Ur. S8S. Rbonncmcnfs-BedlngungcÄ} ItBonncmenlä■ PiciS pränumerando! Bicrlcljährl. 3�0 nionoll 1.10 Mü, wöchentlich 2b Pfg. frei ins Haus. Einzelne Rümmer 6 Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post-ZcitmiaS- Preisliste. Unter Ureuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. VÄ Die InferflonS'GebQDr »«trägt für die fechsgetpaltene Kolonel- geile oder deren Raum SO Pfg., für politische und aewerkschoftliche Vereins, «nd BersamMIungS-Anzeigen 30 Pia. -�itetn» Unreigen". das fettgedruckte «ort SO Pfg. lzulässt« 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Psg. Stegengesuche und Schlasstellenan- geigen das erste Wort 10 Psg., jedes «eitere Wort b Pfg. Wort- über IS Buch- fiben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer mästen bi» I . Uhr nachmittags in der Expedition »dgegebcn werden. Die Expedition tjt di» 7 Uhr abends geöffnet. Olchtln, lSgllch außer HlODtagt. Vevlinev Volksblskk. Zcntralorgan der fozialdemohrati fchen partet Dcutfchlands. Telegramm»ßldreffet «SgilaUtmolirai Btrlla" Redaktion: SÄl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritfplap, Nr. ASSS. vas Reich der Krifen. Aus Wien wird uns geschrieben: Erstaunliches ist aus Oesterreich und Ungarn zu melden: Es gibt im Augenblick keine Krise und beide Parlamente ar- besten sozusagen normal. Zwar fehlt es trotzdem an„Krisen" nicht: so zum Beispiel ist der Landtag von Kroasten wieder einmal aufgelöst worden und der bosnische„Sabor", wie das Parlament des allerneuesten Oesterreich heißt, befindet sich schon seit langem im Znstande der Arbeitsunfähigkeit; aber im Wiener Reichsrat- und im ungarischen Reichs» taa scheinen seit einigen Wochen die Dinge ins Gleise zu kommen. Für wie lange? Die Krisen währen lang und die Arbeitsfähigkeit ist kurz: Das weiß man aus Erfahrung. Aber mit einer Zukunft von etwa drei Monaten kann man sich in Oesterreich nicht beschäfttgen wenn es in diesem Staate der chronischen Wirren nur einen Monat geht, so sind alle froh und geraten über den neuen Beweis der österreichischen Lebenskraft in Entzücken.„Oesterreich wird ewig stehen." In Ungarn ist, wie man weiß, ein förmlicher Waffen- stillstand abgeschlossen worden der die Aussetzung des ObstrukstonSkrieges gegen die Wehrreform bis Ende des Jahres bedeutet. Bis dahin soll der Etat erledigt werden, dem die Obstruktton keine besonderen Schwierigkeiten macht, und die Verhandlungen der Wehrvorlagen ruhen; nach Neujahr wird es sich allerdings um ernstere Dinge handeln. Entweder wird sich die Krone zu der Beschleunigung der Wahlreform entschließen,.— wozu vor allem nötig wäre, daß sie den Grafen Khuen-Hedervary, der allzusehr unter dem Einfluß des wahlreformfeindlichen Junkers Tisza steht, gegen einen Wahlreformminister austauschen— oder die Obstruktion gegen die Wehrvorlagen wird weitergehen und die Sachlage wird'sich ernstlich dahin zuspitzen: Sturz des Regierungs- systcms, das es mit dem Dualismus hält, oder Auflösung des Reichstages. Entweder wird die Wahlreform endlich zur Hauptsache werden, oder das alte Chaos bricht noch einmal herein. Die Schwierigkeit liegt darin, daß die Krone, obgleich sie über den Reichstag der Feudalgrafen ausreichende Er- fahrungen hätte machen können, der Wahlreform doch nicht recht traut, also sie immer vergißt, wenn die Dinge in Budapest aus dem schlimmsten herauskommen. Für die Wahl- reform streitet aber in Ungarn heute vornehmlich der Umstand. daß sie nun jedermann als unvermeidlich empfindet, daß von ihr jedermann die radikale Besserung der trostlosen Parlaments- Verhältnisse erwartet. Deshalb wäre die Reform, die die Privilegien beseitigen soll, von dem Privilegiumparlament aber beschlossen werden muß— in diesem Gegensatz stecken ihre Schwierigkeiten— in einem kräftigen Anlauf schon durch- setzen: nur müßte eben ein entschiedener und bewußter Wille hinter die Forderung treten. Wie nun das Kräfteverhältnis in Ungarn geschichtet ist, könnte dieser Wille, der eigentliche Antrieb nur von der Krone kommen; aber darauf ist nur zu rechnen, wenn die Notwendigkeit ihn erzeugt. Immerhin kann man sagen, daß die Hoffnung auf die verschollene Wahlreform nun wieder aufleben darf. In Oe st erreich erlebt man wieder einmal, daß zu dem österreichischen Negierein die größte Indifferenz der Regierung, die Farblosigkeit des„Systems" am besten taugt. Der arme Gautsch hat so etwas wie einen Bekenner posieren wollen: daher sein Unterstreichen der Staatsautorität, die besinnungs- los wüsten Reden gegen �die Sozialdemokraten, der tolle Versuch, die bürgerlichen Scharfmacherinstinkte in einer ge- meinsamen Front gegen die Sozialdemokratie zu sammeln: auch die Schroffheit, mit der er das Recht der Tschechen auf Ministerposten vertrat, geht auf dieses Konto. Das„Bekenner- tum" ist dem Herrn v. Gautsch freilich übel bekommen, inner- halb vierzehn Tagen hat er sich unmöglich gemacht. Daß der Mann, dem von den drei Regierungen, die an der Durchsetzung der Wahlreform beteiligt waren, das größte Verdienst an dem Werke zukommt, und der dabei auch Mut und Houorigkeit bewiesen hat, damit geendet hat, daß er ein wütiger Begeiferer der Sozial- demokratie geworden war. das zeigt deutlich, wie den Bureau- kraten, die sich allen Situationen anzupassen vermögen, eigentlich nichts ins Blut, ins sittliche Bewußtsein geht, alles, auch die Anständigkeit, eigentlich nur Zufall ist. Von dem jähen und tiefen Falle seines Vorgängers hat der Graf Stürgkh jedenfalls das eine gelernt: alle scharfen Töne zu ver- meiden, alle grellen Farben zu unterlassen, auf Ansichten sich nicht zu verpflichten, vielmehr geduldig und behutsam zwischen allen Parteien sich durchzuwinden zu suchen. Je dürftiger das politische Gepräge des Ministers, dejto geringer wieder die Gefahr, daß er sich mit den Parteien verfeindet, daß die Gleichgültigkeit. die man ihm entgegenbringt, zur Abneigung sich steigere. Natürlich hat diese Durchwiuderei und Durchkriecherei. worauf sich die österreichische Regierungskunst nun immer deutlicher reduziert, auch ihre Nachteile, den Nachteil vor allem, daß man sich so auch keine Freunde erwirbt, daß man es zu keiner bereiten und tragfähigen Mehrheit bringt daß man immer nur gerade durchkommt, ohne jemals aus festem Boden ausschreiten zu können. Aber das Bedürfnis der Abgeordneten und Parteien, das neue Haus vor dem Scheitern zu bewahren, es durch Arbeitseifer in der Meinung der Be- völkerung zu rehabilitieren— was wirklich notwendig wäre— ist so stark, daß man immerhin voraussagen darf, die Winter- session werde keine schlimmen Ueberraschnngen bringen und das allernötigste werde vom Parlament geleistet werden. Viel! ist das nicht, aber mehr als daS berühmte Fortwurschteln läßt sich von dem Staate der Krisen nicht erwarten. RufkSuwungzsrdelten Im Reichstag. Mit Hochdruck wird jetzt dahin gearbeitet, die Reichstags- geschäfte zu Ende zu führen. Drei Gesetzentwürfe nach- einander hatten am Freitag in verschiedenen Stadien der Beratung das Haus in einer Dauersitzung zu beschäftigen. Zunächst kam der Gesetzentwurf über die kleinen Aktien in zweiter Lesung zur Durchberatung. Obgleich sein Geltungsbereich in der Kommission etwas eingeschränkt war, beharrte die Sozialdemokratie auf ihrem ablehnenden Standpunkt, den Genosse Geck begründete. Er erklärte, daß wir unter keinen Umständen die Hand dazu bieten würden, um die Spekulationswut in weitere Volkskreise zu tragen. Außerdem trat auch noch Herr Dr. Arendt, allerdings von anderen Gesichtspunkten ans, als Gegner der Vorlage hervor. Bei der Abstimmung stellt sich heraus, daß die Sozialdcmo- kratie mit einem Teil der Rechten und den Polen die Minder- heit bildete, die von der geschlossenen Masse des Zentrums und den Liberalen niedergestimmt wurde. Es folgte die dritte Lesung des Schiffahrts- abgabengesetzes, gegen das die Sozialdemokratie allein geschlossen in Opposition steht, während alle anderen Frak- tionen gespalten sind. Genosse Frank kennzeichnete noch einmal kurz die verkehrsfeindliche Tendenz dieser Maßregel, die obendrein das Deutsche Reich in einen feindlichen Gegen- satz zu Oesterreich, seinem einzigen ernstlichen Verbündeten, bringt. Schließlich wurde das Gesetz in dritter Lesung mit etwa Zweidrittelmehrheit angenonimen. Dann wurde die zweite Lesung des Versicherungs- gesetzes für Ange st eilte fortgesetzt. Hauptgegenstand der Verhandlung bildete der s 10. der festsetzt, daß die Beamten und gewisse andere Kategorien nicht versicherungspflichtig sind. Die Fassung, die dieser Paragraph gefunden hat, ist sehr vieldeutig, besonders darin. daß auch Personen von der Versicherungspflicht ausgeschlossen sein sollen, die Aussicht auf Uebernahme in das Beamten- Verhältnis haben. Die Sozialdemokratie beantragte, diese Worte zu streichen, da, wie Molkenbuhr zur Begründung aus- fiihrte. dadurch Leute, deren Aussicht auf Anstellung sich nicht erfüllt hat, stark benachteiligt werden können. Trotzdem noch Vertreter anderer Parteien zugaben, daß die gegenwärtige Fassung bedenklich sei. lehnte die Mehrheit doch den Antrag ab. Ihre Wortführer erklärten, daß es hoffentlich gelingen werde, für die dritte Lesung eine bessere Fassung zu finden. Im Vexlanf der lang sich fortspinnenden Debatten brachten die Sozialdemokraten noch eine Reihe von Vcrbesserungs- antrügen ein. die gleichfalls kein besseres Schicksal hatten, als der vorher erwähnte. Dabei kam es abermals zu einem heftigen Zusammen- stoß mit dem Polizeifränzchen. Die Anzapfungen des Herrn Franz Behrens hatten nämlich den Genossen Hoch veranlaßt, aus einer Broschüre dieses christlichsozialen Arbeitervertreters den Beweis zu führen, daß er vor einer „schamlosen Verleumdung" der Sozialdemokratie nicht zurück- scheue. Hoch wurde zur Ordnung gerufen und dann spann sich der Streit unter Beteiligung auch des Genossen H u e und des Zentrumsabg. Fleischer noch weiter fort. Um 6'/z Uhr wurde die Debatte auf Sonnabend vertagt. Zur Relchstagswahl. Die Wahlaussichtcn in Schlesien. Ein interessantes und wechselvolles Bild des Wahlkampfes bietet die zweitgrößte Provinz des preußischen Staates, Schlesien. Alle Parteien mit einziger Ausnahme der Antisemiten hoffen in der wirtschaftlich, politisch und religiös so vielgestaltig gegliederten Bevölkerung Eroberungen zu machen, und der Umstand, daß man in der Nachbarschaft der Heydebrand und Richthofen jetzt auch noch eine Kandidatur des Herrn Ocrtcl, des Chefredakteurs der„Deut- schen Tageszeitung" untergebracht hat. läßt erkennen, daß die Agrarier ganz besonders hochgespannte Hoffnungen auf dieses oft- elbische Revier setzen. Bei oberflächlicher Betrachtung sind in Schlesien drei Haupt- quartiere zu erkennen, deren Grenzen fast identisch sind mit denen der drei Regierungsbezirke Liegnitz, Breslau und Oppeln. Nieder- schlosien fft alter freisinniger Besitz, nirgends haben sich die Man- date der linksliberalen Partei so vollzählig und beständig erhalten als hier; Mittelschlesien gehört den Konservativen; in Oberschlesien, der Domäne des Zentrums, tobt seit einem Jahrzehnt der Kampf zwischen Polen und Deutschklerikalen, der schon bei früheren Wahlen zur Eroberung von fünf Wahlkreisen durch die Polen ge- führt hat.- Aus diesen drei Hauptherden bürgerlichen Besitzstandes heben sich die städtischen und industriellen Kreise, die schon einmal sozial- demokratische Vertretung hatten, wie Oasen in der Wüste ab. ES sind dies die beiden einzigen rein städtischen Kreise Schlesiens. B r e s l a u- O st und-West, die sich von 1881 bis 1907 fast un. unterbrochen in sozialdemokratischem Besitz befanden, und dann da? Waldenburger Grubenrevier, das seit 1893 durch unsere Partei besetzt ist, zurzeit mit Genossen Hermann Sachse. Schließlich kommt noch der Wcbcrwahlkreis Langenbielau in Be- tracht, in dem die klerikale und die sozialdemokratische Vertretung seit 1890 mit seder neuen Legislaturperiode gewechselt hat. In, Expedition: SM. 68, Lindenstraase 69» Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. tS84. diesen vier Kreisen erschöpft sich alles, was die schlesische Sozial- demokratie bisher an NeichstagSwahlerfolgen hat verzeichnen können. Die Blockwahlen von 1907 reduzierte» unseren Besitz st andaufdeneinzigen Kreis Wal, d e n b u r g. ES ist also nicht verwunderlich, daß unsere Genossen sich für den 12. Januar auf eine gründliche Revanche vorbereiten. Als ziemlich sicher gilt da zunächst die Rückeroberung der bei« den Breslau er Mandate. Breslau-West, das von dem Volksparteiler Pfundtner mit 1500 Stimmen Mehrheit geholt war — 21 107 gegen 19 659 Stimmen—. wird von den Gegnern selbst aufgegeben und nur noch ehrenhalber verteidigt. Aber auch Breslau-Ost mit dem Dom- und Beamtenviertel, wo Fürst Hätz- feldt 22 169 gegen 16 591 Stimmen erhielt, zeigt eine große Zer- fahrenheit der Gegner. Zwar stimmt das fürstbischöfliche Zentrum im ersten Gange bereits für den Konservativen G r ü tz n e r, aber daneben ist nicht nur die liberale Sammelkandidaiur des Stadt- rats Grund, sondern auch eine demokratische Zählkandidatur T s ch i r n aufgetaucht, so daß sich die Blockstimmen von 1907 in drei Richtungen zersplittern. Selbst wenn uns dadurch eine Stich- wähl erwachsen sollte, ist bei der politischen Konstellation iy Breslau mit dem Siege des Genossen Bauer zu rechnen, der an Stelle des erkrankten Genossen Schütz getreten ist und mit Bern, stein zusammen in den Reichstag einziehen dürfte. In Waldenburg hat seit fünf Jahren eine starke Abwanderung der fürstlich Pleßschen Grubenarbeiter nach Rheinland-Westfalen stattgefunden, und darauf gründet wohl das Bergkapital seine Hoff- nung, den Kreis mit Zentrumshilfe der Reichspartei in die Hände zu spielen. Zu diesem Behufe sind ein halbes Dutzend reichstrcue „Sekretäre" hier tätig; diesem Beginnen hat auch der Zähl- kandtdat Erzberger seinen Segen bereits gegeben. Unsere Ge« nassen, die 1907 allerdings nur mit 15 835 gegen 15 616 Stimmen siegten, sind trotzdem guten Mutes; denn die Knappschafts- und Gemeindewahlen zeigten, daß die Stimmung der Bevölkerung auf ihrer Seite ist. In Reichenbach-Neurode hat sich der katholische Fachvereinler Fleischer bereits vor der Wahl schleunigst gedrückt. Dieser Herr, der mit den Mitteln des niedersten DemagogcntumL 12 948 Stimmen zusammengetrommelt hatte, gegen 10 434 sozialdemo- kratische, hat durch seine Zustimmung zur Finanzreform die Weber des Eulengebirges und die Bergleute von Neurode so gereizt, daß er sich bei ihnen in allgemeinen Versammlungen nicht mehr sehen lassen kann. Er hat den Boden bereitet für den Sieg dcS Genossen Kühn, der den Kreis schon zweimal vertrat. Inzwischen ist aber auch eine Anzahl von weiteren Kreisen so weit herangereift, daß sie für einen Sieg der Sozialdemokratie ernsthaft in Frage kommen. Allen voran Görlitz-Lauban, wo un. seren Genossen die Aufgabe erwächst, den Reichstag von Herrn Mugdan zu befreien, der noch in den letzten Tagen die Marokko« debatte zu einer Anrempelung unserer Partei benutzte, um sich bei den Konservativen beliebt zu machen. Siegte Herr Mugdan 1907 auch mit 8000 Stimmen Mehrheit in der Stichwahl, so betrug doch sein Vorsprung 1903 nur 195 Stimmen, und die gegenwärtigen Verhältnisse gleichen denen von 1903, nicht denen von 1907. Dazu kommt eine überaus rührige und erfolgreiche Agitation für unseren Kandidaten Taubadel. Die Görlitzer Stadtverordnetenwahlen, bei denen wir mit 2000 Stimmen Mehrheit über die Liberalen siegten, bedeuteten wohl daS Totengeläute für Herrn Mugdan. Große Hoffnungen machen sich auch die Genossen des Wahl- kreises Striegau-Schweidnitz auf den Sieg über den Agrarier. führer v. R i ch t h 0 f e n. Auch ihm waren wir schon einmal auf 2000 Stimmen nahegerückt, und der Kreis hat sich seitdem gut cnt- wickelt. Da aber Herr v. Richthofen die Stichwahl mit einem Libe- ralen natürlich noch mehr fürchtet als die mit uns, so hat man auch diesmal wieder einen Mittelstandskandidaten losgelassen, der die bürgerlichen Stimmen bei der Hauptwahl zersplittern, bei der Stichwahl ober gegen den Umsturz zusammenführen soll. In mustergültiger Kleinarbeit sind ferner die Kreise Liegniti- Goldberg-Haynau und Bre>au-Land-Ncumarkt für die Ernte vor- bereitet. Im elfteren gilt eS, den Freisinnigen F i s ch b eck, im letzteren den Konservativen Grafen C a r m e r zu werfen. In hundert Versammlungen unter freiem Himmel und Zehntausenden von„Landboten" ist dieses Werk vorbereitet. Inwieweit eS vollbracht werden kann, muß erst der Wahltag lehren. Gegen 1903 sind in Liegnitz 3000 Stimmen, in Breslau-Lqnd 5000 einzuholen. Von Wahlkreisen, in denen wir bereits einmal an der Stich- wähl beteiligt waren, sind schließlich noch Grünberg-Freystndt, Landeshut-Jaucr-Bolkenhain, Bunzlau-Lüben und Hirschberg- Schönau zu nennen. Grünberg muß leider infolge des plötzlichen TodeS unseres Genossen Stolpe, sechs Wochen vor der Wahl, eine Neubesetzung der Kandidatur vornehmen, was den Chancen unserer Partei sehr schädlich sein dürfte. In La-ideshut haben wir bei der Nachwahl vor anderthalb Jahren schöne zahlenmäßige Fortschritte erzielt. Bunzlau-Lüben kann unS erst näher rücken, wenn wir nicht mit dem Liberalen, sondern mit dem Agrarier in Stichwahl gelangen. Dasselbe gilt für Hirschberg-Schöuau. Trotz unserer Agitation glauben die Freisinnigen den letzten Kreis für Ablaß sicher, in der Tasche zu haben. In allen übrigen Kreisen Nieder- und Mittelschlesiens hat sich ein wilder Kampf zwischen Liberalen, Hansa- und Bauernbündlern auf der einen Seite und Hcchkonservativen auf der anderen Seite entsponnen, bei dem fast überall die�Sozialdemotralte ven Ausschlag geben wird. Kopsch �und Pohl, Liszt und Achilles werden nur mit unserer Hilfe siegen können, ebenso wie Heydebrand und Carmer, Oertel und Rothcr-Ohla nur dprch unsere Stichwahl« Hilfe fallen können— scweit eS zu Stichwahlen kommt. Neben dieser ausschlaggebenden Stellung der Sozialdemokratie sind noch zwei Symptome aus diesen Kreisen der Erwähnung wert. Erstens daß merkwürdigerweise überall die NationaMberalen in den ihnen zugeteilten Wahlkreisen von viel größerer Rührigkeit sind als die Fortschrittler Mittelschlesiens, zweitens aber, daß das Zentrum überall versucht, den konservativen Besitzstand zu retten, indem es im ersten Wahlgange für die Agrarier stimmt. DaS geschieht zum Beispiel in Militsch- Trebnitz(für Heydebrand), bedroht von Schmidthals(national- liberal), in Brieg-Namslau(Oertel), bedroht von Sozialdemokraten und Freisinnigen, in Striegau(Richthofen), in Ohlau-Strehlcn, in Landeshut, in Löwenberg und zahlreichen anderen Kreisen. Das Zentrum geht systematrsch darauf aus, die schwarzblaue Mehrheit des Reichstags zu halten, indem es die bedrohten Junkerfitze OstelbienS mit seinen Stimmen zu sichern sucht. Oberschlefien ist eine Welt für sich. Die Wahlkreise links der Oder von Neiße bis Leobschütz mit rein landwirtschaftlicher Be- bölkerung werden zwar schöne Stimmenzunahmen für die Sozial- demokratie bringen, sind aber zunächst dem Zentrum nicht zu ent- reißen. Im eigentlichen oberschlesischen Jndustrierevier aber herrscht ein Parteigewirr, in dem sich kaum der Einheimische ge- nügend auskennt. Ehe hier das Rationalpolentum sich einnistete, wies die Partei in mehreren Wahlkreisen ein höchst erfreuliches Wachstum auf, so daß wir 1903 in Beuthen-Zarnowitz mit dem verstorbenen Genossen Winter in die Stichwahl kamen. Seit 1903 aber sind viele polnische Mitläufer zu den Radikal polen Korfantyscher Couleur übergegangen und haben deren Siege er- möglichen helfen. Der gegenwärtige Stand unserer Organisation und unserer Presse, läßt es zweifelhaft erscheinen, ob jetzt schon eine rückläufige Bewegung einsetzen wird. Die meisten Wähler sehen sich hin- und hergeworfen zwischen einer polnischen Partei. deren Abgrenzung dem Zentrum gegenüber nicht klar zu erkennen ist, einer Zentrumspartei, die mit den„Deutschen" lieb- äugelt, der H a k a t i st e n p a r t e i, die bald freisinnig, bald kon- servativ schillert und schließlich der besonderen..Hüttenpartei" des Großkapitals. Ob aus diesem politischen Hexenkessel der Sieg der Polen wieder so glatt hervorgeht wie 1997, ist fraglich, da auch Mter den PÄen verschiedene Richtungen gegeneinander wüten. AlleS in allem genommen, gehen die schlesischen Genossen dem Wahlkampf mit großen Erwartungen entgegen und hoffen, der Ge- samtpartei auch eine Anzahl neueroberter Mandate als Gewinn heimzubringen. '.' Der schwarz-bkaue Block. Nach einer Zusammenstellung der„Freis. Ztg." werden Jen- trum und Konservative in folgenden Wahlkreisen bei der Haupt- Wahl zusammengehen: Das Zentrum unterstützt auf Grund offizieller Be- schlösse die Konservativen, den Bund der Landwirte und die Christ. lichsozialen im ersten Mahlgang in folgenden Wahlkreisen: Militsch-Trebnitz(v. Heydebrand); Danzig-Stadt(Deutler); Bres- lau-Ost(Justizrat Grützner); Breslau-West(Regierungsrat Meyer); Striegau-Schweidnitz(Frhr. v. Richthofen); Bunzlau-Lüben(Aus dem Winkel-Logau, B. d. L.); Kreuzburg-Nosenberg tMeyer, Paulsdorf); Wetzlar-A ltenki rchen(Behrens); Lennep-Mettmann(Stuhr- mann); Kaiserslautern(Dr. Roeficke, B. d. L.); Mülheim-Lörrach (Kandidat noch nicht bestimmt). Konservative und Bund der Landwirte unter- stützen im er st en Wahlgang das Zentrum in Lahr-Etten- Heim-Wolfach(Fchrenbach). Auch die Kandidatur des Herrn Oertel, des Chefredakteurs der„Deutschen Tageszeitung", in Kreuznack�Simmcrn dürfte nach Andeutung der„Germania" vom 24. Nov. sofort die Unterstützung des Zentrums finden. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht, daß das Zentrum im Wahlkreise Brieg. der ungefähr 29 Proz. Katholiken zählt, und wo gleichfalls Dr. Oertel kandidiert, bisher keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat. Mögen die Liberalen hieraus eine Lehre ziehen und die Rechte nicht auch noch direkt oder indirekt unterstützen. Sie Antwort der englischen Arbeiter- Vertreter auf Grey$ Rede. AuS London wird uns geschrieben: An der großen Debatte im englischen Unterhause nahmen im Namen der Arbeiterpartei die Genossen Ramsay Macdonald und Keir Hardt e teil. AuS ihren Reden sei folgendes nach- getragen. Macdonald erklärte sich in bezug auf die frommen Wünsche über' die Kontinuität der auswärtigen Politik als gewisser- maßen ein Ketzer. Wenn die auswärtige Politik, die wir von unseren Vorgängern ererbt haben, schlecht ist. dann sehe er keinen Vorteil darin, diese Politik auszuführen. Dies« Politik sei zu ihren Extremen geführt worden. Er begrüßt jede freundliche BemerkunggegenüberDeudschland. Er sei aber sicher, wenn die englische Nation selber sprechen könnte, wenn ihre Stimme sich in einer Unterhausrede konzentrieren könnte, barm wären die Hinweise auf Deutschland noch viel fveundschaft- licher gewesen, als die von seinen Vorrednern(Sir Edward Grey und der konservative Führer Bonar Law) gemachten, sie wären von begeisterter Freundschaftlichkeit gewesen.(Beifall.) Es erfülle ihn mit Stolz und Genugtuung, einer Partei an- zugehörerr, deren Gegenstück im deutschen Reichs- tage mehr als irgendeine Ondere Partei getan hat. um freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und England herbeizuführen. Als die unheilvollen Folgen der Rede Lloyd Georges ihren Höhepunkt erreichten, da waren es die deutschen So- zialdemokraten. die dem deutschen Volke rieten� weitere Er- klärungen abzuwarten. Roch niemals sind die guten Dienste der Oeffentlich- k e i t in der Diplomatie so treffend illustriert worden, wie in diesem Falle. Zuerst wurde der deutsche Staatssekretär des Aeußeren zu einer öffentlichen Erklärung gezwungen. Diese Erklärung war in zwei Hinsichten unvollständig. Sie teilte nicht alles mit. was sich damals in England und gleichzeitig auch in Paris und Madrid' abspielte. Sir Edward hat nur den ersten Teil davon ausgefüllt, nicht aber den zweiten. Er hat dem Hause und Deutsch. land mitgeteilt, daß sich im Anfang Juli gewisse Er- eignisse zugetragen haben, die der Budgetkom- Mission des Reichstags nicht berichtet worden find. Diese Erklärung wird zweifellos die Folg« haben, deutsche Gefühle zu beschwichtigen. Das deutsche Volk wird jetzt deutlicher verstehen, daß sich England während der Marokkokrise nicht un- nötigerweise in den Weg gestellt hat. Wenn das deutsche Volk sich darüber klar geworden sein wird, dann werden wir«inen neuen Anfang zur Herstellung guter Beziehungen mit Deutschland machen können. Macdonwld ging dann auf die Rede Lloyd Georges vom 21. Juli ein. Er habe jene Rede schon seinerzeit kritisiert, noch bevor ihre ganze Wirkung sichtbar war. Er habe damals gesagt und wiederhole es jetzt, daß eS eine unglückliche Rede ge- wesen sei. Ihr großer Fehler bestand darin, daß sie von einer Person gehalten wurde, der die Tatsachen bekannt waren, und daß sie an eine Welt gerichtet war, die die Datsachen nicht kannte. Sie hätte sofort von einer Erklärung des Auswärtigen Ministers gefolgt werden müssen, die den Grund für die Abhaltung der Rede an- gezeigt hätte. Jedenfalls ist die Rede von jedem imperialistischen und jingoistischen Organ in Deutschland und England und allen kriegerischen Elementen aufgegriffen worden. Noch Wochen nachdem die englische Regierung bereits friedfertige Versicherungen erhalten hatte, tappte die Oeffentlichkeit im Dunkeln und fürchtete den Ausbruch eines Krieges. Schließlich meine er, daß nach alledem was vorgefallen ist, eS endlich an der Zeit sei, daß das Unterhaus darauf be- stehe, etwas mehr als bisher von auswärtigen Angelegenheiten zu erfahren.(Beifall.) Er erinnere bloß daran, daß die Mitteilung der deutschen Regierung über den Zweck der Absendung eines Kriegsschiffes nach Agadir geheimge- halten wurde, während allerlei alarmierende Gerüchte in der Presse zirkulierten und die Kriegspresse die große Trommel schlug. Er tadle nicht den Minister des Auswärtigen, aber er frage, ob nicht die Zeit gekommen sei, diesen Gegenstand in Erwägung zu ziehen. Denn er sei nicht optimistisch genug zu glauben, daß alle Schwierig- keilen vorbei sind, und er sei der festen Ansicht, daß das Unterhaus beizeiten bessere Informationen erhalten sollte, anstatt warten zu müssen, bis alles vorbei ist.(Beifall.) Er schlage vor. daß eine Kommission von Unterhausmitgliedern Mittel und Wege unter- suchen solle, wie das Unterhaus mit dem Auswärtigen Amt in Fühlung gehalten werden könnte.(Beifall.) Keir Hardie sagte, an Sir Edward GreyS Rede interessiere ihn nicht so sehr die Vergangenheit, als vielmehr die Gegenwart und die Zukunft. Er habe die Rede, besonders ihren abschließenden Teil, sehr enttäuschend gefunden. ES bestehe in Deutsch- land ein Gefühl der Spannung, das in England sorgfältig gefördert werde, aber der deutsche Reichskanzler habe auch einen Annäherungsversuch gemacht, um bessere Beziehungen zwischen den beiden Ländern herzustellen. Die Antwort Sir Edward Greys war aber kalt und gespreizt, statt sympathisch und bereitwillig.(Beifall bei der Arbeiterpartei.) So weit er ihn verstehen konnte, ging er nicht weiter, als Genugtuung darüber auszusprechen, daß Deutschland die Absicht habe, stark aber nicht agressiv zu sein. Sir Edward Grey ist eine reine Tafel ge- reicht worden, damit er eine Friedensbotschaft darauf schreibe, und das ist die Antwort, die er darauf schreibt.(Beifall bei der Arbeiterpartei.) Der deutsche Reichskanzler sprach ange- sichts aufgepeitschter Gefühle innerhalb und außerhalb des Reichs- tags und mußte deshalb die Frage vorsichtig und behutsam be- handeln. Aber Sir Edward Grey sei nicht in dieser Lage. Er hat ein Unterhaus vor sich, das jedes großmütige Aner- bieten zur Herstellung besserer Beziehungen zu Deutschland mit Begeisterung begrüßt hätte. Aber damit ist die Sache noch nicht abgetan. Die deutschen Flottenbauten werden im großen Maße von den Beziehun- gen zu England abhängen. Wenn diese Beziehungen gespannt sind, dann werden Forderungen nach einer großen Vermehrung der deutschen Flott« aufkommen, und ein solcher Vorschlag würde wieder zu weiteren Flottenrüstungen in England führen. Eine Folge der Rede Sir Edward Greys kann sehr leicht die große Ver- mehrung der Rüstungen in England und Deutsch- land sein. Keir Hardie kritisierte dann sehr scharf und eingehend die englische Presse in bezug auf Persien und die Entente mit Rußland und fuhr fort: Es kann niemand entgangen sein, daß der ganz« Ton der neueren Weltpolitik gemein und schmutzig gewesen ist. Da gibt es keine große hochklingcnde Menschlichkeitsnote, da ist nichts von Patriotismus. Man sehe sich alle internationalen Verträge an, die England in den letzten Jahren über Aegypten, über Marokko, über Persien abgeschlossen hat. Da handelt eS sich nicht um den Schutz der Freiheiten der Bevölkerung jener Länder. auch nicht um die Verteidigung der Ehre des englischen Volkes, sondern' um den Schutz von Profiten und Dividenden. Und all diese Rivalitäten und Quertreibereien, diese Zerstörung der Freiheiten ganzer Nationen, werden zu einem Zwecke unter- nommen, den Leute, wie Norman Angell als eine Illusion auf- gedeckt haben. Die Schuld an den Gefahren der letzten Monate liegt, so weit England in Betracht kommt, an der Geheimtuerei, mit der unsere auswärtigen Angelegenheiten geleitet werden.(Beifall.) Der Ministerpräsident hat uns gesagt, daß wir das Recht haben, Fragen über auswärtige Angelegenheiten zu stellen. Dos ist wahr. Aber der Minister des Auswärtigen hat ebenso das Recht, diese Fragen nicht zu beantworten.(Beifall.) Wie oft hat man Unterhausmitgliedern nicht gesagt, daß es mit dem Stadium der Verhandlungen nicht vereinbar, öffentliche Erklärungen zu machen? Die Gelegenheiten zur Diskutierung auswärtiger An- gelegenheiten, die früher noch bestanden, sind wesentlich eingeschränkt worden. Wir brauchen mehr Licht in den dunklen Stellen der Diplomatie, Bevor ein Volk in die gefährlichsten Lagen verwickelt wird, sollte eL das Recht haben, die Tatsachen zu kennen und selber zu entscheiden. Die Erklärung Sir Edward GrehS ist nicht dazu angetan, den Ruf der Leiter der hohen internationalen Politik zu erhöhen. Wenn Sir Edward Grey uns erzählt, wie der deutsche Botschafter sich weigerte, Erklärungen über Agadir abzugeben, bis nicht Lloyd Georges Rede aufgeklärt sei, und unser Auswärtiger Minister darauf antwortet, daß er Lloyd Georges Rede nicht auf- klären werde, bis er keine Aufklärung über die Anwesenheit des deutschen Kriegsschiffes erhalte, so müsse er(Hardie) sagen, daß sich die beiden, weltberühmten Staatsmänner wie Schulkinder betragen haben.(Beifall bei der Arbeiter- Partei.) Und das sind die Leute, denen die beiden beteiligten Völker die Leitung ihrer auswärtigen Angelegenheiten anvertrauen sollen. ver Krieg. Die Dardanelleufrage. Kmifiilntinopel, 1. Dezember. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, man könne aus Grund de« Gedankeiiauslaufchs zwischen den Mächien annehmen, daß die beiden kriegführenden Parteien kraft der Londoner Konvention von 1871 die AktionSfreiheit in den Dardanellen in bezug auf Angriff, Berteidi« g u n g und Blockade erhalten, und zwar unter der Bedingung� daß die internationale Schiffahrt nichl darunter leide. Unveränderte Situation« Tripolis, 1. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Zwei Eskadron» gingen gestern zur Aufklärung auf Ainzara vor. Während das Gros in Gewehrschaßweite von den feindlichen Stellungen absaß und sich zur Feuerlinie entwickelte, um die weiter vorgehenden Patrouillen im Falle eines feindlichen Angriffs aufzu- nehmen, drangen diese bis an die Berichanzungen vor und stellten fest, daß diese aus den Sanddünen in der Richtung von Südwesten nach Nordosten in einer Frontlänge von etioa 809 Meter ausge- worfen und von regulärer türkischer Infanterie besetzt waren. Auf dem anderen Flügel ging ein Bataillon In- fanterie bis Gargaresch vor, ohne etwas Neue» melden zu können. Das Torpedoboot„Parthenope" erhielt Geschütz« und Gewehi feuer, al« eS auf der Höhe von Zuara kreuzte. ES erwiderte das Feuer und zwang die Feinde zum Rückzug. Zuara wird noch weiter beschossen werden. Von B e n g h a s i wird gemeldet, daß der Feind sich nicht wieder gezeigt hat. Zwistigkeiten zwischen den Türken und Arabern lassen einen Vorstoß der Gegner zweifelhaft erscheinen. Die Verhaftungen verdächtiger Araber dauern an. Roch immer werden Waffen und Munition gesunden. Kriegsgreuel. Berlin, 39. November. Die ottomanische Botschaft teilt folgende? mit: AuS den Erklärungen Manfur PaichaS, die in Gegenwart des mit ihm auS Benghasi nach Konstantinopel zurückgekehrten Deputierten von Benghasi, Chetwan Bey, abgegeben worden sind, geht hervor, daß die Italiener noch immer fortfahren, in Tripolis Grausamkeiten zu begehen. Um nur ein Beispiel zu nennen, ist ein junger Mann auS Derna, namens Dellaloglu Habbenissö, den man im Besitz einiger Patronen ergriffen hatte, auf der Stelle er» schössen worden. Um das Maß der Grausamkeit vollzumachen, haben die Italiener die alte Mutter und den invaliden Vater deS Unglücklichen gezwungen, der Hinrichtung ihres einzigenKindes beizuwohnen. Aus demselben Grunde sind zwei andere Personen bei der Kaserne von Berghö er« schössen worden. Außer diesen Verbrechen begehen die Italiener noch alle Arten vexatorischer Taten zum größten Leid der Bewohner der Gegend. So wollte die Bevölkerung der Stadt, die schimpflichen Szenen, wie der oben beschriebenen, beigewohnt hat, in Massen nach einer anderen Gegend der Türkei auswandern: sie ist daran verhindert worden. Ebenso haben alle Personen, die sich wegen Erlaubnis zur Auswanderung an die Italiener gewandt haben, stets denselben abschlägigen Bescheid erhalten. Die Italiener sind soweit gegangen, daß sie durch öffentliche An- schlage den Verkauf von Grundstücken verboten und so der unglücklichen Bevölkerung, deren Land fie mit Krieg überzogen haben," eine? der unbestreilbarsten. Rechte genommen haben. Andererseits schickt der Kommandant der ottomanischen Streitkräfte in Tripolis folgendes Telegramm: Die Italiener Heiben aus ihrem Aeroplan zwei Bomben auf unser Hospital in Ainzara geworfen, obwohl auf ihm die Fahne deS Roten Halb« mondeS gehißt war. Sie haben eS darauf b o m b a r d i e r t. Die Splitter der Bomben sind aufbewahrt worden. Die Bevölkerung von Menchiö hatte die Waffen niedergelegt; die Italiener haben sie niedergemetzelt, um die Niederlage der Berfaglieri- Regimenter an ihr zu rächen. Auf der Verteidigungslinie, die der Feind verlassen mußte, haben wir eine große Zahl Leichname von Frauen und Kindern gefunden, denen der Hals ab» geschnitten und die Arme zusammengebunden waren- Durch die Aussagen der gefangenen Italiener ist festgestellt worden, daß dies auf Befehl ihrer Offiziere geschehen ist. Wir sind dabei, die Liste der Opfer aufzustellen. Am 22. November haben die Italiener das türkische Hospital von Sukel-Djuma zum zweiten Male bombardiert. Ein türkischer Angriff auf Eritrea? Rom, 1. Dezember. Die Agenzia Stefani meldet aus Massaua vom 39. November: Aus sicherer Quelle ist in den letzten Tagen hier die Nachricht eingetroffen, beträchtliche türkische Streitkräfte versammelten sich bei Schech Said, um zu versuchen, von dort auS einen Handstreich gegen hie italienische Küste Afrikas von Affab bis RLneika oder, wenn beide Orte befestigt sein sollten, auf Bumeira oder Beilul zu unternehmen. Tatsächlich lägen zahlreiche Fahrzeuge bei Schech Said, um für den Truppentransport über die Straße Bab el Mandeb zu dienen. Außerdem seien bei Mokka und Hodeida weitere türkische Streitkräfte bemerkt worden. Insgesamt seien eS über b999 Mann mit mehreren Gebirgsgeschützen. 3999 Mann hiervon seien bei Schech Said versammelt, dessen Höhen auch von einigen großkalibrigen Artilleriegeschützen besetzt seien. Um dieser Bedrohung ein Ende zu machen, wurde eine Unternehmung der italienischen Schiffe an der arabischen Küste beschlossen. Diese Unternehmung wurde vom 22. bis zum 26. November aus Rück- ficht auf den König und die Königin von England ausgesetzt, die sich damals auf ihrer Reife nach Indien im Roten Meer befanden. Unterdessen waren den Italienern Nachrichten zugegangen, daß der Gouverneur von TaiS in Konstantinopel um Instruktionen ge- beten und darauf von dort den Befehl erhalten habe, sich zum Handeln bereitzuhalten. Alles ließ daher darauf schließen, daß nach Beendigung der muselmanischen Feste die Türken einen An- griff auf den italienischen Küstenstrich machen wollten. Diesem Angriff sollten die italienischen Schiffe zuvorkommen. Sie Revolution in Cbina. Der Fortgang der chinesischen Revolution. Die Metzeleien, die von den Mandschutruppen in großer Zahl gegen wehrlose Chinesen verübt worden sind, haben nicht den Er» folg gehabt, den Vormarsch der Revolution aufzuhalten. Nun hat die Provinz Hunan im Süden des Reiches ihre Unabhängig- keit erklärt und einem Mitgliede der bisherigen Provinzial- regierung die Leitung der Verwaltung übertragen. Die Revo- lution ist von einem Turnlehrer, der zahlreiche Anhänger in einem Sportverein bereinigt und auch die Armee gewonnen hat, vor. bereitet und geleitet worden. Die Revolutionäre von Hu-Tschang haben eine Zeitung gegründet, die der Nationalversammlung in Peking die Autorität einer Volksvertretung abspricht und jedes Zusaminenwirken mit ihr ablehnt. Verzweifelte Versuche, durch Grausamkeit die Revolution niederzuwerfen, macht der General T s ch a n g. der als Führer der Hoftruppcn völlig auf eigene Hand vorgeht. Er teilt dem Hofe mit. daß er für den Erfolg seines FeldzugcS mit feinem Kopf hafte, inzwischen aber keine Anweisungen annehme. Er soll die Chinesen, die durch Ablegen des Zopfes sich von der Mand- fchuherrschaft losgesagt haben, hinrichten lassen. Trotz oder viel- leicht wegen dieser Schneidigkeit setzt der Hof keine Hoffnung auf sein Vorgehen, und seine Niederlage gilt nur«IS eine Frage der Zeit. Der Führer der Republikaner, Sun-Dat-Sen, der be- kanntlich als Präsident der Republik in Aussicht ge- nommen ist, ist jetzt auf einem englischen Schiffe unterwegs nach China, nachdem er lange Zeit in Amerika und Westeuropa für die Revolution gewirkt hat. Er steht feit zwanzig Jahren in der Bewegung und ist feit 12 Jahren ihr Führer. Vor seiner Ab- reise hat er sich dem Vertreter de? Pariser.Journal" gegenüber über die Ziele der Revolution ausgesprochen. ES handelt sich da- bei. sagt er. um die Beseitigung der beiden Uebel: Ab- solutiSmus und Zentralisation, unter denen ein Fort- schritt unmöglich ist. Die Lösung ist die Republik, ähnlich den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Autonomie und Selbst- Verantwortlichkeit jeder Provinz. Der Zentralgewalt soll die Leitung der Kriegsmacht, die Vertretung nach außen und die Verwaltung der gemeinsamen Finanzangelegenheiten verbleiben. Dabei hat man den Porteil, an der äußeren Staatsform, wie sie (tdfj geschichtlich gestaltet hat, nichts andern zu müssen. Nur werden die heute von der Zentralgewalt ernannten Gouverneure oder Vizekönige künftig vom Volke ihres Bezirkes gewählt werden. „Die Form bleibt, aber das Wesen ändert sich." Den Gedanken, etwa die Mandschudynastie durch eine chinesische zu ersetzen, lehnt er entschieden ab. Es muß bei der Republik bleiben.„Die revolutionäre Bewegung ist eine politische, kein bloßer Rassenkonflikt. Das neue China bedarf auch, um seinen Handel zu entwickeln, die Naturschätze nutzbar zu machen und die Finanzverhältniffe zu reformieren, der Unter- stützung des Auslandes. Zunächst fehlt eS uns am nötigen Kapital und den technischen Kenntnissen, die daS Ausland hat, um die Bergwerke auszubeuten, Eisenbahnen zu bauen usw." Sun- Dat-Sen rechnet dabei auf die Hilfe der französischen Schwester- republik.— Vorausgesetzt natürlich, daß diese es nicht vorzieht, im Bunde mit Rußland und anderen europäischen Raubstaaten die inneren Schwierigkeiten der Schwesterrepublik zu neuen Plünderungen auszunützen. Airdernfalls darf man wohl der neuen Republik, an deren Zustandekommen wohl kein Zweifel mehr besteht, eine große Entwicklung versprechen. Die Revolution in der Mandschurei. Mukden, I.Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Gerüchte von einem bevorstehenden Auf stände und einer Besetzung der Stadt durck, die Revolutionäre verursachen große Aufregung.— Infolge prinzipieller Meinungsverschiedenheit über die Revolution haben alle verantwortlichen Ratgeber des Vize- königs die Stadt verlassen. Die Tätigkeit der Verwaltung ist tat- sächlich eingestellt. Tokio, t. Dezember.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Nach einem amtlichen telegraphischen Bericht hat in der südlichen Mandschurei ein Gekecht stattgefunden, in welchem die Auf- ständischen die Kaiserlichen besiegt haben. Die Kaiserlichen verloren mehrere Tote; ihr Führer wurde gefangen genommen und ent- hauptet._ PoUtifcbe OcbcrHcbt. Berlin, den 1. Dezember 1911. Das Arbeitsprogramm des Reichstages für den Rest der Session stellt sich nach den DiSpofitioneir des Präsidiums etwa folgendermaßen dar: Die zweite Lesung deS Angestelltenversicherungsgesetzes hofft man am morgigen Sonnabend zum Abschluß zu bringen. Dann sollen am Montag Petitionen. Rechnungssachen und die zweite Lesung der Ost- afrikanischen Eisenbahnvorlage folgen. Am DienStag wird die Marokkodebatte durchgeführt werden, von der man mit Bestimmtheit annimmt, daß sie nicht umfangreich wird, da die Par- teien, selbst wenn sie sich nicht bloß auf kurze Erklärungen beschränken sollten, jedenfalls keine ausführlichen Reden halten zu lassen beabsichtigen. Man glaubt deshalb, daß noch am Dienstag die ausstehenden dritten Lesungen(kleine Aktien, Sngestelltcnver» sicherungSgesetz, Ostasrikanische Eisenbahnvorlage, eventuell Straf- gesetznovelle und die Handelsprovisorien mit Großbritannien und Japan) begonnen und am Mittwoch zu Ende geführt werden können. Am Mittwoch, den 6. Dezember wird danach, wie schon wiederholt angekündigt worden ist, spätestens der Abschluß der Arbeite» des RelchSlageS erfolgen._ fP Die kommende Flottenvorlage. Wie die.Neue Preußische Korrespondenz" erfährt, ist für W zu erwartende Vcksiarkung der deutschen Flotte der Betrag von 360 Millionen Mark in Aussicht genommen. Dieser Betrag soll, soweit die bisherigen Pläne erkennen lassen, auf sechs Jahre verteilt werden, so daß auf jedes Jahr 60 Millionen Mark entfallen. Ueber die Art und Weise, wie die Kosten dieser Flottenvermehrung aufgebracht werden sollen, ist man sich in der Regierung freilich noch nicht klar. Das Reichs- schatzamt ist der Ansicht, daß. um die Mittel der Flottenver- größerung aufzubringen, es neuer Einnahmequellen bedürfe. tvährend von anderer Seite aus die steigenden Einnahmen des Reiches hingewiesen wird, die ohne neue Steuerquellen eine derartige Mehrausgabe gestatteten. Auf die„andere Seite", die ohne neue Steuern auszu- kommen hofft, trifft allem Anschein nach der Satz zu:„Re- ligion gut, Kopsrechnen schwach!" Der Kolonialschacher. Wie aus London halbamtlich gemeldst wird, ist es nicht wahr, daß die britische Regierung, wie eS in Gerüchten heißt, der spanischen Regierung ihren Widerstand gegen die Ab» tretung Spanisch-Guineas oder Fernando PoS an irgend eine fremde Macht zur Kenntnis gebracht habe. Keinerlei Mitteilung über diesen Gegenstand hat zwischen der britischen Re- gierung und irgend einer anderen Regierung stattgefunden. Danach würde also der voraussichtliche K o l o n i a l s ch ach e r zwischen Deutschland und Spanien bei der englischen Regierung kein Hindernis finden. Eine erstaunliche Geistesarmut verrät ein Artikel, durch den die„Freisinnige Zeitung" Beamte und Lehrer gegen die Sozialdemokratie einzunehmen sucht. In einer recht verspäteten Entgegnung auf ein sozialdemokratisches Flugblatt zu den Stadwerordnetenwahlen bringt das offizielle Freisinnsorgan so armselige Argumente vor, daß es schon begreif- lich erscheint, warum es nicht rechtzeitig, vor den Stadtverordneten- Wahlen, mit diesem kümmerlichen Gestammel herausgekommen ist. Man höre nur: Den sozialdemokratischen Vorwurf, daß der Freisinn in den Kommunen selbst keinen Finger ftir ein gerechtes Wahlrecht rühre, sucht die„Freisinnige Zeitung" damit abzuwehren, daß sie den läppischen Einwand wiederholt, die Kommunen besäßen ja gar nicht die Macht, die Aenderung eines Wahlrechts herbeizuführen, da dabei ja das Parlament mitzusprechen habe. Als ob der Frei- sinn nicht in SchleSwig-Holstein zum Beispiel in den Kommu- nen mitgeholfen habe, das ohnehin schlechte Wahlrecht noch durch Erhöhung deS Zensus zu verschlechtern! Und als ob nicht der Freisinn ein notorischer Gegner des gleichen Wahlrechts für die Kommunen feil In den siebziger Jahren aller- dingS forderte auch Herr Eugen Richter noch das gleiche Wahl- recht, inzwischen aber hat sich der Freisinn längst zum Klassenwahl- recht bekehrt. Was soll der klägliche Einwand also dieser allgemein bekannten Tatfache gegenüber besagenl Auf derselben Höhe steht die Behauptung des FreifinnSblattes, daß die Sozialdemokratie ja selbst Besoldungserhöhungen für die Beamten und Lehrer dadurch illusorisch gemacht habe, daß sie den Gesamtetat ablehnte. AIS ob daS nicht selbst der Brauch auch einer wirklichen bürgerlichen Oppofitionspartei überhaupt und nun gar einem so urreaktionären Staatsgebilde wie dem unseligen gegenüber die Pflicht jeder Demokratie seil Zudem hat ja der Freisinn selb st die Reichsfinanzreform, abge- lehnt, durch die doch gerade auch die M i t t e l für die E r- höhung der Beamtenbesoldungen aufgebracht werden sollten! Womöglich noch dümmer ist der Einwand, daß die Sozialdemo- kratie ja Gegnerin de» Beamtenstande» überhaupt sei, weil fie Sie bestehende SlaaiS- und Gesellschaftsordnung bekämpfe. Das freisinnige Zentralorgan traut demnach den Beam- tcn und Lehrern die geradezu beleidigend unsinnige Auffassung zu, daß es in der sozialistischen Gesellschaft keine Beamten und Lehrer geben werde! Schließlich denunziert das freisinnige Blatt die Sozialdemo- kratie noch als Gegnerin der indirekten Steuern, da sie ja fordere, daß vor allen Dingen durch direkte Steuern die Staatsbedürfnisse gedeckt würden. Durch solche direkten Steuern aber würden die Beamten und Lehrer außerordentlich schwer be- lastet werden. Dies Argument ist besonders köstlich! Es beweist, daß des Frei- sinns Gezeter über die indirekte Steuerbelastung, mit dem ja doch zur Hauptsache gerade von ihm die Kosten des Wahl- kampfes bestritten werden� nichts ist. als elende Heuchelei! Denn wenn es dem Freisinn ernst wäre mit seinen Anklagen gegen den schwarzblauen Block, so müßte er die Forderungen der Sozial- demokratie nach einer progressiven Reichseinkommen». und Ver- mögenSsteuer mit aller Energie unterstützen! Nur durch eine hohe Besteuerung der hohen Einkommen und Vermögen könnte ja das System der indirekten Steuerauswucherung, unter dem nicht nur die kleinen, sondern auch die mittleren Beamten ebenso schwer zu leiden haben wie die Arbeiter, beseitigt werden. Die„Freisinnige Zeitung" aber sucht diesen Beamten vorzuschwin- dein, daß eine direkte Besteuerung sie schwerer belasten würde als die indirekte Besteuerung— s i e macht dadurch also ihren eigenen Feldzug gegen die indirekte SteuerauS- Plünderung zu einer jämmerlichen Farcel Vereitelung der Strafgesetzbuchnovelle. Die Strafgesetzbilchliovelle darf als gescheitert angesehen werden, Auf sozialdemokratische und Zentrumsanregung hin haben Mitglieder aller Parteien darüber verhandelt, ob aus der Strafgeietzbuchnovelle das zu retten wäre, was alle Parteien an ihr freudig begrüßt hatten: das waren Milderungen bei einer Reihe kleiner Delikte, insbesondere bei Hausfriedensbruch, bei Unterschlagung und Diebstahl geringfügiger Gegenstände sowie G l e t ch st e l l u n g der Entwendung von Gegenständen deS hauswirtschaftlichen Verbrauchs mit Mundraub und Erhöhung der Strofminima für Mißhandlungen von Personen unter 18 Jahren und Erweiterung deS Begriffs der Tier- quälerei. ES ergab sich eine große Mehrheit für einen Kam« promiß, der dahin ging: 1. die BeleidigungS- und ErpressungS- Paragraphen sowie auch die in zweiter Lesung angenommene Vor» schritt, wonach daS Betteln in unverschuldeter Notlage straflos fein soll, sind aus dem Gesetz zu scheiden; 2. den Borschriften über Tierquälerei ist eine Vorschrift anzufügen, nach der unbeschadet sonstiger landespolizeilicher Verfügungen religiöse Scklachtmethoden nicht auf Grund des neuen Reichs gesetzeS bestraft werden dürfen. Trotz einer großen Mehrheit für dieS Kompromiß war die bei der Geschäftslage des Reichstags erforderliche Voraussetzung für diese Einigung nicht zu erzielen, daß alle Parteien auf längere Diskusstonen verzichteten. Die Wirtschaftliche Bereinigung und ein Teil der Nationalliberalen nahmen an der Vorschrift über eine religiös vorgeschriebene Schlachtmethode Anstoß. Die Tierquälerei- Vorschriften völlig auszuscheiden, glaubte da» Zentrum nicht ver- antworten zu können. Die'Wirtschaftliche Vereinigung wollte aber auch nicht aus längere Reden über Schächten verzichten. Die Antisemiten sind also in erster Linie daran schuld, daß nach wie vor der Richter ge- zwnngen sein wird, z. B. wegen Entwendung einiger Kohlenstücke unter Umständen auf mindestens drei Monate Gefängnis zu erkennen. Wi viele Tausende armer Leute sind durch diese Haltung geschädigt! Eröffnung des hessische« Landtages. Der Zusammentritt des hessischen Landtages ist, wie un» aus Darmstadt gemeldet wird, durch landesherrliche« Edikt vom heuligen Tage auf den 19. Dezember angesetzt. Die feierliche Eröffnung deS Landtages wird am 20. Dezember stattfinden. Herr Dr. Mugda«. Am dritten Tage der Marokkodebatte im Reichstag« machte der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Mugdan wieder einmal in Sozia- listen hetze. In gewohnter Manier wurde darauf loS behauptet und um den Behauptungen größeres Gewicht zu geben, allerlei Zitate vorgetragen. Auch unserem Görlitzer Parteiblatt wurden Aeuße- rungen unterstellt, die eS nie getan hat und gegen die sich daS be- iibuldigte Blatt umso mehr wehrie. da Mugdan in Görlitz gewählt ist und auch dort wieder gewählt werden will. Nun nmß Mugdan den Rückzug antreten. DaS freisinnige Blatt in Görlitz, der„Neue Görlitzer Anzeiger" bringt folgende Notiz: Unser ReichStagSabaeordneter, Herr SanitätSrat Dr. Mugdan, hatte, wie er uns schreibt, die Absicht, in der beutigen(Mitt- »od), 39. November) Sitzung deö Reichstag» vor Einttitt in die Tagesordnung die nadisiehende Erklärung abzugebe». Der Prä- sident. Gras Schwerin-Löwitz, bat ihn aber, davon Abstand zu nehmen, da der Erklärung eine Bedeutung nicht znkonime. die deren Vortrag im Reicdslage in der gewünschten Weise recht- fertige. Es genüge, wenn dieselbe in der Preffe veröffentlicht würde. Herr Dr. Mugdan ersucht unS deshalb um Veröffent- lid>ung der Erklärung. Sie lamel: In der 203. Sitzung habe ich gesagt: (Stcnogr. Bericht S. 7805 0)„Jetzt ist es ja leicht, über den Herrn Redakteur Däumig den Stab zu brechen. Wie war es aber die Tage, nachdem er gesprochen hatte? Da schrieb daS sozial- demokratische Blatt, da« in Görlitz erscheint. eS sei die Morgenröte einer neuen Freiheit enistanden;... Ich habe mich überzeugt, daß ich mich geirrt habe und daß in dem sozialdemokratischen Blatte, da» in Görlitz erscheint, die von mir behaupteten Worte nicht gestanden haben. Dr. Mugdan." Charakteristisch für Mugdan ist. daß er sich zu dieser Erklärung erst herbeiließ, nachdem unser Parteiblatt seinen Schwindel fest- genagelt und auch nicht locker ließ, bis er widerrufen hatte. Da« Beispiel zeigt wieder einmal, wie skrupellos die braven Gegner und nicht zuletzt auch die Fortschrittler im Kampfe gegen die Sozial- demolratie sind._ Vie perlllcke Krife. Ablehnung des Ultimatum». London, 1. Dezember. Die„Times" melden ouS Teheran: Das Medschlis hat es einstimmig abgelehnt, dem russischen Ultimatum zu entsprechen. Generalschatzmeister Morgan S h u st e r bestreitet, für die Veröffentlichung' der Flugschriften verantwortlich zu sein, die die Uebersctzung seines Briefes an die„TimeS" enthalten. Hervorragende Mitglieder deS Medschlis, die dem jetzt das russische Ultimatum beratenden geheimen Komitee an- gehören, haben in einem Interview erklärt, daß das gesamte Medschlis ohne jede Uneinigkeit gegen eine Be Willi- gung der russifchenForderungen ist. Die gestrige Bitte der persischen Regierung um Verlängerung deö Ulti- matumS habe Rußland abgelehnt. Daher mache sich große Erregung bemerkbar. Im Medschlis sei all- gemein die Ansicht zum Ausdruck gelangt, daß P ersten nicht gewillt sei. seine Unahängigkeit auszu- geben oder sich soweit entmutigen zu lassen, daß es auf seine souveränen Rechte verzichte. Das Ultimatum sei in die Provinzial-Hauptstädte telegraphiert worden; die bisher ein» gegangenen Antworten zeugten von bemerkenswertem Patriotismus. Bormarsch der Russe«. Petersburg, 1. Dezeniber. DaS Ministerium in Teheran teilte heute mittag der russischen Gesandtschaft mit, daß das Medschlis die russischen Forderungen abgelehnt habe. Die russische Regierung hat infolgedessen der in R e s ch t zusammengezogenen Truppenabteilung den Befehl erteilt, auf Teheran vorzurücken. Ein politischer Mord. Teheran, 1. Dezember. Der frühere Gouverneur von FarS S l h a e d D a u l e h wurde heute früh beim Verlasse» seines HauseS er« mordet. Er stand in dem Verdacht, mit dem Sepahdar im ge- Heimen Einverständnis zu sein, um die Rückkehr de» früheren Schah zu ermöglichen. Der Mord wurde heute bor- mittag um 10 Uhr durch drei Männer verübt, die mehrere Schüsse auf ihn abgaben. Rücktritt des Ministers des Aeußern. Teheran, 1. Dezember. Infolge der Ablehnung be» rufst« schen Ultimatums durch das Medschlis ist der Minister deö Aeußern Wusuch ed Dauleh zurückgetreten. DaS dritte Kaukasische Schützenbataillon ist hier eingetroffen und marschiert morgen nach Täbris, um die dortige Abteilung abzulösen. Die Haltung Englands. London, 1. Dezember. Das Reutersche Bureau meldek, nach Telegrammen, die cS von der persischen Regierung erhalten hat, daß das russische Ultimatum die Forderung einer sofortigen Re- gelung sämtlicher zwischen den beiden Mächten schwebenden Fragen enthalte. Die persische Regierung habe die guten Dienste der britischen Regierung erbeten zu dem Zwecke, daß die Zeit für die Antwort auf das Ultimatum verlängert werde oder wenigstens Rußland veranlaßt werde, sein weiteres Vorgehen für ein paar Tage einzustellen, so daß daS persische Kabinett die Frage in Erwägung ziehen könne. Teheran, 1. Dezember.(Meldung deS Reuterschen BureauSf- Sir Edward Grey hat die hiesige englische Gesandschast tele- graphisch angewiesen, der persischen Regierung dringend an« zuraten, die russischen Forderungen zu er« füllen. New Jork, 1. Dezember. World veröffentlicht eine lange Depesche Morgan Shusters, in der dieser erklärt, daß man seine Abberufung verlangt habe wegen seiner Weigerung, Persien an Rußland zu verraten und mit Englands scheinheiliger Duldung Persiens Souveränität ein Ende machen zu lassen, während daS übrige Europa in andere Probleme verwickelt sei. Oeftcirrfch. Ein Thronfolger-Skandal. Der Chef des österreichischen GcneralstabeS Konrad v. H ö tz e n d o r f hat seine Entlassung gegeben. Der Herr gilt in Oesterreich als Vertrauensmann des Thronfolgers Franz Ferdinand und zugleich als Haupt der Kriegspartet gegen den Dreibundgcnossen Italien. Der Minister des Aeußern Graf Aehrenthal hatte sich gegen die weitere Dislozierung von Truppen an die italienische Grenze, die der Generalstabschef befürwortete, ausgesprochen. Der Kaiser entschied gegen den Generalstabschef, lieber die infolgedessen erfolgte Demission wird nun eine Darstellung veröffentlicht, die zweifellos vo ni Thronfolger veranlaßt ist. Sie lautet: Es ist schon lange ein öffentliches Geheimnis, daß zwischen Graf Aehrenthal und dem Chef deS GeiieralstabeS Meinungsverschiedenheiten besiehe». Sie sind in der Natur der beiderseitigen Ressorts begründet. Der Minister des Aeußern benötigt die Armee, um im Bedarlsfalle seine Politik mit Gewalt durchzusetzen. DerChcf des Generaljtabes kann andererseits seinem Amte nicht gerecht»erde», wenn er nicht die Erscheinungeir der äußeren Politik aufmerksam verfolgt und seine Maßnahmen der politisdien Konstellatio» anpaßt. In den letzten Jahren haben die Gegensätze zwischen dem Grafen Aehrenthal und dem Baron v.Hötzcn- dors derart zugenommen, daß das Verhältnis unhaltbar wurde. Da ein Wechsel in der Person des Ministers des Aetlßeri, dem K a i s e r mit Rücksicht auf die allgemeine Lage nicht am Platze schien, mußte der Chef deS Generalstabes zurücktreten. Diese Tatsache ist ungemein bedauerlich. Wer das Verhältnis zwiilven dem berufenen Oberkonimandicrenden der Armee und Konrad v. Hötzcndorf kennt, wird begreifen, wie schwer der Erzherzog-Thronfolger den General- stabSchef scheiden sieht. Als gehorsamer Soldat mußte sich aber auch der Thronfolger der allerhöchsten Enlscheidnng fügen. Baron v. Hötzendorf scheidet aber nicht in Ungnade; im Gegenteil, der Kaiser bestimmte ihn zum A r m e e i n s p e k t e u r. Der verdienstvolle Mann wird also seine reichen Erfahrungen, sein anerkanntes militärisches Wissen und Können auch weiterhin zum Wohle der Armee zu verwenden in der Lage sein, auf einem Posten, der in einem Kriege ein ganz besonders Maß von Selb- ständigkeit einräumt, auf welchem er frei und unbehindert von allen Beziehungen zur Politik ganz und gar seinem Berufe leben kann. Der Thronfolger versicherte den scheidenden Chef des GeiieralstabeS in einer besonderen Audienz seiner u n V e r» änderten Wertschätzung und Zuneigung für alle Zukunft."' Der künftige Kaiser von Oesterreich frondiert also in aller Oeffentlichkeit gegen die Politik des gegenwärtigen Kaisers und legt Wert darauf, zu demonstrieren, daß er nicht mit der mehr friedlichen, sondern mit der offen sriedensgefähr- d e n d e n Politik sympathisiert. Allerdings ist es nichts NeucS, daß der Thronfolger jene Kreise begünstigt, die sich auf einen Kriets Lmiick" Krim WlllsdlR SonMbend, 2. DtZtülbtt l9!t. Keickstag. 214. Sitzung bomFreitag. den 1. Dezember. vormittags 11 Uhr. Nm Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Aus der Tagesordnung steht zunächst die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Ausgabe kleiner Aktien in den Konsulargerichtsbezirken und in Kiautichou. Die Kommission hat das Gesetz auf die Konsulargerichts- bezirke in China und auf Kiautschou beschränkt. Abg. Freiherr v. Richthofen polemisiert gegen den Abg. Dr. Arendt und biltet um Annahme der Kommissionsbeschlüffe. Direktor der ReichSbanl v. Glasenapp wendet sich gegen den Antrag Arendt. Abg. Dave(Vp.): Auch wir sind mit den Kommissionsbeschlüssen einverstanden. Herr Arendt hat als k'outiksx maximus der „Geheimlehre" des Währungsproblems(Heiterkeit) diese Frage auch hier wieder hereingezogen. Die Schwierigkeiten sind aber wirklich nicht so groß, wie er sie geschildert hat. Herr Arendt hat die jährliche Vorlage einer Denkschrift über die Ausführung des Gesetzes verlangt. Er will uns offenbar wieder wie früher alljährlich eine lange Vorlesung über die schwierigsten Probleme der Währungsfrage halten; das dürfte aber zur Förderung der Arbeiten des Reichstags wenig beitragen.(Sehr wahr I links.) Abg. Görcke(natl.) tritt für die Kommissionsbeschlüffe ein. Abg. Geck(Soz.): Meine Freunde werden das Gesetz auch in der jetzt vorliegenden Form ablehnen. Den Abänderungsanträgen in der Kommission haben wir zugestimmt, weil die Tendenz des Gesetzes dadurch ge- mildert wird. Allerdings betrachten wir das Gesetz nicht, wie Herr Arendt, als Ausnahmegesetz, vielmehr als Einnahmegesetz(Heiterkeit), das, wenn es erst einmal in China eingeführt ist, auch seinen Weg nach Europa finden wird, sehr zum Schaden der Arbeiter und kleinen Leute.(Znstinimung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Np.) begründet einen Antrag, nach welchem dem Reichstage alljährlich eine Denkschrift über die Ausführung und Wirkung dieses Gesetzes vorgelegt werden soll. Auf diese Weise behalte der Reichstag eine Kontrolle über die Ausführung dieses Gesetzes. Meinen anderen Antrag ziehe ich zurück, da er Aussicht auf Annahme nicht hat.(Heilerkeit.) Abg. Nacken(Z.) erklärt sich für da? Gesetz in der ihm von der Kommission gegebenen Fassung. Damit schließt die Debatte; das Gesetz wird angenommen, der Antrag Arendt auf alljährliche Vorlegung einer Denkschrift wird � gegen die Stimmen der Rechten und der Sozialdemokraten a b- gelehnt. Es folgt die dritte Lesung des Gesetzes betreffend Erhebung von Schiffahrtsabgabe». Abg. Dr. Frank- Mannheim(Soz.): Meine Freunde lehnen das Gesetz auch in der dritten Lesung ab. Wir sind überzeugt, daß die Zukunft uns recht geben wird. Wir halten das SchiffährtSabgabengesetz für geeignet, das Ansehen Deutschlands in der Welt zu schädigen. Vor wenigen Wochen erst. bei der Marokkodebatte, ist das politische Elend Deutsch- lands offenbar geworden, die Ohnmacht der deutschen Volksvertretung im Vergleich zu der Macht der Parlamente in Paris und London. Heute wird die wirtschaftliche Rückständig- k e i t Deutschlands gezeigt. In den Weststaaten kennt man SchiffahrtSabgaben nicht, wir in Deutschland wollen auS der Rumpelkammer der Vergangenheit wieder die alten Binnenzölle unter neuem Namen herausholen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) kleines feuiUeton. Nm einen Pfennig. In der..Köln. Ztg." lesen wir: Man liest ab und zu, daß besonders gewissenhafte Staatsbehörden Geldbeträge von ö, 3, vielleicht auch 2 Pf., die zu Unrecht erhoben worden sind, dem Berechtigten durch besondere Boten mit der Post zustellen ließen, wobei sich in der Regel die Bemerkung daran knüpft, daß bei einer weniger bureaukratischen Geschäftsbehandlung Rück- crstattungen derart geringer Beträge nicht vorkommen würden. Ganz vereinzelt dürfte aber der kürzlich vorgekommene Fall sein, daß eine Gemeindebehörde von der Staatsbehörde eine Steuer von 1 Pf.(einen ganzen Pfennig) erhebt. Durch die Art der Erhebung wird der Fall noch interessanter. Ein süddeutscher, etwa 20 Minuten von der Bahn entfernter Ort, hat von der staat- lichen Eisenbahnvcrwaltung Einkommensteuer anzusprechen. Das Bürgermeisteramt schickt nun der zur Einreichung der Steuer zu- ständigen staatlichen Eisenbahnbehörde einen Steuerzettel, wonach an Gemeindceinlommcnsteuer für das laufende Steuerjahr 1 Pf. zu entrichten ist. Die Versendung des Steuerzettels an die Eisen- bahnbehörde kostet 10 Pf. Porto. Die Eisenbahnbehörde schickt nun den Stcuerzettcl zur Prüfung an die Eisenbahndirektion, von der er mit Prüfungfvermerk versehen zurückkommt. Elftere Behörde trägt den Steuerzettel in ein Verzeichnis ein und beauftragt mittels einer Anweisungsverfügung die Kasse der nächstgelegenen Eisen- bahnstation mit der Zahlung und Verausgabung bei Z... Die Eisenbahnkasse schickt den Pfennig durch den Amtsdiencr an das Ortssteueramt. das für den Empfang bescheinigt. Vielleicht gelang eS auch, den Ortssteuerbeamten auf dem Bahnhof zu erwischen und ihm den Pfennig einzuhändigen, vielleicht konnte der Amts- dicner die Steuer gelegentlich eines anderen Gangs entrichten, vielleicht mußte er auch einen besonderen Gang machen, da die Steuer für den und den Monat verrechnet werden muß. Damit ist aber der Pfennig noch nicht vollständig untergebracht; die Eisen- bahnkasse muß ihn in ihrem Kassenbuch verausgaben und in die monatliche Amtsrechnung eintragen. Die Amtsrechung geht an das Revisionsamt der Eiscnbahndirektion, wo die Einnahmen und Ausgaben der Eisenbahnstationen paragraphenweise in eine Ueber- ficht aufgenommen werden. Erst nachdem der Pfennig bei den anderen Ausgaben für Steuern versammelt ist, kann der Fall als vollständig erledigt betrachtet werden. Doch nein, der Beamte, der die Amtsrechnung prüft, beschäftigt sich auch noch mit ihm. Er überzeugt sich, daß der Pfennig richtig vom Steuerzettel in die Amtsrechnung, und zwar bei dem richtigen Paragraphen eingetragen wurde und bestätigt die vorgenommene Prüfung durch ein roten—. Eine Ausstellung„Stätten der Arbeit". Eine eigenartige Idee liegt dem Plan einer Ausstellung zugrunde, die unter dem Titel „Stätten der Arbeit" zunächst im März 1912 in Dresden in der Galerie Ernst Arnold eröffnet werden und dann eine längere Tournee durch Deutschland antreten soll, wobei sie besonders in Eilen sich einer Ausstellung„Die Industrie in der bildenden Wir sind auch überzeugt, daß da? SchiffahrtSabgaben- gefetz die internationale Macht st ellung des Reiches schädigt. Durch die„geniale" Politik der deutschen Reichs- regierung ist unser Verhältnis zu England und Frankreich mit jedem Tage„korrekter" geworden und unser intimes Verhältnis zu Italien schreit geradezu nach Scheidung. Das einzige größere Land, das uns zur Seite steht, ist Oesterreich, das durch diese Vorlage jetzt anfs neue verstimmt werden soll.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Was nach Jahrzehnten noch keinem österreichischen Staatsmann gelungen ist, die Einigung der österreichischen Parteien und Nationalitäten, das ist jetzt dem deutschen Reichskanzler gelungen. In Wien ist eine Interpellation eingebracht gegen den Plan Deutschlands, die Bestimmungen des Elb- schiffahrlsvertrageS zu ändern, und alle Teile der Volks- Vertretung sind mit der Negierung einig in der Ablehnung dieses Planes.(Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten.) Das muß doch auch eine Rückwirkung haben aus die Beziehungen der beiden Länder. Ich glaube, durch das Gesetz, das wir heute machen wollen, wird den Feinden Deutschlands in Oesterreich eine willkommene Waffe in die Hand gegeben.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Auch Deutschlands Beziehungen zu denkleinen Staaten werden gefährdet. Durch unsere Kongopolitik sieht Belgien aus, wie ein aufgestörter Bienenkorb. Das Miß- trauen gegen Deutschland ist im Wachsen, die Presse hetzt tagtäglich gegen Deutschland. Jetzt sind wir im Begriff, auch das Nachbarland Belgiens, die Niederlande, gegen Deutschland in Harnisch zu bringen. Man glaubt dort, Deutschland will sein Schwergewicht benutzen. um Holland zu zwingen, auf seine Rechte zu verzichten. Das soll nach derselben Methode ge- schehen, wir man die süddeutschen Staaten dazu gebracht hat, „freiwillig" den SchiffahrtSabgaben zuzustimmen. Wir sind vcr- pflichtet, heute schon dagegen Protest zu erheben, daß die Beziehungen Deutschlands und der Niederlande in Frage gestellt werden, um dieses Gesetz zustande zu bringen. Es ist geradezu unverantwortlich, daß Deutschland, um vielleicht im preußischen Landtage ein paar Millionen im Etat zu sparen, seine Stellung in der Welt derart schädigt.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch nach innen ist die Vorlage nicht eine Stärkung des Reichsgedankens, sondern des Partikularismus. Man be- trachtet die Borlage als eine Kriegserklärung des Norden? gegen den Süden, man hat die M a i n l i n i e neu entdeckt. AuS dem Geist de? Par- tikularismus erklärt es sich auch, daß Sie die wichtigste deutsche Wasserstraße nicht ausbauen wollen, daß Sie die Mosel» und Saarkanalisation unterlassen. Die Vorlage wird die Empörung der breiten Volks» massen wecken, weil sie verteuernd auf die Lebensmittel wirken wird. Statt einer Oeffnung der Grenzen für Fleisch, bringen Sie jetzt eine Verteuerung des Brotgetreides.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Daß die Konservativen davon entzückt sind, versteht sich von selbst. Die Lorlage ist Geist von ihrem Geist und eS war symbolisch, daß ein aller Kanalgeguer, der Abg. W i n ck l e r, es war. der bei der zweiten Lesung einen Triumphgesang über diese Vorlage anstimmte. Das Zentrum war eine Zeitlang schwankend; in den süd- deutschen Landtagen und Bürgerausschüssen hatte es den Anschein erweckt, als ob es mit der Linken zusammen die SchiffahrtSabgaben ablehnt. Jetzt ist eS umgefallen bis auf eine Säule, den Abg. Birk- meyer.(Zuruf im Zentrum: Auch diese Säule stürzt I> Um diesen Rückzug zu decken, greift das Zentrum die Parteien und Abgeordneten an, die gegen die Schiffahrtsabgaben sprechen und behauptet, es sei bei dem Wahlkampf in Konstanz nicht wegen seiner Haltung zu den Schiffahrtsabgaben, sondern nur durch Lügen und Verleum- düngen seiner Gegner unterlegen. Wegen des losen Zusammenhangs der Konstanzer Wahl mit den Schiffahrtsabgaben will ich nicht näher darauf eingehen, sondern nur bemerken, daß das Zentrum in seiner Verzweiflung jetzt in Konstanz verbreitet, daß die Mannheimer Handelskammer eine Gegnerin der Schiffbarmachung des Oberrheins sei. Aber diese Lüge hat kurze Beine. Das Gegenteil ist festgestellt. Weiter hat die Zentrumspartei die verleumderische Behauptung auf- gestellt, daß die sozialdemokratische Partei sich in Konstanz ihre Wahlkosten von den Liberalen habe zahlen lassen. Auch diese Lüge ist sofort an zuständiger Stelle berichtigt worden.(Vizepräsident Dr. Spahn: Ich bitte Sie, zur Sache zu kommen!) Gewiß sind die Wahlkosten nicht durch die Kunst", die aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums der Krupp- schen Gutzstahlfabrik im Kunstmuseum der Stadt veranstaltet wird, angliedern wird. In der Welt der Hochöfen, in den Häfen und auf den Lagerplätzen hat der bildende Künstler unserer Tage dank- bare Motive für sein Schaffen gefunden, und die Ausstellung soll zeigen, welchen Einfluß die Stätten der Arbeit auf die moderne Kunst gewonnen haben und wie umgekehrt die künstlerische Schöpferkraft die Schönheit dieser neuen Motive als Ausdruck für den Geist unseres Jahrhunderts erkannt hat. Das Programm ist so weit als möglich gefaßt; alle Gebiete der bildenden Kunst außer der Architektur sind einbezogen, und die Beteiligung soll sich nicht allein auf Deutschland beschränken. Das Amt der Jury für die Einsendungen haben Mitglieder verschiedener Künstlergruppen, darunter auch der Münchener und Berliner Sezession, der Direktor der Dresdener Gemäldegalerie u. a. übernommen. Batcrlandslose. Die Pariser Wochenschrift„Opinion" veröffent- licht eine Statistik der Ignoranz, die in einem französischen Regiment mittels einer Prüfung der jungen Soldaten aufgestellt worden ist, und die klerikale Preffe glaubt in ihrem Ergebnis ein Argument gegen die weltliche Volksschule zu finden. Von SO Soldaten, die mindestens fünf Jahre die Schule besucht hatten, haben 11 keine Ahnung von Napoleon gehabt, 12 wußten nicht, was Elsaß-Lothringen, 9 nicht, daß 1870 ein Krieg gewesen sei, 17 kannten Bismarck nicht und 4 hielten ihn für einen Franzosen, 6 wußten nicht, was sie sich unter dem„Vaterland" vorzustellen halten und 0 hatten keine Ant- wort auf die Frage, was die Fahne sei. Davon, daß eS 1789 eine große Revolution gegeben habe, wußten 25— also die volle Hälfte— nichts. Diese Resultate beweisen sicher, wie wenig die pomphaften Redensarten der Bourgoisrcpublikaner über die Ideale und Ergebnisse der Volksverziehung bedeuten; aber sie zeigen nicht minder deutlich, welcher Schwindel sich hinter den patriotischen Phrasen verbirgt, die den freigeistigen und den klerikalen Bourgeois gemeinsam sind. Da schreiben die Zei- tmigen jeden Tag, die„Nation" sei über diese oder jene Bagatelle, die sich in Afrika zugetragen hat,„erregt", Minister halten tönende Ansprachen über die Bereilschast des ganzen Volkes, unter die Fahnen zu eilen, und nun stellt sich hcralis, daß so und so viele Soldaten dank der herrlichen Fürsorge, die das„Vaterland" für sie gehabt hat. nicht einmal die Existenz dieser liebevolle» Mutter kennen. lind das gilt, wie ähnliche Proben anderswo bewiesen haben, nicht für Frankreich allein. Es scheint wirklich nicht, als ob in den bürger- lichen Staaten die heimische Kultur so groß wäre, daß sie den Export in einer abenteuernden Expansionspolitik notwendig machte. Ein verblichener Stern. AuS Paris wird berichtet: In einer kahlen Kammer der Passage Aeaux-Arts haust eine ehe- malige Berühmtheit, nun ein Gestrandeter. Er nagt am Hunger- tuche. weil man ihn nicht hungern läßt. Dies klingt wie ein tolles Paradoxon und ist doch nur traurige Wahrheit. Der arme Teufel in der kahlen Kammer ist S u c c i, der Hungerkünstler, der einst die ganze Welt bereiste und durch sein Fasten ein hübsches Stück Geld verdiente. Doch man ward seiner müde, nur das Neueste Schiffahrtsabgaben aufgebracht(Heiterkeit), ich bin auch nur darauf eingegangen, nachdem das Zentrum seine Stellung � zur Vorlage durch die Hineinziehung der Konstanzer Wahl zu kaschieren versucht hat, um die vom Zentrum verbreiteten Wahllügen zurückzuweisci!. Ich stelle fest, daß die Sozialdemokratie, die allein als geschlossene Fraktion den Schiffahrtsabgaben Opposition macht, damit aufs neue bewiesen hat. daß sie die wahre und aufrichtige Freundin der Verkehrsfreiheit ist.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bareuhorst(Rp.): Ich will mich nicht wie der Vorredner auf das hohe Rotz der auswärtigen Politik schwingen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das verstehen Sie auch nicht! Heiterkeit.) Ich bitte Sie nur einer von mir eingebrachten Resolution zuzu- stimmen, wodurch die Regierung aufgefordert wird, bei Durchführung der Strontregulierung die Interessen der heimischen Fischerei ge- nügeiid zu wahren. Minister v. Breitenbach: Das hat die Regierung bisher getan und wird es auch in Zukunft tun. Abg. Ocscr(Vp.): Die Mehrheit meiner Freunde lehnt die Vor- läge nach wie vor ab. Wir verzichten darauf, neue Antrage ein- zubringen, weil sie doch aussichtslos sind. Das Gesetz ist durchaus unvollkommen; es bringt als Ersatz der Aufhebung der Abgaben- freiheit keine greifbaren Vorteile. Der größte Mangel ist die Nichtaufnahme der Mosel- und Saarkanalisierung infolge deS Wider- staudes Preußens. Damit schließt die Generaldebatte. In der Spczialdebatte werden die einzelnen Artikel und Para- graphen mit großer Mehrheit angenommen, desgleichen in der G e s a m t a b st i m m u n g d a S ganze Gesetz. Für dasselbe stimmen von den Fortschrittlern die württembergischen Abgeordneten Hautzmann, Payer und Naumann. Sodann wird in der zweiten Lesung der Privatbeamtenversicherung fortgefahren. § 10 bestimmt, daß versicherungsfrei sind: 1. Reichs-, Staats-, Gemeindebeamte, Geistliche, Lehrer an öffentlichen Schulen, vorläufig beschäftigte Beamte und Geistliche, 2. Angestellte in Eisenbahn-, Post- und Telegraphenbetrieben des Reichs oder der Bmidesstaaten, die Aussicht auf Uebernahme in das Beamten- Verhältnis und Anwartschaft auf eine ausreichende Invaliden- und Hinterbliebenenrente haben, 3. Personen des SoldatenstandeS, die eine versicherungspflichtige Tätigkeit im Dienst oder während der Vor- bereitung zu einer bürgerlichen Beschäftigung ausüben, 4. Personen, die während ihrer wissenschaftlichen Vorbereitung Privatstundcn erteilen, 5. Aerzte, Zahnärzte und Tierärzte. Abg. Dr. Schultz(Rp.) beantragt, in Ziffer 6 einzufügen„Rechts- anwälte", d. h. also die Rechtsanwälte von der Versicherung auS- zuschließen. Abg. Hormann(Vp.)(schwer verständlich) scheint Sicherheit da- gegen zu verlangen, daß die Rechtsanwälte zu Beiträgen heran- gezogen werden, ohne Vorteile dafür zu erhalten. Abg. Roth(Wirtsch. Vg.) tritt für den Antrag Schultz ein. Ministerialdirektor Caspar bezeichnet den Antrag als überflüssig, da Recbtsanwälte sicherlich nicht unter das Gesetz fallen, worauf auf eine Aufforderung des Abg. Haußmann(Forlschr. Vp.) Abg. Dr. Schultz(Rp.) den Antrag, als nunmehr gegenstandslos ge- worden, zurückzieht. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Wir beantragen zwei Abänderungen des 8 19. Erstens bg- antragen wir in Ziffer 1, der die Beamten, Geistlichen und Lehrer versicherungsfrei läßt, das Wort„vorläufig" zu streichen. Es kommt manchmal vor. daß Lehrer— akademisch und seminaristisch vor- gebildete— wegen nicht genügend taklfester Gesundheit nach vor- läufiger Beschäftigung im Staatsdienst keine definitive Anstellung im Staals- oder Gemeindedienst erhalten und daher genötigt sind, Stellen etwa an Privatschulen anzunehmen. Es wäre eine unbillige Härle, diese meist doch nicht auf Rosen gebetteten Leute der Wohl- taten der Versiwerung zu berauben, um dem Staat oder der Gemeinde Beiträge zu sparen. Ziffer 2 bezeichnet als versicherungsfrei Angestellte in Eisenbahn-, Post- und Tclegraphenbetrieben, die Aussicht auf Uebernahme in das Beamtenverhältnis und Anwartschaft auf eine genügende Invaliden- und Hinterbliebenenrente haben. Hier beantragen wir, die Worte „Aussicht auf Uebernahme in das Veamtenverhaltnis" zu streichen. Dieser unser Antrag bewegt sich in der gleichen Richtung, wie der. den ich eben begründet habe. Auch hier können wir eS mir miß- billigen, wenn die Aussicht auf Uebernahme in das Beamten- Verhältnis genügen soll, um den Betreffenden von der Versicherung und Sensationelle ist in der Welt der Artisten beständig. Seit Jahren fand Succi kein Engagement mehr. In seiner Not dachte er an Paris, wo er im Jahre 1836 Triumphe gefeiert. Damals sah er im Grand Palais ganz Paris vorbeidefilieren; noch größere Erfolge hatte er in Trohes, woselbst er sich auf einige Tage lebendig Hegraben ließ; hierauf in Nauen, wo er achtzig Stunden lang auf einer Säule unbeweglich aufrecht verharrte und so das Wunder des heiligen Simeon erneuerte. Seine letzte Hoffnung beim Sonnenuntergang seines Ruhmes sollte nicht ganz getäuscht werden; von einem Vergnügungsetablissement des Montmartre erhielt er einen ziemlich günstigen Engagementsantrag. Aber die Polizei verbot sein Auftreten: es sei ein unmoralisches Schauspiel, einen Menschen leiden zu sehen. Alle Proteste des armen Succi halfen nichts, und er, der während der Zeit seiner Produktionen durch 1646 Tage hindurch hungerte— mehr als vier Jahre!—, sieht sich des Rechtes auf weiteres Hungern verwehrt und muß nun betteln, um nicht Hungers zu sterben! Lebendiges Strandgut der Weltstadt...._ Notizen. — Musikchronik. Im nächsten„PopulärenLieder'» Konzert, das am Sonntagnachmittag 4� Uhr im Blüthner- s a a l stattfindet, wirken mit: Marianne Geyer(Lieder zur Laute). Marie Fuchs(Volkslieder), Robert Koppel(Lausbubengeschichten und Gesänge). Gustav Lazarus(Improvisationen am Klavier). — Vorträge. Auf Veranlassung der Berliner Freien Studentenschaft spricht am Sonnabend um 8'/� Uhr Professor O st w a l d im Dorotheenstädtischen Realgymnasium(Georgenstr. 30/31) über: «Wesen und Ziele des Monismus". — Die Volksvorstellungen der Engagements- losen. Friedrich Holthaus, dem früheren Vizepräsidenten der Genossenscbaft, ist vom Polizeipräsidium die Erlaubnis erteilt worden, mit a ch t Ensembles, von denen jedes bis zu 12 Mitgliedern zählen darf, Vorstellungen von Schauspielen, Lustspielen, Possen und Schwänken zu geben. Auch die B a u p o l i z e i hat ihr Entgegen- kommen bewiesen und 10 Säle freigegeben, in denen von heute an bis zum 15. Dez. und wieder vom 25. Dez. bis 31. März 1912 ge- spielt werden darf. Die ersten Vorstellungen werden wohl schon Anfang Dezember stattfinden können. — Wenn der Vorhang fällt... Das Schauspiel Peter FehrS Model l)e von Johannes Tralow, das selbst von einem Hoftheater angenommen ist. wurde aus sittenpolizeilichen Gründen von der Zensur in D a n z i g verboten. Nunmehr liegt die Entscheidung deS Regierungspräsidenten auf die Beschwerde dcr Direklion vor. Das Verbot erfolgte danach, weil„beim Fallen des Vorhanges"(im zweiten Akt) keiner dcr Zuschauer darüber im Zweifel sein kann, welcher weitere Vorgang verschleiert werden soll. Es ist dies wohl das erste Mal, daß ein Stück verboten wird, nicht weil das auf der Bühne Dargestellte anstößig wirkt, sondern weil das Nichtdargestellte verletzt. Di« Polizei hat hi« zweifellos den Grundsatz besofct: Gedanken sind zollfrei, daher za verbieten. auszuschließen, nur um dem Reich oder dein Staat Beiträge zu sparen. �Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Potthoff(Bp.): Der sozialdemokratische Antrag in dieser Form ist unannehmbar; seine Annahme würde einfach den§ IV gegenstandslos»lachen. Um so entschiedener müssen wir aber an dem Grundsatz festhalten, daß alle auf Kündigung im Staatsdienst beschäftigten Personen der Nngestelltenversicherung unterliegen, zu- mal solche Leute bei der sozialpolitische» Haltung unserer Regierung, ihrer Sozialistenschnüffelei usw. in der steten Gefahr der Entlassung schweben. Desto nötiger ist eS, ihnen die Wohltaten der Angestellten- Versicherung zu sichern. Ministerialdirektor Caspar wendet sich gegen die sozialdemo- kratischen Anträge, erkennt im Prinzip an, daß die auf Kündigung im Staatsdienst beschäftigten Personen ein Anrecht auf die Ein- beziehung in die Angeste'lltenversicherung haben, scheint aber, im einzelnen nicht verständlich, allerhand Einschränkungen zu machen, über die Abg. Dr. Strescmann(natl.) sein Mißfallen ausspricht. Abg. Molkenbuhr sSoz.): Die Ausführungen des Ministerialdirektors zeigen, wie nötig die Annahme unserer Anträge ist. Die Anträge A l b r e ch t werden abgelehnt;§ IV wird in der KoniinissionSfafsung angenommen, desgleichen die folgenden Paragraphen. Nach Z 1ö können diejenigen, die sich freiwillig weiter versichern, wenn sie 12V Beitragsmonate zurückgelegt haben, die bis dahin er- wordene Anwartschaft durch Zahlung einer Anerkennungsgebühr er- halten. Ein Antrag A l b r e ch t sSoz.) will statt„12V" setzen„KV". Abg. Sachse sSoz.): Das Gesetz enthält einige Bestimmungen, die besser sind als die Reichsversicherungsordnung. Andere sind aber schlechter und selbst schlechter als entsprechende Bestimmungen rückständiger Knappschafts- kasscn. Die Möglichkeit der freiwilligen Weiterversicherung nach sechs Beitragsmonaten ist günstig. Aber die weitere Bestimmung steht hinter denen der Knappschaftskassen zurück und unser Antrag will hier dieselbe Frist einfügen, wie sie bei jenen Kassen besteht. Geheimrat Beckmann wendet sich gegen eine solche Einschränkung der Wartezeit. Der Autrag wird abgelehnt. Nach§ 18a kann der Versicherte bis zum vollendeten 2ö. Lebens- jähre in eine höhere Gehaltsklasse, als seinem JahreSarbeitSverdienst entspricht, übertreten. Ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) will statt des 23. das 4V. Lebensjahr als Grenze festlegen. Abg. Hoch sSoz.): Man sollte bei der Begrenzung deS Alters für die Höchstver- sicherung nicht zu engherzig sein, sondern den Angestellten ermög- lichen, auch noch nach dem 25. Lebensjahr seiner Familie eine höhere Hinterbliebenenrente zu sichern. Mit 25 Jahren werden die An- gestellten meist noch recht geringe Gehälter beziehen und ein Miß- brauch ist bei der Heraufsetzung der Grenze auf daS 40. Jahr nicht zu befürchten. Ferner möchte ich anfragen, ob ein Angestellter, der in eine neue Stellung mit niedrigerem Gehalt kommt, dann das Recht hat, sich in einer niedrigeren Klasse zu versichern. Abg. Dr. Potthoff sVp.): Das halte ich für ganz selbstverständ lich.— Der Antrag Albrecht ist uns sympathisch, aber wir fürchten der Bersicherungsmathematiker wird erklären, daß dann eine wesent- liche Erhöhung der Beiträge notwendig wäre und wir wollen an den festgelegten Beiträgen festhalten. Sehr wichtig wäre es, den Versicherungspflichtigen bis zu 30VV M. Einkommen durchweg das Recht der freiwilligen Versicherung nach der Reichsversicherungsordnung zu geben. Geheimrat Beckmann: Durch Annahme deS Antrages Albrecht würden sich die Risiken bedeutend erhöhen, da die Angestellten viel- fach erst nach dem 23. Jahre heiraten und wenn sie zahlreiche Kinder haben, einen erhöhten Reiz zur Höherversicherung haben. Die not tvendige Konsequenz wäre also eine Erhöhung der Beiträge. Ter Antrag Albrecht wird abgelehnt. § 24 handelt vom Ruhegehalt. z. Hoch(Soz.) k Dieser Paragraph enthält einige Verbesserungen. So ist der Bcgrfff der Berufsunfähigkcit hier aufgenommen und ferner be stimmt, daß das Ruhegeld nach dem vollendeten 65. Lebensjahr gewährt werden soll. Bei der Reich sversicherungsord- n u n g ist ein entsprechender Antrag auf Gewährung der Alters- rente nach Vollendung des 65. Lebensjahres bekanntlich abgelehnt worden. Man hat uns in der damals entstandenen sehr umfang reichen Debatte entgegengehalten, daß wir auf unserem Parteitag 1905 selbst gegen die Herabsetzung der Grenze für den Bezug der Altersrente von 7v auf 65 Jahre Stellung genommen hätten, und mein Parteigenosse Molkenbuhr hat gegenüber diesen Angriffen eingehend dargelegt, weshalb wir mit Rücksicht auf die inzwischen völlig veränderten Verhältnisse seit 1905 unseren Stasidpunkt hätten ändern müssen. Das ist für jeden ehrlichen und aufrichtigen Men scheu durchaus verständlich. Aber wir haben auch andere Gegner, die offenbaren Schwindel im Lande verbreiten. So wird in einer Schrift, die mir vorliegt, gesagt, die Sozialdemokraten hätten 1905 auf ihrem Parteitage ausdrücklich erklärt, sie seien gegen eine Ge- Währung der Altersrente mit 65 Jahren. Es wird aber unter schlagen, daß Molkenbuhr die Gründe für unsere spätere, abwei- chende Haltung ausführlich dargelegt hat. Ja, es wird im Gegen- teil behauptet, daß sich die Voraussetzungen nicht im geringsten geändert hätten und daß die' Sozialdemokraten nur aus demagogi sehen Gründen jetzt die Herabsetzung der Altersgrenze gefordert hätten. Was Molkenbuhr ausgeführt hatte, wird nicht nur unter- schlagen, sondern gefälscht und es wird uns elendeste Heuchelei und Volksbetrug vorgeworfen. Diese Beschimpfungen sind rein aus den Fingern gesogen. Der Verfasser dieser Schrfft, die in dieser schamlosen und gewissenlosen Weise gegen uns vorgeht, ist der Abg. Behrens.(Lebhaftes Hörtk hört! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Schultz: Sie dürfen auch in dieser Form nicht solche Ausdrücke gegen einen Abgeordneten gebrauchen. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Es handelt sich um eine Schrift, die der sozialdemokratischen Agitation im Lande entgegentreten soll. Es ist wörtlich zitiert, was Molkenbuhr auf dem Parteitag 1905 in Jena ausgeführt hatte und dann darauf hingewiesen, daß sich während der Zeit in den Verhältnissen nichts geändert hätte. Schließlich ist dann gesagt, daß, wenn die Sozialdemokratie jetzt den bürgerlichen Parteien, die sich niemals gegen eine Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre erklärt und nur aus Zweckmäßig- keitsgründcn, um das Gesetz zustande zu bringen, diese Herabsetzung abgelehnt hätten, deshalb die schwersten Vorwürfe draußen im Lande mache, das nichts weiter sei als Volksbetrug und Doppel- züngigkeit.(Bravo! rechts.) Abg. Hoch(Soz.): Der Abg. Behrens hat lediglich bestätigt, waS ich gesagt habe. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Ich beantragte Schluß der Debatte. Diese elenden Zänkereien zwischen den Arbeitersekretärcn halten die Beratung dieses wichtigen Gesetzes nur auf. Der Schlußantrag wird gegen die Stimmen der Frei- sinnigen abgelehnt. Abg. Behrens wiederholt unter dem lebhaften Beifall der Rechten seine vorherigen Ausführungen nochmals. Ich habe die Angriffe außerhalb des Hauses erhoben, mögen mich die Herren vor den Richter zitieren. Damit schließt die Debatte. § 24 wird angenommen, ebenso eine Reihe weiterer Paragraphen. 8 47 setzt die Wartezeit beim Ruhegeld für männliche Ver- sicherte auf 120, für weibliche auf 60 Beitragsmonate fest, und bei K«r Hinterbliebenenrente auf 120 Beitragsmonate. Bei weniger als 60 nachgewiesenen Beitragsmonaten wird die Wartezeit in allen Fällen auf 150 Beitragsmonate erhöht. Ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) will beim Ruhegeld die Warte- zeit auf 48, bei der Hinterbliebenenrente auf 60 Beitragsmonate herabsetzen. Ein Antrag Schultz(Rp.) will bei weniger als 60 nachgewiesenen Beitragsmonaten die Wartezeit beim Ruhegeld für weibliche Ver- sicherte nur auf 90 Beitragsmonate erhöhen. Abg. Sachse(Soz.): Eine so lange Wartezeit, wie sie hier vorgeschrieben wird, haben nicht einmal die reaktionären Knappschaftskassen. Wir be- antragen eine Herabsetzung der Wartezeit; freilich müssen dann die Beiträge eventuell etwas erhöht werden. Aber es ist immer besser, in gesunden Tagen etwas mehr zu zahlen und dafür nicht eine so lange Wartezeit zu haben. Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Für die sozialdemokratischen Anträge können wir nicht stimmen, da sie eine wesentliche Erhöhung der Beiträge bedingen. Für den Antrag Schultz werden wir dagegen stimmen, weil er den weiblichen Versicherten im Falle der Heirat entgegenkommt. Geheimrat Beckmann bittet alle AbänderungSanträge abzu- lehnen, da sie eine Mehrleistung bedeuten und damit eine Beitrags- erhöhung bedingen. Abg. Hue(Soz.): In der Berggesetzgebung ist den Knappschaftsvereinen eine Karenzzeit von 5 Jahren vorgeschrieben; damit steht es in Wider- spruch, wenn wir hier eine 10jährige Karenzzeit einführen. Ter Antrag A l b r e ch t wird abgelehnt, der Antrag Schultz wird angenommen. 8 49 läßt die erloschene Anwartschast wieder aufleben, wenn der Versicherte innerhalb des dem Kalenderjahr der Fälligkeit der Bei- tröge oder der Anerkennungsgebühr folgenden Kalenderjahres die rückständigen Beträge nachzahlt. Ein Autrag Albrccht(Soz.) will hinzufügen:„oder wenn er nach dem Eintritt in eine versicherungspflichtige Beschäftigung die Wartezeit zurückgelegt hat". Ein Antrag Schultz(Rp.) will der Reichsversicherungsanstalt das Recht geben, die rückständigen Beiträge zu stunden. Spätere Pflicht- beiträge können auf die gestundeten angerechnet werden, wodurch die Anwartschaft wieder auflebt. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Ein völliger Verlust der Anrechte, die durch Beitragszahlung erworben werden, ist nicht einmal bei privaten Versicherungen möglich, sie müssen einen Teil der Beiträge im Falle des Erlöschens der Versicherung zurückzahlen. Auch bei der Reichsversicherungs- ordnung ist ein Wiederaufleben der Versicherung möglich. Dasselbe muß auch hier der Fall sein. Der Antrag Schultz will ja etwas AehnlicheS, trifft aber den Kernpunkt nicht. Falls unser Antrag ab- gelehnt wird, werden wir allerdings für den Antrag Schultz stimmen. Geheimrat Beckmann bittet, den Antrag Schultz anzunehmen. Abg. Dr. Potthoff(Vp.) schließt sich den Ausführungen deS Vor redners an. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt, der Antrag Schultz und mit ihm 8 49 wird angenommen. 8 54 setzt das Ruhegeld nach 120 Beitragsmonaten auf ein Viertel der in dieser Zeit entrichteten Beiträge und ein Achtel der übrigen Beiträge fest. Ein Antrag Albrecht(Soz.) will, daß daS Ruhegeld aus einem Gruudbetrag und aus Steigerungssätzen besteht; der Grundbetrag soll stets nach 120 Beitragsmonaten berechnet werden. Sind weniger nachgewiesen, so soll für die fehlenden die niedrigste Gehaltsklasse gelte», sind es mehr, so sollen die überzähligen Beiträge der niedrigsten Gebaltsklassen ausscheiden. Für jeden Beitragsmonat soll in den 9 verschiedenen GehaltSmonaten Sätze von 0.30 bis 4,40 M. angesetzt werden, die Steigerungssätze sollen 0,10 biS 2,20 M. betragen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Die Renten, die gegeben werden, sind sehr niedrig; hat der Versicherte vierzig Jahre lang Beiträge gezahlt, so bekommt er kaum mehr, als die Zinsen seiner Beiträge, und seine Witwe erhält sogar weniger als die Zinsen der Beiträge. Da niemand aus dieser Versicherung austreten kann, so müßte ihm auch alles das gewährt werden, was auf Grund der Beiträge geleistet werden kann. Bei den Sätzen der Vorlage ist es möglich, daß jemand bei denselben Beiträgen bei denen ein anderer 798 M. Rente erhält, nur 477 M. bekommt. Wir schlagen die Regelung der Renten in einer solchen Weise vor. daß bei gleichen Bei- trägen möglichst gleiche Renten gezahlt werden und wenigstens nicht derartige Differenzen sich ergeben. Geheimrat Beckmann bittet, den sozialdemokratischen Antrag abzulehnen. Abg. Molkenbuhr(Soz.) bleibt dabei, daß die im Gesetz vor- gesehene Regelung ungemein große Ungerechtigkeiten mit sich bringe, die durch den sozialdemokratischen Antrag beseitigt werden. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. 8 56 regelt die Hinterbliebenenrenten. Danach sollen die Wilwen- und Witwerrenten>,'5 deS Ruhegeldes des Ernährers betragen, die Waisenrenten'/s. Doppelwaisenrenten Vz der Witwenrente. Die Abgg. Albrecht(Soz.) und Genossen beantragen, daß die Rente für erwerbsunfähige Witwen und Witwer%, für die andern 2� hx« Ruhegeldes des Ernährers betragen soll. Der Antrag wird ohne Debatte abgelehnt. 8 69 sieht vor, daß Witwen- und Waisenrenten bei Wegfall der Bedürftigkeit deS Empfängers vom Rentenausschuß zu entziehen find. Ein Antrag Schultz(Rp.) will die Entziehung von Waisen- r e n t e n ausschließen. Der Antrag wird angenommen. 8 70 lautet: Ein Bescheid, der das Ruhegeld oder die Rente entzieht, wird mit Ablauf des Monats wirksam in dem er zugestellt worden ist. Die Abgg. Albrecht(Soz.) und Genossen beantragen, nach„des" einzufügen:„auf die Zustellung folgenden" und die Worte nach „wirksam" zu streichen. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Der Antrag will hier denselben Zustand einführen, wie er in der Reichsversicherungsordnung besteht; das entspricht wohl der Billigkeit. Der Antrag wird abgelehnt. Nach 8'6 ruht die Rente neben Renten der reichsgesetzlichen Arbeilerversicherung und neben Gehalt, Lohn oder sonstigem Ein- kommen aus gewinnbringender Beschäftigung, wenn sämtliche Be- züge den Jahresarbeitsverdienst übersteigen. Ein Antrag Schultz(Rp.) will statt„sonstigem Einkommen au! gewinnbringender Beschäftigung" setzen:„Entgelt". Abg. Schmidt-Berlin(Soz.) bittet, den Antrag doch zu begründen; nach dem Wortlaute scheine es, daß selbständige Gciverbctrcibende und Beamten besser ge- stellt werden, als Angestellte. Wenn das beabsichtigt sei, so müsse doch ein Grund dafür angegeben werden. Abg. Schickert(k.) bestreitet, daß die Auffassung Schmidts zu- treffe. Abg. Dr. Potthost(Vp.) schließt sich der Auffassung Schmidts an. Abg. Erzbergrr(Z.): Die Erklärung des Abg. Schickert ist nicht eine der Regierung; Schmidt hat in der Tat recht, daß hier die Angestellten schlechter behandelt werden als die Selbständigen, was wir aber nicht wollen. Abg. Dr. Strescmann(natl.) schließt sich diesen Ausführungen an. Wenn aber der Antrag Schultz abgelehnt wird, so bleibt die Kommissionsfassung bestehen, die noch schlechter ist; deshalb sollte man den Antrag Schultz jetzt annehmen und die dadurch ge- schaffene Disparität zwischen Angestellten und Selbständigen bis zur dritten Lesung besestige»� Der Antrag Schultz wird angenommen. 8 97 bezeichnet als„Träger der Versicherung, soweit diese? Gesetz nichts anderes bestimmt, die in Berlin zu errichtend- Reichsversicherungsanstalt für Angestellte". Abg. Erzbcrgcr(Z.) spricht sich gegen Berlin aus. Mi- nisterialdireltor Caspar dafür. Nach unwesentlicher Debatte wird 8 97 angenommen. 8 193 bestimmt, daß die beamteten Mitglieder des Di- r e k t 0 r i u m s t>er Rcichsversicherungsanstalt die Rechte und Pflichten der Reichsbeamteu haben. Ihre Besoldungen, Pensionen usw. trägt die Reichsversicherungsanstalt. Der Besoldungs- und Pensionsetat wird jährlich vom Bundesrat auf Antrag des Reichs- kanzlers festgesetzt. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wir beantragen eine völlige Umgestaltung des Paragraphen. Wir schlagen vor, daß der B e r w a l t u n g s r a t die Besoldungen und Pensionen Jestsetzt. Der Abg. Schultz beantragt, daß mindestens ein Drittel der Stellen inil Militäraiiwärtern zu besetzen sind. Gerade in bezug auf diesen Antrag beantragen wir unsererseits die Einfügung eines Absatzes, daß für Inhaber des Zivilversorgungsscheines, d. h. also für Militäranwärter, kein Vorrecht bei der Stellenbesetzung vor- geschrieben werden darf. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt, dagegen der Antrag Schultz angenommen. Der so erweiterte 8 193 wird a n- genommen. 8 109 handelt von der Zusammensetzung des Verwaltungsrates. Er bestimmt in seinem Absatz 2, daß die Vertreter der Arbeitgeber von den Arbeitgebervertretern unter den Vertrauensmännern, die übrigen von den Angeftelltenvertretern unter den Vertrauensmännern gewählt werden. Die Abgg. Albrecht u. Gen.(Soz.) beantragen, den Absatz 2 folgendermaßen zu fassen:„Die Vertreter der Arbeitgeber werden von den Arbeitgebern, die übrigen von den Versicherten mittels des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gewählt". Abg. Moniuiscn(Vp.) spricht seine prinzipielle Sympathie für diesen Antrag aus, äußerte aber Bedenken, ob in diesem Falle die geheime Wahl gesetzlich festgelegt werden könne, da sich große technische Schwierigkeiten erheben. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Die Schwierigkeiten sind wirklich nicht so groß. Sie lassen sich bei einigem Willen sehr wohl überwinden. Wie nötig unser Antrag ist, zeigen die fortgesetzten Angriffe der Unternehmer auf das Koalitionsrecht der Angestellten. Ich erinnere zumal an das skandalöse Vorgeben gegen den übrigens unserer Partei völlig fernstehenden Steigerverband. Diese Borgänge zeigen uns, wie nötig es ist, das Wahlrecht der Angestellten mit dem Schuü des Geheimnisses zu umgeben.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Unter Ablehnung deS Antrages Albrecht wird§ 109 w der Kommifstoiisfasiung angenommen 8 114 heißt:„Wählbar als Vertreter der Versicherten sind nur versicherte Angestellte." Abg. Hue(Soz.) begründet den Antrag, zuzufügen:„und solche Personen, welche Ruhegeld aus der Versicherung beziehen." Das ist unbedingt not- wendig angesichts der Bestrebungen der Unternehmer, das Koalition«- recht der Angestellten zu vernichten. Man begnügt sich in den Kreisen der Eisen- und Stahlindustrie nicht damit, unbequeme Beamte, die aus dem Technikerverband nicht austreten wollen, zu entlassen, sondern schickt noch schwarze Listen hinter ihnen her. Dasselbe infame System rücksichtsloser ver- folgung durch schwarze Listen, das wir den Arbeitern gegen- über gebrandmarkt haben, wird systematisch auch gegen die Beamten angewendet. Skandalös sind auch die Vorgänge, durch die die Grubenverwaltungen die Namen der Mitglieder des Steiger- Verbandes erfahren haben; diese Leute, die ganz gewiß keine Sozial- demokraten sind, sind zur Verwaltung bestellt und unter Drohungen gezwungen worden, den Verband zu verlassen. Das ist Terrorismns. Alles, was sie von sozialdemokratischem TerroriSmnS erzählen, verschwindet dagegen. Durch die entwürdigende Behandlung, die sich akademisch gebildete Herren müssen gefallen lassen, haben in diesen Kreisen ein ganz ungeheures Maß von Empörung und Erbitterung erzeugt. Die Herren sagen, Arbeiter sind uns gegenüber noch freie Menschen, wir werden behandelt wie die Hunde, wie chinesische KuliS. Benutzen Sie die Gelegenheit, einen Wall aufzurichten gegen die immer mehr um sich greifende Vergewaltigung der Angestellten durch die Unternehmer.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Fleischer(Z): Gegen die terroristischen Maßnahmen gegen die Beamten wird sich wohl jeder hier im Reichstag wenden. Aber der sozialdemokratische Antrag tritt dem nicht entgegen, das muß bei den§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung geschehen. Die Ruhegeldbezieher leisten keine Beiträge mehr und deshalb sind sie Ballast für die Berficherung(Lebhafter Widerspruch bei den Sozial- demokraten) und deshalb ist es nicht zweckmäßig, sie als Vertreter der Versicherten zuzulassen. Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Meine Fraktion wird für den sozial- demokratischen Antrag stimmen; das Bedenken Hues, daß man als Vertreter der Versicherten nur Leute in abhängiger Stellung zulassen will, ist leider berechtigt.(Sehr richtig I links.) Abg. Dr. Strescmann(natl.) tritt für die Fassung der Kom- Mission ein. Abg. Hue(Soz.) Wir haben eS keineswegs mit Einzelfällen zu tun. Wenn der Verband der nordwestlichen Eisenindustrie schwarze Listen heraus- gibt, ist das doch lein Einzelfall. Oder ist es ein Einzelfall, wenn die Mitglieder des Steigcrverbandes vor den Direktor geladen und um Austreten aus dem Verband gezwungen werden? Und die Fälle in Oberschlesien, in Augsburg, sind das Einzelfälle? Eben weil die Fälle so zahlreich sind, müssen wir hier einen Riegel vor- schieben. Gewiß, nicht alle Unternehmer beteiligen sich an solchen Vergewaltigungen der Angestellten, aber gerade die Mäch- tiqsten, die ihre mächtige Hand ins Ministerium stecken und zu Herrn Delbrück sagen, wir lassen einen Minister nach dem andern springen; wenn unser Wille nicht geschieht.— Feststellen will ich aber, daß in dieser Debatte die Redner aller Parteien die Maßregelungssucht der Unternehmer gemißbilligt haben. Vielleicht werden sie dadurch ein- geschüchtert. Besser wäre jedenfalls in der Wirkung die Annahme unseres Antrages.(Bravo I links.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Meiner Partei gehört kein Unternehmer an, der das Koalitionsrecht nicht achtet.(Widerspruch im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Das Zentrum aber hätte es in der Hand, die Koalitionsfreiheit zu sicher»; seine Macht setzt eS aber immer nur ein. wenn es daraus ankommt, schlechte Steuern oder reaktionäre Dinge zu beschließen; bei einem sozialpolitischen Fort- schritt dagegen betrachtet eS den Reichstag lediglich als Petitions- kommission. Abg. Dr. Fleischer(Z.): Alles Böse soll immer vom Zentrum kommen; vielleicht hat daS Zentrum auch dos Erdbeben von Konstanz verschuldet.(Heiterkeit) Was sollen wir denn machen, um sozialpolitische Fortschritte zu erzwingen. Sollen wir etwa den bekannten Leutnant mit zehn Mann ins Innere schicken. (Abg.». Oldendurg-Januschau betritt den Saal— stürmische an- haltende Heilerkeit.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Eine süddeutsche ultramontane Zeitung soll in der Tal geschrieben haben, Konstanz wäre vom Erdbeben verschont geblieben, wenn statt des Liberalen der Zentrumskandidat gewählt wäre.(Große Heiterkeit.) Abg. Erzbergrr(Z.): Daß ein katholische? Blatt einen solchen Unsinn schreibt, ist ein Ding der Uiunöglichkeit.(Erneute Heiterkeit links.) Der Antrag Albrecht wird abgelehnt,§114 angenommen, ebenso debattelos eine Reihe weiterer Paragraphen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung aus Sonnabend 11 Uhr. Vorher dritte Lesung der kleinen Aktien, Schluß 6'/, Uhr. Gmcbts- Zeitung Durchstechereien im Untersuchungsgefängnis. Wege» Amtsvergehens und passiver bezw. aktiver Bestechung standen gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I sVor- sitzender Landgerichtsdirektor Lieber) aus der Untersuchungshaft vorgeführt: der Gefängnisaufseher Karl Frühling, der Kaufmann Lucas BuieS und der Pferdehändler Robert Kilholz. Ein vierter Angeklagter, der Schlächtermeister Paul Grallert, befindet sich in einer Anstalt und ist nicht vorführungsfähig. Der Angeklagte BuieS ist Rumäne und sitzt in der bekannten Falschspieleraffäre Stallmann in Haft. Ter Angeklagte Frühling war seinerzeit bei dem Militär Sanitätsunteroffizier, wurde als Ganzinvalide entlassen, kam dann als Hilfsaufseher nach dem Gefängnis Plötzensee und wurde schließ- lich etatsmäßiger Gefängnisaufseher im Untersuchungsgefängnis. Schon während seiner Tätigkeit in Plötzensee erzählte man �sich, daß Fröhling für kleine Geschenke seitens der Gefangenen empfäng. lich wäre, es war auch schon einmal eine Anzeige gegen ihn er- stattet worden, daß er Zigaretten durchgeschmuggelt habe. Die angestellten Ermittelungen blieben aber erfolglos. Im Unter- suchungSgefängnis war er, als ehemaliger Sanitätsunteroffizier, vorzugsweise auf der Krankenstation beschäftigt und zivar dort, wo die Leute liegen, die im Verdacht stehen, geisteskrank zu sein. Er hat sich dort mehrfach bereit gezeigt, gegen seine Dienstpflicht Briefe an und von Gefangenen aus- und einzuschmuggeln, ohne daß die Verwaltung des Untersuchungsgefängnisses Kenntnis von der Kor- respondenz hatte. So hat er einer Bitte des Angeklagten Buies nachgegeben, zu dessen Geliebte, die B. für seine Frau ausgab, zu gehen und über sein Befinden zu berichten. Buies soll ihm in Aussicht gestellt haben, ihm später gute Pelzwaren zu besorgen, da er eine Vertretung für eine Pelzfirma hwoe. Fröhling hat dies zuerst abgelehnt, hat sich dann aber doch bereit finden lassen, an einem Pfingstfeiertage die Frau aufzusuchen und an sie einen Brief abzugeben. Er folgte auch einer daran sich knüpfenden Ein- ladung zum Mittagessen und hat sich das Fciertagsmenu, bestehend aus Suppe, Kotelettes, Saftbraten, Mehlspeise, Wein und Bier, gut schmecken lassen. Er hat dann einen Brief der Frau an Buies mitgenommen. Später hat er einen Brief des B. in rumänischer Sprache an dessen Vater expediert und nochmals eine Korrespondenz zwischen dem Gefangenen und seiner Geliebten vermittelt. Auch für Kilholz hat er solche Liebesdienste verrichtet, ebenso für den Schlächter Grallert. Letzterer saß wegen eines Einbruchsdiebstahls in Untersuchungshaft; er sowohl wie Kilholz gehören zu den Leuten, die, wie der populäre Ausdruck lautet,„auf den Geist gehen", d. h. Zweifel über ihre geistige Gesundheit anregen. Grallert und Kilholz lagen auf derselben Station, Grallert vcr- richtete Kalfaktordicnste und trat auch mit Fröhling in Verbin- dung. Er ersuchte diesen eines Tages, doch an einen Arbeiter Lehmann zu telephonieren und ihn dahin zu instruieren, daß er sagen solle, Grallert sei gar nicht der Dieb, sondern nur ein Hehler. Dem Fröhling war in Aussicht gestellt worden, daß ihm nach der Ausfuhrung des Auftrages ein„recht fideler Abend" bereitet werden solle. Fvöhling lehnte dies ab, hat sich aber dann doch dazu verstanden, mehrere Briefe an Frau Kilholz zu besorgen, in welchen die Frau aufgefordert wurde, Zeugen bezüglich des Geisteszustandes des Kilholz zu benennen usw. usw. Kilholz sitzt in der großen Sache Keller und Genossen, in der es sich um be- trügerischen Pferdehandel, Wechselschiebungen mit Kavalicrwechseln und dergleichen handelt, in Untersuchungshaft. In dieser Sache wollen die meisten Angeschuldigten geisteskrank sein, darunter natürlich aus Kilholz. Bezüglich des letzteren ging das medizinische Gutachten dahm, daß bei ihm von Anwendung des§ bl St. G. B. keine Rede sein kann. Durch Vermittelung des Grallert hat Fröh- ling dann auch einen Brief an die Frau Kilholz besorgt, in web- - schein diese aufgefordert wurde, ein Paket mit einem Revolver, 5 M., Kautabak, Briefpapier und Briefmarken unter der Chiffre G. K. 107 qn die Paketpostanstalt in der Perleberger Straße zu schicken. i Dies wurde dem Fröhling zum Verhängnis. Kriminalkommissar Hoppe bekundete gestern, schon lange habe der Verdacht bestanden, daß in großen Kriminalsachen immer sehr bald eine Verbindung der Untersuchungsgefängenen mit der Außenwelt hergestellt würde. Dieser Verdacht wurde sehr dringend in der bekannten Sache Glaser und Genossen, in welcher Kassiber hin und herflogen, ferner in der Anklagcsache gegen die Pelzdiebe Göbel und Genossen. Die Ermittelungen nach dieser Richtung hin haben zur Verhaftung eines anderen Gefangenenaufsehers geführt und auch Fröhling wurde als ungetreuer Beamter festgestellt. Ein an Frau Kilholz gerichteter Brief war dem Kriminalkommissar Hoppe in die Hände gespielt worden und dieser hatte ihn photographieren lassen. Dieser Brief gab Veranlassung, den Fröhling beobachten zu lassen und als dieser das Paket in der Perleberger Straße abholen wollte, wurde er verhaftet. Fröhling gibt zu, einige Briefe besorgt zu haben, bestreitet aber, Geschenke dafür erhalten zu haben. Er sei zuerst aus Gutmütigkeit getrieben worden, die Bitten der Mitange- klagten zu erfüllen, später habe er sie schon erfüllen müssen,� weil er sich doch nun einmal durch den ersten Fehltritt in beben Händen gegeben-hatte. Buies bestreitet entschieden, darauf ausgegangch, zu sein, die deutschen Gesetze zu verletzen. Kilholz, der bekanntlich auch im Metternich-Prozeß als Zeuge auftrat, bestreitet dies gleich- falls; er will unter dem Einfluß des Grallert gestanden haben, der sehr gewalttätig war und vor dem er sich fürchtete.■*— Gefängnisarzt Dr. Marx"gibt dem Angeklagten Fröhling, der auf seinen Vorschlag in den Lazarcttdienst gekommen sei, das Zeugnis eines sehr tüchtigen Beamten, dessen plötzliche Verhaftung ihn sehr über- rascht habe. Das Urteil lautete gegen Frühling auf 1 Jahr K Monate Gefängnis, gegen Buies und Kilholz auf je 3 Monate Gefängnis. Dem Fröhling wurde auch die Fähigkeit zur Bekleidung öffcnt- lichcr Aemter aberkannt._ Plackereien durch das Plakatgcfctz. Die Ueberlebtl>eit der noch geltenden vorsintflutlichen preußi- schen Plakatvorschriften zeigte sich wieder so recht kraß in einem Strafprozeß, der jetzt endgültig vom preußischen Kammergericht erledigt wurde. Der§ 9 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 lautet im Absatz 1: „Anschlagezcttel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Vcr- sammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht an- geschlagen, angeheftet ober in sonstiger Weise öffentlich aus- gestellt werden." Gegen diese Vorschrift sollte sich Herr Zeidler, der Inhaber eines Bäckereigeschäfts, dadurch vergangen haben, daß er in seinem Laden(nicht am Schaufenster) ein Plakat anbrachte, auf dem zu lesen war: „Ich teile den werten Knnden mit, daß ich die Forderungen des Verbandes der Bäcker und Konditoren bewilligt habe." Das Landgericht Berlin I verurteilte den Angeklagten wegen Uebertretung des zitierten§ 9 zu einer Geldstrafe und führte aus: Zwei Fragen kämen hier in Betracht. Erstens, ob es sich um eines der durch Z 9 überhaupt ausgeschlossenen Plakate handele, zweitens, ob das Ausstellen im Laden ein öffentliches im Sinne der Gesetzes- stelle sei. Was die erste Frage angehe, so würde es sich nach Lage der Sache nur dann um einen durch 8 9 zugelassenen Plakatinhalt handeln, wenn es eine„Nachricht für den gewerblichen Berkehr" enthielte. Nun spreche Z 9 von„Verkäufen" und unmittelbar hinterher von„anderen Nachrichten für den gewerblichen Verkehr". Nach diesem Wortlaut müsse solch Plakat einen Inhalt haben, der sich unmittelbar beziehe auf den Verkehr zwischen dem Gc- wcrbetrcibendcn und dem kaufenden Publikum. Das hier strittige Plakat regele aber nicht das Verhältnis zwischen dem Gewerbe- treibenden und seinen Abnehmern, wenn auch das Plakat aus» gestellt sei, um indirekt für den Aussteller einen günstigen Eindruck auf das Publikum zu machen. Das Plakat sei demnach ein durch 8 9 gesetzlich ausgeschlossenes Plakat. Es sei aber auch öffentlich ausgestellt worden. Es komme nicht lediglich darauf an, daß es nicht jeder am Laden Vorübergehennde schen konnte. Es genüge, daß ein unbeschränkter Personenkreis den Laden betreten und es so sehen konnte. Der Angeklagte legte Revision beim Kammergericht ein und machte geltend, daß die beschränkte Auslegung, die das Landgericht dem Begriff der„Nachrichten für den gewerblichen Verkehr" gc- geben habe, falsch sei. Hier sei durch das Plakat zur Kenntnis des kaufenden Publikums gebracht, daß die Ware unter anständigen Arbeitsbedingungen hergestellt lvorden sei. Das falle zweifellos unter den Begriff der Nachricht für den gewerblichen Verkehr. Es seien doch auch die Plakate in der Hcimarbeitsausstellung gc-' duldet worden, die bei jedem Produkt die Herstellungsbedingungcn verkündeten. Das Kammergericht verwarf die Revision des Angeklagten. Es billigte im vollen Umfange das Urteil des Landgerichts. Ohne Rechtsirrtum sei ein unzulässiges Plakat und ein öffentliches Aus- stellen angenommen worden, Ter Deutsche Arbeiter-Säiigerbunb ist kein politischer Verein. Um. diese Selbstverständlichkeit festzustellen, bedurfte eS eines Urteils der Berufungsstrafkammer in Krefeld. Das Amtsgericht in Uerdingen hatte gegen den Vorfitzendcn des dortigen Arbcitergcsangvereins„Einigkeit" einen Strafbefehl in Höhe von 3 M. erlassen, weil er es unterlassen habe, Statuten und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder des politischen Arbeiter- gesangvereins bei der Polizeibehörde einzureichen. Der hiergegen erhobene Einspruch war erfolglos. Die gegen das Urteil des Schöffengerichts eingelegte Berufung hatte Erfolg. Das Landgericht gab der Berufung statt und sprach den Angeklagten frei. Der Vorsitzende hob hervor, daß, wenn unter dem alten preußischen Pcrcinsgcsetz jeder Verein melde- pflichtig war, der eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckte, im jetzt geltenden Reichsvercinsgesetz diese Verpflichtung nur für die politischen Vereine bestehe. Die Staatsanwaltschaft habe keinen Beweis erbracht, daß der Gesangverein irgendeine politische Tätigkeit ausgeübt habe. Diesen Beweis zu erbringen, sei Aufgabe der Anklagebehörde, wenn eine Verurteilung erfolgen solle._ �_ Marktpreise von Berlin am 3v. November 1911, nach Trutsttelmig Ves Königl. Polizeipräsidiums, Marlthallenpreise.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebobnen weihe, 40.00— 60,00. Linsen 40,00-80,00. Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo. gramm Nindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,70. Schweinefleisch 1.20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30— 2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Slück Eier 3,80— 6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1.40— 3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,40-24,00._ Witteruiigöübersicht vom 1. Dezember 1911. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franlf.a.M.! München Wien Stationen . S ~£ H s| 35•= taparanda etersburg Scillh Aberdee» Paris 775 -5 L xj: e'S' still 780 O 764 S 76l!s 76SSO Wetter cdcckt stwolkenl 3 halb bd. Ochaib bd. 2bcdeckt Ma 10 L G Wetterprognose für Sonnabend, de» L. Dezember 1911. Ziemlich mild, vorwiegend trübe und nebelig mit geringen Nieder» schlagen und mäßigen südlichen Winden. BerlinerWetterburegu. - Gegründet 1867 Preiswertes Angebot in Winter-Schuhwaren Zentrale und Versands Jerusalemer St. 32-35 Ecke Leipziger Strasse Herren: Herren-Schnür-Stiefel In Rindbox und Ross- Chevreau, mil und ohne Lackkappe und Derby- 075 schajlschnlll. 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Pfand 30pf. Datteln........................ junon 38 Apfelsinen.......... oat«»d 30, 50� Zitronen............. Dat-»d 25, 35 p� Blumenkohl............ sopt 15, 25 Frisches Fleisch, Obel von der Zotendaag aasgeschlossen, Weine, Spirituosen Taragona.................... Fische 35 t Samos....................... Planche 35 Pf- Süsser Ungarwein..... s.Fi«oh» 85 pt Roter Tischwein......... ptmoh. 75? Kognak-Verschnitt...... puseh. 1,20 Kognak-Verschnitt'.mer 1.45 Kognak-Verschnitt Ä« 1.65 Rum Fasson............... pi-o-i.« 1,20 Rum-Verschnitt«mer... Piaaoh« 1,45 Rum-Verschnitt (einer. (einer alter m /g E .......... Fluche I.Ow Sortiments-Liköre Rosen, Bergamotte, Kakao, Klrsch.Yanille, Cherry Brandy................ Flasche 85 pt 81*3�931)36......... rhai 58, 63 ?6LkA3333........... rtarf 62, 68 n. Suppenhühner 1.25, 2.oo Kassler............................... � 68« Hasen............ st.� 2. so, 2. so Rehblätter 1.45, l os FruchtKonserven Pflaumen>tt bm>...........% 45 p-. Mirabeilen.................. Stachelbeeren..............>1.0«- 65 p-- Heldelbeeren................ 1.0«« 70� Kirschen natsuta............ 1. v»«« SO Birnen rot oder velz»...........'Ii Dom 65 Pf. Melangefrüchte...........'ADowOOpt Frisches Fleisch Schmorfleisch p�d 30 Fehlrippe........ Pfand 75 p.. Querrippe...... pfUd70pt Gulasch............. Pfand 65pl Schinken UBOum Pfand@5 Pf. Schweinekoteletts....Pfand 75F]. i Rückenfettpfd 58 Liesen ptd 65 Bauch.................. Pfand 65 Pt Kamm oder Schuft.... noad 75pt Hammelkeule m. o--«» 65 pt vlcke Rippe... pfa-d 65pt vünnung.......... pr-n-. 60fi »pt Kolonialwaren Kafffee........ p� 1.20, 1.40 Kakao.......... p�es, 95 Haushaifschokolade...... Pfand 68 p� Victoria-Erbsen............ Pfand 21 pt Erbsen 25� Ä 23pt Bohnen(■*.!«.)................ Pfand 22 pf Linsen......... Pfand 20, 25, 30 pf Reis............. 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Winterjoppen, teils in Pelz gefüttert. Auch Sonntags geöffnet von 7— 10 und 12—2 Uhr. Verantwortlicher Redattenr: Richard Barth. Berti«. Für den Jnjeratenteil verantw.! Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Ve rlagSanstalt Paul Singer«.To, Berlin SW. st.282. 28.I.1W 2. Stilllge des„Wlilllllts" Kerlilltr WIlisdlM. s-"--« Arbeiter! Genchm! Uergeßt die ausgesperrten Tabakarkeiter nicht! Für die««szchmte» Tlibakarbeitcr Dclltschllilids gingen bei der G e w e r l s ch a f t s k o m m i s s i o n für Berlin und Umgegend ferner ein: Norddeutsche Buchdruckerei: S6ZS Abt.„Nordd. Zlllg. Ztg." 17,25. 2«L5 Abt.„St.-A." 70,80. 2624 Abt. II 5,50. Äcrbaud der Porzellnn- arbeitcr, Zahlstelle Berlin, 100,—. Verband der Kürschner aus solgeiidcn Listen: Mützcnsabrilcn: 1172 Sl. Winter 13,30. 1174 H. Storlinann 14,70. 1184 Kahlbow 10,25. 1lS8 Ch. Hang 6.60. 1132 A. Grothehenn 11,15. 1133/4 M. Gärtner 16.30. 1135/6 S. Gärtner 15,10. 1136 S. Gärtner 3.30. Pelzwarcn: 1203 H. Wolf 12.65. 1214 Karl Salbach 11,35. I2l7 Radow 5,05. 1225 Mayer u. Co. 16,80. 1227 Mannheimer 25,25. 1257 21. SSolf 13,50. Sa. 188,70. 1337 Glaserei Tomski 7,40. 1338 Glas Spinn 6,35. Verband der Töpser, Filiale Berlin 500,00. Angestellte vom Bäckerverband, Zablstelle Berlin 18,00. Buchdruckerei.Technil" 15,00. 2657 Buchdruckcrei Gebr. Grunert 5,70. 2636 Buchdruckerei Bollsrast u. Apcl 5,35. Berliner Druckerei und Verlagsanstalt, G. m. b. H. 10,00. 2653 Buchdruckerei Gebr. Ernst für 2 Wochen 13,10. Bctriebswcrkstätte Peel u. Cloppenburg. Kott- buser Damm 67 40,00. 2576 Bureau des Vereins der Buchdrucker, 2. Ziate 3,25. 2664 Druckerei Dr. H. Remmler 3.50. 2623 Zentralbureau sür die Deutsche Presse 5,25. 2682 von Setzern im„Deutschen Verlag" 3,70. Per- band der Gemcindearbeiter, Filiale Grog. Berlin, 1. State 663,40 aus folgende Listen: Zentralmagazin 531 6,25. 553 2,15. 603 10,85. 604 2,50. 605 3,60. 827 6,15. Gasanstalt Gitschiner Strohe 762 12,70. 783 5,30. 810 14,60. 811 7,65. 812 6,75. 813 6,40. 825 4,35. 826 8,65. Gasanstalt Danziger Stratze 501 11,65. 503 11,40. 506 3.80. 551 7.15. 552 3.05. 570 3,—. 571 8,55. Gasanstalt Schmargendorf 713 7.—. 720 5,40. Revier- Inspektionen 534 4,25. 535 4,35. 536 6,30. 582 8.25. 601 6,65. 612 7,—. 614 10,70. 626 17.20. 628 6,—. 623 3,25. 630 7,75. 648 7.80. 631 11,75. 730 7,40. 731 4,35. 818 4,35. 813 5,55. 320 3,15. Röhrensysteni 510 5,85. 524 3.50. 574 11.—. 642 4,55. 686 3,05. Destel, tische Beleuchtung 673 8,20. 533 4,45. 723 3,50. Kanalisation 511 1,40. 575 8,10. 814 4,65. 816 3,10. Bauverivaltung 522 4,05. 554 4,65. Wasserwerke Berlin 512 3,80. 526 4,—. Wasserwerk Tegel 676 5,—. Englische Gasanstalten 62 l 3,10. 767 10,85. 828 5.05. Strahenreinigung 530 15.50. 580 3,15. 536 3.85. 683 5,20. 630 4.-. 774 8.—. 783 7,50. Schlacht- und Viehhof 557 7.80. 558 3,05. 553 5,70. 560 0,75. 561 4,t5. 562 2,15. 564 5,60. Markthallen 563 4,40. 585 17,30. 635 7,05. 822 12,05. Krankenhaus Fricdrichshain 837 6.85. 838 13,85. Städtisches Obdach 631 7.05. Irren. nnstalt Dalldorf 843 17,70. Irrenanstalt Buch 844 22,80. Badeanstalt Gc- richtstr. 643 5,10. Parkocrwaltung 761 4,30. 781 5,60. Steinplätze 321 4,20. Charlottenburg 531 5,20. 743 7,50. 750 6,70, Lichtenberg 542 6.—. 544 0.60. Riydors 737 2,—. 793 3.35. 804 3,05. 805 4,35. Schöneberg 731 6,15. Weihensee 587 4,70. 588 2,65. Organisierte Fensterputzer Bei Rodewald 14,20. Hilfsarbeiter des„Vorwärts", Werkabteilung 25,—. 3 Nichtraucher 6.—. 21. E.-G. Voltastrahe, Abt. Lehmann. 2 20.—. Modellabteilung bei Bergmann, Seeslrahe 20,—. Verband der Schuhmacher, Filiale Berlin 2l.0,—. 8 Buchdruckerei Marschner, 2. Rate 8,75. Deutsche Feuerzeug-Gesellschast 5,—. 10 Firma„Komet" 8.20. Buchdruckerci Beyer u. Böhme 14,85. Buchdruckcrei Otto v. Holten 18,35. 1341 Glaserei K. u. W. 2,80. 1344 Glaserei Leiser 6,85. Verband der Sattler u. Porte- seuiller, OrtSvenvalwng Berlin aus Listen 33,10. Buchdruckeret Bartholdy ».Klein 10,—. Luchdruckerei W. u. S. Löwenthal 21,—. Ossizin M. Ketten. bcil 8,25. Sparverein„Biene", Groß- Lichterseide West 3,50. Verband der Maler und Lackierer, Filiale Berlin 2000,—. ' Verein der Cass-2lngestellten k Konto aus Listen 200,—. 2660 Buch- druck««! Echolem 16,85. 2661 Druckerei Berg u. Schoch 8,45. Buch- .druckerei E. Billig Aachs. 22,20. 2672/3 Union Deutsche Verlagsgcsellschast ■22,60. 2201 SchissSzimmerer 7,65. 2669 Buchdruckcrei Röster 11,—. 2616 Buchdruckcrei Schumacher 28,75. 2602 Thormann u. Goctsch 2.—. 2662 Härtel 1.80. Tischlerei Weise 8,25. Denier u. Nicolas 10,—. 2675 Buch- druck«« JaniSzcwski 5,30. 2607—2612 Buchdruckerci R. Masse 118.65. 2619 Druckerei„Borussia" 14,15. Verein der Gärtner i Konto aus Listen 100,—. 2621 Buchdruckerei Langenscheidt 13,50. 10 Buchdruckerci Gebr. Unger, 2. Rate 14,10. Von den Bäckern der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend, 1. Rate 30,—. 2683 Buchdruckeret Artur Schclcm 16,50. 2656 Buchdruckcrei Drewitz 11,25, Tischlerei Jakob u. Lraunsisch, Abt. 1 10,—. 2637 Buchdruckerei H. Büttner 10,35. 15 biS 18 Buchdruckerei Sittenseld 68,10. 2674 Ullstein, Zeitungsrotation 13,50. 1622 Firma Röhlich 13,50. 2665 bis 2668 Verbandsmitglicder bei G. u. W. Büxenstein 55,10. Skatklub Fidelitas 2,55. 2627 Buchdruckcrei Sl. Hauhmann 4,60. 1281 Tehmer 10,95. 2027 Verband der Steinsetzer 6,25. Verband der Lagerhalter, Bezirk Berlin 100,—. Verband der Stein- arbeit« 2204 3.43. 2205 3,70, 2207 6,30, 2209 1,40, 2210 4,50, 2212 5.-. 2213 4L5. 2214 2,05, 2216 4,03, 2218 6,35, 2213 5,25, 2220 6,35, 2221 26,65, 2223 1,85, 2224 5.60, 2225 11,10, 2227 6,—, 2229 5,30. 2230 9,—. 2232 3,70. 2237 5,15. 2238 3,55. 2241 4,35. 2244 5,80. 2245 2 35. 2248 4,(0. Sa. 155,36. Tellersaminlung und Ueberschuh der Betriebsversammlung der Firma Schuchardt 33,35. Buchdruckerei E. Nagel 5.05. 2620 Gebhardt, Jahn u. Landt 14.60. In Summa 5362,16 M. Bisher sind verössenllicht 5305,35 M. Dazu kommen 5363,16 M. In Summa 10 667,51 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, £30. 16, Engeluser 15 I, zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I. Zimmer 23, in den Wochen- tagen vormittags von S�-lL'/z Uhr und nachmittags von 4— T'/a Uhr oder in den Bnreans ihrer Gclverkschaft abzuliefern. Die Liste 1567 ist verloren gegangen und ist beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend. Hus der Partei. Eine Gedeulfeicr für L-fargue in Paris. Die russischen Sozialisten der verschiedenen Richtungen hielten am Dienstagabend eine sehr zahlreich besuchte, e i» d r n ck s- v ol l e Trauerveriammlung ab ES spräche» die Genossen R a p p o- port, Genossin Kall on da y. ei» lettischer Redner, der frühere Deputierte der Duma Alexinsky. L» n a t s ch a r S k y und W l a d i m i r o w vom Bniid. DaS Präsidium führten die aus Sibirien zurückgekehrten früheren Depulierten B j e l s u> f o w und S P a g i ii.__ Danksagung. Anläßlich der Vollendung meines 70. Lebensjahres find mir aus den Partei- und Freundeskreisen von nah und fern, sowie aus den Wirkungskreisen, in die mich das Vertrauen der Parteigenossen gestellt hat. so zahlreiche, sichtbare Beweise treuer Freundschaft, kameradschaftlicher Liebe und Wert- fchätzung dargebracht, dag es mir schwer fällt, jedem Einzelnen für das Gute und Liebe, das man mir geboten, persönlich zu danken. Man sagt: ivem das Herz voll ist. dem läuft der Mund über. Ich habe die Erfahrung gemacht,»venu mir das Herz voll ist. fehlen mir die Worte Ich bitte darum alle diejenigen, denek, ich nicht persönlich meinen Dank abstatten kann, denselben aus diesem Wege ent- gegennehmen zu wollen. Berlin, den 1. Dezember Ivll. W. Pfannkuch. polizeilichee. Gerichtlichea usw. Einen Monat Gefängnis. ' Die„Chemnitzer Bolls st imme" brachte im September gelegentlich der Chemnitzer Rathausweihe eine Notiz, überschrieben: „Bürgerfreuden und Arbeiterblut", in der mitgeteilt wurde, daß gelegentlich der Rathausweihe, bei der man Demonstrationen der Arbeiterschaft in Chemnitz befürchtete, das Militär in Bereitschaft gehalten Wörde» sei. Das sächsische Kriegsministerium stellte daraufhin Strafantrag wegen Beleidigung der Offiziere des 104. Infanterieregiments. Genosse Hermann Müller, der Verantwortliche der»Vollsstinnne". stand Freitag unter Anklage und wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Inhalt der Notiz wurde als wahr unterstellt, aber die Form sei beleidigend und daher ein Monat Gefängnis I_ „Uugewöhuliche" Leicheubegänguisse.' In Breslau führt die Polizei seit etwa einem halben Jahre einen Kampf gegen die roten Kranzschleifen bei Beerdigungen von Sozialdemokraten. Entweder werden die Schleifen kurzerhand ab- geschnitten, konfisziert, oder die Kranzträger werden gezwungen, in einem geschlossenen Wagen zu fahren. Auf keinen Fall aber duldet die Polizei das Boranlragen von roien Kranzschleifen, weil sie darin merkwürdigerweise ein außergewöhnliches Leichenbegängnis erblickt, zu dem die Erlaubnis erteilt werden muß. In einem Fall erhielten die Kranzträger und Genosie Lobe, der dem Bei- storbenen in der Leichenhalle einen Nachruf widmen wollte, daran aber von der Polizei gehindert wurde, einen Strafbefehl über je 10 M., Lobe deshalb, weil er eine Versammlung unter freiem Himmel veranstallet habe» soll, denn während seiner kurzen Siede standen einige Teilnehmer am Leichenzuge außerhalb der Leichen« halle. DaS Schöffengericht erkannte in allen Fällen auf Frei- s p r e ch u n g, weil, wie es tu der Begründung hieß, das Vor- antragen roter Kranzschleifen noch lange kein ungewöhnliches Leichen- begäiignis darstellt. Der Staatsanwalt legte Berufung ein. Die Strafkammer kam zu einer Verurteilung, obwohl in Breslau feit zwanzig Jahren Hunderte von Kränzen mit roten Schleife» unbeanstandet Leichenzügen vorangetragen werden konnten. ohne. daß selbst die Polizei darin etwas Ungewölmliches erblickt hätte. Das Urteil lautete gegen jeden der Angeklagten auf 10 M. Geldstrafe. In der Begründung heißt«S: Das Leichenbegängnis mit den roten Schleifen sei anfänglich ei» ungewöhnliches gewesen. Durch die Wegnahme der roten Schleifen sei es ein gelvöhnliches geworden, durch die an- geblich politische Rede des Genossen Lobe wäre es aber wieder ein ungeivöhnlicheS gelvorden, zu dem keine Erlaubnis eingeholt worden ist._ Die beleidigten Richter. Im Sommer d. I. brachte die„BreSlaucr Volkswach t" eine kurze Notiz, in der ein Streikurteil der Naumburger Strafkammer wiedergegeben wurde. Ein Streiksünder hatte einen Arbeits- willigen bedroht und wurde deshalb mit einem Monat Gesängnis bestraft. Der Landgerichlsdirektor Suchsland in Naumburg hatte in der Begründung dieses harten Urteils ausgeführt, daß ein Dieb- stahl nicht so schlimm anzurechnen wäre, als wenn ein Arbeiter den anderen von redlicher Arbeit abzuhalten versuche. Die„Volkswacht" nannte das Klasienjustiz. ohne daß aber an irgend einer Stelle auch nur leise angedeutet wurde, daß eine bewußte Rechtsbeugung vor- liege. Dadurch suhlten sich die Naumburger Richter beleibigt und stellten Slrafantrag gegen den Berantworilichc». Genosien R a b o l d. Die Breslauer Strafkammer verurteilte ihn zu 50 M. Geldstrafe. Strafmildernd kam die bisherige Unbescholtenheit in Frage. Der Slaatsanwalt hatte ZOO M. beantragt. Soziales* Wie auf die Gesetze zum Schutz der landwirtschaftlichen Arbeiter gepfiffen wird. Eine Revision der landwirtschaftlichen Betriebe im Kreise G l o g a u(Schlesien) hat eine sehr mangelhafte Beachtung der tlnfallverhütungsvorschristcn für land- und forstlvirtschaftliche Betriebe ergeben. 569 Betriebe wurden revidiert und bei nicht lveniger als 568 wurden L erst ö fze gegen die gesetzlichen Unfallverhütungsvorschristen festgestellt. Die Zahl der Beanstandungen an Maschinen und Betriebseinrichtungen betrug 4674. Nur ein einziger Betrieb wurde als ein- w a n d f r e i befunden. Die Junker und Agrarier bc- zahlen viel lieber die leider so geringen Geldstrafen, die in solchen Uebertretiingsfällen verhängt werden, als daß sie die gesetzlichen Vorschriften erfüllen. Krüppel und Menschenleben beiverten sie nicht, da gibt es genug Ersatz. In der Reichs- Versicherungsordnung haben sie es ja gar durchgesetzt, daß dem Reichsversicherungsaiilt verboten ist, an Stelle der land- wirtschaftlichen Berufsgenossenschaftcn Unsallvcrhütnngsvor- schristen zu erlassen._ Zur Reichöversicherunasordnung. Der preußische HandelSmi niste r und der Minister des Innern haben angeordnet: soweit Vorschriften der Rcichsoersicherungs- Ordnung in Kraft treten, bevor Oberversicherungsämter und Ver- sicherungsäintcr bestehen, treten für alle Aufgaben, die ihnen das Gesetz zuweist, an Stelle der LlierverstcheruiigSäinter die Schieds- gcrichte und an Stelle der Bersichcrungsämter die unteren Ver- waltungSbehörde». Der Handelsminister hat durch Erlaß vom 21. November ferner angeordnet, von der Befugnis grundsätzlich keinen Gebrauch zu machen, eingeschriebene Hilfskassen als Ersatzkassen vorzuschreiben, auch wenn die Mindestzahl von 1000 nicht erreicht ist.____ Hu9 der frauenbewegung. Dienstboten und Teuerung. Die kurze Erntezeit, der verminderte Bedarf an Arbeitskräften in der Landwirtschaft gab dem gewerblichen ArbcitSmarkt eine ganz eigene Physiognomic: der Andrang weiblicher Arbeitskräfte schwoll ganz bedeutend an, der vielbeklagte Dienstbotenmangel ver- wandelte sich in einen Tienstbotenüberfluß! Von manchen Seiten hört man, daß die unerträgliche Teuerung kleinbürgerliche Familien zwinge, aus die Hilfe eines Dienstmädchens aus Sparsam'keits- crwägungen zu verzichten, wodurch der Andrang von Stellen- suchenden vermehrt werde. Nach den Berichten der Arbeitsnach- weise im„RcichSarbeitSblatt" wird aus fast allen Teilen Deutsch- lands die gleicksc Tatsache konstatiert. Ganz ungewöhnliche Züge Wies der Arbeitsmarkt für weidliches Hausperjonal in Verlin und Vororten auf; es herrschte ein starker Andrang von Dienstmädchen; anderseits ist die Nachfrage zurückgegangen. In dem Bericht loird bemerkt, daß die Erscheinung auf die ungünstigen lmrtschastlichcii Verhältnisse, die vielen Hausfrauen das Halten von Dienstboten erschwere, zurückzuführe» sei. Aus dem gleichen Grunde sei die Nachfrage nach weiblichem Llushilfepersonal schwach. AuS Hessen, speziell aus Kassel, wird gemeldet, daß ein starker Andrang von Mädchen für häusliche Dienste, hauptsächlich vom Lande und zwar von solchen, die noch nicht gedient hatten, zu verzeichnen sei. Zum größten Teil konnten die Mädchen nicht untergebracht werden. Der Bericht aus Nürnberg besagt, daß die Stellenangebote für Dienstmädchen, Wasch- und Putzfrauen bedeutend zurückgegangen seien, weil„die Dienstherrschaften ihren Bedarf auf das aller- nötigste beschränkten", während jetzt viele Personen Arbeitsgelegen- heit suchten, die bisher„noch nicht gezwungen waren, einem Gc- werbe nachzugehen". Aehnliche Berichte liegen aus einer Reihe anderer Städte vor. Die Situation in München wird in dem lapidaren Satze zusammengefaßt:„Bei den weiblichen Personen übersteigen bei allen Berufen die Stellengesuche die Stellcnaugc- böte." Der Bericht aus Württeuchcrg konstatiert, daß jetzt, nach langer Zeit, wieder ein Ueberschuh arbeitsuchender Dienstboten, Lauf-, Putz- und Monatsfraucn besteht; dasselbe Bild ergibt sich i» Baden, wo der schon länger beobachtete Zug weiblicher Arbeits- kräfte vom Lande in die Stadt weiter anhält und ein lieber- angcbot von Dienstmädchen verursacht. Viele der Vorsprechenden hatten vorher noch nicht gedient. Diese sich wiederholende Mit- teilung läßt darauf schließen, daß die Pächter, kleinen Bauern und besonders die Landarbeiterfamilien die weiblichen Angehörigen in die Stadt schicken, weil die Teuerung, die ja nur den größeren Bc- sitzern Vorteil bringt, auch auf dem Lande die Existenzmöglichleitca verschlechtert hat. Der starke Andrang bedeutet zweifellos eine Gefahr für die Arbeitsbedingungen der häuslichen Angestellten und für das Lohn- Niveau der gewerblichen Arbeiterinnen. Tie Unternehmer nützen die Gelegenheit natürlich gern aus, um durch vermehrte Ein- stellung von Arbeiterinnen an Lohnkosten zu sparen. Es ist daher notwendig, daß die in Betracht kommenden Organisationen den Vorgängen auf dem Arbeitsmarkt und den sich daraus ergebenden Konsequenzen ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Die heranströwcn- den, meist indifferenten Kräfte in das Bett der Organisationen hineinzuleiten, ist gewiß eine recht schwere, aber auch so dringend notwendige Arbeit, daß sie mit allen Kräften aufgenommen wer- den muß. Eue aller Melt. HUcrlci vom Cnpolistmegc. Rom, 28. November. In tiefes Schweigen hüllt sich die ita- lienische bürgerliche Presse über einen Fall, auf den der „Avanti" durch das Militärwochenblatt aufmerksam geworden ist. Unter anderen Dienstnachrichten war da zu lesen, daß die Hauptleute Cancelli und De Matt eis vom 1. Grenadicr- rogiment in Rom, ohne das Recht, ihren Titel zu führen, entlassen worden waren. Unser Partciblait forschte nach und brachte in Erfahrung, daß beide Offiziere sich unter dem Vorwand der Krank- heit geweigert hatten, mit ihrem Regiment nach Tripolis zu gehen. Eine ärztliche Untersuchung ergab, daß beide gesund waren, wcZ- halb man ihnen eine Disziplinarstrafe zudachte. Die übrigen Offiziere des Regiments erklärten aber, sie würden eine öffent- liche Kundgebung veranstalten, falls man die beiden nicht aus dem Regiment entfernte. Daher die Verabschiedung. Wir sind natürlich weit entfernt, den Offizier zu verteidigen, der sich den Pflichten seines frei gewählten Berufs entzieht, nachdem er seine Vorteile genossen hat. aber die beiden Fälle verdienen der Er- wähnung tocjl sie zeigen, daß auch in den Kreisen der Berufs- Militärs der Krieg keineswegs allgemeine Sympathie genießt. Ueber eine tragische Episode aus Tripolis berichtete die republikanische„Ragione". Ein Soldat!hat, wie er seinem Bruder schreibt, in der Nacht vom 27. Oktober auf einen Käme- raden, den er im Dunkeln sür einen Araber hielt, gc- schössen und ihn getötet.„Auf den Anruf, wer da?, mit- ivortete die Gestalt nickst und kam mir immer näher. Da schoß ich zweimal. Ein Schrei, an den ich denken werde solange ich lebe, ein paar italienische Worte, ließen uns aufspringen. Der. auf den ich geschossen hatte und der jetzt tot dalag, war der bravste Soldat unserer Kompagnie: ein T.oSkaner, ein schüchterner Mensch, gutherzig wie ein Kind. Ich weiß nicht, daß ich nicht verrückt geworden bin...." Das Kriegsgericht hat den verzweifelten Totschläger natürlich freisprechen müssen. Solche Dinge gehören eben zu den unver- meidlichcn Schrecken des Krieges. »» # Eine Folge der heutigen Situation in Italien ist die täglich schärfer werdende Scheidung unserer Partei von denen des Bürgertums. Die in Italien früher recht Urbanen Beziehungen der bürgerlichen Parteien zur sozialistischen haben einer offenen Feindseligkeit Platz gemacht. Die Bourgeois- söhnchen von Mailand suhlen sich jeden Abend bewogen. vor den Fenstern des„Avanti" eine Demonstration abzuhalten. Nachdem sie mehrere Abende durch ihr Gebrüll gestört hatten, gingen gestern die Redakteure des Parteiblattcs und ein paar handfeste Arbeiter zu den kricgsfrohen Jüngelchen hinunter, um sie nach einem Faustkampf, der über eine Stunde dauerte, ein für allemal von ihrer Radausucht zu kurieren. Die Kur dürfte anschlagen, denn die Jungchen wurden recht übel zugerichtet. Die Erbitterung gegen den„Avanti" ist in Bourgeoiskreisen so groß, daß wiederholt Arbeiter mißhandelt wurden, die das Blatt auf der Straße lasen und sich gegen den Versuch, es zu zerreißen, zur Wehr setzten._ Eisenbahnunfälle. Sei 33 o B r c I in der Nähe von Beuthcn fuhr Freitag mittag um 11 Vz Uhr ein Zug der o b ersch l esi s ch cn Kleinbahn bei einer GleiSkreuzimg in einen beladenen Zug der oberschlesischen Schmalspurbahn hinein, wobei beide Züge umstiirzteu. Soweit bisher ermittelt, sind zehn Personen, darunter mehrere schwer, verletzt. Schuld an dein Unglücksfall soll das V e r s a g e n der Bremse de? elektrischen«lei»- bahnzuges fein. Ein weiterer Eisenbahnunfall wird aus O d e r- furth gemeldet. Bei der Station S ch ö nb run n- W is- k o w i tz streifte ein Personenzug ein Madukt. Hierbei wurde eine Reisende sowie ein Schaffner des Zuges schwer verwundet. Mehrere Waggons wurden zertrümmert. Eine wissenschaftliche Akademie von Zwangssträflingen. Achtzig russische Studenten, die wegen der letzten Un- ruhen nach dem nördlichen Sibirien verbannt wurden, haben, wie berichtet wird, dort eine eigenartige Gründung geschaffen. Sie haben eine Art von wissenschaftlicher Akademie ge- gründet, die alle Vorarbeiten für die Erforschung der nördlichen Inseln trifft oder auch mit Erlaubnis des Generalgouverneurs selbst Forschungsreisen veranstaltet. Wegen ihrer hervorragenden Verdienste um das Zustandekommen mehrerer ForschungS- reisen Petersburger Gelehrten, wie zum Beispiel der der dcS Professors Kerlschelli nach Weigatsch und Kalu- gajew oder der Forschungsreise zur Erkundung der Sprache und Sitten der Samojeden, haben sie völlige Befreiung von aller Zwangsarbeit und verhältnismäßig viele Freiheiten er- holten. Die berühmten drei Expeditionen nach Nowaja Semlja, die von der russischen Regierung zur Erforschung des Landes ausgeschickt wurden, konnten nur deshalb so erfolgreich beendet werden, weil die Studenten in ihrem wissenschaftlichen Institut bereits alles Material gesammelt hatten, was als Vorbereitung zur Expedition notwendig war. Die schwierige Expedition in die Kreston-Bucht, die sehr be- deutsame wissenschaftliche Ergebnisse gezeitigt hatte, ist allein von dieser studentischen Akademie früherer Zwangssträflinge durchgeführt worden. Diese Akademie hat auch den Schatz von seltenen Altertümern in der Eparchie von Archangelsk zum erstenmal geordnet und durch eine wissenschaftlich historische Darstellung weiteren Kreisen zugänglich ge- macht. Weiter vollendete ein Mitglied eine Arbeit über die Volkszählung der nördlichen V o l k S st ä m m e in Sibirien, die unter der Regierung Katharinas II. veranstaltet worden war. Das gesamte Material lag bisher ungeordnet und unbenützt in dem Gouvernementsarchiv von Archangelsk. Diese Arbeit lag dem Urteil der Petersburger Professoren Kaufmann und Semestin vor. Beide haben sich sehr lobend über die Gediegenheit der Arbeit geäußert. Ja, es hat sich sogar etwa? Unerhörtes er- eignet: das Landwirtschaftsministerium hat für die Veröffentlichung dieses Werkes Staatsmittel zur Verfügung gestellt. Ferner wurde von der ZwaugssträflingSakademie ein Werk über die rechtliche Lage der S a m o j e d e n ausgearbeitet. Ein Student baut die elektrische Straßenbahn in Archangelsk, ein anderer leitet im Auftrage des Landwirtschaftsministers die Arbeiten zur Verbesserung des Ackerbaus. So erwirbt sich diese Akademie der Zwangssträflinge um die Kultivierung Nordsibiriens beträchtliche Verdienste. Kleine Notizen. Der Erfinder dcS Portland-Zement gestorie». Im Alter von mehr als 100 Jahren starb gestern der Erfinder deS Portland- Zements, Mr. Jsaac Charles Johnson in Graveson. Mr. Johnson entstammte einer Arbeiterfamilie und erfreute sich einer' sehr robusten Gesundheit. Er war Abstinenzler und lernte noch im 87. Lebensjahre Rad fahren. Unterschlagungen beim Roten Kreuz. In C z e r n o w i tz ist der mit der Kassenverwaltung des Roten Kreuzes betraute Landes- hilfsämter-Direktor Konstantin Z e n t a wegen Veruntreuung von 60 000 Kronen des Bereinsvermögens verhaftet worden. Bcrgmanuslos. Auf der Julienhütte bei Beuthen stand der Bergmann Langer unter dem Förderschacht, als die Förderschale niedersauste und den Bergmann buchstäblich plattdrückte. Schreckenstat eines Lehrers. In der ungarischen Ortschaft V a s k o h hat der Lehrer Mitru seine Frau, die er iu flagranti bei einer Untreue ertappte, durch sechs Revolverschüsse getötet, sein drei- jähriges Töchterchen ermordet und sich sodan» aufgehängt. FreireligiSse Gemeinde. Sonntaq. den 3. Dezember, vormiMgS 9 Uhr, Pappelallee 15—17, und Rixdorf, Jdealpassage: Freireligiös« Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Franlsurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille:„Mitglied der Menschheit". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Theaker und Vergnügungen nun □□□ Sonnabend, 2. Dezember 1911. Ansang 3 Uhr. Schiller- Charlottcnburg. Prinz Friedrich von Homburg. Luisen» Max und Moritz. Anfang 3'/z Uhr. Berliner. Ein Fallissement. Ansang 4 Uhr. Westen. Max und Moritz. Thalia. Sneewitlchen. Bclle-Sllliance. Aschenbrödel. Mose. 1901 Nacht. Urania. Taubrnstrafte 48/40. Lebende Tierbilder von nah und fern. Ansang VI, Uhr. fl. Opernhaus. Der Rosenkavalier. ft. Schauspielhaus. Wilhelm Till. Deutsches. Turandot. Westen. Fatinitza. Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala- Vor- stcllung. Anfang 8 Ubr. Urania. Taubcnftrasie 48/49. Tripolitanien und scine'Oasen.s Im Hörsaal; Prof. Donath; Ungedämpfte elektrische Wellen. Rene» Kgl. Operntheater. Ge» schlössen. Kammerspiele. Nathan der Weife. Berliner. Di« Ahnengalerie. Lessing. Gudrun. Komische Oper. La Triviata. Renes SchauspiellianS. HanS Sonnenstößers Höllenfahrt. NeueS. Das Mädel von Moni- niarlre. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operetten. Die moderne Eva. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gcntz und Fanny EIßler. Hocken- joZ. Schiller O. Don Carlos. Srii'Uei-Gvarlottenvurg. Madame Sans Göne. Friede.- Wilh. Schauspielhaus. Kean. Königgräher Straße. Spielereien einer Kaiserin. Rose. Die Barbaren. iUte»r-»>>>. Die Nacht von Berlin. Lustspielhaus. Die VergniigungS- reife. Drianon. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschaft. Luisen. Die Räuber. Casiuo. Der selige Hollschinskh. Slvollo. Svczialitätcn. Bannpe. Svezialitälen. Hcrrnfeld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Wintergarten. Spezialitäten. Rrichsimllen. Stettiner Sänger. Königstadt-Kafino. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Falles Capricr. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Tcusel, das hat eingeschlagen I Noack. Die Geicr-Wally. Voigt. Ehrliche Arbeit. Ansang 8'/, Uhr. Neues Volkstheatrr. In Be- handluug. Belle- Allianee. Narrenspiel. Intimes. Der Brandstister. '.' Sternwarte.. Jnvalidenstr. 57—62. Kaiser-Panorama. Wanderung in den Salzburger Alpen. Reise in . Palästina. 8ekj!!er-7veAlerl).A?a7°r' Sonnabend, abends 8 Uhr: von Cni-I«!». Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des TurtttlT. Sonntag, abends 8 Uhr: Maskerade. Montag, abends 8 Uhr: Don Carlos. SeWller-Thealer"vüT" Sonnabend, nachm. 3l/j Uhr: Prinz Friedrieb von liömburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: naduiue Saiss-t-enc, Sonntag, nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Zapfenstreich._ Residenz-Theater« Direktion Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Koroul u. Borrs. Für die deutsche.Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckcrs. Friedrich-Wilhelm städt. Schauspielhaus. 8 Uhr: K e a II mit Ferdinand Bonn in der Titelrolle. Luisen-Theater. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. 8 Uhr: Die Räuber. Sonntag nachm. 3 Ubr: Die Macht der Liebe. Abends 8 Uhr Premiere: Wir tanzen durchs Leben. Lelle-tlljAnes-Ikesler 4 Uhr:.4.sehenhrtfdei. S'/a Uhr: Xarrenspiei. Sonntag 8 Uhr: Xarrenspiel. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Tbeater in der KöDiggrätzer Straße Abends 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Nenes Theater. Abends 3 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Crevctte: Frltai Massary. Sonnt. 3'/4 Uhr: Der«idela Bauer. Theater des Westens. Abends 8 Uhr. zum erstenmal: Fatinitza. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Sonnt. 3'/« Uhr: Ein Walzcrtraum. osc-in� Große Frantjurtcr Str. 132. Nachmittag 4 Uhr: Dausend und eine Nacht. Abends 3 Uhr: Die Barbaren. Lustspiel in 4 Akten v. H. Stobitzer. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hüttcnbcsitzer. Abends 3 Uhr: Die Barbare». Abends 3 Uhr: Xenes Programm. 9 Uhr: Harry Waiden mit seinem Ensemble in Brettlkönig. Vaudeville in 2 Akten von K. Oton- kotvsky und A. Ncidthardt. Tert von R. Schanzer. Musik v. W. Kollo. MetropoMtieater. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrcvue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schnitz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Morgen nachm. 3 Uhr: Kill ttetyolt. WINTER-YELODROM SPORTPALAST Potsdamer Str. 72. Sonnabend, den 2. und Sonntag, den 3. Dezember: 2r- Stunden- M Rennen Start II Ubr abends Vorher: Fliegerrennen. ca. 40 Rennfahrer. |49 Beginn 8'/, Uhr abend«."99 Zirkns++ U A. ISclmniann Sonnabend, 2. Dezember, 7!/,U.: Grande Soiree High-Life. Debüt! Dehnt! Oer t-eschwistcr Weise Xeu! genannt: Die Biedermeier mit ihren hier noch nie gesehenen konkurrenzlosen Original-Tricks. Debüt! Debüt! Hr. u. Mlle. Corradini großer Dressurakt Elefanten. Zebras, Pferde und Hunde. Die fiinf Alfen am fliegenden Trapez, vorgeführt von Sign. Hracco sowie alle übrig. Attraktionen. 9'/, Uhr: Dia große Eeerie 1000 Jahre auf dem Meeresgrund Sonntag, 3. Dezember: 2 große Vorstellungen. S'/j Ubr nachm. u. abends D1/»- In beiden Vorstellungen DM- ungekürzt 1000 Jahre a d. Meeresgrund Torletzter Tag! Morgen unwiderruflich Schluß Kurfurstendamm 151 nahe Bahnhof Halensee und Charlottenburg. Vortührnngen: Bar* 4%«'/- und 9 Uhr. Trianon-Theater� Täglich abends 8 Uhr: Mein Baby. Sonntag nachm. 3 Uhr: Francillon. Noeb nie �gewesener Laeberfolg! Das Dil der Tinna mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Schmerzlose Behandlung. "Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah o. fern. 8 Uhr: E. v. Hesse-Wartegg: Tripolitanien und seine Oasen. Hörsaal 8 Uhr; Prof. Donath: Ungedämpfte elektrische Wellen. Relelishallen-Theater. länger. Gastspiel Robert Steidl, Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Morgen Sonnlag, den 3. Dezember, nachmiltagS 3 Uhr: Der Dornenweg. Abends 7 Uhr: Ehrliche Arbeit. Bolksstück mit Ges. in S Bildern von Heinrich Willen. Kasieneröffnung 10 Uhr. IlSnigsliuil-Dsiiiii. Ecke Holzmarlt- u. Alexanderstraße vom 1. bis 16. Dezember: „Familie Müller" großes VolkSstück in zwei Bildern und das reichhaltige DM- Lperialitätea-Programm. AdmlifelspaBast ArniWmhnfFrtcdfkhltow Eis-Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. Mp» Kachmittaga:"MU jsmtär- Konzert. Um 5'/. 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Vortrag des Schriftstellers Julius Bab über: Goethes„Faust". Käste willkommen.__ 55120_ Der Borstand. Arbeitsnachweis: MM"TofnT� Ann Rotten, Nr. 1239. Chariteitrasie Z. Amt Norden, Nr. 1987. Montag, den 4. Dezember 1911: Bezirks- Versammlungen für die gciamte üerwalfungsttcDc Berlin in folgenden Lokalen: 125/14 HörÜöN I PharnaH&le, Müllerstr. 143, abends 81/, Uhr. NOrdeD* s�bii�l0S Fest8ale' Tchwedter Strafte 33, abends Norden: Franke» Fests&le, Badstr. 19, abends S'/j Uhr. Moabit: Arminia»hallen, Bremer Str. 73, abends S'/, Uhr. TOgOi: Trapp» FestsUle, Bahnhofftr. 1, abends S Uhr. Veslen und Sehoneberg: OSten I ComeninssSle, Mcmeler Strafte 67, abends 8'/, Uhr. I irlltpnhopn* Restanpant J. Ertelt, Pfarrstrafte 74, bltuiciiuery. abends 81/, Uhr. Stralau und Rummelsburg: Südenbezirke' Kottburer D««««7, Südenbeilrke: SS)a,6eworftt- 7B' WoiRoneoo* Pcnkcrt» FestsSle, Berliner Allee 331, nclljcll&ce. abends 8-/, Uhr. Rjxdorl: Rappe« F«»t»SIe, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr: „BrandschaNung des Volkes durch indirekte Steuer» und Zölle." Referent: Kollege knie Karl. Charlottenburg: Volkahaus, Rostnenstr. 3, abend» k>/, Uhr. Steglitz: Re«tanrant Frlt»eh, Schüftcnftr. 40, abends 8'/, Uhr löpeniclc 11. krieilneiisiiage»: JärSSSSÄ hoistr. 44, abends 81/, Uhr. Bericht der Bezirksleitung und Neuwahl der Bezirksleitung. Ober-Schöneweide: �a"e8�1Äo6''u®iI6elmlBfn50f" Spandau* ,Scl,ubert8 lestBülc, Kurstr. 31, abends Tagesordnung in allen Derfammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert!: Die Verfammlnnge» werden Pünktlich eröffnet. Zahlreichen Bestich erwartet Tie Ortsverwaltung. Metallarbeiter- Notiz- Kalender für daS Jabr 1913 sind erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirks» tassicrcrn zum Preise von 60 Pf. pro Stück zu haben. Deigl ist erschienen: „Die Hrbdtozdtcn m der Eisen- und JVIetall- indultne Deutschlands" zum Preise von 50 Pf. pro Exemplar. vi« Ortsverwaltanig, und verwandter Berufsgenossen ZahlHtelle Berlin. Geschäftsstelle: C. 54, Mula-kstr. ip i._ Fernsprecher: Amt Norden, 4518 Sonntag, den 3.«eaon.ber lOH, vormittag» ,10 Uhr, im Gewerkschaf tNhan«, gioßcr Saal: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: Die Reichsversichernngsordttttnq. sekretär Genosse Reterhanael. BcrbandSangelcgcnHeiten. Et ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erseheinen. �20*_____ Ple Ortaverwaltang. Verband Buch-«.Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands'""k;.""1 Sonntag, den 3. Dezember, vormittags 11 Uhr: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung in Mörners Festsale«(früher Keller), Koppenstr. 29* (Stößer Saal). .,�-ligesordnung: I. Bericht über die Verhandlnugcu zu de« allgemeinen Be- stimmunge« in Leipzig. 2. Diskussion. Ansang präzise 11>,, Uhr. Eintritt«ur gegen Mitgliedsbuch gestattet.»M> Zahlreiche» und Pünktliches Erscheinen erwartet 28/13« Die Ortaverwaltang Monatsgarderobe Von Kavalieren getragene Ulster, Jackett-, Rock-, Frack-, Smoking- Anzüge. teils auf Seide gearbeitet sowie großes Lager in neuer eleganter Herren-Garderobe zu bekannt billigsten Preisen* Türkischer," erkennen Sie die anberechenbaren. Vorteile, welche Ihnen beim Einkauf von Gnrflerolie», Credit üV in dem seit über 30 Jahren besiehenden und In . allen Kreisen als streng reell und' überaus kulant anerkannten Credithaus Julius Giosau geboten werden. Anzahlung NeUCSte Müden Wochenrate von Herren-Anzügen, Ulstern, Paletots Damen-Kostümen, Mänteln, Blusen Röcken, Kleidern, Pelzwaren Mark an Möbel-Einrichtungen Mark an Achten Sie aber im eigenen Interesse auf die«It« Firma: jfcäbs Glogau G. m. b H. Im„..vcr.: 1 Im Osten: Oroolen-Str. 145-]� 6r.FrankforierSfr.137 am Moritzplatz 1 zwischen Frucht- u. Koppenstr I Wertvolle Weihnachts-Geschsnke gratis. AHM. OrtskrMeukasse »» Kerliu. Am Sanntag. 10. Dezember 1911. vormittags iv bezw. 19'/, Uhr, findet im G-wer-sch�aus�Engelustt lo, Drdenll. keneral-Versammlung statt, zu der die für 1910/1911 ge. wählten Vertreter hiermit ergebenst eingeladen werden. Um 10 Uhr» Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber. Tagesordnung: Wahl zweier Vorstandsmitglieder für 1912/1913 an Stelle der aus. scheidenden Herren OberSkh und Paulh. Um lO'l, Uhr: Versammlung sämtlicher Vertrete«. Tagesordnung: 1. Dortrag des Herrn Dr. Max Iacobsohn über die modernen Errungenschaften der Syphilis. behandlung und ihre Bedeutung für die Krankenkassen. 2. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Zahrcsrechnung pro 1911. 3. Antrag aus Gewährung einer Teuerungszulage an die Beamten der Kasse.„„. 4. Vensionierung eine? Kassenbeamten. 5. Reorganisation der Verwaltung. 6. Antrag aus Zulassung der Kasse als allgemeine OrtSkrankenkasse nach den Bestimmungm der Reichs- Versicherungsordnung. 7. Mitteilungen dee Vorstand«?. Versammlung der Vertreter der Kaffenmitglieder. TageS erdnung: Wahl von vier Vorstandsmitglledern für 1912/1913 an Stelle der au». scheidenden Herren P i e h l, Grambsch, Wetzkaugk und de» bereits ausgetriebenen Herrn Gene. verlin, den 1. Dezember 1911. Der Vorstand. Wilhelm Pichl, Vorsitzender. Ratenzahlung ohne Preisaufschlag! Von Unten Auf Ein neues Buch der Freiheit Gesammelt und gestaltet von Dr. Franz Diederich Mit 26 künstlerisch bedeutenden sozialen revolutionären Bildern und Bildwerken Preis: 2 Bände gebunden 6 M. Dem oft geäußerten Verlangen nach einer Neuausgabe der Gedichtsammlung„Bnch der Freiheit" hat unser Parteiverlag Rechnung getragen. 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Lesung aus? Es sollen vom 1. April 1912 ab die Gewerbetreibenden der- pflichtet sein, ein Verzeichnis der Personen zu führen, denen sie Hausarbeit übertragen oder durch welche außerhalb der Arbeits- statte des Gewerbetreibenden die Uebertragung erfolgt. Solche Re- gister, deren Führung den Unternehmern schon durch die Reichs- versicherungsordnung auserlegt ist, sind auf Erfordern der Orts- Polizeibehörde und den Gewerbeaussichtsbeamten einzureichen. DaS Aushängen von Lohnverzeichnissen oder Lohntafeln sowie die AuS- händigung von Lohnbüchern oder Arbeitszetteln ist zwar vorge- schrieben, soll aber— im Gegensatz zu den Kommissionsbeschlüssen — durch Kaiserliche Verordnung unter Zustimmung des Bundes- rats in Kraft treten. Als Z 1d4 der Gewerbeordnungsnovelle von 1891 in ähnlicher Weise daS Inkrafttreten einer Gesetzesbestim- mung solchem Wege überließ, dauerte es 19 Jahre, bis die Jnkraft- setzung erfolgte. Die wenigen obligatorischen Vorschriften des Ge- setzes sollen also noch nicht einmal in absehbarer Zeit in Kraft treten. Alle anderen Bestimmungen des Gesetzes sind lediglich Boll- machten für Bundesrat, Landespolizeibehörde und einzelne Polizei- behörden. Nach diesen Vollmachten kann die zuständige Polizei- behörde auf Antrag des GaverbeaufsichtSbeamten Einrichtungen anordnen, die zur Vermeidung einer durch die Natur des Kon- traktes nicht gerechtfertigten Zeitversäumnis der HauSarbeiter bei der Empfangnahme oder Ablieferung der Arbeit erforderlich sind, also z. B. die Aufstellung von mehreren Tischplatten verlangen, jedoch nur, wenn dies„ohne unverhältnismäßige Aufwendungen ausführbar" ist. Die Polizeibehörde kann ferner auf Antrag des Gewerbeauftichtsbeamten, soweit sich in einzelnen Gewerbezweigen aus der Art der Beschäftigung Gefahre» für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit ergeben, zur Beseitigung dieser Gefahren Maß- nahmen anordnen, auch die Beschäftigung von Kindern über die im Kinderschutzgesetz gegebene Altersgrenze hinaus verbieten. So- weit sich in einzelnen Gewerbezweigen, insbesondere solchen, welche der Herstellung, Verarbeitung oder Verpackung von Nahrungs- oder Genußmitteln dienen. Gefahren für die öffentliche Gesundheit er- geben, kann die zuständige Polizeibehörde durch Verfügung für ein- zelne Werkstätten anordnen, wie diese und die Lagerräum« ein- schließlich der Betriebsvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften einzurichten und zu unterhalten sind, und wie der Betrieb zu regeln ist, um die Gefahren auszuschließen. Außerdem kann die Polizei- behöcde anordnen, daß Räume, in denen Nahrungs- oder Genutz- mittel hergestellt oder verarbeitet werden, zu bestimmten anderen Zwecken nicht benutzt werden dürfen. Der Bundesrat, eventuell die Landeszentralbehörde, endlich können bestimmen, welchen An- forderungen zum Schutz von Leben, Gesundheit und Sittlichkeit und bei Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln zu genügen ist. Auch kann er die Verrichtung solcher Arbeiten in der Haus- arbeit verbieten, welche mit erheblichen Gefahren für Leben, Ge- sundheit oder Sittlichkeit der HauSarbeiter oder für die öffentliche Gesundheit verbunden sind. Wer solchen von der Polizei oder dem Bundesrat erlassenen Vorschriften zuwider handelt, also z. B. der Heimarbeiter, der sanitätswidrig enge Arbeitsräume benutzt, wird bestraft. Endlich soll der Bundesrat die viel diskutierten Fachausschüsse für bestimmte Gewerbezweige oder Gebiete errichten können. Vielleicht kommt in dritter Lesung noch eine Vorschrift in das Gesetz, die klar alle Kategorien Arbeiter dem Recht des Arbeitsvertrags unterwirft. Angesichts dieses Ergebnisses meint die„Frankfurter Zeitung": „Da möchte man wünschen, baß in der Sache lieber gar nichts geschehen wäre. Großen Wert hat das Gesetz nicht, da der wichtigste Punkt, die Lohnfrage, überhaupt nicht geregelt wird, und es ist eine alte Erfahrung, daß ein mangelhaftes Gesetz, so ungenügend es auch sein mag, eine baldige gründlichere Regelung hintanhält." Die Wertlosigkeit«ineS solchen Gesetzes haben wir stets ebenso einge- schätzt. Wir betonen auch wiederholt, daß wir es für eine Unbillig- keit ersten Ranges halten, der sich eine ähnliche schwer an die Seite stellen läßt, daß der Heimarbeiter, der ungesunde Werkstätten hat, weil sein Lohn so außerordentlich niedrig ist, für die Folgen der Niedrigkeit seines Lohnes bestraft werden soll, wenn diese Polizei- oder bundesratswidrige Verhältnisse bedingen. Die Not- wendigkeit von Mindestlöhnen und anderen wirtschaftlichen Maßnahmen liegt auf der Hand. Im Reichstag ist sie auch besonders von sozialdemokratischer Seite scharf betont worden. Di« bürger- lichen Parteien haben aber der Expropriation der Aermsten ohne Entschädigung vorgearbeitet. Sache der Sozialdemokratie wird es sein, schon in der kommenden Session auf eine Aenderung des Gesetzcsinhalts nach der dargelegten Richtung hin zu wirken. Ob eine solche Aenderung leichter durchzuführen ist, nach Annahme oder nach der Ablehnung des blutleeren Gesetzes, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls zeigt die Behandlung des Hausarbeiterschutzcs abermals, daß die Regierung und bürgerlichen Parteien die Schuld an dem Hinausschieben einer Linderung des Heimarbeiterelends tragen._ Hus Induftm und ftendel. Hilfe für eine christliche Bank. Der verkrachte Führer der Wiener Christlichsozialen, Erminister, Pensionensammler und Oberwahlschwindler Dr. Albert G: ß m a n n gründete, als er seinen Stern sinken sab, eine Baukreditbank, deren Pfandbriefen er von der dienstwilligen Regierung schnell die Miindelsichcrheit zu- erkennen ließ. Die Bank lvar, blieb und ist faul. WaS tun da die christlichsozialen Verweser der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien? Sie belehnen bei der Wiener Zentralsparkasse, für die das ganze Vcrniögen der Stadt haftet, einen großen Haufen der Geßmann-Pfandbriefe und als sich die Oesterreich-Ungarische Bank sträubt, solch faule Geschäfte mitzumachen, droht GeßmannS Bank, der zur Ueberwackung der Notenbank eingesetzte Staats- kommissar werde ihr schon Kredit bei der ersten Bank des Reiches vorschaffen. Unsere Genossen interpellieren wegen dieses un- erhörten Vorgehens. Berichtigung. In dem Artikel.Kartoffelpreise, amtliche Statistik und Herr Calwer" ist durch ein technisches Versehen die Angabe der Kartoffelpreise für Berlin ausgefallen. Der betreffende Satz muß im Zusammenhange lauten:„Die Preis- zusammenstellungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin geben z. B. als Kleinhandelspreise in den städtischen Markthallen pro Kilo als Durchschnitt aus den Wochenpreisen für den Sep- tember d. I. als niedrigste Notierung 9,93 M. und als höchste Notierung 9,14 M. an. Für den Großhandel lauten die eul- sprechenden Zahlen 3,38 M. und 5,35 M.(für 59 Kilo). Die Spannung zwischen Großhandels- und Kleinhandelspreisen würde danach für die schlechteste Kartoffelsorte etwa 12 M., für die beste etwa 33 M. betragen." Versammlungen. Zcutralverband der Zimmerer. In der außerordentlichen Zahl- stellcnversammlung(Delegiertenversammlung) der Zahlstell« Bcr- lin, die am Mittwoch bei Graumann in der Naunynstraße tagte, hielt der Genosse Arbcitersekretär Wissel! einen äußerst instruk- tiven Vortrag über:„Vcrsicherungsfragen", der mit lebhaftem Bei- fall aufgenommen wurde. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit der Frage eines Winterbeitrages. Schon der ordentlichen Zahlstellenversammlung vom 9. November lagen daraufbezüglichc Anträge vor. Die Versammlung beschloß denn auch, in den Bezirken für Erheben von Wintcrbeiträgen zu wirken und in einer späteren Versammlung endgültig zu beschließen. Als Resultat der Verhandlungen in den Bezirken lagen nun nicht weniger als 23 An- träge vor, die einen Winterbeitrag in verschiedener Höhe verlangen. Nach längerer Verhandlung beschloß die Versammlung, in den zwölf beitragsfreien Winterwochen einen Beitrag von wöchentlich 89 Pf. zu erheben. Kranke und arbeitslose Mitglieder sind von der Zahlung dieses Beitrages befteit; letztere jedoch nur dann, wenn sie sich des Dienstags und Freitags während der Arbeitszeit im Verbandsbureau oder in den Kontrollstellen zur Kontrolle melden. Vom Vorsitzenden Witt wird mitgeteilt, daß den ausgesperrten Tabakarbeitern als erste Rate 599 M. überwiesen sind und daß der Vorstand bereit ist, nochmals den gleichen Betrag zu überweisen, wenn dies notwendig werden sollte. Die fälligen Bezirksversamm- lungen sollen so schnell wie möglich erledigt werden, damit die Mit- glicder Zeit für den Wahlkampf gewinnen. Mitgeteilt wird noch, daß mit dem 2. Dezember laut Tarif die siebenstündige Arbeitszeit beginnt, die überall strikte innezuhalten ist. Mit dem gleichen Datum ist auch der letzte Beitrag für die Zentralkasse fämg. Deutscher Buchbinderverband. Die schon seit längerer Zeit schwebende Beratung eines neuen Ortsstatuts stand am Donners- tag wieder auf der Tagesordnung der Generalversammlung der Zahlstelle Berlin. Die Kommission legte einen Entwurf vor, den Herzog erläuterte.§ 1 des Entwurfs sieht gegen das bisher geltende Statut die Aeicherung vor, daß die Ortsverwaltung nicht mehr aus 17, sondern aus 13 Mitgliedern bestehen soll, wodurch aber an der Vertretung der Branchen in der Ortsverwaltung nichts geändert wird. Der erste Vorsitzende der Ortsverwaltung soll durch Urabstimmung gewählt werden. Die Beschwerdekomm, ssion, die bisher eine Unterkommission der Ortsverwaltung war, soll nach dem Entwurf eine selbständige Körperschaft sein und ihr Vor- sitzender soll von der Ortsverwaltung gewählt werden, während die Generalversammlung die übrigen Mitglieder wählt. Die An- träge auf Gewährung von Rechtsschutz sollen künftig von der Orts. Verwaltung erledigt werden, während bisher die Unterkommission dafür zuständig war. In seinen weiteren Bestimmungen bringt der Entwurf die Neuerung, daß ein JugendauSschutz eingesetzt werden soll und daß die Goldschnittmacher nicht mehr eine bc. sondere Branche, sondern eine Sektion der LuruSpapierbranche bilden sollen. Aus der Versammlung wurden mehrere Abänderungsanträge zum ß 1 gestellt und eingehend diskutiert. Ehe die Diskussion über den Z 1 beendet war, beschloß die Versammlung, die weitere Beratung zu vertagen und zur Fortsetzung derselben eine General- Versammlung an einem Sonntage zu veranstalten. »iliv Dauer vom 2. bis 10. Dezember Für Weihnachts- Bescherungen Ausnahme-Preise für Tausende von Knaben- und Jünglingssachen Blaue Cheviot- Anzüge L"»« 291 Farbige Stoff"AnZÜgC 4 Pa. Manchester- Anzüge S-Ä'Ä 621 Kammgarn- Anzüge uÄÄ 62° Norfolk-Anzüge 62° Ouecfonlril-l-öl K*mme*rn und Chertoi. In IxUSSeniViriCl lldUcde» Größen......./ M. Jackett-Anzüge 72° Jackett- Anzüge nÄrÄv?; 92° Schüler- Hosen FUT"'. 2 m. 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Herl. Reiebstags-f abM. Am Mittwoch, den 29. November, verstarb unter Mitglied, der Schneidermeister Ulbert Äehold Grenadierstr. 20(4. Abt.) Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Dezember, nachmittags llj3 Uhr, aus dem Gcorgen-Kirchhos am Königstor statt. 289,2 Der Vorstand. Vesband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale GroB-DcrIIn. Durch den Tod ist uns unser Mttkämpser. der Kolleg« Lermsmi Anrieh von der Sektion III, Werkstatt, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrende» Nudenken bewahren. Die Bestattung findet heute. Sonnabend, den 2. Dezember, nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirch- hoseS in Rixdorf, Hermannftrahe, aus statt. 31/20 Die OrtSvcrwaltnng. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlntello Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mahschuh- macher Paul Mahling plötzlich verstorben Ist.' Ehre feinein Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Golgatha-Kirch. HoseS, Barsusstraße, au» statt.. Um rege Beleiitgung ersucht 170/7 Der' Dentseher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Alfred Zademack nach kurzem Leiden gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr. vom Entmaus- Kirchhos in Britz aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 26/11 Die Ortsverwaltuug. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Mannes und Vaters \ViIii Heintzmann Krastdroschkensührer sage ich hiermit allen Verwandten, Bekannte» und Kollegen meinen besten Dank. Witwe Gertrud Heintzrnanu und Kinder. Danksagung. Zür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Manne» Ntax Hammer sage allen Veiwandtcn, Freundln und Bekannten, insbesondere seinen Kollegen, den Vertretern des 6. Reichs- tags-WablkreiscS und des Deutschen Metallarbciter-Verbandcs, sowie den Mietern deS HauscS Kopenhagener Straße 43 für die herrlichen Kranz- spenden meinen herzlichsten Dank. gm Namen der Hinterbliebenen Harle Hammer geb. Schmidt, Berlin, esfmmvn ■Bohrenstrasse 37a(nahe Jerusalemer Strasse) Gr. frankfurter Str. IIS(nahe Andreasstrasse) Dia herrlichsten Plüsch- Mäntel nein Duixend- oder MaBSengeare.'n Velour» du Nord, echt engl Seat etc jetzt 33.45- 59.- 75-.100.135-.«,T sonst dl» 210.- Einzelne Modelle neah erhebllrt» billipere nie onsHocfon l �endmönlel Die apartesten J Esklmo-Frauenmän rel Jc!»tl5- 39.39- 52- 65-*. T. sonst M» 110.- _ Einzelne Modelle noch erhebUeh billiger-_ Die feschesten Ulster u. Flauschmäntel jet»» 10 IS- 17--«H'-. 30 4Ä.» T sonst bl*75.- Elnzelne Modelle norb erhel>Heh billiger,_ SiX Kostüme GesellsühaltekieWer Jetsi 20-.28.-.36-.50-.75 95 i T.-onst bl» 160. Ehiselne Modelle poeb erheblich billiger. 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I 3 Hl � FVS ÄÄ SÄ HU St Äh �drsn��/'uekonvalssÄi� SÄ HU f1 SÄ fl H H H SÄ" Rotwein« iiiiarmey i%paiiite feMpig süßen r-uuic« 20. Ziehung 5. Kl. 225. Kgl. Preuss. Lotterie. ZIahung vom 1. Dosember 1911, vormittag». Kol die Gewinne Uber 240 Mark etnd den botrettende« Nummern in KLammern beigefügt. Dl« Gewinne fallen auf die bezeichneten Lose beider AJrtoilnngen. (Ohne Gewahr.)(Nachdruck verboten.) 38 380 648 058[500] 874 1125 230 47 453 633 685 782 837 974 84 2110 40 254 310 20 489 528 81 628 744[1000] 75 874 3015 60 168 223 409 93 791 4091 150 86 240 300 441 680 92 601 1500] 764[600] 890 913 5050 200 353 413 55 526 663 944 43 6108 203 ■ 30 323 431 612 89 931 7141[500] 70 233 42 318 87 1600] 627 651[3000] 873 8187 2S0 374 415 684 700 33 81 83[500] 03 022 60[500] 61 83 9247 309 17 44 90 604 69 90 770 910 10159 275 93 313 14 408 672 87 630 92 762 74 [1000] 943 70 11020 66 337 413 30 48 668 73 643 773 813 925 12003 102 04 76 423 28 92 674 947[600] J 3013 390[1000] 400[1000] 678 92 793 900 61 14185 205 361 472 568[1000] 91[600] 644 709 037 15020 73 132 421 624 618 48 87[1000] 19093 219 65 88 363 443 65 917 28 27 29 77 17003[600] 60 171 344 419 65 554 601 30 67 03 616 1.8124[3000] 205 67 613 36 64 625 00 742 833 18193. 278 94 336 888 85 20112 37 473 610 043 90[1000] 833 883[600] 21078 108 61 94 647 75 97 837 05 901 43 22044 63 124 31 68 228 23039 89 113[3000] 65[3000] 434 602 C65 2 4247 642 748 2 5017 47 239 331 457 852[1000] 67 26245 398 447[600] 66 998 27300 4 28 61 424 629 022(1000! 24 28021 79 85 228 378 878[10000] 211279 370 403 674 921 301)9 70 73 84 207[1000] 610 63 798 970[1000] 93 31042[6001 304 668 61 703 28[1000] 865 900 :jai60 72 261 400[600] 2 828 41 739 801 907 33382 ■ 508 686 723 884 34070 219 318 442 604[600] 8 33 641 83 003 35002 49 69 132 265 1600]' 333 678 791 627 047 62 36190 883 481 605 18 67 703 844 3 7201 315 453[1000] 668 70 821 73 33150 85 241 334[1000] 620 701[500] 37 43 812 28 64 083 91[3000] 39032 83[500] 160 70 214 83 399 467 69 884 708 88[8001 74[3000] 822 915 4O034[600] 134 839 9 2 97 76 5 637 937 92 06 41201[500] 332 437 500 6 95 714 070 91 42051 163 497 603[3000] 43104[10000] 88 271 360 467 78 662 83 639 94 963 44111 288 393 08 423[1000] 668 739 63[3000] 73[690] 45126 223 60 446 86 608 050 48030 63 231 63 03 328[600] 38 502 83» 41 764 07 941 64 47164 467 809 62 48292 448 697 769 084 49018[1000] 22 43 125 99 342 94 603 67 85 745 998 EO010 70 326 64 643 744 881 82 61078 354 00 438 500 07 670 741 944 49 52017 71 237 364 631 98 013 25 43[6001 55 733 43 851 53160 273 659 703 15000] 54209 37 395 563 661 55291 602 855 66003 152 65 82 224 05 79 301 44 609 636 40 47[500] 57040 68 154 251 325 452 630 72 600 782 68145 222 44 92 342 73 633 700 13 33 874 983[600] 69085 121 37 80 230 38 450 09 565 679 701 828 938 77[1000] 80161 232 619 601 29 739 929 01170 75 227 820 493 613 685 08 719 62027 48 68? 65 700 000 62 63323 639 834 70 64092 163 676 619 20 723 033 74 65001 5[1000] 23 262 390 605 8 48 944 66192 720 914 67083 148 323 689 618 4 2 47 66038 78 84 153 308 88 424 69 633 67 603 68 75 761 861 63 08 68022 91 360 76 562 77 741[3000] 67 88 98 033 60 77 78005[3000] 129 219 397 477 93 615 695 644 [600] 978 71077[500] 131 63 87[3000] 635 648 72 702 4ö 835 833 72286 368[8001 602 700 099 73031 «4 85 178 274 90 370[600] 97 484 805 18[3000] 727 b7 78 803 995 74202[3000] 327 87 621 28 712 887 575137 61 68 371 468 029 840 907 64 78106[1000] ■85 68 80 3U, 008 82 855 97[iOvzO] 780 803 014 SS 60 77013 60 244 348 571 80 701 59 60 76085 253 363 13000] 419[500] 612 760 816 31 801 79201 328 652 .',09 870 951 63154 232[1090] 61 65 620 47 096 81135 33 ai 457 71 663 74 77 644 83 784 808 07 62188 207 ?3 353 463 638 788 93[1000] 870 78 973 63148 295 382 fldOO] 581 33 92 822 962 84139 443 045 50 68 .70 877 954 aECrie 161 61 344 79 464 640 618[1000] 32 773 908 35 91 86025 273[1000] 338 636 775 868 [1000] 985 8 7003 162 414 27 658 739 913 8 8047 61 72 193 304 45 453 635 723 80059 91 235 380 407 38 623 601 71 703 0O138 98 358 88 631 6" 754 853 979 91043 113 17 237 BIO 760 044 089 92142 391 458 597 623 24 839[10001 93100 27 33 42 97 441 024 25 889[600] 004 21 24 71 04072 178 353 403 90 97 625 40 787 S3C48 69 514 44 600[600] 33[3000] 49 67 7 81 9 6 204 523[600] 58 012[3000] 69 724 933 65 64 97010 39 609 44 808 86103[600] 17 06 370 97 439[600] 7» 610 15 566[1000] 930 30»5 99145 831 33 400 07 064 751 900 64 199064 69 169[8900] 351 873 408 60 886 73» 19 1 041 49 117 48 610 825 27 102455[1000] 61! 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Ziehung 8. KI. 22S. Kgl. Preuss. Lotterie.,, j.' v»«i>.ing vom 1. Dezember 1811, (fa die Gewinn* über 340 Mark itad den b> Nummern tn Klammern belgetOgä 1DM Gewinn* lallen tut die beselohneten lob beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.))(Nachdruck verbeten.) ' 304 854 455 872 819 073 1108 403 858 313 45 2302 3 437 604 737 48 61 806 13 045 62 Slöl«03 65 639[1000] 03 670 726 876 003 4057 488 672 704 5120 216 06 806 601 46[1000] 660 066 6018 106 37 45 318 882 683 088[3000] 718[1000] 873 T« 7008 13000] 123 88(600) 61 408 613[10001 T78 8046 87 (1000] 141 60 303 463 624 80 768 8034 193 824 663 62 784 839 000 10184 857[500] 440 71 818 TT 08 11051 160 78 237[3000] 73 328 613 8« 789 801 4«(600) 065 [500] 78[10001 12011 140 607 51«3 18000] 78 762 »8 627 46 72[3000] 01» 18086 361 895 741 838 1 4038 106 304 33 64 65 852 04 604 8 71 800 40 703 64 811 01 18140 71 77 627 67 660 66 03 18063 143 870[600] 01 640 60 669 17081 835 002 18018 367 620 (30001 85 632 710 36 638 19145 807 83 401 600 64 87 625 40 870 90 060 09 20311(10001 65 77 651 761[500] 668 03 037 21423 41 674 22195 201 10 312 491 827 672 763 70 OOS 2800» 235 0 5 7 4 318 4 61 650 820 4 0 67 7 68 648 24013 41 83[ 600] 200 48 361 400 666 2 5008 20 161 223 300 438 665 84 631 753 2 8096 198 211 77 635 733 61 803[10001 023 48 2 7 009 60 335[3000] S24 83 04 507 8 637 769[600] 828[1000] 83(10001 08[5001 28042 234 611 63 603 33 77 706 69 073 29730 820 35 31 45 BS 030[600] 3O003 15 845 65 69 481[500] 625 06 783 635 88 3 1 400 9(3000) 613 738 857 041 68 32114 256 303 403 33 75 620 71 629[1000] 800 063 3 3062 185[600] 293 331 38 78 613 03 85 820 003 34012 443 623 603[1000] 810 42 87 064 35139 67 305 402[600] 13 77 64 629 610 92 779 642 00 064 38350[1000] 73 430 78 600 613 45 02 771[1000] 851 066 78 37018 141 07 405 605 T 40[1000] 715 836 45 003 6 3 8355 810 86 38118 30 229 828 872 687 043 4O063 208 880 425 62 65 754 509 71 74 028 41058 222 60 312 31 69 611 741[1000] 801 42036 127 434 644 643 SSO 43061 138 78 333 456 649 1600] 645 79[600] 764 807 860 4 4232 333 07 603 45103 65 385 648 741 361 813[1000] 48006 101 275 554 686 645 090 4700» 79 762 63 840 080 48010 33 374 863 666 638 883 087[1000] 49108 617 18 803 63 700 37 890 016 35 58041[600] 267[3000] 73 356 653 733 074 81320 494 524 716 031 64 993 52018 113[600] 44 64 392 664[1000] 852 021 63070 85 421 BIS 84 674 771 828[600] 66 5 4460[1000] 622 809[600] 61 65160 443 701 800 051 58143 405 673 77 804 Dl 5 7011 38 268 438 67 64 603 060[600] 58183 885 634 99(10001 020 59134 91 620 43 932 60110[1000] 333 61 83 61164 234 311 67 433 767 853 920 62 85 09 62068 116[10000] 626 08 96 09[600] 657 60 784 824 63007 250 360 00 407 634 729 68 805 77 64023[600] 43 63 324 38 410 [600] 839 40[600] 041 65081 169 209 343 86 482 663 87 03 702 012 CS 67 66005[500]«1 167«9 455 76 714 727 84 043 67086[3000] 07 128 60 834 68[560] 564 02 737 813 25 68314[600] 03 432[500] 608 31 74 780 025 68407 674 639 776 85 807 08 70111[10001 09 209 67 333 413 93 537 615 71 007 7 1 060 123 358 66 669 60 733 72112 231 312 401 «85 892 018 63 73046 90 196 307 15 16 64 423 33 661 62 81 610 738 864 74016 80 212 657[600] 352 602 601 718 61 78(3000) 812 7 5263 93 463 619 602 «36 62 78128[600] 88 99 247 355 480(600) 643 70 620 01 705 85 875 09 056 77008 214 83 600 732 008 28 40 78083 03 334[600] 661 623 784 867 79041 «4 1600] 110 28 65[1000] 317 400 607 68 625 61 .725 030 81 00068 317[1000] 43 83 480 678 080 03 81012 HT 65 439 766 79 890 088 82149 394 407 77 650 710 33 78 83071 65 139 321 29 493 645 677[10000] 783[3000] 941 65 68[500] 84144 201 675 761 803 J50O] 25[1900] 65[500] 81 85263 419(1000) 60 1600] 00[3000| 623 38 82 607 041 88Ö50 124[1000] 43 863 4T3 79[1000] 668 80 85 789 8 7007 8 240 11900] 4P 68 606«23 07[1000] 016 17 88038 07[6901 334 43 79[600] 6B8 718 21 60 8 9038 72 11000] 63 1500] 168 226 839 54 67 689 700 10 043 L 80 041 01 173 79 2 27 3 09 3 3 4 8 410 13 591 30 «1000] 03» 9 1264[600] 315 485[1000] 663 737 02069 170 470 0? 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Berlin, güt des gnjeratenteil verantS-t Th. Blocke, Berlin,»rvck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanftqlt Paul Singer u. Co.. Berlio SW. Nr. 282. 28. ZshrMz. 4 Mm des Jorairts" ßttlititt lolbtlatt. Sonnabend, 2 Dezember lSll. Partei-?Znge!egenkeiten. Vierter Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlvereins zur Aufstellung des Reichstagskandidaten kann erst am Donnerstag, den 7. d. M., in MärnerS Festsälen. Koppenstrabe 29, stattfinden. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Sonntag, 3. Dezember, früh 8 Uhr, Hand- gettelverbreitung in der 1.» 2., b.. 6. und 1l. Abteilung. Die Ge- nassen werden ersucht, sich zahlreich in den Bezirkslokalen einzu- finden. Der Vorstand. Steglitz. Mittwoch. K. Dezember, abend? 8% Uhr. im..Birken- waldchen", Schützenstraße, öffentliche Versammlung. Tagesord- � nung:„Die bevorstehenden Reichstagswohlen und die politischen Parteien." Referent der Kandidat des KreiseS, Reichstagsabgeord- neter Fritz Zubeil. Die Genossen werden ersucht, für zahlreichen Besuch der Versammlung zu sorgen. Am Dienstag, b. Dezember, abend» von 6 Uhr an Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Mahlsdorf(Ostbahn). Den Genossen und Genossinnen zur Kenntnis, daß die für Sonntag, den 3. d. M. angesetzte Flugblatt- Verbreitung und Volksversammlung besonderer Umstände halber auf Sonntag, den 10. d. M. verlegt werden mußten. Die Bezirksleitung. Biesdorf. Sonntags den 3. Dezember, nachmittags 2 Uhr. in den Schiller-Sälen(Jnh. Wilke). Königstratze, öffentliche Vev- fammlung. Vortrag des Genossen Fritz Tarnow-Friedrichshagen: -Auf zur Reichstagswahl!" Genossen, sorgt für zahlreichen Besuch. Die Bezirksleitung. Tasdorf, Rüdersdorf, Kalkberge. Sonntag, 3. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, finden zwei öffentliche Versammlungen in folgenden Lokalen statt: Volkmann, Schützenhaus und Gehrmann, Thüringer Hof. Tagesordnung:„Die Politik des schwarz- blauen Blocks und die bevorstehenden Reichstagswahlen." Re> ferenten: Karl Liesegang und Jul. Grunow. Genossen! Sorgt für Massenbesuch der Versammlungen. Die Einberufer. , Grünau. Am Sonntag, den 3. Dezember, vormittags 8 Uhr. vom Lokal des Genossen Franz Handzettelverbreitung zu der am Dienstag, den ö. Dezember, stattfindenden öffentlichen Versamm- lang. Der Borstand. Friedrichshage«. Am Sonntag, den 3. Dezember, früh von den bekannten Stellen aus Handzettekverbreitung. Die Bezirksleitung. Friedrichsfelde. Morgen, Sonntag, Handzettewerbreitung. Dienstag öffentliche Versammlung. A. Stadthagen spricht über: „Teuerung, Kriegshetze und Reichstagswahlen." Kgs.-Wufterhausen-Wildau und Umgegend. Sonntag, 3. Do- zcmber, nachmittags 3 Uhr. im Lokal der Wwe. Mohorn(Altes Schützenhaus), öffentliche Versammlung für Männe» und Frauen. Reichstagsabgeordneter Genosse Brühne wird über:„Der gegen- wältige Reichstogswahlkampf und die Verleumdungen der Gegner" sprechen. Es wird erwartet, daß jeder Genosse für guten Versamm- lungsbesuch sorgt. Am Dienstag. 5. Dezember, Extrazahlabend für die Bezirke Wildau und Kgs.-Wusterhausen. Es soll die Ginteilung zur Relchs. tagswahl vorgenommen werden. Der Vorstand. Fichtenau und Umgegend. Sonntag. 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr. im„GesellschaftShauS"(Inhaber Balzer), öffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Die bevorstehende Reichstags- , Wahl." Referent: Dr. Moses, Berlin. Diskussion. Der Einberufer. j Tegel. Sonntag. 3. Dezember, nachmittags IH Uhr. veranstaltet der Bezirkswahlverein für die Kinder seiner Mitglieder und deren Angehörigen in TrappS Fesffälen(Inhaber M. Gamm), Bahnhofftr. I, eine Märchenvorstellung. Zur Aufführung gelangt: „Rumpelstilzchen". Märchen in vier Bildern. Eintritt für Kinder unter 14 Jahren 10 Pf., Erwachsene 1b Pf. Gleichzeitig wird auf den am Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8 Uhr in demselben Lokal stattfindenden Lichtbildervortrag: „Eine Reise durch Island" mit anschließendem Tanz hingewiesen. Eintritt für Erwachsene 25 Pf., jugendliche Personen unter l8 Jahren 10 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach Die Bezirksleitung. Spandau. Sonntag, 3. Dezember, früh 8 Uhr, von allen Be- zirkslokalen aus wichtige Flugblattverbreitung. Des weiteren findet vormittags lll-h Uhr in dem großen Saal der Brauerei Pichelsdorf eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Partei- sekretär Genosse Hermann Müller- Berlin über die bevorstehende I ReichstagSwahl referiert. Ein jeder sorge für Massenbefuch. Der Vorstand. Potsdam. Sonntag, 3. Dezember, nachmittags 2 Uhr. Ver- sammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Molkereibesitzers Alb. Arnholdt, Behlertstr. 16. Referent: Kandidat. Genosse Dr. Karl Liebtnecht-Berlin., Lerlmer Nachnchtm Die Teuerungszulage der Stadt Berlin. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen. allen verheirateten in städtischen Diensten stehenden Personen, deren Verdienst 2000 M. im Jahre nicht übersteigt und die bereits 3 Monate im städtischen Dienste stehen, eine einmalige Beihilfe von 40 M. zu gewähren. Es kommen rund 12 500 Personen in Betracht, so daß eine Aufwendung von zirka einer halben Million Mark aus städtischen Mitteln erforderlich wird. Der Stadtverordnetenversammlung wird unverzüglich eine entsprechende Vorlage zugehen. Sofern die Versammlung dem Magistratsbeschluß absolut zustimmt, soll die Auszahlung der Teuerungszulage möglichst noch vor Weih- nachten erfolgen._ lieber befrfjräntten Briefmarkenverkauf nach Schluß des allgemeinen Schalterdienstes wurde vor einiger Zeit an dieser Stelle Beschwerde geführt. Es gab Postbeamte, die sich allzu sehr nach dem Buchstaben der Bestimmung richteten, daß nach Schalterschluß nur Postwertzeichen in kleinen Mengen bis zu 10 Stück abgegeben werden sollen. So kam eS vor, daß mit bureaukratischer Genauig- keit die elfte Marke verweigert wurde, obwohl die Äerabfolgung nicht einen Deut mehr Arbeitsleistung erfordert hätte. Unliebsame Auseinandersetzungen dieserhalb gab es häufiger. Wie nun die„Vossische Zeitung" berichtet, hat jetzt die Ober- Postdirektion Berlin alle ihr unterstellten Postanstalten angewiesen, beim Markenverkauf nach Schluß der Schalterdienststunden jede Engherzigkeit zu vermeiden und auf Wunsch auch mehr als zehn Marken zu verabfolgen. Dies darf natürlich nicht in der Weise ausgenutzt werden, daß man nun darauf pocht, größere Marken- mengen für viele Mark zu erhalten. Ein Aktenhefter wird gesucht. In klemen Dingen ist die preu. ßische Staatsmaschinerie groß. Hunderttausende werden oft mit einem Federzug zum Verpulvern bestimmt. Bei Lappalien ist man §enau bis zum tz. Durch ein 22 Druckzeilen langes Inserat in Tageszeitungen suchen Präsident und Erster Staatsanwalt des Ber- jllner Landgerichts II einen Aktenhefter. Das ist etwa keine Staats- stellung, denn sonst müßte man ja erst den Titel„Königlich preu- s ßischer Aktenhefter" schaffen. Die Arbeit wird also nach der An- kündigung vergeben an geeignete Bewerber, die bei zehnstündiger Arbeitszeit täglich„höchstens" 3.75 M., abzüglich der Invaliden- beitrüge, verdienen wollen. Damit alles am schwarz-weißen Schnür- chen läuft, ist bis zur Annahme der schriftlichen Meldungen eine Frist geseht. Pünktlich mittags um 12 Uhr am 15. Dezember erfolgt in hoffentlich recht feierlicher Form die Eröffnung der An- geböte. Innerhalb zwei Wochen später muß der Zuschlag erteilt sein. Wer sich überzeugen will, ob er für den Riesenlohn nicht etwa auch noch den Sackzwirn zugeben mutz, kann in der Präsidial- Gerichtsschreiberei die Bedingungen einsehen. Und das alles um einen Aktenhefter, der nicht mal Universitätsreife oder Zivilver- sorgungsschein zu besitzen braucht. Also immer ran an den fetten Posten! Nach fünfzigjähriger treuer Aktenhefterei gibtS zwar keine Pension, aber vielleicht das allgemeine Ehrenzeichen. Das abermalige Berliner Sechstagerennen, das den Unter- nehmern die Taschen füllen sollte, ist verschoben worden, weil wegen gleichartiger Konkurrenzen im Auslande die nötigen Fahrer nicht zusammenzutrommeln waren. Am besten wäre es, daß hier auf- geschoben— aufgehoben bedeutet. Alle ernsten Sportkreife be- danken sich für diesen faulen Zauber. Die Baugrube der Untergrundbahn an der Stralauer Straße. wo der Tunnel unter der Spree gebaut wird, ist noch voll Wasser. Um 1 Uhr nachts hörte der Zufluß dös Kondenswassers aus dem geplatzten Abflußkanol der Berliner Elektrizitätswerke an der RathauSstraße auf. Dieses Berliner Elektrizitätswerk hatte den Betrieb eingestellt. Da infolge der inzwischen in Betrieb gesetzten zweiten Kreiselpumpe das Wasser langsam abnahm, rückte die Feuerwehr mit ihren Dampfspritzen wieder ab. Die beiden Kreiselpumpen schafften in der Nacht Riesenmengen des eingedrungenen Wassers wieder heraus. Im Laufe des Tages wird man wohl, da man inzwischen auch die Bruchstelle hat dichten können, des Wassers Herr werden können. Gestern früh hat man aber die Benutzung der Kloster- und Stralauer Straße für den Verkehr sperren müssen. Das Wasser hat dort das Erd- reich gelockert und die Spundwände der Holzbrücke, unter der ge- arbeitet wurde, zum Teil unterwaschen, so daß die Gefahr besteht, daß diese Holzbrücke unter der Last der Straßenbahn- und anderer Wagen einstürzen kann. Die Wagen der Linie 28 in beiden Richtungen wurden durch die Münz- und Alexanderstraße, Jannowitzbrücke, die Linie 20 und 80 über den Köllnischen Fisch markt und die Linien 76 und 78 sowie 7g und 92 teils über den Alexanderplatz, teils durch die Andreasstraße abgelenkt. Die Ver- kehrsstörung dauerte von 7.30 Uhr bis 11,15 Uhr. Ein schwerer Lauunfall ereignete sich gestern mittag auf dem Neubau Schwedter Straße 16. Dort stürzte der Maurer Gebert, der mit dem Ausmauern des Hauptgesimses am Dachgeschoß be- schäftigt war, während der Arbeit auS dem fünften Stockwerk ab und fiel auf die Straße, wo er besinnungslos mit schweren Ver- letzungen liegen blieb. In bewußtlosem Zustande wurde der Ver- unglückte mittels Krankenwagens nach dem Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt. Einbrecher aller Art waren in den letzten Wvchen wieder eifrig an der„Arbeit". Gute Beute machten Schaufenstereinbrecher in der Nacht zum Freitag in dem Goldwarengescbäft von Minowa in der Wilsnackerstraße 12. Die Diebe schnitten ein 30 X 30 Zenti- meter großes Loch in die Schaufensterscheibe und langten durch die Oeffnung 20 mattgoldene Damenremontoiruhren, die teilweise mit Sprungdeckel versehen sind, ein rundes Tablett mit 30 bis 40 Damen- brillantringen, unter denen sich auch einige Similiringe befinden, und einen PräzisionSankertaschenwecker heraus. Der Gesamt schaden des Bestohlenen beläuft sich auf ungefähr 1800 M. Als ein Wächter um 2 Uhr nachts vorüberkam, fand er daS Loch in der Scheibe, die Diebe aber waren bereits mit der wertvollen Beute spurlos verschwunden. Ueber die Dächer gingen Geldschrankeinbrecher vor, die in der Nacht zum Donnerstag die Bureauräume der Manufakturwaren- Großhandlung der Gebrüder Eisenberg in der Französischenstr. 33c heimsuchten. Die Diebe stiegen durch eine Dachluke in das HauS ein, schlichen die Treppe hinunter bis zum ersten Stock und öffneten die Bureautür mit einem Nachschlüssel. In dem Zimmer der Geschäftsinhaber„knackten" sie den Geldschrank auf und stahlen auS diesem 2300 M. in barem Gelde. Ein Schlüssel zur Haustür, den sie im Kontor fanden, erleichterte ihnen die Flucht. Äodeneinbrechcr statteten dem Hause Joachimstbalerstraße 1 in Charlottenburg einen unerbetenen Besuch ab. Als die Pförtner- frau am vergangenen Dienstag auf den Boden ging, fand sie alle Verschlüge erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Besonders schwer mitgenommen wurde ein Rauchwarengrotzhändler Adolf Herrmann, dem die Diebe für 2200 M. Vorräte, die er dort aufgestapelt hatte, stahlen. So nahmen die Einbrecher einen schwarzen Herrengehpelz mit Biberkragen und Zobelseitenfutter, eine Zilibisampelerine mit Chinchillakragen, ein kurzes Damenastrachanjackett mit Nerzkragen, einen Persianer- und einen Zilimuff und a. m. mit.— Zum zweiten Male eingebrochen wurde in einem Seidengeschäft am Spittelmarkt 3. Vor drei Wochen hatten Diebe dort für 1200 M. Seidenwaren gestohlen. In der Nacht zum Freitag erbeuteten sie für 1000 M. Taffet und Musselinseiden und mehrere seidene Schals und Blusen. In beiden Fällen öffneten die Einhrecher die Geschäftsräume mit Nachschlüsseln und entkamen unbemerkt. Der Dieb unter dem Bett. Ein Bäckermeister in der Hamburger Straße sah. als derselbe gestern abend in seine Behausung kam, zu seiner Ueberraschung einen fremden Stiefel unter seinem Bett. Als er ihn hervorholen wollte, entdeckte er, daß er sich am Fuße eines Menschen befand, der ausgestreckt unter dem Bette lag. Er hielt den Mann fest und benachrichtigte d!t Polizei, nachdem er ge- sehen hatte, daß mehrere Behältnisse geöffnet worden waren. Der Ertappte gab an, daß er nur habe übernachten wollen. Er wurde festgestellt als ein 2l Jahre alter früherer Bäckergeselle Karl Meyer, der vor einiger Zeit au« der Fürsorgeerziehuug entlassen wurde. Meyer hatte bereit« einige Sachen aus den geöffneten Behältern in die Tasche gesteckt und hatte nicht geglaubt, daß der Meister so früh zu Bett gehen werde. Die Unfallrente der Gaunerin. Mit einem neuen Schwindel- Manöver operiert seit einiger Zeit eine dreiste Betrügerin. Sie betreibt den Kreditschwindel. Unter der Angahe, sie sei vor einiger Zeit auf dem Potsdamer Platz von einem Privatautomobil über- fahren worden und werde in allernächster Zeit eine Unfallrente von mehreren tausend Mark erhalten, sucht die Gaunerin Geld- geber zur Hergabe von»rheblichen Krediten zu bewegen. Auch sucht die Schwindlerin Pensionsinhaberinnen auf diese Weise zu schädigen. Sie erzählt ihnen ebenfalls die Geschichte von der Unfall- rente und läßt sich Kredit einräumen. Sobald die Mahnungen der Geldgeber allzu dringend werden, verduftet die Gaunerin auf Nimmerwiedersehen. Es handelt sich um eine etwa vierzig Jahre alte Frauensperson, die äußerlich einen recht vertrauenserweckenden Eindruck macht. Ueberfahren und sofort getötet wurde vorgestern nachmittag gegen 2 Uhr von einem Vorortzuge auf offener Strecke zwischen Friedrichshagen und Rahnsdorf. in der Nähe der Bude 18 der Restaurateur Th. Männchen aus der Friedrichstraße zu Frie- drichshagen. Wie das Unglück geschehen ist, bedarf noch der Auf- klärung. Männchen besaß in Friedrichshagen das bekannte Nestau- rant„Waldhaus", das auch von vielen Berlinern ständig besucht wird. Räuber auf Motorbooten. Eine unangenehme Entdeckung haben eine Reihe von Motorbootbesitzern am Tegeler See machen müssen. Als sie ihre Boote in Betrieb setzen wollten, stellte sich hraus, daß die Motore beseitigt und gestohlen waren. Wie die polizeilichen Ermittelungen ergaben, treibt seit einiger Zeit eine Diebesbande auf dem See ihr Unwesen. Die Räuber plündern Motorboote und besonders haben sie es auf die wertvollen Motorc abgesehen. Eines oer beraubten Boote haben die dreisten Diebe nach erfolgter Beraubung in den Grund gebohrt. Sie schleppten das Fahrzeug nach einer entlegenen Stelle des Sees und versenkten es dort in die Tiefe. Einer der Räuber konnte bereits in Berlin dingfest gemacht werden. In dem Augenblick, als er bei einem hiesigen Händler einen der gestohlenen Motore zum Kauf an- bieten wollte, wurde er verhaftet und dem Königl. Polizeipräsidium zugeführt. Am Grabe ber Tochter erschossen. Auf tragische Weise hak die Familie des Schlossers Karl Thurow, Prinz-Eugenstraße 5, ihren Ernährer verloren. Vor einiger Zeit erkrankte die Tochter des Th. plötzlich und nach kurzem Krankenlager starb sie. Der Vater hatte mit großer Liebe an seinem Kinde gehangen und cr vermochte den herben Verlust nicht zu überwinden. Er faßte den unseligen Entschluß, der Tochter in den Tod zu folgen. Th. fuhr nach dem Friedhof an der Freienwalder Straße und erschoß sich am Grabe des Kindes. Durch zwei Revolverschüsse in die Schläfe machte der Unglückliche seinem Dasein ein Ende. In der Rock- tasche des Toten fand man ein Schreiben, in dem Th. von seinen Angehörigen herzlichen Abschied mmmt und sie um Verzeihung bittet. AuS Gram über den Tod seiner Gattin versuchte am Donner»« tag nachmittag gegen 6 Uhr der 43jährige Kaufmann Hermann» Dux seinem Leben ein Ende zu machen. D. hatte seine Gattin vor zwei Jahren verloren und war durch den Tod semer Lebens- gefährtin so deprimiert worden, daß er sein gut gehendes Geschäft aufgab und sich völlig von der Wfclt absonderte. Er verzehrte schließlich sein kleines Vermögen und geriet in bitterste Not. Man- tag nachmittag begab sich D. zum Grabe seiner Frau auf dem Zentralfriedhof und trank dort eine Seifensteinlösung. Nach der Tat schleppte sich der Lebensmüde bis zur Gudrunstraße, wo er schließlich hilflos aufgefunden wurde. D. mußte nach dem Kranken- Haus am Friedrichshain übergeführt werden. Radrennen im Wintemlodrom. Die Hauptnummer der am Donnerstagabend abgehaltenen Rennen bildete das Match in drei Läufen zwischen Ellegaard, Hoffmann und Stol, das im Gesamt- klassement von H o f f m a n n mit 4 Punkten gegen Ellegaard und Stol mit je 7 Punkten gewonnen wurde. Der Sieg Hoffmanns löste großen Beifall und Jubel bei dem zahlreich erschienenen Publikum aus. Daß Ellegaard auf der ihm fremden Bahn nicht viel ausrichten würde, war allgemein die Annahme, um so be- merkenswerter ist der Sieg Hoffmanns über Stol, der allerdings nach hartem Kampf errungen wurde.— Das Vierer- Match gewann Stabe(5 Punkte) vor Schürmann(7), Wegener(8) und Peter(10) und wurde erst im dritten Lauf entschieden, da die drei erstgenannten in den zwei Läufen die gleiche Punktzahl hatten. Auch hier war der jedesmalige Endkampf ein spannender und es trennten nur kurze Abstände die Fahrer.— Im Haupt- und P r ä m i e n f a h r e n siegte Sonntag. Resultate: Match Ellegaard— Hoffmann— Stol, 800, 500, 300 M. 1. Lauf(10 Run- den): 1. Hofsmann 2 Min. 24?� Sek.; 2. Stol, Vt, Länge; 3. Ellegaard, 15 Länge.— 2. Lauf(5 Runden): 1. Ellegaard 1 Min. i% Sek.; 2. Hoffmann, Vi Länge; 3. Stol, 1 Länge.— 3. Lauf(15 Runden): 1. Hoffmann 3 Min. 49M> Sek.; 2. Stol, Vi Länge; 3. Ellegaard,'A Länge. Match Peter— Schürmann— Stabe— Wegener, 200, 125, 80, 60 M. 1. Lauf(10 Runden)! 1. S t a b e 2 Min. 22% Sek.; 2. Wegener, Vi Länge; 3. Schürmann; 4. Peter.— 2. Lauf(5 Runden): 1. Schürmann 1 Min. 13,2 Sekunden; 2. Wegener; 3. Stabe; 4. Peter.— 3. Lauf(16 Run- den): 1. Stabe 3 Min. Sek.; 2. Peter,% Länge; 3. Schürmann; 4. Wegener. Hauptfahren. 1. Sonntag 2 Min. 30% Sek.; 2. Finn; 3. Münzner; 4. Kudela. Prämienfahren. 1. Sonntag 4 Min. 28% Sek.; 2. F. Stellbrink; 3. Finn. Prämien: Finn(5), Vierck, Nowak und F. Stellbrink je 1. Verloren hat am Donnerstag, den 30. November, zwischen 9— 10 Uhr vormittags, ein junger Arbeiter auf dem Wege von der Nürnberger Straße, Kurfürstenstratze bis Augsburger und Joachims- thaler Straße ern braunes Herrenportemonnaie mit 40,62 M Jichalt. Da der arme Verlierer das Geld ersetzen muß, wird der Finder um Abgabe gebeten an P. Beuthin, Adolfstraße 16, vorn 4 Treppen. Arbeittr-Samariterkolonne Groß-Brrlin. Mvrgen Sonntag, 3. Dezember, von 11— 1 Uhr, Abteilung Lichtenberg: Besichtigung des Pathologischen Instituts, Neue Charite, Eingang Alexander- ufer.— Ferner finden folgende Lehrabende statt: Montag, 4. De» zember, zweite Abteilung, bei Dase, Brunnenstraße 154; Mittwoch, 6. Dezember, 5. Abteilung, bei Güttig, Ripdorf, Erkstraße 8; Donnerstag, 7. Dezember, 4. Abteilung, bei Pickenhagen, Lichten- berg, Scharnweberstr. 60.— Beginn abends 9 Uhr. Gäste willkommen. Ueber eine Messerstecherei im Straßenbahnwagen, die si-b am Dienstagabend 7 Ubr an der Haltestelle der Linie 94 in der Knese- beckstraße zu Rixdorf abgespielt haben sollte, wußte am gleichen Abend eine Korrespondenz zu berichten. Wie unS jetzt der in dem Bericht erwähnte, Knelebeckstr. 60 wohnhafte Arbeiter Schmidt mit« teilt, sei«r sowohl wie auch sein in seiner Begleitung befindlicher Sohn gegen den Schaffner des Wagens überhaupt nicht tätliw geworden. Vielmehr sei er von dem Schaffner mit einem Gegenstand am Kopfe verletzt worden. Feuer in einem Bürstenlager. Ein gefährlicher Brand kam gestern abend in der F l e m m i n g st r. 2 in Moabit zum Ausbruch. DaS Feuer entstand in dem im Erdgeschoß des Hauses belegenen Bürstenlager der Firma M. Abraham und führte in kurzer Zeit eine ungeheure Berqualmung herbei. Als die Feuerwehr ein- traf, war das Treppenhaus schon vollständig verqualmt, so daß eine Pmii! unter den Mietern zu befürchten stand. Der Löschangriff erfolgte mit zwei Sckilauchleitungen. Vor allem wurde zunächst für den Abzug des erstickenden Qualmes gesorgt. Besonders die Wohnung über dem brennenden Bürstenlager war total in Rauch gehüllt, doch stellte sich beim Vordringen der Feuerwehrmann. schaften heraus, daß die Inhaber der Wohnung glücklicherweise nicht anwesend waren. Nach halbstündigem Wassergeben war das Feuer gelöscht. Der Schaden in dem Lager ist ganz beträchtlich, da eine Unmenge Bürsten und Fußabtreter vernichtet wurden. Nshlksmpf in Ccllow-Beeshow und liicderbarnirn. Charlottenburg. Die vom Wahlverrin Charlottenburg am Donnerstag ein, berufene Volksversammlung war schon lange vor Beginn wegen Ueberfüllung polizeilich abgesperrt. DaS Referat hatte Genosse Reichstagsabgeordneter Schcidemann übernommen. Die nationale Arbeit der Mehrheitspürieien,-betonte der Redner, bestehe in dem Schutze des„nationalen" PortePonnaies der Großgrundbesitzer. Dem Volke würde eine Steuer nach der anderen aus» gelastet, den Junkern eine Liebesgabe nach der anderen gewährt. Die Politik der herrschenden Volksfeinde hahe weite Kreise nach- denklich gemacht. Wenn der Mensch aber erst anfängt, logisch nachzudenken, dann werde er Sozialdemokrat.(Stürmischer Beifall.) Das habe auch die Regierung erkannt; je näher die Wahlen heranrücken, um so nervöser sei sie geworden. Woher die Wahlparole nehmen? Der Moabiter Schwindel wurde zu schnell aufgedeckt— also suchte man durch eine„starke nationale Tat" den Blick des Volkes von den inneren Verhältnissen nach außen abzulenken. Daher der famose„Panther"-Sprung und die monate- langen Verhandlungen der Herren Kiderlen-Waechter und Cambon. Was ist dabei herausgekommen? Wir haben ein neues Kolonial- gebiet erhalten. In Wirklichkeit sind die unS überlassenen Kongostreifen vollkommen wertlos; die Franzosen freuen sich von ganzem Herzen, daß sie sie losgeworden sind.(Heiterkeit und großer Bei- fall.) Unsere ganze Politik wird nicht von einzelnen Diplomaten, sondern vom Kapitalismus in Szene gesetzt. Der Kapitalismus habe das Innere des Landes bis zur Neige ausgeschöpft, nun sucht er draußen neue EntwickelungSmöglichkeiten. Im Innern er- wächst dem Kapitalismus ein fürchterlicher Feind: die Sozialdemo- kratie. In der Politik sucht daher die Großfinanz mit aller Ge- walt die Sozialdemokratie zu unterdrücken— bei den Wahlen setzen sie ihr Geld in Bewegung, um den Einfluß der Arbeiter- schaft zu hemmen. So werde diesmal der Wahlkampf ein be- sonders heftiger werden, da uns gewaltige Finanzorganisationen, wie Hansabund, Bund der Landwirte, Bund der Industriellen, gegenüberstehen. Aber in zwei Dingen sei das Proletariat all diesen Mächten überlegen: die Arbeiterschaft ziehe mit dem Be- wußtsein in den Kampf, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Dieses Bewußtsein können die Gegner nie haben. Und der zweite Vorteil der Arbeiterschaft sei ihre große ideale Begeisterung, mit der sie den Kampf aufnimmt. Diese große und schöne Begeisterung werde das Proletariat von Sieg zu Sieg führen.(Stürmischer, Minuten- langer Beifall.) Sodann erstattete Genosse Richter Bericht über den Kampf in der Metallindustrie, während Genosse Scheidemann sich in den unteren Saal begab, um zu den dort versammelten Metallarbeitern zu sprechen. Die Nachricht, daß die Unternehmer es auf eine Aus- sperrung ankommen lassen wollen, rief große Entrüstung hervor. Einstimmig wurde folgende Resolution des Vorstandes an- genommen: „Die am 80. November im Volkshause tagende überfüllte öffentliche Versammlung spricht den durch Unternehmerwillkür ausgesperrten Metallarbeitern ihre vollste Sympathie aus. Sie hofft, daß die Metallarbeiter diesen Kampf siegreich bestehen werden. Die Versammlung erblickt in der Taktik der Unter- nehmer eine grobe Herausforderung des gesamten Proletariats. Eine erfolgreiche Abwehr dieser Unternehmerbrutalität wird nur dann geschehen können, wenn die politische Vertretung der Ar- beiterschaft möglichst stark in den neuen Reichstag einzieht. Die Versammelten erklären, bei den kommenden Reichstagswahlen alles einsetzen zu wollen, um dem Kandidaten der Sozialdemo- kratie, Fritz Zubeil, zum Siege zu verhelfen." Mit einem brausenden Hoch auf die internationale Sozial- demokratie wurde die Versammlung geschlossen. Schöneberg. In einer imposanten Volksversammlung im größten Saal am Orte, dem„Gesellschaftshaus des Westens", sprach am Dienstag der-Kandidat des Kreises, Genosse Zubeil, über:„Die bevor- stehenden Aeichstagswahlen." Das großzügige Referat, in dem der Redner die markantesten politischen Vorgänge der letzten Legislaturperiode in den Bann seiner Betrachtung zog, wurde von den Versammelten mit großem Beifall aufgenommen. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Genosse Schenk wies auf die un- erläßliche Stärkung der Organisationen und der Arbeiterpresse hin. Ein brausendes Hoch aus die Sozialdemokratie beendete die Ver- sammlung. Trebbin(KreiS Teltow). In einer hier stattgefundenen liberalen Wählerversammlung referierte Herr Rechtsanwalt Dr. Eick. Besonders fiel auf, daß sich der Herr eine gewisse Reserve gegenüber der Sozialdemokratie auf- erlegte. In der Diskussion sprach Kubig Pankow, dessen Aus- führungen allgemeinen Anklang fanden. Allgemeine Heiterkeit rief ein Ausspruch des Referenten hervor, in welchem er sich als poli- tischen Arzt bezeichnete, der die kranke Sozialdemokratie heilen wolle. Hoffentlich ist der Herr dadurch, daß er sich selbst durch seinen Ausspruch dem andauernden Gelächter der Versammlung preisgab, von. seiner ärztlichen Mission nunmehr kuriert. Karlshorst. Neber die kommende RcichStagswahl sprach in einer im Lokal ,.Furstenl)auS" tagenden öffentlichen Versammlung Reichstags- abgeordneter Artur Stadt ha gen. Das eingehende und inhalt- reiche Referat wurde von den Versammelten mit großer Aufmerk- samkeit verfolgt und mit am Schlüsse reichem Beifall aufgenommen. Genosse Küter ermahnte hierauf im Sinne des Gehörten zu reger Mitarbeit im gegcmvärtigen Wahlkampf, um den Wahltag zu einem Siegestag der Sozialdemokratie zu gestalten. Vorort-Nach richten. Nixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Zwecks Abgabe von Kar- toffeln zum Selbstkoftelipreife an ärmere Einwohner beantragt der Magistrat im Einverständnis mit der zur Ergreifung von Maß- nahmen gegen die Lebensmittelteuerung eingesetzten gemiischten Kommission einen außerordentlichen Kredit von Ist 000 M.— Stadt. verordneter Hoppe(Soz.) ersucht um Erweiterung des Antrages dahingehend, daß der Konimifsion SO 000 M. zur Verfügung gestellt werden, und zwar allgemein für Beschaffung billiger Lebensmittel. Redner verweist auf andere Städte, welche viel großzügiger an die Bekämpfung der Teuerung herangegangen sind, darunter selbst kleine Provinzstädte. Hier sei dagegen bisher nichts weiter als d.ie Einrichtung tvs Seefifchverst-ufs geschehen, welcher der Stadt keinen Pfennig kostet und für den sie schließlich nur die Reklame besorgt. Wenn man nur die Hälfte der mehr als 90 Proz. Arbeiterbevölke- rung in Nixdorf in Betracht ziehe, so entfallen von den geforderten 10000 M. auf eine Arbeiterfamilie 0 Pf. Das sei völlig unge- nügend. so daß die Erhöhung deS Kredits auf 50 000 M. das minbeste sei, was verlangt werden müsse.— Gegen diese Erhöhung wendet sich Stadtv. D e t e r mit einer wehleidigen Jeremiade über airgeblidhe Schädigungen der Geschäftsleute durch kommunale Ab- gäbe billiger Lebensrnittel.— Stadtv. G r o g e r(Soz.) widerlegt die im vorliegenden Falle ganz sinnlosen Behauptungen des Vor- rednerS. Die Versammlung lehnte trotzdem den sozialdemokratischen Antrag ab und beschloß nach der Magistratsvorlage. Debattelos genehmigt wurden: die Rechnungslegung der städtischen Sparkasse für 1910 und der Verwaltungskosten- Voranschlag derselben für 1912; die Abänderung der� Grundsätze über die zinsbare Belegung der städtischen Sammelfonds dahingehend, daß die Hypothek in der Regel nicht über 7S Proz., in besonderen Fällen nicht über 80 Proz. dcs festgestellten Taxwertes hinausgeht; die Verausgabung von 10000 Mark kür Ausbaggerung der Sinkstoffe im Zeuthe- ner See, kn Sen burch den Selchoiver Flukgraben die Drain- Wasser des Rieselgutes Waßmannsdorf geführt werden; die Ver- legung des Frühmarktes von der Schinkestraße und dem Maybachufer westlich der Hobrechtbrücke nach dem Wei- gand- und Maybachufer östlich der Brücke einschließlich Manitius-, Liberda-, Nansen- und Rütlistraße. Zum Betriebe einer städtischen Hypothekenanstalt beantragen der Magistrat und die zur Vorberatung eingesetzte De- putation die Aufnahme einer Anleihe von 20 Millionen Mark. Ferner sind zur Genehmigung vorgelegt: Die Satzung für die städtische Hypothekenanstalt; die Geschäftsanweisung für dieselbe; die allgemeinen Bedingungen, unter denen Hypotheken gegeben werden; die Anweisung sür die Wertsvermittelung bei Beleihung von Grundstücken.— Ein von den Stadtvv. Rahmig und K o y e vertretener Antrag auf nochmalige Kommissionsberatung, der Ge- schäftsanweisung wird zurückgezogen, nachdem Stadtv. Conrad (Soz.) in diesem Falle die Zurückverweisung der ganzen Vorloge verlangt und Oberbürgermeister Kaiser um sofortige Verab- schiedung derselben ersucht hatte. Letzterer beklagte schließlich leb- hast die Tatsache, daß die Regierung die kür eine städtische Hypo- thekcnbank so wichtige Ausgabe von Pfandbriefen nicht genehmigt hat; das soll der gleichartigen Provinzialeinrichtung vorbehalten werden zum Schaden der Stadt. Nichtsdestoweniger wird immer wieder erneut versucht werden, die Pfandbriefabgabe zu erlangen. — Die Gesamtvorlage wurde einstimmig genehmigt. Die Einrichtung einer weiteren hauptamtlichen Lehrer- stelle an der städtischen Fortbildungsschule wird beschlossen und dafür der Betrag von 3700 M. im Etat für 1912 vorgesehen. Tue Stadtvv. Scholz(Soz.) und Gen. beantragen: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, alle Reichstagswähler, die in die amtliche Wählerliste eingetragen sind, von dieser Eintragung zu benach- richtigen. Die Benachrichtigung soll schriftlich erfolgen und dient gleichzeitig bei der Wahl als Legitimation." Der Antragsteller verwies in seiner Begründung auf die letzten Stadtverordnetenwahlen, bei welchen bereits die amtliche Benach- richtigung platzgegriffen hatte. Dasselbe sei auch für die Reichs- kgswahlen am Platze. Die Vorteile solcher Legitimationen seien unbestreitbar. Das Wahlgeschäft gehe damit viel glatter von- statten, da langwierige Prüfungen der Legitimationen des Wählers in Wegfall kommen. Wenn der gute Wille da sei, den Wählern die Stimmabgabe zu erleichtern, dann müsse der Antrag ange- nommen werden. Bei dieser Gelegenheit solle auch dem Wunsche Ausdruck verliehen werden, daß bei der ReichStagSIvahl nicht Wahlurnen ominöser Art Verwendung finden möchten.— Stadtv. Koye bezweifelte die Gültigkeit der beantragten Benachrichtigungen als Wahllegitimation. Da diese außerdem noch 3000 M. Kosten verursachen würden, sei die Ablehnung des Antrages das richtigste. Stadtv. Groger(Soz.) bestritt, daß den amtlichen Benachrich- tigungen die Anerkennung als Wahllegitimation versagt werden könne, ganz abgesehen von der allgemein geübten Praxis, nach welcher nur in seltenen Zweifelsfällen Legitimationen vom Wähler verlangt werden. Die vom Vorredner angeführten Gründe seien an den Haaren herangezogen.— Stadtrat M i e r behauptete, daß die in Rixdorf zur Verwendung gekommenen Wahlurnen einwand- frei gewesen seien, äußerte sich aber bezeichnenderweise zu dem vorliegenden Antrag mit keinem Wort.— Die weiteren Be- mühungen der sozialdemokratischen Redner, die bürgerlichen Fraktionen von der Zweckmäßigkeit ihres Antrages zu überzeugen, scheiterten an deren vorgefaßter Meinung. Alte und Neue vür�er- liche Fraktion waren in der Erschwerung des Wahlgeschäfts einig und stimmten den Antrag gemeinsam nieder. Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag besagte: „Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen, den Magistrat zu beauftragen, alle städtischen Arbeiten nur solchen Unternehmern zu übertragen, welche die tariflichen Verein- barungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern anerkennen und in ihren Betrieben zur Durchführung gebracht haben?" Stgdtv. K l o t h(Soz.) sagte in seiner Begründung: Die Tarifverträge sind bekanntermaßen keine sozialdemokratische Er- sindung. Schon in der Blütezeit der Zünfte, im Mittelalter, kannte man solche Vereinbarungen. In einem historischen Rückblick wies dies Redner nach, begleitet von der Unruhe der bürgerlichen Mehr- heit. Auch in der Gegenwart— so führte Redner weiter aus— hat man auf Unternehmerseite einsehen gelernt, daß Tarifverein- barungen das Vernünftigste sind. Das beweisen eine ganze Reihe unzweideutiger Aeußerungen von Führern der Arbeitgeberverbände. die Redner mehrfach zitiert und damit erneuter Unruhe auf der anderen Seite begegnet. Es ist— ruft Redner infolgedessen— äußerst charakteristisch, daß die bürgerlichen Stadtverordneten für eine so wichtige' Frage, wie die vorliegende, kein Verständnis haben. Die Bürger der Arbciterstadt Rixdorf müssen das aber verlangen, anderenfalls werden sie bei den Wahlen ihre Schlüsse ziehen. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben ebenfalls den großen Wert von Tarifverträgen anerkannt. Ja. selbst die preußische „Kreuzr Zeitung" hat in einer schwachen Stunde einmal lobenve Worte dafür gefunden— man sieht: eine blinde Henne findet auch mal ein Korn! Der Exminister Freiherr v. Berlepsch hat Tarif- abmachungen gar als Friedenspräliminarien in den Gewerben be- eichnet. Lib das zutreffe, möge dahingestellt bleiben. Jedenfalls ei Tatsache, daß der Generalsekretär der Industriellen. Bueck, es als Irrtum bezeichnen mußte, wenn er früher von der Möglichkeit der Niederschlagung dre Arbeiterverbände geredet hat. Nach reichs- statistischen Feststellungen sind ja auch heute bereits 1% Millionen Personen tariflich gebunden. So sprechen die Machtverhältnisse, denen auch Sie(zu den Bürgerlichen), selbst wenn Sie heute noch nicbt wollen sollten, in Kürze weichen müssen. Schon viele Be- Hörden und Körperschaften haben das eingesehen: da ist es endlich Zeit ivenn auch Rixdorf endlich dazu kommt, die bestehenden Tarif- Vereinbarungen gewissermaßen gesetzlich zu sanktionieren. Der vorliegende Antrag ist eine selbstverständliche Pflicht.— Die Stadt- verordneten D e t e r und B e h n k e bekämpften den Antrag. Zwar erkannten sie den Nutzen von Tarifverträgen an, nichtsdestoweniger führten sie dagegen dte krämerhaftesten„Gründe" an. Während der erstere eine Beschränkung der unternehmerlichen Freiheit in Tarifen sieht, behauptete der letztere, für diese als Unternehmer eingenommen zu sein, als kommunaler Auftraggeber aber dagegen stimmen zu müssen.— Mit SarkaSmuS und Spott überschütteten die Stadtvv. Groger(Soz.) und Wutzky(Soz.) die faulen Ver- legenheitsgründe und die Zweiseelenkünste der bürgerlichen Redner, welche der letztgenannte in erster Reihe auf die allgemeinen intellektuellen Mängel in der Versammlung zurückführte.— Erneut nahm noch Stadtv. K l o t h(Soz.) das Wort, um der bisher schweigsamen Neuen bürgerlicken Fraktion das Gewissen zu schärfen. Er gab den ängstlichen Gemütern in derselben die Versicherung, daß auch ein königlich preußischer Beamter Tarifverträgen zustimmen darf. Natürlick müsse er so viel Gewissen haben, nicht bloß für sich und seine Kollegen tüchtig zu fordern, sondern auch anderen annehmbare Existenzbedingungen zu gönnen.(Lachen bei den Sozialdemo- kraten.)— Darauf besann man sich bei den Neubürgerlichen und beantragte schleunigst durch den Stadtv. Dr. Maaß Verweisung des Antrages an eine gemischte Deputation, um— wie man sagte — einige„Unklarheiten" in demselben aufzuklären. Bei der Abstimmung scbwenkten aber doch einige Fraktionsgenossen des Herrn Dr. Maß ab. so daß die Verweisung an die Deputation mit nur 30 gegen 25 Stimmen beschlossen wurde. Von der sozialdcmo- kratischen Fraktion gehören der Deputation die Stadtvv. Grog er. K I o t h und Wutzky an. Charlottenburg. Eine unterirdische Abort- und vebllrfniSanstalt am Kurfürsten- dämm, Ecke JoachimSthaler Straße, beabsichtigt die Stadt Char- lottenburg zu bauen. Der Bau soll sofort begonnen werden, da- mit die Arbeiten zugleich mit dem Bau der Untergrundbahn beendet sind. Tie Kosten der Anlage werden auf 90 000 M. veranschlagt, die sich aber um 1k 000 M. erniedrigen-würden, wenn die notwen- dige Absenkung des Grundwassers bereits durch den Bau der Unter- grundbahn erfolgt. Ter Magistrat beänlrägt bei Zer Siudthersr� neienversammlung die Bewilligung der Mittel. Schöneberg. In der letzten Sitzung der Gcwerkschaftskoinmission nahmen die Delegierten Stellung zu der im Januar nächsten Jahres statt- findenden Gewerbegerichtswahl; es wurde zunächst über einen vom Vertreter der Metallarbeiter gestellten Antrag ver- handelt. Dieser Antrag besagt, daß das auf den Gemeindearbeiter- verband entfallende Mandat einer anderen Gewerkschaft überwiesen werden soll, weil im verflossenen Berichtsjahre von Arbeitern dieses Verbandes Klagen nicht vorgelegen haben. Nach längerer Diskussion, an der sich die Genossen Marquardt, Metallarbeiter. Neumann und Wutzky vom Gemeindearbeiter- verband, Brünner von den Buchdruckern und Genosse Körsten vom Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission, beteiligten, wurde beschlossen, daß die Aufstellung der Kandidaten bei dieser Wahl nach dem bisherigen Modus zu erfolgen hat und die endgültige Regelung dieser Angelegenheit dem Ausjchuß der Berliner Ge« Werkschaftskommission zu überweisen sei. Die Wahl findet am Sonnabend, den 20. Januar nächsten Jahres, statt. Zu wählen sind 13 Beisitzer, und zwar in S Be, zirken je 2 und in 1 Bezirk 1 Beisitzer. Genosse Kosanke berichtete aus der Arbeitsnachweisdeputation« daß die Bezeichnung„Arbeitsnachweis" in„Arbeitsamt" umgc- ändert worden sei, fedoch sei es sonderbar, daß dem Arbeitsamt die Zuständigkeit für den Unterkunftsraum, Schreibstube und Aus- kunftsstelle entzogen und der Armenkommission unterstellt worden ist. Bei den Delegierten erregte dieses Vorgehen Befremden, da die drei genannten Einrichtungen in gar keinem Zusammenhange mit der Armenkommission stehen; es müssen demnach andere Gründe vorgelegen haben, um diese Maßnahme zu rechtfertigen. Tempelhof. Die Einführung der drei Sozialdemokraten, Schmidt, Müller und F r a n tz. in das Dorfparlament hat nunmehr stattgefunden. Bereits die erste mit den Genossen tagende Sitzung zeigte, daß Leben in die Verhandlung kam. Auch die bürgerlichen Herren waren gespannt, wie sich die drei Sozialdemokraten ein- führen würden. Unnötig war freilich der behelmte Schutz in» Hausflur. Befürchtete man eine Demonstration? Schon bei den» Vertrage mit den Berliner Elektrizitätswerken zwecks Abgabe von Strom und Licht nahm Genosse S ch m i d t das Wort. Er und seine Freunde könnten einem solchen Abschlüsse nicht zustimmen, zumal der Vertrag bis 1933 Gültigkeit habe. Redner plädierte für ein eigenes Elektrizitätswerk, schon mit Rücksicht ans die EntWickelung Tempelhofs, und beantragte, da ihm und seinen Freunden nichv zugemutet werden könne, einem solchen Vertrage zuzustimmen. ohne sich darüber erst eingehend zu informieren. Vorlagen. Von den Bürgerlichen wurde ausgeführt, daß auch sie an die eigens Regie gedacht hätten. Es fielen jedoch 12 Proz. der Brnttoein- nahmen der Gemeinde zu; dies ergebe jetzt schon eine Einnahme von etlichen 20 000 M. Größere Einnahmen stünden durch die Bebauung des Feldes in sicherer Aussicht. Jetzt mache die Ge- meinde wieder mal ein gutes Geschäft! so klang eS aus den Reden der bürgerlichen Herren. Sie stimmten dem Vertrage zu. Nur ein Vertreter der ersten Klasse und unsere Genoffen hielten den Abschluß im Interesse der Gemeinde für bedenklich.— Ein Rundgang der Beleuchtungskommission hat die berechtigten Klagen der Einwohnerschaft über mangelhafte Beleuchtung bestätigt. Genosse Frantz nahm hierbei Gelegenheit, auf den Weg nach Marienhöha hinzuweisen. Hier sei zwar eine Haltestelle, aber jedermann scheue sich, dort in der Finsternis zu warten. Abhilfe wurde, soweit c9 nicht die Chaussee betrifft, zugesagt.— Der Entwurf eines Orts- statutS betreffend Kaufmanns- und Gewerbegericht wanderte zu« nächst in eine Kommission, in die Genosse Müller gewählt wurde. — Die in sozialpolitischen Fragen nicht gerade rühmlich bekannte Gemeindevertretung hielt es auch an der Zeit, den GeyieindM arbeitern in Bezug auf Teuerung einmal entgegenzukommen. Ob« gleich durch die allerneueste, erst vor kurzer Zeit erfolgte Lohn- regulierung eine Aufbesserung der Löhne eintrat, hielten es die Ar- beiter wiederum an der Zeit, mit derartigen Wünschen hervorzu- treten. Vom Vorstandstisch.wurde eine Teuerungszulage ab 1. Dezember bis Ende März von 10 M. pro Monat befürwortet, vorbehaltlich der weiteren Regelung durch den Etat. Genosse Schmidt kritisierte bei dieser Gelegenheit, daß in Tempelbof die rüstigsten Arbeiter weniger Lohn erhalten,«IS die Invaliden in Mariendorf. Er verlangte, daß die Teuerungszulage in eine ständige verwandelt werde, außerdem fei es notwendig, auch an die Unterbeamten zu denken; auch sie mutzten wenigstens mit einer Remuneration bedacht werden. Der Syndikus betonte, daß auch er für möglichst hohe Sätze sei,— aber es müsse mit den Finanzen gerechnet werden. Bei den damaligen Gehaltszulagen der höchsten Beamten wurde jedoch aus die Finanzen keine Rücksicht genommen. Sowohl von unseren Genossen wie von den Bürgerlichen wurden erweiterte Vorschläge gemacht. Diese Anträge waren nicht nach dem Geschmack des Herrn Syndikus. Nach qiuer scharfen Er» widerung. in der selbst von bürgerlicher Seite gesagt wurde, daß. wenn der Syndikus alles allein und am allerbesten wisse, die Herren Vertreter ja dann zu Hause bleiben könnten, verstummte der Herr. Ein Antrag, den Arbeitern der Gemeinde vom 1. November bis Ende März pro Monat 10 M. Zulage zu getvähren, wurde an- genommen. Mit der angeregten Zulage für die Unterbeamten wird sich die nächste Sitzung beschäftigen.— Nach Straßenange- legenbeiten gelangte ein Dringlichkeitsantrag zur Kenntnis, der vom Genoffen Frantz begründet wurde. Dieser forderte die recht. >eitigte Absendung einer numerierten Kart« an die Wähler an- läßlich der Neuwahl zum Reichstage, die gleichzeitig zur Erleichtc- rung des Wahlgeschäftes dienen soll. Wie zu erwarten, fand der Antrag nicht die Unterstützung zur Verhandlung. Hierauf geheime Sitzung. Adlershof. Zu recht langen und lebhaften Auseinandersetzungen kam ei in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung. Veranlassung da- zu gab der Kampf um die Ausgestaltung unserer Mädchenschule. Der Leiter dieser Anstalt, der Schösse und Oberlehrer Mattes und seine Freunde haben da? Bestreben, koste es was es wolle. die Schule, welche jetzt noch der Regierung untersteht, unter die AuflichtS deS Provinzial-SchulkollegiumS zu bringen und sie da- mit zu einer sogenannten Vollanstalt zu machen. Um daS zu erreichen, sind aber eine Reihe Vorbedingungen zu erfüllen, die der Gemeinde ungeheure Mehrkosten auferlegen würden. ES müßte zunächst die bestehende Desoldungsordnung umge- ändert werden und die einzelnen Sätze wesentlich erhöht werden. Die Schule müßte ein besonderes Gebäude erhalten und der ge- meinsame Unterricht' für Knaben und Mädchen bis zur Quarta. wie er jetzt üblich, nach Ansicht des Provinzial-Schulkollegiums beseitigt werden. Die bürgerlichen Herren waren der Meinung, die Mittel müßten bewilligt werden, um durch die Umwandlung der Schule steuerkräftigcS Piiblikum heranzuziehen. Dadurch würde die Gemeinde in die Lage versetzt, in sozialer Beziehung für die arme Bevölkerung Verbesserungen zu schaffen. Ur'ete Vertreter wandten sich dagegen, indem sie die enorme Belastung des' Etats hervorhoben. Wäbrcnd man bei Gründung der Schule im Jahre 1909 be- rechnet hatte, die Anstalt würde der Gemeinde einen Zuschuß von 14 720 M. im Jahr« 1911 auferlegen, ist dieser Zuschuß für dieses Jahr auf 32 000 M. angewachsen. Auf den einzelnen Schüler berechnet ergibt das rund 284 M. pro Jahr. Die vom Kuratorium für die Schule erhobenen Forderungen würden eine weitere große Belastung der Gesamtheit zur Folge haben. Schon jetzt verschlingt die Schule nahezu 45 Proz. des gesamten Betrages der Gemeinde- einkommensteuer. Schließlich wurde die Neuregelung der Ge- häller an der gehobenen Schule abgelehnt. Die Gründung von Lehrerstellen, welche sich nötig macht durch die Errichtung der 2. Klasse zu Ostern 1911, wurde angenommen. Durch eine Anfrage unserer'Genossen wurde festgestellt, daß für die neuzugründende .2. Klasse ig; ganzen 5 Schüler in Frage kommen, das ergibt im günstigsten Falle 000 M. Einnahme. Ter Gemeinde lostet die Umwandlung und Neugriindung der Lchrerstellen 1650 M. Tie Beschlußfassung über die Abnahme einiger neu- und umgcpslasterten Straßen führte wiederuni zu ungemein lebhasten Auseinandersetzungen. Während der Ausschuh die Abnahme der Straßen empfahl, wandten sich einige Herren dagegen, indem pe dabei die unverantwortlich leichtsinnige Art, wie in früheren Iahren beim Straßenbau gcwirtschaftet wurde, scharf kritisierten. Die Abnahme wurde beschlossen und die Anlieger der Hackenberg. straße werden für die UmPflasterung mit 50 Proz. der Gesamt- ko stell belastet. Ter Aufstellung einer Zeitungsverkaufshalle am Bahnhof wurde zugestimmt.. Es kam nun der Antrag unserer Genossen auf S p e 1 1 u n g der Schulkinder zur Beratung. Der Teuerungsausschuß sowohl wie die Schuldcputation hatten demselben schon vorher zu- gestimmt und so wurde derselbe ohne Debatte angenommen. Die Kinder, bei denen die Bedürftigkeit festgestellt wurde, erhalten früh uui Uhr Gebäck und warme Milch. Der zweite Teil unseres Antrages, während des Winters nachmittags einige geheizte Klassenzimmer geöffnet zu halten, m denen die Kinder ihre Schularbeiten anfertigen und Unterhaltung pflegen können, wurde ebenfalls angenommen.� Einige Lehrer wollen sich unentgeltlich zur Aufsicht zur Verfügung stellen. Die Gemeindcarbeiter ha&en einen Antrag auf Teuerung»- zulage gestellt. Unsere Genoffen unterstützten diesen Antrag. Sie waren schon in der Sitzung der Teuerungskommission dafür eingetreten, allen Angestellten der Gemeinde, welche bis zu 2500 M. verdienen, eine einmalige Zulage von 20 M. zu bewilligen und für jedes Kind 10 M. extra bis zum Höchitbetrage von 40 M. Diese Forderung, welche den Gcmeindeetat mit un- gefähr 1250 M. belastet hätte, wurde von den� Bürgerlichen einstimmig abgelehnt. Man wies darauf hin, daß Adlershof in der ganzen Umgegend für Lehrer und Gemeindcarbeiter die höchsten Gehälter zahle. Für Gemeindearbeiter erhalten 24 bis 30 M. die Woche, ein Einkommen, das nach Ansicht dieser Herren voll- kommen genügt, um den horrenden Anforderungen der jetzigen Teuerung standzuhalten. Ein weiterer Antrag unserer Vertreter, zur Reichstagswahl eine amtliche Wahlaufforderung an jeden Wahlberechtigten ge- langen zu lassen, die am Tage der Wahl zugleich als Legitimation dient, wurde mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Einige der Argument« gegen diesen Antrag müssen unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben. Der demokratische Gcmcindevertreter wandte sich dagegen, weil mit diese» Karten Unfug getrieben werde, außerdem halte die 3. Abteilung ja auch ohne diese Karten strenge Ordnung bei der Wahl. Während es diesem Herrn unmöglich war objektiv unseren Antrag zu beurteilen, behauptete Herr Kieprich, der Mißbrauch solcher Korten habe schon zu Gefängnisstrafen geführt. Emen Beweis seiner Behauptungen blieb der Herr schuldig. Herr Kaiser, ein früherer Schöffe der Gemeinde, hatte dem Bürgermeister und einigen Gemeindevertretern ein umfangreiches Schreiben zugehen lassen, in welchem er die Umlegung der Straßen- baukostcn auf die Anlieger kritisierte. TaS Schreiben schließt mit dem Satz:„Das polnisch-asiatischc System, man versucht es, steht einer öffentlichen Verwaltung nicht zu." Einige Herren fühlten sich dadurch beleidigt und forderten den Gemeindevorsteher auf, gegen Kaiser vorzugchen. Gemeindevorsteher Köhler teilte mit. daß er dieses Schreiben dem Landrat vorgelegt und dieser wünsche, um den Frieden in der Gemeinde herzustellen, daß gegen Kaiser nichts unternommen würde. Einige Herren Ivaren der Meinung, man solle sich der Jurisdiktion des Landrats nicht fügen, weil derselbe Landrat in ähnlichen Fällen, wenn es sich nicht um konservative Herren hau dclte, sehr scharf vorzugehen verstand. Zur Ergänzung der Armenkommission wurde Herr Lüddekens gewählt, während die beiden Vorschläge unserer Genossen abgelehnt wurden. Genosse Büttner ersuchte darum, die Steuerkasse nicht wie bisher um.12 Uhr zu schließen sondern erst um 1 Uhr. damit den hier beschäftigten Personen Gelegenheit gegeben wird ohne Arbeitszeitversäumnis ihre steuern zahlen zu können. Dieser Anregung wurde Folge geleistet. Eine weitere Beschwerde des Genossen Büttner betrifft das Schulbad. Der ini Baderaum befindliche Holzrost ist aufgehoben worden und die Kinder müssen nun mit den nackten Füßen auf dem kalten Zementboden stehen. Das hatte eine Reihe Erkältungen und eine starke Abnahme der Badelustigen im Gefolge. Auch dieser Uebelstand soll beseitigt werden. Da es bereits.Mitternacht geworden, wurde die Sitzung abgebrochen. Spandau. Die lebte Stadtverordnetenversammlung hatte zunächst über die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahlen zu befinden. Während die Wahl der drei Gewählten der 3. Abteilung, welche durchweg dem kommunalen Wahlverein angehören, ohne weitere Debatte für gültig erklärt wurden, beklagte man sich bei den von der 2. Abteilung gewählten 6 Stadtverordneten, die ebenfalls dem kommunalen Wahlverein aiigchören, lebhaft darüber, daß die Vorbereitungen des Magistrats zu dieser Wahl sehr mangelhaft ge- Wesen seien. Es wurde in 2 Lokalen gewählt und war der Andrang zeitweise so stark, daß viele Wähler ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten. Auch die Wählerlisten seien sehr mangelhaft aufgestellt gewesen. Der Referent der Vorlage, Stadtverordneter Dr. Baumert beantragte deshalb, trotzdem kein Einspruch gegen die Wahlen erhoben waren, von Amts wegen die Wahlen für ungültig zu erklären. Sämtliche Redner, darunter auch Genosse Pieper waren der Ansicht, daß eine Ungültigkeitserklärung erstens aus- jichtslos sein und bei einer eventuellen Neuwahl das Resultat doch kein anderes werde. Von allen Rednern, selbst vom Oberbürger- meister Koeltze wurde anerkannt, daß für die Wahlen der 2. Ab- teilung auch wie bei der 3. Abteilung d,e Bezirkstvahlen eingeführt werden müssen. Was die unvollständigen Listen anbetrifft, so tadelte Genosse Pieper dies zwar auch, gab die Hauptschuld aber den Wählern selbst, denn deren Pflicht sei es, rechtzeitig die Wähler- listen einzusehen. Vom Magistratsvertreter wurde auch hier Ab- Hilfe zugesagt insofern, als die Wählerlisten in den einzelnen Be- zirken zur Einsicht ausgelegt werden sollen. Schließlich erklärte die Versammlung auch diese Wahlen für gültig.— Ein Antrag der Stadtverordneten Grätschcl und Genossen, den Magistrat zu er- suchen, in gemischter Kommission über die Frage der Anstellung eines selbständigen Rcchnnngsrevisors bezw. dse Einrichtung eines Rechmingsrevistonsbureaus zu beraten, wurde angenommen und in diese Kommission auch der Genosse Götze gewählt.— Das Gesuch einer Witwe Heinrich, deren einziger erwachsener Sohn vor einiger Zeit auf der Stratzenbahnstrccke Nonnendamm tot aufgefuiidc» wurde, um Gewährung einer Unterstützung, hatte, weil der Magi- strat dasselbe abgelehnt, den 1. Ausschuß beschäftigt. Auch dieser Ausschuß empfahl, das Gesuch abzulehnen, weil Jucht genau festgestellt werden konnte, welche Ursache eigentlich den Tod des jungen Mannes herbeigeführt hatte. Genosse Pieper beantragte, der armen Witwe ans Humanität 100 M. zu bewilligen. Die Bcr- sammlung lehnte aber diesen Antrag ab und genehmigte den An- trag des 1. Ausschusses.— Der Kartosfel-Engroshändler Lorenz hatte den Zuschlag für die Kartoffellicsernng für das städtische Kranken- und Sicchcnhaus und zwar pro Zentner für 2 M. erhalten. Jetzt hat derselbe nun den Antrag gestellt, ihm in Rückstcht auf die in die Höhe gegangenen Kartoffelpreisc, die er nicht vor- aussehen konnte, 3 M. pro Zentner zu bewilligen. Der Magistrat hatte abgelehnt. Das Gesuch beschäftigte den 7. Ausschuß, derselbe empfahl, daß der Licfcrungsvertrag aufgehoben und die Lieferung neu ausgeschrieben werde. Auch sollen die Kartoffcllicfcrungcn künftig nur im November ausgeschrieben werden. Diesem An- trage stiimnte die Versammlung nach längerer Debatte zu.— Das Dienstboten-Abonnement im städtischen Krankcnhause wurde nach einem Beschluß der Versammlung wegen der Rcichsvcrsichcrnngs- ordnung am 1. Januar 1913 aufgehoben.— Zur Herstellung eines neuen Anschlußgleises nebst Laderampe auf dem Schlachthofgrundstück bewilligte die Versammlung die Kosten in Höhe vott 27 070 M. — Zur Beschaffung eines Benzin-Automobillöschzuges, bestehend aus Motorspritze mit Mamischafts- und Gerätewagen und einer mechanischen Leiter wurden 50 000 M. gefordert. Ueber diese Vor- la�c entspann sich eine längere mitunter ziemlich erregte Debatte. Die Versammln?� überwies diese Vorlage schließlich einer ge- mischten Kommission zur weiteren Vorbcratnna.— Mit der Er- richtnng einer Dampferanlegestelle an der Triftstraßc erklärte sich die Versammlung einverstanden.— Ein Antrag der Stadtverord- neten Dr. Kant orowicz und Genossen wegen Aeudcrung der Geschäftsordnung wurde einer gemischten Kommission überwiesen. Nach Erledigung noch einiger kleiner Vorlagen folgte noch eine ge- Heime Sitzung. eingegangene vruckscdriften. Zettschrift für Bewegungslehre. Hest 11—18. DnS Umdeuten. 48 S.— F. Huth, Charlottcnburg 4. 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Die Geschä- digten sind die hiervon betroffenen Arbeiter, denen eine solche Kasse auch nicht annähernd die Leistungen zuteil werden lassen kann, die sie vordem erhielten. In der heutigen Zeit, wo alles auf Zentrali- sation hinstrebt, erscheint es doch recht sonderbar, daß sich eine Auf- sichtsbehörde findet, die ein so rückschrittliches Gebaren mit ihrer Genehmigung deckt. Die Arbeiterschaft möge an diesem Vor- kommnis lernen, daß es wirklich not tut, sich mehr wie bislang um diese Vorgänge zu kümmern. Johannisthal. Zlm Tonntag, den 3. Dezember, nachmittag» 4 Uhr, eröffnet der hiesige Bildungsausschuh im Lokal von Senftleben(kleiner Saalj seine diesjährige Jugcndschriftenausstellung. Dieselbe ist geöffnet am Sonntag, den 3. Dezember, nachmittag? von 4— g Uhr, Montag, den 4. Dezember, nachmittags von 7—9 Uhr, Sonnabend, den 9. Dezember, nachmittags von 7— 9 Uhr, Sonntag, den 10. De. zember, nachmittags von 4— 9 Uhr. Da der Andrang zu der Ausstellung rn den letzten Tagen immer ein groster ist, wird es stch empfehlen, nach Möglichkeit für den Besuch schon die ersten Tage zu wählen, zumal in diesem Jahre die Ausstellung nicht wie in den Vorjahren, die ganze Woche über geöffnet ist.— Der Bildungs- auSschutz lägt in diesem Jahre, um das Interesse an der Aus- stellung noch zu erhöhen, am Schlüsse derselben, Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags 8 Uhr, einen guten„Allgemeinen Hand- atlas" über sämtliche Teile der Erde, enthaltend 184 Karten, Dia- gramme, Tabellen und Stadtpläne gratis zur Verlosung gelangen. Die Besucher erhalten am Eingang ein Los. Treptow-Baumschulenweg. Die 1. Frauenabteilung des Turnvereins„Jahn" hält am Sonntoo, den 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, in der Gemeinde- turnhalle Kiefholzstraße in Baumschulenweg ein öffentliches Schau- turnen ab. Der Eintritt ist frei. Die Arbeiterschaft wird zum zahlreichen Besuch eingeladen. Potsdam. Zu einer Versammlung unter freiem Himmel müssen die Pots- damer Genossen greifen, um den Reichstagskandidaten des Kreises am Ort sprechen zu lassen. In der über 60 000 Einwohnern zählen- den Stadt wagt kein Wirt, eingeschüchtert durch zivil- und Militär- behördlichen Druck, seinen Saal der Sozialdemokratie zu einer Vcr- sammlung zur Verfügung zu stellen. Dazu ist der konservative Gegenkarchidat Obcrbürger meist er der Stadt Potsdam. Eine treffliche Illustration, wie der Wahlkampf schon in Städten mit behördlichem Druck geführt wird. Auf dem Bahnhos vom Herzschlage getroffen wurde vorgestern abend das 85jährige Fräulein von Bredow aus der Marienstr. 33. Die Dame wollte um Familienangehörige zu besuchen, vom Bahn- hos Wildpark aus emc Reise nach Buschow-Karpzow bei Nauen an- treten. Plötzlich brach sie zusammen; in bewußtlosem Zustande wurde sie nach dem Krankenhause gebracht, wo indessen nur der durch Herzschlag eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Der Dampferunfall bei Sakrow, wo, auf dem Schleppschiff „Weitzenburg" durch Platzen eines Dampfrohrs der Maschinist Brabant verunglückte, hat ein Opfer gefordert. Brabant ist gestern nacht im St.-Joseph-Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. El« Ist kein Oeheimnla, daß ich weder einen Laden habe, noch einen Zuschneider halte. Malleden- Knaben- I und Illeider in einfacher und eleganter Ausführung schneide ich selbst zu und lasse sie unter meiner Aussicht ansertigni. ES ist somit klar, daß ich bei den geringen Unkosten Klinckei-kieickei- zu den billigsten Preisen liesern kann. Fertige Kleider,.A.nz°axe, Hantel und Stoffe in großer Auswahl am Lager. 1482b» MiigodracMo Stoffe werden gediegen verarbeitet. Rixdorf M. Berliner StraBe Sfo. 58 gegenüber Kanfhaun H. Joseph. 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Einen solchen bietet die Butterhandlung Dornröschen in ihrer, der feinsten Molkereibutter völlig ebenbürtigen Tafel-Margarine Dornröschen, die feinste Butter in jeder Beziehung ersetzt. Ein einziger Versuch wird Sie davon überzeugen. Preis p. Pfund: 85 und 100 Pfennige, hergestellt spez. aus Pflanzenbutter| allerbeste Tafelware Sie erhalten auf jedes ganze Pfund Dornröschen einen roten Bon halbe„„„ blauen„ »!5 und gegen deren Rückgabe c : wertvolle Gegenstände t 3 Diese Gegenstände sind im Laden und Schaufenster ausgestellt und tragen deutlich den Vermerk, wieviel Bons erforderlich sind. Außerdem erhält am Eröffnungstage jeder Käufer von einem Pfund Tafelmargarine„Dornröschen" ein Mfeines Handtueh als Ginveibnngs-Präsent jeder Käufep anderer Waren im Mindestbetrage von I Mark: 1 roten Dornröschen-Don. Damit Sie sich von dem Wert der„DornröschensBons" ein Bild machen können, seien aus der großen Auswahl einige Beispiele angeführt:,.:......... Gegen Rückgabe der„Dornröschen-Bons" wird verabfolgt: Auf I roten Bon Auf 2 rote Bons: Auf 4 rote Bons: Auf 15 rote Bons: 1 Tasse mit Untertasse echt Porz. 1 dekor. Kaffeebecher„„ 3 Kompott-Teller„„ 3 Milchtöpfchen„„ 4 Glas-Kompott-Teller 3 Glas-Kompott-Teller Diamant 2 Eierbecher 2 weiße Kaffeebecher 2 Gias-Zuckerscbalen 1 Bierbecher mit Goldrand 1 Aschenbecher aus Glas 2 Likörgläser mit Goldrand 2 Salz- und Pfefferstreuer 2 Teller, weiß, Steingut oder 99 99 99 99 »» 99 99 9t 99 99 99 99 1 gutes Handtuch oder 1 Tasse„Blauband", echt Porz.„ 1 dekor. gr. Milchtopf do.„ 1 Teller, tief oder flach do.„ I Butterdose„ 4 Teller(Steingut)„ 2 Bierbecher, mit Goldrand„ 1 Kuchenteller, dekoriert Auf 3 rote Bons: 1 Konfekt-Dose oder IDtz, Kompott-Teller(Diamant) Auf 5 rote Bons; I reich garnierte Untertaille oder 1 englische Tasse„ 1 Nickel-Tablett 1 weiße Porzellan-Kaffekanne. 1 Spitzen Ballhemd, oder I gutes, weißes Bett-Laken„ I Kaffee-Service, 9 teilig„ I Stand-Uhr Auf 20 rote Bons: 1 modern dekorierte Vase 1 Käseglocke(Diamant) I Porzellan-Puppen-Scrvice 1 Sahnegießer oder Auf 10 rote Bons; 1 gutes, reich garn. Damen-Hemd oder 1 Paar Damen-Beinkleider„ 1 Kopfkissen-Bezug I Wasch-Service I Kaffee-Service 1 reich garniertes Damen-Hemd oder Auf 30 rote Bons: I Wasch-Service 1 Kaffee-Service oder Zwei blaue Bons haben den Wert eines roten Bons. Butterhandlung Dornröschen Franz Steingoetier. Denkbar feinste Molkerei-Butter() Pid Hochfeine Tafel-Butter do. 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