Kr.SSI. Nbonnemenit- PiciZ prSnumeran»«! «ierleljShrl. 3,30 Sit., mrnaü. 1,10 SW, wSchmilich 2-1 9? ig. frei in# Hau#. Einzelne slnnmtet 5 Pfg, Sonr.lag?. Eingetragen in die Pasl.Zeilungs- PreiSIisle. Unter Kreuzband für Deulschland und Oeslerreich» Ungarn 2 Marl, für da# übrige Susiand 3 Marl pro Monat. PostabonnementZ nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, üoriuaal, Rumänien. Schmede!: und die Schn-riz, W. ZahrK. »« KsttNna-LedSd? l fh W« fech#«»K> alten» Kolon» »eile oder der« Kaum«0 Pfg.. für »«litlsche und gewerlschaMche Bereins- «rd BersammImigS-Anzeigen 30 Psg. »KUtac Hnzcfgen". das feNgedruclie Iß ort 30 Sffl.(zulässig 2 settgedruche «orte), jede# weitere Wort 10 Psg. Kiellengesuche und Kchlafslellenan- zeigen da# erste Wort 10 Psg.. jede# weitere Wort b Psg. Worte über löBuch- paben zählen lür zwei Worte. Insciaie für die nächste Ziunimer mSgen bi# b Uhr nachmittag# in der Erpedition �gegeben werden. Die Erbedition ijl ti# 7 Uhr abends geSiinu. vlSfim lZstfS luScr ncf.'y». Berliner VolKsblnlt. Zcntralorgan der rozialdcmohrat« fchen Partei Deutfcblande. Telegramm-tldreffei .Scilaläinoürat BerliB**. CUdahtion: öd. 68, Lindcnstraest 69. Fcrnst'rechcr: SKmt Ntorilzplay, Sir. 1983. Der CurKo als 0a!)!!)el!cp. in. Die deutschen Rüstungshcher und Propheten der „schwarzen Gefahr" haben für ihre Behauptung, Frankreich könne in spätestens zehn Iahren zehn aus nordafnkanischen Gingeborenen forniierte Armeekorps gegen Deutschland inarschieren lassen, noch andere Argumente als die von uns in den vorhergehenden Artikeln widerlegten. Sie sagen, die Unterwerfung Marokkos werde, da jetzt Frankreich hier voll- ständig freie Hand habe, viel schneller vor sich gehen als die Unterwerfung Algeriens, weil den Franzosen heute alle Hilfs- Mittel moderner Kriegstechnik zur Verfügung ständen. Dazu gehöre in erster Linie die Möglichkeit, sofort militärisch wichtige G i ss e n b a h n l i n i e n anlegen zu können. Stun ist schon richtig, daß in den Tagen, in denen Maschinen- und klein- kalibriges Gewehr, Schnellfeuergeschütz und Brisanzgcschoß, Aeroplau und Funkentelegraph ie gegen schlecht bewaffnete Gingeborene ins Feld geführt werden können, der Kolonial- laub viel schneller erledigt wird als in den dreißiger, vier- ziger und fünfziger Iahren des vorigen Jahrhunderts, wo der Unterschied der Bewaffnung bei den fremden Eroberern und den ihr Land verteidigenden Eingeborenen noch nicht so klaffend war. Und wenn in Algerien die französischen Truppen jahrzehntelang nicht allein mit dem Gewehr, sondern auch init Hacke und Spaten arbeiten mußten, um niühsanl Straßen anzulegen, auf denen man Schritt für Schritt in das Innere eindringen konnte, so wird das jetzt in Marokko init Hilfe der Eisenbahnen schneller gehen. Allerdings werden auch hier einige Jahre vergehen, ehe das Land von Schienen- strängen von Osten nach Westen und von Norden nach Süden durchquert wird. Die projektierte Anlage der Linie Tanger- Fez hat schon jetzt zu Streitigkeiten zwischen Frankreich und Spanien geführt. Tie Tracen der geplanten Linien gehen aber im Innern durch Gebiete, in denen die Gingeboreucn ihre Eigentunisrechte geltend inachen toerdcn, in denen der Soldat erst vorarbeiten muß, ehe der Eiscnbahnarbeiter den ersten Spatenstich tun kann. Und wie werden die Linien und Stationen der glücklich fertiggestellten Bahnstrecken gesichert werden müssen! Man sehe sich daraufhin nur einmal die seit ungefähr zehn Jahren bestehenden Bahnlinien im Süden der Provinz Oran an. Da ist jede Station ein kleines Fort mit Schießscharten und Anlagen siir Steil- und Flankenfeuer. Meist liegt eine kleine militärische Besatzung in den Stations- gebäuden, deren Tore nachts fest verschlossen werden. Die Wasserversorgung der Maschinen erfolgt mit Hilfe eines Schlauches von einer Art Eckturm aus— kurz, alles ist darauf eingerichtet, die Station gegen Ueberfälle der Ein- geborenen zu verteidigen. Nebenbei bemerkt, sind in ähnlicher Weise fast in allen Dörfern und Weilern Algeriens die Gendarmeriestationen angelegt, selbst in den fruchtbaren und anscheinend ruhigen Ebenen des Teilgebietes. Die im Lande verstreuten einzelnen Farmen erscheinen mit ihren starken, fensterlosen, nur von Schießscharten durchbrochenen Mauern als kleine Festungen und nicht als friedliche Heimstätten harmloser Landlcute. Anders wird es auf Jahre hinaus in dem unruhigen Marokko nicht aussehen. Und in solchen Ländern, in denen die fremden Eroberer stets mit eincni Auf- stände rechnen, sollte man an die Einführung der allgemeinen Expedition: 8d. 68, Lindenstraeoe 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Wehrpflicht der Eingeborenen denken? Nur vom Zahlern kollcr befallene Militaristen diesseits und jenseits der Vogesen können sich derartigen Phantasien hingeben, und nur kapita- listische Nüstungsinteressenten können diese von sogenannten militärischen Autoritäten vorgetragene Weisheit durch ihre Prcßkulis zu„nationalen" Forderungen umprägcn lassen, um die große, urtcilslose Masse über ihre eigenen egoistischen Ziele zu tauschen. Die künftigen Eisenbahnen in Marokko werden ein Mittel zur Stufrechterhaltung der französischen Säbelherrschaft sein, sie werden in späterer Zeit vielleicht auch der kapitalisti- fchen Ausbeutung dienen können, sie sind aber kein Beweis für die Behauptniig unserer SHistiii'gShetzer. daß Frankreich an absehbarer Zeit marokkanische Soldateii gegen. Deutschland ins Feld stellen könne. Aber unsere NüstungStreiber kommen auch noch mit dem eigentlichen schwarzen Gespenst, dem tiraiUeun senegalnis, da die Sencgalneger äußerst kriegerisch seien. Die franzostschk Kolonialarmee zähle setzt schon 25 000 Mann solcher Neger- truppen. diese Zahl könne aber mit Leichtigkeit auf OOoOO gebracht werden. Diese schwarzen Bataillone würden selbst- Arbeiterfrainm und-Mädchen diesen schwarzen Bestien ans- geliefert würden. Aber so ängstlich ist die Geschichte nicht! Zunächst operieren die„Post" und die ihr gleichartigen Hetz- blättcr hierbei mit ganz Phantastischen Zahlen, wobei sie sich allerdings ans das alberne Geschwafel französischer Rüstungs- fanatikcr berufen können. In Wirklichkeit verfügt Frankreich vorläufig über 22 Kompagnien Scncgaltiraillcure, die französische Offiziere und Unteroffiziere haben. Diese Kom- pagnien jollen zunächst auf 25«brackL werden. Heber die Stärke der Kompagnien liegen keine bestimmten Angaben vor: auf keinen Fall ist diese schwarze Truppe jetzt schon 25 000 Mann stark, und bis zu 90 000 ist noch ein sehr weiter Weg. Zurzeit stehen vier Sencgalbataillone in Nordafrika, drei in Marokko, eins in der Provinz Oran. Generalmajor Wandel hat in der Budgetkoinmission diesen vier Bataillonen eine Stärke von 10 000 Mann zugesprochen, was viel zu hoch ist; sie dürfte in Wirklichkeit kaum halb so hoch sein. Richtig ist, daß diese Senegaltirailleure von kolonial- niilitaristischem Standpunkte aus vorzügliche Truppen sind. Aber nur für den Kolonialkrieg in tropischen oder höchstens subtropischen Gegenden. Dort leisten sie in kleinen Einheiten bei den Straferpeditionen und Metzeleien den französischen „Zivilisatoren" wertvolle Dienste. Es wäre aber heller Wahn- sinn, sie ans einen europäischen Kriegsschauplatz zu bringen. Wir wissen nicht, 00 darüber in der Budgetkommission des Reichstages vertrauliche Informationen gegeben worden sind, wer aber die koloniale und militärische Presse Frankreichs in der letzten Zeit verfolgt hat, weiß, daß die Schwärmerei für die Verwendung der Senegalescnbataillone außerhalb ihrer Tropenheimat bedeutend nachgelassen hat. Es hat sich näm- lich herausgestellt, daß die Negersoldaten selbst das Kliina Nordafrikas schlecht vertragen können. Das in der Provinz Oran versuchsweise stationierte Bataillon hat einen starken Abgang durch Krankheiten usw.: bei den zum marokkanischen Expeditionskorps gehörenden Bataillonen ist es nicht.viel besser. Wenn es der„Post" und anderen militaristischen Blättern in Deutschland nicht bloß darum zu tun wäre, dein deutschen Michel allerlei Schauermären aufzutischen, um ihn für die Nüstungsinteressen ihrer Auftraggeber breitzuschlagen, so hätten sie mitteilen können, daß gerade jetzt, Ende November, ein Dampfer in Oran und Casablanca über tausend kranke und entkräftete Senegaltirailleure mit Weibern und Kindern einschiffen und nach ihrer Heimat transportieren muß. Das ist im Verhältnis zur Gesamtstärke der Senegaltrupven ein ganz gewaltiger Abgang. Es wäre also siir Frankreich ein ganz gefährliches Experiment, wollte es solche schwarzen Soldaten dem Klima der Vogesen, Deutschlands oder Rordfrankreichs aussetzen. Selbst wenn es daran dächte, im Falle eines deutsch-französischen Krieges Turkos und Spahis, unsertwegen auch Gums auf den europäischen Kriegsschauplatz zu werfen, könnte es die in Nordafrika entstandenen Lücken schon ans Gründen des Klimas nicht ausfüllen, es müßte also zur Sicherung seines nordafrikanischen Reiches, wie es schon 1870 tun mußte, Truppen aus dein Mutterlands nach Afrika transportieren und damit seine europäische Heeresmacht schwächen. Es sprechen aber noch eine ganze Anzahl anderer Gründe gegen eine Verwendung der schwarzen Truppen in einem europäischen Kriege. Die Senegaltirailleure sind nur dann für den Kriegsdienst zu haben, wenn sie ihre Weiber mit- nehmen dürfen. Selbst bei dem marokkanischen Expeditions- korps haben ihnen die Franzosen diese Konzession machen müssen. Das würde aber bei den Massenansammlungen, die in Europa mit einem modernen Kriege verbunden sein würden, zu den größten Unznträglichkeitcn für die Franzosen selbst führen. Ferner ist die militärische Ausbildung der Senegalsoldaten gar nicht ans einen europäischen Krieg zu- geschnitten. Sie kommen in ihrer Heimat kaum in geschlossenen Kompagnien zur Verwendung: in Bataillons- einheilen zu fechten sind sie so gut wie gar nicht gewöhnt. Was will man mit solchen Truppen, die nur für den Busch- krieg undNahkampf dressiert sind, auf einem modernen Schlacht- fe!de mit feinem ncrvenzerrüttenden Infanterie- und Artillerie- feuer ans kilometerweiten Entfernungen? Schon diese An- deutnngcn mögen genügen, um darzutun, daß das Geschrei von der„schwarzen Gefahr" leerer Hunibug ist. In Frankreich selbst hat man noch andere Gründe gegen die Verwendung der Sencgalncgcr in Europa oder Nordafrika. Man fürchtet, daß sie in Algerien und Marokko Mohammedaner werden und die islamitische Gefahr auch' nach Westafrika verpflanzen könnten. Außerdem ist die französische Herrschaft in Guinea und an der Elfenbeinküste noch lange nicht gesichert, so daß die Senegaltirailleure in ihrer eigentlichen Heimat noch auf lange hinaus zu tun haben werden. Wenn also die„nationalen" Wahlagitatoren in der Wahlkampagne mit dem„schwarzen Gespenst" politischen Kindern das Fürchten lernen wollen, steht unseren Genossen genug Material zur Verfügung, den Rüstungshetzcrn gründ- lich hcimznlenchten. Die„Post" verlangte seinerzeit, daß in den Marokko- vertrag eine Bestimmung aufgenommen würde, nach der Frankreich die Verwendung schwarzer Truppen gegen Europa untersagt werde. Das Blatt der Scharfmacher war dann sehr böse ans Herrn Kiderlen-Waechter, weil dieser auch nicht so recht an die„schwarze Gefahr" glaubt. Wir möchten aber bei dieser Gelegenheit eine Frage an die„Post" richten: Wenn in einem Krieg? zwischen England und Deutschland, den sie und ihres- gleichen doch gar nicht so ungern sehen würden, englische Matrosen an der Küste Kameruns oder Deutsch-Ostafrikas zu landen versuchen sollten, würden da die Deutschen die schwarzen AskariS der Schiitztruppen nicht auf die Engländer loslassen? Und würde da die„Post" nicht ihren Segen dazu geben? Wir wollen hier nicht weiter davon reden, daß der französische Kolonialmilitarismus nicht allein in Afrika, sondern auch in Ostasien schwere Sorgen hat. Frankreich wird in Jndochina, vor allem in Tonkin, durch die chinesische Re- volution beunruhigt. Das erwachende Nationalgefühl der Chinesen kann auch die Erinnerung wachrufen, daß Tonkin einst eine chinesische Provinz war, um so mehr als noch viele Chinesen in jenem Lande wohnen. Die Sicherung seines oft- asiatischen Besitzes wird Frankreich zu militärischen Maß- nahmen zwingen, die auch seine nordafrikanische Armee tangieren. Ein Argument für das Bestehen einer„schwarzen Gefahr haben aber unsere Nllstungshetzer noch, mit dem sie ganz be« sonders auftrumpfen. Es ist das die V e r w e n d n n g der Turkos int letzten deutsch-französischen Kriege. Hier haben sich, so sagen sie, die Turkos als ganz besonders gefährliche Gegner erwiesen. Besonders General v. L i e b e r t, der selbst gegen die Turkos gekämpft hat, ist auf diesem Argument herumgeritten, und hat es mit der ganzen Autorität, die in Deutschland die Generalsunisorm verleiht, gestutzt. Auch Prinz Schönaich-Carolath hat, wie wir von einem Mitgliede der Budgetkoinmission hörten, mit all der dünkelhaften Ueberhebung, mit der die meisten Glieder der Offizierskaste auf die„Laien" und alle die herabblicken, die sich ein Urteil über militärische Dinge erlauben, ohne zu den höheren Rangstufen des militaristischen Mandarinentums zu gehören. Dinge über die Turkos zum besten gegeben, die einer kriegsgcschichtlichcn Prüfung nicht standhalten können. Die Verwendung der Turkos im letzten Kriege beweist zunächst noch nicht viel für die Verwendnngsniögtichkcit nord- afrikanischer Truppen in unseren Breiten. Die Turko- regimcnter kamen damals in geschlossenen Einheiten in den heißen Sommermonaten ins Gefecht, also unter klimatischen Verhältnissen, die, ebenso wie im italienischen Kriege von 1859, einigermaßen denen ihrer Heimat entsprachen. Ihre versprengten Reste sind im Laufe des Winterfeldzuges kaum noch zur Geltung gekommen, sie hatten ebenso wie die nach Deutschland übergeführten kriegsgefangenen Turkos unter der Winterkälte ganz jämmerlich zu leiden. Ferner wußten und wissen die Franzosen recht gut, daß solche eingeborenen Truppen nur dann ganz zuverlässig im Kampfe sind, wenn sie an europäischen Truppen Rückhalt haben. Prinz Schönaich- Carolath hat in der Vudgetkommisston die Behauptung ans- gestellt, die Turkos hätten bei Weißenburg und Wörth in größeren einheitlichen Verbänden, sogar in selbständigen Brigaden gesöchten. Das ist einfach nicht wahr. Die Franzosen haben die Tnrkoregimcnter, die dem Korps Mac Mahons zugeteilt waren, sorgsam mit Linieninfanterie- Regimentern zu Brigaden vereinigt und sie nur mit diesen ins Gefecht geführt. Um den Herrn Prinzen gründlicher zu widerlegen, wollen wir ihm hier die betreffenden Brigaden nennen. Das 1. Turkorcgiment bildete zusammen mit dem 78. Infanterieregiment die Brigade Pellä(Division Donay): das 2. Turkoregiment mit dem 48. Linicnregiment die Brigade Lesävre(3. Division) und das 3. Turkorcgiment mit dem 87, Linienregiinent die Brigade Lacretellc(4. Division). Um einem 1870 und auch heute noch weit verbreiteten Irrtum entgegenzutreten, wollen wir hier kurz feststellen, daß die Zuavenregimenter seit 1839 keine eigeborenen, sondern rein französische Truppen in orientalischer Tracht sind. Sie ge- hörten 1870 ebenfalls zum Korps Mac Mahons. Die Turkos haben sich, wenn man auf dem Standpunkt des„gottgewollten" Massenmordes steht, gewiß gut geschla- gen. Aber auch wieder nur unter Bedingungen, die ungc- fähr denen des nordafrikanischen Kriegstheaters entsprachen. Das 1. Turkorcgiment trat bei Weißenburg in den Kämpfen Inn Altenstadt und den Bahnhof in Aktion, also unter Be- dingungen, die sich von denen des Nahkampfes auf dem nord- afrikanischen Kriegsschauplatze kaum unterschieden. Ebenso war es mit dem 2. und 3. Turkoregiment, die bei Wörth in den Weinbergen und Hopsenanpslanzungen zwischen Frosch- iveiler und Elsaßhanscn sich neben französischen Regimentern eingenistet hatten und vom preußischen V. und XI. Korps ebenfalls im Nahkampf geworfen wurden. Selbst der letzte verzweifelte Ansturm, den Mac Mahon gegen 3 Uhr unter- nahm» nni Elsaßhausen den Preußen wieder abzuringen, wo- bei das 2. Turkoregiment die Führung hatte, unterschied sich nicht wesentlich von dem Angriff auf ein befestigtes Kabylennest auf afrikanischer Erde. Ob aber heute die Turkoregimcnter in den tilomcterweit auseinandergezoge- neu Schützenlinien eines„menschenleeren" modernen Schlacht- selbes zu verwenden sein würden, ist mehr als fraglich, um so mehr als die Artillerie in ganz anderem Maße Schlachten- Waffe geworden ist als 1870. Eine Turkotruppe dem Schrapnellhagel unsichtbarer Schnellfeuerbatterien auszu- sehr gewagtes Experiment. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Turkos in ihrer Heimat auch nur sehr selten in größeren als Bataillons- cinheiten für das Gefecht einexerziert werden können. Sie sind wie alle afrikanischen Regimenter in kleinere Abteilun- gen ans dein Regimentsverbande gerissen und unter das ganze Land in Posten iisiv. verteilt. Die offiziellen Karten über die französischen Streitkräfte in Nordasrika geben gar kein klares Bild über die�Truppenverteilung, da sie meist nur den Sitz der einzelnen Stäbe registrieren. Prinz Schönaich-Earolath hat dann auch von großen Wafsentaten der Spahis, der arabischen Kavallerie, geredet. Dabei sind die drei Spahiregimenter kaum zu einer großen ' Aktion gekommen. Die historisch bemerkenswertesten Attacken ! der sranzösischeu Kavallerie sind 1870 von den 8. und 0. Kiu-asnerZ W NeichOoscir lind von der Kovallcricdivision Margiierite Lei Scdan azif den Höhen von Floing geritten worden, dabei waren aber ieine Spahis. Und wenn der Herr Prinz in der t'udgetkomimssion jo schön pathetisch erzählt '".at, daß der spätere Komwuncschlächtcr Gallifct mit dem Rufe:„Un avLnt was bch-rvas.Vkrienlns!"(„Vorwärts, meine tapser?n Afrikaner!") zur Attacke angesetzt habe, so hätte er der Wahrheit die Cbre geben und sagen sollen, daß es sich dabei nm Chasseurs d'Asrique, also um Vollblutfranzo- scn, gehandelt hat. Die Spahis haben im ganzen sSJcldznge keine erwähnenswerte Nolle gespielt. So wertvoll diese Truppe für die Franzosen in Nordafrika ist, so wenig ist ans einem enro- paischcn 5:riegsschanplatze mit ihr anzusaugen, schon weil ihre Berberpscrde dem Klima und Futterwcchscl nicht gc- wachsen sind. Wir haben absichtlich die Mär von der„schwarzen Gc- fahr" in allen ihren Einzelheiten widerlegt, weil in diesen Tagen imperialistischen Hochdrucks den Nüstungs- und Kriegs- Hetzern mit allen Waffen entgegengetreten werden muß. Unsere französischen Genossen werden dafür sorgen, daß die Bäume Urcr militaristischen Hetzer nicht allzu sehr in den Himmel wachsen.__ Sie Crdrofidaai» der freien Sjilfskallen. Zu den Gesetzen, die Ncgiernng und Rcichstagsmehrheit unter allen Umständen noch in diesem Reichstag vor Toresschluß zustande bringen möchten, gehört auch der Gesetzentwurf, der die B c s e i- tigung des Hilfskasscngcsetzes vorsieht, um die be- stehenden Hilssrassen auf Grund der neuen Vcrsicherungsordnung vollständig der Kontrolle der Behörden zu unterwerfen. Zweck auch dieser Maßregel ist es, den Arbeitern die Selbstverwaltung in den von ihnen geschaffenen HilfSkassencinrichtungen zu nehmen; den V o r w a n d aber bilden für die Selbstvcrwaltungsfeinde die llcbelstände, die durch die sogenannten Schwindelkassen hervor- gerufen wurden. Nun wird von den Sozialdemokraten, wie von den organisierten Arbeitern überhaupt, natürlich gar nicht be- stritten, daß die Schwindelkassen, die sich auf Grund des bestehenden Gesetzes herausgebildet haben, von Uebel sind. Maßregeln, die sich darauf beschränken würden, den Schwindelkassen das Lebens- licht auszupusten, würde auch die Sozialdemokratie willkommen heißen. Uber hier handelt es sich um etwas anderes. Ilm die Schtoindelkassen nicht am Leben zu lasse», schlägt man gleichzeitig die Selbstverwaltung der Arbeiter überhaupt tot. Trotz Milderung einiger Bestimmungen durch die Kommission beaniragtc deshalb die Sozialdemokratie die Ablehnung des Er- brosselungsgesetzeö und verlangte gleichzeitig in einer Resolution, daß die Regierung einen andern Gesetzentwurf vorlege, durch den das bestehende Hilfskassengesetz so geändert werde, daß die Schwindelkassen beseitigt, aber die Selbstverwaltung der Arbeiter in den von ihnen gegründeten Hilsskassen unangeiastel bleiben würde. Die sehr lebhaften Auseinandersetzungen in der Donnerstag- fitzniig drehten sich deshalb hauptsächlich um die Frage der Er- Haltung oder Erdrosselung der freien Hilfs- k a s s e n. Genosse Hoch vertrat in eindringlichen Worten den sozial- demokratischen Antrag; er wie? aus die skandalöse Tatsache hin, �aß sogar christliche Arbeitervertreter, wie Herr Behrens, die Regierung scharf zu machen gesucht haben gegen die Hilfskassen, indem sie mit der allen fadenscheinigen Mär operierten, daß die Sozialdemokraten die Hilsskassen zu Parteizwcckcn mißbrauchten. Beschämend für die freisinnige Partei sei es, daß sie als Bundes- genossin solcher Arbciterfeinde bei der Erdrosselung der Hilfs- kasscnselbstvcrwältung mitwirken wollte. Die freisinnige Abge- ordnete R e u in a n n- H o fe r suchte seine Partei zu verteidigen, indem er darauf hinwies, daß sie doch auf eine Milderung des Gesetzes hingewirkt habe..Herr Behrens übertrumpfte sein früheres Treiben noch dadurch, daß er sich zu der Behauptung ver- stieg, dem sozialdemokratischen Tcrrorismus müsse unbedingt ein Ende gemacht werden und da sei ihm die polizeiliche Kontrolle bei den Hilfskassen doch lieber als d c re n Selbstverwaltung. Schärfer kann der Gegensatz zloifchcn der Sozialdemokratie, die für das Selbstverivaltungsrecht eintritt, und den christlichen Arbciterverrätcrn ja auch gar nicht markiert werden, als es Herrn Behrens gelungen ist: Hie Selbstverwaltung der Arbeiter! hie Polizei- ko n trolle! Das christliche Polizcisränzchen wurde vom Genossen«tadt- Hägen gründlich durchgeschüttelt. Das Gestöhne des Behrens über len TerwrisinuS der Sozialdemokratie sei jämmerlicher Klatsch ohne alle Beweise, der von den bezahlten Hetzern der Re- akiion im Lande nmhcrgetratscht werde. Herr Behrens wußte sich nicht anders zu verteidigen, als daß er die neue Unwahrheit auskramte, dw sozialdemokratische Presse billige sogar ausdrücklich den Terrorismus. Dann wurde die Debatte geschlossen und der 8 l. der die Aufhebung des HilfslasjengesetzeS ausspricht, gegen die Sozialdemokratie a n g c n o m m c n. j Von neuem entspann sich der Kampf, und in heftigerer Weis? noch, bei eii em sozialdemokratischen Antrag, wonach der Presse bei tadelndem Urteil über Versicherungsvereine der Schutz des § 103 des St. G. B.(Wahrnehmung bcrcchtigier Interessen) zuzubilligen ist. Genosse Stadtbagen begründete in ausführ- liehen juristischen Ausführungen diesen Vorschlag, der gerade ge- eignet sei, den Schwindelkassen das Wasser abzugraben, denn nichts hätten sie so sehr zu fürchten als die ösfcntliche Kritik. Leider hätten aber bisher notorische Schwindelkassen den Schutz der Ge- richte gefunden, wenn sie wegen formaler Beleidigung ihre Kritiker verklagten. Ter Wahrheitsbeweis sei den Kritikern abgeschnitten worden. Dieser Antrag der Sozialdemokratie brächte einen anderen christlichen Arbe'terfeind auf die Beine, Herrn Johannes Becker aus Arnsberg, der rS nicht unterlassen konnte, seine Zentrums- parte! eiiir r? wieder zu kompromittieren, indem er das Reichs- verband smärcki-n ausgrub, Mitglieder der freien Hilfstassen würden durch terroristisch». Mittel in die freien Gewerkschaften und in die sozialdemekratii.h: Partei hineingeängstigt. Entrüstete Zurufe der S.'gialdemokratie protestierten gegen diese Verdächtigungen. Dann führte Geiiossch Hoch den Nachweis, daß Herr Lecker nicht nur jetzt eine Unwrhrh-it verbreitet habe, sondern früher schon bei seinen Angriffen auf den Buchdruckerverband auf den gleichen dunkelcn Pfaden ertappt worden sei. Herr Becker kramte nunmehr auch noch die bereits gründlich widerlegte Geschichte vom sozialdemo- kratischen TerroriSmuZ in der Reichsdruckerei ans. worauf Hoch, unter stürmist' cm Beifall der Sozialdemokratie feststellte, �daß die Arbeite? der Reichsdruckerei selbst in eine? von 500 Personen besuchten Versammlung diese Verdächtigung bereits zurückgewiesen hätten. Unter steigender Erregung des Hauses, die sich in Zwischen- rufen hinüber und herüber entlud, wurde das Rededuell zwischen .ch und Becker noch eine Zeillnirn fortgesetzt und dann natürlich ter'sozialdemokratische Antrag abgelehnt, Bis ölll Uhr spann sich die Debatte fort. Dann trat Ver- tagung ein. Sir Ldtvard Greys Rede, Aus London wird uns geschrieben: Sir Edward Grcy hat es fertig gebracht, mit einem ihm cige- nen Auswand scheinbar ungezwungener Aufrichtigkeit vielerlei Hochinteressantes und Wichtiges zu sagen, dabei aber doch das Wesentlichste, worauf cS ankam, disknet zu vcrschiocigen. Deutlich ist es vor allen Dingen, daß ans dieser Disputation zwischen Herrn v. Kiderlcn-Waechtcr und Sir Edward Grey beide Staatsinänncr wie der Rabbi und der Mönch herauskommen. Daß Kiderlen-Wacchtcr mit seiner veröffentlichten Rede in der Budgctkommission des Reichstags die Oeffcntlichlcit in Deutschland und der ganzen Welt irregeführt hat, ergibt sich aus den einleitenden Ausführungen Greys mit der größten Klarheit. Die Behauptung des deutschen Staatssekretärs, daß die der eng- tischen Regierung gemachte Mitteilung vom 1. Juli über die Ab- scndung des„Panther" nach Agadir von keinen Erkundigungen seitens der englischen Regierung gefolgt wurde, wird von Grcy direkt widersprochen. Mach seiner Erklärung machte Sir Edward Grcy schon am 3. Juli, und dann wieder auf Grund einer Sitzung des eng- lischcn Kabinetts am 4. Juli dein deutschen Botschafter in London überaus ernste Vorstellungen. Auf der anderen Seite ist die von der englischen Regierung in die Welt gesetzte und von Grcy nicht direkt widcrsprochene Meldung, daß diese englischen Vorstellungen fast drei Wochen unbeantwortet geblieben sind, ebenfalls unrichtig, denn Sir Edward Grey selber mußte in seiner Rede zugeben, daß der britische Botschafter in Berlin am 12. Juli von Kidcrleu- Waechter ersucht wurde, die englische Regierung zu versichern, daß Deutschland nicht daran denke, die Marokkofragc mit Frankreich und Spanien unter Ausschluß Englands zu lösen. Aber Sir Edward Greys Ausführungen zeigen auch, daß England weit entfernt davon war, das friedfertige Lamm zu sein, das sich nur gegen deutsche Provokationen wehrte. Der Panther- s p r u n g war gewiß ein unverzeihlicher G e w a l t st r c i ch, der direkt eine Kriegsgefahr heraufbeschwor, aber obschon die englische Regierung sofort Verwahrung gegen dieses Vorgehen einlegte, gab sie doch keine klare Darstellung ihrer Be- schwerdcn und Wünsche, sondern orakelte bloß über eine„neue Situation", die geschaffen worden sei und die unter gewissen, nicht näher erläuterten Umständen die britischen Interessen direkt be- rühren könnte. Auf diese Weise überließ Sir Edward Grey der deutschen Regierung die Aufgabe, aus eigener Initiative mit neuen Erklärungen und Erläuterungen zu kommen. Daß die deutsche Regierung das versäumte und abgesehen von der dem englischen Botschafter in Berlin am 12. Juli gemachten Erklärung keinen Versuch unternahm, die englischen Befürchtungen zu zcr- streuen, war wieder ein gewissenloses Spiel mit dem Feuer, wofür die deutsche Regierung zur Rechenschaft gezogen werden muß. Aber daß dieses Versäumnis Lloyd Georges Kriegs- fanfare vom 21. Juli gerechtfertigt habe, davon hat Sir Edward Grc� nicht einmal seine eigenen Partcianhängcr überzeugen können. Was sich dann zwischen dem 21. und dem 27. Juli zwischen dem deutschen Botschafter in London und Sir Edward Grey zu- getragen hat, stellt den Fähigkeiten und dem VcrantwortlichkcitS- gefühl der bcteiliglcn Staatsmänner ein sehr schlechtes- Zeugnis aus und konnte mit der treffenden Bemerkung K e i r H a r d i e 3, daß die Herren sich, wie S ch u l k n a b e n b e- tragen hätten, abgetan werden, wenn man vergessen könnte, daß da» lindische Pochen auf die eigene Würde, die bcruligende Er- klärungen verbiete, das Wohl und Wehe der größten Kulturvölker der Erde freventlich aufs Spiel setzte. Am 27. Juli wurde dann die Krise durch eine versöhnlich gehaltene deutsche Note und die Er- llärung ASquiths im Unterhause als ein nunmehr aufgeklärtcs Mißverstäudnis für beigelegt erklärt. Die allgemeine Ucbcrzeugung, daß wir am Rande eine» europäischen Krieges standen, hat Sir Edward Grcy nicht be- stritten, sondern vielmehr bestärkt. Aber man wird iis seiner Rede vergeblich eine befriedigende Antwort auf die Frage suchen, was es eigentlich war, das die englische Regierung hätte ver- anlassen können, einen Krieg gegen Deutschland zu führen. Sir Edward Grcy schenkte den Versicherungen Deutschlands, daß es sich nicht in Marokko festsetzen und keine Flottenstation in Agadir erwerben wolle, keinen Glauben, sondern er kam aus der Ab- sendung des 7, Panther" und den ihm von Frankreich gemachten Mitteilungen über die„offenbar unannehmbaren" Kompensations- forderungen Deutschlands zu dem Schlüsse, daß es zu keiner Eini- gung zwischen Deutschland und Frankreich kommen würde. Ferner folgerte er aus der Erklärung der deutschen Regierung, daß eine Rückkehr zum Statusquo in Marokko, also zur Algecirasaltc, nicht mehr in Frage tomine, daß Deutschland es auf eine Teilung Marokkos abgesehen habe. War es also der Abbruch der Ver- Handlungen zwischen Deutschland»nd Frankreich, die England zur Kriegserklärung hätte veranlassen können? Mit Nichten, denn Sir Edward Grcy erklärte ja gestern ausdrücklich, daß er dann zugunsten einer internationalen Konferenz eingetreten wäre. Allerdings rechnete er mit der Möglichkeit und den Gerüchten, daß Deutschland eine solche internationale Kaufe- rcnz abgelehnt haben würde. In diesen Möglichkeiten und Gerüchten in eventuell eintretenden Fällen liegt die einzige tat- sächliche Grundlage und Begründung der akuten Kriegsgefahr, die die Diplomaten im Sommer auf Europa hcraujbc schworen! Und eine solche Wirtschaft sollen sich die Völker Europas gefallen lassen! Was im besonderen da» englische Volk anbelangt, wird es sich vergeblich fragen, welche eng- lischen Interessen in Frage'standen, depen Vertretung einen europäischen Konflikt auch nur im entferntesten a!s denkbar hätte erscheinen lassen können, da ja doch England keinerlei politische Interessen in Marokko verfolgt. Der KurS, in dem die europäische Diplomatie schon seit Jahren steuert, ist! e i n FriedcnSkprs, und selbst die dramatische Herausbeschwörung der höchsten Gefahr, wie wir sie in diesem Sommer erlebten, wird die Diplomaten nicht veranlassen, aus eigener Initiative herau» bessere Wege zu be- treten. Bessere Zeiten werden erst kommen, wenn die Völker sich entschließen, die Führung der auswärtigen Politik der sie mono- polisicrciiden privi.e gierten Kaste zu'entreißen und in die eigetirn Hände zu nehmen. Ganz ohne heilsame Folgen werden die bitteren Erfahrungen der letzten Monate jedoch kaum bleiben. In England wir der Kampf um die Demokratisierung der äußeren Politik weitergeführt wer- den. Ein gang erheblicher Teil der liberalen Presse ist bitter cnt- täuscht über die Rede Sir Edwards, die nirgends einen so be- geisterten Beifall fand, als auf den Bänken der Konservativen. Daß sie sich offen zu einem Kampfe gegen Sir Edward Grcy cnt- schließen könnten, ist freilich nicht anzunehmen, wie denn auch ein solcher Kampf unter den gegenwärstigen Machtverhältnissen völlig aussichtslos wäre. Gegen die diplomatisch- Grhcimkrämerei aber, deren Ergebnisse nun in so überzeugender Weise bloßgelegt worden sind, werden die englischen Radikalen wahrscheinlich doch einen ernst- haften Kampf unternehmen. Zu irgendeiner Form parlamenta- rischer Kontrolle, wenn auch in sehr ungenügendem Maße, dürfte eS in naher Zukunft vielleicht doch kommen, l�oUtlfcds Ocka'fkbt. Berlin, den 30. November 1311. Em sch-vurgerichtlich entlarvter Tcrrorismws» schwinde!. Anfang September d. I. wurde von der bürgerlichen Press» eine Slbanennär unter der Spitzmarke:„Ein sozialdemo- krati scher Mord— der Getötete ein Opfer sozial- demokratischer Verhetzung" verbreitet. Die„Post», die „Deutsche Tageszeitung», die„Leipziger Neuesten Nachrichten», sowie konservative und andere liberale Blätter brachten ein in der gemeinsten und infamsten Weise zusammengeflicktes Lügengcwrae, demznsolge die„sozialdeinokrarisch organisierten» Arbeiter Gebrüder Gustav, Wilhelm und Bruno Conrad aus Beesen bei Halle. ualionaldcnlendc Hirscki-Drriickcrsche Arbeiter überfallen, mit Messern bearbeitet und den Stellmacher Roter erstechen haben sollten. Es wurde erzählt, die sozialdemokratisch organisierten Arbeiter wären durch Sireiks und durch die sozialdeinokraiische Presse derartig verhetzt tvorden. daß sie sich vor einem von der Sozialdemokratie boykottierten Lokale aufgestellt rmd die„Hirsche», nur weil diese in dem Lokal verkehrten, einfach niedergestochen hätten. Wie die „Wilden'" wären die„Klasseiitämpfer" über die Nationalen hergefallen. Und zum Schluß wurde in der Notiz bedauert, daß die indirekten Vcranlasscr nicht zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Dieser angebliche lleberfall sozialdemokratischer Banditen beschäftigte heute unter Leitung des LandgerichtSdirektor» Schubert das Schwurgericht zu Halle. ES stellie sich al!' id heraus, daß die Darstellung der bürgerlichen Presse über den Sachverhalt, wie der„Vorwärts" sciiierzeil schon berichtet bar, von A bis I erlogen ist. Die Gebrüder Conrad, die wegen Körper- Verletzung mit TodeScrfolg bezw. Teilnahme an der Sckstägcrri an- geklagt waren, haben weder mit der sozialdemokra» tischen Partei etwas zutun, noch haben sie damals Streik- oder Bohkottpostcn ge st an den. Tie Angeklagten wurden von den Unternehmern, bei denen sie gearbeitet haben, als tüchtige, brave, nüchterne und fleißige Arbeiter, die niemals zur Zanksucht neigten, bezeichnet.— Anders verhielt es sich mit den als.nationale» Hirfch-Dunckersche Gewerl- vereinler bezeichneten Arbeitern, die an dem berreffenden Abend .überfallen» sein wollten. ES stellte sich nämlsch durch die Beweis- aufnähme klar und deutlich heraus, daß diese„Nationalen» am Abend des 1. September den von der Bauschule kommenden Lljährigen Gustav Conrad a u S reiner Rauflust überfallen und mit Gummiknüppeln bearbeitet hatten. Sie hatten ihm die Worte zugerufen: „Wir schlagen Dich zu»: Krüppel und holen Dir die Kaldaunen nmN Wir wolle:. Dir zeigen, daß wir noch leben. In fünf Minuten bist Tu beim lieben Gott." Daraufhin bot Gustav Conrad seine beiden Brüder Wilhelm und Bruno, ihn am Abend des 8. September, als er einen zweiten lleberfall befürchtete, von der Schule abzuholen. Bei dem zweiten lleberfall ereignete sich dann die zur Anklage stehende Tat. Gustav Conrad zog in der Abwehr das Messer und stach seinen Gegner, den Stellmacher Roter nieder. Aus dem Fenster riefen Zuschauer dem Gustav Conrad zu. er solle sich doch wehren. In der Belveisauf- nahme wurden die nationalen Zeugen von dem Vorsitzenden und i den Geschworenen ins Kreuzverhör genommen und verwickelten sich � dermaßen in Widersprüche, daß sicg eimnal der Geschworene Herr LiereS von Wilkau erhob und den N'aiioualen die Worte zurief: „Was Sie da sagen, glaubt Ihnen kein Mensch; Sie habe» sich zu sehr verplappert". Das Resultat der Verhandlung war: Die drei Gebrüder Conrad wurden kostenlo» freigesprochen. Wird die Vertrumderpucsse nun den Mut zur Berichtigung finden? Nach den bisherigen Erfahrungen rechnen wir nicht darauf. Hanfabnudlerifches. Nach seinen„Richtlinien» fleht der Hansabund angeblich über den Parteien. Er ist verpflichtet, alle diejenigen Parleien Im Dahlkampfe zu unterstützen, oder wenigstens nicht zu bekämpfen. die die politischen oder wirtschaftlichen Interessen der erwerbe- tätigen Kreise gegenüber der Wirtschaftspolitik des schwarz-blaucn Blocks vertreten. Durch eine Notiz der„Freisinnigen Zeitung" veranlaßt, hat nun der Demokratische Wahlausschuß des C Ber- liner ReichZtagSwahlkreifcS beim Hansabund angefragt, ob es wahr sei, daß er im 1. Berliner Wahlkreis die Kandidatur Kaempf unter- stütze. Do: Hansabund hat darauf, wie da?„Demokratisch� Partei- burcau" bericht t.'zivar die Verantwortung für die Notiz in der „Freisinnigen Zeitung» abgelehnt, ober wörtlich geantwortet:„Im übrigen teilen wir Ihnen mit, daß in einer gestern abgehaltenen Versammlung sämtlicher Vorstände der Berliner Bczirksgruppcn des HansabundcS einmütig beschlossen worden ist, die Kandidatur des Mitglieds deS Direktoriums des Hansabundes, Herrn Sladt- ältcsten Kaempf, mit aller Kraft zu unterstützen.» Danach hat also der Hansabund in Berlin auf die neutrale Stellung gegenüber denjenigen bürgerlichen Parteien verzichtet, die sonst den Anforderungen seiner Richtlinien durchaus genügen. Ein sozialdemokratischer LandbagS-Vizepräfideut i» Elsasz-Lotssringe»? In einer Konferenz der Fraktwnsvorftäiide des neuen LaudtageZ in Eliaß-Loihringen, der nach offiziöser Verlautbarung schon am 0. Dezember im Kniserpolast zu Slraßburg feierlich«öffnet werden soll, kam man dahin übcrein. das LandtagSburcau genau nach der Stärke der Fraktionen zu besetzen. Danach stellt das Zentrum den ersten Präsidenten, woiür die Partei den Land- und Reichstags- abgeordncren Dr. Rick l in b-stimm, hat. Da die drei anderen Frolüanen(Sozialdemokraten, Liber<,l-Tcmokro:en und Lothringer Block) zahlenmäßig gleich find, wurde vorgeschlagen, bei der Be- fetznng des ersten Vizepräsideuleuposlens von den Hospitanten a.- zunchen und der Fraktion den Vortritt zu geben, die an reinen Mit- gliedern die stärkste ist. und das wäre die Fraktion der— Sozial- dcmolratie. Den zweiten Vizepräsidenten würde der Lothringer Block stellen, so daß die Liüeral-Deniqkr ten. die unter ihren elf Mitgliedern vier Hospitanten zahlen, uu Kammerprüsidinm lediglich durch einen T brififührcr vertreten wären. Dem Präsidenten soll elneRiisivandeiüschäpigUüg von 2(Xi''> M. iür das Jahr bewillig! werden. Nach den getroffene» vorläufigen Dispositionen soll nach Fest- setzling der Ges. äftSordnwig des Landtages uns nach Erledigung de» Budgets die Frage der Steuerreform und dann die der B e a m t c i, b e f o l d u n g in'.. igriss genommen werden. Erst dam, soll die D i ä t e n f r a g e zur Erledigung komme», die nach dem Lersassimgsgeiktz RS spätestens den Juli 1Sl2 gelöst sein muß. LiS dahin dürfte es zu einem Provisorium kommen auf der Grundlage deS bisherigen Zuftondes für die LandesanSichnßmitglieder (20 M. pro SitznngStag, aber nur eine Eilenbahnfahrt vom Wohn- ort deS Abgeordneten nach Straßburg zu Beginn der Session und nach Schluß derselben!) An der feierlichen Eröffnung des Landtages im Kaiferpalast (Verlesung der Thronrede durch den Stotthalte: mit dem Übls en Kaiserhoch) wird sich die sozialdemoklatifcye Fraltion de: Zweite» Kammer nicht beteiligen. Ein Liebesdienst für den Schnapsblock. Der ü a d i 5 1?! e Finanz Minister bat sich bknühlgk gefühlt, im Landtage so etlva- wie eine schüchterne Reibtstrtigmig des 8!clibz»ge>Z der halben Milliarde zu geben. Der Etat von lW>S hätte mit einem Defizit von rund LlO Millionen ab- gefchloffcn, wofür nach den bestehenden Brstnnmnngen die Bundes- siaaten ebenfalls hätten einstehen müssen, und zwar Baden mit einem Anteile von orft Millionen Mark. Diese Kala- mität hätre unter allen Umständen, und zwar ohne Zögern beseitigt werden müssen, wenn sie nicht zu einer Kata- slrophe führen sollte. Für das Reich und h'ichhfachltch für die Bundesstaaten, die nicht in der Lage gewesen wären, diesen Leipsllt tungen gegenüber dem Reiche aus ihren geordneten Einnahmen gerecht zu werden.' Diese schwere Gefahr hätte die Neichsslnanzreform von lveiZ/IVOS gründlich und noch rechtzeitig linwe">erän:n.t. DaS sei.das inE- streitbare Verdienst dieses Lwfocmtv�rkes, mag mau über seine Ausgestaltung im einzelne» auch geteilter Meitiutig fein und insbesondere die Nblehnimg des von den Verbündeten R. ierungrn dorgcs hlagenen Ausbaues der Erbschaftssteuer lebhaft bedanern. Das; die Fioanzreform Ertragnisse gebracht hat, Hot gewig niemand bestritten. Für den bad scheu Fi.mnzmjnister scheint eS vlod d arau f anzukommen. Das; die Finanzrrform eine iüuöplüiidcrung der Arluc» gewesen iki. den küeichen c.Uv vervtrhrtc Lielützadr» gebracht hat, das ist dieser.? Fü'al?s:en bens-rche. Kaimt dag er die Nieder- tracht der Kleri'nten und de? Zentrums, nicht nial ein paar schäbige Millionen Erbschaftssteuer zu bewilligen, leise zu tadeln wogt, kiber dem Schnap: block wird dos nichts Helsen, so viel Ucbung er auch sc..st im Eteuerbkirug hoben nwa. Am j2. Fanuar wird den BoUSauSplünderer» schon die gebührende Antwert gc- geben werden. . Freisiuu-ge Neklatne für den Jtutsi-Teittschland-Bund. ib.le' weil der Freisinn politisch heruntergekommen ist, beweist auch seine Stellungnahme zu der neuen hnrrapairwtisch sozialisten- sresseriscken Gründung..Jung Drutsch'on�-Vundch Es verdixnt vcrincrit zu werden, dost die„Vos fische Zeitung" ei!?en Ar- tiiel de? chcnerblseldmarkchfllls Freiherr» von der Wolif ohne jede r. aitidnel'.. rinmerkutig wiedergibt; der die Absichten des Jung-Tcutschland Bundes klarlegt. Diese Dorlegunaen sind aber ganz in roaktionär-natjonolistifch m Geift: gehalten. Da wird davon gesprochen; dotz die neue lslugenddcwcgung, die zu keinem anderen threie ins Leben gerufen wurde, als um die sozialistische Iitgen.. eufkü.rung zu bekämpfen» notwendig sei, um den„gefähr- lia m Jei: räum zwischen Schule und Heer" zu überorücken. In welchem T.nne da? geschehen soll, verrät schon der Hinweis daraus, dag hauptsächlich die„reichen Lehrkräfte, die in der Armee und rhrcin Beurlaubten stände enthalten" seien, für die Fugcndpfleae zu gewinnen lvären. Nur ein„starkes und frommes Acschlecht", das von„vaterländischem Geiste beseelt" sei,:ö:me Deutschland siegreich durch die„Stürme ivagen» die ihm nicht erspart bleiben" würden. Tag..'s ganze Gerede von der Körperpflege nichts als hohles Gc ch:> ätz ist, ergib: sich schon aus der einen Tatsache, daß dieselle Regierung, die sich seht für die körperliche Jugendpflege so möchilg ins Zeug legt, den prolew'rischen Turn- und Spvrtver- einen die grc'nen Schwierigkeiten zu bereiten sucht. Nicht auf Stfth'Nrw der Muskeln und der körperlichen G-rsundheit kommt e» also unseren l ürge rächen Jnzendfängern an. sondern auf die hlslcge deS E ha u v i n i S m u-z, auf die Erfüllung der fugend- litben Gemüter mit nationalistischem und k a p i t a- 1 1 st 1 1" che n Borurteilen! Und diesen reaktionären' Rummel uarchi der Freisinn wacker mit! Au. die Kvtialdemokraiic ist jederzeit für die körperliche I..r s.'ege eiitgetreten. Ihr Programm enthalt ja die ausdrück- Ache Forderung der Erziehung der Jugend zur Wehrhoftigkeit. D.ntfH j.'fl sc ilich unser vol: aussaugender MiliiariSuiuS zum gnlen keil überflüssig gemacht werden. Unsere reaktionären Jugev.dbeoorvinndunczSorgane dagegen denken gar nicht daran, die Dieüstzeit re.ii:;cn und die MibitärauS gaben vermindern zu helfen. Der Militarismus gilt ihnen da als das v o r z ü g- liä ic Mittel zur Pflege des K adev c rg eh o'rsa m S. zur g e i!!- g e n E r, f in a n n u n g dcö Volkes, Die Jugenddereinc uitd der Juug.Dcutja.taich Bund sollen deshalb nur eine Art Ne k r n t e ii> o r ja u l c sein, durch die der Geist oder besser Uu- geist dcS M i l i t a r i s m ii S.gezüchtet werden soll. Mag siel: ab.r. der,«üsinn... ch so ahr, aüs alle freiheitlichen und 5: lsturidsals verzich'ev.d. zum rcäktionaren Handlanger ent- wickLn— die pcokeiavi be Jiiaend ivird sich nicht chauvinistisch versev'>» lassen. Li? sozio iistst.>.Jugend rufklärung wird durch die rea.'�n-,?re Jngerd'.>»crei den kräfktgst.'n Ansporn erhalten und den Kreis ihrer vLirks nakeit immer mehr ausdehnen l Dar br.dZscha StatSv.iranschkaz für ii>V£ii». der dadnchcn Zi reiten Kammer kcgk heuke Finanzminister Aheinb List den-oranWag für die Jahre 1St2 und lvlb vor. Da- nach scoli st der rrdetiikiche E-.ist in Ausgaben mit jährlich 104 335 tu M., vi Einnodmci; mit jährlich 1. 7 891 009 SU. ab. so dost sich für die beiden Jahre ein' Einnabmeüberschny von zu- samin?!! ö 71 163 M. crv.'st; da? ist«„ Wnuzer von 1!<26 474 M. gegen er-n b sarL urschutz aus den Jahren 1910 und 1911. Im anüc-ror? e.st.'i. Etat ucktoen 10316 000 SK, ange fordert; die austcrord i'tlick n l.inuchuicii worden a.:s J m C�O R. vcran- schlagt. Der Vo>ra»jchlgg>er En.cnl-ahr.beiricbZvcrwaltuny für die Jahre!»1S und ISI3 jchljesik in Einnahmen mit jährlich 1IL88SM> Mark, in Ank-iabsn mit j Irlich 62 t-.vk LOS Vjz ab. Unter Berück- sichliznklg des Anteils an den Reine i mahmui der Rb in Neckar- bahn in H.? von jährlich bö7M0 M. und des FxhlbeiragcS der Bodcusee-D scELchrt in lYZHe»dir jährlich'«zy M., cruibl sich bei der Eise istahnbririebiwerwaliung ein jährliches Reincrträg. -en est!- SO» M. oder ein Mehr von 10000865 M. gegen- fikr d.m Iahe? 19U. Aus dem sächsische» Landtage. Die Etats' inaite wurde DoituerS'm? beendet. Sie verlief zun, T-it Lv.s rfl stürmisch. D'r Minister vwthum v. Est'..?' hieli ganz 'vuz:uili.i rt eine Aggressive Rede gegen die Sozialdemokratie, die ganz sfjKlbar auf die bevorste Heilder. Acichötagswahle» gestimmt ist. Er verstie?? bei! un! r dem stürmischen Protest der s.zialdemo» traten zu der Beleidigung, sittlich d.nkeiide Menschen kämen nicht zur Eoziald.mv! ati?. Betreff» der von der Soziald.unotratw ge- forderten Arbeits l-J nv-rr.el> könne er keine Zusicherungen machen." Di i�'-mcrr mer.cn Ar!'?' k« koienrübUi ngen l itten keine i-rost? tÄkttikZiosigkeit ergeben. 2:c beste Stüde von Dhron und Silor sei' der Mittelstand, der gekestlgt werden müffe.'Die Sozial- Oemvkreiie fei nickt identisch mit dem Begriff ArbeVeofchait. Der naiionallii erale(Aemeindevorstand Klcinhempel tun- bigte eine Jnicist. alion der nativnalliberalen Fraktion belr. des «rbeii-willigenjchudeö an.— Mch der Kultusminister und der Mnanzminister Irolen noch in di« Scktran.'sn, um gegen die So- Kiakdraiokraiie;» reden.— Genosse Fleinner rechnete mit den Ministeriellen Ai'greiiern ab und wies besonders darauf hin, daß, weiiu man von der Stttljchiölt rede, man nur an die letzten Ssiin- dalproze wie lcn-Nett mich. rezes;. denken müsse, und an die Ehrrrrung in So bsen. Die Minister- sollten sich solch- abge- Amsfcacn Anzrisfe sp-ern und nickst mit Dingen operieren, die»an fchtivicht bor 20 Jahren mit erfolg anwenden lonnte. ZentrumImoral. Ter frauzösische Bttnisjcrpräsidcut haiic l-elaiNtilich da? merk- würdige Pech, in dem Kampf gegen seinen politischen Gegner Briand eine Gröhe der bürgerlich-radikalen Politik Flachen, den Direktor der Zeitung„Lauterste", der Polizei ist die Hände zu liefern. Ter Fall gibt der Zentrumspresse will.'oAmcne Gelxgetiheit. über die SittcnvcrderLnisse in Fra-'reich zu.lcitartikelu, die nach ihrer Ans- sassung nur eine Folge der Entiirrttilisisning Frankreichs ist. Diese Anschauung sachlich zu rertretev ijt das gute Recht der ZeutrittnSprefse, genau wie eS dnZ Recht der Sozialdemokratie ist, derartige Sittenskanlzale als FäuIuiser'chetziUngen-«�ntr unter- gehenden Gesellschaftsordnung zu betrachten. Eine Ge.mcii'.hcit ist c? aber," wenn ein Zentriiir.sbkaH den bürgerlichen Politiker, der mit der So üaldcniokrotie sticht da? lillergeringste zu tun hat. dieser Partei an die Ractschöste zu hängen verflicht. Das geschieht von der„Essener B. üSzeitung" in ihrer Nummer vom 26. November, und sie versieht den für die Zentrums- presse fabrizierten Klichceartilel über die Masienverkuppelung von Kindern mit der Stichmarke: Ein französischer Sozia- l i s: e n f ü h? e r als B e r f ü b r e r kleiner Mädchen. TaS Essener ZcntruiuZblatt. da? in diesem Fall die sonst auf dem Gebiet der Börleumdüng� unerreichte..Drcmonia" in Dortmund übcrtrisst, fügt dem Artikel aus eigenem u. a. solr.endcS hinzu: „Gespannt darf man sein, wie die deutsche sozialdemokratische Presse die Sache aufsapc. Es bandelt sich um geradezu unerhörte, haarsträubende sittliche Verfehlungen, die hier einer führenden Persönlichkeit der intern.lioualen Sozialdemokratie nachgesagt werden. S.'.irh sie den Mut haben,'s achoa abzuschütteln, die sonst nicht Worte der Entrüstung genug siuden kann, wenn aus-, er- halb der sozi.:idcmok:a4is>hcn ll.«egung i.heirde Persönlichkeiten sich sittliche Verfehlungen zuschiilecn kommen lassen. In dem vorliegenden Falle find von- einem s-.-iad. dmokr lilchen Wüstling systematisch die unschuldigen Kinder verzeioaltigt worden, es kommt alio nicht da» Vcrbiechen ristec lchwawe!! Sinnde in Betracht. In dieser Temperatur mug die revolutionäre Sozialdcmo- kratie gedeihen; denn in bezug n f Ehe und Familienieden sind eS ihre Grundsätze, die hier ihre V.rwirklichustg gefunden haben." Der Mann, der das geschrieben hat, weis;, dag der Direktor des bürgerlichen Blattes„Lanterne" kein Sozialdcuivkrat geschweige denn ein Führer der internationalen Sozialdemokratie ist. Er lügt wider b e s s e r e s W. i s s e n, und um der Sozialdemo- kratie etwas ans Zeug zu flicken. Er ivei' auch, das; es schamlos gelogen ist, wenn er schreibt, das; es die Grundsätze der Svziat- dcmokratie über Ehe und Familienleben seien, die bei dem Pariser Skandal ihre Verwirklichung gefunden hätten. Aber er handelt nach dem Grundsatz des ehrenwerten JcstlitestpaiccS Chiandano: „Gegenüber arroganten Gegnern der ckiirche geht keine Beschimpfung über das erlaubte Maß hin- aus, wenn s i e n u r ihre m Zweck entsprich i." Es liegt uns fern, die ZentruorSpartei für die sittlichen Ve:- feblungen einzelner ihrer Mitglieder und ihrer geistlichen Führer verantwortlich zu machen. Räudige Schafe gibt es in jeder Partei, wenn auch vielleicht in den Reihen der frommen Zentrumsparieilcr einige Prctzcnt mehr als in anderen Parteien. G geiiüber den: niederträchtigen Verfahren, die deutsche Sozialdemokratie nicht nur für die Vergehen eines ihrer Mitglieder oder eincS ausländischen Sozialdemokraten, sondern sogar für die eines Herrn Flachon verantwortlich zu machen, möchten wir denn doch die ..Essener Volkszeitung" und die ihren Spuren folgende verlogene KaplanSpresfe aus einige uns gerade eiusallende Schaiidt-iteii ihrer „siitcnrcir.cn" geistlichen Und weltlichen Führer hinweisen. Im Januar 1008 wurde der katholische Pfarrer O e I- haf vom Landgericht Augsburg wegen SiitlichkeiiSverbrechen zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt; im Oktober IÜ08 verurteilt die zweite Strafkammer des Landgerichts.. Onchar. I den K u r a- tor Hoffmann wegen Sittenvcrgc heiiS an Kindern zu einem Jahr Gesänguis und 0 Jahren Ehrverlust; im Mal 1909 erhielt der katholische Pfarrer Bauer anL Thaldorf von der Strafkammer Rottweil wegen Sitteiwergehens 3 Jahre Zuchthaus; im selben Monat der katholische Pfarrer Braun aus Hohenlinden von der Siraftammer München I wegen Sitten- Vergehens 6 Monate 15 Tage Gefängnis; im Inn, 1910 vernrtqilte die Strafkammer zu SSaldsyuk iBadest) den Kaplan Franz Josef Palmert zu 9 Jahren Zuchthaus; im folgenden'Monat bekam die Liebste des Pfarrerp Sch eurer zu Kolbermoor 8 Monate Gefängnis. Ter Pfarrer hatte sie vdrsührt, zum Meineid verleitet, wofür das arme Weib im Gefängnis, bös, est mußte, während der Herr Pfarrer von seiner kirchlichen Le'örde Urlaub bekam, damit er nach Amerika verduften konuir. In oemselbcn Monat stritt der A e n c f i c i a t Gilt a ß m am n in Ganackcr ab, daß er nilt seiner Ktujftt ein intime Verhältnis ge.tt f habe, die i öchin er- klärte aber dein Gericht, auf welchem di-'relen Körperteil der Benefictat ein iltcrnicU, i>0,, und. das Gericht überzeugte sich von der.Wahrheit dieser S'.'haupturg. Daö sind nur einige Fälle au? einer langen Reihe, und zwar handelt cö sich hier um berusomäßigs Verkür.der der katholischen zenkrumsparteilichen Ethik. Dach wir mi.Uen der ehrl'men„Essener No!k?ztg.", als der Vertreterin christlicher Ethik, noch an einige Fälle erinnern, die ihr näber liegen und ihr wohl besser bekannk->d. G?nnß- dur-te sie schon davon gehört haben, da'- ein hervorr-göndrr stentrinuZführer in Köln seinerzeit neben seiner ihm Pu.ittr.ttü.-st l?l..fräu in!t slner Vororten noch zwei LiebeSverheliuisse zu gleicher Zeit ur.tecl.icli. Sie weiß wohrscheinlich auch, daß ein. m-anderen örtlichen Zen- trnmsfiihrer in. einem«rosien Peleie'.g?-..p-ozeß swniut-ige Vc- ziebungen zu Prostituierten na.' wiesen r irden. Sie kennt wohl auch den Ritter hoher vät'tl-.ckei"rdest lind klerikalen Parteiführer in einem Kölner Vorort, der eHreiett m-'te.-nackstein er von seiner Maitresse, die er. obgleich.l-imilienoater. viÄ« Jahre long heimlich unterhielt, vor Gericht gezogen r. uröe. Auch der K.ttboliientags- redner wird ibr nickst nnhekount sesti, der die durch seil': Hände gehenden Kirchengcldcr hemchte. um'damit.seine MaüreKe, eine Prostitnirrtk zu iiqzenbalirn,>' iu'>e ß" n im 3 c. hielt. Die rheinische Ka lanc eres- sollte tntsäci'iich zuaä ,si vor den eigenen Türen leeren, wwrt liegt fußhoher Treck. Ein? t'.euc Riedchrkaz« bat der Vnud der Landwirte, bei dc r Lai!dta...3eisa'tzwabl im wllktteni- bevgischyt Overami E.ztsii ls h e in, erlitter.,»«>s vi:>h»r büii.>!«»isch vertteleu ivar. Bei der letzicii LandiggswaH im Jahre li.BO erhielt im erst.,,"ckahlgang der tt-udieal d. Sji.ides Mt. der de» Volle- Partei GüL, der des Zentrum» öckF, der der»oziotcriauirotie •U8 Siiuimeii. Im zweiten Cur ang wurde der Büudler mit ZentrmvWlf« gewählt..der Ei- 1 wühl am Mittuww, den 09. November sank der„..stidu ei de- Bunde? auf 13! ch der des Zentrums auf llü? Slini uen. D.ie Sliinmenjuhl der Sozialdemo- ttane ging dagegen auf 66? bmauf. Tie K.. wnal.'cheralr», die das letzte Mal den Bund der Loiidichite nnlec stf.!.- teil, b uck'teii jitzl mit emru eigenem Kandidoun i-stS Si.-.nmeu auf, die Vottcp. ulei ginz auf! liiu Stimmen zurück. Im zweite» chahlgoug. der nun statisindet.�wird die VolkSpartri mit uotioiiatliberaler und illzi ä- rmotrusis, e Hilfe ucin Vgn.b der Landwirte das M.mdot obuelimeu. Vor wenigeu Tilgen.erst Hai der Bund der Lanowirw im Bezitl Urach die Halste von feiuen 2100 stimmen veilvrcn. Schlechte ttuifchten für die Sstichstagkwahll Die DeNokratlsche Bereinisittng uud die Primat« ailgeftellten. In einer gemeinsamen Sitzung am Sonnkag, den 89. Nsbem- her, haben der Zeniralvorftand und Ausschuß der Demokratischen Vereinigung einstimmig die folgende Resolution angenommen: „Zenlralvorstand und Ausschuß der Demokratischen Verein!» gung erklären gegenüScr mehrfachen Preßäußerungen, besonders sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Ltätter, daß die Demo- kraiische Vereinigung weder direkt noch indirekt an der Grün» dung einer HandlungSgehilienorganifation oder anderer Auge- siellienorganisationen irgendwie beteiligt ist. Die Demokratische Vereinigung überläßt ihren Mitgliedern die Wahl ihrer BerufSvrKwisation, hält es ober ihrem. Programm gemäß für Ihre Pflicht, durch ihre Parieipresse den Gedanken gewerlschufllicher Erzanssation unter allen Privatangcstelltcn und Arbeitern zu fördern. Gegenüber der Ilitterslellutig, als wolle die Demokratische Vereinigung einen Keil zwischen Arbeiter- und Angestellten- bewegun.g treiben, wird auf die Stellungnahme des Kölner Parteitages verwiesen, auf dem die von der Partei beauftragten Referenten eine künstliche, im Interesse der Reaktion gelegene Trennung von Arbeitern und Angestellten auf das schärfste be- käinpsten."_ fi-anlirdcb. Da§ Marokkoatkoiittllcn. Die Meldung, daß R o n a n e t und Ellen-Predost in der Kommission gegen da? Marokkoabkommen gestimmt hätten, ist nicht richtig. Sie haben gegen die sofortige Vorlage ge- stimmt, weil sie erst Sicherung der Beziehungen zu Spanien haben wollt». Gngland. Die Frauenrechtlerittneu. London, 29. November. Premierminister ASguitb, der beute im Temple-Gebäude in einer vssilaiilropiicheu Gcsellschaft eine Rede halten wollte, wurde hier von einer Anzahl Ä n h ä n g e r i« n t n de? F r ä n e ii st i m m r e ch t s empfangen, die ihn durch Schreien am Sprechen hinderten, so daß er schließlich gezwungen ivar. das Gebäude zu verlassen, ohne gesprochen zu haben. RuBlatid. Die Verbrochrn der Gehetmpolizrt. Peieröbiirg, 29. November. In der ReichSdumn braut- wertete Minister deL Innern M a k a r o w die Interpellation über die Rolle der politischen Polizei bei dem AiteMat vom 14. Septem- der. Er erklärte, den Kernpunkt der sozialdemokratischen Jnter- pellation bilde die gegen die Regierung erhobene Bafchuldigüiig, das P r o v o k a t i o n s s v st c in zu begünstigen. Solcheriei Diskreditierung der Licgierüngsgewalt und der Polizei sei sk.r Revolutionäre vorteilhaft, eS sei aber TChnsinu zu glauben, dig jemand anders als feine revolutionären Kameraden Bagram zum Morde an dein Ministerpräsidenten provoziert hätte. Dann schimpfte Makaröw weiter auf die Revolutionäre, mußte dann aber zugeben, daß der Regierung doch u ng es etz maß ig e Sandln n gen von Beamten bekannt seien. Der Ehef der Kiewer Polizei sei unzweifelhaft schuldig, einem geheimen Mitarbeiter die Funktionen eines Sicherheitsagenten übertragen zu haben. Eine am. i clichc Darlegung der Maßregeln zur Neuorganisation der polttii-cn Polizei wäre nur für die Revolutionäre von Nutzen. sBeimll rechts und im Zentrum. Lärm links.) Der Führer der Oltobrifitn Enischkoff wie? auf den un- befriedigenden Zustand der politischen Polizei hin. verlangte schonungslose gerichtliche Bestrafung der Schuldigen und völlige .»co.-ganijatiim dieser Polizei. Falls die Regierung diesen Weg cinichlagc, iverde ist das ganze rusjischa Gott auf ihrer Seile haben.(Beifall.) Graf faß brinski stimmte immens der ketionalisten der Rehe Giikschkofss zu. Ter Anhänger der Kadeltenpartei Roditsch cfs erklärte, seinerzeit habe der Minsser de? Innern auch die Schuld Asews in Abrede gestellt. Die Sitzung wurde sodann geschlossen. perftcn. Ein neues Ultimatum. Pciersburg, 29. November. Ter russische Gesandte in Teheran hat heute der persischen Regierung eine neue Note überreicht, in Der die Beschwerden gegen Chusler und Lecoffre wiederholt und die Absetzung dieser beiden Finanzratgeber verlangt wird. Tie S'cllung der anderen von Ehuster für den persischen Dienst verpflichttte'a Beamten sclle im Einverständnis mit der russischen und englischen Gesandtschaft geregelt werden. Die persische Regierung solle sich verpflichten, ohne vor. sscrigc Einwilligung dieser Gesandtschaften keine Fremden in ihre Dienste zu nehmen. Sie solle ferner gehalten sein, die Kott-en der russischen ip 5 p e d i i i o n nach Zersicnzu zahlen. Für die Bca ttworluug der Note wird eine Zeit von 48Stun- den cir geräumt. Falls die Antwort nicht günstig aufgenommen werden sollte, würde das russische in Rescht konzentrierte Ex p c d i. tionSkorpö in das Innere des Landes dorge- schoben werden. Diese Note, die so sckincll auf das letzte Ultimatum folgt, dem sich die p isische Regierung aefügi hatte, hat in RegicrungSkrcisen Bestürzung hcrvorgeruscn. zumal da die Gründe', die Rußland bestimmten, diese? neue Ultimatum zu stellen, die Lage noch weiter verwirren.'Zu diesen'Gründen gehören auch Beschwerden darüber, daß ein Trief Shusterk an die„Times" in. Form ciitcs Pamphlets veröffentlicht wurde und unter den Persern eine Ruß- land feindliche Stimmung erzeugte.— Insgesamt befinden sich g' ivariig sechstausend Mann russischer Truppen in Persien. Noch einer st ftimi schön. Sitzung bestätigte heute das Parlament da? neue Kabinett. Die Erilscheidung wurde durch die Heber- reichung der neuen russischen Note beschleunigt. Erkläninge,: GreyZ. London, 30. November, Im llnlerhause erklärte Staatssekretär ü'tci) auf mehrere Anfragen, welche die russischen Foröc- r u n g o n betrascu: Es wird dem Hause klar sein, daß die direkten Öder fiitircttcu hllixkungen des Vorgehens Liußlauss, zu dem cö sich kSwpr.gen gel->en haben, mag. für Persien sehr ernster - a t trr sein kö: neu. otgkcich wir von den ckreignissrn. welche die Kr»!-.?-zwischen Rußland und Pepsien beschleunigt haben, nicht u n m i t t c l b a r m i t b c t r 0 f f t n Wörden. Wir stehen mit der ruifil-xen Regierung in- V c r b i n d n n g und haben Zusicherungen ober den n u r vorläufigen(?) Ehä r a kt er der unter- »«n.urP., E.dritte erhalten. T-n... niing frem.de r Untertanen werde jederzeik tliA e'.n«vL�i'cn, da», der(öulfuhruug c 11$ l ä n b i» wch e 11 Einflüsse t> dienen könne, und wenn sie ohne vorheriges Befragen der ruMwen und der englischen Kegieru-.a sortgcllcht werden sollte, so werde sie immer AiSaß-ur E i n m i s chu n g odc- ?,u politischen Störungen geben, die der Unabhängigkeit Pcriiens sch- i'.ich seien. Die'gegenwärtige Krisi? mache et- drin- ?>'..» nolwendiw>n Teheran eine Loknng zn finden, die die Wicdertehr derartiger Z w i schc n f ä l le unmög. 1 1 ch mache, die dazu angetan' seien, die Gruitdlnge' des englisch- russischen Hebere inkomMiens zu stören, und c-i- sei der ernsteste Wunsch der beiden Zirxicrungeiß zu verhülen, daß das lUbtscin» loiiuucn verletzt werde, öcwcrhrchaftUcbeö. partcihncchte 1 Kürzlich veröffentlichten ultramontane Blätter eine Notiz, die den christlichen Presseleuten die Weisung erteilte, den Wahlkainpf in anständiger Form zu führen. Tie Not- wendigkeit solcher Mahnung ist unbestritten, ihr Erfolg bei den Gelverkschaftschristen unzweifelhaft— negativ I Ein Pröbchen„anständiger" und„wahrhaftiger" Polemik leistet sich das Blatt deS christlichen Gewerkfchaftshänptlings Gies- berts, die„Westdeutsche Arbeiterzeitung"— Nr. 46.— Tie geistige Nährmutter der christlichen Eewcrkvereine schreibt unter der Ueberschrift:„Freie Gewerkschaften— sozialdemokratische� Parteiknechte": „Diese gcwcrlschaftlichen Parteiknechte betätigen sich unter mucherlei Art uns Weise, in ihren Versammlungen und ihrer Presse machen sie sozialdomotratische Politik, helfen-sie der Partei, das Volk belügen und betrügen, sie treiben ihre Mit- gtieder in die politische Organisation, sie drängen ihnen das Abonnement der Parteipresse aus, sie stellen der Partei die Anita- toren und scheuen auch keinen Griff in die Ec-werkschafiskasse, Parteiintercsse erheischt." Die Giesbertianer tvenn's das Parteiintercsse erheisch Und wie sieht der Beweis ans? finden ihn in folgendem Zirkular: „Krefeld, den 31. Oktober lSII. Werter Kollege! Ter Kartell� Vorstand hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, auf Freitag, den L. November, abends 8 Uhr, im oberen Saale des Herrn Muhzcrs eine Versammlung der Gewerkschastsvocstände einzuberufen, zu dieser hochtvichtigen Frage wohl bei unseren Gowerkschafts funitionären ein solches Interesse voraussetzen, daß sie voll ständig erschciiren. In der Hoffnung, tmfe kein Vorstandsmitglied fehlt, zeichnet mit kollegialem Gruk: Ter Kartcllvorstand. A.: Fr. Lcwcrcntz." In dem Zirkular steht kein Wort davon, in welcher Weise die Eingeladenen Stellung nehmen sollen oder gar werden. Trotzdem Pnüpft die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", das „Organ für die Interessen der arbeitenden Stände", daran folgende tiefsinnige Betrachtung: „Also die Freie» Gewerkschaften müssen stch vor den Agi- tationskarrcn der Partei spannen lassen, für die Partei arbeiten und ihr auch noch Geld geben. Höher geht's nimmer!" Demnach scheint inan in M.-GIadbach schon der Ans- fassung zu sein, freie Gewerkschaftler dürfen überhaupt keine politische Meinung haben oder wenigstens nicht bekunden, wenn sie nicht für— das Zentrum eingestellt ist! Ans der christlichen Gewerkschastsprcsse hat man bisher immer ver- nommen, die Brüder in Christo müßten sich auch politisch de- tätigen— aber unter allen Umständen a u t i s o z i a l d e m o° kratisch! Das ist jedenfalls eine parteipolitische Stellung- nähme. Tie patenten Gewerkschaftschristen an der Spritze kommen zu der lieblichen Charakterisierung von den Partei knechten ans einer an sich ganz richtigen Erwägung. Sic sagen sich: wenn ein von keiner Partcisklaverei bedrückter Gc wcrkschaftlcr politisch Stellung nimmt, so kann er das unfehl- bar nur als Sozialdemokrat, weil er in dieser Partei die Po- litik nach gelverkschaftlichen Grundsätzen und Bedürfnissen selbst mitbestimmt, weil zwischen gewerkschaftlichen Forde rungen und politischem Wirken der Sozialdemokratie Gegen sätze unmöglich sind.— Daß es so ist, weiß jedermann, und deshalb schon kann von einem Abhängigkeitsverhältnis der Gewerkschaften von der Partei gar kcinc'Nede sein. Anders bei den Gewerkschastschnsten in ihrem Verhältnis zum Ultra »lontanismus. Wiederholt haben christliche Gewerkschafts sührer im Reichstage unter dem Zwange der Parteitaktik des Zentrums gewerkschaftliche Interessen preisgegeben, sich zu den Beschlüssen christlicher Gewerkschaften und ihren eigenen vorher vertretenen Forderungen in schroffstem Widerspruch gesetzt. So in ganz prononzicrter Weise bei der Reich Sv er- sicherungsordnung und der Reichsfinanzreform. Deshalb zur Rechenschast gezogen, verteidigte Herr Gies berts sich mit „höheren Interessen", denen man die berechtigten gewerkschast- lichen Forderungen hätte opfern müssen. Die„höheren Inter- essen" bestimmt das Zentrum! Ergo könnte man bei den GiesbcrtS und Zentrumsgenossen mit Recht von„Partei- knechten" sprechen. Trotzdem: die Christen hüllen sich in den neutralen Gewerkschaftsmantel und schreien: Haltet den Dieb! Die Höhe der unerforschlichen Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit unserer Gewerkschastschnsten ersteigt nur der mit allen Oelen pfäfsischer Temagogie Gesalbte! Scrlin und Clnigcgcnd. Der Streik in der Daineukonfektion. Tie Verhandlungen zwischen den Organisationsvertretern der streitenden Parteien haben gestern vormittag im alten Scehand- lungsgcbäude in der Lägcrstrastc'stattgefunden oder vielmehr bc- gönnen, den» sie sollen heute vormittag sortgesetzt werden. Die Vertreter des Fabrikantcnvcrbandcs legten ihre Borschläge vor. Sie enthalten in den Hauptpunkten folgendes: Der Fabrikantcnverband will seine Mitglieder bindend verpslichtcn, von der nun beginnenden Saison ab für alle Muster, wie für die daraus folgenden Bestellun- gen prozentuale Lohnerhöhungen zu gewähren, die jedoch nicht auf das einzelne Stück, sondern am Wochcnschluß bei der Abrechnung aiS Zuschlag zur Gesamtsumme ausbezahlt werden. Ter Zuschlag soll betragen: bei Stücklöhnen bis zu 2 M. 20 Proz., bei solchen bis zu 4 M. 10 Proz. und bei über 4 M. 5 Proz. des bisher üblichen Lohnes, den der betreffende Meister fordert. Tie bisher für die einzelnen Stücke gezahlten und üblichen Preise dürfen in keiner Weise herabgesetzt werden. Für die K i n d e r k o n f e k t i o n soll der Zuschlag einheitlich fein und 10 Proz. betragen. Zwecks Sicherung der Abmachungen soll eine paritätische Kommission aus je einem Vertreter der in Betracht kommenden Organisationen eingesetzt werden. Bei Verstöße» gegen die Abmachungen verpflichtet sich der Aabrikantenverbanb, das betreffende Mitglied kraft der in seinen Satzungen gegebenen Machtmittel zur Zahlung des höheren Lohnes anzuhalten. Tie Zwischcnmeistcr sollen sich verpflichten, zwei Drittel des Zuschlags ihren Heimarbeiterinnen auszuzahlen, und mit der Ucberwachung der Durchführung dieser Bestimmungen wird die erwähnte Kommission ebenfalls betraut. Ferner wird den Meistern und Werkstätteninhabern empfohlen, die Löhne, die sie von de» Fabrikanten erhalten, so zu berechnen. daß für die DurchschnittSarbcitcrin ein Mindeftstundenlohn von 30 Pf. zugrunde liegt, so daß also die Arbeiterin in 10 Stunden mindestens 3 M. verdienen kann. Tie Vertreter der Arbeitnehmcrorganisationen konnten irgend- welche bindende Erklärung zu diesen Vorschlägen nicht abgeben. weshalb die Verhandlungen vertagt wurden. Die vereinigten Kommissionen der Meister und Arbeitnehmer hielten gestern abend eine Sitzung ab. um zu der Sache Stellung zu nehmen. Die Tarifkiindigung der Herrc»mas;schneider. -Die Miiflliederversannnlnna der Herrcnmatzlcbncidcr. die Tarifentwurf Stellung zu nehmen, füllte den großen Saal der Brauerei Friedrichshain und die Galerien bis auf den letzten Platz. Der Referent Kunze hob hervor, daß der Zweck der Tarif- kiindigung vor allem Lohnerhöhung ist, die sich infolge der steigenden Teuerung als notwendig erweist. Die Forderungen sind jedoÄ im Rahmen dessen gehalten, was zu be- willigen möglich ist und auch als mäßig bezeichnet iverden muß. Tie auf die einzelnen Positionen verlangten Aufschläge be- tragen im Diirchschniu bis zu 10 Prozent. Es ivird ferner die freie Lieferung der Näbzutaten in nstura gefordert, und im übrigen ist als besonders wichtig die Verkürzung der jetzt noch zehnstündigen Arbeitszeit auf neun Stunden zu erwäbnen. Von den als Heim- arbeitcr tätigen Maßschneider» mutz erwartet iverden. daß sie die ArbcitSzeilverliirzung ebenfalls gewissenhaft durchführen werden, wie sie überhaupt die lanflichs Arbeitszeit streng innezuhalten haben. In den Stunden- und Wochenlöhnen werden ebenfalls bescheidene Erhöhungen verlangt. Die gesetzlichen Feiertage dürfen vom Wochenlohn nicht-n Abzug gebracht werden, was übrigens schon für einen großen Teil der Tagschncider besteht. Der Referent erklärte zum Schluß, daß die Arbeitnehmer ernstlich be- strebt sein werden, den neuen Tarif aus Grundlage friedlicher Ver- Handlungen zustande zu bringen, aber wenn das nicht gelingen sollte, bereit sein werden, ihn unter denselben Umständen durch- zuführen, wie Z007. In der lebhaften, zeitweise etwas erregten Diskussion wurden verschiedene Forderungen und Positionen dcs Tarifeniwurfes, der in einer 44 Seiten slarkeir Broschüre gedruckt vorliegt, als zu niedrig bezeichnet und als durchaus unzureichend, die seit 1907 eingetretene Bertenerung der Lebenshaltung auszugleichen. Es wurden verschiedene Anträge auf Abänderung oder Ergänzung der Vorlage eingebracht, die größleineils durch die e i n st i in nü g e Annahme folgender Resolution erledigt wurden, im übrigen aber berücksichtigt iverden sollen. „Die Versammlung erklärt sich mit der seitens der OrlS- verwallung und der Herreiimaßkommission vorgelegte» Tarifvorlage einverstonden. Sie beauftragt die Orlsverwaltuug den beslchcndcu Tarif zu kündigen und die neue Lorlage den Arbeitgebern ein- zureichen."_ Teuerungszulage für die Arbeiter im Brauereigcwerbc Groft-Berlius. Die im Deutschen Transportarbeiter- Verband organisierten Arbeiter a»S den Brauereien hielten am Mittwoch bei Boeker in der Wcberslraße eine Versammlung ab. Der BerbandSvertreter A l i f ch berichtete der Versammlung folgendes: Infolge der herrschenden außergewöhnlichen Teuerung und der dadurch ebenfalls ungünstig beeinflußten wirlschafilichen Loge der Arbeitcr in den Brauereien Berlins sei der Wunsch unter der Arbeiterschaft laut geworden, daß die Brauereien neben den tariflichen Lohnsätzen eine Teuerungs- zulage gewähren möchten. Das„Kartell der in den Brauereien Berlins vertretenen Transportarbeiter» und Handwerker-Organisationen" habe zu dieser Frage Stellung genommen und beschlossen, trotz des bevorstehenden Lohntarifs an den Verein der Brauereien einen schriftlichen Anlrag zwecks Gewährung einer den Verhältnissen entiprcchciide TenerungS zulage zu stellen. Diesem Beschlüsse sei der Verband der Braucretz und Miihleuarbeiter nachträglich beigetretc». Der Verein der Brauereien habe den Wünschen der in seine» Betrieben beschäftigten Arbeiter Rechnung getragen und auf die Dauer von vier Monaten eine Teuerungszulage von l M. pro Wockie für jeden Arbeiter bewilligt. Der diesbezügliche Bescheid an die Organisationen hat folgenden Wortlaut: Verein der Äranercicn Berlins und Umgegend. Berlin, 24. 11. ISll. Im Anschluß an unser Schreiben vom 6. November d. I. teile» wir ihnen hierdurch mit, daß der Verein der Brouercieii Berlin? und der Umgegend i» seiner Sitzung vom 2l. d. M. bc- schlössen hat, sämtlichen Kategorien der in den Bercinsbranereien beschäftigten Arbeitnehmer auf die Dauer von vier Monaten eine außerordenlliche Zulage von ivöckentlich einer Mark als Teuerungs- zulage zu gewähren. Die Zulage gelangt zum ersten Male am Freitag, den li Dezember d. F., zur Auszahlung und wird zuletzt am Freitag, den 29. März l9l2, gezahlt iverden. Wir weisen bei dieser Gelegenheit ausdrücklich darauf bin, daß Aenderungen an dem geltenden Tarifvertrag vom 12. Mai 1910 grundsätzlich nicht zugelassen werden können, und daß auch durch die in Aussicht genommene Teuerungszulage eine Abiveichung von den Bestiinmuiigen des Tarifvertrages in k.'iner Weise zum Ausdruck gebracht werden soll. Hochachtungsvoll Ter Syndikus gez. Dr. Hermann Müller. ES wurde sodann noch weiter berichtet, daß alle in Frage kommenden Organisationen»nnmrhr gemeiiisam einen gleichen Antrag ans Teuerungszulage allen den Brauereien, die dem geiinnnlcu Verein nicht angehören, eingereicht haben, ferner, daß auch»och der Anlrag an die Braiiercicn um Freigabe de? 12. Januarn zur Aündignng'de« Tarif« und dem neuen l Lolutbewcgungen" de« Jahre« 101.1"brachten in den verflossenen eil VC>11 neuen A»«stand zu beantworten. Hetzte l�acSi�kbteii. Die Wasscrgcsahr beim Bau der Untergrundbahn. Rund 2 0 0 00 Kubikmeter K o n d e n z w a s s e r von den Berliner Elektrizitätswerken sind am Donnerstagabend in der Baugrube der Untergrundbahn an der Slralauer Straße bezw. Spree eingedrungen. Das Wasser stand gestern abend 2 Meter hoch in der Baugrube. Mit zwei Kreiselpumpen und zwei Pumpen von Dampfspritzcn der Berliner Feuerwehr pumpte man unausgesetzt das Wasser aus der Baugrube in die Spree. Falls nicht nach Mitternacht der Betrieb von den Berliner ElektrizitätS- werken eingestellt wird und der Zufluß von dem Kondenzwasser aufhört, besteht die Gefahr, daß die Baugrube, die etwa 5 Meter tief ist, ersäuft, weil nämlich, wenn das Wasser noch höher steigt, die beiden Kreiselpumpen dann nicht mehr weiter- arbeite» können. Sie liegen so tief, daß sie schon gestern abend nahe daran waren den Betrieb einstellen zu müssen. Außer dem Kondenzloasser, das in einer Mächtigkeit von 1500 bis 2000 Kubik- tneter pro Stunde dem gebrochenen Abflußlanal zufließt, dringt auch Grund- und Epreewasscr ein. Ein grostcr Dachstuhlbrand kam gestern abend um 7 Uhr in Wilmersdorf, in dem großen Eckhause K u r f ü r st e n da m m 130 und Westfälische Straße 47/43, aus bisher noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Gefahr von Stratzenpassanten bemerkt wurde, schlugen die Flammen bereits aus dem Dachgeschoß hell zum Himmel empor. Von mehreren Seiten eilten die Feuerwehren von Wilmersdorf und H a l e n s e c mit ihren beiden Zügen schnell zur Stelle. Der Angriff wurde über die schon total ver« qualmten Treppen, sowie über zwei große mechanische Leitern und vom Nachbarhause aus über die Dächer mit großer Bravour aus« geführt. Die Verqualmung war so enorm, daß die Feuerwehr« männer an mehreren Stellen das Dach einschlagen mußten. Mit 6 Schlauchleitungen mußte über eine Stunde kräftig Wasser gegeben werden, um die angrenzenden Gebäude und be- sonders da? vierte Stockwerk zu schützen. Es konnte aber nicht mehr verhindert werden, daß der Tachstuhl vernichtet wurde. Die Flammen hatten besonders an dem Inhalt der Bodcnverschläge reiche Nahrung gefunden, so daß die Löschung sich sehr schwierig gestaltete. Erst in später Nachtstunde konnten die Wehren wieder abrücken._ Tie Aussperrung der Metallarbeiter. Bei der Firma Oreustein u. Koppel iu NowaweS sind 750 Maun ausgesperrt, 465 Metallarbeiter haben sich dcu Aull- gesperrten angeschlossen._ AuS dem englische» Unterhaus. London, 30. November. Betreffs der russischen Forderungen er» klärte Staatssekretär Grey noch: Ich kann keine bestimm» tere Erklärung abgeben, obwohl wir bereits mit der russischen Negierung in Verbindung gestanden haben und obwohl wir fort- fahren werden, alles zu tun. was in unserer Macht steht, um eine Beilegung zu fördern, die in den beste» Interessen der drei in Betracht kommenden Länder liegt. Hierauf stellte D i l l o n die Anfrage, ob Rußland auch de» Namen der britische» Regie- ruiig gebraucht habe, als es sein Ultimatum stellte. Staats» sekretär Grey erwiderte: Ich habe der Meinung Ausdruck gegeben. daß das Vorgehen S h u st e r s zu unmöglichen Dinge» geführt hat und daß dort die englische und russische Regierung um Rat zu fragen seien, bevor fremde Untertanen im Namen der persischen Regierung Anstellung erhalten. Wie weit diese meine Meinung von der russischen Regierung in Teheran verwandt worden ist, weiß ich nicht. Grey fügte noch hinzu, daß er keinerlei Mitteilung von der amerikani- schcn Regierung üb« den Gegenstand erhalten habe. Die Lage sei derartig, daß sie hinsichtlich der möglichen äußersten Folgen für Pcrften die ernste Beachtung der englischen und der russischen Regierung erfordere. Die BcrmittelungSaktion in China. London, 30. November.(W. T. B.) Im Hinblick auf die Meldungen von Truppcnseudungeu aadercr Mächte nach China er- fährt das Reutersche Bureau, daß die britische Regierung mit denl englischen Gesandten in�Peling berate, ob es sich empfiehlt, britische Truppen zu landen. Für den Augenblick jedoch ist dort kein Grund vorhanden zu der Befürchtung, daß sich die Lage. was den Schutz der Europaer anvctnfst, verschlimmert. In Hinsicht auf die Frage einer«crmittclungsaktion in China ist aller Grund vorhanden, anzunehmen, daß Großbritannien, Japan und die Berel»: g t e n Staaten von Amerika die Absicht haben, in enger Fühlung zu bleiben, und jede Gelegen- hcit begrüßen würden, die sich zur eine erfolgreiche Vermittclung biete. Gegenwärtig aber'st ihre Haltung die strenge Neutralität zwischen den kämpfenden Parteien� Kammcrwahlen in Schwede». Stockholm, 30. November. Tie Wahlen zur Ersten Kammer sind heute beendet worden. Die neue Kammer besteht au? 67 Mit- gliedern der Rcwten. 51 Liberalen und 12 Sozialdemo« k r a t e n: die frühere bestand aus Iis Mitgliedern der Rechten. 30 Liberalen und 4 Sozialdemokraten. Eine freche Provokation. Paris, 30. November.(W. T. B.) Der Marine« minister hat angeordnet, daß 1400 bei dem Bau des Dread- uought„Courbet" beschäftigten Arbeiter des Arsenals von Lorieut wegen des jüngsten passiven Widerstandes mit einem Lohnabzug von IVa Tagen bestraft werde». Die Arsenal- arbeiter sollen entschlossen sein, diese Strafmaßnahme mit VUtnuoft» UntiTonb. V-rantw. Liedalt.: Richard Barth. BeriiiÜ Jnjeratentcil verantwTT T�vllockejBerU». �irück'u. Perlag; Vorwärt» Buchdr. u Perlagsanpalt PaulSinger& Co..Bcrlin SW. Hierzu 4 Beilagen u.NnterhaUungSbl. Ar. 281. 28. MgenZ. Ftettag, I. DeMer 1911. Reichstag £18. Sitzung dom Donnerstag, den 80. November. mittags 1 U h r. Elm BunbcSratStisch: Delbrück. Auf der Tagesordnung ficht die zweite Beratung de? EefetzcnlwurfS betreffend Ilufhcbnng des Hilfskassengesetzes. Zu Z l, der diese Aushebung ausspricht, beantragen die Abgg. Rldrecht u. Gen. iSoz.) die Ablehnung und gleichzeitig vom Reichs-- kanzler die Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu verlangen, der die Mißstände in den Hilfskassen durch entsprechende Aeudcrungen des Hilfskassengesetzes beseitigt. Die Diskussion wird mit der über§ 2 verbunden, der den Landesregierungen gestattet, die Hilsskassen den Vorschriften de? Gesetzes über die privaten VcrstchcrungsunterneHmungen zu unterwerfen. Abg. Hoch sSoz.): Auch wir erkennen an, daß Mißstände bei den Hilfskassen be- fichen, zu deren Beseitigung eine Gesetzesänderung notwendig ist. Aber die Hilsskassen der Vernichtung durch Aufbebung des Hilfskassengesetzes auszusetzen, halten wir nicht für richtig. Auch in der Jlommiisioir ist ein Beweis, dah die Beseitigung des Hilf»- kassengesetzcS notwendig ist, nickt erbracht worden. Staatssekretär Delbrück führte dort aus, wenn die Regierung sich auf den Boden unseres Antrages stellen würde, könnte sie auch nur solche Aenderungcn des Hilfskassengesetzes verschlagen, wie sie schon in dem vorliegenden Entwurf vorgeschlagcü sind. Und drS- wegen sei es doch bester, nur ein Gefetz zu machen anstatt zlvei, dos heilst also, das Versicherungsaufsichtsgesetz auf die ffrankenlasseri auszudehnen. Aber nicht darauf kommt es an, ob ein oder zwei Gesetze gemacht werden, sondern wir bestreiten, dag es richtig ist, die Hilsskassen. die sich auf dem Bxiden der Selb st Verwaltung entwickelt haben, jetzt auf einen anderen Boden zu stellen und die Arbeiter zu entrechten.(Zuruf bei der Volkspartei.> Wenn Sie, Herr Nrnmann-Hofer, die Arbeiter nicht entrecktcn wollen, so können Sie gar nicht für izas Gesetz stimmen. Sehen Sie sich doch das VerfichcriingSaufsichtSgesetz an. Da finden Sie im§ 7 die Be- stimmung. datz VersicherungSunlernchmungen dann nickt zugelassen werden sollen, wenn nach dem Geschäftsplan die Interessen der Ver- sicherten nicht genügend gewahrt sind. Alio nicht die Ver- s i ch e r t e n haben darüber zu entscheiden, ob und wie ihre Jnter- essen gewahrt werden, sondern die Aufsichtsbehörde. Nach § 64 ist die Aufsichtsbehörde befugt, Mißstände zu beseitigen, durch welche die Interessen der.Versickerten gefährdet werden. Die Auf- sichtSbchörd�: lanu verbieten, was ihr nicht patzt, und'anordnen, was ihr patzt. Das eigene ErkenntuisLermögen der B�r sicherten wird voll- ständig aufgehoben. 8 67 gestaltet der Ausfichtsbehörde, die Kasse aufzulösen und zu schlietzen, wenn die Interessen der Versicherten gefährdet sind. Selb st Verwaltung, Herr Ncnmann-Hofer, besteht doch darin, datz die Versicherten selb st ihre Interessen wahren und die Aussichtsbehörde lediglich darüber wacht, datz die Gesetzes- bestimnnüipen eingehalten werden. Wenn aber in jeder Frage über die Interessen der Versicherten das Ermessen der Aufsicht?- b e h ö r d e matzgebend ist, kann man doch von einer Selbst- Verwaltung nicht sprechen. kSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) lind wenn Herr Nenmann-Hofcr noch zweifelt, um waS es sich handelt, so mag er sich doch an das Anftrctcn des Abg. Behrens bei der ersten Lesung erinnern. Herr Behrens sagte geradezu. cS handelt sich darum, de» Einfluß der sozialdcuiokratischcn Arbeiter bei den Hilsskassen auszuschalten. Das ist ja die Methode dieses.Arbeiter- fübrcrS"'. kein Recht der freien Arbeiter zu acklen, sondern nach'den: Polizeiknüppel zu rufen, und in dieser Gesellschaft icheint sich Herr N e u.m ann-Hofer zu gefallen.(Sehr wahr I bei den Zozialdcnwkralcn.) Ist es denn aber gerechtfertigt, die freien Hilfskassen unter Aufsicht zu stellen? Die Burcaukralie sagt natürlich ja. Aber je mehr die Bnrcaukratie sich in die Der- hältnisse der Arbeiter einmischt, desto verhetzter mutz sie werden. Wer irgendeinen Einblick in die Verhältnisse hat, weitz, wie völlig unmöglich es ist, alle Einzelheiten zu überwacheit Rleines fcinllcton <5inc zcvstZrte Hohenzvllernlczcnde. Kleist, dessen 166. Todestag schnell verflackerndes Strohfeuer entzündet hat, verbrachte seine letzten Jahre in grotzcr Dürftigkeil. Als er sich erschotz. stand er buchstäblich dem Nichts gegenüber. Ja, wenn die edle Königin Luise noch gelebt hätte, wäre es vielleicht anders ausgegangen.... Aus Kleists Briefwechsel mutzte man nämlich, datz Kleist einige Jahre(bis zum Tode der Königin) von ihr eine Pension bezog, die aber merkwürdigerweise durch die Hände von Bkarie v. Kleist ging, der von Kleist geliebten Frau eines seiner Verwandten. Nach- forschungcn im Königlichen Hautarchivc. über die Pr-.-srssor Georg Mindc-Pouet berichiet, haben aber ergeben, sich nirgends ein Beleg für diese Pension fand, datz viclineh'.', als Kleist sich in einer Eingabe darauf bezog, Hardenberg nur fitstsiellen konnte, datz niemand tauch in der nächsten Umgebung des Königs) davon wußte. Es ist also so gut wie sicher, datz die Königin zur Rolle einer Litcraturbeschützerin ganz unvcrdicntermatzcn gekommen ist(wie ja mancher andere glcichiall.). Da aber Kleist durch Marie von Kleist tatsächlich die Pension bezogen hat. fragt sich, von wem sie herstammte. Und da spricht denn alle Wahrscheinlichkeit dafür, datz Marie v. Kleist, die Per- also keiner Königin Luise, sondern Marie v. Kleist, die nicht einmal eine rechte SVleistin, sondern von Geburt eine Italienerin war. Gebu Eine Gedenkfeier für Louis Llanc ist anlätzlich des lügjährigcn tburtSiageS dieses kleinbürgerlichen Sozialisten am Sonntag in SozialiZmu» feierten, d. h. BerständniSlosigkeit für den rcgerS der proletarischen Sr.zanisaiion und der Sozialpolitik kann und dadurch da? Bestehen von Schwindelkassen zu erschweren. DaS Kaiserlich« Aufsichtsamt für Privatversickerungen erkennt in seinem Berr t selbst die begrenzte Wirksamkeit der Aufsicht an. Durch eine oberflächliche Kontrolle können die Schwindelkassen nicht lahm gelegt werden, und ans dem. was sie dem AiifsichtSamt vorlegen, wird der Charakter als Schwindeikasse nickt zn erkennen sein. Die Kommission bat baS ja auch anerkannt und einen Antrag angenommen, der den Versicherten s e l b st ein Kontrollrecht gibt. Die Schwindelkassen konnten ja ihr unsauberes Geschäft nur betreiben, weil sie das Koulrollreckö der Versicherten illusorisch machten. WaS wir bezüglich dieses KoulrollreckteS durch die Gcncralversamm- limg in dieses Gesetz hineingebracht haben, sollte man in daS H i l f S k a s s c n g e s e tz hineinbringen. Aber jetzt verknüpft man daS Stückchen Selbstverwaltung, da? man nicht entbehren kann, mit der Bonnimdschait der Behörde. Gerade die unverschämtesten Schwindelkassen umgeben sich mit einem p a t r i o- tischen Mäntelchen, um das Wohlwollen dcr Behörde zn erwerben. Auch das hat die- Kommission anerkannt »nd unseren Antrag angenommen, dcr den Mitzbrauch der behörd- kicken Befugnisse in Parteiinteressen möglichst verhindern soll. Aber selbst wenn man annehmen wfil, datz jede Böswilligkeit der Behörde wirklich ausgeschlossen ist, so mutz man doch mit dcr Dumm- hcit und Veschriiuktheir der Behörden rechnen.(Lebhafte? Sehr richtig! bei den Eozialdeinolraten.) Seit Jahrhunderten haben die Hilfslasien sich entwickelt. Neben den grotzcn Hilsskassen haben wir ganz kleine in den GebirgSdörfern, die nicht nach vcrlichernngS- technischen Grundlagen arbeiten und doch eine sehr segensreiche Tätigkeit entfalten. Durch das Eingreifen des LandratS werden sie zers.ert werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) DaS.Gesetz gibt vor, gegen die Schwindelkassen gerichtet zu sein. In Wahrheit ist eS eine ungerechtfertigte Entrechtung dcr Arbeiter, wobei die Schwindelkassen mir als V o r lo a n d dienen. Auch bei dcr NcichSversicherungSordnung ist das SelbstverwaltnngSrecht den Arbeitern genommen worden. Genau dasselbe soll bei den freien Hilfskassen geschehen, wobei vor allem auch die kleinen Handwerker mitbetroffen" werden. Als es sich um die Selbstverwaltung dcr Beruf Sgenossenschasten handelte, haben dieselben Parteien, die den Arbeitern die Selbstverwaltung nehmen, alles abge- l e h ik t, was die S e l b st V e r w a l t u n g der Unternehmer beeinträchtigt. Mit dieser Entrechtung der Arbeiter versündigen Sie sich an der KrnnkeNsüriorge, die die Arbeiter in jahrbunderte- longer Arbeit ausgebildet haben. Für ein solches Machwerk können wir unter keinen Umstände» stimmen, zn einer solchen Vcrgcwalti- gung dcr Arbeiter können wir die Hand nicht bieten.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.)/ Abg. Dr. Nenmann-Hofcr(Vp.l: Herr Hoch hat mich daran erinnert, dctz ich mich in der ersten Lesung prinzipiell für daZ Gesetz auSgespröchen habe. Ich freue mich, datz die Kommission Aenderungcn vorgenommen bat, die uns die prinzipielle Zustimmung noch leichter macken. Wir sind überzeugt, datz, was hier beschlossen werden soll. den Hilsskassen nicht schaden wird. Zweifellos gibt es eine Unmasse von Hilsskassen, die keine Schtvindelkassen find, und diese sollen in keiner Weife entrechtet werden. Es soll nur den Mitz- ständen, die sich unleugbar auf diesem Gebiete entwickelt babcn, entgegengetreten werden. Ob das auf dem Wege der Ausgestaltung de? HilsskassengesetzeS oder anders geschieht, ist eine reine Ziveck- mätziglcitSfrage und wir hakten angesichts der Tatsache, datz sich die Mitzstände im Rahmen der Seldstverivaltung entwickelt haben, die Embeziehnng dcr Hilsskassen in da? Gesetz über die privaten Ver- sicherui'gsbestrcbungen für zweckmätziger. Die Selbstverwaltung ist auch nur insoweit eingeschränkt, als eine fachtechnische Prüfung bei tatsächlich vorliegenden Mitzständen erfolgen soll. Gegen das Eindringen politischer Tendenzen sind genügend Kantelen geschaffen. Daher werden wir für die Kommissionsbeschlüffe stimmen und nur falls diese abgelchm loerden sollten, für den Antrag Albrecht.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Werner(Antis.) erklärt sich für die KommissionSbcschlüsse. Abg. Becker(Z.>: Dcr Entwurf ist nichts anderes, als daS, was t£K)6 eine Kommission de? Reichstags unter Mitwirkung der Sozial- demokroten beschlossen hotte und womit sich dcr sozialdcmokrnlischc Abg. Lefche. ich glaube auch Frätzdorf abgefunden hatten. Dieser Entwurf ist aber in der jetzigen Kommission noch wesentlich ver- berichten. Es handelt. sich um nichts Geringeres, als um in großem Maßstab ausgeführte Basreliefs, die in den Felsen hineingebauen sind. Die Entdeckung getaug auf de: klassischen Stätte oes Renn- tierzeitalters, an den Usern der Tordognc, wo bisher die wichtigsten Zeichnungen und Malereien aus dcr Diluvialzeit gefunden worden sind. Dw Platz, liegt zwischen Ehzics und Sarlat bei Lausscl. an einem Ort, der„Bois du Cap Blanc" genannt wird. Die Schichten, in denen dcr Fund gemacht wurde, befinden sich am Futz eines Felsens aus Kalkstein von etwa 56 Meier Länge, der sich am Ab- hang eines Hügels in einer Höhe von 3 bis o Meier erhebt. Der Abhang war bisher zum grötzlcn Teil-dvwch einen Tamm von Sand und Steinen verdeckt, die an seine-ß Futzc aufgehäuft wäre.,. 'Als man diesen Tamm entfernte und Ärabungcn veranstaltete, fand man zuerst in dem niederen Teil des Abhangs zwei archäologische Schichicn, die übereinander lagen und säst denselben Inhalt hatten. Aus den Knochctifundcn ergab sich ganz deutlich die Tierwelt des Renntierzeitalters, und auch die Werkzeuge, die dabei lagen, be- stäügten diese Datierung. Als man weiter vordrang, stieß man auf einen zwei bis drei Meter tiefen Gang, dcr den Zutritt zu einem kleinen runden Totcngcwölbe von vier bis fünf Meter Durch- messer eröffnete. Dieser Saal sowohl- wie dcr Zugang waren- mit bchäuenen Steinen gepflastert. In diesem Zugang wurde nun die Wand entdeckt, die die Flachreliefs enthielt. Die Skulpturen bilden einen langen Fries, an dem. man folgende dargestellte Figuren er- kennen konnte: einen Ticrkopf von einem Nenntier oder Rind, ein Pferd von 1,66 Meter Länge und ein anderes von 1,46 Meter. Dann ein Pferd von 2,13 Meter, zwei zweifelhafte Tiergcstallcn, die -----.» hat Proudhon dran um so weniger beteiligt, als sich die Sieaicrung, wenn die Pariser Proletarier die zu ehrenden Vorläufer selbst aussuchen wie bei der Maidemonstration auf dem Pdoe Lachaise, nur durch Herrn Leprne und seine Schutzleute repräsentieren lägt. Reliefs ans dcr Ncnnticc�cit. Eine aussehcnerregcnde und neuartige Entdeckung aus prähistorischer Zeit ist den Gelehrten Lolanne und Brcuil gelungen, die darüber in der»Anthropologie" jedensallö von einem bemalten Hintergrund ab. Man hat noch Ocker an ihnen gefunden. Die Liebe in China. Die revolutionären Ereignisse in China haben dem französischen Schriftsteller Charles Pettit, der längere Zeit im Reiche der Milte gelebt bat. Veranlassung gegeben, sich mit den bezopstcu Söhnen des Himmels zu beschäftigen. Der jüngste Artikel handelt von dem Licbe.slcl'en in China:»Eine Liebe in dem Sinne, wie wir das Wort verstehen," schreibt Pettit, »kennen die Chinesen überhaupt nicht. Sie wissen nichts von jener unwiderstehlichen Leidenschaft, die den, der von ihr crgrissen wird, zu den grotzteni Heldentaten oder zn den grötzten Verbrechen zu treiben imstande ist. In China gibt es weder schrankenlose Hin- gebung noch Infamie aus Liebe; der Ehebruch dcr Frau ist eine höchst seltene Erscheinung. D ie Chinesen machen sich über uns lustig, wenn sie von unseren Liebcsaffärcn erzählen hören. Für sie gilt nur die Kindesliebe als Triebfeder. Ihre ganze Literatur führt dieses Tbcina durch. Tie Heiraten kommen einzig und allein durch den Willen dcr Eltern gilstandc. LicbcSgeschichtcn werden schon dadurch, batz die Verlobten sich vor der Hochzeit niemals ge- sehen haben dürfen, nahezu unmöglich. Die verheirateten Frauen haben fast gar keine Gelegenheit, ihre Männer zu betrügen. Sie denken! nur an die Kindesliebe, die sie den Eller» ihres Mannes schuldig sind, und haben nur einen Wunsch: Söhne zu haben, damit siel gleichfalls geachtet und noch nach dem Tode verehrt werden. CWJ bessert worden, deshalb verstehe ich die Haltung des Herrn Hoch nicht. Abg. Hoch(Soz.): Auf diese Ausführungen komme ich bei 8 7o zurück. Herr Neumann-Hoser hat sich zwar als Freund der Selbstverwaltung hin- gestellr, aber er stimmt trotzdem einem Gesetz zu, das die freien Hilfskassen vollständig der Berwaltungswillkur übergibt. Gerade zur sachtechiliichen Kontrolle ist die Aufsichtsbehörde nickt in dcr Lage. und wir wollen den Mitgliedern die Möglichkeit der Kontrolle geben. nicht aber der Aufsichtsbehörde. Was die ehrlichen Kassen von selbst getan haben,'daS wollen wir gesetzlich festlegen. Wir haben heuie zentralisierte freie Hilfskassen, die musterhaft arbeiten und bei denen eine genaue Kontrolle durchgeführt ist. Ich ver- stehe es, lvenn Herr Behrens, der die Selbstverwaltung beseitigen ivill, nur um den Einflutz der Sozialdemokraten anS den freien Hilfskassen ausznschlictzcn, für dies Gesetz stimmt, ober ich begreife nicht, wie das jemand tun kann, der sich als Freund dcr Selbstvcrlvattung hinstellt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gebeimrat Caspar: Herr Hoch meinte, da? Versicherungsaus« stcktsgeietz passe für diese Kassen nicht, eS sei nur auf grosse Kassen zugeschnitten. Das ist nickt richtig: Unter dcr Aufsicht dieser Be- Hörde stehen schon heute Tausende von ganz kleinen Kassen, llu- ricklig ist auch, datz der Boden der Selbsiverwaitimg durch dies Gesetz verlassen wird. Im Gegenteil, in mancher Beziehung haben die Kassen eine freiere Bewegung unter der behördlichen Aufsicht als nach dcr Bestimmung des bisherigen Gesetzes. Die Mitzstände in den Schwindelkassen sind gerade dadurch entstanden, datz die Mit- glicdcr bisher nicht in dcr Lage waren, ihre Interessen wahrzn- nehmen.> Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Herr Hoch befindet sich in eine?» Trugschlutz, von dem er nicht loskommt. Tatsache ist erstens, datz das bisherige Hilfskasicngesey keine ausreichenden Bestimmungen zur Bekämpfung der Schwindelkassen enthielt. Zweitens wird durck die? Gesetz das freie Ermessen der Interessenten nicht mehr beschränkt als bisher,»nd wo die SlaaiSanssicht eingeführt wird, ist dies gerade notwendig zum Schutze der Versicherlen. Von den gut geleiteten freien Hilfskossen ist kein Bedenken siegen dies Gesetz vorgelegt worden: nur Schwindelkassen wehren sich dagegen. Die Pose des FreiheitSverteidigcrS ist also für Herrn Hoch nicht haltbar. In seiner ersten Rede hat er mir nnterstellt, ich halte gesagt. da? Gesetz würde nur gemacht, um die Sozialdemokratie unschädlich zu machen. Er hat aber meine Rede sinnentstellend zitiert. Ich habe mich damals gegen die Behaupumg des Herrn Stadtbagen gewandt, datz durch das Gesetz den Versicherten dcr letzte Rest der Selbst- verivaltnng geraubt werde, und habe darauf hingewiesen, datz. wenn entsprechend der Auffassung des Herrn Stadthagen alles den Arbeitern überlassen würde, die praktische Folge sein würde, datz die sozial- demokratische Presse' jede Kasse in Verruf bringen würde, die sich nicht in den Heerbann dcr sozialdemokratischen Bewegung stellte. Unter diesen Umständen, habe ich dann gesagt, wäre mir die Staatsaufsicht lieber, denn wer den Terrorismu« der Sozialdemokratie drautzcn im Lande kennt, weitz, datz die Polizeiaufsicht gcradez» WohlfahrtSpolitik bedeutet gegenüber der Knutenherrschaft der Sozial» dcmokratie.(Abg. Stadthagen: Unverschämte Lüge. Vize» Präsident Dr. Spahn: Dieser Ausdnlck ist unzulässig.) Abg. Dr. Neuinann-Hofer(Vp): Herr Hoch spricht immer von den Kassen, die gut arbeiten wir wollen aber nur Matznahmen treffen gegen die Schwindelkassen. Bei denen ist von einer Selbst- vertvalrung überhaupt keine Rede,»nd wir wollen durch dies Gesetz gerade erreichen, datz auch bei diesen Schwindelkassen di- wirkliche Selbstverwaltung durchgeführt werden kann, indem durch die Be- Hörden vorgeschrieben werden soll, datz alle Mitglieder sich an der Verwaltung der Kasse beteiligen können. Ebenso lächerlich, wie es wäre, wenn ich behaupten wollte, datz Herr Hoch ein Freunds der Schwindelkassen ist, weil ich seine Vorschläge nicht für geeignet halte, die Schwindelkassen zu beseitigen, ist sein Vorwurf uns gegenüber, wir seien keine Freunde der Selbstverwaltung. Abg. Hoch(Soz.): Datz wir die Schwindelkassen bekämpfen wollen, hoben wir durch lmscrc Anträge bewiesen, denen Sie zngestimint haben. Do- AnfstchtSaint hat aber selbst zugegeben, datz es nicht in der Lage sei, dem Schwindel nachzugehen. Wenn die Freisinnigen wirlliihe Freunde der Selbstverwaltung sind, so müssen Sie auch daZ Zutrauen sie ihre Männer lieben? Wir möchten da» sehr bezweifeln; aber sie verehren sie als Väter ihrer Söhne und zwar derrrt, datz sie, um den Mann nicht überleben zu müssen, gelegentlich Selbstmord begehen. In solchem Falle errichtet man ihnen zum Lohne kleine Triumphbogen am Grabe. Die Cbincsin ist aber, obwohl sie ein so aSzetifche? Leb-n führt, sehr kokett. Besonders stolz ist sie ans ihre winzigen Fütz- che». Die entsetzlichen Fntzstiimmcl, die die chinesischen Dichter »griene Seerosen" nennen, bilden den Abschluß von Beinen, wie >-n sie schcntzlicher sich nicht denken kann. Die Waden sind gleich- >alls verkrüppelt oder sind vielmehr gar nicht vorbanden. Dafür sind die Schenkel niitzgestaltet und aufgeschwollen. Amüsant ist die Tatsache, datz die Chinesinnen ihre ganze Scham sozusagen in diese kleinen Fütze legen. Wer nicht für schlecht erzogen gelten will, darf von den Füssen überhaupt nicht sprechen, und als eine Un- ansländigkeit sondergleichen gilt es, wenn man die Fütze nackt und ungcschnnrt sehen lätzt. Neben den legitinicn chinesischen Frauen gibt eS aber noch eine große Kategorie anderer Frauen: Sängerinnen, Buhlerinnen. Dienerinnen und Sklavinnen. Alle diese haben nur einen Lebens- zweck: dem Manne vergnügte Stunden zu bereiten. Gesetz und Brauch ermächtigen ihn, sich, wenn er die Mittel dazu besitzt, zu dcr legitimen Frau noch ein paar KebSweiber zu nehmen, und er macht von dieser Erlaubnis reichlichen Gebrauch. Die legitime Frau ist aber darum nicht eifersüchtig; sie ist gewissermaßen stolz auf den Reichtum, ihres Mannes. In punkto Autorität aber ver- steht sie keinen Spatz: sie allein bleibt die Herrin des HauseS. Die im Hause lebenden Konkubinen bilden jedoch keineswegs die einzige Abwechslung im Eheleben des reichen Chinesen: er unterhält ausser- dem noch sogenannte Sängerinnen, die irgendwo in der Stadt wohnen und einen grotzcn Luxus darstellen. Während dcr Chinese nun sein legitime Frau ver aller Welt versteckt hält, macht er mit seinen Sängerinnci« gern Staat und zeigt sie sogar den Fremden. Die Kcbsweibcr und die Sängerinnen ergänzen sich gewöhnlich aus dem Stande dcr armen Mädchen, die von ihren Familien ver- schachert worden sind.__ Notizen. -—IohanncsVahlcn, dcr älteste dcr klasssschen Philologen und wohl der letzte von der alten Garde dieser aussterbenden Gattung, die ganz in dcr antiken Welt wurzelte, ist in Berlin im 31. Lebensjahre gestorben. Er lehrte seit 137s an der Berliner Universität und war seit 1873 in dcr Akademie als Sekretär tätig. Ein R i e s c n k ü r b i S. In der Nähe von Los.Angelas in Kalifornien hat ein Gutsbesitzer, wie da?„Strand Magazine" be- richtet, eine» Kürbis geerntet von fabelhafter Größe. Die Frucht war nahezu 1 Meter boch und hatte»in dcr Taille" einen Umfang Von 2,36 Metern: cr wog nicht weniger als 2S0 Pfund. Da? gewaltige FmchtwachStiun beschränkte sich nicht auf diesen einen RieFn» kkirbiS: dasselbe Staude lieferte außerdem noch zwölf weitere Kürbisse, die Stück für Stück ganz ungewöhnliche Dimensionen aus- wiesen. Eine genaue Feststellung durch die Wage ergab, datz diese zrvvlf weiteren Früchte durchschnittlich 180 Pfund wogen, sodatz die eine Kürbis stände bei der Ernte auf einmal nicht weniger als 2S00 Pfund Kürbis lieferte.(100 anierikanifche Pfunde find gleich -13.30 Kilo.) äu den Arbeitern haben, daß sie den rechten Weg finden, den fie zum Teil bereits gefunden haben. Abg. Stadthagen(Soz): Herr Behrens hat mit seinen Aeußerungen über den TerroriSmuZ der Sozmldemolratie bewiesen, dak er entweder die Tatsachen nicht kennt oder nicht in der Lage ist. die Tragweite dessen, was er gesagt hat, zu übersehen. Die Tatsachen sind folgende. Schwindelkas,c», deren Leiter schließlich zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, wurden geleitet von Leuten, die sich in der Oeffentlichkeit als die enragiertesten t e r r o r i st i s ch st c n Gegner der Sozialdemokratie ausgaben und die sich in der Propaganda für ihre Kassen ans die behördlich- Genehmigung beriefen. Die sozialdemokratische Presse ist es gewesen, die dringendst vor solchen Schwindlern gewarnt hat. Der Redakteur unseres hannoverschen Parteiblatts wurde sogar verurteilt, weil er die Schwindler Schwindler nannte. Die Verdächtigung des Herrn Behrens ist äusserst tiefstehcnd. Nur wer völlig utner dem Tier steht, kann so etwas behaupten. Die ewige Wiederholung der Behauptung vom TerroriSmuZ der Sozialdemokratie entspricht ganz der Methode alter Weiber. Sic rufen, die Sozialdemokraten terrorisieren. Wir verlangen Be- Iveise, und da wiederholen Sie, die Sozialdemokraten terrorisieren. (Zuruf rechts: Sehr richtig!) Wir verlangen, beweisen Sie es. und dann rufen Ihre Freunde: Sehr richtig, und diese ewige Wieder- Holling gilt Ihnen als Beweis, ganz wie den alten Weibern. stand sich dnh'.r geeinigt bab-?, daß die Kasse den Mitgliedern erhalten werden könne. Das alles hätic Herr Becker auch erfahren können, wenn er so viel P s l i ch t g e s ü h l gehabt hätte, sich vorher zu e r k u n- digen. Gerade als Arbeiter sollte er es sich doppelt überlegen. che er der arbeiterfeindlichen Presse Material gegen Arbeiter liefert und sollie nicht, ohne sich zu orieulieren. dicjeuigcn, die er v er treten will, mit Schmutz bewerfen.(Lebhasle Zustimmung bei den Sozialdemokralen.). Abg. Dr. Neumann-Hofer(Vp.) erklärt, daß seine Freunde sür den 8 7o stimmen würden. Abg. Becker(Z.): Herr Hoch hat mir daraus einen Vorwurf gemacht, daß ich in der Kommission einen Antrag habe fallen lasten. Das haben aber auch die Sozialdemokraten schon oft getan. Von dem Rundschreiben der Schneidcrkasse habe ich nichts anderes ge- sagt, als was Herr Hoch auch wiedergegeben hat, daß dadurch Material gesammelt werden solle zur Prüfung der Frage, ob eine Verschmelzung mit dem Verbände der Schneider vorge- nommen werden solle. Tie Hauptsache ist, daß in den von mir zitierten Blättern das Bestreben propagiert worden ist, die freien Hilsskassen mit sozialdemokratischen Verbänden gu ver- schmelzen. Wie wollen Sie denn de» alten Leuten, Re nicht dein Verbände beitreten wollen, die Möglichkeit verschaffen, Mit- gliedcr einer anderen Hilsskasse zu werden? Die Abfindung, die ich in meinem früheren Antrag vorschlug, hat Herr Hoch damals aufs schärfste bekämpft. Dann soll ich die Buchdrucker der Reichs- druckerei fälschlich des Terrorismus beschuldigt haben. Mir ijt die Resolution von der von Herrn Hoch erwähnten Versammlung auch zugegangen mit der Erklärung der Gutcnbergbündlcr. ES ist ja sehr interessant, daß diese Gutcnbergbündlcr gerade dann freiwillig zum sozialdemokratischen Verband überlralen, a!S sie in die RcichSdruckerci eintraten. Wie solche„freiwilligen" Uebertritte zustande kommen, dafür ist ein Brief charakierijtisch, der niir vorliegt, worin ein Buchdrucker schreibt:„Ich gehöre seit fünf Jahren dem Vc.oande an, bin ober nur des lieoen Friedens wegen beigetreten. Vorher mußte ich manch- Kondition verlassen, weil ich die foriwährcndcn Belästigungen seitens der Verbands- Mitglieder nicht aushalten konntx.(.Hört! hörtl rechts.) Ich wurde mit ausgesuchier Verachtung behandelt und mir die Arbeit auf alle mögliche Weise erschwert. So kommen dann die berühmten En!- laffungen wegen Unsähigscit zustande. Nirgends ist der sozial- demokratische Terrorismus ärger, als im Buchdruckerverbände. In die P r esse kommt das deshalb wenig, weil in den meisten Drucke- reien Vcrbändler sind, die dann Vorstellungen erheben, und um des Friedens im eigenen Hause willen verzichten dann Redaklion und Verlag auf die Veröffentlichung.(Hört! hört! rechts.— Gelächter bei de» Sozialdemokraten.) Ich biite um volle Diskretion (Stürmisches Aha! bei den Eozialdeniokraicn). weil sonst ein Habcrscldtrcibcn gegen mich losginge."(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.— Zurufe: Tic Sache ist osfcnbar Schwindel!) Sie lehnen ja auch bei Beschwerden an die Regierung oft ab, den Namen dcS'BeschwerdcsührerS zu nennen, weil Sie nicht glauben, daß die Regierung damit nickt Mißbrauch treibt. Wir glauben Sshiicu in diesem Falle auch nicht, daß Sie den Mann nicht malträ- tieren würden. Ist es doch so weit gekommen, daß der„Grund» stein", das Organ deS sozialdemokratischen Maurerverbandes, in der letzten Zeit hat warnen müssen, die Mitglieder sollten die christlich organisierten Maurer doch etwas besser behandeln, und noch charaktcrislischer ist, daß„Ter Zimmerer" sich darüber mokiert, daß der„Grundstein" zur Mäßigung mahnt. So weit ist es mit dein sozialdemokratischen Terrorismus schon gekommen.(Stürmischer Beifall rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoch(Soz.)? Auf viele Worke kommt es nicht an, die Tatsachen liegen klar bor jedermanns Augen. Herr Becker hat in der Kommission be- hauptet, daß man in der Schneiderkrankcnkasse daran gehe, sie der Gewerkschaft anzuschließen. Hätte er sich bei der Kasse e r k u n- digt, so hätte er erfahren, daß man schon 3 Monate vorher eine solche Maßnahme abgelehnt habe, weil dadurch die Mitglieder geschädigt würden.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber Herr Becker bewirft die Arbeiter ohne jeden Grund mit Schmut-. (Zuruf im Zentrum.) Das ist gelogen. (Große Unruhe und Glocke des Präsidenten. Vizepräsident S ch u l b ruft den Abg. Hoch zur Ordnung.) Am ersten Juli bereits ist sämtlichen Mitgliedern der Schneiderkasse mitgeteilt loordcn, daß man von der Verschmelzung absehe, und im Oktober behauptet Herr Becker, daß sie geschieht; das war also eine unbegründete Anschul- digung. Weiter behauptete Herr Becker, in der sozialdemokratischen Presse sei geschrieben worden, wtzc wollen die Hilfskassen in die freien Gewerkschaften überführen, um uns an den Zentrums- arbcitern zu rächen, die bei der ReichsversicherungSordnung geholfen haben, die Arbeiter zu entrechten. Auch das ist unrichtig, denn es handelte sich nicht um Stärkung der freien Eewerkschastcu, sondern um den Ausbau der Hilfskassen. Mit all Ihren TcrrorismuZgeschichten und allen den Schwindeleien außerhalb des Sauses gegen die freien Gewerkschaften und die sozialdemokratische Partei, die auch in das Haus hineingetragen werden, werden Sie schließlich nur sich selbst schaden, und Sie werden UNS auch erlauben müssen, darüber schadenfroh zu sein. Obwohl 500 Buchdrucker der Rcichsdruckerei in aller Oeffent- lichkeit in einer Versammlung erklärt haben, an den von Becker erzählten Terrorismusgeschichten in der Reichsdruckerei is» kein wahres Wort, genügt ihm die Zuschrift eines ManneS, der hinten herum seine Kollegen anschwärzt, um alle seine Behauptungen auf- recht zu erhalten. Die Wirkung seiner Worte war die einer Denunziation, die auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Daß er diese Wirkung nicht erkannt haben sollte, für so dumm halte ich ihn nicht (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), er wird wohl auch wissen, daß vom Staatssekretär Kractke eine Untersuchung eingeleitet ist, die ergeben hat, daß an der Geschichte nichts wahr ist.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Herr Becker iprack immer vom sozialdemokratischen Buchdruckerverband. Mir tut das nicht weh; aber die Herren im Buchdruckerverband denken anders darüber, denn leider stehen die Buchdrucker in ihrer politischen Anschauung noch nicht auf dem Boden der Sozialdemolratie, und sie haben auch noch das Ver- trauen zu Herrn Becker, daß er seine Anschuldigung zurücknehmen wird, nachdem er von 500 Buchdruckern gehört hat, sie ist nicht wahr. Ich freue mich» daß auch die Buchdrucker sehen. wie ein ZcntrumSarbcitcrvrrtrctcr aussieht Auf einen solchen Agenten des christlichen Verbandet können Sie stolz sein.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Beckcr-ArnSberg: Die Zentrale des GutenbergbundeS l)at mir zweimal versickert, daß die Leute bei ihm gewesen sind, d a kann ich also nichts zurücknehmen. In bezug auf die Schneiderkasse kommt es nicht darauf an. daß die Anregung zur Verschmelzung nicht durchgeführt ist, sondern daß sie überhaupt gegeben wurde; in dem betreffenden Rundschreiben wurde aus- drücklich auf Generalversammlungsbeschlüsse hingewiesen, die Ver- schinclzung mit dem sozialdemokratischen Schneidcrvcrband war also in mehreren Generalversammlungen beschlossen. Abg. Hoch(Soz.): Auch diese Angabe ist unrichtig, es handelte sich bei der ganzen Sache nur uin die Erörterung, um die Unter- suchung. und es ist einfach die Pflicht der Kasse gewesen, wenn neue Gesetze kommen, sich die Frag« vorzuleac», wie sie sich km Interesse der Mitglieder am besten damit abfindet, und wenn oie Kasse dann zu dem Resultat kommt, den Weg, über den Herr Becker sich so entrüstet hat, können wir nicht beschreiten, so ist' das doch wirklich kein Grund, sich zu entrüsten.(S.hr gut! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. 8 7c wird angenommen und dcbatteloö der Rest des Gesetzes. Es folgt die zlbeite Lesung deS Privatbeamtcnversicherungsgesetzes. § 1 bezeichnet die der Versicherung unterstellten Kategorien. Auf Anfrage der Abgg. Linz(Rp.) und Raab(Wirtsch. Bg.) erklärt Ministerialdirektor Dr. Caspar, daß die Kündigungsfrist keinen Einfluß auf die Zugehörigkeit zur Versicherung habe. Abg. Molkrnbuhr(Soz.): Nach den endgültigen Kommissions- beschlüssen lautet Ziffer 2 des den PersonenkretS der Versickerten feststellenden 8 1:„Betriebdbeamte, Werkmeister und andere Angc- stellte in einer ähnlich gehobenen oder höheren Stellung ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung, Bureauangestellte, soweit sie nicht mit nieder» oder lediglich mechanischen Dienstleistungen beschäftigt werden, sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet." Wir beantragen nun. statt..mit Nievern oder lediglich mechanischen Dienstleistungen" zu sagen:„mit schriftlichen Arbeiten". Wir stellen unfern Antrag in der Ucberzeugung, daß die von uns vorgeschlagene Fassung jeden- falls den Vorzug größerer Klarheit hat und einer etwaigen Ver- engerung de? Kreises der in die Versicherung einbezogenen Per- sonen cnlgegenwirkt. Wie leicht hier Unklarheiten Platz greifen können, zeigen ja auch die Anfragen der Vorredner. Ministerialdirektor Caspar(sehr schwer verständlich) scheint zu erklären, daß wohl z. B. Registratoren. nicht aber Abschreiber unter das Gesetz fallen, und für die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags einzutreten. Abg. Dr. P-tthoff(Vp.) beantragt, die Worte„soweit fie nicht mit Niedern oder lediglich mechanischen Dienstleistungen beschäftigt werden" einfach zu streichen, ohne dafür andere Worte ein- zusetzen; erllärt sich aber auch bereit, den sozialdemokratischen Antrag zu akzeptieren. Die Hauptsache sei eben daß sämtliche Bureauangestellte der Wohltaten des Gesetzes teilhaftig werden. Abg. Irl(Z.) richtet verschiedene«»fragen an die Regierung, u. a. wie die Versicherung kaufmännischer Angestellten in Hand- werksbetricbcn gchandhabt tverden soll. Ministerialdirektor Caspar entgegnet, daß das Gesetz nicht alle Fälle regeln könne und daß ln der Praxis eben vielfach von Fall zu Fall entschieden werden''iusse.— Redner wendet[ich gegen pc» Antrag, jämtliche Bureauangestelltcn cinzubeziehen und stellt eine ministerielle Anweisung, die die Wegrisse.Werkmeister" usw. er- läutert, in Aussicht. Abg. Cuno(Vp.): Ich möchie vor allzu großem Optimismus warnen. Es ist schon besser, man faßt«in Gesetz so ab, daß solche Erläuterungen nicht notig jmo, als daß man der Reaicruno dw Tefinilion überläßt. , Abg. Molkrnbuhr(Soz.): Unser Antrag verdient darupi vor dem fortschrittlichen Antrag den Vorzug, weil er die Handlung«gehiif«n vor der Berschlcchtc- rung schützt, die ihnen leicht aus der Annahme deS Antrages Ablaß erwachsen können. Wenn cS einfach h-jß:„iMreauangcstellte", jo liegt der Anreiz nahe, die Handlungsgehilfen als Bureauangestellte zu bezeichnen �„1) sie der Vorteile zu berauben, die ihnen die einschlägigen Bestimmungen des Handels- gesetzbucheS bieten. Das wollen wir verhindern und darum bcanlragen wir ausdrucklich>» das Gesetz die Worte„mit schritt- lichen Arbeiten" hinelnzujchrcibcn. Man sollte alle Unklar. h e i t e n, wie z. B. den völlig ungenauen, gar nicht zu fixierenden Ausdruck„niedere Arbeit aus dem Gesetz herauslassen.(Zu- jtiinmung bei den Sozialdemokraten.) Wg. Werner lAnlis.) ftng! an, inwieweit die Gärtnergehilfen Unter das Gesetz fielen. Ministerialdirektor Caspar erwidert, daß eS auf die Tätigkeit des Gehilfen im einzelnen Falle ankomme. Damit schließt die Debatte. Unter Ablehnung aller Anträge wird Z 1 in der 5iommijsionsfassnng a n g e n o m m e n. Bei Z 2 fragt Abg. Irl lZ.) an, ob die Weihnachtsgratifikationen als Entgelt im Sinne des Gesetzes wie der Lohn angesehen werden. Gcheimrat Caspar verneint die Frage. g 2 wird angenommen, ebenso die gg 3— 8.§ 9 bestimmt, daß versicherungsfrei sein sollen die im Reichs-, Staats-, Gemeindedienst oder in der Arbciterversicherung Beschäftigten, wenn ihnen An- wartschaft auf ein bestimmtes Ruhegeld und Hinterbliebenenrenten zusteht. Das gleiche gilt für Geistliche anerkannter Religionsgesell- schaften und für Lehrer und Erzieher an öffentlichen Schulen oder Anstalten. Ob eine solche Anwartschaft als gewährleistet anzusehen ist, entscheidet der Reichskanzler resp..die oberste Verwaltungsbehörde des betreffenden Bundesstaates. Abg. Cuno(Vp.) fragt an, ob kündbar angestellte Gemeinde- beamte auch vcrsicherungssrci seien und wie es mit den Bolksschul- lchrerinnen in dieser Beziehung sei. Geheimrat Caspar erwidert, daß es vor allem darauf an- konnne, ob der Beamte Anwartschaft auf Pension und Hinter- bliebenengeld habe. Lehrerinnen, die keine Anwartschaft auf Hinter- bliebenenrcnte hätten, seien nicht versicherungsfrei. Abg. Mommsen(Bp.) betont, daß definitiv angestellte Beamte überhaupt nicht unter dies Gesetz für Privatangestellte fallen könnten. Gehcimrat Caspar erklärt, daß auch Beamte unter das Gesetz fallen könnten, wenn sie keine Anwartschaft auf Pension hätten. Abg. Cuno.««| 25 Cbausschinken"• 7,t b 3 Pfd 1.15 Schinkenspeck jTfwSr.T.F� 95 Pf. /Icrvelatwurst in Rinddarm,. Pfund 1.10 Salami rfrurst in Rinddarm.... Pfund 1-10 Zervelatwurst in p-..darm... Pfund 1.?.5 Schinkenwurst......... pwi 1.25 Teewurst.............. Pfund 1.10 Bauernmettvrurst m" Knnb'°u(:!jund I.QO Feine Leberwurst...... Pf..nd S5 pf. Landleberwurst........ ptund 85 pf. Jagdwurst............ pfu-d 85 pf. Rotwurst.......... p�nd 45, 70 pf. "Butter u. Käse Koch- und Backbutter.. pfund 1.30 TiscLfcutter rtd. 1.40, TaklbaUer Pfd. 1.50 flaues Fflaumeamus... pwi 23 pi. Bratenschmalz........ pf„„d 58 pf. Limkrger Käse Pfd. 55, Cair.em'jerl st i. 22 pi. Voliklter Brie Pfund 80, Romalcnr stud 25 pi. Aügiiuer Rahmkäse... pf»nd 60 pf. E�ncaShsler pfd. 1.15, Schweizer Käse 85 pc 1 ilüiler Pfd. 60, Kuhkäse z stuck 35 pf, \ifv aufgenommen! Roonefart, G.:rgonto!a, EngHschttT a Q StcISon-tiuse's Tc'plcj... Topf'* 4» Pf. Frisches Fleisch Schmorfleisch......... Pfund 90 Pf. Rinder-Filet�. 1.00,..�l.GOb.l.SO Roastbeef Pfund 90 Pf., ohne Knochen 1.30 Brust-Fehlnppe Pfund 70, 5 p'jnd 65 Pf. Kamm-Quernppepfd.65, 5 p�nd 60 pt. Gou lasch Pfd. 70, Gehacktes pfd. 60 pf. Nierentalg.. Pfand 50,*"*«'[?"" 55 pf. Frischer Schinken im»nnzen. Pfd. 65 Pf. Kamm u. Schuft ptund 63,»-«-ü, 70 pi. Schweinefilet.......... Pfand 1.05 Schweine-Kotelettes 75.___ 70 Pf. Rückenfett pra. 60, Liesen pfd 65 Pf. Pökeikamm 70, Eisbein�pj�SS Pf. Kalbsbrust Pfd. 80,-Spitze Pfd. 95 Pf. Kamm u. Bug.. Pfund 75,»or-ü. 80 pi. Hammelkeule im?»n»Mn... Pfund 80 pf. Dicke Rippe 65, Dünnung pfd 55 pf. Kasseler Rippespeer Pfd. 65 bu SO Pf. Obst, Ccmäse, Fische, ItSaeherto. können nicht sagesar.dt werden Geflügel Warlsbrccher Fctigaase...Pfu.»j 70, 75 Pf. Suppenhühner...stock 70 pf. hu 2.00 Junge Hähne... s«i-k 85 p?. hi. 2.00 Futen............ Pfand 63, 75 rt. Gäncepökelfleisch.. Pfund 60, 65 pf. Tilsitcr Masteaten..... Pfund 68 pf. Gänsebrust........... Pfund 90 pf. GKnsekeulen.......... stock 60 pf. Haselhühner........... Stack 1.35 Fisch 3 Heilbutten............ Pfund 30 pt. Schellfisch 2-4 Pfd..... Pfund 10, 18 pf. Grüne Heringe........ Mdi. 23 n. ScclacHs in ganzen Fiachno..», Pfund 20 Pf. Goldbarsche.......... ptund 15 Pf. T-iiel.'achs in xnnzen Fischen•. Pfund 35 Pf, Tafelzander.......... Pfund 38 Pf. Kabeljau F�IO, 13"• Grosse Schollen....... Pfand 28 pi. Leb. Hechte.. Pfund 78, 6 f�"d 65 Pf. Lebende Karpfen..... Pfund 65 pi. Leb. Spiegelkarpfen... ptund 73 pt. Lebende Aländer..... Pfund 48 Pf. Lebende Plötzen...... Pfund 32 pt. Lebende Sch eie...... Pfund 88 pf. Lebende Schleie p->nioi.,«.ct. Pfd. 1.10 Ohst und Gemüse Krachmandeln......... Pfd. 65 Pf. Neue Traubenrosinen.. pra. 68 Pf. Zitronen.............. Du. 28 Pf. Waüniisse............. Pfd. 28 pf. Ess-Aepfel........... s ptund 50 pf. Tafei-Aepfel 5 Pfd. 60 pf. 1.75 Feigen.............. Kochen 28 pf. Blumenkohl....... Knpf 10, 20 pf. Maronen............... Pfd. 8 Pf. Schwarzwurzeln........ Pfd. 1 8 pi. Rosenkohl............. Pfd. 13 pi. Grünkohl na 6, Pe!efsilSenlö?fes»ck. 17 pt Räucherwaren Bücklinge............. Ki«» 35 pt. SproUbüclcünge....... Pfund 20 Pf. Stralsund. Bücklinge.., stach 10 pf. Schleibücklinge...... 2 stock 10 rf. Dorsche stach 12, Sprotten Pfd. 70 p». Aale........ rfund 1.15, Bund 40 Pf. Kieler Flundern....... Pfand 60 pf. Ahlbecker Flundern... Pfand 30 Pf. Sardellen............ Pfand So Pf, Bratherings....... Dos« 4 ui« 83 pf. Matjes-Heringe....... j stock 25 rf. Hülsenfrüchte Viktoria-Erbsen....... Pfand 21 Ff. Kleine Erbsen........ Pfand 16 pf. Polierte Schalcrbsca___ ptund 22 pj. Polierte Spalterbsen... Pfand 20 pf. Grüne Erbsen......... Pfand 22 n. Lang-Bohnen.......... Pfand 22 pi. Zeitinr�sAttSsiallesteUru und Ittseratstt-Attn-chme. Xfntfitm: Slfbetf O�lbnilK, il»,i!!f!Iir..v>. eftiganz Ioachlmüratz». L. alillii'ttl',, V.'. 1 fFirf.« ch in> d t, Rirchbnchslr. 14. HochDarlem. , S. lind SW.: �cnmtnn Werner, C'neifcnouttr 72. 8. Wnhlkrcl«: et. Sri#. vvlii;,cii!;r. 31, Hoj rechts!>nt. 4. TTiihlltrol«: Cü t»; Robert W e n g e 1 4. fWr. FrantZnrterslc. 12t). — R'if nvti tz o ck e 1 b u> ch, PcIcr4biiracN>latz 4(Laden). 4. WnlilUp«!*. b o tt e«; P>n>t 3 5 b m. Lan'tai'rsla� 14/15. C. TVnl'' Leo P,» ch l, itmman»eINrchstr. 12(SjJf). 6.'A ahlkfol»(TJoniili): Kar! Anders. Lalzwcdelcrstr. 8. k>> o«i,ij,>x: I. S: ö n i f ch. flnjavttbfirÄftrni'e 49. JtoKrntUHler n:ib Oi-a»i<>iihiiP0er VofMtndt; WUHelm 3 o n n. a«i n, RhrinZbcrge.ür.«17, Laden. >nn«>l»rnuiieei: Travp. Alettinerslr. 1t). pirliffnknnlner V«>pxt-8::.!>. voruig. üifa.ienlbalcrflr. 13, I. B(.'i-imtii, ICöntcteiilal, Zoix-ftiick. Schünow und Sohün- hrücU-: Hciinich Ü) r o Je, Mühlenflr. ö, Laden. Belinndni-f' und Kuli endo zt: Alois Laus, Bobiisdors, nb erg, Se/eiiheimerstraße 1 T.icliw»I4v: O 6 1 a r Mahle. Elnbenranchstr. 99. I.i-Iiner: gnist H o s s m n irn. FriedriF gtncr llbanssee. G'rcicc�eloiT-I'clf»'--linxtcn:>!.)ölrlbarlh, Weiershagen. l!"rlc«l<-oai»-S( f—Ht/.-Südfixlf-UiM n-7jichtcrrcldc-I.;»nk- w H j.: i:. L e r n l e c, iilitnfhr. ü in älcgftij. Fried rlchuhaj�c»: irr::': Aertmann, Köpenicker Strake IS. Qrttnn»: Frani Klein. AricdrI hfir.!9. dohnnaint fia!:>! i c I i ck c, 51?r-"o:lhc!m»Blah S. I4>t»T»h»,»'!.r: Ricard Küter. tklilr. 9, II. Künir.K-fViiNtcriiuKs«»: Friedrich Ä a!I man». Vahnhvsstr. 13. II fiiicntcl:: IZiiiil i b l e r. Airventr. S,'!.''c.:. Bifhle-nhcppt, p'rintt PlciolOiiic.' C-,honsichijiih»>,»cn: Li!« eeifai, Snc'.eiibergjtvuijC 1 fLaden). Jiauttidur'': P. Heiiderg, �erdiuand- 17. /naHemiorf: Sliignsl Seit, Ifxnisjccftt- 293. Hos. BJnrienfs'ldc; GmiC W e i n er 1, yarffit. 14. K cn«:nli«•» on: föuflat) L e N. SSu!!ci(linhf- ä ie'dcr-Sfiiüm; tvcitSc:(ScJbrt, Brin erste. 6. KotvnwcM: Z»...ein, II a p p e. Friedria nr. 7. Bhcr-Sciiliilcwcidc: lined Lader, lÄlhelmnienhatjlr. 17 ll.» t-nnkow-XIcdocx,!'.ii»'.:at,: Ritt mann. Müblenstr. 30. Itclal: r i ch, Provinzsti. 53. Laden. �. Ki-.riorT:'.V:. Heinrich, Sltdiitjlr. 2, im Laden; Rohr, Siegsried- Iltiiue 28129. Kninniclwisurf;. lloxhaKcn:Tl. Rosenlranz. rllt-Borhagen 53. : i!!iei:n Ä li u mler, Marlin Lulberstr. 39,' UN Laoen. idpu.»,.,»». K*tttner.äaunm, Staaten, SccselcUi und !■ aikealta�en: fl ö p u e u, Creiicilr. 64. Tejicl, aide. WJft»>nat). Waltlmnnniela«, Iferroi dort" uni> Kcinickcnducf- Wcftt: �anl Itienajt, Lorngirolöe. Rinschslraxe 10. Teltow:?2:'.t«hn SJ jiioid, Teltow, Berliner Str. IS. 1« n»peth<»t': F: and. Berlirnr elrahe 76, Lade». Ti-epsow; diso.@in:n«nj,.«rtcflao.t.a-ai;« 412..faden. V. e iteii-iee; R. Fuhr Ui ä II u._ tda.ilr. 105, par'.erre._ Jiiiiernelorf-Ilnlcnsee-Schmnrsondorf: Paul Schuberl, NihelrnSaiie 26. Slci-tlie». Ilkerndoi-r: Ernst Hütt ig. Zeuthen, Dorfstr. 15. �änüiiche Parieiiileralur jowie alle wlilei»'cho.i!liqeu Werte werden geliesert. FTri".cr* .'Sc v-n: W'" � Fr'•. ,.-J Tems SSHHdr ohne Prelsaufschlag Komplette Zimmer Bon den millbertroftrn großen Lagervorräten gelangen Posten o. ca. ?LBp!SkTR in allen Mrötzen und Qnal!» täten, bestehend ans einzelnen Mustcrtepvichen, b �ur Hälft« de? sonstige» regulären Listen- Preises herabgesetzt, in einem besonderen Lagr�rarnn der F.»?r'-»«-,A t>c<»i)fi«i-7 dos - Tej-plehfnbpJklmcers Ecriia-Süijünri'erg. ßsepistrafie 5, Mo! links 1 Treppe. nachmittags v. 2— 7 Uhr zum verkauf i!» den Sonntagen- vor Weihnachten geösfnct. ILCC,. 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Peria�Sanpalt Paul Ä'nger u-kio, Pcrtm H»W» »1.281. 28.ww 2. grihje des Imvarts" Iftünct WIKsblM.»-«» i.***» m. BB—MBa—— B——BaWWBMIW'WUHimiiffli Die Bewegung in der Berliner ilietaiiinduitrie. pie Foulltr Ifljütftt die vsrgesihliigeue Pminlwrung ab.— Die Anssperraug ist volliagen! Frühzeitig und fast vollzählig hatten sich die streikenden Former und Giesiereiarbeiter am Donnerstagmorgen, über 2500 an der Zahl, in Mörners großem Saal in der Koppen- straße eingefunden. Eine allgemeine Erregung und Spannung herrschte in der Versammlung; es galt, die Entscheidung zu treffen in der wichtigen Frage, ob die Vereinbarung, die die Kommiision nach heißem Ringen mit den Unternehmern den streikenden Arbeitern schon am Mittmochnachnüttag gedruckt vorgelegt hatte, die Zustimmung der Arbeiter finden sollte. womit zugleich die Aussperrung in weitem Maße beeinflußt werden konnte. Die Wogen der Erregung gingen oftmals hoch, aber S e l l r i ch und Cohen behielten die Führung der Geschäfte mit Ruhe in der Hand und es gelang trotz vieler Stürme, die Versanimlung ordnungsgemäß zu Ende zu führen. Uebcr sechs Stunden dauerte die Versantmlnng. Ohne Speise und Trank harrten die Massen der in geheimer Abstimmung vorgenonlnienen Eulscheidung. Viele der Ver- sammlungsteilnehmcr mußten stehend diese lange Zeit aus- harren, da der Saal nicht für alle Sitzplätze bot. Der Vranchenleiter der Former, S e l l r i ch, besprach, von Zwischenrufen oft unterbrochen, die einzelnen Bestimmungen der gestern vom„Vorwärts" im Wortlaut abgedruckten Ver- einbanmg. Er bemerkt, daß die Bestimmungen über die Arbeitszeit präziser gefaßt seien gegenüber den alten Be- stimmungen. Jin Z 8 der Vereinbarung sei den Akkord- ardcitern ein geivisser Lohn garantiert. Warten auf Arbeit werde jetzt bezahlt, wenn es länger als Stunden dauere: die Unternehmer wollten nur dann�Entschädigung zahlen, wenn cS über eine Stunde dauert, die Arbeiter wollten schon bei halbstündigem Warten Bezahlung haben. Neu sei die Bestimniung. daß dem Arbeiter erst der Akkord- zettel eingehändigt werden müsse, bevor das Stück Arbeit von seinem Platz genommen werde. Auch müsse der Akkordlohn vorher vereinbart werden, andernfalls sei der Arbeiter berechtigt, die Arbeit im Lohn herzustellen und dafür seinen bisher verdienten Durchschnittslohn zu ver- langen.(Der§ 3 eirthält sonst die Bestimmung, daß Akkord- arbeiter, wenn sie Lohnarbeit verrichten, den im letzten Jahre verdienten Durchschnittslohn, abzüglich 15 Proz., erhalten.) Konnte eine Einigung über den Lohn nicht erzielt werden, so hat der Arbeiter jetzt das Recht, durch die Komnnssion den Lohn festsetzen zu lassen, während ihn bisher der Meister allein bestimmen konnte. Eine Verbesserung sei auch in den neuen Bestiinmungen über den AuSschußguß enthalten. Nach den alten Bestimmungen erhielt der Former nur den Ausschußgnß bezahlt, an dem ihn nachweisbar kein Verschulden traf. Viele Klagen wurden deshalb beim Gewerbegericht anhängig ge- macht(in einem halben Jahre 22 Klagen), die meist für den Arbeiter ungünstig verliefen, weil der Former den Nachweis riicht erbringen konnte, daß ihn kein Verschulden treffe. Jetzt soll in Z w e i f e l s f ä l l c n dem Arbeiter der halbe Akkordp reis gezahlt werden. Schlechte Akkordpreise müssen jetzt so aufgc- bessert werden, daß der Arbeiter den Durchichnittsverdienst erreicht, während bisher zum Ausgleich den schlechten Akkord- stücken gute beigegeben wurden. Eine solche Verschiebung könne jetzt nickt mehr gemacht werden, die schlechten Akkord- arbeiten niüßren auf angemessen Löhne gebracht werden. �u Protokoll hatten die Unternehmer erklärt, daß sie 40 Ps. Stundenlohn für Hilfsarbeiter für angemessen erachten. Vielfach wurde noch darunter gezahlt. Die Lohnaufbesserungen für die Hilfsarbeiter sollten betriebSweise vorgenommen werden. Die von den Unternehmern ebenfalls zu Pro- tokoll gegebene Erklärung, daß die Wiedercinstellung der Streikenden zu dem alten Lohnsatz erfolgen soll, begegnet bei Erwähnung durch den Redner in der Ver- sanimlung lebhaftem Protestruf. Vom Redner wird diese Be- stimmnng dahin präzisiert, daß'damit wesentlich gesagt sein solle, die Unternehmer dürften bei der Wiedereinstellung der Streikenden diese nicht als Neueinzustellende betrachten und ihnen etiva die niedrigen Einstellnugslöhne zahlen. Sellrich schließt mit der Aufforderung an die Versammlung, sich die Abstimmung reiflich zu überlegen, da davon sehr viel ab- hänge. Die Arbeitervertreter hätten sich redlich bemüht, so viel wie möglich für die Arbeiter herauszuholen; die vor- liegenden Zugeständnisse der Unternehmer seien das äußerste, was diesen abzuringen war. In bct nun folgenden Diskusston wird die Vorlage von den Rednern in ihren einzelnen Punkten kritisiert und für unannehmbar erklärt. Nach achtwöchent- lichem Streik sei dieses Resultat ein sehr mageres. Besonders heftige Opposition fanden die ersten sechs Punkte der Borlage sowie die beiden letzten und damit war die ganze Vorlage getroffen, denn die übrigen Punkte waren nebensächlicher Natur. Die„Erklärungen zum Protokoll" wurden gesondert beraten. Hierbei spielte die Frage der Lohn- und Hilfs ardgitcr eine große Rolle, weil diese Kategorie sich sehr be- nachteiligt fühlte. Von den Verbandsvertretern, besonders vom ersten Be- vollmächtigten Cohen, der wiederholt in die Debatte ein- greift, wird darauf verwiesen, daß nach der von den Ver- trauensleuten aufgenommenen Statistik in vielen Betrieben die Hilfsarbciterlöhne noch unter 40 Pf. betragen; diese auf die angegebene Höhe zu bringen, sei zu- nächst einmal die dringendste Aufgabe; außerdem ermögliche das betriebsweise Vorgehen bei den Löhnen der Hilfsarbeiter auch ein Heraufrücken' der Löhne über 40 Pf. Dazu komme, daß gerade die schlechtentlohnten Hilfsarbeiter beim jetzigen Streik in großer Anzahl stehengeblieben seien (nach den Zahlenangaben sind in einzelnen Betrieben nur etwa 20 Proz. herausgegangen), weshalb schon für sie nicht mehr erreicht werden konnte. Schließlich kommt die Versammlung zu dem Beschluß, über acht Paragraphen der Vereinbarung, die in der Haupt- fache' die Arbeitszeit, den Lohn für Akkordarbeitcr. wenn diese im Stundenlohn beschäftigt werden, und den Ausschußguß be- treffen, durch Stimmzettel paragraphenweise abzustimmen. Das Resultat der Abstimmung war das folgende: Z 1 wurde abgelehnt mit 1785 gegen 704 Stimmen 8 2„..„ 1743. 484 § 8,.. 1952. 524 § 4,„.. 192Ö. 563 § ö... 1353. 623 § 6... 1926. 542 §13„. 1390. 1082 §14„„. 1840. 634 Die übrigen sechs Paragraphen werden, weil die Ver- sammelten Monitas gegen diese nicht erheben, als angenommen betrachtet. In bezug auf die„Erklärungen zur Aufnahme in das Protokoll" waren die Versamnielten mit dem ersten Satze ein verstanden, der. wie wir bereits gestern berichtet, lautet: Im Lauft der Verhandlungen wird festgestelll, daß bei Differenzen eine Kommission seitens des Verbandes Berliner Metallindnstrieller zusammengetreten ist, die die Streitigkeiten in Gemeinschaft mit Vemetern der Arbeiterorganisation schlichtete. Diese Vermittelung, die sich durchaus beioährt hat. soll auch in Zukunft, speziell bei Differenzen, die sich etwa auS dem heute getroffenen Abkommen ergeben, einlreten, und zwar sobald wie möglich, längstens innerhalb zehn Tagen. Sehr stark setzte dagegen die Opposstjon bei der Beratung des zweiten Satzes ein; dieser lautet: Die Löhne der Lohn- und Hilfsarbeiter sollen revidiert und in denjenigen Fällen erhöht werden, in denen bisher eine be- sonders niedrige Bezahlung stattfand. Als Norm hierfür wird ein Anfangslohn für Hilfsarbeiter von 40 Pf. pro Stunde bei den jetzige» Zeilen als angemessen bezeichnet. Der Vorschlag von Sellrich und Cohen, die Löhne der Hilfsarbeiter betriebsweise zu regeln und nicht zur Gesaintaktion zu machen, was gegenivärtig den größten Schwierigkeiten begegnen würde, wurde in geheimer Ab- stimmung mit 1626 gegen 801 Stimmen abgelehnt. In bezitg auf die restlichen Bestimmungen gab sich großes Miß- trauen in bezug auf die Fragen der Wiedereinstellung der Arbeiter kund und man wünschte einige redaktionelle Aende- rungcn. . Die Aussperrung ist nun inzwischen ebenfalls vor sich gegangen. Die Maß nahmen dazu waren von den Unternehnlern schon vorher derart getroffen, daß noch vor Ablauf der Formerversammlung, welche die Entscheidung über die vorgelegten Vereinbarungen zu treffen hatte, automatisch Schicht auf Schicht entlassen wurde. Welchen Unifang die Aussperrung angenommen hat, darüber läßt sich zurzeit so wenig sagen wie über die taktischen Gegenzüge der Arbeiter gegen das Vorgehen der Unternehmer. Eine große Zahl von überfüllten und erregten Metallarbeiter- Versammlungen, die gestern abend stattfanden, konnte weder Klarheit über die Ziffer der Ausgesperrten schaffen, noch bindende Beschlüsse über die einzuschlagende Taktik fassen. Um über die Zahl der Ausgesperrten genaue Angaben zu erhalten. hat die Zentralleitung der Bewegung in Groß- Berlin 56 Meldestellen geschaffen, in denen sich die Ausgesperrten heute zu melden und Anweisungen über ihr ferneres Ver- halten entgegenzunehmen haben. Die Kommisston der Former wird nun zunächst den Unternehmern formell Mitteilung von dem Verlauf der gestrigen Versammlung und dem Resultat der Abstimmung über die vorgeschlagenen Vereinbarungen machen. Von der Aufnahme dieser Mitteilung wird im wesentlichen abhängen. wie die Situation sich weiter gestaltet. ParlamemanscKes. Die Budgetkommission dcS RcillfstageS setzte am Donnerstag die Beratung der ostafrikanischen Bahnvor- läge fort. Gouverneur Dr. Solf gab gegenüber der lebhaften Kritik an dem Projekt aus� der Kommission heraus folgende Er- klärung ab: Wie die Herren wissen, bin ich plötzlich während meines Urlaubs in das Kolonialamt als stellvertretender Staatssekretär berufen worden. Ob aus dem Provisorium ein Definitivum wird, weiß ich nicht, ich tann also während der vielleicht nur sehr kurzen Amtszeit prinzipielle Aendcrungen in der Kolonialverwaltung nicht vornehmen. Die ostafrikanischc Mittcllandbayn ist ein Lieblings- Projekt des früheren Staatssekretärs Lindcquist. das im Kolonial- amt mit großer Sorgfalt ausgearbeitet worden ist. Daß ich Ihnen die mir mühsam von zuständigen Referenten eingepaukte Weisheit vortragen soll, hat keinen Sinn. Was zu sagen ist, wissen die Re- ferenten Keffer zu sagen als ich. Ministerialdirektor Herz schilderte, wie günstig der nächste Reichsetat sein werde. Summen fjir neuerwerbende Anlagen kommen nicht mehr in den Etat, die noch vorhandenen werden ent- sprechend vermindert werden. Abg. Srzbcrger wirft der freisinnigen Presse schamlose Verlogenheit vor, weil sie behauptet hat, daß neue große Anleihe» kommen werden.— Ministerialdirektor Herz erklärte, im nächsten Etat werden, wenn überhaupt, nur solche Anleihen erscheinen, wie he den Bestimmungen der Finanzreform entsprechen. Sie werden aber auch dann noch niedriger sein, als die Anleihen der letzten Jahre.— Abg. Erzbergcr weist darauf hin. daß auch mit Bewilli- gimg der neuen Bahnanlage die Zinienlast im Jahre 1915 um b'A Millionen sich steigern werde.— Nach längeren Auseinandersetzungen wurde die Bahnvorlage gegen wenige Stimmen von der Kommission angenommen. Stadtverordneten-ncrsammlnng. 3 5. Sitzung vom Donnerstag, den 30. November, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach Uhr. Der Ausschuß zlir Vorberatung des Antrages AronS(Soz.) wegen Ausgabe amtlicher Wahlkartcn zu de» ReichStagSwahlen ist gewählt; die sozialdemokratichse Fraktion ist darin durch Fischer, Pfannkuch und Schneider vertreten. Stadtv. Frick(N. L.) berichtet über die Ausschußberatung deS Antrages ZtronS betr. Erwägung von Matzregeln, um den Mitzständen abzuhelfen, die sich bei der bisher üblichen Ferienfestsetzung bemerkbar machen. Ter Ausschutz hat mit großer Mehrheit die von den Antragstellern gemachten Neformvorschläge abae- lehnt und empfiehlt, eS bei dem bisherigen Zustand zu belassen. Ohne'Debatte beschließt die Versammlung in gleichem Sinne. Die Zuführung einer städtischen Subvention von 60 000 M. für da» Etatsjahr 1012 an da» Philliarmonische Orchester hat der im März d. I. eingesetzte Ausschutz gebilligt, nachdem durch Verhandlungen mit der Orchesterleüung über die Gegenleistungen des Orchesters Klarheit geschaffen worden ist. Das aus 70 Mit- gliedern bestehende Orchester ist danach verpflichtet, in der Zeit von Juni bis Ende September jede Woche 2, im Winter im ganzen 5, zusammen 40 öffentliche 51onzerte zum ermäßigten Ein- trittspreisc von 30 Pf. und 6 Nachmittagskonzerft für Schüler mit freiem Eintrit zu veranstalten; außerdem hat es bei städtischen Feiern nach näherer Bestimmung des Magistrats ohne besondere Entschädigung mitzuwirken. Ter Referent Stadtv. Modlcr(A. L.) gibt unter Würdigung der Bedeutung und der künstlerischen Leistungen des Orchesters eine Darstellung der finanziellen Beweggründe, die zu dem Antrag auf städtische Subvention geführt haben. Die für ein Drittel der Plätze in Aussicht genommene Höhe des Eintrittspreises von 50 Pf. hat der Ausschutz in Wegfall zu bringen vorgeschlagen. Stadtv. Cassel(A. L.): Di« Vorlage stützt bei meinen Freunden auf gewisse Bedenken. Es ist nicht unbedenklich, sich von Stadt wegen in die freie Betätigung des künstlerischen Betriebes cinzu- mischen. Es ist verwunderlich, daß das Berliner Mäzenatentum sich noch nicht so weit entwickelt hat, seinerseits das Philharmonische Orchester in seiner finanziellen Existenz sicherzustellen. Ohne weitere Debatte gelangt der Ausschußantrag zur Ans nähme. Mit der Hergabe eines städtischen Grundstückes«K de? Vödikerstraße an den Berein„Berliner JugendhauS" zur Errichtung eines Obdachs für jugendliche männliche Obdachlos«! hat sich der niedergesetzte Ausschutz nach langen Beratungen ein- verstanden erklärt. Ein Antrag aus schleunige Errichtung eines städtischen Obdachs für jugendliche Obdachlose beiderlei Ge- schlecht? ist vom Ausschutz mit 5 gegen 5 Stimmen abgelehnt worden. Dieser Antrag' wird heute im Plenum wiederholt. Außerdem ist Zurückverwcisung an den Ausschuß beantragt. DaS Referat erstattet Stadtv. Sachs(A. L.). Er hebt hervor, daß der Verein sich mit der vom Ausschutz gestellten Bedingung einverstanden erklärt hat, daß die Stadt von dem Ueber- lassnngsvertrage zurücktritt, wenn nicht der Bau binnen zwei Jahren beendet ist. Stadtv. Zucht(Soz.): Der Ausschutz hat d«n von meinen Freunden gestellten Antrag mit Stimmengleichheit abgelehnt. Die meisten Ausschutzmitglieder waren mit uns der Meinung, eS sei am besten, wenn solche Institutionen von der Stadt errichtet werden, zumal in vielen derartigen Fällen früher oder später doch die Stadt materiell eingreifen mutz. Es handelt sich bei dem Projekt des Vereins um ein Institut, das wirklich glücklich ganze vierzig Plätze enthalte» wird. Damit ist doch der Not nicht abgeholfen, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Am heutigen Tage waren nicht weniger als 370 Jugendliche im städtischen Obdach, bor einigen Tagen sogar 420. Was sollen da diese 40 Plätze? Da soll die Stadt das Jugendhaus bauen und nicht für 40, sondern für 400 Köpfe; dann wird etwas wirklich Nützliches und Durch- greifendes geschaffen. Wir sind im Ausschutz nicht durchgedrungen. Da sich jeder Jugendliche nur durchschnittlich eine Woche dort soll aushalten können, so würden, wie uns der Magistratsvertretec vorrechnete, jährlich über 2000 dort aufgenommen werden können; in Wirklichkeit wird sich das Bild ganz anders und viel weniger günstig stellen. Eine Garantie, daß der versprochene Erfolg auch von dem Verein geleistet werden kann, ist durch das Statut auch gar nicht gegeben. Die jetzige erfolgreiche Tätigkeit des Pastors C r ü s e m a n n in der Fürsorge für die Jugendlichen im städtischen Obdach gibt uns die Gewähr, daß ein solches Jugendlichenobdach von Stadt wegen sehr segensreich wirken könnte. Mag die Stadt also auf dem Grundstück an der Bödikerstratze eine solche Anstalt errichten? Die Petition, die von Hauseigentümern aus der Gegend an uns gekommen ist, charakterisiert sich geradezu als eine Unverschämtheit, mit der man unsere Zeit in Anspruch nimmt; es wird da von Taugenichtsen und Nichtstuern gesprochen, denen die Fürsorge der Stadt zuteil werden solle. Das ist die Grundbesitzervereinsanschauung von einer solchen sozialen Maßnahme, wie sie hier beabsichtigt ist. Mit so etwas sollte man die Stadtverordnetenversammlung verschonen! Die Petenten sind ja sogar beim Oberbürgermeister gewesen; hoffentlich wird dieser ihnen gründlich die Tür gewiesen haben. Ich bitte Sic noch- mals, unseren Antrag anzunehmen.(Beifall bei den Sozioldcmo- kratcn.) Stadtrat NamSlau: Wenn her Leute von Ruf und Geschick uns die Last benehmen wollen, so wäre eS doch sonderbar, ihnen in den?lrm zu fallen und die Sache selber zu machen. Vorläufig wird mit der geplanten Llnstalt auszukommen sein. Die betreffen- den jungen Leute sollen durchschnittlich je eine Woche dort behalten werden, im Jahre können also weit über 2000 aufgenommen wer- den. Wenn uns die Frequenz von 300— 400 angeführt wird, so wissen wir ja gar nicht, ob nicht an einer Reihe von Tagen das immer dieselben sind. Bezüglich der Petition stehe ich ganz auf dem Standpunkt des Vorredners; entweder haben die Petenten die Sache nicht verstanden, oder sie haben in unverant- wortlicher Weise übertrieben. Das Bessere ist immer der Feind des Guten; wer praktisch arbeiten will, mutz die Vorlage annehmen! (Beifall.) Stadtv. Max Schulz(N. L.) hat mit einigen Freunden erheb- liche Bedenken gegen die Vorlage und bemängelt namentlich, daß über die zukünftige Ausgestaltung des„Jugcndhauses" und über das Wie der Erreichung des gesteckten Zieles der sittlichen Hebung keine genügende Auskunst zu erlangen gewesen ist. In der Gegend werde ein Hafen erbaut, eine solche Gegend züchte geradezu jugend- liche Obdachlose; nach kurzer Zeit werde das Haus sich als viel zu klein erweisen, und die Stadt müsse schließlich doch mit eigenen Mitteln ganze Arbeit machen. Werde es aber von Stadt wegen dort ausgebaut, so könne cS direkt zu einer Gefahr für diese so entwickelungsföhige Gegend werden. Man sehe doch, wie in der Danziger Straße mit den Asylen und in der Frankfurter Straße mit ihren Hospitälern gewerblich alles tot sei. Man könne daher, auch ohne Hausagraricr zu sein, die Klagen der Grundbesitzer ver- stehen. Stadtv. Schulze(A. L.): Herr Schulz hat unS nicht gesagt. wohin denn das Institut kommen soll. Die Petenten möchten eS in die Gegend des städtischen Obdachs verlegen; das wäre gerade falsch, denn die 300—400, die da täglich vorsprechen, sind großenteils nicht mehr zu retten. Hier handelt eS sich um solche, die noch zu retten sind. Stadiv. Ladewig(N. L.) spricht sich gegen seinen Fraktions- genossen Max Schulz und für sosortige Annahme der Vorlage aus. Dem Antrage der Sozialdemokraten zu entsprechen, sei die Zeit noch nicht gekommen. Stadtv. Dr. Nathan(Fr. Fr.) polemisiert ebenfalls gegen den Stadtv. Max Hchulz. Stadtv. Dr. Roscnscld(Soz.): Die Vorlage genügt sozialen Anforderungen in irgendwie erheblichem Maße nicht, das muß Ihnen schon der Umstand beweisen, daß wir unS so energisch da- gegen ins Zeug legen. Denn wenn sozialpolitische Fortschritte in der Kommune Berlin erzielt worden sind, so ist daS doch den Sozialdemokraten zu verdanken.(Lachen bei der Mehrheit.) Mit Lachen schaffen Sie diese Tatsache nicht aus der Welt. Schon vor 12 Jahren haben meine Freunde Anregungen gegeben, auf die diese Vorlage eine ganz kleine Abschlags» z a h l u n g sein soll; sie bringt aber unsere Forderungen in Formen K«lft NuKrv?. Sfe 5öN LrsMngliH«« Tränken Pf. pro Kilo, wovon sich Herr Cglwer ebenfalls durch direkte Anfrage wird überzeugen können. Da die Preisfeststellung für den Kleinhandel besonderen Schwierigkeiten unterliegt, die durch die Berechnung eines Durch- sdjnitts- oder auch eines häufigsten Wertes bei der geringsten Zahl von möglichen Beobachtungen gegenüber der großen Anzahl ganz verschiedener tatsächlicher Preise noch erhöht werden, gibt jede vernünftige Statistik nebeneinander höchste und niedrigste Preise oder die Preise der einzelnen Marktsortcn an. Und dieS ist gerode pei Kartoffeln um so wichtiger, da es sich hier um ganz der- schiedene Qualitäten handelt, die natürlich ganz ver- sckiedene Preise bedingen. Die„PreiSzusommensiellungen de- Sta- tistifchen Amts' der Stadt Berlin" geben z. B. als Kleinhandels- preise in den städtischen Markthallen pro Kilo als Durchscknitt auS deih Wochenprcisen für den September d. I. als niedrigste Notierung (für 50 Kilo). Tie Spannung zwischen Großhandels- und Klein- Handelspreisen würde danach für die schlechteste Karioffelsorte etwa 12 M., für die beste etwa 33 M. betragen. Da in Berlin und Groß-Berlin meist für das Kilo Kartoffeln 10 Pf. gezahlt werden, kommt die Spannung der in Bromberg durchaus gleich. Eine Nachprüfung für Magdeburg, für- welche Stadt Ealwer die Phantasie-Spannung von' 75 M. angibt, haben wir uns gespart. (DaS Statistische Amt dieser Stadt gibt überhaupt keine Preisnotierungen heraus; wahrscheinlich aus Gewissenhaftigkeit.) Die Erklärung der von Ealwer für Memel mit nur 8 M. pro 1000 Kilo angegebenen Spannung liegt auf der Hand. In Memcl wie auch in Tilsit, KöSlin u. a. Städten sind die Zufuhrtransport- kosten äußerst gering, zum Teil bestehen sie überhaupt nicht, da gleich hinter den letzten Häusern dieser kleinen Städte die Kar- toffelfelder beginnen, die zum Teil den Kleinhändlern selbst gc- hören. Mit der wachsenden Entfernung zwischen Produktions- und �KonsumtionSort. mit dem sich daraus notwendig ergebenden Zwischenglied der Händler steigt natürlich der Verkaufspreis. Daß schließlich die Kleinhändler durch einen Aufschlag infolge von Ladcnmietc, eigenem Prosit usw. die Lebensmittel weiter ver- teuern. ist erklärlich. Daß ihre Entschädigung ober nicht in so gänzlich unbegründeter Weise in verschiedenen Städten wechselt. wie eS scheinbar aus der amtlichen unbrauchbaren Statistik hervor- geht, die Herr Ealwer unbesehen nachbetet, müßte auch dem nur einigermaßen unterrichteten Nationolökonomen bekannt sein. Die wesentlichsten Ursachen der LcbenSmittelteucrung sind in der Preis- Politik der Produzenten und in der den Agrariern zu Liebe gc- schaffenen Zoll- und Steuergesetzgebung zu suchen. Bei der Verteuerung der Kartoffeln speziell spielt die Branntwein- liebeßgabe eine Rolle, die die Verwandlung der Kartoffel in das Schnapsgift so außerordentlich fördert und daher das Angebot auf dem Lebensmittelmarkt verringert. Dies macht sich ,'n diesem Jahre bcftnderS schärf geltend,' Tie Kgltoftelpreike für IM Kilo stehen fö CfMct 191t frnü 77,9 W.) 0» feie« ßlttt ma als die vom Oktober 1900(55,2 M.). Wohl wollen wir die durch den Kleiichandcl verursachten relativ geringen Preissteigerung«, dadurch eindämmen, daß wir energisch für 5lonsumvereine und für den Bezug von Lebensmitteln durch die Gemeinden eintreten. Unser .Hauptkampf richtet sich aber gegen die eigentlichen Urheber juiü> Preistrciber, die reaktionäre Agrgkierfixx� Hus aller Gleit, Unter falschem Namen im Gefängnis. Durch seine Handschrift wurde ein Hypotheken» und Dar» lehnSschwindler entlarvt, der vor einiger Zeit in Harz» bürg verhaftet und zu anderthalb Jahren SefängmS verurteilt wurde. Diese Schwindeleien schrieb man einem 43 Jahre alten aus Köln gebürtigen Kaufmann C h r i st i a n F e u s e r zu, der vor drei Jahren in Aachen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, später aber aus der Irrenanstalt G e l k h a u s e u entwichen war. Es ergab sich jedoch, daß Feuser der Schwindler nicht sein konnte, weil er in der kritischen Zeit in Köln in Untersuchungshaft saß. Erst jetzt ist eS gelungen, festzustellen, daß sich hinter dem.Oberinspektor Ladewig" der 45 Jahre alte zu Groß-Glienicke im Kreise Osthavelland geborene Hauptmanna. D. und Landwirt Heinrich Berger-Landcfcldt verbarg. Sechsfacher Mord und Selbstmord. Eine schreckliche Familientragödie, die mit einem sechsfachen Morde endete, hat sich im Jtaliener-Viertcl von New Jork abgespielt. Ein in dürftigen Verhältnissen lebender Arbeiter Jgnaz PloScia. der mit seiner ganzen Familie nur ein Zimmer bewohnte, konnte den Lebensunterhalt seiner Familie nicht bestreiten, zumal er auch einen sehr großen Teil seines Verdienstes für sich selbst verbrauchte. Seine Frau, die zu», Unterhalt der Familie beitragen mußte und obendrein von ihrem Manne noch häufig mißhandelt wurde, wollte ihn deshalb verlassen. PloScia geriet darüber in eine solche Wut, daß er sie mit cioew Revolver erschoß. Darauf tötete er auch seine beiden Kinder. seine Schwiegermutter und zwei Cousinen, die die Wohnung mit teilten. Dann erhängte er sich. Kleine Notizen. LovtSuuglöck im Suczkanal. Der britische Kreuzer„PeloruS' hatte gestern bei einer Fahrt durch den Suezlanal einen leichten Zusammen st oß mit einem kleinen Boote, das in seine Schraube geriet und sofort zum Sinken gebracht wurde. Drei Personen, die sich iu dem Boote befanden, wurden schwer verletzt und find im Wasser ertrunken. Zwei Leichname konnten noch nicht entdeckt werden. Der Boolsmann, welcher am Steuer saß, konnte sich an einenr Seil festhalten und ist gerettet worden. Eine Prostituierte crmsrdct. In Augsburg wurde gestern die geschiedene Prostituierte Marie Fischer mit eingeschlagenem ischädel in ihrer Wohnung aufgefunden. ES liegt Mord vor. Uebcrickiwemmungcn in Frankreich. AuS verschiedenen Teilen Frankreichs werden weitere Ueberschwcmmungen gemeldet. So hat besonders die Rhone großen Schaden angerichtet. Dieser Strom zeigt bei Caderousse innerhalb 24 Stunden eine Steige» r u n g uni 1,20 Meter und bei Avignon sogar um zwei Meter, so daß man den kommenden Tagen mit großer Besorgnis entgegen- sieht. Im Departement G a r d ist der Gardon au» den Ufern gc- treten. Die Einwohner von Comp? mußten in die oberen Stock« werke der Häuser stückten. Ein neuer Erdstoß. Vorgestern abend gegen 10 Uhr ist in Vesouk-sFrankreich) und Umgegend ein Erdbeben von vier Selu-nden Dauer verspürt worden. Der Bevölkermig de» mächligte sich eilte lebhaste Panik, sie floh aus ihren Behausungen und verbrachte die Nacht im Freien. Dieses Beben steht ougeu» scheinlich im Zusammenhang mit den in verschiedenen anderen Teilen Europas, bcwnders Süddeutschland und Portugal, der» spürten Erdbeben. Selbstmord eines Leutnant». In Se ml in hat sich der Leutnant vom 08. Infanterieregiment Robert Löwenheim in einer Apotheke erschossen. Angeblich soll unglückliche Lieb: die Ul fache zu der Tat gewesen sein. Todcssturz zweier Kinder. Gestern mittag stürzten in der Liebcnauer Straß« zu Halle die vierjährige Käte Arnold und der dreijährige Kurt Ouielitzsch beim Spielen von der Fenster» brüstnng dre: Stock tief auf das Pflaster herunter. Das Mädchen war sofort tot, der Knabe liegt hoffnungslos danieder. Durch eine Explosiv» auf einem Dampfboot deS Linienschiffe* „Voltaire" im Hafen vouToulon wurden ein Mann der Besatzung getötet und mehrereLeute schwer verletzt. Verein i Berliner änebdrueker und Sebriftpper. Tie Generalversammlnng deö Vereins beschloß am 23. November. so lange der Llusstand der Tabak» arbciter dauert, den Vcreinsbeitrag auf wöchentlich 2 Mark festzusetzen. Wir ersuchen daher die Druckerei» kassierer, in die Beitragslisten statt l,ÜO 2 Mark zu vermerke». Tie erste Erhebung des erhöhte» Beitrages beginnt mit Abschluß dieser Woche. Zu der am Sonntag, den Dezember, iu der„Neuen. Welt" stattfindenden M a s ch i« e n« meistcr- Versammlung erwartet der Gau. vorstand das Erscheine» sämtlicher Druckerkollrge», die dem Verband angehören. 28/12_*_ Der G auvorstand. Op.Simsnel Spezlal-Arzt für Haut» und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄÄ 10—2. 5—7. Sonntags 10—12.•>—i 8eal Persianer lniit. für«leg. Daiucn- von»,50 an, von 6,50 an, Paletots. iudjlnger Koch fiSecIamlO. m.b.H., 20-21, in M HEIKES WERKE::-- SCHILLERS WERKE je 3 Bände gut gebunden. Eingeleitet und besrboitat von Franz 31cbrias- 347/11* MP Preis für jedes Werb nur 4 H.-Mg Buchhandlung Vorwärts, ündenstr. 69(Laden). I Todes-Anzeigen I Xodee-Anzclee. SIEcn Svcuiibca und Bekannten die Umidge?!ach'.icht, dak meine imiiggclicbtc Zrau und gute Mutten Minna Schulz gcB. Wiugeteit am Mittwoch, den 29. d. MtS.. nach kmzem, schwerem Leiden ver» stonben isl. Diu zeigt tiesbelnübl an feit: Lotnit: und SoNn. Gustav Wingeleit und Frau. Di« Beerdigung findet am Sonnobeild. den 2. d. MtS.. nach- mitiagS 3 Uhr, von der Leichen- balle des ZenKal-FriedhofeZ in Fdedrichäfeldc auZ statt. ! ÄllMmMtKeder Vttllvmio tür den Beri. Heidistags-f alilkreis. Stralauer Tticrtel. (Bezirl Söll» II.) Den Mitgliedern zu: Nachricht, | dag unserc Eenosfin Minna Schulz tBo�hagener Str. 26) j gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am [Somiabenb, den 2. Dezember, ! nachmittags 3 Uhr, von der Italic des Zentral- Friedhofes in Igriedrichsfelde aus statt. Inn reg« Beteiligung ersucht Ter Borstand. Ortsgruppe GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur gefälligen [ Kenntnis, daß unser Kollege Gustav Germer 1 Kasscuangeslelltir(Orts-Kranken- kajse der Schneider) j am 27. November an Herz- | schlag verstorben ist. Ehre seinem Slndenken! Nim 28. November verstarb der ? Kollege 1 Friedrich Lehmann ' BrijicherungSangestcllterlViktoria) I an den Folgen einer Blinddarm- > erkrankung. Ehre seinem Slndenkeu! Die Beerdigung beider Kollegen i findet heut. Freitag, aus dem I neuen PauiS-Friedhose In Plötzen- j!« statt, und zwar Germer nach- Z mittags 3 Uhr und Lehmann >»achmitlagS 3'/, Uhr. [ Ich/17 Die Orlsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Beiirksvorwaltung GroB-Berlin, Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Wilhelm Braatz am 29. November im Aller von 68 fahren verstorben ist. Die Beerdigung fand am 80. No- vember aus dem Freireiigiösen Kirchhoje ilatt. 58/18 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kraft. droichkensührer Äiiheim Heinlzrnann ani 24. d. MtS. im Aller vvn 26'Fahren vc>1iorbelt ist. Die Beerdigung sand am 27. No- vember ans dem Kirchhoje der FriedenSgemeinde, Nordend, statt. Ehre ihrem Andenken! Die Bezlrksverwaltung. suswuiimimB—■apaniiiaw j 2t>n 29. November, nachmittags [5 Uhr, verilarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Wann, unser guter Pater, der > zllilitärinvalide ISZlb Beinrich k�other. Um stilles Beileid bitten Dio travormlen stintcrdtiedenen Tie Beerdigung findet om Sonntag, den 3. Dezember, nach- niittags 3°/, Uhr, von der Leichen- Halle deS'NuminclSburgcr(Sc- meindc-FdedhoseS. Lückstraße, nuS Todesiuisicli?«?. Am Dienstag starb nach kurzem, schweren Leiden meine liebe, gute ierau uud Herzens zule Nuner, Tochter. Schwester, Schwägerin und Tante titaa Holldorf A im 37. Lebensjahre. Dies zeigen ticsbctritbt*r-j" ör; 2�*55 2« Qt.21-2Q ä.is Wer-Raillaliper- Biiöi Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Vereinstour zum Sonntag, den 3. Dezember. t. bi» 11. Abt.:!>/, Uhr: PichelS- wcrder, alter Freund lzum Schlachte- seit). Starts an den bekannten Stellen. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 13/9 Tischlerverein. i n. es. Sonnabend, S. Dezember, abend» 8'/, Uhr. Melchiorftr. 15: Vensammlung. llnterslützungsgeiuche, Vereins- angelegcuheiicn. Ausnahme neuer Mit- giiedcr. 199/11 Der Vorstand. Dienstag» und Freitag» «°uh�b: Frlseh Pfund Blutwurst|ofu�. Leberwurst S 10 Pf. in bekannter Güte sowie iägllch vor- züglich gewürzte Rot- u. Leberwurst ä 0.50—1.20 u. ff. Fleischwaren. Kasselerllflp, ohne Knochen mich bei emzewen Psunden. F Hialevll Friedrichsir. 246. . niviaCII, Wilhelmstr. 109/1«), Offeriere in nur frischer, schäncr Ware Xur ein Breis! " Lwe 0,65 8-16 Pfimb schwer. 177/6» Rur allererste O-uatität Gansernmpse, Halbe Gänse. Fette Suppenhühner, jg. Brathühner. F. Wegner, SO. 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H. in Liauiscba, S.-M,(früher Sieinach, S.-M.). Die Berliner in bester werden besonders daraus ausmertsam gemacht, hast ab Ii). Dezember im Gewerksdiaftshause(Saalgebäude) und kturbingstr. 4(Resl. Schmalowsky gros, er Berkauf bo»(ölas-Ehrist- baumfchmuck obiger Genossenschast zu Herstellungspreisen ersolgt. Wege» weiterer Auskunft wende, man sich an den Genossen It. Barth, SO, Adalbertslr. 20 III. ♦ �chtuniU Bewilligte Bäckers. Äimnj Meiner geehrten Kunhschasi und Narbbarschast zur Kenntnis, dag die Differenzen niit dem Dertrauensmann der Bäcker uns Kondlioren zur Zusriedenheit beigelegt sind. HochachiungSooll Bäckermeister Barl Hanpt, Rixdoxf, Elbestr. 18. Der Aerrrauenomann der Bäcker und Konditoren. verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw. lorzflglichen Astrachaner Caviar pro Pfund 7.—. 9.—. II.— bis 21,- M. Oelsardinen, Neunaugen, Bratheringe, Sprotten billigst! V.& A. 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Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Der Vorstand. Fredersdorf-Petershagen. 8m Sonntag, den Z.Dezember, nach- mittag« 3 Uhr, findet in Fredersdorf, da uns jetzt das Lokal der Ww. H. Hörnicke zur Verfügung steht, nach Jahren wieder eine öffenl- liche Versammlung statt. Hierzu Sonntag früh Handzettel- Verbreitung. Das Material ist von den Bezirksführcrn ab- zuholen. Tegel. 8m Sonntag, den S. Dezember, vormittags 8 Uhr: Flug- blattverbreitung. Die Bezirksleitung. Rciuickendorf-West. Heute findet in den Zahlabendlokalen ein Extra-Zahlabend statt. Die Bezirksleitung. Staaken. Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr, in Bnädigs Gasthof: Oeffentliche Versammlung. Genosse Piek spricht über„Die Sünden des schwarz-blauen Blocks'. Handzettelvcrbreitung zu dieser Versammlung Sonnabendabend und Sonntagmorgen. Der Vorstand. berliner JVacbncbtcn. Aus der Stadtvcrordnotcnversammlung. Um ein Stück Jugendfürsorge wurde gestern lange und beftig gestritten. Für dieJugendlichendesObdachs soll ein besonderes Jugendhaus geschaffen werden, durch dessen Vermittelung sie den Weg zurück ins Elternhaus finden können. Wie üblich, wird es wieder mal nicht als eine Pflicht der Gemeinde angesehen, den Hilfsbedürftigen die lielfende Hand zu reichen. Ein Verein, der bis jetzt noch keine Mittel hat. will das Jugendhaus bauen und uitterhaltcn; — und die Stadt soll ihm weiter nichts als das nötige| Grundstück hergeben. In dem Ausschust, dem die bezügliche Porlage des Magistrats überwiesen worden war, hatte der hlntrag unserer Genossen, der Gemeinde die volle Pflicht dieser Fürsorge für die jugendlichen Obdachlosen aufzuerlegen, keine Mehrheit gefunden. Gestern wurde der Antrag von der fozioldemok atischen Fraktion wiederholt, aber keine der bürgerlichen Gruppen der ganzen Stadwerordnetenversamm- luiig unterstützte ihn. Wie wenig Hilfe von dem vorläufig selber noch hilflosen Verein bei all seinem guten Willen zu erwarten ist, das zeigte Genosse Zucht, der die ganze Un- znlänglichkeit des geplanten Unternehmens nachwies. Ueber die Größe der Not, um die es sich hier handelt, teilte unser Redner aus der Frequenzstatistik des Obdachs einige Zahlen mit, die Aufsehen erregten. Hier sei, führte er aus, eine wirklich durchgreifende Abhilfe nur der Stadt möglich, die ohnedies die Erfüllung dieser Auf- gäbe nicht einem Verein überlassen dürfe. Die Hausbesitzer des Stadtteils, in dem das Jugendhails errichtet werden soll, »vollen freilich von der ganzen Sache nichts wissen. Der Standpunkt, den sie in einer hiergegen eingereichten Petition einnehmen, wurde von Zucht mit verdienter Schärfe gekcnn- zeichnet. Gegenliebe fand der Antrag unserer Genossen weder bei dem Magistratsvertreter Stadtrat N a m s l a u, noch bei einem der Freisinnsredner, die nach ihm sprachen. Genosse R o s e n f e l d nannte das von dem Verein ge- plante Unternehmen, dessen Unzulänglichkeit auch er be- leuchtete, einen bloßen Versuch der Einschläferung de? sozialen Gewissens. Da ergriff Stadtrat?! a in s l a u noch einmal das Wort und behauptete, daß der Verein— der noch keinerlei Mittel hat!— der Stadt das Jugendhaus auf dem Präsen- tierteller entgegenbringe. Gegen eine Aeußerung Rosenfclds über den Anteil der Sozialdemokratie a m so- zialen Fortschritt in der Berliner Kommu- n a l V e r w a l t u n g zeterte der Stadtverordnete Cassel. Nochmals betonte Genosse Zucht, daß es Pflicht der G e- m e i n d e ist, den Jugendlichen des Obdachs zu helfen. Schließlich griff dann noch Oberbürgermeister K i r s ch n e r in die Debatte ein. Sln„alle, die praktische Arbeit leisten ivollen", richtete er die Bitte, mit dem Magistrat die Erfüllung jener Pflicht dem Verein zu überlassen. Wollte er sagen, d i c Stadtverwaltung sei nicht fähig,„praktische A r b e i t" z u l e i st e n? Herr Uirschncr hob mit starker Vc- tonung hervor, was unser verstorbener Genosse Singer dem von einem Verein geschaffenen und unterhaltenen Asyl für Obdachlose gewesen sei. Wie wenn diese ruhmvolle Ausnahme etwas bewiese gegen die Forderung, daß die Gemeinde ihre sozialen Aufgaben nicht auf die„private Liebes- t ä t i q ke i t" a b iv ä l z e n soll!?tgchdcm der Antrag unserer Geii*!sen von dem gesamten Freisinn einmütig abgelehnt worden war, wurde nach den Vorschlägen des Llusschnsscs die Magistratsvorlage angenommen. Für sie stimmte jetzt auch die sozialdemokratische Fraktion. Die Große Berliner. Dieses Verkehrswesen ist vom Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs zur Belustigung der Llusländer gegründet. I Einheimische benutzen das Institut zu Luftfahrten und längeren Erholungsrcisen. Auf der Direktion ist man mit% Majorität der Ansicht, i daß mit Hilfe eines großen Wagenparks— so sagt man ja wohl— und einer Menge(schlechtbczahlter) Beamter der Ver- kehr gefördert, verniittclt und überhaupt aufrechterhalten »verde. Auch die Denkschriften, die hier und da erscheinen, bestätigen dies: sie sind minutiös abgefaßt und lassen genau erkennen, wieviel Fahrgäste zu 10.»vieviel für 15, und wieviel UN» 20 Pf. befördert worden sind. Wir Häven nämlich den Zehnpfenmgtarif. Derselbe ist auf das Freudigste zu begrüßen, um so mehr, als er noch nicht ganz durchbrochen ist. Es soll Strecken geben, auf denen inan länger als eine halbe Stunde für 10 Pf. spazieren fahren darf. Ter eigentliche Betrieb aber ist rührend: wie eine spar- same Hausmutter geizt die Direktion mit dem kostbaren Strom, und so rasen denn die stolzen Wagen tobend und d»nnernd durch die Straßen... Neulich gab ich einem alten Stelzkuß 30 Pf.(er hielt sie für seine Pension und dankte| onlitärijch), dann bestieg ich— ich hatte den Tag frei— einen i elektrischen Straßenbahnwagen. Ich fuhr und fuhr, eine dreiviertel Stunde, wir hatten niindestens 0 Straßenecken bewältigt, ich stieg aus und siehe!— an der Ecke stand der alte Invalide.„Nanu!" lächelte er stolz,„da haben wir bei Sedan ganz andere Märsche gemacht!"— So fahren diese Wagen. Tie Bahn ist immer voll. Die Direktion— Gott ver- zeih nur die Indiskretion!— hat nämlich einen Mathematik- Professor engagiert, der ausgerechnet hat, wohin die meisten Leute fahren wollen. Auf diesen Strecken ist dann gewöhn- lich e i n Wagen tätig, und der Direktion lacht das Herz im Leibe, wenn sie die Fülle sieht. Auch tut das den Straßen- bahnaktien sehr wohl. Aber was wäre unsere stolze Residenz(Residenz... das ist eine Stadt, in der jemand residiert... ja!) was wäre Berlin ohne die grünen Wagen, ich»neine, die Straßenbahn- wagen!— Wie lieb, wenn sich so ein Ungetüm langsam vorwärts- schiebt, hinter einem Heuwagen her, und dann kommt eine Haltestelle, der Kondukteur bespricht freundlich mit zwei alten Frauen die Topographie der Umgegend... oder abends in der Leipzigerstraßc!— wie da die Wagen unserer Straßen- bahn hübsch in der Mitte vom Damme stehen bleiben, damit die anderen Fahrzeuge auch immer rechts fahren.... Manche Leute wollen morgens mit diesen Schlafwagen ins Geschäft fahren. Aber die Schaffner sind attgewiefen, die Betörten zurückzuweisen. Jeder Engländer, jeder Amerikaner schüttelt den Kopf über uns. Diese Geschäftsleute verstehen nicht, wie sich hunderttausende so behandeln lassen können. Wenn wir einem Ausländer das erklären wollen, dann inüsien wir ihm erst klarniache»!, was das ist: deutsche Schafs- geduld. Und dann müssen wir ihn in unsere öffentlichen Häuser, das Rathaus und das Stadthaus führen, und ihm klarmachen, tvas das ist: Kommunalsreisinn. Denn dieser Kommunc-LibcraliSnlus steckt mit der Ge- sellschaft unter einer Decke. Lohnender Erwerb. Ein Geschäft, das noch waS einbringt, ist immer wieder die Unterweisung erwachsener Personen, die in irgendeiner Industrie sich ihr Brot verdienen möchten». Nach wie vor floriert zum Deispiel der llnterrfcsi in der Krawattennäherei, von der so manche zu er- werbender Mitarbeit genötigte Arbeiterfrau, so manche Frau eines schlecht bezahlten Ii. inen Beamten, auch so manche Haustochter auö einer sich für„waS VeffereS" haltenden Familie sich goldene Berge verspricht. Der betriebsame Krawattenmann, der sich auf das Unter- richtsgcschäft wirft, kann von dem beträchtlichen Lehrgeld seiner hoffnungsvollen Schülerinnen und von dem nicht zu knapp bc- messcnen Profit aus gelieferten Materialien dick und fett werden, die Schülerinnen aber warten nur zu oft vergeblich auf lohnenden Erwerb. Den Lesern des„Vorwärts" sind diese Dinge bekannt, wir können uns daher eine eingehende Schilderung ersparen. Heule wollen wir die Aufmerksamkeit auf eine andere Sorte dieser Profi- tablen Unterrichtsgeschäfte lenken, auf den Unterricht in der Zigarettenmacherei, die ähnlich der Krawaitennäherei vielen Ehefrauen als Nebenbeschäftigung im Hause so überaus ver- lockend erscheint. Drei Ehefrauen, die mit Zigarettenmacherei sich durch Heimarbeit etwas verdienen wollten, um das Einkommen ihrer Fami- lien aufzubessern, teilen uns mit, welche Erfahrungen sie gemocht haben. In der zweiten Hälfte des November ließen sie durch eine Annonce in der..Morgenpoft' sich bewegen, in die Lehre zu gehen bei einer Frau tzeerS(B l u m e n st r a h e 71), die ihnen daL Zigarettenmachen beibringen wollte. Das Lehrgeld im Betrage von 5 M. mußte selbstverständlich vorausbezahlt werden. Die drei Quittungen, die von Frau Heers den drei lernbegierigen Schule- rinnen ausgestellt wurden, sind aufbewahrt und uns vorgelegt worden. Sie tragen übereinstimmend den Vermerk:„Tie Lehrzeit ist acht Tage. Während der Unterrichtsstunden gebe ich das Mate- rial zu. Aenderungen der Unterrichlsstunden bleiben, mir vorbc- halten." Ucber die Tragweite dieses Vermerks machten die drei Frauen sich zunächst nicht viele Gedanken. Sie akzeptierten die auf 3— 5 Uhr nachmittags festgesetzte Unterrichtszeit, ließen sich sogleich in einen von Frau Heers zur Verfügung gcstelllen Raum führen, nahmen zusammen mit einer noch dazu kommenden vierten Schule- rin an einem langen Tisch Platz und lernten nun daraufloS. Am ersten Nachmittag zeigte ihnen Frau Heers, wie man den Ziga- rettcntabak in das Scidenpapicr eiirwickcll, und die Frauen machten'? ihr nach. Das Material, ein paar Fingerspitzen Tabak und ein Stückchen Seidenpapier, wurde jeder Schülerin während der Unterrichtsstunden zur Benutzung überlassen, ganz nach der Vereinbarung. Am zweiten Nachmittag gesellten sich zu den vier Frauen noch vier andere, immer gegen ein Lehrgeld von 5 M. pro Person, und alle acht wickelten nun um die Wette, diesmal unter Aufsicht eines Sohnes der Frau HeerS. der un? als ein noch ziem- lich junger, aber schon recht energischer Mensch, geschildert wird. Der dritte Siachmittag brachte wieder zwei neue Schülerinnen, so daß ihre Zahl sich jetzt auf 10 belief und der Lehrgeldertrag der drei Tage sich auf 50 M. abrundete. Ap diesem Tage kam der Sohn mit den» Anerbieten heraus, ihm Arbcitsmatcrial abzukaufen, das die Frauen mit nach Hause nehmen konnten, um auch zu Hause zu üben. Was es denn kosten solle, wurde er gefragt. 5 M. schien ja ein bißchen reichlich, aber der Sohn erklärte kurz, wenn sie nicht fleißig üben wollten, dann würden sie eben nichts Rechtes lernen und nachher auch keine Arbeit finden. Drei der anwcseichcn Frauen ließen sich dazu herbei, nochmals ihr Fünftnarkstück herzugeben. Eine hat uns das Arbcitsmatcrial vorgelegt, das sie dafür bekam. Es besteht aus einer Portion Tabak, einer Sammlung geschnittener Papiere und geklebter Hülsen, einigen Holzstäbchen und zwei Messingröhrchen. Die Frauen genossen dann ihren Unterricht auch am vierten Tage noch in den Nachini ttagstunden, aber vom fünften Tage ab sollten sie, so wurde ihnen gesagt, in den Vormittag- stunden kommen. Das war natürlich sehr unbequem für Ehefrauen, die zu Hause noch eine Wirtschaft zu besorgen haben. Die drei Frauen, von denen wir diese Mitteilungen haben, entschlossen sich, den Unterricht vorzeitig aufzugeben. D'e Hoffnunzen, n-'t denen sie die Sache begonnen hatten, waren ohnedies inzwischen sehr herabgestimmt worden. An einem der folgenden Tage gingen sie dann noch einmal gemeinsam zu Frau HeerS und forderten ihr Lchrg-'d zurück, aber sie hatten damit keinen Erfolg, weil sie ja selber den Unterricht aufgegeben hatten. Auch die Polizei, die um Rat und Hilfe gebeten wurde, konnte nur antworten, da sei nichts zu machen. Schon im voraus hatte der Sohn der Frau Heers einer Schülerin zu verstehen gegeben, daß er vor der Polizei sich nicht zu süchrten brauche. Wer sich, sagte er einmal, den Llnord- nu ii gen nicht füge, der solle nur machen, daß er rauskomme. Tic Polizei sei in der Großen Frankfurter Straße und daS Gericht in der Grunerstraße, fügte er hinzu. Das Unterrichtsgcschäft der Familie Heers interessiert uns Wer kann uns weiteres darüber mitteilen? Berlin in Finsternis. Ein undurchdringlicher Nebel lagerte gestern vormittag über Berlin. Jusolgedesstn herrschte eine so starke Finsternis, daß man glauben mochte, es sei Stockt. Ruf den Ätraßcn machte sich der Nebel in recht unliebsamer Weise bemerk- bar. Die Fuhrwerke konnten sich stellenweise nur langsam fori- bewegen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Auch der Straßen- bahnbetrieb hatte unter der Dunkelheit zu leiden. In den Häusern brannten überall die Lichter und auch in den Schulen sah mau sich veranlaßt, den Unterricht in hell erleuckteten Klassenzimmern abzuhalten.___ WohlfahrtSeinrichtungcn bei der Allgemeine» ElcktrizitätS- Gesellschaft zu Berlin. Wie bekannt, ist die A. E. G. eine Wcltfirma, von deren Riesenumsang sich der Fernstehende erst einen Begriff machen kann. wenn er erfährt, daß dort täglich weit über tausend Briefe ein- gehen und eiiva ebensoviel ausgehen. Die Briese werden mit Maschinen geöffnet, mit Maschinen frankiert, mit Maschinen kopiert und gefaltet, und man ist ciscig bemüht, dahin zu gelangen, die Brieke auch mit Maschinen in die Umschläge zu stecken und zu schließen. Allmonatlich erscheint eine durch vortreffliche Abbildung?� unterstützte Reklamezcttsckrift, die„A. E. G.-Zeitung", in der die Riesenleisiungen, die Arbeiten» der Finna für die ganze Welt, bc- schrieben, werden. Die November-Nummrr dieser Zeitung bringt »als dem Jahresbericht einiges über W o h l fa h r t S e in r i ch- t u n g e n der Gesellschaft: Wir berichten zur leichteren Uebersicht in runden Zahlen: 1. U n t e r st ü tz u n g s f o n d s: Vermögen am 1. Juli 1910: 6 200 000 M., Zuweisungen der Generalversammlung und Ver- zinsung durch die A. E. G. mit 7 Proz.: 1200 000 M., in Summer 7 400 000 M., davon abgesondert Beiträge zur Ruhegehaltseinrick- tung: 770 000 M., bleiben 6 630 000 M. Unterstützungen in 1111 Fällen ab: 130 000 M.; Stand am 30. Juni 1911: 6 500 000 M. An wen die Unterstützungen in den Iii: Fällen gezahlt wurden, geht aus dem Jahresberichte nicht hervor. Man bekommet aber einen Maßstab, wie erbärmlich geringfügig diese Gesamtunterstützung ist, wenn man aus dem Jahresbericht erfährt, daß die Gesellsthaft etwa 60 000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Die Unterstützungen werden vermutlich, soweit es wirkliche Unterstützungen sind, nur an Angestellte gegeben worden sein. Die Lohnarbeiter wird man nicht unterstützen, sonst wäre gewiß großspurig davon etwas gesagt. 2. R u h e g e h a l t s e i n r i cht u n g: Vermögen am 1. Juli 1910: 911700 M., Beiträge zur Ruhegehaltscinrichtung rund 773 500 M., Zugang au? Zinsen: 63 600 SN., in Summa 1748800 Mar". Aufwendungen 1910/11 ob: 8400 M.; Stand am 30. Juni ' 1911 rund 1740 400 M. Ruhegehaltsemipfänger im ganzen 32 Per- fönen, davon 15 Pensionäre und 17 Witwen» und Waisen, bei einem Gesamtpersonal von über 60 000 Beschäftigten!-- Wohlgcmerkt: Die 32 Personen empfangen nicht, etwa ausschließlich von der Millionengesellschast etwas, sondern eS wird nur eine Einrich» tung unterhalten, zu der die Angestellten 778000 M. Bei- träge geleistet haben, welche die. A. E. G. gütigst verzinst. Man weiß eigentlich nicht, ob man lachen oder sich wundern soll, daß solche Firma sich nicht schämt, derartige WohlfahrtSeinrichtungcn über- Haupt zu veröffentlichen, eine Firma, der nach Stbzug von Unkosten, Steuern usw. im Jahre 1911 22 Millionen Gewinn zur Verfügung stehen, die 14 Proz. Dividende sür 100 Millionen Mark alte Aktien und 7 Proz. für 80 Millionen neue Aktien» zahlt. 3. M. R.-Stistung: 1 600 000 M. Daraus wurden gewährt: ärztlicher Beistand an Angehörige, HanSpflege und Unterstützungen in bar und Stärkungsniitteln 71900 M., Entsendung von 240 51 in- der in Ferienkolonien: 14 000 M. Aus einer E. R.-Stiftuug von 478 600 M. wurden aufgewendet 24 000 M. ohne Angabe wofür. Außerdem wurden Stipendien im Geschäftsjahr 1910/11 bewilligt, an 91 Angestellte und Kinder von Angestellten rund 30 900 M. Hier ist nicht gesagt, aus welchen Fonds. Das Auffallende bei dieser schön vcrschlcicricn Ausstellung ist zunächst, daß die beiden Stiftungen, die zusammen 1 600 000 + 476 000 M., also etwas über 2 Millionen betragen, einschließlich der Stipendien 85 000 ff- 24 000 ff- 80 000— 139 000 M. verausgaben, während der 1! u t e r st ü tz u n g s f o n d s von über sechs Millionen an„Unterstützungen" nur 133 000 M. aufwendet. Die Aufstellung gestattet keinen Einblick, wohin die Unter» stützungen geflossen» sind, aber fest steht, daß erst die Arbeiter alle die großen Summen haben verdienen» müssen, von denen» eine kleine Zahl, die länger im Betriebs ist, sclcgcmtlich einen» kleinen Teil erhalten. Die Tantieme an den Aufsichtsrat, einschließlich Stenerzuweisung, betrug 575,000 M. das ist für jedes der 30 Mitglieder beinahe 20 000 M. Für die Arbeiter gibic» keine Tantieme. Aus den Millionen der WohlfahrtSeinrichtungcn fließen nur ver- schleierle Summen>» die Hände von ganzen 32 Ruhegehalts- cmpfängern, zum größten Teil aus eigenen Beiträgen. Für eine Beschränkung der Pressefreiheit machen jetzt auch psychiatrische Heißsporne, hinter denen offenbar führende Irren- ärzte stehen, mobil. Die so lebhast wie noch nie zuvor eingesetzte. Jrrcncechts-Neformbewequng hat die iu ihr�Machibewiißtsein schon allzu sehr verträumten Psychiater aus dem Schlaf geweckt, und ein Mißerfolg in einem bestimmten Spezialfall stärkte ihnen den Mut. Nachdem sie mit dem Gedanken der Gründung eines psychiatrischen Rechtsstchutzburcaus, das alle Jrrenhausberichtc verfolgen,„auf- klären" und zur Not mit.Strafanträgen ahnden soll, in den eigenen Reihen wenig Gegenliebe gefunden haben, wird jetzt in psychiatrischen Fachzeitschriften für die Bildung einer Kommission agitiert, an die sich die Tagcspreffe stets wenden soll, bevor sie über eine Jrrenhausfall berichten will. Es soll dann jede falsche Nachricht„richtiggestellt" und in geeigneten Fällen vom Deutschen Verein für Psychiatrie Klageantrag gestellt werden. Zunächst ist letzteres blanker Uiisinn. denn ein Klagerecht für Standcsvcreiuc. das ja unsere Reaktionäre so gern durchsetzen möchten, wenn sie nicht das zweischneidige Schwert fürchteten, existiert im Deutschen Reiche erfreulicherweise noch nicht und wird auch hoffentlich niemals Gesetzeskraft erlangen. Wollte aber die Presse sich wirklich so weit degradieren, daß sie die Berichterstattung über Jrrenhausangclcgcu- heilen von der Meinung einer �sychiaterkoininission abhängig macht, so würde man zweifellos das Schauspiel erleben, daß die Psychiater jede Nachricht als falsch hinstellen und damit die gesamte Berichterstattung über Jrrcnhausdinge unterbinden. Das ist natürlich auch nur des Pudels Kern. Die Herren schneiden sich doch wohl gewaltig, wenn sie in ihrer Machtgeschwollcuhcit glauben, einen derartigen Einfluß auf die deutsche Presse gewinnen zu können. Sie vergessen dabei, daß in dieser Frage nicht Parteiintcressen mitsprechen, viel- mehr alle Parteirichiungeu bis ins konservative Lager hinauf die Existenz von Jrrenhausmißständen einmütig anerkennen. Die Nachfrage nach„städtischen" Seefischen hat bereits ganz erheblich nachgelassen. In allen zehn dafür bestimmten Markt- hallen ist der Zuspruch des Publikums, der anfangs so bedeutend lvar, auf die Hälfte des bisherigen llmfanges hcrabgegaugcn, obwohl die Beschaffenheit der Waare nach»wie vor tadellos genannt werden muß. Man führt das darauf zurück, daß zunächst eine ge- wisse llebcrsättigung in Sccfisckzen eingetreten ist. An der Ein- picht ung selbst soll aber vorläufig nichts geändert werden, denn zweiscilos wird der ivc?br«!tb mi» billigen, guten Secfii�i.» wieder Ijc5eii, sobald mii Eintritt schärferer W!!>.!er!cvipcra!ur auch die Rot in der unteren Bcvölterpiig steigt/ Tic Nli-Knthcliteil ZcrliuZ und die Kirchensteuer. Der AuS- schuh des Cesaintverbandeö der sotholischcn 5!irchcngep:einden Groß-Beruns yntte den tllltatholiten Mar zur MrchknsWek der- angezogen. Cr beschritt dagegen den In stanze nzng und das Ober- verwaltungSgericht stellte ihn von der Steuer frei, indem es unter anderem ausführte.' Darüber, wer Katholik iin Sinne des Kirchen- stcucrrcchtS sei, entscheide die Ausfassung des Staates. Nach dieser, insbesondere nach dem Ecsest'vom 4.' Juni 1k7ä, sei es zulässig, das; auch die Altkatholiken Parvchicn bildeten innerhalb der katholischen Kirche. In Greh-Berlin sei eine Parva'ne gebildet Worden durch Urkunde vom Februar 1894, in die der Kläger ein- getreten sei. Ilcdcr die.Verpslichtnng der Al mtholiken, Kirchen- stcucr zugunsten der katholischen Kirche zu zahlen, treffe jenes (besetz von loVö besondere Bestimmungen. ES ordne an., dag die Altlatholiken die Oinrichtmrgcn der katholischen Kirche» mit- benutzen dürften und daß sie dann auch Steuern zu zahlen hätten als„'Beitrüge zur Erhaltung dieser Einrichtungen". In Groß- Berlin sei nun aber die Sache so, das; durch die Per- f a s s n n g o u r k u n d e der P a r o ch i e der Zl l t k a t h o l i k c n auf die Änsvruchsrechle der Mitbenutzung der Einrichtungen der alttttholischcn Kirchengemeinden des Gr: st-Berlincr tLssamwerdaudeS verzichte! worden sei. Die Mitglieder der gc- nannten Parochie der A I t ka t h o l i k c n hätten somit nicht das Neckst der Mitbenutzung der Einrichtungen der römisch- katholischen Kirche, das ihnen an sich nach dem Gesetz von 1675 zustände. Daraus folge, das} sie auch n i cu t verpflichtet seien, durch Steuer» zur Unterhaltung dieser Einrichtungen beizu- tragen. Somit Kniffe der Kläger ol- Mitglied dieser Parochie der Altkatholiten von der veranlagten Kirchensteuer freigestellt werden. Die vereinigten Buchdruckereibesitzer Berlins versenden an ihre Kunden ein Zirkular, in dem sie unter Hinweis auf den neuen Buchdrucfcrtaris und die fortlaufend gestiegenen Materialkostür vlitkcilcn, dast vom l. kFanuar 1912 ab die Druckpreise um 10 Proz. erhöht werden. Nilfall beim Bau der llntcrgrnndbahn. Beim Van der Unter- grundbnhn am Alcxanderplatz ereignete sich gestern mittag ein Un- fall, durch den die Arbeiten auf längere Zeit unterbrochen wurden. An der Ecke der Kloster- und Parochialstrcße pkatzte bei den Erd- arbeiten ein Abzugsrohr der B. E. 35., und zwar cntsland ein der- art grosies Loch, dag das Wasser in Strömen herausquoll. In wenigen Minuten war der ganze Bauschacht in der Umgebung des AlcxanbcrplatzeS unter Wasser. Die in dem Lauschacht beschäftigten Arbeiter konnten sich nur durch schleunige Flucht in Sicherheit bringen. Um die gewaltigen Wassermengen aus dem Schacht wieder zu entfernen, wurden zwei Dampfspritzen der Feuerwehr herbeigeholt, die sofort mit dem Auspumpen des Wassers begannen. Es dauerte bis in die Abendstunden hinein, ehe die„Wassers- gesahr" beseitigt war. Die Ursache deZ Rohrbruches ist noch nicht festgestellt. Eine schaurige Entdeckung machten vorgestern nachmittag einige Arbeiter in der Wnhihcide. Auf dem städtischen Müllabladeplatz hinter dem Friedhof landen sie ein Paket, das die Leiche eines etwa zwei Monate alten Mädchens, enthielt. Der Leichnam war schon teilweise in Verwesung übergegangon. Es ist daher nicht ausge- schlössen, dass der tote' Körper bereit?' mit de:» Müll von Berlin nach dem FnNdpkatz gekommen ist. Infolgedessen dürfte cS schwer haltei', den Urhebern auf die Spur zu kommen. Die bctiachrich- tigle Polizei leschlagnahmle die Leiche und ließ sie nach dem Schau- Haus bringen, wo durch die Ooduktion festgestellt wird, ob ein Ver- brechen vorliegt oder ob das Kind einen natürlichen Tod gefunden bat. Einige Eindrücke am Halse des Leichnams sprechen dafür, dass hier ein Kindckmord borlitgt. Durch einen Dampfer in den Eirund gebohrt. Im WcrnS- dorfcr See hat vorgestern ein folgenschwerer Züsammcnstog zwischen einem Lastdampfer und einem mächtigen Kohlenkahn stattgefunden. In der Nähe der Schleuse wurde der letzlere von dem Dampfer mit solcher Wucht angefahren, dah ein grosses Leck entstand. In kurzer Zeit haste sich das Fahrzeug vollständig mit Wasser angefüllt, so dast cS den Bewohnern nur mit knapper Not gelang, ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Die gesamte Ladung wurde vernichtet. Mit den Bergungsarbeiten des Kahnes, der gerade an einer besonders tiefen Stelle in den Grund gebohrt wurde, ist bereits begonnen worden. Dcpotnntcrschlagungen. Der Konkurs de? wohlbekannten alt- eingesessenen Berliner Bankgeschäslcs Hermann Paasch, dessen In- Haber vor kurzem starb, hat eine überraschende Wendung genommen. Wie sich jetzt hcrauSstellt, hat der verstorbene Bankier riesige Depot- unterichlnguugen veiüdt, deren Hödc zurzeit«och nichl völlig festgestellt ist, die sich aber nach sachverständiger Schätzung auf SOOOOO bis C00 OO Mark belaufen. Der Bankier Herniaiiii Paasch hatte bereits vor zehn Jahren, ols er sich von seinem Kompagnon Diep trennte, mit. einer tliite'rbilvnz von 20" 000 M. zu kämpfen. Seit der Zeil an datieren bereit« die tlnterschtagungen, die der Bankier, der in der Berliner Finanzmelt sich eines ziemlich giilen Rufes erfreute und der Inhaber zählreicher Orden war. bis zu seinem Tode fortsetzte. Paasch hatte in Berlin mehrere industrielle tlnternchniimgcn und eine MissionSgesellschast, die bei ihm Kapitalien bis zu 100 000 M. investiert hatten, sowie einige Gutsbesitzer und Kailsleute aus der Provinz als Knuden, �cit mehrerc» Zahrrn hatte er seinen e-ohn Erich in das Gcschäfl ge- iiouinie», der jedoch nach seiner Aussage nur Angestellter war imd da? Pcmmirii seines Vaters nur in geringem Mast- besah, da er, wie er angibt, von den TranSakiionen Hermann Paaschs so gut wie gar nicht orientiert war und um die Manipulationen seines Vaters nichts wußte. Bei Paasch waren auch grössere Kapiialien augelegt, die jedoch dem Bankier selbst nicht odne weheres zugänglich waren, da die Depolinhnber ihre eigenen Safes belassen, zu denen der Bankier keinen Schlüssel baite. So halten beispielsweise ei» ponniier-cber Rittergntsdesitzer sowie mehrere pommcriche Kailstente sür zwei Millionen Mark Wert- Papiere dort in Verwahrung, die unrer der Konirolle eines Tach- wcilO'rs standen. und von denen Paasch nur die a,n«s-vejne zu seiner Versi'lgling hatte. Dagegen verwaltete der Bankier selbünudig die Werlpapicre von znhlrci neu anderen Kunden und verunlreiite die Depow nn Laufe der Fahre. Wie sich herausgestellt Hai. spekulierte Vaa'ch der seinen GefchäftSfreunde» gegenüber stets sich als reeller Geschäftsmann aüiivielte und sich scharf gegen jede Spckulalioii ansivrach. an der Londoner Börse in amerikanischen and lviiiesiscbeu Werten, da e? in der Berliner Finanzwelr bald ausgesallen wäre. wenn er seine An- und Verkäufe an der hiesigen Börse vorgenoinmeii hätte. Die Depot? seiner Kiindcn Hot der Verstorbene zum Teil bei der ReichSbank. zum Teil in dem Mendelsohnichen Bank- bans, aber auch bei ausländischen Finanzinstituten� lombardicr!. Ein Teil der Wertpapiere ist allerdings nirgends auf- zufinden und e? ist bisher nach nicht ermittelt, wo die Werte geblieben sind. Paasch hat durch seine Pmm'.mmngcn auch mehrere Mitglieder seiner Familie schwer gtichadiest, ja sogar rniniett. T ic erste Entdeckung der Umrrschlagungeiö lvutde von dem Syndikus einer hiesigen Gesellschaft gcme. it. Dieier er- schien eines TageS bei dem Bankier und verlangte die eingelegten Wertpapiere hl Höhe vo» 10 000 M. zurück. Zu seinem Erstaiincil wurde ihm jedoch miigc.teilt. Voss die betrcsfendeu Werlobjekie nicht nichr vorhanden seien. Als dann nach dem Zusainiueiibruch ein Kaufmann aus der Provinz in Berlin eintraf»>id von dem Sohn Paaschs seine Depositen, Schnliheiss-Aktie» im Werte von 31000 Mark zurückverlangt», wurde ihm ebenfalls die Mitteitling, dass seine Aktien verpfändet scicir. Aus die Frage, a>t welches Bankhaus die Papiere weitergegeben worden seien, wurde ihn»' jedoch die Autivort, dass man völlig darüber im uuparen sei, wohin die Depositen gegeben worden wären. Noch wenige Tage vor dein Tode Paasch? war dein Da'tik- Hanse awS elner Erhschaftsmasie lbtOOO M. in Wertpapieren ge- geben worden, doch lonnlen diese glücklicherweise noch gerettet wwtdest. Obwohl trotz der Bemühnngen des KonkiirSverivallers bisher die Höbe der unterschlagenen Depositen nicht genau fest- zustellen war, dürfte sich die Summe auf etwa 500 000 bis 600 000 Mark belaufen. freuet in einem Kunstvcrlaz. Ein gefährlicher Brand, der die Feuerwehr volle vier Siunden lang beschäftigte, kam gestern früh kurz nach 6 Uhr in dcr Prinzessinnenstrasse 23 am Moritzplatz zum Ausbruch. Im dritttzw und vicrien Stock des Vorderhauses befinden sich dort die Geschält?- und Lagerräume des Kunstverlages von Emil Hermes und der Lederwaren sabrik von Emil Hermes u. Co. Das Feuer entstand im dritten Stock in einem kleinen Raum, in dem fertige Lederwaren lagerten. Die Flammen schlugen dann nach aussen und auch durch die Decke nach dem vierten Stock und setzten hier die Ateliers des Kunstverlages in Brand. Erst jetzt wurde die Gefahr von Hausbewohnern bemerkt und die Feuerwehr sofort alarmiert. Da das alte Wohnhaus, das jetzt zu Fabrik- zwecken benutzt wird, 1 nur einen Aufgang hat, gestaltete sw) der Löfchangriff recht schwierig. Die Mannschaften mussten über eine mechanische Leiter, die auf dem Hof errichtet wurde, nach dem Brandherd vordringe». ES wurde niit drei Rohren Wasser gegeben. Da sich eine starke Nauchcntwickcluug geltend mochte, mußte auch ein Rauchschutzapparat in Anwendung genommen werden. Erst nach cinsiündigcm Wass ergeben war das Feuer erstickt. Im dritten und vierten Stock sind mehrere Räume volls'ändig ausgebrannt und vom Dachs! uhl wurde über die Hälfte eingeäschert. Dcr sochaden ist daher erheblich. Da? Feuer ist vermutlich durch einen Kachelofen verursacht wordene Die vollständige Ablöschung und die Auf- räumungcckrbeiten hielten die Wehr bis nach 10 llbr vormittags auf der Brandstelle fest. Durch das Feuer wurde übrigens auch ein G e l d s ch r a n kc i n b r u ch bei dcr im selben Hause liegenden Exportsirma Kaden vereitelt. Die Diebe waren mitten in dcr Arbeit, als die Feuerwehr erschien. Sie fühlten sich nun nickt mehr sicher und zogen ohne Beute davon. Bei Eröffnung des Geschäfts wurde dann der Einbruchsversuch entdeckt. Dcr Geldschrank war schon teilweise ausgeschmolzen. Von den Dieben fehlt noch jede Spur.— Ein zweiter grösserer Brand beschäftigte die Feuerwehr am S chj c s w i g e r Ufer 13. Tort wurde dcr Dachstuhl des Hauses teilweise zerstört. Gefunden worden ist bei dem am Sonntag, den 26. November, veranstalteten Konzert des Männerchors„Norden" in Bötzows Brauerei, Prenzlauer Allee 247. eine Taschenuhr. Abzuholen am Freitag, den 1. Dezember, abends von 9—11 Uhr im Bercinslokal Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee 247, kleiner Saal» Vovort-J�aebnebteft» Charlottenbuvg. llutcr Sit Röder de? eigenen Wagen? geriet am Mittwockobend der Droschk-nkulscher Paul Piihluiaiin, Berliner Ste�dü wotstihasl. Dcr Kutscher hielt mit seinem Gefährt am Bahnhof' Chailottenburg. Während sich der Lenker mit eiiiigeu Kamcradgn' unterhielt, rückie das Pferd vor. Puhimaun sprang hinzu und wollte aus den Bock steigen, da er glaubte, dass daZ Tier durchgehen wolle. Er verfehlte jedoch den Tritt und geriet unter seinen Wagen, dessen Räder ihm über die Brust hinweggingen. In bewußtlosem Zustande wurde P. nach dem Kranlelihaiis Westend gebracht, wo der Arzt eine Ouetschimg und Verletzung der Lungen feststellte. Brisi-Buckow. Zur gegenwärtigen Teuerung wird nun auch Britz Stellung nehmen, nachdem bereits eine Anzahl Ort« unseres Kreises Mass- regeln gegen dicsefbe ergriffeii haben. Aus die Tagesordnung der öffentlichen Gcmcindevertretcrsitzung am heutigen Freitag ist als vierter Puult gesetzt:„Massnahmen zwecks Linderung dcr Teue- ruug". Die Sitzung findet um 5 Uhr im Rathaus, Chaussee- strasse 48, 2 Treppen, statt. Ein tödlicher Straßcnbahuunfall ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag in der Chausseestrasse, linweit des Rathauses. Dort versuchte ein etwa?5 jähriger Herr, dessen Perionatien bisher noch nicht sestgestellt werden konnten, unmiitetbar vor dem Motor- wagen 1306 der Linie 58 das Gleis zu kreuzen, wurde umgerissen und kam unter den Vorderperron vor dem Schutzrahnien zu liegen. Der Verunglückte wurde von dem Fahrperional in wenigen Augen- blicken befreit, verstarb jedoch auf dem Wege zum Krankenhaus. PeterShagcn bei Fredersdorf. Die letzte Gcmeindevcrtrctcrsitzung gab zunächst ihre Zu- slimmung zur Ucbcrnahme der Strassenparzcllcn in der Friedrich- slrassc. Sodann lag ein vom Landrat an den Lrtsgcistlichcn ge- richletes Schreiben vor, wonach Einzelvormundscheisten vermieden und dafür eine Sammelvormundsckiaft errichtet werden soll. Da sich die Mehrheit über den Sinn des Schreibens nicht klar werden konnte, wurde die Angelegenheit vertagt, um sich erst anderwärts die nötige Information zu holen. Sodann stand die Einführung von elektrischem Strom von der Stadt Lichtenberg zur Debatte. Im grossen und ganzen ivar die Gemeindevertretung hierfür zu haben, jedoch wurde gewünscht, dass zunächst ein Vertreter von Lichtenberg das Gelände von PeterShagen in Augenschein nimmt und dann entsprechende Kostenanschläge macht. Wegen Regulierung des Eggcrsdorfcr Wege» wurde mitgeteilt, dass alles noch in der Schwebe sich befindet. Trebbin(KreiS Teltow). Bom Bildiiiigsuiesen. Erfreulicherweise ist mitzuteilen, dass die Beteiligung an den alljährlichen Vorlrägen tinnier reger wird. An den vier Vorträgen deS Reichstagsabgeordneleu E. Eichhorn über:„Die bürgerlichen Parteien" nahmen diesmal III Personen teil. Die leichtverständlichen Vorträge wurden mit grossem FNtcresse entgegengenommen. Bon den III Teitnehmeru waren 70 politisch organisiert. Hoffentlich treten mm auch die Übrigen Zuhörer dcr politischen Organisation bei. Ttiattdn«. Nicht gerade auf prompte GesihäslSsiilfrung in der Steuer- vcrwaltullit lässt solgendc a» ein fünfjähriges Mädchen Tora G. gcrichictc Vorladung schlicssen:„Sic werden hierdurch zu dem auf Sonnabend, den 25. November 1911, nachmittags 4—0 Uhr, vor dem Assistenten Piist im Stadthause, Havclsirnssc 5, Zimnier 29, in Ffirer Stciierveraiilagi:ng?s.iche anberaumten Termin vorgeladen. Ihren Steucrzcttcl wollen Sie mitbringen." Ob das Kind dcr Vorladung Folge geleistet, ist nickt bekannt geworden. Dah Irrtümer vor- kommen können, soll nicht bestritten werden. Hier konnte dcr Irr- tum leicht aufgeklärt werden, wenn man, nachdem die Eltern dem Magistrat die Mitteilung gemacht, dah die Steuerveranlagung an die verkehrte Adresse gelangt ist, einfach im Mcldcburcau, welches sich in demselben Hause befindet, Auskunft erforderte. Pankow. Fn dcr ausferordeliilick gut besuchten Mitgliederversamnikiinx des Wahlvercins rcscricrte Genosse llcko über:„Den Weg zur Vcr- fassuiig". In seinen, mit reichem Beifall belohnten AutfghrungeN wies der Rediicv nach, dass in Teutschland nur Pveusseii mit sc.iner Lunlereliaue ausschlaggebend ist. ES sei daher an der Zeit,' die Macht dieser einflußreichen Klasse zu brechen. Hierzu müsse jeder Genosse und jede Genossin bei der kommenden Wohl beitragen helfen. In der folgenden Diskussion wurde eS von allen Rednerü bemängelt, dass. obwohl der Wahlvercin über tausend Mitglieder zähle, die Mitgliederversammlungen sonst nur immer sehr schwach besucht seien. Zum Schlüsse machte der Vorsitzende Genosse Gütig daraus ausmerksam, daß die noch ausstehenden Hauslisten jetzt un- bedingt abgeliefert weuew müssen. Ausserdem, müßten diesrnigen, welche sich zur Mithilfe bei ben Wahlarbeisen bcfeilgcskcllk habetf, ihre Adresse dcr Bezirksleitung sofort bekannt geben. Am 6. De- zember findet ein Exirazahlabend stailp Birkenwerder» Für»«gültig erklärt bat der KreiSauSlchuss die 3. April diese? Jahres erfolgte Geiiieindevertreterwahl auf den Einspruch nnscrer Eenossen. Gewählt waren damals die Kandidaten der Grundbesitzer BerlmS. NowaweS. Ter Konsümverein erzielte in seinem 10. Geschäftsjahr, da? die Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 30. üaeptember 19kl umfaßt,«inen Umsatz' von 3.)S 008.42 M. gegen 235 258,69 M. im Vorjahr. Das Lieieranteugejaiäft tank insolge der Eigenproduktion von Backware von 2t 400 aus 2 800 M. Der Durchichnittsumsatz pro kaufendes Miiglicd betrug 313 M. 800 Mitglieder hatten keine Marken ab- geliefert. Zu Beginn des ueneil GeschäslSjahres zählte der Verein 1270 Mitglieder, die sich ans die Orte NowaweS, Drewitz, Micken- darf und Wamiiec verteilen. DaS Anteillonto der Mitglieder be- trägt jetzt 23 128,19 M., das Mitglicdersparkonto 39 27! M. Die Verwaltung schlägt der am Freitag, den 1. Dezember, in Singers VoitSgartrn sivnfmdenden Gencrcilvcrsammluuq folgenden Wer- teilimgsplan vor:'/z Proz. auf abgegebene Marken 1700 M.. Ab- schreibung auf Geschirr- und Pfcrdckonto 405,30 M., Knpitnlzm'cn >00 M.. Rcicrvesoiids 500 M., Disposilionöfondö 800 M., Genossen- sckafllicker BildungSfondS 50 M., Vortrag auf neue Rccknung 77,90 M. Die mit dem Potsdamer Konsumverein„Hoffnung" ge- meinsam betriebene Bäckerei hat in der Berichtszeit(1. Ottoder 1910 bis 31, Juli 1911) ein nicht gerade ermutigendes Resultat gebracht. Die Verwaltung sührt dies aus die vielen betriebstechnischen Schwierigkeiten zurück, mit denen daS Unternehmen anfänglich zu kämpfen hatte. Dec Umsatz an Brot betrug 99 897 Stück. Früh- gebäck lieferte der Nowaweser Verein an seine Mitglieder im Werte von 21198.53 M. Die gesamten Einnahmen betragen 148 438,24 M. jiiikl. je 30 000 Stammanteile ver beiden Vereine), die Ausgaben 148 309.95 M. Der Bruttogewinn der gesamten Produktion beträgt 14 134.89 M.. das sind zirka 14 Proz. Strbeiter-TSaudcrverelii„Berlin". Wanderfahrt am Sonntag, den 3. Dezember, nach Zepernick. Vievnitziee. llebdorj, üanke. Ladeburg, Bernau. Abjabrt: 7.L3 Stetlmer Vororlbahnhos. iSäste willkommen. Douristenuercin„Die Natursrenilde«, Ortsgruppe Berlin. Sonnlag, len 3. Dezember: Wanderung non Melchow übte Shdow, Beer- bäum, Klobbickc nach Kelch ow..tbsabrt jrüii 8.00 Uhr«tcllincr Fernbahn- hos nach Melchow(Fernzug). Käste lvillkouimen. Singe3. Kulturgeschichte RomS. Von Pros. Dr. Tb. BIN.— Bd. 74. Tie denlsche i.'tevolutlo».(iS!8.) Von Bros. Dr. E Braiidenbiirg.— Bd. 91. Olrnndfrage» der attgemriiien Geologie. Von Pros. Dr. V. Wagner.— Bd. 98. Kulturgelichichir dcr Deutschen in per Neuzeit, von P>vs. Dr. 0>. Steinhaujeu. lliuzewaiid in Leineu 1,25 M.— Quelle är Meyer, Leipzig. WIttervnzsübersicht vom 39. November I9II. Wetterprognose sür Freitag, de» I. Tezember 19!1. Mild und zeitweise austlaiend. oorioiegend nebelig oder wollig bei mäßigen südlichen Alsiden; lclno erheblichen Nitderschläae. Berliner© c 1 1 1 r 6 u r e o tt. Wostertionda-Stochrtedl» der Landcsansiall sllr Geiväsjcrkmide. mttgetelll vom Berliner Wetterbureau 0 s- dedemei©utbä.— skall.—') llnlerpe if t Im A» ni e l- und P r e g e l g e b i e t khenschte auch gestern stellen- weise GrundelStrtibeN! bei Justerburg oberhalb der Angerapp- Brücke Eisjland. Vi'iefZkJsten cie? lveckAktion. Tie lurlsttiche Sprechstunde fiudet Lindenfteahe SS, dorn vier Ireppen F a h r st» d l—, Ivscheniiialich von 4Vi eis"Ms Uhr ahends, Sunnabe nei, von Vi dl»« Uhr adends statt. Zeder iiir den Arieftaftrti destimmtea einfraze Ist cin Buchstadc und etne Zahl als Mcrk.-, eichen detziisügen. vnetliche»laiwort wird»leiit erteilt. Atisrage», denen keine Avonneinentsqietitnng veigest-.ge est, werden nicht deaiitivortet. tlilige Lr.tgen trage Uta» tu der Sprechftuude vor. WZ. W. II. 1. Ja, soweit im Sinne des Gesetzes entbebelich 2. Ja, so lange er nicht anderweit vermietet, ich Nein.— Llbeniieut, SsubetS- Hansen. Zur Bsilndung. aber nicht zuHsioforltgen«llilnahine. Veschwere» Tie Ich.— L. Tt. 18! 1. Dagegen lässl sich leider nichts tun.— F. S. IVO, Lbcr-Schöucwcidc. Wenden Sie sich au die Aertiuer Qb-rpostdlicNIim.- G. N. KZ. Fa.- M.«. 777.»«hl.«I- SSemmna ist aber»wcckmSbig, schon sür spätere Fälle, InSbilondere snl!Z der Erzeuger stirb!. 2. Raum. 3- Die Mutter bat daS Vorschlagsrecht, tann auch selber bestellt werben. 4. 30 Mark.— F» 3. 18S9. 1 Nein. 2. Klage.— H. Herzfelde, l. Nein. S. Durch 1«rlediat. R. H. S7. Bcichlagnahme von 2 bis 3 M. wbchenllich z-.ilä-ag. sobald der elnivrnch ieitcns des Bormundes ausgeklagt ist.— V■ V. 97. Ja. — Zl. M.»I. 1. Min. 2. Fa. Notar. 3. Fa. 4. Etwa LS M.— N. Ä. 18. Tie Frage lästt sich nur beantworten, wenn Sie— nnter Wiederksolunz der Anfrage— angeben. In welcher Gemeinde Ihre Frau da» letzte Fahr vor der verhelrahmg gewohnt hat. VIe ynterhattstkage must der Lormund führen.— M. F. 82. Die Vcrheiralnng hat daraus keinen Sinslust. Sobald Sle»nunlerbrochen 10 Wochen erwerbslos sind, beantragen Sie bei dem Lorsitzenden der Vcranlaguitgskommiision Er. mästigung bez. Erlast der Steuer.— R. I. 15. Ja, sobald der Voll- streckungsbesetzl erteilt ist.— M. L. 21. l. Nein. 2. Falls das Kind in Berlin'erzogen wird, etwa 30 M. monatlich.— Nr. 93 Cöi». l. Fa. sosern nicht im Mietsvcrtraz ein AulrechnungSverbot enthalten ist. 2. Ja. 3. und 4. Nein. S. Nein.— Jgnotinö. Das Gesetz sieht seiner endgültigen Gestaltung»och entgegen.— M. Warschnucr Strafte. Ja. Marttpretse von««rNu««»». NobemberlSll.ttas des KZnigl. Polizeipräsidium». Marlthallenprelse.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Speisebohnen »eiste, 40,00-60,00. Linsen 40,00-80,00. Kartofseln 7,00-10,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butler 2,60—3,20. 00 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,80 bis 2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück .Krebse 2,40—24,00. Thealer und Vergnügungen JUU Freilag, 1. Dezember 1041. Siusang 7'/,, Uhr. K. Opernhaus. Der Prophet. K. Tchanipirlhnus. Ter Bettler von Syrakus. Tciltiaies. Faust, I Teil. .Havcrland, Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorftellung. Zirtuc- Schumann. Gala- Por- ftellong. r'Intang 8 Ubr. Urania. Taupenstrafte 18/19. Von Mcran zum Ortler. Neues 51. Operntheatcr. Agnes Beruaucr. ziaiuinersplele. Frühliugserwachen, Berliner. Die AHrymgalerie. Leistng. Gudrun. Komiiche Oper. Der Troubadour. Neues Seliauspiellians. Agnes Bernaucr. Neues. Das Mädel von Moni- marlre. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. Kleines. LollchcnS Geburtstag. Geich und Fanny Elstlcr. Hocken- jos. Schiller O. Maslerade. -E.iiarlvtteudurg. Don Carlos. Friedr.- WUh. Schauspielhaus. Jnimer korrekt. Köuiggräster Strafte. Spielereien einer Kaiserin. Rose. Die Barbaren. ?Netrvu Westen. LustspielhtUlS, reise. Trianvu. Mein Baby. Tlinlin. Polnische Wirflchast. Lnisrn. Baronesse Claire. vasin». Ter selige Holljchinsky. '.'lpoilo. Svezwiitätcn. Pni!ag>. Sptziamäten Hcrrnfelb. Schnieijlose Behandlung. Das Kind der Firma. Wintergarten. Spestniitäten. R> ieüsP.lUeu Sleltiner Säuger. 5.r>nig!tad!-Knsi»o. Speziatitülen. Auiang 8'/, Ubr. yolieS vaprire. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Truscl, das hat einge- schlagen! Noact. Die Geier-Wally. Baigk. 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Die Nacht von Beriin! Greste Jabrcs-evue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musil von L. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rmichen gestattet. ?s!8NNLsZ88St!gvösöiti8 Uöllßsszsel Bklün West D. z.z..s Chormeister: Fritz Stempel. 62/13 VTicilcrbolang des Etlüthncr- Konzert«. Mitwirkende: Irene v. Brennerberg, Violine. Willi Decken, Cello. Konzertflügel: Elüthr.er. Am Flügel: Fritz Stempel. Nach dem Konzert:? 21112» Billetts bei den Mitgliedern 0,50 M., an der Abendkasse 0,60 M. i M. i Saalöffnung 6 Uhr.———— Kindern unter 10 Jahren ist der Eintritt nicht gestattet. MMMWW'MWKM' I Zirkus I A* �ehnniaiiii Vrcltag, I. Dezember, präzise abends 8 Uhr: I keine Abendvorslellnng sondern | Aufführung des Deutschen Theaters. Zum erstenmal: Jedermann. Morgan Sonnabend ab. 7'/, Uhr: Soiree kSigii-ldte mit neuen Oobufs. 91/, Uhr: I!000 Jahre i auf dem Meeresgrund I Sonntag, 3. Dezember: j Ä grolle VorntcUungcn. In beiden Vorstellungen ungekürzt 109(3 !000 Jahre a. d. Meeresgrand. Abends 8 Uhc: Kcncs iVogratum. 9 Uhr- Harry Waiden mU seinem Ensemble in Brrttikiinig. Bandeville in 2 7llte» von W. Okon- kowSIh und A. Neidt Hardt. Teyl von 3!. Schanzer. Musik v. A. Kollo. M fffll« üoelj üie lisgevKiM las|isi isr lirnia mit Anton und Conaf Hcrrnfold in den Hauplrolle». Vorher: 8ctiD;ss?!g88 LöiiZDlüllDg. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. WINTER-VELODROM SPORTPALAST Potsdamer Str. 72. Sonnabend, den 2. und Sonntag, den 3. Dezember: itiaiiai- ßennen Start II Uhr abends Vorher; Fliegerrennen. ca. 4O Kesmfalirer. Beginn S'l» Uhr abend«."TJBa Scliiller-Thealef ChCr Frei lag, abends 8 Uhr: Don Cerlos. Somiabend. nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Jlridiinie Sn.:»» üene. Sonntag, nachm. 3 Uhr: lUari:«. Siuurt. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnettgalerie. iealer in der ffiiorltzer Straße illbcnds H Itqv: Spielereien einer Kaiserin. AieneK Theater. Abends 3 Upr: Da? Miiaei oo»'Montmartre. Erevelic: l'rltzi Sonin. 3'/, Uhr: uee fidelo ßauor. Theater des Westens. . achmlltagS 4 Ubr: Mar iluv SNorift. S Uhr:'x'.t Dum? ia Not. Sonnt. 3'/, Uhr: Gl» Walzertraum. Resideui-Theater. Dueklion Zi'lchard Alexander. ideute 8 Uhr: Cin Walser von Chopin. Schioant in 3'.'ttt. v. Kerout». Barrä. Für die deutsche Bühne bearbeitet oon ___ Boüen-Bacckers.__ Frle Bildern von Heinrich Willen. Musik von Bial und Holländer. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8>/, Uhr Eorsv-Vm'Zetß. Grolle Sehenswürdigkeit Berlins. Der sprechende Uebcrhand. T IKaahervorsitellnng. D u Zwei Dorstesinngen. Entrce 50 Ps. WVWV w w-r Noacks Theater. Direklion: stöbert DI». Berlin dl.. Brunnenstraste 16. Zum letzten Male: Die Geier-Wally. Schauspiel in 5 Sitten v. Hildebrnndt. Anfang 8'/4 Uhr. BonS usw. gültig. KÖDiLZlLilHUzjiio. EckeHolzmarkt- u. Slloxanderstraste nahe Jannowitzbrücke. Vom lv. Nov. bis I. Dez. abends lJ,8 Uhr: Das Niesen- Weltstadt-Programm. Urrlin In deuieu u. die erstklassigen Spezialitäten. 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Ziehung 5. Kl. 225. Kgl- Preuss. Lotterie. Ziebung vom SO. November 1011, aaebutlttaga. Kur die Gewinne Uber 240 Mark Bind den befreScnden Nummern In Klammern beigctilgt. • DU Gewinne fallen auf die bezeiehneten Loea beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.))(Nachdruek verboten.) 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Für den Lnjeratk'nteU veranlw.:'TH. Berlin. Krück u.«erlag: vorwärt« Buchdruckerei u. BerlagSanfta!» Paul Ginger«.Ca» Berlins� »,.SL amm. 4 DMU Iff MWm" KxKNl "«v/ � r ■ i* Hus der frauende�egung. Arbeitcrinncn, gcdcnrct Eurer Pflicht! Zurzeit toben eine ganze Reihe wirtfchajrlicher Kämpfe, bei denen die Arbeiterinnen sehr interessiert sind: der Kampf in der Tabakindustrie, der in der Berliner Konfektion und der in der Metallindustrie! In der Tabakindustrie und in der Konfektion stellen die Arbeiterinnen daS Hauptkontingent de>: Kämpfenden. Ter Kämpfenden? Nein, derer, filr die gekämpft wird. In der Zigarren- und Zigarettenindustrie »nie auch in der Heimarbeit der Dainenmäntetkonfektion über- wiegt die weibliche Arbeitskraft. So bekannt wie diese Tat- fache ist die andere, daß die weibliche Arbeitskraft jämmerlich schlecht bezahlt wird. Und leider muß noch eine andere un- leugbare Tatsache konstatiert werden, daß die weiblichen Bs- rufsangchörigen noch immer sehr mangelhaft organisiert sind. Die letztere Tatsache ist in erheblichem Umfange die Ursache det� schlechten Entlohnung und des Trotzes der Unter- nehmen Ständen die Arbeiterinnen diesen allein gegenüber, sie hätten schon verloren, ehe der Kampf begonnen. Die geschlossene, einheitliche Gewerkschaft, die eigentliche Kämpferin, muß und will die Arbeiterinnen aus ihrem Elend heraus- heben, ihnen eine menschenwürdigere Existenz erringen. Das gilt nicht nur von den beiden genannten Berufen, es gilt ganz allgemein. Die Aussperrung in der Metallindustrie setzt einige tausend Arbeiterinnen auf die Straße. Aehnliches kann jeden Tag in anderen Berufen geschehen, in denen Ar- beiterinncn beschäftigt sind. Berufe, die keine weibliche Ar- beitskraft ausweisen, gibt es kaum noch. Deshalb ist bei fast allen Kämpfen das weibliche Geschlecht als Arbeiterin inter- cssiert. Daß die Auseinandersetzungen zwischen Unternehmer und Arbeiter, Streiks, Aussperrungen,?ohnreduktionen, Arbeitslosigkeit usw. auch die Hausfrau und Mutter in ganz eminenter Weise berühren, ist ebenso bekannt. Einer näheren Darlegung darüber bedarf es nicht. Aber es muß den �role- tarischen Frauen, Müttern, Bräuten und— Arbeiterinnen nachdrücklichst gesagt werden, daß sie in der allergröblichsicn Weise ihre eigenen, die Interessen ihrer Familien und die der Gesamtheit des arbeitenden Volkes schädigen, wenn sie noch weiter wie bisher die gewerkschaftlichen Aktionen er- schweren, indem sie selbst den Anschluß versäumen oder dulden, daß Familienangehörige unorganisiert bleiben. Hier ist ein wunder Punkt, hier gilt es einzusetzen! Ganz allgemein muß die Forderung erhoben werden: Arbeiterinnen, organisiert Euch! Die Bedingungen der notwendigen gewerkschaftlichen Kämpfe fordern das. Unorganisiert seid Ihr für Eure männlichen Klassengenosscn ein Ballast, eine Hilfstruppe des Eurer eigenen und Eurer Lieben Existenz bedrohenden profitlüsternen Kapitals. Organisiert Euch! Das ist die ernste Aufsorde- rung, die eindringlich aus allen Einzelheiten der Arbeite- rinnenexistenz klingt. Die Bedingungen dieser Existenz sind ebensoviel überzeugende Beweise dafür, daß die Lebenslage der lohnsrondendcn Frauen und Mädchen dringend der Besserung bedarf. Organisiert Euch! So mahnen bittere Zeiten der Arbeitslosigkeit, in denen entlassene Lohnsklaoinnen auf der Suche nach Arbeit und Brot von Fabrik zu Fabrik wandern. So raten die Tage der Krankheit, in denen viele Arbeiterinnen nicht wissen, woher genügend Mittel nehmen, um die erschütterte Gesundheit wieder zu kräftigen, die be- drohte Lebenskraft zu erhalten. So lehrt vielfaches Unge- mach, das die werktätigen Frauen und Mäditar überfällt, in dem ü? keinen Ausweg wissen, keine Hilfe seoen. weil sie allen Härten des Daseins gegenüber auf sich selbst gestellt sind. Organisiert Euch! So predigen aber auch die Villen und Paläste der Arbeitsherren, ihre frohen Feste ohne saure Wochen, ihre Sommerreiscn und anderen Genüsse, kurz, ihr? und der Ihrigen luxuriöse Lebenshaltung, wie ihr wachsender Reichtum. Der Ertrag der Arbeit, den Ihr in ihrem Dienst leistet, muß märchenhaft groß sein, um alle? dies zu ermöglichen, jedenfalls aber groß genug, nichc bloß den Herren, sondern auch Euch eine menschenwürdige Existenz zu verschaffen. Zu dem Zwecke müßt Ihr nach Mitteln um- schauen, die Eure Schwäche in Stärke verwandelt. Ein solches Mittel, Euch zu helfen, ist die gewerkschaftliche Organisation. Sie stellt hinter Eure Schwäche als Einzelne die Kraft der Vielheit Eurer Berufsgenossinnen lind Berufsgenossen,- und über deren Kreis hinaus Aller, die wie Ihr Ausgebeutete sind. Die Kraft dieser Vielheit vermag aber mit dem protzigen, ge- winnsüchtigcn Unternehmer erfolgreich um bessere Arbeits- bedingungen für Euch zu kämpfen. Sie verschafft. Euch höhere Entlohnung, kürzere Arbeitszeit, Rücksichtnahme auf Eure Gesundheit, achtungsvolle Behandlung und andere Lorteile mehr. Sic tritt Euch vermittelst ihrer Unterstützungsein- richtungcn in den Stunden der Bedrängnis als Beraterin, Helferin, Schsitzerin zur Seite. Sie erlöst Euch von dem Vann der Sklaveudeiuut und gibt End, daS Gefühl der Selbst- ochtung, indem sie Euch zum Bewußtsein führt, daß Ihr dem Drucke der Ausbeutung vereinigt, nicht wehrlos, fondern Widerstandskräftig gegenübersteht. Darum: Organisiert Euch! Die gewerkschaftlich? Organisation ist"da? fest? Bollwerk, das Euch gegen die skrupellose Gcwinngier des UnternehuwrtuinZ schützt. Wollt Ihr kluge und kühne Knmpferiilncn sein, die ihr? Ketten sprengen, dann tut Eure Pflicht: Organisiert Euch! Äersammlungon— Veranstaltungen. Bcrcin für Fraucii und MZÄchc». Montag, den 4. DezeniTcr, 8 llhr, in KöllerZ Neuer Dhllbarmönik, Köpenicker Str. 96,'V7. Vortrag des Schriftstellers Julius Bab über GoeihcZ„Fällst". Ingen dbevegung. Kirbeitnjugeud. Die saeve» erschienene Nr. 24 hat u. n. folgenden Inhalt: fiuuderüaukild Silbcrlinge.— Allerlei vom Reichstag. IT. Me der Reichstag arbeitet. Von Ph. Scheideinaun.— Bei den Stockholmer Jugendgenoffen. Von Paul Böttcher.— Die Schivindlucht.(Mit Illustration.)— Landturm bei Lanffen am Neckar. Zeichnung von Hans Reeger.— Die Internationale.(Schluß.) Von Wilhelm Schröder. — Vom Kriegsschauplatz.— Die Gegner an der Arbeit.— Zur wirtschaftlichen Logo nst-o. Beilage: Der Dieb. Er.-ähluiig von Karl Busie.(Fort- setznitg.)— Das grüne Tier n»d der Naturkcnner. Eedichi von Kopisch.— Ter Sturm und Drang iu der deutschen Literatur. Von E. Hoernle.— Die Arbeiter- Samariter-Kolonnen. Von P. Krause.(Mit Jllustratioiien.)— Herbstwanderimg. Von Jürgen Brand.— Bücher für die Jugend.— Tie Wolle. Erzählung.— Allerhand Karzivcil.___ Sozialem Wcekcre AmMaver fco" Vertretern der Arbntgebcr und der Vcrsichcrtcn bei den Versicherungsonsialtcu. Auf Grund des Artikels 4 Abs. 2 des EinführungS- gcsetzes zur Ncichsvcrsicherungsorduuu(t Hot der Bundesrat, wie der gestrige,„Reichsanzeiger" mitteilt, bestimmt, doß die Amtsdaucr der gegenwärtigen Mitglieder der Ausschusse der Vcrsicheruugsanstalrcu sowie der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten iu den Vorständen der Versicherungsanstalten bis zum 31. Dezember 1313 dauert. DaS Gcwcrbcgericht gegen LchrlingSauSbeutung. Der Photographenlchrling Cch. und sein Vater klagten am Mittwoch gegen den Photographcn Lemlie auf Auflösung� dcS Lehr- Vertrags und Erteilung eines Zeugnisse? wegen mangelhafter Aus- bildung und Mißhandlung des Lehrlings. Der Beklagte hat Wider- klage auf Zahlung der Vertragsstrafe von IM M. erhoben, weil der" Lehrling nach seiner Meinung die Lehre grundlos verlassen habe. Die Beweisaufnahme ergab, daß dem Lehrling weder Mittag?- noch Zwischenpausen gewährt wurden. Nur minutenlang wurde die regelmäßig täglich clsstiindige Arbciiözeit unterbrochen, um etwas Nahrung einzunehmen. Diesen offenbaren Verstoß gegen die zwingenden Vorschriften dcS Z 136 der Gewerbeordnung erachtete das Gewcrbcgericht mit Recht für hinreichend, um die Aufhebung des Lehrvertrapcs zu verlangen. DaS Gericht empfahl dem Beklagten in die Lösung de? Vertrage? zu willigen und das gewünschte Zeug- Ms auszustellen sowie die Widerklage zurückzunehmen. Dem wurde vom Bellagten entsprochen._ IZertlosigkeit des Hcimarbcitsgcsedes. DaS internationale Institut für Ausbeute fortschrittlicher Er- fahrungen(Paris) protestiert in einer Depesche an uns„gegen Annahme des wertlosen tzauSarbeitSgcsetzcs im Reichstage". Es hebt hervor, daß die Einrichtung englischer Lohnämtcr das Heim- arbciterelend in England zum Teil beseitigt habe und fragt: warum bleibt Deutschland zurück? Im Septemberheft des Organs de? Vereins,„Dokumente des Fortschritts", ist eine Rede von Prof. Dr. A. Brode enthalten:„Inwieweit ist eine gesetzliche Rege- lnng der Lohn- und Arbeitsbedingungen möglich?"(Erfahrungen Englands, Kanadas und Australiens.) Auch diese Studie bringt den Nachweis für dos erfolgreiche Funktionieren der englischen und australischen Lohnämter zur Beseitigung des Heimarbeiter- elends durch Mintmallohnfestsetzungen. Die Darlegungen des Vereins bewegen sich in derselben Nichtuna wie der sozialdemokra- tische Hcimnrbeitgesctzentwurf von 1996 und wie die Reden unserer Parteifrennde im Reichstag. Wenn den deutschen Heimarbeitern Lohnkommissionen mit der Befugnis zur Festsetzung von Minimal- löhnen vorenthalten sind, so sind hierap die bürgerlichen Parteien und die Regierung schuld. Ein Landgericht gegen da? Gesinde-Prügelrecht, Obwohl durch das Bürgerliche Gesetzbuch das Gesinde-Prügcl- recht formell beseitigt ist, wird bekanntlich von den Diensthcrrschaf- teil brav weitergeprngclt. Die ländlichen und städtischen Herrschaften werde» in ihrem Tun bestärkt durch zahlreiche Gerichtsurteile. die den prügelnden Arbeitgebern..Notwehr" gegenüber den mißhandelten Dienstboten zugkstehe». Neunundneunzig Prozent der Fülle verlaufen so. Der Dienstherr prügelt einen Dienstboten� dieser entläuft aus dsm Dienst.' Der'Prügeldienstherr erstattet bei der Polizeibehörde Strafanzeige wegen Kontraktbruch. Hinter dem Dienstboten wird ein Slrasb-sehl hergeschickt und das Schöffen- gericht bestätigt diesen, nachdem cö den Prügeldienstherrn als Krön- zeugen vernommen halte. Bon dieser Gerichtspraxi» hebt sich um so mehr ein Straf- kammerurteil ab, das den Kontraltbruch eines Dienstboten, der vorn Dienstherrn mißhandelt wurde, siir straffrei, mithin für berechtigt erklärt. Der Knecht D., bcdienstet bei einem Pfarrpächter bei GrcveSmühlen in Mecklenburg, hatte eines Tages laut geschimpft, weil er seinen NammittagSkasfe knit Brot nicht erhallen hatte. Der Dienstherr stellte ihn in seiner Schlafkammer deshalb zur Rede, wobei es zu einer Auseinandersetzung kam. In deren Verlaus faßte der Pächter den Knecht am Halse, schlug ihn mit der Hand mehr- mals ins Gesicht, so daß der Knecht am Kinn blutete, und stieß ihn schließlich an die Wand. Der Knecht ciwcilctc noch zwei Tage und verließ am dritten Tage die- Arbeitsstelle. Ans Antrag des Gut?- Pächters bestrafte das Amt den Km echt mit zehn Mark. Die Strafe wurde vom Schöffengericht Grevesmühlen selbstverständlich be- stätigt. Zu einem anderen Urteil kam dieser Tage die Strafkammer des Landgerichts in Schwerin. DaS Gericht stellte fest, daß eine Mißhandlung vorläge, zu welcher der Dienstherr nicht berechtigt sei, und die somit dem Knecht das Recbt gäbe, den Dienst ohne Künai- gung zu verlassen. Daß dieser erst nach drei Tagen hiervon Ge- brauch gemacht, finde seine Begründung in einer Bestimmung der mecklenburgischen Gesindeordnnug, wonach ein mißhandelter Dienst- böte innerhalb einer vollen Woeste noch berechtigt sei, den Dienst ohne Kündigung zu verlassen. Der angeklagte Knecht, dem seine Organisation einen Verteidiger zur Seit- gestellt hatte, wurde daher freigesprochen und ihm der Ersatz seiner Anklagen aus der Staats- lasse zugebilligt. Durch das freisprechende Urteil ist es dem Knecht nun auch möglich geworden, auf dem Wege dc? Zivilprozesses mit Erfolg seinen rückständigen Lohn hcrauSzuholui. den sonst im anderen Falle der Prügeldicnsihcrr auf dem xetvphnlich-m Wege als „Schadenersatz" jür den Kontraktbruch einbehaltcn. hätte« Serie?) ts- Ztitung. Das AnShtingen roter Fahnen betrifft eine bedenkliche Entscheidung des KammergerichlS. Sie ist auch deshalb interessant, weil es sich um die Anwendung einer gegen die natioiial-polnische Bewegung gcrichicten Regiernngs» Pvlizeiverordnuug handelt. Die hkolizeivcrordnung dcS Regie- rung?, äsidenicu zu Brombcrg vom 8. Juni lbüt bestimmt u. a.: straft."■ W> Die Vorschrift sollte Götz in Colmar(Provinz Bosen) über- trdten haben. Am 30. April feierte die organisierte Arbeiterschaft der Stadt in einem Eartcnlotal ein Sommerfest. Am Eingange war ein Transparent angebracht, das zu jeder Seite von einem roten Fähnchen flankiert wurde. Dafür wurde der Angeklagte vcr- autwortlich gemacht. Die Straflamwer in Schncidemiihl ais Be- rusungsinstanz verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Das Gericht erachtete die Verordnung für rechtsgültig und führte aus, daß eS gleichgültig sei, ob die Fahnen von größerem oder geringerem l! in sauge wären. Auf jeden Fast seien sie nicht so klein getveien� daß sie nicht von der Straße au? hätten bemerkt werden können.� Der Angeklagte legte r.Wfion ein und bestritt vor allem die Gültigkeit der Verordnung. Wenn eine?sp!chs, Verordnung gültig wäre, dann könnte ja auch da? Tragen und AgBftellen von Fahnen tu allerlei Phantasiesaroen ner. n werden, Däbei könnte aber keinerlei polizeiliches Jnurtste rn eicn. NcbngenS sei die Verordnung erlassen werde.-, um nntiona'-pedu'chcn Demonstrationen entgegenzuwirken. Dm- T. gen,>> ,-häi, er, und An-stellen von Fahnen, Kokarden usw. in den po-mschrn Nahiouaksarben habe unmöglich gemacht werden sollen.. g ckagter verwies auf Urteile der Gerichte, in denen da? zum?ü--druck gelange.— Aber selbst wenn die Verordnung gültig und auch auf andere Fahnen an- wcndbar wäre, so könne s'e i.t vorliegenden Fülle doch nicht an- gewendet' werden.' Dann hie: seien die roten Fähnchen nicht als Fahnen ausgehängt worden,'sondern man habe sie nur als Dve- pierung nebcn dem TranSpareut'verwertct.. Der erste Strafsenat der'.umcrzerichts verwarf dieser Tage die Revision des Angetlogten mit folgender Begründung: Die Verordnung sei Sie habe ihre Stütze in S 6h und' ck des Polizei-?'...... uh-agSpcsetzcS. Danach gehöre zu den Gegenständen po.izriUcher Vorst! iahen die Ordnung. Sicherheit und Leichtigkeit des Vn hrS auf öjf.'utlicb m Straßen, Wegen und Plätzen, sowie die Ordnung und' esetzlich'eii beim öffentlichen Zusammensein größerer Menststinmeng-m. Beides zu sichern, sei der Zweck der Verordnung. Di c Angikiagie sei euch mit Recht wegen Uebarirctung der Verordnung euehift worden. Die Auffassung des Kama orgerichtS steht in unlösbarem Widerspruch zu der Tatsache, daß derlei landespolizeiliche Vor- schriften neben dem§ 360 Ziffer 11 u.-zul. sstg sind. SdaS ist früher auch vom Oberverwaltungsgeria-it u-'d>">m R.nchsgericht anerkannt. Der Kurs ist ein andere: g worden, seitdem man sich wieder mehr dem Irrglauben nährt, durch potiz che Nadelstichs politische Be» wcgungen töten zu können. Haftung de? Gastwirts für die Sicherheit des Verkehrs, Die Beklagte ist Inhaberin einer Hom'tzürger Herberge, ist der man für t,5v R. ilbcrnach.en kann. Der Kläger logierte in dieser Wirtschast einige Tage. Al» er via 14. August 1008 mittags die Treppe. nach den: druien Stockwerk betretea hatte, kam er zu Fall und zog sich dabei Erhebliche Vc.''■:gen zu. Er macht die Beklagte wegen des inajio' ihn Züsbindes und der schlechten Beleuchtung dex Treppe verautwerstichs U;::ct anderem behauptet er. daß die unteren Scufen a gctrestdn und glatt gewesen seien. Die Treppe, die im völligen Tu■. liege, habe nur durch eine MilchglaSscheibe aus der Seh acksiube einen, Lichtschein erhalten. Die Beklagte berief sich daraus, daß die Gäste bei ihr gewöhnlich nur bis zum Morgen bleiben..und dann-weiter gingen. Früh- morgens und abends sei die Treppe steck? erleuchtet gewesen. Das Landgericht pud Oi mlniidc greicht haben die Beklagte dem Grunde nach verurteilt. D 3". Aandesgericht begründete seine Enischeidu ig mit der Au- üb rung. daß ein NeherbrrguugS» vertrag varg. legen babe und sich daraus die Haflvfkich! der Be» klagten für vcrkehrosichsre Znste.nde ergebe. Als Wirtin habe sie die Pflicht gehabt, die Treppe'in einem Zustande zu halten, der keine Gefahr für die Gäste brt. Zunächst gehöre zu dieser Pflicht die genügende Beleuchtung.: nf d«A billigen Preis könne sie sich nicht berufen. Denn der'GafiMr? der eine Beherbergung zu billigen.Preisen fibern im-nt, i; g nan fo gi�t wie jeder andere Gastwirt verpflichtet, für wc�SicherHeft des Verkehrs Sorge zu tragen. Die Beklagte hatte das Urteil de? ObcrlandcSgerichtS durch Revision beim Reichsgericht angegriffen and besonders hervor-, gehoben, daß den Ktäzer mm tr:', rsten ein Mikverschlllden treffe, weil er die Trevpe schon vorher beschritten habe. Und ihren Zustand kannte. Das Reichsgericht hak am ö' woch das Urteil des Ober» landesgerichtS Hambucg r.-..ort und den Kläger z» einem Viertel wegen ml wirstnde» VicjchnivcuL abgewiesen. Eine verwerfliche Spekulation aus den Wvhltätigkcitssin« führte gestern den Kraickeupfleger Wilhelm Ecknourzenlierg unter der Anklage des Betruges und der �> lorrrn llrkundenfälschung bor den Strafrichter. Im vergangenen Sommer erschien be! zahlreichen termägcnden Leuten- im Westen ein' Mann, in der Uniform der Sanitätskolvnne vom Noten Kreuz» dessen Brust, neben anderen Auszeichnungen die Ehinadenkmünze und' die Rote Kreuz-Mcdaille zierte. Der Betreffende gab vor,! n Anfrage de? Roten Kreuzes zu kommen und legt? ein Sammelbuch vor, um freiwillige Beitrage in Empfang zu n'ehmem Diese wurden ihm auch an zahlreichen Stellen in Höhe von ö0 Pst bis.3 M. zuteil. Der angebliche Sani- tätsunteroffizier erzählte dabei, daß er schon bei der Bekämpfung der Cholera in Hamburg und später in China und in Südwestafrika tätig gewesen sei. Durch einer.,-iall' kst.c es sich Heraus, daß es sich um einen Schwindler, ha»de De, der sich auf diese Weise einen recht einträglichen Nebenve rdier ch verschaffen wußte. Als der Betrüger eines Tages bei dem Oberstckeutnant H. erschien, wurde er feslgehallen und der Polizei übergeben, wo es sich herausstellte, daß der Festgencmmene der n cgcn gleicher Schevindeleicn schon vor» bestraftk jetzige Angekleatc S.-.�cnber-z war.— Der Staats» vorgegangen werden müsse.-Dar Geticht erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Geslingnis.__ flurechnuunSföfttgt Ein unsinniges Revolverallen:at � ,g einer Anklage ivegen Vrr- suchten Totschlag? zugrunde, welche gestern unter Vorsitz de» Land» gcric, Isdireliors Zimmermann d< Schwurgericht des- Land- gcria'ts I beschäftigte. Aus der Unirrsuck-ungkhaft wurde der Lljährige Arbeiter Karl Meissner vor-wf-'-ri. Ter bisher unbe» strafte Angeklagte schleppte ste: einen Ncvoiver mit sich herum, den er. sobald ihm irgend etwas nick' pa'che, b- rvorholte und drohte, sich damit zu erschießen. Als er, einmal bei einem Tanzvergnügen in, „Schwarzen Adler" in Schoneberr,„angetanzt" wurde, zog er auch gleich den Schicßurügel hervor und drehte den- Betreffenden nieder» zuschießen. Vor einiger Zeit hatte er aus dem Tanzboden- die Be» kanntschaf! eines Titttßii:übchn:.> gemacht und war mit dieser ein Liebesverhältnis eingog-argeu. Nach einer Eifersuchtsszene schrieb er dem Mädchen einen iu Versen gehalttnen- Brief, in welchem er mitteilte, dah eS st m tu so f cdcn w de, wie er eS auf der Rückseite des Briefes aufgez,. Au' dieser hatte der Ange- klagte ein vor einem r. nie- es 2 hcn aufgezeichnet. Der Grabstein enthielt d'e Jvschvist:...Hier ruht Karl Meißner". Als sich daS' Mädchen infolge ecr fenkwästrend«» Eifersüchteleien schließ» lich von ihm lossagen wollte, drob!.' ihm der Angckkazte. daß er sich erschießen werde. Am E' niber d. I. lauerte er eS auf der Straße auf.und begleite!? t: bis zu dem Hause Gultzstraße 27 in Schöncberg. wo eS-eiuc Besar-iüng zu machen halte. Auf der Treppe zog er plötzlich, einen R"Tver' rvor und gab aus das Mädchen einen Schuß ab. ES sank mit lautem:'«.-sst'-ei bewußtlos zu Boden. Hierauf feuerte der Angeklagte, zwei Schüsse auf sich ab und trank außerdem eine Flasche Lysol ,-rm aus.-«täbr.'nd die Verletzungen, die er sich selbst bcigclstach! palte, nur seichter Natur waren, schwebte das junge Mädchen, dem die Kugel in das rechte Auge gegangen war, längere Zeit Zwischen Leben und Tod und tränt jetzt, da das Auge Pollständig verloren ist, ein Glasauge.— Vor Gericht bezeichnete Medizinalrat Dr..ss e-.'mann den Angeklagten als einen über» spannten und geistig stark nnuderwertlgcn Menschen. Dem Wahr. spruch der Geschworenen gemäß würbe> ng' lache wegen vcr» sucht?» TotstotagS unter Zukö'! zuug mstbmnd-r Ilmstönde zu zwei Iahten und zwei Monat.:,',"oguls, unter Anrechnung von zwei Monaiep her erlittenen Ustersiukzungöhaft verurteilt. die goldene Medaille erhielten wir auf der soeben beendeten Znternation8.1ea Hygiene- Aaestelliing: In Dresden für unsere vorzügliche Tafel-Margarine und hygienischen Einrichtungen, £3? O W W ? BJ CJ CO* tro L-» 3 oo Us s- 3 =3 sS CD £ SO ao -Z (8 W « Or «o oö M ja .92 Wir bringen mit dem bentlg-an Tage«Ine besondere feine Tafeimargarlne, einen ganz nenen Batterersatz Milka exquisif in den Handel. Durch seine täglich frische Herstellung mit Zusatz von süsser Sahne aus nur besten Zutaten ist ein Unterschied zwischen feiner Natupbuttep nicht mehr zu erkennen. Man kann sie also auch ruhig als solche essen.— Die „Hllka exquisit" IM TMapte wird in der Hilka-Nfliirmlttei-Faiirih O.m.y.ln Pratau in ELGoIüiie hergestellt, wo es viele und gute Milch gibt, und wo von ausgezeichneten Rassekühen eine hygienisch einwandfreie, gesunde Milch erzeugt v/ird. Die Kciatelluug geschieht in subtilster Weise, unter ständiger Kontrolle dreier erfahrener Chemiker, aus den edelsten Rohmaterialien mit Zusatz von besten Milchprodukten tätlich frisch« Sie schmeckt wie frische Maibutter. Ein so feines ProduHt muss natürlich frisch gegessen werden, wenn seine Vorzüge entsprechend gewürdigt werden sollen. Um dies zu ermöglichen resp.garantieren zu können, haben wir ein ganz neuesVer Kaufs-System eingerichtet. Wir haben in Berlin am Ostbahnhof ein grosses Depot eingerichtet, wo die Waggons beladen mit „Milka' frisch von der Fabrik ankommen Die Stadt Berlin haben wir In 26 Bealrke eiageteltt. Täglich trühraorgens um 7 Uhr fahren unsere 25 mit Pferden bstpaanten Wagen am Ostbahnhof vor, wie oben abgeb.K'el, und werden mit ganz Irischer„Milka exquisit' beladen. Jeder Wagen fährt nun nach seinem Bezirk und verteilt sie dort an die Kaulleule. Durch diese neue Vertriebsalt ist es uns möglich, unsere„Milka exqnlait" jeden Morgen frisch bei zirka 2000 Händlern abzuliefern, sodass also die Berliner Haunfian Jeden Morgen frische M ika bei ihrem Kaufmann erhalten kann, was sehr wichtig ist, denn Frische ist bei einem Butterersatz so wichtig, wie bei Milch. Das F eilhalten in den Läden geschieht auf sauberen Emailleständern mit GlasglocKe Es wird nur soviel gelielert, wie an einem Tage verkauft werden kann. Garantie; Allerdings ist es gut, wenn die Hausfrau wr ZUSATZ WH S8SSFR ÄMkMßMM Milka erhält; m.in verlange also ausdriiekheh „Milka exquisit" mit der nebeastohendcu Schutzmarke und weise jeueaudereMarke zmück. 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Hosen 2,50 an, für jede Kigur passend, nur in der Prinzen- Psandleihe, Prinzenslrabe 24. 6235V Zum SScituiaditöfcft. Herten- uhren 3,10, Damemchren 4,50 an. Goldsachen: wie Stetten, SRhigc, Ann- bänder, Kollieis, Operngläser, im Versah versallene Pelzstolas. Prinzen- Psandleihe. Prinzen strafe 34 I. Ünnoiicenoorzeiger vergüte Fahrgeld. d.OÜ Prachlbelt, 3,50 ganzer Stand, rolgestreist, Lasen 0.L0, Damastbezlige 3,55, Steppdecken, AndreaSleihhaus Aridreasitra»e 36,* ~ Landbett. zwei Deckbetten, zwei Kissen, zwelschläsrig, 14,25, nur An- drcaSleihhaus.____* Unnerndeckbett. Unterbett, zwei Kissen, 26.00, nur AndreaSleihhaus. Andreasslratze achtiinddreihig. Fahr- gelb vergüte.<*i6K Leranlwortlicher Redakteur: ANZEIGEN lör die nächste Nummer werden in den Annahme- stellen(ür Berlin bis I Ohr. für die Vororte bl« 12 Uhr, In der Kaupt-Expediiion, Lindcnstrasse 69, bis 5 Ohr angenommen. L"irraleiiteil verautw.: Th. Gl»cke,Perlin. Trucf u.Perlag: Porirärtj Buchdrttctetri u. 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