Nr. S76. Bbonntmenfj-Bedingung«!! AbonnemcntS- PrciZ pränumerando: Liertcijährl. S£Q Mr., monotl. 1,10 Md. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau». Giüjelne Kummet 5 Pfg, EonniagZ« nummet mit illustrierter Sonntag»« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft« Ubonnemeitt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Ureuztand für Deutschland mid Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweij, 28. Jahrg. Die InIertion$'6eI)Qf)r beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel» >eile oder deren Raum M Pfg.. für polllische und gewerllchaitliche Vereins« und BerfalilMlungs-Anzeigen?,ü Pfg. „Kleine Hnrcigcn", das fcUflebmcfie «ort 20 Pfg.(julüffig 2 feltgcbnirtte «orte), jedes weitere Werl 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan» , eigen das erste Wort 10 Pfg.. jede» weitere Wortö Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Werte. Jnferaie für die nächste Nummer mülfen bis S Uhr nachmittags in der Expedition «dgegeben werden. Die Srveditio» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, crlcheliil tiffliii) luStr lüontais. Verlinev Volkslilatt. Zentralorgan der rozialdemokratifcbeti partd Deutschlands. Xelegtamm■ Adresse: «SozIaliKosürat BtrUB". Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrasse 65» Fernsprecher: Sfmt Nioriypfay, Nr. li)83. Sonnabend, den A3. November Expedition: 8M. 68, tdndetisrrasse 69» Fernsprecher: Amt Mortliplap, Nr. I.i>8t. va5 Kegierungsipiel mit dem Mricgsfcucr. Von G. Ledebour. Nachdem die Verhandlungen in der Bndgeikommission über die Marokkosrage zu Ende gekommen sind und der In- halt der Aussprache, die zunächst einen vertraulichen Charakter hatte, in der Hauptsache der Oeffentlichkeit übergeben ivurde, ist es endlich auch den beteiligten Abgeordneten möglich, die gemachten Mitteilungen im Zusamnienhange mit den aus anderem Wege bekannt gewordenen Tatsachen öffentlich einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Was an den gemachten Enthüllungen den peinlichsten Eindruck machen muß. ist die Tatsache, daß während des Verlaufes dieses jüngsten Marokkozwistes Westeuropa trotz der relativen Bedeutungslosigkeit der wirklichen Streik- objekte nicht nur einmal, sondern mehrere Male vor dem Ausbruch eines ungeheueren Welt- k r i e g e s gestanden hat. Mitschuldig an der Herbeiführung dieser grauenhaften Gefahr sind alle beteiligten Regierungen, nicht nur die deutsche, sondern auch die französische und englische. Erhöht wurde diese Gefahr durch die Methoden der diplomatischen Geheimniskrämerei. unter deren Deckmantel alle Gegensätze sich verschärfen und leicht einen unheilbaren Charakter annehmen können, während die öffentliche Aussprache dem Gemunkel über dunkle Pläne dieser oder jener Macht bald ein Ende gemacht und frühzeitig ohne Gefährdung des Friedens zu einer Bei- legnng des Streites hätte führen können. Alles das gilt besonders für die Meinungsverschiedenheiten zwischen der deutschen und der englischen 3le- gierung, die als Nebenprodukt des deutsch-französischen Konfliktes sich im Laufe der Verhandlungen entwickelten und schließlich einen weit bedrohlicheren Charakter angenomnien hatten als der Zivist. der sie erzeugte. Es ist zweifellos, daß die französische Regierung durch die Besetzung von Fez und anderen marokkaliischen Gebiets- teilen gegen den Wortlaut des Vertrages von Algeciras ver- stoßen hat und dadurch zunächst den Anstoß zur Wiederaus- rollung der marokkanischen Frage gegeben hat. Doch trat in jenen Vorgängen nur die Tatsache zutage, daß der Vertrag eine schlecht verhüllte Maske für die Auslieferung Marokkos an die französische Oberherrfchaft, oder um es anders auszu- drücken, für dessen Tunifizierung gewesen ist. Daß die Großmächte, daß insbesondere Frankreich. Deutschland und England sich überhaupt ein freies Verfügungs- recht über Marokko ivie andere schwache Staaten anmaßen, wird natürlich von der Sozialdemokratie auf das ent- schiedenste bekämpft, da wir die Gegner jeder Unterjochung fremder Völker zu kapitalistischen Ausbeutungs- zwecken sind. Solche Erwägungen waren aber natürlich nicht nmßgebend für die deutsche Regierung, ebensowenig wie sie maßgebend sind für irgendeine der bürgerlichen Parteien. Alle sind sie damit einverstanden, daß, wenn irgendeine fremde Regierung auf imperialistischen Raub ausgeht, auch die deutsche suchen mutz, eine„Kompensation" dabei herauszuschlagen. Tie deutsche giegierung konnte deshalb der Zustimmung der bürgerlichen Parteien sicher sein, als sie die Aus- dchnungsbestrebungen Frankreichs in Marokko zum � Anlaß nahm für die Geltendmachung imperialistischer Ansprüche. Erreicht haben Vethniann und Kidcrlcn allerdings schließlich einmal die Sicherung der offenen Tür in Marokko für alle Staaten. Das wäre aber auch zu erreichen gewesen unter allgemeiner Zustimmung im Wege friedlicher VerHand- lungcn ohne Säbelgerassel. Als eigentliches- deutsches Kom- pcusationsobjckt für die Anerkennung der Tunifizierung Moroklos ivurde dann die Angliederuug des Kongo- zipfels an die deutsche Kolonie Kamerun herausgeschlagen. Und um dieses Danaergeschenk zu crkänipfcn, wurden Wege eingeschlagen, die Deutschland wiederholt au den Abgrund eines Weltkriegs geführt haben. Es kann nicht scharf genug betont werden: die Gefahr eines Weltkrieges wurde herausbeschworen nur um der Kongo- zipfel willen! Denn Herr v. Kiderlen-Waechter hat wiederholt ausdrücklich versichert, daß die deutsche Regierung mit ihrem Vorgehen in Marokko niemals irgendwelchen Landerwerb inMarokko und niemals die Erwerbung eines Kriegs Hafens an dessen K ü st e beabsichtigt habe. Wenn die Reichsregierung weiter nichts wollte, als was sie in Marokko und am Kongo tat- sächlich erreicht hat, war es ein schwerer Fehler, daß sie als Symbol für die Geltendmachung ihrer Ansprüche ein deutsches Kriegsschiff nach Agadir entsandte. Nach den Mit- teiluugen in der Budgctkommissioii hat allerdings am Vorabend des.Panrlier"spruugs die deutsche Regierung allen i'.iter- essierten Mächten, auch England, diese Absicht mitteilen lassen. Die Mitteilung ging indes nicht darüver hinaus, daß der „Panther" zum Schutz bedrohter ReichSangShöriger entsandt sei, was eingestandenermaßen nur eine diplomatische Fiktion war, sowie daß die deutsche Regierung bereit sei, wenn eine Rückkehr zum ZZechtszustaude der AlgcciraSakte unmöglich sein sollte,„mit Frankreich gemeinsam einen Weg. der auch dem Interesse der übrigen Signatarmächte entspräche, zu einer endgültigen Verständigung über die Marokkofrage zu suchen." Darüber, was Deutschland als Sondervortcil für sich zu er- wirken suchte, ist in dieser Mitteilung keine Silbe ent- halten. Die unausbleibliche Wirkung des Panthersprunges war natürlich die, daß die alldeutschen Imperialisten mit großer Begeisterung und ebenso die französischen und englischen Im- perialisten mit weitgehendem Argwohn der deutschen Re- gierung Pläne zur Gebietserwerbung und Kriegshafenbesetzung beimaßen. Herr von Kiderleu bestreitet zwar ausd.ücklich, daß irgend- welchen alldeutschen Redakteuren zu verstehen gegeben sei, Teutschland trage sich mit solchen Plänen. Er will sogar einem alldeutschen Politiker ausdrücklich das Gegenteil versichert haben. Ter habe ihm das aber nicht geglaubt. Gerade diese Erfahrung hätte aber Herrn v. Kiderlen belehren müssen, daß in solchen Fällen private Mitteilungen unter vier Augen nicht ausreichen, sondern daß der Weg der Oeffentlich- keit durch eine Erklärung, die von der ganzen Autorität der deutschen Regierung gedeckt wurde, hätte beschritten werden müssen, wenn der Re- gierung ernstlich daran gelegen war, die durch den Panther- sprung bei den alldeutschen Imperialisten erweckten Hoffnungen zu beseitigen. Statt dessen beschritt sie den Weg geheimer Verhandlungen mit der französischen Regierung und ließ den tollsten Ge- rüchten freie Bahn, sich in der öffentlichen Meinung Europas einzunisten. Dies Verfahren findet eine natürliche Erklärung nur da- rin, daß die deutsche Regierung glaubte, aus den Fortwuche- rungen solcher Gerüchte und den dadurch bei den deutschen kapitalistischen Parteien erzeugten patriotischen Aufwallungen Vorteile fürdieVerhandlungen mit derfran- zösischen Regierung ziehen zu können. Hat doch der SHeichskanzler von B e t h m a n n H 0 l I w e g in der ReichStagssitzung vom 8. November die bemerkenswerte Aeußerung getan, die patriotische Aufwallung während des Sommers habe ihn„gestützt, auch wenn sie in Worten sich gegen mich wandte". Mit anderen Worten, die Entfesselung des kuror teuwiüons ivar der Reichsregterung gar nicht unangenehm, da sie sich als Pressionsmittel gegen- über dep bockbeinigen Franzosen verwenden ließ. Die Verwendung solcher künstlich erzengten Pressionsmittel steht auch ganz im Einklang mit der imperialistischen Diplomatenkunst. ES war das aber ein höchst gcfähr- lichcS Spiel mit dem Feuer, das durch den üblen Einfluß auf die Volkswirtschaft weit mehr Schaden angerichtet hat, als selbst nach kapitalistischer Auffassung die ganzen Marokko- Verhandlungen Deutschland Nutzen bringen konnten. Es hätte aber obendrein nicht viel gefehlt, so hätte dieses Spiel einen Weltkrieg mit England entzündet. Zunächst ist eS ganz erklärlich. daß die französische Diplomatie ihrerseits suchte, für den Fall eines ernstlichen Konfliktes mit Deutschland, das sowieso mit Frankreich verbundene England auf seine Seite zu bringen. Die französische Presse und mit ihr ein Teil der englischen schürten den durch die Schuld der deutschen Regierung entstandencen Argwohn gegen Teutschland, und so setzte er sich auch bei der englischen Negieruilg fest. Ob wirklich die Anlegung eines deutschen KricgshafenS bei Agadir auf eine Gefährdung des britischen Handels hinausgekommen wäre, kann zweifelhaft sein. Hat doch nach Mit teilnngen, die Herr v. Kiderlen-Waechter in der Budgetkommission machte, in früheren Jahren Herr Chamberlain angeregt, England solle sich Tanger nehmen und Deutschland dafür einen Hafen an der marokkanischen Westküste überlassen. Es ist ans diesem Plane glücklicherweise nichts geworden, da der Premierminister Lord Salisbury sich nicht darauf einlassen wollte. Tatsache ist aber, daß gegenwärtig infolge der stärkeren Entwickelnng des deutschen SeehandelS eine Festsetzung Deutschlands in Agadir von der öffentlichen Mei- min g Englands alS eine Bedrohung aufgefaßt worden wäre. Die deutsche Aicaicrung konnte darüber auch gar nicht im Zweifel sein. Trotzdem hat sie mehrere Wochen hindurch nichts getan, um der englischen Regierung beruhigende Ans- klärnng zu geben oder, was noch richtiger und wichtiger ge- wesen wäre, durch eine öffentliche Erklärung alle ihr zu- geschriebenen Gelüste ans marokkanisches Gebiet in Abrede zu stellen. Eine halbwegs beruhigende Erklärung erfolgte erst drei Wochen nach dem Panther s p r u n g. als der englische Minister des Acußern Sir Edivard G r e y eine Unterredung mit dem deutschen Botschafter in London Grafen W 0 l f f- M e t t e r n i ch herbeiführte. Dieser Vorgang be- darf einer besonderen Beleuchtung, um auch das Verhalten der englischen Regierung richtig werten zu können. Im„Vorwärts" vom 10. und 17. November hat der Genosse Bernstein auf die Autorität des englischen Abgeordneten Zlamsay Macdonald hin behauptet, daß in der Zwischenzeit wiederholte Anfragen der eng- tischen Regierung bei der deutschen Regie- rung unbeantwortet geblieben wären. Herr v. Kidcrlen bestreitet diesen und ähnlichen Gerüchten gegenüber ausdrücklich, daß die deutsche Regierung irgendeine englische Anfrage unbeantwortet gelassen habe. Es mag sein, daß Macdonald eineni Mißverständnis zum Opfer gefallen ist. oder daß jener Widerspruch sich auf andere Weise auf- klären läßt. Doch das ist ziemlich nebensächlich. Jedenfalls steht, nach den von Herrn v. Kiderlen verlesenen und jetzt auch publizierten Aktenstücken, soviel fest, daß jene Unter- rcdung zwischen Grey und Metternich am Mittag des 21. November, also vor der am Abend des nämlichen Tages gehaltenen Rede von Lloyd George stattgefunden hat. Wäre vor der Rede von Lloyd George überhaupt keinerlei Aufklärung durch die deutsche Regierung oder ihren Vertreter in London der englischen Regierung gegeben worden, so wäre es vollkommen begreiflich, daß die englische Regierung in ihrem Argwohn, Deutschland Plane Eroberungen in Marokko, beharren und zu der in der Rede des englischen Schatzkanzlers ausgedrückten Auffassung kommen konnte,„als würde Großbritannien in einer Frag.e, die seine Lebensinteressen berührt, so behandelt, als zähle es nicht mehr uiit im Rate der Nationen." Unverständlich bleibt es aber bis heute noch, wie Lloyd George am Abend des 21. November jene Worte hat sprechen können, unverständlich wenigstens dann, wenn der vom Grafen Wolff-Metternich über die Unterredung mit Grey am Mittag des 21. November erstattete Bericht an das deutsche Aus- wärtige Amt den Tatsachen entspricht. In den Bernsteinschcn Darlegungen wird diese Unter- r e d u n g überhaupt nicht erwähnt. Es müßte denn sein, daß sich darauf der Satz in Bernsteins Artikel vom 10. No- veinber beziehen soll:„Die zweite Anfrage der englischen Regierung blieb nicht unbeantwortet; laut dem Artikel der „Socialist Review" war aber diese Antwort eine Insult e." In dem Bericht Metternichs, der auch im„Vorwärts" abgedruckt wurde, ist eine Insulte der englischen Rcgierunz jedenfalls nicht zu ermitteln. Es muß das ausdrücklich fest- gestellt werden, da man bei aller Gegnerschaft gegen die Pläne und Methoden der deutschen öiegicrung doch nicht kritiklos alles zu glauben braucht, was die englische Regierung in ihrem eigenen Interesse in die englische Presse lanciert. Es kann also nicht deutlich genug hervorgehoben werden, daß unter der Voraussetzung, daß Graf Wolff-Metternich wahr- heitSgetreu über seine Unterredung mit Grey am 2t. Novem- der berichtet hat, ein wirklicher Anlaß für die Rede des Schatz- kanzlers Lloyd George am Abend des nämlichen Tages fehlt, und daß deshalb der englische Minister des A e u ß e- ren im englischen Unterhause ersucht werden müßte, Aufklärung darüber zu geben, weshalb er nach der Unterredung mit Metternich nicht die Verlesung der oben zitierten Worte durch Lloyd George am Abend des nämlichen TageS inhibiert hat. Daß im Zeitalter der Telegraphen und Telephone eine solche Jnhibierung zwischen Mittag und Abend möglich war, wird doch niemand bestreiten. Daß der englische Minister des Acußern über den vorher aufgesetzten Wortlaut jener Rede unterrichtet sein mußte, ist ebenfalls klar. Seine eigene Aufforderung an den Grafen Metternich. die Marokkofrage in nichtamtlicher Form mit ihm zu besprechen, deutet obendrein daraus hin, daß er selber das Bedürfnis gehabt hat, vor jener geplanten Kundgebung noch mit einem Ver- trctcr der deutschen Regierung zu verhandeln. Graf Metternich behauptet nun, er habe dem englischen Minister ausdrücklich versichert, daß die deutsche Regierung eine Nichtachtung Eng- lands in keiner Weise beabsichtige. Metternichs Auskunft hat allerdings die Lücke, daß er die Nachforschung Greys, ob Deutschland Gebietserwcrb in Marokko beabsichtige, nur in der Forin beantwortete, daß ihm selbst nichts davon bekannt sei und daß bloße Vermutungen die cnglijche Regierung nicht zu der Annahme von Annexionspläncn Deutschlands in Marokko berechtige. Es tritt dabei zutage, welch' schwerer Nachteil für eine gegenseitige Verständigung in den veralteten Formen des diplomatischen Verkehrs liegt. Hätte Grey sich direkt tele- graphisch an Kiderlen gewandt, so wäre am 21. November oder, wenn Grey gewollt hätte, schon früher volle Aufklärung bereits am 21. November zu erzielen gewesen. Welche Zeit- vertrödelung, welche Quelle von Mißverständnissen liegt in den mündlichen Auskünfien der Botschafter auf Grund von schriftlichen Instruktionen! Das ist nun leider nicht geschehen. Lloyd George hielt am 21. November abends seine Warnungsrcde. Wenn man nun auch das endgültige Urteil Über diese Vorgänge bis nach der Erklärung Greys im englischen Parlament hinausschieben muß, geht doch so viel daraus hervor, daß auch im Schöße der englischen Regierung imperialistische Strömungen am Werke sein niüssen, die nicht vor einer Verschärfung der inter- nationalen Gegensätze zurückschcuen. Immerhin konnte die Unterredung zwischen Grey und Metternich lvcnigstens den Argwohn der englischen Regierung aus der Welt schaffen, der am Abend des nämlichen Tages aus der Rede von Lloyd George allein als Beschwcrdepunkt hervortrat, als werde England von Deutschland behandelt, als ob es nichts mehr gelte im Rate der Nationen. Min- bestens hätte Grey zu der Auffassung kommen müssen, daß es unter solchen Umständen ratsamer sei, die geplante öffentliche Warnung an Deutschlands Adresse noch hinauszuschieben, da auf Grund seiner Unterredung mit Metternich eine direkte Auskunft der deutschen Regierung über die Marokko-Frage unmittelbar zu erwarten war. Wäre diese dann unbefriedigend ausgefallen, dann wäre für einen englischen Minister noch immer Zeit und Gelegenheit gernia gewesen« die Warnung in die Welt hincniszuschicken. Noch deutlicher geht das aber hervor aus der von dem englischen Kapitän F a b e r enthüllten Tatsache, daß noch im September die englische Regierung ernstliche Vor- bereitungen für einen Seekrieg gegen Deutschland getroffen hat. Auch andere Informationen bestätigen diese Tatsache. Ein solches- Verfahren erscheint aber deshalb um so unerklärlicher, weil im Anschluß an jene Unter- redung zwischen Metternich und Grey die deutsche Regierung die englische vollauf darüber verständigt hat. daß sie keinen Landerwerb in Marokko und keine Anlegung eines Kriegs- Hafens in Agadir beabsichtige. Es wird vielleicht bald an das Tageslicht kommen, was denn im Septeniber die englische Regierung zu ihreu bedroh- lichen Maßnahmen veranlaßt hat. Aber aus all den hier erörterten Vorgängen erhellt doch mit voller Deutlichkeit, daß die Regierung keines einzigen kapitalistischen Landes, auch nicht die englische, als ein Hort des Friedens gefeiert werden kann, und daß die Völker jederzeit der Gefahr ausgesetzt sind, durch das Ränkespiel der Machthaber über Nacht für kapitalistische Interessen in furchtbare Kriege hineingerissen zu'werden, so lange diese Handlanger des Kapitalismus nach den Methoden der geheimen Diplomatie über Wohl und Wehe der Völker entscheiden können._ Tmpcrialiitiichc(Reibungen. Offi-iöfes Spiel mit clem fener. Herr v. Kiderlen bekommt Angst vor der Courage, die er dem offiziösen Preßgesinde anbefohlen hat. Der Ruhm, „eine erlösende Tat" vollbracht zu haben, wäre ihm schon recht, aber die Hetze gegen England ist denn doch zu toll aus- gefallen. Deshalb muß die„Köln. Ztg." versuchen, die heulenden Derwische des Patriotismus etivas zu beruhigen. Die Aufgabe ist nicht leicht; denn der Ruhm des„starken Mannes" darf nicht gefährdet werden. Und so kommen Trompetensignale heraus, halb Chamäde, halb Fanfare. Nun sind die Zeiten sicher recht ernst, aber diesmal scheint es uns doch, als würde nicht auf einer Kriegs trompete geblasen. Erst mit der K i n d e r trompete im Munde wird Herr v. Kiderlen zum würdigen Repräsentanten seiner miswärtigen Politik. Die offiziöse Auslassung der„Köln. Ztg." lautet nach einem telegraphischen Bericht: Köln, 24. November. Die„Kölnische Zeitung" veröffentlicht an leitender Stelle folgendes offiziöse Telegramm aus Berlin: In den Auslassungen der Presse stoßen wir vielfach auf typisch überein- stimmende Aeußerungen, von denen jede in ihrer Weise sehr be- zeichnend ist. Zunächst begegnen wir der Meinung, daß es ohne ernste Gefahren so wie bisher mit England nicht weitergehen könne, sondern daß es besser oder schlechter werden müsse. Wenn einige Blätter sich auch in heftigen Ausfällen gegen Eng- land ergehen und die Deutschen auffordern, in ihnen in Zukunft„den Feind" zu sehen, so möchten wir solchen Aeußerungen gegenüber doch sehr zur Zurückhaltung mahnen. Es sind das Anschauungen, die von einer allerdings erklärlichen Erregung zeugen, die aber nicht aufkommen dürfen gegen den festen Willen der großen Mehrheit der Ration, die sich jeder Herausforderung fern halten und sich keinen gewissermaßen als solche "üßerkannten Feind anschaffen will. Wir haben' dagegen Ein- spruch erhoben, daß man Frankreich alö Erbfeind proklamiert, und -Hl« warnen ebenso davor, daß man England in ähnlicher Weise abstempele. Wir wollen mit allen in Frieden leben, wenns geht, was allerdings n ich t h in d e r t, daß auch wir freilich der Meinung find, daß eS entweder besser oder schlechter werden muß. Wenn ein Blatt, so gestellt wie die„Kölnische Zeitung", für freundliche Beziehungen zu England eingetreten ist. so darf sie andererseits auch Gehör beanspruchen, wenn fie darauf hinweisen muß, daß es nicht Deutschlands Verschulden, sondern das der englischen Politik gewesen ist, wenn heute in Deutschland die Meinung besteht, daß eS ohne eruste Gefahren so wie bisher nicht weitergehen kann. Ein zweiter Punkt, der Beachtung verdient, ist die Stimmung� . die Frankreich gegenüber zum Ausdruck kommt. Obgleich wir mit Frankreich wegen Marokko eine recht harte Auseinandersetzung gehabt haben, ist bei ihr niemals von deutscher Seite eine grund» sätzliche Feindseligkeit zum Ausdruck gekommen, nie grundsätzlicher Haß gezeigt worden. Trotz der beiderseitigen leidenschaftlichen und beklagenswerte» Uebertreibungen hat man doch die richtige Grenze eingehallen und sich gütlich geeinigt. Wenn die Engländer wissen wollen, warum eS mit ihnen anders st e h t als mit Frankreich, so wollen wir eine offene Antwort geben. Die Franzosen haben seit 1870 Ursache, un» zu zürnen, weil wir sie geschlagen t nd ihnen eine reicke Provinz gc- nommen haben. Den Engländern hingegen haben wir nie etwas Bösen getan, jhiie.i nie etwas Nachteiliges zu- gefügt, und deshalb empfinden wir es als be- sonders verletzend und unbegründet, daß sie sich in eine so dei�tsch-feindlichr Haltung haben hinein- treiben lassen. Was'man bei den Franzosen allenfalls versteht, ver« steht man nicht bei den Engländern, und deshalb die Erbitterung. Die dritte Tatsache, auf die wir besonders das Ausland aufmerksam machen möchten, ist die immer schärfer hervortretende Erscheinung, daß alle Parteizerllüftung im Innern doch nicht das Zusammenstehe» der Deutschen dem Auslande gegenüber verhindert. Alle Richlungcir sind darin einig, daß eS dem Auslände gegenüber keine Spuliung geben dürfe, und wir werden es mit großer Freude begrüßen, wenn die deutsche öffentliche Meinung eS sich auch angelegen sein ließe, fich der Herausforderung und Verletzung anderer zu enthalten. Die enzlifcK-ft'iinzLl'ische Entente. Aus London wird uns geschrieben: Am Montag also wird die Debatte der auswärtigen Angelegenheiten endlich stattfinden. Zuerst hatte der Ministerpräsident erklärt, daß die Debatte mit Nücksicht auf deutsche und französische Gefühle nicht eher statt- finden werde, als bis sich der Reichstag und die Dcputiertenkammcr ■über die Marokkoaffäre ausgesprochen hätten. Offenbar will sie nicht länger aus die französische Regierung warten, deren Ver- zögerungötaktik nur geeignet ist, die Besserung der englisch-dcuischen Beziehungen, die die englische Regierung herbeiwünscht, zu verhindern. Die Debatte wird durch eine von der Regierung selbst gestellte Resolution die nur wohl formelle Bedeutung haben wird, eingeleitet werden. Die Diskussion wiro sich über eine Reihe von Gegenständen — Marokko. Perfien. Tripolis-r- erstrecken. Wahrscheinlich ist aber, baß die Ententepolitik, die �ie LinkSlibcralcn für die be- siehe» den gespannten Beziehungen zwischen Deutschland und England verantwortlich machen, im Mittelpunkt der parlamentarischen Er- örterungen stehen wird. In liberalen Kreisen will man endlich tyissen, wie es mit dem Abkommen vom Jahre 1001 steht, und man hofst, daß mit den kommenden Verhandlungen der Acra berge» heimen Diplomatie, die seit dem Einsetzen der kontinen» talen Einmischungspolitik besteht, ein Ende bereitet wird. Aber auch in konservativen Kreisen fängt man an, gegen eine zu weitgehende Jnterpretierung der englisch-französischcn Freund- schaft Bedenken zu tragen.. So schreibt� der„Standard": „Was auch die Art der britischen Verpflichtungen Frank- reich gegenüber sein mag, diese Verpflichtungen sollten die Mög- lichkeit einer Feindschaft gegen Deutschland aus- schließen, es sei denn, daß die deutsche Politik einen ag- grcssiven Charakter annimmt." Zweifelsohne besteht augenblicklich in England allgemein Ab- neigung gegen eine Politik, die'einen alle Augenblicke in Kolli- sion mit Teutschland bringt. Man verteidigt zwar das Vorgehen Englands in dem marolkanifchcn Streit mit dem Hinweis darauf, daß man nur Vertragspflichten erfüllt habe, gerade wie Deutsch- lani) Oesterreich gegenüber nur seinen Pflichten als Bundesgenossen nachkam. Aber man wünscht die beständige Aufregung, die dem Laude keinen Nutzen bringt, zu beseitigen. Daß dieser Wunsch ehrlich ist, beweist vor allen Dingen die Tatsache, die nicht oft genug wiederholt werden kann, daß daS englische Volk die wilden Wutausbrüche der Alldeutschen fast ohne Er- widerung ruhig hingenommen hat. Man weist hier auch darauf hin, daß nun, da die Marokkoaffäre hoffentlich ganz aus der Welt geschafft worden ist, der unmittelbare' Zweck des englisch-französischen- Abkommens erfüllt und die Gelegenheit ge- byten ist, die Grundlage für harmonischere Beziehungen zwischen England und Deutschland zu schaffen. Wenn die deutschen Kolonialschwärmer ihren Kopf dazu ge- brauchten, nicht nur damit gegen die Wand zu rennen, sondern um damit zu denken, so müßten sie der friedfertigen Stimmung, die augenblicklich in England herrscht, entgegenkommen. Denn mit einer Gewaltpolitik ist gegen England nichts auszurichten. Für jedes Kriegsschiff, das Deutschland baut, baut England zwei. Diese Rüstungspolitik, die hier als die Grundlage der Selbständigkeit des Jnselreichs angesehen wird, wird durch keinen Regierungswechsel verändert. Die Angriffe der letzten Tage sowie die Darstellung, die Herr v. Kiderlen über die Marokkoverhandlungen gegeben hät; baben übrigens die Stellung der Regierung eher gestärkt und die der Oppo- silion erschwert. Nichtsdestoweniger ist man hier zu dem ernsten Versilch entschlossen, aas den gespannten Beziehungen zu Deutschland herauszukommen. Kiderlen als Helfer GreyS. London, 24. November. sMeldung des Reuterschen Bureaus) Die Morgenblätter spotten einmütig über das Gerücht, daß Sir Edward Grey infolge der Debatte vom 27. November zurücktreten könnte und erklären, obschon einige Exlremrabikale die auswärtige Politik der Regierung mit Argwohn betrachteten, sei doch bei der erdrückenden Mehrheit der Abgeordneten die Ansicht vertreten, daß Grey die volle Unter st ützung des Paria« ments erhallen, müsse. Jede andere Stellungnahme des Parla- ments würde als ein Triumph Deutschlands angesehen werden. « Friedliche Stimme«. London, 24. November. Generalstaatsanwalt Sir John Simon äußerte in einer Rede, die er in einer Versammlung in Bath hielt. die Tatsache, daß England der Freund Frankreichs sei, bedeute nicht, daß eS irgendjemandes Feind sei. Der Redner schlug der Versammlung vor, eine Botschaft an die Demokratie in Deutsch- land zu senden. Es solle darin erklärt werden, daß der Gedanke einer A bnMtgmar-g�z'wichch«.» b ei.d entölte wicht ge- du tvet werden könne. Die Zeit sei gekommen, wo die Be- ziebnuge» zwsschen Großmächten in letzter Linie, nicht von irgendeinem Hader der Dyreaitiei». einer �etigiöfen?-Fehde»der eineni verwegenen Eroberungsiraum abhingen, iondrrn von der Meinung, welche die Volksgesamtheit des einen Staates über die des anderen Staates bege. Dazu schreibt die offiziöse„West min st er Gazette": Es ist nicht leicht, Mitzveriländnisse und Rivalitäten zwischen den Völkern zu beseitigen, aber der Reichskanzler selbst>prach von reinem Tisch. Die Worte des Generalstaatswalts repräsentiere!! gewiß die Empfindungsen der liberalen Partei. Diese Partei ist durch daS forigcietzte Schweigen über auswärtige Fragen unruhig geworden. Wir hoffen, daß das Unterhau» als Ganzes in der Debatte am Montag zeigen wird, daß weder die Ausrecht- erbaltung unserer eigenen Rechte noch unsere Freundschaft mit einem fremden Lande eine eingewurzelte Föindschaft mit irgend einer anderen Macht bedingt. Ferner sei noch eine konservative und eine liberale Preß- stimme über das Verhältnis zu Deutschland zitiert:„Daily Expreß" schreibt: Deutschland als legitime Seemacht ist eine Frage von Leben und Tod für nnö. Wen» man auf beiden Seiten der Nordsee die Situation g e k l ä r.t haben wird, so ist zu hoffen, daß man zu einem Einhalt in den unnötigen und tötenden Rüstungen kommt.„Daily Chroniele" äußert sich: Frank- reich hat stets danach getrachtet, zu einem wertvollen Uebcrein- kommen niit Deutschland zu gelangen. Gioßbritannien hat diesem Bemühen nicht das geringste Hindernis entgegengesetzt. iin Gegenteil. Wenn man in unserem Lande wünscht, mit Frank- reich gut Freund zu sein, sqi liegt darin absolut nicht der Wunsch einer Feindseligkeit gegenüber Deutschland. Marokkofragcn. Paris, 24. November.„Petit Journal" will aus durch- aus sicherer Quelle folgendes erfahren haben: England habe der französischen Regierung nicht nur seine Verstimmung dar- über ausgesprochen, daß diese ihm nicht auS eigenem Antriebe die beiden erläuternden Briefe zum franzäsisch-deutschen Abkommen übermittelt habe, sondern England habe diese Mit- teilung verlangt, noch ehe es seine Zustimmung erteile, und diese Zustimmung sei überdies nur in bedingter Form unter kate- gorischen Vorbehalten erfolgt. England wolle in keiner Weise zulassen, daß die den Spaniern durch, den Gcheimvertrag von 1004 am Mitdelmcer und an der atlantischen Küste zuerkannten Rechte von Frankreich in Frage gestellt werden. England verlange, daß Tanger eine internationale Stadt bleibe und vollständige Gemcindeautonomie dem Sultan und demzufolge auch dem französischen Protektorat gegenüber genieße. England fordere ferner, daß es gemeinsam mit Frankreich die. Einzelheiten des ein- zuführenden Regimes zu prüfen und zu allen künftigen Einrich. tungcn der Polizei- und Gemeindeverwaltung in Tanger seine Ein» willigung zu geben habe. England sei der Ansicht, daß der fran- zösisch-englisch-spanische Vertrag von 1007 durch Abtretung eines GedietSstreifens läng? der Grenze Spanisch-GuineaS ver- letzt würde. England werde nicht' öffenUich Einspruch erheben, sondern sich mit einem vertraulichen Einwand begnügen. Doch habe die englische Regierung daS Madrider Kabinett verständigt, daß sie ihr f o r m e l l e S Veto gegen die Abtretung derKüstr Spanisch-GuineaS und der Insel Fernando-Po an Deutschland oder Frankreich einlege und über die Auf-' rcchterhaltung des in, französisch-deutschen Abkommen top. 1911 bestimmten StatuSquo wachen werde. „Petit Parisien" berichtet, die Madrider Regie. r u n g sei entschlossen, nicht den klein st enTeil derEin- flußzone in Marokko abzutreten; sie sei dagegen bereit, Frankreich Entschädigungen im Hinterkande der Suszone zu gewähren. In Südmarokko wolle Spa- nie» bis zur Grenze der Kolonie Rio de Oro nur den ihm durch den Vertrag von 1904 zuerkannten Küstenstreifen ffehälttn. Was die Bahn Tanger— Elksar anlange, so sei deren Jnternatko« nalisierung durch Verträge und Abkommen festgelegt. Die Rechte Spaniens auf die Baukontrolle der Teilstrecke Tanger-�Elksar seien unzweideutig von dem früheren Minister Cruppi in einem vom ö. AjJrii datierten Briefe anerkannt worden. Der Tag des Gerichts. Der Präsident des Hansabundes, Geheiinra'k Dr. R i e ß e r, hat am Tonnerstag in Hannover eine Rede gegen das Junkertum gehalten, die sich durch bemerkenswerte Schärfe auszeichnete. Eine Reihe der bemerkenswertesten Stellen sei daraus wiedergegeben: „Der Tag bricht an, an welchem wir die Ueberhebung der Urheber der Reichsfinanzreforn? und die BoykottierungSpolitir des Bundes der Landwirte, nachdem wir sie seit Jahren durch- gekostet haben, nun endlich st r a f e n wollen. Endlich bricht der Tag des Gerichts an, der Tag der Abrechnung und der Heimzahlung.... Der Hansabund hat nicht gehetzt, son- dern hat die Hetzer entlarvt und an den Pranger gestellt und die Ruhe derer gestört, die den Staat als eine Ver- sicherungs- und Verpflegungsanstalt für sich und ihre Sippe betrachten. In Wahrheit geben wir diesen Prozentpatrioten, aus deren Reihen die Worte stammen: Kein Kanitz, keine Kähne, das schlimme Wort von der gräßlichen Flotte und das noch schlimmere Wort vom Leut- nant und den zehn Plann, nichts, aber auch gar nichts nach an glühender Liebe und Treue zum Vaterlande.... Ten Konser- vativen paßt eben die ganze Richtung nicht und sie möchten am liebsten Deutschland wieder in den Zustand früherer Jahrhun- derte versetzen. In diesen Rahmen passen auch die Ausführungen des„Deutschen Adelsblattes" aus dem Jahre 1900, die sicherlich vielen Mitgliedern konservativer Kreise aus dem Herzen ge- sprachen sind. Dort wurde ausgeführt,„daß der Handel nicht nur jeden Aristokraten, sondern auch jeden anstän- digen Mann zurück st oße und daß er personelle Eigenschaften niedriger Natur zur Voraus- s e tz ü n g habe". Der Industrie aber wird dort ins Stammbuch geschrieben, daß, wie im Handel bei der Reklame, so auch b c i der modernen Fabrik die ritterliche Welt- anscha.uung ende. So sieht der Zukunftsstaat des Bundes der Landwirte, der Ueberagrarier, der Junker und Junkergenossen aus. in den wir hineingerieten, wenn wir nicht endlich.im heiligen Zorn seinenundseiner Bundesgenossen Mehrheit zertrümmern.... Wer jetzt noch zweifeln kann, wen er bei den bevorstehenden Wahlen zu wählen hat, den beneide ich nicht. ES handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um den Kampf zweier sich unversöhnlich gegenüber st ehender Weltanschauungen, es handelt sich darum, ob Bürger und Bauer noch länger gezwungen sein sollen, vor dem Geslerhut des übermütigen JunkettumS eine Reverenz zu machen." Wenn man solche Worte hört, könnte man wähnen, daß endlich' im Zeichen des Hansabundes und seines schneidigen Präsidenten die schon gar nicht mehr erwartete Morgenröte des Liberalisnius in Preußen-Deutschland anbrechen werde. Und in der Tat, Ursache genug zu einem Kampfe gegen das Junkertum und seine Verbündeten hätte ja unser liberales Lairgertum». Herrschcu- doch bei�uns die Junker, und hie Re» chiergng ist nur die Handlangerin von Junkern und Pfaffen. Hie.HndKe, dies eizjunkcrliche Element, führen ein all- ' gewaltiges Regiment; kurz, überall im Staat herrschen Junker und Junkergenossen. Für ein Bürgertum von halbwegs ent- wickeltem Ehrgefühl fchlte es keineswegs an triftigen Gründen, dies mittelalterliche System hinwegzufegen. Warum aber mußte er st Herr Rießer kommen, um das Ehrgefühl des liberalen Bürgertuins derart aufzupeitschen? Weil außer diesem Bürgertum auch das Pr o l e t a r i a t e x i st i e r t, das Proletariat, das seiner Zahl nach beträchtlich stärker ist als Großbourgeoisie und Mittelstand. Und weil dies Proletariat dem Streit um die politische Macht selbstverständlich nicht teilnah ms» los zusieht, sondern auch seine Interessen vertritt. Und weil diese Interessen dem Bürgertum vielfach u n- bequemer sind, als die Anmaßungen und die Beutewirt- schaft des Junkertums! Deshalb die Feigheit und politische Entartung unseres liberalen Bürgertuins! Ob das nun nach dem Eingreiken des Hansttf undeS und seines Präsidenten anders werden wird? S cy w e r l i ch! Ja, wir bezweifeln sehr, daß das Bürgertum auch nur vor- übergehend, während dieses einen Wahlkampfcs. einen wirklich rücksichtslosen Kampf gegen die blau-schwarze Re» aktion führen und seinen Haß gegen das Proletariat ver» gessen wird! Daß Herrn Rießers forsche Attacken großen Beifall finden, beweist nicht das geringste. Je kümmerlicher und feiger das Bürgertum, desto leichter berauscht. es sich an großen tönenden Worten. Und solche rednerischen Fanfaren sind dem Liberalismus ja auch so notwendig. Gilt es doch, schwankende Elemente, die sich, sei es nach der Rechten, sei es nach der Linken neigen könnten, für den Liberalismus zu gewinnen. Herr Richer ist eben der Lockvogel des Liberalismus. Wenn die Wahlen vorüber sind, wenn der Theaterdonner seine Schuldigkeit getan hat. wird das liberale BürgertummitRitternundHeiligenweiter schachern und prachern, wie seit jeher, auf Kosten der großen Masse des Volkes, das voin Kapital, dem mobilen wie dem immobilen, gleich schwer ausgebeutet wird. Auch die Sozialdemokratie hofft, daß der 12. Januar zum Tag des Gerichts für alle Volksfeinde wird. Aber der Feind des Volkes ist nicht allein der blau-schwarze Block, er besteht aus allen Vertretern unseres kapitalistischen Gc- sellschaftssystems. allen Ausbeutern. Scharfmachern und Kriegshetzern!_ politilcbc QcbcrHcbt Berlin, den 21. November 1911. Flottenbanten auf Spekulation! Dem„Berliner Tageblatt" geht aus E l b i n g eine aufsehen- erregende Meldung zu. Ihm wird nämlich mitgeteilt, daß die Schicha»werft in Elbing begonnen habe. Torpedoboote „für eigene Rechnung" zu bauen. Ironisch bemerkt dazu der Gewährsmann, daß bei einem so ungewöhnlichen Vor- gehen nur zwei ErklärungLmöglichkciten offen seien. Entweder wolle die Schichauwcrft einen„Handel mit fertigen Kriegsschiffen anfangen" oder sie rechne mit Plötzlichem Bedarf irgend» einesStaateL. Wer denn aber wohl in diesem Falle als wut- maßlicher Abnehmer der betreffenden zwölf Torpedoboote in Frage käme? Dieser Torpedobooisbau auf Vorrat muß in der Tat die grüßte Beunruhigung Herborrufen. Denn entweder glaubt die Werft auf Grund vertraulicher Informationen mit einem K r i e g S f a l l e rechnen zu dürfen, oder aber sie wiegt sich in der Hoffnung, daß eine Regierung ihr die auf Vorrat gebauten Tor- pedoboote recht bald abnehmen wird. Aber auch in diesem letzteren Fall könnten ihre Hoffnungen nur durch vertrau- liche Mitteilungen erweckt worden sein! Jedenfalls beweist das einzigartige Verfahren der Schichau- werft, in welch kritischen Zeiten wir leben und auf welche Ueberraschungen das deutsche Volk gefaßt sein mußt Befremdliche Flottentreibereien. Die 13. Hauptversammlung der Schiffbau- technischen Gesellschaft benutzte ihre Tagung dazu, um in aller Form eine Kundgebung für rascheres Flottenrüsten zu inszenieren. Und zwar war es ein Professor an der Tech- nischen Hochschule in Charlottenburg, Geheimer Rcgierungsrat Flamm, der in die technischen Erörterungen ur- plötzlich die hochpolitische Note hineinbrachte. In der Diskussion über eine rein fachtechnische Frage hielt er unversehens eine hurra- patriotische Pauke im Sinne unserer Panzerplattenintereffenten. Er führte aus: „Es handelt sich um eine Sache, die uns allen am Herzen liegt, und die für uns Deutsche an dem heutigen Tage von der allergrößten Tragweite ist. Gerade Sie als Fachgenossen find das geeignete Forum, in dieser Sache mitzusprechen. Denn Sie sehen ja am besten, wie unsere Industrie aus jedem Gebiete vorwärts strebt, wie rastlos in Deutschland gearbeitet wird, den nationalen Wohlstand nach jeder Richtung hin zu heben und wie diese stille Arbeit Früchte trägt. Wenn wir nun bedenken, wie leicht dieses Vorwärtsstreben, dieses nationale Emporblühcn gefährdet werden kann, und wenn wir bedenken, daß wir uns jetzt in dem Augenblick vor der Talfache befinden, daß unser Flottenge setz erfüllt ist, und daß in dem Baute m po eine Verlangsamung eintreten wird— wenn wir alle diese Bedenken zusammenfasien und ferner in Betracht ziehen, daß unser liebes Vaterland auch fernerhin vor eine große Aufgabe gestellt ist— denken Sic an China, denken Sie an die Vorgänge des letzten Sommers—, so glaube ich, daß ich aus Ihrer aller Herzen spreche, wenn ich na mens der Schiffbau technischen Gesellschaft den Wunsch ausspreche, daß eö unserer Marineverwaltung gelingen möge, das Bautempo für unsere � Flotte vor einer Verlangsamung zu schützen. Ich glaube, daß ich aus Ihrer aller Herzen spreche, wenn ich diesem Wunsche Ausdruck gebe." Auch diese au den Haaren herbeigezogene Kundgebung beweist wieder, mit welch fanatischem Eifer alle Kreise unser« Prozent- Patrioten und Wel'politiker an der Arbeit sind, um die Regierung vr Durchbrechung des Flottenbauprogramms zu veranlassen! Schwarzblancr Blo«f fiir die bastcrischen Landtags- wahlcn in der Pfalz. Der erweiterte Landesvorstond des Bundes der Landwirte in der Pfalz hat in einer Bertrauensmännerfitzung, die am 20. November in Neustadt a. d. H. stattfand, eine Resolution angenommen, die besagt, daß bei den bayerischen Landtagswahlen jede? direkte oder indirekte Zusammengehen mit der Sozialdemo- kratie unter allen Umständen abzulehnen ist. In allen für den Bund in Betracht kommenden LandtagSwahlkreisen sollen selb- Mndige Kandidaturen nominiert werden, soweit hsw Bund nicht in der Lage ist, Kandidaten verwandter Richtung lgemeint ist damit Vw Zentrum) zu uvtersiützcn. Da die remlive Mehrheit bei den LandtagSwahlen entscheidet, so bedeutet die Aufstellung eigener Kandidaten deS Bundes in den meisten pfälzischen Kreisen nichts andere? als'eine indirekte Unterstützung der Zentrumskandidaturen. Tie Annahme der Resolution ist das Ergebnis einer hinter den Kulissen von longer Hand vorbereiteten� Abmachung zwischen den Parteihäuptcrn des Bünde? und des' Zentrums. Ter pfälzische Liberalismus, dessen Parteileitung auf dem rechten Flügel steht, oärc gar zu gerne bei den ReichStagSwahlen der Dritte in diesem edlen Bunde gewesen. Nun ist ihm aber das Konzept durch die Auflösung des bayerischen Landtage» verdorben, und seine Be- mühungen, die Bündler bei den LandtafjSwahlen für einen sogenannten Großblock gegen das Zentrum zu gewinnen, sind zu- schänden geworden. Wohl oder übel ist jetzt der Liberalismus gc- zwungen, seine Frontstellung nicht allein gegen das Zentrum, son- dern auch gegen die Bündler zu richten. In Anbetracht der früheren dicken Bündlerfreunbichoft der Liberalen eine recht harte Nuß für diese. Ter bayerische(Sroftblock't? Unsir Münchener Parteiorgan, die.Münchener Post" schreibt: »Bayerische Grotzblockgesaiichten werden in der bürgerlichen Presse und auch in einigen Parteiorganen erprtert. In einem Artikel deS.Fränk Kurier" heißt es sogar, die Sozialdemokratie sei " fort gcivmiuen gewesen. In einem Telegramm der.?ch>väb. Tagwacht" aus München ist die Rede von einer anS allen Landes- teilen telegraphjsch einberufenen Konferenz der beiden großen Parteien, die den Großblock zwischen Liberalen und Sozialdemo- kraten beschlossen und für beide Teile verbindlich gemacht baben. An allen vielen Meldungen ist nichts wahr, als die Tatsache einer ganz unverbindlichen Unterhaltung einiger liberaler VectranenSmänner und zweier Mitglieder der sozialdcinokraliichci, Partei übxr die Eventualiiät eines gemeinsanien Vorgehens gegen das Zentrum. Beschlüsse irgendwelcher Art sind absolut nicht gefaßt worden Und si>r die sozialdemokratische Partei häng, die Möglichlei, eine? derartigen gemeinsamen Vorgehens von Umständen und Erwägungen ab. über die sowohl' der Lande«. vorstand al« auch die im Parteistatut vorge- sehene Vertretung sämtlicher P a r, e i o r g a n i sa. tionendeS Landes sich er st zu entscheiden haben. Tas Resultat der Münchcner Gcmei,«deratswahlen. Bei den am Montag in München vollzogenen Gemeinderats- wählen hat, wie wir bereits' kurz gemeldet baben. unsere Partei große Erfolge erzielt.' Unter den ausscheidenden zwanzig Stadlverordneten, für die Neuwahlen stattfanden, be- fanden sich nur drei Sozialdemokraten. Dagegen sind gewählt worden ach, Sozialdemokraien: ein Zuwäch« von fünf Sitzen, so daß mit den noch im Gemcindekollegium sitzenden elf sozialdemokratischen Gemeinderatsniitgliedern sich die Gesamizahl der sozialdemokratischen Vertreter im Ratskolleginm auf 19 erhöbt. Die sozialdemokratische atatnon ist also zur zweitstärksten geworden. Ten Verlust tragen die Liberalen, die fcchs Mandate verloren haben; während da« Zentrum in früherer Stärke in das Gemcindekollegium zurückkehrt und die Housbesitzergruppe sogar einen Sitz gewonnen hat. To« Münchener Kollegium der Gemeindebevollmächtigten fStadwerordnetenj besteht nämlich au« S0 Mitgliedern, von denen olle drei Jahre 20 ausscheiden. Die MandatSdauer beträgt somit neun Jahre. Bei der Wahl kommt das Proportionalwahlsystem mit freien und verbundenen Listen in Anwendung. Die Rainen der Kandidaten können gehäuft werden in der Weise, daß jeder einzelne bis zu dreimal auf der Liste angeführt werden darf. Die ganze Stadt bildet einen einzigen Wahlkörper. Bisher setzte fich daS Gemeindekollegium zusammen an? 14 Sozialdemokraten, ralen, 14 Mtramontanen, 1 Antiseintt und 1 Vertreter der HauS- agrarier. Davon schieden in diesem Jahre aus: 3 Sozialdemokraten, 5 Ultramontane und 12 Liberale. Das endgültige Gesamtresnltat der Wahl wurde infolge der zeit- raubenden Auszählung erst am Dienstag festgestellt. Nach den vorläufigen Zahlen genügten von 41 Söll wahlberechtigten Bürgern 36 3S3, also weit über Sv Proz. ihrer Wahlpflicht. Es stimmten für die sozialdeniokratische Liste 13 7öS. für die Liberalen 10 242, für das Zentrum 7753, für die Hausbesitzer 2602 und für die Antiseinite» 923 Wähler. Danach erhalten die Sozialdemokraten acht, die Liberalen sechs, das Zentrum vier Siye und die Hausbesitzer einen Sitz. Das übrigbleibende Mandat fällt voraussichtlich noch dem Zentrum zu. Bei der letzten Gemeindewahl im Jahre 1903 haben von 35 989 Wahlberechtigten 30 252 ihre Stiimnen abgegeben, und zwar stimmten für die sozialdemokratische Liste 8768, für die liberale Liste 10 326, fiir die ultramontane Liste 8035, für die Hausbesitzerliste 1573, für die antisemitische Liste 1092 und für die Liste der Wirt- schaftlichen Vereinigung 402. Die Sozialdemokraten brachten also bei der diesjährigen Wahl 5000 Stimnien mehr auf unV gewannen zu den bisherigen 14 Man- baten noch fünf. Die Grundbesitzer gewannen ebenfalls ein Mandat: die Liberalen verloren, sechs, während das Zentrimr, wenn es fünf Mandate erhält, seinen Besitzstand gewahrt bat. Das Kollegium besteht nunmehr aus 24 Liberalen. 19 Sozialdemokraten, 13 Zentrums- anhängern, zwei Hausbesitzern und zwei Antisemiten. Die Wohl der bürgerlichen Mogislratsräte<20 Räte, von denen alle drei Jahre zehn ausscheiden; Mandatsdauer also sechs Jahre) erfolgt gleichfalls nach dem Proporz durch das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten. Von den bürgerlichen Magistratsräten sind 5 Sozialdemokraten, 13 Liberale und 2 Ultramontane. Davon scheiden Ende dieses Jahres aus: 3 Sozialdemokraten und 7 Liberale._ Klerikale Heuchelei. Jedermann weiß, daß das Zentrum im Westen auf ein Stich- wahlabkommen mit den Nationalliberalen bedacht ist, um seine be- drohten Wahlkreise Köln und Essen zu retten und. um Düsseldorf wiederzugewinnen. Den Rationalliberalen soll dafür Duisburg, Bochum und Dortmund zugesichert werden. In Dortmund ist das geiitruin sogar zu einer Saminelkandidatur, d. h. zum Verzicht auf eine eigene Kandidatur bereit.. Es trägt kein Bedenken, als Kandidat einen Angehörigen der fortschrittlichen Volspartei, nämlich den Ober- bürgermeister Dr. Eichhoff vorzuschlagen, d. h. ein Mitglied des von dem Zentrum als Wahlichreck an die Wand gemalten.Anti- zentrumSblockS". Es ist merkwürdig, wie das Zentrum über eine derartige Verschacherung der Mandate und Wähler denkt, wenn ähnliches von anderer Seite geschieht. Die„Kölnische Volks- zeitung" nimmt sich die Liberalen vor und zeigt ihnen, wohin es iübn. wenn der»Wille zur Macht" eine Partei er- griffen bat: Trotz nichr geringer Unterschiede zwischen den beiden Parteien (Nationalliberalc und Fortichrililer) wollen sie um jeden Preis einig>» den Wahlkampf ziehen, um ja keine Gewuuimöglichkeit zu gefährde». Die Zeutralleitungen der Parteien verteilen über den Kopf der örtlichen Partei« in stanzen und der Wähler hinweg die Wahl- kreise. Von oben herab wird dem liberalen Wähler vorgeschrieben, ob er sich für einen frei- sinnigen oder einen nationalliberalen Kandi- d a t e n zu begeistern hat. Und dabei pflegen die Liberalen sich ioiistrsewalrig viel diwauf Mute'zu ilM, daß ihre An- Hänger n>-ii n d i g seien, i e l b-st ä.n-d igd�chten und sich ihre Meinung n> ch t-v o r i ckr e i b e n ließe n. Wer denkt hier nicht an den Spruch von dem Splitter im Auge des Nachbar» und dem Balken im eigenen Auge. Wir wisien, daß bei den Liberalen die Parteiorganisation alles andere als deino» kratisch ist, aber es ist doch e>ne Anmaßlnhkeil höchsten Grades, wenn gerade das Zentrum sick berufen ffivlt, sich als den Anwalt der Joiiveränilät der Wählerschaft aufzuspielen. Wenn der AuS- druck»Stimmvieh" auf eine Partei anwendbar ist, dann in erster Linie aus das Zentrum. Hat diese Partei doch schon läggst die An» weiiung ausgegeben,»falsche Stichwahlen' zu per» meiden, d. h. unier Verzicht auf eigene Kandidaturen die Wähler hierhin und dahin zu kommandieren. Was die Liberalen machen, ist ein harmloses Kinderspiel gegen die Schachermachei, die das Zeutrmn zu treiben bereit ist._ Tie Teuernngsnot im sächsischen Landtage. In der Zweiten Kammer deS iächsiichcn. Landtages kamen am Donnerstag eine s o z> a t d e m o k r a l i s ch e und eine frei sinnige Interpellation zur Beratnug. die Maßnahmen gegen die Teuerliiig forderten. Sonderbar war das Verhallen des freisinnigen Abg. Günther bei der Begründung seiner Jnter- pellation. Von den ärgste» Ursachen der Teuerung, dem Zollwucher sagt« er so gut wie gar nichts, dagegen pöbelte er die Sozialdemo- kraten an Seine ganze Rede klang in, ehr wie eine Eiiiichlilosgung an die Koiiseivaliven. Es war ei» Liebeöwerben um konservative Stimmen bei den Wahlen. Genosse Sin derinann. der die sozialdemokratische Jnter pellation begriiiidele, geißelte das Verhalten dieser FreisinnShelden scharf und schilderte, wie die Zollpolitik die Lebensmittel verteuert lind die wucherische Wirkung der Zölle jetzt in besonders gemein- gefährlicher Weite hervorlrcte. Er forderte als erste Maynahme gegen die TeuerungSnot die Suspension der Zölle. Die sächsische Regierung beschränkt sich auf die Erklärung deS Ministers Vitzthum, daß sie in der Frage der Schutzzoll Politik durchaus die Nkeinuiig des Reichskanzlers leite. Auch für eine nur vorübergehende Suspension der Zolle werde sie nicht zu haben sein. Im übrigen verwie« der Minister auf die Tariferniäßigungeii und die Verabreichung von Streu aus den Slaatsforsten an die Landwirte. Dann sprach der RegiemngS Vertreter von den, altfrichtigen Mitgefühl der Regierung für die not- leidende Bevölkerung: daß eS damit aber nicht weit her ist, zeigte die Regierung ja dadurch, daß sie nichts für die Notleidenden übrig hrnte. In der Debatte stimmten ein halbes Dutzend konservativer Redner das alte Lied von der Not der Landwirttchaft an, sprachen von dem Theaterbesuch und der Frequenz der Bcrgnngungslokale in den Städten- Beides beweise. daß die Not nicht so groß sein könne. Von sozialdemokratischer Seite beleuchteten die Genossen Winkler, Nitziche und Sindermann diese agrarischen Argiimente, die ablehnende Haltung der Regie- rung und die Jämmerlichkeit der freisinnigen und national- liberalen Drchicheibcnpolilik. Nach 8>/,stii»digcr Dauer war die Debatte zu Ende, die aufs neue gezetgi bat, daß das darbende sgchsische Volk weder von den bürgerlichen Parteien, noch von der lllcgierung etwas zu erwarten hat, sondern die Sozialdemokratie die einzige Vertreterin der LebenSinlcressen der breiten Masse ist, die jetzt von der Not so schwer heiingesilcht wird. Reaktionäre Flickarbeit an der Landgemeindeordnvng strebt die sächsische Regierung durch einen Gesetzentwurf an, der soeben dem sächsischen Landtage zugegangen ist. Eine Neuerung birgt die Vorlage insofern, als für größere Landgemeinden Sonder- bestiinninngen borgesehen sind, die den Gcmeindevoistönveii etwas weitgehendere Befugnisse als bisher geben und auch den niiansässiaen Einioohnern eine größere Zahl Vertreter im Gemeindcrat verschaffen sollen. Während»ach der sächsischen Laildgeineindeordnung die 30 Libe-> Nnansässigen'höchstens ei» Viertel der Bertreterzahl stellen können, sollen nunmehr, wenn die Unansässtgen mehr als ein Drittel der Steuern aufbringen, die Unansässigen auch ein Drittel der Gesamt- zahl, und wenn die von den Unansässigen aufgebrachten Steuern mehr als die Hälfte deS Gesamtaufbringens betragen, sollen die Un- ansässigen' die Hälfte der Vertreter stellen dürfen. Voraussetzung der Anwendung dieser Bestimmungen ist jedoch, daß daS Gemeindebürgerrecht eingeführt ist, was mit einer Gebühr von mindestens 3 M. fiir jeden Wähler verbunden ist oder die u n a n s ä s s i g e n Wähler derart in Klassen geteilt werden, daß den Besitzenden einen erheblichen Teil der unansässigen Vertreter gesichert wird. Die letzteren Bestimmungen sind darauf zugeschnitten, der Sozialdemokratie daS Eindringen in die Ge- mein deVerwaltungen zu erschweren. Auch sonst soll die Eillfiihrung von Klassenwahlsystemen erleichtert werden. Die kleinen Verbesserungen, die die Vorlage bringt, sollen mit einer größeren Entrechtung der Arbeiter einhergehen, der ganze Entwurf ist von der Absicht diktiert, den Besitzenden die Herrschast in den Gemeinden dauernd zu sichern. Und das nennt man eine Reform der Gcmeindeverfassung. Echt sächsisch! Landtagsnachwahl in Urach. Die Landtagsnachwahl im Kreise Urach(Württemberg) am Miitwoch, den 22. November, brachte, wie gemeldet, der Sozial- demolratie einen glänzenden Erfolg. Unsere Stimmenzahl stieg von 1536 im Herbst 1906 auf 2207, also um 671 Stimmen--- 47 Proz., die Stimmenzahl der bürgerlichen Partien ging hingegen um 826, von 4221 aus 3395 zurück. Der Bancrnbund verlor rund 400 Stimmen, Volkspartei und Nationalliberale teilen sich im übrigen Verlust. Es erhielten der Bauernbund 1145 Stimmen, die von den Nationalliberalen unterstützte Volkspartei 2250 Stimmen. Im Jahre l90tt gingen Bauernbmid und Liderale zusammen, sie brachten es ans 2191 Stimmen, die Volkspartei erzielte 1930 Stimmen. Mit sozialdemokratischer Hilfe wurde damals der Volksparteiler gewählt. Diesmal wird im zweiten Wahlgang zwischen Volkspartei und Sozialdemokratie der Kampf auSgefochlen. Im zweiten'Wahlgang gilt die relative Mehrheit, eS können alle Parteien ihre Kandidaturen aufrecht erhalten, aber praktisch scheidet der Bauernbund aus.— Sehr erfreulich ist unsere überaus große Stimmenzunahme in allen, auch den kleinsten Orlen des Wahlkreises. So stieg unsere Wähler- zahl in Bompflingen von 35 aus 68. in Grnorn von 9 auf 45, in Wittlingen von 23 auf 61, in Jainingen von 4 auf 51 usw. Auch im kleiiisten Dörfchen wurden sozialdemolratischo Stimmen ab- geben._ Scharfmacher am Werke. Der Verband sächsischer Industrieller hat eine Er- Hebung über„terroristische Alisschreitungen sozial- demokratischer Organisationen" veranstaltet. ES soll ein reiches Material züsainmengekoinmen sein, das der genannte Unternehmerverband mit einer Eingabe der sächsischen Regierung zngeichickl hat. Der Zweck der Mache ist, ein Feuerchen für das Koalitionsrecht. besonders daS Streikrechl der Arbeiter anzuzünden. In der Eingabe wird eine Einschränkung deS Streikposten- stebens und eine sofortige Aburteilung solcher Arbeiter ge- fordert, die eines Slreikvergehens beschuldigt werden. Offenbar glauben diese Scharfmacher, daß die Klassenjustiz noch besser für sie arbeilet, wenn die Richter zu einer Zeit Urteile sprechen, wo sie von den Lügen der bürgerlichen Presse erhitzt worden sind. - Die Eingabe der sächsischen Unternehmer soll offenbar Material zur Beratung deS im Landlage eingebrachten, konservativen Antrags abgeben, in dem verblümt ein neues ZnchthauSgesetz gegen die ge- werkichafiliche Bewegung gefordert wird. Der Antrag wird in den nächste» Wochen in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtags zur Beratung kommen._ Ocflcmlcb. Gegen die preußische AuslaudSpolitik." Wien, 23. November. Die»Polnische Korrespondenz� meldet, daß der P o l e n k l u b Geschloffen hat, im Abgeordnetenhanf« eine Interpellation betreffend die Behandlung österreichischer Staatsbürger polinscher Rationalität innerhalb drsDeutschen Reiches einzubringen. Japan. Tokio, 24. November. Graf Komura ist gestorben. Er war Minister des Aeußern vor und während deS russischjapanischen Krieges und der Vertreter Japans hei den FnedenLverhandlungen in Portsmouth. Jugendbewegung. Konferenz von JugcndauSfchüssen in Hessen und Hcssen-Rassa«. Die Jugendbewegung hat in den hessischen und Hessen- nassauischen Wahlkreisen in den letzten Jahren ganz schöne Fort» schritte gemacht, wenn auch nicht an jedem Ort alle Erwartungen erfüllt wurden. Um nun die gewonnenen Erfahrungen auszu- lauschen und die Bildung eineS Bezirksjugendausschusses vorzu» nehmen, kamen am Mittwoch, 22. November, die Vertreter der Ju- gendausschüsse des Frankfurter Agitationsbezirkes und der angrenzenden hessischen Wahlkreise(Ojsenbach, Darmstadt, Mainz und andere) in Franlsurt a. M. zu einer Konferenz zusammen. Es waren 52.Vertreter auS 2g Orten, die 2568 Abonnenten der„Ar- beiter-Jugend" zählen, anwesend. Die Zentralstelle für die arbei- tcnde Jugend hatte den Genossen Korn- Berlin als Vertreter ent- sandt. Als Tagesordnung waren diese Punkte aufgestellt: 1. Wie fördern wir die Bestrebungen für die Bildung der Arbeiterjugend? 2. Die Begründung einer Bezirksleitung zur besseren Durchführung der Jugendbildungsausgaben. Das einleitende Referat hielt Ar- beitersclretär Ka i se r- Frankfurt a. M., der beide Punkte zu- sammenhängend behandelte. Er prüfte, ob die Tätigkeit, die die Jugendausschüsse entfalten, in der bisherigen Form richtig war und legte dar, wie sie sein muß. Zum Schluß befürwortete er die Gründung eines Bezirksausschusses, wodurch eine Befruchtung der Jugendbewegung zu erwarten sei. Der Zweck dieses Ausschusses müsse sein, in den einzelnen Orten für die nötige gegenseitige Wer- bindung zu sorgen, Referenten zu vermitteln usw. Ferner die Agi- tation in den Orten zu entfalten, wo noch keine Abonnenten der „Arbeiter-Jugend" sind, wie überhaupt in jeder Hinsicht für die Jugendausschüsse anregend wirken. An das Referat schloß sich eine ausgedehnte Debatte,> in der mancherlei Wünsche vorgetragen und Anregungen gemacht wurden. Geklagt wurde über den Mangel an geeigneten leitenden Personen, auch die Lokalfrage mache große Schwierigkeiten. Kritisiert wurde, daß viele Parteigenossen gegenüber der Jugendbewegung eine große Jnteressenlosigkrit zeigten, sie hielten ihre Kindsr den Per- anstaltungen der Jugend fern. In den Parteivereinen und Ge- werkschaften müßte mehr auf die Ziele der Jugendbewegung hin» gewiesen werden. Die Gründung einer Bezirksleitung wurde mit Ausnahme der hessischen Vertreter zugestimmt. Die letzteren er- klärten, daß sie vorerst diese ablehnen müssen, da sie sich noch nicht mit ihren.Organisationen verständigt hätten. Sie seien aber be- reit, an den Beratungen des Bezirksausschusses teilzunehmen..Als Aufgaben der Bezirksleitung wurden festgesetzt: 1. Agitation für die Jugendbewegung zu betreiben und in den. Kreisen der. Er- wachsenen das BerständmS für die Jugendbewegung zu fördern. 2. Sammlung alles für die Jugendbewegung wichtigen Materials. 3. Vortragstouren vorzubereiten und Redner für die Vcranftal- tungcn der Jugendausschüsse zu vermitteln. 4. Den Jugendaus- schlissen Auskünfte und Anregungen zu geben, ihnen überhaupt mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Als Vorort des Bezirks wurde Frankfurt a. M. bestimmt. Dix Bezirksleitung wird aus Ver- tretern der einzelnen Wahlkreise zusammengesetzt. Konferenzen der Jugendausschüsse des Bezirks finden in der Regel alljährlich statt. Arbkitkl! Gknosskil! Uergeßt die ausgesperrten Tabakardeiter nicht! GewerKscbaftUcKes. Der Streik in der Damenkonfektion. Die Konfektionäre sind offenbar eifrig bestrebt, die Oeffentlichkeit über die Ursachen des Streiks wie über dessen Umfang und Bedeutung irrezuführen. Der Kommerzienrat Bamberg, der Vorsitzende des Verbandes der Damenmäntel- fabrikanten, glaubte am Donnerstag dem„Berliner Tage- blatt" mitteilen zu können, daß fast überall weitergearbeitet werde. Der Streik soll nach den Aeußerungen der Koir fektionäre für diese Herren selbst überhaupt nur„theoretische' Bedeutung haben. Sie werden sicherlich in nicht allzu langer Zeit zu einer anderen Auffassung kommen, wenn sie wirklich selbst an ihre Behauptungen glauben. Das„Berliner Tage blatt" scheint übrigens auch auf eigene Verantwortung be strebt zu sein, die Sache dieser Arbeiterschaft zu verunglimpfen. Schließt doch das Blatt seinen Bericht über die Versammlung am Bußtag mit folgenden Sätzen: „Die Versammlung nahm zeitweise einen stürmischen Charakter an. Der Versammlungsleiter drohte wiederholt, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen, und in der Tat wur- den auch mehrere Personen gewaltsam aus dem Saal entfernt. Redner, die gegen die Proklamierung des Streiks waren, wurden niedergeschrien." Tatsache ist, daß diese Versammlung nur vor Beginn des Referats ein bißchen stürmisch war, als es galt, d i e H e r r e n Konfektionäre oder Angestellte von ihnen zum Verlassen des Saales zu bewegen: aber Gewaltsamkeiten sind dabei auch nicht vorgekommen, wenn auch der Vorsitzende sich wiederholt auf den Paragraphen vom Hausfriedensbruch berufen mußte, ehe die Herren der Aufforderung nachkamen. Herr Bamberg behauptet übrigens in dem erwähnten Blatt auch, die Arbeitgeber seien es„ihrer Würde schuldig", den Kampf aufzunehmen: ihr Verband sei entschlossen, die Betriebe vollständig zu schließen, selbst wenn es monatelang dauern müsse, und für diesen Fall ständen bereits große Summen zur Verfügung, um die finanziell schwächer ge- stellten Firmen zu stützen. Es liegt uns natürlich vollkommen fern, mit den Konfektionären darüber zu streiten, ob es ihrer „Würde" entspricht, mittels ihrer Kapitalsmacht eine Ar- beiterschaft niederzuschlagen, die sich aus dem tiefsten wirt- schaftlichen Elend emporzuringen sucht, aus einem Elend, das schon wiederholt— allerdings ohne irgendwie nennenswerten Erfolg— die gesetzgebenden Körperschaften beschäftigt hat. Worauf es ankommt, ist, daß den Herren von Kapitals Gnaden ihr schöner Plan nicht gelingt, und glücklicherweise deuten alle Zeichen darauf hin, daß es den Arbeitnehmern der Damenkonfektion diesmal gelingen wird und muß, die Herren zu einer dauernden Besserung der Verhältnisse zu zwingen. Der Schneiderverband hatte auf gestern nachmittag eine Ver- sammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Damenkonfektion nach der Brauerei Friedrichshain einberufen, und der Riesensaal lvar bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Beweis dafür, daß der Streik mit noch weit größerer Kraft eingesetzt hat, als man nach der Versammlung in der„Neuen Philharmonie"— wo ja auch die Meister in Massen angetreten waren, während es gestern nur die bei ihnen tätigen Arbeitnehmer waren— erlvarten konnte. Der Filiaworsitzende des Schneidervcrbandes Kunze gab hier eine llebcrsicht über die ganze Lage und ihre Entwickelung und wandte sich auch gegen die verschiedenen und widerspruchsvollen Behaup- tungen, die von Unternehmerseite über den Streik in die Welt gesetzt werden.— Einiges davon haben wir ja oben schon angeführt. Es sei noch erwähnt, daß der„Confcctionair" in seiner letzten Nunimer behauptet, in der Berliner Heimindustrie würden Löhne verdient von 24 bis 45 M., ja in einzelnen Fällen sogar 60 M. die Woche. �Merkwürdig ist es, daß die Konfektionäre selbst sich bei den dem Streik vorausgegangenen Verhandlungen, von ihrem humanen Herzen gedrängt, bereit erklärten, dem„Notstand" der Heimarbeiterinnen abzuhelfen. Glaubten sie selbst an jene Wochenverdienste, so hätten sie gewiß nicht von Notstand geredet, sondern vielmehr erklärt, daß die Heimarbeiterinnen glänzend ge- stellt seien. In der Versammlung und aus der Mitte der Versammlung wurden übrigens wieder einmal einige Proben von den schönen Löhnen, die die Konfektionäre zahlen und die schließlich die Heimarbeiterin erhält, gegeben. Da ist z. B. ein Zwilchen- meister, der zwei Röcke für 45 Pf. liefert und den Hcimarbcite- rinnen 1,50 M. für das Dutzend, also pro Stück 12X' Pf. zahlt. In einzelnen Fällen wird die Arbeit der Damenkonfektion auch schon in Gefängnissen hergestellt. Die soziale Fürsorge für ein- gesperrte Verbrecher ist freilich etwas weiter vorgeschritten, als die für die Heimarbeiterinnen. Gefangene und Zuchthäusler dürfen nicht Tag und Nacht beschäftigt werden; sie haben ihre geregelte Arbeitszeit und so schlecht ihre Kost sein mag. sie plagt wenigstens nicht der Hunger. Die Heimarbeiterinnen stehen bei den erwähnten Löhnen erheblich schlechter da. Aber den Herren Kommerzienräten verbietet es ihre„Würde", den einzig gangbaren Weg zur Besse- rung der elenden Verhältnisse einzuschlagen. Kunze lieferte nochnials de» Nochweis, daß die Behauptung der Konfektionäre von der technischen Unmöglichkeit der Tarife in der Damenkonfektion eitel Flunkerei ist. Um unser» Lesern einen Begriff von der Gestaltung der Tarifvorlage, die den Konfeklio- nären vorgelegt wurde, zu geben, sei hier folgendes angeführt. Die Vorlage, gemeinsam von den Zwischenmeistcrn und den Arbeiterinnen wie Arbeitern der Damenkonfektion ausgearbeitet, enthält im ganzen nur 29 Positionen in fünf verschiedenen Tarifklassen, während in anderen Branchen des Schncidergcwerbes die Positiv- neu der Tarife nach Hunderten zählen. Es sind in der Borlage die Preise angeführt, die der Konfektionär z» zahlen hat, daneben der Arbeitslohn der Heimarbeiterin, dann die Spesen des Meisters und schließlich sein Nettoverdienst, also so: Sachen für Erwachsene und Backfische 2- l. 0,20 5,50 1. Für ein Jackett oder Paletot bis 100 cm lang...... 12,— C,— 2,25 3,75 , dasselbe in Tuch oder Kamm- gar». �........ , dasselbe über 100 cm lang für jede weitere 10 cm mehr.. , dasselbe in Plüicki.... „ Jmitalionen von Plüsch, Velvet oder Aitraban...... „ dasselbe über 100 cm lang für jede weitere 10 cm mehr 1,— 0,60 � 0,40 Daneben stehen dann die Tarife 2, 3, 4 und 5, die immer billigere Preise austveisen, entsprechend der Qualität der Stücke. Der von der Firma zu zahlende Preis für die erste Position ist z. B. in Tarif 5: 2,50 M.— Tarif 1 Von der Firma. "zahl.! lohn Ar- beits- Spesen Netto» ver» dienst 0.50 15.- 0,30 7,50 ' Daß die Durchführung eines solchen Tarifes unmöglich sein sollte, können die Konfektionäre nur Leuten einreden, die ihnen eben alles glauben.— Die Versammlung bot übrigens das Bild voller Einmütigkeit und Entschlossenheit, den Kampf durchzuführen, und auch der Hauptvorsitzende S t ü h m e r vom Schneiderverband ließ keinen Zweifel darüber, daß der Verband selbst mit ganzer Macht hinter den Streikenden steht.— Von den unsinnigen Behauptungen bürgerlicher Blätter sei nur noch erwähnt, daß die„B. Z." nebenbei von einem allgemeinen Streik in der Kostümbranchc und von etwas ähnlichem in der Herrenkonfektion fabelt. Unsere Leier sind ja davon unterrichtet, daß die Kostümbranche, d. h. die Damenmatzschneiderei, mit dem jetzigen Streik ebensowenig zu tun hat, wie die Herren- tonfektion. In beiden Branchen sind bekanntlich Tarife ab- geschlossen, und wenn in der Herrenstapelkonfektion der von den Zwischenmeistern mit ihren Gesellen angestrebte Tarif noch nicht zustande gekommen ist. so steht das selbstverständlich mit der Damen tonfektion in keinem Zusammenhang A r t i k e l 5. In dem Falle, daß die Zustimmung der anderen Mächte zu dem Geheimprojekte, das im Artikel 1 der heutigen De- klaration erwähnt ist, nicht erlangt werden sollte, wird sich die fran- zösische Regierung einer Rückzahlung der garantierten privi- legierten und unifizierten Schuld, und zwar sl pari vom 15. Juli 1910 ab nicht widersetzen._ Die Konzessionen in Tunis vor der Kammer. Paris, 24. November.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Kammer interpellierte der Abgeordnete Lagrosilliere wegen der Konzessionen in Tunis und beklagte sich darüber, daß die besten Ländereien in Tunis Parlamentariern nach ganz willkürlichem System überlassen seien. Ter Redner nannte dabei die früheren Minister Boncher, Mougeot und C o ch e r y sowie den Depu- tierten Chailley und erklärte, ein derartiges Vorgehen ziehe die Abneigung der Eingeborenen nach sich. Der Deputierte T h a l a m a s griff den Generalrefidenten von Tunis Q u e r e n d an und machte ihn für die dortigen Unruhen verantwortlich. Nach. dem noch Chailley gegen die Beschuldigungen LagrosilliercZ protestiert hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Die Kommission für auswärtige Angclegenßeitcn. Paris, 24. November.(W. T. B.) Beim Wiederzusammen- tritt der Kommission für auswärtige Angelegenheiten brachten mehrere Kommissionsmitglicdcr wieder Bemerkungen vor über die Anwesenheit des Kreuzers„Berlin" vor Agadir und wiesen darauf hin. daß Deutschland wohl daran täte, den Kreuzer in dem Augenblick zurückzurufen, wo die französische Kammer in die Erörterung dcS deutsch-französischen Vertrages eintrete. Der P r ä s id e n t der Kommission, Dcschanel, der sich dieser Meinung anschloß, erklärte, er habe sich mit dem Minister des Aeußeren de SelveS über den Wunsch der Kommission unter- halten und werde von neuem darauf zurückkommen. Aber er sei der Ansicht, daß Verhandlungen über diesen Gegenstand sehr heikel seien und ebenso viel Vorsicht wie Höflichkeit erforderten. » Paris, 24. November.(W. T. B.) Der Präsident der Kammer- kommisfion für auswärtige Angelegenheiten, Dcschanel. hat der Kommission mitgeteilt, daß die Debatte über die dcutsch-fran- zösische» Abkommen in der ersten Hälfte des Dezember vor die Kammer kommen dürfte._ Zur Katastrophe des Dampfers„Romagna". Wien 24. November.(W. T. B.) Die„Neue Freie Presse" meldet aus Trieft: Die Katastrophe des DampferS„Romagna". bei welcher von 70 Personen 57 ums Leben kamen, ereignete sich durch fehlerhafte Beladung. Die Reissäcke, mit denen der Dampser beladen war, lagen, zu sehr auf einer Seite. Bei dem heftigen Stur m, der vergangene Nacht wü'.cte, begann Wasser in den Damp- fcr einzudringen. Trotzdem die Matrosen unermüdlich arbeiteten. um das Gleichgewicht des Schisses wiederherzustellen, neigte sich der Dampfer nach zwei Stunden schließlich derart, daß das Wasser durch den Schlot in den Schiffskörper eindrang. Bald daraus er- losch die Beleuchtung an Bord. Tie nachfolgenden furchtbaren Panikszenen spielten sich in tiefster Finsternis ab. Nur wenige Per» konnten sich in Rettungsboot bergen.. lverantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:?H-Gl?cke, Berlin. Druck u. Perlag: PorwärtsBuchdr.u Perlagsaustalt PaulTinger ä Co., Berlin öVV. Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltung««. letzte ftadrndjfcin Kommunalwahlsicg in Mcmcl. Memel, 24. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Bei den heutigen Stadtverordnetenstichwahlen wurden drei Sozial- demokraten mit einer Majorität von 200 Stimmen gewählt. Nr. 276. 28. Zehrgavg. 1. Skilüge des Jumirts" Kerl« WsM S«>iMM,25.9awnbnl91l. Der Krieg. Wird eS ernst mit der italienischen Flottenaktion? Wie». 24. November. Der Konstantinopeler Korrespondent der„Neuen Freien Presse" telegraphiert folgendes: Entgegen den hier verbreiteten Gerüchten wird mir von unterrichteter Seite versichert, daß Oesterreich-Ungarn keinerlei italienische Ankündi- gungen betr. eine Flottenaktion im Aegäischen Meer erhalten hat. Immerhin sei es möglich, sogar wahrscheinlich, daß die italienische Flotte die türkische Küste an- greifen werde. Saloniki kommt aber kaum in Frage. Für wahrscheinlich gilt hier eine bloße Blokadeder Darda» n e l l e n ohne Landungsversuch, was nnt der Blokade Süd- rußlands gleichbedeutend wäre. Zu einer Friedens- Vermittelung sei derzeit keine Aussicht. Saloniki, 24. November. Der Kricgsminister teilte dem Armee- inspekteur Hadi Pascha mit, daß nach den Informationen der Re- gierung die verschärfte Flottenaktion nunmehr beginnen dürfte. Der Wachdienst wurde verschärft. Die Truppensendungen nach Calkidike werden fortgesetzt. Ebenso geht unausgesetzt Kriegsmaterial ab- AuS Monastir sind zwei Jägerbataillone eingetroffen. Konstantmopcl, 24. November. An, 26. November wird Italien den Beginn der Blokade der Dardanellen erklären. Der Großwesir und die Minister hielten gestern eine Beratung ab. Während der Beratung erschienen der österreichische und der russische Botschafter «ms der Pforte. Der russische Botschafter bestätigte die Absicht Italiens, über die Dardanellen die Blokade zu verhängen. Ueber das Verhalten der nach der Türkei am meisten an den Dardanellen interessierten Macht, nämlich Ruß- lands, zu diesem Vorgehen Italiens äußerte sich der Botschafter ausweichend. Konstantinopel, 24. November. Wie Jkdam meldet, hat die Pforte nach dem gestrigen Ministerrat ihre Botschafter im Auslande beauftragt, den Mächten mitzuteilen, daß die Regelung der Tripolisfrage von der Anerkennung der effektiven Souveränitätsrechte der Türkei in Tripolis ab hänge; die Pforte werde die nötigen Maßnahmen gegen jeden An- griff Italiens auf die türkischen Küsten ergreifen. London, 24. Novenrber. Im U u t e r h a u s e richtete Shmes an die Regierung die Anfrage, ob ihr Italien irgend eine Mitteilung gemacht habe, daß es die Dardanellen zu blockieren gedenke. ParlamentSuntersekretär Acland verneinte die Anfrage. Die lüevolulion in Cl)lna. Verstärkung der GesandtschaftSwachen. Peking, 24. November. Die Gesandten der fremden Mächte haben sich in einer Besprechung dahin geeinigt, daß eS ratsam sei, die Gesandtschaftswachen zu verstärken. Die Stärke der einzelnen Wachen soll bis zu 366 Mann betragen. Ermordung eines französischen Missionars. London. 24. November.„Daily Telegraph" meldet auS Sanghai: Rachrichten aus chinesischer Quelle besagen, daß ein französischer Priester im Süden Chinas ermordet worden ist. Einzelheiten fehlen .)Zus der Partei. Kommunalwah(siege. Die Stadtverordnetenwahlen in Schweidnitz brachten unseren Genoffen einen schönen Erfolg. Ihre Stimmenzahl stieg von 246 im Jahre 1909 aus über 590 bei der diesmaligen Wahl. Zwei Sozialdemokraten kommen in eine aussichtsvolle Stichwahl. Am Donnerstag haben dick Wahlen zur halbschichtigen Er- Neuerung des bremischen Achtklassenparlaments be- gönnen. Die Wahl der Bürgerschaftsmitglieder erfolgt auf sechs Jahre. In dreijährigen Perioden scheidet die Hälfte der Vertreter aus. Gegen den Ansturm der Sozialdemokratie hat sich der han- seatische Liberalismus durch die Errichtung eines..Stachelzauns" kleines Feuilleton Hugo von Tschudi, der Organisator der Nationalgalerie, ist im Sl. Lebensjahre in einem Sanatorium bei Cannstatt gestorben. Die Kunde wird manchem überraschend kommen, denn die frische, zugreisende Tätigkeit, die Tschudi j,, München entfaltete, ließ an alles andere, denn ans Sterben denken. Und doch war er seit langem schon am Lupus leidend: in den letzten Wochen machte die Krankheit schnelle Fortschritte und warf ihn aufs Bett. Eine Herzschwäche bereitete ihm den Tod. Eine blöde Hetze, an der der Generaldirektor unserer Museen. Bode. Tschudis Konkurrent, nicht unbeteiligt war. hat Tschudi vor zwei Jahren aus Berlin vertrieben. Die Dinge sind noch frisch in Erinnerung, und es mutet daher schamlos an. daß der„Lolal-Anz.", eben das widerliche Reptil, das Tschudi aus dem offiziösen Himer- halt begeiferte, heute den Verstorbenen feiert und sein eigenes Buben- stück züchtig verschweigt. In Berlin wurzelt Tschudis Werk. Mit 31 Jahren war er als Assistent an die Berliner Museen gekommen.chichten verbreitet wurden, die sich zumeist ans sexuelle Tinge bezogen.— Diese fortgesetzten Beobachtungen führten schließlich zu der Er- Hebung der Privatklage gegen die jetzt angeklagten Personen. In der Beweisaufnahme ergab es sich, daß ein großer Teil der Er- zählungen ein völlig unkontrollierbarer Dicnstbotcnklatsch lvar. Die Folge war, daß nur die Augeklagten Frau Jaucra, Knoll und Schmidt zu 30 bezw. 15 M.(Geldstrafe verurteilt, die übrigen aber srcincsprochen wurden. Gegen den Ehemann Jauera wurde die Verhandlung vertagt._ Nnbill des Sprengstoffgesctzcs. Eine Freisprechung von der Anklage des Vergehens gegen das Sprengstoffgesctz, die durch das Reichsgericht vorgenommen wurde, wird in den weitesten Kreisen Genugtuung erregen. Zur Prüfung stand ein Urteil des Landgerichts Bremen vom 2. Juni, durch tvclches der Techniknmschüler Friedrich Tominick wegen Vergehen gegen§§ 1, 1 und 2 sowie 9, 1 und 2 zu der Mindcststrafe von 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. D. zeigte als Schüler des Technikums großes Interesse für chemische Experimente. Eines Tages versuchte er an der Hand des chemischen Lehrbuches durch Mischung verschiedener Stoffe einen Knallstofs herzustellen. Er wickelte dann eine ganz geringe Menge der Mischung in Papier und schlug mit den: Hammer darauf, wie es der Lehrer in der Unterrichtsstunde auch getan hatte. Ferner versuchte er, die Mischung durch Schwefelsäure zur Explosion zu bringen. Beide Experimente gelangen ohne Unfall. Als er aber die Mischung aus einer Flasche in eine andere schütten wollte, erfolgte eine heftige Explosion, wobei die linke Hand des Technikers verstümmelt wurde. Die Straftat, deren D. sich schuldig gemacht haben soll, bestand nach der Ansicht der Strafkammer darin, daß er keine polizeiliche Ge- nehmigung zum Besitz von Sprengstoffen eingeholt und daß er kein Register über die von ihm hergestellten Sprengstoffe geführt hat. Das Reichsgericht erkannte am Donnerstag auf Freisprechung de? Angeklagten. Aus den Feststellungen des Landgerichts, so wurde ausgeführt, geht klar hervor, daß der Angeklagte mit seinem Versuche nichts anderes bezweckt hat, als sich in der Chensie auszubilden, daß es sich für ihn um ei» rein chemisches Experiment ge- handelt hat. Er hat nach Ansicht des Landgerichts lediglich das Bewußtsein davon gehabt, daß die Zusammensetzung der Menge an sich durchaus nicht geeignet sei, gefährliche Zerstörungen an- zurichten. Damit war das Bewußtsein des Angeklagten, daß es sich um ein Sprengmittcl im Sinne des Gesetzes handle, verneint. Deshalb konnte sofort auf Freisprechung erkannt werden. Tienstmädchenelend. Wegen gefährlicher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges, begangen an dem 15jährigen Dienstmädchen Anna Helmich, hatten sich gestern vor dem Amtsgericht Charlottenburg der Ingenieur Lövinfoh» und dessen Ehefrau, beide in Charlotten- bürg, Kuni>-Fifcherstraße 16 wohnhaft, zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab folgendes: Das genannte Mädchen war in den Zltonaten Juni und Juli bei den Angeklagten als Dienst- mädchen in Stellung. Infolge seiner Schwächlichkeit hatte es wohl die verlangten Arbeiten nicht leisten können und wurde von den Angeklagte» täglich mit einem schweren Austlopser in der brutalsten Weise mißhandelt. Besonders Frau Lövinsohn hatte bei diesen Mißhandlungen ganz unmenschlich breingeschlagcn und das Mädchen in mehreren Fällen sogar mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen, bis es winselnd zusammenbrach. Das Mädchen erregte durch seine stets blutunterlaufenen Zlugen und zahlreichen blauen Flecke im Gesicht und die offenen Wunden an den Händen und am Kopf das Mitleid sämtlicher Hausbcivohncr, die schließlich die Sache zur Anzeige brachten. Die Angeklagten führten zu ihrer Entschuldigung an, daß die Kleine die verlangten Arbeiten nicht lcfften konnte, daß sie diebisch und verlogen sei und unsittliche Handlungen mit dem sechsjährigen Sohn des Angeklagten borgenommen habe. Der Ber- trcter der Staatsanwaltschaft bezeichnete diese Art der Verteidigung als charakterlos, beantragte aber nur je 150 Mk. Geldstrafe event. je 25 Tage Gefängnis. Das Gericht erkannte gar nur aus je 100 Mk. Geldstrafe event. je 20 Tage Gefängnis. Tie Strafgesetz- buchnovelle sieht für derlei an Wehrlosen begangenen Brutalitäten als Strafmiiiimum 2 Monate Gefängnis vor. £!us der Frauenbewegung. bleichen Lohn für gleiche Leistungen. Nach diesem Grundsatz kämpften seit Jahren die Schullehre- rinnen von New Dork um eine Erhöhung ihrer Gehälter nach Maßgabe der Bezahlung der Lehrer. Schon nichrmals glaubten sie den Kamps gewonnen, aber immer wurden sie wieder enttäuscht, man verweigerte ihnen hartnäckig die Anerkennung als gleichberechtigte Lehrkräfte, aber ebenso hartnäckig setzten sie stets von neuem alle Hebel in Bewegung, bis ihre Ansprüche endlich die geforderte ge- sctzlichc Regelung erfahren haben. In den amerikanisch;» Schulen werden weibliche Lehrkräfte sehr zahlreich angestellt, viel zahtreicbcr als in Deutschland, und sie Iverden auch viel besser bezahlt. Die amerikanische Bolisichule ist die gleiche für Arm und Reich, und zur weiteren Ausbildung stehen auch die höheren Schule» den Ar- inen wie den Reichen frei zur Verfügung, freilich nur in der Theorie, denn in der Praxis verbietet es sich sür den armen Mann von selbst, seine Kinder weiter ausbilden zu lassen; er muß sie viel- mehr zum Broterwerb ausschicken.— Die Lehrerinnen, die gerode in der Volkssckule zahlreich angestellt wurden, haben sich gut be- währt und sind sehr beliebt. Sie erhielten im ersten Jahre ihrer Anstellung 600 Dollar(2520 M.), im zweiten Jahre 640 Dollar (2088 M.) und im dritten Jahre 680 Dollar(2856 M.) Die Lehrer dagegen begannen gleich mit einem Gehalt von 720 Dollar(3024 Marl) und behielten diesen Satz mährend der ersten drei Jahre bei. Die Lehrerinnen erhielten erst im vierten Jahre 720 Dollar, die Lehrer 780 Dollar(3276 M./. Di« folgende Skala zeigt» was die Lehrerinnen in den weiteren Jahren dadurch gewinnen, daß jie nnt den Lehrern gleichgestellt werden. Jetziges Gehalt Zukünftiges Gehalt Im ö. Jahre.. 760 Doll.(3192 M.) 840 Doll.(3528 M.) „ 6.,.. 800„(3360,) 000,(3780„) „ 7.... 840.<3528„) 960,(4033„) , 8.... 880„(3696„) 1020.(4284,) „ 9.,.. 920„(8864,) 1080,(4536.) „ 10.„.. 960„(4032„) 1140,(4788.) Viel größere Unterschiede zeigen sich in den Gehältern sür die höheren Stellen im Schuldienst. Diese Verbesserungen durch die Gleichstellung mit den Lehrern erfahren freilich nur Verhältnis- mäßig wenige Lehrerinnen. Höhere Stellen, die früher mit 1320 Dollar;5544 M.i honoriert wurden, kommen jetzt auf 1820 Dollar (7644 M.). Weibliche Abteilungschefs erhielten früher 1600 Dollar (6720 M.), jetzt werben sie 2400 Dollar(10 080 M.) beziehen. Weib- liche Schu�direktoren, die früher 2500 Dollar �0 500 M.) als Jahres- achalt bezogen, werden jetzt 3500 Dollar(14 700 M.) erhalten.(Der Dollar ist bei dieser Aufrechnung stets mit 4.20 M. angesetzt.) Diesen Zahlen gegenüber nehmen sich die Gehälter der beut- schen Schullehrer und Schullehre rinnen, besonders aber in der Volksschule, recht bescheiden aus. Von dem zarte» Gemüt des WcibeS zu erwarten, daß eine Milderung des Klassenkampfes und ein außerordentlicher Fortschritt auf sozialem Gebiete eintreten sollte, wenn Damen der besseren Gesellschaft ihren Einfluß in den Parka- menten geltend machen können, wäre verfehlt. Die Damen werden in solche» Fällen ihre Klassenintcressen vertreten und dort, wo es die Leiden des Proletariats zu mildern gilt, sich schwerlich irgend- lvie zartfühlender zeigen als die männlichen Vertreter der Bour- gcoisie. Das trat jüngst wieder einmal zutage in der Stadtvcrord- iictenversamiulung von Kopenhagen, als von sozialdemokrat:- scher Seite zur Sprache gebracht wurde, daß in dem städtischen Blegdamshospital einige Angestellte sich herausnahmen, kranken Kindern für irgendwelche Unarten Backpfeifen zu erteilen. Da er- klärte die antisozialdeinokratische Stadtverordnete Fräulein R c- r u p, man treibe es zu weit mit der Humanität, wenn man so viel Lärm darüber macke. daß einige Kinder vielleicht ein paar Klapse gekriegt hätten. Prügel wären ebenso notwendig wie amerikanisches Oel.— Es sind dies dieselben Redensarten, wie sie jetzt in den Kreisen der Antisozialisten gang und gäbe sind, namentlich nach- dem unsere Genossen und Genossinnen und vor allem der Folkc- thingsabgeordnete Sabroe, unablässig bemüht sind, mit den Kinder- Mißhandlungen in den öffentlichen Erziehungsanstalten wie in Schule und Haus gründlich aufzuräumen. Da ist es bei den Geg- nern zum Schlaglvort geworden, daß man es mit der Humanität übertreibe, und daß die Kinder ihre wohlverdienten Prügel kriegen müßten— natürlich die Kinder des besitzlosen Volkes— und die Damen der..besseren" Gesellschaft tuten in dasselbe Horn. Glück- licherweise sitzen im Kopenhagencr Stadtparlament auch Frauen und Männer des Proletariats, so daß solche Damen wie die Rerup nicht viel Unheil anrichten können. Leseabende. Treptow. Mittwoch den 29. November. Abteilung I: Ernstsir. 22, pari. Referent: Genosse M. Hentschke.— Abt. II: Kiefholz- straße 21 bei Schmidt. Referent: Genosse A. Mohs.— Tagesordnung beider Zusnnnnenkünfle:»Die graue» und die Reichs- tagSwahlen.''_ Huq aller Alelt. 105 Menschen ertrunken. Zwei schwere Schiffslatastrophen meldet der Tekegraph vom letzten Tage. Bei R o v i g n o ist während eines Sirotto- sturnleL der italienische Dampfer„Romagna" gesunken. Bon den 70 Insassen des Schiffes. sind 60 Mann ertrunken. Der Rest wurde durch den die Unglilcksstelle passierenden Dampfer„Tirol" vom österreichischen Lloyd gerettet. Die zweite Katastrophe hat sich fast gleichzeitig auf der Höhe von S ch i m a an der japanischen Küste zugetragen. Dort ist während eines Sturmes der japanische Torpedo- bootszerstörer„Harusame" untergegangen. Bon der Besatzung haben 45 Mann den Tod in den Wellen gefunden._ Die Eisenbahnkatastrophe von Montreuil. Noch immer nicht ist die Zahl der Opfer des entsetzlichen Eisen- bahminglncks ans der Thourt-Brncke bei Montreuil genau festgestellt. Bisher ist der T o d v o n 22 Personen festgestellt worden, doch wird befürchtet, daß in den unter den Fluten begrabenen Eisenbahn- wagen sich noch eine Anzahl toter Passagiere befindet. Vom Zug- personal find sieben Beamte ums Leben gekommen. Durch das Eingreifen der nach der Unglücksstelle entsandten Pionier- abteilung konnten die elf Passagiere, die sich auf das Dach des ein- zigen aus den Fluten ragenden Wagens gerettet hatten, in Sicher- heit gebracht werden. Mehrere der Geretteten wurden in völlig erschöpftem Zustande geborgen und liegen an den Folgen des Aufenthalts in dem feuchten Element krank darnieder. Nach weiteren Meldungen ist das Wasser des ThonelflusseS soweit gefalle», daß-die Trümmer des verunglückten Eisen- bahnzugeS sichtbar sind. Ein Wagen erster Klasie wurde einen Kilometer von der Ilnfallstätte entfernt gefunden. Es find weitere sieben Leichen geborgen worden. Deutsche Luftschiffer in Rustland verhastet. Wiederholt sind in der letzten Zeit Lnftschiffer, die mit ihren Ballons die r u s j i s ch e G r e n z e überflogen hatten, von russischen Behörden belästigt worden. Es machte der intimen deutsch-russischen Freundschast auch nichts auS. daß deutsche Ballons beim Ucber- fliegen der Grenze gelegentlich mit Flintenkugel« der Grenzwachen begrüßt wurden. Auch die Insassen eines am Sonntag in Tilsit ausgestiegenen Ballons.Ostpreußen" wisse» ein Liedlein über die fteundnachbarlichen Beziehungen zu singen. Der Ballon wurde nach Kurland abgetrieben. Die vier Insassen sind bei der Landung, trotzdem sie m-t ordnungS- mäßigen Pässen versehen waren, se st gehalten worden und bis Freitag noch nicht wieder freigelassen. I» Windau wurden sie einem B e r h ö r unterzogen, die Akten sollen nach Petersburg zur weiteren Veranlaffung gesandt worden sein. Der Ostpreußische Verein sür Lnftichiffahrt hat sich nunmehr an das Auswärtige Amt in Berlin, die deutsche Botschaft in Petersburg und den deutschen Generalkonsul in Riga gewandt, um für die sofortige Freilassung der Lustschiff« und die Freigabe deS Ballons einzu- treten._ Explosion in einer Oelkuchenfabrik. Freftag nachmittag hat in einer Oelkuchenfabrik in Liverpool eine furchtöare Explosion stattgefunden. Die Zahl der Opfer wird ans 100. darunter 12 Tote augegebeu. lieber die Uriachen dieser Explosion liegen nähere Einzelheiten noch nicht vor. doch>nuß der Schauplatz ein wüstes Bild der Zerstörung bieten. Die Glieder der Opfer wurden nach allen Richtungen geschleudert. Sofort nach der Explosiou geriet die Mühle in Brand; die Flammen schoffen bis zum Dach in die Höhe, das weggeschleudcrt wurde. Ein Hagel von Steine» und Dachziegeln mischte sich mit m e» s ch l i ch e u U e b e r r e st»». Aerzte. Pflege- «nueu und andere eilten sofort zur Hilfe herbei. Zwölf Leiche» wurden bereits unter den Trümmer»«isgestmdt». Mehrer» si«d nicht zu erkennen. Piratenunwesen in China. Wie ein Telegramm ans Hongkong meldet, mache» sich ans dein Hsikiang wieder Piraten in besorgniserregender Weise bemerkbar. Am Donnerstagabend erstiegen sie oberhalb von Kongmun den britischen Dampfer„Shiuou", töteten den ersten Offizier, ver- stümmelten zwei chinesische Passagiere und ent- flohen mit den Wertsachen. Der Kapitän erschoß zwei Piraten. Aach einen chinesischen Dampfer beranbten die Piraten um 190 000 Dollar. Zwei britische Dampfer sind den Hsikiang auf« wärtS gefahren, um dort zu patrouillieren. Die britischen Fluß- dampfschiffahrts- Gesellschaflen haben beschlossen, den Dienst sofort e i n z u st e l l e n, und bei der Regierung energische Bor- stcllungcn erhoben._ Kleine Notizen. Die Ueberschwcmmuug in Frankreich. Aus den Departements Vienne, Deux-Sobres und B e n d Z e werden Neber- schwemmungen gemeldet. In N i o r t und in anderen Ortschaften stehen dieniedriger gelegene»TeilebereitS unter Wasser. Von Kclsmafscn erschlagen. Bei einem Spaziergang auf dem M o n t L a l e r i e n bei Paris flüchteten mehrere von ihrem Lehrer begleitete Zöglinge eines Pensionats vor dem Regen in einen Steinbruch. Hier stürzte eine abrutschende FelSmasse auf die Knaben, von denen einer getötet und ein anderer l e b e u Z- gefährlich verletzt wurde. Arbeiters Ende. Beim Neubau der Petroleumrasfinerie und Lackfabrik A st r i in K o u st a n z a(Rumänien) wurden e l f Arbeiter durch Einsturz der Erdmassen verschüttet und getötet. Marktpreise von Berlin ain 23. Rovcmbcr 1011, nach Ermiticlnng des Königl. PolizeiprälidiumS. Wa rtt b alt e n p r e i s e.(Kleinhaudel), 100 Uiligrannn dvblc», gelbe, zuin Kochen 3K.00— 59.00.«peiseboknien weiße. 40,00- 60,00. Linien 40,00-80,00. Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo- graMM Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rlndslelsch, Bauchflelsch 1,80 vis 1,70, Schwciueileiich 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,20—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Gier 3,80—6,10. 1 Kilogramm Karpfen t, 20-2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 0.80-2,00. Schleie 1,10—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stuck Krebse 2,10-21,00._ ßnefkaften der Redaktion. G. Sch. 9. In derartigen Sachen wird ein Ofsizialverteidlger nicht gestellt.— Rente 7. Nein.— O. P. 1885. Die Auskunft der Steuer- behörde ist zutreffend.— E. K.. Withrlinörnh.'t. Zu dem gesetzlich zu- nächst zukasjigen Kimdigimgstcrmin. Dieser läßt sich erst nach Einsicht in den Mi dsvertrag und nach Kenntnis der Sterbedatcn beurteilen. 2. u. 3. Der Aachlaß hastet— dazu gehören auch die Möbel—, soweit der Bermieter Ansprüche hat.— N. 70. 1. und 1. Nein. 2. Auch sür die Sonn- und Festtage. 3. Wenn der Antrag bis zum 31. Dezember d. I. gestellt ist, salls sonst die Voraussetzungen vorliegen.— Zs. N. 100. Ja.— W. 100. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— M. G. 13. Ja, sosern die Ehe noch nicht länger als ein Jahr besteht. «ggSSSSS«» Unscrm Genoffen �uxust konsck nebst jungen Frau zur heutigen Hochzeitsseier die besten Glückn'üiische. vi« Oenoeson »am 177. Bezirk, IV. Kr. fß Uli 0/ «> 0/ «/ NU NU «i >S. I Todes-Anzeigen j Am 23. Roveniber verschied»ach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guier Baker. Zchwiegeivater und Großvaker, der Lchlihmachmndster Karl Knopp im 66. Lebensjahre Die trauernden Hinterbliebenen Klara Knopp und Kinder. Die Beerdigung findet am 27. November, nachmül. 2'/, Uhr, vom!raue> banse Friedrichchelder Str. 32. nach dem Zentralsriedhof in Friedrichsselde ttalt. ZoMellioIu'ali�IikfVMisMili tiir de» Berl. keWD-VMm. Strataner Viertel. kBezirk 332.) Den Milgliedein zur Nachncht. daß unser Genosse, der Schuh- mach er Karl Knopp Fricdrichsjclder Str. 32 gestorben ist. Chre keinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 27. November, nach« mittags 2'/, Ubr, vom Trauer. banse aus aus dem Zentral- Friedhos in Friedrichsseide stait. Um rege Beteiligung ersucht 207/3 Der Vorstand. 8v!!SllIeiiioI(lihallc des Gemeinde- FriedhoscS in Weißensec, Rölle- straße, aus statt. Faul Kotten. öeriehtiguitg. Di« Beerdigung unseres Sohnes FHcI» findet heute mittags 4 Ubr, aus dem Jakobi Kirchhos in Nixdorj, maiinftrav«. statt. Karl käst nach Reue» Her- 799L u. Familie. Tanksastuiist. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner uuoergcßllchen Frau sage ich alle» Teilnehmern, ganz besonders dem Rrinickcndorser Aämirrchor, dem Borstande des Arbester- Sängerbünde» lGa» Berlin) sowie meinen Mit- arbeitern der Firma C. u. P. Fleck Söhne diermit meinen besten Dank Ulbert Timme Binder. Danksagnuft. Alle» Berivandten und Bekannten sowie dem Aemeinoe- und Staats> arbcstervcrbaud der Filiale Tegel und ocm Gesangverein.Immergrün- sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank sür die Teilnahme bei der Bc- erdignng meines lieben Mannes. Xuxuste I�enmaim 17185 nud Tochter. Danksagung. Für die hcrztiche Teilnahme bei der «erdig una meines lieben Mannes lagen tust allen B-Nvavdlen. Be- kannten und Kollegen unseren herz. lichsten Dank Wilive rWott nebst Kindern. Enorm! VorjährlKC feinste Ulster-flnzüge von 20-60 M. Billia;e Hottenwoche. Schlafröcke. IUI» liemis Unter den Linden 21.* M ohren- Strasse 37 a (nahe Jerusalemer Sirafse) Gr. 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Qualität Ausschlag MAGGI* Suppen sind aus den besten Rohmaterialien hergestellt; sie enthalten die natürlichen Bestandteile hausgemachter Suppen und schmeck» ebensogut wie diese. Deshalb verlange man ausdrücklich i&AGGI* Suppen und achte auf die Schutzmarke„Kreuzstern" � Ktrantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für de« Inseratenteil vergntw.: Th Glecke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtA ivuchdruckerei«. Berläglanstglt Paul S'nze��?o!�«rt>t> Kr. 276. 28. Jahrgang. 2. Scillize Ks Jcdiiiitts" Krlim lolMlotl Soavadtvd. 25. Asvmw 1911 Für die aiisschtrrtcn Tabakarbeiter Deutslhlmdg gingen bei der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend ferner ein: Verband der Tapezierer, Filiale Berlin 500,—. Druckerei„Union* 4,40. Buchdruckerei Patz tt. Garlcb 1. Rate 45,—. Buchdruckerei Kroll K,—. Schneiderwerkstatt W. Köhn 5.—. Tischlerei Flügge u. Blumenthal 4,—. Hilssarbeiter bei„Mauoli" 12,30. Bnchdruckerei Greve, Abt. Setzerei 8.S5. Listen 2597 Personal bei Pittius 41.50, 2. Hollen 19,70. Verband der Buchbinder, Zahlstelle Berlin 1000,—. 1367 Rollkutscher bei Bartz u. Co., Bergslratze 14,56. Ver- bandSmitglicder und Hilssarbeiter deS„Ncichsboteii* 11,80. 1621 Tischlerei Zclmcr u. Bartsch 9,66. Arbeiter-Schwlmincrbund, I. Kreis 10,—. Ber- linische VerlagSanstalt 4,25. 3 Sechserkasse bei Jnngcblut 4,—. 2904 durch Prctzel 1,45. 2903 Milseumbau 19,65. Listen 2876 bis 2882 Emmerich u. Schöning 58,95. Denier u. Nicolas 12,40. Verbands- kollegen des„SonnlagSblattcS* 4,—. Maschinensetzer im„Vorwärts" 15,—. Sparverein„Freya* 5,20. 1388 durch H. Maap 12,45. 2605 Buch- druckcrei G. Eichler 4,80. Buchdruckcrei E. Nagel 6,20. Liste 1 Arbeiter bei W.Riewe 13,15. 2614 Maschinenmeister des„Deutschen Verlag" 10,50. 2613 von Setzern im„Deutschen Verlag" 13,90. 2603 Buchdruckcrei C. JaniSzcwSki 14,—. 906 durch Kursch 15,—. 2011, 2016, 2028 Verband der Steinsetzer 21,50. 2596 Maschinenmeister bei Ullstein u. Co., Abl.„Illustrierte" 18,50. Tagschneider bei Peel u. Cloppenburg 30,—. Schuhmacher bei Mohr u. Speyer 10,—. Buchdruckerei Aebr. Unger, 1. Rate 15,30. 1335 bei F. F. A. Schulze 7,70. Deutscher Transporiarbeiterverband, Bezirk Krotz- I Berlin, aus solacnde Listen: 1272 Südost-Speicher 4,50. 1274 5,50. 1285 Müllabsuhrbetricb Schcller 12,65. 1286 6,50. 1290 Kohlenarbeiter und Zkntscher der Firma Flamme 9.95. 1293 4,45. 1296 1,10. 1297 Fenster- Putzer der Firma ArNheim u. Co. 19,55. 1299 8,70. 1303 Gesammelt in / der DemouslrntionSversammlung Vrancrci Königstadt 20,80. 1304 Fenster« 1 Putzer der Glaserinnung 13,10. 1310 Von den Handwerkern und HilsSarb der Großen Berliner Straßenbahn 20.55. 1321 4,05. 1324 13,15. 1325 Von den HandelshilsSarbeitern der„Vorwärts"-Expedition 6,50. 1326 Transportarb. beim.Berliner Lolal-Anzciger" 10,40. 1329 Betrieb Ebenstein u. Co. 5,75. 1330 Betrieb Lindenbcrg 6,15. 1340 Josepd u. Co., Rixdors, 5.40. 1354 14,05. 1357 5.—. 1361 Borchert lt. Jürgens Nachflg., Greisswalder Str., 25,—. 1363 Bartz u. Co., Kaiserstr., Spedition, 7,45. 1368 H. Guiard, Spedition, Nungcstr., 3,80. 1372 Anhalter Bahn, Roll> kutscher 9,50. 1375 9,90. 1387 6,—. 1389 Müllabsuhr Charlottcnburg 15,25. 1407 Kunstabend v. 12./I1. 11 Pharussäle durch den langen Hoffmann 16,60. 1414 Kuischcr u. Bodcnarb. Brasch u. Rotenslei» 16,20. 1415 Rollkutscher v. Anhalter Bahnhof 8.60. 1416 Transportarb. o. Auer-Licht 14.—. 1418 Arbcitskuischer Vcriainml. v. 19. 11. 11 Tegeler Str. b. Rautmann ll.—. 1294 von den Möbelträgern u. Gästen der Pelroleumecke 11,50. 1346 13,10. 1373 TraiiSporlkontor Hamburger Bahn 10,45. 1331 7,70. 1386 Bockbraucrci Kutscher u. Mitsahrer 5,70. Summa 2448,85 M. Bisher sind veröffentlicht 2856,50 M. Dazu kommen 2448,85 M. In Summa 5305,35 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, 80. 16, Engelufer 15 I, zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engclufer 15 I, Zimmer 23, i» den Wochen- tagen vormittags von 9— 12l/-j Ubr und nachmittags von 4— 7�2 Uhr oder in den Bureaus ihrer Gewerkschaft abzuliefern. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommisfion für Berlin und Umgegend. vormittags e: Freireligiöse Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 26. November, 9 Uhr, Pappelallee 15—17, und Rixdors, Jdealpassage: Freii Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurter Straße 6 Herr W. Trojan:.Festvortrag."— Nachmittags 4 Uhr, Pappel-Allee 15: Herr W. M a n a s j e:.Unsere Toten*.— Damm und Herren als Gäste sehr willlommen. Allgemeine Kranken,«ud Sterbekaffe der Metallarbeiter f Eingeschriebene Hilsskaffe 29, Hamburg), Filiale Baumschulenweg: Sonnabend, den 25. November, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal von Käding, Baumjchulenstr. 67. 1-I- bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Untervegel. ■■■o a s 8 1 Winür-Wwfye Pmugs-fatgthtk gnß«rfo$i«n tu emm forahyisetsftn-frti: s« Dauer bis 50. November porfen 1 Winter-Paletots'2°°?°°;'.�."�?..ra: p Her. Charlottenburg. Wilhelm Seil. Friedr.- Wilh. TchansPielhauS. König Lear. Königgrätzer Strafte. Der Wüst- ltug. Rose. Der Hüttenbesitzer. ivietropol. Die Nacht von Berlin. Westen. Di« Dame in Rot. Lustspielhaus. Die BergnügmigS- reise. Xriano«. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirischast. Luisen. Baronesse Ciaire. Cajino. Der selige HollschlnMh. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Svezialitälen. Naiinge. Spezialitäten. Herrnfeld. Schmerzlos« Behandlung. Das Kind der Firma. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Rcichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8'/. Uhr. KoNeS Capric«. Kobi Krach. Nr. 1«. Walhalla. Teufel, das hat ringe- schlagenl Ansang 8'/, Uhr. NeueS BolkStheater. Geographie und Liebe. Belle-Alliance. Narrenspiel. Intimes. Der BrandstisUr. Noact. Die Geher-Wally. Voigt. Der Dornenweg. * �• Sternwarte, JnoaNdenstr. 67—63. Kaiser-Panorama. II. Wanderung iv! Ricsengebirge. Berchtesgaden, Salzbergwerk. LcviI!er-7vesler0.Ae°.er! Sonnabend, abends 8 Uhr: Uadame Sans-GEne. Sonntag, abends 8 Uhr! Es lebe das Leben. Montag, abends 8 Uhr: DIadanie Sans-G6ne. Scililler-Tlieater Ch bu?Btt.en" Sonnabend, nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Donntag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Montag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Nel»es Theater. Abends 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Crevette: Erllsl Massary. Sonntag 8 Uhr: Der fidele Bauer. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonnabend nachm. 4 Uhr z. ersten- mal: Mn? end Morih._ Residenz-Theater. Direltton Richard?llexander. Abends 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schivank in 3 Akt. b. Käroul u. Barre. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BacckerS. Morgen und solgende Tage: Sonntag sTotensonntag) abends 8 Uhr: Die Kameliendame. Frledricb-WilhelmstUdt. Schansplclhans. Nachmittags 3'/, Uhr: Der Kaufmaun von Venedig. StbendS 8 Uhr: liiinlß? Lear mit Ferdinand Bonn in der Titelrolle. Lelle-ällisoee-Iliestei' Heute abend S'l, Uhr: Zum erstenmal: biarrensplel. Schauspiel in 5 Auszügen. Luisen-Theater. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Abends 8 Uhr: Karonesse Ciaire. OSE=THEATE Sozialdcmohratircber Älablvercln für den 4. Berliner Reichstage-glablhme. Cbeatcr-Hbend am Sonnabend, den 25. November 1911» in jviomera ;; Konzertfalen, früher Keller, Koppenftraße 29. s: Zur Hufföbrimg gelangt: OCf Gtüf VOII j�ach der Vorstellung Canz. Dia Saaltüren bleiben während der Vorstellnng geschlossen, Grüffnung 7 Öhr. Hntang pünktlich BVj akr. Vomnzeige s eintnttsbarte 50 pf. Hm Sonnabend, den 2. Dezember, kommt zur Hufführungt„hiß OollärpnRZ&SSin". Große grantsurtei Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Abends 8 Uhr: Der Huttenbcsifter. Montag und Dienstag: Die Barbaren. Usimerevor„Vorvsrts" ii M. d. D. A.-8.-B.(Gau Berlin). Ohorm.: Th. Weber-Buchholz. Sonntag, den 26. November er.(Totensonntag) KONZERT| in Kellers Neue Philharmonie, Kopenicker Str. 96/97. Mitwirkende: Fräulein Marlanne Geyer(Lieder zur Laute), und die Herren: Friedrich Uschmann, IGavier, Konzertmeister Peter Uschmann, Violine, Rudolf Uschmann, Violincello. Erötrnnns 6 Uhr. Eintritt 60 Pf. Anlang 6 Chr. Rauchen während des Konzerts nicht gestattet. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt 62/9 Ab 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Die gesamten groften komischen Attraktionen. Sonntag, den 26.(Totensonntag): Einmalige Aufführung. duxsnd. LiebeSdrama in 3 Akten o. Max Howe. Dargestellt von auserlesenen Kräften der Deutschen Bühnen-Genosscnschast. ÄÜA'K«« B A. Sclmmanu 31/, Uhr und abends 7'/, Uhr | Sonnabend, gr. Galavorstellnngon Da Totensonntag, 26. No- J vember, nur eine Abendvor- 1 Stellung stattfindet so wird [Sonnabend, den 25. November, I nachm. 37, Uhr, eine Ertra-Hacliniittais-Vorstelliing | gegeben, mit Galaprogramm | u. ongekürater Aufführung der großen Feerie J 1000 Jahre ani dem Meeresgrund J Zu dieser Vorstellung bat (jeder Erwachsene ein eigenes iKind unter 10 Jahren frei auf ] allen Sitzplätzen. Jed. weitere Kind halbe Preise. 77, Uhr | Soiree High Life. Metropol-Iheater. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik oo» V.«Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Totensonntag: frllbz-. Alexanderplatz Unter den Linden Wedding Moritzplatz Hasenheide Direktion Willy Cremer. Heute Premiere; ßerliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. fheateriorterKöDigsrätzer Straße Abends 8 ubr: Der Wüstling. Mitzi-Mutzt. Neues königl. Opern-Theater. Heute 8 Uhr: Romeo and Jnlls. Abomiemcnls-Porstellung. Gasisplcl Sophie Wachner._ Trianon Theater. Täglich abends 8 Uhr: Mein Baby. Totensonntag ab. 8 Uhr: Francillon. BüftNlCarlCiewing M nie dageSeSeHEF Lachepföllj! S vom kgl Schauspielhaus, Berlin, und lAsta Nielsen, als Träger der Hauptrollen in dem Füm-Schausplel: I« Schluß 30. November. mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauplrollen. Vorher: 8ekiiisi?lD8g keiizniilung. Sonntag, den 26. November er.: Die MeycrhninS. Die letzte Ehre. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. KorfürsteiKiamin 151 nahe Bahnhof Halensee und. Ohar- lottenburg. TorfUhrangen: Wochentags: 47r 67, und 9 Uhr. Sonntags: 12, 3, 47,, 6, 77, u.9 Uhr. 99* Eine Liebestragödie im Spreewalde in 3 Akten. Casino-Theater Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Trotz des enormen Andranges Letzter Monat Berliner Possen-Schlager Der skligt hollschinsky. Sonntag 8 Uhr: 01a Tochter des Sträflings. [ Außerdem in allen 1 fünf Union-Theatern eine Fülle der neuesten LiebtkiiDst- Spiele, Großes Theater-Oreliesler. Anläßlich einer Spezial-Presse- Vorstellung, in welcher die literarische Novität:„Der fremde Vogel" voreinem Auditorium von mehr als 300 der bekanntesten Berliner Literaten und Kunstkritiker vorgeführt wurde, lautete das einstimmige Urteil: klnematographisehen Filmkunst f4 Passage-Theater. Abends 8 Uhr; Das beste Programm der Berliner Virieti-Salson I Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat. Phänome. The Black cats engl. Backfisch-Ens. and die lO giansenden Varlete-Sfnmmern. Corso-VaHetd. Frlcdrlchstr, 163. GroSe Sehenswürdigkeit Berlins. Oer sprechende Ueberbnnd. 9 EwnberrorstcHnng. G Zwei Borftellange». Entree& Bs. Uranias Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Lebende Tlerbllder von nah u. fern. 8 Uhr: Ton Hieran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr; Prof. Donath: Elektrische Renonans. OoIKs-Cbcatcr. Rixdorf, Hermannstr. 20. Sonntag, 26. Nov: Die Hoffnung aus Segen. Drama tn 4 Akten von HeijermanS. Montag, 27. Novbr.: Am Altar. Schauspiel in 4 Allen von Karl Wexcl__ Polles Capriee. 14. Kobl Krach. Sonntag, den 26. November ct.; Heinrich Heines _ junge Leide«, Zirkus Busch Haut« abend 71/, Ehr: Die drei Atfen-Memeheo 9Iax, Jlorits nnd Peyl. Die größte Sensation der Heazetl! Ftgaol m. seinem tollkühnen Todessprnnc. Herr Burkhardt-Foottit, Schul- reiter. Herr Ernst Schumaan, Maisterdressuron. P Sehwertem Btumenfeld, Beck zu Pferde. Um 97, Uhr zum 43. Mala: t Origin.- Ausstattungsstück des Zlrbna B ascb in l 5 Bildern. Morgen Sonntag(Totenfest): Nui eine Vorstellung, 7'/, Uhr. [po Vnr noch harze Zelt! Die himmlischen Zwillinge zusanunungewachsen. Lebend zu sehen! Ohne ExtraaEntree. Noacks Theater. Direktion: llodert Di». Berlin K., Brunncnstratze 16. Grefte Extra-Borstellung: Die Geier-Walltz. Schauspiel in 3 Akten nach d. gleich- namigen Roman der W. v. Hilleru von E. Hildebrandt. Anfang 87. Uhr. Bons usw. gültig. Reiciisiisilen-lliesier. r Siicr Gastspiel Robert Steidl. Ansang 8 Uhr. Voigt-Theater. Geslmdbrunnen Badstraß« 38. Morgen Sonntag, den 26. 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(Öhno Gewühl.)(Nachdruck verholen.) 6 200 614 713 64[10001 841 72 966 1264 85 443 TIS 971 20S0 32 87 128 80(500) 307 68 660 662 70 '839 940' 3032[1000] 234 824(1000) 42 772 637 917 4C35 252 75 89(600} 473 608 10 60 68 761 872 933 '0104 233 440 633 0053 178 527 62 695 788 953 7110 20 0 32(600) 63 439 39 44 93 553 69 67 030 «9 703 21 8080 So 190 238 412 28 656 71»(10000) 830 ;(1000) 67 911(1000] 31 73»661 3i9 �481 556 751 (71 91£33,. lOllS 42 flbOOl 238 467 82 6Ä9«67 800 11123 >33 251(500) 452 506 624 74 890 909 44 81 12040 M2 33 243 418 76 99 851[1000] 71 13067 161 223 095 415 33 694 742 880 965 14008 109 209 36 332 442 787 809 44 1S010 161 70 270 331 69 433 685 1733 878 16633(600] 476 939 72 17170 391 677 647 785 845 85 1 8170 314(500) 422 33 803 23 940 19021 33 74 87 551 C91 764> 20143 276 30Ö 8 830 703 22 831 SOS 48 90 21077(10001 190 kl 000] 443 7» 94(3000] 524 730 853 2 2357 63 59 601 10 704 89(600] 545 93 99 992 23188 238 393 415 16 40 80 669 32 777 454 72 901 76 24002 65 91[600] 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Ziehung S. KL 225. Ksl. Preuss. Lotterie. > Ziehung vom S4. November 1911, nachmittag». Nur die Gewinne über 210 Mark elnd den belreSenden Nummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Leas beider Abteilungen. fOlme Oewlhf.))(Nachdruck verbotou.) I 143 323 566 841 783 1 245 362 7 7 873 743 2105 «77 458 98 781 885 3C92 106 600 704 32[10001 002 4025 38 4« 142 313 408 38 67 911 69 5128 432 65 (3000] 638 69 90 828 906 28 8099 160 65 253 376 477 97 693 851 921 63(600) 67 7003(500) 16 30 353 »2 586 638 43 726 823 93 909 39[1000] 43 8222 304 39 436 36 603 23 317 97 702 637 9174 91 212 491 630 627 92 368 960 81> 19100 82« 54 470 528 800 749 11089 84 281 603 721 805 74 801 74 92 1 2008 10 70 126 268 325 606 73 858 610 922 29(3000) 13120 220 30 341 420 609 756 980 14073 458 572 672 81(500) 94(600) 720 800 60 66 15211 34 426 607 843 61 97 929 18127 477 616 678 803 51 17092 121(1000) 23 335 708 43 65 897 1*019 100 72 283 504[3000] 13 653 737 930 19108 22 359 678 623 45(500) 766 854 57 908 20156 309 482(3000) 645 70 700 77 85 823 83 2 1 078 131 253 469 77 618 61 63 922 46 2 2023 120 246[10001 348 419 524 72 656 776 821 924 23045 87 395 403 531 32 093 716 78 80 812 49(500) 63 2404» 275 345 75 403 70 610(5001 665 839(600) 944 2 5 538 661 68 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555[600] 31 7 7 202(600) SO 63 532 603 11 37 7*009 170 317 63 99 635(3000) 641 63 832 803 7 9028 149 75 281 82 388 410 83 636 {600) 703: 80171 665 830 88 706 884 68 92 8 1 032 41 44 [600] 121 79 02 247 326 637[1000] 62 639 60 61 764 69 862 866 82062 78 86[3000] 104 95 329 60 60 600 709 42 840 987 O3091 179 327(1000] 60 464 633(600) 971*4183 349 424(600] 92 606 604 19 28 1600] 926 8 5053 103 212 604 729 83 8 9007 {3000] 152 89 90 270 477 626 729 913(10001 87152 335 409 91[600] 756 891 008 8 8001 23 161 223 79 06 341 891 835*9013 94[1000] 314[600] 667 813 918 74 90025 234 81 300 16 31 88 4 SS 66 728 88[600] «6 1500] 848(500) 97 91147[600] 479 665 70 811 «3 7J3[600] 928 82081[600] 71 88 363 411 8,6 88 110001 42 705 30 340(10001 67 93079 234 343 1500] 471 618 6,0(60)] 845 73 94010 12[500] 13 30 123 33 55 538 605 708 894 933 80 63 93285 302(1000) 25 476 620 675 98012 17 74 94 160 73 209 67 312 446 600 97034 49 198 238 431 707 856 8*007 103 65 425 685 604 701 8(3000) 44 921 47 55 83(30001 89016 J17 62 363 93 443 713 23 817 59 643 100131 60 490(600] 611 86 738 66 101287 [600] 413 325 77 02 822 82 649 102492 601 614 45 81 721 898 820 92 103057 87 292(3000) 430(803) 807 33 904 05 194038 46 87 198 241 67 83 362 83 478 760 887 1 05176 667 743 1 0*113 68 90[3000] 352 420 600 19 44 61 721 966 107141 274 63 323 667 788 835 10*221(600) 94 303 68 667 70 788 825 UOOO] 64 109133 43 411 97 677 692 762 99 635 973 110026 271 333 79 410 34 611(500] 23 93 07 723 61 817 23(600] 00 911[1000] 66 111041 09 171 231 33 65 723 13000] 839 920 11*100 269 301 13 98 906 11*005 35 97 674(5001 602 7 733 83T 114003 26 303 449 77 607 70 763 820 620 88(6001 115010 161 219 476 619 610 14 11*094 IIS 474 622 713 014 117116 63 410 605(600) 64 648 69 749 71 865 79 018 60 11*005 63«03 603 8 26[1000] 733 71 821 78 97 966 96 119109 208 304 651 679 97, 809 60 970 120071 89 178 214 433 02[6001 502 64 700 17 48 924 60 1600] 12 1 344 415 780 913 1 22063 6» 167 74 110001 314 61 442 61 87 627 28 33 41 663 798 887 930 1 23070 10« 302 622 712 14 47 64 862 984 124257 422 688 62 83 1600} 607 77[1000] 729 71 808 1*5067 661 704 807 128090 138 71 80 468 63» 712 921 127042 182 463(600] 621 60 67 87 029 37 6» 606 93 1 28246[3000] 644 1 29139 277 078 438 693 038 55 912 19 139007 39 67 150 91 206 15 433 867 771 07 834 39 002 18 131046(3000] 87 118 63 78(1000] 817 132321 90 751 70 76 809 16[500] 971 02 133012 100 10 245 356 485 521[600] 74 637 65 804(3000) 134168 (3000) 360 483 773 833 3« 945 68 135016 62 168 370 471 512 13 614 28 700 940 72 13*016 III 308 407 (1000) 693 691 812 071 137043 839 455 86 663 747, 840 13*037 66 74 126 259 86 871 139121[600] 321; 610 61 602 33 48 06(500) 719 93 806 tSOO] 1404)0 41 EOS 629 93 752 913 87 141300 80 62 447 500 33 64{3000 672(600] 961(100] 69(600] 142161(6001 254 647 851(1000) 60 98 913 71 143 51 278 609 15(500) 856 69 144007 84(1000) 438 659 66 665 769 863 948 99 145003 228(6000] 33 388 (3000] 639 833 74 1 48)41 245(600] 02 431 72(5001 99[1009] 630 35 706 1 47094 141 203 366 466 666 643 737 01 863 029 148060 84(1000) 266 7« 333 70 (1000) 74.(1600] 481 96 607 40 75 763 871»58 1 49105 92 352 479 605 700 803 63 902 16«9 189055 186 373 75 635 67 870 1 9 1 080 194 41+ 80 601 152,71 74 428 681 939[500] 94 163074 212 4» 352 052 15415, 64 236 94 607 82(3000) 710 803 12 60 14 017 31 1 53329 415 507 031 692 1 58336 481 623( 500) 656( 3000) 04 708 912 1 5 7 09« 147 91 42» 670 91 82 769 818 015 1 58)99 367[600] 452 690 76» 805 974 199041 210 25 437 69 698 765 800 10 64 068(1000) 18*066 87[3000] 264 546[600) 624 717 66[1000) 905 161212 373 633 630 39 852 70 61 919 94[1000] 162023 166 236 89[1000] 418 40 653 849 89 664 103050 138 254 77 319 79 627 67 057[1000] 1*4067 (500) 178 379 08 482 551 52 65 635 723 896 9» 165 035 65 382 628[1000) 80 611 843[600] 18*043 372(500] 74 401 11 627 600 780 890 938 107114 83 205 468 782 879 900(1000] 84 16*076 249 348 422 39 65 601 60 858 169050 66 346 648 011[500] 37; 60 773 803 948 68 170013 494 604 669 929 171022 60 119 221 91 800 26 452 693[600] 629 172064 112 216 41 397 45» 502 632 34 787 829 962 65 1 7*036 5 6 23« 84 432 504 (1000] 077(1000) 836 67 174,33 80 402 39 653 77 653 933 1 7 5063 247(3000] 88 310 14 44 873»24 17*001 178 305 34 418 636 177072 128 31 47 280 333 34 681 739»40(600] 88 03 17*061 170 279 90 335 688 839 938 179038[500] 97 329 74[3000] 40». 95 623 83 627[5001 88 701 22 1*0026 213[500) 57 361 409 670 625 62 807 1*1107 67[600] 562 79 03 622 66 859 670 182009 121 28»[5001 83 49» 664[500] 763(500) 72 875 93» 47 1 83143 93 250 61 460 66 600 844 1*4488 708 1*5661 029 18*107 414 616 61 63 187130 304 404 [1000] 726 632 025 72 1 88226 34 67 393[1000] 437 887 180947 102[1000] 81 7,0 890 055 Verantwortlicher Redalleur: Kichard Barth, Berlin, Für des Inseratenteil vrrantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Be rlagSanstalt Paul Singer u.Co., Berlin 5W. 8t.m 28. lull W 3. Dtllllßt k0„AilWllllö" gctlillft MMMl s-m-dend� W N«°wb.. l!M. Partei-?Zngelegenkeiten. Sechster Wahlkrris. Sonntag, den 26. November, früh 8 Uhr: Handzeltelverbreilung in der 8,, 9�, 12., 13., 15., 17. und 20. Abteilung. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich in den Bezirks- lokalen einzufinden. Der Vorstand. Lichtenberg. Am Sov"tog früh findet dle Einholung der am Freilag verbreiteten Aufnahmescheine statt. Zehleni»..-f(Wannseebahni Morgen Sonntag, früh 8 Uhr. findet von allen Bezirkslokalen eine sehr wichtige Flugblattverbreilung statt. Es darf kein Genosse fehlen. Der Vorstand. Treptow-Baumschulcnweg. Morgen Sonntag früh 8Vs Uhr von sämtlichen Bezirkslokalen aus wichtige Flugblattverbreitung. Anr Montag, den 27. November, abends 81/, Uhr, im„Spree- Garten Treptow" gegenüber der Sternwarte: Oeffentliche Versamm- lung. Tagesordnung:„Der Wahlkampf und die bürgerlichen Par- teien". Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l. Freie Diskussion. Der Vorstand. Eichwaldr- Schmöckwitz, Karolinenhof, Zeuthen, Micrsdorf. Sonntag, den 23 November, nachmittags 4 Uhr: Große öffentliche Versammlung. Vortrag über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Genossen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlung. _ Der' Einberufer. Berliner Naebriebten» Groß-Berlitt und die Teuerung. Der Magistrat Berlin hat in Gemeinschaft mit den Vor- orten dem Reichskanzler folgenden Antrag unterbreitet: „Für die Dauer der Teuerung Ermäßigung der Zölle auf Brotgetreide und Wiedereinführung des Identitätsnachweises, oder doch eine Reform der geltenden Bestimmungen über die Einfuhrscheine im Interesse der inländischen Verbraucher herbeizuführen. Ferner für die Dauer der Teuerung Aufhebung der Zölle auf Futtermittel. Hülsenfrüchte, Reis, Gemüse, lebendes Vieh. frisches und gefrorenes Fleisch, Schweineschmalz, Speck und Butter, sowie die Aufhebung der Kontingentierung für lebendes Schlacht- Vieh und Beseitigung der Grenzsperren gegen dessen Einfuhr unter Wahrung des notwendigen Veterinären Schutzes nach Maßgabe des Antrages des Vorstandes des Deutschen Städte- tagcs vom 19. September, und die Beseitigung der bestehenden Erschwerungen der Ein- führung von frischem Fleisch, die Ermöglichung der Einfuhr von gefrorenem Fleisch aus Argentinien und anderen Ländern, und Schaffung der für eine dauernde Versorgung dieser Art erforderlichen Ein- richtungcn und die Herbeiführung von Maßnahmen zur Erleichterung der Zufuhren von Kartoffeln in der kühleren Jahreszeit, ins- besondere Bereitstellung besonderer Kartosselzüge und geheizter Güterwagen." Dem Antrage ist zur Begründung statistisches Material beigegeben._ Zur Bekämpfung der Diphtherie gibt Professor Dr. A. Dietrich, Leiter des Untersuchungsamtes'für ansteckende Krankheiten in Eharlottcnburg, folgende Amveisungen: Die Diphtherie ist in ausgesprochenem Maße eine Familien- erkranlung. die von einem Kind auf die anderen übergeht. Aber auch in dichtbewohnten Häusern und überhaupt in engbcvölkerten Stadtvierteln breitet sie sich durch de» regen Verkehr der Familien und ihrer Kinder aus. In gleicher Weise besteht in der Schult: eine Gefahr der Ansteckung. Die Ansteckung in den Wohnungen, int gegenseitigen Familienverkehr, auf den Spielplätzen usw. spielt aber eine größere Rolle als die Uebertragung in de.: Schule. Die Erfahrung der letzten Jahre hat aber über die Ausbreitung der Diphtherie noch weitere Aufschlüsse gebracht. Die Krankheit»- erreger verschwinden nicht zugleich mit eintretender Genesung, vielmehr halten sie sich in der Nase und im Nachen noch lange Zeit nach Ueberstchen der Erkrankung. Das Heilserum tötet die Ba- zillen nicht, sondern schützt nur den Körper gegen deren Gifte. So bildet der Genesend« oder schon wieder Gesunde die gleiche Ge- fahr für seine Umgebung wie der Kranke. Wie lange die Diphthe- riebazillen sich lebend erhalten, und. durch Nase und Mundschlcim ausgeschieden werden, wechselt ganz außerordentlich. Ein kleiner Pro- zentfatz der Erkrankten vermag noch monatelang lebende Diphthe- riebazillen zu beherbergen. Man nennt solche Personen Dauerausscheider. lEs kommt noch eine zweite Gruppe dazu, solche, die entweder gar nicht erkrault ivarcn oder nur ganz unbedeutende Erscheinungen darboten. Solche Personen nennen wir Bazillen- träger. Es ist klar, daß sie. durch keine Absperrung und Des- infektion gehindert, leicht die Krankheit weiter verschleppen können. Die Maßregeln, welche imstande' find, die Bekämpfung der Diphtherie wirksam zu fördern, ergeben sich nur aus dem, was über die Verbreitun�wcge der Krankheit gesagt ist. In allererster Linie ist es Pflicht der Eltern, bei jeder verdächtigen Erkrankung den Arzt beizuziehen. Dieser wird in jedem verdächtigen Fall die Untersuchung des Belags, des Rachenschleim, veranlassen, falls die Untersuchung des Kranken allein nicht schon die Krankheit er- kennen läßt. Die Pflicht, einen Krankheitsfall zu melden, liegt bcm zugezogenen Arzt ob, und dieser wird auch die Anweisungen zur Absperrung des Kranken und zu den Desinfektionsmaßregelu geben. WcNn Absonderung und fortlaufende Desinfektion nicht durchführbar sind, ist es dringend zu raten, das erkrankte Kind nach dem Krankenhaus zu bringen. Sofort nach der Ueberführung des Kranken ins Krankenhaus, ebenso falls es daheimgeblieben, nach seiner Genesung, erfolgt die Schlußdcsinfeltion der Gegenstände, die der Kranke benutzt hat und des Wohnraums. Es braucht hierzu nicht die polizeiliche Aufforderung abgewartet werden, sondern der Antrag kann auf Anraten i>es Arztes ohne weiteres bei der städtischen Desinfektionsanstalt erfolgen. Die Desinfektionen ebenso wie das Fernhaltep, der Ge- fchwister uni. anderer Familienangehöriger von dem Schulbesuch genügen jedoch allein noch nicht, um besonders für die Schule alle Ansteckungsgefahr zu beseitigen. Daher hat die Charlottenburger städtische Schulbchörde einige Bestimmungen erlassen, die die Aus- fchaltuug der Dauerausscheider und Bazillenträger Jeezivecke». ES soll kein Kind, das erkrankt war, eher zum Schulbesuch zu- gelassen werden, als es nicht bei zweimaliger Untersuchung durch das Untersuchungsamt frei von Diphtheriebazillen befunden wurde. Weiterhin:s aber auch nötia, die Geschw'�er, ehe sie wieder zur Sclwle gehen, auf Diphthcrtebazillen zu untersuchen, um fcstzu- stellen, ob sie nicht etwa Bazillenträger geworden sind. Häufen sich in einer Schulklasse die Erkrankungen besonders stark, so wird die Untersuchung aller Kinder notwendig, um festzustellen, wie viele etwa unbemerkt den Ansteckungsstoff in sich tragen. Es Iverden dann diese Bezillcnträgcr vom Unterricht aus- geschaltet und ebenso erst wieder zugelassen, wenn die Untersuchung keine Bazillen mehr ergibt. Es sind mit dieser Maßregel schon ficht- liche Erfolge erzielt worden; so kam im letzten Winter eine hart- väckige Epidemie in einer Charlottenburger Schule zum Stillstand, nachdem durch Untersuchung d«r hauptsächlich betroffenen Klassen 5 Prozent der Kinder als Bezillenträger festgestellt und vom Un- tcrricht ausgeschaltet waren._ Wie lange noch—? Wie lange noch soll die Lebensmittelteuerung, die das Volk bedrückt, andauern? Die Verteuerung des Brotes, die schon seit mehreren Monaten infolge erneuter Preissteigerung wieder fühlbarer geworden war, ist im Herbst noch weiter fort- geschritten. Nach den Ermittelungen des Berliner Statistischen Amtes über den Brotpreis in Berlin, deren Ergebnis jetzt für Oktober bekanntgegeben worden ist, kostete im Oktober das Kilogramm Roggenbrot durchschnittlich bereits über 29 Pfennig(genauer 29,13 Pfennig). Noch vor einem halben Jahre, im April, stand in Berlin der Durchschnittspreis des Roggenbrotes pro Kilogramm erst über 26� Pfennig(genauer 26,63 Pfennig), die letzten sechs Monate haben also eine neue Erhöhung um 2% Pfennig pro Kilogramm gebracht. Ermittelt wird der Brotpreis in der Weise, daß das Statistische Amt in verschic- denen Stadtteilen aus 40 Bäckereien Brote ankauft und durch Wägung die Schwere der Brote feststellt, woraus dann der Preis pro Kilogramm berechnet wird. 29 Pfennig pro Kilogramm Brot bedeutet, daß das übliche Fünfgroschen-Brot— das wirklich 50 Pf. kostende, denn das Statistische Amt kauft nur da, wo kein Rabatt und keine Zugabe gewährt wird—, jetzt schon keine 8H Pfund mehr wiegt. Das sind, wie gesagt, Durchschnitte. Im einzelnen weichen Gewicht bezw. Preis von diesen Durchschnitten mehr oder weniger weit ab, gelegentlich sogar so weit, daß der Höch st preis fast das Doppelte des Mindestpreises ist. Im Oktober z. B. wurde aus den am 19. Oktober gemachten Ankäufen als Preis pro Kilogramm Roggenbrot hcrausgercchnet: im Maximum volle 37 Pf.(genauer 37,04 Pf.), im Minimum rund 27% Pf.(genauer 27,28 Pf.). Diese Abweichungen werden offenbar durch mehrere Umstände verursacht, z. B. durch die ungleiche Höhe der Bäckerei- mieten und anderer Unkosten, auch durch die ungleiche Höhe des Profites, den der Bäcker haben will. Aber die allgemeine Er- h ö h u n g des Brotpreises, zu der die billigen Bäckereien w i« d i e t e u r e n sich genötigt sich gesehen haben, ist aus der Er- höhung der G e t r e i d e p r e i se zu erklären. Die Zollpolitik der von Junkern und Pfaffen beherrschten ReichSrcgierung ist es, die die wichtigsten Lebensmittel immer weiter verteuert hat. Wie lange noch soll dieses Treiben, unter dessen Folgen die minderbemittelte Bevölkerung seufzt. fortdauern? Bei den ReichstagSwahlen wird das Volk endlich Gelegenheit haben, die große Abrechnung zu machen. Der Weihimchtspaketdienst. Für den Weihnachtspaketverkebr sind besondere Bestimmungen erlassen worden, die zum Teil auch kür die Absender von Interesse find. ES ist gut, wenn das Publikum die Ankorderungeu. die die Postämter an die Pakete stellen, von selbst erfüllt. Die Pakete müssen vor allem fest und dauerhaft verpackt sein. Sie miifien mit einer dauerhaften, deutlichen und vollständigen Ankschrifl versehen sein, so daß sie nötigenfalls auch ohne die Post- patetadresse bestellt werden können. Der Bestimmungsort muß bc- sonders groß bezeichnet werden. Sogenannte Fahnen müssen fest und dauerhaft sei». Wie jede? Jahr, ist wieder die Versendung mehrerer Palele mitielst einer Postpaketadresse vom 12. bis zum 24. Dezenrber nicht zulässig. Die Beamten sollen auf eine schonende Behandlung der Pakete besonders achten. Sie dürfen nicht geworfen werden, sondern sind tunlichst von Hand zu Hand zu geben. Kleine Pakete sollen durch Ausnahme in Briefbeutel oder Paketsäcke bc- sonders gesichert werden. Es ist auch dafür Sorge zu tragen, daß die Paketadressen nicht später als die Pakete eintreffen. Bon der Wettwut am Totalisator gibt die Tatsache Auskunft, daß der Totalisatouimsatz auf de» Berliner Rennbahnen im abgelaufenen Jahre gegen da» Vorjahr gestiegen ist und 30 184 000 M. betragen hat. Die Zahl der Renn- tage hat sich von 123 auf 128 vermehrt. Die größte Steigerung hat Grunewald zu verzeichnen, und zwar von 7 565 000 M. bei 20 auf 8 518 000 M. bei 21 Renntagen. In Hoppegarten ist der Umsatz mit 5 900 000 M. gegen 5 755 000 M. trotz eines Renntages mehr fast der gleiche geblieben, während Karlshorst bei der gleichen Zahl von Renntagen mit 6 250 000 M. gegen 5600 000 M. ebenfalls eine erheblichere Steigerung aufweist. In Strausberg endlich lauten die Ziffern 2 658 000 M. gegen 2 315 000 M., doch ist auch hier die Steigerung auf den neuen Renntag zurückzuführen.— Im Gegensatz zu den vier Galoppbahnen sind die Umsätze auf den beiden Trabrennbahnen auffallenderweise zurückgegangen, trotzdem die beiden neue», dem Herrenfahrerklub bewilligten Renntage in Weißensee hinzukamen. Schon im Vorjahre hatten die beiden Trab- rennbahnen keinen Fortschritt mit ihren Toterlisatorumsätzen zu verzeichnen gehabt. Die Wettumsätze belaufen sich in Weißensee auf 3556 000 M. gegen 3 610 000 M.. und in Ruhleben auf 3 302 000 M. gegen 3 600 000 M.— Da bekanntlich 16� Prozent von allen Wetten am Totalisator für den Staat abgezogen werden, so sackt der Fiskus allein auf den Berliner Bahnen die ansehn- liche Summe von zirka 5 030000 M. ein. BuhtagScrlcbnis. Ein Leser schreibt uns: Am Feiertag, den die evangelische Kirche allen Landesbewohncrn, nicht nur etwa ihren Gläubigen, auferlegt, gehe ich durch die stille Vorortstraße und denke trübselig nach, wie herrisch sich diese Kirche über das Leben stellt. Mußte ich doch erst am Sonntag anderthalb Stünden untätig in der„Neuen Welt" auf einem Fleck sitzen, weil die Po- lizei den Untcrbcamtcn verboten hatte, früher über ihre Lage zu beraten, che der Prediger in der nächsten Kirche zu Ende sein ivürde... Da sieht mich ein schäbig gekleideter Mcncsch mit einem Alkoholikergesicht an, stutzt einen Augenblick und drückt mir auch schon ein Flugblatt in die Hand. Verfasser, lese ich, ist ein General- lcutnant z. D. v. Vicbahn. Merkwürdig, wo so ein alter Militär in seiner Exerzierplatz- und Kasinolauflmhn die viele Frömmigkeit hergenommen haben mag. Es ist nämlich ein christliches Blättchen und fordert auf, zu glauben. Auf der letzten Seite lese ich: Ein Mensch vermißt in einem englischen Eisenbahnzug- die Fahrkarte und sein Geld. Aber er ist unbesorgt vor der Revision. Dem Mit- reisenden sagt er, daß ihn„der Meister", für den er immer treu arbeite, nicht entlassen werde. Nichtig— der Schaffner kommt. revidiert aber nicht, sondern gebt auf des Mitreisenden„All rigbt" salutierend ab. Der gewaltige Mitreisende ist zwar nicht der liebe Herrgott, aber er steht ihm auf der Nanglcitcr des Schaffners sicher nahe.„Ich bin der Direktoren einer bei dieser Gesellschaft", sagt er dem Fahrkartenloscn.„so wird Ihr Gottvertrauen gelohnt." Sieh mal einer an: Wer auf Gott vertraut, kann als blinder Passagier reisen? Aber so etwas ist auch nur im dis-ivlinlosen England möglich. W-»� würde dem irvmmen Bußt�reisenden, so ende ich meine Betrachtung, ivas würde ihm sein Gottvertrauen bei einer preußischen Bahnsteigsperre nützen?! Ter Bieruhr-Ladcnschlusi am Heiligabend und die kleinen Geschäftsleute. Uns wird von einem Geschäftsmann geschrieben:„Der für den 24. Dezember verfügte 4 Uhr-Ladenschluß hat den Univillcn etlicher kaufmännischen Vereinigungen Berlins bezw. deren Vorstände er- regt und ibre Kundgebungen der Mißbilligung fanden breiten Raum in einer großen Berliner Zeitung mit umfangreichem In- seratenteil. Es ist aber eine nicht zu widerlegende Tatsache, daß für die Vorortgeschäste, besonders für die kleineren. Sonn- und Feiertage mit nur wenigen Vcrkaufsstunden rentabler sind als Wochentage, daß sie für die Existenz solcher Geschäfte von viel größerer Bedeutung sind, als für die Geschäfte des Berliner Zen- truins, die durchweg in den wenigen, an Sonn- und Feiertagen dem Verkauf freigegebenen Stunden weit hinter dem Umsatz eines Wochentages zurückbleiben. Es ist Erfahrungssatz, daß wochentags kaul'-K* Käufer aus den äußeren Stadtteilen nach den Geschälten des inneren Berlins strömen, die an Tagen mit nur we>'�z«c Verkaufsstunden ihre Einkäufe in den benachbarten Geschäften besorgen. Daraus ergiebt sich, daß ein früher Geschäftsschluß am Heiligabend nicht nur den Wünschen zahlreicher Angestellter entspricht, sondern auch von vitalstem Interesse ist für Tausende von Geschäftsinhabern der äußeren Stadtteile Groß-Berlius. Wenn wir dabei berücksichtigen, daß die Vorortgeschäste in gleichem Verhältnis zur Tragung der Lasten herangezogen werden, die der Erhaltung und Hebung des Fremdenverkehrs dienen, Auf- Ivendungeu, die in unvergleichlich höherem Maße den Geschäfts- inhabern des Berliner Zentrums zugute kommen, so wird man anerkennen müssen, daß es einem Akt ausgleichender Gerichtgkeit entsprechen würde, durch möglichst frühen Ladenschluß an diesem Heiligabend die kleinen Gewerbetreibenden der Vororte und sonsti- gen Wohngegenden in ihrem Kampfe ums Dasein zu unterstützen. Daß die Geschäftsinhaber des Berliner Zentrums auch in diesem Falle in erster Reihe ihre eigenen Interessen zu fördern suchen. wird man ihnen billigerweise nicht übel nehmen dürfen. Wenn aber große Zeitungen"nur einseitige Auffassungen propagieren, so muß das Kopfschütteln hervorrufen und starke Zweifel erregen an der Unparteilichkeit auch derjenigen Presse, die sich stets bemüht, solche Gedanken mit Entrüstung zurückzuweisen." Von der Lokomotive erfaßt. Ein schwerer Unfall trug sich gestern auf der Scblesiichen Bahn zw Am Bahnübergang �>ei Bude 47 wollte der Schackitmeister Wundrock in dem Augenblick über die Gleise schreiten, als ein von Berlin kommender Schnellzug herangefahren kam. Ei» Shrankeiiwnrlcr. der gerade in der Nähe war, sprang schleunigst hinzu und versuchte den Gefährdeten zurückzureißen. Es ivar aber bereiis zu spät. Wundrock wurde von der Lokomotive er- saßt und mit solcher Gewalt zu Boden geschleudert, daß er die Bc- sinnung verlor. Schwerverletzt wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause gebracht, wo er sehr bedenklich darnicderliegt. Zwei„Miidchenhnndler" in Haft. In der Bahnhosstraße wurden gestern zwei junge Wiener unter dem Verdacht, Mädchenhändlcr zu sein, verhaftet. ES sind der 20 Jahre alle Artist Richard Prokop und der 24jährige Bautechniker Edmund Hedorfer. Beide waren am Donnerstag voriger Woche mit zlvei l6jährigen Wienerinnen in Berlin eingelroffen. Sie schickien die jungen Mädchen unter Androhung von Ge- walt täglich aus die Straße, wo diese den Lebensunterbalt verdienen mußten. Auf die Spur der„Mädchenhändler" kam die Kriminalpolizei dadurch, daß die eine der Wienerinnen sich an Bekannte in Wien wandte, um durch deren Vermitlelung von ihrer Mutter Ausweis- papiere zu bekommen. Die Muller unleirichtele die Wiener Polizei. und diese wandte sich an daS Berliner Polizeipräsidium, das die beiden Sklavenhalter gestern verhaften ließ. Diese hauen schon die Absicht geäußert, die Mädchen nach Hamburg und London zubringen. Die beiden jungen Wienerinnen werden durch Vermittelung der Fnrsorgedomen des Polizeipräsidiums nach ihrer Heimat zurück- gebracht werden. Ein gemeingefährlicher Kinberfreunb wurde in der Person de? Händlers Garske von der hiesigen Kriminalpolizei verhaftet. G. verstand es, Schulmädchen an sich zu locken und sie zu unsitt- lichen Handlungen anzuhalten. Das gefährliche Treiben des Mannes wurde jetzt entdeckt und die Verhaftung des Unholdes per- anlaßt. G. wurde dem Moabiter Untersuchungsgefängnis zu» geführt. Aus der Haft entlassen ist auch der Packer Schollmeier, Rixdorf, Weisestr. 3 wohnhast, der in der StranßfederndiebstahlsassSi'e verhaftet worden war. Außer Verfolgung gesetzt. Der unter dem Verdacht veS Sitt- lichkeitsverbrcchens verhaftete Gcmeindeschullehrer Hermann Ulrich ist jetzt auf Grund des tz 51 außer Verfolgung gesetzt worden. Ulrich ivurde beschuldigt, sich in mehreren Fällen in Ger- lachstal a. d. Ostbahn und auf dem Tempclhofer Felde an Schul- mädchen vergangen zu haben. Ulrich, der einer geachteten Lehrer- familie angehört, stellte durch Rechtsanwalt Dr. I a f f e den Antrag auf ärztliche Untersuchung seines Geisteszustandes. Die Straf- kammer des Landgerichts II gab diesem Antrage auch statt und überwies den Beschuldigten der Irrenanstalt Buch. Auf Grund eines Gutachtens de» beobachtenden Arztes Dr. Sali n g er, der den 8 51 für vorliegend erachtete, ist nunmehr das Verfahren gegen Ulrich eingestellt und seine Haftentlassung angeordnet worden. Und ein solcher Mann konnte als Lehrer amtieren. Ein Schädelbruch ist an dem dieser Tage in Reinickendorfer Gegend tot ausgefundenen Maurermeister Wilhelm Klieme konstatiert worden, was wir auf Wunsch von Angehörigen des Verstorbene» mitteilen wollen. Der Männerchor Moabit(M. d. A.-S.-B.) veranstaktet am Sonntag, den 23. November, im Moabiter Gesellschaftshaus. Wiclefitr. 24. unter Mitwirkung der Konzerlsängerin Frau Wagner- Gronwald(Sopran) und des Neuen Tonkünstlerorchesters(Dirigent Franz Hollfelder) ein Konzert und ladet Freunde der Musik und des Gesanges zu zahlreichem Besuch ein. Anfang 7>/, Uhr. Eintritt 50 Pf. Vorort-JVacbricbtem Nixdorf. Wenn Schulkinder austreten wollen. In den Schulen wird meist den Kindern untersagt, während des Unterrichts die Klassen- zimmcr zu verlassen, ui» ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Wir wissen wohl, daß für diese Maßregel pädagogische Ertvägungen gel- tcnd gemacht iverden, die nicht so ohne weiteres abzuweisen sind. Die Schule will die Kinder dazu erziehen, in ihren körperliche» Bedürfnissen sich an eine bestimmte Ordnung zu gewöhnen, auch will man aus gewissen Gründen verhindern, daß Kinder unkou- trolliert in den Bedürfnisanstalten verweilen können. Die Schul- zucht darf aber nicht so iveit gehen, oaß dadurch die Kinder in ihrer Gesundheit geschädigt werden könnten, und von diesem Gesichtspunkt aus muß mau trotz allen pädagogischen Ertvägungen seine großen Bedenken gegen!xiS Verbot des Aus, trctenS haben. Klagen über ein solches Verbot sind uns vorgetragen worden von Eltern, deren Kinder die 33. G e me i n d e s ch u I e besuchen. In Klasse V dl läßt die Lehrerin Fräulein Gvtfchwagcr möalichst kein Kind während de» Unterrichts eine SV��iisanstält aufsuchen, sofern nicht ein Krankhettsznstand besteht, der etwa ein Kind dazu nötigt. Gelegentlich ist es in der Klasse dieser Lehrerin schon vorgekommen, daß Madchen sich naß machteli, entweder weil Fräulein Gutschwager da» Verbot ausrecht erhielt, oder iveil clu Kind sich gar nicht erst meldete. Vor 14 Tagen kam eine elfjährige Schülerin Therese Maier in durchnäßten Unterkleidern aus der Schule heim und erzählte der Mutter, Fräulein Gutschivager habe sie nicht hinausgehen lassen. Da die Kleine bei dem kühlen Wetter auf dem eine lzalbe Stunde dauernden Heimweg (die Schule liegt j» der Weserstraße nahe der Reujerstraße� die Familie wohnt in der Treptower Straße) sich infolge der Durch- nässung erkältet zu haben schien, so behielt die Mutter sie am nach- sten Tage zu Hause. In dem Entschuldigungsschreiben, das sie dann der Therese mitgab, bat si« die Lehrerin, künftig das Kind austreten zu lassen. Fräulein Gutschmager soll daraufhin die Schülerin— so erzählte die Mutter— gesagt haben, was die Mutter da schreibe, das sei ja sehr schön und gut, aber die Schü- lerin habe sich so einzurichten, das; sie nicht während des Unter- richts auszutreten brauche. Eine andere Meinung soll Rektor Markwardt geäußert haben, als das Vorkommnis zu seiner Kennt- nis gelangte. Bekannt wurde es ihm erst, als jetzt nach 14 Tagen eine ältere Schwester des KindeS dem Rektor die Meldung machen mußte, daß Therese inzwischen plötzlich erkrankt und nach ganz kurzem Krankenlager verstorben sei. Die Eltern nehmen an, daß die Erkrankung, die so rasch zum Tode des sonst ganz gesund gt wesenen Kindes geführt hatte, noch auf jene Erkältung zurückzw führen sei, und aus diesem Grunde setzten sie nachträglich den Rektor davon in Kenntnis. Der Arzt hat auf die Todcsbescheini gung„wahrscheinlich Scharlach" vermerkt, es darf mithin ange� nommen werden, daß der von den Eltern vermutete Zusammen- hang nicht besteht. Immerhin ist dringend zu wünschen, daß die Lebrerin Fräulein Gutschwager auf ihre gewiß in bester Absicht � verfügte, aber recht bedenkliche Erziehungsmaßregel fortan ver zichtet. Vielleicht könnte im Anschluß an diesen Fall die Schulverwab tung einmal in Erwägung ziehen, ob nicht allgemein den Lehrern und Lehrerinnen aufzugeben wäre, jedes Verbot des Aus Pretens zu unterlassen. Uns wird gesagt, daß z. B. in der 20. G e m e i n d e s ch u l e eine Lehrerin Schinkel, die in Klaffe VII dl unterrichtet, die Kinder austreten läßt, ohne daß es dazu einer besondeten Anfrage bedarf. Wer hinausgehen will, um ein Bedürfnis zu verrichten, erhebt sich stumm und geht still hinaus. Auch das ist eine Maßregel, die erzieherisch wirken kann. Sie ver- dient Nachahmung. Die Baugenossenschaft„Ideal" veranstaltet heute Sonnabend, den 2ö. November, einen humoristischen Abend unter Leitung des Humoristen Altred Bender, in Kliems Festiälen(großer Saal). Hasenheide 14/1ö. Das Konzert wird ausgeführt vom Sinfonie- Orchester. Dirigent Maximilian Fischer. Eintritt S0 Pf.(inkl Tanz) Anfang>/zg Uhr. Charlottenburg. Zum dirigierenden Arzt der inneren Abteilung des Krankenhauses Westend als Nachfolger für den verstorbenen Professor Grawitz wählte der Magistrat den Direktor der medizinischen Ab- teilung des Altonaer KwankenhauseS, Professor Dr. Umber. Letzterer hat die Wahl bereits angenommen. Tchönederg. Städtische Serfischkochknrse beabsiStigt der hiesige Magistrat in Kürze einzurichten und steht gegenwärtig diescrhalb niit dem Deutschen Seefischereiverein in Unterhandlungen. Die Kurse, die selbstverständlich völlig unentgeltlich sind, werden in den städtischen Schulküchen, und zwar in den Abendstunden staltfinden. Da die Größe der Organiiation von der Zahl der Teilnehmer abhängig ist. so bittet der Magistrat die Frauen, die sich an den Kursen beteiligen wollen, um baldmöglichste schriftliche Meldung an die Markt- Verwaltung unter Angabe der genauen Adresse. Steglitz. Bei dem am Bußtag stattgefundenen Liederabend im„Rhein- schloß" wurden ein Damenschirm und ein Taschentuch gefunden. Die Gegenstände können daselbst abgeholt werden. Martendorf. „sozialdemokratische Propaganda im Saale des Raih-mfeS" namne der Gemeindevorsteher in der letzten Gemeindeverrreler- un��i��usiübrungen�nie�r�enosien�e�er�eip�chun�des Elternabend. Bekanntlich lag schon aus der vorigen Sitzung ein Antrag unserer Genossen vor, in welchem ersucht wird, den geplanten Elternabend nicht in dem für die Arbeiterschaft gesperrten Lokal von Graßl, sondern in der Aula des Gymnasiums stattfinden zu lasse», um es auch der Arbeiterschaft möglich zu machen, dieselben besuchen zu können. In durchaus sachlicher Weise wurde der Antrag vom Genossen Weber begründet. Redner kritisierte die ablehnende Begründung des Schulkuratoriums und betonte, daß solche Arrangements nur dann Elternabende genannt werden können, wenn es jedem Bater möglich sei, der Veranstaltung beizuwohnen. In den verflossenen Jahren habe man jedoch nur sehr wenig Väter an diesen Abenden teilnehmen sehen; dadurch sei es ja auch nur möglich gewesen, daß einer der Herren Rektoren einen Lobgesang auf die Prügelstrafe unwidersprochen habe halten können. In ähw liehet Weise sprach sich auch Genosse Reichardt aus. Nicht uuinter- essant waren dabei die Ausführungen des Herrn Noack, der betonte, daß diese Veranstaltungen überhaupt nicht als Elternabende bezeichnet werden können, da die Aufführungen nur solche Kinder mitmachen können, deren Eltern in der Lage sind, eventuell auch für notwendige Kostüme zu sorgen; die armen Kinder müssen neidvoll zusehen, ob- gleich sie es vielleicht besser machen als jene, die zufällig die Mittel haben. Soweit ging die Debatte im Rahmen der Sachlichkeit, bis plötzlich der Gemeindevorsteher, dessen Amtsperiode am 1. Januar abgelaufen ist, in einer ganz ungewöhnlichen Weise in die Debatte eingriff. Der Herr meinte, daß diejenigen törichte Leute seien, die das Lokal von Graßl nicht besuchen wollen. Nachdem Genosse Weber diesen Ausfall scharf zurückgewiesen, zog auch Genosse Reicbardt gebührend gegen den Gemeindevorsteher zu Felde und siehe da: mitten in der Anklagerede, die zweifellos Wirkung ausübte, er- hob sich plötzlich der Herr auS seinem Sessel und entzog dem Ge- nossen Reichardt das Wort. Die bürgerlichen Herren taten, was man in solchen Situationen von ihnen gewöhnt ist. sie schwiegen. Einen Eiertanz führte der Gemeindevorsteher bei dem von unseren Genossen gestellten Antrag auf Errichtung einer Gemeindewrnballe auf. Bei der Begründung ersuchte Genosse Reichardt, die Turnhalle beim Feuerwehrdienstizebäude anzubauen. Der Gemeindevorsteher brachie eS jedoch fertig, obwohl er die Anregung zu einem solchen Projekt gegeben, dasselbe zu Fall zu bringen. Er erklärte, am 1. April 1813 werde die Turnhalle im OrtSteil Südende frei, die Antragsteller sollten dann erneut vorsprechen.— Bedenken äußerte Genosse Reichardt beim Antrag auf Anschaffung von Spielgeräien für die Schüler der Fortbildungsschule. Nach Angabe des Gemeinde- Vorstehers ist ein Schüler der Fortbildungsschule an den Rektor mit diesem Ersuchen herangetreten. Es ist leider schwer festzustellen, ob derSchüler wirklich auSeigenerJnitiativediesenAntrag stellte. Bedenklich ist es aber doch, daß jetzt mit einem Male Schach« und andere Spiele zur Unterhallung in der Fortbildungsschule angeschafft werden sollen. Die Mehrheit beschloß naiürlich die Anschaffung. Ebenso wurde mit lliiterstützung unserer Genossen die Anschaffung von zwei Pianos in den beiden Gemeindcschulen beschlossen.— Die Prüfung von Rech- n imgssachen über Straßenbauten und Schmutz- und Wasserkanali- sanon ergab einen Ueberschuß von 4327 M„ die zugunsten des neuen Elats zurückgestellt werden.— Vom Genossen Güniher wurde hierauf Bericht erstattet über die KommissionStäligkeit für den Einkauf von Seefischen und Kartoffeln durch die Gemeinde. Danach läßt sich über den Seefischverkauf nichts Positives bekannt geben, da dieser Verkauf i» Händen des Kaufmanns Sachs liegt. Hingegen hat der Kartoffelverkauf gute Erfolge gezeitigt. Die ersten tausend Zentner sind in ganz kurzer Zeit verbraucht ge- wesen. Insbesondere war eine große Nachfrage bei der Abgabe von kleineren Quanten— 10—50 Pfund. Dieser Verkauf findet in den Kellerräumen der Gemeindeschule in der Friedensstraße statt. Jedoch muß er jetzt einige Tage unterbrochen werden, bis die neue Sendung von nochmals tausend Zentnern herangekommen ist. Die neue Sendung Kartoffeln soll nicht, wie es bei der ersten Sendung geschah, zentnerweise in? Haus geliefert, sondern nur in kleineren Quanten in der Friedensilraße abgegeben werden. Ebenso ist ein größerer Abschluß an Kohlrüben gemacht worden, die eben- falls äußerst billig zu haben sind. Sobald die Sendung eingetroffen, wird die Ausgabestelle, wahrscheinlich in der Schule Königstraße, bekannt gegeben. Ein Zusammenstoß eine? Lastwagens mit einem Straßenbahn- wagen, bei dem drei Personen leicht verletzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag nahe der Marienhöhe. Dort stieß ein Bretter- wagen der Firma W. Nickolei aus der Lohmühlenstraße, der in gleicher Richtung mit einem Straßenbahnwagen der Linie S9 fuhr, mit der Ladung gegen die Seitenwand des Waggons, wobei zwei Seitenscheiben zertrümmert und durch umherfliegende Glassplitter drei Fahrgäste des Straßenbahnwagens leicht verletzt wurden. Ein Herr Hartleib aus der Dorckstraße 50 erlitt eine Schnittwunde an der Nase, ein Herr Gerlach auS der Belle-Alliance-Straße 87 eine Verletzung an der linken Hand und Frau Lemke. Herbertstraße 11 in Groß-Lichterfelde wohnhaft, eine Schnittwunde am linken Zeigefinger. Alle drei Personen brauchten ärztliche Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen und setzten ihren Weg fort. Nowawes. In der letzten Sitzung deö GemerkschastskartellS wurde be- schloffen, zur Unterstützung der streikenden und ausgesperrten Tabak- arbeitet einen einmaligen Beitrag von 50 M. aus der Kartellkasse zu leisten. Angenommen wurde ein Antrag des Ausschusses, der die Gewerkschaften, außer den Töpfern, die schon durch ander- weitigen Beschluß gebunden sind, verpflichtet, auf die vorläufige Dauer von vier Wochen einen Extrobeitrag von 5 Pf. pro Woche und Mitglied zur Unterstützung der Tabakarbeiter zu leisten. Die erste Rate ist heute Sonnabend, den 25. November, an den Kassierer des Kartells, Genossen Traugott Förster, Lützowstr. 0 oder abends von 8—10 Uhr im Lokale von Hiemke, Wallstr. 53. zu zahlen.— Genosse Rühle, Textilarbeiter, berichtete von dem Resultat einer Lohnbewegung der Hausweber. Der Erfolg ist in Anbetracht der gestellten Forderungen und der TeuerungSverhältnisse am hiesigen Orte ein bescheidener zu nennen. Doch ist zu hoffen, daß bei einer weiteren Besserung der Organisationsverhaltnisse später mehr erreicht werden kann.— Von verschiedenen Delegierten wurde auf den früheren Bäckermeister Going, Auguslstraße, und auf den Inhaber der Firma Vortisch, Herrenmoden, aufmerksam gemacht.— Ersterer hat die in der Lgilation für ihre Organisation stehenden Bäcker- gesellen aus seinem Lokale gewiesen und letzterer bestreitet, daß eine auch unserer Arbeiterschaft recht fühlbar werdende Teuerung besteht. Kummersdorf bei Storkow. Der gestern unter der Rubrik: Wahlkampf in Teltow- Beeskow usw. stehende Versammlungsbericht ist irrtümlich unter Kummersdorf bei Storkow plaziert. Hier soll erst eine Wähler- Versammlung staltfinden, während die Versammlung am Sonntag, den 10. November, in KummerSdorf, Kreis Teltow, statt- gefunden hat. Jugendveranstaltunge«. Lankwitz. Nicht das Museum für MeereSlunde, wie irrliimlich angegeben. sondern für Naturkunde soll am Sonntag, 26. November, von der hiesigen Arbcitcnngend besichtigt werden. Tresipunlt Bahnhos Grosi- Licht-is.tdc.Ost'/,11 Uhr. Fahrgeld 30 Pf. � ßmfhaften der Sxpedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse«insenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen' Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Wetterprognose für Sonnabend, den 25. November Ivll. Ziemt.» tall bei sritchen nordöstlichen Winden und veränderliche. Be- wölkung ohne erhebliche Niederschläge. �''_ 1_—J r Gegründet 1867 Prakt. 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VerlagSanstalt Paul Tingcr u. Co.. Verili, 5�V.