Nr. 271. flbonnetnentS'Redingungen: NSonnementS- Prcis pränumerlmdoi Liertcljührl. 3£0 Ml, monatl. 1,10 Mt, wöchenllich 20 Bfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit Illusirieriec Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonncmcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eiitgciragen in die Post-Zeitungs- Prcislifie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. die Insertion!'Lediihr leträgt für die fechSgefpaltene Kolone?« zelle oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlfchastliche LcrcinS- und Verfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über löBuch- ltaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächsle Ninmner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. crlchelot tSzliÄ ZuLei' montags. Verltnev Volksblnkt. Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutschlands. Delegramm-Adreffe! .Soxialltemslirat klrii»". Redaktion: SM. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt IT, Str. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „Criaricr" Giesbcrts gegen (Regierung und Zentrumspolitik. 11. Etwa wie der Einspänner Dr. Heim besprach auch Gies- berts die Frage der Futtermittelzölle und der E i n> f u h r s ch e i n e. Dann kam er auf die Z u l a s s u n g aus- ländischen Fleisches zu sprechen. Nachdem er die vorgeschriebene Reverenz vor den„sanitären" Grenzsperrbe- itimmungen gemacht hatte, meinte er: .. Aber es berührt doch eigentümlich, daß man gegen- über Rußland, Oesterreich, Frankreich, die Schweiz die Grenze geöffnet hat, d. h. die Einfuhr eines bestimmten Kontingentes von Fleisch und Vieh zugelassen hat. während man die hol- ländische Grenze hermetisch geschlossen hält. Meine Herren! Eine Oefsnung der holländischen Grenze unter den nötigen Vor- fichtsmatzregeln, die würde gerade unser rhcinisch-westfälischcs Fndustricgcbiet in der Fleischnot etwas leichter stellen als bisher. Ein dritter Vorschlag ist der, daß man frisches Fleisch aus dem Auslande einführt. Da ist vor allen Dingen erinnert worden an gefrorenes argentinisches Fleisch. Dieses Fleisch wird zwar an Qualität unser gutes deutsches Fleisch nichts erreichen. Ich Hobe Gelegenheit gehabt, in den Vereinigten Staaten und in England, auf dem Markt zu sehen, daß der Unterschied in der Qualität ein großer ist. Aber darauf kommt es nicht an. Wenn die Fleischversorgung durch die deutsche Landwirtschast nicht in dem Maße möglich, ist, wie es eine gesunde Volkswirtschaft er» heischt, dann müssen Mittel gesucht werden, um Ersatz zu schaffen, und ich kann nicht einsehen, warum bestimmte Groß- städte, wie beispielsweise Berlin und Leipzig, nicht die Erlaubnis erhalten sollten, argentinisches Fleisch in gefrorenem Zustand einzuführen. Der Mann, der keine Mark für ein gutes Stück deutsches Fleisch anlegen kann, der kann sich dann wenigstens für 39 bis 79 Pf. ein Pfund argentinisches Fleisch kaufen. Aller- dings hat man sich gegen diese Maßnahme nicht so ganz ab- lehnend verhalten. Man hat aber gleichzeitig betont, daß an eine Abänderung des Fleischbeschaugesetzes nicht herangetreten werden könne. Was die Einführung erschwert, das ist die Vor- schrift, daß die Tiere nur in Hälften eingeführt, und zwar zu- sammen mit Milz, Leber und Lunge, damit an diesen Weich- teilen untersucht werden kann, ob das Tier krank gewesen ist oder nicht. Nun ist ja ohne weiteres klar, wenn eine Tierhälfte zwei Monate in gefrorenem Zustande unterwegs ist, daß die Weichteile dann so verändert sind, daß kein Tierarzt an ihnen eine Krankheit feststellen kann. Das sollte uns aber doch nicht abhalten, die Maßnahme einzuführen und an Ort und Stelle eine gründliche Untersuchung durch deutsche Acrzte vornehmen zu lassen. Man braucht auch nicht gar so übermäßig ängstlich zu sein. Ich bin überzeugt, daß das Fleisch, das einen zwei- monatlichen Transport aushalten mutz, von guter Qualität sein mutz, wenn es überhaupt noch genießbar sein soll." Noch vor einigen Wochen durchlief von M.-Gladbach aus ein Artikel die Zentrumspresse, der in der den M.-Gladbacher „Volkswirten" eigenen hochtrabenden Weise„feststellte", daß „die Fleischeinfuhren nicht verboten"(!), die Grenzen„nicht geschlossen" seien: eine solche Behauptung könne nur die „verlogene" sozialdemokratische Presse aufstellen. Jetzt hören die katholischen Arbeiter durch den in M.-Gladbach wohnen� den Herrn Giesberts, daß ihnen hinsichtlich des Fleischein suhrverbots und der Grenzsperre gehörig Sand in die Augen gestreut ist. Auch in der Zentrumspresse, die Herrn Giesberts am nächsten steht, wurde behauptet, aus dem Aus- lande sei keine vermehrte Nahrungszufuhr zu erwarten, weil das Ausland„selbst nichts übrig habe". Jetzt verlangt Gies- berts die Oeffnung der Grenze gegen Holland, um von dort Vieh und Fleisch einführen zu können. Derselbe Mann, der emen„unbeschränkt herrschenden Stadtrat in Berlin" zeugt. spricht in derselben Rede seine„Verwunderung"(!) darüber aus, daß Berlin nicht einmal die Einfuhrerlaubnis für argen- tinisches Fleisch erhielt! Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Herr Giesberts machte im vorigen Jahre eine Amerikatour. Was er am Sonntag den Zentrumswählern im Kreise Essen über seine Beobachtungen in der amerikanischen Fleischindu- sine erzählte, ist ein so schwerer Schlag in das agrarische Kontor, daß wir diesem Teil der Giesbertsschen Rede schon zur Freude der konservativ-klerikalen Hochschutzzöllner und Grenzsperrer eine möglichst große Verbreitung verschaffen möchten. Giesberts sagte wörtlich— immer nach dem Steno- granim in seiner Parteizeitung—: „Weiter, meine Herren, wir haben ein Verbot, da? ganz Be- sonders gegen Amerika gilt, das ist die Einfuhr von Büchsenfleisch und Hnriwurst. Bekanntlich ist das Verbot der Einfuhr von Büchsenfleisch erfolgt, weil durch den Genuß des bekannten Eowietbeefs vereinzelt Personen erkrankt sind. Nun, ob dl« Sache damals nicht übertrieben worden ist. lasse ich dahingestellt. Cr 5 giot bei uns noch alljährlich Vorkommnisse, daß elnzclne Erkrankungen an Fleischgenuß der auS inländischem Vieh ber- gestellten t)'lei schwurst vorkommen, und noch vor einigen Wochen Ist in einer rheinischen Ttadt ein Metzgermeister zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er in die Wurst Schweine- Ji\enc.�la�CÜeUat' was durch die Indiskretion seiner Gesellen schließlich der Staatsanwaltschaft bekaNÄt geworden ,st. So falsch eS ist, von diesen einzelnen Metzgermeistern auf den ge- samten Metzgerstand zu schließen, so falsch ist es auch, wenn vereinzelt ein Stuck Büchsenfleisch ungesund ist. nun zu er- klaren, das gesamte Buchjenfleisch sei ungesund und ungenießbar. Meine Herren. Staatssekretär Delbrück hat gegenüber der Forderung der Einfuhr von diesem Büchsenfleisch gesagt, man habe m Fapan im japanischen Kriege und in dem Kriege aus den Philippinen sehr ungunstige Erfahrungen mit dem Büchsen- fleisch gemacht. Aber ich meine, auch ein Staatssekretär kann wissen, daß es ein großer Unterschied ist, ob Büchsenfleisch in den Tropengegenden monatelang transportiert wird, monate- lang auf dem Kriegsschauplatze herumliegt, oder ob Büchsen- fleisch auf einem gut geordneten Wege von Chicago nach New Jork gelangt und auf einem geordneten Seeweg nach Hamburg transp»rtiert wird, und stets unter geordneter sanitärer Kon- trolle steht. Meine Herren, ich hatte im vorigen Jahre Gelegen- heit, in den Vereinigten Staaten, in Chicago, ein grosses Schlacht- Haus zu besichtigen. Das Schlachthaus„Ambut", das ich bejich- tigte, schlachtete tagtäglich zirka 3999— 4909 Stück Großvieh, 14 000—16 909 Stück Schweine und 15 090 bis 29 909 Kälber und Hennen. Sie können sich da eine Vorstellung machen von dem Umfang dieses Fleischetablissements. Ich bin in diesem Schlacht- haus ungefähr einen ganzen Tag gewesen, ich bin nicht bloß den Sonntagsspaziergang gegangen, den man sonst gebt, der dem Publikum offen steht, sondern durch die Freundlichkeit des Di- rektors hat man mich in alle die Säle geführt, in die ich hinein- geführt werden wollte. Ich hätte auch unten im Untergeschoß, in der Fettsiederei, in der Abteilung, wo die Därme gereinigt werden, und wo Weichwurst gemacht wird, geführt werden können. Ich habe das abgelehnt und zu dem Direktor gesagt: Die Weichwurst, das ist stets ein Vertrauensartikel, auch bei uns in Deutschland kauft die Hausfrau nicht bei jedem Metzger ihre Blut- und Leberwurst, sondern bei dem, zu dem sie Vcr- trauen hat, und so habe ich gar kein Interesse daran, hinunter- zugehen. Aber dort, wo das Büchsenfleisch verarbeitet wird, wo die Hartwurst gemacht wird, da bin ich gewesen, und ich darf Ihne» versichern, meine Herren, daß die Art der Zubereitung, die Propcrität, die dort in den Sälen herrscht, daß die eine solche ist, wie sie kaum in einem kleineren Metzgereigeschäft durchgehalten werden kann. Ich habe dem Direktor am Schlüsse meiner Besichtigung erklärt: Bon dem Fleisch, das ich gesehen habe, würde ich bedingungslos jedes Stück genießen, soweit Reinlich- keitsgründe und sanitäre Gründe in Frage kommen. Nun frage ich mich, warum wollen wir das argentinische Büchsenfleisch nicht einführen lassen? es gibt so viele Taufende von Menschen, die heute Pferdefleisch essen müssen, warum sollen sie nicht amerika- nisches Büchsenfleisch oder Hartwurst essen können?" Eine schärfere Verurteilung unseres auf den Ausschluß ausländischer Nahrungsmitteleinfuhr gerichteten überagrari schen Zoll- und Grenzsperrsystems, wie sie in der Erzählung Giesberts über seine amerikanischen Erfahrungen liegt, kann auch der enragiertestc Freihändler nicht aussprechen „Warum wollen wir das Fleisch nicht einführen?" ruft Herr Giesberts aus. Ist der Mann wirklich so geistig beschränkt, daß er nicht weiß warum? Nein, so beschränkt ist er nicht. Er weiß ganz genau, daß in den häufigen agrarpolitischen Debatten, besonders bei den wiederholten Interpellationen wegen unseres Zoll- und Grenzsperrsystems die sozial demokratischen Redner die Zulassung der Fleisch zu fuhraus Amerika usw. unter Beob achtung der selb st der ständlichen sanitären Vorsichtsmaßregeln gefordert haben. Jedesmal waren es neben den konservativen und national liberalen die klerikalen Hochschutzzöllner, die energisch für den Fortbestand des strikten Einfuhrverbots eingetreten find! Das ist Herrn Giesberts wohlbekannt, er hätte auf seine Frage „Warum?" sich selbst und den katholischen Arbeitern die Ant wort geben können:„Unsere Zentrumsfraktion und die anderen Zöllnerparteien wollen die Fleischeinfuhr nicht zulassen!" Das hätte Gies- berts um so mehr seinen Zuhörern sagen müssen, weil er doch selber aufforderte:„Streuen wir uns gegen- seitig keinen Sand in die Augen!" Aber Gies- berts gab die ihm bekannte Antwort nicht, vielmehr brachte er es fast am Schluß seiner Rede wahrhaftig fertig, die— Sozialdemokratie als die sozusagen eigentliche Ver- teuerungspartei hinzustellen! Dieser respektablen Leistung fügte der„Triarier" nach dem Gebot der„Germania" die Aufforderung hinzu:„Gehen Sie zum Angriff gegen die rote Partei übe r!" Das ist'doch aller- Hand von einem Mann, der einstmals den Arbeiterkittcl ge- tragen hat. Giesberts kennt auch sehr genau die verteuernde Wir- kung der Zölle. Sagte er doch in seiner Rede mn 5. Novembet: „Zu den Gemüsen, die total mißrate» sind, gehören die Kohlarten. Weißkohl. Wirsing. Rotkohl. Die Steckrüben sind fast allgemein vertrocknet. Mohrrüben sind meist nur in schlechter Qualität zu haben. Kartoffeln sind erheblich teurer, aber dafür besser als sonst. Diese Gemüseteuernnq wirkt für uns um so mehr, als aus Gemüse ein Zoll von 2,50 M. pro Doppelzentner lastet. Im allgemeinen nimmt man eine solche Gemüsetcuerung nicht sehr tragisch, aber sie wirkt auf den Arbeiterhaushalt be- sonders schwer, zumal auch die Ersatzartikel ebenfalls unverhält- nismäßig hoch im Preise gestiegen sind." Als unser Zolltarifgesetz geschaffen wurde, da war es nicht zuletzt Herr Giesberts, den in Wort und Schrift den katholischen Arbeitern glauben machen wollte, der Zoll würde „vom Ausland getragen". Diese unsinnige Behauptung kehrt in den klerikalen Reden und Flugschriften immer wieder, allen jahrzehntelangen Erfahrungen zum Trotz. Jetzt erklärt der überagrarische„Triarier" Giesberts, der Gemüsezoll von 2.50 M. wirke verteuernd, womit abermals eingestanden ist, daß den gutgläubigen katholischen Arbeitern in der entschci- denden Zeit, als ihr energischer Protost gegen die Zollerhöhung vielleicht manche der ärgsten Zöllneraussckircitiingen verhindert hatte, ganze Säcke voll Sand in die Augen gestreut worden sind. Die Mahnung der„Germania":„Triarier vor die �™>ttt!" hat der erste„Triarier" Giesberts in einer Weise be- folgt, dle den Kostgängern des„bewährten Wirtschaftssystems" schwer auf die Nerven fallen wird. Arg hat er in dem agrarischen Porzellanladen gehaust, natürlich unbewußt dessen, was dabei herauskommen würde. Gerade diese Bewußtlosig- keit des ersten„Triariers" macht seine Rede so wertvoll für alle Gegner der Verteuerungspolitik. Giesberts Rede ist eine unbezahlbare Fundgrube für unsere Agitatoren. Rnflnatlonak Qertzebrsfdndlichlleit. In Fortführung derzweitenLesungdes Schi f f» fahrtsabgabengesetzes im Reichstag kam wiederum die Verkchrsfeindlichkeit der Regierungspläne in wahrhaft klassischer Weise zum Ausdruck. Denn das ist gerade das Charakteristische, daß die Regierungsvertreter und ihre Handlanger in den Parteien, die sich als die„Hüter der natio- nalen Gesinnung", als die„wahren Patrioten" aufspielen, durch ihre kleinliche Wirtschaftsreaktion geradezu gegen dieEinheitderNationsich versündigen, indem sie die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Landesteile gegen einander ausspielen. Verkehrsanlagen, die im Interesse der gesamten Nation liegen, werden nicht zur Ausführung ge- bracht, um irgend einem minder wohlgefällig angesehenen Landesteil die Konkurrenz mit anderen zu erschweren. Diese allgemeine Tendenz der borussischen Wirtschafts- reaktion tritt besonders auffällig in Erscheinung bei der Frage der M 0 s e l k a n a l i s a t i 0 n, die einen Hauptstreitpunkt in der Freitagsdebatte im Reichstag bildete. Wenn schon einmal auf Grund der geplanten Abgaben- erhebung eine Regulierung der Stromstraßen des deutschen Reiches vorgenommen werden soll, dann ist es natürlich not- wendig, daß alle schiffbar zu machenden Ströme dabei be- rücksichtigt werden müssen. Im allgemeinen erkennt das auch die Regierung an. Beim Schiffahrtsgesetz des Rheins sind alle seine wichtigeren Nebenflüsse berücksichtigt, nur nicht die Mosel. Die Sozialdemokratie verlangt zwar, daß die Schiff- barmachung von Main und Neckar weiter stroniauf in An- griff genommen wird, als die Regierung es geplant hat. Da- bei handelt es sich immerhin aber nur um die-Frage, ob die Neckarkanalisierung bis Heilbronu oder bis Eßlingen, die Mainkanalisierung bis Aschaffenburg oder bis Bamberg ge- trieben werden soll. Die Mosel ist jedoch in dem Gesetzentwurf völlig als Stiefkind behandelt worden. Bei diesem Nebenfluß des Rheins wäre aber die Kanal:- sierung im wirtschaftlichen Gesamtintcresse der Nation auf das' Dringendste erforderlich. Aus zwei Gründen: Erstens machen die gewaltigen Erzlager des Minettc- gebiets in Lothringen die Erniöglichnng billiger Wasserfahrten nach dem übrigen Deutschland zu einer wirt- schaftlichen Notwendigkeit. Dazu ist aber der Talweg der Mosel die gebotene Fahrstraße. Zweitens müßte gerade das angeblich bei unseren Patrioten so dringende Bedürfnis, die Elsaß-Lothringer durch Verschmelzung ihrer wirtschaftlichen Jntercsssen mit denen des übrigen Deutschlands dem Reich nn- löslich zu verbinden, die Kanalisierung der Mosel von Metz bis Koblenz zu einer erznationalen Aufgabe machen. Um so mehr, da die Franzosen den Oberlauf der Mosel läng st kanalisiert haben. Dieser klaren Forderung des wirtschaftli�ien und natio- nalen Gesamtinteresses leistet aber die preußische Regierung aus dem engherzigsten preußischen Provinzinteresse Wider- stand. Wie der preußische Minister v. Breiten dach schon bei früheren Gelegenheiten und auch jetzt im Reichstag wiederum darlegte, würde nämlich die Moselkanalisation dem aufblühenden lothringischen Industriegebiet' in der Kon- kurrenz gegenüber dem älteren Ruhrgebict zugute kommen. Um das zu hindern, widerstrebt die preußische Regierung der Moselkanalisation', und da Preußen maßgebend ist im Reich, kann also das engherzige Winkelinteresse einiger preußischer Großindustriellen über ein allgemeines Nationalinteressc triumphieren. Die Sozialdemokratie ist natürlich für das Nationalinteresse und gegen die preußische Winkelpolitik energisch eingetreten. Neben anderen Verbesserungsanträgen hatte sie auch gefordert, daß die MoselvonKoblenzbisMetz und im Zusammenhang damit die Saar von der Mündung in die Mosel bis Brebach kanalisiert werden solle. Die Genossen Böhle, Frank und H i l d e n b r a n d legten sich im Laufe der lebhaflen Debatte energisch dafür ins Zeug. Sie fanden auch bei Vertretern der liberalen Parteien Unterstützung. Schließlich wurde indes der Antrag in namentlicher Abstim- mung mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt. Wiederum stimmte geschlossen nur die Sozialdemokratie und mit ihr ein Teil der Liberalen für das Nationalinteresse. Am Sonnabend geht die Beratung weiter. ftif lidchstagswahl. „Tic Front gegen rechtS!" Unter diser Ucbcrschrift veröffentlicht das„Berliner Tageblatt" Meinungsäußerungen«hervorragender und bekannter Persönlich- leiten" über die beste Taktik bei den kuimncnden Rcichstagswahlen. Ten Reigen eröffnet eine Exzellenz, Geheimrat Professor Dr. C z e r n y- Heidelberg. Er fürchtet bei einem Siege des Zentrums uod der Konservativen«die Beseitigung der für uns in Deutsch- kanL unentbehrNcheft TolttaKz Mi» die Unte'Muckußtz LeS freied Gedankens". Tas sei der Grund, warum er als alter Lehrer das Wort ergreife, um seine Meinung über die beste Taktik des nächsten Wahlkampfes auszusprechen. Czerny hält es für notwendig, daß Nationalliberale und Fortschrittliche Volkspartei bei dem ersten Wahlgang Schulter an Schulter kämpfen; nur so würden die libe- raten Kandidaten schon im ersten Wahlgange in vielen Wahlkreisen den Sieg erringen und noch zahlreicher in die Stichwahl gelangen. Heber die Stichwahl führt er dann wörtlich aus: „Bei den Stichivahlen müssen unbedingt die freisinnigen Par. teien mit den Sozialdemokraten zusammengehen, um die Herr- schaft des schwarzblauen Blockes zu brechen. Wir Liberalen in Baden konnten bei der letzten Landtagsmahl bekanntlich allein durch diese Taktik der ultramontan-konserdatiden Vereinigung die Majorität entreißen, und so muß es auch bei der nächsten NejchstagSwahl sein., Wienn durch ein solches Abkommen auch die Zahl der Sozial- demokraten im Reichstage wieder zunimmt, so wird das Unglück nicht allzu groß sein. Denn je größer die Partei wrrd, um so mehr wächst ihre Verantwortlichkeit, und schon aus Rücksicht für ihre Wähler muß sie die Staatsmaschine im Gang erhalten. Man sägt nicht so leicht den Ast ab, auf dem man sitzt. Hat man doch in Frankreich gesehen, daß der frühere Sozialdemokrat Briand bei dem Eisenbahnerstreik weniger Federlesens gemacht hat, als ein konservativer Minister hätte tun können. Er kannte seine Leute, wußte, wie man sie anzufassen hat und was er dem Staate schuldig war. Auch bei uns in Baden funktioniert die Staatsmaschine trotz der liberal-sozialdemokratischcn Allianz ganz tadellos. Bei der Feuerbestattung und der elsaß-lothringi- scheu Verfassungsfrage haben die deutschen Sozialdemokraten dem gesunden Menschenverstände zum Siege verholfen. Also, bange machen gilt nicht!" Anknüpfend an diese Kundgebung des Professor Czernh spricht sich der Stadwerordnetenvorsteher von Danzig, Justizrat K e r u t h, über die Wohltaktik aus. viel weniger bestimmt und zuversichtlich. Bei ihm kommt mehr der norddeutsche Nationalliberale zum Durch- druch. Er sagt: „Allerdings ist zuzugeben, daß es vielen, auch ent- schieden Liberalen im Norden und Osten des Vaterlandes, die durch mancherlei sozialdemokratische An- feindnngen' und Verleumdungen erbittert und verstimmt sind, nichtleichtseinmag.dervonHerrnPro f. Czerny so warm befürworteten Stichwahlparole zu folgen. Wer aber die Prämisse anerkennt, daß vor allem die auf dem Gebiete der Kirche, der Schule, der WirtschaftS- und Steuerpolitik und endlich dem der allgemeinen, die Freiheit der Individualität, der Vereine und der Gemeinden betreffenden Staatsverwaltung zurzeit sich immer mehr breitmachende Ne- aktion bekämpft werden muß,... der darf,— wenn er nicht ohnmächtig die Faust in der Tasche ballen will— auch vor der Anwendung des einzigen Mittels, das erstrebenswerte Ziel zu erreichen, nicht zurückschrecken. Wer allein zu schwach ist, eine seinem Hab und Gut drohende Gefahr ab- zuwenden, greift nach jeder hilfsbereiten Hand, ohne zu fragen, woher ihm die Hilfe kommt; das gilt allgemein als selbstverständlich.... Dabei muß immer wieder betont werden, das; es sich nicht um eine Unterstützung der Sozialdemokratie oder gar um eine Bevbrüderung mit ihr handelt, sondern ausschließlich um dem uns aufgezwungenen Kampf gegen die Reaktion. In den ""Wahlkreisen, wo dieser nicht in Frage kömmt, wird kein liberaler Mann daran denken, mit der Sozialdemokratie zn paktieren.... ES ist auch nicht wahr, daß hierdurch die sogenannte fozialdemo- kratische Gefahr leichtfertiger- und unverantwortlicherweise von den Liberalen heraufbeschworen wird.... Ich selbst halte es für völlig ausgeschlossen, daß die Folge der obigen Taktik für die Reichstagswahlen nun auch eine„liberal-sozialdemokratische Allianz" im zukünftigen Reichstage selbst sein würde.... Gegen reaktionäre Gelüste im Reichstage würden sie(die Liberalen) allerdings mit den Sozialdemokraten eine Abwehrmehrheit bilden,... dagegen würden die Liberalen da, wo es notwendig ist, die Sozialdemokratie im Reichstage nach wie vor bekämpfen, und nichts würde sie hindern, in nationalen Fragen und zum Schutze der geltenden Gesellschaftsordnung gegen die Sozialdemo- kratie mit den Konservativen oder dem Zentrum zusammenzugehen. Durch diese Situation würde gerade der Einfluß der Liberalen im Reichstage und damit auf die Gesetzgebung und die Staatsverwaltung wachsen und sich bald fühlbar machen. Ja, die Liberalen könnten, wenn nur erst der schwarzblaue Block niedergerungen, die Mackt der Reaktion gebrochen ist, leicht zu den ausschlaggebenden Parteien im Reichstage werden, wie es jahrzehntelang das Zentrum gewcseil ist." Die liberale Einigung in der Rheinpfalz. Endlich, nach langem Hin und Her, ist eine Einigung der libe- raken Parteien in der Pfalz zustande gekommen. Die Fortschritt- liche Volkspartei hatte von den sechs pfälzischen ReichStagswahl- kreisen die Stellung eines Kandidaten aus ihren Reihen für den Wahlkreis KaiserSlautern-Kirchheimbolandcn in Anspruch ge- nommen und demgemäß den freisinnigen Professor Hummel zum Kandidaten erklärt. Mit dieser Kandidatur war die im Fahr- Wasser des Wormser Lcderkänigs schwimmende liberale Partei- leitung der Pfalz nicht einverstanden; eS kam zum Abbruch der EinigungSverhandlnngen und die Fortschrittler drohten mit der Aufstellung von eigenen Kandidaten in sämtlichen sechs Wahl- kreisen. Dieser Schreckschuß ans der fortschrittlichen Pistole half. Eine unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefundene Der- trauensmännerversammlung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Kaiserslautern nahm eine Resolution an, nach der der Vorschlag der Fortschrittlichen Volkspartei akzeptiert wird. Dieser Vorschlag geht, dahin: Die nationalliberale Partei stellt im Wahlkreise Kaiserslautern keinen Kandidaten' auf, sondern empfiehlt ihren Wählern, den fortschrittlichen Kandidaten zu unter- stützen. Dagegen verpflichtet sich die Fortschrittliche Volkspartei, in allen übrigen Wahlkreisen der Pfalz ihren Wählern die Unter- stützung der nationalliberalen Kandidaten zu empfehlen. Mit diesem Beschluß sind die Chancen der von dem Zentrum und den Roesickemännern eifrigst protegierten Sammelpolitik für die übrigen Wahlkreise auf den Nullpunkt gesunken. * Keine Doppelkanbibatur Posabowskys. Die Meldung,. Graf Posadowsky habe im Wahlkreise Bitterfeld-Telitzsch auch eine Kandidatur angenommen, ist unzu- treffend. Die„Eilenburger Neuesten Nachrichten", ein liberales Blatt, teilen mit, daß auf telephonische Anfrage der gegenwärtige Vertreter des Kreises, ReichSiagsabgeordneter LouiS Baucrmeister, erklärt habe, die Mjeldung entbehre jeder Begründung. Bauer- meister ist von der Reichspartci und den Konservativen überein- stimmend schon vor längerer Zeit wieder aufgestellt worden.— Auch das„Delitzscher Tageblatt", das konservative Leibblatt Bauer- meistens, erklärt die Meldung, Graf Posadowsky fei als Reichs- tögskandidat für Delitzsch-Vittcrfeld aufgestellt, für falsch. * Knuten-vcrtel als ReichStagskandidat in Schlesien. Die für den Reichstagswaqlkreis Brieg-Namslau durch die Absage des bisherigen Abgeordneten Pernivck freigewordenc Ssudidstup ist jetzt ifjii Mfrcdakteur kr 11�11 Tagnde zu beachten. die den Grundsatz der Abgaben- freiheit preisgegeben haben, obwohl sie sahen, daß ihnen dafür gar nichts gegeben wird. Herr Abg. Am Z e h n h o f f hat Herrn Basser mann mit Recht ein anSgeblascnes Ei an den Kopf ge- ivorfen.(Heiterkeit.) Vor kurzem hat Herr Behrens in aller Stille den Antrag zurückgezogen, den der Zentrumsabgeordnete Dahlem und einige andere Herren zugunsteii der Lahn gestellt hatten, und zwar, wie er sagte, im Hinblick auf die neuerlichen Zusagen vom M i n i st e r t i s ch. Herr D a b l e m hat in der Kommiisiou mit unübertrefflichem Eifer für seine Lahn gekämpft, er hat sogar eine Thronrede kurz nach 18tiv beigebracht, in der die Ausführung der Lxihn-Kanalisierung in nicht mißzuverstehenden Worten in Aussicht gestellt war. Es beweist nun eine rührende Vertrauensieligkeir, wenn er jetzt solchen Glduben setzt auf das, was ihm irgend ein Minister in irgend einer Verschwiegenheit versprochen hat.(Zuruf des Abg. Behrens: In der heutigen Rede!) Herr Dahlem hat sich aber schon vor der heutigen Sitzung beurlauben lassen. Entweder hat er also schon vorher Versprechungen bekommen, oder die Begründung der Zurückziehung des Antrages durch Herrn Behrens ivar nicht richtig. Wenn nun wirklich die Aufnahme des Projekts in das Gesetz zu nichts verpflichtet, so ist es um so unverständlicher, warum die erträumte Eisenbahn gar zu schnell bauen werden.... In dem französischen Gebiete haben die Deutscheir drei Zipfel erhalten, drei „Inseln", die ihnen Zugang zum llbangi gewähren. Aber diese Kombination wird beiden Teilen Nachteile und eine peinliche Ent- täuschung bereiten. Jeder der Teutschland abgetretenen Zipfel hat am Ufer eine Breite von 10 Kilometer. Das ist so viel wie gar nichts, denn das armseligste Schiff kann diesen Gcbictsstreisen passieren, ohne anzuhalten, und damit bleiben wir Herren der Schiffahrt. Die Deutschen aber werden bald bemerkeii, daß die 20 Kilometer Ubangiufer, die wir ihnen abgetreten haben, fast das ganze Jahr über iiberschwemnit sind und infolgedessen für den Handelsverkehr nicht zu gebrauchen sind. Doch sie werden uns keine Vorwürfe»lachen können, denn der Teil des berühmten Entcnschnabels, den sie uns abgetreten haben, bietet uns nur ver- pestete Sumpfe. Dafür haben wir uns revanchiert, indem wir ihnen am llbangi Sumpf- und Moorgelände abtraten. Jeder hat bei diesem Handel versucht, den anderen zu bluffen, den Nachbarn zu überlisten." Auf die Frage über die Bodenbeschaffenheit und die Bcvölke- rung der Deutschland abgetretenen Länderstreifen antwortet der Bischof:„Die Deutschen werden steile, zerklüftete Berge und un- durchdringliche Wälder vorfinden. Sie erhalten als Unterianen Kannibalen, denn trotz aller Bemühungen unserer Missionen ist es nicht gelungen, die Menschenfresserei zu unterdrücken. Tie Kongo- bcvölkerung teilt sich in drei soziale Klassen: Fürsten, freie Männer und Sklaven. Für die Klasse, der das Neugeborene an- gehört, ist der Stand der Mutter eiitsck>eidcnd. Es herrscht eine Art Mutterrecht, das Kind einer Fürstin ist Fürst, daS Kind einer freien Frau frei, und das Kind einer Sklavin Sklave. Nur die Sklaven arbeiten, und sie sind es auch, die oft von den Fürsten und freien Männer» aufgefressen werden.„Sprechendes Fleisch" ist der meistgcsuchte Leckerbissen.� Theater. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus. Ferdinand Bonn ist wieder hierl Etwas Faszinierendes liegt i» diesem Namen; zweifle, wer mag. Andere versuchen sich doch auch in verschiedenen Sätteln; abdr die wenigsten durften von sich be- baupten, sie verstehen zu reiten— weil sie die Steigbügel Verlären. Nun, Don Ferdinand ist manchmal, wenn er als Mime, gelegent- l'cher Theaierleiler, Gastspielunternehmer, Violinist, Dichter usw. Pnrforce ritt, heniiitergeglitte», doch immer wieder in den Sattel gekommen. Es ist nämlich gar nicht so leicht, die Oeffentlichkeit für sein liebeiK-werteS„Ich" z» iitterejsieren. Bonn hat es doch fertig gebracht, seinem ehemaligen Meister Ernst Poffart, mit dem er augenblicklich ein gerichtliches Gastspiel entriert hat, den Reklamewind ans den Segeln zu nehme». Theaterblut rollt zweifellos in seinen Adern— und eine gewisse Eigenart, Heldenkreaturen zu spielen. Seine Routine ist ja von ziemlich altem Herkommen; dennoch geistreich— trotz aller Aenßerlichkeit. Als ZirkuS-Richard der Dritte ging er von uns. Als Lear kam er nun wieder. Wahrhaftig:„Jeder Zoll ein König"— freilich wieder nach altem Zuschnitt. Shakespeare wollte unser Herz er» preußische Regierung sich so gegen diese Aufnahme sträubt(Zuruf: Um falschen Illusionen vorzubeugen). Nun, die Regierung hat schon sovielJllusionen verschuldet, wie die Württem- b e r g e r bald erleben werden, daß eS auf eine mehr auch nicht ankonimt. Jedenfalls ist unverständlich, wie man daS wichtigste deutsche Kanalisationsprojekt ausnehmen kann. Iveun man überhaupt die Absicht hat, einen großzügigen Wasserwirtschaftsplan allfzustelleu. Die rheinisch-westfälischen Großindustriellen, auf die man hier Rück- ficht nimmt, hätten vor kurzem am liebsten einen Krieg gegen Frank- reich angefangen, weil wir uns in Marokko ein neues Erzlager sichern müßten. Nun, durch diese Kanalisierung würden die großen lothringischen Erzlager für Deutschland erschlossen. Besonders geschädigt durch die Vorlage werden die kleinen Schiffer zum Beispiel am Neckar. Sie verlieren durch die Kanalisierung vollständig ihre Existenz. Ich möchte daher anregen, ob man sie nicht in der Weise entschädigen kann, daß man ihnen ihre Schiffe im Werte von 1500 bis 3000 Mark— es kommen etwa 100 in Betracht— abkauft.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Der Minister betonte, daß wir die weitestgehenden Anträge auf Ausbau der Wasserstraßen gestellt haben. Das haben wir cchcr nicht getan, wie er andeutete, aus Feindschaft gegen den Entwurf, sondern aus ehrlicher Freundschaft für die Verkehr sj- ent Wickelung.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Breitenbach: Obligatorische Projekte sind solche, über die die Regierungen sich»ach der technischen und wirtschaftliche» Seite verständigt haben und deren AuSsllhrung erfolgen muß. Nicht obligatorisch sind solche, hinsickitlich deren eine Verständigung nicht vorliegt. Ich verstehe nicht, wie an diesem klaren Sachverhalt ein Zweifel elitstehen konnte. Abg. Ocfcr(Vp.) widerspricht der Auffassung des Ministers; gewiß ist nur die Beseitigung der Abgabenfreiheit, dagegen sind die obligatorischen Projekte eben nicht obligatorisch. Das geht klar aus dem§ 3 hervor, der ausdrücklich sagt, eine Verpflichtung der Staaten zur Auswendung von Miltein zur Unterhaltung von Wasferstraßen wird durch dieses Gesetz nicht begründet.— Die Neckar- kanalisation wird durch dieses Gesetz keineswegs garantiert, Baden und Hessen brauchen sie ebeiiso wenig bei Bestehen des Ge- setzes auszuführen, wie ohne daS Bestehen des Gesetzes, und wenn sie diese Kanalisation ausführe» wollen, brauchen sie dazu das Gesetz nicht.— Der wnrttembergiscke Minister v. P i sch e k hat hier und der bayerische Bevollmächtigte hat in der Konimission die bundesfreundliche Haltung Preußens hervorgehoben; ich unter- streiche daS mit Rücksicht aus zukünftige Verkehrspläne, die nur realisierbar sein werden bei einem bundesfreuiid» lichen Verhalten aller Beteiligten.(Zustimmung liukS.) Man spricht von„nationalen Rücksichten", die eS er- fordern sollen, daS Ruhrrevier auf seiner jetzigen bewunderns- werten Höhe zu erhalten. Aber es ist wirklich nicht national, zu» gunsten eines Gebietes, das sich schon der g l ä n z e n d st e n V e r» kehrSverhältnisse erfreut, die EntWickelung anderer Gebiete zu hemmen.(Sehr wahr! links.) Die Moselkanali- sierung bedeutet die engere Verbindung Lothringens mit dem deutschen Mutterlande, bedeutet Verstärkung der Wirtschaft- lichen Bande, die Luxemburg mit Deutschland verknüpfen. So sprechen die allerbedentsanisten wirtschastspolitischen und namentlich auch»atiolialen Erwägungen für die Ausnahme der Mosel» kanalisierung in dies Gesetz.(Beifall links.) Ministerialdirektor Peters polemisiert gegen die Ausführungen der Abgg. Sommer. Frank und O e s e r. Bald wird hier be- hanptet, daß die Konsumenten die Abgaben zu tragen haben, bald, daß eS die Schiffahrt ist, die sie trägt. Einer aber kann sie doch mir tragen.— Redner bestreitet in seinen weiteren Ausführungen u. a., daß das Ruhrrevier gegenüber dem Mosellande so sehr ver» kehrspolitisch begünstigt sei, ivie der Abg. O e s e r be» haupiet habe. Abg. Schmid-Konstanz(natl.): Weim nicht die Kailakisierung des Oberrheins vorgenommen wird, so werden die Schiffahrts» abgaben zu einer besonders schweren Schädigung der oberrheinischen Industrie führen. Namentlick, wird auch der blühende Handel mit der Schweiz schwer geschädigt werden. Für Kon st a n z. daS über 800 Kilometer vom Meere entfernt liegt, bedeutet die Erhebung der Abgaben nach Tonnen- kilometern auch in der jetzigen gemilderte» Form eine besonders schwere Belastung, llmsomehc müssen wir als Aequivalent die Kanalisierung des Oberrheins verlangen.(Bravo! links.) schüttern durch einen König, der aus gewaltigem Seelenschmerz wahnsinnig wird. Bonn betont— ein zugkräftiges Mittel veräußer- lichter Mimenkunst l— den Wahnsinn als solchen. Dann kann er die stärksten Register ziehen, von denen nicht immer zu sagen ist. daß sie erschütternde Wirkiingen im Gefolge habe». Gleichwohl. Bonn wandelt sicher auf Stelze»— und reißt die Masse mit. Wollte man dagegen erfahren, was ehrlich- Kuiistleistnng sei. so genüge diesmal auf Rudolf L e t t i n g e r hinzuweisen. Auch eine Narren- rolle kann zirknSmäßig verpatzt werden. Lcttinger jedoch gab sie voll Rührung sein Herz war dabei. Sonst läßt sich nicht viel des Tröstlichen sagen— am wenigsten von LearS Töchtern. _ e. k. Notizen. — Theaterchronik. Im Charlottenburger Schiller- Theater findet am Dienstag, den 21. November, nachmittags 3 Uhr, eine Aufführling des„Käthchens von Heilbronn" statt.— DaS Neue VolkS-Theater(Neue freie Volksbühne) bringt am 22. November tBuhtag) daS nachgelassene Werk Tolstois:„Die eben de Leiche" zur Anfführniig. Die Vorstellung ist nur Mit- gliedern zugänglich. — In dem Verlage des„P a n* tritt eine Aendernng ein. Alfred K e r r scheidet ans nild überläßt Herrn Paul Cassirer allein die Zeitschrift. Wie eS heißt„aus MeimnigSverschiedenheiten". — H a n S HyanS Roma n„Die Verführten", der zuerst in unserem Feuilleton erschien, wurde vor einigen Monaten in der Buchausgabe konfisziert. Verlag und Berfasser, die gleich- zeitig wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften unter Anklage gestellt wurden, sind nun vom Landgericht III außer Verfolgung gesetzt. In der Begründung wird daS a a. damit motiviert;„Bei der Art des Milieus konnte die Tarstellimg der geschlechtliche» Beziehnngen zivischen Mann und Weib, nnd zwar außer der Ehe, nicht aus- geschaltet werden. In der Tat enthält der Roman auch zahlreiche Slellen, die der realistischen Beschreibung von Liebesszenen gewidmet sind. Es ist aber nicht aiizuerkem,en. daß diese Szenen onS dem Rahmen der ernsten Gesamttendenz heraiisfallen und ge- eignet waren, das Scham- und SiltlichkeitSgefühl in geschlechtlicher Beziehuiig zu verletzen." Sehr richtig! Das gerichtliche Gutachten stimmt da mit der Ansicht der Vorwärtsleser überein, die(voir. einigen Exemplaren ab- gesehen) derselben Ansicht ivaren.— Das Buch ist freilich damit noch nicht freigegeben und die Leser, die eS sich anschaffen wollen. muffen sich vorläufig noch gedulden. — Die L e b c n s e rinn e r u n g e n von Karl Schurz (1. Teil, bis zum Jahre 18o2) erscheinen im Verlage von Georg Reimer in Berlin als ungekürzte Volksausgabe. Preis geheftet 2,50 M.. in Leinen 3 M. a rv v �> — Die O r ch i d e e n a u s st e l l u n g, die alljährlich von der Deutschen Gartenbaugeselllchaft veranstaltet wird, wurde am Freitag nn Abgeordnetenhause eröffnet. Sie ist von Gärtnern und Privaten reichhaltig beschickt. Als besonderer Trick ist ein Stückchen Urwald inszeniert, in d?m die seltsamen exotischen Blüten fast künstlich wirken. Abg. Dr. Zehnter(Z.) bezeichnet die Ausführungen deS Vor« redners als eine Wahlrede. Bei der Nachwahl in Konstanz sind die Wähler in der fürchterlichsten Weise angelogen worden. iZurufe links: Nur das Zentrum lügt nie! Stürmische Heiterkeit.) Herr Schmid, der sich in seinen Aufrufen als„wahren Volismann" bezeichnet, sollte beim nächsten Mal dafür sorgen, daß die Statistik nicht wieder so mißhandelt und daß das Boll nicht wieder in dieser Weise angelogen wird. sLebhaste Zustimmung rechts und im Zentrum. Zurufe links.) Abg. Dr. Naumann(Vp.): Wenn das Zentrum für die Ver- breitung objektiver statistischer Kenntnisse sorgen will, wird es sich wirklich einmal Dank verdienen. sHeiterkeit und Sehr gut l links.)— Es ist mehrfach aus die abweichende Stellung hingewiesen worden, die die württembergischen Mitglieder unserer Partei in dieser Frage einnehmen. Man darf aber nicht vergessen, daß es sich bei dieser Frage nicht sowohl um Meinungs- als vielmehr um Jntcreffcnfragen handelt. Ich ver- stehe durchaus den Standpunkt von Mainz und Mannheim; aber wir können auch verlangen, daß der Standpunkt der An- lieger des Neckars gewürdigt wird. Gewiß hätten wir die Vorteile, die die Borlage bringt, gern ohne die Schiffahrtsabgaben gehabt; aber die Nachteile der Abgaben erscheinen uns nicht groß genug, um darum die Vorteile abzulehnen. Die von Dr. Frank angeschnittene Entschädigungsfrage ist jetzt noch nicht spruchreif. Sie kann erst nach Bollendung der Regulierung geregelt werden und wird dann Sache der betreffenden Einzellandtage sein. Abg. Hlldenbrand sSoz): Herr Dr. Zehnter sollte seine Mahnung zur Wahrhaftigkeit an die eigene Partei richten. In dem Wahlkreise K o n st ä n z hat das Zentrum soviel gelogen, wie in allen anderen 396 Wahl- kreisen Deutschlands nicht gelogen worden ist.(Lebhafte Zustimmung links, Zuruf im Zentrum.) Die Rede des Abg. Naumann war verständlich vom Stand- Punkt eines Abgeordneten von Heilbronn. Wir unserer- seitS können in dieser Vorlage nicht genügende Garantien gegen Preußens Bundesfreundschaft �Heiterkeit) erblicken. Daß Preußen sich mit aller Macht dagegen wehrt, die Moselkanalisierung in das Gesetz aufzunehmen, bestärkt uns in unserem Mißtrauen.(Sehr wahr! links.) Wir lassen uns durch keine partikularen Borteile in unserer grundsätzlichen Ablehnung der Schiffahrts- abgaben wankend machen, was uns natürlich nicht hindert, an der Verbesserung der Borlage mitzuarbeiten und so viele Aeguivalente für die Schiffahrtsabgaben herauszuschlagen, als möglich ist. Wir haben seinerzeit die Abgaben für die Weserkanalisierung bewilligt, aber das Opfer, das hier von uns verlangt wird, können wir nicht bringen. Zum allermindesten müssen wir für Württemberg verlangen, daß die Kanalisierung des Neckar bis Eßlingen kein Phantom bleibt, sondern unter die Strecken aufgenommen wird, die gebaut werden müssen. Deshalb bitte ich Sie, unserem Antrag zuzustimmen.(Bravo I bei den Sozialdemo- kraten.) Damit schließt die Debatte. Die Anträge A l b r e ch t(Soz.) betr. die Main-, Neckar- und Lahn- Kanalisierung werden abgelehnt. Die Abstimmung über die Anträge Alb recht(Soz.) und B a s s e r nr a n n(natl.) auf Einfügung der Mosel- und Saar- Kanalisierung ist eine namentliche. Sie ergibt die Ablehnung der Anträge mit 183 gegen 106 Stimmen bei vier Enthaltungen. ß 7 handelt von den Stromveiräten. Abg. Sachse(Soz.) begründet einen Antrag, wonach nicht nur Handel, Industrie, Land- Wirtschaft, die Hafenstädte und die Organisationen der Schiffahrt- treibenden in den Strombeiräten vertreten sein sollen, sondern auch das Gewerbe, und daß auch ferner die Strombeiräte bei den Entschließungen der Verwaltungsausschüsse nicht nur mit beratender, sondern in jedem Falle mit beschließender Stimme mitzu- wirken haben.— Unter Industrie wird im allgemeinen nur die Großindustrie verstanden, wir wollen aber, daß auch das Gewerbe»nd insbesondere auch die Arbeiter in den Strombeirätcn vertreten sind. In der Kommission ist die Frage an die Regierung gerichtet worden, wie der Strom- beirat nach ihrer Absicht zusammengesetzt werden soll und eS ist uns versprochen, daß bei der zweiten Lesung eine Uebersicht darüber dem Plenum vorgelegt werden solle. Das ist bisher aber nicht geschehen. Große Arbeiterkategorien wie die Hafenarbeiter, Transportarbeiter, Bergarbeiter haben ein lebhaftes Interesse daran, in den Strombeiräten vertreten zu sein, ebenso wie in den Landeseisenbahnräten. Es ist z. B. tief zu beklagen, daß wir im Ruherevier stets im Bergbau über un« geheuren Wagenmangel zu klagen haben, wodurch Feierschichten notwendig werden. Infolge dieses Wagenmangels konnten im Sep- tember und Oktober eine Million Tonnen Kohlen weniger gefördert werden, was einen Produktisusverlust von 12 Millionen und einen Lohuverlust von 5—6 Millionen bedeutet.(Hört I hört! bei den Sozialdcinokraten.) Wie sehr sich die Arbeiter für diese Dinge interessieren, beweist, daß sich der Arbeiterausschuß einer Zeche mit einem P r o t e st gegen diesen Wagenmangel an den Eisenbahn- minister gewandt hat. Wir bitten Sie also, dafür zu sorgen, daß auch die Arbeiter Gelegenheit erhalten, in den Strombeiräten ihre Interessen wahrzunehmen und daß den Strombeiräten eine größere Macht gegeben wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Peters wendet sich(im Zusammenhang auf der Tribüne unverständlich) gegen die sozialdemokratischen Anträge, er bestreitet, daß ein Versprechen abgegeben sei, die geplante Zusammensetzung der Strombeiräte dem Reichstage bekannt zu geben. Abg. Sachse(Soz.) hält seine gegenteilige Behauptung unter Hinweis auf den Kom- missionsbericht aufrecht. Hätte man das Arbeitskammergesetz zu- stände gebracht, so würde man Organisationen haben, aus denen man Arbeiter in die Strombeiräte nehmen könnte. Wie in Württemberg in den Landeseisenbahnräten Arbeiter fitzen, sollten sie auch Zutritt zu den Strombeiräten haben.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Unter Ablehnung der sozial- demokratische» Anträge wird§? in der Fassung der Kommission a n g e u o»> m e n. Hierauf vertagt sich das HauS auf Sonnabend 11 Uhr. (Kleiu-Aktien, Fortsetzung der Schiffahrtsabgaben. Hausarbeitsgesetz.) Schluß Ö'/i Uhr._ parlamcntanfcbcö, Versicherungsgesetz für Angestellte. (Abendsitzung vom Donnerstag, den 16. November.) Der Kommission wurde eine Anzahl Anträge unterbreitet, die von den bürgerlichen Parteien mit der Regierung vereinbart waren. Die Anträge zeigen, daß die Kritik unserer Parteigenossen nicht ohne Erfolg gewesen ist, denn die Angestellten erhalten einen größeren Einfluß auf die Verwaltung. Der 8 101 der Vorlage, der ein Direktorium der Reichsversiche- rungsanstalt aus Beamten zusammensetzen will, wird wie folgt geändert:„Das Direktorium besteht aus einem Präsidenten und der erforderlichen Anzahl von beamteten Mitgliedern sowie aus je zwei Vertretern der versicherten Angestellten und ihrer Arbeitgeber." Im Absatz 2 wird hinzugefügt:„Bei der Beschlußfassung scheiden soviel nichtbeamtete Mitglieder aus, daß die beamteten in der Mehrzahl sind. Bis zur Wahl der nichtbcnmteten Mit- glieder ist das Direktorium auch ohne diese beschlußfähig." Unsere Genossen beantragten, im Absatz 2 den nichtbeamteten Mitgliedern die Majorität zu sichern, Der Antrag wird gb» Selehnt. Die Geschäftsordnung für das Direktorium soll nach Anhören des Verwaltungsrates vom Reichskanzler erlassen werden. Ueber die Anstellung der Beamten wird in H 102 folgende Aenderung vorgenommen:„Präsident und Mitglieder des Direk- toriums sowie die höheren etatsmäßigen Beamten werden auf den Vorschlag des Bundesrats vom Kaiser auf Lebenszeit ernannt. So- weit die Ernennung von Mitgliedern und höheren etatsmäßigen Beamten nach Bildung des Verwaltungsrats erfolgt, ist derselbe vorher zu hören." Abg. P o t t h o f f beantragt, daß auch bei der Ernennung des Präsidenten und der Mitglieder des Direktoriums der Verwaltungs- rat gehört wird. Der Antrag wird abgelehnt, dafür stimmt die Volkspartei und die Sozialdemokratie. Der Verwaltungsrat besteht aus dem Präsidenten des Direktoriums und je zwölf Beisitzern der Angestellten und der Prinzipale. Diese Einrichtung bleibt unverändert. Die nicht- beamteten Mitglieder des Direktoriums wählt der Verwaltungsrat auf sechs Jahre. Ferner soll die Dienstordnung für die Beamten von dem Direktorium mit Zustimmung des VerwaltungsrateS er- lassen werden. Von unseren Parteigenossen wurde zu§ 108 beantragt, daß der Verwaltungsrat bei der Anlage des Vermögens und bei der Ver- Äußerung und Erwerbung von Grundstücken mitwirken soll. Der Antrag findet von keiner bürgerlichen Partei Unter- stützung. Die übrigen Paragraphen werden ohne erhebliche Aende- rungen angenommen. Damit ist die Arbeit der Kommission be- endet,_ Huö der partcü Kommunalwahlsiege. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Spremberg(Lausitz) eroberten unsere Genossen drei neue Mandate, so daß jetzt sechs sozialdemokratische Vertreter im Stadtparlament sitzen. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie ist sehr beträchtlich. In Guben wurden die vier sozialdemokratischen Kandidaten mit 2067 bis 2085 Stimmen gewählt; die Bürgerlichen brachten eS nur auf 1835 bis 1891 Stimmen. Die sozialdemokratische Fraktion im Stadtparlament ist jetzt 7 Mann stark. Bei den am Mittwoch und Donnerstag in W a l d bei Solingen stattgefundenen Stadtverordnetenwahlen behaupteten unsere Genossen die vier zu verteidigenden Sitze der dritten Ab- teilung und gewannen noch ein Mandat der zweiten Abteilung. Von 24 Mandaten haben die Sozialdemokraten nunmehr 10 in ihrem Besitz, nämlich 3 der dritten und 2 der zweiten Abteilung. In Remscheid eroberten unsere Genossen nach zweitägigem Kampfe 3 weitere Mandate der dritten Abteilung. Auf die sozial- demokratischen Kandidaten entfielen je 4390 Stimmen, auf den bürgerlichen Kuddelmuddel fielen 2453 Stimmen. Damit wächst die Zahl der Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversamm- lung von 7 auf 10, so daß die der dritten Klasse zustehenden Man- date sich nunmehr sämtlich in sozialdemokratischem Besitz befinden. In Brambauer bei Dortmund siegten unsere Genossen zum ersten Male über die vereinigten gegnerischen Parteien und eroberten drei Mandate. In Lütgendortmund siegten unsere Genossen mit 478 Stimmen über unsere vereinigten Gegner, die 365 Stimmen er- hielten. In Oberraden siegten unsere Genossen in der zweiten und dritten Abteilung. Weiter eroberten wir neue Mandate in Südkamen und Oderberge. Bei der Stadtverordnetenwahl in Zeitz eroberten die Sozial- demokraten in der dritten Abteilung zu ihren sechs Sitzen noch vier hinzu, so daß sie jetzt die ganze dritte Abteilung inne haben. Das Stimmenverhältnis ist: 1763 gegen 861. Bei der Wahl vor vier Jahren gelang eS mit knapper Mehrheit� sozialdemokratische Vertreter durchzubringen. Friedensdemonstrationen in Finnlanv. Unser finnländischer Mitarbeiter schreibt unS: Auf Grund des Rundschreibens des Internationalen Sozialisti- schen Bureaus hat unsere Partei im ganzen Lande Protestversamm- lungen gegen den Krieg veranstaltet. Diese Versammlungen, die nicht nur in den Städten, sondern auch in fast allen Landorten, wo Arbeiterorganisationen vorhanden sind, stattfanden, waren sehr zahlreich besucht und weckten das lebhafteste Interesse der Bevölke- rung. In allen Protestversammlungen wurde eine gleichlautende Resolution angenommen, die die allgemeinen Ursachen der kolonialen Expansion der modernen Staaten und der jetzt heraufbeschworenen akuten Kriegsgefahr darlegt. In den Ortschaften, wo keine besonderen Protestversammlungen gegen die Klassenjustizurteile des HofgerichteS zu Abo stattgefunden harten, wurden die Protestversammlungen gegen den Krieg auch zu einem wuchtigen Protest gegen die Klassenjustiz in Finnland benutzt._ Die römische Parteisektion für die Parteidiszipliu. Rom, 14. November.(Eig. Ber.) Dieser Tage hat die römische Parteisektion den Rechenschaftsbericht der Delegierten zum Parteitag von Modena entgegengenommen. E» gelangte darauf eine Tagesordnung zur Annahme, rn der erklärt wird, daß die Parteispaltnna nur durch den Bruch mit dem MinisterialismuS verhütet worden sei; weiter wird koustatiert, daß die Diskussionen von Modeua die Entartung eines Teils der Sozialisten zum bürger- lichen Radikalismus dargetan haben und schließlich wird betont, daß die Sektion entschlossen sei, jede Uebertretung der Parteidisziplin von feiten ihrer Mitglieder durch sofortigen Ausschluß zu ahnden. Diese Resolution richtet sich vor allem gegen mögliche«Extratouren" der Genossen Bissolati, Bonomi und Podrecca, die sämtlich in Rom organisiert sind. Der Gemeindesozialismus von Milwankee im Bilde. Eine nach- ahmensiverte Methode der Anstlüruiig wenden unsere Genosse» in Milwautee an durch Veranstaltung einer Reihe von Vorträgen mit Lichtbildern, in denen durch aktuelle Abbildungen, Karten und statistische Darstellnngen die Leistungen der sozialdemolratischen Ge- meindeverwaltung dargestellt werden. Ueber 200 Bilder, darunter ein Teil in Farben, werden die Vorträge erläutern. polfceUicbes, Gerichtliches ufw. Drei Privatklagen wegen Beleidigung durch die Presse führten den verantwortlichen Redakteur der„Mülhauser B o l k s z e i t u n g", Genossen Gustav Hammer, am Dienstag vor das Schöffengericht in M ü l h a u s e n i. E. Die eine Sache wurde unter Anordnung der gerichtlichen Vorführung des Privat- klägers vertagt; die andere hatte wegen Anwendung des Ausdrucks „gekränkte Leberwurst" aus eine bürgerliche Genwindegröße in Hüningen, die dieserhalb zum Kadi lief, die Verurteilung zu 10 M. Geldstrafe zur Folge, und die dritte Sache endigte nach mehrstündiger Verhandlung wegen Beleidigung der Firma Marti- not u. Galland in Bitschweiler durch drei Artikel, in welchen die Fabrikzustände bei dieser Firina kritisiert waren, mit der Ver- urteilung des angeklagten Redakteurs zu 300 M. Geldstrafe (der Vertreter der Privatkläger hatte sogar einen Monat Gefängnis beantragt). Die Beweiserhebung hatte sich hier auf die von dieser Firma erbauten Arbcitcrwohnungen erstreckt, die von einem gc- ladenen Sachverständigen als elende Baracken gekennzeichnet wur- den, während der von den Privatklägern geladene Fabrikinspektor deren Ehre glänzend rejjeie. Eine verpuffte Staatsaktion. Bei einem Streik der Holzarbeiter der Firma Blüthner in Leipzig(Pianofortefabrik) waren die organisierten Tischler B a r t h e l und T e u s ch e r stehengeblieben, hatten also Streik- bruch begangen. Da sie auch im Sozialdemokratischen Verein or- ganisiert waren, schloß sie der Leipziger Bezirksvorstand auf Antrag der betreffenden Ortsvereine aus der Partei aus. Zu der Ver- Handlung— dem Ausschlutzverfahren— waren sie trotz der Auf- forderung nicht erschienen. Anstatt nun, wie es das Organisations- statut vorsieht, gegen das Urteil Berufung einzulegen, gingen sie — wahrscheinlich nicht aus eigenem Antriebe— zur---Staatsanwaltschaft und stellten gegen den Leipziger Bezirksvorstand Strafantrag wegen gemeinschaftlich verübter— Beleidigung!— Schon einige Tage daraus— die Justiz kann unter Umständen sehr schnell arbeiten— erhielten die Genossen Lipinski, Nüchtern, Orbel, Seger und Parteisekretär Schrörs eine Vorladung vor den Oberamtsrichter Trietschler, der die„Missetäter" zu Protokoll vernahm. Dabei hatte es die Justiz so eilig gehabt, daß sie sich nicht einmal die Zeit genommen hatte, das den Akten bei- liegende Organisationsstatut zu lesen, und nun sehr verwundert war, als ihr die Beschuldigten nachwiesen, daß sie nach dem Statut nur ihre Pflicht getan hätten. Jetzt erhielt nun der Bezirksvorstand ein Schreiben der Beschlußkammer des Leipziger Landgerichts, wo- nach die Einleitung des Hauptverfahrens abge- lehnt werde und die entstandenen Kosten die Staatskasse übernehme. In dem Beschluß heißt es: „Durch ihren Eintritt in einen Ortsverein des Sozialdemokra- tischen Vereins für den 13. sächsischen Wahlkreis sind die Anzeige- erstatter B a r t h e l und T e u s ch e r Mitglieder der sozialdemo- kratischen Partei geworden. Damit haben sie sich zu den Grund- sähen des Parteiprogramms bekannt und sich dem Organisations- statut der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und dem Statut des Sozialdemokratischen Vereins für den 13. sächsischen Reichstagswahlkreis unterworfen(zu vergl. Mitgliedsbuch Barthels S. 13 fg., 23 fg. im Umschlage Bl. 2). Nach 8 23 Abs. 1 des Organisationsstatuts kann zur Partei nicht gehören, wer sich eineZ groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder einer ehrlosen Handlung schuldig macht, und der Vorstand des Ortsvereins ist nach§ 6 Abs. 3 des Vereins- statut» verpflichtet, gegen Mitglieder, die gegen den§ 23 des Organi- sationsstatuts verstoßen, in einer Mitgliederversammlung das in den 8§ 23— 26 des Organisationsstatuts geordnete Ausschlußver- fahren zu beantragen.... . Die Anzeigeerstatter waren bis zu ihrer Ausschließung Mit- glieder der erwähnten Sozialdemokratischen Vereine. Ob sie sich mit ihrem Beitritt hinsichtlich der Beurteilung ihres Verhaltens innerhalb der Partei bedingungslos dem Ehrenkodex der sozial-- demokratischen Partei unterwarfen, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls hielten aber die Angeschuldigten sich für berechtigt und verpflichtet, auf den an sie gerichteten Antrag darüber zu be- schließen, ob sich die Handlungsweise der Anzeigeerstatter als eine ehrlose im Sinne der Partei darstellt. Die Angeschuldigten kamen auch— das wird ihnen nicht zu widerlegen sein—, zumal im Hinblick auf das ablehnende Verhalten der Anzeigeerstatter, sich zu verteidigen, zu der Ueberzeugung, daß diese wegen ihrer Hand- lungSweise nicht mehr würdig seien, der sozialdemokratischen Partei anzugehören, weil in den Augen der Parteigenossen ihr Verhalten als ehrlos angesehen werden müsse, und daß dementsprechend der Ausschluß der Anzeigeerstatter aus dem angegebenen Grunde zu erfolgen habe(vergl. 8 6 des Statuts). Mehr aber, als daß sich nach ihrem Dafürhalten auf Grund der ihnen gegebenen Darstellung die Handlung der Anzeigeerstatter als eine eines Parteigenossen unwürdige erweise, haben die Ange- schuldigten nicht bekunden wollen, insbesondere nicht, daß auch außerhalb der Partei Stehende derselben Meinung sein müßten oder gar, daß die Anzeigeerstatter ehrlose Männer seien. Es wird daher den Angeschuldigten nicht nachzuweisen sein, daß sie mit dem Bewußtsein der Ehrenkränkung und ihrer Rechtswidrigkeit handelten. Es wird vielmehr davon auszugehen sein, daß sie ein— mindestens vermeintliches— Recht den Vereinsgenossen gegenüber wahrnehmen wollten. Da weder aus der Form der Aeußerung, noch aus den Um, ständen, unter welchen sie geschah, das Vorhandensein einer Be- leidigung hervorgeht, so ist die Aeußerung der Angeschuldigten nach 8 193 des Strafgesetzbuchs nicht strafbar. Wollten die Anzeige- erstatter sich dem Urteil des Bezirksvorstandes entziehen, so mußten sie vorher aus dem Sozialdemokratischen Verein austrete»." Jugendbewegung. Die Polizei auf dem KricgSpfade. Die Polizei in Lichtenberg bei Berlin will im Kampfe gegen die Arbeiterjugend unbedingt Lorbeeren erringen. In diesem Sommer wurde eine ganze Zeitlang das Jugendheim von Gestalten der bekannten Art bewacht, die, um ihre Neugierde zu befriedigen, zum Gelächter der nicht geahnten Beobachter das Ohr von Zeit zu Zeit an die offenen Fenster legten, um hier dann wenigstens etwas zu ergattern.> Nach nicht allzu langer Zeit bekam dann ein Jugendlicher eine Vorladung nach dem Polizeirevier. Dort wurde er beschuldigt, abends, allerdings vor 10 Uhr, gesungen zu haben. Den größten Spielraum nahmen die Fragen ein, was im Jugendheim geschehe. Ebenso wurden Angaben über die ausgelegten Bücher gewünscht, alles Fragen, die mit dem sogenannten„S t r a f d e l i k t" in keinem Zusammenhange standen. Am Dienstag, den 7. d. M., war im Lokal von Pickenhagen eine unpolitische Versammlung einberufen, in welcher Herr Hoernle über:„Die Geschichte des Mittelalters" sprechen sollte. Lange vor Beginn der Versammlung hatten sich uniformierte Schutzleute auf dem Hof des Lokals, zwischen, unter und in Steinwagen ein- quartiert und erwarteten den„Feind". Die Jugend war aber schlauer und suchte sich ein anderes Lokal. Nur 6 Versammlungs- besucher blieben in dem ersten Lokal, um die verdutzten Gesichter der Beamten beim Betreten des leeren Saales anzusehen. Nach langem Suchen entdeckte die Polizei endlich die Versammlung an dem anderen Orte, aber hier hatte die Lichtenberger Polizei nichts zu sagen und mutzte unverrichteter Sache wieder abziehen. Acht Tage später fand wieder eine Versammlung statt, die sehr stark besucht war. Die Polizei hatte stundenlang mehrere Lokale beobachtet und fand endlich das richtige. Aber zu spät. Denn als die Schutzleute den Saal betraten, war der Vortrag zu Ende und die Jugendlichen klatschten Beifall. Die Beamten, diesmal waren es solche der Berliner Polizei, erklärten, dem Vortrage bei- wohnen zu wollen. Unter dem Gelächter der Jugendlichen mußten sie aber erfahren, daß die Versammlung schon zu Ende war. Die Beamten, die eine schriftliche Verfügung nicht vorlegen konnten, er- klärten, daß die KönigL Regierung den Vortrag verbiete. Eine Aufforderung, die schriftliche Verfügung vorzulegen, wurde mit den Worten abgetan:„Meine Uniform bürgt Ihnen doch dafür." Srbließlich wurden die Personalien von vier jungen Leuten fest- gestellt, wobei es nicht ohne wörtliche und tätliche Liebenswürdig- leiten abging. Wenn die Behörden meinen, mit solchen Mitteln junge Leute für die staatliche Jugendpflege zu gewinnen, so irren sie sich ge- waltig. Derartige polizeiliche Drangsalierungen treiben die ar- bettende Jugend erst recht der proletarischen Jugendbewegung zu. Huö Industrie und Kandel. Ausfuhrprämie. Wie zu erwarten war, hat mit der Verbesserung der Schiffahrts- Verhältnisse die Ausfuhr von Getreide kräftig zugenommen. In der Zeit vom 1. August bis 20. Oktober d. I. ist besonders die Ausfuhr von Roggen stark gesteigert worden. Der außerordentlich große Ausfuhrüberschuß deS Borjahres wird nun wieder erreicht. Die Mehrausfuhr von Roggen stellt sich für die angegebene kurze Zeit auf 143736 Tonnen Roggen und auf 74 824 Tonnen Roggen« und Dthenmehl. Rechnet man mit zirka 80 Prozent Ausbeute bei der Mehlproduktion, dann bedingt der Gesamt-Ausfuhrüberschuh eine Ausfuhrprämie von rund 1'200 000 M. Während das Volk nach Brot schreit, kaum Kartoffeln erhalten kann, zahlt man den Exporteuren in 22/3 Monaten aus der Reichskasse l'/s Millionen Mark Prämien, damit— deutsches Getreide im Auslande billig verkauft werden kann und der Inlandspreis bis auf die Höhe von Weltmarktpreis pluS Zoll hinaufklettert. Das gehört zu unserem „bewährten Wirtschaftssystem". Dividende in Zeiten der Not. Die Zuckerfabrik Northeim. Aktiengesellschaft in Northeim fSüdhannover), wird für das letzte Geschäftsjahr voraussichtlich eine Dividende von etwa 60—70 Proz. verteilen. Die Rübenernte war, so ergibt sich aus dem Geschäfts� bericht, in dem Bezirk Northeim so gut. daß bei den hohen Roh zuckerpreisen ein außerordentlich günstiges Geschäftsergebnis erzielt wurde. Der erste Rohzucker erbrachte pro Zenwer rund neun Mark, der zweite Abschluß 16 bis 17 Mark. Auch mit den sonstigen Ernteergebnissen ist man im Bezirk Northeim sehr zu frieden. Eine Dividende von 60—70 Prozent fällt den Aktionären in den Schoß und noch hat diese Gesellschaft nicht genug, sondern versucht die Lebensmittelpreise weiter zu steigern. Die rechtlosen und ausgebeuteten Landarbeiter werden sich dies merken und den„Herren bei Gelegenheit heimzahlen._ Der Verbrauch von Seefische». Der Fisch erlangt in der Volksernährung eine immer größer werdende Bedeutung. Die Fluß- und Seefische sind in ihrer großen Menge allerdings viel zu leuer, um für die Volksernährung in großem Umfange in Betracht zu kommen. Es ist deshalb bei den hohen Fleischpreisen das Augenmerk darauf gerichtet worden, See- fische in guter Beschaffenheit zu mäßigen Preisen möglichst weit ins Binnenland hineinzubefördern. Durch eine Reihe technischer Ein- richtungen ist dieser Verlrieb sehr gefördert worden. So wurden in den Häfen Eishallen errichtet, die Beförderung der Fische durch schnell fahrende Züge in besonderen Wagen angeordnet usw. In Berlin kamen 1885 auf den Kopf der Bevölkerung 10 an verzehrtem Fisch, gegenwärtig 94 Pfd. In Magdeburg, Köln, Stettin werden zwischen 80 und 86 Pfd. verbraucht. Im Auslande wird der Fisch in noch größeren Mengen konsumiert. In London wurden 1885 auf den Kopf der Bevölkerung 67 Pfd. Fisch verzehrt, eine ebenso große Menge wie Rindfleisch. Gegenwärtig ist der Ver- brauch auf 170 Pfd. angewachsen, erheblich mehr wie der an Rind- fleisch. In Paris rechnet man einen Verbrauch an Seefischen von 158 Pfd. pro Kopf und Jahr._ Kapitalistischer Widerspruch. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist reich an Widersprüchen Als markantester sticht folgender hervor: Die Produktionsmöglichkeiten wachsen ins Riesenhafte, trotzdem sind vielen Millionen Menschen in der Befriedigung ihrer Lebensbedürfniffe sehr enge Schranken gesetzt. Ein großer Teil des ProduktionsapparateS liegt ständig brach, dabei fehlt eS an Verkehrsmitteln, Wohnungen, Bekleidung, Heizmitteln usw. Eine präzise Statistik über alle nutzbaren Produktivkräfte und Pro» duktionsmöglichkeiten sowie über den Grad der Ausnutzung derselben fehlt uns noch, wir können nur an Beispielen auö einzelnen Jn> dustrien ein Bild von den Verhältnissen skizzieren. Das Rhein.-wests.Rohlensyndikat nimmt nie die ganze Leistung� fähigkcil der Gruben in Anspruch. Von der Gesamtbeteiligung wurden in der Zeit von 1904 bis 1909 tatsächlich nur zwischen 73,5 bis 89,49 Proz. gefördert. Selbst im Hochkonjunkturjahre 1907 blieb die wirkliche Förderung noch um 10 Proz. hinter der angesetzten Leistungsfähigkeit zurück. Noch größer ist die Differenz zwischen Erzeugung und LeistungSl Möglichkeit bei Koks. Im Jahre 1909 war die letzlere um 34,76 Proz. größer als wie die erstere. Der Stahlwerksverband, eer die gesamte deutsche Stahlproduktion umfaßt, hat in den Jahren 1904/05 bis 1909/10 über 22 Proz. weniger versandt als wie die Beteiligung der angeschlossenen Werke ergibt. In der Zementindustrie sieht eS ähnlich aus. Die Produktion der Werke blieb um zirka 50 Prozent hinter der LeistungSmöglichkeit zurück. In der Ziegelfabrikation wird eine solche Ausnutzung der Leistungsinöglichkeit nicht einmal erzielt. Weitere Angaben liegen auS der Baumwollverarbeitung vor. Nach einer Mitteilung der Internationalen Spinnervereinigung find jetzt und schon seit längerer Zeit 15—25 Prozent aller Spindeln außer Betrieb. Dergleichen Verhältnisse bestehen in vielen Industrien. Es wäre demnach möglich, viel mehr Bedürfniffe zu befriedigen als im Rahmen der kapitalistischen Wirtschaftsweise geschieht. Die volle Ausnutzung oller ProduktionSmöglichkeiten gestattet nur die sozialistische Gesell- schaftSordnung, in der nicht mehr aus Gewinnrücksichten Waren produziert werden oder aus gleichem Motiv die Produktionsmittel und Arbeitskräfte unbenutzt bleiben. Die Befriedigung der Bedürf- nisse ist der einzige Zweck einer sozialistischen Wirtschaftsordnung. Sie duldet daher nicht die Anarchie der Arbeitslosigkeit und des Massenelends._ Rapide Entwickelnng der amerikanischen Industrie. Der größte Agrarstaat der Erde ist mit Riesenschritten dabei, sich zum größten Industriestaat zu entwickeln. Nach einer soeben von» amerikanischen statistischen Amte veröffentlichten Statistik betrug im Jahre 1909 der Wert der Jndustrieprodukte dieses Landes 20 672 Millionen Dollar, das bedeutet gegenüber dem Jahre 1904 eine Steigerung von 40 Proz.! Hier sind die wesentlichsten Merk- male der Statistik: lanq Prozentsatz der Zunahme gegenüber 1904 24 45 43 37 40 52 21 Proz. Proz. Dieser einen Seite den Zahl der Fabriken... 268 491 Kapital....... 18 428 270 000 Doll. Wert d. verbraucht. Materials 12141291000„ Gehälter und Löhne... 4365613000„ Wert der Produkte...20 672052 000. Zahl d. Beamten u. Kommis 790 267 Zahl der Arbeiter.... 6615046 Der durchschnittliche Reingewinn betrug 12 niedrige Satz ist in sich Grund genug auf der Lohndurchschnitt auf 518 Doll. pro Jahr im Jahre 1909 zu halten, einen für amerikanische Verhältnisse außerordentlich niedrigem Lohne, während auf der anderen Seite die Verbraucher der Industrie- Produkte mit hohen Preisen geprellt werden. Im Einklang mit dieser industriellen Entwickelung steht die Bevölkerungsverschiebung der Vereinigten Staaten. 46 Proz. der Gesamtbevölkerung leben in Städten, im Jahre 1900 waren es nur 40'/, Proz. Seit dem Jahre 1900 hat sich die städtische Bevölkerung um 35 Proz., die ländliche dagegen nur um 11 Proz. vermehrt. Hält diese EntWickelung weiter an, und eS liegen vorläufig keine Anzeichen für eine Aenderung derselben vor, dann werden im Jahre 1920 mehr als die Hälfte der Menschen in Städten wohnen! D. h. die Vereinigten Staaten von Nordamerika werden ihren NahruugS« Mittelexport nach Europa weiter wesentlich vermindert haben, in vielen Artikeln wird er ganz verschwunden sein. Soziales. Stilbrüche. Unter den Unfallursachen im Bergbau spielen die Seilbrüche immer noch eine bedeutungsvolle Nolle. Mit der Entwickelung des Bergbaues, den heutigen Ricsenförderungen aus einzelnen Schächten, sind naturgemäß auch die?lnsprüche an das bei dem Betriebe er- forderliche Material eminent gewachsen. Leider aher bleibt die Fürsorge für Leben und Gesundheit der Bergarbeiter vielfach hinter der möglichen Unfallverhütung zurück. So könnten die Unfälle durch Seilbruch auf ein fast verschwindendes Minimum reduziert werden, wenn nur die qualitativ besten Konstruktionen verwendet Würden. Nach einer Erhebung für das Jahr 1910 kamen von den ermittelten Seilbrüchen nur 1,41 Prozent auf Seile, die aus Guß- stahlrundeiscn hergestellt waren. Da allein im Ruhrrevier jährlich zirka 800 neue Seile aufgelegt werden, ist die Frage des verwendete» Materials von großer Bedeutung. Die günstigen Resultate mit Gußstahlrundeisen müßte die Bergbehörde veranlassen, minder- wertige Seile nicht mehr zu gestatten. Man ist sonst mit Polizei- Verordnungen, die nur mit Schikane empfunden werden, sehr leicht bei der Hand, dort aber, wo es sich um Leben und Gesundheit vieler Menschen handelt, zeigen die Behörden oft eine auffällige Zurück- Haltung; wenn dabei kapitalistische Interessen mitsprechen. 25 Jahre Kopenhagener GenossenschaftSbäckerei. Am 11. November konnte die Bäckerei der Kopenhagener Ar- beiterschaft ihr 2Sjähriges Bestehen feiern. Sie wurde im Jahre 1886, als die Bäckermeister durch Ringbildung das Brot unverschämt verteuert hatten, mit einem Kapital von 10 000 Kronen gegründet. 4000 Kronen hatte die Parteizcitung„Sozialdemokraten" über- nommen, der Rest war größtenteils mit Anteilscheinen zu 10 Kronen aufgebracht worden. Zuerst wurde eine Bäckerei für jährlich 1040 Kronen gemietet, die sich sehr bald als völlig unzureichend erwies. Schon im nächsten Jahre wurde eine Baugrund für 11 000 Kronen erworben und eine neue Bäckerei, die einen Wert von 94 000 Kronen darstellte, errichtet.„Sozialdemokraten" war wieder mit 10 000 Kronen beteiligt. 6 Jahre später baute man eine Dampfmühle. Produktion und Grundbesitz wurden immer mehr erweitert. Heute beträgt die Bodenfläche%■ Hektar. Im letzten Geschäftsjahr wurden 31 000 Tonnen(zu 139 Liter) Roggen und 9000 Tonnen Weizen zu 2 630 000 Broten verarbeitet. Beschäftigt werden 59 Personen, den Transport besorgen 30 Pferde und 19 Wagen. Während ihres Be- stehens lieferte die Bäckerei 45 116 000 Brote für 11 680 000 Kronen (13 140 000 M.). Als die Bäckerei gegründet wurde, war es mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Kopenhagener Bäckergesellen sehr traurig bestellt. Die Arbeitszeit ging bis zu 14 Stunden, und das Kost- und Logissystem war allgemein. Dabei war das Brot im Ver- hältniö zu den Mehlpreisen außerordentlich teuer. Grobes Roggen- mehl kostete 5,35 Kronen der Zentner, das achtpfündige Roggen- brot aber 55—53 Oere. Jetzt, wo der Mehlpreis auf 7 Kronen ge- stiegen ist, kostet das Brot nicht 74, sondern nur 59—61 Oere. Das danken die Brotkäufer der Konkurrenz der Genossenschaftsbäckerei. Dabei führte diese sofort den Zehnswndentag ein, und die jetzige Arbeitszeit im Dreischichtensystem beträgt 7% Stunden. Die Löhne sind um 2—3 Kronen höher als in den anderen Brotfabriken, wo- bei zu bedenken ist, daß infolge der Bewilligungen der Genoffen- schaft auch jene zu größerem Entgegenkommen den Forderungen der Gehülfen gegenüber genötigt worden sind. Eine Gründung der Genossenschaftsbäckerer ist auch die Ar- beiter-Fleischversorgung, die zu möglichst billigen Preisen bestes Fleisch liefert und dadurch wieder die Privatunternehmer an Preis- treibereien gehindert hat. Ferner ist die sehr kapitalkräftige Bäckerei auch an der sich kräftig entwickelnden Arbeiter-Brauerei „Stjernen" mit 100 000 Kronen beteiligt. Das Reichsversicherungsamt gegen das Kammergericht. Am 2. März 1911 wurde tot in der Grube der Bergmann Josef Klein in Bcrgkahmen aufgefunden. Er hatte während seiner letzten Arbeitsschicht den Transport gefüllter Kohlenwagen vom Arbeitsort zur Förderstelle zu bringen. Der Transport dieser 19 Zentner schweren Wagen geschah so, daß Klein den Wagen an einem über die Schulter und Brust gelegten Riemen zog, während zwei Mitarbeiter den Wagen schoben. Ter Transport war schwer, da das Gleis auf der 60 Meter langen Strecke mehrere Steigungen zu überwinden hatte, außerdem aber auch der Magen an die vor- stehenden Befestigungsnügel der Schienen stieß und über diese Widerstand« jeweils mit einem festen Ruck hinweggeschasft werden mußte. Die vernommenen Mitarbeiter bekundeten bei ihrer cid- lichen Vernehmung, daß der Verstorbene zuletzt etwa eine Viertel- stunde vor seinem Tode den letzten Magen gezogen hatte._ Ueber- einstimmend sind sie der Meinung, daß er sich sehr habe anstrengen müssen. Die Sektion der Leiche stellte fest, daß der Verstorbene an starker Herzerweiterung und an einer athevomatösen Erweichung der Hauptschlagader gelitten hatte. Auch war die Zweizipfelklappe des Herzens undicht. Ter sezierende Arzt war der Meinung, daß bei diesen organischen Fehlern des Verstorbenen eine übermäßige Anstrengung leicht zu Tode führen konnte, und zwar um so leichter, wenn die Herzgegend noch einem Druck durch einen Riemen beim Ziehen ausgesetzt war. Er hielt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Tod als eine Folge der schweren Arbeit dcS WagenziehenS. Sie habe die Körperkräfte außergewöhnlich an- gestrengt und durch diese außergewöhnliche Anstrengung den Tod herbeigeführt. Der Arzt hatte den Verstorbenen wiederholt in Behandlung gehabt; dieser hat niemals über das Herz geklagt, noch war dem Arzt sonst ein Herzfehler bei ihm aufgefallen. Als Abonnent einer der bekannten Familienzeitschristen war der Kläger bei einer Berliner Firma gegen Unfall zu 1200 M. versichert. Da die Versicherungsbedingungen— wie immer— viele Voraussetzungen für den Anspruch der Erben des Verstorbenen enthielten und diese nach Meinung der Firma nicht erfüllt waren, weigerte sich die Firma, die Unfallentschädigung an die Witwe auszuzahlen. Diese erhob Klage beim zuständigen Landgericht. Sie wurde sowohl von diesem, wie auf erhobene Berufung vom Kammergericht ab- gewiesen. Das letztere entschied am 18. Januar 1910, daß bei dem ärztlichen Obduktionsbefunde zwar mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit»ach dem Gutachten des sezierenden Arztes anzunehmen sei, daß durch die schwere Arbeit des Wagen- ziehenS die Körperkräfte deö Erblassers außergewöhnlich angestrengt feien, und daß durch diese außergewöhnliche Anstrengung dessen Tod herbeigeführt sei. Der Entschädigungsanspruch sei aber um deswillen nicht begründet, weil nach den Versichcrungsbedingungen ;ene Unfälle nicht entschädigungspflichtig seien, welche durch vor- handene innere Leiden, z. B. Herzleiden, zu ernsten Folgen führten. Der vom Verstorbenen erlittene Unfall sei von der Versichcrungs- Pflicht ausgeschlossen. Die 5Uägerin erhob nun Ansprüche an die zuständige Knapp- schaftsberufsgenossenschaft. Auf Grund eines Gutachtens des be- kannten Professor Löbker in Bochum wurde der Anspruch abgewiesen. In diesem Gutachten wurde zum Ausdruck gebracht, daß Klein lediglich an einem inneren Leiden gestorben sei. Auch das Schieds- gericht wies de» Anspruch zurück. Der von diesem gehörte Arzt, ein Dr. Tegeler in Dortmund, sagte. Klein sei an einem Herzleiden gestorben. Ob in der letzten Schicht, in der er starb, eine einem Betriebsunfall gleich zu achtende Ueberanstrengung auf seinen Körper eingewirkt habe, sei nicht erwiesen, daß eine solche den Eintritt des Todes wesentlich beschleunigt habe, sei nicht wahrschein- lich. Im nun eingeleiteten Rekursvcrfahren äußerte sich der Ber- liner Universitätsprofessor Dr. M. dahin, daß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Tod des Klein infolge Ueber- anstrengung beim Wagenziehen auf Grund der durch das Herz- und Gefäßleiden bedingten körperlichen Disposition erfolgt sei, der Tod also mit dem Unfall in ursächlichem Zusammenhang stehe. Das Rcichsversicherungsamt hörte nun noch als Obergutachter, den als überaus strengen Beurteiler solcher Fragen bekannten Professor Dr. Sch. in Bonn. Er kam zu dem Ergebnis, daß zwar nicht eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit, wohl aber eine etwas tibcrwiiegende Wahrscheinlichkeit für die Annahme einer Beschleunigung des Todes durch die fragliche Arbeitsleistung an- erkannt werden müsse. Am 10. November wies das ReichsversscherungSamt den Rekurs trotzdem zurück. ES meinte, die genügende Wahrscheinlichkeit für den Zusammenhang sei doch nicht gegeben. ES muß hierbei noch gesagt werden, daß erst im Rekursverfahren die eidlichen Verneh- mungcn der Mitarbeiter des Verstorbenen über die anstrengende chrocie Arbeit vorlagen. Dem Schiedsgericht hatten sie noch nicht vorgelegen, wohl aber ähnliche Aussagen dem Kammergericht. Das Urteil spricht für sich selbst. Es zeigt, wie überaus trenge Ansprüche heute im Reichsversicherungsamt gefordert werden. um die Verschlimmerung eines Leidens als durch Unfall geschehen anzuerkennen. Was den Formakjuristen des Kammergerichts genügte, um mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit den Zu- sammenhang anzuerkennen, das genügt den Richtern des sozialen Rechts noch nicht, um diesen Zusammenhang anzunehmen. Es ist interessant, darauf hinzuweisen, was im Laufe d. F. zwei frühere Senatsvorsitzende des Reichsversicherungsamtes über die Rechtsprechung des Reichsvcrsichcrungsamts gesagt haben. Der frühere Senatsvorsitzende Dr. Fricdensburg meint, daß selbst bei den juristisch geschulten Beisitzern des Reichsvcrsicherungsamtcs sich die Ansicht festgesetzt habe, daß in Rentenstreitigkeiten eine ganz besonders geartete Ueberzeugung(eine viel mildere Beurteilung) zur Bewilligung einer Rente genüge, und zur Entziehung erforder- lich sei. Er wendet sich gegen eine Auslassung des Reichsversiche- rungsamts, daß die Urtoile ldes Reichsversickjerungsamtes �„der Absicht des Gesetzgebers entsprechend erfüllt sein müßten von jenem Geiste des Wohlwollens gegen die Fürsorgebedürftigen und Fürsorgeberechtigten, den man sich seither längst gewohnt hat als sozial- politisches Empfinden zu bezeichnen". Er meint, daß juristische Gedanken und Gründe im Reichsversicherungsamt überhaupt, un- beliebt seien, und die feinste Rechtsausführung unterliege glatt vor dem Einwurf, sie sei nicht sozial und sei allenfalls gut genug, eine vom Wohlwollen eingegebene Entscheidung nach außen zu recht- fertigen. Der frühere Senatsvorsitzende Dr. Wcimann meint, daß der Ziviljurist sich vollkommen innerlich umstellen müsse, um an der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtö teilnehmen zu können. Daß diese Richter den Anschluß an die Eigenart der Behandlung der Sache im Reichsversicherungsamt zu vollziehen vermöchten, ohne sich selbst und ihre richterlichen Ueberzeugungen aufzugeben, sei ein Beweis für die der sozialen Rechtsprechung innewohnende Kraft und Wahrheit. Beim Reichsversicherungsamt sei eine Rechtsprechung entstanden, die sich der Arbeitsmethode des römischen Prätors, des englischen Richters nähere, die unter Umständen die Verhältnisse geradezu mehr oder minder zurechtbiege, um zu praktisch brauchbaren und zugleich juristisch formulierbaren Ergebnissen zu gelangen. Mit dieser Auffassung zweier früherer Senatsvorsitzcnden vergleiche man dieses Urteil des Reichsversicherungsamts. Ach, es werden die Dinge nicht zusammengebogen, um zugunsten der Hinterbliebenen zu entscheiden. Die juristischen Gedanken sind nicht dazu da, um eine vom Wohlwollen eingegebene Entschei- dung nach außen zu rechtfertigen, nein, die strenge formalrechtliche Beurteilung de? heutigen Zivilrechtes genügt noch nicht einmal, um einen Zusammenhang im gegebenen Falle annehmen zu können. Dieselbe Sache unterliegt der Beurteilung des preußischen Kammergerichts und des Reichsversicherungsamts? Die streng logische nüchterne Beurteilung durch den Zivilrichter genügt, um den Zusammenhang anzuerkennen, die angeblich vom sozialen Geist und Empfinden getragene Rechtsprechung des Reichsversiche- rungSamts weist diese Beurteilung als viel zu milde weit von sich. Das nur auf das Parteivorbringen sich aufbauende Zivilrecht ist milder wie die der Erforschung der materiellen Werte dienende Rechtsprechung dcS ReichsvevsicherungSamtS. Und da schreit die Unternehmerpresse, daß diese Rechtsprechung des Reichsversiche- rungsamts noch viel zu sozial seil Hus der fraucnbcwec|uncj. Frauenleiden und Geistesstörung. Rom, 11. November.(Eig. Ber.) Seit mehreren Jahren bemüht sich der ordentliche Professor der Frauenheilkunde in Genua, Dr. L. M. Bossi, in medizinischen und Laienkreisen einpr neuen Auffassung über die Ursachen eine? Teiles der Geistesstörungen beim weiblichen Geschlecht Aufnahme zu verschaffen. Bossi, der übrigens Parteigenosse ist und bereits als sozialistischer Abgeord- neter im Parlament war, ist durch seine Praxis zur Ueberzeugung gekommen, daß viele Erscheinungen nervöser und psychischer Stö- rungen bei Frauen auf krankhafte Veränderungen des Genital- apparateS zurückzuführen sind. Es ist ihm wiederholt gelungen. durch geringfügige Eingriffe Frauen gesund ihrer Familie wieder- zugeben, die jahrelang in Irrenanstalten waren. Er fordert des- halb bei allen Acnderungen deS psychischen Verhaltens, namentlich bei Melancholie und Selbstmordneigung, die Zuziehung eines Frauenarztes, die er auch in vielen Fällen weiblicher Delinquenz für geboten hält. Dieser Forderung hat hum ersten Male ein italienisches Gericht in dem Prozeß der Gräfin Tarnowska Rech- nung getragen, und hier wurd« Bossi selbst als Sachverständiger zugezogen. Es ergab sich eine ziemlich geringfügige Anomalie, durch deren Behandlung Bossi die schweren psychischen Symptome dieser Frau heute so gut wie ganz beseitigt haben will. Bossis praktische Erfolge haben ihn veranlaßt, in seiner Eigenschaft als sozialistischer Provinzialrat von Genua die gynäkologische Untersuchng aller Weib- lichen Irren vor der Jnternierung in die Provinzialirrenanstalt zu verlangen. Nach seiner Schätzung beruhen etwa 30 Proz. der Erkrankungen, die zur Jnternierung führen, auf Störungen deS weiblichen Geschlechtsapparates. Dabei handelt i€s sich in der Mehrzahl der Fälle um geringfügige Störungen, die durch einen kleinen Eingriff behoben werden können, die aber bei längerer Zeitdauer zu dauernder geistiger Umnachtung führen, und dies um so sicherer, wenn die Patientin in beständigem Kontalt mit Geisteskranken bleibt. Bossis Anschauung, die auch unlängst in Paris bei einer Tagung der Gesellschaft der Frauenärzte und Ge- burtshelfer allgemeines Interesse erregten und Zustimmung fand, geht also dahin, daß bei zeder nervösen oder geistigen Störung, die bei Frauen in den Jahren ihrer Geschlechtstatigkeit eintritt, mög- lichst schnell ein Frauenarzt zuzuziehen sei. Versammlungen— Veranstaltitngeu. Bruchmühle und Umgegend. Am Sonntag, den 19. November, nach- mittags 4 Uhr, Kutzners Festsäle, Bruchmühle: Oeffentliche Bersanunlung. Tagesordnung:„Die Stellung der Frau zu den nächsten Reichstagsivahlen". Referentin: Frau Agnes Fahren« wald._ WailerstandS-Nl, cd richten der LandeSanstalt sür Gewäslerkund«. mitgeteilt vom Berliner Wetteröureau. 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unierpegel. eSittcrnngsül erttcht vom 17. November 1911. Stationen Stationen C"* f- W vavaranda 737 SW 2 Regen 2 ambttra 751 SSW 3 Regen 10 Petersburg 747 SW i 1 bedeckt! 5 -rlw 755 SW 2 bedeckt 11 Sctlly.74ZWSW Lbalbbd. 10 Frimtl.» v! 755 SW Sbedcckt 11 Merdeen 1741 R 2 Regen| 3 Sliinchen(761 SSO 1 balb bd. 2 Paris 1751STW 4 bedeckt I 11 Wien esettcrproqnoie für Sonnabend, den 18, November I»ll. Zunächst zeitweise aujklarend, etwas kühler bei frischen südlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung. Trübung und Regen. Berliner Wetterburea«. t Puma-Stiefel i & für Damen � und Herren 5 10 50« H.O Soweit Vorrat: � Alleinverkauf für Berlin � �*0*0*0*0*0'ö1 # 0 0 f © © « I A.3andorf&€ Belle-Alliancestrasse Gr. Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm � Wurstwaren Cervelat- o. 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Pfund ISp«- Kochäpfel..................... piund 13pc Essbirnen..................... piund 20 Kochbirnen..................... pfnnd 15 Zitronen...... vntzena 10, 25, 35pf- tmmm Spitteimarlit Belle-Alliancestrasse Grosse FranKfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm! :r'7v MM n aa B00 S Serie I Serie II Serie lU Damen-Taschentucher in fs oo weisser Fond mit farbiger Kante und Hohlsaum........ Stück n IC mM Pf. Centr alsLei hhaus M- Jägerstr, 71 � �ewä�f � Ecke Kanonierstraße Abt. I: Hochelegante Monatsgarderoben, teils in prima Seide, zu sehr mäßigen Preisen. Elegante Monafsgarderoben, welche in vornehmen Werkstätten nach Maß hergestellt sind, werden als Gelegenheitskäufe zu billigsten Preisen zum Verkauf gestellt, und ist die Auswahl gerade in diesen wenig gebrauchten Maßgarderoben jetzt eine sehr große, da bei dem Saisonwechsel ein starkes Lager vorhanden. Winter-Paletots und Ulster Steide �7"' Monalsp:r: 9, 10, 12, 15, 20, 25. Lieg. 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Für die ausgefpctdcu Tsbakarbeiter Atchlhiands viingen Lei der G e w e r k s ch a f t S k o m m i s s i o n für Berlin und Umgegend ein: Fuhrhof Schultz? 7,—. Fabrikpersonal der Firma Juergens 10,—. Verband der Steinsetzer, Filiale Grotz-Berlin 500,—, Verband der Stulka- teure, Filiale Berlin 500,—. Personal der Buchdruckerei Rosentbal u, Co, 10,00, Veröandslollegen bei H. Arcnds Verlag 7,—. Personal der Buch- druckcrci D. Fcilchenseld 10,—, Verband der Schmiede, Ortsvcrwaitunz Berlin 100,—. Verband der Hutmacher, Zahlstelle Berlin 100,—.. Buchdrucker bei M. Kettcmbeil 8,25.' Liste 2599 Verbandsmitglieder des.Vorwärts"(Zeitung) 100,—. Bezirksversammlung d, Bäcker 4,50. Verband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin 500,—. Lokalkasse der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller 300,—. Skatüberschug 1,85, Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter a konto aus Listen 300,—. Unterslützungssonds der Glasarbeiter in Stralau 50,—. Verband d, Bäcker und Konditoren, Verwaltung Berlin a konto aus Listen 200,—. A, K, 5,—, Buchdruckerei stankiewicz 5,—. Flachdruckmaschinenmeister des.Vorwärts" 10,—. Mitglieder des �chneiderverbandes 20,—. Liste 1358 durch Nümke 4—. Verband der Böttcher, Ortsverwaltung Berlin 100,—. In Summa 285u,50. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, LO. 16,(Engelufer 15 I, zu senden. Alle Sammlungen sind sofort our unserem Bureau. Engelufer 15 I, Zimmer 23, in den Wochen- tagen vormittags von g— ILVz Uhr und nachmittags von 4— 7'/, Uhr oder in den Bureaus ihrer Gewerlschaft abzuliefern. Der Ausschuß der Gcwerlsch aftskvmmisfiou für Berlin und Umgegend. Ler russische Raubzug gegen Reriien. Früher als man es hätte erwarten können, ist auf die Erklärung des Verwesers des Ministeriums des Auswärtigen, Staatsrat N e r a t o w, die die russischen Absichten in Persien klar legte, der räuberische Ueberfall auf Nordpersien gefolgt. Der russische Gesandte in Teheran hat der Regierung ein Ultimatum überreicht; der persische Regent und die Mi- nister haben abgedankt, und während eine neue Regierung gebildet wird, rücken die russischen Truppen, die schon längst in Transkaukasien auf der Lauer gestanden, i n Persien ein. Das Reutersche Telegramm, welches von den russischen Truppensendungen Mitteilung macht, spricht davon, daß die russische Regierung ein Bataillon nach Täbris senden werde, um die dortigen Truppen auf die Stärke zu bringen, die sie vor einigen Monaten gehabt hatten. Nun steht aber diese Truppenversiärkung, wie auch die Entsendung von russischen Kosakenabteilungen nach Astrabad und anderen Orten, mit dem plötzlich ausgebrochenen russisch-persischen Konflikt in keinem Zusanimenhang, denn schon vor Ausbruch des Konfliktes, der der russischen Regierung den erwünschten Anlaß zu einem Ultimatum gegeben, hat der russische Verweser des Ministeriums des Auswärtigen in der„Nowoje Wremja" klipp und klar von diesen Truppen Verstärkungen gesprochen. Diese Tatsache wirft ein bezeichnendes Licht auf den ganzen Konflikt, der nun zu einer Okku Pation Nordpersiens durch die Russen zu führen droht. Der amerikanische Finanzbeirat der persischen Regierung, Morgan Shuster, hat noch dieser Tage in der „Times" klargelegt, wie die russische Regierung durch Pro klamierung eines besonderen„Schutzrechtes" nicht nur über alle russischen Untertanen, sondern auch über persische Reaktionäre und Verräter sich Hoheitsrechte in Persien angeeignet hat. Dieses Vorgehen der Zarenregierung hat den jüngsten Konflikt zwischen dem russischen Generalkonsul und der Teheraner Regierung heraufbeschworen. Morgan Shuster hatte die Beschlagnahme des Hauses und des Landgutes des Prinzen Schua es Saltaneh, eines Bruders des früheren Schahs, der sich des Landes Verrates schuldig gemacht hatte, verfügt. Dem widersetzt sich aber oer russische Generalkonsul, der, um an- gebliche russische Interessen zu schützen, die Besitzungen des persischen Landesverräters besetzt hatte. Es kam nun zu einem Konflikt zwischen den Gendarmen und den Beamten des russischen Konsulats, der die persische Regierung veranlaßte, um die Abberufung dieser Beamten nachzusuchen. Nach der russischen offiziellen Erklärung sollen die russischen Konsulatsbeamten von den persischen Gendarmen bedroht und beleidigt worden sein. In Wirklichkeit ist aber das gerade Gegenteil der Fall gewesen. Der Vertreter des russischen General- konsulats ißetrow erschien mit einem Trupp Kosaken und ver- hinderte die angeordnete Beschlagnahme des Hauses von Schua es Saltaneh. Am folgenden Tage wiederholte sich dasselbe bei der Beschlagnahme des Landgutes des Prinzen, wobei die persischen Gendarmen vom Dragoman Pctrow ent- waffnet und nach dem russischen Konsulat in Teheran geschafft wurden. Es ist vollkommen begreiflich, daß die persische Regierung das unverschämte Verlangen des Gesandten nach Genugtuung veriveigerte und eine gemeinsame llntersuchung des Zwischen- falls forderte. Daß die russische Regierung auf diese minmalste Forderung nicht eingegangen ist und statt dessen ein Ulti- niatuni gestellt hat, beweist am deutlichsten, daß sie nur nach einem Vor wände gesucht hat, um ihre Truppen in Persien einmarschieren zu lassen. Die russische Regierungsprcsse ist über dieses Vorgehen natürlich hoch erfreut. Die„Nowoje Wremja" verlangt, daß die russisch-persischen Beziehungen doch endlich mit der„Spitze des Schwertes" durchhauen werden sollen, und sämtliche Blätter der„patriotischen" Parteien hetzen mit Feuereifer zu einem Kriege gegen P e r s i e n. Abberufung des russischen Gesandten. Petersburg. 17. November. Der russische Gesandte in Teheran telegraphierte seiner Regierung, datz k e i n e A u s s i ch t vorhanden sei, datz das russische Ultimatum beantwortet werde, da augenblicklich in Teheran keine Regierung mehr bestehe. Die russische Regierung bcschlotz daraufhin die Abberufung des Gesandten in Persien. Der Kriegsminister verfügte sofort die Mobilmachung der Truppen an der persischen Grenze und befahl einem Regiment Infanterie, einem Regiment Kavallerie und einer Abteilung Artillerie, zusammen 40 000 Mann, sofort nach K a r w i n abzumarschieren. Nutzland studiert augenblicklich die Mög- lichkeit von Unterhandlungen mit dem ehemaligen Schah, besien Rückkehr wahrscheinlich Wird, wenn die gegenwärtigen Zustande in Persien andauern. Auch die Engländer marschieren. Buschir, 17. November.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Eine weitere Abteilung indischer Kavallerie in der Stärke von zwei Eskadrons ist gestern von hier nach Schiras ab- gerückt._ Sozialistische Blahierfolge in Großbritannien. London, 10. November 1911. Bei den englischen Gemeinderatswahlen haben die Arbeiter- kandidaten am 1. November sehr gut abgeschnitten. Leider ist eine genaue Feststellung des Gesamtresultats auch heute noch nicht mög- lich. Der„Labour Leader", der eine vorläufige Aufstellung gemacht hat, konstatiert, datz die Arbeiterschaft 65 Sitze gewonnen und neun verloren hat. Es wäre somit ein Gewinn von 56 Sitzen für ganz England zu verzeichnen. Wie viele von diesen Ge- Winnen sozialistische Siege darstellen, lätzt sich schwer ermitteln, da die verschiedensten Organisationen Kandidaten aufgestellt haben, Jedenfalls sind aber mehr als die Hälfte der neuen Arbeitervertreter als Sozialisten zu bezeichnen. Ganz überraschend waren die Erfolge in Liverpool, wo es den Arbeitern gelang, von 14 Kandidaten 6 durchzubringen. Sechs Siege in Liverpool I Wer Liverpool kennt, mutz dies als eine ganz außerordentliche Leistung anerkennen. Die Stadt ist die Brutstätte der Reaktion. Im Parlament wird sie von acht Konservativen und einem irischen Nationalisten vertreten. Um sich ein Bild von diesem Zustande zu machen, stelle man sich vor, Hamburg sei eine konservative anstatt eine sozialdemo- kratische Hochburg. Das Geheimnis der reaktionären Macht beruht auf der Verhetzung, die systematisch betrieben wird. Die protestantischen Arbeiter werden auf die katholischen und diese wiederum auf die protestantischen gehetzt. Aber der letzte Streik hat den Arbeitern die Augen geöffnet. Da kämpften protestantische und katholische, liberale und konservative Arbeitgeber geschlossen gegen die Streikenden. Der Stadtrat stand ganz aus der Seite der Kapitalisten. Seine Schuld war es, datz Militär herbeigerufen wurde, er war es der die Stratzenbahnarbeiter entlietz und den Kapitalisten auf alle mögliche Weise in die Hände spielte. Die Liverpooler Ar- beiter haben das nicht vergessen. Der Genosse F i n i g a n schreibt in„Justice" über den Wahl- kämpf: „Die Wichtigkeit, in dieser Lage zu handeln, zwang selbst Tom Mann die politische Aktion und die Notwendigkeit, einen ent- schiedenen Kampf gegen die Reaktionäre zu unternehmen, an- zuerkennen. Vierzehn Kandidaten wurden aufgestellt, die alle ein Manifest unterzeichneten, das in klarer und unverkennbarer Weise das Prinzip des Klassenkampfes betonte. Die Arbeiter waren allgemein offenbar eines Sinnes, denn alle Kandidaten wurden an der Wahlurne in wunderbarer Weise unterstützt und sechs wurden mit entschiedenen Mehrheiten gewählt. Die herrschenden Klassen hatten eine solche Furcht, datz sie jeden Skrupel fahren lietzen, um nur die Arbeiter zu besiegen. Die Liberalen gingen mit den Konservativen zusammen und veröffentlichten gemeinsam einen Auf- ruf, in dem sie alle Bürger ohne linterschied der Meinungen und politischen Ueberzeugung aufforderten, zusammenzuhalten, um die Sozialisten und Arbeiterkandidaten mit ihren Lehren vom Generalstreik und Klassenkampf hinwegzufegen. Aber alle Lügen, Beschimpfungen, Geld und Einfluß, der Bund Beelzebubs mit Beelzebub vermochten nicht, die schrecklichen Erinne- rungen der Strciktage auszulöschen. Damals sahen die Arbeiter den Wert der wirtschaftlichen Solidarität, und wenn die Gewählten sich als treu bewähren und die verantwortlichen Gewerkschaften sie wirksam kontrollieren, worauf wir uns mit Sicherheit verlassen können, dann werden die Arbeiter den Wert der politischen Solidarität sehen und es wird nicht länger heißen, datz, wenn die ganze Welt dem Sozialismus gehört, Liverpool auf dem Buckel noch hinein- getragen werden mutz."» Die Wahl in Liverpool war mehr als eine Gemeinderatswahl. Sie war eine politische Demonstration der Arbeiterschaft und ist von guter Vorbedeutung für die Zukunft. ver vblchiuß der fiationalratswahlen. Zürich, 13. November.(Eig. Ber.) Die am Sonntag stattgefundenen letzten Stichwahlen haben unserer Partei noch zwei Mandate gebracht, indem in Bern der Genosse Gustav Müller, städtischer Finanzdirektor(Magistrats- Mitglied) und in Genf Genosse S i g g. Adjunkt des schweizerischen Arbeitersekretariats, gewählt wurden. Die beiden gewählten Genossen standen auf den bürgerlichen iListen! Müller erhielt 14 229 Stimmen gegen 10 962 und 10 946, mit denen gleichzeitig zwei Konservative gewählt wurden, und gegen 7790 und 8175 Stimmen, die auf unsere beiden Kampfkandidaten Moor und Schneider fielen. In den 11000 Stimmen der Konservativen drückt sich die Stärke der beiden bürgerlichen Parteien, der Freisinnigen und Konservativen. aus, wovon aber die grotze Mehrzahl auf die erstere und die kleine Minderzahl auf die Konservativen entfällt. In den 8000 Stimmen kommt die Stärke der sozialdemokratischen Partei zum Ausdruck, die von allen drei Parteien die stärkste ist, von den 7 Vertretern des Berner Wahlkreises im Nationalrat aber nur einen hat, während die freisinnige Partei 4 und die Konservativen 2 besitzen. Unsere Partei hat eine erfteuliche Stärke erreicht, aber sie ist gegenüber den vereinigten Bürgerlichen noch zu schwach und so konnten diese neuer- dings ihre alte Vergewalligungspolitik betätigen. Auf Sigg in Genf fielen 8062, auf den gleichzeitig mit ihm gewählten katholisch-konservativen Ody 7805 Stimmen, auf die zwei unterlegenen Liberalkonservativen 6122 und 6212 Stimmen. Wie viele sozialdemokratische Stimmen in den 8000 Stimmen Siggs enthalten sind, ist schwer zu sagen, vielleicht 3000. In Baden bei Zürich ist der sozialdemokratische Kandidat Arbeitersekretär Muri leider, wie befürchtet werden mutzte, unter- legen und zwar mit 5291 gegen 7031 Stimmen, mit denen sein frei sinniger Gegenkandidat siegte. ES sind nun insgesamt 15 Sozialdemokraten gegen 6 bisherige in den Nationalrat gewählt. Sie bilden jetzt von den 189 Mitgliedern insgesamt 7,9 Proz. gegen 3.5 Proz. der bisherigen 167 Mit- glieder. Die sozialdemokratische Vertretung hat also eine absolute Vermehrung um 150 Proz. und eine relative, im Verhältnis zur Ge- samimitgliederzahl des Nationalrats um rund 100 Proz. erfahren. Bestände der gesetzliche Proporz, so würde unsere Partei, die bei der Hauptwahl vom 29. Oklober ungefähr ein Viertel der ab- gegebenen 400000 Stimmen erhielt-, genau dreimal so viel, also 45 Vertreter im Nationalrat haben. Das wissen auch die herrschen- den Freisiiinigen und darum bekämpfen sie mit allen Mitteln die Einführung des gesetzlichen Proporzes, obwohl ihnen auch dann noch auf lange Zeit hinaus die Stellung der Mehrheitspartei gesichert wäre. Die FraktionSberhältniffe im Nationalrat haben folgende Ver- schiebungen erfahren: ow Gewinn+ �efei Buljcr zzerlust— Freisinnige........ 113 104+9 Katholiken......•. 38 35+3 Protest, u. Konserv.(„Zentrum") 14 16—2 Sozialdemokraten..... 15 6-j- 9 Demokraten....... 5 5— Wilde......... 4_ 1_+ 3 Total:.189 167 Die Freisinnigen sind eine bürgerlich-kapitalistische Allerwelts- Partei, der sich jeder bürgerliche Politiker mit oder ohne Grundsätze anichlietzen kann, wenn er nur unter allen Umständen für die Kapitalsintercssen eintritt und die Sozialdemokratie bekämpft. Darin sind eigentlich alle 174 bürgerlichen Nationalräte ohne Unterschied der rein formellen Partcietikette einig, so datz die Vertretung der Arbeiterintereffen auf die 15 Sozialdemokraten beschränkt bleibt, die gegenüber den 174 Kapitalsvertretern nur eine kleine Minderheit bilden. Erdbeben in Süd- und iiiiiteidentichiand. Am Donnerstagabend zwischen lO'/a und 11 Uhr ist in ganz Süd- und Mitteldeutschland ein sehr heftiges Erdbeben verspürt worden. Die Ausläufer des Bebens, dessen Herd im Alpengebiet zu liegen scheint, wurden bis hinauf nach Dresden, Leipzig und Magdeburg bemerkt. In östlicher Richtung strahlte das Erdbeben bis Wien, im Süden bis Mailand und im Westen bis Ostfrankreich aus. Ueber das Beben, das nach den Aufzeichnungen der Erdbebenwarte eines der stärksten der letzten Jahre ist, liegen folgende Meldungen vor: Süddeutschland. Konstanz, 16. November. Heute abend um 10 Uhr 25 Minuten zeigte sich am westlichen Himmel ein starker, blitzähnlicher Feuerstrahl. Man verspürte ein starkes, wellenartiges, mehrfach von Norden sich bewegendes Erdbeben, durch das Kamine zum Ein stürz gebracht wurden, Häuser- mauern barsten und viele Gebäude, darunter das Postgebäude, stark beschädigt wurden. Der Bevölkerung hat sich grotze Aufregung bemächtigt. Konstanz, 17. November. Infolge des gestrigen Erdbebens sind große Steine sowie eine vier Meter hohe Kreuzblume vom Turme des Münsters aufdie Straße gefallen. Ebenso stürzte die fünf Meter hohe Kolossalfigur der Germania, die auf dem Gebäude der Oberpoftdirektion steht, auf das Straßen- Pflaster und zersprang in kleine Stücke. Ein Dienst- mädchen wurde aus dem ersten Stock herausgeschleudert und erheblich verletzt/ Zahlreiche Dächer sind abgedeckt worden. Auch in Vi Hingen fiel ein Teil des Kirchturms auf die Straße. Stuttgart, 17. November. In Württemberg ist das gestrige Erdbeben besonders stark aufgetreten. Von überall her laufen Nachrichten ein, daß Schorn st eine von den Dächern fielen, daß in den oberen Stockwerken der Häuser Risse ent« standen, datz Möbel durcheinandergeworfen wurden und Uhren stehen blieben. Die Bevölkerung stürzte überall erschreckt ins Freie. In Ebingen scharten sich etwa 500 Mann um ein Feuer, das auf dem freien Felde angezündet wurde. Mehrfach schlugen die Kirchenglocken an. Der Bahndamm zwischen Laut- lingen und Ebingen ist gerissen. Der Verkehr wird durch Um- steigen aufrechterhalten. In Lautlingen entstand infolge des Erdbebens in einem Elektrizitätswerk durch Kurzschluß Feuer. Das Werk selbst sowie ein dazu gehöriges Wohnhaus und eine bc- nachbarte Mühle wurden voll stä ndig eingeäschert.— In Laufen a. d. Eyach stürzte in einem Gasthaus eine Decke ein. Auch sonst werden Giebeleinstürze gemeldet. Per- sonen sind nach den bisherigen Nachrichten nirgends zu Schaden gekommen. Hechingen, 17. November. Das Erdbeben hat dem Stamm» schlotz des Kaisers, der Burg Hohenzollern übel mit- gespielt. Die Bosatzuugskompagnie mutzte ihre dort gelegene Kaserne verlassen und die Nacht auf dem Exerzierplatze im Freien verbringen. Die Figuren am Schlosse wurden schwer be- schädigt, die Türme zeigen grotze Nisse. Rottweil, 16. November. Heute abend 10 Uhr 25 Minuten wurde hier ein sehr starker Erdstotz wahrgenommen. Tie Erschütterung war so heftig, daß verschiedene Gegenstände in den Zimmern heruntersielen. Am Schwarzen Tor stürzte ein Kamin ein. Bei verschiedenen Häusern fielen von den Dächern Ziegel herab. Auch wurden Risse an den Wänden fest- gestellt. Die Einwohnerschaft stürzte entsetzt auf die Straße, in der Befürchtung, das Erdoebcn könne sich wiederholen. Verschiedene Leute wollen einen starken Blitz und einen heftigen Luft- druck wahrgenommen haben. Karlsruhe i. B., 17. November. Gestern abend.5 Minuten vor l�ll Uhr wurde die Stadt durch ein heftiges Erdbeben, das 12 bis 14 Sekunden dauerte, erschüttert. Das Beben war so stark, datz die Häuser in ihren Grundfesten erzitterten. Im Hoftheater brach eine Panik aus. Die Aufführung des ..Roseipkavalier" mutzte abgebrochen werden. Die Telephon» leitungen sind gestört. München, 16. November. Die E r d b e b e n sta t i 0 n der Königlichen Sternwarte teilt mit: Um 10 Uhr 25 Minuten 50 Sekunden war in München ein sehr starkes Erdbeben zu verzeichnen. Der Seismograph reagierte darauf derart, datz er herausfiel und wieder hineingerichtet werden mutzte. In den einzelnen Lokalitäten und Wohnungen war das Beben stark zu verspüren. Mülhausen(Elsaß), 16. November. Heute abend gegen 10 Uhr 28 Minuten wurden hier zwei Erdstöße von außergewöhnlicher Heftigkeit verspürt, die sich von Westen nach Osten bewegten. Ueberall liefen die Leute vor Schreck auf die Straßen, in denen bielfach Trümmer von herabgefallenen Schorn» st einen und Ziegeln lagen. In den oberen Stockwerken vieler Wohnungen weisen die Wände starke Sprünge ans. Von einem Scitenturm der reformierten Stephanskirche ist ein zentnerschwerer Stcinblock heruntergestürzt. Soweit bis jetzt bekannt ist, sind Personen nicht zu Schaden gekommen. Im Stadttheater mutzte die Vorstellung ab» gebrochen werden, da die Besucher vor Schreck davonliefen, Mitteldeutschland. Frankfurt a. M., 16. November. Heute abend 10 Uhr 25 Mi- nuten wurde hier ein kurzer starker Erdstoß ivahrgenommen. Ver- schicdcne Häuser haben grotze Nisse erhalten. Die Bewohner eilten bestürzt, teils nur notdürftig bekleidet, auf die Straße. Die Feuerwehr und Rettungswache mutzten vielfach in Tätigkeit treten, doch sind ernsthafte Unfälle nicht vor- gekommen. Auch aus Mainz und Etraßburg laufen Mel» düngen över Erdstöße ein. An Verschiedenen Orken sin? die Feen sprechleitungen gestört. Heidelberg, 17. November. Infolge des gestrigen Erdbebens� das sieben Sekunden dauerte, fiel der Seismograph der Stern iv arte auf dem König stuhl um. Er blieb nach seiner Wiederaufrichtung etwa dreiviertel Stunden in Tätigkeit. In der Nacht wurden noch weitere sieben Stöße verspürt. An vielen Orten wurde ein kometen artiger F e u e r st r e i f am Himmel bemerkt. Erfurt, 17 November. Zlus ganz Thüringen gehen Mel. düngen über das gestern abend bemerkte Erdbeben ein. DaL Seismographische Institut in Jena � stellt die End fcrmmg des Herde? auf 100 Kilometer fest. Auch in Magdeburg wurde gestern abend ein leichter E r d« stoß verspürt. Leipzig, 17. November. Das gestrige Erdbeben wurde auch hier wahrgenommen, doch scheint es keinen Schaden angerichtet zu haben. Ebenso wurde in Plauen i. V. gestern abend 10% Uhr ein Beben von IVj Minuten Dauer verspürt, das die Rich- tung von West nach Ost hatte und von dumpfem Rollen be- gleitet war. Tos Beben im Ausland. Wien, 16. November. Um lO'A Uhr nachts wurde in der ganzen Stadt ein V/a Minuten andauerndes Erdbeben verspürt, welches die Richtung von West nach Ost zu nehmen schien und von mehreren kurzen Schwankungen begleitet war. Bern, 17. November. In der g a n z e n Schweiz ist gestern abend das Erdbeben etwa zehn Sekunden lang in der Richtung von West nach Ost verspürt worden. In den Theatern zu Bern und Zürich brach einePanikaus, die Bes uch er stürzten, Fensterscheiben einschlagend, auf die Straße; mehrere Personen wurden ohnmächtig. Mailand, 16.?!oveinber. Hier wurde heute abend 16 Uhr 36 Minuten eine Erdcrschütterung von einigen Sekunden Dauer verspürt, die auch in Lecco, Parese und anderen nahe- gelegenen Ortschaften wahrgenommen wurde. Paris, 47. November. Gestern um 6 Uhr. 26 Minuten abends nach hiesiger Zeitrechnung wurden in Lun6ville, Langres, Pcsoul, Epinal. Belfort und Pontarlier Erd- stöhe verspürt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Ursachen des Bebens. Ueber den Charakter der'umfangreichen Erderschütterung macht in der Presse Professor Dr. Michael von der geologischen Landcsanstalt folgende interessante Mitteilungen:..Soweit sich auS den bisher vorliegenden Nachrichten über da-Z gestrige Erdbeben ersehen läßt, hat die Erdbewegung ihren Sitz im Älpen- gebiet, Es dürfte sich vermutlich um eine der unterirdi- schen Erdverschiebungen hanvel», die in den Alpen- ländern häufig beobachtet werden, und die mit der GebirgSbildung in Zusammenhang stehen. Von den Alpen aus haben sich dann die Erschütterungen strahlenförmig fortgepflanzt, und zwar den Linien entlang, die wir Fachleute ,.t e k l u n i s ch e Linien" nennen. Eine solche Linie zieht sich zum Beispiel das Rheintal entlang. eine andere geht von Wien zum Scmnieriug durch ein Gebiet, das sich durch viele warme Ouellcn auszeichnet, eine dritte tcktonische Linie geht von Wiener Neustadt nach Böhmen. Im übrigen haben wir in Deutschland mehrere Gebiete, die sehr oft von Erdbeben beimgesucht werden. Da- lebhafteste..Schüttergebiet" ist das Bogt- lunh. Dost joiirbe» in den Äuhrer».18?S„biÄ. 16U7 nicht wenige» als 33" größer«' Erdbeben verzeichnet.'Im JaHre 1900- ratib ein Erdbeben statt, das an fünfzig Tagen hintereinander»vahrgenvmmen wurde, im Jahre 1661 trat ein..Srdbebenschwarm" ein. der 53 Tage währte, und im Jahre 1S63 wurden an 93 verschiedenen Tagen Erdbeben registriert. Andere größere Erdbebengebiete be- finden sich im Nieverrhöiirgebiet bei Aachen in der Pfalz, im Badischen Oberland, in der Maingegend und zwischen Schwarz- Wald und Vogcsen. Für Berlin und seine nähere Unigebung scheint keine Gefahr zu bestehen, wenigstens ist noch niemals ein Erdbeben in der hiesigen Gegend wahrgenommen worden.' Es hängt die? damit zusammen, daß di« geologischen Vor- bedingungen, die zur Entstehung eines Erdbebens notwendig sind, für Beelin ebenso wie für ganz Norddeutschland und weiterhin für die russische Tiefebene nicht vorhanden sind. Grundbedingung für die Bildung von Beben ist immer das Vorhandensein von gtößeren Gebirgskomplexen mit kompliziertem geologischen Aufbau. Namentlich die Gegenden sind gefährvet, in denen junge Kettengebirge gegen ihre Umgebung, besonders gegen das Meer, abbrechen, zum Beispiel Dalmatien, Griechenland und Süditalien. In diesen Gegenden pflegen die Erdbewegungen meist viel heftiger aufzutreten als in unseren Gegenden, in denen die Erschütterungen gewähnlich nur sehr leichter Natur sind, und nur wenig Materialschaden anrichten." Ststiktlli der Heilstöttenbehsndlung Cungenhranher In Charlottenburg. Charlottenburg gehört zu denjenigen Gemeinden, die seit Jahren erheblich- Mittel für die Heilstättenbchandlung Lungenkranker aus- werfen. Allein im Etatsjahc 1616 sind für die Tuberkulose. bekämpfung 186 466 M. ausgegeben, in dieser Summe sind aber die Ausgaben für die Krankenhausbehandliingen Tuberkulöser, für die Waldschulen, die Ferienkolonien. Mietszusckmssc, Geldunterstützun- gen. Unterstützungen mit Nahrungs- und Stärkungsmitteln noch nicht enthalien. Allein auf die Heilstättenbehondlung der Lungen- kranken entfallen 68 666 M. Um nun zu erfahren, welchen Erfolg die Heilstättenbehandlungen erzielt haben, hat der leitende Arzt der städtischen Fürsorgestclle für Lungenkranke Dr. Becker genaue Untersuchungen veranstaltet. Die von ihm aufgenommene und be- arbeitete Statistik bezieht sich auf sämtliche Heilstättenbehandlungen von Eharlottenburaer Einwohnern, welche zur Kenntnis der Für- forgestelle gelangt sind. ES sind also nickt nur die Fälle darin ent- halten, welche auf Kosten der Stadt versandt worden sind, sondern ouck diejenigen, welcfce auf eigene Kosten oder auf Kosten anderer Behörden, z. B. der Eisenbahn und Post, der Landesversicherungs- anstalt Berlin usw. überwiesen wurden. Auch eine Anzahl von Fällen, welche früher nicht in Charlottenburg wohnten, damals eine Heilstättenkur durchmachten und später nach Charlottenburg zogen, ist in der Statistik enthalten. Allerdings gibt es«ine große Anzahl von Fallen, über welche entweder von der Entlassung an oder in späterer Zeit nichts mehr ermittelt werden konnte. ES liegt dies an der enormen Fluktuation der großstädtischen Bevölkerung. Dieser Mangel der Statistik ist leider nicht zu vermeiden. Es ergibt sich daraus, daß man sich bei der Betrachtung der Zahlen stets vor Augen hallen muß, daß die wahren Ergebnisse für vollen und teil« weisen Erfolg, für Erfolglosigkeit und Todesfälle tatsächlich höhere sind. Im einzelne» kehrt die Statistik, daß von 186 Erwachsenen, unb zwar 128'de? ersten, S4 des zweiten. 3 des dritten Stadiums, nach einem Jahre 97 voll erwerbsfähig waren» bei 53 war die Er- werbsfähigkeit wenig, bei 8 stark herabgesetzt, 2 waren erwerbs- unfähig, 9 waren' gestorben, bei Ii war der Zustand unbekannt. Wichtiger ist natürlich die Frag«, wie der Zustand der Patienten längere Jahre nach der Entlastung aus der Heilstätte ivar. Hier ergibt sich nun, daß nach 9 Jahren von 72 Erivachsenen. und zwar 83 des ersten, 16 deS ziveikeä, 6 des dritte» Stadiums 26 voll er- werbsfähig waren, 7 hatten geringe, 2 eine starke Herabsetzung der Erwerbsfähigkeit, einer war erwerbsunfähig» 11 ivaren gestorben und bei 25 war das Resultat unbekannt. Von 23 Kindern war nach 8 Jahren bei 16 nichts mehr auf oen Lungen zu sinden, 1 befand sich im ersten Stadium, 1 war gestorben, bei 11 war der Zustand unbekannt. Während in der Statistik des Reichsversichcrungsamtes und in der Statistik einer Reihe von Heilstätten der Prozentsatz der nach der Entlassung voll erwerbsfähigen Personen verhältnismäßig hoch ist und in den nächsten Jahren ein stetiger Abfall der Erwerbs fähigkeit konstatiert wird, ist in Charlottenburg die volle Erwerbs fähigfeit nicht ganz so hoch, dagegen bleibt sie während 5 Jahre unfähr gleich, ja nach 5 Jahren ist sie sogar noch etwas höher. Dieser Untcrsckicd ist darin begründet, daß in der Charlottenburger Statistik als voller Erfolg nur die Fälle gerechnet sind, welche nach der Entlassung sofort wieder ohne Schaden dem alten Beruf' nach- gehen konnten. Alle diejenigen, bei welchen es nicht angebrackt erschien, daß sie wieder ihren Beruf aufnahmen, oder die zunächst noch eine Nachkur in einer Erholungsstätte machten, wurden der zweiten Rubrik, wenig herabgesetzte Erwerbsfähigkeit, zugeteilt. Von diesen Personen wurde später ein Teil wieder voll erwerbs- fähig. Wenn man nun berücksichtigt, daß bei der Entlassung außer den 56 Proz. voll Erwerbsfähiger stock; 36 Proz. eine wenig herab- gesetzte Erwerbsfähigkeit hatten, und istrtz nach 5 Jahren außer den 66 Proz. voll Erwerbsfähigen fast 36 Proz. eine wenig herabgesetzte Erwerbsfähigkeit hatten, so kann man die Erfolge als äußerst günstige bezeichnen. Wir geben Herrn Dr. Becker durchaus recht, wenn er meint, daß es keinem Zweifel unterliegen kann, daß durch eine intensive Fürsorge für die aus den Heilstätten Entlassenen einer Abnahme der Erwerbsfähigkeit sehr häufig vorgebeugt werden kann. Wenn man diese Personen stets im Auge behält und sie, während sie arbeiten, regclinähig unfet sucht, so farnt durch eine rechtzeitige Verordnung einer neuen Heilstättenbehandlung, eines Aufenthalts in.einer Erholungsstätte oder auch nur durch zeitweise Schonung eine drohende Verschlimmerung vermieden werden. Noch besser als bei den Erwachsenen sind die Ergebnisse bei den Kindern. Die Zähl der Kinder, bei denen nach der Behandlung nichts mehr nachzuweisen war, steigt von 62 Proz. bei der Entlassung auf 83 Proz. nach 8 Jähren. Allerdings darf man nicht vergesse», daß in Charlottenburg fast aicSschtießlich Kinder mit ganz beginnen- den Erscheinungen den Heilstätten überwiesen werden. Kinder, bei denen bereits eine deutliche Dämpfung und ausgesprochene Veränoe- rung des Atemgeräusches vorhanden ist, oder bei denen gar Bazillen im Auswurf auftreten, sind nach den Erfahrungen von Dr. Becker meist verloren. Er hält deshalb den Grundsatz der frühzeitigen Diagnose und der frühzeitigen Behandlung der Tuberkulöse bei Kindern noch für wichtiger als bei Erwachsenen. Jedenfalls geht aus der Statistik der Nutzen der Heilstätten einwandfrei hervor. Durch die Hellftättenbehandlung können die Tuberkulösen in vielen Fällen dauernd gesund und voll erwerbsfähig gemacht werden. Andere werden wenigstens gebessert und für längere oder kürzere Zeit voll oder teilweise erwerbsfähig. Es ist aber notwendig, daß die aus den Heilstätten Entlassenen dauernd in ärztlicher Aufsicht bleiben, damit nötigenfalls rechtzeitig tvieder etwas für sie geschieht. Ganz treffend bezeichnet Dr. Becker diese Ueberwachung als ein« Aufgabe der Fürsorgestellcn. Wir möchten hinzufügen, daß der Wert der Fürsorgestellen noch vergrößert würde, wenn Hand in .Hemd mit der Uebenvachung der Kranken eine Kontrolle ihrer Wirt- schaftlichen Verhältnisse, vor allem ihrer Wohnungen'einherginge und wenn da, Ivo es nötig ist, die Kranken aus ungesunden Woh- nungen entfernt und einer ihren Zustand verschlimmernden Be- schäftigung entrissen würden. Innerhalb der heutigen Wirtschaft?- ordnung wird sich dos freilich schwer erreichen lassen, Versammlungen. Lohnbewegnng der Lithographen und Steindrucker. In einer am Mittwoch, den 15. d. M., abgehaltenen Aus- gesperrtenversammlung, nebenbei bemerkt, der bestbesuchten in der ganzen Bewegung, gab Kollege Czech wieder einen Bericht über die allgemeine Lage. Der Widerstand der Unternehmer ist in diesem bereits fünf Wochen anhaltenden Kampfe(in einigen Städten schon etliche Wochen mehr) ganz beträchtlich gestärkt worden durch den Tarifabschluß der Buchdrucker mit einer 53stündigen wöchentlichen Arbeitszeit. Heute werden unsere Forderungen von dem Schutz- verband nicht mehr als unmöglich betrachtet, heute verweigert man eine Verkürzung der Arbeitszeit aus Solidarität den anderen Berufsgruppen gegenüber. Von diesem Gesichtspunkt auS ist auch das Gebaren des ständig mit unwahren Behauptungen operierenden Schutzverbandsorgans zu betrachten. Auf Grund unserer statisti- scheu Feststellungen über den Umfang der Bewegung im Verhältnis zu unserer Mitgliedcrzahl, glaubte uns der Schutzverband Irre- führung unserer Mitglieder vorwerfen zu können, indem er be- hauptct, daß doch auch bei uns die Tapetendrucker und Xylographen organisiert seien. In Wirklichkeit weiß ober der Schriftleiter des „Steindruckgewerbes" genau, daß die-tylographen überhaupt nicht bei uns organisiert waren und die Tapetendrucker vor einem Jahre aus unserem Verbände ausgeschieden' sind. Auf derselben Höhe fleht auch die Behauptung, daß eine Äauleiterkonferenz mit den Buchdruckern stattgefunden habe, bei der wir uns eint glatte Ab- fuhr geholt hätten. Wie gedruckt, so gelogen! Eine Gauleiter- sitzung hat wohl stattgefunden, aber mit dem HilfKarbeiterverband, und hier wurde der Beschluß gefaßt, diese Bewegung WS zum endgültigen Abschluß gemeinsam durchzubalten. Eine Anleihe bei den Buchdruckern haben wir schon aus dem einfachen Grunde nicht nötig, weil wir bei Beginn de? Kampfes über einen Fonds von zirka 1266 666 M. verfügten und der Kampf uns nur rund 86 666 Mark pro Woche kostete. Weiter kündigte der Schutzverband neue Ucbekraschuugen an. Diese Neberraschungen fielen kläglich genüg auS. Außer einer kleinen Aussperrung in Dresden und bei der Firma Selmar Bayer, Berlin, und hier kommen auch nur 88 Kol- legen in Betracht, können wohl nur einige erbärmliche schriftliche Winseleien von SchntzverbandSfirmen an ihre Kundschaft oder an Kollegen, die zum Umfall bewogen werden sollten, überraschen. DaS Unterbringen von Streikarbeit will ebenfall« nicht so recht gelingen, und darf man wohl ohne Uebertreibung sagen, tmh der Kampf jetzt seinen Kulminationspunkt erreicht hat und bei dem für die Gehilfenschaft immer noch gleich günstigen Stand in der nächsten Zeit seinen Abschluß in unserem Sinne finden wird. Daran wird auch der neueste Trick deS SchutzverbandeS, die neue Hilfskasse, nichts ändern. Unsere Enthüllungen, über die 6666-Mark-Affäre zwischen Gelben und Schutzverbänolern scheint letzteren derart in die Glieder gefahren zu sein, daß sie vorziehen, ihre Getreuen in Zukunft lieber durch die Mitgliedschaft in e»ner teuren neutralen Kasse an sich zu fesseln, als sie den Gelben zuzuführen. Die Unter- stützungssätze der Düsseldorfer Versicherungsbank sind den unsrigen in bezug auf die Höhe derselben nachgebildet. Jedoch sind die Prämien derart hoch, daß sich jeder vernünftig denkende Kollege sagen muß. daß er sich dem Unternehmertum durch seinen Eintritt in diese Kasse mit Haut und Haaren verkauft, da er bei unseren horrenden Verdiensten nie in der Lage ist, diese Beiträge allein zu zahlen, und sich der Arbeitgeber selbstverständlich zur Tragung der Hälfte nur verpflichtet, so lange der Betreffende bei ihm be- schäftigt ist. Einer GcwerkschaftSorganisätion dürfen ditse Aermsten natürlich auch nicht angehören, sie stehen also, da sie trotz der jetzigen Loyalität ihrer Arbeitgeber, wie die Erfahrung lehrt, auf Lebensstellungen nicht Au rechnen haben, ohne jeden Rückhalt unseren trostlosen Verhältnissen gegenüber. In der Diskussion stellte Haß besonder? eingehend die ver- häktnisse bei der Firma Selmar Bayer dar. Trotzdem die Firma bei der scinerzeitigen Regelung der HilfSarbeiterfrage auf Ehren- i i ii' ii i Wort versprochen hatte, den kündigungslosen Zustand nichk zu Machk. Nationen gegen die Gesamtgehilfenschaft auszunützen, wurden unsere Kollegen am letzten Sonnabend ohne weiteres auf die Straße gesetzt. Ein neuer Beweis für die Ehrbegriffe mancher Unternehmer.— In diesem Kampfe haben wir auch wieder die Er- fahrung machen müssen, daß ein großer Teil von Mcrkantilarbeitcn in Buchdruck hergestellt wird. Da bei der heutigen Lage der Dinge nur in den wenigsten Fällen eine Unterbindung dieser Arbeiten stattfinden kann, wird die Frage eines grapbiicken Jndustriever- bandeS immer brennender.— Aber trotz aller dieser Hilfsmittel ist es dem Unternehmertum bis heut noch nicht gelungen, in der Gc- samtsituation auch nur einen Fußbreit Boden gegen uns gut zn machen, und sieht die Kollegenschaft noch mit derselben Zuversicht einer uns günstigen Beendigung dieses Kampfes entgegen, wie vor fünf Wochen._ Die Zahlstelle Berlin des Buchbinderverbanbcs hielt anl Donnerstag im großen Saale der?lrminhallen eine zahlreich besuchte Generalversammlung ab, in der als erster Punkt der Gc- schäfts- und Kassenbericht vom dritten Vierteljahre auf der Tages- ordnung stand. Der Bericht lag den Mitgliedern gedruckt vor. Die Tätigkeit der Organisation war hauptsächlich auf die allgemeine Durchführung der neuabgeschlossenen Tarife in den Buchbindereien. den Buchdruckereicn, den Geschäftsbuchfabriken sowie in den Album-, Rappen- und Galantericwarcnfabrikcn gerichtet. In verschiedenen Betrieben stieß man dabei ans Schwierigkeiten, und in mehreren Süllen konnte die Anerkennung des Tarifvertrags erst durch Ar- eitsniederlegung erzwungen werden. Im übrigen wurden auch in der Kartonbranche und der Luxuspapierbranche in einer Reihe von Betrieben Erfolge erzielt, teils durch friedliche Verhandlungen. teils durch Arbeilsniederlegung. Mitglieder hatte die Zahlstelle am Schlüsse des Vierteljahrs 7618, und zwar 4134 weibliche und 3434 männliche. Ter Mitgliederzuwachß beträgt gegenüber dein vorigen Viertelajhr 361. Aus dem Bericht vom paritätischen Fach- arbeitsnachweiS ist zu entnehmen, daß sich im Laufe des Quartals 668 männliche und 633 weibliche Arbeitslose meldeten. Stellen wurden gemeldet: für männliche Arbeitskräfte 1159, besetzt davon durch den Nachweis 998; für weibliche Arbeitskräfte 2123, besetzt davon 1497. Zu beachten ist hierbei, daß die angesagte Dauer der Stellen für männliche Arbeitskräfte in 564 Fällen, für weibliche in 863 Fällen höchstens 3 Tage betrug. Ter Kassenbericht für das dritte Quartal weilt i» den Hauptpunkten folgende Zahlen auf: Die Abrechnung der Zentralkasse schließt mit der Bilanzsumme von 49 782,29 M. ab: als Arbeitslosenunterstützung wurden an mann- liche Mitglieder 8132,75 M., an weibliche 5471,56 M., an Ausländer 43,55 M. ausbezahlt; als Krank?nu»tetstützung an männliche 3596.25 M.. an weibliche 3622.56 M.; für Streiks wurden aus- gegeben 4862,58 M.; an die Verbandskasse abgeliefert 16 583,95 M. Der Bestand der Lokalkasse, deren Ausgaben 15 854 M. betrugen, ist von 74 349,37 M. auf 74 986,37 M. gestiegen; unter den AuS- gaben der Lokalkasse sind alS Zuschläge zur Arbeitslosenunter. stützung 3991,39 M.. zur Gemaßregeltenunterstützung 322,26 M.. zur Streikunterstützung 2671,86 M. ausgeführt. Aus dem Biblio- thekSbericht ist zu ersehen, daß 19 Bücher neu angeschafft wurden, wodurch der Bücherbestand auf 1989 gestiegen ist. An den Bericht knüpfte sich eine kurze Diskussion. Sodann wurde ein Antrag an, genommen, wonach die Zahlstelle Berlin die laufenden AgitationS- kosten jetzt nicht mehr auf die Verbandskasse verrechnet, sondern auf die Lokalkasse übernimmt; die hiesige Zahlstelle hat in dieser Hinsicht bisher gegenüber den anderen Zahlstellen des Verbandes eine Art Ausnahmestellung eingenommen. Ferner wurde beschlossen, den ausgesperrten und streikenden Tabakarbeitern sofort 1666 M. zu überweifen und zur Deckung dieser Ausgabe sowie zur weiteren Unterstützung der Tabakarbeiter Ertrabeiträge zu erheben, und zwar in der Weise, daß die weiblichen Mitglieder mindestens 5 Extramarken ä 19 Pf., die männlichen mindesten? 4 a 25 Pf. zu kleben haben. In den Gnuvorstand wurden die ausscheidenden Mitglieder Lemsel, Gerber und Petermann einstimmig wieder- gewählt. Schließlich forderte der Bcvoklmöchtigte Würzberger noch zu regster Beteiligung an den am 3. Dezember stattfindenden Delegiertenwahlen zur OrtSkasse auf, de» letzte� vgx der BOUSS Reichsversicherungsordnung._ � Hue aller Alelt. Folgenschwerer Erdeinsturz. Ein schweres Unglück, dem ein Arbeiterleben lzum Opfer fiel, hat sich am Freitagmittag bei den AuSfchnchwngSarbeiten für Eisen- bahnerweiterungSbanten in Essen a. Ruhr ereignet Durch nach» stürzende Erdmassen wurden in einer Erdgrube fünf Arbeiter verschüttet. Der sofort herbeigerufenen Feuerwehr gelang eS. zwei der Verschütteten unverletzt zu bergen� ein Arbeiter konnte nur noch als Leiche heraufgeholt werden. Die anderen zwei Arbeiter haben ziemlich schwere verletzuu» gen davongetragen._ Zum Bilderdiebstahl in Bayer«. Die Bilderdiebe, di« im Schlosse L u st h e i m bei Schleißheim eine Anzahl Bilder au? den Rahmen geschnitten und gestohlen hatten, konnten sich nicht lange ihrer Beute erfreuen. Einer der Spitzbuben, der frühere Forstgehilfe Moosrainer, wurde gestern verhaftet Die Bilder hatte er in einem Wäldche« bei Schleißheim versteckt, wo sie unversehrt gefunden wurden. Kleine Notizen. Au? dem Eisenbahnzifg gestürzt. Bei D ü h r i n g s h o f an der Ostbahn stürzte auf der Fahrt nack Berlin aus»inem AuS- wandererzuge ein siebenjähriger Knabe einer russische» Familie; der Knabe ivnrde tödlich verletzt. Vergiftungen auf französischen Kriegsschiffen. Zehn Matrosen der Kriegsschiffe.R« p u b l ig u e".. Suffren" und„Mar- ceau" sind unter schweren VergistungSerscheinungen erkrankt. Einer der Erkrankten ist bereits gestorben. Der Zustand von vier anderen ist bedenklich. Vom Zuge gerädert. Al? Donnerstagabend die Frau des Berg- baubeamten Ungewickelt au? Frohsa i. ßGh ihr Dienstmädchen sich von Nachtcrstedt auf dem Heimwege be» fanden, wurden sie von einer Rangierlokomotive überfahren. Die Frau war sofort tot. DaS Mädchen erlitt lcbenS» gefährliche Verletzungen. 9m Cigarren-Hündlern bequemsten Sinkauf zu billigsten Preisen bietet daS größte und reichhaltigst ausgestattete» Isdslc-, cjgsrren- unö cigsreltev-xvgmtoger Carl Röcker, Kerlm 0. 27, Oriiacr Weff 110.— Fernsprecher VII, 3801. WeihtiachfS'frgsent�ackungen 1 tn rckchhaltiywtcr. 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Die Beerdigung findet am Montag, den 20. b, MlS., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des SmmauS-KlrchhoseS, Rixvors, Hcrmaiinstrafie, aus statt. Um reg» Betciiigunn ersucht tver Vorstand. für den Uei'üiiLi'RLic�laWMM Landsberger Viertel. (Bezirk£95 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dnh unser Genosse, der Tapezierer �ciolk Klaette Petersburger Str. 32 gestorben ist. Ehre seinem Aiidenke» k Die Beerdigung findet ani Montag, den 20. November, uachmiitagZ 4 Uhr, aus dem Zentralsriedhos in FriedrichSselde statt. Um rege Beteiligung ersucht SOS/IS Der Vorstand. Dsuttelw Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Droschken- jührer 58,7 Äupst Schmidt am 15. November im Alter von ö5 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedensgemetnde- Kirchhose» in Nordend au» statt. Die Bezirksverwaltung. Nttbnnd drr Maler, Fackimr,Anflmchtruslo. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege KlemevZ Säuberlich am 15. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di» Beerdigung findet heute Sonnabend, den 13. d. M.. nach- mittag» g Uhr, von der Halle des Thoma»-Kirchhofe» in Rixdors, Hermannftratze. au» statt. Um rege Beteiligung«sucht 130/6 Die Orisverwaltung. Zentral-Kranken- und Sterbe- kasseldeiitseben Wagenbauer Berlin IV. Den Mltgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Bruno 257/20 kecker am 14. November im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Eftre seinem Andenken! �Dic Beerdiglmg findet am Sonnabend den 13. d. M.. nach- mlt'ag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Vimmeisahriz.ziirchhoseS. Nordend, aus flait. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. DankHnKiinB;. Rur die vielen Beweise herzlichcr Tcilnobme und zahlreichen Kranz- spenden bei der veerdigung meines Neben Manne», unseres guten Vater» sagen wir allen, besonders den Mit-' gliedern dcS Metallarbelter-Berbandc» uftd sozialdemokratlschen Wahlverein» Miseren herzlichsten Dank. Wwe. liiilae Braats nebst Kindern. Oeutsctisr Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcaanzclee. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Karl Müller gestorben ist. Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 18. November, nachmittags l1/, Uhr, von dir Leichenhalle des Äemeindc-Kirch- hoses in Rixdors, Maricndorser Weg, au» statt. Rege Beteiligung erwartet 126/8 Die OrtSverwaltung. Nach langen, schweren Leide» verschied am Donnerstag, den IS. November, mein lieber, Manu, unser guter Aater, Schwiegervater und Großvater, der MUchhöiidler �uxust Lclimolät. Vis trauernden stinferdliebenen. Wwe. Sehmoldt nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. November, nach- mittags!>/, Uhr, von der Leichen- balle des Gemeinde- FriedhoseS, Rixdors, Maricndorser Weg, aus statt. Allen Kollegen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und unsere Mutter frsu Pauline Scholz geh. Friese am 16. November, von«. 10'/, Uhr, nach langen, schweren Leiden sansi entschlafen ist. 1602b Dies zeigt ticsbetrübt an Der trauernde Gatte Paul Scholz W. 8., Kronenstr. 71. _ Die Beerdigung findet am Sonntagnachmlttag 3'/, Uhr, von der Leichenhalle der Neuen Kirche und JerusalclnS-O'emeindc statt. 15. November 1911. Heute abend 10 Uhr verstarb plötzlich unsere liebe Mutter inna Scbelenz geb. Schacht im 62. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt au dir Geschwister~ Richard Schelenz KniniaTiibcke, geb. Schelenz Kranz Schelenz Beerdigung: Sonntag, den 19. November 1911, nachm. 21/, Uhr, Neuen Jakobt- Kirchhos, Rixdors, Hermannstraße. Verein aller in 8ebr!!tgie8ere!en bezMigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. «Im Sonnabend, den 14. November, starb plötzlich unser wertes Mllglieds � 15966 Klara Grüneberg an Gehirnschlag. Ehre ihrem Andenken! Tie Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Tempelhoser Ge- meinde-Frtedhose», Germania- straße, aus statt. Der Vorstand. Am 16. November, sriih 4 Uhr, verstarb im 33. Lebensjahre nach langem schweren Leiden meine innigsigeliebte Frau, meiner Kinder ticbevollste Mutler' htorpeete Timme geb. Obermeyer. _ Di« Beerdigung findet am sonntagnachmlttag 4 Uhr von der Leichenhalle des Rcinickendorser Gememde-griedhoses, Humboldt- straße, aus statt. 7432 Der trauernde Gatte »Idert Timme, Hauptstr. 56/57. Todesanzeige. MllenBcrwandten und Bekannten zur Nachricht, daß meine liehe Frau Emma Heuer am 16. November verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, d-n 19. November, nachmittag»&l, Uhr. von per Leichenhalle des Numm-ISburger Gcmeinde-Frtedhoses, Luckstraße. auS statt. �OSb Oswald Heuer, Gastwirt. Dr. Simenel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10-13. 3-4. Dauksaaunn. Für die herzlichste Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Aclolf Simon sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbeson- derc dem Verband der Buch- und Sleindruckerei-Htlssnrbeiter und Ar- beiterinncn Deutschlands, Ortsver- waltung Berlin, sowie den streikenden Steindruckerei-HiisSarbeiterN v. Groß« Berlin und den chusgesperrlen Kollegen der Firma Hermann& Schmidt meinen besten Dank. 159gb Minna Simon. Orts-Krankenkasse für daS Gewerbe der Verfertignng vou Muflklllstrumtvttn. Am Sonnabend. 25. Uovemder 1911, abends 8 Uhr, findet im Restaurant des Herrn Schulz, Münzstraße 17 (Eingang Königsgraben). die tesSl-VMWIIlIllIIg sämtlicher Arbeitnchmerverireter statt. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht. 8. Wahl von zwei VorstandSmst- gliedern. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung SerJahreSrechnung pro 1911� 4. Verschiedenes..' Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist dringend erwünscht. 281/8 Ter Vorstand. „Paradiesgarten" Birkemrerdcrl)nteriiriihlc findet am Bußtag ein großes Sehl achtefest statt, wozu alle werten Vereine und Serrenpartien sreundlichst einladet Der Wirt. Hoiieu-Heuentlorf'IS', II Busttag: Frische Blut- und Leberwurst. Herreupartien, Genossen, Freunde u. Bekaimie ladet sreundlichst ein 160t b itSilHelm Blessin. shasam Mobrenstrasse 37 a(nabe Jeruislemer St*.) Gr. rraBklwtcr Str. 115(nabe Andrea»-«.) iiiüerklelnerunsminilnsers soweit Vorrat: Ca.500AbCrtClll13Ht6lTarSnt. Pariser OH�nalmodelle t Serien: 2«__, 35.-, 50.—, 75,-(sonstiger Preis bis 180.—) ca 800 �Eüschmäntel m.» Kostüme in Velours du Kord, engl. Keal hochmod. Ausfuhrg. t Serien: 25.-, 4«.-, 58.-, 85.-(»omtiger Preis bl« Mb. 210.-) »■AAA IllvHawa in FUusch, Tweed, letale Modeerechel-. Cfl. 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Für dxg Ln!ergicstiilverantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u.Lerlag: vorwärts Buchdruclerei u. iverlagSanjtalt Paul Singer»Eo, Berlins Vit« Nr. 27t. 28. Jahrgang. S. KrilM Ks Jntnintte" fittlintr NcksdlR Sounabend. 18. November 1911. Gerichts-Zeitung« Sonntagsruhezeit in Bäckereien. Hermann Tietz, der Inhaber des großen Warenhauses, betreibt mit seinem Sohne als Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der früheren Firma Steinicke in der Krausenstrahe die altbekannte Steinickesche Bäckerei. In der Hauiptsache dient die Produktion dem Restaurationsbetrieb(Erfrischungsraum) des Warenhauses, auf das im Jahre Ware ini Werte Uon etwa 16 666 M. kommt, während für die frühere Kundschaft Stcinickes, die man sich zu erhalten be- strebt war, ein Umsatz von etwa 4600 M. in Frage kommt.— Am sogenannten„silbernen Sonntag" des vorigen Jahres, dem zweiten Sonntag vor Weihnachten, wurden nun noch nach 16 Uhr vor- mittags in der Bäckerei Gesellen beschäftigt, obwohl die Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten vom 13. Februar 1969 vorschreibt, daß in Bäckereien den Arbeitern(Gesellen, Gehilfen usw.) an Sonntagen spätestens von 9% Uhr ab die Ruhezeit zu gewähren ist. Herr Kummrow, als Geschäftsführer der Bäckerei, wurde des halb wegen Uebertretung der 16Sd, 146ä und 131 der Gewerbeordnung, sowie der erwähnten Polizeiverordnung zu einer Geld- strafe verurteilt. Er legte Revision ein und stützte sich hauptsächlich darauf, daß an jenem Sonntage nach 9)4 Uhr lediglich für den Bedarf des Warenhauses gebacken worden sei. Es handle sich somit um einen Teil des Warenhausbetriebes, und da diese: an jenem Sonntag um die fragliche Zeit gestattet gewesen sei, so hätte auch die Bäckerei für das Warenhaus(Erfrischungsraum) tätig sein dürfen. Tos Kammcrgcricht verwarf dieser Tage die Revision des Angeklagten mit folgender Begründung: TaS Rechtsmittel scheitere an der Feststellung, daß die Bäckerei kein bloßer Bestandteil des Warenhausbetriebes sei, weil sie etwa ein Fünftel ihres Produkts an die frühere Kundschaft Steinickes liefere. Sie sei somit als selbständiger Bäckereibetrieb anzusehen und die Vorschriften der Verordnung des Polizeipräsidenten in Verbindung mit denen der Gewerbeordnung fänden auf sie Anwendung. Die Bestrafung sei mit Recht erfolgt, auch wenn an jenem Sonntag nach 9 H Uhr nur für das Warenhaus gearbeitet worden wäre. Zwei Schwestern werden für Brüder erNärt. Daß Ben Akiba mit seinem berühmten Ausspruch, wie schon so oft, völlig im Unrecht ist, beweist eine kaum glaubliche Affäre, welche soeben das Amtsgericht beschäftigt hat. Auf einen an den Regierungspräsidenten gelangten Antrag hin erfolgte auf Anord- nung des Amtsgerichts die gleichzeitige Geschlechtsumwandlung zweier Geschwister, ein Fall, welcher in der an Merkwürdigkeiten ohnehin so reichen Geschichte sexueller Zwischenstufen vereinzelt dastehen dürfte. Es wurde in dem standesamtlichen Geburtsregister vermerkt, daß die 16jährige Luise T. von jetzt.ab Lud- w i g T., die 13jährige Gertrud T. von jetzt ab Gerhard heißt. Beide Geschwister fühlten seit längerer Zeit, daß die Weib- lichc Kleidung und Erziehung, die ihnen bisher zuteil geworden war, ihrem wahren Wesen nicht entsprechend sei. Namentlich, als vor einigen Jahren Stimmwechsel bei ihnen eintrat und Lehrer und Mitschülerinnen sie wegen ihres tiefen Organs verspotteten, fühlten sie sich in der Mädchenschule so unglücklich, daß ihnen jede Freude am Leben vergällt und jedes unbefangene Auftreten in der Oeffentlichkeit unmöglich wurde. Sie fühlten sich auch nur zu männlichen Berufen hingezogen; die ältere wollte Kaufmann, die jüngere Seemann werden. Schließlich war die Inkongruenz zwischen Sein und Schein, zwischen ihrem wirklichen und ihrem anerzogenen Geschlecht so groß, daß die jungen Leute zu Selbst- mordgcdanken kamen. Erst durch einen Zufall kamen die Eltern der beiden Pseudo-Mädchcn auf den Gedanken, sich endlich durch ein Gutachten eines Spezialarztes Klarheit zu verschaffen. Von den Aerztcn Dr. Magnus H i r s ch f e l d und Dr. Iwan Bloch wurde auch begutachtet, daß es sich tatsächlich um einen Fall der irrtüm- lichcn Gcschlcchtsbcstimmung handele. Die Eltern ließen daraufhin durch den Rechtsanwalt Dr. F o n t h e i m den Antrag stellen, die Umwandlung der Namen in dem Geburtsregister vornehmen zu dürfen, dem nunmehr stattgegeben worden ist. Die beiden nunmehr zu dem„starken Geschlecht" zählenden„Mädchen" haben sofort durch Haarschnitt und Umkleidung auch ihren äußeren Menschen umgc- wandelt. In dem Ehetrennnngsprozcsi der Frau von Schönebeck stand gestern vor der 14. Zivilkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsrats Mroczek der erste Termin an. Be kanntlich hat der Ehemann der Frau von Schönebeck A. O. Weder eine Klage auf Nichtigkeitserklärung der Ehe angestrengt, nachdeni sich die Eheleute im August d. I. getrennt hatten. Vor Gericht machte der Vertreter Webers geltend, daß die Ehe deshalb für nichtig zu erklären sei, weil Frau v. Sch. zur Zeit der Eheschließung am 19. Januar 1916 geschäftsunfähig gewesen sei, wie aus dem Gutachten des Medizinalrats Prof. Puppe-Königsbcrg, Professor Maier-Königsberg, Medizinalrats Leppmann und des Gerichts- arztcs Dr. Marx hervorgehe. Vom Rechtsanwalt Dr. Puppe wurde als Vertreter der Frau v. Schönebeck erklärt, daß diese den klägc- rischen Anträgen nicht widerspräche. � TaS Gericht beschloß die Vormundschaftsakten beizuzichen und, falls aus diesen die von dem Kläger behaupteten Tatsachen nicht hervorgehen, neue Gutachten einzufordern._ Nachwehcn vom Parkettbodenlegerstreik. Streikbrechern gemachte Unternehmerversprechen, die aber nicht gehalten wurden, beschäftigten gestern die 4. Kammer des Gcwerbe- gerichts unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Gcrth. Sechs italienische Arbeiter, die durch den Handelsattache bei der italienischen Botschaft, den Professor Dr. Labriola, vertreten wurden, klagten gegen den Vorsitzenden A. Wagner vom Verein der Berliner Parkettgcschäftc. Tie Kläger waren durch den genannten Unter- nchmervcrcin während des letzten Parkettbodenlegerstreiks nach Berlin gelockt worden. Ja, der Unternchmcrverband schloß sogar mit ihnen einen Vertrag, durch welchen er sich verpflichtete, die Kläger ein ganzes Jahr lang im Berliner Parkettbodenlcgcrgcwerbe zu beschäftigen. Die Kläger wurden der Firma Christian Becker Söhne zugewiesen, die damals die Ausführung der Bodenlcger- arbeiten in den Bauten der Firma Wcrtheim übernommen hatte. Die Firma C. Becker Söhne, die dem Unternchmcrverband angehörte und sich diesem gegenüber verpflichtet hatte, den von der Arbeiterschaft unterbreiteten Tarif nicht anzuerkennen, fand jedoch nicht genügend Arbeitswillige, um ihren Verpflichtungen gegen die Firma Wertheim nachzukommen. Zudem weigerten sich die übrigen Bauarbeiter, mit den von der tarisfeindlichen Parkettfirma ge- dungenen Arbeitswilligen zusammen zu arbeiten. Das hatte zur Folge, daß die Firma Wertheim ihren Auftrag an die Firma Christian Becker Söhne annullierte und die Ausführung der Boden- legcrarbeiten in eigener Regie übernahm. Tie Firma Becker Söhne entließ nunmehr auch ihre italienischen Arbeitswilligen, denen per- sönlich gegenüber sie eine Verpflichtung, sie auf ein Jahr zu be- schäftigen, auch gar nicht eingegangen lvar. Wie der Beklagte be- tonte, hätte sie diese Verpflichtung nur gegenüber dem Bcrufsverein der Parkettgeschafte übernommen. Die Kläger sind nun eine ganz geraume Zeit arbeitslos gewesen und forderten pro Mann und Tag der Arbeitslosigkeit 5 M. Entschädigung. ss Der Beklagte erkannte die Forderungen an sich als berechtigt an, bestritt aber die Passivlegitimation. Nicht er, sondern der Be- rufsvcrein der Parkctlgeschäfte sei zu verklagen, da er nur in dessen Austrage gehandelt habe. DcS weiteren wandte er Unzuständigkeit des Gewerbcgerichts ein. Das Gewcrbegericht sah sich außerstande, � den Klägern zu helfen; es erklärte sich für unzuständig und empfahl dem Vertreter der Kläger, bei dem ordentlichen Gericht gegen den Berufsvcrcin der Berliner Parkcttgeschäfte zu klagen. Drei„Straßenräuber" standen gestern bor den Schranken des Schwurgerichts am Landgericht Berlin I. Die auf schweren Raub lautende Anklage richtete sich gegen den Maschinisten Georg Fibner, den Arbeiter Ernst Bräm und den Schlosser Hugo Boelkel. Alle drei Angeklagte stehen im Alter von 23 Jahren. Die Angeklagten saßen am Abend des 21. September in einer italienischen Weinstube in der Beusselstraße und lernten dort den Schweizer Halbritter kennen. Man zechte zusammen und die Angeklagten merkten bald, daß dieser ein wohlgefülltes Portemonnaie mit sich führte. Fitzner hat dann, wie die Geschworenen als erwiesen ansahen, den Plan ausgeheckt, den H. zu berauben. Man machte noch eine Bierreise durch verschiedene Lokale, doch bot sich lange keine günstige Gelegenheit, den Plan auszuführen. Endlich war in der Huttcnstratze am Kanal der Augenblick zur Tat gekommen: Halbritter wurde zu Boden geworfen und ihm sein Portemonnaie mit 46 M. Inhalt entrissen. Er hat schließlich sein Geld wiederbe- kommen, denn Bräm, der in fester Stellung war und dem die Tat nachträglich leid tat, hat dafür gesorgt, daß der Beraubte den Ver- lust ersetzt bekam. Auf Grund des WahrspruchcS der Geschworenen, die die Schuldfragen nach schwerem Raub bejahten, wurde Fitzner zu 3 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust, Bräm zu 1 Jahr 6 Monaten, Boelkel zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Singegangene vruckfckvifren. Soeben ist im Verlag von I. H. W. Dich Nacht. G. in. b. H. in Stuttgart erschienen: Das großindustrielle Bcamtenwm. Eine gcwcrktchastlichc Studie von R i ch a r d N o I d t. 17. Bändchen der Kleinen Bibliolhet. 118 Seiten. Preis broschiert 75 Pf, gebunden 1 M. Vereins- preis 50 Pf. Der Verfasser behandelt die großindustrielle Aiigestelltenbewegung vor« wiegend als industrielles Organisationsproblein.„Es kam mir daraus an," führt der Autor in dem Vorwort aus,„die Stellung der Jnduitriebeamten zum Betrieb, zum Arbeiter und zum Unternehmer aus der Struktur der großindustricllcu Arbeitsorganisation heraus verständlich zu machen. So sind denn auch die Organisationsskizzen verhältnismäßig brich angelegt, um die Probleme herauszuarbeiten, die speziell den Arbeitergcwcrljchaflcr an der ganzen Jndustriebcamtenbewegung interessieren." Wozu hat Teutschland eigentlich Kolonien? Vie es einem Deutschen in einer deutschen Kolonie erainz. 1 M.— Meinccke, Berlin\V. 30. Wae können Herzkranke zu ihrer Gesundung tun? von SanUätsral Dr. Dachenseid. Preis 1 M. O. Eoblcnh, Berlin\V. 30. - Gegründet 1867- Zentrale und Versand: Jerusalemer St. 32-35\ Edse Leipziger Strasse' S ............................................. 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Abends 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Crevette: Frltad nassary. Sonnt. 3'/, Uhr: Der fideie Bauer. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Not. Sonnlag, nachmittags 3'/, Uhr: Ei» Walzertranm. ße!Ie-JUltohee-7iiealer 4 Uhr: Dornröschen. S'/j Uhr: Ter Sitlenapostel. Montags'/, Uhr: Mario Stuart. Urania. WisBenschaftliches Theater, Nachm. 4 Uhr: Gehelinnlase der belebten JVatur. 8 Uhr: Ton Heran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Wellen und Strahlen elektrisch. Kraft. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander, Slnfang 3 Uhr. Ein Walzer von Chopin. Schwank In 3 Akt. v. Ksroul u. Barre. Morgen und folgende Tage: Eiu Walzer von Chopin. Mittwoch(Bublag): Geschlossen. . Sonntag(Totcnsomitag) abends 3 Uhr: Die Kameltendame. Friedrich- Wilhelmstiidt. Sclinnsplelhaus. Abends 8 Uhr: Kttnigr 1. e a r. Gastspiel Ferdinand Bonns. Luisen-Theater. Nachmittags 4 Uhr: Was Hans n. Lisel im Zaubrrwald erlebten. Abends 3 Uhr: Baronesse Ciaire. OSE=THEATE 1 Brotze Frankfurter Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Rnbcn. Abends 8 Uhr, Michael Kohlhaas. Sonntag 3 Uhr: Ein' feste Burg ist unser Gott. Abends 3 Uhr: Ter Hiitteiibesiiier._ Ao 8 Uhr: Das neue Programm! Der Gipfel der Komik Chrctlenai n. I.oiiIsctte holländische Ducttisteii. Paul Jlilich mit seinen Szenen Nachexerzieren. Eine Wähler-Bcr- sammliing. Nur noch kurze Zeit: Ein Abend In einem amerikanische» TIiiksA Tangel. Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Grobe Jahresrevue in 7 Bildern von Jui. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: MiS Helyett. mit Anton und Donat Hormfeld in den Hauptrollen. Vorher: Sclunerzlose Behandlung. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Passage-Thealer. Abends 8 Uhr: Das beste Programm der Berliner Variets-Saison I Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat. PhSnome. The Black cats engl. Backfisch-Ens. und die lO glänzenden Varletö-Xnmmern. Die himmlischen Zwillinge| zusammengewachsen. 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Amt 3, 1987 Montag» den SO. November 1911, abends 6 Uhr» = im Gewerkschaftshanse, Engelufer IS» Saal 4:= Versammlung der Ifictalldröckcr Berlins u. Umgegend. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen vr. ZI«««« i„Knltnrbtlder ans Teutschland." 2. Diskussion. 3. Branchen- und Verbands- angelegenheite». 12S/7 MT* Das Erscheinen aller Kollegen wird erwartet.-WS Montag, den 20. November 1911, abends 6 Uhr, -------- in Graumanns Festsäle», Naunynstr. 27:-------- VersammEung aller in Helallgleßerelen Berlins u. Umgegend beschäftigten Former und Berufsgenossen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Branchenvertreters. 2. Dislussion. 3. Neu- Wahl der AgitationSkommisfion und des Branchenvertreters. 4. Ver» band-- und Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.___ MW- Zahlreicher Besuch wird erwartet k'Mg Montag, den 20. November 1911, abends 8'/zUhr, —— im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c:- Branchen- Versammlung aller in der Eisenmöbelbranche beschäftigten Roilegen und Rolleginnen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Arbeitersekretär Richard Peterhansel: »Was bringt uns die ReichSversicherungsordnnng?" 2. Be- richt der Kommission. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen folgender girmen: Karl Schals, Gnstav I.lepe, Panl Xeje. I.vwald, Schön- crnff, Anierik. Hetallbcttstellen- Fabrik, n. Pech, l.cnz, Karl Seif tert. Kanne, Kclnhoad Koth«, Ka«iparl- Harienrelde, Oroth& Urnnd, Förster ckr Schul« sind ganz besonders eingeladen. Metallarbeiter- Notiz- Kalender sür daS Jahr ISIS find erschienen und Im Bureau sowie bei den Bezirks» lasstercr» zum Preise von y« Pf. pro Stück zu haben. DeSgl. ist erschienen: „Die Arbeitszeiten in cier Eisen- und JMetall- indurtne Deutschlands"- zum Preise von 5v Pf. pro Exemplar. Die Ortsverwaltnnc Verwaltans Berlin. � Bezirk Südwesten. Sonntag, den IS. November: u Ktßchtlgnng der Arbeiterlvohlfahrts-Anssttllnvg:: in Eharlottenbnrg. Frauenhoserftr. 11/12. Treffpunkt um'/,t Uhr am Knie. Ansang 1 Uhr. Achtung! Lehrlmgeu.jttgendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonnta von 3—8 Uhr abends ist der ArbeitSIosensaal im GewerlschastShause, Engeluser ll/tS, als Lesesaal sür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zettschristen der Jugendblbuothet liegen zur srelen Benutzung aus. Auch stehen den Besuchern Unierhaltung, spiele zur Verfügung. Um 6 Uhr: Bortrag, ... AliüllckdtiIlhirm-.Sllilli-i.Kamiiiliraillhk dkslhWgteii Arbntrr! Zlonntag, den IS. November Ivll» abend» pfinttlich 6 Uhr t m Branchen-Versammlung= tn den Rtttersälen(Jnh. Bercht). Ritterftr. 7«. Tagesordnung: B-rtrag der Genossin Jräulcin«ertrud Dauua über: „Die vlirtslhastiiche Stellnug der Frao sr' —— in der htniigen Gtskilschnft.« Nachdem: Gemütliches Beisamtnensein und Tanz. Diese Versammlung Ist für sämtliche Kollegen nebst Frauen elnberusen. go/lA_ Die Branchenleltnngea. Mtunn! VerkehrsarbeTler! Sonntag, den 19. November, mittags 12 Uhr: Grffenlliche Versammlung für alle im Zterkthrsgemtlbe btschäftigtkn Arbeitkr bei Grnnrmatd, Memeler Str. 67 lkrüher Litstn). Herr Schriftsteller L. Z e m p e l b u r g aus Hannover spricht über:.Poesie und Prosa im modernen verkehr»- wesea'. Freie DtStussion.— Auch die Fi 58/6 — Auch die Frauen sind willkommen! Der Einberufe», tob. HMIor, MuSkauer Str. 3. 389a* jlrbsitcr sinben für ihren öervl g»te«nb billige groster Auswahl Zrunnsnstr. ISS, vtto fteitticke. G. m. b. H. Cake dir Gormannatr. Rosenthaler Strasse 54' findea Sie eins gewaltige Auawahl in: Herren- u. Damen Garderoben Ein Versisch führt zu dauernder Kundschaft!* Harren- Ulster 26 m.» 34 m. 48m., 56 m.. fun„"� 7 m,.» Elej Paletots 19 m. 24 m., 30 m., 40 m., ä 5 m..» Modem. Jackett-Anzüge 18 m.,25 m., 36 m., Rock-u.Gesellscli.-ÄnzUge44M,52M,59M.. 4 m.«r Ql� m aj|»»«.>- Mäntel In Samt, PlUsch, Velours Jf&& üaa«HS. Kostüme, das Neueste der Saison »"a■■ am B�B-Rscke, Kleidsr, Blusen und Wäsche. 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Settel, Vorsitzender. iMis-Merolie! , Die besten Winter- Paletots I und 3— 400 getragene Anzüge sür I Herren, Smoling.Anzüge, Frack- l anzüge, sowie von Kavalieren gc- l tragen«, fast neue Sachensa.Selde), I sür jede Figur passend, in gröllter \ Auswahl zu unübertroffen* billigen Preisen. 1 1Tr.,deslialbbiIIiger wie im Laden. Inzell Iliölei'dW..wr°°7L°isi febvaren Einzelverkauf zu Fabrikpreiton. Stolas u. Muffen vom einfachsten bis yZjTOÄ elegantesten yCjwUA Speeiulvorkaut. jggBgth Best.Ersatz{.Skunks Nur ciKn0 Fabrikat. 'Ws B.KIeinmann Sonntag/n 18, KUnstr. 18. SCÖfTnet! Nur 1 Treppe. Glas- Christbaumschmuck Um meiner wer:. Kandeolisf: diese* Jtbr etwa* ganz Uervorrsgendes zn bieten, verwende ich ein noch nie dagewesene* KeUlamrsorllmcnt, enthaltend viele ges. geech. Neuheit.. S46 Btack, bis 9 cm gros*. echt versilberte Blumenrefiektoren, Rauh- rei fit Uffeln. Kis- u.Tnnneiizii itfen. Kugeln m. Roaenbukett, Gloekenffeläut«, Trompete, Mlbert raube, Nchür tu. 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Hierzu haben alle Mitglieder Zutritt und wird um zahlreichen Besuch gebeten. 231/15 Der Voratand. Vorsitzender. Orts- Krankenkasse� der Klempner. Am Sonntag, den 26. Novem» der Hill, vormittags 40 Uhr. findet im Geworkscbsttobsii»«, Engel« user 16, Saal 1, die General-Versammlung der Vertreter der Kaffenmitgliedor und Arbeltgeber unserer Kasse stall. Tagesordnung: 4. Verlesung der Prolokolle. 2. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern (3 Arbeitnehmer, 1 Arbeitgeber). 8. Wahl de» RechnungSausschuffcs. 4. Bericht vom VerbandStag der Orlslrankenkaffen Deutschlands. 5. Verschiedene».- 1564b Der Borstand. vrtskrsnkenkssse der Sureauangestellten xu Berlin. Zu der am Montag, den 27. No- vember, abends H'l, Uhr. tn den „Musikersitlen-, Kaiser- Wtlhelni- Straffe ISm, Hos parterre, stattfindende» Generalversammlung werden hiermit die für da» Jahr l9tl gewählten Vertreter der Kaffe«in» geladen. Tagesordnung: i. Seschiltliche Mittellunge». 2. Wahl deS Ausschusses zur PrÜ. sung der JahreSrechnung pro 13ll. 3. Gewährung einer TcuerungS- zulag« sür die Angestellten. 4. Bortrag deS Herrn Gehclmrak Proseffor Dr. Brleger über „Hydrotherapeutisch« und physi. kalische Behandlung der Kaisen- Mitglieder. S. Wahlen von VorstandSmIl- gliedern. Berlin, den 13. November 1911. Der Borstand. 281/17 _ 0. 41.: Bauer. Berichtigung. In der am Sonntag, den 12. November, erschienenen Nummer des „Vorwärts", b> kasic der hclfien: Ortskrankenkasse der Handwerker zu TzssnÄsu. clreffs»Ortokranken- Handwerker", mutz eS koden für Pelerinen Mir. 1.59, 2,50. Tuchlager Koch A Seeland G. m. b. Ii. Cerlraiiilteiistr. 20/21 ÄiroÄT Berliner ScWerei-Geninliaft(ElmMj gegründet von organisierten Sohneidergehilten Berlin N. Biiinslr. IBS(am Boseialcf Tofl Großes Lager fertiger Ulster, Paletots mi Joppen. Elegante Maßanfertigung. Eigene Betriebswerkstätten. Lieferant der Konsumgenossenschaft und des Arbeiterradfahrerbundes. 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Endlich ist der Magistrat unserem Verlangen, die amtlichen Resultate der Sladlverordnetenwablen unler Angabe der auf die einzelnen Kandidaten enifallenen Stimmen bekannt zu geben, nach- gekommen. Uns interessieren in erster Linie die Zahlen der drillen Abteilung. Das amllickie Resultat weicht nicht erheblich ab von dem von uns mitgeteillen. Wir geben hier das Resultat wieder ohne Angabe der Namen der Kandidaten: Wahl- bezir! 3 4') 5 10 13 14 13 21 23 24 23 28 33 42 46 7933 8008 7254 7081 6637 7632 8326 7633 8482 7274 6516 7497 8944 7722 7643 6733 8116 Abgegebene Stimmen 3044 2866 2446 3255 2889 4638 3778 3878 3644 3883 3561 3310 3800 3421 3675 3260 4813 Von den gültigen Stimmen fielen auf Kandidaten der • ä- •*'«2 - o «gj wi<3 .2 23 *3ö o (I i JS o j.'gjfii o a äz a 1463 1299 1239 1489 1279 893 1567 201 1076 213 208 182 79 1379 1565 1207 1766 1609 4635 2885 2309 3442 3853 2485 3094 3464 3208 3644 3078 4732 1 3 2 1 30 3 36 5 31 *) Ersatzwahl für Herrn Marggraff. Ueber die Wahlbeteiligung und den Prozentanteil der auf die Kandidaten der Freisinnigen und Sozialdeniokrateii entfallenden Stimmen gibt folgende Tabelle Auskunft: Wahl* bezirk 1 2 3 4») 3 10 13 14 15 21 23 24 25 28 35 42 46 Abgegebene Stimmen auf je 100 Wahl- berechtigte 38.87 35.81 33,80 45.96 43,39 60,77 45.42 50,79 42.96 53,33 54.66 44,13 39,13 44.30 48,08 48,43 59.33 Von je 100 gültigen Stimmen entfielen auf Kandidaten der freis. Volks- Partei 43.06 45.32 30,65 45,75 44,27 23,64 40.41 5,52 30.22 6,44 6,03 5,58 1,64 Sozial- deino- kratie 51,87 54,60 49,33 54,23 55,69 99,94 76,36 59,54 94,46 99,23 69,78 93,47 98.97 93.77 99,16 94,42 98,27 Konser- vativen sozial- fort- schritt!. Partei Zerspl. 0,07 0,07 0,03 0,06 0,05 0,02 0,77 0,09 1,03 0,15 0,84 0,08 •) Ersatzwahl für Herrn Marggraff. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! Aus Spandau schreibt uns der Inhaber des früher Böhleschen Lokals, daß von ihm noch niemand eine Unterschrift gefordert habe, er auch eine Unterschrift nicht zurückgezogen haben könne. Die bis- herigen Versaminlungsräiinilichkeiten würden zu einem Lichtspiele Theaier umgebaut und seien für Versammlungszwecke nicht mehr brauchbar. Er, der jetzige Inhaber der Lokalitäten, besähe nur eine Stehbierhalle, die aber für Versammlungen auch nicht in Frage komme. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 19. November, morgens 8 Uhr, Flngblattverbreiiung für den 8., 11. und 12. Bezirk von Loewe, Holzgartenstr. 6, aus. Dienstag, den 21. November, Versammlung bei Loewe, Holz- gartenstr. 6. Zivcitrr Wahlkreis. Heute abend findet ein Unterhaltungsabend der ersten und zweiten Abteilung bei Nihle, Dennewitzstr. 13, statt. Mitlvirkcnde: Turnverein Fichte(Schöneberg, Jugendabteilung) und Humor-Ouartett. Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dah vom Wahlverein zwei Theaterabende in Mörners Festsälen, Koppenstr. 29, veranstaltet werden. Es gelangt zur Aufführung: am Sonnabend, den 25. November: Der Graf von Luxemburg; am Sonnabend, den 2. Dezember: Die Dollorprinzessin. Billetts a 50 Pf. sind bei den Bczirksführern und im Wahlvereinsbureau zu haben. Nach der Vor- stcllimg Tanz. Die Saaltüren bleiben während der Vorstellung ge- schloffen. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Zu der am Sonntag, den 19. November, vormittags 10 Uhr, stattfindenden U r a n i a-V o r st e l l u n g sind noch Billetts zu haben bei den Abteilungskassierern und im Wahlbureau, Neue Hochstr. 23, sowie am Sonntag vor der Vorstellung in der Urania. Zur Aufführung gelangt: Von Meran zum Ortler. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 19. November, früh 3 Uhr: H o n d z e t t e lv e r b r e i t un g in der 13., 14., 16., 21. und 22. Abteilung. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich in den Bezirkslokalen einzufinden. Der Vorstand. Charlottenburg. Am Sonntag, den 19. November, hält die vierte Gruppe im kleinen Saale des VolkshauseS einen gemütlichen Unterhaltungsabend ab. Anfang 6 Uhr. Die Genossen werden um recht zahlreiche Beteiligung gebeten. Treptow-Baumschulenweg. Wir machen die Genossen auf daS heute abend im„Spreegarten' stattfindende Stiftungssest aufmerksam. Billetts a 50 Pf. mklufive Tanz sind bei den Bezirkssührern und»m Lokal zu haben. Das Komitee. Martendorf. Am Sonntag, den 19. November, mittags 2 Uhr. .Met auf dem Grund, tück gegenüber Preuh. zuirfürfteiiftr. 44, eine öffentliche Versannnlmig unter freiem Himmel statt. Thema:„Die /zürthm beS alten meidußtnneS imX m*. s «ücriiiminiinig umer freiem Himmel statt. Thema: Sünden des alten NeichStages und die Aufgaben des nellen Reichs- tageS.' Referent: Genosse Barth. Bei ungünstigem Wetter wird die Versammlung ini Saale von Preufi abgehalten. Die Genossen wollen für die Versammlung rege Propaganda entfalten. Am Montag, den 20. November, abends 8 Uhr. in allen Bezirks- lokalen: Extra-Bezirksabend mit wichtiger Tagesordnung. Der Vorstand. Adlershof. Morgen Sonntag, den 19. November, vormittags O1/, Uhr, außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins im Lokale des Genossen R. Kaul, Bismarckstr. 16. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Johannisthal. Sonntag, den 19. d.M.. findet eine Besichtigung der Konsumanlage» in Lichtenberg statt. Teilnehmer treffen sich Sonntagvormiltag 9 Uhr beim Genossen Arlner, Kaiser-Wilhelm- Straße 48. Wildau-Hoherlehme. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 7 Uhr, findet im Lokale des Herrn Heiser eine öffentliche Ler- sammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit der soziatdemokralischen Fraktion im Reichstage und die bevorstehenden Reichstagswahlen. Referent: Reichstags- abgeordneter Fritz Z u b e i l. Die Genossen treffen sich Montag abend im Bezirkslokal zur Flugblattverbreitung. Frirdersdorf(Kreis Beeskow). Sonntag, den 19. November, nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Grundstück des Herrn Julius W i e l a n d Hierselbst eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt. Referent: Genosse Kluß. Die Genossen der Umgegend werden ersucht, für zahlreichen Besuch der VolkSversamm- lung zu agitieren. Boxhagtn�Rummelsburg. Die Besichtigung der Genossenschafts- anlagen findet am Sonntag, den 19. d. M., vormittags von 10 bis 12 Uhr statt. Die Genossen treffen sich in ihren Bezirlslokalen und gehen um 10 Uhr direkt nach Lichtenberg, Rittergutstraße 22.26. Die Bezirksleitung. Tegel. Morgen Sonntag, den 19. d. M.. Besichtigung der Bäckerei der Berliner Konsunrgenossenschast. Trekipunkl Endhalte stelle der Berliner Straßenbahn, Hauptstraße. Abfahrt 9 Uhr vor- mittags mit der Linie 26. Spandau. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, findet von allen Be- zirkslokalen aus eine Flultblattverbreitung statt. Der Vorstand. Potsdam. Sonntag, vormittags 8 Uhr, von den Bezirkslokalen auS: Flugblattverbreitung zur Stadtverordnetenwahl. Lerlmer �admcbten. Herbst im Grunewald. In der Sonnenglut des verflossenen Sommers ist vielen die Lust am Wandern verleidet worden, im rauhen Herbst ist sie wieder auferstanden. Was schiert der rieselnde Regen, den die Baumkronen zum größten Teil abfangen, wenn die Beine unter dem schützendem Mantel kräftig ausgreifen und eine angenehme Wärme die Glieder durchzieht! Und der Wald ist schöner geworden als er in den Hundstagen war.— Die kleinen Gänseblümchen, die bei uns, die wir die Schneeglöckchen nur als Zierpflanze kennen, den Frühling ein leiten, sie sind auch die letzten Blüten, die uns aus grünem Grase an offenen Stellen grüßen, bis der Frost sie erstarren läßt. Ueber ihnen sind die Laubkronen kahl geworden, ans denen der Herbstwind uns die letzten Blätter vor die Füße wirbelt. Aber damit ist wieder dem Lichte der Durchgang er leichtert, den sonnenhungrige Laubblätter ihm abschnitten. Auf trübe Tage, an denen sich gewaltige, dunkle Wolkenklumpen drohend über den Himmel wälzen oder ein einfarbig graues Regenzelt ihn überspannt, folgen andere, an denen uns freund liche Blicke eines mildwarmen Sonnenlichtes treffen, das sich von Zeit zu Zeit zwischen den Spalten des Regenvorhangs hindurchstiehlt. Der Wechsel vom Herbst zum Winter, der in Gegenden mit vorherrschendem Laubholzwuchs so auffällig ist, ändert wenig unter unseren Kiefern. Sie stehen da wie sonst und daß ihre Kronen um einen Schatten dunkler werden, ist kaum bemerkbar. Aber der braungedörrte Boden ist ergrünt; beim Herannahen des Winters hat er die Farbe des Lebens an genommen. Es ist ein billiges Vergnügen, das leider auch gescheite Leute sich nicht versagen, von den„dürfsigen Kiefern" des Grunewaldes zu reden und so zu tun, als ob jemand, dem großartige Bergwaldungen erreichbar sind, in unseren be scheidenen Forsten keine Befriedigung finden könnte. Das ist der Standpunkt jener Leute, die die Rätsel und Schönheiten einer Natur nur erfassen können, wenn sie sich ihnen so auf drängen, daß sie sich ihnen nicht entziehen können. Sie bleiben teilnahmslos, wenn ihnen die Fähigkeit fehlt, ihre Aufnahme� fähigkeit auf bescheidenere Landschaften einstellen zu können. wenn sie ihre Wunder erst suchen müssen, obivohl der Wald voll von diesen Wundern ist auf Schritt und Tritt. Aber diese Kiefern haben ihre Freunde, die gern unter den schlanken Bäumen ivandcrn, in deren Kronen es oben so ivundersain rauscht, an deren Stämmen Eichkatzen mit uns Versteck spielen, Spechte uns ihre Weisen hämmern, kleine Spechtmeisen köpf- auf kopfab beständig die Rindenspalten absuchen, und deren rissiger Grund ein rätselvoller Anflug winziger grüner Algen und grauer Flechten bedeckt. Auf und ab geht der Weg, an tiefen Mooren vorbei und Seen, bis er schließlich am hohen Havelufer seine Krönung findet in jenen oft geschilderten Land- schaftsbildern, die doch immer von neuem fesseln, so oft man die jagenden Möven, die stolzen Schwäne, das vergilbende Schilf vor der geruhigen weiten, leise gekräuselten Wasserfläche mit den blauschwarzen Waldrändern dahinter auch schon gesehen haben mag. Darin aber erprobt sich das Schöne auch in der Landschaft, daß man seiner niemals überdrüssig wird. Es ist eine gute Zeit jetzt, in freien Stunden durch den kühlen Wald zu wandern, der Vergangenheit zu denken und dessen, was wohl kommen mag, und sich dennoch der Natur zu freuen, wie sie sich uns eben bietet auf Schritt und Tritt. Eine Ausstellung empfehlenswerter Jugeudfchriften verbunden mit einer Ausstellung von Wandschmuck findet, wie alljährlich, im Gewerkschaftshaus statt. Bon Sonnlag, den 19. November, bis Sonnobend, den 9. Dezember, befindet sich die Ausstellung im Ausstellungsraum(Eingang B), von Sonntag, den 10. bis einslbließlich Sonntag, den 17. Dezember, im Saal III. Die Ausstellung im Ausstellungsraum ist Sonntags, Mittwochs und Sonnabends von 6—9 Uhr geöffnet, die spätere Ausstellung im Saal III wird täglich von 3—9 Uhr geöffnet sein. Ist eine Gartenlaube eine bauliche Anlag»? Das Landgericht Berlin I hatte den Kolonisten Schanz von der Anklage, durch Er- richtung einer Gartenlaube eine bauliche Anlage ohne erforderliche polizeiliche Genehmigung errichtet zu haben, freigesprochen. Es nahm an, daß die Laube keine bauliche Anlage sei. Das Kammergericht hob aber das Urteil auf und verwies die Sache zu anderiveiter Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Be- gründend wurde ausgeführt: Entscheidend für den Be- griff der baulichen Anlage wäre, ob das fragliche Gebilde entweder fest in der Erde sitze oder infolge der eigenen Schwere ziemlich fest auf dem Erdboden ruhe. In der Regel werde ja die Verbindung mit dem Erdboden die Boraus- setzung sein. Es könne aber auch eine bauliche Anlage angenommen werden, wenn solche Verankerung in der Erde nicht gegeben sei. das Gebilde aber nicht ganz ohne Mühe von der Stelle entfernt werden könne. Ob eine der Voraussetzungen hier vorlag, müsse nun nachgeprüft werden._ Mißhandlung eines Kindes wird einer Frau R o m a n t o w s k i nachgesagt, die seit Oktober dieses Jahres im Hanse Lange Straße 44 wohnt und bis dahin im Hause Holz markt st raße 36a gewohnt hatte. Frau R., die eine Eheverlassene sein soll, hat zwei Kinder, ein Mädchen von nenn Jahren und ein Mädchen von vier Jahren. Nur für das ältere Kind war ihr von der Stadt eine Unterstützung bewilligt worden. Das jüngere ist ihr jetzt plötzlich durch den Waisenrat unter dein Beistand der Polizei aus der Wohnung herausgeholt und dem Waisenhaus in der Alten Jakobstraße übergeben worden, weil gegen die Mutter der Verdacht besteht, daß sie das Kind mißhandelt habe. Die Beschuldigung, daß Frau R. in unzulässiger und übermäßiger Weise schlage, ivar schon laui geworden, als sie noch in der Holzmarlt- straße wohnte. Mitbewohner des Hauses hörten und sahen da manches, was sie stutzig machte, doch hatte zunächst niemand den Mut, sich hineinzuniengen. Eine Frau, die als Kind selber Mißhandlungen zu erdulden gehabt hat, war die erste, die gegen Frau R. die Polizei anrief. Das war schon im Januar, aber Frau R. blieb unbehelligt, weil wohl die Polizei keinen Anlaß'.sah, gegen sie einzuschreiten. Als dann Frau R. nach der Langen Straße gezogen war, fiel auch dort sehr bald tvieder ans, daß sie das jüngere Kind häufig und heftig schlug. Die Kleine wurde von ihr regelmäßig nach der Krippe in der Fnedenstraße geschickt, aber hier soll lange Zeit�niemand etwas Ungewöhnliches an ihr bemerkt haben. In der vorigen Woche fehlte sie mehrere Tage in der Krippe, dann kam sie ansang dieser Woche wieder, und nun schöpfte man Ver- dacht, weil ihr Gesicht Flecke aufwies, die als Spuren empfangener Schläge gedeutet wurden. Das Kind wurde auS- gezogen, und eine Besichtigung ergab, daß es auch ans dem Körper eine reichliche Zahl Striemen hatte, die man sich nicht anders als ans Schlägen erklären konnte. Die Leiterin der Krippe unternahm an diesem Tage noch nichts, um eine Aufklärung herbeizuführen. Gleichzeitig hatte aber bereits der zuständige Waisen- r a t davon Kenntnis erhalten, daß die Mutter beschuldigt wurde, das Kind zu mißhandeln. Mit danlenswerter Schnelligkeit schritt dieser ein. Noch an demselben Nachmittag, wo die Meldung ihm zuging und das Kind noch in der Krippe mar, begab er sich unverzüglich nach der Wohnung der Mutter. Nachdem er sie erst bei einem wieder- holten Besuch am Abend angetroffen hatte, besichtigte er das inzwischen aus der Krippe zurückgekehrte Kind und nahm es dann kurz cnt- schlössen mit, um es auf der nach st en Unfall st ation durch einen Arzt untersuchen zu lassen. Festgestellt wurden Striemen auf dem Körper, im besonderen auf den Oberarmen, außer- dein eine auffällige eiternde Verletzung der Lippen. Nach dem Er- gebnis dieser Feststellungen hielt der Waisenrat es für seine Pflicht, das Kind noch an demselben Abend von der Unfallstation sofort in das Waisenhaus zu bringen. Gegen die Mutter ist ein Er- mittelungsverfahren eingeleitet worden, und es haben bereits Ver- uehmungen vor der Polizei stattgefunden. Das Recht auf Arbeit. Zu der polizeilichen Verweigerung der Jnvaliden-Ouittungskarte an einen„Rentenempfänger ohne Rente" (vergl. Nr. 268 des„Vorwärts") wird uns noch geschrieben: Nach neueren Ermittelungen ist es kein Einzelfall, daß eine Invaliden- rente nicht an den Bezugsberechtigten, sondern an ihm verwandte Personen gezahlt wird. So etwas soll vielmehr jetzt ziemlich häufig vorkommen. Polizeilicherseits wurde erklärt, man wolle da- durch vermeiden, daß ein alkoholistisch veranlagter Rentenempfänger seine Rente gleich nach der Abholung am Monatsersten vertrinkt. In besonderen Fällen, wo der Nachweis geführt wird, daß der Rentenempfänger mit Geld nicht umzugehen versteht, wird also im Einvernehmen zwischen Polizei, Armendirektion und Versicherungs- anstalt die Invalidenrente an eine verwandte Person ausgezahlt. Das läßt sich unter der Boraussetzung, daß die Rente nun auch ganz oder doch zum größten Teil im Interesse des Bezugsbercch, tigten, das heißt des Invaliden, Verwendung'findet, immerhin hören. Die Invalidenrente, so gering sie in der Regel ist, soll nicht dazu da sein, um in Alkohol umgesetzt zu werden. Nicht zu billigen ist es aber, wie in dem geschilderten Falle, die Rente an die Ehe- frau zu zahlen, wenn diese mit dem Rentenempfänger seit Jahren keine eheliche Gemeinschaft mehr unterhält. Der Betreffende Hai nunmehr unter diesen Umständen auf seine Riesenrente überhaupt verzichtet, das heißt, er läßt sie der Ehefrau und will dafür sein „Recht auf Arbeit", also die Jnvalidenkarte. Diese dürfte, nachdem außer in der Presse auch von anderer Seite Beschwerde geführt wurde, in den nächsten Tagen ausgestellt werden. Und dann, nach erfolgter obrigkeitlicher Erlaubnis, arbeiten zu dürfen, beginnt des Leidensweges zweiter Teil, die Arbeitssuche. Recht auffällig ist es übrigens, daß von den städtischen Irrenanstalten in sehr vielen Fällen, in denen Patienten unbedingt noch in erheblichem Maße arbeite« können und ihre Arbeitskraft auch durch Anstaltsarbcit beweisen, die Gewährung von Invalidenrente vermittelt wird. Diese paar Pfennige nützen den in die Freiheit Entlassenen wenig oder nichts, wenn dadurch das Recht auf andere ordnungsmäßige ud andauernde Arbeit als etwa Handeln mit Streichhölzern, Schlüsselringen und dergleichen illusorisch gemacht wird. Man sieht hier also wieder mal ganz klar den Pferdefuß des Rentenparadieses. Auf den Berliner Pouzeibureaus wird jetzt folgender, Polizei- lich gestempelter Zettel ausgegeben: „Da eine Jnvalldenversicherungs-Qnittungskarte nur versichc- rungspflichtigen oder verstchcrungsberechtigteu Personen ausgestellt werden darf, kann einer Person, sofern sie sich nicht— durch Vorlegung einer Aufrcchnungsbescheinung über frühere Quittungs- karten— als zur Weiterversicherung berechtigt ausweisen kann, eine Ouittungskarte nur dann erteilt werden, wenn sie den Nach- weis erbringt, daß sie tatsächlich in versicherungspflichtiger Be- schäftigung steht oder eine solche wenigstens bei einem bestimm- t e n Arbeitgeber in sicherer Aussicht hat. Die Ansicht vieler Arbeitsnachweise und Arbeitgeber, daß nur solche Arbeitnehmer beschäftigt werden dürften, die bereits eine Ouittungskarte haben, und daß den Arbeitgeber sonst Unannchm- lichkeiten treffen könnten, ist durchaus irrig; erst bei de- Lohnzahlung hat sich der Arbeitgeber die Ouittungskarte zur Beitragsverwendung vorlegen zu lassen." Die Polizei denkt, und der Arbeitgeber lenkt. Wer dem Arbeit- geber die Ouittungskarte nicht von vornherein vorlegt oder gar so- fort überläßt, wird einfach nicht eingestellt. Wenigstens wird in außerordentlich vielen, sicher in den meisten Fällen so verfahren. Tie Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, Adalbcrtstr. 41, hat in dem soeben ab- geschlossenen 12. BctriebZjahr wiederum eine bemerkenswerte ge- meinnützige Wirksamkeit entfaltet und eine praktische Bildungö- arbeit gleistet, deren Umfang der Tätigkeit vieler hervorragender staatlicher und städtischer Bibliotheken nicht nachsteht. Das neue schmucke Heim und seine vorbildlichen Einrichtungen wurden auch im verflossenen Jahre wieder von zahlreichen Fachleuten des In- und Auslandes, sowie von einer Reihe von gelnerlschastlichcn Studicnkommissionen eingehend besichtigt. Nicht weniger als 377' Personen fanden sich durchschnittlich täg- lich ein, die entweder ein gutes Buch nach Hause entliehen oder an Ork und Steile in Scti Veljaglichen Leseräumen geistige Erholung suchten. Die Verwaltung ist stets bemüht, den Lesern bei der Aus� Wahl passenden Lesestoffes ratend zur Seite zu stehen. Durch eine täglich wechselnde Ausstellung belehrender Schriften aus allen Wissensgebieten führt sie den Besuchern die Reichhaltigkeit der Bibliothek vor Augen und sucht Anregungen zu nutzbringender Lektüre zu geben. Die prompte Abfertigung beim Bücherwechsel, die vermöge der praktischen Einrichtungen und des eigenartigen, durch den Indikator ermöglichten Auslei'hesystems sich selbst bei stärkstem Andränge ohne nennenswerten Zeitverlust vollzieht, be- rührt jeden Besucher auf das angenehmste und wirbt zu alten Freunden ständig neue. In der Ausleihbibliothek wurden im 12. Betriebsjahre 66 7gg Bände nach Hause verliehen, gegen 70 108 Bände im Vorjahr. Die kleine Dkinderung der Leselust dürfte auf die auhergewöhnliche und anhaltende Hitze dieses Sommers zurückzuführen sein. In Verlust geraten sind 13 Bände. Bon der Gesamtzahl der Entleihungen ent- fallen 44 812 Bände auf schöne und 21 934 Bände auf belehrende Literatur. An letzterer Zahl sind die einzelnen Wissenszweige in folgender Weise beteiligt: Geschichte und Lebensbeschreibungen 4138, Geographie 2362, Naturwissenschaften 4440, Rechts- und Staatswissenschaften, Volkswirtschaft 2983, Gewerbekunde, Technik 2793, Philosophie, Religion, Pädagogik, Sport 2449, Kunst, Musik, Literaturgeschichte usw. 2219 Bände. Die verlangten Wissenschaft- lichen Bücher machten im Berichtsjahr 33 Proz. aller Entlehnungen aus. Insgesamt sind im 12. Jahre 81 236 Bände in und außer dem Hause entlehnt worden; in den 12 Betriebsjahren zusammen 875 940 Bände. Die Lesehalle wurde im 12. Betriebsjahre von 64 106 Personen gegen 63 020 Personen im Vorjahr, und zwar 61 839 Männern und 2267 Frauen in den 12 Jahren zusammen von 749 030 Personen besucht. Die Zahl der hier' ausliegenden periodischen Schriften hat wiederum eine Vermehrung erfahren und beträgt jetzt 557 Zei- tungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung. Die im Arbeits- zimmer der Lesehalle aufgestellte, 1983 Bände zählende Nachschlage- bibliothek wurde von den Besuchern in umfassender Weise zu Rate gezogen. Die Gesamtzahl der Besucher, die im 12. Betriebsjahr Biblio- thek und Lesehalle benutzten, belief sich auf 130 902 Personen. Seit der Eröffnung vor 12 Jahren haben insgesamt 1 464 300 Personen das Institut aufgesucht. Das Institut ist werktäglich von 5% bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr geöffnet. Das Diebeslager im Niesenmusf. Eine abgefeimte Waren- hauSdiebin ist gestern abend in einem Kaufhaus in der Leipziger Straße sA. Wertheim) verhaftet worden. Einem Beamten von der Gehkontrolle war es aufgefallen, daß sich eine elegant gekleidete Dame, die einen mächtigen Muff trug, an vielen Verkaufsständen zu schaffen machte, ohne etwas zu kaufen. Er verfolgte nun die Verdächtige und konnte beobachten, wie die Fremde von den der- schiedensten Ständen Waren in den Muff verschwinden ließ. Die Diebin ging dabei fix und sicher zu Werke, daß von den zuständigen Verkäuferinnen nicht das geringste bemerkt wurde. In dem Augen- blick, als sich die Marderin aus dem Warenhause entfernen wollte, trat der Beamte hinzu und zitierte sie nach dem Bureau. Bei einer Durchsuchung des Muffs entdeckte man ein kleines Lager zusammen- gestohlener Verkaufsgegenstände. Die Diebin hatte sich den riesigen Muff lediglich zu dem Zweck anfertigen lassen, um ihn als Auf- bewahrungsort für erbeutete Gegenstände auf ihren Raubzügen durch die Warenhäuser zu benutzen. Sie dürfte nun für längere Zeit die hiesigen Kaufhauser nicht mit ihrem Besuch beehren, da sie in das Moabiter Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde. Große Empörung rief gestern nachmittag in der Birkenstraße der Transport eines Verunglückte» hervor. In einem Hause der Birkenstraße war ein mit der Renovierung einer Wohnung be- schäftigter Maler von der Leiter gestürzt und hatte sich anscheinend das Kreuz gebrochen. Es wurde vom Krankenhaus Moabit ein Krankenwagen geholt, in dem der Verunglückte fortgeschafft wurde. Der Krankenwagen war aber in einem erbärmlichen Zustande. Da die Vorderräder' nicht fest waren, drehte sich wohl die Axe des Wagens, aber die Räder gingen nicht mit. Die LeuteZ halfen sich, indem sie mit einem Knüppel gegen die Räder schlugen, damit der Wagen sich vorwärts bewegte. Durch das Schlagen erlitt der Ber- unglückte im Wagen Erschütterungen, die ihm vor Schmerzen heftig aufschreien ließen und es ist ganz begreiflich, daß da« Publikum über diese Art Krankentransport seinen lebhaften Unwillen zum Aus- druck brachte. Man fragt sich unwillkürlich, wie es möglich ist, daß in einen, Krankenhanse der Krankentransportwagen nicht in Ordnung ist. Mit einem Mauerstein um den Hals in den Tod. Zu den der- schiedensten Gerüchten hat ein seltsamer Leichenfund im�Teltow- kanal Veranlassung gegeben. Hinter der Viktoriabrücke auf Steglitzer Gebiet wurde von Schiffern der Leichnam eines jungen Mädchens auf der Oberfläche des Wassers treibend entdeckt und ans Ufer ge- schafft. Man stellte nun fest, daß um den Hals der Toten ein Hanf- strick geknüpft war, an dem ein Mauerstein hing. Dieser Umstand ließ das Gerücht aufkommen, daß ein Mord vorliege. Wie die polizeilichen Ermittelungen jedoch ergaben, kommt ein Selbstmord in Betracht. Es handelt sich bei der Toten um die 21jährige Tochter Luise des Kaufmanns T. aus Lankwitz. Sie ist bereits vom Vater rekognosziert worden. Die T. war an einen Kaufmann G. verheiratet, doch war sie vor noch nicht allzu langer Zeit von ihrem Manne verlassen worden. Aus Gram hierüber nahm sie sich das Leben. Sie äußerte wiederholt Selbstmordgedanken, bis sie jetzt im Teltowkanal den Tod suchte. Den Mauerstein hatte die Lebens- müde zu dem Zweck um den Hals gebunden, um beim Herein- springen in den Kanal nicht wieder an die Oberfläche zu kommen. Irgendwelche Verletzungen wurden bei der Leiche nicht wahr- genommen, so daß sie polizeilich freigegeben werden konnte. Einen schrecklichen Tod hat der 34jährige Arbeiter Wilhelm Butt aus der Kastanienallee 10 gefunden. B. war auf. einem Fabrikneu- bau in Heegermühle bei Eberswalde beschäftigt. Er war soeben dabei, von einem Stapel Mauersteine nach dem ersten Stockwerk hinaufzureichen, als plötzlich ein oben errichteter Stapel einstürzte und in die Tiefe stürzte. B. wurde mitgerissen und die noch nach- folgenden Mauersteine stürzten auf ihn herauf. Der Unglückliche wurde infolgedessen erschlagen. AlS Arbeitskollegen hinzueilten und den Verunglückten befreien wollte», stellte sich heraus, daß B. bereits tot war. Aus der Selbstmorbchronik. An seiner Arbeitsstätte hat der Arbeiter Hermann Kusche aus der Reinickendorfer Straße Selbst- mord verübt. K. war in der Anilinfabrik in Baumschulenweg beschäftigt. Dort wurde er von seinen Kollegen in einem Arbeits- räum erhängt aufgefunden. Der Tod war bei dem Lebensmüden bereits eingetreten.— Mit Leuchtgas hat sich die 42 Jahre alte Witwe Frida G.. Straßburgstr. 30. das Leben genommen. Frau G. öffnete in ihrem Schlafzimmer die GaShähne und legte sich dann nieder. Als die Tat entdeckt wurde, konnte bei der Selbstmörderin nur noch der Tod konstatiert werden. Die G. hat in einem Zustand plötzlich ausbrechender Geisteskrankheit gehandelt. Ein gewerbsmäßiger Mädchenhändlcr, auf den die hiesige Kri- minalpolizei aufmerksam gemacht wurde, ist in der vergangenen Nacht in Deutsch-Eylau festgenommen worden. Es ist ein gewisser Lewin Schnaidermann aus Naselsk. Der 48 Jahre alte Händler betneb sein.Geschäft" in der Weise, daß er nicht bloß unverdorbene Mädchen, sondern auch junge und hübsche Insassinnen von Freudenhäusern besonders aus Rußland nach Buenos AireS ausführte. Bor längerer Zeit wurde er schon einmal in Amsterdam erwisch. Zwei russische Mädchen, mit denen er sich auf der Reise befand, merkten dorr, daß er ihnen falsche Bor- spiegelungen gemacht hatte. Sie weigerten sich weiter zu fahren und wandten sich an die Polizei. Schneidermann wurde verhaftet und zu einer längeren Strafe vemrteilt. Die Mädchen wurden von i Berlin aus nach Warschau zurückgebracht. Jetzt erhielten die deutschen Polizeibehörden die Mitteilung, daß der Mädchenhändler wieder mit einem„Transport" auf dem Wege war. Er wollte zwei Mädchen über Berlin und Brüssel nach Südamerika bringen. Die Staats- anwaltschaft von Alleustein benachrichtigte schleunigst alle Polizei otgane, die in Betracht kommen, und so gelang es, den Händler und seine Helfershelfer, Agenten und Schlepper, eine Frau Feige Bleicher geborene Jagviani aus Broch und einen Samuel Pinkiert in Deutsch-Ehlau abzufangen und hinter Schloß und Riegel zu bringen Die beiden Mädchen wurden vorläufig in Schutzhast genommen. Die Nntersuchnng gegen den Warenschwindler aus Rixbori, über dessen Verhaftung wir berichteten, dehnt sich immer noch"weiter ans. So hat sich noch eine Berliner Großhandlung gemeldet, bei der der angebliche„Dr. Siegbert" 800000 ZenMer Fette und Pflanzenöle kaufte, und die ihm dafür 7000 M.„Vermittlergebühr" zahlte. Gesangliche Veranstaltungen. Der Männerchor„Fichte- Georginia 1879"(M. d. A.-S.-B.) gibt Sonntagabend, präzise 6 Uhr, unter Leitung seines Chormeisters P. A. Joseph in der Brauerei Friedrichshain ein Konzert. Mitwirkende sind: Herr kgl. Kammer- virtuos Felix Meyer(Geige); Herr Max Saal, Harfenist an der kgl. Hofoper(Harfe); Herr Heinz Beyer(Cellovirtuos); Herr Ernst Himmel(Harmonium); Herr G. Scholz(Flügel).— Rauchen nicht gestattet. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Nach dem Konzert: Ball.— Eintritt 75 Pf., Abendkasse 1 M.(inkl. Tanz). Liedertexte am Saaleingange gratis. Der Gesangverein„Neu Erwacht"(M. d. A.-S.-B.) der- anstaltet am 22. November(Bußtag) im Friedrichshain am Königstor ein Konzert, in dem die Konzerlsängerin Frau Schott, Konzertsänger Franz und das Sinfonieorchester des Herrn Fischer mitwirken werden. Im zweiten Teile des Programms wird„Andreas Hofer", Oratorium für Männerchor, zum Vortrag kommen. Vorort-Nacbrictzten. Rixdorf. Die Neueinstellung einer dritten Schwester für die Säuglings- sürsorgestelle ist für das Etatsjahr 1912 vorgesehen. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle sollen vom 1. Januar 1912 ab Mon- tags, Mittwochs und Freitags stattfinden. Das Programm der volkstümlichen Veranstaltungen des hiesigen Magistrats ist durch Aufnahme von Kammermusikabenden vermehrt worden. Für diese Abende ist das Berliner Trio, bestehend aus den Herren Professoren Mayer-Mahr, Bernhard Dessau, Heinrich Grün- selb, gewonnen worden. Den Besuchern dieser Abende steht also ein erlesener Kunstgenuß bevor. Der Eintrittspreis ist auf den geringen Betrag von 50 Pf. festgesetzt worden. Das erste Konzert findet am Dienstag, den 21. November in der«Neuen Welt" statt. Rummelsburg. In der Gcmeindevertreterfitzung am Mittwoch fand vorerst die Einführung deS neugewählteu besoldeten Schöffen Dr. Maretzky, bisher Magistratsassessor in Rixdorf, statt. Nach dem Inhalt der Begrüßungsrede des Herrn Dr. Maretzky zu urteilen, scheint dem- selben eine ganz besondere Befähigung eigen zu sein— war es ihm doch möglich, konstatieren zu können, daß ein einziger Einblick in die Rummelsburger Verwaltung ihm den Beweis erbracht hat, daß die Finanzierung der Gemeinde durchaus gesichert ist und nach dieser Seite hin keine Veranlassung für eine Vereinigung mit der Nachbargemeinde vorliegt. Dr. Maretzky wurde dann gleich in das Krankenhauskuratorium an Stelle des ausgeschiedenen Beige- ordneten Assessor Moser gewählt. Nachdem noch ein neuer, erhöhter Preistarif über Ausführung von KanalisationS- und Wasserleiwngs- Hausanschlüsse von der Mehrheit beschlossen worden war, hatte die öffentliche Tagung bereits nach kaum halbstündiger Dauer ihr Ende erreicht. In nichtöffentlicher Sitzung wurde die vom Bezirksaus- schütz unterm 17. Oktober dieses Jahres festgesetzte Grenz- regulierung zwischen Rummelsburg und Stralau, vorbehalilich der Schad'loShaltung der Gemeinde Rummelsburg durch Stralau in Form einer entsprechenden Abfindung desjenigen Steuerausfalles, den Rummelsburg nachweislich erleidet, auerkannt. In Sachen der Vereinigung mit Lichtenberg teilte Bürgermeister Dr. Hahn mit, daß auf Veranlassung des Regierungspräsidenten zwischen ihm. Ober- bürgermeister Ziethen und den maßgebenden Führern der bürger- lichen Stadtverordneten von Lichtenberg eine Aussprache statt- gefunden hat. Nach der Aussprache steht zu erwarten. daß die von den Lichtenberger Stadlverordneten so brüsk ab- gewiesenen Rummelsburger Sonderbedingungen, wie die Er- Haltung der vorhandenen Wohlsahrtseinrichtungen, keine Ver- schlechterung der Volksschulen, keine Erhöhung dos jetzigen Gas- preise? usw., nun von Lichtenberg in geeigneter Form Anerkennung finden werden. Ferner ist eine Uebereinstimmung dahin erzielt ivorden, daß demnächst eine gemeinsame Sitzung sämt- licher Stadt- und Gemeindeverordneten beider Orte unter Leitung eines Regt er ungsvertreters stattfinden soll, in welcher dann die noch vorhandenen Streitpunkte durch gemeinsame Aussprache möglichst aus der Welt geschafft resp. in eine annehmbare Form für beide Orte gekleidet werden sollen. Anschließend hieran soll dann sofort jede Gemeinde für sich endgültigen Beschluß fassen. Weitzeitsee. Znm Bau eines neuen Bahnhofe? ist der Großen Berliner Straßenbahn gegen die Stimmen unserer Genossen ein acht Morgen großes Grundstück geschenkt worden. Als Gegenleistung hat die Gesellschaft in der Hauptsache zwei Linien ausbauen wollen, die für die Verbindung unseres Ortes von wesentlicher Bedeutung waren. Eine Linie Z, die den Norden und Moabit durchschneidet und auch schon durchgeführt ist; hierfür mußten Gleise verlegt werden in der Gustav-Adolf-Straße. am Mirbachplatz und der Pistoriusstraße. eine Strecke, die erheblichen Aufwand verursachte. Eine zweite Linie sollte den Osten. Südosten und eventuell Rixdorf verbinden; hierzu war die bisherige Linie 63 ausersehen. Für diese Verbindung wäre nur notwendig eine Kurvengleisverbindung am Königstor; und gerade diese Linie ist für den Arbeiter wichtig, da dieselbe mit dem Gewerkschaftshause Verbindung hat. Aber hier läßt die Große Berliner ihr Versprechen wie so oft uncingelöst. Zurzeit wird am Königstor das Straßenpflaster erneuert, jedoch die Verlegung einer Kurve erfolgt nicht. Mit dem Bau des Bahnhofs sollte bereits am 1. Oktober begonnen iein, bis jetzt ist jedoch noch kein Spatenstich getan. Unsere Genossen hatten recht, als sie darauf hinwiesen, daß ein Paktieren mit der Großen Berliner der Gemeinde nur zum Schaden gereicht. Man sollte doch von einer so großen Erwerbs- gesellschaft erwarten, daß sie ihre im Vertrag niedergelegten Per- pflichtungen mit etwas mehr Pünktlichkeit innehält Kalkberge- Rüdersdorf. Eine neue Zemcutfabrik will Hierselbst in nächster Zeit die Rittergut RüderSdorf-G. m. b. H. am Stieuitzsee errichten. Gegen dieses Unternehmen, an dem die Gemeinde Tasdorf interessiert ist, hat sich die dortige Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung mit aller Schärfe gewandt. Die Vertretung beschloß einstimmig, hier» gegen bei dem Minister für Handel und Gewerbe Protest ein- zulegen. Strausberg. Einen glänzenden Sieg errangen unsere Genossen bei den Stadt« verordnetenwahlen in der dritten Abteilung. Die von unS aufgestellten Kandidaten, die Genossen Leuenburg, Kurze, Weiß und G u a st wurden mit 253 bis 257 gegen die aufgestellten sieben bürgerlichen Kandidaten, auf die 68 bis 203 Stimmen entfielen, gewählt. Auf die Bürgerlichen, die auf einen Neinfall nicht gerechnet, war das Resultat von deprimierender Wirkung. Spandau. Stadtverorductenbersammlung. Vor der Ctadtverordnetenbcr- sammlung fand diesmal eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten zum Zwecke der Wahl von 3 Abgeordneten zuni Provinzial-Landtag statt. Gewählt wurden Oberbürgermeister Koeltze, Bürgermeister Wolf und Stadtverord- netenvorstcher Lüdickc� Alsdann genehmigte die Versammlung bis Neuerrichtung einer Sekretär- und einer Asfistentenstelle sowie bis Vorschriften über die Reisekosten-Entschädigung ber Beamten und Vertreter der Stadt Spandau. Eine längere Debatte zeitigte die Vorlage bezüglich Festsetzung der Fluchtlinien der Straßen 55 und 56 im Stadtteil Hakenfelde. Es ist dies das Gelände, welches der Charlottenburger"Baugenossenschaft gehört, die schon längere Zeit mit der Stadtverwaltung wegen der Bauerlaubnis verhandelt. Der Baukomplex liegt an unregulierten Straßen und nach dem Orts- statut hätte der Magistrat unweigerlich das Recht, Baugesuche an unregulierten Straßen glatt abzulehnen. Der Magistrat hat dieS nun nicht getan, sondern die Ausweisung zweier öffentlichen Straßen verlangt. Er fordert die Genehmigung der Versammlung hierzu. Seitens der Fluchtliniendeputation war aber einstweilen nur eine Straße ausgewiesen worden. Dem Stadtverordneten Bender wurde vom stellvertretenden Vorsteher P r o g e r das Wort nicht mehr erteilt, weil er als Auffichtsralsmitglied der Charlottenburger Baugenoyenschaft interessiert sei. Bei der Rustwiesen-Aogelegeu- hei war man, wie ein Stadtverordneter mitteilte, nicht so prüde, dort sprachen wiederholt interessierte Personen, ohne daß es moniert wurde. Unser Genosse Pieper konnte gar nicht begreifen, wes- halb man der Baugenoyenschaft so viel Schwierigkeiten mache, die doch beabsicktige, gute und billige Arbeitcrwohnungen zu bauen. Die Hausbesitzer-Stadwerordneten vertraten natürlich einen anderen Standpunkt und sie drückten tatsächlich die Magistratsvorlage durch. Ob sie damit auf die Dauer Erfolg haben werden, ist zu bezweifeln. Der Ausfall der letzten Stadtverordnetenwahl müßte ihnen doch die Augen geöffnet haben. Im Zuhörerraum hatten sich eine große Anzahl Mitglieder der Baugenossenschaft eingefunden, welche einige Male ein Bravo! ertönen ließen, worauf der stellvertretende Stadt- verordneteuvorsteher Prager mit Räumung drohte. Die übrigen Vorlagen sind von geringerer Bedeutung und wurden meist debatte- los erledigt. Die Wahlen der Delegierten zur Ortskrankenkasse der Hand- werker finden am Äkontag, den 20. November, von abends 114 bis 8(4 Uhr im„Altstädtischen Kasino", früher Palme, statt. Die Mit- glieder obiger Kasse werden ersucht, sich rege an der Wahl zw. be- tciligen._ Jugendveranstaltungen. FriedrichSfelde. Heute abend pünktlich s Uhr findet im Cajs Kohl- baase, Ari-drichss-lde, Schlogstr. 2, für die Orte Lichtenberg, FUedrichsselde. Nummelsburg, Stralau ein gemeinlamer Goethe-Abend statt. Mit» wirkende: Herr Julius Bab— Vortrag. Frau Hilma Schlüter— Rezi- tation, Herr Dr. Fritz Hops— Gesang, Frl. S. Friedburg— Begleitung. Billett 10 Ps. Da das Programm ein äußerst gutes ist, wird großer Zu- spruch erwartet._ Freireligiöse(gemeinde. Sonntag, den 19. November, vormittag» 9 Uhr, Pappelallee 15— 17, und Rixdors. Jdeaipassagc: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr. Kleine Fraiusurter Straße S; Vortrag von Herrn E. Vogtherr:„Wie die Kirche ihren Einfluß übt". — Abends S Uhr Koppcnstr. 29: Herr Pros. Gurlitt:„Moderne Welt» anschauuug und Kirche". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Montagabend 8 Uhr: Beschließende Versammlung. Allgemeine Krauken- und Sterbckasse der Metallarbeiter (Eingeschriebene Hllsstasse 29, Hamburg). Mitglieder versa mm» l u n a e n finden m solgendcn Filialen statt: Berlin 1: Sonntagvormittag 10 Uhr in Habel» Brauerei, Bergmannslr. 5/7.— Berlin 2: Sonntag» vormittag 10'/, Uhr im Märkischen Hos. Admiralstr. 18c.— Berlin 3: Heute Sonnabend, abend» 8'/, Uhr, bei Kayser, Reichenbevger Str. 154.— Berlin 4: Heute Sonnabend, abends 8'/, Uhr, bei Merkowski, Andreas» stratze 26.— Berlin 6: Sonnabendabend 9 Uhr im Lokal Bernauer Str. 82 (srüher KarsowSki).— Berlin 9: Sonutagvormittng 10 Uhr bei Piotrowski, Berlichwgensw. 14.— Berlin 10: Soimtagvormittag 10 Uhr bei Faber, Stcphanstr. 11.— Charlottenburg: Heule abend 8'/, Uhr im Volkshause, Rosinensir. 3.— Rixdors: sonnabendabend 8'/, Uhr Stcinmetzftr. 114 bei Tabbert.— Rummelsburg: Sonnabendabend 8'/, Uhr bei Oskar Blume, Alt-Boxhagen 56(Ecke der Neuen Bahnhos« straßc).— Tegel: Eonnabendabend 8'/, Uhr im Restaurant von Fritz Kalles, Berliner Str. 92._ Bmfkaftcn der Redaktion. Dt« JutistlMe epteflftuttae sin» et LtndenstraßeLP, vom vier Tretztzen — Fahrstuhl—, wochentö glich von i'/j bis 715 Uhr av-»vs, sonnabends» von 415 bis 6 Uhr adenvs statt. Jever für de» Bricflaften drstimmtrn Anfrage ist ein Buchstabe»nv eine Zahl al» Mcrtzeichr» beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertcilt.«»fragen, denen leine Abonnementsguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage mau in der Eprcchstunde vor. H. G. 46. 1. Ja. 2. Befragen Sie einen Loiterielollekteur.— F. G. Dl« Nichtzahlung von Steuern besciligt nicht das Recht der Ausübung de» ReichstagswahlrechtS.— A. H. 60. 1. 150 M.. bei Bedürftigkeit kaim Ermäßigimg bis auf 5 M. Usolgen. 2. Voraussichtlich nicht. 3. Ja.— 100. Ä. V. Das liegt im Ermessen deS Richters.— I. S. 63. Ein Briej an die Anwaltskammer könnte in diesem Falle al» ftrasbar« Handlung ausgelegt werden. Ein Schreiben an die Universitätsleitung hat möglicher- weise Eftolg.— F. Sch. 104. 1. Zuziehung eines Zlnwalts ist nicht not» wendig. 2. Sie haben noch Anspruch aus Zahlung der Miete für November. — F. S. IS. Wenn Sie das Abhandenlommen deS Schirmes nachweisen können, hasten beide.— H. R. 46. Ja. Der Antrag muß aber noch im Dezember gestellt sein.— F.«R. 125. Der Mieter bleibt sür den ganzen Monat hastbar. Entbehrliche Sachen können einbehaltcn werden. — F. W. 01. Die in Ihrem und Ihrer Gattin Besitz befindlichen Schrist- stücke reichen aus.— 4. F.«ztz. jt, 3. 1. u. 2. Keine zwingenden 9c» sreiungsgründe, können aber berücksichtigt werden. 3. Wahrscheinlich nicht. 4. Nur mit Erlaubnis der Behörde. Gesuch an die Ersatzkommission. 5. Geldstrafe von 150 M. bis zu 3000 M. oder Gesänguis von einem Monat bis zu einem Jahre— K. D. 8. Beschweren Sie sich bei der Schuldeputation.— B., Graudenz. Die EinIpruchSsrist gegen Versäumnis» urteile des AmisgevichtS beträgt-ine Woche.— Rchberg, Schwedt. Rem.— Nr. 24 Vorwärts. Rein.— A. M., So»»e»burger Straße» Die Kinder erster Ehe haben Anrecht aus das Vatencil Verzicht"oder Ab» tretung kann zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erfolgen.— Bothe 40. Die Eltern sind zahlungspflichtig, können allerdings auch die Angabe der Höhe des Anspruchs verlangen.� Lohnpsändung ist zulässig. — O. D. 88. 1. Fordern Sie den Möbelhändler unter Setzung einer Frist nochmals auf. Was weiter zu tun ist, läßt sich nur nach Einsicht in das Vergleichsprotowll sage». 2. �ordern Sic vom Gericht eine Rech» mmg, die wir zu prüfen bereit sind. 3. Aus Verlangen ja. — A. H. K. Nein— M» B. 3L. Eine absolute Bestimmung üoer Literatur ist nicht gut angängig- Arbeiler-Bildung�schiilc, Kursus National- Ökonomie.— F. M. 46. Freitags, bei Blume, Alt-Boxbagen 56.— B. G 27. 1. Für 20 Ps. in unserer Buchhandlung, Lüidenitraße 69. 2. Der Arzt wird schon die richtige Auskunst geben.— G. G. 65. Källni» scher Park 8— R., Schoncberg. 1. Drei Monate bei einlacher Körperverletzung. Strafanzeige kann aus dem Polizeirevier oder auch bei der Staatsanwaltschast erstattet werden. 2. u. 3. Ja.— A. B. 24. Carnegie-Stiswng, zu erfragen im Bureau d-r Zentrale für private Für» sorge. Unter den Linden 1b Quergeb. IN.- N. L. 20. Vilbelmstr. 63. zurzeit täglich vor- und nachmittags- N. M. 16. Rem.- C. R. Ja. 8. F. 18. 1. Ja- 2. Nein. Paul K. Auch ein ungetanstes Kind muß in die Schule aufgenommen werden. Ein Zwang, das Kind taufen z» lallen, besteht somit nicht.— 9W. ft. 21. Vom Ta»» der Antrags ltelUmg ab.— R. B. 77. z. StlmdeSamt, vor dem die Che geschlossen ist. 2 Frist nicht vorgeschrieben. - N.«. 7-1- Der Anspruch steht Ihnen für den Fall»es ObsiegenS zu. Geltendmachung erst nach Erlag deS Urteils zulässig durch Antrag aus Fest» setznng beim Prozeßgericht.— G.«. Fordern Sie unter Fristsetzung In» siandsetzung und Vertragsübermittelung. Nach etwa ersolglosem Fristablaus Klage. Die Raten zahlen Sie weiter—*. M. 45. Ja. Antrag muß noch in diesem Kalenderfahr gestellt sein.—(g. g. zs. DaS machen Sie mit Lhriw Gewerkschaft au«.— H. Z. 10». 1. und 2. Nein.- 11. P. S. Ja.—, P. M. 100. 1. nur Kiesholzstraße ist das Amtsgericht Rixdors zuständig. 2. Ja.(?poll 22o. Ja. Mindestslrase sechs Monate Ge» sängnis. VeijahruiigSfrist: Zelm Jahre.—(g. 58. Besprechen Sie die Sache mit Ihrem Anwalt.— Atz. B. igOO. Ja.— B. ffi. 18. Ja. Eaira 2000. Fall» Ihre Abmeldung erfolgt ist, sind Sie zur Zahlung der Gemeindceiiitonimciisteiicr und der Kirchensteuer sür die Zeit Januar bis September 1911 nicht verpflichtet. Aus die Verpflichtung zur Zahlung der Staatseinkommensteuer ist der Fortzug ohne Einfluß.— K, 141. Ja, Im Weigerungssalle Antrag an das Bornmndschaslsgcricht.— Nr. 48. 1. Ja, wenn Gesundheitsgesährdung nachgewiesen werden kann. 2. Ja.—>