist inzwischen auch geschehen. Nicht weniger al« 100 000 M. schlägt dieselbe Regierung vor. die zur Belämpfung der Arbeits- loseimot nichts übrig hatte, die sich weigerte, die Pensione» siir die Fachichrerinnen zu überuehmeii und auch bisher nichts zur Abhilfe der Teuerungsnot zur Verfügung gestellt hat. Jtt der Begründung dieser Einstellung wird ausgeführt: Mehr und mehr wird die Notwendigkeit anerkannt, der heran- wachsenden männlichen Jugend in der bedeutungsvollen Zeit zwischen der Entlastung aus der Volksschule und dem Eintritt in das Heer besondere Pflege angedeihen zu lassen und nicht nur ihre geistige und sittliche Erziehung zu fördern, sondern auch durch Turnen, Spiel, Sport und gemeinsame Wanderungen Gelegenheit und Anregung zur Uebung der Körper- und Willenskräfte in einer der Jugend selbst erwünschten Form zu bieten, Das klingt ja ganz leidlich. Aber schon die Tatsache, daß man sich auf die männliche Jugend beschränkt, zeigt, daß inan keine ernstliche Erziehung beabsichtigt, sondern Jugend- drill zu patriotlichen Zwecken. Nicht zu tüchtigen Menschen, zu Hurraschreieru will man die Jugend drillen. Dieselbe Absicht, die die konservative Landtagsfraktion mit ihrem Antrage für Jugenderziehnng bezweckt, liegt auch dem Vorgehen der Regierung zugrunde, Nack, dem konservativen Antrage aber soll die Regierung in verstärktem Maße über die Jugendorganisationen ivachen, damit dies« nicht weiter zu Vorschulen der Sozial- demokratie sich auslvachien. und ferner erwägen, ans welche Weise auf dem Wege der LandeSgesetzgebung die vaterländische Er- ziehnng der Fortbildnngsschiiler besser sichergestellt werden kann. Die Konservativen steuern zunächst darauf hin, die Jngeiidorganisationen zuerst auseinander zu sprengen und dann mit der Jugendköderniig zu beginnen. Vielleicht wartet die Regierung schon ans einen dabin- gebenden Beschluß. Daß sie bereit ist, im Sinne des konservativen Antrags zu operieren, zeigen die 100 000 Mark, die zur Be- kämpfung der Arbeiterjugendbewegung eingestellt worden sind. Ter Kardinal Fischer als Stadtratswähler. Bei den soeben beendeten Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abteilung in Köln, bei der die Zentrumspartei mit durchschnittlich 4800 Stimmen über die vereinigte» Liberalen siegte, die 4400 Stimmen erhielten, hat. wie die Zentrumspresse rühmend hervor- hebt, der Kölner E r z b i s ch o f, Kardinal Fischer, für die gesamte Liste des Zentrums gestimmt. Ans dieser Liste standen aber der P r o t e st a n t Christian Meyer, der biß vor kurzem Mitglied einer Frein, aurerloge war, und der freisinnige Volks- pariciler Kyll, ein Gegner der konfessionellen Schule und Freund des vom Zentrum bekämpften, niedergestiminten und maßlos beschimpften FainilienstrandbadeS. Den ersteren nahm das Zentrum aut die Liste, um protestantische Stimmen zu fangen, den zweiten, weil er als gegenwärtiger Senior der Stadtverordneten Kölns auch ohnedies wieder gewählt worden wäre. Kardinal Fischer hat auch schon bei der früheren Wahl für den Freimaurer gestimmt, als dieser noch Mitglied der Loge war. Ein katholischer Erlaft gegen die Feuerbestattung. Der Kölner Erzbisckos Dr. Fischer veröffentlicht Verhaltungs- maßnahmen für die Katholiken bei der Feuerbestattung. Es ist den Katholiken nicht erlaubt, Fenerbestattungsvereiuen anzugehören. Die Berbreniimig ist von der Kirche, abgesehen von Notfällen, streng verboten. Katholiken, die Verbrennung ihrer Leichen verfügt haben, erhalten kein kirchliches Begräbnis. Sie sind vor Empfang der Sterbesakramente zu ermahnen, ihre Anordnungen zurückzunehmen: weigern sie sich, so dürfen ihnen die Sterbe- sakcamente nicht gespendet werden. Die Leichen derjenigen, die ohne ihren Wlllen auf Anordnung anderer verbrannt werden sollen, könnten nach kirchlichem Ritus eingesegnet werden. Die Strafe trifft alsdann diejenigen, dsiean der Verbrennung der Leiche Schuld tragen. Eine entferntere oder nähere Mit- Wirkung zur Verbrennung der Leichen durch Befehl oder Rat oder Bedienung der Leichenverbrennung ist den Katholtken auf das strengste untersagt._ Wahlmache der bürgerlichen Parteien in Leipzig. Im Stadtparlament in Leipzig gab es am Mittwochabend bei der Beratung der Teuerungsvorlage, über die der.Vorwärts' kürz- lich berietneie. eine Debatte von allgemeinem Interesse, da der Rat mit den bürgerlichen Parteien die schönste Wahlmache trieb. Die Vor- läge fordert 350 000 M. �Davon sind 30 000 M. zur Speisung von Schulkindern, 40 000 M. zur Errichtung zweier städtischer Speise- anstallen und die übrige Summe als Zulagen an die städtischen Beamten und Arbeiter bestimmt; aber nur die Beamten und Arbeiter, die bis 1800 M. Einkommen haben, die verheiratet sind und Ninder haben, sollen eine einmalige Zulage von 40 bis SO M. erhallen Die ledigen und kinderlose» Veaimen und Arbeiter gehen leer aus. Der Kviiimerzienrat Tobias. Vertreter der Erstklassigen, stellte als Referent den Antrag, die Zulagen all denen z» gewähre», die bis 2500 M. Einkommen hätten, und der zweitklassige Vertreter Justizrat Knaust beam ragte, die Rntsvorlage nur soweit z» erweiter», daß zu de» 40 M. Zulage für jedes weitere Kind 10 M. gewährt werden i ollen. Diese küininerliche Fürsorge ging dem zu Ansang der Sitzmig zum Stadtrat gewählten Ärchitekien Höhne noch zu weit. Er tobte wie ein Wütender, indem er erklärte: „Teuerung gibt eS nicht; sie ist nur durch die unverantwort- liche Schreierei und Hetzerei entstanden. Die Nahrungsmittel sind in de» letzien zwanzig Jahren ganz wenig oder gar nicht ge- stiege», die Löhne der Arbeiter dagegen ganz enorm. Der Partei- tag in Jena habe die Teuerung beschlossen, weil die sozial- dentokraten eine Wahlparole branchle». Durch forlgesetzte Ge- ivädrung von Teuerungszulagen wirken wir auf die Angestelllen und aus die Arbeiter enlsittlichend. Ich möchte die Vorlage am liebsten ablehne».' Genosse Pollender nahm sich den Herrn Höhne mitsamt den bürgerlichen Wahlmachern gründlich vor. Die Vorlage wurde schließlich mit den Anträgen deS Herrn Knaust angenommen. Tobias zog seinen Antrag zurück. Neber den„BolkSfreund" in Aachen, das im dortigen Gebiete bei weitem am stärksten verbreitete ZenirumSblatt, hauen wir in der Nr. 201 einen Artikel gebracht, der sich im iveseitllichen auf Ber- öffenilichnngen in der.Rheinische» Zeitling' stützte. Darin war ge- sagt, dei Besitzer des Blattes, Herr D e l e r r e. erstrebe eine ge- schriftlich« Ne'ormienma, weil das Unternehmen stark belastet ici rmd drnch die Ilmwandluna Mittel zur Abstoßung der Verpflichtungen beschafft werben sollten. Die„Rheinische Zeitung' hat nun eine Er- klärung veröffentlicht, aus der sich ergibt, daß nach den Feststellungen ihreS Aachener Vertreters von einer finanziellen Belastung des Deterreiche» Unternehmens in dem angedeuteten Sinne ganz und gar nicht die Rede sein tau», daß vielmehr daS Geschäft ausgezeichnet fundiert ist. Wir geben von dieser Fellstellung Kenntnis. fraiikmcb. Eine Marokkorcde des Ministerpräfidente«. PnriS, 16. November. Gestern hielt Ministeipräsident Caillaux eine Rede, in der er dem Entschluß der Regierung Ausdruck gab, die von der Demokratie gebieterisch verlangten Reform en zu vertreten und zur Geltiing zu bringen und in der er auch auf das d e u t i ch- f r a n z ö s i s ch e Abkommen zu sprechen kam.«n die Republik und an Frankreick, so führte der Ministerpräsident auS, haben ivir während der letzten Monate zu denken nicht aufgehört. In einigen Woben, wenn ich den Stolz haben werde, auf der Parlamentstribiine das vollendete Werk zu verteidige» und laut die Verantwortung dafür auf mich zu nehmen, wird cS mir nickit schwer werden klar darzntiln, daß daS unter Wahrung und Sicherung des Friedens erzielte Abkommen eine Lösung herbeigeführt hat. die ich als vorteil- Haft für beide Teile bezeichne und die, wie die jüngst im «»Slande eingetretenen Ereignisse beweisen, bestimmt nicht u n- vorteilhaft für Frankreich- ist. Ich werde dann daS Recht und den begründeten Stölz haben, zu zeigen, daß die Trikolore jetzt an de» Ufern des alten Atlantischen OzeanS weht und daß Frankreich auf afrikanischem Boden, wo das alte Rom seine besten Soldaten gefunden hat. mit voller Sicherheit seine un» bestrittene Herrschaft bis Tripolis wird ausdehnen können. Die militiirische Orgaiiisation Marokkos. Paris, 16. November. Dem„Echo de Paris' zufolge hat da? KriegSministerium bereits einen Plan betreffend die militärische Organisation Marokkos ausgearbeitet. Das B e- satzungSkorv« soll unter den Befehl eines DivisionsgeneralS, wahrscheinlich d � A m a d e s gestellt werden und vier Brigaden umfassen. Die militärische und administrative Hauptstadt Marokkos wird Meline«, wo sick auch der Sitz des Generalresidenten befindet. Die übrigen Brigaden werden auf die Gebiete Fez, UMckda und Marrakeick verteilt. Dem Besatzung»« korps werden auch eingeborene Elemente einverleibt. Man wird daraus zwei Spahi- Regimenter sowie zwei Schützenregimenter nach dem Muster der algerischen und tunesischen Schützen bilden. Zwei Regimenter marokkanischer Schützen mit französischen CadreS, die besondere Uniform erhallen sollen, werden dem Name» nack unter den Befehl des Sultans ge« stellt. Außerdem will man verschiedene GumS aus Eingeborenen- regimentern bilden. Nach der vollständigen Pazifizierung Marokkos ist die Errichtung eines Nordafrika(Algerien, Tunis, Marokko) umsassendeil Oberkommandos ins Auge gefaßt, das wahr- scheirsiich einem Generalinspekteur, der Mitglied deS OberlriegSrats ist. übertragen wird._ Die Zustimmung Englands. Paris, 16. November.„Echo de Paris' meldet auS London: Die englische Negierung hat gestern ihre Zustimmung zum deutsch-französischen Marokkoabkommen gegeben. Die einzige Bemerkung, die England dazu machie, betrifft die Handelsfreiheit aller Mächte. In einem Brief. den am 4. November Herr v. Kiderlen-Waechter an Herrn Ecnnbon richtete, heißt es, die deutsche Regierung rechne darauf, daß Frankreich immer glücklich sein werde, die Interessengemeinschaft zwischen Frankreich und Deutschland für die Unternehmungen zu fördern, die sie gegenseitig betreiben werden. Wahrscheinlich wird vom Auswärtigen Amte»och eine präzisere Form verschiedener Punkte gefordert werden. Die Regierungen Frankreichs und Englands werden sich sodann i n vollem Einverständnis befinden. WaS Spanisch- Guinea betrifft, so ist hierüber noch nichts beschlossen worden. KulZIanä. Die Misterute. Petersburg, 15. November. In der heutigen Abendsitzung der ReichSduma beantwortete Ministerpräsident Kokowzoiv die Interpellationen über die Mißernte in längerer Rede, in der er zunächst feststellte, daß daS von der Mißernte betroffene Gebiet sich ans zwanzig Gouvernements erstrecke, von denen zwölf durchweg, die übrigen zum Teil geschädigt seien. Von der 12'/, Millionen Köpfe zählenden Vevölkerung des Mißcrntegcbietes seien acht Millionen hilfsbedürftig. Die Hilfeleistung erfordere 120 Millionen Rnbel, von denen 32 durch lokale Mittel gedeckt würden, während der Staat für die übrigen 38 Mill. Rubel eintreten müsse. Die Hälfte der erforderlichen Mittel sei der Bevölkerung ohne Verzögerung bereits übermittelt worden. Die Hilfsgelder seien zn Saatzwecken. Ankauf von Korn und Viehfutter sowie zur Jnanzriff- nahine öffentlicher Arbeiten und Errichtung von Speisekiichen und Nahrungsmittelstationen und für ärztliche Hilfe angewiesen worden. Aus Grund der Berichte der Gouverneilre und SemstwoS stellte der Ministsrpräsident fest, daß nirgends(?) Hungersnot in einem Maße aufgetreten sei, daß die sanitäre Lage der Vevölkerung Be- fürchiungen einflöße. Die Regierung helfe der betroffenen Bevölke« rung durch alle ihr zu Gebote stehenden Mittel. 6o2iale3. AuS dem Ausschuß deS Berliner KaufmannSgerlchkS. Der Ausschuß deS Berliner Kaiifnranirsgerichts nahm am Mitt- woch Stellung zu den Anträgen auf Abänderung und Berbefleruug des Dienstrechtes der Handlungsgehilfe». Der§ 50 des Handels- gesetzbuches bestimmt: Wer in einem Handelsgewerbe zur Leistung kaufmännischer Dienste gegen Entgelt angestellt ist(Handlungs- gehilfe), hat, soweit nicht besondere Vereinbarungen über die Art und den Umfang seiner Dienstleistungen oder über die ihm zukam- menKe Vergütung getroffen sind, die dem Ortsgebrauch entsprechende Vergütung zu beanspruchen.— In sehr vielen Geschäften und speziell in großen Bankgeschäften ist es üblich, zu vereinbaren, daß der aus Tantieme, Gratifikation(Gewinnanteil oder dgl.) zu- gesicherte Teil des Gehalts nicht zahlbar sein soll, wenn sich der Gehilfe in gekündigter Stellung befindet. Es wurden Fälle er- wähnt, nach denen ein Angestellter jährlich l500 M. an Gehalt er- hält, daneben 500 M. jährlich an Tantieme, die aber beim Abgang des Gehilsen nicht gezahlt zu werden braucht. Ilm diesem Unfug zu steuern, wurde beantragt:„Zum Entgelt gehören alle Gegen- leistungen des Geschäftsherrn. Unterhalt, Reisekosten, Provisionen. Gewinnanteil, außerordentliche Zuwendungen u. st st" Der Antrag wurde mit säintlichen Gehilfenstimmcn sowie der Stimme des sozial- demokratischen KaufmannSbeisitzerS gegen S Stimmen der bürget- lichen Kaufleute angenommen. Ein weiterer Antrag:„Das Entgelt muß dem HandlungS- gehilfen mindestens ein Auskommen sichern, haS seiner Stellung und dem OrtSgebrauch entspricht," stand ebenfalls zur Debatte. Gegen dieses Schwert ohne Klinge ivandlen sich der sozialdemokratische KaufmaiinZbeisitzer und die beiden Mitglieder des Zentralverbandcs der Handlungsgehilfen: er sei unklar und in der jetzigen Form prak. tisch nichtssagend, zumal er unterlassen müsse, ein Minimalgehalt einzuführen. Die Höhe des GehallS köirne nur durch Vereinbarungen von einer großen Gewerkschaft der Handlungsgehilfen geregelt werden. Bei der Abstimmung wurde der Antrag gegen 7 Stimmen der bürgerlichen Gehilfenbeisitzer � der sozialdemokratische Kauf- iirannsbcisitzer und die Mitglieder des Zentralverbandes enthielten sich der Abstimmung— abgelehnt. Ein weiterer Antrag lautete:„DaS Recht der Zurückhaltung kaum der Prinzipal mir soweit ausüben, als er aufrechnen darf." Dieser Antrag wurde mit!0 gegen 8 Stimmen(der bürgerlichen Kaufleutebeisitzer) angenommen. Ebenso erging es folgendem Antrag:„Der vorwiegend auf Provision gestellte Handlungsgehilfe hat Anspruch auf monatlichen Provisionsvorschuß und er darf, um seine Forderungen klarzustellen, die Bücher einsehen." Dem Kost- und Logisunmescn, der sogenannten freien Station im HandelSgcwerbe will folgender von den Handlungsgehilfen ge- stellter Antrag entgegenwirken:„Die Aufnahme des HandlungS- gehilfen in die häusliche Gemeinschaft des Prinzipals soll unzu- lässig sein." In der Diskussion wurde von den Gehilfen lebhaft über die ungenügenden Räume geklagt, welche den Gehilfen zur Verfügung gestellt würden. Diese eigneten sich zum Teil nicht ein- mal zur Unterbringung von Vieh. Vielfach lasse auch die Kost zu wünschen übrig. Die freie Station werde nur gegeben, um die Ge- hälter noch mehr herunterzudrücken und den Gehilfen in vollständk» ger Abhängigkeit zu erhalten. Derselbe müsse sich an die Haus- Ordnung halten und dürfe nach 10 Uhr abends nicht nach Hause kommen. Gegen den Antrag führte ein Kaufmann aus der Lebens- mittelbranche aus, den jungen Leuten in seiner Branche erwachsen keine Vorteile auS diesem Antrage. Er habe noch keinen jungen Mann kennen gelernt, der auf die freie Station verzichtet hätte. Die freie Station liege nur im Interesse der Gehilfen und werde besonders von den Verkäuferinnen verlangt. Die Angestellten brauchten Erziehung. Leute, denen täglich Geld im Geschäft durch die Finger gehe, seien den Verlockungen von gewisser Seile zu sehr ausgesetzt und könnten nur durch die häusliche Gemeinschaft mit dem Prinzipal vor Gefahren behütet werden. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Gehilfenvertreter und deS sozialdemokrati» ser Jahren die„Justice"(Gerechtigkeit) gründete, die ihn im Laufe der Jahre sein ganzes Vermögen kostete. William Morris, Bernard Shaw, Hubert Bland und andere gehörten zu den Herausgebern. Wenn man jetzt liest, wie das neue sozialistische Blatt„ins Publikum gebracht" wurde, dann versteht man vieles, was einem in der sozialistischen Bewegung Englands sonst ziemlich unverständlich bleibt... Eines schönen Mittags im Jahre 1884 wurdet! die zahl- losen Pasfanten des„Strand" und der Hauptstraßen in der City plötzlich von wohlgcklcideten Herren und ebenso eleganten Damen angesprochen, die sie mit der liebenswürdigsten Aufdringlichkeit einluden, die erste Nummer eines Blattes zu kaufen, das sie unter dem Arm trugen. Die Zeitungsverkäufer waren die Redakteure selbst. Und der Hauptschreier war ein 4(3jähriger Advokat: Henrv Hyndman, der sich unter dem direkten Einfluß von� Karl Marx entschlossen hatte, seine Zeit und sein Geld„der Sache" zu widmen. Er hatte schon ganz Europa gesehen, kannte viele der„führenden Persönlichkeiten" und durfte sich rühmen, unter Garibaldi gekämpft zu haben. Den größten und tiefsten Eindruck von allen Personen, die Hyndman begegneten, machte jedoch Karl Marx auf ihn. In einem sehr langen Kapitel gibt er ein ausgezeichnetes Bild von Marx: „Als ich Marx zum erstenmal sah. hatte ich den Eindruck eines mächtigen, unbezähmbaren älteren Mannes, der immer bereit ist, in den Kampf zu treten und selbst stets einen Angriff erwartet... Während er mir mit einer leidenschaftlichen Empörung von der Politik unserer„liberalen" Partei sprach, namentlich in bezug auf Irland, leuchteten die kleinen, tiefliegenden Augen des alten Kämpfers; seine schwere Stirn legte sich in Falten, die breite Nase bebte vor Erregung und über seine schmalen Lippen strömte ein Eturzbach glühender Anklagen, die zu gleicher Zeit das herrliche Feuer seines Temperaments bezeugten und die außerordentliche Leichtigkeit, mit der er unsere Sprache beherrschte. Es kann nichts Seltsameres geben als den Gegensatz zwischen seinen Manieren heitde? preußischen Volkes und keineswegs die öffentliche Meinung.(Sehr wahr l links.) Abg. Winklcr(k.): Die beiden Vorredner lassen sich augenschein- lich bei ihrer Gegnerschaft gegen das Gesetz von sächsischem Partikularis- mus leiten. In wohltuendem Gegensatz dazu stand die großzügige Art, wie gestern der württembergische Minister v. Pischel für die Vorlage eintrat.— Redner tritt für Annahme des Antrages Zehnter auf Streichung des von der Kommission eingefügten Artikel lila ein, welcher festsetzen will, daß unter künstlichen Wasserstraßen im Sinne dieses Gesetzes nur Kanäle im eigentlichen Sinn, nicht auch kanalisierte Flüsse usw. zu verstehen sind.— Ferner wendet sich Redner gegen die Angriffe des Abg. G o t h ein auf den Ministerial- direklor PeterS. Dieser fleißige, tüchtige, unverdrossene, königs- treue, ausgezeichnete Beamte steht turmhoch über solchen Angriffen. (Bravo I rechts.) Ministerialdirektor PeterS(Große Heiterkeit, fast ganz unver- ständlich) polemisiert gegen die Ausführungen der sächsischen Abgg. Günther und H e i n z e und stellt die verteuernde Wirkung der Schiffsabgaben in Abrede. Bayerischer Ministerialrat Ritter v. Graßmann(ebenfalls schwer verständlich) tritt für die Vorlage ein, bestreitet, daß von einem schwächlichen Nachgeben Bayerns geredet werden könne und bezeichnet das Gesetz als eine bedeutsame Förderung der Fluß- schiffahrt, an der das von allen deutschen Staaten am weitesten vom Meere entfernte Bayern nicht zum wenigsten interessiert sei. Abg. Stolle(Soz.): Wir erblicken in den Schiffahnsabgaben eine schwere Ge fährdung von Handel und Verkehr, ein großer Teil der Binnenschiffahrt wird dadurch dem Ruin entgegen- g e f ü h r t werden.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) In der Zeit der Schiffahrtsabgabenfreiheit hat sich die Binnenschiffahrt, haben sich Handel und Verkehr so entwickelt, daß uns das Ausland darum beneidet. Insbesondere an den oberen und mittleren Läufen der Ströme hat sich unter den Segnungen der Abgabefreihcit der inländische Handel und die Industrie kolossal entwickelt. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die preußische Regierung durch die Agrarier geradezu gezwungen worden ist, die Schiff- fahrtSabgabcn in die Kanalvorlage hineinzubringen. An dem Charakter des Entwurfs ist auch durch die Arbeit in der Kam- Mission nichts geändert worden. Daß die preußische Regierung nur der Marschroute folgt, die ihr die preußischen Junker vorschreiben, hat der Mini st er der öffentlichen Arbeiten selbst bewiesen, indem er erklärte, die preußische Regierung sei in der Folge außerstande, so lange nicht die Frage der Schiffahrtsabgaben geregelt sei, große Meliorationen vorzunehmen, sie würde sonst beim preußischen Landtage die größten Schwierigkeiten haben, wenn fie die Strombaulasten anfordern wollte. Also der preußische Minister erklärt einfach: ich darf und kann nicht weitere Strom- baukosten anfordern, der Landtag würde mir das nicht bewilligen. Wenn es sich um neue Kanonen oder Schiffe handelte, so würde der Minister nickt so sprechen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eine Regierung, der solche Einnahmequellen zur Verfügung stehen wie die preußische, erklärt, daß sie das nicht leisten könne, was kleinere Staaten leisten. Im Gegensatz dazu wird in der sächsisch- badischen Denkschrift ausgeführt, daß. selbst, wenn über kurz oder lang die Notwendigkeit weiterer Kostenbewilligungen für Strom- Verbesserungen eintreten würde, nicht zu besorgen sei, daß die hierfür erforderlichen Mittel nicht aufzubringen seien. Die preußische Re- gierung aber stellt sich auf den Standpunkt: wir sind sozusagen bankrott, wir haben keinen Pfennig mehr für solche Zwecke. In der Tat ist es also so, daß daS preußische Jnnkerparlament entscheidet über dir Abgabenfreiheit auf de» deutschen Strömen. (Sehr wahr! bei den Soziald.) Im sächsischen Wassergesetz ist übrigens in den Paragraphen 93 und 94 ausdrücklich bestimmt, daß die Unter- Haltung des Elbstrombettes und seine Verbesserungen, die lediglich den Zweck haben, die Schiffahrt auf der Elbe zu erhalten und zu fördern, auf alleinige Kosten des Staates auszuführen seien. Wie denkt sich der Ministerialdirektor Dr. Peters, der sich hier so als Fachmann aufgespielt hat, die Vereinbarung dieser Bestimmung des sächsischen Gesetzes mit der Vorlage. Wenn sich die Regierung darauf beruft, baß die Vorlage im Bundesrat einstimmig angenommen sei. so vergißt man dabei ganz, daß der Widerstand der opponierenden Staaten nicht frei- willig aufgegeben worden ist, sondern nur unter dem Druck der preußischen Regierung. Wenn ich vor die Wahl gestellt werde, und seiner ganzen Sprechweise, wenn er vom Zorn aufgewühlt war und seinem Benehmen, wenn er seine theoretischen Ansichten auseinandersetzte. Ohne den Schatten einer Selbstüberwindung verwandelte sich der aufgeregte Prophet und Arckläger in einen ruhigen Philosophen, der sich überaus beherrschte, und als er die ersten Worte, die sein System betrafen, gesprochen hatte, wußte ich, daß viele Jahre vergehen würden, ehe ich aufhörte, ein Schüler zu sein angesichts eines solchen Meisters... Mit seiner mächtigen Stirn und der stark ausladenden Augenbrauenwölbung, mit seinen wildglänzenden Augen, seiner breiten Nase und dem beweglichen Mund, das alles umgeben von einem unentwirrbaren Durcheinander von Haar und Bart, schien mir dieser Mensch in seiner Person die heilige Begeisterung der Seher seiner Rasse mit dem kalten, analy- siercnden Genie eines Averroes oder eines Spinoza zu vereinigen." Afrikanische Majestäten. Das Kongoabkommen hat über große Gebietsstreckcn verfügt, ohne sich auch nur darum zu kümmern, daß in manchen dieser Länder Herrscher regieren, die in ihrem Kreise eine gewaltige Machtvollkommenheit haben. Solche exotischen Ma- jestäten behandelt die internationale Politik, als ob sie nicht existierten. Aber der kühne Forschungsreisende, der ganz allein ein afrikanisches Negerreich betritt, muß gar sehr mit diesen Königen rechnen. In einem Aufsatz von 5««am(out wird daran erinnert, wie geschickt Savorgnan de Brazza, dem Frankreich die eigentliche Eroberung seines Kongogebietcs verdankt, mit dem nichtigen Ma- lamine verhandelt hat, so daß der Fürst die Fremden freundlich aufnahm. Zu diesem Zwecke mußte Brazza allerdings mit ge- heucheltem Entzücken ein Gericht weißer Ameisen verspeisen und sich den wunderlichsten Zeremonien unterwerfen. Eine gewisse Popularität erlangte unter den Franzosen König Bchangin von Dahome mit seinem Amazonenheer. Er gewährte seinen wckißen Freunden ein ebenso einzigartiges wie grausames Schauspiel, indem er eine Reihe von Kriegerinnen durch Elefanten löten ließ, um die Kraft dieser Tiere recht anschaulich vorzuführen. Eine wunderliche Sphäre ist die Welt dieser exotischen Ma- jestäten, von der uns die Reisenden in Zentralafrika gar nicht genug zu erzählen wissen. In der prunkvollsten Weise wurde der Engländer Speke von König Mtesa, dem Herrscher eines bedeutenden Reiches am Viktoriasee, empfangen. Die Menge jubelte ihm zu und ein Hofbeamtcr trat auf Speke, um ihm mitzuteilen, er möge sich beeilen:„Majestät hat heute noch nichts zu sich genommen. Der König will nicht essen, bevor er Sie nicht gesehen hat." Auf einem Heu- bündel vor dem Thron des Herrschers wird der Engländer placiert. Niemals, so versichert man ihm, habe bisher ein Sterbliccher so hoch über der Erde vor Mtesa gesessen. Als Geschenk erhält er vier Kühe und der Herrscher fügt hinzu:„Sie sind Dein. Aber ich niöchte gern sehen, wie Du sie niit Deiner schönen Flinte tötest." Speke muß dem Wunsch Folge leisten, er bietet darauf dem schwarzen Monarchen das Gewehr zum Geschenk und Mtesa reicht es einem Läufer seiner Umgebung und befiehlt:„Geh und versuche dieses Gewehr an einem Deines Stammes." Der Junge geht, tötet seinen Onkel und kehrt ruhig in die Versammlung zurück, wobei er mit Befriedigung erklärt:„Sehr gutes Gelvehr." Niemand beachtet weiter diese alltägliche Geschichte, i ob mir der größte Teil meines Geldes genommen wird oder das ganze Geld, so gebe ich natürlich den größten Teil her.(Heiterkeit.) Wenn Minister v. P i s ch e k darauf hinwies, daß Preußen den süd- deutschen Staaten freundlich entgegengekommen sei, so lag das ein- fach daran, weil Preußen die Stimmen der Süddeutschen brauchte, und auf Württemberg trifft offenbar das Wort zu:„Halb zog sie ihn, halb sank er hin."(Heiterkeit.) In einer Versammlung, die vor wenigen Monaten in Dreß den stattfand und mehrere Hundert Teilnehmer hatte, wurde auch ausgeführt, daß viele Schiffs- eigentümer der kleinen Schiffahrt durch Einführung der Schiffahrtsabgaben zur Einstellung ihres Betriebes gezwungen werden würden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) An ekiier Vertiefung des Strombettes der Elbe haben diese kleinen Schiffer kein Jntereffe. Das Urteil dieser sachverständigen Kreise scheint mir denn doch wertvoller, als die Meinung des Herrn Ministerial- direktors Dr. Peters. Auch ein Prokurist der Hamburg-Amerila- Linie hat die schwere Gefährdung der Binnen- schiffahrt durch die Vorlage zugegeben. Die Vorlage wird einen Teil des deutschen ExpoikhandelS von H».m bürg nach Trieft scheuchen; Waren, die bisher elb- aufwärts nach Böhnien gingen, werden jetzt den Weg über Trieft nehmen. Das ist in der Kommission unwiderleglich dargelegt worden. Aber was hilft's? Es hilft so wenig, wie die Eingaben deS Zentralvereins für Binnenschiffahrt, des Bundes der Industriellen und zahlreicher anderer Körperschaften. Bedauerlicherweise haben sich auch wllrttembergische Abgeordnete der Linken für die Vorlage ge- Winnen lassen. Herr Haußmann sucht sein Gewissen zu beschwichtigen, indem er auf die„Verbesserungen" hinweist, die die Kommission vorgenommen hat. Aber erstens in man ja jetzt schon dabei im Plenum, diese Verbefferungen zu beseitig e n. Und zweitens sollten freiheitlich gesinnte Leute sich doch wirklich nicht durch partikulare Vorteile ihrer engeren Heimat bewegen lassen, eine reaktionäre Verschlechterung an der Rcichsverfassnng vorzunehmen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es scheint wirklich nicht, als ob die beteiligten auswärtigen Staaten sich mit der Stromzöllnerci einverstanden erklären werden. Wenigstens die Erklärungen der österreichischen Minister lassen nicht gerade auf Zuftimmung schließen. Der österreichische Ministerpräsident und der österreichische Handelsmini st er haben unzweideutig er- klärt, daß sie an der durch die Elbverträge international garantierten Abgabenfreiheit festhalten.(Lebhaftes Hört I hört I links.) Die deutsche Regierung sagt allerdings: Machen wir es wie bei den Handelsverträgen. Handelsverträge werden auch oft abgeschlossen, nachdem das Tarifgesetz gemacht ist. Also regeln wir zunächst einmal die Frage der Schiffahrtsabgaben im Jnlande und sehen wir dann zu, uns international zu ver- ständigen. Die weisen Männer, die so kalkulieren, vergessen nur die eine Kleinigkeit, daß die Handelsverträge ans Zeit abgeschlossen werden und von selb st erlöschen, wenn sie nach Ablauf der Zeit, für die sie abgeschlossen sind, nicht erneuert werden, während es sich bei den Rhein- und Elbverträgen um dauernde internationale Verträge handelt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Jetzt soll nun gar die Vertiefung der Wasserrinne der Elbe als „Kompensation" ausgegeben werden, die Sachsen für die schweren Schädigungen erhält, die ihm durch die Schiffahrtsabgabcn zugefügt wird. Sckon mehrere Vorredner haben ausgeführt, daß Sachsen von dieser Vertiefung keine Borteile, sondern nur Nachteile zu erwarten hat.(Sehr wahr I links.) Wie die Anlieger, wie die Interessenten und Sachverständigen über diese eigenartige„Kom- pensation" denken, beweisen die Gutachten der Handels- kammern von Dresden und Magdeburg.(Hört! hört I links.) In Sachsen ist alles, Industrielle und Arbeite� in dieser Frage einig. Einstimmig verlangt Sachsen die Ablehnung dieser Borlage, die mit rauher Hand in die blühende Flußschiffahrt hineingreift, die zahlreiche andere mit ihr im Znsammenhang stehende Gewerbe be- droht und schädigt, die den Konsum der breiten Massen des Industrie- landes noch weiter belastet.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Ein gewisser Bismarck sah in der Abgabenfreiheit der deutschen Ströme ein wichtiges Merkmal der deutschen Einheit. Musik. Raoul v. KocxalSki Hennen wir von seinen erfolgreichen Bemühungen her, an das Klavicrspiel Chopins anzuknüpfen. Nun gibt er wieder im Blüthnersaal eine Reihe von Konzerten; das dritte hörten wir am Mittwoch. Es galt jetzt hauptsächlich, ihn als Lieder- komponisten kennen zu lernen. Das musikalische Lied hat seit unseren Klassikern tatsächlich Fortschritte gemacht, auch wenn man sie nur in einer intimeren An- Passung der Musik an die Dichtung erkennen will, und auch wenn die Anpassung manchmal in kleinliche Ausmalung geht. Davon blei>bt Kocxalski fern; er scheut sich auch nicht, z. B. in einem Vers „Der Liebe Lust ist still und mild" das„still" hoch und stark zu nehmen. Und nun ist es interessant, wie er zu solchen Hervor- Hebungen gelangt. Sein Sang bewegt sich gern lang auf einem Ton oder auch in ganz kleinen Intervallen— bis dann, häufig erst bei der Pointe des Älflusses, ein um so wirksamerer Sprung nach oben oder nach unten kommt. Beachtenswert ist auch seine Auswahl der Liedertexte. Es sind keine abgebrauchten, und er nimmt sie aus verschiedenen National- literaturcn, einschließlich der japanischen, aus der ein Lied„Die vier Jahreszeiten" besonders gefiel. Daß sich der Komponist dabei gerne der Uebersetzungcn eines so speziellen Kenners und Könners bedient, wie es Otto Hauser ist, verdient noch eigens bemerkt zu werden. Die Klavierbegleitung ist zugleich reich und bescheiden. Wo sie üppige Ornamente bringt, dort sind sie keine bloße Schmuckspielerei. In solcher Weise sind ja auch Beethovensche Sonaten reich an spezifischen Klavierfiguren mit einem übers Ornament hinaus- gehenden Sinn. Und das machte mich der Vortrag von Beethovens sogenannter Waldsteinsonate durch Kocxalski deutlich. Wir kennen sein Klavicrspiel als eines, das nicht den Himmel stürmt. Aber was man klar und rein, echt und effektlos nennt, das ist ihm eigen. Er malträtiert das Klavier nicht, auch Ivenn immerhin sein Anschlag im Piano noch erfreulicher klingt, als im Forte. Er ist ein getreuer Juterpret im besten Sinne des Wortes, auch wenn man sich auf so solider Grundlage einen noch gcstaltungskräftigeren Aufbau denken möchte._ sz Notkzrn. — Eine K l e i st f e i e r veranstaltet die Freie Stu- dentenschaft am 18. November um 3 Uhr im Deutschen Theater. Es wirken mit Paul Wegencr, Arthur Eloesser(Gedenk- rede), Karl Ebert, Friedrich Kayßler und Elisabeth Ohlhoff. — Der Schleißheimer Vilderdieb stahl stellt sich. bei Lichte betrachtet, als weniger schlimm dar. als es zuerst den Anschein hatte. Die 22 Bilder sind nicht aus der großen Galerie in Schleißhcim, sondern aus dem kleinen Schlößchen Lustheim, das tief im großen Schleißheimer Park liegt, entwendet worden. Es ist zumeist nur Schulgut, was dort aufbo'.vahrt wird, und die Diebe haben nicht einmal das beste erwischt. Die Beauffichtigung dieser bayerischen Galerie scheint sehr patriarchalisch zu feint Jetzt atzer kommen preußische Minister und erzählen ituS, daß die Abgabenireiheit ein„überlebtes System' sei. Aber wer wundert sich auch darüber? Ist die preußische und deutsche Regierung doch— trotz gelegentlichen Aufnmckens � nichts anderes als der getreue Knecht der ko-iservativen Partei.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- Demokraten. Glocke deS Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Schultz: Die Regierung ist der Knecht keiner Partei.(Stürmische Heiterkeit. Zurufe links.) Abg. Graf Praschmainn!chinen,versallenc,Sinn»r« bobbins, Ringschisfchen, Langschiffchcn, 10,— auswärts, nagelneue 48,—. Garantie. Lombardhaus, Scydel» ftratze 16._ 15016* Nadfabrerkarten. Wir empsehlen Rad- und Auio-Fahrern Stranbes Karte 1200 Quadrat« Meilen um Berlin. 2 SscUe a 1,50 Mark. 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Ludwig. Engel, Prenzlauerstratze 23 II, Alcxanderplatz. Gegründet 1892. Stossreste zu Anzügen, beste Stoffe, neueste Muster spottbillig. 173/15 Gefunden u. verloren Am 14. November, abends zwischen 6—7, im Auto Linie 14 ein GeschäslS- buch nebst zwei kleinen blauen Büchern liegen geblieben. Bitte den ehrlichen Finder, gegen Belohnung bei Duckcrt, Manteuffelstratze 35, abzugeben. Vermietungen. Zimmer. Einfach möblierte» Zimmer. Rabe, Baruiherstratze 17 II. 1534b Mietsgesuche. Für junges Mädchen wird ht gebildeter Familie(möglichst mit Kindern) Pensioit mit Familienanlchlutz gesucht. Offerten unler B. 2 Expedition des .Vorwärts*. 15746* �rheitsmsrkt. Stellenaugedoto, Stollungslose Leute, redegewandt, finden sehr guten Verdienst. Auszahlung jeden Sonn- abend. W. 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Sitzung vom Donnerstag, den IS. November, nachmittas b Uhr. Vorsteh« Michelet eröffne, die Sitzung nach Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen Geh. Medizinalrat Professor Dr. Bernhard Frankel. Zur Beschluhfassung steht zunächst die schon im Juni d. I. der Versammlung zugegangene Anleihevirlage, tvonach für die b Jahre vom 1. April 1909 bis 1914 ein Kredit von :t23 Millionen Mark verlangt wird. Die Vorlage ist am 22. Juni einem Ausschuß überwiesen worden, der vom 8. September bis zum 8. November 5 Sitzungen abgehalten und� wie wir bereits berichtet, den Anleihebetrag um 35 Millionen auf 288 Millionen ermäßigt hat.— Die Anleihe soll mit 354 Proz. oder mehr verzinst, mit 2 Proz. getilgt werden; die auszugebenden Schuldverschreibungen sollen auf 5000, 2000, 1000, 500, 200, 100 M. lauten. Für den Ankauf eines Geländes für den EngroS-Obst- und Gemüsemarkt sind im Kapitel„Markthallenverwaltung" Millionen Mark ausgeworfen. Stadw. Jacobi(A. L.): Wir beantragen, diese Position zu streichen. Wahrscheinlich ist wieder an das vor 2 Jahren schon von der Versammlung abgelehnte Projekt an der Paulstraße gedacht; wir haben aber schon damals beschlossen, daß die gesamten Engros- Markthallen an der Kniprodestraße und zwar schleunigst errichtet werden sollen. Stadtrat Wenzky: Wir haben gefunden, daß wir an der K n i p- rodestraße mit 7M> Millionen keineswegs ausreichen würden. Für den Bahnanschluß allein wären 20 Morgen erforder- lich. Es schweben Verhandlungen, über die ich im Moment mich natürlich nicht ausführlich verbreiten kann. Der Magistrat bittet Sie, ihm freie Hand zu lassen und demgemäß der Einstellung zuzu- stimmen. Stadtv. Hintze(Soz.): Wie öfters die wichtigsten Dinge ver- schleppt werden können, das beweist die Geschichte der Erbauung unserer Großmarklhallen. Schon vor acht Jahren ist das Gelände an der Kniprodestraße und Landsberger Allee für Markthallen- und Schlachthofzwecke angekauft worden. Schon 1900 hatten sich die Schlächter darüber beschwert, daß sie in der jetzigen Halle keinen Raum fänden, daß die Verlegung ihres Großmarktes dringend not- wendig sei. Die Subkommission der Markthallendeputation erklärte das Terrain an der Landsberger Allee für außerordentlich geeignet Im Jahre 1901 forderte der Polizeipräsident seiner- jeits zur Verlegung der Zentralmarkthallen auf; er hat von Mai bis Januar auf Antwort warten müssen, aber die Antwort lautete dann sehr präzise dahin, daß die Deputation nicht nur den Fleisch- engrosmarkt, sondern auch den Obst- und Gemüsegrohmarkt nach der Ostgrenze des stadtischen Weichbildes verlegen werde. Das ist nun bald 10 Jahre her. Es sind ja dann auch die Projekte in die Wege geleitet worden. Schwierigkeiten machten die Eisen- bahnanlagen; 1904 wurden 4000 M. für die Bearbeitung des Projektes bewilligt. Zum Studium der Verhältnisse in anderen Großstädten entsandten wir eine Deputation nach B u d a p e st, Wien, Köln, Hamburg, Hannover usw. Es handelte sich bei den Projekten immer um das gcsanite Gelände, das für Markrhallenzwecke reserviert war, also einschließlich der 20 Morgen für den Eisenbahnanschluß, welche heute noch der Schlachthofver- waltung gehören, aber uns doch jeden Augenblick übereignet werden -können. Wir haben im ganzen dort 155 000 Quadratmeter, wovon 25 000 im Laufe der Zeit an die Eisenbahn abgetreten worden sind; 130 00 stehen uns also noch immer zur Verfügung. Wir müssen ein großes Terrain zur Verfügung haben, das er- geben auch die Denkschriften des Direktors der Markthallenverioal- tung. TaS Bedürfnis der E i s e n b a h n a n, s ch l ü s s e ha, leider nur zum geringsten Teil befriedigt werden können; der Zufuhr- verkehr— wir haben jetzt über 1100 Großhändler— hat sich eben ganz außerordentlich gehoben. Nun kommt man immer wieder auf das P a u l st r a ß e n p r o j e k t zurück. Selbst wenn man dort mit einem Etagcnban rechnet, ist das Terrain zu klein; der Eisen- Bahnanschluß soll uns nür mietweise gegeben lverden, und auch dieser reicht nicht entfernt aus. 1909 haben wir das Paulstraßenprojekt endgültig v'rworfen. Die Bauverwaltung ist beim auch mit der Ausarbeitung eines Gesamtprojektes für die Kniprodestraße beauftragt worden. ES wurden 6 Pavillons für Obst und Gemüse, 3 für Fleisch projektiert; mehr wird zunächst nicht gebraucht. An der Paulstraße sind bloß 170 Meter Straßenfront; wenn die Straße dem Verkehr zweckmäßig dienen soll, bleibt für die Markt- Halle selbst herzlich wenig übrig....... �... Für den Etagenba u eignet sich der Markthallen- verkehr nicht, denn die Fuhrwerke wollen schnell be. und entladen sein. Die Deputation hat sich entschieden gegen den Etagenbau ausgesprochen, während man sich mit dem Bau von Galerien abgefunden hat, obwohl das Publikum auch heute noch absolut nicht heraufzubekommen»st. Wenn wir etwas Großzügiges leisten wollen, für billige Nahrungsmittel sorgen wollen, können wir das nur aus einem ausreichenden Terrain, wie dem an der Kniprodestraße, das auch gar nicht so schlecht gelegen ist. wie man es hinzustellen liebt. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als endlich zur Ausführung unseres Beschlusses von 1909 zu schreiten. Die kleinen Obst, und Gemüsehändler aus dem Osten würden mit 150—200 Waggons täglich bis nach der Paulstraße fahren müssen; ob sie das tun werden, ist sehr zweifelhaft. Stadtv. Galland(A. L.Z: Die Opportunitätsfrage kommt gar nicht in Betracht: aber es liegt ein Gemeindebeschluß vor, und nur Beträge für solche sollen in die Anleihe eingestellt werden. Die 7f« Millionen sollen wir hier für etwas einstellen, was noch in Molkenkuckucksheim schwebt. Oberbürgermeister Kirschner: Ich bedauere auch ungemein, daß die Angelegenheit noch nicht weiter vorgeschritten ist. Die Markt- Hallendeputation hat sich aber überzeugt, daß die Kosten- anschlüge für die Kniprodestraße stark über- schritten werden würden, und erwägt, ob sich nicht die Groß- Markthalle teilen ließe, der Obst, und Gemüsemarkt an eine andere Steell verlegt werden könnte, wo neben dem Bahn- auch Wasser- anschluß vorhanden ist. Es schweben wegen der Paulstraße er- neute Verhandlungen, die möglicherweise Erfolg versprechen. Streichen Sie die Position heute, so haben wir eventuell später nicht mehr freie Hand und wären um die erforderlichen Mittel verlegen. Stadtv. Jacobi wendet sich gegen die Magistratsvertreter. Koste der Bahnanschluß mehr als veranschlagt, so hätte eine ent- sprechende Erhöhung des Anleihebetrages gefordert werden müssen. Anleihen auk Vorrat zu bewilligen, sei man nicht gewohnt. Stadtv.».ntze: Die Mehraufwendungen an der Kniprodestraße könnten sich doch höchstens aus die zurzeit noch der Schlachthofver- waltung gehörigen 50 000 Quadratmeter beziehen. An der Paul- straße wird man doch nicht etwa billiger bauen können als an der Kniprodestraße. Hier kostet der Quadratmeter 28 M., an der Paulstraße ader 84 M.; an«ine Verzinsung ist in der Paulstraße nicht zu denken. In der Kniprodestraße genügt auch ein Verwal- iungsgebäude. Auch wir bitten, keine Anleihe auf Vorrat gubcwilligen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Um alle diese Fragen handelt eS sich jetzt gar nicht. Wir sollen lediglich dem Magistrat die Freiheit des Handelns ermöglichen, nicht aber ihm den Weg dazu verlegen. In oer Vorlage steht eine Menge von Dingen, für die Gemeindebeschlüfse noch nicht vorliegen. Die sonst so weitsich- Itigen Sozialdemokraten legen hier eine unbegreifliche Kurzsichtigkeit an den Tag. Der Posten von 714 Millionen wird aus der Anleihe gestrichen, im übrigen alles nach den Ausschußanträgen bewil- I i g t und der Gesamtbetrag der Anleihe auf 281 Millionen festgesetzt. Die tvzialdcmokratische Fraktion beantragt: „Ten Magistrat zu ersuchen, für die Förderung und schnelle Abwickelung des Wahlgeschäfts bei den bevorstehenden ReichStagS- wählen eine „amtliche Wahlkarte" an sämtliche eingeschriebene ReichStagSwähler der sechs Berliner Reichstagswahlkreise zur Ausgabe zu bringen, wie sie bei den preußischen Land- tagswahlcn und bei den Stadtverordnetenwahlen bisher verwendet worden sind." Stadtv. Pfannkuch(Soz.)e Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß unser Antrag ein st im m ige Annahme findet. Der Antrag ist lediglich aus praktischen Gesichts- punkten gestellt ivorden und entbehrt jeder politischen Unter- läge. Will man eine solche gewaltsam konstruieren, dann könnte das nur in der Richtung geschehen, daß die Nutzanwendung aus dem Antrag sich in der Richtung der Förderung der Wahlpflicht bewegt. Die bürgerlichen Parteien sind doch sonst immer der Meinung, die nicht an der Urne erschienenen Wähler seien ihnen zuzuzählen, da die Sozialdemokratie auch den letzten Mann an die Wahlurne bringe. Unser Antrag soll nun gerade dazu dienen, die Raulen an die Urne zu ziehen. Wir sind also nicht so ängstlich, geschlagen zu werden. Wir können momentan bei der Einführung der Wahlpflicht Schaden erleiden, auf die Dauer nicht. Wir meinen, das Volk müsse zur politischen Mündig- k e i t nicht durch Strafen angehalten, sondern dazu erzogen werden; das versucht unser Antrag. Es ist ja noch in weirer Ferne, daß die Bllrgerknnde in unsere Schulpläne aufgenommen wird. Um diese Erziehung noch bester zu betreiben, möchte icki daraus hinweisen, daß der Magistrat bei Be- kannlgabe der Wahlergebnisse im Gemeindeblatt gut tun würde auch die Wahlziffer» anzugeben, was er diesmal unterlassen hat. Bevor die Sozialdemokratie zur Beteiligung an den Kommunal- und Landtagswahlen überging, war die Wahlbeteiligung eine geradezu blamable, und in der ersten Zeit haben auch wir unter den Parteigenossen'Mühe gehabt, das Vorurteil gegen die Beteiligung zu überwinden. Diese Zeit liegt aber hinter uns, und von Wahl zu Wahl steigt die Beteiligungs- ziffer. Unser Antrag ist auch p r a k t i s ch a u s fü h r b a r, denn was wir verlangen. ist bei den kommunalen und Landtags- wählen schon iii Uebung. Was da recht ist, muß bei den Reichstagswahlen billig sein. Die Zusendung einer Wahl- mlffordeuiiig an den eingeschriebenen Wähler ist allerdings eine Mahnung, die Wahlpflicht auszuüben. Zahlreiche Wähler sind aus allerlei Gründen nicht in der Lage, die Wahllisten nach- zusehen; durch die Zusendung der Wahlkarleu wird ihue» zur Ge« wißheit, daß sie in der Liste stehen. Mit solcher Einrichtung wird auch das Wahlgeschäst sehr erleichtert. Mit diesen kurzen Ausführungen glaube ich Sie überzeugt zu haben, daß wir uns von politischen Interessen völlig frei wußten: der Antrag dient, wenn er. verwirklicht wird, allen Par- tcic« gleichmäßig.(Zuruf.) Die Organisation der Sozialdemo- kratie ist eine gute und funktioniert namentlich hier in Berlin sehr befriedigend; in unserem einseitigen Interesse ist der Autrag also nicht gestellt, sondern er soll dazu helfen, die indolente Masse aufzurütteln. Ein Hindernis kann der Ausführung nicht entgegenstehen, namentlich auch kein finanzielles. Wegen der ersorderlichen Geldbewilligung beantrage ich U e b e r w e i s u nsg an einen Ausschuß vyn zehn Mitgliedern. Stadtrat Böhm: Der M a g i st r a t hat sich mit dem AnWage noch nicht beschäftigt. Bei den Reichstagswahlen ist seit un- denklicher Zeit der Termin so spät bekannt geworden, daß zwischen der Auslegung der Listen und der Wahl keine Zeit für die Herstellung und Versendung der Wahlkarten geblieben wäre. Diesmal würde es ja gehen. Die Kosten Ivürdcn 25—26 000 M. betragen. Persönlich glaubte ich, daß init dem Anlrage nicht viel gewonnen würde; es ist bisher auch ohne diese Zusendung ganz gut gegangen. Bedenklich würde es auch sein, wenn die Zusendung einmal geschähe, ein andermal nicht. Dem Wunsche der Bekanntgabe der Wahl- st a t i st i k wird der Magistrat entsprechen. Stadtv. Pfannkuch: Die Bedenken des M agistra tS v ertreterS erscheinen mir n i ch t d u r ch s ch l a g e n d. Ich glaube, ich kann dem Magistrat versprechen, daß wir in unserer Druckerei die Karte» rechtzeitig herstellen werden. (Heifcrkeit.) Außerdem haben wir ja hier Kollegen, die Druckerei- betriebe besitzen; die können ja auch eine Offerte machen. Stadtrat Böhm: Es handelt sich auch um das Ausschreiben, das Auskleben der Marken und das Kollatioyieren, und das erfordert doch ein paar Tage. Stadtv. Pfannkuch: Alle diese Schwierigkeiten sind sehr leicht zu beheben, wenn man will; ich glaube, es wird gehen. Der Antrag gehl an einen Ausschuß von 10 Mitgliedern. Für die gegenwärtig in Amt befindlichen Fachlchrerinnen an den Gemcindeschule» hat der Magistrat, um Ungleichheiten und Härten zu beseitigen, auf Wunsch der Persammlung neue Bestimmungen über die Be- rechnung ihres Dien st alters getroffen. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Die Rcntier-M üllerschen Eheleute haben die Stadt Berlin zur Erbin eingesetzt; die Zinsen des auf rund 150000 Mark ermittelten Nachlaßvermögens sollen dauernd als Stiftung zur Unterhaltung der„städtischen" Wärmehnllen in Berlin ver- wendet werden. Ter Magistrat will die Erbschaft annehmen. Die Versammlung st i m m t zu. Dein Verlangen der Versammlung, die Prenzlauer Straße auf 24 Meter zu verbreiten, erklärt der Magistrat nach erneuter Erwägung nicht nachkommen zu können; er erneuert seinen am 5. Oktober abgelehnten Vorschlag einer Verbreiterung auf 19 Meter. Stadw. Max Schulz(N. L.): Die Eigentümer und sonstigen Interessenten in der Ekgend sind durchaus für Ablehnung des neuesten Magistratsvorschlags. Die Verbreiterung der Straße soll einen riesigen Verkehr aufnehmen, von dessen rascher Entwickelung man noch vor wenigen Jahren ebensowenig eine Ahnung halte, wie von der rapiden Bebauung des Bötzow-Gilka-Viertels. Die Fest- setzung der Breite auf nur 19 Meter ist eine unbegreifliche Kurz- sichtigkeit und eine Versündigung gegen die Zukunft. Stadtv. Ma, lasse(Soz.): Der Magistrat hat sich weder dem Aus schuh, noch dem Plenum der Versammlung ge- fügt; wir leiden unter diesem Zweikammersystem außerordent- lich. Ter Magistrat wird daran schuld sein, wenn in Zukunft auch in der Prenzlauer Straße Zustände eintreten werden, wie wir sie zu unserem großen Schaden in anderen Straßen ge- habt haben. Bei der Verbreiterung auf 24 Meter bringen die Anliegerbeiträge den herausgerechnetcn Mehrkostenbetrag von 1 075 000 M. erheblich herunter. Neue Gründe haben keinen Ziveck; es handelt sich einfach um eine Frage des Geldbeutels. Aus Sparsamkcitsrücksichtcn, gerade um nicht in Zukunft zu ver- schwenden, müssen wir jetzt auf 24 Meter stehen bleiben. Stadtv. Thicine(Fr. Fr.): Nach diesen Ansfübrungen brauche ich unseren Antrag, bei unserem früheren Entschlüsse zu beharren, kaum noch weiter zu begründen. In ganz kurzer Zeit wird die Untergrundbahn dort durchgeführt werden, dafür genügt eine � Breite von 19 Meter nicht. Der Verkehr von Heinersdorf. Französisch-Buchholz, Pankow und Neu-Weißensee hat sich immer stärker entwickelt und ergießt sich hauptsächlich durch die Prenzlauer Straße. Stadtv. Galland hält die Verbreiterung von 12 auf IV Meter für völlig ausreichend. Stadtv. Werner(N. L.) tritt im Gegensatz zu Max Schulz auch für 19 Meter ein. Stadtrat Dr. Frantz: Wir haben Untergrundbahnen auch in viel engeren Straßen, z. B. in der Niederwallstraße. Mit der Heranziehung der Adjazenten auf Grund des Z 9 des Kommunalabgabengesetzes haben wir nur wenig verlockende Erfahrungen ge- macht.(Zuitimmung.) Stadtv. Cremer(A. L.) spricht sich heute für 19 Meter, Stadtv. Kyllmann(Fr. Fr.) dagegen für den Antrag Thieme auS. Nach wiederholter Auszählung wird vom Bureau verkündet, daß der Antrag Thieme abgelehnt, dagegen die M a g i st r a t s- Vorlage angenommen ist. Die Mehrheit ist augenscheinlich eine verschwindend geringe. Schluß gegen 8 Uhr._ Huö der frauenbewegirng. Eine Groteske. Das unvermeidliche Fräulein Lichnewska, daS die Marotte kultiviert, sich",.liberal" zu nennen, hat sich kürzlich wieder zweimal in Positur gesetzt. Erst erließ die Dame einen fulminanten Aus- ruf im nationalliberal-alldeutschen Jargon für Militarismus, Marinefexerei, Kolonial- und Weltmachtspolitik. Es hat schon einen starken Strich ins„Eigenartige", wenn eine Frau sich für all- deutsche Säbelrasseleien begeistert. Der neueste Streich der Dame Lichnewska wirkt aber direkt grotesk-komisch. Sie fordert alle— liberalen Frauen von Groß-Berlin auf, in dem bevorstehenden Reichstagswahlkampf alle Kräfte in den Dienst des Freisinns— gegen Sozialdemokratie und der Demokratie zu stellen, damit der 1. Berliner ReichstagswahlkreiS der Volkspartei erhalten bleibe. Für jeden politisch denkenden Menschen ist der Berliner Frei- sinn die unzuverlässigste Partei in der Frage der Frauenforde- rungen. Liberal sein, soll doch bedeuten, für Freiheit streben. Gibt es aber eine Partei, die den Grundsatz der Liberalität ganz all- gemein und in bezug auf die Gleichberechtigung der Frauen gröb- licher verletzt hat, als der Berliner Freisinn? Die Volkspartci lehnte ab, die Forderung der politischen Gleichberechtigung der Frauen in ihr Programm aufzunehmen; sie wollte gnädigst ge- statten, daß Frauen zu kommunalen Ehrenämtern berufen werden. Der Berliner Freisinn ist noch reaktionärer als die Volkspartei; er ist auch ein Gegner der Frauen in der Kommune. Da kommt nun das Fräulein Lichnewska und fordert die— liberalen Frauen auf, für einen Herrn Kaempf, der auch der gloriosen Reichsversicherungsordnung mit der Verhöhnung der Witwen, Waisen und Schwangeren zugestimmt hat, einzutreten. Und die Hilfe soll geleistet werden gegen die Sozialdemokratie. d i e Partei, die i m m e r und ü b e r a l l für die Gleichberechtigung der Frauen eingetreten ist! DaS nennt sich„liberal". Unter dem Fähnlein des Fräulein Lichnewska stehen nur ein paar Damen, die das Bedürfnis hegen, als Vereinsgrötzen eine Rolle zu spielen, und die ganze Partei besteht nur aus brillierenden Vorstands- damen. Der Aufruf richtet sich in Wirklichkeit an die Damen der Konservativen und Nationalliberalen. Der Liberalismus ist nur ein Aushängeschild. Wenn Bethmann Hollweg und andere Handlanger aus dem Ministerium bei der Stadtverordnetenwahl Herrn Kaempf als Vertrauensmann erkoren, weshalb sollen die Damen der Junker und Junkergenossen nicht auch für den Freisinn mobilisiert werden? So ist's recht. Besser als wie durch die Mache der„liberalen" Damen konnte der Freisinn gar nicht charakterisiert werden. Die Antwort wird und darf nicht ausbleiben, unsere Ge, nossinnen werden ihre Schuldigkeit tunl (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Versammlungen— Veranstaltvnge«. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Monlag, den 20. November, spricht Wally Zepler über das Thema: „Mutterschaft und Beruf" in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97.— Sonntag, den 26. November, nachmittags 4 Uhr, im Blüthnersaal, Lützowstr. 76: 2. Konzert zur Liszt-Feier. Billetts a 50 Pf. sind im Verein und in den Zahlstellen zu haben. )Ziis aller Melt. Die Kirche hat einen guten JMagen... Die Nachfolger des NazarenerS, der nicht wußte, wo er fem Haupt hinlegen sollte, verstehen vortrefflich, den Wert irdischer Güter zu schätzen. Und wenn sie auch predigen, daß eS leichter sei, daß ein Kamel durch ein Nadelör gehe, ehe denn ein Reicher in den Himmel komme, so ist doch offenbar den Frommen geistlicher wie weltlicher Couleur die irdische Glückseligkeit angenehmer, als der trostreiche Wechsel auf eine ungewisse Zukunft. Wie die Kirche und ihre Fürsten die Anhäufung von Schätzen, die Motten und Rost zerfressen, zu ihrer Lebensaufgabe machen, erweist wieder einmal eine Statistik, die sich auf die k a t h o l i s ch e K i r ch e in Oe st erreich bezieht. Danach hat sich das Kirchenvermögen von 598,5 Millionen Kronen im Jahre 1830 auf über eine Milliarde Kronen im Jahre 1909 vermehrt. Wohl- gemerkt ist daS nur das offizielle Vermögen der katholischen Kirche in Oesterreich. Die großen Kirchenfürsten haben daneben noch ein riesiges Privatvermögen, sind Großagrarier vom reinsten Wasser. So bezieht der B i s ch o f v o n O l m ü tz ein jährliches Einkommen von etwa vier Millionen Kronen, sein Grundbesitz beträgt 50 000 Hektar an Feldern, Wiesen und Wäldern. Auch der Bischof von Prag gehört mit„nur" 40 000 Hektar Grund» eigentum immer noch zur notleidenden Landwirtschaft. Ewig wahr bleibt da? Wort deS Altmeisters Goethe:„Die Kirch' allein, meine lieben Frauen, kann ungerechtes Gut ver- dauen." Hexcnverbaunnng. Wie die in Wien erscheinende Zeitschrift„Freie Schule' be- richtet, spielte sich vor de», Bezirksgericht T a m s w e g(Kronland Salzburg) ein für die Aufklärung im zwanzigsten Jahrhundert recht charakteristischer Prozeß ab. Ein Bauer onS Untern berg klagte wegen Beleidigung gegen eine Dienst», agd, weil diese ihn und seine Frau beschuldigt hatte, die Kühe ihres Arbeitgebers ver» hext zu habe». Da» Tollste in dem Prozeß aber ist da» Auf- treten des OrtSpfarrerS Hathager, der als Zeuge gewisser» maßen einen Sachverständigen für Hexen wesen dar- stellte. In seinem Zengni» gab er die Möglichkeit einer Hexerei oder Verwünschung zu. Zweimal habe er in den Stallungen deS betreffenden Bauern die Hexen verbannt und die Kiihe gesegnet. Heiliges Rindsvieh l Kleine Notizen. Tin deutscher Dampfer gestrandet. Bei der Einfahrt in den Hafen von O p o r t o(Portugal) ist der deutsche Dampfer .Herritia" gescheitert. Das Schiff ist verloren, die Mann- schaft konnte gerettet werden. Brudermord. Bei einem Streit wegen VermögenSauSeinander- setzung hat der Gutsbesitzer Kleiber aus St. Gotthardt (Steiermark) seinen Bruder ermordet. JnS Meer gespült. Der Kapitän B r i n e des englischen Kriegsschiffes„Saint Vincent" ist während eines schweren Seeganges über Bord gespült worden und ertrunken. eingegangene Dnickfcbriftoi. von der„Neuen Zeit«, ist soeben da? 7. Hist des 30. Jahrganges erschienen. Nus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Kronprinzliche tconde.— Boldproduktion und Teuerung, von Suzen varga.— Die ationalratSwahlen in der Schweiz. Von Dionys Zinner.— Die Heim- arbeit in Frankreich. Von Paul Louis(Paris).— Die Gestaltung der Fleischpreisc. Von I. Karskt. Feuilleton der Neuen Zeit Nr. 44: Heinrich V. Kleist. Von F. Mehring. Einiges über Tolstoi. Von Diefenbach.— Bücherfchau: G. Heymans, Die Psychologie der Frauen. Marguerite Andoux, Marie Ciaire. G. Neck, Meine Grostmutter. Rudolf Franz, Die schönsten Märchen für die nanonale Kinderwelt.— Lose Blätter: Die anMe Bildung. Die„Rene Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle vuch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest lostet 25 Pf. Vom«Wahren Jacob« ist soeben die 24. Nummer deS 28. Jahrgangs zugegangen. Aus ihrem Inhalte erwähnen wir folgende Beiträge: Zeichnungen: Die Revolution in China. Von M. Vanselow.— Die Fleischversorgung Deutschlands. Von H. G. Jentzsch.— Staats. männische Beklemmungen. Von Cyprian.— Ideale Verwertung. Von Erich Schilling usw. rertdeUrtti» Hehdodr«,»» fitmaa. Bm TTIol* vi, Parole. Von?. E.— Blitzdrahtnachrichte».— kein?e» H» T.— Die Enthüllungen. Bon?. E.— Ballade.— Hinter de» Kulme«.— Seder Jacob I Von Jotthilf Rauke.— Die Teuerungsdebatte, von Lehman»»sw. Der Preis der lS Seiten starken Nummer ist 10 Pf. ProdenannnerN find jederzeit durch den Verlag I. tz. W. Dich Nach). 9.». t H in Etutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteure» zu beziehen. Von der„Gleichheit«, Zeitschrift für die Jnterefie» der«rdeuerNme», ist uns soeben Nr. 4 des 22. Jahrgangs zugegangen. UuJ dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor- Die Fraueu an» hie Reichst-�«. Wahlen. Von Luise Zieh.— Die Zwccklofigkeit der Straf«, n. van Julia» Borchardt.— Die Teuerung.(Für die Lese- und DiSkmAaasadend«) B.* Käte Duncker.— Aus der Geschichte der menschlichen Unwissenheit. III. Von B. Sommer.— Eine Schrift für die Prolctarierin. Von H. 8.— Dt« vierte österreichische Frauenkonserenz Von A_ P. usw. Die„Gleichheit- erscheint alle 14 Tage einmal. Pret» itt Kummer 10 Pfennig, durch die Post bezogen beträgt der AbonnemenISpret«»iertel. jährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. JahreSabonne- men: 2,60 M. WWjsTodes.Anzeigen jjWWj bleu! D. R. Rat. für den Stralauer Viertel. (Bezirk 339.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Händler Hernttlm Osten Koppenstr. 54 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. November, nachmUtagS 2 Uhr, von der Halle des ZentralfriedhoseS in Friedrichsseide, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 3 206/15_ Ter Vorstand.> Danksagung. für die herzliche Teilnahme und die weichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes .Jeistol? Amelang sage Ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten, den Hausbewoh- nern, dem Wahlverein und Gesang der Parteigenossen und dem Deutschen Metallarbeiterverband meinen herz. lichsten Dank. Wve. Johanna Amelung. Danksagung. Für die vielen Beweis« der Anteil- nahm« bei dem Heimgang« meines geliebten ManneS 1b23b Lmil gereke sowie für die zahlreichen Blumen- spenden sage, ich im Namen aller Hinterbliebenen ausrichtigen Dank, wsbesondere der Elcktr. Mech. In- tustrie, Firma Heym u. Co. ZIkriede Qcreke. Am Mittwoch, den 15. No- Ivember, vorm. 5'/, Uhr, entristj uns der Tod nach schwerem Lei- den meine innig geliebte Frau,| | unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frar: gftartha Berlin i im 42. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbcfrübt um stille! Teilnahme bittend an im Namen j der Hinterbliebenen Max Berlin. Di« Beerdigung findet am I Sonnabend, den 13. November, I nachm. 2 Uhr. von der Kapelle deS neuen Gemeindesriedhoses, Mariendorser Weg, aus statt. Plötz- Am 14. November starb | lich unser lieber Kollege .Julius Bennert im 48. Lebensjahre an Herz- lähmung. 15895 Ein dauerndes Andenken be- wahrt ihm der „Zurichtei-.Vei-eln" der Berliner Schrittgießerelen.! Die Beerdigung findet heutet Freitag, nachmittags 4 Uhr, aus I dem städtischen Friedhos in f Friedrichsselde statt. Unzerbreciilicli! Stets warme Speisen nnd Getränkeander Arbeitsstätte in Patent-Demo-Seta i Ml Preiswert! Demo-Menage Ueberall zu haben. Fabrikmarke gez. Größte Puppen- Special-Fabrik Berlins P. R. ZIEROW Berlin H., Schönhauser illee 179. Größtes Lager von ICugelgelenkpuppen, Cbarakterbabys, Bälgen, Köpfen, Perücken, sämtl. Puppenartikeln. Bcparataren und alle Ersatzteile. Eii£:ros. vW Einzelverkauf."TOB Speisegefäss M. 4.50 Fem er wie bisher die patentierten Thermosflaschen, Picnics, Kannen, Krüge nsw. usw. 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Juni 1910 247 012 07 M Im Lause des Jahres wurde eingezahlt........ 122 512,64.' 359 524,71 Mi Ausgezahlt wurden............... 15 690,41. Höhe der Scschästsguthaben am 30. Juni 1914..... 359 8:44,30 M. 108/4 Der Vorstand. R. Junger. W. Lamm. C. MUcke. Der Verkauf der zurückgelieferfen Ittonatsgarderobe des größten Abonnementshauses für feine Herrenbekleidung J. STOCK& Co. befindet sich von jetzt ab nur Friedrichstiaße, Ecke Johannisstr., Eingang Johannisstr. Anzüge und Paletots v. 10 M. an. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, diXpwtz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4- Volkshaus Charlottenburg lloslnenvtr. 3.* Angenehmer Aufenthalt(Or Familien. Guter Mittagstisch mit Bier 70 P{g. - 4 Kegclbalincn.• »1- W.Herbst gegr. 1862.— Tel.: IV, 3873. BKltL-Iäl SW., Rittcrstr.83 Erstklassige Ware. 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(Ohne Gewlhr.)(Nachdruck verboten.) 89 70 63 324 1075 888 651[6001 810 60 84 005 8 2129(10001 405 61 601 821 40 51 68 87 11000] 640 86 3070 80 268 324 60 80 691 967 4043 82 191(10001 261 4SI 542 95 825 959 67 6040 87 148 219 84 93 347 72 443 51 89 619 92 858 84 03 914 67 6014 298 315 607 87 603 866 82 7007 203 67 313 14 23 49 737 66 90 841 61 058[1000] 64 8011 110 77 232 89 622 23 92 718 46 80 1600] 883 949 9177 411 633 699 962„, 16054 141 08 367 93 452[3000] 622 65 611[500] 769 811 1506] 47 950 64 11012 240 472 644 12006 31 74[1000] 191 1500) 250 62 70 372 435 63 83 656 72 740 998 13C87 233 308 480 683 949 14192 291 378 11000] 382 780 94 893 15037 264 454 561 678 752 1500] 823 902 16305 654 774 824 17263 92 339 474 92 631 18039 133 251 431 600 17 603 65 62 699 977 19117 95 270 327 1600] 34 431 03 604 625 38 63 849 958 20090 180[1000] 213 38 827 44 1500] 68 83 586 [3000] 613 29 45 21070 133[3000] 78 7 9 234 313 43 471 510 73 830 57 81 782 888 944 22005 24 497 694 838 78[500] 964[1000] 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Tflf 7, 62 907 173022 66 72 77 IIS 224 45 7,, nnl 80 805 12 66 174234 450[5000] 683 I7?09 �3 91 97 175052 127 210 368 563 743[5001 Ivvli? 19}«mH!30001 20 35 237 557 808 932 71 177016 124 608 817 178050 117 83 88 410 38 501 40 sani a9 9nn o 23 179210 834 055 an9 a? ,8 384 494 084[3000] 870 948 83 181ii riiS?! 478 344 768 885 967 182028 168 64 645 92 liooo] 788 89 1 83102 91 268[1000] 693 709 21 23 808 913 184050 223 73 78 303 494 801 907 185007 36 90 93 200 545 608 92 814 45 910[1000] 32 186022 90 174 390 528 75[1000] 96 187224 62 301 607 783 913 30 183017 104 78 208 24 93 442 632 834 70 996 189005 505[1000] 29 658 735 43 75 876 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 300000 II, 2 Gewinne zu 600000, 2 zu 150000, 3 ZU 100000, 2 zu 76000, 3 zu 60000, 2 tu 40000, 12 zu 30000, 22 zu 15000. 60 zu 10000, 118 tu 6000. 1652 zu 3000, 2678 zu 1090,.4510 zu 609 U. 8. Ziehung 5. Kl. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 16. November 1911, nachmittag». Nur die Gewinne Uber 210 Mark elnd den betreffenden � Nummern in Klammern beigefugt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Doss beider Abteilungen, (Ohne Gewähr.))(Nachdruck verboten.) 156 77 467 83 618 600 10 966 1039 111[600] 207 64 94 319 694 374 78 722 49 916 22[500] 2024 127 44 90 256 316 409[1000] 31[1000] 658 743 843 3133 205[1000] 32 309[1000] 638 68 74 625 4199 336 678 659 62 735 801 40 5011 407[3000] 45 611 77 793[600] 6054 62 343 559 709 020 7033 83 225 377 403[3000] 704[1000] 62 76 000 84 8024 [500] 30[600] 391 443 844 47 01 890 9038 144 311 430 640 71 633 948 10137 291 612 738 63 11195 228[1000] 41 358 650[500] 620 703[3000] OOS 12059 139 349 63 610[1000] 53 738 63 13009 23 45 75 131 213 387 407 616 67[1000] 716 96 896 905 30 85 14241[500] 303 718 65 57 15035 38 89 99 202 62[500] 74 [500] 95 372(3000] 617 782(6001 98 912 16003 42 69 725 63 865 17002 46 168 265 64 424[3060] 04 626 929 18001 63 142 635 67 724 41[600] 898 19002 101 71 246 97 328 07 652 67 608 84 745 800 20002[3000] 93 115 01 243 60 84 310 444 45 713 23 897 903[5000] 35 21111 16 640 83 679 02 763 92 844 77 22004 199 220 342 76 434 778 053 2 3014 140 238 471 97 522 708 64[600] 96 832 038 24088 110 368[500] 93 651 837 59 25233 358 800 26008 64 167 259 633 41 71 83[1000] 638 81 84 781 90 803 54 954 62 71[500] 27022 129 90 833 402 45 92 709 11 849 900 60 28009 79 383 874 870 967 [5001 29015 213 319[500] 80 423 735 95 30121 60 81 90 267 612 79 755 821 30[1000] 31274 355 77 32005 88 105 31 91 426[500] 850 [500] 864 974 91 33338 410 24 679[1000] 633 42 48«92 34098 125 80 590 673 897 925 35088 164 235 464[1000] 698 797 885 30019 48 189 268 432 610 731 812 49 959 37049 419 69[600] 68 608 20 794 913 78 38283 300 63 450 68[3000] 603 756 608 12 73 39253 402 75 633 38 83 63 705 40119 438 090[10001 41083 105 408 540 617 19 734 35 42030[600] 38 131 33 408 699 619 60 742 861 84 61 43021 138[1000] 93[500] 398 449 888 88 701 814 45 44057 160 204 11 374 88 611 678 754 78 809 28 920 91 45036 83 HO 224 649 735 847 77«50014 62 66 250 64 95 868 60 635 95 631[500] 37 799 904[1000] 14 45 47019 24 58 57 248 408 638 89 625 732 834 48319 68[1000] 85 482 620 48 64 79 703 87 849 78 965 49207 371 82 93 412[500] 655 644[500] 65 50131 73 287 383 690 820 963 5 1 088 143[500] 270[10001 371 84 99 408 60 96 574 629 713 52011 127[1000] 240 56 05 333 518 99 672 94 53067 128 99 221 41 501 47 825 992 54113 29 74 313 38 50 [600] 400 66 615 39[1000] 674 983 55058 130 61 226 68 568 605 47[500] 65 798[1000] 5 8046 62 125 304[10000] 31[3000] 405 532 651 945 57071 160 [15000] 303 425 50 71 608 770 58088 141 223 79 393 433 565[1000] 701 26 86 088 50407 11 887 60142 330 427 43 661 74'/[30001 871 944 93 81266 397 410 52 648 749 820 54 913 62021 170 227 34 92 310 420 58 775 808 28 991 63123 540 71 929 64280 467 79 804 715 42 89 842 937 65114 219 444 00 93 718 28 843 929 66153 268 304 20 60 474 69 705 68 838 67007 48 123 89 270 559 60 665 72t 38 52 802 60 68014 178 410 40 691 611 791 817 919 69044 81 245 303 469 76 653 701 833 70033[3000] 363 429[600] 645 68 92 657 860 022 71310 603 610 715 41 873 941 72039 202 62 313 40 61 64 130001 433 99 648 734 63 849 73062 TS 181 85 910 74390 570 675 770[600] 75020 366 97 607 31 90 603 62 711 12 38 60 888 76084 91 639 794 815 92 77024 171 265[1000] 472 88 635 917 84 78002[1000] 5 123 300 654[3000] 054 88 7 9047 169 229 60 329 93 560[3000] 798 805 80027 31 11000) 63 181 420 704 45 822 81 929 81106 249 633 861 87 600 30 82044 89 98 122 277 302 81 468 1500] 83 638 83 83009 58 68[1000] 89 110 341 62 425 67 655 794 84031 47 252 64[500] 82 437 85001 43 132 228 322[500] 37 503 29 730 972 86097 343 60 66 560 99 739 64 72 865 960 87378 [500] 89 603 728 88170 76 287 305 30 83 86 411[1000] 709 821 08 967 89245 389 507[3000] 30 64 621 703 17 839 994 9O074 289 817 81 92 801 10 743 843 91141 209 is 49 363 I? 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Dieser Wirtschaftsausschuß hat sich nun in Rundschreiben an zahl- reiche Vereine gewendet und bot Säle und VereinSzimmer zur freundlichen Benutzung an; auch freie Gewerlschasten erhielten solche Schreiben. Daraufhin wandte sich auch die Partei an den Wirt- schaflSausschuß mit der Anfrage, ob die Säle auch zu sozialdcmo- kratischen Versammlungen hergegeben tvürden. Von einem Mitgliede des WirtsckastSausschusies, Herrn Wesiphal, wurde kurz und bündig erklärt, daß für die sozialdemokratische Partei die Säle nicht zur Verfügung stehen, es sei das im Vertrage besonders bemerkt. Wir bitten nun alle organisierten Arbeiter, insbesondere die Gewerkschaften, von dieser Notiz Kenntnis zu nehmen und die Kammcrsöle streng zu meiden. In Sergefeld(Potsdam-Osthavelkand) hat das Lokal von Nicolei den Besitzer gewechselt; dieser hat seine Unterschrift zurückgezogen, mithin ist das Lokal von der Liste zu streichen. Dasselbe trifft für Spandau zu für das Lokal von B ö h l e, H a v e l st r. 2l). Beide sind als gesperrt zu betrachten. Ferner wird uns aus dem Kreis Teltow-Beeskow mitgeteilt, daß die Differenzen mit dem Rcstaurateur Bäsch in in Reichenwalde bei Storkow nach stattgehabter Aussprache beseitigt sind. Herr Baschin stellt sein Lokal auch fernerbin zu Versammlungen zur Ver- fügung. Wir bitten unsere Genossen dringend, dies genügend zu beachten und die Lokale der übrigen Saalbesitzer in Storkow und Rcichenwalde streng zu meiden. Die Lolalkommisston. Zweiter Wahlkreis. Uraniaborstellung. Sonntag, den 19. November: „Helgoland im Wechsel der Zeiten". Eröffnung des PhysiksaalcS nachmittags 1 Uhr, Beginn der Vorstellung nachmittags 2 Uhr. Billetts a 00 Pf.(einschl. Garderobe) sind noch in genügender An- zahl beim Kassierer Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben. Neuenhagen(Ostbahn). Am Sonntag, den 19. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt, in welcher der GcwerkschastSsekretär A l b i n M o h S spricht. Die Genossen und Genossinnen aus der Umgebung werden ersucht, für den Besuch der Versammlung zu agitieren. Sonntag früh 3 Uhr: Handzettclvcrbreitung. Die Bezirksleitung. Königs-Wustcrhauscn. Sonntag, den 19. d. M., nachmittags 2'/, Uhr, findet in Wendisch-Buchholz eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt, in welcher der ReichstagSabgeordnete Genoffe Z u b e i l referieren wird. Genossen I Sorgt für regen Be- such. Desgleichen machen wir die Genossen darauf aufmerksam, daß der Arbeitcr-Gcsangvcrein„Freie Sänger" am Sonnabend, den 18. November, im Wethornschen Lokale sein Stiftungsfest feiert. Da derselbe die Parteivcranstaltungen durch seine Mitwirkung stets ver- schönern hilft, ersuchen wir die Genossen und Genossinnen um rege Unterstützung. Der Vorstand. Trebbin. Am Dienstag, den 21. November, abends 8V2 Uhr, im Gesellschaftshause(E. Schulze): Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Partei- angelegcnheiten. 3. Verschiedenes. WaidmnnnSlust und llingcgend. Die Bibliothek des WahlverelnS befindet sich von jetzt ab im Laden des Genossen Aug. Schulz, Herm? darf, Berliner Str. 23a. Bücher können täglich dort entnommen werden. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittcnau. Am Sonntag, den 19. d. M., nachmittags 2V2 Uhr, findet in Wittenau im Lokal von Brandenburg, Haupt- straße, eine öffentliche Versammlung statt. Referent: Parteisekretär Rudolf Bühler.— Sonnlag früh 8 Uhr: Handzcttelverbreitung in Wittenau von den bekannten Lokalen aus. Abmarsch der Borsig- walder Genossen Punkt 2 Uhr von Züleke. Bezirk Oranienburg. Sonnabend, den 18. d. M., abend? 8 Uhr, findet im Lokal von A. Liese, Berliner Straße 29. eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Stadtverordneter Genosse P. Brühl- Lichtenberg über„Die Aufgaben in der Gemeinde und Siadt- Verwaltung' spricht. Im Interesse der am Sonntag, den 19. d. M., von 12—5 Uhr in der III. Abteilung stattfindenden Stadtverordneten- wählen, ist es notwendig, daß die Parteigenossen und Partei- genossinnen für guten Besuch der Versammlung zu agitieren. Die Bezirksleitung iitahllranipf in Ccllow-Deesliow und niederbarnim. Ober-Tchönetveide. Dir Rcichstagswahlen und die Kampfcslveise der bürgerlichen Parteien, lautete daS Thema einer am 14. d. Mt?. im Wilhclmincn- hof tagenden gut besuchten Versammlung. Der Referent Genosse Meyer schilderte in eingehender Weise die Taten des jetzt zu Ende gehenden Reichstage?. Insbesondere ließ der Referent da« volkS- schädigende Treiben deS schwarzblauen Blocks vor den Versammelten Revue passieren, wobei auch daS kriegshetzerische Verhalten der bürgerlichen Parteien gebührend gebrandmarkt wurde. Nach einem Appell an die Anwesenden, alles daran zu setzen, damit am 12. Januar die Sozialdemokratie mit einem glänzenden Siege auf der ganzen Linie aus der Wahlurne hervorgehe, schloß der Referent seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Nachdem der Vorsitzende noch die Versammelten aufforderte, die bürgerliche Presse aus den Arbeilerkreisen verschwinden zu lassen und dafür die Arbeiterpresse, den„Vorwärts", zu abonnieren wurde die Vcrsamm- lung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Britz-Burkow. „Die Frauen und die RcichStagswahl" kantete daS Thema, über das in einer von etwa 300 Personen(darunter 209 Frauen) besuchten Versammlung die Genossin Zeetze referierte. Die Aeferentin ver- stand es vorzüglich, den Fronen eingehend auseinander zu setzen, daß bei der kommenden Reichstagsivahl auch wichtige, sie speziell be- rührende Interessen in Frage stehen. Sie hätten daher die Pflicht, mit dafür zu sorgen, daß die Sozialdemokratie als die Vertreterin der proletarischen Interessen erheblich gestärkt aus der Wahl hervor- gehe. Obwohl politisch noch rechtlos, könnten die Frauen regen An- teil nehmen an der notwendigen Kleinarbeit. An der Diskussion beteiligte sich dte Genossin Henkel, die sich u. a. auch für die Ver- schärsüng deS Schnapsboykolts aussprach. Tcmpelstof. Die RcichStagSwahlbewcgung wurde am Mittwoch, den14.d. MtS. mit einer öffentlichen, glänzend �besuchten Versammlung er- öffnet, in der der Kandidat des Kreises, Genosse Zubeil, mit den Gegnern, Konservativen bis zum sogenannten Demokraten, scharf abrechnete. Sein Referat wurde vielmals durch lebhaften«eifall unterbrochen. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Genosse Ewald machte hieraus von dem Entscheid des OberverwaltungS- oericktS Mitteilung, das die Wahl unserer drei Gemeindevertrcter. Schmidt. Müller und Frantz bestätigt hat. Mit einem Hochruf auf die Sozialdemokratie wurde die von zirka 8S9 Personen besuchte Versammlung geschlossen. i Niederlehme. In einer Volksversammlung unter freiem Himmel sprach am Sonntag in der dunkelsten Gegend des Kreises Bceskow-Storkow in Groß-Eichholz auf dem Grundstück des Herrn H. Berger Parteisekretär Max Grog er über:„Die bevorstehenden Reichstags ivahlen". Der Redner behandelte in kurzen Zügen die Taten des schwarzblauen Blocks. Während des Vortrages suchten die an- wescnden Gegner durch laute Unterhaltung und Dazwischensprechen die Versammlung zu stören. Genosse Groger ersuchte die Herren, doch nach Beendigung des Referats das Wort zu ergreifen. Kurz vor Schluß seines Vortrages zogen es aber die Herren, einige Lehrer und der Försterssohn, vor, den Versammlungsort zu verlassen, um auf der Swaße ihre Störungen fortzusetzen. Die Anwesenden nahmen den Vortrag mit lebhaftem Beifall entgegen. In der Dis- kussion verurteilte noch Genosse Freitag das Verhalten der Gegner. Die Versammelten forderte der Redner auf. bis zum Wahltage für die Wahl des Kandidaten der Sozialdemokratie, den Genossen Zu- beil, eine lebhafte Agitation zu entfalten. Klandorf(Kr. Niederbarnim). Ueber die Bedeutung der NeichStagSwahlen für die Land- bcvölkerung sprach in einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel Parteisekretär Genosse B ü h l e r- Lichtenberg. Trotz deS ohne Unterbrechung herniederrieselnden Regens hatten sich über hundert Personen— darunter auch Frauen— eingefunden; für das kleine Klandorf ein außerordentlich guter Besuch. In wirkungsvoller Weise verstand es Genosse Bühler, die Versammelten von der Not- wcndigkeit zu überzeugen, ihre Stimmen am Wahltage nur dem be- währten Vertreter des Kteiscs, Genossen Stadthagen, zugeben. Der lebhafte Beifall am Schluß des Vortrages bewies, daß er den Land- bewohnern aus dem Herzen gesprochen.— Nach einigen an- feuentden Worten des Einberufers Thurm- Lichtenberg, sich der Sozialdemokratie anzuschließen, wurde die Versammlung mit Hoch- rufen auf die Sozialdemokratie geschlossen. Seit Fahren war es die erste Versammlung, die wir in dem entlegenen Ort deS Kreises abhalten konnten. Mühlenbcck. In einer von 290 Männern und Fronen besuchten, im Gasthof zur Sonne tagenden öffentlichen Versammlung referierte am Sonn- tag Genosse F e n d e l- Weißensee über das Thema:„Der bevor- stehende Wahlkampf". Nach eingehender Beleuchtung des Volksfeind- lichen Treibens der Mehrhcitsparteien des Reichstages forderte der Referent die Versammelten auf, bis zum Wahltag unermüdlich für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Stadt- Hagen zu agitieren. Dem mit starkem Beifall aufgenommenen Referat folgte eine Diskussion, an der sich die Genossen Buchmeier, Vaschagen und P. Bruckmann beteiligten. Sämtliche Redner be- tonten, daß die kommende Wahl für Mühlenbeck ein besseres Resultat bringen rgüsse, wie die Wahl von 1997. Vorbedingung hierzu fei die Stärkung der Organisation. Hierauf machte Genosse Bruckmann auf den am 3. Dezember stattfindenden Lichtbildervortrag aufmerksam. In das auf die Sozialdemokratie ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung begeisterungsvoll ein. Gegner waren nicht an- wesend. berliner JVacbricbten. Aus der Stadtverordnetenversammlung.$ Der von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte Antrag über die Notwendigkeit amtlicher Wähler- karten auch für die Reichstags wählen ist gestern einem Ausschuß überwiesen worden. Was zur Begründung des Antrages unser Genosse Pfannkuch vorbrachte, war so stichhaltig und überzeugend, daß der Magistratsvertreter Stadtrat Böhm um eine Antwort verlegen war. Genosse Pfannkuch hob unter anderem hervor, daß diese Wählerl legitimationen nicht nur den Wahlakt erleichtern, sondern gewiß auch der Erziehung zur Wahlpflicht dienen. Und ein wenig boshaft fügte er hinzu, das entspreche doch wohl auch einem Wunsch der bürgerlichen Parteien, die nach ihren Wahlniederlagen ja immer die nicht erschienenen Wähler für sich selber reklamieren. Stadtrat Böhm be hauptete, bisher sei der Mangel von Wählerkarten bei Reichs tagswahlen noch nicht als Mißstand empfunden worden. Bei Reichstagswahlen könne man übrigens, weil ihr Termin gel wohnlich nicht so frühzeitig wie bei Landtagswahlen bekannt werde, die Wählerkarten kaum zur rechten Zeit fertigstellen. Launig antwortete Pfannkuch. die„Vorwärts'-Druckerei sei in der Lage, die Arbeit rasch und gut auszuführen. Er schloß mit der Erklärung, die angeblichen Schwierigkeiten seien sehr wohl zu überwinden— wenn man nur wolle. Zu Beginn der Sitzung wurde über den Plan einer neuen großen Anleihe beschlossen. Die Versamm- lung stimmte ihm zu mit den Kürzungen, die der Ausschuß empfahl. Eine weitere Streichung wurde noch bei dem Ab- schnitt„Fortsetzung des Baues von Markthallen" beantragt, und aufs neue entbrannte hier der alte Streit um die En- grosmarkthalle für Ob st und Gemüse. Sie sollte nach einem früheren Beschluß der Versammlung an der Kniprodestraße errichtet werden, der Magistrat aber wiL. zurückkonimen auf sein abgelehntes Projekt, ein Gelände an der Paulstraße zu erwerben. Die Verschleppung des Baues der längst notwendigen Markthalle wurde von unserem Genossen H i n tz e als nachgerade skandalös gerügt. Für das Paulstraßenprojekt trat Oberbürgermeister K i r s ch n e r ein, aber er konnte nicht verhindern, daß der hierfür in dem An- leihcplan vorgesehene Betrag weggestrichen lvurde. Im letzten Teil der Sitzung kam es zu einer ausgedehn- ten Debatte über die Verbreiterung der Prenz- lauer Straße. Auch hier steht der Magistrat in einem Gegensatz zu einem Beschluß der Versammlung und beharrt auf seinem Standpunkt. Der berechtigte Wunsch, die Straße fogleich auf eine ausreichende Breite zu bringen, wurde von mehreren Rednern— für die sozialdemokratische Fraktion vom Genossen M a n a s s e— unterstützt. Sieger blieb aber schließlich der Magistrat, der eine mäßigere Breite für ge- nügend hält._ Die„Kcmmlmake Schulpolitik in Berlin" ist Gegenstand eines StteiteS. der zwischen der Berliner Lehrerschaft und der Schulverwaltung unserer Stadt geführt wird und seinen Widerhall in der Presse findet. Der Berliner Lehrerverein hatte in einer Sitzung die Leistungen der Schulpolitik der Stadt Berlin erörtert und dann den dort gehaltenen Vortrag, der sich in einer schonungslosen Kritik erging, in einem Druckheft veröffentlicht. Die Bemängelungen, die da vorgebracht wurden, betrafen die äußeren Verhältnisse der Gemeindeschnlen(z. B. die Unzulänglichkeit der Zahl der Schulhäuser, die immer noch zu hohen Klassenfrequenzen usw.), die inneren Verhältnisse der Gemeindeschnlen(z. B. den Plan einer Wiederbeseitigung deS AchtklassensystemS, die andauernde Bei- beHaltung der Vorschulen usw.), schließlich die Stellung der Lehrer« schaft(z. B. ihre zu geringe Vertretung in der Schuldeputation. ihre langjährigen Kämpfe um Gehaltsaufbesserungen usw.). Wir erleben jetzt das ungewöhnliche Schauspiel, daß die Schuldeputation mit einer Gegenschrift antwortet, in der sie sich zur Wehr zu setzen versucht. Bisher hatten wir uns in den Streit nicht hineingemengt. Die Kritik der Leistungen Berlin? im Volksschulwesen, die in der Broschüre des Lehrervereins geboten wurde, brachte eigentlich nichts Neues. Wir haben in dem ganzen Heft kaum erwaS gefunden, was nicht schon lange vorher im„Vorwärts" immer wieder gesagt worden wäre. Bedenken müßte man auch haben gegen einen allzu stürmischen Uebcreifer deS Verfassers, der gelegentlich auch mal recht gründlich vorbeihieb. Diese Schwächen der Kritik waren eS dann, die der S ch u l v e r w a l t u n g den erwünschten Anlaß boten, mit einem Rechtfertigungsversuch an die Oeffentlichkeit zu treten. Die Antwort der Schuldeputation liegt jetzt gedruckt vor, und man kann nunmehr ein Fazit aus dem Streit ziehen. Der Broschürenschreiber i\ei Schuldeputation deckt mit breitem Behagen die Blößen auf, die der aus der Mitte der Lehrerschaft erstandene Angreifer sich gegeben hat. Aber mehr als dieses billige Vergnügen kommt für die Schuldcputalion nicht dabei heraus. Die weiteren Bemühungen, auch die übrigen und berechtigten Vorwürfe zu ent- lräften. sind dem Verfasser vorbeigelungen. Nur auf ein paar Punkte wollen wir näher eingehen. Gewiß haben die äußeren Verhältnisse der Gemeindeschulen Berlins in neuerer Zeit sich gebessert. Dank der immer wieder- holten Kritik, die in der Stadtverordnetenversammlung unsere Genossen an den zutage getretenen Mißständen übten. Aber keiner, der das Berliner Gemeindeschulwesen kennt, wird sich der Einsicht verschließen, daß auf diesem Gebiete leider noch viel zu wünschen übrig ist. Immer wieder macht in neuen Stadtteilen ein Mangel an eigenen Gemeinde» sch u l h ä user n sich sehr unangenehm fühlbar, weil mit der Er- richtung von Schulbauten nicht rechtzeitig begonnen wurde und viele Jahre, ja Jahrzehnte hindurch behilft dort die Stadt sich mit Miets- schulhäusern. Es gehört wirklich eine tüchtige Portion Kühnheit dazu, die abgedroschene Entschuldigung zu wiederholen— wie die Schuldeputation es in ihrer Broschüre tut— man könne bei einem sich erst entwickelnden Stadlteil nicht im voraus wissen, wie die Bevölkerung zusammengesetzt sein werde und wo man demnach Gemeindeschulen werde errichten müssen. Wie lange hat z. B. im nördlichen Teil der Schönhauser Vorstadt die Bevölkerung warten müssen, bis sie endlich das erste eigene Ge- meindeschulhauS erstehen sah I Als außerhalb der Ringbahn die Bebauung einsetzte, hat da im Rathause einer im Ernst daran ge- zweifelt, daß in diesem neuen Stadtteil eine Bevölkerung sich an- siedeln würde, die für ihren Nachwuchs auf Gsmeindefchulen an- gewiesen ist? Die Schuldeputation prahlt mit einem Lobe, daS der Stadt Berlin im Jahre 1999 vom Provinzialfchulkollegium nach einer Besichtigung von Schulneubauten gnädigst gespendet worden ist. Ja, hat sie denn vergessen, daß dasselbe Provinzial- schulkolleginm die Stadt hat nötigen müssen, ein paar schlimme Mietsschulhäuser in der Schering- straße und in der Pank st raße endlich aufzugeben? Da? HanS in der Pankstraße ist erst im Sc»nmer 1911 geräumt worden, nachdem cS länger als ein Vierteljahrhnndert benutzt worden war. Am Ende hat ein Viertcljahrhundert hindurch keiner wissen können, wo in diesem Stadtteil ein eigenes Schulhaus nötig war? Die Schuldeputation hebt mit Stolz herwor, daß die Stadt immer noch neue Gemeindeschulen eröffne und neue Schulhäuser für sie baue, obwohl in Berlin schon seit t998 die Zahl der Gemeindeschulkinder abgenommen habe. Für diese Art der „Beweisführung" fehlt uns ein parlamentarischer Ausdruck. Berlin als Ganzes hat eine Verminderung der Schulkinder gehabt, aber während die Innenstadt sich immer weiter entvölkert, nimmt in den neu entstehenden Außenvierteln die auf Gemeindeschulen an» gewiesene Bevölkerung noch immer zu. Selbstverständlich werden dann da draußen neue Schulen nötig. Die Schuldeputation erzählt, vor kurzem habe die Stadtverordnetenversammlung die Entwürfe für sechs Doppclschulen und für eine einwche Schule mit einem Kostenanschlag von zusammen ü Millionen Mark angenommen. Gewiß; aber von der Annahme der Entwürfe und Anschläge bis zur Ausführung der Bauten ist leider ein weiter Weg. weil dazu erst das nötige Geld durch den Etat bewilligt werden muß. Hiermit aber hapert es bei unsevem Stadtfreisinn. Noch ist in frischer Erinnerung, daß die steifinnige Stadtverordneten- mehrhcit unter dem Widerspruch der sozialdemokrattschen Stadt- verordneten die Bewilligung der Gemeinde,, ittel für Gemeindeschul- bauten unbekümmert um die Gefahr einer Verzögerung der Bauten— eingeschränkt hat, wodurch der Bankrott ihrer Etat» balancierungskünste wieder noch einmal vertuscht wurde. Und wie steht es um die inneren Verhältnisse der Gemeinde» schulen? Was isfls mit dem Plan einer Wiederbefetttgung des A ch t k l a f f e n f y st e'm S? Wer die ReinwafchungSbrofchllre der Schuldeputation liest, der könnte glauben, nie habe tm Rat» hause ein Freisinniger daran gedacht, die Gemeindeschulen Berlin» von dem glücklich errungenen AchtklassMsystem auf ein minder- wertigcö Siebenklassensystem zurückzuschrauben. Wie wenn nicht die Cassel und Konsorten, die in der Schuldeputatton daS große Wort führen dürfen, deutlich genug in der Stadtverordnetenversammlung gesagt hätten, worauf sie hinaus wollen! Jetzt soll'S plötzlich nicht mehr wahr sein, daß das Achtklasse, ffystem diesen„volkSschul» stcundcn" ein LuxuS ist. Hätten nicht die Verteidiger dieser besseren Organisationsform der Gemeindeschule rechtzeittg Lärm ge» schlagen, so wäre Berlin wahrscheinlich schon heute wieder bei dem Siebenklassensystem angelangt. Die Lehrerschaft hat in dem Kampf für das Achtklassensystem jederzeiit unsere vollste Unterstützung gefunden. Wir haben mehrfach und erst kürzlich wieder gezeigt, daß die"Erfolge der achtstufigen Gemetndeschule sich mit jedem Jahre gebessert haben. Mit Bestiedigung u»d Genugwung ersehen wir aus der Broschüre der Schuldeputaticm, daß Stadtschulrat Fischer jetzt sich dahin ausgesprochen hat, nach den Erfahrungen mit dem Achiklassensystem habe man„jedenfalls zurzeit keine Veranlassung, den echcklassigen Aufbau unserer GemÄndeschule aufzugeben". Wir wollen nur wünschen, daß dieses.zrvczeit' sich in ein.dauernd' verwandeln möge. Die kommunalfreisinnige Press« Berlins begrüßt die Rechtfertigungöschrift der Schuldepwtatton, die namentlich in ihrem Abschnitt über die Lehrerbesoldung ganz Casselschen Geist atmet, mit begeistertem Hosianna. Für die„Vosfische Zeitung" und die„Freisinnige Zeitung" find die paar mageren Knochen, die die Schul- Verwaltung ihnen zuwirft, ein gefundenes Fressen. Gönnen wir ihnen den Genuß! Gern erkennen im übrigen auch wir an, daß die Schul- zustände in Berlin heute nicht mehr so schlecht sind wie vor zehn und vor zwanzig und mehr Jahren. Die Schuldeputation hebt hervor, daß auch die Streitschrift deS Lehrervereins sagt, Berlin habe doch»auch manchen Fortschritt im Schulwesen geschaffen". und sie zitiert aus ihr:„Dazu gehört z. V. die allmähliche Herab setzung der Klasseusrequenzen, die Einrichtung der PflichtforlbildungS schulen, die Anstellung der Schulärzte, die Gründung von Nebenl klassen für Schwachbefähigte und Schwerhörige und dergleichen und ihre Vereinigung zu Schulsystemen, serner die Einrichtung der Fericnspiele und der Schulspeisung armer Kinder.* sjjm Anschluß daran klagt die Schuldeputation, die Anerkennung werde in der Lehrer- broschiire sogleich wieder eingeschränkt durch den Hinweis, daß viele dieser Fortschritte gegen allerlei Widerstände erzwungen werden mußten, und sie selber fügt hinzu:„Wir meinen, daß, wenn trotz erheblicher Widerstände diese Einrichtungen zur Durchführung ge langten, dieS besonder» Anerkennung verdient.* Daß eS die S o z i a l d e m o k r a t i e war, die fast sämtliche Fortschritte im Schulwesen Berlins erst dem Stadtfreisinn ab trotzen mußte, davon sagt die Schuldeputation— ebenso wie der Lehrerverein— nichts._ Gegen Berkaufsstänbe in Hausdurchfahrten geht der Berliner Polizeipräsident neuerdings vor. Namentlich kommen seucrpolizei liche Erwägungen in Betracht. So erging auch an den Hausbesitzer Schramm eine Verfügung, nicht zu gestatten, daß ein Fleischer den Fleischverkauf unter Benutzung eine? Tisches und eines Fleisch Hauklotzes in dem Hausflur lHausdurchfahrt) betreibe. Der Ve zirksausschnß wies die von Sch. dagegen gerichtete Klage mit fob gendcr Begründung ab: Nach der entsprechenden Berliner Polizei Verordnung solle die Hausdurchfahrt dauernd L,3l> Meter breit sein. Das sei hier nicht der Fall, wenn der Tisch und der Klotz daständen Somit sei die Polizei zu ihrem, im feuerpolizeilichem Interesse unternommenen Vorgehen berechtigt. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung und führte aus, daß die Durckfahrt deS Hauses dauernd ein Durchfahren möglich machen solle. Die Polizei könne im Interesse der Feuer- sicherheit auch verlangen, daß sie dauernd von Gegenständen frei gehalten werde, die die Durchfahrt beengten und ohne deren Bcseiti- gung ein Durchfahren, z. B. der Feuerwehr, nicht möglich sei. Daran könne nichts geändert werden dadurch, daß der Fleischverkauf täglich nur kurze Zeit stattfinde. Die Anordnung, die ihn in der Durchfahrt ganz inhibiere, sei darum gerechtfertigt. Eiue niedlich� Submissionsblüte wird aus Belzig gemeldet. In der Nähe dieser Stadt soll bei dem Orte Vorne eine neue Eisenbahn- baltestelle errichtet werden und die Arbeiten hierzu wurden durch die Eisenbahndirektion öffentlich ausgeschrieben. Vorgestern fand der Submissionsteumin statt, indem 33 Angebote vorlagen. Die billigste Offerte betrug V78ö M., während der Höchstfordernde 49 0tf) M in Anschlag gebracht hatte. Die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Angebot betrug also nicht weniger als 33 230 M.� das ist mehr als viermal so viel als die Mindestforderung beträgt. Ncberschwemmung am Wittenbergplals. Eine große lieber raschung gab es gestern vormittag am Witienbergplatz neben dem Kaufhaus dcS Westens. Beim Bau der neuen Untergrundbahn strecke von der Firma Siemens m Halske platzte dort kurz nach 10 Uhr ein Wafferrohr der Charlottenburger Wasserwerke. Ge waltige Wassermengen überschwemmten bald da? ganze Gelände und unterspülten daS Erdreich derart, daß ein Mast der Straßew bahn umstürzte. Die Straßenbahn mutzte in der Richtung nach dem Nollendorfplatz den Betrieb einstellen. Die Wagen der Linien A, 64, 80 und 81 wurden durch die Kurfürstenstraße um geleitet. Bon hen Charlottenburger Wasserwerken waren bald Arbeiterkolonnen zur Stelle, die die nötigen Matznahmen zur Br seitigung der Uebeischwemmung trafen. Die Ursache deS Rohr bruches konnte noch nicht festgestellt werden. Die Monatskarten des Berliner Stadt- und Vorortverkebrs geben bezüglich ihrer Benutzbarkeit im Publikum vielfach zu Zweifeln Anlaß. Es ist daher angeordnet worden, daß sie künftig einen Auf- druck auf der Rückseite erhalten, der jeden Zweifel ausschließt. Da- bei sind zu unterscheiden: Feste Monatskarten, für den Verlehr zwischen den Vororven und den Berliner Emgangs-Bahntzpfen saus- genommen die StnÄlbahustationen), sowie für den Verkehr von Bor- ort zu Vorort, ohne Berührung der Stadtbahn; diese Karlen werden, je nach den Strecken, für die sie ausgestellt sind, den Aufdruck er- halten:„Nur für Vorortzüge*— oder—„Für Ring- und Vorortzüge*— oder—„Für Vorort und Personenzüge laut Aus- hang(Schnell- und Eilzüge sind ausgeschlossen)*— oder—„Für Ring-, Vorort- und Personenzüge laut Aushang(Schnell- und Eilzüge sind ausgeschlossen)*. Im Berkehr zwischen den Vororten und den Stationen der Stadt- und Ringbahn, sowie im Verkehr von Vorort zu Vorort mit Berührung der Stadtbahn wird der Vermerk lauten:„Für Stadt-, Ring- und Vorortzüge* oder—„Für Stadt-, Ring-, Vorort- und Personenzüge laut Aushang sSchnell- und Eilzüge sind ausgeschlossen)*. Bei Blankokarten endlich wird der Aufdruck lauten:„Gültig für Stadt-, Ring-, Vorort» und Personenzüge laut Aushang(Schnell- und Eilzüge sind aus- geschlossen)*. Die neuen Monatstarten werden in, Verkehr mit Spandau. Hauptbahnhof und Svandau-West, Seegefeld, Finkenkrug und Nauen bereits vom 1. Dezember d. F. ab ausgegeben werden; im übrigen Vorortverkehr sollen die aufliegenden Monats- karten noch aufgebraucht werden. UebrigenS gilt der Ausschluß der Personenzüge des Fernverkehrs auf der Strecke Berlin-Spandau nur für den Orrsverkehr mit Spandau, Hauplbahnhof und Spandau- West; im Berkehr mit Seegefeld, Finkeukrug und Nauen können also die Fern-Personenzüge mit Monatskarten in vollem Umfange benutzt werden. Die tiindcsleiche im Müggelsee. Ein mutmaßlicher KindeSmord beschäftigt die Friedrichshagener sowie die hiesige Kriminalpolizei. Vorgestern nachmittag beobachteten Schiffer zwiichen dem Eisschuppen und dem Institut für Binnenfischerei auf der Oberfläche deS Müggel- sees einen Pappkarton, den sie ans Land schafften. Als die Leute den Karton öffneten, handon sie zu ihrem Schrecken die Leiche eines etwa zwei Monate alten Knaben darin vor. Sie benachrichtigten schleunigst die Polizei, die den Leichnam beschlagnahmte und nach dem ObduktionShauS in der Wilhelmstraße schaffen ließ. Es wird angenommen, daß der Knabe im Müggelsee ertränkt worden ist. Die Obduktion der Leiche ist durch die Gerichtsbehörde angeordnet worden. Bei dem Pappkarton handelt es sich um einen braunen Karton, der auS Berlin stammt. ES wird infolgedessen auch ver- mutet, daß die Mutter deS KindeS hier zu suchen ist. Die Verzweiflungstat eSnes lebeiiSmiiden Beamten rief vorgestern in der Mittagsstunde im Ministerium für Landtvirlschäft am Leipziger Platz 8— 10 einiges Aufsehen hervor. Der Geheime expedierende Kalkulator I., in Wilmersdorf wohnhaft, versuchte sich durch einen Revolverschutz in die Schläfe zu töten. DaS Geschoß ging jedoch fehl und brachte dem Lebensmüden eine Glreifwunde bei. Der Verwundere lvurde nach der Charitä gebracht. Was den Beamten zu dem Selbstmordversuch getrieben hat, weiß man nicht. Ein gefährlicher Warenfthwindker ist bonder Rixdorfer Kriminal- Polizei festgenommen worden. In Berliner und Rixdorfer NahrungS- mittelgroßhandlungsn. besonders in Butter- und Margarinehand- lungen, erschien ieit einiger Zeit ein junger Mann, der sich für einen Vertreter des„EinkaufsvcrbcmdeS Hamburger Reeder auf dem Alster- dann» in Hamburg* ausgab und große Bestellungen machte. Er wies auch ein gestempeltes Schriftstück vor, deffen Inhalt ihn als Prokuristen de? Verbandes bevollmächtigte, größere Warcneinkänfe abzuschließen. Sobald man über den Preis einig geworden war, überreichte er Lieferzettel und Bestellscheine mit dem Namen Dr. Siegbert, die er in ewer Mappe bei sich führte und mit einem Gummistempel versah. Das Ende des Handels war stets, haß sich der. Prokurist*.Veomittlergebühren* von den Geschäfts- leuten zahlen ließ. Sogar bis zu 3000 M. für ein einziges Ge- schüft. Erst wenn sie liaferten. erfuhren die Verkäufer, daß sie ihre Provistonen— in Wirklichkeit sind es Schmiergelder— umsonst(je- geben haben.„Dr. Siegbert* war ein Schwindler, seine Schrift- ftücke waren gefälscht, sein Verband besteht gar nicht. Nach der Be- schreibung wurde der Gauner endlich erkannt und von der Kriminal- Polizei gestern in seiner Wohnung verhaftet. Er ist ein 23 Jahre alter, verheirateter Kaufmann aus Nixdorf, der einer angesehenen Familie entstammt. Die Leiche eine? neugeborenen Knaben wurde gestern morgen gegen 9 Uhr im Tiergarten am Matthäisteig aufgefunden. Die kleine Leiche war in eine braune, weißgestreifte Frauenswürze und braunes Packpapier gehüllt. Die Nachforschungen nach der Mutter des Kindes waren noch ohne Erfolg. Spuren äußerer Verletzungen wies die Leiche nicht auf. Großvater und Enkelin verunglückt. Der 63 Jahre alte Pförtner Gustav Neumann aus der Koppenstr. 31 wollte gestern mit seiner zwei Jahre alten Enkelin Ruth Neuinann Bekannte in der Frieden slraße besuchen. Als er, mit der Kleinen auf dem Arme, an der Ecke der Koppenstraße den Damm der Großen Frankfurter Straße überschreiten wollte, wurde er von einem Schläcblerwagen, der in die Koppenstraße einbog, überfahren. Während er hinfiel, flog das Kind in weitem Bogen von � seinem B-me auf den Bürgersieig. Neumann zog sich einen schweren Schaden am rechten Fuß und innere Verletzungen, die Kleine eine Magenblutung zu. Beiden wurde auf der Rettungswache in der Koppenstraße die erste Hilfe zu teil. Auf den Wunich Neumanns wurden sie dann in ärztliche Be- Handlung nach der Wohnung gebracht. Reiche Beute machten Handwagcndiebe in der Greifswalder Straße. Dort hatte der Hausdiener einer Stoffhandlnng aus der Kurstraße einen Teil der Ladung seines Handwagens in dem Hause Nr. 1 abzuliefern. Während er das besorgte, oerschwanden Diebe mit dem Wagen, den er auf der Straße hatte stehen lassen und der noch für 800 M. farbige Müpenstoffe enthielt. Gestern abend wurde der Wagen in der Metzer Slraße leer wieder aufgefunden. Die wert- volle Ladung dagegen ist vcrschivunden. „Referendar Ernst Hammcrstcin aus Bremen" nennt sich ein Mietsschwindler, der sich Berlin und Bororte zu seinem Arbeitsfelde ausgesucht zu haben scheint. Zunächst ist er in Schöneberg auf- getreten. Er mietete dort ein Zimmer und schwindelte der Wirtin unter der Vorspiegelung, daß er sein Gepäck auf dem Bahnhof rniZ- lösen müsse, 10 M. ab. Dann ließ er sich nicht mehr sehen. Der Schwindler ist etwa 27—28 Jahre alt und groß gewachsen; er hat blondes, gescheiteltes Hoar, einen blonden Schnurrbart, ein blasses Gesicht und schief gewachsene Vorderzähne, spricht leise, geht schnell und trug einen schwarzen Ueberzieher, gestreifte Beinkleider und einen schwarzen, steifen Hut. Auch im Grunewald wurde gestern ein Leichenfund gemacht, der auf ein Verbrechen hindeutet. Im Jagen 66 bei Dahlem stießen Waldarbeiter auf ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen KindeS weiblichen Geschlechts enthielt. Das Paket war unter einem Gestrüpp versteckt und bereits vor mehreren Tagen am Fundort niedergelegt worden. Auch in diesem Falle wird mit der Möglichkeit eines KindeSmordes gerechnet, und man hat infolge- dessen die nöttgen Ermittelungen in die Wege geleitet. Die KindeS- leiche wurde nach der Hall« des Selbstmörderfriedhofes bei Schild- Horn gebracht. Vorort-JNadmcbten. Charlottenburg. In der Stadtverordnetenversammlung ging eS am Mittwoch ungewöhnlich erregt zu. Zunächst kam es zu einem scharfen Zu- 'ammenstoß zwischen dem Stadtverordneten Dr. F l a t a u und dem Oberbürgermeister Schustehrus. Anlaß dazu gab die Mit- teilung des Magistrats betreffend die Neuwahl von Pro- vinziGllandtagsabgeordneten. Mit dem 1. Januar erhöht sich die Zahl der von Charlottenburg zu wählenden Pro- vinziallandtagsavgeordneten von 5 auf 8. Der Magistrat schlägt nun der Stadtverordnetenversammlung vor, die bisherigen 6 Ver- treter— die beiden Bürgermeister, einen Stadtrat und die beiden Vorsteher— wiederzuwählen und außerdem zwei weitere Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und ein Mitglied des Magistrats neu zu wählen. Hiernach würde jede Körperschaft durch vier Mit- glieder im Provinziallandtag vertreten sein. Der Magistrat be- findet sich bei seinem Vorschlag in Uebcreinstimmung mit dem Seniorenionvent, der bereits im September sich niit dieser Frage beschäftigt und auch die Verteilung der auf die Stadtverordneten- Versammlung entfallenden Mitglieder in der Weise geregelt hat, daß von den neu zu wählenden Provinziallandtagsabgeordneten je einer auf die liberale und auf die sozialdemokratische Fraktion ent- ullt. Um so erstaunlicher war die Ausregung des Herrn Dr. l a t a u, der die Ueberweisung der Borlage an einen Ausschuß leantragte und dem Magistrat den Vorwurf machte, daß er das Selbstbestimmungsrecht der Stadtverordneten nicht achte. Im Pro- vinziallandtag werde überhaupt keine Rücksicht auf die stadtischen Interessen genommen; es sei deshalb wohl angebracht, der Stadt- verordnetenversammlung 6 Sitze einzuräumen. Der Vorschlag des Magistrats fei höchst überflüssig. In heftiger Erregung erwiderte Oberbürgermeister Schustehrus, wenn Herr Dr. Flatau die Vorlage als überflüssig bezeichne, so beweise das, daß er von den Verhältnissen gar kerne Ahnung habe. Nicht die Vorlage deS Ma- gistratS, sondern die Kritik deS Vorredners sei höchst überflüssig gewesen. Den Vorwurf der Vernachlässigung der städtischen Jnter- essen durch die Vertreter der Stadt im Provinziallandtag weise er mit Entschiedenheit zurück. Wenn Herr Dr. Flatau dem Magistrat nur soviel Sitze einräumen wolle, wie ihm rechnerisch im Verhält- nis seiner Mitgliederzahl zu der der Stadtverordnetenversammlung zukommen, so sei das ein ganz neuer Grundsatz, eine Beleidigung >es Magistrats, dem die Gleichberechtigung mit der Stadtverord- netenversammlung abgesprochen werden solle. Auch den unerhörten Ton des Vorredners müsse er ganz entschieden zurückweisen. Diese Rede des Oberbürgermeisters konnte natürlich nicht unwidersprochen hingenommen werden. Redner aller Fraktionen— von unserer Seite die Genossen Dr. Borchardt und Hirsch— betonten ausdrücklich, daß sie zwar den Ton des Herrn Dr. Flatau nicht billigen, daß sie aber insofern mit ihm einverstanden seien, als auch sie der Stadiverordnetenversammluna das Recht der Kritik wahren wollen. Unsere Genossen fügten hmzu, daß selbstverständ- icL die Beschlüsse des ScniorenkonventS für das Plenum nicht bifhend seien, daß man sich aber auch nicht einfach darüber binweg- setzen und den Seniorenkonvcnt gewissermaßen als Kaffeekränzchen betrachten dürfe. Schließlich kam die Debatte in ein ruhigeres Fahrwasser, die Vorlage wurde einem Ausschuß von 9 Mitgliedern überwiesen. Kaum hatte firij die Aufregung gelegt, da brach schon wieder ein neuer Sturm herauf. Diesmal standen sich nicht Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, sondern verschiedene Richtungen innerhalb der liberalen Fraktion gegenüber, die sich mit solchen Liebenswürdigkeiten gegenseitig be- dachten, daß es für die unbeteiligten Dritten ein»nbezaHlbareS Schauspiel war. Wenn die Gemüter vor aller Oeffentlichkeit so Heftig aufeinanderplatzten, so ist das lediglich ein Beweis dafür, in welche Lage eine Fraktion kommt, die unter Preisgabe ihrer Grundsätze, lediglich um nach außen hin mit großen Zahlen zu prunken, Krctbi und Plethi aufnimmt. Die Ursache der lebhaften Auseinandersetzungen war die Be- ratung des AuSschußberichtes über die Borlagen betreffend den Bau eines Pavillons für Kranke II. Klasse und Reu- rcgelung der Aufnahmebedingungen sür Kassenpatienten der städti- scheu Krankenhäuser. Nach längeren Vorberatungcn hat sich der Ausschuß dahin geeinigt, daß auf dem Gelände deS Krankenhauses Westend ein Pavillon für Kranke II. Jftasse errichtet werden soll. Die Kurkostensätze sollen für Einheimische 9 M., für Auswärtige 14 M.. für Begleitpersonen 7.S0 M. pro Tag einschließlich aller Nebenkosten betragen. Einheimische, die von einem JahreSein- kommen von nicht mehr als 4500 M. zur Steuer veranlagt sind, können auf Wunsch eine Ermäßigung auf 7,50 M. beanspruchen. De» leitenden Aerzten soll für die ärztliche Behandlung der Patienten II. Klasse ein besonderes Honorar gewährt und zu diesem Zwecke von den für die Patienten eingezahlten Sätzen ein Betrag von 1,50 M. für den Kopf und Tag angewiesen und zu einein fonds angesammelt werden. Am Schluß der Behandlung jedes lassenpatienten haben die leitenden Aerzte eine den Verhältnissen deS Kranken angepaßte Liquidation einzureichen, deren Begleichung aus dem angesammelten Fonds am Schlüsse des Rechnungsjahres mit der Maßgabe erfolgt, daß bei etwa entstehenden Fehlbeträgen eine anteilige Herabsetzung der Liquidationen stattzufinden hat. Die Oberärzte im Krankenhastse Westend schließlich sollen für die Behandlung der Klassenpatienten einen jährlichen ruhegehaltsfähigen Zuschuß von je 1000 M. erhalten. Während der Redner unserer Fraktion, Genosse Vogel, unse- ren Gründsätzen entsprechend die Notwendigkeit der Unentgeltlich- kcit der Krankenpflege betonte und sich gegen jede Klassenbehand- lung erklärte, da die Aerzte, selbst wenn sie den besten Willen dazu haben, die Armenpaticnten dann nicht mit derselben Sorgfalt be- handeln würden, wie die Patienten zweiter Klasse, suchte der erste Redner der liberalen Fraktion, Stadtverordneter Bergmann, eine Herabsetzung des Satzes von 9 auf 7,50 M. zu erreichen, an- gcblich, um dem Mittelstände einen Gefallen zu tun. Gleichzeitig beantragte er unter großer Unruhe seiner Freunde, über seinen Antrag auf Herabsetzung der Sätze namentlich abzustimmen. Eine Reihe weiterer Redner der liberalen Fraktion trat nicht nur für die Magistratsvorlage ein. sondern bekämpfte vor allem den An- trag auf namentliche Abstimmung, der nicht deshalb gestellt sei, um die Abstimmung der Gegner, sondern die der eigenen Freunde fest- zunageln. Auch im übrigen überhäuften sich die Herren mit Liebens- Würdigkeiten aller A»t, so daß dem zweiten Redner unserer Fraktion, dem Genossen Hirsch, nur noch übrig blieb, den Libe- ralen seinen Tank sür das Schauspiel auszusprechen. Einer der Führer der liberalen Fraktion, der Landtagsabgeordnete Dr. C r ü g c r, erklärte ausdrücklich, daß das„reinigende Gewitter* notwendig gewesen sei. Es sei unerhört, daß sich einige Mitglieder der liberalen Fraktion als Freunde des Mittelstandes aufspielen, ihre eigenen Fraktionsfreunde aber als Gegner des Mittelstandes hinstellen wollen. Dies Gebaren festzustellen, sei eine Pflicht nicht im Interesse des Mittelstandes, sondern im Interesse des Bürger- tums. Die Tragweite Ihrer Handlung— so schloß Herr Dr. Crüger seine Ausführungen— wird Ihnen alsbald zum Bewußtsein kommen. Die Abstimmung ergab die Annahme der Ausschußvorschlage in allen ihren Teilen. Unmittelbar nach Erledigung dieser Vorlage hielten die liberalen Führer eine Besprechung ab. Es steht außer Zweifel, daß die große liberale Fraktion sich spalten wird. Im übrigen stimmte die Stadtverordnetenversammlung noch entsprechend den Beschlüssen des Ausschusses dem Abschluß eines Nachtragsvertrages mit den drei Straßen- bahngescllschaften zu, dessen Inhalt wir bereits früher mitgeteilt haben. In der Debatte betonte namentlich Genosse Gebert die Notwendigkeit der Ucbcrnahme der Straßenbahn in städtische Regie, die leider in früheren Jahren verabsäumt sei. Weiter forderte unser Genosse eine Verbesserung des Wagen- Materials, bessere Verbindungen für Charlottenburg, insbesondere in dem Stadtteil jenseits der Spree, sowie die Aufrechterhaltung des 10-Pf.-Tarifs, der durch den Nachtragsvertrag gefährdet sei. In später Nachtstunde sollte noch die sozialdemokratische Jnter- pellation betreffend die Entziehung der.Dienstkleidung für Park- arbeitcr zur Beratung kommen, der Gegenstand wurde aber aus Wunsch unserer Genossen, die eine so wichtige Angelegenheit nicht um Mitternacht behanoeln wollten, von der Tagesordnung abgesetzt. Die Interpellation soll in der nächsten Sitzung möglichst an erster Stelle besprochen werden. Erweiterung der Scrfischkochkurse. Da die durch die Stadt« Verwaltung eingerichteten Seefiichtochkurse aus allen Schichten der Bevölkerung sehr gui besucht sind und die Nachfrage nach Teilnehmer- karten weiter anhält, hat der Magistrat von Charlottenburg die EinnchUliig neuer Kurse beschlossen. Die Kurse, die wiederum von städlischen Lehrerinnen geleitet werden, finden um 6 Uhr abeudS in den Küchen folgender Schulen statt: Montag, den 27. November, in der 18. Gemeindeschule, Nehringstr. 10; Mittwoch, den 29. No- vember, in der 26. Gemeindeschule, Sybelstr. 2l/22; Donnerstag, den 30. November, in der 20. Gemeindeschule, Bleibtreustr. 48; Freitag, den 1. Dezember, in der 22. Gemeindeschule, Witzlcbcn« straße 34. Teilnehmerkarten sind im Rathaus, Berliner Str. 72/73, Erdgeschoß Zimmer 2t, erhältlich. Schöuederg. Der BolkSunterhaltungSabend am Sonntag, den 19. d. Mts., abends B'/j Uhr, in der Aula der Hohenzollernschule, Eisenachcr, Ecke Belziger Slraße, ist dem Komponisten Mozart gewidmet. Es Wirten mit: kgl. Professor Dessau(I. Bioline), kgl. Professor Ichuberl(Klarinette), kgl. Kammervirtuos Espenhahn(Cello), kgl. Kammermusiker Gehwaldt(DL Violine), Fräulein Gertrud Meyjel, Koiizerlsängerin, Herr Egon Söhnlein, Konzerlsänger. Eintritts- karten a 30 Pf. sind zu haben iu der Expedition, Martin-Luther- Slraße 63 und in den Konsumgenossenschaftsläden, Lpostel-Paulus« Straße 40, Gothenstr. 1 und Ebersstr. 25. Rummelsburg. Ein schwerer Straßcnbahnunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr vor dem Hause Marktstratze 1. Dort verließ die 79jährige Frau Elisabeth Kaufmann, Krcutzigerstraße 8 wohnhaft, an der Haltestelle einen Motorwagen der Linie 76. Die Greisin, die ihres hohen Alters wegen nicht mehr gut laufen kann, hielt sich an der Stange des Hinlerperrons fest. Als nun der Straßenbah!-.- wagen sich wieder in Bewegung setzte, wurde Frau K. eine Strecke weit mitgeschleift und zog sich einen Bruch des rechten Beines zu. Die Verunglückte wurde nach dem RummelSbnrger Krankenhause geschafft, wo sie nicht uiibedeuNich daniederliegt. Lankwitz. Märcheuvorlesungen für Kinder von Frl. Maria Schipfmann- Friedenau finden am Mittwoch(Bußtag), den 22. November, nach- mittags 4 Uhr. bei Schulz. Mühlenstraße 21 statt. Eintritt frei I Die Genossen werden eriucht, ihre Kmder darau teilnehmen zu lassen. Friedrichshagea. Eine Theatervorstellung veranstaltet der hiestge BildungSauSschuß am Sonnabend, den 13. November, abends tft/z Uhr, bei Lerche, Friedrichstr. 112. Zur Aufführung gelangt„Nora* von Henrik Ibsen. Der Eintrittspreis beträgt 60 Pf. infl. Einführung« Wt Die Plätze werden wie in der Freien Bolksbühne ausgelost. Billett» sind in der Konsumgenossenschaft, Frledrichslr. 98, zu haben. Trebbin(Kreis Teltow). Auf zur Stadtverordnetenwahl l Am Montag, den 20. November, vormittag» von« bis 10'/- Uhr. sind in der HI. Abteilung zwei Vertreter zu wählen. Auch diesmal müssen die Mandate von der Sozialdemokratie mit imposanter Stimmenzahl behauptet werden. Daher ist eS notwendig. daß jeder seine Pfl'.cht tut und für unsere Kandidaten eintritt. Lasse sich niemand durch die große Stille im bürgerlichen Lager sowvhl wie auch durch die schwache Beteiligung der Gegner bei den letzten Wahlen in Sicherheit wiegen. Erfahrungsgemäß arbeiten die Bürgerlichen um so intensiver im geheimen. Lrbeiterwähler, die Ihr in Berlin und Umgegend arbeitet, opfert auch diesmal die Zeil, und übt Euer mit 18 Mark erkaufte» Wahlrecht aus, um die sozialdemokratischen Kandidaten, den bisherigen Stadtverordneten Hiebsch und Ritter zum Siege zu verhelfen. Am Sonntag, den 19. November, nachmittag« 4 Uhr. findet im SchützenhauZ(W. Tromm) eine öffentliche Kommunalwckhlcr- Versammlung statt. Sorge jeder für guten Besuch dies« Wer« sammlung. Reinickendorf. Einen Scefischverknuf kat die Gemeinde eingerichtet. Die Ver- kaufsstellen befinden sich bei folgenden Kaufleuten: Im tv e st- lichen Ortsteil: Otto Hagedorn, Scharnweberstr. 153, und Franz Gruhl, Antonienstr. 7; im östlichen Ortsteil: Hermann Garlipp. Provinz- und Winterstrafien-Ecke, und Gustav Wurll, Rütlistr. 13. Die Verkaufstage sind Mittwoch und Donnerstag. Die Preise werden vorher vom Gemeindevorstande festgesetzt und durch Aushang in den Verkaufsstellen bekannt gemacht. Auch erfolgt der Berkauf unter Kontrolle deS Gemeindevorstanves. Ebenso wie in Berlin werden auch hier den laufenden Hausfrauen Fisch-Kochrezepte gratis ver- abfolgt. Die ersten VcrkaufStage erfreuten sich regen Zuspruchs, es wurden die Bestände geräumt. Wünschenswert wäre die Errichtung einer weiteren Verkaufsstelle in der Nesidenzstcaße, etwa im Schäferei- bezirk. Bernau. Einen glänzenden Sieg errangen unsere Genossen bei der gestrigen ErgänzungS- und Ersatzwahl zur Gemeindevertretung in der dritten Abteilung. Die vier sozialdemokratischen Kandidaten wurden mit 416 Stimmen gewählt. NowauieS. Tie TelcgicAcnwahlcn zur Ortskrankenkasse für Nowawes und Umgegend finden am Montag, den 2g. November im Lokal „Deutsche Festsäle", Inhaber Wolfram, Wilhclmstratze, statt. Die Mahlzeit ist von nachmittags 5 Uhr bis abends 9 Uhr festgesetzt. MS Legitimation dient ein Mitgliedschaftsausweis vom Arvettgeber oder das Quittungsbuch. Wahlberechtigt ist jedes Mitglied der Kranrenkaffe, welches bis zum Tage der Wahl das 21. Lebensjahr vollendet hat. Es ist Pflicht eines jeden denkenden Arbeiters, der Liste des Gewerkschaftskartells zum Siege zu verhelfen und für dieselbe zu agitieren. Die Wahl ist geheim; Stimmzettel sind im Wahllokal zu haben. Jugendvernnstaltunge«. Schöneberg. Sonntag, den 19. November, nachmittags 4 Uhr, im Tunnel der Neuen Rathausiäle: Gefellschasts- und Untcrhallungsspicle.— Mittwoch, den 22. November(Bußtag): Ausflug nach Lankwitz. TreffMlnkt morgens 8 Uhr am Bahnhoi Schönedcrg. Nachzügler werden nachmittags 3 Uhr in Lanlioitz im Viktoriagartcn, Viktoriastratze, erwartet. Liederbücher sind mitzubringen. WitternngSüberstcht vom IS. November»Sil. Slrbeiter-Wanderbuiid„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonnrag, den 19. November: 1. Zoffen-Trebbill. Abf. PotSd. Ringbahnhos 6" Uhr.— II. Potsdam— Rabensberge— Michendorf. Abf. Bahnh. Friedrich« stvatze 7» Uhr vorm.— III. Dahmsdorf— Müncheberg—Pritzhagener Mühle— Buckow. Abf. Schief. Babnh. 1 Uhr vorm.— IV. Wanderung der Photo« graphcn: Birkenwcrdcr— Briese. Abf. Sielt. Vorortbahnh. 7°' Nhr vorm.— V. Kinderlvandernng. Johannisthal. Treffp.: 1. Bahnh. Wedding(Eing. Ncttelbeckplatz) 8 Uhr; 2. Schief. Bahnh.(Ecke Frucht« und Madaiftratze) 8" Udr vorm. Gäste williommen. Arbeitcr-Waiidervereiu„Berlin". Wanderfahrt am Sonntag, den 19. November, nach Grunewald. Treffpunkt 3'/,— 9 Udr: Bahnhof Schlachten. see. Nachzügler(Kaffee) beim alten Frcund-Pichelstoerder. Gäste will- kommen. Die Freie Gemeinde Spandau hält am Sonntagnachmittag 4'/, Uhr Im Lokal von E. Schubert eine Generalvorsammlung ab. Marktpreise von Berlin am 1ö. November ISII.nach Ermittelung des Königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreife.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50.00. Speifebotmen weiße, 40,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20— 1,80. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,30— 2,20. Butter 2,60— 3,20. 60 Stück Eier 3,80— 6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Stiebte 2,40-24,00. Stationen £1 h = 2 S c5 if Wetter SwMemdt erliv Franks.a M. München Wien 750 SW 747 SsW 753 S 757 SW 762 SW 762 SSW 5 bedeckt 6.Regen Zbalb Bd. 6 bedeckt 5 wolkig 1 Nebel KSK 1« Wie Stationen davaranda 740 SO Petersburg 745 SO Srtllv 'Äberdevi BariS 6 Schnee 1 Regen 754 WS«! L Dunst Wetter KS« t!� »ll W lO 740 NNW 759 DW 1 Regen 4 wollig 0 Q 12 6 S «Setterprognote für Freitag, den 17. November IS 11. lld und zeitweise ausklaren' und ziemlich starken südwestlichen Mild und zeitweile ausklarend, jedoch vorwiegend heiter mit Regensällen Winden. Waisersia»dSbt«« Wafferftand M e m e l. Tilfit P r e g e l. Jinterburg Weichsel, Aar» Oder, Natibor » Strosien , Frankfurt Warth», Schrimm , Landsberg Rehe, Bordamm Elbe, Leilmerih , Dresden » varb? , Magdeburg Wafferftand Saale, Grochlih Havel, Spandaus Ratbenow') S p r e», Evreniberg'Z , LceSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MayimilianSau , Staub Köln Neckar, Heckbronn Main, Wertheim Mosel, Tner am 15.11. om 43 23 4 90 82 102 155 326 116 87 25 87 48 seit 14.11. am') —2 0 -fiS 0 -PI fi-7 —1 -i-SJ +6 +9 —5 +2 -9 Freitag, 17. Novbr. 1911: Anfang 7'/, Nbr. Ä. Opernhaus. Mignon. K. Tchanspielhnus. Der Bettler von Syrnkus. Deutsches. Penthesilea. .vaverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala«Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala- Vor- stcllung. Neues Schauspielhaus. Agnes Bemauer. Ansang 8 Mr. Urania. Tnnbenstrasie 48/19. Von Mein» zuin Ortler. Neues St. Opceutheater. Hamlet. Lcistlig. Glaube und Heimat. Kleines. LottchcnS Geburtstag. Gentz und Faunh EIßlcr. Hocken- jos. Kaunnerspiele. Der Arzt am Scheidewege. Berliner. Bummclstiidcnten. Neues. Das Mädel von Moni- martre. Skrsidenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. ftviui'we Oper. Der Waffen« schmied. Königgräucr Straffe. Spielereien einer Kaiserin. Schiller O. Der Pfarrer von Kirchseid. Äch a.(kvarlottcndnrg. ES lebe daS Leben. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Don Juan. Neues Boltstheater. Das Ver- müchitiit. Noack. Das Lied von der Glocke. Metrop». Tie Nacht von Berlin. Weste». Die Dame in Rot. Lustspielhans. Die BcrgiiügungZ- reise. Trianvu. Wein Babv. Thalia. Polnische Wirffchaft. Luisen. Baroneffe Clane. Rose. Der Hütteubesltzer. (iafino. Der selige HollschinSky. Wintergarten. Spezialitäten. Slpouo. Spezialitäten. ftZaklaae. Spezialitäten Herrnfeld. Schmerzlose Behandlung. DaS Kind der Firma. Königiiadl-Kafino. Spezialitäten. NrichshaUeu. Stettiner Sanger. Anfang 8'/, Mr. Bolgt. Der Krcuzcischieiber. Folies Eaprice. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Tcusel, das hat einge- schlagm! Ausang 8'/, Uhr. Belle-Alliaiice. Der Sittenapostel. Intimes. Der Braiidstijier. Steriiwartc. Jnvalideiiftr. 57—62. Kaiser-Panorama. Neu 1 Hoch. gebirgSlour in Tirol. Indianer« leben Südamerikas. 8edi!lei'-7ve»ter0.Th�wr' Freitag, abends 8 Uhr: vor Pfui-rcp von Kivchfeld Sonnabend, abends 8 Uhr: IHndaiiic Snns-li�no. Sonutag, nachm. 3 Uhr: San Drblld den TuriiiCT. Sonntag, abends 8 Uhr: ifluckaitie Sann-Ufine. SehiHerTlieater Freitag, abends 8 Uhr: En lebe dan Ecben. Sonnabend, nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Son Gurion. Somitag. nachm. 3 Uhr: Saria Stuart. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Heues königl. Opern-Theater. Heute 8 Uhr: SfaiBllet. AbonnemenIS-Vorslellung. Gastspiel Rudols Christians. Stesideilz-Theater. Direltton Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Käroul u. Borrs. Für die deutsche Bühne bearbeitet von BoUen-BaeckerS. Morgen und solgende Tage: Ei« Walzer von Ehopin Erlcdrich-Wilhclmntädt. (Üchannplolhaua. Abends 8 Uhr: l>on«fnan. Belle-Älüance-tlieater Allabendlich 8'/, Uhr: Der Mtlmpostt!. Berliner Theater. iliisang 8 Uhr. Bummelstudenten. 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Neues Theater. Abends 8 Uhr: DaS Mttd�. ,,, Montmartre. Creveite: Erltr.z Hannarv» Sonnt. 3-,. Uhr: oar»"te ßTuer. Lnifen-Theater. Heute»nd solgende Tage: Karonesse Llaire. Sonnabend 4 Uhr: Was HanS u. Lisel tm Zauberwald erlebten. OSE=THEÄTE| Große Franliurler Str. 132. Abend« 8 Uhr: Der Kütienbejitzer. illl Sonnabend nachm.: Die siebe» Raben. Abends 8 Uhr: Michael KohlhaaS. Wlonol-Ihhslöl. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildcm von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. stn Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang v Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Ihealei. .Absuds 8 Uhr: Das beste I'rojjranim der Berliner Varioti-Saieon! Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat Phänome. The Black cats engl. Eackflsch-Bne. and die 10 glKneenden Varlct<5-Xnmmcrn. Trianou- Täglich abends§ Uhr: MMMMMMMMMMMMß) 2. Wahlkreis, Westen. Morgen Sonnabend, den 18. November 1911, In NiQIes Festsälen, Deanewitzstr. 13: (= Unterlialtungs- Abend der ersten und zweiten Abteilung. Mitwirkende: Turnverein„Fichte", Schöneberg, Jugend-Abt; Humor-Quartett. Anfang 8'/, Uhr. Konzert und Tanz. 212/3 Ab 8 Uhr: DaS neue Programm! Der Gipfel der Komik Clirctlcnni n. Loulsctte holländische Ducitisten. Paul JUllcb mit seinen Szenen Nachexerziere». Eine Wöhlcr-Bcr- samnilung. Nur noch kurzr Zeit: Ein Abend in einem ninerikauischen Vinkel «s M nie iasewesener Lacfierfolg! Sas Kind der Tirma. mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: 8Glimör2lo8g Behandlung. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. i Die himmlischen Zwillinge zusammengewachsen. Lebend zu sehen! Ohne ExtraaEntree. Corso'Variete. Frlcdrlchstr. 165. Heiterer Kfinstler-Abend. 12 Attraktionen 12 Cntree 50 Pf. SPÖRTPiLÄST am 18. und 19, November ~ Besinn 6 Uhr abends.— Nur Daoaatznkten gültig.— Noacks Theater Direklion: llohert Olli. Berlin K.. Brunnenstraß« 16. Gastspiel im Moabiter Wittter- Garte», früher �.rtnsboit, Pcrlebergcr Str. 26. Das Lied va» der Glocke. Wallonstol«» Lager. Anfang 8'/, Uhr Direktion: Willy Cremer. Morilzplatz Hasenheide Heute letzte Gastspiel-Vorstellung: Zigeunerblut. Dramatische Pantomime in 3 Akten mit in der Hauptrolle. | Alexanderplatz j Unter d. Linden| Die Ehebrecherin. Sittendrama nua dem Franzö- eischon in 2 Akten. Außerdom dit übrigen glänzenden Programmdarbietung. Morgen g Premieren. Kreuzberg-Festsäle SW., Kreuzbergstr. 48. Jeden Freitag: Mlmanns Sänger. Ans. 8 Uhr. Entrce 20 Ps. Passepartouts u. Vorzugs- karten gültig.' Räch der Vorstellung: Frei- Danzkränzchen. Feden Mittwoch: Gr.Frcl-Tanz. Ans. 8'/, Uhr. Für Bcrcine Sonnabende noch zuuerg. HciisHäiTendHerr ir Slmr Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Urania, Wissenschaftliches Theater 8 Uhr: Von Meran zum Orüer. Zirlms W A. Sclmmaim Heute abend 7'/, Uhr: IVca t Ncn! jAlonco u. Bracco, De Mario Im Fvoachparadlon. Briatorls in ihren Kunstleistungen. 1 TonitofT Walter, die Ur- | komischen sowie olle übri Attraktionen. 1 1000 Jahre bngon Attraktionen. Um O'/j Uhr: xr Bilc auf dem Meeresgrund Große Feorie in 6 Bildern. Sonntag, 10. Ai'ovembor, 3'/, Uhr: Extra■ Nachmittagsvorstellung mit Qalaprogramm und ungekSritor Aufführung der großen Feorie. lOOO juliro auf dem _ Bteuresffrand._ Korfürstendamm 151 nahe Bahnhof Halenseo und Charlottenburg. OcölTnct ab 10 Uhr vorm. 125 folarbewohner bei Arbeit,, Sport und SpieL Rcnnderhcrde, Polarbären. Hintritt für Ausstellungsh. 50 Fl. Vorkehrungen: Wochentags 41/,, ß'/s, 9 Uhr. Letzte HauptvarkDhrung abends 0 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf. Folies Capriee. Ansang 8'/« Uhr. „■K,.. Mo. M. Kobi Krach Oolks-Cheatcr. N'xdorf, Hcrmannstr. 20. Sonntag. 19. Nov: Die Kanouen- königin. Schwank in 3 Alten von Richard Manz. � SD; otilug, 20. Nov.: Gespenster. Fa. inillenbrama in 8 Akten von Henrik Ibsen. ÄHrkiN« Ansvl» Heute abend 7'/, Uhr: Die grEGie Sensation der Neuzelt! SMgnolm. seinem tollkühneji Todcsnprnng. Prolongiert! Zum 2. Male: Ole drei Affen-Menschen Jlax, HoritB ancl Pcpl. Herr Ernst Sohumatin, Originaldressuren. Flnlay-Trio. Fräulein Anna Stennis, Schulreiterin. Scitvsttern Blumenfeld, Renk au Pferde. Quadrille Internat. Um O'U Uhr wirp 35. Male: Origin.- Ausstattungsstück des Zirka« Bäsch in Ctaslns-Thoaf er1 Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Trotz des enormen Andranges Letzter Monat Bcriiner Poffcn-Schlagcr Der ftlige Kullschinsky. Somit. 3'/. Uhr: llln Weib a. d. Volke. Köiiigstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstraße nahe Lannowltzvrück«. Vom 1. bis 1v. November. abends>/,8 Uhr: DaS Ricsrn- Weltstadt-Programm. Bumkcs Sommcrrelse u. die ersiNasffgcn Spezialitäten. Sonntags 2 Vorstellungen: nach- �nittagS�A�n�rben�� Voigt-Theater. Gestindbruniien Badstraße SS. Freitag, den 17. November 1S11» Die Krenielschreilier. BauernkomLdle mit Gesang in 3 Akt. von Ludwig Anzengruber. KaffenerSffn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. JE!«-.4.r ouo Nachmittags Blllit&r- Konzert. | Allabendlich; Dos prachtvolle Eis-Ballett In un- | Ubertroffener Ausstattung. »Alpenzauber". Außerdem abends: Die kleine Charlotte mit ihrer Novität: I Bor I.ichtcytanz".| üinödshofer-Konzert. Restaurant I. Ranges Soupers a la Harte. Bis 8 Uhr n. von 16'/, Uhr| I abds. halb* Kaasenpraise. Unter Mitwirkung von und M«mwuh, weiteren 30-40 erstklassigen Fahrern. Vorverkauf an den Kassen und bei A. Wertheim, ------- Leipziger Straße. Arbeiter-Biidungssehule. Sonntag, den 19. November, abends 7 Ubr, in den„Arminballen", Kommandantenstr. 58/59: Vortrag des Schriftstellers Felix Linke über: 6/15* „Die Entwickelung des Lebens im Weltenraunit4* eintritt 20 Pfennls. Nachdem: Garderobe frei. Gemütliches Beisammensein und Tanz. Vcnraltnnar Berlin. Heute Freitag, abends 8 II Dr. im Gewerlschaftshause, Engclujcr 14/15: (Setiera!- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl eines imbesoldelcn Mitgliedes zum Hauptvorstand. 2. Neu. Wahl des zweiten Bevollmächtigten. 3. Ersatzwahl zur Ortsverwaltung 4. Bericht der Ortsverwaliung. 5. Kassenbericht. 6. Anträge. -.. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert.------- Bio Ortsverwaltnux. Bezirk Südosten, sü Sonntag, den 19. November: :: Kkjlchllgliug der Arbeitttivohifchrts- Ansstellung:: in Ehnrlottcnbnrg, Frauenhoserstr. 11/12. Treffpunkt um'/»! Uhr am Knie. Ansang 1 Uhr. Bio OrtgTerwaltang. A« üilkni dtr5'sij!r!!l-F1ol!!-«.ßli!!iiiibrli!ilhc bkjHMgicii Arbeitn! Sonntag, de« 19. Nvdenibcr 1911, abendS pünktlich S Uhr: m Branden � in den Ritterliilen(Inh. verchl), Ritterstr. der 7S. Tagesordnung: Genosstn Fränlcln BertruS Bann» über: Vortrag „Die wirtschgstlichk ZtrllMg der Frim 92/13 in der hkniigen Gtsellschnst." Nachdem: Gemütliches Beisaminensein und Tanz. Diese Versammlung ist für sämtliche Kollegen nebst Frauen einberufen. Bio Brancllcnlcitnngcn. Zahlstelle 12 ist von der Naunynstr. 14 nach der Naunynstr. 9 zu Paul Li er verlegt. Zeiinttgs-AnsgabesteUen und Inseraten-Annahme. �rnirnni: Merl H» b n i s ch. Slugnststr. SO, Eingang ftoadjimürafee. 9. Wahlkreis. W.: Tust. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. S. und SW.; Hermann Werner, Viieilenaustr. 72. S. Wahlkreis: El. Fritz. Prnnenstr. 31, Hos rechts pari. 4. Waklkrois: Ost e n: Robert Wengels. Gr. Franlsurterstr. 120. — Zlichard H a ck e I b ii s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis. Süd oiten- Paul Ä ö b in, Uausttzerplatz 14/15. t». Wakkltrels: Leo F n ib t, Jinmautielkirchstr. 12(Hos). v. Wnklkvclis(�ToaUit 1: Kart Anders, Salztvedelerstr. 0. Wedlaiag: K. H ö n i I ch. Nazarethkirchstrage 4S. lioseirtkalor nnd Oranienburger l'orstadt; Wilhelm v« u m» n n. Zlheinsvergerftr. 67, Laden. CcsnnW 13. GM! GM! Gänse-Artikel Hermann Leißner, Eckhaus Kaiscr-Wllhelmstr. 11. sowie sämtliche*«•••■■«»*»—«s scrvtJI"großer flänsestOckenrieisch a Pfd. 40 PI., Oänselcberwürstchen a Stck. 10 Pf.. la Gänseschmalz, garantiert rein, a Pfd. 1,20 M. 173/13 Cicrfiacherte Günsckealcn mit nnd ohne Knochen. IT. Schlack- nnd Salamiwurst a Pfd. 1,20 M. usw. Berlin(?., Klosterstr. 95, Zentral-Markthalle Stand 26. fieuhcher Sanarbeiter- Verband. Zweigvereiu Berlin. Achtung! Sektion der Putzer. Pantzer! Achtung! Sonntag, den 19. November 1911, vormittags 10'/zUhr, in Drasels Festsälen, Neue Friedrichstratze 35: = Mitglieder-Versammlung, s T a c 1. Lohnsich emng und Arbeiterfiirsorge auf l Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht eSorbnungl lauten. 2. VeilchiedeneS unb Ausgabe der Lohntaris». Bie Srtliche Verwaitaag, Achtung! Gruppe der Fahrsluhlarbeiter! Achtung! Sonntag, den 19. November 1911, vormittags 10 Uhr: (rfii iipen-lersititm an Iii es»cii für Rixdorf bei Wolf, Kirchhofstraste 41, für Wedding und Moabit bei Prepperna», Pasewalker Straste�Z, für Schönhauser Vorstadt bei Gliesche(Klubhaus), Kopen» Hagener Straste 74, wozu wir die in Frage kommenden Kollegen dringend einladen. 141/5'_ Bie Grnppenleitnng, BstitraMand der Dachdecker Tcrwaltnngsstellc Berlin. Sonntag, den 19. November, vormittags 10 Uhr, bei Fritz Wilke, Sebastianstr. 39: s Versammlung. � 53/6 Tagesordnung: 1. Welche Mastnahmen sind erforderlich, um den Arbeits- Nachweis besser auszubauen? 2. Neuwahl der Mitglieder zum Kura- torium des paritälischen Arbeitsnachweises. 3. Verbandsangelegenheiten. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet Ber Vorstand, Zentralkrankenkane der Maurer Deutschlands(Grundstein zur Einigkeit). ===== Zahlstelle Charlottenburg/.=== Sonntag, den 19, November 1911, vormittags 10 Uhr t Mitglieder-Versammlung im VollshauS, Nosiiteiisir. 3, vorn. Tagesordnung: 149/15 Abrechnung vom dritten Quartal 19t 1 und Kasienangclegenhelten. — Mitgliedsbuch legitimiert.■ Tie Ortsverwattung. lucfinfynuv r&ty Üpw&M Äjl Gemeinsame Orts-Krankenkasse für 3el>lel!i>l!rsli.Umgegtvd. Die Vertreter in der Gcneralvcr- sammlung werden zu einer OM. General-Versammlung NM Mittwoch, den 29. November 1911, nachmittags G'/a Uhr, im Restaurant dcS Herrn JnlinS Rutsch, Machnower Str. 3, einge- laden. 281/6 Tagesordnung: 1. Neuwahl eines Arbeitgeber- und zweier Arbeilnchmer-Bertreler in den Vorstand. 2. Wahl des AuSschusies zur Prüfung der Ncchiiiing für 1911. Zehlcndors, den 15. November 1911. Ter Borstand. Fr. Schirnicr. fak. Jeder Hrbeitcr, jeder f)andwerfee? follte zur Hrbcit die Lederhoc* Herkules tnfien. S OserrsioMs 9 Letstoagsfüiigksifc Allein-Yorkanf- Sehr starkes Leder in granen abrannen Streifen, auch einfarbig. Am Bund ans einem Stück gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist» S ehr feste Kappnähte m. stark. Gaio Ocdwera Leder-Piiot-Tnehea. Große Flicken umsonst froti dieser vielen und anderer VorzOce kostet die Herkules- Hose für normale Mannes- QrCßs M. 59 Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Oewerke a Industrie, Sanititsdienst usv, ßAEß SOHN Spezlal• Hans gr3Bte> Mafistabe* Chsaucestr.»p-z»— B rücken, tr, O Or. Frankfurtervtr. ao Schöneberg, Hauptstr. I*. Haupt-Katalog gratis und trank» Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Zehlettdorf u. Umg. Zur Neuwahl von 14 Vertretern und 7 Stellvertretern der Arbeit- geber, sowie 31 Vertretern und 16 Stellvertretern der Kasscnmil- glieder werden die Arbeitgeber und die wahlberechtigten Kassenmitglieder hierdurch eingeladen und zwar: 1. die Arbeitgeber zum Montag, de» 37. November, nachmittags 4—5 Uhr und 2. die Arbcitnebmer am selbigen Tage, nachmittags si— 8 Uhr, in: Restaurant des Hrn. iulius Rutsch, hiersclbst, Machnowcr Str. 2. Die Kassenniilgiiedcr haben bei ber Wahl ihre Mitgliedskarte zwecks Le- gilimaiion vorzulegen. Zchlendors, den 15. November 1911. Ter Borstand. Fi». S c h 1 r ni e r. vorboV Ho. 57 Milcst operai Sn Ho, 61 Maioja casisllas 6 rt Ho. 91 Ua!o]a bGoqQets 7 n Ho. 24 MalojacminealasSpt- Ho. 163 Mal. aromalicos 10 n eumann Ci�az*r en.— Fabi�i | Ueber 200 Niederlagen In Deutschlands| Neu eingeführt! Fehlfarben-Sortimente Jeder Beutel enthilt eine Mltchung beccndire preiswerter Fehlfarben. Pehlfarben-Sortiment Fortuna Stück 60 Pf. Feblfarbon-Sortlment Hansa. Stück 75 Pf. feehlfarbcn Sortiment Excelstor......... 10 StUck 1,00 21. Bekanntmachung. Orts- Krankenkasse ' für den Amtsbezirk Tegel mit Ausschluß von Plotzensce. Die Serdsl- LenersI-VersAwmIllllg wird anberaumt auf Montag, d. 27. November 1911, um VI, Uhr abends, nach dem Trapplchen Saale(Jnh. Mar Gamm) Bahnhosstr. 2. Tagesordnung: 1. Wahl eines Ausschusses von drei Mitgliedern zur Prüfung der Jahres. rechnung 1911. 2. Bericht des Vor. standcS. 3 Vorlegung der vom Vor. stände mit dem o) Herrn Dr. med. OS. kar N I tz e, Berlin. KopeniikuSstr. 22, d) Herrn Dr. med. SteuSlofs, cnnigSdors, c) Herrn Dr. med. run° Wolfs. Berlin, Slegl'tzcr trotze 13, 2—3. Spczinlarzt sür viaucnkraukhciten, Klinik»öuiggrätzer �trotze 46a, 5—6, abgeschlossenen Ber- träge behnss Abstellung alS Kasten- ärzte und Genehmigung derselben. gcmätz§ 57 Ziffer S chcS Kassen- slatutS. 4. Verschiedenes. Die gewählten Herren Vertreter werde» hiermit ergcbenst eingeladen. Tegel, den 10. Noocmber 1911. 281/10 Ter Vorstand. gez. Oswald Arlt, Dorsih-nder. gez. Paul Hoffmann, Schriftführer. Orts-Krankenkasse der Möbelpolierer. Am Montag, den 27. No- veniber cr., at>ends 8 Uhr. bei Manz, ivluincnstr. 48(früher 33): lZiljenll. Kelieiglvöizsmmliiiig. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstände». 2.' ErgänziingZwabl deS Vorstände». 3 Wahl der RechnungSprüfungZ- ' kommission für 191t. 4. Wahl eines Kassierers der Zahl- stelle B., Osten. 5. Antrüge und Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Herren Delegierten wird gebeten. 281/9 Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Dachdecker Berlins. Dienstag, den 21. November cr.. abends S Uhr, bei Talg, Stalitzer- stratze 51/52: Ordcutllcho General-VersaRimlmig. Tagesordnung: 1. Wahl eines Borst andsmitgsied es für Arbeitgeber aus zwei Jahre. 2. Wahl sür zwei Vorstandsmitglieder sür Arbeitnehmer aus zwei gabre. 3. Wahl sür ein Vorstandsmitglied sür Arbeitnehmer aus ein Jahr, 4. Wahl des RechnungSprüfungZ� ausschusscS für das Jahr 1911. 5. Ah? änderung dcS§ 39, Geschästsordnuug des Vorstandes. Delegiertenkarte legitimiert. 281/11 I. Hornemann, Vorsitzender. JiscIilefverBin. e.». 89, Sonnabend, den 18. November» abendS 8'/, Uhr. M e l ch t o r st r o st e 15» VersammBungs Vortrag deS Herrn A.. Rauteu- berg über:.Eine Reise in die Eternenwell-, Vereinsangelegen» Helten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Die Versammlung wird pünktlich erosinet. Damen und Herren alS Gäste willkommen. 199/10_ Ter Vorstand. Meiler-Raiilalirer- Biiml Soiiiiariiät Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 19. November. 2. Abt.: 1 Uhr: NowaweS(VolkS- garten). Start: Schönleinstr. 6. 3. Abt.: 1 Uhr: Zehlcndors(Miey. Statt: Lausitzer Platz 12. S-Abt.: vi, Uhr: PichelSwerder. Statt: Elysium. Ab'- l'h Uhr: Glienicke an der Nordbabn(Allermann). Statt: Oder» berger Str. 28. ®- AM.: 2 Uhr: Lankwitz(Gesell- schastShauS). Statt: Bcusielstr. 22. V-„Abt.: Ii/, Uhr: HermSdors (ForsthauS). Start: Schillingstr. 22. Achtung' Achtung k Mittwoch. SS. Novbr.(Vnsitag), in der Neuen Welt: Lichtbilder-Bortrag (Reise aus der Insel Island), Kinematograph. Konzett und Tanz sowie Gratis Verlosung einer Näh. Maschine. 13/7 Sröffmutg 4'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. kchr-dlMs ,Mch A»s!" Miolk:«kttiiussr'�ishftr s. werte» Kundschaft»nr Nachricht, datz von jetzt ab die Ge. schaste deS Sonntags nicht mehr geöffnet sind, und bitten wir höslichtt. dies zu berücksichtigen.__ lieal Persianer imit für eleg. Baincn* von 9,50 an. von 6,50 an, Paletots. Tnchlagep Kcch& Seeland G. m. b.TI., Gertrautetr. 20-21, Kerantwortlicher Redakteur: Nichard Lartb, Berlin. Für des Lnseratenteil verautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. tzo, Berlio SWj