Kr. 275. nbonnmentS'Bedinsungen: ftttmnememä• Preis pränumerando: «iertcljShrl. 3,30 SKt., monatL 1,10 Ml. Wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg, Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prei-Iisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemar!, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. Die InlerflonS'Gebfllp betrögt für die lcchsgewaltene Koloncl- »eile oder deren Raun, W Pfg,, für Volitilche und gewcrllchaftliche BerciuS- und Berlammlungs-Auzeigen 30 Pfg. „Meine Anreizen", das fcttgedruSie Wort 20 Pfg, ljulälfig 2settgedruifte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenau- »eigen das erste Wort W Pfg,, jedes «eitere Wort ö Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnscrale für die nächste Nummer niüiicn bis » Uhr nachmittags in der Expedition »paegeben iverdcn. Die Expedition iil bis 7 Uhr abends geWiet. vlchelii««glich aatcr Oontaat- Deeltnev Volksblakt. Zentralorgan der rozialdemokratircben parte» Deutfcblands. Telegramm• Adresse: .SoztaUcmoknt BrrlM". Redaktion: 8 Cd. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritfplay, Nr. KitfjZ. Freitag, den 24. November 1.�11. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. tS8�. Lrneute Hetze. Herr b. Kiderlen-Waechter spielt ein zwei- d e u t i g e s und gefährlichesSpiel. Von Anfang an ist in der Marokkosache das deutsche Volk verwirrt und irregeführt worden. Das Auswärtige Amt hat diese Irreführung stillschweigend geduldet und damit g e f ö r- d e r t. Es scheint, daß dieses Spiel nochmals beginnen soll. Will Herr v. Kiderlen durchaus den Ruhm des'starken Mannes" gewinnen? Will die Regierung mit aller Gewalt die ersehnte„nationale Wahlparole" schassen? Zweimal oder gar dreimal standen Deutschland. Frank- reich und England seit der Entsendung des„Panther" u n- mittelbar vor dem Kriege— dem Kriege um Ma- rokkos willen! Die deutsche Regierung selbst hat erklärt, daß ein Krieg wegen Marokkos nie zu rechtfertigen ge- Wesen wäre. Das hat sie nicht gehindert, eine Politik zu treiben, die diese Kriegsgefahr wiederholt zu einer unmittel- baren gemacht hat. Keine Redereien eines Ministers, kein Ge- schrei der offiziösen Meute kann eine Politik rechtfertigen, die solch gefährliche Resultate zeitigt. Waren diese Resultate, wie man annehmen muß, von der Regierung nicht gewollt und nicht beabsichtigt, dann bildet eine solche Politik erst recht eine Gefahr. Denn es bedeutet, daß das Auswärtige Amt ein Abenteuer unternommen hatte, das mit einem Weltkrieg enden konnte, ohne sich dieser Konsequenzen auch nur bewußt gewesen zu sein. Herr v. Kiderlen ist nicht imstande gewesen, den Nachweis zu führen, daß die Entsendung des Kriegsschiffes nach Agadir, die unmittelbar eine kritische Situation heraufbeschworen hat, eine zwingen deNotwendigkeit war. Es ist einfach nicht wahr, daß es nicht andere diplomatische Mittel gegeben hätte. Zudem ist vom Staatssekretär selbst zuge- geben, daß Frankreich verhandeln wollte. Die Differenz war eigentlich nur, ob Deutschland zuerst seine Forderungen stellen oder Frankreich sein Angebot nennen solle. Und da will man uns einreden, anders als mit„Schiffsdemon- strationen wäre das„Geschäft" nicht einzuleiten gewesen? Das ist eine lächerliche und abgeschmackte Behauptung. Herr v. Kiderlen wollte eben eine Sensation, er wollte die chauvinistische Erregung, weil er meinte, dann mehr heraus- schlagen zu können. Und wenn die„nationale" Hurra- stimmung bis zu den Wahlen vorgehalten hätte, nun, das wäre ihm und seinen konservativen Freunden auch nicht unlieb gewesen. Herr v. B e t h m a n n hat als Erfolg des Marokko- abschlusses bezeichnet, daß jetzt die Bahn für ein besseres Ver- hältnis zu England und Frankreich frei sei. Er ist der kon- servativen Englandhetze im Reichstag mit größter Entschieden- heit entgegengetreten, um diesen Erfolg nicht von gewissen- loser Wahldemagogie gefährden zu lassen. In der Kommission aber gibt Herr v. K i d e r l e n eine Darstellung der Verband- lungen, die die Englandhetze aufs beste unterstützt, und die offiziöse Presse scheint alles daran setzen zu wollen, neue Er- regung und neue Feindseligkeit gegen England wachzurufen — unter freiwilliger Hilfeleistung der freisinnigen Presse natürlich. Herr v. Kiderlen steht plötzlich als der Held da, der England in seine Schranken zurückgewiesen, das deutsche Ansehen unerschrocken gerettet habe. Als eine„erlösende Tat" wird gefeiert, daß der deutsche Botschafter in London den englischen Minister einmal begrobst hat. Daß dieses blöd- sinnige Triumphgeheul von der angeblichen Demütigung Eng- lands im selben Momente, wo drüben die Unzufrieden- heit mit der Geheimpolitik des Kabinetts so scharf sich äußert, alle Ansätze zur besseren Gestaltung unserer Beziehungen wieder zerstören muß, das scheint Herrn von Kiderlen und seinen Offiziösen weniger wichtig zu sein als sein Ruhm bei den deutschen Chauvinisten. Diesen Ruhm kann Herr v. Kiderlen nur durch eine neueJrresührung der öffentlichen Meinung erlangen. Herr v. Kiderlen sucht die Sache so darzustellen, als ob England plötzlich ohne Grund sich in die Verhand- landungen eingemischt, eine drohende Sprache geführt und erst durch das forsche Auftreten Deutschlands zurückgewiesen worden sei, und seine Presse macht Uber diese englische„An- maßung" einen Höllenspektakel. Wie spielten sich aber die Dinge in Wirklichkeit ab? England wurde am 1. Juli über die deutschen Absichten „aufgeklärt". Wie sab diese Ausklärung ans? Es wurde ihm wie allen anderen Mächten jene Note mitgeteilt, die dann auch die„Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlichte und die folgen- den Wortlaut hat: „Deutsche Firmen, die im Süden Marokkos und be- sonders in Agadir und Umgegend tätig sind, sind über eine ge- wisse Gärung unter den dortigen Stämmen beunruhigt, die durch die letzten Ereignisse in anderen Teilen des Landes hervor- gerufen zu sein scheint. Diese Firmen haben sich an die kaiscr- liche Negierung mit der B i t t e u m S ch u tz für Leben und Eigentum gewandt. Auf ihre Bitte hat die Regierung beschlossen, ein Kriegsschiff nach dem Hafen von Agadir zu entsenden, um nötigenfalls den deutschen Untertanen und Schutzgenosscn wie auch den beträchtlichen deutschen Interessen in jene» Gegenden Hilfe und Schutz zu gewähren. Sobald RuheundOrdnung in Marokko wiedergekehrt sein werden, soll das mit dieser Aufgabe des Schutzes betraute Schisf den Hafen von A g a d i r v e r l a s s c n." In der gleichzeitig an den deutschen Botschafter zur Mit- teiluiig an die englische Regierung übersandten Instruktion Iwar nur noch hinzugefügt, daß Deutschland bereit sei, mit I Frankreich gemeinsam einen Weg zur Verständigung über die Marokkofrage zu suchen, und zwar auf dem Wege der direkten Verhandlungen. Es ist also festzustellen: England ist am 1. Juli nicht davon verständigt worden, daß Deutschland keine Gebiets- erwerbungen in Marokko beabsichtigt. Und wenn Herr von Kidcrlen sagt, daß England also über die deutschen Absichten genau informiert worden sei, dann kann man nur sagen, daß diese Information das Gegenteil von Genauigkeit war. Vom 1. Juli bis 21. Juli blieb die englische Regierung ohnejedeweitereMitteilung. Am 21. Juli führte dann Herr Grey die Unterredung mit dem deutschen Bot- schafter herbei. Er betonte, daß diese Aussprache eine vor- beugende sein solle, bevor die Marokkosrage ernstere Ge- stalt annehme. Die Verhandlungen, meinte er, drohten zu scheitern, da Frankreich die weitgehenden Forderungen Deutsch- lands nicht annehmen könne. Damit werde die Agadir- frage wieder akut. Er wünsche daher zu wissen, welche Ab- ficht Deutschland in Agadir und dessen Hinterlande habe. Das ist also die„E i n m i s ch u n g E n g l a n d s". Eng- land verlangte, daß Deutschland im Falle des Scheiterns der Kompensationsverhandlungen über seine Absichten in Ma- rokko mit ihm verhandle. Sir Edward Grey nahm also an. daß die Entsendung des Kriegsschisfes bei Agadir auf ein Vorgehen in Marokko selbst hindeute. Aus dieser Annahme machen nun die deutschen Offiziösen dem englischen Minister einen schrecklichen Vorwurf. Der englische Minister hatte nämlich der deutschen Versicherung vom„Schutz der deutschen Interessen"— daß in Agadir nichts zu schützen war, steht fest— ebensoviel Glauben beigemessen, wie die deutsche Regierung der französischen Behauptung, sie habe nur zum Schub ihrer Untertanen den Zug gegen Fez unternommen: ebensoviel Glauben auch als die deutschen Patrioten, die alle die Aufteilung Marokkos gekommen glaubten. Grey glaubte das. weil er von der deutschen Re- gierung ebenso ungenügend informiert war wie die deutsche Oeffentlichkeit. Es steht eben fest, daß Herr v. Kiderlen der ganz allgemeinen Meinung, Deutschland wolle Landerwerb in Marokko selbst, weder in Deutschland noch im Ausland unzweideutig entgegengetreten ist. Und deshalb erfolgte die englische„Einmischung". Der deutsche Botschafter erklärte in seiner Antwort keines- Wegs, daß Landerwerb nicht beabsichtigt wäre. Er verwies nur darauf, daß Grey ja nur Vermutungen aus- sprechen könne: im übrigen habe ja Frankreich die Geschichte angefangen, Sir. Edw. Grey solle sich also an dieses halten. Zum Schluß betonte der englische Minister noch, daß England gegen Lkonipensotionen in Zentralafrika nichts einzuwenden habe. Erst am nächsten Tage erfolgte von Berlin aus die Antwort, die in London am 23, Juli eintraf, Deutschland wolle weder Agadir zum Kriegshafen machen noch marokkani- sches Gebiet erwerben. Nun hielt am 21. Juli bekanntlich Lloyd George jene unglückliche Rede, die als Warnung oder als Kriegs- drohung aufgefaßt wurde. Warum diese Rede gehalten wurde, ist auch heute noch nicht recht klar. Wir wiederholen, bis zum 23. Juli war die englische Regierung nicht offiziell verständigt, daß Deutschland keine Absichten auf Marokko habe. Ob d a s der Grund zur Rede war, ist nicht sicher. Herr Grey hatte in der Unterredung mit dem Botschafter von zu weitgehenden deutschen Forderungen an Frankreich gesprochen. Nach dem Bericht der„Times" vom 20. Juli hatte Deutschland von Frankreich nebst einem großen Stück der französischen Kongoküste die A b t r c t u n g des Vor- Verkaufsrechts von Bclgisch-Kongo verlangt. In einem Artikel des Brüsseler„Peuple" vom 19. Noveinber behauptet Genosse Bänder Velde mit großem Nachdruck, daß dies— wenigstens teilweise— der Grund zur Rede Lloyd Georges gewesen sei. Wie dem aber auch sei. Sicher ist, daß diese Rede, so ungünstig ihre Wirkung war, so sehr sie die Hetze der Chauvinisten gefördert hat, für den weiteren Gang der Er- eignisse ohne jeden Einfluß gewesen ist. Die Er- klärung der deutschen Regierung vom 23. Juli hat offenbar die englische Regierung im wesentlichen zufriedengestellt. Am 27. Juli hielt Asquith jene Rede, die neben einer gleich. ' zeitig verössentlichten beruhigenden offiziösen Erklärung er- kennen ließ, daß eine Entspannung eingetreten sei. Fragt ipan also, warum es zu jener englischen„Ein- Mischung" gekommen sei, so muß die Antwort aus Grund der Rede des Herrn v. Kiderlen selbst lauten: Weil Deutschland entgegen den Behauptungen des Staatssekretärs das Aus- land über seine Absichten ebenso im un- klaren gelassen hatte als das Inland. Im Augenblick, wo diese Aufklärung erfolgte, hörte auch die„Ein- Mischung" Englands auf. DieselbeZweideutigkeit, die in Deutschland schonungslos alle chauvinistischen Instinkte entfesselt hat, hat auch in England Mißtrauen und Aufregung hervorgerufen. Die Schuld dafür hat in erster Linie Herr v. Kiderlen. Damit soll freilich nicht in Abrede gestellt werden, daß wie in Deutschland, so in Frankreich und England, eine Kriegspartei am Werk war, die in der gespannten Situation ihre unheilvollen Geschäfte betrieb.: Und diese Tatsache kann nicht scharf genug betont werden. Sie vermindert nicht die Schuld der deutschen Regierung, politische Mittel angewendet zu haben, die— wie wir gern glauben— gegen ihre Absicht, eine so gespannte Situation hervorgerufen haben. Aber sie zeigt zugleich, in welcher Gefahr die großen Kulturvölker schweben. Nicht nur im Juli, sondern auch im September— warum, wissen wir selbst heute noch nicht mit Sicherheit— waren deutsche Arbeiter nahe daran, in den Kanipf mit ihren französischen und englischen Brüdern geschickt zu werden. In Deutschland, in England und Frankreich waren es allein kleine kapitalistische Cliquen, die Interesse an dem fürchterlichen Zusammenstoß hatten. In allen drei Ländern war es eine kleine Zahl von Männern, die als Regierung ohne jede weitere Kontrolle über das Lebensschicksal der arbeitenden Massen verfügten. Und d i e Gefahr i st nicht behoben, sie ist kaum vertagt. Schon beginnt in der deutschen Presse eine neue Englandhetze, schon antwortet aus der konservativen Presse Englands ein un- freundliches Echo. Gegen diese neuen Treibereien müssen die Arbeiter aller beteiligten Länder auf der Hut sein. Es ist nicht wahr, daß das deutsche Volk Eng- lands, das englische Deutschlands Feind ist. Die arbeiten- den Massen verabscheuen das Treiben der Chauvinisten h üben w i e drüben. Und wenn die deutschen Demagogen hoffen, mit der„nationalen Wahlparole" Erfolge bei den Wahlen zu erschwindeln, nun wir denken, der 12. Januar wird ihnen eine Antwort erteilen, die sich die elenden Hetzer merken werden. vie Debatte über Kiderlens Erklärungen. An die Rede Kiderlen- Waechters schloß sich in der Budget« lommission eine Debatte, aus der wir die wichtigsten Momente in Folgendem wiedergeben: Abg. Bebel: Mit großer dtMUigtming konstatiere er, daß durch den Staatssekretär festgestellt ivorden sei, daß Deutschland zu keiner Zeit irgend eme Absicht auf Landerwerbungen in Marokko gehabt habe. Die Gründe, die die deutsche Regierung ver- anlaßt haben, von einer Festsetzung in Marokko abzusehen, würden von seinen Freunden vollständig gebilligt. Der Staatssekretär habe zugegeben, daß die Entsendung des„Panther" nach Agadir eine Drohung war, und daß man mit dieser Drohung hoffte den Zweck zu erreichen, daß Frankreich ernst- bafter, als eS bisher der Fall war, sich auf Unterhandlung einließe. Man war sich bewußt, daß dieser Vorgang eventuell zu einem Kriege führe» könne. Da der Vorgang mit dem„Panrher" immer so dargestellt würde, als wenn das ein Vorgang gewesen sei, den man mit Unrecht Deutschland übelgenommen habe, möchte er feststellen, daß. als im vorigen Jahre am 3. Dezember ein französisches Kriegsschiff in den Hafen von Agadir einlief, bereits am 1l). Dezember der Abgeordnete Basser mann im Pleimiy eine diesbezügliche Anfrage gestellt habe. Er habe die Antwort be- kommen, daß man in Frankreich angefragt habe, und zwei Tage nach jener Anfrage habe bereits der Staatssekretär mitteilen können, die französische Regierung habe in loyalster Weise die Erklärung abgegeben, daß das Kanonenboot in den Hafen von Agadir einzig zu dem Zweck eingelaufen fei, um ein dorthin geflüchtetes Schmugglerschiff zu ver» folgen und den Hafen wieder verlassen werde. Redner bemerkt weiter, daß der Hafen von Agadir zu den ge- schlossenen Häfen gehöre und kein Kriegsschiff dort einlaufen dürfe, ohne daß die AlgcciraSakte verletzt werde. Um uns klar zu machen, ivas ein solcher Alt bedeute, nehme man einmal an, daß wir an Englands Stelle stünden und England den Einbruch in den Hafen herbeigeführt habe. Wir hätten unzweifelhaft mit dem Einlanf de? „Panther" in Agadir uns eine Provokation gegen Frankreich und England zu fchnlden kommen lassen. Ucber verschiedene Punkte erbitte er noch Aufklärung. Der Staatssekretär habe die Depesche an die Regierungen Europas mit- geteilt. Von der darin erwähnten Beunruhigung der Be» völkerung in Agadir habe man aber nichts gehört. Ueberall fei auch die Ansicht verbreitet, daß dieser Grund mir ein Borwand sei. Ihm scheine nun, daß auch die englische Regierung diese Er» klärung so aufgefaßt habe. ES werde behauptet, und darüber bitte er um Aufklärung, daß man in den ersten Tagen des Juli(3. oder 4. Juli) von englischer Seite eine An- frage habe nach Berlin ergehen lassen, die weitere Auf- klärung verlangte. Weiter werde behauptet, daß auf diese Anfrage eine Äntwort nicht erfolgt sei. Nach 14 Tagen sei dann eine zweite Anfrage nach Berlin gerichtet, und von der darauf erteilten Antwort heiße eS, daß sie eine Jnlulte enthalten habe. Ihm scheine zweifellos, daß die Unterhaltung dcS deutschen Botschafters mit dem Minister des Auswärtigen Grey in ganz ungewohnlichein Tone und ungewöhnlicher Form geführt worden sei. Das Austreten von Lloyd George sei auch nach seiner und seiner Freunde Ansicht sehr ungewöhnlich gewesen. ES scheine sicher, daß bis zum 6. Juli über die Bedeutung des „Panther" in Agadir England nicht genügend unterrichtet gewesen sei. Der Staatssekretär sei serner auch nicht näher eingegangen auf die Erklärung, die der Ministerpräsident Asquith am 27. Juli im Unterhanse abgegeben. Er wünscht, daß über die von ihm angeregten Punkte Snf« klärung gegeben werde. Abg. Dr. Freiherr v. Hcrtllng: Er sei überrascht, daß nach den Darlegungen, die auf Grund amtlichen Materials gegeben feien, noch gegen die Regierung Vorwürfe erhoben würden. Wenn Abg. Bebel auch zum Schluß daraus hingewiesen habe, daß Eng- land mangelhaft unterrichtet gewesen sei, so sei vom Staatssekretär doch mitgeteilt worden, daß von der deutschen Regierung die aus- ländischen Mächte sofort über die Entsendung des„Panther" unter» richtet worden seien. Deutschland könne nicht dafür, wenn man in England den französischen Erklärungen mehr geglaubt habe, als den offiziellen deutschen Erklärungen. Er könne nur sagen, daß er und seine Freunde nach den Ausführungen deS Staatssekretärs mit dem Verhalten der Kaiserlichen Regierung gegenüber Frankreich durch» aus einverstanden feien. Ebenso seien sie einverstanden mit dem Verhalten gegenüber England. Slbg. Basserman»: Die Frage bleibe offen, ob die En tsendung von Kriegsschiffen nach Agadir ein Mittel war. welches dem Zweck adäquat war. Nach Ansicht seiner politischen Freunde sei daS nicht der Fall. Redner betont weiter, dab die schweren Vorwürfe, die bis beute gegen die Leitung der auswärtigen Politik erhoben seien, angesichts der Tatsache, daff durch Frankreich ver- anlatzt, England sich in die Verhandlungen eindränge» wollte, nicht erhoben worden wären, wenn das tatsächliche Vorgehen Deutschlands in der O e f f e n t l i ch k e i t bekannt geworden wäre und wenn man nicht leider die Oeffentlichkeit gänzlich über die Stellung gegenüber England im Unklaren gelaisen hätte. Ans der Ans- südrung des Staatssekretärs gehe hervor, dajz wir dicht an der Kriegsgefahr vorbeigegangen sind, und eS frage sich wiederholt, ob daS starke Mittel der Entsendung des Kriegsschiffes nach Agadir im Einklang stehe mit dem, was wir erreicht haben und mit dem Einflüsse auf die allgemeine deutsche Politik, insbesondere unsere Orienipolitik. Es jjeige sich eben, dag man auswärtige Politik nicht machen könne m vollständiger Entfernung vom Empsindes de» Volkes, dies habe die Leitung unserer auswärtigen Politik verkannt und darin liege die Erklärung für die berechtigte Mißstimmung in, Volke. Abg. v. Naumann sHeilbronn): Auch seine Freunde hätten ernsthafte Bedenken gehabt, die auch noch nicht ganz überwunden seien, ob jenes starke Mittel notwendig war, um eine Fortsetzung der Verhandlungen zu erreichen. Abg. Gras' v.' Westarp: Auch er könne sich in wesentlichen Punkten den Ausführungen des Abg. Bassermann anschließen, wenn er auch nicht einen Tadel über die Entsendung des.Panther" aussprechen wolle. Staatssekretär des Auswärtigen AmteS v. Kiderlen-Waechter bestätigt dem Abgeordneten Grafen v. Westarp, daß keine An- frage von der englischen Regierung an die deutsche Regierung ge> richtet worden sei, die die deutsche Regierung nicht beantwortet hätte. Was die deutsche Jslampolitik anbelange, die jetzt umge- stoßen sein solle, so glaube er, daß die Zusammengehörigkeit der Marokkaner mit der Türkei überschätzt werde. Nun sei behauptet worden, die deutsche Regierung hätte über die Entsendung des„Panther" nach Agadir die öffentliche Meinung nicht genügend aufgeklärt. Er verweise darauf, daß in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ausdrück» lich erklärt worden sei, daß der„Panther" zum Schutze unserer Untertanen nach Agadir geschickt worden sei. Auch sei gesagt worden, daß, wenn die Franzosen nach Fez gehen und sich dort weiter fest» setzen würden, wir unsere Aktionssreiheit uns wiedernehmen würden. Ferner sei behauptet worden, er habe eine Aeußerung getan, wir wollten einen oder drei Häfen von Marokko nehmen. DaS fei unwahr. Einer der Hauptgründe, warum der Gedanke sich verbreitete, in Marokko festen Fuß zu faffen, liege in der Broschüre des Dr. El aß. Diese Broschüre sei ihm bekannt gewesen, bevor sie in der Oeffentlichkeit erschienen sei. Dies heiße aber doch nicht, daß er ihr zugestimmt habe. Er habe vielmehr dem Herrn, der sie ihm im Entwurf gezeigt habe,„ausdrücklich vom Druck ab- geraten". Die Broschüre würde übrigens anders beurteilt worden sein, wenn sie vollständig erschienen wäre, denn weiter habe darin z. B. gestanden, wir sollten nicht nur Marokko, sondern auch das Rhone-Departement uns friedlich aneignen. Abg. Ledebour: Er glaube gern, daß der Staatssekretär seine » Auffassung England gegenüber mit hinreichender Deutlichkeit zum ' Ausdruck gebracht habe. Der Fehler sei nur der gewesen, daß diese Auffassung nicht sofort nach der Entsendung des„Panthers" in autoritativer Weise in die Oeffentlichkeit gekommen sei. Redner wendet sich weiter dagegen, daß die Aufklärung Englands durch den deutschen Botschafter so spät erfolgt sei, daßLlohd George für fe»neRede nicht mehr andxrs instruiert werden konnte. Jene Rede Llhod Georges sei in der Kommission falsch ausgelegt worden. Nach Auffassung der englischen Regierung sei England, als Llyod George seine Rede hielt, von Deutfchland behandelt worden,„als ob es im Rate der Nationen nicht mehr mitzählte". Er könne es nicht billigen, daß der deutsche Botschafter mit dem englischen Minister des Aeußeren, der übrigens kein Wort d e u t sch verstehe, mündlich gemäß der erhaltenen Instruktion verhandelt habe. Richtiger wäre, daß in solchen wichtigen Fällen die deutsche Regierung sich direkt auf telegraphischem Wege mit der englischen in Verbindung setzte. Wenn die deutsche Regierung ihre Auffassung von Anfang an in der Oeffentlichkeit vertreten hätte, wären jene offenbaren Mißverständnisse zwischen Eng- land und Deutschland nicht möglich gewesen. Englische konservative Preßstimmen. London, 23. November t91I. Die Veröffentlichungen der deut- schen Regierung über die deutsch-englischen Beziehungen während der Marokkofrage haben naturgemäß das größte Aufsehen in Eng- land erregt und scharfe Angriffe, namentlich von feiten der kon- servativen Organe, gegen Teutschland herausgefordert. Ter „Daily Telegraph" schreibt: Während man überall in ganz Europa aus die Rede Sir Edward G r e y S über Englands Rolle in der Marokkoaffäre wartet, fühlt sich die deutsche Regierung ver- anlaßt, mit Veröffentlichungen hervorzutreten, die nicht dazu an- getan sind, die zwischen Deutschland und England bestehenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, sondern sie im Gegen- teil noch vergrößern müssen." Ter„Daily Graphic" schreibt:„Ob die deutsche Regie- rung in Agadir bleiben wollte oder nicht, darauf kommt eS nicht an. Die Entsendung des„Panther" jedoch beweist, daß Deutschland die Absicht hatte, sich in Marokko festzusetzen. Dadurch wurde der Frieden außerordentlich gefährdet und Deutschland hat mit seiner .Handlung in die Marokkoaffäre eine Rakete entsandt, die dem Weltfrieden bei ihrer Exiplosion gefährlich zu nzerden drohte." Die„Daily Mail" führt aus: Der deutsche Minister hat durch seine Veröffentlichung uns einen guten Teil dessen vorweg. genommen, das wir im englisch-deutschen Konflikt zu veröffent- lichen beabsichtigen. Ter Botschafter Graf Metternich ist in seiner Unterredung mit Sir Edward Grey von außerordentlicher UnHöflichkeit gewesen. Zu«'(Reichstagswal)!. Der schwarzblaue Eickhoff-Block. Bekanntlich wurde der FortschrittSvertreter für Remscheid, der bekannte Flottenprofeffor Eickhoff, vor einigen Monaten vom Vorstand der rheinischen Bezirksorganisation seiner Partei öffent- lich an den Pranger gestellt, weil er mit Zentrum, Christlich- sozialen und Freilonservativen zu techtelmcchteln sucht und von dem Kampf gegen den schwarzblauen Block nichts wissen will, alles zu dem höheren Zweck, um auf den Krücken der reaktionären Par- teien wieder in den Reichstag humpeln zu können. Der jetzt auf den gleichen Pfaden ertappte fortschrittliche Parteiführer Kopsch wußte den HinauSwurf seines Busenfreundes Eickhoff aus der Fortschrittlichen Volkspartei damals durch eine salomonische Eni- scheidung deS Zentralvorstandes zu verhindern. DaS hat die Eick- hoff-Mannen im Remscheider Kreise ermutigt, ihre Techtelmechtel- Politik mit den Schwarzblauen lustig fortzusetzen. Bei den Stadtverordnetenwahle n in den wichtigsten Orten des Kreises, so in Remscheid, Wermelskirchen, Cronenberg, Velbert usw., haben Fortschrittliche Volkspartei, Nationalliberale Partei, ZentrumSpartei uwd Chrijtlichsoziale in der dritten Wählerklosse überall gemeinsame Kandidaten, und zwar meist Ehr ist- lichsoziale und Zentrumsleute.aufgestellt, um der So- zialdemokratie die Mandate streitig zu machen— allerbingZ ohne den gewünschten Erfolg. Aus der ganzen Taktik der Fortschrittler bei diesen Kommunalwahlen und ihren Aeußerungen in der Presse erhellt deutlich, daß es ihnen darum zu tun ist, sich die Stich- wahlhilfe der Christlichsozialen und des Zen- trums bei der Reichstagswahl zu sichern. Besonders drastisch wird das zum Ausdruck gebracht in einem Eingesandt des „Remscheider Generalanzeiger", in dem die lokalen Eickhoff- Freunde sich auszutoben pflegen, allerdings meist— wie das ja bei den Freisinnigen üblich— nur anonym; aber man erkennt den Vogel bekanntlich an den Federn. Dieses„Viele liberale Wähler" unterzeichnete Eingesandt behandelt eine Stadtverord- netenstichwahl in der zweiten Klasse in Remscheid, bei der einer der von den Fortschrittlern und den NcUionalliberalen aufgestellten Kandidaten ausgefallen ist. Es wird darin in aller Form versucht, die Liberalen zu bewegen, einen der vom Zentrum und den Christlichsozialen aufge st eilten Kandidaten z u w ä h l e n, damit Zentrum und Christlichsoziale bei der Reichs- tagSwahl für Eickhojf stimmen. In dem schönen Erguß einer „liberalen" Seele, der von Eickhoff selbst nicht herzzerbrechender abgefaßt sei» könnte, kommen u. a. folgende Stellen vor: „.... so müssen wir doch auch jetzt, wo die ReichStagswahlen derart nahe vor der Tür stehen, unS darüber klar sein, mit welcher Unter st ützung wir es möglich machen können, Herrn Professor Rich. Eickhoff wiederum als den berufensten Ver- treter des hiesigen Wahlkreises nach Berlin zu senden. Wir wollen keinen Pessimismus treiben, aber wir brauchen anderer- feits auch nicht zu leugnen, daß wir dies angesichts der rapid anwachsenden roten Flut nicht mehr aus eigen erKraft fertigbringen. Es wäre widersinnig, und auch nicht im Interesse des Herrn Eickhoff, wenn wir hierauf nicht im geringsten Rücksicht nehmen würden. Die sozialdemo. kratische Presse schreit schon heute in jubelnden Tönen und spricht vom„Fall Eickhoffs". Wir würden allerdings selbst hieran mit- arbeiten, wenn wir demnächst nicht einem der in Frage stehenden Kandidaten unsere Stimme geben.... dessenWahl fürdie R e ich s t a g s w a h l wohl aus- schlaggebend sein wird.... Darum gibt cS f ü r a l l e Anhänger eines Herrn Eickhoff, für alle diejenigen, welche nicht wollen, daß auf den Bergen unserer engeren Heimat die rote Flagge weht, nur die eine Parole: mit allen Kräften die Kandidatur des Herrn Oskar Matthey zu unter- stützen. Herr Mattheh ist von den verschiedensten Seiten aufge- stellt; er vertritt also keine Sonderinteressen und er wird unter- stützt von den Christlichsozialen und der Zen- trumsparte i. Sollen wir uns letztere zu dauernden Feinden machen? Wir haben unter diesen noch viele, sehr viele Freunde unseres Herrn Eick- hoff; aber wir werden sie zur Umkehr zwingen, wenn wir kleinlich handeln. ES mutz Ehrensache sein der übrigen drei Herren, wenn der eine oder andere vor Eickhoff zurück- tritt. Parteifreunde, bedenkt daSI Wählt Matthey! Zeigt. daß Ihr jedem gerecht werden wollt. Sattelt Euch zur ReichStagswahl! Kurzsichtig erscheint der- jenige, der die ernste Lage mit persönlichen Sachen verquickt! Kurzsichtig und undankbar deshalb, weil er seinen bisheri- gen hervorragenden Abgeordneten im Reichs. tag der Sozialdemokratie dadurch preisgibt." Man darf gespannt sein, ob das hier empfohlene Wahltechtelmechtel wirklich zustande kommt. Es würde durchaus in den Rahmen der Eickhofsschcn Mandatspolitik hineinpassen. Zwischen den Machern der Eickliosf-Liberalen und der Schwarzblauen im Rem- lcheider Kreise sollen übrigen? bereits Abmachungen getroffen sein, sich bei einer eventuellen ReichstagSstichwahl gegenseitig zu unterstützen. Die Schwarzblauen haben sich näm- lich auf eine gemeinsame Kandidatur, die des ch r i st l i ch s oz i a- len Pastor Stuhrmann in Barmen, geeinigt, den daS Zentrum schon im ersten W a h l g a n g unterstützt. Da die Eickhoff-Liberalen bei der letzten Wahl 16 600 und Christ- lichsoziale(7000) und Zentrum(6000) zusammen 13 000 Stimmen aufbrachten, rechnen die Schwarzblauen jetzt damit, ihren Kuddel- muddelkandidaten mit dem der Sozialdemokratie, die 1907 rund 21 400 Stimmen erhielt, in die Stichwahl bringen zu können. Daher ihr Entgegenkommen gegenüber dem Eickhoffschen LiebeSwerben. Herr Eickhoff aber ist und bleibt eine ZrerdederFortschritt- lichen Volkspartek, die sein Verhalten durch» au» billigt l « �» Da» badische Zentrum gegen die Sozialdemokratie. Am Mittwoch hat die Telegiertenversammlung der badischen Zenirumspartei stattgefunden und in einer Resolution ihre Stellung zur Sozialdemokratie wie folgt festgelegt: Die Vertretung der Zentrumspartei erblickt in dem stetigen Anwachsen der Sozialdemokratie eine dringende Gefahr für Staat und Gesellschaft. Die Bekämpfung der Sozialdemokratie bei Wahlen und sonst im öffentlichen Leben gehört nach der An- schauung der Zentrumspartei zu den wichtigsten und dringend- sten Aufgaben einer bürgerlichen Partei und der Regierung. Die Vertretung der Zentrumspartei findet eS darum höchst verwerflich und tief beklagenswert, daß die Partei in Baden, welche jähr- zehntelang der Regierung nahegestanden hat. die Nationallibe- raten, sich in ein Bündnis mit der Sozialdemokratie eingelassen hat und entschlossen ist, dieses Bündnis zu erneuern. Diese Partei hat dadurch verschuldet, daß nicht nur die Sozialdemo. kratie ständig steigt und die Zahl ihrer Mandate gewachsen ist, sondern daß auch der Einfluß des sozialdemokratische» Geistes in allen Schichten der Gesellschaft und auf allen Gebieten deS öffentlichen Lebens zugenommen hat. Die Vertretung der Zen- trumspartei hätte es mit Freuden begrüßt, wenn eine«ammlung aller bürgerlichen Parteien zur gemeinsamen Bekämpfung der Sozialdemokratie erreichbar gewesen wäre. Sie betrachtet es noch jetzt als wünschenswert, daß ein Zusammenarbeiten mit allen Parteien und Kreisen erstrebt werden siill, wenn es heißt, zu gemeinsamer Kampfarbeit wider die Sozialdemokratie bereit sein, und ist der Meinung, daß die Parteileitung ein Entgegen- kommen im weitesten Maße beweisen solle. In der Resolution wird dann noch die Verhetzung des Volkes infolge der Finanzreform, die in außerordentlich wahrheitswidriger Weise zu Agitationsywecken ausgebeutet worden sei, bedauert. Die Zentrumspartei spricht ihre Entrüstung aus, daß bei dem Wahl- kämpf in Konstanz die Finanzreform in der unrühmlichsten Weise zu Agitationszwecken benutzt worden ist. Die sächsischen Reformer und die ReichStligschahlen. Am 21. November beschäftigte sich in Pirna eine Vorstands- sitzung des sächsischen Landesvereins der Deutschen Reformpartei mit den ReichStagswahlen. Man beschloß, außer in den Kreisen Bautzen. Dresden-Neustadt und Meißen keinen reformerischen Kan- didaten aufzustellen. Im 20. Wahlkreise, Marienberg-Zschopau, soll der konservative Kandidat Dr. Mangler und im 21. Wahlkreise, Annaberg, der konservative Gegenkandidat des Dr. Streseniann, Hauptmann a. D. Meinhold, unterstützt werden. Die Stellung- nähme der Partei zu den Stichwahlen soll erst in der auf den IS. Januar anberaumten Vorstandssitzung festgelegt werden. '.» Magistrat und Wahlurnen. Der fortschrittliche Wahlverein im Kreise Stralsund-Franz- burg-Rügen hatte sich in einer Eingabe an den Bürgermeister und Rat der Stadt Stralsund gewendet mit dem Ersuchen, dafür Sorge tragen zu wollen, daß bei der künftigen Reichstagswahl in den ländlichen Wahlbezirken, deren Wahlorte auf städtischem oder Klosterbesitz sich definden, würdige und das Wahlgeheimnis sichernde Wahlurnen verwandt werden. Darauf ging vom Ma- gistrat die Antwort ein, daß er es ablehne, in dem gewünschten Sinne tätig zu werden,„zumal uns auch die Pachtverträge gar nicht einmal die Möglichkeit eines Einflusses auf die Art und Gestalt der zu verwendenden Wahlgefäße gewähren." Der Stralsunder Magistrat hat offenbar nicht den Willen, ans Sicherung des Wahlgeheimnisses bedacht zu sein. Daß die Pacht- vertrage nichts über die Beschaffenheit von Wahlurne» enthalten, kann sich jedes Kind denken. Aber dieser Pachtverträge bedarf cS auch für den beregten Zweck nicht. »• • Massenversammlung in Bochum. Mit einer von etwa 12 000 Personen besuchten Massenversamm- lung auf dem Bochumer Schützenhof, in der Genosse Dr. Frank- Mannheim sprach, ist der Wahlkampf im Kreise Bochum, der aller Voraussicht nach ein sehr erbitterter sein wird, eingeleitet. Da stundenlang vorher die räumlichen Hallen des Saales schon gefüllt waren, so mußte eine Nebenversammlung unter freiem Himmel arrangiert werden, in der zunächst Genosse Scheibe und dann später Genosse Frank referierte. »* • Neue ReichstagSkandidatur in Lübeck. Das Zentrum, die Land- bündler und die Antisemiten, alles kleine Grüppchen in Lübeck, stellten gemeinsam als Kandidaten den gegenwärtigen Reichstags- abgeordneten„Gewerkschaftschristen" Franz Behrens auf. Nun- mehr stehen sich in Lübeck gegenüber S ch w a r tz(Sog.), Klein (liberal-reaktionärer Mischmasch und Reichsverband) und Behrens. potttiscke(leberNckt. Berlin/ den 23. November 1911. Das Wahlcommnnique der bayerischen Regierung. Die bayerische Regierung hat, um den Verdrehungen der Zentrumspresse und der geistlichen Zentrumsagitatoren ent- gegenzuwirken, zu dem ungewöhnlichen Mittel der Veröffent- lichung einer offiziellen Regierungsmitteilung, eines Wahl- communiqu6, gegriffen, in dem nochmals die Gründe und Vor- gänge dargelegt werden, die die Podewilssche Regierung zur Auflösung der bayerischen Abgeordnetenkammer und zur An» setzung von Neuwahlen bestimmt haben. In dieser von der Korrespondenz Hoffmann, dem offiziösen Mitteilungsorgan der bayerischen Regierung, und von dem Wolffschen Tele- graphenburean weiterverbreiteten Tarstellung heißt es: „Ueber die Gründe, welche zur Auflösung deS Landtags geführt haben, sind in der Oeffentlichkeit vielfach unzutreffende, je nach dem Parteistandpunkt voneinander abweichende Darstellungen gegeben worden. Das Gleich? gilt von dem an das Staats- Ministerium gerichteten Allerhöchsten Handschreiben vom 10. No- vember des laufenden JahreS. Es besteht deshalb Veranlassung, den Sachverhalt in beiden Richtungen nachstehend klarzustellen. Der Grund der Auflösung des Landtags lag auSschlie-ßlich in der Triläru ng bei A bg« c r'd- neten D r. Pichler, in dem daraufhin gefaxten Beschlüsse des Finanzausschusses vom S. unb�in der namens der Mehrheitspartei in der Plenär- sitzungderKammerderAbgeordnetenvomll. No» vember abgegebenen Erklärug des Abgeord- neten Lerno. Die Mehrheit der Abgeordnetenkammer hat damit hinsichtlich der Finanzausschußverhandlungen gegenüber dem hierzu besonders eingeladenen Verkehrsminister, wie sich die Presse ausdrückte,„vom HauSrechte deS Landtags Gebrauch ge- macht". Ein solches Recht st ehtdemLandtaggegenüber einem Minister nicht zu. Der Landtag hat die ver- sassuii©»mäßige Verpflichtung, mit den von der Krone bestellten Miwistern zu verhandeln. Er darf eS nicht ablehne», mit eincnr Minister, fei es im Plenum, fei eS in einem Ausschusse, in Bc- raiung zu treten. Bei dem Vorgehen der Mehrheitspartei handelt eS sich nicht mehr um eine im Ermessen des Parlaments liegende Anwendung der Geschäftsordnung. Die Stellungnahme der Mehr- heitSpartei kann vielmehr nur als Abbruch der Berhandlunaci, im Finanzausschüsse mit dem Verkehrsmimster auf unbestimmt: Zeit aufgefaßt werden. Hiernach wollte die Zentrumsfraktion die Verhandlungen im Finanzausschusse mit dem Verkehrsmimster erst dann wieder aufnehmen, wenn die EtaatSregierung sich zu einer Erklärung verstanden haben würde, die ihr zumal noch dem für den Verkehrsmimster schwer verletzenden Vorgang im Finanz- auSschusse vom 8. November nicht angesonnen werden konnte. Die Verhältnisse lagen mithin so, daß die Mehrheitspartei die Fortsetzung der Finangausschußverhandlungen mit dem Verkehr?. minister bis zur Erfüllung einer Bedingung verweigerte, die von vornherein als unerfüllbar angesehen werden mutzte. So wenig nach der Verfassung die Bewilligung des Budgets an eine Bedin- gung geknüpft werden kann, ebensowenig darf die Er- füllung dem Landtage von der Verfassung un» eingeschränkt auferlegten Verpflichtung, das Budget zu beraten, von einer Bedingung abhän- gig gemacht werden. Eine solche Bedingung mußte des- halb als mit der Verfassung nicht im Einklang stehend mit allem Nachdruck zurückgewiesen werden, schon um einem derartigen un- zulässigen Vorgehen nicht den Weg zu öffnen. Aus der Geschichte deS bayerischen Landtages ist kein Fall bekannt, in dem ein solches parlamentarisches Kampfmittel angewendet worden wäre, selbst in Zeiten, in denen die politischen Gegensätze zwischen der Ne- gierung und der Volksvertretung aufs höchste gesteigert waren, wurde zu diesem Mittel nicht gegriffen. Die StaatSregierung. die sich ihrer vollen Verantwortung wohl bewußt war, hat die gewich- tigen Bedenken, die gegen die Auflösung des Landtages sprachen. reiflich erwogen, sie hat sich nur schwer und erst dann zu diesem Schritte entschloffen, als nach der Erklärung des Abgeordneten Lerno vom 11. November eine Verständigung und damit citie ge- deihliche Fortführung der Geschäfte ausgeschlossen erscheinen mußte. Die Wahrung der StaatSautorität, die Wahrung der ver- fassungsmäßigen Stellung und Rechte der Staatsregierung zwan- gen die StaatSregierung, daS einzige Mittel zu ergreifen, das die Verfassung dem Parlament gegenüber solche Falle an die Hand gibt. Von irgendeiner politischen Parteiströmung war die Staats- regierung bei ihrer Entscheidung in keiner Weise beeinflußt. Die notwendig gewordene Auflösung des Landtages steht demnach keineswegs, wie dies in der Oeffentlichkeit behauptet worden, m i t der angeblich geänderten Stellung der Regie- rung zur Sozialdemokratie in Zusammenhang. In der Beurteilung der Bestrebungen dieser Partei geht vielmehr die StaatSregierung selb st ver st änd- lich nach wie vor mit der überwiegenden Mehr- heit der Volksvertretung und des bayerische, i Volkes pflichtgemäß Hand in Hand, Die Erklärung erwä�nk zum Schluß des Zandschreibens des Regenten an den Minister Grafen Podewils und ver- mer/t hierzu:„Was verschiedentlich in die allerhöchste Bot- schaft hineingelegt wurde, ist eine tendenziöse Erfindung. Insbesondere ist es unrichtig, wenn jetzt behauptet wird, daß das allerhöchste Handschreiben den Anstoß zu der im Sinne der Auflösung des Landtages gefallenen Entschließung der Regierung gegeben habe. Die Flucht an die Oeffentlichkeit, die mit der Veröffent- lichung die bayerische Regierung vollzieht, ist nicht nur außer- gewöhnlich, sondern das Schriftstück ist auch von einem so kleinlichen bureaukratischen Standpunkt aus verfaßt, daß es auf die Masse der Zentrumsanhänger wie auf die Masse der wirklich sozialdemokratischen und wirklich liberalen Wähler ohne Einfluß bleiben wird: denn nach dieser eigenen Dar- stellung der Regierung hat sie nicht deshalb die Kammer auf- gelöst, weil sie sich nicht länger unter dem Zentrumsjoch zu beugen und den Anforderungen der Zentrumspartei nicht inehr zu genügen vermochte, sondern lediglich, weil sie nicht das Recht der Abgeordnetenkammer anzuerkennen verinag, daß ein Ressortminister bei Verhandlungen über die Ange- legenheiten seines Ressorts im Parlament anwesend zu sein hat. Nicht die vom Zentrum betriebene reaktionäre Politik, nicht das Herumstöbern der Zentrumsabgeordneten in allen Negierungsabteilungen und die von ihnen erhobene Forde- rung, die wichtigsten und einträglichsten Verwaltungsposten mit ihren Günstlingen zu besetzen, auch nicht der Widerspruch gegen das Ansinnen, sich als Polizeifunktionäre in den Dienst der Zentrumspartei zu stellen und gegen die gegnerische Partei mit kleinlichen Polizeimaßnahmen vorzugehen, hat das Ministerium Podewils zur Auflösung der Abgeordneten- kammer getrieben, sondern lediglich die kleinlichsten Rechts- erwägungen und die ganze Sorge um die sogenannte „Wahrung der Staatsautorität". Das Ministerium hält es sogar zum Schluß für nötig, ausdrücklich zu betonen, daß es seine Stellung durchaus nichtgeänderthat. besonders nicht gegen- über der Sozialdemokratie. Kehrt also eine Zentrumsmehr- heit zurück, wird es sich wieder demutsvoll in deren An- sprüche schicken und die Filser u. Co. in gottgewollter Ab- hängigkeit als Regenten Bayerns anerkennen. Das ganze Communiqus beweist aufs neue, daß, wenn in Bayern das Zentrum eine so verderblichen Einfluß auf das ganze Staatsleben zu erlangen vermochte, daran nicht zum wenigsten die politische Feigheit des Ministeriums Podewils schuld ist._, Zentrumsschwindel. Um die eigenen Steuersünden zu bemänteln, um die Auf. merksamkeit von den Z e n t r u m S ta t e n in Sachen der Schnapsblockfinanzreform abzulenken, sucht die Zentrumspresse die kleinen Leute dadurch gegen die Sozial» demokratie einzunehmen, daß sie ihnen erzählt, bei der Beratung der Erbschaftssteuer im Jahre liWS habe die Sozialdemokratie auch die k l e i n st e n Erbteile durch die Steuer belasten wollen. So behauptet die„Märkische Volkszeitung" in ihrer Nr. 269, die Sozialdemokratie habe damals beantragt, daß die S�ucr ein Prozent für jede Nachlaßmasse ily Werte von 2061 bis 3000 M. betragen solle. Wenn also ein Ärlleiier 2000" M.' Ersparnisse unter seine vier Kinder teile, so hätte jedes Kind von den 500 M. ein Prozent gleich 5 M. Steuer zu zahlen gehabt. Dieser Antrag sei abgelehnt worden, aber die Sozialdemo- kratie habe nicht locker gelassen. Sie habe dann statt dieser Nack'laßsteuer ein« Erbschaftssteuer gefordert, die 2 Prozent Erbsck)aftSsteuer gefordert Hab«: nur Erbteile unter 1000 M. hätten steuerfrei bleiben sollen. Wie gewöhnlich begeht daS Zentrum auch hier etliche kleine Fälschungen: eS sagt nämlich nicht die volle Wahrheit. Denn zu jenem ersten Antrag hat die Sozialdemokratie in der betreffenden Kommission einen AbänderungSantrag gestellt, wonach erst«Ine Nachlastmasse im Werte von 5000 M. überhaupt stcuer- pflichtig sein sollte! Und auch den zweiten Antrag, der die Erbschaftssteuer betraf, hatte sie dahin abgeändert, daß je d e r Erwerb bis zu 2000 M. von jeglicher Steuer frei bleiben solle.(Aktenstück 360 der 11. Legislaturperiode.) Warum gibt also daS Zentrum die sozialdemokratischen An- träge in ihrer ursprünglichen und nicht in ihrer späteren abgeänderten Form wieder? Die Antwort ist leicht: Weil dann das wahrheitsliebende Zentrum nicht schwindeln könnte! Aber daS Zentrum hätte feine Darstellung auch sonst noch bedeutend erweitern müssen. Die Sozialdemokratie hatte nämlich beantragt, daß zu der Nachlaß- oder Erbschaftssteuer auch die Kinder, Kindeskinder und Ehegatten herangezogen werden sollten. Denn auf sie entfielen 75 Proz. aller Erbschaften. Würden sie von der Erbschaftssteuer verschont, so bringe dieselbe mir einen armseligen Ertrag und zwinge zur Bewilligung von indirekten Steuern. Das Zentrum aber stimmte nicht für diese Anträge der Sozialdemokratie, trotzdem sie doch in ihrer end- gültigen Form die kleinen Erben völlig freigelassen hätten. Das Zentrum wollte eben, wie ja auch im Jahre 1909, die reichen Erben verschonen und lieber durch indirekte Steuern. Bier-, Tabaksteuer usw., die Nichtbesitzendcn heranziehen! Das Zentrum trägt also die Schuld dafür, daß auch 1906 der größte Teil der Erb- schaften in Höhe von Hunderttausenden und Millionen f r e r- g e b l i e b e n ist! Aber das Zentrum lud noch andere Sünden auf sich. So stimmte cS auch gegen den Antrag, die LandeSfllrste» zur Erbschaftssteuer hcranzriziehen. Während es durch indirekte Steuern den Aermsten das Bier und den Tabak verteuerte, trug es dazu bei, daß die Mtllionenerbschaftrn der Fiirsten völlig frei ausgingen! Wenn also das Zentrum wünscht, daß sein Verhalten bei der Erbschaftssteuerfrage im Jahre 1906 eingehender in die Er- örtcrungen der Wjahlkampagne gezogen werden soll, soll cS uns recht fein!- Die Landtagswahlcn in Brannschweig ginge» anl Dienstag vor sich. Es wurden auf unsere Kandidaten von den Wahlniämteru inSgelanit 857 Stimmen abgegeben. Ans die bürgerlichen Kandidaten entfielen 8347 Stimmen. Gewählt sind bis jetzt 22 bürgerliche Abgeordnete. In der Stadt Braunickweig sieben sechs, im Landkreise Braunschweig zwei unserer Genossen in Stichwahl, aber ohne Aussicht aus Erfolg. Obwohl die große Mehrheit der abgegebenen Urwählerstimmcn, ca. 65 Proz., sozial- demolratisch loar, wird auch der neue Landtag ohne einen einzigen Vollsverlretcr sein. Dafür werde» sich die privilegierten GcldsackS- vertreter, die oft nur wenige Wählerstimme» hinter sich haben, auf den LandtagS>esseln breit macheu. Am 5. Dezember werden von den privilegierten„Berufsständen": der Höchstbestcuerten, der Groß- grundbesitzer. Großunternehmer, Hochschulgelehrten und Geistlichen weitere 18 Abgeordnete in den braunschweigischen Landtag gewählt. � Landtagswahl in Württemberg. Bei der Ersatzwahl im Kreise Urach erhielt der Volksparteiler Henning 2250, Genosse Fette 2207, der Bündler Naser 1145 Stimmen. Die VolkSpartei hatte eine Slimmenzunadme von 200, die Sozial- demokratie eine solche von 700 zu verzeichnen, die Bündler haben 1000 Stimmen verloren. Es ist ein zweiler Wahlgang notwendig. Die Demonftratlo» des Kronprinzen im Reichstage. lieber die ostentative Stellungnahme des Kronprinzen im Reichs« tage gehen dem„Kleinen Journal" von angeblich eingeweihter Seite weitere Mitteilungen zu. die geeignet sind, neues Lichl ans die be- kannten Vorfälle zu werfe». Der Gewährsmann des genannten Blattes schreibt: Der Reichskanzler bat von den Vorgängen in der Kronprinzenloge überbaiipt»ichtS gesehen. Erst nach den Reden der beiden Parteiführer Hcrlling und Heydcbrand wurde er von seiner Umgebung auf die kronprinzliche Demonstration aufmerlsam gc- macht. Der Reichskaiizler ließ sich hierauf telephonisch mit dem Kaiser verbinden und beschwerte sich über das Verhalten des Kronprinzen. Noch ehe aber der Kaiser eine Verfügung ge- troffen hatte, verließ der Kronprinz auS eigener Initiative (während der Rede Bebels) das Hans. Um dem Reichskanzler Genugtuung zu geben, lud ihn der Kaiser zur Abendtafel. Vorher fand eine Aussprache zwischen dem Kaiser und seinem Sohne statt. Im Verlaus deS Abends fand der Kronprinz Gelegenheit, mit dem Kanzler unter vier Augen zu sprechen. Wie verlautet, soll Herr v. Belhmann Hollweg vom Kronprinzen Erklärungen empfangen haben, die ihn durchaus befriedigten. Trotzdem verbot der Kaiser seinem Sohn, wieder in den Reichstag zu gehen. Der Kaiser sieht, heißt es, in dem Verhalten seines ältesten SohneS nur einen Ausbruch jugendlichen Uebereifcrs, und dieser milden Beurteilung verdankt es der Kronprinz, daß sein Verhalten — außer einer väterlichen Rüge— keine weiteren Folgen für ihn haben wird._ Die Arbeitersekretare im Zentrum. Ucber dieses heikle Thema im Zentrum weiß die national- liberale..Krefelder Zeitung" in Nr. 274 u. a. folgendes zu schreiben: ..Das Mittel, wodurch die Zentrumspartei in den industriellen Wahlkreisen sich bisher zu behaupten wußte, war die Aufstellung von ehemaligen Arbeitern, jetzt zumeist Arbeitersekretären. Im Parlament aber haben diese Arbcitersekretäre meist versagt. In Fragen, die die Arbeiter näher angingen, haben sie sich vom übrigen Zentrum in der Abstimmung zuteilen getrennt, niemals das Zentrum aber auf ihren Standpunkt hinüberzuziehen ver- mocht. Wenn man sie als Vertreter des demokratischen Elements in der Zentrumssraktion ansprechen will, so muß man zugeben, daß sie einen sehr viel geringeren Einfluß ausüben als die alten Zentrumsdcmokraten aus der„Bourgeoisie" und dem Akademiker- tum, wie Lieber und Gröber, von denen die Ueberlebenden seit dem Bülowblock oder wenigstens seit dem schwarzblauen Block Demo- traten gewesen sind. Diese Leute brauchten sich die Gleichberechtt- gung im Zentrum nicht erst zu erkämpfen, sie errangen zeitweilig sogar die Führung. Einer der Arbeitersekretäre(es war der Zentrumsabgcordnete Sittart, der von diesem Kaffeetrinken soviel Aufhebens machte. D. Red.), sah bereits einen„Erfolg" darin, daß der Herzog v. Urenberg ihn einmal würdigte, mit ihm eine Tasse Kaffee zu trinken. Das sind Imponderabilien oder geringe Ponderabilien, die bei der Mehrzahl der Arbeiter einen starken Eindruck machen. Andere, die entgegen ihren früheren Erklä- rungen stimmten, gaben als Entschuldigung dafür an, daß sie die Erklärung als Gewerkschaftler abgegeben hätten, abgestimmt aber hätten sie als Zentrumsabgeordnete. Für diese merkwürdige Zweiseelentheorie fanden sie. begreiflicherweise wenig Verständnis. Man kann fägep, daß die chnsilächen A'rbeftersekrctäre bei den Arbeitern yerspiest hpbcn. Den Schaden davon haben nicht sie selbst, sondern auch daS Zentrum als Partei." Man kann nicht sagen, daß die nationalliberale Zeitung mit ihren Darlegungen unrecht hat. In der Tat spielen die christlichen Arbeitcrabgeordneten nur das Mauerblümchen in der Zentrum»- parte!. Ihre Behauptung, daß innerhalb dieser Partei die christ- lichen Arbeiter als gleichberechtigt mit den anderen Ständen be- trachtet würden, ist so absurd, wie nur irgend etwas. Das Zentrum braucht die zentrumschristlichen Arbeiterführer, um depen Anhang ins Garn zu locken, weiter nichts. Ter„Schutz" des Koalitionsrechts. Für die Arbeiter wenig vertrauenerweckende Mitteilungen macht die„Post" über den Vorcntwurf zum Strafgesetzbuch. DaS Blatt weist darauf hin. daß in dem fj 241 deS Vorentwurfs zum Strafgesetzbuch, wonach jeder, der einen anderen durch gefährliche Drohung in seinem Frieden stört, mit Freiheits- oder Geldstrafe bedroht wird, keine Gefährdung des Koalitionsrechts oder auch nur eine Bedrohung seiner Ausübung gesehen werden könne. Weder das Koalitionsrecht werde durch Bestrafung von Ausschreitungen gefährdet, noch sei anzunehnien. daß die Arbeitskämpfe durch schär- fere Bestrafung der Ausschreitungen abnehmen werden. Es müsse erreicht werden, daß sich die Arbeitskämpfe innerhalb des gesetz- lichen Rahmens abspielen. Wenn behauptet werde, daß vielfach auch in den Kreisen der Unternehmer Terrorismus geübt wird, so sei dazu bemerlt, daß auch die Unternehmer durch den Z 241 ge- troffen werden. Wenn die scharfmacherische„Post" so schreibt, kann man sicher damit rechnen, daß ein Attentat auf das Koalitionsrecht in ver- stecktcr Form geplant ist._ Ein NeichsnnhrunqsmittelFesetz in Vorbereitung. Im Reichsgesunidheitsamt beginnen jetzt die Beratungen über den Entwurf eines neuen NahrungsmittclgcsctzcS. In erster Linie handele es sich darum, für eine ganze Reihe von Produkte», wie beispielsweise Kakao, gewisse Mindestgrenzcn in bezua auf Reinheit festzulegen, über deren Maß die Ansichten der Jnter- essenten naturgemäß weit auseinandergehen. Es werde erforder- lich sein, burch das Gesetz eine Instanz zu schaffen, welche in allen Fällen für Nahrungsmittel das Mindcstinaß in bczug auf Reinheit festlegt._ Oefteirdcb. Die Tcuerungsdcbntte. Wien, 22. November. Das Abgeordnetenhaus lehnte in na- mcntlicher Abstimmung mit 268 gegen 189 Stimmen einen Antrag des Sozialdemokraten Renner ab, in dem die Regierung auf- gefordert wird, ohne weitere B erhandln» gen mit Un» g a r n jedes Ansuchen um Zulassung der Einfuhr über- s e e i s ch e n Fleisches zu bewilligen und die Einfuhrbewilli- gung weder der Zeit noch der Menge nach zu begrenzen. DaS Abgeordnetenhaus nahm dann mit 259 gegen 183 Stimmen einen Antrag an, worin die Regierung dringend ausgefordert wird, nach Bedarf für eine nach Zeit und Menge beschränkte Einfuhr von Fleisch aus Argentinien und den Balkan- l ä n d e r n Sorge zu tragen. Weiter wurde folgender Antrag an- genommen: Die Regierung wird aufgefordert, Verhandlungen mit Serbien betreffend Abschlicßung eines Handelsvertrages einzuleiten, und zwar in dem Sinne, daß gegen angemessene Zu- gestäudnisse Serbiens an die österreichische Industrie die Einfuhr von Fleisch aus Serbien ohne Beschränkung ge- stattet wird. Schließlich gelangte ein Antrag betreffend Auf- Hebung des Saccharin-Einsuhrverbots zur A n- nähme. ftamkrdcfo. Eine Spitzeldebatte. Paris, 23. November. Die Deputiertenkammcr beriet heute die Interpellation des Sozialisten Lauche, betreffend vertrauliche Mit- teilungen, die ihm Ministerpräsident C a i l l a u x über die Bc- Ziehungen des Syndikatsangehörigen Ricordeau zur Polizei gemacht habe. Die Sozialisten brachten einen Antrag ein, der die Regierung auffordert, die Namen der Polizeiagenten bekannt zu geben. Ter Antrag gelangte sofort zur Beratung. Lauche(Sozialist) brandmarkte das Verfahren der Regierung, die in Arbeiterkreisen Polizeiagenten unterhalte, tadelte Clemenceau und Briand, weil sie die Dienste des Syndikatsangehörigen M e t i v i e r benutzt hätten, und behauptete, Ministerpräsident C a i l l a u x habe ihm erklärt, der Syndikats- angchörige Ricordeau sei ein Agent im Dienste einer der früheren Regierungen gewesen. Der Ministerpräsident erwiderte, er habe niemals eine solche Erklärung abgegeben, und ihm sei auch nichts bekannt, was ihm Anlaß geben könnte, Ricordeau zu ver- dächtigen. Im übrigen verwerfe er die Verwendung von Polizeiagenten. Als Briand darauf die Rednertribüne betrat, hinderte ihn der Sozialist C o l l y durch fortwährende Zwischenrufe am Reden.) Colly erhielt einen Ordnungsruf. Briand beklagte sich über die Obstruktion der Sozialisten und verwahrte sich da- gegen, Polizeiagenten verwendet zu haben. Dies sei nicht nötig ge- wesen. die sozialistischen Blätter seien voll von Aufreizungen zur Sabotage gewesen. Der Arbeiter st reik habe unter seinem Vorgänger stattgefunden, aber mit diesem erkläre er sich völlig solidarisch.(Lebhafter Beifall.) Der Eisenbahnerstreik sei nicht provoziert worden. Briand schloß mit einem Protest gegen die Beschuldigung, ehrlos gehandelt und Polizeiagenten verwendet zu haben.(Beifall.) Der Sozialist Albert Thomas erklärte, Ministerpräsident C a i l l a u x habe ihn wissen lassen, Ricordeau sei ein zweiter Metivier gewesen. Die Sozialisten Lauche und A u b r i o l fochten die Erklärungen des Ministerpräsidenten an. Schließlich wurde eine von der Regierung gebilligte einfache Tagesordnung mit 355 gegen 103 Stimmen angenommen. perllen. Pcrsien muß nachgeben. London. 22. November. Das Neuterschc Bureau erfährt: Per- s i e n hat in Ucbereinslimmung mit dem Rat Englands e i n g e- willigt, die Forderungen des russischen Ultimatums zu erfüllen, und der persische Gesandte in London hat dies dem britischen Äuswärtigen Amt formell mitgeteilt. Noch heute soll das neue persische Kabinett gebildet werden und sich unvcr- züglich dem MedschliS vorstellen. Der Befehl zur Zurück- ziehung der Gendarmerie des Generalschatzmeisters Shuster von dem Eigentum deS Prinzen Echua es Saltaneh in Teheran ist er- teilt worden; die Gendarinerie wird durch persische Kosaken ersetzt werden. Auch erklärte sich Persien, der torce majeure nachgebend, bereit, Rußland wegen des Zwischensalles Schua es Saltaneh um Entschuldigung zu bitten. IVlexiko. Ein Bund gegen Madero. New f)ork, 23. November. Nachrichten aus Mexiko zufojge ist Madero von der geheimen Polizei mitgeteilt worden, daß General Neyes, Zapata und G o m e z einen Bund g e» schloffen haben, um die Negierung M a d c r o s zu stürzen. Em der Partei. Kommunalwahlsiegr. In Teuchern(Regierungsbezirk Merseburg) hatten die Bürgerlichen diesmal eine Kandidatenliste nicht aufgestellt. Kampf- los überließen sie unseren Genossen die Mandate. Die dritte Abteilung befindet sich dort jetzt auch ganz in unseren Händen. In Bitterfeld gewannen unsere Genossen zu den drei in ihrem Besitz befindlichen Mandaten mit großer Mehrheit noch zwei neue hinzu. Auch hier wird die dritte Abteilung bei der nächsten Wahl ganz sozialdemokratisch besetzt fein. Noch höher anzuschlagen ist der Erfolg, den die Sozialdemo- kratie in dem kleinen von unserer Bewegung erst eben erfaßten Jndustricstädtchen D o m m i tz s ch, Kreis Torgau, erzielte. Nach heftigem Kampfe gelang es, mit dem ersten Sozialdemokraten das zur Wahl stehende Mandat der dritten Abteilung zu besetzen und so einen Hecht in den Karpfenteich zu setzen.— In Torgau und Wittenberg brachte uns die erstmalige Beteiligung an der Wahl sofort ansehnliche Stimmengahlen. In Eisleben jedoch, dem Sitz der berüchtigten Mansfclder Gewerkschaft, mußten unsere Genossen strikteste Stimmenthaltung proklamieren, da Betriebsbeamte den Wahlvorstand bildeten. Bei den Stadtb-erordnetenwahlen in Wiesbaden in der dritten Klasse haben sich unsere Genossen wacker geschlagen. Die fünf Sozialdemokraten erhielten 3080 Stimmen, die vereinigten Bürgerlichen nur 2600. Eine Sonderliste, die von der Beamten- Vereinigung aufgestellt war, bekam 1920 Stimmen. Es findet Stichwahl statt zwischen den Sozialdemokraten und dem Bürger, kandidaten. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Bernburg Kurden am Dienstag sechs Sozialdemokraten und drei Demo- kraten gewählt. Die Zahl der sozialdemokratischen Sitze im Stadtparlament ist von fünf auf elf gestiegen. Bei der Gemeindewahl in Nürnberg war die Wahlbeteili- gung ungeheuer; von 27 892 Wahlberechtigten gaben 25 531 ihre Stimme ab. Davon entfielen auf die Sozialdemokraten rund 11400, auf die vereinigten Liberalen 8600, ans die Mittel- ständler 2000, auf die Demokraten 1370, auf daS Zentrum 1200. Unser Stimmenzuwachs gegen 1908 beträgt rund 20 00. Nach den vorläufigen Berechnungen fallen der Sozialdemo- kratie 10. den Liberalen 7 Sitze zu, den drei übrigen Parteien je 1 Sitz. Ilnsere Partei hat nunmehr im Gemcindekollegium 2 0 Sitze(von 60) inne. Nach dem Stärkeverhältnis im Gc- meindekollegium werden wir nun im Magistrat 4 weitere Sitze bekommen und dann insgesamt 6 inne haben. Bei den Gemeindewahlen in S ch n e h b. Lichtenfels i. Bayern wurde eine vollständig sozialdemokratische Ge- mindevertrctung gewählt. Der sozialdemokratische Verein hatte hier zum erstenmal eine Liste aufgestellt, die glatt gewählt wurde. AIS Bürgermeister wurde Genosse Rohmann mit 110 gegen 79 bürgerliche Stimmen, als Stellvertreter Genosse Hirsch mit 105 gegen 74 Stimmen gewählt. Auf die 12 sozialdemokratischen Gc- meinderäte entfielen 92— 117 Stimmen gegen 68— 78 bürgerliche Stimmen. Außerdem wurden noch sechs sozialdemokratische Er- satzleute gewählt. Die Gegner hatten sogar 2 Genossen in ihre Liste aufgenommen; diese Wahllist hat sie aber nicht vor der Niederlage bewahrt, Der Streik in der Berliner Damenkonfektion ist nun zur Taksache geworden. Die Zwischenmeister, die die Arbeit von den Konfektionären übernehmen, wie die für sie tätigen Arbeitnehmer und Heimarbeiterinnen stehen den Konfektionären oder Mäntelfabrikanten, wie die Herren sich nennen, einmütig und geschlossen gegenüber und verweigern jegliche Arbeit, so lange man sich auf der Gegenseite nicht zum Abschluß eines festen Tarifvertrages bereitfin�et. Die Ver- sammlung am Mittwoch ist in ihrem Streikbeschluß noch über den Vorschlag der vereinigten Kommissionen hinausgegangen. indem sie sich nicht damit begnügte, nur die Anfertigung der Muster zu verweigern, sondern beschloß, und zwar ein- stimmig, daß vom selben Tage ab alle Arbeit ein- gestellt wird. Die Versammlung war über alles Er- warten zahlreich besucht; schon lange vor der festgesetzten Zeit war der große Saal der„Neuen Philharmonie" samt den Galerien überfüllt, und sogar die Bühne mußte in Anspruch genommen werden, um den Massen der Ausgebeuteten der Damenkonfektion einigermaßen Platz zu bieten. Konfek- tionäre und Angestellte hatten sich auch eingefunden: die Arbeitnehmer wollten aber diesmal unter sich sein, und da bedurfte es wiederholter Ausforderung, sich der ungebetenen Gäste zu entledigen. Den Bericht über die Verhandlungen mit dem Verband der Damenmäntelfabrikanten gab Herr Drews, der Ver- treter des„Arbeitgeberverbandes für das Damenschneider- gewerbe", wie sich die Organisation der Meister nennt, die hier aber als Arbeitnehmer Hand in Hand mit ihren Arbeit- nehmern gegen das großkapitalistische Ausbeutertum in den Kampf ziehen. Ihm folgte Kunze, der Vertreter des Schneiderverbandes, sowie Fräulein B e h m vom GeWerk- verein der Heimarbeiterinen. Ueber die Antwort der Kon- fektionäre wie über die Lage im allgemeinen hat ja der„Vor- wärts" bereits berichtet. Herr Drews schilderte, wie sich die Dinge entwickelt haben. Schon vor Jahresfrist sind die Meister an die Konfektionäre mit der Forderung eines Tarifs herangetreten; aber die Herren lehnten ein Eingehen darauf ab. Sie bezeichnen es auch jetzt, trotz aller Gegenbeweise, hartnäckig als eine Unmöglichkeit, Tarife für die Damen- konfektion abzuschließen. Auf die Bitte, doch wenigstens ein- mal den Versuch zu machen, haben sie nur ein strikte ab- weisendes„Nein!". Wie sie die Lohnerhöhungen in„binden- der Form" durchführen wollen, ist ein Preisrätsel, das sie gewiß selbst nicht zu lösen vermögen. Es ist ihnen gern zu glauben, daß sie jetzt, wo sie ihre Muster fertig haben müssen, ganz annehmbare Lohnerhöhungen zugestehen wollen. Aber wie wird es damit nach vier Wochen aussehen? Bei dem Kampf von 1896 haben sie ja 16, 26 und 36 Proz. Zulagen bewilligt: aber es dauerte nur eine ganz kurze Zeit, da hatte man wieder die alten Zustände. Es wäre traurig, wenn die Arbeitnehmer und Meister der Damenkonfektion in den fünf- zehn Jahren nichts gelernt hätten und sich nun ebenso ab- speisen lassen wollten, wie damals. Ganz im gleichen Sinne äußerte sich Kunze. 1896 suchten die Konfektionäre sich als die Unschuldigen hinzu- stellen und die ganze Schuld an dem Elend in der Heim- industrie auf die Zwischeninstanzen abzuwälzen. Auch dies- mal haben sie die Sache wieder so schlau einzufädeln gesucht. Sie geben vor. die Verhältnisse bessern zu wollen, aber im Augenblick, wo es darauf ankommt, werden sie zu den Heim- arbeiterinnen sagen:„Was geht Ihr uns an. wendet Euch doch an die Meister!" Wie sie beim Hausarbeitsgesetz nichts von Lohnämtern wissen wollen, so lehnen sie auch die Tarife ob und erklären sie für eine Unmöglichkeit, obwohl die Mög- lichkeit doch durch die Tarifabschlüsse in der Herrenmaß- schneideret, in der Herren- und Herrenstapelkonfektion, in der Militä/schneiderei wie in der Damenkostümbranche hinreichend bewiesen ist. so daß nur noch die Damenkonfektion als tarif- lose Branche im Schneidergewerbe dasteht. Die Herren möch- ten die Lohnfrage vom Standpunkte der Armenverwaltung regeln: aber die Arbeiterschaft will keine Wohltätigkeit, sie fordert anständige Bezahlung für ihre Arbeit, und es wird ihnen nicht gelingen, die Gruppen, die sich nun zusammen- geschlossen haben, um diese Forderung zur Geltung zu bringen, auseinanderzutreiben. Wir wissen, daß wir eine schwere Verantwortung auf uns laden, wenn wir zur Arbeits- niederlegung auffordern; aber wir mußten uns doch sagen. daß es kein anderes Mittel gibt. Fräulein B e h m erklärte, daß sie immer versucht habe. eine mittlere Linie zu finden, um Kämpfen aus dem Wege zu gehen: aber auch sie weiß jetzt kein anderes Mittel als den Kampf, wenn den Heimarbeiterinnen die Möglichkeit ge- schaffen werden soll, von ihrer Arbeit einigermaßen an- ständig leben zu können, und das kann nur auf dem Wege des Tarifvertrages erreicht werden. In der lebhaften Diskussion kam die Entrüstung über das Verhalten der Konfektionäre noch stärker zum Ausdruck, und es zeigte sich mit aller Deutlichkeit, daß man sich dies- mal nicht mit irgendwelchen Versprechungen von Lohnzulagen abspeisen oder zum Narren haben lassen will. Eine Rednerin fragte, ob die Konfektionäre sich die Sache vielleicht so dächten, daß die Heimarbeiterinnen am Wochenschkuß im Gänse- marsch bei ihnen antreten sollten, um sich die versprochene Lohnerhöhung gleichwie eine Art Armenunterstützung zu holen.— Man war sich vollkommen darüber einig, sich nicht durch den„Schmus" der Großkapitalisten irreführen zu lassen, und demgemäß wurde dann auch die von den Kom- Missionen vorgeschlagene Resolution mit der oben schon er- wähnten Erweiterung in folgender Form einstimmig ange- nommen: „Die heute, den 22. November, in Kellers„Neue Philhar- monie" tagende Versammlung der Meister und Arbeiterinnen der Berliner Damenkonfektion hat Kenntnis genommen von den Ver- Handlungen ihrer Vertreter mit den Vertretern des Verbandes Berliner Damen- und Mädchenmäntelfabrikanten und erklärt sich mit der Stellungnahme ihrer Vertreter einverstanden. Sie ist nach wie vor der Ansicht, daß eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in bindender Form nur auf Basis eines Tarifvertrages, wie er von den vereinigten Organisationen in Vorschlag gebracht worden ist, herbeigeführt werden kann, auf Grund dessen die Löhne der Meister und Arbeiter und Arbeite- rinnen in bindender Form festgelegt werden. Daher mutz die Versammlung aus dem ersten Absatz des Beschlusses der Fabri- kanten entnehmen, daß dieselben eine Lohnerhöhung in bindender Form überhaupt nicht beabsichtigen. Die Versammelten kommen zu dieser Ansicht umsomehr, als die Fabrikanten weder bei den Verhandlungen noch jetzt einen Vorschlag machten, auf Grund dessen sich ihre angebliche Absicht,„Lohnerhöhungen in binden- der Form" zu gewähren, verwirklichen ließe. Können die Fabrikanten selbst keine anderen Vorschläge machen und lehnen sie andererseits Tarife ab, obwohl durch den Tarifabschlutz in der Kostümbranchc die technische Durchführbar- keit gegeben ist, so mutz ihnen die Verantwortung für sich etwa weiter ergebenden Folgen überlassen werden. Die Versammlung beschlietzt daher in Anbetracht der ganzen Sacklage, von heute ab die Arbeit in der Berliner Damen- konfektion niederzulegen; sie fordert alle in der Damenkonfektion Beschäftigten auf, sich unbedingt an diesen Beschlutz zu halten." Der Streik ist beschlossen und wird sich nun auch in ganzer Schärfe geltend niachen. Die beteiligten Organisa- tionen haben bereits die nötigen Anordnungen getroffen, den Kampf mit voller Kraft durchzuführen. Die Kommissionen hielten gestern vormittag wiederum eine Sitzung ab und sie beschlossen, daß der Streik auf alle Betriebe der Damen- konfektion auszudehnen ist. Neben den reinen Konfektions- betrieben werden auch besonders noch die Betriebe betroffen, die Musterkonfektion oder Privatarbeit an- fertigen, und ebenso ist in allen Ateliers der Damen- konfektion die Arbeit einzustellen, was übrigens auch schon in der Versammlung am Mittwoch betont wurde. Fertige oder teilweise fertige Arbeit bleibt liegen. Verlangt der Arbeitgeber es. so darf die Herausgabe dev Arbeit aller- dings. nicht verweigert werden. Der Verband der Schneider hat zu heute nachmittag 2 Uhr eine Versammlung nach der Brauerei am Friedrichs- Hain einberufen, um weitere Instruktionen zu erteilen. Die Streikbureaus werden an anderer Stelle in der heutigen Nummer des„Vorwärts" bekanntgegeben. Im übrigen ist, wie wir erfahren, den Konfektionären vom Streikbeschluß Mitteilung gemacht worden, und es ist ihnen zugleich bekannt- gegeben, daß die Kommissionen nach wie vor bereit sind, auf Grundlage� der gestellten Tarifforderungen zu verhandeln. Wie viel Personen an dem Streik beteiligt sind, läßt sich vorläufig noch nicht feststellen. Der Handelskammerbericht gibt zwar die Zahl der in der Berliner Damenkonfektion be- fchäftigten Personen auf 52 666 an, doch wäre es verfehlt, diese Angabe als Maßstab für den Umfang des Streiks zu betrachten. Es ist ja gegenwärtig die stille Zeit für die Damenkonfektion, so daß der größte Teil arbeitslos ist. Das Hauptkampfmittel besteht eben in der Ablehnung der Muster- arbeit. Um jedoch bei der Durchführung dieser Maßregel Jrrtüpier und Umgehungen zu vermeiden, mußte der Streikbeschluß auf die ganze Damenkonfektion ausgedehnt werden. ßerkustlg, wenn er an einem noch Sem Feiertag fallenSen Tag nicht zur Arbeit erscheint. Ein wesentlicher Fortschritt ist es, Satz den Kutschern nach ununterbrochener Tätigkeit von 3 Jahren ein Sommerurlaub gewährt wirb. Ferner trägt Sie Gesellschaft die Beiträge zur Kranken-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung in voller Höhe, sobald ein Arbeiter 4 Wochen uraunterbrochen im Betriebe tätig ist. Die Charlottenburger Müllverwertungsgesellschaft ist unseres Wissens die einzige dieser Branche, die ihren Arbeitern derartige Vergünstigungen gewährt. Die Regelung von Streitig- leiten aus dem Vertrage hat der Arbeiterausschutz gemeinsam mit der Direktion zu regeln. Auf Verlangen der Arbeitnehmer kann ein Organisationsvertreter zu den Verhandlungen hinzugezogen werden. Der Vertrag ist zunächst bis zum 31. Oktober 1914 ge- schlössen, er verlängert sich jedesmal auf ein Jahr, wenn er nicht 3 Monate vor Ablauf gekündigt wird. OeutfcKes Reich. Die Lohnbewegung der Gasarbciter in Cöthen ist beendet. Wenn auch nichl nnl vollem Erfolge, so doch mit annehmbaren Zu- geständiiissen seitens der Direilion der Allgemeinen Gas-Aktiengeiell- swaft fand die Bewegung der Gasarbeiter in Cöchen ihren Abschluß. Stehen die Arbeiter im Lohn gegenüber ihren Kollegen in den Stadien in gleicher oder ähnlicher Größe wie Cöihen noch zurück, so wurde doch eine Aufbesserung der Löhne für die ersten und zweiten Feuer- leule von 34 auf 49, für die dritten Feuerleute von 31 auf 35, für die Kohleusabrer von 39 auf 32 und 33. für die Hofarbeiter von 39 und 31 auf 32 und 33, für Rohrleger von 33 auf 49, für Jnstalla- teure von 36 auf 49 bis 59, für Kesselwärter von 31 auf 35 und für Einkassierer von 32 auf 36 Pf. pro Stunde erzielt. Die Einstellung eines gemaßregellen Arbeiters wurde ebenfalls erreicht. Da weitere Vorteile vor der Hand nicht zu erreichen waren, so gaben sich die Be- teiligren mit den gemachten Zugeständnissen zufrieden. Auslanck. Die Abstimmung der englischen Eisenbahner enthüllt eine sehr kampflustige Stimmung unter den Angestellten in Südwales, lieber 99 Prozent der Angestellten der Taff— Bale- Bahn haben, wie berichtet wird, für den Ausstand gestimmt. Tie Weichensteller der Grcatwestern Bahn in Cardiff haben eine Re- solution angenommen, die der Unzufriedenheit mit den geringen. von der Regierung- komm ission gewährten Zugeständnissen Ausdruck verleiht und fordert, Satz der Wochenlohn um 3 Schilling erhöht werde. Eine Massenversanimlung der Arbeiter der General Rail- way in Newcastle hat beschlossen, den Angestellte zu raten, für den Ausstand zu stimmen. Der Berbandstag der Metallarbeiter Oesterreichs hat die ganze vorige Woche in Wien getagt und den größien Teil seiner Zeil dem aufgezwungenen Kampfe gegen den tschechischen Separatismus widmen müssen, von dem allerdings Taten berichtet wurden, wie man sie bislang nur von richtigen Gelben zu hören gewohnt war. Der Oesterreichische Meiallarbeiterverband selbst hat übrigens den ihm dural die tschechische.brüderliche" Zersplitterung zugefügten Mitgliederverlust wieder weitgemachl und ist mit seinen 54 999 Mit- gliedern gach wie vor die stärkste Gewerkschaft in Oesterreich. Zum Verbandsobmann wurde an Stelle des Genossen Ludwig Exner, der nun seine ganze Kraft der Genoslenschaftsbewegung widmet, der langjährige Redakteur des Verbandsorgans, Genosse Heinrich Beer gewählt. In Vertretung des Deutschen Meiallarbeiterverbandes waren die Genossen Reichel und Schlicke in Wien. barungen und empfahl der Versammlung, der Vorlage zuzu- stimmen. In der lebhaften Diskussion, die sich bis nach Mitternacht hinzog, zeigte es sich, datz die Mehrheit der Versammelten mit der Vorlage nicht in allen Punkten einverstanden war. Namentlich wurde die Abschaffung des Pensums verlangt und hervorgehoben, Satz, wenn wirklich zwei Paletots oder drei Sakkos weniger an- gefertigt werden, die zehnstündige Arbeitszeit, namentlich bei schweren Stücken, nicht ausreiche, um die verlangte Stückzahl fertig- zustellen. Auch mit den festgesetzten Minimallöhnen war man nicht einverstanden, weil tatsächlich für brauchbare Avbeitskräfte höhere Löhne gezahlt werden. Man befürchtete offenbar, datz, wenn so niedrige Löhne im Tarif stehen, es leicht dazu führen könnte, datz außer acht gelassen wird, daß es sich hierbei um Mindestlöhne, also um die Löhne handelt, die unter allen Umständen den minder leistungsfähigen Arbeitern und Arbeiterinnen der verschiedenen Gruppen gezahlt werden müssen.— Die Versammlung lehnte den Tarif in der vorliegenden Form ab und gab ihrer Kommission Auftrag, nochmals mit der Kommission der Zwischenmeister zu ver- handeln._ Tarifabschlnst im Charlottenburger Müstabfuhrniesen. Zwischen der Firma„Dreiteilung— Allgemeine Müllver- wcrtungsgesellschaft m. b. H., Charlottenburg" und dem Deutschen TranSportarbeiterverband ist in den letzten Tagen auf Grund friedlicher Verhandlungen ein Tarifvertrag für Sie bei genannter Gesellschaft beschäftigten Kutscher und Mitfahrer geschlossen worden. Bereits vor Jahren versuchten die Charlottenburger Mülkkutfcher, eine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch Tarifvcr- trag herbeizuführen. Die damalige Direktion setzte der Sache euer- gischen Widerstand entgegen, so datz der von den Arbeitnehmern inszenierte Streik ins Wasser fiel. Anläßlich der jetzigen Teurung trat der Arbeiterausschutz an die inzwischen neu gewählten, Direk- toren heran und bat um eine Tcurungszulage für sämtliche bei der Gesellschaft beschäftigten Arbeiter. Da diese in ihrer Mehrheit dem TransportarbeiterverbanS angehören, berief die Direktion einige Vertreter des Verbandes, um mit diesen einen Tarifvertrag abzuschließen. In dem Vertrage ist den Kutschern und Mitfahrern der Asckewagen derselbe Lohn zugestanden, wie ihn die Berliner Wirtschastsgenossenfchaft ihren Kutschern zahlt. Die Bedicnungs- Mannschaften der sogenannten Sack- und Spcisercstwagen erhalten einen Lohn von 25 bzw. 21 M., der auf 26 bzw. 22 M. steigt Stallleute erhalten 27 bis 31 M., Reservefahrer 27 M. und Verladearbeiter 30 M. pro Woche. Feiertage, die auf einen Wochentag fallen, werden mitbezahlt, doch geht ein Arbeiter dieses Lohnes GcwcrkfchaftHchee. Berlin und Clingegend. Ein«euer Konflikt zwischen der Großen Berliner Straßenbahn«nd ihren Angestellten. Nachdem kaum die infolge der Lebensmittelteuerung akut ge- Korden« Lohnbewegung der Straßenbahner friedlich beendet ist, haben die Berater der Direktion der Großen Berliner etwas Neues zur Aufftachelung der Unzufriedenheit der Angestellten ausgedacht. Es handelt sich um eine Verschlechterung des Statuts der bei der Gesellschaft bestehenden Ruhcgehaltskasse. Neben einer Anzahl Aenderungen bezüglich der Kürzung des Ruhegehalts in Krankheits- fällen betrachten die Angestellten namentlich die Bestimmung als eine schwere Schädigung, datz in Zukunft nicht mehr ein Arzt über die Versetzung in den Ruhestand zu verfügen haben soll, sondern dieses Recht dem Vorstand der Ruhegehaltskasse zustehen soll, ohne daß den Angestellten ein Anfechtungsrecht gewährleistet wird. Lediglich ein neu zu wählendes Schiedsgericht soll die Recht- sprechung des Vorstandes auf Antrag prüfen, dessen Zusammen- setzung so gedacht ist, datz der Großen Berliner das Recht zusteht. den Vorsitzenden � und aus der Zahl von 13 Mitgliederbertretern die 4 Beisitzer zu ernennen. In allen diesen Bestimmungen sehen die Angestellten eine Verschlechterung des jetzigen Zustandes. Sie haben deshalb ihre Vertrauensleute und den deutschen Transport- arbeiterverband beauftragt. Mittel und Wege zu suchen, um diese Verschlechterungen abzuwehren. Jo den nächsten Tagen wird eine allgemeine Stratzenbahnerversammlung zu diesen Dingen Stellung nehmen. Ob es deshalb zu einer extremen Abwehr- Bewegung kommt, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen, da dies von den Beschlüssen der Vertrauensmänner sowie der öffentlichen Versammlung abhängt._ Tie Tarifvorlane f«r die Gesellen der Herren- Stapelkonfektion, wie sie aus den gemeinsamen Beratungen der Kommission hervor- ae gangen ist und von den Zwischenmeistern gutgeheißen wurde, beschäftigte am Dienstag eine zahlreich besuchte Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche. Der Verbandsvertreter Krienke gab den Bericht, erörterte die einzelnen Punkte der Verein- verantw. Redakt.: Richard" Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: xh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorlMt�B�d�PeMgsanstalt PaülSinger � Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. lluterhaltungSbl. Letzte Pfocbridrtctn Kiderlens Erklärung in England. London, 23. November.(W. T. B.) L o r d W e a r d a l e, hFr Vorsitzende der interparlamentarischen Kommission, erklärt im „Evening Standard"« Es ist schwer, ein endgültiges Urteil ßficr die von seinem Standpunkt aus abgegebene Erklärung des Staat?, sekretärs von Kiderlen-Waechtcr zu fällen, von der nur ein Aus- zug hierher telegraphiert wurde. Es wäre wünschenswert, den vollen Text zu studieren und zugleich die Erklärung des Staats- sekretärs Grey, die er am Montag im Parlament machen wird, abzuwarten. Greys Erklärung mag sachlich von der Erklärung Kiderlens abweichen, es ist trotzdem wohl möglich, datz ohne tatsächliche Unrichtigkeit beiderseits ein kleines Mitzverständnis ent- stehen konnte, welches die unglückliche Entfremdung hervorrief, die im Juli nahezu zu offenem Bruch in den deutsch-englischen Be- ziehungen führte. Es ist jedoch schwer, aus den vorliegenden Tat- fachen den Grund zu erkennen für die Alarmreden Lloyd Georges und A s g u i t h s. Drohungen sollten auch in ver- hüllter Form vermieden werden. Wenn die Regierung Besorgnisse wegen der Absichten Deutschlands hatte, hätten sie Gegenstand ge- wöhnlicher diplomatischer Besprechung, nicht poli» tischer Reden sein müssen. Revolutionäre Bewegung auf Kreta. Paris, 23. November.(W. T. B.)„S i e c I e" meldet, daß nach an zuständiger Stelle hier eingetroffenen Nachrichten aus reta die Bevölkerung verschiedener Bezirke der Insel auf- gefordert wurde, sich nächsten Sonntag bewaffnet zu versammeln, um eine revolutionäre Volksvertretung zu wählen. Die Be- wegung sei ebenso sehr gegen die Politik des griechischen Minister- Präsidenten Benizelos wie gegen das gegenwärtige Statut Kretas gerichtet. Die Eisenbahnkatastrophe bei Montreuil. Angers, 23. November.(W. T. B.) Die Unkök- s u ch u n g des Eisenbahnunglücks von Montreuil hat ergeben, datz das Hochwasser einen Brückenpfeiler unterwühlt hatte, der nach dem Joch zu zusammenstürzte, die Mitte des Zuges bildeten mehrere Güterwagen. In dem Zug befanden sich etwa fünfzig Reisende, von denen etwa dreißig ertrunken sein sollen. Es ist noch immer schwierig, infolge der Tiefe des Wassers und der' Stärke der Strömung, den Reisenden Hilfe zu bringen, die sich auf das Dach des einzigen aus dem Wasser hervorragenden Wagens gerettet haben. Die Pariser„L i b e r t e" berichtet, daß die Ingenieure schon seit zwei Jahren ans den baufälligen Zustand der Brücke über den Thouetfluß hingewiesen und wiederholt Bcfürch- tungen wegen einer Katastrophe ausgebrochen haben.(Siehe auch„Aus aller Welt".) Angers, 23. November.(W. T. B.) Ein Sonderzug mit 56 Pionieren und 6 Boten ist in Montreuil angekommen. Es wurde sofort mit den Rettungsarbeiten begonnen. Es gelang, die 11 Personen, die sich auf das Dach eines Waggons gerettet hatten, mit Lebensmitteln zu versehen. Dämon Alkohol. Aarau, 23. November.(W. T. B.) Der 26jährige aus Rautenberg in Hannover gebürtige Offiziersbursche Otto Scheu- kel wurde am Donnerstag früh in Kasernenarrest gesperrt, weil er im Rausch Lärm machte. Als er in der Zelle wiederum Lärm schlug, begaben sich zwei Leutnants, ein Korporal und ein Rekrut zu ihm, um ihn zur Ruhe zu verweisen. Darauf schlug er mit einem Messer wütend um sich. Leutnant B u ch e r erhielt vier Stiche in die Brust, Leutnant Müller wurde eine Fingerspitze abgeschnitten, Korporal E r n i erhielt zwei sehr gefährliche Stiche in den Unterleib und Rekrut R o g g e r wurde im Gesicht verletzt. Kr. 275. 28. Zahrgaaz. 1. ftiliip des Jotiüätls" Knlim KslksdlM Zreitag, Zt. Zlaliemder Ml. ver Krieg. Kriegslage, Kriegssorgen und Kriegsfolgen. Rom, den 20. Zdovember.(Eig. Ber.) In der Kriegslage verdrängt die Bedeutung der diplomatlsäien Altion mit jedem Tage mehv die der strategischen. Man versteht. daß entscheidende Nachrichten nicht aus Tripolitaneen zu erwarten sind, sondern vielmehr von den Kabinetten der lricgsührenden und der nicht kriegführenden, Mächte. Als rein strategisches Ereignis ist der Krieg jetzt auf einem Bunkt angelangt, auf dem keinerlei Aussicht auf eine entscheidende Wendung besteht. Tie Italiener behaupten alle Hafenplätze, aber es besteht keinerlei Aussicht auf einen baldigen und entscheidenden Vorstoß ins Innere. Trotz aller gegenteiligen Prophezeiungen sind die Türken sehr gut imstande, sich im Innern zu erhalten und ihr Heer zu verproviantieren. Sowohl von der ägyptischen als von der tunesischen Grenze gehen ihnen weiter regelmäßige Verstärkungen zu, und der Zeitpunkt ist durchaus nicht abzusehen, an dem ihre Kräfte derartig erschöpft fein werden, daß sie die tägliche Belästi- gung der italienischen Verschanzungen einstellen müssen. Nein strategisch betrachtet, tritt der Krieg in ein chronisches Stadium, und weder die Italiener noch die Türken haben die Möglichkeit, irgendeine Entscheidung zu provozieren. Daß die Türken und Araber den italienischen Truppen eine der Hafenstädte wieder abnehmen könnten, scheint ausgeschlossen. Wenn sich also in der Kriegslage irgend etwas Entscheidendes begeben soll, so kann dies ausschließlich auf dem Gebiet der diplo- matischen Aktion geschehen. Dem„Lavoro" zufolge ist eine große Ueberraschung in Vorbereitung. Diesks Blatt will von gut unter- richtcter Seite erfahren haben, daß die Friedeiisunterhandlungen mit der Hohen Pforte bereits sehr weit gediehen seien. Der Fric- densschluß soll auf folgender Grundlage stattfinden: die Türkei gibt alle ihre Ansprüche auf ihre letzte afrikanische Provinz auf und erhält von der italienischen Regierung eine Entschädigung von 60 bis 80 Millionen. Der einzige Sireitpunkt zwischen den beiden Mächten soll darin liegen, daß die Türkei 80 Millionen fordert, welche Summe Italien vor dem Ultimatum geboten hatte, mit deren Zahlung die italienische Regierung jetzt aber nicht mehr einverstanden ist. Sie bietet heute 60 Millionen» was der Türkei, die seinerzeit 200 Millionen beansprucht haben soll, zu wenig er- scheint. Es handelt sich hier, wie schon gesagt, um private Jufor- mationen des Genueser„Lavoro". Eine Nachricht der„Perseveranza* scheint dafür zu sprechen, daß die Regierung selbst nicht sehr fest von einem güu- stigen Ausgang der Friedensunterhandlungcn überzeugt ist. Das Mailänder Blatt will wissen, daß die italienische Regierung im Falle einer längeren Andaucr des Krieges entschlossen sei, mehrere offizielle Verösfentlichungen herauszugeben, um, die öffent- liche Meinung Europas über den Krieg zu iirfor- mieren. Das sieht eineo Drohung merkwürdig ähnlich Wenn Italien schon einmal amtliche Mitteilungen über den Krieg macht, so wird es nicht unterlassen können, in der Einleitung d a S d i p I o- m a t i s ch e Vorspiel der Expedition zu berühren. Dieses . Vorspiel ist nun sicher der Art, daß es gerade den Ländern, die heute am lautesten den Entrüsteten spielen, den Mund stopfen muß. Wenn man erst schwarz auf weiß die diplomatischen Ab- machungen sieht, durch die die italienische Erpedition nach Tripolis mit den europäischen Großmächten vereinbart ivurde, dann wird der Brustton der Entrüstung, den ein Teil der bürgerlichen Presse des Auslandes anstimmt, einen etwas lächerlichen Eindruck machen. Aber Italien will ja diese amtlichen Dokumente und Darstellungen nur veröffentlichen, falls der Friedensschluß noch lange auf sich warten läßt.... In dem Maße, wie das überhitzte allgemeine Interesse an dem Kriege zurückgeht, mehren sich die Sorgen derer, die ihre Söhne vor dem Feinde wissen. Die Soldatenbriefe, von denen einige un- zweifelhaft authentisch sind, zeigen deutlich, daß die Truppen sich ungeheuren Strapazen unterziehen müssen. Manche der Brief- schreiber sind seit zwei oder drei Wochen nicht aus den Kleidern ge- kleines femüeton Die geschorene Lock- als Heldenreliquie. Bisher erfreuten sich bei uns die Schiller-Lockcn eines berechligicn Rufes. Sahnegefnllt labten sie Schleckernde. Auch die Locken Feau Pauls haben eine gewisse Berühmtheit erlangt; seinen gefühlvollen Leserinnen und Anbeterinnen pflegte er die Locken seines Pudels zu stiften, da lein Haupt an diese» Reliquien nicht genug produzierte. Dem kapitalisti- scheu Zeitalter blieb cS aber vorbehalte», die angebetete Locke in die Sphäre zu erheben, die ihm sein Charakter verleiht: in die Region der Ware. Der„Kunstwact" veröffentlicht das Dokument dieser Erhebung „Für alle' Deutschen im Jnlande und im Auslände das fein- sinnigste und wertvollste B i s m a r ck- A n d e n k e n sowie für Sammler aller Natione» eine historische BiZmarck-Reliquie allerersten Ranges bilden die mit einer Locke des Allreichskauzlers vcr- sehenen B r o n z e a b g ü s s e der Pfretznerichen Bismarck-Büste. Die Echtheit der in die einzelnen Bronzeabgüsse unter Deckglas eingefügten kleinen Locke» ist durch e i d e S st a t t l i ch e V e r- s i ch e r u n g des Friseurs Röhrig zu Bergedors und des bekannten langjäbngen Kammerdieners des Fürsten, Piuoiv, sowie ferner»euerdiugS durch rechtskräftiges gerichtliches Urteil festgestellt. Jeder Büste wird eine notarielle Originalurkunde beigefügt, welche die vorhin erwähnten E vtheitsbeweise in beglaubigter Form enthält. Der urlprüngliche H a a r s ch a ß(die sämtlichen Haarschnitte der letzten acht Lebensjahre) ist noch fast volliläiidig vorhanden. ES ist ihm jetzt(Mai 1911) lediglich eine besonders große(der Original- marmorbüste eingefügte) Locke sowie für gelegentliche Zwecke ein kleiner Teil des Haarschnitts vom 27. Jgnuar 1893 entnommen, da nrsprüngl'ch beabsichtigt war, mit dieser Reliquie erst zum hundert- jährigen Geburtstage des Altreichskanzlers allgemein hervorzutreten. Bei der Große dcS vorhandenen HaarichatzeS erscheint es indes unbedenklich. f-hcn jetzt dieies wertvolle Andenken den zahlreichen Ver- chrern des Fürsten zugänglich zu machen. Es sind vorab Bronzcbüstcn in zwei Größen hergestellt, und zwar in Höbe von 29 Zeutimeler. Preis 3S0 M.. und in Höhe von 14 Zentimeter, Preis 200 M." Ob Bismarcks Erben Prozente von diesem erhabenen Geschäfte bezieben? Der Schnuller in der Nase. Fremdkörper kommen in der Nase sehr häufig vor. ES wurden beobachtet: Steinchcn, Knöpfe. Bohnen, Erbsen, Perlen, Kirsch- und Pflaumenkernc, Kastaniensck�len, Palnikätzchen, Holz-, Gummi-, Metallstiickchen, Eck- und Schneidezähne, Flicgenlürven, Tausendfüßer, sogar Blutegel. Den seltenen Fall des Vorkommens eines Schnullers in der'Nase hat Dr. Menzel in Wien beobachtet. In der„Gesellschaft für innere Medizin" in Wien wurden zwei zusammengehörige Bestandteile eines Schnullers gezeigt, und zwar war der Bcinteil mit dem auf ihm steckenden Kautschukringe,(dix einem zweijährigen Kinde flliS kommen. Alle bezeichnen die Verpflegung als gut, aber immer wieder kehrt in den Briefen die Klage über den Sand wieder, den Wüstensand, der in der Suppe schwimmt wie Grieß, der die Fleisch- stücke pamert, den Mund austrocknet, die Atmungswerkzeuge bc- lastigt.„Verfluchtes Land," schreibt ein Soldat,„wo es nichts gibt als Sand, keine Pflanzen, nichts Grünes, nur Sand und wieder Sand." Aus den Briefen, die unverkennbare Zeichen der Echtheit tragen, geht hervor, daß die Soldaten im ganzen guten Mutes sind, aber sich doch sehr nach Hause sehnen. Gelegentliche Aeußcrungen über die Türken, die nächstens ausgerottet würden, zeugen von der Erbitterung gegen den Gegner, aber zur Ehre der Soldaten sei gesagt, daß keiner der Briefe eine ähnliche Roheit zur Schau trägt, wie dies die nationale Presse in ihrer Kriegshetze tut. Die richtige Gemeinheit scheint eben doch am besten in bürgerlichen Redaktiovs- stuben zu gedeihen. Neben den Sorgen um Leben und Gesundheit der Truppen machen sich, natürlich auch solche über den finanziellen Aufwand des Krieges geltend. Wenn der„Avanti" vor Monaten berechnet hatte, daß der Krieg rund anderthalb Millionen täglich kosten würde, so hat er jetzt die Genugtuung, dies von fachkundiger Seite bestätigt zu sehen. Ter finanztcchnischcn Zeitschrift„Nivista della Corte dei Conti" zufolge wird die heutige Tagesausgabe auf rund anderthalb Millionen veranschlagt! Beim Lesen dieser Ziffer steigen einem die Choleraaufstände von Vcrbicaro und anderen italienischen Orten vor dem geistigen Auge auf. Tie Leute hatten kein Trinkwasser, keine Straße, kein Hospital! Wer weiß, was man ihnen mit den Ausgaben eines einzigen Äricgstages hätte bieten können! Aber freilich, bei solchen Ausgaben muß man an das Gleichgewicht des Budgets denken. Und dann konnte man doch nicht Millionen aufwenden, ohne vorher eine Enquete zu machen, dann der lange, endlose Weg durchs Par- lament: für die heutige Generation dcv Leute von Verbicaro wäre sicher alles zu spät gekommen! Bei Kriegsausgaben geht es, Gott sei Tank, schneller. Erste Regel: man lasse das Parlament geschlossen. Die Volksvertretung hat in wichtigen Fällen die Pflicht, in den Ferien zu bleiben, weil sie, anstatt ein unschädliches Anhängsel zu sein, bei allen ernsten Dingen zu einem lästigen Hindernis wird. Die Regierung gibt offiziell bekannt, daß die Kammer in diesem Jahre ihre Arbeiten nicht wieder aufnehmen wird. Wozu auch? Es geht viel besser ohne sie. Für außergewöhnliche Fälle sieht nämlich ein Gesetz vom 17. Juli 1910 die Eröffnung eines außerordentlichen Kredits für Hcev und Marine vor, der nur durch königliches Dekret auf Vor- schlag des Ministerrats verfügt zu werden braucht. Die Kammer ist unnütz. Die Oberrcchnungskammer braucht auch nicht bemüht zu werden, denn in Ausnahmefällen, die ein Geheimhalten für geboten luffcheinen lassen, kann sogar von der Registrierung des Dekrets avgesehen werde». Woher nimmt man aber das Geld, das einem ohne burcau- kretische Schwierigkeiten zu nehmen freisteht? Die angeführte Fachzeitschrift gibt interessanten Aufschluß über die von der Regie- rung heute flüssig zu machenden Summen. Zunächst verfügt der Schatz über einen Kassenbestand von 206 676 000 Lire und kann bei seinen auswärtigen Korrespondenten weitere 142 358 000 Lire einziehen. Außerdem übersteigt die Metalldcckung in Italien heute die vom Gesetze zur Deckung des im Umlauf befindlichen Papiers vorgeschriebene Höhe, so daß die Regierung aus diesem Fonds 61 Millionen flüssig machen könnte. Alles Weitere wird durch Darlehen verschiedener Formen aufgebracht werden müssen. Und zwar können die beiden Emissionsbanken zu einem Vorschuß von 125 Millionen Lire gegen l'A Proz. Zinsen, statutengemäß heran- gezogen werden. Weiter kann die Regierung von ihrem Recht, Staatsschuldscheine bis zur Summe von 300 Millionen auSzu- geben, Gebrauch machen, wobei ihr noch ein Rand von 223 Millionen bleibt. Diese Emission findet zu 2'A und zu 2'ii Proz. statt. Schließlich ist die staatliche Tepositenkasse verpflichtet, die ihren Bedarf übersteigenden Gelder dem Staat in Conto corveuto zu 2% Proz. zur Verfügung zu stellen. Es crg-bt dies weitere 67 Millionen. Alles in allem hätte der italienische Staat somit, ohne finanzielle Ausnahmemaßrcgel'z 824 Millionen zu Kriegszwecken zur Verfügung. Wo diese Millionen nachher fehlen werden, sagt der rechten Nase entfernt worden waren, nachdem sie ein halbes Jahr lang sich darin befunden hatten. � Angeblich sollte das Kind den Schnuller vor einem halben Jahre verschluckt haben. Letzteres wurde allerdings nicht direkt beobachtet, sondern es wurde aus dem spurlosen Verschwinden der betreffenden Teile geschlossen. Bald darauf traten Verstopfung der Nase und reichlicher Ausfluß von scklcimig-eitriger Absonderung aus der Nase auf. Die Untersuchung mit der Sonde ergab das Gefühl eines rauhen, harten Gegen- standes, der an einer Stelle der Hinteren Nasenpartie fest eingekeilt war. Da es nicht gelang, den Fremdkörper nach vorn zu ziehen, wurde er nach hinten in den Rachen gestoßen, woraus er von dem Jungen ausgespuckt ivurde. Wie mit einem Schlage verschwanden olle unangenehmen Symptome, an welchen das Kind gelitten hatte. Interessant ist, daß oft viele Jahre verstreiche»,- che die Fremdkörper aus der Nase entfernt werden, so lag ein Knopf vierzig Jahre in der Nase, ein Kirschkern gar sechzig Jahre! lieber die Auferstchung der Papyrnsstnudc berichtet Georg Scbmiedl- Wien in den„Dokumenten des Fortschritts": Eine der Hanptursachen des Verschwiiideiis uii'erer Wälder ist die moderne Papierindustrie. Die beniitzl die jungen Bestände, die, trotz dcS NacbforsliingszwangeS, erst in 30 bis 40 Jahren wieder erstehe». Die Gefahr deS Holz- mangels rückt in Ländern mit mangelhafte» Forstschutzgesetzen immer näher. So ivcrdcn die ungeheurciiAalduiigeii von Minnesöla, Micbigana und Wisconsin in etiva 30 Jahren ganz verschwunden sein. Arbeitet doch dort ein Kapital von 625 Millionen Dollar mittels 875000 Mann an ihrer Vernichtung. Wie nun jeder bis zur lliierlräglichkcit gesteigerte Zustand seine eigenen Totengräber und Erretter erzeugt. so sinnl die Industrie ohne Unterlaß auf Ersatzmittel. Ein solches hat sie nun in der berühmten Papyrusstande gefunden. Smedley Norton durchforschte Jahre lang das alle Wnnderland Aegypten, um die wertvolle Pflanze aufzufinden. Nachdem ihm dies gelungen war, pflanzte er sie im Nildclta mit solchem Erfolge a», daß mit der Ernte in England sehr verheißungsvolle Versuche gemacht werden konnten. Die Staude gibt jährlich drei- bis vierfache Ernte und liefert auf 1 Hektar 250 Tonnen Ertrag. Die aus Papyrus her- gestellten Bücher werden Jahrtausende ausdauern. während unser jetziges Papier schon nach zivei- bis dreihundert Jahren in Staub zerfällt. Musik. „Ein deutsche? Requiem" von Johannes Brahms Ivurde uns am Dienstag voni Berliner Volkschor vorgefiihrt. Die Einli-itung zum Texibüchleiu und andere Vorbemerkungen be- mühlen sich, den Sinn des Werkes verstehen zu machen. Wir dürfen wohl noch folgende Ergänzuiig hinzufügen. Von einem wirklichen„Requiem", d. h. der Mlsik zu dem katholischen Gottesdienst für die Verstorbenen, hat sich das Werk von Brahms so weit entfernt, daß kaum noch eine Spur der Er- innerung zurückbleibt. Mehr als ein Siiigstück oder eine Kantate mit Trauer- und Totenstimmung, ist eS nicht. Dadurch hat es nun auch die reichhaltige Verschiedenheit des Inhaltes, die dem alten freilich das Fachblatt nicht. Das werden wir früh genug merken. Einstweilen merkt man zur Genüge die verrohende Wirkung. wenn nicht des Krieges, so doch der kricgsfrcundlichen Presse. Wie von einer Heldentat berichtet das„Giornale d'Jtalia" davon, daß im Zentrum Roms auf der Piazza Volonua ein armer türkischer Händler von einer Uebcvzahl von Rohlingen durchgeprügelt wurde. Die Lorbeeren dieser Feiglinge haben auch ein paar Studcntcu von Padua nicht schlafen lassen, und sie haben sich zu der Heldentat aufgerafft, den Abgeordneten Genossen Mufatti, der gegen den Krieg Stellung genommen hatte, in einem Cafe in Venedig zu überfallen und zu schlagen. Am Ende haben freilich die Studenten am meisten Prügel gekriegt, aber was nimmt man nicht alles mit in Kauf, wenn man das erhebende Bewußtsein hat, eine Kultur- Mission zu erfüllen! Die Lage in Tripolis. Tripolis, 22. November.(Meldung der Agenzia Stefani.) Der gestrige Tag verlief im allgemeine» ruhig. Die italienische Artillerie bei Sidi Messri gab einige Schüsse auf die feindliche Artillerie und auf Kavawanen ab, die sich zwischen der Oase und Ainzara befanden. Gegen 2 Nhr begann das Kriegsschiff „Carlo Alberto", auf Aiiweisung von einem Drachenballoll, auf Amruß zu feuern. Als ein feindliches Lager südlich von Mclloc cnidcckl wurde, wurden dorthin einige Granaten gesandt. Die Folge des italienischen Feuers war, daß der Feind, der aus regulären türkischen Truppen zu bestehen schien, sich eiligst von Amruß auf Bcnsaid und von Hcnni auf Buscafa zurückzog. Der„Carlo Alberto" feuerte dann noch auf Bensaid, so daß der Feind auch diese Verschanzung verlassen und sich von dort nach Buscafa zurückziehen mußte. Auf dem ganzen Wege verfolgte ihn der Carlo Alberto mit seinem Feuer, daS erst in der Nacht aufhörte und eine große Wirkung erzielte.— Das Kriegsgericht verurteilte gestern Mohammed Fetmi Bey, einen sehr einflußreichen Fanatiker, der am 23. und 26. Oktober die Araber in Wort und Schrift zum Aufruhr gegen die Italiener aufgehetzt hatte, zu 20 Jahren Gefängnis.,— Am 20. November hatte eine Erkundungsabteilung der italienischen Kavallerie einen kleinen Zu- samnienstoß mit feindlichen Banden, die sie unter Verlusten zurück- trieb: die Italiener hauen zwei Leichtverwundete. Tripolis, 23. November.(Meldung der Agenzia Stefani.) Gestern hat sich nichts Bemerkenswertes ereignet. Der Panzerkreuzer „Carlo Alberto" feuerte vormittags auf die Signale eines Drachen- ballons hin auf BuScafa. Aber der herrschende Wind, der bis zur Nacht Sand aufwirbelte, verhinderte die Fortsetzung des FeucrnS. AuS demselben Grunde mußten die Flugzeuge darauf verzichten, zur Erkundung aufzusteigen. Nachrichten auS B e n g h a s i besagen, gestern abend sei es dort zu einem Zusammenstoß der Vorposten dcS 68. Jilfanterie-NegimentI mit einem feindlichen Trupp gc« kommen, wobei der Feind zerstreut und zurückgeworfen worden fei. Nach Informationen aus guter Quelle hatte der Gegner in dem Gc- fecht bei D e r n a am 16. November 110 Tote. Tripolis, 22. November.(Meldung der„Frankfurter Zeitung".) Nach Schätzungen von fachmännischer Seite betrugen die Ver- luste der Italiener bis jetzt in Tripolis ohne Cyrenaika und HomS 40 0 0 Mann. Die Stadt ist verhältnismäßig ruhig. doch kommen allnächtlich vereinzelte Schießereien vor. Die Cholera wület noch immer fort. Am gestrigen Tage fand man in den Straßen 95 tote Eingeborene, von denen einige verhungert, die meisten aber an der Cholera gestorben waren. Die Bestimmungen gegen die Kriegsberichter st attnng sind neuerdings wieder verschärft worden. Der englische Journalist Grant Miroen wurde ausgewiesen. Weitere Ausweisungen sollen bevorstehen. Der Still« stand in den Operationen der Türken rührt daher, daß mehrere Araberstämme der Nachbarschaft zeitweise beurlaubt sind, um ihre Felder zu bestellen. Nach reichlichem Regen schifften die Italiener am Montag eine weitere Brigade aus. Die italienische Flottenaktio«. Konstantinopel, 22. November.(Meldung der K. K. Telcgr.» Korresp.-Bureaus.) Nach aus dem Ministerium des Aeußern her« rührenden Informationen hat Italien eingewilligt, di? Flotten- Requiem zugrunde liegt, aufgegeben und bringt nur mit Mühe und Künstlichkeit in seine einzelnen Sätze eine befriedigende Abwechselung hinein. Denkt man sich in die Eindrücke eines durchschnittlichen Hörers hinein, so sind es etwa die: Gefühl einer weihevollen, ttefernsten Stimmung; Ahnung von einer großartigen Kunst der Komposition. zumal der Stimmenführung, die sich aber hinter einem Mangel an Wohlklang versteckt; leise Verwunderung über die Breiten und Gleich- sörmigkeiteil; etwas wie eine Enttäuschung an der Stelle von den Posaunen des jüngsten Gerichtes; vielleicht auch das Bedürfnis nach einer musikalischen Bildung, die erst befähige, die reichen Künste des Komponisten zu würdigen. Daß die Anfänge zu einer solchen Bildung nicht bald bequemer und sicherer zu holen sind, als durch aktive Teilnahme an der Tättg- keit des B. V.-Chores— diesen Eindruck scheint die Zuhörerschaft ebenfalls gehabt zu haben. Der Chor hatte monatelang zu leiden unter der behördlichen Entziehung seiner früheren UebungSstättc. Nun aber wurde in einer Ansprache mitgeteilt, daß noch im letzten Augenblicke der Berliner Magistrat ein Lokal zur Verfügung gestellt hat, so daß von der näcbsten Woche die Proben wieder an einer zu- reichenden Stätte abgehalten werden können(und zwar, wenn wir recht gehört haben, an den Dienstagen und Freitagen in der Aula der 5. Pflichtfortbildungsschule, Berlin, Langestr. 31). Einstweilen hat der Chor geleistet, was in schwierigen Zeiten möglich war. An Genauigkeit und Sorgfalt in der Durchführung seiiier Gesangsaufgaben fehlt's kaum, an Reinheit und Klarheit nur iveiiig; und zur Fülle, Rundung, Weichheit des ToneS müssen eben erst günstigere Verhältnisse führen. Herrn E. ZanderS Dirigenten- kunst, die besonders fürs Ruhige und Maßvolle taugt, konnte sich gerade beim Brahmsschen Werke gut bewähren. Und neben einem Altmeister des Gesanges, dem Bariton A. SistermanS, hatte das Konzert an Frl. L. H a e n i s ch eine Sopranistin, deren ge- ringere Mittel doch sympathisch wirkten, namentlich durch ihre weichen hohen„Kopfl'töne._ 82. Notizen. — Theaterchronik. Als Uraufführung für Berlin bringt das Neue Bolks-Theater(Neue freie Volksbühne) am 27. November das vieraktige Trauerspiel.Leidenschaft" von Herbert E u l e n b e r g. — Der Kammerpräsident darf nicht auf die Bühne. Nämlich der bayerische. der gesttenge Oberbakcl v. Orterer. Also befiehlt's die Mllnchener Polizei, die immer noch (trotz der LandtagSauflösung) ihre Befehle vom Zentrum erhält. In besagter Orterers MaSle war ein Schauspieler in der Komödie„Wie Minister fallen", die im Münchener Lustspielhaus gespielt wird, auf- getreten. Die Polizei kündigte ein Aufführungsverbot an für den Fall, daß dieses Attentat wiederholt würde.— Mit Recht. Denn erstens fällt der Herr v. Orterer noch lange nicht und zweitens ist er für die Komödien anstatt der bayerischen Kammer engagiert und darf daher nicht an Konkurrenzunternehmungm abgegeben Verden. aktion im Roten Meere nuf sechs Tage wahrend der Ueber- fahrt des englischen Königspaares einzustellen. Die Stimmung in Fessan. Konstantinopel, 22. November.(Meldung des Wiener K. St. Telcgr.-Korresp.-BureauS.) Der Deputierte von Fessan, Kapitän D Slams, der heute hier eingetroffen ist, hatte eine Unterredung mit dem Grohwesir und dem Kriegsminister. In einem Interview erklärte Dslamj, er habe sich zehn Tagereisen südlich von Tripolis aufgehalten und habe das Meer über die tunesische Grenze erreicht. Er sei niemals auf dem Kriegsschauplatz gewesen, sonvern habe blog ein Korps von 5000 Freiwilligen in Fessan gebildet und ausgerüstet. Die Lage der türkischen Truppen sei sehr gut, der Geist der eingeborenen Sol- baten ausgezeichnet. Die italienischen Vorposten seien niemals über MOO, daS Hauptkorps niemals über 1200 Meter von Tripolis vor- gerückt. Die Bumilrauabrunnen seien von den Türken und Arabern besetzt. Türkische Proteste. Konstantinopel, 25. November. AuS Tripolis und B e n g- h a s i sind in den letzten Tagen wenig bedeutsame amtliche Mel- dupgen eingelaufen. Besondere Verstimmung hat hier die Nachricht hervorgerufen, daß von einem italienischen Aeroplan auS das Krankenhaus von Zuara mit Bomben beworfen worden ist. Die Pforte richtete deswegen einen Protest an die Mächte und ferner protestierte sie gegen die Beschießung von Akabah. das als nicht befestigter Ort nach den Bestimmungen der Haager Konvention nicht beschossen werden dürfte. Sie Revolution In China. Die Stellung Juanschikai». Peking, 22. November. Der Spezialkorrespondent des /Herald" in Peking hatte eine Unterredung mit Juanschikai, in welcher dieser erklärte, er wünsche, daß man in Amerika seine Situation nicht mißverstehe. Er habe in Amerika viele Freunde. Er urteile nach den Zeitungsberichten, daß die Anhänger des repu- blikanifchen Regimes für China in Amerika viele Anhänger habe. Er kenne jedoch die Situation in China zu genau, um nicht dabei beharren zu müssen, daß das m o n a r ch i s ch e S y st e m für dieses Land, wenn er auch zugebe, daß die Mandschndynastie es nicht der« standen habe, das Herz des Volkes für sich zu gewinnen, die einzig mögliche sei, weil kein anderes Regime ihm nützen könne. Peking, 22. November. Die Revolutionäre verdächtigen Juanschikai und verlangen die sofortige bedingungslose Abdankung der Dynastie. Auch die Monarchisten verdächtigen Juanschikai und bereiten im geheimen einen verzweifelten Widerstand vor. Die Lage der Regierung ist ernstlich bedroht, namentlich weil sie nicht imstande ist, die Gehälter der Angestellten und Beamten zu be- zahlen, da die Staatskassen fast vollkommen leer sind. Abstimmung über die Republik. London, 23. November. Der Korrespondent des«Daily Tele- graph" telegraphiert, daß die Errichtung der chinesischen Republik immer wahrscheinlicher werde und näher heranrücke. In der Nationalversammlung wurde am Montag ein Antrag ein- gebracht, alle Feindseligkeiten einzustellen und in allen neutralen Städten eine Abstimmung über die Verfassung herbei- zuführen. Dieser Antrag rief so große Aufregung hervor, daß der Präsident schließlich die Sitzung schließen mußte. Weiter wird aus Washington gemeldet, daß die amerikanische Regierung ihre Vertreter angewiesen habe, keine chinesische Anleihe zu sanktionieren, die nicht sowohl von der monarchischen als auch von der republikanischen Partei genehmigt sei, da die Aussichten der beiden Gruppen gleich- berechtigt wären. Sollte die chinesische Republik proklamiert werden, so würde Amerika sie sofort anerkennen. Kämpfe um Hankau. Hankau, 22. November. Wie das Reutersche Bureau meldet, kam es hier wieder am 20. November zu schweren Kämpfen zwischen den Kaiserlichen und Aufständischen, die daS Ergebnis hatten, daß die Aufständischen wieder auf der Hankauer Flußseite festen Fuß faßten. Peking, 23. Noveinber.(Telegramm der deutschen Kabelges.) In den letzten Tagen haben bei H an kau Gefechte stattgefunden, die einen für die kaiserlichen Truppen günstigen Verlauf nahmen. Die Kaiserlichen haben den Hanfluß überschritten, um einen Angriff auf Hanyang vorzubereiten. Die Stromflotte ist unter Führung des Kreuzers„Hai Dung" abgefallen, der bisherige Kommandant Sah hat sich ausgeschifft. Die Lage in Nankiug. Peking, 23. November.(Meldung des Neuterschen Bureaus.) Die beiden bei Nanking sich gegenüberstehenden Armeen sind bis jetzt noch nicht miteinander handgemein geworden, da sich die Kaiserlichen wieder hinter die Stadtmauern zurückgezogen haben. In der Um- gebung von Hankau haben die Kaiserlichen einer Abteilung un- geübter Truppen, die gegen sie ausgesandt war, eine gehörige Lektion erteilt. Am Sonntag haben die kaiserlichen Batterien ein Torpedo- boot der Nevolutionäre beschossen und beschädigt. DaS Torpedoboot ist entkonnnen. Die fremdeufeindliche Bewegung. Peking, 23. November. Die Bewegung in den chinesischen Grenzprovinzen scheint tatsächlich einen fremdenfeind- lichen Charakter anzunehmen. Auch aus der Provinz Jünnan werden Europäermorde gemeldet. Die fremden Gesandten beraten deshalb über den Erlaß eine» Einfuhrverbots für Waffen an die Dynastie, um die Möglichkeit zu nehmen, die Einführung von Waffen durch die Fremden als aufreizendes Motiv bei der Be- Völkenmg zu benutzen. Frankfurt a. M., 23. November. Die.Frankfurter Zeitung" meldet aus Peking: Nach hier eingetroffenen Nach- richten dauert die Ermordung von Europäern in Schansi an. Auch 20 000 MandichuS sollen hingemordet worden sein. Die zweitägige heiße Schlacht bei Hankau brachte für keine der beiden kämpfenden Parteien einon Erfolg. 5000 Tote liegen auf dem Schlachtfelde von Hankau unheerdigt. Die Ber- treter der Mächte beraten mit Juanschikai über die zu ergreisenden Mittel und stellen dem Tvron ihre Unterstützung bei der Wieder- Herstellung der monarchischen Gewalt in Aussicht. Unter den Re- Volutionären macht sich überall Uneinigkeit bemerkbar. Shangha», 23. November.(Telegramm der deutschen Kabelges.) Bon chinesischer Seite wird noch die Ermordung deS Deutschen Henne, des Engländers MannerS und der englischen Missionarin Bekmann in Hsinanfu bestritten. Bus InduCtne und Rande!. Der auswärtige Handel der deutsche» Kolonien. „Ein großes Industrieland braucht Kolonialbesitz, aus dem cs die Rohmaterialien, für seine Industrie beziehen und wohin es seine überschüssigen Produkte absetzen kann." Das ist das wichtigste Argu- ment. das unsere Kolomalscxe zur Verteidigung ihrer Schwärmerei anführen zu können glauben. Deutschland ist seit 25 Jahren glückliche„Kolonialittacht". ES hak in diesem Zeitraum rund VA Milliarden für seine Schutzgebiete geopfert. Welrhen Vorteil bietet nun ber Besitz dieser kostbaren Landstriche der deutschen Industrie, dem deutschen. Handel? Nach den Ermittlungen des Kaiserl. Statistischen Amies belief sich der gesamte Handel der Schutzgebiete, einschließlich Kiautschou, im Jahre 1909 in der Einfuhr auf 172,9 und in der Ausfuhr auf 124,3 Mill. M. Ostafrika, ein Gebiet, doppelt so groß wie Deutsch- land, führte für ganze 13,1 Millionen aus, Südwestafrika, das den anderthalbfachen Flächeninhalt des Deutschen Reiches hat, für 22 Millionen und Kamerun für 15,7 Millionen, während der Aus- fuhrhandel Kiautschvus sich auf 54,7 Mill. M. stellte. Von diesem Gesamthanocl vollzog sich aver nur ein kleiner Teil im Verkehr mit dem Mutterlande. Insgesamt bezogen wir im Jahre 1909 aus unseren Kolonien für 29,24 Mill. M. Waren und führten dorthin für 40,85 Mill. M. aus. Im Jahre 1910 war die Einfuhr auf, 49,54, die Ausfuhr auf 48,8 Mill. M. gewachsen. Davon entfielen auf Einfuhr Ausfuhr von nach Um zu erkennen, wie verschwindend gering dieser Kolonial- .iandel im Vergleich zu unserem gesamten auswärtigen Handel ist, sei nur daran erinnert, daß wiv im Jahre 1910 für 9535 Mill. M. ausländische Waren(außer Edelmetalle) ein- und für 8080 Mill. M. ausführten, also 190mol bzw. 170mal mehr als unser Handels- verkehr mit unseren Kolonien betrug. Von Britisch-Jichien allein bekamen wir Waren im Werte von 402 Millionen und lieferten dorthin solche im Werte von 508 Mill. M. Unser Handel mit einer einzigen englischen Kolonie übertraf also den mit unseren Schutz- gebieten um rund das Zehnfache. Wenn die deutsche Industrie, der deutsche Handel auf die Rohprodukte aus und auf den Absatz noch unseren„teuren" Kolonien angewiesen wären« dann könnten die meisten unserer Kausleute und Fabrikanten ruhig die Bude zu- machen!_ Stahlwerksverband. Auf der gestrigen Versammlung der Stahlwerksbesttzer in Düffeldorf wurde die beantragte Quotenerhöhung in Röhren abgelehnt. Ueber die Geschäfts- läge wurde folgendes mitgeteilt: Der Inlandsmarkt in .Halbzeug ist recht zufriedenstellend, da der Beschäftigungs» grad der Verbraucher sich weiter gebessert hat. Die vielfach verstärkten Halbzeugmengen werden glatt abgerufen. Der Versand für das erste Quartal 1912 wurde zu den bisherigen Preisen und Bedingungen freigegeben. Im Auslande hat sich der Halbzeugmärkt bei anziehenden Preisen weiter befestigt, da be- sonders in Großbritannien die weiter verarbeitenden Werke gur beschäftigt sind. In schwerem Oberbaumatcrial haben die olden- burgischen Bahnen ihren Jahresbedarf für 1912 ausgegeben, der sich im Umfange des Vorjahres hält. Der gleichfalls eingegangene Jahresbedarf der mecklenburgischen Bahnen weist größere Mengen als im Vorjahre auf. Der Auslandsmarkt für schwere Schienen liegt nach wie vor gut und die eingehenden Anfragen sowie die ge- tätigten Abschlüsse sind recht umfangreich. Das Rillenschienen- geschäft liegt entsprechend der Jahreszeit ruhiger. Mit einigen inländischen Verwaltungen konnten wieder größere jedoch erst im Frühjahr abzuliefernde Aufträge in Rillenschienen abgeschlossen werden. Im Auslande steht eine ganze Reihe von größeren Pro- jekten in Unterhandlung. Die neulich gemeldete Beyerung in Grubenschienen haj sich aufrechterhalten und der Abruf auf die getätigten Abschlüsse erfolgte in zufriedenstellender Weise. Der Auslandsmarkt wird allerdings, wie seither, besonders durch den belgischen Wettbewerb in den Preisen beeinflußt. DaS Formeisen- geschäft wird mit der vorrückenden Jahreszeit stiller, doch ist der Jiilandsabsatz seither ein befriedigender und höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres gewesen. Das Auslandsgeschäft hat sich weiter in durchaus erfreulicher Weise entwickelt und der Spezifikations- eingang ist für die jetzige Jahreszeit noch recht befriedigend. Soziales. Schamverletzendes Benehmen eine» Handlungsgehilfen. In einer Verhandlung, die kürzlich vor der zweiten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattfand, kamen ziemlich un- glaubliche Dinge zur Sprache. Die Firma Jaegcr u. Giehlich hatte den Handlungsgehilfen MintoS zum Aufseher über die weib- lichen Arbeitskräfte bestellt. Durch ein rigoroses Auftreten und eine ganz gemeine Ausdruckswcise beleidigte er die Arbeite- rinnen fortgesetzt. Weil aber alle befürchteten, daß nach einer Beschwerde sich das Austreten Mintos' noch verschlimmern würde, ertrugen sie die Behandlung, ohne dem Chef etwas davon zu sagen. Erst als Mintos erkrankte, führten die Arbeiterinnen Beschwerde. Diese hatte nach erfolgter Prüfung die sofortige Entlassung MintoS' zur Folge. Vorher war ihm noch Gelegenheit gegeben worden, sich gegen die erhobenen Anschuldigungen zu rechtfertigen; er blieb aber der Auseinandersetzung fern und strengte nach erfolgter Ent- lassung Klage gegen die Firma beim Kaufmannsgericht auf Gehalts- zahlnng an. Die vom Gericht beschlossene Beweisaufnahme ergab. daß Kläger die Frauen und Mädchen in schamverletzender Weise bel>andelt hatte. Die unflätigsten Schimpfworte waren gang und gäbe bei ihm. Den Arbeitssaal der Mädchen verglich er mit einem Klosett, die Arbeiterinnen drohte er ins Arbeitshaus zu bringen. Auch soll er versucht haben, sich einer kaum vierzehnjährigen Ar- beiterin in unsittlicher Weise zu nähern. Wenn die Arbeite- rinnen beim Essen waren, nahm er Manipulationen vor, die ekel- erregend waren. Das Gericht hielt auf Grund der Beweisaufnahme das Ver- halten des Klägers für so verwerflich, daß die sofortige Entlassung desselben nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar dringend not- wendig war. Demgemäß wurde die Klage kostenpflichtig ab- gewiesen._ Rettungswcsen bei Grubenunfällen. Das Obcrbergamt in Dortmund hat eine bcrgpolizeiliche Ver- fügung erlassen, nach der mit dem 1. Januar 1912 aus jeder selb- ständigen Grubenanlage Atmungsapparate und tragbare elektrische Lampen, die den Aufenthalt in schädlichen Gasen auf die Tauer von mindestens einer Stunde ohne Gefährdung des Apparatträgers gestatten, sowie Sauerstoff zu Wiederbelebungsversuchen zu seder- zeitiger Benutzung bereitzuhalten ist. Die Anzahl der Apparate und Lampen hängt von der Stärke der Belegschaft ab, darf aber nicht unter vier betragen. In der Handhabung der AtmungS- apparate und der Lampen müssen auf jeder selbständigen Gruben- anlage mindestens 2 Proz. der unterirdisch bcseyäftigten Personen, jedenfalls 10, ausgebildet sein. Des weiteren ist eine neue Verordnung erlassen, die anordnet, daß die bisher noch vorhandenen hölzernen Klappen und Teckeln an den zu Tage gehenden Wcttereinziehungsschächten durch eiserne ersetzt werden, weil diese bei Grubenbränden das Einziehen der Brandgasc in den Schächten wirksam verhindern. In diesen Schächten dürfen auch die Spürlatten nicht mit entzündlichen Stoffen geschmiert werden._ Gerichts-Zeitung. Ein Kind zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt! Am 9. Oktober schreckte Feuerlärm die Bewohner eines Dorfes der Chemnitzer Umgebung; der Gasthof stand- in Flammen. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich und äscherte den Gasthof mitsamt dem Tanzsaal ein. Außerdem verbrannten etwa 350 Zentner Heu und 12 bis 15 Zentner Hafer. Der Brand- betroffene ist durch den Brand um über 19 000 M. geschädigt worden. Es stellte sich bald heraus. Laß der BronL angelegt war. Ter Brand- stifter war ein 13 Jahre alter Scliulknabr, der als 5hchjunge seit März 1911 bei dem Gasthofsbesitzer tätig war. Der Junge war geständig; er wurde in Untersuchungshaft genommen. Nun hatic er sich wegen dieser Tat und außerdem wegen zweier Diebstähle vor dem Chemnitzer Landgericht zu verantworten. Der Junge ist 1898 in einem Dorfe bei Kommotau in> Böhmen geboren und hat eine nur mangelhaste Erziehung genossen. Dann kam er zu frem- den Leuten, wo er sein, Brot verdienen mußte. In der Verhandlung wiederholte er sein Geständnis. Nach dem Grund gefragt, der ihn zu der Brandstiftung veranlaßt habe, antwortete er, daß er es aus Aerger getan habe darüber, daß ihn sein, Arbeitgeber gezüchtigt habe. Nachdem er die Schläge erhalten, sei er in die Kammer gc- gangen, habe dort einen Sack mit Lumpen in Brand gesetzt und sich entfernt. Tie beiden Diebstähle, die ihm die Anklage noch zur Last legte, hatte er ebenfalls im Gasthofe begangen und dadurch einen Händler und einen Maurer, die dort verkehrten, geschädigt. Das Gericht war der Ueberzeugung, daß der Junge die Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlungen besessen habe. Es verurteilte, ihn zu 3 Jahren und 3 Wochen Gefängnis und rechnete ihm die drei Wochen als durch die Untersuchungshaft verbüßt an. So muß nun das Kind, ein Opfer mißlicher wirtschaftlicher Verhältnisse, ins Gefängnis wandern. Selbst wenn mit Recht die ZuvechnungS- fähigkeit des Kindes angenommen sein sollte, wird man das Urteil als entsetzlich bezeichnen müssen. Kann das Kind für den Mangel seiner Erziehung und Einsichtssähigkeit? Ist seine Tat nicht viel- mehr eine fast notwendige Folge der bestehenden Gesellschafts- ordnung, die sich um das Kind erst dann kümmert, wenn es Straf- taten begangen hat? Und glaubt wirklich jemand, daß 8 Jahre Gefängnis eine„Besserung" erzielen können? Werden sie nicht vielmehr das Kind in die Arme des gewerbsmäßigen Verbrecher- tu mS werfen?. Hoteldiebstähle. Der sogenannte»König der Hoteldiebe", ein ehemaliger Schrift- setzer Robert Neumann, und sein Komplize, der ehemalige Reisende Otto Wieduwilt wurden gestern der 6. Strafkammer des Land- gerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Krrsten vorgeführt, um sich wegen ihrer an die Taten Manolescus erinnernden Verbrechen zu verantworten. Außer den beiden Angeklagten ist bekanntlich noch die Geliebte des Neumann, Etelka Wittenberg, mit dem Sou- brettennamen„Violetta", als Dritte im Bunde bei den Diebes- zügen tätig gewesen. Sie ist seinerzeit auch in Berlin verhaftet gewesen, verstand cs aber, wie unsere Leser sich entsinnen, aus der Charit-, wohin sie gebracht worden war, da sie ihrer Entbindung entgegensah, zu entwischen. Sie floh über Paris nach Monte Carlo und von dort nach Budapest, wo sie der dortigen Polizei in die Hände gefallen ist. Es handelt sich in der vorliegenden Sache um Beraubungen von Hotelgästen, die das Verbrechertrio in der ver- wegensten Art, teilweise unter Anwendung von Betäubunjjsgasen, ausgeführt hat. Von der Kriminalpolizei sind Photographien von einer ganzen Sammlung der feinsten Werkzeuge angefertigt worden, die teils bei Neumann, teils bot ider Wittenberg vorgefunden worden sind. Sie dienten zum Teil dazu, Hotelschlüssel durch fachkundige Abänderungen in sogenannte Hauptschlllssel umzu- wandeln, durch die man sämtliche Türen der betreffenden Hotels öffnen konnte. Die Beweisaufnahme zog sich bis zum späten Abench hin.— Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte StaatSanwaltsrat Dr. Gysae gegen den Angeklagten Neumaun, der in kurzer Zeit 17 600 M. erbeutet habe, 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, gegen Wieduwilt 8 Jahre Zucht- haus, 10 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Außerdem beantragte der Staatsanwalt die Einziehung der beschlagnahmten Werkzeuge, die fortan ein sehr wertvolles und lehrreiches Material für das Kriminalmuseum darstellen würden.— Das Gericht erkannte naa, kurzer Beratung gegen Neumann auf 12 Jahre Zuchthaus und gegen Wieduwilt auf 5 Jahre Zuchthaus, sowie 10 Jahre Ehrverlust uiw Stellung unter Polizeiaufsicht._ Kann das Gericht polizeiliche Verfügungen über die Unterbringung in einer Irrenanstalt aufheben? Das Reichsgericht hatte sich am Montag mit einer Streitfrage zu befassen, die für das Gemeinwohl von großem Interesse ist. Es handelt sich um Konflikte, die entstehen, wenn jemand auf Grund von Gutachten bekannter Psychiater fortgesetzt für Vergehen und Verbrechen mangels der erforderlichen. Einsicht nicht für verant- wortlich erklärt, aber auch nicht als gemeingefährlich bezeichnet wird, so daß er ungehindert weitor die Gesetze auf den Kopf stellen kann. Ter im Mai 1883 geborene Kläger ist in der Zeit vom Jahre 1901 bis 1903 dreimal wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. im Jahre 1904 wegen HauSfriedenöbrucks und während seiner Militärzeit wegen AchtungSvcrletzung bestraft worden. Im Jahre 1907 mehrten sich seine Konflikte mit dem Strafgefetzbuch wegen Drohung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Bei der Haupt- Verhandlung ergaben sich Zweifel an seiner Zurcchnungssähigkcit. und auf Grcmd eines Sachverständigengutachtens ist der Kläger für unzurechnungsfähig erklärt und freigesprochen worden. Im August 1908 kam er in Verdacht wegen Hehlerei und schweren Diebstahls und mehrerer Sittenbcrbrcchen an Knaben. Der Sachpcr- ständige gab wieder ein Gutachten ab. das bekundete, daß X. bei den Straftaten sich in einem die freie Willcn-sbcstimmung aus- schließenden Zustande der GeisteStätigkcit befunden habe. Nach weiteren Untersuchungen wurde der Klager als gefährlicher Geistes- kranker bezeichnet und dann gemäß einer noch dem Hamburger Verhältnisgcsctz ergangenen Verfügung in der Irrenanstalt Friedrichsberg untergebracht. Von da wurde er nach Langenhorn gebracht und dann in eine Anstalt bei Schleswig. Dort brach er aus, worauf er wieder nach Friedrichsberg transportiert wurde. Inzwischen hatte er gegen den Hambt,rgischen Staat Klage erhoben, die polizeiliche Verfügung angefochten und vor den ordentlichen Ge- richten verlangt, anzuerkennen, daß die polizeiliche Verfügung zu Unrecht erlassen worden ist, daß die Polizei auch nicht das Recht habe, fernerhin solche Verfügungen gegen ihn zu erlassen, und daß er SchadloShaltung beanspruchen könne. Das Landgericht Hamburg wies den Kläger ab, da er geisles- krank und gemeingefährlich sei und die Verfügung zu Reckst be- stehe. Das OberlandeSgcricht Hamburg dagegen hat auf Grund anderer Gutachten die weitere Fcsthaltung deS Klägers in der Irrenanstalt für unzulässig erklärt, da der Kläger in diesem Falle schlechter stände als ein Strafgefangener. Denn als solcher müsse er nach verbüßter Strafe auch wieder freigelassen werden, obgleich ebenso die Gefahr der Wiederholuny der Straftaten fortbestände. Die Freilassung begründet daS Oberlandesgericht mit der Erwä- ung, daß der Kläger zurzeit nicht gemeingefährlich ist. Dagegen at daS Gericht die weiteren Anträge des Klägers abgewiesen und ausgeführt, daß�die Polizei bei berechtigtem Anlaß immer das Recht haben müsse, von neuem einzuschreiten und daß deshalb der Beklagte nicht verurteilt werden könne, auch fernerhin solche Ve�> fügungen gegen den Kläger zu unterlassen. Ein Schadenersatz- ansprach besteht nicht, weil das Obcrlandesaericht nicht erklärt, daß die Verfügung unrechtmässig erlassen worden sei. Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg hatte der amburgische Staat Revision beim Reiehsgerickst eingelegt. Der läger hatte sich der Revision angeschlossen, soweit seine Anträge abgewiesen worden waren. Der Hamburgische Staat hob besonders hervor, daß nach Hamburger Gesetzen gegen Polizeiverordnungen der Verwaltungsweg zu beschreiten sei, und daß die Klage vor den ordentlichen Gerichten überhaupt unzulässig sei, weil nach den Hamburgischcn Gesetzen in Fällen vorliegender Art die Beschwerde gegen das Medizinalkollcgium und gegen die Jrrenkommission vor- gesehen sei. Das Reichsgericht hat die Revision des Hamburgischen Staates zurückgewiesen und die Revision de» Klägers als unzu- lässig verworfen, Hus aller Älelt. Sitten fhandal und Politik. Unser Pariser Korrespondent schreibt: Die schmachvolle Affäre der Kinderprosiilution, die jetzt etliche Angehörige der„respektablen" Gesellschaft als widerwärtige Ver Brechet entlarvt, greift über den Rahmen eines alltäglichen Skandals Bedeutend hinaus. Sie ist ein charakteristisches Produkt des Sumpf- Bodens der kapitalistischen Gesellschaft. Natürlich nicht in dem Sinne, datz die widernatürliche, die Heiligkeit der Kindheil schändende sexuelle Ausschweifung eine der übersättigten Bourgeoisie eigene Berirrung wäre. Vielmehr ist sie eine Frucht jedes sozialen Parasiteutums, ob sich diese« nun in den Formen des orientalischen Despotismus, des Leibeigene ausbeutenden auoisu rsAitns oder der Lohnsklaverei er- haltenen modernen Kultur verkörpert. Aber der Hirschpark der kapi- talistischen Lüstlinge ist ein groffer gewerblicher Betrieb, deren Opfer nicht von Brutaler Schranzengeivalt herbeigeschleppt, sondern aus dem Reservoir des Grotzstadtelends geliefert werden. Natürlich ist es eine freche Komödie, wenn die reaktionäre Presse diesmal, weil einer der Ertappten eine Größe der radikalen Politik ist, über soviel Niedertracht und Heuchelei entrüstet tut. Der Herr Flach on, der sich und seiner Maitresse zum Zeitvertreib kleine Mädchen nach seiner Villa an der Riviera schicken ließ, ist sicher ein ausgesprochener Schuft, aber Herr Syveton, der seine Stieftochter in ihren Kinverjahren in Bordelle geführt hat, wird noch immer von den den Klerikalen und Monarchisten wie ein Heiliger verehrt. Daß Flachon in seinem Blatt einen albernen Antiklerikalismus betrieb, deffen beliebtestes Exempel der priesterliche SittlichkeitSverbrecher war und daß er einmal einer Kommission zur Reform der Sittenpolizei angehört hat, ist nur eine be° sonders drastische Illustration der sozialen Lüge, die sich hinter der Bürgerlichen Wohlanständigkeit verbirgt, auch wenn sich diese nicht gerade aus Schleichpfaden der Erotik verliert. Wenn es also eine verächlliche Unredlichkeit und Unanständigkeit der klerikalen Presse ist, aus der politischen Stellung und Rolle Flachons politische Münze zu schlagen— und diese Gemeinheit be- geht sogar ein„respektables" Blatt wie das„Journal des DebatS" I — so ist doch nicht zu verkennen, daß die Affäre eine politische Wirkung üben könnte und vielleicht üben— sollte. Es ist sicher. daß die Strafverfolgung gegen Flachon ein fataler Zwischen- fall für B r i a n d ist, der Flachons Intimus und erst unlängst in der besagten Villa zu Gaste war. Wohl kann man Briand nicht dafür verantwortlich machen, was im Schlafzimmer Flachons und seiner Geliebten vor sich ging, aber bekanntlich kompromittiert im Reich der bourgeoisen Moral das Laster selbst weniger als der„Skandal". Der Skandal aber lodert riesengroß empor und die Briand-feindliche Preffe facht ihn mit allen Kräften an. Herr Caillaux hat wirklich ein merkwürdiges Glück. Zwei Rivalen haben das parlamentarische Terrain unter seinen Füßen unterwühlt: Clemenceau und Briand. Und just im ge- eigneten Moment ist Mslivier wieder da und Briands Gastfreund der infamsten Verbrechen angeklagt. Ist eS wirklich— nur Glück? SilenbaKnKataf trophe in CClelt-franhreid>. Ein schweres Eisenbahnunglück meldet der Telegraph aus Montreuil- Bella y. Infolge der U e b e r- schwemmungen der letzten Tage hatten sich die Stützen einer 54 Meter langen Eisenbahnbrücke über den Thouelfluh gelockert. Als am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr ein von Angers nach P o i t i e r s fahrender Personenzug der Westbahn die Brücke passierte, gab diese nach, und fast der ganze mit Passagieren stark besetzte Zug stürzte in den angeschwollenen Fluß. Vom abgestürzten Zuge sind zwei Lokomotiven mit Tender wagen, drei Personen- und ztvei Packwagen in den Fluten verschwunden. Nur ein einziger Wagen ragt aus dem Wasser hervor, auf ihn retteten sich etwa 10 Per- sonen. Die Zahl der Verunglückten steht noch nicht fest. Nach einer Meldung sollen etwa 70 Menschen umsLeben gekommen sein, während eine andere Meldung die Zahl derTodeSopfer auf 30 angibt. An der Unglücks- stelle spielten sich entsetzliche Szenen ab. Ein Teil der Reisenden, dem es gelang, durch das Fenster dem Verderben zu entrinnen, hielt sich an Bäumen und Sträuchern, die aus dem Ucberschwenimungsgebiet aufragten, fest. Die Rettung dieser Leute war sehr erschwert, da das Hochwasser alle Boote fortgeführt hatte. Bis zum Mittag waren zehn Opfer der Katastrophe geborgen. Auch einer der Retter ist bei seinem menschenfreundlichen Werke ertrunken. Ein Priester als Mörder. Am 21. d. Mls. hat in Av ellin o ein Prozeß gegen den Priester Vincenzo Diaferia begonnen, der beschuldigt ist, seine Schwägerin ermordet zu haben. Vor ungefähr vier Jahren hat der Priester die Ehe seines jüngeren Bruders mit einer Landarbeiterstochter begünstigt und zustande gebracht trotz des Widerspruchs der Eliern, die gewünscht hallen, daß ihr Sohn ein Mädchen seines Slandes heirate. Gleich nach der Ehe begann der Priester der jungen Frau nachzustellen. Er schlug ihr auch vor, mit ihm nach Amerika zu fliehen. Als die junge Frau davon nichts wissen wollte, erschoß sie der Geistliche nach einem kurzen Streit im Hause ihrer Eltern. Nach neumägigem Leiden starb das Opfer. das noch auf dem Totenbett versicherte, nie geschlechtliche Beziehungen zu ihrem Schwager� unterhalten zu haben. Die Mutter der Er- mordeten tritt als Zivilklägerin auf, wovon der Ehegatte aus Rücksicht auf seinen verbrecherischen Bruder ab- gesehen hat._ Fürstliche Bezahlung. In der Novembernummer des Kommunalblattes für Ehrenbeamte findet sich folgendes Inserat: Burcaiigehilfe zur Bearbeitung von Zuwachs- steuersachen und Erledigung von Kanzleiarbeiten für sofort gesucht. Gehalt einstweilen SO— 60 M f. monatlich. Berncastel-Cues, den 19. 10. 1911. Der Kreisausschuß. Dr. von Nasse, kö n ig l. Landrat. Da sich das Angebot im Kommunalblatt für Ehrenbeamte be- findet, wird offenbar auf einen fettleibigen BürgerSmann spekuliert, um diesem dadurch die Kosten für eine Entfettungskur zu ersparen. Das würde bei der glänzenden Bezahlung zweifellos erreicht werden. Oder sollte wirklich ein preußischer Landrat der Meinung sein, daß ein Gehalt von SO Mark pro Monat für einen Bureaugebilfen. der zudem noch Spezielkenntnisse besitzen muß, aus- kömmlich ist? Langsames Morden. Ein Genosie schreibt auS dem KatorgagekängniS zuSaratow: „Stellen Sie sich folgendes Bild vor— unweit von der Eisenbahn- stanon erheben sich einige vierstöckige Häuser, die mit einer hohen Mauer umgeben sind. Was hinter diesen Mauern geschieht, ist niemandem draußen Bekannt. Hier steht der bekannte Henker von Saratow, Hombart, an der Spitze der Administration. Das ist unser Unterdrücker, unser Chef, unser sogenannter„Vater". Ans seinen Befehl werden wir geschlagen, in den Karzer ge- schleppt, mit Füßen getreten— es gibt keine Worte, um seine wilden Handlungen zu schildern. Medizinische Hilfe wird gewöhnlich eine halbe Stunde vor dem Tode erwiesen. Jeden Monat sterben hier 30 bis 40 Personen. Bei der Arbeit werden die Politischen noch mehr gedrückt. Hier befindet sich eine Weberei, wo für den Fiskus Leinwand gewebt wird. Diese Arbeit liefert immer neue Schwindsüchtige... Am schlimmsten ist eS, daß die Gefangenen ständig hungern müssen. Hier werden für die Ge- fangenen sieben Kopeken pro Tag und Person für Kost verausgabt... Wie soll man davon leben? Wir haben keine Kraft mehr, diese Qualen zu ertragen. Würden Sie uns sehen, Sie würden vor Schreck zurückfahren— wir sehen aus wie wandelnde Mumien. Hier sitzen Katorga-Gefangene. die zu 10 Jahren ver- urteilt sind und hungern ohne Tee und Zucker, da sie gar nichts haben. Materielle Hilfe von außerhalb ist nicht vorhanden. Helft Genossen!"_ Kleine Notizen. Schutzleute als Einbrecher. In Wilhelmshaven erregt die Verhaftung der Schutzleute Klaus, Hempel und F ä n i ck e be- rechtigtes Aufsehen. Die drei Ordnungsleute haben eingestanden, an sechs schweren Diebstählen und an anderen Ver- brechen beteiligt zu sein. Alle drei sind Militäranwärter und haben in der Marine gedient. Eisenerzlager im Herzogtum Oldenburg. In einer Bohrung bei Damme im südlichen Herzogtum Oldenburg wurde ein Eilen- erzlager von 3— 3>/z Meter Mächtigkeit gefunden. Die erbohrlen Kerne sollen einen Eisengehalt bis zu 40 Proz. auf- aufweisen. Das Luftschiff„Schwaben" hat am Mittwochmorgen Berlin verlassen, um eine Fahrt nach Baden-Baden zu unter- nehmen. In Gotha hat das Luftschiff eine Zwischcnstalion ge- nommen. Dort landete es gegen 12 Uhr mittags bei strömendem Regen vor der Luftschiffholle. Ein deutscher Dampsrr gescheitert. Wie ein Telegramm auS New Jork meldet, ist der der H a m b u r g- A in e r i k a- L i n i e gehörige Dampfer„Prinz Joachim" auf Felsen der zur Ba- hamagruppe zählenden Insel S a m a n a festgerannl. Die P a s s a- giere sind durch einen anderen Dampfer nach Santiago de Euba gebracht worden. Bon Wölfen überfallen. In der Nähe der ungarischen Ortschaft fo g a r o S wurde in der Nacht zum Mittwoch der Wagen eines aufmanns Zech von Fölsen überfallen. Die Frau des Kaufmanns wurde gänzlich zerfleischt, Zech selbst schwer verletzt. Explosion auf einer Polizeistation. Wie aus N e S k ü B(Türkei) gemeldet wird, fand dort ein Arbeiter eine Kiste, die er zur Polizei Brachte. Beim Oeffnen derselben explodierten d i c darin Befindlichen Bomben und töteten vier Personen. - Gänfd Knie! Ä. Gänse-Artikel Oänsestöckcnlleisch a Pfd. 40 Pf., Gänseleberwürstcben a Stck. 10 PI., la Gänseschmalz, garantiert rein, a Pfd. 1,20 M. 177/4 Geräucherte Gännekenlen mit and ohne Knochen. It. Schlack- nnd Salamlwnrst a Pfd. l.ÄO H. usw. Hermann Leißner, Eckhaas Kaiser-Wilhclnistr. 11. Zentral-Marklhalle Stand 26. für Melallarbciler, Buchdrucker usw. ist meine eigene Erfindung und wird seit 7 Jahren nur von mir hergestellt. 1S44b" Meine Konsumenien, die organisierten Arbeiter, bitte ich, beim Einkaus daraus zu achten, daß auf jedem 10 Pfennig.Paket Händerelnlgungs-Pulver «eine volle Adresse steht:_ Oskar Wollmach Berlin 0. 27 Kleine Andreasstraße 15._ ULjfL Fälschungen bitte Ich entschieden abzuweisen."MU_ Sie sparen Geld! öbel Verkauf nur Im Fabrlksrcbliade! 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Starke Hasen gestreift. 2.60 * Kaninchen wiid 60, 70, 80 pf. Amerikanische Aepfel Kings« Pfd. 15,„Baldwlnt« Pfd. 20 Pf. Butter u. Rase Koch- o. Backbutter prund 1.30 Tischbutter....... prund 1.40 Feine Tafelbutter... prund 1.50 Neues Pflaumenmus prund 28 pt. Bratenschmalz____ prund 58 pr, Camembert-Käse... stoc* 23 pr. Limburger Käse... prund 60 pl Vollfetter Briekäse. prund 80 pt Allgäuer Rahmkäse.prund 68 pr. Echter Emmenthaler. pmnd 1.15 Schweizer Käse... pmnd 88 pt Tilsiter Käse..... pmnd 68 pl Faust- und Sp'tzkäse aste*. 25 pt. Land* und Kuhkäse- stek. 35 pc. Obst u.'Gemüse Fleischwaren Gänsebrust �Mp�. Landschinkcn«nw«13 5-üuZ Rollschinken 8"• 10 Mausschinken.3.p[uf8 Schinkenspeck V/i Zervelatwurst 10 ��nd Salamiwurst...... pmnd 1.45 Teewurst......... pmnd 1.10 1.20 Feine Leberwurst... pmnd 95pt 1.25 Landleberwurst____ pmnd 85pf. 1.15 Jagdwurst........ prund 85pt 95pf. Rotwurst..... pmnd 45, 70pf. 1.10 Sülze pmnd 60 pr. sp'ruSd 2.25 1.10 Schinken'Tp� 1.20 �Räucherwaren Sprottbücklinge____ pmnd 25 pr Stralsunder Bücklinge � 10 pr. Aale Bund 40, Goldfische st. 9 Lachsbücklinge..... stock 5 pr. Schellfische....... stock 15 pr, Kieler Flundern... pmnd 70 pr. Sardellen........ prund 85 pt Matjes heringe...? stock 25 pr. Geflügel Suppenhühner... 1.00 1», 1.65 Junge Hähne... 1.10 ms 2.00 Enten____ 1.30, 1.75 vi, 3.00 Tilsiter Mast-Enten.. pmnd 70pr. Puten........ pmd 75, 85pt Gänse..... pmnd 55, 65, 70pr. Wartebrucher Fcttgänseprd. 75pr. Pommersches Gänsepökelfleisch Pfund 65, 73 pr. Fasanenhennen 70 n»» 2.00 Fasanenhähne.. 80 pr. ou 2.25 Bananen....... prund 20 pr. Essäpfel........ s prund 75 pr. Kanada-Reinetten.« pmnd 85 pr. Brüsseler Treibhaustrauben Pfund 58 Pf. Maronen......... pmnd 12 pt Datteln....»»»»» Karton 28 Pf. Rosenkohl........ pmnd 18 pr. Blumenkohl____ K°vrl5. 20 pr. Sckwarzwurzeln— pmnd 20 pr. Rotkohl........ KoprS, 10 pr. Teltower Rübchen..prund 20» Tische Ananas... pfuna 55, 65 pr. Grüne Heringe Steinbutten Schellfische.. Rotzungen... Seelachs m(«nx. Kabeljau m gsn*. Klippfisch Muscheln. Mdl. 32 PL .... Pfund 23 Pf. . Pfund 18, 28 PL Fiachux. Pfd. 22 Pt Fischen, Pfd. 23 PL | Pfund-Paket 48 PL .. 100 StQck 35 PL Lebende Hechte06" 6 K 68 pl Lebende Hechte.... prund 80 pl Lebende Karpfen... pmnd 68 pr. Lebende SpicgelkarpfenpmSO pl Lebende Plötzen... prund 35 pl Lebende Schleie... pmnd 95 pl Lebende Forellen Tafel-Lachs, Zander u. Hummer SozimdemoMeliJaiilveretii 1. des Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosse, der invalide Hausdiener Franz Davidshäuser im Alter von 36 Jadren an der Proletarierfranlheit verstorben ist. Ehre seinem Zlndenten! Dle Beerdigung findet heute Freitag, den 21. November, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in FriedrichSselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 208/11 W«t-At«»n«> Deufschst Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaitung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege 58/10 Franz Davidshäaser verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente Freitag, den 24. November, nachmittags 4 llbr. von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in FriedrichSselde auS stall. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksverwaltung. Soziaidemokratiseiier Verein für den 5. Berl. Reieiistags-Waüreis. (Abt. 1, Bezirk 419.) Am 22. November starb unser Mitglied, der Genosse Hermarm Franke. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. November, nachmittags 3 Uhr, aus dem BarlholomäuS-Kirchhos in Meisten- see, Falfenberger Weg, statt 253.2 Der Vorstand. Am Dienstag srüh 5'/, Uhr ver- starb meine mniggeliebte Frau. unsere gute Mutter, Schwieger- und Ärostmutter im Alter von 56 Jahren. Dies zeigen liesbelrübt an HelnHcIi Eckert nebst Kindern und Enkelkindern. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 24. d. MlS., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Rixdorser Fried- hoseS, Mariendorser Weg. aus. VeeW der Bueh- und Steinörackerei-Bilfsarbeiter d. irbeiterinnen Deotseblands. Ortsverwaltung Berlin. Am 22. November starb nach kurzer Arankheit unser Kollege Karl Lende! im Alter von 54 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. November, nachmittags 3'/. Uhr, auf dem Lichtenberger Kirchhof in KauIS> dorf statt. 28/11 Die Ortsverwaltung. feröaiii der Bach- and SteindruekereHisaiMep ü. Arheiteriaiieii BeaisctilaBds. - Ortsverwaltung Berlin.- Am 22. November starb nach langem Leiden an der P, oletarier. krantheil unsere Kollegin z�xnes Felät im Alter von 21 Jahren. Ehre ihrem Andeuten! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. November, nachmittags 3'/, Uhr. aus dein «ethsemane-Kirchhos in Nordend statt. 23/10 Die Ortsverwaltung. Sozialdeffißkrat. Watilvereia Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dast unser Mitglied, Frau»arie Eckerl Kotlbuser Damm 98 verstorben ist. 237/1 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freilag, nachmittags 3 Uhr, van der Leichenhalle des Neuen Rix- dorser Gemeinde-Fri, ddosS, Ma- riendorser Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Ber Vomtand. Serband der Litbographen, Steindraelter d. verw. Beruie. (Deutscher Senefelder-Bund.) SIm 21. November verstarb »löklich unser Kollege und Mit- glied. der Steindrucker ütexaiilier Erekner am Herzschlag im Alter von 34 Jabten. 299/14 Ehrr seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 25. November, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Sleglitjer Gemeinde-FnedhvjeS In Steglitz. BergNraste, aus statt. Die Verwaltung der Pili,!»|. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres einzigen Sobnes PVltv. lagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, sowie dem Rixdorser Wahlverein. Bezirk 4G, unseren herzlichen Dank. Emil I nRermann nebst Familie. Nach langem, schwerem, in stiller Geduld getragenem Leiden verstarb am 22. November im 33. Lebensjahre meine liebe Frau und gute Mutter, Tochter, Schwester und Tante öerla Slargardl geb. Gundlach. Die« zeigen, um stille Teil- nähme bittend, an I�snl Stargardt und Kind. Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend, den 25. November, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoss in Nixdorf, Hermannstraste 129—137. Verband der Braaerei-and Miiblenarbeiler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast der Kollege, Portier Franz Bergau Patzenhofer Abt. II nach langer Krankheit verstorben ist Ehrr seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend. 25. November, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Kirchboies in der Jungsernheide am Plötzensee aus statt._ Ferner verstarb nach schwerer Krankheit unler Kollege, der Flaschenkeller-Arbeiter Johannes Riickfort Schlostbrauerel Schöneberg. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 25. November, nach- millagS 3 Uhr, von der Leichen- Halle des II. Stöbt. Gemen de- FriedhoseS, Blanke Hölle, auS statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Allen Bekannten und Ber- wandten die traurige Nachricht, dast unser jüngster Sohn und Bruder Erich am Mittwoch früh 3'/, Uhr von seinem schweren Leiden erlöst wurde. Um stille Teilnahme bitten Karl Gast U. Familie. Rixdorf. Prinz-Handjery-Str. 26. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. November, nachmittags 4 Uhr. aus dem neuen ThomaS-Kirchhos, Rixdors. Hermannstraste, statt. 733L Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, des MalerS kriviiHck Petri sage ich allen Verwandten. Freunden. Bekannten, den Kollegen sowie der Firma Bodenstein u. Co. insbesondere dem Gesangverein.Liberte* meinen herzlichen Dank. Witwe C'taristtiie Petrl 'nebst Kindern. Am Butztag verstarb nach schwerem Leiden meine liebe Tochter, Schwester und Braut Agnes Feldt im 21. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an. Wilhelm Feldt, Panl Stein. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. November, nachmittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Gethlemane- KirchhoseS, Nordend, aus statt. Danffagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unscreS geliebten Vaters, Schwagers und Onkels Wildelm Lteinkraus sagen wir allen Freunden, Ver- wandten und Bekannten iowie dem Deutschen Bauarbeiterverband, den Mitgliedern des WahloerewS des 6. KreiseS und dem Gesangverein der Puster unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sage allen Verwandten, Kollegen' und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Franz Meinke nebst Kind. Rixdorf, Roseggerstrafte 43. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden von nav und fern bei der Be-rdi�ung unseres uns leider zu früh entrissenen lieben SohneS.BruderSund Schwagers RivKskI Becker sagen wir dem Gelangverein.Fichte- Georginia-, dem Wahlverein l V, 213 II sowie allen liebe» Freunden und Garaicrit herzlichen Dank. 170bb Familie Heiur. Becker. Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄÄ 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Offeriere in nur frischer, schöner Bare Knr ein PpcIb! " Gänse 0,61 8-16 Pfund schwer. 177/6« Nur allererste Qualität Cäusrriiinpfk, halbe Käiise. Fette Suppenhühner, jg. Brathühner. Wegner, SO. Marlannenstr. 34. UMllUMe! empfehle rosten nebtauaun — �----».-.-»vu.et Watzt'a«tot. an.» U stier. log VlonalSaarderove. gür ted« stwar(auch fBtken ftSrtsten Herrn)»abend avl Lager. 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Der fünfte Wahlkreis hielt am DlcnSlag eine Mitgliederversammlung ab. die sich mit der ReichstagSmahl beschäftigte. Robert Schmidt zeichnete in keinem Vortrage, den die gut besuchte Versammlung mit regem Interesse und Beifall entgegennahm, die wesentlichsten Um-risse der gegenwärtigen Situation. Er zeigte, welche Stellung die Parteien zu den augenblicklich auf der Tagesordnung stehenden politischen Fragen einnehmen, und dab wir uns in einer ähnlichen Situation befinden, wie vor den Wahlen im Jahre l907. Wie damals, so stehen auch heut die Slolonialabenteuer mit ihren Kriegsgefahren im Vor- dergrund der Erörterungen. Alle bürgerlichen Parteien betonen, daß ei für sie gilt, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Nun, wir nehmen ihnen das nicht übel. Gilt doch auch für uns die Parole: Kampf gegen die bürgerlichen Parteien. Es gilt, dre Regierung�- Mehrheit zu stürzen durch Eroberung einer so großen Anzahl von sozialdemokratischen Mandaten, daß wir im Reichstage das Zünglein an der Wage bilden» dah ohne unS ein« Mehrheit nicht zustande kommen kann und wir einen größeren Einfluß auf die Politik des Reiches gewinnen, als wir jetzt haben. Wie sich die bürgerlichen Parteien im Wahlkampf zu uns stellen, das läßt uns kühl. Wir werden auS eigener Kraft schon im ersten Wahlgang« eine für uns günstige Entscheidung herbeizuführen suchen.— Der Redner be- sprach die Kriegshetze, die furchtbaren Folgen, die ein Krieg unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit sich bringt, und die ungeheuren Kosten, die dem Volke für die unausgesetzten Rüstungen aufgebürdet worden sind und nach in Aussicht stehen. Das ist bei den Wahlen von großem Interesse, daß diese unerträglichen Lasten in der �auvt- fache den ärmeren Volksschichten auferlegt werden, während die Be- sitzenden sich vor jedem Opfer zu drücken wissen. Wenn wir das alles den Wählern klar machen, wenn wir ihnen zeigen» wie uns die ReichStagSmehrtzpit auch durch die ReichSversickierungSordnung wertvolle Rechte genommen hat, dann werden die Wahlen so auS-- fallen, daß man. nicht, wie tSOT, sagen kann, wir seien die Nieder- gerittenen, sondern daß es heißt: die. Sozialdemokratie ist siegreich vorwärts geschritten. Nach dem Vortrage setzte die Versammlung auf Vorschlag des Vorstande» ein Wahlkomit« ein, bestehend auS den Genossen Friedländer. Timm, Hunschede, Hahnisch und Weise. Demokratie gegen Demagogie. Dieses Thema hatte der sechste Berliner Reichstagswahlkreis für zwei öffentliche Volksversammlungen gewählt, die am Dienstag abend stattfanden. Im„Stadttheater M o a b i t", wo LondtagSabgeordneter S t r ö b e l referierte, war der Saal vor 8 Uhr schon überfüllt, Hunderte von Zuhörern drängten aber noch nach, so daß, als die Versammlung crösfnet wurde, der bekannte Apfel nicht mehr hätte zur Erde fallen können. Viele mußten festgekeilt stehen; besonders stark vertreten waren Frauen. Wir wissen alle, so führte der Redner ungefähr auS, daß diesmal der Reichstagswahlkampf ein sehr schwerer sein wird, und daß von dem Ausgang diese» Kampfes sehr viel abhängt. Wir wissen allerdings auch, daß der glänzende Ausgang einer Reichstagswahl keine..Weltwende" bedeutet, wohl aber die Möglichkeit bietet, ein gute» Stück vorwärts zu kommen. Unsere Stellung ist kein« leichte, da wir den Kampf gegen sämtliche bürgerliche Parteien, gegen die ganze kapitalistische Gesellschaft zu führen haben. Sie ist fernerhin sä schwer, weil die Schar der Indifferenten, die ihrer ganzen Klaflenlage nach zu uns gehört, noch außerhalb der Schlachtlinie steht. Unser Appell mutz sich an alle Wähler richten, die unter der Folgeerscheinung der heutigen Wirtschaftsweise leiden, er muß die abseits stehenden Proletarier aufrütteln, sie an die Pflicht erinnern, sich politisch und gewerkschaftlich zu organisieren. Aber auch aus daS Land hinaus soll unsere Aufklärung dringen. Jeder, der draußen Verwandte und Bekannte hat, kann hierbei Gute» wirken. Jeder gc- eignete Zeitungsartikel, jedes Flugblatt, jede Broschüre usw. muß mit einem entsprechenden Begleitschreiben hinausgesandt werden. Es ist die» um so dringender erforderlich, al» gerade wieder die letzte Zeit gezeigt hat. wie alle unsere Gegner sich zusammen- schließen, wenn, eS gilt, die Interessen des Kapitalismus zu ver- treten, di« Kriegshetze zu betreiben und die Arbeiter auf ein Schlachtfeld zu fuhren. Hat doch selbst Bernstein in diesen Tagen tm„Berliner Tageblatt" einen Artikel erscheinen lassen, in dem er Protest gegen das Verhalten dieser Zeitung gegenüber den letzten weltpolitischen Ereignissen erhebt. Und doch tit da»„B. T." noch da» einzige Blatt, da» den Standpunkt de» Liberalismus wenig- stens nach außen hin am schärfsten vertritt, das aber in den Tagen der Kriegshetze völlig versagte. Als die Junker ihre Kriegsfanfaren schmetterten und die Nationallibcralen und das Zentrum begeistert mit einstimmten, da waren e» mcht die freisinnigen Blätter, die Protest erhoben gegen diese» wahnwitzige Treiben. Nein, sie ver- hielten sich still oder zeterten über da» Ausland. Sin offenes» ehr- liche» entschiedenes Wort fanden sie nicht. Das Bürgertum ver- tritt keine Volksinteressen, ist nicht für Frieden und Wohlfahrt, nein, diese liberalen Bürgerlichen und ihre Presse vertreten Cliquen- und Klasseninteresscn. Von ihnen trennt uns eine unüberbrückbare Kluft, darüber kann uns nichts hinwegtäuschen. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen. Durch die Welt geht die Kriegsgefahr. Die Kolomalpolitit verschlingt Unsummen und bringt dem Arbeiter keinerlei Vorteil. Aber nicht nur auS ÄriegSlüsternheit,«in, auch um da» Volk von seinen Interessen abzulenken, um die Arbeiterbewegung zu zerstören, um die Sozial- Politik auf Jahre hinaus aufguhalten. will man die Kriegssackel entzünden. Wenn aber da» Volk bei dieser Wahl überall im Lande sein« Schuldigkeit tut, wenn die Proletarier sich fest zusammen- schließen, damu werden sie einen Feld bilden, an dem der Ansturm der Gegner kläglich zerschellen muß. sTosender Beifall.) In der Diskussion nahm die Genossin Reichert daS Wort und forderte in eindringlichen Worten die anwesenden Frauen auf, sich zu organisieren, soweit die» noch nicht geschehen ist, sich an den Leseabenden und an der Wahlarbeit zu beteiligen und ihre Kinder im Geiste der sozialistischen Weltanschauung zu erziehen, ein Appell, der mit begeisterter Zustimmung aufgenommen wurde. Nach einem kurzen Schlußwort de» Vorsitzendev und einem Hoch aus die Sozialdemokratie war die imposant« Versammlung beendet. In den„P h a r u» s ä l e n hielt Eduard Bernstein seinen Vortrag vor einer Zuhörer- schast von etwa LOOO Personen. Der große Saal, die Galerie und die Bühne waren dicht beseht; einmal mußte ein Samariter Hilfe leisten, weil in dem Gedränge und der schwülen Atmosphäre jemand unwohl geworden war, wodurch der Vortrag eine kurze Unterbrechung erlitt. Mit größer Ruh« und Aufmerksamkeit folgte die Versammlung der and«rthalbstündig«n Rede, in der Bern- stein die Demagogie der herrschenden Klaffe in bezng auf die Vor- gäng« der jüngsten Zeit bloßlegt«. Auf keinem Gebiete sei«in Volk leichter zu täuschen, al» auf dem der nationalen Fragen; die eine Nation verstehe und kenn« die andere nicht, und leicht seien die nationalen Leidenschaften aufgewühlt. Wir sahen die Demagogen eifrig am Wem. da» Kriegsfeuer zu schüren, aber e» gelang ihnen nicht, da» Volk irre zu führen, denn die Sozialdemokratie war un- ausgesetzt am Aufklarungswerk tätig. Die Demagogie müßte heute mit der Demorratie, mit der Sozialdemokratie rechnen. Der Redner besprach dann hauptsächlich die MarokkokrisiS und forderte zum Schluß die Versammelt«» zur Unterstützung der das Volkswohl fördernd«» Bestrebungen der Sozialdemokrarie auf. �Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende ersuchte die anwesenden Gegner, zur Diskussion das Wort zu nehmen, aber niemand meldete sich. Ein Genosse rich- tete dann die dringende Mahnung an die Versammelten, die Or» gamsation im sechsten Kreise zu stärken und dem Wahlverein bei- zutreten; besonders bat er noch um die Mitarbeit der Frauen. In gleicher Weis« ermahnte der Vorsitzende in seinem Schlußwort, die Zeit bis zur ReichStagswahl mit rühriger Agitation auszufüllen. Die Hochrufe aus unsere Partei, womit die Versammlung schloß, wurden mit Begeisterung aufgenommen. Partei- �lngelegenkeiten. Zur Lokalliste! Im fünften Kreise steht uns da? Lokal„Zentral-Festsäle", Anguststr. 24/26 sJnh. H. Gnaß), zu allen Veranstaltungen zur Ver- sügung.— In Drewitz bei Potsdam ist das Lokal von Roßbach, Potsdamer Str. IS, von der Lokalliste zu streichen. Dafür ist das Restaurant„Zur freien Aussicht" von W i l h. S ch u l z, am Bahnhof Drewitz, sür die Partei und Gewerkschaften frei.— Ferner weisen wir darauf hin. daß in T e m p e l h o s der Besitzer des Lokals„Tempelhofer Tivoli" jetzt Theatervorstellungen ver- anstaltet. Es wird darauf hingewiesen, daß das Lokal der organi- sierten Arbeiterschaft nach wie vor verweigert wird, mithin alle Ver- anstaltungen dort zu meide» sind. _ Die Lokalkommission. Fünfter Kreis. 2. Abteilung. Zwecks Verrichtung wichtiger Parteiarbeit werden die Genossen gebeten, am Sonntag, den 20. November, früh 8 Uhr, sich in den Zahlabendlokalen einzufinden. Der Abtellungsführer. Sechst« Wahlkreis. Zu der am Sonntag, den 20. November, vormittags 10 Uhr, stattfindenden Urania-Vorstellung sind noch Billetts zu haben im Bureau des Wahlvereiiis, Neue Hochstr. 23, sowie am Sonntag vor der Vorstellung in der Urania. Zur Auf- führung gelangt: Von Meran zum Ortler. Der Vorstand. Charlottenburg. Heute 8'/, Uhr im großen Saale des Volks- Hauses, Rosinenstr. 3: Oefientliche Wählerversammlung. Vortrag des Genossen Fritz Zubeil. Genossen, agitiert für einen Massen- besuch I Rixdorf. Freitag, den 24. November, bleibt die Bibliothek ge- schlössen. Die Bibliothekkommisfion. Rcinickrndorf-West. Sonntag früh 8 Uhr, Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. Die Bezirksleitung. Wilhelmsruh. Am Totensonntag, den 20. d. Mts., abends 7 Uhr, veranstaltet der Bildiingsansschuß im Lokale von Milbrot, Krön- prinzenstraße, einen Lichtbildervortrag verbunden mit Familien- kränzchen. Vortrag des Herrn Graf über: Ein Gang durch die Zeit- alter der Erdgeschichte. Eintritt 30 Pf. ohne Nachzahlung. Billetts sind in allen Parteilokalen zu haben. Bernau. Sonnabend, den 25. d. MtS., abends S'/g Uhr: Mitgliederversammlung beim Genossen Salzmann. Tagesordnung: 1. Die kommenden Reichstagswahlen. Referent: G. Bühl er. 2. Parteiangrlegenheiten. Sonntag, den LS. d. Mt«., nachmittag« 8 Uhr: Oeffentliche Ver- sammlung in Schönow im Saale des Herrn Schulze. Tagesordnung: Die ReichStagSwahlen und die politischen Parteien. Ref.: ReichSiogSabgeordneter' Artur Stadthagen. Schcnkendorf. Sonnabend, den 25. November, abends 8 Uhr, findet bei Otto Paetsch unsere Mitgliederversammlung mit äußerst wichtiger Tagesordnung statt. LerUner I>lacdricl)ten. Schule und Hau«. Da« Verhältnis zwischen Schule und Hau« ist in vielen Fällen leider nicht so, wie es wünschenswert wäre. Die Gründe sind ver- schieden« Art. Viel Schuld�an dem unerfrenlichen'Verhältnis tragen die Lehrer, die sich besonders als Prügelpädagogen auszeichnen. Es ist gar kein Geheimnis, daß gerade diese prügelnden Lehrer nicht die besten sind und daß ihre eigenen Leistungen sich kaum über den Durchschnitt erheben. Dazu kommt, daß Beschwerden von Eltern über Lehrer bei den vorgesetzten Behörden nicht die Erledigung finden, die verlangt werden muß. Diese Stimmung kommt jetzt öffentlich zum Ausdruck anläßlich der Erörterung des Protestes von Eltern gegen den Direktor Schjerning vom Kaiser- Wilhelm Realgymnasium. Der Herr Schjerning hat dieser Tage Veranlaffung genommen, in einer Ansprache an Schüler des Gymnasiums die Veröffentlichung der Beschwerde in der Prcffe als ungehörig zu bc- zeichnen und damit die protestierenden Eltern vor den Schülern, also vor den eigenen Kindern, zu tadeln. Das gibt der„Täglichen Rundschau' Veranlassung, sich über das Verhältnis der Schule und der Schulbehörden zu den Eltern wie folgt zu äußern: „Wenn übrigens Herr Direktor Schjerning den Eltern den Vorwurf macht, daß sie sich mit ihrer Beschwerde an die Presie statt an die vorgesetzte Behörde gewandt haben, so mutz zugegeben werden, daß dieser Weg nicht der ordnungsgemäße ist und unter normalen Verhältnissen al« nicht statthast bezeichnet werden mußte. Nun herrscht aber unter den Elternkretsen nicht nur des Kaiser-Wilhelm-Realgyinnasiums, sondern(janz a.l l g e m e i n die Meinung, daß eine Beschwerde beim Provinzial« schulkollcgium in den meisten Fällen nutzlos ist, und nur zu Unannehmlichkeiten führt, da dort auf die Aussagen der Eltern wenig Wert gelegt zu werden scheint. Nach unseren eigenen Erfahrungen und Kenntnissen ist dieses Mißtrauen völlig b«echtigt. Wir kennen«inen Fall, in dem da? angebotene eidliche Zeugnis einer Dame über die ihr als Mutter eines Schülers widerfahrene ungebührliche Be- Handlung einfach höhnisch beiseite geschoben und der Borfall durch die Aussage des Direktors als erledigt erklärt wurde. Nicht einmal ein« Untersuchung durch Zeugenvernehmung oder Anhören des Beschwerdeführers in einer Aussprache wurde der Vorfall, der einen politischen Beigeschmack hatte, für wert erachtet. Wer eine solche Beschwerde einmal durchgeführt und dabei die überhebende, unfreundliche und un- sächliwe Art des Provinzialschulkollegilims kennen gelernt hat. hat keine Lust nach einer Wiederholung und wird sich je nach Lage des Fall? an die Presse oder die ordent- lichen Gerichte wenden. Wenn die Beschwerden der Eltern der Schüler des Kaiser-Wilhelm-RealgymnasiumS berechtigt sind, so werden sie mit ihrem öffentlichen Proteste eher eine Abhilfe der Uebelstände erreichen, als es ihnen je mit einer Beschwerde an da» Provinzialschulkollegium gelungen wäre." Di« Darlegungen der„Täglichen Mundschau" sind recht be- merkenswert. Bezeichnend ist ab«, daß die bürgerliche Presse viel' fach versagt, wenn es sich um Schüler d« Gemeindeschule handelt die ganz ander» behandelt werden, al» die Schüler der höheren Schulen. Da bleibt eS fast ausschließlich dem„Vorwärts" über lassen, sich gegen die Nebergriffe von Lehrpersonen gegen Gemeinde� schul« öffentlich zu wenden. Immerhin aber ist die von der„Täglichen Rundschau" an den Provinzialschulbehörden geübte Kritik recht bezeichnend dafür, wie diese Schulbehörden ihr Amt auffassen und ausüben. Ein gutes Verhältnis zwischen Schule und Hau» kann durch ein derartiges Verhalten der Schulbehörden nicht herbeigeführt werden. Der Bußtag war einfach„bildschön". So grau und regenschwer lebt er im Geiste der Mucker und Konsorten. Wer Buße tun wollte, dem fehlte nur noch Sack und Asche. Der trostlose Himmel tat sein übriges und zeigte, wie es so nett heißt, daß er über die„sündige" Menschheit trauerte. Aber die Berliner Welt ist ein eigenes Gewächs. Man achtet hier nicht der Kirchenglocken und Bußprediger, weiß nur zu gut, daß die Kirche im Sterben liegt. Polizeikastetungen. die alles Laute, Lustige in Fesseln schlagen möchten, können die Stimmung äußerlich beeinträchtigen. Den inneren modernen Menschen werden sie von der Kirche nur noch mehr abwendig machen. Wem es darum zu tun ist, in sich zu gehen und sich vorzuhalten, daß wir allzumal Sünder sind, der braucht dazu nicht Pfasfengeiväsch. Der wandert durch den buntgetupften Herbstwald, rüttelt sein Innerstes auf im Anblick der zu jeder Jahreszeit all- gewaltigen, ungebundenen Natur, gelobt sich von neuem, zu jeder Zeit seine Schuldigkeit zu tun. Aus der ewig schönen Waldsinfonie wurde nun freilich am diesjährigen Bußtage nicht viel. Ueber die Kirchhofsgrenzen der Vororte, die schon stark die Signatur deS Totensonntags trotz des greulichen Schwindsuchtswetters zur Schau trugen, kam man nicht hinaus. Der Rest spielte sich ab in der Familie, die tm Not- standszeichen der Zeit mit Bangen erörterte, wie wohl auch das nahe Weihnachtsfest kaum etwas anderes werden wird als ein Büßen der Getretenen, Verachteten für die Sünden jener Welt, die auch am Bußtage in eitel Wollust lebt. Die Elcktromobil-Straßcnwaschmaschinen haben sich seit ihrer Einführung in dem Betriebe der städtischen Straßenreinigung in Berlin außerordentlich beivährt. Die erste, mit elektrisch« Kraft gefahrene Straßenwaschmaschine wurde von der Berliner Maschinen- fabrik Hentschel u. Co. nach den Anregungen des Magistratsbaurats Szalle im Jahre 1907 erbaut. Seitdem find 18 solcher Maschinen eingestellt und weitere sechs in Bestellung gegeben worden. Die neue Maschine hat gegen die alte, mit Pferden bespannte, zunächst den Vorteil, daß sie infolge ihrer gedrungenen Form ohne merkliche Hinderung selbst in den belebtesten Straßen der tnnenstadt während der Tageszeit arbeiten kann, während die ätigkeit der alten Maschine wegen ihrer Länge und der damit ver- bundenen Schiverfälligkeit beim Wenden während des Tages nur auf die Nebenstraßen beschränkt blieb. Die Tagesleistung(3 Stunden) der Elcktromobilstraßenlvaschmaschine beträgt 40 400 Ouadratmeter Straßenfläche, die der alten, pferdebespannten Maschine nur 80 800 Ouadratmeter. Dabei sind die Betriebskosten bei der neuen Maschine trotz der erhöhten Arbeitsleistung erheblich geringer, so daß durch >de Straßenwaschmaschine, welche elektromobil eingerichtet wurde. ür das Arbeitsj'hr(300 Tage) eine Minderausgabe von 1080 M. erreicht worden m. Die Verpflichtung der Berliner Grundbesitzer, bei WiuterglStte zu streuen und Eis und Schnee vom Bürgersteige zu beseitigen, ist endgültig gest«n vom Kommergericht ausgesprochen worden. In Frage kommen die ZA 98 und 127 der Berliner Straßenpolizei- verordnung. Danach haben die Grundstückbesitz« von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends die Bllrgersteige vor ihren Grundstücken von Schnee und Eis zu befreien und bei eintretend« Winterglätte sollen sie ferner die Bürgersteige in der Zeit von 7 Uhr früh bis 10 Uhr abends mit Asche, Sand od« anderem abstumpfenden Material bestreuen, in der Weise. daß jede gefahrbringende Glätte vollständig vermieden wird. Die Gültigkeit derartiger Vorschriften hängt nach der Judikatur der der höchsten Gerichte davon ab, ob die näher geregelte Ver- pflichtung bereit« vorher auf Grund eines Ortsstatuts, besondere!» Gesetzes od« ein« Observanz(Gewohnheitsrecht) an sich zu- miauusten der Grundbesitzer besteht.— Dieser Frage hatten dah« die Gerichte näh« zu treten, als der Grundbesitzer Görig in der Cadinerstraße bewußt die zitierten Vorschriften übertrat, um eine prinzipielle Entscheidung für Berlin h«bei- zuführen. Zweimal bereits hat daS Kammergericht sich mit der Sache beschäftigt. Es wie« sie jedesinal an das Land- gericht zurück. Nun sprach daS Landgericht Herrn Görig nach ver- nehmung von 25 Zeugen frei, indem eS das hier nur in Frage kommende Vorliegen einer Observanz verneinte und somit die an« gezogenen Bestimmungen der Berliner Straßenpolizeiverordnung sür ungültig erachtete. Das Kammergericht, bei dem die Staatsanwaltschaft Revision einlegte, holte noch die Akten des Magistrats ein und entschied Sestern dahin, daß die Vorentscheidung aufzuheben und >. gleich zu der zulässig niedrigsten Strafe zu verurteilen sei, die als angemessen erscheint. weil eS sich nur um einen Prinzipienstreit handele. Der Senat führte auS: Die Zeugenaussagen widersprachen sich. AuS ihnen lasse sich weder nach der einen noch nach der andern Seite ein Schluß ziehen. Dagegen sei aus den Akten des Magistrats als ganz zweifellos zu ersehen, daß die Grundbesitzer seit Anfang deS vorigen Jahrhunderts Eis und Schnee von den Bürgersteigen beseitigt hätten. Bedeutungsvoll seien in der Beziehung auch die Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung. Eine Voraus- setzung einer Observanz sei nur die. daß die gewohnheitsmäßige Uebung in der Ueberzeugung einer rechtlichen Verpflichtung dazu erfolge. Habe aber die Uebung seit 100 Jahren bestanden, dam» wäre, unter Berücksichtigung der Verhandlungen in der Stadt- verordnetenversammlung. auch anzunehmen, daß die Grund- besitzer in der Ueberzeugung einer rechtlichen Ver- pslichtung handelten. Die Observanz sei dargetan und die Straßcnpolizeivorschriften rechtsgültig. Aus d« städtischen JrrendepntatI»«. In der Sitzung der De« putation für die städtische Jrrenpflege am 21. Ro- vember gelangten endlich die Anträge des Pflege- und Dienstpersonais auf Abänderung der für das Personal geltenden Bestimmungen zur Beratung. Nur zum geringeren Teil fanden sie Annahme. Abgelehnt wurden bei dem Kapitel Anstellung und Eni« lassung die Plinkte c und d zu streichen, so daß sofortige Entlassung eintritt,„wenn wesentlich falsche Angaben über das Vorleben nach- gewiesen werden, insbesondere wegen Vergehen und Verbrechen" und„wenn daS Personal auö einer anderen Stellung der Stadtgemeinde wegen ordnungswidrigen Verhaltens ein- lassen worden ist"; angenommen wurde die Streichung des Worte»„mindestens" vor der Kündigungsfrist von vi« Wochen nach Beginn einer Krankheit; abgelehnt ein Zusatz: „Soweit in Krankheitsfällen die formelle Entlassung ausgesprochen wird, steht der Wiedereinstellung nach erlangter Arbeitsfähigkeit nichts im Wege"; angenommen die Entschädigung für gewährte Emolumente bei Erholungsurlaub sowie die Aushändigung der ae- druckten Bestimmungen an jeden Beschäftigten. Bezüglich der bereits vor länger als einem Jahre von der Deputation belchlossenen Kür- zuna der Dienstzeit für die Wählbarkeit zum Ausschuß von drei auf zwei Jahre wurde beschlossen, nochmals beim Magistrat anzufragen, ob derselbe noch nicht seine Zustimmung zu dem Beschluß gebe. Abgelehnt wurde es, zu streichen, daß Wünsche von all- gemeinem Interesse usw. an den Ausschuß zu richten sind, sowie daß die Anstaltsdirktoren die Sitzungen de? ArbeiterauSschusseS persönlich leiten. Angenommen wurden bezüglich Ausgangs und Urlaubs die Wünsche um Verlängerung bis 1 Uhr nachts, auch bezüglich der Ver- beirateten sowie der Nachtdiensttuenden sollen diese Wünsche tunlichst Berücksichtigung finden, wie eS jetzt schon in der Anstalt Herzberge der Fall ist. Bezüglich des KllchenperfonalS soll zunächst durch Um- frage festgestellt werden, ob d« Wunsch, jeden achten Sonntag voll- ständig freizugeben, durchführbar ist. klbgelehnt dagegen wurden die Anträge zu Kap. IX Annahmcverhandtung: statt„Verstob"„strafbaren Verstoß" zu setzen usw., sowie die Anregung, dah nach einer bestimmten längeren Beschäftigung s3— S Monaten) noch festgestellte frühere Verstöbe gegen die Bestimmung der Annahmeverhandlung nicht zur sofortigen Entlassung führen sollten. Der Großhandel und§ 139 e der Gewerbeordnung. Herr Wenzel gehörte zu den Grobschlächtern, die auf dem für den Grob- Handel bestimmten Platz in der Zcntralmarkthalle kein Unterkommen fanden und sich deshalb in der Nähe Ladenräumlichkeilen mieteten. In der Annahme, daß die Bestimmungen der Gewerbeordnung über die offenen Verkaufsstellen s§ 139e) auch auf Läden Anwendung fänden, worin Grobbandel betrieben wird, erhob die Staats- anwaltschaft gegen W. Anklage, weil er seinen Laden schon vor ö Uhr früh für den geschäftlichen Verkehr geöffnet habe. A. ist jedoch jetzt in letzter Instanz vom Kammergericht frei- gesprochen worden. Das Kammergericht stellte sich prinzipiell auf den Standpunkt, daß die Bestimmungen über den sogenannten. Ladcnschlub nicht auf solche offene Verkaufsstellen Anwendung fänden, welche nur dem Grobhandel dienten. Der Gesangverein„Neu Erwacht" gab am Buhtage im Musik- saal der Brauerei Friedrichshain ein großes Vokal- und Instrumental- konzert. dessen erster Teil vornehmlich aus Bruchstücken von Wagner- schen Musikdramen bestritten wurde. Hier sang Gustav Franz Wotans Abschied lWalküre) mit dem Berliner Sinfonie- Orchester und Frau Betsy Schot die Arie„Dich teure Halle" (Tannhäuser); während der Verein zwei neue Chöre von G. Meyer und M. Neumann mit Präzision vortrug. Zwei Streichquartette von A. Becker, die als Illustration zu Gerhart Hauptmanns Ver- sunkener Glocke gedacht sind, gebrach es nicht an musikalischem Reiz, jedoch an charakteristischer Motivierung. Mit einer gewissen Span- n»ng wurde hingegen das Oratorium Andreas Hofer von Rudolf Werner erwartet. Der Dichterkomponist hat den Text nach JmmermannS Drama„DaS Trauerspiel in Tirol" nicht uneben ge- staltet. Der Stoff gliedert sich in drei Teile(Die Schlacht am Berge sel, HoferS Gefangennahme und Tod in Mautua). Der musikalische ufbau vollzieht sich in dramatischer Steigerung. Die Rolle HoferS ist im Stil des Wagnerschen Sprechgesanges gehalten. Die Orchestermusik malt den Untergruiid des Dramas. Mit großem Geschick ist der die Schlacht kennzeichnende Satz sowie der Volks- auflauf in den Straßen Mantuas mit der nachfolgenden Füsilierung Hofers behandelt, wobei es allerdings ohne Anlehnungen an Motive Wagners. Chopin? und BerlioV nicht abgeht. Die Partie des Sandwirts wurde von Gustav Franz gesungen. Seinem Bariton gebricht eS an jener voluminösen dunklen Färbung, die sowohl für Wotan als für Hofer unerläßlich ist. Gleichwohl verfügt er über reiche Intelligenz beim Vortrage. Betiy Schot, die die Elisabeth- Arie etwas schneidend mit forcierter Stimme genommen hatte, trat hier als Sennerbub Ander! und als Sohn Hofers äuberst glücklich auf. Imposant löste der konzertgebende Gesangverein seine zum Teil sehr schwierigen Parts. Zu loben ist der wuchtige Baß. Dem ersten Tenor ist hier und da mehr Zurückhaltung zu empfehlen. Unter der straffen Führung von Heinz B l e i l gelangte das Oratorium zu der ihm innewohnenden mächtigen Totalwirkung. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Dienstagabend gegen 7 Uhr in der Wernsdorfer Schleuse. Dort war der Steuermann Ernst Bob des Dampfers„Vollmüller" damit beschäftigt, den Dampfer mit einem Drahtseil neben der Schleusenmauer festzulegen. Das Schiff trieb jedoch ab und der Steuermann geriet in der Dunkelheit mit einem Bein in eine Schlinge des Drahlieils, die dem Unglück- lichen das Fleisch bis zum Knochen wegrib. In schwerverletztem Zustande wurde der Schiffer nach dem nächsten Krankenhaus gebracht, wo eine Amputation des Gliedes vollzogen wurde. Flucht eines Bankiers. Der am Kurfürstendamm 191 wohnhafte Bankier Siegel ist vor einigen Tagen flüchtig geworden, nachdem er als Direklor der„Allgemeinen Deutschen Kommissionsbank" und Geschäftsführer der„Synagogen-Bougesellichaft Wilmersdorf" be- deutende Unterschlagungen verübt hat. In der Bank wurde fest- gestellt, daß Siegel anscheinend 129 999 M. veruntreu! hat, während die Synagogen-Baugesellschaft 59999 M. in ihrer Kasse vermißt. Die Höhe der Unterschlagungen steht aber noch nicht fest. Es handelt sich zum Teil um Baugelder, zum Teil um Depots. Die Bank will, wie verlautet, im Gegensatz zu der genannten Bau- aesellschaft Strafanzeige erstatten. An der Börse hat der Flüchtige «ine Rolle gespielt. Wegen nnzShliger KautionSfchwindeleien bat die hiesige Kriminal- «olizei den 25 Jahre alten„Buchhändler" W. Hönig in der Bach- raße festgenommen. Hönig betrieb den Schwindel seit Juni d. I. von Dresden aus. Von dort aus zeigte er besonders in Provinz- zeitungen an, daß er Offertenschreiber für„die Kunst-, Buch- und Antiquitätenhandlung W. Hönig, Dresden-A., Postschließfach 19" suche. Den zahllosen Leuten, die sich darauf meldeten. schrieb er auf einem Bogen mit schönem Vordruck, sie müßten Bürgschaft leisten, weil er gezwungen sei, ihnen wertvolle Materialien anzuvertrauen. Sie sandten auch, je nach seiner For- derung, 7—39 M. Dann erhielten sie mit einigen Briefbogen und Umschlägen ein paar wertlose Bücher zugesandt, die höchstens als Makulatur unterzubringen waren. Für diese Schmöker sollten sie Reklame machen und auch noch das Porto auslegen. Später sollten sie ihr Geld zurückerhalten. Viele durchschauten gleich den Schwindel, aber ebenso viele gingen auf den Leim und opferten zu der Bürgschaft auch noch die Auslagen. Beschwerden ließ der Schwindler un- beantwortet. Als er sich in Dresden nicht mehr hallen konnte, kam er hierher nach der Bachstraßc. Briefe von Bewerbern hatte er noch in so großer Menge, daß er sich um neue zunächst nicht umzusehen brauchte. Jetzt kam aber die Kriminalpolizei hinter sein Treiben. Sie beschlagnahmte seinen ganzen Briefwechsel und was sie sonst noch fand und nahm ihn fest. Die Ermittelungen ergaben, daß der Gauner, der verheiratet und Vater von vier Kindern ist, im Oktober allein 1299 M. eingenommen hatte. In 139 Fällen ist er überführt. In Wirklichkeit sind es noch viel mehr. Geschädigte mögen sich bei der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium, Zimmer 193a. melden. Nach de« Tanze tödlich verunglückt ist Mittwoch früh der 41 Jahre alte Arbeiter Adolf Fritze aus der Siemensstraße 6. Fritze machte Dienstagabend eine Festlichkeit deS Sparvereins„Jinmer mehr" in einem Saale des zweiten Stockwerkes im„Moabiter GesellschastShauS' in der Wiclefstr. 64 mit. Er tanzte eifrig und trank nur wenig. Gegen 3'/, Uhr morgens faßte er sich, am Tuche sitzend, plötzlich an den Kopf. Augenscheinlich wurde ihm unwohl. Er sagte aber nichts, stand eilig auf und suchte durch einen Not- auSgang ins Freie zu kommen. Hierbei kam er an ein Flurfenster und öffnete es, jedenfalls um frische Luft zu schöpfen. Als eine Viertelstunde später der Wirt zufällig über den Hof ging, fand er ihn tot im Lichlschacht eine« KellerfensterS liegen. Der Unglückliche hatte, wie man annehmen mub, beim Hinauslehnen aus dem Fensler daS Gleichgewicht verloren und war in die Tiefe gestürzt. Er hatte sich das Genick gebrochen und außerdem schwere innere Verletzungen zugezogen. Zu der StraußfedrrdiedstahlSaffSre, in der in Rixdorf eine An- zahl Personen in Haft genommen worden sind, wird unS mitgeteilt. daß die Angelegenheit von der Kriminalpolizei sehr aufgebauscht werden sei und Personen verhaftet worden seien, die nicht den geringsten Zusammenhang mit der DiebstahlSaffäre haben. Der verhastete Hausdiener Gesche hat bereits wieder entlassen werden müssen, da er vollständig unschuldig in den Verdacht eineS Diebstahls gekommen war. Beschuldigt wird ein gewiffer Steindl des Diebstahls von Strauß- federn. Die Kriminalpolizei nimmt an. dab Sikinger, Schmidt und Steindl durch Einbrüche die Federn erbeutet haben. Unter dem Bor- wand, diese Federn aus einem Konkurse erworben zu haben, ist der Verkauf der Pleureusen gelungen, und nun geraten diejenigen in fc* verdacht der Hehlerei, die gl» Käufer sich hergegeben haben. Zu dem heute abend in der Vereinigung bildender Künstler (Juryfreie Ausstellung), Potsdamerstr.39/39a stattsindenden Vortrag von Robert Breuer sind noch Eintrittskarten a 45 Pf. im Zigarren- geschäst von Harsch, Engelufer 15, zu haben. Da der für den 1. Dezember geplante zweite Vortrag ausfällt, können die dafür gelösten Karten an Harsch zurückgegeben werden. Ihr erstes Stiftungsfest feiert am 25. November die auf dem Gesundbrunnen domizilierende 17. Männerabteilung des Turnvereins „Fichte" im Lokale von Ballschmieder in der Badstraße. Der Ein- tritt kostet 39 Ps. und werden Tnrnfreunde aus diesem Anlaß ge- beten, die neue Gründung zu stärken. Der„Berliner Arbeiter-Schachklub" hatte, gewitzigt durch den Massenbesuch im vorigen Jahre(Bußtag bei Keller), sich für die diesjährige Veranstaltung den großen Saal der Prachtsäle„Alt- Berlin" genomnien. Aber auch dieser erwies sich als zu klein. Dicht gedrängt— Ellenbogen an Ellenbogen— saßen die Spieler an 116 Brettern. Die Spieler waren wieder in eine rote und eine weiße Partei eingeteilt. Die„Roten" gewannen den Kampf mit 67 Partien gegen 49 der Gegner. Diesem Kampfe folgten humo- ristiiche Vorträge am Wandbrett, welche, da der Genosse Rechtsanwalt Siegb. Loewy seine Zusage zurückgezogen hatte, von einem Mit- gliede des Vereins gehalten wurden. Reicher Beifall belohnte den Vortragenden. Am Schlüsse der Veranstaltung wies der Borsitzende darauf hin, daß zu gleicher Zeit im MarinehauS von den„Bürgerlichen" ein Tombolaturuier veranstaltet werde. Das Marinehaus sei für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt, nichtsdestoweniger tage dort einer der größten Berliner Schachvereine, nämlich der„Springer", in welchem sich auch Genossen und Gewerkschaftskollegen befänden. Er forderte die Anwesenden auf, diese Leute bei Gelegenheit darüber aufzuklären, daß es unschön fei, in gesperrten Lokalen zu verkehren. Dann wurde bekanntgegeben, daß jeder organisierte Arbeiter ohne Mitgliedszwang Unterricht, und zwar unentgeltlich, im Arbeiter- Schachklub haben könnte. Die Veranstaltung war von 509— 699 Per- sonen besucht. Auf dem Winterfest der Arbeiterjugend am 18. d. M. in der „Neuen Welt" ist ein Portemonnaie mit Inhalt verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Knispel, Berlin 17., Gaudystr. 37, Hof III, abzugeben. VshIIlsmpf in tcltow-ßeesbow und liicdcrbarnim. Fern-Neuendorf(Kreis Teltow). Bor etwa 159 Personen, darunter 59 Frauen, sprach hier am 19. November Genosse T h i e l i ck e unter freiem Himmel über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Die Versammlung war die erste, die in diesem Ort stattfand und nahm einen sehr guten Ver- lauf. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Die Anwesenden spendeten dem Referenten reichen Beifall und sprachen den leb- haften Wunsch aus, recht bald eine weitere Versammlung statt- finden zu lassen. Kummersdorf bei Storkow. Am 19. November fand auch hier die erste Volksversammlung unter freiem Himmel statt, in der Genosse P a g e l s über die be- vorstehende Reichstagswahl referierte. Durch den TerroriSmuS der herrschenden Clique ist es leider in der ganzen Umgegend nicht möglich, einen Saal zu bekommen. Nicht einmal einen Hos oder ein Stück Land wagen die Einwohner des größten Ortes Speren- berg uns zu überlassen. Deshalb war ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung Sperenbergs zur Versammlung in Kummersdorf erschienen. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Gegner meldeten sich auch hier trotz mehrfacher Aufforderung nicht zum Wort. Pankow. Der Aufmarsch der Parteien im Reichstagswahlkampf hat sich hier am Ort, noch ehe der genaue Wahltermin feststeht, in der Hauptsache bereits vollzogen. Als erste auf dem Plan erschienen unsere Genossen mit einer außerordentlich stark besuchten Versammlung, in der der Kandidat unseres Kreises, Genosse Stadthagen, über„Teuerung. Kriegshetze und Reichstags- wähl" sprach. Aber auch die bürgerlichen Parteien sind in Pankow bereits rege tätig. Während im Jahre 1997 bei den Hottentotten- Wahlen alle Parteiunterschiede verwischt waren und die Bürger- lichen im Kreise von vornherein unserem Kandidaten in der Person des Herrn Bürgermeister? Ziethen(Lichtenberg) einen gemeinsamen Mischmaschkandidaten gegenüberstellten, soll daS dies- mal anders sein. Dementsprechend gestaltet sich denn auch der diesmalige Wahlkampf. Nächst unserer Partei war es sodann die Demokratische Vereinigung, welche tn einer gut be- suchten Versammlung, in der Herr Dr. B r e i t s ch e i d über„Die Wahlparole des Reichskanzlers" sprach, Stellung zu den Reichstags- wählen nahm. Hier wurde die Parole ausgegeben, daß die Demo- kraten überall dort, wo sie selbst nicht direkt in Frage kommen— also auch in Niederbarnim—, schon in der Hauptwahl für den Sozialdemokraten einzutreten haben,„weil dieser die einzig sichere Gewähr für Anbahnung und Durchführung demokratischer Ein- richtungen in Deutschland biete".— In einer nur sehr schwach besuchten Versammlung, zu der nur„alle national ge- sinnten Männer" eingeladen waren, präsentierten dann der Vaterländische Verein von Pankow und der Patriotische Verein von Nieder-Schönhausen den konservativen Kandidaten, Herrn Oberbürgermeister Ziethen(Lichtenberg), der in einem unsäg- lich seichten Vortrag sein„Wahlprogramm" entwickelte. Neben der Darlegung der bekannten Stellung der Konservativen zu den politi- schen und wirtschaftlichen Fragen nach innen und außen machte Herr Ziethen auch ein wenig in Kriegshetze. Vor allem aber gilt ihm der Kampf gegen die Sozialdemokratie als die Hauptsache. Hierin wurde er dann tatkräftig unterstützt durch die hiesige Reichs- Verbandsfiliale. Ein Herr Herbert Schmidt glaubte neben anderen Tiraden gegen unsere Partei auch einiges über den verflossenen Pankower Parteikonflikt in den Saal brüllen zu müssen. Auch konnte dieser Herr sein Bedauern nicht unterdrücken, daß im Gegen- satz zu 1997 diesmal so ganz„der nationale Schwung" fehle. Dies Bedauern ist sehr begreiflich; diesmal gelten in unserem Kreise die Reichsverbandsdienste nicht lediglich einem unterschiedslosen Mischmasch, sondern man muß eben„zween und mehr Herren dienen". Trotzdem glaubt aber Herr Schmidt, daß eS dem Reichsverband gelingen werde, den Konservativen zu einer aussichts- vollen Stichwahl zu verhelfen— ein Witz, für den er bei den an- wesenden„nationalen Männern" nur wenig Verständnis fand.— Etwas leidlicher besucht war eine Versammlung deS hiesigen Nationalliberalen Vereins, was wohl auf die An- Wesenheit eines erheblichen Teiles der Besucher der eben erwähnten konservativen Versammlung zurückzuführen war. Der Reichstags- abgeordnete Beck(Heidelberg) hielt hier einen echt national- liberalen Vortrag über„Reichsregierung, Reichstag und Reichs- Verfassung". Was von dem Eintreten der Nationalliberalen für eine Erweiterung der verfassungsmäßigen Rechte des Reichstages zu erwarten ist, geht aus der Versicherung des Herrn Beck hervor, daß die Nationalliberalen nicht in übertriebener Weise die Rechte des Reichstages vermehren und dadurch dem Rechte der Reichs- regierung Eintrag tun wollen. Ueber die eigentliche Stellung- nähme der hiesigen Nationalliberalen zur Wahl selbst erfuhr man m der Versammlung nichts. Ebenso hüllten sich die auch hier an- Eesenden ReichK-rbändle? sik Schvesg-K. s«»a? Vfc fftagt tffen blieb, ob auch die Nationalliberalen von feiten de« ReichsverbandcS der Vergünstigung einer aussichtsvollen Stichwahl teilhaftig werden sollen.— Unsere Genossen in Pankow werden am 12. Januar mit dazu beitragen, den wirllich aussichtsvollen Durchfall der bürgerlichen Kandidaten im Kreise Niederbarnim zu einem glänzenden zu gestalten. Vorort- l�ackrickten« Charlottenburg. DaS Ortsstatut»der die SeuntagSruh» tu»ffene» verkonfs« stellen ist jetzt von der Aufsichtsbehörde ebenfalls genehmigt worden. Uebereinstimmend mit der Regelung der Sonntagsarbeit in Berlin und einigen anderen Vororten dürfen Gehilfen. Lehrlinge«rd Ar- beiler im Sommer(1. Mai bis 39. Seplember) nur von 8 bis 19 Uhr vormittags und im Winter(1. Oktober bis 89. April) nur von 12 bis 2 Uhr mittags beschäftigt werden. Der Handel mit Nahrungs- und Genutzmitteln— wozu auch Tabak und Zigarren zu rechnen sind— sowie der mit Blumen unterliegt dieser Einschränkung nicht. Das Statut tritt wie in Berlin am 1. Januar 1912 in Krasl. Schönederg. Der Grsangverria Schöneberger MSaaerch-r veranstaltet am Sonntag, den 26. d. Ml«., abends 6 Uhr, tn den Vesellichastssälen deS Westens. Hauptstr. 39, ein Konzert unter Mitwirkung de« Neuen Berliner SinsomeorchesterS. Dirigent Herr Hollfelder, Herrn Joseph Baier. Opernsänger. Frl. Elly Donath. Konzerlsängerin. Herrn Anker, Kapellineister. Eintritt 59 Pf. Die gesangliche Leistung liegt in den Händen deS Dirigenten Herrn Lange. Da der Verein sich stets bei Parteiveranstaltungen zur Verfügung gestellt hat, wird auf guten Besuch deS Konzerts ge- rechnet. Rixdorf. Elrertivereia für Sport tmb Wandern. Am Sonntag, den 26. November, findet eine Besichtigung de» MuseumS für Natur- künde, Jnvalidenstr. 43, unter Leitung deS Herrn Ptaf. Dr. Dahl statt. Treffpunkt pünktlich 19 Uhr vormittags Jnvalidenstraße am Neuen Tor. Kinder unter 19 Jahren find vorder Beteiligung aus- geschlossen. Groh-Lichterfelde. Der von der Gemeinde beschlossene B erkauf von billigen Seefischen findet einmal pro Woche, DonnerStagS vou 9bislUhr in folgenden Verkaufsstellen statt: 1. Fischhondlung oppe, Chausseestr. 78; 2. Fischhondlung Kurth, Verlängerte iihelmstr. 1; 3. Fischhandlung Lehmann, Drakestr. 57, Ecke Ringstraße. Der Preis ist für Kabeljau ohne Kopf pro Pfund 25 Pf., für Seelachs 22 Pf., im Anschnitt 5 Pf. mehr, Schellfische pro Pfund 35 Pf. Ter Verlauf von Kartoffeln soll demnächst erfolgen zum Preise von 3,59 M. pro Zentrier ab Bahnhof Lichterfelde-Ost, frei in? Hau« 3.55 M. Mehr als zwei Zenmer an einen Abnehmer werden nicht abgegeben. Kaufofferten sind beim Gemeindcvorstand schriftlich einzureichen. Da der auS dem Gute Werben stammende Vorrat von Kartoffeln nur ein so geringer ist, daß er für die Nachfrage wahlscheinlich nicht im entfernteste» genügt, wird der Gemeindevorstand hoffentlich frühzeitig genug den Erwerb größerer Ouantiläten Kartoffeln zur Ausführung bringen. Die organisierten Arbeiter seien nochmal» auf die für die Ein- tragung in die Wählerlisten für die Gewerbegerichtswahl ein- gerichteten drei AuSnahmetage hingewiesen. Am Freitag, den 24.. Sonnabend, den 25. und Sonntag, den 26. November, ist jedem Gelegenheit gegeben, seine Eintragung zu veranlassen. An genanntes Togen liegt die Liste in den Zimmern 11, 12 und 13 aus, und zwar am 24. und 25. von 6— 8 Uhr abend» und am Sonntag von 9—12 Uh? vormittags. Während dieser Stunden werden auch im Zimmer 25 die Formulare zu den Zeugnissen kostenlos verabfolgt: dieselben können dort auch gleich für diejenigen Wähler ausgefüllt werden, die am Ort deS Gerichts wohnhaft find. Für die außerhalb wohnenden aber Hierselbst arbeitenden stehen Formulare zur Verfügung für den Osten im Kaiserhof, Kranoldplatz. Erpel, Berliner Str. 129, Zunicke, HeinerSdorfer Straße; für den Westen bei Wahrendorf, Bälestr. 22. Wrotnicki, Ringstraße 17, LenSki, Chausseestr. 55. Diese Formulare müssen vom Arbeitgeber ausgefüllt werden. Bi» DienStag haben ich nur drei Wähler eintragen lassen. Wollen wir unS nicht von den Gegnern der organifierten Arbeiter, welche etwa» im Schilde z» -ühren scheinen, überrumpeln lassen, muß jeder einzelne an den oben genannten Tagen seine Eintragung veranlassen, versehe sich auch jeder mit ausreichender Legitimation. Am zweckmäßigsten ist die Steuerquittung. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen. Ebenso siitd die bei einem JnnungSmeister Beschäftigten nicht wohl- berechtigt. Teltow. GewerbrgerichtSwähler. Die Arbeiter und Parteigenossen wollen nicht versäumen, sich in die Liste zur Gewcrbegerichrswahl eintrage,, zu lassen. Wer keine Bescheinigung vom Arbeilgeber hat, hole sich diese von der Polizei. Anmeldeformulare sind beim Genossen W. Bonow zu haben. Die Anmeldung kann auch am Sonntag, de» 26. d. M.. von 9—12 Uhr, in Br.-Lichterfelde, Schillerstraß«. Rathaus erfolgen. Weiftensee. Mit den demnächst stattfindende« Gewerbegericht»»»hle» wird sich eine heute. Freilag, den 24. November, abend» 8'/. Uhr, nn Lokale zum„Prälaten". Berliner Allee und Lehderstraßen Ecke, statt- findende öffenlliche Versammlung beschäftigen. Da» Referat wird der Gewerlichaftssekretär Genosse Adolf Ritter halten. Gleich« zeitig werden die Kandidaten ausgestellt. Die Wahl findet fiir Arbeitnehmer am Sonntag, den 8. Dezember d. I., nachmittags von 1—3 Uhr. und für die Arbeitgeber am Donnerstag, den 39. November d. I., abends von 7—8 Uhr, statt. Als Wahllokale find bestimmt für den 1. Bezirk Lokal.AldrechtShof". Parkstr. 16 2.,,„Prälaten", Lehderftr. 122 3.„, von Tzscheutschler, LanghanSstr. 106 4.,, Cafö Retlig, Berliner Allee 34/85. ES ist dringend notwendig, daß olle in Seißensee wohnenden und ebenso die am Orte beschäftigten Arbeiter an dieser wichtigen Ver- sammlung teilnehmen. Auch die Herren Arbeitgeber find hierzu be- sonders eingeladen. Hohen-Schönhaufea. In der letzten Gemeindrvertreterfitzung tadelte Genosse Tieke die Verminderung der Stimmen der Gemeindevertretung im Amts- ausschuß. Der Antrag, den Ausschuß nach dem vorschlage de» Landrats aus dem Gemeindevorsteher, vier Schöffen und einem Gemeindevertreter zusammenzusetzen, wurde gegen die Stimmen unserer Genoffen angenommen. Genosse Reiher wandte sich gegen die Einleitung der Zwangsversteigerung eine« Grundstück» wegen der rückständigen Sieuersumme von 72 M. Der Gemeindevorsteher erllärte, daß der Detrag anderweitig nicht bei- zutreiben sei. Die Zwangsversteigerung de» Grundstücks wurde beschlossen. Bei der Beschlußfassung über einige Anträge auf Ermäßigung der Gebühren für die Entnabme von Wasser zu gewerblichen Zwecken, entspann sich eine lange Debatte. Unsere Genossen Reiher und Tiele sprachen gegen den Antrag des Gemeindevorstandes, nachdem den Gärtnern bei Abnahme von 1999 Kubikmetern die ersten 899 Kubikmeter mit 29 Pf., die übrigen mit 17 Pf. und den Gewerbetreibenden bei Abnahme von 2999 Kubikmetern der Kubikmeter mit 29 Pf. berechnet««de» sollen. Man solle auch die klesnen Gewervetrelllenden Vervcksichtisen, die sich zur Abnahme von 1000 Kubikmetern nicht verpflichten können. Da der Privatwasserverbrauch bei den Abnehmern von 1000 Kubikmetern mit einbegriffen ist, die Keinen Grundbesitzer jedoch für 200 Kubikmeter a 80 und für die weiteren 28 Pfennige bezahlen müssen, bedeute die Annahme dieses Antrages eine Ungerechtigkeit. Der Antrag deS Gemeindevorstandes wurde gegen sieben Stimmen an- genommen. Hieraus ersuchte Genosse Tiele den Gemeindevorsteher, zur schnelleren Abwickelung des Wahlgeschäftes bei den kommenden Reichstagswahle» an alle eingeschriebenen Wähler deS Ortes Legiti- mationskarlen zu senden. Der Gemeindevorsteher versicherte, datz die Karten bereits in Druck gegeben seien. Auch teilte er auf Anfrage des Genossen Siebenwirt mit, dah die Gemeinde- Vertretung an alle Einwohner des Ortes mit einem Einkommen bis zu 1800 M. Kartoffeln zu einem billigen Preise abgibt. Eggersdorf. Die Gcmcindevertreterfitzung beschäftigt« sich zunächst mit dem für die hiesige Gemeinde aufgestellten Bebauungsplan. Derselbe ist nun seit sieben Jahren von einer Behörde zur anderen gewandert und jetzt, nachdem noch einige Aenderungen vorgenommen, endgültig vom Landratsamt genehmigt worden. Zur Regelung der Be- leuchtungSfrage wurde eine Kommisston von drei Personen gewählt, darumer Genosie H. Lehmann, welche in Verhandlung mit der Stadt Strausberg zwecks Zuführung von elektrischem Strom für Licht und Kraft treten soll. Unter Verschiedenem wurde von den Genossen Buchholz und H. Lehmann dem zweiten Schöffen Rüger eine kräftige Abfuhr zu teil, da derselbe einem früher gefaßten Gemeinde- Vertreterbeschluß zuwider gehandelt hat, auch wurde er aufgefordert, sein Amt als Schöffe niederzulegen. Trebbin(Kreis Teltow). Lei der Stadtverordnetenwahl in der dritten Abteilung sind die Kandidaten der Sozialdemokratie leider mit 112 bezw. 113 Ssimmen den bürgerlichen Kandidaten, auf die 124 bezw. 128 Stimmen ent- fielen, unierlegen. Die Arbeiterschaft hat sich anscheinend durch den Ausfall früherer Wahlen etwas zu siwer gesuhlt. Auf diese Weise ist eS den Bürgerlichen bei erhöhter Anstrengung gelungen, den Sieg davon zu tragen. Da die Wahlen jedoch nicht einwandfrei vor sich gegangen sind, wollen unsere Genossen Protest hiergegen einlegen. Die Sieger haben in einem seucdtsröhlichen Siegestaumel den Genoisen Hiebscd und Kärgel ein Beileidstelegramm gesandt. Daß die Herren nicht mehr so ganz klar gewesen sind, beweist schon, daß sie den einen Brief nicht an den Kandidaten Paul Ritter, sondern an Kärgel schickten, letzleren also für den Unterlegenen gehalten haben. Nieder-Schönbausen. Nordend. „Welches find unsere Ausgaben in wahltechnischer Beziehung bei den kommenden Reichstagswahlen?' Ueber dieses Thema hielt in der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse O. Schmidt einen instruktiven Vortrag. Nach einer kurzen Diskussion wurden nur noch innere Vereinsangelegenheiten erledigt. Der Jugendausschuß wurde durch die Wahl deS Genossen Paatz verstärkt. Neu aufgenommen wurden 17 Genosien und 9 Genossinnen. Zugezogen sind 12 männliche und 1 weibliches Mitglied. Die Abrechnung vom Sommerfest ergab einen Ueberschuß von 74,05 M. NowaweS. Das Gewerbegericht beendete am 30. September fein erstes Ge- schäftsjahr. Es wurden vorgebracht SS Streitfälle. Zuständig war das Gcwerbegericht jedoch nur in 60 Fällen, von denen erledigt wurden: 38 ohne Verhandlung, 16 durch Vergleich, 1 durch Ver- sMMnisurteil, 4 durch Endurteil(in zwei Fällen wurde der Be- kfagte, in zwei Fällen der Kläger verurteilt) und 1 durch Klage- zpusücknahme. Von den übrigen 36 Streitsachen wurden 16 an Jenungsschiedsgerichte, 10 an andere Gewerbegerichte und 7 an ordentliche Gerichte verwiesen, während 3 Fälle abgewiesen werden mutzten, weil sie besonderen Verfahren unterstehen(eine Gesinde-, eine Krankenkassen- und eine Streitsache, wo das Einkommen des Klägers mehr als 2000 M. betrug). Während am Anfang Klagen recht vereinzelt angebracht wurden, war am Schlüsse des Jahres eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen, was wohl seinen Grund darin haben dürfte, daß die Kenntnis von der geschaffenen Einrichtung erst nach und nach in die beteiligten Kreise gedrungen ist. Als EinigungSamt ist das Gewerbegericht nicht angerufen worden, auch sind keine Gutachten abgegeben. Für die inzwischen durch Tod auS- geschiedenen Beisitzer Gruhl(Arbeitgeber) und Pfaff(Arbeit- nehmer) wurden Ersatzwahlen nicht vorgenommen, da dies nach § 31 der Ortssatzung erst dann notwendig ist, wenn mehr als der vierte Teil der Beisitzer einer Klasse ausscheidet. Der für die Ver- Handlungen im Hause Zietenstrahe 1 zur Verfügung gestellte Raum hat sich als unzureichend erwiesen; für die Oeffentlichkeit ist so gut wie kein Platz vorhanden. Bei Ablauf des Mietsvertrages soll da- her diesem Uebelstand Rechnung getragen werden. Nach Ansicht des Bürgermeisters dürfte es sich empfehlen, den Beginn deS Geschäfts- jahres auf den 1. April zu verlegen, damit sich dieses mit den anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung deckt. Lei de» Bertreterwahle» zur OrtSkrantenkaffe am Montag erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 863 Stimmen. Der bürgerliche Mischmasch, der in früheren Jahren mit den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen gemeinsame Kandidaten aufstellte, hat sich diesmal an den Wahlen nicht beteiligt. Potsdam. Bei der Stadtverordneteuwahl, über die wir bereits am Mitt- woch kurz berichteten, erhielten im ersten Bezirk unsere Genossen 868—860 Stimmen, es siegten die Bürgerlichen mit 1039—1056 Stimmen. Im zweiten Bezirk standen 469— 461 sozialdemokratischen Stimmen 655—667 bürgerlichen gegenüber. Unsere Stimmen erhöhten sich von 1091 bei der vorigen Wahl aus 1322, also ein Zuwach» von 231 Stimmen. Und das trotz der Saalabtreiberei, der wüsten Agitation deS Reichsverbandes mit den blutrünsttgsten Flug- blättern in der Woche vor der Wahl. Die Wahlleitnng der sechzehn bürgerlichen Bereine, die den Kampf in der dritten Abteilung gegen die Sozialdemokratie führte, hatte große Not, alle Hos-, Staats-, Eisenbahn-, Post-, Polizei- und städtischen Beamten, die teilweise in Trupps mit diesen oder jenen Vorgesetzten.zufällig' zusammen er- schienen, zur Wahl zu bringen. Trotz der nur mäßigen Wahlbeteili- gung(zirka 30 Proz.) herricvte im ersten Wahlbezirk stundenlang eine beängstigende Enge im Wahllokal; die Wahl zog sich beide Abende fast zwei Stunden länger hin. Der Unfall«n Lord deS Dampfers„WeißenfelS", der sich am Gonntagvormttlag ereignete und den Maschinisten Braband und den Heizer Degen schwer in Mitleidenschaft zog, dürfte doch eine gericht- liche Unteriuibung zur Folge haben. Der Erste Staatsanwalt Dr. Mendelssohn begab sich gestern an Bord des Dampfers und nahm den Maschinenraum in Augenschein. Dabei soll sich eine Schadhaftigkeit des geplatzten Dampfrohres herausgestellt haben. Armaturteile wurden beschlagnahmt und sollen einem Sach- verständigen vorgelegt werden, um die Frage einer Verantwortlichkeit dritter Perionen zu prüfen. Das Befinden der Verunglückten hat sich unter ärztlicher Pflege gebessert und es besteht die Hoffnung auf Erhaltung deS Lebens. Durch unvorfichtigeS Hantieren mit eine« geladene» Revolver ist dem 13jährigen Schüler Max Paul aus Seddin eine schwere Schußverletzung beigebracht worden. Der Knabe spielte mit Ka« meraden und dabei entlud sich die Waffe und da» Projektil drang dem Schüler in die rechte untere Bauchgegend. Der Knabe mußte im St. Josephs- Krankenhaus sofort operiert werden. Der Darm »ar achtmal von der Kugel durchbohrt. Der Schüler befindet sich in höchster Lebensgefahr. Jugendveraltstaltmlse». Treptow-Baumschulenweg. Sonntag, den 2S. November: Befichtl- gung des Vcrkchrsmuseums, Jnoalidenstratze, Hamburger Bahnhofsgebäude. Treffpunkt 10>/, Uhr Görlitzer Bahnhof. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind hierzu eingeladen. Lankwitz. Die Arbeiterjugend veranstaltet am Sonntag, den ZS. November, einen Besuch des Museums für Meereskunde. Eintritt unentgclt- lich. Tresspunkt Bahnhof Groß-Lichterfelde-Ost fl.tl Uhr. Fahrgeld 30 Pf. Die Genossen werden gebeten, ihre erwachsenen Töchter und Söhne daran teilnehmen zu lassen. Hiiö der Frauenbewegung. „Frauenstimmrecht." Aus der letzten, Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Vereins für Frauenstimmrecht wurde zufolge eines vom Vor- stände eingebrachten Dringlichkeitsantrages die Aufteilung der Ortsgruppe Berlin in einen Hauptvorstand und vier Berliner Ortsgruppen: 1. Berlin-Rixdorf, 2. Schöneberg, 3. Charlottenburg mit Grunewald und Schmargendorf, 4. Wilmersdorf und Halense« beschlossen. Die gemeinsamen großen Aktionen sollen durch den Hauptvorstand veranlaßt werden. Die Mitgliederzahl der Orts- gruppe Berlin bzw. der vier Gruppen beträgt 572 Mitglieder. Hieraus ist zu ersehen, daß die sozialdemokratischen Frauen vor dieser Konkurrenz nicht zu erzittern brauchen.— Viel Geschrei und wenig Wolle! Die Ortsgruppe Wilmersdorf hatte sich zu ihrer EröffnungS- Versammlung die bekannte ungarische Frauenrechtlerin Rosika Schwimmer als Referentin verschafft. In den Auguste-Biktoria- sälen in der Lutherstraße fand diese stark besuchte Versammlung statt.— Das Bedenken unserer Freunde gegenüber dem Frauenstimm- recht, meinte Fräulein Schwimmer, müsse beseitigt werden. Sie sagen immer, erst müsse die Frau Kulturarbeit leisten, ehe sie dem Manne gleichgestellt werden könne. Demgegenüber sei zu be- tonen, daß die Frau die Kulturarbeit begonnen, als die erste Mutter für ihr Kind gesorgt. Aber der Mann, der Egoist, habe sich d i e Arbeit genommen, die ihm gepaßt, und der Frau zugewiesen, was sie haben sollte, zum Nachteil der Frau. Die Frauen hätten bis in die Neuzeit hinein den Gänsen geglichen, die über den vom Manne gezogenen Kreidestrich nicht hinübergegangen. Jetzt sei das anders geworden. Dann erwähnte sie die Ausführungen der großen schwedischen Dichterin Selma Lag er lös, die auf der inter- nationalen Frauenstimmrechtstagung in Stockholm dargelegt, daß das Heim, das Mann und Frau gemeinsam führen, wohl behaglich sein könne, besonders, wenn die Mittel dazu vorhanden, daß aber kein Staat, da er eben von den Männern allein geschaffen, tadel- loS funktionier«. Das läge an den schlechten Gesetzen, die die Männer mit ihren disziplinierten Gehirnen begründet. So diszi- pliniert wie die Gehirne der bisherigen Gesetzgeber der verschiedenen Länder seien die Frauengehirne auch. Dann unternahm die Red- nerin«ine kleine Tournee durch die internationalen Gesetze bzw. Länder. Deutschland renommiere mit dem allgemeinen Stimmrecht, die größere Hälfte seiner Einwohner sei aber davon ausgeschlossen. Die frei« Ehe, das freie Verhältnis, gelte als un- sittlich, aber der Staat gehe hin und verbiete seinen Beamtinnen zu heiraten. Die verheiratete Frau habe weniger Rechte als die unverheiratete, die Frauen könnten. Jura studieren, aber auS- nutzen könnten sie ihre juristischen Kenntnisse nicht. In Frank- reich habe man sogar in der Revolutionszeit die Frauenrechte ver- weigert. Madame Curie würbe zurückgesetzt trotz ihrer großen Leistungen. Wenn eine Familie drei Kinder habe, bekomme der Mann eine Medaille und Steuernvchlaß. beim fünften Kinde bekomm« der Papa gar ein Diplom. England habe sogar drei Bürgermeisterinnen, so klug sei die Frau; aber mitstimmen dürfe die Frau Bürgermeisterin nicht. Der Lohn ist auch in England für die gleichen Leistungen der Frau geringer als bei dem Mann. Holland, das von einer Frau regiert würde, habe noch den Code Napoleon. Und ein Legat könne die Frau nicht ohne Einwilligung des Mannes annehmen. Auch die deutschen Großbanken machen den verheirateten Frauen Schwierigkeiten, liefern ihnen nicht ohne Genehmigung de» Mannes ihr eigenes Kapital auS. Wenn die Frau in Holland erkrankt und der Mann sich dafür ein Dienst- mödchen hält, braucht er nicht mehr Steuern zu zahlen(die Steuer- zahlung richtet sich dort nach der Zahl der Dienstmädchen), wenn aber der Mann stirbt und die Frau dann ein Mädchen zu halten gezwungen ist. muß sie unerbittlich dafür steuern. Die demokratische Schweiz schließe die Bürgerinnen auch aus, erkenne nur den Bürger an. In Ungarn hieß es kürzlich. eS stünde ein großer Fortschritt für die Frauen bevor, da erlaubte man, daß auch weib- liche Straßenkehrer angestellt würden. In Schweden dürfen Frauen die Juristerei ausüben, sogar Dozentinnen können sie wer- den; aber sovald sie heiraten, ist eS mit der Freude auS. dann stehen sie sozusagen unter Kuratel. So brachte Rednerin noch die verschiedensten internationalen Gesetzesmerkwürdigkeiten unter schallendem Gelächter der Anwesenden vor und schloß damit, daß die Männer, die doch allgemein die Frauen als Haushälterinnen, als gute Haushälterinnen, gelten ließen, ihnen mal das Staats- Haushaltsbuch zur Revision vorlegen sollten, da würde es sich bald ausweisen, was die genau so gut di�iplinierten Gehirne der Frauen bessern und ändern würden. Eine Welt, die nur von Männern geleitet, werde brutal geleitet. Mann und Frau gemein- sam könnten nur über das Wohl des Staates, der Gesamtheit, be- finden.— So diese Frauenstimmrechtlerin. Und vom Frauenstimmrecht auS betrachtet, war das ein guter Vortrag. Wir Sozialdemokra- tinnen müssen uns aber sehr hüten, auf die Locktöne dieser Sirenen hereinzufallen.TaS Frauenstimmrecht in Deutschland wird durch alle möglichen Frauen, Zentrumsangehörige. Nationalliberale, Liberale usw. vertreten; hier in Berlin stehen einige wirklich demo- kratilche Frauen an der Spitze. Aber da? ist gerade das Irritierende, so daß unsere weniger unterrichteten Genossen und Genossinnen sich nicht durch diese? bürgerliche Sammelsurium hindurchfinden können. So kam es kürzlich erst in einer öffentlichen Versammlung bor, daß ein trefflicher Genosse sich, wenn auch nur nebensächlich, besonders günstig über Dr. Käthe Schirmacher. die er durch einen Vortrag in Frankfurt a. M. kennen gelernt, aussprach. Wogegen den Eingeweihten doch bekannt ist. daß diese Frau gegen das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ist. ja. daß sie für die Ostmarkcnpolitik eintritt. Daß 22 Arbeite- rinnen nach einem Werkstattvortrag der Rosika Schwimmer. für das„Frauenstimmrecht" angeworben seien, wurde auch in dieser Versammlung vorgebracht. Also seien wir auf der Hut, wir Sozial- demokratinnen, das von unS erstrebte Wahlrecht scheidet sich Himmel- weit von dem Wahlrecht, das diese Frauenstimmrcchtlerinnen im allgemeinen anstreben. Wir brauchen, wie schon einleitend er- wähnt, keineswegs vor ihnen zu zittern, aber wir müssen ihnen scharf aus die Finger seheni und eventuell etwas darauf klopfen. Leseabende. Fünfter Krel». Montag, 27. November, gemeinschaftlicher Frauen- Leseabend in den KönigSsälen, Neue Königstraße, Eingang Wadzcckstraße. lversam«l»«ge»— BcnHifatlMftca. Verein für Frauen»ud Mädchen der Arbeiterklasse. Freitag, 24.*»- vember, abends 8 Uhr, Vortrag und Führung durch die jurtz- freie Kunstausstellung, Potsdamer Straß« 89. Referent: Herr Robert Breuer. Eintrittskarten a 45 Pf.(für Führung und Bor« trag) bei den Vorstandsmitgliedern. Mittwoch, 29. November, nachmittags-'/zS Uhr, Besichtigung der Wollwarenfabrik Felix Laude, MarkuSstr. 12. Tresspuult am Eingang zur Fabrik. Eingegangene DrucKfebriften. Von der„Neuen Zeit', ist soeben daS S. Hest de« SO. Jahrgang«« erschienen. AuS dem Inhalt des HcsteS heben wir hervor: Wilhelm Psamikuch.— Die Liquidation der Maroktosrage. Von Karl Radek.— DaS Abenteuer deS ErjchahS. Von Arschawir Tschilinkirtan.— Zur Reichs« (totiftit. Bon Jakob Piletzkh.— Nochmals das Grohblockexp eriment in Elsaß-Lothringen. Von I. PeiroteS.— Literarische Rundschau: Dr. med. Wilhelm Hanauer, Die soziale Hygiene des Jugendalters. Von Lipschütz. Dr. med." Albert Uffenheimer, Soziale Säuglings- und Jugendsürsorge. Von Lipschütz. Was wir wollen! Von Arnulf.— Zeisschristenschau. Feuilleton der.NeuenZeit'Nr. 45: Hamburgifche Partei- geschichte. Von F. Mehring.— Bücherschau: G. Küntzel, Die politischen Testamente der Hohenzollern. Gustav Mayer, Die Trennung der pro- letarischen von der bürgerlichen Demokratie in Deutschland(1863 biS 1870). «ammlung von Lichtbildervorträgen. Johannes Linnankoski, DaS Lied von der glutroten Blunie. Anton Fendrich, Schauinsland. Claude t irrere. Der Mann, der einen Mord beging.— Lose Blätter: Mpreutzische aunereien. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich etnmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hejt lostet 83 Pf» Xouristenveretn„Die Naturfreunde', Ortsgruppe verlin. Sonnlag, den 26. November: Wanderung von Strausberg über KtcISdorf, Prötzel, Ruhlsdorf, Hohenstein nach Strausberg. Abfahrt nach Strausberg ab Alex.-Pl. früh 7.21. Schlei. Bhs. 7.29. Im Anschluß Kleinbahn nach Stadt Strausberg. Gäste willlommen. Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde'. Wanderfahrten am Sonntag, den 26. November 1911: I. Strausberg— Annatal—Bötzsee— Strausberg. Abs. Schles. Bahnh. 6.33 Uhr vorm. II. Wildpark— Glindow— Werder. Abs. Bahnh. Friedrichstr. 6.17 Uhr vorm. III. Bernau— Ltepnttz- see— Birkenwerdcr. Abs. Stett. Vorortbahnh. 6.40 Uhr vorm. IV. Finken- krug— Brieselang— Finkcnkrug. Abs. Lehrter Fernbahnh. 7.21 Uhr vorm. V. Friedrichshagen— Rahnsdorfer Mühle— Wtlhelmshagen. Abs. Schles. Bahnh. 1.23 Uhr nachm.________ Bnefkaften der Redaktion. Sit lurlstlsche Sprechstunde findet«tndeuftruse 69, vorn Met Stepp en — Fahrstuhl—, woche» täglich von 4V5 bis Uhr aheudS, SonnadendS, von 4>z> bis 6 Uhr abend» statt. Jeder für den vetestaften bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertjetchen betzusstgen. Briefliche Antwort wird nicht erieflt. Anfragen, denen feine AbonnemeniSqutttung beigefügt ist, werden nicht deantwottet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. M. H. 86. Nur wenn ein Sachverständiger Gesundheiisschädlichkeit begutachlct und unter Setzung einer angemessenen Frist Abhilse gesordert ist.— Ernst. Nein.— H. E. 37. I. Amtsgericht Berlin-Wedding, Brunnenplatz. 2. Etwa 14,50 M. 3. Vier bis sechs Wochen.— W. G. 84. Ja, bis zur Dauer von 6 Wochen.— P. L. 81. Nein, wohl aber aus eine beitragssreie Polize und anteiliger Auszahlung nach Ablaus der ver- einbarten Frist bezw. sür den Todesfall, salls mindestens drei Jahre hin- durch Prämie gezahlt ist.— E. Ai. 83. 1. Nur mit Zustimmung des Vermieters. 2. Ja.— H. R. 3. 1. Ans Amtgericht. 2. DaS Standesamt, bei dem die Geburt gemeldet worden ist, ist zuständig.— H. St. 88. In beiden Fällen ja.— 800 A. S. Sie sind zur Uebernahme der Vor- mundschast v e rp s I i ch t e t. Der Richter kann Strasen bis zu 300 M. verbängcn.— N. S. Lichtenberg. Sie sind ersatzpflichtig.— L. 8. Ja. — S. C. 100. Magistrat Berlin, Norddeutsche Holzberussgenossenschast, Bureau: Berlin, Hcilbronncr Str. 4.— E. R. Weisse» see. 1. Nicht bekannt. Es liegt wohl ein Irrtum Ihrerseits vor. 2. Es kann mit Aussicht aus Ersolg reklamiert werden, salls die Mutter arbeitSunsähig ist. 3 Wenden Sic sich an die Buchhandlung Vorwärts. 4. Fragen Sie bei einer Tbeater- direllion an oder sprechen Sie mit einem Bühnenarbeiter. 5. ES kann Ermäßigung erfolgen. 6. In der Regel nicht.— H. T. 88. 1. Nein. 2. Wenn Sie Ihren Anspruch beweisen können, ja.— W. P. 09. 1. Leider ja. 2. Ausstehende Forderungen können beschlagnahmt werden.— 21. K. 1)0. soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, sind weitere Schritte aussichtslos. —(8. D. 5. Die Hälfte der Gesamibeiträge kann beansprucht werden. Der Antrag muß noch vor Ablaus dieses Kalenderjahres gestellt werden. P. F. 87. New.— E. ft. Ihre Frau ist sowohl invaliden- als auch krankenocrsicherungSpflichtig. Mitteilung an dle Polizei bezw. Krankenkasse. — 21. D. 33. Ihre Angaben reichen zur Beantwortung nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— H. L. 60. In zwei Jahren, be- ginnend mit Ende des Kalenderjahres, in dem die Forderung entstanden ist.— Aud. 43. Stellen Sie bei der Staatsanwaltschaft Slrasanlrag.— SN. T. 41. Nein.— 21. ft. 39. 1. Ja. 2. Nein. 3.%.— Grau- dcnz. Nach der am 1. April 1910 in Krast getretenen Novelle zur Zivil- Prozeßordnung beträgt die Einspruchssrist m Amtsgerichtsprozessen eine Woche. Genosse Sladthagen konnte diese Novell« w seiner letzten AuS- gäbe deS.Ardeiterrecht' noch nicht berücksichtigen.— Rod. 8. 03. Nein. Briefkasten der Expedition. Patienten in Bcelty, Buch und anderen Heilstätten. Diesenlgen unser« Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der llebcrweisung von Frei- exempiaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Marktpreifr von Berlin am 81. November 1011. nach Ermittelung deS Königl. Polizetpiästdiums. M a r t t b a l l e n p r« i s e.(Kleinbandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00— 60,00. Sveisebobnen weiße. 40,00- 60.00. Linsen 40,00- 80,00. Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,10, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,80 vis 1,70, Schweinefleisch 1.20— 1.80, Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,20—2.20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 3,80-6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 0.80—2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,60—1,60. 60 Stück Krebse 2,40-24,00._ Witterungsiiberstcht vom 83. November 1011. Stationen 5- °S 8B— Swincmde tamburg criw Franks a M, München Wien «£ = a S« 758 NW 7500 758,0 7521310 7500 754SNll A Wetter 7; 2 bedeckt 2 bedeckt 2, bedeckt bwolkig 2wvtlig bedeckt »s: S11. Skä HS -0 2 3 6 Stationen 1" i= S— Haparanda Petersburg Scilly Slbcrdeen Paris K« 753 N 747iWSW 751 NO 763NNW 747:310 Wetter wölke»! bedeckt bedeckt beiter Regen äi« »II Sai M —12 2 7 2 6 Wetterprognose für Freitag, den 84. November 1011. Ziemlich kalt, zeilweise ausklarend. viellach nebelig bei mäßigen nord- östlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wailcrftands.otn-brtckite» der LandeSanstalt für Gewässcrtunde, mtlgeleUI vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Kemel, Tilsti P r e g e 1. Jnstttdurg Weichsel, Tboru Oder. Rattbor , Krassen , Frankfurt Warthe. Sckrimm , LandSberg Netz«, Vordamm S.l b e. Letlmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saal». Grochlttz Havel. Svandaufl , Rarbenow•) Spree. Sorcmberg') , veesiow Weser, Münden , Mwden Rhein. Mapimütansa» , Kaub Köln Neckar, Hetlbrorm Main, Werrbeun Mosel. Trier am ieii 22 11, 21.11. orn 52 34 86 80 198 167 126 132 50 99 154 um1) 0 —5 "ö -2 +45 +3 +4 +22 +24 + 1 +11 + bedeutet Wuch«,— faO.— 0 Unterpeget. Puma-Stiefel i für Damen � und Herren 1050 M. f Alleinverkauf fUr Berlin # # # Soweit Vorrat: A.3andorf&€ Beile- Alliancestrasse Gr. Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm � Billige Lebensmittel PrlaohM Fleisch, Obst, m Kartoffeln von der Zu- sendung ausgeschlossen, Wurstwaren Cervelat o. Salamiwurst 1.25 Sehinkenwurst.............. 1.25 THUringer Knoblauchwurst? 1.25 Teewurst...................... ff*»» 1,10 Leberwurst ff...............?n.°ck 95 � LandleberWiirst............. pfnna 70 Zwiebelleber- od. Rotwurst ph. 48" Schinkenspeck............. Pt°°a 1,00 Nusschlnken................. nua 1.20 Gänsebrust................... p�»a1.45 pt Fischkonserven Sardinen In Sei...... 33, 4L Sardinen In Gel ,,ve«.�«>-«st°°i> 05 Rppetlt-Slld...von« 28, 58,48� Bismarck- o. Bratheringe dm* 42" Heringe I. Gelee................ 35" Will. 1.20, 1.40 KaKoo�GS, 95» HiushaltsMoladSrnGSpf. Bratgänse......... 58, 63 Fettgänse 63, 68» Suppenhühner 1.25, 2.oo Kassler...............................»»>- 63» Kaninchen �...... 60, 80» Rehblätter........... l as, I.75 Butter, Käse Essbutter..................... 1.30 Tischbutter...................«"<1 1.40 Tafelbutter................... p�d 1.50 Emmentaler Käse......... 1.20 Schweizer Käse............ et™* 85"- Tilsiter Käse.......... 50, 78" Limburger Käse............. p�nd 55 pt. Camembert................... stock 25" Neuchatelier................... stock 25" Frisches Fleisch Schmorfleisch p� 80pl Fehlrippe........ p�d75pt. Querrippe...... �70� Gulasch............. nu« 65pt SChlnken im Otuan Pfnnd 65pf, Schweinekoteletts...."■>« 75? Bauch.................. nud65pt Kamm oder Schuft.... kuo TOrt Hammelkeule u» o««« nm 65 pt Dicke Rippe p� 60? Dünnung.......... pt�d 55pt RückenfettFM 58 Liesen p«l65pi Obst Amerikaner Aepfel � 18, 25" Essäpfel......................... Pto»d15pt Kochäpfel..................... Pftmd 13 pc Essbirnen....................."uo 20 p Kochbimen....................."»»d 15 p� Schalmandeln.............. p�d 75" Traubenrosinen............ Pf°°d 75?» Felgen........................."»°40 Mark«tad den betreffendeo Nummern In Klammern belgetdgt Die Gewinne faden auf die beeelcbueta» Lom beider Abteilungen. (Ohne Oewihr.))(Nachdruck verbeten.) 130[600] 366 61[500]«77[10000] 748[3000] 69 632 930 1107 49 746 65 807 37 60[600] 963 tOli 39 338 38 38 833 611 3008 18 261«66 846 62 746 60 82 83 630 4042 143[1000] 212«4 30 368 644 Ol 848 769 823 5247 63 893 622[600] 66 027 37«168 214 24 361 681 808 830 971 7080 210 23 89 87[1008] 580 803 17 8182 85 432 611 62 873 79 822 80 991 9164 301 78 424[600] 616 65(500] 874 903 10180[800] 84 239 83 862 808 80 810 048 11088 138 364 637 848 796 18016 314 16 21 668 86 13104 244 Sil 479 93 809 737 82[1000] 872 901 14023 28 70[1000] 879 617[1000] 67 700 1 8088 [500] 147 248 302 443 900 16 16122 274 380 640 63 042 63 89 17007 248 89[500] 364 64 448 628 612 834 32 081[600] 98 1 8082 860 403[3000] 679 607 943 1 8248 68 869 836 707[1000] 658 046 2O0d5 106 313[600] 424 076 768 65 00 8 1004 91 175 269(600] 632 738 84 836 927 82135 300 37 31[1000] 326 49 72 898 817 082[3000] 88369 77 86 663 698 370[3000] 09 942[600] 33 2 4300 424 06 868 782 830 34 25133 63[600] 08 96 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Berlin. Für den Jnjeraienteil veraniw.i TH.Gl»ckc.Serlin. Druck u.Berlag: Lorwärt» Buchdruckeret u. Ve rlagSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. Nr. 275. 28. Zahrgasz. 3. ßtiliijt ilrs.Fmiiils" flftliiict WlliSdlÄ. w!»«..«»« Versammlungen. Leffentliche Versammlung der taubstummen Schuhmacher Berlins. Sine größere Anzahl taubstummer Schuhmacher hatten sich am Sonntag in„Bökers Festsälen" versammelt, um einmal ge- meinsam ihre Berufsangelegenheiten zu erörtern und zum Zu- sammenschluh im Deutschen Schuhmacherverband aufzufordern. Buchbinder Meyer leitete die Versammlung mit einer Ansprache ein. Dann hielt Braeke das Referat mittels der Zeichensprache. Er schilderte die Kämpfe der Menschen seit frühesten Zeiten bis heutigen Tages. Auf die neuere Zeit übergehend, gab er ein Bild von den Kämpfen der Arbeiterschaft mit dem Unternehmertum und zeigte, wie nur straffer Zusammenschluß und Solidarität die Ar- beiter zu besseren Lebensbedingungen führen können. Heute seien es nicht mehr wilde Tiere, die man zu fürchten hätte, sondern die eigenen Mitmenschen, die die wirtschaftlich Schwächeren bis auss äußerste ausbeuten und bedrücken. Zeiten der Arbeitslosigkeit steigerten noch die Not in den Familien der Arbeiter und bewirkten, daß Not und Unterernährung noch verheerender um sich griffen. Deshalb gelte es, sich zu organisieren und treu zur Organisation zu stehen, die die Interessen ihrer Mitglieder in jeder Weise tat- kräftig fördere. Die Ausführungen des Referenten, der gut verstanden wurde, machten einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. In der Diskussion trat ein jugendlicher taubstummer Schuh- machcr auf, der sehr wirksam die Vorteile schilderte, die ihm die Zugehörigkeit zur Organisation schon gebracht habe. Außerdem be- teiligten sich noch mehrere taubstumme.Redner an der Debatte. Beklagt wurde allgemein, daß die Taubstummen in den Werkstätten nicht die nötige Ilnterstüßung und Aufklärung seitens der übrigen Arbeiter erhielten. Am Schlüsse der Versammlung ließen sich eine Anzahl Nicht- organisierter in den Verband ausnehme«, Deutscher Metallarbeiterverband. Am Montag fand in„Grau- manns Festsälen" eine überaus stark besuchte Versammlung aller in Metallgießereien Berlins und Umgegend beschäftigten Former und Berussgenossen statt. Den Jahresbericht erstattete Bredow: Eine reichliche Zahl von Lohnbewegungen werde zum Teil mit vollem Erfolg, fast durch- weg aber in ziemlich zufriedenstellender Weise erledigt. Im ganzen wurden von diesen Bewegungen L8 Betriebe erfaßt, davon galten 7 Streiks der Abwehr, wovon 2 ohne Erfolg verliefen, und 20 Bewegungen dem Angriff, von denen 19 erfolgreich abschlössen, wäh- rend eine verloren ging. Es handelte sich bei den Bewegungen im letzten Jahre in der Hauptsache um den Abschluß von Tarifen, ferner um die Festsetzung von Minimallöhnen. In 25 Betrieben mit 400 Beschäftigten sind bis jetzt Tarife abgeschlossen. In der Diskussion warnte ein Redner davor, ein Allheilmittel in den Tarifverträgen zu sehen; er hält es für erforderlich, trotz aller Tarifabschlüsse wachsam zu sein. Jeder solle zu jeder Stunde mit seiner ganzen Person eintreten für die Aufrechterhaltung und Durchführung der eingegangenen Abmachungen. Ein zweiter Redner hob den Wert der Tarife hervor; es sei immer gut, wenn die Arbeiter auf etwas Schriftliches pochen könnten, nur dürften die Tarife nicht auf so lange Zeit abgeschlossen werden. Schwabe- d a l ging ebenfalls auf Entstehung, EntWickelung und Zweck der Tarifabschlüsse ein und kam zu dem Schluß, daß die Tarifverträge einen gewissen Schutz darstellen und für die Arbeiterichaft gunstige Vorteile bringen. Viele der Arbeitgeber, die früher sich aus nichts einlassen wollten, erkennen heute den Verband als Vertreter der Arbeiterschaft an und verhandeln mit ihm. Unumgänglich nötig sei es aber, wenn Tarife vollen Wert haben sollen, daß die Arbeiter streng auf Einhaltung der vertraglichen Abmachungen achten. In die Agitationskommission wurden gewählt: �ackel. Rietz! e. Hein, Molsa, Jsmar, Engel. Schwabedal. Matthe s, Zaun; Bredow als Branchenvertreter. Ein Be- richt über den Stand des Formerstreiks wurde entgegengenommen. Die Versammlung erklärte sich bereit, alle Matznahmen der Orts- Verwaltung strikte durchzuführen und sprach den Streikenden ihre Sympathie aus. Der Zentralverband der Dachdecker, Berwaltungsstelle Berlin» beschäftigte sich in einer Versammlung, die am Sonntag vormittag bei Wille in der Sebastianstraße stattfand, mit den Verhältnissen in dem paritätischen Arbeitsnachweis. Althaus empfahl nach einem Referat über die Notwendigkeit, den Arbeitsnachweis besser auszubauen, einen Antrag des Vorstandes, der eine Aenderung der Geschäftsordnung verlangt. Danach sollen diejenigen, die eine Arbeit dreimal hintereinander ablehnen, mit ihrer Nummer wieder in die letzte Reihe gestellt werden. Nach einer längeren Diskussion wurde der Antrag angenommen, und zwar mit der Maßgabe, daß die ersten zehn Eingeschriebenen sich täglich bei der Kontrolle zu melden haben.— Ebenso wurde eine Resolution angenommen, in der die Verbandsleitung beauftragt wird, die erforderlichen Maß- nahmen zu treffen, daß bei der nächstjährigen Lohnbewegung die Umwandlung des paritätischen Arbeitsnachweises in einen obligato- rischen vorgenommen werden kann.__ Theater und Vergnügungen Freitag. 24. November 1311: Ansang 7'/, Uhr. K. Operuliaus. Der Rosenkavalier 5k. Schanspielhaus..Der Bettler von Syrakus. Deutsches. Die Kassette. Lessiug. Gudrun. Haverland. Spezialitäten. Zirkiis Busch. Gala-Vorftellung. Zirkus Schumann. Gala- Vor- stillling. Ansang 8 Ubr. Urania. Taubensiraste 48/49. Von Meran zum Ortlcr. Neues K. Opcrntheater. Romeo und Julia. Kaniilierspiele. GygeS und sein Ring. Berliner. Die Ahnengalerie. Koiniiche LPcr. Der Massen- schmied. Neues Z-kiausvielbaus. HanS SonncnstößerS Höllensahrt. NcucS. Das Mädel von Moni- marlce. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. Hocken- ios. Schiller O. Der Pfarrer von Kirchseid. Schale?. Tbarlottenburg. Es lebe das Leben. Friedr.- Will». Schauspielhaus. Krieg im Frieden. Königgrniicr Strafte. Spielereien einer Kaiserin. Rose. Michael KohlhaaS. -vieteoi o Die Nacht von Berlin. Weste». Die Dame in Not. Lustspielhaus. Die VergniigungS- reife. Trinuv». Mein Baby. Tbalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Baronesse Claire. Casino. Der selige Hollschinsky. Wintergarte». Spezialitäten. ZivoU«. Svezialitälen. Banoge. Svezialitätcn. Herrnfeld. Schmerzlose Behandlung. DaS Kind der Firma. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. RcichSlinllen. Stettincr Sänger. Ansang Sst. Ubr. KolicS(kapricc. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Tcusel, das hat eilige- jchlagenl Ansang 8'/a Uhr. Neues Bolkotheatcr. DaS Ver- mächlnis. Belle-Zllliauce. Der Sittenapostel. Jutinies. Der Brandstister. Noack. Uriel Acosta. Boigt. Der Dornenweg. Sternwarte, Jnvalidenslr. 57—62. »aiiet-Pauorauia. II. Wanderung im Nicscngcbirge. Berchtesgaden, Salzbergwerk. berliner Ttiester. Abends 8 Uhr: Die Ahne»»galerie. IdMiiiliei' Konigptzer Straße Abends 8 Uhr: einer Kaiserin. Neues Theater. Abends 8 Uhr: DaS Mädel von Montmartre. Crevetle: Fritxi Maaitary. Souniag 8 Uhr: Der fidele Bauer. Neues königl. Opern-Theater. Heute 8 Uhr: Hol»«« und.Inlia. Abonnements-Vorstellung. Gastspiel Sophie Wachner. Ikeater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonnab.end nachm. 4 Uhr z. ersten- mal: Aiax nnd Morili. Frlcdrich-Wllhetnisttldt. Schaaspiclhaus. Heute 8 Uhr: Krieg im Frieden. Lustspiel in 5 Akten von W. v. Moser und F. v. Schönthan._ Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Morgen und solgendc Tage: Ein Walzer von Chopin. schwank in 3 Akt. v. Körous u. Barre. Sonntag lTotensonntag) abends Uhr: Die Kamrlicndame. Bene-AIItanee-Hiestör �uhr�DtrSMeuaposttl. Zun, 50. und letzten Male. Luisen-Theater. Freitag und Sonnabend 8 Uhr: kai-onesse Ciaire. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Schiller-Thealer Freitag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer vonKIrchfcld Sonnabend, abends 8 Uhr: Dadame San« Vene. Sonntag, abends 8 Uhr: F» lebe da« I-cben. OSE-THEATE Ärohe Frankstlrle: Str. 132. Abends 8 Uhr: Milhae! Kohlhans. Ui Sonnabend und Sonntag: Der Hüttenbesitzer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schnee- wittchen. niimei' ini liiiiiien BcfIIhef RttlarMWse. Heilerer RuDStabend am Sonnabend, den LS November 1011, in den Sophien- Sülen, Sophlen«tr. 17—18, unter Mit- wirtung des Apollo- Gesang«- Quartett« sowie hervorragender Künstler hiesiger Bühnen. 223/20 Eintrittskarte 30 Pf. Anfang präzise 81/, Uhr. Während des Konzerts bleiben die Saaltüren geschlossen. Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Von Meran zum Ortler jZirkns+* B I A. fSclmmaim Freitag, 24. November, 8 Uhr; Die Orestie. | Letzte Orestie• Aufführung des Deutschen Theaters Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Da« beste Programm der Berliner Varietä-Saison I Claire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat. Phänome. The Black cats engl. Backflsoh-Ens. nnd die 10 glänzenden Tarietö-lVnmmern. Die himmlischen Zwillinge zusaminengewaclisen. Lebend zu sehen! Ohne ExtrasEntree. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: E» lebe da« l eben. Sonnabend, nachm. 3'/2 Uhr: Prinz Friedrieb von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntag, abends 8 Uhr: Don Carlo«. Metropol-Tlieater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrcvue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mustk von V. Holländer. In Szene gesctzl vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Totensonntag: Vrilbz-. Ab 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Die gesamten groften komischen Attraktionen. Sonntag, den 26. /Totensonntag): Einmalige Aussnhrung. Jugend. Liebesdrama in 3 Akten u. Max Halbe. Dargestellt von auserlesenen Krästen der Deutschen Bühuen-Genosscuschast. Corso-Variete. Fried richstr. 105. GroSe Sehenswürdigkeit Berlins. Der sprechende Ueberbund. G Zanbcrvorgtellnng. G Zwei Borst llunge». Eutree SV Pf. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Baby. ' Totensonntag ab. 8 Uhr: Francillon. WM Rocli Die dagewesener Laeberlolg! Das Kind der 7hm mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung. Sonntag, den 26. November er.: Die Mcqerhnins. Die letzte Ehre. Ans. 8 Uhr. Vorverkans 11—2 Uhr. Noacks Theater. Dircklion: lloberi Dill. Berlin N., Brunnenstraße 16, Gastspiel im Moabiter Winter- Garten, früher .Artnsitol, Perlebcrgcr Str. 26 Uriel Acosta oder: Christ nnd Jüdin. Ansang S'l, Uhr. Bons usw. güstsg. Nur noch kurze Zeit! Sskintos, Samojeden, Sappen mit Renntierherden. BageDbeeksehe 28 Polarbdrefl Kurfürstemlainm 151 nahe Bahnhof Halensee und Ohar- lottenburg. Vorfiilirnngcn: Wochentags: 4'/z, 6'/, und 9 Uhr. Sonntags: 12, 3, 41/,, 6, 71/, u.9 Uhr. 1 31/, Uhr und abends 71/, Uhr ) Sonnabend, 25. UTovbr., » gr. Galavorstellungen Da Totensonntag, 26. November, nur eine Abendvorstellung stattfindet, so wird Sonnabend, den 25.November, nachm. 31/, Uhr, eine Ertra-BaebDiittags-VorstellüDg gegeben, mit Galaprograram u. nngekiirater Aufführung der großen Feerie 1000 Jahre auf dem Meeresgrund Zu dieser Vorstellung hat I'eder Erwachsene ein eigenes lind unter 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. Jed. weitere Kind halbe Preise. 71/, Uhr; Soirco High l-lfc. Direktion: Willy Oremer. Premiere! Admiftdspalast Am Ihimbcck ftfedridiüibssc Eis-Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. BW IVarh mittags: Militär'Konzert. Um 5 Uhr: Das Weihnachtsmärchen tt Das Jtr Abend« WB prachtvolle Eisballett: „Alpenzauber" Die kleine Charlotte Apachentänze— Pushballsplel. Bis 6 Uhr und von 10'/« Uhr halbe Preise. Restaurant ersten Ranges. Schauspielhaus Kino-Kunst1' Träger der Hauptrolle in de"" �'' dem Dreiakter: tt Eine Lieb estragö die im Spreewalde. Zlrkns Itnscli Beute abend 7'/, Chp; Die größte Sensation der Neuzeit! Plgnolm. seinem tollkühnen Todessprung. Zum 2. Male prolongiert! Die drei Affen-Menschen Hax, Horitz und Pepl. Frl. Anna Stennis, Sohulreiterin. Herr Ernst Schumann, Meisterdressuren.— Drei Schwestern Blumenfeld, Reck zu Pferde. Um 9'la Uhr zum 42. M«le: Origin.- Aus- stattungs- stück des SElrku« B n« c h in 5 Bildern. Vorher das gr. Gala-Programm. Ü20 Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 68. Freitag, den 24. November 1911 i Der Dornenweg. Schauspiel in 3 Ausz. v. F. Philippi. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. KönlgslSlMaZlno. Ecke Holzmartt- u. Alexanderstraße nahe Jannowitzbrücke. Abend«'1,8 Uhr: Das Rieseu- Weltstadt-Programm. Bnmke« Sommerreise u. die erstklassigen Spezialitäten. Sonntags 2 Vorstellungen: nach- mittags st,4 u. abends>/,7 Uhr. Foiies Caprice. _ ffo. 14. lÄT Kobi Krad). Sonntag, den 26. November ct.: Heinrich Heines hinge Leide», Casino-Theatei* Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Trotz dcS enormen Andranges Letzter Monat Berliner Pojsen-Schlagcr Der selige Hollschinsky. Sonntag 8 Uhr: Die Tochter de? Sträflings. Relchshalien-Tlieater. Mner Sänger «astipiei M Robert m Steidl. Anfang 9 Uhr. Kreuzberg- Festsäle SW., Kreuzbergstr. 4S. Jeden Freitag: Kolfmanns Sänger. Ans. 8 Uhr. Entree 20 Pf. Passepartouts u. Vorzugs- karten gültig.* Nach der Vorstellung: Frei- Tanzkränzche«. Jeden Mittwoch: Gr.Frei-Tanz. Ans.K'/zUhr. Für Bereine Sonnabende noch zu verg. Volks-Cheatee. Rlxdorf, Hermannftr. SV. Sonntag, 26. Nov: Die Hoffnung auf Segen. Drama in 4 Alten von Heijerman«. Montag, 27. Novbr.: Am Alrar. Schauspiel in 4 Alten von Karl Wcxcl lAminst Berliner üiiüs lumor-junrte» i Gg. Treuer �KasiisiensUeeö Arbeitsnachweis! Amt JJoi�en/jir. 1239. Verwaltuipielle Berlin CharitHstrafte 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 19S7. Sonntag, 26. November, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags, findet die Wahl von 0 Angestellten in folgenden Lokalen statt: iUeioiwsttZ Restaurant, Häven«»*, 6. Wernickes Festsäle, Acker»*, m. VOigtS Tliealer, Brnnncn»*. 58. Rarsowskis Restaurant, Bemaner«*»5»»«. Giiesebes Restaurant, Kopenhacener s*aae 74. Obigios Festsäle, scbwcdter«*.«». Funkes Feslsäle, Tn«»*. es. Nebels Restaurant,»»»*. isb. Kronen-Brauerei, Au.no.bit 47,48. Patzenhofer Brauerei,*««»*., Eck«»*««»*. Gewerkschaftshaus, 1«. Fröhliehs Restaurant, Ma.kaner s*. i. Eickes Festsäle, schemei»»*.«. Wiemers Restaurant, Btuow.*.58. COmeiliUS-FeStSäle, Hemeler Str. 67. Mer Litfiu. Boekers Festsäle, weber»*. 17. Lichtenberg, Restaurant J. Erteil. 74. Rummelsburg, Blumes Restaurant, 4lt.v»d.,«° s«. Rixdorf, Hoppes Festsäle, Hermann»*. 49. do. Zibells Restaurant, Eibe.tr. s. do. RQckbeims Restaurant, Ber»»*. 98. do. Idens Restaurant, Bar.er»*.». 88. fempelbof, Vllbelmsgarten, Ber»ner e*.9. Gbarlottenburg, Volksbaus. Bo.»ne».*.s. Köpenick und Frledrlcbsbagen, Lehmanns Restaurant, B**niwi«Bick.44 Steglitz, Clements Restaurant, Düppel»*. 7. Adlersbof, Resteis Restaurant, Frieden»*.»4. Ober-Sehöneweide, Veißensee, Peukerts Restaurant, AUeeT&i Pankow, Rozyckis Restaurant, Kren»*. Spandau, Mettes Restaurant, Bi»marck.*. e. Tegel, Heinikes Restaurant, Brnneuv.*.».»». Ohne Mitgliedsbuch kann niemand mähten! Die Stimmzettel«erden am Eingang zn den Wahllatale» verteilt. Wahlletter ist der Kollege Otto Handke, Ehariltstr. 3. Sonntag, SO, November 1911, vormittags 10 Uhr: Illlgemeiue Branchen- Versammlung der Rohrleger und Helfer Groß-Berlins im großen Saale des GetverkschaftshauseS, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Vortrags deS Kollegen Kart Wticke über:»tvle Gewerkschaften und dir kommende» Reichstagewablen«. 2. DiSlusston. 3. Branchen» und Berbandsangeiegenhetten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht deS sehr lehrreichen Vortrages ersuchen wir die Kollegen, sehr zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 12S/14 Sonntag, SS. November 1911, vormittag? 11 Uhr: Versammlung aller an Schraubenautomaten und Einzelbänken beschäftigten Einrichter im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 5. Tagesordnung: t. Punkt wird tn der Bersauimlung betanntgemacht. 2. Neu. oahl des Vertreters zur Agitationskommissto n. S. verband»- »ngelegeuhrtten, 4. Berschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet.-WW Metallarbeiter- Notiz- Kalender iür daS Jahr 1912 find erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirk». tassierern zum Preis« von 99 Pf. pro Stück zu haben. Desgl. ist erschienen: „Dit Hrbeitezeiten in der Eisen- und JNIetaU- industne Deutscblands" jum Preise von 50 Pf. pro Exemplar. Ble OrtaverwaUnn«. Utrband der Sdinfikr, Sdjnfiktiiincn nttii Wäschelllbeiter. Berlin I, Sebastianstr. 37/38. Tel.: Amt Mpl. 9737. w»««! Samenhonf ektion! Heute Freitag, den S4. November, nachmittags 2 Uhr: Gefientliche Uersammlnng im der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Tagesordnung: Ter Streik in der Tamenkonfektion. Reserent: Kollege Kunze. Alle In der Dameukonsekiion beschäjliglen Arbeiter und Arbeiterinnen haben dle Pflicht, zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Nachdem am Mittwoch der Streit sür die gesamte Damenkonsektion beschloffen ist, sordern wir alle in der Damenkonfektion, Musterkonfektion «nd* Damenkonfektions-Ateliers beschästigten Kollegen und Kolleginnen aus. die Arbeit einzustellen, gleich- viel ob sie Mag- oder andere Privatarbeit anserligen In der Muster- tonsektion ist auch da die Arbeit einzustellen, wo mit den Arbeitgebern Tarisverträge abgeschlossen sind. Der Streik richtet sich nichl gegen die Meister, sondern gegen die Unternehmer und ist gemeinsam mit den Meistern zu führen. Die Streikenden haben sich läglich zweimal tn solgenden Lokalen In der Zeit von vormittags 9—11 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr z» melden: YVeddlng: bei Prrprrnau. Pasewalker Str. 3. Am: Moabit 8829, Morden: Swinemünder Str. 42, Swineiniinder GesrllschaftShaus. Amt Norden 4978, Morden: Grunz«, Schönhauser Allee 188, Amt Norden 1139, Outen: tvianthey, Reichenberger Str. 18, Amt Moritzplatz 11724, Bfodorf: Kortegei. Reulerstr. 82. Amt Rixdois 983 Für den Weilen und Schöneberg werden die Streikkoiilroliokale noch an- gegeben. Einstweilen bitten wir die in die'en Bezirken beschästigten Kollegen und Kolleginnen, sich aus dem Bureau, Sebastianstr. 87/38, zu melden. AIS Ausweis, daff jeder sich Meldende auch bis dato in Arbeit gestanden hat, gilt der letzte Lohnzettel oder daS Krankenkaffenbilch. 164/20 Die Ortsverwaltung. Urania-VorsteUung Taubenstr.»8—49 92/20 am Sonntag» den SO. November 1911(Totensonntag), nachmittags 5 Uhr. 8u%®St:un0 Fkbkndt Sirrbilöfr m nch und feru. Billetts inkl. Garderobe a 88 Ps. sind Im Bureau. Zimmer l, zu haben. Icntralmbanli tn MMMkn«nb Hkizer st(Die �etustgenofen Drillslhlaniis VerwaltuncH«tolIe Berlin. Sonntag, den 80. November 1911, mittags 1'/, Uhr, tn den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: General-Bersammlung. Tagesordnung: Berichte und Anträge. Mitgliedsbuch legitimlert.— Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. 148/9 Dl« VcrwaltanR. Achtongl Bälkerei-Boykokt. Aektone! Meiner geehrten Kundichast zur Nachricht, dah die Differenzen mit dein Bertrauensmann deS Bäcker- uns Konditorenverbandes zu beiderseitiger Zustledenheit beigelegt sind und empjehle dem verebrten Publikum nach wie vor meine Wa»e. Achtungsvoll E. KittlaUS, GrelfSwalder Str. 161. veftätigt durch den Bertrauensmann der Bäcker u. Konditoren Berlins und Unigegend. 793L Knorr- Hahn- Maccaroni werden in hygienisch vorbildlicher Weise aus bestem Rohmaterial rein maschinell hergestellt und sind von feinem Geschmack, nahrhaft u. sehr ergiebig. Meiter-Railfaliper- Buoii Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 26. November. 2. Abt.: 1 Uhr: Alt-Glienicke(Ge- sellschastshauS). Start: Schönlein- stlaffe 6. 3. Abt.: 1 Uhr: Alt-Wlienicke. Start: Lausitzer Platz 12. 5. Abt.: 2 Uhr: Hlrschgarten. /Kartoffel und Heringstour). Start: Elysium 8. Abt.: 8 Uhr: Obigw. Schwedter Straffe 23/24. 8. Abt.: 2 Ubr: Mariendors. Start: Beuffelstr. 22. 9. Abt.: l1/, Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. Start: Schillingstr. 22. 13/3 Samariter-UebnngSabend am 30. November, 9 Ubr. bei Lehman». Glralauer Brücke 3. teppdecken Speziaihaus Emil Lefövrü Berlin, Oranlenstr. 158 Höchste| eistungstähigkeil durch Selbstfabrlkation aller besseren Qualitäten.* Steppd. ä 2 50, 4. 6, bis 250 M. Schlaidccken ä 3, 4, 10 bis 50„ ficht. Kamelbaar ä 10 bis 36„ Spezialkatalog isD.Iranko. "Jeder Arbeiter, jeder Handwerker sollte zur Hrbcit die Lederhoso Herkules Mg«. S Üaerreichte 3 Leistungsfähigkeit. Allsln-Verkauf. Sehr starkes Leder in grauen n. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr feste Kapp- nähtem. stark. Gaue, Schwere Leder-Pilot- 1 a>;nea. 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November ö. I. in Aussicht stehende Aussperrung als Zentralkomitee konstituiert. Ls«srcksn deshalb alle auf die angedrohte Aussperrung Bezug habende Mitteilungen und .ein Bfreff diese unter Kennung des Betriebes und der Zahl der im Betrieb insgesamt beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen sofort Anweisungen ausschließlich von diesem Zentralkomitee ergehen. Alles, was an Verhaltungsmaßregeln den beteiligten Arbeitern rbeiterinnen zukommen muß. wird rechtzeitig bekannt gemacht werden. Wir ersuchen alle diejenigen Vertrauensleute, in deren Betrieben der Anschlag betreffend Aussperrung ausgehängt ist. uns mitzuteilen. Wir erwarten, daß alle beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen den Anweisungen des Zentralkomit ees unbedingt Folge leisten.— Ausdrücklich wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß ohne Zustimmung des Zentralkomitees nichts unternommen werden darf. Berlin, den 20. November 1911. Beutscher Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin. Bentscher Kolzarbeiterverband. Verwaltungsstelle Berlin. Beutseber Transportarbeiterverbaud. Verwaltungsstelle Berlin. Verband der Vabrikarbeiter. Verwaltungsstelle Berlin. Zentraloerband der Sehmiede. Verwaltungsstelle Berlin. Alle Mitteilungen und Anfragen sind zu richten an 126/13 Verband der Maler und Lackierer, Verwaltungsstelle Berlin. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Verwaltungsstelle Berlin. Verband der Kupferschmiede. Filiale Berlin. Zentralverband der Handlungsgehilfen. Verwaltungsstelle Berlin. Adolf Cohen, NW. 6, Charitestr. 3. m P? In unserem Hause , Freitag u.Sonnabend Soweit Vorrat Sonder- Anaebote in sämtlichen Abteilungen rnmiiiiimmmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiuiiniiiiii unter anderem: TUi-, Seiden-Ii. Sonit-, Husen.......... dutchueg? Sümt-Nllntel............ 1950 flnusdi-Mflnlel......... J350 Seiden-Blusen gestreift und einfarbig........ Tüll-Blusen weis» und creme mit Elneätien..• 2 90 Binsen-FloiiElle 35 Baumwolle.............. 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M., Herrustr. 10, einsenden._ 290/10» iy. mritt), witeiionai n. yjt., perrnnr. iu, cimen-zen._ uvv/in' Für das Zlrbeitersetretariat Halberstadt wird zum 1. Januar 1912 ein Sekretär gesucht. Gehalt 2000 M. Bewerbuiigen mit Augsbe der bisherigen Tätig- teil sind bis spätestens den 5. Dezember an Hermann Schwarze, Halbcratadt, Bleichftr. 10 II. cinzurcichen. 1697b Mit dem I.Januar 1912 ist die Stelle eines �rbelteraehretilr» neu zu besetzen. Rcstcttaisten müssen mit der Sozialgesetzgebung und dem bürgerlichen Rechte völlig vcttrant sein. TtiS Ansangsgchalt beträgt 1800 M., das Endgehalt 2500 M. Oiiertcn erbeten mster' Bcijügung einer gcdränglcn schristlichcn Arbeit über die Ausgaben eines ArbeitersetelärS, dcS kurz dar- gestellten LebenslanseS sowie der bisherigen Tätigtest innerhalb der Ar- besterbewegung bis zum 5. Dezember I9li er-: 299/12» Otto Pfeifer, Oer», Alto LodloSgasso 11, II Für einen größeren Fabrittonsumbcrc!» wird ein tüchtiger Lager- Halter gesucht; geleimter Schlächlcr bevorzugt. Kaution 1000 M. er- svrdcrlich. Der Antritt erfolgt am 1. Januar. Ofserlcn mit GehaliSansprüchc», Zeugnisabschriften und Beschreibung der bisherigen Tätigkeit unter K. V. an die.Vorwärts'- Spedition, Rixdork. Siegfriedftr. 28/L0, cibcten.* Limmer. Freundlich möbliertes zwei« fenstrigeS Zimmer für einen oder zwei Herren zum Ersten zu vermieten. Scholz, Rixdors, Nansenstraße 36, Gartenhaus I.+127 Schlafstellen. Alleinige möblierte Schlafstelle vermietet Becker, Bellealliancx- straße 25._ IIWÜ Freundliche Schlasstcllc vermiet'ä Bauer, Nazarcthtirchstraße 48, Hof II. Alietsgesuche. Herr sucht möbliertes Zimmer mit Zentralheizung. Offerten mit Preis- angabe E. postlagernd Baumschulen- weg._ 62851 Junger Mann sucht billiges Zivi- mcr, allein, nahe See/lraße. 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