Nr- 874. HbonnemenfS'Bed?n90B8«n; H A.V Ml Die Intertions- Gebühr esonnementä. Preis pränumerando! DA IW« NZI/V/ WB I Wl M9f AB. leträg, für dir lechSgelpallene Kolon??. LicrteliaM 8,30 Ml. Monats l.w M!., W»»» I MW W> MD // WW MD WD WD»». WU�VM.--MM 1, ,eilk oder deren Raum W Psg. für wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, MD, �MM MU WW WW f A WW WW DW WW«W 7/■— 1 politilche und gewerkschaftliche Vereins. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags. �M» l�Wm I WW HB WW W) WW BR WH WB HB WM f/ H WjJ--- // und Verlammiungs-Anzeigen M Pia. nummer nut illustrierter Sonntags. MßSM V�XBä H Mß HB � HB WW B| MB WW WD KM> WD WW //..Kleine«„-eigen", das settgcdru-ti- Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post. WWD[( MW IM WD DW DW DM �W WW WD Wq WD HB JSl«ort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruekie Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. WTmB! WW WW WW WW BB WW— WW»M WM MI Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Eingetragen in die Post.Zeilungs. taJÜ I I HB Kg WW miäL\ rirA HTm WH JHl WM DgZ WW/ Etellenqesllche und Schlassiellenan- Preisliste. Unter Kreuzband für WH I �M WW! WM �WBW�MWA Bm\ DW �A/AB»eigen das erste Wort lv Pfg. jedes Teutschland und Oesterreich. Ungarn WW DM I // WM weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSBuch. 2 Mark, für das übrige Ausland BMI l I WM.V �MDM>� Z/ �r/ �FV ItmrS // WW stade» zählen sür zwei Worte. Inserate 3 Mark pro Monat. Postabonnements____-S_/ /y MB für die nächste Nummer müssen bis nehmen an: Belgien. Dänemark. 4BMSS&5'� � �9/ e>w»v t> Uhr nachmittags in der Expedition Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, OT/f( y-\>. CA v tpaegeben werben Die Expedition ist Rumänien. Schweden und die Schweiz, �5� v— V �) VX� bis 7 Uhr abends geöffnet. e™.,.,»«».»«, Vevlinev äs». Zcntralorgan der fozialdcmokrati fchen partei Dcutfchtands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fcrnschrecher: Amt Moriqplal,, Nr. tS8Z. gas Hausarbeitsgelet?. Am Montag soll die zweite Lesung des sogenannten Hausarbeitsgesetzes beginnen. Wer erwartet, daß das zum Himmel schreiende Elend, unter dem die Hausindustrie seufzt, durch dies Gesetz auch nur in etlvas verbessert werden würde, ist bitter enttäuscht, wenn er den Inhalt des Gesetzes kennen gelernt hat. Der am 11. Februar 1910 vorgelegte Gesetzentwurf war bereits als Artikel 4 der Gewcrbeordnungsnovelle am 20. De- zember 1907 zugegangen. Die Gewerbeordnungsnovelle wurde einer Kommission überwiesen. Diese nahm auf Anregung unserer Parteifreunde eine Reihe Aenderungen in dem Ab- schnitt der Gewerbeordnung vor, der von dem Trucksystem handelt. Die Anträge der Sozialdemokraten richteten sich insbesondere auf zwei Punkte: Alle Heimarbeiter. Haus- arbeitcr und Hausgewerbetreibenden, die von der Recht- sprechung heute teilweise noch als selbständige Unternehmer angesprochen werden, sollten den Schutzvorschriften der Gewerbe- ordnung unterworfen werden. Ferner sollte der Abschnitt der Gewerbeordnung über das Trucksystem geändert und dem unleidlichen Zustande ein Ende bereitet werden, daß trotz des im§ 394 B. G.-B. enthaltenen Verbots jeder Aufrechnung gegen den Lohn, soweit dieser nicht jährlich 1500 M. über- steigt, Gerichte auf Grund des§ 115 Abs. 2 der Gewerbe- ordnung alle möglichen Abzüge vom Lohn zulassen, und da- durch insbesondere die Heimarbeiter schiver schädigen. Beide Anregungen hatten teilweise Erfolg. In dem Abschnitt der Gewerbeordnungsnovelle, der die Hausarbeit speziell betrifft, verlangten die Sozialdemokraten an Stelle der allein von der Regierung vorgeschlagenen Einräumung einer Befugnis des Bundesrats und der Landespolizeibehördcn zu allerlei Maß- nahmen, die den Heimarbeiter vexieren, ihm aber keinerlei Vorteil bringen könnten, ibrem bereits im Jahre 1906 vor- gelegten Gesctzentlvurf entsprechend: das Verbot der Her- ftellung von Nahrungs- und Genußmitteln in gesundheits- widrigen sowie in Koch- oder Schlafräumcn, ein Verbot der Nachtarbeit soivie der Sonntagsarbcit, das Gebot hygieni- scheu Anforderungen entsprechender Arbcitsräume, der Einführung von Arbeitsordnungen in Betrieben mit niehr als 5 Personen, der Aushändigung von Lohnbüchern und der Ausdehnung der Ge- Werbeaussicht auf die Hausindustrie. Vor allem packten sie aber das Elend, unter dem die Heimarbeiter seufzen, an der Wurzel an: die wucherisch geringen Löhne müssen schwinden. Löhne, die nur mit Zuhilfenahme von Armeilunterstützungen gerade noch ein jammervolles Vegetieren zulassen, dürfen nicht gestattet werden. Solch schmachvollen Zuständen kann vielleicht im Einzelfall die Rechtsprechung entgegentreten. Auch die obligatorische Unter- stellung aller Hausindnstriellcn unter das Gewerbegericht kann nur in seltenen Fällen Hilfe bringen. Der vereinzelt da- stehende Heimarbeiter wird gar selten zur Klage mit Aus- ficht aus Erfolg schreiten können; überdies käme die Hilfe zu spät. Hier Hilst nur Festsetzung von Minimal- l ö h ir e n. Es müssen von den Gewerbcgerichten oder von Lohnkommissionen die Lohnsätze festgesetzt werden tind dürfen nickt niedriger sein alS die in Fabriken und Werkstätten für entsprechende Arbeit gezahlten Löhne. Das ist der einzige Weg, der den geplagten Heimarbeitern Hilfe bringen kann. Und er ist durchführbar. Hat doch Neu- secland, hat doch Viktoria im Jahre 1896 diesen Weg be- schritten und dadurch radikal das in der Hausindustrie herrschende Elciid beseitigt. Die Löhne sind um mehr als 100 Proz. in die Höhe gegangen. England hat seit dem 1910 in Kraft getretenen Gesetz einen gleichen Weg für eine Reihe Industriell mit Erfolg beschritten. Daß dies der einzige Weg ist, um dem Arbeiter zu helfen, geben alle Sozialpolitiker, die mit der Materie sich beschäftigt haben— wir nennen nur beispielsweise Dr. Bnttmann, den basischen Gelvcrbeinspektor, und Professor Wilbrandt— an. Beschritt die Regierung, beschritt die Reichstagskommission diesen Weg? Keineswegs. Sie wollen in echt bürgerlicher Heuchelei nur so tun als ob etlvas zugunsten der Heim- arbciter geschähe. In Wahrheit soll alles-beim alten bleiben, dem Arbeiter sollen nur Lasten auferlegt und Strafen an- gedroht iverden. So die Gewerbeordnungsnovelle vom 20. Dezember 1907, so der am 11. Februar 1910 dem Reichs- tag vorgelegte Hausarbeitsgesetzentivurf, so die Komniissions- Vorschläge zu diesem Gesetzentwurf. Aus diesen Vorschlägen sind zunächst alle Vorschläge entfernt, die eine gegen§ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuches verstoßende Kürzung des Lohnes verhindern, ferner fehlt ein klarer Ausspruch, daß Heimarbeiter, HauSarbeiter und Hausindustrielle als Arbeiter den Regeln des gewerblichen Arbeitsvertrags unterstellt sind. Der sozial- demokratische Gesetzentwurf von 18W, den Dr. Bittmann als einen„technisch vorzüglich aufgebauten Gesetzentwurf" mit Recht bezeichnet, gibt eine scharf umrissene Definition von Haus-, Heimarbeitern und Hausgewerbetreibenden lind unterstellt alle diese Kategorien dem Gcwerberechte. Das Hausarbeitsgesctz läßt die Möglichkeit offen, Hausindustrielle als selbständige Untcriiehmer zu betrachten und ihre Rechte nach den ungünstigen Regeln des Werkvertrags statt des Arbeitsvertrags zu beurteilen. Das Gesetz soll nur für Werk- stätten gelten, in denen jemand ausschließlich zu seiner Familie i gehörige Personen gewerblich beschäftigt oder in denen eine� Mittwoch, de« 22. November 1911* j oder mehrere Personen gewerbliche Arbeit verrichten ohne von �-'nein den Werkstattbetricb leitenden Arbeitgeber beschäftigt zu werden. Ausgenommen bleiben Werkstätten, in denen aus- schließlich für den persönlichen Bedarf des Bestellers oder seiner Angehörigen gearbeitet wird. Ausgeschlossen also auch alle jenen kleineren mit fremden Hilfskräften arbeitenden Pro- duzenten, die in derselben sozialen Lage wie andere Heimarbeiter sich befinden, wie z. B. die Sonneberger Spiel- warenindustrie. Was bietet der Kommissionsbcricht den unter das Hausarbeitsgesetz fallenden Personen? Lohnverzeich- nisse oder Lohntafeln müssen in den Räumen, in denen Arbeit ausgegeben wird, aushängen, die über die für die einzelnen zur Ausgabe gelangenden Arbeiten jeweilig gc« zahlten Löhne unterrichten. Aber selbst dies kleine Mittel, um die Aufhetzung der Heimarbeiter gegen einander zu niedrigeren Löhnen durch falsche Vorspiegelungen zu hindern, war der Kommission zu viel. Es soll diese Bestimmung für neu einzuführende Muster nicht gelten. Es wurde für diese Ausnahme angeführt, die Festlegung von Löhnen für Muster sei unmöglich. Und doch gibt es solche in unserer Konfektionsindustrie und im Ausland. Uebcrdies müßte zum mindesten gefordert werden, daß für solche Ausnahmefälle ein Minimalzeitlohn festgelegt wird. Die Aushändigung von Lohnbüchern oder Arbeitszetteln sind ferner vorgeschrieben. Die Gewerbetteibenden sollen ferner ver- pflichtet sein, ein Verzeichnis der Personen zu führen, denen sie Hausarbeit übertragen oder durch welche außer- halb der Arbeitsstätte des Gewerbetreibenden die lieber- tragung erfolgt. Ein solches Verzeichnis, das sie übrigens schon nach der Reichsversicherungsordnung zu führen haben, sollen sie auf Erfordern der Ortspolizeibehörde und dem Gewerbe- aufsichtsbeamten einreichen. Lohuverzeichnisse. Lohnbücher und diese Register sind obligatorisch vorgeschrieben. Die übrigen Vorschriften des Gesetzes sind lediglich Vollmachten für Bundesrat. Landes- Polizeibehörde und einzelne Polizeibehörden. Nach diesen Vollmachten kann die zuständige Polizeibehörde auf Antrag des Gewerbeaufsichtsbeamten Einrichtungen anordnen, die zur Vermeidung einer durch die Natur des Kontraktes nicht gc- rechtfertigten Zeitversäumnis der Hausarbeiter bei der Empfangnahme oder Ablieferung der Arbeit erforderlich sind, also z. B. die Aufstellung von mehreren Tischplatten verlangen, jedoch nur, wenn dies„ohne unverhältnisnläßige Auf- Wendungen ausführbar" ist. Die Polizeibehörde kann ferner auf Antrag des Gewerbeaufsichtsbeaniten, soweit sich in einzelnen Gewerbezweigen aus der Art der Beschäftigung Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit er- geben, zur Beseitigung dieser Gefahren Maßnahmen anordnen. auch die Beschäftigung von Kindern über die im Kinderschutz- gesetz gegebene Altersgrenze hinaus verbieten. Soweit sich in einzelnen Gewerbezweigen, insbesondere solchen, welche der Her stellung, Verarbeitung oder Verpackung von Nahrungs- oder Genußmitteln dienen, Gefahren für die öffentliche Gesundheit ergeben, kann die zuständige Polizeibehörde durch Verfügung für einzelne Werkstätten anordnen, wie diese und die Lagerräume einschließ- lich der Betriebsvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften einzurichten und zu unterhalten sind, und wie der Betrieb zu regeln ist, um die Gefahren auszuschließen. Außerdem kann die Polizeibehörde anordnen, daß Räume, in denen Nahrungs- oder Gcnußmittel hergestellt oder verarbeitet werden, zu be- stimmten anderen Zwecken nicht benutzt werden dürfen. Ter Bundesrat, eventuell die Landeszenttalbehörde, end- lich können bestimmen, welchen Anforderungen zum Schutz von Leben, Gesundheit und Sittlichkeit und bei Herstellung von Nahrungs- und Gcnußnntteln zu genügen ist. Auch kann er die, Verrichtung solcher Arbeiten in der Hausarbeit ver- bieten, welche mit erheblichen Gefahren sür Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit der Hausarbeiter oder für die öffentliche Gesundheit verbunden sind. Wer den von der Polizei oder dem Bundesrat erlassenen Vorschriften zuivider handelt, wird bestraft. Das ist der weniger als magere Inhalt der Kommissions- Vorschläge. Es wird also, lvie Wilbrandt mit Recht sagt, „der Heimarbeiter durch die Vorschriften zur Verantlvortung gezogen dafür, daß sein Lohn nicht reicht, um sich einen an- ständigen Arbeitsraum leisten zu können, er wird mit Geld- und eventuell mit Haftstrafe bedroht, wenn er den Ver- fügungen nicht nachkommt, die ihm zum Schutze feiner und anderer Leute auferlegt werden und er mag dann be- rechnen, ob die von ihm geforderten Aufwendungen, für die er um so mehr hungern oder um so länger in die Nacht hinein arbeiten muß. als„unVerhältnis- mäßig" zu bezeichnen sind oder nicht". Wilbrandt schließt nach Ausführung, daß man natürlich für alles eintreten müsse, was für die Volksgesundhcit und Volkskraft erforderlich ist:„Aber das eine soll man nie vergessen: die Acrmsten der Armen, denen man Helsen wollte, sie werden durch das, was ihnen da vorgeschrieben wird, zu Ausgaben gezivungen, sie müssen statt mehr zu bekommen, mehr bezahle nl" Sehr richtig. Ohne Festlegung von sachverständigen, zu- verlässigen Organisationen zur Festsetzung auskömmlicher Löhne ist das Hausarbeitsgesctz ein Gesetz gegen die Haus- arbciter, aber keins gegen das Elend in der Hausindustrie. Die Sozialdcniokraten haben beantragt solche Organisationen zu schaffen. E2 soll danach aus Antrag von Hausarbeitern ll! Expedition: 8Rl. 63, �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriuplntz, Nr. 1084. oder ihrer Organisation das Gewerbegericht als E i n i g u n g s a m t für den Bezirk seiner Zuständigkeit die Lohnsätze in der Branche, welche es angerufen hat, für eine bestimmte Dauer festsetzen. An Orten, an denen ein Gewerbe- gericht nicht besteht, sollen Kommissionen gebildet iverden, welche auf entsprechenden Antrag diese Festsetzung be- wirken. Die näheren Bestimmungen soll der Bundesrat mit der Maßgabe erlassen, daß die Kommissionen zur Hälfte aus Gewerbetreibenden, zur Hälfte aus Arbeitern unter Vorsitz eines Vertreters der Gewerbeinspektion bestehen müssen. Würde dieser Vorschlag Gesetz, so wäre den Heim- arbeitern geholfen, falls es außerdem gelingt, allen Haus- industriellen den Schutz gewerblicher Arbeiter zu gewähren, soweit geholfen, als dies ohne wirtschaftspolitische Maßnahmen, die vom heutigen Reichstag gar nicht zu erwarten sind, möglich ist. Die bürgerlichen Parteien wissen, daß daS von ihnen gc- billigte Hausarbeitsgesetz Pfuscharbeit ist. Im letzten Augen- blick haben sie einen Kompromißantrag eingebracht, der scheinbar den Heiniarbeitern helfen soll. Es sollen danach Fachausschüsse durch den Bundesrat eingerichtet werden können. Diese sollen nicht gewählt, sondern von der Landcszeutralbehörde ernannt werden. Ge- werkschaftssekretäre als Vertreter der Arbeiter sind aus- geschlossen. Die Fachausschüsse sollen allerlei diskutieren, reden, beraten, begutachten, aber beileibe keine Minimal- löhne festlegen dürfen. Ein reiner Hohn gegenüber der Elends- läge der Heimarbeit. Im Jahre 1835 lenkten die Klagen über den Nähgarn- zoll die Aufnierksanikeit der Allgemeinheit auf die jammervolle Lage der Arbcitennnen in der Wäsche- und Konfektions- iudustrie. 1887 erfolgte darauf eine Erhebung über die Lohuverhältnisse der Arbeiterinnen in der Waschefabrikation und der Konfektionsindustrie. Die Ergebnisse ver- anlaßten die Regierung, in den Motiven der Gc- wcrbeordnungsnovelle von 1890, zu erklären, daß ein Schutz sür die Hausindustrie notwendig ist.„Es ist zu hoffen", hieß es da,„daß es Möglich sein wird, solche Ver- ordnungen für diejenigen größeren Industriezweige, in denen der Hausbetrieb mit dem Fabrikbetrieb konkurriert, bis zum 1. /April 1893 zu erlassen". Die sozialdemokratischen Anträge auf Schutz der Hausindustrie wurden dennoch nieder- gestinimt. Prophetisch erklärte der konservative Abgeordnete Dr. Hartmaun-Plauen, es sei nicht daran zu zweifeln, daß auch in der Hausindustrie der Schutz der Kinder bis zum 1. April 1893 verwirklicht werde. Aber es geschah— nichts. Die großen Koufektiousarbcitcrstrciks 1896 rüttelten das Gewissen der satten Bourgeoisie etwas auf. Von allen Seiten wurde verlangt— es müsse etwas geschehen. Und was kam heraus? Die völlig unzulängliche Verordnung vom 31. Mai 1897 über Kleider- und Wäschekonfektion. Unaus- gesetzt, leider völlig vergeblich, drängte die Sozialdemokratie auf Besserung der Lage der Heimarbeiterinnen. Eine Petition der Heimarbeiterinnen verlangte in beweglichen Worten im November 1901 Schritte gegen die ungeheuerliche Ausbeutung, der die hausindustriellen Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesetzt sind. Der allgemeine Heimarbeitcrkongreß in Berlin 1904, bor allem aber die sinnenfällig deutliche Ausstellung des Elends durch die Heinlarbeitsausstellung vom 16. Januar bis 25. Februar 1906 peitschte das öffentliche Gewissen auf. Der Kronrat wurde einberufen, feierlichst wurde eine großzügige Regelung der Hausindustrie versprochen. Und was ist aus all den Versprechungen geworden? Ablehnung aller leicht zu verwirklichenden und Hilfe bringenden Anträge der Sozialdemokratie und der Wcchselbalg, der unter der Ver- hcißung, den Heimarbeitern zu helfen, ihnen Kosten auferlegt und Bestrafungen in Aussicht stellt, aber grundsätzlich jede Beseitigung wucherisch geringer Löhne verwirft! Man straft den Armen dafür, daß er infolge schamlosester Ausbeutung seines Elends arm ist und umklebt die Straf- Vorschriften mit goldpapicrenen„Fach ausschüssen": das ist Sozialpolitik der bürgerlichen Parteien vom schwarzblauen und rosablauen Block._ Innkcrliche Bußlagsbetrachtungcn. Eine innerpolitische Weltcnwendc steht uns bevor! Die „Deutsche Tageszeitung", eins der exaltiertesten Organe der Kriegsschreier ist in sich gegangen" und sehnt sich nun nach nichts anderem mehr als dem Frieden! In einer Bußtagsbetrachtung bekundet Herr Ocrtel, der nun künftig nicht nur auf die Kriegshetze verzichten, sondern auch seine Knuteuschnsucht abschwören wird, die brünstigste Sehn- sucht nach dem Frieden. In diesem zerknirschten Sünden» und Bußbekeuntnis der„Deutschen Tagesztg." heißt es: „Was ist des BubtagSsehnens letztes Ziel und tiefster Kern? Das ist daS alte, nie gestillte Sehnen nach dem Frieden. Den Frieden haben die Völker gesucht, salange diese Schiuerzensmulter Erde beseelte Wesen trug. Nach Frieden schreien die Armen und Enterbten, die in der Tiefe, getrieben von der Not, ihr inkihsameS Tagwerk tu». Nach Friede» verlangen die größte». und edelsten Geister, die im Glänze der Macht sich sonnen und auf den Höhen des M�nschenlumS stehen. Mag die Höbe, die sie erklommen haben, noch so gewaltig sein: den Himmel des Fried cnö erreichen sie nicht; und das künstliche Licht menschlicher Macht verbleicht vor der de» Himmel beherrschenden Gotlessonue des Friedens. Keine Menschenseele ist so reich, so voll, so tief, daß sie gegen das FnedenSschuen gefeit wäre; aber keine Menschen- feele ist andererseits so arni, so schwach, so leer, daß dieses ihr heißestes Sehnen nicht stille werden köniite, wenn sie mir dem Friedensqucll zu finden, den Friedebringer zu suchen Iveiß." Die BußtagSepistel des reumütigen Junkerblattes zeigt dann, wie alle lnsher von Verblendeten eingeschlagenen Irr- Wege nicht zum Ziele führen. In die Irre führe das „Herrentum der Menschen". Herr Oertel und die Seinen wollen also demnächst den Herrenstandpunkt auf- geben. Welche Ausblicke für die künstige W a h l r e f o r m in Preußen. Das Helotentum der Wähler dritter Klasse wird endlich ein Ende haben l Auch das„Sich auslebenlassen" und die„ S u ch t nach dem Lebensgenuß" wird von dem Junker- blatt verpönt. Jeder Genuß erzeuge �ja doch nur„Er- schlasfung" oder„die Begierde nach Steigerung". Damit also ist der Verzicht auf die Zollausplünderung der Massen zugunsten eines beutegierigen Agrariertums ausgesprochen. Auch die„Sucht nach Geld und Ruhm" wird als Irrwahn gekennzeichnet:„Ist die Schatz- kammer noch so gefüllt, ein leerer Winkel weckt neues Ver- langen." Unsere Großgrundbesitzer wollen sich also nicht mehr auf Kosten der Armen und Enterbten durch Brot-, Neischwucher und Liebesgaben bereichern l Man könnte glauben, wir selbst seien in einem Irrwahn über die werktätige Bußfertigkeit, über den Opfermut unserer Agrarier befangen. Dem ist aber nicht so. Denn wenn wir noch an dem heiligen Ernst des Bußtagsartikels gezweifelt hätten, so wird uns ein zweiter Artikel in derselben Nummer der„Deutschen T a g e s z t g." eines Besseren belehrt haben. Heißt es doch in diesem Artikel, der sich „Millionäre unter sich" betitelt und die Bußtags- betrachtungen unter dem Strich fortsetzt, wörtlich folgender- maßen: „Der Pfnndmillionäre zählt man in Preußen leider nur(5(5, wobei ich das Pfund Sterling entgegenkommenderweise glatt mit 20 M. in Rechnung stelle. Milliardäre haben wir einstweilen noch keinen einzigen. Immerhin läßt die er- treuliche EntWickelung einiger Vermögen die Hoffnung zu, daß sich dieser betrübende Zustand dermaleinst bessern wird. An der Spitze aller heimischen Geld- gewaltigen stehen die 187 Millionen der Frau Berta Krupp von Bohlen und Halbach, der e>n Jahrescinkommen von 17 Millionen Mark zupreßt. Fürst Hencket von Donnersmarck ver- fügt über. 177 Millionen Vermögen und 12 Millionen jähr- lichen Gewinn. Während er Anno 1395 noch mit 71 und 2,7 Millionen auskommen mußte, hielt Krupp damals schon bei 119 und 7,1 Millionen. Man steht, der oberichlesische Magnat dringt mächtig bor. Die Konjunktur für Kohle ist an- dauernd glänzend, und das HauS Krupp bedarf einiger besonders guter Jahre, wenn eS seinen früheren Vorsprung wieder erreichen will. Als dritter in der Reihe folgt Christian Kraft Fürst zu Hohenlohe- O e h r i n g e n mit 151 s?) Millionen, dessen Besitz im Jahre 1855 noch 45 Milliouett, 1902 auch erst 69 Millionen betrug. Die Entwickelung dieses Vermögens ist auch schlechthin amerikanisch zu nennen. Da die letzte Ziffer aus dem Jahre 1908 stammt. wurden 82 Millionen Fett binnen sechs Jahren angesetzt!" Gewiß, unsere Junker waren sündige fL.eltkmder, die bisher zum Kriege hetzten und das Volk in der schnödeste Weise ausbeuteten. Aber das wird ja nun ein Ende haben. Denn mit beißenderem Spotte und zornigerem Hohne könnte ja das Züchten der Millionäre nicht gcbrandmarkt werden, als durch diese letzte Notiz des A g r ar i e r o r g ans. Und sicherlich ist uns das Oertelorgan zu Dank verpflichtet, wenn wir seine Ausführungen über das Züchten der Millionäre noch ein wenig ergänzen. Wir stellen also fest, daß es in Preußen im Jahre 1903 an physischen Zensiten gab 9 mit über 100 Millionen Mark Vermögen 20„ durchschnitt!. 40„,. _ 47„ 20 In Gumma 82 mil durcdichnitU. mehr als 20 Mill. Mark Vermögen 82 preußische Millionäre besaßen also ein Durchschnitts- vermögen von rund 37 Millionen Mark pro Kopf. Man sieht also,» welche Unmengen von„Fett" diese Millionäre auf .Hosten der„Armen und Enterbten" angesetzt hatten in deni Jrrwahne, auf diesem Wege zum Frieden zu gelangen. Und weiter wollen wir noch hinzufiigen, daß ja in dem Zeitraum von 1893 bis 1998 791 Millionäre auf dem Lande, also Großgrundbesitzer, ihr Vermögen um nicht weniger als 223(5 Millionen vermehrt haben, pro Kopf also um mehr als 3 Millionen! Diese schändliche Ausbeutungswirtschaft der ehrlich arbeitenden, aber leider darum bisher armen und enterbten Schichten wird ja nun aufhören. Ebenso wie die skandalöse Kriegshetze. Denn:„Was ist des Bußtagssehnens letztes Zielundtief st erKern? Das ist das alte, nie gestillte Sehnen nach Frieden." Zur Rcichstagswai)!. Wie die Agrarier kämpfen. Unter dieser Ueberschrift schildert die liberale«KöSliner Zig." den Verlauf einer Versammlung ii? Wschofsthum, Kreis Bublitz- Liolbcrg-Köslin, der wieder einmal zeigt, mit welchen Waffen die Agrarier ihre konservative Anschauung verfechten. Während die erschienenen Arbeiter und Kleinbauern sich im Saale versammel- ten, um die Ausführungen des liberalen Parteisekretärs mitanzu- hören, blieben zahlreiche Großbauern in einem Zimmer neben dem Saal. Nachdem sie sich durch reichlichen Schnapsgenuß die genü- gcnde Courage angetrunken hatten, suchten sie durch Lärmen und Schreien die Versammlung zu sprengen, was aber nicht gelang. In der nach dem Vortrag folgenden Diskussion meldete sich nie- mand zum Wort, was dem Redner Veranlassung gab, das feige Verhalten der Konservativen gehörig zu geißeln.„Als der liberale Parteisekretär nach Schluß der Versammlung seinen Platz verließ, sauste ein. kopfgroßer Feldsteindurchdie Fenster- s ch e i b e in den Versammlungsraum. Der Stein streifte den Par- .icisekretär glücklicherweise nur am rechten Bein und richtete kein weiteres Unglück an. Leider gelang es dem sofort hinausstürzenden Wirt nicht, den Täter zu erwischen. Dem Kutscher wurde geraten, auf der Hut zu sein, da im Nebenzimmer etwas von Ucbcrfall auf dem Rückwege gesagt worden sei. Ja, man hatte sogar geplant, die Pferde aus dem Stalle in die dunkle Nacht hinauszuführen. Im Stillen war ausgeforscht, welchen Weg der Kutscher einzuschlagen gedenke, und tatsächlich waren Burschen voraufgeeilt, die nach den verschiedenen Aeußerungen zu urleilen, einen Ueberfall planten. Daher fuhren die liberalen Herren auf einem Umwege zurück." Bon solchen Vorkommnissen, werden die konservativen Blätter ihren Lexm sicher keine Nachricht geben. »'• • Die Freisinnigen und die SamUlelkanbidatur Posadowskys. Die Vertrauensmänmer dev Fortschrittlichen Volkspartei von Bielefeld haben die Aufforderung, die Kandidatur des Grafen Po- sadowsky zu unterstützen, abgelehnt und einstimmig beschlossen, an der Kandidatur ihres Parteigenossen Schepp festzuhalten. »« .» Evangelische Arbeitervereine und nationale Gewerkschaften in Sachsen. Im Gewerbchause zu Dresden fand am 19. November eine Vorstandssitzung des sächsischen Landesverbandes der evangelischen Arbeiiervercine statt. In der stattgefundenen Aussprach« einigte man sich zur Frage des Zusammengehens mit den nationalen Ge- werkschaften im Königreich Sachsen dahin, daß die evangelischen Arbeitervereine einem solchen Zusammenarbeiten zustimmen. »» » Der Rcichsverbiindler Dr. Görcke hat sich glücklich zum konservativen Kandidaten durchge- mausert. Nachdem die Nationalliberalen des Kreises Branden- burg-We st Havelland auf seine Wiederaufstellung verzich- teten, haben nachher die Konservativen des Kreises in einer Ver- trauensmännerversammlung beschlossen, Herrn Görcke als ihren Kandidaten zu unterstützen. Der ehemals nationalliberale Görcke nimmt also die„Front nach rechts" in dem Sinne, daß er stramm salutiert vor den Konservativen, zu denen, ihn sein reichsverbänd- lerisches Herz längst hinzog. englands auswärtige llngelegenheiten. London, 29. November.(Eig. Ber.) Mit großer Ungeduld erwarten alle Volksschichten in England augenblicklich die Erklärung, die der Minister des Aeußeren in den nächsten Tagen über die Rolle, die England in der Marokkoaffäre gespielt hat, abgeben wird. Diese Un- geduld ist leicht erklärlich. Heißt es doch, daß England in den letzten Monaten nicht weniger als dreimal u n m i t t e l- bar vor einem Kriege mit Deutschland ge- standen habe. Zuerst soll der Krieg im Juli gedroht haben, dann im August während des Eisenbahnerstreiks und schließ- lich wieder im September. Außer diesen Angaben der berufs- mäßigen Geheimniskrämer zirkulieren noch die Geschichten interessierter Heeres- und Flottenpatrioten, die natürlich auch alle aus„eingeweihten Kreisen" stammen. Es wäre müßig, darüber zu spekulieren, was an diesen Gerüchten und Geschichten wahr ist. Die ausgestreuten Behauptungen und Gegenbehauptungen haben zu einer solchen Konfusion ge- führt, daß die Regierung in ihrem eigenen Interesse sofort eine Aufklärung geben muß. Daß dieser dichte Nebel, der die auswärtigen Angelegen- heiten des Landes umschleiert, ein geeignetes Milieu für die sich einander bekämpfenden Heeres- und Flottenschulen ab- gibt, ist selbstverständlich. Von diesem Gesichtspunkte aus muß auch die Geschichte betrachtet werden, die der Haupt- mann F a b e r in die Welt gesetzt hat und die weite Verbrei- tung gefunden hat. Dieser Artillerieoffizier, ein Mitglied des Unterhauses, griff vor einigen Tagen in einer Rede das bisher von der Admiralität befolgte System an. Er be- hauptete, von der höchsten Autorität vernommen zu haben, daß die englische Flotte während der Krise im Juli nicht kampfbereit gewesen sei, daß sie sich während des kritischen Augenblicks in drei Teile gespaltet, an weit auseinander liegenden Punkten befunden habe und so der Zerstörung durch die deutsche Hochseeflotte ausgesetzt gewesen sei, daß man m England nicht gewußt habe, wo sich danials die deutsche Flotte aufgehalten habe und daß das Heer im Gegensatz zu der Flotte auf dem Posten gewesen sei. Der„Daily Telegraph" behauptet nun heute mit noch größerer Bestimmtheit, daß die Angaben des Hauptmanns irreführend seien. Was sich wirklich zugetragen habe, sei folgendes: Als es schien, als könnte sich die französische Regierung jeden Augenblick für den Krieg erklären, habe der Feldmarschall Sir William Nicholson einen Plan entworfen, nach dem im Kriegsfalle das ganze Expeditionsheer zur Unterstützung Frank» r e i ch s nach dem Festlande zu schicken sei. Gegen diesen Plan, der das Land von geschulten Truppen entblößen würde, habe die Admiralität Einspruch erhoben. Das Kabinett sei sich auch in bezug auf eine derartige mili- tärische Unterstützung Frankreichs nicht einig gewesen; das habe die Flottenmänner bestimmt, ihr Veto einzulegen. Man wird aus dieser gedrängten Schilderung sogleich ent- nehinen, daß es sich um den alten Streit zwischen der Flotten- schule und der Heeresschule handelt. Die militärischen Befiir- worter der allgemeinen Wehrpflicht wollen an einem Beispiel beweisen, daß eine starke Flotte allein nicht genüge, um das Land unter allen Umständen zu schlitzen. Unter diesem Streits zwischen dem Heere und der Flotte verbirgt sich in England der Gegensatz zwischen den imperia- listischen und demokratischen Bolkselementen. Deshalb blicken auch die friedliebenden Linksliberalen mit solchem Argwohn auf die englisch-französische Entente. Sie befürchten— und das mit Recht— von dieser neuen kontinentasen Politik eine Stärkung des Militarismus. Denn wenn sich England wirklich verpflichtet hat, wie französische Blätter behaupten, Frankreich im Kriegsfalle durch Militär zu unterstützen, so haben die Militaristen mit ihrer Forde- rung der allgemeinen Wehrpflicht ein leichtes Spiel. Ihre linksliberalen Anhänger hat die Regierung in den letzten Jahren mit ihrer auswärtigen Politik auf eine harte Probe gestellt. Heute scheinen es diese Leute jedoch satt zu baben, den französischen Spekulanten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Sie verlangen nachdrücklich Aufklärung über die Verpflichtungen, die die französische Freundschaft dem Lande auferlegt, Mitbestimmung der Volksver- treter in derauSwärtigenPolitik und eine An- Näherung an Teutschland. Ob sie den Mut finden werden. für die Resolution zu stimmen, die das bekannte irische Parlamentsmitglied Dil lon eingereicht hat, ist zweifelhaft; jedenfalls aber drückt Dillon ihre Gedanken und Gefühle aus. Die Resolution lautet: „Tie Miiteilungen, die diesem Hause vom Auswärtigen Amte gemacht worden sind, sind gänzlich unzulänglich, um es dem Hause zu gestatten, sich über folgende Punkte ein wohlgegründetcs Urteil zu bilden: s) Die Ursachen, die die Regierung veranlaßten, die französische Regierung in ihrem letzten Angriff auf Marokko zu unterstützen. b) Die � Natur und das Maß der Verpflichtungen, durch die dieses Land an Frankreich in bezug auf die Angelegen- heiten Marokkos gebunden ist. c) Die Ursachen, die zu der letzten akuten Spannung zwischen diesem Lande und Deutschland führten, und der Zweck.des Krieges, zwischen den beiden Ländern, der, wie eS schien, im Juli dieses Jahres auszubrechen drohte. 3) Die Auslegung, die die Regierung den Bestimmungen des englisch-rus fischen Abkommens gibt in bezug auf die Anwendung auf P e r s i e n und auf die spätere offizielle Mitteilung, die der persischen Regierung von dem britischen Gesandten in Teheran gemacht Worden ist; die gegenwärtige Stellung der Regieruirg angesichts des russischen Ultimatums an Persien und des drohenden Einfalls in das nördliche Perjien durch russische Truppem Dieses Haus ersucht die Regierung, dem Hause ohne Verzug volle Information über die oben genannten Angelegenheiten zu geben, und wünscht ferner seiner Meinung Ausdruck zu geben, daß das Unterhaus und das Volk des Bereinigten Königreichs in Zukunft viel ausführlichere Information über die auswärtige Politik erhalten sollte, als die Regierung während der letzten zehn Jahre veröffentlicht hat." Allgemein sieht man den kommenden parlamentarischen Verhandlungen mit großer Spannung entgegen. Man er- wartet von der Debatte eine Klärung der Situation, eine Befreiung von dein unerträglichen Druck der Ungewißheit. Vielleicht wird die Regierung zum Entschluß kommen, daß die kontinentale Politik, die sie von ihren Vor- gängern vererbt und die ihren Gegnern zu Hause so vorteilhaft ist. ihre Nützlichkeit überlebt hat. Das englischeVolkwürdejedenfalls ein besseres Einvernehmen mit Deutschlaitd beglück- wünschen. Nichts deutet mehr darauf hin als die Ruhe und Würde, mit der sich das englische Volk in den letzten Wochen angesichts der Hetzereien deutscher Chauvinisten auf- geführt hat,__ Der Krieg. Neue Scharmützel. Tripolis, 21. November.(Meldung der Agenzia Stefani.y Gestern morgen gegen 8 Uhr räumten die Geniesoldaten unter dem Schutze einer Abteilung des ersten Grcnadierregimenis das Schuß- feld auf der Ostseite. Ein Leutnant, der den Aufklärungsdienst per- sah, bemerkte eine Gruppe lagernder Araber, auf die zuerst ein Feuer eröffnet, später aber mit dem Bajonett vorgegangen wurde. Tie Araber entflohen und hinterließen neun Tote. Die Verletzten nahmen sie mit sich. Gegen 11 Uhr eröffneten die Türken und Araber gegen das zweite Grenadierregiment auf derselben Ostfront ein lebhaftes Gcwehrfeuer, das die Italiener mit Gewehr- und Mitrailleusen- feuer beantworteten, während eine Sektion Artillerie ein vor der italienischen Linie stehendes Haus zerstörte. Auf derselben Seite eröffnete der Feind am Nachmittag das Feuer auf die Grenadiere. Das erste Regiment, welches mit zwei Abteilungen einen Gegenangriff auf Front und Flanke de? Feindes machte, brachte die Araber zum Fliehen, die zwanzig Tote zurück- ließen. Fünf A er o plane, die zu Erkundungen aufgestiegen waren, brachten die Nachricht, daß sich die Lage der Feinde in den letzten Tagen wenig geändert habe. Die Flieger ließen Bomben auf das Lager der Feinde fallen, und ein Drachcnballon stellte die Wirkung ihrer Explosionen fest, die Verwirrung, Zerstörung und Brände hervorriefen. Auf ein Zeichen des Drachenballons bombardierte das Kriegsschiff„Carlo Alberto" das Zentrum der Feinde, sowie Henni. - Bei Tobruk feuerten am 18. d. M. Batterien aus zwei Schanzen auf ein arabisches Lager aus einer Entfernung von. 3800 Meter. Das Feuer aus der einen Schanze zerstörte vollständig tv.I Telegraphengebäude und eine in der Nähe liegende Verschanzung, hinter der sich die Araber anscheinend für einen Nachtangriff sammelten. Die Araber flohen, verfolgt von dem Schrapncllfcucr auch der anderen Schanze. Nach Abgabe von 44 Schuß wurde"des Feuer eingestellt. Während der Nacht und am selben Tage kam eS zu einem lebhaften Kampf bei Derna. Der Feind hatte sich unter dem Schutze der Dunkelheit genähert, wurde jedoch durch ein sehr leb- Haftes Gewehr- und Mitrailleuscnfcuer, sowie durch das der bis zu den Batterien vorgebrachten Landungsgeschütze zurückgeworfen. Von Benghasi und HomS ist nichts Neues gemeldet worden. Maßnahmen siegen die Hungersnot in Tripolis. Tripolis, 21. November.(Meldung der Agenzia Stefani.) Vis jetzt wurden 200 000 Kilogramm Getreide unter den Arabern und 07 000 Kilogramm unter den Juden verteilt. Sechs große Kessel sind für die Zubereitung und Verteilung von Reis aufgestellt wer- den. Von den 2000 Baracken, die hergestellt werden, sind bereits 600 verteilt. In der Stadt wurde der sanitäre und hygienische Dienst organisiert und ein bakteriologisch-ehcmischcs Laboratoriiiui eingerichtet. Die Straßenbeleuchtung, Straßenrcintgung und die Kehrichtabfuhr wurden geregelt, das Zivilgericht gebildet und der Notardienst wiederhergestellt. Die bei der letzten Ueberschwernmung schwer beschädigte Wasserleitung von Bumeliana wird wieder instand gesetzt.(Bis jetzt ist aber noch nicht gemeldet, daß die Italiener die Gegend von Bumiliana, aus der sie durch die Elemente und die Türken vertrieben waren, wieder besetzt hätten.) Eine türkische Sanitätsmission für Triposts. Konstantinopel, 20. November. Ter französische Botschaster hat der Pforte notifiziert, daß die französische Regierung dem türkischen Roten Halbmond unter Gewährung der nötigen Vergünstigungen gestattet habe, auf dem Wege nach Tripolis Tunis zu passieren. Das Komitee des Roten Halbmondes beschloß daraufhin, eine Sanitätsmission nach Benghasi zu senden». Die Kevolutici) In China. Juanschikai soll sich nach Meldungen Londoner Blätter siegen die Errichtung der Republik ausgesprochen haben. Nach seiner Meinung seien die konservativen Elemente in China noch verhältnismäßig stark, so daß nach der gcwalt- samen Einfiihrilng der Republik eine gefährliche Konter- rcvolntioit mit jahrelangem Bürgerkriege zu befürchten fei. Juaiischikai soll aber für die Entfernung des Hofes aus Peking sein, bis die Verfassimgsfrage entschieden ist. Neben der Versa ssnngsregelung hat Jnanschikai auch einen schweren Stand, den finanziellen Nöten der Regierung abzuhelfen. Die Provinzzvlle. die zur Deckung der an die Mächte zu zahlenden Entschädigungen für die Niederwerfung des Boxeraufstandes bestimmt sind, gehen infolge der Revolution nicht mehr ein. und auch die Zahlung der Zinsen für die Staatsanleihen geraten ins Stocken. Sehr bedenklich ist, daß jetzt auch die Fremden in die revolutionären Wirren hineingezogen werden. Von den Ein- mischnngsabsichten der Vereinigten Staaten und Japans ist 'chon berichtet worden. Diese E i n m i s ch u n g s g e f a h r wird aber bedeutend vermehrt durch die heute vorliegenden Meldungen von Fremdenmassakres. Man darf hier- ■i nicht vergessen, daß die modernen, sremdenfreundlicheu Idee»» nur bei der führenden revolutionären Oberschicht, den Intellektuellen. Offizieren und dergleichen zu finden sind. während die großen Massen des chinesischen Volkes ihre Wirt- schaftliche Notlage und ihre Politische Rechtlosigkeit nicht allein auf die Mandschus, sondern auch auf die Fremden, die Ver- treter und Sendboten des internationalen Kapitals, zurück- führen. Dazu kommen religiöse Momente und der alte Fremdenhaß. Die trüben Erfahrungen urit den Europäern während des Boxeraufstandes sind noch in frischem Gedächtnis. Die Führer der Revolution werden daher nicht überall in der Lage sein, die Massen von Ausschreitungen gegen die Fremden zurückzuhalten. Differenzen zwischen Juantschikai und der National- Versammlung. Peking, 21. November. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Nationalversammlung und I u a n s ch i k a i sind im Zunehmen begriffen. Juan- schikai hat die Nationalversammlung noch nicht besucht. Seine Kaisertreue ist außer Zweifel; er scheint sich allein dem Thron gegenüber verantwortlich zu fühlen. Entgegen der gegen die Weiter- führung der Feindseligkeiten gerichteten Entscheidung des Parla- ments rückt die erste Brigade der Mandschus heute nach dem Süden ab. Die Nationalversammlung hat ihre Zustimmung zu einer geplanten Konferenz von Provinzialvertretern gegeben, die über die Frage Monarchie oder Republik entscheiden soll. Sie bietet Garantien für die Sicherheit des Hofes, erklärt aber, sie könne keine Pension bewilligen. Tie Revolutionäre für die sinanziellen Verpflichtungen an das Ausland. Peking, 21. November. Die Aufständischen der Provinz Schansi stimmen dem Plane zu, daß Juanschikai Präsident der Republik werden soll, verlangen aber, daß er die Manschus verlasse.— Das von den Ausständischen eingesetzte Auswärtige Amt hat den Konsuln mitgeteilt, daß 14 Provinzen auf der Konferenz in Wutschang ver- treten sein werden. Die republikanischen Behörden sichern die Zahlung der Kriegsentschädigung zu. sowie die der Anleihen, welche vor der Proklamierung der Republik ab- geschlossen worden sind. Das diplomatische Korps hat beschlossen, den fremden Bankiers die Wahl einer Kommission zu empfehlen, welche die Zolleinkünfte übernehmen soll, die der Generalinspektor in den auswärtigen Banken zur Zahlung der Kriegsentschädigung und der auswärtigen Anleihen deponiert. Der Generalinspektor der Zölle berichtet, daß selbst die Aufständischen in Tschangscha, die früher gegen diese Verwendung der Einkünfte waren, ihr jetzt zustimmen. Sunhatsen auf der Reise nach China. London, 21. November. Wie die Zeitungen melden, ist der Führer der Aufständischen in China, Dr. Sunyatsen, der sich zehn Tage lang heimlich in London aufgehalten hatte, gestern von hier nach China abgereist. Fremdenmassaker. Peking, 21. November. Ausländische Missionare haben hier die Nachricht hergebracht, daß bei einem Gemetzel in Hsi-an-fu (Provinz Schensi) Ende Oktober eine Anzahl von Weißen ermordet worden sei, unter anderem eine Missionarin namens Belm an n mit ihrem Kinde, ein im Dienst der chinesi- schen Post stehender Deutscher namens Henne nebst Familie und noch andere Ausländer. Die Staatsangehörigkeit der Mtsfionarin Bekmann ist noch nicht bekannt. Es sind schleunige Ermittelungen eingeleitet, um den Tatbestand festzustellen. Peking, 21. November.(Meldung des Reuterschcn Bureaus.) Die Gesandtschaften haben noch keine Maßnahmen ge- troffen; sie beraten jetzt über die Loge. Ohne ein starkes Expeditionskorps(!) kann indessen außerhalb des Bereichs der aus dem Aangtse liegenden Kanonenboote nichts getan werden. Tie meisten Gesandtschaften rieten ihren Staatsangehörigen vor drei Wochen, sich aus dem Innern des Landes zurückzuziehen; viele folgten diesem Rat jedoch nicht und andere sandten nur ihre Frauen und Kinder fort. politifcbe dcberHcbt. Berlin, den 21. November 1911. LandtagSersatzwahl im fünften Berliner Landtags- Wahlkreise. Im fünften Berliner Landtagswahlkreise hat heute für den verstorbenen sozialdemokratischen Abgeordneten Borg- inann eine Ersatzwahl stattgefunden. Gewählt wurde, wie vorauszusehen war, Genosse Julian Borchardt mit 314 Stimmen. Der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei, Stadtverordneter Goldschmidt, vereinigte nur 166 Stimmen auf sich. 15 Wahlmannsmandate wurden für ungültig erklärt._ Doch nur ein konservativer Commis. Die großen konservativen Blätter sind, so sehr auch in den Leitern der konservativen Partei der Aerger über des Kanzlers scharfe Angriffe auf die aufgeblasene kleine Majestät von Tschnnkawe kocht, ersichtlich bemüht, Herrn v. Bethmann Hollweg schonend zu behandeln und den Zwiespalt zwischen ihm und dem konservativen Generalfeldmarschall nicht zu er- weitern; denn sie wissen, daß Regierung und konservative Partei sich gegenseitig bei den bevorstehenden Reichstags- Wahlen nicht zu entbehren vermögen. So sparen sie mit einer gewissen Gelassenheit ihre Rache zu einer gelegeneren Zeit auf.' Anders die kleinen konservativen Parteiblätter in den Gegenden, in denen die konservative Partei sich des Wahl- sieges sicher fühlt. Sie riskieren zum Teil recht scharfe Worte gegen Herrn v. Bethmann Hollweg, indem sie ihm klar zu machen suchen, daß er ohne die Unterstützung der konser- vativen Partei nichts ist und nur mit deren Hilfe zu regieren vermag. So schreibt mit erfrischender Deutlichkeit die„Z e i- tung für Hinterpommern": „Auf absehbare Zeit hinaus wird ein deutscher Reichskanzler kaum ohne, die Konservativen regicrem können, nicht nur wegen ihrer einflußreichen Stellung im Reichstage und ihrer vor» herrschenden Stellung im Abgeordnetcnhause, sondern weil sie auch weitaus die meisten Stellen der preußischen > Verwaltung mit ihren Anhängern beseht haben und weil sie obendrein einen hohen Einfluß in der Armee und am Hofe besitzen. Deshalb' wird Herr v. Bethmann Hollweg zweifellos feinen Frieden mit den Konservativen machen müssen. Den Konservativen mag es un- bequem sein, daß durch die Rede des Reichskanzlers ihre Aus- sichten für die Wahlen nicht eben verbessert worden sind, aber ihre Stellung zur Regierung wird durch den Konflikt vom vorigen Freitag nur vorübergehend verändert werden." Das Blatt vergleicht. dann die bevorstehenden Reichstags- Wahlen mit dPi bayerischen Landtagswahlen und fährt fort: „Wenn schon die preußische Regierung, falls sie Wahlen gegen die Konservativen machen wollte, den größten Teil der ihr unterstellten Land.räte gegen sich hätte, so hat natürlich die bayerische Regierung, wenn sie gegen das Zentrum Wahlen machen will, die ganze katholische Geistlichkeit erst recht gegen sich. Die katholische Geistlichkeit aber ist in den ländlichen bayerischen Wahlbezirken in demselben Maße der W a h l m a ch e r wie der Landrat in den preußischen länd- lichen Bezirken." Wir sind ganz mit diesen Auffassungen des Junker- blattes einverstanden, nicht nur, was es über die Abhängig- keit der Regierung von den Landräten, dem Hof und der Armee das heißt dem Offizierskorps sagt, sondern auch mit der Ansicht, daß in den preußischen ländlichen Bezirken die Landrate, in den bayerischen Bezirken die katholischen Geist- lichen die Wahlmacher sind. Mag Herr v. Bethmann Hollweg sich immerhin zeitweilig einbilden, als parteiloser Minister über den Parteien schweben zu können, die Konservativen werden ihm bald drastisch die Erkenntnis einpauken, daß es so etwas in Preußen-Deutschland noch weniger gibt, als anderswo, und vorerst der Reichskanzler, genau wie jeder andere preußische Ressortminister, nichts anderes sein kann. als eiii gefügiger Vertreter der konservativen Partei- interessen. Einige Wochen vermag vielleicht der Kaiser einen Minister durch seine Gunst gegen die Opposition der Land- rate, des �fizierkorps, der Hofleute und der Junker zu halten; aber länger kaum._ Marokkointerpellation in der sächsischen Kammer. Trcsdcn, 21. November. In der Zweiten Kammer fand heute eine Marokkointerpellation statt. Die freisinnige Fraktion hatte den Antrag eingebracht, ob und unter welchen Umständen die sächsische Regierung im Bundesratsausschuß für aus- wärtige Angelegenheiten an der Lösung der Marokkofrage mitgearbeitet habe und ob sie geneigt sei, bei der Reichsregierung einen Antrag auf Herbeiführung eines verantwortlichen Neichsminlsteriums ein- zubringen. Der Minister Graf Vitzthum von Eckstedt er- widerte, daß die sachsische Regierung im BundcSratsauSfchuß mit- gewirkt habe und daß er die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die verantwortlichen Leiter des Reiches alles getan hätten, um eine möglichst günstige Lösung herbeizuführen. Einen Antrag auf Schaffung eines verantwortlichen Reichsministeriums werde die Regierung nicht stellen, da sie der Ansicht sei, daß dadurch ein Teil der verfassungsmäßigen Rechte der Bundesstaaten absorbiert würde; auch Bismarck habe diesen Standpunkt vertreten. Mandats-Knhhandel in Rheinland-Westfalen. Wie ein balzender Auerhahn wirbt das Zentrum im Westen um die Liebe der Nationalliberalen. Es möchte gar zu gern, um die Sozialdemokratie niederzuringen, ein Wahlabkommen mit den Liberalen treffen, die es sonst nicht heftig genug als Feinde der katholischen Kirche und der christlichen Weltanschauung bekämpfen kann. Der Haß gegenüber der Sozialdemokratie beginnt alles. was die Liberalen seit der Kulturkampfzeit begangen haben, aus- zulöschen. In Dortmund ist das Zentrum sogar bereit, überhaupt auf eine Kandidatur zu verzichten, einmal um hier die Sozial- demokrotie zu Fall zu bringen und dann— denn das Zentrum tut nichts umsonst— die Liberalen für Zugeständnisse in anderen Wahlkreisen geneigt zu machen. Der ultramontane Kapdidat ist zwar schon aufgestellt, aber waS tut das? Das Zentrum opfert fein Liebstes, wenn eS sich bezahlt macht. Und so schlägt denn die„Tremonia", das Dortmunder Zentrumsblatt, vor, den Oberbürgermeister Dr. Eickhoff, der zur Fortschrittlichen Volkspartci gehört, als gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten aufzustellen. Das Blatt ist der Meinung, daß man„bis in die weiteste» Kreise, namentlich der christlich organisierten Ar- beitcrschnft. erleichtert aufatmen würde, wenn es gelänge, der roten Hydra den Kopf zu zertreten, gleich- gültig, welche Opfer dies er halbhüben wie hruben gebracht werden müsse n." Ter Abscheu gegen die Sozial- dcmokratie— so meint das Blatt— sei so groß, daß auch die über- wiegende Mehrzahl der Arbeiterschaft begreife, daß zur Nieder- werfung dieser Partei außergewöhnliche Mittel am Platze seien. Und dieses außergewöhnliche Mittel soll die Kandidatur des Dortmunder Oberbürgermeisters sein. Dr. Eickhofs— so schreibt das genairot« Zentrumsbblatt— sei in allen bürgerlichen Kreisen eine sehr populäre Persönlichkeit, er wäre vielleicht der geeignete Mann gewesen, unter gewissen Vor- auSsetzungeii die Stadt Dortmund vom roten Joch zu befreien. Und nochmals beteuert es, daß es eine„Schmach und Schande für die mächtige Industriestadt" Dortmund sei, im Reichstag durch einen Sozialdemokraten vertreten zu fein, so daß die Interessen dieses hochentwickelten Bezirks im Reichstage durch Leute vertreten feien, die von solchen Interessen absolut nichts verständen. Und in den nächsten Nummern der„Tremonia" greift eine Zuschrift..aus Arbciterkrcisen" diese Anregung auf und kommt zu dem Schluß: „Lieber jeden anderen im Reichstage als einen Sozialdemokraten. Erstcrer ist bereit, dem Arbeiter doch wenigstens cinigermaßen gerecht zu werden, die S o z i a l d em o- krarie aber übt Verrat, Verrat an den Arbeiter- interessen, Verrat an der Nation, Verrat am Volke!" Wenn man weiß, daß die führende Persönlichkeit im Dort- munder Zentrum Herr Lambert Leasing, Verleger der„Tre- monia" ist. der vor zwei Jahren von unseren Genossen aus dem Dortmunder Stadtverordnetcnkollcgium hinausgewimmelt wurde, und wenn man weiter weiß, daß in den„Arbciterkreiscn", die Herrn Lcnsing nahestehen, der bekannte Herr Gronowski die führende biolle spielt, dann wird man die Wünsche und Wut- äußerungcn der„Tremonia" zu würdigen wissen. Neugierig darf man sein was Herr Eickhoff, der Oberbürgermeister von Dortmund, zu der ihm vom Zentrum zugedachten Rolle als Sammelkandidat gegen die Sozialdemokratie zu sagen hat. Nachträgliches zu den hessischen LandtagSwahlen. Nach dem amtlichen Wahlergebnis der Landtagsstichwahlen in Hessen ist im Kreise Wöllstein nicht der fortschrittliche, sondern der nationalliberale Kandidat, und zwar mit acht Stimmen Mehrheit gewählt. Die Nationalliberalen erhalten somit einen Sitz mehr und bleiben die stärkste Partei in der Zweiten hessischen Kammer. Was leisten die Kolonien zur Aufnahme unseres BevölketungSiilierschusseS? Von unseren Kolonialschwärmern wird immer und immer wieder darauf hingewiesen, daß daS Deutsche Reich sich schon darum nach Besitz in frcuidcii Erdicilcn imitun müsse, weil es für seine überschüssige Bevöltcrimg ein Äbflußbecken haben müsse. Auch in den Debatten zur Marolkofrage trat diese Auffassung mehrfach zutage. Waö hat es nun zunächst mit diesem„BevölkerungSüberschuß" auf sich? Die natürliche Bevölkerungszunahme in Deutschland betrug in den letzten IVJahren knapp SlX)Köpfepro Jahr. Nagegen erreichte die überseeische Answandening, in die allerdings die Zahlen der sich in die Schutzgebiete begebenden Personen nicht mit einbegriffen sind, durchschnittlich noch nicht die Höhe von 28 000 Personen. Sie geht außerdem fast regelmäßig dauernd zurück. Natürlich wäre auch sür diese und noch weit mehr Personen Rani» und Enstenz im deutschen Baterlande gewesen. Werden doch jedes Jahr Hunderttausende von russischen, polnischen, galizischen. italieni- schen Saisonarbeitern nach Deutschland gezogen und finden dort Beichäftigung und Brot. Der natürliche Zmvachs reicht also nicht einmal anS. den Bedarf an Arbeitskräften im eigenen Lande zu ge- wisien Zeilen zu befriedigen. Die derzeitige Auswanderung ist dem- noch keineswegs nationalwirtschastlich bedingt, sondern entspringt individuelleii Gründen. Von diesem Answandererstrome stießt der weitaus größte Teil nach Amerika. Nach de» Feststellungen des Statistischen Amtes wandten sich von den 26 631 Auswanderern des JahreS ILIO 19 703 nach den Vereinigten Staaten, 334 nach Brasilien und 474 nach dem übrigen Amerika. Nach Großbritannien gingen 1383, nach Australien 106, nach Afrika 133. Leider liegen über die Zahl der sich in die Kolonien begebenden Personen keine Angaben vor. Doch ist diese außerordentlich gering. Die dentschen Auswanderer ziehen eS eben vor. statt sich in die Wildnisse und Sümpfe unserer Schutzgebiete zu begeben, wirtschaftlich und kulturell erschlossene Länder aufzusuchen. Im ganzen befanden sich am 1. Januar 1910 ansässige Deutsche(also ohne Schutztruppen) in den einzelnen Schutzgebieten: in Ostafnka 2703, in Kamerun 1132, in Togo 337, in Südwestafrika 10 226, in den Karolinen und Marianen 150, in Samoa 292 und in Kiautschou 3803, zusammen 13 646. Das ist jedenfalls nur ein verschwindend kleines Häuslern im Vergleich zu den 11843 000 Deutschen, die 1004(dem letzten Jahre, über daS Angaben vorliegen), sich in überseeischen Gebieten befanden. Es fielen davon auf Amerika 11 035 000(davon zirka 10 Millionen in den Vereinigten Staaten), ans Asien 90 000, Australien 118 000 (davon 400 in deutschen Kolonien), auf Afrika 677 000(davon 666 000 in Britisch-Südafrika gegen damals 6000 und heute 11 600 in deutschen Schutzgebieten!). Daraus erhellt sonnenklar: 1. daß unsere Kolonien für unseren BevölkerungSüberschuß, soweit man von einem solchen zurzeit über- Haupt reden kann, gar nicht in Betracht kommen im Vergleich zu den unter englischer und amerikanischer Oberhoheit stehenden Ge- bieten und 2. daß wir für den Schutz der Deutschen im Ausland nichts Besseres tun können, als mit England und Amerika mög- lichst friedliche und freundschaftliche Verhältnisse aufrecht zu er- halten._ Zwei Versammlungsverbote aufgehoben. Am 18. Juni 1911 fand in dem ostpreußischen Fischeridörf Zimmerbude eine- sozialdemokratische Versammlung unier freiem Himmel statt, die erste in jener Gegend. Eine zweite Versamm- lung wurde vom Amtsvorsteher verboten, weil„der Verlauf der ersten Versammlung Ruhestörungen und Verkehrsbeschränkungen befüechten lasse, die im Interesse der Aufrechterhaltung der Ord- nung vermieden werden müssen." Diese durch keine Gcsetzeskenntnis beschwerte Begründung wurde auf die erhobene Beschwerde vom Landrat des Kreises Fisch- hausen dahin erläutert, daß bei der ersten Versammlung zahlreiche Personen unter 18 Jahren die Reden vom Nachbargrundstück mit angehört und sich außerdem mehrere Zuhörer auf den an dem Grundstück vorbeiführenden Wegen aufgehalten hätten. Der Amts- Vorsteher befürchte auch jetzt dasselbe und erblicke darin eine Ge- fahr für die öffentliche Sicherheit. Aus Eigenem fügte der Landrat noch Hinzu, es liege im Hin- blick auf die anhaltende Hitze und Trockenheit überdies die Gefahr vor. daß infolge der zu erwartenden Menschenansammlungen leicht Feuer entstehen könne. In ähnlich„loyaler" Weife legte der Amtsvorstcher in Kalgcn(Landkreis Königsberg) das Bereinsgesetz aus. Er verbot eine Versammlung unter freiem Himmel mit folgender Begründung: „Die beim Zusammenströmen einer größeren Mcnschcnmassc, wobei erfahrungsgemäß, zumal— wenn sie an einem Sonntage stattfindet, die Beteiligung auch angotrunkener Elemente zu be- sorgen ist, jedenfalls bestehende Gefahr für die öffentliche Sicher- heit kann bei ihrem Eintritt durch die auf dem Lande nur in beschränkter Anzahl zu Gebote stehenden Sicherhcitsbeamten nicht hinreichend abgewehrt werden." Dieser mit der deutschen Sprache ebenso gut wie im Vereins- gcfetz bewanderte Amtsvorsteher wurde ebenfalls durch den Herrn Landrat unterstützt. Dieser hielt nämlich das Verbot deshalb für berechtigt, weil: „Die Anbängerschaft der sozialdemokratischen Pavtei auf dem Lande gegenüber den Städten noch eine geringere ist, und daß daher zum Zivecke der von der Sozialdemokratie erstrebten Ver- mchrung der Anihängerschaft eine werbende Tätigkeit auf dem Lande entfaltet wird, die ihrerseits wiederum im wesentlichen auf besonderer Betonung, Uebcrtrcibung und Verallgemeinerung aller Mißstände beruht, wodurch im besonderen Maße lln- zufriodenhcit und Verbitterung in die Bevölkerung hineingetragen und in ihr genährt wivd." Auf die erbobenen Beschwerden hat der Regierungspräsident zu Königsberg jetzt beide Verbote aufgehoben. Auf die Gründe seiner„nachgeordneten" Stellen ist er nicht näher eingegangen das klügste war er tun konnje. England Fragen der auswärtigen Politik im Unterhause. London, 21. November. Unterhaus. Abgeordneter Graf von Ronaldshay(Unionist) fragte, ob derzwischen England und Frankreich im Jahre 1904 abgeschlossene Vertrag zwei geheime Klauseln enthalten habe, denen zufolge einmal Frankreich feine Zustimmung zur Aufhebung der Kapitulationen in A e g y p- ten geben solle, wann immer Großbritannien mit den anderen davon berührten Mächten in Unterhandlungen treten sollte, und durch die ferner eine Zone im Norden von Marokko festgelegt werde, die von Larrasch nach der atlantischen Küste laufe und innerhalb welcher eine Aktion Frankreichs ähnlichen Beschrän- kungen unterworfen sein solle, wie sie an der Mittelmeerküste gegenüber Gibraltar in Gebrauch wären. Sir-Edward Grey er- widerte: Der englisch-französischen Deklaration vom Jahre 1904 sind gewisse nicht veröffentlichte Artikel hinzugefügt worden. Sie sind als Hilfsbestimmungen zu den veröffentlichten Artikeln von Wichtigkeit und werden jetzt dem Parlament vorgelegt werden. Der Abgeordnete Charles Duncan(Arbeiterpartei) fragte Sir Edward Grey, ob unter den bestehenden Verträgen Groß- britanniens Zustimmung erforderlich sei, bevor die Türkei in eine Abtretung von Tripolis an Italien willigen könne. Grey erwiderte, die Verpflichtungen, die Großbritannien in Ver» bindung mit anderen Mächten dem ottomanischen Reiche gegenüber übernommen hat. sind in Artikel 7 des Pariser Vertrages von 1863 niedergelegt und durch den Artikel 33 des Berliner Vertrages von 1878 bestätigt worden. Die Wirkung, welche diesen Verträgen in bezug auf den Besitz von Tripolis zukommt, muß noch von den be» teiligten Mächten klargestellt werde», und ehe eine Diskussion darüber stattgefunden hat, kann ich nichts sagen, auf welche Ansicht man sich einigen wird, GewerfefcbaftUcbca. Berlin und Omgegcnd« Offener Kampf in der Damenkonfektion. Der Verband der Damen- und Mädchenmäntelfabrikanten hält trotz aller Gegenbeweise an der Auffassung fest, datz in dieser Branche ein Tarifvertrag technisch unmöglich sei. Wie den Organi- sationen der Zwischenmeister und Arbeitnehmer in einem Schreiben vom IS. November mitgeteilt wurde, hat sich auch die am selben Tage abgehaltene Mitgliederversammlung des Fabrikantenver- bandes auf diesen Standpunkt gestellt und demgemäß VerHand- lungen über den Tarisentwurf abgelehnt. Es heißt in der dort angenommenen Resolution weiter: „Die Mitglieder des Verbandes stehen in dieser Hinsicht ge- schlössen hinter dem Ausschuß, sind aber ebenso übereinstimmend bereit, in bindender Form die Löhne in der Heimarbeit aufzubessern, wenn und soweit dies nötig ist, und unter der Voraussetzung, daß diese Abmachungen so getroffen werden, datz die Lohnerhöhungen den Heimarbeiterinnen auch tatsächlich m i t zugute kommen." Die Fabrikanten erklären sich dann in ihrem Schreiben unter den erwähnten Voraussetzungen zu weiteren Verhandlungen bereit, und bemerken noch, daß, wenn die Gegenpartei die Verhandlungen ablehne, ihr allein die Verantwortung für die sich etwa ergebenden Folgen überlassen bleibe.— Durch dergleichen, Redensarten wird man sich auf feiten der Arbeiter und Meister schwerlich ins Bockshorn jagen lassen. Das Versprechen von Lohnerhöhungen in„bindender Form",„wenn und soweit es nötig ist", kann keinen befriedigen, der mit den Ver- Hältnissen vertraut ist. Wie eine solche Form gefunden werden soll, ohne einen Tarifvertrag abzuschließen, ist jedenfalls ein Geheimnis der Konfektionäre. Offenbar ist das Ganze nur darauf gerichtet. der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen und vielleicht auch die Heimarbeiterinnen zu täuschen, soweit diese noch unwissend und unerfahren genug sind, an dergleichen leere Versprechungen zu glauben. Die vereinigten Kommissionen der Meister und Arbeitnehmer der Damenkonfektion haben sich gestern abend mit dem Schreiben und der Resolution der Konfektionäre beschäftigt und, wie wir er- fahren, herrschte in ihrer Sitzung einstimmig die Auffassung, datz auf das Angabot der Konfektionäre gar nichts zu geben ist und daß unter allen Ilmständen an der Forderung der tariflichen Rege- lung festgehalten werden muß, wenn überhaupt eine Besserung der Verhältnisse erzielt werden soll.— Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die aus den heutigen Vormittag einberufene Versammlung der Damenkonfektion zu derselben Auffassung kommen und dem- gemäß beschließen wird, den Kampf aufzunehmen, da ja offenbar kein anderes Mittel übrig bleibt, das gesteckte Ziel zu erreichen. A»S der Handlungsgehilfenbewegung. Eine Auseinandersetzung zwischen dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und dem Bund der kaufmännischen Angestellten fand statt in einer von der erstgenannten Organisation ein- berufenen öffentlichen Versammlung kaufmännischer Angestellter, die am Montag in der Neuen Philharmonie tagte.— Der Referent, Martin Meyer vom Zentralverband, erörterte die Prinzipien der modernen Gewerkschaftsbewegung und zeigte, daß diese für die kaufmännischen Angestellten ebenso notwendig ist wie für die Arbeiter und mit denselben Mitteln durchgeführt werden muß. mit denen die Arbeiter ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen ver- bessern. In dieser Weise habe der Zentralverband gearbeitet und habe, gestützt auf die Solidarität der Arbeiterschaft, gute Erfolge erzielt. Wer von den kaufmännischen Angestellten die bezeichneten gewerkschaftlichen Grundlagen und Kampfmittel für die richtigen halte, der müsse sich dem Zentralverbande anschließen. Aus diesen Gründen müsse die kürzlich durch den Bund der technisch- industriellen Beamten betriebene Gründung des Bundes der kauf- männischen Angestellten bezeichnet werden als eine Zersplitterung der gewerkschaftlichen Organisation und als eine schwere Schädi- gung der Interessen der kaufmännischen Angestellten. Der Bund könne keine Erfolge für seine Mitglieder erzielen, weil er nicht mit denselben Mitteln kämpfen könne wie der Zentralverband und weil er sich nicht auf die Solidarität der Arbeiterschaft stützen könne, denn die Masse der Arbeiter stehe nicht hinter ihm. K u t t n e r. Redakteur des Organs des Bundes, erklärte sich mit den theoretischen Ausführungen des Referenten einverstanden und behauptete, auch der Bund wolle dieselben Mittel anwenden wie der Verband. In bezug auf den gewerkschaftlichen Gedanken bestehe keine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Organi- sationen. Ter Bund werde von der„Handlungsgehilfen-Zeitung" mit Unrecht angegriffen. Der Bund denke nicht daran, die Angestellten und die Arbeiter auseinanderzuhetzen. Er wolle mit der Arbeiterschaft in einem ebenso guten Verhältnis stehen wie der Bund der technisch-industriellen Beamten. Dem Zentralverbande sei eS doch nur in beschränktem Maße gelungen, die kaufmännischen Angestellten, besonders die in den Industriebetrieben, zu organi- sieren. Ter Bund dagegen habe in den wenigen Monaten seines Bestehens, weil er auf einer anderen Basis arbeite wie der Zentral- verband, größer« Erfolge gehabt als der Zentralverband in vielen Jabren. Diese Erfolge dürfe man doch dem Bunde nicht übel nehi.«n. Ter Bund wolle dem Verbände keine Konkurrenz machen, sondern nur da arbeiten, wo es dem Verbände nicht gelungen sei, Boden zu gewinnen. Wir pfeifen darauf, wenn Sie vom Zentral- verband sagen, die Arbeiter hätten sich für Sie in die Schanzen geschlagen. Wir wollen nicht, daß sich andere für uns in die Schanzen schlagen. Wir wollen die Angestellten so erziehen, daß sie den Mut haben, selbst für ihre Interessen zu kämpfen. Nachdem mehrere Redner von beiden Seiten im Sinne der Vorredner gesprochen hatten, vertrat Meyer in seinem Schlußwort nochmals den Standpunkt des Zentralverbandes. Er betonte, daß mit der Gründung des Bundes, selbst wenn sie in gutem Glauben geschehen sein sollte, der Sache der Angestellten kein Dienst ge- leistet worden sei. Die Gründung sei und bleibe eine Zersplitte- rung der Organisation. Wenn Herr Kuttncr darauf pfeife, daß die Arbeiter hinter dem Zentralverband stehen, so beweise das eine Unkenntnis der Verhältnisse. Der Zcntralverband sei stolz auf die Solidarität der Arbeiter, der er Erfolge veroanke. Wenn der Bund mit denselben Mitteln kämpfen wolle wie der Verband, dann wäre das einzig Richtige, die längst bestehende Organisation, den Zentralvcrband. zu stärken, anstatt durch Neugründung die Be- wcgung zu schädigen. Wenn der Bund sogar da einzudringen suche. wo der Zcntralverband festen Fuß gefaßt habe, dann sei das geradezu ein Verrat an den Interessen der Angestellten. Wenn der Bund ehrlich sein wolle, dann dürfe er wenigstens die An- gestellten im Handelsgewerbe nicht aufnehmen, ebensowenig wie der Zcntralverband Techniker aufnehme. Die Versammlung war— nach dem den beiderseitigen Rednern gespendeten Beifall zu schließen— ungefähr zu gleichen Teilen von Anhängern beider Organisationen besucht. Abgesehen von Beifallskundgebungen und gelegentlichen Zwischenrufen ver- lief die Versammlung anfangs ruhig und sachlich. Als aber der Referent in seinem Schlußwort das Verhalten des Bundes unter Bezugnahme auf bestimmte Vorgänge als die Allgemeinheit Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: schädigend bezeichnete, erhob sich unter den Anhängern deS Bundes ein derartiger Tumult, daß der Redner erst nach wiederholten Unterbrechungen weiter sprechen konnte.— Schließlich erhielt Herr Kuttner noch das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. Er sagte, seine Aeußerung über die Solidarität der Arbeiter sei falsch ver- standen worden. Nicht auf die Solidarität der Arbeiter pfeife er, sondern auf die gewerkschaftlichen Erfolge, die nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Hilfe anderer erlangt werden. Zur Tarifbelvegung in der Stapelkonfektion. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Zwischenmeister der Herren- und Stapelkonfektion beschäftigte sich am Montag zunächst mit der Frage, wie die mit den einzelnen Geschäften ge- troffenen Vereinbarungen über die Lohner- höhung gehalten werden. Es handelt sich hierbei um die prozentualen Zuschläge, die die Konfektionäre sich verpflichtet haben, vom 1. Novcniber zu zahlen, bis am 1. Januav 1912 der Tarif in Kraft tritt. In der Versammlung wurde festgestellt, daß mit Aus- nähme einzelner weniger Geschäfte die Zuschläge gezahlt werden. Als ein Geschäft, das sich mit allerlei Ausflüchten um die Zuschläge herumzudrücken sucht, wurde die Finna Hey mann u. Co. ge- nannt. Es ist auch bereits von den Vertretern des Schneiderver- bandes wie der Zwischenmeister mit den Firmcninhabcrn über die Sache verhandelt worden,, aber bis jetzt ohne den gewünschten Er- folg. Jedenfalls wird es aber der Firma Hcymann u. Co. ebenso gut wie anderen noch klar werden, daß sie den Abmachungen ent- sprechend zu handeln haben.— Sodann wurde über die gemeinsam mit der Kommission der Gesellen ausgearbeitete Tarifvor- läge berichtet, nach der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Betrieben der Zwischenmeister geregelt werden sollen. Die wichtigsten Bestimmungen der Vorlage besagen: Die tägliche Arbeitszeit beträgt 19 Stunden, ausschließlich der Pausen. Die Mindestlöhne sind wie folgt festgesetzt: für erste Bügler 38 Mk., zweite Bügler 24 Mk., erste Stepper 49 Mk., zweite Stepper 36 Mk., Taschenmacher 34 Mk., Futtcrmacher 28 Mk., Futtcrmacherinncn 24 Mk., erste Handnäher 39 Mk., zweite Handnäher 24 Mk., Hand- Näherinnen 26 Mk., Ausfertigerinncn 17 Mk. Lehrmädchen können nach Uebereinkunft entlohnt werden, nach sechsmonatiger Tätig- keit tritt jedoch auch für sie der Minimallohn in Kraft, lieber- stunden bis 19 Uhr abends werden mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt, jedoch dürfen innerhalb einer Woche nicht mehr als drei lieber- stunden gemacht werden. Ueberzeitarbcit nach 19 Uhr sowie Sonn- tagsarbeit ist nicht gestattet. Wo Pensumarbeit besteht, wird sie beibehalten, jedoch werden pro Tag 3 Sakkos oder 2 Paletots weniger gemacht. Bisher gezahlt« höhere Löhne dürfen nicht ge- kürzt werden und unier dem Tarif darf nicht gezahlt werden. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Tarifvertrag ist die Bil- dung eines Schiedsgerichts vorgesehen, und wie in solcben Fällen verfahren werden soll, ist ebenfalls genau festgelegt. Der Tarif- vertrag soll am 1. Januar 1912 in Kraft treten, also zur gleichen Zeit wie der mit den Konfektionären abgeschlossene Tarif der Zwischenmeister, und bis zum 31. Dezember 1914 Geltung haben. An den Bericht schloß sich eine sehr lebhafte Debatte, die bis nach Mitternacht dauerte und damit endete, daß der Tarif mit starker Mehrheit gutgeheißen wurde. Zur Zigarrenarbeiterbewegung. Man versucht gegenwärtig das Publikum zu täuschen durch Aushang von„grünen Plakaten", die von Unternehmerseite herausgegeben sind. Auf der anderen Seite geht die Polizei den eckten Verbandsplakaten zu Leibe. Aus allen Zigarrenläden, wo das grüne Plakat der Tabakarbciter am Schaufenster hing, ist dasselbe ver- bannt worden durch Machtspruch des Berliner Polizeipräsidiums. In der Tiefe des Ladens, so datz es von außen beileibe nicht sichtbar ist, muß das grüne Plakat nun seine Tage verbringen.— Welch ein Erfolg! Man wird sich aber täuschen. Wir kennen die Bor- liner Bevölkerung zu gut dahin, daß sie nun erst recht nach den grünen Plakaten fragt. Und man wird sie erst recht nicht täuschen können mit Falsifikaten. Immer und immer mehr wird das rauchende Publikum nach den grünen Plakaten fragen, die unter- zeichnet sind mit dem Namen des Vertrauensmannes von Groß- Berlin: Alwin Schulze. Arbeiter, Raucher! Durchkreuzt die Machenschaften unserer Gegner, fragt nach den grünen Plakaten des Deutschen Tabakarbeite rwerban des. Beachtet die Veröffcntlichun- gen im„Vorwärts"! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. veutfches Reich« Zum Kampf im deutschen Steindruckgewerbe. Ueber den gegenwärtigen Stand dieser Bewegung ist zu be- richten, daß die Situation für die Arbeiterschaft günstig steht und die Haltung der ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen eine musterhafte ist. Die Unternehmerpresse sucht dieses freilich hinweg- zuleugnen und ihre Situation als günstig hinzustellen. Die ver- zweifeltsten Mittel werden angewandt, um Streikbrecher zu be- kommen. Nicht nur allein in Deutschland, sondern auch ini Aus- land sind Agenten in fieberhafter Tätigkeit, außerdem erscheinen selbst in den kleinsten Käseblättchen große Annoncen, wo Unorga- nisierte fN.-V.) gesucht werden. Auch mit Angehörigen anderer Be- rufe lMalern. Anstreichern usw.) will man sich bchelfen. Obgleich den Streikbrechern die höchsten Löhne gezahlt werden, ist die Zahl dieser angeworbenen Rausreißer sehr gering. Vom Schutzverband deutscher Steindruckercibesitzer, mit dem dieser Kampf geführt wird, wurde versucht, diese Bewegung auszudehnen. In ganz Deutsch- land existieren rund 2699 Steindruckereien, in denen insgesamt 1b 899 Lithographen und Stcindrucker arbeiten. Dem Unternehmer- schutzvcrband gehört aber nur der zehnte Teil der deutschen Firmen an, 269, und zwar nur die Obcrscharfmacher im Gewerbe. Sie be- schäftigtcn 5223 Lithographen und Stciiidruckcrgehilfen, also etwa den dritten Teil der in Teutschland Tätigen. Ausgesperrt sind aber nur rund 4i>99 Lithographen und Steindrucker und außerdem noch zirka 1899 Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen. De- und wehmütig flehte nun der Schutzvcrband die ihm nicht angehörenden Prinzi- pale an, daß sie ihren bedrängten Kollegen zu Hilfe kommen und ebenfalls ihre Arbeiter aussperren sollten. Jedoch ist er- freulicherweise das„Pflichtgefühl" bei diesen, dem Schutz- verband nicht angehörenden Unternehmern nicht so entwickelt, als das die Scharfmacher für richtig erachten. Sie haben nicht aus- gesperrt, da sie mit ihren Arbeitern bisher immer gut in Frieden ausgekommen sind. Höchstens ein halbes Dutzend Firmen in ganz Deutschland sind ihren bedrängten Scharfmacherkollegen zu Hilfe gekommen und haben insgesamt etwa 199 Arbeitern gekündigt rcsp. sie ausgesperrt. Tagegen haben sich bis jetzt schon eine ganze An- zahl Aussperrfirmen mit ihren Arbeitern geeinigt, so daß die Zahl der Ausgesperrten nicht zu-, sondern abnimmt. Auch gehen viele Hilfsarbeiter in den Buchdruck oder in andere Gewerbe über, so daß nach Beendigung des Kampfes ein recht fühlbarer Mangel an tüchtigen und geübten Arbeitern vorhanden sein wird. Daß die Bewegung günstig steht, geht auch daraus hervor, daß vor der Bewegung 1494 Flachdruckmaschincn und 49 Rotations- Maschinen im Gange waren. Jetzt werden mit allen Schikanen nur zirka 499 Maschinen in Gang gebracht, die außer den paar Raus- reißcrn und stehen gebliebenen Oberdruckern von Lehrlingen und von den Prinzipalen selbst bedient werden, wobei auch deren Gat- tinnen und das Kontorpersonal(Kaufleute, Tippfräuleins usw.) behilflich sind. Mit allen Mitteln versucht man daher, die Kämpfenden zu beeinflussen, aus ihrer Organisation auszutreten und verspricht ihnen die höchsten Löhne und lange Kontrakte. Da- mit die Umfallenden aber einen Ersatz hätten für die vom Verband der Lithographen, Stcindrucker und verwandten Berufe bezahlte Kranken-, Invaliden- und Witwenunterstützung sollen sie„gelb" werden und in diesen gelben, im Berufe existierenden„Unter- stützungsverein" eintreten. Da aber die gelbe Farbe für viele doch sehr abschreckend ist, hat sich jetzt der Untcrnchyerschutzverband an TH.Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr u Verlagsaustaft die„VersicherungSsian? in Düsseldorf" gelvaM. Diese soll gewillt sein, Kranken-, Invaliden- und Witwenunterstützüng in gleicher Höhe wie der Verband der Lithographen, Steindruckcr und ver- wandten Berufe einzuführen. Allerdings sollen da viel höhere Bei- träge bezahlt werden. Während im Lithographenverband für diese Unterstützungsarten und-höhen der Beitrag gleichmäßig für alle Mitglieder ohne Unterschied des Alters wöchentlich 89 Pf. beträgt, sind in der Düsseldorfer Vereinsbank die Beiträge nach dem Alter gestaffelt, und zwar betragen sie wöchentlich, je nach dem Eintritts- alter, im niedrigsten Falle 1,84 M., im höchsten 4,37 M. pro Woche! Weil dieser Beitrag nun doch etwas hoch erscheint, will der Unternehmerschutzvcrband jedem Gimpel, den er einfängt, die Hälfte bezahlen, allerdings nur solange er bei einem Schutzvcr- bandsprinzipal arbeitet. Wirft ihm dieser wegen Arbeitsmangel heraus, dann kann der Arbeiter ja in seiner Arbeitslosigkeit sehen, in der er keinerlei Unterstützung erhält, wo er den vollen Beitrag hernimmt. Arbeitslosenunterstützung bekommt er nicht, denn organisiert dürfen diese Arbeiter nicht sein! Der Unten- nehmerschutzvercin fordert wohl, wie schon erwähnt, von den ihm nicht angehörenden Unternehmern strenge Solidarität, die Arbeiter aber sollen sich nicht organisieren, sondern sollen käufliche Sub- jekte sein. Alle Anstrengungen der Unternehmer(hohe Löhne von 49 bis 79 M., langjährige Kontrakte, Sparkassenguthaben, Mietcntschädi- gungen usw.), um die Ausgesperrten wankelmütig zu machen, sind bis jetzt erfolglos geblieben, und auch dieses Mittel der Werbung für die Düsseldorfer Vereinsbank wird nicht ziehen. Im Gegen- teil sieht die Arbeiterschaft an dieser Freigebigkeit der Unternehmer, daß ihre Forderungen bescheiden und sehr wohl erfüllbar sind, und daß es nur böser Wille und Hartnäckigkeit ist, wenn sie die Forde- rungen nicht bewilligen. Schon im Jahre 1996 hatte die Gehilfenschaft mit diesen Ober- scharmfachern im Gewerbe einen langen Kampf zu führen. Da- mals war die Arbeiterschaft 13 Wochen ausgesperrt und 17 Wochen haben die Gehilfen in den Agriffsorten gestreikt. Beim jetzigen Kampf steht die Gehilfenschaft in Leipzig seit 8 Wochen im Streik, und zwar rund 1199 Lithographen und Steindruckcr. Als die For- dcrungcn der Leipziger Kollegen nicht bewilligt wurden, machte die Kollegenschaft in 12 Orten diese Leipziger Forderungen zu den ihrigen. Diese wurden auch nicht bewilligt, weshalb die Gehilfen dieser Städte, 1499, ebenfalls in den Streik traten, der nun 6 Wochen dauert. Tarauf erfolgte die Aussperrung, in 37 Orten rund 2999 Lithographen und Stcindrucker, die nun seit 5 Wochen andauert. Da nach dem oben Gesagten die Situation für die Arbeiter- schaft sehr günstig steht, ist sie denn auch einmütig gewillt, den un- vermeidlich gewesenen Kampf solange weiterzuführen, his die Unternehmer die Forderungen bewilligt haben. Nacfrricbtcn* Stadtverordnetcnwahlcn. Potsdam, 21. November. Die heutigen Stadtvcrordnetenwahlen endeten mit einem Siege der bürgerlichen Kandidaten. Im ersten Bezirk erhielten unsere Genossen 847 bis 869 Stimmen, während es die Gegner auf rund 1999 Stimmen brachten. Die WaWeteiligung betrug 29 Proz. Im zweiten Bezirk unterlagen unsere Genossen, au-f die 459 bis 462 Stimmen abgegeben wurden, mit etwa 199 Stimmen den bürgerlichen Kandidaten. Hier betrug die Wahl- beteiligung 32 Proz. Unsere Stimmengahl ist in beiden Bezirken erheblich gestiegen. Kössin, 21. November.(Privattelegrcimm des„Vor- wärts".) Bei den heutigen Stadtverordneten- Wahlen wurden die sozialdemokratischen 5lendidnten mit 724 bis 743 Stimmen gewählt. Tie bürgerlichen Kandidaten brachten es auf 558 bis 635 Stimmen. Die auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs. Paris, 21. November. lW. T. B.) Ministerpräsident C a i l l a u x und der Minister des Aeußercn de S e l v c s berieten heute mit der Kommission für auswärtige Angelegenheiten über das deutsch-französifche Abkommen. Caillaux erklärte aus eine Anfrage, die Kammer sei nur zur Ratifizierung des den Kongo betreffenden Teils des Abkommens be« rufen, der allein die Zustimmung deS Parlaments vom kon- stitutionellen Standpunkt aus erfordere. Auf die Anfrage, welches die-Lage Frankreichs hinsichtlich der Zone Marokkos, die Spanien reserviert sei, nach der Ratisi- kation sein werde, faßte Caillaux den Fall ins Auge, daß Spanien sich weigern würde, die Verpftichtungen zu erfüllen, die Frankreich für Spanien übernommen habe. Es würde sich dann in eine sehr viel schlechtere Lage bringen, und das sei unwahrscheinlich, oder es würde, nachdem es die franzö- fischen Verpflichtungen übernommen habe, sich weigern, sie zu erfüllen. Tann würde Frankreich nach Caillaux' Meinung, sich mit den besten Aussichten an das Haager Schiedsgericht wenden. Der Ministerpräsident drängte auf möglichst schnelle Er- lcdigung des Kongoabkommens und drohte, die Ver- trauenssrage zu stellen, wenn ein Aufschub beschlossen würde. Schwere Baunnfälle. Detmold, 21. November.(B. H.) Auf dem benachbarten Gute Wistinghausen ereignete sich heute mittag ein schweres Bau- Unglück. Ein für die Zcmentsabrikation bestimmter Neubau stürzte ein und bcdrub die zahlreiche Arbeiterschaft unter seinen Trümmern. Bisher hat iiian einen Toten und zehn Schwerverlelite geborgen. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Manen, 21. November.egter De- balle wurde e i n st i m m i g beschlossen, die Gelelllchaft ans- z» lösen und eine außergerichtliche Liauidation herbe»zufllhrrn. Zu Liquidatoren wurden Kaufmann Ricgcr von der Deutschen Treuhandgesellschaft und Banlicr UlrichS-Tuderstadt gewählt. Der gesamte Aufsichtsrat hat seine Aemter niedergelegt; cS wurde ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Zum Pariser Sittcnskandal. Paris, 21. November.(W. T. B.) Ter Direktor der Zeitimg„La Lanterne". Flachon. der der Entführung von Minderjährigen beschuldigt ist, hat sich dem Gericht gestellt. Seine Freundin Georgette Veron und ein Fräulein d'A u v e r g n e sind verhaftet worden.(Siebe auch aus„Aller Welt".)____ Paul Singer � Co., Berlin ZW. Hierzu 5 Beilagen n.vnterhaltnngSbll 9.274. 28. i. Ktilllge des Dmarts" Kerlilltl AldsItlM. Die Regierungserklärungen über die Karokkoxslitik. Nunmehr liegt der offizielle Bericht über die Sitzung der Budgetkommissiou vom 17. November vor. in dem Herr v. Kiderlen vertrauliche Aufklärungen über die deutsche Marokkopolitik gab. Was die Oeffcntlichkcit jetzt erführt, genügt noch immer nicht, um sich ein vollkommen klares Urteil über die Ereignisse zu bilden. Namentlich erscheint auch jetzt die Entsendung des„Panther" nach Agadir, die erst die Kriegsgefahr heraufbeschwor, durchaus ungerechtfertigt. Die Entwickelung seit Entsendung des„Panther" schildert Herr v. Kiderlen folgendermaßen: Deutschland habe mit der Entsendung des Kriegsschiffes tu erster Linie zum Schutze seiner Staatsangehörigen gehandelt, daneben allerdings auch durch die Entsendung in einer gewisser- maßen symptomatischen Handlung dem Vorgehen Frankreichs gegen- über das eigene gute Recht wahren wollen. Niemals aber bade die Absicht bestanden, ein Stück von Marokko zu nehmen. Dies habe er, der Staatssekretär, damals auch einem bekannten Alldeut- scheu gegenüber ganz deutlich ausgesprochen. Leider habe der be- treffende Herr es ihm nicht geglaubt. Aber auch den Mäch- ten seien die deutschen Absichten von vornherein klargelegt worden. Insbesondere sei der deutsche Botschafter in London beauftragt worden, der englischen Regierung besonders eingehend die deutschen Absichten zu begründen. An den kaiserlichen Botschafter in London sei gleichzeitig noch eine Instruktion abgegangen, wonach er hervorheben sollte: Obwohl unsere Nachrichten über die Lage der Europäer in Fez nicht mit den französischen übereingestimmt hätten, sei von uns gegen den Marsch der Franzosen nach Fez kein Einspruch erhoben worden. Es hätte sich indessen allmählich eine Situation herausgebildet, die die Be st immun gen der Algecirasakte illusorisch mache. Bei der durch die Macht der Tatsachen geschaffenen Lage sehen wir uns gezwungen, der Bitte einer Reihe namhafter Kauf- Häuser nachzukommen und die Sicherung von Leben und Eigentum deutscher Ncichsangehörigen und, Schutzgenossen in, Süden Marokkos solange selbst in die Hand zu nehmen, bis geordnete Zustände im Lande wiedergekehrt, hätten, aber keinesfalls die Absicht, Frankreich wegen seines Vorgehens irgendwelche Vorhalte zu machen. Nach Lage der Dinge könne es fraglich erscheinen, ob es Frank- reich möglich sein würde, zu dem Statusquo von 1906 zurück- zukehren. Wir seien daher eventuell bereit, mit Frankreich gemein- sam einen Weg, der auch den Jntcreffen der übrigen Signatar- inächte entspräche, zu einer endgültigen Verständigung über die Marokkofrage zu suchen. Dem Wege d i r e k- ter Verhandlungen dürften sich kaum unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellen bei den zwischen uns und Frankreich bestehenden guten Beziehungen. Der Botschafter antwortete unter dem I. Juli, daß er mittags den Auftrag ausgeführt habe. Die erwähnte Mitteilung sei also am 1. Juli der englischen Regierung überreicht worden. Die eng- tische Regierung sei danach noch vor dem Eintreffen des Schiffe? über die deutschen Absichten genau informiert worden. Nunmehr hätten die dcutsch-franziistschen Berhandlunge« eingesetzt. Gleichzeitig aber hätten die Franzosen über die deutschen Absichten die wildeste» Nachrichten in die Presse lanziert, um gegen Deutschland Stimmung zu machen. Dies habe seinen Eindruck nicht verfehlt, und insbesondere in London Mißtrauen gegen Deutschland hervorgerufen. In diesem ersten Stadium, also un- mittelbar nach Beginn der der Entsendung des deutschen Kriegs- schiffes folgenden deutsch-französischen Verhandlung sollten nach Preßnachrichten in Paris und London gewisse Strömungen für Entsendung von Kriegsschiffen nach Agadir entstanden sein. Das würde natürlich eine sehr gespannte Situation hervorgerufen haben, bei der aber Deutschland, das nur von seinem guten Rechte Gebrauch gemacht habe, eventuell der angegriffene Teil gewesen wäre. Doch sei ein solcher Schritt unterblieben, und die deutsch- französischen Verhandlungen in Gang gekommen.... Es hätte uns also in erster Linie darauf ankommen müssen, den kleines feuilleton. Totenfeier. Ein Sonett von Julius Zerfaß. Der Wind spielt lustig in den Baumalleen: Mit Farben protzt der Herbst als sei daS Leben Nicht auszuschöpfen und nicht auszugeben; Wie traumbefangen hangen schon die Schlehen. Die letzten Blumen, die nun sterben gehen Mit jenem Lächeln, das dos Licht gegeben, Ins Zauberland genannt das ew'gc Leben— Sic werden nie die Sonne wiedersehen. Und prüfst du dich bei all dem wilden Jagen lind stillen Sterben draußen auf den Auen. Ob sichP verlohnt, die Ewigkeit zu fragen— Der Schrift deS Lebens sollst du dich vertrauen, Du sollst dem Leben deine Münze schlagen Und dann dem Tod mit Lust ins Auge schauen! Der Patriot. Er stapft die Straße dahin— die Verkörperung eines gewissen TeiilschdummS— pardon: Deutschtums, das sich für das Deutschtum hält und— leider— auch vom Auslände daiür gehalten wird. Nicht weil es sich besonders auszeichnet, sondern iveil eS sich besonders bemerkbor macht und stets in Herden auftritt. Seine Gestalt ist ein Symbol des Niedergangs, den er tat- sächlich bedeutet. Die teulswe Mäniierbrust ist total heruntergerutscht — dort unten macht sie sich allerdings um so breiter. Brust rein— Bauch rau?. Kopf rund, Leib rund. Glieder rund, alles rund— nur die Bcwegliiigeu: die find eckig! Sonst: Stirn geivöhnliw, Mund gewöhnlich. Nase gewvhulich— alles gewöhnlich. Der hervorragendste Gesichtszug ist der Kneifer, der allerdings auf der fleischigen, knochenlose» Nase nicht reckit halten will. So stapft er dahin— ein Produkt von HurrachitiS und Denk- malaria— und wenn man ihn taufen könnte für da?, was er wert ist. und verkaufen für das. was er sich einbildet, wert zu sein... dam, wäre man gleich ein Großkapiialiit. Plötzlich kommt Leben in den Bauw! Dieser wackelt förmlich— so plötzlich ist fem Träger zusammengefabren I Auch die Gesichtszuge geraten in einige Bewegung, und der hervorragendste Ge- fichtszug wird mit beiden Händen fester auf die Naie gedruckt. Zugleich macht das Ganze„Halt I" und nimmt die Richtung »am einer Seilenstraße zu. Er versucht, sich in die Brust zu werfen— der Bauch läßt sich aber auf nichts ein. Um so gei paiinte späht der Palriol mit den bekneiferten Augen umher und fast scheint eS, als spitze er buchstäblich die Obren. Seine ganze Hallung erinnert zwingend an das bekannte Bild deS Hundes vor dem Phonographen: „Die Stimme deS Herrn 1" Was ist los? Aus der Seitenstraße ist das Autohupen�Signal von S. M. erklungen!— „Hurr.. vber so weit er auch spähet und blicket und so energisch er auch guten Willen der Franzosen zur Verständigung fest- zustellen, und dafür sei die Entsendung des Kriegs- schiffes der be st e Prüfstein gewesen. Hätten Frankreich und England oder Frankreich allein ebenfalls Kriegsschiffe entsandt oder auf die Abberufung des deutschen Kricgsschisss gedrungen, wie das in der chauvinistischen Presse Frankreichs verlangt worden sei, so wären wir der angegriffene Teil gewesen, und nicht an unserem guten Willen wäre dann die Verständigung gescheitert. Der Erfolg habe gezeigt, daß die deutsche Aktion von Voraus- setzungen ausgegangen sei, die sich als zutreffend erwiesen hätten. Während der auf die Entsendung des deutschen Kriegsschiffes folgenden deutsch-französischen Verhandlungen sei es nun auch zu Auseinandersetzungen mit der englischen Regierung gekommen. Auf die Mitteilungen, die der Botschafter in London bei Entsendung des Schiffes nach Agadir gemacht hatte, fei eine Anfrage von englischer Seite weder bei unserem Bot- schaftcr in London, noch in Berlin erfolgt, erst am 21. Juli habe Sir E. Grey eine Unterredung mit unserem Botschafter herbei- geführt. Die Auffassung, die Sir E. G r e y inzwischen von unserer Haltung gewonnen gehabt habe, entgegen den von unserem Bot- schafter bei Entsendung des Schiffes gegebenen Aufklärungen, hätte sich in dieser Unterredung widergespiegelt. Diese Auffassung sei hervorgerufen worden durch die Verdächtigungen, die die französische, zum Teil auch die englische Presse und wohl auch einige Beamte konsequent gegen unsere Politik erhoben hätten. Ter Minister habe den Wunsch ausgedrückt, die Marokko- frage iu nichtamtlicher Form mit ihm zu besprechen, da er seit der ersten Demarche des Botschafters nichts mehr von ihm qehSrt habe. Es dränge den Minister, die Marokkofrage jetzt wie- der zu berühren, da er fürchte, es könne ein Znstand entstehen. wo erne Stellungnahme seinerseits in der Marokkofrage von crn- sterer Bedentung sein werde, als eine vorbeugende Aussprache im jetzigen Stadium. Er habe von vornherein leinen Zweifel dar- über gelassen, daß bei einer Regelung der Marokkofrage auch Eng- land in Anbetracht der großen ökonomischen Interessen, die es dort vertrete, mtt beteiligt sein müsse. Er habe gewartet in der Hoffnung auf eine Verständigung zwischen uns und Frank- reich. Nachdem aber, wie er jetzt höre, unsere Forderungen der- artig weitergehende seien, daß es augenscheinlich sei, daß die sran- zösische Regierung sie nicht annehmen könne, so liege die Gefahr nahe, daß die Verhandlungen ohne Ergebnis beendigt würden, und damit trete dann wieder die Frage in den Vorder- grund: Was tut dann Deutschland in dem geschlossenen Hafen von Agadir und in seinem Hinterland? Er habe keinerlei Nachricht, waS dort vorgehe, ob deutsche Truppen dort aus- geschifft seien, oder ob Verträge dort abgeschlossen werden, die die ökonomische Beteiligung anderer beeinträchtigen. Agadir eigne sich zur Anlage von einem Kriegshafen; niemand wisse, was Deutschland dort vorhabe. Er müsse Anfragen dieser Art im Parlament gewärtigen und sei nicht in der Lage, eine aufklärende Antwort zu geben. Wenn die deutsch-französischen Verhandlungen zu- sa m m e n br ä ch e n, was in Anbetracht unserer Forderungen sich leicht ereignen könne, so träte damit sofort die Agadirfrage, bei der auch englische Interessen involviert seien, in den Vorder- grund. Daher glaube er. daß der Zeitpunkt gekommen sei, wo auch England in die dcutich-franziisischen Verhandlungen mithineingezogen werden solle. Solange begründete Hoffnung ans eine deutsch-sranzösische Verständigung außerhalb Marokkos gc- Wesen sei, habe er sich ferngehalten, da es nicht die englische Politik berühre, wenn Teutschland und Frankreich sich kolonial zu verständigen suchten, ctiva durch eine Regelung der Kamerun- grenze, wie es zuerst geheißen habe. Da aber Frankreich die deutschen Forderungen nicht annehmen könne, so läge die Wahr- scheinlichkeit nahe, daß die Politik sich wieder der eigentlichen Ma- ro k ko frage, an der das englische Interesse in hohem Grade lic- tciligt sei, zuwende und daß damit auch wieder die Frage akut werde, welches unsere Absichten in bezug auf den geschlossenen Hafen von Agadir und das Hinterland seien. Er wünsche nochmals zu betonen, daß er dicS Gespräch nur dem Wunsche herbeigeführt habe, um nicht schließlich vor Tatsachen gestellt zu werden, die auch seinerseits eine Stellungnahme erheisch tcu, und wodurch die schon genügend verwickelte politische Lage noch bedeutend schwieriger und ernster gestaltet werden könne. Ter Botschafter habe erwidert, über den Gang unserer Vc.- Handlungen mit Frankreich sei er im einzelnen nicht unterrichtet. Er könne aber trotzdem nicht zugeben, daß unsere Forderungen selbstverständlich, wie der Minister sage, nicht annehmbar seien, da wir sie sonst nicht gestellt haben würden. Dies vorausgeschickt, könne der Botschafter ihm selbstverständlich nur seine persönliche Ansicht entwickeln. Sir E. Grey stelle den, wenn auch nicht ofsiziellen Satz auf, daß nun der Zeitpunkt gekommen sei, zu dreien zu verhandeln, da englische Interessen in Betracht kämen, und er begründe dieses Ansinnen damit, daß wir eventuell einen.Kriegs- Hafen in Agadir bauen und das Hintere Land abschließen könnten. Dies seien Vermutungen, von denen dem Botschafter nichts v e- ka n n t sei. Auf reine Vermutungen hin begründe sich k e i n A»- spruch. Falls englische Interessen durch unser Vorgehen verletzt worden seien, möge der Minister sie nennen. Da er hierzu nicht in der Lage sei, so wäre es wohl richtiger, abzuwarten, bis rr nachweisen könne, daß ein englisches Interesse oder Recht in Mit- leidenschaft gezogen sei. Ter Botschafter wiederholte, es bestehe bei uns nicht die geringste Absicht, englische Rechte oder Interessen zu verletzen. Es sei aber durch den Gang der Ereignisse der Zeitpunkt eingetreten, wo wir vor die Nor- wcndigkeit gestellt worden seien, uns über das Marokrogeschäst mit den Franzosen zu verständigen. Wenn, wie Grey annehme, unsere Vorschläge auf anderem Gebiete für unannehmbar gehalten tvür- den, so zeige dies nur, daß Frankreich ans freie Betätigung seiner international nicht anerkannten Ansprüche iu Marokko nicht so viel Wert zu legen scheine, als man hätte crivartcn können. Es müsse dann auch ein fremdes Kriegsschiff in einem marokkanischen Häsen mit in den Kauf nehmen. Ein nordafrikanisches Kolonialreich von der tripolitanischen Grenze bis Sencgambien mit Vormachtsstellunq in Marokko sei keine geringe Sache. England sei von Frankreich in Egypten abgefunden worden, was auch keine geringe Sache sei, Ivir aber mit nichts. Wünsche Frankreich, daß wir, gleich England, aber immer unter Wahrung der Handelsinteressen, in Marokko in den Hintergrund treten, so müsse es hierfür ein Acquivalent bieten, welches dem großen Ziele, das er anstrebe, annähernd gleichwertig sei. Wenn nicht, würden wir unsere unabhängige Stellung in Marokko zu wahren wissen. Ter Minister scheine großen Wert darauf zu legen, daß wir ein Kriegsschiff nach einem geschlossenen Hafen Marokkos entsandt hätten, und zwar gerade nach Agadir, ioo noch im vorigen Herbst das Erscheinen eines französischen Kriegsschiffes zu'Anfragen unsererseits bei der französischen Re- gierung Veranlassung gegeben habe. Hierauf hätte der Botschafier zu bemerken, daß der französische Eroberungszug nach Fez im vori. gen Herbst noch nicht eingeleitet gewesen sei. Er könne dem Mi- nister nicht verhehlen, daß er mit zwei Maßen zu messen scheine. Ein Maß für Frankreich, ein anderes für Deutschland. Wenn ihm au der Unverletzlichkeit des marokkanischen Gcbicis so viel liege, so müsse er sich vor allem und zunächst an Frankreich um Aufklärung wenden. Der Minister erwiderte, er würde keineswegs einer Bergrößc- rnng dentschrn Kolonialbesitzes im Herzen Afrikas im Wege stehe», nur könne er sich nicht verhehlen, daß durch die eigentliche Ma- rokkofrage die englischen Interessen auf das ernsteste in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Er habe daher aufrichtig einer Berständigung zwischen Frankreich und Deutsch- land erhofft. Nur für den unerwünschten Fall, daß diese fehl schlüge, habe er schon jetzt klar aussprechen müssen, daß die Demarche in Agadir zu einer Aussprache zwischen uns und England führen würde. Er glaube, daß die Situation an Schärfe verliere, wenn eine Aussprache zwischen uns stattfinde, ehe vor Agadir neue Tatsachen einträten, die eine Stellungnahme Englands zu denselben erheischten. Der Staatssekretär wies darauf hin, wie auS der Unterredung mit Sir E. Grey hervorgehe, daß der Mini st er offen» den Kneifer auf die Nase drückt— nicht das geringste kaiserliche Auto, nickt der geringste Fcderbusch ist zu sehen I Der Patriol wird unruhig. Und jetzt ertönt schon wieder daS bekannte Signal! Wie von Zaubergewalt gezogen überschreitet der Patriot den Damm und biegt in die Seitenstraße ein— dem Tone zu. Aber während daS Auge in Begeisterung erglimmt und der Mund sich zum dröhnenden Hurra I öffnen möchte, erscheint in sämtlichen Zügen ein Ausdruck ungläubigeu Staunens— der Empörung, des Grauens vor etwas unsagbar Enisctzlichcm, Unglaublichem, nicht AuSzu- denkendem!... Fast rief er frei mit dem Kaiser ans dem zweiten Teil de? Faust:' „Ich ahne Frevel— Uiigehcuerbrut! Wer fäl'chle hier des Kaisers: Tuut-tnut-tuut? Darf solch' Verbrechen ungestraft wohl bleiben?" Nein— es darf nicht nngcstraft bleiben I Und als jetzt die Huppe zum dritten Male S. M. markiert, da marschiert er draus los wie ein dräuender Rachegott— stirnnnizelnd, knciferblitzcnd, bauchwackelnd.... Aber schon hat sich da- herrschaftliche Auto ohne Herrschast wieder in Bewegung gesetzt und fährt eiligst davon, indes das vcr- gniigie Grinsen einiger Kumpane restloses Entzücken über den gc- lungenen Jux ausdruckt. Der Patriot bleibt bedonnert stehen! Darf dieser schamlose Wicht entkommen? Aber die bekneiferten Augen können die Nummer nickt lesen und e» ist auch kein Schutzmann da I Und wenn kein Schutzmann da ist.. Gekränkt, krank bis in den Bauch, dreht der Patriot sich um. Seine Augen und sein Mund sind bereit, die Vorübergehenden zu Zeugen des ungeheuren Frevels anzurufen. Aber die Vorüber- gehenden sind sehr geschäflig und gehen vorüber. Einfach vorüber— als ob da eben— nicht ein Hohn aus alles, was heilig ist... Kopsicküttelnd. kaum seinen Sinnen trauend, setzt der Patriot sich wieder in Bewegung, ganz niedergeschlagen läßt er den Bauch hänge». Und Mitgefühl und Trost heischend fliegen seine Gedanken und Empfindungen schon voraus zum abendlichen Stammtisch gleich- gestimmter Seelen: „Denken Sie sich, meine Herren, diese U u Unverschämtheit... Miinchencr Kunst und Polizeiknüppel. Aus München wird uns geschrieben: Der Münchener ZentrurnSturm ist zwar an den ausnahmswcis harten Köpfen der bayerischen Regierung geborsten (welches Naturereignis sich den guten Münchcnern u. a. durch ein Erdbeben kundgetan hati, aber die volksverdummenden und kultur- feindlichen Mächte der Schwarzen sind weiterhin mit unverändertem Einfluß tätig, wobei ihnen Polizei und Behörden unwürdige Schergendicnste leisten. Die Münchener Polizei, Abteilung:„Wider die Kunst" häuft Blamage auf Blamage und verbietet munter draus loS: Sternheims lustiges Spiel:„Die Hose" im Berlin unter dem Namen:„Ter Riese" bekannt, Borngräbers sittlich ernstes Mhstc- rium:„Die ersten Menschen", Wcdekinds neuen weiblichen Faujt: „Franziska", den der Dichter nur in ganz verstümmelter Form öffentlich vorlesen durfte. Ein ganz schlimmer Dorn in den trüben Augen der Kunstbüttel, die die aufgezwungenen Zentrums- gläser noch kurzsichtiger inachen, ist aber das der modernen Literatur fleißig dienende Münchener Lustspielhaus des Eugen Robert(den Berlinern als ehemaliger Leiter des Hebbeltheaters nicht unbekannt). Das Lustspielhaus zeigt literarischen Ernst und künstlerischen Ehrgeiz, es möchte dem ganz versimpelten und vcr- flachten Münchener Schauspielhaus vornehme Konkurrenz bereiten, indem es in würdiger Weise mit einem kleinen, vortrefflich zu- scnnmengespielten Ensemble Dichtern wie Strindberg, Heinrich Mann, Shaw, Wied, Wcdekind zum Wort verHilst. Das genügt den schwarzen Sittlichkcitsschnüfflcrn, um die Polizei auf den Direktor zu Hetzen. Kürzlich hat der Oberzcnsor von München, Polizeiassessor B i t- t i n g c r, wieder eine besonders schneidige Attacke gegen den un- bequemen Robert geritten. Trat da eine Nackttänzerin V i l l a n y vor eingeladenem Publikum im Lustspielhaus auf und erregte das helle Entzücken aller nicht zelotisch verprüdcten Menschen durch die sinnliche Schönheit und keusche Anmut ihrer Tänze. Die ersten zwei Vorführungen gingen anstandslos vorüber; die dritte Vor- stclluiig riß die rohe Polizeifaust entzwei. Die Tänzerin wurde von der Bühne weg verhaftet, ebenso Direktor Robert, der in der ruppigsten Weise vor den Polizeipräsidenten befördert wurde. Dort wurde ihm erössnet, daß er sich vor dem Schwurgericht wegen Förderung der Unsittlichkcit verantworten solle, daß ihm der Prozeß auf Entziehung der Konzession gemacht würde. Die Suppe wird jedenfalls nicht so heiß gegessen! Die Em- pörung in Münchener Künstlerkreisen gegen die Roheit und Stupi- dität der von den Klerikalen verhetzten Polizei ist groß und allgemeiu, Notizen. — Theaterchronik. Die Erstaufführung von Tolstois nackigelnsseucm Werk„Die lebende Leiche" im Neuen Voll?> theaicr ist aus Sonntag, den 26. November, nachmittags 3 Uhr, v:r- schoben worden. — Adele Sandrock setzt am Sonntag im Neuen K g l. Operntheater ihr Gastspiel als„Medea" fort. In der nächsten Woche wird Rosa Bcrtens als„Frau Alving" in den„Gespenstern" wieder vor das Berliner Publikum treten. — Der Geschichtsschreiber der deutschen Zeitung. Ludwig Solomon, ist im Alter von 67 Jahren in Jena gestorben. Solomon, der eine lange Reihe von Jahren als Redakteur tätig war, hat zum erstenmal eine umfassende„Geschichte des deutschen ZeitungSwesenS von den ersten Anfänge» bis zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches" versucht. Die drei Bände bieten ein reiches Material, das Solomon auch in kürzerer Form in einem Göicheii-Bäiidchen zusammengefaßt bat. — Ein Funken spruch von 200 Worten in der Minute. Eine Höchstleistung in der drahtlosen Schnelltclegraphie ist kürzlich in England aufgestellt worden. ES gelang i», Zeitrainne einer Minute der Station CullercoatcS bei Newcastcl 200 Worte nach einer 800 Kilometer entfernte» dänischen Funtenstation ab- zutelegraphieren. Am Bestimmungsort wurde der Fimkenspruch ohne Schwierigkeit aufgenommen und entziffert. Bet dieser LMung handelt eS sich freilich um eine Ausnahme, die im öffentlichen Telegraphenverkehr nicht erreicht werden kann. dar angenommen TkiBe, wir unS in Marokko scstsctzen wollten, tri.>h der ihn, sofort bei jZritsmbung des«Panther" nach t'lgadir gemachten Mitteilung des Botschafters. Die Depesche über die Unterredung sei am 22. Juli in Berlin eingetroffen und die Antwort darauf von hier sofort abgegangen. Der Bot- schafter habe darin Auftrag erhalten, dem Minister zu sagen, wir chatten von Anfang an erklärt, daß unser Schiff in Agadir lediglich dornige deutsche Interessen schützen solle. Es sei bisher nichts vorgefallen, was auf eine Aenderung unserer Absichten schließen ließe. Es sei noch kein Mann an Land gesetzt. Daß man in England Insinuationen über unsere Absichten, die offenbar von einer uns spiirdlkchen Seite ausgingen, Glauben zu schenken scheine. bedauerten wir. Wir hätten niemals an Schaffung eines Kriegs Hafens an der marokkanischen K ü st e g e- dacht und würden auch niemals daran denken. Das seien Halluzinationen. Auch hätten wir Z»me Absichte» auf marokkanisches Gebiet, aber wohl müßten wir vcÄangen, daß Frankreich entweder diie Algeciras- aib« strikt innehält oder aber sich mit uns auseinandersetze, wenn es n'ucs' nicht tu» zu köimeii glaube. DV Verhandlungen hatten begonnen; beide Teile hatten sich strengste Wahrung des Geheimnisses gegenseitig zugesichert. Diese Verpflichtung hätten wir cvnst genommen und nicht einmal unsere Bundesgenossen informiert. Frankreich habe ein anderes Verfahren eingescksiagen und bedauerlicherweise nicht nur die Presse, sondern, wie es uns schäme, auch seine Freunde teilweise mit Nachrichten versehen, die, uih,e»au und unvollständig, unsere Absichten zu verdächtigen geeignet wären. Deshalb hätten wir eine Zeitlang nicht weiter verhandelt, solange uns nicht das Geheimnis der Verhandlungen garantiert worden sei. Durch den chauvinistischen Ton der französischen Presse könnten die Vethandlungen nicht gefördert werden. Sollten diese scheitern, so hätten wir doch aus marokkanisches Gebiet keine Absicht. Wir müssen aber dann mit allem Nachdruck und Eni- schiedenheit von Frankreich die volle Ausführung der Algecirasakte nach Wortlaut und Geist der- langen. Als Großmacht könnten wir uns nicht von Frankreich, entgegen geschriebenen Verträgen, in unseren Rechten kränken lassen. �. Der Staatssekretär konstatierte, daß d,e ,n eurem Teil der deutschen Presse aufgestellte Behauptung, die deutsche Regierung habe der englischen auf eine Anfrag vierzehn Tage keine Antwort gegeben, hinfällig sei. Als die Ant- wort an den deutschen Botschafter auf die von Sir Edward G r e y angeregten Fragen abgegangen war. sei in Berlin der Wortlaut der Rede bekanntgeworden, die der Minister Lloyd George im Mansionhouse am Abend des 21. Juli, also gerade am Tage der Unterredung zwischen dem Botschafter und dem englischen aus- wältigen Minister gehalten hatte.. �, Unter dem 2 4. I u l i sei der Botschafter m London beauftragt worden, darauf hinzuweisen, daß einem großen Teil der englischen Presse und der gesamten französischen Presse die soeben im Wort- laut bekannt gewordene Rede des englischen Schatzkanzlers Anlaß zu heftigen Angriffen auf Deutschland gegeben habe. Es könne lahingestellt bleiben, wie weit diese Wirkung von dem englischen Minister beabsichtigt gewesen sei. Die englische Regierung werde sich aber dem Eindruck nicht verschließen könneir, daß diese Wirkung der Rede eines ihrer Mitglieder hier in hohem Grade habe v e r- st i ii, m e n müssen.,, t, Deutschland habe Frankreich Vorschläge gemacht, welche durch- aus loyal und annehmbar erschienen. Sie bezögen sich auf solche Gebiete, in denen englische Interessen weder direkt noch indirekt engagiert seien. Wenn trotzdem England Wünsche aussprechen zu sollen glaube» so könnte es diese ja auf dem üblichen diplomatischen Wege übermitteln. Wenn statt dessen die englische Siegierung durch eines ihrer Mitglieder offent- liche Erklärungen abgeben lasse, die zum mmdesteii als eine War- mnig an unsere Adresse gedeutet werden könnten, und die von -.nglischen wie französischen Blättern tatsächlich als eine an Drohung grenzende Warnung gedeutet worden seien, so falle es schwer, hierfür die Gründe zu erkennen. Die englische Regierung könnte nicht tm Zweifel darüber sein, daß eine freundschaft- liche Verständigung zwischen Deutschland und Krautreich, die sie selbst zu wünschen behaupte, dadurch nicht gefördert werde. Bei dem seit einiger Zeit von einem Teile der«nglischen und fast sämtlichen französischen Blättern gegen Deutschland an- geschlagenen Tone hätte die englische Regierung sich über die von der Rede des Schatzkanzlers zu erwartende Wirkung nicht im un- Aaren sein können. Sollte die englische Regierung die Absicht haben, die politische Lage zu verwickeln und zu verwirren und einer genullt- saincn Entladung eutgegenzuführcn, so Hütte sie allerdings kein besseres Mittel wählen tönne» als die Rede des Schatzkanzlers. Daraufhin habe der Botschafter gemeldet, Sir E. Grey habe zwar zugesagt, die Mitteilungen über die Absichten Deutschlands, kein Gebiet in Marokko zu erwerben, parlamentarisch nicht zu verwenden, aber bemerkt, er habe dann auch kern Mittel, hinsichtlich unserer angeblichen Absichten auf Agadir die öffentliche Beunruhigung zu beschwichtigen. Die Rede des Schatzkanzlers habe der Minister als maßvoll verteidigt und bchauplet, es sei durchaus richtig gewesen, daß sie gehalten wurde. Sie enthielte keine Drohung gegen Deutschland,-i.« Botschafter habe dann de» Minister erneut auf die Tatsache hin- gewiesen, daß die englifch-sranzösische Presse die Rode des Schatz- kanzlerö als eine Drohung gegen Deutschland hingestellt habe. Der Minister habe hervorgehoben, daß Deutschlands eventuelle Absicht, die Wiederherstellung des Status guo ante allein vorzunehmen, geeignet sei, der Marokkofrage eine noch ernstere Bedeutung zu geben. Gegen die Auffassung, daß die englische Regierung eine deutsch- französische Vereinbarung nicht Wunsche, habe sich der Minister verwahrt. Er müsse aber auch darauf hinweisen, daß. falls englische Interessen- im Laufe der Marokko- frage tangiert würden, die englische Regierung sie wahrnehmen müsse. � Der Botschafter habe darausljm betont, daß niemand England dieses Recht bestreite. Wir hätten niemals beabsichtigt. über englische Interessen oder Rechte zu ver- füge n. Diese Absicht bestehe nur in der englischen Imagination. Die englische Regierung habe keinen Grund zu diesem Verdacht, der auch aus der Rede des Schatzkanzlers spreche, die deshalb provokatorisch gewirkt habe. Gegebenenfalls würde Teutschland die Mitwirkung der anderen Signatarmächte zur Wied.rherstellung des Statusquo willkommen sein. Nur wenn diese ausbliebe, würde es sein Recht allein durchsetzen. Drohende Warnungen würden Deutschland nur zum Festhalten an seinem Recht ermuntern. Es sei daraufhin durch eine neue Instruktion, an den Bot- schafter vom 2». Juli Sir E. Grey geantwortet worden, aus den offiziellen Mitteilungen habe er ersehen müssen, daß englische Interessen bei den Verhandlungen mit Frankreich nicht b e- rührt werden, eS werde also von seiner bewährten Loyalität er- wartet, daß er dem, ohne auf die vertraulichen Details unserer Mitteilung einzugehen, im Parlament Ausdruck geben würde. Der Botschafter sei ferner beauftragt worden, gern davon Akt zu nehmen, wenn Sir G r e» ausgeiprochcn habe, daß ihm eine Ver- st ä u d i g u n g Mischen Deutschland und Frankreich erwünscht sei, und der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß dies im hohen e- absichtige, sich an den gegenwärtigen Verhandlungen mit Deutsch- land unmittelbar oder aktiv zu beteiligen. Tie Veränderungen in den Dispositionen der Heimatflotte und der atlantischen Flotte hätten mit den marokkanischen Ereignissen nichts zu tun. Von diesem Zeilipunkt an seien unsere Verhandlungen mit Frankreich besser vorwärts gekommen. Der Staatssekretär erörterte schließlich noch die Frage, aus welchen Gründen wir von einer Grbictserwcrbung i» Marokko nichts wissen wollten: Zunächst müsse man bedenken, daß wir uns eine grosse Last aufgeladen hätten. Der französische Einfluß in Marokko sei sehr stark. Zum mindesten hätte Frankreich von dem benachbarten Algerien aus seinen Einfluß stets in einem Deutschland ungünsti- gen Sinne geltend machen können. Tann aber hätten sich einer Besetzung auch in Maroklo selbst eventuell sehr erhebliche Schwierig- kriten entgegengestellt. Man brauche in dieser Beziehung sa nur an die gegenwärtigen Borgänge in Tripolis zu crinncru. Weiter frage es sich auch, was wir mit Marokko hätten anfangen sollen. Marokko werde immer als Siedeliingsland hingestellt An deutschen Bauern haben wir selber keinen Ncvcr- fluss, und man bedenke, mit welchen Schwierigkeiten der deutsche Bauer in Südmarokko zu kämpfen haben würde. Zunächst mit klimatischen. Denn das Klima solle für Europäer nur so lange erträglich sein, als sie nicht selbst körperliche Arbeit einsetzen müßten. Außerdem aber würden sich Schwierig- keiten aus den Besitzvcrhältnissen an Grund und Boden ergeben, die äußerst kompliziert seien. Weiter werde hervorgehoben, daß Frankreich Marokko als Rekruticrungsquelle benutzen könne: es werde von der„schwarzen Gefahr" gesprochen. Zunächst aber müsse Frankreich, selbst wenn sich der Gedanke der Schaffung einer afrikanischen Armee würde verwirklichen lassen, im Falle eines 5trieges aller Wahrscheinlichkeit nach immer noch mehr europäische Truppen in Marokko stehen lassen, als es aus der Kolonialarmee nach einem europäische» Kampfplah hinüberziehe» könnte. Sodann sei es zum mindesten sehr fraglich, ob die Franzosen in ab-ehbarer Zeit in Marokko die allgemeine Wchrpslicht würden zur Durchführung bringen können. Höchstwahrscheinlich würde ebenso wie bisher in Algerien das Bedenken bleiben, daß man eine Armee gegen sich selbst schasse. Endlich werde immer gesagt die deutsche Montan- industrie würde in 20 bis 30 Jahren nicht mehr genügend Rohmaterial zur Verfügung haben, und in Marokko, nament- lich im Susgebictc, gäbe es reiche Erzschätze. Für diesen Fall habe man sich entsprechend gesichert. Die deutsche Politik hat in jeder Beziehung ihr Ziel erreicht. Man möge dabei auch de- denken, daß die Franzosen uns französisches Gebiet abgetreten hätten, während wir nur Rechte aufgegeben, die wir mit anderen Mächten teilten. Soweit die Ausführungen des Staatssekretärs. Ohne auf die anderen Punkte einzugehen, möchten wir nur hervor- heben, daß nach der offiziellen Darstellung zwar englische Noten nicht unbeantwortet geblieben sind, aber immerhin die englische Regierung über die deutschen Ab- sichtet, gänzlich uninformiert blieb, bis dann am 21. Juli, als die Aussichten, mit Frankreich zu einer Verständigung zu gelangen, sehr trübe erschienen. Sir Edw. Grey eine Unterredung herbeiführte. Die englische Re- gierung hat, wie alle Welt, wie auch der„betreffende alldeutsche Herr", der deutschen Regierung nach der Drohung von Agadir nicht recht getraut. Und die Auf- klärung, die sie empfing, Deutschland würde bei Scheitern der Verhandlungen Frankreich allein zwingen, zur Algecirasakte zurückzukehren, klang auch nicht gerade beruhigend. Nach der Entsendung des..Panther" war diese Ausschaltung Englands nicht nur aus den Verhandlungen, sondern auch aus den Informationen über seine Absichten, der zweite s ch w e r e F e h l e r, den das Auswärtige Amt be- gangen hat._ Das liongo-klbkommen in der Budget- Kommission. In der DienstagSsitzung der Audgetkommission gab Gouverneur Dr. S o l f. der gegenwärtig die Geschäfte des Staatssekretärs der Kolonien führt, die Erklärung ab, daß ihm bei Uebernahme des provisorischen Amtes keinerlei Bedingungen gestellt worden seien, er auch keinerlei Verpflichlungen eingegangen sei. Dr. Sols führte weiter aus, daß der von Frankreich erworbene Kongozipsel nach dem Urteile eines genauen Kenners des Landes als wertvolles Land bezeichnet werden müsse. Abg. A r n i n g spricht sich sehr pessimistisch über das Kongo- Abkommen aus und fürchtet, daß allein zur Bekämpfung der Schlaf- kraukheit vier bis sieben Millionen Mark Ausgabe notwendig seien. Schatzsekretär Mermuth verbreitet sich de» längeren darüber, welche finaiiziellen Opfer mutmaßlich erforderlich sein würden zu den neuen Koloiiialerwerbungeu. Die Schätzungen weichen so sehr von einander ab, daß man allen Angaben gegenüber die größte Vorsicht walten lassen inüsie. Das Schatzamt werde stets für die größte Sparsamkeit eintreten. Abg. Dr. Arendt ist erfüllt von Zukunftshoffiiuiigen und rechnet nicht mit größeren Ausgaben für die Schlafkrankheit. Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter erklärt, daß die neue Kolonie sofort nach der Ratifizierung des Vertrages in das Eigentum des Reichs übergehen wird. Irgendwelche Lasten oder Verpflichtungen übernehme das Reich dabei nicht. Die Einnahmen und Ausgaben fallen so lange den Franzosen zur Last, wie sie die Verwaltung noch haben. Abg. Erzberger rechnet mit erheblichen Ersparnissen an dem Militär sowie für Südivestafcika, so daß die neuen Aufwcnduugcii für den Kougozipfel durch diese Ersparnisse wieder etwas au-- geglichen werden tonnen. Abg. Dr. W i e m e r erklärt, er habe aus den Verhandlungen den Eindruck gewonnen, daß zum Pessimismus mehr Grund vorhanden ist. als zu Zukimflshoffiiuiigcn. Der frühere Gouverneur von Kamerun, Herr v. Puttkamer, habe sich bekanntlich bisher ebenfalls wenig hoffuungSsreudig ausgesprochen. Daß wir die Schutztruppe in Kamenm erheblich werden verstärken müsieii, stehe wohl fest. Die Ansicht des Schatzsekretärs, daß die Reichs- finanzen durch die Reuerwerbuiigen nicht sonderlich beeinflußt würden, könne man wohl nicht teilen. Wenn, was heute noch be- stritten wird, die Schlafkrankheit heilbar ist, dann muß sie energisch bekämpft werden, was aber nur mit sehr großen Summen geschehen kann. Ist sie aber nicht heilbar, so bedeutet sie ein böses, dauerndes Elend für die Stolonie. Schatzsekretür Wermut: Wen» die Franzosen iin ganzen Kongogebiet heute 22 Kompagnien Schutztrnppen haben, so können wir doch nicht entfernt so engagiert werden, weil unser Gebiet viel kleiner ist. Abg. Ledebour betont, daß eine dauernde stärkere Belastung eintrete» wird. Schon wegen der unglücklichen Ge- sialtung der Grenze, die bielfach ungünstiger ist als die alte Kamerungrenze. Wenn man so wenig über ein neueS Gebiet weiß. wie jetzt von dem neuen Zuwachs am Kongogebiet, so sollte mau vorsichtigerweise die Grenzen der Volksstäinme und die natürlichen Grenzen weit mehr beachten, als es bisher geschehen ist. Die Nach- teile in der Grenzregulieruug bestehen schon darin, daß die neue Grenze durch große Sumpfgebiete führe, die es sehr fraglich machen, ob jemals dort Eisenbahnen gebaut werden können, vielleicht sogar nicht einmal Verbindungswege möglich sein werden. Charakteristisch ist, daß die Regierung auf Fragen wegen des Baues von Verbindungswegen hartnäckig schweigt. Wir haben es mit einem durchaus verseuchten Gebiet zu tun, daS enorme Kosten verursachen wird. Nun wird gesagt, wir erhalten den Zugang zum Kongo. Nach den Karten, die von einem Miigliede der Kommission vorgelegt worden sind, die aber weder der Staatssckletär v. Kiderlen-Waechter noch der Bot- schafter Cambon gekannt haben, zeigt sich, daß dort, wo daö deutsche Gebiet an den Kongo grenzt, milteu im Flusse zahlreiche Jiisclii vorgelagert sind, die aber un» nicht gehören, also eventuell als natürliche Sperrforts wirken könneit. Auf alle diese Bedenken muß die Regierung doch noch antworten. Der Kanzler selbst ist zur Antwort vor dem Reichstag verpflichtet. Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter: ES ist unbestritten. daß wir auch bis zur Mitte des KougoflusseS gehen können und Au- ipnich aus die eine Flutzhälfte haben. Die Jnieln fallen an Deutsch- land oder Frankreich, je nachdem, welchem Ufer sie am nächsten liegen.— Abg. Ledebour will wissen, ob die Stelle, wo da» deutsche Gebiet an den Kongo grenzt, die Möglichkeit zuläßt, eine» Hafen anzulegen.— V. Kiderlen-Waechter antwortet, daß Deutschland ö— 12 Kilometer Ufer erhalte, also entsprechende Anlagen errichlen kauu. Abg. Dr. A r n i n g: Wegen der Schlafkrankheit kann man nicht genug grau i» grau malen, wie ich es aus eigene» Erfahrungen und Beobachtungen in Ostafrika weiß. Ein dortiger Beamter hat mir gesagt, er sei entsetzt aus diesem Gebiete zurückgelommeu. Wenn man vielleicht auch JmmiinisierungSmittel findet, so würde die Bekämpfung der Schlafkrankheit doch viel teurer. Denn dann müßten wir erst rech! an diese Aufgabe herantreten. Auch für Weiße besteht die Gefahr, von der Schlafkrankheit befallen zu werden. In einer koloiiiatwirtschafilichen Studie von O. gimmermaim wird folgendes gesagt: Besonders im Mlara-Walde haust die Schlafkrankheit entsetzlich. Nach dem Bericht des Regicrungs- arztes Dr. Penschke haben vor zwei Jahren in dem be- treffenden Walde noch 1840 Personen gewohnt. Seitdem sind 300 Männer und 250 Frauen gestorben. Bon den noch lebenden Personen sind etwa 70 Proz. krank. Wir werden auch dieselben militärischen Machtmittel aufwenden müssen, wie sie Frankreich jetzt in jenem Gebiete hat. Eine Verdoppelung der Schutztruppe für Kamerun i st sicher.— Dagegen wird von Keller versichert, daß daö von uns an Frankreich abgetretene Gebiet sehr wertvoll sein soll, trotz- dem auch ein Teil jenes Gebietes ebenfalls sumpfig ist. Weiter wird behauptet, daß der Ubanghi gerade an der Stelle, wo wir nunmehr mit unserer Grenze ihn erreichen, während der Trockenheit gar nickt sichtbar sei. Warum hat man sich darum früher nicht gekümmert? Schatzsekretär Mermuth verspricht nochmals, daß er gegen große Anforderungen für das neue Gebiet energischen Widerstäud leisten werde. � Abg. Dr. Arendt wendet sich lebhaft gegen den Abgeordnete» Dr. Arning und seine Fraktionslollegen, weil sie auf erhebliche Mehr- ausgaben aufmerksam gemacht haben: man solle doch abwarten Und erst dann urteilen.— Im übrigen versucht Dr. Arendt den Glauben zu erwecken, als wenn mit besonderen Ausgaben durch das Kongo- abkommen nicht zu rechnen sei; ein Versuch, der aus der Mitte der Kommission energisch zurückgewiesen wurde. Abg. Ledebour erklärte, daß die Auffassung, die Dr. Arendt hier vertreten habe, die Sachlage auf den Kops stellen will. Die Nachteile, die dieser Vertrag mit sich bringt, müssen selbstverständlich scharf hervorgehoben werden. Nach dem, was bis jetzt zu Gehör gebracht worden sei, scheint die Mehrheit der Kommission daS Kongo- abkommen als ein sehr ungünstiges zu beurteilen. Abg. Erzberger bestreitet, daß die KommissionSmehrheit den Vertrag derart beurteilt. Die Kommisflon verhandelte weiter in vertraulicher Sitzung über die K o n z e s s i o n s g e s e l l s ch a f t e n in den von Frankreich erworbenen Gebieten, ferner über die angeblichen KriegSvor- Bereitungen Englands im Spätsommer dieses Jahres, über die Staatssekretär von Kiderlen-Waechter und Großadmiral von Tirpitz nähere Angaben machten. Die Sozialdemokraten ersuchten die Regierung in einem Antrage, über die Vorgänge bei der Marokkoäffäre ein Weißbuch vorzulegen. Kiderlen-Waechter erklärte, die Regierung werde, falls die französische Regierung ein Gelbbuch vorlegen sollte, auch Dost:- mente dem Reichstage zugänglich machen. Hierauf wuree der sozialdemokratische Antrag zurückgezogen. Damit stnd die Arbeiten der Kommission beendet. Em der Partei. Kommunalwahlfiegc. Bei den Siadtverordnetenwahlen in Zwickau(Sachsen) gelang es unseren Genossen zum ersten Male vier Mandate zu erringen. Die Stimmeuzunahme der Sozialdemokratie beträgt S0 Prozent. In Plauen brachte eS die Sozialdemokratie trotz des Zu- samiiienschlusseS aller bürgerlichen Elemente auf 2(300 Stimmen; da» bedeutet eine Zunahme von 106 Prozent gegen die vorigen Wahlen- Die Genossen konnten zwar kein Mandat erringen, brachten aber sechs Ersaymäimer durch. In Schkeuditz wurden zwei Genossen mit 202 und 203 Stiinmen gewählt, während die bürgerlichen Kandidaten nur 184 und 183 Stimmen erhielten. Die GemeinderatÄvahlen in München endeten mit einem glänzenden Ergebnis für die Sozialdemokratie. Es wurden abgegeben für die sozialdemokratische Liste 13736, für die Liste der Hausbesitzer 2602, für die der Liberalen 10242, für die des Zentrums 7753 und für die Liste der Antisemiten 928 Stimmen. Nach den borläufigen Berechnungen erhalten Sitze: die Sozialdemokraten 8, die Liberalen 6. das Zentrum 4 und die Hausbesitzer 1. Der übrigbleibende Sil» fällt entweder den Antisemiten oder dem Zentrum zu. Die Stimmen der Sozialdemokraten steigerten sich seit der letzten Wahl um rund 2000. Da» ist ein Zu- wachs von 27 Proz._ Stauf als— Wahlvorbereitung. Die iiuiiicr mehr ins Lager der alldeutsch-natioualistisch-kolonial- und flottenbegeisterten Schutzzöllner abrückenden.Sozialistischen Monatshefte" scheinen sich vorgenommen zu haben, unsereil Gegnern sür den Wahlkamps wieder Material zu liesern. In der vorigen Nummer hat Karl Leuthner unsere Be- strevungen, den Zusammenbruch der absolutistischen auswärtigen Politik zur Ausgestaltung der Verfassung in demokratischem Sinne. zu verhöhnen gesucht und seiner Bewunderung für die Räuber- Methoden des Herrn Giolitti zwar vorsichtig verhüllten, aber doch deutlich erkennbaren Ausdruck gegeben. In der letzten Nummer sucht Schippe! die Marokkopolitik der Sozialdemokratie zu diskreditieren und die Partei lächerlich zu machen. Es ist die bewährte, von Schippe! zur Virtuosität aus- gebildete Methode, durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus allen möglichen Parteiblättern Widersprüche in der sozialdemo- kratischen Politik zu konstruieren. Für die imposante Manifestation der proletarischen Einheit, für die große Friedensaklion der Jnter- nationale hat der Mann natürlich kein Wort. Wohl aber ist sein Bestreben jetzt nach Abschluß der Verhandlungen auf Grund der Regierungserklärungen nachzuweisen, daß die sozial- demokratische Presse nicht in alle diplomatischen Einzel- heilen eingeweiht war, die herrliche Politik der Regierung manchmal mißverstanden habe; ein Beweis, um so leichter zu erbringe», da die Behauptung von niemand bestritten war, die Geheimniskrämerei der Regierung vielmehr einen der Anklagepunkte bildete. Der Zweck der Uebung ist freilich durchsichtig: der„Nachweis", die Sozialdemokratie sei zur Kritik der auswärtigen Regierung völlig unfähig und dürfe sich darum nicht kümmern, ist der begeisterten Zustimmung der„Rhein.-Westf. Ztg." und der„Post" natürlich sicher. Und da? allein beweist ja den Leuten, die die politische Richtung im MonatszirkuS immer ausschließlicher bestimmen, daß sie auf dem richtigen Wege sind— ein Weg freilich, der aus der Partei hinausführt._ Zwei Sozialdemokraten gegenseitig in der Stichwahl. Der Umstand, daß zwei Parteigenossen sich in der Stichwahl gegenüberstehen, ist wohl noch nicht dagewesen. In Heven a. d. Ruhr wäre» zwei Gemeiudevertreter zu wählen. Durw die Uneinig- keil der Nationalliberalcn, die drei Kandidaten aufgestellt halten, wurde ein nationalllberaler Kandidat gewählt, während unsere beiden Genossen, die danach die meisten Stimmen auf sich vereinigt halten, gegenseitig in die Stichwahl gelangten. Die Internationale gegen das Justizverbreche» an den sozialdemo- kratischen Dumaabgeordneten. Die Enthüllungen über das infame Verbrechen der Zaren- regierung, die die gesamte sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma auf Gnivd eines von der Ochrana inszenierten Komplottes des„Hochverrats" bezichtigte und von einem besonderen Gericht hinter verschlossenen Türen zur Katorga und Verbannung ver- urteilen ließ, hat unsere französischen Genossen bereits veranlaßt, sich an das Internationale Soziali st is che Bureau zu wenden, damit eine gemeinsame Aktion der gesamten Jnter- nationale zugunsten unserer russischen Genossen organisiert werde. Wie Genosse EharlesDumas in dem Pariser„L'Avemr" mib- tcilt, hat er sich, im Einvernehmen mit den offiziellen russischen Delegierten Plechanow, Lenin und Rubanowitsch, an das Internationale Sozialistische Bureau mit der Bitte gswambt, die angeschlossenen Parteien zu einer gemeinsamen Aktion auf- zwfordern. Zu gleicher Zeit hat Genosse S e m b a t sich an daS Bureau der Interparlamentarischen Sozialistengruppe gewendet, die an dieser Angelegenheit ein besonderes Interesse hat, da die Opfer des Schurkenstreiches der russischen Regierung Parlamen- tarier gewesen■sind.„Die Vorbereitungen zu einer Aktion— schreibt Genosse Eh. Dumas— sind also schon getroffen, und sobald das Internationale Sozialiftische Bureau die Losung ausgibt, wird die Bewegung beginnen." Auch die sozialistische Kammcrfraktion �.würde aufgefordert werden, die Maßregeln zu beraten, die sie in dieser Angelegenheit ergreifen werde. Die Protestbewegung m R u fi l a n d ist bereits eingeleitet worden. Die sozialdemokratische Fraktion hat eine Interpellation in der Duma eingebracht, in welcher Aufklärung über die Vcr- nrtcilung der sozialdemokratischen Abgeordneten der L. Duma verlangt wird. Die letzte Nummer des Petersburger sozialdemo- kratischen Wochenblattes„Swesda" ist fast vollkommen dwser Frage gewidmet.(Wie wir soeben erfahren, ist diese Nummer von der Regierung konfisziert worden.)„Das öffentliche Ge- wissen", schreibt das Blatt,„kann nicht zur Ruhe kommen, nachdem die furchtbare Wahrheit» an den Tag gekommen ist. Welche Hinder- nisse sich auch zeigen mögen, alle müssen nun das eine verlangen: die Revis'.on des Prozesses gegen die sozial- demokratischen Abgeordneten der 2. Duma,-tic Abgeordneten der progressiven und linken Parteien der 3. Duma und die Sozialdemokraten im besonderen sind verpflichtet. unverzüglich die Wiederaufnahme des Verfahrens zu fordern. Aus Len Archiven Ler Duma, der Ochrana, des Polizeidepartements, des Ministeriums des Innern und des Gerichts müssen sofort sämtliche Dokumente eingefordert werden, auf Grund deren die Kommission der zweiten Duma ihren einstimmigen Beschluß über das Komplott der Ochrana und die Schuldlosigkeit der Ab- geordneten gefaßt hat. Alle diese Dokumente müssen sofort von der Dumatribünc veröffentlicht werden. Die Advokatur, die Vcr- trcter der Berufe und Stände, die Vereine und Verbände müssen von ihrem gesetzlichen Rechte, Beschlüsse anzunehmen, umfassenden Gebrauch macheu. Die Presse mutz diese außerordentlichen Um- stände zum Gegenstand ihrer Tagesagitation im ganzen Reiche machen. Die Arbeiterklasse Rußlands, der der neue Minister- Präsident so viel freundliche Worte gespendet hat, muß ihre macht- volle Stimme erheben: es sind ja ihre Abgeordneten, die in vcr- logener Weise gerichtet worden sind und in den Katorgagcfängnissen gemartert werden." Auch die sozialdemokratische Revue„D j e l o S h i s n i"(die inzwischen gleichfalls konfisziert worden ist) tritt für diese For- derungen ein. Sie beruft sich auf die Worte des Kadetten Tejs- lenko in der Duma, wonach die Mitglieder der Kommission der zweiten Duma„zu der einstimmigen Ueberzeugung gelangt waren, daß es sich um keine sozialdemokratische Verschwörung, sondern um eine Verschwörung der Petersburger Ochrana gehandelt habe", und brandmarkt das unwürdige Verhalten der Kädettcnpartei, die vier Jahre lang wohlweislich geschwiegen hat und erst jetzt, nach Burtzews Enthüllungen, mit ihrer Erklärung an die Oeffentlichkeit getreten ist und dabei entschließt sich diese Partei noch heute nicht, die sofortige Befreiung der Sozialdemokraten zu fordern, die auf der Katorga noch am Leben geblieben sind.„Wenn aber", so heißt es in dem Artikel weiter,„die Leiden und Qualen Zeretcllis und Genossen die Herren Tesslenko, Miljukow u. a. unberührt lassen, so wird die Arbeiterklasse diese Teilnahmlosigkeit nicht zeigen. Sie wird ihre Stimme erheben und die sofortige Befreiung ihrer in steinernen Kasematten verborgenen und nach Sibirien deportierten Abgeordneten fordern, die mutig und tapfer ihre Pflicht erfüllt haben. Sie wird nicht müde werden, durch ihre Vertreter in der Duma daran zu erinnern, sie wird unablässig fordern, daß diese ihre besten Söhne ihr zurückgegeben werden... „Gebt uns unsere Deputierten wieder!"— dieser Ruf muß laut und unablässig in dem ganzen Reiche erschallen. Uebcrall, wo es geschlossene Gruppen von Arbeitern gibt, mutz diese Forde- rung aufgestellt und an die Reichsduma gerichtet werden." Jugendbewegung. Auch eine Jugrndvertreter-Konferenz. AuS Halle a. S. berichtet man uns: Am letzten Sonnabend fand hier eine ,. I u g e n d k o n f e r e n z" für den Regierungs- bezirk Merseburg statt. In unserer lieben Saalestadt, der Zetrale für proletarische Jugendverfolgungen, hatten sich im Grand Hotel unter Oberaufsicht eines MiuisterialkominissarS und des Ober- Präsidenten Exzellenz p. Heyel, höhere Mililärs, sämtliche Laud- räte des Bezirks, Oberbürgermeister usw. zusammengefunden, um in Ziigendpflege zu machen. Obwohl man zugab, den zerstörenden Ein- flüsien der'Sozialdemokratie entgegen wirken zu Ivollen, hielt man es für ratsam, das politische Moment bei der Jugend- pflege„auszuschalten". Die Jugend solle„nur" zur Treue für Kaiser, Reich. Vaterland imv. erzogen werden. Durch Kciegsspiele und Kinovorstellungen soll der Jugend jedenfalls plausibel genrachl werden, daß sie in der besten der Welten lebt. Um das Bestreben der Dunkelmänner nicht allzu offensichtlich in den Vordergrund treten zu lassen, harte man hinler den Kulisse» jedenfalls die Kirchenvertreler gebeten, sich eiwas im Hintsrgrunde zu halten. Denn es ninßle stark auffallen, als der Vertreter des kgl. Konsistoriums, Generatsuperintendent I u b a k i mit den Worten herausrückle:„Die Kirche sei gern bereit. Geistliche in den Dienst der Jugendpflege zu stellen, voraus« gesetzt, daß man den kirchlichen Vereinen keine Verleugnung ihrer Grundsätze zumute. Bekanntgegeben wurde, daß daS Ministerium für den Bezirk in diesem Jabre 24 000 M. zur Verfügung gestellt hat, und daß für nächstes Jahr 54 000 M, erbeten werden.— Die Entwickelung der Dinge wird eS den Jugendreitern schon beibringen, daß daS Volk nicht Schauspiele, sondern Brot verlangt._ Sozialea. Ei« durch Eingriff i« das Selbstverwaltungsrecht einer Kasse schadenersatzpflichtig gewordener Landrat. Ein Konflikt zugunsten des Landrats Scherer zu Adenau, dessen Vorgeschichte bereits im Jahre IS06 spielte, ist jetzt vom Ober- vcrwaltnngsgericht zu Ungunsten des Landrats entschieden worden. Mit drei Aerzten, die bis dahin der Oriskrankenkasse zu Wct- bern(Regierungsbezirk Koblenz) zur Verfügung standen, war ab 1. Januar 1906 kein neuer Bertrag zustande gekommen. Sie wollten der Niederlassung eines anderen Arztes in W. damit entgegentreten. Nur für Notfälle hielten sich die bisherigen Aerzte zur Verfügung, indem sie dafür den dreifachen Betrag der Minimalgebiihr forderten. Der Landrat als Aufsichtsbehörde griff ein und verlangte zunächst wiederholt von der 5tasse, daß sie dafür sorge, daß Aerzte zur Vcr- fügung ständen. Schließlich gab er der Kasse auf, mit Dr. Gotts- acker, einem der streikenden Aerzte, in Verbindung zu treten. Die Kasse bemühte sich anderweitig um einen Arzt. Ein solcher war auch bereit, zu übersiedeln, zog sich aber wieder zurück und wollte erst abwarten, bis der Streit mit den bisherigen Aerzten im Sinne des Leipziger Aerzteverbandes erledigt sei. Auf Verhand- lungcn mit dem Landxat war Dr. Gottsacker am 22. Januar bereit, unter gewissen Bedingungen bis auf weiteres die Behandlung der Kasscnkranken fortzusetzen. Dann erklärte er aber wieder dem Landrat, nur auf einen Vertrag mit einjähriger Dauer eingehen zu wollen. Der Landrat schlosi darauf unter dem 24. Januar als Aufsichtsbehörde mit Dr. Gottsacker einen einjährigen Vertrag. Er erachtete den Fall für vorliegend, der im letzten Absatz des§ 45 des Krankenvcrsicherungsgesetzcs erwähnt wird. Danach kann die Aufsichtsbehörde die Befugnisse und Obliegenheiten der Kassen- organe auf Kosten der Kasse übernehmen, wenn die Organe der Kasse die Erfüllung ihrer gesetzlichen oder statutarischen Obliegen- heiten verweigern.— Der Landrat drohte den Vorstandsmitgliedern zugleich Strafe an für den Fall, daß ein neuer Arzt benutzt werde, also der Zwangsvertrag, den er geschlossen, umgangen werde. Die Kasse verfolgte gleichwohl ihr Ziel weiter und verpflichtete auch einen Dr. Müller. Durch ein Bcrwaltungsstreitverfahren erzielte der Kasse»- vorstand beim dritten Senat des Obcrvcrwaltungsgerichts Hillsicht- lich des Zwangsvertrages mit Gottsacker und der dazu ergangenen landrätlichen Verfügung ein obsiegendes Urteil. Ferner weigerte sich die Kasse nun, die Rechnungen Gotts- ackers zu begleichen. Im Zibilprozeß wurde sie aber dazu vcr- urteilt. Nun machte die Kasse im Zipilstreit den Landrat Schcrcr regreßpflichtig. BS handelte sich um einen Betrag von etwa 2096 M. Bevor es in diesem Prozeß gegen den Landrat zu einer Prozeß- Verhandlung kam, erhob die lliegierung zu Koblenz zugunsten des Landrats den Konflikt und verlangte die endgültige Einstellung des Verfahrens. Das Oberverwaltungsgericht erklärte den Konflikt der Regie- rung für unbegründet, so daß dem Prozeß der Kasse gegen den Landrat Fortgang zu geben ist. Gründe: Unter dem 22. Januar 1906 habe der Landrat der Kasse zunächst mitgeteilt, daß er die Krankenbesuche Dr. Gottsacker übertragen habe und daß eS bei dem Zustande bleiben solle, bis die Kasse einen eigenen Arzt habe. Darauf habe die Kasse sich die Sache in Ruhe überlegen können. Am 24. Januar habe der Landrat dann mit Gottsacker den Ver- trag abgeschlossen, der Dr. G. auf ein Jahr band, ohne daß der Landrat der Kasse vorher davon Mitteilung gemacht habe. Unter diesen Umständen könne von einer Weigerung der Kasse, für aus- reichende ärztliche Hilfe zu sorgen, keine Rede sein.— Aber selbst wenn man sagen wollte, es käme einer Weigerung gleich, wenn die Verhältnisse dem Vorstande die Erfüllung ihrer Pflicht unmöglicy mache, wäre der Konflikt doch unbegründet. Denn aus den Akten müsse entnommen werden, daß allerspätestens am 24. Januar früh im Landratsamt eine Karte gelangt sein müsse, auf der Dr. Müller sich der Kasse zur Verfügung stelle. Dadurch würde sich der Zwangs- vertrag erübrigt haben. Das Uebersehen der Karte falle dem Land- rat als Verletzung der Amtspflicht zur Last. Wieder einmal ein Fall, in dem die Kasse gezeigt hat, daß sie gesetzmäßiger als die Aufsichtsbehörde handelt. Eingegangene Druchrcbnftcn. DaS Programm. Nr. 590.«rlistischcS Fachblatt. Jubiläums. Nummer. C- scheint wöchentlich. VIertelj. 4 M.„Proaramm". Berlin W. 8. BruckmannS Almanach für das Jahr ISIS. 50 Pj. F. BuiS- mann, München. Fübrer für den deutschen Reichstagswählcr. Bearbellet von Otto Schröier. 1.40 M. A. Dolge, Stuttgart. Menschenwege. Neman von Jens Z. Kielland. 2 M.. geb. 4 M.— Um des Lebens Willen. Erzählung von I. Kiiildseii. 141 Seiten.®. Merscburger, Leipzig. � TotstoiS Nachlaß. Bd. 1. S M., geb. 3 M. I. Ladyschllikoiv. eine neuartige Haushaltseife von fabelhafter Wafchkraft. Die Kavon-Seife wird nach einem ganz netten Verfahren gewonnen. Bekanntlich sind die Seifen, die jetzt meiftens zur Wäfche benutzt werden, mit Hilfe von Natronlauge oder Soda hergestellt. 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Im Jahre 1895 wurden bei der Gewerbezählung in der Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 18 921 Motorenbetriebe mit 293 238 Pferdestärken gezählt, im Jahre 1907 aber 3b 899 Motorenbetriebe mit 498 925 Pferdestärken. Die Zahl der Motorenbetriebe hat sich also in den 12 Jahren der- doppelt, während in den drei großen Gewerbeabteilungen (Gärtnerei und Tierzucht, Industrie, Bergbau und Baugewerbe und Handel und Verkehr) die Zahl der Motorenbetriebe im gleichen Zeitraum nur eine Steigerung um 84,9 Proz. erfahren hat. Die Bedienung der Holzbearbeitungsmaschine— Hobelmaschine, Kreis- und Bandsäge, Fräse usw.— wurde ursprünglich allgemein von dem Tischler besorgt, der, wenn er sein Material an der Maschine vorgerichtet hatte, das Arbeitsstück' an der Hobelbank fertigstellte. In dieser Beziehung ist seither eine starke Aenderung eingetreten. Den altväterlichen Zustand, daß der Bankarbeiter die Holzbearbeitungsmaschine benützt, trifft man heute nur noch in kleinen Betrieben und in rückständigen Gegenden. Die Regel ist, daß an jeder Maschine ein ständiger Maschinenarbeiter steht. Diese Spezialarbeiter rekrutieren sich zum Teil aus ehemaligen Banktischlern, die gewissermaßen die Elite der Maschinenarbciter abgeben. Daneben trifft man aber auch Arbeiter an den Maschinen, die ehemals einen anderen Beruf erlernt haben, oder auch un- gelernte Arbeiter, die vorher auf dem Holzplatz oder mit sonstigen Handarbeiten in der Holzindustrie beschäftigt waren. Eine reguläre Lehrzeit zur Ausbildung an den Maschinen ist nicht üblich. Oft werden dem neuangestellten Arbeiter nur die allernotwendigsten Handgriffe gezeigt und er versucht dann auf eigene Faust sein Glück. Nicht selten macht aber eine Verletzung der Laufbahn des Neulings als Maschinenarbeiter ein schnelles unfreiwilliges Ende. Die Zahl der Holzbcarbeitungsmaschinisten ist statistisch nicht erfaßt. Daß sie recht erheblich ist, kann man daraus schließen, daß bei der Gewerbezählung im Jahre 1997 in der Industrie der Holz- und Schnitzstofse unter anderem gezählt wurden: 191928 Kre:S-, Band- usw. Sägen, 34 786 Hobelmaschinen, 25 388 Fräs- inaschinen, 25 867 Bohrmaschinen, 21 987 Schleif- und Polier- Maschinen, 29 457 Sägegatter usw. Ist auch die Zahl der Maschinen- arbeiter mit der der hier genannten Maschinen nicht identisch, so darf aus der Menge der vorhandenen Maschinen geschlossen werden, daß die Holzbearbeitungsmaschinisten ein recht beträcht- liches Kontingent zu den Holzarbeitern stellen. Ein sehr erheblicher Teil der Maschinenarbciter ist nicht organisiert, denn der zu- ständigen Organisation, dem Deutschen Holzarbeiterverband, ge- hörten nach der Zählung am Schluß des vorigen Jahres nur zirka 12 999 Maschinenarbeiter an. Die Lohn und Arbeitsbedingungen sind im großen und ganzen denen der Tischler gleich. Wo Verträge abgeschlossen sind, sind die Lohnsätze der Maschinenarbeiter mancher- orts um ein geringes hoher, an anderen Orten aber auch etwas niedriger normiert als die der Tischler. Das erklärt sich zum Teil aus dem verschiedenartigen Rekrutierungsgebiet der Maschinen- arbeiter, die, wie bereits erwähnt, zum Tarif hochqualifizierte Tischler, zum Teil aber angelernte Tagelöhner sind. Sehr elende Lohn- und Arbeitsbedingungen findet man bei den Arbeitern in den Sägewerken in Ost- und Wcstpreußen, in Bayern, im Schwarzwald usw. Arbeitszeiten von 14 bis 18 Stunden und ent- sprechend niedrige Löhne sind dort noch an der Tagesordnung. Mit dem Fortschreiten der Organisation in diesen zurückgebliebenen Gegenden macht sich aber auch hier eine Besserung bemerklich. Außerordentlich groß ist die Unfallgefahr an den Holz- bearbeitungSmaschinen. In den amtlichen Unfallstatistiken tritt das allerdings nicht sehr in Erscheinung, denn nach diesen erleiden nur etwa 4 bis 5 Proz. der in der Holzindustrie beschäftigten Ar- beiter jährlich einen Unfall. Zieht man aber die Mgschinen- arbeiter allein in Betracht, dann ergeben sich ganz andere Unfall. Ziffern. Bei einer im Jahre 1994/95 von den Berliner Maschinen- arbeiter» aufgenommenen Statistik ergab sich, daß in diesem Jahre 57,24 Proz. der Berufsgenossen einen Unfall erlittem Aehnliche Ergebnisse zeitigten auch andere Aufnahmen. Diese Zahlen machen es erklärlich, daß ein- Maschinenarbeiter, der seinen Beruf schon einige Jahre ausübt, und noch im Besitz seiner sämtlichen Finger ist, als ein Glückskind betrachtet wird. Eine Abstimmung in einer Berliner Maschinenarbeiterversammlung, die im letzten Winter photographtsch aufgenommen wurde, um auf der Dresdener HygieneausstelluP ausgestellt zu werden, zeigt einen Wald von verstümmelten Handem Und das sind immer noch verhältnismäßig glimpfliche Verletzungen. Nur zu oft besorgt die Maschine ihr Werk so gründlich, daß der Verletzte dauernd zum völligen Krüppel wird. Den Kampf gegen die Unfallgefahrcn hat der Deutsche Holz- arbeiterverband schon lange auf seine Fahnen geschrieben, und die in vielen Orten bestehenden Sektionen der Maschinenarbeiter haben ihn seither schon mit anerkennenswerter Energie und nicht erfolg- los geführt. Um die gemachten Erfahrungen auf dem Gebiet aus- zutauschen und gewissermaßen ein Programm für ein planmäßiges Arbeiten aufzustellen, hat der Vorstand des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes eine Konferenz der Maschinenarbeiter, Schneidemüller, Säger usw. einberufen, die vom 12. bis 14. November in München getagt hat. Mit der Konferenz ver- bunden war eine Ausstellung für Unfallschutz, in welcher eine große Zahl von recht mangelhaften, aber auch einige muster- Haft eingerichtete Maschinenwerkstätten im Bilde vorgeführt wurden. Die Menge Photographien von verstümmelten Händen gewährten zwar keinen freundlichen Anblick, zeigten aber recht drastisch die Gefahren, welchen die Maschinenarbciter stündlich ausgesetzt sind. Anerkcnnenswertcrweise haben' auch die zuständigen behördlichen Organe dem Kampf der Arbeiter gegen die Unfallgefahren das er- forderliche Interesse entgegengebracht. An der Konferenz nahmen mehrere Mitglieder der bayerischen Gewerbeinspcktion, unter ihnen der bayerische Landesgewerbearzt sowie Ver- treter der Bayerischen und der Süddeutschen Holzberufs- genossenschaft, teil, die sehr aufmerlsam den Virhand- lungen folgten. Die Hauptreferate wurden von Jaek-Berlin und Anton R a i t h- München gehalten. Ersterer hatte es übernommen, die Unfallgefabren der Maschinenarbelter zu schildern, während letz- terer die Forderungen formulierte, welche die Maschinenabeiter an die Gesetzgebung, an die Gewerbeinspektion und an die Berufs- genossenschaften stellen. Beide Referate waren klar, verständlich und gehaltreich und von den aufgestellten Forderungen kann kein Sachkenner behaupten, daß sie übertrieben seien. Das Material, welches die Referenten vorbrachten, wurde in der umfangreichen, aber streng sachlichen Diskussion wirksam ergänzt. Hier kamen die Männer zum Wort, welche die Gefahren der Maschine aus dem täglichen Umgang mit ihr kennen. Und was sie berichteten, ist weit schlimmer, als viele, die den Dingen weniger nahestehen, bisher an- nahmen. Die notwendigsten Schutzvorrichtungen an den Maschinen fehlten oft ganz oder sie sind nicht gebrauchsfähig. Vorrichtungen, wie die runde Messerwelle an der Hobelmaschine, welche die fürchter- lichen Handverstümmelungen, die beim Gebrauch der seitherigen Vierkantwelle öfters vorkamen, erfolgreich verhindert, werden viel- fach aus Ersparnisrücksichten nicht angeschafft. Während die Süd- westdeutsche Holzberufsgenossenschaft durch energisches Vorgehen die Einführung der runden Messerwelle in allen Betrieben er- zwungen hat, lassen andere Berufsgenosscnschaften und auch Ge- Werbeinspektoren in dieser Beziehung eine sehr unangebrachte Nach- ficht walten. Viele Unfälle werden verursacht durch unvernünftige Antreiberei, welche ttzils von den Unternehmern, teils auch, von den Tischlern ausgeht, die in ihrem Akkord durch die Maschinenarbeit nicht aufgehalten werden wollen. Sehr häufig sind die Klagen über die unzulängliche Revision der Betriebe. Die Gewerbeinspektoren lassen sich oft jahrelang nicht sehen und viele von den Herren besitzen eine so gering« Spezial- kenntnis, daß ihnen offensichtliche Mängel entgehen und es den Unternehmern leicht fällt, sie zu täuschen. Die vorherige Anmeldung des kontrollierenden Beamten scheint noch sehr im Schwange zu sein, wie die rechtzeitige Herrichtung der Betriebe für den bevor- stehenden Besuch erkennen läßt. Es ist aber anzunehmen, daß dies« Anmeldung auf freundnachbarliche Liebesdienste, welche sich die Un- ternehmer gegenseitig erweisen, zurückzuführen ist. Zur Beratung der Unfallverhütungsvorschriften sind auf Grund des Unfallversiche- rungsgesetzes auch Arbeiter gewählt. Unter den Delegierten waren verschiedene solcher Kommissionsmitglieder, die schon vor Jahren gewählt wurden, aber noch nie eine Einberufung zu einer Sitzung erhalten haben. Ein sehr wunder Punkt sind die Exhaustoren. Es gibt Betriebe mit gut funktionierender Staubabsaugung, in der Mehrzahl der Betriebe ist diese aber unbekannt. Die Unfallverhütungstechnik ist heute soweit vorgeschritten, daß es möglich ist. auch die gefährlichen Holzbearbeitungsmaschinen nahezu gefahrlos zu machen, aber— Arbeiterknochen sind billig, und so unterbleiben die notwendigsten Schutzmaßnahmen. Ihre Wünsöhe und Forderungen in bezug auf den Unfallschutz legte die Konferenz nieder in der nachstehenden, von Raith-München einge- brachten Resolution. „Die EntWickelung der zahlreichen Betriebsarten in der Holz- industrie bedingt eine stetige Steigerung in der Verwendung von Maschinen zur Bearbeitung des Holzes. Diese Maschinen haben bei Nichtanwendung genügender Sicherheitsmaßnahmen wegen ihrer technischen Konstruktion und Betriebsweise besonders schwere Verletzungen und Verstümmelungen der sie bedienenden Arbeiter im Gefolge, so daß die vermehrte Anwendung dieser maschinellen Arbeitsmittel auch eine sich täglich steigernde Ge- fahr für Leben und Gesundheit der Holzarbeiter in den Ma- schinenbetrieben mit sich bringt. Da die Unfallziffern sich ständig erhöhen und die bisherigen gesetzlichen Vorschriften und Anord- nungen der Berufsgenossenschaften zum Schutze der Arbeiter in den Holzbearbeitungsfabriken, Sägewerken und ähnlichen Be- trieben sich als völlig unzureichend erwiesen haben, fordert aus allen diesen Gründen die Konferenz: A. Von den Berufsgenossenschaften: Vermehrung der Aufsichts- und Kontrollorgane in der Weise,. daß wiederholte und gründliche Revisionen sämtlicher der Berufs- genossenschaft unterstellten Betriebe alljährlich möglich sind. Anstellung von Betriebskontrolleuren aus den Kreisen der Maschinenarbe iter. Erweiterung der Vorschriften über Anbringung von Schutzvorrichtungen an Holzbearbeitungsmaschinen und strengere Maß- nahmen zur Durchführung dieser Vorschriften. Anwendung hoher und wiederholter Geldstrafen gegen Unter- nehmer, die den erlassenen Borschriften zuwiderhandeln. B. Von der Gewerbeinspektion: Veranstaltung von Vorträgen über Arbeiterschutz und wirk- same Anwendung von praktischen Schutzvorrichtungen in Arbeiter- kreisen. Zuziehung von Maschinenarbeitern bei Revision der Betriebe. C. Von der Gesetzgebung: Vermehrung der AufsichtSorgane bei den Gewerbeinspek- tionen, um eine gründliche und wiederholte Revision aller der- selben unterstellten Betriebe zu ermöglichen. Anstellung von Gewerbebeamten aus den Kreisen der Ar- beiter. Festsetzung eine» Maximalarbeitstages von 19 Stunden für alle Betriebe der Holzindustrie und Herabsetzung desselben inner- halb gesetzlich zu bestimmender Frist auf täglich 8 Stunden. Gänzliches Verbot der Frauenarbeit an HolzbearbeitungS- Maschinen, in Sägewerken u»rd Holzlagerplätzen. Verbot der Bcichäftigung jugendlicher Arbeiter und Lehr- ltnge unter 17 Jahren an den Maschinen. Gewährung polizeilicher Strafbefugnis an die zur Beauf- sichtigung der Betriebe angestellten Gewerbe- und Aufsichts- beamten. Einführung von Pflichtunterrichtskursen für alle Arbeiter an Holzbearbeitungsmaschinen über Unfallverhütung an den Ma- schinen und Anwendung der voiHeschriebenen Schutzvorrichtungen." Nach einem Referat von D o l l e s ch e l- München über„das Rechtsstreitverfahren in der Unfallversicherung und die Unfall- rentenfestsetzung" wurden noch einige organisatorische Fragen er- ledigt. So wurde beschlossen, im Deutschen Holzarbeiterverband eine Z e n t r a l k o m m i s s i o n der Moschinenarbeiter mit dem Sitze in München einzusetzen. Sie soll zugleich als Zentral- stelle für den Unfallschutz in der Holzindustrie gelten. Zu dem Kveck soll sie die oben erwähnte Ausstellung in ihr« Verwal- tung nehmen, sie fortdauernd vervollständigen und sie zu einer WanderauSsteflung für den Arbeiterschutz in der Holz-- industrie ausgestalten. Der Verlauf der Konferenz läßt erwarten, daß die Arbeit, die sie geleistet, von dauerndem Werte sein wird. Die Maschinenarbei- ter werden ihr möglichstes tun. daß der Appell, mit dem Raith sein Referat schloß, tiicht vergeblich verhallt: „Im Namen der Hinterbliebenen unserer Berufskollegen, die die Maschine erschlagen, der Tausende von Kollegen, denen, diese ihre gesunden Glieder zermalmt, im Namen der gesamten Maschi- nisten und Säger, die täglich den drohenden Gefahren entgegen- treten müssen, erheben wir unser« Forderungen, in dem Bewußt- sein, an einem gemeinsamen Werke sozialer Fürsorge, Humanität und Menschlichkeit mitzuarbeiten." /■Iiis Indurtm und Handel. Gewinne der Berliner Elcktrizitätsgesellschafteu. Die dem Aufsichtsrat der Siemens u. Halste Aktien- gesellschaft in seiner gejirigen Sitzung vorgelegte Bilanz zeigt einen Reingewinn von 12 328 743 M. gegen 11 594 258 M. im Vor- jähr, aus welchem nach dem Vorschlag der Verwaltung wieder eine Dividende von 12 Proz. ausgeschüttet werden soll. Dem Spezial- reservefonds sollen 2 299 999 M. gegen 1 599 999 M. und dem Dis- Positionsfonds 359 999 M. überwiesen und außerdem 899 999 M. gegen 799 999 M. für Gratifikationen an Angestellte und Arbeiter verwandt werden. Der Vortrag auf neue Rechnung beträgt 1984 379 M. Dem AufsichtSrat der SiemenS-Schuckertwerke G. m. b. H. wurde in seiner gestrigen Sitzung der Geschäftsbericht und die Bilanz pro 31. Juli 1311 vorgelegt. Der Reingewinn wird mit 13 439 967 M. gegen 19 692 481 M. im Vorjahr ausgewiesen. Es wurde beschlossen, den Gesellschaftern die Verteilung einer Divi- dende von 19 Proz., wie im Vorjahre, und die Ueb'erweisung von 2 599 999 M. an einen neu zu bildenden Reservefonds in Vorschlag zu bringen. Ferner sollen 1 399 999 M. für Gratifikationen an An- gestellte und Arbeiter verwendet und 359 999 M. dem Dispositionsfonds zugeführt werden, Auf neue Aiechn�ng werden 289 967 M. vorgetragen Hua der frauenbewegung* Mr und Wider die Ehe. Frau Grete Weisel-Heh stellte in einem Vortrag über dieses Thema die Institution der. Ehe in den. Mittelpunkt der Kritik. Sie analysiert Paerst die Momente, die die Ehe vor alle»» anderen Verbindungen auszeichnen und sieht in dem Moment der offiziell erklärten, gemeinsamen Repräsentation eines sexual und sozial verbündeten Paares, von Mann und Weib das eigentliche che- l ich e Prinzip, welches sie für einen hohen Kulturfaktor er- klärt. Sie analysiert in eingehender Weise die Gefahren der Liebes- gemeinschaft als Experiment, also der„freien Liebe". Neben dem sozialen Moment bezeichnet die Rednerin als zweiten Kolossal- Pfeiler der Ehe das Suggestionsmoment der Ehe, das Gefühl der Verbundenheit, das schlechterdings unersetzlich ist. Diese beiden Momente bilden den Wert der Ehe, darum soll und wird sie iminer das Streben der Menschen bleiben- Diese Gebundercheit darf aber nicht erpreßt werden durch alle möglichen Konjunfture»», die init dem Wesen der Sache nichts zu schaffen haben, und jene Menschen, die diesen Glückszustand dauernder und freiwilliger sexual-sozialcr Dauergemeinschaft nicht erreichen, dürfen deswegen ihres Ge- schlechtslebens nicht beraubt werden. Die Rednerrn zitiert das Motto ihres Büches„Die sexuelle Krise":„Feste und dauernde Monogamie ist ein ausgezeichneter Zustand, weil er die Energien des Menschen für andere außerhalb der Erotik liegende hohe Auf- gaben schont. Aber als erste Karte ist die richtige Monogamie wohl nicht im Lebensspicl zu ziehen." Das Recht auf eine durch die Verhältnisse eventuell sich ergebende Aufeinanderfolge jeweilig monogamer Beziehungen muß auch außerhalb der Ehe gesell- schaftlich anerkannt werden». Die schlimmste Folge der-herrschenden Moral, welche heute das freie Verhältnis brandmarkt, sei die Röti- gung zur Hintertreibung der natürlichen, Fruchtbarkeit,»vodurch die echte Auslese durchkreuzt werde, während die verfälschte Auslese floit ihr Spiel treiben könne. Dadurch werde die Enttvicklungs- mögl'chteit der Art(Gattung, Raffe) zu immer höheren Exemplaren durchkreuzt. Nicht gegen die Ehe als Institution werde also gc- kämpft, sondern nur dafür, daß einer unerwünschten Ehe ein er- wünschtes freies Verhältnis, auch wenn eS die Ehe nicht bietet, vorgezogen werden könne und dürfe, ohne Gefahren für die Bc- teil'gten. Frau Meisel-Hcß führt aus, daß man die Ehe sogar er- finden müßte, wenn sie nicht bestände, und daß nur der terroristische Absolutisinus, mit dem sie das ganze Geschlechtsleben unter ihr Schema zu bringen sich anmaßt, zur Reform der sexilellen Ethik drängt. Sie schildert die Verheerungen, die die erzwungene Askese besonders out die Frau ausübt, und die unheilvolle Kontraselektion, die sich gerade dadurch ausbreite, daß die reife Jugend von der Fortpfla.ckzung vielfach abgeschnitten ist, und der Mann erst zur Fortpflanzung gelangt, wenn er den Höhepunkt biologischer Reife und Kraft überschritten hat. Sie charakterisiert die echte weibliche Sehnsucht nach Mutterschaft, die unter den heutigen Verhältnissen, die die Ehe aus echter Neigung vielfach erschweren, häufig nicht zu ihrem Rechte gelangt. Sie fordert gesellschaftliche Maßnahmen, die den Eltern die Kinder aufz'ehen helfen. Die Mittel dazu sollten durch Steuern, die in späteren Jahren, zur Zeit der vollen Erwerbsfähigkeit geleistet würden, hereingebracht werden. Keines- falls dürften die beiden Momente der späten Zeugung und der späten Erwerbsfähigkeit zusammenfallen, wenn wirklich von der Erzeugung eines immer höher qualifizierten Nachwuchses die Rede sein soll. Das hieße, die Ehe und die Fortpflanzung wirksamer begünstigen, als wenn man die Schutzmittel verbietet. Frau Meisel-Heh charakterisiert dann verschiedene Reform- Vorschläge und bezeichnet den Vorschlag von Meredith auf„Probe- ehe" als besonders flach, weil er das wertvollste Moment der Ehe, das Gefühl der dauernden Verbundenheit, ausschließt. Sie teilt die Reformvorschläge in solche, die mit dem Prinzip der Monogamie brechen Uno jene, welche es bei aller Freiheit der Beziehungen er- halten zu sehen wünschen. Sie erklärt, daß sie nur dieses letztere Pi�nzip, welches die Monogamie als da» unentbehrlichste Ideal erhalten sehen will, anerkenne. Sie gebraucht das Wort„Ideal" in philosopischem Sinne als die Inkarnation von Idee(der plato- nischen Eidea), welche zielweisend wirkt. Die Bekämpfung der doppelten Moral»verde gewöhnlich falsch verstanden. Es handelt sich weder darum, daß das Weib die Freiheiten der Ausschweifung begehre, noch daß der Mann in Askese lebe bis zur Ehe, sondern, die Wahrheit liege in der Mitte. Weder Askese rioch ckebauobe sei anzustreben, aber die Möglichkeit erotischen Erlebens müsse sowohl für den Mann wie für die Frau gefordert werden. Sie führt aus, daß der sexuelle Reformkampf nicht dem Genuß gelte, der die Seele depraviert, sondern im Gegenteil, hohe sittliche Ziele'verfolge. Mit den Forderungen nach Freiheit gehen Hand in Hand solche dxr Beschränkung, der strengsten. Selbstzucht, im Hinblick auf das Wohl und Wehe der Nachkommenschaft.— Das aufgerollte Problem ist vorwiegend ein bürgerliches und wurde auch von Frau Meisel-Heß besonders hinsichtlich der Gefühls- feite als solches behandelt. Für das Proletariat, daö keine asketischen, alten Jungfern kennt und keine verbrauchte Manneskraft, die grauhaarig und kahlköpfig zur Ehe wie zu einem letzten Mittel greift, kommt die Ehe vorwiegend als wirtschaftliches Problem in Frage. Die Beziehungen der Geschlechter untereinander sind beim Proletariat- viel gesinidere als in der bürgerlichen Gesellschaft. Nur da? Prostituierkenheer, das sich als Folge der bürgerlichen Ehe- korruption aus dem Proletariat rekrutiert, zieht das Proletariat in Mitleidenschaft. Nur der Befreiungskampf des Proletariats aus kapitalistischer Knechtung wird für die Ehe den Boden bereiten, auf dem sie sich zum Wohle der gesamten Menschheit zu dem Ideal entwickeln kann, wie es auch Frau Meisel-Heß ihren Ausführungen zugrunde legte._ Gerichts-Zeitung. Die Folgen einer Sistierung. Nach einem Gewitterregen tvar ein Teil der Dorckstraße über- schwemmt. Jungens pantschten im Wasser, einige von ihnen be- gingen in jugendlicher Ausgelassenheit Handlungen, welche die Po- lizei als Unfug betrachtet und dagegen einschritt. Zahlreiche Neu» gierige standen auf der Straße und amüsierten sich über den ver- meintlichen Unfug der Knaben, sowie über die Jagd, welche Schutz- lcute init Hilfe großer Jungens auf die kleinen„Uebeltäter" mach- ten. Unter dem Publikum befanden sich Frau Golke und ihre Mutter, Frau Knoop. Die Tochter machte zu der Mutter eine Be- merkung worin die Worte vorkamen:„Der Junge mit der blau- und weiß gestreiften Jacke". Polizeiwachtmeistcr Riedel verstand:«Laßt doch die Blauen die Jungens selber aus dem Waffer holen." Darauf ergriff Riedel die Frau Golke und führte sie nach der Polizeiwache. Frau Golke soll dem Beamten Widerstand geleistet Haben. Das Schiffengericht hat sie deswegen zu 39 M. Geldstrafe verurteilt. Frau Knoop ist wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 10 M. verurteilt worden. Sie soll, als sie auf der Polizeiwache nach ihrer Tochter fragen wollte, einen Schutzmann geschimpft haben. Infolge Berufung der Angeklagten wurde die Sache gestern dor dem Landgericht II verhandelt. Nach Angabe der Angeklagten liegt hier ein Fall vor, wo nicht die Schutzleute, sondern die beiden Franen schwer beleidigt, die Mutter sogar körperlich schwer verletzt ist, worauf dann aber nicht die schuldigen Schutzleute, sondern die beiden Frauen angeklagt worden sind. Frau Golke sagt, der Schutzmann Bonert, der sie gcincinschaft- lich mit dem Wachtmeister Riedel sistierte, habe sie so fest gepackt, daß ihre Bluse aufriß, so daß sie mit entblößter Brust weitergeführt wurde. Sie habe gebeten, man möge sie loslassen, damit sie die � Bluse zumachen könne. DaS sei ihr verweigert worden, Dann habe sie gebeten, einer der Beamten möge die Bluse schließen. Sie habe die Antwort bekommen:„N« warte man, bis wir oben sind, da wer- den wir Dir schon vonwegen Bluse zumachen." Ihre wiederholte Bitte, man mooe sie loslassen, sie werde ruhig mitgehen, sei un- beachtet geblieben. Mit Gewalt sei sie nach der Wache gebracht. Hier habe sie um ein Glas Wasser gebeten, aber statt dessen habe ihr einer der Beamten zugerufen:„Wir werden Dir gleich bei Wasser". Mit einem Stos» in den Nucken sei sie in die Zelle befördert, so daß sie hineinflog. Tort sei sie eingesperrt worden. Fran Knoop sagt, sie sei nach der Wache gegangen, um nach ihrer Tochter zu fragen...Machen Sie. daß Sie rauskommen," habe sie ein Schutzmann angeschrien. Als sie nochmals versuchte, etwas über ihre Tochter zu erfahren, habe der Schutzmann geschimpft: „Berfluchtcs AaS. alte dicke San, mach, daß Du raus koininsi. sonst schmeisie ich Dich die Treppe hinunter." Sie habe sich die Be- schimpfung verbeten, da habe sie der Schutzmann mit solcher Gewalt hinausgeworf«»», daß sie die Treppe hinunter siel und dabei den Arm brach. Bor Schmerzen habe sie nicht gleich weitergehen können und sich deshalb auf die Treppe gesetzt. Da habe der Schutzmann ge- rufen:„Sie Aas sihen ja noch hier." Als sie die Straße betrat, hätten ihr einige Zeugen ihre Adressen angeben wollen. Der Schutz- mann, aber habe das verhindert und den Leuten gedroht, er werde die Plempe ziehen, wenn sie Nicht machen, daß sie fortkommen.— Am anderen Tage ging Frau Knoop zum Polizeileutnant und bat uni die Namen der Schutzleute, mit denen sie tags zuvor zu tun hatte. Der Leutnant habe sie abgewiesen mit den Worten:„Machen Sie, das« Sie fortkommen, sonst lasse ich Sie hinunterbringen." Daß Frau Knoop mit heilen Gliedern die Wache betrat und nach kurzer Zeit mit gebrochenem Arm wieder herauskam, ist eine feststehende Tatsache. Der gebrochene Arm ist auch nach seiner Heilung dauernd steif geblieben. Die an der Affäre beteiligten Schutzleute gaben eine Dar- stellung, die in allen wesentlichen Punkten den Angaben der An- geklagten widerspricht. Nach der Aussage der Schutzleute soll sich Frau Golke von Anfang an der Sistierung, über deren Grund Wachtmeister Riedel widersprechende Angaben machte, widersetzt haben, so daß außer dem Wachtmeister noch die Schutzleute Bonert inrt) Siebert hätten zugreifen müssen, um des Widerstandes der an sich recht schwächlichen, gegenwärtig kranken Frau Golke Herr zu werden. Schutzmann Bonert will dabei sogar einen Stoß von der schwachen Frau bekommen haben, der ihn nötigte, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.— Während noch den durchaus sicheren An- gaben eines Augenzeugen Frau Golke schon'auf der Straße mit aufgerissener Bluse von den Schutzleuten transportiert wurde, be- haupten die beteiligten Schutzleute, erst auf der Wache habe sich Frau Golke selbst die Bluse ausgerissen und dann verlangt, die Schutzleute sollten die Bluse zumachen. Da Frau Golke, wie die Schutzleute sagen, auf der Wache fortwährend geschimpft habe, so habe man sie in die Zelle gesperrt, damit sie sich beruhige. Auch Frau Knoop soll nach Angabe des Telegraphisten Paalzow und des Schutzmanns Leczensky schimpfend auf die Wache gekom- men sein. Tie Frage des letzteren, was sie wolle, soll sie mit den Worten beantwortet haben:„Verfluchte Hunde, ich will meine Toch- ter befreien." Paalzow sagt:„Ich brachte die Frau hinaus". Lenezensky sagte:„Ich führte die Frau hinunter bis zum nächsten Treppenabsatz." Bei welcher Gelegenheit sich Frau Knoop den Armbrüch zuge- zogen hat. der sogleich als sie aus dem Hause der Polizeiwache trat, bemerkt und auf der Unfallstation verbunden wurde, dafür hat keiner der Beamten eine Erklärung. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld die Freisprechung der Frau Gölte, die sich des Widerstandes nicht schuldig gemacht habe und Herab- setzung der gegen Frau Knoop verhängten Strafe. Das Gericht erkannte, dem Antrage des Staatsanwalts gemäß. auf Verwerfung" der Berufung. Es bleibt also dabei, daß Frau Golke wegen Widerstandes 30 M. und Frau Knoop wegen Beleidi- gung 10 M. Strafe zu erlegen hat. Anfangs Juli sandte die Regierung den„Panther" zum Schutz der 2 bis 5 in Agadir lebenden Deutschen. Wieviele Regimenter müßten gegen die Polizei zum Schutz der in Preußen lebenden Deutschen ausrücken, wenn wegen jeder schweren durch Schutzleute begangenen Beleidigung und Körperverletzung ähnliche Maßregeln getroffen werden sollten? Oder hält die Regierung den konstatier- ten Armbruch für eine Halluzination? Vielleicht auch den durch Polizeibeamte herbeigeführten Tod des Arbeiters Herrmann? Ein Danerprozetz wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und Bilder begann gestern vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Crüger. Die Anklage richtet sich gegen die Buch- Händler Ltto Gericke, Fricdrichstraße 70, Inhaber der Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung Bernhard Siegel Nachfolger. Der Angeklagte ist schon mehrfach wegen desselben Vergehens, zuletzt mit 000 M. Geldstrafe, bestraft worden. Die jetzige Anklage wird von dem Staatsanwalt Heiniimann vertreten, der Angeklagte wird im objektiven und subjektiven Verfahren vom Justizrat Dr. Richard Wolfs verteidigt, dem auch im objektiven Verfahren die Vertretung des Albert Langenschen Verlages und des Leipziger Berlages ob- liegt. Eine Vertrauensperson der Polizei— eine Frau— hotte in dem Geschäft des Angeklagten mehrere Bücher pornographischer Natur gekauft. Daraufhin wurden mehrere Haussuchungen abge- halten und dabei eine große Anzahl Schriften und Bilder mit Be- schlag belegt,' die nach Ansicht der Anklagebehörde als unzüchtig an- gesprochen werden müssen. Tarunter befanden sich:„Almanach du Jean qui rit",„Almanach de l'amour",„Almanach du Frou-Frou", „Almanach de la gaietä gauloisc",„Die Schönheit der Frauen" von Dr. P. Hirth und Eduard Deelen,„Mcs modales",„Paradies der Liebe und Ehe",„Illustrierte Sittengeschichte von Fuchs",„Weib- liche SckHnheit" von Dr. Bruno Meyer,„Schönheit des weiblichen Körpers",„Pariser Salon",„Moderner Boccaccio", ferner eine Unzahl von Postkarten, sadistische Bücher, Reproduktionen von Ge- mälden, Photographien nach Bildern berühmter Meister usw. Da es nötig ist, die vielen beschlagnahmten Schriften zu verlesen, so ist für die Verahndlung eine Dauer von drei Wochen in Aussicht ge- nommen. u, \t> vv <0 vi/ V/ w K y�S€S€eeeet»ss-SSSSSSL, Unserem Freunde u. Genossen Emil Schadow senden zu seinem 4S. GeburtS- tage die h e r z l i ch st e n Glückwünsche! Die Pollacten aus der Bauernjchenke. % | Todes-Anzeigen� kür den (. Petersburger Viertel. (Bezirk 3ög.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Tischler Rmtalk Klein Weidenweg 85 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den St. November, nachmiliags 3 Uhr. von der Halle dcS Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersticht Der Vorstand. Dei�cder Holzarbeiter- Verband Den Mii gliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler RmtaR Klein Wcidenweg 85, im Alter von 37 Jahreil gestorben ist. Ehre seinem Aiidrnkcn! Die Bccrdigilng findet am Freitag, den St. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Salle des Zentral-Friedhoses in Frie- drichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vis Orwvsnesitnng. SozialdemokratiselierWahlverein des 6. Kerl. Reichslags-Walilkreises. Am 19. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Maurer Wilhelm Steinkrauß Fehmarn str. 0. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Mittwoch,' den SS. d. Mts.. miiiags 12 Uhr, von der Leichenhalle des Virchow-KrankenhauseS aus statt. S33/t Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deniseiier Bauarbeiter-Verband. Zweigverefn Berlin. Sektion der Puher. Den Mitgliedern sowie den Mit- gliedern des Gesangvereins der Putzer zur Nachricht, datz unser Kollege Wübelm Steinkraus am 19, November nach langem Leiden im Silier von t9 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heule Mittwoch, mittags 12 Uhr, von der Halle des Birchow-Kranken- hauicS aus statt. 141/8 Die Sänger werden gebeten, au der Halle vollzählig zu er- scheinen. Um rege Beieiliguiig ersucht _ Die ürtliche Verwaltung. Statt jeder besonderen Meldung! Danketagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anlSBlich des Hinscheidens meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Milchhändlers August fSclimoldt sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Verein der Milchhändler Rixdorfs sowie dem 20. Bezirk des Wahlvereins Rixdorf unseren tiefgefühltesten Dank. 1699b Wilhelniinc Schill oldt und Kinder. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsei Kollege, der Biersahrer Artur RobiofT von am 18. d. Mts. im Aller 25 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Miilwoch, den 22. d. MtS., nach- miiiags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Friedhofes in Plötzensee aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- sührer 53/9 Bruzt Beier am 19. November im Alter von öl Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mitlwoch, den SS. November cr., mittags 12 Uhr, von der Leichen- balle des Andreas- Friedhofes in Wilhelmsbcrz aus stalt. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Lager- arbeiier Friedricb Haberland am 20. d. Mts. im Alter von 53 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Doimersiag. den 23. d. M..»ach- miiiags 3'/„ Uhr. von der Leichen- Halle des Elisabcih- Fricdhojes, Wollankstratze 66, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltuug. ZentralveM der Böttcher, Weinkiiler und UilMeiter Deutschlands (Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, datz' unser Kollege, der Böttcher Bottiieb Lucks im Alier von 56 Jahren am 20. d. Mis. verstorben ist. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet am Donncrslag, den 23. November, »achmsttagS 3 Ubr, von der Leichenhalle des Nazarelh-Kirch- böses, Nciiiickeildors, Berliner Stratze, aus statt. 39/6 _ Der Vorstand. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlln. Durch den Tod ist unS unser Kollege �uxust Unxe von der Gasanstalt Danziger Slratze entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Aydenken bewahren. Die Bestattung findet heute, den 22. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Friede, iS-Gememdc in Nordend aus stalt. 21/18 Tie Ortsderwaltung. Allen Bekannten und Per- wandten die traurige Nachricht, datz mein lieber Vater, unser Schwiegervater, Grotzvaler und Bruder Gottlieb Trautsch am Sonnabend, den 18. d. M., nach langem Leiden ver- starben ist. Dies zeigt, um stille Teilnahme biilend, im Namen der Hinler- bli ebenen an Oskar Trautsch, Palisaden« stratze 77. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Novembed, nachmittags 31/, Uhr, von der Halle des städlischen Friedhofes in Friedrichsselde auS statt. Beutseber Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin.' Norden II. Den Kollegen zur Nachricht. datz unser Mitglied, der Maurer �osepk �isckalke am 18. November an der Schwind- siichl verstorben ist. Ehre seinem Andenken! -Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittags 2 Uhr aus dem Zentral- Friedhof in Friedrichsselde statt. 141/7 Um rege Beteiligung ersucht Ter Borftand. Am 20. November verstarb nach schwerem Leiden im 73. Lebens- jähre meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Grotzmuiter und Urgrotzmuttcr 1701b Aisria LcKuiie geb.«nkr. Um stille Teilnahme bittet Ernst Schutze. Lübbcner Str. 25. Die Beerdigung findet Donners- tag nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus-Kirch- hoses, Hermannstratze, aus statt. Allen Eenossen und Bekannlen die traurige Nachricht, datz Moniag, den 20. November, früh 9'/, Uhr. meine liebe Frau, unsere' gute Mutter und Grotzmutter �uxuste ifrlt nach langem schweren Leiden ver- starben ist. 78IL Die trauernden Hinterbliebenen .Jose? Arli und Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. November, nachmittags S'/a Uhr, von der Leichenhalle des AuserstehungS- KirchhoscS, Weitzeusecr Weg, aus stalt. Danlzaasiuie. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zavlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Aüolt Klaette sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden»nd Bekannlen. sowie den Mitgliedern des Wahlvereins deS vierten Kreises, Bezirk 395 l, meinen herzlichsten Dank. 1681b Im Namen der Hinterbliebenen: Ww. Agnes Klaette, geb. Bader Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters liei-niann Snrtge sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie dem Gastwirle- verein SW., demSoz. WahlvercinLO., dem Sparvcrcin und allen Freunden unseren iimigiien Dank. 1696b Wilwc AiignMe Rnnge nebst Verwandten. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil- nähme und zahlreichen Kranzspenden beim Heimgänge meiner geliebten Frau und Mutter sage ich allen Freunden und Gäste, insbesondere dem Sparvercin„Wir schassens doch" meinen herzlichsten Dank. 1682b «eocg: Kärnten, Gastwirt, nebst Kindern, Sickingenstr. 1. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines inniggelieblen Mannes, unseres guten Valers 1698b Osksi' Voß sagen wir allen, insbesondere dem Zenlraloerband der Sieinarbeiler DeuIschlandS, Zahlstelle Berlin, unseren innigsten Dank. Frau Berta VoB nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guicii Vaters Wllielm Olbrich sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannlen unseren herzlichen Dank. .Anna Olbrich 17006 ncbsl Kindern. MtnannsTrauenoagazin Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 Stra6e37a(2 Hausvonderl Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. IIS(2. Haus I von der Andreasstraße). I 1 Sehrgr.Ausw.fert. Kleider, I jHiite, Handschuhe, Schleierl ■etc. v. einfachsten bis zuml ] hochelegant Genre z.äußerst J niedrigen Preisen. Soifder-Abteilqng: nattanfertigung in 10 bis 12 Stunden. Jod? lOCW Qwp'' rSfav Aji- ßninaiTicitOUjjiHHf! rai haben in allen einschlägigen Geschäftenj Brillanten alS Spczialiläl auftergewöhnl. billig Max Brinner, Jerusalemer Straße 4». Der Ruf der Firma (gegr.1863) bürgt für strengste Rccllität. 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Kleider lt. 10.— Bnsstag fleftttnet 8—10, IS L. □oo DOÖ □□□ Theater und Vergnügungen nun DOÖ □□□ Mittwoch. 22. N o v b r. 1911; Üliisanq 12 Uhr. St. Schauspielhaus. Matinee. Anlang 3 Ubr. Neues Volkstheater. Der Strom. Ansang'llU Uhr. St. OPernh. Sinsonie-Konzert. Ansang 8 Uhr. Urania. Daubcnstrafte 48/49. Von Mcran zum Ortler. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Pros. Ächreahn: Werden und Vergehen im Wcllenraum. RcueS VoltSthcater. Die lebende Leiche. Neues K. Operntheater. Elia». Deutsches. Judas Maccabäus. Friedr.- Willi. Schauspielhaus. Vereinsvorstellung. Belle-Alliauce. BuhtagS-Konzert. Die übrigen Theater bleiben deS Buh- tages wegen geschlossen. Donnerstag, 23. Novbr. 1911: SInsang 7>/z Uhr. K. Opernhaus, llönigskinder. «.Tchauspielhaus.Robert GuiSkard. Der zerbrochene Krug. Deutsches. Turandot. RöniggräUer Straße. Der Wüstling. .Haverlaud. Spezialitäten. irtuS Busch.(Äala-Vorstellung. irtus Schumann. Gala> Vor» ftellung. Autang 8 Ubr. Urania. Taubenftraße 48/49. Geheimnisse der belebten Natur. Neues K. OPcrniheater. Nomeo und Julia. Kaininerspiele. Nathan der Weise. Vessing. Glaube und Heimat. Berliner. Die Ahnengalerie. Komische Over. Der Troubadour. Neues Tchnvivirlbans. Hans Sonnenstötzers pöllensahrt. Neues. Das Mädel von Moni- martre. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. SileineS. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Elbler. Hocken- jos. Schiller O. Madame Sans-G«ne. Sch>>> r. Eharlottenburg. Don Carlos. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. König Lear. Rose. Der Hüttenbesitzer. >l»etro>>ol. Die Nacht von Berlin. Westen. Die Dame in Rot. LustspielhauS. Die BergnügungS- reise. Trianou. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Baronesse Claire. Gasino. Der selige HollschinSky. Wintergarte». Spezialitäten. 'Itv-lto. Svezialitälen. BaSage. Svezialitäten. Hcrrnfcld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Finna. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Reichspallen. Stcttiner Sänger. Ansang 8'l4 Uhr. FolieS Gnprice. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Teusel, das hat einge- Ichlageul Ansang 8'/, Uhr. Neues Volkstheater. Geographie und Liebe. Belle-Zllliauee. Romeo und Julia. Intimes. Der Brandstifter. Roack. Das Kälhchen von Heilbronn. Voigt. Der Dornenweg. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. «aiser-Panornma. II. Wanderung im Riesengebirgc. Berchtesgaden, Salzbergwerk. Lclijjler-Iveslero.Them" Donnerstag, abends 8 Uhr: Hudamc Sans-Cienc. Der Freitag, abends 8 Uhr: I'farrci* von Klrchfeld Sonnaband, abends 8 Uhr: liladain« lüuns-Cicnc. Schiller-Thealer Donnerstag, abends 8 Uhr: von Onrlou. Freitag, abends 8 Uhr: E» lebe das Lieben. Sonnabend, nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr:, Willlelm Teil. Berliner Theater. Heute: Geschlossen. Morgen 8 Uhr: Die Ahueugalerie. Her io der KöDigsrätzer Straße Heute: Geschlossen. Morgen 7'/, Ubr: Ter Wüstling. Mihi- Mutzi. Neues Theater. Heule: Geschlossen. Morgen 8 Uhr: TaS Mädet von Montmartre. Sonntag 8 Uhr: Her tidolo Bauer. Neues königi. Opern-Theater. Morgen 8 Uhr: Romeo und Julia. Abonnements-Vorstellung. Gastspiel Sophie Wachner. Residenz-Theater. Direktion Richard Sllcxander. Heute: Geschlossen. Morgen und solgende Tage: Ein Walzer von(Chopin. Schwani in 3 Akt. v. Köroul u. Barrö. Sonntag(Totensonntag) abends Uhr: Die Kameliendame. /'-> Achtuny! �o*e-ns.o,,n*-aS' i?6, November) keine Vorstellung.= lSonntax, den lO. Dezember, 3 Ehr, im Neuen Schauspielhause Bjbrnson: Ueber unsere Kraft — L. Teil.— Schauspiel in 4 Akten. Slontag, den 87. Kovembcr, 8 Ehr: 15.(II.) Abeno Stellung im Neuen Schauspielhause Aufführung: BllXl* Nächste Aufführungen: Sonntag, den 10. Dezember, ThaÜa-Theateri Die Thurnbacherin Drama in 3 Akten von Rudolf Grelnz. SV Uraufführung.-WS feonntag, den 7. Januar, Hemifeid-Theater! Simson und Delila Tragikomödie in 3 Akten von Sven Lange. Extravorstellung im Lessing-Theater Rontag, den%5. Dezember (1. Weihnachtstag) 3 Ehr: Einsame Menschen Drama in 5 Aufzügen von Gerhart Hauptmann. Einlaßkarten ä 1,30 M. in allen ZahlsteUen (inkl. Programm und Garderobe). Für die h'achmittags-tnitglieder sind in den Abendabteilungen an den Rontag- abenden im Neuen Schauspielhause Karlen a Mk. 1.30 zu haben. Sr Neue Mitglieder allen Zahlstellen melden für die Nachmlttags- und Abendabtcllnngen. 242/1 Oer Torstand. I. V.: G. Winkler. Theater des Westens. 8 Uhr: Oratorium: Die Schöpfung Morg. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonnabend 4 Uhr zum erstenmal: Max und Moritz. Friedrich- WllhclmstUdt. Schauspielhaus. Heute: Vereinsvorstellung. Mvrgen 3 Uhr: Riinlg Eear mit Ferdinand Bonn in der Titelrolle. Belle-Allianee-Thesltf Heute 8 Uhr: Butztagskonzert. 200 Sänger. Bund Verl. Männerchöre. Morgen 8>/z Uhr: llomeo und Julia. Lmsen-Theater. Mittwoch: Geschlossen. Morgen und solgende Tage: Karonesse Ciaire. OSE=THEATE 1 Grojje Frauljurler Str. 132. Heute: Geschlossen. I Donnerstag, Sonnabend und Sonnlag: Der Hüttenbesitzer. Freitag: Michael Kohlhaas. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schnee- wittchen. Upania. Wissenschaftliches Theater 8 Uhr: Ton Heran zum Ortler. Invalidenstraße 57— 62 Prof. Schwahn 8 Uhr: Werden und Vergehen im Weltenraum. Donnerstag 8 Uhr; Geheimnisse der belebten Tatur. MM» Heute Busttag geschlossen. Morgen Donnerstag, abends 8 Uhr: Noeh nie dagewesener Laeberlolg! Oas Kind Sozialdemokratilcbcr CBablvcmn für den 4. ßerlincr Reicbstacjö-QIahlfcme.- Cbcatcr-Hbcnd am Sonnabend, den 25. November 1911, in JVIörnera :: Konzertralen, früher Keller, Koppenftraße 29.:; Zur Huftabrung gelangt: DCf GfÜf VOl) CllXCtübllf�* fTach der Vorftellung Canz. Die Saaltüren bleiben während der Vorstellung geschlossen. Gröffnung 7 Ohr.—— Hnfang pünktlich S'/a Ohr.—— Eintrittskarte 50 pf. - Voranzeige:- Hm Sonnabend, den 2. Dezember, kommt zur Huffübrung:„Dlß SOlIärpHtlZSSSitl", •1®� � iocischer�NJ CARTER � Heute Bufttag LO»f Eintritt.... Sv El. Kinder unter l0 Jahren die Halste. Morgen nachm. 4 Uhr: •lok-Strsuß-Konzert I Direktion: Willy Cremer. Metropol-Tlieater. Heute: Geschlossen. Morgen Donnerstag, 23. November: Die Nacht von Berlin! Große Jahrcsrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Totensonntag: Trllby._ er iirma. mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Heute geschlossen t Morgen Donnerstag, ab 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Die gesamten grossen komischen Attraktionen. Sonntag, den 26. sTolensonntag): Einmalige Aufführung. „«lugend". LiebeSdranra in 3 Alten v. Max Halbe. Dargestellt von auserlesenen Krästen der Deutschen Bühnen-Genosscnschast. Folies Caprice. Heute: Geschlossen. Morgen und solgende Tage: Nr. 14. Kobi Krach Sonntag, den 26. November er.: Hemridi Heines junge Leiden, Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Das beste Programm der Berliner Varieti-Saison! Claire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat. Phänome. The Black cats engl. Backfisch-Ens. und die lO glhnzenden Tarlet A-Kummern. im Kino. Sonnabend, den 25.November; Premlere! „Der fremde Vogel" Eine Liebestragödie im Spreewald in 3 Akten. In den Hauptrollen: Carl CIcwing vom königl. Schauspielhaus. Azta Ii. leisen, die„Düse der Kino-Kunst. 3 G erüiVnlä- PräcFnsTir N., Chautteesir. 110. Carl Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger. Eintritt 30 Pf. Freitanz. Anfang 8 Uhr. Nachdem — Borzngsknrtcn gelten.— Morgen Donnerstag: Gr. Miiitär-Streichkonzert. Anschliestend: FamjljenkrSnzchen ohne Nachzahlung. 4'OUOWWWÖWWS'W w»«W> Nur noch kurze Zeit. KurfUrstendamm 151 nahe Bahnhof Halensee und Ohar- lottenburg. Heme Bittg gesctiten. Casino Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Heute: Geschlossen. Morgen: Trotz des enormen Andranges Letzter Monat Berliner Posteii-Schlagcr Der selige tzollschiushtj. Sonntag 8 Uhr: vis lochtet des Sträflings. Bnßtas, 22. 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Im April wurden in den Vcrgmannschen Elektrizitätswerken die Löhne der Arbeiterinnen bedeutend herabgesetzt. Durch An- schlag wurde bekannt gemacht, daß die Akkordlöhne der Kitterinnen von 25 auf 16 bis 18 Pf. und die Akkordlöhne der Glüherinnen von 86 auf 66 Pf. erniedrigt werden sollten. Dadurch wäre dec Wochenverdienst der Arbeiterinnen von mehr als 26 M. auf 16 M. pro Woche bei täglich neunstündiger Arbeitszeit herabgesunken. Auch den Schrciberinnen des Betriebes wurde der Wochenlohn, der bis dahin 12,56 bis 21,56 M. betrug, auf 12,56 bis 16,56 M. herabgesetzt. Die Arbeiterinnen konnten sich diese horrende Lohn- Herabsetzung natürlich nicht gefallen lassen. Sie legten die Arbeit nieder und verlangten, daß die bisherigen Löhne weitergezahlt werden. Zu den Streikenden gehörte auch die Arbeiterin Tschitschmann. Nachdem sie einen Tag mitgestrcikt hatte, nahm sie die Arbeit wieder auf. Als sie am Abend aus der Fabrik kam. wurde sie von der draußen stehenden Menge unter der sich auch Streikende befanden, mit unwilligen Be- merkungcn empfangen. Auch einen Stoß erhielt sie. Drei der streikenden Arbeiterinnen, die an diesem Vorgang beteiligt ge- Wesen sein sollen, wurden vom Schöffengericht zu Gefängnisstrafen verurteilt, und zwar eine, die„Streikbrecher" gerufen und ge- stoßöst haben soll, zu zwei Tagen, die beiden anderen, die nur „Streikbrecher" gerufen haben sollen, zu je einem Tage. Das Urteil ist aus Z 153 der Gewerbeordnung ergangen. In der Berufungsinstanz, die sich gestern mit der Angelegen- heit beschäftigte, wurden die Angeklagten in der Hauptsache nur durch die Arbeitswillige Tschitschmann belastet, während andere Zeuginnen nicht recht bestimmte Angaben machen konnten. Ter Staatsanwalt hielt die Anklage aus Z 153 aufrecht und beantragte, die Strafen für die erste Angeklagte auf eine Woche, für die beiden anderen auf je fünf Tage zu erhöhen. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Tr. Heinemann, beantragte Freisprechung und führte aus: Schon die tatsächlichen Feststellungen würden zu einer Verurteilung nicht ausreichen. Selbst aber wenn man annehmen wollte, daß die Angeklagten Streikbrecher gerufen haben, so hätten sie sich nicht im Sinne de? ß 153 schuldig gemacht, denn durch diesen Ruf wollten die Angeklagten ihrer Verachtung gegen die Streikbrecher Ausdruck geben, nicht aber dieselben zur Arbeitsniederlegung veranlassen. Obgleich durch den Streik keine Verbesserung, sondern die Erhaltung der bisherigen Löhne erreicht werden sollte, gelte ein solcher Streik nach der herrschenden Recht- sprechung als eine Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen, weil die Arbeiter, welche keine KündigungS- frist haben, nach herrschender Rechtsprechung keinen rechtlichen An- spruch darauf haben, daß ihnen der heut vereinbarte Lohn auch morgen noch gewährt werde. Nach dieser Deduktion könne ja im vorliegenden Falle§ 153 angewandt werden. Die Anwendung sei aber aus anderen Gründen ausgeschlossen. Eine Lohnhcrab- setzung auf wöchentlich 16 M. bei täglich neunstündiger Arbeitszeit sei eine wucherische Ausbeutung der Notlage eines anderen im Sinne de? Bürgerlichen Gesetzbuches. Leistung und Gegenleistung ständen hier in keinem Verhältnis, um so mehr, als es sich um eine gerade für weibliche Personen im höchsten Grade gesundheits- schädliche Arbeit handele. Die Arbeiterin, die ihre Arbeitskraft verkaufen muß, wenn sie überhaupt die Möglichkeit der Existenz haben solle, befinde sich ohne Zweifel in einer Notlage, die der Unternehmer dadurch wucherisch ausbeute, daß er einen Lohn biete, der weit unter der Grenze des üblichen bleibe. Hier liege also eine Lohnvereinbarung vor, die als Wucher im Sinne des Bürger- lichcu Gesetzbuches angesehen werden müsse und deshalb nichtig sei. Ein Lohnvcrtrag habe demnach nicht vorgelegen. Die Arbeite« rinnen hätten deshalb einen gesetzlichen Anspruch auf einen an- gemessenen Lohn, und das sei— wie unter Beweis gestellt werde— der Lohn, den die Arbeiterinnen vor dem Streik erhielten. Eine Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeits- bedingungen sei dieser Streik also nicht und Z 153 treffe deshalb nicht zu. Abgesehen hiervon, müsse den Angeklagten zugute ge- halten werden, daß sie unmöglich das subjektive Empfinden haben konnten, sie hätten, indem sie die Aufrechterhaltung der bisherigen Löhne verlangten, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen erstrebt. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die An- geklagten sich der ihnen zur Last gelegten Handlungen schuldig ge- macht hätten und der§ 153 hierauf anzuwenden sei. Denn es sei den Angeklagten darauf angekommen, die Zeugin Tschitschmann zur Teilnahme am Streik zu bewegen. Nachdem die Arbeiterinnen mit der Lohnherabsctzung nicht einverstanden waren und die Arbeit niedergelegt hatten, habe kein Arbeitsvertrag vorgelegen, der Streik habe sich also nicht um Aufrcchterhaltung von Vertragsbestim- mungcn gedreht. Von Wucher könne gar keine Rede sein. Die Fabrikleitung sei berechtigt, ihre Löhne festzusetzen wie sie wolle, und die Angeklagten seien nicht verpflichtet gewesen, die Be- dingungen anzunehmen. Wucher im Sinne des Gesetzes liege nicht vor.— Das Gericht verwarf die Berusung, die sowohl von den Angeklagten wie von der Staatsanwaltschaft eingelegt war, und bestätigte das Urteil der ersten Instanz. Tie Polizei als Beauftragte des Auslandes. Ter Zahnarzt Goldenberger war vom Berliner Polizei- Präsidenten in Haft genommen worden, nachdem die russische Rc- gierung seine Auslieferung wegen eines angeblich in Rußland be- gangencn Vergehens(Fälschung von Papieren) verlangt hatte. Goldenberger bevollmächtigte den Rechtsanwalt Tr. OSkar Cohn mit der Wahrnehmung seiner Interessen und dehnte die Vollmacht auch dahin aus, daß der Anwalt der Stahlkammer einer Bank Papiere entnehmen solle. Diese Papiere sollten namentlich dazu dienen, nachzuweisen, daß G. die ottomanische Staatszugehörigkeit besitze und eine Auslieferung nach Rußland somit ohne weiteres ausscheide. Nachdem Dr. Cohn die Papiere dem Bankfach ent- nommen hatte, ließ der Polizeipräsident eS sperren. Beim Rechtsanwalt erschien dann der Kriminalkommissar Fritsche und verlangte namens des Dirigenten der Kriminalpolizei die Herausgabe der dem Bankfache entnommenen Sachen. Er solle sie eventuell de- schlagnahmcn. Der Beamte berief sich auf Z 16 II 17 des All- gemeinen Landrcchts, wonach die Polizei unter anderem Vor- kehrungen zur Aufrcchterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu treffen hat. Der Anwalt gab die Papiere nicht heran?, sondern benutzte sie bei Wahn'.ehmung der Interessen Goldenbergers, zum Beispiel bei Durchführung einer Beschwerde an den Minister. G. wurde später freigelassen. lieber die polizeiliche Verfügung, die dem Bankfach ent- nommenen Sachen herauszugeben, beschwerte sich Rechtsanwalt Tr. Oskar Cohn vergeblich beim Obcrprääsidcntcn. Dieser sagte im Beschwerdebescheide unter anderem: Es habe die Möglichkeit bestanden, daß sich in dem Bankfach Papiere befanden, welche ent- weder als Beweisstücke für die G. zur Last gelegte Straftat dienen oder aus anderen Gesichtspunkten für die Frage der Anwendbar- keit des preußisch-russischen Auslieferungsvertrages vom 13. Januar 1885 von Bedeutung sein könnten. Die Aufgabe der Polizeibehörde, sich die Verwertung dieser Beweisstücke zu sichern, ergebe sich aus den im 8 16 II 17 des Allgemeinen Landrechts umschriebenen all- gemeinen Aufgaben der Polizei, da die Bestimmungen der Straf- Prozeßordnung für ein im Auslande begangenes, im Jnlande nicht verfolgbarcs Vergehen nicht in Betracht kämen. Insbesondere würde es im sicherheitspolizeilichen Interesse geboten erscheinen, einen jenes Vergehens schuldigen Ausländer im Jnlande nicht weiter zu dulden. Rechtsanwalt Cohn klagte gegen den Oberpräsidenien beim Oberverwaltungsgericht, vor dem gestern in der Sache Termin anstand. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht vertrat den Kläger. Er betonte, daß dieser Fall so recht zeige, zu was allem 8 16 II 17 des Allgemeinen Landrechts dienen solle. Die Polizei sehe ihn so an, daß ihrer Tätigkeit beinahe keine Schranken gesetzt seien. I!nd hier kompliziere sich die Sache noch besonders, tndem die Polizei für sich auch die Befugnis in Anspruch nehme, gegen bevollmächtigte Anwälte mit ihren Maßnahmen vorzugehen. Die Rechtssicherheit fordere es geradezu, daß diesem Verfahren des Polizeipräsidenten energisch entgegengetreten werde. Der Anwalt beleuchtete noch die Rechtslage und legte dar, daß das Vorgehen des Polizei- Präsidenten gegen Dr. Cohn, der mit vollem Recht als beauftragter Anwalt in den Besitz der Dokumente gekommen, absolut ungerecht- fertigt sei. Das OberverwaltungSgericht vertagte die Sache. ES soll ein neuer Termin anberaumt werden, um dem Minister Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank vor Gericht. Am 29. Oktober berichteten wir über den Inhalt des vor der Dortmunder Strafkammer begonnenen Prozesses wegen Zusammen- bruchs der Niederdeutschen Bank. Der Prozeß endete gestern nach 17tägiger Verhandlung mit der Verurteilung des früheren In- Habers der Niederdeutschen Bank Ohm wegen Vergehens gegen das Depotgesetz, Urkundenfälschung und Untreue zu acht Monaten Ge- sängnis und 2166 M. Geldstrafe, der Prokuristen Schmitt und Bcnncr wegen Beihilfe zu vier Monate» beziehungsweise einem Monat Gefängnis! die letzteren beiden Strafen wurden durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Marktpreise von Berlin am SO. November ISll.nachSrniitleluiig 6cS Köuigl. Polizeipräsidiums. Marltbatlenpreise.(Kleinbaiidel), lw Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50,00. Speisebobneu weihe. 40,00-60,00. Linsen 40,00-80,00, Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleifch 1,30 bis 1,70. Lchweinefleifch 1.20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1.20—2.20. Butter 2.60—3.20. 60 Stück Eier 3.80—6.40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2.40. Aale 1,20—2,80. Zander 1.40— 3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Larfche 0,80—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Kreble 2,40-24,00. WinUr-Wssht ttorzttgs-ßiigcBefo gfeßerfWcn Xff mm wft w c n i Posten 1 mter-P alctots in Cheviot tma glatten Stoffen auch für große Figuren...................... Posten II hinter- Paletots äunhelgraner Cheviot mit feinen Streifen, für jede Figur passend............ Posten III Wmter-UIster gestreifte und karieite Phantasie- «toffe Posten IV Winter- Anzug Cheviots und Kammgarne, ein. und zweireihig in vielen Mustern................ Posten V Winter-Pelerinen für Herren und Damen Grau oder grünlicher Loden.„Imprägniert" 120—130 cm lang. Bezug. Echter Pelz- fragen, Loden sowie glatte Stoffe, durchweg warm gefüttert..• gefüttert. Soweit Lager 42 9 15 M. 50 M. M. garne, große Auswahl Kammgarne, für 9—14 Jahre, durchweg (fit 750 M. 750 M. Posten XI KnaDen-Pylncto Dunkelblauer Cheviot, Aermel mit Abzeichen. Warm gefüttert HaerJafm yUelder-yUecfoe Sää Posten XII (Hinter- MM für Knaben Melierte Buckskins. 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Tagesordnung: t. Bortrag des Kollegen Fritz Carl.— 2. Branchen- angelegenheiten.— 3. Verschiedenes. Da in dieser Versammlung wichtige Fragen erörtert werden, ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. 126/12 Sonntag, 26, November, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags, findet die Wahl von 6 Angestellten in folgenden Lokalen statt: KAeionrnskte Restaurant, Bavcn�tr. o. Wernickes Festsäle, Acbcrstr. las. Voigts Tliealer, Brnnncnstp. 58. Karsowskis Restaurant, Bcmanep»traße s». Güecbes Restaurant, Kopenhaeencp stmoe 74. Obiglos Feslsaie, sci.Wedtop»tp.«s. Funkes Feslsäle, Tnitstp.«8. Hebels Restaurant, na«tp. isv. Kronen-Brauerei, Aw-Moabit 47/48. Palzenbofer Brauerei, Tm-mstp,, Eck« strometp. Cewerksehaftshaus, 15. Fröblichs Restaurant, Mnsbaaep»tp. 1. Eickes Festsäle, sch«nieinatp.«. Wiemers Restaurant, Bwowatp. ss. Comenius-Festsäle, Memeicp stp.«7, früh« 8»?««. Boekers Festsäle, webcpBtp. 17. Lichtenberg, Restaurant J. Erteil, Pfarp-tp. 74. Rummelsburg, Blumes Restaurant, AitBoxhagen se. Rixdorf, Hoppes Feslsäle, Hcrn.annatp.4o. do. Zibells Restaurant, Eibcatr. s. do. RQekheims Restaurant, Bereatp. os. do. Idens Restaurant, Harzer Straße 88. Teinpelhof, Wilhelinsgarten, Eernncp stp. o. Charlüttenburg, Volkshaus, Boamcnatr. 3. Köpenick und Frledrichsbagen, Lehmanns Restaurant, Baih„nK0«fÄck.44 Sieglitz, Clements Restaurant,»uweutr.?. Ädlersbof, Resteis Restaurant, Fpicdcn.tr.»4 Ober-Seliiöneweide, Weißensee, Peukerls Restaurant, Pankow, Rozyckis Restaurant, Krenzatp. 8-4. Spandau, Mettes Restaurant, Biamarckatp. e. Tegel, Heinikes Restaurant,«mnowatpaßo 33. M Ohne Mtglitdsbnlti kinin»itMlind wühlen! � Di« Stimmzettel werden m» Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Ott» Handke, Charitöstr. 3. Ortsgruppe Groß-Berlin. Bureau u. Stellennachweis: Linienstr. 8. Amt VII 605. Geöffnet von 9—5 Uhr. Achtung! Achtung! Sonnabend, de» 35. November, in der ,,?llhanibra", Wallner-Theater-Straffe 15: GpoKes BerMtfcft. Aus dem reichhaltigen Programm heben wir besonders hervor: KÜNstiel'iscKesXoN2e7t, kettung Um UapeUmeitter lZlbig Rezitation: frl. Kardactz und Rcrr Kühne kieder zur kaute-•frl.©Ife Colman kurtrpiel s frl. kifa Ecker. Hußsrdem Große Combola: DaTneiipräfcnte und —-— Großer f cftbaU.= EiulrittSkartcn i 00 Pfcniüg sind im Bureau, Liuieiistraffe 8, zu haben. 15.16 Das Bergiingnngskoinltec. s= Mleni|>nei',~ die bei I>l» u n g s m e i st e r n arbeiten! Sonnabend, den 35. d. M.. abeudo H'l.. Uhr, im Getvcrkschaftshanse, Engcluscr 15. L'aal I: Vevlfonntilutig Sozialdemolsratikiser Nahlverein Lharlottenburg. Freitag, den 24. November, abends 8'/z Uhr, im„BolkShanse", Rosinenstr. 3: s= Oesfentliche Volksversammlung. s= Tagesordnung: 1. Dortrag des Ncichstazsabgcordneten Genossen iFE'ltZ ÜKllhdl• „Die bevorsteheuden Reichstagswahlen". Genossen! Agitiert für einen Massenbesuch dieser Versammlung. l703b* zwecks Ersahwahl des e j e 1 1 c n> St u S j ch n s s c S. I. N.: Jß. Kypkc. Freitag, den 24. November, abends 8>/z Uhr: Utitldiieiisiiliiiiiikuiersliiiiiiiliiiigkli. Hilcdler. 8iid«'catcn: im„Hofjäger-. Hascuheide 52. 8i>dcn: bei Glirsiiig, Wassertorstr. 68. SUdsatcn I.». II: in den Nauniin-Festsälen, Naunhnstr. S. vatcn I: bei Kluge, Lange valr. 53. «baten II: bei Zieh. Warschauer Str. 60. Oatc» III: bei Bergmann, Boxhagener Str. 26. Ocatlickc Vororte: bei W. Schulz, üeliteriberg, Kronprinzen- strage 47, Ecke Scharnweherstrasje. Bfordoaton: bei Merkmann, Gr. Frankfurter Sir. 16. Jede Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Versamm- bmg senden. Roacntbnicr nnd 8chOnliaiiscr Vorstadt: bei Obiglo, Schwedter Straße 23. �Vcddinzx nnd Moabit: bei Kaezorowski, Ravenöstr. 6. HVciUcnacc: im Prälaten, Lehderstraße 122. Abends 6'/, Uhr. Kixdorf: bei Kutiner, Weichfelstr. 8(Jdeal-Paffage). 8cböncbcrs: um 51/. Uhr bei Kuschle, Meininger Straße 8. ßautircblcr. Bezirk 1: Südweatcn, Süden, Südosten bei Grafthosf, Admiralstr. 18o. Bezirk 8: Baten bei Bratner. Weidenweg 85. Bezirk 8: Vörden und nvrdiiebe Vororte bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk 4:«eanndbrnnnen, Wcddlns und Boabit bei Sachse, Lindower Str. 26. Bizdorl: bei Schenk, Nosenstr. 24. JLacleneumcktungs- und Kontormöbelbrancbc im»Englischen Garten". 92/18 um 6'L Uhr(gleich nach Feierabend) Alexauderftraße 27o. k�ücdenmöbelbl'andie bei Lehmann. An der Stralauer Brücke 3. Urania- VorsteUung Taubenstr. 18—40 am Sonntag, den SS. November 1911(Totensonntag), nachutittags 5 Uhr. Sur®St?un0 Lebende Eierbitder von nnh nnd fern. Billetts inkl. Garderobe a 65 Pf. sind im Bureau, Zimmer 1, zu haben. Bentseher Transportarbeiter-Verband. Sektion Berlin I. :::: Branche der Kanf- nnd Warenlittaaer:::: Raustiiener, Packer. Radialirep, Scliaffner, Portiers, Fabrstulilfilirer. Jügend- liclie, Chautfeure, Handwerker üsw. aus den Raul- u. Warenhäusern Berlins. Donnerstag, den 33. November, abends 0 Uhr: Oeffentliche Uersammlung in den„Nrmiuhallen-, Kommandantenstr. 58/59(großer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag:„Dtt deutscht Transpor.iarbtlttr-Vtrbaud nnd seine Oegnei". Rclcrent: Kollege Angast Werner. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung, welche speziell sllr die im Warcnbaus beschäsligtcn Kollegen von großer Wichiigkeit ist, erwarten wir einen zahlreichen Besuch der Bersammlung. — Bringt Kare Kranen mit!—— 58/8 Die Branche nleltnng. Orts- Krankenkasse de? Kofiditoren, Pfefferkiieliler und verw. Gewerbe. Anstcrordentliche General- Versammlung der Delegierten am Ticustag. de» 88. Nov., abendS 8'/, Uhr, in de» Armiiihallen, Komman- dantenstraßc 57/53. Tagesordiiung: 1. Beschlußfassung über diitSchließung der Kasjc am 31. Dezember 1911. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. 282/21 I. A.: Georg Dorsch, Vorsih-ndcr. z Ortskrankenkalse »er Maler An: Montag, den 27. November, abends 3'/, Uhr, in den Zlrmin- hallen, Kommaiidanlenstr. 58/89: Uölielgl-Völsgimnililig Tagesordnung: 1. Neuwahl von 6 Vorstandsmit« gliedern(2 Arbeitgeber, 4 Arbeit- ncbmer). 1683b 2. Wahl des AusschuffcS zur Prü- fung der IahreSrechnung 1911. 3. Geschäftliche Mitteilungen. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. kierren Wochenrate l Mark Damen Wochenrate 1 Mark Kinder Wochenrate 50 Pfennig r RRohel US?«! Poisies�waren Stube und Koche von 15 Mark Anzahlung an. Bessere VVohnungs- Einrichtungen von 40 bis 60 Mark Anzahlung an. Gebr. Lieber Alexanders Strasse 16 nur Ecke Dircksenstrasse, vis-a-vis der Holz- marktstr., direkt am Bahnhof Jaunowitzbrücke. Heule von 8—10 und 12—2 geöffnat. 2. Diskussion. 251/6 Der Vorstand. Grts-Krltnhtnltosse der Kildhoukr, Ktuhhateure und verw. Gewerbe zu Berlin. Kaflrnlokal seit 1. 1«. 1011 S«. Iv, Röpentcker Str. 114. Einladung zur MmkM CfiDeralyersamniluni am Donnerstag, de» 8v. No- vembcr ivll, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelujer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Borftandswahlen: a) 2 Arbeitgeber-, b) 3 Arbeitnehmervertreter. 2. Wahl der Revisoren zur Prüsung der Jahresrcchuung pro 1911. 3. Stellungnahme zu dem Beschluß deS Verb. v. O.-K.-K. d. I. in Dresden bezügl. taAslichcr Gehalts- erhöhung der Kassenangestelltcn. 4. Geschäftliche Mitteilungen. 282/11 Der Vorstand. I. V.: Fritz Matdcyer, Vorsitzender. ßph-Kpaiikeitei! maeler, Zigarrensorlierep und deren gewerblichen Hilfsarbeiter = zu Berlin.===== Mittwoch, den 39. November, abends T'/j Uhr, im Restaurant Vnrgerbcim, »—» Alte SchSnhauserstr 23;24:— CeneralYersanunlungderÄFlieitgehEr. Tagesordnung: 1. Neuwahl für zwei ausscheidende Vorstandsmitglieder. 2. Wahl eines Vertreters zur Vorprüfung der Jahres- rechnung. 1685b Im selben Lokal am selbigen Abend S'l, Uhr: GenEralfersammlung d.ArheitnEhniEF Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. De- richt des Rendanten. 3. Neuwahl sür 4 ausscheidende Vorstandsmitglieder. 4. Wahl von 2 Vertretern zur Vor- prüsung der JahrcSrechnung. 5. Ver- fchiedeneS. Rur Delegierte habe» Zutritt. Einladungskarte legitimiert. Der Vorstand. Orts-Krankenkasse für das Gewerbe der Cllchler llnä piano- forte-Mciter zu Berlin. Donnerstag, 30. November 191l, abends 8 Uhr: General-Versammlung der Vertreter der Kasscnmitglieder und der Arbeitgeber im GewerkschastShauS, Engeluscr 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl von 2 Borstandsmitgliedern der Arbeitgeber. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern der Arbeitnehmer. 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prüsung der JahrcSrechnung. 5. Vortrag des Herrn Dr. Moser über »Ernährung und Unterernährung-. ver Vorstand. 1684b Orts-Krankenkasse der Weber il.vmv.Geiverbe. Die Herren Delegierten, Arbeit- gebcr und Mitglieder, werden hier- durch zu einer Lrdcutlichen Generai-Versammlung am Mittwoch, den 39. November 1911, adeiidS 8'/, Uhr präzise, in Schmidts Lokal, Fruchtstraßc 36a, (Freischütz) eingeladen. 1662b Tagesordnung: a) In gctremitcr Versammlung: Arbeitgeber. ErgäuzungSwahl des Vorstandes von den Arbeitgebern nach§§ 37 und 38 des StatntS für 1912 und 1913. b) I» getrennter Versammlung: Arbeitnehmer. 1. Ergänzungswahl des Vorstandes von den Mitglieder» nach KK 37 und 38 dcS Statuts sür 1912 und 1913. 2. ErgänzuiigStvahl des Vorstandes von den Mitgliedern»ach Z 39 des Statuts sür 1912. c) Fn gcnicnischaitlicher Versammlung. 1 Wahl von 3 Revisoren zur Prü. sniig der Jahrcsrcchnu'tg sür das Fahr 1911. 2. Stntillcnänderung der ZZ40u. 4l. 3. Verschiedenes. Delegiertenkarte legitimiert, Berlin, den 22. November 1911. I»er Vorstand. 0 Weymann, H. Postler, Vorsitzender. Schrtstjührer. Sonntag, de» 10. Dezbr. 1911, vormittags 10'/, Uhr, in demselben Lokale(großer Saal): Wahl von 95 Delegierten der Mitglieder für das Jahr 1912. Nur Mitglieder üb« 21 Jahre sind eingeladen. DaS Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. von C. befindet 18 m. Orts-Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kautieute, Kandelsleute und Apotheker. Bekinintinachmtg betreffend die Wahl der Ver- tretcr der Kaffeumitglieder und Arbeitgeber. Mit dem 31. Dezember 1911 lausen die Mandate sämtlicher Vertreter der Kassenmitgticder und Arbeitgeber jär die Generalversammlung ab. Es haben deshalb aus Enmd der KZ 48 u. ff. dc§ KassenstatulS die Neuwahtcn derselben stattzufinden. Zu wählen sind 437 Vertreter der Kassenmitglieder und 205 Vertrct-e der Arbeitgeber sür die nächste drei- jährige Wahlperiode, welche mit dem t. Januar 1912 beginnt und am 31. Dezember 1914 endigt. Die Wahlen der Kaffenmtt- Mitglieder finden am Sonntag, den 3. Dezember I9il. statt. Gewählt wird w zwei Ab- teilungen. Vbteiinnx 1 umfaßt die Kassenmitglieder, welche in Betrieben beschäftigt sind, die rechts der Spree liege», sowie alle freiwilligen Mitglieder, die rechts der Spree wohnen(also die Postbezirkc O., NO., N. sowie ein Teil und NW.). Das Wahllokal sich in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Strafte Vbteiinne U umfaßt alle Kassenmitglieder, welche in Betrieben beschästtgt sind, die links der Spree liegen, sowie alle freiwilligen Mitglieder, die links der Spree wobnen(also die Postbezirke 30., 8., SW. sowie ein Teil von 0. und NW.). DaS Wahllokal besindet sich in den Korona Festsäleu(früher Neues Klubhaus), Kommandante�tr. 73. Die Wahlversammlungen werden um 10 Uhr vormsttagS eröffnet und die Wählcrlisten um 4 Uhr nach- mittags geschlossen. Um Zweifeln vorzubeugen, machen wir ausdrücklich daraus ausurerksam, daß die Gesamtzahl der Delegierten in beiden Wahllokalen zu wähle» ist. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassenmitglieder, welche großjährig und im Besitze der bürger- lichen Ehrenrechte sind. AIS Legili- mation dient eine Wahlkarte, welche aus Verlangen in unserem Kassen- lokale, Klosterstr. 71/72, vorn 3 Treppen, in den Tienststunden wochentags von 8 bis 2 Uhr gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches oder einer Bescheinigung deS Arbeitgebers ausgestellt wird, au-Z welcher hervorgeht, daß Antragsteller in verfichernngSpslich- liger Beschäftigung steht.(Datum, Unterschrift der Firma bezw. Stempel.) Freiwillige Mitglieder haben zur Er- langung der Wahlkarte im Kassen» lokal ihr Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Die Wahlen� der Arbeitgeber finden am Montag, den 4. Dezember. im Kaffenlokal, Klosterstr. 71/73, Vorderhaus 1 Treppe statt. Zu wählen sind 205 Vertreter. ES werden hierzu die Arbeitgeber eingeladen mit dem Bemerken, daß um 6 Uhr abends der Wahlakt be- ginnt und die Liste» um 8 Uhr abends geschlossen werden. Wahlberechtigt sind alle Arbeit- geber, we.che sür die bei ihnen be- schäsligte» Personen Beiträge auZ eigenen Mitteln zu obengenannler Kasse zahlen. Die Arbeitgeber find berechtigt, sich bei der Wahl zur Generalver- sammlung durch ihre Geschästssührer oder BetriebSbeamten vertreten zu lassen. Von der Vertretung ist dem Kaffenvorstande vor Beginn der Wahlversammlung Anzeige zumachen. Die Arbeitgeber find ferner berech- tigt, zu Mitgliedern der auS Ver» treter» bestehenden Generalversamm- hing und deS Vorstandes Geschäfts- sührer oder BetriebSbeamte der zu Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber zu wählen. 1g63b Der Vorstand. Ii. Nürnberg. Vorsitzender. Jona« Stahl, Schrtstjührer. Orts- Krankenkasse sür das Barbier-Gewerbe zu Berlin. Donnerstag, d.30. November 191 l, im Rosenthaler Hof, Roseuthaler Strafte Hilft, abends 9'� Uhr: Walilrcrsanunlnne der liasscnniiteUcdcr zur Wahl von SS Ersaftdelegierte« pro 1911/13. NbendS I« Uhr: Ordentl. General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl von acht Mitgliedern zum Vorstände und vier Stellvertretern pr? 19:2/13. 2. Wahl des Prüfungsausschusses für 1911. 3. Anträge. 4. Kaffenallgetegeicheiten. Mitglied, buch legitimiert. Der Vorstand. I. A.: I'aal»chrollc, Dorf. Ich Achtung! Hierdurch zur Kennini«, daß mit dem heutigen Tage das Etablissement Backbaus Vallsalon. Weiftensee, Uckeruiark- strafte 6. übernommen habe. Tag- lich: kinematographische Bor- führiilige». Empsedle allen.Vor- wärtS'-Lesern mein Lokal. Zwei Ver- einszimmer noch jrei. Augmt Bleut. LkraytwortliAer Redakteur: Slichard Pgtttz, Leilin. Für den Jnjerateilteil verantiv.: TH.Gltzcke.Verltn. Druck u. Perlag: Porivärtz Vuchdrnckerei u. PerlagSaiistalt Paul Singer u. Co., PedinSWä Hr. 274. 28. Jahrgang. 4. Drilnnt i>cs„ Mittlvoch, 22. November Partei- ZZngelegenkeiten. Zur LokaMste! Die Genossen und Ausflügler werden ersucht, sich bei den Partien genau nach der Lokalliste zu richten. Besonders aufmerksam machen wir, dah in N e u- M ü h l e das Lokal von Riedel nach wie vor ge- sperrt ist und in Kaplow unS nur daS Lokal von Käbe am Bahn- Hof zur Verfügung steht. In Bohnsdorf ist das in der Bahnhofstrohe gelegene Lokal von Dölling sjeviaer Inhaber Wirtb) gesperrt. Herr Wirth verzichtet auf Arbeiterkundiwaft seit er sein Geschäft in der Posener Straße(Berlin) mit dem in Bohnsdorf vertauscht hat. _ Die Lokalkommisston. Lichtenberg. Am Freitogabend findet auf Grund der vollzogenen Stadlverordnetenersatzwahlen für den ganzen Ort eine Handzettel- Verbreitung zur Gewinnung neuer Wahlvereinsmitglieder statt. Trmpclhof. Heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, bei Becker (früher A. Thiel), Berliner Str. 41: Gemütliches Beisammensein. Fricdrichshagen. Morgen, Donnerstag, den 23. November. abends 8ll3 Uhr, findet der letzte Vortrag des Genossen Tarnow im.Liudengarten". Friedrichstr. 74, statt. Spandau. Am Sonnabend, den 25. November, veranstaltet der Arbeiier-Bildungsausschuß Spandau einen Heiteren Kunstabend mit geselligem Beisammensein bei Borchert, Seeburger Str. 26. Da eine offene Kasse nicht stattfindet, so machen wir die Parteigenossen darauf aufinerksam, sich rechtzeitig mit Programmen zu versehen. Dieselben sind in allen bekannten Stellen sowie in der Vorwärts-Spedition, Breite Str. 6t, zu haben., Anfang 8'/z Uhr. Programm 50 Pf. Der BildungSausschuß. ßcrliner Nachrichten. Erkrankungen an Diphtherie sind in Berlin in diesem Herbst so zahlreich aufgetreten, wie seit langem nicht. Eine allmähliche Mehrung der Diphtherie-Erkran- kungen hatte sich-schon seit einigen Jahren bemerkbar gemacht, aber seit dem Ausgang des diesjährigen Sommers muß man geradezu von einer Diphtherie-Epidemie sprechen. Nach Ausweis der amtlichen Meldungen, die hierüber einge- gangen sind, brachte der September diesmal 703 Erkrankungen an Diphtherie(einschl. Croup) und 70 dadurch verursachte Sterbe- fälle, während aus dem vorjährigen September nur 485 Er- krankungs- und 50 Stcrbefälle bekannt geworden waren. Vom 1. Oktober dieses Jahres ab wurden dann für die fünf Wochen bis zum 4. November(weiter liegen die Zusammenstellungen des Statistischen Amts noch nicht vor) nacheinander 176, 205, 213, 263. 236 Erkrankungen und 22, 17. 25, 17, 29 Sterbefälle gemeldet, denen aus den entsprechenden fünf Wochen des vorigen Jahres 126, 141, 141, 33, 123 Erkrankungen und 11, 13, 13, 8, 10 Sterbe- fälle gegenüberstehen. Die Erkrankungen und Sterbefälle haben, n ie immer bei solchen Epidemien, sich besonders in den Stadtteilen gehäuft, die vorwiegend von einer Arbeiterbevölkerung bewohnt sind. Mehrfach hat in letzter Zeit die Schulverwaltung dort in Ge- meindeschulen einzelne Klassen schließen müssen, um einer Weiter- Verbreitung der Diphtherie unter den Schulkindern möglichst ent- 'gegenzutreten, und auch eine ganze Schule zu schließen, ist schon notwendig geworden. Auf Veranlassung des Direktors vom Kinder- krankenhaus der Stadt(in der Reinickendorfer Straße) ist auch eine öffentliche Warnung erlassen worden. In letzter Zeit seien Kinder mit außerordentlich schwerer Diphthcrieerkrankung eingeliefert worden, die rettungslos dem Tode verfielen, weil sie vorher ohne jede ärztliche Hilfe geblieben waren. Der Bevölkerung könne nur dringend geraten werden, bei Diphtherie- verdacht sich sofort an einen Arzt zu wenden, da bei rechtzeitiger Anwendung des Heilserums die Kinder fast immer zu retten seien. Diese Mahnung ist sehr beherzigenswert. Manchem wird aber dabei einfallen, daß die Stadt>Berlin den minderbemittelten Ein- wohnern fortgesetzt die Möglichkeit, ihre erkrankten Kinder schleu- nigst einem Krankenhaus zu überweisen, durch wiederholte Erhöhung des Kurkostensatzes erschwert hat. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben vor diesem Schritt dringend gewarnt, weil davon eine Gefährdung der Volksgesund- heit zu erwarten sei. Aber dem Berliner Kommunalfreisinn war's darum zu tun, daß die Krankenhäuser der Stadt nicht zu viel kosteten, und so kam die Erhöhung zustande. Damals fehlte es im Rathaus an der nötigen Einsicht. In Epidemiezeitcn erkennt selbst das bessersituierte Bürgertum. wie gefährlich es werden kann, wenn die minderbemittelte Be- völkerung es unterläßt, bei Erkrankungen rechtzeitig einen Arzt zu rufen. Epidemien wüten allerdings vorwiegend in den Arbeiter- vierteln, und zumeist aus Arbeiterfamilien holt der rasch schreitende Tod sich seine Opfer. Hier und da greift aber so eine Seuche doch auch mal hinüber in die Quartiere der Wohlhabenden und Neichen. Bei solcher Wendung Pflegt dann auch der besitzenden Klasse die Einsicht zu kommen._ Die Jngendschriftcnansstellung, die für Berlin vom Bildungsausschuß der sozialdemokratischen Partei alljährlich vor Weihnachten im„G e w e r k s ch a f t s« hau s" abgehalten wird, ist am Sonntag e r ö-f f n e t worden. Der äußere Rahmen der Veranstaltung ist derselbe wie friiher geblieben, aber der Bildungsausschuß hat die Auswahl der dargebotenen Jugendschriften, die er als Lektüre für unsere Kinder empfiehlt, dlirch fortgesetzte Prüfung neu erschienener Bücher und immer wiederholte Sichtung der älteren weiter zu vervollkommnen gesucht. Diese mühevolle Arbeit haben Genossen und Genossinnen geleistet, die zur Teilnahnic an der Bückierprüfung als Mitarbeiter herangezogen wurden, nicht nur pädagogische und wissenschaftliche Fachleute, sondern auch urteilsfähige Väter und Mütter aus der Arbeiterklasse. Das bewährte Unternehmen ist der Arbeiterbe- völkerung Berlins aus den vorhergehenden Jahren hin- reichend bekannt, und für alle diejenigen, die eine der früheren Ausstellungen gesehen und Anregung aus ihr ge- schöpft haben, bedarf es nicht erst einer Aufmunterung, auch der diesjährigen wieder einen Besuch abzustatten. Leser, die bisher noch keine dieser Ausstellungen kennen gelernt haben, seien darauf hingewiesen, daß f ü r j e d e r m a n n d e r Z u- tritt unentgeltlich ist. Bis auf weiteres ist die Büchersarmulung untergebracht in dem besonderen Aus- stellungsrannl des Gcwerkschaftshauses(Engelufer 15), der durch den Eingang L erreicht wird, und die ausgestellten Bücher können dort Sonntags sowie Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von v b i s 9 U h r durch die Besucher geprüft werden. Diese Prüfung soll, das ist der Zweck der Ausstellung, kein bloßes Durchblättern sein, sondern r, so»' ein möglichst eingehendes Durchstudieren. Die Schriften sind wieder nach Altersstufen— von den Bilderbüchern für die Allerkleinsten bis zur Lektüre für die reifere Jugend— über- sichtlich geordnet, so daß es dem Besucher erleichtert wird, sich in der Fülle des Dargebotenen mich zurechtzufinden. Auch ist überall die Angabe des Preises beigefügt, so daß auch be- züglich der Kostenfrage, die leider in Arbeiterfamilien bei Vücherkäufen eine wichtige Rolle spielt, jeder sich sofort in- formieren kann. In der Ausstellung wird übrigens nichts verkauft, doch soll im Dezember den Ausstellungsbesuchern Gelegenheit gegeben werden, in einem anderen Raum des Gewerkschaftshauses eventuell sofort die Bücher zu kaufen, die ihnen zusagen. In den Ausstellungsräumen sind, wie in den Vorjahren, Mitglieder des„Vereins der Frauen und Mäd- chen der arbeitenden Klasse" anwesend, die auf Wunsch jede Auskunft geben. Mitausgestellt sind wieder eine Anzahl von Wand- b i l d e r n, deren künstlerische Ausführung bei billigstem Preis sie als Z i m m e r s ch m u ck für A r b e i t e r w o h- n u n g e n sehr geeignet erscheinen läßt. Krematorium für Grosi-Berlin? Gestern vormittag fand zwischen dem Dezernenten für das städtische Bestattungswesen. Stadtrat Rast, und Vertretern von Charlottenburg, Wilmersdorf, Scfoöneberg und Rixdorf eine Besprechung über die gemeinschaft- liche Benutzung des Berliner Krematoriums statt. Bekanntlich haben sich die genannten Berliner Vororte vor einiger Zeit mit einem Antrag auf Mitbenutzung der Berliner Feuerbestattungs- einrichtung an den Magistrat gewandt. Der Magistrat ist bereit, den Wünschen der Vororte in jeder Beziehung entgegenzukommen. In diesem Sinne wurde auch die heutige Besprechung geführt. Stadtrat Ztast teilte mit, daß in den beiden Verbrennungsöfen jährlich über 3000 Leichen eingeäschert werden könnten. Da nicht anzunehmen sei, daß die Oefen von vornherein mit ihrer ganzen Leistungsfähigkeit von der Berlinre Bevölkerung in Anspruch ge- nommen werden würden, glaubte Stadtrat Rast den Vertretern der Vororte zusichern zu können, daß bis auf weiteres die Leichen aus den genannten Vororten zur Verbrennung in dem Berliner Krematorium aufgenommen werden würden. Der Magistrat wird sich mit dieser Sache demnächst weiter beschäftigen. Die Deputation kür die städtische Strahenreinigung erledigte in ihrer gestrigen Sitzung neben einer sonstigen umfangreichen Tagesordnung auch die Feststellung des Etats. Der Etat erfordert einen Aufwand von 6 701825 M. gegen 6 382 215 M. im Vorjahr. Davon entfallen auf das Ordinarium 6 315 775 M. und auf das Extraordinarium 386 050 M. Eine Beratung auf Erhöhung der Löhne der Arbeiter lehnte die Deputation mit dem Hinweis ab, daß dafür der Etatausichuß die zuständige Stelle sei, die Depu- tation stehe so schon im Gerüche, die Bestrebungen der Lohnerhöhun- gen am meisten zu fördern.— Das Bittgesuch von 33 Aufsehern, die ihnen von der städtischen Polizeiverwaltung gewährte Entschädigung von jährlich 180 M. auf das pensionsfähige Einkommen auf- zurechnen, wird dem Magistrat überwiesen.— Desgleichen die eingereichten Anträge auf Abänderung der Urlaubsordnung.— Ebenso wird ein Gesuch eines bei städtischen Arbeiten ohne sein Verschulden zuschaden gekommenen Unternehmers befürwortend an den Ma- gistrat abgegeben. Da» Gesuch geht dahin, ihm einen Teil des er- littenen Schadens zu ersetzen, da er jetzt krank und hilfsbedürftig sei.— Der Erbauung eines Gerätedepots in den Mittelpfeiler der Hansabrücke wurde zugestimmt.— Desgleichen einer Aenderung im Depot Christinenstratze und des 2. Gcrätedepots.— Zugestimmt wurde der Beschaffung von Chlormagnesium auf die Dauer von 5 Jahren durch die Staubitwerke in Oschcrsleben.— Ebenso der Anschaffung eines Anhängcwagens an das Lastautomobil und den anzustellenden Versuchen mit einer Autokehrmaschine, wozu die Ob- jekte zur Verfügung gestellt werden, ohne eine andere Verbindlich- keit wie die. daß eine Uebernahme nur dann zu erfolgen brauche, wenn die Maschine die gestellten Bedingungen erfülle.— Einer Erweiterung des Arbeitsplanes bedingt durch den Uebergang der dreimaligen wöchentlichen Reinigung zu einer sechsmal wöchent- lichen einer Anzahl Straßen wurde zugestimmt.— Der Bericht über die Beendigung der Arbeiten an der Abtragung des Müll- Herges in der Müllerstraße wurde freudig begrüßt. Damit ist die von den Anwohnern scbiuer empfunden gewesene Rattenplage be- seitigt. Mit der Ausführung der Arbeiten erklärte sich die Direk- tion in hohem Maße für befriedigt, war doch auch die Ersparnis gegenüber der Müllbeseitigung am Stralauer Anger eine sehr er- hebliche. Während hier das Kubikmeter zu beseitigen 3,30 M. kostete, kam die Beseitigung des Müllbcrges in der Müllerstraße nur auf 1,75 M. zu stehen und der Unternehmer hat dabei noch ein recht gutes Geschäft gemacht. Die Schulhcizer, die in den Gcmcindcschulen usw. während der HcizungSperiode in den Wintermonaten beschäftigt werden, sind von jeher als Stiefkinder behandelt worden. Wenn die Heizungs- Periode vorüber iit, werden sie entlassen. Für die Sommermonate suchen sie alsdann in andere» städtischen Betrieben unterzukommen. z. B. in der Parkvcrwaltung, auf Steinplätzen usw. Beginnt die Heizungsperiodc, so müssen sie in diesen Betrieben ihre Entlassung nehmen. Ein ständiges Arbeitsverhältnis besteht somit nicht. Da- durch werden die Schulhcizer von manchen Vergünstigungen aus- geschlossen, u. a. auch von der Gewährung der Sommerfcrien. Bei einigermaßen gutem Willen des Magistrats könnte hier eine lieber- Weisung von einem Betrieb nach dein anderen erfolgen, damit die gesamte Arbeitszeit in Anrechnung kommt. Die Lohnverhältniffe lassen gleichfalls zu Ivünschcn übrig. Hier besteht auch noch die vicrzchntägigc Lohnzahlung. Kürzlich ist nun eine Regelung des Lohuzahltagcö durch den Magistrat erfolgt. An die Schulheizcr ist dabei nicht gedacht worden. Während der jetzigen Periode ist von der hier zuständigen Verwaltung eine Verschlechterung hcrausgc- kommen. Früher wurde am 2. und 16. eines jeden Monats die Lohnauszahlung vorgenommen. Jetzt ist diese noch weiter in den Monat hineingelegt worden, und zwar auf den 4. und 18. jedes Monats. Dadurch hat sich eine große Erregung unter den Schul- Heizern bemächtigt. Diese Neucinführung hat besonders für die Schulhcizer, die keine freie Wohnung haben, den Nachteil, daß sie erst am 4. rcsp. 5. deS Monats die Wohnungsmicte bezahlen können. Solche Mictezahlcr sind den Hauswirten nicht angenehm. Da für die Schulheizcr keine Vertretung, wie solche durch die Ar- beiterausschüsse in anderen Betrieben bestehen, vorhanden ist, so stehen sie den ganzen Dingen machtlos gegenüber. An dem Ma- gistrat liegt es, für die Schulheizcr in den angezogenen Punkten eine Regelung vorzunehmen. Bei der Dclcgicrtcinvahl zur OrlSkraukenkasse der Schneider und Schneidcrinnkn erhielt die Liste des Verbandes der Schneider 1643, die des christlichen GewerkvereinS der Heimarbeiter 214 Stimmen, zersplittert waren 13 Stimmen. DaS neue Kraftwerk„Uutersprce" der elektrischen Hoch- und Ulitergrmidbahn, das gestern behördlich abgenommen worden ist und alsbald seinen Betrieb cröffneu wird, stell! sich als eine der größte» Anlagen dieser Art im Reiche dar. Es liegt in der Geuiarkmig R u h l e b c n, Nordwest vom Spandancr Bock, ans cmcin Gelände von 43/1. Hektar des linken SprecuferS. DaS Kraftwerk Trebbin er Straße, welches die heute im Betriebe befindlichen Vahnstreckcn mit Sirom versorgt, ist mit seinenfvicr Dampfmaschinen, vier Gleichstrom-DynomoS und vier Turbo-Glcichstrom-Gencratoren voll in Anspruch genommen: cS mußte daher eine Vergrößerung der Kraftanlagen für die bevorstehenden Bahiicrwcitcnmgcn nach der Schönhauser Allee, zur Wilmersdorfer Bahn und zur Kurfür st endo in m- Strecke vorgesehen worden. Diesen Zwecken soll daS ncne Kraftwerk„Unterspree" dienen, welches Drehstrom von 10000 Volt Spannung erzeugen und damit das Umsormerwerk B i S ma r ck it r a ß e und Senefelder- platz versorgen wird: in dem letzteren wird der Strom dann auf 780 Volt gebracht. Das Umformerwerk Sencfeldcrplatz wird voraus- fichtlich die Strecke Friedrichstraße— Schönhauser Allee speisen. ES sind 5 große Baugruppen: das Kesselbaus mit den beiden„Riesen- schonlfteinen", das MafchinenhanS, daS Schalthaus, Batterie- und Lagerraum nebst Werkstätte, Verwaltungsgebäude mit Wasser- veisorgungsanlage._ Luft- und Lichtbäder. Aus dem Rathause wird geschrieben: Gelegentlich der Bc- ratungcn über Erweiterungsbauten an der Volksbadeanstalt in der Bärwaldstraße wurde u. a. auch die Frage der Anlegung von Luft- und Lichtbädern erörtert. Als besonders geeignete Grundstücke wurden bezeichnet die Wuhlheide, das städtische Grundstück neben dem Pionierübungsplotz in Treptow(ehemaliges Kuhnheimschcs Grundstück) und der als Kiehnwcrdcr bezeichnete Teil des Plänter- waldes. Der Magistrat steht dieser Frage wohlwollend gegenüber und wird Anträge von Vereinen auf Ueberlassung städtischer Grundstücke zur Einrichtung von Licht- und Luftbädern entgegen- nehmen und prüfen. Ueber die Gewährung freier Plätze kann natürlich nur von Fall zu Fall verhandelt werden. Zum Auswärtswohnen der Berliner Lehrer ist eine neue Ver- fügung erschienen. Diesmal hat die Deputation für das Fort- bildungsschulwesen verfügt, daß solche Lehrer nicht mehr neben- amtlich an den Pflichtfortbildungsschulcn beschäftigt werden sollen, die im Vororte wohnen. Für die Wahlfortbildungsschulen ist eine solche Verfügung schon vor längerer Zeit erlassen worden. Mit diesen Verfügungen soll jedenfalls ein Druck auf die auswärts- wohnenden Lehrer ausgeübt werden oder aber es sollen die an ihrem Einkommen gestraft werden, die durch irgendwelche Verhält- nisse gezwungen sind, draußen zu wohnen. Man konnte sich auch versucht fühlen, so zu urteilen, daß die Stadt Berlin den neben- amtlich an Fortbildungsschulen beschäftigten Lehrern einen Teil der Miete in Form des Fortbildungsschulgeldes schenkt, wenn sie nicht auswärts wohnen. Sie unterstützt damit die Hausbesitzer Verlins, in dcrem Interesse sie die neue Verfügung erlassen hat auf Kosten der Lehrer. Daneben kommt es aber auch vor, daß sie Lehrer der Vororte an ihren Fortbildungsschulen beschäftigt, auf die sich dem Wortlaute nach die neue Verfügung nicht bezieht. Eine Veranlassung zu dem Vorgehen der Stadt aus fortbildungsschultechnischen Gründen kann nicht borliegen, denn eS hat doch mit dem Fortbildungsschuldienst absolut nichts zu tun, wo ein Lehrer wohnt. Ist es ihm in seiner Eigenschaft als Volksschul- lehrer gestattet, dann hat auch die Fortbildungsschule keine Ver- anlassung, Mittel zur Abwehr des Auswärtswohnens anzuwenden. FamilientragSdie in der Riidcrsdorfcr Straße. Eine erschütternde Familientragödie hat sich am gestrigen DienS» I tagmorgen gegen 6 Uhr in dem Hause RüderSdorser Str. 3 abgespielt. Dort tötete der 53 jährige Pianofortetischler Karl SchoepS seine um drei Jahre jüngere Frau durch einen Revolverschuß und erschoß sich dann selbst. Sch. beging die furchtbare Tat, da seine Frau geistes- krank geworden war und er die Leiden seiner treuen Lebensgefährtin nicht mehr länger mitansehen konnte, lieber die Tragödie er« fahren wir folgende Einzelheiten: Das Ehepaar Schoeps, das im Januar nächsten Jahres seine Silberhochzeit feiern wollte, war vor 23 Jahren aus Fürstenberg a. O., wo der Mann eine kleine Tischlerei betrieb, nach Berlin übergesiedelt. SchoepS, der seit Jahren bei der Hofpianofortefabrik Ouandt am Grünen Weg be« ichäftigt war, lebte mit seiner Gattin im besten Einvernehmen. Die Ehe. der zwei Kinder, der 24jährige Sohn Hermann und die 20jährige Verkäuferin Olga entsprossen waren, war eine durchaus harmonische, bis vor drei Jahren sich bei Frau Sch. Spuren von Geisteskrankheit zeigten. Die Frau wurde mehrmals in eine Nerven- Heilanstalt gebracht, und da die seelischen Depressionen, von denen die Frau heimgesucht wurde, niemals lange anhielten, konnte sie gewöhnlich nach fünf bis sechs Wochen wieder entlassen werden. Auf den Tischler übte die Krankheit seiner Frau ebenfalls einen unheilvollen Einfluß aus. Der Mann wurde in sich gekehrt und verschlossen und äußerte mehrmals seinen Freunden und auch seinem Chef gegenüber, daß ihn die Krankheit seiner Frau noch ins Grab bringen werde. Vor etwa 14 Tagen fand die Hochzeit des jungen Hermann Sch. statt, zu welcher die Mutter, die bis dahin wieder in einer Nervenheilanstalt gewesen war, entlassen wurde. Die Aufregungen des Festes waren für die Kranke wohl aber zu groß gewesen, denn schon wenige Tage später traten die Anfälle bei der Unglücklichen mit erneuter Heftigkeit auf. Montagabend bekam sie einen Tobsuchtsanfall, sodaß in der Nacht der Tischler einen Arzt zu Hilfe holen mußte. Gestern morgen um 6 Uhr erwachte Frau Sch. und bekam wieder einen neuen Anfall. Der Tischlermeister, der voll- kommen verzweifelt war. bat hierauf seine Tochter, die am Lager der Mutter weilte, in die Küche zu gehen und der Kranken eine Tasse Milch zu holen. DaS junge Mädchen kam diesem Auftrag nach, doch kaum hatte sie daS Zimmer verlassen, als plötzlich zwei Schüsse er- tönten. Voll banger Ahnung stürzte da« junge Mädchen zurück, fand jedoch die Türe zum Schlafzimmer der Eltern verschlossen. Auf die Hilferufe der Tochter eilten Nachbarn hinzu, die die Tür ge- waltsam erbrachen. Als sie in das Schlafzimmer traten, bot sich ihnen ein furchtbarer Anblick. Frau Sch. lag leblos im Bett, während ihr Mann, der aus einer Wunde an der Schläfe blutete, noch einige Lebenszeichen von sich gab. Man rief sofort einen Arzt, bei dessen Ankunft der Tischler jedoch bereits verstorben war. Schoeps hatte seiner Gattin einen Schuß in das rechte Ohr und sich selbst einen solchen in die linke Schläfe beigebracht. Der Plan zu dem Mord und Selbstmord muß in Sch. schon länger« Zeit geschlummert haben. Die unglückliche Tochter brach bei dem furchtbaren Anblick besinnungslos zusammen und wurde von hilfsbereiten Nachbarn in Obhut genommen. Die Leichen des Ehe- paares wurden polizeilich beschlagnahmt. Die Verhaftung einer siebcnkiipfigen Einbrecherbande wird gemeldet. Die„Vofsische Zeitung" berichtet darüber: „Die Nirdorfer Kriminalpolizei verhaftete heute wegen um- fongreicher Pleureuscndicbsiähle den bereits vorbestraften 19- jährigen Kaufmann Lkurt Steine! aus der Blumenstr. 4, den gleichaltrigen Schlosser Joseph Sichlinger und dessen Geliebte, die verehelichte, unter Sittcnkontrolle stehende, 28 Jahre alte Franziska Trampe, ferner den aus Berlin ausgewielenen Maler Pcler Schmidt, den in der W'.ldcndruchstr. 3o zu Rixdoef wohnenden, 28 Jahre alten Hausdiener Max Gcsche und den sozialdemokratischen Arbeitcrsckretär Friedrich Schockmeycr aus der Weisesir. 3 zu Rixdorf. Die Genannten verkauften seit einiger Zeit, besonders an Rixdorfcr Gastwirte Pleureusem die teilweise einen Wert von 100 M. hatten, zu Preisen von 4—7 M. Die Kriminalpolize», die davon Mitteilung erhielt, beobachtete die„Verkäufer" und nahm schließlich eine Person nach der anderen fest. Sie er- zählten dabei übereinstimmend, daß die Tante des Steine! tn Hamburg ein Putzfedcrngeschäft besessen, in Konkurs geraten sei und nun ihren Neffen mit dem schleunigen Verkauf beaustragt 5a5e. Die Durchsuchung der Wohnungen ergab nun die über- raschende Tatsache, da* das Diebcslagcr sich in der Wohnung des Schollmcher in Äixoorf befand, wo auch noch andere Waren, Seidenstoffe und dergleichen beschlagnahmt wurden. Insgesamt wurden von Käufern 26 Federn im Werte von etwa 700 XU. wieder zurückgebracht, die aus einem in der Strauhfedernfabrik von Schulz. Seidelstr. 29, verübten Einbruch herrühren. Da die Strauftfederndiebstähle in Berlin sämtlich von denselben Tätern ausgeführt sein müssen, und Slciuel und Genossen des Ein- bruches in der Seidelstrahe überführt sind, so dürste es keinem Zweifel unterliegen, das-, man bier die ganze Diebesbande fest- genommen hat. Die Verhafteten wurden sämtlich in Unter- suchungshaft abgeführt." Ein sogialdemokratischcr Arbeiterselretär Schollmeyer...?? Die Bezeichnung»sozialdemokratischer Arbeiter- s e k r e t ä r", die da dem Schollmeyer beigelegt wird, ist von der „Vossischen Zeitung" durch Sperrdruck hervorgehoben worden. Daß die sozialdemokratische Partei keinen Arbeiter- fckrctär dieses Namens hat, hätte am Ende auch die ..Vossische Zeitung" sehr leicht feststellen können, wenn sie gewollt hätte. Infolge dieser Notiz haben wir über den uns unbekannten Schollmeycr Ermittelungen angestellt. Sie haben ergeben, dah er früher GcschäftSdiencr war und als solcher dem Deutschen Transportarbeiterverband beitrat. Als er einmal arbeitslos war. wurde er gelegentlich beauftragt, Einladezettel für eine Versammlung zu verteilen. Es ist möglich, daß Schollmeyer dies« Tätigkeit, zu der man sehr leicht zugelassen werden kann, zum Anlah genommen hat, gegenüber der Polizei sich drei st als „Arbcitersekretär" zu bezeichnen, um einen ehr- lichen Erwerb vorzuschützen. Aber selbst wenn Schollmeyer wirklich zu dem Transport- arbcitcrverband jemals in näherer Beziehung gestanden hätte, so weih ja jeder, daß es leider keiner Gewerkschaft, und übrigens auch keinem Wahlvcrein, möglich ist, unsaubere Eindringlinge immer sofort als solche zu erkennen. Wie der jetzt als Einbrecher fest- genommene Schollmeycr Mitglied des Transportarbeiter- Verbandes war und gelegentlich Zettel zu verteilen bekam, so sind bekanntlich schon Kriminalbeamte Mitglieder sozial- demokratischer Wahlvereinc geworden und haben recht forsch für die Partei gearbeitet. Kein Mensch kann solchem UN- erwünschten Zuwachs sogleich ansehen, was dahinter steckt. Ein schwerer Strahenbahnunfall ereignete sich am Montag abend gegen S Uhr an der Ecke der Haupt- und Mühlenstraße in Schüneberg. Dort verließ trotz der Warnung des Schaffners die bvjährige Frau Henriette Strietzel, Schwerinstraße? wohnhaft, während der Fahrt den Hinterperron des Motorwagens 22 der Linie E, kam zu Fall und blieb neben dem Wagen liegen. Mittels einer Droschke wurde die Greisin nach dem Schönebergcr Kranken- haus geschafft, wo ein komplizierter Oberschenkelbruch festgestellt wurde. Ein zweiter Straßenbahnunfall trug sich in Eharlottenburg zu. Tort wollte am Friedrich-Karlplatz der Arbeiter Albert Wolle, Eharlottenburg, Spandaucrbcrg lg wohnhaft, vor dem Motor- wagen LS? der Linie dl die Gleise überschreiten. Der Arbeiter wurde jedoch von dem Waggon erfaßt, umgestoßen und kam unter den Vorderperron vor dem Schutzrahmen zu liegen. Der Ver- unglücktc, der eine Gehirnerschütterung und Hautabschüfungen er- litten hatte, wurde nach dem Krankcnhause Westend geschafft. Großes Unglück hätte gestern vormittag ll>/, Uhr vor dem Haule Hutteustr. 66 geschehen können. Ein hochbeladener fflaschenbierwagen der Unionsbrauerei verlor in voller Fahrt das rechte Vorderrad, so daß die ganze Ladung in weitem Bogen auf den Bllrgersteig fiel. Der Geistesgegenwart der beiden Fahrer ist eö zu danken, daß sie durch schnelles Abspringen vom Wagen mit dem bloßen Schrecken davonkomen. Für eine kurze Zeit wurde sogar der Slraßeiibohn- Verkehr gestört. Bei Ankunft des Rettungswagens war das Hindernis bereits beseitigt. Di« Arbeiterbilbungsschule hielt am Donnerstag im Schullokal, Grenadierstr. ö?. ihre ordentliche Generalversammlung ab. Au» dem Vorstandsbericht für das verflossene Gcfcyäftsjahr ist das folgende hervorzuheben: Der Mitgliederbestand ist im Berichtsjahr um 300 gestiegen. Die von der Schule veranstalteten 8 Sonntags- Versammlungen wurden von insgesamt 3?70 Personen besucht. Es wurden außerdem 5 SonntagSausflüge veranstaltet, die sich eben- falls steigenden Zuspruckies erfreuten. Den Kassenbericht gab Königs, den für die Bibliothek Balzer. Der Bücherbestand hat sich um 109 Bände vergrößert und beträgt jetzt L411 Bände. Entliehen wurden 3428 Bände. Die Neuwahlen für den Vorstand und die ausscheidenden Ne- visoren hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Lamme, 2. Vor sitzender Bernau, l. Schriftführer Beil, 2. Schriftführer Lenzner, 1. Kassierer Königs, 2. Kassierer ElSncr, J. Bibliothekar Balzer, Revisoren Rohloff und Wagner. Unter Schulangelegenheiten wurde nach lebhafter Debatte ein von Mahler begründeter Antrag angenommen, im nächsten Quartal als FortschrittSlursuS Marxfche Methodologie zu behandeln. Vor- ausgesetzt lvird, daß es dem Vorstand gelingt, einen geeigneten Lehrer zu finden. Wer ist der Tote? Mit dem Revolver machte gestern abend ein unbetannter junger Mann im Pschorrbräu in der Friedrichstraße seinem Leben ein Ende. Nachdem der Gast zu Abend gegessen hatte, trat er gegen 9 Uhr aus und schoß sich in den Toilettcräumen eine Kugel in die rechte Schläfe. Weil er noch Lebenszeichen von sich gab, so brachte mau ihn rasch nach der Hilfswache der königlichen Klinik in der Ziegelstraße. Hier starb er jedoch bald nach der Auf- nähme. Seine Persönlichkeit konnte noch nicht festgestellt werden. Der Mann ist etwa LS— 27 Jahre alt und hat rötliches Haar und Schnurrbart. Er trug einen dunkelbraunen Anzug, ein weißes Hemd ohne Zeichen, einen Stehumlegekragen, einen rötlichen Schlips, der eine Nadel mit weißem Knopfe trägt, weiße Strümpfe und neue Gummizugstiefel. Ihm gehören ohne Zweifel auch ein gestreifter Winterulstcr und ein brauner, noch neuer weicher Hut, die in den Gasträumen zurückgeblieben sind. Der Gesangverein Liberte veranstaltet am Sonntag, den 26. November, im Konzertsaal der Brauerei Happoldt, Hasenheide Nr. 32/33, Eingang Gräfestraße, ein Herbstkonzert unter Mitwir- kling von Frau Elsa Himmel sSopran), Herrn Ernst Himmel «Kunstharmonium), Herrn Gustav Scholz(am Flügel). Beginn des Konzerts 7 Uhr. Billett 50 Pf. Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-RadsahrerbundcS„Soli- barität" veranstaltet heute(Bußtag) in der»Reuen Welt", Hasen- Heide, einen sehr interessanten Lichtbildervortrag(Reisen auf der Insel Island); hiermit verbunden ist kinematographische Vor- stellung, Konzert und Gratisverlosung einer Nähmaschine; nachdem Tanz. Eröffnung 4% Uhr. Eintritt 30 Pf.— Siehe hcutiges Jnserat im„Vorwärts". Drei Pferde verbrannten gestern früh um 6 Uhr bei einem Brande, der in einem Pferdestall der Dampswaschanstalt„Adler" in Moabit(Wichclm Pommerenke), Wilhelmshavener Straße 2l, aus noch unbekannter Ursache auskam. Das Feuer wurde erst be- merkt, als die Flammen schon aus dem Stall, der sich auf dem Hofe befindet, hell emporloderten. Der 15. Automobillöschzug konnte trotz sofortigem Wassergebrauch nicht mehr verhindern, daß die Pferde umkamen. Bei Ankunft der Feuerwehr waren die Tiere schon erstickt. Vermutlich hat der Brand dort unbemerkt geschwelt. Der Berliner Ardciter-Schachklub veranstaltet heute nachmittag S Uhr in den Prachtsälen„Alt-Berlin", Blumenstraße 10, einen Maflen-Wettkampf, a» dem die Arbeiter- Schachvereine der Provinz teilnehmen. Azhlßsmpf In tcltow-ßettliow und lliederbarnlm. Ahrensfelde. Am Sonntag referierte der Genosse Artur Stadthagen im Schneiderschen Lokal über Teuerung, Kriegshetze und Reichstags wählen. Redner schilderte die jetzige Teuerung und legte dar, daß diese eine notwendige Folge unserer Zoll- und Steuerpolitik ist, die den Mittelstand, den Bauer, den Handwerker. den kleinen Beamten und Geschäftsinhaber, sowie die Ardeitcrllasse mit erdrückenden Lasten durch die kiinstiiche Verteuerung der not- wendigsten Lebens- und Bedarfsarlikel bedrückt, während die Großgrundbesitzer durch dieselbe Gesetzgebung ungeheuere Vor- teile erlangen. Hierzu treten die besonderen Liebesgaben bei der Bramttweinbesteuenmg und dem Einfuhrscheinsystem. Daß System habe es zuwege gebracht, daß der Reichs- Spai topf für die Wilweu lind Waisen restlos von den Junkern ausgeleert ist. Die sogeiiaunte Witwen- und Waiseuversicherung stelle eine schamlose Verböbming der Witwen und Waisen dar. wie der Rcsercitt unter Beifall der zahlreichen Besucher eingehend darlegte. Wer da hat. dem wird gegeben, wer da wenig hat, dem soll auch noch das wenige genommen werden I Das sei das Leitmotiv für die bürgerlichen Parteleu. Belasten die Zölle und Steuern den Haushalt durch« schnittlich mit 94 M. jährlich pro Kopf, so seien sie bei hohem Ein- kommen nicht zu fühlen, desto mehr bei kleinem. Berücksichtige man auch, daß leider bei den geringen Einkommen Schmalhans als Küchen- meister fungiert und dort eine dauernde Unterernährung stattfindet, so werde doch eine Familie, die aus Man». Frau und drei Kindern besteht, mindestens mit ISO bis 160 M. jährlich durch die Gesetzgebung, nicht durch ein elementares Ereignis, belastet. das heißt bei Einkommen bis 900 M. mit gegen 25 Proz. und im Durchschuilt der Einkommen bis 2500 M mit 10 bis 12 Proz. Das Reich, das die Kriegshetzer vorgeben beschützen zu wollen, werde geplündert und verheert durch sie. Die unsinnig« Kriegshetze gegen England hängt auch mit der Tatsache zusammen, daß England zu einer solchen schamlosen AuSrmibuug seiner Vollsgenossen sich nicht hergibt. Auch den Dümmsten müsse diese Politik und dies Verhalten anläßlich der Erbschaftssteuer und Teuerungsdebatten über die Gemeinschädlichkeit des aus Konservativen. Antisemiten, §enirum und Polen zulaimuengesetzten Klüngels aufgeklärt haben. ine ReichSeinkommensteuer und eine Reichsvermögenssteuer scheuen jene Herren wie brennendes Feuer. Aber sie sind stets dabei, wenn eS gili, die Quelle des Reichsdefizits durch Militär-, Marine- und Koloniallasten zu erhöhen. Hierfür Mittel ans anderer Leute Taschen zu bewilligen, nennen sie patriotisch. Redner geht auf das System des Militarismus. MariniSmuS und der Koloinalpolitik und auf das kapitalistische System näher ein und belegt mit amt- lichen Zahlen, wie der„wachsende Wohlstand" sich in den Händen weniger konzenlriert. Die Geringschätzung des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter, besonders der Landarbeiter, habe sich bei Beratung der NeichSdtisicherungsordniing gezeigt. Jahraus, jjahrem findet eine Völkerwanderung von gegen 50 000 arbeiiskräftigen und arbeitswilligen LaudSlcuten auS dem Osten nach dem Westen statt, um Nahrung in dem industriereichen Westen zu finden. Der Druck der Jimker auf die Regierung ist so stark, daß an Kanalbmiten und ottderen öffent- lichen Bauteil einheimische Arbeiter nicht beschäftigt werden; auf Äiiordming des preußischen Ministers müsse» vorzugsweise ausländische Aibeiler angeworben werden. Und diele Kriegs- Hetzer, die viele» Tausenden Deutscher durch die Steuergesetzgebung — man denke an die Tabaksteuer— und durch VerwalttmgSmaßnahmen, durch Hermizichiiug von über 500000 auSländticher Arbeiter jährlich die ArbeitSaelegenbeit nehmen, wagen eS, dem deuische» Arbeiter eine Sicdlungskolonie in Marokko oder anderen Teilen Amins vorzugaukeln. Unablässiger Widerstand gegen das Un- recht in jeder Form, unwaiideldarcr Mul im Kampf gegen jedes Unrecht, fortdauernde Rcvolunonierung der Köpfe beschleunigen das Herannahen des SiegeSiageS, der eS jedem, der Menschenantlitz hat. ermöglichen wird, a» allen Segnungen der Kuliur teilzimebmen, also ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Eine Etappe in diesem Kampfe ist die Wahl. Der 12. Januar muß zu einem Siegestag des Volks über seine Bedränger gestaltet werden. Lebhafter Beifall der insbesondere aus den umliegenden Dörfern zahlreich beiuckten Versammlung und die Darlegungen mehrerer Dis- lussionsredncr bewiesen, daß der Redner den Anwesenden auS dem Herzen gesprochen halte. Mehrere Landarbeiter meldeten sich zum Beitritt in den sozialdemokratischen Wahlverein. Zehlendorf(Niederbarntm). Einen stattlichen Besuch wieS die am Sonntag unter freiem Himmel tagende Volksversammlung auf. in der Genosse Hart- m au»- Berlin über die kommenden ReichStagSwablen referierte. Nach dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrage forderte Genosse K r e< h e die Versammelten zu reger Mitarbeit für die Sozialdemokratie auf. Außer den 150 auf dem Platze versammelten Personen hörten noch ebenso viel von den angrenzenden Höfen und am Zaune dem Redner zu. Mariendorf. In einer Berfammlung unter freiem Himmel wurde auch hier am verflossenen Sonntag der ReichstagSwahlkamps eröffnet. Ueber 600 Teilnehmer folgten den Aiisfnbrungen des Genossen Barth, der in seinem Referat in klarer Weise die Sünden des alten Reichs- tags den Hörern vor Augen führte und auf die Gefahren bimvieS. die dem Volte durch eine schlechte Besetzung des neuen Reichstages entstehen. Nachdem der Vorsitzende noch dargelegt, daß die Ver- sammlung wegen Saalverweigerung unter freiem Himmel habe stattfinden müssen, ivurde die imposante Versammlung mit be- geistertem Hoch geschlossen. Gegner meldeten sich nicht. Bruchmühle. Hier referierte in einer besonder? von Frauen gut besuchten öffentlichen Versammlung Genossin Fahrenwald über das Thema: „Die Stellung der Frau zu den nächsten ReichSiagswahlen." Die Versammelten folgte» de» Darlegungen mit großem Jnteresie. Der Erfolg der Versammlung war, daß sich 12 Frauen in den Wahl- verein aufnehmen ließen. Neuenhagen(Ostbahn). Da der Sozialdemokratie durch die Machinationen der Gegner das Lokal des Herrn Sobkowiak zur Abhaltug einer öffentlichen Ver- sammlung loieder verweigert wurde, mußte dieselbe am Sonntag ans dem Wollerplatz unter freiem Himmel abgehalten werden. Ge- noisin M a t i ch k e schilderte in eindrucksvoller Rede die Wirkungeu der Zollpolitik und der ReickiSsinanzreform und die kommende hohn- spreckiende Witwen- und Waisenversicherung und sprach den Wunsch auS, durch rastloses Agitieren und Organisieren den 12. Januar zu einem SiegeSiage der Sozialdemokratie zu machen. Trotz des nicht günstigen Wetters war die Versammlung gut besucht. Der Gesang- verein„Freie Sänger" half durch einige Liedervorträge die Wirkung erhöben. Wendisch-Buchholz. Bor 400 Männcru und Frauen sprach unter freiem Himmel der RcickiSiagSabgeordnete Genosse Z u b e i l. In l'/z Stunden be- handelte der Redner die Sünden der ReickiStagSmehrheit. Insbesondere wurde das Referat bei der Behandlung der Finanz- und Steuerreform sowie der Erbschaftssteuer und Militärvorlagc mehr» mals durch stürmische» Beifall unterbrochen. In der Diskussion nahm ein pensionierter Lehrer Herr Däne daS Wort, der sich jedoch im wesentlichen mit den AnSsührungen Znbeilö einverstanden er« klärte. Ein großes Hohngelächter imicr de» Versammelten ver- ursachte ein junger Schuhmachermeister Herr Roche, der vom Referenten eine Anskläruiig über den ZukunftSstaat verlangte. Nach einem kräsiigen Schlußwort des Genossen Zubeil forderte der Boritzende noch die Versammelten auf, ihre ganze Kraft daran zu setzen, >en Wahltag am 12. Januar zu einem Abrechnungstage für den fchwarzblanen Block zu mache» und den Vertreter unseres Kreises seit 19 Jahren. Genosse» Zubeil, mit großer Siimmenmehrheit wieder in den neuen Reichstag zu wählen. Am Schluß der Ver- sammlung trug der Arbeiler-Gesangverein KönigS-Wusterhausen noch ein Kampflied vor. Wittenau. Mit einer gut besuchten Volksversammlung sin Gesellschaftshause ivurde am Sonntag der Wahlkampf eröffnet. Das großzügige Referat des Genossen Bühler über die gegenwärtige Teuerung, den Reichstag und die nächsten ReichStagswählen wurde am Schlüsse von den Versammelten mit großem Beifall aufgenommen. Der VersamnilungSletter. Genosse Rotzolk, gab hierauf der Versammlung mtter allgemeiner Heilerkeit von einem nationalen Artikel aus dem hiesigen Amtsblatt Kenntnis. Mit der Aufforderung, sich immer mehr um das Banner der Sozialdemolratie zu scharen, wurde die imposante Versammlung geickilossen. Der hiesige Arbeitergesangverein brachte zwei stimmungsvolle Lieder zum Vorirag. Zühlsdorf(Bezirk Nieder-Schönhausen). Eine von zirka 150 Personen besuchte Volksversammlung tagte a», vergangene» Sonnlag unler freiem Himmel, da uns auch hier der einzige Saal am Orte verweigert ivird. Genosse D r u n s e l» Berlin referierte über:»Die kommenden ReiwstagSwahlen". In markanter, fast 1'/zstü»diger Rede geißelte der Referent die schweren Nackiteile und Laste», welche dem deutschen Volke und nicht zuletzt auch gerade den kleinen Bauern von der herrschenden Clique in den letzien Jabicn auferlegt wurden. Nachdem der Versammlungsleiter noch die Versammelten zu reger Wahlarbeit ermahnt, wurde die von begeisterter Stimmung beseelte Versammlung geschlossen. Spandau. Was haben die gewerkschaftlich organisierte» Arbeiter bis zum 12. Januar 1912 zu inn? lautete das Thema, über daS Genosse Dr. Karl Liebknecht in einer am 20. November im Saale des Genossen Köpnick ftattgefundenen von zirka 400 Mitgliedern und ihren Frauen besuchten Generalversammlung des Transportarbeiter- Verbandes referierte. Der Rekcrent schilderte i» eiiidnicksvoller Weise, daß gerade die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter die erste Pflicht haben, bei den Wablen zum kommenden Reichstag ihre Schuldig- keil zu tun. denn der letzte Reichstag habe bewiesen, daß er jeder ver- »lliifiigcn Sozialpolitik au« dem Wege gebe und es iei nicht ans- geschlossen, wenn der blaui'chwarze Block am Ruder bleibe, daß er dann versucht, das KoalitionSrechi für dle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu beichucide». Redner ging dann des nähereu auf die Fiuanzpolttik des sterbenden Reichstages ein und gab drastische Bei- spiele für die Arbeitcrfcindlichkeit aller bürgerlichen Parteien bis herunter zum Freisinn zum besten. Endlich müsse sich auch der Gc- danke einmal bei der gewerlschaftlich organisierten Arbeiterschaft durchringen, daß jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter die Pflicht habe, sich poliitsch zu betätigen und zu organisieren. Wenn dieieS allenthalben durchgcfüvrl wird, dann habe auch daS Wort: „Partei und Gewerkschaft ist eins" seine volle Berechtigung. Mit einem Appell, nun nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis mich der„KaiserwabltreiS" für die Sozial- demokratie erobert sei. schloß Genosse Liebknecht seinen mit großein Beifall aufgenommenen Vortrag. Der Erfolg war, daß eine große Anzahl der Anwesenden ihren Beitritt in den Wahlverein bewirkten. Dem Antrage, das Mitglied Wilhetm Spieweck wegen Streikbruch beim Formerstreik auS dem Verbände auszuschließen, wurde einstimmig zugestimmt. Ferner wurde etnsltmmig beschlossen, als erste Rai« dem Kreiswahlverein 100 M. aus der Orlskasse zum Wahlfonds zu bewilligen. Als Kartelldelegierte wurden für 1912 die Kollegen Appoldt. Paul Fischer und Frau Appoldt gewählt. Nachdem der Vvrsiyeude. Kollege Stahl, in eindringlichen Worten die Miiglieder ersucht hatte, beim bevorstehenden Wahlkamps ihre volle Pflicht und Schuldigkeit zu tun, indem sie sich auch bei Flug- blattverbreitung vollzählig zur Verfligima stellen, schloß derselbe mit einem Hoch aus den Bervcmd die gulverlanfriie Versammlung. Vorort- �acbricdten. Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Besoldung des wiedergewählten Baurats Egeling wurde auf 13 000 M. festgesetzt. Mehrere Anwohner der EberSstraße wünschten die Asphaltierung derselben, und zwar zwischen Bahnhos Ebersstraße und Tempel- hofer Straße. Die Petition wurde abgelehnt, da eine Aenderung der Unterführung sowie der Eisenbahnanlagen vorgesehen sind. Dasselbe Schicksal erfuhr die Petition des Vereins der Obst- und Gemüsehändler, die ersuchten, von einem Ein- und Verkauf von Kartoffeln und Gemüse durch die Gemeinde Abstand zu nehmen. Es wurde festgestellt, daß zurzeit nicht die Absicht besteht, für die weitere Oeffentlichtcit Kartoffeln usw. ein- und zu verkaufen. Hierauf erstattete der Ausschutz für die Ausführung des Monumental- brunnens im Stadtpark seinen Bericht. Nach einer Diskussion über das bereits bekannte Projekt wurden die geforderten Mittel von 18 000 M. bewilligt. Die sozialdemokratische Fraktion hatte folgenden Dringlich- keitSantrag eingebracht:„Der Magistrat wird ersucht, jedem Reichs- tagSwähler eine amtliche Legitimation auszustellen und zu über- senden." Genosse K ü t e r wies darauf hin, daß das in dem Antrag Gewünschte bereits bei den Landtags- und Stadtverordnetenwahlcu erfüllt werde. Es liege auch hier im Interesse der Wähler und des Wahlvorstandcs, wenn der Wahlakt sich möglichst schnell und glatt abwickelt. Stadtv. Bamberg(liberal) sprach sich grundsätzlich für den Antrag aus, beantragte jedoch, um erst den finanziellen Effekt feststellen zu lassen, Ueberweisung an einen Ausschuß. Genosse Küter wandte sich gegen diesen Antrag, da derselbe die An- gclegenheit zu verschleppen geeignet sei. Der Antrag wurde auf Mehrheitsbeschluß einem Ausschuß überwiesen, dem die Genosse» Küter und Molkenbuhr angehöre».— Die Verträge mit den Aerzten im Krankenhause sind abgelaufen. Da die neuen Verträge wesent- liche Abänderungen aufweisen, beantragte die sozialdemokratische Fraktion, die erste und zweite Abteilung eingehen zu lassen und die Vorzüge der dritten Abteilung allen zugute kommen zu lassen. Tie Vorlage wurde gleichfalls einem Ausschutz überwiesen. Rixdorf. Die sprunghafte Eutwickelung Rixdorfs tritt am krassesten in die Erscheinung, wen» man sich vergegenwärligt. daß die Sladtgcmeinde in dem letzten Jahrfünft 11 Scknilbäuser, darunter verichiedene Doppelfckiulgebäude, mit insgesamt 835 Klassen erbaut hat. Davon enlsallc» 238 Klassen auf Genrcindesckmten und 07 auf höhere und mittlere Schulen. Das größte Gemeindesckuilhaus umfaßt 72 Klassenräiime in vier Systemen. Die Geiamlauswendungen an Baukapital ohne die Koste» für Gruuderwerb betragen 4 740 000 M., wovon rund 3 000 009 M. auf Gemeindescknilbaulen entfallen. Die Zahl der Gemeindeschnllinder hat sich in dem gleichen Zeitraum von 24 000 aus 33 000 erhöht. Auch im nächsten Jahre wird außer einem neuen Realschulgebäude eine weitere OOtlasflge Gemeinde« sckmle, deren Inbetriebnahme zum 1. Oktober 1912 vorgesehen ist, erforderlicd. Die sämtlich von dem städtischen HoÄbmiainl ausgeführten Bauten sind nach modernen schulleckiiuschen G«»»Plätzen eingerichtet. Dabei ist noch zu beachten, daß� die Klaff, usiequenz der Rixdorfer Gemeiudeichule» im Durchschnitt um 7—3 Höher ist als in Berlin und Eharlottenburg. Das ist ein Beweis dgfür. /Wie notwendig eine noch grötzere Beschleunigung der Schnlda Charlottenburg. Klassenzimmer als Arbeits- und Wärmestube» für Der Magistrat Charlottenburg Ivird auch im komm« einige Klassenzimmer mehrerer Gemeindeschulen für Schülerinnen seiner Schulanstalten wochentäglich von S nachmittags offen halten. Kinder, denen es zu Haufe an einein warmen Raum, an der nZtigen Ruhe oder an ausreichender De- leuchtung mangelt, können in dieser Zeit ihre Schularbeiten unter Aufsicht in warmen und gut erleuchteten Räumen ordnungsmäßig anfertigen. Auch werden ihnen gute Bücher zu freier Lektüre zur Verfügung gestellt.— Zu diesem Zweck werden vom 23. November ab folgende Gemeindeschulen bereitgehalten: VI, Kaiserin- A u g u st a- A l l e e 74; XIII, P e st a l o z z i st r. 40; XVI. Spree- straße 31; XVII, Danckelmannstr. 48/40; XX, Bleib- treustrabe4g: XXIII, Haller st raße. Neue Volksküche. Im Sause Neue Christstraße 5 hat der Vaterländische Frauenvcrein Charlottenburg eine Zweigstelle seiner Volksküche eröffnet, in der zu den gleich niedrigen Preisen, wie in der Berliner Straße 137 schmackhaft zubereitetes Essen ausgegeben wird. Ganz besonders sei darauf hingewiesen, daß auch Portionen über die Straße verkauft werden, so daß kinderreiche Familien auf bequeme Weife zu einem nahrhaften, billigen Mittagessen kommen. Der Preis pro Portion ohne Fleisch beträgt 15 Pf., mit Fleisch 25 Pf.; Kaffee kostet 5 Pf.. Milch oder Kakao 10 Pf. und Ge- bück(2 Stück) 5 Pf. Der Betrieb dauert an Wochentagen von 11— IM Uhr mittags und an Sonntagen von 11—1 Uhr mittags. Lichtenberg. Bei der Mahl der Bertreter der ersten Klasse am Dienstag übten von 125 eingeschriebenen Wahlberechtigten 54 ihr Wahlrecht aus. Gewählt wurden die Herren Plonz, Noeder, Münchehofe, Strogoly und Rott. Somit ist der letztere Herr, den die Wähler der zweiten Klasse hinausbugsiert hatten, durcb das Türchen der Erst- klassigen wieder ins Stadiparlament hineingeschlüpft. Ja. wenn man Verbindungen bat! Der bekannte Herr Sommcrkorn hat für Rott de» Platz räumen müssen. Er und der Herr Frensche werden die Stadtverordnetenversammlung nicht mehr zieren. Uebrigens waren die Erstklassigen sehr vorsichtig; mit Ausnahme von drei Herren wählten sie peinlich genau nach dem mitgebrachten Manuskript. Friedenau. Die letzte Gemeindevertretersitzung verhandelte wieder vier Stunden über die Platzfrage für das neu zu errichtende Rathaus. Hierbei kam eS wiederholt zu äußerst scharfen Auseinandersetzungen namentlich zwischen unserem Genossen Richter und dem unvcrmeid- kicken Herrn Gcrkcn. In einer Sitzung im Juni war beschlossen worden, das Rathaus auf dem Gemeindegrundstück am Wilmers- dorfer Platz zu errichten, vorausgesetzt, daß für eine notwendige Volksschule ein anderer passender Platz gefunden würde. Dies war bisher noch nicht möglich. Ter andere für das Rathaus in Frage kommende Platz ist das Grundstück der Gemeinde am Lauterplatz, zu dem im Sommer d.I. noch das früher Sachscsche Grundstück, Niedstr. 1. erworben wurde. Ter Preis dieser beiden Grundstücke, die zu Spekulationßzwecken gekauft, bei denen man sich aber, wie sich jetzt herausstellte, unheimlich verspekuliert hat. betrug über 000 000 M. Trotz aller Bemühungen hat sich ein Käufer bisher dafür noch nicht gefunden. Unter Berücksichtigung dessen, daß sich dieser, an der Hauptstraße des Ortes, der Rheinstraße.gelegene Platz zur Errichtung eines Rathauses ganz besonders eignet, und auch für die neue Schule eine passende Baustelle nicht zu finden war, schlug der Gemcindevorstand in Uebercinstimmung mit dem Bauausschuß vor, das Rathaus am Lauterplatz zu errichten. Herr Baurat Altmann erläuterte in großen Umrissen das Projekt, bei dem zur besseren Verzinsung Räume für eine Bank vorgesehen seien, die schon jetzt fest zugesagt hätte und 11 000 M. Miete zahle, außerdem sei die Anlage einer Sparkasse, eines Ratskellers und eventuell Räume für die Ortskrankcnkasse vorgesehen. Der Bau- ausschuß sowie der Gemeindevorstand seien der Ansicht, daß bei Parzellierung und Verkauf des Grundstücks am Lauterplatz nicht das dafür verausgabte lSsttld einkomme. Die Herren Schulz und Gcrken traten dem Antrag entschieden entgegen. Sparsamkeits- rücksichtcn und Gründe lokalpatriolijcher Natur tvaren es, die sie dagegen anführten. Während Herr Schulz befürchtete, daß den armen Hausbesitzern durch die Verwirklichung dieses Prozekts der Schmachtriemen noch enger gezogen wird, liegt dem Herrn Gerkcn der Lauterplatz zu weit an der Schönebcrger Grenze. Die Genossen Huhn und Richter traten für den Antrag des Gemeindcvor- standes ein. Der letztere geißelte insbesondere die Sparsamkeit der Herren am falschen Platz. Bei aller Sparsamkeit, die er durch, aus nicht verwerfe, müsse bei einem solchen Bauwerk der Künstler zu Worte kommen, dem es möglich sei, mit nicht allzugroßen Mitteln etwas Gediegenes zu schaffen. Gcmeindevcrtrcler v. Wrochem schloß sich im wesentlichen dem an. Beschlossen wurde mit 14 gegen 0 Stimmen, das Rathaus am Lauterplatz zu errichten, während die Volksschule am Wilmersdorfer Platz erbaut werden soll. Wilmersdorf-Halensee. Der Gesangverein„WilmcrSdorfer MSnncrchor"(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) hält am näckisten Sonntag im„Viktoria- garte»'. Wilhelmsaue 114/115, ein Konzert ab, das sich durch ei» vortrefflilbeS Programm auszeichnet. Da der„Mnmierchor" sich der Arbeiterschaft bei Festlichkeiten immer mit Hingebung zur Verfügung gestellt hat, so ist schon auS diesem Grunde ein zahlreicher Besuch erwünscht. DaS Konzert beginnt abends ö'/z Uhr. Steglitz-Friedenau. Einen Liederabend mit auserlesenem Programm veranstaltet heute abend im„Nheinichloß" in Friedenau, Nheiustr. 60, der Bildungs- auStlbuß. Beginn 6 Uhr. Da die Saaltüren während der Vorträge gcsckilosicn werden, so ist pünktliwes Erscheinen im allseitigen Interesse erforderlich. Emlrit'Skarten z» 40 Pf. sind vor Beg nn des Liederabends im„Rheiiiickloß' zu haben und zwar nur gegen Voneigiing des MilgliedsbnckieS für die Mitglieder des fozialdemokratijchen Wahl- Vereins und der Gewerkschaften sowie deren Angehörige. Ober-Tchöneweide. Die Berbinduilgsbah» zwischen der Ost- und Görlitz« Bahn wird bekanntlick» den Ort Ober-Swöneweide berühren, und zwar bei ihrer Ncberqnernng der Spree an der Grenze des Ortes bei Köpenick. Die letzte Gemeindevertretersitzung nahm zu der Sache Stellung in- folge eines Antrages des Berlreters Benz, welcher die Verwendung der Vertretung bei den maßgebenden Instanzen� für Anlegung eines Bahnhofes auf Gcnicindegebiet forderte; bei Ablehnung Meies Bahnhofes soll die Nutzbarmachung der zu erbauenden Spreebrücke für Fußgängerverkehr erstrebt werden. Die Vertretung beschloß in diesein Sinne; der in Frage kommende Bahndos wird jedoch für die Gemeinde in bezng auf Personenverkehr keine Bedeutung haben, da er infolge der Linienführung der Bahn an die äußerste Gemeinde- grenze zu liegen kommt. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde zunächst der zum nnbisoldelen Stadlrat gewählte Direktor Theunert eingeführt. So- dann erstaltete der zur Prüfung der erlassenen Bauordnung für die Vororte Berlins in der letzten Sitzung eingesetzte Ausschuß seinen Bericht. Aus demselben ist zu entnehmen, daß Köpenick durch die neue Bauordnung sehr geschädigt ist. da der größte Teil des städtischen WatdeS aus der Banklasse I in die Bauklane C und D. verletzt ist. Ter Ausschuß ist der Ansicht, daß zu einem solch rigorosen Vorgehen gegen die Sladtgemeinde auch nicht der geringste Grund vorgelegen habe. Die Stadt habe freiwillig für daS große Gebiet am Müggelsee aus die Bauklasse I verzichtet und nur den Bau von Einsainilienbäuienl beschlossen, um so mehr müsse man sich dagegen wehren, daß nun auch noch der übrige Teil des Waldes in die_ Banklasse C und D versetzt wird. Dadurch sei der Stadt jede Möglichkeit genommen. einen Teil ihres Woldes für die Industrie zu erschließen. Auch sei der unglaubliche Zustand geschliffen, daß die Stadt nunmehr für den Bau des Kreiskranlenhauses wie auch für den Neubau von Schulen erst den Dispen« einhole» muß. Der Ausschuß empfiehlt daher. hiergegen Protest einzulegen. Die Versammlung schließt sich ein- mistig diesem Borschlage an. Dem Antrag auf Errichtung einer Gewersiedeputation zum 1. Januar 1912 wurde zugestimmt. Zur Erweiterung der städtischen Gasanstalt und zum Ankauf einer dazu notwendigen Landparzelle von 120 Ouadratrnten Größe zum Preise von 80 Mark pro Ouadratrute wurden 500 000 Mark verlangt. Hierbei wurde von verschiedenen Rednern angeregt, ob es nicht zweckmäßiger tväre, lieber an einer anderen Stelle der Stadt und zwar am Wasser gelegen, eine neue Gasanstalt zu erbaue», um den teueren Transport der Kohlen nach der jetzigen Gasanstalt per Fuhr- werk zu ersparen. Die Versammlung entschied sich jedoch für den Antrag der Kommission und bewilligte die verlangte Summe. Das Schmerzenskind der hiesigen Gewerbetreibenden und wohl auch des Magistrats, die am 1. April dieses Jahres in Kraft getretene neue Gelverbestcuerordnung, hat nach kaum vierteljährlichem Besteben vollständig versagt; die seinerzeit an dieselbe geknüpften Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Es hat sich herausgestelll, daß gerade die Firmen, welche durch die neue Steuer getroffen werden sollten, nicht in dem Maße heran- gezogen werden konnten, wie es beabsichtigt war. Der Magistrat schlug deshalb vor, die Sleuerordnung mit Schluß des EtalSjahres wieder aufzuheben. Debattelos stimmte die Versammlung dein zu. Zum Schluß kam der Antrag unserer Genossen auf Errichtung eines Geineindefriedhofes zur Beratung. Begründend wurde von unseren Genossen ausgeführt, daß es nun endlich an der Zeit sei, einen Gemeiudefriedhof zu errichten. Der unhaltbare Zu- stand, daß alle Einwohner unserer Stadt, welche nicht der eban- aelischen Landeskirche angebvreil, den Friedhof der evangelischen Kirchcngemeinde benützen müssen und dafür 25 Proz. Ausschlag zu zahlen haben, sei zu beseitigen. Der bisher erhobene Einwand, daß nur sehr wenig« Einwohner der Stadt die Errichtung eines Ge- meindefriedhofes wünschen, sei durch die dem Magistrat und den Stadtverordneten vorliegende» Pclitionslistcn von ü b er 6000 Per- i o n e n aller BevölkerungSschichten um Errichtung eines solchen Wider' legt. Der Magistrat tönne die Errichtung eines Friedhofes nichtmehr ab lehnen; des weiteren müsse auch das gesamte Beftaltungswesen in städtische Regie übernommen werden. Von den bürgerlichen Vcr- tretern wurde entgegnet, daß kein Grund zur Errichtung eines Fried- Hosts vorliege, da der Friedhof der Kircheuaenieinde noch 15 bis 20 Jabre ausreiche; außerdem seien die Gebühren auf einem Geiueindefriedhof auch nicht niedriger. Auch der Ausschlag von 25 Prozent für Leute, welche schon keine Kirchensteuer zahlen, sei ganz gerechtfertigt. Unsere Genossen kennzeichneten diese im Tone sichtlicher Befriedigung vorgetragenen Ausführungen als das was dieselben sind, nämlich als eine Perböhnung derjenigen, welche nicht mehr willens sind, sich einen solchen Zustand länger gefallen zu lassen. Der eigentliche Grund der Gegner des Antrages sei die Furcht, daß wenn ein Gcmeindefriedhof eingerichtet tvürde, die Kirchensteuern wie auch die Bestallungskosten bei der Kirchen- gemeinde noch böher iv«den würden. Diesen Gründen scheint auch der Magistrat Rechnung zu tragen. Erregt antwortete Bürger meister Dr. Laugerbans, es sollten dem Magistrat doch nicht Gründe iür eine Ablehnung unterstellt werden, die er nicht habe. Im übrigen sei die Sache so schwerwiegend, daß sie reiflicher Ueber- legniig bedürfe. Unsere Genossen erwiderten, daß der Magistrat ielbit die Schuld an der Verschleppung trage, denn zu ihren wieder- Hollen Anregungen habe sich der Magistrat bisher ausgeschwiege». Es sei jetzt an der Zeil, an die Errichtung eines Gemeindefriedhofes zu gehen. Der Antrag wurde mit allen gegen die Stimme» unserer Genossen abgelehnt. Zehlendorf(Wannseebahn). Der Konsum-, Produktiv- und Sparvercin Zehlendorf und Um gegrnd halte im verflossenen Geschäftsjahre einen Umsatz von 140 400 M gegen 76 700 M. im Vorjahre, der sogenannte Geschäfts ertrag ist gleich dem Umsatz ein günstiger. Der nach Abschreibung von 1587 M. aus Inventar usw. verbleibende Reingewinn, über dessen Verteilung die ordentliche Generalversammlung am Sonntag. den 26. Noveniber d. I.. nachmittags 2ils Uhr. bei W. Miel, Zehlen- darf, Karlftr. 12. zu beschließen hat, beträgt 4151 M. Den Reserven können reickliche Zuwendungen gemacht werden. Außerdem kann zuzüglich des Sparrabattfonds von 601 6.80 M. eine Gesamtrückvergütung von 5 Proz. in Vorschlag gebracht werden. Der Verein hat zwei WarenvcrteilungSstellen, je eine in Zehlendorf und Teltow. Letzlere wurde am 12.' Januar d. I. eröffnet und hatte in 8'/, Monaten 50 431 M. Umsatz, hinzukommen für 5450 M. Backware, insgesamt also 55 881 M. Der Bericht zeigt eine erfreuliche EntWickelung, die dazu beitragen mutz, daß immer weitere Kreise der GenossenschastSbewegung beitreten. Nenenhagen(Ostbahn). Aus der Gemeindevertretung. Gegen die Stimmen der Genossen Göller und Köseling wurde auf Antrag des KriegervereinS beschlossen. daß sieben in wirtschaftlich guten Verhältnissen lebende ehe- malige Kriegsteilnehmer eine Dotation(Unterstützung soll eS nicht sein) von je 50 M. erhalten sollen. Allgemeine Entrüstung entstand, als Genosse Köseling diesen Antrag als Wahlmache bezeichnete. Die von dem Schöffen, Landwirt Schmidt beantragte, ihm einen erheblichen Vorteil bringende Kassierung einer im Bebauungs- plan liegenden Straße wurde mit 5 gegen 3 Stimmen beschlossen. Den Borwurf der persönlichen Voreingenommenheit, welchen Gen. Köseling der Gemeindevertretung gegenüber machte, brachte diese in Harnisch; Herr Nissel wie« ihn zurück. Gleichwohl dürfte es frag- lich sein, ob einem anderen Tcrrainbcsitzer, der nickt Gemeinde- Vertreter ist, diese Durchlöcherung, wie Herr Ammon tagte, unseres BebaunngSplaneS wahrscheinlich gestattet worden wäre. Tatsächlich hat ja Herr Schmidt die Annahme seines Antrages nur den drei Stimmenenthaltungelt zu verdanken. Zur Linderung der LebenSmittelte»er u n g wurde der sozialdemokratische Antrag, den Stimdenlohn der Gemeindearbeiter um 3 Pfennige zu erhöhen, angenommen. Der zweite Antrag, die Unter- stützungs- und Pflegegelder der OrlSarmen werden bis auf weiteres um 20 Proz. erhöbt, ivurde der Armenkommisfion über- wiesen mit der Molivierung, den Prozentsatz vielleicht noch zu erhöhen. Meinten es die Bürgerlichen wirklich so gut mit den Armen, so konnte sie diesen schon am 22 Oktober eingereichten Antrag gleich der Armen- konimission überweisen. DerTenerungskommiiston wurde dann noch der Antrag überwiesen, zur Beschaffung und billigen Abgabe von Lebens- milteln an die ärmere Bevölkerung 1000 M. zu bewilligen.— Der Antrag Göller, Köseling: allen bis zum 1. Januar 1912 noch nickt ein Jabr in der Gemeinde wohnenden Geineindeailgehörigen nach ZZ 41 und 42 der L.-G.-O. das Gemeindcrecht zu verleihen, wurde angenommen.— Ebenso wurde der Gemeindevorsteher ermächtigt, in dringenden Fälle» die Erlaubnis zur unentgeltlichcn Benutzung der(iicmeiiideplätze zu Bersaiiinilungen und Festlichkeiten zu erteilen. Sonst Halle nur die Genieindevertreiung das Recht, dadurch wurde uns die plötzliche Abhaltung einer Versammlung manchmal unmög« lich gemacht.— Zum Schluß fand eine nichtöffentliche Sitzung statt. Ltdlersbof. Die Wahlen der Bcisiticr sürdaS neu zu errichtende Gewerbegerickt sind auögeichiieben und Termin auf Dienstag, den 23. Januar 1012, festgesetzt. Die Arbeitgeber wählen in der Zeit von Vz f bis>/z2 Uhr nachmittags, die Arliciniehiner von 6 bis 8 Uhr nactimittagsl Die Wahlen der Arbeitgeber finden im Sitzuiigssaale des Geineindeuints, Bismarckstr. 1, stuit und die Arbeitnehmer wählen im Saale des RestmirailtS Lehuigrübner, ViSmaickstr. 60. ES sind 12 Beisitzer zu wählen, zur einen Hälfte aus dem Kreise der Arbeit» nehmet und zur anderen auS den Reihen der Arbeitgeber. Die ersteren werden durch die Arbeitnehmer gewählt, letztere durch die Arbeilgeber. Wahlberechtigt sind von den Arbeitgebern die- jenigen, welche daS 25. Lebensjahr vollendet haben und im Bezirk des Gewerbegerichts eine gewerbliche Niederlassung baden. Von den Ärbeiliiehmern solche, welche daS 25. Lebensjahr vollendet haben, im Bezirk des GeweibegerichlS arbeiten oder wohnen und jährlich nicht mehr wie 2000 M. verdienen. Bei JnnungSmeistcrn beickäftigte Arbeiter äaben kein Wahlrecht. Die Wählerlisten liegen für die Arbeitgeber in der Zeit vom 20. November bis 6. Dezember dieses Jahres voa 8 bis 3 Uhr in den Diensträumen des Gemeindeamts, PosadowSkystr. 1, Zimmer 8, zu jedermanns Einsicht auS. Für die Arbeitnehmer werden Wählerlisten nicht aufgestellt. Diese haben die Berechligimg zur Teilnahme an der Wahl durch Bescheinigung ihreS Arbeitgebers oder der Polizeibehörde uachzuweije«. Hohen-Schönhansc». Am Sonntag, den 26. November(Totensonntag) veranstaltet die II. Abteilung des Arbeiter-TnrnvereinS.Frisch auf" im Lokal von Robert Schulze, Hauptstr. 8/9. ihr erstes StifstmgSfest. Da ge- nanntet Verein sich bei allen ParteifesUichkeite» zur Verfügung stellt, wird mn rege Beteiligung gebeten. Bohnsdorf. Schule und HauS. Ob die Schule auch außerhalb ihres Nnter- richteS sich um das Verhalten ihrer Zöglinge kümmern soll und z. B. wegen irgend welcher ans der Straße vorgekommenen Uli- gehörigkeilen gegen die schuldigen Schulkinder mit Strafen ein- schreiten darf, daS ist eine viel umstrittene Frage. In den Volks- schulen bcaniprilchen manche Lehrer in diesem Punkt ein sehr weit- gehendes Recht für sich, und aus dem Gefühl ihrer vermeintlichen Machtvollkoiiimenheit heraus greifen sie gegebenenfalls in das Recht der Familie so scharf ein, daß sie in einen Gegensatz zu den hierüber meist anders denkenden Eltern geraten und es mitunter zu recht verdrießlichen Zwisligkeiten zwischen Schule und HauS kommt. I In Bohnsdorf haben zwei an der hiesigen Schule amtic- rende Lehrer, Herr H a n n e m a» n und Herr N e u c n d o r f, durch eine sonderbare Fürsorge für ihre Schulkinder die Unzufriedenheit von Eltern erregt. Vor einigen Wochen untersagten sieden Kindern, abends nach 6 Uhr noch aus der Dorf- straße oder auf der Chaussee zu verto eilen, und für etwaige Ucbertretung drohten sie Strafe an. Wir wissen nicht, ob die Lehrer auS eigener Einschließung zu dieseni Verbot gelangt sind oder nur den Auftrag eines Vorgesetzten erfüllt haben, lieber die Gründe des Verbots, das immerhin ungewöhnlich ist, wird uuS mit- geteilt, eS seien in letzter Zeit abends Schlägereien von Kindern vorgekommen. Wundern darf aber die Schule sich nicht, daß manche Eltern diesen Eingriff in das Erziehungsrecht der Familie denn dock als zu weit gehend empfinden. Das Verbot tst bisher in vielen Fällen übertreten worden, auch mit Wissen und Willen der Eltern, die der Schule ein so weit gehendes Recht nicht zugestehen wollen. Aus diesem Anlaß kam eS in der borigen Woche zu einer AnS- spräche zwischen dem Lehrer H a n n e m a n n und einer Mutter, deren Kinder er soeben, dem Verbot zuwider, noch außerhalb der elterlichen Wohnung angetroffen hatte. Herr Hannemann sah abends um Vg? Uhr die Kinder auf der Straße, leuchtete ihnen mit einer Taschelilaterne ins Gesicht und schickte sie dann nach Hause mit der Antüiidigung, daß es m o r g e n P r ü g e l geben werde. Als die Kinder heimkehrend ihrer Matter das meldeten, begab diese sich auf die Straße hinauö und wollte dem dort noch verweilenden Lehrer klar mache», daß er zu seinem Verbot kein Reckt habe. Lehrer Hanneiiiami ging zunächst auf eine Unterredung mit der Mutter ein, plötzlich aber sagte er ihr. er habe keine Lust, sich mit ihr auf offener Straße hinzustellen, und wie sie überhaupt dazu komme, ihn hier auzu- reden. Dem Wortwechsel, der sich daran knüpfte,»nachte er ein Ende mit der Drohung:.Wir sprechen uns vor Ge- richtl" Gegen die Kinder griff Lehrer Hannemann dann in der Schule nicht zum Stock, sondern er ließ sich an einer Nachbleibe- strafe genügen. Die Mutter aber will er tatsächlich vor den Straf- rickter schleppen, weil er meint, daß sie ihn nicht mit der nötigen Achtung behandelt und ihn dadurch beleidigt habe. Das ist ja zumeist das Ende vom Liede, wenn eine Mutter oder ein Vater durch ein ihnen unberechtigt erscheinendes Bei- halten eine? Lehrers gereizt werden und ihrer Erregung in einem unvorsichtigen Wort Luft machen. Lehrer Hannemann, der so über- aus empstndlich ist, sollte sich einmal die Frage vorlegen, ob er durch dieses Borgehen wirklich der Sckule nutzt. Kommt eS zu einer Anklage, so wird vor Gericht auch die andere Frage zu beantworten sein, ob jener Eingriff in das Recht der Familie überhaupt zulässig war. Kalkbcrge- Rüdersdorf. Dir Konzession für den Bahnbau Kalkbcrge-SchSnciche ist nun» mehr erteilt und die Arbeiten hierzu bereits im vollen Umfange auf- genommen worden. Mitteitwalde. Bei der Stadtverordneten«»� am Montag siebten die bürger- lichen Kandidaten mit 30 und 32 gegen 8 und 9 Stimmen der sozial- demokratischen. Der Grund des für uns ungünstige» Ausfalls der Wahl liegt darin, daß ein Teil der Arbeitcrwähler nickt am Wahltisch erschien und auch«ine Anzahl nicht in der Wählerliste vcr- zeichnet war. RowaweS. Der BildungSausschuss veranstaltet am Totensonntag im Singerschen Saale, dessen Bühne vergrößert und renoviert ist, den zweiten Theaterabend in diesem Winterhalbjahr. Zur Aufsuhrung gelangt die dreiaktige Volkstragödie„Glaube und Heimat" von Karl Schönherr. Dargestellt wird das Werk durch das Berliner Schau- spietensemble unter Leitung von C. Hauser u. Sohn. Die Kassen- eröffnung ist auf 6 Uhr, der Beginn der Vorstellung auf Punkt 7 Uhr festgesetzt. Karten im Vorverkauf(für Erwachsene 50 Pf., für Kinder 30 Pf.) sind an den auf den Plakaten angegebenen Stellen zu haben. Spandau. Bei de» Delegicrtcnwahlen zur Ortskrankenkasse der Handwerker wurden die Listen vom Gewerkschaft?karlell und die von den Arbeit- geben, aufgestellten gewählt. Im Anschluß an diese Wahlen fand eine Gcneralversaininlung statt, die sich mit der Uebernahnie der im eingemeindete» Gutsbezirk Haselhorst beschäftigten Mitglieder der OrtSkrankenkasse Spandau-Land und Umgegend in die Ortskranken- lasse Spandau, einverstanden erklärte. Eine Ersatzwahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder Töpfer- meister Weber seitens der Arbeitgeber und der Genossen Schubert »»d Krüger seitens der Arbeitnehmer. Die Versammlung erklärt- sich mit der Anstelluua der Spezialärzte Dr. Gontcrmann und Dr. Buttermann als Kassenärzte, sowie mit der Erhöhung deö Pauschalsatzes für die Kassenärzte von 3.75 M. auf 4 M. pro Mitglied einverstanden. Vom 1. Januar 1012 ist der Zahnkünstlcc Jrrgang von der Kasse angestellt. Fugendveranstastnngen. Freie Jugendorgoiiilation Nowawes. Am heutigen Bußtag vor- mlltagS S Uhr mach! die Jugendorganisation einen AuLslug nach L e h n i N. TageSpronlant ist mitzunehmen. WitternngSübersicht vom S1. November 1011. Stationen Swinemde Hamburg Berlin ssranksa M München Wien £6 «£ Ii a£ gf 739© 744«SV 744 5© 751:5.© 753© 753©3© gl Wetter 4 bedeckt chbedeckl 7bedeckl 2 Dunst �bedeckt »halb bd. s" 5? hJj 4 • 6 a 6 3 Stationen ££ I2 LZ SZ Haparanda 747 Petersburg>738 5cilly «berdeen Paris n H KZ N 5 75ÄO 75, WN© 750 ZSW Wetter *11 xw U5> s bedeckt—5 2 Renen i 7 tjvoltig I 7 5.5chnce 1 Ibedcckt i 5 Wetterprognose für Mittwoch, de» SS. November Zunächst mclinch heiler, nachts ziemlich kalt, am Tage wieder etwas wärmer bei lebhaften südlichen Winden, nachher neue Trübung und leichter Regen. BerlinerWetterburean. EnsTPOS Export Hamwogtei platz Iii! 1. Elago(kein Laden) > schrägüber Untergrundbahnhof !(an tlcv Jerusalemer Straße) verkauft auch einzeln!! Paletots Kostüme Kostüm-Röcke I! Abend- Mäntel j j Golf-Jacketts Paletots.;; Vorzeigung itesanderKas serates an der Kusse werden! 5 Ol0 Rabatt vergütet, j Auch Sonntags geöffnet! ERFOLG IST DER SICHERSTE BEWEIS FÜR LEISTUNGSFÄHIGKEIT! MMüMdM'eMIkidW I.: Xenc EriedrlchstP. 35 neben Zenfral-Maikthlille II.: TnrmstraBe 67 an bcr(Sotzfowskystratze liesett an jedermann elegante gerren-kRi'llerobLll TertI« ii. yiaü unter Garantie für fadellojen Sitz gegen «öchenti. Ieürahlung von f fAK.an. Zujchneiderei u. Werkstatt im Hause. Aus Wunsch Besuch des Reisenden mit neuesten Stossmustern. _ Sonntags geöffnet.— ... M Berlm, Komgstt.' heute R Geschäft vertreten yr, ��et. 2» dem � � De UND DIES SCHON ZEHN MONATE nach Eröffnung unseres ersten Berliner Geschäftes! i m 1. PI. Müblonsfr. 18 �o11' 2.„ Palisadenstr. 95 Preise bei Entnahme von 10 Ztr. ab Platz: Ferdioand Salon- Briketts. 0,8t Fielitz.....- 0.81 Hearo Stölln...... C.§2 Anh. Kohlenwerke Salon-Briketts 0.88 Jlse..... IM Hexe n. A. K. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verhoten.) 128 337 643 93. 764 860(1000.1 86 077 1034 43 162 485 509 877 902 2035 285 301 96 631 660 787 803 35 959 3234 72 430 505 32 602 52 739 054 4133 317 404 520 611 954[10001 5106[10001 91 479[30001 516 50 725 88 817 975 6281 334 531 41 75 656 60 743 93(1000) 888 007 35 46 82 7123[1000] 386 99 509 25 92 002 28 787(30001 862 931 8048 72 102 632 62 803 65 915 9220 552 602 51 76 045 10233[500] 458 500 628 710 45 71 881 11024 134 58 283 317 434 929 97 12409 l 10091 21 646[600] 700 22 97 803 18 39 95 13043 89 109 40 504 92 710 803 16 27 55 67 14144 231 67 395.660 939 1 5003 37 187 88 285 497 621(5001 709 09 892 16091[500] 134 40 86 230 481 862[30001 930 17175 269 372 649 608 34 853 77 923 62 70 95 1600] 16253 335 90 533 015 81 725 805 19098 228 323 53 458 60 73 601 32 768 930[5001 83 20023 69 95[5001 109 218 417 89 96 580 688 877 21047 89 150 839 958 22071 212 308 802 718 23 23053" 70 200 18 312 20 44 623 718 93 830[5001 58 941 24138 251 90 504 943 60 25137 215 439 028 744 944 68 26083 179[100001 308 19 638 747 27011 179 219 30 303 36 53 426 602 708 920 76 28110 34 72 227 37 372 480 628 35 16001 87 783 867 68 981 29163 485 628 62 801 60 06 979 36055 115 250 497 503 607 21[5001 714 868 31152 418 621 34 810 25 55 936 3 2217(160000] 18 29 67 392 466 760 75 848 964 33097 109 454 93 581[1000] 550 933 3 4040 106 36 232 44 370 35176 229 340 63 130001 511 99 701 831 1500) 36330 502 73 870 88 023 43 49 37038 159[5001 333 56 474 535 813 965 38007 99 392 481 820 47 13000] 39193 248[500] 340 70 559 056 763 801 1500] 43 40044 115 398 402 77 90 559[1000] 941 41008 210 13 51 64 330 38 39 67 825 945 63 42083 1500] 537 409 71 683 910(10001 62 784 917 29[500] 44 43121 73 82 223 1500] 313 49 69 83 419 605 12000] 770 950 44192 290 307 464 555 98 744 84 827(10001 4 503H 101 75 310 1500] 710 13000] 79 825 908[600] 59 77 46311 10 2(5 422 517 21 658 751 802 967 47011 63 130001 182 298 817 952 57 48109 11 68 295 340[500] 655 917 49047 60 194 248 492 668 89 793 843 5 0038 132 282 679 753 98 855 928 51102 223 318 98 417 1500] 525 15001 704 874 987 52442 64 600 27 978 5 3014 60 252 523 884 933 54061 314 34 37 472 500 88[10001 840 55017 37 82 169(3000] 280 439 501 2 707 77 942 47 55104 249 66 61 70 89 509 18 650 765 82 827 45 82(10001 931 69 57029 30 41 113 279 315 531 612 771 840 98 905 87 58031 391 401 557 70 59175 1600] 241 60 325 405 19 518 732 805 42 65 988 60983 III 214 25[3000] 338 58 424 89 740 41 303 349 51 99 S 1 084 1500I 104 42 51 202 664 791 909 15001 30 62097 166[6001 477 15001 505 40 682[5001 94 751 15001 63223 44 57 316 402 642 66 732 876 «4029[1000] 158 488 578* 601 847 83 iBOOl 65027 344- 55 224 54 403 90 526 39 609 30 66 89 733 58 70 843 64 74[10001 78 6 6087 199 234 65 342 48 19 82 567 617 31 710 67344 49 448 73 11000) 585 731 72 807 110901 6S036 88 105 279 362 67[5001 518 34 47 704 69129 7 6 83 338 11000] 64 405 619 818 932 7 0053 112 348 453 64 854 853 58 955 71156 84 479 517 53 987 72148 237 361 442 56 94 567 828 66 73184 215 1X000' 583 742 950 15001 74024 372 447 95 567 75087 151 99 282 301 110001 487 88 895 21 38 89 947 7 8983[1000! 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Ziehung 5. KI. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziebung vom 51. November 1911, nachmittag«. Nor dio Gewinne Uber 240 Mark sind den betrcSeadea Nummern in Klammern beigefügt. iSle Gewinne fallen auf dio bezeichneten Losa beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.))(Nachdruck verboten.) 14 15001 84 101 18 53 274 449 646 84 621 812 93 [500] 974 1190 253 411 838 914 60 2230 340 417 638 55 87 601[600! 78 713 898 958 89 3192 98 325 427 518 765 967 4007[600] 24 155 305 42 679 90 684 837[3000] 5092 645 81 90 647 710 28 902 65[500] 6024 40 93 141 292 378 731 845 964 7048 97 260 [1000] 305 414 554 66 610[500] 788 937 8098[1000] 172 227[1000] 95 439 601 615 63 797 834 72 87 9142 277[1000] 451 640 745 48 10608 55 69 708 885 941 11189 207 77 91 667 [500] 88 93 762 806 24 12073 106 18 54 289 396 437 86 602 741 63 804 984 13033 144 460 601 14045 520 98 877 068 15064 266 394[500] 433 639 754 62[500] 932 16287 668 707 843 971 17016[500] 91 140 321 (1000) 425 31 45 86 683 920 30 18038 362 695 012 72 73[3000] 94 880 19004 311 415 17[1000] 717 927 20028 239 41 363 80 409 639 647 707 812 27 32 21276 497 621 94 860 902 13000] 34 2 2033 258 69 315 27 413 60 88 649 652 87 844 988 99 23299 762 69 802 24064 74 196[EsDO] 233 329 400 41 601 773 950 25027 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Für den' Lnioratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Äerkag. Vorwärts Buchdruckerel u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Eo.. Verlin LW. Nr. 274. 28. Jahrgang. 5. Skilm des Jotniirls" Kerlim öullioliliill Mittwoch. 22. November 1911. Hud aller Welt. Kataftrophe in einem Raltfd>ad)t Auf der im Abbau befindlichen fiskalischen Kaligrube Klcin-Bodungen bei Nordhausen ereignete sich Dienstagmorgen gegen 9 Uhr. als eine Drittel- Mannschaft, die auL ungefähr 15 bis 17 Arbeitern besteht, einfuhr, ein schweres Grudenunglück. Infolge eines zu früh losgegangenen Svrengschusscs wurde die ganze Maunschaft durch herabfallende GesteinSmassen verschüttet. Bei den sofort in Angriff genommenen Rettungsarbeiten konnten nur vier Mann lebend geborgen werden. Im weiteren Verlauf gestalteten sich die Rettungsarbeiten immer schwieriger und die Hoffnung, die Bergleute noch lebend retten zu können, wurde immer geringer. Bis mittags waren elf Leicheu und mehrere Schwerverletzte zu Tage gefördert worden. Die Verunglückten stammen zumeist aus Klein-Bodungen, Groß- Bodungen und Kehenstedt. Ueber die Katastrophe wird noch folgendes bekannt: Gestern früh ö Uhr fuhr der Steiger I e n i s ch mit 15 Mann in den Schacht ein und legte etwa 20 bis M 3 Meter tiefe Bohrlöcher auf der Schachtsohle an. die mit Dynamit geladen und durch elektrische An- zündung zur Explosion gebracht werden sollten. Um 9 Uhr waren die Arbeiten so weit gefördert, dah mit den Vorbereitungen zum Sprengen begonnen werden konnte. Da die im Schacht befindliche kleine elektrische Lampe, die dem Steiger durch ihr Glühen an» zeigte, daß die Leitung im Gange ist. nicht brannte, nahm der Steiger an, er hätte die Leitung selbst abgestellt und schaltete die Zünder der Sprengschüsse ein. Als er einem Bergmann den Auf. trag gab. Starkstrom zu befehlen und diesen einschaltete, er- folgte die Explosion. Tie Wirkung war furchtbar. Durch die Explosion wurden die Bergleute, die zwischen den Bohrlöchern standen, buchstäblich in Stücke gerissen, nur einer wurde lebend, aber in schwer verletztem Zustande, zutage gebracht, daß er in anderthalb Stunden starb. Die Nachricht von dem Unglück verbreitete sich mit Blitzes- schnelle in der Umgegend, und die Angehörigen der Bergleute sammelten sich wehklagend vor dem Verwaltungsgebäude. Die zu- tage geförderten Ueberrejte der toten Bergleute wiesen entsetz. liche Verstümmelungen auf. Die Bergbehörde und die Staatsanwaltschaft haben sofort eine Untersuchung verfügt, aber den Betrieb am Nachmittag wieder freigegeben._ Epidemie der Bilderdiebstähle. Nach einem Telegramm aus Florenz stiegen dort zur Nochi- zeit während eines Unwetters Diebe auf das Dach deS Museo San Marco, drangen von dort in die einst von Fra Angelico bewohnte Zelle und stahlen ein kleine» Gemälde, das die Madonna mit dem Stern darstellt, ein sebr wertvolles Werk Fra Angelico s. Die Diebe sind noch nicht ermittelt worden. Der Direktor der Altertümer und schönen Künste ist zur Einleitung einer Untersuchung in Florenz eingetroffen. \ Sturm und Unwetter. In Schaffhausen ist gestern infolge eines WindstosteS ein Schuppen der Bauanlage der Maschinenfabrik Rauschenbach Akttengesellschast zusammengestürzt, wobei fünfzehn Arbeiter zum Teil schwer verletzt wurden. Getötet wurde niemand. DaS Sturmwetter der letzten drei Tage hat in Frankreich zahlreiche Schiffsunfälle zur Folge gehabt. Dyr Küsten verkehr ist vollständig unterbrochen. Verschiedene bereits aus gelaufene Dampfer mußten angesichts des furchtbaren Orkans in den Hafen zurückkehren. Der Passagierverkehr mit England hat erheb- stche Verspätungen erfahren. In Sovoyen hat der Sturm großen Schaden angerichtet. Bäume wurden entwurzelt, Häuser ab- gedeckt und sonstiger Schaden angerichtet. Sämtliche Wasserläufe sind aus ihren Ufern getreten. Im Gebirge fanden mehrere, infolge des anhaltend starken Regens veranlaßte Erdrutsche statt. In R e- in i r e m o n t sind heftige Schneefälle eingetreten. Auch in England sind durch den starken Sturm viele Schäden verursacht worden. Besonders beträchtlich soll er in Med w ah- ta le sein. Hunderte Heftare bebauten Ackerlandes sind dort über- schwemmt; die Stadt Cambridge steht vollkommen unter Waffer und hat da? Aussehen einer venetianischen Ortschaft. Der Verkehr der Einwohner miteinander ist nur mittels Booten und Barken möglich. Viele Personen versanken im Wasser bis an die Brust. Mehrere Ortschaften wurden infolge der Ueberschwemmung vollständig isoliert und müffen mittels Booten verproviantiert werden. Zahlreiche Automobile sind von der Ueberschwemmung überrascht worden. Die Stadt Edenbridge ist vom Waffer gänzlich umringt. Die Slabtteile in Psnshurst und Shilcingstone stehen zum Teil unter Waffer. Die liefer gelegenen Bezirke der Sladt H a d st o n e sind ebenfalls voll- ständig überschwemmt._ Die Choleraerkrankungen in Toulon. Wie nunmehr definitiv feststeht, sind die choleraartigen Er- krankungen zahlreicher Seeleute nicht auf den Genuß verdorbener Schweinefleischkonserven, sondern auf den Genuß schlechten Trinkwassers zurückzuführen. Im Hospital St. Mandrier be- finden sich 129 Scclcute, die unter den choleraartigen Symptomen erkrankt sind. Wie weiter aus Toulon gemeldet wird, beträgt die Zahl der an Bord der Kriegsschiffe Erkrankten bereits 130; fünf Matrosen sind gestorben. Ter Seepräfekt hat befohlen, daß die Mannschaften bis auf weiteres nur destilliertes Trinkwasser er- halten sollen.__ Aus dem Leben eines Landarztes. Nach dem Orte N. im Kreise Köttingen kommt dampfend vom Schweiß ein Radfahrer aus dem Dorfe O. zum Arzt, um Hilfe zu erbitten..Herr Doktor kommen Sie gleich, der Knabe bat stark Diphtherie, ist b l a u f ch w a r z und muß e r st i ck e n I* Mit einem Rezept geht der Radfahrer zur Apotheke und soll dann mit der Medizin nachkommen. Inzwischen wird das schnellste Pferd des ArzleS gesattelt und die VerbandStaiebe als Tornister mit Jnstru» menten. Chloroform und Verbandsstoff gefüllt. Nach wenigen Minuten saust der Reiter fort. Bei Ankunft in O. trieft das Pferd von Scknveiß. schnell wird ihm ein Kartoffelsock übergeworfen. Der Knabe lebt zwar noch, hat aber große Atemnot. Es muß ein Silberrohr in die Kehlel Einer muß bei der Operation helfen. Die Hebamme de? Ortes ist wegen Ansteckungsgefahr abzulehnen. Der Vater war beim Militär Lazarettgehilfe und will helfen. ES wird Chloroform ge- geben. DaS Kind atmet überhaupt nicht mehr. Sekunden sind kostbar. Der Arzt macht den H a l S s ch n i t t. Da, o Schrecken, wird der Vater unsicher und stürzt in die Küche zu seiner Frau und schreit:»Der Doktor hat den Jungen geschlachtet!" Der Arzt riegelt die Küchentür ab, um nicht noch mehr gestört zu werden. Die Sekunden sind ja kostbar. Zwei Knorpel werden durch den zweiten Schnitt schnell durchschnitten und das Silberrohr wird in die Kehle geschoben. Ilm noch Erfolg zu haben, legt der Arzt seinen Mund auf das eingesetzte Silberrohr und saugt sich da? diphtheritische Gift aus der Kehle des Knaben in den eigenen Mund. Er macht nun künstliche Ein- und AuSatmungS- versuche. Nach bangen zehn Minuten kommt endlich wieder Leben in die keuchende Brust, der Knabe lebt und kann stehe». Eine alte Brotrinde vom Tische kann er essen und sSIucken. Im guten Zimmer begrüßt unS der alte Großvater und verspricht, das Innere der zwei Rohre alle drei Stunden zu reinigen. Als der Arzt sein Pferd besteigen will stürzt der erregte Bater mit dem Besen in der Hand auf ihn loS:.Du Lnsebengel, eck schlag Deck bat! Wenn wi össeck under vier Agen dräpf, dann reke eck af!" .Ein undankbarer Mann" war die Antwort des erschöpften ArzteS. Einige Dorfbewohner brachten den Vater zu— seinem lebende n, geretteten Sohne._ Ei» Pariser Sittenskandal. AuS Paris schreibt man unS: Ein S i t t e n s k a n d a l größten Stils ist hier aufgedeckt worden. ES handelt sich um eine weitverzweigte Organisation zur Prostitution von. Knaben und halbwüchsigen Mädchen. Bisher sind acht Kupplerinnen und Kuppler fest- genommen, die Zahl der Opfer, die zum Teil von ihren eigenen Eltern zahlungsfähigen Lüstlingen ausgeliefert wurden, wird jetzt schon mit 300 beziffert. Die»Kundschaft" wurde von den»Unter- nehmern" durch Zeitungsannoncen, die»Kunstgegenstände" u. dgl. anboten, herangezogen. Die Polizei will auch den Kunden zu IZeibe gehen. Ob wohl allen? Unter denen, die sich gedrückt haben, be- sindet sich eine der bekanntesten Pariser Persönlichkeiten, der Direktor der bürgerlich-radikalen»Lanterne". F l a ch o n. Dieser Herr, der eS verstanden hat, ein schwerreicher Mann zu werden, trotzdem die.Lanterne' ein Blatt ohne Leser ist, gehörte zu den eifrigsten Korrupttonisten des bürgerlichen Zeitungs- geschäftS. So war er Mittelsmann des»Credit Lyonnais" bei der Aufteilung der Trinkgelder anläßlich der letzten russischen Anleihe. Einen Teil diese» au« dem journalistischen Proskitutionsgeschäft ge- zogenen Profits hat er also in den Betrieben abscheulichster sexueller Prostitution angelegt. Welcher.Zufall" aber, daß just dieser so viel- wissende Mann mit den allerbesten»Beziehungen" in der revublila- nischen»Elite' glücklich entwischen konnte! Kleine Notizen. Messerhelden. Auf der Chaussee zwischen B r S tz und Dürr- leitet(Kreis Meseritz) wurde der Landwirt Höhle, der mit seinem Fahrrad einen unbeleuchteten Wagen anfuhr, von den beiden Insassen desselben durch Messer st iche derartig zuge- richtet, daß er bald darauf starb. Dreifache Hinrichttmg. In New Dort wurden gestern drei Personen auf dem elektrischen Stuhle hingerichtet. Die Hinrichtimg beanspruchte 23 Minuten. ES ist die« das erste Mal, daß eine dreifache Exekution mittels elektrischen Stuhles stattfand. r Ein willkommenes und sehr praktisches W eihnachtsgeschenk Der Gasheizofen bietet schnelle, behagliche Wärme, ist unerreicht bequem u sauber zu bedienen, überall zu verwenden Die Ausstellungen der Imperial-Conti- nental-Gas-Association in Berlin, Kochstrasse 18 Schöneberg, Gleditschstr. 4/ Schöneberg, Ahazienstrasse 28 Steglitz, Schloss- Strasse 121 Tempelhot, Berliner Str. 105 Wilmersdoti, Berliner Str 36 Weissensee, Berliner Allee 241 Niederschönhaos., Beuthstr. 9 sind frei zu besichtigen und gewähren eine umfassende Ueber- sicht über das gesamte H e i z- und Beleuchtungs- Wesen Berliner Sehneiderei-GenossensiM(LCjIB.) gegründet von organisierten Schneidargehilfen Berlin N. WM. 185(a HasenMif Tnrl, Großes Lager fertiger Ulster, Paletots «nd Joppen. Elegante Maßanfertigung. Eigene Betriebswerkstätten. Lieferant der Konsumgenossenschaft und des Arbeiterradfabrcrbundes. 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Berta Krüger, Johannisthal, Parkstraße 8. 6S6K �stillen F eunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich mein Geschäst von Franlsurter Allee 6l nach Licbig- straße 6 verlegt habe. Bereinszimmer sür 40 Personen. ÜUbert Göring, Schankwirt._+106 Wer Stoff bat, fertige Anzug oder Paletot 16,00. Kaczynsli. Lichtenbergerstraße 9.+134 Vermietungen. Restaurant mit Inventar gegen kleine Kaution sosort zu veronctcn Luisenuser l?. 1696d Limmer. Möbliertes Zimmer, separat, sür zwei Herren, 14 Mark, Strese- mann, Schinidstraße 10._ 1690b Einfach möbliert, auch leere« Zimmer, an Hern, oder Fräulein zu vermieten. Bader, Rüdersdorscr Straße 48. vorn III.+30 M öblierteS Zimmer, separat. Gas, inklusive 15 Mark. Großmann, Hobrechtstraße 79, vom, Herma»»- platz.+128 Freundlich möbliertes zwei- senstrigeS Zimmer für einen oder zwei Herren zum Ersten zu vermiete». Scholz. Rixdorf. Nansenslraße 36. Gartenhaus I.___+127 Kleines möblierte» Zimmer für Herrn Fürstenstraße 17, vorn II links. obere Klingest_+65 Redakteur. Für unser täglich erschrinciide» Organ suchen wir zum sofortigen Antritt eine» zweiter Redaktenr, der eventuell den leitenden Rcdaltcur vertritt. Längere Täligst il in Parteiredaktion Vorbedingung. Bewerbungen sind bei dem Unterzeichneten einzureichen. 299/8* Für die Preffkommission der»Märkischen Volksstimme": E. Hänchen, Vorsitzender, Guben, Langeslrage 4._ Landes-Sekretiir. Für die Landesorganisation der sozialdemokratischen Partei de» Groß- Herzogtums Hessen ist die Stelle des Sekretärs neu zu besetzen.— Geeignete Genossen wollen ihre Bewerbungen unicr Angabe der Gebaltsaniprüche und ihrer bisherigen organisatorischen und agitatorischen Tätigkeit bis zum 1. Dezember an den Landesvorstand E. Ulrich, Offenvach a. M.. Herrnstr. 10, einsenden._ 299/10* Fü�daS Arbeitersekreiariat Halverstadt wird zum 1. Januar 1912 ein Sekretär gesucht. Gehalt 2000 M. Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätig- keil sind bis spätestens den». Dezember an Hermann btchwarEe, Kulber-ituclt. Bleichitr. 10 II, einzureichen. 1697b iMhiitn lskM Für einen größeren Fabrikkonsumverein wird«In tüchtiger Lager- Halter gesucht: gelemter Schlächter bevorzugt. Kaution 1000 M. er- jorderlich.- Ter Antritt erfolgt am 1. Januar. Offerten mit Gehaltsansprüchcn, Zeugnisabschristen und Beschreibung der bisherigen Tätigkeit unter K. V. an die»Vorwärts"- Spedition. Rixdors, Siegsriedftr. 88, S». e> beten._* Möbliertes Flurzimmer. Volk- mann, Skalitzerstraße 13 IV, Kolt- buserlor. 170Sb Seblakstellen. Schlafstellen frei im Arbeilerin» nenheim IV, Greisswalderftraße 225. Möblierte Schlafstelle zu ver- mieten A. Schmidt. Planuser 93 III. Gartenhaus.__ 16896 �Möblierte Schlafstelle. Grüner Weg 103, vorn 3 Treppen links. Gut möblierte Schlafstelle. Kleine Marlusstraße 19/20, Lecht. vom parterre rechts. fl34 Schlafstelle, Herrn, vermietet Michatski. Wiencrstraße 3l, vorn II. 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Boyscn, Liebig, Löwcnstein, W. Pcck, Senlch, Sala, Schäier u. Scheibe, M. Schlesinger, Schwerdtseger u. Co., Weglandl, Th. Wendisch. Folgende Privatlithographie» und Lohndruckereien: Hugo Wols, Aug. Salbach, Zocke u. Mittmeyer, Räubert u. Griebel, Dübelt u. Kenten, Goltz. Verband der Elthosraphcn und Htelndruekcr. Filiale I. n. III. 297/14 Verantwortlicher jffedalteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u-Berlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. tzo.« Berlin