Nr. 283. nbonnements-ßedlngdngtSt fffionncmenlä- Preis ptflnumptanha! SicrtcljätitL 330 Ml., monatl. 1,10 MI,, wüchenllich 28 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags. wimmeH mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Well" 10 Pfg, Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs, Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 ivtarl pro Monat. PostabonnemenIS nelimcn an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Äumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. krlchelnt ISglich 2ußcr montaa». Vevlinev Volksblntt. Zcntfalorgan der rozialdernohrati fchcti Partei Deutfchlands. Ol« Inlertlons-Gcböljf »«trägt für die lechsgelpaliene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg,, für Volitilche und gewerkichasUiche Vereins- und Verlammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „üleln« Unreigm", daS fettgedruckte «ort 20 Pfg, tzuläisig 2 fettgedruckte Worte), tedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcnan- geigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über löAuch- en gädten für zwei Worte, Jnleraie . die nächste Numnier niülsen bis . Udr nachmittags in der Expedition «»gegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. lelegramm> Adresse: .5o,>2liiei»»vil Sri»»". l�eäakrion: 8Äl. 68, �.indenslrasse 69. Fernsprecher: Amt Morittplay- Nr.»SijZ. Sonntag, den 3. Dezember IttM. Expedition i 8M. 68, Lindcnstraesc 69» Fernsprecher: Amt Moriuplay, Nr. 1984. ____ hier in großer Zahl erstanden. Mit der fortschreitenden Ent- Wickelung der Bergwerke hat hier auch die Sozialdemokratie festen Fuß gefaßt. Die Zahl der Wahlberechtigten, die seit- dem erheblich zugenommen hat, betrug 1907 69 629. Bei einer Wahlbeteiligung von 84,7 Prozent erhielten die So- zialdemokratie 11 416. die Nationalliberalen 6553, das Zentrum 35 295 und die Polen 5597 Stimmen. Die gleichen Parteien haben für die bevorstehende Wahl wiederum Kandidaten aufgestellt, indessen dürfte es doch zweifelhaft sein, ob der Gewerkschaftssekretär Schaffe� auch dieses Mal wieder im ersten Wahlgang siegt. Bei den in den letzten Jahren stattgefundenen Gemeinderatswahlen haben wir in einer Reihe fast rein katholischen Ortschaften nicht nur be- fricdigende Achtungserfolge, sondern auch einige Mandate errungen. Voraussichtlich wird das Resultat der Wahl im Kreise Recklinghausen-Borken von neuem die Mär widerlegen, daß das Zentrum ein uneinnehmbares Bollwerk gegen die soziademokratische Ausdehnung bildet. Einer der heißumstrittensten Kreise im Jndustriebezirk ist der Kreis Essen, in welchem wieder Genosse Gewehr kandi- diert. Die Bevölkerung ist vornehmlich— 61 Prozent der Ge- samtbevölkerung— katholisch. Seit dem Jahre 1871 ist der Kreis mit einer Unterbrechung(in der Legislaturperiode 1893/98 vertrat Krupp, der bei der Reichspartei hospitierte, den Kreis) im Besitz des Zentrums. Im Jahre 1997 betrug die Zahl der Wahlberechtigten 195 897. Bei einer Wahlbeteili- gung von 89,8 Prozent entfielen auf die S 0 z i a l d e m 0- k r a t i e 29 378, aus die Nationalliberalen 22 162, auf das Zentrum 39 634 Stimmen: ferner erhielten noch die Polen 2549 und ein Kandidat der Freisinnigen Vereinigung 1991 Stimmen. In der Stichwahl siegte der Zentrumskandidat G i e s b e r t s mit 45 926 Stimmen über den sozialdemokrati- schen Kandidaten Genossen Gewehr, der 35 889 Stimmen erhielt. Seit Ende 1997 haben die Genossen im Kreise Essen ein eigenes Blatt. Der Kreis konnte seitdem naturgemäß syste- matischer bearbeitet werden, insbesondere ist auch in den rein katholischen Distrikten des Kreises eine regelmäßige Agitation entfaltet worden. Die Presse ist in der kurzen Zeit ihres Ve- stehens gut eingeführt und auch die politische Organisation hat erhebliche Fqrtschritte gemacht. Der Erfolg der eifrigen Aufklärungstätigreit unserer Genossen wird auch an der historischen Stätte des berüchtigten Essener Meineids- Prozesses nicht ausbleiben. Für das Zentrum kandidiert wieder der Arbeitersckretär Giesberts, der seine„Arbeiterfreundlichkeit" durch die uneingeschränkte Unterstützung der volksverrätcri» schen Zentrumspolitik so schwer kompromittiert hat, daß in weiten Kreisen der katholischen Arbeiter gegen ihn eine starke Mißstimmung herrscht. Auf einen Teil der Stimmen seiner früheren Wähler wird er deshalb von vorn- herein verzichten müssen. Die N a t i 0 n a l l i b e r a l e Partei ist, wie in den anderen Kreisen des Jndustriebezirks, auch in Essen wegen eines Kandidaten in großer Verlegenheit gewesen. Erst vor zirka 14 Tagen haben die Nationalliberalen in der Person des Gymnasialdirektors Dr. ViktorSteinecke- Essen einen Kandidaten gefunden. Genau genommen ist Dr. Steinecke nicht der Kandidat der Nationalliberalen Partei, sondern des nationalen Vereins. Dieser Verein ist ein Gebilde, dem alle heterogenen„nationalen" Elemente an- gehören. Immerhin will dies aber nicht gerade viel besagen, denn den Ton im nationalen Verein geben schließlich doch die Nationaliberalen an. Außer Giesberts und Dr. Steinccke wird neben dem nationalpolnischen Kandidaten schließlich noch sür dieDemokratischeVereinigung der Verleger Eugen Schoreck- Essen kandidieren. Der Ausfall der Wahl ist nicht bestimmt vorauszusagen. Das Schuldkonto des Zentrums ist außerordentlich belastet, und unsere Genossen haben eine Werbearbeit verrichtet, die zu den besten Hoffnungen berechtigt. Außer Dortmund und Bochum war von den Kreisen des engeren Jndustriebezirks der Wahlkreis Duisburg- Mül- heim a. Ruhr bisher sozialdemokratisch vertreten. Die In- dustrie ist hier etwas jiingeren Datums als im Dortmunder und Bochumer Bezirk, der Bergbau sowohl als die Schwer- eisenindustrie haben hier aber eine ungeahnte Entwicke- lung genommen. Der Kreis gehört auch zu den Riesen- Wahlkreisen des Reichs. Die Zahl der Wahlberechtigten, die seit 1993 um rund 29 999 stieg, betrug im Jahre 1997 197 627. Bei einer Wahlbeteiligung von 86,7 Proz. erhielten Stimmen: die Sozialdemokratie 27 659, die Ratio- nalliberalen 32 945, das Zentrum 27 322, der Pole 5455 und ein Kandidat des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins 588. In der Stichwahl siegte unser Kandidat, Genosse Hengsbach, mit 43 745 Stimmen über den nationalliberalen Arbeiter- kandidaten Jung, auf den 39 989 Stimmen entfielen. Wir haben den Kreis seinerzeit mit Hilfe eines Teils der Zentrumswähler gewonnen. Die Parteikonstellation ist diesmal reichlich verworren. Nur die Sozialdemokratie, für die wieder Genosse Hengs- dach kandidiert, hatte ihren Kandidaten frühzeitig bekannt- gegeben. Das Zentrum sowohl als auch die Nationalliberalen haben bei der Lösung der Kandidatenfrage offenbar große Schwierigkeiten gehabt. Der nationalliberale Arbeiterkandidat ist von der Bildfläche verschwunden. Der Kreis ist seit 1871 mit einer Unterbrechung � im Besitz der National- Oer Aahlkampf im rheinisch- lveitsäiiichen Undustriebezirk. 1. ■ Ueber die Lage im rheinisch-westfälischen Jndustrierevier wird uns geschrieben: Mit besonderem Interesse dürften im ganzen Reiche die Reichstagswahlen im rheinisch-westfälischen In- dustriebezirk verfolgt werden. Nirgends sind die Klassengegensätze schärfer ausgeprägt. Die Industrie hat hier eine nie geahnte EntWickelung genommen, und schon seit Jahrzehnten haben sich unüberbrückbare Gegensätze der ein- zclnen Gesellschaftsklassen mit unwiderstehlicher Macht herausgebildet. Die wirtschaftliche EntWickelung hat hier ge- waltige Klassenkämpfe gezeitigt, an denen Hundert- taufende von Arbeitern beteiligt sind, und es bedarf sicherlich keiner besonderen Prophetengabe, um vorauszusagen, daß die Zukunft uns noch weit gewaltigere Klassenkämpfe bringen wird. Das allgemeine Interesse, mit dem diese Entwickelung verfolgt wird, rechtfertigt daher ohne weiteres eine Betrach- tung über die Wahlvorbereitungen und Wahlaussichten im Jndustriebezirk. Zunächst der östliche Teil des engeren Jndustriebezirks. Der Wahlkreis Hamm- Soest ist, soweit der Kreis Soest in Frage kommt, fast rein ländlich, wohingegen die Industrialisierung des Kreises Hamm in dön letzten fünf Jahren große Fortschritte gemacht hat. An der Peripherie des Kreises sind gewaltige Zechenanlagen entstanden. Von den Wahlkreisen des engeren Jndustriebezirks ist der Kreis Hamm-Socst der kleinste. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 1997 39 554. Bei einer Wahlbeteiligung von 89 Proz. entfielen bei der letzten Wahl auf die S 0 z i a I d e m 0- k r a t i e 7246, auf die Nationalliberalen 14 872 und auf das, Zentrum 12 789 Stimmen. Der Zentrumsmann Wie de- b e r g. der Vorsitzende der christlichen Bauarbeiter- organisation. siegte in der Stichwahl mit sozialdemokratischer 'Hilfe über den bekannten nationalliberalen Scharfmacher, Landtagsabgeordneten, Ehrenamtmann West ermann. In dem gegenwärtigen Wahlkampf bewerben sich vier Parteien um daS Mandat. Neben den drei Parteien aus dem Jahre 1997 hat die Fortschrittliche Volks- partes in der Person des vielgenannten liberalen Geist- lichen. PfarrerTraub- Dortmund, einen eigenen Kandi- baten aufgestellt. Bei der letzten Wahl haben die Freisinnigen für Westermann gestimmt. Die Macher der Kandidatur Traub rechnen offenbar auf dessen Popularität, die nach ihrer Meinung durch das kürzlich eingeleitete Disziplinarverfahren noch gestiegen sein soll. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte sich diese Kalkulation als irrig erweisen: denn die pro- testantischen Kreise in Hamm-Soest dürsten eher orthodox als liberal sein. Besondere Bedeutung kommt der Fortschritt- lichen Volkspartei nicht zu. Bei den Wahlen im Jahre 1993 erhielt der freisinnige Kandidat 3293 Stimmen, wohingegen aus die Sozialdemokratie 5794, auf die Nationalliberalen 19 461 und aus dos Zentrum 19 688 Stimmen sielen. Die Wirkung der Kandidatur Tronb dürste die sein, daß die Nationalliberalen aus der Stichwahl ausscheiden und diese zwischen dein Zentrum und der Sozialdemokratie aus- gekämpft wird. Diese Aussicht hat den Ehr�enamtmann Westermann, der den Kreis auch schon im Reichstage vertreten hat, offenbar veranlaßt, eine nochmalige Kandidatur abzulehnen. Für ihn haben die Nationalliberalen den Soester Stadtverordneten Kaufinann Schulenburg aufgestellt. Aber selbst die von evangelischen Arbeitervereinen des Kreisverbandes Hainm- Unna beschlossene Unterstützung des Herrn Schulenburg wird diesen nicht zu retten vermögen. Das Gros der Wähler wird— namentlich im Kreise Hamm— von den Bergarbeitern gestellt, von denen Ende 1910 im Gewerkvercin christlicher Bergarbeiter 944 und im alten Verband 5949 organisiert waren. Für die Sozialdemokratie kandidiert der zweite Vorsitzende des Bcrgarbeiterverbandes, Genosse H u s e- mann- Bochum. Bei den diesjährigen Gemeinderatswahlen, die in einer Reihe Orte des Kreises Hamm stattfanden, siegten unsere Kandidaten zum Teil, zum Teil errangen sie ve- sriedigende Achtungserfolge. Die Sozialdemokratie hat alle Veranlassung, im Wahlkreis Hamm-Soest hofsnungssroh in den Wahlkampf zu ziehen.. � �- Ter Nachbarwohlkreis des Kreises Hamm-Soest, der Wahlkreis Dortmund- Hörde, ist unzweifelhaft der sicherste Besitz der Sozialdemokratie im engeren Industrie- bezirk. Die Sozialdemokratie hat hier seit Jahren festen Fuß gefaßt und namentlich hat sich die politische Organisation seit der letzten Wahl außerordentlich gefestigt. Die Zahl der Wahlberechtigten, die 1997 195 491 betrug, stellt sich heute an- nähernd auf 125 900. Bei einer Wahlbeteiligung von 88 Proz. erhielten bei der letzten Wahl die Sozialdemokraten 38 849, die Notionalliberalen 25 741, das Zentrum 22 246, die Polen �997, die Freisinnige Vereinigung 495 und die Antisemiten 27 Stimmen. In der Stichwahl siegte die Sozialdemokratie mit 47 550 Stimmen gegen den national- liberalen Kandidaten. Justizrat Park, der 32 525 Stimmen auf sich vereinigte. Bei der Hauptwahl fielen 42 Proz. der abgegebenen Stimmen auf den sozialdemokratischen Kandi- daten: im Kreise Hörde betrug der Prozentsatz der sozial- demokratischen Stimmen sogar mehr als 59 Proz. Neben der großen Zahl der Hüttenarbeiter geben im Wahlkreis Dortmund-Hörde die Bergarbeiter den Ausschlag. Im alten Bergarbeiterverband waren Ende 1919 rund 29 999 Bergarbeiter organisiert, wohingegen der christliche Gewerk- verein nur zirka 5999 Mitglieder zählte. In den Kandidaturen ist ein völliger Wechsel eingetreten. Unser Reichstagsabgeordneter, der um die Arbeitersache so verdiente Theodor Bömelburg, will nicht wieder kandidieren. Ein tückisches Leiden macht seine Kandidatur unmöglich. Für Theodor Bömelburg kandidiert unser Kölner Parteigenosse Redakteur Dr. Augu st Erdmann. Genosse Erdmann, der von Geburt Wcstfale ist, gilt als ausgezeichneter Kenner der eigenartigen Verhältnisse des Jndustriebezirks: zudem ist er durch seine mehrfachen früheren Agitations- touren im Kreise den Wählern kein Fremder. Die Nationalliberalen des Kreises haben sich übrigens anscheinend in ihr Schicksal ergeben. Die Aufstellung eines Kandidaten bot für die nationalliberale Partei erhebliche Schwierigkeiten. Justizrat Port ver- zichtete auf die aussichtslose Kandidatur. Die Philosophie der sauren Trauben! Nach langem Raten und Taten stellte man schließlich den in weitesten Kreisen unbekannten Rektor D i ck e r h 0 f f als Kandidaten auf. Das Zentrum hat sich gleichfalls in großer Kalamität befunden. Den Arbeiterkandidaten Efferts, den Generalsekretär des christlichen Bergarbeiter-Gewerk- Vereins, hat das Zentrum nicht wieder aufgestellt. Gelegentlich der letzten Reichstagswahl hatten maßgebende Personen in der nationalliberalen Partei erklärt, daß sie im Falle einer Stichwahl niemals dem Zentrumsarbeiter ihre Stimme geben könnten. Diesem Wunsche hat offenbar das Zentrum, das sich anscheinend mit dein kühnen Gedanken trägt, in die Stichwahl zu kommen, gebührend Rechnung getragen, indem es an Stelle Efferts den Kaufmann B i ck h 0 f f- Dortmund aufstellte. Bickhoff ist Stadtverordneter in Dortmund. Neben diesen Parteien offerieren die Demokraten in einem Angestellten der Hirfch-Dunckerschen Gewerkschaften und serner die Rechtsparteien, die Christlichsozialen, die Konservativen und Antisemiten, einen gemeinsamen Kandidaten in dem Professor Eickhoff- Hamm. Die beiden Kandidaturen sind völlig belanglos. Hart wird der Kampf im Kreise Bochum-Gelscn- kirchcn werden. Den Kreis vertritt bekanntlich Genosse Otto H u e vom Bergarbciterverband. Ter Kreis ist einer der größten des ganzen Deutschen Reiches. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug schon im Jahre 1997 mehr als 149 999 Wähler. Bei einer Wahlbeteiligung von 87,4 Proz. entfielen auf die Sozialdemokratie 42 439, auf den nationalliberalen Kandidaten, den inzwischen verstorbenen Oberbürgermeister Haarmann, 49 399, auf den Zentrums- kandidaten 33 995 und auf den Polen 8683 Stimmen. In der Stichwahl siegte Genosse Hue mit 59 738 Stimmen über Haarmann, der 57 818 Stimmen erhielt. Für die Sozialdeniokratie kandidiert natürlich wieder Genosse Hue. Tie Nationaliberalen haben, in der Hoffnung, daß sie dadurch ihre Position halten würden, einen A r- beiterkandidaten, den Bergmann H e ck m a n n- Bochum, aufgestellt an dem sie, trotzdem er einen, schweren Unfall erlitten hat, festhalten. Bezeichnenderweise hat dagegen auch im Wahlkrise Bochum das Zentrum seine frühere Arbeiterkandidatur zurückgezogen. Der katho- lische Gewerkschaftsbeamte K l 0 st kandidiert nicht wieder. Das Zentrum hat für ihn den Gymnasialprofessor Weskamp aus Dorsten aufgestellt. Professor Wes- kamp scheint sich über die Bedeutung seiner Kandidatur keinen Illusionen hinzugeben. Bei seinem ersten öffent- lichen Auftreten meinte er nämlich, daß man die Hoffnungen im Wahlkreis Bochum nicht allzu hoch spannen dürfe. Die Polen, die schon bei der letzten Wahl eine beachtens- werte Stimmenzahl aufbrachten, stellen— wie im ganzen Ruhrrevier— einen Nationalpolcn strengster Observanz auf. Der prozentuale Anteil der sozialdemokratischen Stimmen bei der letzten Wahl betrug 33,8 Proz. In den letzten fünf Jahren ist die politische Organisation stark gefestigt worden, namentlich hat auch die Presse, das Bochumer„Volksblatt", seinen Abonnentenstaud gewaltig erweitert. Das Anwachsen der Organisation und eine erhebliche Zunahme der Abonnenten find zweifellos der sicherste Gradmesser für die Erstarkung der Bewegung. Den Ausschlag geben im Wahlkreise Bochum die Bergarbeiter. Organisiert waren Ende 1919 von diesen im alten Bergarbeiterverband 21 797, wohingegen der christ- liche Gewerkvercin 11 651 Mitglieder zählte. Der Wahlkanipf wird wiederum ein harter werden, aber die Sozialdemokraiie muß siegen.., Der Kreis Rccklinghauscn- Borken(der Nachbarkreis von Bochum) dürfte zwar für die Sozialdemokratie dieses Mal noch nicht reif sein, doch ist gerade die Wahl in diesem Kreise durchaus interessant. Recklinghausen-Borken ist der einzige Kreis des Regierungsbezirks Münster,, den man zum engeren Jndustriebezirk zählen kann. Das Mandat ist seit 1871 im Besitz der Zentrumspartei: eine Tatsache, die sich ohne weiteres dadurch erklärt, daß der Kreis fast rein katholisch (82 Prozent der Bevölkerung) ist. Das letzte Jahrzehnt hat den Kreis stark industrialisiert: gewaltige Schachtanlagen sind liberalen gewesen, der bekannte großindustrielle General- sekretär Dr. Beumer hat ihn lange Jahre im Reichs- tage vertreten. Den reichstreuen Arbeiter Jung soll jetzt der Nation alliberale Dr. Hugo Boettger ablösen. Dr. Boettger legte früher Wert darauf, als Linksliberaler zu gelten. Im Jahre 19l)3 verdrängte er mit Hilfe der Linksliberalen Diederich Hahn. Dr. Boettger hat sich seitdem gewaltig nach rechts entwickelt. Die Großindustriellen dürf- ten darin nicht falsch kalkuliert haben, daß Dr. Boettger an sich heute ein durchaus ebenbürtiger Nachfolger des scharf- macherischen Dr. Beumer sein könnte. Viel Glück dürften die Nationalliberalen allerdings mit ihrem Kandidaten bei den Arbeitern nicht haben. Das Zentrum ist sich anscheinend über die Person seines Kandidaten noch nicht völlig einig. Im Jahre 1907 kandi« dierte in Duisburg fiir das Zentrum der berüchtigte Arbeiter- sekretär. Landtagsabgeordneter Gronowski- Dortmund. Er soll auf eine Wiederaufstellung verzichtet haben. Als sein Nachfolger wurde zunächst der frühere Bochumer Zentrums- kandidat Gewerkschaftssekretär K l o st- Assen genannt, in Wirklichkeit soll aber für das Zentrum der Oberpostsekretär Altekotte kandidieren. Diese Kandidatur wäre insofern bezeichnend, als mit Gronowski dann neben Efferts und Klost, der dritte Zentrums-Arbeiterkandidat im engeren Jndustriebezirk ausgeschaltet wäre. Damit auch das komische Moment im Wahlkampf in Duisburg nicht fehle, haben die Konservativen, Deutschsozialen und Christlich- sozialen den Feldmarschall Grafen Haeseler als Kandidaten aufgestellt, der sich für den Fall seiner Wahl vor- behalten hat, sich im Reichstag keiner politischen Partei anzu- schließen, sondern„sein allen Deutschen bekanntes nationales Programm" zu vertreten. Graf Haeseler wird schiverlich in die Verlegenheit kommen, sein„nationales Programm" im Reichstag vertreten zu müssen: seine Kandidatur ist nichts anderes als eine glatte Durchfallskandidatur. Schließlich wird auch bei der diesmaligen Wahl der Kandidat der Hirsch-Dunckerschen nicht fehlen, denn als fünfter Bewerber um das Mandat kandidiert noch der Vorsitzende des Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins der Bergarbeiter, Friedrich Schmidt. Unsere Genossen werden im Wahlkreis Duisburg- Mülheim einen schweren Stand haben, aber sie werden alles aufbieten, um die gewonnene Position in Ehren zu behaupten. Die Kreise des weiteren rhcinisch-westfälischen Industrie- bezirks sollen im zweiten Artikel besprochen werden. Ikolsilo�li? als SamnKlIiandidat. Die reaktionären Parteien, die im Wahlkreise Bielefeld- Wiedenbrück als ihren gemeinsamen Sammelkandidaten den Grafen Posadowskp aufgestellt haben, erleben an ihrem Kandi- baten wenig Freude: denn anstatt in der Rolle eines patenten Diplomaten über die Differenzen zwischen Konservativen, Klerikalen und Rechtsnationalliberalen hinwegzusehen und als Patriot reichsparteilicher Kouleur über den Schutz der so- genannten nationalen Interessen, die Einmischung des perfiden Albion in die ausländische Politik Deutschlands und über die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der bürgerlichen Par- teien gegen den i n n e r e n Feind zu reden, kramt Gras Posa- dowsky alte Reminiszenzen aus seiner Amtszeit aus, und gibt über einzelne damalige politische Handlungen derselben Par- teien, die ihn als ihren gemeinsamen Kandidaten aufgestellt haben, so abfällige Urteile ab, daß es den Führern dieser Parteien recht schioül werden muß. Schon in seiner ersten Rede hatte sich Graf Posadowsky allerlei Abweichungen von dem Schema patriotischer Sammelkandidaten-Reden erlaubt, seine am Donnerstag in Gütersloh gehaltene Rede ist jedoch in dieser Hinsicht noch weit„eigenbrödlerischer" und origi- neller. So ist z. B. Graf Posadowsky mit der konservativ-zen- trumsparteilichen Schutzzollpolitik gar nicht einverstanden. sondern vertritt vielmehr die Anschauungen der Caprivi- schen Handelspolitik. Nach dem ausführlichen Be- richt der in Oelde erscheinenden„Glocke" erklärte er: Das Wichtigste, was den neuen Reichstag beschäftigen wird, sind die neuen Handelsverträge. Nachdem ich in Bielefeld bereits über die Technik eines Handelsvertrages gesprochen habe, möchte ich hier noch zwei Gesichtspunkte hervorheben. Wir stehen vor dem Abschluß neuer Handelsverträge mit unseren beiden größten Konkurrenten, mit England und Amerika, mit denen in ein gutes Handelsvertrags- Verhältnis zu gelangen, für unsere Industrie von außerordent- licher Wichtigkeit ist. Deutschland kann heute ohne mächtige Industrie nicht mehr bestehen. Die deutsche Scholle ist nicht mehr imstande, unser Volk von 64 Millionen allein zu ernähren. Wir müssen vielmehr Lebensmittel einführen und die Einfuhr bezahlen mit den Waren, die wir an das Ausland verkaufen. Caprivi hat unsere Lage einmal sehr treffend gekennzeichnet mit den Worten:„Wenn wir keine Waren ausführen, müssen wir Menschen ausführen." Also wenn wir nicht Waren ausführen und mit dem Gelde, das uns vom Ausland dafür gezahlt wird, unsere zuwachsende Bevölkerung ernähren, so müssen unsere Stammesbrüder scharenweise fremde Länder aufsuchen, um sich dort eine Existenz zu schaffen. Zeitweise sind schon 100 000 Deutsche in einem Jahre ausgewandert. Bis jetzt aber ist der Mensch noch das Wertvollste, was die Nationen besitzen, und wir haben die Pflicht, den Bevölkerungsüberschuß u n s zu erhalten und deutsch zu erhalten l(Lebhaftes Bravo!)— Amerika hat den Toppcl- tarif. Wer diesem Lande nicht allgemein die Meistbegünstigung gewährt, der wird mit einem„Strafzoll" belegt, der 25 Proz. und mehr vom Wert der Ware ausmacht. Der Zoll auf feine Damentuche beträgt sogar 80 Proz. des Wertes! Da wir Amerika nicht allgemein die Meistbegünstigung gewähren konnten, haben wir mit ihm einen Bertrag abgeschlossen, auf Grund dessen Amerika uns für eine Reihe von Artikeln den Mindestzoll ein- geräumt hat, wofür wir von verschiedenen amerikanischen Ein- fuhrartikeln nur die ermäßigten Zollsätze erheben. Wir können Amerika nicht leicht an die Nieren gehen, weil wir mehrere wichtig« Einfuhrartikel aus Amerika notwendig gebrauchen: Tabak. Baumwolle uno Kupfer. Als ich damals die Verhandlungen mit Amerika führte, wurde ich allzu großer Schwäche beschuldigt. Ich solle es ruhig auf einen Zollkrieg mit den Bereinigten Staaten ankommen lassen,' hieß es da in der Presse. Ja. meine Herren, einen Zoll- krieg anfangen— daS kann mein ktanzlridiener auch. Schwieriger aber war es, die Verhandlungen so zu führen, daß wir mit Amerika zolltariflich auf eine«, erträglichen Fuße blieben. Mit Freuden würden andere Länder, namentlich Eng- land, es gesehen haben, wenn es zwischen uns und Amerika zu einem Zollkrieg gekommen wäre.(Sehr richtig!) Die Politik ist die Kunst des Möglichen� nicht de» Idealen] Auch an den politischen Sitten der Negierenden in Deutschland hatte Graf Posadowsky manches auszusetzen: vor allem an ihrer Intoleranz gegenüber dem politischen Gegner. Er sagte: Wir haben den Parlamentarismus erst seit 50 Jahren, England schon seit 600 Jahren. Wir vertiefen uns viel zu sehr in Kleinigkeiten und gehen an manchmal wichtigen, wenn auch trockenen Fragen der Handels- und Finanzpolitik achtlos vor- über. In England ist man in dieser Beziehung viel weiter. Während bei uns aus verschiedenen politischen Ansichten ein ge- sellschaftlicher Gegensatz entsteht, spielen die politischen Gegen- sätze in England gesellschaftlich gar keine Rolle. Ich kann Ihnen da eine lehrreiche Geschichte erzählen. Als in England der heftigste Wahlkampf tobte um die Reform des Oberhauses, wohnte der Führer der Konservativen, Lord Roseberh. als Gast im Hause des radikalen Ministerpräsidenten ASguith! Können Sie sich denken, daß etwa bei uns Eugen Richter als Mini st erpräsident, wenn das Parlament wegen eines Zwistes der Liberalen mit den Konservativen aufgelöst worden wäre, die Zeit des Wahlkampfes im Hause des Herrn von O l d e n b u r g. Jan u s ch a u oder bei Herrn v. Heydebrand v-rbracht hätte?(Stürmische Heiterkeit.) In England ist man der Ansicht, daß jeder ehren- hafte Mann die Ansicht vertritt, die er hat, und daß das auf das gesellschaftliche Leben nicht abfärben darf. Der Ansicht bin ich auch. Ferner sprach Posadowsky auch— was dem Bund der Landwirte besondere Schmerzen bereiten dürfte— gegen das Börsengesetz: Vor allem soll man nicht solche Gesetze machen wie das erste Börsengesetz. Dieses Gesetz war meines ErachtenS ein schwerer Fehler. Die Börse ist ein für unsere finanziellen Interessen und sogar für unsere finanzielle Mobilmachung un- geheuer wichtiges Institut. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Die Regierung kann der Börse keine Fesseln anlegen, um die größten Toren vor Schaden zu bewahren. Leute, die von der Börse soviel verstehen wie die Kuh von der Muskatnuß, sollten ihre Finger herunterlassen von der Börsenspekulation! Solche Leute kann man durch Gesetze nicht schützen. Wir haben allmählich über- Haupt zu viel Gesetze. Ein Verwaltungsbeamter, der sich heute die Kenntnis von allen Gesetzen und ihren AuZführungs- bestimmungen verschaffen wollte, müßte verkommen am Schreib- tisch wie jener Förster, der soviel Tabellen machen mußte, daß ihm währenddes der Wald gestohlen wurde. Besonders aber dürften die Ansichten des Grasen Posa- dowsky über die Sozialdemokratie und über die Zuchthausvorlage interessieren: Von der Sozialdemokratie, die ich in 14jährigem Kampfe kennen gelernt habe, halte ich eS nicht für sehr ge- schmackvoll. daß ihre Presse jetzt zur Bekämpfung meiner Kan- didawr auf Ereignisse zurückkommt, die 14 Jahre zurückliegen und außerdem vollständig verschoben dargestellt werden. Ich komme darauf noch zurück. Die sozial- demokratische Partei hat unzweifelhaft viele, durch eine Art Zuchtwahl aus der großen Masse geholte gescheite Köpfe und gute Redner, die mit so gewaltigem Fleiß und solchem Verständ- nis einzelne Fragen studiert haben wie ich es mir nur wünschen möchte bei Rednern, die meiner politischen Auffassung näher stehen. Aber eins fehlt den Sozialdemokraten: Die geschichtliche An- schauung der Dinge. Man kann nicht einen Staat wie aus einer Spielschachtel aufbauen, man kann ihn nicht theoretisch kon- struieren. Eine heilsame Wirkung übt nach meiner Erfahrung die Betätigung in öffentlichen Aemtern auf die Sozialdemokraten aus. Da sehen sie mit der Zeit ein, daß mit allerlei Schwierig- leiten, mit vorhandenen Verhältnissen gerechnet werden mutz, und schließlich machen sie dasselbe wie wir: Sie kochen auch Kartoffeln mit Wasser!(Stürmische Heiterkeit.! Welcher Unterschied zwischen sozialdemokratischer Theorie und Praxis besteht, haben uns in Frankreich die sozialistischen Minister Millerand und Briand gezeigt, die. als ihre Gesin- nungSgenossen bei den großen Ausständen Leben und Eigentum ihrer Mitbürger bedrohten, mit energischen Maßregeln gegen sie vorgingen. In Bielefeld wurde mir vorgestern abend zugerufen: Zucht- hauSvorlag«! und in den sozialdemokratischen Zeitungen nennt man mich den Bater des Zuchtbausgesetzes. Diese Vorwürfe sind absolut und tatsächlich unrichtig! Fürst Hohenlohe hat bekanntlich Memoiren hinterlassen. Ich bedaure, daß er über den Abschnitt seines Zwsammenarbeitens mit mir. alS jener Gesetzentwurf entstand, keine Aufzeichnungen gemacht hat, sonst würde vielleicht heute Klarheit darüber herrschen. Als ehemaliger Beamter halte ich mich noch immer an die Ehren- Pflicht der Amtsverschwiegenheit gebunden, aber soviel kann ich sagen, daß der Gesetzentwurf zum Schutze der Arbeitswilligen, das Zuchthausstrafe vorsah für den Fall, daß durch absichtliche Streiks und durch Gewalt die äußere Sicherheit von Eigentum und Personen bedroht würde, durch die Hand deS Reichskanzlers, 10 preußischer Minister und der Vertreter von 26 deutschen Staaten im Bundesrat gegangen ist. ehe es von mir ressort- mäßig vertreten wurde. Mich, der ich zufällig das Ressort hatte, den„Vater der Zuchthausvorlage" zu nennen, ist also nicht an- gängig. Inzwischen bin ich zu der Ansicht gekommen, daß alle Ausnahmegesetze vom Nebel find. Ich würde deshalb den Gesetzentwurf heute nicht mehr vertreten. Die reaktionären Parteien des Wahlkreises Bielefeld haben sich nach diesen Redeproben einen ihnen recht unbe- quemen Sammelkandidaten ausgesucht. Vielleicht wünschen sie jetzt selbst, daß er nicht in den Reichstag gewählt wird; denn wenn er dort ebenso undiplomatisch von der Leber weg redet, könnte das nicht nur den Reichsparteilern und Konservativen, andern auch den Herren Ministern, die heute die Geschäfte sichren, manche Verdauungsstörungen bereiten. ver Krieg. Die italienische Offensive in Tripolis Tripolis, 2. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Gestern vormittag gingen ein Bataillon des B2. Infanterieregiments, ein Alpenjägerbataillon, das IS. und 33. Bataillon der Bcrfaglieri und die 2. Pionierkonrpagme vom rechten Flügel der italienischen Ostfront aus vor, um die Frontlinie in der Richtung auf daS kleine Fort Mcssri vorzuschieben. Gegenüber standen be» trächtliche Abteilungen türkischer Linientruppen und Araber. Nach hinreichender Beschießung der feindlichen Stellung durch Jnfan- terie und Gebirgsbatterien rückten die Truppen zum Angriff vor und nahmen die bezeichnete Stellung mit dem Bajonett. Die Artillerie verfolgte den in Unordnung sich zurückziehenden Feind mit ihrem Feuer. Nach Besetzung der bezeichneten Stellung bei Messri begannen Jnfanterieabteilungen und Pioniere sofort, sie zu verstärken und das Schußfeld freizumachen. Die Verluste der Italiener betrugen acht Tote und siebzehn Verwundete; die der Gegner konnten nicht genau festgestellt werden, müssen aber sehr erheblich gewesen sein. — Am frühen Nachmittag verfeuerte der„Carlo Alberto" auf eine Abteilung von etwa hundert Arabern, die auf dem äußerst�» linken Flügel gedeckt hinter einer Mauer standen, zwei Granaten mit großer Sprengladung. Beide Geschosse trafen so genau, daß die Mauer und die Araber in einer Staubwolke verschwanden. Gegen 3 Uhr nachmittag feuerte der„Carlo Alberto" auf Zeichen des Drachenballons gegen Fornaci. Nach wenigen wirkungsvollen Schüssen beobachtete man vom Drachenballon, wie sich zwei türkische Kolonnen in Hast nach dem Innern der Oase zurückzogen. Durch Flieger wurde am Vormittag festgestellt, daß die Gegend bei Zanzur fast und die Straße nach Azizie gänzlich frei vom Feinde war. Attentat ans einen französischen Kriegsberichterstatter. Tripolis, 2. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Als der Be r i ch t e r st a i t e r des„T e m p s", Jean C a r r e r e. gestern nacht nach Hause zurückkehrte, wurde er verräterisch an- gefallen und in der Schulter, dicht am Halse, von einem Dolchstich verwundet; edlere Organe wurden von der Wasfe nicht berührt. Der Täter entfloh. Die Ermittelungen gestalten sich schwierig, da Carrere keine Personalbeschreibung geben kann. Es wird ver- mutet, daß der Mörder in den Reihen der Jungtürken(?) zu suchen ist. Carrere(der sich fast als einziger der fremden Kriegs- berichterstattcr mit dem italienischen Oberkommando sehr gut stand. D. Red. d.„V.") und der französische 51onsul hatten bereits Drohbriefe in französischer Sprache erhalten, bedauerlicherweise aber die Behörden nicht benachrichtigt. Heute morgen um 6 Uhr war der Zustand des Verletzten gut und ohne Fieber. Eine türkische Anleihe. Konstantinopel, 2. Dezember.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Dem Vernehmen nach hat der Finanz- minister auf Beschluß des Ministerrates Verhandlungen mit der Banque Ottomane wegen Vorschusses von zwei Mil- lionen Pfund gegen Schatzbonds eingeleitet. Die Summe soll zur Deckung des Defizits des laufenden Finanzjahres dienen. Da die von der Bank gestellten Bedingungen nicht angenommen wur- den, ist Direktor Rcvoil nach Paris gereift, um andere Bedingungen festzustellen. Sie Revolution in Clssna. Ranking in den Händen der Revolutionäre Schanghai, 2. Dezember.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) Nanking ist gefallen und von den Revolutionären besetzt worden. Russische Mastnahmen. Petersburg, 2. Dezember. Wie Rietsch meldet, werden die russischen ausgedienten Mannschaften im fernen Osten wegen der Wirren in China nach Ablauf ihrer Dienstzeit noch bei den Fahnen zurückgehalten. Die Revolution und die europäische Textilindustrie. New D-rk. 2. Dezember.„New Dork Herald" meldet ans Hongkong: Die Firma Alexander Roß u. Co. sowie bedeutende .Importeure von Wollstoffen warnen die e u r o p ä i s ch e n F a b r ,-» kanten und Exporteure in einem Bericht, der heute ver» vffentlicht wird, zur größte» Vorsicht bei der Herstellung von Waren und Mustern für den chinesische» Markt. Die chinesischen Händler hätten ihre Ansichten in bezug auf die bisher gebräuchlichen Qualitäten vollständig verändert. Als Resultat der' außergewöhnlichen Nachfrage für ausländische K 1 e i d u n g s» stücke, welche sich zweifellos infolge der Abschaffung der alten chinesischen Sitten eingestellt hat. wird sich der chinesische Markt für gesponnene Baumwollwaren und Fantasieartikel innerhalb sechs Monaten einer vollständigen Acnderung unierziehen. Dies bedeute, daß die herrlichsten gestickten Muster, welche so bekannt in China waren, vollständig verschwinden und einfachen europäischen Kleidungs- stücken Platz machen werden. Der hiesige Markt ist jetzt besonders lebhaft in Meton- und gesponnene Baumwollwaren. politische(leb er ficht. Berlin, den 2. Dezember 1911. Auslegung der Wählerlisten für die Reichstagstvahl. Der„Reichsanzeiger" enthält folgende Bekanntmachung: Auf Grund des§ 8 des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1369 und deS§ 2 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870, 28. April 1903 setze ich den Tag, an dem die Auslegung der Wählerlisten für die bevorstehenden ReichstagSneuwahlen zu beginnen hat, auf Donnerstag, den 14. Dezember d. I., hierdurch fest. Berlin, den 30. November 1911. Ter Minister deS Innern. Von Dallwitz. Nach dein angezogenen§ 8 des Reichswahkgesetzes sind bekanntlich die Wählerlisten„spätestens vier Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage zu jedermanns Einsicht auszulegen". Da die Reichstagswahlen am 12. Januar statt- Inden sollen, ist der 14. Dezember der äußerste Termin für den Beginn der Listenauslageu. Die Listen müssen mindestens acht Tage ansliegen. Einsprachen gegen die Listen sind„binnen acht Tagen nach Beginn der Auslegung" anzubringen. Tie Versicherung der Privntangestellten. Im Reichstag wurde am Sonnabend zunächst das Gesetz über die Ausgabe kleiner Aktien in den Kon- ulargerichtsbezirken und in Kiautschou ohne wesentliche Debatte in dritter Lesung gegen die Sozialdemo- kratn und inigc andere Abgeordnete angenommen. Dann wurde die zweite Lesung des Gesetzes über die Ver- icherung für Privatangestellte fortgesetzt und ver- hältuismäßig rasch zu Ende geführt. Zunächst handelt es sich um die Frage, wie der Versicherungsträger gestaltet werden solle. Es ist dazu bestimmt, die in Berlin zu errichtende Reichsversiche- rungSanstalt für Angestellte. Ihre Organe sind: 1. daS Direktorium, 2. der Verwaltungsrat, 3. die RentenauS- 'chüsse, 4. die Vertrauensmänner. Um die W a h l f r e i h e i t bei der Wahl der Vertreter zu sichern, verlangte die Sozialdemokratie geheime Abstimmung, doch wurde der Antrag abgelehnt. Ein anderer sozialdemokratischer Antrag verlangt, daß die Wähl- barkeit der Vertreter nicht auf die Männer be- ch r ä n k t wird. Molkenbuhr begründete diele Forderung mit dem Hinweis darauf, daß unter den Angestellten sich zahl- reiche Frauen befänden, und sie deshalb doch auch das Recht der Vertretung haben müßten. Auch der Einwand, daß man Frauen doch nicht richterliche Funktionen übertragen könnte, fei hinfällig, er fei schon in den Aerztekammern durchbrochen. Auch diese Be- mü'hungen der Sozialdemo?ratie für die Gleichberechtigung der Frauen scheiterten an dem philisterhaften Argwohn, der bei der Bureaukratie und den herrschenden Klassen nun einmal gegen die Frau besteht. Nach Ablehnung einer Anzahl anderer sozialdemokratischer An- träge wurde schließlich der Rest deZ Gesetzes angenommen. Um 3J4 Uhr vertagte sich das HauS bis zum Montag. Es wurde eine größere Anzahl noch ausstehender Angelegenheiten. darunter die ostafrikanische Kolonialbahn und die Diamantfrage. auf die Tagesordnung gesetzt. Vermehrter Zollschutz der sogenannte» „nationalen" Arbeit. Der Zenttalverband deutscher Industrieller macht mobil für den Kampf um die.Ausfüllung der Lücken" des Heuligen Zoll- tarifs, daS cheißt, um die Erhöhung und Vermehrung der in diesem Tarif enthaltenen Zollsätze. Der Zeulralverband sowie die Zentral- stelle für Vorbereiiung von Handelsverträgen und der Verein zur Wahiung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands haben nämlich in der am 1. Dezember d. I. unter dem Vorsitz des Land- rat Dr. Rötger abgehaltenen Sitzung der Interessengemeinschaft in voller Uebereinstiinmung ein einheitliches Vorgehen hinsichtlich der Vorarbeiten für den künftigen Abschluß neuer Handelsverträge be- schloffen. DaS für diese Vorarbeiten aufgestellte Programm sieht eine grundsätzliche Prüfung unseres ganzen handelspolitischen Systems vor und soll unter Würdigung der Wünsche der interessierten wirtschaftlichen Verbände und Einzelfirmen zur Durchführung ge- bracht werden._ D,e Petitionen im Reichstag. Ain Dienstag beendete die Petitionskommisston ibre Arbeit. Das P e t i t i o n s r e ch t ist in der Reichsverfassung nicht so auS- drücklich gewährleistet wie in der einzelner Bundesstaaten. Der Reichstag ist nur berechtigt, die bei ihm einlaufende» Bittschriften der Reichsangebörigen. wenn sich ihre Eingaben auf dem Gebiete der parlamentarischen Gesetzgebung und der Handhabung der Reichs- gesetze in der Praxis bewegen, dem Reichskanzler mit entsprechenden Geleitsworten mehr oder weniger zustimmender Art zu überweisen. Es gingen im Reichstage ein während der gegenwärtigen Legislatur in der Session I 1907 9.. 9 265 Petitionen, . ll 1909/10. 1 687. ..„ DI 1910/11.6 491 für die ganze Legislatur.. 16 443. In der ersten Sesfion hat die F i n a n z r e f o r m diese auS- nabmsweise hohe Zahl hervorgerufen, diescSmal die Reichs- versicherungsordnllng und das P r i v a t b e a in t e n- g e s e tz. Es sind deshalb auch die meisten Petitionen an die be- sonderen Komniiisionen zur summarischen Erledigung überwiese» worden. In dieser Session hatte die PetitionSlommissiou für sich allein 1 722 Eingaben zu erledigen; 1009 mußten als ungeeignet zur Erörterung im Plenum bezeichnet werden. 79 bleiben als»n- erledigt zurückgestellt. In der ersten Session dieser Legislatur- Periode hatte die Petitionskommisston 8569 Petitionen zur Erledi- gniig im eigenen Schöße überwiesen erhalten, in der zweiten 719, also zusamnien in der 12. Legislaturperiode 6010 Petitionen. Man erkennt daraus, welche intensive Arbeit diese nach außen nicht sehr hervortretende Kommission, die allmählig ein Parlament im Parlamente bildet, zu leiste» halte. Es ist aber eine recht wenig erbauende Situation für einen Freund des Polles, wenn er als Mitglied dieses JMi«np»rla»tenteS sieht, wie viele Hoffnungen unglücklicher�armer, rechtlich sich verletzt suhlender Meuschcn un Reiche hier an der her? fnffuiigSniäßsgen U ii m"S g l i ch k e i t der Hilfeleistung scheitern. Und tief betrübend ist die Wahrnehmung, wie wachsend die fahl der Geisteskranken ist, die sich hier Gehör ver- schufte» wollen, wie viel menschliches Elend aus diese» Zehn- taufenden prosaischer Bittschriften der unglücklichen Menschheit unseren Volksvertretern enigegengrinst. Hin und wieder bemächtigt sich deS Reichsboten auch ein sarkastisches Lächeln. wenn von Petenten Gelder auS dem Reichssonds für wohlgemeinte Zwecke, z. B. zur Bekämpfung der Hagestolzen oder zur Belohnung sozialdemokratischer Volksvertreter für ihren unermüdlichen Kampf gegen VolkScntrcchiung gefordert werden. Traurig, sehr trourig sti, innen dann wieder die herzzerreißende» Klagen deuticher Kriegsveteranen über die karge Behandlung der Vaterlands- retter durch die Reichsregierung. Die ReichSregierung hat für die »Sieger" wenig übrig. ES ist sehr selten zu erreichen, daß für die dem Plenum über- wiesene» Berichte der Petitionskommisston eine Verhandlung im Reichstage stniifiiidet; schon beim Aufrufe einer einzigen Petition durch de» PrSsideuteu vergeht oft ein ganzer Sitzungstag. So ist jetzt leider ein slifleS Uebereinkommen nötig, das den Volksvertretern widerwilligeS Schweigen auferlegt, wenn die Beschliiffe der Petitionskommisston nicht pro nilrilo gefaßt, das heißt durch das Plenum an das Reichskanzleramt gelangen sollen. Es erfolgt meistens eine stumme M a s s e n ü b e r w e i s u n g innerhalb weniger Minuten im Plenum. Deshalb ist eZ notwendig geworden, daß in dieser wichtigen Kommission stets eine Anzahl Abgeordnete von Erfahrung auf allen Gebieten und von geschäftlicher Praxis im PelitionSwesen stän- digen Sitz haben, wie z. B. der sozialdemokratische Abgeordnete S ch w a r tz> Lübeck, der wohl der Nestor dieser Kommiision ist. Bor allem müssen verschiedenartige BerusSsiände darin vertreten sein. Ter Stand der Reichsfinanzen. DaS Reichsschatzamt verbreitet oine AltSkmift. die der Ministerial- direktor Herz in der Budgetloinmission des Reichstages gegeben hat. Das Exposö lautet: »1, Der Stand der Reichsfinanzen ist durchaus befriedigend, dank den guten Erträgnissen der neuen Steuern. Diese günstige Finanzlage äußert sich dartn. daß 2 die lleberschüsse des Jahres 1911 noch erheblich höher sein werden als im Jahre 1919. wo sie 117 Millionen Mark betrugen. Wenn die Sleuererirägnisie sich normal weilerenttvickeln wie bis- her, könnte mit einem Ueberschuß für 1011 von 140 Millionen Mark gerechnet werven. 8. Von dem im Etat für 1911 vorgesehenen Ailleihckredit von 97'/j Millionen Mark wurde kein Gebiauch gemacht; er wird auch nicht in Anspruch genommen iverden müssen, so daß im� laufende» Jahre kein Psinnig neue Anleihe ausgegeben wurde, während auf der anderen Seite erhebliche Summen zur Schuldenlilgung aus dem ordentlichen Etat verioendel wurden. 4. Der ReichsschatzaiiweisungSkredit wurde im Jahre 1911 nur in ganz unerheblicher Weise in Anspruch genommen. 5. Die Bestimmungen de? ElatSgeietzeS, daß alle Ueberschüsse auS den Heberweisirngsstruer» und aus den ordentlichen E>u- nahmen des Reiches zur Abbürdung der Anleihe bezw. zum Rück- kauf von Schuldverschreibungen am offenen Markt verwendet werden müssen, gestaltete unter diesen Umstände» eine erhebliche Entlastung der Reichsschuld. 6. Auch für das bevorstehende Rechnungsjahr 1912, dessen Etat zurzeit noch nicht fertiggestellt ist. ist ein durchaus günstiger Abschluß zu erwarten. Der Etat wird nicht nur balancieren, er wird auch wiederum gestatten, erhebliche Beiträge zur Schuldett- tilgung vorzusehen. 7. Das Anleihesoll für 1912 dürfte sich auf etwa 50 Millionen Mark belaufen. Soweit die Anleihe zur Deckung neuer Bedürf- nisse notwendig erscheint, kommen nur solche werbender Natur in Frage, so daß wir dem erstrebenswerten Z>el jeder guten Anleihe- Politik, alle nicht werbenden Anlagen auf das Ordinarium zu überweisen, bereits sehr»abegerückl sind. Eine Jnauiprucknahme dieses AnleihekredilS wird aber vielleicht auch im Jahre 1912 nicht notwendig werden." Daß man bei 500 Millionen Mark neuer Steuern nicht gleich in den ersten beiden Jahren wieder mit einem Defizit kommt, ist durchaus keine Leittlmg, auf die dos Reichsichatzamt stolz sein könnte. Zudem gibt das Exposö eine Schilderung, die sich jeder Nach- Prüfung entzieht. Wenn Sckatziekretär Mermuth diese Er- klänmg abgegeben hätte, dann konnte man der Sache immerhin eine gewisse Bedeutung beimessen. Er überläßt das aber einem Beamte» seines RessortS, den er jeden Moment verleugnen kann. Falls die Ueberschüsse tatsächlich so erheblich sind, ist eS nicht zu verstehen. daß die Herabsetzung der Altersgrenze für den Erhalt der Altersrente von 70 auf' 65 Jahre von der Negierung für unannehmbar erklärt wurde, weil man die Mehrbelasirmg von 8 Mill. M. nicht glaubte übernehmen zu können. Wie steht«S mit der Deckung der Kosten der letzten Miliiätvorlage? Von den 142 Mill. M. Gesamt- kosten sind im larifenden Etat nur acht Millionen Mark enthalten. Der Rest von 134 Millionen Mark ist auf die nächsten vier Jahre zu verteilen. Wie steht eS weiter mit den Kosten der neuen Flotten- Vorlage und mit den Kosten für da» neu erworbene Kongogebiet? Der Miiiisterialdirektor Herz redet nur von steigenden Einnahmen; daß aber auch die Ausgaben enorm steigen, davon sagt dieser Schön- färber kein Wort. Die ganze Darlegung ist offensichtlich geschminkt und frisiert. Sie bietet nur vage Vermutungen, Schätzungen, die sich jeder Nachprüfung entziehen; und es muß daher mit aller Eni- schiedenheit gegen den Unfug protestiert werden, die Oeffenllichkeit mit solchen völlig in der Lust schwebenden Berechnungen irrezuführen. Die schwarze Gefahr. Die„Post" ist über unsere Artikel„Der Turko als Wahlhelfer" sehr erbost. Von den vielen Punkten, die in diesen Artikeln gegen das Geschrei vom„schwarzen Gespenst" an- geführt wurden, greift sie gerade einen einzigen heraus, um uns einer„groben Irreführung" zu zeihen, eS ist das uniere aus einem Bericht an die französische Kammer stammende Angab« über die Stärke der Senegaltirailleure. Sie nimmt einfach die Zahlen eines militärischeu Handbuches her, in dem die Formationen so hübsch schwarz auf w-ih stehen und nach dem sich am grünen Tisch die Zahlen ganz glatt multiplizieren lassen. Da» gibt dann daS gewünschte Zahlenmaterial. Die„Post", die sich auf ihre militärische Wissenschast so viel zugute tut, sollte aber wiffen. daß bei fran- zösischen Eingeboreneutruppen die auf dem Papier stehende Etats- slätke mit dem wirklichen Bestand durchaus nicht übereinstimmt, daß es sich ferner, wie in diesem Falle, um Formationen handelt, die erst in der Bildimg begriffen sind. Die„Post" vergißt auch zu sagen, daß ihre.20 Bataillone" Senegaltirailleure, abgesehen von den in Nordasrika stehenden, über ein riesiges Gebiet— Französisch Guinea. den französischen Sudan und Kongo sowie auf Madagaskar-» ver- teilt sind. Daß die Eingeborenen Algeriens von der allgemeinen Wehr- Pflicht nichts wissen wollen, daß die Senegaltirailleure in dem nord- afrikariischen Klima sehr unter Krankheiten usw. zu leiden haben, daß die schwarzen Soldaten für einen europäischen Krieg nicht ge- eignet sind usw.— davon sagt die„Post" natürlich kein Sterbens- wörtchen. Sie kann ja damit für ihre RiistungShetze kein Geschäft mache». m In unserem letzten Artikel i. Der Turko als Wahlhelfer' hoben wir auch den Prmzeu Schöira'ch-Carolath genanut und'deffen AuS- führungen über das Eingreifen arabischer Truppen bei Sedan etwas unter die Lupe genommen. Wir wollen aber hier fest- stellen, daß wir nicht annehmen, der Herr Prinz habe bewußt und absichtlich irrejührende Angaben gemacht, wir glauben vielmehr, daß er in gutem Glauben und ohne genügend insormiert zu sein. eine Kriegslegende erzählt hat, deren ja so viele im Umlauf sind. Dabei kam es natürlich auch ihm darauf an. die„schwarze Gefahr" in möglichst abschreckenden Farben an die Wand zu malen. Reichsverbiindlerischer Terrorismus. In Quedlinburg am Harz unterhält der Reichsvcrband gegen die Sozialdemokratie ein sogenanntes nationales Arbeiterfckretariat, dessen Sekretär ein ehemaliger Gärtner Walter Krause ist. Bei der vor einigen Tagen vorgenommenen Stadtverordnetenwahl schickte dieser einige Auspaffer in das Wahllokal. Sie berichtete» Krause, daß sechs Arbeiter der weltbekaunten Firma Gebr. Dippe ihre Stimme für die sozialdemokiaiische Liste abgegeben hätten. Krause machte hiervon der Firma Gebr. Dippe Mitteilung, und diese ent- ließ die Arbeiter aus der Stelle. Die eutlasjenen Arbeiter sind aus- nahuislos Familienväter und weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert. Bisher hatten die Dippefchen Arbeiter unter Führung eines Auf- seber« bei den Wahlen immer die Sozialdemokraten niederitimme» müssen. Wir wolle» noch bemerke», daß die Herren Dippe sich mit einem jährlichen Einkommen von je 1°/« Millionen Mark selbst ein- geschätzt haben. Der'Reichsverbaud schreit bekanntlich nicht wenig über den Tcrrorismns der Sozialdemokratie. Wie dieses Geschrei zu bciverten ist. zeigt obiger Fall._ Hollands Protest geKcn das deutsche Schissahrts- abgabengcsetz. Wie der„Frankfurter Zeitung" auS dem Haag berichtet wird, verloutet dort bestimmt, daß die holländische Regierung ihre Ansicht in bezug aus das deutsche Schiffahrisabgabcngesetz trotz der Annahme desselben durch den Deutsche» Reichstag keineswegs ändert. Holland sei ans keinen Fall geneigt, die durch die Schiffahrtsakte von 1863 festgelegte freie Schiffahrt auf dem Rdei» preiszugeben. Ferner will man hier wiffen. daß auch Oesterreich noch genau so scharf wie vorher aus seinem ablehnende» Standpunkte stehe. Man weiß deS- halb nicht, auf welcher Grundlage die deutsche Regierung die eilt- sprechenden Berhaiidlimgen führen will. V!e peffifeke Kriffe. Der Vormarsch der russischen Truppen hat in Teheran un- geheure Erregung hervorgerufen. Das unglückliche Volk, das in einer Revolution sich von dem Joch eineS elendeiz und grausamen Despoten befreit hatte, das in einem tapferen Kriege die. von den Russen unterstützten Scharen deS Schahs aus dem Lande getrieben hat, sieht sich jetzt einem übermächtigen Gegner gegenüber und steht vor dem Verlust seiner national en Unab- hängigkeit. Die englische Regierung hat die Hoffnungen des persischen Volkes schmählich getäuscht. Ter englische Jmperialis- mus, der sich von dem deutschen bedroht fühlt, ist längst zum Helfershelfer des Zarismus herabgesunken. Und so macht das Persische Volk noch einen letzten verzweifelten Versuch, seine Un- abhängigkeit zu retten: es wendet sich an bte amerikanische Regierung um Hilfe. Aussichtsreich erscheint der Versuch kaum. Zwar wendet siih die New Uorker Presse scharf gegen England und Rußland und tadelt die Negierung, die nicht entschloffcn Partei für Shuster nimmb. Die amerikanische Skrgierung selbst aber hat sich damit begnügt, ihrer Sorge um das Leben des persischen Generalschatzmeisters Shuster Ausdruck zu geben und beschlossen, bei Rußland Vorstellungen hinsichtlich des Schutzes Shuster s als amerikanischen Bürgers zu erheben. Das ist aber auch alles. Segen den Vormarsch der Russen selbst hat die amerikanisch? Regierung nicht protestiert. Die Lage in Teheran. Teheran, 2. Dezember. Die Stadt war gestern nachmittag verhältnismäßig ruhig, nur vor dem Parlamente sammelte sich eine ausgeregte Menge. Auf dem Kanonenplatz vor dem Parlamentsgebäude sind Soldaten postiert. Bewaffnete Banden durchziehen die Straßen der Stadt. Trotz aller Erregung wurde das am Vorabende des Festes übliche Feuerwerk vor dem Schahpalajt programmäßig abgebrannt. Studenten zogen durch die Stadt und forderten zum Widerstand gegen Rußland auf. Vor dem Parlament wurden heftige Reden gehalten. worin ersucht, eine starke Regierung zu schassen und der Vorschlag gemacht wurde, eine Kommission von 40 Mann zu bilden, welche die nächsten Maßnahmen beschließen soll. Die Schulen sollen ge- schlössen bleiben; man plant einen Boykott russischer und englischer Waren. Demission des Kabinetts. Frankfurt, 2. Dezember. Ter Teheraner Korrespondent der „Frankfurters Zeitung" ersährt. daß das Kabinett demissioniert hat. Polizeichef F e f r i m soll mit 3000 Mann nach K a s w i n gehen, um die Russen am Vorrücken nach Teheran zu hindern. Es gehen Gerüchte, die Wollahs, die stark gegen Rußland agitieren, predigen den heiligen Krieg. Die Richtigkeit dieser Nach- richten war bisher nicht festzustellen. Der Premierminister teilte den Abgeordneten mit, daß er noch mit Rußland verhandle und hoffe, durch das Fallenlassen Shusters den Vormarsch der russischen Truppen aufzuhalten. fraukrncb. Der Bericht der Marokkokommission. Paris, 2. Dezember. Ter Bericht des Deputierten Long über den französisch-deutschen Vertrag wird heute der Kammer vorgelegt werden. Das Schriftstück, in dem das Ab- kommen Artikel für Artikel besprochen wird, schließt mit folgenden Sätzen: Dem Bedauern, welches bei uns das ÄongoabkomMen hervorgerufen hat. müssen wir die in Marokko erzielten Ergebnisse gegenüberstellen. Man darf diesen Vertrag nicht bloß als Jnter- effenentschädigung, ansehen. Man muß vor allem wünschen, daß dieses Abkommen, indem es ernste Schwierigkeiten regelt und allzu lange Perioden der Spannung beendigt, eine Aera der Entspannung und Ruhe in den Beziehungen der beiden Länder herlieiführt. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Minister- Präsident in jedem Falle von der Kammertribünc im Namen der Regierung eine Erklärung über das Abkommen geben wird.— JaureS sagt in der„Humanitö": Es würde Frankreichs nicht würdig sein, seine Ansicht über die Ereignisse, die den Vertrag vorbereitet haben, sowie über hen Vertrag selbst und über die Zu- kunft zu verschweigen. Ob es vor oder nach der Abstimmung über den Vertrag geschieht,— eine umfassende und weit über die ministerielle Verantwortung hinausgehende gewissenhafte Prüfung ist notwendig. - Kämpfe in Marokko. Easablanca, 2. Dezember. Jiw Gebiet der Zaer werden fort- dauernd Gewalt streiche voll herumstreifenden Angehörigen noch nicht unterworfener Stämme versucht. Ein An- griff aus den Beobachtungsposten Mechm Kambarra am Um er Rebbia wurde zurückgewiesen. Ein Schreckensurteil. Paris, 1. Dezember.(Eig. Ber.) Ein furchtbares Urteil hat das Kriegsgericht des 1. Armeekorps in Lille gefällt. Während der Verhandlung gegen einen Soldaten, der wegen Gewalttätigkeit gegen einen Vorgesetzten angeklagt lvar. wurde der Dragoner B e u z o b o c, ein Mithäftling des Angeklagten, als Zeuge vorgeführt. Er trat mit groben Schimpfworten ein und warf dem Vorsitzenden seine Kappe an den Kopf.— Der Gerichtshof unterbrach sofort die Verhandlung und eröffnete gegen den Exzedenten ein summarisches Verfahren, das im Handumdrehen mit der Verurteilung zum Tode endete l ES ist klar, daß dieses ungeheuerliche Urteil nicht voll- -streckt werden wird, aber wird die langjährige Festungs- strafe, die der Verurteilte eintauschen wird, zu der Tat. die von einem Zivilisten an einem bürgerlichen Richter begangen. wohl mit ein paar Monaten Kerker geahndet worden wäre, in einen» Verhältnis stehen? Em der Partei. Gcmcindewcihlsiege. In Augsburg erlangien uiisere Genossen 3 weitere Mandate. Die Stiinmeuzahl stieg von 685 im Jahre 1903 auf 1329. In Lechhausen erhielt die Sozialdemokratie 5 Sitze. Bei der Stadiverordnetenwahl in Homburg v. d. Höhe wurde zum ersten Male ein Sozialdemokrat, der Gastwirt Kapputh, mit 433 gegen 410 bürgerliche Stimmen gewählt. Große Erfolge haben die Genossen im Wahlkreise Hof bei den Gemeindeivahlen errungen. Waren bisher nur elf Genossen im ganzen Wahlkreise in den Gemeindeparlamente» tätig, so ist die Zahl der Gemeindevertreter im November d. Js. auf 44 gestiegen. In der Stadt Hof selbst stieg die Zahl der Vertreter von drei auf iechS. In Jsiigau gewannen wir sechs Mandate. In Förbaul einen Beigeordneten, in P i l g r a m S r e u t h sechs Mandate und einen Beigeordneten, in T a u p e r l i tz ein Mandat, in Schwarzen- dach a. d. Saale sieben Sitze, in Regnitzlosau einen Sitz. in Münchberg zwei, in Selb fünf, in HelmbrechtS zwei, in Reha» zwei, in Gattendorf fünf und tnLeupoldS- g r ü n d zwei._ Versagte Bestätigung. In Oberstein a. d. Nabe war Genosse Fall er zum Vürgermeister-Stellvertretcr gewäblt worden. Die oldenburgische Regierung bestätigte indessen die Wahl nicht. In der Neuwahl wurde ein von den vereinigten bürgerlichen Parteien. unter denen der Freisinn die Hauptrolle spielt, ausgestellter Sammel- kandidat mit rund 700 gegen 574 sozialdemokratische Stimmen ge- wählt. Die sozialdemokratischen Stimmen hatten sich noch um 139 gegesi die erste Wahl vermehrt. Die Vcisctzrnig Paul und Laura LafargneS. Der Zeitpunkt für die Einäscherung ist nunmehr festgesetzt. Sie erfolgt Sounlagnachmittag auf dem Pore Lachaise. Der Leichenzug wird sich in der Rue de la Corderie, wo die geeinigte Partei ihre» Sitz bat. formieren.— Die Leichen wurden am Donnerstag in ein provisorisches Grab auf dem Friedhof in Draveil übergeiübrt. Die sozialistischen Organisationen der Nachbarorte hatten Delegierte ent- sendet, ebenso der Parteivorstand. GewßyferchaftUcbea. Die JMetaUarbeiterauQrpciTimg in ßerliti. lieber den Umfang der Aussperrung wurde bisher will- kürlich abgeschäht in der bürgerlichen Presse, wobei zuletzt auch einige Blätter dem wirklichen Resultat nahe kamen. 20 OVO Ausgesperrte nach der„National-Zeitung", die zuerst 70 000 geraten hatte, 30 000 nach der„Volks-Zeitung", zwischen 60 000 bis 70 000 nach den meisten anderen Blättern! Unterdessen waren die Meldestellen für die Ausgesperrten noch in voller Tätigkeit, denn die Aussperrung setzte sich vom Donnerstag bis zum Sonnabend fort, und wir können mitteilen, daß bis zum Sonnabendabend die Zahl der Ausgesperrten rund 32 000 betrug. Das Meldesystem funktionierte vorzüglich und ge� stattete zugleich eine gute und stete Verbindung der leitenden Stellen mit weiten Kreisen der Ausgesperrten, die in den Meldestationen ihre Samnielpunkte fanden. Dabei wurden Ruhe und Ordnung nirgend gestört.— Zu der nächsten EntWickelung der Dinge wird uns vom Zentralkomitee der kartellierten Gewerkschaften mik geteilt, daß sich weitere Maßnahmen erst dann treffen lasten, wenn feststeht, wie ausgesperrt worden ist.— Die Ver mutungen und Gerüchte, die bis jetzt in Umlauf sind, enl behren der Begründung./ Die unfreiwilligen Feiertage, die den Ausgesperrten jetzt vor dem Weihnachtsfeste beschert werden, sind besonders be merkbar im Norden und Nordwesten der Stadt, wo die großen Betriebe der Metallindustrie liegen. Abgesehen von den Meldestellen, in deren Nähe schon vielfach ein lebhafter Ver- kehr herrscht, denn die Arbeiter, auch außer den Ausgesperrten, hoffen dort Neuigkeiten über die allgemeine Lage und den Umfang der Aussperrung zu erfahren, finden fich überall kleine Gruppen von Arbeitskollegen zusammen, um die große Frage des Tages, die Aussperrung, zu bespreckzen. Es ist aber nicht wahr, was manche Zeitungen von der niedergedrückten Stimmung und der Erbitterung, die sich gegen die streikenden Former richten soll, zu erzählen wissen. Nie war die Arbeiter- schaft kampfesfreudiger. Man ist freilich nicht vergnügt über die erzwungene Arbeitslosigkeit vor Weihnachten, aber die' Ar- beiterschast ist nicht so leicht einzuschüchtern, sondern zeigt frohen Mut, trotz alledem. •» » Mit welchen Mitteln der Verdächtigung seitens der bürger- lichen Presse operiert wird, davon ein Beispiel aus der »Täglichen Rundschau". Dort heißt es: .Wieder einmal haben die Führer die Zügel verloren: Sie haben zur Arbeitsaufnahme gemahnt, konnten aber die Geister nicht mehr beschwören. Cohen selb st soll den Saal ver- lassen haben, weil er den Frieden wollte und nicht erreichen konnte. Die st reitenden Former, die ohnehin schon zu den be st bezahlten Arbeitern gehören, er- halten volle Unter st ützung, die Ausgesperrten. die für sie leiden, einen bedeutend geringeren Prozentsatz: Mit S Mark für die Woche ist schlecht leben. Das trägt viel zur Erbitterung der letzteren bei. Es wäre der Redaktion der„Täglichen Rundschau" ein kleines gewesen, sestzustellen, daß sie sich zur Verbreitung von Lügen hergab. Weder hat Cohen den Saal verlassen — dazu lag für ihn keine Veranlassung vor, auch wäre er einer Erregung nicht feige aus dem Wege gegangen—, noch ist richtig, was über die llnterstützungssätze des Metallarbeiter- Verbandes gesagt wird. Wir nehmen natürlich nicht an, daß die„Tägliche Rundschau" ihre Mitteilungen wider besseres Wissen verbreitet. Aber ein anständiges Blatt hätte sich zu- nächst dieses bessere Wissen verschafft und nicht beweislos verdächtigt I Königsberg i. Pr., 2. Dezember.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die in der Königsberger Uniongießerei infolge des Formerstreiks angedrohte Aussperrung ist heute von der Direktion verfügt worden. Die Arbeiter sämtlicher Betriebs- abteilungen mußten ihren Arbeitsplatz verlassen. Es kommen zirka 900 Personen in Frage. Der Streik in der Damenkonfektion wird nun selbstverständlich mit aller Kraft und Energie fort- gesetzt, und es ist auch nicht daran zu zweifeln, daß die Streikenden die Haltung ihrer Kommissionen unbedingt billigen. Das wird sich sicherlich auch zeigen sowohl in der Versammlung der Meister, die am Montag stattfindet, wie in den Versammlungen, die der Schneiderverband aus den Dienstagnachinittag einberuft. Wie es bei den Konfektio- nären steht, darüber läßt sich bestimmtes nicht mitteilen. Das „Berliner Tageblatt" berichtete jedoch gestern, daß die Kon- fektionäre noch am vorhergegangenen Abend eine Versamm- lung abgehalten, aber trotz stundenlanger Debatten zu keiner Beschlußfassung kommen konnten. Daß die Versammlung somit ergebnislos verlies obwohl man namentlich auch die Hauptinterefsenten eingeladen hatte, läßt wohl den Schluß zu, daß ein großer Teil der Herren mit der Haltung ihrer Ver- treter nicht recht einverstanden ist und den Tarif nicht als „technisch unmöglich" und nicht als„Ruin" der Branche an- sieht, vielleicht sogar die tarifliche Regelung für ganz zweck- mäßig erachtet. Liegt doch die Sache so, daß. wenn man die Wirkungen der Tarifverträge in anderen Industriezweigen. sei es auch nur vom Unternehmerstandpunkt, ohne Vorein- genommenheit betrachtet, zu der Erkenntnis kommen kann und muß. daß sie in hohem Grade geeignet sind, durch die Ab- grenzung der Löhne nach unten die Schmutzkonkurrenz ein- zuschränken, was doch im Interesse jedes reellen Geschäfts- mannes liegt. Die Zwischenmeister haben dies erkannt und wollen durch das gemeinsame Vorgehen mit ihren Arbeitern und Arbeiterinnen auch der Schmutzkonkurrenz in ihren eigenen Reihen eine Grenze setzen. Da wäre es doch sonder- bar, wenn die Kaufmannschaft sich dieser nützlichen Erkenntnis verschließen wollte! Sie wird ihr übrigens jetzt sicher durch den Druck der Verhältnisse aufgenötigt werden. Uebrigens bricht sich diese Erkenntnis schon jetzt Bahn unter den Konfektionären. Mehrere Firmen haben sich be- reits wegen Abschluß des Tarifes an den Verband der Meister gewandt, und mit einzelnen ist der Tarif schon a b g e- schlössen. Da ist es um so leichter zu begreifen, wenn man im Verband der Damenmäntelfabrikanten nicht recht weiß, was man nun beschließen soll. Achtung, Gnstwirtsgehilfen I Im Weltrestaurant„Zum Vesuv". Kottbuser Sir. LS. Inhaber S e e l i g e r, legten die organisierten Kellner die Arbeit nieder, da sie nicht mit reaktionären JnnungS- gesellen zusammen arbeilen wollen. Der Unternehmer lehnte Ver- Handlungen mit der Organisation wegen Anerkennung derselben und deren Arbeitsnachweis wiederholt ab. Er erklärte:„Lieber das Geschäft schließen, als die Organisation anerkennen!*— Der Betrieb ist für organisierte GastwirtSgehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Zur Zigarrenarbeiterbewegung i« Groß-Berlin. Noch immer gibt es Fabrikanten, die trotz Anschreiben und Zu- sendung des Tarifs es nicht für nötig erachten, Stellung zur neuen Lage der Dinge zu nehmen. Ebenso wie es auch vereinzelt Arbeiter gibt, die die Schlafmütze bis über die Ohren gezogen haben, da sie sonst selber Stellung nehmen müßten. Und fast alle diese Firmen leben von Arbeilerkundschaft. Namentlich im Norden Berlins muß es auffallen, daß es dort noch Fabrikanten gibt, die besser kom kurrieren zu können glauben, wenn sie mit ihren Löhnen nicht aus rücken. So die Firma Krum Hauer, Neue Hochstr, 9, die Firma Wigand, Lychener Str. 13, die Firma A l b r e ch t, Hagenauer Straße L.— Auch Gärtner, Rummelsburg. Sonntagstr. 3, hüllt sich in Schweigen. Diese Liste kann noch verlängert werden und werden wir nicht verfehlen, dieser Seite der Sache auch in Zukunft unsere vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Arbeiter, Rancher! Fragt nach den grünen Plakaten, mit Alwin Schulze unterschrieben! Beachtet die Veröffentlichungen im„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Deutscher Buchbindcrvcrband. Bei der Wahl der Beisitzer zum Verbandsvorstand wurden S3ö Stimmzettel abgegeben. Kollege V. Brucks erhielt 302. Kollege K. Klappenbach 229 Stimmen, 4 waren ungültig. Erstcrer ist somit gewählt. _ Die OrtSvcrwaltung. Bewegung der Photographen. Die Photographensektion Berlin im Verbände der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe hatte zu Donnerstagabend in die„Arminhallen" eine öffentliche Photo- graphcngehilfen-Versammlung einberufen, die ziemlich gut besucht war und wo Verbandsvorsitzender S i l l i c r referierte. An zahl- reichen Vergleichen mit anderen Branchen des Verbandes und anderen zum Teil ungelernten Berufen bewies der Referent die unzureichende Bezahlung der Gehilfenschaft und die Notwenoigkeit der Organisation, soll die Lage der Gehilfen nicht noch trostloser werden.— Der Organisationsvertreter H ä n l e i n wies auf die zur Weihnachtszeit immer wiederkehrende Leistung von Ueberzeit- arbeit hin, von deren Bezahlung sich viele Unternehmer drücken. Da selbst der Normalarbeitsvertrag des Zentralverbandes deutscher Photographenvereine(Prinzipale) eine Bezahlung der ersten vier Ueberstunden mit 25 Proz. und der weiteren Ucberstunden mit 50 Proz. Aufschlag des sonstigen Stundenlohnes vorsieht, ist nicht nur eine rechtliche Begründung vorhanden, indem dies als Usance anzusehen ist, sondern auch moralisch haben sich die Unternehmer zur Zahlung der Ueberstunden mit genanntem Zuschlag verpflichtet. Auch haben verschiedene Gewerbegerichte entschieden, daß die an den vier letzten Sonntagen vor Weihnachten zu leistenden lieber- stunden zum mindesten mit d�m gewöhnlichen Stundenlohn zu vergüten seien.— In der Diskussion kam zum Ausdruck, daß man bis zur Andersregelung unbedingt an obigen Bedingungen fest- halten will. Zahlreiche Eintritte in die Organisation folgten der Aufforderung hierzu. H ä n l e i n teilte noch mit, daß sich auch im Ausland die Gehilfenschaft zu regen beginnt. Ter Verein(Reichs- verein) der photographischen Mitarbeiter Oesterreichs hat in letzterer Zeit neben seiner Zentrale in Wien aus Ortsvereine in Lemberg, Krakau und Graz gegründet.— Die Photographen Hollands haben in Amsterdam einen Großbetrieb wegen Maßregelung des Vertrauensmannes bestreikt.— Weiter halten zurzeit auch in England die Photographen Versammlungen ab, um sich die auch dort so notwendige Organisation zu schaffen. Ueber einige Bromsilber- und Printen-Vergrößerungs- und Semi-Emaile-Anstaltcn wurde Klage deshalb' geführt, weil die Unternehmer nicht nur höhere Auslagen verlangen, sondern weil diese auch den Lohn ratenweise zahlen, um Betriebskapital zu sparen. Besonders die oft täglich liefernden Prjntenmaler haben darunter zu leiden, daß sie stundenlang in engen Räumen auf Ausgabe der Arbeit und den. verdienten Lohn warten müssen. Hier zeigen sich die Nachteile eines fehlenden wirklichen Heim- arbeiterfchutzes. Die Printenmaler und Bromsilberretoucheure sind zumeist Heimarbeiter und fast jeder Willkür dieser Unter- nehmer, die besonders zur Weihnachtszeit mit der Arbeiterschaft ihr Geschäft machen, preisgegeben.— Sollten die Firmen nicht einlenken, so will die Organisation sie der Oeffentlichkeit namhaft machen. Deurkebes Reich. Gewerkschaften für politisch erklärt, weil sie Beiträge zum Wahlfonds geleistet haben. Einige Ortsverwaltungen der gewerkichafrlichen Zentralverbände in D r e s d e n, so die'der Brauerciarbeiter und der Bauarbeiter, baben dem Bezirkssekretariat der sozialdemokratischen Partei größere Summen zur Reichstagswahl überwiesen. Darüber wurde vom Sekretariat in der„Dresdener Volkszeitung" quittiert Jetzt kommt die kgl. Polizeidirektion und erklärt die betreffenden Ortsvcrwallungcn aus Grund des Reichsvereinsgesetzes für politische Vereine. Die be- treffenden Organisationsleitungen erhielten folgenden Ukas: „Dresden, den 21. November 1911. Nachdem der Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter BerustSgenosien. Zahlstelle Dresden, dem sozial- demokratischen Reichstagswahlfonds einen Betrag von 600 M. überwiesen und damit zu erkennen gegeben hat, daß er eine Ein- Wirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt, betrachtet die kgl. Polizeidirekiion diesen Verein als politischen Verein im Sinne des§ 3 des NeichsvereinsgescyeS. Der Vorstand hat daher die in§ 3 Abs. 2 des Reichsvereins- gesetzes vorgesehene Berpflichtungeu zu erfüllen(Einreichung der Satzung und des Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder). Auch dürfen Personen, die das achtzehnte Lebensjahr noch nicht voll- endet haben, nicht in den Verein geduldet werden.(§ 7 des Reichsvereinsgesetzes). Sie wollen diesen Verpflichtungen binnen 1s Tagen nach- kommen. Die Königliche Polizeidirektion. gez. B r e t l i g. ES ist natürlich selbstverständlich, daß gegen diese Maßnahme der Rechtsweg beschritten wird. Wenn wir nicht irren, ist schon vom Reichsgericht ausgesprochen worden, daß dadurch, daß Summen zum Reichstagswahlkamps hergegeben werden, der§ 3 des Vereinsgesetzes noch nicht zur Anwendung kommen kann. Unter- neHmer-Orgaliisationen, Innungen, alle möglichen bürgerlichen Vereine haben schon Mittel für die- reaktionären Parteien zum Wahlkampfe geliefert; wir haben noch nie gehört, daß deshalb die Polizei gegen sie vorgegangen Iväre._ Zur Tabakarbeiteraussperrung. Die Zigarrenfabrikanten, die in den ersten Wochen des Kampfes sich so gebärdcten, als sei ihnen der Kamps gleichgültig, sangen jetzt an, recht unruhig zu werden. Sie machen verzweifelte Anstrengungen, um Arbeitswillige zu erhaschen; ihr Hauptaugcn- merk richten sie dabei auf Sortierer, Fertigmacher und Packer. Hohe Löhne bieten sie den Umworbenen und stellen ihnen nicht allein dauernde Arbeit in Aussicht, sondern auch Meisterpostcn. Mit den evcntl. abtrünnig gemachten Sortierern wollen sie sich noch einige Wochen hinhalten, um so die Arbeiter niederzuzwingen. Alle diese Anstrengungen bleiben jedoch so gut wie erfolglos, da die Haltung der Ausgesperrten eine musterhafte ist Immer deut- licher zeigt sich, dasf die Zigarrcnfabrikanten in einer mißlichen Lage sich befinden. Recht treffend schildert ein Marktbericht in „Vereinigte Tabakzeitungen"(Verbandsorgan des Westfälischen Zi- garrenfabrikanten-VerbandeS) die momentane Situation im Tabak- und Zigarrengewerbe. Dar! wird ausgeführt, daß bie!e kanten heute schon nicht mehr in der Lage seien, die Aufträg« ihrer Grossisten und sonstigen Zigarrenabnehmer ausführen zu können. An Zigarren in mittlerer und besserer Preislage ser großer Mangel eingetreten. Bedeutende Zigarrenhändler befürch- teten mit Recht, nach Weihnachten mindestens„auf dem Trockenen zu sitzen". Auch im Rohtabakhandel schlägt die Aussperrung tiefe Wunden. Hierüber sagt der angezogene Marktbericht: „Da unsere Fabrikanten infolge des Zigarrenarbeiteraus- standes zurzeit jegliches Interesse für Rohtabak verloren haben, fehlt es auw der zweiten Hand an Unternehmerlust, so daß den an sich wahrlich nicht bedeutenden Ankünften(Tabak) kaum noch Beachtung entgegengebracht wird." Angesichts dieser geschaffenen Gesamtlage im Tabak- und Zi- garrengewerbe ist die Unruhe erklärlich, die sich unter den Tabak- interessenten zeigt, und es ist weiter erklärlich, wenn diese zur Einigung mahnen. Die beteiligten Zigarrenindustriellen wollen aber, wie verlautet, keinen Frieden, sie wollen die Fortsetzung des Kampfes bis zur Erschöpfung und vollständigen Niederwerfung der Arbeiterorganisationen. Dies gesteckte Ziel wird nicht erreicht werden, auch nicht erreicht werden können. Der von den Arbeitern so einmütig aufgenommene Kampf wird geschlossen weitergeführt bis die Zigarrenindustriellen zum Frieden geneigt sein werden. Tarifvereinbarungen im Münchcncr Hotcliergcwcrbe. Wie den Restanraleuren sür die Kellnerinnen, hat nun auch der Verband Teulscher Gastwirtsgehilsen(Ortsverwaltung München) dem Ver- band Münchener Hoteliers eine Tarifvorlage für die Kellner unterbreitet. Nach längerer Verhandlung vor dem Einigungsamt kam folgender provisoiischer Tarifvertrag zustande: Für fe st engagierte Kellner in Hotels beträgt der Lohn 40 Mark pro Monat neben freier Kost Aus- Hilfe: Für Bier- und Kassengeschäfte(Varieiö, Kommerse, Weih- nachtsseicru. Konzerte und Bälle mit Bier) 3 M. I sür Restaurations- arbeiten k la carte und Diners apart m i t Kassa 3.50 M., ohne 4,50 M.; für Howzeiten, DinerS, Soupers, Banketts und Bälle ohne Kassa bis zu gstündiger Arbeitszeit 7 M., für jede weitere Stunde 1 M. mehr; für Diners, Soupers, Banketts und Bälle mit Kassa ohne Unterschied 5 M.— Ans den allgemeinen Bestimmungen ist von Interesse, daß Abgaben, gleichviel tvclcher Art, nicht erhoben werden dürsen, sei es in Form von Bruch- oder Putzgeldcrn oder Be- zahlung von Angestelllen(Pikkolos usw.). Um die gewerbsmäßige Stellenvermittlung niöglichst auszuschalten, wurde vereinbart, daß die Kellner tunlichst durch die Fachabtcilung des städtischen Arbeits- amtes vermittelt werden sollen.— Die Hoteliers werden in einer Versammlung zu diesen provisorischen Vereinbarungen noch Stellung nehmen.* Lithographen und Cteindrucker! Die Firma Th. Römer in Mühlhausen i. Thür, sperrte die Steiirdrucker aus, weil sie die Anfertigung von Str.ikarbeit verweigerten. Die Firma ist deshalb gesperrt. Husland. Die Spaltung der französische» Eisenbahner- organiiation. Paris, 30. November.(Eig. Ber.) Die Spaltung der französischen Eiienbahnerorgaiiisation ist nun eine vollzogene Tatsache, Ganz offenbar hat es auf bciven Seiten am guten Willen gefehlt, den verhängnisvollen Schritt aufzuhalten. Der— reformistische— Vorstand des Verbandes hat es abgelehnt, den in einer ansechibaren Abstimmung gefaßten Beschluß des letzten Kongresses, die Organi'ation in eine lose Föderalion der ver- ichiedenen Netze aufzulösen und den Sitz nach der C. E. T. zu verlegen, anszufübren. worauf die revolutionären Gruppen beschlossen, die Zahlungen an die Zentrale einzustellen und eine Organisation gemäß dem Kongreßbeschluß zu bilden. Der Vorstand tznilwöriete darauf, indem er diese Orts- gruppen formell ausschloß und beschloß, gegen die Kassierer der Ortsgruppen, die die statilicnliiäßigeit Beträge nicht-abliefern, mit der gerichtlichen Verfolgung vorziigehen. Die Funtttoiiäre der revollitionärcii Gruppen haben sich nun am Miltivoch versammelt und beschlossen, die neue Organisativu vom 1. Januar 1912 in Funktion treten zu lassen. Sie wird den Namen„Nationale Föde- ralioii der Eiieiibahii-Traiisportunlernehmungen" führen im Gegen« jatz zum. Nationalen Syndikat". Der Konflikt wird wohl auch auf die ArbeitSkonsöderation zurückivirken, da diele für jeden Beruf nur eine einzige Organisation anerkennt und die Revolutionäre des neuen Verbandes zweifellos in der C. G. T. auf Sympathien zu rechnen Habelt. Ein Setzcrstreik ist in Warschau anSgebrochen. amtlichen„Dnewnik" ist keine Zeitung erschienen. Außer dem Hetzte rtacbrichtefii. Landung österreichischer Truppen in China. Wien, 2. Dezember. Von dem gegenwärtig vor Schanghai liegenden Kreuzer„Kaiser Franz Joseph" sind ein Schiffsleutnant mit 38 Mann zum Schutze der österreichischen Niederlassung tn T i e n t s i n sowie ein Frcgattenleutnant, ein Schiffsarzt und 42 Mann zur Verstärkung des Wachtdetachcment» der österreichischen Gesandtschaft in Peking mit Dampfer nach Tientsin abgegangen. Zur bevorstehenden sl�arokkodcbatte. Paris» 2. Dezember.(W. T. B.) Der Deputierte L u c i e n Hubert teilte einem Berichterstatter mit, er werde in einer Ver- tretung der Gruppen der Linken, welche sich in der nächsten Woche über ihr Verhalten bei de» Verhandlungen zu dem deutsch-fran- zösischcn Abkommen verständigen wollen, in einer Erklärung darauf hinweisen, daß mit dem Vcrhaudlungsgegeiiftand an 15 der ver- schiedenartigstcn Interpellationen verknüpft worden sind. Jeder- mann werde zugeben, daß eine so ernste und für die Zukunft folgenschwere Debatte nur als eine nationale Angelegen- heit behandelt werden könne, nicht etwa als eine bloße ministerielle Frage. Man brauche nicht gerade stillschweigend abzu» stimmen. Die beste Lösung sei die, daß jeder Redner im Auf- trage und im Namen seiner Gruppe lediglich über das zur Vcr- Handlung stehende Abkommen im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit spreche. Russenfcindll'che Kundgcbungcn. Teheran, 2. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele» graphenagcntur.) Russischer Tee und Zucker werden boykottiert In den Straßen haben russenfcindliche Kundgebungen stattgefun« den. Der Straßcnbahnverkehr, der von einer belgischen Gesell- schaft unterhalten wird, ist von der Menge unterbrochen worden. da sie die Straßenbahn für ein russisches Unternehmen hält. Aus zwei politisch wenig bedeutende Personen sind Mordanschläge ver- übt worden. Die persische Antwort auf das russische Ultimatum. Teheran, 2. Dezember.(Meldung des Reuterschen BurcauS.) Persien hat auf das russische Ultimatum in ruhiger Sprach: geantwortet und die Gründe dargelegt, die es bewogen haben. die russischen Forderungen zurückzuweisen. In der Antwort wird die russische Regierung aufgefordert, die Tatsachen eingehender zu prüfen und alsdann ihre Forderungen von neuem zu formulieren Berantw. R«dakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag-Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt Paul Singer öc Co., Berlin LW. Hierzu 5 Beilagen. Ar. 283. 28. Zahrgssg. t KtilUt drs„Wmiirls" KMn RxllisblM Zonvtag. 3. Dezember 1911. l�eickstaq. Stv. Sitzung. Sonnabend, den 2. Dezentber» vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Zunächst wird das Gesetz über die Ausgabe kleiner Aktien in den Konsularyerichtsbezirken in China und in K i a u t s ch o u nach einigen Bemerkungen des Abg. Arendt(Rp.) in dritter Lesung angenommen. Hierauf wird die zweite Beratung des Gesetzes über die Versicherung der Privatangestellten fortgesetzt. ß 125 bestimmt, daß die Reichsverstcherungsanstalt mit Zu- stimmung des Verwaltungsrats dem Rentenausschusse die Ueber- wachung der Ruhegeldempfänger und der Entrichtung der Beiträge übertragen kann. Ein Antrag Schultz(Rp.) will die Ueberwachung der Eni- richtung der Beiträge ausschließen. Abg. Nacken lZ.) spricht für den Antrag. ES könnte sonst vor- kommen, daß ein Konkurrent Einsicht in die ganzen Geschäfts- bücher seines Konkurrenten bekommt. Der Antrag wird angenommen. Nach§ 131 werden die Beisitzer aus den Arbeitgebern von den Arbeitgebervertretern, die übrigen von den Angestelltenvertretern unter den Vertrauensmännern gewählt. Ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) verlangt die direkte Wahl der Vertreter in geheimer Wahl. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) beantragt einzufügen, daß die Wahl„in schriftlicher Abstimmung" erfolgen soll. Abg. Schmidt(Soz.): Wir wollen das System der Wahl von Vertrauensmännern beseitigen und die direkte geheime Wahl ein- fügen. Der Antrag Behrens wird angenommen, der Antrag Albrecht abgelehnt. Nach Z 135 sollen nur Männer wählbar sein. Ein Antrag Albrecht lSoz.) will diese Einschränkung streichen. Abg. Harmann(Vp.): In den Aerzte- und Apothekerkammern ist den Frauen das Wahlrecht längst bewilligt, und es liegt gar. kein Grund vor. sie von den Rentenousschüssen auszuschließen. In der Wohlfahrtspflege hat sich die Mittvirkung der Frauen sehr be- währt. Man sollte den Frauen, denen man hier Pflichten auf- erlegt, auch Rechte gewähren. Insbesondere bei der Durchführung des Heilverfahrens ist die Mitwirkung von Frauen wichtig.(Bravo I links.) Geheimrai CaSvar betont, daß die Rentenausschüsse doch richterliche Beftignisse hätten; dazu seien die Frauen nicht ge- eignet. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wir wollen ebenfalls die Wählbarkeit der Frauen zulassen. Die weiblichen Angestellten haben genau dieselben Pflichten wie die männlichen auch bei der Beitragszahlung; daher ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, ihnen auck dieselben Rechte zu geben. Daß die Frauen sich zur richterlichen Tätigkeit nicht eignen, dafür fehlt jeder Beweis. Bei der großen Anzahl der erwerbstätigen Frauen, die bei diesem Gesetz in Betrackst kommt, ist absolut nicht einzusehen, weshalb all diese Frauen minderen »Rechtes sein sollen. Richterliche Funktionen haben übrigens auch die Frauen in den Aerztekammern, in den ärztlichen Ehrengerichten schon heute auszuüben. Ich bitte also, die Beschränkung zu streichen .und den Wählern die Entscheidung zu überlassen: gibt es keine tüchtigen Kräfte unter den betreffenden Frauen, so werden auch keine gewählt werden. Ich bitte daher, unserem An- trage zuzustimmen.(Bravol bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bassermann(natl.) spricht sich für die Wählbarkeit der Frauen aus. Abg. Mommsen(Vp.): Die richterliche Tätigkeit der Frauen besteht doch hier nur darin, daß sie lediglich in ergener Sache der Beteiligten nach ganz bestimmten Grundsätzen zu urteilen haben. Die Frauen hier ausschließen zu wollen, ist nur der Ausfluß eines alten Zopfes.(Sehr wahr! links.) Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. Dagegen stimmen die Konservativen, das Zentrum und ein Teil der Nationalliberalen. Xleuies f cinllcton. Theater. ZirkuS S ch u mann: Jedermann(das Spiel vom Sterben des reichen Mannes), erneuert von Hugo von Hof- mannSthal. Hokmannslhal, der für schattenhaft hinhuscbende. verträumte Stimmungen in seinen Gedichten und kleinen Dramen so überraschend malerische Wone fand,— er, der typische Rcpräsen- tant eines überkullivierten AesthclenlumS—, tritt hier als Interpret eines kunst- und schmuckloien, einfältig schlichten, allchristlichen Legendenstoffes auf. Im fünfzehnten Jahrhundert verarbeitete ein Engländer die Erzählung von dem reichen Manne, der mitten aus üppiger Prafferei vom Tod vor Gottes Thron zur Abrechnung ge- rufen wird, zu einer jener„Moralitäten". wie man sie bei Kirchen- festen zur Befriedigung der Schaulust und zur moralischen Er- bauuna der Gläubigen auszuführen pflegte. Das Stück gewann gewaltige Popularität und wurde in andere Sprachen über- setzt und weiter ausgestaltet. Eine dieser Bearbeitmiaen hat dann Hon» Sachs ins Deutsche überwogen. Die HosinannS- thalsche Nachbildung, die die Sochsichen Kniippclreiine beibehält, scheint wohlgelungen. Sie wahrt, artistischen Verzierungen in weitem Bogen aus dem Wege gehend, durchaus den Grundcharakter Primi- tivcr Einsal» und meißelt in diesem Rahmen die Züge, die als nienichlich allgemein auch beute noch rühren und bewegen können, mit sicherem Geschick heraus. Ich weiß nicht, wie der Eindruck beim Lesen sein mag. Die phanlasievoll farbenprächtige Wiedergabe der R e i n h a r d t schen Aufführung wirkte jedenfalls sehr stark. Sie war gleich ausgezeichnet in der Art historischer Charakieristil wie in der Vertebendigung des menschlichen Gehalts. Ein neuer, vielleicht einer der größten Triumphe von Reinhardts rastlos wage- mutiger Kunst. Dreistufig baut sich nach dem Vorbilde der Mysterien in der Arena die Bühne auf. Aus unsichtbaren Höhen tönt durch die Dunkelheit die Stimme Gottes, der zürnend über die eitle Weltlust der Menschen den Tod zum reichen Jedermann entsendet. Als es Licht wird, erblickt man unten, breitbeinig hingepflanzt, den reichen Glücksprotz, der mit primitiven Puppenspielerbewegungen seinen guten Freund und Zechkumpanen begrüßt. Ein Bettler wird mit karger Gabe und mit dem alten Sprüchlein, daß, wenn die Wohlhabenden ihr Vermögen mit den Armen teilen wollten, auf jeden nur ein Schilling läme, abgespeist. Jedermann braucht eben wie jedermann sein Geld für sich, er muß ein Lustgörtchen für seine Liebste taufen, auf Zinsen leihen. Geld ist nie überflüssig, wie die Ärinxn denken. So hält er selbstgefälligen Sinnes auch dem armen Burschen, der ihm die ausgeborgten Dukaten zum fälligen Termin nicht rück- erstalten konnte und den die Büttel darum in de» Schuldturnt führen. einen Vortrag: Recht ist Recht, der säumige Zahler müßte in Ketten büßen. Doch will er seinem obdachlosen Weibe und seinen Kindern Unterkunft gewähren. So hilft er wohl gelegentlich, doch nur nach Laune und Bequemlichkeit. Es darf kein Opfer kosten und namentlich nickt im Erwerbe stören. Die fromme Mutter, die Sorge trägt, daß er sein ewige« Seelenheil gefährdet, vertröstet er ganz gutmütig Nach Z 150 werden die Vertrauensmänner schriftlich nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Ein Antrag Albrecht(Soz.) will, daß die Bestimmung „sckriftlich" ersetzt werde durch die Bestimmung«in geheimer Wahl". Abg. Schmidt- Berlin(Soz.): Nach den Beschlüssen der Kommission ist das Wahlverfahren außerordentlich umständlich. Die Vertrauensmänner- wählen müßten nach Bezirken vorgenommen werden, und wenn die Wähler ihre Stimme bei den Gemeindebehörden abgeben, ist eine geheime Wahl leicht durchführbar. Notwendig ist die geheime Wahl, um die U n a b h ä n g i g k e it der Wähler zu sichern. Nehmen Sie unseren Antrag an. das ist besser, als den Reichs- kanzler in einer Resolution, wie die Volkspartei will, zu ersuchen, die Wahl„tunlichst" mit geheimer Abstimmung durchzuführen. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. 8 157 bestimmt als rechtsprechende Behörden in höherer In- stanz die Schiedsgerichte und das Oberschiedsgericht. Der Ge- schäftsgang soll durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats geregelt werden. Ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) wünscht, dem Paragraphen folgende Fassung zu geben:« „Rechtsprechrnde Behörden sind die vom Bundesrat dazu be- stimmten Oberversicherungsämter und das Reichsversicherungs- amt, die auf Grund der Reichsversicherungsordnung er- richtet sind." Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Wir wünschen die Angliederung der Organisation� an die in der Reichsversicherungsordnung festgesetzte. Dadurch wird mehr Einheitlichkeit erzielt und weiter der materielle Vorteil, daß die Vorsitzenden der Schiedsgerichte nicht lediglich im Nebenamt tätig sind. Deshalb wünschen wir keine gesonderte obere Instanz, sondern die Angliederung des Ober- schiedsgerichts an das Reichsversicherungs- a m t. Man wendet ein, das Reichsversicherungsamt sei zu stark belastet. Aber durch die Reichsversicherungsordnung tritt eine außerordentlich starke Entlastung des Reichsversicherungsamtes ein. Auch die Schiedsgerichte sollten an die Oberversicherungs- ämter angegliedert werden. In der Begründung ist ausdrücklich gesagt, daß dagegen keine Bedenken vorliegen. Um so un- verständlicher ist es. daß die Regierungsvertreter in der Kom- Mission sich sehr entschieden dagegen erklärt haben. Es ist gar kein verständiger Grund für eine solche Zersplitterung in dem In- stanzenzug vorhanden, wie sie hier geplant wird. Für die Schaffung einer einheitlichen Instanz, für die Verquickung mit der Reichsversicherungsordnung war in der Kommission eine be- deutende Mehrheit vorhanden, auch das Zentrum war dafür. Wenn diese Mehrheit fest bleibt, so ist es ganz unmöglich, daß die Regierung daran daS Gesetz scheitern läßt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Caspar: Die Annahme des sozialdemokratischen Antrages würde das Zustandekommen der Vorlage gefährden. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. Bei 8 161 wird ein Antrag v. Strombeck(Z.) a n- genommen, wonach nicht nur ein Beisitzer, sondern auch der Vorsitzende und sein Stellvertreter eines Schiedsgerichts nicht zu- gleich Mitglied des Oberschiedsgerichts sein darf. Bei§ 208, der das Verfahren bei Beitragsstreitigkeiten regelt. erklärt Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Der zu diesem Paragraphen vor- liegende Antrag Schultz erleichtert uns die Zustimmung zu der Regelung des Verfahrens, weil es ausgeschlossen ist, daß ein Mann zwischen der Angestellten- und der Arbeiterversicherung hin- und hergeschoben wird; dieselbe Instanz, welche die Angestellteneigen- schaft bestreitet, hat die Feststellung zu treffen, ob der Betreffende als Arbeiter anzusehen ist. Der Antrag Schultz wird angenommen. 8 213 bestimmt, daß die Arbeitgeber die Geschäftsbücher oder Listen über die Zahl der Beschäftigten usw. während der Betriebszeit dem Bevollmächtigten an Ort und Stelle vor- zulegen haben. Abg. Nacken(Z.) begründet einen Antrag, diese Bestimmung zu st r e i ch e n. da sie die Wahrung von Geschäftsgeheim- nissen gefährde. Der Antrag wird angenommen. und pietätvoll, es sei ja alle« nickt so schlimm, ihm bleibe ja noch immer reichlich Zeit vor seinem Ende. Er eilt zum Fest bei der Geliebten. Die Paare drehen sich im Ringelreihn und nehmen an der mächtigen Tafel auf der Mitielbübne Platz. Ein Bild derb-mittelalterlicher Fröhlickkeit entrollt sich, unter- krochen durch unheimliche Zeicken. durch Glockenklang und Geister- stimme, Vorboten nahenden Verhängnisses, die aber nur des reichen Mannes Ohr vernimmt. Eine furcktbare Angst befällt ihn. Und plötzlich steht das lnockige Gerippe des Todes hinter seinem Stuhle, legt ihm die dürren Hände auf die Brust. Der Schwärm stiebt aus- einander. In der Frist, die ihm gewährt wird, sich für die Reise in das unbekannte Land und für die Abreise zu rüsten, sucht er Bei- stand und Hilfe bei den Freunden. Keiner will ihn auf dem Weg begleiten. Der Mammon, der ihm so lange gedient hat. grinst ihm aus der gewaltigen Truhe, die feine Schätze barg, als grausiges Ge- ipenst und höhnisch drohender Gebieter an. Eine ichmüchlige Frau in weißem Linnen, das Symbol seiner„guten Werke", und über ihr, hockragend, stolz und strahlend in blauem Gewände, der Glaube. sprecken ihm Hoffnung zu. Die im Original breit auSgesponnene Prozedur der Reinigung und Buße wird durck ein Valerunier des armen Sünders an- gedeutet, der wie GoelbeS Doktor Faustus schließlich Einlaß in den Himmel findet. Die Erlösung ist billiger wie dort, zum Trost der vielen gläubigen Jedermanns bedarf es der Bedingung nickt, daß einer„strebend immer sich bemüht hat". Der Satan, der auf Jedermann mit Sicherheit gerechnet hat. kann nur als düpierter dummer Tenfel, wie ihn die Mysterien mit Vorliebe darstellen, in seiner Entrüstung über solche Ungerechtigkeiten gehörig austoben, muß dann aber abziehen. Das Einzelspiel und das Ensemble war durchweg vorzüglich abgerundet. In den Nebenrollen trat namentlich Herr W e g e n e r als Mammon, Biensfeldt als burlesker Teufel, Mary Dietrich als Glaube, Gertrud Eysoldt als gute Werke, Leopoldine K o n st a n tin als Bnhlschaft und Helene Feh dm er als treues Mütterchen hervor._ Eine Leistung ersten Ranges bot M o i s s i in der Hanptgestalt, in der er die ganze Skala mensch- licher Empfindungen, vom intensivsten Glücksgesiihl bis zum wahn- witzigen Emsetzen zu durchmessen halte. Er war als Prahlhans, als liebenswürdig, heiteres Weltlind und in dem Sturm der Affekte gleich vollendet. ät. Im Friedrich-Wilhelm städtischen Schauspiel- baus gab es Freitag eine Uraufführung hinter verschlossenen Türen— mir Genehmigung der Zensur. Daß diese Behörde einem plumpen, undichteriscken Stück ihre staatSretterilche Fürsorge an» gedeihen läßt, zeugt von erschreckend wenig ästhetischem Geschmack. An hahnebiichenen Dramen, wie der Komödie„Immer korrekt" von Otto Rumbaur vollführt die Ocffentlichkeit, sobald sie zugelassen wird, eine viel raschere und glattere Hinrichtung, als wie die Zensur sich träumen läßt. Wenn sie aber glaubte, das Stück vom Publikum fernzuhalten, nur weil darin uniformierte Vertreter des„vornehmsten Standes" verhonepiepelt sind, so war solche Besorgnis erst recht über- flüssig. Wer nach so viel Schmutz und Unrat, wie er in den Verhandlungen des Allensteiner-, des Graf Pfeil- und Retternich- Abg. Dr. Potthoff(Bp.) begründet den Antrag, einen§ 343u einzufügen: „Ein Versicherter, der zum Vertreter im Berwaltungsra! oder zum Beisitzer im Oberschiedsgericht, in einem Schiedsgericht oder Rentenausfchuß gewählt ist, kann während der Tauer seines Amtes nur aus einem wichtigen Grunde vom Arbeitgeber entlassen werden." Dieser Schutz der Angestellten in ihren Ehrenämtern ist un- bedingt nötig; es genügt nicht, daß den Arbeitgebern in den 88 212 und 313 unter Androhung von Geldstrafe oder Haft untersagt ist, ihre Angestellten in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit zu beein- trächtigen. So dumm sind die Arbeitgeber nicht, daß sie diese Tätigkeit als Entlassungsgrund angeben. Sie brauchen über- Haupt keinen Kündlgungsgrund anzugeben, w:e es auch schon vorgekommen ist. Ein Riegel kann solchem unsozialen Benehmen von Unternehmern nur vorgeschoben werden, wenn die Kündigung nur aus einem wichtigen Grunde gestattet wird. Abg. Dr. Strcsemann(natl.) wendet sich gegen den Antrag. Die notwendige Sicherheit sei schon in den§§ 312 und 313 gegeben, aber der 8 213a würde vielleicht erst ein Anreiz für die Unter- nehmer bilden, sich dagegen zu wenden, daß Angestellte Ehren- ämter in den Rentenausschüssen übernehmen, da diese ehrenamt- liche Tätigkeit doch sechs Jahre dauert und während dieser Zeit die Kündigung geradezu ausgeschlossen wäre. Abg. Hue(Soz.): Gerade die letzten Ausführungen des Vorredner? bestätigen die Notwendigkeit des Antrages. Alle Bedenken, die Sie haben, würden beseitigt sein, wenn Sie denjenigen Privatbeamten, die Ruhegeld beziehen, daS Vertretungsrecht geben.(Zuruf bei den Nationalliberalcn: Das wollen ja die Beamten nicht!) Ich bin darüber anders unterrichtet. Zeigen Sie mir dock die Privatbeamten, die das nicht wollen. Den von Dr. P o t t h o f f begründeten An- trog haben in der Kommission die Sozialdemokraten ge- stellt und dort ebenso begründet, wie er hier von Dr. Potthoff begründet wurde. Dr. Potthoff hat auch ganz recht, wenn er sagt, der Antrag ist für die Unternehmer nicht bedenklich. Auch die Einführung des wichtigen Grundes ist lein absoluter Schutz gegen Maßregelungen. Aber mit dem Antrage werden immer- hin die Schntzbestimmungen etwas verbessert.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag auf Einfügung deS§ 313a wird abgelehnt. Nach 8 262 müssen Znschußkassen(Fabrilkassen, Werkpensions- kaffen usw.) nur für die nach diesem Gesetz Versicherten errichtet sein, oder der Teil des Vermögens für die Angestelltenversicherung muß ausgesckieden und besonders verwaltet werden. Ein Anrrag A l b r e ch t(Soz.) will hinter.und" einschalten: „durch eigene Kassenorgane". Abg. Sachse(Soß.). Die Fabrik-, Werkpensionskassen usw. haben heute eine gemein- same Verwaltung, welche die gesamten Kassengeschäfte besorgt. Tie Verwaltung wird von den Angestellten und den Arbeitern in der Generalversammlung gewählt, und die organisierten Arbeiter sehen natürlich darauf, daß ihre Mitglieder durch die Generalvcrsamin- lung in die Ausschüsse hineinkommen. Wenn nun die Kassen für die Beamten abgesondert werden, so wird von den Arbeitgebern bestimmt werden, daß in der Generalversammlung nur Beamte mit der Kassenführung betraut werden dürfen. Wir haben, um zu verhüten, daß Gelbe in diese Verwaltungen hineinkommen, sogar den Antrag auf Verhältniswahl fallen lassen. Wenn aber nun ledig- lich Beamte in den Vorstand hineinkommen, fehlt den Arbeitern jede Vertretung; es werden ja keine sogenannten oppositionellen Beamten gewählt werden, sondern solche, die mit ihren Herren, den Fabrikanten und Hültenbesitzern durch dick und dünn gehen. Dadurch werden die sämtlichen Rechte der Arbeiter an der Verwaltung dieser Kassen vollständig annulliert. Gehcimral Caspar bittet um Ablehnung dieses Antrages. Abg. Dr. Potthoff(Vp.) wendet sich ebenfalls gegen den Antrag, der nur Verwirrung schaffe. Die Beschränkung der Rechte der Ar- bester, die die Sozialdemokraten fürchten, trifft nicht zu, daS werde» die Herren selbst einsehe», wenn sie den Paragraphen mit seinen vielen Verweisungen auf andere Paragraphen sich recht genau an- sehen. Es soll lediglich eine Teilung der Funktionen statt- finden, ohne daß die Arbeiter in ihrer Bertrelung irgendwie be- schränkt werden. Prozesses aufgeworfen worden ist, noch von der Unbefleckthcit des preußisch-deutschen Offiziersstandes überzeugt ist, dem kann wirklich nicht geholfen werden. Und gerade in diese übelriechende Atmo- sphäre führt die Rumbaursche„Komödie" hinein. Sie ist gewiß nichts mehr als die schlecht dramatisierte Quint- esienz jener Skandale; aber es ist doch nicht zu leugnen, daß die heillos korrupte Moral in besagtem Stande bei Rumbaur wahre Orgien feiert. Vom jüngsten dümmsten Leutnant bis zum RegimenlSoberst hinauf sind es schäbige Subjekte, die ewig auf die Jagd nach Geld und sinnlichen Reizen gehen. Schulden werden kontrahiert, schamlose Pumps angelegt, arme Mädchen verführt, reiche geheiratet. Moralanschauung, anständige Gesinnung, Kultur deS Geistes und Gemütes sind Mumpitz. Haupt- fache: die Oifizierschre im bunten Rock, für die einzig der Militär- schncider auskommt. Innerlich faul bis ins Marl— tut nichts, wenn nur das Dekorum gewahrt wird. Und dies heißt:«Immer korrekt!" Falls die Zensur eine Beschimpfung des preußischen Offiziers- Uttels von heute fürcktete, so brauckte ja der Verfasser seinen Figuren nur die Phantasieuniform irgendeines exotischen Häuptlings anzu- ziehen— und sofort strahlte bei uns zulande das allervornehmste Ehrenkleid in hellster Glorie. Warum also das Verbot einer öffent- lichen Aufführung?_ e. k. Notizen. — Musikchronik. Der Bxginn der Sonntags-Konzerte des Blüthner-Orchesters ist für den 3., 10. und 17. Dezember auf 8 Uhr abends festgesetzt. Am Sonntag, den 10., mittags 12 Uhr, findet die Hauptprobe zu dem III. Hausegger-Konzert statt, in dem Henri Marteau das MendelSsohn-Konzert E-Moll spielt.— Da zu dem einzigen Konzert von E. v. Schuck) mit dem verstärkten Phil- harmonischen Orchester am 11. Dez. die billigeren Karten vergriffen sind, findet am Sonntag, den 10. Dez., mittags 12 Uhr, eine Haupt- probe statt. Karten bei Bote u. Bock und Wertheim. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag Dr. W. Vogel über: Die Namen der Schiffe im Spiegel von Bolls- und Zeitckarakter; Freitag: Diplom-Jngeuicur F. Heintzenberg über: Die Elektrizität iin Schiffsbetrieb(Mit Lichtbildern). Die Schriftstellerin Alice Schalet wird in der Urania von ihrer Ostasienreise erzählen. Am Montag und Freitag ist ihr Thema: Ein Streifzug durch China, Tongking und Makao. Durch Java, Siam und Johore führt sie am Sonnabend, den 9. und Dienstag, den 12. In der Humboldt-Akademie spricht Sonnabend, den 9. Dezbr., abends 8 Uhr(im Dorotheen- städtischen Realgyinnasium, Georgenstr. 39/31), Prof. H. Morf über: Voltaires Weltanschauung. Der Eintritt ist frei. — Die Kurfür st en-Oper wird Freitag 8 Uhr mit den „Lustigen Weibern von Windsor" eröffnet. — Der Monistenbund veranstaltet am Freitag, abends 8� Uhr, in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr. 61, einen Vortrag mit freier Diskussion über das Thema:„Warum wird das Volk um die Wahrheit betrogen?" Referent ist Dr. Vielhaber. Sämtliche Pastoren des Ostens sind eingeladen. Ein- trittspreis 30 Pf. Abg. Sachse(Soz.): Da möchte ich doch den Regienmgsvertreier fragen, ob auch er die Auffassung de« Dr. P o t r h o f f iiir selbstverständlich hält. Geheimrat CaSpar bestätigt die Auffassung von Potthoff. Abg. Sachse zieht hierauf den Antrag zurück. Nach Z 367a müssen die zugelassenen Ersatz kassen den Vor- schriften bestimmter Paragraphen des Gesetzes genügen. Ein Antrag A l b r e ch t sSoz.) will unter dlese Vorschriften auch die Bestimmungen über den Rentenausschutz und den§ 206a aufnehmen, wonach ein Rentenanspruch nicht wegen zu Unrecht ge- leisteter Beiträoe abgelehnt werden darf, wenn die ReichsversicherungS- anstalt nicht innerhalb eines Jahres nach der Einzahlung der Bei- träge das Versicherungsrecht beanstandet hat. Anr Schluß soll an- gefügt werden:„Jedoch können an die Stelle des Rentenausschusses der Borstand oder ein Ausschuß desselben treten." Abg. Emmcl(Soz.): Wir sind Gegner des ganzen Instituts der Ersatzkassen. Durch die Einrichtungen solcher Kassen werden die Angestellten vielfach ge- zwungen, ausihrerBerussorganisation auszutreten. Ich erinnere an das Vorgehen der„Guten Hoffirnngs-Hütte" gegen die Mitglieder des Technikerverbandes und des Bundes technisch- industrieller Beamten. Ich verweise auf meine Ausführungen bei der Reichsv'ersicherungSordnung über die Betriebskcankenkassen. All das trifft auch für die hier in Betracht kommenden Ersatzkassen zu. Damals hat sich gegen meine Kritik der Betriebskrankenkaffen der Verband zur Wahrung der Interessen der Betriebskrankenkaffen ge- wandt, aus die ich hier kurz zurückkommen muß. Vizepräsident Dr. Spahn. Das kann ich bei dieser Gelegenheit nicht zulassen. Abg. Emmel. 'Dann werde ich bei anderer Gelegenheit darauf zurück- kommen und bitte Sie jetzt nur, gegen die ganzen Ersatzkassen Stellung zu nehmen. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. Nach Z 37(1 müssen die Beiträge der Arbeitgeber zu den Ersatz- kassen wie mindestens den reichsgesetzlichen Arbeitgeberbeiträgen gleichkommen. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) beantragt hinzuzufügen:»und sofern die Beiträge der Versicherten höher sind, diesen". Geheimrat Caspar bittet um Ablehnung des Antrages. Es gehe zu weit, sich in dieser Weise in die Verhältnisse der Ersatzkassen einzumischen. Man könne nicht wissen, aus welchen Gründen even- tuell die Beiträge der Versicherten bei einer Kasse höher seien. Abg. Dr. Potthoff: In der Verwaltung der Kassen braucht auch ohne den«»trag Albrecht nicht« geändert zu werden. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) schließt die Debatte. 8 379 wird unter Ablehnung aller Antrage unver- ändert angenommen. Bei§ 332 bemerkt Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Der Satz:„Der Antrag auf Be- freiung von der Beilragsleistung ist in der ersten Aufnahniekarte zu stellen", hat nur ordnungsmäßige Bedeutung; seine Nichtbeachtung kann Verlust von Rechten nicht verursachen. Der Rest des Gesetzes wird debatteloS angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Montag, 2 Uhr.(Petitionen, Rech- nungs fachen, O st afrikanische Eisenbahnen.) Schluß 3Vz Uhr._ Gerichts-Zeitung Wen» man für andere eintritt. Auf dem Ringbahnhof an der General-Papestraße kam es zu einem Konflikt zwischen zwei Reisenden und den Bahnhofsbeamten, wobei das Publikum zugunsten der beiden Reisenden Partei er- griff, die nach Ansicht von Augenzeugen von drei Beamten miß- handelt worden sein sollen. Schlosser Nickel, der sich unter dem Publikum auf dem Bahnhofe befand, gab seinem Unwillen über das Verhalten der Beamten Ausdruck durch einige Kraftworte, die eine formale Beleidigung darstellen. Nickel hatte sich deshalb gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu verantworten. Wenn seine Darstellung des Vorganges zutrifft, dann hatte Nickel aller- dings berechtigten Grund, über das Verhalten der Beamten ent- rüstet zu sein. Nickel legte dar, die beiden Fahrgäste seien an der Bahnsteigsperre angehalten worden, weil sie durch einen Irrtum beim Umsteigen die Station nicht auf dem Wege erreicht hatten, für den ihre Fahrkarten galten. Die beiden Fahrgäste versuchten, durch die Sperre zu kommen, weil sie es eilig hatten. Denn sie mutzten zur Kontrollversammlung. Einer der beiden sei darauf von zwei Beamten angegriffen, an die Wand gedrückt und gewürgt worden. Hierüber habe sich das Publikum entrüstet und Nickel habe seiner Entrüstung ebenfalls Ausdruck gegeben.— Der Bahnhofsbeamte Stöber, der nach Angabe Nickels an der Mitzhandlung des Fahr- gastes beteiligt gewesen sein soll, gab als Zeuge an: Er habe von den beiden Fahrgästen 10 Pf. Nachzahlung verlangt, wozu sie ver- pflichtet gewesen seien. Sie hätten trotzdem die Bahnsteigsperre zu passieren versucht. Eine Menge Arbeiter, die ebenfalls als Fahr- göste anwesend waren, wären den beiden beim Durchbrechen der Sperre behilflich gewesen. Es sei dabei zu Gewalttätigkeiten ge- kommen, die beiden Fahrgäste seien entkommen und hätten nicht festgestellt werden können. Der Zeuge gab an, daß Nickel bei dieser Gelegenheit aus die Beamten geschimpft habe. Damit hielt das Gericht den Sachverhalt für genügend auf- geklärt. Vergebens ersuchte der Angeklagte um die Vernehmung von Zeugen, die geladen und zur Stelle waren. Er wollte durch die Zeugen beweisen, daß der Vorfall sich so abgespielt habe, wie er anAab, dah also die Beamten gewalttätig gegen die beiden Fahrgäste borgegangen seien und er somit Ursache gehabt habe, entrüstet zu sein. Dem Angeklagten, der ohne Rechtsbeistand er- schienen war, schnitt der Vorsitzende, Amtsrichter Wetzling, diese Beweisführung kurzerhand ab und erklärte: ES handelt sich nur darum, ob der Angeklagte die Beamten beleidigt hat. Die übrigen Vorgänge kommen hier gar nicht in Betracht. Und doch hätte dieser Beweis schon mit Rücksicht auf das Strafmah zugelassen werden sollen. Dem Antrage des Amtsanwalts entsprechend, wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 190 Mark verurteilt. Zur Begründung des Urteils wurde unter anderem ausgeführt: Der Angeklagte sei für Leute eingetreten, die ihn gar nicht darum ge- beten hatten und die ihn gar nichts angingen. Er habe auch den Vorfall in den„Vorwärts" gebracht, um die Beamten zu schädigen. Aus dem ganzen Verhalten des Angeklagten spreche eine gehässige Gesinnung. Der Angeklagte habe unüberlegt gehandelt, indem er sich in Dinge einmischte, die ihn nichts angingen. Aber das sei so die Art des Berliner Publikums oder doch des geringeren Ber- liner Publikums, sich in alles hineinzumischen. Ob jemand dem„geringeren" oder dem„besseren" Publikum angehört— soweit er ein rechtlich denkender Mensch ist. hält er es für seine Pflicht, einzutreten für den, dem seiner Ansicht nach Unrecht geschieht. Aber selbst wenn diese Ansicht im vorliegenden Falle auf Irrtum beruhen sollte, so darf das doch dem Angellagten nicht als erschwerender Umstand angerechnet werden, ebenso wenig wie eine Veröffentlichung im„Vorwärts", die übrigens den be- treffenden Beamten nur dann schaden könnte, wenn sie ihre Be- fugnisse überschritten haben. Auf solche Beamien braucht man doch wohl keine besondere Rücksicht nehmen. Ei» harter Schädel. Einen harten Schädel scheint der Schlächtermeister Max A. aus Rixdorf zu besitzen, der sich vor dem oortigen Schöffengericht unter der Anklage der Körperverletzung und der Bedrohung zu verantworten hatte. Der Angeklagte unterhielt mit einer Frau L., die bei ihm die Rolle einer Wirtsckmfterin spielte, ein Liebesverhältnis. Zwischen beiden kam es häufig zu Streitigkeiten wegen der aus der früheren Ehe der Frau L. stammenden Kinder. Am 19. September d. I. kam eS zu einem„ehelichen" Gewitter, welches sich mit großer Heftigkeit in der Form entlud, daß die sehr resolute Frau L. dem Angeschuldigten einen Schmortvpf an den Kops warf. Der Topf ging in tausend Scherben, ohne daß A. auch nur eine Verletzung davontrug. Als er nun auf die L. eindrang, zog diese einen Re- volver hervor und gab auf A. aus der Entfernung von ca. zwei Metern einen Schutz ab. Die ziemlich großkalibrige Kugel traf den Angeklagten mitten in die Stirn. Auch zetzt schützte der harte Schädel: die Kugel fiel, zu einer talergrotzen Platte zusammen- gequetscht, zu Boden. Wegen dieses Vorfalls erstattete A. gegen die Frau L. Anzeige. Ein Einschreiten wurde jedoch abgelehnt, da Notwehr als vorliegend angesehen wurde. Nunmehr drehte die L. den Spieß um und erstattete gegen A. Anzeige mit der Behauptung. daß dieser sie mitzhandelt habe. Vor Gericht machte der Ver- teidiger die Mitteilung, daß die alles heilende Zeit auch in diesem Falle die Rolle der Versöhnerin gespielt habe, da sich der Ange- klagte inzwischen mit der Zeugin L. verlobt habe. Da diese als Verlobte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, mutzte der Angeklagte freigesprochen werden. Eigenartige HansfriedenSbruchSanklage. Gegen eine seltsame Anklage wegen Hausfriedensbruchs hatte sich vor dem Amtsgericht zu Kalkberge-RüderSdorf der Bäckermeister Zillmer aus Hennickendorf zu verantworten. Eines Tages mutzte fein Mädchen in der Schule nachsitzen. Da dem Bäckermeister sein Kind zu lange blieb, ging er zur Schule und nahm da» Mädchen, das sich ohne Aufsicht in dem Klassenzimmer befand, mit nach Hause. Der Verteidiger des Zillmer. Rechtsanwalt Dr. Schröder, führte aus, es sei bereits fcbon einmal vorgekommen, datz der hetreffeyde Lehrer vergessen hatte, das Kind aus dem Strafunter-. richt zu entfernen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Arbeit ohne Entgelt. Eine Verhandlung, die durch Vergleich beendet wurde, fand bor dem Ebcrswalder Gewerbegericht am Donnerstag statt. Sie ist insofern bemerkenswert, als der Beklagte hier ein sehr frommer Mann war, der aber ständig gegen den Bist.lvers handelt: Wer dem Arbeiter den schuldigen Lohn nicht gibt, ist ein— Bluthund. Der Buchdruckereibesiver Horfchig, der sich„Herr Pastor" titulieren lügt und früher Missionar gewesen sein soll, hat das Arbeitenlassen ohne Entgelt bis zu einer gewissen Virtuosität ausgebildet. Als Besitzer eines christlichen Hospizes engagierte er am 1. Juli d. I. ein junges Dienstmädchen, dem er bis zum 30. September schon 29.7S M. schuldig blieb. Ab 1. Oktober hatte er das Hospiz verpachtet und hatte nun für da« Mädchen, mit dessen Mutter er einen Vertrag auf ein Jahr abgeschlossen hatte, keine Beschäftigung als Dienst- mädchen mehr, aber auch kein Geld. Er versprach dem Mädchen, daß sie ihr Geld erhalten solle, wenn sie gegen ein Entgelt von 8 M. pro Woche in seiner Druckerei arbeiten würde. In der Hoffnung, ihr Geld zu bekommen, ging das Mädchen darauf ein. Sie bekam aber nicht nur ihr Geld aus der Dienstzeit nicht, sondern der Herr Pastor blieb ihr auch noch nach und nach 25 M. von ihrem Arbeits- lohn schuldig. Vor dem Gewerbcgericht erkannte der Herr Pastor die Richtigkeit der Forderung an und verpflichtete sich. 25 M. sofort in seiner Wohnung zu zahlen, und den Rest am nächsten Sonnabend zu verabfolgen. Wie uns mitgeteilt tvird, sollen auch die Laden» fräulcin, die er in zwei Buchbinderläden beschäftigt, noch auf einen guten Teil ihres Gehalts warten. Leseabende« Alt-Glienicke. Dienstag, den 5. Dezember, im Lokale Terrassen« restaurant, Inhaber Petermann, Rudower Str. 54. Britz-Buckow. Montag, den 4. Dezember, abends l/39 Uhr. bei Wehchta, Bürgerstr. 4. Lankwitz. Montag, den 4. Dezember, abends 8 Uhr, im Lokal von Procbazka, Vikloriastr. 41/43. Vortrag der Genossin Fahren- Wald über„Die Tätigkeit der Frauen bei der Reichstagswahl". Zehlendorf(Wannseebahn). Mittwoch, den 6. Dezeinber, abends S'/z Uhr, bei Mickley. Vortrag des Genossen Zembelburg. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Lohengrm.(Ansang 7 Uör.l Montag: Madama Butteefly. Dienstag: Der Nosenkavalier. Mittwoch: Oavaleria rusticana. Bajazzi. Donnerstag: Mignon. Freitag: Der Rolcnkavaiier. Sonnabend: Carmen. Sonnlag: Die Meistersinger von Nürnberg.(An- sang 7 Uht.) Montag: Sinsonielonzert.(Anfang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Geschwister. Nob. GuiSkard. Der zerbrochene Krug. Montag: Der Bettler von Syrakus. DienSIag: Die Journalisten. Mittwoch: Der Bettler von Syrakus. Donnerstag: Die Geschwister. Rod. Gmskard. Der zerbrochene Krug. Freitag: Der Bettler von Syrakus. Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Sonn» tag: Der Bettler von Syrakus. Montag: Die Geschwister. Rod. GuiSkard. Der zerbrochene Krug.(Ansang 7'/, Uhr.) Neues königliches Operntheater. Sonntag nachmittag: Faust, Teil. Abends: Der Slörcnsricd. Montag: Die Enlsührung aus dem Serail. Dienstag und Mittwoch: Geschlossen Donnerstag: Die Fieder» maus. Freitag: Sommernachtslraum. Sonnabend: Geschlossen. Sonn- tag: Nora. Montag: Geschlossen.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater, sonntag und Montag: Turandot. Dienstag: Penthestlea. Mittwoch und Donnerstag: Turandot. Frettag: Faust, l. Teil. Sonnabend und Sonntag: Turandot.(Ansang VL Uhr.) Montag: Faust, 2. Teil.(Ansang 6-/, Uhr.) Kam», erspiele. Sonntag: Die Kassette. Monlag: Nathan der Weise. Dienstag: Der Arzt am Scheidewege. Mittwoch: Die Kassette. Donners» tag: Nathan der Weise. Freitag: Die Kassette. Sonnabend: Nathan der Weise. Sonnlag: Die Kassette. Montag: Frühlingscrwachen.(An- sang 8 Uhr.) Lessing-Tbeater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Gudrun. Montag: Das weite Land. Dienstag: Gudrun. Mittwoch: Glaube und Heimat. Donnerstag: Gudrun. Freitag: Das weite Land. Sonnabend und Sonntag: Gudrun. Montag: Glaube und Heimat.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Logen» brüder. Abends: Di« Ahnengalcrie. Montag: Bummelstudente». Dienstag, Mittwoch. Donnerstag: Die Ahnengalerie. Freitag: Bummel» studenten. Sonnabendnachmittag: Der Talisman. Abends: Die Ahnen- galerie. Sonntag: Die Ahnengalerie. Montag: Bummclstudentcn. (Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theatcr. Sonntag bis Mittwoch: Ein Walzer von Chopin. Donnerstag: Kümmere dich um Amelie. Die übrigen Tage: Ein Walzer von Chopin.(Ansang 8 Uhr.) Kouti'che Over. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: La Traviata. Dtontag: Sibirien. Dienstag: Rigoletto.. Min» woch: Der Troubadour. Donnerstag: La Traviata. Freitag: Der Frei» schütz. Sonnabend und Sonntag: Die Rcgimentstochter. Des Löwen Er- wachen. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) NeneS IchauiPielhaiiS. Sonntag: HanS SomienstößerS Höllen» sabrt. Montag: Büxl. Dienstag: Hans Sonnenstößers Höllensahrt. Mittwoch nachmittag: DeS Meeres und der Liebe Wellen. WendS: AgneS Bernwler. Donneistag: Alt-Heidelbcrg. Freitag: Büxl. Eomiabend nach» mittag: Aschenbrödel. Abends: Alt-Heidelberg. Sonntag: HanS Sonnen- stötzcrs Höllensahrt. Montag: Agnes Bernauer.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sounlagnachmittag 3 Uhr: Angele, l. Klasse. Allabendlich: Gcntz und Fanny Clßler. Hockenjos. LotlcheuS Geburtstag. (Ansang 8 Uhr.) NeneS Theater. SonntagnachmittagS 3'/« Uhr: Der fidele Lauer. Die übrigen Tage: Da« Mädel von Montmartre.(Ansang 8 Uhr.) Schilter- Theater O. Sonntagi.uchmiltag 3 Ubr: Das Urbild des Tartüss. Abends: Maskerade. Montag: Don CarloS. Dienstag: Maskerade. Mittwoch: Egmont. Donnerstag: Don CarloS. Freitag: Maskerade. Sonnabend: Don Carlos. Sonntag: Zapsenstreich. Montag: Don CarloS.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Tlicater Charlottenbura, Sonntaanachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Zapsenstreich. Montag: Madame Sans-Gene. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch und Donnerstag: Madame San?» (Rone. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Madame Sans-Gvne. Sonn» tag: Maskerade. Montag: Madame Sans-Gone.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich> WilhclmstädtischeS Schauspielhaus. Sonnlagnach- mittag 31/, Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. AbendS: Kean. Mon» tag und Dienstag: Shcrlock Holmes. Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag bis Montag: Shcrlock Holmes.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzcr Strafte. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Allabendlich: Spielereien einer Kaiserin.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3st< Uhr: Ein Walzer» träum. Abends: Fatinitza. Montag: Fatmitza. Dienstag: Die Dame in Rot. Mittwochuachnültag: Max und Rtoritz. Abends: Fatinitza. Donners- tag und Freitag: Die Dame in Rot. Sonnabendnachmitlag: Max und Moritz. Abends: Die Dame in Rot. Sonntag und Montag: Fatinitza. (tzlnsang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Sonntag, Monlag. Dienstag: Polnische Wirtschaft. Mittwockwachmitlag: Rotläpschen. Abends, Donnerstag, Freitag: Polnische Wirlschast. Soiinabendnachliutlag: Schneewittchen. AbendS, Sonntag, Montag- Polnische Wirtschasl. fluisang 8 Uhr.) Lustivlelliaiiö. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaZ Leutnantsmündel. Allabendlich: Die BergnüguligSreise.(Ansang 8 Uhr.) Neues OPeret-rn-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Allabendlich: Die moderne Eva.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Tlicater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Francillon. Täglich: Mein Baby.(Ansang 8 Uhr.) Lnisen-Thearcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Macht der Liebe. Abends und Montag: Wir tanzen durchs Leben. Dienstag: Baronesse Ciaire. Mittwoch: Wir tanzen durchs Leben. Donnerstag: Baronesse Claire. Fieilag: Die Macht der Liebe. Sonnabend und Sonntag: Wir tanzen durchs Leben. Montag: Traumulus.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbenrcr. Sonulagnachmiltag 3 Uhr: Der Hüllenbesstzer. AbendS: Die Barbaren. Monlag: Kasernenlust. DienSlag: Die größte Liebe. Mittwoch: Die Barbaren. Donnerstag: Die größte Liebe. Freitag: Der Hüttcnbesitzer. Sonnabend, Sonntag, Montag: Die größte Liebe. (Ansang 8 Ubr.) Brllr-Alliance-Theatcr. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die Räuber. Abends. Narrenspiel.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Troubadour. Dienstag: Narrenspiel. Mittwochnachmittag: Aschenbrödel. AbendS: Narrenspiel. Donerstag: �Die Räuber. Freuag: Narrenspiel. Sonnabendnachmittag: Dornröschen.' Abends und Sonnlag: Narrenspiel.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Minna von Barnhclm.(Ansang S'/. Uhr. NcueS Bolkviheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntoznachmlttag: Der Slrom. Abends: Leidenschaft. Monlag: Leidenschaft. Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwochnachmlitag: DaS Zaubcrglöckchcn. Abends: Lcid'Nschast. Donnerstag: In Behandlung. Freilag: Leidcnschast. Sonnabend und Sonntag: Geographie und Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Casino-Tbeater. Sonnlagnachmiilag 3'L Uhr: Haß und Lieb«. MendS sowie täglich: Der sctige Hollschinsky.(Aniang 8 Uhr.) (virrropol- Tbeaier. Soniitngnachmttlag 3 Uhr: Miß Helyett. «llabcnlick,: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Kobi Krach. Skr. 14.(Anfang S',, Ubr.) Herrnseld Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerzlose Be- Handlung.(Ansang 8 Uhr.) Avotlo-Tbeaier. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezlaltiiten. Täg- lich: Svezialilälen(?lniang 3 Ubr.) Zirkus Busch. Sonntaanachmiltag 3 Uhr: Große Vorstellung. Tägliib: G»la-Borstellu»g.(Ansang 7'/, Ubr.) Zirkus Tchnmann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Täglich: Gala-Bolchellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Carl-Haverlaud-Tdeater. Täglich: Spczialiläteii.(Ansang 7ll, Uhr.) Intimes Thrairr. Täglich: Der Brandstiiter.(Anfang 8st, Uhr.) Walhalla. Sonnlagnachniitlag 3>/, Uhr: Prinz und Bettlerin. All- adenblich: Teusel, das hat eingeschlagen!(Ansang 8'/« Uhr.) Passage- Tbeairr. Täglich: Spezialitäiem«Ansang 8 Uhr.) Wiiir, rgneten. Täglich: Spczialiläteii.(Ansang 8 uyi.) Netchsliallr»-Thrarcr. Täglich: Stcttiuer Sänger. Cttnfang ö Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Urania- Theater, Tanbenstr. 48/49. Sonntag: Tripolitanien, seine Oasen und sei» Hinterland. Montag: Ein Streiszug durch China, Touking und Maeao. DienSIag und Donnerstag: Von Merau zum Ortler-(An- sang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. S7— 82. Kaiser-Panorama. Besse-gimg der Zugspitze. L. Wanderung aus Java. Ain-Monfaö.den 4.Dezeiiil>er beginnt unser großer Weilinachts-VerhauC Langer ifeivel-Manlel ■alt Tresse gsmien nncn i PoMmentenschloO// xTili gefüttert.. M. im€m Derselbe In gutem(iROO Velours du Nord M. wU Langer Flauscti-Mantei mit Abseite, modern| 1 7E verarbeitet und mit l/I'"' Knüpten garniert M. I• Farbige � Röcke aus guten Stollen in engl. Art ml, Knfiplen garniert 52 Marineblau Kammgam- RÖCke mit Knöpfen, Samt u. Soutache garmert M. 6 ,25 Reinwollener schwarzer Satin-Tuchrock mit Knüpfen Müc gam. u. ganr 1** 'effltterl M. J 00 Electric-Seal-Paletol a.a auf remseidenem Putter /Äil 135 cm lang.... M. �»w Persianet-PalBlBl oqnoo 65 cm lang.. 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Mm des„Dotmittö" ßtrlintr Jlülliolilütt. Zountag. 3. Dtzmber t91l. Sie berliner Parteigenossen im Ilieichztagzmshlksmpf. Zum WahUumPf im ersten Berliner Reichstagswahlkreis. Dieser Tage wurde durch Flugblätter und Anschläge an den Säulen vom„Privat�An�estellten.LluSschutz für die Reichstagswahl i» Berlin l" zu einer öffentlichen Versammlung im Tiergarten- Hof eingeladen. Die Form der Einladung ist nicht einwandfrei. Wer ist der Privat-Zlngejtellten-Ausschutz? Es handelt sich hier nur um Privatangestellte, die Mitglieder der Demokratische» Vereinu gung sind, also der PnvaUSlngestcllten-'AusschuK besteht durchaus nicht aus einer Anzahl Organisationen Privatangestellter, die sich zusammengeschlossen haben, sondern aus Einzelmitgliedern. In der Tat ist ia auch von einigen kaufmännischen Verbänden bereits Protest erhoben worden jjegen die Irreführung und Täuschung der öffentlichen Meinung, die durch Unterzeichnung des Flugblattes als..Privat-Älugestellten-Ausschusj" getrieben wird. Richard Schubert vom Deutschen Technikerverband hielt das Referat über daS Thema:..Tie Privatangestellten im Wahlkampf". Redner führte aus. die Wahlparole müsse unter allen Umstände» gegen rechts lauten. Vor allen Dingen sei die Parole gegen Ülaempf auszugeben, denn dieser habe genügend bewiesen, dah er der.Bannerträger sozialer Unduldsamkeit" sei. Der Referent empfahl als Kandidaten den Oberst a. D. Gädke, der den Auf- stieg der untere» Schichten wolle. In der Diskussion erklärte Fritz Schmidt als Vertreter des ZentralverbandeS der Handlungsgehilfen und-gehilfinnen Deutsch- tands. dah seine Organisation nichts zu tun habe mit dem Flug- blatt und dem unterzeichneten Privatausschuß und daß die dabei vermerkte Organisatlonszugehörigkeit auf eine bewußte Täuschung hinauslaufe und eine unfaire Handlung darstelle. Tie einzelnen Mitglieder des Zentralverbandes können natürlich tun oder lassen, was sie wolle», aber die Organisation als solche erblicke ihre politische Vertretung in der Sozialdeinokratie. Der Vorsitzende gab hierauf die Erklärung ab, daß die Demo- kratische Vereinigung nichts zu tun habe mit dem Privatausschuß. Es kam dann der sozialdemokratische Reichstagskandidat des 1. Wahlkreises. D ü>v c l l. zu Worte, der ausführte, daß die Bc- ivegung, die in der Demokratischen Vereinigung Äestalt annehme, ihre Vorgänger gehabt habe. Er weise auf die Bewegung hin. die s. Z, durch Egidh ins Leben gerufen wurde. DaS sei gewiß etwaS sehr Schönes und EdleS gewesen, aber heute entscheiden die moralischen Qualitäten nicht mehr allein, es entscheide das Portemonnaie und das Klassenbewußtsein. Er erinnere an den Freisinn in seinen verschiedenen Abarten. Solange er keine Macht halte, hielt er die Demokratie hoch. Als er aber ivirtsichaftlichen, politische» und gesellschaftlichen Einfluß gewann, sank die Fahne der Demokratie tiefer und tiefer und die Fahne des Interessen- und Klaffentampfes wurde immer mehr entrollt. An Naumann sehe man so recht, daß die Verhältnisse den Menschen bestimmen. Tie Demokratische Vereinigung stütze sich mit vollem Bewußtsein auf den sogenannten Mittelstand und daS mit Recht. Es sei noch zu viel Standesdünkel bei den Privatangestellten vorhanden, um den Schritt nach links zu machen; das spreche auch aus den Aus- führungen des Referenten. Man rechnet noch immer mit der systematisch gezüchteten Scheu vor dem Sozialdemokraten, den man sich noch immer als Mann mit der Ballonmütze vorzustellen geneigt sei. Auch Düwell tadelt das Flugblatt und den dadurch erweckten Anschein. Wenn der Referent konstatiere, daß ein Mann wie Potthoff innerhalb des Freisinns machtlos sei. könne doch nicht er- wartet werden, daß vielleicht ein einzelner Vertreter der Demo- kratischen Vereinigung im Reichstage mehr Einfluß haben werde. Das Agrariertum und das Bürgertum haben ihre politischen Ver- tretungen, ebenso die Arbeiterschaft, ob körperlich oder geistig ar- bettend. Wenn man die Ausführungen des Referenten unter- schreiben will, dann muß man sich für links entscheiden und sozial- demokratisch wählen. Martin Meyer äußent in bezug auf den Kandidaten Gädke seine volle Hochachtung, aber es seien doch große sachliche Differenzen vorhanden. Gädke würde im Reichstag seine Ideale ehrlich zu vertreten suchen, das nütze nichts, trotz allen guten Willens. Der Kapitalismus wird nicht auf seinen Profit ver- zichten. um Sozialpolitik zu treiben, nur von einer Verstaatlichung der Produktionsmittel können wir de» Beginn einer wirklichen Besserung und Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnifse er- hoffen. F» der lang ausgedehnten Diskussion kamen weiter Vertreter der Sozialdemokratie und der Demokratischen Vereinigung zu Worte. Unter anderm sprach auch Gädke. der ausführte, es sei nicht richtig, wenn Düwell die Vertreter der Deinokratischen Vereinigung als Ideologen hinstelle. Sie ivollten nicht neue Sittlich- keitswerte, sondern soziale Werte schaffen und feie» durchdrungen von der Erkenntnis, daß es sich letzten Ende» um große Jnter- essenlämpfe handle. Die Dcinokratische Vereinigung sei noch klein, aber auch die Sozialdemokratie habe klein aiigefangeii und würde wohl zugeben, daß sie auch heute ihren Höhepunkt noch nicht er- reicht habe. Auch die Soziuldeuiokratle sei im Reichstag auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen. Der alte bürgerliche Liberalismus sei immer nur ein Liberalismus der besitzenden Klassen gewesen, aber die Demokratische Vereinigung, die bürger- liche Demokratie, sei eine Demokratie der breiten Massen und ver- trete auch deren Interessen. Du: Sozialdemokratie sei eine Klassen- Partei der Arbeiter. Der Weg zum Ziele sei fern von Wissenschaft- sicher Orthodoxie. Solange es verschiedene Staaten gebe, sei die Anarchie der Produktionsmittel notwendig; das könne erst anders werden, wenn alle Menschen in einem Staate organisiert seien Dem Worte Revolution setze er das Wort der Evolution entgegen. Die verschiedenen Redner griffen im Laufe der Diskussion den Freisinnige» Kaempf aufs schärfste an. und damit die Ver sammlung auch ihren Anteil am Humor erhielt, forderte ein frei- sinniger Jüngling die Versammlung auf, der Fortschnitspartei eineii Antrag zu unterbreiten, in dein ausgesprochen wurde, daß Kaempf für Berlin l nicht der geeignete Vertreter sei utid man möge statt dessen Bernlmrd Dernburg aufstellen.— Von sozialdemokratischer Seite wurde nock, darauf aufmerksam gemocht, daß am Sonntag, den 8. Dezember, in den Zelten 4, mittags um 12 Uhr, eine öffentliche Versammlung stattfindet, in der der Land- tagsabgeordnete Ströbet referieren und der Kandidat Düwell eine Ansprache halten wird. Hus Induftne und Handel. Die Entwickelung der russischen Eiseuinduftric. Ei» interessantes Bild von der Entwicketung der russischen Eisenindustrie entwirst Hütteningenieur Gliwitz in einer Abhandlung über„die Eisenindustrie Rußlands". Nach einem Auszuge in„Stahl und Eisen" geben wir folgende Darstellung: Die Eisen- erzsörderung stieg von 758 414 Tonnen im Jahre I87l> ans 5 l I 4 622 To n n e n im Jahre 1909; die Roheisenerzeugung, die 1890»ur 994 356 Tonnen ergab, lieserlc 1999 schon 2 8 96 4 43 Tonnen, dann trat ein Rückschlag ein; 1999 war man erst wieder bei einer Produktion von 2 871 316 Tonnen angelangt- Im Jahre 1569 wurden 294 176 Tonnen Halbzeug produziert, 1919 schon 3 5 46 565 Tonnen. Die Hervor- bringung von Fertigerzeugnissen ergab 1869 nur 2 92 62 9 Tonnen. 1919 warf sie 3 978 586 Tonnen auf den Markt. Die Zahl der Hochosen stieg von 77 im Jahre 1890 auf 281 zehn Jahre später und sank dann wieder aus 154 im Jahre 1998. Der Rückgang ist zum Teil auf bessere Konstruktionen, teilweise aber auch auf die verminderte Erzeugung zurückzuführen. In dein Zeitraum der letzten 29 Jahre wurde die Zahl der Martinöfen von 77 auf 228. die der Konverter von 19 aus 4 8 erhöht. Mit der Produktionszunahme entwickelte die Industrie sich auch als Auf- nehmertn prosilsuchenden Kapitals. 1895 verfügte» 20 Werke über ein Grundkapital von 4 0 Millionen Rubel. S'ch Millionen Rubel Obligationen. 9% Millionen Rubel Rücklagen; 1999 ver- zeichnen 42 Werke ein Grundkapital von 23 8 Millionen Rubel, 5 5?* Millionen Rubel Obligationen und 33 Millionen Rubel Rücklagen. Sehr große Ausweichungen zeigt die Darstellung der Gewiniikurse. Im Jahre 1835 wurden im Durchschnitt 26.96 Proz. Dividende verteilt, dann erfolgte ein Sturz aus 8,35 Proz., und weiter ging es niit einer Unterbrechung bis ans 5.74 Proz. im Jahre 1999 zurück; dann erfolgte ein erneuter scharfer Sturz. Bis aus 9,33 Proz. sank der Durchschnitt in den nächsten Jahre». 1999 zeigt wieder eine kleine Erhöhung, die Ausschüttung erbrachte 1.72 Proz. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dicse EntWickelung zum Teil wenigstens auf den russisch-iapanischcn Krieg zurückzuführen ist, ebenso die Störung in der Roheisen- erzeugung. Als bemerkenswert stellt Gliwitz noch die Talsache heraus, daß die in der russische» Eisenindustrie investierten Kapi- talien zu 7 5 Proz. dem Auslande entstainmen. Im Süden Ruß- lands, wohin sich daS Schwergewicht der Industrie verlegt hat, soll da» ausländische Kapital gar 9 5 Proz. der Jnvestioneu ausmackien. Die letztjährigen niedrigen Ausschüttungen schrecken natürlich nicht, die Unternehmer wissen ganz gut. daß der russischen Industrie eine glänzende Zukunft blüht. Rußland bietet Ausbeutungs- und Profitmöglichkeiten von noch kaum vorgestellten Ausmessungen. Arbeiter'Esperanto-Bereinigung Graft- Berlin. Gruppe Zentrum. Freitags 8'/, Uhr. Restaurant Tröbel. Blanlenselde-Str. 10. — Gruppe Moabit. Freitags 8'/- Uhr, Restaurant Frosch, Gohkoivsky. strotze Sö— Gruppe R i x d o r s. 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Neues Operetten- Theater: Der Gras von Luxemburg. Theater in der Königgrätzer Strafje: Ein Fallissement. Kleines Theater. Angele.--.Erster Klasse. Abends 8 Uhr: NeueS VolkS-Theater: Leidenschast. Montag. Mitwoch, Freitag: Leiden« schast. Dienstag, Sonnabend: Geo- graphie und Liebe. Donnerstag: In Behandlung. Theater der Hochschule in Charlotten- bürg: Sonntag 3 Uhr: Geographie und Liebe. Sonnabend S'lt Uhr: DcS Pastors Riefe._ Sehiller-ThealerO.ICuv, Sonntag, nachm. 3 Uhr: l>at� Ürblld des TnrtUlT. Sonntag, abends 8 Uhr: lllaskerade. Montag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Dienstag, abends 8 Uhr: ldaskerade. Schiller-Theater Chabu?r Sonntag, nachm. 3 Uhr: IKarla Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Montag, abends-8 Uhr: Bladaiuo Suns-Gene. ,.�Dienstag, abends 8 Uhr: HVilheln» D�eli.- bleues liöaixl. vpern-lbeater,. Heute 8 Uhr: Der Störenfried. Abonnements-Vorstellung. Neues Theater. Abends 8 Uhr: lvaS Mädel von Montmartre. Crcvette: W'rlt«! Jlossary. S annt. 3'/, Uhr: Der ttdele Bauer. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 Uhr: 8piöleseien giiw Kaiserin. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Fatinltza. Nachm. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und MoriU�_ Friedrich- WllhelmstUdt. Schanspiclhnns. Nachmittags 3'/, Uhr: Das Käthchcn von Heilbronn. Abends 8 Uhr: liean mit Ferdinand Donn in der Titelrolle. Refideuz-Theater. Direktion Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Gin Walter von Chopin. Schivank in 3 Akt. v. Köroul u. Barrs. Morgen und solgende Tage: Ein Walzer von Chopin. Donnerstag, 7/ Dezember, ein- malige Aussührung: Kümmere Dich nm Amelie. Luisen-Theater. Sonntag nachm. 3 Ubr: Die Macht der Liebe. Abends 8 Ubr Premiere: Wir tanzen durchs Leben. Beile-Atliance-'Theater Nachm. 3'/, Uhr: Die Räuber. 8 Uhr; Xurrenspiei. Montag 8'/, Uhr: Der Troubadour. lise-inc/ne! Gro�e Franksurtcr Str. 132. 1 Nachm. 3 Uhr halbe Preise: l Der Hüttenbesii/er. Abends 8 Uhr: Die Barbare». 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'August BauSdorf, SoldincrStr. 14 im Laden. 'Teglow, Hochstr. 2a. 'Paul Mazanke, Pankstr. 24. 'Hermann Kornetski, WollinerSt. 23 Heinrich Kempers, Fehrbelliner Straße 57. 'A. Lindemann, RheinZberg. Str. 37. 'Frit» Sperber, Ruppincr Str. 44. 'B. Äiorit?, Bcrnauer Str. 18. Hermann Liebrecht, Wcißenburger Straße 83. 'Julius Ricke, Saarbrücker Str. 7. 'Wilh. Klein, Müllerstr. 184. 'Paul Opitz, Lhnarstr. 2. 'B. Robrahn, GreifenhagenerStr.16. 'Karl Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. Karl Hellmann, Schönhauser Allee 40a II. »Frau Krause, Biesenthaler Str. 9. 'Oskar Klose, NcinickcndorserStr.36. H. Bongardt, Gleimstr. 40. F. Zimmernian», TreSckowstr. 13. 'Herm. Kricdcmau», Stargarder Straße 74. 'Franz Fritz. Triststr. 4. Paul Noa, Malplaquetstr. 24, I. 'Wilhelm Nüst, Antonstr. 2. 'W. Gövpner, Maxstr. 13a. August Schirmcr, Jnvalidcnstr. 2. 'E. Gobien, Freienwaldcr Str. 22. 'Louis Hoffmann, Gaudystr. 5. 'Robert Eckert, Kolberger Str. 15. 'Robert Grewe, Wieienstr. 19. "P. 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Otto Bett«, Höchstcstr. 32. 'Jos. Krobisch, Büschingstr. 20. 'M ax Po lest, Fricdrichsbcrger Str. 10 'Jakob Reul, Barnimstr. 42. 'Karl Müller, Rpkcstr. 38. 'A. Dierbach, Winsstr. 25. 'Th.Benlhöft, GrcisswaIderSt.207. 'Gustav Pinner, TreSckowstr. 36. Georg Bürger» TreSckowstr. 38. 'Heinrich Olle, Mctzcr Str. 22. 'Elisabeth Wolter, Marienburger Straße 32. 'Gustav Richter, Landsberger Allee Nr. 145. 'Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. 'M. Moewus, Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppenstr. 46. 'Aug. Kley, Fricdrichsbcrger Str. 19. Bernhard Blauzwirn, Wölben- berger Str. 12, II. 'Gustav Scmmler, Brunnenstraße 103/4. Zentrum. A. Chaim, Mulackstr. 11, I. Oororte. Karl Jaucke, AdlerShys, Friedenstr.16. »Rudolf Otto, Adlcrshos, Sedan- straße 29. Otto Bcnkcrt, AdlerShof, Bismarck- straße 58a, Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. »Fritz Ehlert, Britz, Nudowcr Str. 5. 'H. Trompa, Lichtenberg, Schorn- lvebcrstr. 44. "Paul Hartings Lichtenberg, Rum- melSburger Str. 18. 'Rudolf Kaiser, Lichtenberg, Möllcndorsistr. 15/17. »Joh. Bobrowski, Rummelsburg, Crosscner Str. 17. »Oskar Ntascrkopff, Boxhagen, Weser str. 35. 'Friedrich Schütze, Rixdors, Wiß- mannstr. 22/23. »Wilhelm Schulze, Rixdors, Stein- metzstr. 110.. Gustav Becker, Rixdors, Jnnstr. 29. »Alb. Schuster, Rixdors. Fuldaslr.15. I. Gans, Rixdors, Friedelstr. 3 III. 'F. Ehlert, Rixdors, Hermannstr. 226 'Gustav Carl, Rixdors, Prinz- Handjery-Str. 59. 'Wilhelm Klei«, Wilmersdorf, Uhlandstr. 128. 'Paul Witt. Steglitz. Düppelstr. 5. 'Rob.Stübncr,Steglitz,Schloßstr.115 M. Lehman». Neinickendors- Ost, Thunerstr. 5. »Wilb. Pieper, Spandau, Metzcr Straße 12. »Frau Ella Moos-Spandau, Fallen- bagener Str. 18. 'Otto Wilke, Spandau, Birkenstr. 4. 'Willi. Klemmer, Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Nölte,Spandau,SchuIzenstr.14. 'Rob. Durst, Spandau, PichelS- dotier Str. 28. Otto Kloosc, Spandau. Feldstr. 5. 'Wilh. Klei», Tegel, Berliner Str. 84 Eduard Krüger, Tegel, Berliner Straße 39 pt. Richard Milius, Pankow, Berliner Straße 90. 'Alb. Jauike, Pankow, Mühlenstr. 33. »Jacobi, Wcißensee.BerlinerAllee 179 Rob. Werner, Weißensee, Sedan- straße 19 I 'Hugo Jürgas, Weißensee, Heiners- dorser Str. 55. »Max Zirkel, Rixdors, Ideal- pasiaae 6. Moritz, FriedrichShagen, ilhelmstr. 59. *H. Herzog, Lichtenberg, Blumen« thalstraße 9. 'Nischewosf, Lichtenberg, Gürtelstr. 12 'Neuhoff, Rcinickendoli- Vf., Eich- bornstr. 54. 'Beständig, Reinickendorf-�., Eich- bornstr. 94. 'Adelt, Neinickendors« 0., Kopcn- hagener Str. 1. 'Arnold Hamacher. Köpnicker Str. 155/156, H. Krctzner, Marianncnvlatz 15, St. Rendschmidt. Kastanien-Allee 103 I, Kunkel. Mansteinstr. 14 I,'Heinr. Beyer, Elbmger Str. 13.»Schachmaun, WinSstr. 12, H. Kuruickcr. Neue Köniasir. 17 Max Otto, Templiner Str. 12 Part., Laser, Landsberger Str. 91, Puttlitz. Schliemannstr. 28 I, Paul Juhl, Berlin-Pankow, Roman Roske, Choriner str. 5, Götz«, Melanchtonstr. 13, I. Blauzwiru, Lothringer Sir. 66/67 II. Cypra. Carmen-Syloa-Slr. 2. Behrcnd. Weißensee, Guslav-Adols-Str. 17. Redwisch. Wolliner Str. 42 II, Goretzka, Chrislinenstr. 34. Max Jacoby, Strclitzer Str. bS Part. Austerdcm sämtliche Bcrkaufsstcllcn der Grostrinkanfsgrscllschaft Hamburg.— Alle mit einem' versehenen Firmen haben Ladengeschäste. Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Ks«' Verivauensmann. Alwin Schulze, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. Obigen Tarisfirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen den in Frage kommenden " Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichneten! ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grünen Plakate von hier entnehmen können. D�r UertraueNSMattN. 188/6 A. Schulze, Große Hamburger Str. 18/19. stlestr nncl mehr wird der Wert eines Kleidungsstückes als schönstes Weihnachtsgeschenk richtig gewürdigt Denn einerlei, ob es ein warmer Flauschpaletot, ein eleganter Samt�Mantel, eine zarte Bluse, ein praktischer Kostümrock, oder ein niedliches Kinder- Kleidchen oder Mäntelchen ist, immer wird ein solches Geschenk mehi wie ein anderes seinen Zweck erfüllen, den Empfänger auf Zeiten hinaus fast täglich dankbar des Gebers gedenken zu lassen. Unser Weihnachts-Verkauf mit seinen ganz bedeutend ermässigten Preisen gewährt Ihnen reiche Gelegenheit Ihrer Geberlaune Ausdruck zu verschaffen, und die wohl einzig dastehende Auswahl,- die wir Ihnen bieten, bürgt Ihnen dafür, dass auch der Geschmack eines jeden auf seine Rechnung kommt i Wähler dJ.Xreises! Dritter Reiclistagswalilkreis. Hente Sonntag, den 3. Dezember, mittags 1Ä Uhr, im Zelt 4, Straße In den Zelten im Tiergarten: Oeffentl. politische Uersammlnng Tagesordnung: Herr Landi�Sabgeordncter Heinrich Ströbel spricht über: „Volkznoi. Ilriegzkelie u. 8ll!>sli5mu5." Nm zahlreiche Betetliguiig ersucht Der Einberufer Diterov, Sebastianstr. 37/33. 2. Msklknois. Dienstag, den S. Dezember llSU, abends 8Vz Uhr: Oeffendiehe politische Versammlungen in folgenden Lokalen: öoclebrnuerel, roi-pvlirotsr n«»«. Kiiems ssestsaie, r«/K3. �issies k�estsäie,»«»novit-»«?.»». Tagesordnung: Akt jttzigk Rkilhstag»nd die gktiilischtkll Wöhtkr. Referenten: Reichstagsabgeordnete?ranK»Mannheim. p»nlk»siiiliiliin- Knsmmlng bei Weldt, Pflugstraße S. gZ/10 Tagesordnung: Die Aussperrung in der Metallindustrie. Jede Wertftatt«ust vertreten sei». Di« Vertrauensmänner- Versavunlungm der übrigen vezlrke und Branchen finden am Mittwoch nicht statt. IMe Ortarerwaltans. r. WeihnachtSfeiertag z Weihnachts- Vergnügen in HOrnera Fentsttlen, Koppcnstr. 29. vilettS o SO$|. werden in sämtlichen Zahlstellen ausgegeben. Perlmutter' und tiornarbeiter. Mittwoch, den 5. Tezember 19X1, abends 8 Uhr: Branchen»Versammlung in Fritz Wittes Festsiilen, Sebastianstraße Nr. 39. TaaeSordnueig: 1. Bortrag. Referent: Aollege W t l h c l m K u t h. 2 DlSkufsion. S. Bericht von der Generalversammlung. 4. Wahl der ftommilflon. __ Die Leitung. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8� Uhr: in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 58/59. „Die Cröffnung des Reici)$tagswal)lltampfe$." Referent: Stadtverordneter Willlelm Pfaiinkncli. Freie Aussprache. Zahlreiches Erscheinen der Wähler erwartet Sii/e*__ Der Einberufer: August Pohl, Naunynstraße 30. ». Ucrg Sacht. Bnrrhnrdt Friedrlebstr. 1 15 1,«. Oranienb. Ter. Von O 32. an ein moderner eleganter nur* jhrack«der Gehreet. Von ß cs» M. au«in«tl nur 1,99 schwarze« Beinl von � Ä. an �nc eleg schwarze od. nur 1 wetstr vdestc. Znlinderhürc SeönstervMIlrstis. Dienstag, den 6. Dezember 1911, abends 8V2 Uhr: Oelfentliehe politische Versammlungen in folgenden Lokalen: Obiglo�s Festsäle, Schwedter Str. 23/24. Konzerthallen Sntzmilch, Bornholmer Str. 7. Borussm-Säle, Ackerstt. 6/7. Tagesordnung: Volk, Klassenherrschaft und Negierung. Referenten: Reichstagsabgeordneter güoll Alhreehl- Halle a./S. Reichstngsabgeordneter)tarl UuderlaNil- Düsseldorf. Stadtverordneter Zllax llrunrvalü-Berlin. 233/12* Di« Einberufer:«VllNeln, Bnnrannn. RbelnSberger Str. 67. Otto Itaeko, Ueckermiinder Str. 2. _ 8al«nioii Joseph, Ticckjtr. 84.__ Bildhauer Berlins! Montag, de» 4. Tezember 1911, pünktlich 6 Uhr: 8 öffentL Versammlungen. Tagesordnung: 20/14 Hif Ekvrriischlistk« im Kefteinligskaiiipft der Ardttttr. Referenten: A. Lttttlch ecistzig. H. Henuer-DreSden. P. vnpont Berlin. Versammlungslokale: ComeniuS-Säle, Memcler Strafte 97, Hohenstaufen-Säle, Kottbuser Dam» 79, Königshof, Bülowstrafte 37/40. Erwäbni let nochmals, daß die Versammlungen pünktlich 6 Uhr eröjsuei werden. Vollzähligen Besuch erwartet der Voretnna Oe» Sentrnlvereln». aelbsISmIiP Schuhmaclier Grofi-Berlins. Montag, 4. Dezember 1911, abends 9 Uhr, in DräselS FestsSle, Reue Isriedrichstr. SS(nahe Bahnhos Alexanderplatz): Oeffeutliche Versammlung der seldstSallixen SekuNmaclier verllas. Tagesordnung: t. Zweck und Ziele der ZwangStnnung und dt» bevorstehenden Reichs- tagSwahlen im Zeichen der herrschenden Teucruiig. t78Sb Reserent: Stadlverordneter Adolf Ritter. i. Bit stell- n sich die seibständiarn Schuhmacher Berlind zur Halbierung der Bettrige zur �nmingskiankenkafse. 3. Die stellen /ich die selbständigen Schuhmacher Berlin« zur Tinsührmig eine« Minimaiiarise« sllr Reparaturen. 4. Piölusfion. ver Kinbernfer. _ I. SI: Mütter. SolmSftr.& Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. DtenStag. den 5. Dezember, abend» 8 Uhr: IMftglleder-Terfamtnlung in der PrlnzenaNec 33. Tagesordnung: 1. vorflandSwahlen. 2. Verbandsangelegenhelten. Zahlreichen Besuch erwartet 143/1 Der Borstand. Verein für Frauen o. Mädchen der Arbeiterklasse Montag, den 4. Dezember, abends 8 Uhr. in KrllerS.Neue Philharmonie-. Köpenicker Str. 90/97. Vortrag des Schriftstellers Julius Bab Ober: Goethes„Faust44. Käste willkommen_ 55/20_ Der Borstaud, Arbeilsnachwei»: Hol I. Amt Norden. Sir. 1239. er nmiier-ner ferwattnngssielte BBritti EharitSftraste 3. Hauptbureaa: voslll. Amt Norden, Nr. 1987. Montag, den 4« Dezember l.911: Bczlrhs- Versammlungen für die gesamte verwaltungsltelle kerlin in folgenden Lokalen: 152/3 HOrlieN PbarnsaUlo, Müllerstr. 14«. abends 8'/, Uhr. NOrdeil* ol>lf,os �'�nie. Schwedter Strafte SS. abends NOrden i Franken Feata&Ie, Badsir. 19, abends 8'/, Uhr. MOabüI Armlnlnshallen, Bremer Str. 79, abends 81/, Uhr. Tegel: Dr»pp» Featasic, Bahnhofstr. L abends 6 Uhr. Weslen and ScMndwrg: 0St6D: ComenlasnUlc, Memeler Strafte 67, abend» 3'/, Uhr. llcdleaderu:'■"• Stralau und Rummelsburg:"!'■ Cnriaauhavitibu- HobenMnnfcaaiUe. Kottbuser Damm 67, aUUcuUcZirRC. abend« S>/, Uhr. SUdenduich«: VeUensee: SSW«?"""* e,t""' RjjdOrf! Noppe« Fentable, Hcrmauiiftr. 49, abend» 8'/, Uhr: „Brandschahung de» BotfrS durch«ndtrekte Stenern und Zölle." Reserent: Kollege ssritr llael. Cbariotlenburg: Volkshaas, Rostnens/r. 3. abends 8'/, Uhr. 8tegiiti: Rentaarant Prltnod, Schüftcnftr. 49. abends 8'/, Uhr Neuwahl der Bezirksleitung. Opentch o. Friedrichshagen: hoiftr. 44. abend« 8'/, Uhr. Bericht der Bezirksleitung und Nenwahl der Bezirkstet»»,�. eder-Seliöueveide: WKsLÄ'.'- 8pandau'*'mi\ ScImbcrte fenIMUe, ft«rfir. 21, abends TageSardvung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. />1itxiieäsbucb lexitimiert! Die Bersammlungcn werden pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet_ Tie Ortsverwaltuug. Metallarbeiter- Notiz- Kalender für daS Jahr 1919 sind«»-schienen«nd im Bureau sowie bei den Bezirks- kasficrern zum Preis« von 69 Pf. pro Stück zu haben. DeZgl. ist erschienen: „Die Arbeitszeiten in der Cilen- und sVIctall- indullrie Dcutfchlands" zun Preise von CO Pf. pro Exemplar. vlo ortsvervaltnvU. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsvenvaltung Berlin. Die nächsten Branchen-Bersammlttngen finden an nachsolgendeu Tagen statt: $)I'stljnt�niItd|k 1 Donnerstag, den 7. Dezember, abends 3'/, Uhr, im GewrrkichaftShause. Engeluser 15. tltribriruirnbriinillf: Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8'/, Uhr, im Roienthaler BercinShanS. Nosenlhalcrftrafte 57. porttsfniitrr' und itkisrurtiilftbraiidir: bei Graumaiin, Naunynstratze 27. Miiitür-Krutichk: Mittwoch, dm«. Dezember, abend» v Uhr. st» «nftliichen Garten, Alexanderstr. 27 c. liiiolfinnlfdfr». Trpptchniihkr: bei bVciboncht, Krünjlr. 21. U)U9fn=lJrflUd)f: Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8'/, Uhr, im Gewerkichaftshaui«, Engeluser 15. Eiskiimöbri- u. Lkderstuhtptitkrrer: s'}, nE"*"' im«Sewerkschafishause. Eiigelufer 15. �fbtiou O liaildUfllbnrtj: Mittwoch, s. Dezember, abends 8'/, Uhr, im Volkshause. Rosinen llr. 3. ZIchtung! In allen Vnlammlungen steht zur Tagesordnung: Bericht der Branchenleitung und Agitationskommisfio» sowie Neuwahl derselben. Zahlreiche» Besuch dies er Versammlungen erwarten 158/» __ Tie Vranchenlettungcn. Verband Buch-».Steindruckerei-Hilfsaibeiter und-Arbeiteiinnefl Deutschlands'""sr0' Sonntag, den 3. Dezember, vormittags 11 Uhr: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung in Mörners Festsälen(früher Keller), Koppenstr. S9 (großer Saal). Tagesordnung: 1. Bericht über die V. rhandlnngen z« den«»Uge«et«e« Be- stimm, ingen in Leipzig. 2. DiSkusfion. _ Ansang präzis« II1/, Uhr. W Eintritt nur gegen MitglhedSdnch gestattet.»M» Zahlreiches und pünrillcheS Erlchetncn erwai-tct 28/t3* ____ Ute Orearerwattan». ZentralverbandderHausanoestellten MT Sonnea«, den 8. Dezember 1911-MM toi �alensee, Svilmerc dorfer Fest, nie. Johann. Georgftr. KGt IdltSiRSt ver«» ni inKniAK. Vortrag von Art. Ida Vaar» „Dor freie Arbeitatvertru» und die HawafraaRea Freie AnSsprnche.— Nachdem: vlrmütliches Betsammrusrin. Gaalössiiung« Uy.— Ansang 7 Uhr.___ 29»/2>) WahlYerein Charlottenburg Dienstag, den 5. Dezember. abendS 8'/, Uhr» im BotkSha»se» Rosineustr. 3: Mitglieder-Versammluug Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Groger» 2. DiSklfffio».— 3. VereinSangelegenheile». Die Genossen werden ersucht, sich vollzählig in dieser Serfammlung cinziifindea. 9W Mitgliedsbuch legitimiert.'MO 251/8 Der Toretand. Todes-Anzeigen| SozialdemokradseiierVaUftrein 2. BerL für den BeickW- Bezirk 96. Am Donnerstag. 30. November, verstarb durck Unsall unser lSe> nasse, der Malchinist Franz Kahlert Katzlerstr. 12 im 54. Ledtmasahrr. Ehre seinem Andenken! Tag der Beerdigung wird noch bekannt gegeben, sobald die Leiche sreigegeben wird. Der Vorstand. SoziaMkratlsetier Wahlvereln für den 4. Beil. Beielistais-Walreis. K-anksurter Vi-�tcl. (Bejlct 284.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Metall. arveiter 207/8 August Voigt (Blumenstraße 72) gestorben ist. Ehr« seinem«»denken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der 'mUe deS Zentral-Aiiedhofei in riedrichsselde au« statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Deutselier Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kamm- m acher .Auxtist Voigt Blumenslr. 72 im Aller von 28 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Zentral-Ancdhoscs m Friedrichs- scldr aus statt. Um rege Beteiligung ersucht SZ/N vis OrUverwaltung. inV Zentral' verM ierl '.im' Verwaltungsstelle Berlin. Dodes-Anzeige. Hierdurch zur|Nachricht, daß unser Kollege, der Dachdecker Nermglln ttsupt verstorben ist. Ehre seinem«ndenke»! Die Beerdigung findet em Dienstag, den 5. Dezember, nachmittag« S'y« Uhr, von de, Leichen- balle de« Reuen Luisenslädiiichc» Kirchhofe« in Rtxdors, Hermann. sUaße 186 au« statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet vor Vorstand. Zentral-Verband der Schmiede. Zahlsteil« Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg« �Vilkelm He�se am Freitag, den!. Dezember, im Alter von 50 Jadren an Lungenentzündung veritorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4 Dezember, nach. mittag« 8 Udr. von der Leichen- balle des Eliiabcth.Kirchdose« in der Prinzenallee au« statt. Rege Beteiligung erwartet 176/30 Die Ortsverwaltnng. Danks agnng. Für die herzliche Teilnahme und sür die reichen Kranzipendeu bei der Beerdigung Meines lieben Gatten Albert Rietdorff fttrcchc itü allen Verwandten, Freunden und Bekauuteti meinen herzlichsten Dan! aus. Ferner danke ich den Cbes« der Firma Ullstein u Co. und Personal, soivie dem Verci» Berliner Stereo- Itlpciue und Galvauoplnttiker und den Etcreotypeuteil der Firma H. S>. Her- wann, dem Gesangvnein.Typ«. grapM', dem Dablvcieln Rixdors und demPerfono» der Fimia O Zisner. t851b Nitwe«nna llietd--»«. vi». Simmol Lpezial-�rzt fui-»aut- iiud Harnleiden. Prinzensir. 41, JÄA 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 1. Gestern abend versiMed«i. sehr kurzem Leiden miser Maschtnist Wielm Behrend im Mcr von 54 Jahren. Bäbrend seiner zehnjährigen Tätigkeit in unlerem Hause hat er sich durch Fleiß und treue Pflichtcrsüllung unsere vollste An- erkennung erworben. Wir beklagen seinen Verlust aus das schmerzlichste und werden ihm stets em ehrendes Andenken bewahren. I8v7b Berlin, 2. Dezember 1911. Die Inhaber und das Personal der Firma 1�.& S. Moses Reinickendorfer Str. 9/10. Am 29. November verstarb plötzlich amHerzschlag der Schuhmacher Paul Atakllng. H. mahling-, II. Seifte. 18526 Novalisstr. 7. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichendalle de« Golgatha- KirchhoseS, Barjusstraße, aus statt. Allen Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau Rogins nach langem schweren Leiden ge- storben fit. Die Beerdigung findet in Nürn- berg statt. «'Nil Tnchoppe. Ella Tvchnppe. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne« sage sch allen Freunden und ve- kannten, insbesondere den Kollegen der Firma<5. SaiomoniS, dem Zcntralvorstand des Glasarbeiter- Verbandes, sowie den Parteigenossen deS 436. Bezirks den herzlichsten Dank. Witwe Anna L-ttlTclbeln 1858b geb. Polier. Orts- Krankenkasse der Weber und verwandten Gewerbe. VonsunBinlung sämtlicher Arbeitgeber, sowie der großjährigen Mitglieder obiger Kafie am Tountag. den 19. Dezember, vormittags 11 Uhr, in Schmidt» groxem Saal, Frucht- slraße S6a(Freischütz). Tagesordnung 11 Uhr vormittag«: WabI von 89 Delegierten der Arbeitgeber sür da« Jahr 1S12. Legitimation Beitragsquittung. Tage«ordmmg 11'/, Uhr vormittag«: 1. Wahl von 98 Delegierten der Kajsenmitglieder sür da« Jahr 1912. 2. Verschiedenes. «ohlberechtig« und wählbar find nm Kassenmltglieber über 21 Jahr« alt nach h 49«bsetz 2 de« Statuts. Da« OutttungSbiich dient al» Legi- llmafion am Singang de« Saale«. Das WabNokal wird um 12 Uhr ge« slblossen, da um diese Zeit der Wahl- akt beginnt. Berlin den 3. Dezember 1911. Der Vorstand. 18355 v. Weyman«, Vorsitzender. H. Postler. Schrfitsührer. Bekanntmach« ng. Nachdem die OrtSkrankentafle für da« Bäckergrwerbe und die Otts- Irankenkass« der Konditoren, Pseffer- küchier und verwandten Gewerbe in ibrcn Generalversammlungen vom >9.?lp,tl bezw. 28 Slprfi»- S- de- schlössen hatten, beide Kasten mit- einander zu verschmelzen, und der Bezirksausschuß bicrselim da» Statut der neuen„Ortskrantenkaste sür das Bäcker» und Kondiiorgewerde zu Berlin* durch Beschluß vom 3. Oktober d. I. genebmigt halte, hat der Herr Oberpräsident von Berlin den Zeil- puukt Iflt da» Jn«Icb5n treten der neneo Kaste aus den 1. Januar 1912 fcstqeictzt. Die neue Kaste besteht für sokgeade Berus«: Bäcker, Konditoren, Kate«-, Zuckerwaren- und Schokoladen- mdustrie, Psesterküchlrrei und ver> wandte Gewerbe. Ausgenommen find dtrsentgen den vordezeichnete» Gewerben angehöreudcn Betrirbe, sür welche eke Betrieb«» oder Fabrik- krankeniaffe errichtet ist sowie'die Betriebe von Jnnung«milgliedcrn, für deren Gesellen. Lehrlinge und Arbeiter aus Grund de« Titel« VI der Gewerbeordnung eine Innung«- krankciikastc besteht. Vom 1. Januar 1912 nb sind samt- liche Inhaber von Betrieben der im Eingange deS»«igen Absätze« er- wähnten Art gehalten, ihr kranken. versicheriiugSvfilchtigcS Personal bei der Ortskronkenkasse sür daS Bäcker- und Konditorgewerbe hier, Engel- us«, 14/15, Zimmer 1«, anzumelden. Hier find mich vom genannten Tage Der MnßistratSkemmistar für die Hits- nud BetrirbSkranken- kassen. I. 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Engltscher Garten, Alexander. straffe S7e. sind noch Säle sür Sonnabende und Sonnioge, mit und ohne Thcaterbühne im Januar, Februar und März 1912 zu ver- geben. Amt Kgst. 10628._ W. Herbst gegr. 1862.— Tel.: IV, 3873. BERMSSW., Kitte rstr. 83 Erstklassige Ware. Zigarren- händlern bestens empfohlen. —— Ta et färbe lt.—— Orts-Krankenkasse für Ober-Schöneweide. Die 17. Abänderung der Kassen- satzungen der Orts-Krankenkasse sür Ober-Schöneweide betreffend K 41, welcher die Entschädigung des Vor- standeS regelt, hat die Genehmigung der Aussichtsbehörde unter dem 1. November 1911 gefunden und tritt mit dem 1. Dezember ISll in Kraft. 283/4 Der Vorstand. Sommerfeld, 1. Vorsitzender. _ Wilke, Schriftführer. Preisliste freil Knnarirnroller ticftourcnreich, hochcdl«, eigene Zucht, zu 8. 19, 12, 15 M. u. höher. Garantie Probezeit, Ia.Zuchtwcibchen. Wild. Lrnst, St. Andreasberg Harz 194. Den verelifteli Lesern des „Vorwärts" machen wir hierdurch die ganz ergebene Mitteilung, daß in unserem Etablissement— Schloß Weißensee— der bisher nur während der Sommermonate benutzte Tanzsaal durch vier große Oefen heizbar gemacht ist und nunmehr auch für den Winter zur Abhaltung von Lustbarkeiten und Versammlungen zu vergeben ist. f Indem wir hierdurch besonders die geehrten Vereine zu recht häufiger Benutzung des Saales einladen, bringen wir gleichzeitig zur Kenntnis, daß während des Winters auch an den Sonntagen der sogenannnte Wintersaal zur Abhaltung von Theatervorstellungen und allen Vergnügungen vergeben wird. Hochachtungsvoll Gabriel& Richter i. F.; F. Neumann. Praktischer Weihnachtseinkaut Winler-Jopffen 28, 25, 22. 18. 15. 12.50,10.00, cnn 9.00. 7.00. 0,00 Cßäen-peurlm sowie wasserdichte Oeipeierlaen. Mffniei, Jachen. Jfoseh. /däizen etc.(81 Radfahrer, Xatscher nd Arbeiter jeden jeta/es. 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Für den Jn]erateni?tt veranlw.:?H.Äivlte.>vertta.!>rucku.>öertag: Sorwct'rt« ivuqoriuteret u. Kh rtoyotxniiaU Paul«mger u.(io., igeiltn äW. Rr.?83. 38. Jahrgang. s. Kkilizk Ses Lmiick" Knlim WWIt Sonntag, 3. Dezember 1911. Partei- �ngelegenkeiten. Erster Wahlkreis. Heute Sonntag, mittags 12 Uhr, in den Zelten 4: Oeffentliche Versammlung. Landtagsabgeordneter Genosse H. Ströbel spricht über:„Volksnot. Kriegshetze und Sozialismus» Zweiter Wahlkreis. Dienstag, den 5. Dezember, abends 8'/z Uhr finden drei öffentliche Versammluiigen statt: In der Bockbrouerei, Tempelhofer Berg, Kliems Festsäle, Hasenheide 12/13, und Nistles Festsäle. Denncwitzstr. 13. Tagesordnung:„Der sterbende Reichstag". Referenten: Die Reichstagsabgeordneten Genossen Dr. Frank, Paul Göhre und Severing. Die Genossen werden ge- beten, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Der Borstand. Dritter Wahlkreis. Am Mittwoch, den S. Dezember, abends gl/z Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. S8/S9, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Tagesordnung:„Die Er» ösfnung des ReichsiagswahlkampseS". Referent: Stadtverordneter Wilh. Pfannkuch. Lichtenberg. Die für heute. Sonntag, den 8. d. M., festgesetzte Flugblatlverbreitung findet erst am Sounmg. den 10. d. M., statt. Tempelhof. Montag, den4.d.M., Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen ans. Schmargendorf. Am Dienstag, 6. Dezember, abends von 8 Uhr ab: Flugblattverbreitung vom Lokal Ad. Pötscher, Span- dauer Str. 40, aus. Tegel. Morgen. Montag, den 4. Dezember, abends 8l/s Uhr, in„Trapps Kestsälen": Oeffentliche Versammlung, Tagesordnung: .Teuerung und Reichstagslvahlen". Referent: Geuoffe Robert Bahn, Die Bezirksleitung Nowawes. Mittwoch, den 6. Dezember, abends S1/, Uhr, im Schinidtschen Lokal: Versammlung des Wahlvereius. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Die bevorstehende Reichstagswahl. 3. Ver- schiedenes. Am Mittwoch, den 13. Dezember, findet im Schinidtschen Lokal eine Volksversammlung statt, in tvelcher die Genossin Rosa Luxemburg sprechen wird. Der Vorstand. Spandau. Mitwochabend 8%. Uhr Generalversammlung im Lokal von Borchardt, Seeburger Straße 2ö. Lerlmer J�acbncbtcn. Bom Gesindc-Belohnungsfonds. Der Magistrat Berlin hat eine Aendermig des Statuts der„Belohnunas- und Unterstützungs-Anstalt für das Gesinde zu Berlin" und einen Zuschuß für diese Anstalt beschlossen, Diese mit den Rechten einer milden Stiftung durch Kabinetts order vom 27. Dezember 1826 begründeten Anstalt kann von jedem i» Berlin neu einziehenden oder die Herrschaft wechseln den Dienstboten„5 S i l b e r g r o s ch e n" erheben. Schon 1876 hatt die Regierung angeregt, diese Einrichtung des„Ge sindebelohnungssonds" sallen zu lassen. 1361 wurde von den Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung die Aufhebung der Beiträge gefordert, aber mit kleiner Stinimen Mehrheit abgelehnt. 1361 wurde der Antrag abermals abgelehnt. Inzwischen sind die Beiträge auf jährlich 18 666 Mark zurückgegangen und die Erhebungskosten ge- stiegen. Ter Magistrat schlägt nun vor, die Anstalt in der Koppcnstraße als eine selbständige juristische aufrecht zu er Kalten, hiß Zweckbestimmung aus wabliche Dienstboten zu be schranken, die Vorschriften über die Beitragserhebung, das Erbrecht der Anstalt, die Verteilung der Einnahmen aufzu heben und die Bestimmungen über die Aufnahme in die An stalt anders zu gestalten. Damit die Anstalt ihrem Zweck weiter erhalten bleibt, sollen ihr als Kapital aus den lleberschüssen der Sparkasse i)66666Maxk überwiesen werden, wozu die Genehmigung der Regierung erforderlich wird. Wohlfal!rtsei«richtu«gc» fcei der Atlgemeiacn Elektrizitiits- Gesetlschast in Berlin. Zu der unter vorstehender Ueberschrist ver- öffcntlichten Notiz teilt uns die A. E. G. mit, daß der Jahres- beitraa von 773 000 M. zur Ruhegehaltseinrichtung nicht von den A n g e st e l l t e n der A. E. G.> sondern von der A. E. G. geleistet worden sei. Gegenüber unserer Bemerkung, daß die A. E. G. die Fonds„gütigst" verzins«, verweist die Gesellschaft darauf, daß sie die Fonds mit der Hälfte der Dividend« verzinie. also für das vergangen Geschäftsjahr mit 7 Proz. Um das Reichstagsmandat im vierten Wahlkreise bewirbt sich von der Fortschrittlichen Volkspartei der Professor Cauer in Charlottenburg. Er wurde dieser Tage in einer frei- sinnigen Wählerversammlung als Kandidat aufgestellt. Herr Cauer will sich als Durchfallskandidat opfern. Die polizeiliche Anordnung des 4 Nhr-Ladenschlnsses am WeihnachtS-Heiligabcnd wird allem Anschein nach nicht abgeändert werden. Polizeipräsident von Jagow beharrt bei seiner Ansicht, daß seine Anordnung sowohl im Jnteresje der Geschäftsinhaber wie auch des Verkaufspersvuals liege und sehr wohl geeignet sei, die große Masse der Weihnachtskäufcr zur früheren Besorgung ihrer Einkäufe zu erziehen, damit der Heilige Abend ausschließlich der Familie gewidmet werden kann. Eine Aussprache, die zwischen Delegierten von De- taillisten-Vereinen und Angestelltenverbänden sowie dem Handelsminister von Sydow im Handelsministerium wegen des Heiligabend-Ladenschlnsses für Berlin stattfand, hat zwischen dem Ministerium und dem Polizeipräsidimn einen regen Meinungsaustausch in Gefolg« gehabt. Dem Ver- nehmen nach hat sich der Minister der Ansicht des Polizei- Präsidenten angeschlossen, ss daß es beim 4 Uhr-Ladenschluß sein Bewenden haben wird. Eine Verlängerung der Verkaufs- zeit bis 8 Uhr abends, wie sie von den Geschäftsinhabern ge- wünscht wird, ist vollkommen ausgeschtossen. Die einzelnen Gemeinden Groß-Berlins haben sich in ihrer Mehrzahl in dieser Frage mit dem Polizeipräsidenten von Jagow zu einer Ansicht bekannt und den gleichen Laden- schluß für ihren Bezirk angeordnet. Zu der?tc»o>dmmz des Berliner städtischen Mcdizinalwescni hat jetzt der GeichänsauSsctmß der Berliner ärztlichen Standes- vereine Stellung geuammen. Nach einem eingehenden Bericht des Vorntzenden, Saniläl->rots Dr. S. Alexander, beschloß man folgende Erklärung:„Durch die Anstellung eines Mediziiioldirektors ohne die Reckte und Pflicklen«incs besoldeten Magistratsmitgliedes kann die als dringend erkannte Reorganisation des Berliner städtischen Medizinalwesens einer befriedigenden Lösung nicht eutgegeiigesührt werden, auch nicht, wenn ein Medizinalkollcgium als fachmännischer Beirat dem Medizinaldirektor zur Seite steht. Der GeschästsanSschnß der Berliner ärztlichen Standesverein« erblickt vielmehr in dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 27. April 1011 den einzigen Weg zur Lösung der Frage und stmnnt den�Enuch«' der Stadtverordiietenversammlnng an den Magistrat, die Stellung eines besoldeten städtischen Mediz'inalrats als Mitglied des Wagistrats und mit dem Gehalt technischer Wagistratsiuitglieder zu schaffen, vollinhaltlich zu." Vor dem Pelizeirevier in der Husfitenstraße stand am Freitag «ine größer« Anzahl Leute, die das Mitleid der vorübergehenden Pasianten hervorriefe«. Zeitweise wurde« 40 Personen gezählt, die da auf offener Straße aufgestellt waren und zu zweien sich nach der Revierstube begaben. Es handelte sich um Allers- und Invaliden- rentncr, die sich am ersten des Monat« ihr« Ouittimgen abstempeln lassen müssen. Das Wetter war am Freitag ein abscheuliches, daß man keinen Hund hinausjagt. Da mußten die alten, gebrechlichen, vielfach schon von Gicht und Rheumatismus geplagten Menschen auf offener Straße stundenlang, der miserablen Witterung auSAesetzt, harren, bis sie an die Reihe kamen. Daß die offene Straße, zumal in jetziger Jahreszeit, lein geeigneter Warteplatz für sieche und kranke Menschen ist, sollte eigentlich auch unserer Polizei bekannt sein. Wir halten es für die Aufgabe des Polizeipräsidiums als der dieser vorgesetzten Behörde, hier schleunigst Abhilfe zu schaffen. Was eine Mutter in einer Schule erlebte. Schon recht vielen Eltern/die uns Klagen über die Schule vortrugen, haben wir immer wieder den Rat gegeben, sich möglichst mit den Lehrern ihrer Kinder in Verbindung zu setzen. Wer Neigung hat, solchen Rat zu befolgen, wird mit Interesse das folgende Vorkommnis hören, das vor einigen Tagen sich in der 2 2 0. Knaben-Gcm«indes chule(Ehristianiastraße) abgespielt hat. Die Mutter, über deren Erlcbniffe in dieser Schule wir berichten wollen, ist allerdings nur Pflegemutter des in Be- tracht kommenden Schülers, aber er steht ihr so nahe, wie einer eigenen Mutter. Die Pflicht, für ihn einzutreten, gilt der Pflege mutter als selbstverständlich, zumal da sie ihn von seiner Geburt an in Pflege hat. Der Knabe, ein in Klasse VII O sitzender Schüler Kurt Heine, hatte am Morgen, ehe er zur Schule ging, sich die rechte Hand verbrüht. Da Frau H. die Verbrühung für schlimm hielt, so wollte sie mit ihm baldigst einen Arzt aufsuchen, doch sollte er sich vorher in der Schule abmelden. Sie ließ den Jungen ohne Bücher zur Schule gehen, damit er bei seinem Lehrer A l b r e ch t um Beurlaubung bäte, und ivollte ihn nachher von dort abholen. Als H., der zu spät in der Schule eintraf, zur E«t- schuldigung die verbrühte Hand zeigte, erklärte der Lehrer, er sehe nichts daran. Der Junge sagt« jetzt nichts von der Absicht, einen Arzt aufzusuchen, und er muhte sich dann auf seinen Platz setzen. Später ließ Lehrer A. ihn durch einen anderen Schüler in das Amtszimmer des Rektors Gehler führen, dem der Begleiter zu melden hatte, daß H. zu spät und ohne Bücher in die Schule gekommen war. Rektor G., der gleichfalls erklärte, er könne an der Hand nichts sehen, gab dem H. eine Backpfeife und schickte ihn in die Klasse zurück. Wofür H. geprügelt wurde, können wir nicht sagen. Er hatte auf des Rektors Frage, lvarum er keine Bücher mitgebracht habe, geantwortet:„Das weiß ich nicht." Wir wagen nicht, anzunehmen, daß hierfür die Backpfeife gegeben worden sei. Inzwischen war Frau H. vor dem Schulhaus angelangt, hatte aber Kurt rncht vorgefunden. In der Pause hieß der Lehrer ihn nach Hause gehen, damit er seine Bücher hole. Als H. auf die Straße hinaustrat, berichtete er der wartenden Mutter, was ge- schehen war. Nach Schluß der Pause führte Frau H. ihn zurück in das Schulhaus und machte dem Rektor, den sie auf dem Flur traf, Borhaltungen wegen der Backpfeife. Dann nahm sie deri Jungen wieder init und brachte ihn zur Unfallstation, wo ihm die Hand mit lindernder Salb« bestriche« und ein Verband angelegt wurde. Mit einem Attest, das der Arzt ausgestellt hackte, ing sie nun in Begleitung des Junge» wieder zur Schule zurück. sie klopfte den Lehrer aus seiner Klasse heraus, um ihm das Attest zu zeigen. Bei dem Versuch, es ihr abzunehmen, kam es zwischen Frau H. und dem Lehrer zu einem lebhasten Hin und Her, dessen Einzelheiten wir hier nicht schildern wollen, weil über den Sachverhalt vermutlich der Lehrer eine andere Meinung hat als Frau H. Nur über den Schluß wollen wir berichten. Frau H. erzählt, daß sie plötzlich rücklings die drei oder vier Stufen einer Treppe hinabstürzte, die zur Haustür führt. Der Lehrer sei dann herabgelausen gekommen und habe eine Aeußerung zu ihr getan. Erst von dem Augenblick an, wo Frau H., nachdem sie sich aufgerafft hatte, auf die Straße hinaus- f langte, steht eine unbeteiligte Zeugin zur Verfügung. Eine rau, die draußen vorbeiging, versichert, daß Frau H. aus der Haustür heraus schreiend aus das Pflaster ge- fallen sei. Sie, die Zeugin, habe sofort den Eindruck gehabt, daß da drinnen etwas passiert sein müsse. Nachdem Frau H. von ihr aufgehoben worden war, traf vor dem Schulhaus ein Schutz- mann ein. Kurt war. als er gesehen hatte, daß das Hin und Her zwischen seiner Mutter und den: Lehrer immer lebhafter wurde, davongelaufen und hatte den Schutzmann herbeigeholt. Dieser fragte zunächst auf der Straße Frau H. aus und begab sich dann in das Schulhaus, um auch den Lehrer anzuhören. Als er zurück- kam, erklärte er dex Frau H., sie habe schuld. Seine Aufforderung, ihn zum Polizeiburcau zu begleiten, wurde von Frau H. abgelehnt. Warten wir ab, welche Folgen die Affäre noch haben wird. Alles, was da geschehe« ist, wäre vermieden worden, wenn der Lehrer oder der Rektor es als nötig erkannt hätten, den mit einer Verbrühung der Hand sich entschuldigen- den Knaben sofort selber zu einem Arzt zu schicken. Daß sie das nicht getan haben, darüber hat der Ärzt der Unfallstation seine Verwunderung ausgesprochen. Ueber die Handverbrennung sagt das uns vorgelegte Akt est:„Die Hand ist in Ausdehnung etwa eines Ein- und eines Zweimarkstückes der anfangs blascnförmig emporgehobenen Oberhaut beraubt, so daß die Hand an zwei Stellen tn genannter Ausdehnung wund ist und eine blutig-lymphatische Flüssigkeit absondert." Das Littest äußert sich.auch über die dem Jungen verabreichte Ohrfeige, erklärt aus ihr eine später aufgetretene Ltasenblutung und sagt:„Bei dem Er- scheinen dcS Kindes auf der Station ist noch frisches, nicht ein- getrocknetes Mpt in beiden Nasenhöhlen sichtbar." Der attestierende Arzt faßt die Ohrfeige als Mißhandlung auf und schließt:„Für die Mißhandlung kommt der Umstand erschwerend in Betracht, daß dem Schuldirektor bekannt war, daß K. H. ein tuberkulös verau- lagter und blutarmer, wiederholt wegen Nascnleidxns in BeHand- lung gewesener Junge Ist." Wir geben lediglich den Wortlaut wieder, ohne selber eine Gewähr dafür übernehmen z« können, daß dem Rektor das katsächlich bekamst war. Ob Kurt H. auch dem Schularzt als kränklich gilt und deshalb in besonderer ärzt- licher Ueberwachung ist, haben wir durch Befragung der Pflege- mutter nicht sicher feststellen können. Auch Frau H. hat nach- träglich sich von einem Arzt untersuchen lassen. Er hat ihr be- cheiingt, daß sie an Oberschenkel und Kniegelenk blaue Klecken, an .>en Händen Hautabschürfungen und in der Schläfenaeaend eine Anschwellung der Kopfhaut hat und über Schmerzen klagt. Ein neues Warenhaus in gewaltiger Ausdehnung ist gestern in der Königstraße durch die Firma A. Wercheim eröffnet worden. Der Bau erhebt sich an der Stelle, an der früher die Königs- kolonnaden standen-, er ist im Innern in der kostbarsten Weise aus- gestattet. Die Wände und Pfeiler dcS 612 Quadratmeter großen Lichthofes st»d bis zum dritten Stockwerk mit rotem ventianischen Marmor belegt. Die LebessmittelabteUung im vierte« Stock ist mit blanken Kachel« ausgelegt, auch in andere» öiäumeu, wie Putz- älon, Hutsalon, Erfrischungsraum ist upr erstklassiges Material zur Verwendung gelangt. Ilm das Haus rechtzeitig eröffnen zu können, lvar das weib- liche Perkaufspersonal in der letzten Woche bis 11 und 12 Uhr, Freitag sogar bis'A2 Uhr nachts beschäftigt. Wie uns initgeteilt wird, soll es für diese lieberarbeit Bezahlung nicht gebe». Wenn das richtig sei» sollte, so wäre das eine recht schlechte Einführung des ueuen Unternehmens. Kondenswasser läuft infolgedessen noch immer in einer Stärke von 1000 Liter in der Minute in die Baugrube für die Kreuzung der Spree. Zurzeit find dort fünf Kreiselpumpen unausgesetzt im Be- stieb und fördern die Wassermengen wieder aus der Baugrube in die Spree. Man ist gleichzeitig noch stnmer emsig bemüht, den gebrochenen Abzugskaual der B. E. 25. in der Klosterstraßc zu dichten und für einen anderen Abfluß zu sorgen. Zwei Baracke» sollen im Virchow-Krankenhcmse aufgestellt werden zur Aufnahme von an Scharlach, Diphtherie und Keuch- husten Erkrankter. Die Baracken werden vom preußische» Landes- verband des Roten Kreuzes gestellt. Ueber de« Mangel a« Rettungseinrichtunge» an der Götz- kowskybrücke wird in einer Zuschrift aus unserem Leserkreise ge- klagt. Dieser Mangel sei deutlich in Erscheinung getreten, als dieser Tage ein dreizehnjähriger Schüler rns Waffer gesprungen sei und gerettet werden sollte. Weder RettungSkahn noch Rettungs- ring waren vorhanden. Ein Beamter mußte sich einen Arbeits- kahn leihe», den Arbeiter benutzten, die Arbeiten an der Brücke ausführten. Dieser Kahn war auch nicht gerade ideal. Um vor- wärts zu kommen, mußte als Pätschel eine.Kohlenschaufel benutzt werden— und es war noch ein Glück, daß der Knabe trotz aller Schwierigkeiten gerettet werde» konnte. Est, Opfer seine? Berufes wurde am Donnerstag der Masch,- „ist Kahlert in einem in der Wilmersdorfer Str. 63/64 befind- licheu Betrieb der Komwerz- und Diskontobank. Durch Abreißen eines Ventils von einer provisorischen Dampfleitung, welche unter 10 Atmosphären Druck stand, wurde K. so schwer verbrüht, daß er „och in der folgenden Nacht im Krankenhause verstarb. In dem betreffenden Betrieb ist manches verbesserungsbedürftig, und es wäre sehr zu wünsche«, wenn die Aufsichtsbehörde die Anlage einer gründlichen Untersuchung unterzöge. Ein aufregender Automobilnnfall ereignete sich vorgestern abend in der Brunnenstraße. Beim Überschreiten des Fahr- dammes geriet eine ältere etwa L0jährige Dame in die Gefahr. von einem Geschäftswageu überfahren zu werden. In dem Be- griff, sich rückwärts in Sicherheit zu bringen, rannte die Paffantin gegen eine Automobildroschle und wurde umgerissen. Die Hinter- räder des schweren Kraftwagens gingen der Bedauernswerten über beide Beine hinweg. In besinnungslosem Zustand wurde die Ver- unglückte„ach dem Virchow-Krankenhaus gebracht. Außer Bein- brüchen hat sie sich beim Sturz anscheinend auch erhebliche innere Verletzungen zugezogen. Einen grausigen Kund machte gestern die Frau eines Kauf. mannes aus der Bergmannstratze in der Kammer ihres Mädchens. Sie vermißte eine Waschschüssel, die sie nur selten gebrauchte, suchte nach und fand sie endlich in der Mädchenkammer unter dem Bett. Zu ihrem Schrecken entdeckte sie darin est, Paket, das die Leiche eines neugeborenen Knabe» enthielt. Zur Rede gestellt, gab das Dienstmädchen zu, daß es am Bußtage, wenige Tage nach dem Dienstantritt, geboren habe. Das Kind sei aber gleich tot gewesen. Die kleine Leiche wickelte die Mutter, tue sich nicht traute, sich zu offenbaren, in Tücher, Unterröcke und Hemden ein, legte sie dann in die Waschschüssel und verbarg sie mit dieser unter dem Bette, wo sie sie stehen ließ. Nach einer ärztlichen Untersuchung, wurde das Mädchen, ein« 10 Jahre alte Else Franz» unter dem Verdacht des Kindesmordes verhaftet. Erschossen hat sich der 24 Jahre alte Handlungsgehilfe Alfred Mamnitsch aus der Landsberger Str. 102. Seine in Dresden wohnende Braut hatte ihm den Abschied gegeben, weshalb der junge Mann sich den Tod gab.—- Mit Gas vergiftet hat sich die 38 Jahre alte Frau des Droschkenführers Schulz aus der Schöning- straße X% I« einer Autodroschk« erschösse« hat sich am Freitagabend ein junger Mann, der sich vom Opernhause nach der Ziegelstraße fahren lassen wollte. Feuer bei H«g» Baruch«. Cie. Sin großes Schadenfeuer, durch das wertvolle Theatcrausstattungen vernichtet wurde», brach gestern früh kurz nach 7 Uhr bei der bekannten Theaterausstatwngsfirma Hugo Baruch u. Cie. in der Alten Jakobstr. 133 aus. Die Firma benutzt das ganze zweite Qvergebäude z» Atelier- und Lagerzwecken. Im zweiten Stock dieses Gebäudes wurden zurzeit die Ausstattungeu zu der Rcinhardtscheu Pantomime„The miracle", die in der Weihnachtszeit in der Ochmpia in London ausgeführt werden soll, ferner die Ausstattungen zur neuen Panto» mime im Zirkus Schumann und zu de»„Meisterjängern" inr Dresdener Hofrheater angefertigt. Auch Stücke der Kurfürstenaper waren dort in Arbeit. Das Feuer entstand dadurch, daß ein Lehr- ling beim Anzünde« von Gasflamme» nicht vorsichtig genug war. An dem offenen Gaßanzünder fingen Kleidungsstücke Feuer, und bei dem leicht brennbaren Material griffe» die Flamme» schnell um sich. In wenigen Minuten bildete» zwei große Ateliers«in Feuermeer. Die sofort alarmierte Feuerwehr rückte mit dem Löschzug aus der Hauptfeuerwache i« der Lindenstraße an und ging unverzüglich mit zwei Schlauchleitungen, die von der Dampfspritze gespeist wurden, bor. Trotzdem konnte nicht verhütet werden, daß die beiden Ateliers im zweiten Stock vollständig ausbrannten. Die obengenannten Ausstattungen sind teilweise zerstört, so daß sich der Schaden nach oberflächlicher Schätzung des Inhabers auf über 100 000 M. belauft. Das im ersten Stock untergebrachte Roh- matcrialienlagxr ist unversehrt gebliebe». Eine Betriebsstörung wird bei der Firma nicht eintreten, da genügend.Reserveräume vorhanden find. Unter den verbrannten Stücken befinden sich auch viele echte Originale, die nicht zu ersetzen sind. Erst nach zwei- stündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Auch der Schaden am Hause ist erheblich. Wie erinnerlich wurde die Firma Hugo Baruch u. Cie. erst vor einigen Jahren, als sie sich noch im Jakobshof in der Alten Jakobstraße befand, von einem Großfeuer heimgesucht. Für Kutscher ist folgende Bekanntmachung des Polizeipräsidenten von Interesse. Nach der Polizeiverordnung vom 31. August 1011, welche am 1. Januar 1012 in Kraft tritt, sind bei Pferdegespannen von Last«, Arbeits- und Gelchäftswagen die Sielengeschirre mit einer Halsloppel zu versehen, welche ans beiden Seilen des Halses der Pferde je durch einen Riemen mit der Mitte des Stranges sivo der ÄuiMiretdeckeltttl mit dem Strange m Verbindung kommt) und außerdem auf dem Rücken des Pferdes mit dem Halsriemeu ver« buuden wird: Kü,u»,etgeschirre sind mit einem einfachen Riemen, welcher das Kummet mit dem Sprenggurt oder Kummctdeckel ver- blichet, zu»ersehe«. Der Gesangverein Liedertafel Berli»-West veranstaltet heute abend 7 IsHr im„Gesellschaftshaus des Westens" in Schöncberg eine Wiederholung seines Blüthnerkonzerls. ES wirken dieselben Künstler wie im Blüthnersaal mit und verspricht der Verein Musik- und Sangesfreunden einen genußreichen Abend, Eintritts- karten«m der Abendkasse loste« 00 Pf. Arbeiter-Bftdnnssfchule. Heute abend, 7 Uhr, im„Englischen. t Garten", Alexanderftr. 27c. Vortrag de» Redakteurs Genossen Der AbzugSkanal der B. E. W. in der Rathausstraße hat auch Emil Dittmer über: �Rückblicke auf die Dresdener Hygieneaus- ist der letzten Stacht noch nicht verstopft iveriden können. Das heiße I Peilung", Nahlksmpk In niedtrbärnlm. Rummelsburg. Mit einer von zirka 1000 Personen, darunter sehr viel Frauen. besuchten Veriammlunk! im Cafo Bellevue wurde- am Donnerstag am hiesigen Orte der Wnhlkampf eröffnet. Das ausführliche Referat, welches der Abgeordnete des Kreises, Genosse Ariur Stadthagen hielt, wurde mit Reichem Beifall belohnt. Eine Diskussion fand nicht statt. Folgende emgelaufene Resolution fand einstimmige Annahme: Die am 30. November im Cass Bellevue tagende Volksversammlung nimmt mit Erliriistung Kenntnis von der volksschädigenden Politik des Deutschen Reichstages. Die anwesenden' Männer uNd Frauen sehen als einzige Rettung au» dieser- die arme, und minderbemittelte Bevölkerung ausbeutenden Politif deS Deutschen Reichstages die Be- seilignng deS schivarz-blauen Blocks und erklären, bei der kommenden ReichSragswahl dem Kandidaten der sozialdemokratischen Partei ihre Stimme'zu geben. Der Vorsitzende Genosse Berger forderte sodann die Anwesenden zum Eintritt in- die politische und gewerkschaftliche Organisation sowie zum Beitritt in die Konsumgenossenschaft auf. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie fand hieran' die Versammlung- ihr Ende. Reinickendorf-Ost» Mit einer gutiesuchten öffentlichen Versammlung eröffneten die Genossen am letzten � Donnerstag den Reichstagswahlkampf. Der Referent, Genosse Ströbel, erinnerte einleitend' an daS kurz nach Zusammentritt des jetzigen Reichstages vyn liberaler Seite''gefallene Wort:'.Nun erst recht' Sozialpolitil", um anschlietzend daran zu skizzieren, wie oigeuartig sowohl' der libdral-kouservaiive. � als auch der schwarz-blaue Schnqpsbsock dieses Veripxecheu eingelost chaben Statt Sozialpolitik, sei Ausplünderung der Armen die Lpsung- der Mehrheit des Reichstages geivesen. Die Abgabe einer grosjen Zahl Stimmen für die Sozialdemokratie am Tage �der Wahl sei der nachdrücklichste. Protest. gegen diese AuspUlliderungs polifik, sowie gegen alle Kriegsgelüste und gegen z die Vorl bereitung der Kriege: der ständigen Verstärklmg von Heer,' Marine und Luftflotte. Schon drohen als einziger Erfolg des Marokkokonfliktes eine Verstärkung, der Flotte mrd damit dem Volke eine neue erhöhte Steuerlast/ Dem nsit lebhaften Beifall.�aufgeilopmieneli Referat folgte.eine kürze. Ansprache des Versammlungsleiters, in- der er die Versammelten nochmiils' zu reger, eifriger Mitarbeit an den Wahlarbeiten und zu lebhafter Propaganda für die /Sozialdemokratie aufrief. Wenn jeder einzelne seine Pflicht erfülle, könne der Erfolg nicht ausbleiben, und das sef der S j e g der Sozialdemokratie, e»n Schritt auf dem Wege der Befreiung der Arbeiterklasse als Werk der Arbeite» selbst.. Wilhelmsruh. In einer imposanten, von etwa. 700 Personen. Besuchten öffenb lichen Versammlung sprach im Lokdl von Deutschinanst der sozial- demokratisch« Kandidat des Kreises Genosse S t a dt h a g e n über da? Thema:.Teuerung,- Kriegshetze sind die RetthslagSwahl" Lange vor Beginn der Versammlung war das geräumige Lokal dicht hesetzt. In packender-zweistündiger, öster von stürmischem Beifall unterbrochener Rede führte der Redner den Anwesenden die Sünden des schwarzblaüen Blycks vor Augen. Anwesende Gegner meldeten sich ntcht zrim Wort. Genosse K o s s e r t forderte die Anwesenden noch auf, einzutreten in die Parteiorganisation, die bürgerliche Presse aus dem Hause. zu weisen und überall-zu agitier»» für unseren Kandidaten. Ein Hoch auf die Sozialdemokraite beschloß die im« posante Versammlung.., Vorort- �ackmcbten. Wilmersdorf-Haleusee. 5....... Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen. Endlich ist auch in Wilmersdorf das OrtS statu! erlassen Wörden, das Lze Sonntagsarbeit vom 1. Januar nächsten Jahres ab einschränkt. Es dürfen danach in offenen Verkaufsstellen des Handclsgewerbes Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September nur von 8 bis 10 Uhr vor- mittags und in der Zeit vom l. Oktober bis 30.' April nur von 12 bis 2 Uhr mittags beschäftigt werden. Der Wert dieser Ein- schränkung wird dadurch beträchtlich herabgemindert, daß sie auf deir Handel mit Nah run gs- und G e n u i t t e l n ein- schlieHich des Zigarren- und B l u m e n h a n-d e l s keine An- wendung findet.- Lichtenberg. Stadtverordnetenversammlung. Nachdem die Arbeiterschaft durch Einführung der Jugendausschüsse und Bereitstellung von Mitteln eine planmäßige Durchführung der Bildun'gsbestrebungen der Arbeiterjugend ermöglicht hat, erscheinen auch unsere Bürger- lichen mit der Regierung an der Spitze, um die- so arg gefährdete Jugend- aus den Händen der Umstürzler zu befreien und sie zu lammfrommen Patrioten zu erziehen. Auch in Lichtenberg sollen aus den Reihen der Schulentlassenen Jugendklubs gebildet werden., Unsere Genossen Spieckwrmann, und K e r tz s ch e r wiesen darauf hin, daß,-wenn hierfür Gelder bewilligt werden sollen, es notwendig sei, vorher durch ein Regulativ die, Richtlinien festzusetzen, damit die Jugendlichen nicht einseitig beeinflußt werden können. Bei der Abstimmung wurde das von unseren Ge- noffen beantragte Regulativ abgelehnt und'alsdann 2000 M. zur Ausgestaltung- der Jugendpflege bewilligt. W'e warm in Wirk- lichkeit die Herzen der Bürgerlichen für unsere Jugend schlagen, zeigte sich in eklatanter- Weise beim folgenden Punkt. Dem Verein Lichtenberger. Frauenhilfe werden pro.Jahr fOOO M., sagte und schreibe e.i,n tau send Mark, für die Speisung armer Schul- linder zur Verfügung gestellf. Unsere Genossen hatten bisher jedes Jahr leider vergeblich beantragt,, die Speisung selbst in die Hand zu- nehmen resp. der sozialen Kommission zu überweisen und Mindestens 3000 M.' dazu bereitzustellen. In diesem Jahre tritt nun der Berein selbst an die Stadt heran unb beantragt, den Zu- schuß zu. erhöhen. Von den Genoffen H'e ck e r t und Düwell wurde nachgewiesen, daß nicht jedes bedürftige Schulkind Früh- stück erhalte, sondern jetzt unter diesen noch eine Auslese statt- findcg es sei uiindesteils notwendig, den vom Magistrat beantragten Nachtrag von 200 M- auf 500 M. zu- erhöhen. Die bürgerliche Mehrheit stimmte jedoch geschlossen dagegen,' mit Ausnahme des Herrn Dr. Vokofzcr, welcher durch seine ärztliche Praxis jedenfalls wiederholt-die Unterernährung der'Arbeitechkinder festgestellt hat. — Die auf wiederholte Anträge unserer Genossen im April d.-I. endlich eröffnete. Fortbildungsschule erfreut/ sich eines derartigen Zuspruches, daß ein großer Teil Klassen mehr gebildet werden mußten, als vorgesehen war. Die hierdurch bedingte Etatsübcr- schöeitung in Höhe von 2500 M. wurde bewilligt. Der mit dem Pächter des hiesigen Änschlagwesens abgeschlossene Vertrag sieht vor/ daß bei jeder 15. Säule ein Kopfaufsätz.'niit einem Uhrwerk anzubringen ist. An dieser zeitgemäßen Einrichtung hat bisher die Bevölkerung wenig Freude gehabt, da /die betreffenden Uhren meistens stillständen. Die Versammlung beschließt nunmehr, den Pächter Holzhäuser von diesem'Teil seines Vertrages zu entbinden; .zugleich ermächtigte sie die Stadtverwaltung, mit der Gesellschaft „Normalzeit" ein Abkommen bezüglich der Uhren zu treffen.— Alsdann folgte nych eine geheime Sitztmg.' Schöneverg. j. Die Sonntagskonzerte im Schöneberger Stadtpark fallen der ungünstigen Witterung wegen bis auf weiteres aus. Eine Jugendschriftcn-AuSstellung findet quck in diesem Jahre wieder im Tunnel von Großer, Meininger Str. 8, statt. Die Aus- stellung, auf der nur gute Bücker und Spiele für alt und jung zum Berkachs gelangen, ist geöffnet heute Sonntag. 3., 10.. 17. und 24. Dezember nachmittags von 5—8 Uhr, und am S., 16. und gy. Dezember abends von 7—9 Uhr. Es wird ersucht, daß die Genossen'mit ihren Familien die Ausstellung befichtigen und auch in ihren Bekanntenkreisen von derselben Mitteilung machen. Be- stellungen gebe man so früh als möglich auf, damit die Arbeiten in den letzten Wochen besser bewältigt werden können. Charlottenburg. Schwer betroffen wurde eine arme Portierfrau, di« auf dem Wege von der Krumme- bis zur Fritschestraße ein Portemonnaie mit 60 M. verlor. Da das Geld nicht Eigentum der Frau war, hofft dieselbe. daß der Finder das Geld bei Jakob Kautz, Friseur, Pestalozzistr. 83 wohnhast, abgibt.. Weißensee. Bei der Gewerbegerichtswahl für die Arbeitgeberbeisitzer er- hielten Stimmen: Im 1. Bezirk: Gegner 3l, Liste des Kartells 17; im 2. Bezirk: Gegner 27, Liste des Kartells 41; im 3. Bezirk: Gegner 57, Liste des Kartells 21; im 4. Bezirk: Gegner 9, Liste des Kartells. 5. ' Zum ersten Male siegte in einem Bezirk die Liste des Ge- Werkschaftskartells. Es sind in diesen Bezirk vier Beisitzer gewählt. Die Axbcitnehmer werden nochmals ersucht,, am heutigen S.onntag, den 3. Dezember d. I., in der Zeit von 1 bis. 3 Uhr vollzählig zur Wahl zu erscheinen. Daeschner, Sedanstraße 50. Bauinschnlenweg- Niederschöneweide. Die Kunst dem Volke! Von diesem Grundsatz ausgehend, Hai der„Deutsche Arbeitersängerbunb", Gau Berlin und Umgegend, in letzter Zeit sein Augenmerl auf Bildung größerer Chöre ge- legt. Nur ein � größerer Chor wird im Gesang etwas Hervor- ragendes leisten können. Bis jetzt sind diese Bestrebungen von besten Erfolgen gekrönt worden. Um auch der Arbeiterschaft von Banmschulenweg und Nieder-Schöneweide in gesanglicher Beziehung nur' gutes zu bieten: haben sich die Vereine ,:LiedeSfreundsch3> fct Ü» ld» Puppenwagen, Klndermöbel, alle Korbwaren, Klnderschlltten, Trlumphstöhle, Kinderpulte, Klnderbreaks, Strassenrenner, METZ N E Leiter-, Kastenwagen, Kinderwagen, Metallbettstellen. �METZNEW orösstes Speziaihaus ÄBiIreasstr. 23- BfttnBcnsir. 95- Beusselstr. 67- leipziger Str. 54- Rlgdori, Bergstr. 1 33. Orüssta« Spaziaikau» 3 bis 5 Pfennig- Mit Gold-Mundstücl;— Ohne Mundstück— Mit Mundstück •j'rl 7. yti' cm m Man verlange deshalb überall die Marke„Haloppi" Kronen- 3»10 Suppen beste und kräftigste pf Hausmannskost Kronen- Sil 20 Bouillon Nur echt mit der Krone! Lassen Sie sich keine andere Marke ausreden! wie bekannt feinste ----- Qualität«SS Jedes Wort 10 Pfennig. Dal fettgedruckte Wort 20 Ptg.(zulässig 2 leitgedruckte Worte), Steltengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pia-: das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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