Ur. 284. Abonnements-Bedingungen: Hfionncmemä■ Preis pränumerando i Bicrtcljährl. 3,30 27!!., monatl. 1,10 Ml,, wöchenllich 23 Pffl. frei ins Hau?. Cinjelne Nummer 6 Psg. Sonnlags. »ummer mil illustrierlc: Sonntags. Beilage»Die Neue Well' 10 Pfg, Post- ilbonnemcnl: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post. Zcitunas. Prei-Iistc. Unter Kreuzdand für Dcutichiand und Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für daS übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. PostabouneuientS nehmen an: Belgien, Däncniar!, Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. Die TnlertlonS'GebObr bekägl für die fechSgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum eo Pfg.. für politische und gewcrlschaftlichc Vereins» und Versamnilungs-Anzeigen 80 Pfg. „kleine Hnseigcn", das fettgedrulfle Kort 20 Pfg, izulässig 2 fettgedrnclle Wortes, ledcs weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellrnan» zeigen das erste Won 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 13 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächlic Nummer»iülscn bis t> Uhr»achmillags in der Expeditivii «pgegcben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abenos geöffnet Vlchelnl tZgllch suLcr tRontaat. Devlinev Volksblatt. Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Delegramm• Adresse: „Sszialdcniolirat Berlik*. Redahtion: SÖQ. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt ivkoritzplay, Nr. tildiZ. Oer Wahlkampf im rheinisch- mittälilchen?ntlustriebe?irk. 11. Sind im ersten Artikel die Wahlkreise im engeren Industriegebiet betrachtet, so soll im zweiten Artikel die Lage in den Kreisen des größeren rheinisch-westfälischen Industrie- bezirks geschildert werden: An die besprochenen Wahlkreise Dortmund-Hörde und Bochum-Gelsenkirchen grenzt der Wahlkreis.Hagen-Schwelm. Die in den Augen der Anhänger Eugen Richters einst uneinnehmbare Hochburg des Freisinns ist schon fast seit einem Jahrzehnt stark durch die Sozialdemokratie gefährdet. Bereits bei der Wahl im Jahre 1öV3 erhielt in der Hauptwahl der sozialdemokratische Kandidat mit 13 87V die Nl e ist e n Stimmen, wohingegen die Freisinnige Volks- Partei es nur auf IV 572 Stimmen brachte. Außerdem er- hielten die Nationalliberalen 5786, das Zentrum 4526, die Christlichsozialen 1855 und der Pole IV1 Stimmen. Bei der Wahl im Jahre 1VV7 kandidierte für den verstorbenen Abge- ordneten Richter der Oberbürgermeister der Stadt Hagen. C u n 0. Tie Nationalliberalen verzichteten auf eine eigene 5?aiididntur. Cuno erhielt in der Hauptwahl infolge- dessen 18V32 Stimmen. Auf den sozialdemokratischen Kan- didaten Mar König-Dor.tmund entfielen 17 579, während das Zentrum es nur auf 5V44, der Christlichsoziale auf 1682 und der Pole auf 197 Stimmen brachte. In der Stichwahl siegte, obwohl das Zentrum sich als Aequivalent für die sozialdemokratische Unterstützung in Hamm-Soest verpflichtet hatte, König zu wählen, durch Zentrumsslimmen der freisinnige Kandidat mit 22 6V7 Stinnnen. König erhielt 20 67V. Die Parteikonstellation ist diesmal eine andere. Für die Sozialdemokratie kandidiert wieder König-Dort- mund. Herrn Cuno sind dahingegen die Trauben anschei- nend zu sauer. Nachdem er durch seine parlamentarische und außerparlamentarische Tätigkeit den Freisinn reichlich kom- promittiert hat. hat er auf eine nochmalige Ausstellung groß- mütig Verzicht geleistet. Nach langem Suchen hat die Fort- schrittliche Volkspartei schließlich den Landtagsabgeordnetcn Dr. Crüger-Charlottenburg als Kandidaten er- koren. Tie übrigen Parteien, die Nationalliberalen, das Zentrum und die Christlichsozialen, haben einen g e- m e i n s a m e n Kandidaten in der Person des natio- nalliberalen Industriellen S p ringmann-Hagen auf- gestellt. Diese Kandidatur dürfte aus einer starken Vcrärge- rung geboren sein, weil sich die genannten Parteien bei den Stadtverordnctenwahlen in Hagen durch den Freisinn benach- teiligt fiihlen. Trotz eifrigster Agitation dürften die vereinigten Parteien mit der unpopulären Kandidatur Spring- mann Fiasko machen. Andererseits haben sich weite Kreise der Arbeiter, die sich einst mit Haut und Haaren dem Frei- sinn verschrieben hatten, von dieser Partei abgewandt. Im Kreise Hagen-Schwclm bilden die Metallarbeiter das Gros. Eine Reihe Lohnkämpfe, in denen sich das Unternehmertum und die hier noch vielsach vertretenen mittleren Fabrikanten in ihrer ganzen Brutalität gezeigt haben, haben den Arbei- tern die Augen darüber geöffnet, daß die Harmonie der Interessen zwischen Unternehmern und Arbeitern ein leerer Wahn ist. Ter prozentuale Anteil der sozial- demokratischen Stimmen betrug schon bei der letzten Wahl 41,3 Proz. Seitdem hat die Organisation erhebliche Fort- schritte gemacht. Hagen-Schwelm dürfte für die Sozial- dcmokratie reif sein. Auch der Nachbarwahlkrcis Jscrlohn-Altena galt zur Zeit des Justizrats L e n z m a n n als einer der zuverlässig- sten Kreise des Freisinns, und doch ging der Kreis schon in der Ersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten Lenzmann an die Sozialdemokratie verloren. Bei der letzten Reichs- tagswahl errangen die Freisinnigen mit Hilfe der National- liberalen und der Christlichsozialen das Mandat wieder. Die Sozialdemokratie war schon 1903 die stärkste Partei im Kreise. Damals wurden abgegeben: für die Sozial- demokratic 10146, für den Freisinn 7737, für die Nationallibcralcn 7440. fiir die Christiichsozialcn 1457 und für das Zentrum 6604 Stimmen. Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielt der freisinnige Kandidat mit der schon erwähnten Unterstützung l9 152, die Sozialdemokratie 12129 und das Zentrum 7785 Stimmen. In der Stickstvahl siegte der Frei- sinn mit 21 061 Stimmen über den Sozialdemokraten, auf den 15 825 Stimmen entfielen. Für die bevorstehende Wahl ist in den letzten Tagen zwischen der Fortschrittlichen Volkspartei und der national- liberalen Partei folgende Vereinbarung getroffen: „Die fortschrittliche Volkspartei unterstützt bei den nächsten Reichstagswahlcn im ersten Wahlgange die nationallibcralen Kandidaten in Dortmund-Hörde und Bochum-Gelsenkirchen und verpflichtet sich außerdem, bei den nächsten Landtagsmahlcn in Altcna-Jserlohn für die uationalliberalcn Kandidaten einzutreten, während die notionalliberole Partei im Reichstagswahlkreise Altena-Jscrlohn im ersten Wahlgange für den fortschrittlichen Kandidaten eintritt." Die Unterstützung der nationalliberalen Kandidaten in Dortmund-Hörde und Bochum-Gelsenkirchen durch die Fort- schrittliche Volkspartei hat nicht allzuviel zu bedeuten, denn in beiden Kreisen sind die Fortschrittsleute ziemlich spärlich. Wichtiger ist schon die Unterstützung des fortschrittlichen Kan- ddaten durch die Nationalliberalen im Kreise Iserlohn- Altena. Die wirtschaftliche Struktur des Kreises ist der des Hagener Kreifes ähnlich. Vorherrschend ist die Kleineisen- industrie. Auch im Kreise Jserlohn-Altena sind erbitterte Lohnkämpfe geführt. Was in bezug auf diese über Hagen- Schwelm gesagt ist, gilt auch hier. Im Gegensatz zu Hagen haben die Genossen in der Lüdenscheider„Volksstimme" ein eigenes Organ. In einer ganzen Reihe von Orten haben wir sozialdemokratische Stadtverordnete bezw. Gemeindevertreter. Zudem hat die Organisation an Mitgliedern und die Presse ' an Abonnenten in den letzten Jahren gut zugenommen. Unsere Genossen täuschen sich nicht darüber, daß der Kampf heiß werden wird, aber sie ziehen mit froher Zuversicht in diesen Kampf. Im Westen grenzt an Hagen-Schwclm der Wahlkreis Elbcrseld-Barmen. Elberfeld-Barmen ist eine h i st 0 r i s ch e Stätte des Sozialismus. Schon im Norddeutschen Reichstag war der Kreis durch einen Sozialdemokraten ver- treten. Die Sozialdemokratie hat den Kreis ferner inne- gehabt von 1874— 77, von 1878— 81 und dann ununterbrochen von 1884 bis zu den Januarwahlen 1907. Im Rausche der Hottentottcnbegeistcrung siegte damals Oberlehrer Linz- Barmen über unseren Genossen Molkenbuhr. Das Stimmenverhältnis stellte sich bei der Hauptwahl 1907 bei einer Wahlbeteiligung von 92,1 Proz. wie folgt: So- zialdemokratie 28 256, Reichspartei 14 157, National- liberalen 13 214 und Zentrum 6079 Stimmen. In der Stichwahl siegte Linz mit 33 628 Stinrmen iiber den Ge- Nossen Molkenbuhr, der 29 469 Stimmen erhielt. Bei der Wahl im Jahre 1903 siegte Molkenbuhr im ersten Wahlgang mit 27 056 Stimmen, gleich 51,1 Proz. der abgegebenen Stimmen. Für die Sozialdemokratie kandidiert diesmal der Ge- nosse E b e r t vom Parteivorstand. Wenngleich auch die Geg- ner verzweifelte Anstrengungen machen, so bedarf es doch keiner Frage, daß die Elbcrfelder Genossen das Mandat der Partei zurückerobern werden. Auch der Nachbarwahlkreis Lennep-Mcktinann-Remscheid ging der Sozialdemokratie bei den Hotten�ttenwahlen ver- loren. Lennep-Mettmann-Remscheid wurde im?torddeut- schen Reichstag gleich Elberfeld von der Sozialdemokratie vertreten. Wir haben das Mandat dann noch besessen von 1893—95 und von 1903—1907. Bei der Wahl im Jahre 1903 entfielen 49,1 Proz. der bei der Hauptwahl abgegebenen Stimmen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, den ver- storbenen Genossen Karl M e i st. Bei der Wahl im Jahre 1807 siegte der Kandidat der Freisinnigen Volkspartei. Pro- sessor Richard Eickhoff. An Stimmen erhielten: die So- zialdemokratie 21 371(1903 21 802), die Freisinnige Volkspartei, für die gleich im ersten Wahlgange die National- liberalen stimmten, 16 660, die Christlichsozialen 7065 und das Zentrum 6259. In der Stichwahl unterlag unser Kan- didat mit 23 002 Stimmen, Eickhoff erhielt 28 585 Stimmen. Für die Sozialdemokratie kandidiert Genosse Dittmann- Solingen. Tie Genossen von Lennep-Mettmann-Remscheid werden den bürgerlichen Parteien bei der kommenden Wahl zeigen, daß ihr Sieg von 1907 ein Pyrrhussieg war. Zu dem sicheren Besitzstand der Sozialdemokratie ist der Wahlkreis Solingen zu zählen. Ter Kreis wurde zum ersten Male im Jahre 1877 von uns erobert. Die Sozialdemokratie hat das Mandat dann von 1881— 1899 und seit 1903 wieder besessen. Bei der Wahl 1903 entfielen mit 17 225 Stimmen 57,1 Proz. der abgegebenen Stimmen auf den sozial- demokratischen Kandidaten. Die gesamten Geg- ner erhielten nur 14 407 Stimmen. Auch bei der Wahl im Jahre 1907 behauptete die Sozialdemokratie mit 19 589 Stimmen das Mandat im ersten Wahlgange. Tie National- liberalen erhielten 10 833, das Zentrum 7992 Stimmen. Die Wiederwahl des Genossen S ch e i d e in a n n steht auch dieses Mal wohl außer Frage. Als nächster würde der Wahlkreis Düsseldorf zu be- trachten sein, in dem erst vor Wochen für den verstorbenen Zentrumsabgeordncten Kirsch die Ersatzwahl stattgefunden bat. Die Hauptmomente aus dieser Wahl dürften noch in aller Erinnerung sein. Der Kreis ist seit 1871 im Besitz des Zentrums, das ihn bis zum Jahre 1890 stets im ersten Wahl- gang behauptete. Seitdem findet Stichwahl zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokratie statt. Ter Kreis, in dem die Industrie im letzten Jahrzehnt gewaltige Fortschritte ge- macht hat, zählte 1907 rund 105 000 Wahlberechtigte, 61 Proz. der Bevölkerung sind katholisch. Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielten Stimmen: die Sozialdemokratie 25 389, das Zentrum 29 259, der Kandidat der„Liberalen Vereinigung" 14664, der Pole 268 und die Freisinnige Volks- Partei 593. Die Stiinmen des Kandiaten der„Liberalen Vereinigung", eines höchst sonderbaren Gebildes von rechts- und linksliberalen Leuten, stiegen unter der allgemeinen „nationalen" Begeisterung um rund 100 Proz. In der Stichwahl siegte das Zentrum mit 33 317 Stimmen gegen 25 233 sozialdemokratische. Am 19. September dieses Jahres erhielten dann Stiinmen: der sozialdemokratische Kandidat, Genosse H a b e r I a n d, 34 071. das Zentrum 29 291, die Demokratischen Vereinigung 3315, der Kandidat eines„natio- nalen Wahlausschusses" 3148, der Pole 329. In der Stich- Expedition: 8Al. 68, �.indenstrasse 69» Fcrnspiccher: Ann Mortnplatz, Nr. 1984. wähl siegte Haberland mit einer Mehrheit von 3153 Stim- men über den Zentrumskandidaten. Die Sozialdemokratie erhielt 39 264, das Zentrum 36111 Stimmen. Die söge- nannte„Liberale Vereinigung" hatte bei der Ersatzwahl keinen Kandidaten ausgestellt. Es kann deshalb wohl nicht zweifelhaft sein, daß namentlich einige linkslibcrale Elemente schon in der Hauptwahl sozialdemokratisch gewählt haben. � Groß kann aber diese Zahl— wie das Düsseldorfer Partei- blatt überzeugend nachgewiesen hat— nicht gewesen sein. Der stattliche Stimmengewinn, den die Ersatzwahl gegen 1907 uns mit 8682 Stimmen brachte, kann in der Hauptwahl demnach auf unser eigenes Konto gebucht werden. Daß das Zentrum bei der diesmaligen Wahl verzweifelte Anstrcn- gungcn machen wird, um die Septcmberschlappe wieder wett- zumachen, ist ganz selbstverständlich zu erwarten, anderer- seits werden aber auch unsere Genossen alles daransetzen, das errungene Mandat in Ehren zu behaupten. An der Peripherie des rheinisch-westfälischen Industrie- bezirks liegt zwischen Düsseldorf und Duisburg der Wahl- kreis Krefeld. Die Bevölkerung istz zu 81 Proz. katholisch, aber trotzdem hat auch die Sozialdemokratie im Kreise Krc- feld festen Fuß gefaßt. Das Mandat ist seit 1871 im Besitz der Zentrumspartei. Bei der Wahl 1907 erhielt das Zcn- trum 15 964 Stimmen, die Sozialdemokratie 8617, die Nationalliberalen 6202. Das Zentrum dürfte dieses Mal das Mandat schwerlich itt der Hauptwahl behaupten. An den Kreis Solingen grenzt im Süden der Wahlkreis Mülheim-Rhein-Wipperfürth. Auch hier macht die Jndu- strialisicrung gewaltige Fortschritte. Der Kreis, den das Zentrum seit 1874 besitzt und 1907 mit knapper Majorität im ersten Wahlgang behauptete, mußte vom Zentrum bei der Nachwahl im Februar 1910 gegen die Sozialdemokratie ver- teidigt werden. Bei der Wahl im Jahre 1907 stellte sich das Stimmenverhältnis wie folgt: Zentrum 19 958, National- liberale 11 218, Sozialdemokratie 8538. In der Nachwahl entfielen auf das Zentrum 20 376, auf die Sozial- demokratie 10 924 und auf die Nationalliberalen 8465 Stim- men. Die Stichwahl brachte dem Zentrum mit 21 496 gegen 13 385 sozialdemokratische Stimmen den Sieg. Bei einer Bevölkerung, die zu 69 Proz. katholisch ist, ist dies Wahl- crgcbnis immerhin durchaus beachtenswert, und auch die diesmalige Wahl wird erneut dartun, daß die Sozialdemo- kratie auch in überwiegend katholischen Gegenden siegreich vordringt. Als letzte Kreise im Westen des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirkes wären dann noch die beiden Kreise Köln- Stadt und»Köln-Land zu erwähnen. Beide Wahlkreise sind seit dem Jahre 1871 im Besitz des Zentrums. Die Bevölke- rnng ist in Köln-Stadt zu 78 Proz., in Köln-Land zu 86 Prozent katholisch, aber trotzdem ist die Sozialdemokratie in beiden Kreisen unaufhaltsam vorwärts geschritten. In Köln- Stadt mußte das Zentrum bei der letzten Wahl sein Mandat gegen die Sozialdemokratie in der Stichwahl verteidigen. Es entfielen daznals in der Hauptwahl Stiinmen: auf die Sozialdemokratie 15 661, auf das Zentrum 17 859 und auf die Nationalliberalen 10 844. In der Stichwahl er- hielt die Sozialdemokratie 18 731, das Zentrum 22 009 Stimmen. Den Kreis Köln-Land behauptete das Zentruni 1907 im ersten Wahlgange mit 27 910 Stimmen, gegen 17 310 Stimmen der Sozialdemokratie. Die National- liberalen erhielten 7675 Stimmen. Die Parteikonstellation dürfte im wesentlichen für die bevorstehende Wahl die gleiche sein, in Köln-Stadt werden auch die Demokraten einen eigenen Kandidaten aufstellen. Für die Sozialdemokratie kandidieren in Köln-Stadt Genosse Hoffrichter, in Köln-Land Genosse Gilsbach. Zwischen der letzten Wahl und heute liegen fünf Jahre intensiver Agitation und Pro- paganda unserer Genossen. Namentlich unsere Presse hat seit der letzten Wahl erheblich an Abonnenten gewonnen. Dazu kommt das unendlich große Schuldkonto des Zentrums. Die kürzlich stattgefundenen Kölner Stadtratswahlen können einen Maßstab fiir die Neichstagswahlen nicht abgeben, weil bei den ersteren eine Reihe eingemeindeter, fast ausschließlich katholischer Orte mitgewählt haben, die bei den Reichstags- Wahlen zum Kreise Köln-Land zählen. Das Gesamtbild wurde hierdurch sehr wesentlich verschoben. Die Kölner Ge- nassen sind sich natürlich darüber nicht im Unklaren, daß ihnen ein harter Kampf bevorsteht, aber sie ziehen voll guter Hoff- nungen in den Kampf. Durch zwei rein ländliche Kreise vom eigentlichen In- dustriebezirk getrennt, liegt im Nordosten Westfalens der Kreis Bielefeld, der vielfach noch zum Jndustriebezirk gezählt wird. Der Kreis ist seit 1907 durch den sozialdemokratischen Abgeordneten Severing vertreten. Der K'-eis ist zum großen Teil rein ländlich. Bei der Hauptwahl 1907 erhielten Stimmen: die Sozialdemokratie 13 642. die Na» tionalliberalen 14 277 und das Zentrum 9329. Die Konser- vativen. Christlichsozialen, die Nationalliberalen und die Freisinnigen dürften 1907 einmütig für den früheren Minister v. Möller gestimmt haben, der in der Stichwahl mit 16 403 gegen 18 409 für Severing abgegebenen Stimmen unterlag. Den Kreis haben wir seinerzeit mit Zentrums- Hilfe geholt. Bei der bevorstehenden Wahl haben sich die bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme der Freisinnigen, auf die S a in m e l k a n d i d a t u r des Grafen Posadowski geeinigt. Obwohl mancherlei Vorkommnisse, vor allen Dingen auch die brutale Behandlung der Tabakarbeiter, manchem indifferenten Arbeiter die Augen geöffnet haben dürften, werden unfere Genossen in Bielefeld keinen leichten Stand haben. Im Rahmen der vorstehenden Ausführungen war es naturgemäß nicht möglich, die verschiedenartigen Partei- konstellationen erschöpfend zu behandeln. So ist bis zur Stunde etwas Positives über Stichwahlabkommen zwischen den Nationallibcralen und dem Zentrum noch nicht bekannt. Mehrfach behauptete Unterhandlungen zwischen beiden Par> teien werden von beiden Seiten mit Nachdruck dementiert. Dieses Dementi ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß auf beiden Seiten gleich große Neigung zu Komproinißverhand- lungen bestehen. Unsere Genossen müssen deshalb mit allen solchen Möglichkeiten rechnen. Aber selbst unter Erwägung dieser Möglichkeit kam ein liberales Blatt, die „Rhein- und R u h r- Z e i t u n g" in Duisburg, vor einiger Zeit zu folgendem Schluß: „Es bedarf keiner besonderen Prophetengabe, wenn man annimmt, daß bei den Hauptwahlen der ganze rhcinisch-west- fälische Jndustriebezirk von Köln bis Bielefeld im roten Meere ertrinkt." Die Genossen des rheinisch-westfälischen Jndristriebezirks werden alles daran sehen, um diese Worte wahr zu machen! ßebel vor feinen Wählern. Hamburg, 3. Dezember 1911. Im großen Saale des Gewerkschaftshauses im ersten Ham- burger Wahlkreise sprach heute nachmittag in öffentlicher, von etwa 4 909 Personen besuchter Versammlung August Bebel über die kommenden Reichstagswahlen. Ter Redner, der mit stürmischem Beifall begrüßt wurde, erörterte zunächst, aus- gehend von der allgemeinen weltpolitischen Lage, in ausführlicher Weise die Marokkofrage. Diese Affäre, die sicher noch manche Verwickelungen mit sich bringen wird, hat gezeigt, in wie großem Maße sich in den letzten Jahren die Gegensätze zwischen den führenden Großmächten Europas verschärft haben. Monatelang ftaud der Weltkrieg unmittelbar bevor, und die deutsche Regierung ist rocht die letzte gewesen, die in unverantwortlicher Weise mit dem Weltfrieden gespielt hat. Dabei wäre es eine einfache Tor- heit für das deutsche Volk, sich Marokkos wegen in einen Krieg mit England oder Frankreich z,u stürzen, der selbst dann, wenn er für uns siegreich vorlaufen sollte, das deutsche Wirtschaftsleben schwer schädigen müßte. Beträgt doch die Gesamtsumme unseres Handels mit Marokko im Jahre 1919 nur 14 Millionen, während sich der Handel mit Frankreich auf 1942 Millionen und mit England, ein- schließlich seiner Kolonien, sogar auf 3249 Millionen Mark beläuft. Es wird zwar goltcnd gemacht, daß die deutsche Industrie auf die Erzlager in Marokko angewiesen sei. Was davon zu halten ist, zeigt der Umstand, daß die deutsche Regierung sich geweigert hat. aus Rücksicht auf die rheinisch-westfälische Schwerindustrie, in das Schiffahrtsabgabengesetz auch die Regulierung der Mosel und anderer Flüsse aufzunehmen, durch die Gegenden mit reichen Erzlagern auf- geschlossen werden! Die Agrarprodukte Marokkos aber, von denen auch viel Aufhebens gemacht wird, werden die Junker schon von Deutschland fernzuhalten wissen. Lächerlich ist die Be- hauptung, daß Frankreich vermöge marokkanischer Truppen die deutsche Wehrmacht bedrohen könne. Das ganze Geschrei um Marokko ist im Grunde nichts weiter als eine erbärmliche Wahl- mache. Uebcrhaupt wäre manchen unserer Gegner ein Krieg des- wegen erwünscht, weil sie hoffen, durch die Entfesselung des kuror teutonicus die Sozialdemokratie niederwerfen zu können. So wird zum Kriege gehetzt, trotzdem ein solcher pro Tag etwa 75 Millionen Mark an Kosten verursacht. Auf die deutsche Kolonialpolitik übergehend, führte Bebel weiter aus. welche Unsummen diese bereits verschlungen hat. Wir zahlen jährlich 33 Millionen für unsere Kolonien; dabei beläuft sich der Gesamthandel mit ihnen nur auf 98 Millionen Mark, und erst 24 999 weiße Ansiedler, darunter noch 5999 Sol- daten, sind in den Kolonien zu finden. Die Neuerwerbung am Kongo, dieser Zentralpunkt der Schlafkrankheit, wird weitere Kosten verursachen. Ueberhaupt muß die gewaltige Verschärfung der nationalen Gegensätze neue Militär- und Marine- forderungen zur Folge haben. Das bedeutet aber neue Lasten für die Massen des Volkes; denn das indirekte Steuersystem, von dem unsere herrsckienden Klassen nicht lassen wollen, da es die Höhe der Abgaben verschleiert, belastet in erster Linie die Massenverbrauchsartikel. Der kommende Reichstag wird darüber zu entscheiden haben, ob auch in Zukunft eine kleine, aber durch die ungerechte Wahlkreiseinteilung politisch einflußreiche Gruppe, sich auf Kosten des Volkes bereichern soll. Merdings wird es uns ja, eben wegen der Entrechtung der volkreichen Industrie- bezirke, nicht möglich sein, die Anzahl der Mandate zu erhalten. die uns bei einer Verhältniswahl zufallen müßte. Neben der Entscheidung über Zölle, Steuern. Kolonialpolitik und Militarismus werden in der nächsten Legislaturperiode noch andere, für die Massen des Volkes ebenso wichtige Fragen im Reichstage zur Debatte stehen: die Demokratisierung Deutschlands. Sck>affung des parlamentarischen Systems, der Ministerverantwortlichkeit, die Wahlrechtsfrage, Bildungs- und. Erziehungöfragen, ferner Fragen, welche die großen Mengen der Angestellten, die. trotzdem sie vom großen Kapital nichts zu er- warten haben, uns ja leider zum guten Teil noch fernstehen, stark interessieren; das Vereins- und Versammlungsrecht, sowie das Koalitionsrecht der Arbeiter. Im letzten Teile seiner Ausführungen zeigte der Redner, wie die gewaltige EntWickelung der Sozialdemokratie eine notwendige Folge der wirtschaftlichen Entwickclung Deutschlands gewesen ist. Der Staat ist auf den Kapitalismus angewiesen, vermag infolge- dessen, wie auch die zerstörenden Wirkungen der Finanzreform gezeigt haben, den Mittelstand nicht vor seinem Untergang zu bewahren. Tie Proletarisierung der Gesellschaft macht riesige Fort- schritte. Not aber lehrt denkenl In immer größeren Scharen werden sicki die Prolewrier der Sozialdemokratie zuwenden. Im Jahre 1997 herrschte bei unseren Gegnern bis in die höchsten Kreise hinein eitel Jubel und Siegesfreudc. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Herrschaften da oben die Lust zu weiteren Siegen gründlich zu versalzen; alle müssen heran zur Urne, damit am 12. Januar über Hamburg wieder die rote Fahne weht!(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Im Schlußwort beant- tvortete Bebel zwei Anfragen, die ihm von den Jmpfgegncrn und von der Konsumentenversammlung zugegangen waren. Die Jmpffrage sei keine politische, sondern«ine sanitäre Frage, der gegenüber der Fraktionszwang fortfalle. Er selbst trete für die Impfung ein, da sie im Interesse der Volksgesundheit not- wendig sei und sich auch bewährt habe.— Was die Konsumvereine betreffe, so werde er selbstverständlich gegen jedes Gesetz stimmen, durch das der Zuisammenschluß der Arbeiter zu Genossenschaften bedroht werde. Werimith als fchwarzblauer Wahlmadjer. Eine Fülle von Petitionen und mehrerer kleinerer Vor- lagen waren auf die Tagesordnung der Reichstagssitzung am Miontag gesetzt. Zunächst ließ sich die Sache so an, als ob das spärlich besetzte Haus im Handumdrehen mit den Sachen fertig werden würde. Die Petitionen wurden nach Antrag der Kom- Mission zunächst ohne Diskussion erledigt. Nur über eine Petition wegen Einführung des He r i n g s z o l l e s gab es Debatte. Die Kommission hatte Uebergang zur Tagesordnung beantragt. Der konservative Herr v. Treuenfels wünschte aber Ueberweisung als Material, da seiner Ansicht nach die Fischerei eines Schutzzolles bedürfe. Gegen diesen neuen Versuch, eine Lebensmittelverteue- rung anzubahnen, wandte sich energisch der Genosse Schwarz- Lübeck. Jeder Zoll würde die Fischeinfuhr lähmen und den Fisch- konsum verteuern; wir bedürfen aber der Fische dringend zur Hebung der Volksnahrung. Nachdem noch der freisinnige Abgeord- uete Hormann im gleichen Sinne gesprochen, wurde der Antrag Treuenfels abgelehnt und Uebergang zur Tagesordnung be- schlössen. Nach Erledigung einer Anzahl von Rechnungsüber- sichten kam dann die Vorlage wegen der Kolonialbahnen zur Verhandlung. Noch ehe der Referent gesprochen hatte, erhob sich der Schatzsekretär Mermuth. Auf die Kolonialbahnen ver- wandte er jedoch nur einige kurze Sätze, dagegen gab ihm die Erwähnung einer kurzen, gegen die Finanzreform gerichteten Notiz der„Freisinnigen Zeitung" den erwünschten Vorwand, in letzter Stunde noch eine große Verteidigungsrede für die Finanzreform von 1999 zu schwingen, die zweifellos dem schwarz-blauen Block in der Wahlbewegung behilflich sein soll. Seine ganze Besprechung der Finanzreform war nach dem Motto abgestimmt:„Dies Kind, kein Engel ist so rein, laßt Eurer Huld empfohlen sein!" In den rosigsten Farben schilderte der Staats- sekretär die Wirkungen der Finanzreform, aus denen eine dauernde Gesundung der Reichsfinanzen hervorblühen werde. Die Rechte und das Zentrum begleiteten seine Worte mit starkem Beifall, soweit die spärliche Besetzung ihrer Bänke überhaupt starken Bei- fall ermöglichte. Ihm traten der freisinnige Abgeordnete Gothein und Ge- nosse Z i e t s ch entgegen. Letzterer meinte, man habe es offenbar mit einer freiwilligen Hilfsaktion der Regierung zugunsten der schwarz-blauen Parteien zu tun, denen neulich der Reichskanzler eine so böse Swnde bereitet hatte. Mermuths Rosamalerei stände obendrein in einem auffälligen Gegensatz zu seiner Schwarz- malerei im Vorjahr, als von der Sozialdemokratie verlangt wurde. daß die Zündholzsteuer beseitigt werden solle. Im übrigen sei auf die Versprechungen eines Ministers vor den Wahlen überhaupt nichts zu geben. Nachher klinge es meist ganz anders. Man wisse auch gar nicht, ob Herr Mermuth nächstes Jahr noch auf seinem Platze sein werde. Die Bahnvorlage können wir nicht be- willigen, da wir keinen Anlaß hätten, die Eingeborenen zugunsten der kapitalistischen Ausbeutung noch mehr mit Steuern zu be- drücken oder auch die Reichssteuerzahler noch schwerer zu belasten. Dann ergriff Herr Erzberger das Wort, um Herrn Wer- muth zu sekundieren. Auch der frcikonscrvative Abg. Arendt konnte es sich nickst verkneifen, zur Reitling der Finanzreform hilf- reich beizuspringen. Er übertrumpfte den Schatzsekretär und sogar den Zentrumsfinanzmann Erzberger mit der kühnen Behauptung, der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Zeit sei eine Folge der Finanzrefortn. Genosse Bebel fertigte zunächst den Nonsens der Arendtschen Behauptung mit dem Hinweis darauf ab, daß der Wechsel des Wirt- schaftlichen Aufschwunges und Niederganges notwendig einen Be- standteil der kapitalistischen Wirtschaftsweise bilde. Ein durch all- gemeine Ursachen gebildeter Aufschwung könne sich durchsetzen trotz der nachteiligen Gegenwirkung irgendwelcher einzelstaatlichcr Zoll- oder Steuergesetze. Herrn Mermuths Auftreten kennzeichnete Bebel als eine Wahlrede, die der von Bcthmann Hollweg verurteilten Wahlrede Heydebrands in manchen Punkten verzweifelt ähnlich sähe. All das Gerede darüber, ob bei der Finanzreform mehr oder weniger Geld herauskomme, sei völlig belanglos für den Kern der Frage. Das Volk empfinde es bitter, daß eS durch neue indirekte Steuern schwer geschröpft würde. Darüber werde es abrechnen mit seinen Bedrückern. Alle Hoffnungen auf Sanierung der Reichs- finanzen würden aber daran scheitern, daß jetzt schon für Flotten- und Militärvorlagen borgesorgt werde. Auch früher habe man vor den Wahlen so etwas abgeleugnet, und unmittelbar nach den Wahlen sei die Forderung gekommen. Den bürgerlichen Parteien müsse die Bewilligungslust versalzen werden durch direkte Steuern. Er könne aber jetzt schon sagen, daß weder Herr Mermuth noch seine Helfershelfer mit ihren heutigen Wahlreden irgendwie Glück haben würden. Für die freisinnige Partei sprachen noch die Herren Müller- Meiningen und Wiemer. Herr Müller nahm sich besonders Herrn Erzberger aufs Korn, dem er aus der„Köln. VolkSztg." vorhielt, wie niedrig seine Finanzkünsteleien von seinen eigenen Parteigenossen eingeschätzt würden. Genosse S ü d e! u m nagelte dann die Regierung und die Mehrheit auf den Brotwucher fest. Um 7sh Uhr stellte sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. ?ur ßelchstazsivahl. Der Aufmarsch in Ostpreußen. Bis vor wenigen Jahren galt Ostpreußen als uneinnehmbarer Besitz deS schwarz-blauen Blockes. Im Jahre 1997 eroberten die Konservativen im ersten Wahlgange dreizehn, das Zentrum zwei Mandate, von den beiden letzten fiel ein Mandat den National- liberalen, das andere dem Freisinn zu. Die Sozialdemokratie ging leer aus. Der Freisinn hat lange Jahre hindurch aus Maugel an Mitteln keinen ernsthaften Kampf gegen die Konservativen ge- führt. Hatte er hin und wieder in der Stichwahl zwischen Sozial- demokraten und Konservativen zu entscheiden, so schwenkte er mit den meisten Truppen nach rechts. Die Nationalliberalen haben früher die Konservativen auch nicht ernsthaft bekämpft. Im Jahre 1993 gelang es ihnen durch Uebcrrumpelung, den Wahlkreis Ostcrode-Neidenburg zu holen, und 1997 nahm Schwabach mit seinem Gclde den Konservativen den Wahlkreis Memcl-Heydckrug. Jetzt ist die Situation eine völlig andere. Als im Jahre 1999 die Konservativen sich mit dem Zentrum verbrüderten, entstand in ihrem ostpreußischen Lager eine heftige Opposition, die die National- liberalen auszunutzen verstanden. 1919 wurde Oletzko-Lyck- Johannisburg von den Nationalliberalen erobert, und der Bauern- bund begann eine rührige Agitation, während der Hansabund den Freisinn mit Mitteln ausstattete und ins Feuer schickte. Der Erfolg blieb nicht aus. Dem Fortschritt gelang es mit Hilfe der Sozial- demokraten Labiau— Wehlau den Konservativen abzunehmen. Diese Erfolge haben die Liberalen veranlaßt, in zahlreichen ostpreutzischen Kreisen ihre rührige und natürlich auch sehr kost- spielige Agitation zu verdoppeln. In einer Reihe von Kreisen gehen die Nationalliberalen mit den Fortschrittlern gemeinsam vor. Diese haben in sieben Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt. Tie Nationalliberalen berennen neun Wahlkreise. Es ist den Liberalen nicht gelungen, sich in allen für sie in Betracht kommenden Wahl- kreisen zu gemeinsamem Vorgehen zu einigen. So halten die Na- tionalliberalen in Tilsit— Niederung nach wie vor zu den Konser- vativen, und in Jnsterburg— Gumbinnen haben sie neben dem fort- schrittlichen einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Sowohl die Na- tionalliberalen wie auch die Freisinnigen haben in jedem Wahl- kreise, den sie bearbeiten, ihre Parteisekretäre, von denen eine Reihe bereits seit Jahr und Tag intensiv tätig sind. Daneben haben die Liberalen noch die Presse ausgebaut. Es sind Blätter aufgekauft und in den Dienst der„liberalen Sache" gestellt worden. Die oft- preußischen Nationalliberalen unterscheiden sich von den Konser- vativen nur durch den Namen; sie erscheinen mit Kandidaten auf dem Plan, die kurze Zeit vorher noch im konservativen Lager stan- den. Sie haben den schärfsten Kampf gegen die Sozialdemokratie proklamiert und wiederholt erklärt, daß sie in der Stich- wähl unter allen Umständen gegen die Sozial- demokratie stimmen werden. Ob es den Nationalliberalen gelingen wird, den Konservativen eine Anzahl Mandate abzunehmen, ist fraglich. Bezweifelt wird sogar, ob sie Oletzko— L y ck halten können. Es sind eine ganze Anzahl„Rebellen" zu den Fleischtöpfen der Konser- vativen zurückgclehrt. Die Agrarier sehen ein, daß sie bei diesem Kampfe zwischen Konservativen und Nationalliberalen nur ihre Interessen schädigen. Die„Leute" werden dadurch politisch aufgc- klärt, ja„verhetzt", gegen die Arbeitgeber aufgebracht, und davon haben auch die Nationalliberalen aus die Dauer keinen Nutzen. Man fragt sich auch, ob es der Zentrale, insbesondere den Scharf- machern, der nationalliberalen Partei, sehr erwünscht ist, daß den Konservativen in Ostpreußen ein so scharfer Kampf geliefert wird. Denn daß auf diese Weise in anderen Gegenden, wo die National- liberalen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie die Konservativen sehr notwendig brauchen, das Verhältnis zwischen diesen beiden „nationalen" und schutzzöllnerischen Parteien sehr verschlechtert wird, ist klar. Die Fortschrittler versuchen mit allen Mitteln, in Ost- Preußen Mandate zu erringen. Sie treten als Schutzzöllner auf und gebärden sich als überaus„königstreu". Aus eigener Kraft können sie nirgends siegen. Möglich ist, daß sie ein oder zwei Man- date mit Hilfe der Sozialdemokratie den Konservativen abnehmen. Sie werden wahrscheinlich auch in die Lage kommen, zwischen So- zialdcmokratie und Konservativen zu entscheiden, und man wird dami sehen, ob es ihnen wirklich ernst ist mit der Bekämpfung deS schwarz-blauen Blocks. Das Zentrum wird seine beiden Kreise behalten. Der eine ist ihm völlig sicher, der andere, Allenstein— Rössel, könnte ihm unter Umständen abgenommen werden, wenn hier die Nationalliberalen in eine lebhafte Agitation eintreten würden. Aber die haben kein Interesse daran, einen Zentrumswahlkreis zugunsten der Polen in Gefahr zu bringen. Die Polen haben in Ostpreußen in den letzten Jahren an Zahl erheblich zugenommen. Das wird auch bei den Wahlen zum Ausdruck kommen. Aber ein Mandat werden sie sich nicht holen. Die Konservativen- haben in vierzehn Wahlkreisen Kan- didaten aufgestellt. Im Wahlkreis Tilsit— Niederung getrauen sie sich nicht mehr mit offener Flagge zu marschieren; dort haben sie sich hinter die Freikonservativcn gesteckt und versuchen das Mandat dadurch zu halten, daß sie den früheren preußischen Staatsminister v. Mottle, ehemaligen Oberpräsidenten von Ostpreußen und Ehren- bürger der Stadt Tilsit als Kandidaten auftreten lassen. In Mcmel— Heydekrug haben die Konservativen ihre Banner völlig ein- gezogen; sie unterstützen hier einen Littauer, der Herrn Schwabach aus dem Felde schlagen soll. Daß die Konservativen in O st Preußen diesmal Mandate einbüßen werden. steht fest. Nicht so sicher ist, wer diese Kreise holen wird. Die Sozialdemokratie rechnet mit Bestimmtheit darauf, daß sie den Wahlkreis Königsberg-Stadt, den sie bei den letzten Wahlen an den Freisinnigen abtreten muhte, zurückerobern wird. Die Aussichten sind vorzüglich, und durch den großartigen Erfolg bei den diesjährigen Stadtverordnctenwahlcn noch mehr gewachsen. In Königsberg ist infolge der Entfestigung die wirtschaftliche Kon. junktur im Steigen begriffen. Partei und Gewerkschaften sind er- heblich gewachsen und vor allem innerlich erstarkt. Dazu kommt, daß die Gegner nicht geschlossen vorgehen. Obwohl Herr Gyßling, der fortschrittliche Vertreter der Stadt Königsberg, in diesem Früh- jähr öffentlich um die Stimmen der Konservativen gebettelt hat, haben die Konservativen einen eigenen Kandidaten aufgestellt, und das Zentrum wird dasselbe tun. Wieweit im übrigen Ostpreußen die Sozialdemokratie Mandate erringen kann, ist nicht zu sagen. Es hat auch keinen Zweck. darüber Betrachtungen anzustellen. Hier heißt es lediglich ar- beiten, und zwar hart arbeiten, um erst einmal die Scharte von 1997 auszuwetzen. Denn damals hat die Partei— obwohl sie in Königsberg 3999 Stimmen gewann— 19 999 Stimmen verloren. 1093 brachte sie es auf 55 331 Stimmen, und im Jahre 1997 wurden für die Sozialdemokratie nur 44 739 Stimmen abgegeben. Die nationale Phrase hat in Ostpreußen besonders stark gezogen. Die Partei hat in den meisten Kreisen mit den bestehenden Zählkandidaturen gebrochen. Daß ihrem Vordringen von den Gegnern die größten Schwierigkeiten bereitet werden, ist selbstver- ständlich. In nur wenigen Kreisen stehen ihr.Versammlungslokale zur Verfügung. Eine Agitation auf dem Lande mitten im Minier ist ohnehin schwierig. Die Gegner werden außerdem sicherlich noch kurz vor den Wahlen alle Minen springen lassen und mit Ver- sprechungen, Geld, Bier, Schnaps. Maßregelungen und Bedrohungen arbeiten. Sie werden auch versuchen, das Wahlgeheimnis zu brechen und— trotz des Erlasses des Ministers— Zigarrenkisten, Suppenschüsseln und ähnliche Gefäße als Wahlurnen benutzen. Aber trotzalledem dringt die Sozialdemokratie auch auf dem Lande in Ostpreußen vorwärts. Viele Arbeiter haben erkannt, wie sehr sie 1997 betrogen worden sind, und die neuen Steuern haben zahl- reiche ostpreußische Landarbeiter rebellisch gemacht, ver Krieg. Italien bleibt beim Dreibund. Rom, 4. Dezember. Die hiesigen Zeitungen veröffentlichen ein Telegramm des Ministerpräsireiiten Givlitti an die Zeitung«Buda- pesli»apli", in dem dieser die Nachrichten der Wiener Blätter über den Austritt Italiens aus dem Dreibunde als vulgäre Erfindung bezeichnet. Zur Lage in Tripolis. Tripolis, 4. Dezember.(Meldung der Bgenzia Stefan!.) In der Nacht vom 2. zum 3. ereignete sich nichts Neues. Nach dem Bericht des DracheiiballvnS. der durch feine Angaben die Beschießung von Tagiura(zirka 23 Kilometer östlich von Tripolis) leitete, war da« Feuer sehr wirksam und zerstörte das Dorf vollständig. Eine Erkundung, die am Morgen des 3. Dezember von einem Flieger unternommen wurde, ergab, daß keine merklichen Aenderungen in der bestehenden Lage eingetreten sind.— Der Allgemeinzustand des Korrespondenten Carröre ist andauernd ausgezeichnet. Im Hafen von Saloniki. Konstantinopel. 4. Dezember. Das Paketboot„Jsmailia" der Khedivial MailZ stieß! vorgestern im Hafen von Saloniki auf eine Unterseemine. Die Schraube deS Schiffes wurde leicht be- schädigt. Bulgarischer Baudenkrieg. Saloniki, 4. Dezember. Laut amtlicher Meldung wurde eine neben dem Konak gelegene Moschee in Jstip durch Bulgaren in die Lust gesprengt. In der Moschee war niemand anwesend. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Revolution In Cljlna. Nanking in den Hände« der Revolutionäre. Nangking, 3. Dezember. sMeldung des Reuterschen Bureaus.) Die Tataren st adt von Nanking ist mit Erlaubnis der Behörden geplündert und eingeäschert worden. Sonst vollzog sich die Besetzung von Nanking durch die Aufständischen ordnungS- mäßig. London, 4. Dezember. Wie.Daily Telegraph" aus Schanghai meldet, haben stch der Vizekönig Chang und der Tataren- general Tiehling nach der Einnahme von Nanking in das deutsche Konsulat geflüchtet. Unruhen in der Mongolei. Peking, 3. Dezember.(Meldung des Reuterschen BureanS.) In Urga ist von verabschiedeten chinesischen Beamten die U n a b- hängigleit der Mongolei erklärt worden. poUtilcbe Clcberficbt* Berlin, den 4. Dezember 1911. Areifinniger Schwindel. Die„Freisinnige Zeitung" wagt in einer Replik zu be- haupten, daß der„Vorwärts" ihr bitter Unrecht tue, wenn er den Freisinn für einen Gegner des gleichen Wahlrechts für die Kommunen erkläre. Denn sowohl die freisinnige Volkspartei als die neugegründete fortschrittliche Volkspartei haben für die Kommunalwahlen die Beseitigung der K l a s s e n w a h l und der öffentlichen Stimmabgabe gefordert. Als ob damit das Eintreten des Freisinns für das gleiche Wahlrecht feststehe. Als ob nicht durch einen Zensus sich unter Umständen viel wirksamer dem Prinzip der ungleichen Wahl Rechnung tragen ließe I Und als ob nicht der Freisinn, und die„Freisinnige Zeitung" s e l b st. unzählige Male erklärt hätten, daß sie das gleiche Wahlrecht für die Kommunen für unmöglich hielten. Auch im preußischen Ab g e o r d n e t e n h a use ist ja von Herrn Cassel und anderen freisinnigen Rednern wiederholt die Forderung des gleichen Wahlrechts für die Kom- munen bekämpft worden. Eine Stellung, die ja auch von Eugen Richter eingenommen wurde. Die„Frei- sinnige Zeitung" treibt also den unverfrorensten Schwindel, wenn sie die Progranimforderung der Fortschrittlichen Volks- Partei so auszulegen sucht, als sei sie gleichbedeutend mit dem Postulat des uneingeschränkten gleichen Wahlrechts. Die erste Serie der Wahlanfechtungen im ReiibSlande hat die Abweisung aller Einsprüche gebracht. amit ist auch cineS der sozialdemokratischen LandwgS- andate, da» deS Genossen Hindelang in Colmar, für güllig erklärt,— ein Wahleinspruch, der sich darauf gestützl hatte, daß in einem von dem Vorsitzenden deS Wahlvereins der Altdeutschen, dem Rechtsanwalt Ruland in Colmar, unterzeichneten Flugblatt für die Beamten bemertt worden war. die Beamten könnten diesmal getrost dem Sozialdemokraten die Stimme geben, da.durch Be- fragen an maßgebender Stelle" festgestellt worden sei, daß man den in Colmar herrschenden Verhältnissen Verständnis ent- gcgenbringe. lGegeukandidat Hindelangs bei der Nachwahl war der Vorsitzende deS Nationalbundes, gtechtSanwall Preiß.) Der zuständige Senat des Oberlandesgericht» Colmar wies den Einspruch kosten- fällig ab mit der Begründung, daß der Unterzeichner dieses Fing- blatles. Rechtsanwalt Ruland, nicht selber Beamter sei und daß, was die Regierung betrifft, nicht einmal versucht würde nachzu- weisen, daß sie von diesem Flugblatt vor dem Erscheinen auch nur Kenntnis hatte. In bezng auf die Wahlbeeinflussung durch die Geistlichkeit wurden starke Stücke festgestellt. So wurden in ObersaaSheim im Wahlkreise Neubreiiach-AndolSheim die Gläubigen nach dem NachmittagSgotteSdienst von dem Geistliche» zur Wahlurne gebracht, und in Arzenheim in demselben zlreise forderte der Pfarrer direkt in der Kirche dazu aus, den Nationalisten und Zentrümler K übler zu wählen. Noch bester machte es der Pfarrer von Geishauscii im Wahlkreise Thomi-St. Amarin. Dieser OitSgeislllche schloß in der KirchedenZentrumSkandidaten Prof. Dr. Müller bei voller Namensnennung ausdrücklich ins Gebet ein und empfahl seine Wabl dem Schutze der heiligen Jungfrau Maria. Da» Gericht erkannte hier zwar die große Bedeutung der vorgebrachten Einsprnchstatsache an, erklärte die Wahl deS Prof. De Müller aber doch für gültig, da bei dem Vorsprang deS ZenlrumSkandidaien von mehreren hundert Stimmen.ein ent- scheidender Zusammenhang zwischen Gebet und Wahlergebnis" nicht zu erblicken fei. Die bisherigen Entscheidungen zeigen, daß der Gerichtshof auf keinem Fall in den Verdacht der Zentrumsfeiudlichkeit kommen möchte. Allerdings wird bei der Würdigung, die der Fall von Geishauscii in der Urteilsbegründung trotz der Gülligkeiiserllärnng der Wahl des ProsestorS Dr. Müller gefunden hat, doch ein oder daS andere ZentrumSmandat noch kassiert werden müssen. Auf der anderen Seite wurde aus den Wohleinspruch des unter- legencn Nationallisten Dr. Jäger in Hochseldcn-TruchtcrSheim fest- gestellt, daß der Kreis direkt or von Stroßburg-Land vor mehreren Bürgermeistern eine Ansprache hielt, worin er auf die politische Stellung des Dr. Jäger als Nationalist hinwies. Das Gericht betrachtete die Woblbecinflnsiung als unerheblich, iveil .nur acht" Bürgermeister in dieier Weise beeinflußt worden seien. KreiSdirektor von Srroßburg-Land ist der Reichstagskandidat der Konservativen und des Zentrums in Karlsruhe. Freiherr v. Gem- mingen._ Ein Vorschlag zur Güte. In einem„Flottcnfragen" überschriebenen Leitartikel polemi- sicrt die„Post" gegen die Auffassung, als ob durch eine Verstär- kung der deutschen Flotte an dem Stärkeverhältnis England gegen- über ja doch nicht? geändert werden könne, da England jederzeit in der Lage sei. für jedes neue deutsche Kriegsschiff seinerseits zwei neue Kriegsschiffe zu bauen. Die„Post" vertritt demgegenüber den Standpunkt, daß Englands Flotlenrüsten schon seine Grenze finden werde, wenn nur Deutschland mit seinen Neubauten möglichst schneidig vorgehe. Der Fkottenderein fordert bekanntlich, daß bon 1312 ab statt der im Flottengesetz vorgesehenen zwei Schlachtschiffe deren drei gebaut würden. Das ist der„Post" noch viel zu wenig! Sie meint, Deutschland muffe jährlich vier bis fünf Schlachtschiffe bauen, denn dann werde es England schon vergehen, Deutschland zu über- trumpfen. Acht oder zehn Schlachtschiffe jährlich zu bauen, werde selbst die Leistungsfähigkeit Englands überschreiten. Und nicht nur würden sich dem Bau von so viel Schiffen die größten mate- riellen nud technischen Schwierigkeiten ciilgegenstellen. sondern England werde auch gar nicht mehr in der Lage sein, aus seiner eigenen Nation heraus die Zahl der dann erforderlichen Marine- Mannschaften zu stellen. Es zeige sich also, daß„nicht Teutschland, sondern England die Hochwassermarke erreicht" habe und daß der forschem Draufgehen Deutschland seine maritime Situation Eng- land gegenüber sehr wohl verbessern könne. E i n Schlachtschiff würde jährlich mindestens 60 Millionen kosten. Ginge es aber nach den Vorschlägen der„Post", so würden wir jährlich mindestens 120 bis 180 Millionen für Neubauten über die Bewilligungen des F l o t t e n g e s e tz e s hinaus verpulvern, ohne daß dabei die enormen Kosten für die wachsende Jndienstha ltung berücksichligt wären. In der Tat: ein Vooschlag zur Güte! Tentscher Humor. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt seit kurzem auch eine besondere„Humoristische Wochenschau" heraus. Der Humor dieser Wochenschau besteht aber so gut wie ausschließlich in einer kümmerlichen Blutenlese von Witzen aus den marktgängigsten Witzblättern.— Zu Produktionen„bodenständigen" agrarisch-feu- dalen Humors langt es offenbar bei der„Deutschen Tageszeitung" nicht. Ihr Humor, der dann freilich ein h ö ch st unfrei- williger ist. entlädt sich in Bußtagsbetrachtungen und ähnlichen bitterern st gemeinten Leistungen. So hat auch jetzt ein Mitglied des„deutsch-völkischen Studentenverbandes", deffen Namen wir aus Nachsicht für Jugend- verirrungen, die obendrein vielleicht unter der Nachwirkung der Alkoholvergiftung begangen wurden, verschweigen wollen, in der „Deutschen Tageszeitung" eine köstliche Probe unfreiwilligen Humors zum besten gegeben, die Herr Ocrtel an der Stelle ver- öffentlichte, wo sonst der Leitartikel zu stehen pflegt. Von der un- widerstehlichen Schlagkraft dieses deutsch-völkischen Bicrhumors mögen folgende Stellen einen Begriff geben: „Der deutsche Student ist zu vornehm, um Sozialdcmo- krat sein zu können. Er ist nicht brutal genug dazu.... Die deutsche Studentenschaft ist allerdings aus anderem Holze geschnitzt, als jene schwarzgelockten Jünglinge, die in erbärmlicher Feigheit— fluchwürdige Verbrechernaturen—, in scheußlichem Meuchelmorde Minister töten. Der deutsche Bursch, sei er Korpsstudent oder Burschen- schafter, Schwarzer. Landsmannschafter oder nationaler Fink, tritt mit dem Säbel in der Faust Auge in Auge dem Gegner entgegen und hat nur ein„Pfui über den Buben" deS Nihilismus und der Anarchie und die, die jene mit ihrem Gelde unterstützen.... Freiheit ist Burschenehrel— Die U m st u r z- Partei aber will uns knechten, wie sie ihre Minderheiten niedertritt mit dem brutalen Unsinn der Mehrheit urteilsloser Massen. Der deutiche Bursch läßt seine Freiheit nicht. In ihr sieht er nicht willkürliche Ungebundenheit, die in Widerspruch steht mit seinem Wahrspruch nodlcsse oblige. Aber er will sich in ihr.das Recht der Persönlichkeit wahren, wenn auch oft das Recht der werdenden Persönlichkeit. Nie findet man in Studentcnkrcisen die jungenhaste Frechheit, die gewiffen Or- ganisniioneir eigen ist.. Und sollte, es einmal zur letzten, großen Aüsein- andersetzung mit jenen Mächten des Umsturzes und der Finsternis kommen, dann mögen Kaiser und Reich erschallen lassen den alten Schlachtruf: Burschen heraus I Wir folgen ihm alle, mit und ohne Band, die einige deutsche Studentenschaft: die Zivilgarde für Bismarcks heiliges Vermächtnis...." Dem Junkerorgan kann's nicht fehlen. So aufrichtiges Mit- leid auch seine„Humoristische Wochenschau" wegen des totalen Mangels an jeglichem Originalwitz erwecken mutz, desto Zwerchfell- erschütternder wirken in der letzten Zeit seine Leitartikel! Gcwcrkvereine nnd Reichsta�swahlen. Die„christlichen" Gewerkschaften fassen ihre Neutralität so auf. daß sie sich auf Gedeih und Verderb verpflichtet fühlen, die Schnnd- taten des blauschwarzen Schnapsblocks in große Kulturtaten um- zulügcn. Und da es besonders die Sozialdemokratie ist, die den Rittern und Heiligen immer wieder ihre Masken abreißt, richtet sich der Zorn der Zentrumschristen besonders gegen diese Partei. Gegen die Sozialdemokratie! ertönt deshalb stärker als sonst der Wutschrei der„neutralen" christlichen Gewerkschaften! Als aber vor kurzem der Hirsch-Dunckersche„Gewerkverein" einmal erklärte, die Mitglieder der deutschen Gewerkvereine würden bei den bevorstehenden ReichstagSwahlen ihre Nutzanwendung aus den Teuerungsdebatten im Reichstage ziehen. Kandidaten, die im Falle ihrer Wahl die Wirtschaftspolitik des Herrn v. Betbmann Hollweg unterstützen wollten, könnten auf die Stimmen der Gewerk- vereinlcr nicht rechnen, da stotterte das verheuchclte Zentrums- arbeiterblatt in M.-Gladbach ein Sprüchlein über die„Verletzung der Neutralität". Ter„Gewerkverein" bemerkt dazu neuerdings: „Wir gönnen dem Blatt den mageren Happen und fügen als hartgesottene Sünder noch hinzu, daß wir. es für unsere Pflicht halten, die Arbeiter über diese wirtschaftspolitischen Fragen aufzuklären. Wenn dies einer Partei nachteilig ist, für welche das genannte Blatt eintritt, so kann uns das gleich- gültig sein. Wir bekämpfen jede Partei, die durch ihre politische Haltung der Aufwärtsbewegung der Arbeiterschaft sich entgegen- stellt, gleichviel welchen Namen sie trägt. Am meisten hemmen dies? Aufwärtsbewegung aber die Parteien, die alle durch die Organisationen erzielten materiellen Aufbesserungen wieder illusorisch machen durch die Verteuerung der Lebensmittel und der notwendigen Bedarfsgegenstände. Darüber die Arbeiter auf- zuklären, ist nicht nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht." Wenn maus so hört, möchts leidlich scheinen, doch steht es schief darum.— denn aucb die Partei, worauf der Gewerkverein schwört, die Fortsckriltsportei. war doch willig genug, durch Ein- führung neuer indirekter Steuern die Lebensmittel und die not- wendigsten Bedarfsgegenstände zu verteuern und sich damit„d e r Aufwärtsbewegung der Arbeiterschaft" ent- g e g e n z u st e l l e n. Ein so� kurzes Gedächtnis wie die Hirsch- Dnnckerschen Führer haben die Arbeiter nicht. Sie werden am 12. Januar nickt vergessen, was der Block der Ritter und Heiligen getan hat. sie werden aber ebensowenig vergessen, was die „Liberalen" gern tun wollten! Kontrollversammlnngen und Sozialdeniokratie. Als„eigenartige Erscheinung" in der Zeit des.Groß block- a b k o in ni e n s" zwischen Liberalen und Sozialdemokraten bei den „ reichsländischen Landtags wählen" hat vor einigen Tagen das Berliner ZentrnniSblntt„Germania" eine Nachricht des Straßburger Zelttrumsblattes„Der Elsässcr" angeführt, die da lautete: „Während bisher b e i m Verlesen der Kriegsartikel an die Mannschaften des Beurlaubten st andcS auch der Sozialdemokratie gedacht wurde, nämlich, daß der Soldat nicht an sozialdemokratischen Veranstaltungen teilnehmen, keine sozialdemokratischen Reden halten, keine Zeitungen soziak- demokralischen EharaklerS abonnieren und lesen dürfe usw. usw., hörte man diesmal aber auch nicht ein Sterbens- wärt che» davon. Viele KoittrollversammlungSieilneHmer sahen sich, als sie diesen Passus nicht zu hören bekamen, fragend au." Mit der Befürchtuug der„Germania", daß die Regierung in Elsaß-Lothringen endlich so vernünftig geworden sei, der Sozial- deiuokratie die unfreiwillige agilaloriiche Unterstützung dieics regel- mäßigen Hinweises bei den Koittrollveriammlungen zu entziehen, ist es zum Vorteil der vermaledeiten Sozen nun leider nichts. Wie bei den diesjährigen Herb st kontrollversammlnngen i n E l s a ß- L o t h r i n g e n wieder festgestelll werden konnte, wurde von den Herren Osfisicrcn den versammelten Kontrollmann- schaften nach wie vor eingeschärft, daß sie am Tage der Koittrollversammlnngen unter den Militärgeseyen ständen nnd daß für sie an diesem Tage insbesondere verboten sei:„Jede andere erkennbar gemachte Betätigung revolutionärer oder sozialdemokra- tiicher Gesinnling, inSbeko dere durch eittsprechende Ausrufe nnd ähn- liche Kundgebungen!-" Der Staat ist also, gerettet oder vielmehr: die Staatörelier in Oifiziersuniform und in der Redaklion der „Germania" besorgen auch jetzt noch unverdrossen unsere Geschäfte. Wir haben nichts dagegen._ Die perfifcbe Knfc. In Teheran und Täbris, das bereits von den Russen besetzt ist, herrscht die Stimmung der Verzweiflung. In den Moscheen rufen die Geistlichen alle Perser zur Einigung nnd zum Kampfe gegen die Ausländer auf. Viele Gewehre sind verteilt worden. In Teheran sind die Bazare und Läden geschlossen. Tausende junger Leute veranstalten Um- züge und Kundgebungen, heften Plakate an die ausländischen Gesandtschaften nnd rufen:„Den Tod oder die Frei- heit!" In Kaswin soll Prinz Firm an Firma ermordet worden sein. Auch wurde der Reaktionär Hadji M o h a m e d das Opfer eines Attentats. Unterdessen setzen die Russen ihren Vormarsch fort. 2000 Russen stehen südlich von R e s ch t, 200 Kosaken sind in K a s>v i n angekommen. In R e s ch t haben die russischen Truppen die dortige persische Miliz entwaffnet und daS Telegraphenamt besetzt. Oeftcirrtcb. Die Tschechen Negierungspartei? Prag, 4. Dezember. Nach einer aus tschechischev Quelle stammenden Meldung soll der Umschwung der t s ch e ch i- scheu Politik nach der Seite der Ne gierungsmajori- t ä t bereits vollkommen und dauernd sein, was schon durch die Ab- stimmung der Tschechen für das Budget zum Ausdruck gekommen sei. Außerhalb der Majorität sollen nur die unabhängigen Tschechen und die Nationalsozialen bleiben. frankmcb. Die Marokkoverhandlmigcu mit Spanien. Paris, 3. Dezember. Von mehreren Blättern wird über die bevorstehenden französisch- spanischen Ver» Handlungen anscheinend offiziös gemeldet, die französische Regierung habe in'ihren dem Foreign Office unterbreiteten Vorschlägen in erster Reihe die Revision des französisch- spanischen Abkommens von 1904 sowie Bürgschaften für den freien Zugang nach Tang.er verlangt, wo etwa nach dem Muster von Schanghai eine internationale G e- m e i n d e v e r t r ot u n g errichtet werden solle, die behufs Verwaltung der Küste über eine entsprechende Polizei ver- fügen würde. In der spanischen Zone würde die Souveränität des Sultans dem Namen nach aufrecht erhalten bleiben, doch würde Spanien das Recht zur Ueberioachnug der scherifischcn Verwaltung erhalten, was notgedrungen das Recht militärischer Besetzung zur Folge haben würde. Spanien würde demnach in seiner Zone unter gewissen Bedingungen eine Art von Protektorat ausüben, so daß in Marokko ein französisch. spanisches Kondominium(ge- meinsame Herrschaft) eingeführt würde. Diese Vorschläge sollen in einigen Tagen den, Madrider Kabinett mitgeteilt werden. Der., G a u l o i s" meldet von spanischer Seite, die spa- nische Regierung wünsche so lebhaft eine V e r st ä n d i g u n g, daß sie sich vielleicht zu einer Abtretung von Elksar herbeilassen würde, wenn man ihr beweise, daß die Besetzung dieser Stadt durch französische Truppen für die normale Ausübung des französischen Protektorates in Marokko not- wendig sei. Lelgien. Die Taktik für die Änmmerwahleu. Man schreibt uns aus Brüssel: Die letzte Pleuarversammlung der Brüsseler Föde- ration derArbeiterpartei befaßte sich mit der für die Kammerwahlen von 1912 einzuschlagenden Taktik der Partei. Die Diskussion ergab zunächst, bei zwar verschiedener Auf- fassuug der Dinge, Einigkeit in dem einen Punkt, daß die Brüsseler Föderation allein und selbständig den Wahlkampf führen und keinerlei Bündnisse mit den Liberalen eingehen wird. Die Plenar- Versammlung nahm in diesem Sinne eine Beschließüng an, für die von„reformistischer" Seite praktisch-politische Gründe des Slimmenerfolges geltend gemacht wurdeni Die gegensätzlichen Meinungen kamen insbesonderZ bei der prinzipiellen Anffassuiig der Wahlkampfpropaganda zum Ausdruck. Die radikalen Redner verlangten, daß der Wahl- kämpf ohne Rücksicht auf das Parlamentarische Bündnis der Oppositionsparteien zu führen sei, die Liberalen also genau so als Gegner zu behandeln seien, wie die Klerikalen. Von gemäßigter Seite wurde dagegen eingewendet, daß eine rücksichtslos angreifende Wahlkampftaktik gegen die Partei, die sich für das allgemeine Wahlrecht engagiert habe, verfehlt sei, indem sie den moralischen Effekt des der Eroberung des Wahlrechtes und der Niederiverfung der klerikalen Majorität dienenden parlamentarischen Bündnisses kompromittiere. Gegen diese Taktik der Rücksichten und ihre inneren Widersprüche nut dem Prinzip des Klassenkampfes wendeten � sich der Deputierte Huysmans und der Brüsseler' Parteisekretär Roosbroeck. während von gcmäßigjcr Seite insbcsonders Deputierter Delporte einer sogenanitten rcalpolitischcn die ErfolgSmöglichkeiten der augenblicklichen Situation abivägendcn Auffassung der Wahl- knmpfpropagaiida das Wort redete. Die Debatte, die sich bei aller Schärfe in kameradschaftlichen Formen hielt, wird noch ihre Fortsetzung finden. Bezüglich der Taktik in bestimmten Wahlkreisen des Landes beauftragte die Versammlung ihre Delegierten im Generalrat für die vom letzten außerordentlichen Kongreß angenommene Entschließung über die Takttk der so- genannten„Jnxtaposition" bei Bündnissen einzutreten. Sewerklckaftlickes. per Kampf in der Berliner JVIetalHndurtrie. Erneute Einiguugsvcrhandlnngen. Leute vormittag beginnen zwischen den Vertretern der streitenden Parteien erneute Verhandlungen, um die be- stehenden Differenzen zu schlichten und den Streik der Former und Gießereiarbeiter beizulegen. Was manche bürgerliche Zeitungen gestern am Mittag und am Abend von bevorstehenden Entscheidungen der Ar- beiter in bezug aus einen allgemeinen Streik zu berichten wußten, war durchaus unzutreffend und beruhte wieder nur auf Mutmaßungen. Nach diesen Berichten sollten Versamm- lungen der Ausgesperrten gestern darüber entscheiden, ob auch die in den Betrieben verbliebenen 4(1 Proz. der Arbeiterschaft die Arbeit niederlegen sollten. Das konnte schon nicht richtig sein, weil 60Proz. überhaupt nicht ausgesperrt worden sind. Dergleichen Vorschläge lagen gar nicht vor in den 19 Versanimlungen, die am Monatagnachmittag für die Ausgesperrten in Berlin und Umgegend stattfanden. Je eine Versammlung wurde in Tegel, Schöneberg, Rixdorf, Wildau, Spandau, Weißensee und zwei Versammlungen in Ober- schöneweide abgehalten. Nur durch die Meldestationen hatten die Ausgesperrten Kenntnis von dieser Veranstaltung, aber das genügte vollständig, denn die Säle reichten fast nirgends aus, die massenhaft heranziehenden Besucher aufzunehmen. Auf dem Gesundbrunnen waren die beiden Lokale von Voigt und Franke schon um 3 Uhr besetzt und viele Leute samnrel- ten sich auf der Straße an. Die Frauen hatten von der Er- laubnis, ihre ausgesperrten Männer begleiten zu dürfen, reichen Gebrauch gemacht und waren begierig zu hören, was über den Stand der Aussperrung berichtet wurde. In den „Pharussälen" genügte der große Saal nicht und eine zweite Versammlung mußte im kleinen Saal abgehalten werden. Auch in den Vororten war der Besuch gut und die Stimmung überall lebhaft und erwartungsvoll. Die Neuigkeit von be- vorstehenden Verhandlungen, die von den Referenten ver- kündet wurde, gab reichen Stoff zu einem regen Meinungs- auswusch. Das Gesamtbild, das die Referenten von der Aus- sperrung entwarfen, bot den meisten Versammlungsbesuchern wenig Neues, desto anregender waren aber die Berichte über Vorkommnisse bei der Aussperrung in den einzelnen Werken, die manche Ueberraschung, und zwar nicht gerade unange- nehmer Nahir, brachten. Scharf kritisiert wurde von manchem Redner die bürgerliche Presse, die scheinbar recht sympathisch gehaltene Artikel über die„armen Ausgesperrten" brachte, denen das schöne Weihnachtsfest verdorben würde, deren Fra.uen und Kinder recht trübe Gesichter machen würden, wenn andere Arbeiter ein fröhliches Fest feiern. Wer aber trage die Schuld daran? Natürlich nur die streikenden Former, nicht etwa die Unternehmer, die Tausende von Ar- beitern entlassen haben, obgleich massenhaft Arbeit vorhanden ist Fast komisch berührte es, wie diese Zeitungen in den ersten Tagen sich bemühten, die Aussperrung als recht weit- gehend zu schildern und von 79(1(19 Ausgesperrten fabelten, um dann plötzlich die�Bewegung zusammenschrumpfen zu lassen, alles auf bloße Schätzungen hin. Sichere Information hatte nur der„Vorwärts", dessen Berichte die festgestellten Tatsachen wiedergaben.— Beschliisse wurden in diesen Ver- sammlungen nicht gefaßt. Die Referenten wiesen zum Schluß nur darauf hin. daß die Anweisungen der Leitung auch fernerhin recht genau zu befolgen sind, wie zum Beispiel, daß die produktiv tätigen Arbeiter die Arbeiten der Ausgesperrten nicht auszuführen haben.'— Das Hauptinteresse nahm die Nachricht von den bevorstehenden Verhandlungen in Anspruch. » Die Pastoren der Reformationskirche, jener Kirche, die bei den Moabiter Vorgängen im vorigen Jahre einmal der Schauplatz einer Plänkelei des Publikums mit einem Pastor war. fordern durch folgenden Anschlag an der Kirche zu Sammlungen für die Ausgesperrten auf: „Durch die großen Aussperrungen in der Metallindustrie sind viele tausend Arbeiter brotlos und arbeitslos geworden. Die Not ist groß besonders auch in unserer Genieinde. Es ist Pflicht eines jeden Christen, nach Möglichteit helfend einzu- greifen. Die unterzeichneten Pastoren bitten herzlich und drin- gend um Gaben(Geld, auch Lebensmittel) zur Unterstützung der durch die Aussperrung in Not geratenen Gemeindemitglieder." Der Aufruf ist von drei Pastoren unterzeichnet. Er mag » gut gemeint sein. Die Arbeiter haben aber auf die christliche Nächstenliebe weniger vertraut als auf die Macht der Orga- nisation. Sie finden in dieser ihren sicheren Rückhalt. Der DetaillistenverbandderBekleidungs- industrie hat an den Verband der Metallindustriellen folgendes Schriftstück gesandt: Die Arbeitsniederlegung der Former und die in Konsequenz hiervon angewandte Maßnahme der Aussperrung von Tausenden von Arbeitern ist von einem ungeheuren Nachteil für die kleinen und mittleren Gewerbetreibenden, die einen großen Bestandteil des ZXüaillistenverbandes bilden. Schon die ersten Tage der Ar- bcitslosigkeit lassen die uneinbringlichen Verluste der Geschäfts- inhaber der Bekleidungsbranche erkennen. Der Detaillisten- verband richtet daher an den Verband der Metallindustriellen die sehr ergebene Bitte, im Interesse der kleinen und mittlerccn Ge- werbctreibenden, auf möglichste Beschleunigung in der Beileanng der Differenzen hinzuwirken. � Es scheint doch, als wenn— wenn man von der Arbeiter- schaft ganz absieht— auch sonst das Publikum siline Sym- patkste nicht gerade den aussperrenden Unternehmern zu- wendet. Aufrufe, wie der der Moabiter Pastoren und dieses Schriftstück eines Unternehmerverbandes enthalten zwischen den Zeilen unverkennbare Vorwürfe gegen die Metall- industriellen, welche vielleicht geeignet sind, deren Haltung bei den kommenden Verhandlungen zu beeinflussen. Oer Streik in der Berliner Damenkonfektion. Die gestrige Versammlung der streikenden Meister der Damenkonfektion war noch zahlreicher besucht als die vorher- gegangenen, so daß weder im Saale noch auf den Galerien der Neuen Philharmonie auch nur ein Stehplatz übrig blieb und selbst die Bühne mit in Anspruch genommen werden mußte. Der Vorsitzende Drews berichtete über die letzten Verhandlungen mit den Fabrikanten, schilderte deren Verlauf und verlas das Angebot der Konfektionäre. Der Redner legte weiter dar, warum die Vertreter der Meister und Arbeit- nehnicr auf dieses Angebot nicht eingehen konnten. Vor allem fehlt für die Lohnerhöhungen jede feste Grundlage. Was sind die „üblichen" Löhne? Die Meister sowohl wie die Heimarbeiterinnen wechseln die Arbeitgeber, für die sie tätig sind, und wie sollen sie da feststellen, was bei dem einen oder anderen üblich ist zu zahlen. Dann sind aber auch die prozentualen Zuschläge selbst durchaus unzureichend. Wenn z. B. auf das Stück von 4 M. Berantw. Nedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.� 5 Proz. zugelegt wird, gibt daS 29 Pf., wovon die Heimarbeiterin 3/a erhalten soll. Der Meister wird, wenn nicht mit einzelnen Pfennigen zu rechnen, 13 Pf. abgeben müssen, bleiben ihm 3 Pf. Die Konfektionäre reden nur davon, daß die„Heim- arbeiterinnen" ihren Anteil an der Lohnerhöhung haben sollen; es kommen aber auch die ja mit im Streik stehenden Bügler hinzu, und wenn die ihre Lohnerhöhung erhalten, bleiben dem Meister, wie der Redner auch den Konfektionären bei den Verhandlungen vorrechnete, nur noch 2 Pf. auf den Preis von 4 M. als„Lohnerhöhung" übrig. Dabei ist eine Zulage für die Ausfertigerin noch gar nicht gerechnet, und ivenn man das nachholt. wird kaum ein ganzer Pfennig übrig bleiben. Die Konfektionäre erklärten ihr Angebot als Maximum dessen, was sie als möglich ansähen und als endgültig, und das mußte den Abbruch der Verhandlungen zur Folge haben. Die Leute, die im Ausschuß der Konfektionäre sitzen, versuchen es offenbar gar nicht, zu verhandeln, nieinte der Redner. Sie sollten doch erst ein- mal in die Arbcitsstuben gehen, um sich zu unterrichten darüber, wie es dort aussieht. Freilich haben die Fabrikanten in ihrer Ver- sammlung am Sonnabend denselben Ausschuß wiedergewählt. aber das besagt keineswegs, daß sie in ihrer Gesamtheit mit dessen Haltung einverstanden sind. Wie der Redner mit- teilte, haben iin Laufe des gestrigen Tages immer von neuem Konfektionäre bei ihm angeklingelt und ihr Bedauern über den Beschluß jener Versammlung aus- gesprochen.„Wir waren in der Minderheit und mußten uns fügen, aber wir wollen dafür sorgen, daß andere Beschlüsse zustande kommen", wurde von den betreffenden Herren erklärt. Vom Fabrikantenverband aus will man jetzt durch Ein- reichung in Listen und Unterschriften feststellen, wer von den Zwischenmeistern„gezwungen" die Arbeit eingestellt hat und mit solchen Leuten eine Protestversamnilung gegen den Streik veranstalten. Gezwungen, meinte der Redner, sind tvir aller- dings in den Streik, nämlich gezwungen durch das Verhalten der Fabrikanten. Man werde demgegenüber einmal wieder der ganzen Oeffentlichkeit vor Augen führen müssen, was für Löhne die Fabrikanten zahlen, damit es aller Welt klar wird, warum für sie der Tarif„unmöglich" ist.— Der Redner erklärte zum Schluß, daß die Lage des Kampfes so ist, daß man bei weiterem einmütigen Ausharren des Sieges sicher sein könne.— Im selben Sinne äußerte sich Herr N a t h o w über die allgemeine Lage. Im Streik stehen jetzt zirka 3999 Meister mit ihren Arbeitnehmern. Diejenigen Meister, die Streikarbeit liefern, sind dieselben wie bisher, und man wird ihre Namen einmal der breiten Oeffentlichkeit bekanntgeben müssen. Das unverbrüchliche Zusammenhalten der Strei- kenden wird zum Siege führen. In der sehr regen Diskussion sprachen unter anderem Knoop vom Schneiderverband und Fräulein B e h m vom Gewerkverein der Heimarbeiterinnen sowie eine große An- zahl Meister aus der Mitte der Versammlung, alle im Sinne des Referenten. Dabei wurden wiederum verschiedene Bei- spiele für die elenden Löhne angeführt, die in der Konfektion gezahlt werden. So wurde unter anderem erwähnt, daß ein arbeitswilliger Zwischenmeister F e l d m a n n in der Hasen- Heide dreiteilige Röcke für I8V2 Pf. liefert, seiner Heimarbeite- rin 12y2 Pf. oder das Dutzend 1,25 M. zahlt. Man kann sich leicht ausrechnen, was bei solchen„üblichen" Löhnen der in diesem billigsten Genre von den Fabrikanten versprochene Aufschlag von 29 Proz. nützen würde. Die Versammlung nahm e i n st i m m i g folgende Reso- lution an: „Die heute in Kellers„Neue Philharmonie" Versammelten haben Kenntnis von dem Bericht über die Verhandlungen mit den Fabrikanten und erklären sich mit dem Verhalten ihrer Vertreter einverstanden. Die Versuche der Fabrikanten, die Oefsentlichleit über den wahren Sachverhalt zu täuschen und den Anschein zu erwecken, als hätten die Fabrikanten brauchbare Vorschläge gemacht, weisen die Versammelten zurück. Weder die in Aussicht gestellten Lohn- Zulagen, noch die Sicherstellung derselben vermöchten die Streikenden, als genügend anzusehen. Der Umstand, daß die Fabrikanten selbst als einzige Sicherstellung eine Kommission zu bieten vermögen, beweist zur Genüge, daß sie nicht in der Lage sind, ihre Vorschläge derart zu gestalten, um sie als recht- liche Bindung hinsichtlich der versprochenen Löhne anzusehen. Dies geht ferner daraus hervor, daß sie erst immer sagten, die Mode wechsele in der Damenkonfektion so häufig, daß man keine bestimmten Löhne festsetzen könne, während sie jetzt sagen, die festzusetzenden Löhne, welche der einzelne Meister mit dem Fabrikanten vereinbaren solle, müßten den üblichen Löhnen entsprechen. Die Versammlung verlangt weiter nichts, als daß von den beiderseitigen Kommissionen die üblichen Löhne so fest- gesetzt werden, daß der feste Preis bereits die Lohnerhöhung mit enthält/ Dies ist möglich und kein unbilliges Verlangen. Die Streikenden sind nach wie vor bereit, ihre Hand zu einem Frieden zu bieten, bei dem ihre berechtigten Verlangen erfüllt werden." Im übrigen wurde noch mitgeteilt, daß der Vorstand des Meisterverbandes größere Summen bewilligt hat, um den Kanipf in der Damenkonfektion zu unterstützen, und es wurde ferner ein Antrag angenommen, durch den die Vertreter des Verbandes beauftragt wurden, zur Aufklärung der Allge- meinheit über die Lage in der Damenkonfektion ö f f e n t- liche Volksversammlungen einzuberufen und für Massenverbreitung von Flugblättern zu sorgen. Mit Entrüstung nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß der Armenvorsteher Maurermeister T i e b e l in der Swinemünder Straße eine in bitterer Not befindliche Frau F a n z k a u, die 7 Kinder und einen krank danieder- liegenden Mann hat. mit der Begründung zurückgewiesen hat, daß sie ja Mäntel nähen könnte und nicht streiken sollte: ein Verhalten, das sich, wie weiter mitgeteilt wurde, auch der Armenvorstcher Müller, Graunstraße 48, einer--anderen notleidenden Frau gegenüber herausgenommen haben soll. Es ist, und wird natürlich weiterhin dafür gesorgt werden, daß in solchen Fällen die Unterstützung durch die Organisation nicht ausbleibt, selbst wenn die Berechtigung dazu nicht durch Mitgliedschaft erworben wurde. Ties wurde von allen Seiten und namentlich auch von Knoop hervorgehoben. Berlin und llmgegend» Der Streik der Kellner im Wcltrestauranb„Zum Vesuv", Kott- buser Straße 28. Inhaber S e e l ig e r, ist beendet. Die Diffe- rcnzen sind durch Abschluß eines Vertrages beigelegt. Die Sperre ist aufgehoben! Moabit in Magdeburg. Ter famose Detektiv Paul Gärtner aus Berlin, der in Magdeburg auf Veranlassung von Slreiklcitern verhaftet wurde, befindet sich, wie wir inzwischen festgestellt haben, nicht im Polizeidicnst. Der Wachtmeister Paul Gärtner in der Straßmannstraße 11 ist also mit ihm nicht identisch. Ter Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanftalt In Magdeburg Verha fiele soll Im Diensle eines Schöneberger M- stituts stehen. Wir dürften in den nächsten Tagen in der Lage sein, unseren Lesern Genaueres über seine Persönlichkeit mitzuteilen. Deuvlcbes Reich. Verhandlungen zur Beilegung der Cabaharbclter- Huslpemmg! Minden i. 93?., 4. Dezember.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Wie verlautet, hat der Lnndrat des Kreises Minden in Westfalen Unterhandlungen zur Beilegung der Tabakarbciter- auSspcrrung in Westfalen eingeleitet. Die Unterhandlungen sollen sich zunächst auf diejenigen Betriebe beziehen, die den Anlaß znr Aussperrung gegeben haben. Es wird sich nun zeigen, ob die Zi- garrenfabrikanten zum Frieden geneigt sein werden. Gelbe Terroristen. Da? Geschrei der Gegner über„sozialdemokratischen Terroris- mus" wird immer ärger. Wenn aber die.ungeheuerlichen Vor- kommnisse" zur gerichtliche» Erörterung kommen, fallen sie gewöhn- lich. Vor dein Magdeburger Schöffengerildt hatten sich zwei Gelbe wegen tätlicber Beleidigung zu veraniworieii. Die beiden, die Arbeiter Tributh und Krnatz. arbeiteten mit dem sozialdemokratischen Arbeiter Probst zusammen aus der Wolsicbcn Maschinenfabrik. Es kam wiederbolt zu allerlei Hecheleien zwischen den Dreien, doch ver- lief immer alles sehr harmlos. In der Nacht zum IS. Februar d. F. verließen die beiden Gelben enva 10 Minuten früher als Probst die Arbeit. Als dieser dann auf dem Heimwege bei einem Bahnüber- gang vorüberkam, wurde er plötzlich von Tribntb und Kraatz über- fallen. Sie mißbandelten ihn und warfen ihn über einen Stachel- droht. Andern Tages erzählte Kraatz voller Genugtuung in der Fabrik, dem Probst Hätten sie es aber tüchtig besorgt, der würde wabl genug haben.— Das Gericht— es handelte sich nur ua, eine Privalklage— stellte sich auf den Staiidvunkt, daß eine gemeiiischail- liche lllörperverlctziing vorliege, denn offenbar Hälleii die Angeklagten dem Probst aufgelauert Es sei daher nicht zuständig, sondern die Sache gehöre vor den öffentlichen Ankläger.— Ob dieser Fall auch durch die ganze deutsche Presse gejagt werden wird? Streik bei der„Victoria" in Hamburg. In der Jnkassozeiitrale der„Victoria"-Versicherung ist sS znr Arbeitseinstellung von 42 Einnehmern gekommen. Diese Angestellten haben ihre Kiindiguiig zum 31. Dezember ausgesprochen. Der Grund der Arbeilseinstelliing ist die wiederholte Maßregelung von Ver- lrauensleuten der Angestellten, namentlich aber die recht willkürlich gehandhable Entlassung von Eiiliiebmern wegen angeblich nn- genügend erfolgier Skquisitio».— Trotz mehrmaliger Angebote des Verbandes der Bureauangestellten, dem diese Angestellte» sick an- schlössen, hat die Direktto» jeveS Verhandeln über die Streilpuukte kurzerhand abgelehnt. Die Hainbiirger Angestellten sind entschlossen, den Kampf gegen die„Victoria" mit den äiißersten Mitteln und mit aller Schärfe durchzusühren. Es wird gebeten, jeden Zuzug von Hamburg fern- zuhalten._ Christliche Gewerkschaftler üben Sabotage! In der Gebetbuchfabrik von Rlffarth in M.- Gladbach orbelten neben Mitgliedern des christlichen graphischen Verbandes auch Mit« glieder des freien Biichbinderverbandes. Da die Firma dem chrisi- lichen Verlangen nicht Rechnung tragen wollte, nur Chrifilich- organisierte zu beschäftigen, so versuchten die Christlichen auf»ach- stehende Weise ihren Wünschen Gellimg zu � verschaffen. Ein im Buchbindcrverbande organisierter Goldschiiittinacher mußte mit. staunen bemerken, daß alle seine Schnitte mitzglückte», er konnte anstellen, was er wollte. Keiner wußte Rat, bis man einen jungen Mann dabei ertappte, als er ein Pulver über die zum Abreiben her Schnitte bestimmten Papieripähne schüttete. Auf dem Kantor gestand der junge Mann dann:oehinürig ei», das Pulver von einem christlich orgauisierten Kollege» erhalle» zu haben. So versuchten also die Christlichen, durch Sabotage die„roten Brüder" wie gewöhnlich der Kraflaiisdruck lautet, ans dem Betrieb hinauSzubringeu, um für ihre Asttglieder, ebenso wie in Negcusburg. ein ArbenSnionopol zu schaffen. Welch ein Geheul würde wohl in der ganze» christlichen Geiverkschafts- presse über einen solchen Terrorismus erhoben werden, wenn der Buchbinderverband ihn aus dem Kerbholz halte. Hetzte ffachriditen. Eine Vertagung der Marokkodcbatte? Paris, 4. Dezember.(W. T. B.) Die Abgeordneten de M u n, Delafosse, Denys Cochin und de Chambrun haben im Bureau der Kammer einen Antrag niedergelegt, in dem sie die Vertagung der Debatte über den deutsch-französischcn Vertrag und die Interpellationen über die auswärtige Politik bis zu dem Augenblicke verlangen, wo die Regierung genaue Mitteilungen über die Verhnndlungen mit Spanien und die Zustimmung der Signatarmächte der Algecirasnkte werde machen könne». Tie siegreichen Revolutionäre. Charbin, 4. Dezember.(Meld. d. Petersb. Telegr.-Agentur.) Wie aus chinesischer Quelle gemeldet wird, haben die Revolutionäre die Regierungstruppen in der Nähe von Futschou, Foenghwangtschcn, Liaujang und Hsinjang nahe bei Liaujang angegriffen. Durch Zufall wurde auch ein japa. nischer Offizier von einer Kugel eines Revolutionärs ver» w u n d e t. Die Revolutionäre haben in der Nähe von Futschou zwei Befestigungen besetzt. Die Regierungs- t r u p p e n verloren 14 Tote und Verwundete und zogen sich nach Futschou zurück._ Krieg im Frieden. Kiel, 4. Dezember.(W. T. B.) Aixf dem Linienschiff „Preußen" sind heute abend während einer Schießübung in der Kieler Bucht, anscheinend infolge unvorsichtigen Hantterens mit einsr Granate an einem Geschütz, zwei Mann erheblich verletzt worden. Tie„Preußen" ist hier eingelaufen und hat die Ver- unglttckten gelandet, die sogleich in das Garnisonlazarett über- geführt wurden. Eisenbahnunglück im Tnnnel von OlliergueS. Paris, 4. Dezember.(W. T. B.) In einem Tunnel bei Olliergues(Departement Puy-de-Doms) stieß ein Personenzug mit einer Lokomotive zusammen. Der L 0- k 0 m 0 t i v f ü h r e r und der H e i z e r wurden getötet, zehn Reisende schwer verletzt.__ Verhängnisvolle Explosion einer Petroleumlampe. Paris, 4. Dezember. Aus Le Maus wird über eine Ex- plosionskatastrophe berichtet, die vier Menschenleben forderte. Auf einem Wagen, in welchem sich eine ans Vater, Mutter und zweiKindern bestehende Familie befand, explodierte die an ihm befestigte Petroleumlampe, wodurch der Wagen in Brand geriet. Sämtliche Insassen erlitten so schwere Berlctzungen, daß sie kurze Zeit nach der Katastrophe starben._ Paul Singer äcCo�Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltung«»!. » 284. 28.mw l. DtillM des.Iomarts" Kellilier UolksdlM. Reichstag. 21S. Sitzung vom Montag, den 4. Dezember, nachmittags 2 Uhr. Am VundeSratstisch: Mermuth. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Eine Petition verschiedener Frauenvereine verlangt Mahnahmen zwecks Herbeiführung eines Verbotes bezw. einer Einschränkung der weiblichen Bedienung in Gastwirtschaften. Die Petition wird der Regierung als Material überwiesen, soweit sie jedow eine generelle Abschaffung der weiblicden Bedienung für ganz Deutschland verlangt, wird über sie zur Tagesordnung übergegangen. Eine weitere Petition verfangt die Fe st legung d eS Ost er- festes. Sie wird dem Reichskanzler als Material über- wiesen. Ebenfalls als Material überwiesen wird eine Petition auf Ausdehnung der Gewerbeordnung aus Gärtnereien. Eine Petition betr. Beförderung von geschlossenen Briefen durcb Boten von P r i v a t b e f ö r d e r u n g S an stalten innerhalb eines Ortes wird der Regierung als Material über- wissen. Petitionen betreffend Regelung der D i e n st» und Ruhe» Verhältnisse des Eisenbahnpersonals werden, soweit sie im allgemeinen eine bessere Regelung verlangen, zur Berück- sichtigung, soweit reichsgesetzliche Regelung verlangt wird, zur Er- tvägung überwiesen. ' Bei einer Petition betr. Einführung eines Schutzzolls auf friscbe Fische und Heringe, über die die K o m- Mission U e b e r g a n g zur Tagesordnung beantragt, tritt Abg. v. Trcucnfcls sk.) für Ueberweiiung als Material ein mit Rücksicht auf den Rückgang in der Seefischerei, der auch Mangel an dem nötigen Eriatz der Marine zur Folge haben könne. Abg. Schwartz-Lübeck lSoz.) wendet sich im Jntereffe der kleinen Fischer gegen diesen Antrag. Der Romissionsantrag wird angenommen. Es folgt die zweite Lesung der ostafrikanischen Eisenbahnvorlage. Rcichsschatzsekretär Mermuth: Die Zeitungsberichte über die Er- kläeungen der Regierung in der Budgetkommission zum Stande unserer Reicksfinanzen waren sämtlich ungenau.(Hört I hört I rervls und im Zentrum.) ES sind auch ungünstige Darstellungen über den Etat sür l0l2 verbreitet worden. Natürlich ist eS jeder- inannS Recht, hierüber zu sagen, was er will. Aber wenn das fort- gesetzt geschieht aus dem Gssichlspunkt, dag man mit der Reichs- finanzresorm von 19VS nicht einverstanden war, dann mutz die Finanz- Verwaltung aus allgeineinen Rücksickuen auf dem Plane erscheinen und erklären, datz wir Aussicht haben, die Gesundung der Rcichsfinanzen eher zu erreichen, als wir erwartet haben. sVeifall rechts und im' Zentrum.— Zurufe links: Abwarten I W a h kr e d e!) Unsere Anleihen sind ja auch wieder gestiegen. sLauter Beifall rechts und im Zentrum. Erneute Zurufe links: Wahlrede.) Nein, das ist keine Wahlrede, sondern eine Verwahrungsrede gegen Angriffe in der Presse. sZu- ruf rechtS: Ihnen(nacb links) tut«S wohl leid, datz wir gute Finanzen haben?— Ruf links: Vorläufig sind sie eS noch nicht I) Wir haben keine neuen Anleihen aufzunchiuen brauchen und haben an die Schuldentilgung denken können. H o s f e n t l i ch hält diese Enlwickslung auch' 1912 an. Genau weiß ich daS natürlich nicht. «Aharuke links.) Die wirtschaftliche Entwickelung vermag ich natür- lich nicht vorauszusehen. Aber die Finanzen besinden sich auf gulcm Wege? Wir müsim nur mit eiserner Konsequenz an den bisherigen Grundsätzen festhalten. Aus diesen Gründen kann ich Ihnen die Annahme der Borlage empsehlen. sLauler wiederholter Beifall rechls und im Zentrum.— Lachen und Zurufe links: Solch eine Komödie!) Abg. Erzbcrger jZ.): Wir werden für die Vorlage stimmen. Unsere finanziellen Bedenken bezüglich der Gestaltung des Etats für Oslufrika sind in der Kommission zerstreut worden. Wir hoffen, datz die Erwartungen, die man a» dies grotze Kulturwerk knüpft, bald in Erfüllung gehen. Die Erklärung des Staatssekretärs begrützen Rleines fcirillcton Der Dichter der„Weber" bei NUstein und Masse. Erst hieß es schüchtern. Hauptmann beschäftige sich momentan mit einer Bearbeitung der Parzivalsage für die Jugend. Nun kommt heraus, datz diese Bearbeitung bei Ullstein erscheinen wird. Es ist nicht hübsch, datz der Hauptmann mit seiner Uniform handeln geht. Wenn auch das Dichten bei ihm kein Geschäft war, so wird es ihm doch niemand übel nehmen, wenn er seine Werte so günstig wie möglich verkauft. Aber ein Mann wie Hauptmann hat doch die Pflicht, zu sehen, an wen. Er mutzte wissen, daß Ullstein ihn zu dieser Arbeit nur aufgefordert hat, um mit dem Name» zu protzen. Wie er mit anderen auch protzt. Hauptmann, der vor 14 Jahren die„Weber" schrieb, durfte nicht einem Verlag seinen Namen vermieten, dem systematisch— in allen Dingen— die fettgedruckte Ueberschrift wichtiger ist, als der Inhalt, der mittäglich den Geschmack durch dumme Witze und schlechte Sensation noch mehr verdirbt, der die Leibwäsche der Finanz und die Abführmittel der Schauspieler aus dem ff studiert, der politisch soweit liberal ist, wie das Geschäft es erlaubt— Hauptmann durste das nicht. Ullstein ist kein'Vorwurf zu machen. Er ist Kaufmann. Ebenso wie Moffe, der einen neuen Roman Hauptmanns zum teelösselweisen Abgutz... Abdruck wollte ich sagen, für das„Tage- blatt" erworben hat. Es ist ein trauriges Schauspiel, einen Dichter handeln zu sehen„ Der Selbstmord bei den Chinesen. Die Gleichgültigkeit der Chinesen gegen den Tod ist eine der vielen merkwürdigen Eigen- schoflen dieses Volkes. Oft bedarf eS nur eines geringfügigen Anlasses, um den Chinesen im Bann einer plötzlichen Eingebung seinem Leben ein Ende machen zu lassen. So sollen sich nach einer Mitteilung von. Brandt im Jahre 1879, als nach dem Tientsin- Massaker die Schuldigen mit dem Tode bestraft werden sollien, Leute bereitgefunden haben, gegen Zusicherung einer Summe von 25 Dollar und eines schönen Sarges die Schuld freiwillig auf sich zu nehmen. Das chinesische Volk steht, jedenfalls soweit das weib- liche Geschlecht, dabei in Frage kommt, hinsichtlich der Häufigkeit des Selbstmords an der Spitze aller Nationen. Die Religion der Chinesen kennt kein Gebot, daS sich gegen den Selbstmord wendet. Wie Dr. Prahl im Archiv für Rassenbiologie mitteilt, ist die grotze Mehrzahl der Selbstmörder im dcutsch-chinesischen Landgebiet weib- lichen Geschlechts; dies ist eine Folge der niederen Stellung, die das Weib in China einnimmt, eine Folge davon, datz es keine Rechte besitzt, die der Mann oder die Eltern zu achten hätten. Als Selbstmordmotive für das männliche Geschlecht werden genannt: Angst vor dem i mständlichen, häufig parteiischen Gerichtsverfahren und Furcht vor der Untersuchungshaft mit ihren grausamen Foltern; ferner Zahlung-Zschwierigkeitcn; Nahrungssorgcn infolge des kostspieligen Lasters, Opium zu rauchen, geben oft die Motive des Selbstmordes ab. Auch die langausgedehnten Staatsprüfungen erfordern jährlich maiiche Opfex. Schlietzlich kommen auch Selbstmorde von buddhistischen Priestern aus rcligiöscin Fanatismus vor. wir. Wir sind überzeugt, datz die Wahrheit über die Wirkungen der Reichsfinanzreform doch einmal siegen mutz.(Bravo I im Zentrum, Lachen links.) Ich wünschte nur, datz jede„Wahlrede" nur so objektive, unbestreitbare Tatsachen bringen wollte.(Bravo! im Zentrum und rechts.) Abg. Dr. Paasche-(natl.): Datz die Lage der Finanzen jetzt günstiger ist, darüber freut sich auch die Linke. Aber deshalb braucht man doch kein Loblied auf die Reichsfinanzreforin zu singen.(Sehr richtig! links.) Auch o h n e eine Finanzreform wären unsere Finanzen besser geworden, denn damals herrschien besonders ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse. Gerade das Zentrum hat das betont, so lange es in der Opposition war. Das wäre ja auch eine netie Finanzwirtschaft, bei der durch mehrere hundert Millionen nicht eine Besserung hervorgerufen würde.(Sehr richtig! links,) Wir bedauern aber, datz diese Besserung hervorgerufen worden ist durch eine unsoziale Finanzreform.(Beifall links.) Abg. Gothein(Vp.): Auch wir stimmen für die Vorlage. Die Rede des SchaysekretärS ist bei den Haaren herbeigezogen. Sitzen die Haarkünstler nun auf der Bundesratsestrade oder im Zentrum?(Heiterkeit.) Datz mehrere hundert Millionen ein- kommen würden, hat niemand bestritten. Aber wie liegen die Dinge bei den einzelnen Steuern? Die Tabaksteuer z. B. bringt statt 43 nur 30 Millionen mehr.(Hört! hört! links,) Kaffee und Tee sollten 37 Millionen bringen, brachten aber nur 14 Millionen. DaS ist Ihre Finanzwirlschast I Noch schlimmer liegen die Dinge bei der Branntweinsteuer. Beim Bier beträgt der Ausfall 41 Millionen trotz der Bevölkerungszunahme und des heitzen Sommers mit dem grotzen Durst.(Heiterkeit.) Die Streichhölzer bringen statt 25 Millionen nur 14 Millionen. Dieser Betrag wird ja steigen, wenn die unversteuerten grotzen Vorräte an Streichhölzern bei selbst gut konservativen Offizieren aufgebraucht sein werden. (Heiterkeit links.) Wir sind also weit hinter den Anschlägen zurück- geblieben. Es gilt für Sie(zum Zentrum) das Wort: Religion gut, Kopfrechnen schwach.(Heiterkeit links. Unruhe im Zentrum.) Statt 420 Millionen find nur 230 Millionen eingekomme». (Hört I hört! links.) Wenn trotzdem die Finanzen so glänzend sind, so frage ich: Warum mutzten durchaus 420 Millionen an neuen Steuern bewilligt werden? Dafür haben wir eine schwere Schädigung unseres Wirtschaftslebens in Kauf nehmen müssen.(Zuruf rechts: Und der wirtichaftliche Aufschwung?)• Der grotze wirtschaftliche Auf- schwung besteht nur in Ihrer Phantasie und, soweit eine Besserung eingetreten ist, ist sie wahrhaftig nicht auf die neuen Steuern zurückzuführen.(Beifall links.) Aber Herr Erzberger bringt alles fertig. Eine gesunde Finanzlage ist vor den Wahlen immer da.(Heiterkeil.) Da wird eben mit den Aus- gaben vorsichtig umgegangen. Aber«ine Gesundung der Finanzen durch eine ungesunde Finanzreform ist keine Gesundung für das Volk. (Beifall links.) Reichsschatzsekretär Mermuth: Meine Rede ist nicht bei den Haaren herbeigezogen, sondern veranlatzt durch die Blätter der Linken, die von einem Scheitern der Finanzreform gesprochen haben. (Beifall rechts.) Die Zahlen des Abg. Gotbein müssen jfi jeden Cbrislenmcnichen mit Grausen erfüllen.(Heiterkeit.) Habe ich recht gehört: 239 Millionen soll die ganze Finanzresorm gebracht haben? Schon im ersten Elatsjahr sind über 293 Millionen eingegangen.(Hört! hört I rechts und im Zentrum.) Und im zweiten Jahre sind die Einnahmen um 89 Millionen gestiegen. Es feblen heute nur 24 Millionen an den bewilligten 429 Millionen.(Hört! hört! rechts und im Zentrum.)- Das ist doch schon ein recht gutes Ergebnis. Auch die einzelnen Zahlen des Abg. Gothein stimmen nicht.(Hört! hört! im Zentrum.) Wir sind aus unserer Finanz- deroute glücklich heraus. Aber vor jedem Triumphleren möchte ich meinerseits wenigsten» dringend warnen.(Beifall rechls und im Zentrum.) Abg. Zietsch(Soz.): ES kann natürlich keine Rede davon sein, datz wir irgend- welche Bedenken dagegen haben könnten, wenn unsere Finanzen sich bessern, aber es ist doch in der Tat recht auffällig, datz eine Aus- lassung der„Freisinnigen Zeitung" auf Grund der Mitteilung eines KorreipondenzbureauS der Regierung Gelegenheit gibt, hier Erklärungen über die Finanzlage des Reiches abzugeben. Seit wann gibt denn dicRe- gierung so sehr viel auf das, was in Blättern der Linken steht?(Sehr — Motive, die beide Geschlechter zum Selbstmord treiben, sind Nachgefühl und Nahrungssorgen, ferner Lebensüberdrutz und Krankheiten. Die Rechtszuftände und Volksanschauungen geben in China einem jeden die Mittel in die Hand, durch Selbstmord an seinem Widersacher Rache zu nehmen, da dieser, falls er zum Selbstmord Anlast gegeben hat, von den Gerichten mit seiner Habe und unter Umständen sogar mit seinem Leben verantwortlich ge- macht wird. Wenn eine Frau z. B. beleidigt oder in ihrer Ehre gekränkt wird und sich deswegen daS Leben nimmt, so kann der Beleidiger ziemlich sicher sein, datz man ihn zum Tode verurteilt. Die Sicherheit, mit der ein Selbstmörder auf Befriedigung seines Rachegcfühls rechnen kann, ist also sehr grotz. Opium. Arsenik- Verbindungen und. seitdem die Phosphorstreichhölzer eingeführt wurden, der Phosphor, sind die hauptsächlichsten Giftmittel in China,, Vor einigen Jahren wusttc man in Kiautschou noch fast gar nichts von Phosphorvcrgiftungen, jetzt stehen sie weitaus an erster Stelle. Sie haben auch die früher recht häufigen Arsenik- Vergiftungen fast vollständig verdrängt. Die Vergiftungen mit Opium sind in langsamer Abnahme begriffen. O Musik. Im Theater des Westens wurde die Operette„Fati- » i tz a" von Franz v. Suppö in Neueinstudierung aufgeführt. Tie Aufführung stand auf der Höhe dessen, was dort geboten zu werden pflegt. ES gab sogar manche gute Gesangleistung, nament- lich bei den Frauen. Die Titelrolle war in der Hand von Mizzi Freihardt leidlich aufgehoben, obwohl sie sür die sehr umfang- reiche Gesangspartie nicht durch ebenso schöne Tone in der Tiefe wie in der Höhe ausreichte. Die Regie war flolt genug. Von einer Musterauffübrung, die etwas Neues schuf, war allerdings keine Rede. Und trotzdem würde ein solcher Versuch zu den grötzten Ver- diensten gehören. Wir haben jetzt mit einer Wiedererweckung der älteren Operette begonnen, und die Bemühungen dazu verdienen alle Sympathie. Um so deutlicher wird nun auch der Gegensatz zwischen der älteren und der neueren Operette. Für die ältere kann man in Frankreich Offen dach, in Deulichland Suppö voranstellen; beide im Jahre 1319 geboren. In Frankreich mag weiterhin Charles Lecocq(geboren 1832 und noch am Leben) als der säbigste Mann der älieren Schicht bezeichnet werden; auf deutschem Boden nimmt diese Stellung in erster Linie I. S t r a u tz(182S bis 1899), in zweiter K. Mit locker(1842—1899) ein. Von allen diesen reichen die Leistungen S u p p b s wohl am weitesten zurück. Die Einfügung der„Falmiya"(187S) zwischen die jetzt übliche Operette machte nun einen charakteristischen Eindruck. Gemeinsam haben beide Arten immerhin viel; so vor allem daS Vorherrschen des gesprochenen Dialoges und eines mehr oder minder starken Poffenekemenles, sodann in der Musik die Aneinanderreihung von „Nummern". Aber die älteren Komponisten boten vor allem eine möglichst gute und vornehme Musik; die neueren bieten irgendwelche musikalischen Fixigkeiten auf, um einer möglichst sicheren Bühnenwirkung zu dienen. Die dort schufen Musik, die hier machen Musik. Man vergleiche etwa den bereits beliebt gewordenen Duettwalzcr aus der„Modernen Eva" mit irgend einer Melodie aus der »Fatinitza"! Sieht man näher zu, so merkt man, daß der jüngste gut I links.) Aber wir wissen ja, die Herren der Rechten haben ein sehr lebhaftes BedürseriS, vor der Wahl von der Regicrmig bestätigt zu bekommen, daß Sie mit der Finanzresorm von 1909 wirtlich etwas GuteS geschaffen haben. Sie halten ja zuerst auf Herrn v. Bethmann Holl weg gehofft, und als der Sie am 10. November so auf den Kopf geichlagen hat, haben Sie nun vom Staatssekretär Wernmlh verlangt, datz er das lang gewüiischte Expose über den kommenden Eiat vor den Wahlen gebe. Alle? in ollem hat aber Herr Mermuth doch herzlich wenig gesagt. Aus seiner Rede ergibt sich schlietzlich nichts anderes, als datz etwas mehr auf Grund der neuen Steuern eingegangen ist, als die Herren von der Regierung erwartet haben. Darüber stimmen Sie(nach rechts) nun ein Judelgcschrei an, das wir ja in noch ganz anderer Form wiederfinden werden, in den Wohlflugblättern der Reckten. Der Staatssekretär selbst hat sich ja sehr vorsichtig ausgedrückt und hat betont, datz etwas Be- stimmtes über die Zukunft sich noch nicht sagen lätzt. Sie machen nun so viel Gerede davon— was doch bei den vielen neue» Steuern selbstverständlich sein sollte—, datz neue Schulden nicht gemacht zu werden brauchen. Die Tatsache, datz bis jetzt noch nicht neue Schulden gemacht sind, soll eine ungeheuere Gesundung unserer Finanzen bedeuten. Dabei vergitzt man ganz, datz»eben den neuen Steuern damals noch ein neuer Schuldenaufnabmeplan aufgestellt wurde, wonach bis 1914 nach 909 Millionen Schulden ausgenommen werden sollien. Und wenn nun diese neuen Schulden nickt in der Höhe begeben sind, dann schreien Sie daS als ungeheuren Erfolg der Finanzresorm aus. Der Staatssekretär erklärte wieder, er habe es sich zum Prinzip gemacht, datz neue Schulden nicht gemacht werden sollen sür nichtwerbende Ausgaben. Wir würden eS sehr be- grüßen, wenn dies System in Deutschland endlich einmal durchgeführt würde. Es ist wirklich allerhöchste Zeit dazu.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Nach einer Denkschrift der Regierung vorn 26. November 1919 betrug die Reichsschuld nahezu S Milliarden; davon sind über 4092 Millionen für nichtwerbende Zwecke, für Heer, Marine ulw. ausgegeben. Wir würden uns also sehr freuen, wenn Heor Wermuth mir eiserner Konsequenz, wie er sagte, seinen Grundsatz durchführen könnte. Aber wer bürgt uns für die Durchführung, wer garantiert uns vor ollem, datz, wenn dieses System zur Durchführung kommen soll, Herr Wermuth crn seinem Platze ist? Wir wissen ja. wie schnell Minister verschwinden und wie dann andere Leute kommen, die nichts vyn den Methoden ihrer Vor- gänger, nichts von den Versprechungen wissen, die j'ene hier ii» Namen der Reichsregicrung der Volksvertretung gegeben haben. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wir haben also allen Anlaß, gegenüber solchen Erklärungen sehr vorsichtig zu sein, zumal, wenn sie kurz vor denWahlen erfolgen.(Sehr richtig! bei den Sozia ldeniokraten.) Wir hoffen auch auf eine Gesundung unserer Finanzen und wünschen sehr, daß die rosenrote Schilderung, die Herr Wermuth jetzt von unserer zu- künftigen Finanzgcstaltung gegeben hat, sich erfüllen möge. Vielleicht kommen wir dann dazu, wenigstens die ungerechte st en der bewilligten Steuern zu beseitigen. Ich glaube freilich, wenn wir mit einer solchen Forderung an den Staaisjekretör kommen, wird er nichts mehr von dem wissen, was er heute gesagt hat. Als wir im vergangenen Jahre bei Beratung der Wertzuwachs- steuern die Aushebung der ungerechtesten und häriestcn Steuer, der Zündholz st euer, verlangten, sah der Staatssekretär nicht so rosig in die Zukunft wie heute, sondern sagte, er könne nicht einen Pfennig entbehren. Damals standen allerdings noch nicht die Wahlen so nahe vor der Tür.(Sehr gull bei den Sozialdemokraten.) Es ist ja nicht daS erste Mal, daß uns vor den Wahlen solche Er- klärungen abgegeben werden. Auch vor den Wahlen 1997 erklärte der damalige Sckatzsckrelär v. T h i e l m a n n und versicherte eS in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" mit den heiligsten Eiden, datz es neue Steuern sobald nicht geben werde. Also wir müssen solchen Erklärungen der Negierung vor den Wahlen mit g> otzem Mitztrauen begegnen, um so mehr, weil auch trotz des ersecnlickcn Exposös des Staatssekretärs nickt daran zu denken ist, datz die Er- träge der Finanzresorm ausreichen, wenn die Dinge sich in bezug auf die Ausgaben so gestalten, wie es die Mcbrheit wünscht. Eine neue Militär- und Flvttcnvorlage ist zwar noch nicht offiziell angekündigt— das tut man vor den Walzer wirkt, ohne datz in ihm irgend eine musikalische Wendung steckie, vor der man wirklich Respekt Jiaben könnte. Was seinerzeit geschaffen wurde, war so. datz man daran musikalisch lernen und bei näherer Betrachtung noch neue Schönheiten entdecken konnte. Damals war man immerhin ein bitzchen breit: aber man halte seine Freude und Behaglichkeit dara» Heute wird eine Operette nach allen Seiten so angelegt,° daß Schlag auf Schlag eine Hetze kommt, bis man sich endlich zu Tode langweilt. Harmlos waren die damals allerdings. Hoch- dramatisch wollten sie nicht sein. Kommt auf der Bühne eine lieber- rasckung, so macht die Musik irgendeinen einfachen Uebergang, während sie sich heute in einem solchen Fall gebärdet, als käine ein Erdbeben. Und nun ist eS ganz besonders interessant, zu sehen, waL ans dem nickt eigentlick Dramatischen von damals geworden ist. Der französische Altmeister Offenbach und der sogenannte„Schöpfer der deutschen Operette" S u p p ö wollten vor allem eine anmutige melodiöse Musik geben. So auch noch ihre Nachfolger. Nun aber mutzte die dramatische Entfaltung der Oper durch Wagner auch in die Operette bmüberspielcn. Die Anläufe dazu waren gering, aber merklich. So schon einigermaßen bei I. Strauß; sodann weiter bei dem Eng- länder S. Jones und dem Franzosen E. O. Audran. Aber e- konnte nichts Rechtes daraus werden, weil eine andere Linie der Eniwickclung über diese vornehmeren Versuche hinwegging: eben die Linie, bei der wir jetzt angelangt sind, also die der' AilSstattungS- Operette, bei der der Musikmacher wenig mehr bedeutet als der Kostümlieferant. Die AuSstaliungsopereile mit ihren Tanzduettcu und vergleichen, also ein Spezialfall dessen, was man die heutige Barbarisierung Deutschlands nennen kann und etwas höflicher sciue Amerikanisicrung zu nennen Pflcgtl Um so mehr können wir unS der Wiedererweckung O f k e n- b a ch s und S u P P e S freuen, nachdem beide in den letzten Jahr- zehnten mehr nur dem Namen nach bekannt geblieben waren. Zwar haben wir in Berlin noch immer keine zutreffende, da? hcitzt�ciiie zwerchfellerschüllernd ernste Neueinstudierung der„Schönen Helena". Aber wenigstens die Wiedererweckung der so überaus graziösen Ein- akter Offenbacks ist schon ein guieS Zeichen. Suppe besitzt zwar nicht die durchschlagende Originalität der Ofsenbachschcn Melodien, aber feine Musik ist durchgearbeiteter. Man mutz nur aufmerksam aufs Orchester und auf die Singslimmen hinhören, und man spürt den Zauber, spürt die Erholung gegenüber dm, geg-nwüitip-- Jahrmarlttreiben._ 8.„ Notizen. — Eine Spaltung in der Neuen Sezession. Die führende Gruppe der Neuen Sezession(Die Brücke) hat sich genviigt gesehen, aus der Neuen Sezeision auszutreten, um die künstlerischen Ziele der neuen Bewegung rein und kräftig durchführen zu köimen. Ihr gehören an: MaxßPechstein. Otto(Mucllet, E. L. Kirchner, E. Höckel. — WaS die drahtlose Telegraphie leistet. Der Dampfer„Neckar" vom Norddeutschen Lloyd blieb auf der Reise von Bremen nach Baltimore sieben Tage mit Norddeich in Verbindung. Die größte Entfernung betrug 3234 Kilometer. Dies ist die höchst- bisherige Reichweite einer Bordstation. Wahlen auch nicht. Aber schon kommt auS den Kreisen der Rechten und der Nationalliberalen, aus dem Floitenverein. der lebhafte Wunsch nach neuen Schiffen, neuer Heeresvermeh- r n n g. und wir werden sicher kurze Zeit nach den Wahlen diese Wünsche von der Regierung erfüllt sehen. Wie werden dann die Mittel aufgebracht werden, wirb man dann auch sagen, dah für nichtwerbende Zwecke keine neuen Schulden gemacht werden dürken? Tann wird von neuem der Kampf entbrennen darüber, ob auch bis Besitzenden zur Deckung der neuen Kosten herangezogen werden sollen. Die Erbschaftssteuer ist noch nicht begraben, sie. wird dann auftauchen und wir hoffen, daß im neuen Reichstage Sie lnach rechts und im Zentrum) dann nicht mehr so stark sein werden, nin die Erbschaftssieuer zu Fall zu bringen. Doch das find Dinge, die die Zukunft entscheiden wird. Vorläufig können wir gegenüber den Ausführungen des Staatssekretärs Mermuth nur . erklären: Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die zur Beratung stehende Vorlage anlangt, so werden wir für die U g a n d a b a h n stimmen, weil es sich nur um den Ausbau einer bereits bestehende» Strecke handelt und weil die Einnahmen dieser Bahn genügen sollen, um die Kosten zu decken. Dagegen lehnen wir die Zentralbahn ab. Wir halten es für wichiiger, daß zunächst die Verkehrswege und Bahnverhältnisse in der Heimat besser ausgebaut werden. Hier, wo es sich meist um rentable Strecken, zu denen die 5kommunen usw. Zuschüsse leisten, handelt, ist meist kein Geld vorhanden, wohl aber für die Kolonien, wo doch von einer Rentabilität der Bahn keine Rede ist. Es ist recht auffallend, daß derselbe Reichstag, der erst vor wenig Tagen eine ungeheuere Erschwernis des Verkehrs in Deutschland durch die Schiffahrtsabgaben herbeigeführt hat, jetzt 120 Millionen für Babnbauten in den Kolonien auszugeben bereit ist. Wenn Sie auch nur einen kleinen Teil davon zur Regulierung der Ströme in Deutschland verwandt hätten, hätten Sie die deutsche Schiffahrt nicht so zu schikanieren brauchen. Also wir sind für eine gesunde Entwickelung der BerkehrSverhältmsse vor allem in der Heimat.) gm M e m e I» gebiet bei Schmalleningken, Tilsit, Kloken und Sköpen Eisstand.— 4) Oberhalb der Brücke Eisstand. '■W Schluß ngchrten Sonntag Für Weihnachts- Bescherungen Ausnahme-Prebe für Tausende von Knaben» u. Jünglingssachen 65 p,, 2« Knaben-Hosen 150 aas BeiteB. für 8-8 Jahr* XM. u. 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Die erfte Zwedsverbandsvertainmluna für Groß-Beriin trat gestern vormittag 11 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaale" des Berliner Rathauses zusammen. Die Versammlung besteht aus IM Vertretern, darunter befinden sich 10 Sozialdemokraten. Die Versammlung wurde vom Oberbürgermeister K i r s ch n e r geleitet, der der Eröffnung folgende Einleitungsworte vorausschickte: „Meine hochverehrten Herren! Auf Grund der von dem Herrn Minister des Innern gemäß§ 40 des Zweckverbandsgesetzes für Groß-Berlin getroffenen Anordnung habe ich die Verbandsver- sammlung des Verbandes Groß-Berlin zu ihrer ersten Sitzung zu- sammenberufen. Das Verbandsgesetz begründet für die zu einem Verbände ver- einigten Kreise und Gemeinden das Recht und die Pflicht, eine Anzahl kommunaler Aufgaben als gemeinsam zu erfüllen. Es sollen durch diese gemeinsame Organisation für die Er- süllung dieser Aufgaben die Schwierigleiten behoben werden, welche sich bisher daraus ergeben haben, daß dem wirtschaftlich geeinten Groß-Berlin die rechtliche Gestaltung fehlt, es soll die Möglichkeit geschaffen werden, mit vereinten Kräften und unter Bcrücksichti- gung der Interessen der Gesamtheit in Zukunft Größeres und Besseres zu leisten, als das den einzelnen Vcrbandsmitgliedern möglich war. Ein solcher Verband ist nicht denkbar, ohne daß die einzelnen Vcrbandsmitglieder in ihrer Selbständigkeit beschränkt werden. Dieses notwendige Opfer an Selbständigkeit wird aber von den einzelnen Gliedern nur dann willig gebracht werden, wenn die Selbstverwaltung, deren sie sich erfreuen, durch die neue Gestaltung keine Einbuße erleidet. Es wird daher im Interesse einer gedeih- lichcn EntWickelung der neuen Organisation und einer glücklichen Lösung der ihr gestellten großen Aufgaben unsere vornehmlichstc Pflicht sein, eifrig darauf zu achten, daß die Verwaltung des Ver- bandes im Geiste der allen Verbandsmitgliedern teuren Selbstver- waltung geführt wird. Mit diesem Vorsatz wollen wir rüstig und eifrig an die Arbeit gehen in der Hoffnung und in dem Vertrauen, oaß wir einem schönen, einem guten Ziele zustreben, und daß es uns gelingen ivird, dieses Ziel zu erreichen zum Wohle Groh-Berlins und aller seiner Glieder. Lassen Sie uns jederzeit dabei eingedenk sein dessen, was uns allen gemeinsam ist und uns alle miteinander verbindet, vor allem der Zugehörigkeit zu unserem geliebten preußischen und deutschen Vatcrlande, dem wir, wenigstens auf einzelnen Verwaltungs- gebieten, eine möglichst vollkommene Hauptstadt, ein Groß-Berlin, zu schaffen berufen sind." Der Oberbürgermeister schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf den Kaiser, dann erhielt der Oberpräsidcnt v. Conrad das Wort zu folgender Ansprache: Hochverehrter Herr Oberbürgermeister! Meine Herren Ver- treter der Städte, Kreise und Landgemeinden von Groß-Berlin! Es gereicht mir zur besonderen Ehre und Freude, heute hier in dieser feierlichen und für die Weiterentwickelung Groß-Berlins so bedeutsamen Stunde das Wort ergreifen und Sie, meine Herren, namens der Königlichen Staatsregierung herzlich willkommen heißen zu dürfen, als Mitglieder der ersten Versammlung, die be- rufen ist, die Grundlagen des Verbandes Groß-Berlins nach den Bestimmungen des neuen Verbandsgesetzes zu schaffen. Ihnen allen, die Sie mitten im frisch pulsierenden Gemeinde- leben unserer Reichshauptstadt. ihrer Vorortkreise und-Gemeinden stehen und die Sie das Werden der Großstadt sowie die Gesetz- gebung der letzten Jahre verfolgt haben, brauche ich nicht näher dar- zulegen, welcbe Gründe die Königliche Staatsregierung und den Landtag der Monarchie zum Erlaß dieses Gesetzes bewogen haben. Sie wissen, daß bei aller Zustimmung zu den Grundtendenzen des Gesetzentwurfes sich auch manche Gegnerschaft gegen seine Einzel- heiten im Laufe der Verhandlungen geltend machte, da der Ent- Wurf dem einen zu weit, dem anderen nicht weit genug zu gehen schien. Bei dem damaligen Kampf der Meinungen ist von ver- schiedcnen Seiten, insbesondere auch von Vertretern der Berliner städtischen Körperschaften immer wieder betont worden, daß ohne Rücksicht auf frühere Gegnerschaft gegen Einzclbcstimmungen, überall der Wunsch bestehe, beim demnächstigen Inkrafttreten des Gesetzes mit aller Energie zusammenzuarbeiten zum Gedeihen des Verbandes. Ich betrachte diese Erklärungen als eine besonders gute Vorbedeutung für einen günstigen Erfolg Ihrer gemeinsamen Arbeit und für das dauernde Bestreben, Gegensätze, die Sie früher trennten und die zum Teil draußen Sie auch jetzt noch trennen mögen, beiseite zu lassen, wenn es gilt gemeinsam an den wichtigen Verbandsaufgaben zu arbeiten. Sind es dock, noch große und dankbare Aufgaben, die vor Ihnen liegen. Aufgaben, bei deren Lösung Sie die Augen unseres Vater- landes auf sich gerichtet sehen werden und zwar nicht nur deshalb, weil es die Reichsbauptstadt mit ihrer Wald- und seenreichcn Umgebung ist, deren Bild Sic in Zukunft gestalten sollen, sondern auch deshalb, toeil das Interesse weitester Kreise der Bürgerschaft, der Vertreter der Wissenschaft, der Künstler, der Gemeinde- und So- zialpolitiker sich gerade in den letzten Jahren den Problemen des Städtebaues in verstärktem Maße zugewandt hat. Und parallel zu dieser Arbeit an den technischen Problemen der Großstadt geht in neuester Zeit eine ethische Bewegung durch unser Land, die sich in die Frage kleiden läßt:„Was können wir für eine bessere sitt- liehe und körperliche Ausbildung unserer heranwachsenden Jugend. insbesondere unserer schulentlassenen Jugend tun?" Meine Herren! Die verschiedensten Organe des Staates, der Gemeinden und privaten Vereinigungen sind an der Arbeit für diese Frage eine Antwort zu finden. Auch Sie sind zur Mitarbeit an ihrer Lösung berufen. Hat es doch die rapide, sich überstürzende Entwickelung unserer großstädtischen Verhaltnisse mit sich gebracht. daß hier Gefahren der körperlichen und sittlichen Ent Wickelung der Jugend drohen, die als solche jetzt allseitig anerkannt werden. Licht und Luft für unsere groß- städtische Jugend und Erholungsstätten für die Arbeiter aus der Studierstube, dem Schreibzimmer und der Werkstatt werden Sie schaffen und erhalten können durch Ihre formell rechtliche Mit- Wirkung bei Bebauungsplänen und Bauordnungen sowie durch Ihre materiell wichtigen Beschlüsse über die Erwerbung von Freiland im Häusercmeer und an der Peripherie der Großstadt. Zugäng- sicher werden Sie die im Vcrbandsgebiet siegenden märkischen Wälder und Seen der großstädtischen Bevölkerung machen können durch die Art Ihrer Verkehrspolitik., Meine Herren, wie Sie sehen, greifen diese Ausgaben tief in Gebiete ein, auf denen nach Lage unserer Gesetzgebung staatliche Organe mitzuwirken haben, ich weise dabei hin auf die Baupolizei- lichen und eisenbahntechnischen Fragen sowie auf die Verwaltung der fiskalischen Forsten und öffentlichen Wasserstraßen, Rück- ficht auf diesen engen Zusammenhang ist dem Oberprasiocnten zu Ihrem Verbände dieselbe Stellung gegeben worden, die er'n der Provinz nach den Vorschriften der Provinzialordnung der Pro- vinzialverwaltung gegenüber einnimmt. Ich werde dcshalv �hren Arbeiten im Vcrbandsausschuß und in der Verbandsver, ammlung Die Versammlung trat dann in die Erledigung der Tages- ordnung ein. Auf dieser standen folgende Gegenstände zur Be- ratung: 1. Feststellung einer Geschäftsordnung(§ 20 Absatz 2 des Zweckverbandsgesetzes für Groß-Berlin). 2. Prüfung der Gültigkeit der Wahlen zur Verbandsver- sammlung 19 Nr. 9 ebenda). 3. Bezeichnung des von dem Ersten Bürgermeister der Sbadt Berlin zu bezeichnenden Mitgliedes und Vorbereitung der Wahl der von der Verbandsdersammlung zu wählenden 8 Mitglieder des Verbandsausschusses(§ 20 ebenda). 4. Festsetzung der Anstellungsbcdingungen und Vorbereitung der Wahl des Verbandsdirektors(Z 33 ebenda). Der erste Punkt wurde einer Kommission von 15 Mit- gliedern, Punkt 2 einer solchen von 5 Mitgliedern überwiesen. Zu Punkt 3 wurde Stadtrat Alberti-Berlin vom Vorsitzenden als Mitglied des Verbandsausschusses bezeichnet. Dieser Ausschuß besteht nach dem Gesetz aus dem ersten Bür- germeister der Stadt Berlin als Vorsitzenden, dem von ihm bezeich- neten Magistratsmitglied dieser Stadt, den ersten Bürgermeistern der 6 nach der Einwohnerzahl nächstgrößten Gemeinden des Ver- bandsgebietes, den Vorsitzenden der Kreisausschüsse der Kreise Teltow und Niederbarnim und 8 von der Vcrbandsversammlung zu wählenden Mitgliedern und dem Verbandsdircktor. Die Versammlung wählte folgende Herren: Bürgermeister Dr. Reicke-Berlin, Stadtverordnetenvorsteher Michelet-Bcrsin und Stadtverordnetemwrsteher-Stellvertreter Cassel-Bcrsin, Stadtver- ordneter Heimann-Berlin, Bürgermeister Buhrow-Steglitz, Amts- und Gemeindevorsteher Schulz-Gr.-Lichtcrfelde, Bürgermeister Kuhr-Pankow, Landrat a. D. v. Treskow-Friedrichsfelde und als Ersatzmänner die Herren: Stadtbaurat Krause-Berlin, Stadtbaurat Dr. Hoffmann-Berlin, Stadtverordneter Rofenow-Bcrlin, Stadt- verordneter Bracke-Bcrlin, Bürgermeister LangerhanS-Kopenick, Bürgermeister Mussehl-Tempelhof, Bürgermeister Dr. Woelck- Weißensee, Bürgermeister Dr. Berthold-Oberschöneweide. Der 4. Punkt der Tagesordnung wurde einer Kommission aus 25 Mitgliedern überwiesen. Diese sind: Oberbürgermeister Kirschner, Kämmerer Steiniger-Berlin, Stadtrat Geh. Dr. Masse- Berlin, Stadtverordnetenvorsteher Michclet-Berlin, Stadtver- ordnetenvorsteher-Stellvertreter Cassel, Stadtverordneten Schulze- Versin, Jacobi-Berlin, Rosenow-Bcrlin, Heimann-Berlin. Bruns- Berlin, Bürgermeister Langcrhans-Köpenick, Bürgermeister Mussehl-Tempelhof, Kommerzienrat tzaberland-Schmargendorf, Bürgermeister Kaiser-Rixdorf, Stadwerordnetenvorsteher Sander- Nixdorf, Kämmerer Machowicz-Schöneberg, Kammcrhcrr v. Vclt- Hcim-Schönfließ, Bürgermeister Wcigert-Tegel, Dr. Hahn- Rummclsburg. Wilcke-Neinickendorf, Oberbürgermeister Schusteh- rus-Charlottenburg, Stadtvcrordnetenvorsteher Kaufmann-Char- lottenburg, Stadtverordnetenvorsteher Koch-Wilmersdorf, Bürger- meister Kocltze-Spandau, Stadtverordneter Roeder-Lichtenbcrg. Gegen 12 Uhr war die Sitzung zu Ende. Um 1 Uhr traten die von der Versammlung eingesetzten Aus- schüsse zur Beratung zusammen. � Das Gehalt des Verbandsdirektors des Zweckverbaiches Groß- Berlin ist von dem gestern gewählten Ausschuß auf 20 000 Mark festgesetzt worden. Dem Direktor soll ferner ein Wohnungszuschuß von 5000 Mark gewäbrt werden. Das Gehalt des Direktors wird als pensionSsähig erklärt. Die Wahl soll auf sechs Jahre erfolgen. Ob die Stelle ausgeschrieben werden soll oder nicht, darüber soll das Plenum entscheiden. Airtichasilkher Kochenbericht. Berlin, den 2. Dezember 1911. Der Kampf in der Metallindustrie.— Ein strittiger Punkt.— Ausfall im Weihnachtsgeschäft.— Die Girsiercicn zwischen den Puffern. — Die Ausfuhr von Maschinen, Fahrzeugen und elektrotechnischen Erzeugnissen.— Kursbewegung und Börscnhoffnungcu.— Kurzsichtiges Verhalten der Konfektionäre.— Schlechte Löhne im In- lande, Schubzoll im Auslände. Zwei wirtschaftliche Kämpfe. Die Aussperrung in der Metall- industrie ist die Konsequenz eines Beschlusses der Metall- industriellen, dessen Voraussetzungen falsch waren. Man halte wohl gehofft, durch die Aussperrandrohung eine Pression auf die Arbeiter auszuüben und so, ohne genügende Zugeständnisse, die streikenden Former zum Aufgeben des Kampfes zu zwingen. Die Streikenden lehnten aber die in letzter Stunde formulierten Ver- gleichsvorschlägc ab. Gewiß ohne zu wollen, unterstrich Kammer- zienrat Borsig die Berechtigung der ablehnenden Haltung. Ein Hauptgrund für die Former, die Vorschläge nicht zu akzcp- tieren, tvar die Bestimmung über die Bezahlung von Ausschußgutz. Die Bezahlung soll danach nur dann erfolgen, wenn den Akkord- arbeiter für Fehlguß keine Schuld treffe; falls die Schuldfrage sich nicht feststellen lasse, soll der halbe Akkord bezahlt werden. Die Former, die sich wohl mit ihrer Ansicht auf Erfahrungen stützen, befürchten, daß man sicher in allen Fällen ihnen die Schuld zu- schreiben würde. Einem Mitarbeiter des„Berk. Tagebl." gegen- über erklärte Kommerzienrat Borsig, solche Befürchtung sei nicht „in vollem Umfange stichhaltig". Das muß man festhalten. Wenn die Befürchtungen auch nur zu drei Vierteln stichhaltig sind, dann hatten die Former wahrlich Grund genug, sich vor der Differenzen- schlinge zu hüten. Daß die Bestimmung bei den Formern auf Widerstand stoßen würde, konnten die Unternehmer sich voraus- sagen. Nun hat der Versuch, die Arbeiter zu übervorteilen, eine gewaltige Störung in der Gütererzeugung hervorgerufen. Wird der Kampf nicht bald gütlich beigelegt, dann ist seine Ausdehnung noch nicht abzusehen. Die strikte Durchführung der Aussperrung würde etwa 05 000 Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos machen. In einigen Betrieben hat sich übrigens sofort ein Teil der Nicht- ausgesperrten mit den Entlassenen solidarisch erklärt, teils waren schon vorher Arbeiter den Betrieben durch die Organisation ent- zogen worden. Rechnet man mit rund 70 000 Personen und nimmt r.ian für jede eine Feicrzeit von zwei Wochen an, sowie einen Durchschnittslohn von 4 M., so ergibt sich für sie ein Lohnausfall von 3 360 000 M. Ein Teil davon würde durch die zur Aus- zahlung gelangende Unterstützung aus der Verbandskasse gedeckt. Es bliebe aber immer noch ein erheblicher Einkommensausfall. Dieser Ausfall würde sich� im Geschäftslcben durch Verminderung der Wcihnachtseinkäufe usw. bemerkbar macken. Jedenfalls wird die Geschäftswelt in gewissem Umfange durch die Aktion der In- dustriellen in Mitleidenschaft gezogen. Der Ausgangspunkt des Kampfes ist aus dem gewerkschaftlichen Teil des„Vorwärts" bekannt. Die Akteure der Aussperrung sind die Elektrizitätswerke, Loko- motiv- und Maschinenfabriken. Gerade diese Werke können ani allerwenigsten schlechte Geschäftslage oder ungünstige Preise für den Widerstand gegen die bescheidenen Forderungen der Former ins Feld führen. Weniger erfreulich liegen die Verhältnisse für die reinen Gießereien, die das Robeisen teuer bezahlen müssen, aber ihren weitervcrarbcitendcn Abnehmern keine Preise diktieren können. Gerade die Unternehmer, die nun als Netter in der Rot jwgjwwK&�jagija zeichne». Dem Werte nach stieg die Ausfuhr von Maschinen im Vergleich mit dem Vorjahre von rund 384 Millionen Mark auf 405'Millionen Mark, bei den elektrotechnischen Erzeugnissen ergibt sich eine Steigerung von 181 Millionen Mark auf 218 Millionen Mark und der Export von Fahrzeugen stieg von 117 Millionen Mark aus 136 Millionen Mark. Die Ausfuhrsteigerung hat im laufen- den Jahre angehalten. Während in den ersten 10 Monaten 1910 für 658 Millionen Mark Maschinen, Fahrzeuge und elektrotechnische Produkte ausgeführt wurden, ergibt sich für die gleiche Zeit des laufenden Jahres schon eine Summe von 741 Millionen Mark.� Die flotte Beschäftigung in der Elektrizitätsindustrie kommt übrigens auch in der Krankenkassenstatistik in die Erscheinung. Für die Maschinenindustrie liegen gesonderte Nachweise leider nicht vor. Die 13 Fabrikkrankenkasscn der Elektrizitätsindustrie zählten am 1. Oktober vorigen Jahres 41876 männliche und 11 473 weibliche Mitglieder, zusammen 56 349 Mitglieder; am 1. September d. I. 49 359 männliche und 13 510 weibliche, zusammen 62 869 Mit- glieder; im September trat eine weitere Zunahme um insgesamt 793 Mitglieder ein. Sonach hat sich die Zahl der Beschäftigten in einem Jahre um 7313 Personen, gleich 13 Proz. erhöht. Daß auch die Prcisverhältnisse befriedigen, bestätigen die Ge» winnausschüttungen. An der Börse scheint man übrigens der An- ficht zu sein, daß die Aussichten sich noch bessern, denn die�Aus- spcrrung hat den Kursstand kaum berührt. Es notierten nämlich: mit größtem Interesse folgen, und es wird mir stets eine Freude � sich aufspielen, zwingen die reinen Gießereien in die Rolle zwischen sein, mich zum Vermittler' Ihrer Wünsche bei den übrigen staat- Puffern. Die Sckwdloshaltung soll bei den Arbciterlöhnen erfolgen. lichen Lrgcknen machen zu können, welcbe die Erfüllung der großen Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist das Verhalten der Aus- vor Ihnen liegenden Aufgaben zum Ziele haben.! spcrrungstreiber noch weniger einwandfrei. Während man sonst Möchte die gemeinsame hier zu leistende Arbeit stets der i;or- j nicht genug sich entrüsten kann über die Störung in der Produk- derung des Gcsamtgeistes des Verbandes dienen und segensreich tion, werden jebt aus nichsigem Grunde große Bctriebseinschrän- tein für die Bevölkerung aller Gemeinden von Groß-Berlin. In i kungcn angeordnet, obwohl es an Aufträgen nicht fehlt. diesem Sinne wünsche ich Ilster gemeinsamen Arbeit besten Er- Ein Bild von der Entwicklung gibt die Ruß.nhandclsstatistik. t Schon im Jahre 1910 war ein erheblicher Aufschwung zu ver- 23. Novbr. 263.37 182.50 241,87 134.62 163,25 1. Dczbr. 266,50 135.25 245,25 136,50 165,62 Allgemeine Elektrizitntsgesellschast... Gesellschaft für eleklrtickie Nnternehmungen Siemens u. Halske A.-G....... Elektrische Kraft und Licht A,-G..... Schlickert............ Weder die drohende, noch die perfekt gewordene Aussperrung brachte die Kurse zum Stillstand. Vielmehr trat in den beiden letzten Tagen noch eine Befestigung ein. Nicht mit Unrecht erwartet man, daß die nun flott einsetzende Etektrisizicrung von Eisen- bahnen und Anlage von Uebcrlandzcntralen der Elektrizitäts- industrie eine Fülle von Beschäftigung, gleichzeitig aber auch, was das wichtigste ist, enorme Gewinne garantiert. Solche Annahme ist durchaus berechtigt. Dabei profitieren aber auch die Maschinen, fabriken und Gießereien. ES ist daher sehr kleinlich, daß man wegen der sicher nicht zu weit gehenden Forderungen der Former einen Riesenkampf, eine umfangreiche Unterbrechung der Pro- duktion anordnet. Die Herrschsucht und Profitgier des Kapitals ist der treibende Faktor. Sehr unvernünftig und von kleinlichen Gesichtspunkten diktiert ist auch das Verhalten der Konfektionäre, die durch die Weigerung, die Lohnverhältnissc in der Dainenmäntelbranche tariflich zu regeln, den Streik der Heimarbeiterinnen und Wcrkstattarbciter provo- zierten. Daß dieser Kampf das Geschäftsleben ebenfalls ungünstig beeinflußt, ist selbstverständlich, wenn der Aussall auch lange nicht solche Bedeutung hat, wie durch den Kampf in der Metallindustrie. Die niedrigen Löhne in der Konfektionsindustrie erlauben ohne- hin schon keine großen Sprünge. Die schlechte Entlohnungn bildet aber auch eine treibende Kraft bei den Erschwerungen, die der Einfuhr deutscher Kon- fektionserzeugiiisse in andere Länder bereitet werden. Unsere Kon- fektionäre weisen nicht mit Unrecht darauf hin, daß die Erhöhung der ausländischen Zollmauern ihnen den Absatz auf dem Welt- markt erschwert. Sie vergessen aber hinzuzufügen, daß die niedri- gen Löhne in Deutschland ein starkes Argument bei der Forde- rung jener Schutzzölle bilden. Die zollnsternen ausländischen Konfektionäre erklären, es sei notwendig, die einheimische Arbeiterschaft gegen die Schmutzkonkurrenz mit den in miserabel entlohnter Heimarbeit hergestellten deutschen Konfcktions- artikeln zu schützen. Und solchen Argumenten geben die Kon- fektionäre durch ihr jetziges Verhalte» neue Nahrung. Daß der Einführung von Tarifen zu große technische Schwierigkeiten ent- gegenstünden, wie die Herren behaupten, glaubt ernstbaft doch kein Mensch. Die Konfektionäre wollen nur keinen Einblick in die Ver- Hältnisse gewinnen lasse». Daher auch der von ihnen veranlasste Protest gegen die Einführung von Lohnämtern für die Heim- industrie durch ein Hennarbeitergesetz. Hier kann man doch nicht von technischen Schwierigkeiten reden.— So arbeiten die Kon- fektionäre den Schutzzöllnern im Auslande in die Hände, gerade so, als ob sie dafür �bestellt wären. Wenn man berücksichtigt, daß unter den Millionären, die Berlin in den letzten drei Jahrzehnten produziert hat, ein erheblicher Teil Konfektionäre oder ehemaliger Konfektionäre zu finden ist, so kann nicht davon geredet werden, daß die Konfektionäre keine besseren Löhne bezahlen könnten. Mit dem hartnäckigen Verweigern geregelter Arbeitsverhältnisse, die das Licht der Ocffcntlichkeit wenigstens nicht mehr so zu scheuen haben, wie die bisher herrschenden Zustände in der Heimarbeit, untergraben die Konfektionäre sich selbst in kurzsichtiger Weise die Absatzgclcgenheiien, ziehen sie sich eine durch Zölle geschützte Kon- kurreuz im Auslände groß. Die Durchführung der von den Ar- beitcrn geforderten Regelung liegt ebensogut im Interesse der Unternehmer und der gesamten Volkswirtschaft, als wie in dem der direkt beteiligten Arbeiter. v. /Zug der partei, Die Bestattung von Paul und Laura Lafargne. Paris, 3. Dezember. Schönhausen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/13 Der Borstand. zirrlillnd der Maler, | Lackierer, Anstreicher nfui. Filiale Berlin. Zahlstelle Charlottcnburg. Am 1. Dezember starb unser | Mitglied Gustav Dubuy. Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 5. d. MlS., nach- mittags>/,4 Uhr, von der Halle deS Südwest-FriedhostSinStaynS- dorf aus statt. Y-rmroerstarb am ,. Dezember | unser Mitglied, der Kollege Max Kreuz. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. 130/7 Deutscher Transportarbeiter-Verband. Cezirhsverwaltung GroS-Gorlin. Den Milgliedern zur Nachricht. das, unser Kollege, der Bretter- träger Kar! Lcbmidt nm 2. Dezember im Aller von 34 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S Dezember, nach- mittags 3 Uvr. von der Leichen. balle des Rixdorier Gemeinde. Frledhose«, Goltsried- Dtmlel- strasje, auS statt. 58/14 Um rege Beteiligung ersucht Tie vrzirksvcrwaltung. Danksagung. Für die herzlichste Teilnabme und die reichen Kranztpenden bei der Be- erdigung meines lieben Gatten, Vater. Bruder. Lnlel und Schwager Hcninsiin Aurich spreche allen Verwandien. Freunden und Belannleti metneti herzlichsten Datil au« Ferner ven Kollegen de« Verbandes der Gemeinde- und SlaalS- arbeiier. vir traaerodeD HinterbliebeneD Witwe G. Aurich nebtl Tochter. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltunpestelle Berlin. Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Widert Prehm am 1. Dezember an Lungenleiden gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S. Dezember. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Städtischen Fried- voseS in der Müllerstratze aus statt. 152/9 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traunge Nach- richi. datz am 30. November meine imtigst geliebte Frau Luise Lorenz geb. Borchers an den Folgen einer GaSver« gtstung verstotben ist. Die« zeigt tiesbctrübt an t83lb Baut Lorenz. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S. Dezember, nach- mitlaaS 4 Uhr, von der Leichen- balle deS neuen Jalobi-KirchhoseS, Rixdors, Hermannllratz«, auS statt. Danksagung. Für die vielen Beweise, herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben, unvergetztichen Sohnes und BruderS Ott« sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. S74L Im Name» der trauernden Hinier- bliebenen Fritz Kant. Dmtksagtmg. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und zahlreichen Kranzspenden bei oer Beerdigung meines lieben ManncS, des Dachdeckers Pntz Schröder sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Belannlen, inSbeiondere seinen Kollegen vom Dochdecker-Ver- band, den Parteigenosse« deS 4. Kreise«. serncr dem Herrn Redner sür die trostreichen Worte und dem Gesang- quarlett meinen herzlichsten Dank. Witwe Sehröder. Pusener Str. 24. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und guten Vater«. des TSpser« Wilhelm Plesher läge ich allen Teilnehmen!, Verwandten Freunden und Bekannleit, Gesangoerein WilmerSdorser Mannerchor, dem Sozialdemolratl- .v Wahlverein, dem Zcnlrawer- band der Töpfer. Filiale Berlin, der ynmburger Zenlral-Slerbelasse und der Lchönebei ger und Steglitzer Zahl- stelle meinen besten Dank' �' Oio trauernden Hinterbliebenen Marie Piesker und Kinder. /-r Me«ehn Beweise der Teil- ;Ä.,Ä Julius Waeder sowie für die herrlichen Kranzspenden spreche ich bienntt allen B-tannicn. Freunden und Kollegen meine« Sohnes, auch im Namen meiner Kinder, meinen tiesgesühlten Dank auS. Pzuline Waeder Pestalozzistr. 70. Danksagung. För die vielen Beweise hetzlicher Teilnahme beim Hiuschelden meiue« geliebten ManncS /llartin Wunderlich jage ich aus diesem Weg«, da eS mir nicht möglich ist. l'dem Einzelnen zu danken, herzinnigen Dank. Uj84d Emilie Wunderlich nebsl Kindern. Für die vielen Zeichen der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unierc« guten Vater« •foseph Völker sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. 18836 Emma Völker und Kinder. '■i»1 Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., Brunnenstraße 66. Große Aaswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, HDte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* SProz-Rabatt beim Vorzeigen dieses Inserats. Säit- Für Damen! /Einzelverkauf nnrv. 12-8 Uhr. aus blaa.a. Paletots stoff. 7�°» 10) 15 m. Frauen> Paletots aus sohwarzemlCOO Eskimo.. ca. 200 Kinder- Paletots 3°° 450 ca SOOKostlimriieke Wort bis 12.00, zum Aussuchen A 50 jeder Rock � Elegante Pcluche-Mäntel U. Kostüme, sehr preiswert. Kein Laden.-Wi> —4 Sonntag I— I Fahrgeld 1— | geatfnet ersetzt[— Zt. Kegmann Grüner Wey 48, part., an der Koppcnztraße. Fahrgelegenheit: Elektr. Bahnen Nr. 1.3, 6, 16, 22, 31, 46, 76, 78, 79. Umtausch gestattet. detail B En gros Knaben-... 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Thermos-Aktiengesellschaft,BeriinW.35. Geben Sie ocht S Enge'Hardt- Caramel-Bier fiberull käuflich f es kommen Caramel-Biere in den Handel, die oft minderwertige Nachahmungen unserer renommierten Qualitätsbiere sind.— Sie können sich vor solchen Nachahmungen schützen, wenn Sie auf das blaue Etikett und die Firma achten: EINCLIMIin GrSsste Malzbierbranerei Dentechlands— < Uieckr Nkichstilgs-Wahlkreis. Donnerstag, den 7. Dezember, abends 8V2 Uhr, in„Kellers Festsälen", Koppenstr. 29: General- Versa inm 1■■ 11 g-. Tagesordnung: 1- Referent: Reichstagsabgeordneter Otto Büchner. 2. Aufstellung des Kandidaten. _ SMF" Mitgliedsbuch legitimiert. 207/9« Der Vorstand. 2m Wahlkreis. Dienstag, den 5. Dezember 1911, abends 8Vs Uhr: Oeffentliehe politische VersammluDgen in folgenden Lokalen: kocUbrsuere!, rviuveidoter»«rs, Kllems k�estsäle, sa«e»l»v»a« is/»z, �üssles t�estsÄle, IDvniKovit-str. 13. Tagesordnung: Der jehigt lleichstag mid die getiinHleil Wähler. Referenten: Reichstagsabgeordnete Prank-Mannheim, Paul(ZvlAre, LeveriNA-Bielefeld. MM" Jedermann eingeladen: Freie Diskussion. 212/3« Der Vorstand. Seelster Wahlkreis. Dienstag, den 5. Dezember 1911, abends 8V2 Uhr: OeMliche politische Versammlungen in folgenden Lokalen: Obiglo�s Festsäle, Schwedter Str. 23/24. Konzerthallen Sützmilch, Bornholmer Str. 7. Borussia-Säle, Ackerstr. 6/7. Volk, Klassenherrschaft und Regierung. Referenten: Reichstagsabgeordneter Aäols Alkreellt- Halle a./S. Reichstagsabgeordneter jterl Naderlsnck- Düsseldorf. Stadtverordneter Jtfax CrunwaM- Berlin. 233/12« Die Einberufer: Wilhelm Banmann, RheinSberger Str. 67. Otto lincke, Ueckermünder Str. L. _ Solomon Joseph, Tieiksir. Zt._ mr HIXIloeF-wm ftchtung S Reichstagswähler! Achtung! Heute Dienstag, abends 8'/? Uhr: Am öffentliehe Viskler-Vernmmlmigeii Tagesordnung: i. Die Belastung des Volkes durch die Stenern und Zölle. 2. Freie Diskussion. 3. Verschiedenes. 237/4 in folgenden Lokalen! Für den 10. Kmmiingl-VVsfcifit bei Wolfs. Kirchhofftrasie 41. Reserent: Genosse S p ti t h e. Für den 4. u. 5. Komiminal-Waiilbezirk in den Passage-Fcstsiileii. Bergftr. ISl. Referent: Genosse KUiß. Für den 22. Kommunal-Wahlbezirk im Karlsgarten. Karlsgartenstr.6/10 Reserent: Genosse Waeher. In Anbetracht der überaus wichtigen Tagesordnung wird Massenbesuch erwartet. Das soslaldemohratlsehe Wahlkomitcc. Verband der Klaler, Lskwsrer, Anstreicher Melchiorftraße 28, Part. TlUale Berlin. usw. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag» den 7, Dezember, abends S'/a Uhr, in Dräsels Festsälen, Reue Friedrichstr. 35: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: t. Abrechnung vom dritten Quartal 1911. 2. Vcrbandsangelegenheitcn. ——— Mitgliedsbuch legitimiert.—— 130/9« Tie Ortsbettvaltung. NB. Tie für die Sektion der Lackierer zum Tonnerstag, den 7. d. Mts., fest- gesetzte Versammlung fällt wegen der Filialversammlnug ans, und werden die Kollegen ersucht, in der letzteren zn erscheinen. Ä D. O. Kcklüiiitiiililhiiiig. 10V0 Mark Beloimuug erhält derjenige, welcher Täter oder Teilnehmer des in der Nacht zum 19. November 1911 in der Kanline des hiesigen Zentralgüterbahnhols an dem Kaffceküchcnwirt Dlrleh verübten Raubmordes zur Anzeige bringt. 273/13 Stetlin. den 1. Dezember 1911. Der Erste Stantsamvalt. Eile..Welle! NQ Dresdener Straße IIQ 113(Eckbaus Oranienpl.) Hu Muffen, Kolliers Sxtra billige ?reise! Lebte Skungs-Stolas von 25 M. an. Pclz-Hüle, Hutstreifen Felle, Köpfe, Schweife in allen Fellarten. Eipe Kiirselinerei. Jedermann erhält die im Fenster ausgestellten Gegenstände sofort für den bezeichneten Preis. Dilta genau auf Nr. DIU" 11» und Kile zu Welle z. achten. Gegründet 1864 1 ISI waren. Engros— Export. S. Schlesinger, Neue Königstr. LI Ordonnanzhaus. Kein l.adcn! II. Etage. Elnzelverkau! wie alljährlich zu billigst. Preisen Pelz-Stoias Muffen Chick garnierte Dameopelzhiite federleicht. Reparaturen sauber und billig. Sonntag geäflnef. Bitte genau auf Hausnummer 21 zu achten. Verband der Maler, Saehierer, Anstreieber etc. Bureau: Melchiorstr. 28. Part. Etil»!» Doosin Arbeitsnachweis: Rückerstr. 9 Fcrnspr.: Amt 4. 4787. llllul" DCrllll. Fernspr.: Amt 3, 6708. Küehenmöbelbranehe. Mittwoch» den 6. Dezember, abends 6'/, Uhr, im Enslischen Garten, Sllexanderstr. 27c: 130/8 Brancheia- Vcrfaiaitwlwwg. Die Tagesordnung wird in der Verfammwng bekanntgegeben. Das Erscheinen aller Kollegen erwartet_ Der Obmann. fraucnltimrarccht Groß-Berlin! frauenwol)! Groß-ßerlin! Dienstag, den 5. Dezember, abends S'/a Uhr, in den„.Irminhallen", Kommandantenstr. 58: Uevtiiede Voiksversatnitilnng Thema: Jleimarbeiterschutz und Konfektionsarbeiterstreib. Reserentcn: Retchslagsabgeordneler Robert Schmidt. Fräulein Else Lfiders._ 18856 Bf Vcrn-aUnne Berlin. Branche der Modell- n. Fabriktischler und Modelldrechsler. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8 Uhr: NelUmusmiiütt- NttsmlW bei Woldt, Pflugstraße 5. 93/13 Tagesordnung: Die Aussperrung in der Metallindustrie. Jede Werkstatt muft vertreten sein. Die Vertrauensmänner- Versammlungen � der übrigen Bezirke und Branchen finden am Mittwoch nicht statt. Die Drtsvertvaltangx. Mitwoch, drn 27. Dtsember(3. Mtihilnlhtsfkitrtng): Weihnachts-Vergnügen in„Mörners Festsälen44, Koppensfraße 29. ZM- Billetts a 50 Ps. werden in sämtlichen Zahlstellen ausgegeben."Wtffl Perlmutter� und Hornarbeiter. Mittwoch, den 5. Dezember, findet keine Branchen- Versammlung statt._ Der ObmaünV mm WWmi-ArdÄerimik«. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 61/, Uhr(gleich nach Arbeits» schlich), im Lokal zum„Pralaten-, W e i st e n s c e, Berliner Straste, Ecke Lehderstraße: WST Versammlung"fÄI für alle Arbeiterinnen der Dampfwaschanstalten„Ilse", „Gumpel",„Altenburg",„Kulicke",„Brey er",„Walter u. Co.",„Ida",„Schneewittchen",„Juwel",„Tavidsohn" und„Splendid". Tagesordnung:.Mißstände in den Dampswalchanstallen und die Leiden der Wäschearbeitcrinnen-, Reserenl: Kollege W. Eue. 5M- Kolleginnen I Agitiert sür die Veriammlung unv erscheint alle! IZn.SimmsI Lpeeisl-�eN für Usut- und Hsrnleiden. Prinzeuslp. 41, ÄPr,z 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Qrojte 7irma vergib. Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Deilzahlung ohne Anzahlung. Keine Kassierer. Cliisire L. 100,.Vor« wärts"°Spedit!on, Augustftr. 50.« IM Driever, valt» NA llei'II». Bureau: Berlin C., Nosenihalerstr. 11/12, Reslauranl Schilling. Amt III, 2438. s Achtung!- bo/i« Wir cnivsehlcn bei Veranstaltung von Vergnügen nsw. den geehrten Vorständen, Komitees und Saaliiiliaberu imscrcii kostenlose» Arbeitsnachweis, Nosenihalerstr. Il/IZ. Goschättszeit täglich von 10'/,- 1 Uhr mittags. Kapellen vom gvösilcn bis lleinsten Orchester stehen jederzeit zur Vetsügimg. Der Borstand. I7L. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Konlrolllarle. Dieselbe ist sür das 4. Quartal lila und must mit dem Verbandsstcinpel versehen sein.'Alle andere Lcgitintalion ist ungültig und ist sosort anzuhalten. «II S'/s Uhr: flilHIUto Mittwoch, den 6. Dezember er., abends KllAemeine bei Boeker, Weberstr. 17, Tagesordnung: 1. Die Gcwerlschaslen und die bcoorstchenoen Reichslagswahlen. Res.: Genosse Rleko. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 170/8 Vollzähliges Erscheinen crwarlct Div DrtsvQrrraltanA. -Ii.»»KS!'» (S. H. Nr. 2, Hamburg.) Ocrlliche Verwaltung Berlin. Donnerstag, de» 7. Dezember, abends 8'/i Uhr: MitglieckeI*»Versammlung im Gewerkschaftshaus, Eugeluser 13, Saal 1. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wie denken die Mitglieder über die lernere Gestaltung der Kasse. 253/10« Der Vorstand. I. A.: Richard Schröder, Tiisitcr Str. 7 Kugo SeKng | Weingronhandluiig o. Likörfabrik Eiozelverkaii! Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Mr den Znferatenteilverantw.tTlj. Glocke. Berlin. Druck».Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Eo., Berlins�. Nr. 284. 28. Jahrgang. 3. WIM des JsriMrio" Kerl« KcksM lliHistns. 5 Jfitiiikt 1911. Die Berliner Parteigenolfen im Belchztagstvahlllampf. Fm ersten Wahlkreis fand am Sonntagmittag eine gutbesuchte Wählerversammlung im Zelt 4, Tiergarten, statt. Der Landtags- abgeordnete Heinrich Ströbel hielt einen Vortrag über das Thema..Volksnot, Kriegshetze und Sozialismus". Er schilderte die Bedrückung des Volkes durch Steuern und Zölle zugunsten der besitzenden Klasse und ihrer imperialistischen Politik. Scharfe Kritik übte der Redner im Laufe seiner Ausführungen an dem Verhalten der Freisinnigen, die zwar mit schönen Worten niemals sparten, aber, an ihren Taten gemessen, sich stets als Vertreter der Besitzenden gezeigt hätten. Die Arbeiter, die kleinen Geschäfts- leute, die Unterbeamten, die Leute des bedrängten Mittelstandes, sie alle lassen sich täuschen, wenn sie glauben, Rettung aus ihrer Bedrängnis beim Freisinn finden zu können. Die Freisinnigen hätten noch immer versagt, wenn sie Stellung nehmen sollten gegen die Interessen der Besitzenden. Der Redner gedachte der Kriegshetze der jüngsten Zeit und des schwankenden Verhaltens des Freisinns. Er schilderte die furchtbare Kriegsgefahr und wie sie gesteigert würde, wenn den fortgesetzten Rüstungen nicht eine energische Opposition entgegengesetzt wird. Dazu aber sei allein die Sozial- demokratie entschlossen, die dem Kulwrfortjchritt die Bahn frei- machen wolle, die den Frieden der Nationen zu erhalten und die Volksrechte zu verteidigen entschlossen ist. Mit einem Appell an die Wähler, am 12. Januar dem sozialdemokratischen 5wndidaten die Stimmen zu geben, schlost der Redner seinen sehr beifällig auf- genommenen Vortrag. Zur Diskussion forderte der Vorsitzende die Gegner heraus, aber niemand meldete sich. Aus der Versammlung wurde gerufen:„Wo ist Kaemps?" Her Kaempf war nicht da. Der Vor- sitzende verlas Entschuldigungsbriefe von dem Vorsitzenden der Demokratischen Vereinigung und von dem Ausschuß der Privat- angestellten, die am Erscheinen in der Versammlung verhindert waren. Genosse Dr. Heinemann nahm dann das Wort, um darauf hinzuweisen, daß uns die aufregenden Ereignisse in der großen Politik leicht vergessen lassen, was uns in der inneren Politik vom neuen Reichstag droht. Er erinnere an die Strafgesetznovelle, zu der Professor L i s z t, ein eifriger Verteidiger der Kandidatur von Kaempf, einen Gegenentwurf ausgearbeitet habe, der unglaub- lich reaktionäre Bestimmungen enthalte. Vergehen gegen den 8 153 der Gewerbeordnung sollen mit Gefängnis bis zu einem Jahre, das kleinste Streikvergehen mit Geldbuhen bis zu 5000 M. bestraft werden. Vor dieser„freisinnigen" Politik könne man nicht genug warnen. Der Kandidat unserer Partei, Düwell, hielt eine recht ein- drucksvolle Ansprache an die Versammelten, in der er schilderte. wie das Agrariertum und der Jnduftriekapitalismus, unterstützt durch den Ultramontanismus, heranstürmen, um das aufstrebende Volk niederzuhalten. Im besonderen svradj er dann über das Ver- hältnis der Privatangestellten im Wirtschaftsleben. Ihre ideo- logisch« Auffassung von der Stellung, die sie einnehmen, werde zerstört von der Wirklichkeit, die ihnen Klassenkämpfe ausnötigt, um ihre Rechte als Arbeiter zu verteidigen.— Uebergehend auf den bevorstehenden großen Kampf um den Reichstag, forderte der Redner zur vollsten Kraftentfaltung auf. denn diesmal gelte es, einen Schritt vorwärts zu kommen oder niedergeworfen zu werden. (Beifall.) In seinem Schlußwort warnte der Vorsitzende vor einer Ver- trauensseligkeil der Demokratischen Verr' igung gegenüber. Für uns stehe die soziale Frage im Vordergrunde, die wir stets im Auge behalten müssen. Mit Hochrufen auf unsere Partei schloß die Versammlung._ partci- Hnö(elcfl[cnbciteii. Zweiter Wahlkreis. Heute Dienstag, den 5. Dezember, abends gl/g Uhr. finden drei öffentliche Versammlungen statt: In der Bock- brauerei. Tcmpelhofer Berg. Kliems Festiäle. Hasenheide 12/13, und N'ßleS Fcstl'äle. Dennewitzstr. 13. Tagesordnung: Der jetzige Reichstag und die octäiischlen Wähler. Referenten: Die Reichstags- abgeordneten Genossen Dr. Frank. Paul Göhre und Severing. Die Genosse» werden gebeten, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Morgen Mittwoch, den S. Dezember, abends 8>/z Uhr. findet in den Armin hallen, Kommandanlenstraße 58/59, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Tagesordnung:„Die Er- öffnung des ReichStagswahlkampses. Referent: Sradtverordneter Wilhelm Piannkuch. Wählerversammluugen im Kreise Niederbarnim tagen am: Dienstag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr, in F r i e d r i ch s f e l d e bei Bürger(früher Bube). Prinzen- alle? 30. Dienstag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr. in Erkner bei Degebrodt. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8 Uhr, in Borsigwalde in den Borsigwalder Festsälen. Spandauer Straße 42/43. Donnerstag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr, im Berlin-Petersburger Viertel in den„Pracht- sälen des Ostens", Frankfurter Allee. Das shrets-Wahlkomitee. Charlottrnburg. Heute abend 8'/g Uhr im Volksbause, Rosinen- straße: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Mitglieds- buch legitimiert! Der Vorstand. Wilmersdors-Halensee. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. treten die Mitglieder zu der in der letzten Vereinsversammlung ange- kündigten Besprechung im Gcsellschaftshause, Wilhelmsaue 112, zusammen. Der Vorstand. Köpenick. Heute abend 8 Uhr im großen Saale des Stadt- theaters. große öffentliche Versammlung. Der Kandidat des Kreises ReichstagSabgeordneier Fritz Z u b e i l hat da« Referat übernommen. Genossen und Genossinnen! Sorgt für Massenbesuch obiger Versammlung. Adleröhof. Heute Dienstag, abends von 7 Uhr ab: Flugblatt« Verbreitung vom„Jugendheim". Bismaickstr 11, aus. Am Donnerstag, den 7. d. SD?., im Lokale des Herrn Wöllstein, Bismarckstr. 24: Große öffentliche Versammlung Reichstagsabgeord» neter Genosse Fritz Z u b e i l wird über die bevorstehende Reichs- tagswahl sprechen. Genossen und Genossinnen I Sorgt für Massen- besuch dieser Versammlung. Grünau. Heute Dienstag im Lokal Jägerhaus: öffentliche Ver- sammlung. Genosse Weber spricht über die bevorstehende Reichs- tagswahl. Genossen I Sorgt für Massenbesuch der Versammlung. Der Vorstand. Karlshorst. Die für heute angesetzte Mitgliederversammlung findet nicht statt. Die Bezirksleitung. KönigS-Wusterhausen und Wildau. Den Parteigenossen obiger Orte zur Kenntnis, daß der Extra-Zahlabend nicht am heutigen Dienstag, sondern am Mittwoch, den 6. Dezember, stattfindet. Der Vorstand. Pankow. Am Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8Vz Uhr: Extrazahlabend in den bekannten Lokalen. Die Bezirksleitung. Borsigwalde- Wittenau. Dienstag, den 5. Dezember, abends 7 Uhr: Handzettelverieilung zur Versammlung am Mittwoch von den Lokalen Schulz, Züleke und Woitschach. Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, den 0. Dezember, abends 8'/2 Uhr, im Saale Kaiser-Wilhelm-Str. 33: Wahlvereinsversammlung. Wichtige Tages- ordnung. Der Vorstand. Spandau. Morgen Mittwoch, den 6. Dezember, abends SVg Uhr, bei Gustav Borchardt. Seeburger Str. 29: Außerordentliche General- vcrsanimlung des WahlvereinS. Tagesordnung: 1. Die praktischen Arbeiten zur Reichstagswahl. 2. Wahl eines Wahlkomitees. _ Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die erste Zweckverbandsversammlung, die gestern im Rat- Hause zusammengetreten ist, erledigte nur Arbeiten vorbereiten- der Natur. Bemerkenswert war in der Rede des Ober- Präsidenten der Hinweis auf eine bessere sittliche und körper- liche Ausbildung der heranwachsenden Jugend, insbesondere der schulentlassenen Jugend. Diese Aufgabe mit den Zwecken des Verbandes zu verquicken, mußte in mehr als einer Be- ziehung Verwunderung erwecken. Die Versammlung bezeigte ihre Kvnigstreue, indem sie an den Kaiser ein Huldigungstelegramm sandte. Berliner Asvl-Bercin für Obdachlose. Im Monat November nächtigten im Männer-Asyl 14 900 Personen, wovon 7675 badeten, im Frauen-Asyl 3969 Personen, wovon 1312 badeten. Arbeits- Nachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Colberger Straße 30._ Gegen die Errichtung eines städtischen Wohnungsamtes machen die Haus- und Grundbesitzer mobil. Im„Grund- eigentum" wird folgende Resolution veröffentlicht: „Auf Grund eines in der Delegierlenversammlung des Bundes der Berliner Grundbesitzervereine vom 16. Oktober 1911 gefaßten Beschlusses spricht sich hiermit der Bund der Berliner Grundbesitzer» vereine ganz entschieden gegen die Errichtung des von den städtischen Behörden geplanten Wohnungsamtes aus. Die Berliner Haus- besitzerschaft steht auf dem Standpunkte, daß einerseits für die Beaufsichtigung der Wohnungen schon völlig ausreichende gemein« nützig' Emrichlungen, wie Gewerbepolizei, Baupolizei und Armen- pflege, vorhanden sind, andererseits die Schaffung des Wohnunas- amces den Etat der Stadt Berlin weiterhin äußerst bedenklich be- lasten würde, ohne daß mit Sicherheit weitere Erfolge zu erwarten wären." Die Stadtverordneten, die Hausbesitzer sind und die von Hausbesitzersgnaden ins Rathaus geschickt worden sind, haben sich hiernach zu richten. Wir sind sicher, daß sie den ihnen erteilten Auftrag gewissenhaft ausführen werden. In Wirklichkeit wird Berlin durch die Einrichtung eines städtischen Wohnungsamtes nur zahlreichen anderen Städten nachhinken.__ Städtischer Seefischverkauf. Für die am Mittwoch und DoimerSlag an den bekannten Ver- kaufsstellen zum Verkauf gelangenden Seefische sind die Preise erheb» lich herabgesetzt, da infolge Nachlassens der Stürme in der Nordsee bedeutend größere Quantitäten an den Markt gebrachl werden können. Zum Verkauf gelangt nur ganz friiche, allerseinste Ware. Es wird kosten: Scdellfisch das Pfund 23 Pf. i Kabeljau das Pfund 21 Pf.. im Ausschnitt 24 Pf.; Seelachs das Pfund 22 Pf., im Ausschnitt 25 Pf. i Goldbars das Pfund 17 Pf. z Schollen das Pfund 25 Pf. Bei den am Sonntag stattgefundenen Delegiertenwahlen für die Ortskrankenkasse der kiaufleute, Handelsleute und Apotheker wurden 3061 Stimmen für die gemeinsame Liste der Handlungs- gehilfen und Transportarbeiter abgegeben. Preisunterschiede bei Vergebung von Flcischlieferung für die Armee. Gestern wurden die Preisangebote für den Fleisch- und Wurstbedars der Berliner Garnison im ersten Halbjahr 1912 von der Intendantur des Gardekorps geöffnet. Es ergaben sich dabei, wie die„Allgemeine Fleischcr-Zeiiuug" berichtet, ganz erhebliche Preisdifferenzen. Bei Los I, das 302 550 Kilogramm Rind-, Kalb- und Hammelfleisch umfaßt, betiägt die Differenz zwischen dem Höchstnngeboi des Herrn Franz Gcrigk<471 070 SD?.) und dem niedrigsten Angebot des Herrn Otto Voigt<421362 M.) 49 708 M.z bei Los II, das 270 380 Kilogramm Schweinefleisch. Speck und Wurst umfaßt, hat die Differenz zwischen dem Höchstangebot des Herrn Franz Gerigk<387 057 M.) und dem niedrigste» Angebot der Herren O. Künzel u. Söhne<345 497 M.) 42 460 SD?, betragen. Die Schwimmhalle in der Bolksdadeanstalt in der Oderbrrger Straße ist nach Beendigung der Wiederherstellungsarbeiten gestern vormittag für das Publikum wieder eröffnet worden. Der Abzugökanal der B. E.-W. in der Kloster- und Stralauer Straße für das Kondenswaster ist wieder gedichtet. Das Wasser fließt nun nicht mehr in die Baugrube der Untergrundbahn für die Spreekreuzmig. Die Pumpen arbeiieten am Sonntag, um das ein- gedrungene Wasser wieder aus der großen Grube, die sich bis zur Mitte der Spree erstreckt, zu entfernen. Insgesamt sind rund 120 000 Kubikmeter Wasser in die Grube geflossen, die außerdem auch noch ettvas versandet ist. Diese ungeheueren Wassermengen sind mit den starken Pumpen, dank der ausgezeichneten Leistungen der an der Baugrube untergebrachten Lokomobilen, nun wieder ent- fernt worden. Um die Dianawerke. Entgegen einer von parteioffiziöser Seite stammenden Meldung über das Verscbwinden der Inhaber der „Dianawerke", Neue Friedricdslr. 4, ersuchen die beiden angeblich be- teiligten Herren Schrödler und Fredrich durch ihren Rechtsbeistand, um die Feststellung, daß sie nicht aus Berlin spurlos verschwunden und von der Polizei gesucht worden sind. Beide sind nach ihren Angaben niemals an einer Firma„Merknrwerke" beteiligt gewesen. Schrödler ist nach seinen Angaben nicht Inhaber der„Dianawerke" gewesen, vielmehr war er nur als stiller Gesellschafter an der Firma beteiligt. Fredrich war nur kurze Zeil Inhaber der Firma, die er schon im Juli an Halfen abgetreten hat. Der geraubte Adlerordcn. Enipsindlich bestohlen wurde der Geheimrat Z. aus der Mariendorker Straße in Steglitz durch einen Sonntagnachmittagseiiibrecher. Während sich Herr Z. mit seiner Ehefrau iür eine Stunde ans der Wohnung entfernt hatte, um einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, drang ein Dieb in die ver- schlossencn Räume ein. Der dreiste Einbrecher durchsuchte alle Ecken naw Wertsachen. Er erbeutete eine größere Anzahl wertvoller Silber- fachen. Schinuckgegenstände, und auch den Roten Adlerorden, der schon so oft die Brust des Geheimrats geziert, verschmähte der Räuber nicht. Als bald darauf das Ehepaar heimkehrte, gab es eine recht unangenehine Ueberraschung. Zwei Geldschränke„aiisgeknabbert". Ueber die Dächer nahm eine verwegene Einbrecherbcnide. die der Schokoladenfabrik von Rudolf Pavel, G. m. b. H.. Uckermarkstr. 189 eine nächtliche Visite abstattete, ihren Weg. Um in das Bureau der Fabrik zu gelangen, mußten die Diebe einen großen Umweg machen. Sie drangen in das NebeuhauS ein, stiege» aufs Dach und kletterten dann nach dem Dach des Fabrikgebäudes hinüber. Vom Boden drangen sie dann nach den unteren Stockwerken vor und so gelangte die Bande schließlich in das Kassenzimmer. Gar manche Tür hatten die Ein- brecher auf ihrem Diebcszug aufbrechen müssen. Die„Hauptarbeit" sollte aber erst im Bureau kommen. Es waren dort zwei mit Panzerplatten gefestere Geldschränke auszubrechen. Nach schwerer SD?iihe glückte dies aber. Doch die Diebe sollten vergeblich gearbeitet haben. Nicht einen Pfennig Bargeld fanden sie vor. Am Abend vorher waren die Summen anderweitig sicherer untergebracht worden. Um sich wenigstens etwas schadlos zu halten, stahlen die Diebe für mehrere hundert Mark Schokolade. Straßcilunfälle. In der letzten Nacht wurde ein etwa 68jZk>riger Mann gegen 1 Uhr in der Brnuiieitstraße Ecke der Demminer Straße beim Ueberschreiten des Fahrdamines von einer Autodroschkc über- fahren. Der Ueberfahrene erlitt einen Bruch des rechten Unter- schenkels, Gehirnerschütterung und schwere Gesichtsverletzungen; er wurde nach dem Virchow-Krankenhaus geschafft. Ein bisher Unbekannter versuchte am Sonntagabend gegen '/«ll Uhr den Anhäiigewagen eines Slraßenbahnzuges der Linie 37 in der Brunnenstraße Ecke der Rügener Straße während der Fahrt zu besteigen, fiel vom Trittbrett herunter und kam neben den Zug zu liegen. Er erlitt eine starke Gehirnerschütterung und wurde in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation Badsiraße und von dort nach dem Virchow-Krankenhause geschafft. Der Verletzte ist nugefähr 40 Jahre alt und 1,63—1,70 Meter groß, hat einen dunklen Schnurr- bart und ein rundes, volles Gesicht und trug einen schwarzen Ueber- zieher. einen dunkelgrauen Anzug, einen steifen Hut und schwarze Schnürschuhe. Ein weiterer schwerer Straßenunfall ereignete sich vorgestern abend zwischen 7 und 8 Uhr. In der Bürknerstraße in Rix- darf wurde eine unbekannte Frau beim Ueberschreiten des Dammes von einer Kraftdroschke angefahren und so schwer verletzt, daß sie bewußtlos liegen blieb. Man brachte sie nach dem Krankenhause am Urban, wo sie bald nach ihrer Ein- lieferung starb, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Es ist eine ungefähr 60 Jahre alte Frau, die dem Mittelstande angehört zu haben scheint. Sie hat graumeliertes Haar und trug einen schwarzen Ueberrock, eine braune Taille, eine schwarze Kapuze und einen Trauring, der]?. P. 1876 gezeichnet ist. Der Deutsche Arbeiter- Sängerbundn Schluß zu einer tüchtigen Dahlagitation für d'en Karwidqren Genössen Dr. Karl Liebknecht auf. Der große Beifall bctoies, daß der Redner den Zuhörern aus dem Herzen gesprochen halte.' Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Aach, einigen Schlußworten des Genossen Trompler wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Potsdam. Zu einer Niesenveraustaltung wurde die Wahlversammlung unker freiem Himmel am Sonntag.■ Beim Ausgang wurden über 2150 Personen gezählt. Eine solche Zahl hat noch keine politische Partei in Potsdam als Zuhvter erreicht. Die Bersamm- lung wies an'ch eine starke Beteiligung aus bürger- l'ichen Kreisen auf, ein Zeichen, daß der behördliche Druck, der es fertig bringt, daß kein Sanlbesttzer der Sozialdemokratie seinen Saal zur Verfügung stellt, aufklärend auf die Bürgerschaft Potsdams wirkt. Der Kandidat des Kreises Gctiosse Liebknecht keim- zeichnete das Verhalten der konservativen Parteien mit ihrem Kau- didaten Oberbürgermeister Vosberg, der sich selbst auf politischen, Gebiete als„NtfUliNg" bezeichnete. Ihre Sache stehe schlecht; sie hätten schon öle Pefsoü des Kaisers in den Wahllampf gezogen und wollten damit den-„Hohenzollernwahlkreis, den vornehmsten Kreis 'Deutschlands" ,(i) retten. Den, Appell des Kandidaten an die Ver» sammkilng. rege bis zum Wahltag für die Wahl eines Sozialdemo- kraten. zw agitieren, schloß sich der Borsitzende Genosse S t a a b unter Hinweis auf die besondere lokale Agitationsmethode der Kon- scrvativcn, an..Genossin B a t h e wandte sich an die Frauen. Hofften die Gegner durch die Saalabtreibung die Sozialdemokraten in dsr«Residenzstadt" mundtot zu machen, so ist ihnen das nicht geglückt. Eine lebhafte Bewegimg wird von der Wahlversammlung unter freiem Himmel ausgehen I Teltow lind niederbarnim. Fichteim». In ciiicr gut besuchten Volksversammlung im Gesellschaftshaus svrach am Sonntag Genosse Dr. Moses über:„Die' bevorstehende Rcichstagswahl." Die an den volksfeindlichen Talen des schwarz- blauen Blocks sowie an dem gefahrdrohenden' Kriegsspiele geübte scharfe Kritik löste unter den Versammelten stürmischen Beifall aus. Hennickendorf. Bor einer gut besuchten öffentlichen Versammlung in, Restaurant Zur Wachtelburg hierselbs! referierte am Sonntag der Parteisekretär Genosse Nudolt B ü h l e r- Lichtenberg über das Thema:„Reichs- tagSwahl und Volkswille."'In etwa zweistündiger Rede geißelte der Referent die allbekannten Sünden des schwarzblauen Blocks. Seinen Ansführnng'cn wurde von der Versammlung stürmischer Beifall ge- zollt. Anwesende Gegner meldeten sich trotz mehrmaliger Aufforde- rung wicht zum Wort..' Am Schluß der Versammlung traten sogleich eiiiige Tciluebmct dem sazialdemokralischen Wohivcrein(Bezirk Herz- felde) bei. Auch in Hennickendorf � dieser einstigen Domäne junkerlicher Willkür— gewinnt die Sozialdemokratie immer mehr Einfluß: Liebenwalde. Seit wenig mehr als Jahresstist steht»nS hier endlich wieder ein Saal zur Abhaltung von öffentlichen Versammlungen zur Ver» fügung; ivährend es uns jahrzehntelang verwehrt war, zu den Wählern in dieser dunkelsten Ecke des Niederbarnimcr Krcisech zu sprechen. Wie sehr aber auch diese inzwischen durch die reaktionären Talen des Hottentotten- nnd später des Schnapsblocks aufgepeitscht worden sind, zeigte die prächtige, von über 300 Einwohnern unseres Ackerbürgerstädichens und seiner ländlichen Umgebung besuchte öffentliche Versammlung, in der der Kandidat deS Kreises, Genosse Artnr Stadthagen, über:„Teuerung, Kriegsgefahr und ReichStagSwahl" sprach. Stürmischen Beifall erntete Genosse Stadthagen, während allgemeine Entrüstung hervorgerufen wurde durch die Ausführungen seiner Gegners, die besonders die Konservativen und den Bund der Landwirte in Schutz nehmen zu sollen glaubten. Volle Gerechtigkeit in ihrem Wirken zollte der Sozialdelnokratie ein sich an der Debatte ebenfalls be- teiligendrr Anhänger der vemokratischen'oeeeinigung. Der Verlauf der Versammlung berechtigt zu den schönsten Hoff- nunge» für die kommende Rcichstagswahl und zeigt ferner, daß auf die Dauer alle von den Gegnern angewendeten Mittel, mögen sie nun ihre List oder ihre Brutalität zu Hilfe nehmen, niclü verhindern, daß der Same des Sozialismus, der auch anfänglich aus harten, steinigen Boden fiel, doch endlich überall aufgehen wird. Vorort- �admcktev. Charlottenburg. Oeffcntliche Gesundheitspflege der Stadt Charlottenburg im Jahre 1910. Der soeben veröffentlichte Verwaltungsbericht der Stadt Charlotteüburg über t>as Jahr 1910 enthält eine ausführliche Uebersicht über die gemeindliche Fürsorge auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege. In den beiden der Stadt gehörigen Krankenhäusern Westend und Kirchstraße wurden bei einem Be- stände von insgesamt 859 Betten im Berichtsjahre 11 237 Personen behandelt. Die Gesamtzahl der Krankenhauspflegetage betrug 270 645. Im Krankenhausabonnement waren 1521 Dienstboten versichert, von denen 173 behandelt wurden. Den Gesamtausgaben von 1,181 Millionen Mark standen Einnahmen von 774 000 Mark gegenüber. Der Gesamtzuschuß(einschl. der Beamtenbesoldung> betrug 487 886 Mark. Die Fürsorge für Lungenkranke erfuhr eine so erhebliche Erweiterung, daß das städtische Kranken- Haus Westend nicht alle Tuberkulosen aufnehmen konnte und durch Vertrag mit dem Krankenhaus Nordend ein neuer Pavillon für 30 Lungenkranke zu ausschließlicher Verfügung der Stadt ge- schaffen werden mußte. Die Fürsorgestelle, die seit 2 Jahren eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet, wurde 1910 von 3544 Personen in Anspruch genommen. 1435 der Fälle wurden allein von Charlotten- burger Aerzten überwiesen. Die Gesamtzahl der Untersuchungen -belief sich auf 12 203. In Heilstättenbehandlung traten 250 Per- sonen; davon trug in 183 Fällen die Stadt die ganzen oder teil- weisen Kosten. Die Dauer der Heilstättenbehandlung wurde zum Teil bis auf 10 Monate ausgedehnt und betrug durchschnittlich 3 bis 4 Monate. Den Erholungsstätten wurden 1532 Personen überwiesen; außerdem 50 skrofulöse Kinder aus tuberkulösen Fa- milien in Ferienkolonien entsandt. Auch erstreckte sich die Tätig- keit der Fürsorgestelle dahin, Beihilfen zu einem Landaufenthalt (in 17 Fällen), Mietzuschüsse und andere Unterstützungen(in 113 Fällen) zu erwirken. Auch wurden zur Vermeidung des Zu- samenschlafens Betten(beschafft. Durch die Lungenkranlenfür- sorge wurden ferner Milch, Krankenessen, Stärkungsmittel verab- folgt. Die Kosten der städtischen Fürsorgestelle beliefen sich auf 30 700 Mark, wozu noch für Heilstättenbehandlung unter anderem 175 000 Mark traten. Das Untersuchungsamt für an- steckende Krankheiten nahm 3654(1909: 2014) Unter- suchungen vor. Die Desinfektionsanstalt nahm 7577 Tesinsizierungen,-davon in 2280 Fällen solche der Wohnung, vor. Die beiden Volksbadean st alten erfuhren eine Steigerung der Besucherzahl von 458 652 aus 483 830. In der Hauptanstalt badeten allein 410 745 Personen. 20 662 Bäder wurden davon unentgeltlich an Gemeindeschüler und-schülerinnen abgegeben. Die Fürsorgestelle für Alkoholkranke wurde von 94 Kranken auf- gesucht. Die Stelle erteilte an jedermann unentgeltlich Auskunft über die Alkoholfrage, gewährt kostenlos ärztliche Beratung und bietet Rat und Beistand jeder Art für Kranke und deren Ange� hörige. Schließlich entfaltet die Stadt Charlottenburg eine aus- gedehnte Fürsorge für Säuglinge. Zur Vorbereitung der Mütter für ihre Aufgalbe des Selbststillens gewährte die Stadt 299 Schivangeren Vorernährung. 140 Schwangere wurden kosten- los längere Zeit vor der Entbindung ins Krankenhaus aufge- nommen. 2180 Mütter erhielten Stillunterstützungen. Die Fürsorgestellen wurden von 8015 ehelichen und 991 unehelichen Säuglingen in Anspruch genommen. Von 2750 neuauf- genommenen Kindern standen 64 Prozent erfreulicherweise im ersten Lebensmonat. Die Fürsorgestellen gaben 224 500 Liter Milch ab; 69 Prozent davon gegen Zahlung von 10 Pfennig für V-j, Liter. 220 000 Liter Milch sind pasteurisiert, so daß die Stadt noch einen Zuschuß von 10 Pfennig pro Liter leisten muß. Die Unterhaltungskosten der Fürsorgestellen beliefen sich auf über 95 000 Mark, die Beihilfen an Schwangere und Stillende(einschl. Generalkosten) auf über 33 000 Aiark, die Kosten für Säuglinge in der Kindererholungsstätte auf über 20 000 Mark. Insgesamt gab die Stadt für die Säuglingsfürsorge 131625 Mark aus. Für-die Gesundheitspflege überhaupt(einschließlich Straßen- reinigung und Entwässerung) brachte die Stadt im Jahre 1910 rund 2.6 Millionen Mark gegen 0,3 Millionen Mark im Jahre 1910 auf._ Nixdorf. Der Agitation für die kommende Reichstagswahl sind eine Anzahl W ä h l e r v e r s a m m l u n g e n gewidmet, die vom heutigen 5. bis 8. D e z e m b e r in allen Kommunalwahlbezirken RixdorfS ab- gehalten werden. In diesen Versammlungen soll über das zeit» gentäße Thema:„Die Belastung des Volkes durch die Steuern und Zölle" gesprochen werden. Es muß eines jeden Wählers Pflicht sein, der die vollsfeindliche Politik des Reichs- tages erkannt hat, selbst den letzten Wahlberechtigten auf diese Ver- sammlungen oufmerksain zu machen und zum Besuch derselben an- zubalten. Nur so ist es möglich, die weitesten Schichten der Be- völkerung über ihre elende Lage aufzuklären. Es sei daher heute und die folgende Tage auf den Inseratenteil des„Vorwärts" auf- merksam gemacht, in dem nähere Angaben über das Arrangement der Versammlungen enthalten sind. Trebbin(Kreis Teltow). Tie letzte Stndtvcrordnetensitzung stimmte der Aufnahme einer Anleihe von 12 000 M. zur Umpflasterung des KreuzdammeS am Beußhaiisenschen Grundstück in der Bahnhofstraße, sowie ver- schiedcnec anderer Umpflasterungcn zu. Genosse Schönsee brachte hieraus zur Sprache, daß, als den Forstarbeitern von den beschlossenen Löhnen Mitteilung gemacht worden sei, dieselben erst nicht dafür arbeiten wollten. Aufs schärfste sei das Verhalten des Magi- strats hierbei zu verurteilen, der an die königliche Oberförsterei ein Schreiben gerichtet habe, in welchem dieselbe aufgefordert wird, die Arbeiter von hier dcrt nicht einzustellen. Es sei einer Behörde unwürdig, schwarze Listen aufzustellen. Der Bürgermeister ver- teidigte die Maßnahmen des Magistrats, indem er betonte, daß an beide benachbarten Oberförstercien geschrieben worden sei, um dort die Nichtcinstellung der von hier fortgehenden Arbeiter zu ver- anlassen. Dies sei zulässig und ihr gutes Recht. Nachdem Genosse Richter nochmals den sonderbaren Anschauungen des Bürger- meisters entgegengetreten war, erfolgte Schluß der Sitzung. Bernau. Der städtische Verkauf von grünen Heringen, pro Mandel 30 und 40 Pf., findet heute Dienstag, den 5. Dezember, vormittags, Bürger- meisterstraße 1ll/1l2, statt. Donnerstag, den 7. d. Mts., nachmittags, erfolgt der Verkauf der Kartoffeln, pro Zentner zum Preise von 3,20 M. Die Kartoffeln werden auch kiloivcise abgegeben. Freilag, den 8. d. Mts.. vormittags, gelangen frische Seefische, das Pfund zu 23 Pf. zum' Verkauf. Lübars-Waidmannslust. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich Hauptfach- lich mit einem Antrag auf Erweiterung der Dr. Leonhardschen Heil- und Pflegeanstalt. Dieser' Antrag hatte zahlreiche Gemeinde- angehörigen in den Zuhörerraum gelockt. Es wurde allgemein angenommen, daß dem Ort durch diese Erweiterung moralische Schäden erwachsen würden. Unsere Genossen vertraten die Meinung, daß eine moralische Schädigung des Ortes durch die beschrankte Erweiterung nicht zu erwarten sei; anders aber würde es sein, wenn die vorliegenden Beschwerden der Anwohner begründet seien. Und da aus den vom Vorsteher vorgelesenen Beschwerden kein klares Bild zu gewinnen war, beantragte Gen. Luscher Ver- tagung und Zugänglichmachung des gesamten Materials. Ter Vorsteher glaubte letzteres wegen der von den Behörden zu kurz bemessenen Zeit nicht beschaffen zu können; er schlug daher vor, eine Kommission zu wählen, die sich mit dem Matertal befaßt und in der nächsten Sitzung Bericht erstattet. Dem wurde statt- gegeben. Unsere Genossen wünschten noch zu wissen, ob die An- stalt als„Heil- und Pflegeanstalt" oder als Irrenanstalt kon- zessioniert sei. Ter Vorsteher entgegnete, das augenblicklich nicht sagen zu können. Die Abfuhr der Wirtschaftswässer wurde ver- suchsweise dem Fuhrmann Klein auf ein Jahr vertraglich über- tragen. Hierauf teilte der Vorsteher mit, daß der(schösse Kühne sein Amt krankheitshalber niedergelegt hat. Vor kurzem brachte ein hiesiges Ortsblatt einen Artikel, der sich mit dieser Nieder- legung beschäftigte und in dem behauptet wurde, daß der„ewige Streit" um den Ortsnamen„Lübars-Waidmannslust" die Veran- lassung zur Amtsniederlegung gegeben habe. Herr Kühne sei ein eifriger und zäher Verfechter des alten Ortsnamens„Lübars" und er habe auch Kämpfer gefunden, die mit vollem Recht für die Erhaltung des seit über 33 Jahren bestehenden Ortsnamens „Waidmannslust" mutig und wacker nrit Erfolg eingetreten sind usw. Es ist dies eine Irreführung der Oeffentlichkeit. Der Orts- name„Lübars" besteht heute noch so, wie er vor 100 Jahren bestanden hat, nur daß sich der Ortsteil westlich der Oranienburger Chaussee im Volksmunde Waidmannslust nennt. Daß Herr Kühne vor einigen Jahren, als die amtlichen Schriftstücke den Namen „Lübars-Waidmannslust"(heute„Lübars, Station Waidmanns- lust") führten, energisch Front machte, war nicht nur sein gutes Recht, sondern als Schöffe auch seine Pflicht. Durch diese Schrift- stücke hätten Konfusionen entstehen können. Im übrigen war Herr Kühne als Schöffe ein aufrichtiger und ehrlicher Charakter. Spanvau. Die letzte geheime Sitzung der Stabtverorbnetcn-Vcrsammlung beschäftigte sich mit dem Ankauf des Gutes Wansdorf für den Preis von 2 550 000 M. Der Kaufpreis soll auf Wunsch bis zum vollen Betrage ausgezahlt und durch eine Anleihe aufgebracht werden, die mit SVi bis 4,/6 Proz. verzinst und mit V* Proz. getilgt werden soll. Die Versammlung genehmigte den Ankauf. Das Gut soll zu Riesclzwecken verwendet werden. In Einwohnerkreisen ist man sehr verwundert darüber, daß man mit dem jetzigen Klärverfahrcn durch Kohle, welches erst als ganz vorzüglich empfohlen wurde, wieder brechen will. Auch der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung dem Ankauf zugestimmt. Es haben sich aber inzwischen einige Schwierigkeiten herausgestellt, welche eine Berieselung nicht zulassen. So soll unter anderem das Gelände viel zu tief liegen. Ms zum Abschluß des Kaufvertrages werden noch verschiedene Punkte aufgeklärt werden müssen über die Verwendbarkeit des Gutes. Der Preis soll ja ein angemessener sein, vielleicht ebenso angemessen wie der der Rustwiesen, deren Ankauf die letzte Magistratssitzung auch wieder einmal beschäftigte. Magistrat und Stadtverordnete hatten den Ankauf der Rustwiesen sür 6,30 Mark pro Quadratmeter vor einiger Zeit abgelehnt. Jetzt ist das Angebot für 6,20 Mark pro Quadratmeter erneut worden. Aber der Magistrat hat dasselbe abgelehnt, weil der Preis zu hoch sei. Das Konsortium, welches hinter diesem Verkauf steht, wird schließlich den Preis wohl noch weiter ermäßigen. Potsdam. Aus der Stavtverordnetenversammlung. Der BezirkSberein der Brandenburger Vorstadt hat an den Magistrat und die Stadt- verordneten eine Eingabe um Errichtung einer Badeanstalt auf dem Kiwitt gerichtet.— Der Erweiterungsbau des Real- gymnasiums war schon in einer früheren Sitzung Gegenstand der Tagesordnung. Tue seinerzeit vorgelegten Projekte hat man noch etwas umgeändert, so daß nunmehr der Erweiterungsbau 240 000 Mark kosten wird, welche Summe bewilligt wurde.— Nachdem eine Anzahl Städte mit gutem Beispiel vorangegangen sind, sieht sich auch die Stadt Potsdam veranlaßt, an bedürftige Kinder der Ge» meindefchule Milch zu verabfolgen. Ein bereits in zwei Gemeinde- schulen vorgenommener Versuch hat überraschende Resultate ge» zeitigt. Es sollen deshalb im Etat 1912 für diesen Zweck 2450 M. vorgesehen werden. Die Kinder, welche an der Milchpflege teil- nehmen sollen, werden von den Lehrern im Verein mit den Schul» ärzten vorgeschlagen. Ihre Auswahl soll dann noch durch einen besonderen Arzt erfolgen, damit diese Wohltat auch nur wirklich bedürftigen Kindern zugute komme.— Der Fischermeister Scbüler hat sich erboten, allen Kindern unter 14 Jahren gegen eine Eni- schädigun� von 175 M. freien Zutritt während des ganzen Winters zu der Eisbahn am Kietz zu gewähren. Dieie Summe wurde bc- willigt. Eine Anregung aus der Versammlung, für die Volks- scküler auch Schlittscbuhe zur Verfügung zu stellen, fand keine Zu- stimmung.— Der Bau einer Stadthalle auf der Freurrdschaftsiusel dürfte nunmehr perfekt werden. Es hat sich zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht gebildet. Der Ab- schluß eines Vertrages ist bedingt durch den Erwerb des für den Bau noch erforderlichen Geländes von dem preußischen Fiskus. lieber die Fragen des Vertrages soll eine gemischte Kommission verhandeln.— Einen großen Raum der Tagesordnung nahm die Bewilligung von Mitteln zur Herstellung von Modellen für den Rathausneubau in Anspruch. Es wurden 2500 M. gefordert. Von den in Betracht kommenden Baustellen, nämlich 1. dem alten Markt. 2. dem Baffinplatz und 3. dem Gelände der Leibgendarmeric, ist das letztgenannte Grundstück ausgeschieden, da nach dem Er- gebnis der Verhandlungen mit dem Kriegsministerium das Ge- lände unverkäuflich ist. Der Magistrat, dem der Bassinplatz am meisten zuzusagen scheint, wollte nun zu den beiden erstgenannten Plätzen Modelle anfertigen lassen. Die Mehrzahl der Stadworord? neten widersprach dem entschieden, weil für sie nur der Alte Marli, wo das Rathaus jetzt steht, in Betracht kommt. Sie will eventuell nur Geld zu einem Modell für diesen Platz bewilligen und wünscht die Ausschreibung eine? Wettbewerbs. Ehe die Vorlage der Ab» lehnung anheimfiel, wurde sie vom Magistrat zurückgezogen, dcr nunmehr von neuem mit den Verhandlungen beginnen wird. Die GcweriegerichtSwahl findet am Mittwoch, den 6. Dezember, von 11—1 Uhr und von 6—8 Uhr, im Rathause, t Treppe, Zimmer 16, statt. Kein Gewerkschaftler, der sich in die Liste hat eintragen lassen, versäume die Wahl. Er gebe seine Stimme der Liste deS Gewerk schastskartells, Liste 1(beginnend mit dem Namen Maurer Brinkert). Jeder Wähler bringe sich einen Ausweis(Zeugnis des Arbeitgebers, Steuerquiltung oder Militärpaß) als Legitimation mit._ Bmfhaften der RedaKdon. Tie Itttlftttdje epreSftund« findet Lindenilr-ße SS, dorn vier Tredpe» — F n l, r st u h l—, wochentö glich von«Vi, bis 7 U, Übt abend», eonnabends, von bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieitaslen»tsiimmteo Aufrage ist ein Buchstabe«ad eine gahl als Merlzeichen beizusügea. Briefliche Aniwar« wird nicht crieilt. Anfragen, denen leine Abonucmentsauittung betgesügt ist, werden nicht beantworte«. Eilige Frogeo trage man tn der eprcchstuudr vor. R. W. 3. 1. Frau und Kindern gebührt der gesetzliche Pflichiteil. 2. Nein.— H. N. I. Verjährung liegt nicht vor.— W. N. 21. Nein, sofern bai Setcaramm gleichzeitig scher früher als der zusagende Brief eingetroffen ist, sonst ja.— T. B. SO. Die Firma hat den Herausgabeanspcuch; der Zablungsanspruch ist verjährt.— F. Z. III. Verjährung in dreißig Fahren, sie können die Tcstamentserösjnmig beantragen.— F. K. 125 T. Em Recht aus Ausenthalt haben Sie erst, wenn Ihre Naturalisation er- solgt. Ihre Ausländerqualität schließt aber eine Heirat nicht aus.— A. S. 4. Ihre Mutter ist schon nach dem jetzigen Gesetz verficherungs- h flichtig. Es kann die Polizeibehörde ober die Versicherungsanstalt an- gegangen werden.— 81. F. 99. Ein Nückerstattungsanspruch besteht in diesem Falle nicht. Marktpreis« von Berlin am L. Dezember 1911, nach Ermittelung de? König!. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, znm Kochen 36,M— 50,00. Speisebohnen weiße. 40,00-60.00. Linsen 40,00-80,00. Kartoffeln 7,00-10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rmdfleisch, Bauchfleisch 1.80 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1 30—2 20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aal« 1,20-2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 6:5 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stuck Krebse 2,40—24,00._ eine neuartige Haushaltseise von sabelhaster Waschkrast. Die Kavon-Seife wird nach einem ganz netten Verfahren gewonnen. Bekanntlich sind die Seifen, die jetzt meistens znr Wäsche benutzt werden, mit Hilfe von Natronlauge oder Soda hergestellt. Es sind das die sogenannten Kernseifen. Die Kavon-Seife ist dagegen eine Kaliseise. Schon seit undenklichen Zeiten ist den Seifensiedern bekannt, datz Kaliseifen die weitaus besten für alle Haushaltzwecke sein würden, nur gelang es lange nicht, solche Seifen in festen Stücken z« erzeugen. Nach langjährigen Versuchen ist es uns nun endlich gelungen, reine Kaliseise ohne fremde Zusätze m dauernd festen Stücken herzustellen, und wir bringen unsere Seife unter dem Namen Kavon-Seife in den Handel. Die grotzen Vorzüge der Kavon-Seife bestehen vor allen Dingen darin, daH sie die Wäsche nicht angreist und die Farben schont. Dabei ist die Seife von einer sehr grotzen Ausgiebigkeit, die sich schon bei ganz leichtem Anstreichen in der mächtigen Schaumbildung zeigt. Wir haben die Kavon-Seife, ehe wir sie in den Handel brachten, Hunderten von Hausfrauen znm Probieren in ihrem Haushalt gegeben, und es wird einstimmig die enorme Waschkraft der Seife, sowie die grotze Schonung der Wäsche und der Farben gepriesen. Z. B. behalten Wollsachen, die sonst so leicht einlaufen und verfilzen, ihre ursprüngliche Form, Farbe und Elastizität. Auch wird gerühmt, dafi die Wascharbeit mit Kavon-Seife auffallend bequem und für die Haut angenehm sei. Zu einem Versuch wähle man besonders verschmutzte Wäsche oder empfindliche Stoffe wie Wolle und Seide. Preis pro Stück ÄO Pf. Jetzt überall erhältlich. Kavon-Werke Dresden. nun DDD □□□ Theater und Vergnügungen nun □DD □□□ Dienstag, 5. Dezember 1211. Anfang Vj, Ubr. ff. Opernhaus. Der Rosenkavalier. ff. Tchauspielhaus. Die Jour» nalisten. Deut'chcS. Penthesilea. Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstelnng. Zirins Schumann. Gala» Vorstellung. Anfang 8 Ubr. Urania. Taudenstraste 48/49. Von Meran zum Ortler. Im Hörsaal: Dr. Berndt: Ver- erbungSsragen. ffamuieripicle. Der Arzt am Scheidewege. Berliner. Die Ahnengalerie. Lossing. Gudrun. ffviilfche Over. Rigoletto. StoiieS Scfiauipieloaus. Hans Sonnenstößers Höllenfahrt. Rcnes. Das Mädel von Moni- martre. Westen. Die Dame in Rot. Residenz. Ein Walzer von Chopw. Renrs Operetten. Die moderne Eva. fflciucs. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. Hocken- jos. Schiller O. Maskerade. Set,..-Ebariottendurg. Wilhelm Dell. Fried r.- Willi. Schauspielhaus. Shcrlock Holmes. fföniggräher Straße. Spielereien einer Kaiserin. Rose. Die größte Liebe. Met-oi.v. Die Nacht von Berlin. Lustspielhaus. Die Vergnügungs- reise. Drianon. Mein Baby. Tlialia. Polnische Wirtschaft. Luisen. Baronesse Ciaire. (5asiiio. Der selige HollschinZky. Vpono. Svezialilätcn. Paiiagr.«vezialitäten Hcrrnfrld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Wintergarten. Spezialitäten. Reichs..neu. Stcltiner Sänger. ffönigitadt-Kasino. Spezialitäten. Anlang 8'/, Ubr. Folios Gapricr. Kobi Krach. Nr. 14. Walhalla. Teuscl, daS hat eingeschlagen! Noack. Berlin, wie eS weint und lacht. Voigt. Prinz und Betilertn. Anlang S'/, Ubr. Neues Sgl. Opcrutyeater. Der Troubadour. Neues Bolkstheater. Geographie und Liebe. Belle-ZlUiance. Narrenlptel. Intimes. Der Brandstister. '.» Sternwarte, Jnvalidcnstr. 67— 62. Kaiser-Panorama. Besteigung der Zugspitze. II. Wandermig aus Java. 8ebj!!er-sdeA!er0.�°-7er' Dienstag, abends 8 Uhr: itlasherade. Mittwoch, abends 8 Uhr: Egmont. Donnerstag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Schiller-Theater Dienstag, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Mittwoch, nachm. 3'/, Uhr: prlnr sirieckricd von Homburg. Mittwoch, abends 8 Ubr: nadanic Sans-Gene. Donnerstag, abcndS 8 Ubr: nadanic Sinns Gene. Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 Uhr: 8piölkseiön eings Kaiserin. Nenes Theater. Abends 8 Uhr: TaS Mädel Von Montmartre. Crevette: Erlt�l illnssarz,. Sonnt. 3'/, Uhr: Der(ideleBauer. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Käroul u. Barrs. Morgen und solgcnde Tage: E>» Walzer von Chopin. Donnerstag, 7. Dezember, ein- malige Aufführung: ffümmere Dich um Zlmelic. Fried ricb-Wilhelmstädt. Schansplclhans. 8 Uhr: Sijfrlodi fjolmw. _ Luisen-Theater. 8 Uhr zum 25. Male: Baronesse Ciaire. Miltwoch: Wir tanze« durchs Leben. BeIie-/t!naitce-Thealer S'/s Uhr: Narrensplel. Mittwoch 4 Uhr: Zlschenbrödel. S'/s Uhr: Narrenspicl._ Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Kroße JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8 Uhr: Kcnes Programm. 9 Uhr: Harry Waiden mit seinem Ensemble in Brettlkönig, Vaudeville in 2 Akten von G. Okon- kowsky und A. Ncidlhardt. Text von R. Schanzer. Musik v. W. Kollo. UffiM liocli nie dagewesener Laeberloig! 9as Kind der Jims mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Sciimerziose Beiiandlung. Ans. 8 Uhr. Vorvcrkaus 11—2 Uhr. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Dame in Rot. Mittwoch 8 Uhr: Eatlnltza. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. iosc-iHssAre Große Franks unci Str.>32. 8 Ubr: Zum erstenmal: Tie grösste Liebe. (Der Lumpenpastor.) chausp. in 5 Akten von Paul Zoder Mittwoch: Die Barbaren 1 Passage-Theater. Das große Festprogramm. Der Triumph der Schönheil! Lebende Kunstwerke Ciaire Waldoff Der tapfere Herr Ängstlich Burlesk-Sketoh mit' Georg Kaiser u. W. Goldmann in den Hauptrollen und 12 Variew-Sensationcn. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Sonntag nachm. 3 Uhr: Frtnclllon. Voigt-Theater. Dienstag, den 5. Dezember 1911: Gastspiel im Moabitcr Winter- Garten, früher Artnshot, Perleberger Str. 26 vrin; und Krttlerin. Englisches Sensationsdrama in sechs Bildern von Siegsr. V. Lutz. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Urania, Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Ton Meran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr Dr. Berndt: Vcrcrbangsf ragen. Das erfolgreichste Zugstück der Saison: « IEine Liebestragödie im Spreewald in 3 Akten mit ,,Duse der Kino-Kunst'1 ia den Hauptrollen. Außerdem | in allen 5 Etablissements Alexandcrplatz X Unter d. Linden I Wedding, Moritzplatz, Hasenheide; Neueste und erlesenste Lichtkunst-Spiele | Dramen, Humoresken, Natur- Volks'Cheater. RIxdorf, Hcrmannstr. 29. Sonntag, 10. Dezember: Sherlock Holmes. Dctcktivkomödie in vier Akten von A. Sachse. Montag, 11. Dezember: Der Ernst des Lebens. Schauspiel in drei Alten von Jul. Schaumberger. | Zirkus A. Sich n tu an n Dienstag. 5. Dezember. T1/, Uhr; Neu!\ent Hr. Nile. Corradlnl großer DreNsnraht | Elefant. Pferd, Zebras and Hunde. 1 Geschwister Weise [genannt: Die Biedermeier mit ihren hier noch nie gesehenen konkurrenzlosen Original-Tricks. Das Dbrige neue Oezemberpreor. 9'/, Ubr: Die große f eene 1 1000 Jahre | auf dem Meeresgrund in 6 Bildern I nach Motiven ans 1001 Naohl. Folies Caprice. AbendS 8'/« Uhr« Nr. 14. Kobi Krach. Cäsiiurilieätep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Nur noch bis Donnerstag, 7. Dezbr.: Der selige HMinsky. Freitag, 8. Dezember Premie.enabend Der Kampf ums Dasei«. Sonntag 3'/, Uhr: Die Dochter des Sträflings Zirkniriliäieh] Dienstag. 5. Dezember, 71/* Uhr:| Großer Gala- Abend. Keut Neu! Kor man Telma, der mysterlise Billardspielerl \eu! Nen! Uektor nnd Ijolette, Equilibristen. Um 9*/, Ülir zum S4. Male: Origin.- Ausstattungsstück des| Zirkus B n a c b| in 5 Bildern. Vorher da« er. Lala Programm. Acht Wochen Feuerfressern Tfiglich zu sehen! Lebend Die wilden Essauas Karawane sudanesischer Schrei-, Heul- und Feuer-Fakire in einem besonders aulgebauten Dorfe. Ohne Extra-Entree. Admifolspatasi Am!l£hnbc4 tTtalrkhliiassc Eis-Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. EMT Machmittaga:-WM STdUtär- Konzert. Um S'/j Uhr: Das Weihnachtsmärchen Schneewittchen DIU Abcnda-MM Das prachtvolle Eisballett: Alpenzauber Die kleine Charlotte Apachentanze— Pushballspiel. Bis 6 Uhr und von ID*/. ühr an halbe Preise. Restaurant ersten Ranges. Reichshallen-Tliesler. ir. Anfang 8 Uhr, Sonntag» 7 Uhr. Noacks Theater. Direktion: Robert Dill. verlin N.. Brunnenstraße 16. Gastspiel in EnderS'?sestsSlen. Weißenfee, Berliner Allee 211: köTlill. Vis SZ«eist llNl! lsedl. Voltsstück mit Gesang von Kaiisch. _ Musik von Conradt. KönigstotU-lUZtoo. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstraße vom 1. biS 16. Dezember: „Familie Müller" große» VolkSftück in zwei Bildern und das reichhaltige MM- Spezialitäten-Programm. Sur den Zuhat» der Juieran: übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei BerantwortunG- H.& P. Uder, Tabak-CHroßhaiullnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, Grimm 8 Triepel. == Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.=== ===== Ami IV, 3014.- Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. linger.- Gegen 30 Pfennig aus 10 P>. Anweisung srel. Ohne Zweisel die beguemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ilt in k»Niin. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Saliciilsäure u indischen Hans-xtrakt.) UNKLN iN �VÜr�Kurg. In Berlin(M Ps.): Salomon- ApotKeKe, Cbarlottenstratze. 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