Nr. 280. nbonnementS'Bedingung PrciZ pränumerandsi »irrteljAhrl. 3£0 ÜJtt., mormtl. 1,10 Mk„ I-öchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Sluinmer S Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter SonntagZ- Beilage»Die Neue Welt" 10 P-o. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg Portugal, Bumünicn, Schweden und i.e Schweiz, CrftWnt»glich au8(r lllsvlzg». 28. Jahrg. Ott Inferfions-Gebübr »etrllgt für die fechsgefpaltene Kolonek« »eile oder deren Raum so Pfg., für Volillsche und gewcrllchaftlichc Vereins. und BerfammiungS-Anzeigen Z0 Pfg. „Aleln- Hnrcfgtn", das fettgcdruckie kSort 20 Bsg.(zulässig 2 setlgcdruikte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan» zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über IS Buch- slaben zählen für zwei Worte. Jnserale für die nächste Ruinnier müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition �gegeben«erden. Die Erpedino» ijt bis 7 Uhr abends geossnet. Vevlinev Volksblntk. Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Delegramm. Adresse: «Sozlalddnoürit Rtrii»0, Redaktion: 8A!. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplah, Nr. Kg8Z. Donnerstag, den 30. November 1911. Halbheiten. Expedition: SRI. 68, Ltndenstraeac 69« Fernsprecher: Amt Moritiplatz. Nr. 1S84. � Fn Bielefeld haben die reaktionären Parteien als ge- meinfamen Sammelkandidaten gegen unseren Genossen S e v e r i n g den Grafen Posadowsky aufgestellt, während die Fortschrittliche Volkspartei vorläufig noch an ihrem Kandidaten festhält. Graf Posadowsky entwickelte am Dienstag in einer stark besuchten Versanimlung, von der be- zeichnenderweise die Sozialdeinokraten ausge- schloffen waren, sein Programm. Er stellte sich seinen Wählern als einen Mann vor, der im öffentlichen Leben manches gelernt und vieles vergessen habe. Die Rede be- schäftigte sich zunächst mit der auswärtigen Politik. Posa- dowsky konstatierte die große Enttäuschung über den Aus- gang des Marokkoschachers und meinte dann: „Die Karte der Neuerwerbungen ist, äußerlich be- trachtet, ein wundersames Gebilde, wie man es im ganzen Atlas Wohl kaum wiederfindet. Das Land soll nur Hoffnungsmöglichkeiten haben, deren zweifelhafte Erreichung uns sehr viel Geld kosten wird, gerade jetzt, wo unsere Finanzen wieder einigermaßen balanziercn. Ich halte die Größe des erworbenen Gebietes für ziemlich gleichgültig. Wir haben ein ungeheures K 0 l 0 n i a l g e b i e t zu er- schließen, wozu gewaltige finanzielle Mittel im Laufe der Zeit notwendig sein werden. Große, wilde Flächen ohne reiche Mittel zu ihrer Erschließung sind aber rein imaginäre Werte. Ein Land, wo die Europäer nicht arbeiten können und die Eingeborenen nicht arbeiten wollen, bedeutet keine Verstärkung unserer wirtschaftlichen und poli- tischen Macht.(Stürmischer Beifall.) Und Marokko? Man versichert uns, daß wir es nie begehrt hätten. Selbst wenn wir es erhalten hätten, ist es sehr zweifelhaft, ob es nicht ein Punkt der Schwäche geworden wäre. Ein Land mit drei trockenen Grenzen mutz seine militärischen Kräfte zusammen- halten. Wenn wir aber Marokko niemals begehrt haben, und wenn wir nun ein Stück Kongoland erhalten haben, so ist die Frage nicht unberechtigt, ob es notwendig war, auf Handel tind Berkehr so lange Zeit hindurch Unruhe und Sorge lasten zu lassen. Sobald in der Oeffentlichkeit die Frage erörtert wurde, ob wir nicht ein Stück von Westmarokko erhalten sollten, wurde von England aus sofort erklärt, England könne das nicht dulden, weil es seinen Weg nach Indien gefährdet sehe. Welche strategischen Punkte in der Welt hat England nicht besetzt? Frankreich sitzt in Algier, in Tonkin, in Madagaskar und jetzt auch in dem alten Punierland Tunis. Es hat eben Marokko für seine politischen und wirtschaftlichen Zwecke erhalten. Und doch hat Frankreich eine viel schwächere Bevölkerung als Deutschland. Alle kolonialen Erwerbungen hat man bisher damit begründet, daß wir bei unserer schnell wachsenden Volkszahl Gebiete für deren Auswanderung erwerben müssen. Es ist aber falsch, zurzeit von einer Uebervölkerung Deutschlands zu sprechen. Der Beweis dafür ist, daß unsere Auswanderung auf ein sehr geringes Maß zurück. g e g a n ge n.ist. Solange wir noch hunderttausende fremd- ländischer Untertanen nach Deutschland ziehen müssen, um unsere Scholle zu bearbeiten und unsere Bergwerke auszubeuten, kann von einer Uebervölkerung nicht die Rede sein. Aber das deutsche Volk zählt bereits über 64 Millionen, und bei dessen schnellem Wachstum kann in der Tat eine Uebervölke- rung in absehbarer Zeit eintreten.?ch hoffe, daß es möglich sein wird, für Deutschland einmal Gebiete zu erwerben nicht im Innern Afrikas, sondern in klimatischer Lage, wo auch zweifellos Deutsche sich ein neues Leben gründen, wo sie arbeiten, Besitz erwerben und Deutsche dabei bleiben können." Graf Posadowsky urteilt also zunächst über Kolonial- Politik und namentlich über die Gebiete in Zentralafrika recht nüchtern. Er ist auch ehrlich und unterrichtet genug, zuzu- geben, daß Deutschland über keinen Bevölke- r u n g S z>, s ch u ß verfügt, den man in Siedlungskolo- nien unterbringen müßte. Er konstatiert im Gegenteil, daß Deutschland einen Bevölkerungs Mangel hat, daß die deutsche Industrie auf den Zustrom ausländischer Arbeiter angewiesen ist. Dabei ist freilich anzumerken, daß dieser Zu- schuß nicht so beträchtlich sein brauchte, wenn nicht die„natio- nalen" Unternehmer absichtlich fremde Arbeiter als Loh n» d r ü ck e r ins Land zögen, um die berechtigten Kultur- anspräche der deutschen Arbeiterschaft niederzuhalten. Leider zieht Graf Posadowsky aus seiner Einsicht nicht die notwendigen Konsequenzen. Er weist selbst darauf hin, daß Frankreich trotz seines ungeheuren Kolonialreichs weder industriell noch seiner Bevölkerung nach jene Fortschritte zu verzeichnen hat�die Deutschland aufweisen kann. Was läge näher, als die Schlußfolgerung, daß der Kolonialbesitz für die rasche industrielle Entwicklung Deutschlands ohne jede Bedeutung gewesen ist. Aber Graf Posadowsky zieht diesen Schluß nicht. Er spielt niit der p h a n t a st i s ch e n Vorstellung, daß irgend einmal in ferner Zeit eine Uebervölkerung in Deutschland ein- treten könnte und für diesen Zeitpunkt brauchten wir dann Kolonien in„günstiger klimatischer Lage". Nun wollen wir erst gar nicht darauf hinweisen, daß solche Kolonien nirgends mehr frei sind, und den Gedanken, erobernd in Kanada oder in Südamerika aufzutreten, wird wohl Graf Posadowsky selbst nicht hegen. � Aber warum sagt der Herr Graf seinen Zuhörern nicht, daß diese Furcht vor Uebervölkerung überhaupt eine L ä ch e r- l i ch k e i t ist. Denn einmal kann die Industrie, wird sie nur nicht gehemmt durch einen so schlechten Zolltarif, wie ihn Graf Posadowsky auf dem Gewissen hat und den er heute noch verteidigt, auch noch eine viel größere Bevölkerung als die heutige selbst innerhalb der Grenzen des kapitalisti- schen Systms ernähren; sodgnn aber beweisen die Zahlen der Statistik, daß diese Bevölkerungsernährung sich in allen ent- wickelten Kulturländern ständig verlangsamt. Die Zahl der Lebendgeburten auf 1000 Bewohner war in Europa am höchsten im Durchschnitt der Jahre 1871—75. Damals betrug sie 39,1. Seitdem ist sie ständig gefallen und betrug im Jahre 1991 nur mehr 36,5. Ebenso ist der Rückgang der Geburtenziffern sehr beträchtlich in den Vereinigten Staaten und erstaunlich in Australien. Tie Bcvölkerungsvermehrung ist also allein dem bedeutenden Rückgang der Sterblichkeit zu- zuschreiben. In Deutschland, sagt der Bevölkerungs- statistiker Paul M 0 m b e r t, ist bis jetzt die Sterblichkeit weit rascher als die Fruchtbarkeit gefallen.„Hält der Rück- gang der letzteren noch weiter an, so muß ein Punkt kommen, das liegt in der Natur der Sache, wo die Verringerung der Sterblichkeit langsamer vor sich geht und sich das Abnahmeverhältnis beider umkehrt. Damit muß aber auch der Geburtenüberschuß eine sinkende Tendenz einschlagen. Dies letztere trifft z. B. bereits für England und Schweden zu." Zutreffend sagt daher Mom- bcrt:„Vielleicht wird man in nicht allzufcrner Zeit den Kern- Punkt der Bevölkcrungsfrage auch in allen Ländern als in Frankreich weniger in einer zu starken als in einer zu schwachen Bevölkerungszunahme zu erblicken haben." Es ist also einfach nicht wahr, daß Kolonialpolitik ge- trieben werden müßte wegen der starken Bevölkerungszu- nähme. Nicht der Arbeiter und Bauern wegen, die in der Heimat keine Unterkunft mehr finden könnten und deshalb in fremdes Land als kapitalistische Ausbeutungsobjckte gehen müßten, wird Kolonialpolitik getrieben. Kolonial- Politik ist ausschließlich Kapitalisten- Politik, wird nur getrieben, damit an den Lieferungen, an den Bahnbauten, an den Kolonialanleihen großkapitali- stische Schichten enorme Profite machen können, damit die Reichtümer der Erde zum Monopol einer kleinen Zahl von Aöerreichsten mit Hilfe des Staates, mit Hilfe der Geld- und Blutopfer der Aermsten gemacht werden. Diese Politik vertritt Graf Posadowsky trotz seiner besseren Einsicht und deshalb st es nur logisch, wenn National- liberale und Konservative, Antisemiten und Zentrum ihn zu ihrem Kandidaten gemacht haben, während die Arbeiter den Vertreter ihrer Interessen, den Genossen Severins wiederwählen werden. Graf Posadowsky will aber nicht nur auf kolonialem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete kapitalistische Bereicherungspolitik treiben. Wenn irgend etwas die Bcvölkerungsvermehrung des deutschen Volkes hemmt, also an die Wurzeln seiner Macht greift, und wahrhaft a n t i- nationale Wirkungen zeitigt, so ist es die T e u e r u n g. Unbestreitbar ist, daß die Teuerung durch die deutsche Zoll- und Handelspolitik außerordentlich gesteigert wird, weil durch die Getreidezölle die Lebensmittel zu wucherischer Höhe hinaufgeschraubt, durch die Jndustriezölle die prcistreibenden Kartelle gezüchtet werden. An dieser Politik will aber Graf Posadowsky nichts ändern. Zwar graut ihm selbst vor den Folgen dieser Politik für die Landwirtschaft. Es bestätigt nur die sozialdemokratische Vorhersage, wenn Graf Posa- dowsky sagt:........ „Seit dem neuen Zolltarif haben wir nun eme erhebliche Steigerung der Güterpreise beobachten müssen. Gewiß brauchen wir im Staat ein solches konservatives Element, wenn sich die Staatsmaschine nicht heiß und tot laufen soll, und die Land- Wirtschaft ist gewiß der Anker des Staatsschiffes. Aber die Landwirtschaft darf nicht als eine Ware betrachtet werden, die man heute kauft und morgen verkauft. Wird unsere deutsche Scholle eine Handelsware, dann verliert die Land- Wirtschaft die Bedeutung, die sie im Staate haben soll und haben muß. Und ich sehe leider, daß im O st e n fortgesetzt Güter gekauft und zu Preisen nach kurzer Zeit wieder- verkauft werden, dieunmöglichherausgewirtschaftet werden können. Und diesen Landwirten wird in Zukunft kein Zolltarif helfen können." Trotzdem will Posadowsky von einer Aenderung der Zoll- gesetzgebung nichts wissen. Ueber die Teuerung geht er mit Stillschweigen hinweg. Aber dieses Schweigen ist für die unter der Lebensmittelnot leidenden Massen die b e r c d e- teste Aufforderung, sozialdemokratisch zu stimmen. �.... Ebenso rasch wie über die Teuerung gleitet der Graf über den fürchterlichen Steuerdruck hinweg, den der Raubzug der halben Milliarde noch so ilngeheuer- lich vermehrt hat. Ein paar Worte über Sparsamkeit, das ist alles. Und das in einein Momente, wo feststeht, daß wir neue Militär- und F l 0 t t e n v 0 r l a g e n, neue K 0 l 0 n ia l la st en, und damit neue indirekte Steuern zu erwarten haben! Zudem ist es sicher, daß die Konservativen nach wie vor die E rw s ch a f t s st e u e r und das Z e n t r u m, nach dem Zeugnis der„Köln. Volkztg.", die R e i ch s e i n k 0 m m e n- u n d V e r m ö g e n s st e u e r n verweigert. Die Lasten den Armen, die Fruchte den Reichen, das ist die Politik der Parteien, zu deren Vertreter sich Graf Posadowsky hergeben will. Gegeniiber dieser Gewißheit kann es auch nichts nützen, Graf Posadowsky für die Fortführung der Sozial- Politik eintreten will. Er hat in seiner Rede eine sehr anschaulich- Schilderung entworfen von den Hindernissen, die der Sozialpolitik aus dem Wider st andeder Bundes- regierungen namentlich Preußens erwachsen. Dieser Widerstand kann nur gebrochen werden, wenn die R e a k t i o n inPreußenniedergeworfen, das gleicheWahl- recht zum preußischen Abgeordnetenhause erobert ist. Kon- s e r v a t i v e und Zentrum lzaben aber mit dieser wichtig- sten Forderung des preußischen Volkes Schind lud er oe- trieben. Als Vertreter dieser Parteien wird Graf Posa- dowsky keine sozialpolitischen Lorbeeren ernten, umso weniger als die Konservativen offene Feinde jeder Sozialpolitik sind und das Zentrum auch auf diesem Gebiete immer reaktionärer wird. Und so kann man denn dem Grafen Posadowsky das eine mit Sicherheit sagen: seine hochmütige Hoffnung, die„Sozial- demokratie geistig und sittlich überwinden" zu können, wird nicht in Erfüllung gehen. Die Halben sind von jeher den Ganzen unterlegen. Graf Posadowsky mag von einem ge- wissen Wohlwollen erfüllt sein; in den großen Kämpfen der Klassen entscheidet aber nicht das gute Herz einzelner, sondern dieorganisierteMacht. Und deshalb wird der Versuch der erbitterten Feinde der Arbeiterklasse, ihr ein Mandat zu rauben, indem sie an Stelle eines von vornherein aussichts- losen Scharfmachers den Grafen Posadowsky als Lockvogel aussenden, an der klaren Einsicht der Arbeiter scheitern. Die sind schon längst durch bittere Erfahrungen belehrt worden, sich nicht auf das Wohlwollen einzelner, sondern auf die eigene Kraft zu verlassen. Dies ist die einzige Ge- währ, den Herrschenden Zugeständnisse auf sozialpolitischem Gebiet zu entreißen. Darüber hinaus wissen wir, daß es sich bei unserem großen Kampfe nicht um einzelne Reformen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft dreht. Dem ganzen S y st e in des Kapitalismus gilt es ein Ende zil bereiten, diesem System der Ausbeutung, der Geistesknechtung, der Teuerung und Kriegsgefahr. EsgehtanfsGanzc und deshalb werden die Arbeiter in Bielefeld die guten Absichten des früheren Staatssekretärs gerne registrieren, ihre Stimmen aber gehören dem Kandidaten derSozialdemokratie! Siesch-ei!g!!ichen KeÄchuogen. Die auswärtige Politik im Oberhause. In der gestrigen Sitzung des Oberhauses hielt namens der Regierung Lord M 0 r l e y eine in sehr freundschaftlichem Tone gc- haltene Rede über das Verhältnis zu Deutschland. Er führte aus: Ich bin völlig gewiß, daß alle Teile der Reden, die freund- lich für Deutschland waren, die Z u st i m m u n g der ganzen Nation gefunden baben. Morley wendete sich sodann zu dem englisch-französischen Abkommen von 1964. Er bestritt, daß es eine antideutsche Allianz sei. Es sei lächer- lich zu sagen, daß die Urheber der Entente von 1964 an irgend- welche Feindseligkeit gegeniiber Deutschland gedacht hätten.(Bei- fall.) Ich bin gewiß, daß Lord Courtney. der sich in so vernrtei- lender Kritik bezüglich der Entente ausgesprochen hat, nicht den Wunsch hegt, daß wir das Abkommen kündigen. Das würde natürlich nicht möglich sein. Der ganze Kern des Abkommens bestand darin daß England freie Hand i» Aegypten und Frankreich freie Hand in Marokko haben sollte. Wir haben unseren Anteil an dem Nutzen der Transaktion gehabt— ivenn ein Nutzen vorhanden war— und es würde unerträglich sein, daß wir, nachdem wir unseren Anteil genonnnen haben, uns in irgend einer Weise weigern sollten, Frankreich ebenfalls seinen vollen Anteil zu geben. In allen diesen internationalen Verpflichtungen gibt es gewiß solch ein Ding. wie die Ehre. Das hindert uns nicht im geringste», den Vertrag auszudehnen, wie LanSdowne hoffte, daß es geschehen würde, als er abgeschlossen wurde. Nachdem Morley auf die wichtige Tat- fache der' gewaltigen Fortschritte der deutschen Flotte während der letzten zehn Jahre hingewiesen hatte, erklärte er: Wir können unsere Augen dagegen nicht verschließen wegen der Stencr, welche wir dafür bezahlen. Eö liegt aber nichts in der stufenweisen Erweiterung von Deutschlands Macht zur See, was das allgemeine Empfinden herzlicher Freundschaft, das Lord Courtney wünscht, beeinträchtigen müßte.(?) Sie müssen alle Umstände in Erwägung ziehen. Wie spekulativer Art auch die Frage sein mag, ob Frankreich, Deutsch- land, Italien oder England das meiste zur Geschichte der modernen Zivilisation beigetragen haben, das wenigstens ist gewiß: diejenigen haben nicht unrecht, ivelcke dabei beharren, daß Deutschlands hohe Lcistungssähigkeit, die Reinheit und Energie seiner Verwaltiing, seine glänzenden Anstrengungen und großen Erfolge in alle» Zweigen der Wissenschaft, sein Ruhm in Kunst und Literatur. ,eine Stärke des Charakters, das Land berechtigen, daß seine nationalen Ideale den höchsten Platz unter den größten Idealen einnehmen, die jetzt die Welt beseelen. Lassen Sie uns dies alles nicht vergessen. Wer kann sich daher wundern, daß ein Staatswesen, das so enorme Fortschritte auf jedem Gebiet ge- macht hat, den Wunsch hegt. Gebiete zu finden, damit sich seine überschüssige Bevölkerung eine Existenz gründen kann. ohne ihre Nationalität oder ihre Ideale zu verlieren. Es ist Raum für Deutschland unter der Sonne. Wenn die gegen- wärtige Spannung andaneni sollte, so würde ein crnsthnstc-?, ständiges Anwachsen der Rüstungen stattsiiidc». Die verwickelten Vorgänge des Sommers sind natürlich ernster Kritik aus- gesetzt, die alle beteiligten Regierungen angeht. Aber sie sind m i l l i 0 n e n in a l weniger heute der Kritik ausgesetzt, als dies gestern der Fall war; das ist die Wirkung von G r e y S Rede ge- Wesen. Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben da? Ende der Schwierigkeiten erreicht, die beiseite zu schaffen die drei Regierungen jetzt jede Veranlassung haben, und ich unterfange mich zu sagen, daß kein britisches Kabinett je mehr darauf bedacht gewesen ist als wir, nicht in einen einzelnen, u n- nötigen und unpolitischen Antagonismus zu treiben. Diese Veichflichtung ist von uns entschlossen, beharrlich und entschieden aufrechterhalten und erfolgreich tmrchgestihrt worden. (Beifall.)., Darauf ergriff Lord LanSdowne das Wort und erklarte. die Rede von Sir Edivard Grey sei eine der bemerkenswertesten, welche je von einem Stggtsselretgr dir auswärtige,, Angelegenheit?« gehalten worden fei. Die Rede ConrtnehS werde schwerlich dielen Milgliedern de-S Hauses gefallen. Er verteidigte daS eng- l i s ch- f r a n ö i i s ch e A b k o in in e n, das für eine lange koniuieiide Zeit die auswärtigen Nngelegeuheiten GroßbritaimieuS beeinflussen werde. Lord Lansdowue schloß: Ich glaube, die Haupt- strömuug der öffentlichen Meinung in Großbritannien und Deutschland ist stark zugunsten sreimdlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern, für den Abschlnh einer Berstäiidigung be- züglich aller Fragen, welche noch ungelöst bleiben, und für die Ueberzeugung, daß das größte Interesse beider Mächte die Erhaltnuz des iiiternationakeii Friedens ist,(Beifall.) Lord Newton sagte: Zu den jüngsten Berhandlimgen war Vielleicht keine der beteiligten Parteien g«uz ohne Fehler, aber der erste Fehler lag, wenn man billig sei» will, bei der sranzösischen Regierung, Newton kritisierte, daß Lloyd George auSersehen wurde, die Rede zu halten, die den Eiudrilck hervorrief,- daß nian vor einein Kriege stand. Er könne völlig verstehen, daß die deutsche Regierung die Strafpredigt von Lloyd George übel nachm. Es sei etwas anderes, eine Mitteilung von dein Staats- fekretär des Aeußeren zu erhalten, als eine Strafpredigt von einer dritten Person. Wenn unnötigerweise das Nebelwollen zwischen England und Deutschland entstanden fei, so habe die Regierung selber schuld, da sie einen aufreizenden Redner aus- suchte, um ihrer Politik Ausdruck zu verleihen. Räch weiterer Debatte wurde die Verhandlung über den Gegen- stand geschlossen. Beräudtnmge» im Oberkommando der englischen Flotte. Als vor wenigen Wochen daS englisch-deutsche Verhältnis ein derartig gespanntes war, daß man mit einem ernsten Konflikte rechnete, wurde von englischen Imperialisten der Vorwurf erhoben, daß sich bei der Flotte allerlei Ilebelstäude herausgestellt, wodurch die Gefechtsbereitschaft der Schlachtschisse und TorpedobootSdivisionen gefährdet tvorden sei. Jetzt kommt auf einmal die Kunde, daß im Oberkommando der englischen Marine ein großer Persoiientvechsel vorgenonmien wird. Allerdings wird ausdrücklich betont, daß dieser Vorgang nichts mit den Septeinberereignissen zu tun habe. Auf jeden Fall beweist er aber, daß man trotz aller Ministerreden die Rüstung zur See stets aus der Höhe zu halten sucht, wie ja auch die deutschen Flottentreiber gerade in diese» Tagen mit verstärkter Lungenkraft nach weiterem Ausbau der deutschen Seemacht schreien. Zur Beurteilung der deutsch-eiiglifchen Beziehungen ist die nach- stehende Wolff-Meldung jedenfalls sehr beachtenswert. London, 2S. November. Eine amtliche Berössentlichung gibt zahlreiche Ernennungen in der Admiralität bekannt: Admiral Sir Franeis Bridgeman wird Erster Seelord, Vize- admiral Prinz Louis von Battenberg Zweiter Seelord, Kapitän Pakenham Vierter Seelord. Nnter den Veränderungen in den FlottenkonimandoS sind hervorzuheben: Vizeadmiral Sir George Eallaghan wird Oberkommandierender der Heimatflotte, Konter- admiral Madden, der frühere Vierte Seelord, wird Konter- admiral in der ersten Division der Heimatflotte, Vize- admiral Sir George Egerton erhält daS erste sreiwerdende Komniando eines Heimathafens. Dem früheren Ersten Seelord, Sir Artur Wilson, wurde die Peerswürde angeboten, die er aber aus persönlichen Gründen ablehnte. Diese Beränderungen, die gestern abend bekanntgegeben wurden, werden interessant durch die Er- klärimg, die der Erste Lord der Admiralität, Churchill, noch kurz vor der Vertagung des Unterhauses abgab. Auf eine Anfrage des ton- fervativen Abgeordneten Lord Alexander Thynne im Unterhanfe sagte nämlich der Minister, die Veränderungen in der Admiralität würden die Hälfte der Mitglieder derselben innfasien und sich auch auf den Ersten Seelord erstrecken. Diese Veränderungen hätten auf jeden Fall zu Beginn nächsten Jahres bei Beratung des Etats stattgefunden. Die Regierung sei zu dem Entschluß "gekommen, daß es im Interesse des öffentlichen Dienstes besser fei, wenn der Wechsel jetzt stattsinde. Es feien keinerlei Differenzen vorgekommen, und die Veränderungen be- deuteten keinen Tadel oder Borlvurf für irgend ein Mitglied, das auS der Admiralität scheide.'Alle Gerüchte oder Mitteilungen über die Position oder Verteilung der Motte seien ganz ohne Begrün- dung, soweit sie behaupteten, daß die völlige Sicherheit nicht zu allen Zeiten ausrecht erhalten worden sei. Die Veränderungen in der Admiralität seien notwendig, um sie zu vereinheitlichen und würden dazu führen, daß wirlsanier gearbeitet werde. Ser Krieg. Tie Kämpfe bei Tripolis. Koiistantinopel, LS. November.(Meldung deS Wiener K. K. Telegr.-Korrejp.-Burcaus.) Das Kriegsmiinisterium> veröffentlicht folgendes Telegramm' des Kommandanten von Tripolis Nesched-Bei vom 27. d. Mts.: Eine kombinierte italienische Brigade begann gestern früh einen Angriff in der Richtuns von Amigara, um unsere Rückzugslinie abzuschneiden. Infolge unseres hart- nackigen Widerstandes zog sich der Feind abends in seine früheren Stellungen zurück. Da unsere Rückzugsliniebedroht war. ließen wir unser Bataillon nachSuk el Dschuma zu- rückgeh en, feindliche Kolonnen rückten bis Henni vor. Die Vcr- luste unserer Freiwilligentruppcw waren» unbedeutend, der Feind erlitt große Verluste. Tripolis, LS. November.(Meldung der Agenzia Stefani.) Ab- gesehen von einigen Gewehrschüssen aus der Oase, die die Arbeiten der italienischen Truppen stören sollten, hat sich nichts Neues er- eignet. Die Arbeiten schreiten rüstig vorwärts. Durch mehrere Rekognoszierungen der Truppen» und durch Aeroplane wurde eine Verschiebung der Stellung der gesamten feindlichen Streitkräfte fest- gestellt. Es laufen Meldungen über Unzufriedenheit und Deser- tionen der Araber ein. Von den in dem letzten Kamps Verletzten sind auf italienischer Seite vier schwerer verwundet, der Zustand per anderen bessert sich. Aus B e n g h a s i trifft die Nachricht von einer glänzend durch- geführten Operation eine» Streiskorps unter General Damico ein. Am Abend des 27. November wurde die auf Rekognoszierung be- grisfene Kavallerie von einer größeren Beduinenbande mit leb- Zhaftcm Gewehrfeuer empfangen, durch das ein Italiener getötet wurde. Unter dem Kommando des Generals Tamieo wurde ein ans den drei Waffengattungen zusammengcsetzcs Streifkorps ge- bildet, um die Beduinen, die sich in beträchtlicher Anzahl sieben Kilometer von den vorgeschobenen italienischen Stellungen be- fanden, zu züchtigen. Das Korps ging sofort zum» Angriff auf die überraschten Beduinen vor. Es» kam zu einem lebhaften längeren Gefecht, das mit der vollständigen Niederlage der Beduinen, die fast alle tot auf dem Platz blieben(?), endete. Darauf ließ General Danüeo das Gebiet, in das sich die Ueberlebenden geflüchtet hatten, beschießen, bis jeder Widerstand gebrochen war, und traf nach Sonnenuntergang wieder in Benghasi ein. Die Verluste auf italienischer Seite sind noch nicht genau festgestellt; zwölf Mann wurden getötet und etwa dreißig verwundet. Die Haltung der Truppen ist musterhaft, ihre Stimmung sehr gehoben. Tic Kolouialhyäne» machen sich an ihre Beute. Nom, LS. November. Die Regierung hat infolge einer Be- ratung im Ministerrat, die Barica d'Jtalia und die Banco di Sicilia ermächtigt, iit Tripolis und Benghasi Aisialenein zurichten. Zu diesem Zweck wird der fistneral- direltor der Banca d'Jtalia nach Tripolis und Benghasi einen Beamten mit dem Auftrage schicken, vorbereitendeStudien zu machen. Der Generaldirektor der Baneo di Sicilia wird sich in wenigen Tagen ebenfalls dorthin begeben. Italienische Meldungen»ber arabisch« Gransani keiten. Berlin, 29. November. Der hiesigen italienischen» Botschaf! ist folgende Mitteilung zugegangen: Auf dem Vormärsche, der dem Siege vom 26. d. Mts. folgte, konnten die italienischen! Truppen zahlreiche Akte furchtbarer Grausamkeiten, feststellen, die von den türkisch-arabischen Truppen begangen worden waren-. Nahe bei der Moschee von Hcnni, wo in der Schlacht vom 26. Oktober ein Laza- rettposten des 27. Bersaglicre-Dataillons aufgestellt war, wurden 28 schrecklich verstümmelte Leichen von Soldaten gefunden, die ge- kreuzigt, erwürgt, aufgespießt oder deren» Glieder aus den Gelenken gelöst waren; unter ihnen befand sich auch der Leichnam eines Stabsarztes. Auf dem benachbarten arabischen Kirchhofe, der von der 4. Kompagnie der Bersaglieri besetzt worden war, wurden die Leichen von sieben Soldaten gefunden, die lebend eingegraben worden waren, so daß nur der Kopf aus der Erda hervorragte. Einem Leichnam, der identifiziert wurde, waren die Augen aus- gerissen und an der Stirn angenäht. Durch die krampfhafte Zu- sammenziehung der Augenlider konnte festgestellt werden, daß der Soldat noch am Leben war, als er diese Grausamkeit erlitt. Ein anderer Leichnam war kastriert; bei einem weiteren war einem aus der Erde herausragenden Arm die Hand abgeschnitten. Andere Leichen wiesen Spuren anderer schändlicher Mißhandlungen auf. Die Militärbehörde und das Geniekorps haben photographische Aufnahmen gemacht. Ein Korporal, dem es in dem Kampf am 26. Okto- ber gelungen war, das Gros» der Truppen zu erreichen, hatte bereits diese Grausamkeiten, die nicht nur von den Arabern, sondern auch von regulären türkischen- Truppen und Frauen begangen waren. gemeldet, aber die italienische Militärbehörde hatte Beweise ab- warten wollen. Die Persönlichkeit mehrerer Opfer ist festgestellt worden, doch werden die Namen auS Rücksicht auf die Angehörigen nicht veröffentlicht. In der letzten Nacht wurde auf dem Kirchhof im Innern der Stadt die eingegrabene Leiche eines Artilleristen gefunden, der anscheinend in Gegenwart eines Gendarmen oder gar von ihm selbst ermordet worden ist. Ter Gendarm ist verhaftet worden, vi« KevoltiNon in China. Entsendung deutscher Truppen aus chinesisches Gebiet. Berlin, 29. November. Das Gouvernement des Schutz- g e b i e t s Kiautschou ist angewiesen worden, sofort ein Tctachcment von 209 Mann nach Tientfin zu entsenden. Diese Truppe bildet zunächst eine militärische Reserve in der Provinz Tfchiki, auf die gegebenenfalls zurückgegriffen werden kann. Mit Rücksicht auf die Befatzungsstärke des Schutzgc- bietes erfolgt sofort ein Ersatz der Gouvcrncmentstruppen und zwar durch Mannschaften des Stamm-Seebataillons. Diese werden dem planmäßigen Ablösungstransport der Feld- vatterie des Schutzgebietes angeschlossen, der am 30. d. Mts. auf Dampfer„Goeben" Hamburg verläßt. Mit der Entsendimg der 200 Mann nach Tientsin ist zwar der Wunsch der„P o st", die drei Bataillone, acht Maschinen- gewehre und drei Batterien nach China entsandt haben wollte, noch nicht ganz erfüllt, der Anfang ist aber gemacht. Wir haben also alle Ursache darauf zu achten, daß auf das Marokkoabenteuer nicht ein Chinaabenteuer folgt. Die Japaner und der Aufstand in der Mandschurei. Tokio, 29. November.(Meldung des Rcuterschcn Bureaus.) Nach amtlichen Meldungen beginnt die Lage in der Man- d s ch u r e i ernster zu werden. Japanische Truppen sind in Niutschwang eingetroffen. Es wird berichtet, daß Sangsan von den Aufständischen genommen ist. Banditen und Pöbel treiben in Fentschang und Futschu ihr Wesen. Der Vizekönig hält alle verfügbaren Truppen in Mukden versammelt. Die Verstärkung für die Wache der japanischen Gesandtschaft ist nach Peking ab- gesandt worden. Revolutionäre Erfolge. London, LS. November. Die„Daily News" melden aus Peking, daß Lantienwai, der Brigadechef der mandschurischen modern ausgebildeten Armee, aus Mukden in dem Hauptquartier in Dalny eingetroffen ist und dort die Fahne der Empörung entfaltet Habe. Er werbe Tausende von Rekruten an, darunter wahrscheinlich viele alte Soldaten. Die südmandschurische Eisenbahn gewähre den Re- pellen freie Fahrt. Nanking, 29. November.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Revolutionäre sind heute früh durch vier Tore in die Stadt eingedrungen. Der Ueberfall auf eine französische Mission in Nordchina. Paris, 28. November. Die„Agence HavaS" meldet unter Vor- behalt aus Saigon: Nachrichten über die Mission Le- g e n d r e besagen, alle Europäer seien dem Tode entgangen. Legendre und Leutnant Dessiricr seien verwundet worden. Haupt- mann Noiret sei unversehrt. Der Missionar Castenet wurde in der Umgebung von Uunnanfu getötet. Der Bischofssitz des«posto- lischcn Vikars de Guebriant wurde geplündert und in Brand ge- steckt. Acht Chinesen wurden dabei getötet. Politische Oeberficht. Berlin, den 29. November 1911. Wassersuppe für Heimarbeiter. In Fortsetzung der zweiten Lesung dos H e i m a r b c i t s- g e s e tz e s wurde mehrere Stunden hindurch über die Frage debattiert, ob Lohnämter eingesetzt werden sollen, die nach der Formulierung des sozialdemokratischen Antrags weitgehende Befugnisse haben und auf Grund von Wahlen durch die beteiligten Arbeiter und Unternehmer zusammen- gesetzt fein sollen. Gegen G ö h r e s Begründung dieses An- träges am voraufgegangenen Tage kehrte sich nacheinander der Zentrnmsmann Fleischer und der nationalliberale Lizentiat Everding, der in süßlicher Pastoraluianier die dürftige Wassersuppe des Gesetzes als eine W c i h n a ch t s- gäbe für die Heimarbeiter pries. Tie bürgerlichen Parteien hatten sich auf ein Kompromiß geeinigt, das keine Lohnämter, sondern nur Fachausschüsse mit begut- achtendem Recht vorsieht, wenn der Regierung es paßt, sie für irgend welche Bezirke oder Gewerbe einzusetzen. Der frei- sinnige Abg. Naumann nahm eine vermittelnde Stellung ein, während Genosse Z i e t s ch den Cverlingschen Süßlich- keiten, hinter denen kein ernster Wille zur Tat steckt, tvirksam entgegentrat. Schließlich wurde der sozialdemokratische Antrag natür- lich a b g e I e h n t und dann die zweite Lesung rasch zu Ende geführt. Eine neue Reichsanleihe von 3V Missionen Mark. Die„Berliner Politischen Nachrichten" des Herr» Schweinburg wußten vor einigen Wochen zu berichten, daß das Reich in diesem Jahre mit einem kleinen Ueberschuß abschließe» werde. Jetzt teilt das Blatt mit, daß der Anleihabedars des Reiches i m kommenden Etat mit 56 Millionen Mark fixiert sei. Beruhigend wird hinzugefügt: „Dem Ziel, nur außerordentliche, werbende Ausgaben durch die Anleihe zu decke», ist man damit nahe�geiommen; es bleibt aber zu bedenken, daß die zur Schtildeittilgung bestimmten Summen immer noch dazu verwandt werden, um forttanfeude Ausgaben, namentlich der Marineverwaltting. zu decken. Jedoch kann an- gcsrchis der jetzigen Größe der Anleihe gesagt werden, daß die Reichsfinanzen der Gesundung sehr nahe gckoinmen find. Sie werden ganz gesunden, wenn eS gelingt, wie in den letzten drei Jahren, auch in noch mehreren weiteren kraftvoll die finaii;- politischen Grundsätze durchzuführen, die zu dem bisherigen Er- gebnis geführt haben." Das sind alles Phantasiegebilde, Potemkinsche Dorfe, die zum Zweck der Täuschung aufgebaut werden. Die kommende Flottendorlage wird alle diese schönen Ber- sicherungen über den Hausen werfen. Landtagsersatzwahlen in Berlin. In Berlin wird demnächst im zweiten Berliner Landtags- Wahlbezirk eine Ersatzwahl vorzunehmen sein— die neunte Landtagsersatzwahl in Berlin während der laufenden Legislatur- Periode—, da der freisinnige Fabrikbesitzer Dr. Gerschel verstorben ist. Es handelt sich bei diesem Wahlkreise um einen der sichersten, die der Freisinn dank dem Dreiklassenwahlsystem noch in Berlin besitzt. Bei der Wahl im Jahre 4908 erhielt Gerschel 345 Wahl- Männerstimmen gegen 167, die auf den sozialdemokratischen Kai'.- didaten entfallen waren. Der verstorbene freisinnige Abgeordnete machte sich dadurch be- kannt, daß er, als seinerzeit vom Landtag die Steuerdcnuuziations- Pflicht der Arbeiter beschloffen wurde, diese DenunziationSpslicht noch dadurch vervoll st ändigen zu sMen glaubte, daß er beantragte, daß die Hausbesitzer verpflichtet werden sollten, der Steuerbehörde Auskunft über Wohnung und Arbeitsstätte ihrer Mieter zu erteilen, damit ja auch der letzte Arbeftcr mit seinem vollen Einkommen zur Steuer herangezogen werden könne! Ein„Attentat" auf den Abg. Dr. Mugdan. Im Wahlkreis Görlitz-Lauban, den der fteifinnige Dr. Mugdan gegenwärtig noch im Reichstage vertritt, und in welchem er auch bei den Neuwahlen wieder kandidiert, stehen die Aktieii für eine Wiederwahl dieses„VolksfreuiideS" durchaus nicht günstig. ES ist diesmal Aussicht vorhanden, ihn auS dem Sattel zu heben, und an feine Stelle einen Sozialdemokraten zu wühlen. Das wisse» die Live- ralen und mit ihnen Dr. Mugdan sehr genau, lim nun das Interesse für Dr. Mugdan wieder zu heben, werden ähnlich wie zu Bismarcks Zeiten„Attentate" inszeniert, für die man in mehr oder weniger verschleierter Weise die Sozialdemokraten verantwort- lich zu machen sucht—, in der Hoffnung, das in Mißkredit geratene Ansehen des„AltentatLopferS" wieder zu heben. Zurzeit macht folgende Notiz durch die freisinnige Provinzpresse die Rimde: „Auch ein anständiges Kampfmittel? In einer sehr gut be- suchten Versammlung in Sächjisch-HaugSdorf sprach am ver- gcmgenen Montag Herr Reichslagsabgeordneter SanitätSrat Dr. Mugdan. Als die Rückfahrt nach Lauban angetreten wurde, brach noch keine 166 Scvritt vom Lokal entseriit ein Rad vom Wagen. und die Insassen mußten, wenn der Herr- Abgeordnete noch den letzten Rachtzug nach Görlitz erreichen wollte, trotz Finsternis, Sturm und Regen zu Fuß den Weg nach Lauban machen. Da feststeht(?), daß der Wagen durchaus im Schutz war. als die Fahrt in Lauban angetreten wurde, bleibt keine andere Annahme, als daß ein politischer Gegner(?) nnbekannler Couleur seine „anständige" Gesinnung dadurch offenbarte, daß er mut- willig(!) den Schaden verursachte, der. Venn er bei flotter Fahrt gewirkt, bedenkliche Folgen hätte haben können. Den Insassen und besonders unserem Herrn Abgeordneten hat der Täter ja die Freude über die so gut verlaufene Versantmiuiig nicht stören können, mit gutem Humor haben sie sich ans den Weg gemacht. Derjenige aber, der das Heldenstück vollbracht, darf stolz auf seine Waffen sein." Radbrüche haben eben die unangenehme Eigenschaft an sich, daß sie sich vorher nicht anzeigen, auch wenn eiu Mann, wie Herr Dr. Mugdan, dabei in Betracht kommt. Trotzdem druckt die frei- simtige Presse die Meidimg vom Radbruch als ein.anständiges Kampfinittel" ganz ernsthaft nach und legt damit schon jetzt Herrn Dr. Mugdan eine Dornenkrone in Gestalt eines z e r- brochenen Wagenrades auf fein Denkerhaupt. Armer Mugdan. mit einem Radbruch beginnt für ihn der Wahlkamps. Mit welchem Bruch wird enden? Die Marineforderung deS TageS. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" schließt eine längere Ab- Handlung über die Marokkodebatte im englischen Unterhause mit dem Satz: „Es ist nnzweifelhast, daß. so lange wir nicht 72 Linienschiffe haben, England jedesmal dort, wohin Deutschland will,„Ab- mochungeit oder Interessen" entdecken wird." Ein wahnwitziges Wettrüsten ist das Ziel der Hintermänner des ivestfälischen Kopitalistenblattes. Sie wollen Geld verdienen, fönst hat die Rcichsherrlichkeit für sie keinen Zweck. Borbereitnuge« für die neuen Flotteuriistungen. Die offiziöse„Kölnische Zeitung" faßt ihr Urteil über die durch den letzten Marokkokonflikt und die Haltung der beteiligten Regierungen zu einander geschaffene Lage dahin zusammen, daß das Wettrüsten zwischen England und Deutschland zweifellos im gesteigerten Maße weitergehen dürfte! Wenn es nach dem Willen unserer herrschenden Klassen geht, wird sich diese Prophezeiung auch ttnsehlbar erfüllen!-Mit welcher Bestimmtheit aber unsere Prozentpatrioten bereits init der Fortsetzung des aberwitzigen Wettrüstens rechnen, beweist die Meldung, daß die F i r m a Krupp in Wilhelmshaven ein größeres Hafen- gelände anzukaufen int Begriffe sei, das sie zur Anlage von Docks und Werften benutzen wolle. Bekanntlich ist ja die Kanonen- und Panzerplattenfirma schon längst dazu übergegangen, zur Erzielnng noch höherer Gewinne gleich den Bau ganzer Kriegsschiffe in die Hand zu nehmen. Die ehemalige Gerntaniawcrst in Kiel hat sie ja schon vor langen Jahren angekauft. Aber nun genügt diese eine große Schiffswerft den Prositbcdnrfnissen der Firma, die ja„nur" 17 Millionen Reingewinn im letzten Jahre einzu- heimsen vermochte, bereits nicht mehr. Kein Mensch aber wird sich einbilden, daß die Firma Krupp sich mit solchen Plänen trüge, wenn sie nicht der festen Ueberzeugung wäre, daß die maßgebendsten Instanzen und Parteien das Wett» rüsten munter fortsetzen wollen» tteber-Dreaduongths. Tie„Tägliche Rundschau" cntnitmnt einer amerikanischen Fachzeitschrift die aufschenerregeiche Mitteilung, daß die Per» em?g!en Staalen Ftn Tonnengchalt der neu auf Stapel zu kegenden Eckiffe ganz beträchtlich zu erhöhen beabsichtige. Die neuen Kriegs- schiffe sollten nicht mehr eine Wasserverdrängung von 28 000 Tonnen — also soviel, wie die größten der jetzt fertiggestellten deutschen Schisic— erhalten, sondern 30— 40 000 Tonnen Wasserverdrängung. Und diese Riescnschiffe sollten auch mit entsprechenden Riesen- ikanonen ausgerüstet werden, nämlich mit je zehn 40.8 Zentimeter- Geschützen. Das Gewicht des Geschosses einer solchen Ricscnkanone werde etwa 1000 Kilogramm, also 20 Zentner, betragen. Da in der Technik kein Ding unmöglich sei, erscheint der„Täglichen Rund- schau" diese Nachricht„durchaus nicht unglaubli ch". Auch die Einführung der 30.5 und 34.3 Zcntimctcr-Gcschütze habe ja an- sangZ technische Bedenken wachgerusen, die indes bald zum Schwei- gen gebracht worden seien. Als der„Vorwärts" vor einiger Zeit Andeutungen über Expc- rimcnte machte, die mit Geschützen von ähnlich großem Kaliber und Geschoßgewicht ausgeführt würden, erklärte auch die„Tägliche Rundschau" das für Phantasterei. Heute hält es diese Phantasie- reien für„durchaus glaublich"! Sollte Amerika faktisch solche Riesenschiffe bauen, so würde natürlich auch Deutschland nicht zurückstehen wollen. Damit würden aber die Kosten für solch ein Kriegsungetüm, die 1000 noch 20 Millionen betrugen und jetzt bereits auf einige 60 Millionen angewachsen sind, eine weitere ungeheure Steigerung erfahren! Unsere Panzerplattenpatrioten würden sich dabei frei- lich nur schmunzelnd die Hände reiben! Präfidentschaftswahlen in der badischen Zweite» Kammer. Die Zweite Kammer hat mit 39 Stimmen den bisherigen Präsidenten Rohrhurst(natl.) und mit 38 Stimmen den bis- herigen Ersten Vizepräsidenten Geiß(Soz.) wiedergewählt. Zum Zweiten Vizepräsidenten wurde der Abgeordnete Muscr (Fortschr.) mit 41 Stimmen gewählt. Staatliche Schulärzte und �ranenwahlrecht in Oldenburg. Für das Fürstentum Birtenfeld fordert die Regierung vom Landtage die Anstellung eines staatlichen Schularztes. In der Be- gründung wird Hervorgehoben, daß das Fürstentum Birkenfeld im Deutschen Reick)« die höchste Ziffer der Todesfälle an Tuberkulose aufweist. Untersuchungen, die auf Veranlassungen des verstorbenen Professors Dr. Kock angestellt wurden, haben ergeben, daß im Fürstentum Birkenfeld unter der Schuljugend eine geradezu er- schreckende Anlage zur Tuberkulose vorhanden ist. In einer ein- zigen Klasse haben von den Mädchen 7 Proz. auf eine für dia- gnostische Zwecke übliche Impfung mit Tuberkulin reagiert! Das ist eine furchtbare Anklage gegen das heutige kapitalistische Aus- beutungsshstem. das speziell in Birkenfeld, wo die Heimarbeit im Schwange ist, besonders floriert. Die Sozialdemokraten im Land« tage howcn bei dieser Gelegenheit erneut beantragt, die Anstellung von staatliche» Schulärzten für das ganze Großherzogli»» durchzuführen. Ferner hat sich der Landtag erneut mit dem Frauentvahlrecht zu beschäftigen. Bekanntlich haben die Sozialdemokraten die Re- Vision der Gemeindevcrfassung auf der Grundlage des gleichen Wahlrechts für alle mündigen Personen beantragt. Die bürgerlichen Frauenvereine in Oldenburg ersuchen nun in einer Eingabe um Gewährung dcS Frauenwahlrechts in der Gemeinde noch den gleichen Bedingungen, wie es den männlichen Gemeindebürgern gegeben ist. „Unter den gleichen Bedingungen" besagt allerdings, daß die bürger- lichen Frauen keineswegs an das gleiche Wahlrecht denken, sondern ein von der Zahlungsfähigkeit abhängiges Damenwahlrecht wünschen, Die große Klasse der Proletarierinncn würde dann vom Wahlrecht ausgeschlossen sein._ Einführung der Miliz in Deutsch-Südwestafrika. Im Reichsiolonialamt soll bereits ein Gesetzentwurf auS- gearbeitet worden fein, durch den die Pflicht zum Milizdienst für die wehrhaften Einwohner unserer südwestafrikanischen Kolonie eingeführt werden soll. Nach diesem Wehrgeseg soll allen wehrfähigen Männern im Falle eine? AufstandeS oder Krieges die Per« pflichtung zum Waffendienst auferlegt werden. Da die in Südwestafrika vorhandene Schutz- undPolizeitruPpe mehr als ausreichend ist, um die unterworfenen Eingeborenen im Zaum zu halten, kann die neue Maßnahme üur für den Fall eines Krieges bestimmt sein. Vielleicht steht sie im engsten Zusammenhang mit der geplanten Unterwerfung und Entwaffnung der Ovanivostämme! Um die Schutztruppe vollzählig für einen solchen Krieg verwenden zu können, will man wahrscheinlich da« Milizsystem als Ersatz für sie schaffe». Vielleicht aber rechnet man auch mit Kriegsabenteuern ganz anderer Art. Jedenfalls ist auch diese Maßregel eine von denjenigen, durch die die internationale Spannung nur verstärkt werden kann I Nur eine Base! Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt am Mittwoch- abend im Hofberich« mit: „Seine Majestät hat den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg zu seinem heutigen Geburtslage in gnädigen Worten beglück- wünicht und ihm eine Vase mit dem kaiserlichen RamenZzuge zum Geschenk gemacht." Rur eine Bas«! Bethmann hat wahrscheinlich sicher gehofft. und viele haben in der letzten Zeil geglaubt, daß er zur Belohnung für seine Marokkopolitik Graf werden würde. Wahlaufruf der Teuiokratischen Vereinigung. Die Demokratische Vereinigung veröffentlicht ihren Wahlaufruf, in welchem sie die ReichStagswähler zur Abrechnung mit den reaktionären Parteien ivegen ihres Verhaltens zur Reichsfinanz- resorm. zur Teuerung, zur preußischen Wahlreform, zum persönlichen Regiment und zur bureaukratischen Selbstherrlichkeit auffordert. Dann heißt eS weiter: Di« Demokratische Vereinigung fordert vom neuen Reichstag: Kampf gegen alle ungerechten indirekten Steuern und Zölle fLebensmittelzölle, Velrokeumzoll. Salzsteuer. Zünd- holzsteuer usw.), die durch e,n System direkter progressiver ReicySsteuern(Erbschafis-, Vermögenssteuer uiw.) zu ersetze» sind. Kamps gegen den.lückenlosen" Zolltarif und die Schutzzöllnerci überhaupt, bis das große Ziel des Freihandels erreicht ist. Resorm unseres RechlsivcsenS. damit an Stelle der Kloffenjustiz eine voikstümlsch« ioziale Rechisprechung trete. Durchgreifend« Sozialpolitik für Arbeiter und Angestellte, unter Be- tonung des Vorrechts der Arbeit vor dem arbeitslosen Einlommen. Ausbau und wirksamen Schutz des KoalitionSrechls. Durchführung der Gleichberechtigung aller ReichSangehörigen ohne Unterschied der Abstammung, der RaNonalität. deS Glaubens und Geschlechts. Kampf gegen den Versuch, die Mißerfolge einer unfähigen Diplomatie durch weitere Vermehrung von Heer und Flotte unter nciier Belastung de» Volkes zu verbergen. Einschränkung der Rüstungen durch Verträge mit anderen Staaten als bestes Mittel, den Frieden unter den Völkern zu erhalten. Trennung dcS Staates von der Kirche. Einsührnug deS demokratischen Wahlrechtes für die Einzellandtage im Wege der ReichSgejetzgcbung. Neueinteilung der ReichStagSwahlkreiie unter Zugrundelegung der Bevölkerungsziffer. Dies die dringendsten GegenwartSforderungen. Ueber allen Einzelforderungen aber steht un« der große Ge- danke der Demokratisierung unseres gesamten Staatswesen» unter Einsührnug des p a r l a in e n t a- rischen Regiments. Keine ängstliche Sorge vor etivaigen Konflikten mit den herrschenden Gelvalien soll irnS davon abhalten, diesen hohen Zielen mit allen gesetzliche» Mitteln zitzustrebeii. Unsere gefamten politische.! Zustände bedürfen einer radikalen Erneuerung• der Kampf dafür darf der Gozialdemvkgtit allein nicht uherkaffe» bleiben. Landtagswahl kn Düsseldorf. Amtliches Wahlresultat. Bei der heutigen Wahl zum Hause der Abgeordneten im Wahlbezirk Düsseldorf wurden 1019 Stimmen abgegeben, die sämtlich auf den Bürgermeister a, D. David Anton-Düsseldorf(Z.) fielen._ Ocftcirdcb-diigani. Nationale Raufbolde. Wien, 29. November. Im österreichischen Abgcordnetcnhause kam es wieder mal zu einer Rauferei zwischen Tschechisch- und Deutsch-Nationalen. Der Justizminister von Hochenburger sprach über Richterernennungen in Böhmen, durch die sich die Tschechen beschwert erachten. Er sagte unter anderem, daß der Ruf nach nationalen Beamten besonders aus Deutsch- Böhmen erschalle.(Ruf bei den Tschechen: Es gibt kein Dcutsch-Böhmenl Widerspruch bei den Deutschen.) Ter Lärm und Widerspruch bei den Tschcchisch-Radikalen dauert ununterbrochen fort. Vizepräsident C o n e i vermag nicht, Ruhe zu schaffen, so daß der Justizminister mit der Fortsetzung seiner Rede einhalten muß. Die Zurufe bei den Tschechen werden immer heftiger. Die Tschechisch-Radikalen versuchen, gegen den Platz des Justizministers, der sich auf der äußersten Linken der Ministerbank befindet, vorzudringen. Die Deutschen hatten jedoch inzwischen den Raum vor dem Platze deS Justizminifters besetzt. In dem anhaltenden großen Lärm läßt plötzlich Abgcord- neter F r e s l(Tschechisch-Radikal) eine Pfeife ertönen. Die Deutschen suchen den Ansturm der Tschechen zurückzuhalten. Plötzlich sieht man von der Galerie, wie es zwischen einzelnen Tschechen und Deutschen zum Handgemenge kommt. In dem an- dauernden Tumult unterbricht der Vorsitzende die Sitzung. Die Minister verlassen unter stürmischen Abzugsrufen der Tschechen, die dem Justizminister galten, den Saal. Auch während der Unterbrechung der Sitzung dauert der Tumult fort. Der Prozeß gegen Njegus. Wien, 29. November. Vor dem Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den Tischlergesellen Nikolaus Njegus. der in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 5. Ok- tober von der Galerie herab vier S ch Ü s s e auf die Mi- nisterbank abgegeben und bei seiner ersten Vernehmung ge- standen hatte, auf den Justizminister geschossen zu haben. DaL Gutachten der Psychiater geht dahin, daß Njegus infolge erb- licher Belastung zwar geistig defekt, aber nach keiner Richtung geistesgestört ist und sich auch zur Zeit der Tat nicht im Zustande vorübergehender Geistesverwirrung befunden hat. Rußland. Ein Schurkenstreich der Dumamehrheit. Petersburg, 28. November. In der heutigen Sitzung der Reichsduma brachten die Sozialdemokraten eine Interpellation über die Beschuldigung ein, daß die sozialdemokratische Partei der zweiten Duma eine Militärverschwörung geplant habe. Die Ver- schwörung hatte den Grund zur Auflösung der zweiten Duma ge- bildet. Der Präsident der Duma erklärte auf Antrag der Otto- bristen die Sitzung für geheim, da" sich die Interpellation auf eine Angelegenheit beziehe, die ebenfalls hinter geschlossenen Türen vor sich gegangen sei. Nachdem das Publikum und die Journalisten entfernt waren, zogen die Sozialdemokraten wegen der durch die Majorität der Duma geschaffenen Sachlage die Interpellation unter dem Gelächter der Rechten zurück. Darauf wurden die Türen wieder geöffnet. Am Schluß der Sitzung brachten die Sozialdemokraten dieselbe Interpellation mit einigen Aendcrungen der ursprünglichen Fassung wieder ein. Der Präsi- dcnt ordnete abermals den Ausschluß der Oesfentlich- k e i t an und verbot die Veröffentlichung der Debatte. perNen. Tie Lage. Trotzdem die persische Regierung sich auf den Rat Eng- lands so weit- gedemütigt hat, daß sie die Forderungen des russischen Ultimatums annahm und sich geneigt erklärte, die räuberische Zarenregierung um Entschuldigung zu bitten, denkt die russische Diplomatie nicht an ein Zurückweichen. Nachdem das Wort„Kompensationen" einmal gefallen ist, verschwindet es nicht aus den Spalten der russischen offiziösen Presse. Wie die liberale„R e t s ch" aus gut unterrichteter Quelle berichtet, sind die Mitteilungen über neue russische Forderungen an Persien gegenwärtig verfrüht. Bevor das ganze russische Detachement in Kaswin konzentriert ist, werden keine neuen Forde- rungen gestellt werden. Inzwischen treten die russi- schen Offiziösen für die Forderungen ein, Morgan Shuster von seinem Posten zu entfernen und die russischen Truppen ständig in Persien zu lassen. Als Unterton klingt hierbei die Forderung mit. den Exschah Mahommed Ali bei einem neuen reaktionären Putschversuch zu unterstützen. So schreibt der frühere Teheraner Korrespondent W. Jantschewetzki in dem Regierungsblatt„Rossija":„Die Entsendung des russischen Detachements trägt jetzt einen Straf charakter und soll die Perser zwingen, die gerechten russischen Ansprüche zu be- friedigen. Man kann nur wünschen, daß das Detachement sich in der Tat als ein Unwetter erweist und nötigenfalls bereit ist, selbst bis nach Teheran zu inarschieren." In demselben Artikel werden die„zahlreichen Anhänger" des Exschahs in- direkt aufgefordert, sich zu organisieren, um einen neuen Putsch zu unternehmen. In der„N o w o j e W r e m j a" tritt der berüchtigte Menschikow dafür ein, daß die russi- schen Truppen um keinen Preis zurückgezogen werden.„Wenn England sich genötigt gesehen hat, in der südlichen Hälfte Persiens bewaffnete Kräfte zu entfalten, so ist Rußland, das unmittelbar an Persien grenzt, um so eher dazu verpflichtet." In demselben Blatte wird offiziös mitgeteilt, daß jetzt, wo die russischen Truppen schon in Persien weilen, die Entschul- digungen der persischen Regierung als verspätet und zwecklos angesehen werden. Welche Konsequenzen die russische Regierung aus diesen Kundgebungen z» ziehen beabsichtigt, dürfte wohl schon in den nächsten Tagen klar werden. In England wächst inzwischen der Ilmnut über die Politik des Kabinetts gegenüber Persien und Rußland. Neben den weiten Krisen der liberalen Handelsbourgeoisie, die sich durch diese Politik in ihren persischen Interessen bedroht fühlt, treten auch die Konservativen gegen Sir Edward Grey auf. Der frühere Vizekönig von Indien, Lord Curzon, hat dieser Tage in der britisch-persischen Gesellschaft eine Rede gehalten, in welcher er die Politik des Kabinetts sckxtrf verurteilte.„Unser indisches Reich— jprach er— hängt außerordentlich von der Zuneigung unserer inohammedani- schen Mitbürger ab. und man muß dessen eingedenk sein, daß die Mohammedaner Indiens mit denen Persiens un- trennhar verknüpft sind.- Die liberale.Daily New s" begrüßt diese Rede des konservativen Führers und beschuldigt die englische wie die russische Regierung, daß sie durch ihre Truppensendungen nach Persien die Zerstückelung dieses Staates bereits begonnen hätten. LKina- Ein neues kaiserliches Edikt. Peking, 29. November.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Ein kaiserliches Edikt weist die Schuld an den letzten Kämpfen den Angriffen der Rufstöiidifchen zu und befiehlt dem Vizckönig von Hukuang, die zahlreichen Leichen zu beerdi- gen sowie die Not zu lindern. Ter selbstbewußte Ton deS gestrigen und heutigen Edikts spiegelt das wiederkehrende Vertrauen der Mandschus wieder.— Aus militärischen Meldungen von H a n k a u geht hervor, daß die Macht der Anfstäudischen der der Kaiserlichen bis zum 25. d. M. überlegen war, dann weigerten sich die Truppen aus Huna» anzu- greifen, und später meuterten 5000 frisch eingestellte Rekruten auS Hupeh und töteten ihre Offiziere, als sie zum Angriff vorgehen sollten. Die Streitkräfte Liyuanhengs in Wuschang öc- tragen angeblich mehr als 19 000 Mann. l-lus Industrie und Kandel» Eine neue Fusion in der Montaniudnstrie. Eine interessante Fusion soll noch in diesem Jahre in West- dcutschland vor sich gehen. Tie Wsestfälischen Draht- werke zu Werne bei Langendreer(Aktienkapital 3,2 Mil- lionen Mark) nehmen mit rückwirkender Kraft bis 1. Juli 1911 die Aplerbecker Hütte Brügwann, Weyland u. Co.(Aktien- kapital 3 Millionen Mark) in sich auf. Die Westfälischen Draht- werke sind ein weiterverarbeitendes Werk. Sie kaufen Halbzeug vom Stahlwerksverband und stellen Fertigfabrikate(Draht) her. Die Aplerbecker Hütte besitzt eine Eisenerzgrube und produziert in ihrem Hochofenwerk Roheisen, das aber nicht im eigenen Be- triebe weiterverarbeitet wird. Durch die Fusion sind die Draht- werke dann nicht mehr auf den Bezug von Halbfabrikaten an- gewiesen, wenn die frühere selbständige Hütte ihr Roheisen zu Halbzeug verarbeitet. Mit der Fusion soll daher durch Ausgabe neuer Aktien von 3,2 Millionen Mark ein Stahlwalzwerk in Aplerbeck errichtet werden. Die Kombination der beiden Gesell- schaften wird so durch ein Zwischenglied vervollständigt. Die beiden reinen Betriebe verschmelzen zu einem gemischten Unter- nehmen, wobei der eine Betrieb das Rohmaterial für den anderen liefert. Der Vorteil einer solchen Kombination ruht offenbar einmal in sich anschließenden technischen Verbesserungen. Die größere Konzentration innerhalb des gemistbten Werkes erlaubt eine bessere Ausnutzung und Organisierung als in jedem der reinen Betriebe. Die wichtigsten Ursachen für eine solche Verschmelzung liegen aber auf ökonomischem Gebiete. Die produzierenden und die weiterverarbeitendcn Industrien haben verschiedene Profitraten. Je nach der Konjunktur der Industrien ist sie bei den Rohprodu- zcnten oder bei den Verarbeitern größer. Durch die Schwankungen der Konjunktur ist bald diese, bald jene Industrie in Gefahr, ihre Profitrate geschmälert zu sehen. Durch die Kombination wird der Unterschied zunächst ausgeglichen und auch weiterhin das Risiko gleichmäßig auf das ganze, gemischte Werk verteilt, das dadurch gegenüber den reinen Werken überlegen wird. Gemischte Werke sind daher konkurrenzfähiger als reine Werke, ihre Profitrate ist gesicherter. Daß nun in unserem Falle gerade die verarbeitenden Drahtwcrke die Rohstoffe produzierende Hütte aufsaugen, ist nicht zufällig. Augenblicklich stehen wir in einer Periode aussteigender Konjunktur der Montanindustrie. Die Preise für Rohstoffe werden fester, das heißt sie steigen. Bei dein verarbeitenden Werke besteht daher ein Interesse, selbst Rohstoffe zu produzieren, um seinen Bedarf billiger zu decken oder einem in Zeiten sehr guter Kon- junktur auftretenden Mangel an Rohstoffen vorzubeugen. Kie drohende Gefahr schlechter Rentabilität und geringer Profitrate wird von den Drahtwerke» dadurch vermieden, daß sie den Be- trieb einer Industrie mit größerer Profitrate aufsaugen. Dieser These widerspricht nicht, daß vom privatkapitalistischen Stand- punkte aus die aufsaugenden Drahtwerke kapitalkräftiger als die angegliederte Hütte sind. Für die beiden Unternehmen liegt noch ein besonderer Grund. sich zu fusionieren. Als getrennte und kleinere Werke standen sie in voller Abhängigkeit vom Stahlwerksvcrband bezw. Roheisen- syndikat. Durch die Fusion gewinnt das gemischte Werk nicht nur seine momentane Selbständigkeit, sondern kann auch bei der Erneuerung der beiden Syndikate eine Sprache führen, der durch ihre ökonomische Position der entsprechende Nachdruck gegeben wird. Es tritt dann selbst in die Reihen der durch Monopole geschützten Profitnehmer._ Unser bewährtes Wirtschaftssystem i Die Schädigung der deutschen VelfeineruiigSindustrie durch die Zölle auf Rohmaterialien beleuclitet recht grell die Spannung zwischen den Preisen deutscher und ausländischer halbfertiger Stahlproduktc. Der Belgische Stahlverband hat in den letzten vier Wochen die Preise für Halbzeug zweimal erhöht. Die erste Erhöhung. Anfang Oktober, bestand in einer Verkürzung der Rabalte um 1,20 M. Jetzt ist eine direkte Preiserhöhung von 1,20 M. festgesetzt worden. Da- gegen hat der Deutsche Stahlvcrband beschlossen, für da» erste Quartal 1912 die Preise unverändert zu lassen. DaS hört sich schön an, aber die Sache hat doch einen Hake»! die deutschen Inlands- preise sind immer noch erheblich höher als wie die WeltmarklSpreise. Berücksichtigt man die Rabatte, die in Belgien bei einer Abnahme von mehr als 1000 Tonnen im Monat bewilligt werden, dann er- geben sich folgende Preise pro Tonne in Mark: Rohblöcke Vorgcwalzte Blöcke Knüppel Platinen Deutscher Stahl- verband... 87,50 02.50 100.— 102,50 Belgischer Stahl- verband... 74,02 81,— 87,07 80,50 In Belgien weniger 12,58 11,50 12.93 13.— Also in Deutschland sind die Preise pro Tonne um 11,50 bis 13 M. höher als wie in Belgien(der Zoll beträgt 10 M.). Soviel müssen die heimischen Verarbeiter mehr anlegen. Daß ihnen das die Konkurrenz gewaltig erschwert, liegt auf der Hand. Die aus- ländischen Verarbeiter bekommen deutsche» Halbzeug natürlich zu noch niedrigeren als den Weltmarktpreisen, denn, obwohl diese erheblich niedriger sind als die für den deutschen Markt gültigen. wird deutsches Halbfabrikat in großen Mengen auf dem Weltmarkt abgesetzt. In den ersten zehn Monaten diese« Jahre« betrug die Ausfuhr von Blöcken, Luppen, Rohschienen, Brammen, Platinen und Knüppeln 526 060 Tonnen gegen 302 028 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Von dem letztjährigen Versand gingen nach Belgien 59 502 Tonnen, nach Frankreich 15 287 Tonnen, nach Groß- Britannien 386 676 Tonneu, nach Italien 22 731 Tonnen. nach Oeslerreich-Ungarn 9l25 Tonnen, nach der Schweiz 13 460 Tonnen usw. So erscheint in allen Ländern deutsches Halbzeug. Die dortigen Wciterverarbeiter find der deutschen BerfeinermigSindustrie gegenüber»m die Summe der Transportkosten und den erheblichen Preisdifferenzen zwischen den Inlands- und Auslandspreisen im Vorteil. DaS»st der Segen unserer Zollpolitik, deklariert als.Schutz der nationalen Arbeit". Eine nelte Illustration zu dem bewährten WirtschastSsystem liefert auch eine Zuschrift Berliner Konfektionäre an daS.0. T.". Darin wird ausgeführt:.Einst stand den Berliner Konsektionsfabrikanten. die wohl heute noch fast 200 Millionen Mark Umsatz habe»», der ganze Weltmarkt offen. Ein Absatzgebiet nach dem andern schwand, nament- lich infolge der hohen Zölle.. Großgnmdbesitzer nnd Stahlkönige preisen den Segen der Schutz- Zollpolitik sie vergeffen nur zu sage», daß der Segen für sie der deutschen VerfeinrnrngSinduftne LNV damit auch der Arbeiterschaft ungeheure Opfer auferlegt. Noch keine Cntfcheldung über die Beendigung des Formeritreikes! Am Mittwoch, nachmittag 3 Uhr, waren die Streikenden zu einer Versammlung berufen, in der die Entscheidung über die Annahme der von den Vertretern beider Parteien ge- troffenen Vereinbarung gefällt werden sollte. Der Andrang zu der Versammlung war schon frühzeitig ein so stürmischer, daß die am Eingang postierten Stimmzettelverteiler nicht jedem Versammlungsbesucher den Stimmzettel aushändigen konnten. Auch hatte die Polizei das Lokal abgesperrt, so daß einige Hundert der Streikenden kehren Einlaß fanden. Da unter diesen Umständen eine ordentliche und zuverlässige Ab- stimmung nicht zustande kommen konnte, wurde die Versamm- lung aufDonner stag, vormittag IVUhr.ver- tagt; in dieser Versammlung soll dann die Abstimmung durch Zettel vorgenommen werden. Zur Abstimmung liegt vor die folgende Vereinbarung: 8 1. Die tägliche Arbeitszeit beträgt für Former und sämtliche Akkordarbeiter nicht über Z Stunden, für die in Lohn arbeitenden Kernmacher und Putzer nicht über QVs Stunden, für die Hilfsarbeiter nicht über 10 Stunden. Sonnabends beträgt die Arbeitszeit eine Stunde weniger. § 2. Die Bctreibscinrichtungen find derart zu treffen, daß mit Schluß der durch§ 1 festgesetzten Arbeitszeit die Arbeit beendet ist. § 3. Es wird mit�jedem in der Gießerei beschäftigten Ar- beiter auf seinen Wunsch ein seinen Leistungen entsprechender Stundenlohn vereinbart. Akkordarbeiter erhalten bei Lohnarbeit den Durchschnittsverdienst des letzte» Jahres abzüglich 15 Proz., bei kürzerer Beschäftigungsdauer den DurchfchnittSverdienst während dieser Zeit ebenfalls abzüglich 15 Proz. Steht ein solcher Durchschnittsverdienst noch nicht fest, so wird der Durchfchnittsvcrdienst gleichwertiger Akkordarbeiter ab- züglich 15 Proz. gezahlt. 8 4. Es ist nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, daß die Akkordarbeiter � ihre Arbeit ohne Unterbrechung zu Ende führen können. Die Zeit, während welcher der Akkordarbeiter ohne sein Verschulden am Weiterarbeiten verhindert ist, wird, wenn es mehr wie% Stunde ist, zu einem Lohnsatz vergütet, der seinem Durchschnittsverdicnst nach D 3 entspricht. Auf diese Vergütung hat er jedoch nur dann Anspruch, wenn er der Be- triebsleitung von dem Aufenthalt, den er erleidet, vor Ablauf der ersten% Stunde Kenntnis gegeben und diese auf seine An- frage entschieden hat, daß er nicht aussetzen soll. 8 ö. Bei Uebergabe von neuen Akkordarbeiten ist bei In- angriffnahme derselben der Akkordpreis zu vereinbaren und der Akkordzettel, auf welchem der Akkordpreis sowie Stückzahl und Signum verzeichnet ist, spätestens am anderen Tage vormittags zu übergeben. Auf jeden Fall muß der Akkordzettel in Händen des Formers sein, che die fertige Arbeit seinen Platz verlätzt. Wird über den Äkkordpreis zu Beginn der Arbeit nicht der- handelt und entstehen Streitigkeiten über denselben, so ist dem Arbeiter sein Turchschnittsverdienst zu bezahlen. Ist dagegen zu Beginn der Arbeit verhandelt, eine Einigung über den Akkord- preis aber nicht erzielt worden, so muß die Arbeit in Stundenlohn gemäß 8 3 hergestellt werden. Aenderunge,, der bisherigen Akkordpreise dürfen nur nach vorheriger Verständigung mit den betreffenden Arbeitern vor- genommen werden, anderenfalls gelten die bisherigen Akkorde. 8 6- Anssch utzgntz, an dem der Akkordarbeitcr Schuld hat, wird nicht bezahlt Ausschutzguß, an dem der Akkordarbeiter keine Schuld hat, wird voll bezahlt. Läßt sich die Schuldfrage, selbst unter Hinzuziehung von Sachverständigen beider Parteien, nicht feststellen, so wird der halbe Akkord bezahlt. 8 7. Dem Akkordarbeiter muß, bevor Ausschußstllcke be- seitigt werden, Gelegenheit gegeben werden, dieselben zu befich- tigen. Geschieht dies nicht, so mutz die Arbeit den beteiligten Arbeitern voll bezahlt werden. 8 3. Es hat eine möglichst gleichmäßige und gerechte Ber- tcilung der Arbeit stattzufinden. Schlechte Akkorde sind so auf- ziibesscr», daß der Akkordarbeiter seinen DnrchschnitlZverdienst erhält. 8 9- Bei eintretendem Arbeitsmangel soll, bevor Eni- lassungen stattfinden, wenn die Betriebsverhältnisse es erlauben, zunächst möglichst die Arbeitszeit verkürzt werden. § 10. Es sind genügend Hilfskräfte zur Bedienung der Krane, zur Instandhaltung der Trockenkammern, zur Auf- räumung der Gießerei und zur Aufrcchterhaltung des ungestörten Betriebes zur Verfügung zu stellen. 8 11. Die Fabrikleitung hat für genügende Betriebssicher- heit und ausreichende hygienische Einrichtungen(gebahnte Wege, ausreichende Beleuchtung, Heizung, Ventilation, Wascheinrich- tungen) zu sorgen. 8 12. Wo bereits bessere Arbeitsverhältnisse als im obigen vereinbart sind, bestehen, sollen dieselben nicht verschlechtert werden. 8 13. Die Former verpflichten sich, die Modelle vorsichtig zu behandeln. § 14. Die Former und Gießereiarbeiter sind, außer in Krankheitsfällen, nicht berechtigt, ohne Erlaubnis der Betriebs- leitung von der Arbeit fortzubleiben. Erklärung zur Aufnahme in das Protokoll. Im Laufe der Verhandlungen wird festgestellt, daß bei Differenzen eine Kommission seitens des Verbandes Berliner Metallindustricller zusammengetreten ist, die die Streitigkeiten in Gemeinschaft mit Vertretern der Arbeiterorganisation schlichtete. Diese Vcrmittelung, die sich durchaus bewährt hat, soll auch in Zukunft, speziell bei Differenzen, die sich etwa aus dem heute getroffenen Abkommen ergeben, eintreten, und zwar sobald wie möglich, längstens innerhalb 10 Tagen. Die Löhne der Lohn- und Hilfsarbeiter sollen revidiert und in denjenigen Fällen erhöht werden, in denen bisher eine be- sonders niedrige Bezahlung stattfand. Als Norm hierfür wird ein Anfangslohn für Hilfsarbeiter von 40 Pf. pro Stunde bei den jetzigen Zeiten als angemessen bezeichnet. Bei Aufnahme der Arbeit treten diejenigen Lohn-»nd Hilfsarbeiter, welche ihre alte Arbeit wieder erhalten, in die Lohnsätze ein. welche sie bei Beginn des Streiks hatten. Maßregelungen aus Anlaß der Durchführung dieser Ber einbarung dürfen nicht stattfinden. Die Mitglieder der Schlichtungskommission dürfen nur unter Zustimmung der Fabriklcitung entlassen werden. Die Wiedereinstellung der an der Bewegung Beteiligten (Former, Gießereiarbeiter, Dreher, Fräser usw.) findet vom Freitag, den 1. Dezember an nach Maßgabe der Betriebsver hältnisse statt. Bis zum 15. Januar 1912 sollen die bisherigen Arbeiter vorzugsweise wieder eingestellt werden. Ob die Unternehmer am Donnerstag, bevor ein Beschluß der Streikenden vorliegt, aussperren werden, bleibt abzu warten. Unbestimmt ist, ob die Former der Vereinbarung zustimmen werden. Alle Mitteilungen der bürgerlichen Presse, die von einer Einigung sprechen, sind deshalb Kombinationen. Donnerstagabend werden unter allen Umständen 5 0 V e r- s a m m l u n g e n der Metallarbeiter in Berlin stattfinden. Richtigzustellen wäre noch, daß die Verhandlungen nicht unter Vorsitz des Kommerzienrats B o r s i g stattgefunden haben, sondern daß als Unparteiischer ein Metallindustrieller aus Halle die Verhandlungen geleitet hat. (SewerKscKaftlicKes. Berlin und llmgegend. Der Streik in der Damenkonfektion. Der Schneidervcrband hatte auf gestern nachmittag für die Arbeiterinnen und Arbeiter der Damenkonfektion drei Versamm- lunge», tn den Germaniasälen, Chausseestraße, den Andreasfestsälen, und für Rixdorf in Hoppes Festsälen, sowie für den Abend noch eine vierte Versammlung nach den Arminhallen einberufen. Der Massenbesuch und die kampffreudige Stimmung zeugten für die Macht und Stärke, die die Gewähr für eine erfolgreiche Durch- führung des Streiks bieten. Den Situationsbericht gaben die Organisationsvertreter Knoop, Käming. Kunze und S q b a t h. Ihre Ausführungen über die allgemeine Lage, über das Verhalten der Konfektionäre wie über die Stellung, die dem- gegenüber eingenommen werden mutz, deckten sich mit dem, was bereits in der Mleisterversammluwg am Dienstag ausgeführt worden ist— ein Beweis dafür, daß die beiden großen Gruppen, die diesen Kampf gemeinsam gegen das Unternehmertum führen, sich vollkommen einig sind. Man wird nun erst einmal abwarten, was die Konfektionäre auf das letzte Schreiben antworten und welche Vorschläge sie zu machen haben. Es wurde der dringende Wunsch ausgesprochen, daß mit den Verdächtigungen wie auch mit den Versuchen, die Zwischcnmeister und ihre Arbeitnehmer auseinander zu treiben, Schluß gemacht werde, und zwar im Interesse der Unternehmer selbst, die mit jenem Vorgehen, wie die Tatsachen beweisen, für ihre Zwecke doch nichts erreichen, und daß statt dessen der Versuch gemacht werde, praktische Arbeit zu leisten, mit Vorschlägen zu kommen, die auch diskutiert werden können. Man ist und war von Anfang an auf Arbeitnehmerseite gern bereit, ernst gemeinte Vorschläge zu prüfen; beharren aber die Konfektionäre darauf, mit leeren Versprechungen um die Sache herumkommen zu wollen, so wird es auf der anderen Seite auch für die weitere Dauer des Kampfes nicht an der nötigen Ein- mütigkeit und Ausdauer fehlen. Auf Seiten der Konfektionäre ist es sicherlich nicht so gut bestellt. Wenn wirklich ihre Breslaues und Erfurter Geschäftsfreunde das Versprechen geben, ihre Reisen- den vorläufig nicht auf die Tour zu schicken, so steht jetzt schon fest, daß ein nicht geringer Teil der Berliner Firmen gegen den Willen ihrer Verbandsleitung bereit ist, die Tarife abzuschließen und ihre Reisenden auf die Tour zu schicken. Darauf muß der jlnternehmerverband gefaßt sein/ Die Versammlungen, sämtlich so zahlreich besucht, daß die Säle überfüllt waren, erklärten sich einstimmig mit der von den Meistern angenommenen, im gestrigen„Vorwärts" veröffentlichten Resolution einverstanden.— Inzwischen kommt die Mitteilung, daß der Verband der Mäntelfabrikanten die Vertreter der Meister- und Arbeitnehmer- organisation auf den heutigen Vormittag um Verhandlungen ersucht hat.— Eine Vereinbarung ist gestern zwischen der Firma Friedenstein und dem Schneiderverband unter Zustimmung des Vertreters des Arbeitgeberverbandes für das Damenschneider- gewerbe zustande gekommen. Die Firma, eines der ersten und vornehmsten Modellgeschäfte, hat�sich verpflichtet, nur solche Meister zu beschäftigen, die den am 1. September abgeschlossenen Zeitlohn- tarif für die Musterkonfektion anerkennen. Die Tarifvorlage für die Damenkonfektion kommt für diese Firma nicht in Betracht. Wo in einzelnen Geschäften Streikbrecher tätig sind, ist man offenbar außerordentlich besorgt um das Wohl dieser Leute. So wird uns berichtet, daß Herr Schnitzer von der Firma Schnitzer u. Lewin, Kronenstraße, in höchst eigener Person seine per Auto heimwärts fahrenden Arbeitswilligen begleitet. Daß außerdem noch eine Anzahl leicht erkennbarer Kriminalbeamten vor dem Hause zu finden ist, darf nicht wundernehmen. Der Zwischenmeister A l i s a t, Brunnenstraße 62, gibt durch Anschlag an das HauStor bekannt, daß er mit seinen Leuten einen Tarif abgeschlossen habe und der Streik somit für ihn beendet sei. Das ist eine unsinnige Behauptung. Wann der Streik beendet wird, darüber hat selbstverständlich nicht Herr Alisat zu be- stimmen, sondern die Gesamtheit der Meister und Arbeitnehmer. In dem Unternehmerorgan„Der Confectionair" wird be- hauptet, daß„noch niemals ein Streik in so frivoler Weise vom Zaun gebrochen ist wie dieser". Das ist ja eine altbekannte Phrase, die bei jedem größeren Streik in der Unternehmerpresse immer wiederkehrt. Im übrigen kann der„Confectionair" seinen Aerger darüber nicht verbergen, daß der Streik sich diesmal nicht, wie es 1896 der Fall war, auch gegen die Zwischenmeister richtet, sondern daß diese nun gemeinschaftlich mit der Arbeiterschaft der Branche vorgehen, und um, wenn irgend möglich, diese Einmütig- keit zu stören, schreibt das Blatt, daß die Zwischenmeister noch keine Garantie dafür geboten hätten, daß die Lohnerhöhungen auch tatsächlich zum Teil den Heimarbeiterinnen zugute kommen. Das ist nicht wahr. Wir haben bereits in der Sonnabendnummer des„Vorwärts" gezeigt, wie die Tarifvorlage, über die die Kon- fektionäre nicht verhandeln wollen, gestaltet ist, und daß darin auch die Lohnsätze der Heimarbeiterinnen festgelegt sind. Die Zwischenmeister haben sich ihren Arbeitnehmern gegenüber bereits auf diesen Tarif verpflichtet, so daß es eben nur noch an den Kon- fektionären liegt, den Tarif zur Geltung zu bringen. Das Unter- nehmerorgan behauptet ferner, daß Zwischenmeister 6000 bis 10 000 Mark das Jahr verdienen, während„von sozialdemokratischer Seite" angestellte Verwaltungsbeamte der Krankenkassen sich mit 2000 bis 3000 M. begnügen müßten, daß die Löhne in der Mäntel- konfektion seit dem Jahre 1896 um teilweise bis zu 100 Proz. erhöht worden seien, und daß ständige Heimarbeiterinnen 18 bis 25 M. die Woche verdienten. Daß es unter den Zwischenmeistcrn einige Großindustrielle gibt, die recht hohe Einkommen erzielen, ist gewiß nicht zu bezweifeln, es sind das aber wohl Ausnahmen. Was die Wochenvcrdicnste der Arbeiterinnen anbetrifft, so schrieb der„Confectionair" in seiner Tonnerstagnummer noch von 21 bis 45, ja 60 M., in der neuesten Nummer ist er auf 18 bis 25 M. herabgegangen, und ivenn das so weitergeht, wird man allmählich auf den richtigen Satz kommen. Wo eine Arbeiterin Löhne von 25 M. nach Hause trägt, handelt es sich um Fälle, wo die ganze Familie hilft. Im Anschluß an seine Angaben über die Heim- arbeiterlöhne behauptet das Blatt,«s könne täglich aus den Büchern nachgewiesen werden, daß die„Phrasen von den Hungerlöhnen" in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. Merkwürdig, was die Herren alles in ihren Büchern haben! Uebrigens legt die Arbeiterschaft gar keinen Wert darauf, mit vielem Reden von den Hungerlöhnen etwa an die Oeffentlichkeit oder gar an das bekannte gute Herz der Unternehmer appellieren zu wossett. Sie weiß vielmehr, Laß auf dergleichen nichts zu geben ist, sondern daß die Macht entscheidet, und da der Streik in einem Umfang und mit einer Einmütigkeit geführt wird, der alle Erwartungen übersteigt, können die Kämpfenden auch des Sieges sicher sein._ Die„wohlwollende Große Berliner". Die Große Berliner Straßenbahn bat am 1. d. MtS. ihr Wohl- wollendes Herz den Angestelllen gegenüber gezeigt, indem sie zum Feste des Friedens vier Famitienväler auf daS Straßenpflaster ge- warfen hat, die nichls weiter verbrochen haben, als ihre ficie Meinung zu bekunden. Angestellte, die 16, 10 und 6 Jahre der Gesellschaft für wenig Lohn treue Dienste geleistet haben. Sie sind wiederum ein Öpier deS Denunziationswesen?, welches im Betriebe mit Hilfe des„gelben Vereins" gezüchtet wird, geworden. Kein Protokoll, keine Gegenüberstellung, ohne Beweise, lediglich auf die Angaben der„treuen" Bedientesten hin, wie Geheimrat Dr. Micke sagte. Wie sehen diese„Getreuen" ans? Nicht durch besondere Leistung, nicht weil dieselben als zufriedsne Lämmer in Frage kommen, sondern durch Schmarotzerei sind dieselben in den Geruch der „Getreuen" gekommen. Und die Pensionskasse der Straßenbahner?. Dieselbe besteht wiederum nur für„Mucker" und dennoch nennt sich die„Große Berliner"„wohlwollende" Gesellschaft. Berichtigung. In unserem gestrigen Bericht über den Streik bei der Firma Beckistein haben sich einige kleine Fehler eingeschlichen. So be- trägt die wöchenlliche Arbeitszeit der Holzarbeiter in Berlin nicht 55, sondern 51 Stunden. Weiter ist nicht richtig, daß der größte Teil der Bechsteinschen Arbeiter nicht organisiert sei. Das war aller- dings leider früher der Fall, hat sich aber jetzt erfreulicherweise derart geändert, daß die große Mehrheit der bei der Firma Beschäftigten organisiert ist._ Achtung. Töpfer! Betreffs der Sperre Gustav DameS ist anzuführen, daß der Bauherr des bestreikten Baues Ernst Fabritz beißt, Gastwirt ist und in Berlin 0., Schreinerstraße 83, wohnt. Letzterer erklärte, er hätte dem Töpfermeister Dames die Arbeit entzogen, und verlangte darum von uns Kollegen, um den Bau in eigener Regie fertigzustellen. Unsererseits wurde darauf erklärt, er solle die Ge maßregelten einstellen.� Dies zu tun, weigerte er sich aber ganz entschieden. Daraus müssen wir entnehmen, daß er nur die Verhältnisse verschleiern wollte. Wir warnen also unsere Kollegen, bei Fabritz in Arbeit zu treten. Die Verbandsleitung. Oentfebes Reich. Massenvevhnftungen von Streikenden in Magdeburg. Bei dem Streik der Mühlenarbeiter auf der Hildenbrand» schen Mühle in Magdeburg verhaftete Mittwoch früh die Polizei, die mit einem riesigen Aufgebot erschienen war, die Streikleitung und etwa 30 Streikende aus dem Verkehrslokal der Streikenden heraus. Die Streikenden sollen sich angeblich gegenüber den Arbeitswilligen strafbarer Vergehen schuldig gemacht haben._ Ueber das Scheitern der Tarifverhandlungen zwischen den Vertretern des Deutschen Buchdruckervereins und denen des Verbandes der Buchdruckerei-Hilfsarbeiter wird noch berichtet: Die von den Vertretern der Buvdruckereibesitzer gestellten Anträge bezweckten fast ausschließlich Verschlechterungen der bisher bestandenen Arbeitsbedingungen, darunter Verlängerung der Arbeitszeit, ursprünglich um täglich eine halbe Stunde, be« deutende Personalein schränkungen an vorhandenen er- probten Maschinenstistemen, Reduzierung der Ueber« st u n d e n z u s ch l ä g e um 25 Proz. bei Sonntogsarbeit, Haft- Pflicht der Organisationen für Tartsverletzungen und Streichung der bestehenden Solidaritälsklausel. wonach vom Hilfspersonal Streikbreckerdienste bei Ausständen der- Wandler Berufe wegen Ein- und Durchführung von Tarifen nicht verlangt werden dürfen. Ganz besonderen Wert legten die Druckerei- besitzer auf die Streichung einer bisher gültigen Schutz« bestimmung, wonach bestehende bessere Bedingungen in Lohn und Arbeitszeit durch den Tarif nicht verschlechtert werden dürfen. Darauf einzugehen, war den Vertretern des Hilfsarbeiter» Verbandes unmöglich, weil keinerlei Gewähr dafür geboten werden konnte, daß auf der anderen Seite ausreichende Lohnaufbesserungen bei den örtlichen Tarifabschlüsiei, bewilligt werden. Deswegen mußten die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen werde«. Letzte JVachricbten. Landtagsersatzwahl in Crailsheim. Crailsheim, 29. November.(Privattelegramm de?„Vor- wärt".) Bei der heutigen Ersatzwahl zum w ü r t t e m» bergischen Landtag im Oberamt Crailsheim erhielten Lang(Bauernbund) 1398, S ch a e f f e r(Volkspartei) 1163, R e u s ch(Deutschpartei) 825, Beinkaenipen(Sozial- demokrat) 665 und G r o e b e r(Zentrum) 227 Stimmen. Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 29. November.(W. T. B.) Justizminister Dr. Ritter v. Hochenburger, während dessen Rede die bereits gemeldeten Lärmszenen sich abspielten, legte eingehend die Schwierig- leiten dar, welche für die Justizverwaltung hinsichtlich der Be- sevnng der Richterstellen in Böhmen bestanden. Er erinnerte daran, wie sich unter dem Einfluß gewisser radikaler Schkagworte die deutschen Juristen eine Zeitlang vom Staatsdienst ferngehalten, bis die vernünftigere(!) Auffassung Platz gegriffen habe, daß man, um beachtet zu werden, sich nicht in den Schmollwinkel stellen dürfe. (Zustimmung.) Aber auch später, fuhr der Minister fort, blieb der Zuzug deutscher Juristen zur richterlichen Laufbahn noch immer spärlich und völlig ungenügend. Dies führte zur Durch- setzung des deutschen Sprachgebiets mit Richtern tschechischer Zunge (Zwischenrufe), die es ab und zu an der erforderlichen Zurück- Haltung fehlen ließen, weit häufiger aber es nicht verstanden, mit der bodenständigen Bevölkerung die richtige Fühlung zu gewinnen. Im deutschen Sprachgebiet erblickte man in dieser Durch- setzung eine politische Maßregel, eine gewissermaßen von Staats» wegen betriebene Forderung der vorausgesetzten Machterweite- rungsbestrebungen der leitenden politischen Kreise des tschechischen Volkes. Eine weitere Erschwerung der Stellenbesetzung in Böhmen bildet der starke Rückgang in den erforderlichen Sprachkenntnissen 'owohl bei den deutschen, als auch bei den tschechischen Richtern. Geboten war tunlichste Einschränkung der Versetzung von Richtern tschechischer Zunge in das deutsche Sprachgebiet. Geboten war ober auch die tunlichste Forderung der Toppclsprachigkeit durch eine Bevorzugung jener Richter, die neben sachlicher Tüchtigkeit da* noch für sich haben, daß sie beide Landessprachen in Schrift und Wort vollkommen beherrschen. Der Minister gelangte an dem Schluß, daß die beantragten Beschlüsse sachlich verfehlt und recht« lich unzulässig seien(Hört, hört!), er stelle daher an das Haus das dringende Ersuchen, sich gegen die Dringlichkeit auszusprechen.(Lebhafter Beifall und Heilrufe.) Beendeter Ausstand. Antwerpen, 29. November.(W. T. B.) Der Ausstand km hiesigen Hafen ist beendet. Die Seeleute haben die Be» dingungen der Reeder auf die Tauer von drei Jahren angenommen. nachdem ihre Forderungen bis aus Nebensächliches bewiB'Gt worden sind. verantlp. Nedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil veranttzw ZH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt PaülSingeräcCo.,BerlinLVV. Hierzu Z Beilage»«.yutrrhaltimgtl» Nr. 280. 28. ZahrgW. 1. ßeiliijf des„Wmiirls" Kerlim WsdlR NsssssMas, 50. NttMw M. Keickstag. 212. Sitzung vom Mittwoch, den 2!). November, mittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Delbrück. Die zweite Beratung des HausarbeitsgesetzeS tvird fortgesetzt, und zwar über den sozialdemokratischen Antrag be- treffs Einrichtung von Lohnämtern und des Kompromiß- anlrages, der die Einrichtung von Fachausschüssen verlangt. Abg. Dr. Fleischer(Z.): Der Abg. G ö h r e hat gestern an- erkannt, daß das«entrum in der Kommission sich redlichste Mühe gegeben hat, um die Einfügung von Lohnämtern in den Entwurf. Trotzdem haben wir den sozialdemokratischen Antrag abgelehnt, weil nach ihm irgend welchen mißvergnügten Arbeitern selbst in Industrien, in denen die Löhne gut sind, schon das Recht gegeben wird, eine Festsetzung der Löhne durch das Gewerbegericht zu ver- langen. Aber weiter hat sich gezeigt, daß die Regierung unter leinen Umständen irgend einer Bestimmung zustimmen würde, welche die Rechtsverbindlichkeit der Löhne ausspricht. Deshalb stehen wir vor der Frage, ob daran der Gesetzentwurf scheitern soll. Herr Naumann hat für seinen Antrag noch nicht einmal die Hälfte seiner Freunde gewonnen; wie kann er also uns vorwerfen, daß wir für Lohnämter hier keine Mehrheit finden. Deshalb das Gesetz zu verwerfen, kann Herr Naumann sich leisten, nicht aber eine große, sich ihrer Verantwortung bewußte Partei wie das Z e n t r u m. In den Fachausschüssen, die der Kompromißantrag enthält, wird das Prinzip des Arbeitskammergesetzes gerettet, waS angesichts deS Scheiterns des Arbeitskammergesetzes sehr wertvoll ist. Herr G ö h r e stellte es gestern so dar, als ob die Fachausschüsse gar ' nichts wert seien. DaS ist eine Uebertreibung, vor der man sich bei sozialpolitischen Maßnahme» hüten sollte. Die Fachausschüsse werden zur Klarlegung der Verhälmisse viel beitragen und durch sie werden wir dann auch mit Hilfe der Regierung zu einer Regelung der Lohnfrage kommen. Wie die Sozialdemokraten die Bestimmungen über die Fachausschüsse als absolut wertlos, geradezu als Null bezeichnen, verstehe ich nicht; wir betrachten sie als einen halben Erfolg auf dem Gebiete der Regelung der Lohnfrage und werden für diesen Teilerfolg eintreten, da wir den vollen Erfolg jetzt noch nicht erreichen können.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Graf v. Carmer-Zicserwiy(k.): Wir lehnen jede obligatorische Festsetzung von Minde st löhnen oder Minde st preisen mit gesetzlicher Bindung ab. Es muß der freien Vereinbarung der Parteien überlasten werden, die Löhne festzusetzen. Die Regierung darf sich da nicht hineinmischen, sie hätte ja sonst eine doppelte Verantwortung sowohl für die Arbeitgeber wie für die Arbeitnehmer, die man ihr nicht zumuten kann. Wenn man auf den Vorgang beim Kali- gesetz verweist, so habe ich damals dagegen gestimmt, auch lagen dort immerhin besondere Verhälmisse vor. Wenn serner ein ähnliches Experiment in England gemacht worden ist, so wird man erst ab- warten müssen, wie eS ausfällt. Viele HauSarbeiter machen die Heimarbeit nur im Nebenberuf, andere als Invalide. Da liegt es nahe, daß die Arbeitgeber für diese Arbeiter niedrigere Löhne festsetzen würden, und das wäre eine schwere Schädigung der Elendesten unter den Heimarbeitern, für die wir sehr wohl ein Herz haben. Gerade aus diesem Grunde wollen wir auch dieses Gesetz zum Schutze der Heimarbeiter nicht an dieser einen Bestimmung scheitern lassen und werden deshalb für den Kompromißantrag stimmen. Wenn die geplanten Fachausschüsse die elenden Löhne gewisser Heimarbeiter publizieren. so wird schon da» zur Einschränkung solcher Schmutzkonkurrenz dienen, die durchaus im Interesse der Industrie selbst liegt. Wichtig ist, daß auch die Minderheit stet« das Recht hat, ihr ab- weichendes Votum dem Gutachten des Fachausschusses anzuhängen. Die Regierung sollte dafür sorgen, daß die Fachausschüsse sobald wie möglich eingerichtet werden.(Bravo I rechts.) Abg. Evcrling(natl.): Die Arbeit aller bürgerlichen Parteien auf dem Gebiete des Heimarbeiterschutzes beweist, daß die Behaup- tung der Sozialdemokratie, sie allein trete wirklich tür Sozialreform ein, zum mindesten eine große Selbsttäuschung, um nicht zu sagen, etne_ glatte G e s ch i ch t S f ä l s ch u n g ist. Die Bekämpfung der Schäden der Heimarbeit auf hygienischem Gebiet muß unterstützt werden durch wirtschaftliche Förderung der Heimarbeiter. DaS ge- kleines feuiUeton. Der Bock als Gärtner. AuS London wird uns geschrieben: Eine skandalöse Ernennung des Lord Großkammerherrn(„Lord Chamberlain") hat das englische Schriftstellertum in große Auf- regung versetzt. Dieser Minister, der die Zensur über die in London aufgeführten Theaterstücke ausübt, hat eine Person zum Tbcaterzensor ernannt, die für diese» Amt ebenso gut oder schleckt patzt wie der Bock als Gärtner. Der neue Theaterzensor, der darüber wachen soll, daß in London kein Stück aufgeführt wird, das.gegen die guten Sitten und den Anstand verstößt', ist selbst als der Verfasser oder Be- arbeiter eines schlüpfrigen Machwerks bekannt, das vor einigen Jahren hier aufgeführt wurde. DaS Stück trug den Titel.Da« liebe alte Karlchen' und der.Held' darin war ein Ehrenmann. dessen Hauptbeschäftigung darin bestand, mit den Frauen seiner intimen Freunde Beziehungen anzuknüpfen. Die anständige Londoner Presse ließ den Verfasser damals ihren Unwillen deutlich merken. Und noch vor einem Jahre wies der bekannte dramatische Kritiker William Archer, der englische Uebersetzer JbsenS, vor der Kommission, die das herrschende Zcnsursystem untersuchen sollte, gerade auf dieses an das Zotenhafte grenzende Produkt unserer kapitalistischen Theater- industrie bin als ein Machiverk, vor dem der Zensor das Publikum schützen sollte. Aber diese Anregungen fielen auf steinigen Boden. Der Lord Chamberlain ist offenbar entschloffen, sein System, mit Hilfe dessen es ihm gelungen ist. Ibsen und andere große moderne Geister jahrelang von der englischen Bühne auszuschließen, fortzusetzen. hierzu wäre der neue Zensor freilich der geeignete Mann. Denn in euicm Artikel, den er vor kurzem veröffentlichte, führte dieser Weise aus. daß die goldene Zeil des englischen Theaters die Periode gewesen sei. in der Uebersetzungen der Sardouschen Stücke in London gegeben wurden. Moderne Stücke, die sich mit sittlichen Problemen befassen, meint er. seien für die Jugend ge- fährlich. Kein Wunder, wenn Bernhard Shaw auf die Nachricht von der Ernennung des neuen Zensors hin ausrief:.DaS glaube ich nicht. Eher würde ich glauben, daß man den Erzbifchof von Canter- bury zum Scharfrichter ernannt hat.' Sckon ha» dieser empörende Vorfall zu öffentlichen Protest- kundgebuugen geführt. Im Savoy-Theater nahm daS Publikum auf Anregung des-rramcktikerS Barker eine Resolution an. in der die Ernennung des neuen Zensors als eine Schmach für die dramatische Kunst bezeichnet wurde. Vom Pariser Spiclzeugmarkt. Eine Veranstaltung, die in Paris alljährlich beim Hcrannahei, der Weihnachtszeit abgehalten wird und die Schaulust weiter Kreise auf sich zu lenken pflegt, ist der.Concours Lepine", benannt nach dem Polizeipräsekten. An dieser Stelle finden sich alle Neuheiten des Spielzeugmorktes zu- fammcn, die darauf Anspruch machen, zum kommenden Fest beson- ders begehrt zu werden. Nach einer Zusammenstellung im„Kos- mos' ist die Fülle der Neuheiten in diesem Jahre besonders groß gewesen. Auch die letzten Fortschritte der Technik sind dabei berüs- schieht wesentlich durch diese Vorlage. Die Mitarbeit an ihr werden wir unS auch durch die draußen so hämische und hier so maßlos übertriebene Kritik der Sozialdemokraten nicht ver- drießen lassen. Die Einrichtung von Lohnämtern aber halten wir nicht für zweckmäßig, Ihre llndnrchführbarkeit hat auch Herr V.Berlepsch anerkannt. Nur die vorübergehende ansnahms- weise Festsetzung von Mindestlöhnen hielt er für möglich. Wir treten 'statt desse'i gleichfalls für die Einsetzung von Fachausschüssen ein. Herr G ö h r e nannte die Fachausschüsse taube Nüsse, Steine statt Brot, Worte, nichts als Worte. Dabei klammert er sich an ein Wort, an das Wort.Lohnamt'.£trr Göhre richtete auch einen Appell an die christliche Barmherzigkeit. Wie wird aber sonst die christliche Barmherzigkeit von Ihren Blättern verspottet! Gerade zur Weih- n a ch t s z e i t, weun sich ein Strom christlicher Liebe und Barm- Herzigkeit über unser Volk ergießt, schreiben Ihre Blätter,.w i r wollen nicht Barmherzigkeit, sondern Gerechtig- keit'.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit diesem„Sehr richtig!' verurteilen Sie das gestrige Auftreten GöhreS.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hier handelt es sich um eine Frage des Rechts und der Zweckmäßigkeit, und deshalb war der Appell Göhres ein Appell mit untauglichen Mitteln und am untauglichen Ort.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: am untaug- lichen Objekt I) DaS Gesetz wird eine schöne WeihnachtS- gäbe für das deutsche Volk sein.(Bravo I bei den Kompromiß- Parteien.) Abg. Manz(Vp.): Vor allem muß man die Beschäftigungs- Möglichkeit ins Auge fassen; was nutzt eine Erhöhung der Löhne, wenn dabei die Leute überhaupt nicht be- schäftigt werden. Herr Göhre hat unS das Lohnamt in jeder Weise gepriesen! aber bewiesen ist damit gar nichts, ebenso wenig mit seinem Appell an die christliche Barmherzigkeit. Bei solchen Fragen muß man nüchterne Geschäfts- l e u t e zu Rate ziehen. Mit Ihrem Antrage(zu den Sozialdemokraten) ruinieren Sie die Hausindustrie. Und das wollen Sie ja auch.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: N a u- mann.) Herr Schmidt sagte:„Eine solche Elendsindustrie soll man vernichten, ausmerzen.' Und was bieten Sie den Leuten dafür, daß die Hausindustrie vernichtet wird? Wenn Sie sagen, die Leute sollen in die Fabriken gehen, so klingt das wie Hohn; erst müßten Sie doch Fabriken errichten. Sie befürworten also eine geradezu mörderifche Politik.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Dr. Fleischer sprach von einem Zwiespalt in unserer Partei, von einer Fraktion Manz und einer Fraktion Naumann. Spielarten gibt eS doch auch im Zentrum, Sie(zum Zentrum) haben ja sogar Leute, die nicht mehr kandidieren wollen, weil sie es bei Ihnen nicht aushalten.(Heiterkeit.)� An den Fachausschüssen hätte Herr Göhre mit etwas mehr Liebe(Sehr gut! bei der Volkspartei.) wohl etwas Gutes finden können. So haben sie den Abschluß von Lohnabkommen und Tarifverträgen zu fördern. Das eröffnet doch ein weites Gebiet für Verhandlungen; in diesen Rahmen kann man ein sehr schönes Bild malen. Mit diesen kleinen Arbeitskammern koinmen wir wenigstens auf den Weg der Verhandlungen, und dabei kann auch dann die Frage geregelt werden, in welchem Zweige etwa die Löhne zu verbesfern find. Wenn Sie daS aber jetzt mit Gewalt machen wollen, so sägen Sie den Ast ab, auf dem die Hausarbeiter fitzen. (Bravo I bei den Kompromitzparteien.) Abg. Dr. Kolbe(Rp.): Herr Göhre erging fich gestern in starken Uebertreibungen. Warum wechfeln denn die Sozialdemo- kraten so sehr ihr Gesicht gegenüber ihrem Verhalten in den Kom Missionen, wo sie ganz ruhige Mitarbeiter sind. Wo tragen sie denn nun eine Maske, hier oder in der Kommission? Der Appell GöhreS an die christliche Barmherzigkeit gegenüber Leuten, die mit gutem Willen einen anderen Weg gehen wollen, war ganz unan- gebracht und geradezu unfair, und unwürdig war die p h a r i s ä e r- hafte Ueberhebung, mit der Göhre die Sozialdemokratie als den barmherzigen Samariter hinstellte und die anderen Parteien als solche, die h a r t h e r z i g an dem Elend der Hausindustrie vorbei gehen. Solche leidenschaftlichen Ausbrüche des KlasfenhasseS find nicht angebracht.— Mit den Lohnämtern würde man in alte historische Rechte eingreifen, und die Regierung hat ganz recht, daß sie den Weg der Lohnfestsetzung mit rechtsverbindlicher Kraft nicht gehen will. Das Zentrum geht den klugen Weg des Erreichbaren.— Die Sozialdemokraten weisen auf das Ausland, vor allem auf England hin. Aber bei unS liegen die Verhältnisse wesentlich anders und sichtigt worden, obgleich nicht in dem Grade, wie man eS nach den Sensationen namentlich der Flugschiffahrt hätte erwarten können. Die einzige Konstruktion, die sich daran anlehnt, ist ein sogenanntes Ailoplan, das eine Flugmaschine nach Art des Vogel- flugS vorführen fall. Der kleine Apparat fliegt durchaus wie ein Vogel, der sich auf feinen Flügeln erhebt und auf und ab steigt. Er durchmißt dabei eine Strecke, deren Länge von der Kraft des Motors abhängig ist, der einfach durch ein Bündel von Fäden aus gedrehtem Kautschuk gebildet wird. Dabei schlägt der künstliche Vogel ganz wie ein natürlicher mit den Flügeln. Außerdem war. eine große Zahl mechanischer Kleinigkeiten ßu sehen. Da findet sich beispielsweise ein niedlicher Taucher, der in einer kleinen zylindrischen Büchse besteht, deren Oberseite eine Reihe großer Ocfsnungen zeigt. In der Mitte ist ein Knopf angebracht. Wenn man diesen zwischen zwei Fingern dreht, so taucht eine kleine Ente, die durch eins der Löcher an die Oberfläche hinaufsieht, unter und kommt durch eine andere Oeffnung wieder zum Vorschein. Die Löcher sind mit Zahlen versehen, und es handelt sich darum, die Ente nach dem Untertauchen an einer Stelle wieder in die Höhe zu bringen, die mit einer befonders hohen Ziffer ausgezeichnet ist. Hübsch ist auch ein kleiner Selbstfahrer, der auf einem Karren sitzt und sich weitcrbrwegt, indem er mit den Händen die Räder dreht. Noch ansehnlicher in seinen Leistungen ist ein Junge, der mit der einen Hand einen Reifen schlägt, während er mit der anderen einen Spazierstock regiert, der dazu bestimmt ist. ihn im, Gleichgewicht zu erhalten. Der Reifen ist selbstverständlich an der Figur befestigt, dreht sich aber scheinbar unter ihren Schlägen. Eine ganze Arbcitergruppe führt ein drittes Spielzeug vor. Eine Person hackt den Boden auf, die zweite schaufelt ihn auf eine Plattform, und die dritte schleudert den Sand durch ein Sieb. In verbesserter Auflage zeigt sich ein Gymnastikcr. Daß Automobile in verschiedener Form, aus Equi- pogen sowie aus Lastwagen, nicht gefehlt haben, versteht sich bei- nahe von selbst. Außer den mechanischen Spielzeugen sind noch verschiedene Neuheiten aufgetaucht, die nur als Geduldsspiel zu dienen bestimmt sind. Da ist beispielsweise ein neues Damespiel, das sich eines vergrößerten Bretts mit 80 Feldern bedient und vier Spieler gleichzeitig zuläßt. Die Felder find Mit vier verschiedenen Farben ausgezeichnet. Theater. Schiller-Theater O.:. Ma Skerade'. Schauspiel von Lfi d w i g Fulda. Das Stück, daS unter Paul Lindaus Direktion im Deutschen Theater aufgeführt wurde, richtet sich satirisch gegen die heuchlerische zum guten Ton der sogenannten guten Gesellschaft gehörige Ehrbarkeitsmaskerade. Am Sprößling einer oberregierungs- rätlichen, kriecherisch brutalen, von SittlichkeitSphrasen triefenden Staatsstütze wird etwas theatralisch ein Exeinpel statuiert. Die arme Lehrerin, die den Licbesbeteuerungen des BürschchenS ein allzu williges Ohr lieh, findet in ihrem unehelichen, sich spät aus feine Pflichten besinnenden gräflichen Vater einen wellkundigen Beschützer. Er bittet den ihm von früher bekannten Regierungsrat und Sohn zum Besuch. Sein Fräulein Tochter, die Komtesse, sei dem Assessor auf Gesellschaften begegnet und würde sich freuen, ihn wieder zu sehen Regierungsrats wittern vorteilhafte Heiratschancen, und auf Order besser, bei uns besteht daher nicht der Wunsch, die Hausindustrie durch Lohnämter zu beseitigen, und wir wollen alles tun, um sie zu einem gesunden Glieds unserer Volkswirtschaft zu gestalten. (Bravo I rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Lohnämter halten wir für die geeignetste Maßnahme, um eine wirksame Verbesserung der Verhältnisse, wo sie notwendig ist. durchzuführen. Aber in der Kommission sind wir damit nicht durchgedrungen. Wir haben uns daher auf die Fachausschüsse zurückgezogen. Wir sind nicht schuld daran, daß die Lohnämter gefallen sind. Nach dem bündigen Unannehmbar der Regierung ist es aber ausfichtsloS, sie wieder hineinzubringen. Wollte man den Hausarbeitern wirklich helfen, war es nach diesem Unannehmbar notwendig, sich mit den grundsätzlichen Gegnern der Lohnämter zu verständigen. Die herzlose Politik deS Alles oder Nichts der Sozialdemokratie machen wir nicht mit. Die Fach- ausschüsse find auch keineswegs wertlos! sollten sie nicht ausreichen, so werden wir an ihrer Ansgestaltung mitarbeiten. Die Schwierig- leiten für die Lohnämter lagen hauptsächlich bei den zulünftigen Verbündeten der Sozialdemokraten, bei den Freisinnigen. Mögen die Sozialdemokraten im zukünftigen Großblock der Linken auf die Liberalen einwirken, daß sie mehr von der sozialen Gesinnung, die im Zentrum vorhanden ist, annehmen. (Bravo I rechts.) Abg. Enders(Vp.): Es ist nicht richtig, daß in der Heim- industrie Tarifverträge nicht abgeschloffen werden können, weil eine Organisation nicht möglich ist bei der Heimindustrie. Tatsächlich gibt es auch in der Heimindustrie eine ganze Reihe Tarife. Die .Rechtsverbindlichkeil' hat in der unorganisierten Heimindustrie sehr wenig praktische Bedeutung. Es müßten dann hohe Strafen und eine scharfe Kontrolle eingeführt werden. Damit würden Sie freilich die Heimarbeit allen Beteiligten gründ- lich verekeln. Es kommen eine solche Unmenge von Artikeln jedes Jahr neu in der Heimarbeit in Betracht, daß eine Preisfestsetzung g a n z u n m ö g l i ch ist. Die L o h n ä m t e r in A u st r a l i e n sind nicht für die Heimarbeit, die dort kaum existiert, sondern für die Fabrikbetriebe bestimmt. Für mich ist klar, daß daS ollmähliche Verschwinden der Heimarbeit in Australien eine Folge der Lohn- ämter ist; umsomehr bin ich gegen die Lohnämter. Die Er- fahrungen in England reichen noch nicht auS. Nur das eine steht fest, daß die Gewerkschaften in England w e s e n t- lich gefördert sind durch die Lohnämter. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Es ist Leben gekommen in die toten Gebilde. Aber dasselbe wollen wir auch durch die Fachausschüsse: in eine unorganisierte Masse Ordnung bringen. (Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Naumann(Vp.): Wir wollen mit unserem Antrag in den Kompromißantrag den Gedanken der Lohnregulierung in der HauS- arbeit einfügen. Ohne diese Einfügung ist der Kompromißantrag in der Tat weiße Salbe, praktisch unwirksam. In Fabrik- betriebSumgebung könnte das, was in diesem Antrag dem Arbeits- kammergesetz entnommen ist, wirksam sein, in der Heimindustrie werden sie daS nicht fein. Sie sind völlig kompetcnzlos, können nur anregen und sind deshalb ebenso bedeutungslos wie die Arbeiterausschüffe großer Betriebe, die eben auch, weil sie keinen sachlichen Lebenszweck haben, tote Gebilde bleiben. Erst von dem Tage an, wo die Fachausschüsse eine wirkliche Aufgabe wie die der Lohnregulierung erhalten, wird das Interesse auf beiden Seiten für sie wach werden. Wenn wir auf dem Wege der Lohn- regulierung die Bezahlung steigern, so wird damit auch die Intensität und Qualität der Arbeit st eigen. Es ist viel schwieriger, für eine auf der untersten Stufe der LeistungS- fähigkeit stehende verarmte Industrie Arbeit zu schaffen! das wissen alle Beteiligten. Haben doch die Unternehmer vielfach selbst die Unter st ützung der Gewerkschaften aufgerufen zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz. Wir fürchten ja auch die Kon- kurrenz der Länder mit höheren Löhnen viel mehr als die anderer Länder. In dem praktischen England sind die Lohnämter mit allen gegen 2 Stimmen angenommen, dagegen haben nur ge- stimmt zwei Theoretiker, ein liberaler Freihändler und ein Sozialist. Ebenso haben sich in dem alten Zöllnerland Oesterreich die Lohn- ämter als durchführbar erwiesen. Nur in Deutschland ist die Re- gierung auS Prinzip dagegen. Dabei soll ja gar nicht der Staat die Löhne festsetzen, sondern das soll durch eine Ver- einbarung der beteiligten Parteien geschehen. Der staatliche Einfluß liefert nur den Rahmen der deS alten Strebers muß der junge seinem Verhältnis sofort den Abschiedsbrief schreiben. Tableau, als die Gekündigte ihm als Komtesse gegenübertritt. Sie jagt ihn fort. Doch er kommt wieder, macht mit großem Pathos seinen Heiratsantrag und ver- schwindet erst, als sie ihm mitteilt, daß sie die ihr versprochene Adoption und das väterliche Vermögen nicht anzunehmen denke. Die Aufnahme war bei temperamentvoll frischer Darstellung(Else W a s a spielte daS aufrechte Mädchen, N o a ck den verlogen, korrekten RegierungSrat, K ö st l i n den hoffnungsvollen Sohn) sehr freundlich._ dt. Notizen. ---»Die Schule der Zukunft' ist das Thema, daS der Berliner Goethebund Sonntag, mittags 12 Uhr, im Blüthnersaal durch Wilhelm Ostwald. Wilhelm Bölsche, Joseph Petzold, Georg Wyneken, Johannes TewS und Alfred Klaar behandeln läßt. Die Versammlung ist öffentlich. — Die L e i b l- S a m m l u n g in Köln. Die Stadtver« ordneten von Köln beschlossen den Erwerb der Seegerschen Sammlung Leiblscher Bilder für den KauftneiS von 1050 000 M. Eine Privatsammlung hat bereits 332 000 M. davon aufgebracht. Die Samin- lung soll im Wallraf-Richartz-Museum untergebracht werden.— Die wunderbare Sammlung wird also Berlin verlassen. Ihr bisheriger Besitzer, der in Leibis letzten Jahren viele seiner Bilder(im Vor- kaussrecht) erwarb, hat eine glückliche Spekulation damit betrieben. Das sogenannte Mäcenatcntum ist heutzutage zumeist kühle Be- rechnung und oft ein glänzendes Geschäft. — H e r i n g S s e g e n. Die englische Heringsfischerei an der Ostküste Englands hat trotz deS Rückganges der Heringsindustrie in diesem Herbste einen einzigartigen Rekord aufgestellt. In Aarmouth und in Lowestoft sind seit der Eröffnung der Heringssaison im September insgesamt nicht weniger als 854 Millionen Heringe ans Land gebracht worden. Die höchste Zahl, die bisher erreicht worden war, betrug im Jahre 1907 für die ganze Saison, die bis zu Weihnachten dauert, 620 Millionen. In diesem Jahre sind bis jetzt allein in Uarmouth 530 Millionen eingebracht worden und da- mit bleibt Darmouth der größte Heringshafen der Welt. — Drei unfehlbareMittel gegen dieCholera. DaS ottomanische Volk ist vielleicht das nnwissendste der Welt, die ungebildeten Türken haben, wenn sie krank sind, nicht das geringste Vertrauen zu ihren Aerzten und nehmen ihre Zuflucht lieber zu ihren Priestern. DaS Schlimme ist nun. daß diese Priester alles Erdenk- liche tun, um da« Volk in seiner fanatischen Unwissenheit zu be- stärken. Ein Konstantmopeler Mitarbeiter des„Lancet' berichtet, daß während der letzten� türkischen Choleraepidemie die Ulemas in den Moscheen ein merkwürdiges Manifest aushängen ließen. Es zählte drei unfehlbare Mittel gegen die schreckliche Krankheit auf, und zwar: 1. man trage am Halse ein Achatsteinchen und auf der Brust ein Stückchen Koralle; 2.»ian trage in der Tasche einen Knochen vom Leichnam eines unschuldigen Kindes; 3. da die Cholera vom Monde zu uns kommt, trinke man, wenn der Planet Mars sich in aufsteigender Phase befindet, Lorbeerabkochungen, alldieweil Mars der erbittertste Femd des Mondes ist. ZwangSorganffatkon ffir ein unorganisiertes Gewerkt. Diese milde staatliche Mitwirkung zu Tarifen wird bestritten mit dem Satz, der Staat hat sich nicht in die Preisfestsetzung einzumischen. Ein solcher Satz loäre 136g im norddeutschen Reichstag richtig ge- Wesen. Aber heute, wo wir das Schutzzollsystem haben, geht das nicht. WaL sind denn die Schutzzölle anders als eine staatliche Garantierung der Produktionskosten. Wozu will denn die Regierung auch im Kompromistantrag Aus- ffinfte über Lohnverhältnisse haben, wenn sie sich grundsätzlich in die Festsetzung der Löhne nicht einmischen will.— Nun sagt man, die Regierung kann nickt die Staatsautorität einsetzen für eventuell zu hohe Löhne. Aber die Löhne werden ja vereinbart von beiden Parteien in ge- sunder Ausübung der Selbstverwaltung. Der Tarifgedanke hat sich als außerordentlich gesund erwiesen. In einer Versammlung von Hausindustriellen war charakteristisch, wie langsam diese Schicht lebt. Jeder Redner begann:„Im Jahre 1896 erhoben wir diese und diese Forderung, das und das wurde be- willigt, dann wieder genommen, und heute.. Zwischen 1896 und heute hat diese Schicht überhaupt nichts erlebt sHört I hört! bei den Sozialdemokraten.) in ihrer Unorganisiertheit. Wa§ sie 1896 gewonnen haben, haben sie nicht festhalten können. Die besten Versprechungen sind nichts wert ohne tarifmäßige Bindung. Auch die ehrlich gemeinten Ver« sprechungen iverden nicht gehalten ohne Organ i- sation. Deshalb kann hier der Arbeitsvertrag nur durch Zwangsorganisation aufrecht erhalten werden. Man sagt nun vor allem im Z e n t r u ni: Die Politik ist die Kunst des Erreichbaren. Aber was heißt erreichbar? Wenn zwei aus- machen, was sie für erreichbar halten iv ollen sSehr gut! bei den Sozialdemokraten) und dann dem anderen bei- bringen wollen, seid artig, haltet Euch an das Erreichbare. Das Zentrum hat ja nicht immer ein Unannehmbar der Regierung für das letzte Wort gehalten, z. B. bei der R e i ch s s i n a n z- r e f o r m. sSehr gut 1 links. Zuruf im Zentrum: Für Ihren Au- trag ist ja gar keine Mehrheil I) Stimmen Sie doch dafür und probieren Sie es. Aber selbst wenn wir annehme», daß die Re- giernng nicht von ihrem Unannehmbar abgehen würde, weil Herr v. Heydebrand nicht bei der Mehrheit ist(Heiterkeit links), so ist immer noch die Frage, ob das, was hier beschlosien werden soll, eineir Fortschritt für die Heiniarbeiter bedeutet. Die Heimindustrie gebt nach der Statistik in ihren Hauptbestand- teilen nieder, sie kann nur durch Organisation gehoben werden. Wenn man durch Enqueten und Gutachten den Schein erweckt, als geschehe etwas, so sinkt inzwischen die Hausindustrie immer weiter und das nennt man dann ein Haus- a'�eitsgesetz.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Delbrück: Die Gründe, die ich gestern gegen den sozialdemokratischen Antrag anführte, treffen gegen den Antrag de? Vorredners nicht zu. Das ist richtig. Der sozialdemokratische Antrag verlangt, daß auf einseitigen Antrag einer Partei, der Ar- beiter, Löhne festgesetzt werden, die für die Arbeitgeber verbindlich sind. Das ist keine Tarifvereinbarung. Und dagegen wandte ich mich. Der Antrag Naumann verlangt, daß, wenn die Beteiligten sich geeinigt haben, ihre Vereinbarung gelten soll auch für an der Vereinbarung unbeteiligte Dritte. Das können wir bei der Kompliziertheit der Verhältnisse nicht zugeben, das könnte unter Umständen geradezu ruinierend auf manche �Betriebe wirken. Weiter wies Naumann auf die Schutzzölle hin. >Der Schutzzoll wird ein für allemal festgesetzt, und tt wird unter Umständen preis steigernd wirken, und soll es unter Umständen auch tun. Aber ein Eingreifen der Behörde auf die Preisbildung im einzelnen ist dabei ausgeschlossen.. Abg. Zietsch(So,.): Schon bei unseren Anträgen zu den früheren Paragraphen ha! man behallptet, wir wollten die Heimindustrie vernichten. Aber wir stehen in der Forderung der Lohnämter doch nicht allein, andere haben sogar viel weitergehende Forderungen gestellt als wir. Unter einer Resolution, die der ständige Aus- schuß zur Förderung der Arbciterintereffen gefaßt hat und die viel weitergehende Forderungen für die Heim- iudustrie enthält, findet sich auch die Unterschrift des Dr. Fleischer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso die des Verbandes der deutschen Gewerkvcreine Hirsch-Dnnckerscher Rich- tnug, des Verbandes katholischer Frauen und Mädchen, die sicher nichts mit der Sozialdemokratie zu tun haben. Der Verband christlicher Schneider und Schneiderinnen fordert direkt das Verbot der Arbeit schulpflichtiger Kinder in der Heim- iudustrie. Ich gebe zu. daß wir Sozialdemokraten nicht allein das Elend in der Heimindustrie bekämpfen; auch manche Unternehmer tun es, ihre Motive sind jedoch Konkurrenzrücksichten. Die Lohnämter sollen nicht eine Vernichtung der Heimindustrie bringen, sondern eine Garante für bessere Bezahlung schaffen. Sie sind ja auch in der ersten Lesung der Kommission angenommen und in der zweiten nur niit Stimmengleichheit ab- gelehnt worden. Wenn sie also die Heimindustrie ruinieren, so müßte dieser Vorwurf auch gegen das Z e n t r» m gerichtet werden. Aber gegen diesen treuen Bundesgenossen geht die Rechte natürlich nicht vor. Der Zweck der Lohnämter ist die Sicherung eines E x i st e n z m i n i m n m s. Man wendet gegen ihre Einführung ein, einer ganzen Zahl von Heimindnstriellen würde dadurch die Möglich- keit jeder Betätigung genommen werden. Aber den Beweis für «ine solche Folge der Lohnämter hat man nicht erbracht, und kann ihn auch gar nicht erbringen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär meint bei der Be- lämpfung dieses Antrages. man kann den Industriellen doch nicht vorschreiben, ihr habt die und die Löhne zu zahlen. Wir rufen ja aber in unserem Antrag zur Festsetzung der Löhne eine Institution an, die p a r i t ä ti s ch zusammengesetzt ist und unter einem unparteiischen Vorsitzenden tagt. Die Festjetzung eines Mindestlohnes liegt übrigens nicht nur im Interesse der Heim- arbeiier, sondern auch in dem vieler I n d u st r i e l l e r, weil sie dann auch höhere Preise für ihre Waren fordern können.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) In manchen Gewerbezweigcn. in denen die Löhne gestiegen sind, brachte das nicht ein Zurückgehen der Gewinnrate für die Unternehmer, sondern von der Lohnerhöhung an datierte ei» höchst e r s r e ti l i ch e r Aufschwung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Oft ist der Heimarbeiter Erfinder eines Musters und sein geistiges Eigentum gebt ihm v o l l st ä n d ig verloren. Ich gebe zu. daß es technisch und redaktionell außerordentlich schwierig ist, einen solchen Schutz für die Heimarbeiter in dieses Gesetz hineinzuarbeiten. Das Nehmen eines Musterschutzes kommt für ihn nicht in Betracht, weil es zu zeit- raubend ist. Tatsächlich wird er systematisch vom Unter- nehmer»m die Frucht seiner geistigen Arbeit gebracht, sowohl in der Korbmacherei, wie in der Spielivareninduitrie, in der Porzellan- Malerei und manchem anderen Zweige. Wenn wir uns also vor- behalten müssen, diese Frage später zu regeln und nicht in diesem Gesetz, so könnten wir das um so eher, wenn die Lobnämter wenigstens eine gewisse Garaniie für die Bezahlung der Arbeiier, die solche Muster erfinden, gewähren.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Das Zurückweichen des Zentrums vor dem Un- annehmbar der Regierung ist sehr bezeichnend. Bei der F i n a n z- r e f o r m hatte das Zentrum sehr wohl ein steifes Rückgrat, aber wenn eS sich um Arbeiteriiitcrrsscii handelt, und die Regierung stellt Ihnen ein Nuaniichmdar gegenüber, da klappen Sie zusammen und Iverden so gefügig, wie man es von Ihnen nicht gewohnt ist, wo eS sich ui» die Interessen der Besitzenden handelt, lieber- lassen Sie doch der Regierung die Verantwortung. Sie werden� ja dann sehen, ob sie soweit gehen will, wie beim Arbeitskammergesetz, nur, weil die Regierung ihren Dickkopf nicht durchsetzt.(Heiterkeit.) Mit ihrem Prinzip, nicht regulierend aus die Preisgestaltung einwirken zu wollen, ist die Regierung nur konsequent, wo eS sich um Arbeiterinteressen handelt. Bei der Branntwcinliedesgabe greift sie sehr Wohl je nach den Verhältniffen regulierend auf die Preisgestaliung ein; sie setzt, wenn die Preise zu fallen drohen, das Kontingent herunter.(Sehr wahr I b. d. Soz.) Wenn es sich um die S ch n a p s j u n k e r dreht, hat die Regierung nicht die erheblichen Bedenken, als wenn es darauf ankommt, die erbärmlichst bezahlte Arbeiterschicht vor dem Versinken ins tiefste Elend zu be- wahren. Da vertröstet man die Arbeiter auf die S e l b st h i l f e, da sollen ans einmal die Organisationen das Allheilmittel sein. Gewist, wenn wir solche Organisationen bälten, so brauchten wir die Staatshilfe nicht. Aber wir haben die Organisationen nicht und wenn wir sie bekämen, so würden sie gerade von de» Gegnern der Lohnämter scharf bekämpft werden..»(Zuruf bei den Freisinnigen: Unsinn I) Gewist, gerade die liberale Presse schlägt mit wenig Aus- nahmen ans die Arbeiter bei wirtschaftlichen Kämpfen ein.(Wider- spruck bei den Freisinnigen.) Man wird sich nun auf die Fachausschüsse einigen und das Z e n t r n m war froh, daß ihm die Gelegenheit zum Umfallen durch den Staatssekretär Delbrück gegeben wurde. Wäre dieser nicht so klug gewesen, seinen Antrag den bürgerlichen Parteien zu unterschieben, so hätte er ihn nicht so loben können. Wir können aber die Vorzüge der Fachausschüsse nicht anerkennen. Sie haben kein Beschlußrecht und kein Initiativrecht, denn wo sie das Initiativrecht haben, haben sie kein Beschlustrecht und umgekehrt. Sie dürfen sich noch nicht einmal mit Dingen beschäftigen, die eigene Angelegenheiten eines einzelnen Betriebes betreffen. Ich kann mir aber sehr gut Dinge denken, die als allgemeine Mißstände in der Heimindustrie empfunden werden und doch nur nachgewiesen werden können an den Zuständen der einzelnen Betriebe. Der Staatssekretär meinte, die Fachausschüsse könnten objektive Lohn- statistiken aufnehmen und Vorschläge zu Lohnfestsctzungen machen. Aber Gutachten über die Festsetzung der Löhne dürfen vom Fach- ausschust nur abgelehnt werden, wenn die Unternehmer- beisitzer in dem Fachausschuß vollständig einig und auch die Arbeitnehmer vollständig einig über das Gutachten sind. Geradezu eine Null werden die Fachausschüsse auf Grund ihrer Zusammensetzung. Sie gehen nicht aus Wahlen hervor, sondern aus dem freien Er- messen der Landeszentralbehörde. Glaubt man loirk- lick, daß solche Fachausschüsse eine objektive Institution bedeuten? Es ist ja ausgeschlossen, daß etwa die preußische Regierung wirkliche Vertrauensleute der Arbeiter in diese Fachausschüffe entsendet. Er- Hebungen über die Lohnverhältnisse kann ja auch der Beirat für Arbciterstatistik vornehmen, der gegenwärtig beschäftigiings- los sein soll. Freilich hat er eine andere Zusammen- setznng als die Fachausschüsse und ist vielleicht heute der Regierung schon viel zu unbequem mit seinen Feststellungen und Forderungen. Also die Lohnämter sind durch die Fachausschüsse nicht zu ersetzen. Der Staatssekretär hat den Parteien damit einen Bastard untergeschoben, für den das Zentrum und die Christli ch sozialen die Alimente zahlen müssen. Der Antrag Naumann ist ja an sich für uns annehmbar, aber er pflanzt ein frisches Reis auf einen dürren Stock, aus dem keine Rosen mehr entstehen werden. Herr E v e r l i n g wendete sich mit voller Entrüstung dagegen, daß mein Parteigenosse G ö h r e seine Ausführungen mit einem Appell an die christliche Barmherzigkeit der bürgerlichen Parteien geschlossen habe. Ich hätte das ja an Göhres Stelle auch nicht getan; Freund Göhre hat eben ein liebevolleres Herz aus seiner Pastoralen Vergangenheit mitgebracht(Heiterkeit), was ihn dazu gedrängt hat, an das Gefühl zu appellieren. Er hat sich getäuscht, wenn er nieinte, christliche Barmherzig- keit sei auch in der Politik anzutreffen, und er hat darauf die Antwort bekommen, daß an die Stelle der christlichen Barmherzigkeit hier gesetzt werden müsse die nüchterne Berechnung des Geschäftsmannes, die nüchternen Erwägungen der Politik. Die Heimarbeiter werden daraus entnehmen, daß sie nicht zu bitten haben, sondern ihr Recht fordern müssen, und das wird ihnen nur werden, wenn sie organisiert sind.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. GiesbertS(Z.): Wir sind einig in dem Bestreben, das Elend in der Heimindustrie zu beseitigen. Ich bin auch durchaus der Meinung, daß obligatorische Lohnämter daS beste sein würden, obwohl ich freilich nicht so überschwängliche Hoff- nting daran knüpfe, wie Kollege Naumann in seinein Optimis« inus. ES geht aber nicht an, die Fachausschüsse einfach als.weiße Salbe" zu kennzeichnen. Herr Naumann vergleicht sie mit den ArbeiterauSschüffen. Die Arbeiterausschüffe, die Herr Naumann als gänz- lich ohnmächtig zubetrachten scheint, haben in der Tat bedeutendes ge- leistet und es ist nur zu wünschen, daß die Fachausschüsse sich ebenso bewähren.— Wir können für den Antrag Naumann ebenso- wenig stimmen, wie für den sozialdemokratischen Antrag, da wir die Verantwortung nicht tragen können, hieran daS Gesetz scheitern zulassen. Wir haben alles getan, um dem Gedanken der obligatorischen Lohnämter zum Siege zu verhelfen; wir sehen uns aber zu unserm Bedauern außerstande, die vielen Widerstände, namentlich auch den Widerstand der Regierung, zu besiegen. Darum begnügen wir uns mit den Fachausichüssen, wie fie der Kompromiß- antrag bietet. Es wäre eine leere Demonstration und ein Treubruch gegenüber den anderen Kompromißparteien ge- wesen. wenn wir jetzt im Plenum wieder mit einem Antrag auf obligatorische Lohnämter gekommen wären. ES war schon ein wahres Meisterstück sozialpolitischer Diplomatie, die Fachausschüsse zu erreichen.— Wenn die Sozialdemokraten vom Zentrum verlangen, daß es den Widerstand der Konservativen und der Regie- r u n g gegen die Lohnämter brechen soll, so mögen sie zu- nächst den Widerstand ihrer zukünftigen Großblock- brüder, der Freisinnigen und der Nationalliberalen. brechen.(Sehr gut! im Zentrum.) Dann wird im nächsten Reichs- tag eine große soziale Mehrheit sein und diese kann ja dann das vorliegende Gesetz abändern und obligatorische Lohnämter� ein- führen. Uebrigens ist mein Fraktionskollege Fleisch er, wie ich ausdrücklich bemerken will, ebenso sehr wie ich davon überzeugt, daß die obligatorischen Lohnämter schließlich dock kommen müssen. Für heute müssen wir uns begnügen mit dem, was sich in diesem Augen- blick erreichen läßt, damit wir den Heimarbeitern diese Vorlage auf den Weihnachtstisch legen können.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.) Abg. Crnt-(Vp.) erklärt, daß Abg. Manz.daS Kompromiß namens der Fraktion unterschrieben habe, daß seine Fraktion da- gegen angesichts deS voraussichtlichen Unannehmbar der Regierung es abgelehnt habe, den Antrag Naumann zum Fraktionsantrag zu macken. Die Debatte schließt. Sämtliche Anträge außer dem Kompromißantrag werden abgelehnt. Für den Antrag N a n m a n n- O e s e r auf Ausdehnung der Kompetenz der Fach- ausschüsse stimmen von den Freisinnigen nur einige Abgeordnete. Die F a ch a u S s ch ü s s e mit dem von den Kompromißparteien be- schlossenen Kompetenzumfang sind also angenommen, die Lohnämter abgelehnt. Abg. Dr. Fleischer(Z.): Ich stelle fest, daß die Naumann-Gruppe mir anS sechs Herren besteht: Raumann, Oescr, Träger, Neumann- Hofer, Potthoff, Hormann.(Abg. Erzberger: Hört I hört!) Eine Reihe weiterer Paragraphen wird debattelos erledigt. Die Abgg. A l b r e ch t u. Gen.(Soz.) beantragen die Einfügimg eines neuen§ 23a: „Für das Rechtsverhältnis zwischen denjenigen Personen, welche im Auftrag und für Rechnung von Unternehmern gewerb- lich tätig sind, und den Unternehmern sind die Vorschriften des Titel TTT der Gewerbeordnung und deS Abschnitts„Dienste erfrag* im Bürgerlichen Gesetzbuch maßgebend, gleichviel ob die mit ge- werblichen Arbeiten Beschäftigten als Heimarbeiter oder als Haus- arbeiier oder als Hausgewerbetreibende bezeichnet werden.* Abg. Stadthagen(Soz.): Unbedingt find die Hausarbeiter Arbeiter im Sinne der Gewerbeordnung. Die Rechtsprechung freilich hat sich auf einen anderen Staiidpunlt gestellt. Das kommt von der systematischen Mißhandlung der Arbeiter durch die Gesetz- gebung und von der totalen LebenSunkemUniS unserer Richter. Für die Heimarbeiter bedeutet es einen schweren Mißstand, daß die Recht- sprechung sich nicht auf den Standpunkt stellt, wie die Fach- literatur, der gesunde Menschenverstand und das praktische Leben. Z. B. steht der frühere badische Gewerbeinspektor Bittmann durchaus auf dem Standpunkt unseres Antrages. Auch der Sprachgebranch Heimarbeiter beweist, daß es sich hier nicht um selbständige Gewerbetreibende handelt.(Sebr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wie wichtig die Sache in der Praxis ist, beweist folgendes Beispiel. Eine arme Stickerin liefert ihre Arbeit beim Unternehmer ab; dieser erklärt sie für fehlerhaft und ist auf Grund des Werkvertrages berechtigt, sofort Abzüge dafür zu machen, eventuell sogar Schadenersatz.zu verlangen. Liegt aber ein Dien st vertrag vor, so muß er zunächst den Lohn zahlen und dann eventuell Schadenersatzansprüche geltend machen. Ich bitte Sie also dringend, unserem Antrag zuzustimmen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Caspar: Ich bitte den Antrag abzulehnen. Man kann bei diesem Spezialgesetz nicht eine so tiefgreifende Regelung treffen. Auch würde der Antrag nur Wirkung haben für den engeren Kreis der Hausarbeiter, die im ZI genannt sind. Sollte er fich auf alle Heimarbeiter beziehen, so ginge er zu weit. Abg. Stadthagen(Soz.): Der Antrag will natürlich die Regelung für alle Heim» a r b e i t e r treffen. Sollte eine formelle Aenderung notwendig sein. so kann sie in der dritten Lesung erfolgen. Abg. Dr. Pieper Proz. des Lohnes gesetzt werden. Diese Entrechtung der Arbeitervertreter hat aber erst das Zentrum durchgedrückt. Becker gibt auch zu, gegen An- träge gestimmt zu haben, für die er selb st in erster Lesung gesprochen hatte! Als Genosse Frank an Herrn Becker die Frage richtete, ob es denn nicht seine Pflicht als Arbeitervertreter gewesen wäre, das Recht der Selb st Verwaltung zu wahren, schwieg' sich Herr Becker aus und überließ es seinem Rechtsanwalt, die Frage zu beantworten. Genosse Frank bezeichnete es als einfach un- glaublich, daß ein Schöffengericht auf Anruf von Arbeitervertrctern darüber befinden soll, wer im politischen Meinungsstreite recht habe. Die wahre Hauptvcrhandlung in dieser Frage stehe am 12. Januar vor dem ganzen Volke «B. Sie Zentrumspress- habe am allerwenigsten Befugnis, sich über scharfe Tone aufzuregen. Wenn für die Herabsetzung der Altersgrenze selbst Konservative zu haben waren, und die ganze Sache mit neun Millionen Mark Kosten abgemacht werden konnte, so durfte die sozialdemokratische Presse die ablehnende Haltung der christlichen Arbeitervertreter sicher scharf kritisieren. Der Verantwortliche der„Arbeiterzeitung", Genosse Neumann. wurde entgegen dem Antrage des Klagevertreters auf Gefängnis- strafe, zu 40 M. Strafe verurteilt, nachdem ihm das Recht der Wahrnehmung berechtigter Interessen abgesprochen worden. Im zweiten Prozeß wurde eine Wendung unter Anklage ge- stellt, die sich auf die Ablehnung der Arbeitersekrctäre als Ver- treter der Versicherten bezieht. Die christlichen Arbeitervertreter wurden hier als Verbündete des Großkapitals, als Aucharbeiter- Vertreter, die ihrer Absicht des Arbeiterverrats treugeblieben seien, bezeichnet. Zeuge Becker erklärte hierzu, der Zentrumsantrag in dieser Frage wolle nur. daß Trunkenbolde und wegen ehrenrühriger Handlungen best raste Arbeiter- sekretäre nicht als Vertreter fungieren könnten. Nach dem sozialdemokratischen Antrage hätte jeder Arbeitersekretär zugelassen werden müssen. Genosse Dr. Frank wies scharf zurück, daß die Möglichkeit bestehe, in ein so verantwortungsreiches Amt einen Trunkenbold zu wählen. Bei Sozialdemokraten gebe es das wenigstens nicht. Hier handele es sich nur um eine Ausnahme- bestimmung gegen die freien Arbeitersekretäre. Das Urteil lautete in diesem Falle wegen der formalen Beleidigung auf 150 M. Strafe. Der letzte Prozeß drehte sich um die Frage der Wöchne- rinnenunter st ützung bei den Landkrankenkassen, die bekanntlich von den Mehrheitsparteien von acht Wochen nach den Beschlüssen der zweiten Lesung auf vier Wochen Dauer herabgesetzt worden ist. DieS war eine Schurkerei genannt worden, für die dann selbst die christlichen Arbeiterabgeordneten eingetreten seien. Genosse Dr. Frank vertrat die Meinung, daß diese Tat allerdings nicht scharf genug gekennzeichnet werden könne. Becker erklärte, daß die Konservativen an der Frage der Wöchnerinnenunter st ützung das ganze Gesetz hätten scheitern lassen. Er mußte jedoch zugeben, daß selbst dann noch eine Mehrheit für diese Bestimmung zu haben ge- wesen wäre. Uebrigens hätte die Regierung bis nach der zweiten Lesung fest auf den acht Wochen bestanden. Die Konservativen wollten also bei der Reichsversicherungsordnung genau so handeln, wie seinerzeit beim Bürgerlichen Ge- s e tz b u ch. dessen Zustandekommen sie an der Frage des Hasen- schadens scheitern zu lassen gedachten! UndmitdieserPar- tei verbindet sich das Zentrum zur Betreibung von„Sozialpolitik"! Trotzdem nachgewiesen wurde, daß gerade aus Anlaß der Reichsversicherungsordnung die„Arbeiterzeitung" durch die ort- liche Zentrumspresse aufs gröblichste beschimpft worden war, er» kannte das Gericht auch in diesem Falle auf 150 M. Strafe.— Von welcher Warte der Vorsitzende Richter die Materie beurteilte, geht aus seiner Frage an den Genossen Molkenbuhr her- vor, ob der Bundesrat nach jedem Abschnitt der Beratung durch den Reichstag einzugreifen habe! 73iis der parte!* Kommunalwahlsiege. Bei der Stadtverordneten-Stichwahl in Strehlen (Schlesien) gelang es unseren Genossen, die drei zur Stichwahl stehenden Mandate zu erobern. Unsere Genossen erhielten 294 Stimmen, während die Gegner nur 200 Stimmen trotz eifriger Werbearbeit aufbringen konnten. Mit diesem Siege ziehen die e r st e n drei Sozialdemokraten in daS Stadtparlament zu Strehlen ein. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Barmstedt(Schleswig- Holstein) wurde am Dienstag der erste Sozialdemokrat gewählt. Er erhielt 180 Stimmen, während auf die beiden bürgerlichen Gegner nur 120 bezw. 06 Stimmen fielen. Bei den Bremer Bürgerschaftswahlen wurde am Montag das Mandat für den 2. Bezirk des Landgebiets von unseren Ge- nassen wiedererobert; Genosse Rhein siegte mit 207 Stimmen Majorität. In 4 Bezirken wurden die bürgerlichen Kandidaten wiedergewählt. Am Dienstag wurde im 23. Bezirk unser Genosse Voigt mit 177 Stimmen Mehrheit wiedergewählt. Im 22. und 24. Bezirk bleibt es bei der bürgerlichen Vertretung.— Mittwoch wird noch in zwei Bezirken gewählt; beide waren zuletzt von unserer Seite vertreten. In Hagen i. Wests, wurden bei den Stadtverordnetenbezirks- Stichwahlen drei neue sozialdemokratische Mandate erobert. In einem Bezirk siegten zwei Bürgerliche mit 1430 gegen 1240 Stimmen. Die Kieler Stadtverordnetenwahlen brachten der Sozial- demokratie einen schönen Erfolg, trotz des 1200 M.-Zensus und der ungerechten Wahlkreiseinteilung, nach der von den 32 000 Wählern 10 000 in zwei Wahlbezirken nur drei Stadtverordnete und 10 000 Wähler in den drei für die Bürgerlichen günstigen Bezirken fünf Stadtverordnete zu wählen hatten. Die Sozialdemokratie behauptete einen und gewann zwei Sitze. Sie brachte 12 057 Stimmen auf, die Bürgerlichen nur 9548. Der Gewinn der Sozialdemokratie beträgt gegen das Vorjahr 1500 Stimmen, der der Bürgerlichen nur 900. Wäre noch wie früher über die ganze Stadt gewählt worden, wären sämtliche acht Mandate der Sozial- demokratie zugefallen. Das Wahlresultat zeigt, daß auch die un- gerechte Bezirkseinteilung die Bürgerlichen auf die Dauer nicht vor der vollständigen Niederlage schützen kann. Sozialdemokratische Stadtverordnetcnvorstchek. Durch die letzten bayerischen Gemeindewahlen haben in man- chcn Städten die Sozialdemokraten eine so erhebliche Verstärkung erfahren, daß sie den moralischen Anspruch auf Beteiligung an der Geschäflsleitung in den betreffenden Gemeindekollegien haben Da wir noch nirgends die Mehrheit besitzen, sind wir dabei auf das Entgegenkommen der bürgerlichen Parteien angewiesen, die aber in den sozialistischen Hockchurgen zu erwägen haben, daß die Mehrheitsverhältnisse sich bei den nächsten Wahlen, wenn der Pro- Porz voll zun, Ausdruck kommt, sicher ändern werden und ihnen dann gleiches mit gleichem vergolten werden könnte, wenn sie die sozialdemokratischen Ansprüche ignorieren würden. Hin und wieder machen sie Versuche, die Wahl von Sozialisten zu solchen Posten von der Bedingung abhängig zu machen, daß sie sich den sogenannten Repräsentationsvflichten bei Fürstenbesuchen und ähn- lichen Gelegenheiten unterwerfen. Eine derartige Forderung ist aber weder in der Gemeindeordnung noch in sonst einer Vorschrift begründet. Im Nürnberger Gemeindekollegium haben wir kraft unserer Stärke Anspruch auf den Posten des zweiten Vor- sitzenden, der uns bedingungslos zugestanden wurde. Die Wahl fiel auf den Genossen Dorn, den Vorsitzenden des Sozialdemo- kratischen Vereins Nürnberg-Altdorf. Jedoch in Fürth, wo die Sozialdemokratie die stärkste Fraktion bildet und bei einem frei- willigen Proporz den ersten Vorsitzenden zu fordern hätte, stellten die Liberalen und Demokraten die erwähnte Bedingung bezüglich der Repräsentationspflicht. Da unsere Genossen sich darauf nicht einlassen wollten, den gesamten bürgerlichen Parteien gegenüber jedoch noch in der Minderheit sind, verzichteten sie auf den Posten. Sanl7St8?olonne«nd Politik. Wie reimt sich das zusammen? In Oschers leben (Reg.-Bcz. Magdeburg) fanden dieser Tage Stadtverordnetenwahlen statt, bei denen die Sozialdemokraten zwei neue Mandat- eroberten, trotzdem die Gegmw mit Hochdruck gearbeitet hatten. So wurde u. a. an die Mitglieder der Sanitätskolonne vom„Roten Kreuz" eine Karte folgenden Inhalts versandt: „Werte Kameraden! Bei den letztverflossenen Stadtverord- netenwahlen ist es vorgekommen, daß ein Kamerad seine Stimnie öffentlich für den sozialdemokrati- schen Kandidaten abgegeben hat. Aus Anlaß der am Donnerstag dieser Woche stattfindenden Stadtverordnetenwahl möchte ich die Kameraden darauf aufmerksam machen, daß di- Unterstützung oder Förderung sozialdemokratischer Tendenzen mit den Bestrebungen der Vereine vom„Roten Kreuz" unvcr- e i n b a r ist. Da die Wahl öffentlich ist, würde jede sozialdemokratische Abstimmung unserm Vor- stand nicht unbekannt bleiben. Ich bitte Sie also, daraus Ihre Schlüsse zu ziehen und sich und dem Vorstande un- angenehme Weiterungen zu ersparen. Mit kameradschaftlichem Gruße Hoepfner." Wie nun, wenn die Saniiätskolonne in die Lage käme, einem lebensgefährlich verunglückten Sozialdemokraten die erste Hilfe an- gedeihen zu lassen? Wird sie das nicht ablehnen müssen? Sie würde doch damit zur Erhaltung des Lebens des Sozialdemokraten und gleichzeitig zur Unterstützung und Förderung sozialdemo- kratischer Tendenzen beitragen, weil der lebende Sozialdemokrat doch sicher für seine Partei mehr wirken kann als der tote! Man sieht, zu welchen Widersinnigkeiten der Haß gegen die Sozialdemo- kratie führt. Nicht einmal solche Organisationen halten sich davon frei, die ihren Zwecken und Aufgaben nach völlig neutral sein müßten._ Die italienische Partei gegen den Krieg. Rom, 23. November.(Eig. Ber.) In der Nummer vom 25. d. M. veröffentlicht der„ A v a n t i" als Leitartikel einen heftigen Angriff eines liberalen volkswirtschaftlichen Schriftstellers, dos Professors G i r e t t i, gegen die Kriegsgerichte. Der Artikel stützt sich auf eine Korrespondenz des„Avanti", die von zwei im Hand- umdrehen abgewickelten Prozessen sprach, in denen die Angeklagten zu 30 und 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Bei diesen Verhandlungen vor dem Kriegsgericht in Tripolis wurden keine Entlastungszeugen gehört, und die Belastungszeugen wurden nicht mit den Angellagten konfrontiert. Bei einem der beiden Prozesse schien es zweifellos, daß der Ankläger durch privaten Haß zu seiner Denunziation veranlaßt worden war. Girelti bezeichnet nun diese Prozesse als eine beispiellose Schmach und steht den Beweis iiir ein völliges Versagen des moralischen und politischen Bewußtseins i» dem Umstand, daß keinerlei Protestbewegung auf diese Schandtaten hin erfolgt sei. Wenn man sich so verhalten wollte, dann hätte man sich seiner Zeit auch die Proteste in der Drey- fusaffäre und ffvgcn die Ermordung Ferrers sparen können. Der- artige Prozesse, in denen alle Rechtsgarantien außer Kraft gesetzt werden, stellten eine Schande für jedes Kulturland dar und müßten jeden, der die Ehre feines Vaterlandes in etwas anderem als in materiellem Erwerb sieht, zu eilergischem Protest aufftacheln. In Mailand haben die Sozialisten am 24. und 25. stark besuchte Volksversammlungen gegen den Krieg ab- gehalten. Vor einem dichtgedrängten Publikum sprach Genosse T u r a t i, der sich in allerschärfster Weise gegen das Kabinett wendete, das mit einem Reformprogramm zur Reglerunn gekommen sei und dann durch den Krieg seinem eigenen Programm jede Möglichkeit der Verwirklichung genommen hat. Bemerkenswert ist, baß Turati dem„Avaiiti" zufolge zugegeben hat, daß„in Wirklichkeit der Re- formismus Bankrott gemacht hat und man zur ursprünglichen Auf- fassung zurückkehrt, nach der daS Proletariat allein gegen alle steht, sich mit den eigenen Waffen schlagen muß, nur auf die eigenen Kräfte bauen und ausschließlich von seinem täglichen Kampfe Ge- rechtigkeit und Befreiung erwarten darf". Turati forderte auf daS Entschiedenste den Uebergang zur Opposition. In B o l o g n a hat die Parteisektion durch ihr Votum gegen den Abgeordneten Genossen Giacomo Ferri gegen jeden Schein deS Nationalismus in der Partei Stellung genommen. Nach dem Anschlage des geisteskranken Reservisten Masetti auf seinen Oberst, hatte Giacomo Ferri(übrigens kein Verwandter deS Kriminalanthropologen Enrico Ferri) es für richtig gehalten, dem verwundeten Offizier in einem Briefe sein Bedauern auszusprechen. Die Parteisektion hat dieses Verhalten gemißbilligt und dies in folgender Weise begründet: 1. durfte ein Sozialist, angesichts der Ausschlachtung der Tat durch die Reaktion, kein Bestreben zeigen, die Partei, deren ganze Tätigkeit jeden Verdacht der Mitschuld ab- weist, gegen die schmutzigen Anwürfe der Bourgeoisie zu schützen; 2. verliehe Ferris Haltung der Tat einen politischen Charakter, der ihr, als dem Werk eines Wahnsinnigen, an sich ganz abgeht; 3. ver» schlechterte Ferri Mascttis Stellung vor dem Gericht; 4. hätte er wie jeder Sozialist in einer für seine Partei kritischen Lage den Stolz seiner Ueberzeugung zur Schau tragen sollen und nicht den Schein erwecken, sich durch opportunistische Rücksichten auf den Gegner beeinflussen zu lassen._ poUzcUichea, Ccrichttichea ukw. Die Vorstrafen der Zeitung. Das Reichsgericht hat eine landgerichtliche Urteils- begründung gutgeheißen, die man als eine ganz ungeheuerliche be- zeichnen mutz, und die die Kritik sogar in bürgerlichen Kreisen hervorgerufen hat.� Der neueste, kaum glaubliche Entscheid des höchsten Gerichtshofes eröffnet der sozialdemokratischen Presse die angenehmsten Aussichten und zeigt wieder einmal, wie es um die „vollendeten Rechtsgarantien" in Deutschland bestellt ist. Es handelt sich um folgenden Fall: Das Landgericht Halle a. S. hat am 15. September den bisher unbestraften verantwortlichen Redakteur des „V o l k s b l a t t e s", Wilhelm Könen, wegen Beleidigung der Halleschen Polizei zu der nach§ 185 höchsten zulässigen Strafe von 00 0 M. verurteilt. Die Polizei hatte seinerzeit den sozial- demokratischen Jugendtag auseinandergetrieben und es waren des- halb im„Volksblatt" Vorwürfe gegen die Polizei erhoben worden. Diese selbst behauptete dann, die Redaktion des„VolksblatteS" habe gelogen. Gegen diesen Vorwurf verteidigte sich der Angeklagte in einem ArtAel:„Die Hallesche Polizei". Diese wurde dann als „Ausbund der Gerechtigkeit" und als„ber—". d. h. berüchtigt, hin- gestellt. In diesen Ausdrücken hat das Gericht die strafbaren Be- leidjgungen erblickt, die durch Z 193 nicht gedeckt seien. In den Strafzumesfungsgründen wurde als strafschärfend erwogen, daß der Angeklagte die Redaktion des Blattes über- nommen habe, trotzdem es ihm bekannt war, daß seine Vor- gängcr wegen Beleidigung vielfach bestraft worden sind.— In der Revision rügte der Verteidiger Dr. Hüblcr diese Begründung als ganz ungeheuerlich. Der Rcichsanwalt gab zu, daß sie bedenklich seien, meinte aber, sie feien als tat- sächliche Feststellung nicht anfechtbar. Das Reichsgericht war dep gleiten Ansicht und verwarf idiz Re- visis»r» Jugendbewegung. Die Geschichte einer Jugendheimgriindung. Vor ca. zwei Jabrcn hatten einige Freunde der arbeitenden Jugend in T e m p e l h o f- M a r i e n d o r f bei Berlin das Be- streben, im Interesse der arbeitenden Jugend dafür zu sorgen, daß diese nicht auf das Wirtshausleben bei den verschiedenen Ver- anstaltungen angewiesen sei, sondern ein eigenes Heim besitze. Zu diesem Zweck wurde der Verein Jugendheim Tempelhof- Mariendorf gegründet. Durch eine rührige Agitation für den Verein war es möglich, im September 1910 einen Raum in einem alkoholfreien Lokal zum Preise von 10 M. pro Monat zu mieten. Der Anfang war ge° macht; aber der Wunsch der Freunde der Jugendbewegung war noch lange nicht erfüllt. Eine Generalversammlung des Vereins Jugendheim beauftragte den Vorstand im Sommer 1011, geeignete Räume zu mieten, um für den Winter auf eigenen Füßen zu stehen. Ziemlich günstig gelegene Räume, ca. 60 Quadratmeter, wurden in dem Hause Werder st r. 0 in Tempel Hof ge- funden, und so konnte zur Ausführung des Projekts geschritten werden. Leider waren die Mittel des Vereins so gering, daß es nur durch größte Sparsamkeit möglich war, eine gediegene, moderne Einrichtung zu schaffen. Zu dem Zweck wurde an den Idealismus unserer Freunde appelliert; eine ganze Anzahl der- selben, Tischler, Maler, Tapezierer, Rohrleger, Klempner und andere mehr stellten sich zur Verfügung. Nach Feierabend, wenn die Freunde der Jugend im Dienste des Kapitalismus gefrondet hatten, gingen sie ans Werk. Wochenlang wurde angestrengt ge- arbeitet; endlich konnte man am Sonnabend, den 2ö. No- vember, sagen, heute abend wird das Heim eröffnet und seiner Bestimmung übergeben.„Doch der Mensch denkt und die liebe Polizei lenkt." Als um 8 Uhr abends einige der tätigen Freunde des Jugendheims erschienen waren, auch ca. 10 jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen waren anwesend, stellten sich plötzlich ungeladene Gäste in Gestalt zweier Polizisten ein. Mit den Worten:„Nanu, was ist denn hier los?" betraten diese das Heim. Nach dem Grunde ihres Besuches befragt, gab der Wachtmeister zur Antwort, sie hätten den Auftrag, festzustellen, was hier betrieben werde und wer anwesend sei. Es wurde nun zur Feststellung der Personalien der Anwesenden geschritten und die„vorhandene" Bibliothek(die nebenbei bemerkt einer Privatperson gehörte, die die Bücher nur für den Abend in das Regal gestellt hattej genau durchmustert. Nachdem die beiden Polizeibeamten so ihres Amtes gewaltet hatten, empfahlen sie sich in der liebenswürdigsten Weise, ßnit dem Versprechen, daß man das Nähere bald erfahren würde. Man kann einigermaßen gespannt sein, worin das„Nähere" bestehen wird, da absolut nichts Ungesetzliches begangen worden ist In Tempelhof und Mariendorf wird gerade die Einmischung bei Polizei dazu beitragen, wie allerorts, der Jugendbewegung neue Freunde und Mitkämpfer zuzuführen. Hua der Frauenbewegung. Weihnachtseinkauf. Wieder steht das Weihnachtsfest vor der Tür, das Fest, da? ein Vergnügen ist, solange man über das genügende Geld verfügt, um seinen Angehörigen auch eine Freude zu bereiten. Jede Mutter hat das Verlangen, ihrem Kinde zu diesen» Fest etwas zu schenken, und wenn es auch nur notwendige Sachen sind. Reicht es doch bei den heutigen Lebensmittelpreisen selbst nicht für die notwendigen Dinge als Geschenke; von Spielzeug und Luxusgegenständen kann gar keine Rede mehr sein. Für manches Proletarierkind bleibt es leider die einzige Weihnachtsfreude, in die Warenhäuser zu gehen und dort die ausgestellten Herrlichkeiten zu bewundern. In diesen modernen Großbetrieben herrscht schon acht Wochen dar dem Fest reges Leben. Da werden die Lager gefüllt, da werden die Herrlichkeiten aufgebaut. Dann kommt das Publikum mit seinen Tausenden von Fragen, die Antwort erheischen. Die Lust in den Räumen wird trotz aller Ventilation immer schlechter, der Trubel immer größer. Und in dieser Atmosphäre stehen junge, blutarme Mädchen, tagauS, tagein, um ge- ringen Lohn zehn bis elf Stunden, bereit, jede Laune des Publikums zu ertragen, jeden Wunsch zu berück- sichtigen. Gehört die Tätigkeit des Verkäufers an sich zu einer der anstrengendsten, so wird sie in den Wochen vor den Festen zu einem Martyrium. Da werden die Mittagspausen auf Vs Stunde beschränkt Vesperpausen gibt'S überhaupt nicht während der Zeit, die Laden-' schlutzzeit ist gesetzlich verlängert und nach Ladenschluß muß noch aufgeräumt werden. Das Personal ist dann 16 Stunden und noch mehr ununterbrochen tätig. Und das nicht einen Tag, sondern tagelang hintereinander. Sehr oft ließe sich diese Ueberanstrengung dadurch verhindern, daß genügend Hilfskräfte engagiert werden. Aber es soll Geld gespart werden und da können sich die Angestellten im »Geschäftsinteresse" zu schänden arbeiten, um dann nach dem Fest entlassen zu werden. Oft aber nutzen selbst Hilfskräfte nichts, weil die Verkaufsräume für diese starken Tage zu klein sind. Aber auch das Publikum trägt ein groß Teil Schuld an diesem Zustand. AuS Gleichgültigkeit machen viele ihre Einkäufe erst in den letzten Tagen, oft sogar erst am sogenannten Heiligabend. Bekommt man erst im letzten Moment Geld in die Finger, so kann man nicht früher kaufen gehen. Es gibt aber genügend Fälle, wo schon 3 bis 4 Wochen vorher Geld vorhanden war, um die nötigen Einkäufe zu machen. Aber gerade Schlipse, Bänder, Handschuhe usw. werden gern in letzter Minute gekauft. Durch etwas mehr Ueber- legung und Einteilung könnten viele Hausfrauen den Trubel der letzten Tage in etwas mindern. Sie haben ja selbst den Vorteil, denn sie werden sorgfältiger bedient und haben eine größere Auswahl. Den Ver- küuferinnen aber ist dadurch wesentlicki geholfen. Wir haben ein persönliches Jntersse daran, sie zu schützen, denn es sind unsere Töchter, die im Ladendienst standen, deren Gesundheit und Arbeits- kraft unser Kapital ist, das wir schützend erhalten müssen. Versammlungen. Soziale Fürsorge bei der„Grasten Berliner". Wie wir bereits in voriger Woche melden konnten, hat die Große Berliner Straßenbahn die Absicht, die Statuten der für ihre Angestellten eingerichteten Ruhegehaltskasse zu ändern. Die Angestellten betrachten diese Aenderungen als ganz enorme Verschlechterungen, die sie mit aller Macht zu bekämpfen gewillt sind. Der Verband der Straßenbahner(Sektion des Deutschen Transportarbeiterverbandes) hatte nach Prüfung der geplanten Aenderungen zum Dienstagabend eine Versammlung der Mit- glieder der Ruhegehaltskasse nach den„Konkordiasälen" einberufen, die äußerst stark auch von Frauen der Angestellten besucht war. Der Sektionsleiter der Straßenbahner, Genosse Riedel, machte über die Einnahmen und Ausgaben der Ruhegehaltskasse folgende statistische Angaben: Ami 31. Dezember 1910 gehörten der Kasse 7486 Mitglieder an, die an Beiträgen 1 004 631,28 M. aufbrachten. Die Gesamteinnahmen der Kasse betrugen 1910 2194 491 M. Nach Abzug aller Ausgaben verblieb ein Jahresüberschuß von 1 049 797 Mark. Der Vermögensbestand belief sich am Ende des Jahres auf 8 989 149,53 M. Im Jahre 1910 bezogen aus der Kasse 397 Pen- sionäre 220 802,51 M. An 100 Witwen wurde 15 431,70 M. gezahlt. Die aufgewendeten Kosten für Heilverfahren betrugen 10 519,13 M. An ausgeschiedene Mitglieder wurden 44 282,15 M. Beiträge zurück- erstattet. Die Berwaltungskosten der Kasse beliefen sich auf 13 797,17 M. Die Gesamtausgaben der Kasse erreichten eine Höhe von 304 332.66 M. An Zinsen vereinnahmte die Kasse im Jahre 1910 338 776,38 M., so daß nach Abzug aller Ausgaben aus den Zinsen noch zirka 34 000 M. Ueberschuß verbleiben. Von den über 1 Million betragenden Beitragseinnahmen brauchte auch noch nicht ein Pfennig verwendet zu werden. Trotz- dem wurde von dem Vorstand der Kasse, dem Generalsekretär Küthe, die Statutenänderung damit begründet, daß die Kasse dem Ruin entgegengehe, weil ihm mitgeteilt worden sei, daß unter den Straßenbahnern die Manie grassiere, sich nach zehnjähriger Tätigkeit pensionieren lassen zu wollen. In Wahrheit handelt es sich darum, daß die Direktion der Großen Berliner darauf bedacht ist, die große Masse der Angestellten, Schaffner, Fahrer, Werkstatt- und Hofarbeiter in ihren Rechten zu schmälern, um den höheren Beamten, Inspektoren, Bahnhofsvorstehern, Bahnmeistern, Fahr- meistern und Kontrolleuren, Vorteile zuzuschanzen. Alle diese höheren Beamten fallen eventuell unter das Privatbeamten-Ver- sicherungsgesetz und soll, um diesen„lieben Kindern" der Direktion zu nützen, das Statut der RuhegehaltSkasse dem Privat- beamten-Versicherungsgesetz angepatzt werden. Jedenfalls kann die angebliche Sucht der Angestellten, sich nach zehnjähriger Dienstzeit pensionieren zu lassen, unter keinen Um- ständen für die Verschlechterungen ausschlaggebend sein. Wenn dreist in jedem Jahre 100 neue Pensionäre ein Ruhegehalt be- zögen, dann könnten trotzdem immer noch die gesamten Beiträge der Mitglieder dem Vermögen resp. dem Reservefonds überwiesen werden, da die Zinsen in jedem Jahre sich um> etwa 45— 48 000 M. steigern werden, somit alle nötigen Ruhegehälter aus den Zinsen gedeckt werden können. Die bisherigen Zustände in der Ruhegehaltskasse sind jedoch der Direktion der Großen Berliner ein Dorn im Auge. Deshalb will die Direktion das Recht haben, selbstherrlich zu bestimmen, wer von den Angestellten Ruhegehalt beziehen soll und wer nicht. Sie bestimmt nach dem neuen Statut, daß ein Angestellter wohl dienstuntauglich, aber nicht erwerbsunfähig ist. Wem aber dieses Prädikat angehestet wird, den expediert die Direktion schleunigst hinaus und drückt ihm ein paar Bettelpfennige in die Hand. Während cS früher den Mitgliedern möglich war, selbst einen Arzt vorzuschlagen, der ihre Erwerbsfähigkeit zu prüfen hatte, soll in Zukunft dieses Recht wegfallen; es soll nur der Vertrauensarzt der Direktion darüber verfugen, ob ein Ange- stellter neben seiner Dienstuntauglichkeit noch 50 oder gar 100 Proz. erwerbsfähig ist. Alle Bestimmungen des neuen Statuts, welches am 1. Dezember bereits in Kraft treten soll, da sich die Direktion die Genehmigung der Behörden schon vorher gesichert hat, ehe das Statut überhaupt von den Delegierten beschlossen wurde, enthalten nichts anderes als Knebelungen der Mitgliederrechte und setzen an deren Stelle die Diktatur der Direktion, die es für recht und billig hält, die Rechte der großen Masse ihrer Angestellten zugunsten einer Minderheit ihrer höheren Beamten zu beschneiden. Die AuSfüh- rungen des Genossen Riedel wurden oft durch Entrüstungsrufe unterstrichen und ernteten am Schlüsse lebhaften Beifall. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heute, am 28. November 1911, in der„Konkordia", Andreasstraße, versammelten Mitglieder der Ruhegehaltskasse der Großen Berliner Straßenbahn erheben energischen Protest gegen die beabsichtigte Verschlechterung der Leistungen der Ruhegehalts- lasse zugunsten einer kleinen Gruppe finanziell bessergestellten Mitglieder. Die Versammelten verlangen vom Vorstand der Ruhegehalts- lasse, daß er noch in letzter Stunde seine Statutenänderung�- Vorschläge, soweit sie darauf hinauslaufen, die Ruhegehaltskasse als Zuschußkasse für die Privatbeamtenversicherung zurechtzu. stutzen und eine Minderung der Rechte der Mitglieder darstellen, zurückzieht. Für den Fall, daß die? nicht geschieht, erwarten die Ver- sammelten von den Delegierten, daß sie im Interesse der Mit- glieder und der Ruhegehaltskasse selbst einmütig eine derartig schwere Verantwortung ablehnen und gegen jede Verschlechterung der Leistungen stimmen." Hus aller Alelt. Funker und„Bruder" Bauer. Bei der Wahlagitation der Konservativen spielt der Bauern- fang eine bedeutende Rolle. In allen Tonarten wird der land- wirtschaftlichen Bevölkerung die Gemeinsamkeit der groß- agrarischen und kleinbäuerlichen Interessen gepriesen, um den Bruder Bauer für konservative Wahlen zu ge« Winnen. Gelegentlich passiert es aber den konservativen Demagogen. Bitten da» Herz SderlZust und fie ihre, wahre SinfchZtzMg dsr bäuerlichen Bevölkerung zum besten geben. So konnte man vor wenigen Tagen in der„Pommerfchcn Tagespost", dem Leiborgan der Agrarier Pommerns, ein„Gedicht" aus der Feder eines Herrn v. L e i t n e r lesen, der einen deutschen Bauern so einschätzt:» Ich bin ein deutscher Bauersmann, Der lesen kaum und schreiben kann; Auch mit dem Rechnen geht'S mir schlecht» Jedoch mein Bub soll's lernen. Mein Haus und Feld, mein Dorf und Tal, Ist meine Erdkund' allzumal, Was über'm Berg man denkt und spricht. Und pflanzt und erntet, weiß ich nicht. Geht erst daS Wählen an im Land, Deucht nicht genug mir mein Verstand: Ich frag' im Schloß, im Pfarrhaus nach, Bin frei zu handeln noch zu schwach. DaS ist der Bauer, wie er den„gnädigen" Herren als Ideal vorschwebt! Hoffentlich sorgt die bäuerliche Bevölkerung am Tage der ReiSstagswahl dafür, daß die Hoffnung der Junker auf die Dummheit der Bauern endgültig zuschanden wird. Hungersnot. AuS vielen Teilen der Herzegowina laufen Berichte über Hungersnot ein. Das Jahr hat nur eine sehr schlechte Ernte in den Haupterzeugnissen Tabak und Zwetschen gebracht. In B i l e k kam es zu einem Zusammen st oß zwischen Gen- darmen und hungerndenBauern. Die mohammedanischen Arbeiter bereiten sich vor, nach der Türkei auszuwandern. Am ver- zweifeltsten ist die Lage der serbischen Bevölkerung, da diese nirgendhin einen SuSweg hat._ Eine Wahlmaschine. Um dem bekannten„dringenden Bedürfnis' entgegenzukommen, hat der amerikanische Erfinder Edison die Konstruktion einer Wahl- Maschine beendet. Edison hat seine Erfindung dem Präfidenten Taft vorgeführt. Die Maschine stellt eine Kombination von Phonograph und Kinematograph dar. Während durch den Phonographen die Rede des Wahlagitators reproduziert wird, gibt der Kinematograph die Gesten des Redners wieder. Wahrschein- lich wird man sich in Amerika während des nächsten Wahlkampfes der neuen Erfindung bedienen. Wie wir aus ganz besonders zuberläsfiger Quelle erfahren, trägt sich auch Herr v. Bethmann Hollweg mit dem Gedanken. einige hundert Stück solcher Wahlagitatoren anzuschaffen. Die Apparate sollen dem deutschen Volke die Züchtigung des ungekrönten König? von Preußen ans Klein-Tschunkawe und der alldeutschen Kriegshetzer gelegentlich der Rkarokkodebatten vor- führen._ Ermordung eines Londoner Zirkusdirettors. Auf seiner Besitzung in E a st F i n ch n e y bei London wurde der in England weit bekannte 84jährige Zirkusdirektor George S a n g e r von einem seiner Angestellten ermordet. Der Mörder drang mit einer Axt und einem Rasiermesser be- w a f f n e t in daS Speisezimmer Saugers ein, versetzte ihm einen wuchtigen Schlag mit der Axt auf den Kopf und floh dann. Als er in der Küche durch einen anderen Angestellten namens Jackson an- gehalten werden sollte, brachte er diesem eine lebensgefähr« liche Verwundung mit dem Rasiermesser am Halse bei. Der Mörder entkam. Sanger hauchte nach vier Stunden schweren Leidens trotz der Bemühungen von drei Aerzten sein Leben auS. Hebung der Sittlichkeit. Eine ganz besonders wirksame Maßregel zur Hebung der Sitt- lichkeit hat nach der„Celler Zeitung" der ehr- und tugendsame Gemeinderat eine? hannoverschen Dorfes beschlossen. Danach sollen die Aufgebote von jungen Paaren, die streng moralisch ge- lebt haben, im Aushangkasten am Gemeindehause des Ortes mit einem Efeukranz mit Rosen geschmückt werden. Endlich einmal eine durchgreifende Maßnahme. Wer überninnot dann aber die Keuschheitsprüfung, und was geschieht mit den Sündigen, bei denen sich trotz der Feigen— Pardon!— Efeu- blätter der Klapperstorch chorzeing anmeldet? Und das kann passieren: denn des Menschen Sinnen und Trachten ist böse von Jugend auf l_ Kleine Notizen. Schweres Unglück auf einem Hochofenwerk. Auf dem Hochofen- werk der Gelsenkirchener Bergwerks-Akliengesellschaft wurden am Mittwoch sieben Arbeiter durch ausströmende Gase betäubt. Einer von ihnen ist bereits gestorben. Immer wieder Erdstöße. Am Dienstag abend 6 Uhr 35 Minuten Wurde in Tübingen ein kräftiger Erdstoß verspürt, der unter der Bevölkerung Aufregung hervorrief, jedoch keinen Schaden an. richtete. Der Erdstoß wurde auch das Nackartal auswärts, im ganzen Bezirk Balingen, im westlichen Hohenzollern und in Ebingen wahrgenommen. Schweres Automobilimglück. In der Nacht zum Mittwoch rannte in E s s e n der Kraftwagen des Fabrikanten Hermann Stein- mann, den dieser selbst steuerte, gegen einen Baum. Die Fahr- gäste, em Büfettier B u ch h o l z und ein Gastwirt Platte, wurden herausgeschleudert und e r l a g e n k u r z d a r a u f i m Kr a n k e n- eFlltJenen Verletzungen. Steinmann selbst bald verhaftet" �tich und suchte zu fliehen, wurde aber ____ Tod. Der Flieger MoSca aus Trieft, der am Oft r1". C n e r Neustadt als Passagier an einem Fluge des Oberleutnants Nittuer teilnahm, wurde bei der Landuna des Flugzeuges aus feinem Sitz 15 Schritte weit fortgeschleudert und blieb sofort t o t. Oberleutnant N> t t n e r wurde verletzt. /Sin/ Cpics Jmmätlf gctlinre MIKslilM. Dönnersillg. 30. November 1911. datz die Firma den Irrtum der„Sozimen Praxis" zu einer neuen Erklärung gegen Hilpmann benutzen werde. Das geschah, und wiederum fand Herr Goldschmidt bereitwilliges Entgegenkommen. Man könnte annehmen, die Redaktion sei ihres Irrtums nicht be- wüßt geworden, aber sie ist vorher darauf aufmerksam gemacht worden. Sofort nach der unrichtigen Wiedergabe der Behauptung Hilpmanns erhielt die„Soziale Praxis" von der Redaktion des „Proletariers" ein Schreiben, das sie auf die sachliche Unrichtigkeit und die zu erwartende Berichtigung des Herrn Goldschmidt auf- merksam machte. Davon sagt die Redaktion nun aber nichts; sie bringt eine lange AuSeinaichersetzung, in der die Bestrafung Hilp- manns mitgeteilt und so der Anschein erweckt wird, als habe H. mit einer Behauptung in der„Sozialen Praxis" geschwindelt. Tinstatt H. vor solchem Verdacht pflichtgemäß zu schützen, rechtfertigt die Re- daktion jetzt gar noch das Vorgehen der Firma als menschlich be- grciflich.— Das Verhalten der„Sozialen Praxis" ist jedenfalls un- begreiflich; es zeigt, wie vorsichtig man auch gegenüber dieser Zeit- schrift sein muß. Im Jahre 1898 waren alle Parteien, einschließlich der National- liberalen und Freikonservativen, mit der Regierung darüber einig, daß eine Abrede, einem bestimmten gewerkschaftlichen oder poli- tischen Verein nicht anzugehören, nichtig ist, weil sie einen Verstoß gegen die guten Sitten enthält. Heute neigt selbst die„Soziale Praxis" zu Beschönigungen an Eingriffen in das Koalitionsrccht. Dir„Gristerscherin" vor dem KaufmannSgcricht. Das Gebiet des Uebersinnlichen streifte eine Verhandlung, die vor der 1. Kammer des Berliner KaufmannsgerichtS stattfand. Klägerin war der weibliche Lehrling Wally B. Das junge Mäd- chen, das gegen seinen Lehrherrn, den Kaufmann G.. auf Zahlung von 39 M. Restgehalt klagte, erschien im Beistand der Mutter, um sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, daß es Krankheit simuliert habe. Der diesen Vorwurf erhebende Prinzipal stützt sich dabei auf die Aussage seiner Buchhalterin T., die Mutter und Tochter zu derselben Zeit auf der Straße getroffen haben will, als Wally an- geblich krank zu Bett lag. Sowohl Frau B. wie ihre Tochter be- streiten ganz entschieden, daß ein derartiges Zusammentreffen stattgefunden haben könne, da das Mädchen den ganzen Tag zu Bett lag. Fräulein T. müsse dann Geister gesehen haben. Die als Zeugin vernommene Buchhalterin bleibt aber dabei, daß sie nicht Geister, sondern die Frau B. und die Tochter Wally leibhaft habe an stch vorbeigehen sehen. Sie schildert sogar genau die Be- klcidung beider Personen, als sie aber erklärt, Frau B. habe eine Markttasche am Arm gehabt, ruft die Mutter der Klägerin triumphierend aus:«Eine Markttasche besitze ich gar nicht." Auch der Vorsitzende wundert sich darüber, daß die Zeugin nicht die Er- schetnunyen von Mutter und Tochter„gestellt" habe. Es sei doch das natürlichste gewesen, daß Frl. T. an Ort und Stelle den Widerspruch zwischen der Entschuldigungskarte und dem Zusammen- treffen auf der Straße zu erklären sich bemüht. Die Zeugin er- widert jedoch sie sei in dem, betreffenden Moment zu konsterniert gewesen, könne aber beschwören, daß sie nicht etwa einer Sinnes- täuschung zum Opfer gefallen sei.. �. Das Kaufmannegericht sah von einer Vereidigung der Zeugin ab und verurteilte den Beklagten zur Zahlung des Restgehalts. Da es um die Zeit, da die Zeugin Frau und Fräulein B. getroffen haben will, schon ganz dunkel ist, so sei die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß die Zeugin sich in den Personen geirrt hat._ Soziales* Der Ausschuß des Berliner KaufmannsgerichtS nahm in seiner Sitzung vom Montag abend zu den Anträgen, welche darauf abzielen, eine Abänderung und Verbesserung des Dienstrcchtes der Handlungsgehilfen herbeizuführen, weiter Stel- lung. Der ß 616 des Burgerli�n Gesetzbuches bestimmt:„Der zur Dienstleistung verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, daß er für eine verhältnismäßig nicht er- ihebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne fem Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird." Die Kaufmannsgerichte sind bei der Auslegung, was erheb- l i ch e Z e i t darstellt, zu den widersprechendsten Urteilen gekommen. Diesem Uebelstande soll folgender Antrag steuern:„Der Gehalts- anspruch des Handlungsgehilfen bis zur Dauer von sechs Wochen im Falle uiwerschuldeten Unglücks darf nicht durch Vertrag auSge- schlössen werden(§ 63 des Handelsgesetzbuches). Ist der Hand- lungsgehilfe durch militärische Dienstleistungen oder andere unver- schuldete, nicht von seiner Entschließung abhängige Ursachen an der Dienstleistung verhindert, so hat er einen Gchaltsanspruch bis zu sechs Wochen." Die bürgerlichen Kaufleutebeisitzer sprachen stch einstimmig gegen den Antrag aus, sie meinten, wenn der Antrag Gesetzeskraft erlangt, würden zahllose kleine Kaufleute eristenzlos. Geschäfte mit einem resp. zwei Gehilfen würden dadurch so stark belastet, daß sie ohne weiteres ihre Geschäfte schließen könnten. Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit S gegen 7 Stimmen(der bürgerlichen Kaufleutebeisitzer) angenommen. Ein weiterer Antrag verlangte: s) Als Mindestkündigungsfrist die sechswöchentliche, diese kann nur für den Schluß eines Kalendervierteljahres aus- gesprochen werden und gilt für alle Geschäfte ohne Unterschied des Gehaltes. b) Bei fristloser Entlassung muh der Grund angegeben werden, der allein verbindlich ist. c) Aushilfsstellen sind nur auf einen Monat zuläsfig. Die Handlungsgehilfen führten hierzu aus, daß in kleinen Städten heute bereits in der Mehrzahl die gesetzliche scchSwöchent- liche Kündigungsfrist eingeführt sei. Eine Ausnahme mochten ledig- lich die Großstädte über 100 000 Einwohner und Berlin. Aber auch hier treffe die Ausnahme in der Hauptsache die Verkaufsange- stellten. Wenn sogar die kleinen Geschäfte in der Provinz die längere Kündigungsfrist eingeführt haben, dann werden die Ge- schäfte in der Großstadt, dadurch auch keinen Schaden erleiden. Bei Entlassungen müsse der Grund angegeben werden, damit nicht, wie heute, wenn der geltend gemachte Entlassungsgrund sich als nicht ausreichend erweist, nachträglich ein anderer Grund für die Beendigung vorgeschoben werde. Die ersten beiden Teil« des Antrages wurden bei der Abstimmung mit 9 gegen 7 Stimmen (wiederum die der bürgerlichen Kaufleutebeisitzer) angenommen, dagegen der Teil c mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der sozial- demokratische Kaufmann enthielt sich der Abstimmung und der Bor- sitzende stimmte mit den bürgerlichen Kaufleuten. So waren acht Stimmen für und acht Stimmen gegen den Antrag. § 629 deS Bürgerlichen Gesetzbuches lautet:„Nach der Kündi- gung eines dauernden Dienswcrhältnisscs hat der Tienstberrch- tigte dem Verpflichteten auf Verlangen angemessene Zeit zum Aus- suchen cincS anderen Dienstverhältnisses zu gewähren." Die Recht- sprcchung hat bielfach auS diesem Wortlaut herausgelesen, die not- wendige Zeit zum Auffuchen einer neuen Stelle sei demjenigen versagt, der ein Probe- oder AuShilfSengagenrent hat. Um dem cnt- gegenzutreten kam folgender Kompromißantrag zustande:„Dem Handlungsgehilfen ist auch dann die erforderliche Zeit sür Be Werbungen zu gewähren, wenn sein Dienstverhältnis kein dauerndes ist, und zwar in diesem Falle wöchentlich bi» zu 10 Stunden. Welche Zeitdauer als angemessen gelten soll bei den- jenigen, welche sich im dauernden DienswcrhöltniS befinden, soll nach wie vor von Fall zu Fall durch die Kausmannsgerichte cnt- schieden werden." Ter Antrag wurde bei Stimmenthaltung von drei bürgerlichen Kaufleutebcisitzern einstimmig angenommen. Hierauf vertagte der Ausschuß seine Verhandlungen bis zum Januar 1012._ Tic objektive und unparteiische„Soziale Praxis". Die„Soziale Praxis" inkliniert immer mehr für die Sozial Politik des Zentrum?— oder ist es umgekehrt? Jedenfalls sind die beiden miteinander zufrieden. Ehrenvoll ist das für oie„Soziale Praxis" jedenfalls nicht. Daß die Ultramontanen ein Vorwärts- kommen auf sozialpolitischem Gebiete durch pfäffische Demagogie erschweren und verhindern, darüber können Zweifel kaum obwalten. Trotzdem hat die schwarze Presse das Vergnügen, die„Soziale Praxis" als Zeugin für die— reaktionäre Wirkung der Sozial- demokratie vorführen zu können. Die genannte Zeitschrift hat nämlich den Ultramontanen nachempfunden, daß die weitgehenden Forderungen der Sozialdemokratie nur den Widerstand der Reaktion stärkten I Nach solcher Logik dürfte man natürlich gar nichts for- dern, dann gäbe es auch keinen Widerstand. Das reizende Spiel zwischen Zentrum und„Soziale Praxis" zeigt sich auch in der Frage des StreikrrchtS der Verkehrs- und Gcnicindearbeiter. Beide find sachlich darin einig, daß den genannten Berufsgruppen das Etreikrccht verwehrt werden müsse. Der innige Konnex zwischen den Ultramontanen und der„sozialen Praxis" scheint bei dieser auch das Verständnis für Unternehmcrschmerzen vertieft zu haben, nicht aber die Objektivität gegenüber freien Gewerkschaften. Ein recht krasses Beispiel dafür erbringt der„Proletarier", das Organ des Fabrtkarbeiterverbandcs. Die Firma Th. Goldschmidt, chemische Fabrik in Essen, hatte durch einen öffentlichen Anschlag ihren Arbeitern bei Androhung per Entlossinifl verboten, Mitalteder des Verbandes der Fabrik- arbeiter zu bleiben oder zu werden. Diesen Ukas hatte die„Soziale Praxis" alz einen Beweis für die mangelhafte Sicherung des Koa- litionsrechtS angeführt. Darauf veröffentlichte sie eine Erklärung des Serrn Goldschmidt. in der rechtfertigend behauptet wird, has Verbot sei erfolgt, weil Hilpmann. der Vertrauensmann des Ver- bandeS der Fabrikarbeiter, „unsere Firma systematisch verleumdet und uns durch Hinaus- weisen unserer Vertreter aus den Versammlungen die Möglich- keit nimmt, die Verleumdungen zu berichtigen." Hilpmann sandte daraufhin der„Sozialen Praxis" eine Er- klärung, in der er u. a. folgendes feststellt: der Vertreter der Firma bat nie. solange er in den Versammlungen geduldet wurde, eine der angeblichen Verleumdungen berichtigt; die Firma hat nie gegen die angeblichen Verleumdungen in den Versammlungen die Gerichts in Anspruch genommen; der Vertreter konnte schließlich mcht mehr geduldet werden, weil die Firma über seine Anwesenheit mit der Ent- Iftpng von Arbeitern quittirrte, die in der Versammlung gesprochen hatten.— Daß nach solchen Erfahrungen die Arbeiter auf die An- Wesenheit eines Firmenvertreters in ihren Versammlungen ver- zichtcten, ist selbstverständlich! Wo werden übrigens Arbeiter zu den Versammlungen der Unternehmer zugelassen? Die„Soziale Praxis" lehnte die Aufnahme dieser Erklärung ab! Ein netter Beweis von Unparteilichkeit! Hilpmann kündigte darauf eventuell eine prehgesetzliche Berichtigung an. Nun U>urde seine Zuschrift auszugsweise, referierend und, vielleicht vcrsebcntltch, in einem Punkte sachlich falsch wiedergegeben. Die"Ä�U,JE Praxis" behauptete nämlich, gegen Hilpmann sei die Firma Gold- schmidt überhaupt noch nie auf dem SUagewege vorgegangen. Tatsächlich ist er als verantwortlicher Redakteur des..Proletarier'. nicht aber als„verleuniderischcr Versammlungsredner" einmal wegen Beleidigung der Firma Goldschmidt bestraft worden. Diese Besirafung erfolgte allerdings erst im Laufe dieses Jahres, während das Verbot vom 19. August 1919 datiert. Trotzdem war zu erwarten. Die KochfchÄlerin vor dem Reichsgericht. Am Dienstag trat wieder der seltene Fall ein, daß daS Reichs- gericht sich mit dem Arbeitsvertrag zu beschäftigen hatte. Es handelte sich um die Frage, ob die Borschriften des 8 618 deS Bür- nerlichcn Gesetzbuches auch auf eine Kochschülerin Anwendung finden. Z 618 verlangt vom Dienstbereckstigten(Unternehmer) Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und zu unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder fetner Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln, daß der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet. Eine Kochschülerin H. war bei einem Gastwirt tätig. Eine» Tages stürzte sie über einen Flaschenkastcn, den der Buffetier im Wege hate stehen lassen, und vergoß dabei eine in der Hand ge- haltene Kanne mit heißem Tee, der ihr zum Teil in daS eine Ohr floß. Sie verbrühte sich dabei derartig den Gehärgang, daß sich eine Operation nötig machte und sie schließlich auf dem verbrühten Ohre taub wurde. DaS Landgericht Düsseldorf billigte ihr die Hälfte des ge- forderten Schadenerfa�eS zu und nahm dabei an, daß ein Teil des Verschuldens den Buffetier treffe, weil er fahrlässig gehandelt hat, als er den Kasten im Wege hat stehen lassen. Für den Buffetier hafte der Beklagte nach 8 831 B. G.-B wegen nicht sorgfältiger Auswahl. Zum anderen Teile fei jedoch die Klägerin selbst schuld, da sie nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit gegangen war. DaS OberlandeSgericht Düssrldorf hat die Klägerin vollständig abge, wiesen. Zur Begründung führte das Oberlandesgericht auS, daß die Klägerin als Kochschülerin nicht Bedienstete deS Beklagten ge- wesen sei. Für das Verschulden deS angestellten Buffetiers sei der Beklagte nicht haftbar zu machen, da er den nach 8 331 B. G.»B. nötigen Entlastungsbeweis erbracht habe und bei der Auswahl eines Angestellten die im Verkehr erforderliche Sorgfalt habe walten lassen. DaS Reichsgericht hat dieses Urteil deS OberlandcSgerichtS aufgehoben und den Anspruch der Klägerin mit Ausnahme des Schmerzensgeldes gleich dem lanbgerichtlichen Urteil zur Hülste i?em Grunde nach als berechtigt anerkannt. Serickts-Teitung. Ein Schutzmann vor dem Schwurgericht. Unter der schweren Beschuldigung des wiederholten AmtSver- brechend und des Betruges stand gestern der Schutzmann Wilhelm Müller auS Schöncberg vor dem Schwurgericht des Landgerichts II unter Vorsitz des LandgerichisdirektorS Zimmermann. Der Auge- klagte ist nach Beendigung seiner Militärzeit bei der Polizciver- waltung in Schöncberg in den Polizeidienst getreten. Er ist ver- heiratet und hat für vier Kinder zu sorgen, und wenn auch seine Frau sehr sparsam wirtschaftet, war Schmalhans häufig Küchen- meister Der Angeklagte ist körperlich schwach und wurde im Revier als Burcanbeamter beschäftigt. Eine Zettlang leistete er stellver- tretungSweise KriminalschutzmannSdienste. Mit Rücksicht auf seine bedrängte Lage hat ihn sein Reviervorstand zweimal besondere Unterstützungsgelder ausgewirkt, auch wurde ihm mehrmals Er- holungöurlaub gewährt. Um weiter zu kommen, trackstete er danach, Wachtmeister zu werden, besuchte mit allem Eifer die Wachtmeister- schule, hatte aber das Unglück, beim Examen durchzufallen. In der letzten Zeit hatte er mit der Bearbeitung der Gesuche um Sck,ankkonzcssionen zu tun, polizeiliche Legitimationskarten auS- zustellen und viele andere Bureaua.oeite» zu verrichten. Der An- geklagte wurde nun beschuldigt und durch die Beweisaufnahme überführt, in fünf Fällen, in denen Schankwirte um Verlängerung der Polizoistunde eingekommen waren und diese ihnen auch gewährt worden war, die Stempelgebühr von den Gastwirten eingezogen aber nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht zu haben."Er hat die von ihm zu führenden Listen zur Verbergung der Straf- taten gefälscht und die zur Sache gehörenden Akten verschwinden lassen. Als die Sache zum Klappen kam, hielt sich der Angeklagte einige Zeitlang verborgen. Bei einer Haussuchung in seiner Woh- nung fand man die fehlenden Akten in einer Kiste, die in einer Ecke der Badestube stand. In den zwei Fällen des Betruges hat der Angeklagte Gastwirte unter falschen Vorspiegelungen zur Hergabe von Darlehen bewogen. Da der Angeklagte behauptet, von den Vorgängen gar keine Erinnerung zu haben und ans dem Untersuchungsgefängnis augenscheinlich bewußt konfuse Briefe air seine Ehefrau und den Anftaltsgeistlichen schickte, so beschäftigten sich die Gerichisärzte Mcdizinalrat Dr. Hoffmann und Dr. Marx mit seinem Geisteszustand. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte zwar ein sehr nervöser Mensch und starker Neurasthe- niker sei, die Voraussetzungen des 8 bi aber nicht vorliegen, sondern der Angeklagte simuliere. Zu derselben Ansicht gelangte Dr. Blume auf Grund seiner sechswöchigen Beobachtung des Angeklagten in Dalldorf. Der Angeklagte äußerte sich gestern zu keinem Anklage- fall, sondern blieb dabei, daß er die Erinnerung an diese Tinge völlig verloren habe. Die Ehefrau des Angeklagten ist der Ucber- zcugung, daß der Angeklagte ein Opfer seiner Aufgeregtheit und Vergeßlichkeit geworden sei und hat die angeblich unterschlagene Summe von 72 M. auf der Polizei abgeliefert unter der Angabe, daß sie das Geld in der Tasche eines Rockes ihres Mannes gefunden habe. Auf Grund des Wahrspruches der Geschworenen wurde der Angeklagte wegen Unterschlagung in 4 Fällen und Urkunden- Vernichtung zu 1 Jahr und 6«Nonatc Gefängnis und Aberkennung des Rechts zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von 3 Jahren verurteilt._ Schwere Anschuldigungen wegen eines angeblichen Gattenmordes brachte gestern der Werkführrr Wilhelm Menzel in einer Vor- Handlung vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II zur Sprache, welche gegen ihn unter Vorsitz des LandgerichtSdirektorv de la Fontaine eine Anklage wegen versuchter Erpressung zu ver- handeln hatte. Im Juli 1909 wurde der sehr wohlhabende Gastwirt und Grundbesitzer Rüden in WünSdorf erhängt aufgefunden. Da R. stets lebenslustig gewesen war und auch keinerlei sonstige Motive zu einem Selbstmorde festgestellt werden konnten, tauchte der Ver- dacht auf, daß die eigene Ehefrau, die kurz vorher von R. zur Universalcrbin eingesetzt worden war, mit dem geheimnisvollen Tode in Verbindung stehe, zumal eS sich ergab, daß R. noch wenige Stunden vor seinem Ableben in fröhlichster Stimmung gezecht und auch schon bestimmte Anweisungen für die folgenden Tage gegeben hatte. Von einem Vetter des Verstorbenen wurde schließlich gegen die Frau R. Anzeige wegen Mordes erstattet, mit der Behauptung, daß sie in Gemeinschaft mit einem Manne, mit dem sie angeblich ein Liebesverhältnis unterhalte, ihren Ehemann be- trunken gemacht, ihm dann einen Strick um den Hals gelegt und ihn erdrosselt habe. Sodann habe man den Strick an cincuc Haken bescstgt, um einen Selbstmord vorzutäuschen.— Diese Anzeige führte zur Einleitung eines Strafverfahrens wegen Mordes, welches aber mangels genügender Anhaltspunite eingestellt werden mußte. Die jetzige Anklage gegen Menzel behauptet nun folgendes: Am zweiten Osterfeiertag o. I. erschien der Angeklagte in der Wohnung der Frau Rüden, nachdem er sich schon vorher brieflicy angemeldet und um ein Darlehen gebeten hatte. Als stch Frau R. weigerte, ihm drei unausgefüllte Wbchselformulare zu unicr-v schreiben, soll er, nach Angabe der Frau R. gedroht haben, sie wegen des Mordes an ihrem Manne anzuzeigen, so daß sie m zwei Stunden geschlossen abgeführt werden würde. Der Angeklagke sei dann von dem Bräutigam der Frau R. hinauSgewiescn worden. Einige Tage später soll der Angeklagte zum zweiten Male bei der Frau R. erschienen sein und die Drohungen wiederholt haben. Hierbei soll er sogar einen Revolver hervorgeholt und den an- wesenden Bräutigam der Frau R. bedroht haben. Vor Gericht bestritt der Angeklagte ganz entschieden erprx»'� rische Absichten gehabt zu haben und behauptete folgendes: Im Frühjahr 1909 sei er auf dem Pferdcmarkt in Weißensee von einem in WünSdorf wohnhaften Verwandten aufgefordert worden, nach WünSdorf zu kommen, da er dort auf einen Schlag 4— 5000 Mark verdienen könne. Er sei dann nach Wilnsdorf gefahren und sei dort mit dem Liebhaber der Frau R. in dem„Deutschen Krug" m Verbindung getreten. Es fei ihm dann vorgeschlagen worden, er solle den Ehemann Rüden betrunken machen und dann aus- hängen, so daß es den Anschein habe, als habe dieser sich selbst aufgehängt. Die weiteren Verhandlungen hätten sich dann in einem besonderen Zimmer in dem Rudcnschen Gasthof abgespielt. Er habe es seinerzeit abgelehnt, sich irgendwie mit dieser Sache zu befassen, habe aber schon damals seiner in Löwcnbruch wohnhaften Cousine von dem ihm gemachten Anerbieten erzählt, die sehr cmpörr darüber gewesen sei. Als er dann von dem plötzlichen Tode des R. Mitteilung erhielt, habe er stch jener Vorgänge erinnert und sich entschlossen die Sache näher aufzuklären und dann der Polizei Mitteilung zu machen. Unter dem Vorwande das Stamm- gut in WünSdorf kaufen zu wollen, habe er sich Eingang bei der Frau R. verschafft. Diese habe dann, als sie ihn erkannte, sicy erst sehr bestürzt gezeigt und ihn dann nochmals zu sich bestell!. Bei dieser zweiten Zusammenkunft sei er von dem anwesenden Bräutigam der Frau R. mit einer Browningpistole bedroht worden, worauf er ebenfalls feinen Revolver gezogen habe. Die beiden hätten dann plötzlich den Spieß umgedreht und ihn, um ihn un- glaubwürdig zu machen, der Erpressung bezichtigt.— Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht stellte den Antrag, die Sache zu vertagen und sowohl die Cousine des Angeklagten, wie auch den Kriminal- kommissar Nasse I�der in dem zurzeit wieder anhängig gemachten Ermittclungsversahrcn gegen die Frau R. tätig sei, und mehrere andere Zeugen zu laden. Das Gericht gab diesem Antrage statt, beschloß aber den Angeklagten, der, falls sich seine Angaben als unrichtig erwiesen, eine hohe Strafe zu gewärtigen jhape, wegen Fluchtverdachts in Untersuchungshaft zu nehmen. Ostelbten rn Bahern. Ein richtiges Junkerstückchen gab Anlaß zu einem Beleidigung'S- Prozeß, der vor dem Schöffengericht Schweinfurt verhandelt wurde. Als Beklagter erschien der Freiherr OSkar v. Münster, preußischer Major a. D. und Majoratöherr in Ellerbach in Nntcrfranken, als Beleidigter der Volksschullchrcr Mantel von dort. Der Majorats- Herr ist Patron der dortigen katholischen Schule und hat als solcher die Baulast am Echulhaus, welcher Verpflichtung er aber sehr mangelhaft nachkam, so daß wiederholt zwischen ihm und dem Lehrer Differenzen entstanden. Die Spannung zwischen beiden artete derart aus, daß der Freiherr dem Gutspersonal untersagte, den Lehrer zu grüßen, und ihn auch mehmalS, mit der Reitpeitsche in der Hand, beschimpfte. Da der Lehrer befürchtete, daß es schließ- lich einmal zu Tätlichkeiten kommen könne, ließ er dem Freiherrn durch den Bürgermeister sagen, in Zukunft werde er Mitgliedern der freiherrlichcn Familie den Zutritt zum Schulhause nur noch in Begleitung des Bürgermeisters gestatten. Als dann dem Patronat vom Bezirksamt die Auflage gemacht wurde, verschiedene Bau- arbeiten im Schulhause ausführen zu lassen, schickte der Freiherr die Handwerker während des Schulunterrichts, der Lehrer aber erklärte, daß er die Räume erst nach dessen Beendigung zur Ver- fügung stellen werde. Als dies dem Herrn v. Münster gemeldet wurde, geriet sein blaues Blut so ungeheuer in Wallung, daß er auf der Schloßterrasse schrie:„Der Hund, der Sauhund, haut ihn in die Fresse! Ter Kerl gehört übergelegt und auögehauen, dast ihm der A..>- kracht!" Am gleichen Tage schickte er an das Bezirksamt Schwcinfurt ein Schreiben, worin er unter beleidigenden Ausfällen aus den Lehrer dessen„energische Maßregelung" forderte. , Ter Bczirksamtmann beantwortete diese Zumutung durch einen � Strafantrag, den er als vorgesetzte Behörde des Lehrers gegen den feudalen Schulpatron stellte. Dieser wurde zu 159 M. Geldstrafe und zu den Kosten verurteilt. Außerdem wird das Urjeil ö Tage lang an der Amtstafel in Euerbach angeschlagen, Cbeaten Do«ner»tag,80.NovemSer!SN: Anfang VI, Uhr. K. epcrnlmuS. Der RofenkabaNer St. Tchanspielhaus. Die OuitzowS. Deutsches. Turandot. -Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellnng. ZirkuS Tchumann. Gala«Vor- stcllung. Anfvng S Mr. Urania. Dandenstrafte 48/4S. Von Meran zum Ortler. Sammerspiele. Dir Kassette. Berliner. Die Ahnciigalerie. Lessing. Glaube und Heimat. Romische Cpcr. Der Freischütz. Neues Schauspielhaus. M- Heidelberg. NeneS. DaS Mädel von Moni- martre. Residenz. Ein Walzer von Thopw. NeneS Operette«. Die moderne Eva. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Eltzler. Hocken- ioS. Schiller v. Wilhelm Tell. Sch«ne--Tliarlottenvurg. Madame SanS-Gsne, Friedr.- Wtlh. Schauspielhaus. Kean. Königgrötzer Strafte. Spielereim einer Kaiserin. Rose. Die Barbaren. «ietrovot. Die Nacht von Berlin. Westen. Die Dame in Rot. LustsPielhauS. Die Vergnügung«- reise. Drianon. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Baroncsse Ciaire. Casino. Der selige Hollschinslh. älliaU«. Spezialitäten. Baiiage. Svezialitätcn. Herrnseld. Schmerzlose Behandlung. DaS Kind der Firma. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsdalle». Stettiuer Sänger. Kiinigstadt-Kafino. Spezialitäten. Ansang 8'/« Ahr. Rene» K. Operntheater. Ge- ttolics Gapriee. Kobi Krach. Nr. l». Walhalla. Teusel, da« hat einge- Urania, Wissenschaftliches Theater. 8 Uhrs Von Heran znm Order. Frledrlch-'H iniclniNtÜdt. Scbansplelhana. snht: Kean. Gastspiel Ferdinand Bonn. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Heute 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank In 3 Mi. v. Köroul u. Barrä. Für die deutsche Bühne beardeitet von Bolten-BacckerS. Noart. Die Geher-Wallh. Botgt. Ehrliche Arbeit. Slnsang 8'/, lchr. Neues BolkSthcater. Geographie und Liebe. Belle> Alliance. Narrmspiel. Jntimcö. Der Lraiidstister. '.' Sternwarte, Jnvalibmstr. 57—82. Kaiser-Panorama. Wanderung in den Salzburger Alpen. Reise in Palästina. •Scli»ler-Tliealer0.1S: Donnerstag, abends 8 Uhr: WUielm Teil. |•»* Freuag, abends 8 Uhr: Maskerade. Eonnabend, abends 8 Uhrt Don Carlos. Sonnlag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des TartUlf. Sehilfer-fbealer Donnerstag, abends 8 Uhr: Madame Srins-Geno. Freitag, abends 8 lchr: Don Carlos. Sonnabend, nachm. 3'/, Uhr: krtor krieSricb ron tlomborg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Madame Hlans-G£ae. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 Uhr Zpisleselsn sikisi Kslsöllil. Neues Theater. NbendS 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Crevclie: Crlt?.i Massar?'. Somit. 3>/. Uhr: vor tiiiolo 8ausr. bleues Itöoigl. Opern-f lieater. Heute'/a9 Uhr: GeSpEflSter. Abonnements-Vorstellung. _ Gastspiel Rosa Bertens. Ibester des Westens. Nachmittags 4 Uhr: Max und Morty. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Sonnt. 3'/. Uhr: Ein Walzertraum. Luisen-Theater. Donnerstag und Freitag 8 Uhr: Karonesse Llalre. Sonnabend nachm. 4 lchr: Max und Morin. .Beile- Alliance-Theater. Heute abend 8'/» Uhr: Xarrenspiel.'VB isonnabend nachniittaas 4 Uhr: Aschenbrödel. OSE-THEATEI Große Frantsurter Str. 132. AbendS 3 lchr: Die Darbare«. Lustspiel in 4 AN-n v. H. Stovitzer. Freitag: Die Barbare». Eonnabend nachm. 4 Uhr: 1001 Nacht. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Die gröftte Liebe.—(Der Lumpenpaftor.) Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevu« in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Abend« 8 Uhr: Letzter Tag de» römische« Programm». Morgen Freitag 8 Uhr: Vollständig neues Programm. 3 Uhr: Harry Waiden in Brettlkiintg. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Das beste Programm der Bertiner Virfeti-Salten I Ciaire Waldoff mit neuen Schlagern. Menö Telepat. Phänome. The Black cats engl. Backflsch-Ens. ond die 10 eiansenden Tarletd-Aammern. Prage-Mpiiin. Mar noch harze Zoltt Die himmlischen Zwillinge Lebend zu sehen! Ohne ExtraoEntree. Frledrlchstr. 105. Corso-Vadet�. Grote SeheniwBrdlgkeii Berlins. Der sprechende Ueberhand. O Zanbervorstellnng. Q Zwei Borftellungea. Entree 50 Pf. Trianon-Theater. Täglich abend; 8 Uqr: Hvta valdy. Sonntag nachm. 8 Uhr: krsuclllon. Voigt-Theater. Gestmdbrunnen vadltraße 58. Heute: Gastspiel in M\mm Theater, IttÄ? Ehrliche Arbeit. Volksflück mit Ges. in 5 Bildern von Heinrich Wstken. Musik von Bial und Holländer. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anj.Lst, Uhr. Le85i«g-7k8ster Björnson: �Venn aer Junge Wein blüht. Thalia-Theater John Galsworthy: Oer WMM ilbendahteilungen Jerschke: Büxl. Neues Sctiauspielhaus Lessing: Nathan der Weise Besidenz-Theater Emil Angler; Die arme Lüwin. Kermfeld-Theater Wied; »xS-F. KBBT" Far di# �»ebinlttags Mitglieder sind UBÄN In den Abendabteilungsn an den Montagabenden im Neuen Scbansplelhanse Karten a Mk. I.SO zu haben. Z5 Neu© Mitglieder �"iS allen Zahlstellen melden für die K ach mit tag n- nnd Abendabtellongen. 242/2 Der Torstand. I. V.: 8. Winkler. WINTER-VELODROM SPORTPALAST Potsdamer Sfr. 72. Donnerstag, den 30. Novembers :: Sensation des Tages:: Match in drei Lflufen Ellegaard-Stol-Holfmanii und andere Internationale Radrennen. BV Boginn 8'/» Cbr abends.-WG Eis-Arena. Von 10 Uhr»n geöffnet. BOP STachmlttags: VU JÄllitär- Konzert. Um 51/. 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Der Streit richtet sich nicht gegen die Meister, sondern gegen die Unternehmer und ist gemeinsam mit den Meistern zu führen. Die Streikenden haben sich täglich zweimal in solaende« Lokalen in der Zeit von vormittags g— 11 Uhr und nachmittags von 3— S Uhr zu melden: WeeMlng: bei Preperna», Pasewalker Str. 2. Amt Moabit S82S, Cieernndbrnnnen: Franz Bähr» Badstr. 44, Amt Moabit 2448, Korden: Swinemünder Str. 42, Swinemünder GesellschaftShaus, Amt Norden 4376, ZVorcken: Grunze, Schönhauser Allee 136, Amt Norden 1139, Atardoeten: Rosenberg. Langenbeckstr. 1, Amt KSntgftadt 4356, Outen: Germaniabranerei, Franks. Allee 53, Amt KSntgftadt 6596, Outen: Krugmann. KI. AndrraSstr. 10, Amt Königstadt 11031, Südosten: Manzei, Reichend erger Str. 16, Amt Mori�platz 11724, Zentnun: Wegcner, Sehdelstr. 30, Amt Zentrum 9248, 'Westen und Schöneberg: Rickert, Steimnetzstr. 36a, Amt Lützow 6726, Oharlottenbnrg: Satt, Srolmannstr. 51, Amt Chariottendurg 9596, Moabit: Schröder, Stromstr. 96, Amt Moabit 7658, 106/5 Blxdorf: Kockegei, Zieuterstr 62, Amt Rixdors 903. Als Ausweis, da st jeder sich Meldende auch bis dato in Arbeit gestanden hat, gilt der letzte Lohnzettel oder das Krantenkaffenbuch. _ Di« OrtSverwaltnng. Wer Verwaltung Berlin. MWew-NechullnIlliigkil: Tischler� Bezirk Schöaeberg. Tounerstag, den 30. Stovember, abends SV« Uhr, Neue Rathaussäle w Schöneberg,Martin-Luther-Ttr.«0. Tagesordnung: 93/5 1. Bericht von den beiden letzten Generalversammlungen. 2. Beschlutz- sassung über Abhaltung eweS WwtervergnügenS. 3. VerbandSangelegeuhetten. r und verwandter Berufsgenossen Zahlstelle Berlin. VeschistSstelle: 0. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Aorten, 4618 Sonntag, den S Oesember 1911, vormittags' ,10 Uhr, im Oewerhsctaaftshaas, großer Saal: Mitglieder-Versammlung Die Reichsverficherungsordnung. S%S$.: sekretär Genosse Peterhansel. PerbandSangelegenhetten. Es ist Pflicht einet jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. 44/20*_ Die Ortsverwaltnng. Zeitnngs Ausgabestellen und Jnseraten-Annahme. Zentram: Albert H a h n i I ch. Augnststr. 50, Tingang Joachim ftratze. S. Wablhrels,\V.: Tust. Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. . S. und SW.: Hermann Werner. Gneisenoustr. 72. 8. Wahlkreis: St. Fritz. Priiizenstr. 3t. Hos rechts pari. d. Wahlkreis: Dil e n: Robert Wengels, Gr. Frantjurterftr. 120. — Richard H a ck c l b u j ch. PelerSburgerblatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul B ö b in, Laufttzervlatz 14/15. K. Waklkreln: Leo Zucht, Jmmanuellirchstr. 12(Hof). v. Wahlkreis(Moabit): Kmi Anders, Salzwedelerstr. 9. Wedding: I. Höntich. Nazar-lhkirchstratze 49. Bosentbaler und Oranlenbnrger Vorstadt! Wilhelm Naumann, RhcinSbergerstr. 67, Laden. Gesnndbrnnnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. webönbanmor Vorstadt: Karl MarS, GretfenhagCN« Str. 27. chdlersbor: Kar! Schwarzlose, Hoffmannftr. 9. Alt-Olienioke: Wilhelm Dürre. Köpenickerftr. 6. Ilaunischnlenweg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13,1. Bernan, Kiintgcntal, Zepernick, Schönow und Schön. brück: Heinrich B r o s e, Mühlenstr. 5, Laden. Wobnsdorr und Falkcnbcrg: Alois Lauf, Bohnsdorf, Ge» nossenschoslShauS»Paradies*.. � Obarlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Selenhetmerstratze t Blcbwalde: Oskar Mahle, Stubemauchftr. 93. F.rkncr: Ernst H o j j m a n n. Friedrichshagener Chaussee. Frcdersdort-Fctersbagcn: E. H o j e l b a r t h. PeterShage«. Frledenan.UtegNt-.»üdcnde-Ore>n-l.lcbtereelde-l-anlr. wlts: H. Lern,--. Als-iiftr. 5 in Sieglitz.. Frledrlcbsbagcn: Ernst Wertmann, itvpentcker Straße 18. «rünan: Franz Klein. Friedrichstr. l0. �. »lobannlst bal: P i e I i ck e. Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Ii nrlsborst: Richard K ü i e r. Siädelllr. 9, ll. liöntgs-Wnsterbanscn: Friedrich B a u m a n N, Bahnhvsstr. 13. Itöpcnlck: Emil W i tz I e r. Kietzerstr. 6. Laden. K,1cl>tenberg, Frlcdrlcbsrcldc. Bohenscböabaasea: Ltio Seilet, Warleicheroslratze 1(Laden). � � Bahlsdorf, Kanlsdorf: P. H e tz b« r g, Kamsdorf, Ferdinand. stratze 17. INariendorr: August L«ip. Ehausieeftr. 296. Hos. Martcnreldc: Emil W« i n e r t. Dorsstr. 14. lVoncnbagen: Gustav Ley, Wolterftratze. Icdcr-Wcbvnewelde: Gehrt, Britzerstr. 6. Xowawes: Wilhelm J a v p e. Friedrichstr. 7...._ Obor-Schönewelde:«(Ifreb Bader. Wilhelmwenhomr. 17 n. Fankow-Xlcderschönhmisen: Ritz mann, Mühlenstr. 30. Beinlckcndorf- Ost, SVilhelmsrnh und Schünholi: P. G u r I ch. Provinzstr. 56, Ladem � Blxdorf: W. H e i n r i ch. Neckarslr. 2, im Laden: Rohr. Slegsried- stras« 28�29. Bnmnielsbnrg, Boxbagen:A. Rosenkranz. Mt-Dorbazen»6. biebönehorg: Wlbelm B ä u m I e r. Martin Lutherstr. 69. tmLadem Upandan, Nonncndamm, Staaken, Seegefeld und Falkcnhagcn: Koppen. Breiteltr. 64. Vegel, Borsigwalde, Wltteaan, Waldrnannslnst, Ilcrmsdorf und Nelnlekendorf- West: Paul ßitnaff, Borsigwalde. Räujchstratze 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow. Berliner Str. 16. Ternpelbof: Frantz, Berliner Stratze 76, Laden. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzstratze 412. Laden. H4 ciltensee: K. Fuhrmann,«cdanstr. 105, parterre. Wilmcrsdorf-Halonsce-Scbniargendorf: P-nl Schubert, ZZihelmsaue 26. Edithen, Allersdorf: Ernst Hütt ig. Zeuthen, Dorsstr. 15. «äuuliche Parteilitcratur sowie alle willeiischaftlichen Werte werden gestesert. Freitag, deu 1. Dezember 1011, abends« Uhr, im Gewerkschaftshause. Engelufer 13, großer Saal: Allgemeine Mtglleäer-Verlammlung. Tagesordnung: 1. Sie Bedeutung der nächste« Reichstagswahlen für die modernen Gewerkschaften. Reserent: Genosse Redakteur Diinmig. 2. Tarisangelegenheitc». 3. Verschiedenes. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen, zu er- scheinen.__ Ter Vorstand. 4i5�gn�*>'S!rt>dnK.....•■-••-•s'-v.i-i-. . i.'1■*l- t'''M'.'•"""'"st.. 11 H. Esders& Dyckhoff GertraudlenstraBe 8/9 sn der Pofcrikirche der Petrikirche KnahenhleidiitiB Einen yroBen Posten Winter-Loden-ioppen 7.io 9.00 12.50 17.oo.°. Einzelne Hosen Moderne Westen 3.50 4.50 5.26 8.00 8.50 9.00 2.75 8.60 4.50 5.50. Uhr ZZSS333ÖSZ Mein Kind, vergiß nie den„HCKOB'S Denn sonst kommt Dir das Loben So ungeputat und schmutzig vor, „Glanz kann„Humor" nur geben". Humor Putzt alle Metalle sauber und geruchlos. Deberall zu haben in FlclSOllOn von 18 PI. an. Hnmor-Werkc G. m. b. H., Berlin-Lichtenberg. Pracht-Säle Alt-Berlin BlnmenstraBc 10\'cbcn dem Residenz-Theater VersammSungssäle des Ostens. Im neuerbanten Theater-Saal täglich: 6211,' Konzert, Theater and Spezialitäten. SpottbM. Vorderw. m. Zub. Cht- n. ZweIz.,Wu. 29 M. Steglitz, Herderslr. 5. 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Läden in den verschiedenen Stadtteilen. 19 Schaufensler Brosshs Spielwarengeschäft dsrWeft-' riopea-fabrili' ZjnelitztzrtZ-ddkit' Bernhard Keilich f llill ihde hkiW tki«»YstEI tzäxh" »VMWMWWMH All die Arbeiter mb Arbeitemm der Mckliinbllßne! Donnerstag, den 3V. November 101t, abends 8 Uhr, finden für «llt Arbeiter mid Arbeitcriititell, welche bei Firmen arbeiten, die als Mitglieder des Verbandes Kerliner Metatlindnßrieller in Ketracht kämmen, in folgende» Lokalen statt. UersammUmgen Kockbrauerei, Chaussekstr. 64, Kachon, Miillerstr. 136. Köslwer Hof, Köslwrr Str. 8. Pharus-Kal-, Müllerßr. 142(beide Säle). Frankes Festsäle, Kndftr. 19. Kornsfia-Käle, Alkerjir. 6/7. Uoigt-T�eater, Kadstr. 38. Wchkorn-Käle, Eichbornjtr. 66 in Reinickendorf. Sorstgnmlder Festsale, Korsigwalde. Armininshallen, Kremer Str. 76/71. Vergnügungspark, Tegeler Weg 74/73. Schweizer Garten, Friedrichshain 29/36. Glysinm, Landsberger Allee 46. Koekers Festsäle, Weberstr. 17. Andreas-Festsäle, Aildrellöflr. 21. Mörners Festsäle, Koppenstr. 29, früher Keller. Fitstns Festsäle, Memeler Str. 67. Prachsäle des Ostens, Frankfurter Allee 132. Markgrafen säle, Markgrafendamm 34. Drachenknrg, Dar dem Schleslscheu Tor 2. Urania, Mrangeljtr. 16. Hellers Uene Philharmonie, KöptNllkerStr.96. Serchts Festfäle, Kitterstr. 73. Gliestngs Festsäle, Waffertorstr. 68. Dräsels Festsäle, Uene Friedririjflr. 35. Englischer Garten, Aleianderstr. 27 e. Sophiensäle, Sophienstr. 17/18(kleiner Saal). Oeffs Festsäle, Sauptsir. 5, Schöneberg. Oesellschaftshans d. Westens, Hanptttr. 36/31. Uene Uathanssäle, Martjn-Lntherstr. 69. Oberschöneweide: Mörners Slumengarten, Mestendstr. 24. Wildau: Mildaner Hof, Schumann. Lichtenberg: Paul Schwarz, Miillkndorffjtr. 23. Weißensee: Prälaten, Fehderstr. 122. Tempelhof: Wilhelmsgarten, Kerliver Str. 9. Rixdorf: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Hennigsdorf: Srose. Charlottenburg: UolKshaus, Roßnenstr. 3 Spandau: Tivoli(Borchert), Seeburgn Str. 26. Tegel: Trapps Festsäle, Sahnhofstr. 1. Königshof, Kulowstr. 37/46. J» f)tx Kronen-Dranerei, Alt-Msabit 48, fin*tt ie eiTnbV5�"m™,f?n,r®"m 4 m\ In Hennigsdorf findet die Versammlung bei Krofe um 6 Uhr statt. Tagesordnung: . 1. Bericht über die gegenwärtige Situation in der Metallindustrie. 2. Diskusston. Kollegen und Kolleginnen! Es ist Zhre Pflicht, für einen zahlreichen Berfammlnngsbesnch Erscheint in Massen! 152/4 zu sorgen. Niemand darf fehlen! Das Zentralkomitee. I. A.: Adolf Cohen, CharttSstr. 3. IIS. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom»9. November 1911, vormittag», Vu die Qevrlnne Uber 140 Mark elnd den betreSanden Nummern In Klammern beigefügt, Dl» Gewinne fallen auf die bezeichneten Lote beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 169 TS[3000] 203 61 910 421 523 1113 33 409 680 704 873 8036 373[3000] 422 641 610 764 950 3195 267 81 660 630 5 7 799 633 96 933 4323 682 6TB 759 800 8089 300 62 308 29 66 841[600] 776 961 8018 87 305 949 1600J 7035 33 77 III 288 302 425 63 623 95[500] 968 8074 118 97 256 81 050 928 44 68 BOBO 208 351[1000] 428 638 810 823 994' 10205 7 58 99 305 88 432 24 38 684 738 83 11098 67 208 78 385 470 539 45 62 898 700 825 60 12019 45 08[600] 205 60[30001 484 541 693 704 886 979 13079 239[1000] 382 93 400 62 632 63 768 911 14083 143[500] 225 28 351 614 42 721 79 878 983 15310 533 707 19 918[1000] 18110 79 637 43 713 812 958 84 17035 97 161 290 301 410 28 638 718 58 80 18072 210 469 83 699 784 55 971 19057[600] 64 272 418 82 78 544[3000] 98 757 833 60 74 BIT 20178 205 77 314 540 084 768 88 811 17 90 972 21007 35 271 98 473 813 770 829 942 98 22069 130 202 469 94 638 711 66 826 23072 80 442 86[1000] 640[30001 812 03 75 720 72 804 9 24007 39 65 103 65 278 300 739 25048 63 89 93 137 268 487 613 28 883 86 907 26040(1000] 129 231 78 600 30[500] 848 712[500] 15 836 70 941 69 27040[500] 209 497 604 78 669 894 25143 74 230 97 466 945 29189 203 363 418 27 95 500 636 37 93 827 54 901 30111[500] 268 718 90 871 939 63 31244 422 94 689 848 078[3000] 32078 263 814 601 7 24 73 863 94 910 89 33140 219 64[500] 73 604 77 83[3000] 679 791 063 34162 270 310 418 607 39[600] 608 713 835 45 59 957 35028 157 80 245 65 722 850 941 36122 365 68 93 428 629 856 37072[1000] 112 29 47 60 360 524 633 784 870 949 38074[500] 127 79 309 32 55 432 64 800 49 53 839 48 39024 107[800] 27[1000] 47 TS[600] 888 338 401 628 617 48057 283 448 683[3000] 790[500] 917 36[600] 49 73 41117 22 13000] 92[3000] 230 308 457 610 24 49 671 938(500) 66 42017[3000] 71 208 697 704 92 94 915 68 48132 317 62 476 99 506 697 719 74 44055 163 420 66 675 613[1000] 703 930 4 5008 28 (6001 164 84 423 716 46047 86 260 90 335 415[800] 79 585 918 67 80 47071 287 509 61 90 676 737 62 71 93 875 48076 335 49 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Ziehung 5. KI. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom S9. November 1911, nachmlltage. Kur die Gewinn« Uber:ta Hark elnd den betreDenden Nummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezelebneten Los« beider Abteilungen. (Ohn« Gewähr.))(Nachdruck verboten.) 9 298[600] 691 437[600] 723 800 64 67 986 1009 16 257[1000] 477 667 626[3000] 791 826[800] 964 2029 444 91 636[600] 702 619 966 3047 144 280 418 529 709 619 91 4267[600] 318 52 498 626 634 800 8226 80[600] 619 21 630[600] 78 983 6088 429 73 630 02 684[600] 841 82 010[600] 74 87[600] 7088 117[30001 86 262[1000] 864 423 28 816 702 10 864 928 80 8082 1dl 236 96 857 407 674 930 9003 12 196 282 86 313 450 617 712 82 67 68 698 19021 119 389 839[600! 88 767 87 991 11044 (9000) 107 8 29 63(30001 213 610 84 670 774 897 12049 123(1000) 237 76 343 461 617 816 738 02 874 968 66(500) 71 13342 422 67 69 523 610 778 14067 137 288 317 77 436 68 740[3000] 819 88 16083 183 286 356 601 39 90 760 851 19103 71 268 657 661 71 898 17362 93 406 73 80 584 18151 418 602 10 791 987 19174 231 363 434 877 780 960 20219 63 362 639 761 923 21090 238 389 478 626 764 71 98 918 22029 236 324 451[1000] 89 609 729 822 930 79 23068 190 1500] 211 460 615 24 689 UOOO] 815 21 903 27 2 4000 148 UOOO] 270 342 60 (600] 498 611 63 90 818 84 947 25069 III 94 405 723 89 2 9005 163 663 97 766 2 7112(500) 313[1000] 406 68 93 600 07 684 723 45 969 29283 395 692 768 972 29028 211 38"6 314 464[600] 519 89 95 643 39176[1000] 99 306 867 77 828 49 31209 65 393 400 850 713 18 61 69 32017 65 184 458 807 11000] 931 41 61 33051 210 30 359 436 666 18000] 83 848 65 911 34094 202 609 669 640[1800] 997[1000] 35040 277[600] 97 319 483 537 75 635[1000] 705 981 38039 103 79 319 466 78 32 619 69 644 735 800 3 7120 244 388 1600] 485 650 882 3 6051 207 485 613 39 647 85 807 39086 94 160 204 351 96 488 660 712 864 923 49080 227 495 544 68 84[606] 824[500] 68[600] 963 83 41002 102 16 62 96 362 439 633 62 616 19 73 719 26 847 60 42283 329 67 812 13 92 730 SO 921 43024 230 640 704 13 907 4 4110 46 237[608] 62 441 64 628 653 70 39 782 338 BIO 42 45042 62 103 216 34 81 436 60 653 709 816 66 48444 671 UOOO) 686 47042 109 10 67 94 219 70 83 416 73 626 45 628 93 878 88 48005 49 97 298 344 416 555 723 65 856 097 49163 70 429 748 900 01 59108[600] 25 27[30001 55 201 348 447[1000] 687 748 47 81037 390 43 415 66 699 685 792 842 88 [600] 925 53 80 52229 458 53119 44 290[500] 442 637[8000] 881 919 54044 231 606 18 807 66 55001 0 132 292 485 655 644 812 63(500) 75 56081 121 48 (30001 702 44 UOOO) 914 15001 5/080[1000] 168 305 18 484 802 900 71 58016 UOOO] 61[500] 169 95 427 13000) 41 708 823 5 9 072 172 11000] 202 826 400 523 57 68[1000] 833[600) 743 82 825 923 87 69043 864 464 569 625 807 908 91029 974 478 BIS 33 71(SOOJ 787 Be i 901 24 48 62039>600] 98 174 216 23 77 303 16 83 428 50[500] 99 645 994 «3049 541 794 883 924 94108 86 102 25 37 48 625 34 687 732 60 040[3000] 65033 282 462 688[30001 892 953 80 84«U013[600] 317 96 416(6001 617 732 71 924 67437 99 640 705 941 68051 225 375 467 78 502 841 986«9041 53 211 392 833 998 79270 71 93[500] 334 81 408 89[600] 698 809 783 819 61 88 023 71083[8000] 161 314 33 85 46 79 92 472 608 81 713 847 13000] 912 31 72100 09 244 68 431 78 628 68 04 731 817 78103 44 204 303 71 413 863 923 80 74077[10001 15. 82 247 617 637 50 78[600! 740 38 1600] 983 25250 306 42[80091 487 UOOO] 786[1000] 903[600] 76276 343 01 84 73 78 607 48 60[600] 787»16 99 77000 39 84 III 81 303 453 63 99 637 615[3000 1 727 39 864 074 78250 380 [5001 462 653 1600] 629 801 37[3000] 57 002 18 43 62 13000] 83>9072 121 29 UOOO] 203[3000] 85 367 412 621[600] 785[1000] 945 89046 04 281[10001 SOS 60 63 614[1000] 43[500] 827 740[6001 42 913 81198 318 99 458[600] 801 67 835 98 BU 82022 74 133 68[1000] 268 402 94[500] 838 83251 429 79[8000] 613 30 89 681 767[500] 809 011 84831 735[600] 819 95 98 947 85015 47 76 93 143 88 264 823 763 68 848 998 88222 83[580] 416 628 78 633 762 13000] 61 837 970[600] 87065 71 211 473 831 846 8 8071 169 249 320 681 644 832 88 8 8015 eo 126 61 301 404 46 71 820 824 78 99718 81 661 81 900[1000] 91100 73 388 464 94 fea 71 92098 690 626 738 870 83100 16 860[3000] 88 608 34 806 986[6081 94249 67 347 TT 726 835 67S 95115 23 232 37 434 96125 211 72 470 633[500] 657 362 963 39 95 97000 10 26 76 181 90 263 433 50 88 639 612 68 966 96 89005 102 250 404 20 48 69 80 848 752 821 48 946 99140 413 616 816 748 872 030 190548 64 647 85 84 726 807 945 101232 48 457 628 91 831 918 1 92028 84 199 337 870 718 1 03291 810 479(3000' 648 787 819[500] 44 194025 61 211 47 363 419 36 620 916 60 105133 428 731 930 49 108075 87 162 209 461 696 619 818 75 107097 132 201 49 59 343 44 402 81 642 44 83 864 798 848 91 948 1OB026 387 418 607 76 862 109148 65 237 824 631 697 782 972[600] 110033 104 866 902 13 111118 31 463 808 719 87 001 28 112144 233 488 630 81 809 113011 83 [1000] 90 471 588 770 830 114079 80 216 37 417 38 [600] 613 869 94 98 115100 31 90 319 404 642 817 93 634 116021 123 48[600] 394[8000] 674[600] 117100 11 330 UOOO] 381 402 4 614 25 91 635 700 27 BIS 914 67 118012 186 96 224 03 315 461 87 783 872 119091 223 94 317 38[600] 416[600] 607[3000] 67 80 738 819 97[600] 905 49 68 120381 88[1000] 630 56 87 707 121187«44 78 307 03 605 636 727 79 892 035 49 65 68 121404 27 34 566 699 987 123103 81 06 462 600 616 775 939 124 134 7 1 7 7 210 60 83 442 43 8 1 616 849 7 02 83 869 904 29 76 125017 144 46 222 398 681 815 76 89 815[600] 80 126025[3000] 69 99 723 31 TO 971(600] 127016 146 367 91 558 71[1000] 82 605 959 1 28043 269 98 611 703 5 995 129124[600] 266 640 46 625 908 60 139020 34 92 197[600] 868 88 883 778 999 131341 828 77 732 813 33 941[600] 132041 49 180 227 429 76 133096 168 280[500] 303 604 28 633 35 38 716 35 134201 78 480 523 768 832 909 71 81 135027 45[1000] 68[1000] 181 899 538 71 90 13S215 381 84 692 771[3000] 947 1 3 7018 41 137 212 492 627 93 800 912 19 63 138009 608 709[600] 22 76 928 139246 51[600], 411 74 98 560 855 769 90 624 140008 25[500] 73 140 220 69 422 882 881 798 71 867 141181 212 28 70 304 472 604 68 729 69 623 948 142036 287 613 641[800] 869 1 43020 11000] 201 6 69 340 441 96[3000] 601 IT«8 63 707 87 67 833 [500] 963 144035 178 218 93 393 462 98 97 908 145593[1000] 863 146074 890 446 672»40(600] 45 [1000] 147102 81 478 641 716 78 883[600] 064 97 148339[1000] 69 416[1000] 612 17 74 752 021 149137 41 44 313 81 635 76 616 1600] 26 75 903 159094 164 83 92 323 863 946[690] 15 1 000 6 [600] 63 472 85 676 600 769 931 152448[600] 634 703 860[1000] 908 11 11000] 153122 229 410 69 539 43 650 978 1 64041[1000] 43 181 212 69 458 03 701 33 «2 84 98 884 923 1 55158 318[3000] 71 91 900 156038 61 207 27 35[600] 363[3000] 472 644 1500] 80 83 1S7U36 284 400 513 69>3.00] 729 4?[500] 1580ZB 128[500] 70 68 Ol 230 817 613 80 808 8 18 77 I584M 675 ie01T2 90 389 456 819 894 977[600] 181107 [1000] 21 208 469 11000] 003 070 89[500] 1B2023 94 497 634 49 840 908 89 168570[1000] 79 726 51 039 164150 601 41 64 672 746 195106 246 97 344 68 635 639[3000] 53 839 83 907 38 ie[1000] 166100 8 317 09[3000] 450 662 652 734 63 804 63 984 167057 125 42 442 677 64 733 96 820 21 2» 168020 179 85 213 74[1000] 499 043[500] 704 23 93[500] 650 169117 294 360 71 400 UOOO] 800 871 90 179073 190 263 75 402 14 89 639 704 171021 129 62 209 62 08 663[3000] 877 785 894[1000] 017 1721167 302 81 892 173188 89 229 67 333[600] 400 09 579 610 43 829 83 931[500] 174078 135 92 218 47 91[1000] 412 40 68 70 905 175016 69 124[600] 41 65 460 617 82 98 604 909 176102 288 374 861 705 41 81 084 934 177038 43 361 348 81 433 744 17600» 32 201 99 311[3000)68 600 66 839 990 178019 38 82 195 233 89[3090] 370«83 861 180103 67 237 93 342 802 30 43 TIS 81 909 191180[1000] 326 83[600] 400 561 659 978 162106 66 298 323 407 9 642 74 619 69 708 12 183099 109 6S 282 315 76 446 666 673 05 970 92[600] 1*4136 631 647[500] 714 954 185201 618 788 186003 30 39 64 139 249 389 467 601[600] 14 937 187034 369 433 64» 639 980[1000] 188046 189[10001 219[1800] 38 363 428 37 83 93 13000] 611 69 809 68 048 198192 Such 601 664 747 864[600] 63 Verantwortlicher Nedalteur Richard Barth, Berlin. Zur den Inseratenteil veraniw.: Th. Glocke, Berlin. Dlucku.verlag: Vorwärts Nuchdruckerei u. VerlagLanstalt Paul Tinger u. Co., Berlin SW. Sr.280. 28. lalmmij. z-mersdg. SO. jloamber 1911. Die Berliner IFarteigenolfen Im BelchZtMUiahllismpf. Der starke Besuch der am Dienstag im 6. Wahlkreisc abgehaltenen Versammlungen ist ein Zeichen dafür, daß die Parteigenossen mit dem lebhaftesten Interesse an der Wahlbewe- gung teilnehmen. Im„Swinemünder Gesellschaftshause" war der Andrang so stark, daß der Saal selbst nach Entfernung der Tische kaum aus- reichte, um die Menge zu fassen, die dicht gedrängt den Raum bis in die äußersten Winkel füllte. Der Referent, Genosse L e d e- b o u r, beleuchtete einige der wichtigsten Fragen, welche gegen» wärtig im Vordergrund des politischen Interesses stehen. Er zeigte, daß es in letzter Linie immer die Ausbeutungsgelüste des Kapita- lismus sind, welche der Politik eine volksfeindliche Richtung geben und bei Gelegenheit der Marokkoaffäre uns vor die ungeheure Gefahr eines Weltkrieges gestellt haben. Darum muß es unsere hauptsächlichste Aufgabe sein, hinzuarbeiten auf die Ucberwindung der kapitalistischen Gesellschaft. In diesem Sinne aufklärend zu Tturken unter den leider noch so zahlreichen Indifferenten, dazu bietet der Wahlkampf eine günstige Gelegenheit. In dieser Hin- ficht ist auch in dem für uns so sicheren sechsten Wahlkreise noch viel zu tun. Es gilt, nicht nur hier den Sieg mit einer vermehrten Stimmenzahl zu erringen, sondern durch die Beziehungen der Ge- nossen mit anderen Orten die politische Aufklärung hinauszutragen in die weitesten Kreise, damit am Wahltage Abrechnung gehalten werden kann mit der Reaktion und die Sozialdemokratie in ganz Deutschland einen gewaltigen Fortschritt zu verzeichnen hat. Mehrere Diskussionsredner gaben demselben Gedanken in beredten Worten Ausdruck.— An die zahlreich anwesenden Frauen wandte sich Genossin M a t sch k e. In zündender Rede forderte sie die Frauen, die politisch Rechtlosen, die durch die jammervolle Gestaltung der einst so pomphaft angekündigten Wütwen- und Waisenversicherung Verhöhnten auf, sich rege an den Wahlarbeiten zu beteiligen. Auch des Konfektionsarbciterstreiks wurde in der Diskussion gedacht. Einige Rednerinnen forderten die Genoffen auf, darauf zu achten, daß die ihnen bekannten Arbeiterinnen sich am Streik beteiligen. In»Cranz' Fcstsälen" referierte Reichstagsabgcordneter Ge nosse Haberland vor einer dichtgedrängten Zuhörerschar. Aber nicht nur der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, sondern auch auf der Galerie und selbst auf der Tribüne hatten sich zahlreiche Besucher niedergelassen. In besonders großer An» zahl waren die Frauen erschienen, die schon damit dokumentierten, wie groß ihr Interesse an den politischen Tagesfragen ist. Genosse Haberland hatte denn auch ein dankbares Publi tum, als er in trefflicher Weise die Sünden der Reaktion auf rollte und ein knapp umrisscnes Bild von der politischen Lage und den bürgerlichen Parteien entwarf. Besonders das Zentrum bot dem Redner Gelegenheit, eine vernichtende Kritik an dieser doppelzüngigen Partei zu üben. Gerade seine, des Redners, Wahl in den Reichstag habe gezeigt, daß weite Kreise, vornehmlich aber Arbeiter, mit dem Verhalten des Zentrums unzufrieden seien und diese Stimmung teils durch Eintreten für die Sozialdemo- kratie, teils durch Stimmenthaltung zum Ausdruck brachten. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Re- fcrent: der Umstand, daß der sozialdemokratische Kandidat des 6. Berliner ReichstagswahlkreiseS sicher gewählt werde, dürfe nicht einschläfernd wirken, vielmehr käme es überall darauf an, eine mög< lichst große Stimmenzahl für die Sozialdemokratie aufzubringen Genosse Haberland schloß seinen Vortrag unter dem großen Beifall der Versammelten mit der Aufforderung, bis zur kommen den Reichstagswahl die ganze Kraft einzusetzen, damit am 12. Januar der heutige raktionäre Block zertrümmert und darüber hinaus freie Bahn geschaffen werde zu einer freien, gesunden Ent Wickelung im Reiche. Eine kurze Diskussion fand statt, in der Genosstn Schulz sich mit eindringlichen Worten an die Frauen wandte. Nach einem anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden, der auch noch auf den Konfektionsarbeiterstreik hinwies, war die Versammlung beendet. Die Versammlung in Moabit, die in dem großen Saale der Patzenhofer Brauerei, Turmstraße, stattfand, war von etwa 1SOV Personen besucht. Der Reichstagsabgeordncte B u s o l d- Fried berg hielt einen Vortrag, in dem er die jetzige Stimmung der bürgerlichen Parteien mit der Stimmung verglich, die vor den letzten Reichstagswahlen herrschte. Heute ist der schwarz-blaue Block in tausend Acngsten und fürchtet das Urteil des Volkes über feine Taten mehr denn jemals. Seine volksfeindliche Politik ist zu offenbar geworden, als daß er noch hoffen dürfte, sie vor der Mehrheit des Volkes zu verschleiern. Der Redner kritisierte die Tätigkeit des jetzigen Reichstages und zeigte, welche Anstrengungen die sozialdemokratische Partei machte, um die Rechte der arbeiten den Klasse gegenüber dem Ansturm der Reaktion zu verteidigen; er verweilte dann besonders bei der Reichsversicherungsordnung, deren Mängel und Fehler er bloßlegte. Mehrmals wurde der Redner unterbrochen von stürmischen Beifallsäutzerungen. Er schloß mit der Aufforderung, nicht mit einem bloßen Siege unserer Kandidaten zufrieden zu seil», sondern für gewaltig imponierende Stimmenzahlen, die unserer Partei und ihren Bestrebungen gelten, mit allem Eifer zu sorgen.— Zur Diskussion forderte der Vorsitzende die etwa anwesenden Gegner auf, das Wort zu nehmen, aber es meldete sich niemand. Dagegen entspann sich eine Difr kussion im Sinne des Referats, an der sich sechs Genossen und eine Genossin beteiligten. Manche Ausführung war leider nur geeignet, den guten Eindruck der Rede Busolds zu stören, wenn auch dieser in seinem Schlußwort sich bemühte, ewige Ungeschickt- heiten zu korrigieren und die gute Absicht der Redner hervorhob, die alle darin einig waren, daß Ledebour im sechsten Kreise mit einer mächtig angeschwollenen Zahl von Stimmen gewählt werden müsse.— Dieser Zuversicht gab auch der Vorsitzende Ausdruck, als er zum Schluß zu unermüdlicher Agitation aufforderte. Mit Hochrufen auf unsere Partei löste sich die Versammlung auf. � Schöiiwalde und Umgegend.(Bez. Pankow.) Am Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8 Uhr, im Lokal von Schulz: Leffentliche Versammlung. Thema: Lebensmittelteuerung, Kriegshetze und Reichs- tagswahl. Referent: Richard Kllter-Karlshorst. Die Parteigenossen wollen für guten Besuch der Versammlung Sorge tragen. Die Agitationskommission. Boxhagcn-Rummelöiurg. Heute Donnerstagabend 8Vz Uhr findet im Cass Bellevue eine Bolksversammlnilg statt. Genosse Stadthagen spricht über»Teuerung, Kriegshetze und Reichstags« Wahl". Die Bezirksleitung. Rcinickendorf-Ost. Heute, abends 8 Uhr, im„SchlltzenhauS", Residenzstr. 1/2: Oeffentliche Versammlung. Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel spricht über:»Der Reichstag des Volks- betruges"._ Berliner Nachrichten. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Freitag, den 1. Dezember, abends: Hand- zettelverbreitung von den bekannten Lokalen aus.— Sonntag, den 8. Dezember: Wählerverfammlung in den Zelten t. Referent: Landtagsabgeordneter Ströbel. Charlottenburg. Wir niachen auf die heutige Volksversammlung im Volkshause, Rosinenstr. 3, aufmerksam. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Reichstagsabgeordneten Scheide niann:„Nieder mit den Volksfeinden I" 2. Diskussion. Genossen! Sorgt für Massen- besuch der Versammlung. Der Vorstand. Steglitz. Morgen, Freitag, abends pünktlich �9 Uhr, bei Schell- hase. Adornstr. löa: Mitgliederversammlung. Bortrag de» Reichstagsabgeordneten K. Haberland über: Die Zoll» und Steuerpolitik de» deutschen Reichstages. Steglitz-Fricdenau. Die diesjährige Jugendschriften- und Wandschmuckaus st ellung findet am Sonntag. den S. Dezember, nachmittags von 2—9 Uhr, und Montag, den 4. De- aember, nachmittags von 8— 10 Uhr, bei Schellhase, Ahornktr. loa, statt. Den Arbeitern, besonders den Eltern, wird der Besuch der Ausstellung dringend empfohlen. Der Bildungsausschuß.. Etwas vom Kalender. Zn einer Zeit, in der die neuen Kalender auf den Markt kommen, ist es ganz interessant, sich vor Augen zu führen. wie man vor 15(> Jahren über den Kalenderverkaus dachte. Die Herausgabe der Kalender war damals noch ein Monopol der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin und dieses Monopol wurde von Friedrich dem Großen durch eine Reihe von Verordnungen geschützt. Vom Jahre 1744 existiert sogar ein wiederholtes Verbot, fremde Kalender in Berlin einzuführen. Nach dieser Verordnung, die sich als eine Wiederholung früherer, z. B. schon im Mai 1700 erlassene Ver- böte kennzeichnet, wird angeordnet, daß„niemand, des Stan- des und Kondition er sey, unter was Vorwand, Ausrede oder Entschuldigung es wolle, einigen von Unserer Akademie nicht verlegten und nnt deren Stempel nicht bezeichneten Kalender, groß oder klein, er�mag Namen haben wie wolle, zu führen, zu haben und zu gebrauchen, noch den auswärtigen dergleichen einzuführen oder darinn öffentlich oder heimlich zu vertreiben, zugelassen seyn solle". Tagegen wird versprochen, daß die Akademie künftig allerhand Sorten dieser Kalender für ver- schiedene Preise und für protestantische und katholische Unter- tauen verfertigen werde, und daß diese Kalender in den größeren Orten bei den Buchbindern, in den kleinen Städten bei den Steuereinnehmern zu haben sein würden. Für Zu- Widerhandlungen gegen diese Verordnung wurden Strafen von 2 bis 10 Talern oder Gefängnis und Einziehung der ver- botenen Kalender festgesetzt, außerdem die übliche Belohnung für Denunzianten. Das Edikt sollte, damit niemand sich mit dem Vorwand der Unwissenheit entschuldigen könne, in den gewöhnlichen Orten durch öffentlichen Anschlag bekannt ge- macht und in den von der Akademie herausgegebenen Kaien- dern abgedruckt werden. Es scheint trotzdem nicht viel ge- Holsen zu haben, denn 1781 kam eine neue Verordnung heraus, wonach das Edikt von 1744 verschärst und die Be- Hörden in Städten, Flecken und Dörfern daran erinnert wurden, daß die Verordnung überall befolgt werde. Aber- mals wurde hier der vierte Teil des eingetriebenen Geldes für den Anzeigenden in Aussicht gestellt. Bei dieser' Gelegen- heit wurden aber auch die Buchbinder, die sich unterstehen, die Kalender höher als zum beigedruckten Preise zu�verkanfen oder das königliche Edikt fortzulassen, mit einer Strafe von 1 Taler für jeden über den Preis genommenen Groschen und ebenso mit 1 Taler Strafe für jeden unvollständig verkauften Kalender bedroht. Wir erfahren schließlich aus dieser Ver Ordnung, daß„der vollständige Haushaltungs-, Garten- und Geschichtskalender nebst einem in Kupfer gestochenen Titel das Stück gebunden 8 Groschen, der genealogische Schreib- und Postkalender, worinnen außer den Kalendersachen die Genealogie der jetzt lebenden Häupter und anderer fürstlichen Personen, auch die Postkurse und mehrere bequeme Sachen enthalten, in Pergament gebunden 7 Groschen" gekostet haben, und daß die Kalender in Berlin bei dem Buchbinder und Papierhändler Fournier zu haben gewesen sind. Seit der letzten Ankündigung sind jetzt 130 Jahre vergangen, und in dieser Zeit haben sich die Kalender außerordentlich verändert und verbessert. Die Berliner Akademie der Wissenschaften befaßt sich nicht mehr mit der Herausgabe dieser nützlichen Drucksachen, und kein Gesetz verbietet dem preußischen Unter- tanen, seine Kalender da zu kaufen, wo er sie kaufen will. Dafür sind aber die Preise der Kalender im Verhältnis er- heblich billiger geworden und der Absatz an Haushaltungs- kalendern viel größer._ Nasenuntersuchung in Schulen. Der III. Internationale Larhngo- Rhinologen-Kongreß, der im August d. I. in Berlin versammelt war. hat Beschluß gefaßt, eine internationale Samnielforschung über die mit de» dem Namen Ocaena bezeichnete Krankheit zu veranstalten. Die Ocaena ist eine besonders jm jugendlichen Alter austretende Erkrankung des Nafeninnern, welche mit Knochenschwund und Ent- artung der Nasenschleinchaut einhcrgeht uud im weiteren Verlauf einen durchdringenden, schon aus weiter Entfernung wahrnehmbaren üblen Geruch aus der Nase bewirkt. DaS Leiden beginnt schleichend im frühen Lebensalter, dem Patienten selbst unbewußt, bis eS all- mählich einen so hoben Grad erreicht, daß der Kranke deS von ihm ausgehenden Geruchs wegen sich von dem Verkehr mit der menschlichen Gesellschaft nahezu ausgeschlossen sieht. Die Schul- deputation, die von dem geschäftSführeuden Komitee des genannten Kongresses gebeten war, in Berlin eine Nasenuntersuchung aller Ge- meindeschiiler und Schülerinnen zu gestatten, hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, dem Antrage Folge zu geben, unter der Voraus- setzung, daß keine Störung des SchulbetriebeS mit den Unter- suchungen verbunden und die Eltern einverstanden seien. Die Schul- devutali»n hat zugleich ausdrücklich erklärt, daß derartige Unter- suchungen nur ganz ausnahmsweise bewilligt werden können, in diesem Falle mit Berücksichtigung des Nutzens auf die Volks- gefundheit._ Bestreuen der Bürgersteige bei Glätte. Bei eintretender Winterglätte müsse» die Bürgerstsige. Granit- bahnen und Rinnfteinbrücken mit Sand, Asche oder anderem ab- stumpfenden Material bestreut werden. DaS Streuen hat so zu ge- schehen, daß während der Stunden von»norgenS 7 bis abends 10 Uhr der Entstehung gefahrbringender Glätte voüständig vorgebeugt wird. Die Verpflichtung zum Streuen liegt den Besitzern denenigen Grundstücke ob, welche und soweit dieselbe� an die öffentliche Straße grenzen. In den Stunden von morgens 7 bis abends 8 Uhr müssen die Bürgersteige frei von Eis und Schnee sein. Die Verpflichtung zur Abräumunz des EifeS und Schnees liegt den Besitzern derjenigen Grundstücke ob, welche an die öffentliche Straße grenzen, und er> streckt sich für den einzelnen auf die ganze AuSdchuuug dieses Grenzzuges. Der Abraum kann auf den Fahrdamm geschafft werden, mutz dort aber miudestens 0,3 Meter von der Grenze des Bürger- steiges entfernt niedergelegt werde». Die Einflußöffnungen der Siraßenkanäle und die Wasserstockdeckel der Wasserleitung müssen stets vollständig frei bleiben. Die Wetterführung der Nord-Südbahu nach Rixdorf gab soeben Anlaß zu neuen Erörterungen in der Verkehrsdeputation. Man berichtet uns:„Es wurde beschlossen, die Schnellbahn nicht durch die Blüchersirahe, sondern durch die Bellealliancef�ge stehen, wird uns noch gemeldet: Rixdorf erstrebt einen direkt en Anschluß durch die Bliicherstraße, Gewinnbeteiligung an den Eil»' nahmen des Bahnhofes am Hermaunplatz und einen Tarif, der so gestaltet ist, daß man für 10 Ps. vom Hermannplatz bis zur Leipziger Straße fahren kann. Der Magistrat Rixdorf ist bereit, dafür Konzessionen durch Uebernahme von Mehrkosten, die durch Führung der Linie über die Bliicherstraße einstehen, zu machen. Die Schwierigkeiten sind aber von Rixdorf anscheinend unterschätzt: worden. Die Nord-Süd-Bahn muß bekanntlich bis zur Gnciseuau-- straße gebaut werden, um Anschlüsse nach Tempelhof und Schöne-- berg zu ermöglichen. Der billigste und einfachste Anschluß nach' Rixdorf ist demnach durch die Gneisenaustrnße— Hasenheide. Bei einer Weiterführung durch die Bliicherstraße müßte der Landwehr- kanal und die Bellealliancebrücke zweimal unterfahren werden. ES würden dadurch außer bedeutenden Kosten auch technische und Betriebsschwierigkeiten entstehen, die aus der tiefen Lage der viergleisigen Bahn, die sich hier gabelt und mit Weichen ausgestattet werden muß. herrühren. Dazu kommt, daß die Bahn durch die Giieisenaustraße von vornherein eine größere Frequenz gewähr» leistet, weil die Gegend nach Süden bevölkerter ist als nach Norden„ wo der Urbanhafen, Franzerkaserne usw. keine Gewähr für einen-. lebhaften Verkehr bieten. Trotz dieser Schwierigkeiten soll nun mit: Rixdorf über die Mehrkosten, die Beitragsleistung und Anschlüsse: nach Rixdorf weiter verhandelt werden. Der Wille, sich zu einigen» ist bei beiden Städten vorhanden." Eine amtliche Mitteilung auS Rixdorf besagt: Zu dm Bericht über den Beschluß der Berliner Verkehrsdeputation beireffend. die Verlängerung der Nord-Südbahn nach Rixdorf haben wir be-- richtigen!) zu bemerken, daß der Berliner VerkchrSdcputation bereits: ein Angebot Rixdorfs vorlag, die gesamten Mehrko st en„ welche die Ausführung des Projekts dex Verlängerung der Bahn: durch die B l ü ch e r st r a ß e erfordert, zu �übernehmen ,. so daß die Stadtgemeinde Berlin durch die Führung der Bahn in dieser Richtung keine finanziellen Nachteile geltend machen kann. Die Rixdorfer Verkehrsdeputation stand bei Heber- „ahme dieser erheblichen Mehrkosten auf dem Standpunkte, daß es im Interesse der günstigen Gestaltung des Verkehrs und der Ent» Wickelung der Gemeinde gerechtfertigt und notwenlng fei, auch die von Berlin geforderten großen Opfer zu bringen. Dem Verkehrs- intereffe und der Entwickelung dient aber nur der Anschluß Rixdorfs an die Nord-Südbahn in direkter Linie durch die Blü�'rstraße und nicht der Umweg durch die Gneiscnaustraße, der nicht xiur Zeit» Versäumnis, sondern auch infolge Eiuschaltung eigner»euen Station auf dem Wege nach dem Stadtinnern höhere Fahri'osten mit sich bringt._ „Nathan der Weise" in der Volksschule. DaS Kuratoriluv der Julie Oppenheim-Stiftung, auS deren Mitteln jeden Winter im Schiller-Theater dasjenige Stück aufgeführt wird, das in den erst).» Klassen der Gemeiildeichulen gelesen wird, hatte bei der Schul» deputation beantragt, die nötigen Schritte zu tun, daß das Lessingsche Stück„Nathan der Weise" in den Lehrplan der ersten Klaffe auf» genommen wird. Die Schuldeputation glaubt sich durch den zurzeit gültigen Grundlehrplan, in dem„Nalhan der Weise" nicht zur Lektüre in der Gemeindeschule vorgesehen ist, gebuiiden, wird ober dem Kuratorilim schreiben: es möge die Ausführung deS Nathan für die ersten Klassen der Gemeindefchulen im Winter 1912/13 in Aussicht nehmen; eS werde versucht werden, den Kindern der ersten Klaffen das Ver» ständnis des Stückes zu erleichtern. Die vom„Berliner Tageblatt"' gebrachte Nachricht über den Widerspruch des ProviiizialschnlkollcgiumS gegen die Aufführung von„Nathan der Weise" und„Prinz von Homburg" sind unzutreffend. Irgendwelche amtliche Verhandlungen über diese Frage haben nach Mitteilungen mit dem Rathause nicht stattgefunden. Ucber Diebstähle in der 8. PflichtfortbilduiigSschnle wird lebhast Klage geführt Allein in der letzten Woche sollen nicht weniger als acht Mäntel und lmgefähr ein Dutzend Hüte gestohlen worden sein. Die Schulverwnlt'.ing sollte sich ernstlich die Frage vorlegen, ob sie: nicht Abhilfe swaffen kann. Auf den offenen Korridoren sind die: Sachen nicht sicher, wenn nickt für genügende Aussicht gesorgt ist. Die Bestohleneii sind ausschließlich Arbeitcrsöhne und werden deshalb um so härter getroffen._ Eine Beschwerde gegen einen Mädchenlehrer, der in einem Vorort Berlins an einer Volksschule tätig ist. war von mehreren Eltern an die Schulbehörde gerichtet worden. Von dem ungewöhnlichen Anlaß dieser Beschwerde wie von der befremdlichen Art ihrer Erledigung glaube,, wir weiteren Kreisen Kenntnis geben zu sollen, weil beides uns sehr lehrreich zu. sein scheint. Eltern und auch Lehrer können aus der Angelegenheit manches lernen, und vielleicht wird von unserer Auffassung der ganzen Sache auch die Schulbehörde noch einigen Nutzen haben. Jener Lehrer hatte in seiner Klasse bei einigen Schülerinnen dadurch Aufsehen erregt, daß er während des Unterrichts zuweilen die Hand in die Tasche steckte und mit ihr eigentümliche Belve- guiigen auszuführen schien. Mädchen, die das als anstößig empfanden, äußerten sich zu Hause über ihre Beobachtungen und bczeichnelen mit einem derben Ausdruck die Ansicht, die ein- zelne. Kinder darüber hatten. Nebenbei bemerkt: zu der Klasse gehörte» Kinder, die erst das 9. Lebensjahr hinter sich hatten, doch saßen darin auch ältere bis zum 13. Lebensjahr. Eltern, die von ihren Kindern diese Dinge hörten, schüttelten mißbilligend den Kopf dazu, aber niemand wagte, etwas zu unter- nehmen. An die Redaktion des„Vorwärts" gelangte bereits iin Frühjahr 1911 eine Meldung, die uns aufforderte, hier ciuzu- greifen. Wir mußten uns darauf beschränken, einigen Muttern zu raten, daß sie durch Mitteilung an den Rektor die gewünschte Abhilfe herbeizuführen versuchen sollten. Die Mütter schreckten vor diesem Schritt zurück; im Hinblick auf Erfahrungen, die mit Beschwerden über Lehrer schon manchmal gemacht worden sind, wollten sie ihre Hände davon lassen. Wir wurden dann im Sommer von anderer Seite aufs neue benachrichtigt, daß die ais anstößig empfundenen Dinge sich wiederholt hätten und unter einigen Kindern das Gerede darüber fortdauerte. Wieder saben wir keine Möglichkeit, von uns aus etwas zu tun, und auch hier konnten wir nur den oben erwähnten Rat geben. Erst im Herbst wurde auf Grund erneuter Beobachtungen endlich von drei Müttern an die Schuldeputation des Ortes eine Mitteilung gesandt, die die Vorgänge so schilderte, wie ihre Kinder sie gesehen hatten oder gesehen zu haben meinten. Die Zuschrift gab auch die Auffassung wieder, die die Kinder bezw. die Eltern von den Borgängen hatten, und äußerte die Besorgnis, daß der den Kindern sich bietende Zln- blick einen ungünstigen Einfluß auf sie ausüben könnte. Die Schuldeputation überwies die Beschwerde an den zu» ständigen KreiZschuNnsPekkor, und dieser bernahm die drei Mütter samt ihren beteiligten Kindern und aus derselben Klasse noch fünf andere Kinder. Das Ergebnis der Untersuchung war, daß oer Kreisschulinspektor zusammen mit dem Rektor die Mütter be- lehrte, die behaupteten und als anstößig empsundenen Dinge seien zum Teil gar nicht passiert, zum andern Teil aber seien sie in durchaus harmloser Weise zu erklären. Der Lehrer habe in der betreffenden Körpergegend eine Flechte, das sei das Ganze. Es werde aber dafür gesorgt werden, daß er die juckenden Handgriffe künftig unterlasse. Aus diesem mündlich erteilten Bescheid konnte geschlossen werden, daß wenigstens diese in der Eingabe geschilderten juckenden Handgriffe als nachgewiesen galten. Und auch das stand ja fest, daß der Anblick die Kinder ungünstig beeinflußt hatte. Um so mehr war man überrascht, als bald darauf an eine der Familien, die die Beschwerde unterzeichnet hatten, noch der folgende schriftliche Be- scheid des Kreisschulinspektors kam: „Auf die an die dortige Schuldeputation gerichtete und von dieser mir überwiesenen Eingabe vom 13. v. Mts: Auf Grund der vorgenommenen eingehenden Untersuchung müssen die gegen den Lehrer Herrn.... vorgebrachten Bcschtverden als unoe- gründet abgewiesen werden. Ich stelle anheim, den übrigen Mitunterzcichnern der Eingabe vom 13. v. Mts. entsprechende Mitteilung zu machen." Also„die gegen den Lehrer Herrn.... vorgebrachten Be- schwerdcn" mußten„als unbegründet abgewiesen" werden! Wer nur diesen schriftlichen Bescheid liest und nichts von dem vorher mündlich erteilten Bescheid weiß, wird annehmen niüfsen, daß die Beschwerden sämtlich sich als unbegründet her- ausgestellt haben. Man versteht nicht, wozu dann den Müttern gc- sagt worden ist, daß der Lehrer eine Flechte habe. Wenn er eine hat, so sind ja die juckenden Bewegungen erklärlich und verzeihlich. Aber die Wirkung, die sie auf einzelne Mädchen ausübten, zeigt doch, daß ein solcher Anblick nicht Kindern geboten werden durste. Das muß übrigens auch die Meinung des Schulinspektors sein, denn sonst würde er wohl nicht versprochen haben, dafür zu sorgen, daß sich derartiges nicht wiederholt. Ist dem Schulinspektor ent» gangen, daß er in diesem Punkt die Beschwerde als begründet hätte anerkennen müssen? Wir finden, daß die Fassung seines schrift- lichen Bescheides keine glückliche ist, und er wird sich nicht wundern dürfen, wenn hiernach die Erledigung der Sache keines- wegsalszufriedcn st eilend empfunden wird. Eltern, die sich beschweren, haben einen Anspruch darauf, daß ihnen ein erschöpfender Bescheid zuteil wird. Vielleicht zieht die Schulbehörde hieraus eine Nutzanwendung. Eine Nutzanwendung ergibt sich auch für Eltern, und be- sonders deshalb halten wir uns für verpflichtet, die ganze Augs- legenheit bekanntzugeben. Vorgänge aus dem Schulleben, die ein Kind zu Hause berichtet, werden oft von dem beteiligten Lehrer anders erklärt, als die Eltern es erwarteten. Das Recht der Eltern, sich über einen Lehrer zu beschweren, ist außer Zweifel, und in dem vorliegenden Falle lvar das sogar eine Pflicht. Man wird aber bei Beschwerden über einen Lehrer gut tun, im voraus mit der Möglichkeit zu rechnen, daß es eine Uebcrraschung gibt. Das Ueberraschende lvar diesmal die verborgene Flechte. Die Flechte des Lehrers, die ihn reizt, vor versammelter Klasse sich zu jucken, wird hoffentlich auch allen Lehrern eine Warnung sein. Ein Lehrer, der solchem Juckreiz nicht widerstehen kann, sollte der Schule fernbleiben, um sich auskurieren zu lassen. Ein Schwmdcltrio.„Dianawerkc" hieß das Unternehmen dreier Schwindler, die jetzt unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast spurlos verschwunden sind. Zwei Kaufleute, namens Schröder und Friedrich, gründeten vor einem halben Jahre ein Geschäft, das sie zunächst„Merkurwerke" nannten und so auch handelsgerichtlich eintragen ließen. Später wandelten sie den Namen in„Dianawerke" um, aber die Geschäftsleute, mit denen sie in Verbindung traten, waren jetzt genau so klug wie vorher. Die Firma klang zwar nicht übel, sagte aber auch weiter nichts. Der ..Geldmann" sollte Schröder sein, der etwas älter ist als Friedrich» der kaum 23 Jahre zählt. Den„Dircktorposten" übernahm der dritte im Bunde, ei» gewisser Joseph Halden. Die Unternehmer Mieteten auf ein halbes Jahr in dem Quergcbäude des Hauses Neue Friedrichstraße 4 eine aus fünf Räumen bestehende Wohnung und richteten sie zu Bureau- und Lagerräumen ein. Anfangs be- schäftigten sie eine Buchhalterin und ein Lehrmädchen. Als beide bald wieder gingen, stellten sie keinen Eosatz ein. Die„Arbeit" der„Dianawerke" bestand darin, sich besonders aus der Provinz gegen Wechsel alle erdenklichen Waren zu verschaffen und diese gegen Barzahlung sofort wieder zu verschleudern. Sie bedienten sich schöner Briefbogen, mit vorgcdrucktcm Kopf und fügten ihren Bestellungen gleich Namen von Personen bei, die über ihre Ge- schäfte und ihren Ruf Auskunft zu geben bereit seien. Die Aus- küiifte fielen stets glänzend aus, denn die, die sie gaben, steckten mit der schwarzen Bande unter einer Decke. Die Wechsel lauteten auf möglichst lange Fristen. Die Schwindler kauften alles, was sie nur bekommen konnten, neben Schießgewehren, auch Seife und Bimsstein. Abnehmer fanden sie in Hülle und Fülle, denn sie ver- kauften alles unter dem Einkaufspreise, aber nur gegen bares Geld» Trotzdem priesen sie ihre billigen Waren auch noch durch große Tageszeitungen an, aber nicht zu dem Zweck, neue Kauf- lustige heranzuziehen, sondern, weil sie auch mit Jnseratenschlvind- lern Hand in Hand„arbeiteten". Diese gaben die Anzeigen auf, strichen Vermittlergebühren ein und teilten sie mit den Inhabern der„Dianawerke". Diese dachten aber gar nicht daran, die An- zeigen zu bezahlen, und so gingen nicht nur die Lieferanten, son- dern auch die Zeitungsverlegcr leer aus. Gegen mehrere Jnse- ratenschwindlcr schwebt schon seit längerer Zeit ein Strafverfahren. Schon deshalb konnten sich auch die Gründer nicht lange mehr halten. Es kam hinzu, daß nach und nach die Wechsel vorgelegt wurden, an deren Einlösung niemand dachte. Alles was einlief ging zum Protest. Da zog sich vor ungefähr 14 Tagen zunächst der ..Geldmann" Schröder zurück. Er nahm„für sein eingebrachtes Vermögen" die ganze Einrichtung mit. An die Tür der so leer gewordenen Räume klebte der„Geschäftsführer" Joseph Halben ein Schild mit der Aufschrift, daß die Firma nach der Potsdamer Straße 93 verlegt worden fei. Dort suchen aber die Gläubiger, die immer zahlreicher sich melden, vergebens nach den„Diana- werken". Noch immer kommen. Leute, besonders aus der Provinz, mit Wechseln über 1999, 2999, 3999 und mehr Mark. Persönlich erschienen in der Neuen Friedrichstraße schon Gläubiger mit einer Gesamtforderung von 59— 69 090 M. Statt der„Dianawcrke" trafen sie nur die Pförtnerfrau, die sie jetzt gleich an die Kriminal- Polizei weist, weil auch in der Potsdamer Straße von den„Werken" und ihren Gründern keine Spur zu finden ist. Mit ungewöhnlich großer Dreistigkeit gingen Einbrecher vor. die den Rechtsanwalt Justizrat Dr. Bernstein aus der Dorotheenstraße 5 am hellen, lichten Tage heimsuchten. Der Justizrat hatte Besuch und ging nach dem Frühstück um ein Uhr mit ihn, aus. Während jeht die Dienerschaft in der Küche das Geschirr säuberte, öffnete ein Einbrecher mit einem Nach- schlüsscl die Wohnung und stahl aus dem Speisezinuner alles Silberzeug, das auf dem Büffetc stand. Trotz der kurzen Zeit und des hellen Tages halte der Dieb es au noch fertig gebracht, die Schränke aufzubrechen und zu durchwühlen, verschiedene Sachen herauszureißen und sich außerdem noch in? Arbeitszrmmer des Justizrats zu schaffen zu rnachcn. Von dem Täter und dern Ver- bleib des gestohlenen Gutes fehlt noch jede Spur. Auf seine Er- greifung und die Wiederbeschaffung der Beute ist eine Belohnung von 399 M. ausgesetzt. Rindesmord? AuS der Havel zwischen der Trift- und Körner- stratze in Spandau wurde gestern nachmittag die Leiche eineS neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts gelandet. Schiffer be- merkten in der Nähe des Ufers eine kleine Holzkiste auf dem Wasser treibe??, um die eine dünne Schnur gewickelt war. Der Fund wurde der Polizei übergeben und bei Oeffnung der Kiste fand man in derselbe?? die Leiche eines neugeborenen Mädchens, die in ein Blatt Bssr Kranbauer Zeitung gewickelt vgr. Kpurcp äußerer Kewalt Karen an dem kleinen Körper nicht wahrnehmbar, doch konnte auch die Todesursache nicht festgestellt werden. Die Leiche wurde Polizei- lich beschlagnahmt und nach der Friedhofshalle in der Gatower Stratze gebracht, wo die Obduktion erfolgen soll. Die Recherchen nach der Mutter sind eifrig im Gange, doch haben sie bisher zu einem Ergebnis noch nicht geführt. Zu Tode gequetscht. Einen tödlichen Ausgang hat ein Unfall genommen, der vor 14 Tagen den? 26 Jahre alten Eisenbahnarbeiter Ernst Metscher aus der Graunstr. 35 zustieß. Metscher lud damals aus dem Nordbohnhof einen Milchwagen aus. Während eine Maschine gerade andere Wagen heranzog, glitt er auf der Laderampe aus, fiel herab und geriet zwischen die Rampenmauer und den Zug. Dieser preßte ihn mit solcher Gewalt gegen das Mauerwerk, daß er sich einen doppelten Beckenbruch, eine Lungenqueischung und eine Nierenzerreißung zuzog. Nach vierzehntägigem SchmerzcnSlager ist der Verunglückte jetzt im Lazaruskrankenhause gestorben. Er war der einzige Sohn seiner betagten Eltern und ihre Stütze im Alter. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Dienstag- abei'.d gegen 9 Uhr an der Ecke der Bad- und Hochstraße. Dort ge- riet der S3jährige Arbeilcr Paul Pohl, Falckenstcinstraßc 17 wohn- Haft, beim Abspringen von dem Motorwagen 1283 der' Linie 38 unter den Anhängewagen und kam vor den Schutzrahmen zu liegen. Der Verunglückte erlitt große Fleischwunden am ganzen Körper und wurde nach Anlegung von Notverbänden in seine Wohnung geschafft. Durch Erhängen hat gestern abend gegen 7 Uhr der Restaurateur Hermann B a r t e l, Magdeburger Str. 9, seinem Leben gewaltsani ein Ends gemacht. B. liit an einer unheilbaren Krankheit und sollte morgen wieder in? Kranlenhause Bethanien, ans dem er erst vor 8 Monaten entlassen wurde, Aufnahme finden. Der Lebensmüde war verheiratet und stand i?n 69. Lebensjahre. Die Kindcrschutzkommifsion hält morgen Freitag, abends 8Vz Uhr. bei Merkowski, Andreasstr. 26, eine Bersaminlung der Kontrolleurinnen ab, in der Genosse Freier einen Vortrag über„Kinderschutz und Fürsorgeerziehung", dem sich eine Diskussion anschließt, halten wird. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 25. November, nachmittags gege?? T'/o Uhr, erschoß sich in dem Toilettenrau?n eines Schanklokals in'der Lindensir. 84 ein etwa 39 Jahre aller, dem Arbeiterstande angehörender Mann?iiit einem Revolver. Die Persönlichkeit des Verstorbene?? konnte bis jetzt nicht festgestellt werde??. Er ist 1,79 Meter groß, schlank und dunkelblond. Bekleidet lvar er mit schwarzgran gestreiftem Winlerpaletot, blaue»? Jackeltanzug, braunem Schlips, braunkaricrten? Chemisett, schwarzen Schnürschuhen, dunklen Strümpfen, grauem Trikothe?l?d und graner Trikothose. Angabe» über die Person können mündlich oder schriftlich zu I. Nr. 5179 IV 55. 11 im Zimmer 495 deS Polizeipräsidiums und auf jede??? Polizeirevier gemacht werden. Bernhard- Rose- Theater. Bor einigen Jahren schien eS, als wollten die Berliner Vorstadttheater sich aufraffen, lim endlich den erstickende??, freilich durch Herko?mnen und geistige Trägheit ge- heiligten Dunst eines gslvissci?.Sch?nierentunis" zugunsten besserer Zustände aus ibren Räumen zu verjage??. Allein dieser Eiser hat nicht lange vorgehalten. Man ist heute mehr denn je in den alt- gewohnten Schlendrian zunickgesunken; und es ist verblüffend merk- würdig, beobachten zu müssen, wie erschreckend wenig vom Geiste der Entwickelung. gerade in allen Kunstdingen, noch lebendig ist, wenn?nan sich nur eil?e knappe halbe Stunde vom Zentrum Berli??S nach peripherischen Bezirken begibt. Zwar im Norden gehts vorwärts auch mit den Bühnen. Ai?derswo ist davon blutwenig zu verspüren. Da gleichen die Thespiskarren dem kleinstbichligen Spießervolk, das sie haben. Und das Bctrübendste dabei ist, daß man dies Publikrim f o und nicht anders haben will I Nun liegen doch aber in Berlin die Verhältnisse, we??» man de?i Zustron? von Schauspielern im Auge behält, so günstig als?nögl?ch. Talentvolle tüchtige Darsteller sind mehr als genug vorhanden, un? ein leistungS- fähiges Ensemble hinzustellen. Zudem sind die Gagenverhält- nisse an den meisten Vorstadttheatern ganz erträglich; und andererseits besitzen die Künstler von heute, zmnal die, die etwas können, soviel soziales Gemeingefühl, um eine gewisse Scheu vor Peripherietheatern nicht mehr aufkommen zu lassen. Sondern: sie «vollen tätig sein, gute Leistungen zeigen, ganz gleich, wo. Auch das Bernhard Rose-Theater hat einige recht tüchlige Kräkte. Wir kon«?te?? uns davon jetzt wieder anläßlich der Aufführung eines Ll>stsp?els:„Die Barbaren" von Heinrich S t o b i tz e r überzeugen. Zwar jongliert der bekannte Verfasser nur mit abgeblaßten Stoffen und verlebten Anschauungen — sein Stück spielt nämlich während des deutschfranzösischen Krieges bei Orleans—; dennoch serviert er, was er hat, ganz annehmbar lustig und versteht seine Kost auch l??it„Gemütskisten" wirksam zu unterspicken. Kurz und gut:„Publikus" amüsiert sich; denn wie gesagt, mehrere Träger erster Rollen nebst ein paar Nebenrollen- Vertretern sind recht vortrefflich; und eS sollen für gute Leistungen Egon Weidlich, der seinen preußischen Ri?tn?eister wirklich vor- nehn? hinstellt, sonne ferner Mathilde Friedrichs?den Referat des fortschrittlich-i?ationallibe?alen Kandidaten über„Agadier?lttd Philipps" folgte eine lebhafte Diskussion. Genosse Pieck übte in längeren Ausführungen eine scharfe Kritik an dc«n jämmerlichen und volksverrätcrischen Verhalten der Fortschrittspartei und an den reaktionären Bestrebungen der Nationallibcrale??, und schloß mit einem Appell an die Anwesenden für den Kandidaten, der Sozialdemokratie, Fritz Zubeil zu agitieren. Von der demo- kratischen Vereinigung wurden drei Redner ins Treffen geschickt, die ebenfalls der Fortschrittspartei arg zu Leibe rückten. Vier männliche und ein weiblicher Gesii?i?ungsgc??osse des Kandidaten versuchten die Angriffe abzuwehren mit der Bitte, doch die Sünden der Fortschritts- Partei nicht zu erwähnen und sich nur gemeinsam gegen den schlvarz» blauen Block zu wenden. Der ganze Verlauf der Versammlung war sehr befriedigend und hat der Fortschrittspartei sicherlich keine neuen Anhänger gebracht. Für die Sozialdemokratie bot die Versammlung aber die Gelegenheit, in dem ihr sonst verschlossenen Lokale für ihre Ideen Propaganda zu machen. Am nächsten Mittwoch wird der. Kandidat der Sozialdemokratie, Fritz Zubeil, iln„Birkenlväldchen", Schützenstraße, zu den Steglitzer Wählern sprechen. Genossen, sorgt für recht zahlreichen Besuch. Treptow-Baumschnlenweg. Mit einer gut besuchten Vcrsam?nlnng wurde am Montag am hiesigen Orte der Wahlkampf eröffnet. DaS Referat hielt der bis» herige Vertreter des Kreises. Genosse Fritz Zubeil.(Mit Rück- ficht darauf, daß wir bereits verschiedentlich ausführlicher über Ver- sanimlungen, in denen Genosse Zubeil zu den Wählern gesprochen, berichtet baben, beschränken wir m?s nunmehr darauf, unsere Leser über bei? Verlauf der bis zur Wahl arrangierten Wählerversamm- lungen zu unterrichten. D. R.) Das ausführliche Referat Zubeils löste bei den Versammelte?? demo??strativen Beifall aus. Nachdem noch Genosse F r e i g a n g die Versammelten aufgefordert, in die Organisation einzutreten, wurde die ilnposante Versammlung ge- schlössen. An? Anfang und Schluß der Versammlung brachte der Mäimcrchor„Obcrspree" einige stiinmungSvolle Lieder zu Gehör der Versammelten. Schönow(Kreis Niederbarnlm). I» einer von zirka 390 Personen besuchten öffentlichen Bcr- sammlung referierte am Sonntag, den 26. d. M., Genosse Stadt» Hagen über die Reichstagswahlen und die politischen Parteien. Nach dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag forderte der Borsitzende Genosse Schneider die Anwesenden auf, den bürgerlichen Parteien am Wahltag die Quittung für ihr voiksfeindliches Ver» halten im jetzigen Reichstag zu geben. Zugleich?nahnte Redner zum Eintritt in die politische Organisation. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch aiff die Sozialdemokratie wurde hieraus die Versammlung geschlossen._ Vorort- JVacbmbten. Rixdorf. Mit der Erweiterung des Rathauses durch Ai?bau zweier Flügel innerhalb des Rathausgrundstnckes erklärte sich der Magistrat in seiner letzten Sitzung einverstanden. Das Hochbouamt soll mit der Ausarbeitung des Enlivrirfes und des Kostenairschlagcs beauftragt ivcrden. Nach dein Vorschlage der Deputation beschloß der Magistrat über die Errichtung der Knabenmitlelschule folgendes: 1. Die Knabenmittelschnle»vird am 1. April 1912 vorläufig in dem Schul- hause an der Erkstroße eröffnet. Spätestens am 1. April 1913«vird sie in daS Schulgebäude an der Donaustraße verlegt. Bis zu diesem Zeilpunkt werden in diese«» Sckmlhause die Klosetanlagen eirt- sprechend umgestaltet und eii?e zivcilc Turnhalle nebst einer darüber liegenden Aula auf dem bierfür vorgcseheircn Gruudftücksteil er- richtet. 2. Die Leilung der Kuabenmittelschule soll einem Gemeinde- schulrektor vorläufig nebenamtlich übertragen«verden; für die Leitung «vird eine Entschädigung von 499 M. zu dem Rektorengehalt ge- währt. Dem betr. Rektor soll die Lcitlmg der 18. Gcmeindescbule solange übertragen werde«?, bis diese infolge des fortschreitenden Ausbaues der Knabenmittelschule aus dem Gebäude in der Do??au- straße verlegt wird. 3. Die Annahme der Anmeldungen für die Ki?abcnmittclschule wird Herrn Rektor Winter übertragen. 4. Die Einrichtung der Knabenmittelschnle soll im übrigen nach den in der Stadtvcrordnetenvorlage gemachten Vorschlägen erfolgen. Mit Rücksicht auf die Vorteile, welche den städtischen Werken und anderen Jncerefsenten durch den Bezug von Kohle» und soi?stigen Massen- guter«? in größeren Schiffsgefäßen envachsen, soll der Schiffahrtskanal in seinem Querschnitt und seinen Baulvcrken auf der Strecke von der Grenzallee bis an das Elektrizitätswerk für die gleichen Schiffsabmessnngcn ausgebaut werden wie der Teltoivkanal.—> Die Brücke zur Ueberführung der Grenzallee über den Schiffahrtskanal soll im Zuge der Straßenachse entworfen«verde».— Nach dem Vor- scklage der Gewerbedepnralion soll das Schulgeld sür die Wahl- klaffen der Foclbildungsschule künftig nicht vierteljährlich nachher, sondern halbjährlich voraris erhoben werden. Frcisckule soll bis zu 29 Proz. der Schüler gclvährt werden.— Der Magistrat nahm da- von Kenntitis. daß die Stadl Berlin in der am 21. November statt- gefundenen Besprechung sich bereit erklärt hat, das durch die Stadt Berlin zu erbauende Krcmatoritnn auch den Vororten zur Beluitzung zu überlassen. Schöneberg. Ueber den anfregeiiden Borfall, der sich am Sonnabendnachmittag in de>n Harise Koburger Str. 11 ereignete, teilt uns der Meister des Schornsteinfegerlehrlings folgendes mit: Der Schornsteinfegerlehrling Malter S. ist nickit i«? den Schornstein gestürzt, sondern er sollte im Beisein des Meisters denselben herunterfabrcn. In der vierten Etage blieb er aber an einer Vercngm?g, stecken. Die ersten Be- mühungen des Meisters, den Lehrling vom Dach aus hochzuziehen, Ivaren vergeblich, weil der rechte Arm eingeklemmt war. Als der Bursche schon schwach wurde, holte der Meister selbst die Feuer- wehr?>nd zeigte die betreffende Stelle, wo der Bursche festsaß, selbst an. Die Feuerivehr stemmte den Schornstein auf und befreite teil Lehrling. Wilmersdorf-Halenfee. Zwcckverband und Straßenbahnvertrag. Der Einfluß des auf Grund des Gesetzes vom 19. Juli 1911 errichteten Groß-Be?lii?er Ztveckverbandes macht sich im Hinblick auf eine Vorlage geltend, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet hat. Wie erinnerlich sein wird, wollte die Gemeinde Wilmersdorf in einem mit der Großen Berliner Straßen- bahn und ihren Tochtergesellschaften abgeschlossenen Vertrage noch rechtzeitig ihr Schäfchen ins Trockene bringen. Gegen die Stimmen unserer Parteigenossen und der Fortschrittler und sehr im Wider- spruch mit der Solidarität, die der Straßenbahn gegenüber von den Groß-Berliner Gemeinden gefordert werden konnte, bewilligte die Stadtverordnetenversammlung zu Anfai?g deS Jahres eine Magistratsvorlage,«vonach die K o n z e s s i o n s d a u e r der Straßenbahn bis zun? 31. Dezember 1999 verlängert werden sollte. Nun kam es inzwischen bekanntlich anders. In dem mit der Stadt Berlin geschlossenen Einheitsvertragc ist die Konzessionsdauer der Straßenbahngesellschast in Uebereinstiinmung mit der seinerzeit er« teilten staatlichen Genehmigung bis zun?'31. Dezember 1949 be» schränkt und außerdem noch ausgesprochen worden, daß die Srraße?ibah!?gescllschaftcn berechtigt sein solle??, den neuen Einheitsvertrag schon zum 1. Januar 1949 aufzuheben, falls die Stadtgcineinde Berlin von ihrem H e i»n f a l l s» rechte Gebrauch machen sollte. Außerdem bestimmt der Z 4 des Zweckverbandsgesetzes, wonach die Rechte und Pflichten an Bahn- lmteri?ehm?lngen a?if den Verband übergehen, daß die im Gesetze vorgesehene E>? t s ch ä d i g u n g S p f l i ch t fortfällt, wenn nach de?n 1. Deze???ber 1919 abgeschlossene Verträge in Frage kommen. Durch diese Aenderung der Dinge fühlt Wilmersdorf sich schlechter gestellt. als wenn der an? 1. Februar d. I. perfekt gewordene Vertrag nicht ab- geschlossen Ivorden wäre. Nun hat die Stadt diesen Fall vorgesehen und es tritt laut Vertrag wieder der f r ii h e r e Z u st a n d ein. Immerhin fühlte der Magistrat von Wilmersdorf sich berufen, der Stadt die Neuanlage von Bahnlinien, die in de?» Vertrage vom 1. Februar als Entgelt für die Konzessionsverlängerung vorgesehen war, zu sichern: und erneute Verhandlungen mit der Straßenbahn haben dann einen Vertrag ans Licht gefördert, der die Stadtverordneten- Versammlung in ihrer Mittwoch nachmittag 6 Uhr in der Aula der Viktoria- Luise- Schule abgehaltene«? Sitz>n?g beschäftigte. Ter «iene Vertrag bestimmt, daß die rechtlichen Wirkungen des Vertrage? vom 1. Februar für beide Teile in Geltung bleiben sollen, so daß jeder der Vertragschließenden die inzwischen gewonnenen Vorteile behält. Als Vorteil für die Straßenbahngeiellschaft kommt wesentlich eine von der Stadt eingegangene Verpflichtung in Betracht, wonach die Stadt eine Neihe PflasierungZarveiten üvernimmt. die in dem allen Vertrage die Stratzenbahngefellschasten auszuführen hatten. Die Stadtverordnetenversammlung überwies diese Angelegenheit vorab de», F i n a n z a u s s ch u b zur Prüfung. Dasselbe Schicksal erlitt die in der Sonntagsnummer von uns erörterte Angelegenheit betreffend die Auflösung der K r a n l en h a u s g e m e i n s ch a ft mit dein Kreise Teltow. Groß-Lichtcrfelde. Von einem verhiingnisvollen Geschick ist der Kaufmann Hermann Esau, Drakestr. 25, ereilt worden. E. war nach dem Keller hinunter gegangen, um eine Flasche Wein heraufzuholen. Vergeblich harrten dann die Angehörigen der Rückkehr des Mannes. Nichts Gutes ahnend, begab sich schließlich die Ehefrau nach dem Keller und nun entdeckte sie zu ihrem Schreck ihren Mann leblos in einer Blutlache liegend. Der Bedaueruswerte war auf der Kellertreppe ausgeglitten und so unglücklich in die Tiefe gestürzt, daß er sich schwere innere Zerreißungen und Verletzungen zuzog. Auf dem Transport nach dem Kranlenhause starb der Verunglückte. Ober-Schöneweid«. Die nächste Gemeindevertretersitzuiig wird sich mit einem Antrag unserer Genossen beschäftigen, den Reichstagswählern eine amtliche Nachricht zu übermitteln, unter welcher Nummer sie in der Wählerliste eingetragen sind. Des weiteren ist ein Antrag ein- gebracht, die Gemeindewahlen hinfort an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Die nächsten Ersatzwahlen finden im Frühjahr 1912 statt. Es steht zu hoffen, daß dieser Antrag Annahme findet, da bekannt- lich für die GewerbegerichlSwahlen durch Ortsstatut der Sonntag als Wahltag bestimmt ist. Adlershof. Der Absatz der Seefisch« ist so zurückgegangen, daß am der- flossenen Sonnabend nur noch>/s Zentner umgesetzt tourde. Die Teuerungskonimission beschlost deshalb, vorläufig den Berkauf auf- zuhebeu. Recht günstige Erfahrungen sind mit dem Verkauf der Kartoffeln erzielt worden. Es sind bis jetzt 600 Zentner verkauft und irgendwelche Klagen über die Qualität der Kartoffeln nicht er- hoben worden. Neue Sendungen sind unterwegs. Der Verkauf findet nach wie vor vom Bahnhof ab in Zentnersäcken zum Preise von 3,40 M. statt. Außerdem Montags und Mittwochs von 5 bis 8 Uhr nachmittags im Gemeindeamt, Bismarckstr. 1, der Verkauf in kleineren Mengen. Die Anträge, welche die Speisung bedürftiger Schulkinder und die Oeffnung geheizter Schulzimnier während der Winternachmittage fordern, wurden von der Kommisfion einstimmig angenommen, dagegen ein von unseren Genossen gestellter Antrag. allen Gemeindeangestellten bis zu einem Einkommen von 2500 M. jährlich Teuerungszulagen zu gewähren, abgelehnt. Hiermit wird sich die Gemeindevertretung noch zu beschäftigen haben. Friedrichshagen. Das Opfer eines schrecklichen Vorganges wurde der fünfzehn- jährige Lehrling Richard Neubauer, der auf der Bootswerft der Firma Birkholz u. Gärsch beschäftigt war. Der junge Mensch trat aus dem Arbeitshof an ein Fuhrwerk heran und machte sich an den beiden Pferden zu schaffen. Plötzlich wurde eines der Tiere scheu, bäumte sich hoch, versetzte dem N. einen so wuchtigen Hufjchlag gegen den Oberkörper, dast der Getroffene leblos zu Boden stürzte. Hinzu- springende Kutscher transportierten N. nach dem Krankenhaus. Der Zustand des Schwerverletzten, dem der Brustkasten fast vollständig zerschmettert wurde, ist hoffnungslos. Weihensee. Einen KanalisationSzweckverband beabsichtigen die drei Ge- meinden Hohen-Schönhausen, Heinersdorf und Weistensee zu gründen. Die Gemeinde Heinersdorf hat bereits ihr Druckrohr bis an das vorhandene Weistenseer Druckrohr herangelegt, während die Ge- meinde Hohen-Schönhausen beim Bau der Pumpstation ist. Das Zustandekommen des Zweckverbandes ist für den 1. April 1312 in Aussicht gestellt. Vor kurzem haben die Gemeindevertretungen der drei Gemeinden die Rieselländereien und die Einrichtungen des Rittergutes Birkholz besichtigt. Durch diesen Zusammenschlust wird das Aptieren weiterer Ländereien notwendig. Die gesamten Riesel- ländereien umfassen ein Areal von rund 3000 Morgen, so dast trotz des Zusammenschlusses weitere Landankäuse nicht mehr notwendig werden. Bernau. In einer gut besuchten Mitgliederversammlung deS Wahlbereins sprach Genosse Bühler über die Aufgaben zu den ReichStagswahlen. Im Anschlust an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde ein grösterer Kreis Genossen gewählt, die sofort mit der Vor- bereitung der Wahl zu beginnen haben. Des weiteren übte der Vor- sitzende Gen. Schneider Kritik an der geringen Beteiligung zur Stadt- verordnetenwahl. In einer nächstens stattfindenden Sitzung soll mit den Säumigen besonders abgerechnet werden. Es wurde beschlossen, eine Ausstellung für Jugendschristen zu eröffnen. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten ermahnte der Vorsitzende die Mit- glieder, jetzt vor der Wahl auf dem Posten zu sein. Spandau. Vom Tode ereilt wurde auf dem hiesigen Hauptbahnhof ein ausländischer Arbeiter, der, nach Ausweis der bei ihm vorgefundenen Papiere, zuletzt in einem deutschen Bergwerk beschäftigt war. Er traf vorgestern nachmittag 5 Uhr mit einem aus dem Westen kommenden Huge hier ein und war ausgestiegen, um von dem Vorortbahnsteig aus nach Berlin weiterzufahren. Kaum hatte er aber den Eisenbahnzug verlassen, als er, mit seinen Habseligkeiten belastet, zusammenbrach; er tmirde von mehreren hilfsbereiten Männern hinaus nach den, Wachlokal der Bahnpolizei getragen; kurz darauf starb der Reisende. Die Leiche ist nach der Friedhofs- halle an der Gatower Straße geschafft worden. Der Verstorbene ist ein Mann von 67 Jahren, er ist österreichischer Staatsangehöriger und heißt Joseph Borwicz. Durch Vermittelung des Konsulats in Berlin werden seine Angehörigen im Heimatsort von seinem Tode in Kenntnis gesetzt. Beim Rangieren schwer verunglückt ist gestern morgen auf dem Güterbahnhof der Bahnarbeiter Mehls in Wustermark. Er erlitt Verletzungen am Kopfe und an den Schultern und iznitzte nach dem hiesigen Krankenhause übergeführt werden. Jvgendveranstaltungea. Areie Jugendvereiniguna Köpenick. Sonnlag, den 3. Dezember, findet eine Besichtigung des Märkischen Provinzialmuseums statt. Abfahrt 9.12 Uhr morgens vom Bahnhof Köpenick. Fahrgeld hin und zurück 49 Pf. Arbeiter-rsandcrbnnd„Die Naturfreunde«. Wanderfahrten am Sonntag, den 3. Dezember tSU: I. PotSdam-Saai mund-Nen-BabelSberg. Abfahrt: Bahnhof Ariedrtchftraste 7.15 vormittags. II. Erkncr-Löcknitz- Erkner. Abfahrt: Schiefischer Bahnhof 7.23 vormittag». Gäste willkommen. Marktpreise von Berlin am S8. RovemberlSU.nachSrmIttelung de« Königl. PolizeiprästdiumS. Martthallenpreife.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50,00. Speifebohnen weiße, 40.00- 60.00. Linien 40.00-30,00. Kartoffeln 7,00—10,00. l Kilo. gramm Rindfletsch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfletsch 1,30 BIS 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40, Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00 Schleie 1,40—3,2? Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,40—24.00. eingegangene Druckfchnften. Hamburg Heft von RcclainS Universum. 28. Jahrgang. Heft 9. Einzelpreis 70 Pf., Luxusausgabe 1,20 M.— PH. Reclams Verlag, Leipzig. Ter Hauslehrer. Wochenschrist für den geistigen Verkehr mit Kindern. Nr. 48. Herausgegeben von B. Otto. Erscheint jeden Sonntag. Biertclj. 1,60 M.— Verlag, Gr. Lichterselde, Holbeinstr. 21. Briefhaften der Redaktion. Tie luristische evrechstunde findet Linden st raste 69, vorn vier rreppen — Fahrstuhl—, wochenmgllch von 4V6 bis 7>/Dunst INcbel 2bcdeckt iZiebel Ibcdeckt t bedeckt »S Ä II Sfcj 6i io Stationen o.S 1®� ä S 5-2 sf aparanda 764N ctersburg 770SSS8 ctlly Aberdeen Paris 768NRW 76Z>SSW 770SW und mäßigen südwestlichen Winden. für Donnerstag, den ZV jedoch vorherrschend wolkig Wetter w« mS, 6 bedeckt 1 bedeckt 2 heiter 3 heiter INcbel November 1S11. mit leichten Regensällcn BerlinerWetterbureau. WafferitandS-Narvrtcktte» der LaudeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau vafferfland M e m e I, TUM P r e g e l. Jnflerburg Weichsel. Thon, Oder, Rattbor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, vordainm Elbe, Lettmeritz ', Dresden , Varby , Magdeburg am 28.11. cm 76 -49 —14 117 28 49 i —4 —32 —18 -53 —176 27 33 Ictt 27.11. CID ll —15 +11 0 —11 0 _ 2 0 +2 —5 —2 —7 +7 +7 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beestow Weser, Münden , Minden Rhein, MaxiarilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heildronu Main, Wertheiw Mosel, Trier am 28.11 cm 58 38 10 86 85 126 192 352 160 199 75 106 164 l-it 27.11. om1) —12 +1 —6 0 +1 +1 —11 —8 —1 —38 +15 —8 +10 «)+ bebeulet Wuchs,— Fall.—•) Unlerveael. Im Memelgebiet herrschte gestern bei Schmallenlngken, Tilsit, Kloken und Sköpen Grnndetstreiben; im Pregelgebtei bei Jnsterburg oberhalb der Brücke E i s st a n d, bei Friedland an der Alle Grundeistreiben. Todes-Anzeigen Sozialtleniokrat. Wimm Rixdorfv Dm Parteigenossen zur Räch. Acht, daß unser Mitglied, der Tischler Josef Völker Frlcdelftr. 57 verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den l. Dezember, nach- mittag» VI, Uhr. von der Leichenhalle des Rir.doffer Gemeinde- Fliedhos«, Martendorser Weg, aus statt._ 237/2 Ferner verstarb unser Mitglied, der Stercotypeur Ulbert �ieiclorkk Pannierstr. 40. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 1. Dezember, vor« mittags 11 Uhr, von der Leschen- Halle des neuen Jatobi-KIrchhoseS, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht He». Vorstand. Typograpliia.. An, 27. d Mts. verschied nach schwerem Leiden unser passives Mttgiitd, der Stereotypem Kvllege Ulbert ltfetdorkk im Alter von 47 Jabren. Der Entschlasene hat unserem Verein stets treue Dienste ge. leistet. Die Sänger werden gebeten, sich recht zahlreich zum letzten Geleit einzufinden. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. Dezember, vor- mittags 11 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi-Kirchhoses. Rixdors, Hermaunstr. 99—103, aus statt. 62/12 Her Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, 1808b ibzrnri, Snbc, sage ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Chcss, den Buchhaltern und dem gclamien Personal der Firma?l. Labu», und den Mietern des Hause« Wriscstr. 49, «einen herzlichsten Dank. «»sc Hnbe. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Schlosser Julius Wsecter am 27. November an HatSleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de» Dorotheen-Kirch- voscS in der Müllerstraße aus statt. 125,5 Reg« Beteiligung erwartet Die Ortöverwaltung. Werttiitzlings-Ueltin sämtlichkr Kerufe. Bezirk II Am 27. d. M. verstarb unser Mitglied, der Möbclpolierer Otto Wellmsrm. Ehre feinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. November, nachmittags 3'l, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Schöne- berger FrtedhoieS. Blanke Hölle. Bahnhos Papestraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 299,19 Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber treuer Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Groß- vater, der Klavterarbeiler Josepti Völker' am Dienstag, den 28. d. Mts.. nach langem, schwerem Leiden entschlasen ist. Emma Böller und Kinder Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 1. Dezember, nachmittags!>,, Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Rixdorser Ge- memd«. Friedhofs, Maricndorjer Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne» und unseres guten Vaters sagen wir hiermit allen Verwandte, Krrimden»nd Be- kannten, den Genossen de» 331. und 332. Bezirks, den Mitbewohnern des Hauses Friedrichsseldcr Straße 32, und insbesondere dem Genossen Melle für die trostreichen Worte am Grabe des Verstorbenen unseren herzlichen Dank. Ww. Klara Knopp und Kinde Für die vielen Zeichen der Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter Hermlne KadlolT sagen wir hiermit herzlichen Dank. l8llb IIb Radioff und Sohn. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄJ* 10-2. 5-7. Sonntags 10-12. 2-4, Innnngg- Krankenkasse der fiaeh-, Setnefer- n. Ziegel- deeber zu Berlin. Wahlversammlung am Mittwoch, den 13. Dezember 1911. abendS 8 Uhr, im Lokale von Wellschlager, SO, Adalbert- straste LI. Tagesordnung: 1. Wahl von 26 Delegierten der Arbeitnehmer pro l9I2. 2. Wahl von 13 Ersatzmännern der Arbeitnehmer pro 1912. 3. Wahl von 2 Kranlenkontrolleuren. 233,1 Her Vorstand. I. A.: Gustav Hohdorf, Vorsitzender. Eile:■ Weile! <1(1 Dresdener Straße IIQ llU(Eckhaus Oranienpl.) 119 Robert Baumgarten; Engros Export| Hausvogteiplatz 11 1 1. Etage(kein Laden) 1 | schrägüber Untergrundbahnhot' ,(an der Jerusalemer Straße), verkauft auch einzeln! Paletots Kostüme Kostüm-Röcke Abend- Mäntel; Golf-Jacketts Mädchen- Paletots.; Weingroßhandlung u. Likörlabrik 60 eigene Filialen.' Einzelverlaul zu Enpspreisen. !■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■» H ■ ■ «# pO �ndhdfsto� -IHolckfard. �itssjkkitfljßk Vt 1>«AJ V»M A£*> � Health snuff fobacco. Tabac ä ppiser de santl Tabaka do zazywania dla zdrowfo; Tabacco da naso alla salute. Muffen, Kolliers Sxtra billige Preise! Hebte Skungs-Stolas von Ll» Ii. an. Pelz-Hüie, Hutstreifen Felle, Köpfe, Schweife in allen Fellartcn. Eigene Kiirsclmerei. Jedermann erhält die im Fensler ausgestellten Gegenstände sofort für den beieichneten Preis. Piff» eenau auf Kr. 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